Herrn Georg Hrnſt Stahls/ Weyland Koͤnigl. Preußiſchen Hof⸗ Raths und vornehmſten Leib⸗ Medici&c.&c. Gruͤndliche und Nuͤtzliche Gchrifften/ Von der Natur, Erzeugung, Be⸗ reitung, und Nutzbarkeit des Galpeters, Mit denen hieher gehoͤrigen Kupfern, und vielen dienſamen An⸗ merckungen vermehret, und wegen ihres unbeſchreiblichen Nutzens aus dem Lateiniſchen ins Teutſche uͤberſetzet. Franckfurt und Leipzig, Verlegts Johann Leopold Montag, Buchhandlern in Regenſpurg 1734. Rternis, in veram Chymiam, meriitis, VIRI DIGNISSIMI, quem tot Gentium vota optaverunt Civem. Sacrum! Lubrica, triſtis, inops, odioſa Chymia jace- bat, Multorumque vagis contemerata dolis. Cui raptum in tantum BECHERUS KUNKE- LIUsSque STaHLIOS in totum reſtituére decus. Ingenié fuit Iſte potens; Ille inclytus uſu; Hic ſolus, geminis major, utroque potens. Hinc ſolus majora docet, majoraque præſtat. Et largis manibus utiliora parat. Non tamen altiſonas tractat, jactatve Chy- meras, Nec ſpes ambiguas dis;cilesque crepat; Sed magna in parvis monſtrat, caſtèque reclu- dit Intactas ſolidæ Simplicitatis opes. Quid mirum? ſeducta cohors, malèſuaſa ca- terva! Si te vel tanti corrigat umbra Viri? Quid mirum? ſeductor iners, impoſtor inepte! Si te vel tanti terreat umbra Viri? 4 5 88(0) 89 eees:eege n Vorrede des Aberſetzers. On der kuͤnſtlichen Erzeugung des Salpeters, und von nutz⸗ barer Anlegung eintraͤglicher Salpeter⸗Wercke iſt in Teutſchland zwar laͤngſtens ſchon viel Redens und Schrei⸗ bens geweſen; es muß aber ſolches entwe⸗ der nicht viel getauget, oder man muß auch nichts davon verſuchet haben, weil es auf denen teutſchen Salpeter⸗Wercken zur Zeit noch nicht das Anſehen hat, daß man von dergleichen Reden und Schreiben profitiren konnen oder wollen. Was das wollen anlanget; ſo glaube nicht, daß es daran gefehlet. Es muß al⸗ ſo am koͤnnen gelegen haben. Denn wenn unter allen denjenigen, welche Salpeter⸗ Wercke in den Koͤpfen gehabt, nur ein ein⸗ tiger etwas nennens⸗ wehrtes haͤtte præ- ſtiren koͤnnen; ſo wuͤrde wenigſtens ein oder anderer Ort in unſerm Vaterlande ſo gluͤcklich ſeyn, uns deßfalls einigen Be⸗ weiß vor Augen zuſtellen. So viel ich aber weiß, ſo iſt nichts davon zu hoͤren noch zu ſehen.— 2⁴2 Fra⸗ Vorrede. Fraget man nach der Urſache; ſo weiß ich meines Theils keine andere anzuzeigen, als weil man in der wahren, Vernunfft⸗ und Erfahrungs⸗maͤßigen Phyſic und Chy- mie ſo gar ſpaͤte die Augen aufgethan, und wenn Becher, Kunckel, und inſonderheit un⸗ ſer Herr Autor nicht in der Welt geweſen waͤren; ſo wuͤrde man von beyden noch bis i80r nicht viel gruͤndliches und zuverlaͤßiges wiſſen. Und daher koͤmt es auch, daß wir auſſer den gegenwaͤrtigen beyden Schrifften des ſeel. Herrn Hof⸗Rath Stahls, vom Sal⸗ peter, wie auch von deſſen Erzeugung und Gebrauch, wenig oder nichts, das ſich der Muhe verlohnet, aufzuweiſen haben. Zwar haben verſchiedene beruͤhmte Maͤnner vorhin ſchon eines und das ande⸗ re davon ſchrifftlich verzeichnet. Unter dieſen iſt Johann Rudolph Glau⸗ ber/ was die Sache anlanget, der vornehm⸗ ſte. Weil er aber von der Grund⸗Miſchung des Salpeters keinen genugſamen Begriff gehabt; ſo iſt das Gute, was er geſehen und angegeben, zu keiner Vollkommenheit gediehen. Wijjam Clarcke hat de Naturà generatione, locòô,& artificiali Extractione Ni- tri geſchrieben, und meinet alles hieher ge⸗ hoͤrige erſchoͤpffet zu haben, weil er ſelbſt in der Vorrede ſaget, daß ſeinem Discurs we⸗ nig an der Vollkommenheit fehlen wurde b V ———„„———,——— Vorrede. Es muß aber das Buch, das zu dieſem Titul gehoͤret, allen Anſehen nach vertauſcht ſeyn. Denn dieſes, welches wir unter ſolchem Ti- tul von ihm haben, enthaͤlt kaum einen hal⸗ ben Bogen, der ſich dazu ſchicket, und ſol⸗ ches iſt in der That dennoch unvollkommen genug. Hergegen finden ſich darinnen ver⸗ ſchiedene weitlaͤufftige und unnoͤthige Di- greſſiones z. E. ob unſer Salpeter, und das NDitrum der Alten einerley ſey. Daß der Salpeter die Generale Urſache der meteoro- rum, wie auch des Donners und des Bli⸗ tzens ſey? Daß der Schwefel⸗und Feuer⸗ Regen, welcher auf Sodom und Gomorra ge⸗ fallen, ein Blitz geweſen, und daß der Sal⸗ peter dabey unter dem Wort: Feuer/ aus⸗ gedruͤcket worden Was der Salpeter in ma⸗- gno Elixir vor Nutzen habe, u. d. g. ob gleich ſonſt das gantze Tractatchen nicht mehr als fuͤnff Bogen ausmachet. Der Herr Robert Boyle hat ein Tentamen Phyſicc-Chymicum circa partes Nitri geſchrie⸗ ben, worinnen er von der Zerlegung und Zuſammenſetzung des Salpeters in ver⸗ ſchiedenen, heut zu Tage genugſam bekann⸗ ten Experimenten handelt. Solche ſollen zur Erlaͤuterung der Philoſophiæ corpuscu- laris dienlich ſeyn, welches ich dahin geſtel⸗ let ſeyn laſſe. Zur Grund, Wiſſenſchafft, und zum Civil-Nutzen aber iſt wenig dien⸗ liches daraus zu erlernen. 563 Gün- 1 7 1 — –* Vorrede. Günther Chriſtoph Schellhammer hat eine Commentationem de Nitro veterum& noſtro geſchrieben. Es iſt etwas weniges nuͤtzli⸗ ches darinnen, doch ſcheinet ſolches nur von ohngefehr mit eingefloſſen zu ſeyn. Dann daß er ſelbſt etwas experimentiret, oder auch eine Salpeter⸗Huͤtte in Deutſchland in Au⸗ genſchein genommen, und was daſelbſt vor⸗ kommet, mit Aufmerckſamkeit betrachtet haben folte: habe ich aus dieſer Schrifft nicht erkennen koͤnnen. Er zeiget uͤbrigens mehr Lecture, als Erkaͤnntniß des Subjecti wovon er geſchrieben, und das meiſte, ſo er gethan, beſtehet darinnen, daß er viele Stellen der alten Griechen, Lateiner und Araber, in welchen des Salpeters erweh⸗ net worden, verbeſſert und erklaͤret, womit uns aber in Anſehung des Civil- und œco- nomiſchen Nutzens gar ſchlecht gedienet iſt. Ich ſolte allhier des gruͤndlich erfahrnen Herrn D. Caſpar Neumans in Berlin, Lectio- nem chymicam, welche er vom Salpeter herausgegeben, billig mit anfuͤhren, muß aber beklagen, daß dieſes rechtſchaffenen Mannes Arbeit, nicht ſo haͤuffig in allen Buchlaͤden anzutreffen, als dieſelbe wohl meritirte, und daß ich folglich auch dieſer Lection vorjetzo allhier nicht habhafft wer⸗ den koͤnnen. Doch habe ſelbige ſo bald ſie herausgekommen mit vielen Vergnuͤgen geleſen, auch zum theil excerpiret. Und gleich⸗ Vorrede. gleichwie ich den Leſer verſichern kan, daß derſelbige die chymiſche Bearbeitung des Salpeters nach ſeiner gewoͤhnlichen Weiſe, d. i. unverbeſſerlich abgehandelt; alſo weiß mich nicht recht zu beſinnen, ob und wie weit derſelbe die Phyſiſche Beſchaffenheit dieſes Subjecti, und deſſen kuͤnſtliche Erzeugung be⸗ ruͤhret, und muß dannenhero den curiöſen Liebhaber auf den Tractat ſelbſt remittiren. Indeſſe bin verſichert, daß es dieſem geuͤbten Natur⸗Forſcher keinesweges am Vermoͤ⸗ gen fehlen wuͤrde, dißfalls einem jeden hin⸗ laͤngliche Satisfaction zu geben. Es leyden aber ſeine anderweitige vielfaͤltige Ge⸗ ſchaͤffte nicht, dem Publico mit ſeiner ſoliden Erfahrenheit ſolcher geſtalt zu dienen, als er auſſer dieſem zuthun aller dings im Stan⸗ de waͤre. Was der ſeel. Herr Hof⸗Rath Stahl in gegenwaͤrtigen beyden Tractatgen praſtiret, olches wird ein jeder, der nur ein wenig erſtand davon hat, mit gehorigen Danck erkennen, die Nachwelt aber wird ſich deſ⸗ ſen nach dieſen zu erfreuen haben. Es ha⸗ ben ſelbige lange genug unter der gelehrten Banck geſtecket, und die jenigen, denen ſie zu Gefallen in Lateiniſcher Sprache ge⸗ ſchrieben worden, haben zur Zeit noch we⸗ nig erkandt, was ihnen vor ein Schatz da⸗ mit in die Haͤnde gegeben worden, noch we⸗ niger aber haben ſie die patriotiſche Redlich⸗ —⁴◻ 4 keit Vorrede. keit des Herrn Autoris mit berdienter Hoch⸗ achtung und Danckbarkeit beehret. Folglich habe ich dieſe beyden Tractaͤtgen mit Ver⸗ gnuͤgen ins Teutſche uͤberſetzet, und meinen Landes⸗Leuten, die die Lateiniſche Sprache nicht verſtehen, mit Fleiß uͤbergeben, und wird es die Zeit lehren, daß ſelbige hiebey weder die Geringſchaͤtzung, noch den Neid und den Undanck der Gelehrten werden bli⸗ cken laſſen. Ob dieſe Arbeit dem Vaterlande Nutzen ſchaffen werde, wird die Zeit gleichfalls zu Tage legen. Genug daß es wahr iſt, daß das wehrte Deutſchland ſich mit kuͤnſtlicher Erzielung des Salpeters eben denjenigen Vortheil zu wege bringen köoͤnte, welchen Oſt⸗Indien bißhero gezogen. Die Schuld lieget an uns ſelbſt, wenn wir ſolchen bißhero nicht erlanget haben, oder auch hinfuͤhro nicht er⸗ langen. Doch haben wir GOtt lob! Fuͤr⸗ ſten und Herren in unſerm wehrten Vater⸗ lande, die ſelbſt zu regieren, und zu beurthei⸗ len wiſſen, was zum Aufnehmen und Beſten ihrer Lande gereichet. GOtt gebe, daß dasjenige, was in dieſem Buche nuͤtzlich iſt, ſelbigen in die Haͤnde falle. Denn vor Frembde iſt gewiß kein Buchſtaben nieder geſchrieben worden. Man wird es mir vielleicht uͤbel deuten, daß ich die Stellen aus des ſeel. Herrn Au- toris Vorrede. toris andern Schrifften, welche ich hin und wieder in den Anmerckungen angefuͤhret, der Laͤnge nach excerpiret, und nicht bloß citiret habe. Es iſt aber dieſes insgemein nur ein Gravamen der Gelehrten. Und vor dieſe iſt diß Buch jetzt eben nicht ausgeferti⸗ get. Hergegen wird denen, welche derglei⸗ chen Buͤcher nicht haben, hiemit gantz wohl gedienet ſeyn, und die ſonſt von den Stahli⸗ ſchen Schrifften Liebhaber ſind, werden ſich dadurch nicht hindern laſſen, ſelbige zu kauf⸗ fen, vielmehr werden viele, die dieſelbige ſonſt wohl nicht gekaufft haͤtten, ſich da⸗ durch bewegen laſſen, ſich ſolche gleichfalls anzuſchaffen. Es giebet uͤbrigens eine Art Leute, die, wann ſie eStwas hoͤren oder leſen, das nicht in ihrem Schul⸗Sack Raum hat, entwe⸗ der das Maul aufſperren, oder es auch kurtz und gut vor Groß⸗Sprecherey erklaͤhren. Dieſe werden hier Gelegenheit finden, ihr ungluͤckſeeliges Talent beſtens zu exerciren. Wo ſie aber nicht alle ſambt gantz viehiſch dumm, oder gefliſſentlich boßhafftig ſind; ſo moͤgen die geſcheuteſten unter Ihnen die Sache erſtlich anſehen, uͤberlegen, und ver⸗ ſuchen, ob ſie dieſelbe zuſammen zu reimen capables ſind, alsdenn koͤnnen ſie ſelbſt Hand anlegen, und experimentiren, und wann es ihnen beliebet ihren uͤbrigen Con- fratribus von des Herrn von Pourceaugnac, 4 7 oder Vorrede. oder des Herrn Diafoyrus Geſellſchafft Be⸗ ſcheid ſagen. Gehet es gut, ſo laſſe ichs auch gut ſeyn, inſonderheit, wann ſie ſich wegen ihres vorigen Bezeigens nur ein bisgen ſchaͤmen. Gehet es aber nicht gut; ſo rathe ich Ihnen, auf ihre ſelbſt⸗ eigene Dummheit und Ungeſchicklichkeit bey Leibe nicht die Augen zu werffen, ſondern fein bey ihrem alten Schlendrian zu bleiben. Denn ſie koͤnnen ja auf der Welt nicht leichter und hurtiger davon kommen, als wann ſle uͤber alles, was ſie nicht verſte⸗ hen und zu wege bringen koͤnnen, entweder, das Maul fein weit aufſperren, oder es auch aufs compendieuſeſte vor Großprale⸗ rey verkauffen. Was wahr und rechtſchaf⸗ fen iſt, wird indeſſen auch ohne ihrem Cal- culo wohl wahr und rechtſchaffen bleiben. Dixi. Zu teutſch: Ich habs geſaget: 4 A. d —— 2—,———„,— —*-A A— nNͤ 39(0) 88- 4 Tee esee aeegdeses e. e Gorexrinnerung des Autoris. Mpedocles bildet die Natur ge⸗ wiß nicht ungeſchickt ab/ wenn er ſie alſo beſchreibet/ daß ſie nicht anders ſey/ als: Eine Miſchung/ und eine Aufloͤſung der ge⸗ miſchten Dinge. Denn er redet von der Natur/ ent⸗ weder als von einem ewigen/ den Crea⸗ turen eingepraͤgten Geſetze; oder als von einer Handlung/ die nach dieſem Geſetze gewoͤhnlicher maſſen geſchiehet. Denn hierin beſtehet das Weſen/ die Erhaltung und die Daurung der gantzen Welt/ daß einige Dinge aufgeldſet/ ei⸗ nige aber durch die Veraͤnderung der Behandlungen aus dieſen wieder her⸗ vor gebracht werden; am deutlichſten und vollkommenſten dbr von der Sa⸗ che 2 9(0O) 86⸗ che zu reden; ſo beſtehet dieſes alles in der Bewegung. Wir haben deßfalls Himmel und Er⸗ den zu Zeugen. Jenen wenigſtens in der ſichtbahren Bewegung der Geſtir⸗ ne/ und der kleinern/ dieſelben umgeben⸗ den Sterne: dieſe in den Veraͤnderun⸗ gen und Abwechſelungen aller Dinge. Auf dem Schau⸗Platze dieſer Welt ſind Waͤrme und Fluͤßigkeit/ und zwar ſowohl die lufftige als waͤſſerichte die vornehmſten Werckzeuge der Bewe⸗ gung; die subjecta derſelben aber ſind theils das Waſſer ſelbſt/ theils eine al⸗ lerſubrileſte Erde; da wir denn unter der Erde zwar hauptſaͤchlichſt die Grund⸗ feſte aller Dickheit und Dichtheit/ ja aller Ruhe; Zugleich aber/ und zwar in der naͤchſt⸗folgenden Ordnung auch dasjenige Grund⸗Weſen verſtehen/ wel⸗ ches geſchickt iſt/ denen gemiſchten Din⸗ gen ein mittleres/ weniger oder mehr luckeres/ werckzeugliches/ und durch die Lufft vermittelſt des Feuers wandelbah⸗ res Beſtand⸗Weſen/ oder vielmehr das unmittelbahre Subjectum des Seuers/ welches ſonſt das Schwefel⸗Weſen ge⸗ nann —,—.,— O-==———=——— ——— 1 2* △‿ ——Zi? —* 6 8— 9(O) 888- 3 nannt wird, beyzubringen: nnd endlich ver⸗ ſtehen wir auch darunter dasjenige mercu- rialiſche Grund⸗Weſen, welches dem Waſ⸗ ſer an Duͤnnheit und Fluͤßigkeit am naͤchſten und aͤhnlichſten, und zur dunſthafften, aus⸗ daͤhnlichen und blaͤſtigen Fluͤchtigkeit am be⸗ quemſten iſt. 3 Von dieſen leydenden(Paſſivis) oder materialiſchen Grund⸗Weſenheiten, der inſonderheit einfach⸗ gemiſchten oder un⸗ belebten/ und der aus dieſen hinwieder entſtandenen belebten Artungen(Specie- rum) haben die Erdigten ſelbſt in der Erde; die Schwefelichten in der Lufft; und die Mercurialiſchen in dem Waſſer ihre Wohnung und Vorraths⸗Cammer. Und zwar wenn ſie in ihrem einfacherem Stande betrachtet werden. Wenn man ſie aber in ihrem mehr zuſammengeſetzten Stande an⸗ ſiehet: ſo ſtecken die erſteren in den alcali- ſchen und kalchichten Erden/ ja ſelbſt in dem vitrioliſchen und fxerem ſchwefelichten Sauer⸗Weſen: Die anderen in dem Schwefel/ in ſo weit er Flammenfaͤhig, wie auch im Salperer/ und in den verbrenn⸗ lichen Merallen und Mineralien: Die dritten im Koch⸗Saltz und Queckſilber/ doch viel⸗ leicht auch in demjenigen leuchtenden Be⸗ ſtand⸗Weſen, welches die zu unſerer Zeit er⸗ fundenen lufftigen Phoſphoros ausmachet. Es wuͤrde ein wenig zu viel ſeyn, wann wir dieſen Inbegriff der gantzen Welt allhier in A 2 eines 4-253(0O) 608 eines zuſammen faſſen, oder beſſer zu ſagen, den Schatten vor etwas wuͤrckliches ergreif⸗ fen wolten. Folglich wollen wir uns daran genuͤgen laſſen, wenn wir nur von einem Sub⸗ jecto dieſer Artungen eins und das andere be⸗ ruͤhren, und nur einige allgemeine Dinge, oder auch nur einige beſondere Stuͤcke/ wie der Titul dieſer unſerer Abhandelung aus⸗ weiſet, ins Mittel bringen. Wir nennen dieſes aus einer nicht etwann affectirten oder verſtellten, ſondern aller⸗ dings aufrichtigen Beſcheidenheit nur Stuͤ⸗ cke: weil wir gar wohl wiſſen, was vor ein groſſer Unterſcheid, unter einer wahren, wahrhafften, vollkommenen und gehoͤrig zu⸗ ſammenhäaͤngenden Hiſtorie, und unter einer geringen, und vielleicht noch ſehr unvollkom⸗ menen Anleitung zu dergleichen anzutreffen. Der Herr Clarcke, welcher ein Mitglied der Engliſchen Societt der Wiſſenſchafften geweſen, hat ſchon vor mehrern Jahren eine natuͤrliche Hiſtorie vom Salpeter geſchrie⸗ ben: Er hat darinnen einige allgemeine/ dieſes Subjectum betreffende Dinge in et⸗ was entworffen. Weil aber eines und das andere hieher gehoͤrige, annoch Platz findet; ſo hat es uns beliebet, ſolches allhier hin⸗ zuzufuͤgen. GOtt gebe, daß es nicht vor die lange Weile und ohne Nutzen geſchehen ſeyn moͤge. Des h6 83(0) 8⸗ 3 Des erſten Theils Erſtes Capitel. Die natuͤrliche Hiſtorie des Sal⸗ peters. 1 Ir betrachten die Erzeugung der Sal⸗ — tzen entweder bloß hiſtoriſcher Wei⸗ ſe/ und nach der buͤrgerlichen Bearbei⸗ tungs⸗Kunſt: oder aber natuͤrlicher Weiſe/ oder nach dem Grunde/ den ein Gelehrter davon zu wiſſen noͤthig hat(ſcientificé.) Nach der erſten Art wird uns die gebraͤuchliche Weiſe bekandt/ wie die Saltzen aus denjenigen Oertern/ in welchen ſie von der macrocoſmiſchen Natur/ oder von dem mannigfaltigem Einfluß der dunſthafften Bewegungen erzeuget/ oder zuerſt hervor gebracht/ und gleichſam gebohren ſind/ erlanger werden: Nach der letzrern Art aber lernen wir die Beſchaffenheit der Miſchung ſelbſt kennen; nemlich aus was vor urſpruͤnglichen Grund⸗Weſenheiten(principiis) und gleichſam anfaͤnglichen einfacheſten Materien ein jedwedes Saltz ſeinen Urſprung habe. Auch verſtehen wir in der erſteren Bedeutung unter dem Nahmen der Saltzen/ diejenigen gro⸗ ben Gemenge/ die aus einem ſaltz⸗ artigem Beſtand⸗afin/ und einem erdigten Coͤrper zuſammen gefuͤget worden/ mit welchem ſie uns eine dichte und dicke Eenägen vor Augen ſtel⸗ 3 Slen. —„ 3 89(0) 8- len. Welche groͤbere Materie aber ihndn zus weilen erſtlich ſelbſt unter der Bereitung zuge⸗ 3 ſetzet worden/ wie ſolches bey dem Salperer zu⸗ g geſchehen pfleget. Und in dieſem Verſtande wer⸗ i den die Saltzen/ Roch⸗Saltz/ Vitriol. Alaun, ij Salpeter ꝛc. benennet. 3 3 In der letzteren Abſicht aber/ werden diejeni⸗ 4 1 gen gemiſchten Dinge mit dem Nahmen der Saſczen bezeichnet/ welche ohne Vermengung ſi einer groͤberen Fremd⸗Artigkeit(hetero genei· tatis) ein fluͤchtig⸗ dunſthafftes/ ſubtiles, ſcharffes/ mehr oder weniger aͤtzendes Beſtand⸗ Weſen in ſich haben/ und ſowohl mit Erde als Waſſer hurtig zuſammen gehen. V DSpolchemnach gehoͤren nur die ſogenannten ſa⸗ liniſchen Geiſter hieher/ nemlich der Spiritus oder das Sauer⸗Weſen/ welches im Schwefel/ Vitriol und Alaun ſtecket/ und in dieſen allen von einerley Art iſt: hiernaͤchſt dasjenige/ was im Sal⸗ peter, und endlich dasjenige was im Roch⸗Saltz verhafftet iſt. Denn gleichwie unter Schwefel/ Vitriol und Alann kein anderer Unterſchied befindlich iſt; als bloß die Perſchiedenheit der jenigen Materie, welche mit deren ſaltzigtem Theile zuſammen gegangen; Und zwar ſolchergeſtalt/ daß in ſo weit dieſelbige ſzliniſch ſind/ ſie nach ihrem wahrhafftig ſaliniſchen Theil ſchlechter⸗ dings miteinander uͤberein kommen: mithin bloß nach dem jenigen Theil differiren/ wel⸗ cher von dieſem Saltz⸗Theile ergriffen 35 en/ . 2(o) ⸗ 7 den/ und in dieſen verſchiedenen Coneretis auf verſchiedene Art mit demſelben zuſammen gewachſen: Alſo bleibet auch das Sauer⸗ weſen aus dem Salpeter allezeit einerley/ es mag mit einem Alcaliſchen Saltz zu einem Kram⸗ Salpeter; oder mit der Erdigkeit des Koch⸗Saltzes Ch zu einem viereckichtem Sal- peter: oder mit Bley/ Silber und Queck⸗ ſilber in Criſtallen gebracht werden. Nicht A 4 weni⸗ .— (*) Gleichwie der Salpeter-Geiſt/ wenn man ihn auf Koch⸗Saltz gieſſet/ einen Salpeter giebt: Alſo giebt der Koch⸗Saltz⸗Geiſt/ wenn man ihn auf reine Pottaſche/ oder ein gutes nitrum fixum gieſſet ein ſehr zartes Koch⸗Saltz/ welches weit reiner/ und zu allerhand wichtigen Chymiſchen Ar⸗ beiten dienlicher/ als das Gemeine. Die Opera- tion beſtehet darinnen/ daß man die Saltzen in warmen Waſſer aufloͤſet/ nltriret/ und alsdenn von den Spiritibus nach und nach ſo viel in die Solution eintropffelt/ biß es nicht gar mercklich mehr mitein⸗ ander brauſet. Sodann aber die uͤbermaͤßige Feuchtigkeit gelinde abdunſtet/ und die Saltzen an⸗ ſchieſſen laͤſſet. Wenn man dem auf dieſe Art ge⸗ machten oder producirtem Roch⸗Saltz einen Sal- peter-Geiſt zuſetzet; ſo treibet er den Saltz⸗Geiſt wieder aus/ und giebet einen weit ſchoͤnern Salpe- rer, als wenn er dem gemeinen Koch⸗Saltz zuge⸗ ſetzet wird. Gieſſet man aber einen Saltz⸗Geiſt auf den Salpeter; ſo treibet er den Salpeter⸗Geiſt nicht aus/ weil jener ſubriler und ſchwaͤcher als die⸗ ſer; ſondern er gehet nur ein wenig und kaum mercklich veraͤndert wieder heruͤber. Setzet man aber einen Vitriol-Geiſt dazu; ſo treibet er den Salpeter. Geiſt alſobald wieder davon/ und laͤſſet in dem Reſiduo einen Tartarum vitriolatum zuruͤck; V ¹ 4 1 — 8-5(o) 8 weniger bleibet das Sauer⸗Weſen aus dem Koch⸗Saltz allezeit einerley/ es mag ſolches in dem gemeinen Saltz/ oder in der ſoge⸗ nannten Butrer des Spießglaſes/ oder in dem ſublimiten Queckſilber ꝛc. angetroffen und unterſuchet werden. Folglich erhellet hier⸗ aus allerdings/ daß denen Saltzen ihre Be⸗ nennung nicht eben in Anſehung eines ſolchen Beyſatzes/ ſondern vielmehr in Anſehung ih⸗ res gleichartigen/ reinen/ oder wie man es gemeinlich nennet/ ſpiritnoſiſch⸗ſauren Theils. eigentlich zukomme. In dieſer Abſicht ſind auch die Fragen al⸗ lerdings unterſchieden/ wo und wie der Vi⸗ rriol, der Alaun, das Koch⸗Saltz und der Salperer zuſammen wachſen? und aus was vor Materien oder Grund⸗Anfangen ſelbige be⸗ ſtehen? Da ſich dann ſogleich ergiebet/ daß dieſe Grund⸗Weſen von zweyerley Gartun⸗ gen ſind: nemlich ein Saliniſches oder auf⸗ öſendes; und ein erdigt⸗ mettalliſches ꝛc. oder aufgeloͤſetes. Wobey alſobald die ande⸗ re Frage entſtehet/ von was vor Natur dieſe beyderley Grund⸗Weſen befunden wer⸗ den/ woher ein jegliches unter ihnen ent⸗ ſproſſen/ und ob ſelbige gantz einfach/ dder aber ſodann iſt weder der Salpeter⸗noch Koch⸗Saltz⸗ Geiſt mehr capabel, den Vitriol. Geiſt wieder davon zu treiben/ ſondern es werden hiezu an beſondere/ und zur Zeit noch wenigen bekandte Kunſt⸗ griffe erfordert. —— ꝛↄ]. ——————— 859(0)&⸗ 9 aber ob ſie ſelbſt noch aus verſchiedenen Grund⸗Anfaͤngen zuſammen geſetzet/ zum Vorſchein kommen. In ſolchen Betracht begreiffet auch die hi⸗ ſtoriſche Beſchreibung dieſes unſers Subjecti, nemlich des Salpeters nichts anders als das Ge⸗ ſchlechts⸗Regiſter des dichten/ trockenen/ und in allen Laͤden feil⸗liegenden Salpeter- Saltzes. Die Pbyfiſche Unterſuchung deſſel⸗ ben aber eroͤrtert nicht alleine die Verſchie⸗ denheit der jenigen Theile/ aus welchen der Salpeter zuſammen gewachſen/ ſondern auch ins beſondere die Natur und Beſchaffenheit ſolcher Theile. Unterdeſſen gehet die gemeinſte Meinung aller Leute faſt dahin/ daß der Salpeter nir⸗ gends anders als in den Staͤllen oder in den Miſthauffen erzeuget werde: Wannenhero auch die mehreſten Verfechter dieſer Meinung/ die Erzeugung deſſelben aus dem Harn der Thiere herleiten. Andere widerſprechen dieſen/ und fuͤhren zum Exempel an/ die aufgeſchlagenen Hauf⸗ fen der Salpeter⸗Erden/ wie auch die Sal⸗ peterhafftigkeit der Leim⸗Waͤnde/ der Brandſtaͤtrten von abgebrannten Haͤuſern/ der mit Kalck aufgeſetzten Mauren/ und des Fluſſes Nili ſelbſt. Gleichwie aber keine von dieſen Meinungen ins beſondere etwas nutzet: Alſo ſind beyde wann man ſie zuſammen nimmet/ zugleich al⸗ A ſ lerdings 10 8(0) 88 lerdings wahr/ und koͤnnen endlich in einem gewiſſen Stuͤcke gantz wohl mit einander ver⸗ glichen werden. 4 Nemlich es waͤchſet der Salpeter entweder 1 in gewiſſen/ dazu inſonderheit beſtimmten Oertern: Oder er wird auch nur in dieſelbi, ge eingefangen/ waͤchſet daſelbſt mit an/ tritt allda hinein/ und wird in ſelbigen gleich⸗ ſam geſaͤet. 1 Er waͤchſet nicht allein in ſolchen Oertern/ wo Harn und Niſt von den Thieren vorhan: den: ſondern auch allenthalben/ wo eine Faͤu⸗ 8 lung vorgehet/ es mag ſolche aus einer ani⸗ f maliſchen oder egetabiliſchen Materie entſte⸗ hen.(*) Je mehr und haͤuffiger nun eine ſol⸗ che Materie faulet/ je mehr Salpeter Kiunat ar⸗ 64) Aus dieſem Fundament hat Glauber den Armen einen Schatz mittheilen wollen/ welcher ſtets waͤh⸗ ren/ und von keinem Diebe geſtohlen werden ſoll. Er raͤth ihnen nemlich eine Schuppe an der Nord⸗ Gſt⸗Seite ihrer Wohnung anzurichten/ oder an einer andern Seite des Hauſes/ da die Sonne und Lufft/ nicht aber der Regen dazu kommen koͤn⸗ nen: welches aber ſchon ein untriegliches Merck mahl iſt/ daß er den Grund der Sache nicht ver⸗ V ſtanden. In dieſer Schuppe ſoll eine tieffe Grube V gegraben/ und die ausgeworffene Erde NB. um die Schuppe herum geleget werden/ damit der Regen deſtoweniger zu der Grube kommen koͤnne. Hernach ſollen in dieſer Grube allerley bittere ſcharffe Kraͤuter e. g. Wolffs⸗Milch/ Schirling/ Bilſen⸗Kraut/ Wermuth/ Kraut⸗Stengel/ Tobacks⸗ Stengel/ Dann⸗Zapfen/ Laub von den Baͤumen/ *59(O) 8⸗ 11 daraus zum Vorſchein: Dahero ſind auch die jenigen Stellen/ wo vieler/ geſchwinde faulender Miſt von den Thieren zuſammen lieget/ zu dieſem Werck am bequemſten. Hergegen waͤchſet der Salpeter in ſolchen ſolchen Oertern an/ wo Materien von alcali- ſcher Natur/ haͤuffig gegenwaͤrtig ſind/ der⸗ gleichen ſind vor andern die mit Kalck auf⸗ geſetzte Mauren. Von dem Fluß Mil werden wir wenig melden/ weil die Wahrheit der Sache/ nem⸗ lich daß er von einen ſalpetriſchen Beſtand⸗ Weſen angefuͤllet ſey/ uns nicht genugſam bekandt iſt; wo aber dennoch etwas wahres daran; ſo ſcheinet es/ daß ſolches allerdings von denen/ zur Faͤule eingerichteten Umſtaͤn⸗ den Stroh/ allerley Miſt/ Huͤnner und Vogel ⸗ Federn/ gebrauchte und ungebrauchte Aſchen und Laugen/ Ruß/ Vieh⸗Blut/ Haare/ Klauen/ Beine/ Ab⸗ fall von Häͤuſern/ Urin/ zerfallener Kalch⸗Stein ꝛc. geſammlet werden. Und ſo man den Satz fleiſ⸗ ſig mit Urin begoſſen/ ſoll er ausgegraben/ ge⸗ trocknet/ ausgelauget/ und Salpeter daraus ge⸗ macht; die ausgelaugte Erde aber ſamt der Lau⸗ gen die nicht anſchieſſen wollen/ wieder in die Grube geſchuͤttet werden ꝛc. Ich bin aber verſichert/ daß die armen Leute ſich bey dieſem Schatz wenig ge⸗ beſſert ſehen duͤrfften. Dann Glauber wirfft all⸗ hier alles untereinander/ und machet alſo das Werck ſelbſt unmuͤglich/ ob gleich ſonſt alles miteinander/ wann es in ſeiner gehoͤrigen Ordnung gebrauchet/ und alsdann gebuͤhrend behandelt wird/ ſeinen un⸗ fehlbahren Nutzen hat. Das allerwunderltchſte 12 99(O) 8 den ſelbſt/ welche zu der Zeit/ wann der Ml anwaͤchſet/ um deſſen Quellen verſpuͤret wer⸗ den/ hergeleitet werden muͤſſe. In dem nem⸗ lich zu ſolcher Zeit/ die beſtaͤndigen und mit groſſer Hitze vergeſellſchaffteten Regen in dem innerſten Abyſmien/ an denen/ mit vie⸗ lem Graſe bewachſenen Oertern gar fuͤglich eine Faͤulung verurſachen/ und ſolche in vie⸗ len Stroͤhmen in den Fluß hinein ſpuͤlen koͤn⸗ nen: Oder da vielmehr die Kalchichte/ und gleichſam mit flammender Hitze ausge⸗ brandte Subſtanz, die an dieſen Oertern in den Bergen und Steinen befindlich/ durch die einfallenden Regen/ gleichſam in einen Saliniſchen Magneten veraͤndert/ und alſo ge⸗ ſchickt gemacht wird/ die Salpetrichten Daͤmpffe um ſo viel geſchwinder allenthalben an⸗ iſt/ daß er die ausgeworffene Erde gleichſam als unnuͤtz wegwerffen heiſſet/ da doch ſelbige/ wo ſie nicht pur ſandicht/ oder ſonſt anderer Urſachen wegen untuͤchtig dazu iſt/ eintzig und allein die Ma⸗ trix iſt und bleibet/ worinnen durch die Faͤulung ein Saltz ſolle gewuͤrcket werden. Er zeiget auch nicht einmahl, wie die angegebenen Materien ge⸗ ordnet/ zur Faͤulung diſponiret/ und auf eine or⸗ dentliche und bequeme Art dazu befoͤrdert werden ſollen/ welches er doch meiner Meynung nach als ein ſo williger Ausſpender eines Schatzes vor die Armen nicht haͤtte unterlaſſen ſollen. Das uͤbrige aber/ was er von der Ausziehung und Bereitung des Salpeters aus dieſem verfaulten Satze anzufuͤh⸗ ren gehabt haͤtte: iſt ihm vermuthlich ſelbſt nicht genugſam bekandt geweſen. ———— 299(O) S⸗ 13 an⸗ und einzunehmen/ und ſodann den Ge⸗ waͤſſern des Nili bey ſeiner Muͤndung mit⸗ zutheilen. Doch wollen wir von dieſem gantzen Werck ein mehrers melden/ wann wir die Phyſiſche Betrachtung abhandeln werden. Indeſſen wird der Salpeter/ er mag nun eingewach⸗ ſen(in natum) oder angewachſen(ad natum) ſeyn/ auf ſolche Art ausgezogen/ oder zum Vorſchein gebracht/ daß man die Erde/ wel⸗ che mit dergleichen Saltz angefuͤllet iſt/ ſam⸗ melt/ und dieſelbe ſolchergeſtalt auslauget/ daß der Kaliniſche Theil/ von dem uͤbrigen er⸗ digten Beſtande geſchieden wird. Wenn eine ſolche Lauge/ ſchlechterdings vermittelſt des Waſſers aus der Salpetrich⸗ ten Erde ausgezogen und eingekocht wird: giebet ſie zwar einen ſaltzigten; aber keines⸗ weges reinen Salpetrichten Satz: ja es ge⸗ langet nicht einmal leichtlich zu einer trocke⸗ nen/ criſtalliniſchen Conſiſtenz, faͤnget auch mit andern zugeſetzten brennlichen Coͤrpern/ nicht ſo geſchwinde/ haͤuffig und mercklich Feuer/ als der Salpeter ſonſt thun ſolte. Nan hilfft aber dieſer Schwierigkeit ver⸗ mittelſt zugeſetzter Aſche und ungeloͤſchten Kalchs ab/ als womit dieſe alſo aus zulau⸗ gende Erde ſchichtweiſe uͤber einander geleget oder ſtratificiret wird. Die jenige Materie aber/ welche bloß aus der Lauge einer ſolchen Salerrichten Brde ver⸗ 14 893(0) 88 vermittelſt der Einkochung zum Vorſchein koͤmmet/ gleichet einem ſolchen Salmiac, der aus einem jedem fluͤchtigem urinoßſchen Saltz und aus dem Salpeter⸗Geiſt/ wann beyde nit einander vermenget werden, zu erwachſen pfleget. Wenn dieſe/ mit Aſchen und ungeloͤſch⸗ tem Kalch gehoͤrig geſaͤttigte Lauge/ einge⸗ ſotten/ und zum Anſchieſſen hingeſetzet wird: ſo waͤchſet ſie in laͤnglichte/ und nach Art der Spieße zugeſpitzte Criſtallen zuſammen. Wann aber eine ſolche Saͤttigung mit dieſer alcaliſch⸗ Saliniſchen Lauge nicht vorher gegangen: ſo bleibet die Materie allezeit fluͤßig/ ja ſie ver⸗ ſchwindet und verdunſtet ſelbſt unter dem ſtar⸗ cken Sieden/ alſo daß die Sieder keinen Salpeter, oder doch ſo wenig/ daß es der Muͤhe keinesweges verlohnet/ uͤberkommen. Weß⸗ falls dieſelben insgemein zu aberglaͤubiſchen Dingen ihre Zuflucht zu nehmen/ und den verungluͤckten Erfolg/ denen Bezauberungen boͤſer Leute abgeſchmackter Weiſe zuzuſchrei⸗ ben pflegen. Es werden auch die Salpeter⸗Sieder nicht leichtlich zur Auslaugung ihrer Salpeter⸗Er⸗ de ſchreiten/ wann dieſelbe noch naß iſt: ſon⸗ dern ſie laſſen dieſelbe zuforderſtzeine ziemliche Zeit in der Lufft an einem ſchatrichten Ort zur Austrocknung liegen: und es iſt kein Zweiffel daß derſelben unter dieſer Behand⸗ ſung noch eine gantz beſondere Veraͤnderung zu⸗ S ☛l2 —== ee — — 7 — — 893(0) 882- 15 zuſtoſſe.() Der auf dieſe Arth gemachte Sal- peter iſt in Anſehung des ſchnellen Ausbren⸗ nens einer von dem andern unterſchieden. Und wird der jenige am meiſten beliebet/ wel⸗ cher mit Flammen⸗ faͤhigen Dingen aufs ſchnelleſte verbrennet/ und ohne Ruͤckſtande verzehret wird. Denn der alſo verfertigte Saſpeter hat dieſes beſondere Vermoͤgen/ daß er mit andern ver⸗ brennlichen Dingen Flammen faͤnget/ ſo bald er nur eine gluͤhend⸗machende Hitze empfindet. An und vor ſich ſelbſt aber ge⸗ raͤht er niemahls in Flammen/ wenn er gleich in einer ſehr ſtarcken/ ja in einer faſt unſaͤg⸗ lichen Flammen⸗Hitze geſetzet werden ſolte. Doch muͤſſen auch die Flammen⸗ faͤhigen Dinge von dieſer Art/ einen gewiſſen Beſtand/ oder eine gewiſſe Beharrung und Daurung im Feuer haben/ inmaſſen der gemeinſame Fuſammentrieb dieſer Dinge nicht anderſt ge⸗ ſchehen kan/ als vermittelſt dieſer feurigen/ gluͤhend⸗ machenden Bewegung. In ſel⸗ diger geraͤth der Salpeter mit dergleichen Feuer⸗ faͤhigen Dingen/ in eine gewaltſame flammende Ausdehnung/ welche alle andere feurige ——————— — —— 1 —) Weil nemlich das acidum univerſale haͤuffig und ſehr ſubtil in der Lufft herum ſchwebet: ſo kan ſich ſolches/ nebſt denen bey ſich fuͤhrenden phlogiſtiſchen Theilen deſto beſſer in dieſer Erde inbnuiren/ und alſo zu dem verlangten Effect etwas werckliches beytragen. —— 16-99(0O) 888- feurige Dinge ſonſt niemahls annehmen wol⸗ len. Indem er nemlich eine flammende Wuͤrckfamkeit/ auch ſo gar ohne dem gering⸗ ſten proportionirten Beytritt der Luffr aufs allerſchnelleſte annimmet. Und obgleich ſonſt nichts in der Welt/ ungeachtet es zur aͤuſſer⸗ ſten und hefftigſten Enrflammung noch ſo bequem/ ohne genugſamen Beytritt der Lufft/ in einen ſo hefftigen Brand ausbrechen kan: ſo hat doch der Salperer gleichſam vor allen andern Dingen dieſes zum voraus, daß er gleichſam einen eigenthuͤmlichen/ lufftigen Dunſt in ſich begreiffet/ und ſelbigen zur Aus⸗ wuͤrckung und Veranſtaltung einer ſolchen Flamme beytraͤgt und hergiebet. Wenn der Salpeter in ſeine weſentliche Theile geſchieden worden; ſo brenner er nicht. Denn es kan ſo wenig ſein ſaurer Theil vdr ſich beſonders auf einigerley Weiſe in Flam⸗ men gebracht werden/ als ſein alcaliniſcher Theil/ welches uͤberall zur Genuͤge bekannt. IJa wenn auch deſſen ſaurer Theil mit einem fluͤchtigen urinoſſchen Saltz verbunden/ und ſodann zur trockenen Conſiltenz gebracht wird: ſo faͤnget er doch unmittelbahrer Weiſe kein Feuer; Ob gleich dieſe beyderley Saltzen/ wann ein jedes vorhero beſonders/ einiger maſſen zur Feuer/ Beſtaͤndigkeit gebracht; beyde aber hernach mit einander im Feuer zu⸗ ſammen geſetzer werden/ ſich mit einander enrzuͤnden. Wann aber das Salperer⸗ Sauer⸗ 6 899(o) 888- 17 Sauer mit einer etwas fixeren Materie verei⸗ nigt wird/ und ſodann den genauern Beytritt des Flammen faͤhigen Beſtand⸗Weſens em⸗ pfindet: ſo faͤngt es auf eben eine ſolche Art Feuer/ als wann es mit einem alcaliniſchen Saltze waͤre verknuͤpfft worden. Dieſes ge⸗ ſchiehet wann der Salpeter⸗Geiſt auf gera⸗ ſpelt Hirſchhorn oder Helffenbein gegoͤſſen/ und wieder davon abgezogen wird. Denn wann die Materie nach uͤbergeſtiegener Waͤß⸗ richkeit nur ein wenig ſtarck ethitzet wird/ und nur obenhin zu gluͤhen anfaͤnget; ſo faͤngt ſie leichtlich Feuer/ und beginnet zu verpuffen/ nicht anders als wenn Salpeter mit Rohlen verzuͤndet wuͤrde.() 1 Wann der Salpeter ein eintziges mahl mit ſchwefelichten oder Flammen⸗faͤhigen Din⸗ gen alſo ausgebrandt worden: ſo ſcheinet da⸗ durch etwas verrichtet zu ſeyn/ das weit ſub⸗ tiler und ſchwerer/ als man mnsgemein glau⸗ bet. Denn hiebey leget es ſich ſichtbahrlich zu B Tage/ 6) Der Grund beſtehet hierinnen: Aus dem Hirſch⸗ horn und Helffenbein iſt ein alcaliſch⸗fluͤchtiges Saltz haͤuffig zum Vorſchein zu bringen. Der darauf ge⸗ goſſene Salpeter- Geiſt ergreiffet ſolches als ſein Cor- us; und formiret damit von neuen einen ordent⸗ lichen Salpeter. Wenn nun die Hitze dermaſſen ver⸗ ſtaͤrcket wird/ daß die Ramenta des Hirſch⸗Horns oder des Helffen⸗Beins zu Kohlen brennen/ und ſich endlich anzuͤnden; ſo muß der darinnen verhaͤngte Salperer ohnfehlbarlich mit entzuͤndet werden/ und alſo die Deronation verurſachen. 18 98(0) 88- Tage/ daß die gantze innigſte Grund⸗i⸗ V ſchung und das gantze Weſen dieſes Saltzes umgekehret und aufgeloͤſet worden. Ein anders geſchiehet bey der gemeinen Scheidung ſeines ſauren Geiſtes/ da nur bloſſerdings der alcaliniſche Theil deſſelben abgeriſſen wird/ damit der ſaure Spiritus de⸗ ſto freyer und reiner loßgehen koͤnne. Denn obgleich dieſer Spiritus, nach verſchie⸗ denen dazu gebrauchten Handgriffen bald groͤ⸗ ber und dicker/ bald ſubtiler oder fluͤchtiger zum Vorſchein koͤmmt: ſich auch zwiſchen dem fluͤchtigen und gemeinen groͤberen/ in der That ein nicht geringer Unterſcheid findet: ſo ruͤhret doch dieſe Fluͤchtigkeit faſt mehr von dem Beytritt einer andern ſubtilen Materie her/ als daß ſie unter dieſer Geſtalt ſo ſchlech⸗ terdings ſchon vorhin im Salpeter vorhan⸗ den geweſen ſeyn ſolte. Was die Art und Weiſe des Anwachſens betrifft/ nach welcher der Salpeter andern Behaͤltnuͤſſen gleichſam eingefuͤget wird: ſo geſchiehet ſolches theils an den mit Kalch aufgeſetzten Mauren der Gebaͤude: Theils an den Gypſicht⸗Kalchichten Oertern der Berge und Huͤgel. Auf die erſte Art erwaͤch⸗ ſet der Mauer⸗ Salpeter: Auf die andere Art der ſogenannte Flocken⸗ oder Blumen⸗ Salpeter(Aphro-nitrum) Der Mauer⸗Salpeter waͤchſt entweder von ſelbſt hervor; oder auch mit Beyhuͤlffe menſch⸗ me ab te ko 899(O) S8 19 menſchliches Fleiſſes. Auf beyderley Weiſe aber muͤſſen gewiſſe Materien/ welche ſchlech⸗ terdings von einerley Art ſind darzwiſchen kommen: Welches dort von ohngefehr/ und weil es die Gelegenheit ſo mit ſich bringet: hier aber nach der wuͤrcklichen Abſicht der Menſchen/ und vorhergaͤngiger willkuͤhrlichen Anordnung geſchiehet. Denn es giebt allenthalben unzaͤhlig viel Mauren/ unter welchen keine eintzige/ auch ſo gar nach ſehr langer Zeit/ die geringſte Spur von Salpeter an ſich zeiget: Herge⸗ gen bringet eine ſolche Mauer/ ob ſie gleich nur ſehr wenige Jahre geſtanden/ dieſes Saltz zeitig genug hervor/ wenu man etwas Sali- niſch⸗ſchweflichtes/ mit einer maͤßigen Keuch⸗ tigkeit vermengtes/ daran ſprenget. Dahe⸗ ro waͤchſt dieſer Salpeter keinesweges an ſol⸗ chen Mauren/ welche entweder ſehr offt/ oder wohl gar beſtaͤndig von dem anſpuͤlenden Waſſer benetzet werden.(*) B 2 Her⸗ (*) Ich kan dem Leſer verſichern/ daß ich eine mit Muſchel⸗Kalch gegen Nord⸗Weſt aufgeſetzte Mauer eines Wohnhauſes/ welche uͤber einen Fuß⸗ dick/ geſehen/ und zum oͤfftern mit Fleiß be⸗ trachtet. Dieſe gab allemahl des Winters eine gewiſſe Quantitaͤt Slocken⸗oder Blumen⸗Salpe- ter, obgleich die Mauer von auſſen von allen/ mit den Nord⸗Weſt⸗ und Sud⸗Weſt⸗Winden fallen⸗ den Regen beſtaͤndig beſtrichen und angeſpulet wur⸗ de. Weil ich nun gewiß wuſte/ daß das Auswach⸗ ſen des Salpeters gllhier gantz von ohngefehr 20-e(0) Gs⸗ Hergegen kommet es an ſolchen Mauren g ſchnell und haͤuffig zum Vorſchein/ welche ge mit dem Harn von allerhand Thieren/ inſon⸗ oi derheit aber mit Menſchen⸗Schaaf⸗Ziegen⸗ oder Pferde⸗ Harn oͤffters beſprenget wer⸗ h den/ C) oder deren Fugen/ Ritzen und et. was lockere Sreine von dergleichen Harn an durchdrungen worden; oder auch an ſolchen an Mauren/ denen von den Jaliniſch⸗ſchwefe⸗ au lichten de — tel geſchahe: ſo ließ eine nahe dabey ſtehende Stall⸗ el Mauer von eben dieſer Dicke/ welche gleichfalls ii mit Muſchel⸗Kalck gebauet/ und gegen Nord⸗ Weſt aufgeſetzet worden/ von innen mit einem/ auf gewiſſe Art preparirten Leim/ Fingers dick beſtrei⸗ chen/ und als es etwas trocken worden/ mit Stein⸗ h Kalch uͤberweißen. Wie dieſes etwann drey vier⸗ tel Jahre alſo geſtanden; wuchs gleichfalls ein Slocken⸗ Salpeter, und zwar in ziemlicher Nenge= heraus; welcher ſich nach gethanen Zuſatz gar gut b criſtalliſiren lieſſe. Dieſes Wachſen daurete eine zeitlang/ endlich aber ward der gebrauchte Leim an der Mauer ſo muͤrbe/ daß er mehrentheils von ſelbſt/ wie ein feiner Sand abrieſelte/ und das ab⸗ gerieſelte gab nach geſchehener Auslaugung und 4 erhaltenem Zuſatz eine weit groͤſſere Menge ange⸗ ſchoſſenen Salpeter, als ich vorhin aus den Flocken erhalten hatte. (*) Der Herr Autor giebt hievon folgendes artiges Experiment in ſeinen fundamentis Chymiæ dogma- ticæ& experimentalis Cap. 3.