——— Univ.-Sib. Giessen 4 8 Das forſtliche Verhalten der eutſchen Waldbaͤume und ihre Erziehung. Von Dr.. Pfeil, Ober⸗Forſtrath und Profeſſor. —— Berlin, im Verlag bei J. W. Boike. — 1829. Neue vollſtaͤndige Anleitung zur Behandlung, Benutzung und Schaͤtzung der Forſten. Ein Handbuch fuͤr Forſtbeſitzer und Forſtbeamte. Von Dr. W. Pfeil, Ober⸗Forſtrath und Profeſſor. Als zweite Ausgabe. Zweite Abtheilung: Holzkenntniß und Holzerziehung. —— Berlin, im Verlag bei J. W. Boike. 1829. Vorrede zur zweiten Ausgabe. Eine zweite Ausgabe der im Jahre 1823 erſchiene⸗ nen„Anleitung zur Behandlung ꝛc. der Forſten“ iſt noͤthig geworden, da die erſte vergriffen iſt. Es hat dieſe Schrift verſchiedene, ſehr tadelnde Beur⸗ theilungen erfahren. Zum Theil mit Unrecht, indem man den Geſichtspunkt nicht auffaßte, aus dem ſie geſchrieben war, wonach ſie mehr ein Handbuch fuͤr den Privatforſtbeſitzer, und deſſen nicht wiſſenſchaft⸗ lich gebildete Forſtverwalter ſein ſollte, als fuͤr ei— gentliche, einer hoͤhern wiſſenſchaftlichen Bildung be— duͤrfenden Forſtmaͤnner. Zum Theil haben ſie aber auch die ihr gemachten Vorwuͤrfe nicht unverdient getroffen, mogten ſie auch wohl hin und wieder aus Perſoͤnlichkeiten entſpringen, da ohne dieſe manche Ruͤge nicht erfolgt ſein wuͤrde. Daß Vieles haͤtte beſſer ſein ſollen, erkennt der Verfaſſer ſchon dadurch an, daß er das Buch ſo gaͤnzlich umgearbeitet hat, daß es wohl als ganz neu betrachtet werden kann, weshalb es auch nur an der Stelle einer zweiten Auflage erſcheint, fuͤglich nicht als eine ſolche ange— ſehen werden kann. Hoffentlich iſt es ſo fuͤr den ei— gentlichen Forſtmann brauchbarer. Vielfach iſt dem Verfaſſer der Vorwurf gemacht, — V I— daß er zu wenig dem Urtheile anderer bewaͤhrter Forſtſchriftſteller gefolgt iſt. Er hat nach reiflicher Ueberlegung gefunden, daß er ihnen fruͤher zu aͤngſt— lich nachſchrieb, und iſt ſelbſtſtaͤndiger geworden, um manche Dinge auch von einer andern Seite zu be⸗ leuchten als es bisher geſchahe. Man vergeſſe aber nie, daß das Buch nicht lehren ſoll was man glau— ben muß, ſondern was zu unterſuchen iſt, um zu erfahren, was den Verhaͤltniſſen gemaͤß als paſſend angeſehen werden kann. Es iſt gewiß beſſer zum Denken aufzuregen, als beſtimmte Glaubensartikel zum Lernen aufzugeben. Wenn ſich Manches anders darin geſtaltet hat, als in der erſten Ausgabe, ſo liegt der Grund darin, daß der Verfaſſer es beſſer hat einſehen lernen. Hof⸗ ſentlich wuͤrde wieder Manches anders werden, wenn er nach abermals 8 Jahren eine dritte Ausgabe her⸗ ausgeben ſollte. Er haͤlt es fuͤr kein Verdienſt ſtill— ſtehend, lieber bei dem einmal Geſagten zu beharren, als einzugeſtehen, daß man eine andere Ueberzeugung gewonnen hat. Das Buch wird in fuͤnf Abtheilungen zerfal⸗ len, welche auch einzeln unter doppelten Titeln im Buchhandel zu haben ſein werden. Die erſte enthaͤlt: ein kritiſches Repertorium, der den Forſtmann intereſſirenden Literatur. Dies wird ſo geordnet ſein, daß von jedem einzelnen Ge— genſtande die Schriften nachgewieſen werden, welche auf irgend eine beachtungswerthe Weiſe davon han⸗ deln. Es iſt dabei weniger auf die eigentlichen Forſt⸗ — NFII— lehrbuͤcher Ruͤckſicht genommen, als auf alte und neue forſtliche, oͤconomiſche, technologiſche, naturwiſ⸗ ſenſchaftliche Zeitſchriften, Encyklopaͤdien, Diſſerta— tionen, Reiſebeſchreibungen, landwirthſchaftliche, na— turwiſſenſchaftliche und technologiſche Schriften ꝛc. ꝛc. Es iſt dies die Frucht einer ſorgfaltigen 25jaͤhrigen Notizenſammlung, und leiſtet ſie auch nichts Voll⸗ kommnes, ſo wird ſie doch mehr geben, als wir bisher beſaßen, und die Bahn brechen, auf welcher dann leicht fortgeſchritten werden kann, um eine bemerkbare Luͤcke auszufuͤllen. Die zweite Abtheilung, welche zuerſt erſcheint und vorliegt, enthaͤlt die Holzkenntniß und Holzer— ziehung mit demjenigen aus der Bodenkunde und Klimatik, was dieſe unmittelbar beruͤhrt. Die dritte, den Forſtſchutz und die practiſche Forſtpolizeilehre. Die vierte, Forſtbenutzung und Holztechnologie. Die fuͤnfte, Forſttaxation. Jeder Abtheilung wird ein kurzes Vorwort bei— gegeben werden, welches den Geſichtspunkt feſtſtellt, aus dem ſie zu betrachten iſt. Der Verfaſſer bemerkt zu der gegenwaͤrtigen Folgendes: Sie ſoll einen Verſuch zur Beurtheilung vor— legen, unſere deutſchen Waldhoͤlzer in ihrem forſt⸗ lichen Verhalten und ihren Eigenthuͤmlichkeiten dar⸗ zuſtellen, weil ſich darauf die Vorſchriften zu ihrer Erziehung und ihrem Anbaue gruͤnden. Dazu muß⸗ ten zuerſt einige einleitende Bemerkungen uͤber Bo— — VIII— den und Klima, das Leben der Pflanzen vorausge⸗ ſetzt werden. Aus dem Allen entwickelt ſich erſt die Lehre von der Holzzucht und dem Holzanbaue. Man wuͤrde aber das Buch ganz falſch nehmen, wenn man glaubte, es ſolle die Huͤlfswiſſenſchaften zu— gleich lehren. Das iſt bei dem heutigen Umfange derſelben, ſo wenig in einem Forſthandbuche mehr moͤglich, als es die Idee des Verfaſſers geweſen iſt. Es ſoll nur gezeigt werden, wie nahe die Huͤlfswiſ⸗ ſenſchaften den practiſchen Betrieb beruͤhren, und in welcher Beziehung ſie zu ihm ſtehen, um mehr dazu aufzumuntern, ſie mehr nach dieſer Anſicht zu lehren und zu treiben. Das Aphoriſtiſche der beige⸗ fuͤgten Bodenkunde, Klimatik, allgemeinen Lehre vom Leben und Wachſen des Holzes, liegt deshalb im Plane der Schrift, und wird darin ſeine Rechtfertigung fin⸗ den, daß dadurch kein anderes Lehrbuch der Botanik, Mineralogie ꝛc. ꝛc., entbehrlich gemacht werden ſoll, ſondern vielmehr der Zweck iſt, zum Studiren derſel⸗ ben zu veranlaſſen. Es iſt deshalb auch die Aufnahme alles deſſen, was die Mineralogie, reine Botanik ꝛc. beruͤhrt, ſorgfaͤltig vermieden, um nicht zu der Idee zu veranlaſſen, als ſolle das Buch alles dem Forſt— manne Wiſſenswerthe enthalten, eine Encyklopaͤdie der Forſtwiſſenſchaft ſein. Es ſoll ſich durchaus nur auf den practiſchen Forſthaushalt beſchraͤnken, wohl aber durch Hindeu⸗ tungen auf die Huͤlfswiſſenſchaften die empfohlnen Maßregeln wiſſenſchaftlich begruͤnden. 7 Inhalts⸗Verzeichniß. 2 Seite E eitung„et-ne.*,vWenennnennnenenennnnennnnWnnn 1 Bodenkunde...........=......... 7 1) Klimatif................ 7 2) Die Lehre vom Boden......„........... 24¼ Allgemeine Anſicht der Forſtbotanik.......... en..7*v 30 Vom Entſtehen und Wachſen des Holzes......... 34 Beſondere Holzkenntniß................ 683 Die Eiche............. ne 68 „ Buche.................. 78 „ Ahornen.... 4. 3.. 86 „ Ulme..................... 91 ² Eſche............... 96 „ Linde........... yöcV. 99 „ Pappenrnnn. 104 Die Erle.... cv.....s............ „ Hainbuche......⸗*.*..*.**·=** „ Weide.......... 7⸗⸗..“.JFF-......·.... 130 „ Ebereſche(Sorbus)............. 140 „ Birnbaum(Pyrus)... ·. ·...J..Äeeee“ 141 „ Kirſchbaum(Prunus)...*... e.eÄ.- 143 „ Haſel ͤ.„„ DV...=⸗e. 144 „ Faulbaum..⸗.“=;““ 146 „ Kiefer..⸗-............ s....*......*..*..**B 149 „ Fichte..*⸗...*...““ 158 „ Tanne........“.... ·..... 166 „ Lerche..............-*.. ·S.**....**5 169 Fremde Hoͤlzer.........=Ä*ÄÄ“Ä 174 Welches Holz den Vorzug verdient............ S 177 Von reinen oder gemiſchten Beſtaͤnden........e. 186 Von den verſchiedenen Betriebsarten........ Zöv. 194 Vom Alter, welches das Holz erreichen muß..... 207 Von der Anordnung der Schlaͤge... 6ee, eiueeasesei⸗ 214 Von Erziehung des Holzes in Beſamungsſchlaͤgen..... 223 Vortheile und Nachtheile der Beſamungsſchlaͤge..... 223 Allgemeine Anſichten und Regeln.......eeeeeee⸗ B 231 In Buchennnnnnnnnnnnnnnnnnn 244 „ Eichen...: 25⁵³ 5. Birken......: 256 „ Erlen.. B 258 „ Kiefern..... vvvv..... 258 27 » Fichten ee 6.. Seite Erziehung des Holzes im Plenterhiebe........ A 277 Uebergang aus der Plenterwirthſchaft zur regelmaͤßigen Schlagwirthſchaft...... eee. 286 Niederwaldbetrieb........ 5v......... 292 Mittelwaldbetrieh.................. 3⁰3 Vom Uebergange aus einer Betriebsart in die andere. 314 Kopfholzbetrieh...... 321 Erziehung von Hecken..........vvv. 324 Von der Durchforſtuununung.... 392rde, ee dree e 3²6— Saat und Pflanzung......................e 333 Was vorzuziehen iſt................... 33³ Holzſaat im Allgemeinen.. 3.. 338 Eichelſaat............... 359 Buchelſaat............ 364 Ahornſaat.............................. 367 Ulmenſaat....................... 368 Eſchenſaat........................... 370 Hainbuchenſaat.............. 371 Birkenſaat......................... 372 Erlenſaat................ 375 Kiefernſaat................... 378 Fichtenſagt................. 386 Lerchenſaat.............. 390 Die Pflanzung im Allgemeinen.........=.v.== 392 Eichenpflanzung............ F.s..⸗⸗ 407 Buchenoflanzunn..........„... 408 Seite Pflanzung der ubrigen Laubhoͤlzer mit Wurzeln...... 410 Pflanzung mit Stecklingen........*.***·***2. 4¹³ Kiefernpflanzung..⸗ cvv er.*.***. 416 Fichtenpflanzung.....Äeeeeen... 417 Lerchenpflanzung......⸗.**.ÄÄÄÄÄ 4¹9 Vom Anbaue durch Abſenker.......-......-:* 4¹9 Von Pflanzkaͤmpen..reeeeeee.. 421 Vom Betrage der Kulturkoſten.......“ 425 0 de ( de m de ge er de ſ 2 1d 1 1 t s .. V ſ Ein 12 G — Einleitung. 1. J mehr die Bevoͤlkerung ſteigt, deſto mehr muͤſſen die Waͤl⸗ der verſchwinden, denn jede neu zutretende Familie fordert den Grund, auf welchem ſie ihr Brod erbauen kann. Je kleiner die Forſten werden, deſto mehr ſteigen die Anſpruͤche, welche man an ſie macht und machen muß, da die kleinere Flaͤche den Beduͤrfniſſen der groͤßeren Menſchenmenge immer noch genuͤgen ſoll. Den Wald in einen Zuſtand zu bringen, worin er die dauernde Befriedigung dieſer Beduͤrfniſſe gewaͤhrt, iſt der Zweck der Forſtwirthſchaft. Selten wird dieſer Zuſtand ſo ſein, daß er nicht noch verbeſſert werden koͤnnte. Wo die Waͤlder noch ſo groß ſind, daß man ſie ſich ſelbſt uͤberlaſſen kann, ohne je befuͤrchten zu duͤrfen, daß ſie nicht allen An⸗ ſpruͤchen der menſchlichen Geſellſchaft genuͤgen, giebt es we⸗ der eine Forſtwirthſchaft, noch iſt ſie Beduͤrfniß. Wenn man ſich fraͤgt: wie ſoll der Wald bewirthſchaftet werden?— muß man erſt die Frage beantworten: Was ver⸗ langt man vom Walde?— Das kann ſehr verſchieden ſein. Holz, und zwar Brenn⸗ holz, mancherlei Bau⸗ und Nutzholz, Baumfruͤchte, Baum⸗ ſaͤfte, Laubſtreu, Weide, Schutz gegen Sandwehen, rauhe Winde, Erhaltung der Feuchtigkeit u. ſ. w. In dieſer Ver⸗ ſchiedenheit der Anſpruͤche an den Wald, liegt aber auch die Bedingung des ſehr Abweichenden einer guten Wirthſchaft, die noch dadurch vermehrt wird, daß nach Verſchiedenheit der 1 — 2— Waͤlder ſelbſt ein und derſelbe Zweck oft nur durch ſehr ab⸗ weichende Mittel erlangt werden kann. Viele Anſpruͤche, welche an den Wald gemacht worden, ſind nicht in dem wirklichen Beduͤrfniſſe begruͤndet, viele koͤn⸗ nen nicht eingeraͤumt werden, weil ſie verhindern wuͤrden, daß man denen die wichtiger ſind Genuͤge leiſtet, viele aͤndern ſich mit den Zeiten. Der Landwirth fordert oft Weide, die er mit groͤßerem Vortheile unbenutzt ließ, der Baumeiſter ſtarke Hoͤlzer, die vor⸗ theilhafter durch ſchwache erſetzt wuͤrden; jeder Berechtigte haͤlt ſeine Nutzung fuͤr die wichtigſte. Das Weſentlichſte bleibt doch wohl immer das Holz, man muͤßte denn behaupten, es gaͤbe auch vortheilhafte Waͤl⸗ der ohne Holz. Es iſt nichts dagegen zu ſagen, wenn man da, wo das Holz nicht Beduͤrfniß iſt, den Wald ausrodet oder eingehen laͤßt,— wo man ſich aber einmal fuͤr ſeine Beibehaltung entſchieden hat, darf auch kein Anſpruch einge⸗ raͤumt werden, der die Erziehung von Holz verhinderte. Wie es in der ſpaͤten Zukunft hinſichts der Behandlung der Waͤlder werden muß und darum auch werden wird, laͤßt ſich nicht vorausſehen. Die Anordnung der Wirthſchaft kann nur ſo erfolgen, wie ſie ſich fuͤr die Gegenwart und die vor Augen liegenden naͤchſten Zeiten zweckmaͤßig erſcheinen laſſen. Es iſt genug, ſo zu wirthſchaften, daß der ſpaͤtern Zukunft die Mittel erhalten werden, es immer beſſer einzurichten und den Beduͤrfniſſen gemaͤß zu handeln. Das kann geſchehen, wenn nur gut beſtandene Waͤlder auf Boden von moͤglichſter Fruchtbarkeit uͤbergeben werden. Wir thun dann ſchon mehr fuͤr unſere Urenkel, als unſere Urgroßvaͤter fuͤr uns gethan haben. Der einzelne Waldbeſitzer mag ſich fragen: was er von ſeinem Walde verlangt? und dem gemaͤß handeln, ſo daß er es am beſten erreicht, ohne ein fremdes Recht zu verletzen. Es iſt dabei keine Gefahr fuͤr die Geſellſchaft, ſobald er nur aufgeklaͤrt genug iſt, die endliche Wirkung ſeiner Maßregeln — 3— auf den Ertrag des Waldes einzuſehen.— So wie uͤber⸗ haupt ein Volk ſich wohler befindet und eine hoͤhere Stufe der Vollkommenheit erreicht, welches uͤber das, was ihm frommt, aufgeklaͤrt wird, als das, welches man zwingen will dieſem gemaͤß zu handeln, ſo iſt es auch bei der Forſtwirth⸗ ſchaft. Das Streben es muͤndig zu machen, iſt fruchtbarer als die beſte Vormundſchaft. In den Staatsforſten ſoll die Verwaltung allerdings ſo wirthſchaften, wie es das Beduͤrfniß der Geſellſchaft im All⸗ gemeinen fordert. Es laſſen ſich aber deshalb auch nicht ganz allgemeine Grundſaͤtze aufſtellen, eben weil die Beduͤrf⸗ niſſe ſo ſehr verſchieden ſind. Jeder Forſt muß mit Ruͤckſicht auf die ſpeciellen an ihn zu machenden Anſpruͤche behandelt werden. Je mehr eine Wirthſchaft den Beduͤrfniſſen entgegen⸗ kommt, deſto beſſer iſt ſie. Die, welche amn dringendſten ſind, muͤſſen am mehrſten beruͤckſichtigt werden. Es iſt ſehr ſchwer, fuͤr eine große Staatsforſtverwaltung, ſogar oft unmoͤglich, ſie in dieſer Hinſicht fuͤr jeden Forſt alle einzeln zu claſſificiren, und ſie nach ihrer groͤßern oder gerin⸗ gern Wichtigkeit zu ordnen. Jeder, welcher ein Beduͤrfniß hat, ſetzt es uͤber das des Andern. Es giebt aber ein Merkmal, woran man mit Sicherheit erkennen kann, ob eine oder die andere Nutzung aus dem Walde, der Nation mehr werth iſt, und darum vorgezogen werden muß, weil ſie am mehrſten bedurft wird. Dies iſt das Einkommen, welches ſie gewaͤhrt. Jeder Menſch bezahlt eine Sache in dem Verhaͤltniſſe wie er ſie bedarf oder ſie gebrauchen kann, um dadurch Zwecke zu erreichen. Hoch das Unentbehrliche, niedrig das Ueber⸗ fluͤſſige, reich lich das, was er ſehr gut benutzen kann und was ihm wieder viel eintraͤgt, gering, was einen geringern Grad von Brauchbarkeit hat. Deshalb darf man immer nur unterſuchen, was der Wald bei einer oder der andern Art der Bewirthſchaftung 1* eintragen wird, um auch zu erfahren, wie er bewirthſchaftet werden muß. Dieſe Unterſuchung iſt aber aus mehreren Gruͤnden gar nicht ſo leicht, als ſie auf den erſten Anblick ſcheint. Eine Nutzung kann in der Gegenwart ſehr eintraͤglich ſein, vernich⸗ tet aber den Ertrag in der Zukunft, ſo das unbeſchraͤnkte Laub⸗ oder Streuſammeln. Darum muß der Einfluß jeden auf den Zuſtand des Waldes in der Gegenwart wie Zukunft gewuͤrdigt werden. Nicht der Brutto⸗, ſondern der Netto⸗Ertrag iſt es, der uͤber eine vortheilhafte Wirthſchaft entſcheidet. Wer hundert Thaler mehr ausgiebt, um Funfzig mehr einzunehmen, wuͤrde thoͤricht handeln.. Es iſt aber auch zuletzt ſehr ſchwer, den Ertrag richtig zu erkennen, weil er ſich haͤufig nicht unmittelbar, ſondern erſt mittelbar erheben laͤßt. Das iſt bei allen Nutzungen der Fall, welche nicht geradezu verkauft, ſondern auf andere Art zugute gemacht werden. So die Weide, das Laubſammeln u. ſ. w. Selbſt den Schutz, den der Wald, z. B. bei Ver⸗ ſandungen, gewaͤhrt, muß man hierher rechnen. Ob die Nuz⸗ zungen der Eigenthuͤmer oder ein Berechtigter bezieht, ſollte zwar zuletzt dem Staate ganz gleich ſein, da bei Staatsfor⸗ ſten nur die Anſicht geſtattet werden kann: das groͤßte Ge⸗ ſammteinkommen aus den Waͤldern herzuſtellen. Da jedoch die Forſten auch beſtimmt ſind, ein unmittelbares Staatsein⸗ kommen zu gewaͤhren, und der Einzelne nicht fordern kann, eine Beguͤnſtigung— was er rechtlich fordern kann, iſt nicht als ſolche zu betrachten— auf Koſten anderer zu erhalten, ſo darf und kann die Regierung gleiche Grundſaͤtze, wie der Privatmann, vielleicht mit mehr Billigkeit, beſolgen. Wir koͤnnen als ſolche anſehen: daß jeder innerhalb der geſetzlichen Schranken ſeinen Nutzen vorzugsweiſe verfolgen kann, und nur Rechte zu achten hat. Dieſe Rechte ſind jedoch nicht unabloͤsbar. Bemerkt — 5b— man, daß ein fremdes Recht ſeinem Eigenthuͤmer weniger ein⸗ traͤgt, als dem Waldeigenthuͤmer koſtet, ein Nachtheil, unter welchem auch das Ganze leidet, ſo iſt es wuͤnſchenswerth, daß jenes Recht aufhoͤre, indem es der Waldbeſitzer abloͤſet und den Beſitzer fuͤr Aufgabe deſſelben entſchaͤdigt. Darumt iſt ſelbſt bei Nutzungen, welche der Waldbeſitzer nicht ſelbſt beziehet, die Frage wichtig: was tragen ſie ein, und was koͤnnte der Wald dem Eigenthuͤmer eintragen, wenn ſie nicht bezogen wuͤrden?— Sie muͤſſen aufhoͤren, wenn ſie ſich nachtheilig fuͤr das Geſammteinkommen aus dem Walde darſtellen. Wir koͤnnen dies Geſammteinkommen, beſtehend in ſehr ungleichen Dingen, nur unter einem Nenner darſtellen, es iſt das Geld, welches ſie alle repraͤſentirt, oder fuͤr welches wir ſie alle erhalten koͤnnen. Darum iſt das groͤßte Geldeinkommen, nachhaltig aus einem Forſte bezogen, auch dasjenige, was die vortheilhafteſte Wirth⸗ ſchaft fuͤr den Einzelnen wie den Staat bezeichnet, vorausgeſetzt, daß auch alles mittelbare Einkommen richtig berechnet wird. So beſtritten in der Theorie dieſer Grundſatz auch iſt, ſo wurde er doch in der Praxis ſchon laͤngſt von allen Einzelnen verfolgt, viele Regierungen haben ihn ſchon angenommen, keine wird ihn in der Zukunft verwerfen koͤnnen, denn er traͤgt die Buͤrgſchaft ſeiner Richtigkeit in ſich. Er iſt es auch, welcher dieſer Schrift zur Grundlage dient. Deshalb betrachtet ſie alle Nutzungen immer nur in Beziehung auf das Geſammteinkommen, und iſt eben ſo fuͤr die Beduͤrfniſſe kleiner Privatforſtbeſitzer, als die der Verwalter der Staatsforſten berechnet. 2. Wir theilen die Forſtwiſſenſchaft, d. h. die Summe der Regeln und Grundſaͤtze, durch welche der forſtliche Zweck er⸗ reicht werden ſoll: — 6— I. in die eigentliche Forſtwiſſenſchaft, II. in die Huͤlfswiſſenſchaften. Dieſe zerfallen: I. die eigentliche Forſtwiſſenſchaft in: 1) Waldbau oder Holzzucht, 2) Forſtſchutz, 3) Forſtbenutzung, 4) Forſttaxation, 5) Forſtverwaltungskunde, welche wieder in mehrere Unterabtheilungen getheilt werden, von denen am gehoͤrigen Orte die Rede ſein wird. II. Die Huͤlfs⸗ und Vorbereitungswiſſenſchaften, beſtimmt theils die Erreichung des forſtlichen Zweckes zu unter⸗ ſtuͤtzen, theils dem Forſtmanne die noͤthige Vorkenntniß bei der Behandlung des Waldes zu geben, ſind: 1) die Naturwiſſenſchaften, a. Botanik, b. Chemie und Phyſik, c. Mineralogie, d. Zoologie, 2) Mathematik, 3) Rechtswiſſenſchaft, 4) Polizeylehre und 5) Staatswiſſenſchaft. Es kann hier nicht die Abſicht ſein, alle dieſe Wiſſen⸗ ſchaften in dem Umfange aufzunehmen, wie ſie der wiſſen⸗ ſchaftliche Forſtmann bedarf, denn dies erfordert eigene Lehr⸗ buͤcher, wie wir ſie denn auch hinreichend beſitzen. Wir be⸗ gnuͤgen uns, einige Reſultate aus ihnen mitzutheilen, welche das Praktiſche unmittelbar beruͤhren, ſo weit ſie dazu dienen, daſſelbe zu erlaͤutern. Die erſte Abtheilung dieſes Buchs, die Literatur⸗Nachweiſung enthaltend, giebt die Schriften an, welche benutzt werden koͤnnen, um ſich vollſtaͤndiger uͤber die hier behandelten Gegenſtaͤnde zu unterrichten. ——OQ—— Erſter Abſchnitt. Bodenkunde. Nur wenn der Standort paſſend fuͤr eine Holzgattung ge⸗ waͤhlt wird, d. h. wenn Klima, Bodenbeſchaffenheit und Si⸗ cherheit gegen Beſchaͤdigung durch Naturereigniſſe, ſoweit dieſe uͤberhaupt erhalten werden kann, das Gedeihen derſelben erwarten laſſen, iſt ihre Erziehung und ihr Anbau belohnend. Eine Holzgattung von einem an ſich geringern Werthe, kann empfehlenswerth ſein, wo alle Verhaͤltniſſe ihrem Gedeihen guͤnſtig ſind; die beſte wird unvortheilhaft auf unpaſſendem Standorte. Kenntniß des Bodens und ſeiner Eigenthuͤmlich⸗ keiten in Beziehung auf den Holzwuchs, kann daher als die erſte Grundlage der Holzzucht betrachtet werden. 