e Reden des Herru Staatskanzlers Freiherrn von Hardenberg bei den Verſammlungen der ſtäͤndiſchen Deputirten in Berlin am ten und 26ten September 1811. VUaiv.-Bibi. Giessen Red c in der Verſammlung vom 7ten September 1811. Hochgeehrteſte Herren! Wenn ſeit unſerer letzten Zuſammenkunft bis zu der heutigen, ein laͤngerer Zeitraum verſtrichen iſt, als ich vermuthete, ſo liegt die Urſache blos in der groͤßeren Sorgfalt, die auf Gegenſtaͤnde unſers Geſchaͤfts verwendet worden iſt, deren Wichtigkeit die allgemeinſte Aufmerkſamkeit auf ſich zog, inſon⸗ derheit darin, daß ich es mir angelegen ſeyn ließ, — wie viele von Ihnen wiſſen, meine Herrn,— uͤber mehrere Artikel noch die Meinungen einſichts⸗ voller Maͤnner unter uns zu vernehmen, und billige Wuͤnſche zu befriedigen. Nach den gerechten und milden Geſinnungen unſers geliebten Koͤnigs, iſt von dem Geſichts⸗ punkte ausgegangen: dem Abgaben⸗Syſtem ſowohl A 2 als 4 als einigen anderen Anordnungen naͤhere Beſtim⸗ mungen zu geben, die auf der einen Seite, zwar den Hauptgrundſaͤtzen nicht zuwiderlaufen, nach welchen Se. Majeſtaͤt ſeit dem Frieden die Verfaſſung des Staats und ſeine Verwaltung einzurichten fuͤr gut befunden haben, auf der andern aber, die Be⸗ ſchwerden uͤber die neuen Steuern, und die Einwen⸗ dungen gegen die neuen geſetzlichen Vorſchriften mit voͤlliger Unbefangenheit zu pruͤfen, das Ausge⸗ ſprochene, nicht blos, weil es einmal ausge— ſprochen wurde, mit Strenge aufrecht zu erhal⸗ ten, ſondern dasjenige auszufinden, was in der That als das Beſte— und, da große Laſten ein— mal unvermeidlich ſind, als das Minderlaͤſtigſte ſich ergeben wuͤrde. Die Grundlagen des Syſtems ſind unwiderſprechlich gut. Sie erſchuͤttern wollen, waͤre Frevel,— denn wer mag auftreten und be⸗ haupten, daß Gleichheit vor dem Geſetz, daß Eigen⸗ thum und freye Benutzung deſſelben, auch freie Dispoſition uͤber daſſebe— daß Gewerbefreiheit und erleichterte Anwendung aller einzelnen Kraͤfte zum Beſten des Ganzen— daß Aufhebung der Monopole und der Zwang⸗ und Banngerechtigkeiten — daß endlich Tragung der Abgaben nach gleichen Grund⸗ 5 Grundſaͤtzen von Jedermann, und Vereinfachung derſelben— daß dieſes alles, nicht wohlthaͤtig ſey und das Ziel ſeyn muͤſſe, nach dem geſtrebt werden muß? Nicht nach Willkuͤhr ſind jene Grundlagen un⸗ ſerer neuen Verfaſſung gegeben worden, nicht etwa blos der Theorie huldigend, oder fremde Einrichtun⸗ gen nachahmend, ſondern aus voller Ueberzeugung von der Nothwendigkeit derſelben fuͤr die Wieder⸗ geburt des Staats, wurden ſie von Sr. Majeſtaͤt dem Koͤnig erwaͤhlt: Daher darf dann auch im Weſentlichen nichts daran geaͤndert werden. Aber Se. Majeſtaͤt wollen den Zweck nicht durch gewaltſame Zerruͤttungen, nicht ohne Ent⸗ ſchaͤdigungen wegen wohlhergebrachter Rechte, ſon⸗ dern lieber auf einem langſameren, aber ſicherern Wege erreichen; wollen gern auf die Wuͤnſche ihrer getreuen Staͤnde und Unterthanen Ruͤckſicht nehmen, in ſofern nur der Hauptzweck erreicht wird; wollen gern die Wege erwaͤhlen, die jenen Wuͤnſchen am mehreſten entſprechen und diejenigen Abgaben mil⸗ dern, oder ganz abſtellen, die am druͤckendſten er— ſcheinen, dagegen aber ſolche anordnen, von denen man dafuͤr haͤlt, daß ſie es weniger ſind. Der 6 Der Mangel an Abſatz und der niedrige Preis der Producte und Fabrikate hat den nachtheiligſten Einfluß auf den Wohlſtand, und es laͤßt ſich nicht verkennen, daß dadurch insbeſondere dem platten Lande die Aufbringung hoher Abgaben ſehr er— ſchwert wird; es iſt ferner richtig, daß die Con— trolle gegen Einſchwaͤrzung fremder Producte und Fabricate, bei einem betraͤchtlichen Theile unſerer ausgedehnten Grenzen, hoͤchſt ſchwierig und faſt unmoͤglich wird, wenn bei hohen Abgaben der Reiz zur Defraudation zu groß iſt. Allein es iſt nicht minder wahr, daß man haͤufig, blos aus Vorliebe fuͤr das Alte, das beſſere Neue tadelt; daß Vorurtheile und Privat⸗Intereſſe dabei mit⸗ wirken, und daß man den Maasregeln hoͤchſt un⸗ gerechterweiſe die Uebel zuſchreibt, die doch keines⸗ weges in ſolchen, ſondern in aͤußern unabwendba— ren Umſtaͤnden ihren Grund haben; daß von we⸗ nigen Uebelgeſinnten daran gearbeitet wird, Unzu— friedenheit im Innern zu erregen, ja ſogar, daß der Wahn frevelhaft verbreitet wird, als ob wohl⸗ thaͤtige Einrichtungen zum Beſten der geringeren Staͤnde, nur vermoͤge erzwungener Verpflichtungen gegen eine fremde Macht geſchaͤhen. Gegen dieje— nigen, 7 nigen, welche den nur auf das Wohl der Untertha⸗ nen ſo rein, ſo ſorgfaͤltig und ſo vaͤterlich gerichte— ten Abſichten des Koͤnigs Hinderniſſe zu erregen ſich nicht entſehen, muß nothwendig mit dem groͤß— ten Ernſt und mit Nachdruck verfahren werden. Darin werden Sie ſelbſt laut einſtimmen, Meine Herren, und das wird eben ſo gewiß geſchehen, als der Koͤnig gewiß auch jede patriotiſche Mitwirkung zu dem allgemeinen Zweck, jedes Opfer, jede Be— muͤhung, welche zur Erreichung deſſelben beförder⸗ lich ſeyn kann, mit Dank erkennen und belohnen wird. In dem Geiſt der Ihnen ſo eben eroͤffneten Grundſaͤtze, werden Sie die Koͤniglichen Verord⸗ nungen abgefaßt finden, die zu Beendigung unſers Geſchaͤfts noch uͤbrig waren. Ich werde heute die Ehre haben, Sie bekannt zu machen— 1) mit einem fernerweiten Edict uͤber die Finan⸗ zen des Staats, darin Sie die Abaͤnderungen finden, welche in Abſicht auf das Abgaben— Syſtem fuͤr anwendbar gehalten worden ſind; ſo wie die weiteren Entſchließungen Sr. Maje⸗ ſtaͤt des Koͤnigs wegen der General⸗Commiſſion zur 3 zur Regulirung des Provinzial⸗Schulden⸗We⸗ ſens und der Natinonal⸗Repraͤſentation. 2) Mit einem Geſetz uͤber die polizeilichen Ver⸗ haͤltniſſe der Gewerbe in Bezug auf das Edict vom 2ten November 1810. wegen Einfuͤhrung einer allgemeinen Gewerbeſteuer. Einer anderweitigen Zuſammenkunft muͤſſen noch vorbehalten bleiben: ¹1) Ein Edict wegen Regulirung der gutsherrli⸗ chen und baͤuerlichen Verhaͤltniſſe. 2) Ein Geſetz wegen der Gemeinheitstheilungen. 3) Ein Edict zur Befoͤrderung der landwirth⸗ ſchaftlichen Cultur. Wir wollen alſo gegenwaͤrtig erſt die beiden erſt⸗ genannten Verordnungen hoͤren. (Hier wurden dieſe aus der Geſetz⸗Samm⸗ lung bekannten Verordnungen abge⸗ leſen.) Die Kenntniß der ſo eben bekannt gemachten Geſetze, wird wie ich zuverſichtlich hoffen darf, Ih⸗ ren Erwartungen entſprechen, Meine Herren, und Sie beruhigen uͤber haͤufig geaͤußerte Beſorgniſſe, befeſtigen bei Ihnen und bei Ihren Mitſtaͤnden, das Vertrauen auf den Koͤnig und auf diejenigen die mit der 9 der Ausfuͤhrung Seiner edlen Zwecke beauftragt ſind. Gewiß ſetzen ſie voraus, daß das Steuer⸗ Syſtem auf einer richtigen Berechnung des Beduͤrf⸗ niſſes beruhe. Glauben Sie es mir auf mein Wort, daß dem Lande kein Opfer angemuthet wird, das die Nothwendigkeit nicht erheiſcht. In der Folge wird eine oͤffentliche Darlegung des Zuſtandes und der Fortſchritte der Finanzen des Staats, ſtatt finden. Die Koſten Behufs der Oder⸗Feſtungen ſind eine außerordentliche und voruͤbergehende Ausgabe. Alle Mittel werden angeſtrengt, die ganze, uͤber die Haͤlfte bezahlte Contribution zu tilgen, ſo wie durch Ueberlaſſung von Colonial⸗Waaren an Frankreich eine betraͤchtliche Summe abgetragen wird. Die⸗ ſemnach iſt alle Hoffnung vorhanden, daß jene au— ßerordentlichen Ausſchlaͤge wegen der Feſtungen bald ganz wegfallen werden. Ihrentwegen fortdauernde Auflagen zu machen, oder die beſtehenden Abgaben zu erhoͤhen, waͤre unter dieſen Verhaͤltniſſen nicht zweckmaͤßig geweſen. Es erſchien auf alle Weiſe raͤthlicher, dieſe Laſt, ſo lange ſie noch fortdauern muß, außerordentlich aufzubringen, alles was von Frankreich verguͤtet werden wird, darauf zu Gute kommen 10 kommen zu laſſen und der ganzen Sache die groͤßte Publicitaͤt zu geben. In Abſicht auf den Repartitions-Fuß der Pro⸗ vinzen unter ſich ſowohl als in den Provinzen ſelbſt wuͤnſchte ich Vorſchlaͤge der anweſenden Herren De— putirten zu erhalten, und bitte demnach dieſe Ange⸗ legenheit ſogleich in Ueberlegung zu nehmen, und mir das Reſultat bekannt machen zu wollen. Die Wohlthat der Herabſetzung der Steuern wird dadurch erhoͤhet, daß der bleibende Theil der neuen Abgaben ſo vertheilt iſt, daß er jede Kraft ver⸗ haͤltnißmaͤßig trifft, und die Erhebung ohne Druck und mit Sicherſtellung des Einganges geſchieht. Das beſte Mittel dazu war eine Einrichtung, die es erlaubte, die Erhebung und Controlle den Dorf— ſchulzen und dem Kreis⸗Perſonale anzuvertrauen. Die Bedingung dabei war Einfachheit der Abgaben und Leichtigkeit der Einziehung. Beides wird dadurch bewirkt, a) daß die Mahl⸗Abgaben abgeſchafft ſind; b) daß die fixirte Perſonen⸗Steuer nicht nach Claſſen, ſondern blos nach einem beſtimmten leicht zu conſtatirenden Alter erhoben wird; c) daß die Branntwein⸗Abgabe in jeder Bren⸗ nerei 11 nerei auf den Grund einer feſten Regulirung entrichtet wird; d) daß die Verſteuerung des Braumalzes ein⸗ facher geſchieht; e) daß bei der Schlacht⸗Steuer blos die leicht zu erkennende Viehart beruͤckſichtigt wird und aller Unterſchied im Gewicht und Verbrauch aufhoͤrt. Es wuͤrde zwar noch einfacher geweſen ſeyn, die neuen Abgaben entweder ganz als fixe Perſo⸗ nen⸗Steuern, oder blos fuͤr jene Conſumtions⸗Ar⸗ tikel hoͤher beizubehalten; aber letzteres haͤtte gegen ſich gehabt, daß alsdann eine Vertheuerung dieſer Artikel erfolgt waͤre, bei welcher Defraudationen und Einſchwaͤrzung vom Auslande nicht zu verhin— dern geweſen ſeyn wuͤrden, Haͤtte man alles auf eine Perſonen⸗Steuer werfen wollen, ſo wuͤrde ſolche von den geringeren Klaſſen nicht aufzubringen geweſen ſeyn, und haͤtte man den Weg der Claſſifikation erwaͤhlt, ſo waͤre dieſe ohne viele