§. 25. Man nimmt einige/ vom Toͤpfſer gemachte(etwas dicke) und unverglaſurte Roͤhren/ fuͤllet ſolche mit Saltz/ vermacht darauf beyde Enden/ und befeuchtet die Röͤhren von auſſen mit einem mittelmaͤßig⸗gefaule 1(o) N. 21 84 lichten Auswuͤrffen anderer faulender Din⸗ ge/ ein eben ſo offtmahliger/ oder auch beſtaͤn⸗ e, diger Zufluß/ und eine daher ruͤhrende Ein⸗ e, ruͤckung oder Einverleibung des Saltzes 6. wiederfaͤhret. d Auf dieſe Art ſehen wir erſtlich/ und zwar. el ordentlicher Weiſe/ daß ein ſolcher Salpeter an den Waͤnden der heimlichen Gemaͤcher fe ausbluͤhet; ich ſage an den aͤuſſeren Waͤn⸗ ken den/ welche der Lufft exponiret ſind. Als de⸗ — ren Begegnung die uͤbrige Feuchtigkeit ver⸗ all zehret/ und dem Saliniſchen Beſtand⸗Weſen ls eine geſchwindere Wuͤrckung beybringet. Auſſer dieſem Nitroſiſchen Anwachs(ac⸗ ⸗ ————————— — 3—— 3 auf. 8 3 a crementa) welcher bey denen/ in den Staͤllen 8 in hie und da aufgefuͤhrten Mauren öͤffters vor⸗ 1 er⸗ B 3 kom⸗ ein Ige— 4 gut ten Urin. Wann ſie nun an eiuem ſchattichten Ort 4 ine aufgehangen/ und einen Tag um den andern mit em beſagtem Urin beſprenget werden ſo werden ſie von endlich gleichſam mit einer weiſſen wollichten Haut ab⸗ uͤberzogen/ welche nichts anders iſt/ als ein T heil und des darinn enthaltenen/ und von der Feuchtigkeit des Urins zerſchmoltzenen Saltzes/ welches durch fen die Lufft⸗Löcherchen der ſteinernen Roͤhren durch⸗ ſchwitzet/ und im Durchdringen zugleich einen Theil 1 dieſer erdigten Materie einſchlucket/ auch auf der 9e5 Oberflaͤche mit dem urinoſiſchen dlicht⸗ſaliniſchen v. Weſen in die Miſchung des Salpeters zuſammen mt waͤchſet. Faſt ein gleiches geſchiehet/ wenn Ziegel⸗ m ſteine mit friſchen Urin/ darinnen etwas Miſt zer⸗ 3 floͤßet worden/ oͤffters angeſprenget/ und in der 5 freyen Lufft an einen ſchattichten Ort ausge 1 ſtellet werden. 22(O) Ser kommet/ erinnere ich mich/ ein gar beſonders und merckliches Exempel von dieſer Gattung/ in einem gewiſſen praͤchrigen Jagd⸗Hauſe/ der Durchlauchtigſten Herren Hertzoge von Sachſen geſehen zu haben/ nemlich in der al⸗ ſo genannten Zielbach/ im Hennebergiſchen Gebieth/ welches vor dieſen denen Waymar⸗ ſchen/ heutiges Tages aber nach der geſchehenen neuen Theilung des jeniſchen Antheils/ denen Herren Hertzogen von Eyſenach gehoͤret. Denn da befindet ſich im Queer⸗Gebaͤu ein ſehr ſchoͤner und geraumer Wein⸗Keller/ und auf deſſen Schwiebogen oder Gewoͤlben ſte⸗ het ein groſſer Pferde⸗Stall; Wannenhero dann der Kalch/ womit die Gewoͤlbe uͤber⸗ tuͤncht ſind/ von dem/ durch die Steine und Fugen hierdurch gedrungenen Pferde⸗Harn/ hin und wieder dergeſtalt zerfreſſen und zerloͤ⸗ ſet worden/ daß von den Hoͤhlungen dieſer Gewoͤlber hie und da viele/ groſſe/ und et⸗ was hohle Eißzapffen herab haͤngen/() welche einen ſolchen Mauer⸗Salperer dar⸗ ſtellen. (* In Weiſſenfels in des Herrn Hof⸗Predigers Hau⸗ ſe/ iſt ein ſehr tieffer/ in Felſen gehauener Keller/ woruͤber noch 2. andere dergleichen Keller befind⸗ lich ſiud. In ſelbigen troͤpffelt beſtaͤndig eine Naͤſſe durch ausgehoͤhlte Eißzapffen ein/ und wann ſel⸗ bige zu Boden faͤllet/ wird ſie zu Salpeter, welcher aber ſo hart/ daß er kaum mit Haͤmmern kan zer⸗ ſchlagen werden. Die Waͤnde von dieſem Keller Ein 8(0O) S 23 Ein Exempel von einer andern Art iſt die⸗ ſes: Wann Waͤnde von Schlamm⸗ Erde und Stroh aufgeſetzet C) und mit einer Rin⸗ de von Kalck uͤberzogen werden; Alsdann B 4 aber ſind ebenfalls ſo dick mit dergleichen Salperer uͤber⸗ zogen/ daß man kaum davor etwas vor dem Fel⸗ ſen ſehen kan. Etwas dergleichen kan man in groſſen Staͤdten und Veſtungen/ unter den gewoͤlb⸗ ten Thoͤren/ welche in den Waͤllen eingefaſſet/ und mit Erde bedeckt ſind/ wahrnehmen. Denn obgleich nur das bloſſe/ durch ſolche Erde allmaͤhlich hin⸗ durch dringende Regen⸗Waſſer, ſich auf derglei⸗ chen Gewoͤlbe ſencket/ und endlich durchtrieffet; ſo ſiehet man doch nichts deſtoweniger theils von ſolchen Gewoͤlben eine Art von Eißzapffen herab haͤngen/ theils bemercket man an den Seiten des Gemaͤuers/ worauf das Gewoͤlbe ruhet/ daß ſich/ ſo wie das Waſſercherab geronnen/ eine trockene/ zuweilen ziemlich aufgehaͤuffte Rinde/ in Geſtalt der Eißzapffen an die Mauren geleget, die ich an einigen Orten/ wohl zwey/ biß drey Finger dick befunden. Dergleichen Concreta aber geben faſt gar kein Saltz/ ſondern beſtehen aus einer tauben/ Alaun-oder Borax- artigen Erde/ welche ſich ver⸗ mittelſt der dazu gehoͤrigen Hand⸗Griffe und Zuſaͤtze zu Glaß ſchmeltzen laͤſſet. (*) Im Halberſtaͤdtiſchen und Magdeburgiſchen/ wie auch an verſchiedenen Orten in Sachſen und Thuͤringen/ befriedigen die Land⸗Leute ihre Hof⸗ Stellen mit dergleichen Waͤnden. Wenn dieſe ei⸗ ne geraume Zeit geſtanden; ſo zeuget ſich Salpe- ter darinnen/ ob ſie gleich nicht mit Kalch uͤberzo⸗ en worden. Dahero haben die Salpeter-Sieder in dieſen Landen die Freyheit/ daß ſie dergleichen Waͤnde nach und nach abſchaben/ und endlich die⸗ ſelben gar einſchlagen/ und die Erde davon nach — — 34 9(o) 885- aber eine haͤuffige und oͤffters anſchlagende Keuchtigkeit/ es geſchehe nun ſolches auf was Weiſe ihren Wohnungen fuͤhren laſſen koͤnnen. Dieſe Erde wird auf einen Hauffen geſchuͤttet/ und der freyen Lufft exponiret: und wenn es nicht gleich darauf regnet/ mit Lauge begoſſen/ welches aber nicht noͤthig, wenn ſich der Regen einfindet. Nach⸗ hero wird ſie ausgelauget/ und der Ruͤckſtand als⸗ dann alſo naß wieder auf beſondere Hauffen ge⸗ ſchlagen/ da ſie dann in freyer Lufft trocknet/ und allmaͤhlich wieder mit Salpeter angereichert wird. Wann ſie trocken/ wird ſie magere Erde genen⸗ net/ und zu der fetten Erde/ welches diejenige ei⸗ gentlich iſt/ die aus den Schaaf⸗Staͤllen gehohlet wird/ geſetzet/ da ſie dann die uͤbrige Fettigkeit der⸗ ſelben theils verzehret/ theils auch das in ihr von neuen wieder erwachſene Salpeter-Weſen mit bey⸗ traͤget. So offt ſie aber ausgelauget worden/ ſo offt wird ſie wieder auf die Hauffen geſchlagen/ und generiret alſo in inſinitum Salpeter/ inſonder⸗ heit wann ihr mit Laugen und anderen Zuſaͤtzen ge⸗ holffen wird. Ich habe auch auf verſchiedenen Sal- peter-Siedereyen geſehen/ daß man dieſe Erde in denen Hauffen mit Aſche von Stroh und weichem Holtz verſetzet/ und derſelben damit zu helffen ver⸗ meinet habe: Es ſtehen auch die Sieder allerdings in den Gedancken/ daß der an ihre Erd⸗Hauffen an⸗ ſchlagende Regen vieles zur Erzeugung des Salpeters eytrage. Zwar habe ich verſchiedene gefraget/ ob ſie die Umſtaͤnde von dem Laugen⸗Aufgieſſen/ von dem zuſetzen der mageren Erde/ von dem Verſetzen mit Aſche/ und von dem anſchlagen⸗ enden Regen nicht nach ihrem eigentlichen Grun⸗ e verſtuͤnden/ und ſeldige an ihrem gehoͤrigen Or⸗ te zuordnen/ und zu ihrem Vortheil zuverbeſſern wuͤſten; allein dieſes waren ihnen Boͤhmiſche Doͤrffer. 99(o) 88 25 Weiſe es immer wolle/ dieſe Schlamm⸗ Waͤnde durchdringet; ſo kommet daſelbſt/ nachdem das Stroh allmaͤhlich verfaulet/ ein ſolches Salpetrichtes Saltz zum Vorſchein/ welches als eine zarte weiſſe Wolle durch die Kalch⸗RKinde herdurch waͤchſet/ und bald in die Augen faͤllet. Von der letztern Gattung/ nemlich von der kuͤnſtlichen Erzeugung des Salpeters(*) fin⸗ det man in denen groſſen Veſtungen hin und wieder einige Exempel. Da nemlich die B ſ Schwie b (†) Der Herr Autor hat allhier die Marerie von der kuͤnſtlichen Erzeugung des salpeters nur mit gar we⸗ nigen beruͤhret/ jedoch in ſeinen andern Schrifften hin⸗ und wieder gar ſchoͤne Nachrichten davon ge⸗ geben. Weil ich nun verſichert bin/ daß den meh⸗ riſten Leſern am meiſten damit gedienet ſeyn wird/ wann ſie hievon etwas recht gruͤndliches/ und zu Bewuͤrckung eines Oeconomiſchen Vortheils ge⸗ reichliches vorfiuden: ſo habe das hieher gehoͤrige in einem beſondern Anhange zu dem erſten Theil die⸗ ſes Tractats zuſammen getragen/ und damit/ mei⸗ ner Meynung nach/ zur kuͤnſtlichen Erzeugung des Salpeters ſo viel Anleitung gegeben/ daß ein ver⸗ ſtaͤndiger/ arbeitſamer/ und curioſer Verſucher ſich leichtlich wird helffen/ und den verlangten Nutzen erlangen koͤnnen. Daß man aber alles miteinan⸗ der in ſeiner voͤlligen Connexion, dem Buchſtaben nach beſchreiben/ und es einem jedem/ der weder Verſtand noch Luſt gehabt/ zu erfahren/ was der⸗ gleichen Verſuche/ vor Zeit/ Muͤhe/ Nachdencken und Koſten erfordern/ gleichſam proſtituiren ſolte; ſolches wird mir von niemanden mit Recht ange⸗ muthet werden koͤnnen. 26-953(O) 6 Schwiebboͤgen(auf welchen die Fundamenta der Mauren ſelbſt zu ruhen; und womit de⸗ nen Wuͤrckungen der feindlichen Minen vor⸗ gebauet zu werden; oder worauf man die Grund⸗Geſtelle der Paſteyen zu ſetzen pfleget) mit Menſchen⸗ Pferde⸗ und Schaaf⸗ Harn/ ja mit Lauge von allerley Miſt beſprenget/ oder mit dergleichen Dingen befeuchtet wer⸗ den. Wannenhero dann allhier/ nach all⸗ maͤhlich von ſtatten gehender Faͤulung/ und langſamer Verdunſtung/ eine dergleichen Er⸗ zeugung aus eben demſelben Grunde vorgehet. Die Erwachſung des Flocken⸗Blumen⸗ oder Schaum⸗Salpeters(aphronitrum) ha⸗ ben wir nirgends ſo haͤuffig/ oder in Anſe⸗ hung der offenbahren Umſtaͤnde ſo deutlich angemercket/ als zu Fena uͤber der Saal⸗ Bruͤcke/ bey der Hoͤhle/ welche insgemein das Teuffels⸗Loch genennet wird: Wie auch auf dem Wege/ welcher von Jena uͤber die Wieſen an der Saale hin/ nach Kuniꝛ gehet. An beyden Orten findet ſich ein Quell⸗ Brunnen/ von welchen der erſtere ſehr vieles Waſſer giebet/ wiewohl auch der andere gar ſelten an Waſſer Mangel leydet.— Es mag nun/ wie es denn wohl glaublich iſt/ von der Lockerheit dieſer gantz bergich⸗ ten Gegend/ welche unmittelbahr an dieſen Quell⸗Brunnen anſtoͤſſet/ ein gewiſſer Theil von einer waͤſſerichten Feuchtigkeit/ durch die Luffrt⸗Loͤcher der Felſen alſo durchſthwe V en al 2 ———= S ==— ——— 89(°) E 27 ten/ und einige Saliniſche Auswuͤrffe von ausgelaugten Kraͤutern daſelbſt durchſeigern: Oder es mag auch der/ aus dem unterwerts ausflieſſendem Waſſer beſtaͤndig aufſteigende feuchte Dunſt/ dieſen Theil des Berges durchdringen/ und die Einverleibung der in der Lufft ſchwebenden Salpetrichten Daͤmpf⸗ fe/ in dem daſelbſt vorhandenen/ leichtlich auf⸗ zuloͤſenden/ Gyps⸗ artigem Geſteine befo⸗ dern: welches mir jedoch eben nicht zum wahrſcheinlichſten zu ſeyn beduncket: ſo er⸗ waͤchſet doch/ und kommet daſelbſt inſonder⸗ heit zur Fruͤhungs⸗Zeit dieſes Nitrofiſche Beſtand⸗Weſen zum Vorſchein/ es mag auch herruͤhren woher es wolle. Da ich nun der in der Lufft ſchwebenden Salpetrichten Daͤmpffe Erwehnung thue; ſo muß ich zugleich mit wenigen erinnern/ daß heut zu Tage ſehr viele Liebhaber des Luffti⸗ gen Welt⸗Geiſtes/ dergleichen Daͤmpffe al⸗ ſerdings glauben, und nach ihren Principiis voraus ſetzen; Gleichwie ſie aber auſſer Zwei⸗ fel unter dieſer Benennung gantz etwas an⸗ ders/ als den gemeinen bloſſen Salpeter⸗ Geiſt/ oder auch den eigentlichen Salpeter verſtehen;(weil ſie ſonſt unmoͤglich das jeni⸗ ge mit ſo unſaͤglicher Muͤhe ſuchen wuͤrden/ was ſie aus dem gemeinen Salpeter in groſ⸗ ſer Menge haben koͤnnten) Alſo wird auch dieſe Auslegung von der Erfahrung ſelbſt zur Genuͤge widerleget/ als welche es gewiß und offen⸗ 28(O) E⸗ 13 offenbahrlich genug vor Augen ſtellet/ daß eine ſolche Subſtanz, als allhier verſtanden wird/ (ſupponitur) in keinerley Exempeln oder Er⸗ fahrungs⸗Beweißthuͤmern anzutreffen. Wan⸗ nenhero auch nach unſerm wenigen Beduͤn⸗ cken/ die jenige gleichgeartete(jedoch allem Anſehen nach aus eben dieſer Einbildung ent⸗ ſproſſene) Unterſtellung(ſuppoſitio) allhier nicht mehrere Betrachtung verdienet/ nem⸗ lich als ob allhier gewiſſe beſondere Winde/ und zwar Nahmentlich die Nord⸗Winde(*) eine gar ausnehmende Wuͤrckung aͤuſſern Denn ſolten. (†) Ich bin vor etwa achtzehen Jahren/ faſt ein gantzes Jahr in Schweden geweſen/ habe aber nicht bemercket/ daß die nordliche Gegend/ oder die Nord⸗ Winde denen dortigen Salpeter-Wercken kraͤffti⸗ ger als anderwerts zu Huͤlffe kommen. Noch we⸗ niger habe ich ſpuͤhren koͤnnen/ daß die Schweden es in der kuͤnſtlichen Erzeugung des Salpeters weiter ge⸗ bracht/ als uͤberhaupt die Teutſchen. Unſer Herr Au⸗ tor ſaget anderwaͤrts/ es ſey eine Phantaſey, daß der Norden zur Erzeugung des Salpeters etwas haupt⸗ ſaͤchliches contribuiren ſolte: ſondern es geſchehe die Erzeugung deſſelben nicht nur hauptſaͤchlich/ ſondern auch eigentlich durch die Faͤulung/ wel⸗ cher aber d ie Nord⸗Winde gar nicht zu ſtatten kom⸗ men. Die Meynung aber/ oder der wahre Grund hievon waͤre dieſer/ daß man die Salpeter-Wande ihrer Breite nach nicht gerade gegen die Mittags⸗ Sonne richten/ auch die ausgegrabene feuchte/ Erde/ nicht in der freyen heiſſen Sonne/ ſondern im Schatten biß zu ihrer Trockenheit aufbehalten ſolte/ weil die heiſſe Sonne ſonſt den annoch zarten V b V 823(O) 88 29 Denn wir haben zur Zeit noch nicht das allergeringſte/ wodurch man dieſe Sache auf einigerley Weiſe erweißlich machen koͤnnte. Indeſſen wiederholen wir unſere/ oben be⸗ reits mercklich recommendirte Erinnerung/ ja wir ſchaͤrffen ſolche nochmalen aufs angele⸗ gentlichſte ein/ daß nemlich der Salpeter/ er mag ſich in einem ſo fluͤchtigem und aus⸗ dunſtlichem Stande befinden/ als er immer wolle; ja ſelbſt der jenige/ welcher/ wo er an⸗ derſt in der Welt zu finden iſt/ Dampffs⸗ weiſe in der Lufft herum ſchwaͤrmen ſoll; nicht leichtlich entzuͤndet werde. Nach wel⸗ cher Erinnerung denn einer ſolchen ungegruͤn⸗ deten Einbildung(welche eine/ auf gute Ver⸗ nunfft⸗Schluͤſſe gegruͤndete Vermeidung nicht einmal zu meritiren ſcheinet) leichtlich ausge⸗ wichen werden wird/ als ob nemlich dieſer durch das Athem hohlen aus der Lufft an⸗ gezogene Salpeter/ der Lebens⸗Flamme/ die in der lincken Hertz⸗Cammer des Maen, en Lalpeter wegraubte. Diejenigeu haͤtten ſich auf die Wetter⸗Glaͤſer uͤbel verſtanden/ welche geglaubet/ daß aus Norden her ein groſſer Hauffe Salpeter- Staubs/ mit denen Nord⸗Winden in die mehr und mehr von Norden abliegende Laͤnder herge⸗ trieben wuͤrde: und eine ſolche grundloſe Meynung haͤtte einen gantzen Hauffen Salpeter-Wercke/ de⸗ nen Leuten zwar in die Koͤpffe/ aber ſeines Wiſſens keines in ſolchen Stand gebracht/ daß es mit einem Schaaf⸗oder Rindſtall in Vergleichung zu ſetzen gedienet. vid. Stahl von Saltzen pag. 23. 24. — —— —— 30 98(O) 8- ſchen brennen ſoll/ etwan zum Futter oder zur Speiſe diene. Unterdeſſen leugnen wir keinesweges/ noch weniger aber uͤbergehen wir allhier die offen⸗ bahre Erfahrung/ daß das annoch Erden⸗ haffte/ urſpruͤngliche Nirum, von ammonia- caliſcher Beſchafſenheit/ durch eine ziem⸗ lich ſtarcke Sonnen⸗Hitze allerdings in der Lufft zerſtaͤubet werde. Dennoch aber ge⸗ ſchiehet dieſes/ aus ſolcher Zerſtaͤubung her⸗ ruͤhrende Aufſteigen(elevatio) nicht ſo haͤuffig und uͤberfluͤßig/ daß man Urſache haben ſolte/ unbedachtſamer Weiſe eine gar groſſe Men⸗ ge ſolcher Ausdunſtungen/ geſchweige denn gantze Wellen/ Stroͤhme und Meere der⸗ V ſelben zu erdichten. Doch iſt dieſes gar merckwuͤrdig/ und ver⸗ dienet allerdings einer ſorgfaͤltigen Erfah⸗ V rungs⸗Unterſuchung anheim geſtellet zu wer⸗ den/ wann von vieien behauptet wird/ daß der Salpeter ſelbſt/ wann er in den obberuͤhr⸗ ten dienlichen Behaͤltnuͤſſen/ gleichſam als in ſeiner Zeuge⸗Mutter geſaͤer wird;(*) Aus der (†) Glauber hat verſchiedenes von dem Salpeter- Saamen/ jedoch in einem andern Verſtande/ auf⸗ gezeichnet/ und meinet ſein Vorgeben auf mehr als einerley Art zu beweiſen. Man kan davon Glau⸗ berum Conceutratum, pag. 459· ſeq. item pag. 771. ſeq. nachſehen/ und an den daſelbſt vor eſchriebe⸗ nen Proceſfen ſein Heyl verſuchen. Daß aber ein aufgeloͤſetes/(recht) figirtes Nitrum wiederum Sal- peter erzeugen/ und alſo zum Saamen des Salpaters 3 898(0) 888. 31 der Lufft magnetiſcher Weiſe die Daͤmpffe von ſeiner Art dergeſtalt an ſich ziehe/ ſo daß er ſich daraus/ als aus einer unerſchoͤpfflichen Vorraths⸗Cammer beſtaͤndig vermehre/ und ſodann von neuen hervor wachſe. Denn ob⸗ gleich dieſes bey dem urſpruͤnglichen Nitro, welches(wie wir gemeldet haben) in denen fetten Erden anfaͤnglich erzeuget wird/ ſeine voͤllige Richtigkeit hat; So hat es doch mit unſerm fxeren Salpeter/ der mit einem Feuer⸗ beſtaͤndigem(Fixo) Saltz verknuͤpfft iſt/ eine weit andere Beſchaffenheit/ wovon wir unten mit mehrern handeln werden. Das andere Capitel. Die gemeinere oder bekandtere Chymi- ſche Hſtorie des Salpeters. Jeſe zeiget(1.) die Ausziehung/ Ein⸗ kochung und Ciißaliſrung/(2.) ³⸗O die verſchiedene Zubereitungen/(a.) die vielerley Scheidungen der weſentlichen Theile des Salpeters, Die dienen ſolte/ iſt der geſunden Vernunfft ſowohl als aller Erfahrung zuwieder. Denn wo es wieder zu Salperer werden ſoll/ muß ihm dasjenige von neuen zugeſetzer werden/ was ihm genommen worden. emlich ein Spiritus Nitri. Ein gebrauchtes Schei⸗ de⸗Waſſer/ wenn es zu einem alcaliſchen Saltz ge⸗ ſetzet wird/ giebet zwar einen Salpeter, aber nicht mehr/ als es nach ſeinem ninaßſchen/ ſauren/ 3²½ 493(o) 28 Die Ausziehung und Einkochung des Salpeters wird folgender Geſtalt bewerck⸗ ſtelliget. Die Salpeter⸗Sieder ſammlen die nitroſiſche Erde aus den Vieh⸗ und inſonder⸗ heit aus den Schaaf⸗Sraͤllen/ und zwar Miſt vorhanden ſondern die ſchon alt/ und laͤngſtens wuͤſt gelegen. Auch hohlen ſie die⸗ Leim/ mit darunter gemengtem Stroh auf⸗ Macht von dergleichen Waͤnden die Erde Fm⸗ gleichen Erde bey den heimlichen G emaͤchern/ Oertern/ C) da denn das Landes⸗herrliche iſt alſo nicht als ein Saame/ der in infinitum Sal- Theil des Salpeters anzuſehen. Es duͤrffte alſo derjenige/ welcher auf dieſe Weiſe Salpeter erzielen wolte/ nur ſehr ſchlechten Vortheil dabey ſinden/ ob er gleich ſonſt ſeine Curiohtaͤt auf eine oder andere Weiſe vergnuͤgen koͤnnte. 6«) Die Salpeter-Sieder/ welche dieſes verſtehen koͤnnen auch wohl auf den Schind⸗Angern/ irem in und bey den Schlacht⸗Haͤuſern/ auf Plaͤtzen wo Feld⸗Laͤger geſtanden/ und wo Feld⸗Schlachten geſchehen/ oder wo von langer Zeit her allerhand Untraut zum verfaulen in groſſer Menge hinge nicht eben aus ſolchen/ worinnen noch friſcher ſelbe aus den Bauten⸗Haͤuſern und Huͤtten⸗/ deren Waͤnde aus Schlamm⸗/ Erde und ie geſetzet/ und ſodann der Witterung uͤberlaſſen worden. Sie haben von der Obrigkeit die gers⸗dick abzuſchaben. Auch graben ſie der⸗ ja wohl auf den Kirchhoͤfen und an andern Recht peter erzeugen koͤnnte/ ſondern als ein weſentlicher 1 b geiſthafften Theil von dieſem Saltz bezwingen kan/ 499(0) Sr⸗ 33 Recht zuweilen ſich ſo weit erſtrecket, daß den armen Leuten die Haͤuſer daruͤber niederge⸗ riſſen werden. Zuweilen ſammlen ſie auch wohl die weggeworffene Seiffenſieder⸗Aſche/ wenn ſolche lange an der Lufft gelegen. Doch „nehmen ſie dieſes alles nicht gar gerne an ei⸗ ner ſolchen Seite/ oder an einem ſolchen Ort/ welchen die Sonnen⸗Hitze am meiſten treffen koͤnnen/ befinden auch keinerley Erde Saltz⸗ reicher/ als die jenige/ welche ſie an ſchat⸗ tigten/ dabey aber der freyen Lufft offenſte⸗ henden Oertern uͤberkommen. C Wenn worffen; wie auch wo von langen Zeiten her aller⸗ hand Unflat/ und inſonderheit die Excrementa hu- mana hingefuͤhret worden(als zum Exempel zu Hamburg vor dem Stein⸗ und Altonaer⸗Thor) dergleichen Erdé mit groſſem Vortheil habhafft wer⸗ den. Der Herr Autor gedencket in ſeinem Tractat von Saltzen pag. 130. einer ſolchen Stadt/ wo die Excrementa humana auf einen gewiſſen freyen Platz verfuͤhret werden/ welches von undencklichen Jah⸗ ren her alſo gehalten worden. Weil nun das da⸗ herum gelegene Bau Land ſo fett waͤre/ das es we⸗ nig Miſt beduͤrffte; ſo wuͤrde dergleichen Weſen nicht geachtet. Was aber ſolche Erde vor Nutzen an Salpeter geben koͤnnte; haͤtte niemand daſelbſt bedacht/ da es doch Bedenckens nicht unwehrt waͤre. Und ſo iſt es auch in Hamburg ergangen. Die alten/ von langen Zeiten her zugeworffenen Priveten koͤnnten gleichfalls mit groſſer Avantage genutzet werden. Gleichwie ich denn in einer vor⸗ nehmen See⸗Stadt in Nieder⸗Sachſen ein ſolches altes Moͤnchen⸗Privet geſehen/ welches ſchon von der Reformation her zugeworffen/ und mit Erde he⸗ 34 99(0O) SSr Wenn es die Zeit leydet; ſo ſtuͤrtzen ſie die⸗ ſe zuſammen gefuͤhrte Erden an einem ſchar⸗ ticht; und trockenen Ort auf einige Hauffen/ und laſſen ſie daſelbſt biß zur Duͤrre austrock⸗ nen.() Wannſie aber nicht zoͤgern koͤnnen/ oder es ihnen an einem bequemen Orthe feh⸗ let/ oder wann auch ein gar groſſer Vorrath von dieſer Erde vorhanden iſt; ſo bringen ſie ſolche bloß in laͤnglichte ſchmahle Hauffen/ und fuͤhren dieſelbe ſolchergeſtalt neben einander in die Hoͤhe/ ſtellen ſie auch alſo uͤberzwerch ge⸗ gen Mittag/*) daß nicht allein die Son⸗ nen⸗ deckt geweſen. Ein gewiſſer Schul⸗Bedienter hatte daſeldſt ſeinen Garten/ und wann derſelbe nur ei⸗ nige Fuß tieff graben/ eine Schauffel voll von dieſem verdeckt geweſenen Unrath ausnehmen/ und an die Lufft legen ließ: ſo zeigte ſich darinnen eine unzaͤhlige Menge kleiner viereckichter Saltz-Cri- ſtallen von Saſpetrichter Art/ ja es war/ wenn es recht trocken worden/ mehr Saltz als Erde daran zu ſehen. Gewiß/ wann daſeldſt Salpeter- Sieder vorhanden geweſen waͤren/ die dieſe Ma- terie zum Nutzen/ und durch den gehoͤrigen Zuſatz recht zu bringen gewuſt haͤtten/ ſo haͤtten ſelbige mit leichter Muͤhe viele tauſend Rthlr. darans machen koͤnnen. (*) Die galpeter-Sieder wenden ſie alsdenn zum oͤfftern um, wenn ſie aber gantz trocken vor ſich al⸗ leine ausgelauget wird/ giebet ſie eine Lauge die nicht anſchieſſet. Wird ader die Erde mit Aſche und magerereeinſchluckender Erde gehoͤriger maſſen ver⸗ ſetzet; ſo ſchieſſet die daraus gemachte Lauge leicht⸗ lich zu Criſtallen. ... (a) Ich habe im Thuͤringer/ Lande ſolche Erd⸗Hauf⸗ 495(0) 888- 35 diee nen⸗ Strahlen ſie nicht in der Laͤnge beſtrei⸗ ar chen koͤnnen/ ſondern daß ſie auch ſelbſt von ſa der gemeinſchafftlichen Naͤhe/ in welcher ſie oce, neben einander geſetzet ſind/ genugſamen 9 Schatten haben. u C 2 Dieſe iſee fen bey einer Salpeter-Siederey geſehen/ woran und ich ſowohl die kuͤnſtliche und artige Structur, als rin den Fleiß und die Geſchicklichkeit desjenigen/ der ſolche zuerſt angeleget/ admiriren muͤſſen. Sie gee lagen in einem etwas geſchobenen Quadrangel, der on ſich mit ſeinen beyden Hauptwinckeln in Sud⸗Weſt gen: und Nord⸗Oſt; mit ſeinen beyden kleinern Win⸗ ckein aber in Suͤd⸗Gſt und Nord⸗Weſt erſtreckte/ und waren ſelbige mit einer Wand uͤber 2. Mann halte hoch/ und etwa 2. Fuß dick/ gleichſam als mit einer rei Mauer umgeben/ welche aber ebenfalls aus lau⸗ von ter ſolcher Erde aufgeſchagen/ nach dem Perpen- und dicul geebnet/ und von ferne nicht anders als eine eine Veſtung/ oder als eine Schantze anzuſehen waren. ei. Der Winckel nach Suͤd⸗Weſt war mit dicken Baͤu⸗ vem men umpflantzet/ welche ſowohl die allzu hefftig de anſchlagenden Suͤd⸗Weſt⸗Regen in gewiſſer Maſ⸗ ein. ſe abhalten/ als den noͤthigen Schatten geben konn⸗ Me. ten. Der Winckel nach Suͤd⸗Oſt aber ſtand bloß. zuſaz Ich fragte den damahligen Meiſter/ ob er nicht wuͤ⸗ ſe, warum die Baͤume um den Suͤd⸗Weſt⸗Win⸗ achn ckel herum gepflantzet worden. Er ſagte aber er wuͤſte nicht anders/ als daß ſein Groß⸗Vater ſol⸗ um ches vielleicht zu ſeinem Plaiſir gethan. Ich zeigte hab ihm aber die Ürſache/ die denſelben auſſer Zweiffel edie dazu bewogen/ und rieth ihm den Suͤd⸗Oſt⸗Win⸗ eund ckel Preſchfalls mit Baͤumen zu bepflantzen/ damit ndet. derſelbe mit der Zeit ebenfalls Schatten haben licht moͤchte. Denn wegen des Regens von dieſer Sei⸗ te waͤre ſolches eben nicht noͤthig/ welches denn hauf auch muthmaßllch die Urſache waͤre/ warum ſein —— ——— 9 † p 36(0) Dieſe entweder voͤllig oder mitrelmaͤßig trockene Salpeter⸗Erde thun ſie in ſolchen 4 Faͤſſern oder Kuͤfen/ welche etwan einer Spannen hoch uͤber ihren Boden/ noch einen d andern beweglichen/ und uͤberall mit kleinen durchgebohrten Loͤchern verſehenen Boden ha⸗ ben/ der durch einige untergelegte Stuͤtzen von dem rechten Boden abgehalten wird/ und nach Belieben kan heraus genommen/ und wie⸗ der eingeſetzet werden. Auf dieſen oberſten Boden leget man von Stroh oder Heu eine Lage/ etwan einer quer Hand hoch/ ſodann wird von der Salpeter⸗Erde eine merckliche 8c Quantitæt darauf geſchuͤttet. Uber dieſe Erde de wird Groß⸗Vater ſolches unterlaſſen. Wegen des Schattens aber wurde ſolches ſeinen unausbleib⸗ lichen Nutzen haben. Ferner war auf der Suͤd⸗ Weſt⸗Seite ein breiter/ und des Sommers trocke⸗ V ner Graben/ worinnen ſich das von den Baͤumen abfallende Laub ſammelte/ und den Winter uͤber/ in dem ſich gleichfalls darinnen ſammelnden Re⸗ gen⸗und Schnee⸗Waſſer verfaulte. Auf den Sei⸗ ten des Grabens aber ſtand eine groſſe Menge von der Perſicaria oder ſogenannten Floͤhe⸗Kraut/ welches ſehr hoch und geil gewachſen. Der Mei⸗ ſter aber wuſte gleichfalls nicht/ ob dieſer Gra⸗ ben von ſeinen Vorfahren in Abſicht auf das Sal⸗ peter⸗Werck oder ſonſt zu einem andern Ende ge⸗ macht worden. Auch war ihm nicht bekandt/ wie er die Erde von dem im Graben verfaulten Laube/ noch weniger aber/ wie er/ das in dem Graben erwachſene Unkraut zu ſeinem Wercke nutzen ſolte. Wenigſtens aber wuſte erſich ſo zu ſtellen. Ubrigens V äͤßi 9(0) E 37 ſche wird ein Theil Aſche NB. aus harten Holtz ene 6“) und ein wenig ungeloͤſchrer Kalch ge⸗ mn ſtreuet. Sodann wird abermal eine Schicht mn Erde darauf geſtuͤrtzet. Hierauf aber von neuen Aſche hinzu gethan/ und damit ſo lan⸗ tite ge eins ums andere fortgefahren/ biß das Ge⸗ 'un fäͤß mehrentheils voll geworden.. dwi Alsdenn wird ſo viel Waſſer daruͤber ge⸗ erſer goſſen biß es ziemlich hoch uͤber die Erde her⸗ rein uber feher Denn laͤßt man es eine Nacht dan alſo ſtehen. Des Morgens zieyet man den düche Zapffen/ welcher im unterſten Boden veſt iſt Gnd auf/ und laͤſſet die Lauge/ welche ziemlich klar vi und etwas gelblicht iſt/ ablauffen. C3 Wenn Aad waren die Erdhauffen innerhalb der Wand etwann Lih anderthalb Mann hoch/ und anderthalb Fuß breit/ roce und gleichfalls alleſamt nach dem berpendicul ge- lou ebnet/ auch vermittelſt eines Creutz⸗Ganges/ von 1. 6 nnd ein halben Fuß breit/ in vier Felder abgetheilet/ 8 da denn die Hauffen in jedem Felde 2. Fuß breit von⸗ nNo einander faſt nach Art eines Labyrinths geordnet wa⸗ ao ren/ und zwar wie die Figur ſub Num. I. ausweiſet. kag 0) Die Aſche aus Stroh/ weichem Holtz/ Torff Ma ac. iſt nicht hiezu geſchickt/ weil ſie wenig oder gar Gra kein laugenhafftes Saltz in ſich hat/ auf welches Sal. Saltz aber allhier alles miteinander ankommet. ꝛde ge Dieſerwegen wiſſen ſich einige Salperer-Sieder an / wie denen Orten/ wo keine Buchen⸗Aſche zu haben/ zube oder wo der Nutzen der Pott⸗Aſche unbekannt/ raben nicht leichtlich zu helffen: ſondern glauben lieber/ ſolte als ob ihnen boͤſe Augen in die Faͤſſer und Siede⸗ moems Beſſel geſchauet/ werffen derohalben Creutze von Holunder⸗Holtz in die Lauge/ und raͤuchern die 38 33(0) 88 Wenn alles ausgelauffen/ wird der Zapffen wieder eingeſtoſſen/ und das Gefaͤß oder Ku fen wird von neuen alſo mit Waſſer angefuͤl⸗ let/ welches wenn es eben ſo lange als das vo⸗ rige darauf geſtanden/ auf gleiche Weiſe abge⸗ zapffet wird.(*) Dieſe Lauge iſt wenigſtens um die Helffte ſchwaͤcher als die vorige; Unterdeſſen verloh⸗ net es ſich mit der erſten Lauge noch nicht ein⸗ mal der Muͤhe/ daß ſie vor ſich ſelbſt einge⸗ ſotten zu werden verdienen ſolte. Es wird alſo die erſtere Lauge wieder auf friſche/ mit Aſchen ſchichtweiſe verſetzte Sal⸗ peter⸗Erde gegoſſen/ und man thut von der andern Lauge ſo viel dazu/ als dem Waſſe ey Gefaͤſſe mit ſchwartzen Ruͤmmel und trockenen Johannes⸗Kraut/ wo ſie aber nicht von ohnge⸗ faͤhr zu beſſerer Aſche gelangen/ und die Lauge nochmahl durchlauffen laſſen: ſo muͤſſen ſie den Quarck zuletzt wieder auf die Hallen ſchuͤtten/ und ſich damit troͤſten/ daß er ſich ins kuͤnfftige in der Bearbeitung ergiebiger bezeigen werde. ) Dergleichen Gefaͤſſe werden auf groſſen Lalpeter- Huͤtten in ziemlicher Anzahl gebrauchet/ und ſind ſelbige an etlichen Orten etwas groͤſſer als ein Ke⸗ genſpurgiſches Schaff/ an etlichen Orten aber noch wohl einmahl ſo groß. Das Auslaugen aber geſchiehet folgender Geſtalt: Es wird nemlich ein Lemlich weites/ und etwann 1. und einen halben chuh hohes/ ſallberes Gefaͤß ſo tieff in die Erde egraben/ daß der oberſte Rand/ dem Erdboden orizontaliter Gleich ſtehet. Auf dieſes Gefaͤß wer⸗ den 2. andere Gefaͤſſe/ darinn die Salpeter-Erde mit (O) 88 39 bey der erſteren Erde abgegangen. Und dieſe Ku Arbeit wird ſo lange mit friſcher Erde wie⸗ derhohlet/ biß die Lauge ſo ſtarck/ daß ſie mit Nutzen kan verſotten werden. Die Einkochung geſchiehet in einem/ ins beſonders dazu gemachten Keſſel/ der nemlich tieff/ und unten ziemlich enge/ von coniſcher Figur/ jedoch nicht ſpitzig zugehend/ ſondern eine Flaͤche/ oder maͤßige Hoͤhlung/ im Durch⸗ ſchnitt etwan anderthalb Spannen wei/ behaltend. C) C 4 Der — dem Waſſer ſtehet/ alſo geſtellet/ daß die Zapffen⸗ Locher in das eingegrabene Gefaͤß gehen. Sodann wird an etlichen DOrten/ wann nemlich das Waſ⸗ ſer lange genug auf der Salpeter⸗Erde geſtan⸗ den/ der Zapffen nur in ſo weit aufgezogen/ daß die Lauge nur Tropffen⸗weiß in das unterſte Gefaͤß rinnen kan/ welche denn uͤberaus klar herab trief⸗ ft. Dem curioſen Leſer zu Gefallen/ haben wir die nordnung der Gefaͤſſe in folgenden ohngefaͤhren Riß ſub Num. 2. mit beyfuͤgen wollen.(a.) Iſt das weite/ in die Erde gegrabene Gefäͤß.(bb.) Sind die Gefaͤße/ worinn die Salpeter⸗Erde ausgelauget wird/ welche mit dem unterſten Rande ſo weit uͤber das Gefaͤß(a.) geſetzet werden/ daß die Zapffen⸗Loͤ⸗ cher in baſſelbe eintreffen.(cc.) Sind die Zapffen⸗ Locher/ aus welchen die Lauge/ in das Gefaͤß(a.) hinein trieffet. (**) Bey den mehriſten Salpeter-Siedereyen die ich ge⸗ ſehen/ habe die Keſſel alſo gemacht und einge⸗ mauert gefunden/ wie die hiernaͤchſt ſtehende Fi- gur ſub Num. 3. ausweiſet. Ich habe aber zwey Haupt⸗Fehler bey ſothaner Structur des Ofens be⸗ obachtet. Erſtlich daß ſehr vieles Holtz in einem 40-898(0).⸗ Der eigentliche Nutzen von dieſer Einrich⸗ rung des Keſſels bezielet die Reinigung und Klarmachung dieſer Lauge/ welche ſelbſt un⸗ ter dem Kochen nothwendig bewerckſtelliget werden muß: und in einem ſolchen bequemen Keſſel/ vermittelſt der ſcharffſinnigen Lim⸗ placitat eines noch andern/ hieher gehoͤrigen Handgriffs leichtlich zu erlangen iſt. Wann nemlich eine ſolche Lauge(die/ wie wir oben bereits erinnert haben/ recht klar dehn muß) ſolchen Ofen erfordert wird/ welches der Sache an und vor ſich ſelbſt nicht zu Nutzen koͤmmt; Vors andere/ daß es unmoͤglich in einem ſolchem Ofen einen ſo genauen Grad der Feuer⸗Hitze zu halten/ als die Einſiedung des Sahpeters erfordert. Denn dieſes muß nur gelinde in einerley Feuers⸗Grad, folglich weder allzueilig/ noch allzuweit geſche⸗ hen; ſonſt waͤchſt nicht alleine der Salperer kurtz und unſcheinbar uͤbereinander her/ ſondern es wird auch ein gutes Theil deſſelben in ein unſchmack⸗ hafftes/ unter den Zaͤhnen knirſchendes/ erden⸗ hafftes Weſen verkehret. Man kan ſolches leicht⸗ lich ſelbſt probiren/ wann man rinige Pfund von dem allerreinſten Salpeter nimmet/ ſelbigen in heiſ⸗ ſem Waſſer aufloͤſet/ und noch dazu aufs ſauberſte kltriret. Kochet man nun dieſen Liquorem mit ſtar⸗ cker Hitze ein/ ſo ſchieſſet das wenigſte davon in laͤnglichten Criſtallen an/ ſondern es ſetzet ſich faſt wie ein anſchieſſender Tartarus Vitriolatus zuſam- men/ und wo man mit dem Einkochen nur ein we⸗ nig zu grob gekommen; ſo gehet bey nahe der vierdte Theil verlohren/ und wird zur unſchmack⸗ hafften Erde. Hergegen wenn ein ſolcher Liquor allmaͤhlich in einerley Feuers⸗Grad abgedunſtet wird; ſo ſchieſſet hernach der Lalperer recht ſauber b 83(0) S 41 muß) eine Zeitlang gekocht wird; ſo dunſtet beſtaͤndig etwas waͤſſerichtes aus/ und zwar weit geſchwinder/ als aus der gemeinen Saltz⸗ Soole/ und andern dergleichen Laugen. Da⸗ mit nun der Keſſel allezeit voll gehalten; den⸗ noch aber durch das oͤffters wiederhohlte Zu⸗ gieſſen der friſchen und kalten Lauge/ die im Keſſel bereits kochende nicht gar zu ſehr ver⸗ andert werde: So wird ein hoͤltzernes mit Lauge angefuͤlltes/ und mit einem bequemen C Haͤhn⸗ an/ ja wann man zum Aufloͤſen des Salpeters nicht mehr ſiedend heiſſes Waſſer genommen/ als eben ur Solution nöthig geweſen; und ſetzet hernach en Liquorem hin/ daß er erkaltet/ und laͤſſet ihn ein oder zwey Tage alſo verdeckt ruhig ſtehen: ſo ſchieſſen auch ohne Einkochen die allerſchoͤnſten/ und als lauter Strahlen und Spieße geformte Cri- Ktallen von ſelbſt darinnen an/ welche nicht allein den allerreinſten/ ſchoͤnſten/ und zur Medicin dienlichſten Lalpeter abgeben/ ſondern auch uͤber⸗ aus angenehm in die Augen fallen. Ich habe mich alſo nicht wenig daruͤber verwundert/ daß man in Teutſchland noch nicht auf die Verbeſſerung eines ſolchen Ofens bedacht geweſen. Was ſoll ich aber ſagen/ da ich auf denen vornehmſten Koch⸗Saltz⸗ Siedereyen in Teutſchland faſt eben dieſen Feh⸗ ler an den Siede⸗Oefen bemercket/ ohngeachtet das viele Saltz/ welches daruͤber taub geſotten wird/ und das viele unnoͤthig verbrandte Holtz/ wel⸗ ches doch an dergleichen Orten weder in Uber⸗ fiuß vorhanden/ noch ſonderlich wohlfeil/ laͤng⸗ ees Anlaß haͤtte geben ſollen und koͤnnen/ auf die Verbeſſeruug dieſes bißherigen Verſehens zu geden⸗ cken. Inſonderheit da es jetzo faſt keine Kunſt/ ja da es nicht einmahl ſo ſonderlich unbekandt mehr iſt; 42 88(0) 8- Gaͤhnchen verſehenes Gefaͤß(*) ſolcherge⸗ ſtalt an⸗oder auf den Ofen hingeſetzet/ daß daraus ohne der geringſten Unterbrechung der ſiedenden Hitze beſtaͤndig ſo viel Lauge in den Keſſel wieder eintrieffen/ oder auch gantz gelin⸗ ſowohl zum Lalpeter- als Koch⸗Saltz Sieden einen einfaͤltigen/ dauerhafften/ unkoſtbahren/ und von einem jedeu Mauer⸗Meiſter leichtlich aufzuſetzen⸗ den Ofen machen zu laſſen/ der kaum den vierdten Theil Holtz/ als die ſonſt gewoͤhnlichen Oefen er⸗ fordert/ und dabey geſchickt iſt/ In allen Graden der Hitze/ die man nur verlanget/ und ſo lange man es verlanget/ faſt ohne beſonders noͤthiger Aufſicht fortzugehen. Woher es dann koͤmmt/ daß eine Pfanne die auf einen ſolchem Ofen ſtehet/ mehr/ und zarter Saltz giebet/ als eine andere nach der gewohnlichen Weiſe eingemaurte. Ich habe ein⸗ mahl Gelegenheit gehabt/ einem gewiſſen Saltz⸗ Bedienten dieſes ſolchergeſtalt zu demonſtriren/ daß er nichts darwieder erinnern kunte. Er meinte aber/ die Saltz: Wuͤrcker waͤren eigenſinnige wun⸗ derliche Leuthe’/ die ſich nichts neues aufbringen lieſſen. Doch habe ich nachhero wohl geſehen/ daß dieſer Mann bey dem Holtz⸗Einkauffen ſeinen Proſit gar wohl zu machen gewuſt/ und daß es alſo ratio Status bey ihm nicht geſtatten wollen/ ſeinem gnaͤdigſten Herren einen ſolchen Vortheil aufrichtig u entdecken/ dadurch derſelbe viele tauſend Rthlr. jaͤhrlich haͤtte erſpahren; dieſer Bedienter aber in dem Stande gerathen koͤnnen/ daß er Kutſche und Pferde abſchaffen/ des Tages mit z3. oder 4. Gerich⸗ ten/ wie auch mit 3. 44. Bouteilles Bourgogne-oder Champagne-Wein weniger in ſeinem Hauſe haͤtte vorlieb nehmen muͤſſen. (*% Das Gefaͤß iſt insgemein ſo groß/ daß zwey biß drey Eymer Waſſer drein gehen/ und wird ſolcher⸗ ——2————— —.,— —j———„ 833(O) 8 43 gelinde einflieſſen kan/ als durch das Kochen ausgedunſtet wird. Wann ſich dann unter ſolcher Behandlung die Lauge immer mehr und mehr verdicket; ſo faͤnget ſie an/ ſehr truͤbe zu werden/ ja ſo gar einen zarten Leim fallen zu laſſen/ welcher allmaͤhlich in eine ſtau⸗ hichte Conſiſtenz zuſammen gehet/ und unter der Geſtalt den Hefen erſcheinet/ mithin den gantzen Vorrath des Liquoris verunreiniget. Solchemnach waͤre noͤthig/ daß die Lauge bey dieſer Bewandniß vom Feuer genommen/ und durchgeſeigert wuͤrde; oder daß man ſie eine Zeitlang ſtille ſtehen/ das Unreine nieder ſetzen/ und alſo wieder klar werden lieſſe: 6†) Damit aber die Arbeit auf eine ſo verdrießliche Art nicht verzoͤgert werden moͤ⸗ ge; ſo iſt nicht allein die vorerwehnte Einrich⸗ tung des Keſſels/ ſondern uͤber dem noch ein an⸗ geſtalt an⸗oder auf dem Ofen geſtellet/ wie die voranſtehende Figur bey dem Titul⸗Blade auswei⸗ ſet. Auf den wenigſten Salpeter-Siedereyen aber ſeynd dergleichen Gefaͤße mit einem meßingenem Haͤnchen verſehen/ ſondern es iſt an deſſen ſtatt/ ein Stock/ einer Hand⸗ lang/ welcher etwas mehr als eines Feder⸗Kiels dick ausgehoͤhlet iſt/ ein wenig niederwaͤrts haͤngend/ eingeſchlagen/ vorne aber ein mit Flachs oder Werck bewundener Feder⸗Biel ſolchergeſtalt eingeſteckt/ daß die Lauge in geſchwin⸗ de nacheinander fallenden Tropffen abtrieffen kan. -) Solches geſchiehet annoch auf einigen geringen Lalpeter-Siedereyen/ mit welchen es aber(ſo viel ich geſehen) wenig zu bedeuten hat. 4 823(0) 88 anderer/ ſich dazu ſchickender/ vortheilhaffter Handgriff erfunden worden/ welcher in fol⸗ gendem Kunſt⸗Stuck beſtehet. Es wird nemlich ein ziemlicher Eymer/ deſ⸗ ſen Figur mit dem unterſtem Theile des Keſ⸗ ſels uͤbereinkoͤmmet/ der doch aber ſo viel en⸗ ger iſt/ daß zwiſchen dem Eymer/ und zwi⸗ ſchen den inwendigen Seiten des Keſſels ein mercklicher Raum uͤbrig bleibet/ vermittelſt eingelegter Steine in die kochende Lauge ein⸗ gerauchet/ und etwa biß auf zwey Kinger weit vom Boden niedergelaſſen: Wenn nun der truͤbe Liquor, von dem Boden des Keſ⸗ ſels allenthalben um den Eymer herum/ auf⸗ ſiedet; ſo wird er vom Umkreiß zum Mittel⸗ Pund, oder in die Mitte des Keſſels flieſſend getrieben/ trifft aber oberhalb des Keſſels eine ruhige Gegend an/ welche unter ſich nicht be⸗ weget wird/ weil nemlich der Eymer ſelbſt/ und die darein fallende auge ſolches verhin⸗ dert. Und dahero koͤmmt es/ daß dieſes wal⸗ lende/ truͤbe/ hefichre/ leimichte Weſen/ in dieſer ruhigern Gegend alſobald ſtille ſtehet/ und ſchnurgerade in den Eymer hinein faͤllet/ alſo daß die Lauge von dieſem Unrath befreyet/ und von neuen klar wird. Wenn ſolches ge⸗ ſchehen/ wird der Eymer heraus genommen⸗ und wenn die uͤbrige Lauge ſo weit eingedicket iſt/ daß ſie von ihrem gehoͤrigen Beſtande die Probe giebet; ſo wird ſie an ihrem Ort zum Anſchieſſen hingeſetzet. d le⸗ 8(o)& 45 Dieſen Eymer nennt man wegen ſeiner Verrichtung den Pfuel⸗Eymer(*) weil er nemlich zur Ausraͤumung dieſes ſichtbahren Ballaſts/ oder ſandigten Unraths dienet. Und ich erinnere nochmalen mit gutem Recht/ daß der Gebrauch dieſes Eymers allerdings als eine Erfindung von einer ſcharffſinnigen Einfalt anzuſehen. Wann die alſo klar gewordene Lauge ihre gehoͤrige Conſiltenz erlanget; ſo werden eini⸗ ge Tropffen davon auf ein kaltes Eiſen/ oder auf einen harten und glatten Stein/ zur Pro⸗ be gethan, welche alſobald zu einer trocken⸗ hafften/ Saltz⸗artigen/ und ſich in vielerley Striche ausdehnenden Conſiſtenz verdicket: und ſo man eine gluͤhende Kohle mit eini⸗ gen Tropffen hievon beſprenget; ſo verurſe⸗ en () Der Pful⸗Eymer iſt von einer ſolchen Geſtalt wie die hiebeyſtehende Figur ſub Num. 4. ausweiſet. (a.) Iſt ein Querholtz/ welches uͤber den Keßel ge⸗ leget wird/ und(b.) iſt ein Strick/ woran der Ey⸗ mer von dieſem Querholtz herunter in den Keßel haͤnget.