1) Das Klima wirkt zuerſt bemerkbar auf das Vorkommen und Gedeihen der Pflanzen ein. Eine weſentliche Verſchiedenheit deſſelben er⸗ zeugt auch ſtets eine verſchiedene Flora. So haben die Tro⸗ penlaͤnder ihre eigenthuͤmlichen Gewaͤchſe, wie die gemaͤßigten und kalten Zonen, die hohen Berge werden nur von Alpen⸗ pflanzen bewohnt. Man theilt das Klima(Beſchaffenheit der Atmosphaͤre) 1) in das geographiſche, 2) in das phyſikaliſche oder oͤrtliche. Das geographiſche wird bedingt durch die noͤrdliche und oͤſtliche, oder die ſuͤdliche und weſtliche Lage eines Ortes. Je naͤher eine Ort den Polen liegt, in Europa dem Nordpole, deſto ſchraͤger fallen die Sonnenſtrahlen auf die Erde, und deſto weniger koͤnnen ſie dieſelbe erwaͤrmen. Auch die oͤſtliche Lage verurſacht ein kaͤlteres Klima. Deutſchland, wenn wir in forſtlicher Hinſicht die preußi⸗ ſchen Provinzen Poſen und Oſtpreußen dazu zaͤhlen, liegt — s8— zwiſchen dem 23ſten bis 40ſten Grade der oͤſtlichen Laͤnge, und 45ſten bis beinahe 56ſten Grade der noͤrdlichen Breite, was eine Entfernung der ſuͤdlichſten Punkte von den noͤrdlichen, der oͤſt⸗ lichen von den weſtlichen, von etwa 150 bis 160 Mei⸗ len betraͤgt. Dieſe verſchiedene geographiſche Lage iſt nicht hinreichend, um zu bewirken, daß die Deutſchland eigenthuͤmlichen Wald⸗ baͤume nicht noch uͤberall, in ſo fern es das phyſikaliſche Klima nicht hindert, gezogen werden koͤnnten, ſie zeigt aber ſchon einen beachtungswerthen Einfluß auf den Wuchs des Holzes, ſo wie ſelbſt auf die Maßregeln zu ſeiner Erziehung. Bemerkenswerther iſt ſie noch in Bezug auf die Holzgattun⸗ gen, die mehr dem Suͤden oder Norden angehoͤren, die noch an den Grenzen Deutſchlands ſich zeigen, ohne daſelbſt eigent⸗ lich heimiſch zu ſein. Der aͤchte Kaſtanienbaum iſt auf den waͤrmſten Punkten noch als Waldbaum zu erziehen; unmoͤg⸗ lich wuͤrde es in den noͤrdlichen und oͤſtlichen Gegenden ſein. In dieſen iſt die Weißerle noch ganz zu Hauſe, die im Suͤ⸗ den in warmer Lage nicht mehr gefunden wird. Der mittlere Temperaturgrad iſt aber auch im ſuͤdlichen Deutſchland ſchon gegen 3 Grad Reaumur hoͤher als in Oſt⸗ preußen, in dieſer Provinz die groͤßte durchſchnittliche Kaͤlte 9 bis 10 Grad geringer als hier, die mittlere Temperatur im Monat Maͤrz iſt in Trier noch 3 bis 4 Gr. Waͤrme, in Oſt⸗ preußen 3 bis 4 Gr. Kaͤlte.— Was hinſichts des Wein⸗ und Obſtbaues jedem Menſchen bekannt iſt, ſollte hinſichts der Holzerziehung nicht unbeachtet bleiben. Der Unterſchied, den das phyſikaliſche Klima in der Ve⸗ getation bewirkt, iſt in die Augen fallender, weil er in einer und derſelben Gegend, vorzuͤglich in den Bergen bemerkt wird, und darum einem und demſelben Beobachter ſich darbiethet. Unter Atmosphaͤre verſtehen wir die Beſchaffenheit des Luftkreiſes, welcher die Erde umgiebt. Die Hoͤhe deſſelben iſt unbekannt, doch hat man aus den Veraͤnderungen, die man — 9— bei dem ſtufenweiſen Aufſteigen in den Bergen bemerkt, daß ſie ſchon bei 10 Meilen alle die Eigenſchaften verloren hat, welche die Exiſtenz eines organiſchen Weſens in ihr moͤglich machen. Ueber 27 Meilen Hoͤhe ſcheint ſie ſich uͤberhaupt nicht zu erſtrecken. Die Atmosphaͤre iſt eine zuſammengeſetzte Fluͤſſigkeit, theils aus waͤgbaren Stoffen, Stickſtoff⸗, Sauerſtoffgas, Kohlen⸗ ſaͤure und Waſſerdaͤmpfe, theils aus nicht waͤgbaren, Licht, Waͤrme, Eleetrieitaͤt u. ſ. w. beſtehend. Von ihren Eigenſchaften ſind vorzuͤglich wichtig: a. Waͤrme, b. Elaſticitaͤt, c. Feuchtigkeit, d. Bewegung, e. Electricitaͤt. Sie aͤndern ſich mit der verſchiedenen geographiſchen Lage, wie das Folgende ergeben wird. Wichtiger noch fuͤr den Forſtmann iſt das phyſiſche Klima. Es wird bedingt: A. durch Erhebung des Bodens(die Berge). B. Form, Lage und Bedeckung des Bodens. Eine betraͤchtliche Erhebung des Bodens uͤber den Mee⸗ resſpiegel bewirkt ein kaltes Klima, weil auf die Luft in be⸗ traͤchtlicher Hoͤhe, nicht mehr die von der erwaͤrmten Erde aus⸗ ſtroͤmende Waͤrme wirken kann. Auch verliert der Dunſtkreis in gewiſſer Hoͤhe die Eigenſchaft die Sonnenſtrahlen zu re⸗ flectiren, und kann deshalb ſchon aus ihnen keine Waͤrme mehr entwickeln. Bei 15,000 Fuß Erhebung uͤber den Meeresſpie⸗ gel hoͤrt unter unſerer geographiſchen Lage ſchon alle Waͤrme auf; bei 200,000 Fuß wuͤrde wahrſcheinlich eine dichte Fin⸗ ſterniß ſein, weil alle Sonnenſtrahlen verſchluckt werden, wie man aus Berechnungen nachgewieſen hat, die auf Wahrneh⸗ mungen uͤber die Abnahme des Lichtes in gewiſſer Hoͤhe er⸗ folgt, beruhen. — 10— Man rechnet gewoͤhnlich 300 Fuß Koͤhe gleich einem Grade mehr noͤrdlicher Breite, und 530 Fuß als die mittlere Temperatur um 1 Grad R. erniedrigend. Doch wirkt die ex⸗ ponirte oder geſchuͤtzte Lage ſo ſehr auf das Klima in den Bergen ein, daß es von dieſer Annahme eben ſo oft Ausnah⸗ men giebt, als ſie richtig iſt. Eine Angabe, bis zu welcher Hoͤhe man in den deutſchen Gebirgen unſere Holzgattungen ziehen kann, iſt durchaus unmoͤglich. Sie verſchwinden in nordlichen Freilagen weit fruͤher, als an geſchuͤtzten Suͤdhaͤn⸗ gen. Der Harz, das Rieſengebirge, der Thuͤringerwald, die Alpen, bieten dazu eine Menge Belaͤge dar. Es bleibt in dieſer Hinſicht nichts uͤbrig, als den Fingerzeigen der Natur an jedem einzelnen Orte zu folgen. Die Erhebung der Berge uͤber den untern Dunſtkreis hat nicht bloß auf die Waͤrme einen ſo bedeutenden Einfluß, ſon⸗ dern auch auf den Feuchtigkeitsgrad der Luft, ihre Durchſich⸗ tigkeit und die davon abhaͤngende Einwirkung des Lichtes auf die Pflanzen, die Dichtigkeit und den dadurch bewirkten Luft⸗ druck, ihre Bewegung(die Winde) und zuletzt auf den elec⸗ triſchen Zuſtand derſelben. Je hoͤher die Berge ſind, deſto trockner wird die Luft, weil ſich die Ausduͤnſtungen der Erde nur bis zu einer gewiſſen Hoͤhe erheben. Dagegen ſind die Berge von maͤßiger Hoͤhe in der Regel feuchter als die Ebene, wenn ſie ſich gerade bis in die Wolkenregion— 3 bis 4000 Fuß hoch erheben, wo ſich die aus der Erde emporge⸗ ſtiegenen Duͤnſte ſammeln. Die Durchſichtigkeit nimmt in eben demſelben Maße zu, und die Wirkung des Lichtes wird ſchwaͤcher, weil ſich die Sonnenſtrahlen ſchwaͤcher darin reflec⸗ tiren. Der Luftdruck wird geringer und die Bewegung wird ſaͤrker, letzteres, weil die Luftſtroͤmungen durch nichts gebro⸗ chen werden. Einen wichtigen Einfluß auf das Klima hat die Lage, Form und Bedeckung des Bodens. Die Lage, in Beziehung auf die Umgebung eines Ortes zeigt folgende Verſchiedenheiten: — 11— In der Naͤhe großer Waſſerflaͤchen(Seeklima). Die große Menge der Duͤnſte, welche dem Waſſer ent⸗ ſteigen, bewirken eine große Feuchtigkeit der Luft und daher eine große Regenmenge. Da die großen Waſſerflaͤchen weder im Sommer ſehr erwaͤrmt, noch im Winter ſo ſehr erkaͤltet werden als die Erde, ſo hat das Seeklima eine geringere Dif⸗ ferenz zwiſchen Kaͤlte und Waͤrme, als das Landklima. Die ungehinderte Bewegung der Luftſtroͤmungen auf der glatten Oberflaͤche des Meeres erzeugen ſtaͤrkere Stuͤrme. Die viele Feuchtigkeit verhindert die Erwaͤrmung der Luft und fuͤhrt kalte Naͤchte, ſelbſt ſpaͤte Nachtfroͤſte herbei. Selbſt die mit Salztheilen geſchwaͤngerte Luft iſt dem Gedeihen vieler Pflan⸗ zen hinderlich. Alles dies iſt, vorzuͤglich in noͤrdlichen Gägen⸗ den, Urſache, daß man an den Seekuͤſten keine zaͤrtlichen Holz⸗ gattungen ziehen kann, die ſonſt wohl unter dieſer geographi⸗ ſchen Breite noch wachſen koͤnnten. Vorzuͤglich muß man aber in dieſem Klima bedacht ſein, die Raͤnder des Waldes gegen die See hin als ſchuͤtzenden Mantel zu erhalten, wes⸗ halb man an den Kuͤſten auch oft eine geordnete Plenter⸗ wirthſchaft beibehalten muß, um niemals den Boden ganz von Holz entbloͤßen zu duͤrfen.— Schon betraͤchtliche Bin⸗ nenſee verdienen in dieſer Hinſicht Beachtung. Freilagen, d. h. Erhebungen des Bodens gegen welche die Winde anprallen, da ſie durch keine vorliegende Hoͤhe, Wald u. dergl. dagegen geſchuͤtzt ſind. Die Eigenthuͤmlichkeit des Klimas derſelben, haͤngt ſehr von ihrer Expoſition gegen eine oder die andere Himmelsgegend ab. Die Freilage ge⸗ gen Oſten, wo der rauhe trockne Oſtwind alle feuchten Duͤnſte angeweht, erhaͤlt auch dieſelbe Beſchaffenheit. Die den Son⸗ nenſtrahlen ausgeſetzte Suͤdſeite iſt heiß und trocken, die Abend⸗ ſeite trocken und den Stuͤrmen ausgeſetzt, beide leiden ſehr unter ſpaͤten Nachtfroͤſten, da an ihnen die Vegetation im Fruͤhjahre fruͤher erwacht, als die Nachtfroͤſte ausbleiben. Die Mitternachtsſeite iſt feucht und kalt, jedoch gewoͤhnlich fuͤr die Holzerziehung die guͤnſtigſte. Alle Freilagen erfordern je⸗ doch eine große Sorgfalt bei Erhaltung des Holzbeſtandes, um unter ſeinem Schutze wieder neue Holzpflanzen erziehen zu koͤnnen. Die Stuͤrme, die Duͤrre und Hitze, der Froſt, wirken in ihnen am nachtheiligſten, und die Mittel, ihren Nachtheilen zu begegnen, ſind daher hier auch am erſten zu beachten.. Das Klima der Hochebenen iſt durch außerordentliche Trockenheit ausgezeichnet. Es iſt fuͤr den deutſchen Forſtmann weniger beachtungswerth, da ſie unſerm Vaterlande fehlen, waͤhrend ſie in Amerika, vorzuͤglich aber in Aſien ungeheuer ausgedehnt ſind. Thalklima, zwiſchen Bergen in geſchuͤtzter Lage. Kleine Thaͤler zwiſchen ſteilen Berghaͤngen ſind feucht, da ſich in ih⸗ nen die Duͤnſte, welche aus der Erde emporſteigen, ſammeln, im Sommer warm, da die Seitenwaͤnde der erwaͤrmten Berge die Luft erhitzen, im Herbſt und Fruͤhjahr, vorzuͤglich des Nachts ſehr kalt, da die Feuchtigkeit der Luft die Waͤrme abſorbirt. Beſonders kalt iſt es in ihnen bei Aufgang der Sonne. Die Nachtfroͤſte treten im Herbſte in ihnen am fruͤheſten ein, und verlieren ſich im Fruͤhjahr am ſpaͤteſten, was fuͤr zaͤrtliche Holzgattungen nachtheilig iſt, weshalb man auch in dieſen engen Thaͤlern keine Pflanzkaͤmpe von denſelben anlegen muß. Groͤßere, weite Thaͤler theilen die Nachtheile der kleinern nicht, wohl aber gewaͤhren ſie alle Vortheile einer geſchuͤtzten Lage und einer paſſenden Feuchtigkeit der Atmosphaͤre. In ihnen koͤnnen daher auch zaͤrtliche Holzpflanzen gewoͤhnlich mit der groͤßten Sicherheit gezogen werden. Die wellenfoͤrmige Bil⸗ dung des Bodens iſt unſtreitig die guͤnſtigſte fuͤr die Holzer⸗ zeugung. Waldklima. Außer der Lage und Form einer Gegend, wird das Klima derſelben noch ſehr durch die Bodenbedeckung beſtimmt. Vor allen wichtig iſt dabei der Wald. Die Be⸗ ſchirmung durch denſelben verhindert die Durchwaͤrmung der — 13— Erde, erhaͤlt die Feuchtigkeit in derſelben, und erzeugt dadurch einen geringern Grad der Waͤrme in der Luft. Auf der an⸗ dern Seite haͤlt der Wald die erkaͤltenden Winde auf, und verhindert dadurch eine Erkaͤltung der Luft, ſchirmt und er⸗ waͤrmt eine Gegend im Winter. Die Waͤlder, welche die Hoͤ⸗ hen bedecken, ſind es vorzuͤglich, welche den Regen ſichern, indem ſich um ihnen die Wolken ſammeln, durch ſie das Wegwehen der feuchten Duͤnſte verhindert wird. Deshalb hat die Vermehrung oder Verminderung der Waldflaͤche einen ſo auffallenden Einfluß auf das Klima, einen nachtheiligen bei ſehr waldreichen oder waldleeren Gegenden, einen vortheilhaf⸗ ten, wo die Gehoͤlze zweckmaͤßig vertheilt ſind. Auch die uͤbrige Bedeckung des Bodens wirkt auf das Klima ein. Große nackte Sandflaͤchen, von der brennenden Sonne durchgluͤht, erhitzen die Luft bis zur Toͤdtlichkeit. Ste⸗ hende Suͤmpfe hauchen peſtartige Duͤnſte aus, wogegen der gruͤnende und bebaute Boden das Klima verbeſſert. So wirken mannigfaltige Umſtaͤnde, von denen hier nur wenige kurz angedeutet werden konnten, auf das Klima ein, ſo daß nicht bloß zwei verſchiedene Orte unter gleicher geo⸗ graphiſcher Breite gelegen, ein ſehr verſchiedenes Klima haben koͤnnen, ſondern auch ſelbſt an einem und demſelben Orte ſich daſſelbe ſehr aͤndern kann. Es iſt deshalb durchaus nicht der Fall, daß man Hoͤlzer immer in einem und demſelben Breiten⸗ grade ziehen koͤnnte, indem man ſie aus einem Welttheil in den andern verpflanzt, und noch mehr muß man auf die Aen⸗ derung des phyſikaliſchen Klimas achten, welche ſich oft auf einem ſehr kleinen Raum zeigen kann. Bevor wir dies durch Beiſpiele in der praktiſchen Anwendung auf Deutſchland dar⸗ thun, muͤſſen wir erſt naͤher von dem Einfluſſe des Klimas auf das Pflanzenleben handeln. Vorzuͤglich in die Augen fallend iſt derjenige der Waͤrme. Sie erregt und beſchleunigt die Lebensthaͤtigkeit der Pflanzen deſto mehr, je groͤßer ſie iſt, je laͤnger ſie dauert. In Bra⸗ — 414— ſilien reiſen die Erbſen drei Wochen nach der Saat, innerhalb der Wendezirkel ſchießen coloſſale Baͤume üppig empor, wenn unter dem 70ſten Grade der noͤrdlichen Breite, als der be⸗ kannten Baumgrenze, die verkruͤppelte Birke viele Jahre wach⸗ ſen muß, um nur wenige Zolle Durchmeſſer zu erhalten. Die Fichten oben am Brocken, in Norwegen und Finnland beduͤr⸗ fen ein viel hoͤheres Alter auf gleich kraͤftigem Boden, um eine gegebene Groͤße zu erhalten, als in den waͤrmern Ebenen Deutſchlands. Die Eiche in den warmen Thaͤlern der ſuͤdli⸗ chen und weſtlichen Grenze Deutſchlands, erreicht um 30 bis 40 Jahre fruͤher ihre Haubarkeit als in Preußen und im ſuͤd⸗ lichen Schweden. Je waͤrmer das Klima iſt, deſto raſcher iſt der Baumwuchs, was einen weſentlichen Einfluß auf die Feſt⸗ ſetzung des Umtriebes, vorzuͤglich in gebirgigten Gegenden ha⸗ ben kann. Die Waͤrme bewirkt ferner eine Beſchleunigung aller che⸗ miſchen Proceſſe, welche die Zerſtoͤrung der organiſchen Koͤr⸗ per bezwecken. Im aͤußerſten Norden, auf der Spitze unun⸗ terbrochen mit Eis bedeckter Berge, ſchlaͤft die Natur den ewigen Schlaf. Das Mammuth— ein Ueberbleibſel der Vor⸗ zeit— wurde unzerſtoͤrt im Eiſe Sibiriens aufbewahrt. Auf den Antillen, in Louiſiana und Braſilien ſind die ſtaͤrkſten Baumſtaͤmme in wenig Jahren in vollkommenen Humus ver⸗ wandelt. Je groͤßer und dauernder daher die Waͤrme iſt, deſto raſcher iſt die Verwandelung aller Erzeugniſſe, des beſchleu⸗ nigten Lebens der Natur im Humus, deſto mehr wird die Fruchtbarkeit des Bodens wieder dadurch vermehrt, bis ſie ihre natuͤrliche Grenze in Raum und Zeit findet. Daraus ſind allein die ungeheuren Humusſchichten im ſuͤdlichen Ame⸗ rika zu erklaͤren, die dem unbewohnten Norden des alten Con⸗ tinents ganz fehlen. Die Waͤrme wirkt ferner auf die Ver⸗ dunſtung des Waſſers, die deſto groͤßer ſeyn muß, je groͤßer jene iſt. Die Duͤnſte ſammeln ſich wieder zu Regen und ſo iſt es leicht erklaͤrlich, wie es koͤmmt, daß auf den Antillen — 15— oft eine Regenmenge von 100 Zoll Hoͤhe, in Berlin kaum von 20 Zoll und in Upſala in Schweden nur von 14 Zoll faͤllt. Wo dagegen die große Waſſerflaͤche fehlt und der Bo⸗ den locker iſt, bewirkt ſie eben dadurch auch große Duͤrre, wie in den ſandigen Wuͤſten Aſiens und Afrikas. Auch die Ausdehnung der Luft iſt deſto ſtaͤrker, je waͤr⸗ mer das Klima iſt, und es laͤßt ſich deshalb leicht erklaͤren, weshalb die tropiſchen Gegenden ſo außerordentlich heftigen Stuͤrmen unterworfen ſind. Man beſtimmt den Waͤrmegrad nach den mittleren Temperaturgraden, gezogen aus der Summe aller Thermometergrade im ganzen Jahre. So hat Deutſch⸗ land einen mittlern Temperaturgrad in den Ebenen von 7 bis 10 Grad Reaumur. Jeder Temperaturgrad hat ſeine eigene Vegetation. So haͤlt ſich die Buche in dem angegebenen, und wird nicht uͤber 4 bis 5 Grad mittlerer Temperatur(56 bis 57 Gr. noͤrdl. Breite) hinausgehen, ertraͤgt dagegen auch keine betraͤchtliche groͤßere Waͤrme. Die Lerche und Zirbelkiefer, in Sibirien bis 70 Grad hinaufgehend, verſchwindet bei dem Temperaturgrade der Buche ganz, außer wo ſie durch Kunſt angebauet werden, und finden ſich noch bei 3 Grad mittlerer Temperatur, in großer Vollkommenheit. Der mittlere Temperaturgrad iſt es jedoch nicht allein, welcher uͤber den Pflanzenwuchs entſcheidet, ſondern auch die Differenz zwiſchen Waͤrme und Kaͤlte. Sie iſt im Norden weit betraͤchtlicher als im Suͤden, in den Ebenen weit groͤßer als in den hoͤhern Bergen. Es wirkt darauf zuerſt die Ta⸗ ges⸗ und Nachtlaͤnge ein. Je laͤnger der Tag iſt, deſto mehr kann der Dunſtkreis erwaͤrmt werden, je laͤnger die Nacht, deſto weniger. So iſt in Moskau die Hitze in den langen Tagen oft ſo groß wie in Neapel, und im Winter ſind 30 Gr. Kaͤlte nicht ſo ſehr ſelten, ſo daß eine Differenz von 60 Gr. Reaum. entſtehet, die ſchon in Neapel um 25 Grad geringer iſt. In England, wo die Naͤhe des Meeres eine noch groͤßere — — 16— Gleichmaͤßigkeit der Temperatur bewirkt, iſt die Differenz noch geringer. Am geringſten iſt ſie in ſehr hohen Bergen, wo der Dunſtkreis am Tage beinahe gar nicht erwaͤrmt wird. Da⸗ raus laͤßt ſich auch leicht erklaͤren, weshalb es viel ſchwerer iſt, Alpenpflanzen in botaniſchen Gaͤrten zu ziehen, als tro⸗ piſche Gewaͤchſe, denen man den verlangten Temperaturgrad viel leichter geben kann. Wir ſehen ja jedes Jahr, wie nicht allein der große Kaͤltegrad des Winters den Pflanzen ſchaͤd⸗ lich wird, ſondern oft noch mehr die ſtarke Abwechſelung der kalten Naͤchte bei warmen Tagen. Die Verſchiedenheit des Temperaturgrades in der Nacht gegen denjenigen des Tages, iſt ebenfalls von wichtigem Ein⸗ fluſſe auf das Pflanzenleben. Sie haͤngt ab a. vom Boden, b. von der Form und Erhebung der Gegend, c. von der Laͤnge des Tages und der Nacht. Salziger Boden abſorbirt viel Waͤrme, daher die kalten Naͤchte in den ſalzigen Steppen des ſuͤdlichen Rußlands und Arabiens. Die im rechten Win⸗ kel gegen eine Bergwand fallenden Sonnenſtrahlen koͤnnen eine ſehr hohe Temperatur am Tage bewirken, des Nachts erzeugt der nicht erwaͤrmte Dunſtkreis eine ſehr niedrige. Daraus laͤßt ſich die Urſache herleiten, warum die jungen Buchenpflanzen in den hoͤheren Bergen an den Suͤdſeiten ſo leicht erfrieren, und in ſehr dunkeln Schlaͤgen erzogen werden muͤſſen, eine ſpaͤte Freiſtellung ertragen. Eben ſo koͤnnen wir in dieſem Umſtande es ſuchen, weshalb die Akazien bei uns ſo leicht erfrieren, die in ihrer Heimath weit ſtrengere Winter aushal⸗ ten. Die ſpaͤten Nachtfroͤſte fehlen dem noͤrdlichen Amerika ganz, der ſtrenge Winter dauert, z. B. in Kanada, ununter⸗ brochen ſort, und ploͤtzlich tritt eine betraͤchtliche Waͤrme ohne Unterbrechung ein, waͤhrend wir oft ſehr gelinde Winter und ſehr kalte Witterung gegen das Fruͤhjahr zu haben. Wo die Sonne beinahe nicht untergehet, wie in dem hohen Norden, kann kein großer Unterſchied zwiſchen der Tag⸗ und Nacht⸗ waͤrme der laͤngſten Sommertage ſein. Je Je niedriger der Temperaturgrad iſt, deſto mehr nimmt die Zahl der Pflanzen ab, bis ſie ſich gegen den hohen Nor den hin auf ſehr wenige beſchraͤnkt. Doch ſteigt ihre Zahl nicht mehr uͤber die gemaͤßigte Zone hinaus, da die heiße keine groͤßere Zahl aufzuzeigen hat. Manche Pflanzengattung hat eine ſehr große Ausbreitung, wie z. B. die Zapfentraͤger (Pinus), welche nur im Suͤden in einen andern Karakter uͤbergehet, als der iſt, den ſie im Norden hat. Pflanzen, anceen— „—— in Deutſchland bewirken dieſe Urſachen ſchon eine ſehr ver⸗ ſchiedene Regenmenge. In Klausthal im Oberharze faͤllt eine ſehr verſchiedene, viel groͤßere Menge von Regen, als in dem wenige Meilen davon in der Ebene belegenen Halberſtadt. Eben ſo verſchieden als die Menge des Regens, iſt die der Feuchtigkeit in der Luft, welche des Nachts, wenn dei Waldbau. 