Praͤgravationsbeſchwerden und Un⸗ terſuchungen nicht ausfuͤhrbar und damit am Ende mehr Muͤhe und Arbeit verbunden geweſen, als jene Theilung zwiſchen Perſonen⸗ und Conſumtions⸗ Steuern 12 Steuern noöͤthig macht, wobei man folglich die meh⸗ rere Verhaͤltnißmaͤßigkeit derſelben zu den einzelnen Kraͤften zum reinen Gewinn hat. Dieſe Verhaͤltnißmaͤßigkeit ſcheint zwar in ſo— fern nicht vorhanden zu ſeyn, als bei der Perſo⸗ nen⸗Steuer das verſchiedene Gewerbe und deſſen Eintraͤglichkeit unberuͤckſichtigt bleibt; allein die an⸗ ſcheinende Praͤgravation verſchwindet, wenn man er⸗ waͤgt, daß jedes Geſchaͤft, welches auf dem plat— ten Lande getrieben wird, mit Ausnahme der Ta— gelohns⸗Arbeit, einer beſonderen Steuer unterliegt, die zur Ausgleichung fuͤhrt. Der Bauer giebt Grund⸗ und der Handwerker und Fabrikant Ge⸗ werbe⸗Steuer. Blos der Tagelohner giebt nichts beſonderes fuͤr ſeinen Verdienſt und er kann alſo, da die fixe Steuer ſo ſehr geringe iſt, ſolche eben ſo gut, wie die uͤbrigen Landbewohner tragen. Eine große Schwierigkeit ſchien theils in der Abſtellung der laͤſtigen und der Moralitaͤt nachthei— ligen Controlle durch ein ſchlecht beſoldetes, oft beſtechliches Perſonal, und theils in der Ausfin⸗ dung der Mittel zu einer einfacheren und leichte⸗ ren Erreichung des Zwecks zu liegen. Sie iſt durch die Vorkehrung beſeitigt, welche das Ediet ent⸗ 13 enthaͤlt, die zugleich den Vortheil gewaͤhrt, dem Staat zur Deckung gegen Ausfaͤlle zu dienen. Jede Commune muß die Perſonen⸗Steuer ih⸗ rer Einwohner vertreten, und den Eigenthums⸗Be⸗ ſitzern wird die Verpflichtung aufgelegt, die etwa⸗ nigen Ausfaͤlle an den Conſumtions⸗Steuern durch eine außerordentliche Grundſteuer zu decken. Bei dem directen Intereſſe, welches ſonach alle Landbewohner gegen Defraudationen haben, wer— den ſolche nicht haͤufig ſeyn koͤnnen, zumal der Reiz dazu auch durch die Geringfuͤgigkeit der Abgaben aufgehoben wird. Die Vertretung durch die Grundbeſitzer wird daher nur ſelten noͤthig ſeyn. Fuͤr die Verpflichtung dazu ſpricht uͤbrigens: a) daß die Grundbeſitzer die naͤchſte Verpflich⸗ tung zur Deckung haben, indem ihre Laſten durch Aufhebung des Vorſpanns und der Fou⸗ rage⸗Lieferung vermindert ſind, und dieſe Auf⸗ hebung eine der Urſachen mit iſt, warum die neuen Aufgaben haben aufgelegt werden muͤſſen; b) daß mit Ausnahme Schleſiens, die Grund⸗ ſteuern zu einer Zeit aufgelegt ſind, wo der Muͤnz⸗ 14 Muͤnzfuß ungleich beſſer war als jetzt, ſo, daß jetzt eigentlich nicht mehr die ehema— lige Steuer, ſondern weit weniger entrichtet wird; c) daß die Ruſtical⸗Beſitzer durch die gegenwaͤr⸗ tige vollſtaͤndige Aufloͤſuug der Abhaͤngigkeits⸗ Verhaͤltniſſe eine neue gluͤcklichere Exiſtenz und mehrere Kraͤfte erhalten. Erwaͤgt man dabei noch d) daß dieſe ſupplementariſche Abgabe auf den Capital⸗Werth der Guͤter keinen Einfluß ha⸗ ben kann, indem ſie nicht poſitiv und nur be— dingt eintritt, und von ungewiſſem Betrage iſt; ſo wird ſich jeder Billigdenkende derſelben gewiß gerne unterwerfen. Die wichtigſte Defraudation koͤnnte das Brau⸗ Malz treffen. Deshalb iſt die Strafe darauf ſo hoch angeſetzt, daß der Gewinn von jener kein Ver⸗ haͤltniß dagegen hat. Der Umſtand, daß man un⸗ vermiſchtes Malz nur zum Bier⸗ und Eſſig⸗Brauen gebraucht, und alſo ohne Haͤrte verlangen kann, daß dasjenige Malz, welches ſich auf den Muͤhlen vorfindet, zu jenem Behuf declarirt ſeyn muͤſſe, er⸗ leich⸗ 15 leichtert die Controlle in dem Grade, daß in Ver⸗ bindung mit der hohen Strafe auch hiebei wenig Defraudation vorkommen duͤrfte. Bei der Schwierigkeit, in den Doͤrfern, wo die wenigen Einwohner von allem was unter ihnen vorgeht, ſtets unterrichtet ſind, heimlich zu ſchlach⸗ ten, iſt ſie endlich auch bei der Schlacht-Acciſe eben nicht zu beſorgen. Der wuͤnſchenswerthe Zweck, die Abgaben zwi⸗ ſchen Stadt und Land ganz gleich zu ſtellen, kann jetzt noch nicht ausgefuͤhrt werden. Nur dann wird dieſe Gleichſtellung ohne Druck geſchehen koͤnnen, wenn die Kraͤfte der Contribuen— ten gleich ſeyn werden, und die geringſten Kraͤfte muͤſſen dabei zur Norm dienen. Jetzt finden ſich dieſe in den kleinen Staͤdten und auf dem platten Lande, und der Zuſtand der— ſelben iſt durch die Handels-Sperre und Mangel an Producten-Abſatz ſo ſehr verſchlimmert, daß mehr als das, was jetzt aufgelegt wird, ohne Druck nicht aufzubringen ſeyn wuͤrde. Wollte man aber nur dieſe geringen Abgaben auch in den großen Staͤd⸗ ten erheben, ſo wuͤrde an den Acciſe⸗Einkuͤnften da⸗ von ein ſehr großer Ausfall entſtehen, und da es un⸗ 16 unmoͤglich iſt, daß die Staats⸗Caſſen ſolchen jetzt tragen koͤnnen, ſo hat man ſich begnuͤgen muͤſſen: a) die Gleichſtellung mit dem platten Lande auf die kleinen Staͤdte einzuſchraͤnken und b) den groͤßern dadurch einige Erleichterung zu gewaͤhren, daß der Acciſe-Tarif von mehreren laͤſtigen Artikeln befreit wird, daß verſchiedene mit Plackerei verbundene Abgaben ganz erlaſ⸗ ſen, und einige andere zur Huͤlfe fuͤr die Servis⸗Caſſen uͤberwieſen werden. Zuſammengenommen mit der durch den neuen Tarif entſtandenen Verminderung der Bier⸗ und Branntwein⸗Acciſe, iſt dieſe Huͤlfe fuͤr die großen Staͤdte doch ſehr bedeutend und ihre Bewohner werden hoffentlich dem platten Lande den groͤßeren Erlaß um ſo weniger beneiden, da derſelbe nur ſol⸗ che neuen Abgaben trifft, die den Staͤdten nicht mit aufgelegt ſind, wogegen der Erlaß fuͤr die großen Staͤdte an ſchon beſtandenen aͤlteren Abga⸗ ben ſtatt findet. Dieſer Umſtand hat auch um ſo mehr in Erwaͤ⸗ gung kommen muͤſſen, da die Lage der großen Staͤdte in Abſicht auf ihren Erwerb bei weitem nicht in dem Grade verſchlimmert iſt, als die der kleinen Staͤdte 17 Staͤdte und des platten Landes. Jene laſſen ſich beinahe alle Arbeit noch eben ſo theuer und zum Theil theurer bezahlen als ſonſt, obgleich der Con⸗ ſumtions⸗Aufwand viel geringer iſt, waͤhrend die Grundbeſitzer bet Erhoͤhung ihrer Ausgaben die Haͤlfte ihrer vorigen Einnahme verlieren. Bei der vorzuͤglich hieraus mit entſpringenden Nothwendigkeit, die voͤllige Gleichſtellung der Ab⸗ gaben zwiſchen Stadt und Land, noch zu ſuspen⸗ diren, war es eine wichtige Sorge, gleichwohl die ſo hochſt wohlthaͤtige Gewerbe⸗Freiheit aufrecht zu erhalten. Ohne ſolche wuͤrde die Ungleichheit der Kraͤf⸗ te und mithin das Hinderniß einer kuͤnftigen gleichen Beſteuerung niemals gehoben werden koͤn⸗ nen. Man hat daher getrachtet, das Abgaben⸗ und Gewerbe⸗Syſtem ſo miteinander zu verknuͤpfen, daß beides Mittel zu dem mildeſten Uebergan⸗ ge vom Alten zum Neuen werde, und daß der Zweck dabei vor Augen bleibe, Stadt und Land kuͤnftig in allen Beziehungen ganz gleich zu be⸗ handeln. B Hierauf 18 Hierauf zielen die Beſtimmungen ab, welche die Declaration des Edicts wegen der Gewerbeſteuer enthaͤlt. Theils eine Erhoͤhung dieſer Steuer, theils eine Nachſchuß⸗Acciſe, die beim Einbringen von Land⸗ Fabrikaten in die Staͤdte entrichtet werden ſoll, ſind die Mittel, die ſtaͤdtiſchen Fabrikationen auch auf dem platten Lande zulaͤſſig zu machen, und ein freyes Verkehr zu begruͤnden, ohne daß ſolches nachtheilig fuͤr die Staͤdte werde. Dieſe koͤnnten freilich beſorgen, daß ihnen das platte Land Abbruch thun werde; allein wahrſchein⸗ lich wird die Wirkung anders und Vortheil zu erwar⸗ ten ſeyn, da die hoͤhere Fabrikation, wo mehrere Hand⸗ werker und Kuͤnſtler zuſammen wirken muͤſſen, gewiß immer in den Staͤdten bleiben wird, die geringere aber, welche ſich zwiſchen Stadt und Land theilt, in der zunehmenden Bevoͤlkerung und dem groͤßeren Wohl⸗ ſtande des platten Landes einen ſo bedeutenden Zu⸗ wachs von Conſumenten erwarten kann, daß der auf das Letztere treffende Theil fuͤr unbedeutend da⸗ gegen zu erachten ſeyn wird. Hiebei muß auch noch in Anſchlag kommen, daß bei groͤßerer Fabri⸗ kation, ſich auch im Auslande der Abſatz vermeh⸗ ren — 19 ren kann, welches die billigen Preiſe, die von der Concurrenz des platten Landes zu erwarten ſind, hoffen laſſen, zumal wenn ſich die Handelsver⸗ haͤltniſſe wieder beſſern. Die große Schwierigkeit bei der Gewerbefrei⸗ heit, die derſelben entgegenſtehenden Gerechtſame zu befriedigen, hat nicht ganz gelds't werden koͤn⸗ nen. In den Staͤdten laͤßt ſie ſich beſeitigen, aber die Mittel, die dort ſtatt finden, ſind unzureichend fuͤr das platte Land, beſonders in Abſicht auf die Getraͤnke⸗Fabrikation, und das Krug⸗Verlags⸗ Recht. Da ferner die Ausmittelung der verheißenen Entſchaͤdigung nicht leicht geſchehen kann; ſo iſt es nothig geweſen/ das Krug⸗Verlags⸗Recht da fort⸗ dauern zu laſſen, wo es auf Vertrag oder Verjaͤh⸗ rung beruhet, die Getraͤnke⸗Fabrikation aber den bisher ausſchließlich berechtigten Guͤtern groͤßten⸗ theils dadurch zu ſichern, daß man die Ausuͤbung an einen Landbeſitz von 15,000 Rthlr. landſchaft⸗ liche Taxe knuͤpfte. In beiden Anordnungen liegt fuͤr die bisherigen Zwangspflichtigen deshalb nichts hartes, weil ſie voͤllige Conſumtions⸗Freiheit behalten, B 2 und 20 und hierin der Antrieb fuͤr die zum Debit Be— rechtigten liegt, die Kruͤge mit gutem Getraͤnk zu ver— ſehen. Die Beſchraͤnkung der Fabrikations⸗Befug⸗ niß auf einen gewiſſen Landbeſitz, hindert Nie⸗ mand dieſe Fabrikation zu treiben. Man kann ſich zu dem Ende in den groͤßeren Staͤdten nieder⸗ laſſen, oder auf dem Lande ankaufen. Das Haupt⸗Reſultat der Koͤniglichen Ent⸗ ſcheidung uͤber die Gegenſtaͤnde der Ihnen heute vorgelegten Edicte iſt alſo, daß wir a. die Gewerbe⸗Freiheit mit den wenigen Aus⸗ nahmen aufrecht erhalten, welche die Ge⸗ rechtigkeit gegen Einzelne erheiſcht, und die fuͤr andere wichtige Zwecke unnachthei⸗ lig ſind;—. b. daß eine Abgaben⸗Gleichheit fuͤr das plat⸗ te Land aller