(c.) Iſt ein Querholtz/ welches diametra- liter oben in dem Rande des Eymers feſt gemacht iſt/ und in deſſen Mitte der Strick angebunden iſt. Der Strick(b.) iſt nur ſo lang/ daß der Eymer nicht weiter als etwa zwey Querfinger hoch uͤber den Bo⸗ den des Keßels hinab ſincken kan/ und die in den Ey⸗ mer gelegte Steine dienen dazu/ daß der Eymer in ſeiner gehoͤrigen Situation haͤngen bleibet/ und daß er wegen dieſer ihm gegebenen Schwere/ durch die aufſiedende Lauge von ſeiner Stelle nicht kan verruͤcket werden. 45.892(0) 88- chen ſie mit derſelben augenblicklich eine Flam⸗ me oder ein Blitzen. Wenn ſich dieſes in der Probe alſo gezeiget; ſo wird der Liquor in hoͤltzerne/ nnd an ei⸗ nem etwas kalten Ort in die Erde eingegra⸗ bene Gefaͤße geſchuͤttet und bedecket/ damit der Salpeter nicht durch voreiliges Kalt⸗werden auf der Ober⸗Flaͤche ungleich geſtreiffet werde. Man laͤſſet ihn alſo nur allmaͤhlich kalt wer⸗ den/ worauf das zuſammen gewachſene Laliniſche Beſtand⸗Weſen theils in ſchoͤnen ſcheinbahren/ theils aber in zuſammen ge⸗ wickelten Criſtallen heraus genommen/ und verwahret wird. Der ruͤckſtaͤndige Liquor wird ferner eingekocht/ und auf die vorer⸗ wehnte Art behandelt/ biß endlich ein Theil davon von ſchwaͤrtzlicht⸗ gelber Farbe/ wel⸗ cher beſtaͤndig fluͤßig/ und zu keinem Anſchieſſen weiter zu bringen iſt/ zuruͤcke bleibet. Die letztern Anſchuͤſſe geben nicht alleine al⸗ lezeit kleinere Criltallen/ ſondern ſind auch von fluͤchtigerer Conſiſtens. Ja es wird dieſer Sal⸗ perer ſelbſt in der Krafft zu brennen etwas traͤger befunden. Uberdem iſt er auch von et⸗ was matterer und unreinerer Farbe. Er wird alſo von neuen aufgeloͤſet/ und durch bloſſes Einkochen wieder zum Anſchuß gebracht. Da man dann zu der Aufoͤſung ſelbſt/ eine mit Waſſer vermengte Lauge nimmt/ oder ein wenig ungeloſchten Kalch zuſetzet/ und wenn derſelbe zu Boden Leſan⸗ en/ 428(O) 88 47 cken/ die klare Lauge abdunſtet. Welches man das Laͤutern nennet. Die jenigen/ welche einen recht Flammen⸗ faͤhigen/ und zum brennen inſonderheit hur⸗ tigen Salpeter verlangen/ geben an/ daß man ſolchen in Weineßig aufloͤſen/ und nach geſchehener Einkochung anſchieſſen laſſen ſoll/ und wird dieſe Manier von den Feuerwer⸗ ckern inſonderheit geruͤhmet. Mehrentheils befindet man/ daß der Sal⸗ peter durch vieles beygemiſchtes Koch⸗Saltz verunreiniget worden/ welches inſonderheit geſchiehet/ wann die Salpeter⸗Erde von ſol⸗ chen Oertern/ die mit friſchen Harn uͤber⸗ ſchwemmet werden/ gehohlet wird. Dieſe Vermengung des Koch⸗Saltzes mit dem Salpeter verhindert ſein Brennen/ und ver⸗ faͤlſchet ſeinen ſauren Spiritum, der zu Chymi- ſchen Arbeiten ſoll gebrauchet werden. Dieſem Ubel aber wird durch wiederhohl⸗ tes Aufloͤſen und durch ſehr gelindes und maͤßiges Ausdunſten gewehret. Denn auf dieſe Art/ kommet aus einem nicht gar ſtarck eingedicktem Sode/ ein ſehr reiner/ und von aller frembden Saltzigkeit befreyter Salpe⸗ ter zum Vorſchein.(*) Hergegen behaͤlt der (*) Weil die Salpeter-Sieder ſich auf dieſen Handgriff nicht alle verſtehen; folglich die Lauge ſtaͤrcker und weiter abſieden/ als ſichs gebuͤhret; ſo habe ich auf verſchiedenen galperer-Huͤtten geſehen/ daß ſich in den Faͤſſern/ worinnen der Salpeter anſchieſſen ſol⸗ 4³ 89(O) Se der eine Theil/ und zwar der wenigere die gantze Quantitet des Koch⸗Saltzes zuruͤcke. Wenn aber auch dieſes ſchlechterdings zu ei⸗ nem Saltze eingedicket/ und nachdem ſolches zu Pulvoer geſtoſſen worden, auf hoͤltzernen Tafeln im Keller/ oder ſonſt an einem ſchat⸗ tichtem Ort hingeſtellet wird; ſo zerflieſſet das beygemiſchte Saltz gar leicht von ſelbſt: Wann ſich aber dergleichen Saltz bey dem Salpeter⸗Weſen ſehr haͤuffig findet; ſo iſt es am beſten/ daß man den gantzen Ruͤckſtand/ wieder auf die Salpeter Hauffen gieſſet/ oder an die Salperter⸗Waͤnde ſprenget. Wenn der Salpeter ſolchergeſtalt zuſam⸗ men gewachſen: ſo wird er hernach verſchie⸗ denen/ len/ nicht allein vieles Koch⸗Saltz an den Seiten des Gefaͤßes angeleget/ ſondern auch auf dem Bo⸗ den mit den Salperer- Criſtallen verwickelt. Daher ſie auſſer dem Verluſt desjenigen/ was ſie im ſtar⸗ cken Kochen davon gejaget/ noch dieſe Ung elegen⸗ heit haben/ daß ſie den mit Saltz verwickelten Sal- peter wieder aufloͤſen/ oder auch den Kaͤuffer damit betriegen muͤſſen. Der Herr Rath Hoffmann zu Halle hat in ſeinen Obſervarionibus Phyſico-Chymi- ais Kelectioribus Lib. II. Obſerv. VI. gezeiget/ nach was vor Proportion das Koch⸗Saltz und der Sal- peter von dem Waſſer eingenommen werde/ und wer dieſes begreiffet/ kan leichtlich ſehen/ wie der Sache zu helffen. Wuͤſten aber die Salperer Sieder/ was die Faͤulung waͤre/ und haͤtten ſie dabey den Ver⸗ ſtaud/ ſolche zu ihrem Werck gebuͤhrend einzurich⸗ ten; ſo wuͤrden ſie dieſe Unbequemlichkeit/ und den damit verknuͤpfften Schaden noch leichter remedi- ren koͤnnen. 493(o)- 49 denen/ doch nicht gar zu vielen Zubereitun⸗ gen unterworffen. Die Zermalmung deſſel⸗ den/ nemlich die jenige/ welche durch das Srtoſſen im Moͤrſel geſchiehet/ ſcheinet zwar nicht von der Wichtigkeit zu ſeyn/ daß man ihrer inſonderheit Erwehnung thun duͤrffte: „Weil aber noch eine andere dergleichen Zer⸗ malmung gebraͤuchlich iſt/ welche in groſſer Quantitæt bewerckſtelliget werden kan; ſo wol⸗ len wir ſolche nic uͤbergehen. Es wird nemlich eine groſſe Quantitet Sal⸗ peter in einem gemeinem Keſſeluͤber dem Feuer/ in ſo wenig Waſſer als immer moͤglich iſt/ auf⸗ geloͤſet; dieſer wird unter gelinden Kochen mit einer höltzernen Spatul beſtaͤndig umge⸗ ruͤhret; weil nun das Waſſer hieruͤber all⸗ maͤhlich verrauchet; ſo wird der Salpeter zu den allerzarteſten Koͤrnerchen/ oder zu einem Pulver/ das dem allerfeinſten Sande gleicht/ verdicket. Wenn ſich dieſes in mercklicher Quantitæt geſetzet/ ſo wird es mit einem beque⸗ men Loͤffel ausgeſchoͤpffet, und wenn man mit dieſem gelinden Ausdunſten und Umruͤhren fortfaͤhret/ ſo gelanget endlich der gantze Vor⸗ rath zu einer ſothanen Conſiſtenz.(*) D Die⸗ (*) Eine noch andere/ ſehr ſubtile, jedoch hauptſaͤch lich zur Medicin dienliche Fein⸗und Kleinmachung des Salpeters iſt dieſe: Wenn man den Salpeter in heiſſem Waſſer aufloͤſet/ fltriret/ und in irrdene neue/ glaſurte und ungeglaſurte Toͤpfe thut/ ein klein wenig kochen laͤſſet/ alsdenn aber die Toͤpfe acht/ 70-98(0) 869. Dieſes alſo gerrocknete Pulver dienet her⸗ nach um ſo viel beſſer/ zur weiteren Zerreibung/ und zur ſchnellern Vermengung mit dem Koh⸗ len⸗Sraube/ wie auch zur gehoͤrigen Bezwin⸗ gung in den Muͤhlen/ wenn es zum Schieß⸗ Pulver ſoll gebrauchet werden. Eine andere Zubereitung des Salpeters iſt insgemein in denen Apotheken gebraͤuchlich/ woraus der ſogenannte Tafel⸗Salpeter ent⸗ ſtehet. Nemlich die von den Teutſchen alſo genannten kleinen Salpe er⸗Kuͤchlein/ welche ſonſt Rotulæ, oder Tabulæ genennet werden. Hiezu wird der Salpeter im Gluͤhe⸗Feuer geſchmoltzen/ daß er wie ein Waſſer ſiieſſet. Wann er alſo fiieſſet/ wird etwan der zehen⸗ de Theil gemeinen Schwefels nach und nach in kleinen Stuͤckchen darein geworfſen. Es verbrennet alſo der Schwefel/ mit einem Theil des Salpeters/ und bleibet ein ſolches weißlichtes Nitrum zuruͤck; welches aus ei⸗ nem geſchnaͤbelten Loͤffel Tropffen⸗ weiſe auf eine geglaͤttete kupfferne oder meßingene Plat⸗ te ausgegoſſen wird/ und in ſolchem Taͤfelchen beſtehen bleibet. 9 Man vierzehen/ und mehr Tage an einen trockenen/ ſchat⸗ tichten und kuͤhlen Ort hinſetzet; ſo ſchwitzet der Salpeter uͤber allemaſſen zart und fein durch die Toͤpfe hindurch/ und wird man allemahl um den dritten Tag eine Quantiraͤt der ſchoͤnſten Salpeter- Blumen lammeln foͤnnen. ie 59(O) 8- 51 Man nennet einen ſolchen Salpeter/ in den Apothecken Nitrum depuratum, Nitrum tabu- larum, Lapidem prunellæ. Man kan aber nicht leichtlich begreiffen/ zu was vor einem beſon⸗ dern Gebrauch dieſe Zubereitung angeſtellet oder gewidmet worden; Es moͤchte dann dieſes einige ſeyn/ daß der Salpeter auf dieſe Art ein wenig mehr verdicket wird/ welcher ſonſt/ wenn man ihn vor ſich ſelbſt ſchmeltzet/ weicher wird/ und leichter Feuchtigkeiten an ſich ziehet.. Wann der Salpeter vor ſich allein im Tiegel geſchmoltzen wird; ſo gehet oder daͤmpf⸗ ſet er nicht geſchwinde davon/ ſondern dauret eine ziemliche Zeit/ nachdem der Tiegel hoͤher oder niedriger/ oder oben weiter oder enger iſt. Da dann der freye Zutritt der Lufft ſeine Ausdaͤmpffung befoͤrdert. Und bey dieſem Umſtande der beytretenden Lufft ver⸗ raucht der Salpeter allmaͤhlich gant und gar; alſo daß das Gefaͤß eben ſo rein/ als es eingeſetzet worden/ zuruͤcke bleibet. Je mercklicher nun eine dergleichen Verdaͤmpf⸗ fung in ſolchem Fluß geſchiehet; je haͤuffiger berrauchen die zaͤrteren Theilchen des Sal⸗ peters/ und bleiben bloß die groͤberen und dickern Theilchen deſſelben zuruͤcke. Dahero wird auch ein ſolcher Salpeter/ der etwas lange in dergleichen Fluß geſtanden/ um ſo viel ſchaͤrffer/ und gleichſam offenbahrlich Uealiniſch. d8 2 Myn- ————— —————* 1 5 —83828—ſI“— 12 8(0) S Mynſichtus recommendiret ſonderlich das. Kochen des Salpeters mit denen Saͤfften der Kraͤuter/ und die hierauf geſchehene Criſtalliſi⸗ rung deſſelben. Weil aber entweder ſchlech⸗ terdings nichts/ oder doch wenigſtens nichts/ das der Muͤhe wehrt iſt/ von denen Kraͤutern/ mit dem Salpeter zuſammen gehen kan: So haben wir nicht Urfache/ uns hiebey aufzuhal⸗ ten. Gleichwie wir auch die aͤuſſerliche An⸗ faͤrbung des Salpeters vermittelſt hinzu ge⸗ ſetzter tingirender Dinge/ als eine Sache die eben ſo unnuͤtzlich als jenes/ mit Fleiß uͤber⸗ gehen. Die Scheidung der weſentlichen Theile des Salpeters/ iſt theils mit der Deſtillation ſeines ſauren Geiſtes; theils mit der Verfer⸗ tigung des Feuer⸗ beſtaͤndigen Salpeters be⸗ ſchaͤfftiget. Der Salpeter-Geiſt wird auf zweyerley Art bereitet:(1.) Mit Bolus⸗Erde oder Toͤpffer⸗Leim.(z.) Mit Vuriol oder Alaum, Der auch mit dem Vitriol- oder Schwefel⸗ Geiſt. Es wird nemlich ein Theil pulveriſirter Sal⸗ peter, mit drey Theilen Bolus oder Toͤpf⸗ fer⸗Leim*) verſetzet/ und mit ſo viel Waſſer ange⸗ (†) Es haben ſonſt die Gelehrten gemeinet/ daß die⸗ ſes deßwegen noͤthig ſey/ damit die Saltzen aus⸗ einander gehalten/ und verhindert wuͤrden/ daß ſie nicht auf einen Klumpen zuſammen flieſſen moͤch⸗ 858(0O) S5⸗ 53 angefeuchtet/ daß ſich der Bolus oder Leim ge⸗ hoͤrig traciren laͤſſet. Hieraus werden kleine ſe Kugeln/ die eben in den Retorten⸗Halß hinein gehen/ gebildet. Wann ſelbige trocken wor⸗ den/ werden ſie in die Retorte gethan/ und mit einem ſtarcken Gluͤhe⸗Feuer getrieben. Wor⸗ auf ein Feuerrother glaͤntzender Dampff uͤberſteiget/ und ſich in das vorgeſchlagene Waſſer allmaͤhlich niederſencket. D 3 Dieſe ten. Rechtſchaffene Unterſucher aber haben die Sache anderſt befunden und wahrgenommen/ daß der Leim/ welcher einmahl zu dieſer Arbeit gebrau⸗ chet worden/ nicht weiter dazu tauge/ welches nicht wohl ſeyn koͤnnte/ wann er ſonſt nichts dabey zu verrichten haͤtte/ als bloß die Saltzen ausein⸗ ander zu halten. Es tauget auch der Toͤpfer⸗Thon nicht zu dieſer Arbeit/ dahergegen der Ofen⸗Leim/ der im Brennen ſich nicht feſte bindet/ ſondern ent⸗ weder muͤrhe bleibet/ oder im ſtarcken Feuer zu Gla⸗ ſe flieſſet/ allein zur Treibung dieſes Spiritus dienet. Die Urſache iſt dieſe/ weil in dieſem Ofen⸗Leim ein Acidum Vitriolicum ſtecket/ welches in dem Thon nicht zu finden. Wem aber iſt heut zu Tage un⸗ bekandt/ daß die Ausloͤſung des Salpeter- Geiſtes groſſen theils auf den Zuſatz eines groͤbern und ſtaͤr⸗ ckeren Acidi Vitriolici anfommet. Zwar iſt bey dem Leimen ſonſt noch etwas hieher dienliches wohl zu bedencken/ welches aber der Herr Autor eines je⸗ dem reifferem Nachſinnen uͤberlaſſen/ und weil die gemeinen Arbeiter bereits wiſſen/ mit was vor Vor⸗ theil ſie den/ einigermaſſen calcinirten Vitriol hiezu gebrauchen koͤnnen: ſo iſt nicht leichtlich zuvermn⸗ then/ daß ſie ſich mit genauerer Unterſuchung den Kopff zerbrechen werden. Beſiehe indeſſen des Herrn Autoris Tractat von Saltzen. Cap. 8. inſon⸗ derheit aber pag. 69. 70. 71. 34—2(o) Dieſe Arbeit erfordert ein ſehr ſtarckes Feuer/ doch ſteiget der Spiritus weit haͤuffiger auch mit viel wenigerm Feuer empor/ wann ein Theil Salpeter/ mit zwey oder drey Thei⸗ len mittelmaͤßig calcinirten Vitriol oder ge⸗ brannten Alaun zum Gluͤhen gebracht wird. Da dann/ und zwar inſonderheit/ mit dem Vitriol ein weit mehrerer und zugleich fluͤchti⸗ gerer Geiſt hervor kommet/ welchen man ins⸗ gemein Scheide⸗Waſſer nennet. Ein gleiches geſchiehet/ wenn man den Sal⸗ peter mit dem Oel oder Hiritn des Vitriols oder Schwefels bearbeitet.() Wann C) Dieſe Arbeit hat ein wenig mehr als die vorige zu bedeuten. Sie gehoͤret aber nicht vor die ge⸗ meine Sudler/ oder vor ſolche Leute die den Spi⸗ ritum Nitri vor Geld machen. Dooch will ich vor redliche Curioſen ein Experiment hieher ſetzen/ wie ſie mit leichter Muͤhe/ und gleich ſam mit Luſt zu einem recht ſchoͤnen und reinen Spirttu aus dem Sal- peter gelangen ſollen. Die Proportion der Ingre⸗ dientien wird ein jeder vernuͤnfftiger/ der ſelbſt Hand anleget/ leichtlich finden. KRecip. recht rei⸗ nen criſtalliſirten Salpeter, loͤſe ſolchen mit ſo viel ſiedend heiſſem Waſſer/ als eben dazu noͤthig/ auf/ und laß ihn damit durchs Filtrum in eine glaͤſerne Retorte lauffen. Wenn es bey nahe erkaltet /ſo gieſſe ein Oleum Vitrioli allmaͤhlich darauf/ ſchuͤttele es um/ lege es alsdann in eine Sand⸗Capelle, gieb erſt⸗ lich maͤßiges Feuer/ und verſtaͤrcke ſolches zuletzt/ doch nicht gar ſehr/ du darffſt in der Vorlage kein Woſſe vorſchlagen/ und wirſt dich freuen/ wenn du ſieheſt/ wie leicht und ſchoͤn alles von ſtatten gehet; wenn alles erkaltet/ ſo nimm die Vorlage ——— ori. ie 9. nSpt h ver wie ſt zu gal- ne. ſelbe t re vit fauf ſſern. gieſ le es erſt 9 etzt/ ſein wenn jatten rlagh .893(0) 88⸗ 55 Wann ein Theil Schwefel mit zwey oder drey Theilen Salpeter wohl unter einander gerieben/ und aus einer Retorte, die oben ein Roͤhrchen hat/ in das vorgeſchlagene Waſſer getrieben wird: ſo gehet gleichfalls ein ſolcher ſalpetricht; ſchwefelichter Spiritus uͤber/ doch iſt derſelbe nach ſeinen groͤſſern Theil ſchwe⸗ felicht/ nach ſeinem kleinerm Salpetricht/ und nach ſeinem geringſten Theil ſchwefelicht⸗ fluͤchrig. Wenn dieſer Spiritus nur genug⸗ ſam gefattiger iſt/ und von friſchem Salpeter abgezogen wird/ ſo entſtehet daraus ein gant reiner Salpeter⸗Geiſt. Bey allen dieſen Ma⸗ nieren aber geraͤth der alcaliſche Theil des Sal⸗ peters/ in einen dritten Stand/ indem er mit dem Sulpburiſch⸗Vitrioliſchen Sauer⸗ Weſen zuſammen gehet. Hergegen behaͤlt das Alcali in dem Salpeter ſeine Natur/ wenn er mit Kohlen/ oder an⸗ dern dergleichen Dingen, worinnen ein reines Flammen⸗faͤhiges Beſtand⸗Weſen vorhan⸗ den/ bearbeitet wird. D 4 Die⸗ ab/ und wo du meineſt/ daß etwas Vitrioliſches mit uͤbergangen/ ſo lege in deinen Spiritum ein we⸗ nig friſchen reinen Salpeter, und ziehe ihn nochmahl biß zur trockene ab. Wenn du wilſt/ ſo kanſt du ihm unter dieſer Arbeit ſo viel von ſeinem Phlegmate, als dir gut deucht/ vermittelſt gantz gelinden Feuers benehmen/ und endlich wirſt du/ wenn du Verſtand davon haſt/ finden, wie ſehr ein ſolcher Spiritus Ntri an Reinigkeit und Guͤte von einem andern ge⸗ meinen unterſchieden. 56 3(O) 6& Dieſes geſchiehet nach der gemeinſten Art/ wann auf den/ im Tiegel flieſſenden Salpeter nach und nach eine Kohle geworffen wird. Man muß aber die Kohle in der Zange veſt halten/ wo das Gefaͤß nicht ſehr groß() denn ſonſt ſteiget der Salpeter in die Hoͤhe/ und ge⸗ het uͤber den Tiegel hinaus. Oder man leget auch eine gluͤhende Kohle in den Tiegel/ und traͤget den Salpeter bey wenigen nach und nach darauf, biß alles mit einander verpuffet: Oder man nimmt auch endlich drey Theil Sal⸗ peter/ und einen Theil geſtoſſene Kohlen/ und traͤget dieſes Gemenge nach und nach in ein kaltes Gefaͤß/ zuͤndet die erſte Portion an/ und ſetzet hernach das uͤbrige allmaͤhlich bey weni⸗ gem zu.(*) Die ) Eben alſo auch/ wo die Kohle etwas groß iſt/ denn ſonſt ſpringet ſie von dem Salpeter ab/ oder verſpruͤhet auch gar zu viel von demſelben. (**) Zu einem Theil Kohlen ſind drey Theile Salpe- ter noch lange nicht genug/ ſondern es werden wohl 6. biß 7. Theil zu einem Theil guter Kohlen erfor⸗ dert/ wann die Operation nach Wunſch gerathen ſoll/ wie ſolches ſelbſt der vortrefflich erfahrne Herr Doct. Neumann in ſeinem Tractat von Salpeter pag. 89. angemercket. Wenn man alsdann die Mate- rien wohl vermiſchet/ ſie bey wenigen in einen gluͤ⸗ henden Tiegel eintraͤgt/ und jede Detonation voͤl⸗ ks abwartet; ſo hat es mit der uͤbrigen Arbeit nichts zu bedeuten. Ich rathe indeſſen einem je⸗ dem noch nicht genug geuͤbten/ der etwa die Pro⸗ be machen will/ aufrichtig/ daß er bey dieſer Arbeit behutſam verfahre/ und bey der Operation jemand 9(0) 88— 57 Die geſammte Zubereitung des Salpeters von dieſer Gattung iſt alsdann allererſt vor⸗ bey/ wenn man kleine Stuͤcke Kohlen hinein wirfft/ und ſelbige nicht mercklich mehr ergluͤ⸗ hen oder ſtrudeln/ ſondern gleichſam gantz abgemattet uͤber der Oberfaͤche des flieſſenden fixen Salpeters herſchwimmen. Ein gleiches geſchiehet/ wann der Salpeter mit Eiſen⸗Feil/ Regulo Antimonii und Zinn vermenget/ und alsdann angezuͤndet wird. Dieſes geſchieht aufs allerſchnelleſte und gleich⸗ ſam in einem Augenblick mit dem Zinn und mit dem Regulo; etwas langſamer mit dem Eiſen/ inſonderheit aber wenn man von dem Eiſen wenig/ von dem Salpeter aber viel nimmet: Da denn mehr ein gleiches Maß von beyden/ als ein gleiches Gewicht ſtatt findet. Denn ſonſt erleydet der Salpeter nicht das hierzu gehoͤrige Gluͤhe⸗Feuer/ ſondern ſieder auf/ und ſteiget uͤber den Rand des Gefaͤßes hinuͤber. D Nach zu Huͤlffe nehme/ der ihm die einzutragende Materie mit einem ſolchen Inſtrument, das nicht ins Feuer koͤmmet, auf den Loͤffel giebet. Dann der Joͤffel welchen er zur Operation gebrauchet/ wird entwe⸗ der gluͤhend/ oder es haͤnget ſich auch leichtlich et⸗ was brennendes daran/ und ich weiß/ daß es ein⸗ mahl einem gewiſſen Freunde/ der mit einem ſol⸗ chem Loͤffel unvorſichtig in das neben ihm ſtehende Gemenge fahren/ und etwas friſches heraus neh⸗ men wollen/ bey nahe das Leben gekoſtet haͤtte. 18 499(oO) 38⸗ Nach denen bißher beruͤhrten Methoden/ uͤberkommet man ein reines nitroſiſches Alcah ohne mercklichen Zuſatz. Doch tritt ihm et⸗ was weniges bey/ wenn an ſtatt der Kohlen der Weinſtein ſolchergeſtalt mit dem Salpr⸗ ter verzuͤndert wird/ da man nemlich von bey⸗ den gleiche Theile/ wohl unter einander mi⸗ ſchet/ das Gemenge nach und nach bloß in ei⸗ nen kalten Tiegel eintraͤget/ und wenn man nur das allererſte angezuͤndet/ ſolches nach und nach voͤllig ausbrennen laͤſſet. Unter dieſer Operation verlieret ſich wenig⸗. ſtens der groͤſte Theil/ ja wann recht damit verfahren wird/ die gantze Subſtanz von dem Sauer⸗Weſen des Salpeters. Der Salpeter⸗Geiſt/ welcher nach denen gemelten Arten bereitet worden/ iſt ziemlich fix. Inſonderheit der jenige/ welcher mit dem Bolo, naͤchſt dieſem der jenige/ welcher mit dem Alaun; und endlich der jenige/ welcher mit dem Virriol diſtilliret worden. Er wird aber weit fluͤchtiger/ wann er von ſeiner Waͤßrigkeit wohl gereiniget/ und in⸗ ſonderheit waͤnn er auf Eiſen⸗Feil/ ſodann auf Kupffer/ Zinck; und endlich auf Zinn gegoſſen wird: Da denn unter der ſehr heff⸗ tigen Aufloͤſung/ ein nicht geringer Theil deſ⸗ ſelben unter einer ſehr fluͤchtigen Geſtalt da⸗ von gehet... Und wann dieſer davon gehender fluͤchtiger Theil/ vermittelſt allmaͤhliger Entropſfening e 83(o) E 79 /des Spiritus in das vorhandene Metall, und ü vermittelſt kuͤnſtlicher und kluger Anordnung t der Gefaͤße aufgefangen wird;(*) ſo zeiget en er ſich in einer weit groͤſſern Fluͤchtigkeit/ als * man vorhin an dem dazu gebrauchtem Spiritu erbiicket. b Man — (*) Der Herr Autor ſaget allhier mit ſehr wenig Wor⸗ ch ten etwas/ daß von aͤuſſerſter Wichtigkeit iſt; welches aber niemand verſtehen oder nutzen kan/ als der⸗ g.. ſenige/ der da verſtedet/ was eigentlich dasjenige it iſt/ das alſo fluͤchtig davon gehet/ und wozu es in der curioſeren Chymie dienet. Ich will aufrichti⸗ 1 en Natur⸗ Forſchern rathen/ des Herrn Autoris edencken uͤber den Streit vom Sulphure pag. 115. en ſeq. mit Aufmerckſamkeit zu erwegen/ alsdann aber ch iu deſſen Fundamentis Chymiæ Dogmatico-Rationa- — nalis& Experimentalis Fart. II. das hieher gehoͤrige 1 Experiment aufzuſuchen. Wenn ſie ſodann Belie⸗ m ben finden/ vernuͤnfftig Hand anzulegen; ſo koͤnnen it ſie einen mittelmaͤßigen Kolben nehmen/ einen Helm darauf ſetzen/ der eine ziemlich weite Roͤhre hat/ oben in dem Helm aber koͤnnen ſie ein Loch ſchleſß dn fen laſſen/ welches mit einem eingeſchliffenem glaͤ⸗ in⸗ ſernen Stoͤpſel genugſam verſtopffet werden kan. un g In dem Kolben koͤnnen ſie ſo viel reines Eiſenfeil le⸗ n gen/ als ihnen beliebig/ auf welches ſie durch das gg. im Helm geſchliffene Loch/ den Spititum Nitri nach i und nach bey wenigem eingieſſen koͤnnen. Zu den ei Vorlagen werden drey/ vier/ und mehr ziemlich ge⸗ g⸗ raume glaͤſerne Recipienten er fordert/ welche ver⸗ mittelſt der daran befindlichen Roͤhren gehoͤrig/ aneinander geordnet/ und wohl verlutiret werden er b muͤſſen. Die letzte Vorlage aber muß ein wenig ng uͤber der Mitte/ zwey gerade gegeneinander ſtehen⸗ es de/ ziemlich weite Roͤhren haben/ die aber ebenfalls — — — ——— — 60 93(0O) 8er⸗ Man hat zwar noch eine andere Manier, einen uͤber alle Maße fluͤchtigen Spiritum, von blauer Korn⸗Blumen⸗ Farbe zu berei⸗ ten. Allein weil derſelbe nur durch Zuſetzung anderer Dinge erhalten wird; deſſen Zube⸗ reitung eben auch nicht allenthalben bekandt iſt: So verſparen wir ſolchen an einem andern Ort. Das H gehoͤrig vermacht werden muͤſſen; wer nun das angerathene/ und in gemeldtem Buch deutlich genug ausgedruͤckte Experiment gefunden/ wird leichtlich ſehen und verſtehen, zu welchem Ende die Gefaͤße alſo geordnet werden/ und zu was vor einem Nu⸗ tzen dieſe Anordnung in der Operation dienen muͤſ⸗ ſen. ) Weil dieſer Spiritus zu vorigen Experiment gleich⸗ falls dienlich/ und deſſen Præparation eben ſolche Gefaͤße/ als deren wir in voriger Anmerckung ge⸗ dacht/ erfodert: ſo wollen wir den Liebhabern gleich⸗ falls zeigen/ aus was vor Ingredientien ein ſolcher blauer Spiritus beſtehe. Man nimmt dazu z. E. Vi- triol, der biß zur Roͤthe calciniret worden/ ein Pfund reinen Salpeter, ein halb Pfund/ und von dem La- pide Pyrmieſon des Becheri dr ey Untzen/ und bear⸗ beitet es alsdann wie ſichs gebuͤhret. Der Lapis Pyrmieſon aber wird alſo gemacht: Rec. Antimo- nium, Schwefel und criſtalliſirten Arſenic, jedes gleich viel. Dieſes alles wird miteinander aufs ſub- tileſte pulveriſiret/ und in einen kleinen Kolben/ der in die Sand ⸗Capelle geſetzt wird/ mit gelindem Feuer zu einer Purpur farbichten⸗ſchwaͤrtzlichten Maſſa, welche wie ein Glaß glaͤntzet/ geſchmoltzen ꝛc. Sie⸗ he auch Kunckels curioſe Chymiſche Tractaͤtlein pag. 60. =zne—eeͤͤ — —/——.——— ———— O(O) 85 61 Das Nitrum antimoniatum, das Nitrum fixum, welches nicht mehr brennet/ das Arca- num Duplicatum, das Nitrum Sulphuratum, das Nitrum Vitriolatum Ludovici kommen alle⸗ ſamt in gewiſſer Maße mit einander uͤberein. Weil ſie nichts anders ſind/ als der alaliſche Theil des Salpeters/ welcher mit dem Sauer⸗ Weſen des Schwefels oder Virriols geſaͤtti⸗ get worden/ in dem Nitro Antimoniato aber/ oder in dem Arcano Duplicato vielleicht einen geringen Zuwachs bekommen, der jedoch in beyden nicht von dem Belang iſt/ daß er einige beſondere Betrachtung verdienen ſolte. Wir muͤſſen noch zweyerley Zubereitungen des Salpeter⸗Geiſtes beruͤhren/ wovon die eine von Boyle, die andern aber von Zwelf⸗ fern angegeben wird. Der Herr Boyle er⸗ zehlet/ daß er aus bloſſen Salpeter ohne Zu⸗ ſatz/ aus einer glaͤſernen Retorte einen Spiritum Nitri diſtilliret habe/ welcher von einer gantz andern Beſchaffenheit/ als der gemeine Spiri- tus geweſen.() Zyvvelffler ſaget/ daß man an ſtatt des Bolu⸗, den Salpeter mit ſubtil pulveriſirtern Glaſe vermengen/ und ſolchergeſtalt den Spiritum heraus diſtilliren ſolle. Gleichwie es aber eine ungemeine Muͤhe er⸗ fordert/ nach aller angewandter moͤglichſter Be⸗ (†) Boylii opera varia in tentamine circa Partes Nitri Sect. III. in Not. 63(0) Behutſamkeit/ bey dem erſtern/ einen ſolchen Effect, der etwan nennens wehrt/ zu bemer⸗ cken: indem es hergegen gar leichtlich geſchie⸗ het/ daß von dem flieſſendem Salpeter/ das Glaß zerſchmoltzen wird: Alſo iſt auch die an⸗ dere Arbeit mit gleicher Schwierigkeit behaff⸗ tet; und wann man die Sache beym Licht beſiehet; ſo erlanget man dabey nicht das ge⸗ ringſte/ das einem Salpeter⸗Geiſt aͤhnlich ſe⸗ hen/ oder die darauf gewandte Muͤhe beloh⸗ nen ſolte. Dieſerwegen wiſſen wir zur Zeit nichts/ das Merckens wehrt davon anzufuͤhren. So verdienet es auch der Spiritus nitri dul- cis, als eine Sache/ die aus fernerer Zuſam⸗ menſetzung allererſt zum Vorſchein koͤmmet/ ſo gar ſonderlich nicht/ daß wir uns bey deſſen Erwehnung aufhalten: Sondern wir halten davor/ daß genug davon geſaget ſey/ wann wir nur mit wenigen erinnern/ daß ſolcher aus drey Theilen eines hoch rectificirten Spiritus Vini, und aus einem Theil gleichfalls wohl rectifccirten Spiritus Nitri, wann ſie mit einan⸗ der uͤber qiſtilliret worden/ entſtehe.() Alſo geraͤth (*) Hat man einen spiritum dltri, der mit dem Oleo Vitrioli gemacht worden, zur Hand/ und man ord⸗ net die Gefaͤße alſo/ das dieſer Spiritus in Dampfs⸗ Geſtalt zu dem Spiritu Vmi uͤbergehen kan; ſo gie⸗ bet es artige Phœnomena dabey zu bemercken/ und der auf dieſe Art dulcißcirte Salpeter⸗Geiſt moͤchte Ahenfals noch wohl eine weitere Unterſuchung ver⸗ ienen. ———— ½⏑ (0O) 63 geraͤth ein ſehr in die Enge gebrachter Sal⸗ peter⸗Geiſt/ oder ein von ſeiner Waͤßrichkeit genugſam befreytes Scheide⸗Waſſer/ wenn man ein diſtillirtes Terpentin-Oel in geringer Quantitæt darauf gieſſet/ in eine ſehr ſtarcke SHitze/ und ſiedet ungemein heffrig auf: Da⸗ hero das Oel zuerſt eine gelblichte/ bald aber eine Graß⸗ gruͤne Farbe/ annimmt/ und ſol⸗ che/ ſo lange es warm bleiber/ behaͤlt. Wann es aber kalt wird/ ſo zeiget es ſich in einer ſehr ſchon glaͤntzenden Feuer⸗ rothen Farbe/ und in einer Conſiſtenz, die dem rohem Terpentin faſt gleich/ ja noch dicker iſt. Die aͤtzende Saͤure des Spiritus aber/ wird dadurch ſol⸗ chergeſtalt gebrochen/ daß man davon nur et⸗ was ſehr maͤßiges ferner ſpuͤret. Noch einer weiteren Erfahrungs⸗Unter⸗ ſuchung aber iſt der jenige hell⸗ rothe Spiri- tus wuͤrdig/ welchen Viganus aus dem Salpe⸗ ter vermittelſt des ungeloͤſchten Kalchs zu diſtilliren befiehlet/( und nicht weniger d en (⁸) Vid. Joh. Franciſci Vigani Medulla Chymiæ p. 30. Der Proceſs iſt dieſer: Einen Blutrothen Spiritum erhaͤlt man aus dem Salpeter, wenn man 3. Theile caleinirten Kieſelſtein/ und 1. Theil Salpeter aus der Rerorte diſtilliret/ wobey man ſich aber zu huͤ⸗ ten hat, daß die Marerie in Feuer nicht flieſſe. Eben dieſes geſchiehet auch/ wenn ein Theil Salpeter mit dreyen Theilen ungeloſchten Ralch vermenget/ und mit dem ſtaͤrckſten Feuer aus der Ketorte uͤber getrisben wird. 9 ——— 64-83(0) 868. ſen Verſicherung/ daß ein Salpeter⸗Geiſt/ oder ein Scheide⸗Waſſer/ wann ſie mit dem Saltze aus ihrem Capite mortuo, oͤffters co- hobiret werden/ zu einem Licht⸗ hellen oder leuchtendem Beſtande gebracht werden koͤn⸗ nen.() Denn gleichwie Iſaacus Hollandus ſol⸗ () Vid. Vigan. d. l. p. 26. 27. Er lehret daſelbſt erſt⸗ lich ein Scheide⸗Waſſer machen/ aus dem Colcothar Vitrioli und Salperer, oder auch aus biß zur Gilbe calcinirten Vitriol; und gleich viel Salpeter. Von dieſem Scheide⸗Waſſer ſoll man das Caput mor⸗- tuum nehmen/ und das Saltz mit diſtillirtem Regen⸗ Waſſer extrahiren/ Killtriren/ criſtalliſren/ alsdenn aber auf einen Marmel⸗Stein klein reiben. Hier⸗ auf ſoll man das Saltz in eine Ketorte thun/ und das Scheide⸗Waſſer wieder darauf gieſſen/ diſtilli- ren/ und ſo lange cohobiren/ biß alles in die Vor. lage uͤbergeſtiegen. So werde man einen Liquorem uͤberkommen/ der des Nachts wie ein Feuer leuch⸗ ten werde. Er ſetzet hinzu/ daß auf eben dieſe Art ein im finſtern leuchtendes Saltz verfertiget werde/ welches/ wann es mit Zuſatz eines ſehr ſubtilen/ und wenig bekandten Spiritus einem in den Bart geſtri⸗ chen worden/ imfinſtern wie ein Feuer leuchten muͤ⸗ ſte. So viel ich aber Gelegenheit gehabt/ hievon ſelbſt zu verſuchen/ koͤmmet es mir nicht anders vor/ als ob dem guten vigano dieſes entweder ge⸗ traͤumet/ oder aber als ob ihm ein anderer dieſen Traum einmahl erzehlet haben muͤße. Welches ohne dem ein jedweder leichtlich von ſelbſt begreif⸗ fen wird/ der da weiß/ aus was vor Ingredientien ein ſolches leuchtendes Weſen/ oder ein alſo ge⸗ nannter Phosphorus eigentlich beſtehe/ und auf was vor Art derſelbe bereitet werden muͤße. Als wovon unſer Herr Autor in ſeinen Experimentis, Obſerva- 493(0) S 65 ſolches ſchon vor langer Zeit verſprochen: Alſo em koͤnnten die Erfahrungs⸗-Proben der neuern Chymiſten/ uns durch ihre Bekraͤfftigung viel⸗ leicht dahin bringen/ daß wir denen Aeltern mehrern Glauben beylegen muͤſten. Wann das aus dem Salpeter geſchiedene Sauer⸗Weſen; oder der Salpeter⸗Geiſt/ oder auch das Scheide⸗Waſſer/ wiederum mit einem alcaliſchen Saltz verbunden wird; ſo erwaͤchſet daraus von neuem ein Salpeter/ welcher deßfalls ein Nitrum regeneratum ge⸗ nennet wird. Dieſer iſt etwas ſchaͤrffer als der gemeine/ alſo daß er/ wenn er mit Waſ⸗ ſer in hell polirten zinnernen Gefaͤſſen ge⸗ ſotten wird; ſelbige einiger maſſen anfrißt/ und ſchwartz machet. Doch verliehret ſich dieſe Schaͤrffe wieder/ wann er nochmahl in Waſſer aufgeloͤſet/ und durch ein wenig unge⸗ loͤſchten Kalch geſeigert wird. Auch gehet dieſes Sauer⸗Weſen in eine Criſtalliniſch⸗ Salpetrichte Verfaſſung/ wann der Salperer-Geiſt auf Koch⸗Saltz gegoſſen/ und der Liquor vermittelſt der Deſtillarion biß zur Trockene wieder davon abgezogen wird; ſodan ſteiget der Salpeter-Geiſt nicht voͤllig/ ge ſondern nur ein weniges davon/ mit dem Sauer⸗Weſen des Saltzes uͤber; der uͤbrige . E Theil tionibus und Animadverfonibus Chymicis& Phy- Gcis,§. 67.& 301. vor allen andern/ die jemahlen etwas davon geſchrieben/ recht ausbuͤndig ſchoͤn gehandelt, —ꝛ—ꝛ;j—— —— 4 — 66 859(0) g59- Theil des nitr iſchen Sauer⸗Weſens aber ergreiffet den alcaliſchen Theil des Koch⸗ Saltzes/ und gehet mit ſelbigem in eine tro⸗ ckenhaffte/ dichre/ und mit dem gemeinem Salpeter/ ſowohl in Anſehung ſeines Ge⸗ ſchmacks/ als auch in Anſehung ſeiner Feuer⸗ Faͤhigkeit/ uͤbereinkommende Conſiſtenz zu⸗ ſammen. Wann aber dieſe Maſla in gemei⸗ nen Waſſer aufgeloͤſet/ und gehoͤriger maſſen criſtalliſiret wird/ ſo entſtehen daraus keine laͤnglichte/ ſechseckichte/(da nemlich allezeit zwey Ecken von gleicher Groͤſſe und Breite einander entgegen ſtehen) ſondern viereckich⸗ te/ und die allgemeine Geſtalt des Koch⸗ Saltzes vorſtellende Criſtallen. Wann aber vermittelſt einer etwas gewaltſameren Ein⸗ kochung die Criſtalliſacion vollbracht wird; ſo kommen langſpießigte/ und dem gemei⸗ nen angeſchoſſenen Salpeter gleichende Cri⸗ ſtallen zum Vorſchein.() Das (*) Das Koch⸗Saltz wird auf eben dieſe Art regeneri- ret/ wenn man Spiritum Salis einem fixen Alcali zu⸗ ſetzet/ es mag ſolches Weinſtein⸗Saltz/ ügirter Salpeter oder Pott⸗Aſche ſeyn. Auch bekommt man ein wuͤrckliches Koch⸗Saltz/ wenn man galmiac mit einer Pott⸗Aſche verſetzet/ und alsdann den fluͤchti⸗ gen Salmiac-Spiritum, nach der gewoͤhnlichen Art uͤbertreibet. Denn bey dieſer Arbeit greifft das al- ealiſche Saltz in den ſauren Theil des Salmiacs ein/ woruͤber derſelbe einen fluͤchtigen urinoſiſchen Theil fahren laͤſſet/ und mit dem Alcali ein Koch⸗ Saltz fkormiret. Dieſem Saltz hat sylvius groſſe Tugen⸗ 898(0) 8 67 be Das Sauer⸗Veſen aus dem Salpeter ge⸗ che het auch mit verſchiedenen andern trockenen re Coͤrpern zuſammen/ und loͤſet dieſelben auf; den Inſonderheit aber mit Silber/ Queckſilber/ ꝗBley/ Eiſen/ Kupffer/ Zinck/ Wißmuhr. er, Ja es loͤſet auch etwas von dem Arſenic auf. du Das Gold aber greiffet es nicht an. Das nei Finn und den Regulum Antimonii loͤſet es zwar ſen auf/ nicht aber ſo/ daß es dieſe Coͤrper in ſich ane nimmet/ und dabey durchſichtig bleibet; ſon⸗ teit dern es zerfrißt ſolche nur zu einem Kalch. eie Das Antimonium diaphoreticum ſchlieſſet es nicht ch⸗ auf/ auch nicht die wohl ausgebrandte Cro⸗- che cos des Eiſens und des Kupffers/ noch we⸗ ber niger aber die ſo genannten Magiſteria, wel⸗ ein che zu erſt in demſelben zerloͤſet/ hernach aber id; durch ein kxes, ſehr ſcharffes/ und aͤtzendes ge Alcali niedergeſchlagen worden. r Was wir uͤbrigens von der verſchiedenen Proportion, der Quantitæt dieſes Sauer We⸗ ds ſens in Abſicht auf verſchiedene/ von demſelben — aufzuſchlieſſende Coͤrper ſagen könnten, uͤber⸗ 35 gehen wir dieſes Orts mit Fleiß/ weilen der⸗ „ E 2 glei⸗ manſ mit den zugeſchrieben/ und wird ſelbiges auch noch biß chtie auf dieſe Stunde mit dem anſehnlichen Titul: Sal Art Digeſtivum Sylvii beehret. Es iſt aber Koch⸗Saltz/ gl⸗ und bleibet Koch⸗Saltz/ und wer von dieſem das ein, Maß nicht um etliche Pfennige kauffen mag/ dem beil ſtehet es allezeit frey/ das Pfund von jenem vor datz einen halben Thaler zu bezahlen. Vid, Stahlii Ma- 9n’, teria Medica P. I. Tit. IX.§. 4. 