2 — 16— Gleichmaͤßigkeit der Temperatur bewirkt, iſt die Differenz noch geringer. Am geringſten iſt ſie in ſehr hohen Bergen, wo der Dunſtkreis am Tage beinahe gar nicht erwaͤrmt wird. Da⸗ raus laͤßt ſich auch leicht erklaͤren, weshalb es viel ſchwerer i*ſt, Alpenpflanzen in botaniſchen Gaͤrten zu ziehen, als tro⸗ piſche Gewaͤchſe, denen man den verlangten Temperaturgrad viel leichter geben kann. Wir ſehen ja jedes Jahr, wie nicht allein der große Kaͤltegrad des Winters den Pflanzen ſchad⸗ Ake ſah r, e A, A g.r 5o A. L-=f. Ap, L P, /„. f. M e af Wer —,————.—:8õℳ—— 4 7 2 brochen fort, und ploͤtzlich tritt eine betraͤchtliche Waͤrme ohne Unterbrechung ein, waͤhrend wir oft ſehr gelinde Winter und ſehr kalte Witterung gegen das Fruͤhjahr zu haben. Wo die Sonne beinahe nicht untergehet, wie in dem hohen Norden, kann kein großer Unterſchied zwiſchen der Tag⸗ und Nacht⸗ waͤrme der laͤngſten Sommertage ſein. Je —— — 17— Je niedriger der Temperaturgrad iſt, deſto mehr nimmt die Zahl der Pflanzen ab, bis ſie ſich gegen den hohen Nor den hin auf ſehr wenige beſchraͤnkt. Doch ſteigt ihre Zahl nicht mehr uͤber die gemaͤßigte Zone hinaus, da die heiße keine groͤßere Zahl aufzuzeigen hat. Manche Pflanzengattung hat eine ſehr große Ausbreitung, wie z. B. die Zapfentraͤger (Pinus), welche nur im Suͤden in einen andern Karakter uͤbergehet, als der iſt, den ſie im Norden hat. Pflanzen, welche die durch die groͤßere Waͤrme erfolgende Ueberreizung der Lebensthaͤtigkeit, das Austrocknen des Bodens, nicht gut ertragen, wie z. B. die Buche, ſind ſtreng auf die gemaͤßigte Zone beſchraͤnkt. Solche, die gegen Froſt ſehr empfindlich ſind, wie die Wurzeltraͤger und Saftpflanzen, koͤnnen die heiße nicht verlaſſen. Naͤchſt der Waͤrme hat die Feuchtigkeit einen großen Ein⸗ fluß auf die Vegetation. Sowohl die Menge des Regens, als die Zahl der Regentage, als auch die in der Luft in Dunſt⸗ form enthaltene Feuchtigkeit, ſind von großer Wichtigkeit. Die Hochebenen Perſiens koͤnnen beinahe keine Vegetation haben, weil ihnen der Thau ganz mangelt, der Regen hoͤchſt ſelten iſt; die Antillen muͤſſen bei einer großen Waͤrme und 60 bis 100 Zoll Regenmenge einem Treibhauſe gleichen. Die Menge des Regens haͤngt ab: a) von der Naͤhe des Meeres, b) der Waͤrme, welche die Verdunſtung großer Waſ⸗ ſerflaͤchen befoͤrdert, c) von bewaldeten Hoͤhen, welche die auf— geſtiegenen Duͤnſte feſthalten und in Wolken vereinigen laſſen, d) von den Windſtrichen, je nachdem ſie dieſe Duͤnſte dem Lande und den Bergen zutreiben oder ſie hinwegfuͤhren. Auch in Deutſchland bewirken dieſe Urſachen ſchon eine ſehr ver⸗ ſchiedene Regenmenge. In Klausthal im Oberharze faͤllt eine ſehr verſchiedene, viel groͤßere Menge von Regen, als in dem wenige Meilen davon in der Ebene belegenen Halberſtadt. Eben ſo verſchieden als die Menge des Regens, iſt die der Feuchtigkeit in der Luft, welche des Nachts, wenn dei Waldbau. 2 — 18— Luft bei Sonnenaufgang und Untergang ſich plͤtzlich erkaͤltet, und dadurch die in Dunſtform vorhandene Feuchtigkeit ver⸗ dichtet und verurſacht, daß ſie ſich tropfenweis als Thau an die Gewaͤchſe haͤngt, niederfaͤllt und die Pflanzen traͤnkt. Die Menge der Feuchtigkeit in der Luft, hat gleiche Ur⸗ ſachen wie die Regenmenge. Um ſie als Thau niederzuſchla⸗ gen wirken aber verſchiedene Urſachen. Auf Ebenen kann nur bei windſtillem Wetter Thau erfolgen, weil bei windigem die Duͤnſte fortgetrieben werden. In geſchuͤtzten Thaͤlern kann dies weniger der Fall ſein, daher thauet es in dieſen haͤufiger. Je groͤßer die Differenz zwiſchen der Temperatur der Naͤchte und derjenigen am Tage iſt, deſto ſtaͤrker iſt der Thau. Darum thauet es im Gebirge ſo ſtark, weil die Tage ſehr warm, die Naͤchte kalt ſind, in ſchwuͤlen Gewitternaͤchten gar nicht. Der Temperaturgrad, bei dem Thau erfolgt(Thau⸗ punkt), liegt in Gebirgen der gewoͤhnlichen Lufttemperatur auch naͤher, als derjenigen der Ebene. Je duͤrrer der Boden iſt, deſto weniger ſteigen Duͤnſte aus ihm empor, umgekehrt deſto mehr, je feuchter er iſt. Auf ausgetrockneten Sandſchel⸗ len wird nur die Oberflaͤche der Blaͤtter vom Thaue benetzt, der ſich als Feuchtigkeit in der Luft von andern Orten her geſammelt hat, auf feuchten Wieſen und Grasplaͤtzen haͤngen ſich die Thautropfen auch auf der untern Blattflaͤche an, in⸗ dem ſie fortwaͤhrend in Menge aus der Erde aufſteigen. Die Wichtigkeit des Thaues fuͤr die Vegetation iſt laͤngſt anerkannt, wir ſehen ſehr oft, wie die Gewaͤchſe ſich dadurch laͤngere Zeit beinahe allein erhalten. Zu wenig iſt aber da⸗ rauf bei der Wahl des Standortes fuͤr die Holzpflanzen noch Ruͤckſicht genommen. So hat man haͤufig die Fichte aus Gegenden, welche eine große Regenmenge und einen ſtarken Thau haben, aus Gebirgen in trocknere verpflanzt, und ſich die Hinderniſſe ihrer Erziehung, das ſchlechtere Wachsthum, nicht zu erklaͤren gewußt, da dies offenbar bloß auf drei ver⸗ ſchiedene Feuchtigkeitsgrade, bei uͤbrigens gleicher Bodenbeſchaf⸗ — 19— fenheit, beruhet. Es gedeihet dieſe Holzgattung noch auf dem Duͤnenſande der daͤniſchen Inſeln, wo die Seeluft ſtets feucht iſt; ſie iſt ſchwer an den trocknen Vorbergen des Harzes zu erziehen, wo ſie in dem feuchten Oberharze unter gleichen Bodenverhaͤltniſſen ſicher und mit vielem Erfolge angebauet werden kann. Der Reif— gefrorner Thau— wurde laͤngſt als in der Forſtwirthſchaft ſehr beachtungswerth anerkannt. Er erfolgt am ſlaͤrkſten in feuchten, nicht zu hohen Bergen, 1 wo eine be⸗ 2ℳ ud de derd K.Krdit Aeut, MK.. e. A1412.— hr. chad. fæeulees E ALepeuin, mad ⁵. Ke. Uh⸗ 97 ene Egltet Ar Ke. e.4t, dr 3 Luu⸗ 6, oe 2— Ae 77 9r er vhue 7 7 Se 7 2,,7. ,a Snh, 7, Le, 2 2 8* 5.7 aͤhnlich herabfallen. 5 einer kgelnden Temperatur haͤngt er ſich an einander, und dann entſtehet erſt der Schneebruch, welcher bei großer Kaͤlte nicht zu fuͤrchten iſt. Da nun die Berge, den kalten obern Luftſchichten am naͤchſten, ſchon bei einer milden untern Luft Schnee erhalten„da er nicht Zeit hat in dieſer bei dem Herabfallen zu ſchmelzen, ſo iſt auch in dieſen die Gefahr des Schneebruchs immer groͤßer, als in der Ebene. Sie waͤchſt, wenn man in den hoͤhern Regionen noch Laub⸗ hoͤlzer bauet, die oft die Blaͤtter noch nicht verloren haben, 2*¾ — 18— Luft bei Sonnenaufgang und Untergang ſich plöͤtzlich erkaͤltet, und dadurch die in Dunſtform vorhandene Feuchtigkeit ver⸗ dichtet und verurſacht, daß ſie ſich tropfenweis als Thau an die Gewaͤchſe haͤngt, niederfaͤllt und die Pflanzen traͤnkt. Die Menge der Feuchtigkeit in der Luft, hat gleiche Ur⸗ ſachen wie die Regenmenge. Um ſie als Thau niederzuſchla⸗ gen wirken aber verſchiedene Urſachen. Auf Ebenen kann nur bei windſtillem Wetter Thau erfolgen, weil bei windigem die Duͤnſte fortgetrieben werden. In geſchuͤtzten Thaͤlern kann ————y—— I Hertceeee erBen 2— 2 he.. Ä2r Ak Maeree ſ 4 Jh ) 7 ⸗ ᷣ 46‿9. Le eneine 2 3 8* 5 5 2 2. A Se A. F— 410, 4- Metke„ ſ’/ 75 4 7 l 2k.= A Jhr ense. 27 kr 122 Suu r Ar She— laͤngere Zeit beinahe allein erhalten. Zu wenig iſt aber da⸗ rauf bei der Wahl des Standortes fuͤr die Holzpflanzen noch Ruͤckſicht genommen. So hat man haͤufig die Fichte aus Gegenden, welche eine große Regenmenge und einen ſtarken Thau haben, aus Gebirgen in trocknere verpflanzt, und ſich die Hinderniſſe ihrer Erziehung, das ſchlechtere Wachsthum, nicht zu erklaͤren gewußt, da dies offenbar bloß auf drei ver⸗ ſchiedene Feuchtigkeitsgrade, bei uͤbrigens gleicher Bodenbeſchaf⸗ — 19— fenheit, beruhet. Es gedeihet dieſe Holzgattung noch auf dem Duͤnenſande der daͤniſchen Inſeln, wo die Seeluft ſtets feucht iſt; ſie iſt ſchwer an den trocknen Vorbergen des Harzes zu erziehen, wo ſie in dem feuchten Oberharze unter gleichen Bodenverhaͤltniſſen ſicher und mit vielem Erfolge angebauet werden kann. Der Reif— gefrorner Thau— wurde laͤngſt als in der Forſtwirthſchaft ſehr beachtungswerth anerkannt. Er erfolgt am ſtaͤrkſten in feuchten, nicht zu hohen Bergen, wo eine be⸗ traͤchtliche Nachtkaͤlte auf milde Tage eintritt, oder wo die Temperatur der Luft ſehr niedrig ſtehet, waͤhrend der beſchuͤtzte und noch erwaͤrmte Boden ſtark ausduͤnſtet. Gegenden, welche ihm ſehr unterworfen ſind, geſtatten nicht die Erziehung von Hoͤlzern, welche ſehr bruchiges Holz haben, die mit langen Nadeln verſehen ſind, an welche ſich der Reif in großer Menge anhaͤngen kann, weil die Laſt deſſelben ſie ſonſt beſchaͤdigt und niederdruͤckt. Es muß darauf bei der Erziehung der Holzbeſtaͤnde uͤberhaupt Ruͤckſicht genommen werden, wovon im Forſtſchutze naͤher die Rede ſein wird. Schnee, das Erzeugniß gefrorner Waſſerduͤnſte, nimmt in demſelben Verhaͤltniſſe zu, wie der mittlere Temperatur⸗ grad faͤllt, da er nur bei einer niedrigen Temperatur entſtehen kann. Er wird in derſelben Art den Hoͤlzern nachtheilig, wie der Reif, durch Belaſtung. Je ſtrenger die Kaͤlte iſt, deſto kleiner ſind die Schneeflocken, die an den Polen beinahe ſtaub⸗ aͤhnlich herabfallen. Bei einer gelinden Temperatur haͤngt er ſich an einander, und dann entſtehet erſt der Schneebruch, welcher bei großer Kaͤlte nicht zu fuͤrchten iſt. Da nun die Berge, den kalten obern Luftſchichten am naͤchſten, ſchon bei einer milden untern Luft Schnee erhalten„da er nicht Zeit hat in dieſer bei dem Herabfallen zu ſchmelzen, ſo iſt auch in dieſen die Gefahr des Schneebruchs immer groͤßer, als in der Ebene. Sie waͤchſt, wenn man in den hoͤhern Regionen noch Laub⸗ hoͤlzer bauet, die oft die Blaͤtter noch nicht verloren haben, 2* — 20— wenn ſchon Schnee faͤllt, wo er dann in Menge auf der brei⸗ ten Blattflaͤche liegen bleibt. Lerchen und Fichten eignen ſich vorzuͤglich fuͤr Gebirgsgegenden, welche ſehr unter Duft- und Schneebruch leiden. Die Wirkung der Feuchtigkeit und des Waſſers auf das Leben, Wachſen und Gedeihen der Pflanzen, iſt von der groͤß⸗ ten Wichtigkeit und hoͤchſt mannigfaltig. Waſſer trennt die Erde, lockert ſie auf, nimmt ernaͤh⸗ rende Stoffe in ſich auf und fuͤhrt ſie den Pflanzen zu, ver⸗ mittelt ihre Aufnahme durch die Wurzeln und Blaͤtter. Es gewaͤhrt dem Samenkorn die erſte Nahrung, und bringt es bei einer Temperatur von 8— 10 Gr. zum Keimen. Es iſt die weſentlichſte Kraft, welche die Felſen zerſtoͤrt und Boden daraus bildet, eben ſo wie ohne Feuchtigkeit die organiſchen Subſtanzen nicht in Faͤulniß uͤbergehen und den Humus bilden koͤnnen. Die Pflanzen zerſetzen aber zuletzt auch das Waſſer durch ihre Wurzeln und Blaͤtter chemiſch, indem ſie unmittelbar Kohlenſtoff, Waſſerſtoff und Sauerſtoff daraus aufnehmen, und ernaͤhren ſich folglich dadurch. Feuchtigkeit in der Luft iſt deshalb auch dem Pflanzen⸗ wachsthume nie nachtheilig, ſobald die Temperatur dabei hin⸗ laͤnglich warm iſt, und bloß von ihrem raſchen Wuchſe die Rede iſt. Doch hat viel Regen eine nachtheilige Wirkung auf die Samenbildung, indem naſſe Jahre immer ſchlechte Sa⸗ menjahre ſind, ſo wie auch das Holz ein lockeres Gewebe dadurch erhaͤlt. Zu viel Waſſer im Boden, wirkt dagegen oft verderblich fuͤr die Vegetation, woruͤber unten das Naͤhere. Die Einwirkung des Lichtes auf das Pflanzenleben iſt unlaͤugbar. Alle Gewaͤchſe der hoͤhern Ordnungen beduͤrfen es, doch in verſchiedenem Grade. Schon bei den Holzpflanzen zeigt ſich dies ſehr deutlich. Wir haben ſolche, welche nur im vollſten Lichte gedeihen, wie die Birke und Kiefer, andere, welche wenigſtens in der Jugend ein gemildertes(Beſchattung) verlangen, wie Weißtanne und Buche, noch andere, welche das volle Licht fortwaͤhrend vermeiden, wie Ilex aquifolium, Vac- cinium myrtillus. Daß das Licht zur Erzeugung der gruͤnen Farbe unentbehrlich ſei, wird in der neueſten Zeit beſtritten; Humbold zog im tiefſten Dunkel gruͤne Graͤſer. Wohl aber wird der Stamm der Pflanze bald lockerer und laͤnger, bald mit engeren Holzlagen am Boden kriechend, bei dem Mangel deſſelben. Er erhaͤlt ſtets eine fehlerhafte Organiſation. Alle Licht beduͤrfenden Pflanzen, welche im Schatten ſtehen, haben einen langſamen Wuchs, weil der Mangel deſſelben den Bil⸗ dungsproceß der Pflanzentheile nur langſam erfolgen laͤßt. Erfolgt durch ploͤtzliche Freiſtellung, und ungewohnte ſtarke— Einwirkung des Lichtes, eine Ueberreizung der Lebensthaͤtigkeit,, ſo iſt das Eingehen, wenigſtens das voruͤbergehende Erkranken derſelben, eine natuͤrliche Folge davon.— Mit Unrecht be⸗ ziehet man die bei der Holzzucht oft nothwendige, oder zu vermindernde Beſchattung allein auf den Froſt, ſie iſt weit mehr hinſichts der Einwirkung des Lichtes zu beachten, denn die wenigſten unſerer einheimiſchen Holzgattungen erfrieren ganz, wenn ſie nur erſt einige Jahre alt ſind. Es iſt keinem Zweifel unterworfen, daß Italiens durch⸗ ſichtige Luft und heller Sonnenglanz einen ganz verſchiedenen Einfluß auf das Pflanzenleben hat, als Schottlands den groͤßten Theil des Jahres hindurch bedeckter Himmel. Eben ſo zeigt ſich eine ſchattige Mitternachtsſeite in ihrer Vege⸗ tation ganz anders, als eine ſonnige Suͤdſeite, wobei jedoch noch mehrere andere Umſtaͤnde als das Licht mitwirkend ſind. Um jedoch, außer hinſichts der Beſchattung durch Oberholz, zugleich Regeln fuͤr den paſſenden Standort der Hoͤlzer nach ihrem groͤßern oder geringern Lichtbeduͤrfniſſe aus dieſen Wahr⸗ nehmungen zu entwickeln, dazu ſind ſie noch viel zu unvoll⸗ kommen. Noch weit weniger wiſſen wir von der Wirkung der — 22— groͤßern oder geringern Dichtigkeit und dem davon abhaͤngen⸗ den Drucke der Luft. Auf die geographiſche Verbreitung der Pflanzen ſcheint ſie gar keinen Einfluß zu haben, eher noch hinſichts des Aufſteigens derſelben in den Bergen, doch auch hier ohne praktiſches Intereſſe fuͤr den Forſtmann. Dagegen iſt die Bewegung der Luft— der Wind— in mehr als einer Ruͤckſicht ſehr beachtungswerth. Sie enſtehet, wenn das Gleichgewicht der Luft irgendwo geſtoͤrt wird, indem dieſe dann, gleich allen fluͤſſigen Koͤrpern dahin ſtrebt, es wie⸗ der herzuſtellen. Die Urſachen koͤnnen mancherlei ſein. Die Kaͤlte zieht die Luft zuſammen, die Waͤrme dehnt ſie aus, be⸗ traͤchtliche Feuer zerſetzen eine Menge derſelben, und es ent⸗ ſtehen dadurch Stroͤmungen in derſelben. So iſt es leicht erklaͤrlich, weshalb die ſtaͤrkſten Winde dann eintreten, wenn die Differenz zwiſchen Waͤrme und Kaͤlte am groͤßten wird, oder weshalb alle großen Feuer einen ſtarken Luftzug erzeugen. Derſelbe wird verſtaͤrkt, ſobald er ſich durch eine enge Oeff⸗ nung draͤngen muß(Zugwind), oder auch wo ſeine Kraft auf großen glatten Flaͤchen ſich ungehindert verſtaͤrken kann, da ihn nichts aufhaͤlt(Seewind). Ein Wind, welcher bloß die Blaͤtter bewegt, durchlaͤuft in der Secunde 10 Fuß, bei Bewegung kleiner Zweige 20— 24 Fuß, bei Beugung der Wipfel 30— 40 Fuß.— Windbruch iſt zu fuͤrchten, wenn er in der Secunde 50— 60 Fuß durchlaͤuft; das Maximum kann man bei uns zu 130 Fuß in der Secunde annehmen, welches jedoch in der Regel nur die Orcane in den tropiſchen Gegenden erreichen. Der Wind aͤußert einen weſentlichen Einfluß auf die Be⸗ ſchaffenheit und Temperatur der Luft. Ueber die See ſtrei⸗ chend fuͤhrt er viel Feuchtigkeit, bei Stuͤrmen oft mit Salz⸗ theilen geſchwaͤngert, mit ſich. Trocken iſt er, wo ſein Lauf uͤber duͤrre Landſtrecken gehet. So kann er Regen herbeifuͤh⸗ ren und entfernen, immer verhindert er aber den Thau. Seine den Boden austrocknende Kraſt iſt weit ſtaͤrker, als die der Sonne. Die Temperatur der Luft wird groͤßtentheils durch die Richtung beſtimmt, aus welcher der Luftzug koͤmmt. Winde, vom Norden kommend, aus mit Eis bedeckten Bergen herab⸗ ſtroͤmend, erkaͤlten die Luft, Suͤdwinde erwaͤrmen ſie, wenn ſie uͤber die gluͤhenden Sandwuͤſten heißer Laͤnder ſtreichen, koͤn⸗ nen ſie die Atmosphaͤre bis zur Toͤdlichkeit erhitzen. In dem⸗ ſelben Maße, wie Waͤrme und Feuchtigkeit auf die Vegetation wirken, thun dies auch die Winde, durch welche dieſe theilweis bewirkt wird. Es kann daher nicht auffallen, wenn die gegen den Nord⸗ und Oſtwind geſchuͤtzten Suͤdſeiten ausgedehnter europaͤiſcher Gebirge ein ganz anderes Klima haben, als die Oſt⸗ und Nordhaͤnge. Die mechaniſche Kraft des Windes, welche er gegen die Holzpflanzen aͤußert, iſt noch mehr in ihren Wirkungen in die Augen fallend, als die Einwirkung auf das Klima. In ſolchen Freilagen, wo das Holz fortwaͤhrenden Stuͤr⸗ men ausgeſetzt iſt, verliert es ſeinen Hoͤhenwuchs groͤßtentheils. Die ſchlanken Triebe der Lerche werden niedergebogen, die Fichte kriecht als Strauch an der Erde; es iſt hoͤchſt wahr⸗ ſcheinlich, daß das Knieholz, die Zwergkiefer, Pinus montana, Pin. mughus, nichts iſt, als das Product vieler Generationen vom Winde niedergebogener Kiefern. Inſtinctartig wachſen ſolche Baͤume mehr in die Wurzeln, als in die Hoͤhe, und es iſt unmoͤglich in ſolchen Freilagen ſehr ſchlankes, langes Holz zu erziehen, wenn es nicht durch einen dichten Mantel be⸗ ſchuͤtzt wird. Am ſchwierigſten wird es an den Kuͤſten, wo ſich die groͤßte mechaniſche Kraft der Stuͤrme mit ihrer nach⸗ theiligen klimatiſchen Einwirkung verbindet. Von dem Nach⸗ theile, welchen das Umbrechen erwachſener Baͤume verurſacht und den Mitteln ihn zu verhuͤten, wird im Forſtſchutze unter „Windbruch“ gehandelt werden. Der Einfluß der Electricitaͤt auf das Pflanzenleben iſt anerkannt— wir bemerken ihn ſchon an dem ſtarken Wachs⸗ thum aller Gewaͤchſe nach Gewittern— es laͤßt ſich jedoch ————— —— — — — ꝗ⁴— — 24— aus dieſer Wahrnehmung keine Regel fuͤr den praktiſchen Forſt⸗ haushalt entnehmen. Es werden wenige Gegenden ſein, welche nicht ihr oͤrtli⸗ ches Klima haͤtten. Warm, kalt, feucht, trocken, ſtuͤrmiſch, beſtaͤndig, veraͤnderlich, ſind die Worte, mit denen man es gewoͤhnlich bezeichnet, in ſo fern es in Beziehung zur Vege⸗ tation beachtet werden muß. Sie beduͤrfen keiner Erklaͤrung. Wohl) aber muß der Forſtwirth darauf bedacht ſein, nicht Holzgattungen unter klimatiſchen Verhaͤltniſſen ziehen zu wol⸗ len, die deren Gedeihen nicht zuſagen. So weit etwas in dieſer Hinſicht mit Sicherheit, oder auch nur mit einiger Wahr⸗ ſcheinlichkeit bekannt iſt, ſoll es bei jeder einzelnen Holzgat⸗ tung angefuͤhrt werden. 