Provinzen mit Ausdehnung auf die kleinen Staͤdte ſtatt finden wird; c. daß wir ſie zwiſchen dem Theil der Stadt⸗ und Landbewohner, welche durch freyes Ver⸗ kehr bei ihren Gewerben in Concurrenz kom⸗ men, gleich jetzt ebenfalls bewirken; eben dadurch aber auch d. fuͤr 21 d. fuͤr die uͤbrigen Verhäͤltniſſe ſo vorbereiten, daß ſie bei zunehmenden Kraͤften des plat— ten Landes, welche von anderen Anord⸗ nungen zu erwarten ſind, kuͤnftig ohne gegruͤndete Beſchwerde fuͤr Einzelne eintre— ten kann; e. daß die neuen Abgaben theils den verſchiede⸗ nen Kraͤften, theils den Wuͤnſchen der Na— tion gleichmaͤßig entſprechen; f. daß ihre Erhebung ohne Druck, und doch mit vollkommener Sicherheit geſchiehet; s8. daß wir im Stande ſind, durch die Ent⸗ feſſelung des Landbaues die Nation auf den Punkt zu heben, der das Ziel der großen und edlen Abſichten unſers Monar— chen iſt. Auch die Bearbeitung dieſes letzterwaͤhnten Ge— genſtandes iſt in den oberwaͤhnten drey Geſetzen, die ich mir vorbehalte, Ihnen in unſerer naͤch⸗ ſten Zuſammenkunft vorzulegen, der Vollendung nahe. Seine Behandlung gruͤndet ſich auf die Wuͤnſche und Rathſchlaͤge der Mehrheit unter Ihnen, 0 Ihnen, Meine Herren, und ich darf daher hof⸗ fen, daß Sie darin eben die Befriedigung finden werden, die ich mir von den heute verhandel⸗ ten wichtigen Angelegenheiten verſpreche. Zweite 23 Zweite Rede in der Verſammlung vom 16ten September. Hochgeehrteſte Herren. E⸗ iſt ein hoͤchſt angenehmes Gefuͤhl fuͤr mich, unſere heutige letzte Verſammlung nicht den For⸗ derungen widmen zu muͤſſen, die unerlaͤßliche Staats⸗Beduͤrfniſſe erheiſchen. Nur ſolche Ge⸗ genſtaͤnde unſerer Berathung ſind noch uͤbrig, die unſern Wohlſtand erhoͤhen, nur ſolche, die uns in Stand ſetzen werden, jene Laſten zu tragen, und uns die Ausſicht eroͤffnen in eine gluͤcklichere Zu⸗ kunft. Viele von Ihnen, Meine Herren, haben durch Rathſchlaͤge und Bemerkungen Antheil an den Koͤ⸗ niglichen Verordnungen: Wegen Regulirung der gutsherrlichen und baͤuerlichen Verhaͤltniſſe; Wegen Befoͤrderung der Landes⸗Cultur; die ich Ihnen bekannt zu machen, die Ehre haben werde. Sie 24 Sie werden nun auch Antheil haben, an den Seegnungen, die dieſe Geſetze nothwendig zur Folge haben muͤſſen. Sollten auch einige Be— ſtimmungen derſelben im erſten Augenblicke nicht ganz den allgemeinen Beifall finden, nicht die all— gemeine Zufriedenheit hervorbringen, die ſie ver⸗ dienen; ſo wird die Erfahrung doch bald das Heil⸗ ſame derſelben bewaͤhren. Bis dahin, meine Herren, ſey es unſer ange⸗ legentliches Beſtreben, die Beſorgniſſe der Wohl⸗ meinenden, aber nicht Unterrichteten, zu entfernen, fuͤr Ueberwindung noch vorhandner Hinderniſſe den Muth zu ſtaͤrken, die Hoffnung zu nahren und zu beleben; dem Egoiſten, dem kleinen Tyrannen, der auf ſclaviſche Abhaͤngigkeit ſeines Nebenmen⸗ ſchen, auf bloße Benutzung deſſelben zu ſeinem Vortheile, einen Werth ſetzen koͤnnte, bleibt unſere Verachtung. Moͤchten wir dazu auch nicht eine einzige Veranlaſſung finden! Ein Edict, wegen Behandlung der Gemein⸗ heits⸗Theilungen, ſollte, wie Sie wiſſen, den beiden erwaͤhnten noch hinzukommen. Es wird nachfolgen. Mit dem Zweck, die Cultur und die hoͤchſte 29 hoͤchſte und freyeſte Benutzung des Bodens zu be⸗ foͤrdern, iſt es allerdings noͤthig, auch die voͤllige Sicherung des Eigenthums und wohlbegruͤndeter Rechts⸗Anſpruͤche zu verbinden, und wie das am beſten zu vereinigen ſey, iſt noch ein Gegenſtand der gemeinſchaftlichen Pruͤfung mit dem Koͤnigl. Juſtiz⸗Miniſterium. Einfachheit und moͤglichſte Abkuͤrzung muͤſſen mit jenen Erforderniſſen ver⸗ knuͤpft ſeyn. Man wird die Theilungs⸗Geſchaͤfte ſelbſt, in die Haͤnde ſachverſtaͤndiger Oekonomen le⸗ gen, und dieſen in erſterer Inſtanz das Ueberge⸗ wicht bei der Entſcheidung geben, in der zweiten und letzten aber, wo es hauptſaͤchlich darauf an— kommen duͤrfte, uͤber ſtreitig gebliebene, das Ei— genthum angehende Fragen zu urtheilen, ſoll jenes Uebergewicht Richtern zukommen, die durch ihre Anſtellung bei den Oberen Landes⸗Juſtiz⸗Behoͤrden als dazu voͤllig geeignet anerkannt ſind. Erwaͤhnen will ich auch noch kurz: daß durch beſondere Verordnungen wegen des Waſſerſtaues bei Muͤhlen und der Verſchaffung von Vorfluth; wegen einiger mildernden oder erklaͤrenden Beſtim⸗ mungen bei der Luxus⸗Steuer; endlich wegen der gewuͤnſchten Impoſtirung verſchiedener auslaͤndi⸗ ſchen 26 ſchen Gegenſtaͤnde, in den naͤchſten Tagen das Noͤ⸗ thige beſtimmt werden wird. Die Gutachten wegen Repartition der Verpfle⸗ gungs⸗ und Unterhaltungs⸗Koſten, behufs der mit franzoͤſiſchen Truppen beſetzten Oder⸗Feſtungen, desgleichen wegen der National⸗Repraͤſentation, habe ich erhalten. Die Wichtigkeit beider Gegen⸗ ſtaͤnde macht eine ſorgfaͤltige Erwaͤgung der geaͤu⸗ ßerten Meinungen nothwendig. Sobald dieſe voll⸗ endet ſeyn wird, ſoll die erforderliche Bekanntma⸗ chung unverzuͤglich erfolgen. Ich werde bei mei⸗ nen Sr. Majeſtaͤt dem Koͤnige zu machenden Vor⸗ ſchlaͤgen mein Augenmerk vorzuͤglich auf jene Gut⸗ achten richten, und beſchraͤnke mich hier darauf, zu erwaͤhnen: 1) daß es mir am angemeſſenſten ſcheint, nur eine und dieſelbe Beſteuerung nach der Bevoͤlkerung und nach Klaſſen, nach allge⸗ mein fuͤr die ganze Monarchie zu beſtimmen⸗ den Saͤtzen eintreten zu laſſen, wobei der nie⸗ drigſte Satz ſo anzunehmen ſeyn wird, daß er auch auf den anzuwenden ſteht, der das Wenigſte zu erlegen im Stande iſt. Ich halte es durchaus fuͤr unnoͤthig, fuͤr einzelne Pro⸗ 27 Provinzen beſondere Grundſaͤtze anzunehmen. Dadurch wird nothwendig Praͤgravation entſtehen, anſtatt daß auf dem angezeigten Wege die laſt verhaͤltnißmaͤßig vertheilt wird. Hat bei der fruͤheren Auſlage fuͤr die Fe⸗ ſtungs⸗Verpflegung eine Provinz vor der andern zu viel bezahlt, ſo gehoͤrt dieſes vor die Ausgleichungs⸗Commiſſion; 2) daß der Termin der Zahlungs⸗Verpflichtung auf den erſten September angenommen werde; 3) daß dagegen aber bei dieſer uͤberhaupt nicht dauernden Abgabe, eine Trennung des Be⸗ darfs fuͤr die Conventionsmaͤßige Truppen⸗ Zahl, und fuͤr die uͤberzaͤhlige durchaus nicht ſtatt finden koͤnne. Der Ausſchlag muß nicht mehr und nicht weniger betragen, als das wahre Beduͤrfniß; 4) daß alles was franzoͤſiſcher Seits verguͤtet wird, waͤre es auch durch Abzug an der Con⸗ tribution, ohne Ausnahme der auszuſchla⸗ genden Summe zu Gute gerechnet werde; 5) daß man die Verwendung oͤffentlich bekannt mache; 6) 28 6) daß ein paar Mitglieder der National⸗Re⸗ praͤſentation an der Verwaltung dieſes Ge⸗ genſtandes Theil nehmen. Was dieſe Repraͤſentation betrift, Meine Her⸗ ren, ſo bitte ich nicht zu vergeſſen, daß ſie, in der Form die wir ihr jetzt geben werden, vorerſt nur interimiſtiſch ſeyn ſoll. Die kuͤnftig bleibende, muß genau nach den Verhaͤltniſſen eingerichtet werden. Jetzt muß man ſich begnuͤgen, dieſe nur ſo viel als moͤglich zu beruͤckſichtigen und nur das Weſentliche einfach und ſchnell zu Stande zu brin— gen. Die Zahl der Repraͤſentanten darf nicht zu groß ſeyn. Hiernach wird wegen der Wahlen das Noͤthige an die Staͤnde ergehen. Ich bitte Sie nun die beiden Edicte zu hoͤren, deren Bekanntmachung ich Ihnen angekuͤndigt habe, hierauf aber einige erlaͤuternde Bemerkungen, die dazu dienen werden, den Sinn dieſer Geſetze naͤher zu erlaͤutern und zu entwickeln. (Hier wurden die in der Geſetzſammlung befind⸗ lichen oben bemerkten Edicte abgeleſen, und nachher von dem Herrn Kriegs⸗Rath Scharn⸗ weber die nachfolgenden Bemerkungen vor⸗ getragen.) Um — 29 Um den Zweck zu erreichen, gluͤckliche und zu⸗ friedene Buͤrger zu erhalten, iſt neben innerer und aͤußerer Sicherheit ein moͤglichſt hoher Wohlſtand erforderlich. Beides ſteht in Wechſelwirkung. Das Eine kann nur durch das Andere geſtuͤtzt und ge— ſichert werden. So verſchieden und mannigfaltig aber die We⸗ ge ſind, auf denen Wohlſtand zu erwerben ſteht, ſo ſind doch immer die ſogenannten Gewerbe die erſte Quelle deſſelben. Ackerbau, Fabrikation und Handel muͤſſen die Mittel zu den Lebensgenuͤſſen wie zu den Staats⸗Beduͤrfniſſen liefern. Der Theil davon, der von Capitaliſten, Kuͤnſtlern und ſoge⸗ nannten unproductiven Staats-Buͤrgern aufge— bracht wird, kann ohne Jene nicht beſtehen. Ihre Pflege iſt daher eine der erſten und heilig⸗ ſten Pflichten der Staats⸗Verwaltung. Sie muß trachten, ſie bis zur hoͤchſten Vollkommenheit aus⸗ zubilden, und vor allen Dingen ſich bemuͤhen, den Ackerbau zu heben, da ſolcher die Grundlage aller uͤbrigen Gewerbe und der Staats⸗Wohlfahrt iſt. Sie muß bei uns jene Pflicht um deſto eifriger uͤben, da die Landwirthſchaft im Ganzen noch auf einer niedrigen Stufe der Cultur ſteht. Die⸗ 5 Dieſerhalb beſchaͤftigt ſich die Regierung auch ganz vorzuͤglich und angelegentlich mit dieſem wich⸗ tigen Gegenſtande, Sie wird ihm ferner um ſo mehr ihre ganze Aufmerkſamkeit widmen, da nur durch einen angemeſſeneren Betrieb des Landbaues das platte Land in die Lage kommen kann, ohne Druck des Einzelnen in demſelben Verhaͤltniß wie die Staͤdter, zu den Staats⸗Bedurfniſſen ſteuern zu koͤnnen, und da es gewiß iſt, daß vor Eintritt dieſer gleichmaͤßigen Beſteuerung, eine wohlthaͤ⸗ tige allgemeine Gewerbefreiheit nicht ohne indivi⸗ duelle Verletzungen ſtatt finden kann, die unſere Staatsverwaltung nicht zulaſſen darf und nie zu⸗ laſſen wird. Es iſt nicht zu miskennen, daß unſere agra⸗ riſche Geſetzgebung bisher noch unvollkommen war, und daß hierin der Grund des ſchlechten Zuſtandes des platten Landes hauptſaͤchlich liegt. Die Maas⸗ regeln, die man zu Zeiten ergrif, waren ſelten wirkſam, theils weil ſie nicht conſequent ausge⸗ fuͤhrt wurden, theils weil ſie die Grund⸗Urſachen nicht