8 A— — — 2— 68 8(0) gleichen Dinge uͤberhaupt zur Hiſtorie der Auf⸗ de loſungen gehoͤren. Auch werden wir von der lu ebenfalls dahin gehoͤrigen verſchiedenen Con⸗ 8 ſMitenz, welche dergleichen Solutiones in Anſe⸗ hung der Dichtheit oder Fluͤßigkeit geſchwin⸗ ſ der oder langſamer annehmen; Noch weni⸗. ger aber von dem nitroſiſchen Phoſphoro des f Balduini(*) weitlaͤuffig handeln/ weil dieſer n eine beſondere Abhandlung verdienet. Die⸗ le ſerwegen laſſe ich es allhier bey dem/ was ge⸗ ſaget iſt/ bewenden. ſ Das dritte Capitel. d Die Phyſiſch⸗ Suſehe Beſchaffenheit des Salpeters. SIr haben erinnert/ daß der Salpeter i an ſolchen Oertern erzeuget werde/ d wo viele faulende Materien auf einen d Hauffen gelegen. Inſonderheit haben wir y gemeldet/ daß der Auswurff oder der Miſt z der Thiere hiezu vor andern dienlich ſey. d V Man muß aber bereits wiſſen/ daß die fau⸗ d lende Dinge nicht allein in ihrer Grund⸗Mi⸗ht ſchung mit einem haͤuffigen Schwefelicht⸗ fetten Beſtand⸗Weſen angefuͤllet ſeyn mͤſſen on⸗ t 4 (o Dieſer beſtehet aus Kreyden/ welche in Spiritu Ni. tri aufgeloͤſet/ und wovon der Spiritus Nitri ſehr ſtarck im Feuer wieder abgezogen worden. Via. Kunckels Laborat. Chym, P. II. p. 676. -252(0) 8- 69 duß ſondern daß auch ſelbſt in dem Actu der Kaͤu⸗ der lung/ ein guter Theil von ihrer zaͤrteren C. Saltzicht⸗ſchwefelichten Materie in ein Unſe fluͤchtiges/ urinoſiſch alcaliniſches Saltz zu⸗ win ſammen gehe.. en Die Auseinanderwickelung dieſer ſchwe⸗ des felichten Subſtanz, und die zaͤrtere Zuſam⸗ iſer mentreibung mit dem saliniſchen Theil/ die⸗ Die net hiernechſt fuͤglich zur Auswuͤrckung einer dge neuen ſaltzichren Miſchung, nemlich eines ſauer⸗ ſchwefelichten Saltzes/ dergleichen der Salpeter iſt. Ungeachtet nun auf dieſe Weiſe der Sal⸗ peter wuͤrcklich erwachſen kan/ indem der heit ſchwefelichte Theil/ welcher in den Kraͤutern und Thieren befindlich/ nachdem er durch die Kaͤulung aufgeloͤſet und verduͤnnet worden/ eter mit dem allgemeinen urſpruͤnglichen/ und in rde der Erde reichlich ausgebreitetem Sauer⸗ en Weſen ſehr genau zuſammen gehet; So kan wie und pfleget doch auch dieſes fluͤchtige Saltz/ liſt zur Einſchlingung und ferneren Vereinigung ſch. des theils in der Erden hafftenden/ theils in faus der Lufft zerſtreuten Saltzes von dieſer Gat⸗ Ni tung ein gar groſſes beytragen. chr⸗ Denn gleichwie ein Mittel⸗Saltz/ das aus ſen einem jedem arin ſſch⸗fluͤchtigen und ſau⸗ on⸗rem/ inſonderheit aber aus dem ſulphuriſch⸗ — vitrioliſchem Saltze erzeuget worden; das ki. fette Sulpburiſche Urſprungs⸗ oder Anfangs⸗ ſhr Weſen weit ſchneller ergreiffet und einſchlu⸗ 4 E; cket/ 70 83(0) 88e⸗ cket/ als eines von dieſen beyden Saltzen/ wann es vor ſich alleine gelaſſen wird: Alſo er⸗ greiffet auch ein ſolches/ aus der Faͤulung ent⸗ ſtandenes fluͤchtiges Saltz/ es mag nun ein dergleichen Sauer⸗Weſen/ aus der Lufft oder aus der Erde uͤberkommen haben/ nicht We fon nig wol bah mer alleine um ſo viel leichter das Sulpbariſche fette Anfangs⸗Weſen/ und verhaͤnget ſolches mitz chen dem gedachtem Sauer⸗Weſen: ſondern dagger auch ſelbſt dieſes fetr⸗Weſen/ ſchon in dieſe maſſa, worinnen ein ſolches fluͤchriges Saltz erzeuget worden/ bereits vorhanden iſt: Ja da ſelbſt dieſes fluͤchrige Saltz/ aus dergleichen ferten Subſtanz ſeinen Urſprung hernimmet; So kan es in allen/ hier erwehnten Arten/ um ſo viel bequemer gleichſam zum Unterhaͤndler und kraͤfftigen Vermittler einer innigſten Zuſammenwachſung des zarten Sauer⸗ Weſens/ mit der ſubtilen Flammen⸗ faͤhigen Materie dienen. Da wir dann das jenige/ was wir ander⸗ weit bereits erinnert haben/ vor jetzo nur mit einem eintzigen Wort bemercken wollen/ nem⸗ lich die gantz beſondere Wuͤrckſamkeit/ des jenigen Loßgehens oder Abtretens/ welches! vermittelſt eines Miederſchlages zuwege ge⸗ bracht wird/ wann man ſolche in Abſicht auff die innigſten Zuſammenwachſungen betrach⸗ tet. Da man nemlich etwas in einem ſauren Liquore aufloͤſet/ und mit einem zugeſetztem Alcali niederfaͤllet: Und dieſes Wechſelt⸗eſſ 1 5 we H hoc 1 5 MXꝑ-———+½—2 99(0) ⸗ 21 an Wobey gewiß ſehr viele Dinge zum Vorſchein a kommen/ die wir als Schlacken oder Unrei⸗ an nigkeiten in gemeinem Irrwahn wegwerffen/ en woͤrinnen doch nicht ſelten eine ſolche Mutz⸗ uſt bahrkeit oder Curiolitæt, welche allerdings be⸗ ich mercket zu werden verdiente/ vor Augen lieget. ſette Weil nun allhier ebenfalls etwas derglei⸗ ni chen vorkoͤmt(*) ſo hat man um ſo viel weni⸗ ndager Urſache/ an dem guten Erfolg dieſer Sa⸗ eſel che zu zweiffeln. Ob nun gleich einige Be⸗ all weißthuͤmer oder Experimenta hievon bey ad Handen ſeyn moͤchten/ welche dieſe Erzeugung het noch klaͤrer darſtellen/ und allen Zweifzel heben nett E 4 koͤnn⸗ um— dle C) Der Herr Autor hat die Kunſt erfunden/ das ſten mit einem Alcali verbundene Acidum Vitriolicum au⸗ det genblicklich zuſcheiden/ und zwar alſo/ daß man uer dieſes Acidam gantz rein und unvermengt davon gen abgieſſen/ und die Operation wohl gar in der hoh⸗ len Hand vollfuͤhren kan. Ich habe in der Uberſe⸗ der! tzung der Stahliſchen Zymotechniæ Fundamentalis mi. Sap. 12. Pag. 177. ſeq. in einer beſondern Anmer⸗ ckung gemeldet/ wie ich ſelbſt hinter dieſen Kunſt⸗ ſem griff gekommen/ und kan den Leſer verſichern/ daß des eben hierinnen unter andern ein Exempel vorkoͤm⸗ chet, met/ wie vermittelſt der Præcipitation ein ſehr ſchoͤ⸗ es ner und reiner Salpeter zuwege zu bringen. Denn ge, wannmannur einige Untzen des trockenen und klein auf geriebenen Tartari Vitriolati nimmet/ und den Vi- acht rrioliſch⸗ſauren Theil/ von dem Alcaliniſchen Theil aten deſſelben/ vermittelſt des dazu gehoͤrigen Nieder⸗ remn ſchlages ſcheidet; das Glaß aber nur eine ten Nacht ſtehen laͤſſet; ſo wird man des Morgens eiſe ſehen/ daß uͤber den Boden⸗Satz die allerſchoͤnſten Wo Saipeter-Criſtallen empor gewachſen. — —— — 2²=(O) 862 koͤnnten: So wollen wir es doch/ bey dem/ was wir vor der Hand beygebracht/ ſo lange bewenden laſſen/ biß wir Urſache finden wer⸗ den/ etwas mehrers ins Mittel zu bringen. Daß in der Grund⸗Miſchung des nitroß- ſchen Sauer⸗Weſens eine Flammen⸗fahige Materie zugegen ſey; kan mit vielerley augen⸗ ſcheinlichen Beweiß⸗ Proben beſtaͤrcket wer⸗ den. Denn erſtlich erwaͤchſt der Salpeter an ſolchen Oertern/ und aus ſolchen Materien in welchen eine fettigte Subltanz verhafftet iſt/ und wenn ſelbige durch die Faͤulung verduͤn⸗ net worden; ſo neiget ſie ſich zur Saliniſchen Beſchaffenheit. Zum andern iſt das Sauer⸗Weſen des Salpeters weit fluͤchtiger/ als andere ſich ſelbſt gelaſſene Dinge. Das Flammen⸗ faͤhige Anfangs⸗Weſen aber hat dieſe Eigenſchafft/ daß es die gemiſchte Dinge fluͤchtig machet. Drittens iſt das ſich ſelbſt gelaſſene/ und nicht mit allzu vielen Waſſer vermengte Sau⸗ er⸗Weſen des Salperers gefaͤrbet: Daher hat man hauptſaͤchlich zwey/ auf eines hinaus lauffende Experimenta, wodurch die Farbe der nitroſiſchen Saͤure ſichtbahrlich dargeſtellet werden kan. Dann erſtlich kan dieſes Sau⸗ er⸗Weſen in Geſtalt eines Dampffs gezeiget werden/ welcher niemahls(oder wenigſtens in vielen Jahren) nicht kan verdickt werden/ ſondern er erhaͤlt ſich in dem Gefaͤße/ worinn er getrieben worden/ beſtaͤndig in kaner Larhe 2.) al⸗ 1 in k. r⸗ 83(O) 8⸗ 73 (2.) faͤrbet ein ſolcher auf eine andere Art uͤber⸗ getriebener nitroſiſch⸗fluͤchtiger⸗ und in dem vorgeſchlagenem Waſſer geſamleter Geiſt/ daſſelbe mit einer Himmel⸗ blauen⸗ oder Korn⸗Blumen Farbe: So bald man ihme aber nur einen Augenblick Luffr gelaſſen; ſo rauchet er unter der ſichtbahren Geſtalt eines roͤthlichren Dampffs davon/ und laͤſſet das Waſſer gantz klar zuruͤcke. Vierrens/ und was bey nahe das vornehm⸗ ſte iſt; ſo faͤnget der Salpeter Feuer: Ich ſage der ſaure/ nicht aber der alcaliniſche Theil deſſelben. Denn fuͤnfft ens wird der ſaure Theil/ das iſt/ das Weſen des Salpeters durch die Ent⸗ zuͤndung deſſelben verſtoͤhret/ und gehet alſo daſſelbe voͤllig zu Grunde/ da doch deſſen alca⸗ üniſcher Theil unverſehret bleibet. Mir duͤncket allerdings/ daß ich der erſte ſey/ (denn ich bekenne aufrichtig/ daß ich die gruͤnd⸗ liche Beobachtung dieſer Sache/ ſonſt nirgends angemercket geleſen) der in der Ausbrennung des Salpeters dieſen ungemeinen Effect wahr⸗ genommen/ nenlich die ploͤtliche Zerſtoͤrung/ der gantzen Grund⸗tliſchung des Salpe⸗ ] ters/(*) als eines ſo uͤberaus zart/ veſt und E/ innigſt 6*) Dem curioſen und verſtaͤndigen Leſer zu Gefallen/ will die Erklaͤr ung dieſer allhier nur kuͤrtzlich beruͤhr⸗ ten voͤlligen Zerſtoͤhrung des Salpeters, ſo wie der Herr Autor ſolche an einem andern Ort gantz Hand⸗ greifflich abgebildet hat/ beyfuͤgen: 74 o(Oo)& innigſt gemiſchten Weſens. Damit ich aber nicht gar zu fruͤhe in einer ſolchen Sache aus⸗ ſchweif⸗ Man nehme klein geſtoſſene Kohlen und Salpeter, und zwar in einer ſolchen Proportion, daß die Koh⸗ len den Salpeter zu verzuͤnden hinlaͤnglich ſind/ tra⸗ ge dieſes Mengſel bey wenigen in eine Retorte, und laſſe den Dampf in einen groſſen Recipienten gehen. Wann man auf ſolche Weiſe ein Pfund Salpeter ver⸗ brennet hat; ſo ſuche und verſuche man/ was man in dem Kecipienten erhalten. Solches ſchmecket nun nach nichts/ hat auch den geringſten merck⸗ lichen Geruch nicht. Examiniret man nun auch was in der Ketorten zuruͤck geblieben; ſo iſt es nichts als ein ſchlechtes Alcaliſches Saltz/ und zwar um ſo viel reiner/ und von irrdiſchen Staube befrey⸗ ter/ je weniger grobes Erden⸗oder Aſchen⸗Weſen die Kohlen(wie aus weichen Holtz vor den harten) bey ſich gefuͤhret. Nunmehr hat gleichwohl ein Pfund Salpeter nach Kunckels Rechnung bey ein viertel Pfund corroſivi- ſchen Sauer⸗Weſens oder Spirirus in ſich? hier aber iſt nichts zu hoͤren noch zu ſehen/ zu riechen⸗ zu ſchmecken/ noch zu fuͤhlen. Und alſo mit fuͤnff Sinnen buͤndig zu bezeugen/ daß in dieſer Opera- tion das gantze Weſen/ oder die Vermiſchung des eigentlich alfo genannten Salpeters,(welches nemlich ſein Spiritus iſt) von Grund aus zu nichte gemacht und diſſolviret ſey.. 3 n dem RKecipienten findet man nichts als ein un⸗ In e ghafftes Waſſer/ oder doch nichts ſo ſchmack hafftiges/ daß ein Menſch ſich einbilden koͤnnte/ es ſey vorhin etwas corroſives darinn geweſen. In dem ruͤckſtaͤndigen alcaliſchen Saltz iſt eben ſo wenig Spure von einiger hinterbliedenen Saͤure uͤbrig. Kurtz alles Salpetricht⸗Sauer⸗ Saltzi⸗ ge 8 zerſtoͤhret und verlohren. Ich will nun ger⸗ ne rathen laſſen wer da kan und will; ich aber will (0O) S8 75 ſchweiffe/ welche ſich auf die jenigen Erfah⸗ rungs⸗Proben/ die die weſentliche Theile wie⸗ derum aufloͤſen/ zu beruffen noͤthig hat; ſo wer⸗ den wir uns an die bißher beobachtete Ord⸗ nung halten/ und zuforderſt einige Urſachen der Rinſiedung und Criſtalifrung des Sal⸗ peters beruͤhren. Das — meine Meynung/ ohne jemand etwas vorzuſchrei⸗ ben/ ſagen. Ich halte es allerdings mit Bechern, daß die innerſte Saltz⸗Vermiſchung in einer zar⸗ teſten Verbindung/ von einem zarteſten erdigten Staͤubchen/ und kleinſten Waſſer⸗ Staͤubchen beſtehe. Einer ſolchen zarten Vermiſchung iſt bey dem Nitro ein fettichtes Staͤubchen beygetreten/ und inwendigſt einverleibet. Dieſe Vermiſchung oder Verbindung laͤſſet nun nicht ſo leicht wieder auseinander/ ſondern gehet ent⸗ weder miteinander davon/ den Spiritum ‚litri for- mirend/ oder bleibet in dem gemeinen Nitro mit dem Alcaliſchen fixen Saltz ſo veſte verbunden/ daß es auch langes Feuer ertragen kan. Wird aber dem brennlichen Theilchen nach ſeiner eigenen Art und Geſchicklichkeit eine Huͤlffe gethan/ * und es dadurch verſtaͤrcket; und zwar deſto mehr in deſſen eigenen Element und Hauß/ dem Feuer; ſo hilfft jenes beytrettende brennliche Weſen/ dem biß daher eingefangenen das Ubergewicht geben/ um ſich zugleich durch die feurige Bewe⸗ gung von ſeinem vorigem Bande loß zu reiſſen. Duͤrch folche Ent zuͤndung und deren uͤbermoͤgende Gewalt/ wird das Waſſer⸗Coͤrperchen in eine Lufft⸗ gleichende Blaͤſtigkeit gebracht/ und ſtaͤubet dieſe feurig⸗bewegte Theilchen deſto ſchneller von ſich: Dahero die hefftig⸗ blaͤſtige/ un⸗ ter ſolcher Operation am deutlichſten empfindlichſte Wuͤrckung entſpringet. Vid. Stahls Bedencken uͤber den Streit vom Sulphure pag. 184. feq. 76 8(0) SE⸗ Das Salpeter⸗Sauer/ in ſo weit es mit einem fluͤchtigen urinoſſſchen Saltz/ oder mit einer erdicht⸗ leimichten Subltanz in der Er⸗ de/ oder auch mit einer kalchichten Subſtanz in den Mauren zuſammen gewachſen/ aͤſſet ſich in dieſer Verbindung nicht zur Criſtalliſarion bringen: Zum wenigſten giebet es keinen ſol⸗ chen glaͤntzenden/ veſten und ſpießartigen Anſchuß/ als man ſonſt bey dem Sapeter be⸗ mercket. Mit einem fluͤchtigen Laugen⸗Saltz bildet es ſehr kurtze/ wintzige/ und als Sau⸗ Borſten geformte Criſtallen. Iſt es von dem kalchichten Beſtand⸗Weſen uͤbermeiſtert/ ſo laͤſſet es ſich kaum auf einigerley Weiſe zum Anſchuß bringen/ ſondern gelanget allein zur Coagulation.(*) Der jeniſche Blumen⸗Sal⸗ peter aber waͤchſet in unordentliche und ſchraͤg⸗ viereckichte(rhomboideas) Criſtallen zuſanimen. Und wann das Salpeter⸗Sauer mit einer erdicht⸗leimichten Materie zuſam⸗ men geſetzet iſt: So iſt es nicht ſo wohl zum trockenhafften/ als zum fluͤßigen/ und aus der Lufft ſelbſt die Keuchtigkeit an ſich ziehen⸗ den Beſtande geneigt. Wann aber das Sauer⸗Weſen des Sal⸗ peters mit einem Feuer⸗ beſtaͤndigen Lau⸗ gen⸗ (†) Denn der Kalch diſponiret den Lalpeter nicht zum Anſchieſſen/ ſondern bloß zur fluͤchtigen Solution, hergegen giebt ihm das Fixe Alcali das Wachſen/ oder die Criſtalliniſche Conſiſtena. Vid. Stahls Tractat von Saltzen pag. 132. —— —+ 2— 883(0O) 77 gen⸗Saltz verknuͤpffet wird: ſo koͤmmet eine haͤrtere/ und glaͤntzende/ Criſtallen⸗gebende Conſiltenz zum Vorſchein. Hiezu wird die Aſche/ und hauptſaͤchlich die jenige/ welche aus harrem/ und mit hxen Saltz angereicherten Holtz gebrandt worden/ genutzet. Dahero die jenigen Salperer⸗Sieder/ welche die Sa⸗ che nicht aus dem Grunde verſtehen/ der Mei⸗ nung ſind/ daß man ſchlechterdings allerley Aſche hiezu gebrauchen koͤnne/ folglich mißraͤth ihnen zum oͤfftern der Sud/ und iſt es ihnen nicht moͤglich/ ſelbigen zum Anſchieſſen zu brin⸗ gen. Doch wird auch von andern die Sache nicht recht erklaͤret/ welche in den Gedancken ſtehen/ daß die Aſche bloß zur Abrrocknung der jenigen Fettigkeit/ welche in der Miſt⸗Er⸗ de haͤuffig vorhanden/ dienlich ſey: Da doch vielmehr die wuͤrckliche Verbindung/ des in der Aſche hafftenden fixen Saltzes mit dem Sauer⸗Weſen des Salpeters unumgaͤng⸗ lich erfordert wird. Wannenhero auch die jenigen nicht unfuͤglich handeln/ die an ſtatt der Aſche/ eine aus Aſchen und Kalch gemachte Lauge zu ihrem Werck gebrauchen/ wiewohl die jenigen doch noch beſſer thun/ welche ihre Salpeter⸗Erde unmittelbar mit Kalch und Aſche verſetzen. Es hat auch der ungeloͤſchte Kalch eine ungemeine Krafft/ das Sauer⸗Weſen des Koch⸗Saltzes/ welches dem Salpeter⸗Sauer etwan beygeſprenget iſt/ fluͤßig zu machen, amit 78 53(O) 88*- damit es nicht in eine criſtalliniſche Verdi⸗ ckung zuſammen gehen/ und alſo den Salpe⸗ n muich ſeine Beymiſchung verfaͤlſchen Wann aber eine groſſe Quantitet Koch⸗ Saltz zugleich mit in der Salperer⸗Erde ſte⸗ cket/ welches/ wie wir bereits erinnert haben/ hauptſaͤchlich bey der etwas friſcheren/ und nicht genugſam verfauleten urinoſiſchen Sub- ſtanz vorzufallen pfleget/ ſo veraͤndert der un⸗ geloſchre Kalch dieſe Marerie nicht genugſam/ dringet ſie auch nicht zu der gedachten Fluͤßig⸗ keit: Woher es dann koͤmt/ daß man zuwei⸗ len ſolchen Salperer ſiehet/ an deſſen ſechs⸗ eckichten Criſtallen zugleich viereckichte aus dem Koch⸗Saltz mit angewachſen/ welche man aber ſowohl mit den Augen/ als mit dem Geſchmack alſobald von einander unterſchei⸗ den kan.. Doch kan man die Scheidung des Koch⸗ Saltzes bewerckſtelligen/ wenn man die Lau- ge nicht gar zu ſtarck einſiedet. Denn der Salpeter verdicket ſich weit eher/ waͤchſet auch weit eher in Criſtallen zuſammen: Und das Koch⸗ Saltz wird auch leichter in wenigen Waſſer aufbehalten: Doch koͤnnte auch all⸗ dier etwas von der Verſchiedenheit des ge⸗ meinen Saltzes/ wie es mit dem Laugen⸗ Saltz; und eben deſſelben/ wie es mit ſeiner eigenen Erde in Criſtallen zuſammen gewach⸗ ſen erinnert werden: Weil aber dieſes un⸗ . ſerm 53(O) 88 79 ſerm Endzweck nicht gemaͤß; ſo leydet es die Zeit nicht/ uns laͤnger dabey aufzuhalten. Der auf dieſe Art criſtalliſirte Salpeter flieſſet im Feuer: Doch zergeher er nicht im Waſſer⸗ Fluß/ wie der rohe Vitriol und Alaun, ſondern im Feuer⸗oder Schmeltz⸗Fluß. Er wird auch unter allen andern Saltzen am ſchnelleſten geſchmoltzen/ und zwar wegen der Feuer⸗ faͤhigen und brennlichen Materie, wel⸗ che ſeiner Miſchung eingefuͤget iſt/ und ſeine uͤbrige Verfaſſung zur feurigen Bewegung um ſo viel bequemer machet; und aus eben dieſer Urſache verrauchet er auch um ſo viel leichter/ wenn ihm im Schmeltzen der Bey⸗ tritt der freyen Lufft geſtattet wird. Nicht zwar deswegen/ daß ſeine Miſchung ſelbſt auf dieſe Art ſogleich aufgeloͤſet werden/ und deſſen brennlicher Theil in der That in Flam⸗ men gerathen ſolte: Welches er ſo ſchlechter⸗ dings und vor ſich ſelbſt/ nicht thun kan. Doch machet die freye Lufft/ dieſen Feuer⸗faͤhigen Theil dergeſtalt rege/ daß er auch den ſauren/ ihn angehenden/ und endlich auch allerdings den Feuer⸗beſtaͤndigern alcaliſchen Theil ſelbſt mit ſich fortreiſet. Doch erfolget ein weit anderer Effect, wann der Salpeter mit einer ihm zugeſetzten Feuer⸗ faͤhigen Materie verbrennet wird. Gewiß/ gleichwie die feurige Bewegung gls eine ſol⸗ ſche Sache anzuſehen/ die der Kunſt/ zur Dar⸗ ſtellung allerley zarter und ſehr ſchneller Be⸗ wegun⸗ 30 82(0) 8e⸗ wegungen/ faſt gantz allein gegeben iſt: Indem ſelbige nach der uͤbrigen Anordnung der Na⸗ tur/ nicht anders als nach und nach/ vermit⸗ telſt eines ſehr gelinden und langwierigen Triebes vollfuͤhret werden koͤnnen: Alſo kom⸗ met in dieſem Geſchaͤfft/ eine nicht geringe Probe/ von einer ſolchen Wuͤrckſamkeit zum Vorſchein/ nemlich das Vermoͤgen eine ſehr ſubrile Miſchung in kurtzer Zeir, unter gantz beſondern Umſtaͤnden auseinander zu ſetzen. Was iſt heut zu Tage wohl bekannter/ und was erfordert wohl eine ſchlechtere Arbeit und Muͤhe/ als den Salpeter mit Kohlen oder Weinſtein zu verpuffen? Aber was iſt im Gegentheil wohl ſchwerer und kuͤtzlichter/ als gehoͤrig zu erklaͤren/ woher und warum dieſes geſchehe? Daß nichts in verſchloſſenen Gefaͤſſen Feuer fange/ iſt bekannt. Der eintzige Sal⸗ perer weichet von dieſer Regul ab. Doch machet er den ordentlichen Lauff der Natur/ welche zu einer flammenden Verbrennung einen zureichlichen Beyrritt der Lufft/ und eine Ausdehnung erfordert/ hiemit nicht zu nichte/ ſondern der Salperer iſts allein/ wel⸗ cher die Lufft nicht ſowohl erwarter/ als ſel⸗ bige darreichet/ und zum beſten giebet. Die Grund⸗Wiſſenſchafft(Theoria) die ich mir von dieſer Sache concipiren kan/ beſtehet hierinnen: Daß das Salt nichts anders ſey/ als ein allerſubtiſtes erdichres Coͤrperchen 3 wel⸗ 2) 293(o) G&œ Sr weelches mit einem waͤſſerichtem Coͤrperchen verbunden worden: ſolches ſetze ich nach den verſchiedenen Gruͤnden der habenden Beweiß⸗ Proben voraus. Denn ich bin der Meinung⸗ daß das jenige was die verſchiedene Saltzen ſpe⸗ cificiret/ daß ſie nemlich dieſes und nicht jenes/ oder jenes und nicht dieſes ſind/ lediglich et⸗ war zufaͤlliger Weiſe beygetretenes ſeyn muͤfſe. Und dieſes iſt in unſern gegenwaͤrtigem Saltz/ nemlich im Salpeter ein brennliches Coͤrper⸗ chen.) Gleichwie nun dieſes uͤberaus zarr F iſt; () Der Herr Autor redet allhier ſubtil von einer ſub- tilen Sache/ und ob er ſich gleich an einem andern Ort etwas deutlicher expliciret/ ſo giebet er doch dabey gleichfalls zu erkennen/ wie es ihm nicht ge⸗ faͤllig geweſen/ ſich auf eine ſolche Art zu erklaͤ⸗ ren/ daß es ſogleich ein jeder Bauer mercken koͤnnte/ was er haben wolte: wir wollen ſeine eigene Worte anhero ſetzen: Aus dieſen(ſpricht er) und inſonderheit aus den „ Animaliſchen Exempeln wird nun allerdings of⸗ „ fenbahr/ daß nicht allein ein Urinofiſches/ ſon⸗ „ dern uͤberhaupt ein Saltz durch langwierige Be⸗ „ wegung erzeuget werde/ und zwar aus einem „ fubtil gemachten erdigtem Beſtand⸗Weſen/ und „ aus einer Fettigkeit welche an dieſem Ort/ „ das iſt/ in einem waͤſſerichtem Coͤrperchen mit „einem blaͤſtigem zart erdichten/ oder dicht wer⸗ „dendem Coͤrperchen verbunden iſt. Dieſerwe⸗ „ gen muß allerdings das waͤſſerichte/ unter der „ Kettigkei bereits verhafftete/ zu dieſem Saltz „ als Saltz mit beytretten; gleichwie denn auch n ein Theil der Settigkeit/ in ſo weit es eine Fets — 2 3² 59(0) 88 iſt; Alſo verduͤnnet es auch durch ſeine Bey⸗ miſchung die erdichten Coͤrperchen; und ver⸗ mittelſt „tigkeit iſt/ zum Weſen deſſelben/ damit es nem⸗ „lich urinoßſch werde/ mit beytritt. Wannen⸗ „ hero dann/ wann derjenige Theil/ nach welchem „ es urinoſiſch iſt/ davon geſchieden worden; der „ Ubertritt zu dem Stande eines allgemeinen/ „ reinen und wuͤrcklich ſauren Saltzes gar leicht iſt/ jedoch mehr gewoͤhnlicher maſſen durch einen „mittlern Stand/ nemlich durch den Sapetrich⸗ „ ten. Aber Hand von der Butte! Vid. Stahlü „allgemeine Grund, Erkaͤnntnuͤß der Gaͤhrungs⸗ „Kunſt Cap. 12. pag. 173. feq. In eben dieſem Trackat laͤſſet er ſich fernerhin Cap. „ 20. pag. 279. alſo vernehmen: Dieſes(fettigte) „Theilchen/ wenn es mit einem waͤſſerichten/ „der Zahl nach eintzigem Coͤrperchen verwickelt „wird; ſo wird es zum Oel. Wann dieſes wie⸗ „ der mit einem ſauern Saltz verwickelt wird/ „ ſo wird es ein Salpeter⸗Saltz. Wann aber „ dieſes bloße Particulchen/ ehe und bevor es durch „ den Beytritt des Waſſers zum Oel wird/ mit „dem ſauren Saltz verbunden wird; ſo wird es „ ein mineraliſcher Schwefel; wird dieſes bloße „Particulchen mit einem erdigtem Prinecipio(und „ zwar ehe und bevor daſſelbe in der Vergeſell⸗ „ ſchafftung des Waſſers zum Saltz geworden) „ verknuͤpffet: ſo wird es eine zuſammenziehende/ „ oder ſtyptiſche gefaͤrbte Erde ꝛc. So wenig als auch hier geſaget iſt; ſo iſt doch das groſſe Geheimnuͤß der Saltz⸗Miſchung vor den Augen eines Verſtaͤndigen/ vollenkommen darinn entdecket/ und wer in dem angezogenen Tractat mit guten Bedacht weiter nachleſen/ und alsdenn dasjenige/ was der Autor zu dieſem Ende in gegen⸗ waͤrtiger Abhandlung gutentheils practice eror⸗ tert/ dagegen halten wird; dem wird in dieſem 2 8 2 9(O) 8* 83 mittelſt ſeiner Anhaͤngung(welche zu einer t, dicken Zuſammenhaͤuffung nicht geſchickt iſt) i erhaͤlt es dieſelben in ſolcher Duͤnnheit. Wan⸗ nenhero dann dieſes nitroſſche Saltz oder Sauer⸗Weſen faſt unter allen uͤbrigen das fluͤchtigſte/ und an Farbe/ Geruch und urchdringlichkeit das allerzarteſte iſt. Wann nun dieſes brennliche Grund⸗Weſen eine feurige Bewegung uͤbernehmen kan; ſo wird es ohne Zweiffel das waͤſſerichte/ mit ihm vergeſellſchafftere Grund⸗ Weſen loß machen/ damit ſolches in einem groſſen Blaſt zerſtreuer werden koͤnne. Dieſe Zerſtreuung aber aber wird um ſo viel hefftiger von ſtatten gehen; je veſter dieſer Theil verhaͤnger/ und folglich nicht anders/ als vermitteiſt des uͤber⸗ wiegenden Triebes der feurigen Bewegung endlich auszudehnen geweſen. Wir ſehen die Exempel davon in der Ver⸗ brennung des Schwefels und des Wein⸗ Geiſtes. Welche beyde Subjecta mit dem brennlichen Grund⸗Weſen reichlich verſehen ſind/ und wann ſothanes Grund⸗Weſen frey/ und von keinem andern Dinge veſt gehalten wird; werden beſagte Subjecta durch die Ent⸗ zuͤndung unvermerckt aufgeloͤſet: Jedoch mit einer ſich ſehr weit ausbreitenden Ausdehnung F2 ihres wichtigen Theile der Natur⸗ Wiſſenſchafft/ mithin in der Kunſt/ den Lalpeter faſt ohne Koſten zu erzeu⸗ en/ ein Licht aufgehen/ welches ihm eben ſo er⸗ reulich als nuͤtzlich ſeyn duͤrffte⸗ 84-899(0) Ses⸗ ihres waͤſſericht⸗ ſaltzichten Theils/ alſo daß der Dunſt aus einer ſehr geringen Quantitæt eines ſolchen Subjecti einen ſehr weiten Raum ausfuͤller:(*) Wann aber der Schwefel mit 1 9 etwas ) Der Herr Autor hat das hieher gehoͤrige ſehr curioſe Experiment von dem Schwefel/ in ſeinem Bedencken uͤber den Streit vom Sulphure, p. 153. communiciret. Man nehme ein halb Quintel wohl gepulverten Schwefel/ ſchuͤtte es in ein allerklein⸗ ſtes Gold⸗Schmieds⸗Tiegelchen/ und ſetze in die Mit⸗ ten einen Schwefel⸗Faden/ daß er nicht umfallen kan/ mit ein wenig zarten Drat beſtaͤbelt. Richte ihn auch dergeſtalt/ daß er bey beſchehenen Anzuͤn⸗ den nicht groͤſſer/ als einer kleinen Linſe groß Flam⸗ me giebt. Setze ihn auf einen warmen Backſtein/ zuͤnde das Taͤchtlein an/ daß es ohngefehr in be⸗ meldter Groͤſſe fortbrenne. Wann es nun an ei⸗ nem ſtillen Ort/ eine gantze Stunde lang gebren⸗ net/ daß man nicht allein das Flaͤmmgen beſtaͤn⸗ dig geſehen/ ſondern auch ein groſſes Gemach voll Geruch damit angefuͤllet empfindet: ſo blaſe man es wieder aus/ und wiege das Ruckſtellige: ſo wird man befinden/ daß durch eine gantze Stun; de lang dergleichen Brennens nicht uͤber 15. biß 16. Gran ſchwer verzehret worden. Aus der allhier bemerckten Zeit/ iſt die unermeßliche Zertheilung des Schwefels abzunehmen/ da auch nur funffze⸗ hen biß 16. Gran, eine gantze Stunde lang ſicht⸗ bahrlich brennen/ und unaufhoͤrlichen Dunſt/ (wie mit Augen/ Naſe und Bruſt zu empfinden iſt) von ſich geben: das iſt eine gantze Stunde hin⸗ durch eine unaufhoͤrlich⸗fortfahrende Zer⸗ ſtreuung von ſich geben koͤnnen. Welcherley/ alſo vertheilenden Staͤubchen Anzahl/ mit keinen menſch⸗ lichen Gedancken zu begreiffen. Das was allhier dem ſonſt weniger fuchtigem Sauer⸗Weſen 53(O) 88 8/ da.— 4 etwas ſehr feſt verhaͤnget iſt/ und endlich vermit⸗ dum te mit Iſt des uͤberwiegenden ploͤtzlichen Anfalls F 3 loß⸗ ame des Schwefels begegnet/ iſt dem Beytritt der freyen Lufft zuzuſchreiben als wordurch es ſo zart und fluͤchtig gemacht wird/ daß es dermaſſen ſchnell in dieſelbige verſtaͤubet. Adde Stahls Bedenckenuͤber Bechers Natur⸗Kundigung der Metallen p. 24. Von dem Spiritu Vini, und der recht eingerichteten ſehr langſamen Verbrennung und Scheidung ſeines ver⸗ brennlichen Theils/ hat der Herr Autor gleichfalls ein uͤberaus curioſes Experiment in ſeinen Experi- mentis, Gbſervationibus& Animadverſionibus Chy- micis& Phyſicis§. LXXVIII. pag. III. ſeq. mitgetheilet. Es lautet daſelbſt wie folget: in/ Ich habe Roͤhren von verzinnten Blech/ einer Ellen be⸗ ei⸗ ren⸗ gaͤn⸗ ach aſe ge: uw⸗ biß hier ung ſze ht⸗ ſ/ den in⸗ er⸗ lſo ler ſen A lang/ und zwey oder drey Zoll weit/ zur Hand/ welche alſo verfertiget worden/ daß ſie an dem un⸗ terſten Ende einen platten Boden haben/ mit einem kleinen aufwaͤrts gehenden Roͤhrchen/ einer Quer⸗ hand hoch; an dem oberſten Ende aber ſind ſie wie ein Trichter zugeſpitzt/ alſo daß ſich die Spitze gar fuͤglich in ein ſolches Roͤhrchen/ als auf dem plat⸗ ten Boden eingeloͤthet worden/ ſchicket. Von der⸗ gleichen Roͤhren ſetze ich drey oder vier eins auf das andere/ in das unterſte aber richte ich einen weiten Trichter/ deſſen Spitze in das daſelbſt aufwaͤrts ehende Roͤhrchen eingeſtecket wird. Unter dieſem richter aber ſetze ich eine ſolche/ mit dem beſten Spiritu Vini gefuͤllte Lampe/ als man ſonſt zur Er⸗ waͤrmung der ſilbernen Schuͤſſeln/ oder bey denen Thee⸗Toͤpffen zu gebrauchen pfleget. Den Dacht richte ich alſo/ daß er eine Flamme/ die nicht groͤſ⸗ ſer/ als etwann ein kleiner Oliven⸗Kern giebet/ und ſetze es an einen ruhigen Ort/ damit es ſtille wegbrennen koͤnne. uf dieſe Weiſe wird an dem dazu gebrauchtem Spi- ritu Vini ein gar geringer Abgang verſpuͤhret; da 36 2(o) 35 loßgeriſſen wird: ſo entſtehet daraus eine ſehr gaͤhe und gewaltſame Ausdehnung/ wie ſol⸗ ches an dem Effect des Buͤchſen⸗Pulvers of⸗ fenbahrlich zu ſehen. Wir halten allerdings davor/ daß in der Verbrennung des Salpeters auch etwas dergleichen geſchehe. Das drennliche Coͤrper⸗ chen/ welches mit dem waͤſſerichtem und ſubtil. Erdichtem Theilchen verhaͤnget iſt/ gehet nicht in eine feurige Bewegung/ wann es ſonderlich von einem etwas groͤbern/ erdichtem Theilchem uͤberwogen wird: Sondern wo es ſehr ſtarck beweget wird/ reiſet es ſolches viel mehr mit ſich in die Lufft. Wird es aber durch den Beytritt eines fixeren ſaltzigt⸗ erdichten Coͤr⸗ pers noch weiter uͤberhaͤuffet; ſo kan ihm das Feuer ſehr wenig anhaben/ ſondern es bleibet von dergleichen Ober⸗Herrſchafften gleich⸗ ſam indeſſen die Waͤßrichkeit hurtig an die kalten Sei ten der Roͤhren anfaͤllet/ und haͤuffig auf den Bo den einer jeden Roͤhre niederflieſſet/ und wann ſol che allda geſammlet worden/ koͤnnen die Roͤhren von Zeit zu Zeit abgenommen/ umgekehret/ dit Waͤßrichkeit aber aus dem zugeſpitztem Ende ab egoſſen/ und beſonders aufgehoben werden. May fadet alsdann/ man mag auch ſo viel von derglei chen Spiritu verbrennen/ als man immer wolle nicht die allergeringſte Spur von einigem Ruß wann aber derjenige Theil/ welcher die Flamm ausmachte/ verzehret worden/ ſo iſt nichts ander als ein bloſſes Waſſer uͤbrig/ welches mit einiger aber dber allemaſſen wenigen Saltzigkeit geſchwaͤn gert iſt ꝛc. ——Zu—· 89(0) 8- 87 ſam unterdruͤckt und verſenckt. Wird aber dieſes Feuer⸗faͤhige Coͤrperchen von ſeines gleichen gleichſam geſtaͤrcket und vermehret/ alſo daß es nach der Proportion ſeiner Groͤſſe und Wuͤrckſamkeit/ der Proportion der Trag⸗ heit und Cangſamkeit dieſer erdigten Coͤr⸗ per vorwaltet: So wird es vermittelſt Uber⸗ nehmung eines gewiſſen Triebes ſehr kraͤfftig beweget: Und da jene nicht mehr die Ober⸗ hand haben/ aus deren Verbindung heraus geriſſen/ daß es beydes in ſeine flammende Bewegung ungehindert eingehet/ und zugleich das mit ihm verknuͤpffte waͤſſerichte Theilchen/ in Dampffs⸗Geſtalt ſehr ſchnell zerſtaͤubet. Welches dann/ in dieſem/ nicht einen Augen⸗ blick daurenden Actu die Entzuͤndung dieſer brennlichen Theilchen/ vermittelſt eines ploͤtz⸗ lichen Triebes nicht anders vergroͤſſert/ als ob wuͤrcklich ein Lufft⸗Geblaͤſe dazu gekom⸗ men waͤre. Alſo bleibet es dabey/ daß das jenige Theil⸗ chen/ welches z. E. in den Kohlen zum Bren⸗ nen geſchickt iſt/ wann es den brennlichen Theilchen des Salpeters zugeſetzet wird/ dieſe zur Bewegung des Entzuͤndens/ und zur Herausbrechung aus dem Verbund nuß mit den erdichten und waͤſſerichten Theilchen befoͤrdert: Das waͤſſerichre Theilchen aber/ wann es durch dieſen uͤberwiegenden Trieb aufs ſchnelleſte in einen Dampff ausgedehnet worden/ dieſes Entzuͤnden oder Brennen ſo F 4 ſtuͤr⸗ 88(0) e⸗ ſtuͤrtzend und ſtuͤrmiſch machet/ daß es in einen Augenblick, nicht anders als ein Blitz/ mit einem gewaltſamen Blaſt und Dampff im Feuer aufgeht und zerſtreuet wird. Ich bemercke allhier in dieſer einfaͤltigen und wenig geachteten Behandlung in der That einen ſolchen Effect, welcher, ſo viel ich weiß/ zur Zeit von niemand nach Perdienſt beach⸗ tet/ geſchweige denn gehoͤrig unterſuchet/ eroͤr⸗ tert/ und entſchieden worden/ nemlich die fun⸗ damentale Zerſtoͤhrung der gantzen inmigſten rmiiſchung des Salpeters. Denn wie es allerdings aus der Erfahrung bekannt, daß man aus einem gantzen Pfunde/ in freyer Luffr kuͤnſtlich verbrannten Schwefels nicht die geringſte Spure von einem ixeren Sauer⸗ Weſen erlangen kan: Alſo bezeuget auch eben dieſelbe/ daß aus einem gantzen Pfunde Sal⸗ Peter/ nicht einmahl die geringſte Spur/ von ſeinem allgemeinen/ und annoch undetermi⸗= nirten/ gauchewecg. denn von ſeinem beſondern und eigenrlichſt⸗ iroſſchem Sauer⸗Weſen zum Vorſchein komme. Wann wir aber die⸗ ſe Sache genauer erwegen wolten; wuͤrde die gegenwaͤrtige Abhandlung gar zu weitlaͤufftig gerathen, wannenhero wir allhier mit Fleiß abbrechen/ und nur dieſes eintzig und allein erinnern/ daß wenn einer die Kunſt wuͤſte/ den Salpeter ſo geſchwinde zuſammen zu ſetzen/ als er ſich ſchmeltzen/ und auf dieſe Art un⸗ wiederbringlich zerſtoͤhren laͤſſet: So wirde 899(O) 868 89 er auſſer Zweiffel ein Geheimnuͤß beſitzen/ welches ihm ſeine Muͤhe ungemein belohnen koͤnnte() Die Bereitung des Salpeter⸗Geiſtes flieſſet aus dem jenigen Grunde/ welcher von Keslern und Glaubern ſchon vorlaͤngſt geleh⸗ ret/ von den Gelehrren aber/ ich weiß nicht/ ob nicht geleſen/ oder nicht verſtanden wor⸗ den/ nemlich aus der verſchiedenen Wuͤrck⸗ ſamkeit derer Sauer⸗Weſen. Da dann das Vitrioliſch⸗ Snulphuriſche Sauer⸗Weſen das vornehmſte/ ſtaͤrckſte und maͤchtigſte iſt: Dieſem weichet in gewiſſer Maſſe/ das Sauer⸗ Weſen aus dem Salpeter: Und dieſem wie⸗ derum in gewiſſer Maße/ das aus dem Koch⸗ Saltʒ: Das ſchwefelicht/ vitrioliſch⸗ fluͤch⸗ tige Sauer⸗Weſen aber/ iſt unter dieſen allen das ſchwaͤchſte. Die Wahrheit dieſer Sache giebet ſich au⸗ genblicklich zu erkennen/ wenn ein guter 7itriol- Geiſt/ auf klein geſtoſſenen Salpeter gegoſ⸗ ſen/ und unter allmaͤhliger Verſtaͤrckung des Feuers/ von demſelben wieder abgezogen wird. Sodann gehet zwar ein Spiritus uͤber/ aber F nicht 6**) Ich bin verſichert/ daß der nunmehro ſeelige Herr Autor dieſe Erinnerung nicht als ein bloſſes Proble- ma anhero geſetzet/ und daß ihm dieſes Geheimnuͤß bekannt geweſen. Obnun ſolches der Welt dereinſt in ſeinen annoch zu hoffenden Scriptis poſthumis wer⸗ de communiciret werden/ daran zweiffele aus ge⸗ wiſſen Urſachen gar ſehr/ und wer weiß ob ſolches 90 8(0) 8 nicht von Vitriol ſondern vom Salpeter.(*+) Denn der zugeſetzte Virriol-Geiſt bleibet im alcaliniſchen Saltze des Salpeters zuruͤck/ und iſt mit demſelben in eben ein ſolches zu⸗ ſammen geſetztes Weſen verknuͤpffet/ als aus der einfachen Vermengung eines fixen alcali- ſchen Saltzes/ und aus dem Vitriol-Geiſt zu entſtehen pfleget/ welches wir insgemein einen Tartarnm Vitriolatum benahmen. Eben auch zu rathen und zu verantworten ſeyn moͤchte. Indeſſen wird ein jeder leichtlich wahrnehmen/ daß eine ſo geſchwinde Zuſammenſetzung des Salpeters, wo ſie anderſt ins Werck zu richten, entweder im Feuer/ oder im Waſſer geſchehen muͤſſe. Ich mei⸗ nes Theils habe auf beyderley Weiſe gekuͤnſtelt/ inſonderheit aber im Feuer mit verſchiedenen Din⸗ gen mehr als dreyßig Proben ſowohl in Holtz⸗ Flammen⸗ als Stein⸗Kohlen⸗ Feuer gemacht/ auch in einigen/ nach weiterer Bearbeitung wuͤrck⸗ lichen Salpeter gefunden. Doch hat es Zeit und Muͤhe gekoſtet/ ehe ich es ſo weit gebracht/ und kan alſo nicht ſagen/ daß es mir eben ſo geſchwin⸗ de damit gegluͤcket/ als ſich der Salperer ſchmeltzen und aus ſeiner Grund⸗Miſchung heraus ſetzen laͤß ſet. Was ich bey weitern Verſuch⸗Proben annoch werde ausfuͤndig machen koͤnnen/ ſtehet dahin. Ich habe mit dieſer Anmerckung den Curioſen nur Gelegenheit an die Hand geben wollen/ ſich gleich⸗ falls zu uͤben/ und wenn ſie Acht darauf geben wol⸗ len; ſo finden ſie in gegenwaͤrtigen Blaͤttern Ma⸗ terien genng/ woran ſie ihre Aufmerckſamkeit/ Ein⸗ ſicht und Geſchicklichkeit probiren koͤnnen. (*) Dieſes Experiment iſt von groſſer Wichtigkeit/ und kommet denenjenigen hauptſaͤchlich zu ſtatten/ die einen reinen/ recht ſtarcken/ fluͤchtigen/ und — zu der Arbeit genommen wird. Denn ob 45()& 21 Eben dieſes geſchiehet auch/ wenn ſelbſt ein elinde caleinirter Vitriol, oder auch Alaun wir aͤuſſerſt concentrirten Spiritum Tlitri verlangen. Es giedet zwar nicht uͤbermaͤßig viel/ aber er iſt auch ergegen zu gruͤndlichen Arbeiten deſto beſſer. Wenn ein gutes Vitriol-Oel dazu genommen wird; ſo wird er um ſo viel ſtaͤrcker/ und von der Waͤß⸗ richkeit freyer. Wer ihn machen will/ muß nach der Zuſetzung des Vitriol-Oels mit der Ardeit nicht lange zaudern/ auch ſich mit der Anlegung guter und ge⸗ raumer Vorlagen/ und zugleich mit genauer Re⸗ gierung des Feuers zu behe ffen wiſſen. Denn es erfordert Zeit/ ehe ſich dieſer Spiritus leget. Die Proportion des Vitriol-Oels und des Salpeters, wird ein Verſtaͤndiger leichtlich finden. Wenn man die⸗ ſen ſtets⸗ rauchenden Spiritum in einen hochgereinig⸗ ten und rectificirten Spiritum Vini troͤpffelt/ ſo to⸗ ben die Tropffen nicht anders/ als ob gluͤhende Kohlen ins Waſſer fielen/ und es ſammlet ſich dar⸗ innen mit der Zeit ein haͤuffiger weiſſer Boden⸗Satz/ woruͤber man ſich billig zu verwundern/ und ſolchen zu unterſuchen Urſache hat. Mit giſtillirten Oelen erhitzet er ſich ſehr/ und mit etlichen faͤnget er Lich⸗ terlohe an zu brennen. Das in Kolben ruͤckſtaͤn⸗ dige Saltz iſt weißer als der Schnee/ und gie⸗ bet/ wenn es gleich aufgeloͤſet/ und zum Anſchieſ⸗ ſen gebracht wird/ ein wunderſchoͤnes/ alſo genañtes Arcanum Duplicatum. Laͤſſet man aber die Solution eine zeitlang an der Lufft ſtehen/ ſo wird ſie mucila- ginös, und das mit dem Alcali Nitri verhafftete Vi- rriol-Oel verſtaͤrcket ſich von neuen dergeſtalt aus der freyen Lufft/ daß dieſe Solution nach geſche⸗ hener Abdunſtung/ gruͤnlichte/ und ſehr Vitrioliſche Griſtallen ſetzet/ weiche nicht mehr vor ein Simples Arcanum Duplicatum paffren koͤnnen. ₰ ——— —.—— —— 92 3(o) 88- wir gleich nicht laͤugnen/ ſondern vielmehr wuͤrcklich anmercken wollen/ daß der Salpe⸗ ter⸗Geiſt durch dieſes Treiben durch die ei⸗ ſenhaffte Coͤrperchen geſchaͤrffet/ verduͤnnet/ ja ſo gar nach ſeinem brennlichen Grund⸗ Weſen gleichſam verſtaͤrcket werde: So blei⸗ bet doch allhier das Eingehen des Vitriol- Sauers in den alaliſchen Theil des Salpe⸗ ters der vornehmſte/ und in der Ordnung der erſte Actus, worinnen das/ ſeines Coͤrpers oder gleichſam ſeiner Stuͤtze beraubte Salpe⸗ ter⸗Sauer die eiſenhaffte/ von dem Sauer⸗ Weſen des Vitriols verlaſſene Theilchen zwar obenhin ergreiffet: Aber bald darauf/ bey zu⸗ nehmendem Feuer⸗Triebe/ wann es fernerhin von ſelbigen ſelbſt weiter loßgeriſſen wird/ in Geſtalt eines Dampffs uͤberſteiget. Man wird auſſer Zweiffel wegen des Bolus eine zureichliche Urſache erwarten/ warum nemlich durch deſſen Zuſatz/ der Spiritus aus dem Salpeter loßgehe. Mirr iſt aber auch allhier in der That keine andere bekannt. Die Wahrheit davon lieget meiner Meinung nach genugſam zu Tage. Ich habe mich lange dar⸗ uͤber verwundert, wenn die gemeinen Labo⸗- ranten vorgegeben/ der Bolus wuͤrde deswegen hinzu gethan/ damit beym Salpeter durch die Trockenheit des Bolus, der Fluß oder das Schmeltzen moͤge vermieden werden. Warum aber moͤgen ſie denn nicht Belie⸗ ben ſinden/ den einmahl gebrauchten 8 e⸗ — öööͤ———— 883(0) Ser⸗ 93 allezeit von neuen zu dieſer Arbeit anzuwen⸗ den? Ich glaube daß es einige verſuchet/ und daß es ihnen nicht damit gelingen wollen. Und ob ſich gleich Viganus allhier um die Urſachen und deren Anzeigung wenig bekuͤmmert; ſo iſt er doch faſt der erſte meines Wiſſens/ wel⸗ cher mit gutem Grunde gelaugnet/ daß das Saliniſche Weſen/ welches in einem ſolchen Ca- pite mortuo zuruͤck bleibet/ ein fixes laugen⸗ hafftes Saltz ſey(+) worinnen denn ſowohl der Doct. Mayovv als der Mariotte in ſeinen Eſſais de Phyſique gefehlet/ als welche in den Tag hinein geſchrieben/ das aus dem Wein⸗ ſtein⸗Saltz und aus dem Spiritu Vitrioli von neuen ein Vitriol erzeuget werde. Wannen⸗ hero auch der bemelte Viganus nicht unver⸗ ſtaͤndig handelt/ wann er das aus dieſem Ca⸗ pite mortuo ausgelaugte Saltz abermahl mit NB. neuen Bolus zu vermengen/ und alsdann wiederum zu deſtilliren befiehlet/ mit der Ver⸗ ſicherung/ daß alsdann der geſammte Salpeter in einen Spiritum werde zerloͤſet werden. Da man denn billig und mit allen Recht nachfra⸗ gen moͤchte; Warum man denn eben neuen Bolus dazu nehmen muſte? und ob der vor⸗ hin gebrauchte nicht trocken genug geweſen/ und noch ſey/ um die Auseinanderhaltung des Salpeters zu bewuͤrcken? Dieſe Beſchaffenheit wird zwar dem Bolus gewiß (+) In Medulla Chymiæ. p. 25. 94494(0) 3. gewiß niemand ſo leichtlich abſprechen; dem aber ungeachtet iſt er zu dieſer Arbeit ferner nichts nutze. Allein was dieſen gantzen Streit zu ſchlichten vermoͤgend iſt/ iſt dieſes/ daß bloß aus einem ſolchen Capite mortuo, in welchem kein brennender Salpeter weiter befindlich/ endlich allererſt ein dergleichen Saltz heraus zu bringen ſtehe: Wenn man nemlich ſiedend heiß Waſſer gebrauchet/ als welches eigent⸗ lich zur Auslaugung des Tartari vitriolati er- fordert wird. Der Spiritus Nitri, nach welcher/ von den hier angezeigten Arten er auch immer bereitet ſeyn mag/ iſt rein genug/ wann mit der Deſtil- lation nur gehoͤrig verfahren/ und derſelbe/ nachdem ſolche geſchehen/ genugſam gereinigt wird.