2) Der Boden. Die Oberflaͤche der Erde, in ſo fern ſie zur Hervorbrin⸗ gung von Gewaͤchſen geſchickt iſt, nennen wir Boden. Sie beſtehet aus unveraͤnderlichen Beſtandtheilen, welche das Product der Zerſtoͤrung der Geſteine und Mineralien ſind, aus veraͤnderlichen, entſtanden aus der Zerſetzung organiſcher Weſen(Humus, unter ſehr verſchiedenartigem Vorkommen). Ob die Erde bei ihrer Entſtehung eine von einem andern Weltkoͤrper abgeſprengte, geſchmolzene Schlacke war, nach der Idee der Vulcaniſten, oder ob ſie ein Niederſchlag fluͤſſiger Theile, zuſammengepreßt durch ihren Umſchwung und deſſen Druck nach der Hypotheſe der Neptuniſten iſt, aͤndert in der mit ziemlicher Gewißheit ermittelten Thatſache nichts, daß ſie vor, freilich gar nicht zu berechnenden Jahren, ein ſtarrer Fels war. Die Erde, welche wir bewohnen, die uns ernaͤhrt, naͤher kennen zu lernen, haben wir zu viele Aufforderungen, als daß ſich nicht viele Forſcher damit haͤtten beſchaͤftigen ſollen. Die Richtung welche ihre Forſchungen nahmen, wird durch mehrere Worte bezeichnet: Geogonie, d. i. Erd⸗Entſtehungslehre, Geo⸗ - 25— logie, die Lehre von der Beſchaffenheit der Erde uͤberhaupt, Erdlehre, Geognoſie, d. i. Gebirgskunde, Mineralogie, Kennt⸗ niß der Beſchaffenheit der Geſteine, Geſteinkunde, Oryctogno⸗ ſie, Geſtein⸗Erkennungskunde, und Petrefaktenkunde, Kennt⸗ niß der Verſteinerungen. Fuͤr uns kann die Bodenkunde nur ſich auf die Kenntniß des Bodens hinſichts ſeiner Vegetationskraft be⸗ ſchraͤnken. Da dieſe jedoch von ſeinen Beſtandtheilen abhaͤngt, und dieſe ſich aus der Art und Weiſe ſeiner Entſtehung er⸗ geben, ſo koͤnnen wir die letztere nicht unbeachtet laſſen. Der urſpruͤnglich ſtarre Fels wurde im Laufe vieler Jahr⸗ tauſende zerſtoͤrt, wie es noch jetzt fortdauernd vor unſern Au⸗ gen ſtatt findet, indem die Verbindung ſeiner Beſtandtheile aufgeloͤſet wurde. Er zertheilte ſich theils in Koͤrner, indem das Bindungsmittel derſelben zerſtoͤrt wurde, was den Sand⸗ boden gab, theils ſchieden ſich die Beſtandtheile, aus denen er zuſammengeſetzt war, und gingen neue Verbindungen ein, vermiſchte ſich auch mit den Ruͤckſtaͤnden und Aufloͤſungen organiſcher Koͤrper. So entſtand die obere Erddecke, welche wir Boden nennen, und die demnach keine andern minerali⸗ ſchen Beſtandtheile haben kann„als die Geſteine ſelbſt, aus denen er entſtand. Die Zerſtoͤrung derſelben geſchiehet jedoch, zwar verſchieden, je nachdem der Widerſtand iſt, den die Ge⸗ ſteine den zerſtoͤrenden Kraͤften entgegenſetzen, immer ſo lang⸗ ſam, daß nur da, wo die zerſtoͤrten Felstheile mechaniſch durch das Waſſer zuſammengehaͤuft werden koͤnnen, der Boden tief liegen kann. Der in groͤßter Menge ſich vorfindende Beſtandtheil des Bodens iſt der Sand, d. i. Koͤrner von Kieſelerde, gelb gefaͤrbt durch Eiſenoxyd, ſchwarz von Kohle und Magneteiſen, glaͤn— zend von Glimmer u. ſ. w., von der Staubform bis zur Groͤße einer Erbſe, da er groͤßer, bis zur Wallnuß, den Na⸗ men Kies erhaͤlt, wo dann die groͤßern Brocken„Truͤmmer, Rollſteine, eintreten. Der Sand muß vorherrſchend ſein, weil die Geſteine, welche aus zuſammengekitteten Quarzkoͤrnern be⸗ ſtehen, der Zerſtoͤrung am mehrſten unterworfen ſind, indem ſich der Kitt oder Leim aufloͤſet, dabei zugleich eine große Ver⸗ breitung derſelben ſtatt findet. Naͤchſt dem Sande iſt der Lehm oder Leimen am haͤu⸗ figſten vorhanden. Es iſt derſelbe Thon mit Sand vermiſcht, durch Eiſenoxyd gefaͤrbt, zuweilen mit Kalk vermiſcht. Auch den Thon enthalten die Steine in großer Menge, ſchon der Kitt, durch welchen die Quarzkoͤrner zuſammengekittet ſind, beſtehet zum großen Theile daraus, und je nachdem der Thon⸗ gehalt einer Geſteinart groͤßer iſt, wie z. B. beim Thonſchie⸗ fer, wird der auf der Stelle, wo er entſtand, liegenbleibende Boden auch thonhaltiger. Wird er weggeſchwemmt, ſo haͤngt dies ſehr von der Art des Niederſchlags ab. Die ſchwereren Steine und Quarzkoͤrner ſinken zuerſt nieder, die leichteren Theile zuletzt. Darum finden wir in den Thaͤlern und Ebe⸗ nen ſo viel Lehmboden mit einem Untergrunde von Kies und Steinbrocken. Miſcht ſich der ſtrenge Lehmboden, d. h. der ſehr thonhaltige, mit vielem Humus, ſo entſtehet der Kley⸗ oder Marſchboden, welcher folglich nichts iſt als ſehr humusrei⸗ cher Lehmboden, wovon der letztere gewoͤhnlich ſehr feucht iſt. Iſt dem Lehmboden viel Kalk beigemiſcht, ſo entſtehet der Mergelboden, eine Miſchung von Thon, Kalk und Sand. Die Kalkerde finden wir nur ſelten in ſo großer Menge, als die Kieſel- und Thonerde, vielleicht, weil diejenigen Arten von Kalkſtein, welche in großer Ausdehnung vorkommen, der Zerſtoͤrung beſſer widerſtehen, doch bildet auch ſie einen Haupt⸗ beſtandtheil des Bodens. Alle uͤbrigen, noch in großer Zahl vorkommenden Erden und Mineralien, ſind fuͤr den Forſtmann weniger beachtungswerth, und nur das Eiſen, im Raſeneiſen⸗ ſteine vorkommend, verdient wegen der Eigenthuͤmlichkeit die der Boden hat, wo dieſer vorkoͤmmt, noch eine beſondere Er⸗ waͤhnung. Wir benennen den Boden nach denjenigen Beſtandtheilen, — 27— welche in demſelben vorherrſchend oder in ungewoͤhnlicher Menge vorhanden ſind. Ueber 60 Procent Sand bildet den Sand⸗ boden, zwiſchen 40 und 60 Procent Sand und in der uͤbri⸗ gen Miſchung groͤßtentheils Thon, iſt Lehmboden, Kalkboden ſagt man, wenn 12 bis 36 Procent Kalk eingemiſcht ſind, Mergelboden, wenn bei einem ſtarken Thongehalte 5 bis 20 Procent Kalk gefunden wird. Ueber 10 Procent Humus (nach dem Gewichte) rechtfertigt ſchon das Beiwort humos, welches man dann dem nach ſeinen vorzuͤglichſten Beſtandthei⸗ len benannten Boden giebt. Wo der Boden noch an der Stelle liegt, auf welcher er entſtand, zeigen die Geſteine, die ihn lieferten ,auch ſeine Be⸗ ſtandtheile an. Dieſe lehrt die Mineralogie kennen, weshalb ſie eine wichtige Huͤlfswiſſenſchaft, vorzuͤglich fuͤr den Gebirgs⸗ forſtmann, iſt. In den groͤßern Ebenen treffen wir dagegen in der Regel zuſammengeſchwemmten Boden, das Product zu⸗ faͤlliger Miſchung. Die Zerſtoͤrung der Geſteine findet auf verſchiedene Art ſtatt, 1) auf mechaniſchem, 2) auf chemiſchem Wege. Die mechaniſch wirkenden Kraͤfte ſind: a) Die Schwere. Ueberhaͤngende Klippen verlieren durch Verwitterung, Unterwaſchung, Druck dagegen draͤngender Erd⸗ maſſen, keilfoͤrmig eindringende Wurzeln und die Ausdehnung des Eiſes ihren Halt, werden durch Stuͤrme und Blitze herab⸗ geſchleudert und zerſchellen in Truͤmmern, welche den uͤbrigen zerſtoͤrenden Kraͤften der Natur eine groͤßere Wirkſamkeit verſchaffen. b) Waſſer, durch Auswaſchung, Abſchleifung, ſeine Aus⸗ dehnung als Eis. Waſſerfaͤlle hoͤlen Felſen aus; der Kieſel im Bache iſt abgerundet, weil ihn das Waſſer abwuſch. Wie ſelten ſind oft in Gebirgen die Bauſteine, welche dem Froſte widerſtehen, ſehr viele poroͤſe und ſchieferartige ſaugen ſich voll Waſſer, und werden dann bei Froſt dadurch geſprengt. Sehr thonhaltige Steine werden zuletzt in eine breiartige Maſſe — 28— aufgeloſet, wenn ſie lange in einem Bache oder Fluſſe, oder auch nur in ſehr feuchter Lage ſich befinden. c) Selbſt die mechaniſche Zerſtoͤrung der Geſteine durch die Menſchen iſt gegenwaͤrtig nicht unbedeutend. Viele Tau⸗ ſende von Schachtruthen werden auf den Kunſtſtraßen zu Staub zermalmt, in eigentlichen Boden umgewandelt. Die mechaniſchen Kraͤfte zerkleinern, ſtreng genommen, nur die Geſteine, wuͤrden alſo auch nur Sand bilden koͤnnen; gewoͤhnlich findet jedoch auch bei dieſer Zerkleinerung eine che⸗ miſche Aufloͤſung ſtatt, indem die chemiſchen Kraͤfte dadurch auf eine groͤßere Oberflaͤche wirken koͤnnen. Der Sauerſtoff in der Luft, im Waſſer, verbindet ſich mit einzelnen im Geſteine befindlichen Stoffen, dem Eiſen, dem Schwefel u. ſ. w., ſo daß dieſe die Verbindung, in welcher ſie ſich mit den uͤbrigen Beſtandtheilen des Steins befinden, verlaſſen, welche auf dieſe Art aufgeloͤſet wird. So roſten die Eiſenadern aus dem Quaderſandſtein heraus und dieſer zerbroͤckelt, der Feldſpath verſchwindet an der Luft aus dem feſten Granit. Den Kalkſtein loͤſet das Waſſer theils rein, theils mit Kohlenſaͤure auf. Viele Steine verwittern, ohne daß wir die Urſache kennen. Viele werden durch Flechten und Mooſe theils mittelbar, theils unmittelbar zerſtoͤrt, indem ſie dieſelben feucht erhalten, oder auch ſelbſt ſich in ſie eingraben und Nahrungstheile aus ihnen aufſaugen. Die polirte und geglaͤttete Oberflaͤche der Marmorſtatuͤe bedeckt ſich bald mit Flechten im feucht⸗kalten Klima, und in kurzer Zeit bemerkt das bloße Auge die dadurch entſtehenden Gruben und Ver⸗ tiefungen. Der Widerſtand, den die verſchiedenen Geſteinarten dieſer fortdauernden Zerſtoͤrung entgegenſetzen, iſt eben ſo verſchieden, als die der Beſtandtheile und deren Miſchung iſt, aus denen ſie beſtehen, als ihre Feſtigkeit und Dauer. Schlackige Laven, Steine, in denen die Kieſelerde vorherrſchend iſt, als Kieſel⸗ ſchiefer, Quarz, Quarzporphyr, unterliegen dieſer Zerſtoͤrung — 29— nur ſehr langſam, und geben deshalb auch nur wenig Boden. Steine, durch ein leicht aufzuloͤſendes Bindungsmittel gebildet, wie Sandſtein, werden ſchnell zerſtoͤrt und geben viel Boden. Solche, welche viele Beſtandtheile haben, die der chemiſchen Auf⸗ loͤſung ſehr unterworfen ſind, indem ſie ſich leicht mit andern des Waſſers oder der Luft verbinden, und deshalb die fruͤhere Verbindung verlaſſen(Wahlverwandtſchaft), ſind unerachtet einer großen Feſtigkeit und dem daher ruͤhrenden Widerſtande gegen mechaniſche Keaͤfte, doch leicht zerſtoͤrbar, waͤhrend an— dere, wie z. B. Kreide, bei ihrer Lockerheit zwar leicht verklei⸗ nert werden, aber nur einen unfruchtbaren Boden geben, da ſie der chemiſchen Aufloͤſung wenig unterworfen ſind. Es iſt wahrſcheinlich, daß die Pflanzen auch Beſtand⸗ theile der Geſteine unmittelbar in ſich aufnehmen, denn man fin⸗ det ſie in ihnen wieder, z. B. Kieſelerde im Rohre, in der Aſche vom Holze Eiſen, in mehreren Pflanzen mineraliſche Beſtandtheile. Die unmittelbare Nahrung, die dieſe jedoch durch den Boden da⸗ durch erhalten, daß Erden und mineraliſche Stoffe in ſie uͤber⸗ gehen, kann nur ſehr unbedeutend ſein, ſo wie ſie dann auch nur benutzt werden kann, wenn dieſe Stoffe in einer Form vorkom⸗ men, worin ſie von den Pflanzen aufgenommen werden koͤn⸗ nen. Es ſind die Erden vorzuͤglich beachtungswerth hinſichts ihrer mittelbaren Wirkung auf die Vegetation, durch Aufnahme, Erhaltung und ſelbſt auch wohl Bereitung der Nahrungstheile fuͤr die Pflanzen, und indem ſie dieſen dazu dienen, ſich be⸗ feſtigen zu koͤnnen. Der feſte Stein iſt dazu nicht geſchickt, kaum kann die groͤßtentheils aus der Luft ſich ernaͤhrende Flechte ſich darauf befeſtigen. Das bloß mechaniſch verkleinerte Geſtein kann we⸗ der Nahrungstheile in ſich aufnehmen, noch iſt es fuͤr die Wurzeln anders zugaͤnglich, als daß es dieſen erlaubt, in die Zwiſchenraͤume einzudringen, in denen ſich der Humus ſam⸗ meln kann. Je groͤßer die Steinſtuͤcke ſind, deſto weniger be⸗ nutzbar fuͤr die Vegetation ſind ſie. Rollſteine, grober Stein⸗ — 30— ſchutt uͤbereinander gehaͤuft, ſind ſo unfruchtbar wie gediegener Fels. Je kleiner die Steintheile ſind, deſto eher koͤnnen ſie dazu dienen, das Mittel zur Ernaͤhrung von Pflanzen zu werden, indem ſich Waſſer und Humus in ihren Zwiſchenraͤu⸗ men ſammelt. Flugſand, unfruchtbar an ſich wegen ſeiner Beſtandtheile, ernaͤhrt leichter Holz, als Schutt von Thon⸗ ſchiefer, welcher einen ſo fruchtbaren Boden giebt, wenn er aufgeloͤſet iſt. Aber nur die chemiſche Zerſetzung der Geſteine kann einen fruchtbaren Boden geben. Dieſe trennt nicht nur die Geſteine vollkommener, als es irgend eine mechaniſche Zer⸗ kleinerung vermoͤgte, indem dadurch die Stoffe bis zur uner⸗ kennbaren Groͤße verkleinert werden, ſondern ſie mengt dieſe auch wieder zu einer weit vortheilhaftern Miſchung fuͤr die Vegetation, als ſie im Steine waren, da denſelben die un⸗ mittelbar ernaͤhrenden Beſtandtheile des Bodens dann einge⸗ miſcht werden koͤnnen. Aller mechaniſch gebildete Boden iſt deshalb unfruchtbarer, als derjenige, zu deſſen Bildung chemi⸗ ſche Kraͤfte mitgewirkt haben. Wenn gleich das feſte Geſtein den Pflanzen der hoͤhern Ordnungen keine Nahrung zu liefern vermag, ſo iſt doch darum daſſelbe nicht ohne Einfluß auf die Vegetation. Dieſer aͤußert ſich ſehr nachtheilig, wenn es in zu großer Menge, zu flach unter dem wenigen Boden vorhanden iſt, wohlthaͤtig in paſſender Menge und Tiefe. Flaches, dicht oder gedraͤngt liegendes Geſtein verhindert das Eindringen der Wurzeln, es bildet eine undurchlaſſende Unterlage fuͤr die Feuchtigkeit, ſo daß dieſe, da, wo ſie ſich in großer Menge ſammelt, Ver⸗ ſumpfungen bildet, oder Duͤrre erzeugt, wenn ſie in ſpaltigen Steinen ſehr tief einſickern kann, oder, in geringer Menge vorhanden, bald verdunſtet. Darum ſind alle mit wenig Erde bedeckte Felſen mit ſenkrechten Spaltungen, wie Baſalt und Kalkſtein, letzterer in der ſchwaͤbiſchen Alp, ſo duͤrr, alle kri⸗ ſtalliniſche Geſteine, wie der Granit am Brocken, wo die Feuch⸗ tigkeit oben ſtehen bleibt, ſo ſehr zu Verſumpfungen geneigt. — —„„ —= 2—— 2—2 —. —— — 31— Es verdient deshalb die gediegene Felsmaſſe als Unterlage große Aufmerkſamkeit des Forſtmannes. Die flach liegende, den Wurzeln unzugaͤngliche, verlangt auch nur flach wurzelnde, Duͤrre ertragende Hoͤlzer. Die in der Tiefe von 6 bis 12 Fuß liegende zeigt ſich vortheilhaft, weil ſich die Feuchtigkeit auf ihr ſammelt, ſobald nicht viel ſenkrechte Spalten in ihr ſind, die ſehr tief liegende, wie im hoch aufgeſchwemmten Meeres⸗ boden, wieder ſehr nachtheilig, weil dann die Feuchtigkeit aus den atmosphaͤriſchen Niederſchlaͤgen zu tief einſickert, als daß ſie durch ihre Verdunſtung den Pflanzen nuͤtzlich werden koͤnnte. Die Kenntniß der leichtern oder ſchwereren Zerſtoͤrbarkeit der Geſteine, ihrer Lagerung und Schichtung iſt deshalb fuͤr den Forſtmann, vorzuͤglich im Gebirge von Wichtigkeit, und mit Recht kann man die Mineralogie als eine Kuͤlfswiſſenſchaft fuͤr ihn betrachten. Selbſt die einzelnen Geſteine aͤußern einen nicht unwe⸗ ſentlichen Einfluß auf den Pflanzenwuchs. Sie ſaugen aus der Atmosphaͤre Feuchtigkeit ein, und theilen dieſe durch Ver⸗ dunſtung wieder mit. Sie bedecken die Erde, und im lockern Boden verhindern ſie dadurch ſehr wohlthaͤtig die zu ſtarke Verdunſtung. So iſt ein kieſigter und ſteinigter Sandboden immer friſcher, als ein ſehr lockerer ohne Steine. Nicht mit Unrecht betrachtet man in manchen Gegenden die Steine als fuͤr den Pflanzenwuchs eher vortheilhaft als nachtheilig. So pflaſtert man in England die koſtbarſten Pferdeweiden, und in Frankreich die Weinberge. Das Waͤrmeleitungsvermoͤgen der Steine aͤußert noch eine andere Wirkung auf den Boden. Die Waͤrme in dem⸗ ſelben entſtehet theils durch die Sonnenſtrahlen„ theils durch chemiſchen Proceß. Sie wird ſehr verſchieden aufgenommen und bewahrt, je nachdem die Beſtandtheile des Bodens ver⸗ ſchieden ſind. Kieſelerde— beinahe immer in Koͤrnerform als Sand vorhanden, wird am ſtaͤrkſten erwaͤrmt, und die Waͤrme dringt bei ihr am tiefften ein. Der Kalk hat dieſe — 32— Eigenſchaft ſchon viel weniger, am wenigſten iſt der Thon dazu geeignet. So entſtehet warmer und kalter Boden— Ausdruͤcke, welche in ihrer Bedeutung ganz richtig ſind. Da die Geſteine als feſte Maſſe die Waͤrme weit mehr aufneh⸗ men und fortpflanzen, als der lockere Boden, ſo liegt auch darin ſchon der Beweis, daß ſie auf die Erwaͤrmung oder Er⸗ kaͤltung deſſelben einen Einfluß haben muͤſſen. Ihre Farbe, ſo wie die des Bodens, iſt dabei nicht unwichtig. Die ſchwarze bewirkt, daß die Sonnenſtrahlen verſchluckt werden, und der Gegenſtand, der ſie hat, dadurch leichter und vollkommener durchwaͤrmt wird, waͤhrend die weiße Farbe ſie zuruͤckwirft, woher es koͤmmt, daß ein weißer Kreideboden ſo kalt iſt. Der Schutz, den groͤßere Steine im rauhen Klima den Holzpflanzen dadurch gewaͤhren, daß ſie die kalten Nord⸗ und Oſtwinde abhalten, iſt ebenfalls wichtig, wie denn die Erfah⸗ rung lehrt, daß in hohen Gebirgen die Fichte nur hinter Steinen und alten Baumſtoͤcken mit Sicherheit gezogen werden kann. Noch haͤngt von der Art des Geſteins die Form und Bildung der Berge, ihr Neigungswinkel ab. Quarz, Por⸗ phyr, Serpentin, Baſalt, bilden ſteile, Granit, Grauwacke, Kalk, Schiefer und Sandſtein, weniger ſteile Berge, doch iſt letzterer oft durch tieſe und ſchroffe Schluchten zerriſſen. Der Neigungswinkel eines Berges, oder deſſen Steilheit, iſt wich⸗ tig: a) hinſichts der Erhaltung der Erdkrume, b) der Exwaͤr⸗ mung durch die dagegen fallenden Sonnenſtrahlen, c) dem vermehrten Lichtgenuß, den die treppenartig uͤber einander ſte⸗ benden Baͤume am Berge haben, d) in Beziehung auf den leichtern oder ſchwerern Holztransport und die Gewinnung der Bodenerzeugung. Ein Neigungswinkel von 25 Grad koͤmmt, außer bei Felſen, ſelten vor, bei 15 Grad kann ſchon nur bei feſter Benarbung und dichter Bewaldung von Buſchholz die Erde er⸗ halten werden, da ſie das Waſſer ſonſt abſpuͤhlt. Jede Auf⸗ lockerung des Bodens, jede Entbloͤßung von Holz und ſchuͤz⸗ zenden — 33— zenden Stoͤcken wird dabei verderblich. Am vortheilhafteſten fuͤr ſteile Haͤnge iſt der Niederwald in kurzem Umtriebe. Die flachlaufenden Wurzeln deſſelben befeſtigen den Boden, die ſich weit verbreitenden Mutterſtoͤcke mit ihren Ausſchlaͤgen halten die abgeſpuͤhlte Erde auf, zwiſchen ihnen bleibt das Laub lie⸗ gen, und der dichte Blattſchirm, der den Boden bedeckt, ver⸗ hindert, daß der Regen ſich nicht auf demſelben ſammelt und die Erde abwaſchend am Berge herabſtroͤmt. Jedoch iſt jeder einen dichten Schluß bildende Wald zu ſeiner Beſchutzung genuͤgend. Durch die ſenkrechten auf die ſchiefe Flaͤche fallenden Son⸗ nenſtrahlen werden die Haͤnge gegen Suͤden, Suͤdoſt und Suͤd⸗ weſt ſtaͤrker erwaͤrmt, als die Ebene. Die nicht tief eindrin⸗ gende Feuchtigkeit verdunſtet bald, ſie iſt nicht einmal hinrei⸗ chend zur Humusbildung; der wenige, welcher ſich erzeugt, wird in das Thal geſpuͤhlt. Daher ſind dieſe Haͤnge gewoͤhn⸗ lich unfruchtbar und trocken. Die große Waͤrme ruft das im Fruͤhjahre erwachende Pflanzenleben fruͤhzeitig auf, und darum leiden dieſe Haͤnge ſo ſehr von den ſpaͤten Nachtfroͤſten. Die Mitternachtsſeiten ſind aus dieſen Gruͤnden humusreicher und fuͤr den Holzwuchs ſtets beſſer. Selbſt zaͤrtliche Holzgattun⸗ gen, wie die Buche und der Ahorn, ſind an ihnen weit ſiche⸗ rer fortzubringen. Fuͤr die Suͤdſeite paſſen mehr ſolche, die mehr Trockenheit ertragen, und denen weder Froſt noch zu ſtarke Einwirkung des Lichtes nachtheilig wird, Eiche, vorzuͤg⸗ lich als Schlagholz, wo der Boden nicht zu flachgruͤndig iſt, Fichte, weniger ſchon Birke. Die Miſchung des Bodens nach ſeinen mineraliſchen Be⸗ ſtandtheilen, ſo wie ſeine Tiefgruͤndigkeit, haͤngt groͤßtentheils von der Art und Weiſe ab, wie er auf die Stelle gekommen iſt, auf welcher er liegt. Wir unterſcheiden in dieſer Hinſicht: 1) Bergboden, auf den Kuppen der Berge, auf den Hochebenen, an den Bergwaͤnden. Er enthaͤlt ſtets die Be⸗ 3 — 34— ſtandtheile des Geſteins, aus welchem er entſtanden iſt, kann nur bei leicht zu zerſtoͤrendem Geſtein tiefgruͤndig ſein. 2) Thalboden, von den Bergen in die Thaͤler und an dem Fuße der Gebirge zuſammengeſpuͤhlt. Da alle groͤßern Bergzuͤge verſchiedenartige Geſteine enthalten, da durch das Zuſammenſchwemmen des Bodens eine vollkommnere Miſchung deſſelben entſtehet, ſo iſt das Verhaͤltniß der Beſtandtheile die⸗ ſes Bodens ſelten das derjenigen eines und deſſelben Geſteins. Er iſt in der Regel tiefgruͤndiger, als der Bergboden, und eben ſo humusreicher, da ſich bei dem Niederſchlage der von den Bergen abgeſpuͤhlten Erdtheile der herabgewaſchene Hu⸗ mus mit ihnen vermiſcht. Oft iſt er in weiter Entfernung von den groͤßern Gebirgen hingeſchwemmt, und die wellenfoͤr⸗ migen Umgebungen der Gebirge enthalten ihn. 3) Flußboden. In noch groͤßerer Weite fuͤhren die Fluͤſſe die in den Gebirgen abgewaſchenen Bodentheile mit ſich fort. Jeder Regen, welcher die Bergſtroͤme anſchwellt und truͤbt, ſendet eine Menge davon in entfernte Gegenden. Die Fluͤſſe haben ſich ein Bett ausgeſpuͤhlt, oft ſehr breit in der Vorzeit, als ihr Lauf noch nicht geregelt war, ſchmaͤler in der Gegenwart. Sobald ſie angeſchwellt austreten, ſinken die humoſen und Boden⸗Cheile zu Boden, wie wir an dem Schlick der Elbe, Oder, Weichſel u. ſ. w. fortwaͤhrend ſehen, und wie uns die Duͤngkraft der ausgetretenen genannten Stroͤme hin⸗ reichend darthut. So bildet ſich ein neben den groͤßern Fluͤſ⸗ ſen ſortlaufender ſehr fruchtbarer Boden— gewoͤhnlich Au⸗ boden genannt— oft mitten durch ſandige unfruchtbare Ge⸗ genden. Das Elb⸗, Oder⸗, Rhein⸗, Donauthal, liefern dazu eben ſo die Beweiſe, wie der Nil und die Weichſelniederungen. In einem großen Gebirge, wo viele Nebenfluͤſſe in den Haupt⸗ ſtrom ſich aus den Thalzuͤgen einmuͤnden, erhaͤlt ein ſolcher Fluß mehr Bodentheile, als da, wo er ſeine Quellen in den Suͤmpfen der Ebene hat. Je raſcher ſein Lauf bei ſtarkem Gefaͤlle iſt, deſto weiter nimmt er ſie mit ſich fort. So iſt — 35— es leicht erklaͤrbar, weshalb das Elb- und Oderwaſſer truͤbe und duͤngend, das der Spree und Havel immer hell und we⸗ niger fruchtbar iſt, indem die letzten beiden Fluͤſſe bei einem geringern Gefaͤll ſehr bald die wenigen in ihnen enthaltenen Bodentheile fallen laſſen. 