erreichten, und niemals das Ganze umfaßten. Alles dies zu aͤndern, ſey jetzt unſer Geſchaͤft. Wir koͤnnen es mit einer hohen Sicherheit begin⸗ nen. 1 O nen. Wir haben die Gegenſtaͤnde, auf die ge⸗ wirkt werden muß, klar vor Augen. Wir ken⸗ nen die Elemente, die zuſammen zu ſetzen ſind, und die Mittel, wie ſie am bequemſten zuſammen⸗ gefuͤgt werden koͤnnen. Wir kennen nicht minder die Hinderniſſe. Sie zu entfernen und die Mit⸗ tel, welche Erfahrung und Sachkenntniß an die Hand geben, anzuwenden, iſt die Aufgabe, zu deren Loͤſung Unbefangenheit, Gerechtigkeit und Patriotismus ſich vereinigen werden. Die Koͤnigl. Verordnungen wegen Reguli⸗ rung der gutsherrlichen und baͤuerlichen Verhaͤlt⸗ niſſe, und die wegen der Mittel, wodurch außer⸗ dem die Landes⸗Cultur befoͤrdert werden kann, werden uns unſere Bemuͤhungen weſentlich erleich⸗ tern. Ich werde Ihnen uͤber jede derſelben einige Bemerkungen mitzutheilen die Ehre haben, zuvor aber uͤber das Ganze der Landwirthſchaft und uber die Punkte etwas ſagen, welche bei deren Betrieb hauptſaͤchlich in Betracht zu ziehen ſind. Der Hauptzweck der Landwirthſchaft muß ſeyn, daß die Productions⸗Faͤhigkeit des Bodens mit moͤglichſt geringem Aufwande vollſtaͤndig entwi⸗ ckelt werde. Hier⸗ 32 Hieraus folgt, daß die dazu erforderlichen Mittel mit der Freiheit vorhanden ſeyn muͤſſen, ſie vollſtaͤndig und zu rechter Zeit anzuwenden. Dem gemaͤß, ſind culturfaͤhiges und lohnen⸗ des Land, Arbeit, Capital und Intelligenz nebſt freier Dispoſition und Benutzung, die Factoren des landwirthſchaftlichen Betriebes und es iſt klar, daß nur da, wo ſie ſich vereinigt finden, die hoͤch⸗ ſte Cultur moͤglich iſt. Mit Intelligenz und dem gehoͤrigen Betriebs⸗ Capital kann man ſich die uͤbrigen Factoren in der Regel anſchaffen. Die Haupt⸗ Bedingung guter Cultur iſt alſo, daß die Grundſtuͤcke vermoͤgende und verſtaͤndige thaͤtige Beſitzer haben, und daß ſie, wenn ſich die Kraͤfte derſelben vermindern, leicht und ohne Schwierigkeit in andere Haͤnde uͤbergehen koͤnnen, die die erforderlichen Mittel beſitzen. Daraus folgt aber nicht, daß ein Grundbe⸗ ſitzer, wenn er zuruͤck kommt, ſein ganzes Gut ver⸗ aͤußern muͤſſe; es iſt hinlaͤnglich, daß er nur ſo viel davon weggebe, als er nicht gehoͤrig cultiviren kann, und als noͤthig iſt, ſich von laͤhmenden Schulden zu befreyen. Das Uebrige bleibt zu den 55 den Betriebskraͤften in einem angemeſſenen Ver⸗ haͤltniß, und gewinnt ſogar in ſofern, als kleinere Beſitzungen leichter uͤberſehen und energiſcher be⸗ handelt werden koͤnnen, wie die Groͤßeren. Aus dem allen fließt die erſte Regel: daß die Guͤter nicht nur im Ganzen, ſondern auch theilweiſe veraͤußerlich ſeyn muͤſſen; daß auch die Vergroͤßerung zulaͤßig und daß mit einem Worte der geſammte Grund⸗ beſitz beweglich ſey. Eine natuͤrliche Folge hieryon iſt die zweite Regel: daß geſchloſſene Hoͤfe nachtheilig ſind, und daß alle Cultur⸗Syſteme, welche indirect eine Stagnation des Beſitzſtandes bewir⸗ ken, ſehr oft hinderlich und nachtheilig werden koͤnnen. An dieſe Regel knuͤpft ſich die Dritte: daß eine freye, an keine beſtimmte Felder und Syſteme gebundene Cultur die natuͤr⸗ lichſte und angemeſſenſte ſey. Sie iſt es um ſo mehr, da ſie unter allen Um— ſtaͤnden die vortheilhafteſte bleibt, indem ſie nicht d 11133 nur Bedingung der hoͤchſtmoͤglichen Benutzung, ſondern auch Bedingung des Uebergangs dazu iſt. Der letztere trift das Land gewoͤhnlich in un⸗ gleichem Cultur⸗ oder natuͤrlichem Zuſtande. Be⸗ ſtellt man nun das Land in Folge des feſten Fel— derſyſtems gleichmaͤßig; ſo pflanzt ſich die Un— gleichheit, ſelbſt bei einer Verbeſſerung, immer fort, und iſt dem Zwecke der Entwickelung der Productions⸗Faͤhigkeit mehr oder weniger nach⸗ theilig. Iſt aber dieſer hoͤchſte Punkt durch an— gemeſſene ungleiche Behandlung erreicht, ſo erfor— dert auch ſeine Benutzung freye Beſtellung, weil nur bei ihr diejenigen Fruͤchte gebauet werden koͤn⸗ nen, welche nach den jedesmaligen Handels-Con⸗ juncturen und uͤbrigen Umſtaͤnden die votheilhaf⸗ teſten ſind. Aus dieſen Saͤtzen folgt viertens: daß die Zuſammenlegung der Grundſtuͤcke nur in ſo fern noͤthig iſt, als die beque— mere Beackerung und leberſicht ſie wuͤn— ſchenswerth macht, und die abwechſelnde Benutzung zur Weide fuͤr groͤßere Heer— den die vortheilhafteſte iſt; daß 55 daß aber fuͤnftens: jede andere Benutzungsart und namentlich der Anbau des Klees und anderer Futter⸗ gewaͤchſe, die Zuſammenlegung der Grund⸗ ſtuͤcke nicht erfordert; ſondern dazu hin⸗ laͤnglich ſey, daß der Acker frey beſtellt werden koͤnne, und keiner Servitut in Hinſicht der Weide oder ſonſt unterliege. So wie die Erfahrung der cultivirteſten aͤn⸗ der, namentlich der Pfalz, der Rheingegenden und der Niederlande dieſe Wahrheit beſtaͤtigt, ſo lehrt uns ſechstens, deren Beiſpiel und unſere eigene Erfahrung: daß intenſive Cultur die vortheilhafteſte und ſicherſte ſey, indem in dem Grade, wie ſie zunimmt, die Beſtellungskoſten ſich mindern und die Erndten beſſer werden. Fuͤr unſer Clima iſt ſie doppeltes Beduͤrfniß, weil ſolches tiefe Ackerung, viel Waſſerabzuͤge und ſtarke Duͤngung erfordert, und weil ohne dieſe Be⸗ dingungen die Blaͤtter⸗- und Wurzel⸗Gewaͤchſe nicht gerathen, deren ſtarker Bau wieder Bedin— gung eines der Duͤngung und Nutzung wegen zu haltenden zahlreichen Viehſtandes iſt. C2 Je 56 Je groͤßer der Geld- und Arbeits-Aufwand iſt, den der Bau dieſer Wurzelgewaͤchſe erfordert, und je nachtheiliger der Umſtand wirkt, daß wir wegen des langen Winters groͤßere Futtervorraͤthe und Gebaͤuderaum beduͤrfen, als die Suͤd- und Abendlaͤnder, deſto noͤthiger wird ſiebtens die Regel: das uͤbrige— der intenſiven Cultur nicht gewidmete Land, ſo zu benutzen, daß es nur ſehr wenig Arbeit erfordere, und doch den Wirthſchaftsbeduͤrfniſſen weſentlich zu Huͤlfe komme. Dieſes geſchieht in der Regel am zweckmaͤßig⸗ ſten, wenn wir dergleichen Land der Weide mit der Beſtimmung widmen, daſſelbe nur ſo oft umzu— brechen, wie ſich ſeine Narbe verſchlechtert, und es nur abwechſelnd ſo weit mit reifendem Getreide zu beſtellen, als es geduͤngt werden kann. Bei dieſer Behandlung erhaͤlt man von der erſten Fruͤhlingszeit an, bis ſpaͤt in den Herbſt gute und eintraͤgliche Weide, man vermindert den koſt⸗ baren Winterfutter-Bedarf und Gebaͤuderaum dafuͤr, und bewirkt durch Ruhe, Weideduͤnger und Umbruch, ſo wie durch Verrotten der Narbe mit 37 mit jeder Erneuerung derſelben auch eine Verbeſſe— rung und Erhoͤhung des Werths dieſes Landes. So wenig bei den aͤlteren als neueren Wirth⸗ ſchaftsmethoden ſind die vorbemerkten Grundſaͤtze gehoͤrig in Anwendung gekommen. Bei jenen deshalb nicht, weil ſie auf den in der Vorzeit un— bekannten oder nicht uͤblichen Klee⸗ und Wurzel⸗ gewaͤchsbau nicht berechnet waren, und bei den neueren aus dem Irrthum, daß der Bau dieſer Fruͤchte in ein Syſtem gebracht und ſolchem Kop⸗ pelwirthſchaft vorhergehen muͤſſe. Dieſem Irrthum hauptſaͤchlich verdanken wir unſere unvollkommene agrariſche Geſetzgebung. Indem man naͤmlich dadurch verleitet wurde, die Zuſammenlegung der Grundſtuͤcke eines Hofes fuͤr unerlaͤßliche Bedingung der beſſeren Cultur zu hal⸗ ten, ſo ließ man den Grundbeſitzern nur die Alter⸗ native, entweder zu dieſer Separation zu ſchreiten und damit alle Gemeinſchaft mit anderen aufzuhe— ben, oder aber in der laͤſtigſten Communion zu bleiben. Die großen Guͤter haben in der Regel die erſte Alternative gewaͤhlt, die Bauerguͤter hingegen ſind beinahe allgemein in der Communion geblieben, weil 58 weil Special⸗Separationen bei kleinen Guͤtern ohne Ausbau ſehr ſchwierig ſind, ſolche ſelbſt mit die— ſem oft große Hinderniſſe finden, und es dabei ge— woͤhnlich an Mitteln fehlte, den Aufwand zu be— ſtreiten. Der Letztere iſt bei Special⸗Separationen in der Regel ſehr groß und in Verbindung mit dem Revenuͤen⸗Verluſt, welcher mit dem Syſtemwech⸗ ſel gewoͤhnlich mehr oder weniger verbunden iſt, eine der hauptſaͤchlichſten Urſachen der Verſchul⸗ dung der Guͤter. Der Aufwand wird bei den geſunkenen Pro⸗ duktenpreiſen doppelt empfindlich, und da es zu⸗ gleich ſchwer wird, Meliorations-Capitale gelie⸗ hen zu erhalten; ſo iſt es dringendes Beduͤrfniß, Verbeſſerungsmittel zu waͤhlen, die einfach ſind und ohne Koſten und Schwierigkeiten zur Anwen⸗ dung kommen koͤnnen. Dieſe Mittel enthaͤlt das Cultur⸗Edikt. Sie beſtehen im Weſentlichen darin, daß wir a) ohne eine Ackerumlegung zu verlangen, ein Drittel der Aecker fuͤr huthfrei erklaͤren; b) die uͤbrigen Servitute in die geſetzlichen Schranken verweiſen, und da, wo ſie hin⸗ derlich 59 derlich ſind, gegen angemeſſene Entſchaͤdi⸗ gung, nach dem Uiecheil ſachverſtaͤndiger Schiedsrichter, abloͤslich machen; endlich daß wir c) alle und jede Einſchraͤnkungen des Grundei— genthums, welche in der Verfaſſung gegruͤn⸗ det waren, aufheben, und jedem Grundei— genthuͤmer geſtatten, uͤber ſeine Grundſtuͤcke im Ganzen und einzelnen willkuͤhrlich zu dis— poniren, inſofern nicht Rechte, welche Drit— ten darauf zuſtehen, entgegen ſind. Auf ſolche Weiſe halten wir zwiſchen den bei— den Extremen der gaͤnzlichen Aufhebung und unbe⸗ ſchraͤnkter Fortdauer der Ackergemeinſchaft die Mitte. Wir koͤnnen, ohne durch Specialſepara⸗ tionen unſere Kraͤfte zu ſchwaͤchen, und den Beſitz— ſtand zu alteriren, ſofort zu der hoͤheren Cultur uͤbergehen und dabei dennoch die Communion und Weideberechtigung noch ſo weit benutzen, wie ſie nuͤtzlich oder noͤthig fuͤruns bleibt. Wir behalten uns aber den Weg offen, auch das uͤbrige Land aus der Communion zu ziehen, ſobald ſolche an— faͤngt, einer vortheilhaften Cultur⸗Erweiterung hinderlich zu werden. Das 4⁰ Das