(*) Der jenige/ welcher mit dem Bolo de- ſtilliret roorden/ iſt insgemein etwas matter/ er wird aber recht gut/ wenn er vernuͤnfftig rectifcciret wird/ da dann ein ziemlicher Theil von einem erdicht leimichten Boden⸗Satz zuruͤcke bleibet/ welcher in der erſten Deſtilla- rion mit uͤbergetrieben worden. Der mit dem Vitriol gemacht wird/ iſt fluͤchtiger und ſub⸗ tiler. Der aber mit dem Alaun bereitet wird; iſt nicht ſo ſubeil und fluͤchtig. Der mit dem Spiritu Vitrioli ubertriebene iſt mittelmaͤßig. Der mit dem Virriol-Oel deſtillirte; iſt weit ſub- (*) Dieſe Reinigung iſt oben pag. 55. in der Nota ſchon gezeiget worden. j 88(0)&☛ 95 ſubriler. Der jenige aber der mit Schwefel verfertiget worden; iſt theils der allerſubril- ſte/ und ſehr fluͤchtig/ theils aber zwar ſubril genug/ aber dabey eiwas fx. Wenn dem Bolo nebſt dem Salpeter et⸗ was Eiſen⸗ Keil zugeſetzet/ oder auch wenn der Alaun in dieſer Abſicht damit vermenget wird: So uͤberkommet man einen ſo fluͤchtigen Spiri⸗ tum, als jemahls aus der Vermengung mit dem Vitriol zu erlangen. Man pfeeget die Frage aufzuwerffen/ ob das Scheide⸗Waſſer/ das iſt/ der Spiritus Nitri, wenn er mit dem Virol geſtilliret worden/ von eben ſolcher Beſchaffenheit/ und folglich eben ſo ſicher in der Medicin zu gebrauchen ſey/ als der gemeine/ der mit dem Zolo bearbeitet worden. Die allhier der Meinung ſind/ daß zwiſchen beyden ein gewiſſer/ und zwar gar mercklicher Unterſcheid vorhanden/ legen dem Scheide⸗ Waſſer eine ſehr aͤtzende oder zerfreſſende Unart bey/ und glauben/ daß ſolche in dem ge⸗ meinen Spiritu Nitri nicht vorhanden. Sie legen zugleich alle Schuld auf den Spiritum Vitrioli: Und erinnern alsdann/ daß man ſich zu huͤten habe/ damit der gemeine Salpeter⸗ Geiſt nicht etwann mit dem Vitriol-Geiſt ver⸗ unreiniget werde/ ſonſt werde er aus der Art ſchlagen/ und ſich in ein Scheide⸗Waſſer/ d.i. in ein corroſtviſches Weſen veraͤndern.() Viga- 0 Nan finder hiervon in dem erſten Theil der Materia 96 93(0) 882- NViganus mag ſich ſtellen/ wie er will/ ſo ge⸗ e hoͤret er doch zu dieſer Sorte von Leuten/indem au er Medicæ des Herrn Autoris Tit. VI.§. 16. feq. noch mehrere curioſe Anmerckungen/ welche wir einem und andern curieſem Leſer zu Gefallen/ gleichfalls anhero ſetzen wollen. Ein guter Kalpeter- Spiritus,(heiſſet es daſelbſt) * ſonderlich/ wenn er penetrant iſt/ iſt freylich cor⸗ roſiviſch/ wenn viel auf einmahl davon gebraucht wird. Indeſſen habe ich in einem meiner Chymi⸗ ſchen Monate aus der Vernunfft und Erfahrung gewieſen; der Spiritus Nitri ſey ein gutes Medica- ment, man ſolle ſich aber ja huͤtten/ daß nichts von Spiritu Vitrioli dazu komme/ ſonſt werde er gleich corroſiviſch. Dieſes haben mir andere gleich nachgeſprochen/ und verwerffen deßwegen das Scheide⸗Waſſer ſo ſehr/ weil Vitriol dazu kom⸗ 8 met. Nun will es gewiß wohl verſtanden ſeyn/ wenn man davon raiſonniren will/ weßwegen man den Vitriol zum Scheide⸗Waſſer gebrauchet. Ich habe es bey keinem Chymiſchen Soribenten mit aus⸗ druͤcklichen Worten gefunden/ jedoch munckeln et⸗ liche Apothecker mehr als alle Chymici davon. Daß aber das Scheide⸗Waſſer vom Vitriol corro- gwviſch werde/ iſt im Grunde falſch. Denn es iſt eine bloſſe Grille/ die weder à priori noch à poſte- —, —— e ——=—0 92—,— riori bewieſen werden kan. Sonſt kan ich mit Wahrheit ſagen/ daß ich mein Lebtage eine ziem⸗ liche Partie Scheide⸗Waſſer das ich ſelber gebrandt/ und dazu Salpeter und calcinirten Vitriol genom⸗i men/ GOtt ſey Danck! ohne alle wuͤrckliche und i beſorgliche Gefahr und Schaden/ bey meinen Pa-ſ tienten gebraucht/ und iſt darunter das allerhand: greifflichſte Experiment dieſes/ daß man taͤglich mit dem Clyſſo Antimonii Sulphurato vornimint. Denn gewißlich ich erinnere es offt/ und auch weil es no- thig iſt/ hier nochmahls: In Dingen die es nich 99(o) Ser 97 er davor haͤlt/ daß der ſaure Geiſt/ welcher aus dem Capite moria des/ mit dem Salpeter ver⸗ zulaſſen/ ſoll man nicht ſubril ſeyn. Es iſt aber leyder hentiges Tages dahin gediehen/ daß man in groben Sachen ſubti], in ſubtilen aber grob iſt; dahero macht man einen beſondern Unterſcheid⸗ zwiſchen dem Schwefel⸗ und zwiſchen dem Vitriol- Spiritu, da doch der Erſte nicht im geringſten von dem Letztern unterſchieden iſt. Aber ein grobes/ lan ge Zeit/ und mit der hoͤchſten Tortur des Feuers get riebenes Vitriol-Oel iſt ein anders/ und Spiri- tus Vitrioli iſt wieder ein anders. Es ſollen aber diejenigen wiſſen/ die davon reden wollen/ daß der Spiritus vom Schwefel und vom Vitriol wuͤrcklich ein Ding ſey. Es iſt aber uͤberhaupt der Spiritus Nitri ſtarck diuretiſch/ und wird deßwegen ſelten an ſich ſelbſt verſchrieben/ ohnerachtet er maͤßig z. E. zu zehen Tropffen gebraucht/ eben kein ſo groſ⸗ 5 Ungluͤck anrichtet/ wie man wohl davon fuͤrch⸗ et Ich weiß/ daß Kinder/ in der Meynung/ es waͤre Brandtwein/ Scheide⸗Waſſer in ziemlicher Menge getruncken/ und ſind doch mit dem Leben davon/ und wieder aufgekommen/ ohnerachtet man weiter nichts bey ihnen gebraucht/ als daß man ihnen viel Waſſer in den Hals gegoſſen. In Jena iſt es vor ohngefehr zehen Jahren geſchehen/ da war ein Student der narrete mit der Magd, die ſolte ihm Aquavit holen/ er gabe aber dem Dinge ſo einen naͤrriſchen Nahmen/ und weil das Menſch etwas tumm und alber war; ſo holte ſie Scheide⸗Waſ⸗ ſer. Der Student hat es gleich in den Hals ge⸗ ſchuͤttet/ er fuͤhlte es aber auch alſohald/ daß es nicht pecht ſeyn moͤchte/ indeſſen gieng wohl eine Stunde hin/ ehe er genugſame Huͤlffe kriegte/ es that ihm aber kein Leid. Ohne Zweiffel hat dieſes etwas heygetragen/ daß der Magen voll Bier 28(0O)&☛ verſetzten Vitriols uͤberſteiget; nur ein einfa⸗ cher Kiritus ſey: Damit es aber ein Scheide⸗ Waſ⸗ ſchwamm/ denn er war ziemlich beſoffen. So weit der Herr Auror. Ich ſelbſt habe an meiner Chriſtlichen/ frommen/ treuen/ und nunmehro ſeeligen Ehegattin ein EKempel erlebet/ welches nicht ſo gluͤcklich abgelauffen. Sie wurde in ihrem ſie⸗ benzehenden Jahre/ da ſie noch in ihrer Eltern Hauſe war/ am Fieber kranck/ und brauchte ei⸗ nen Medienm, der ihr verſchiedene Medicamenta Kranckheit aufwartete/ ſolte ihr in der Nacht einen Loffel voll/ von einem gewiſſen Waſſer/ daß der Medicus verordnet/ langen/ ergriff aber zum Un⸗ gluͤck ein Glaß nisScheheaſer das zu andern Gebrauch geholet/ und aus achlaͤßigkeit oder Unbehutſamkeit ans Fenſter geſetzet warden/ goß etwas davon in einen ſilbernen Loͤffel/ und gab es der ſich nichts boͤſes verſehenden Patientin ein: Dieſe empfand es augenblicklich/ und darauf ward im Hauſe alles rege/ und man ſahe endlich/ wo das geſchehene Ungluͤck herruͤhrete. Jedermann hielte es auſſer Zweiffel etwas Silber von dem Loͤffel auf⸗ geloͤſet/ in gewiſſer Maſſe wahr ſeyn kan, und weil man den Medicum nicht augenblicklich bey Handen haben koͤnnen/ hat man ihr etliche Quarrier ſuͤſſe Milch in den Hals gegoſſen. Welches aber eine ſo uͤble Wuͤrckung gethan/ daß ſie hernach faſt be⸗ vor ihrer Verheyrathung/ nach angewandter faſt unſaͤglicher Bemuhung wieder curiret worden. Doch hat ſich niemahlen ihre vorige Geſundheit voͤllig wieder eingefunden/ ſondern ſie hat ſich mit den Überbleibſeln dieſes ungluͤckſeeligen Verſehens/ ſowohl vor/ als in ihrem leyder Hallzukurtzen Ehe⸗ ſtande ſchleppen/ und jaͤhrlich wenigſtens drey biß verſchrieben hatte. Die Magd welche ihr in ihrer das Scheide⸗Waſſer vor Gifft/ welches hier/ weil ſtaͤndig krauck geweſen/ und kaum einige Jahre ——— e—s „ — — — (0) 88— 99 Waſſer werden moͤchte; ſo ſolte man an ſtatt des Capitis mortui, nur biß zur Gilbe calei- nirten Vitriol nehmen/ und die Deſtillation ſo lange ſort ſetzen/ biß keine Daͤmpffe mehr uͤbergiengen. Aber hier ſtehet mir ſowohl die geſunde Vernunfft/ als die Erfahrung im We⸗ ge/ daß ich es nicht mit ihm halten kan. Denn erſtlich iſt und wird ein ſolcher Spiritus Nitri, der mit Vitriol bereitet worden/ und der das Silber aufloͤſet/ ein Scheide⸗Waſſer genen⸗ net. Dieſes thut er aber keinesweges/ ſo lan⸗ ge ein Vuriol- Geiſt mit ihm vermenget iſt. Und aus dieſem Grunde ruͤhret eintzig und al⸗ lein die Nothwendigkeit her/ daß man das Scheide⸗Waſſer vermittelſt eines Nieder⸗ ſchlages reinigen/ oder daß man es faͤllen muß. Da dann das jenige was von dem auf⸗ geloͤſetem Silber hinein getroͤpffelt wird/ und ſich waͤhrender Operation als ein weiſſes Sediment zu Grunde ſetzet/ keine ſogenannte Luna-cornua, oder ein vom Sauer⸗Weſen des Koch⸗Saltzes(womit der Salpeter ver⸗ mengt zu ſeyn insgemein geglaubet wird) nie⸗ G 2 der⸗ viermahl eine ziemliche Kranckheit ausſtehen muͤſ⸗ ſen, biß endlich ihr treuer Heyland ſelbſt ihr Ley⸗ den verkuͤrtzet/ und ſie durch einen ſanfften und ſeeligen Tod in ein ſolches Leben verſetzet/ worin⸗ nen dasjenige/ was ſie auf dieſer Welt nach GOt⸗ tes unerforſchlichen/ jedoch allezeit heiligen und ſeeligen Willen ausgeſtanden/ und als eine wahre Chriſtin in der groͤſten Rebgnation ertragen/ in ein ewiges Wohlſeyn verkehret worden. 100 299(0) 888- dergeſchlagenes Horn⸗Silber iſt; ſondern es ruͤhret dieſe Præcipitation von dem Sauer⸗ Weſen des Vitriols her. Welches hieraus erhellet/ daß ein ſolcher gefaͤlleter Kalch/ theils nicht als wie eine Luna cornua flieſſer oder raucher/ ſondern vermoͤge ſeiner groſſen Seuer Beſtandigfen und Trockenheit keiner itze achtet: Theils aber/ daß eine reine/ mit dem Salpeter⸗Geiſt/ oder dem Aquafort auf⸗ geſchloſſene Silber⸗Solution, durch Eintroͤ⸗ pfelung des Vitriol-Geiſtes ſchlechterdings in ben derſelben Conſiſtenz nieder geſchlagen wird. Wolte aber jemand/ dem auf dieſe Art noch nicht gereinigten Scheide⸗Waſſer dergleichen Schuld aufbuͤrden; ſo ſetzen wir ihm zu erſt die allgemeine Erfahruug bey dem Clyſſo (* Antimonii Sulphurati entgegen/ welcher offenbahrlich aus denen mit einander ver⸗ mengten ſauwen⸗ ſchweflicht⸗ vitrioliſch⸗ und und nitroſiſchen Geiſtern beſtehet; wie ſolches wenn er noch friſch/ der Geruch ſelbſt zu er⸗ kennen giebt. Wenn er aber ſchon etwas alt/ und etwann nicht gehoͤrig verbunden worden; ſo verrauchen zwar die zaͤrteren nitroſchen Theilchen/ wird er aber auf gefeilet Kupffer oder Eiſen gegoſſen; ſo bricht unter der Auf⸗ loͤſung nicht allein der Geruch/ ſondern auch er (*) Clyſſus iſt ein Chymiſches Kunſt⸗Wort/ und bedeu⸗ tet ſo viel als eine Zuſammenſetzung mineraliſcher Geiſter. 1r 53(O) Sr⸗ 101 der ſichtbahre gelbe Dampff des Salpeters augenblicklich hervor. Wer ſich aber allhier mit dem Unterſcheide des Schwefel⸗ und V7- miol-Geiſtes entſchuldigen will; der wird ſich nicht allein die Arbeit wider die Erfahrung ohne Noth verdoppeln; ſondern ſich auch bald eines andern beſinnen/ wenn er nur nach dem Buchſtaben der Vorſchrifft die Probe machet/ und den Vitriol- und Salpe⸗ ter⸗Geiſt/ nach welcher Art ſelbige auch ver⸗ fertiget/ und nach welcher Proportion ſie auch mit einander vermenget worden/ in einer leydlichen/ ſonſt gewoͤhnlichen Quantitær Cnachdem ſelbige nemlich mehr oder weni⸗ ger von ihrer Waͤßrichkeit befreyet wor⸗ den, ſicher/ in den Leib einzunehmen gie⸗ et: Und ob ich gleich ſonſt/ wo Behutſamkeit vonnoͤthen iſt/ mich lieber zu viel/ als zu wenig in Acht zu nehmen pflege; ſo habe doch ich nach Maßgebung der geſunden Vernunfft/ und Zuſtimmung der Erfahrung kein Bedencken getragen/ in gegenwaͤrtigem Fall noch weitere Proben anzuſtellen/ und habe alſo die Erfah⸗ rung der geſunden Vernunfft jederzeit gemaͤß befunden. Die Urſache/ warum aus der Solution un⸗ ſers Spiritus, wenn er auf Eiſen oder Kupf⸗ fer gegoſſen wird/ ein ſolcher ſehr fluͤchtiger Dunſt hervor bricht/ ſchreibe ich zur Zeit nicht ſowohl dem Abrrit ziniger von ſeinen nan 3 cul ——— 2——. *—ℳ;——— 1 102 88(0) 86- culchen zu dieſen Metallen; als dem Beytritt einiger/ und zwar der ſubtilen brennlichen Theilchen aus dieſen Metallen zu unſerm Spiritu zu/ wovon wir aber anderwerts vielleicht mit mehrern handeln werden. Warum er auch inſonderheit diejenigen Me⸗ tallen/ worinnen das brennliche Grund⸗We⸗ ſen haͤuffig vorhanden/ nicht allein vermittelſt eines ſchnellen Angriffs anfalle/ ſondern auch dieſelbe vermittelſt einer ſiedenden Hitze zer⸗ loͤſe: Davon werden wir kaum eine gruͤnd: lichere Urſache anzeigen koͤnnen/ als dieſe/ daß ſolches von der Gleichartigkeit des brennli⸗ chen Grund· Weſens herruͤhre/ welches in dem Salpeter⸗Geiſt vorhanden/ folglich dem⸗ jenigen, was in den Merallen verhafftet iſt/ ſein Sauer⸗Weſen um ſo viel leichter gleich⸗ ſam zur Geſellſchafft beyfuͤget/ damit dieſes Sauer⸗Weſen einen deſto durchdringlichern Eingriff in die gantze Verfaſſung dieſer me⸗ talliſchen Miſchung uͤberkomme. Da denn allerdings zu mercken iſt/ daß der Sapeter-Geiſt vermittelſt des brennlichen Grund⸗Weſens dieſer Metallen/ ſo offen⸗ bahrlich auf dieſelben wuͤrcke: daß er ſie/ wenn ſolches durch das Ausbrennen von ihm geſchieden worden/ entweder gar nicht mehr/ öder doch in einer unſaͤglich geringern/ ja in der allergeringſten Quantitæt angreiffet/ und zwar ſo langſam und ſchlaͤfferig/ daß einem davor eckeln moͤchte. 3c Mir 499(0) 8 103 Mir deucht auch/ daß es aus eben dieſen Fundament herruͤhret/ wann das Salpeter⸗ Sauer/ diejenigen Coͤrper/ die es voͤllig zu verſchlingen nicht vermoͤgend iſt/ dennoch auf⸗ loſer und zu Kalch machet. Welches es dann an dem Zinn und an dem Regulo Antimonii be⸗ weiſet. Es greiffet dieſe Concreta ſehr hurtig an/ und zerloͤſet inſonderheit das Zinn, unter merck⸗ licher Aufſiedung und Hitze. Aber offen⸗ bahrlich wegen des allhier gegenwaͤrtigen brennlichen Grund⸗Weſens. Denn wenn dieſes auf einigerley Weiſe davon geſchieden worden; ſo ruͤhret es das Ruͤckſtaͤndige von ihnen gar nicht weiter an. Endlich aber kan auch ſelbſt die ſchnelle Auf⸗ wallung und innige Verbindung des nitroſi- ſchen Sauer⸗Weſens mit den aiſtilirten Oe⸗ len ſowohl/ als mit dem Wein⸗Geiſt kaum aus einem andern Grunde fuͤglicher hergeleitet werden: Als von der Gleichartigkeit und wenigſtens von Verwandtſchafft der Materie ſelbſt. Denn es gehen dieſe Oele/ oder auch der Wein⸗Geiſt mit andern Acidis 3. E. des Virials oder des Roch⸗Saltzes mit einer gleichen Hefftigkeit und Fertigkeit ſo zart und innigſt keinesweges zuſammen. Inſonderheit wenn ſie ſo rein und von allem Zuſatz befreyer/ zur Operarion gebrauchet werden. Wann ſie aber mit andern/ dieſer brennlichen Subſtanx inſonderheit theilhafften Dingen zuſammen ge⸗ G 4 gan⸗ 104 (O) SE. gangen; ſo verhalten ſie ſich auf eine gantz an⸗ dere Weiſe. Denn wir erinnern uns/ daß das Butyrum oder Eiß⸗Oel des Spieß⸗Glaſes/ welches mit einer guten Quantitæt des Wein⸗Geiſtes verſetzet worden/ nach einer kleinen Weile aufs hefftigſte aufgeſtrudelt/ ſich erhitzet/ und in einem ſehr ungeſtuͤmmen Schaum voͤllig uͤber das Gefaͤß hinaus geſtiegen. Es iſt auch die Stumpfmachung des Sal⸗ perer⸗Sauers oder die insgemein alſo genann⸗ te Suͤßmachung deſſelben/ dem Zuſammen⸗ wachs dieſer ſulphuriſch⸗ oͤligten Fertigkeit/ mit demjenigen brennlichen Grund⸗Weſen/ welches in dem Salpeter verhafftet iſt/ offen⸗ bahrlich zuzuſchreiben. Welches aber in der That etwas ſubtileres und genauers in ſich faſ⸗ ſet/ als wir in den gemeinen/ daruͤber ange⸗ ſtellten Betrachtungen wahrnehmen. Viel⸗ leicht haben wir anderwerts Gelegenheit/ hie⸗ von eins und das andere anzumercken. Was endlich die alſo genannte Wiederer⸗ zeugung(regenerationem) des Salpeters an⸗ langet: So wird ein jeder/ der dasjenige wohl erwogen/ was wir von deſſen Erzeugung be⸗ reits gemeldet haben/ leichtlich ſehen/ daß die⸗ ſer Wieder⸗Erzeugte/ von einem ordinairen/ guten/ reinen/ und raſchen Salpeter nicht weiter unterſchieden ſey/ als nur in Anſehung ſeiner groͤſſern Zartheit/ welche in dieſem re⸗ generirtem Salpeter von der Zartheit des da⸗ zu er A ⸗ 1 1 99(0O) 66⸗ 105 zu gebrauchten„Kaliſchen Saltzes dependiret. Dahergegen der Zuſatz des ungeloͤſchten Kalchs den gemeinen Salpeter etwas ſtumpf⸗ ſer macht. Wannenhero wir auch dieſes ſelbſt nicht ohne Urſache erinnert/ daß wann der un⸗ geloͤſchte Kalck zu der Wieder⸗Erzeugung gebrauchet wird/ man ſodann einen Salpe⸗ ter/ der dem gemeinen in allen gleich/ erlange. Denn ob gleich ſonſt die Anmerckung ihre geweiſte Wege hat/ und allerdings mit der Er⸗ fahrung einſtimmet/ daß ein ſolcher Salpe⸗ ter/ der aus dem Spiritu Nitri und einem alca- liſchem Saltz wieder erzeuget wird/ den ge⸗ meinen an Schaͤrffe gar mercklich uͤbertreffe/ wie ſolches Ludovici ebenfalls beobachtet: So hat doch dieſes zur Zeit mit der Erfahrung nicht eintreffen wollen/ daß ein ſolcher Salpe⸗ ter ſich im Verbrennen matter oder traͤger be⸗ zeige/ als der gemeine: Welches man unter andern aus dieſem Vorgeben erzwingen wol⸗ len/ daß dieſer wiedererzeugte Salpeter/ wenn er mit dem gemeinen Schwefel und mit dem Weinſtein⸗Saltz in der gewoͤhnlichen Proportion verſetzet worden/ einen ſo merck⸗ lich ſchlagenden und knallenden Effect nicht aͤuſſern ſolle/ als ſonſt der gemeine/ zu dieſer Compoſition genommene Salpeter zu erweiſen pfleget. Es hat aber der beruͤhmte Autor, der uͤber die Acta Naturæ Curioſorum die kur⸗ tzen Erklaͤrungen geſchrieben/ Dec. II. Anni VII. Obſcrv. 56. das Gegentheil hievon erwieſen/ G/ und 106 3(O) SE- und ſich desfalls auf das offenbahre Gezeugnuͤß der Erfahrung mit guten Recht beruffen. Weil aber dasjenige/ was uns bey dem Sal peter merckwuͤrdig vorgekommen/ bereits weit⸗ laͤufftiger gerathen/ als wir anfaͤnglich gemey⸗ net: ſo wird es nicht ſonderlich nuͤtzlich ſeyn/ wenn wir noch ein mehrers hinzu thun wolten. Dieſerwegen wollen eines und das andere/ was von dem Nutzen des Salpeters in der Medicin annoch zu wiſſen dienlich/ unter goͤtt⸗ lichem Seegen zu einer andern Gelegenheit verſpahren/ und vor dieſesmahl abbrechen/ immittelſt aber unſere wenige Gedancken/ wel⸗ che wir bey dem einem oder andern Umſtande& angefuͤhret haben/ einem jedem zum vernuͤnff⸗ tigen Nachſinnen recommendiret haben. Enhang Zu dieſem erſten Theil. Nter denenjenigen/ die vom Salpeter 8 und deſſen Erzeugung geſchrieben/ ha⸗ 4 ben einige etwas gruͤndliches und recht⸗ ſchaffenes verſtanden und verſuchet: Einige i haben es im Verſtehen und Verſuchen ſo weit gebracht/ daß ſie wohl die Glocken laͤuten ge⸗ oͤret/ aber nicht zu wiſſen bekommen/ wo ſie gehangen: Einige aber haben nichts verſtan b e nuß dal. eit⸗ ſehe yn/ ten. re/ der ött heit en/ vel⸗ nde nſſ 3⁸ (0)& 107 den und nichts verſuchet/ und haben ſich den⸗ noch als Maͤuſe⸗Dreck unter den Pfeffer men⸗ gen/ und das Nos poma natamus ſpielen wollen. Dahero koͤmt es/ daß einige gruͤndlich er⸗ klaͤret/ was der Salpeter eigentlich ſey/ und woraus er beſtehe/ folglich von der Erzeugung deſſelben eine zuverlaͤßige/ und ſich in der ge⸗ hoͤrig angeſtellten Probe genugſam legitimi⸗ rende Handleitung gegeben: Einige bloß ſolche Vorſchrifften und Proceſſe, die einer wei⸗ tern Uberlegung/ vernuͤnfftigern Unterſu⸗ chung, geſchickterer Einrichtung und kluͤgli⸗ chern Verbeſſerung beduͤrffen/ hinterlaſſen: Einige aber auf offenbahre Thorheiten ver⸗ fallen/ und die Welt mit puren Windmache⸗ reyen zu amuſiren geſuchet. Man kan alſo leichtlich erachten/ daß man unter den vorhandenen Anleitungen zur Er⸗ zeugung des Salpeters einen ſorgfaͤltigen Un⸗ terſcheid zu machen habe. Denn wie die er⸗ ſtern mit ihrer/ dem Publico zum Beſten an⸗ gewandten Muͤhe/ alle Ehrerbietung und alle Erkaͤnntlichkeit verdienet: Die andern aber nur gethan was in ihren Vermoͤgen ge⸗ weſen/ und alſo in gewiſſer Maße ſich die Nachwelt ebenfalls zur Danckbarkeit verbind⸗ lich gemacht: Alſo verlohnet es ſich mit den letztern die Muͤhe nicht/ daß man ihr Ge⸗ ſchwaͤtz und Geſchmier in Conſideration ziehet; Ja ſie haben ſichs noch vor ein Gluͤck zu ſchaͤ⸗ ten/ wann man die Nichtigkeiten/ womirſſ i 108 883(0O) 8 breit machen wollen/ nur ſtillſchweigend aus der Acht laͤſſet/ und ihnen unter den offen⸗ bahren Betruͤgern nicht ihre gehoͤrige Stelle anweifet. Wir machen uns indeſſen ein Vergnuͤgen/ denen curioſen und fleißigen Liebhabern das jenige/ was wir in den Scribenten von der erſten und andern Gattung zu dieſem Zwecke dienſames/ nuͤtzliches und richtiges gefunden/ und was wir auſſer dem noch in verſchiede⸗ nen beſondern Proben wahr genommen; in ſeiner gehoͤrigen Ordnung und Beſchraͤn⸗ ckung mitzutheilen/ und koͤnnen einem jeden/ der des Herrn Autoris Grund⸗Saͤtze wohl verſtanden und in Acht genommen/ verſi⸗ chern/ daß alles was wir allhier angefuͤhret/ in ſeinem Maaß reell und nutzbar/ und daß folglich ein jeder/ der alles in ſeiner gehoͤri⸗ gen Ordnung zu behandeln/ und anzuwenden weiß/ allhier bloß ſolche Dinge antreffen werde/ die ihm den davon verſprochenen Effect zeigen/ und theils ſeine Muͤhe zu Genuͤge be⸗ lohnen/ theils ſeine Curioſitaͤt und Begierde zur Grund⸗Wiſſenſchafft/ vollkommen ver⸗ gnuͤgen werden. Weil nun unſere Vorgaͤnger/ die von der Erzeugung des Salpeters theils zuverlaͤßig theils wahrſcheinlich gehandelt/ und keine an⸗ dere Matrices als die vier alſo genannten Ele- menten/ nemlich Waſſer/ Lufft/ Feuer und Erde angewieſen: So wollen wir dieſer Ord⸗ aus ſen⸗ ele en/ das der cke en/ de⸗ in in⸗ n/ ohl rii et/ daß el⸗ der / n⸗ le- nd ſer d⸗ (0) 85 109 Ordnung allerdings nachgehen/ und die Vor⸗ ſchrifften und Experimenta, die ſie der Nach⸗ Welt zum Beſten aufgezeichnet nach einan⸗ der betrachten/ und weil wir ſolche Leſer præſupponiren/ die das jenige/ was unſer Herr Autor in gegenwaͤrtigem Tractat an die Hand gegeben/ gebuͤhrend begriffen; ſo wer⸗ den wir bloß dieſes/ was in den peci⸗ ficirten Proceſſen etwan zu vermeiden ſeyn moͤchte/ aufrichtig erinnern/ anbey aus ſelbſt eigener Erfahrung eines und das andere/ zu weiterer Grund⸗Erkaͤnntnuß und Nutzbar⸗ keit gereichliche beyfuͤgen/ das uͤbrige aber auf den Fleiß und auf die Geſchicklichkeit ei⸗ nes aufrichtigen Unterſuchers lediglich ankom⸗ men laſſen. Von der Erzeugung des Salpe⸗ ters im Waſſer. in dem groſſen Fluß Nilo Salpe⸗ ter erzeuget werde/ hat unſer Herr Autor in vorhergehenden Iractat mit Kurtzen gemeldet/ auch die Möglichkeit die⸗ ſes Vorgebens aus guten und richtigen Gruͤn⸗ den dargethan: Weil er ſich aber dennoch auf die Glaubwuͤrdigkeit anderer Leute diß⸗ falls beziehen muͤſſen; ſo hat er aus einer/ ihm eigenthumlichen Redlichkeit nicht umhin Kannen/ die Sache in ſuſpenſo zu laſſen. An 110 5 599(O) SEr⸗- An dem Orte/ wo ich dieſes ſchreibe/ lep⸗ pen ſich viele Leute mit der Einbildung Gen die Mabe ſowohl als die Donau Salpeter⸗ hafft ſey/ ich habe aber in den Waſſern die⸗ ſer Fluͤſſe nach angeſtellten Verſuchen keinen Salpeter/ wohl aber eine thonigte/ ſubtile Jaunichte Erde gefunden/ und die Brunnen die allhier ſchlechterdings vor Salpetricht baſliren muͤſſen/ haben in der Probe etwas vitrioliſches oder alaunichtes gezeiget/ wel⸗ ches ich auch ſchon vorhin bloß im Geſchmack wahrgenommen. Die Waſſer in Sumatra ſollen ſo nitroſiſch ſeyn/ daß ſie nach einer geringen Einkochung eine groſſe Menge Salpeter zu Boden ſe⸗ tzen; Auch hat mir ein Schweitzer/ mit dem ich ehemahlen gereiſet/ von einigen Gewaͤſ⸗ ſern ſeines Vaterlandes ein gleiches verſi⸗ chern wollen: Ich kan aber nichts weiter davon ſagen/ als daß ich dieſes theils nur geleſen/ theils gehoͤret. Wann ich aber ſelbſt in Sumatra oder in der Schweitz ge⸗ weſen waͤre; ſo wuͤrde ich im Stande ſeyn/ dem Leſer ſagen zu koͤnnen/ wie weit ſolches der Wahrheit gemaͤß oder nicht. So aber ſehe kein ander Mittel als meine Gedancken hievon gleichfalls zu ſuſpendiren/ und im⸗ mittelſt zu ſolchen Dingen/ die uns weit naͤ her/ und folglich jedermanns Unterſuchung und Beurtheilung ohne Unterſcheid unter⸗ worffen ſind/ zu ſchreiten. 4 Wenn (0) 1II Wenn man in eine balſamiſch⸗vegetabili- ſche Eſſenz, zum Exempel/ in die Theriacalem einen Spiritumn vitrioli volatilem gieſſet/ mit einem guten urinoſiſchen Spiritu Tartari; ſo entſtehen daher ſolche langſprießichte Criſtal- len/ faſt wie der Salpeter/ nemlich aus der Verbindung des reinen Acidi, mit der fluͤch⸗ tigen Oelichten Saliniſchen Subſtanz des Spiri- tus Tartari, oder mit einem Theil von dieſer Subſtanz. vid. Stahlii fundamenta Chymiæ Dogm.& Experim. Cap. 3.§. 25. P. 17. Die⸗ ſes Experiment iſt zur Grund⸗ Erkaͤnntnuß des Salpeters und deſſen Erzeugung von groſſer Wichtigkeit/ und wer die Gedult hat/ al⸗ les wohl zu beobachten/ und nach dieſer Art andere dergleichen Dinge zuſammen zu ſetzen der wird von dieſer Sache ſo viel Licht be⸗ kommen/ als ihm noͤthig ſeyn wird. Kunckel ſchreibet in ſeinen kleinen Chymi⸗ ſchen Schrifften p. 317. daß nicht alleine ih⸗ me/ ſondern auch vielen rechtſchaffenen Chy⸗- micis bekannt/ wie vermittelſt eines Urins, oder deſſen Spiritus, mit Zuthuung eines Sal⸗ tzes/ es mag ſeyn was vor eines es will/ ein Nitrum koͤnne gemacht werden. Dieſes gehet mit einem Urin, wenn man ihm eine gewiſſe Proportion von Saltzen zuſetzet/ und ihn aisdann genugſam faulen laͤſſet/ an. Mit dem Spiritu Urinæ aber/ und einem jedem andern Sanltze dergleichen zu bewerckſtelligen/ iſt und bleibet eine Unmoͤglichkeit/ es waͤre . dann/ 112-8(0) Se- dann/ daß der Kaͤnſtler einen ſolchen Spiri⸗ tum und ein ſolches Saltz zu employren haͤt⸗ te/ worinnen theils eine Oleoſiſch⸗ brennli⸗ che Subſtanz, theils ein recht ſubtiles Acidum; in gehoͤriger Proportion gefunden wuͤrde. Weiches ſich aber nicht in einem jeden Spiritu Urinæ, noch weniger aber in einem jedem Saltze findet. Das Scheide⸗Waſſer/ welches die Gold⸗ Schmiede gebrauchet/ kan mit einer reinen Pottaſche⸗Lauge pracipitiret/ und wenn man den Liquorem durch ein wenig ungeloͤſch⸗ ten Kalch lauffen laͤſſet/ zum Salpeter einge⸗ kocht werden: Es iſt dieſes aber nicht eine Erzeugung/ ſondern bloß eine Zuſammenſe⸗ ung des Salpeters/ weil der ſaure nitroſiſche heil des Scheide⸗Waſſers ſo viel Alcali er⸗ greiffet/ als er halten kan. Folglich iſt es eine Windmacherey/ wann einige hierinnen einen Salpeter⸗Saamen ſuchen wollen. Noch ab⸗ geſchmackter aber iſt es/ wann man derglei⸗ chen von dem Liquore nitti fixi vorgeben will/ dann dieſer wird wieder zum Salpeter/ wenn ihm das Acidum, ſo von ihm ausgejaget wor⸗ den/ entweder in natura wieder zugeſetzet/ oder auch in der Erde allmaͤhlich wieder beygebracht wird. Mehr kan er aber nicht halten/ als ſei⸗ ne Proportion erfordert/ folglich kan er hoͤch⸗ ſtens nicht mehr Salpeter bringen/ als er vor ſeiner Fixation vorgeſtellet/ vielweniger aber kan er eine grillenhaffte Salpeter⸗Saat abuehen, 459(O) g⸗ 113 Aus dem bloß verfaulten Urin kan eine merckliche Quantitet Salpeter gezogen wer⸗ „ den. Vid. Stahls Bedencken vom Schwefel p. 99. wie auch aus einer fetten und recht ge⸗ ſaulten Miſt⸗Lauge. Glauber befiehlet im dritten Theile Teutſch⸗ landes Wohlfahrt Cap. 1. zwey Kaſten von gleicher Groͤſſe zu machen/ und mit Roß⸗Huͤhn⸗ ner⸗und Tauben⸗Miſt/ Blaͤttern von Baͤu⸗ men/ inſonderheit von Fichten⸗und Tannen voll zu fuͤllen/ und in dem einen Kaſten von folgender Lauge ſo viel einzugieſſen/ biß alle Materie damit bedeckt worden. Wann ſelbi⸗ ge einen Tag daruͤber geſtanden/ und die Ma- terie wohl genetzet/ ſoll die Lauge abgezapffet/ und auf den andern Kaſten gepompet wer⸗ den. Selbige ſoll etliche Tage darauf ſtehen/ ſo ſoll die Materie im erſten Kaſten warm wer⸗ den/ und indeſſen viele unnuͤtze Feuchtigkeit⸗ von der Lauge wegrauchen/ und alſo je laͤnger je ſtaͤrcker werden. So lange nun der Ka⸗ ſten heiß und rauchend/ ſo ſoll man ihn alſo ſtehen laſſen/ und ſoll die Lauge indeſſen viel Materie folviren und zu Erde machen. So viel aber abgehet/ ſoll allezeit mit neuer Ma- terie erſtattet werden/ damit der Kaſten alle⸗ zeit voll bleibe. Wenn nun die Materie im erſten Kaſten kalt zu werden anfaͤnget: Soll man die Lauge/ ſo im andern Kaſten ſtehet/ abzapffen/ und wieder in den erſten Kaſten zu den noch warmen Materialien ſchuͤtten/ und 9 darx⸗ 114(0)&⸗ darauf ſtehen laſſen/ ſo ſoll die Lauge auch warm davon werden/ und die Materialien ſol- viren. Wann indeſſen die Materialien im an⸗ dern Kaſten auch warm geworden/ ſo ſoll man mit der Lauge aus dem erſten Kaſten wie vorhin procediren. Und je mehr dieſes Auf⸗ gieſſen und Abzapffen reiteriret wird/ je mehr ſollen ſich die Marerialien verzehren/ durch die Hitze putreſciren/ und hernach guten Salpe⸗ ter geben. Die Lauge ſoll aus ſcharffer Holtz⸗Aſche/ und ungeloͤſchten Kalch gemachet werden. Dieſe Invention iſt gut/ und im gantzen Proceſs iſt nichts/ daß nicht in ſeiner Ordnung noͤthig und nuͤtzlich ſt. Weil aber die Sache verkuͤnſtelt/ und das hunderſte ins tauſendſte geworffen worden; ſo wird der Verſucher wenig Vortheil dabey finden. Der gute Glauber will allhier mit ſeiner Lauge/ Erde machen/ da er im Gegentheil aus ſeiner Er⸗ de haͤtte Laugen machen/ und die Erde zu⸗ forderſt dazu diponiren ſollen. Alsdann aber haͤtte er Aſche und Kalch anbringen koͤnnen/ ohne daß es noͤthig geweſen waͤre/ zuvor ei⸗ ne Lauge daraus zu machen. Indeſſen wird ein aufmerckſamer Arbeiter bey ſelbſt ange⸗ ſtelltem Verſuch leichtlich ein jedes an ſeinem Ort zu rangiren/ und ſich dieſes Experimeut alsdann zu Nutze zu machen wiſſen. Preuſſen/ Churland/ Lieffland/ Hinter⸗Pom⸗ mern/ Vor⸗Pommern/ Mecklenburg/ Holl⸗ ſtein/ ½ SBS==⸗=-S= [qx— (°) 88 115 ſtein/ Schleswig/ ꝛc. ſind ſehr Fiſch⸗reiche Lan⸗ de und liegen zugleich an der offenbahren See. Es wird darinnen taͤglich eine unſaͤgliche Men⸗ ge Fiſche aus Saltz abgeſotten/ die Fiſchlacke aber wid als unnuͤtz weggeſchuͤttet. In eben dieſen Landen werden jaͤhrlich viele tauſend Tonnen Hering verbrauchet/ die Lacke aber wird als etwas Nichtswuͤrdiges weggegoſſen. Ja es wird jaͤhrlich eine entſetzliche Menge Fleiſch in dieſen Landen eingeſaltzen/ welches ein halbes Jahr und laͤnger in der Lacke lie⸗ gen bleibet. Die Lacke aber iſt von einigen hundert Jahren her/ ungeachtet ſie ſchon halb Salpeter iſt/ getroſt als ein Unrath in die Fluͤſte und Seen hinein geſpuͤhlet worden. So leicht es nun geweſen waͤre/ derglei⸗ chen Lacken in einem jeden ſolchen Lande in genugſamen Vorrath/ und faſt umſonſt zu ſammlen/ und alsdenn durch einige geringe Handgriffe zum Nutzen anzuwenden; ſo hat ſich doch zur Zeit noch niemand darum gekuͤm⸗ mert/ und man hat den Centner von dem Oſtindianiſchen/ Rußiſchen/ und Pohlniſchen Salpeter zu zwoͤlff/ ſechzehen/ zwantzig und mehr Reichs⸗Thalern bezahlet/ da man ihn doch in gemelten Landen bloß durch dieſes Mittel nicht allein ſelbſt um ein geringes zur Nothdurfft/ ſondern auch in ſolcher Menge haͤtte haben koͤnnen/ daß man Frembde damit uͤberfuͤßig haͤtte fourniren koͤnnen. Es giebt in Teutſchland Saltz⸗Brunnen/ H 2 wel⸗ 116-59(0) 8e welche ſo ergiebig/ daß man mit dem Saltze faſt nirgend mehr hin weiß/ auch giebt es Saltz⸗ Brunnen/ welche eine ſo arme Soole fuͤhren/ daß es ſich des Siedens nicht verlohnet. Bey⸗ derley Soolen koͤnnen durch gehoͤrige Hand⸗ griffe dahin diſponiret werden/ daß ſie an ſtatt des Saltzes/ Salpeter geben muͤſſen. Von dem Gebrauch des See⸗ Aaſſers zu derglei⸗ chen Endzweck/ kan ein gleiches promittiret werden. Ob ſich aber jemand dißfalls dem Watertande zum beſten Muͤhe gegeben; ſol⸗ ches gehoͤret wenigſtens vor mir/ zur Zeit un⸗ ter die unbekannten Dinge. Andere Provinzen unſers teutſchen Vater⸗ landes haben andere Materialien/ und es iſt faſt kein Ort ſo ſchlecht/ der daran nicht genug⸗ ſamen/ ja uͤberfluͤßigen Vorrath haben ſolte/ wie wir in folgenden mit mehrern zeigen wer⸗ den. Wir moͤgen uns aſſo billig vor unſerer Unachtſamkeit entſehen/ und von den India⸗ nern lernen/ welche ihre Landes⸗Materialien weit beſſer zu brauchen wiſſen. Wie dann von der eintzigen Provinz Azmer geſchrieben wird/ daß in ſelbiger der Salpeter⸗Handel dem groſſen Mogul jaͤhrlich biß drey und dreyſ⸗ ſig Milionen einbringen ſolle. Man kan auch zaͤhrlich in den Reitungen wahr nehmen/ was allein die Hollaͤnder vor eine unſaͤgliche Men⸗ ge Salpeter aus Indien nach Europa fuͤhren. Aber hievon vor dieſes mahl genug. Von 58(o) S- 117 Von der Erzeugung des Salpe⸗ ters in der Lufft. Mitwuͤrckung der Lufft in denen da⸗ zu dienlichen Marerien ein Salpeter erzeuget werde; iſt ebenfalls auſſer Zweiffel/ und haben wir oben Cap. 1. pag. 20.2 1. in Notis hievon ſchon zwey Experimenta des Herrn Auto- ris mit den in der Lufft aufgehangten ſteinernen Roͤhren/ wie auch mit den an der Lufft gelegten/ und mit Miſtlacke beſprengten Ziegelſteinen angefuͤhret. Ein anderes hieher gehoͤriges Experiment des Herrn Autoris iſt dieſes. Man nimmt Aſchen von Bircken⸗Buͤchen⸗ und Eichen⸗ Holtz/ leget ſie zur Fruͤhlings⸗Zeit an einem ſchattichten Ort in die Lufft/ ſo wird die Aſche erſtlich etwas feucht/ nach einigen Tagen oder Wochen aber trocknet ſie wieder/ und wann ſie alsdann ausgelauget/ eingekocht/ und ge⸗ hoͤrig eriſtalliſiret wird; giebet ſie einen wah⸗ ren Salpeter. Doch wird der Salpeter auf dieſe Art nicht eben erzeuget/ ſondern der be⸗ reits erzeugte/ und in Geſtalt eines Spiritus weit und breit in der Lufft ſchwebende Salpe⸗ durch den Beytritt und durch die ter wird nur in dem üren, und in beſagter Aſche begriffenen Saltz verſtricket/ gefangen/ und in eine dichte Criltalliniſche Subſtanz ver⸗ dicket. vid. Stahlii fundamenta Chym. Dogm. & exp. Cap. 3.§. 27. p. 57. H 3 Glau⸗ 11⁸ 888(O) 865⸗ Glauber giebet dieſen Proceſſ. Rec. 1. p. Sal. comm. miſche 2. oder 3. p. zerfallenen Stein⸗Kalch darunter, ſchuͤtte dieſe Mixtur an einem ſolchen Ort/ wo kein Regen/ wohl aber Lufft und Sonne bey kan auf einen Hauffen. Dieſe Mixtur begieſſe mit gedach⸗ ter Salpeter⸗Lauge(aus dem Nitro fxo) und laß trocken werden. Dieſes Aufgieſſen und Trocknen repetire ſo offt/ biß dieſes Fermen- tum alles Saltz umgekehret/ und in einen bren⸗ nenden Salpeter verwandelt hat/ welches bald oder langſam geſchiehet/ nachdem man fleißig mit umgehet. Wann nun alles Saltz zu Salpeter worden; ſo ziehet man ſelbiges mit Waſſer heraus/ kochet den Salpeter da⸗ von/ ſchuͤttet den Reſt wieder hin/ laͤſſet ihn ſeine Zeit liegen/ und wann der Satz trocken worden/ begieſſet man ſelbigen in Mangelung der Lauge nur mit Regen⸗Waſſer: So waͤch⸗ ſet wieder guter Salpeter drinnen/ und ſol⸗ ches in infinitum. v. Glauber Conc. p. 77 1. 772. Die Verſicherung iſt gut/ und die Arbeit iſt leicht. Und wer Gedult hat/ bekoͤmmet ſo viel Salpeter/ als von dem Nitro fixo mit dem Acido Univerſali aus der Lufft ſaturiret worden. Das Saltz aber auf dieſe Art voͤl⸗ lig umzukehren/ erfordert genauere und wuͤrck⸗ ſamere Handgriffe. Die Sonne muß nicht dazu kommen/ und wann endlich in Erman⸗ gelung der Lauge ein bloſſes Regen⸗Waſſer gut genug iſt: So iſt nicht abzuſehen/ wa u —=o———S— (0) 88 119 um eben die Materie ſo ſorgfaͤltig vor dem et⸗ wan darauf fallenden Regen ſoll verwahret werden. Wann die Salpeter⸗Erde zum Auslaugen im Schatten getrocknet/ dabey aber der freyen Lufft exponiret wird: So traͤget die Luſſt al⸗ lerdings zur Erzeugung des Salpeters etwas bey. Wie der Herr Autor oben Cap. I. pag. 31. ſchon angemercket. Ein gleiches thut ſie an den aufgeſchlagenen Hauffen der Salpeter⸗ Erde/ an den Salpeter⸗Waͤnden/ und an den/ zur Erzeugung des Salpeters inſonderheit auf⸗ gemauerten/ und eingerichteten Gewoͤlben. Glauber will ein ſolches Gewoͤlbe machen lehren/ und befiehlet es von Brettern z. à6. Schuhe breit und hoch/ und 12. Schuhe lang aufzurichten/ und hernach mit einer Mixtur von Stein⸗Kalch und Holtz⸗Aſche Ana, und 2. Part kurtzen Vieh⸗Miſt/ welcher mit Urin o dick als möglich angemacht worden/ zu uberziehen/ es mit gelinden Feuer auszutro⸗ cken/ abermahl ein quer Hand dick von der Mixtur darauf zu ſchlagen und wieder zu trock⸗ nen/ und damit ſo lange zu verfahren/ biß das Gewoͤlbe/ 1. à 2. Fuß dick geworden/ ſodann das hoͤltzerne Geruͤſt zu verbrennen/ und die zuruͤck gebliebene Cruſte von Zeit zu Zeit mit Urin von neuen zu befeuchten. ꝛc. ꝛc. v. Glaub. concentr. p. 421. ſeq. „Ob nun gleich eins und das andere von dieſem Angeben in gewiſſer Maße/ und gehoͤ⸗ H 4 riger 120 89(O) 868 riger Ordnung gut iſt: So bleibet es doch wegen der dabey ſichtbahrlich erſcheinenden Mangelhafftigkeit in den Haupt⸗Umbſtaͤnden eine Chymere, und moͤchte ich wohl ſehen/ wie man eine Cruſtam von der angegebenen Mixtur dergeſtalt haͤrten koͤnnte/ daß ſie nach der weggebrannten Unterſtuͤtzung/ als ein Gewoͤlbe ſtehen bleiben/ und der vorgeſchla⸗ genen Operation ſtatt geben ſolte. Bleiben aber die Bretter ſtehen/ ſo ſehe nicht wozu der Bettel nutzen ſolte. Es kan ſich alſo ein jeder vor unnoͤthiger Arbeit und Unkoſten huͤ⸗ ten. Indeſſen hat freylich ein ſolches Ge⸗ woͤlbe ſaͤnen unvergleichlichen Nutzen. Es muß aber nicht von Brettern/ ſondern von halbgebrandten Backſteinen aufgeſetzet/ und der dazu zu gebrauchende Leim mit beſondern Materialien verſetzet und præpariret werden. Ein aufmerckſamer und erfahrner Liebhaber wird ſodann ſchon wiſſen, mit was vor Ma⸗ terien er das Gewoͤlbe beſchuͤtten/ in was vor Ordnung er ſdlche rangiren, und womit er ſolche befeuchten ſoll/ auch wird es ihm nicht ſchwehr ſeyn den Kalch/ zu gehoͤriger Zeit/ und an den rechten Ort zu employren/ und alſo den verlangten Zweck zu erhalten/ wel⸗ ches aber nach Glaubers Vorſchrifft nim⸗ mer geſchehen wird. Von 0ch den den 288(0) 88 121 Von der Erzeugung des Salpe⸗. ters im Feuer. As Feuer iſt vermoͤgend/ in der Ge⸗ ſchwindigkeit vielerley Miſchungen zu bewerckſtelligen/ welche in audern Ele- menten in ſo kurtzer Zeit nicht zum Stande gebracht werden koͤnnen. Daß aber ſelbiges auch zur Erzeugung des Salpeters contribuire, iſt unter andern an der Brand⸗Erde zu ſehen/ welche die Salpeter⸗Sieder auf denen Stel⸗ len/ wo Haͤuſer und Scheuren durch Feuers⸗ Bruͤnſte eingeaͤſchert werden/ ſuchen/ und zu ihrem Werck mit Nutzen gebrauchen.