4) Sumpfboden. Wo die Fluͤſſe bei wenigem Gefaͤll austreten und große Strecken verſumpfen, wie die Warthe, Havel, mehre Hollaͤndiſche Gewaͤſſer, oder wo der Boden fruͤ⸗ her vom Meere bedeckt war, wie in Oſtfriesland und Holland, bedeckten ſich dieſe Suͤmpfe mit einer großen Menge Waſſer⸗ pflanzen. Dieſe werden, abgeſtorben, mehr oder weniger durch die Faͤulniß zerſtoͤrt, und bilden einen humoſen, ſchichtenweis liegenden, Niederſchlag, welcher zuletzt eine Ebene wagerecht wie der Waſſerſpiegel bildet, wenn aus irgend einem Grunde die Verſumpfung aufhoͤrt und der Boden trocken gelegt wird. Holland, Norddeutſchland, Polen und Rußland, haben ihn vor⸗ zuͤglich in großen Strecken, doch fehlt er auch in Italien und an⸗ dern Gegenden nicht. Iſt die Zerſtoͤrung der Pflanzen durch Faͤul⸗ niß nur unvollkommen geweſen, ſo wird derſelbe torfartig; auſ⸗ ſerdem kann er ſehr fruchtbar ſein. Steine ſind ſelten in ihm. 5) Meeresboden. Alle die wellenfoͤrmigen Ebenen, welche zwiſchen dem Harze, Rieſengebirge und den Karpathen, bis zu den Bergzuͤgen an der Grenze des aſiatiſchen Ruß⸗ lands und dem Meere liegen, waren hoͤchſt wahrſcheinlich einſt vom Meere bedeckt, ſo daß der groͤßte Theil Norddeutſchlands, Preußens, Polens, Rußlands, dieſen Boden hat, in welchem ſich der Flußboden und Sumpfboden einſchneidet. Die Mi⸗ ſchung der Bodentheile iſt in ihm ſehr vollſtaͤndig, gewoͤhnlich aber der Sand vorherrſchend, obgleich man auch ausgedehnte Strecken trifft, welche einen bald mehr, bald weniger ſtrengen Lehmboden haben. Neuere Kalklager kommen nur ſtellenweis in ihm vor, hin und wieder ſind eine Menge Steinbrocken, oft von betraͤchtlicher Groͤße, in ihm zuſammengehaͤuft. Die Schichtung des Bodens iſt uͤberall ſehr maͤchtig, oft liegt das 3* — —— 4 4 1 1 — 1 — 36— feſte Geſtein in einer unerreichbaren Tiefe, wo dann der Sand⸗ boden ſehr duͤrr wird, wenn er wenig Beimiſchung von Thon hat und humusarm iſt. Dieſe Beſchaffenheit des Meeresboden laͤßt ſich aus ſei⸗ ner Entſtehung leicht erklaͤren. Der hoch aufgehaͤufte Sand wurde durch das Waſſer zuſammengeſchwemmt, er iſt oft ſo wenig thonhaltig, weil der im Waſſer aufgeloͤſete Thon ſich an andern ruhigern Stellen des Waſſers ablagerte, wo er jetzt den Lehmboden, auf dem Sande oben aufliegend, bildet. Der vorhandene Mergel iſt gewoͤhnlich das Product verwit⸗ terter Muſchelbaͤnke, ſo wie auch die vielen Verſteinerungen von Seethieren im Kalkſteine, deſſen neuere Entſtehung dar⸗ thun. Die vielen Steinbrocken, groͤßtentheils durch Waſſer abgeſchliffen und gerundet, gehoͤren ihrer Beſchaffenheit nach unlaͤugbar der ſcandinaviſchen Halbinſel an, und eine große Waſſerfluth, vielleicht verbunden mit ſtarkem Eisgange, hat ſie wahrſcheinlich uͤber das Land geſpuͤhlt, ſo wie denn noch jetzt die Fortwaͤlzung großer Steinmaſſen durch Waſſer nicht ſelten iſt. Die Fruchtbarkeit des Meeresbodens haͤngt von ſeiner Miſchung ab; wo nicht ein undurchlaſſendes Thonlager ſich vorfindet, iſt er beinahe immer tiefgruͤndig. Der Boden bleibt nicht ſo, wie er ſich urſpruͤnglich bil⸗ dete. Die ihn bedeckenden Pflanzen ſterben ab und miſchen ihm Humus bei, die Kultur bewirkt Entwaͤſſerungen, Ent⸗ waldungen, miſcht ihn; die Luft, die Fluͤſſe und Sturmflu⸗ then, Bergſtuͤrze und mancherlei Naturerſcheinungen, aͤndern fortwaͤhrend an der Beſchaffenheit der Erdoberflaͤche. Es iſt des⸗ halb oft ſchwer, etwas uber ſeine urſpruͤngliche Bildung und Beſchafſenheit an einzelnen Stellen zu beſtimmen. Ueber ſeine Wirkung auf die Vegetation entſcheiden nun ſehr ſeine mineraliſchen Beſtandtheile, allerdings mehr mittelbar als unmittelbar, und wir muͤſſen deshalb zuerſt von den Eigenſchaf⸗ ten der am haͤufigſten vorkommenden Erden handeln, wobei wir uns auf die Kieſel⸗, Thon⸗ und Kalkerde beſchraͤnken koͤnnen. — 37— Die Kieſelerde kommt nur in Koͤrnerform(als Sand) vor, und bildet dadurch viel Zwiſchenraͤume, wodurch ſie einen lockern Boden bildet und der Luft einen ſtarken Zutritt ge⸗ ſtattet, das Waſſer leicht einſickern laͤßt, von dem ſie nur ein Viertheil ihres Gewichtes verſchluckt. Sie iſt ein guter Waͤr⸗ meleiter, nimmt keinen Sauerſtoff auf. Wo ſie vorherrſcht, muß dieſen Eigenſchaften gemaͤß ein trockner, warmer, lockerer Boden ſein, der gewoͤhnlich tiefgruͤn⸗ dig iſt und den Wurzeln das tiefe Eindringen erlaubt, wes⸗ halb man auch in der Regel Holzgattungen mit Pfahlwur⸗ zeln in ihm findet. Wo hinreichende Feuchtigkeit durch flach⸗ liegendes Grundwaſſer, viel Humus vorhanden ſind, da kann der Sandboden ſehr fruchtbar ſein, indem die Lockerheit der Vegetation guͤnſtig iſt. Durch den leichten Zutritt der Luft wird jedoch der Humusgehalt leicht zerſtoͤrt, zumal da er ſich mit den Sandkoͤrnern nie innig verbindet, weshalb man bei dem Sandboden, mehr als bei jedem andern, Sorge tragen muß, einen vollkommenen Schluß des Waldes zu erhalten, um demſelben die noͤthige Feuchtigkeit zu ſichern, und die Hu⸗ muserzeugung zu erhalten. Thonerde. Sie ſchluckt das Waſſer gierig, bis zu 2 mal ihres Gewichts ein, und wird dadurch getrennt(brei⸗ artig), nimmt geſaͤttigt nichts mehr auf, und wird dadurch undurchlaſſend, der Luft unzugaͤnglich, ausgetrocknet, zieht ſie ſich zuſammen und ſetzt den Wurzeln einen mechaniſchen Wi⸗ derſtand entgegen. Sie haͤlt das Waſſer lange an ſich, iſt ein ſchlechter Waͤrmeleiter, verbindet ſich viel inniger mit dem Humus, als die Kieſelerde. An und fuͤr ſich muß die Thon⸗ erde durch dieſe Eigenſchaften unfruchtbarer als der Sand werden, da der Zutritt der Luft in den Boden fuͤr den Pflan⸗ zenwuchs, wegen des in ihr enthaltenen Sauerſtoffes, unent⸗ behrlich iſt, das Undurchlaſſende der Thonerde Verſumpfungen herbeifuͤhrt, wenn viel Waſſer auf der Oberflaͤche ſtehet, durch die Zuruͤckhaltung der Ausduͤnſtung der tiefern Erdſchichten —— — 38— aber zugleich auch Duͤrre bewirkt, ſobald die Thonſchicht ſehr flach liegt. Die Hungerquellen, welche ſumpfige Stellen bei naſſem Wetter, Duͤrre bei trocknem, erzeugen, entſtehen daher. Der Boden wird bei viel Thonerde kalt, die Bearbeitung we⸗ gen ſeiner Feſtigkeit oft ſchwierig, die Verbreitung der Wur⸗ zeln beengt. Eine maͤßige Beimiſchung von Thonerde, vor⸗ zuͤglich unter Sand, aͤußert dagegen nur eine vortheilhafte Wirkung. Sie vermindert die zu große Lockerheit, haͤlt die Feuchtigkeit mehr in ſich, bewahrt durch ihre innigere Verbin⸗ dung mit dem Humus dieſen laͤnger. Deshalb iſt die Mi⸗ ſchung mit Sand dem Thonboden ſo vortheilhaft, als das Ueberfahren mit Lehm dem Sandboden. Die Thonerde iſt vorherrſchend: im Gebirgs⸗ und Thal⸗ boden, wo ſehr thonhaltige Geſteine den Boden lieferten, im Flußboden, vorzuͤglich entfernter vom Gebirge, wo die Thon⸗ theile durch das Waſſer weit mit fortgenommen wurden, waͤh⸗ rend der Sand ſchon fruͤher niederfiel, im Meeresboden nur ſelten in ſehr großer Menge; doch pflegt ſie ſich gewoͤhnlich da zu finden, wo Alaunerde liegt. Die Kalkerde iſt aͤtzend, zerſetzt ſchnell alle thieriſchen und vegetabiliſchen Subſtanzen, beſchleunigt daher die Wir⸗ kung derſelben als Duͤngungsmittel, iſt auch vorzuͤglich da, wo viel unvollkommener Humus vorhanden iſt, ſehr vortheilhaft. Sie kann jedoch auch leicht fuͤr einen nicht ſehr humusreichen Boden Erſchoͤpfung herbeifuͤhren, indem ſie den Humus auf⸗ loͤslich macht und die Bodenthaͤtigkeit erhoͤhet. Sie ſaugt die Saͤure im Boden auf, abſorbirt viel Feuchtigkeit aus der Luft, nimmt aber verhaͤltnißmaͤßig wenig Waſſer auf, als Maxi⸗ mum fein gepulvert 0,85 ihres Gewichts, und haͤlt es wenig an ſich, ſo daß ſie ſchnell in einen breiartigen Teig aufge⸗ weicht wird, der eben ſo ſchnell wieder austrocknet. Sie hat wenig Konſiſtenz und macht den Boden locker, und iſt nur ein mittelmaͤßiger Waͤrmeleiter. Sie iſt, jedoch in der Regel in geringerer Menge als Kieſel⸗ und Thonerde, in Gebirgen aus Kalkſtein beſtehend vorhanden, außerdem aber auch im Mee⸗ resboden, wo ſie von Muſchellagern herruͤhrt. Eine nicht zu ſtarke Beimiſchung erhoͤhet die Fruchtbarkeit ſehr, wogegen der⸗ ſelbe da, wo ſie vorherrſchend iſt, wie z. B. im Kreideboden der Champagne, der Boden ſehr unfruchtbar wird. Eine Miſchung von Thon und Kalk bildet den Mergel, Thon⸗ oder Kalkmergel, je nachdem erſtere oder letztere Erde vorherrſchend iſt. Eiſen in großer Menge findet ſich vorzuͤglich in ſumpfi⸗ gen Gegenden als Sumpf⸗, Wieſen⸗, Moraſt⸗Eiſenſtein vor. Es bildet ſich dann viel Eiſenoxyd, womit ſich die Wurzeln der Baͤume uͤberziehen. Dies und die dieſem Boden gewoͤhnlichen Saͤuren, machen ihn fuͤr die Holzerziehung ſehr unguͤnſtig. Aus den Eigenſchaften der angefuͤhrten Erden gehet ſchon hervor, daß keine derſelben fehlen darf, keine zu ſehr vorherr⸗ ſchend ſein darf, wenn der Boden fruchtbar ſein ſoll. Die Forderungen, die wir an einen guten Boden ma⸗ chen, ſind: Die Wurzeln der Pflanzen ungehindert eindringen und ſich verbreiten zu laſſen, folglich locker genug zu ſein. Dies be⸗ wirken Sand und Kalkerde. Nicht zu locker zu ſein, damit die Feuchtigkeit nicht zu ſchnell verdunſtet, der zu ſtarke Luftzu⸗ tritt den Humus zu ſchnell zerſtoͤrt, wozu eine Beimiſchung von Thonerde noͤthig iſt. Feuchtigkeit aus der Luft aufzunehmen, eindringen zu laſſen und zu bewahren, wozu nebſt einem nicht zu tief lie⸗ genden feſten Unterlager, worauf ſich die atmosphaͤriſchen Nie⸗ derſchlaͤge ſammeln koͤnnen, eine paſſende Miſchung der genann⸗ ten Erden erforderlich iſt. Die Faͤhigkeit, ſich mit dem Humus in⸗ nig zu verbinden und ihn feſt zu halten, nachdem er gebildet iſt, welches vorzuͤglich Eigenſchaft der Thonerde iſt, wogegen die Kalkerde zu ſeiner Zerſetzung dient. Die Waͤrme in ſich aufzunehmen, wozu der Sand be⸗ durft wird. — 40— So hat jede dieſer Erden ihre eigenthuͤmliche mittelbare Wirkung auf die Vegetation, und nur eine paſſende Miſchung von ihnen kann einen guten fruchtbaren Boden geben, der wieder einen ſeſten Untergrund in der erforderlichen Tiefe ha⸗ ben muß. Die beſte, erwuͤnſchteſte Miſchung derſelben wird jedoch noch keinen fruchtbaren Boden allein geben, ſondern iſt nur das Mittel ihn zu erhalten, da, mit Ausnahme der Flechten, alle Gewaͤchſe zu einem freudigen Wachsthume Humus beduͤrfen. Es enthaͤlt der Humus dieſelben Stoffe, wie die Pflan⸗ zen ſelbſt, und iſt das Product der durch Faͤulniß bewirkten Zerſetzung der animaliſchen und vegetabiliſchen Subſtanzen. Er entſtehet, indem abgeſtorbene organiſche Stoffe mit Luft, Feuchtigkeit und Waͤrme in Beruͤhrung kommen, wobei einige Stoffe in Gasform entweichen, andere aber in beſtimmter, ganz veraͤnderter Form zuruͤckbleiben, wodurch ſie an Umfang und Maſſe verlieren. Der Humus iſt ſolglich der Ruͤckſtand, welcher nach Beendigung des Faͤulnißproceſſes verbleibt, ein ſchwarzes, im trocknen Zuſtande ſtaubiges, im feuchten ſich ſanft und fettig anfuͤhlendes Pulver. Er enthaͤlt dieſelben Beſtandtheile der Koͤrper, aus denen er entſtand, doch in ganz andern Miſchungen und Verbindungen, wodurch ihre Form veraͤndert wird. Er iſt der Faͤulniß ferner unzugaͤnglich, jedoch deshalb nicht unzerſtoͤrbar. Er ziehet aus der Luft Sauerſtoff an ſich, dieſer verbindet ſich mit dem im Humus enthaltenen und vor⸗ herrſchenden Kohlenſtoffe, wodurch das kohlenſaure Gas ge⸗ bildet wird, welches man als das eigentliche Ernaͤhrungsmit⸗ tel der Pflanzen betrachten kann. Dadurch erfolgt eine fort⸗ waͤhrende Aufloͤſung und Zerſetzung des Humus, deſto ſtaͤrker, je mehr der Zutritt der Luft ſtatt findet und ſich der Sauer⸗ ſtoff aus ihr mit dem Kohlenſtoffe des Humus verbinden kann. Darin liegt es, daß Auflockerung des Bodens, wodurch —— ☛— · — ————³— — 44— der Luft der Zutritt erleichtert wird, ihn fruchtbarer machen kann, eben ſo wie daß ein lockerer Sandboden, wenn er blos liegt, bald ſeinen Humusgehalt verliert. Thonboden haͤlt ihn theils deshalb laͤnger an ſich, weil er dem Zutritte der Luft weniger zugaͤnglich iſt, theils, weil er ſich mit dem Hu⸗ mus und dem ſich daraus bildenden Extractivſtoffe, inniger verbindet, als der Sand, zwiſchen deſſen Koͤrnern derſelbe we⸗ niger feſtgehalten wird. Auch die Pflanzen conſumiren den Humus, indem ſie ſeine Beſtandtheile ihm entziehen und in ſich aufnehmen. Es geſchiehet dies deſto mehr, je mehr und je mehr und je groͤ⸗ ßere Koͤrner ſie als Samen bilden, denn die Koͤrnerbildung iſt es, die den Humus am mehrſten erſchoͤpft. So wird der un⸗ geduͤngte Acker durch mehrere Ernten erſchoͤpft, und Klee oder gruͤn abgemaͤhetes Getreide thut dies weniger, als reif gewor⸗ dener Roggen oder Weitzen. Pflanzen, deren fleiſchige, ſaftige Wurzeln im Boden verfaulen, erſchoͤpfen ihn weit weniger, als abgeſtorbene, deren ausgeſogene Wurzelfaſer wenig Humus geben kann. Wenn das Waſſer ſich mit den aus dem Hu⸗ mus aufloͤsbaren Stoffen verbindet und dieſe dem Humus entfuͤhret, indem es ſie in ſich aufnimmt, ſo entſtehet der Ex⸗ tractivſtoff. So unentbehrlich das Waſſer fuͤr die Vegetation iſt, indem es die naͤhrenden Theile des Humus auslaugt, den Pflanzen zufuͤhrt, ſie ihnen in einer Form darbietet, worin ſie dieſelben durch die Wurzeln aufzunehmen vermoͤgen, ſo nach⸗ theilig kann es auf den Humus wirken, wenn es in zu großer Menge vorhanden iſt. Wo es den Boden durchdringt und dann wieder abfließt, wie bei Ueberſchwemmungen, fuͤhrt es die ausgelaugten frucht⸗ baren Theile mit ſich hinweg, im gemeinen Leben ſagt man: der Boden waͤſſert aus. Wir ſehen haͤufig, wie unfruchtbar ein Acker fuͤr mehrere Jahre wird, bis ſich wieder neuer Ex⸗ tractivſtoff gebildet hat, wenn er eine Zeit hindurch vom Waſ⸗ ſer bedeckt war. — 42— Bedeckt es fortwaͤhrend den Boden, in Suͤmpfen, ſo ſchließt es den Zutritt der Luft aus, und verhindert dadurch den Faͤulnißproceß, ohne welchen kein vollkommener Humus entſtehen kann. Es findet dann gewoͤhnlich die Torfbildung ſtatt, in ſo fern das Waſſer nicht zu hoch und unbewegt ge⸗ nug iſt, um Waſſer⸗ und Sumpfpflanzen noch wachſen zu laſſen, da der Torf nichts iſt als unvollkommen zerſtoͤrte, durch Mangel der Faͤulniß nicht zerſetzte, Pflanzenfaſer. Selbſt wenn der Humus ſich ſchon gebildet hat und lange von ſtehendem Waſſer bedeckt wird, ſo entweicht aus ihm der Sauerſtoff, und der Kohlenſtoff bleibt allein zuruͤck, wo man ihn dann deshalb verkohlten Humus nennt. Dieſer iſt, da der bloße Kohlenſtoff von den Pflanzen nicht aufge⸗ nommen und zur Ernaͤhrung benutzt werden kann, unfruchtbar; er wird erſt wieder fruchtbar, wenn er ſich von neuem wieder genugſam mit Sauerſtoff verbunden hat, um kohlenſaures Gas zu geben, wozu jedoch eine ſehr lange Reihe von Jahren ge⸗ hoͤrt, wenn nicht eine Miſchung von aͤtzendem Kalke dies be⸗ ſchleunigt. Verkohlter Humus mit Sand gemiſcht, iſt unter dem Namen Stauberde bekannt, weil dieſer verkohlte Humus im trocknen Zuſtande als ſchwaͤrzliches, ſtaubiges Pulver er⸗ ſcheint. Bei ſeiner großen Lockerheit laͤßt dieſer Boden die Feuchtigkeit außerordentlich leicht entweichen, er nimmt ſie auch ſchwer auf, weil der trockne, verkohlte Humus ſich ungern mit dem Waſſer verbindet und das Eindringen deſſelben verhindert. Es begruͤndet deshalb die Stauberde eine große Unfruchtbar⸗ keit, indem ſie nicht bloß keine Nahrung gewaͤhrt, ſondern auch ſelbſt den nothwendigen Zutritt der Feuchtigkeit abhaͤlt, zu ihrer Erhaltung und Aufbewahrung nicht geſchickt iſt.— Sie findet ſich immer nur in Gegenden, welche fruͤher vom Waſſer bedeckt waren. Die Bedeckung mit Waſſer erzeugt ferner im Boden der Vegetation nachtheilige Saͤuren, die ſich in ihm entwickeln. Findet ſich Eiſenerz in ihm, ſo oxydirt ſich dies(roſtet), und — 43— ſelbſt dieſer die Wurzeln uͤberziehende Eiſenroſt, iſt fuͤr allen Baumwuchs verderblich. Auch wenn der Humus zu tief unter der Oberflaͤche liegt, wird er unfruchtbar, weil dann der Zutritt der Luft ausge⸗ ſchloſſen iſt— immer eine unerlaͤßliche Bedingung, wenn er den Pflanzen Nahrung gewaͤhren ſoll.— Wir ſehen, wie Teichſchlamm erſt der Luft ausgeſetzt werden muß— deſto laͤnger, je laͤnger und tiefer er im Teiche lag— wenn er duͤngen ſoll. Wo hinreichende Feuchtigkeit mangelt, das feuchtgewor⸗ dene Laub ſchnell wieder austrocknet, wird dies zwar nach und nach zerſtoͤrt, jedoch nicht durch eigentliche Faͤulniß, und giebt dann keinen Humus. Wir bemerken dieſe Erſcheinung haͤufig an dem frei auf dem Acker liegenden Laube, und dem Land⸗ wirthe iſt nicht unbekannt, daß ſolches, noch unverfault auf den Acker gebracht, nicht die geringſte Duͤngkraft hat. Daſſelbe tritt ein, wenn auf ſandigem Boden bei zu ge⸗ ringer Feuchtigkeit und zu ſtarkem Zutritt der Luft und Sonne das Laub nicht verfault, ſondern das Gewebe deſſelben nur in ein erdiges Pulver zerſetzt wird, ohne daß ſich die Stoffe, aus denen es beſtehet, ſcheiden und loͤſen. Es entſtehet dann oxydirter Humus, welcher, da er ohne Faͤulniß entſtand, auch keine naͤhrenden Stoffe darbieten kann. So ſehr auch der Humus es iſt, welcher die Pflanzen ernaͤhrt, ſo wichtig er nicht bloß dadurch, daß er die Stoffe enthaͤlt, aus denen ſie ſich bilden, ſondern auch durch ſeine Faͤhigkeit Sauerſtoff und Feuchtigkeit aus der Luft aufzuſau⸗ gen, wird, ſo vermag er doch nicht die Fruchtbarkeit des Bo⸗ dens immer fort zu ſteigern, in je groͤßerer Quantitaͤt er vorhanden iſt. Die Pflanzen beduͤrfen ihn nur in gewiſſer Menge beigemiſcht, ein Mehreres koͤnnen ſie nicht benutzen. Ein Boden, der gar keine mineraliſchen Beſtandtheile, ſondern bloß Humus enthielt, wuͤrde Eigenſchaften haben, die der Vegetation eher nachtheilig als vortheilhaft waͤren. Zwar iſt der Boden, welchen man Humos nennen kann, weil der Hu⸗ mus in ihm vorherrſchend iſt, in der Regel nur aus unvoll⸗ kommenen Humus(Torf), verkohltem Humus, gebildet, da dieſer ſich weniger conſumirt als der vollkommene, und des⸗ halb mehr aufſammelt, alſo ſchon an ſich unfruchtbar. Selbſt wenn aber auch nur vollkommener Humus vorhanden waͤre, ſo iſt dieſer zu locker, um den groͤßern Baͤumen eine hinrei⸗ chende Befeſtigung zu gewaͤhren, er trocknet zu leicht aus, ſo⸗ bald die Luft lange Zeit ſehr trocken iſt, und von Feuchtigkeit aufgeſchwellt, hebt der Froſt, bei der Ausdehnung des Ei⸗ ſes, die jungen Pflanzen leicht aus. Auch iſt Holz von humoſem Boden zu uͤppig gewachſen, von lockerm Gewebe. Die Natur iſt auf eine ununterbrochene Vermehrung des Humus bedacht, wozu ſie ſich vorzuͤglich des Holzes bedient. Dies nimmt eine Menge fluͤchtiger Stoffe aus der Luft auf, und verwandelt ſie in Holz und Theile des Baumes; es iſt bekannt, wie viel die Blaͤtter zur Ernaͤhrung des Baumes beitragen. Dieſe Stoffe, in ſpaͤter am Boden verweſende Theile verwandelt, tragen dazu bei, in ihm die Humusmenge zu er⸗ halten oder zu vermehren, indem auf dieſe Art, da, wo der Wald gar nicht benutzt wird, der Boden mehr Humus von den Baͤumen erhaͤlt, als dieſe ihm entzogen. So ſehen wir eine Sandſchelle, beinahe ohne allen Humus, angebauet mit einem dichten Kieferbeſtande, zuletzt ſich in einen fruchtbaren Waldboden umaͤndern, wenn lange Zeit alle Bodenerzeugung ihr verbleibt und ſich in Humus verwandelt. Ohne dieſe wohlthaͤtige Eigenſchaft des Holzes, wuͤrden wir den Wald kaum zu benutzen im Stande ſein, ohne nicht zugleich eine Erſchoͤpſung des Bodens befuͤrchten zu muͤſſen. Darum fin⸗ den wir auch, daß die Hoͤlzer, welche am mehrſten aus der Luft ſich naͤhren, indem ihre Blaͤtter am mehrſten Nahrungs⸗ theile aus ihr aufnehmen— die immer gruͤnen Nadelhoͤl⸗ zer— von der Natur auf den aͤrmſten Boden gewieſen ſind, hier noch am erſten mit Erfolg gezogen werden koͤnnen. — 45— Hierauf beruhet es auch, daß ein vorſichtig beſchraͤnktes Streurechen bei Holzgattungen, die einen humusarmen Bo⸗ den ertragen, noch nicht nothwendig eine den Holzwuchs ver⸗ nichtende Erſchoͤpfung des Bodens bedingt. 