bisherige Verbeſſerungs⸗Verfahren fing mit Niederreißen an, und der Aufbau wurde dann oft nicht vollendet. Wir beginnen mit letzterem, und da wir nicht eher niederreißen, bis wir etwas beſſeres an die Stelle haben, ſo kann bei einer ver⸗ nuͤnftigen Behandlung die Vollendung nicht wohl fehlen. Wir erreichen das hoͤchſte Ziel, ohne uns den Opfern und Zerruͤttungen auszuſetzen, die es bisher oft vereitelten. Aber jene Cultur-Freiheit kann nur da recht wirkſam und wohlthaͤtig ſeyn, wo ſie mit freyer Dispoſition und ſicherem Beſitz verknuͤpft iſt. Es iſt alſo noͤthig, daß die Beſitz⸗Stoͤrungen, welche durch gezwungenen Acker⸗Umtauſch bei Special⸗ Separationen eintreten, auf die Faͤlle eingeſchraͤnkt werden, wo letztere entſchieden nuͤtzlich fuͤr alle Theile ſind, und alſo die Unannehmlichkeit, Grund⸗ ſtuͤcke, auf die man Fleiß und Muͤhe verwendet hat, und die durch langen Beſitz werth geworden ſind, gegen andere, die man nicht kennt, weggeben zu muͤſſen, durch die vollſtaͤndigſte Entſchaͤdigung verguͤtet wird, Vor allen Dingen aber iſt außerdem erforder⸗ lich, daß das Eigenthum da unbeſchraͤnkt verliehen werde, 41 werde, wo es bisher nur unvollſtaͤndig oder gar nicht vorhanden war. Dies gilt von dem groͤßten Theil der Bauernlaͤnder der Monarchie, mithin von der Haupt⸗Maſſe der Grundbeſitzungen. Wer vermag zu mißkennen, daß es Wohlthat fuͤr die Intereſſenten, daß es großer Gewinn fuͤr den Staat ſeyn werde, wenn das Band geloͤs't wird, welches zwiſchen Ihm, den Gutsherren und Bauern, in Abſicht jener Maſſe von Laͤndereyen beſteht und ſolche gefeſſelt haͤlt? Koͤnnten es die Nachkommen uns wohl vergeben, wenn wir es unterließen, und einem Zuſtande Fortdaner geſtatteten, der uns die ſicherſte und ergiebigſte Quelle der National⸗Wohl⸗ fahrt verſchließt? Nein, ſie koͤnnten es nicht, und ſie wuͤrden ſogar das Verdammungs⸗Urtheil uͤber uns ausſprechen, wenn ſie erfuͤhren, daß die Ent⸗ feſſelung dann noch unterblieben ſey, als ſie von der Noth erfordert wurde. Wirklich, wir duͤrfen es uns nicht verhehlen, daß ein hoher Drang vorhanden iſt, das zwiſchen dem Gutsherrn und Bauern beſtehende Verhaͤltniß aufzuloͤſen! Die Lage Beider iſt durch den letzten zerſtoͤrenden Krieg und ſeine noch boͤſeren Folgen in Abſicht der Commerz⸗Hemmung, ſo ſchlimm ge⸗ 4² geworden, daß ſchlechterdings außerordentliche Huͤlfen noͤthig ſind, wenn wir nicht Gefahr laufen wollen, daß alles zu Grunde gehe. Der Staat kann bei eigener Verlegenheit dieſe Huͤlfe nicht ge⸗ ben, ſondern iſt im Gegentheil genoͤthigt geweſen, die Noth durch neue Abgaben zu vermehren. An⸗ dere Huͤlfsquellen ſind verſtopft. Der Real⸗Credit der Guͤter iſt erſchoͤpft. Die Bauern hatten ihn nicht, und fordern ſie Huͤlfe vom Gutsherrn, ſo muß ſie, der geſetzlichen Verpflichtung und des be⸗ ſten Willens ohngeachtet, oft verſagt werden, weil es an eigenen Mitteln fehlt, und Geld⸗Aufnahmen nur ſelten noch zu bewirken ſind. Erzwaͤnge der Staat gleichwohl die fuͤr die Bauern noͤthige Un⸗ terſtutzung und die Herſtellung ihrer Praͤſtations⸗ Faͤhigkeit, ſo wuͤrden die Guts⸗Einkuͤnfte doch oft dazu nicht hinreichen, und noch wohl Holz⸗Ver⸗ kaufe und dergleichen zu Huͤlfe genommen werden muͤſſen. Die Gutsherren verloͤren alſo ihre Ein⸗ kommen, die Glaͤubiger erhielten keine Zinſen und die Subſtanz der Guͤter wuͤrde vermindert oder ge⸗ ſchwaͤcht. Alles ginge ruͤckwaͤrts, und doch wuͤrde es viele Faͤlle geben, wo ſelbſt durch dieſe druͤckende und harte Geltendmachung der dem Staate und den 45 den Bauern gegen die Gutsherrn zuſtehenden Rech⸗ te keine Huͤlfe fuͤr jene zu bewirken ſein wuͤrde. Gewiß waͤre es der groͤßte ſtaatswirthſchaft— liche Misgriff, wenn der Staat hier nur das Recht verfolgen und nicht lieber nach Mitteln forſchen wollte, der Noth auf eine milde und ſichere Art zu begegnen. Die edlen landesvaͤterlichen Geſinnungen un— ſers guͤtigen Monarchen und eine weiſe Regierungs— Politik gebieten dies Letztere unbedingt. Die In— ſtitutionen, woraus die jetzige uͤble Lage entſpringt, ſind aus der Vorzeit auf uns vererbt. Die gegen⸗ waͤrtigen Grundherrn ſind unſchuldig an ihren Maͤn⸗ geln; es wuͤrde alſo empoͤrend hart ſein, wenn der Staat ſie die Folgen buͤßen laſſen wollte. Aber eben ſo unweiſe und hart gegen die Bauern waͤre es auf der andern Seite, wenn man ſie ihrem Schickſale uͤberließe und nicht dafuͤr ſorgte, daß ihnen die Huͤlfe, die ihnen die Gutsherrn durch Unterſtuͤtzungen und Erlaß von Laſten geben ſollten und nicht geben koͤnnen, auf eine andere Weiſe er⸗ ſetzt wuͤrde. Bei der Allgemeinheit des Beduͤrfniſſes muͤſſen die die Mittel nahe liegen und leicht anwendbar ſeyn. Sie ſind gluͤcklicherweiſe gefunden und beſtehen: a) in einer einfachen und gruͤndlichen Ausein— anderſetzung zwiſchen den Gutsherrn und Bauern; b) in der Verleihung eines unbeſchraͤnkten Ei⸗ genthums an die letzteren; c) in Beſtimmungen, welche auch verſchulde⸗ ten Guͤtern das Parcelliren erleichtern und die Verwendung eines Theils der Kaufgelder zu Wirthſchafts⸗Nothdurften verſtatten. Die erſten zwei Punkte ſind weſentlich noͤthig fuͤr die Bauern, und die beiden letzteren ſind es fuͤr die Gutsherrn. Denn die Parcellirung kann nur bei hinlaͤnglicher Concurrenz Fortgang haben, dieſe aber iſt nur zu erwarten, wenn der Reiz des Eigen⸗ thums lockt, und Letzteres den Bauern Mittel ver⸗ ſchafft, kaufen zu koͤnnen. Dieſe Mittel eines erſt entſtehenden Credits,— die ſchon vorhandenen und zum Theil bisher verborgen gehaltenen Mit⸗ tel,— das Landbeduͤrfniß/ welches in Folge der freien Vererbung und Erwerbung der Grundſtuͤcke ent⸗ ſtehen wird,— muͤſſen und werden die Nachfrage nach Land eben ſo ſehr vermehren, als ſolches vertheuern, und 45 und dieſe Wirkung wird mit jedem Jahre zuneh⸗ men, bis der voͤllige Anbau des Landes und die voll⸗ ſtaͤndige Entwickelung der Productions⸗Faͤhigkeit ihr Grenzen ſetzt. Ueberzeugt, daß hierin die Gutsherrn einzig und allein Huͤlfsmittel bei außerordentlichen Geldbe⸗ durfniſſen jetzt noch finden koͤnnen, werden ſie da⸗ her gern und mit Dank die Einrichtung annehmen, die der Staat wegen Regulirung ihrer Verhaͤlt⸗ niſſe in Abſicht der Bauern durch das oben erwaͤhn⸗ te erſte Edict zu treffen fuͤr heilſam und noͤthig be⸗ funden hat. Dies Edict beruhet auf folgenden Grundſaͤtzen: 1) Die Abhaͤngigkeits⸗Verhaͤltniſſe der Bauern ſollen gaͤnzlich doch ſo allmaͤhlig geloͤs't wer— den, daß der Wirthſchaftsbetrieb der Guts⸗ herrn nicht leide; 2) Die Gutsherrn ſollen fuͤr die ihnen dadurch entgehende reine und rechtsgemaͤße Benutzung entſchaͤdigt werden, mithin ſich 3) gefallen laſſen, daß von dem Werth den die Dienſte und Abgaben der Bauern in ſich haben, dasjenige in Abzug komme, was dieſen dagegen durch Unterſtuͤtzungen aller Art, Art, durch die Steuer⸗Vertretung und durch Holz⸗ und Weide⸗Berechtigungen geleiſtet werden mußte. 4) Der Entſchaͤdigungs⸗-Anſpruch des Guts⸗ herrn beſchraͤnkt ſich auf die bisherige Nutzung nach 2. und 3. und erſtreckt ſich folglich nicht auf die Vortheile, die der bisherige Unterthan aus ſeiner freien Dis⸗ poſition und Benutzung kuͤnftig ziehen kann. Auch unterliegt 5) dieſer Entſchaͤdigungs⸗Anſpruch der ſtaats⸗ rechtlichen Beſchraͤnkung, daß wenn die Dien⸗ ſte und Abgaben der Bauern ſo hoch ge— trieben ſind, daß ſie dabei nicht beſtehen koͤn⸗ nen, und die Steuerfaͤhigkeit ihrer Hoͤfe ge⸗ ſchwaͤcht wird, nicht das Maas dieſer exceſ⸗ ſiven Nutzung, ſondern nur dasjenige be⸗ ruͤckſichtigt wird, was ohne Druck und Nach⸗ theil fuͤr die Praͤſtations⸗Faͤhigkeit haͤtte ge⸗ leiſtet werden koͤnnen. Es iſt klar, daß eine ſpecielle Auseinander⸗ ſetzung hiernach ſchon in jedem einzelnen Falle große Schwierigkeiten haben, im Allgemeinen aber gar nicht 47 nicht moͤglich ſeyn wuͤrde, da es an der dazu er— forderlichen großen Zahl von Commiſſarien fehlt. Aber auch die groͤßte Zahl wuͤrde mit den be— ſten Faͤhigkeiten nichts ansrichten koͤnnen, weil wir keine Normen haben, wornach das Beſtehen der Bauern und ihre Praͤſtations⸗Faͤhigkeit beurtheilt und mithin die Graͤnze des Entſchaͤdigungs-An— ſpruchs gezogen werden kann. Soll daher die Auseinanderſetzung moͤglich ſeyn, ſo muß dieſe Norm jetzt noch gegeben werden. Dies geſchieht dadurch, daß man pruͤft: a) welche Nutzung der Staat von den Bauer⸗ hoͤfen durch ordentliche und außerordentliche Steuern und Laſten aller Art gehabt hat, oder haͤtte haben ſollen; b) wie viel von dem Guts⸗Ertrage erforder⸗ lich war, um den Unterthan in Stand zu ſetzen, mit ſeiner Familie als Menſch leben, die Communal⸗Laſten tragen und die Wirth⸗ ſchaftskoſten beſtreiten zu koͤnnen; c) wie viel ſonach von dem Gutsertrage fuͤr dem Gutsherrn uͤbrig blieb; d) wird dieſer Betrag mit dem Werth der baͤu⸗ erlichen Leiſtungen verglichen, ſo iſt der Ue⸗ ber⸗ 48 berſchuß derjenige Betrag, der auf die Ge— genleiſtung des Gursherrn gerechnet werden muß. Zu a. iſt notoriſch, daß die gewoͤhnliche Grund⸗ ſteuer ſchon 25 bis 30 und 33 pro Cent des Er⸗ trags ausmachen ſoll, und daß mithin, wenn die Nebenlaſten von Vorſpann⸗ und Fourage⸗Liefe⸗ rung, oder die neuen, an deren Stelle gekommene Abgaben, nebſt Einquartierung und vorkommen⸗ de Extra⸗Steuern in Betracht kommen, mit Sicherheit angenommen werden kann, daß der Anſpruch des Staats an die Nutzung der contri— buablen Bauerguͤter 40 bis 50 pro Cent betraͤgt, und daß er ſo hoch mit Recht geltend gemacht werden koͤnnte; Zu b. iſt es nicht minder notoriſch, daß die Erhaltung der Familie und der Wirthſchaft nebſt den Communal⸗-Laſten, mindeſtens 30 bis 40 pro Cent des Ertrags erfordert. Die Littauiſchen Herrn Deputirten bemerken in einem Gutachten, daß Unterſuchungen uͤber das Beſtehen der Bauern