⸗ Glauber giebet uns zur Erzeugung des Sal⸗ peters im Feuer folgende Anweiſung. Miſche unter vier Theile zerfallenen Stein⸗Kalch ein Theil gemein Saltz/ mache dieſe Mixtur mit Urin zu einer dicken Paſta, mache mit Holtz und dieſer Paſta Stratum ſuper ſtratum in einem Ofen oder unter freyen Himmel. Die Maſſa muß Ballen⸗weiſe aufs Holtz geleget werden/ damit ſie allenthalben von der Flamme wohl durchgegluͤhet werden koͤnne: Dieſes Saltz lege an einem Ort wo Lufft und Sonne wohl/ aber kein Regen zu kan/ drey oder vier Fuß hoch auf einander/ begieſſe es mit Urin oder Regen⸗Waſſer/ ſo zerfallen die Ballen in et⸗ lichen Tagen. Wann die warme Lufft alle Feuchtigkeit davon gezogen/ und der Hauffen wieder trocken worden: So begieſſet man es H wie⸗ 122(0) 88. b wieder/ und faͤhret mit dieſer Arbeit fort/ biß man ſeinen Zweck erhalten. v. Glaub. Conc. P. 489. Dieſer Procels iſt richtig. Doch er⸗ fordert er Gedult. Das Feuer muß nicht zu gewaltſam ſeyn/ und eine Zeitlang mehr gelin⸗ de glimmen als brennen. Wann es ausge⸗ brandt worden/ muß die Sonne nicht dazu kommen/ und der Urin oder das Regen⸗Waſ⸗ ſer muß gefaulet haben. Gute Miſt⸗Lauge iſt ebenfalls mit Nutzen anzuwenden. Fettes Tannen⸗oder Kien⸗Holtz iſt zum Ausbrennen das beſte/ und wann endlich die Maſſa ausge⸗ lauget worden/ muß der noͤthige Zuſatz von harter Holtz⸗Aſche nicht vergeſſen werden. Ich habe einsmahls in einem Auctions-Ca- talogo von einer vornehmen Bibliothec, D. Au- guſt Schaͤffers Saltz⸗Proben/ und Johann Ludwig Glaſers Invention aus Koch⸗Saltz Salpeter zu machen verzeichnet/ gefunden/ und muß dieſes letztere bey dem erſtern ent⸗ weder als ein Appendix angehaͤnget/ oder auch mit beygebunden geweſen/ und alſo à parte heraus gekommen ſeyn. Beydes habe eine geraume Zeit mit vieler Muͤhe in den Buch⸗ Laͤden und Auckionen geſuchet/ aber ſo wenig das eine als das andere uͤberkommen koͤnnen. Von ohngefehr habe endlich ein kleines Buͤch⸗ lein mit dem Titul: Kurtzer Unterricht vom Bergwerck/ von einem Hochfuͤrſtl. Berg⸗ Rath ꝛc. in die Hand bekommen/ welches zu Ulm 1717. gedruckt worden. Aus den bey⸗ den 882(0) 8 123 den darinn vorhandenen Ehren⸗Gedichten ha⸗ be erſehen/ daß dieſer Glaſer Autor davon ſeyn muͤſſe/ und der Titul uͤber den Paginis zeiget/ daß dieſes Buͤchlein/ das ſogenannte Berg⸗ maͤnniſche Monaths⸗Bluͤmlein deſſelben ſey/ weiches Herr Schellhammer in ſeinem Com- mentario de Nitro pag. 88. angefuͤhret. Ich habe alſo dieſe Piece um ſo viel begieriger durchgeleſen/ weil der Autor darinnen/ wiewohl nur auf den letzten halben Bogen von der Er⸗ zeugung des Salpeters handelt/ und nach des Herrn Schellhammers Zeugnuß eine unkoſt⸗ bahre/ und allenthalben befindliche Materie, woraus der Salpeter ſehr haͤuffig erwaͤchſet/ darinnen ausgeſchwatzet/ und ſehr liebreich offenbahret haben ſoll. Dieſe Materie iſt nun das Koch⸗Saltz/ und die Manier ſolches zu Salpeter zu machen/ iſt der von uns kurtz vor⸗ hero allegirte Glauberiſche Proceſs, welcher von Wort zu Wort daſelbſt zu ſehen. Von dem Salpeter⸗Saamen und Ferment ſchwatzet er ebenfalls mit Glaubers Worten. Er beruͤhret auch das Glauberiſche Experiment mit dem Schwefel⸗Kieß⸗und Koch⸗Saltze/ und verſpricht daraus ein gutes Saltz zum . Salpeter machen. vid. Glaub. Concentr. p. 450. Und dieſes iſt es alles. Wenn er aber kein beſſer Mittel gewuſt haͤtte/ das Koch⸗Saltz in Salpeter zu veraͤndern; ſo haͤtte er nicht Ur⸗ ſache gehabt/ dieſe Invention, die nicht ihme/ ſondern Glaubern zugehoͤret/ der Welt als etwaz 124 2O) 8 etwas neues anzupreiſen. Und wie hat doch der gute Mann ein Geheimnuͤß ausſchwatzen koͤnnen/ welches Glaubers Schrifften und Proceſſe ſchon laͤngſtens vor ihm/ aller Welt vor Augen geleget? Man koͤnte uͤbrigens nach dieſer Art noch wohl leichter/ geſchwinder/ und mit mehrerm Vortheil zum Stande kommen/ wann man das Gemenge von Saltz und Kalch mit an⸗ dern hieher dienlichen Dingen verſetzte/ und einen ſolchen Ofen dazu anrichtete/ daß ein ſolches Gemenge durch ein rußichtes Flammen⸗ Feuer eine Zeitlang beſtrichen/ und dabey von eit zu Zeit nach Nothdurfft gewendet wer⸗ den koͤnnte. Wir wollen aber ſolches denen curioſen und behutſamen Natur⸗ Forſchern zu fernerer ſelbſt⸗beliebigen Unterſuchung ledi⸗ glich uͤberlaſſen. Von der Erzeugung des Salpe⸗ ters in der Erde. Leichwie der Salpeter bekannter maſ⸗ ſen ein ſolches Productum Naturæ iſt/ welches hauptſaͤchlich aus ſolchen Din⸗ gen/ die der Faͤulung unterworffen/ entſtehet/ 5 aus ſelbigen durch die Kunſt ge⸗ und hiernech Kunſt ſammelt/ und gehoͤriger maſſen zubereitet wird: Alſo iſt und bleibet die Erde das vornehmſte/ bequemſte und ſicherſte Element, worinnen der Salpeter erzeuget wird ja ſie iſt allein/. 1 ie 2(0) 8& 125 die rechte und aͤchte Zeuge⸗Mutter deſſelben anzuſehen. Es iſt aber eine jede Erde/ und inſonderheit der eigentlich alſo genannte Thon hiezu nicht geſchickt/ ſondern es hat eine bolariſche und ſeimichte Erde hierinn vor allen andern den Vorzug/ und wo man ja Schlamm⸗Erde und dergleichen zu Huͤlffe nehmen will; ſo wird man doch den verlangten Endzweck bey wei⸗ ten nicht ſo gut erhalten/ als wohl geſchehen wird/ wenn man ſelbige mit dergleichen Bolus⸗ oder Leim⸗Erde gehoͤrig verſetzet. Die Urſache iſt dieſe/ weil in denen Bolis und Leimen ein ſubtiles mineraliſches Sauer⸗ Weſen haͤuffig vorhanden iſt/ wannenhero auch dieſelben zur Deſtillation der ſauren Spi⸗ rituum allein geſchickt ſind: Und wann ihnen etwas Faulendes in gehoͤriger Ordnung und Veranſtaltung zugemiſcht wird/ daß ſie dar⸗ uͤber mit dergleichen Dingen in der That eine PutrefaGtion erleyden: So entſtehet daraus eine Saltz⸗Art/ welche mit alcaliſchen Dingen vermenget/ und'alsdann zu Salpeter gemacht werden kan. Und der Kuͤnſtler/ welcher hie⸗ mit gehoͤrig umzugehen weiß/ iſt capable eine Salpeter⸗Hecke anzurichten/ welche ihm ſo viel Revenüen tragen muß/ als er nur ſelbſt verlanget. Der alcaliſche Theil des Salpeters iſt etwas⸗ das er nicht in der Erden bekoͤmmt/ ſondern welches ihm bloß durch Kunſt zugeſetzet wid. er 126-499(0) SE⸗ Der Kalch contribuiret zur Solution, Corre- Ktion und Abſterſion ſeiner Salammoniacaliſchen Saltz⸗Artigkeit und uͤbrigen Fettigkeit/ zur criſtalliniſchen Conſiſtenz deſſelben aber thut er nichts/ man moͤchte denn ein wenig Erdigkeit/ ſo er dabey zuruͤck laͤſſet/ vor die lange Weile mi⸗ Dahin rechnen wollen. „Es giebet unterirdiſche/ erdigte/ und ſtei⸗ nigte Gemenge/ von einer ſolchen Geſteltheit/ daß die Natur von ſelbſt dasjenige darinnen wuͤrcken kan/ was ſie in der bolariſchen und lei⸗ migten Erden allererſt durch Kunſt, und mit Zuſatz faulender Dinge zum Vorſchein brin⸗ get. Denn man findet in Franckreich bey Saumur an der Loire einen Steinbruch/ wo eine Minera, die voller Salpeter ſteckt/ in groſ⸗ ſer Menge gebrochen wird. Wann man dieſe Minera mit der Zunge beruͤhret: So ſtringiret ſie nicht allein dieſelbe mit einer mercklichen Schaͤrffe/ ſondern giebt ihr auch eine Em⸗ pfindung von Kaͤlte zu erkennen. Man ma⸗ chet daſelbſt ſolche Mineram zu Pulver/ und wann man vier Theile davon mit ein Theil Aſche vermenget; ſo kochet man es ein. Hat es genugſam geſotten; ſo ſeigert man die Lau⸗ ge durch/ damit ſie klar und durchſichtig wer⸗ de/ und ſetzet ſie zum Anſchieſſen hin. Was nicht mehr ſchieſſen will/ kochet man ferner biß zur Helffte ein/ ſetzet es wieder zum Anſchieſ⸗ ſen hin/ und uͤberkommet alſo einen guten Sal⸗ peter mit leichter Muͤhe. Ich habe auch auf — em 88(0) 88 127 dem Hartz eine Sorte von Schiefern gefunden/ die der gedachten Minera, wenn ſie gehoͤrig be⸗ arbeitet wuͤrden/ wenig nachgeben ſolten. Dieſes nun wuͤrcket die Natur an gantz be⸗ ſondern Oertern von freyen ſtuͤcken/ wir muͤſ⸗ ſen aber ſehen/ was ſie allenthalben/ wann ihr von der Kunſt huͤlffliche Hand gebothen wird/ thun kan. Da wir dann nur kuttz und gut zu bemercken haben/ daß die FKaͤulung in der Erde/ und der Zuſatz der Erde, zu ſolchen ſaltzichten Dingen/ die der Faͤulung von ſich ſelbſt unterworffen ſind/ vieles zuwege richten kan/ was ſonſt niemahls geſchehen wuͤrde/ wann dergleichen in die Faͤulung zubringende Dinge ſo vor ſich ſelbſt gelaſſen wuͤrden. Nach Kunckels Angeben/ ſoll man ein lei⸗ micht Erdreich nehmen/ ſolches nur mit Pott⸗ Aſche und lebendigen Kalch miſchen/ an einen ſchattichten Ort ſtellen/ daß die kalten Nord⸗ Winde darauf fallen koͤnnen/ ſo ſoll die Pott⸗ Aſche in Salpeter veraͤndert werden. Vid. Laborat. Chym. P.;p. 117. Gut gezielet/ aber ſchlecht getroffen. Haͤtte der redliche Mann an ſtatt der gantz unnoͤthigen Nord⸗Winde ſeine leimigte Erde mit etwas anders accom- pagniret/ und Kalch und Pott⸗Aſche am gehoͤ⸗ rigen Ort verſparet; ſo wuͤrde er etwas beſ⸗ ſers haben lehren koͤnnen. So aber bin ich verſichert/ daß wo er das Experiment ſelbſt ge⸗ macht/ er kaum ſo viel Salpeter uͤberkommen haben wird/ daß er ſeinen Freunden ein Proͤb⸗ gen 128 253(O) ⸗ en davon vorzeigen/ und ſein gewoͤhnliches apienti Sat dabey ausſprechen koͤnnen. Glauber hat es auf eine andere Art ange⸗ fangen/ und eine Grube mit allerhand faulen⸗ den Dingen anzufuͤllen befohlen/ dabey aber gerathen/ daß man die Erde ſorgfaͤltig oben um die Grube herum legen ſolte/ damit ja kein Waſſer zu der Grube gelangen koͤnnte. Er meinet mit dieſem Einfall denen Armen einen ſonderbahren Schatz in die Haͤnde geſpielet zu haben. Wir haben aber oben Cap. 1. pag. 10. ſq. in Not. ſchon mit wenigen erinnert/ daß wenn die Armen ſich mit dieſem chymeri- quen Schatz erhalten ſolten/ ſelbige alleſambt wuͤrden Hungers ſterben muͤſſen. Unſer Herr Autor raͤth mit weit beſſern Grunde aus einer gantzen Famille den Harn zu ſammlen/ und alle Tage oder Wochen et⸗ was davon kochen zu laſſen/ und zwar mit bit⸗ tern/ und mit einer groͤbern Oelichkeit ange⸗ ſchwaͤngerten Kraͤutern. Das gantze Deco- Aum ſoll man hernach etwan in einen Gar⸗ ten/ an einen ſchattichten Ort hingieſſen. Er ſaget auch daß das Kochen nicht einmahl als noͤthig erfordert werde/ ſondern daß auch bloß der Urin nur an ſolchen Orten ausgegoſſen werden duͤrffe. Doch waͤre es beſſer/ wann dergleichen Kraͤuter mit ſolcher Erde vermen⸗ get/ und mit ſelbiger oͤffters umgewendet/ und darinnen gleichſam zu Miſt gemacht wuͤrden. Vid. Fund. Chym. Dogm.& Exper. Cap. 3. S- 2). 1 459(O) 8⸗ 1²9 25. Ein Vernuͤnfftiger wird dieſes herrliche Experiment ſchon zu ſeinen Nutzen anzuwen⸗ den wiſſen.. 1. Was in denen Laͤndern/ wo haͤuffiger Wein⸗ „Wachs und viele Wein⸗Hefen vorhanden/ durch deren(nach abgezogenem Brandwein oder ausgepreßter Feuchtigkeit) Vermiſchung mit Kalch/ und Vermengung unter andere fau⸗ lende Salpeter⸗Erde zu richten, zumahlen wann Drin oder Miſtlacke zu Huͤlffe genom⸗ men wird: Auch was aus dem mit Saltz ver⸗ mengten/ wieder ausgebrandten/ und mit Miſt⸗ —lacke oͤffters beſprengten Kalch/ in dieſem Werck vor Nutzen zu ſchaffen/ recommendiret er gleichfalls zu guter Erfahrung. Tr. v. Sal⸗ tzen p. 131. Wer das Koch⸗Saltz und den Wein⸗Stein geſchwinde in die Faͤulung zu bringen/ den ge⸗ faulten Satz aber hernach ferner/ gebuͤhrend zu behandeln/ und endlich zum Nutzen bey den Salpeter⸗Wercken anzuwenden weiß; der hat in der Wiſſenſchafft/ den Salpeter zu zeu⸗ gen/ den hoͤchſten Gipfel erſtiegen/ und darff ſich um keinen Unterricht weiter bekuͤmmern/ iſt auch vieler Weitlaͤufftigkeiten/ die ſich bey andern Handgriffen und Behandlungen fin⸗ den uͤberhoben/ und darff auf den verlangten Vortheil nicht lange warten. Dieſe Kunſt iſt gantz einfaͤltig und leicht/ und kan hauptſaͤchlich auf zweyerley Art be⸗ werckſtelliget werden. Der Herr Autor hat J ſolche 130-3(O) S⸗ ſolche in ſeinen andern Schrifften ausdruͤcklich beſchrieben/ und ein fleißiger Liebhaber derſel⸗ ben wird ſowohl den einen als andern Weg leichtlich darinnen entdecken/ ja wer Augen zu ſehen hat/ wird in dieſem gegenwaͤrtigen Tra- ctat ſchon alles dahin gehoͤrige zu ſeinem Ver⸗ gnuͤgen antreffen.. Ein ſolch gefaultes Saltz oder Weinſtein giebet ein fluͤchtiges Oelichtes Saltz/ und be⸗ foͤrdert eben hiedurch die Erzeugung des Sal⸗ peters. Wer Verſtand von der Sache hat/ wird ohnedem leichtlich ſehen/ daß das Sal⸗ peter⸗Sauer/ ehe und bevor es hiezu ſpecifici- ret worden/ von der Art des Koch⸗Saltz⸗ Sauers geweſen. Denn der Orin und der Miſt der Thiere/ aus welchen ordentlicher Wei⸗ ſe der Salpeter am geſchwindeſten und haͤuf⸗ figſten erwaͤchſet/ geben offenbahrlich ein wuͤrck⸗ liches Koch⸗Saltz zu erkennen. Es findet ſich auch in denen gemeinen Salpeter⸗Laugen Saltz genug/ welches die Sieder den Schalck nennen/ und nicht wiſſen/ wie ſie dieſen Fehler verbeſſern ſollen. Doch gieſſen es die mehre⸗ ſten wieder auf die Hallen. Solches Saltz aber wird durch die Faͤulung in ein fluͤchtiges/ und nachgehends durch weitere Behandlung in ein nitroſiſches Saltz verkehret. Ein jeder der vernuͤnfftig zur Unterſuchung ſchreitet/ wird dieſes mit Haͤnden zu greiffen/ und mit Augen zu ſehen/ Gelegenheit finden. In Engelland ſammlet man ein Kraut wel he 2(0) 88 131 ches die See auswirfft/ und in der Landes⸗ „Sprache Kelp genannt wird; Die Venetia⸗ ner laſſen es bey gantzen Schiffen voll von Aleppo bringen/ und heiſſen es Kali. Dieſes wird getrocknet/ in groſſe ausgemauerte Gru⸗ ben geworffen/ und von oben angezuͤndet/ ſo brennet es zu einem Saltz faſt wie die Pott⸗ aſche. Solches Saltz wird alsdann mit ei⸗ ſernen Schlaͤgein ausgeraͤumet/ caleiniret/ ausgelauget/ wieder verdicket/ und endlich zur Verfertigung des feinen Engliſchen und Ve⸗ netianiſchen Glaſes gebrauchet. Unter Gluͤck⸗ ſtadt im Koͤmglich⸗Daͤniſchen Hollſtein habe ich dergleichen wenn es Ebbe geweſen/ in groſ⸗ ſer Menge auf den Ufern der Elbe geſehen. Es iſt Buͤſchel⸗weiſe gewachſen/ und hat an ſeinen Blaͤttern gewiſſe ſaltzichte Knoͤpfchen Man nennet es daſelbſt Tanckelör, und einige von den Land⸗Leuten/ ſollen eine Art von Koch⸗ Saltz daraus zu kereiten wiſſen. Die Gaͤrt⸗ ner laſſen es Fuhren⸗weiſe aufſammeln und faulem und brauchen es alsdann zur Bereitung ihrer fetten Garten⸗Erde. Man findet der⸗ gleichen Gewaͤchs auch haͤuffig an der Oſt⸗ See/ und habe ich ſolches zu Warnemünde, Dobberan, Ribbeniz, Wuſtrovv, auf der halb⸗ Inſul Poel, zu Travemünde, Neuſtadt/ wie auch an verſchiedenen Orten in Pommern in groſſer Menge geſehen. Man weiß es an die⸗ ſen Orten nicht anders zu gebrauchen als daß man es auf den Kuͤſten liegen? von ſelbſt ver⸗ J 2 faulen⸗ 132 899(0) S. faulen/ und alsdenn rechtſchaffen ſtincken laͤſ⸗ ſet. Wuͤſte man es aber geſchickt mit andern Dingen zu verſetzen/ und zur gehoͤrigen Faͤu⸗ lung zu bringen/ dem darinnen erwachſenen fluͤchtigem Saltz aber ſeinen gehoͤrigen Zuſatz zum Anſchieſſen zu geben: So wuͤrde der da⸗ durch zu erhaltende viele Salpeter/ die wenige daran gewandte Muͤhe mehr als uͤberfluͤßig belohnen. Von den Materialien/ welche zur Erzeugung des Salpeters haupt⸗ ſaͤchlich nuͤtzlich. Ail ich ſchon gemeldet/ daß in unſern teutſchem Vaterlande faſt kein Ort ſo ſchlecht/ der nicht genugſame/ ja uͤber⸗ fluͤßige Materialien zu einer Salpeter⸗Siede⸗ rey haben ſolte: So will ich zu mehrerer Nach⸗ richt das vornehmſte von dergleichen Dingen anzeigen/ und wird hiernechſt ein jeder leicht⸗ lich ſehen/ was man nach der Art eines jeden Landes und Orts davon in Vorrath habe/ und was man annoch ſuppliren koͤnne. Aus dem vegetabiliſchen Reich gehören hie⸗ her: Alle bittere⸗ ſtinckende⸗ und ſcharffrie⸗ chende Kraͤuter/ die theils auf dem Lande/ theils an ſumpfſichten Oertern/ und im Schat⸗ ten wachſen; Als Wermuth/ Floͤhekraut/ Hunde⸗Camillen/ Johannes⸗Kraut/ Ja⸗ cobs⸗Kraut/ Mutter⸗Kraut/ alle Arten von 2(0) 8⸗ 133 von Muͤntzen/ Wieſen⸗Koͤnigin„Baͤren⸗ Klau/ Aland-Kraut/ Groß⸗Kletten⸗Kraut/ wilde Paſtinack/ wilde gelbe Ruͤben/ wilder Cumin, wildes Knoblauchs⸗Kraut, Liebes⸗ Stoͤckel⸗Kraut/ Selleri⸗Kraut/ Schwertel⸗ Kraut/ Calmus-Kraut/ Beyfuß/ Angelica Ma- jor, Angelica Spuria, Bilſens Kraut/ Hunds⸗ Zunge/ Storchſchnabel/ Chelidonium Majus, oder Schell⸗Kraut/ Nade⸗Kraut/ Robert, alle Arten von Diſteln/ alle Sorten von Neßeln/ Cardiaca, Schierling/ Wolffs⸗Milch/ Gunder⸗ mann/ friſches Farren⸗Kraut/ Genilta, oder Haaſen⸗Braam/ Dillkraut/ Drachen⸗Wurtz Attich⸗Kraut, Zaunruͤben/ Schaff⸗Garben/ Katzen⸗Zagel/ junges Rohr/ junge Binſen/ Baldrian/ Waſſer⸗Drey⸗Blatt/ weiſſe und gelbe Muͤmmeln, alle Arten des Lapathi, Och⸗ ſen⸗Zungen/ Alyſſus germanorum, guter Hein⸗ rich/ Philoſophia Chirurgorum, Mohn⸗Kraut/ Pappel⸗Kraut/ groſſer Wegerich/ Schwein⸗ Poſt/ Rettich⸗und Meer⸗Rettig⸗Kraut/ Kuh⸗ melde/ Knaben⸗Kraut/ Sau Diſtel/ ec. ꝛc. alles Unkraut/ was aus den Gaͤrten und Aeckern gejaͤtet wird/ und alles was von den Kuͤchen⸗ Kraͤutern weggeworffen wird/ allerhand Laub/ Weiden⸗Blaͤtter/ Pfirſchen⸗Blaͤtter/ friſches Bircken⸗Erlen⸗Haſel⸗Ahorn⸗Eichen⸗ und Buͤchen⸗Laub/ wildes Caſtanien⸗Laub/ fri⸗ ſches Kirſchen⸗Holunder⸗Fichten⸗ und Tan⸗ nen⸗Laub/ junge Sproͤßlinge von Tannen⸗ und Fichten/ Hopffen⸗Laub/ Kuͤrbis⸗Blaͤtter J 3 und ———— 2* 2,2——— —.——— ten Thieren/ Voͤgeln und Fiſchen. Alles 134 9(0) 8⁸8. und Stengel/ Schwartz⸗Johannsbeer⸗Laub, wi Eſchen⸗Laub/ und in Summa alles Laub/ wel⸗ inſ ches einigen Geſchmack hat. Tabacks⸗Stengel/ Bohnen⸗Buchweitzen⸗ 3 und Erbſen⸗Stroh/ Weitzen und Gerſten⸗ dem Stroh/ Kohl⸗Stengel/ allerhand Sorten von 5 gebrauchter und ungebrauchter Aſche/ Seif⸗ un fen⸗Sieder⸗Aſche/ Bleicher⸗Aſche/ ꝛc. Aller⸗ f hand gebrauchte Vegetabilien/ als Weinſtein/ E Wein⸗Hefen/ Bier⸗ und Brandwein⸗Traͤ⸗ bern/ Gerber⸗Lohe/ Ruß aus den alten Bau⸗ fr ern⸗Haͤußern/ Saͤgeſpaͤne/ und endlich aller⸗ hand Gattungen von verdorbenen Vegetabi- lien/ als: Faules Obſt/ faule Kuͤrbis/ faules Kappis⸗ Kraut/ faule Ruͤben/ und alle andere faulende Dinge aus dem Gewaͤchs⸗Reich/ ꝛc. Aus dem animaliſchen Reiche ſind zu dieſer Abſicht mit groſſen Nutzen zu gebrauchen: Alle Arten von Miſt und Harn ſolcher Thiere welche Graß⸗und Korn freſſen/ inſonderheit Pferde⸗Rinder⸗Schaaf⸗Ziegen⸗Huͤner⸗ und Tauben⸗Miſt. Menſchen⸗Harn/ Excrementa aus den alten Gemaͤchern/ alle Aeſer von tod⸗ Blut der Thiere. Was die Kammacher ab⸗ ſchaben/ und was die Horn⸗und Bein⸗Drechs⸗ ler wegwerffen. Was aus den Schlacht⸗ Haͤuſern als unnuͤtz weggeſpuͤhlet/ und was an Spuͤlicht aus den Kuͤchen weggegoſſen wird. 52(0O) 8- 135 wird. Allerhand Arten von Wuͤrmern/ und inſonderheit die Regen⸗Wuͤrmer/ ꝛc. ꝛc. Aus dem mineraliſchen Reiche dienen zu un⸗ ſern Werck/ allerhand Lorten von Erden. Schlamm⸗Erde von der Straſſen/ und aus den Pfuͤtzen/ worinnen Miſt⸗Lauge fleeſſet. Brand⸗Erde/ Erde worinnen Vegetabilien und Animalien verfaulet ſind/ und vor allen andern der Leim/ Saltz/ arme Soole/ die Sode⸗Aſche/ auf ſolchen Saltz⸗Siedereyen/ wo man dieſelbe nicht an die Glaßmacher ver⸗ kauffen kan/ See⸗Waſſer/ Herings⸗Lacke/ Fleiſch⸗Lacke/ was die Faͤrber weg⸗ ſpuͤlen/ ꝛc. ꝛc. Herrn + Herrn Georg rnſt Gtahls/ Weyl. Köonigl. Preußiſchen Hof⸗ Raths uneehenſe n f edicil&cC. Gruͤndlicher und nuͤtzlicher b Gchrifften Vom SALPEIER Mnderer Theil/ Nemlich Von dem vielfaͤltigen Nu⸗ tzen des Salpeters in der Medicin. f⸗ ll⸗ „„ 24 7. 32 “ “ Beeh h ſee 1 2 4„: 1.. Gorrede Des Gerrn Autoris. As die mecdiciniſche Praxin unter andern inſonderheit ſchwehr machet; Iſt eine nicht allemahl behutſam ge⸗ nug eingerichtete Beobachtung der kx- perimenten: Und wann ſelbige noch da⸗ zu mit anderwaͤrts eingeſogenen Vorur⸗ theilen zuſammen trifft; ſo laͤſſet ſie nichts anders als die hochſte Ungewiß⸗ heit/ ja nicht ſelten eine halsſtarrige Unachtſamkeit/ in Anſehung der aller⸗ wahrhafftigſten und beſtaͤndigſten Wuͤr⸗ ckungen und Ausſchlaͤge zuruͤcke. Hiezu koͤmmet die ungluͤckſeelige Einmengung J 5 in 1³3⁸(.O) 868- in vielerley Dinge/ und eine gar zu groſſe Curioſitaͤt/ in neuen/ oder mit einem ſchoͤnen Schein ſchmeichelnden Dingen und Erfindungen. Dieſerwegen zeiget es die Erfahrung/ daß das jenige was einfaͤltig und leichtlich zu bereiten iſt/ es mag ſonſt nach ſeiner Wuͤrckung ſo edel und vortrefflich ſeyn/ als es im⸗ mer wolle/ dennoch insgemein verab⸗ ſcheuet/ und vor geringſchaͤtzig gehalten wird/ inſonderheit wann es ohne Wind⸗ macherey und hochtrabenden/ ſich ſelbſt uͤberſteigenden Redens⸗Arten/ bloß mit einfaͤltigen der Wahrheit anſtaͤndigen Worten etwa geruͤhmet worden. Ich uͤbergehe hier die Mißgunſt der Auto⸗ ritaͤt/ nach welcher die Luͤgen weit eher von der Schmeicheley gelobet wird weil ſie nemlich dieſer oder jener theils erfunden/ theils ausgebreitet; als daß die Wahrheit/ wann ſie ohne Gepraͤn⸗ ge und Weitlaͤufftigkeit zu Tage ge⸗ leget worden/ Beyfall finden ſolte. Da man dann die insgemein ſehr ge⸗ ringe Faͤhigkeit ſolcher Leute noch nen wohl hinzu fuͤgen moͤchte/ welche ih nen 93(o) 8 139 nen im Wege ſtehet/ daß ſie ſelten ein vernuͤnfftiges und gruͤndliches Ur⸗ theil von einer Sache faͤllen koͤnnen. Gewißlich/ wenn ich Belieben funde/ die unumſtoͤßliche Wahrheit der all⸗ hier angefuͤhrten Saͤtze/ mit unzaͤhli⸗ gen Exempeln der Welt vor Augen zu legen; ſo ſolte es mir uͤberaus leicht ſeyn/ ein gantzes Buch in der Geſchwindigkeit mit ſolchen Beyſpie⸗ len anzufuͤllen. Weiln aber derglei⸗ chen Dinge/ ohne Bemerckung einer vielfachen Leichtfertigkeit im Vorge⸗ ben/ Mangelhafftigkeit im Schließen und Verbinden/ Voreiligkeit im Nie⸗ derſchreiben/ bekraͤfftigen/ ausſchmuͤ⸗ cken ꝛc. ꝛc. nicht bewieſen werden kon⸗ nen: Als iſt es mir eben nicht ge⸗ legen/ den Neid umſonſt zu reitzen/ und den Haß ohne Noth zu haͤuffen/ inſonderheit da es die Gelegenheit ſchon uͤberfluͤßig alſo mit ſich brin⸗ get/ daß man in Sachen von groͤſ⸗ ſerer Nutzbarkeit und Nothwendigkeit dergleichen Verdrießlichkeiten exponi- ret bleibet. Es duͤrffte alſo beſſer ſeyn/ ——— — A 8 ————— 140 88(0) 88. ſeyn/ Satzweiſe etwas zu erinnern/ u welches von der Erfahrung herge⸗ nommen/ und von derſelben vielfaͤl⸗ fäͤltig beſtaͤrcket worden/ obgleich das gewoͤhnliche/ und gleichſam mit allge⸗ meinem Beyfall angenommene und verwahrte Vorgeben/ mehrentheils dun Gzegenthel zu behaupten ſcheinen moͤchte. Wir werden dieſes inſonderheit be⸗ werckſtelligen/ wenn wir die Krafft des Salpeters/ in Hemmung der sym- promatiſchen Durchfaͤlle bey den boͤß⸗ artigen/ blatterichten Fiebern vor Au⸗ gen ſtellen/ und eines und das andere von uns angemerckte beyfuͤgen/ wor⸗ uͤber wir zwar keinen ſonderlichen Zweiffel oder Wiederſpruch/ jedoch auch/ keine nennens⸗ wehrte Beach⸗ tung oder Recommendation, die den oͤffentlichen Beyfall erhalten/ ſo viel ich mich erinnere/ irgendswo vorge⸗ funden/ da doch die Sache/ ſo wie ſie in der That beſchaffen/ ihres ge⸗ buͤhrenden Lobes und Anruͤhmens/ kei⸗ nesweges zu berauben waͤre. 85(0O) 8 141 Ich beruffe mich aber ſowohl hierin⸗ nen als in allen andern/ von mir be⸗ haupteten Saͤtzen auf redliche/ ver⸗ nuͤnfftige und behutſame Practicos, und zweiffele nicht im geringſten/ daß die Wahrheit auch in dieſem Stuͤcke bey ihnen vor mich reden/ und unter goͤtt⸗ lichen Seegen ihr gutes Gezeug⸗ nuͤß dem Naͤchſten zum be⸗ ſten/ erhalten werde. Des 23(O) 8- Des andern Theils Erſtes Capitel. Ptwas voͤn den meciciniſchen Eigen⸗ ſchafften des Salpeters. S ſchreiben die alten/ und unter dieſen Galenus, IX. de Simplicibus, dem Sal⸗ peter eine Trockenheit zu, und wie aus dem Effect der gelinden Dauung und Reinigung/ welchen er ihm gleichfalls beyle⸗ get/ Hoffmannus de Medicamentorum officina- lium efficacia nicht uneben ſchlieſſet/ auch eine Waͤrme. Dioſcorides eignet ihm Lib. V. cap. 89. die Abfuͤhrung der zaͤhen Feuchtigkeiten/ die Brennung/ die Anziehung/ Verduͤnnung/ und alſo eine Zertheilung bey/ aus welchen Umbſtaͤnden dann erhellet/ daß er den Sal⸗ perer von dieſen Beſchaffenheiten zu ſeyn ge⸗ glaubet. Avicenna erklaͤret ihn Lib. II. Tract. 2. Cap. 87. nicht allein vor mittelmaͤßig warm und feucht/ ſondern auch wie ſeine Worte lauten: Vor warm und feucht im dritten Grad. Erx ſaget dabey/ daß in dem Salpeter/ ein reines und haͤuffiges abtrocknendes Weſen/ wobey aber nichts Zuſammenziehendes/ zu finden ſey. Und mit dieſen ſtimmen faſt die mehre⸗ ſten uͤberein. Der 83(0) 8☛ 143 Der eintzige Imperatus ſchreibet dem Sal⸗ peter eine groſſe Kaͤlte zu/ jedoch nur dem Ca⸗ labriſchen. Hier entſtehet aber ein neuer Streit/ von dem Unterſcheide des Salpeters/ welchen inſonderheit Mathiolus im Schwange bringet/ nachdem er nach Caſp. Hoffmanns Mei⸗ nung am angefuͤhrten Ort/ mehr ſchlechter⸗ dings bejahet als beweiſet/ daß das Nitrum der Alten/ von dem jenigen/ welches zu un⸗ ſern Zeiten durch Kunſt gemacht wird/ Himmel⸗ weit unterſchieden geweſen. Ob ich gleich ſelbſt keinesweges daran zwei⸗ fele/ daß die verſchiedenen Arten des Nitri, de⸗ ren inſonderheit Dioſcorides gedencket/ ſowohl unter ſich ſelbſt/ als von unſern heutigem gar ſehr unterſchieden geweſen. Gleichwie dann der biß auf den heutigen Tag noch nicht gruͤnd⸗ lich bekannte Urſprung des Borrax keine geringe Muthmaſſung geben koͤnte/ daß ſelbiger das Nitrum der Alten geweſen/ weil ihn die Araber ſelbſt mit dieſem Nahmen/ nemlich Baurach be⸗ ſchrieben. Doch unterſtehe ich mich nicht in einer zweiffelhafften Sache/ etwas gewiſſes an⸗ zugeben/ inſonderheit da noch niemand hierin⸗ nen den Weg gebahnet. Dieſerwegen wol⸗ len wir nur ein weniges von dieſer Sache/ bloß hiſtoriſcher Weiſe beybringen. Ein gewiſſer/ in Chymiſchen/ und Chymiſch⸗ Mediciniſchen Experimenten uͤberaus erfahrner Nann hatte einsmahls eine Vorſchrifft be⸗ kommen/ wie der Borrax zu machen ſey/ und darinn 1 —j —— ——;—— 144 899(0) 88 darinn geleſen, daß die Materie, woraus e derſelbe gemacht werden muͤſſe/ Alume di Rocca, oder wie es die Materialiſten nennen das Alumen Rochæ, oder der Stein⸗Alaun ſey. Nun iſt bekandt/ daß Rocca bey den Italiaͤnern/ und Rocher bey den Frantzoſen eben das jenige bedeute/ was bey den La- teinern Petra,(ein Felß) und dieſes zwar uͤberhaupr. Denn ins beſondere wird auch das Italiaͤniſche Wort Rocca eben alſo ge⸗ braucht/ wie das Lateiniſche Wort: Scopu- lus: Eine Klippe. Gedachter Freund nun hat ſeine Arbeit nach ſolcher Vorſchrifft unternommen, aber bey dem zuſammenziehenden Saltz/ nemlich bey dem gemeinen Alaun, welcher insgemein vor Srein⸗Alaun verkaufft wird/ ſahe er alle Muͤhe und Arbeit verlohren. Er zweiffelte alſo/ ob dieſe Materie das wahrhafftige Alume di Rocca waͤre/ welches ſein Proceſs, als die Materie dieſer Ar⸗ beit erforderte. Er erſuchte dannenhero nach vieler/ auf dieſe Sache vergeblich gewandter Muͤhe/ einen beruͤhmten Materialien⸗ Haͤnd⸗ ler, Nahmens Langermann zu Leipzig eins⸗ mahls inſtaͤndigſt um Rath: Und erhielte von ſelbigem eine Antwort/ welche mit der Sache ſelbſt erlaͤutert wurde/ indem ihm derſelbe verſchiedene breite/ glaͤntzende/ halbdurchſichtige Stuͤcke eines von Geſtalt leichtlich zu ſpaltenden/ blaͤtrerichten Steins uͤberreichet/ welchen unſer Freund auf Veran⸗ am eige beſt ger anke lich wel L5 gu the hal ril kuͤ bel 88(Co) 9 145 Veranlaſſung ſeines(aliniſchen Nahmens und Anſehens, auf der Zunge probiret, und den eigentlichen Geſchmack des Borrax darinnen befunden. Wie er ſolches dem Herrn Lan⸗ germann angezeiget, hat derſelbe laͤchlend ge⸗ antwortet, daß es allerdings Borrax ſey, nem⸗ lich ein roher/ und wie er gewachſen/ aus welchen aber der gebraͤuchliche und in den Läden feile, vermittelſt einer gewiſſen Reini⸗ gung oder Feinmachung zubereitet wuͤrde. Dieſes verurſachet, daß wir mit unſerm Ur⸗ theil von dem wahren Nitro der Alten an uns halten: Denn obgleich der mehr von uns ge⸗ ruͤhmte Caſpar Hoffmann an dem Ort, wo er kuͤrtzlich vom Borax handelt, dieſe Meynung behauptet, daß es eine gewiſſe Gattung von dem Nitro der alten ſey: Weil es aber nicht alleine unter dem Nahmen des Stein⸗Alauns denen Verſtäͤndigen bekannt zu ſeyn ſcheinet, ſondern auch ſchon in den alten Zeiten des A- launs, und zwar ſowohl des ſelbſt gewachſe⸗ nen als des durch Kunſt Gemachten ge⸗ dacht wird: ſo weiß ich nicht gruͤndlich ge⸗ nug, h zu was vor einer Sorie dereidſt,ge K wachſene C) Der Herr Autor hat ſich in ſeinen andern Schriff⸗ ten hieruͤber noch weiter erklaͤhret/ und was von an⸗ dern/ ja auch von ihm ſelbſt dabey angemercket wor⸗ den/ beſchrieben. Die wahre Beſchafſenheit des Borax(ſchreibet er in ſeinem Tractat von Saltzen p. 26. ſeq.) 146 83(0) 8 wachſene Borrax gezehlet werden muͤſſe. Daß es kein gemeiner adſtringirender Alaun gewe⸗ ſen, bin ich gewiß genug verſichert, weil er ſowohl nach den Sinnen, als nach dem Eſſect nichts weniger als eine zuſammenziehendeKrafft, — von 16. ſeq.) iſt noch nicht gruͤndlich unterſnchet noch bekannk. Es hat zwar Herr Homberg zu ſeiner Zeit die loͤbliche Curioſitæt gehabt/ ein und andern Ver⸗ ſuch daran zu wenden; da er dann entdecket daß/ ſo Feuer beſtäͤndig dieſes Saltz⸗Weſen an ſich ſelb⸗ ſten ſcheinet/ auch an dem Vitriol nichts dermaffen Saltz⸗fjuͤchtiges vermuthet wird/ welches durch ſolche Waͤrme aus ihm ſcheiden ſolte: Richts deſio weniger/ wann dieſe beyde Saltze zuſammen gegoſ⸗ ſen/ und die Waͤßrichkeit zuletzt nur kochend davon etrieben wird/ ſich/ auch ehe noch die Feuchtig⸗ eit gantz beruͤber iſt/ ein trockenes/ und in ſo weit fluͤhhtiges Saltz in die Hoͤhe giebt/ zwar ohne ſon⸗ derbahren Geſchmack/ noch weniger Geruch: auch mit nichten ſo fluͤchtig/ daß es in freyer Lufft oder ahne ziemliche Feuer⸗Hitze verfliegen ſolte: Jedoch eben weder des Borrax noch vitrioliſchen Saltzes ei⸗ gen gewoͤhnlicher Art gemaͤß: In ſeinem Beden⸗ cken uͤber Bechers Metallurgie p. 25. ſeq. neunet er den Borrax ein wunderbahres/ jedoch zur auſſerſten Verwunderung Penes Geſchoͤpff/ und giebt daſelbſt zu erkennen/ da derſelbe aus einem Saltz⸗ We⸗ bn⸗ aus einer glaßhafften Erdigkeit/ und aus aſſer beſiehe. Gleichwie er dann auch ſonſt noch hin und wieder angezeiget/ daß der Borrax nach ab⸗ gedunſteter Waͤßrichteit leichtlich in ein Glaß zu⸗ ſammen ſchmeltze. In ſeinem ſpecimine Becheria- n0 83(O) 89 147 von ſich ſpuͤhren laſſet; ſondern vielmehr eroͤff⸗ net/ und bey nahe das Gebluͤt forttreibet. Bey einer ſolchen Dunckelheit wird kaum klaͤrlich zubemercken ſeyn, was unſerm heuti⸗ gen Nitro hievon zugeſchrieben werden koͤnne, K 2 wan⸗ no p. 203. erzehlet er etwas uͤberaus curieuſes/ ſo er ſelbſt bey einer gewiſſen Arbeit beobachtet/ wel⸗ ches ihm Gelegenheit gegeben/ von der Grund⸗Be⸗ ſchaffenheit des Borrax etwas anzumercken/ welches eine gar beſondere Attention verdienet. Ich kan/ (ſpricht er daſelbſt) auf guten Glauben verſichern/ daß ich eiusmahls/ da ich in der Chymie noch ein Schuͤler war/ aus einer gewiſſen antimonialiſchen Arbeit/ einen wahren Borrax erhalten: nemtich aus einem gewiſſen Croco des Autimonii, welcher mit alcaliſchen Saltzen gemacht/ und eine Zeitlang an die freye Lufft geſetzet worden/ welcher in ein ſub⸗- tiles, und mit vielen weißlichten Staͤubchen vermeng⸗ tes Pulver zerfallen. Wie ich dieſem Pulver don neuen ekwas Waſſer zugeſetzet, in der Meynung⸗ daß dieſe weiſſe Staͤubchen aus dem alcaliſchen/ an⸗ noch innigſt verknuͤpfftem Saltze entſtanden; aus Ver⸗ geſſenheit aber dieſe Infuſion abermahl eine zeitlang an der Luſfſt ſiehen laſſen; ſo habe endlich kleine Criſtallen einer klemen Erbſen groß von einer etwas ſchraͤge⸗viererkigten Figur darinnen befunden. Nach⸗ dem ich ſolche ausgenommen/ und an der Sonnen getrocknet/ wurde die Oberflaͤche derſelben weiß/ wie ein Borrax/ waren auch übrigens zimlich dichte und hart/ eben als wie der Borrax. „ Der Geſchmack war wie Borrax/ jedoch ein wenig „ſtumpfer/ und nicht ſo gar mercklich urinoſiſch/ „ Wie 148 63(0) 89 wannenhero man ſich vielmehr an die Erfah⸗ rung/ als an die Auctoritæt wird zu halten haben. Die neuen hiebey entſtehenden Schwierig⸗ keiten muͤſten indeſſen nothwendig aus dem Wege geraͤumet werden. Es verſichern eini⸗ ge, daß der Salpeter das Gebluͤt fluͤßig ma⸗ che, und deſſen Gerinnung verhindere; die Erfahrung aber beweiſet das Gegentheil. Gewiß es finden ſich bey der heut zu Tage affectirten Curioſitæt zweyerley Anſtoͤßlichkei⸗ ten „wie er aber in der Licht⸗Flamme vollenkommen „wie ein Borrax aufwallete; ſo nahm ich ein Loͤht⸗ „Roͤhrchen/ und befand daß er ſich hurtig in ein „reines Glaß zerſchmeltzen ließ/ und alſo zu erken⸗ „nen gab/ daß es nach allen ſeinen Eigenſchafften „ein wahrer Borrax geweſen. Wer curieuſe iſt/ kan es mit den erſten Schlacken ei⸗ nes Reguli Antimonii ‚welcher zum exempel aus Antim. 1. Pf. Eiſen ein halb Pf. zuſammen ge⸗ ſchmoltzen/ und etwan mit ein paar Untzen reiner Pottaſche oder fgirten Salpeters præcipitiret wor⸗ den/ verſuchen. Wir koͤnnen aber bey dieſem Exem⸗ pel nicht umhin/ den Leſer abermahlen auf die gar beſondere Wuͤrckung der Lufft zu fuͤhren/ gleichwie wir ſolches bereits/ um demſelben zumehrern Nach⸗ dencken Anlaß zu geben/ ſchon oben cap. 3. p. 91. bey dem ſo genannten Arcano duplicato, welches 3u5 dom Salpeter und Vitriol-Oel entſtehet gethan haben. 1 —,—— e8(O) 89 149 ten, welche ſehr uͤble Folgerungen nach ſich ziehen. Und zwar 1.) Daß diejenigen, welche alles nach mecha- niſchen Geſetzen einrichten wollen, ſolche Ge⸗ ſetze insgemein am wenigſten verſtehen. 2.) Daß es ihnen oͤffters ſchwehr, auch nur die allergeringſten Experimenta zu machen, hergegen ſehr leicht, wegen ihrer Vorurtheile, die ſie aus anderer Leute nichts⸗wuͤrdigen, und der Erfahrung zuwider⸗lauffenden Vor⸗ geben eingeſogen, ſolchen Grund⸗Saͤtzen die auf die offenbahre Experienz gebauet worden, zu widerſprechen. Ich habe ein halb Quentchen pulveriſirten Salpeter in ein kleines Gefaͤß gethan, und e ne Untze friſches, und aus einem geſchlachtetem Thiere gequollenes Blut dazu lauffen, und dar⸗ auf etwas ſtehen laſſen. Hierauf iſt das Slut nicht alleine geronnen, ſondern es iſt auch an der Stelle, wo der Salpeter ein wenig dicker gelegen, ein waͤſſerichter Theil des Bluts in eine ſehr zaͤhe⸗ſchleimichte Conſiſtenz zuſam⸗ men gegangen, und fehlet es alſo ſehr weit, daß ſich einige Merckmahle der Fluͤßigkeit in dieſem Blute haͤtten ſollen ſpuͤhren laſſen. Ich ſolte faſt glauben, daß hierunter ein Irr⸗ thum der anders woher entſtanden ſtecken muͤ⸗ ße. Einige ruͤhmen den Salpeter, daß er das Blut dergeſtalt verduͤnne, daß es auch in den Thermos copiis gebrauchet werden koͤnne. Weil nun hiezu allerdings eine Fluͤßigkeit er⸗ K 3 fordert 150 63(O) 88 fordert wird, ſo ſind einige dahero vielleicht auf die Meynung gerathen, als ob der Salpeter allhier nur zu dem Ende gebraucht werde, daß er das Blut in ſeiner Fluͤßigkeit erhalten ſolle, da er doch allhier bloß zur Verhinderung der Faͤulung dienet. Hiernechſt hat das Experiment auch hierin⸗ nen fehlſam ſeyn koͤnnen, weil ein ſolches Blut mit dem zugeſetzten Salpeter lange geſchuttelt und geruͤrtelt worden, um ſelbigen gehoͤrig mit dem Blute zu vermengen, und darinnen aufzu⸗ löſen. Unter welcher Behandlung dann das Blut zur ſteten Fluͤßigkeit gedeyet, wenn gleich Salpeter, oder wohl gar ſaure Dinge dazu ge⸗ ſuͤget werden. En ſchwebet uns noch ein ander allaͤgliches Experiment von der gerinnend⸗machenden Wuͤrckung des Salpeters vor Augen, und zwar bey denen Gurgel⸗Waſſern. Dann wann man in ſcharffen hitzigen Fiebern die Entzuͤndungen, welche ſich bey den Schwam⸗ artigen⸗Geſchwulſten des Schlundes und bey der Braͤune finden, mit Gurgel⸗Waſſern zu lindern meynet: ſolche aber nicht mit Salpeter verſetzet: ſo entſtehet eine ſchleunige Trocken⸗ heit des Mundes. Nimmet man aber dieſen mit dazu, ſo ſiehet man augenblicklich und ſicht⸗ barlich, daß ſich alle peichelhaffte Feuchtig⸗ keit im Gaumen und Schlunde ſolchergeſtalt zuſammen ziehet, daß ſelbige in der Geſtalt ei⸗ nes klaren Schleims erſcheinet; welcher dan auch 69(o) 0 151 auch mit ſeiner dauerhafften Befeuchtung, dem ſonſt geſchwinde wieder trocken werdenden Schlunde, eine um ſo viel angenehmere Linde⸗ rung zu wege bringet. Gleichwie nun die gerinnend⸗machende Wuͤrckung des Salpeters bey dem Blute und der Lympha hieraus zur Genuͤge erhellet: alſo kan auch allhier die Art und Weiſe, um ſo viel leichter begriffen werden, wie aus dem Ge⸗ brauch des Salpeters ein kuͤhlender/ und die Wallung des Gebluͤts angenehm lindernder Effect erfolgen koͤnne. Die andere Wuͤrckung, welche man dem innerlichen Gebrauch des Salpeters insgemein zuzuſchreiben pfleget, iſt die Aufſchlieſſung oder Eroͤffnung des Leibes, Dieſes Vorgeben hat uͤberall, ja ſelbſt bey dem gemeinen Volck einen ſolchen Beyfall gefunden, daß man aus dieſem Grunde einigen Bieren eine eroͤffnende Krafft zuſchreibet, weil ſie aus nitroſiſchen Waſſern gebrauet worden, oder daß man glaubet, daß diejenigen Biere/ welche eine dergleichen oͤff⸗ nende Krafft von ſich ſpuͤren laſſen, aus Sal⸗ peteriſchen Waſſern bereitet worden. Zwar iſt nicht zu läugnen, daß ein gewiſſer Sebrauch des Salpeters dieſe Krafft habe, den inwendigen Leib ſchlipfericht zu machen, und dabey gelinde abzufuͤhren. Dennoch aber iſt auf keinerley Weiſe zu bemercken, daß ein jeglicher Gebrauch des Salpeters, oder auch K 4 eine 5— ———— 8 —,— — 1—— 152 83(O) 88 eine jegliche geringere Doſis deſſelben dieſen Fffect zu wegen bringen ſolte. Man hat gewiß groſſe Behutſamkeit zuge⸗ brauchen, wann man von prackiſchen Schriff⸗ ten und commentariis urtheilen will. Denn die unmaͤßige Begierde zuſchreiben ſetzet oͤffters die Gemuͤther in eine ſo wunderliche Verfaſ⸗ ſung, daß ſie kein Bedencken tragen, alles was ſie nur von ohngefehr geleſen, oder auch nur obenhin gehoͤret, andern Leuten als lauter Wahrheiten aufzubuͤrden; woher es dann koͤmt, daß dasjenige, was erſtlich eine Unge⸗ wißheit/ oder auch unter gewiſſen Bedingun⸗ gen wohl eine Wahrhetlt ſeyn koͤnte: vermit⸗ telſt einer ſolchem unumſchränckten und verwe⸗ genen Ruhmraͤthigkeit, in eine wuͤrckliche Luͤgen ausartet/ jedoch ſoll es ferne von mir ſeyn, daß ich dißfalls jemanden etwas mehr, als eine Leichtglaubigkeit/ oder aufs haͤrteſte davon zu reden, eine Leichtſinnigkeit zu rechnen ſolte. Indeſſen aber iſt dieſes allerdings wahr, daß die Furcht/ welche aus ſolchem Vorgeben entſprungen, daß nemlich der Gebrauch des Salpeters in ſcharffen und hitzigen Fiebern unzeitige Durchfaͤlle verurſache, mehr Scha⸗ den als Vortheil geſtifftet zu haben ſcheinet. Ich bin verſichert, daß nicht leichtich ſemand, der mich und meine Weiſe kennet, mich einer uͤbermaͤßigen Ruͤhnheit oder Verwegenheit im experimentiren und Verſuchen beſchuldi⸗ gen; ſondern daß man mich vielmehr einer all⸗ zu 83(0) 9 153 zu groſſen Furchtſamkeit zeihen werde, weil ich von den Brech⸗Witteln/ allerhand Pur- gir-Witteln/ unbeſcheidenen Eroͤffnungen der Ader/ vielfaͤlligem Gebrauch des Opii, ja ſelbſt von denen, ohne Unterſcheid angeord⸗ neten Verhaltungen beym Schwitzen keine gu⸗ te Meynung hege, und alle dergleichen Dinge vor verdäͤchtig halte, auch dannenhero dabey uͤberall eine ſehr behutſame Veranſtaltung er⸗ fordere und recommendire. Dennoch aber iſt es auch durchaus mein Werck nicht, in ſol⸗ chen Dingen, wo der Erfahrung nach keine Ur⸗ ſache zum fuͤrchten und zweiffeln vorhanden, umſchluͤßig hin⸗ und her zu wancken. Indeſſen kan dieſes gemeine Vorurtheil ſo viel zu wege bringen, daß wir traͤger und furcht⸗ ſamer werden, auch ſonſt nuͤtzliche Dinge zu⸗ verſuchen, wann die allgemeine Meynung der Leute das Gegentheil raͤht, und zur Beyſorge, daß es uͤbel ablauffen werde, Anlaß giebet, denn mir iſt bey der durchgehends alſo beſchrie⸗ benen Wuͤrckung des Saipeters eben dieſes begegnet, alſo daß ich lange genug gezweiffelt habe, ob ich der Anleitung der geiunden Vernunfft zu folgen, und von dem Salpeter unter gewiſſer Bedingung gäntzlich das Ge⸗ gentheil zu hoffen oder vielmehr ſicher zu erwar⸗ ten, ohne Verwegenheit und Gewiſſens⸗Ir⸗ rung wagen koͤnte. Solchemnach habe ich die Krafft des Sal⸗ peters, die ich nach der geſunden Vernunfft K F da⸗ .