3) Von der Behandlung und Bearbeitung des Bodens. Auf die Kenntniß der Eigenthuͤmlichkeit und Eigenſchaf⸗ ten des Bodens, muß ſich die Behandlung und Bearbeitung deſſelben ſtuͤtzen. Wir koͤnnen hier nur ſo weit das Verfahren in dieſer Hinſicht eroͤrtern, als es den Forſtwirth angehet, ob⸗ gleich der Landwirth noch viel naͤher davon beruͤhrt wird. Das Klima einer Gegend koͤnnen wir nicht aͤndern— wenigſtens nicht der einzelne Forſtwirth, denn durch die Um⸗ geſtaltung der Oberflaͤche der Erde erfaͤhrt es allerdings oft ſehr weſentliche Aenderung— wohl aber kann auch der Ein⸗ zelne durch zweckmaͤßige Wahl der Holzgattung und paſſende Behandlung der Beſtaͤnde die Nachtheile deſſelben, wo es un⸗ guͤnſtig iſt, vermindern. Wie hoch man in den Bergen mit den, an einen waͤr⸗ mern Standort gewöoͤhnten Holzgattungen aufſteigen kann, muß ſich am beſten aus der Beobachtung des Wuchſes und Verhaltens derſelben ergeben. Beſtimmte Regeln laſſen ſich deshalb nicht aufſtellen. Je rauher das Klima in den hoͤhern Bergen aber iſt, deſto ſorgfaͤltiger muß jede Entbloͤßung des Bodens, jede Beraubung des Schutzes durch das Oberholz, den die jungen Pflanzen daſelbſt ſo ſehr beduͤrfen, vermieden werden. Hat man in betraͤchtlicher Hoͤhe einmal den ſchuͤz⸗ zenden Mutterbaum verloren, ſo wird es oft ganz unmoͤglich, wieder Holz nachzuziehen. Darum muͤſſen auch daſelbſt die dunkeln Samenſchlaͤge beibehalten werden, die ſich vielleicht in der Ebene und einem milden Klima als unvortheilhaft darthun. Je rauher das Klima iſt, je mehr das Holz unter einer Freilage, oder durch die Seenaͤhe leidet, deſto kleiner muͤſſen die Schlaͤge werden. Große Wirthſchaftsganze oder Bloͤcke, — 46— die am andern Orte paſſend und vortheilhaft ſein koͤnnen, werden daſelbſt ſehr nachtheilig. Duͤrre, warme Suͤdſeiten geſtatten nicht den Anbau ſol⸗ cher Hoͤlzer, welche in der Jugend ſehr empfindlich gegen Froſt ſind, da die an ihnen fruͤhzeitig erwachende Vegetation ſie den Fruͤhjahrsfroͤſten ſehr ausſetzt. Sie muͤſſen mit dichtem ſchuͤtzenden Holzbeſtande verſehen bleiben, um die Erhaltung des Humus zu ſichern, ſeine Zerſtoͤrung durch die zu große Trockenheit und Einwirkung der Luft zu hindern. Von Be⸗ ruͤckſichtigung des verſchiedenen Feuchtigkeitsgrades der Luft bei der Wahl der zu ziehenden Holzgattung, iſt ſchon die Rede geweſen. Mehr noch, als hinſichts des Klimas, vermag der Forſt⸗ wirth, um die Behandlung des Waldes der natuͤrlichen Be⸗ ſchaffenheit des Bodens ſo anzupaſſen, daß dadurch die nach⸗ theiligen Eigenſchaften deſſelben weniger bemerkbar werden.— Der Boden kann: 1) zu bindend, 2) zu locker, 3) zu feucht, 4) zu trocken ſein, 5) unvollkommnen Humus und Saͤuren enthalten, 6) zu humusarm ſein. Wir wollen kurz betrachten, in wiefern dieſe nachtheiligen Eigenſchaften eine Abweichung in der Behandlung und Bear⸗ beitung deſſelben, in ſo fern dieſe innerhalb der Grenzen des gewoͤhnlichen Forſtbetriebes liegen, bedingen. 1) Zu bindender Boden, welcher den Zutritt der Luft ver⸗ hindert, dem Eindringen der Wurzeln einen mechaniſchen Wi⸗ derſtand entgegenſetzt, wird durch Auflockerung fruchtbarer, die deſto vortheilhafter iſt, je tiefer ſie erfolgt. Sobald ihn die Luft mehr durchdringen kann, bildet ſich mehr Kohlenſaͤure, die eigentliche Nahrung der Pflanzen, in ihm, in einem auf⸗ gelockerten und bearbeiteten Boden finden die Wurzeln weniger — ————— — 47— Widerſtand. Es ſtehen uns zur Auflockerung folgende Mittel zu Gebote: a) Rodung der Stoͤcke. b) Temporelle Benutzung, nach Abraͤumung des Hol⸗ zes, zur Erziehung von Getreide. c) Tiefe Auflockerung der großen Pflanzloͤcher und Saatplaͤtze. Wo eines oder das andere dieſer Mittel ſich als anwend⸗ bar zeigt, wird es angewandt, ſeinen wohlthaͤtigen Einfluß auf den Wuchs des Holzes gewiß darthun. 2) Die zu große Lockerheit des Bodens kann durch zu ſtarke Beimiſchung von Sand und Kreide, oder Humus, letz⸗ terer iſt dann in der Regel unvollkommen, herruͤhren. Wir beſchraͤnken uns hier auf die Behandlung des ſehr lockern Bo⸗ dens, da von derjenigen des humoſen unten die Rede ſein wird. An und fuͤr ſich iſt diejenige Lockerheit des Bodens, welche durch Sand entſtehet, nicht nachtheilig, ſobald er dicht mit Holz bedeckt bleibt, er bedingt nur mehr Vorſicht bei der Behandlung, um ſeine Eigenthuͤmlichkeit nicht ſchaͤdlich werden zu laſſen. Der Sand verbindet ſich nicht innig mit dem Hu⸗ mus, wie der Thon, dieſer iſt nur zwiſchen den Koͤrnern auf⸗ gehaͤuft. Durch den ſtarken Zutritt der Luft wird der Humus leicht zerſtoͤrt, die Feuchtigkeit entweicht ſehr ſchnell, eben da⸗ durch, theils weil der Sand ein ſtarkes Waͤrmeleitungsvermoͤ⸗ gen beſitzt. Die Aufgabe des Forſtmannes im Sandboden iſt vorzuͤglich: den Humus in ihm zu erhalten, deſſen Vermeh⸗ rung ſo viel als moͤglich zu beguͤnſtigen, da er ohne denſelben unfruchtbar ſein wuͤrde, die zu ſtarke Verdunſtung der Feuch⸗ tigkeit zu verhindern. Die Ackerung, welche im bindenden Boden ſo vortheilhaft iſt, kann im Sandboden, fuͤr mehrere Jahre angewandt, ſehr nachtheilig werden, da ſie die Locker⸗ heit noch vermehrt, durch Entbloͤßung von Holz den Boden auch mehr dem Zutritte der Luft frei ſtellt. Das Stockroden wird dagegen darum auch auf ihm nicht nachtheilig— eben — 48— ſo wenig, als das Rajolen, weil der auf der Oberflaͤche lie⸗ gende Humus dadurch tief genug hinunter gebracht wird, um ſich laͤnger erhalten zu koͤnnen, und die Auflockerung der Tiefe das Aufſteigen der unterirdiſchen Feuchtigkeit beguͤnſtigt.— Die Erhaltung des Humus bedingt geſchloſſene Beſtaͤnde, da⸗ mit der Boden vollkommen beſchirmt bleibt, der ſtarke Zutritt der Luft abgehalten, das Entweichen der Feuchtigkeit verhin⸗ dert wird. Ohne dies kann der Faͤulnißproceß, die ohnehin durch die lichte Stellung verminderte Blattmenge, nicht in Humus verwandeln. 3) Zu viel Feuchtigkeit im Boden verhindert den Zutritt der Luft, dadurch eben ſowohl die Entſtehung des vollkomm⸗ nen Humus, als die Bildung von Kohlenſaͤure aus ihm. Sie erzeugt leicht Saͤuren, iſt Urſache des Auffrierens des Bodens, und iſt der Erziehung der mehrſten Hoͤlzer nachtheilig. Die Entwaͤſſerung des Bodens, wovon im Forſtſchutze naͤher ge⸗ handelt werden wird, kann deshalb in der Regel nur vortheil⸗ haft ſein, doch giebt es auch Faͤlle, wo ſie ſich hoͤchſt ver⸗ derblich zeigt. In Bruͤchern, wo der Boden lange Zeit vom Waſſer bedeckt geweſen iſt, liegt oft eine betraͤchtliche Schicht von verkohltem Humus, welche dem Holze ſelbſt keine Nah⸗ rung geben kann, ſondern nur zur Befeſtigung deſſelben dient; das Waſſer iſt es eigentlich, welches die darin ſich gewoͤhnlich vorfindenden Erden und Weiden ernaͤhrt.Wird ein ſolcher Boden trocken gelegt, ſo erhaͤlt er eine duͤrre Stauberde, ge⸗ woͤhnlich noch mit Saͤuren durchzogen, welche viele Jahre hindurch ganz unfruchtbar erſcheint. In ihm iſt daher die Erhaltung eines ſehr ſtarken Feuchtigkeitsgrades die erſte Be⸗ dingung ſeiner Fruchtbarkeit, und die Erfahrung lehrt hinlaͤng⸗ lich, wie nachtheilig eine unvorſichtige Entwaͤſſerung iſt, und daß dadurch oft die ſchoͤnſten Erlenbeſtaͤnde vernichtet werden, ohne etwas anderes an ihre Stelle bringen zu koͤnnen. Viel Feuchtigkeit im lockern Boden fuͤhrt durch die Ausdehnung des Waſſers als Eis deſſen Auffrieren herbei. Dagegen ſchuͤtzt am — 49— am beſten die Erhaltung der obern Grasnarbe, die deshalb unter dieſem Verhaͤltniſſe nicht ganz zerſtoͤrt werden darf. 4) Ein ſehr trockner, oder duͤrrer Boden iſt ein ſolcher, welcher die Feuchtigkeit ſchwer aufnimmt und leicht wieder entweichen laͤßt, ein trockner hat wenigſtens die letztere Eigen⸗ ſchaft. Sand mit unvollkommenem Humus gemiſcht, iſt duͤrr; man kann ihm dieſe nachtheilige Eigenſchaft theilweis beneh⸗ men, wenn der unvollkommene Humus, welcher die Aufnahme der Feuchtigkeit verhindert, nur flach liegt, indem man bei voruͤbergehender Ackerkultur dieſen tief unterpfluͤgen laͤßt. Das einzige Mittel, was dem Forſtmanne außerdem zu Gebote ſtehet, um die Trockenheit des Bodens zu vermindern und weniger nachtheilig zu machen, iſt die Erzeugung und Erhal⸗ tung eines geſchloſſenen Holzbeſtandes, wodurch die beſchirmte Oberflaͤche des Bodens gegen Austrocknung durch Sonne und Luft geſchuͤtzt, eine Schicht von vollkommnem Humus erzeugt wird, welche aus der Luft viel Feuchtigkeit aufſaugen kann. Auf anzubauenden trocknen Bloͤßen wird die Duͤrre des Bodens durch die Bedeckung mit Moos, Flechten und Ried⸗ graͤſern noch vermehrt, indem dieſe den Thau und eine ge⸗ ringe Menge von Regen abſorbiren und verhindern, daß ſie in die Erde dringen koͤnnen. Eine. Zerſtoͤrung dieſer Boden⸗ bedeckung, eine Auflockerung, damit die Feuchtigkeit den Boden beſſer durchdringen kann, iſt deshalb fuͤr die Kultur vortheilhaft. Ruͤhrt die Duͤrre von Flachgruͤndigkeit her, wodurch ſo⸗ wohl das tiefe Eindringen des Regens, als auch das Auf⸗ ſteigen der unterirdiſchen Feuchtigkeit verhindert wird, ſo liegt es in der Regel außer der Gewalt des Forſtwirths, etwas zur Beſeitigung dieſer nachtheiligen Eigenſchaft zu thun. Eben ſo bleibt ihm nichts uͤbrig, als ſorgfaͤltig einen ſchirmenden und ſchuͤtzenden Holzbeſtand zu erhalten, wo bei einem ſtarken Neigungswinkel die Feuchtigkeit ablaͤuft, durch die Richtung der Berghaͤnge gegen Suͤden und Weſten, der 4 — 50— Sonne Gelegenheit gegeben wird, dieſe ſtark zu erwaͤrmen und ſo die ſchnelle Verdunſtung der Feuchtigkeit zu bewirken. Alle Hoͤlzer mit Wurzeln, die ſchon in der Jugend tief eindringen, leiden unter der Duͤrre weniger, als flachwurzelnde, ſie ſind deſto mehr dagegen geſchuͤtzt, je mehr man den Wur⸗ zeln Gelegenheit verſchafft, ſich raſch in die Tiefe zu ſenken, indem man den Untergrund auflockert. Auch ſelbſt flach wur⸗ zelnde Hoͤlzer koͤnnen durch ſtarke Erdbedeckung des Samens, tiefes Einſetzen der Pflanzen, was jedoch allerdings ſeine Gren⸗ zen hat, gegen Duͤrre geſchuͤtzt werden, wovon bei dem Holz⸗ anbaue naͤher gehandelt werden wird. 5) Dem Boden, welcher unvollkommenen Humus hat und . Saͤuren enthaͤlt, kann der Landwirth durch Duͤngung mit Kalk und Mergel verbeſſern, durch vielfach tiefes Aufpfluͤgen nach und nach ſeine nachtheiligen Eigenſchaften benehmen, wenn der unvollkommene Humus nur flach liegt. Dem Forſtwirth ſtehet nur bei trocken gelegtem Torfgrunde, zuweilen auch bei viel Heidehumus, das Ausbrennen zu Gebote, um ihn fuͤr den Holzanbau empfaͤnglich zu machen. 6) Nur die Natur ſelbſt kann nach und nach einen zu humusarmen Waldboden fruchtbarer machen, der Menſch kann nichts thun, als ſie durch Erhaltung eines dichten Holzbeſtan⸗ des, durch Sicherung des Waldes gegen Streurechen und Laub⸗ ſammeln in ihrem Wirken zu unterſtuͤtzen. z——„—==2— Zweiter Abſchnitt. Kenntniß der Forſtgewaͤchſe. 1) Allgemeine Gegenſtaͤnde. Um Holz erziehen und erhalten zu koͤnnen, iſt es nicht bloß noͤthig das Leben und Verhalten deſſelben kennen zu lernen, ſondern auch diejenigen Gewaͤchſe zu beachten, welche im Walde vorkommen und das Gedeihen der Holzpflanzen befoͤrdern oder verhindern. Die Kenntniß dieſer, den Forſtwirth bei der praktiſchen Waldwirthſchaft unmittelbar beruͤhrenden Gewaͤchſe, iſt nur ein Theil der allgemeinen Pflanzenkunde. Die Stelle, welche die Forſtgewaͤchſe im Pflanzenreiche einnehmen, iſt bei der An⸗ ordnung, die man fuͤr dieſes im Allgemeinen machen mußte, um jede Pflanze auffinden und uͤberſehen zu koͤnnen, beſtimmt, die Grundſaͤtze, nach denen die Eiche lebt, ſind nicht verſchie⸗ den von denen, nach welchen ſich das Gras ernaͤhrt und waͤchſt. Darum hat die ſpecielle Forſtbotanik ſtets ihre Be⸗ gruͤndung in der allgemeinen Botanik. Was auf Erkennung und Ordnung der Forſtgewaͤchſe, auf ihre Ernaͤhrung und ih⸗ ren Wachsthum Bezug hat, kann nur aus der allgemeinen Botanik entnommen werden.— Die Forſtbotanik unterſchei⸗ det ſich nur darin, daß ſie es auf die Forſtgewaͤchſe bezieht und dieſe vollſtaͤndiger behandeln kann, weil ſie die den Forſt⸗ wirth nicht beruͤhrenden Gewaͤchſe unbeachtet laͤßt. Bei der ungeheuren Menge der bereits bekannten Pflan⸗ zen, gegen 36,000, mußte man ſie ſo ordnen, daß man jede. nach feſtbeſtimmten Kennzeichen leicht auffinden kann. Man theilte ſie deshalb nach dieſen in groͤßere und klei⸗ nere Abtheilungen ein, und nannte eine ſolche Eintheilung Syſtem. Wenn man zu den Kennzeichen, woran man die verſchiedenen Abtheilungen unterſcheidet, die Hauptorgane waͤhlte, ſo nennt man dies ein natuͤrliches Syſtem, weil dieſe Kennzeichen dann jedem, auch dem Nichtbotaniker, ſo⸗ gleich in die Augen fallen. So die Eintheilung in Kraͤuter, Stauden, Straͤucher, Baͤume. Wo man die Kennzeichen der Pflanzenabtheilung aus der Unterſuchung Eines Organs entnimmt, entſtehet das kuͤnſt⸗ liche Syſtem. So das Linnéiſche, welches die Pflanzen nach den Bluͤthentheilen ordnet, obwohl richtiger dieſes nur ein ge⸗ 4* miſchtes genannt werden kann, da Linné auch die Hauptor⸗ gane nicht unbeachtet ließ. Das natuͤrliche Syſtem gewaͤhrt eine vollkommnere Ueber⸗ ſicht der Anordnung des Pflanzenreichs nach Bau, Beſchaf⸗ fenheit und Groͤße der Pflanzen; das kuͤnſtliche erleichtert das Auffinden der Pflanzen, weil ſich die ſie beſtimmt bezeichnenden charakteriſtiſchen Theile nur aus der genauen Unterſuchung ih⸗ rer Organe entnommen werden koͤnnen. Auch die Forſtmaͤnner haben ihre beſonderen forſtlichen Syſteme gebildet, ſo z. B. Burgsdorf durch Eintheilung in Baͤume erſter, zweiter, dritter Groͤße, Laub und Nadelholz u. ſ. w. Dieſe Eintheilungen ſind jedoch weder noͤthig, da die Hoͤlzer, welche bei uns wachſen, gar nicht ſo zahlreich ſind, als daß ſie nicht auch ohne dieſelbe uͤberſehen und aufgefunden werden koͤnnten, noch immer richtig, da z. B. die Groͤße der Baͤume oft ſehr verſchieden iſt, je nachdem die Verhaͤltniſſe abwei⸗ chend ſind, unter denen ſie vorkommen. Syſtemkunde, vorzuͤglich die Kenntniß des kuͤnſtlichen Syſtems, wobei wir Forſtmaͤnner gewoͤhnlich Linné folgen, kann jedoch nicht entbehrt werden, weil ohne ſie ein ſchaͤdliches oder nuͤtzliches Forſtgewaͤchs, oft noch nicht nach ſeinem eigentlichen Namen erkannt und be⸗ ſtimmt werden kann. Fuͤr die verſchiedenen Formen, unter welchen die einzelnen Theile der Pflanzen vorkommen, hat man beſondere Worte und Bezeichnungen, mit denen man ſtets einen beſtimmten Begriff verbindet. Man nennt dies Kunſtſprache oder Terminologie, und ihre Kenntniß iſt noͤthig, weil man ohne ſie kein Pflan⸗ zenverzeichniß, zum Aufſuchen der darin beſchriebenen Pflan⸗ zen benutzen kann. Um zugleich das Studium der Botanik dadurch zu erleichtern, daß man die Schwierigkeit beſeitigt, welche die verſchiedenen Sprachen der europaͤiſchen Voͤlker her⸗ beifuͤhrt, hat man lateiniſche, alſo allgemein benutzbare Worte, Bezeichnungen und Benennungen, eingefuͤhrt. Wenn die reine Botanik ſich auf dieſe Art mit den aͤußern, — „—=—— — 9 ͤ— — 53— in die Sinne fallenden Theilen der Pflanzen beſchaͤftigt, ſo hat wieder die Pflanzenphyſiologie und Anatomie den Zweck, das innere Leben der Gewaͤchſe kennen zu lehren, ihre Ent⸗ ſtehung, Ernaͤhrung, ihr Wachsthum, Krankwerden und Ab⸗ ſterben, ihren Bau und ihre Organiſation darzuſtellen. Die Phyſiologie beruͤhrt den Forſtwirth noch viel naͤher und in⸗ niger, als ſelbſt die reine Botanik. Die im Forſte vorkom⸗ menden Gewaͤchſe kann man zuletzt bei einiger Aufmerkſamkeit dem Namen nach wohl kennen lernen, ohne im Stande zu ſein, ſie gerade botaniſch zu beſtimmen. Die Pflege, Erziehung, Beſchuͤtzung, Bewirthſchaftung der Forſten, iſt aber rationell, d. h. daß man immer weiß, warum man etwas thut, bei⸗ nahe unmoͤglich, ohne eine klare Anſicht von dem Leben der Pflanzen zu haben. Nur derjenige ſichert ſich aber gegen Mißgriffe dabei, der ſich die Gruͤnde ſeines Verfahrens ange⸗ ben kann, weil ſich durchaus keine allgemein anwendbaren Re⸗ geln fuͤr die praktiſche Forſtwiſſenſchaft geben laſſen, ſondern dieſe immer erſt aus den oͤrtlichen Verhaͤltniſſen und den Be⸗ dingungen eines gedeihlichen Lebens der Hoͤlzer entwickelt wer⸗ den muͤſſen. Es iſt unmoͤglich, bei einer Pflanzenphyſiologie fuͤr den Forſtmann, ſich ganz allein auf die Holzpflanzen zu beſchraͤn— ken, ſelbſt wenn man unbeachtet laſſen will, daß viele Forſt⸗ unkraͤuter ihn eben ſo ſehr und mehr beruͤhren, als viele ſel⸗ ten vorkommende nicht zu benutzende Hoͤlzer. Viele Erſchei⸗ nungen des Pflanzenlebens, die auch bei den Holzpflanzen bemerkbar werden, treten nur bei andern Gewaͤchſen ſo be⸗ ſtimmt und deutlich hervor, daß ſie allein bei dieſen deutlich nachgewieſen und verfolgt werden koͤnnen. Dies macht es unmoͤglich, die reine Botanik wie Pflan⸗ zenphyſiologie auch nur in dem Umſange in ein Lehrbuch der Forſtwiſſenſchaft aufzunehmen, wie ſie der gebildete Forſtwirth dem gegenwaͤrtigen Stande der Wiſſenſchaft gemaͤß, bedarf. Auch uͤberfluͤſſig wuͤrde es ſein, ſobald man nicht daͤchte etwas — 5— Beſſeres zu geben, weil wir eigene Lehrbuͤcher beſitzen, welche dieſen Zweig des forſtlichen Wiſſens behandeln. Wir begnuͤgen uns daher hier auch nur, dasjenige ſtuͤckweis heraus zu heben, was unmittelbar auf die Forſtgewaͤchſe Bezug hat. 2) Vom Entſtehen, Wachſen und der Form der Holzpflanzen. Sobald die Holzpflanze ſich hinreichend ausgebildet hat, um zur Fortpflanzung geeignet zu ſein, die Mannbarkeit er⸗ reichte, zeigt ſich das Streben dazu in der Entwickelung von Bluͤthen. Der Zeitpunkt der Mannbarkeit, wichtig ſuͤr den Forſt⸗ mann bei Hoͤlzern, die durch abfallenden oder zu ſammelnden Samen fortgepflanzt werden ſollen, iſt ſehr verſchieden nach: Gattung,. Klima und Boden, freiem oder geſchloſſenem Stande, je nachdem der Stamm aus einem Samenkorne erwuchs oder von Stockausſchlag und Wurzelbrut herruͤhrt. Im Allgemeinen ſtehet der Zeitpunkt der Mannbarkeit im Verhaͤltniſſe mit dem natuͤrlichen Alter, welches die Hoͤlzer erreichen. Die ſehr alt werdende Eiche wird ſpaͤter mannbar, als die fruͤhzeitig ihre Vollkommenheit erreichende Birke oder Aspe. Einige Hoͤlzer, wie z. B. die Hainbuche, erreichen je⸗ doch auch ein ziemlich hohes Alter bei fruͤhzeitig eintretender Mannbarkeit. Warmes Klima beſchleunigt die Entwickelung der Holz⸗ pflanzen, kaltes verſpaͤtet ſie. In hohen Bergen tragen die Baͤume nicht bloß ſeltener, ſondern auch betraͤchtlich ſpaͤter Samen, als in warmen Thaͤlern, Ebenen und an Suͤdhaͤngen. Trockner Boden beguͤnſtigt und beſchleunigt die Samen⸗ bildung, naſſer verhindert und verſpaͤtet ſie. Die Kiefer auf Bruchboden traͤgt oft erſt mit 70 und 80 Jahren ſpaͤrlichen Samen, auf trocknem Sande vielleicht ſchon mit 15. — 55— Frei ſtehende Staͤmme, welche ſich ungehindert in die Seitenaͤſte entwickeln koͤnnen, auf