immer das Reſultat ge⸗ geben haͤtten, daß ſie nicht beſtehen koͤnnten. Dem⸗ 49 Demnach wuͤrden zu c. fuͤr den Gutsherrn nur 15 bis 30 pro Cent Nutzungs⸗Antheil uͤbrig bleiben, und es iſt klar, daß das Mehrere auf Koſten des Staats⸗ Anſpruchs, oder des menſchlichen Beſtehens der Bauern bezogen worden iſt. Wenn daher der Staat den Gutsherrn jetzt zugeſteht: daß ſie von erblichen Bauerguͤtern Ein Drit⸗ tel, von unerblichen aber die Haͤlfte der Guts⸗ Nutzung erhalten ſollen; ſo bekommen ſie offenbar mehr, als ihnen nach ſtrengem Recht zukommen wuͤrde. Auf Koſten der Bauern wird dies Mehrere nicht gegeben, denn ſtatt 30 bis 40 pro Cent er- halten ſie 50 bis 66, und tragen davon nichts weiter als die ſehr maͤßige Grundſteuer. Der Staat allein iſt es, der von ſeinem Antheile her⸗ giebt, und da er dies vorzuͤglich bei den unerb⸗ lichen Guͤtern auf eine hoͤchſt liberale Weiſe zum Beſten der Gutsherrn thut, ſo kann die Ungleich⸗ heit, welche in deren Exactionen ſtatt findet, nie⸗ mals den Anſpruch bis zu dem obigen Entſchaͤdi⸗ gungsbetrage erreichen, ſondern es folgt nur, daß D fuͤr fuͤr die ſtrengen Gutsherrn, welche die Bauern ſtark angegriffen haben, jetzt weniger Vortheil bei der Ausgleichung als fuͤr diejenigen iſt, welche ihre Unterthanen mit Milde und Schonung be⸗ handelten. Der Staat belohnt jetzt die letztere, ohne die ſtaͤrkere Anziehung zu beſtrafen, und dies iſt ſo gerecht und billig, daß ſich hoffentlich Nie— mand daruͤber beklagen wird. So angemeſſen und vortheilhaft fuͤr die Guts⸗ herrn und Bauern die Beſtimmung wegen der Entſchaͤdigung iſt, eben ſo genuͤgend ſind die Feſt⸗ ſetzungen, welche in Abſicht der Art und Weiſe der Gewaͤhrung gegeben ſind. Um den Vortheil eines allgemeinen Entſchaͤdi⸗ gungsprinzips zu erhalten, mußte ſolches ſo hoch angenommen werden, daß es auch den hoͤchſten Anſpruch befriedigt. Aber nun kam es weiter noch darauf an, die Anwendung ſo zu treffen, daß die großen Verſchiedenheiten, die in den Local— Verhaͤltniſſen liegen, beruͤckſichtigt werden, und daß dennoch das Verfahren einfach ſey. Auch dieſe ſchwierige Aufgabe iſt geloͤßt wor— den. Indem man die Alternative ſtellt, den Nutzungsantheil des Gutsherrn von 33½ pro Cent bei 51 bei den erblichen, und von 50 pro Cemm bei den bisher nicht erblichen Bauerguͤtern entweder durch Land oder den Ertrag davon zu gewaͤhren, ſo iſt die Oertlichkeit die Baſis der Ausgleichung, und dieſe wird mit dem allgemeinſten Prinzip dennoch hoͤchſt individuel und ſpeciel in der Anwendung. Mit dieſem Vortheil erlangen wir einen an— dern nicht minder erheblichen fuͤr die Cultur. Er beſteht darin, daß in den Faͤllen, wo der Guts⸗ herr die Land⸗Entſchaͤdigung der in Koͤrnern vor⸗ zieht, ſolche dazu benutzt werden kann, ohne foͤrm⸗ liche Separation bedeutende zuſammenhaͤngende pri⸗ vative Grundſtuͤcke zu erhalten, dadurch, daß er eins von den vorhandenen 3 Feldern uͤbernimmt, oder ſich von mehreren Feldern zuſammenhaͤngende Randtheile abtreten laͤßt. Wir duͤrfen nicht zweifeln, daß bei Gelegen⸗ heit dieſer Auseinanderſetzungen auch die Bauern Einrichtungen treffen werden, die zu einer zweck⸗ maͤßigeren Benutzung des in Gemeinſchaft verblei⸗ benden Landes fuͤhren. Sehr paſſend im Allgemei⸗ nen wird die ſeyn, ſtatt drei Feldern viere anzu⸗ nehmen, und davon den Theil, der alle vier Jahre geduͤngt werden kann, zwei Jahre nach einander D 2 mit 52 mit Getreide zu beſtellen, das ungeduͤngte Land aber nach der obengedachten 7ten Regel blos der Weide zu widmen. Hieraus entſteht der bedeu⸗ tende Vortheil, daß das geduͤngte Communland in vier Jahren zwei gute Getreide⸗Erndten liefert, das Jahr nachher eine ſehr gute Weide gewaͤhrt, und im letzten Jahre vom Fruͤhjahr an gebraacht und zur Aufnahme der Winterſaat gut vorbereitet werden kann. Bei dieſer Behandlung erfolgt ſicher eine all⸗ maͤhlige Verbeſſerung des Communlandes und wird ſolches demnaͤchſt nach Vollendung der Cultur des huthfreien Drittels ebenfalls huthfrei; ſo iſt der hoͤheren Cultur ſo vorgearbeitet, daß ſie auch hier ſchnelle Fortſchritte machen kann. Die großen und ſchoͤnen Zwecke, welche wir auf ſolche Weiſe verfolgen, werden doppelt wohl⸗ thaͤtig, wenn wir einen leichten und gefahrloſen Uebergang vom Alten zum Neuen moͤglich machen. Wir gelangen dahin auf eine ſehr einfache Weiſe, dadurch nemlich, daß wir die Ausfuͤhrung der Auseinanderſetzung mit den Bauern von der Regulirung trennen, und fuͤr jene eine Friſt von beinahe fuͤnf Jahren geſtatten, waͤhrend welcher da/ —— 55 da, wo die Dienſte nicht entbehrt werden koͤnnen, alles in dem bisherigen Zuſtande bleiben darf, wo⸗ bei blos die ſehr heilſame Beſchraͤnkung ſtatt findet, daß die Beſtimmung, wie das Verhaͤltniß kuͤnftig ſeyn wird, gleich nach Ablauf der zwei Einigungs⸗ jahre erfolgen muß. Zu den Mitteln eines leichteren Ueberganges gehöͤrt auch ferner: daß einige Huͤlfsdienſte beibe⸗ halten werden duͤrfen. Sie ſind den meiſten Guͤ⸗ tern ſehr noͤthig, und fuͤr die Bauerguͤter un⸗ ſchaͤdlich. Indeß werden ſie nach zwoͤlf Jahren abloͤslich, damit die Idee von Dienſtbarkeit, den Werth der Bauerguͤter nicht vermindere und den Erwerb derſelben erſchwere. Beſonders wichtig und wohlthaͤtig iſt es, daß nun die Benutzung der Culturfreiheit, vorzuͤglich bei den Bauern, ohne Geldaufwand und kuͤnſtliche Mittel ſtatt finden kann. Bisher glaubte man ohne Vieh⸗ und Futterzukauf, ohne Separation und ohne Umaͤnderung des Ackerſyſtems nichts reel⸗ les bewirken zu koͤnnen. Auf die Beiſpiele, die in dieſer Beziehung von vermoͤgenden Guesbeſitzern gegeben waren, wurden diejenigen gewoͤhnlich ver⸗ wieſen, die Verbeſſerungen vornehmen wollten. Aber 54 Aber nur der Wohlhabende konnte ſie nachahmen. Eine allgemeine Nachfolge war unmoͤglich, theils aus Mangel an Gelde, theils und hauptſaͤchlich auch aus Mangel an Gelegenheit zum Vieh- und Futterankauf. Einzelne Guͤter finden ſolche wohl. Aber wenn dieſer Ankauf allgemeines Beduͤrf⸗ niß wird, wenn der groͤßte Theil der Grundbeſitzer Vieh und Futter kaufen will, wo ſollen wir denn die finden, die es verkaufen? Da iſt's ja auf der Stelle klar, daß mit ſolchen Mitteln im Allge— meinen nichts auszurichten iſt, und daß ganz an— dere Wege eingeſchlagen werden muͤſſen, wenn wir in der Oekonomie vorwaͤrts kommen wollen. Auch hier koͤnnen nur Mittel, die nahe liegen und leicht anzuwenden ſind, aushelfen. Objektiv gewaͤhrt ſie die Huthfreiheit eines Theils des Ackerlandes und ſubjektiv eine verſtaͤndige Benutzung derſelben. Faͤngt man nemlich damit an, etwas Futterge⸗ waͤchſe zu bauen, und das ſchon vorhandene Vieh gut zu fuͤttern, verbindet man damit die Aufzucht mehreren Viehes und laͤßt mit deſſen Heranwuchs den Futtergewaͤchsbau Schritt halten, ſo kann man ſeinen Viehſtand in 6 bis 8 Jahren verdop⸗ peln, ohne noͤthig zu haben, auch nur ein einziges Stuͤck 55 e Stuͤck und fremdes Futter zuzukaufen. Das als⸗ dann eintretende mehrere Stallbeduͤrfniß koſtet auch nicht viel, weil man Zeit hat, ſich darauf vorzu⸗ bereiten, und die Baumaterialien in arbeitsfreien Perioden nach und nach heranzuziehen. Alles ent⸗ wickelt ſich ohne Schwierigkeit allmaͤhlig aus ſich ſelbſt, und eben deshalb koͤnnen wir uns ein großes Reſultat mit Sicherheit verſprechen. Selbſt bei der Fortdauer der jetzigen unguͤnſtigen Zeitumſtaͤnde koͤnnen wir dieſer ſtillen und anſpruchloſen Ent⸗ wickelung entgegen ſehen, denn ſie hat anderwaͤrts und namentlich in unſeren ehemaligen fraͤnkiſchen Provinzen bei ADerultdiſen ſtatt gehabt, die noch nachtheiliger wie die ſind, worin wir uns jetzt be⸗ finden. Der Pui und die Abgaben von den Laͤn⸗ dereien waren dreimal ſo hoch, wie hier, und den⸗ noch war es ſchwierig, die Produkte zu den Prei— ſen abzuſetzen, die ſie bei uns die letzte Zeit gegol⸗ ten haben. Dabei fand beinahe allgemein Acker⸗ und Weide⸗Communion ſtatt, und blos in Folge einer gegenſeitigen Convenienz wurde die Braache mit der Huͤtung verſchont. Iſt es demnach klar, daß eigentlich nur in Folge der freien Vererbung und Parzellirung der Bauernguͤter der Landpreis und 56 und die Bevoͤlkerung dort dreimal ſo hoch ſtiegen, wie bei uns, welche Hoffnungen muß denn nicht der Zuſtand erregen, der jetzt durch die neue agrari⸗ ſche Geſetzgebung in unſrer Monarchie begruͤndet wird? Wahrlich, wir ſind berechtigt, mit recht viel Vertrauen in die Zukunft zu blicken! Ein ſehr weſentliches Beduͤrfniß fuͤr die Cultur⸗ Erweiterung iſt eine zweckmaͤßige Behandlung der Gemeinheits⸗Theilungsſachen. Sie muß zugleich techniſch und juridiſch ſeyn, damit ohne Verletzung der Rechtsanſpruͤche die groͤſtmoͤglichſten Cultur— Vortheile erlangt werden koͤnnen. Wir bewirken dies am ſicherſten dadurch, daß wir die Theilungs⸗ Geſchaͤfte ſelbſt in die Haͤnde der Oekonomie⸗Ver⸗ ſtaͤndigen geben, und dieſe in der erſten Inſtanz entſcheiden laſſen, in der zweiten und letzten In⸗ ſtanz hingegen den Rechtsverſtaͤndigen das Ueber⸗ gewicht geſtatten, welches ſie dadurch erhalten, daß das Reviſions⸗Collegium aus zwei Mitgliedern des Landes⸗Oekonomie⸗Collegiums und aus drei Mitgliedern des Ober⸗Landesgerichts gebildet wird, von deren letztern einer das Directorium fuͤhrt. Bei dieſem Verfahren wird mit Gruͤndlichkeit und Rechtlichkeit zugleich Einfachheit und Kuͤrze bewirkt. Das 57 Das eben erwaͤhnte Landes⸗Oekonomie⸗Colle⸗ gium wird in der Abſicht etablirt, den Landes⸗ Oekonomie⸗ und Culturſachen einen ſchnellen ſiche— ren und zuſammenhaͤngenden Betrieb zu verſchaf⸗ fen. Die neue Geſtaltung des platten Landes wird ſo viele und mancherlei Geſchaͤfte veranlaſſen, daß die ohnehin ſchon uͤberladenen Provinzial⸗Regie⸗ rungen ihnen nicht wuͤrden vorkommen koͤnnen, und