—. —— 8 8 3 — ——*——— 154 63(0) 9 davon hoffen kunte, zuerſt bey den⸗Durchfaͤl⸗ len in hitzigen Fiebern/ und ſelbſt bey den da⸗ zu gekommenen Pocken/ nicht anders als mit einiger Furchramkeit zu verſuchen mich erkuͤh⸗ net: und zu ſolcher Zeit nicht ohne Urſache, gleichſam hetmlicher Weiſe die Probe ge⸗ macht, weil auch noch nachhero, da alles aufs beſte abgelauffen, und ſchon durch genugſame Erfahrung beſtaͤrcket worden, verſchiedene Medici von nicht geringem Anſehen, uͤber mei⸗ ne daruͤber abgeſtattete Relation hoͤchſt⸗beſtuͤrtzt zu ſeyu ſchienen, und zwar infonderheit, ſo lan⸗ ge ich meine theoretiſche Gruͤnde noch nicht be⸗ kandt, und ſie mit vielen Betheurungen von der gewiſſen, uͤberall ſichern, und bewehrten Wuͤr⸗ ckung uͤberzeuget hatte. Ich werde alſo dieſe gewiſſe, der geſunden Vernunfft gemaße, und durch vie faͤſcige und beſtaͤndige Erfahrung bewaͤhrte Wuͤrckun⸗ gen anfuͤhren, Krafft welcher ich zu unzaͤhligen mahlen dasjenige erhalten und geleiſtet habe, welches durch andere Medicamenta entweder niemahls, oder auch bey weiten nicht ſo be⸗ quem und ſo ſicher von mir und anderner⸗ halten und geleiſtet werden koͤnnen. 93 00) 80 *½ Des 8— AV— —*x½* —— 93(0) 89 155 Des andern Theils anderes Capitel. Don der Krafft des Salpeters/ die Aufwallung des Gebluͤts zu verhin⸗ dern. S iſt allhier unnoͤthig, die Schwierig⸗ keiten anzuzeigen, welche mit dieſer Meynung verknuͤpfft ſind, daß das Bluren von einer Verſtopffung herruͤhre: Folglich laſſen wir es bey dem oben ſchon an⸗ gefuͤhrten, und durch die Erfahrung beſtaͤttig⸗ ten Satz bewenden: nemlich daß der Salpeter das Gebluͤt vielmehr verdicke/ als fluͤßig ma⸗ g. Dieſes iſt allerdings gewiß, und bezeuget es auch die mediciniſche Praxis offenbahrlich, daß alle dieſenigen Dinge, welche in vielerley Um⸗ ſtaͤnden von einer ſolchen Beſchaffenheit zu ſeyn befunden werden, daß ſie das Gebluͤt verdün⸗ nen und wallend machen; Zu dergleichen Ausbruͤchen des Blutes oder zu dem Bluten Gelegenheit geben. Und zwar in ſo weit ohne Unterſcheid, daß dieſer Effect nemlich der Ausbruch des Bluts nicht allein zu der Zeit, da die Ausdehnung des, in Bewe⸗ gung gebrachten Gebluͤts annoch waͤhret, ſon⸗ dern auch wann dieſelbe ſchon wieder geſtillet, oder wenigſtens einiger maſſen verringert wor⸗ den, erfolget. Die⸗ 156 63(O)(2 Dieſes iſt gewiß, daß auch nach aufhoͤren⸗ der Aufwallung oder ſchaͤumender Auf⸗ ſchwellung/ eine mehr als ſonſt gewoͤhnliche Duͤnnheir des Gebluͤts/ als der ordentliche Effect dieſer allzu ſtarcken innerlichen Bewe⸗ gung/ annoch lange genug zuruͤcke bleibet und ortdauret: Wesfalls auch, wenn man allhier einen bloſſen leydenden Niederfall(lapſus paſ- ſivos) des Gebluͤts vorausſetzet; ſolches deſto fluͤßiger und geſchwinder fort gehen; wenn man aber lieber eine thaͤtliche Austreibung oder Auspreſſung des Gebluͤtes unterſtellet: ſelbiges zu ſolcher Zeit um ſo viel bequemer, dergleichen Austreibung unternehmen kan: wel⸗ chen beyden Aeuſſerungen aber unterdeſſen die jenige gelinde Verdickung begegnet und entge⸗ gen ſtehet, welche das Aufwallen geſchwinde unterdruͤcket und bezwinget, oder die dahero ruͤckſtaͤndig⸗gebliebene allzu viele Flaͤßigkeit von neuen eindicket/ und in ihrer gehoͤrigen Con- ſiſtenz wieder herſtellet. Weil ich mich auf dieſe Theorie gruͤndete; ſo fing ich an⸗ und weil ich mich auf den, nach Maßgebung der geſunden Vernunfft er⸗ haltenen Ausſchlag verließ; ſo fuhr ich fort/ den Salpeter denen Blutfluͤſſen/ und inſonder⸗ heit dem, viele boͤſe Folgerungen nach ſich zie⸗ henden Blutſpeyen entgegen zu ſeten. Ich habe in einigen von meinen Schrifften uͤber allerhand Materien nicht ohne Urſache be⸗ zeuget, daß ich von denen zuſammen irben. en — ͤ—————⏑ 63 O) 89 177 den Dingen, bey den Beſtrebungen und wuͤrck⸗ lichen Unternehmungen der Natur in aler⸗ hand Excretionen, nicht das geringſte halte. Denn mir iſt es nicht genug, daß man dieſe oder jene gegenwaͤrtige Kranckheit vertreibet oder ſtillet, und indeſſen den Patienten entwe⸗ der einem baldigen Recidiv, oder einem andern gleichgearteten, und ſich leichtlich wieder einfln⸗ denden Affect, oder wohl gar zum oͤfftern ei⸗ nem weit gefaͤhrlichern⸗ und hartnaͤckigterm Ubel Preiß giebet: ſondern mein Gemuͤth be⸗ ſtrebet ſich jederzeit dahin, daß ich bey moͤglichſt zu erhaltenden, und beſtandigſt zu unterhalten⸗ den leidlichem Zuſtande und ſicheren Auffbefin⸗ den des Krancken, die Cur endigen, und den⸗ ſelben, wann die Urſache der Kranckheit aus dem Wege geraͤumet worden, wahrhafftig wie⸗ der beruhigen moͤge. Und weilich mich durch⸗ aus⸗nicht getraue, ſolches durch die Verſchlieſ⸗ ſung oder Verſtopffung des Ausganges zu erlangen; So bemuͤhe ich mich um ſo mehr, die Anfaͤlle/ oder die Beſtrebungen zum Aus⸗ bruche zu hemmen. Alſo kan ich mit Grunde der Wahrheit ver⸗ ſichern, daß ich verſchiedenen, mit Blutſpeyen und Blutſtuͤrtzungen behaffteten Patienten, mit einem halben Quintchen, zwey Scrupeln, bis zu einem Quentchen Salpeter, ſo ich ihnen zu bequemen Zeiten gegeben, eine ſolche Huͤlffe geleiſtet habe, daß nach geſtilleter Wallung des Gebluͤts, der Ausbruch oder Fluß des Blu⸗ tes 158 63(o) 89 tes nicht alleine ſehr geſchwinde/ ſondern auch beſtaͤndig nachgelaſſen. Ich habe mich in andern Blut⸗Fluͤßen/ theils wann ich ihnen zuvor kommen/ theils wann ich ſelbige hemmen muͤſſen, den Salpe⸗ ter von eben ſolchen Kraͤfften befunden, wann ich nur uͤberall eine gewiſſe Proportion in Acht genommen. Was ich von den Nieren⸗Schmertzen halte, und wie ich ſolche, theils der ſich aͤuſſern⸗ den Bewegung zu Blutfluͤſſen,(molimmibus hœmorrhagicis) theils einer Anneigung zum Blutharnen zuſchreibe: davon handelt die, un⸗ ter meinem præſidio gehaltene difſfertation: de nova Pathologia calculi Renum nach meinem Principiis mit mehrern. Daß ſonſt die Mieren⸗Schmertzen in einer Staͤmmung des Bluts in den Nieren, und in einer entzuͤndenden Hitze derſelben beſtehen, wird wie ich meyne, niemand widerſprechen, Ich habe vor rathſam gehalten, dieſen Be⸗ ſchwehrlichkeiten den Salpeter entgegen zu ſe⸗ tzen, welches ich nicht ohne mercklichen Nutzen gethan habe, und der gluͤckliche Effect hat mei⸗ ne deßfalls gefaßte, und auf die geſunde Ver⸗ nunfft gegruͤndete Hoffnung niemahlen ſincken laſſen. ſ ſage und verſpreche es aus ſelbſt eigener Erfahrung, daß mit vernuͤnfftigen Gebrauch des Salpeters in den Nieren⸗Schmertzen mehr, und zwar geſchwinder und unfehibahrer aus⸗ ———————— 1 19—õ— —— 63(0) 80 159 ausgerichtet werden koͤnne, als mit irgend ei⸗ nem andern, unter denen faſt unzahlbahren, hie⸗ zu ſonſt dienlich geprieſenen Mitteln. Ich habe auch vermittelſt des Salpeters dergleichen Schmertzen weit ſicherer nicht al⸗ leine zu ſtillen/ ſondern auch fortzuſchaffen und aufzuheben gelernet, als vermittelſt des Opũ. Nachdem ich die ſchaͤdliche Wuͤrckung des Opi in dieſen Kranckheiten aus einigen ſehr merckwurdigen und klaren Exempeln mit beſondern Fleiße angemercket. In Daͤmpffimg der Hitze bey den ſcharf⸗ fen Siebern iſt der Gebrauch des Salpeters vielleicht etwas bekandter, doch werden wenige der Meynung ſeyn, daß man ſolches auch den Kindbetterinnen/ die uͤber die Verhaltung ihrer Reinigung(lochiorum ſuppreſſione) in eine ſchwehre Fieberhaffte Hitze verfallen, geben könne. Was braucht es aber vieler Worte? Ich bin hiebey ſelbſt eine Zeitlang ſurchtſam geweſen, ohne eigentlich zu wiſſen, warum? doch habe ich aufgehoͤret ſolches zu ſeyn, nachdem ich wahrgenommen, daß andere die meine uͤberhaupt geſchehene Recommendation auch hiebey in Acht genommen, mit die⸗ ſem Mittel dasjenige zu Wege gebracht, wel⸗ ches vermittelſt eines andern zuerlangen ich ſchwerlich hoffen koͤnnen. Denn nachdem ſie die fieberhaffte Zitze da⸗ durch augenblicklich gedämpffet, und darauf ei⸗ nige dienliche Medicamenta zu Huͤlffe genom⸗ men 160 6(0O) 89 men; haben ſie den Abfluß dieſer Reinigung wider alles Vermuthen wohl gar den dritten Me wiredien Tag aufs gelindeſte wieder her⸗ eſtellet. Dieſes aber nicht mur etwan ein eintziges mahl, ſondern ſo offte und ſicher, daß dieſe Methode vor ein unfehlbahres Mittel angeſehen zu werden verdienet. Was der ſortgeſetzte, und proportionirte Gebrauch des Salpeters in den Gicht⸗ Schmertzen oder in dem Reißen der Glieder vor Nutzen habe, kan zwar die geſunde Ver⸗ nunfft muthmaſſen, die Erfahrung aber al⸗ leine lehren. Die Verhaltung und das Brennen des Harns/ wenn ſolches entweder vor ſich ſelbſt entſtehet, oder von veneriſchen Befleckungen herruͤhret, wird gleichfalls durch proportionir- ten Gebrauch des Salpeters aufs kraͤfftigſte gelindert, gehoben und geſtillet. In ſcharffen entzuͤndenden Haupt⸗Augen⸗ Ohren⸗Zahn⸗und andern Schmertzen hat er ſeinen guten Nutzen, und ſchaffet viele Linde⸗ rung. Auch giebt er ſowohl in den beſondern, als in den allgemeinen Zufaͤllen der Koſe ge⸗ nugſame Huͤlffe. Wannenhero ich den inner⸗ lichen Gebrauch des Salpeters ſowohl in dem Rothlauff von innen, welcher ohne aͤuſſerliche Urſache ausbricht; als in dem alſo genannten Srieſel/ und andern blatterichten oder maſe⸗ richten Zufaͤllen uͤberaus dienſam befunden. Ja es ——— — — 63() 89 161¼ es wird auch die gehoͤrig angeſtellte Erfahrung gleichſalls bezeugen, wie bequem derſelbe in den langwierigen Verruͤckungen des Verſtandes ge⸗ brauchet werden koͤnne. Ich ſchreite aber nunmehro von dieſem temperirenden, und die Aufwallung des Ge⸗ bluͤrs hemmenden Effect des Salpeters/ zu der andern, nicht ſo ſehr vermutheten, als illig erwuͤnſchten Wuͤrckung deſſelben, krafft welcher er die Durchfaͤlle in den hiczigen Fie⸗ bern und Maſern, in dem SZertz⸗Weh/ im Ausbrechen der Galle/ in den Gicht⸗ und Podagriſchen Schmertzen/ welche ſich in den inneren Gliedern aͤuſſern, ſtillet und fortſchaffet. Das dritte Capitel. Von dem MNutzen des Salpeters in ſolchen Durchfaͤllen und Brechen/ die von der uͤbermaͤßigen Hitze des Gebluͤts und der Saͤffte her⸗ ruͤhren. e ſehr die mediciniſche Praxis, das iſt die ſelbſt⸗eigene Beobachtung der 2 Kranckheiten, und der dabey vorkom⸗ menden Zufaͤlle bey dem Krancken⸗Bette; und wie ſehr alsdann zum oͤfftern die Sache ſelbſt von dem unbedachtſamen Vorgeben der Buͤ⸗ cher⸗Schmierer unterſchieden ſey: ſolches leh⸗ ret und bezeuget eine behutſam angeſtellte Er⸗ fahrung zur Genuͤge. Wir finden aber kein Belieben disfalls hauffige Exempel zum Be⸗ L V weiſe 162 63(0) 98 weiſe anzufuͤhren, ſondern werden es bey einer eintzigen Probe in einer Sache, die in der me⸗ diciniſchen Praxi von der groͤſten Wichtigkeit, fuͤglich bewenden laſſen koͤnnen. Es giebt viele Autores, welche praliſche Dinge lehren, die, wann ſie die Fleck⸗Fieber beſchreiben wollen, ſich mehr auf generale Begriffe gruͤnden, als daß ſie die eigentlichſte Beſchaffenheit dieſer Kranckheit bemercken, oder wann ſie ſolche vor ſich haben, beobach⸗ ten, und das Gemuͤth dahin, wo es ſich gebuͤh⸗ ret, richten ſolten. Es fehlet ſo weit, daß ich dieſes andern gantz alleine aufbuͤrden ſolte, daß ich mich viel⸗ mehr denſelben freywillig beyzehle. Als der ich in der, Anno 1715. zu Jena gehaltenen Dil⸗ ſertation de febre petechiali, ebenfalls der Au- Ktoritæt einiger ſehr beruͤhmter Maͤnner gefol⸗ get, und nicht allein vermeynet, daß allhier das Aderlaſſen, wann das Gebluͤt in Über⸗ fluß vorhanden dienlich ſeyn koͤnne, ſondern auch davor gehalten, daß bey dieſen blatterich⸗ ten Fiebern die Trockenheit des Stuhls nicht alleine gewoͤhnlich, ſondern auch nuͤtziich ſey. Wer ſolte aber ſo vielen gelehrten Maͤnnern nicht willig Beyfall geben, die ſich durch die Ausfertigungen ſo vieler groſſer Buͤcher beruͤhmt gemacht, und nicht alleine Practici, ſondern auch Doctores, Profeſſores und Lehrer der b b Kunſt geweſen, und von welchen Thilingius in ſeinem Tractat de Febr. Petech: pag. 240. ein groſſes Regiſter mittheilet, worinnen Merca⸗ tus, 22———6————.—r—2 ——-——— — 63 0) 89 163 tus, Capivaccius, Fonſeca, Sennertus, Rolfinc- cius, Brunnerus, Horſtius, Sorbait, Minadous, annoch mit vielen andern vergeſellſchafftet auf den Schau⸗Platz gefuͤhret werden. Daher⸗ gegen andere, die dieſes laͤugnen, von den meh⸗ riſten bey nahe unter die Stuͤmper gezehlet werden, als Agricola, Rulandus, Hœchſtette- rus, Lotichius, Thonnerus, Fracaſtorius&c. und wird Heurnius an einem ſo frembden Ort, nemlich unter diejenigen, welche das Gegen⸗ theil behauptet, angefuͤhret, daß man aller⸗ dings muthmaſſen koͤnnte, als ob man dieſen et⸗ was mehr beruͤhmten Mann, mit Fleiß jenen zum Behuff nicht allegiren wollen. Unterdeſſen zeiget es, ſo bald man nur ein wenig aufmerckſam iſt, die Sache von ſelbſt, daß jene ſehr beruͤhmte, und groſſe Auctoritæt beſitzende Maͤnner ſich allhier eintzig und allein, auf die allgemeinſte Urſache gruͤnden: daß nemlich allda, wo das Blut in Uberfluß vor⸗ handen, ſelbiges ohne Furcht in etwas abge⸗ zapffet werden koͤnne, ja daß es vielmehr aus Beyſorge eines daher leichtlich entſtehenden Ubels abgezapffer werden muͤſſe. Dieſenige aber, welche ſolches widerrathen/ haben aus der eigentlichſten und beſonderſten Erfahrung/ und aus dem vielfaͤltig erlebten/ ungluͤcklichen Ausgang, Anlaß genommen, ihre Meynung wider den Gebrauch des Ader⸗ laßens an den Tag zu geben. Und dieſen letz⸗ tern gebe auch ich aus Hialſalades Erſäbrano 2 völ⸗ 161 8e8(0) 50 voͤlligen Beyfall, daß nemlich das Aderlaſſen in dieſer Krauckheit hoͤchſt⸗gefäͤhrlich ſey. Gleichwie mir aber die Erfahrung allerdings Anleitung gegeben, bey dem allhier vorkom⸗ menden Aderlaßen von der gemeinen Meynung abzuweichen: alſo iſt ſelbige auch hierin meine Anfuhrerin geweſen, daß ich das gemeine Vor⸗ geben, als ob bey dieſen Fiebern eine maßige Hartleibigkeit/ nicht alleine nutzlich ſondern auch noͤthig waͤre, fahren laſſen. Denn es bezeugen unzaͤhlige, und von vie⸗ len Jahren bis auf dieſe Stunde fortgeſeste/ und allezeit richtig⸗befundene Anmerckungen, daß bey den heutigen, zwar nicht ſo gifftigen, dennoch aber mit ihrer ſehr ſchaͤdlichen Boͤß⸗ Artigkeit allerdings vergeſellſchaffteten Fleck⸗ Fiebern, die Durchfaͤlle ſowohl im Anfange, der Kranckheit, als auch wenn dieſelbige aufs hoͤchſte gekommen, und wieder abzunehmen be⸗ ginet, nicht alleine gewoͤhnlich ſind, ſondern auch unter allen andern Zufäͤllen am wenigſten Schaden, ja nicht ſelten von einem heilſamen Ausgange gute Verſicherung geben. Die Hartleibigkeit hergegen, gleichwie ſie noch niemahl einigen Nutzen geſchafft; alſo hat hat ſie auch alsdann, wann die Kranckheit aufs hoͤchſte gekommen, und inſonderheit gegen den Gefahr⸗Tagen/ faſt jederzeit eine augenſchein⸗ liche Gefahr verurſachet. Und ſind daraus um ſo viel unfehlbahrer Raſereyen/ erſticken⸗ de/ und mit Krampff und Schluchzen ver⸗ geſell⸗ ——„—————yf — — 63(0) 89 165 geſellſchafftete Engbruͤſtigkeiten/ ſchlafffuͤch⸗ rige Zufaͤlle/ geſchwinde uͤberhand nehmende kleine Geſchwuͤre im Munde/ nebſt dem ins⸗ gemein nicht ferne ſeyenden Tode erfolget. Was in dieſen Zufäͤllen die Erfahrung von der gemeinen Meynung vor einen beſondern Vorzug habe: ſolches kan bloß vermittelſt fuͤr⸗ ſichtiger Beobachtung in den Schrifften und Anmerckungen der bractiſchen Scribenten wahr⸗ genommen werden: Nichts deſto weniger aber kaſſen ſich auch hierinnen nicht ſelten allerhand Vor⸗Urtheile antreffen, weil es bey einer und eben derſelben Sache keinesweges an ſolchen Oblervationen, die ſich einander ſchnurſtracks zuwider lauffen/ fehlet. Unſere jetzt unter Haͤnden habende Sache anlangend; ſo hat Gerhardus Columba von Meſſina ſchonlange vor hundert Jahren bey Ge⸗ legenheit dieſes Fiebers einen Tractat von den peſtilentialiſchen Fiebern geſchrieben, in deſſen Vorrede er erzehlet, daß faſt alle diejenigen, die in dieſe, zu der Zeit grallirende Kranckheit verfallen, und dabey einen Durchfall bekom⸗ men, wieder zu recht gebracht worden. Und obgleich dieſes von dem eigentlichen Wechſelder Kranckheit nicht wohl verſtanden werden kan; Gleichwie es denn in dem daſelbſt angefuͤhrtem Exempel det Augenſchein genugſam zeiget, daß ſich ſolches nicht eben in den Gefahr⸗Tagen ereignet: ſo ſcheinet doch dieſes wenigſtens die Meynung zu ſeyn, daß auf dieſe Art die groͤſte 9 3 Heff⸗ — 8 22 — I 1 166 68(00)&☛ Gefſtigkeit der Kranckheit nachgelaſſen, und nu deſto gluͤcklicherer Geneſung Hoffnung gege⸗ en. Hergegen hat Joachimus Bruſerus, der gleich⸗ falls von dieſem SFieber ein eigenes Buch ge⸗ ſchrieben, den gemeinen, und mit der medici- niſchen Erfahrung nicht gar zu wohl uͤberein⸗ ſtimmenden Bericht, auf die Seite geſetzet, und zu Ende des XXII. Capitels aus ſelbſt eigener Obſervation erkandt: daß ſich in dieſen Fiebern zwar Durchfaͤlle angeben: doch ſagt er, daß er ſolche mehr im Anfange, als im Wechſel der Kranckheit wahrgenommen, und bezeuget uͤber dem, daß ſelbige ſich nicht mit der Beße⸗ rung des Krancken, ſondern mit groſſer Ent⸗ kraͤfftung deſſelben ſpuͤren laſſen. Gleichwie es aber unſere eigentliche Abſicht anjetzo nicht mit ſich bringet, uns bey dieſem Umſtande ſothaner Fieber uͤber die Gebuͤhr auf⸗ zuhalten: Folglich genug ſeyn kan, wann wir bloß aus ſelbſt⸗ eigner Erfahrung bekraͤfftigen, daß ein offtmahliger Erfolg, auch wann ſonſt alles ſeine Richtigkeit hat, und wenigſtens Ver⸗ gleichungs Weiſe(comparativè) nicht ein⸗ mahl ſo gar unnuͤtzlich, geſchweige dann ſchaͤd⸗ lich ſey: alſo werden wir es dabey bewenden laſſen, daß wir von der Krafft des Salpeters/ welchen wir bey dieſem Zufall gluͤcklich ge⸗ braucht, an dieſem Ort eins und das andere ins Mittel bringen.„ni, Es iſt mir mit mehrgemeldtem Zufall in de. em — 83(0) 89 167 ſem Fieber zu verſchiedenen mahlen begegnet, daß ſolche Patienten, die ſchon einen und den andern Tag damit behafftet geweſen, allererſt bey mir Huͤlffe geſuchet. Da ich mich nun we⸗ gen des Fiebers ſelbſt nicht erkuͤhnen duͤrffen, dieſem Affect gerade zu mit zuſammen ziehen⸗ den Artzney⸗Mitteln entgegen zu gehen, ſondern mich vielmehr bemuͤhen muͤſſen, vermittelſt ſol⸗ cher Artzneyen, die dem Gifft widerſtehen, (alexi pharmaca) und vermittelſt behutſamer Anwendung Schweiß⸗treibender Dinge, und der dazu gehoͤrigen Veranſtaltungen Huͤlffe zu ſchaffen: hiemit aber nichts ſonderliches aus⸗ richtete; dennoch aber beobachtete, daß der, unter allen dieſen Verhinderungen beſtaͤndig fortwaͤhrende Durchfall ſo wenig Schaden ver⸗ urſachte, daß er auch die Kraͤffte nicht einmahl mercklich und auſſerordentlich ſchwaͤchte: ſo ward ich dadurch bewogen, dieſem Zufall mit mehre⸗ rer Sicherheit zuzuſehen, und ihm nicht anders als mit gantz gelinden Medieamenten Wider⸗ ſtand zu leiſten. Und dieſes um ſo vielmehr, da ich im Ge⸗ gentheil bemerckte, daß eine etwas hartnaͤckig⸗ te Zartleibigkeit dieſes Ubel offenbahrlich ver⸗ ſchlimmerte, und zwar ſolchergeſtalt, daß ſich ſo gar im Anfange der Kranckheit, eine groͤſſe⸗ re Angſt und Beklemmung des Hertzens ein⸗ fand: wann aber die Kranckheit aufs hoͤch⸗ ſte gekommen/ und inſonderheit gegen den Befahr⸗ Tagen/ ſich nicht alleine alles dieſes 9 4 ſchlim⸗ 168 68(0) 89 ſchlimmer anließ, ſondern daß auch haupkſaͤch⸗ lich um dieſe Zeit die Verruͤckungen des Ver⸗ ſtandes, die Hitz⸗Blattern im Munde, und die alleraͤuſſerſten Aengſtlichkeiten, mehrentheils mit emem betruͤbten Ausgange hervort thaͤten. Da ich indeſſen muthmaſſete, daß dieſe letztere Beſchaffenheit von einer zarten/ und wegen ihrer Geſchwulſt, der Roſe nicht un⸗ gleichen Entzündung herſtammete; dabey aber die Auslegung machte, daß der Durch⸗ fall vermittelſt einer etwas ſtaͤrckeren Bemuͤ⸗ hung der Natur, um dergleichen feurige Sitze einigermaſſen abzuſpuͤlen, und den Zunder derſel⸗ ben gleichſam zu vertheilen und auszuwaſchen, unternommen wuͤrde: ſo nahm ich mir vor, dieſe feurige Hitze ſelhſt, vermittelſt einer etwas mehr unmittelbahren Beruͤhrung des Salperers/ und zwar auf eben die Art, wie man in den Gebrechen des Schlundes zu thun pfleget, zu beſtreiten und zu entkraͤfften. Wannenhero ich nicht alleine alsdenn, wann keine Durchfaͤlle vorhanden geweſen, den mit⸗ in ſich ſchluckenden, und ſixen, Schweiß ⸗trei⸗ benden Dingen verſetzten Salpeter eingegeben: und zwar ſonderlich gegen die Zeit, da ſich die Anfäͤlle(paroxismi) einſtellen wollen, ja ſo gar, im Anfange derſelben; ſondern ich habe auch davor gehalten, daß ſelbſt in den wuͤrck⸗ lich vorhandenen Durchfaͤllen/ derjenigen feu⸗ rigen Hicze/ um derentwillen muthmaßlich der⸗ leichen Zufluß geſchahe, auf eben dieſe Wei⸗ 8 begegnet werden muͤſte: folglich habe ic auch — 63(0) 89 169 auch zu ſolcher Zeit mit dergleichen Artze⸗ ney⸗Mitteln, ſo mit Salpeter verſetzet geweſen nicht alleine angehalten, ſondern auch dem Be⸗ finden nach, den Gebrauch derſelben, oͤffter, als ich ſonſten wohl gewohnt geweſen, wiederhohlet. Nach dieſer Methode habe ich faſt jederzeit einen von dieſen beyden Vortheilen erhalten, nemlich daß entweder der Durchfall ſelbſt aufs mercklichſte nachgelaſſen, und immer mehr und mehr zu ſeinem natuͤrlichen Gange gelanget: oder wann er ja fortgedauret, dennoch deß⸗ falls keine Gefahr zubeſorgen geweſen, ſondern ich habe vor allem wiedrigen Erfolg bey nahe ſicher ſeyn koͤnnen, weil ſolchem auf dieſe Art ſchon genugſam vorgebauet worden. Gewiß es iſt mir zum oͤfftern wiederfahren/ daß dergleichen Durchfaͤlle, ſie mogen annoch in ihrem Anfange oder auch in gewiſſer Maſſe ſchon zum Ende geweſen ſeyn, ja ſo gar, wan ſie ſich in den Gefahr⸗Tagen geauſſert, auf drey oder vier/ aus Perlen⸗Mutter oder Krebs⸗ Augen, Antimonio Diaphoretico und Sal⸗ peter bereiteten Pulvern, wovon ich alle zwey oder drey Stunden einen Scrupel auf einmahl eingegeben, alſobald dergeſtalt nachgelaſſen, daß ſie ſich in Zeit von vier Mid zwantzig Stunden kaum zwey oder dreymahl wieder eingeſtellet; der Patient aber ſich zu gleicher Zeit ſehr merck⸗ lich beſſer befunden, und um ſo viel offenbah⸗ rer zur erwuͤnſchten Hoffnung Urſache gegeben. In dergleichen Durchfallen aber, die ſich als⸗ denn eraͤugeten, wann die Kranehei ſchon 1 5 b⸗ — — 9— ———— —— —— —— 170 63(CO) 88 Abnehmen/ und folglich nicht mehr gefaͤhrlich „war, und die Sydenham nicht allein vor ſehr verdaͤchtig gehalten, ſondern ſie auch mit einer, mir gewiß nicht anſtehenden Cur, nemlich mit Brech⸗Mitteln zu vertreiben angerathen: habe vermittelſt des Salpeters allezeit eine ſo unfehl⸗ bare und geſchwinde Huͤlffe geſchafft: daß mir ſothane Durchfälle durchgehends von ſehr ge⸗ ringer Wichtigkeit geſchienen, ob gleich der ge⸗ meldte, und ſonſt von mir gar hochgeſchaͤtzte Herr Sydenham ſich ſehr davor gefuͤrchtet, und dieſelbe ungemein verabſcheuet. Gleichwie ſie denn auch in der That, wann ſie nach der ge⸗ meinen Methode mit verſtopffenden Artzeneyen unzeitiger oder unmaͤßiger Weiſe gehemmet werden, nicht ſelten ſehr gefaͤhrliche Kranckhei⸗ ten, inſonderheit aber boͤſe waͤſſerichte Ge⸗ ſchwulſten nach ſich laſſen. Dieſes waͤre alſo der nuͤtzliche Gebrauch des Salpeters, in Stillung ſolcher Durchfaͤlle/ welch bey den hitzigen/ und dabey gelinde blat⸗ trichten Fiebern von der uͤbermaßigen Erhitzung der Eingeweyde entſtanden. Ich wende mich alſo zu denen ſtaͤrckern boͤßartigen Blattern, nemlich zu den Pocken, Was beym wuͤrcklichen Ausbruch der Po⸗ cken odet wann ſie eben hervorkommen wollen, ſo wohl die ſchmertzhaffte und reiſſende/ als die unſchmertzhaffte aber zaͤhe, roͤthlichte/ geſtreiffte; und mit dem Stuht⸗Zwang verge⸗ ſeliſchaffrete Durch aͤlle zu bedeuten huß; wiſſen ———— 63 0) 9 171 wiſſen die Practici am beſten, gleichwie ihnen dann auch nicht unbekandt iſt, wie geſchwinde diejenigen, welche erſtlich einige mahl natuͤrlich geſchienen, ſich in die jetztgemelte Geſtalten ver⸗ kehren..— Dieſes Ubel iſt gewiß mißlich und ſtuͤrmiſch genug. Welche die praxin weitlaͤufftig vor⸗ ſchreiben, rathen zu ſtopffenden Mitteln. Was aber ſelbige vor eine gute und ſichere Wuͤrckung nach ſich ziehen, wann ſie ohne einer alleraͤuſſerſt behutſamen Anordnung gegeben werden; ſol⸗ ches wuͤnſche ich von rechtſchaffenen und wahrhafften Practicis zuvernehmen, weil mir es niemahlen gelingen wollen, mit dergleichen Mitteln etwas lobens⸗wuͤrdiges auszurichten, obgleich die anhaltenden Aengſtlichkeiten/ ſchwehrere Hicze/ und andere mitfolgende ſehr uͤble Zufaͤlle dieſes eintzig und alleine zu wege gebracht, daß der Zuſtand der Kranckheit zwar geaͤndert, aber keinesweges gebeſſert worden. Den Gebrauch der Schmertzen ſtillenden Mittel, und zwar eine maͤßige Doſis derſelben, thut allhier zwar etwas. Werden ſie aber ein wenig ſpate, und in einer etwas ſtaͤrckeren Doſi gegeben: ſo zerruͤtten ſie ſehr leichtlich die uͤbrigen Bewegungen und natuͤrlichen Abſon⸗ derungen/(eccriſes) und ſtoͤren inſonderheit die Ordnung und Bequemlichkeit derſelben. Hier⸗ nechſt thun ſie in der ſchon vor ſich gehenden Infi⸗ cirung der Gedaͤrme nicht die geringſte Huͤlffe, wannenhero ſie auch nichts weiter als einen zweif⸗ felhafften und ungewiſſen Ausgang hoffen laſer⸗ ey 17² 83(o) 80 Bey ſo mißlichen Umſtaͤnden habe ich den Entſchluß gefaſſet, mit dem Gebrauch des Sal⸗ peters etwas heilſames auszurichten: denn ich hoffte dadurch die anſetzenden Bewegungen Cirritamenta) zu hemmen, die Schaͤrffe zu daͤmpfen, und die Empfindung der Hicze zu be⸗ ſanfftigen: Ich gab alſo, wiewohl zwiſchen Furcht und Hoffnung, ſchweiß⸗treibende/ und mit Salpeter verſetzte Pulver, wovon jede Doſis nach dem Alter des Patienten, zwey drey bis vier Gran Salpeter enthielte; und ſetzte in maſ⸗ ſigem Gebrauch, ſolche Mittel die dem Gifft wi⸗ derſtehen/ wie auch ſolche Waſſer, die eine gelind: Ausdunſtung verurſachen(diapnoi- cas) darzwiſchen. Ich bezeuge bey der ewigen Wahrheit, und dancke in Demuth der Gnade G Ottes, daß ich dieſes Medicament niemahls anderr, als mit ſehr geſchwinden guten Erfolg gebrauchet habe; denn wann ich zwey oder hoͤchſtens drey Doſes, jedesmahl noch zwey oder drey Stunden ge⸗ geben; ſo haben dergleichen Durchfaͤlle alſo bald aufgehoret: welches auch bey ſolchen Durchfaͤllen geſchehen, die ſchon zu verſchiede⸗ nen mahlen einem Kinde oder kleinen Knaben zugeſtoſſen, und denen man die bezoärdiſchen/ aus Wurtzein und Erden beſtehenden Mittel, ſo wohl mit als ohne ſchlaͤffrig machenden, aus dem Opio zubereiteten Artzeneyen(Laudanis) mehr als einmahl vergeblich entgegen geſetzet. Ich habe ferner bey ſolchen vorfallenden Kranckheiten, welche ſich mit Sruhl und De en ͤ ee — —ö—O—— ,,— 2— ——,—— ——,——— — e3(O) 85 173 chenzugleich eingefunden, und mit groſſer Hitze und Aengſtlichkeit vergeſellſchafftet geweſen, nach Anleitung der geſunden Vernunfft zu eben die⸗ ſem Mittel meine Zuflucht genommen. Wel⸗ ches mir gewiß in kurtzer Zeit, ſonderlich, da ich andere dienliche Mittel mit zu Huͤlffe genommen, dergeſtalt gegluͤcket, als mir mit einigem andern Medicament jemahls wiederfahren zu ſeyn, ich — Grunde der Warheit keinesweges verſichern onnte. Ben den noch nicht gar alten bodagriſten iſt denen PraCticis dieſeruͤber alle maſſen beſchwer⸗ liche, und nach meiner Meynung, mit der jetzt⸗ gemelten Kranckheit in gewiſſer Maſſe uͤber ein⸗ kommende, ſonſt aber von der Congeſtion des Bluts herruͤhrende Zufall bekandt, da dieſelben zuweilen, wann der Schmertz an den Fuͤſſen ploͤtzlich nachlaͤſſet, mit ſchleuniger und voͤlli⸗ ger Verliehrung des Appetits, mit Sckel/ Gertz⸗ Geſpann und Brechen befallen werden, wo⸗ bey ſich nebſt der groſſen Entkraͤffnug/ eine ſtarcke fieberhaffte Hitze einfindet, Was in dieſer Kranckheit der Salpeter ſelbſt, wann er gehoͤrig temperiret worden, vor eine augenblickliche Huͤlffe zeiget, wiſſen diejenigen batienten aus der Erfahrung, die, wann ſich dergleichen wiedriger Zufall bey den podagrai- ſchen Empfindlichkeiten aͤußert, nicht ſo wohl uͤberhaupt ein Artzney Mittel/ als inſonderheit und nahmentlich das bekandte rothe Pulver verlangen, weil ſie ſich nemlich wegen des guten Eftects nicht alleine ſicher, ſondern auch verge⸗ wiſſert halten. Dieſes ———— —— ——— — 28 —— L. 174 63(0) 2 Dieſes thun auch einige mit Gicht⸗und Nie⸗ ren⸗Schmertzen behafftete, inſonderheit aber die letztere, als welche die erwuͤnſchte Wuͤr⸗ ckung deſſelben zur Genuͤge erfahren. Ich habe in meinen D ſſertationibus zum oͤff⸗ tern, das mit Blaͤhungen⸗und Krampffarti⸗ gen Fuͤckungen vergeſellſchafftete Zertz⸗Ge⸗ ſpann(cardialgiam flatulento- ſpasmodicam) beruͤhret, welches bey ſolchen Leuten, die mit mMiltz⸗ ſuͤchtigen/ und aus der Ubermaſſe des Gebluͤrs herruͤhrenden Bewegungen beſchwe⸗ ret ſind, etwas gemeines, und welches man insgemein der Schwachheit/ ja wohl gar der Kaͤlte des Magens zuſchreibet. Was der ver⸗ nuͤnfftige Gebrauch des Salpeters hiebey vor eine gute Wuͤrckung von ſich ſpuͤren laſſe; wird nicht leichtlich jemand beſſer, als die Erfahrung ſelbſt anweiſen koͤnnen. Es iſt noch nicht gar lange, daß ein junger Mann von vier und dreyßig Jahren, von ſan⸗ guiniſcher und ſehr blutreicher Complexion, nachdem er vielerley Medicos und vielerley Me- dicamenta gebrauchet, durch dieſe verſchlim⸗ merte Kranckheit dergeſtalt mitgenommen wur⸗ de, daß er ſich kaum unterſtehen durffte, den dritten Theil von Speiſen, den ſein ohne dem nur mittelmaͤßiger Appetit ſonſt wohl erfordert haͤtte, zu ſich zu nehmen. Denn er ward au⸗ genblicklich von einem ſolchem aͤngſtlichem be⸗ klemmenden druͤcken, welches ihm denn Angſt⸗ Schweiß vielfaͤltig aus trieb, einige Stunden herdurch gequalet, und wann es ihm daden, wel⸗ „—ͤ— — 863(0) 9 175 welches jedoch nur ſelten geſchahe, eins oder das andere mahl aus dem Magen aufſtieß, ſo empfand er daruͤber einige, wiewohl nur ſehr geringe Linderung. Er hatte aber kaum zweymahl dieſes ſehr ein⸗ faͤllige Medicament zu gehoͤriger Zeit einge⸗ nommen: ſo befand er ſich ſo wohl darnach, daß er etwas mehr; und daß er, da kaum der dritte Dag vorbey, ſich ſchon ſatt eſſen konnte: auch nachhero dieſes Medicament nicht weiter ge⸗ brauchte, als nur zu ſolcher Zeit, da er es vor noͤthig erachtete. Doch verſahe er ſich jederzeit mit einem genugſamen Vorrath deſſelben, zu kuͤnfftig etwann noͤthigem Gebrauch, und ruͤhm⸗ te den kaum gehofften Effect allenthalben mit vieler deundern. Allhier iſt die Erfahrung von denenjenigen Meynungen gewiß ſehr weit entfernet, welche uns insgemein gleichſam aus der Erfahrung(ich weiß aber nicht aus was vor einer) angeprieſen/ und in die Haͤnde geſpielet werden, unter welchen die⸗ ſe beyde die vornehmſten ſind: Erſtlich daß der Salpeter/ weil er kuͤhlet, denen ſchleimhaff⸗ ten 3ufaͤllen des Magens(die man nemlich ſo davor anſiehet) nachtheilig ſey, und dieſelben verſchlimmere. Zum andern, daß die gelinde dauende Saltzen(Salia digeſtiva) als das Ar- canum Duplicatum, der Tartarus vitriolatus, das Nitrum antimoniatum&c. denen batienten, ſo mit Mutter⸗ und Miltz⸗Beſchwerden behaff⸗ tet ſind, Schaden bringe. Ein Mann ohngefehr viertzig Jahr alt, von ei⸗ ner 3 4 — 175 89(o) 88 ner ſanguiniſchen, daber aber ſich ziemlich zur melancolie neigenden Leibes⸗Miſchung, hatte ſich des Oeſterreichiſchen uud Hungariſchen Weines eine Zeitlang etwas ſtarck bedienet: ſonſt aber von etlichen Jahren her die Hemorrhoides zu verſchiedenen mahlen gehabt, wobey es ſchon zur Gewonheit bey ihm geworden daß ſich zuZei⸗ ten, inſonderheit aber alsdenn, wann er eine De- bauche gemacht, ein ſich von ſelbſt einſtellender Durchfall bey ihm gemeldet. Nur geſchahe es, daß ſich dieſer Durchfall von neuen einfand, wie er aber ſchon mehr als zehen Sedes gehabt, muſte er eine unumgaͤngliche Reiſe zu Wagen uͤberneh⸗ men, da dann der Durchfall unterwegens zwar aufgehoͤret, und der Patient von dem Schuͤtteln und Ruͤtteln auf der Kutſche wenige Beſchwer⸗ lichkeit empfunden: wie er aber den vorhabenden Weg zuruͤck geleget, und einiger Maſſen wieder zur Ruhe gekommen; iſt er von einer entſetzlichen Solic uͤberfallen worden, woben ſich eine ſo heff⸗ tige Verſtopffung geaͤuſſert/ daß kaum das fuͤnf⸗ te Cüſtir einige Wurckung gethan, und der Aus⸗ wurff uͤberaus ſparſam erfolget. Anſtatt nun daß die Eroͤffnung mit Nutzen vor ſich gehen ſolte, fand ſich bey den habenden Schmertzen, wie ſonſt insgemein geſchiehet, ein ſchluchzendes Hertz⸗ Geſpann mit groſſem Würgen und Brechen ein, und der mit dieſer heff⸗ tigen Quaal geplagte batient verlohr nicht allein ſehr mercklich ſeine Kraͤffte, ſondern fing auch an eine fieberhaffte Hitze zu empfinden. Der .(0) Ser⸗ 177 Der zu ihm geforderte Artzt verordnete zu⸗ ſorderſt einige Cliltire, aber wie bereits ge⸗ meldet worden/ ohne Effect, indem ſelbige nicht bey ihm blieben/ ſondern wieder zuruͤcke giengen/ und ungeachtet ſie endlich ein oder zweymahl durchgedrungen/ dennoch gar bald gantz klar und ohne Wuͤrckung wieder ihren Ausgang nahmen. Inwendig hatte er ihm ein Wind⸗zertheilendes Elixir gegeben/ wel⸗ ches gewoͤhnlicher maſſen aus hitzigen Din⸗ gen zubereitet/ und mit der Tinktur des Bie⸗ ber⸗Geils verſetzet worden. Es wolte ſich aber hiedurch weder die Colic noch das Bre⸗ chen ſtillen laſſen. Er nahm alſo ſeine naͤchſte Zuflucht zu der groſſen Erfindung unſerer Zeit/ nemlich zu dem Opio, und vermengte ein Theil von deſſen ſo genanten Schmertzen⸗ ſtillenden Tinctar, mit dem gemeldten Elixir. Jedoch ebenfalls ohne dem geringſten Effect, ſowohl in Anſehung der Colic als des Bre⸗ chens. Hergegen veraͤnderte ſich die Kranck⸗ heit des Patienten ploͤtzlich in eine ſchwindel⸗ haffte Sehleffe gkeirund in eine ſehr merck⸗ liche Entkraͤffrung/ aus welchen Umſtaͤnden der Patient ſelbſt muthmaſſete/ daß ihme Opi⸗ um beygebracht worden/ wannenhero er den fernern Gebrauch deſſelben verbat/ und kan ich eben nicht ſagen/ ob er ſichs nur bloß ein⸗ gebildet/ daß die Wuͤrckung des Opii ihm nicht zutraͤglich/ oder ob er es ſonſt ſchon in der That erfahren. * M Wie —— 1 ½½9 B(o) ⸗ Wie indeſſen die Schmertzen nebſt der. Zitze und dem Reißen in der Gegend des m Magens beſtaͤndig ein ſehr beſchwehrliches m Wuͤrgen und Bemuͤhen zum Brechen ver⸗ urſachten: Meiner Meinung nach aber durch ein mit Salpeter verſetztes Medicament, die„ ſichin ieſer Gegend theils wuͤrcklich aͤlſernde theils annoch zu beſorgende Hitze und Ent⸗ 4 zuͤndungen gehoben/ folglich nach wegge⸗ raͤumter Urſache auch ſelbſt die Wuͤrckung der⸗ ſelben aus dem Wege geraͤumet werden kon⸗ ſe te: So rieth ich dem Medico dergleichen zu gebrauchen/ Er antwortete aber nach dem ge⸗ meinen Vorurtheil ſehr hurtig; wie er ſich d befuͤrchtete/ daß dieſe Saltz⸗UMittel das d Brechen noch aͤrger machen moͤchten. Ich g verſetzte aber mit Laͤcheln/ daß er dieſem Zu⸗ fall auf dieſe Art am gluͤcklichſten wuͤrde be⸗ d gegnen koͤnnen; gab darauf dem Patienten das n. Medicament, und hatte den Erfolg oder die Er⸗n fahruna abermahl wegen des davon gehofften h guten Effeds zum Zeugen. Denn gleich nach d dem Gebrauch des erſten Pulvers nahm das Brechen dergeſtalt ab/ daß es ſich nach einer ſ geraumen Zeit kaum nur in etwas wieder mel⸗ b dete: Wie ich ihm aber das andere Pulver gegeben; kam es gar nicht wieder. Und die⸗ n ſes iſt der wahrhaffte Effect dieſes Medica, p ments, welcher ſich beſtaͤndig zu Tage leget/ und aus faſt unzaͤhlichen Exempeln bekannt 4 worden. Was es im Schluchtzen vor in d uͤr⸗ 259(O) 8⸗ 179 Wuͤrckung leiſte/ davon koͤnnen die Acta Natu- ræ Curioſorum Dec. II. Anno IV.