welche uͤberall Sonne und Luft einwirken, tragen nicht bloß viel reichlicher Samen, ſon⸗ dern auch viel fruͤher, als ſehr geſchloſſen erwachſene. Oft iſt man genoͤthigt, Beſtaͤnde, die noch jung ſind und auf feuchtem Boden ſehr geſchloſſen ſtanden, licht zu ſtellen, um ſie zur Er⸗ zeugung von Samen, der zur Verjuͤngung des Ortes hinreicht, zu noͤthigen. Alle Stockausſchlaͤge tragen viel fruͤher Samen, als die Kernloden, d. h. aus Samen erwachſene Staͤmme, was ſich daraus leicht erklaͤren laͤßt, daß Stockausſchlaͤge, durch die unverhaͤltnißmaͤßig große Wurzelmenge, viel mehr Nahrungs⸗ theile zugefuͤhrt erhalten, als Kernſtaͤmme, auch eigentlich nur Fortſetzungen des alten laͤngſt mannbaren Mutterſtockes ſind. Wenn daher die Mannharkeit der beſchriebenen Hoͤlzer unten angegeben wird, ſo kann dabei nur die durchſchnittliche und gewoͤhnliche verſtanden werden, es ſind die uͤberall ſtatt findenden Ausnahmen nicht darunter begriffen. Die Geſundheit des Stammes hat nicht allemal Einfluß auf die Tauglichkeit des Samens. Kranke Staͤmme koͤnnen ſehr guten Samen erzeugen. Auch Stockausſchlag erzeugt eben ſo keimfaͤhigen Samen, als der aus einem Samenkorn erwachſene Stamm. Der nicht keimfaͤhige Samen ruͤhrt ge⸗ woͤhnlich von nachtheiliger Witterung, Inſekten oder andern Zufaͤllen her. Am vollſtaͤndigſten wird der Same von Staͤmmen im Mittelalter, bei voller Geſundheit, ausgebildet; bei ſehr alten Staͤmmen nimmt weniger die Menge, als die Groͤße des Sa⸗ mens, ab, eben ſo wie die Fruͤchte der ſehr alten Obſtbaͤume kleiner werden. Bei der Buche bemerkt man im hoͤhern Alter unverhaͤltnißmaͤßig viel tauben Samen. Sehr junge Baͤume tragen zuweilen große Samenhuͤllen, z. B. die Kiefer, mit wenig Samenkoͤrnern. Man waͤhlt deshalb gern die geſunden, mittelwuͤchſigen Beſtaͤnde zur Sammlung des Samens, wenn — 56— man die Wahl hat, ohne darum in der Benutzung aͤlterer oder juͤngerer ſehr peinlich zu ſein. Die Befruchtung der Bluͤthe erſolgt, indem der maͤnnliche Samenſtaub durch die Luft, Inſekten oder die maͤnnlichen Bluͤthentheile ſelbſt, auf die mit einer klebrigen Feuchtigkeit verſehene weibliche Narbe gebracht wird. Die aus dem Sa⸗ menſtaube hervordringende maͤnnliche Samenfeuchtigkeit gehet durch den Staubweg in den Fruchtknoten, und befruchtet das daſelbſt vorhandene Eychen des Samienkornes, woraus ſich dieſes entwickelt und mit Huͤlfe des zugefuͤhrten Bildungsſaf⸗ tes ausbildet. Sobald die Befruchtung erfolgt iſt, faͤllt die Bluͤthe ab. Die Natur hat ſo viel Mittel dieſe zu bewirken, daß ſel⸗ ten wegen nicht erfolgter Befruchtung viel Bluͤthen taub blei⸗ ben. Bei getrennten Geſchlechtern auf verſchiedenen Baͤumen, d. h. wo beſondere Staͤmme maͤnnliche und beſondere wieder weibliche tragen, z. B. Weiden, muͤſſen aber allerdings beide Geſchlechter nicht zu entfernt von einander ſtehen, um keim⸗ faͤhigen Samen erwarten zu koͤnnen. Durch die Befruchtung der weiblichen Bluͤthe von einem nur verwandten maͤnnlichen Stamme, entſtehen Baſtardpflanzen, welche z. B. bei den Weiden haͤufig vorzukommen ſcheinen. Der Same beſtehet aus dem eigentlichen Samenkerne und den ihn umgebenden Haͤuten, die denſelben beſchuͤtzen und ſein Austrocknen verhindern. Der Samenkern bei vollkomm⸗ nern Gewaͤchſen, alſo vorzuͤglich bei Hoͤlzern, enthaͤlt den ei⸗ gentlichen Pflanzenkeim, und die Samenlappen, letztere be⸗ ſtimmt, dem Keime zuerſt zur Nahrung zu dienen. Die Spitze des Keims, das Schnaͤbelchen, verlaͤngert ſich bei dem Keimen, und ſenkt ſich zur Erde. Die Groͤße des Samenkerns, vorzuͤglich der Samenlap⸗ pen oder Cotyledonen, iſt ſehr verſchieden, ſie ſind oft ſehr groß, wie bei der Eichel, ſehr klein bei dem Birkenſamen. Je groͤßer ſie ſind, deſto laͤnger koͤnnen ſie den Keim aus ſich — 57— ſelbſt ernaͤhren, je kleiner, deſto weniger, und deſto fruͤher muß der Keim Nahrung aus der Erde erhalten, um wachſen zu koͤnnen. Daraus laͤßt ſich erklaͤren, weshalb die Eichel dann noch aufgehet, wenn ſie auch auf Laub und Moos aufliegt, indem der aus der Frucht ernaͤhrte Keim ſich lang auszudeh⸗ nen vermag und durch die Bodenbedeckung hindurch zur Erde dringt, waͤhrend das Samenkorn der Birke dem Keime aus ſich ſelbſt nur wenig Nahrung geben kann, ſo daß weder auf ſehr trocknem Boden, noch bei der geringſten Bodenbedeckung, auf welcher es aufliegt, auf ein Aufgehen deſſelben zu rechnen iſt. Fuͤr den Forſtwirth iſt die Beachtung dieſer Beſchaffenheit des Samens ſehr wichtig. Je kleiner der Same iſt, deſto ſorgfaͤltiger muß die Wundmachung des Bodens ſein, um der unmittelbaren Aufliegung auf demſelben ſicher zu ſein. Die Erhaltung der Keimfaͤhigkeit des Samens haͤngt, hinſichts der Zeit die ſie dauert, von Bedingungen ab, deren genaue Kenntniß uns noch mangelt. Wir haben Saͤmereien, welche die Keimfaͤhigkeit nicht bloß eine lange Reihe von Jah⸗ ren erhalten, ſondern deren Wuchs auch ſogar dadurch befoͤr⸗ dert wird, wenn ſie laͤngere Zeit gelegen haben, ſo Melonen, Gurken, Leinſamen. Andere verlieren ſie ſchon nach dem er⸗ ſten Jahre. Alle Holzſaͤmereien, ohne Ausnahme, ver⸗ lieren an Keimfaͤhigkeit durch laͤngere Aufbewahrung, bald mehr, bald weniger, bald raſcher, bald langſamer. Zu ihrer Erhaltung auch fuͤr kurze Zeit gehoͤrt, daß der Keim nicht zum Leben und Wachſen aufgerufen wird, und folglich alle Bedingungen des Keimens fern gehalten werden, denn einmal erwacht, iſt der Lebensthaͤtigkeit kein Stillſtand mehr zu gebieten, ſie muß ſich aͤußern koͤnnen, oder erliſcht. So liegt das Korn, welches noch nicht keimte, lange friſch und geſund in der Erde, das gekeimte erſtirbt im ausgetrockneten Boden. Der Keim kann nur lebend, wenn auch ſchlummernd, erhalten werden, wenn die Beſtandtheile des Kornes, die ihn im Anfange ernaͤhren ſollen, erhalten werden. Ein ganz aus⸗ — 58— getrocknetes Samenkorn iſt nicht mehr keimfaͤhig— wir ſehen die Keimfaͤhigkeit durch zu große Waͤrme in den Samendar⸗ ren, dadurch, daß der Same zu lange dieſer oder der aus⸗ trocknenden Luft ausgeſetzt wird, verloren gehen. In der Beachtung dieſer Erſcheinungen liegen alle Re⸗ geln zur Aufbewahrung der Holzſaͤmereien. Hinreichende Trock⸗ niß, um das Keimen zu verhindern, bei Samen, die ſogar in feuchter Luft keimen, Ausſchluß des Zutritts derſelben, Ver⸗ hinderung des zu ſtarken Austrocknens. Der Keim entwickelt ſich und waͤchſt bei der erforder⸗ lichen Waͤrme, Luft und Feuchtigkeit. Die Waͤrme ruft das Leben auf, die Luft und Feuchtigkeit ernaͤhrt es durch Zufuͤh⸗ rung von Sauerſtoff, der erſten Nahrung des wachſenden Kei⸗ mes. Nur wo dieſe Bedingungen erfuͤllt werden, iſt das Wach⸗ ſen des Keimes denkbar. Wir ſuchen ſie durch ein zweckmaͤ⸗ ßiges Keimbett oder Lager des Samenkorns ſo vollſtaͤndig zu erfuͤllen, als es Boden und Kulturmittel erlauben. Die Waͤrme des Bodens koͤnnen wir im Walde nicht vermehren, aber die Feuchtigkeit ſichern wir durch das Bedecken des Samenkorns mit Erde, den noͤthigen Luftzutritt dabei erhaltend, indem dies nie ſo ſtark geſchehen darf, um ihn auszuſchließen. Wenn wir die Verſchiedenheit des Bodens beachten, ſo faͤllt auf den er⸗ ſten Blick in die Augen, daß der Same, ein und deſſelben Holzes, nicht gleich hohe Erdbedeckung verlangt oder ertraͤgt— etwas, was der Landmann bei der Saat des Getreides ſchon lange wußte, der Forſtmann aber bisher zu ſehr außer Acht ließ. Der lockere, leicht austrocknende Boden geſtattet und be⸗ dingt eine hoͤhere Erdbedeckung des Samens, indem darin die Luft tiefer eindringt, und die Feuchtigkeit ſich nur in groͤßerer Tiefe erhaͤlt, als der feſte thonige. Zugleich koͤmmt dabei der mechaniſche Widerſtand zur Sprache, welchen die Erddecke dem hervorbrechenden Keime entgegenſetzt. Starke Keime, wie die der Eiche und Buche, beſiegen dieſen leichter, und koͤnnen deshalb tiefer liegen, als —————-+ 8 — 59— ſchwache und kleine, wie die der Birke, Kiefer und Fichte. Lockerer Boden wird leichter durchbrochen, als feſter. Die entſtehende Pflanze befeſtigt ſich zuerſt mit der Wur⸗ zel im Boden, welche das Dunkel ſucht, die zu ſtarke Einwir⸗ kung der atmosphaͤriſchen Luft nicht ertraͤgt, und Nahrung aus dem Boden aufſaugt, dieſer nachgehet, indem ſie dahin ſtrebt, wo ſie dieſelbe findet. Die erſten Wurzeltriebe dringen anfangs immer zuerſt bis in eine gewiſſe Tieſe, bevor ſie ſich nach der Seite ausbreiten, es ſei denn, daß ſie am Berge ſeitwaͤrts tief einzudringen veranlaßt ſind. Es zeigt ſich je⸗ doch ſchon im erſten Jahre ein abweichender Wurzelbau bei den verſchiedenen Holzgattungen. Bei mehreren beſtehet lange Zeit nur ein ſich ſenkrecht in die Tiefe erſtreckender Hauptſtock — Pfahlwurzel— mit verhaͤltnißmaͤßig geringer Menge von Seitenwurzeln, indem ſich nur die untere Spitze in viele kleine Saug⸗ oder Zaſerwurzeln zertheilt, ſo z. B. Eiche und Kiefer. Alle Hoͤlzer mit einer Pfahlwurzel bedingen tiefgruͤndigen Bo⸗ den zu ihrem Gedeihen, es wird dies durch Auflockerung, durch Untergrabung der fruchtbaren obern Bodenſchicht bis dahin, wo die Wurzel endigt, außerordentlich befoͤrdert. Im hoͤhern Alter verliert die Pfahlwurzel ſich bald mehr, bald weniger, ſie traͤgt dann mehr zur Befeſtigung des Baumes bei, als zu ſeiner Ernaͤhrung, welche von da an die Seitenwurzeln mehr uͤbernehmen. Manche Holzgattungen, wie z. B. die Buche, haben einen weniger vorherrſchend ausgebildeten Hauptwurzelſtock, die Sei⸗ tenwurzeln uͤbernehmen auch ſchon fruͤher die Ernaͤhrung und Befeſtigung des Stammes. Man hat dieſem flacher gehen⸗ den und weniger ausgebildeten Wurzelſtock den Namen Herz⸗ wurzel gegeben. Holzgattungen, die bloß dieſe haben, gedeihen noch auf einem weniger tiefgruͤndigen Boden. Andere Hoͤlzer, wie Birke, Fichte und Pappeln, ſind ſchon fruͤhzeitig nur geſchickt, ſich in der Oberflaͤche des Bodens mit vielen, oft weit ausſtreichenden Wurzeln auszubreiten, wo ſie — 60— dann auch gedeihen, wenn nur dieſer fruchtbar iſt. Es wuͤrde fuͤr ſie ganz unzweckmaͤßig ſein, den guten Boden durch tie⸗ ſes Untergraben unten hin, den ſchlechten oben auf zubringen. Im Alter liegen auch die Seitenwurzeln bald tiefer, bald flacher— die ganz flachen, theilweis oben aufliegenden, er⸗ halten den Namen Thauwurzeln. Je mehr dies der Fall iſt, deſto mehr beduͤrfen ſie der ſchuͤtzenden Decke von verfaulen⸗ dem Laube und Nadeln, deſto mehr leiden ſie unter dem Streu⸗ rechen, was tief gehende Wurzeln, wenigſtens eine Zeit lang, weit eher ertragen. Wo die Wurzeln im engen beſchraͤnkten Raume viel Nahrungstheile vorfinden, erzeugen ſich zwar viele, aber nur ſchwache und nicht weit ausſtreichende, wogegen auf armen, zumal lockerm Boden, der Baum durch lang ausgereckte Wur⸗ zelzweige einen großen Raum zu ſeiner Ernaͤhrung in Anſpruch nimmt. Gute Pflanzſtaͤmme, welche viel Saugwurzeln dicht um den Stamm herum haben, werden deshalb auch nur auf gutem Boden von der Natur gezogen; kaum kann man auf ſchlechtem durch ſtetes Verkuͤrzen der ausſtreichenden den Baum zwingen, viel Saugwurzeln am Stamme zu bilden. Hoͤlzer, die nicht die Anlagen haben, ihre Wurzeln weit auszurecken, gedeihen gar nicht auf ſehr nahrungsloſem Boden— wie die gemeine Erle, die Ulme und Eſche. Je mehr ſie dies koͤn⸗ nen, die Kiefer, Fichte und Pappeln vermoͤgen es in hohem Grade, ein deſto ſchlechterer Boden ernaͤhrt ſie noch— jedoch dann nur raͤumlich ſtehend. Ein gewiſſes Verhaͤltniß zwiſchen der Ausdehnung der Wurzeln und der Zweige, macht ſich da⸗ bei bemerkbar. Vom Bau der Wurzeln haͤngt nicht nur die paſſende Bearbeitung des Bodens und die Behandlung der Pflanzung ab, ſondern er hat auch Einfluß auf den Ertrag des Stock⸗ holzes und die Koſten ſeiner Gewinnung, weshalb er von dem Forſtwirthe genau gekannt ſein muß. Wir werden das Naͤhere bei den einzelnen Hoͤlzern bemerken. — 61·-— Der Stamm— die Holzpflanzen haben immer einen ſol⸗ chen— hat bei Manchem, wes ſich gleich bleibt, in ſeinem Baue bei jeder Holzgattung auch wieder viel Abweichendes. Bei den Straͤuchern und Stauden theilt er ſich gleich uͤber der Erde in mehrere Zweige, bei den Baͤumen bildet er ſich, ungehindert fortwachſend, in Einen mit Aeſten beſetzten Haupt⸗ ſtamm aus. Die Stauden kommen nur als Forſtunkraͤuter in Betracht, da ſie kein Gegenſtand des ſorſtlichen Anbaues ſind. Bei den Straͤuchern iſt beachtungswerth, daß bei man⸗ chen ſich die Theilung der Zweige darauf beſchraͤnkt, einen iſolirten Hauptſtock zu bilden, der ſich zwar mit zunehmendem Alter vergroͤßert, jedoch ſtets vereinzelt bleibt, als z. B. die Haſel, der Flieder u. a. Dagegen haben wieder andere Straͤu⸗ cher die Eigenthuͤmlichkeit, durch das Hervorſchießen vieler Ausſchlaͤge aus den Wurzeln den eigentlichen Mutterſtock ganz zu verlieren, und ſich in außerordentlich viel dichten Zweigen uͤber betraͤchtliche Strecken in undurchdringlicher Dickung zu verbreiten, als z. B. der Schlehenſtrauch, Prunus spinosa, die mehrſten Weiden, wie Salix helix, Salix acuminata, Sa- lix viminalis. Es haͤngt dies davon ab, ob die Holzgattung Wurzelbrut zu treiben vermag oder nicht, da im erſtern Falle die Ausſchlaͤge ſich ſehr verdichten, was ſie im zweiten Falle nicht vermoͤgen. Auch bei den Baumhoͤlzern, die im Nieder⸗ walde als Strauchholz behandelt werden, zeigt ſich daſſelbe. Die Wurzelbrut treibende Aspe und Hainbuche, tief gehauen, verlieren den Hauptſtock ganz und verdichten ſich, große Strek⸗ ken mit vielen Schuͤſſen bedeckend, was die auf den Haupt⸗ ſtock bei dem Wiederausſchlage beſchraͤnkte Eiche, Birke und Erle nicht vermoͤgen. Wo es auf große Dichtigkeit des Be⸗ ſtandes ankoͤmmt, wie bei der Anlage von Wildremiſen, bei Deckung von Uferabbruͤchen oder Bergriſſen, iſt dieſe Eigen⸗ thuͤmlichkeit ſehr beachtungswerth, ſo wie ſie dann auch auf die weitere oder engere Pflanzung Einfluß hat, da man die — 62— ſich ſelbſt verdichtenden Holzgattungen weitlaͤuftiger pflanzen kann, als bei denen dies nicht der Fall iſt. Der Stamm der Baumhoͤlzer iſt in ſeiner Bildung eben ſo abweichend, als der der Straͤucher. Zuerſt in der regel⸗ maͤßigen, ſich ſtets gleich bleibenden Form des Stammes, oder in der Vertheilung in viele Zweige nach abweichenden Geſetzen. Die Birke, Lerche, Fichte, Aspe und einige andere Baͤume, behalten ſelbſt frei erwachſend beinahe denſelben Hoͤ⸗ henwuchs und die regelmaͤßige Ausbildung des Hauptſtammes, die ſie im geſchloſſenen Stande haben. Die Eiche, Hain⸗ buche, Kiefer und andere, haben eine große Neigung zur Aſt⸗ verbreitung, die nur dadurch beſiegt werden kann, daß ſie in vollem Schluſſe, beengt und auf den Seitenzweigen beſchat⸗ tet, gezwungen werden, ſich vorzuͤglich im Stamme auszu⸗ bilden, indem jene ſich weder ausdehnen noch erhalten koͤnnen. Frei ſtehend wachſen die tief angeſetzten Seitenzweige in gro⸗ ßer Zahl fort, dehnen ſich ſehr lang aus, und die regelmaͤßige Stammform vermag ſich nicht auszubilden. Sowohl bei der Durchforſtung koͤmmt dieſe Eigenthuͤm⸗ lichkeit zur Beachtung, als bei der Mittelwaldwirthſchaft, da jene Holzgattungen, die große Neigung zur Aſtverbreitung ha⸗ ben, dichter gehalten werden muͤſſen, um taugliches Nutzholz zu erziehen, dieſe entweder die Ausſchließung derſelben zu Oberholz, oder doch eine ſtaͤrkere Schneidelung bedingt. Der Stamm waͤchſt entweder walzenfoͤrmig, mit gleicher, glatter Oberflaͤche, wie die Buche, oder mehr in Kegelform, wie die freiſtehende Fichte, kluftig, d. h. mit Vertiefungen auf der Oberflaͤche, wie die Hainbuche, knickig, mit mehreren bo⸗ genfoͤrmigen Beugungen, wie dies bei der Eſche haͤufig iſt, und ſtellt ſich auf mannigfaltige Weiſe in abweichender Form dar. Jede Holzgattung hat zwar auch hierin eine eigenthuͤm⸗ liche Stammbildung, jedoch aͤndert ſich dieſelbe haͤufig durch den dichtern oder weniger dichten Schluß, nach Boden, Frei⸗ lage und ſelbſt dem Klima. — 63— In der praktiſchen Wirthſchaft iſt es wichtig, auf die Art der Stammbildung, die dem Walde eigenthuͤmlich iſt, zu ach⸗ ten. Bei der Schaͤtzung des ſtehenden Holzes wird die an⸗ zunehmende Holzmaſſe ſehr durch die Vollholzigkeit, d. h. durch eine moͤglichſt gleich bleibende nach oben wenig abnehmende Dicke des Stammes bedingt, bei cubiſchen Berechnungen muß man diejenige Form zum Grunde legen, welcher ſich der Baum am mehrſten naͤhert, bei Beſtimmung der Aſt⸗ und Neißig⸗ maſſe iſt eine Kenntniß des Verhaͤltniſſes des Aſtholzes zur Stammholzmaſſe unerlaͤßlich. Auch der Bau der Aeſte und Zweige(kleinern Aeſte) iſt ſehr abweichend. Einige Hoͤlzer verlieren die Aeſte gar nicht, wenn ſie frei ſtehend erwachſen, und behalten ſie tief ange⸗ ſetzt, wie die Fichte, oder der Stamm bildet ſich gar nicht regelmaͤßig aus, und theilt ſich in viele unregelmaͤßig gebil⸗ dete Zweige, wie bei der Eiche, Hainbuche und vielen andern Holzgattungen. Bei andern, wie bei der Lerche, Birke und Aspe, bleibt ſich dagegen die regelmaͤßige Bildung des Haupt⸗ ſtammes mehr gleich. Hoͤlzer, die freiſtehend ſehr in die Aeſte wachſen, muͤſſen im dichten Schluſſe gezogen werden, um Nutzholz von ihnen erwarten zu koͤnnen. Viele Baͤume, wie die Eichen, Buchen, Linden, haben das Vermoͤgen ihre Aeſte außerordentlich weit zu verbreiten, und uͤberſchirmen dann, frei erwachſen, eine weit groͤßere Flaͤche, als die Birke, Erle und Aspe, die dies nicht in dem Maße koͤnnen. Haben ſie zugleich dabei viel kleine Veraͤſtlungen und Zweige im innern der Krone, indem ſich an den ſtarken Aeſten viel ſchwache Ausſchlaͤge finden, wie bei der Hainbuche und Linde, ſo er⸗ zeugen ſie einen dichten Schatten, waͤhrend dasjenige von Hoͤl⸗ zern, die ihre Blaͤtter bloß an den aͤußerſten Zweigſpitzen ha⸗ ben, wie die Eiche und deren Belaubung, daher lockerer iſt, ſich weniger verdaͤmmend zeigt. Alle die Holzgattungen, die große Neigung zur Aſtverbreitung haben, eignen ſich deſto weniger zur Erziehung als Oberbaum im Mittelwalde, je dichter und verdaͤmmender dabei zugleich ihre Belaubung iſt. Selbſt die Straͤucher zeigen in dieſer Hinſicht eine aͤhn⸗ liche Bildung. Solche mit langen, biegſamen Schuͤſſen, an deren Spitze ſich ein großer Blattbuͤſchel befindet, legen ſich nach außen hin aus, indem die aͤußern Zweige ſich zur Erde biegen, und bedecken eine große Flaͤche im Verhaͤltniß des Mutterſtockes, die mit zunehmendem Alter immer groͤßer wird. Wir bemerken dies bei der Haſel und Weide ſehr deut⸗ lich, wogegen Eichen, Erlen und Buchen, Schlagholz in ſtaͤm— migen geraden Schuͤſſen erwachſend, dies nicht thut. Alle ſich bei zunehmendem Alter ſehr auslegenden Schlaghoͤlzer geſtatten keinen hohen Umtrieb, indem ſie ſich dabei ſehr licht ſtellen, weil die ſich zu ſehr ausbreitenden Zweige der groͤßern Mutterſtoͤcke die kleinern leicht verdaͤmmen und toͤdten. Die mehreſten Hoͤlzer verwachſen die abgeſtorbene Wurzel der Aeſte ſo vollkommen im regelmaͤßig ausgebildeten Baum⸗ ſchafte, daß in ihm keine Spur mehr davon zu bemerken iſt, ſondern die Holzlagen dicht und gerade zuſammen liegen, ohne durch eine zuruͤck gebliebene Aſtwurzel getrennt zu ſein, wie wir an dem aſtreinen Schaftholze der Eichen, Kiefern, Linden, Aspen u. ſ. w. vielfach bemerken. Andere Hoͤlzer, vorzuͤglich die Fichte, verwachſen die Aeſte ſchwerer oder gar nicht, die abgeſtorbenen Aeſte bleiben in ihnen zuruͤck. Das Verwachſen derſelben findet ſtatt, indem ſie bis auf die Wurzel heraus⸗ faulen, und die dadurch entſtandene Hoͤhlung ſich durch die zuſammen gepreßten Laͤngenfaſern des Stammes und darin abgeſetzten Holzſtoff, wieder ausfuͤllt. Alle Holzgattungen verwachſen deshalb die Aeſte leicht, bei welchen das Aſtholz bald ausfault, diejenigen, wo