jene Anordnung dringendes Beduͤrfniß iſt. Wir duͤrfen uns davon um ſo mehr einen guten Erfolg verſprechen, da der General⸗Commiſſair zur Regulirung der gutsherrlichen und baͤuerlichen Verhaͤltniſſe dieſem Collegium praͤſidiren, und da⸗ durch Einheit in die Behandlung aller dieſer ſich eng beruͤhrenden Sachen bringen wird. Das Edict wegen dieſer letzterwaͤhnten Ver⸗ haͤltniſſe umfaßt in Hinſicht der Grundprincipien die ganze Monarchie; aber indem dieſe den Zweck ſichern, alles Laͤſtige, Hemmende und Ungewiſſe zu entfernen, und ſo eine gleichmaͤßige Verfaſſung zu gruͤnden, ſo hat man doch uͤber die Mittel ſo weit freie Hand gelaſſen, daß die provinziellen und oͤrtlichen Verhaͤltniſſe beruͤckſichtigt und befriedigt werden koͤnnen, und damit dieſes auch wirklich ge⸗ ſchehe, 58 3— ſchehe, ſo werden die General⸗Commiſſarien noch beſondere hierauf abzweckende Anweiſung erhalten. Von ſehr bedeutendem und wohlthaͤtigen Ein⸗ fluß auf die Landes⸗Cultur wird die Verbind ſeyn, worin die praktiſchen Landwirthe, denen es um Leneernns der Wiſſenſchaft zu thun iſt, durch die Landwirthſchafts⸗Geſellſchaft mit einander treten werden, deren die Verordnung wegen Befoͤrderung der Landes⸗Cultur erwaͤhnt. Mit Ausnahme des von Sinclair errichteten Ackerbau⸗Amtes in England waren die zablloſen oͤkonomiſchen Geſell⸗ ſchaften im Allgemeinen von nur unerheblichem Nuen fuͤr die eigentliche Landes⸗Cultur, wovon der Grund in ihrer Organiſation, in der Wahl ihrer Mitglieder, 6 aber in dem Mangel an Zuſammenhang unter ſich, an der Verbindung zu einem Ganzen und an dem Central⸗Punkte, wie auch an fehlender Unterſtuͤtzung abſeiten der Regierung lag. Jetzt, da wir dieſe Fehler und Maͤngel kennen, werden wir ſie vermeiden. Das Central⸗Buͤreau der ganzen Monarchie wird durch die Diſtricts⸗Aſſociationen in eine ge⸗ naue Kenntniß des Cultur⸗Standes jedes einzelnen Diſtricts geſetzt. Es erhaͤlt auf dieſem Wege uͤber alles —— 59 alles die erforderliche Auskunft und gepruͤfte Vor⸗ ſchlaͤge ſachkundiger Maͤnner. Die Faͤhigkeiten und der Eifer der einzelnen Individuen werden ihm auf dieſem Wege genau und ſicher bekannt, und es kann dieſe Kenntniß wieder zu andern wohl— thaͤtigen Zwecken benutzen. Im Mittelpunkt dieſes Syſtems iſt das Central⸗Buͤreau gleichſam die alles erwaͤrmende Sonne; von ihr verbreiten ſich die er— leuchtenden Strahlen, mittelſt der Diſtriets⸗Aſſo⸗ ciationen, in alle Theile der Monarchie und werden unter Beihuͤlfe der Regierung die gluͤcklichſten Fol⸗ gen hervorbringen. Es kann nicht fehlen, daß durch dieſe verſchie— denen Anſtalten große Wirkungen werden hervor⸗ gebracht werden. Sie erſtrecken ſich auf alle Staͤnde und Verhaͤltniſſe. beruͤhre hier nur einige der wichtigſten Vortheile. Wir gelangen A. zu einer beſſeren Benutzung und vollen Anwen⸗ dung der vorhandenen Kraͤfte. Sie entſteht im Allgemeinen durch die Eigenthums⸗Verleihung und Aufhebung aller Beſchraͤnkungen des Eigen⸗ thums, insbeſondere aber 1) bei den Bauern, durch die Dienſt⸗Aufhe⸗ bung 60 bung und durch das lebendige Intereſſe, wel⸗ ches ſie durch die Freiheit, ihre Beſitzungen unter mehrere Kinder zu vertheilen, erhalten. Dieſer Vortheil iſt von großer Wichtigkeit. Bei geſchloſſenen Hoͤfen und der nothwendi— gen Vererbung auf eins der vorhandenen meh⸗ reren Kinder, arbeiten diejenigen, welche wiſſen, daß ſie den Hof nicht bekommen, mit Widerwillen, weil ſie glauben, daß ihr Fleiß nicht dem Vater, ſondern dem ohnehin ſchon zu ſehr beguͤnſtigten und deshalb beneideten Bruder zu Gute komme. Die Mutter be⸗ muͤht ſich gewoͤhnlich, fuͤr die nicht erbenden Kinder etwas bei Seite zu ſchaffen, um ihnen die fremde Knechtſchaft, die nach dem Tode des Vaters ihr gewoͤhnliches Loos iſt, zu er— leichtern. Selbſt der Vater macht es oft nicht anders. Es beſtand alſo in der Familie des Hofbeſitzers ein getheiltes Intereſſe, wo⸗ von der uͤberwiegende Theil gegen den Hof und deſſen Cultur gerichtet iſt, und die letztere um ſo mehr leiden muß, da in Ermangelung des Credits die Haͤnde der Familie das einzige Capital ſind, womit die Wirthſchaft betrieben wird. 61 wird. Alles dieſes aͤndert ſich durch die Theilbarkeit der Hoͤfe und die freie Verer⸗ bung auf mehrere Kinder. Dieſe bekommen nun ſaͤmmtlich ein gemeinſames Intereſſe und arbeiten von Jugend auf mit Luſt und Freude, weil ſie wiſſen, daß die Verbeſſerungen, welche gemacht werden, auch ihnen zu Gute kommen. Die Eltern unternehmen nun Vieles, was erſt in der Zukunft Fruͤchte bringt und ſonſt unterblieben ſeyn wuͤrde, und ſo kommt es denn dahin, daß das Moͤgliche fuͤr die Cultur auch hier geſchieht. Man hat es bisher fuͤr unmoͤglich gehalten, die Bauern dafuͤr empfaͤnglich zu machen, weil man glaubte, es fehle ihnen an Intelligenz und Induſtrie. Das Familien⸗Intereſſe— das ſicherſte, natuͤrlichſte und allgemeinſte von Allen— wird den Mangel erſetzen und Wir⸗ kungen hervorbringen, welche die der gelehr⸗ ten Bewirthſchaftung oft hinter ſich laſſen werden. 2) Bei den Tageloͤhnern entſteht die Kraft⸗Ent⸗ wickelung durch den Reiz des Land⸗ und Ei⸗ genthums⸗Erwerbs. Ohne die jetzt erleich⸗ terte 62 1 terte Gels aepei dazu, wuͤrde eine Kraftver⸗ minderung zu beſorgen ſeyn, indem der Ta⸗ gihuet gewvobet iſt, nur ſo viel zu arbeiten, wie er zu ſeiner Erhaltung bedarf, und hiezu bei dem hohen Tagelohn und geſunkenen Prei⸗ C 6 ſen der erſten Lebensbeduͤrfniſſe kaum zwei Drittel der ſonſtigen Anſtrengung noͤthig ſind. Jetzt werden viele der Letzteren noch wohl ein Drittel hinzufuͤgen, wodurch denn bewirkt wird, daß der kraͤftigere Theil der Tageloͤh⸗ ner⸗Elaſſe beinahe noch einmal ſo viel leiſtet, wie er bei Fortdauer des bisherigen Zuſtandes geleiſtet haben wuͤrde. Schon durch die vor⸗ bemerkten Umſtaͤnde entſteht — auch fuͤr die Gutsherrn ein bedeutender ℳ Kraft⸗Zuwachs; aber wichtiger iſt noch a) daß eine ſorgſamere Verwendung der Be⸗ triebs-Kraͤfte ſtatt haben wird, und daß b) die Hemmungen aufhoͤren werden, die die beſſere Cultur durch die Beſtellung der Dienſtbauern erfuhr und die Intelligenz jenes Standes fuͤr die Landwirthſchaft ſehr oft unwirkſam machten. Hiernaͤchſt er⸗ halten G) die ndie neuen Anſiedelun⸗ gen Behufs derſelben Bau⸗ und ſodann fortwaͤhrend Brenn⸗Holz beduͤrfen. „Die Lultur erhaͤlt eine ſichere und dauernde Baſis. Alle Canaͤle, deren ſie bedarf, werden geoͤſſnet, ohne daß irgend eine Quelle, die bis⸗ her fuͤr ſie benutzt wurde, verſchloſſen wird. wir zwar da, wo eine beſſere Benutzung ein — treten kann, einſchraͤnken, aber auf den Burfeh ferner noch benutzen, wo ſie in dieſer Beziehung unſchaͤdlich ſind. je wichtiaſte u cſe Gafg pf d; Die wichtigſte und naͤchſte Huͤlfe erhaͤlt die 1) durch die Freimachung eines Drittels der 7 7— Ackerlaͤnderei von der Huͤtung und ge nen Felder⸗Beſtellung; 2) durh Verweiſung der Servitute in die ge⸗ ſetzlichen Schranken; 3) durch Herf maͤßigen Land- und Forſtwirthſchaftlichen Polizei. Ganz vorzuͤglich wohlthaͤtig iſt die Beſtim⸗ mung, wodurch ein Drittel des geſammten Ackerlandes der Monarchie Garten⸗Recht erhaͤlt. Bei der unbeſchraͤnkten Benutzung, die hier ſtatt findet, und der Gewisheit, daß dieſer Acker dem Beſitzer niemals durch Separationen oder ſonſt entriſſen werden darf, und daß folglich ein hier gemachter Cultur⸗Aufwand auch niemals mehr verloren gehen kann, wird die Kraft und Induſtrie der Grundeigener vorzuͤglich auf die⸗ ſen Punkt gerichtet werden. Es wird und muß dadurch eine hohe Cultur entſtehen, durch dieſe aber der Werth des privativen Landes ſo ſehr ſteigen, daß man ſich bald entſchließen wird, auch die noch huthpflichtigen zwei Drittel der Acker⸗ laͤnderei nach und nach der Communion zu ent⸗ ziehen und der privativen Benutzung zu widmen. Dies wird um ſo mehr geſchehen, da die letztere auch das Gute haben wird, allgemein die Ueber⸗ zeugung zu verbreiten, daß ein Drittel gut cul⸗ tivirtes Land eine Familie weit ſicherer ernaͤhrt, als drei Drittel, die der Communion unterlie⸗ gen 65 gen und nach dem Schlendrian bewirthſchaftet werden. Einen ſtarken Antrieb zur Benutzung dieſer Huth⸗Freiheit gewaͤhrt die Beſchraͤnkung der Wald⸗Weide durch die Beſtimmung, daß ſolche die Wieder⸗Cultur nicht hindern darf. Die letztere erfordert dieſe Einſchraͤnkung ſchlechter⸗ dings, wenn wir endlich dahin kommen wollen den Verwuͤſtungen unſerer Waͤlder Grenzen zu ſetzen und neue Forſt⸗Anlagen moͤglich zu ma⸗ chen, die kuͤnftig um ſo noͤthiger werden, da das Holz⸗Beduͤrfniß durch die Familien, welche ſich neu einſiedeln, ſucceſſiv vermehrt wird. Beide Maaßregeln,— jene Huthfreiheit und dieſe Weide⸗Beſchraͤnkung,— unterſtuͤtzen ſich alſo gegenſeitig auf das wirkſamſte. Sie mußten aber gleichzeitig genommen werden, wenn die Vortheile davon ohne Opfer verlangt werden ſollten. Schraͤnkte man naͤmlich die Wald⸗Weide ein, ohne daß man zugleich Ge⸗ legenheit gab, den Abgang durch Futtergewaͤchs⸗ bau zu erſetzen, ſo waͤre eine Futter⸗Noth ent⸗ ſtanden; und gab man die Huthfreiheit fuͤr den Acker, ohne die Wald⸗Weide einzuſchraͤnken, E ſo 66 ſo wuͤrden viele traͤge und uninduͤſtrioͤſe Wirthe ſich lieber mit dieſer kuͤmmerlich beholfen als jene benutzt haben.