& VI. mit mehrern nachgeleſen werden. Das vierdte Capitel. Von der Beyhuͤlffe/ oder wann man alſo ſagen ſoll/ von der Verbeſſerung des Salpeters/ zum Meaiciniſchen Ge⸗ brauch. Leichwie das jenige was uͤberfluͤßig iſt/ nach dem gemeinen Syrichwort nichts ſchadet/ alſo iſt es auch noch niemahls Femanden nachtheilig geweſen/ wann er auch daſelbſt/ wo nichts ſonderliches zu befuͤrchten i geweſen/ behutſam verfahren. Ich kan auf Treu und Glauben verſichern, daß ich bey dem Gebrauch des Salpeters niemahlen etwas beſchwehrliches oder Er, nachtheiliges wahrgenommen/ welches faͤ⸗ hig geweſen ſeyn ſolte/ mir wegen ſeiner nicht dienſamen Wuͤrckung den geringſten Verdacht zu machen. Indeſſen habe ich dennoch gleich⸗ e ſam zum Uberfluß alle Behutſamkeit zu ge⸗ sme brauchen/ mir niemahls entgegen ſeyn laſſen. Die verdaͤchtige Schaͤdlichkeit/ um derent⸗ willen es hauptſaͤchlich noͤthig ſchien/ dem Sal⸗ peter etwas Corrigirendes beyzufuͤgen/ war die ſchleimhaffte Gerinnendmachung/(muei⸗ da coagulario) und damit dieſelbe nicht etwan die Oberhand bekommen/ ſondern bloß zum 1.. M a Stan⸗ 180 29(O) 868- Stande einer mittelmaͤßigen Verdickung ge⸗ ol deyhen moͤchte: So habe vor rathſam erach⸗ liſ tet/ dem Nitro ein ſolches Mittel/ welches den wi Schleim gelinde aufloͤſer und gleichſam ſchmeltzet/ oder ein alſo genanntes einſchneis ſey dendes und gelinde dauendes Medicament me zuzuſetzen. Damit ſolches/ die etwan beſorg⸗ ge liche uͤbermaͤßige Verdickung hindern/ die Ab⸗ ha ledigung durch den Urin aber/ als wozu der kr Salpeter ohnedem nuͤtzlich/ befoͤrdern: Im⸗ ge mittelſt aber ſeiner Wuͤrckſamkeit zu kuͤhlen/ de welche den dichten Theilen nach Art einer ge⸗ e wiſſen Empfindung beygebracht wird/ nichts 3⸗ benehmen moͤchte. Ich habe alſo in ſolcher Abſicht dergleichen b Mittel⸗Saltzen/ welche aus dem fixen Lau⸗ 5 gen⸗Salt des Weinſteins bereitet worden/ und die zwar der Bereitung und dem Nah⸗ men nach von einander unterſchieden/ ſonſt aber in der That einander gaͤntzlich gleich ſind /. zu Huͤlffe genommen/ nemlich den Tartarum( Vitriolatum, das Arcanum Duplicatum, den mit Schwefel girten Salpeter, und das eben alſo beſchaffene Feuer⸗ beſtaͤndige Nitrum Antimoniatum, ja ſelbſt dasjenige Saltz/ wel⸗ ches aus dem Hepate Sulphuris vermittelſt ge⸗ hoͤriger Calcination zu einer gleichen Be⸗ ſchaffenheit gebracht worden/ und endlich auch das jenige Saltz/ welches aus der in allen Laͤden feilen Pott⸗Aſche/ wann nan olche 8s(0) 88- 181 ſolche gebuͤhrend aufioͤſet/(*) und anſchieſſen läͤſſet/ in nicht geringer Quantitæt geſammlet wird. Gleichwie ich nun dergleichen Saltzen/ ſie ſeyn bereitet auf was vor eine/ von den ge⸗ melten Arten/ ſie auch immer wollen/ ſo fleißig g gebrauche/ daß ich gemeiniglich alle Jahre ein halbes/ ja wohl ein gantzes Pfund in meiner Praxi noͤthig habe: Alſo pflege ich ſelbige ins⸗ gemein mit dem Salpeter zu verſetzen/ inſon⸗ derheit wann ich es vor noͤthig erachte/ mit etwas ſtaͤrckern Dolibus vom Nitro meinen Zweck zu befoͤrdern. 3 Sonſten deucht mir allerdings/ daß ich die⸗ ſe Sache einiger maſſen nuͤtzlich befunden/ theils in den Lenden⸗Schmertzen uͤberhaupt/ welche nicht allein von dem Poͤbel/ ſondern auch von den gemeinen Medicis alſobald vor Stein⸗Schmertzen ausgegeben werden: Mis Theils (*) Man nimt Pott⸗Aſche/ loͤſet ſolche in kaltem Waſſer auf/ ültriret die Solution, und kochet ſie ge⸗ linde ein/ ſo giebet ſie ein reines alcaliſches Saltz. Das ruͤckſtaͤndige wird mit ſiedend⸗heiſſen Waſſer jausgelauget und gelinde eingekochet; ſo ſchieſſet darinnen ein Tartarus Vitriolatus an/ wenn man es einige Tage im Keller hinſetzet. Laͤſſet man die rei⸗ ne Pottaſch⸗Lauge 6. 8. und mehr Wochen an der freyen Lufft ſtehen/ ſo inſnuiret ſich das Acidum Univerſale aus der Lufft gleichfalls darinnen/ und ſetzet dergleichen Mittel⸗Saltz in Criſtallen nieder. Welches ein jeder mit einer beliebigen Quantiret ei⸗ ner/ ſolchergeſtalt aufgeloͤſeten Pott⸗Aſche leichtlich verſuchen kan. 1 1 8 4—. —— — — — — —— 4.. 13².5e(0) 8828- Theils aber ins beſondere in den wahren/ und wuͤrcklich bekandten SteinSchmer⸗ gen ſelbſt: Als worinnen/ inſonderheit aber in den letztern die Cruditæten des Magens und der erſten Dauung ſehr offt/ wenigſtens zur Vergroͤſſerung der Schmertzen/ Gele⸗ genheit geben. 3e es aͤuſſert dieſes Saltz ſelbſt in den Gicht und Niiltʒ⸗Beſchwehrungen/ inſon⸗ derheit wann es zu rechter Zeit gebraucht wird/ hauptſaͤchlich in der gelinden Fortſchaf⸗ fung des linr ſeine gar ruͤhmliche Wuͤr⸗ ckung/ welchen Nutzen in dieſerley Gattungen der Kranckheiten Ludovicus Septalius in ſeinen Animadverſionibus& Caſtigationibus Medicis nicht unfuͤglich mit einer beſondern Anmer⸗ ckung beehret. Um endlich noch ein eintziges hinzuzu fuͤgen/ ſo hat es die Erfahrung an einem und andern Patienten/ die aus denen Bewegungen der Gicht in ein hitziges Teber⸗Fieber verfal⸗ len/ zur Genuͤge erwieſen/ daß der Salpeter nur zu drey oder vier Gran, mit in ſich ſchlu⸗ ckenden Dingen verſetzet/ gleichſam einen ge⸗ linden Durchfall verurſachet. Da man aber die Sache genauer angeſehen/ hat man befun⸗ den/ daß eine ſothane Erweichung des Lei⸗ bes dergleichen Kranckheiten nicht alleine in etwas gelindert: Sondern daß dieſes Medi- cament, welches inſonderheit merckwuͤrdig/ wann es zur andern Zeit eingenommen wor⸗ den/ —-—-= 2 —— 59(0) 38- 183 den/ in denen folgenden Tagen nicht weiter ei⸗ nen ſothanen Durchfall gewuͤrcket/ ob es gleich zu mehrern mahlen gebrauchet worden. Wor⸗ aus denn zu ſchlieſſen/ daß dieſes nicht eigent⸗ lich ene Wuͤrckung des Salpeters/ ſondern der MNarur geweſen/ und zwar eine ſolche Wuͤr⸗ ckung/ die die Natur in heilſamer Abſicht un⸗ ternommen/ damit ſie einige/ bey dem gegen⸗ waͤrtigen Patienten offenbahrlich vereinigte Un⸗ verdaulichkeiten fortſchaffen moͤchte/ wann aber ſolche fortgeſchafft worden; ſo hat der Salpeter/ ob man gleich mit dem Gebrauch deſſelben fortgefahren/ nichts dergleichen mehr von ſich ſpuͤhren laſſen. Daß aber der Erfolg dieſes Effects gantz und gar nur etwas Zufaͤlliges ſey/ ſolches beweiſet die mehr als vielfaͤltige Erfahrung/ weil ich weit mehr als zehen kauſend Doſes von dieſem Medicament eingegeben/ ohne jemahlen derglei⸗ chen Wuͤrckung davon geſehen zu haben. Dieſes iſt es alſo/ was wir von dem Medi- einiſchen Nutzen des Salpeters ins Mittel zu bringen/ der Muͤhe wehrt erachtet. Man haͤt⸗ te zwar noch eines und das andere/ inſonder⸗ heit aber ſehr viele Exempel weitlaͤufftiger an⸗ fuͤhren koͤnnen: Es iſt aber dieſes ſchon zu⸗ reichlich genug/ den Fleiß anderer Leute dahin aufzumuntern/ daß ſie die Nutzbarkeit des Salpeters in der fuͤrſichtigen Mediciniſchen Fraxi ruͤhmen/ und ſolche mit ihrer Erfahrung beſtaͤrcken lernen. 1 M 4 Mit V 184-29(00 Ss⸗ Mit der Schmertzen, ſtillenden Krafft zu deſſelben haben wir deßfalls kein ſonderliches d Gepraͤnge machen wollen, weil es bekannt /n daß ſelbige inſonderheit aus der Ermaͤßigung in der Schmertz; erweckenden Urſache herruͤhret/ ſi gleichwie ich denn in der That dieſe richtige/ und ſich jederzeit zeigende Beſanfftigung der Schmertzen befonders zu ruͤhmen nicht un⸗ terlaſſe. Da hergegen die jenige/ die durch ſchlaͤffrig⸗ und Tumm⸗ machende Mittel bewuͤrcket wird/ allerdings das Gegentheil zu Tage leget/ weil dieſelbe ohne Unterbrechung der Kranckheit die Sinne nur benebelt/ und alſo/ da die Urſache zuruͤck bleiber/ nichts anders/ als bloß einen betruͤglichen Traum der Sicherheit zu erkennen giebet. Indeſſen wird es nicht undienlich ſeyn/ von dem innerlichen Nutzen des Salpeters in ſolchen Kranckheiten/ die ſich mit Geſchwuͤren aͤuſſern/ und nechſt dieſem in der Schwind⸗ und Lungenſucht/ nur dieſes annoch zu er⸗ innern/ daß der forrgeſetzte Gebrauch deſſel ben in dergleichen Faͤllen allen Anſehen nach wohl wenig Huͤlffe ſchaffen/ wohl aber beh nahe in den Verdacht gerathen duͤrffte/ da er in dieſen Zufaͤllen uͤbel/ aͤrger mache/ den⸗ noch aber erweiſet ſich die etwas ſparſamer/ und zur rechten Zeit zu Huͤlffe genommene Anwendung deſſelben in Hitze und ſcharffen Entzuͤndungen jederzeit recht unvergleichlich/ wann anderſt der Salperer maͤßig und ſelten . zu —————————.,,————2—— 8—— .299(0) SEr⸗ 185 zu Huͤlffe genommen, und durch die dazu ge⸗ hoͤrige temperirende Mittel unterſtuͤtzet wird/ welches wir dann der Klugheit und Aufrich⸗ tigkeit eines jeden rechtſchaffenen Medici be⸗ ſtens recommendiret haben wollen. Mnhang Zum andern Theile. Er ferner begierig iſt zu wiſſen/ wie die Alten den Salpeter zur Medicin ge⸗ nutzet; wie ihn die Orientaliſchen Voͤlcker noch heut zu Tage dazu gebrauchen; Und was er ſonſt noch vor Kraͤffte in der Artz⸗ ney⸗Kunſt habe; der kan Schellhammers Com- mentarium de Nitro p. 176. ſeq. nach Belieben nachſehen. Wir erinnern uns hiebey noch ei⸗ nes ſehr beruffenen/ unter dem Nahmen Ma⸗ gneſiæ albæ bekannten/ und von vielen faſt zum Miracul gemachten Medicaments/ und duͤrffte es manchen wundern/ warum der Herr Autor deſſelbigen in gegenwaͤrtigem Tractat mit kei⸗ nem Worte erwehnet. Allein wie dieſer ſcharffſichtige/ und uͤberaus erfahrne Mann ei⸗ ner jeden Sache ihren rechten Wehrt aller⸗ dings zu geben gewuſt; Alſo hat er ſich nie⸗ mahlen entſchlieſſen koͤnnen/ ſolche Dinge/ die es nicht meritiren/ mit ruhmraͤthigen Lobſpruͤ⸗ M chen — 1 — 186 83(0O) 88⸗ chen zu belegen/ und uͤber die Gebuͤhr heraus zu ſtreichen/ welches dann auſſer allem Zweiffel die wahre Urſache iſt/ warum er allhier die Magneſiam albam mit Stillſchweigen uͤber⸗ gangen. Unterdeſſen hat er doch aus ungefaͤrbter Liebe zur Wahrheit ſich nicht entbrochen an⸗ derwerts/ ſowohl/ was dieſes/ ſo ſehr geruͤhm⸗ te Medicament eigentlich ſey/ als was von deſ⸗ ſelben ſo hoch geprieſenen Kraͤfften zu halten⸗ aufrichtig zu erkennen zu geben. Nemlich daß es nichts anders ſey/ als ein/ aus der nicht mehr anſchieſſenden/ ſogenannten Mutter⸗Lau⸗ ge des Salpeters /vermittelſt eines Alcali nie⸗ dergeſchlagener/ und vorhin darinn verbiſſener Kalck/ welcher ſich weiß præcipitiret/ worauf ſich das Klare criltalliſiret/ und wo nicht Salpe- Iſhe⸗ doch Roch⸗ ſaltzigte Criſtallen⸗Art ab⸗ giebet. Ich bin zuwar nicht geſonnen(faͤhret er da⸗ ſelbſt fort) von Mediciniſchen Vorgeben in die⸗ ſen Chymiſchen Bemerckungen viel einzumi⸗ ſchen; will aber doch nur aufs kuͤrtzeſte beruͤh⸗ ren/ was man oͤffters vor Weſen zu machen pflege/ ohne den einfaͤltigen Grund anzuſehen. Was vor Redens und theurer Preiß von der ſogenannten Magnelia alba einige Jahre her gemacht worden/ iſt biß zum Verdruß be⸗ kannt; was iſt ſie aber doch anders/ als eben der/ in der Mutter⸗Lauge noch ſolvirt geſteckte Kalch. Daher man ja bey ihrer gelinden Aus⸗ gluͤhung/ öäͤAͤenee —-—— a2„ — „88(O) 888- 187 gluͤhung/ nur den Geruch zum Richter nehmen darff/ den/ in dem braunen hinweg gehenden Rauch/ offenbahren Spiritum Nitri und Salis zu erkennen. Oder man Geſtillire es mit ge⸗ buͤhrlicher Verwahrung wider das Uberlauf⸗ fen heruͤber/ und examinire den Spiritum durch Anſchieſſen mit Alcali. Oder ſchlage die Lau⸗ ge ſelbſt beſagter maſſen mit Alcali nieder. Was vor Tieffſinnigkeit aber bedarff es wohl zu errathen/ was nun dieſes Weſen in der Mutter⸗Lauge geweſen? So viel iſt leicht zu erkennen/ daß ſich auch dieſer/ ſonderlich der nitroſiſche Spiritus, durch gelindes Gluͤhen/ ja noch wohl durch Gewalt nicht ſo vollkommen aus dem Kalch abtreiben laſſe: Wie der Bal⸗- duiniſche Phosphorus genugſam bezeuget. Nur verſtehe ich/ daß man deſſen allen wegen kein ſolch Wunder aus dem Handel zu machen ha⸗ be; ſondern mit kurtzer Hand/ ſo weit man will/ darinnen reichen koͤnnte/ wann man Kalch in Spiritu Nitri oder Salis ſolviret/ oder in bey⸗ den zugleich/ und wieder ſo viel man kan/ da⸗ von heruͤber treibet. Billig kan man ſagen/ das waͤre zu koſtbar; aber eben deswegen/ weil das andere an ſich unkoſtbar/ iſt auch albern/ es in ſo hohen Preiß zu ſetzen/ und noch gar Heimlichkeiten darinnen zu ſuchen. vid. Stahls Tr. von Saltzen p. 132. ſeq. Was Glauber aus ſeinem Alcaheſt, welcher nichts anders als ein deliqueſcirtes Nitrum fi- um iſt/ vor Weſens gemacht/ und was er — dem⸗ 138 899(O) ⸗ demſelben vor Wuͤrckungen in der Mediein zu⸗ geſchrieben/ kan aus ſeinen Schrifften zur Ge⸗ nuͤge erſehen/ und von einem jeden nach Gut⸗ befinden auf die Probe geſetzet werden. Wan⸗ nenhero wir uns nicht weiter bey dergleichen Dingen aufhalten/ ſondern nur von dem Oe- conomiſchen/ Civilen/ Chymiſchen und publi⸗ quen Nutzen des Salpeters annoch mit weni⸗ gen handeln wollen. Der Salpeter machet die Erde fruchtbahr. Solches wird von einigen bejahet/ von andern geleugnet. Beyde haben in gewiſſer Maße recht. Denn der Salpeter als Saipeter thut es nicht/ es ſey denn daß er vorhero auf ge⸗ wiſſe Art præpariret/ und ſodann mit der Erde vermenget worden. Wann er aber ſo zu ſa⸗ gen annoch in ſeiner Geburt/ oder in fieri be⸗ griffen iſt; ſo hat er allerdings ſeinen guten Nutzen. Doch iſt dieſes keine Sache vor die Bauern/ ſondern kan nur bey Orangerien und raren auslaͤndiſchen Gewaͤchſen mit Luſt und Nutzen employret werden. Glauber verſichert demnach mit gutem Grunde die auf dieſe Art zu erhaltende Frucht⸗ barmachung des Erdreichs/ und unſer Herr Autor bezeuget gleichfalls aus guter Erfah⸗ rung/ daß Saltz mit lebendigem Kalch ver⸗ miſcht/ den Kalch darauf geloͤſcht/ und mit Flammen⸗Feuer ſcharff ausgegluͤhet: Sodann mit Miſt⸗Lacke wohl durchgemiſcht/ mit ande⸗ rer Erde vermiſcht/ und Gewaͤchſe darein ge⸗ pflantzt/ -==,—=.,— ——— -83(0) 8ss⸗ 189 pflantzt/ den Wachsthum derſelben ſehr befoͤr⸗ dere. vid. Stahls Bedencken von Sulphure p. 104. Was iſt aber dieſes Saltz allhier anders/ als ein in der Geburt begriffener/ oder in fieri ſtehender Salpeter? Aus eben dieſem Fundament lehret der ſehr erfahrne Heinrich Heſs in ſeinem teutſchem Gaͤrtner im Anhang Cap. 5. p. 779. die fol⸗ gende Erde zubereiten. Nimm ein Theil Saltz/ ſo viel du wilt/ zwey Theil ungeloͤſchten Kalch/ thue ſolche Stuͤcke zuſammen in einen Kuͤbel/ und ſtelle ihn an einem Ort/ wo die Lufft nicht zu ſtarck iſt/ als in ein altes Zimmer/ gieſſe Waſſer aus einem Teiche oder Graben(beſſer halbgefaulten Urin) dazu/ und ruͤhre ſolches mit dem Kalch und Saltz ſo lange/ biß es das Anſehen eines geloͤſchten Kalchs oder Breyes gewinnet: Hernach nimm zwey(oder mehr) Ziegelſteine/ bediene dich derſelben an ſtatt zweyer Brand⸗Ruhten/ lege darauf einige Hoͤltzer zwerch uͤber/ auf dieſe Hoͤltzer lege und vertheile vorbeſagte Materie mit einer Schauf⸗ fel/ jedoch daß dieſe Materie nicht durch das Holtz falle. Darunter lege Stroh oder klei⸗ nes Gehoͤltz/ und laſſe alſo ſelbige wohl aus⸗ gluͤhen/ und dazu die von Holtz gebrannte Koh⸗ jen zur Aſche brennen. Darauf benetze die aufgelegte Marerie ſowohl als die Aſche mit Pferde⸗oder Rinder⸗Vrin durch und durch, mache aus dieſer Materie kleine Kuͤchlein/ lege ſelbige an einem Ort/ allwo ſie ohne Soni⸗ un 190(0) 88 und Lufft wohl trocknen/ benetze ſie zum an⸗ dern/ auch zum dritten mahle/ jedoch daß ſie nach der Benetzung jedes mahl getrocknet wer⸗ den. Nach dieſem ſchlage ſie klein/ und ver⸗ menge ſie unter gute reine/ vermengte Holtz⸗ Weiden⸗und Maulwurffs⸗Erde/ mit der Pro portion, daß zwey Hand voll in einem Citro⸗ nen⸗und Pomeranmen⸗Kuͤbel oder Geſchirr um die Wurtzel geleget werden. Um einen Nel⸗ cken⸗Stock lege von dieſer Erde nur eine hal⸗ be Hand voll; Andern Blumen und Gewaͤch⸗ ſen/ ſo in Toͤpffen ſtehen/ kanſt du jedem nach ihrer Staͤrcke viel und wenig beylegen. Wer ſich nun dieſer beſchriebenen Erde bedienet/ der wird mit Verwunderung erfahren wie die Baͤume und Blumen freudig wachſen und ſich vermehren werden. Dieſes iſt auch von allen Indianiſchen/ und andern Baͤumen und Ge⸗ waͤchſen zu verſtehen. Denn wenn ſolche mit dieſer Erde geduͤnget werden/ wachſen ſie freu⸗ dig/ und bleiben geſund. Sonderlich kan man mit dieſer Erde denen Nelcken und andern Blumen ſchoͤne Farben geben/ ſo zu verwun⸗ dern iſt; Wie ich dann in Holland geſehen/ daß man die allerſchoͤnſten Nelcken/ und an⸗ dere rare Blumen dadurch zuwege gebracht hat: Dann der Saame von den Nelcken wird vier und zwantzig Stunden im Waſſer/ worinnen ſolche Erde gelegt iſt/ geweicht/ her⸗ nach geſaͤet; Die Nelcken⸗Pflantzen werden auch zwey biß drey Stunden darinnen geſeßt ehe —,———=——— H. ——— -299(0) S62- 191 ehe ſie gepflantzet werden. Man muß aber nach jeder Art und Natur der Gewaͤchſe/ Erde beylegen. Was ſtarcke Wurtzeln hat/ zwey/ drey Hand voll/ was ſchwache Wurtzeln, eine Hand voll: Zarte Wurtzeln aber/ als Nelcken und dergleichen eine halbe Hand voll; ſonſt wo es zu viel/ moͤchte an ſtatt des Verbeſſerns das Verderben folgen/ ꝛc. ꝛc. Der Salpeter dienet hiernechſt allerhand Flecken aus den Kleidern zu bringen/ ſonder⸗ lich wann ein reines Nitrum fixum zur Seiffe genommen wird. In Nieder⸗Sachſen thun kluge und eurioſe Hauß⸗Muͤtter nur ein wenig Salpeter zu ei⸗ ner Tonne oder Wanne eingeſaltzen Fleiſch; ſo bekommet ſolches/ es mag zur Pockel aufbe⸗ halten/ oder geraͤuchert werden, eine ſo ange⸗ behme rothe Farbe/ daß es eine Luſt anzu⸗ ehen. Wenn man Wany duͤnne zerſchneidet/ oder durch eine Waltze ziehen laͤſſet/ und ſolches alsdann auf einer groben Leinwand ausbrei⸗ tet/ mit einem Netz uͤberziehet/ und ſodann auf Kruͤcken an einen ſolchen Ort ſtellet/ da es die Sonne allezeit treffen kan: Beſprenget es alsdann taͤglich mit nachgeſetztem Salpeter⸗ Waſſer: So faͤnget es znaebliclich an zu bleichen/ und iſt in 2. oder hoͤchſtens 3. Tagen Schnee⸗weiß. Man muß es aber fleißig wen⸗ den/ und wann es weiß genug/ einige mahl mit kalten/ wie auch einige mahl mit etwas war⸗ men V 192 83(O) 8 men Waſſer abſpuͤhlen. Einige recommendi- ren hiezu das Nicrum fixum, ſolches aber die⸗ net zu dieſem Zwecke durchaus nicht. Das Salpeter⸗Waſſer beſtehet hierinnen. Nimm 30. oder 40. Magß Waſſer/ laß es auf dem Feuer ſtehen/ biß es anfaͤnget kleine Blaͤß⸗ gen aufzuſtoſſen/ und jetzt beginnen will zu ſie den. Nimm es alsdann vom Feuer/ thue ein halb Pfu.. reinen Salpeter hinein/ und ſo bald ſolches zergangen/ ſo gieſſe es aus dem Keſſel in irrdene Toͤpffe/ und behalte es zum Gebrauch. Wenn man unter dem Beſpren⸗ gen Gefaͤße unterſetzet; ſo kan man das jenige was durchtrieffet auffangen/ und wieder ge⸗ brauchen. Ich habe ehedeſſen aus Curioſitæt an einer gewiſſen/ noch nicht in der Welt ſeyenden Sa⸗ che gekuͤnſtelt/ und ſolche zum Stande zu brin⸗ gen vermeinet. Aus gewiſſen Phænomenis fieng ich an zu muthmaſſen/ daß ich reückiren wuͤrde/ wann ich ein recht feines/ reines/ weiſ ſes/ durchſichtiges Hartz wuͤrde zuwege brin⸗ gen koͤnnen. Weil ich nun dergleichen bey keinen Materialiſten oder Apothecker erlangen kunte; ſo muſte mich reſolviren ſelbſt Hand an⸗ zulegen/ und zuzuſehen/ wie weit ichs darinnen wuͤrde bringen koͤnnen. Ich kauffte alſo zwey Pfund von dem ſchlechten Venetianiſchen Ter- penthin, wovon man in Hamburg das Pfund zu 6. Kreutzern verkauffet. Solchen häaͤtte gerne weiß gehabt/ und weil U'Emery uNan⸗ ere -93(0) Sr⸗ 193 dere Chymiſten zu dieſem Ende rathen/ daß man den Terpenthin in Waſſer kochen ſoll; ſo verſuchte es mit einem halben Pfunde/ und kochte rechtſchaffen darauf loß. Es ward aber nichts daraus. Mein Terpenthin ward wohl etwas zaͤher aber nicht weiſſer. Ich verſuch⸗ te es mit deſtillirten Waſſer/ fuhr aber nicht beſſer dabey. Ich machte Laugen/ kam aber eben ſo wenig zum Zweck/ und vereochte alſo meine 2. Pfund Terpenthin ohne Nutzen. Und damit hatte das Kochen ein Ende. Haͤtte ſich das Ding braten laſſen/ ſo haͤtte ich es damit gleichfalls verſuchet. So aber ſahe kein ander »Mittel als das Waſchen Dieſes that mit diſtillirten Waſſer ein wenig gut/ und machte mir alſo ſchon beſſere Hoffnung. Weil es aber dennoch nicht recht damit fort wolte; ſo loͤſch⸗ te eine Parthey lebendigen Kalch mit genugſa⸗ men Waſſer/ ließ das Waſſer gantz klar wer⸗ den/ fltrirte es uͤberdem/ und fieng darauf an „meinen Terpenthin zu waſchen/ und mit einem reinen hoͤltzernen Loͤffel fleißig durchzuarbeiten. Dieſes zeigete augenblicklich einen beſſern Ef- fect und der Terpenthin ward zuſehends weiß. Zugleich klaubte alle ſchwartze Staͤubchen und Unreinigkeiten heraus/ und weil das Waſſer gelbe ward/ goß es ab/ und wieder friſches dar⸗ „auf/ arbeitete es von neuen durch/ und conti⸗ muirte damit ſo lange/ biß es ſich eben ſo klar wieder abgieſſen ließ/ als es darauf gegoſſen worden. Und in einer Zeit von drey à vier N Stun⸗ — 4 3 ——— b b 1 194 9(O) ²r Stunden war mein Terpenthin ſo weiß/ wie — der Schnee. Von dieſem that 6. Pfund in einen glaͤſer⸗ nen Herrn⸗Kolben/ und ſetzte ſo viel Kalch⸗ Waſſer dazu⸗ als ſonſt in einen ſolchen Kolben gehoͤret. Lutirte aber den Helm nicht/ ſondern ſetzte ihn nur ſo loß darauf/ und legte eine groſ⸗ ſe Vorlage an. Gab hierauf allmaͤhlig Feuer aus der Sand⸗Capelle/ da der Terpenthin, der zuerſt oben ſchwamm, allmaͤhlig zergieng/ und nach 2. Stunden lieſſen ſich ſchon die Nebel ſe⸗ hen/ und mit ſelbigen gieng das Oleum Therebin- thine ſehr klar und ſchoͤn uͤber. Ich hielte ei⸗ nen ſolchen Grad des Feuers/ daß die Materie im Kolben allezeit gelinde kochte. Wie eine zimliche Quantitæt Waſſers mit dem Oele uͤber⸗ gangen/ ſo ließ das Feuer ein wenig abgehen/ nahm darauf die Vorlage nebſt dem Helm be⸗ hutſam ab/ und goß wieder ſo viel heiſſes Kalch⸗ Waſſer in dem Kolben/ als daraus uͤber di- ſtiliret worden. Gab darauf wieder den ge⸗ hoͤrigen Feuers⸗Grad, repetirte dieſes Aufgieſ⸗ ſen noch einmahl/ und wie nichts mehr gehen wolte; ſo ließ das Feuer allmaͤhlich ausgehen. Wie es ſich etwas uͤber die Helffte abgekuͤh⸗ jet/ nahm das im Kolben zuruͤck gebliebene Hartz/ welches ſchoͤn gelbe/ und ziemlich durch⸗ ſichtig war/ mit einem langen hoͤltzernen Loͤffel heraus/ und warff es in kaltes Waſſer. Darauf zerſchlug es in kleine Stuͤcken/ und legte es eben ſo als vorhin von dem Wax ge⸗ meldet ei ne legen/ und mit dem Salpeter⸗Waſſer be⸗ nß lis auf/ werffen das Zinn nach und nach bey ih, tauget es zum Scharlach⸗faͤrben nicht mehr. ge dem Publico zum Beſten mit anhero ſetzen. 809(O) 86 199 meldet worden/ an die Sonne/ und ließ es des Tages 8. biß 12. mahl mit dem obigem Sal⸗ peter⸗Waſſer beſprengen/ und dabey fleißig umkehren. Wie dieſes 14. Tage geſchehen/ war es ſchon ziemlich weiß. Ich ließ es dar⸗ auf erſtlich mit kalten/ und hernach mit war⸗ men Waſſer ſauber abſpuͤhlen/ und in einen neuen erdenen Topff mit dieſem Salpeter⸗ Waſſer etwan eine Stunde lang gelinde ko⸗ chen/ hierauf das Hartz alſo warm ausnehmen/ und in kalt Salpeter⸗Waſſer werffen/ aber⸗ in. mahl zerſchlagen/ noch 3. Wochen an die Son⸗ —— ſprengen. Woruͤber das Hartz ſo weiß; und wenn es auf gelinder Glut zerfloſſen/ ſo durch⸗ ſichtig wurde/ als ich es verlangte. Ein reines Nitrum fxum ſoll in der Schoͤn⸗ faͤrberey beſſer ſeyn/ als die Pott⸗Aſche. Die Scharlachfaͤrber nehmen reines geraſpeltes u. Engüſſches Stock⸗Zinn/ loͤſen ſolches in 2. Theil reinen Spiritu Nitri und einen Theil Spiritu Sa- b 4 1 —— wenigen hinein/ denn wenn es ſich erhitzet/ ſo daß ein gelber ſubtiler Rauch davon gehet/ ſo Wenn es ſolviret ſo gieſſen ſie die Solution be⸗ hende ab/ und brauchen ſie zur Faͤrbung der ſchoͤnſten Scharlach⸗Tuͤcher. Weil nun bey dieſer Operation an dem rech⸗ d ten Handgriff ſehr viel gelegen/ ſo will ich ihn N 2 Man 196 88(0) 88 Man nimmet einen halben/ unabgenommenen Herren⸗Kolben/ verſiopffet denſelben oben mit 4 emem Korck⸗Stöpſel/ und thut ſo viel Spicitum de Nitri und Salis hinein/ als man zur Solution noͤthig hat. Setzet ſodann den Kolben in ein fi leeres Balneum, bindet ihn auf den Bley⸗Krantz 4 veſte/ und ſchuͤttet alsdenn ſo viel kalt Waſſer u ins Balneum, daß man man ſehen kan, was in nen Kolben bey der Solution paſßret. Alsdann ſ wird das Zinn nach und nach bey wenigen in den Kolben eingetragen/ und der Kolben alle⸗ ſe mahl mit dem Korck wieder verſtopffet: So 4 hat man ſich keines Erhitzens oder Mißlin⸗ gens zu befahren. ſe Wann dieſe klare/ abgegoſſene Solution eine 1 Nacht geſtanden, und des andern Morgens n wieder ein wenig Zinn darein geworffen wird/ ſo wird ſie Colomdbin-Farbe/ und recht ſchoͤn/ wenn man nett damit umgehet. Und mit die⸗ ſer Solution wird das Gold ſo ſchoͤn von Far⸗ n be præcipitiret/ daß es ſchoͤner nicht ſeyn kan/ 6 dadurch das Criſtall-Glaß die ſchoͤnſte Rubin⸗ Farbe erlanget/ wann zuvor das Gold in 3. 1 heil Aquafort und 1. Theil Spiritu Salis auf⸗ geloͤſet worden. Vid. Kunckets Lab. Chym. F. 1 3. p. 383. Der Gebrauch des Salpeters zum Glaß⸗ machen iſt gantz abgekommen/ weil man die d Soda beſſer haben/ auch die Pott⸗Aſche ſo rein machen kan/ als man nur immer wuͤnſchet. Doch koͤnnen die jenigen/ welche in den Amau. 859(0) 88 197 ſen kuͤnſteln/ ſich deſſen dabey mit guten Nu⸗ tzen bedienen. Denen Liebhabern kan folgendes zur Anlei⸗ tung dienen. Man nimmt ſchoͤne weiſſe/ mit keinem metaliſchen Anfluge beſchmitzte/ oder auch recht ſchwartze und reine Kieſel⸗Steine/ gluͤhet ſie 1. oder 2. Stunden in einem recht ſtarcken Feuer/(auf den Glaß⸗Huͤtten kan ſol⸗ ches bequem im Streck⸗Ofen geſchehen) loͤſchet ſie darauf in reinem Waſſer ab. Gluͤhet ſie von neuen, und loͤſchet ſie wieder/ und thut ſol⸗ ches wenigſtens dreymahl. Alsdann werden ſie pulveriliret/ durchgeſiebet und geſchlemmet/ und das allerzarteſte wird zum Gebrauch auf⸗ behalten. Befahret man ſich etwas Metalli- liſches darinnen/ ſo kan man Scheide⸗Waſſer darauf gieſſen/ und die Marerie oͤffters umruͤh⸗ ren/ und endlich gehoͤrig wieder abſuͤſſen/ und in einem flachen Gefaͤß gelinde ausgluͤhen. Von dieſem Pulver ein Theil/ und von dem Saltz/ welches aus 2. Theilen Salpeter und 1. Theil Borax gemacht worden/ auch ein Theil/ wird ein Glaß geſchmoltzen/ welches man her⸗ nach als den Grund⸗Satz zu dergleichen Amau- ſen, oder gekuͤnſtelten Edelgeſteinen gebrauchen kan. Wer dieſe Muͤhe nicht haben will/ darff nur fein pulveriſirtes Boͤhmiſches oder Potz⸗ dammer Criſtall-Glaß nehmen.— Will man nun einen Saphir nachkuͤnſteln; ſo nimmt man von der vorangeregten Maſſa zwey Theil/ von dem Salpeter und Borax⸗ V N 3 Saltz 198 8(e)& Saltz ein Theil/ und von dem allerfeinſten Saͤchſiſchem Blau den vierdten oder fuͤnfften Theil/ thut ſolches wohl vermenget in einen reinen Tiegel/ lutiret ſelbigen mit einen Stuͤlp⸗ Tiegel/ und laͤßt ſelbigen trocknen/ ſetzet ihn alsdenn im Wind⸗Ofen/ ſchuͤttet ſolchen voll todter Kohlen/ zuͤndet dieſe von oben an/ und laͤſſet es 3. Stunden im Schmeltz⸗Feuer ſte⸗ hen/ und hernach von ſelbſt erkalten. Setzet man an ſtatt der blauen Farbe zu dieſem Gemenge 3. biß 4. Gran eines ſchoͤnen Eiſen⸗Crocus; ſo giebet es in gleichem Feuer einen uͤberaus ſchoͤnen Hyacinthi. Mit 5. 6. biß 8. Gran von dem Magiſterio Veneris, welches in Scheide⸗Waſſer aufgeloͤ⸗ ſet/ und mit gemeinen Saltz præcipitiret wor⸗ den/ giebet es einen Tuͤrckis. Die Engellaͤnder machen aus 3. Theilen Bley/ und x. Theil Engliſch Zinn ein Gemen⸗ ge/ welches ſie Putty heiſſen/ das Bley und Zinn wird mit einander uͤber eine Kohlen Glut geſchmoltzen/ und ſo lange mit einer eiſernen Kruͤcke geruͤhret/ biß es alles zu Aſche gewor⸗ den/ welches etwa in drey Stunden geſchiehet. Es iſt bey dieſer Operation mit Verwunderung anzuſehen/ wie dieſe zuſammengeſetzten Metal- len nicht anders als wie Kohlen verbrennen/ und ſodann in Aſche zerfallen. Wenn dieſe Aſche mit einem Criſtall-Satze/ und denen mehrgemeldten Saltzen vermenget und gehoͤ⸗ rig geſchmoltzen wird/ giebt ſie ein Perlewoder ilch⸗ 1 22—,æꝰ— Areeͤn 899(O) 8& 199 Milch⸗faͤrbiges Schmeltz⸗Glaß/ welches zu al⸗ lerhand curioſen Dingen zu gebrauchen. Die Rubin⸗rothe oder Purpur⸗fäͤrbige Amauſen hat Grummet auf vielerley Art ge⸗ macht/ und kan man ſeine Proceſſe, worinnen viel curieuſes iſt/ in dem Tractaͤtgen: Sol non line veſte mit mehrern nachſehen. Wer aber noch weiter in dergleichen Dingen zu kuͤnſteln Luſt hat/ der kan ein Theil Kupffer/ und ſo vie⸗ ie Theile Silber als ihm beliebig/ mit etwa 3. Theilen Reguli Antimoni(in Anſehung des Kupffers) zuſammen ſchmeltzen und reinen Salpeter in ſtarcken Schmeltz⸗Feuer nach und nach darauf tragen/ ſo werden dieſe zuſammen⸗ geſetzte Dinge in Geſtalt der Schlacken wie⸗ der geſchieden. Man ziehet dieſe Schlacken zu verſchiedenen mahlen ab. Die erſtern ſind weißlich/ hernach fallen ſie gelblicht/ die letztern aber ſind gantz roth. Dieſe muß man beſon⸗ ders behalten/ und wann ſelbige gereinigt/ und in einem Feuer ohne Rauch/ oben auf einen flieſſenden Criſtallen⸗Satz getragen werden/ ſo wird man ſich uͤber die Farben/ welche ſie dem Glaſe geben/ zu verwundern haben. Vid. Specim. Becher. p. 298.§. 17. Wer das Süber gantz pur und rein/ von allem/ was demſelben ſonſt natuͤrlicher Weiſe anhaͤngt/ haben und zurichten will/ der nehme feines/ und durchs Bley abgetriebenes Silber/ koͤrne ſolches klein/ und nachdem er es mit 2. Theil Salpeter und ein Theil Borax vermiſcht/ N 4 laſſe 200 898(0.) S8. laſſe er es in einem Tiegel/ der vor dem Ein⸗ fallen der Kohlen und andern Unreinigkeiten wohl verwahret ſey/ ſchmeltzen; ſo wird er das Silber um ein Gutes reiner/ und dabey eine blaulichte Schlacke bekommen: Welche blaue Farbe allein von dem Kupffer/ ſo noch bey dem Silber verborgen geweſen/ herruͤhret/ welche ihm auch das Bley nicht nehmen koͤn⸗ nen. Ja manches Bley/ ſonderlich das im Lande zu Meiſſen/ oder in denen Kupffer⸗Berg⸗ wercken gefunden wird/ hat ein dergleichen verborgenes Kupffer ſelbſt bey ſich/ und theilet ſolches im Abtreiben dem Silber mit. Dieſes Schmeltzen mit Salpeter und Borax kan zum drittenmahl wiederholet werden/ ſo wird man die Schlacken/ ob ſie gleich zum zweytenmahl noch etwas gruͤnlicht/ zum drittenmahl gantz klar und rein/ wie einen Criſtall ſehen. Doch muͤſſen die Tiegel allezeit vor aller einfallenden Unreinigkeit wohl verwahret werden. Das Silber aber iſt voͤllig und gantz rein/ alſo daß aus denſelben nimmermehr eine blaue/ gruͤne/ oder andere Couleur, als welche dem Silber nur zufaͤlliger Weiſe anhaͤnget/ zu bringen oder zu extrahiren iſt/ und ein ſolches Silber iſt nicht alleine feiner/ als es die Reichs⸗Probe erfordert ſondern iſt auch alsdenn erſtlich zu rechten ſubtilen Chymiſchen Operationen zu ge⸗ brauchen. vid. Kunckels Glaßmacher⸗Kunſt. pag. 86. 87.. In Probirung unbekannter Erxtzen hat der Sal⸗ ———==ͤSS ——- n———— ———-—— ,—,——4 ,— ,8(0O). 201 Salpeter gleichfalls ſeinen unvergleichlichen Nutzen. Man kan ein ſolches Ertz ſtoſſen/ mit Salpeter verſetzen, und in einen gluͤhen⸗ den Tiegel tragen. Wann es zu einer weißen zarten Mafla geworden/ kan man nur ein Koͤhlchen einwerffen/ und noch etwas flieſſen laſſen/ ſodann in einem Gieß⸗Buckel ſtuͤrtzen; ſo wird man an dem Koͤnig ſehen/ was es iſt. vid. Stahls Bedencken vom Sulphure. p. 124. Der Salpeter calciniret oder verbrennet verſchiedene Metallen und metalliſche Dinge/ als Kupffer/ Eiſen/ Stahl/ Zinn/ Bley/ Wiß⸗ muth/ Zinck/ Regulum Antimonii,&c.&c. und macht ſie geſchwinde zu Kalch. Jedoch noch geſchwinder/ wann dieſe Dinge mit dem Koͤnige aus dem Spießglaſe geſchmoltzen/ und alsdenn mit dem Salpeter ausgebrannt wer⸗ den. Ich will dem curioſen Leſer zu gefallen den Proceſs mit dem Kupffer herſetzen. Man nimmt duͤnne Kupffer⸗Bleche/ oder gefeilet Kupffer etwa ein Pfund/ und reinen Salpeter etwa funff viertel Pfund/ thut ſol⸗ ches mit einander in einen geraumen und ver⸗ deckten Tiegel/ ſetzet ſelbigen im Wind⸗Ofen/ fuͤllet ihn mit todten Kohlen an/ aͤſſet ſolche gelinde angehen/ giebet allmaͤhlich ſtaͤrcker Feuer/ und laͤſſet den Tiegel 4. biß. Stun⸗ den darinnen ſtehen/ und alsdann das Feuer von ſelbſt abgehen. Iſt die Operation gehoͤrig vollbracht/ ſo fin⸗ det man eine roͤthlichte Schlacke/ und darin⸗ N nen 202 93(0)&& nen laͤnglichte ſpießigte Strien/ welche wie ein Demant glaͤntzen. Dieſe wird zerſtoſſen/ und ein hochgeremigter Spiritus Vini dazu geſetzet/ und im Digerir-Ofen ſo lange gelinde digeriret/ biß der Spirirus Vini Rubin⸗roth geworden. Selbigen gieſſet man ab/ und andern wieder darauf/ digeriret denſelben abermahl/ und con- rinuivet damit ſo lange/ als ſich der Spiritus Vini faͤrbet. Der gefaͤrbte Spiritus Vini wird kltriret/ der Ruͤckſtand aber mit warmen Waſ⸗ ſer abgeſuͤſſet/ und endlich getrocknet. Was nun in den Spiritum Vini eingegangen, ſoll der Sulphuriſche Theil des Kupffers; der Uberreſt aber der terreſtiſche Theil deſſelben ſeyn. Und dieſe Tinctur iſt nach Chriltiani Democriti Vor⸗ geben/ der wahre Schwefel des Kupffers/ mit welchem er in der Medicin und Chymie ſo groſſe Wunder zu verrichten vermeinet. Was dieſelbe in der Medicin præſtiret habe/ moͤgen die jenigen entdecken/ die ſie gebrau⸗ chet. Es iſt kein unangenehmes oder gantz und gar unnuͤtzes Medicament, doch ſtecken keine Miracula darinnen. Wann man etwas davon in ein Glaß jungen Frantz⸗Wein ſchüͤt⸗ tet/ ſo macht ſie ihn an Couleur und Geſchmack einem alten/ und faſt dem Portugieſiſchen weiſſen Wein gleich. Brauchet man einen Spiritum Liliorum Convallium dazu/ und ſetzet ſie denn zu einem gantz jungen⸗ annoch ſuͤſſen Frantz⸗Wein: So giebet ſie gleichfalls eine curieuſe und angenehme Sorte von Geitundten u —SS=Sg= ,9(o) G*- 203 Zu Chymiſchen Arbeiten aber recommendirte gedachter Democritus dieſe Tinctur ſeinen ſpe- cialen Freunden folgender Geſtalt: Man ſolte nemlich dieſelbe auf einen feinen/ wohl abgeſuͤßten Silber⸗Kalch gieſſen/ wohl umſchuͤtteln/ und aus der Sand⸗Capelle ab⸗ ziehen biß zur Trockene. Den ruͤckſtaͤndigen Koſch ſolte man per ſe ſchmeltzen/ oder auf den eſt in Bley eintragen/ und ſodann abtrei⸗ ben/ ſo ſolte das Silber Gold⸗reich werden und ein Mittel abgeben/ wodurch ein ehrlicher Nann in der Stille ſein Brod/ ohne jemand unterworffen zu ſeyn/ verdienen koͤnnte. Ich kenne aber Leute/ die es theils vor ſich ſelbſt/ theils vor des Herrn Democriti Augen gemacht/ aber dergleichen Effect nicht darinnen gefunden. Es ſetzet zwar dieſes abgetriebe⸗ ne Silber/ wann es in Scheide⸗Waſſer auf⸗ geloͤſet wird/ einen ſchwartzen Kalch zu Bo⸗ den/ davon aber iſt das wenigſte Gold/ und wann es auch lauter Gold waͤre/ ſo iſt es doch ſo wenig/ daß ich glaube, es wuͤrde ein ehrli⸗ cher Mann eher hundert Ducaten verlaboriren muͤſſen/ ehe er auf dieſe Art einen eintzigen Du⸗ caten wieder bekaͤme. Und ſo ſiehet es auch mit angern Dingen/ der/ eine Zeitlang ſo be⸗ ruffen geweſenen Alchymilterey des Democriti aus/ wovon wir vielleicht bey anderer Gele⸗ genheit mehrere Nachricht geben/ und vielen guthertzigen Leuten/ die in dieſem erbaͤrmlichen Labyrinch noch beſtaͤndig herum irren/ aus Chriſt⸗ 204 299(0) r. Chriſtlicher und Patriotiſcher Liebe ihren ſchaͤd⸗ lichen und Beklagungs⸗wuͤrdigen Irrthum handgreifflich und ſichtbarlich vor Augen le⸗ gen duͤrfften. Wann die uͤbrigen Metallen und metalli⸗ ſchen Dinge durch den Salpeter ausgebrannt werden ſollen; ſo erfordert ein jedes ſeine be⸗ ſondere Proportion von dieſem Saltze. Das Eiſen erfordert nicht einmahl die Helffte/ Zinn die Helffte/ Bley noch einmahl ſo viel/ der Re⸗ ulus Antimonii ana und etwas mehr. ꝛc. ꝛc. Aus Salpeter und Weinſtein ana, oder et⸗ was mehr Salpeter/ wird das ſo genante Sal Tartari extemporaneum, oder der ſchnelle Fluß gemacht: Hergegen aus Salpeter ein Theil/ und zwey biß drey Theilen Weinſtein/ wann ſelbige wohl pulveriſiret und mit einan⸗ der verkohlet worden/ entſtehet der ſogenann⸗ te ſchwartze Schmeltz⸗Fluß/ welcher inſon⸗ derheit beym probiren und reauciren der feſte⸗ ren Metallen ſehr nuͤtzlich zu gebrauchen. z. E. Will man Kupffer⸗Ertz auf Kupffer probiren; ſo reibet man das Ertz zu zarten Pulver/ ruͤh⸗ ret es auf einem flachen Scherbel nur braun⸗ gluͤhend/ biß es weder einigen Rauch noch ſchwefelichten Geruch mehr abgiebet. Ver⸗ menget es darauf mit dem ſchwartzen Fluß/ ſchmeltzet es vor dem Geblaͤſe mit ſtarckem Feuer/ wie Waſſer. Laͤßt es alsdann erkal⸗ ten/ ſchlaͤget den Tiegel entzwey/ ſo lieget das Kupffer⸗Korn unten/ die Schlacke oben. Iſt etwas 03(0) Sr⸗ 205 etwas Berg dabey geweſen; ſo ſteckt er in der Schlacke. vid. Stahl vom Sulphure. p. 1 22. Will man aber Kupffer⸗Aſche reduciren; ſo vermenget man ſolche mit dieſem Fluß/ und thut ein wenig zu Glaß geſchmoltzenen Borax dazu/ giebt alsdann ſo ſtarck Feuer/ als zur Schmeltzung des Kupffers ſonſt noͤthig/ und erhaͤlt alſo ſeinen Zweck. Daß der Salpeter dem Regalo Antimoni ſein arlenicaliſches Weſen benehme/ iſt bekannt. Setzet man gleiche Theile Salpeter/ und Re- gulum Antimonii martialis zuſammen/ und laͤſ⸗ ſet es wohl cementiren; ſo giebet es das or⸗ dinaire Nitrum cauſticum; Dieſe Cauſticitæt aber gehet wieder davon/ wenn das Gemenge geſchmoltzen/ und der Regulus mit Kohlen⸗ Staub præcipitiret wird. Es wird auch der Salpeter uͤber alle maſ⸗ ſen cauſtiſch/ wann er mit Eiſen⸗Feil in der obangezeigten Proportion geſchmoltzen wird, wobey er das Eiſen dermaſſen zart auſſchlieſ⸗ ſet/ daß er ſolches in einer Amethyſten⸗ und Purpur⸗Farbe mit ſich durchs Filtrum fuͤhret. vid. Spec. Becher. p. 246. n. 106. Eine nicht ſo gar gemein bekannte Probe von dem Entzuͤnden des Salpeters findet ſich/ wann man denſelben in einen Schmeltz⸗Tiegel flieſſen laͤßt/ und Salmiac Stuͤckchen⸗weiſe darauf wirfft. Von langer Zeit her iſt be⸗ keant/ daß dieſe Operation von einem oder andern vor eine Fixation des Salpeters ange⸗ geben 206 82(0) G geben worden; Iſt auch nicht ohne Grund: Doch waͤre es vergebens/ wann man ſolches vor ein pures, bloſſes Nitrum fixum achten wolte: Weil das Acidum des gemeinen Sal⸗ tzes auch guten Theils mit darein greifft/ und os alſo mit nichten einerley alcaliſche Gleich⸗ foͤrmigkeit behaͤlt. Indeſſen gehet freylich der groͤſte Theil ſolches Acidi, wie ſelbſt der Geruch des Rauchs bezeuget davon. Und iſt eben daſſelbige Gold⸗ſolvirende Fechter⸗ Waſſer Balilii, davon ſo viel Redens iſt. vid. Stahl von Schwefeln. pag. 223.- 24. Was endlich den publiquen Gebrauch des Salpeters betrifft/ ſo weiß jedermann daß er zum Buͤchſen⸗Pulver employret werde. Wir finden aber keine Urſache/ uns hiebey aufzuhalten/ und machen alſo all⸗ hier ein 4 1 — ——— ————— — W. HMI. .. ———— 2 3, 3 8 ¹ 1 reAd e