— Von weſentlichem Einfluß auf dies Alles wird weiterhin noch der Umſtand ſeyn, daß die Familien, welche neue Hoͤfe von zuſammenge⸗ kauftem Lande errichten, die Weide⸗ und Holz⸗ Berechtigungen der vorhandenen Hoͤfe nicht mit erwerben koͤnnen. In Ermangelung derſelben muͤſſen ſie ſich einer guten Cultur befleißigen, und indem ſie es thun und dadurch oft weiter ge⸗ langen, als die Wirthe, welche fremde Weide noch mit benutzen, ſo wird dieſe fuͤr entbehrlich geachtet werden, nach und nach fuͤr die kleinen Grundbeſitzer allen Werth verlieren und zuletzt nur noch von den Guͤtern benutzt werden, welche große Schaafheerden beſitzen. Daß zu dieſer allmaͤhligen Aufloͤſung der Wald⸗Weide die Herſtellung einer guten Forſt⸗ Polizei weſentlich beitragen wird, duͤrfen wir nicht bezweifeln. C. Der Zuſtand der Landbewohner wird auch da⸗ durch annehmlicher und weſentlich verbeſſert, daß ſich Handwerker und Fabrikanten auf dem plat⸗ ten 67 ken Lande niederlaſſen duͤrfen, durch deren An⸗ bau einerſeits der Landpreis ſteigt und ein Theil der Produkte einen nahen Abſatz erhaͤlt, ande⸗ rerſeits aber der dandmann Gelegenheit bekoͤmmt, viele Beduͤrfniſſe, die er ſonſt aus der Stadt holen mußte, in der Naͤhe zu kaufen, wobei ſich denn oft ein Umtauſch zwiſchen Handwerkern und Producenten bilden wird, der einen Theil der baaren Betriebs⸗Fonds entbehrlich machen kann; durch dieſe Niederlaſſungen wird auch D. fuͤr die Gewerbe im Allgemeinen der Vortheil erlangt, daß ſie eine angemeſſene Stellung gegen einander erhalten. Jedes wird da getrieben werden, wohin es gehoͤrt, und der Druck, der durch Zunftzwang ausgeuͤbt wurde und in den Staͤdten durch Verabredungen hie und da noch wohl fortdauern kann, verſchwindet durch dieſe Land⸗Concurrenz nach und nach gaͤnzlich. Hierin liegt zugleich E. ein weſentliches Mittel, den burgerlichen Zu⸗ ſtand ſicher zu ſtellen und den produetiven Claſſen der Nation bleibende Staͤtte zu gewaͤhren. So lange die Gewerbe kuͤnſtliche Haltungen haben, ſind ſie ſchwankend, und diejenigen, die ſie trei⸗ E 2 ben, 68 ben, beſtaͤndig der Gefahr ausgeſetzt, erwerblos zu werden, und entweder wandern oder andere Geſchaͤfte treiben zu muͤſſen. Eine ſehr wichtige und beachtenswerthe Folge von dem Allen entſteht ferner . fuͤr die Capitaliſten. Dieſe waren in Gefahr, einen großen Theil der Summen zu verlieren, die ſie auf Guͤter geliehen haben. Dieſe Gefahr verſchwindet, da es gar nicht fehlen kann, daß die vorbe⸗ merkten Umſtaͤnde den Guͤter-Werth ſichern und dem nachtheiligen Einfluß der Zeitumſtaͤn⸗ de entgegen wirken. Nur nothwendige Ver⸗ kaͤufe vieler Guͤter koͤnnten hier ſtoͤren, aber gegen dieſe ſichert das Ediet wegen Aufhebung des Indults auf vier Jahre und bis dahin werden ſich hoffentlich entweder die aͤußeren Umſtaͤnde aͤndern, oder die inneren ſind dann ſchon auf dem Punkte, daß ſie in ſich ſelbſt hinlaͤngliche Haltung haben. Ein weſentlicher Umſtand fuͤr die Sicher heit der Hypotheken iſt noch, daß durch die Auseinanderſetzung mit den Bauern reine und klare Beſitz⸗Verhaͤltniſſe ent⸗ 69 entſtehen und die Gefahr verſchwindet, daß fur das Retabliſſement zuruͤckkommender Un⸗ terthanen und zu deren Vertretung große Summen verwendet werden muͤſſen. Indem ſo das Grund- und Capital⸗Vermoͤ— gen auf allen Seiten geſichert wird, ſo gelan⸗ gen wir dahin G. eine durchaus ſolide Circulation zu erhalten. Sie beſteht nur aus baarem Gelde und aus ſolchen Papieren, die entweder bei den Ko⸗ niglichen Caſſen als baares Geld angenommen werden, oder doch ſpeciell fundirt ſind und ſichere Zinſen tragen. Die Staͤndiſchen ꝛc. Papiere machen hiebei keine Ausnahme, indem die Regulirung der Provinzial⸗Schulden bevorſteht, und hiebei beſtimmt werden wird, welche Fonds ſie zur Deckung erhalten. Die Annahme beim Do⸗ mainen⸗Verkauf, die alsdann kein Bedenken weiter hat, ſichert ihnen dann ebenfalls noch eine ſpecielle Hypothek. Der Werth der Pfandbriefe hat durch die Verpflichtung der Annahme bei Hypothek⸗Kuͤn⸗ digungen gewonnen. Um ihn noch mehr zu ſichern, 70 ſichern, wird fuͤr die richtige Zinszahlung ernſt⸗ lich geſorgt werden. Die ſchoͤnſte Erndte von dieſen mannigfa— chen Saaten hat die Nation im Ganzen zu hoffen! Der Staat gewinnt naͤmlich 1. eine wachſende Bevoͤlkerung, die man, mit Ausnahme Nieder⸗Schleſiens, gewiß auf das Doppelte der jetzt vorhandenen anneh⸗ men kann; Es entſteht 2. zunehmender Wohlſtand ſeiner Buͤrger; 3. durch beides vermehren ſich, ohne irgend eine Erhoͤhung, die Einkuͤnfte, indem die Perſonen Steuer des platten Landes meh⸗ rere Contribuenten erhaͤlt und die Conſum⸗ tion allgemein groͤßer wird. Dadurch kommen wir denn endlich 4. auf den Punkt, die Abgaben zwiſchen Stadt und Land gleichſtellen und den Gewerben die unbeſchraͤnkteſte Freiheit geſtatten zu koͤnnen. Wir ſtehen alſo jetzt an den Pforten einer be⸗ gluͤckenden und ſegensvollen Zukunft, und koͤnnen mit Grunde hoffen, daß das Große und Gute, wonach 71 7 wonach der Zeit⸗Geiſt ſtrebt und wofuͤr er Opfer ohne Zahl fallen laͤßt, ohne es zu erreichen, hier bei uns bewirkt werden wird, ohne irgendwo zu verletzen, oder Gefahr zu laufen, daß das, was auf der einen Seite gewonnen wird, auf der an⸗ deren wieder verlohren gehe. Unſer edler Koͤnig wird uns ferner vaͤterlich dem Ziele allgemeiner Wohlfahrt und Zufrieden⸗ heit entgegenfuͤhren. Gott ſegne Ihn dafuͤr und laſſe Ihn lange Jahre hindurch die Fruͤchte der großen Bemuͤhun⸗ gen erndten, die Er anwendet, um Sein Volk gluͤcklich zu machen, und dem Staate die Kraft und Wuͤrde wieder zu verſchaffen, die große Thaten demſelben mit dem Anſpruch erwarben, ſie auf die ſpaͤteſten Nachkommen fortzupflanzen! Der Herr Staats⸗Kanzler fuhr hierauf fol⸗ gendermaaßen fort: Mit dem allerlebhafteſten Gefuͤhle ſtimmen wir alle in dieſen Segenswunſch ein. Unſer geliebter Koͤnig hat mir befohlen, Ihnen Seine Zufrieden⸗ heit mit dem bei unſeren Berathungen bewieſenen Patriotismus, Ihnen Seinen Dank zu bezeugen, fuͤr 7² fuͤr den an den Tag gelegten Eifer fuͤr das Gute und fuͤr Ihre Bemuͤhungen bei unſerm Geſchaͤft. Indem Er mir die Ihnen ſo eben bekannt gemachten Edicte vollzogen zuruͤckſchickte, hat Er Seine vaͤ⸗ terlichen Empfindungen unausgedruͤckt zu laſſen nicht vermogt. In einem ſie begleitenden eigen⸗ haͤndigen Billet ſagt Er, indem Er die Hoffnung aͤußert, jene Edicte wuͤrden ihren Zweck erfuͤllen, was wir zwar alle wiſſen— was wir aber alle mit groͤßter Ruͤhrung hoͤren, und was fuͤr uns alle ein herzerhebender Beweis Seiner Fuͤrſorge und Lebe ſeyn muß: daß Niemand inniger und lebhafter wuͤnſche als Er, das Gluͤck Seiner Unterthanen und den Flor des Landes dadurch begruͤndet zu ſehen.— Moͤge der Segen des Friedens— ſchließt Er— dieſes wichtige Unternehmen beguͤnſtigen! Und darum, daß er uns dieſen erhalte, daß er uns Friedrich Wilhelm erhalte, meine Herren, darum wollen wir Gott inbruͤnſtig bitten. Welcher Staat kann ſich eines Herrſchers ruͤhmen, der rei— ner, unpartheiiſcher und edler, das Wohl aller ſeiner Unterthanen will und umfaßt? Kein Opfer muͤſſe uns 75 uns zu theuer ſeyn, um nach Seinem Wunſche jenes Gluͤck, jenen Flor unſers Staats wieder herzuſtellen. Wir wiſſen, wie es Ihm am Herzen liegt, den Frie⸗ den zu erhalten, und noch immer iſt, Gottlob, die Hoffnung groß, daß er unter unſern maͤchtigen Nachbarn nicht geſtoͤrt werden wird. Aber ſollte das eiſerne Schickſal uns fortreißen in einen un⸗ vermeidlichen Kampf; ſo wollen wir auch dieſen ſtandhaft und entſchloſſen beſtehen, fuͤr dieſen ge— liebten Koͤnig und ſeinen Herrſcherſtamm, fuͤr un⸗ ſer Vaterland, fuͤr unſere Ehre und unſere Selbſt⸗ ſtaͤndigkeit. Und nun meine Herren, empfangen ſie nun auch meinen gefuͤhlvolleſten Dank fuͤr die Geſin⸗ nungen, die ſie mir perſoͤnlich bewieſen haben. Geehrt dnrch ſolche, verſichere ich Sie meiner auf⸗ richtigen Hochachtung. Mein Leben ſoll der ange⸗ ſtrengteſten Bemuͤhung gewidmet ſeyn, die Ab— ſichten des beſten Koͤnigs zu erfuͤllen. Dieſes Ge— luͤbde erneuere ich, und lege es in Ihre Haͤnde. So hoffe ich des Zutrauens, das man mir goͤnnt, nicht ganz unwuͤrdig zu ſeyn. Schon in unſerer letzten Verſammlung habe ich Sie auf Befehl Sr. Majeſtaͤt aufgefordert, ei⸗ nige 74 4 nige unter Sich zu waͤhlen, die zu vorkommenden Berathungen hier bleiben moͤgten, bis die interi⸗ miſtiſche Repraͤſentation zuſammen treten wird. Ich erneuere dieſe Aufforderung, und bitte, mir von dem Reſultate Nachricht zu geben. Sie aber, die Sie nunmehr in Ihre Provin⸗ zen zuruͤckkehren,— verbreiten Sie dort den gu⸗ ten Geiſt, der Sie ſelbſt beſeelt. Staͤrken Sie das Vertrauen zu einer Regierung, die es ſo red⸗ lich meint, ſtreben Sie entgegen einer jeden ein⸗ ſeitigen partheiiſchen Anſicht, vereinigen Sie die Gemuͤther, fuͤhren Sie ſie alle zu einem Ziele! Das wollen Sie meine Herren, das werden Sie, das iſt Ihr Geluͤbd, das iſt das Unſrige. Das legen wir hiermit feierlichſt und feſt und mit hoher Empfindung in der Bruſt, einander ab.— Und ſo, meine Herren ſchließen wir unſer Geſchaͤft: das gedeihen moͤge uns und unſeren ſpaͤteſten Nachkom⸗ men, mit dem einmuͤthigen Zuruf: Heil dem Koͤnige! Heil dem Vaterlande! Nach Beendigung dieſer Rede machte der Herr Graf von Henkel⸗Donnersmark im Namen ſaͤmmtlicher Herren Deputirten den Be⸗ 75⁵ Beſchluß mit folgenden, an den Herrn Staatskanzler gerichteten Worten: Je wichtiger die Gegenſtaͤnde ſind, die jetzt entſchieden wurden, um ſo dankbarer erkennen wir die Gnade, mit welcher Se. Koͤnigl. Majeſtaͤt unſer Wohl beruͤckſichtigten. Wir werden dem Vertrauen zu entſprechen be⸗ muͤht ſeyn, daß Se. Koͤnigl. Majeſtaͤt durch Ge⸗ waͤhrung einer National⸗Repraͤſentation uns be⸗ wieſen haben. Wir erneuern daher die Verſiche⸗ rung der treueſten Anhaͤnglichkeit an einen guten und gerechten Koͤnig. Wir erkennen aber auch mit dankbarem Gefuͤhl die wohlwollenden Geſinnungen, womit Ew. Ex⸗ cellenz das Vertrauen der Nation an den Thron knuͤpften. Die Seegenswuͤnſche ſo vieler bedraͤngten Fa⸗ milien werden Ew. Excellenz begleiten, deren Noth jetzt wenigſtens nach Moͤglichkeit gelindert wurde. Farbkarte 13 den des errn. eiherrn von Hardenberg bei ſammlungen der Deputirten Berlin iten September 1811.