dies ſehr der Faͤulniß widerſtehet, behalten die verwachſenen Aeſte laͤngere Zeit. Baͤume, welche oft noch im ſpaͤtern Alter Ausſchlaͤge am Stamme bilden, wie die Eiche, haben haͤufig nur auf der Oberflaͤche befeſtigte Aeſte— gewoͤhnlich Kleberaͤſte genannt— waͤhrend ſie bei andern, wie bei den Nadelhoͤlzern und der Buche, immer bis in das Herz des Stammes hineinwurzeln. Bei — 665— Bei der Auswahl des Spaltholzes iſt es wichtig, den in der Oberflaͤche des Baumes wurzelnden Aſt von dem tief gehen⸗ den zu unterſcheiden. Dies kann man leicht an den Rinden⸗ lagen erkennen. Der Kleberaſt durchbricht ſie, da der Zweig ſich erſt entwickelte, als ſie ſich ſchon gebildet hatten, am al⸗ ten im Herzen wurzelnden Aſte ſetzen ſich die Rindenlagen des Stammes fort, da er mit ihm gleiches Alter hat. Bei manchen Hoͤlzern iſt das Entwickeln von Stamm⸗ ſproſſen Zeichen von Krankheit, wie bei der Birke, bei andern zeigt es eher kraͤftigen Wuchs an, wie bei der Hainbuche. Bei jungen Pflanzen iſt eine ſtarke Beaͤſtung, ein ſtaͤm⸗ miger Wuchs, ſtets ein Zeichen von Geſundheit, vorausgeſetzt, daß der Hoͤhenwuchs dabei nicht vernichtet iſt. Ein unnatuͤr⸗ lich ſtarker Hoͤhenwuchs in der erſten Jugend bei unverhaͤlt⸗ nißmaͤßig duͤnnem Stamme, und ein Mangel an Seitenzwei⸗ gen, verraͤth im erſten Alter oft zu ſtarke Beſchattung, ſpaͤter zu gedraͤngten Stand. Die Rinde verdient in vieler Hinſicht, vorzuͤglich bei dem Schlagholze, eine ſorgfaͤltige Beachtung. Die Baſthaut und das Rindenfleiſch werden durch das Anlegen der Holzringe und die dadurch zunehmende Dicke des Stammes ausgedehnt, und zuletzt wird das Rindenfleiſch zerriſſen. Dadurch entſte⸗ het der todte, abgeſtorbene Rindenkoͤrper, welcher bei einigen Holzgattungen oft ſehr dick wird, wie bei der Eiche und Kie— fer, bei andern ſchwaͤcher, wie bei der Erle, Buche und Aspe. Auch ſeine Haͤrte und Feſtigkeit iſt verſchieden, groß bei der Birke, gering bei der Linde. Der mechaniſche Widerſtand, den das Hervorbrechen der Knospen erfaͤhrt, ſcheint groͤßten⸗ theils durch die Dicke und Feſtigkeit dieſer abgeſtorbenen Rin⸗ denlagen bedingt zu ſein, ſo daß diejenigen Hoͤlzer, bei denen ſie groß iſt, ihre Ausſchlagsfaͤhigkeit fruͤher verlieren, als die— jenigen, bei denen dieſe abgeſtorbenen Rindenlagen ſchwach und locker ſind. So ſehen wir, daß diejenigen Eichen, welche duͤnne Rindenlagen haben, noch in betraͤchtlich hohem Alter 5 — 66— ausſchlagen, andere mit dicken ſchon nicht mehr nach 40 Jah⸗ ren, daß die abgehauene Birke in hoͤherm Alter keine Knos⸗ pen mehr am Stocke, ſondern nur auf mit duͤnner Ninde verſehenen, zu Tage liegenden Wurzeln entwickeln kann, daß die Linde und Weide ihre Ausſchlagsfaͤhigkeit kaum in hoͤ⸗ herm Alter verlieren. Eine Beachtung der Dicke und Feſtigkeit der Rindenla⸗ gen iſt deshalb da wichtig, wo man aͤlteres Holz noch als Schlagholz behandeln will. Es haben manche Hoͤlzer die Faͤhigkeit, Beſchaͤdigungen der Rinde wieder zu erſetzen, in einem hohen Grade— z. B. die Ulmen, Schwarzpappeln, weniger die Linden und andere Laubhoͤlzer. Andern, wie der Fichte, fehlt ſie ganz. Auch dies iſt beachtungswerth, um Entbloͤßungen des Holzes von Rinde deſto ſorgfaͤltiger zu vermeiden, je weniger dieſe erſetzt werden kann und zu faulen Stellen Veranlaſſungen geben. Bei einigen Baͤumen, z. B. bei der Eiche, bohren bald In⸗ ſekten die entbloͤßten Stellen an, welche das Holz zum Ge⸗ brauche als Nutzholz in vielen Faͤllen untauglich machen, und auch deshalb muß man ſie vermeiden. Wenigſtens erfolgt aber dadurch eine oͤrtliche Trennung der Holzlagen, indem ſelbſt wenn die Rinde die erfolgte Beſchaͤdigung wieder uͤber⸗ waͤchſt, doch die neuen Holzlagen ſich nicht innig mit der fruͤher entbloͤßt geweſenen Stelle wieder verbinden. Die verſchiedene Belaubung der Baͤume verdient eine ge⸗ naue Beachtung: 1) wegen der dadurch entſtehenden Wirkung der Beſchattung, 2) wegen der verſchiedenen Menge der ab⸗ fallenden Blaͤtter. Die Menge der Blaͤtter haͤngt von der Menge der kleinen Zweige, die ſie tragen, ab, ſo wie von der dichten Beſetzung der Zweigſpitzen mit ihnen. Holzgattungen, deren Aeſte ſich in viele kleine Zweige theilen, wie die Buche, Hainbuche, Linde, haben eine dichtere Belaubung, machen ei⸗ nen dichtern Schatten, wie ſolche, die nur in wenig duͤnne Zweige auslaufen, wie dies bei der Eiche der Fall iſt. Es ſtehet daher die Belaubung in einem ſich gleich bleibenden Verhaͤltniſſe mit der Menge des ſchwachen Reisholzes, wel⸗ ches die Baͤume geben. So hat auch die Fichte mit ihren vielen ſchwachen, dicht und weit benadelten Aeſten eine viel dichtere Belaubung, als die Kiefer. Auch die Groͤße der Blaͤt⸗ ter koͤmmt dabei zur Sprache. Ein großes Lindenblatt deckt mehr und enthaͤlt mehr Maſſe, als ein kleines Birkenblatt.— Dicht belaubte Baͤume, vorzuͤglich wenn ſie eine große Nei⸗ gung zur Aſtverbreitung haben, verdaͤmmen die unter ihnen hervorkommenden Gewaͤchſe weit mehr, als licht belaubte, ſind daher weder im Mittelwalde, noch fuͤr die Waldweide vortheilhaft. Dagegen verbeſſern ſie den Boden weit mehr, indem ſie der Humuserzeugung guͤnſtiger ſind, gewaͤhren eine vortheilhaftere Streunutzung. Fuͤr den Forſtmann iſt die Er⸗ haltung und Erhoͤhung der Ertragsfaͤhigkeit des Bodens eben ſo wichtig, als fuͤr den Landwirth, und dieſe noch nicht genug beachtete Eigenthuͤmlichkeit der verſchiedenen Holzgattungen, verdient daher von jedem genau gekannt zu ſein. Die Ausſchlagsfaͤhigkeit der Hoͤlzer, wichtig fuͤr Nieder⸗„ Mittel⸗, Hackwald und Kopfholzwirthſchaft, ſtellt ſich außer⸗ ordentlich verſchieden dar.— Am Stamme haben ſie vorzuͤglich die Laubhoͤlzer. Doch koͤnnen die Nadelhoͤlzer, welche mehrere Nadeln in einer Scheide haben, bei verloren gehenden Spitzknospen, gewoͤhnlich neue Knospen zwiſchen den Nadeln entwickeln und ſo dieſelben er— ſetzen, ſo z. B. die Kiefer. Bei andern, wie bei der Fichte, ſind die juͤngſten Triebe bei den jungen Pflanzen mit Knos⸗ pen an der Rinde verſehen, die dieſen Erſatz uͤbernehmen. Die Weißtanne hat ſchlafende Knospen, welche fortwachſen, wenn die jungen Pflanzen die ausgebildeten freien verlieren, z. B. bei jungen ausgeaͤſteten Staͤmmen. Alle Laubhoͤlzer koͤnnen jung aus der Rinde Knospen und Ausſchlaͤge entwickeln; einige verlieren dieſe Faͤhigkeit fruͤ⸗ her, andere ſpaͤter; ſelten aber bleibt ſie gleich ausdauernd, 5* — 68— ſondern nimmt gegen das hoͤhere Alter zu ab. Bei einigen kommen in der Regel Ausſchlaͤge von den nicht zu tief un⸗ ter der Erde liegenden Wurzeln hervor— wie bei der Aspe, der Ebereſche— die man Wurzelbrut nennt. Andere koͤn⸗ nen nur dazu durch Wegnahme des Stockes gezwungen wer⸗ den, andere, wie die Hainbuche, entwickeln oft Stockausſchlaͤge und Wurzelbrut zugleich, noch andere ſchlagen nur dicht an der Erde aus, nie hoch am Stamme, wie die Birke, viele bald hoch, bald tief, je nachdem der Abhieb iſt. Auch das Ver⸗ halten der Hoͤlzer hierin, muß der Forſtmann genau kennen, um die Schlag- und Kopfhoͤlzer demgemaͤß zu behandeln. Ein reiches Feld zu Beobachtungen, hinſichts des forſt⸗ lichen Verhaltens der Holzpflanzen, woruͤber hier nur einige Andeutungen gegeben werden konnten, ſtehet dem jungen Forſt⸗ manne offen. Wie ſehr waͤre zu wuͤnſchen, daß es angebauet wuͤrde, ſtatt oft unfruchtbare Speculationen zu verfolgen. 3) Specielle Holzkenntniß. Die Eiche, Quercus. 20ſte Klaſſe. Linn. Monoecia. 1) Die Stieleiche, Q. foemina. 2) Die Trauben⸗ eiche, Q. robus. Unterſcheidungszeichen. Bei der Traubeneiche: Blattſtiele laͤnger, beinahe einen halben Zoll lang, das Blatt iſt nach dem Stiele zu mehr rund zugeſchnitten, ohne Lappen; Blu⸗ then und Fruͤchte ſitzen buͤſchelfoͤrmig dicht auf den Spitzen der Zweige, erſtere erſcheinen 8 Tage fruͤher, als bei der Stiel⸗ eiche; ſie findet ſich vorzugsweiſe auf ſandigem Boden, in rauherem Klima. Die Stieleiche hat ganz kurze Blattſtiele, die Blaͤtter ſind unten keilfoͤrmig mit einem kleinen Lappen verſehen, Bluͤthen und Fruͤchte haben lange Stiele. In Nord⸗ deutſchland heißt die Traubeneiche— als vorzuͤglich einhei⸗ miſch in den Kieferheiden— auch Heid eeiche, die Stiel⸗ eiche als im Auboden zu Hauſe; Waldeiche. Es ſcheint, die e — 69— Traubeneiche ertraͤgt den Sandboden beſſer, als die Stieleiche, und wuͤrde deshalb auf dieſem vorzugsweiſe anzubauen ſein. Das Nachfolgende gilt fuͤr beide, da hinſichtlich des Forſt⸗ lichen beide gleich behandelt werden koͤnnen. Verbreitung. Bei paſſendem Boden und Klima durch ganz Deutſchland, jedoch ſelten in reinen Beſtaͤnden, gewoͤhn⸗ lich gemiſcht mit Buchen, Ulmen, Ahorn, Hainbuchen oder Kiefern. Sie ſcheint in gemiſchten Beſtaͤnden beſſer zu gedei⸗ hen, als in reinen, was jedoch nicht hindert, bei ihrer großen Ausdauer zuletzt reine Eichenbeſtaͤnde herzuſtellen. Boden. Tiefgruͤndigen Flußboden, humoſen Lehm im Meeresboden, zieht ſie allem andern vor und ertraͤgt ihn ſehr bindend. Sehr gut gedeiht ſie noch im Sandſteingebirge und leicht zerſtoͤrbarem Geſtein, welches kraftvollen, tiefgruͤndigen Boden giebt. Nur mittelmaͤßig im Gebirgsboden von gerin⸗ ger Tiefe, im lehmigten Sandboden. Gar nicht auf armen Sandboden, in ſumpfigen Saͤuren enthaltenden, als Baum⸗ holz nicht auf flachgruͤndigem Gebirgsboden, wohl aber noch ſehr gut als Schlagholz im kurzen Umtriebe. Feuchter, hu⸗ moſer Sand erzeugt einen ſtarken Wuchs, jedoch geringe Aus⸗ dauer. Sie ertraͤgt voruͤbergehende Ueberſchwemmungen. Klima. Mehr warm als kalt, im noͤrdlichen Deutſch⸗ land nicht uͤber 1400 Fuß hoch in den Bergen. Die unmit⸗ telbare Seenaͤhe iſt ihr bei reinen freien Anſaaten zuwider, obwohl ihr das feuchte Seeklima in einiger Entfernung von der See zuſagt. An duͤrren Sommerhaͤngen gedeiht ſie nur als Schlagholz. In engen, feuchten Thaͤlern leidet ſie ſehr unter den Spaͤtfroͤſten. Bau und Form. a) Wurtzelbau. In der Jugend tief ſtreichende Pfahlwurzel, mit wenig Seitenzweigen, in hoͤherm Alter verliert ſich die erſtere beinahe immer, und die Seiten⸗ wurzeln treten dafuͤr ſtaͤrker hervor. Sie hat ſtarke, oft bis 6 und 8 Fuß tief gehende Wurzeln, die ſich jedoch nur bei flachgruͤndgem Boden weit ausſtreichend zeigen, giebt auch — ———ᷓ;— —õ— — 70— deshalb viel und ſehr brauchbares, auch nicht ſchwer zu ge⸗ winnendes Stockholz. Es betraͤgt dies ſelbſt bei nicht ſehr ſorgfaͤltiger Rodung gewoͤhnlich Ein Fuͤnftheil der ganzen Holz⸗ maſſe des Baumes. b) Stammbildung. In der Jugend, ſperrig, knickig, ſich nur im ganz dichten Stande von Aeſten reinigend, und erſt bei 15 bis 20 Jahren einen ſtarken Hoͤhenwuchs zeigend, im⸗ mer eine große Neigung zur Aſtverbreitung beibehaltend, ſel⸗ ten vollholzig, ſondern gewoͤhnlich gegen den Wipſel zu ſtark abnehmend. Eiskluͤfte und Maſern, welche oft große Aus⸗ wuͤchſe bilden, ſind bei der Eiche ſehr gewoͤhnlich. Selten wird ſie uͤber 100 Fuß hoch, und gewoͤhnlich nur in der Ver⸗ miſchung mit Nadelholz, welches ſie mit ſich fortnimmt. c) Aſtbildung. Viel ſehr ſtarke, ſich oft wagerecht lang ausreckende, buchtig und knickig gewachſene Aeſte, mit den Blaͤtter tragenden duͤnnen Zweigen an der Spitze. Sie giebt deshalb viel Aſtholz und wenig Reisholz, was jedoch aller⸗ dings ſehr abweichend nach dem freien oder geſchloſſenen Stande iſt, in welchem ſie erwuchs. Man kann bei vollem Schluſſe 0,07 Aſtholz, 0,035 Reisholz der ganzen uͤberirdi⸗ ſchen Holzmaſſe annehmen; es kann dies bis zu 0,20 Aſt⸗ holz und 0,07 Reisholz ſteigen. d) Die Rinde iſt riſſig, hat auf Fluß⸗ und kraͤftigem Lehm⸗ boden ſehr dicke abgeſtorbene Rindenlagen, ſo daß auf 5 bis 6 Klaftern Holz daſelbſt 1 Klafter Rinde, dem Raume nach, zu rechnen iſt. Auf flachgruͤndigem Gebirgsboden ſind dieſelben duͤnner, und 6 bis 7 Klaftern Holz geben daſelbſt oft nur 1 Klafter Ninde. Bei jungen Niederwaldungen, wo die Rinde noch nicht aufgeſprungen iſt, rechnet man etwa d. der ge⸗ ſammten oberirdiſchen Holzmaſſe als Rinde. Da die Rinden⸗ klafter von altem Baumholze ſo viel Zwiſchenraͤume hat, ſo düͤrfte das Verhaͤltniß zwiſchen Holz und Rinde, dem Ge⸗ wichte nach, bei Baumholz ziemlich daſſelbe ſein, wie bei Schlagholz von 16 bis 18jaͤhrigem Umtriebe. N——— — 11— e) Belaubung. Locker und eine mittelmaͤßige Beſchat⸗ tung verurſachend, nur bei niedrig angeſetzten Aeſten verdaͤm⸗ mend.— Blattausbruch Anfang Mai. f) Groͤße. Im Fluß⸗ und Meeresboden erreicht die Eiche eine coloſſale Groͤße, und uͤbertrifft darin wohl alle andere Holzgattungen. Im Flußboden der Oder ſind oft Eichen ge⸗ ſchlagen worden, welche uͤber 2400 Kubikfuß Maſſe enthielten. Bluͤthe und Frucht. Maͤnnliche und weibliche Bluͤ⸗ then auf einem Stamme. Die erſtern fadenfoͤrmigen Kaͤtz⸗ chen mit fuͤnftheiligen Kelchen, 4 bis 5 Staubfaͤden, dieſe auf beſondern Stielen in knospenfoͤrmiger Geſtalt, mit einblaͤttri⸗ gen, ungetheilten und rauhen Kelchen, 2 bis 3 Griffeln, ohne Blume. Ausbruch mit dem Laube zugleich. Die Frucht: ſchwere Nuß mit lederartiger Schale, in einem napffoͤrmigen Kelche ſitzend. Reifezeit: in milder Lage Mitte September, in rauhern Gegenden Ende dieſes Monats, Anfang October. Alter. a. Natuͤrliches. Sehr groß, jedoch nach dem Standorte verſchieden. Am hoͤchſten auf kraͤftigem, trocknem, jedoch friſchen und tiefgruͤndigen Lehmboden, in nicht zu war⸗ men Klima, 6 bis 800 Jahre. Am geringſten auf ſeuchtem, humoſem Sandboden, auf fruchtbarem jedoch nicht tiefgruͤndi⸗ gen Kalkboden in warmer Lage an den Suͤdgrenzen ihrer Hei⸗ math, 250 bis 350 Jahre. b. Wirthſchaftliches. Als Maſt⸗ baum bis zum Abſterben. Als ſtarkes Nutzholz im Hoch⸗ und Mittelwalde, zwiſchen 160 und 200 Jahr. Als laͤnd⸗ liches Bauholz zwiſchen 120 und 160 Jahr. Als Schlagholz zu Brennholz und Knuͤppelholz zwiſchen 20 und 40 Jahr. Als Schaͤlwaldung zwiſchen 12 und 18 Jahr, als Buſch⸗ und Reißigholz zwiſchen 7 und 12 Jahren. Mannbarkeit. Im geſchloſſenen Hochwalde 80 bis 100 Jahre, im freien Stande 50 bis 80 Jahr, als aus dem Samen erwachſener Baum. Als Stockausſchlag gewoͤhnlich um 20 Jahre fruͤher. Am Schneidelholze tragen haͤufig ſchon die dreijaͤhrigen Ausſchlaͤge reichlichen und guten Samen. Am — 72— haͤufigſten Samen traͤgt ſie im einzelnen Stande, auf trock⸗ nem Fluß⸗ und Lehmboden, im milden Klima. Am ſeltenſten im armen Sandboden, im hoͤhern Nadelholze ſtehend und von dieſem beſchattet. In den lichten Oder⸗ und Elbwaͤldern kann man alle 4 bis 5 Jahr auf ein volles Samenjahr rech⸗ nen, in den Vorbergen im Mittelwalde alle 6 bis 8 Jahr. In den Eich- und Kieferheiden auf Sandboden tritt ein ſol⸗ ches oft erſt in 16 bis 25 Jahren ein. Bei voller Maſt kann man auf 1 Klafter Aſtholz Einen Scheffel Eicheln, à 40 Pfd., rechnen, was jedoch nur als Durchſchnittsſatz an⸗ zuſehen iſt, da in einzelnen Faͤllen von frei ſtehenden Eichen wohl das Doppelte erfolgen kann. Forſtliches Verhalten. 4) Wuchs. a. Als Baumholz. In der erſten Jugend langſam, ſperrig, buſchig, am beſten mit andern, nicht verdaͤm⸗ menden Hoͤlzern gemiſcht. Der ſtaͤrkere Wuchs findet erſt vom 30ſten bis 100ſten Jahre ſtatt, oft haͤlt er in ſehr tiefgruͤn⸗ digem Boden bis zum 160ſten aus. Gegen das 80ſte Jahr laͤßt der Hoͤhenwuchs nach, und der Baum beginnt ſich mehr in der Krone abzuwoͤlben. b. Als Schlagholz. In den erſten 8 Jahren ſtaͤrker, als ſpaͤter. Die Ausſchlaͤge ſind ſperrig, im Verhaͤltniß ihrer Laͤnge dick, in der Jugend einen breiten Buſch bildend, ſpaͤter ſich zu ſtaͤmmigen Stangen ausreckend. 2) Ausſchlagsfaͤhigkeit. Viel und ſtarker Ausſchlag dicht an der Erde, ſeltener an freiliegenden Wurzeln, niemals eigent⸗ liche Wurzelbrut. Aber auch am Stamme brechen noch bei alten Baͤumen Knospen durch die ziemlich ſtarke Rinde, haͤufig ohne Veranlaſſung als Waſſerreiſer hervor, weshalb ſich die Eiche gut zu Schneidelholz eignet. Bei duͤnnen abgeſtorbenen Rinden⸗ lagen erhaͤlt ſich die Ausſchlagsfaͤhigkeit gewoͤhnlich ſehr lange, oft bis zu 140 Jahren und daruͤber, im Flußboden kann man nicht uͤber 40 Jahre hinaus mit Sicherheit auf kraͤftigen Aus⸗ ſchlag rechnen, im Sandboden verliert er ſich haͤufig noch fruͤher. Der Hieb muß im Niederwalde tief gefuͤhrt werden, — 173— und ſelbſt fruͤher hoch gehauene Mutterſtoͤcke kann man oft noch ohne Gefahr nachhauen. 3) Beſchattung ertraͤgt die Eiche nur maͤßig in den er⸗ ſten Jahren, ſie fordert vielmehr einen freien, doch gegen Oſt⸗ und Nordwinde geſchuͤtzten Stand. Eine einmal verdaͤmmte junge Pflanze erholt ſich nicht mehr. Zu Unterholz im Mit⸗ telwalde iſt ſie unpaſſend, wenn man viel Oberholz haben will. 4) Sie haͤlt ſich ausdauernd geſchloſſen, verbeſſert den Boden jedoch bei geringerem Blattabfalle und weniger dich⸗ tem Schluß als die Buche, nicht ſo als dieſe Holzgattung. Erſt nach 120 bis 140 Jahren verraͤth ſie Neigung zur Licht⸗ ſtellung, weshalb ſie auch diejenige Holzgattung iſt, die als Baumholz den laͤngſten Umtrieb ertraͤgt, ohne daß man an Holzmaſſe verliert. Der Graserzeugung iſt ſie bei der lockern Belaubung weniger nachtheilig als die Buche. 5) Duͤrre und Graswuchs ſind ihr wenig verderblich, da ſie eine ſchnell tief eindringende Wurzel hat, auch Windbruch, Duft⸗, Schneedruck iſt fuͤr ſie nicht zu fuͤrchten. Spaͤte Fruͤhlingsfroͤſte ſchaden den jungen Pflanzen, ohne die tief ſtehenden jedoch zu toͤdten, da ſie mehr ihren Wuchs aufhal⸗ ten. Auch die Bluͤthen erfrieren haͤufig, in rauhem Klima ſelbſt zuweilen im September die Fruͤchte. Sie iſt dem Ver⸗ beißen durch Vieh, Roth⸗, Dammwild und Haſen, vorzuͤg⸗ lich aber durch Rehe ausgeſetzt, ertraͤgt es in der erſten Ju— gend gar nicht, leidet ſelbſt noch im ſpaͤtern Alter ſehr dar⸗ unter. Eine Menge Thiere naͤhren ſich von den Fruͤchten und ſuchen ſie auf. Von Inſecten werden ihr vorzuͤglich nachtheilig: die Larve des Maikaͤfers, welche die Wurzeln der ganz jungen Pflanzen frißt, mehrere Bahrkaͤfer, vorzuͤglich Cerambyx heros und Ptinus Pertinax, welche den Stamm zerfreſſen, eine Menge Raupen, welche ſich von den Blaͤttern naͤhren, und zwar den Baum nicht toͤdten, aber doch die Fruchterzeugung verhindern und den Zuwachs vermindern, wovon Ph. Tortrix viridiana, Ph. Bomb. processionea am — 174— haͤufigſten vorkommen. Burgsdorf fuͤhrt bereits in ſeiner Ge⸗ ſchichte der Holzarten, 2. Bd., 119 Inſecten an, welche auf der Eiche leben und ihr nachtheilig werden, und hat ſie noch nicht alle gekannt. Eine ſtarke Anziehungskraft in Bezug auf den Blitz wird ihr haͤufig nachtheilig. 6) Die Eiche iſt eine Holzgattung, welche Krankheiten und oͤrtlichen Fehlern außerordentlich lange widerſtehet, ehe ſie dadurch getoͤdtet wird. Sie waͤchſt ſogar noch haͤufig bei oͤrtlichen Fehlern ſehr gut, und erzeugt eben ſo viel Holz, als wenn ſie ganz geſund waͤre. Wenn daher ſonſt den Einſchlag fehlerhaften Eichen nichts rechtfertigt, ſo iſt dieſer haͤufig ein Mißgriff, indem ſie ſich oft noch laͤnger mit Vortheil erhal⸗ ten laſſen. Eine dieſer Holzgattung eigenthuͤmliche und ſehr haͤufige Krankheit iſt die Wipfelduͤrre, die gewoͤhnliche Folge der Freiſtellung, wodurch die Einwirkung des Lichtes auf die Seitenaͤſte herbeigefuͤhrt, und die flach laufenden Wurzeln be— deckenden Laub⸗ und Humusſchichten zerſtoͤrt werden. Sobald dieſe Krankheit noch nicht zu ſehr um ſich gegriffen hat, und der Boden wird wieder durch dichten Holzbeſtand gedeckt, ver⸗ liert ſie ſich wieder ohne bemerkbaren Nachtheil fuͤr den Baum. Die Stockfaͤule, gewoͤhnlich von der abgeſtorbenen Pfahl⸗ wurzel herruͤhrend, an den auffallend ſtark hervortretenden Seitenwurzeln, denen dann die ganze Ernaͤhrung des Baumes zufaͤllt, erkennbar, iſt gefaͤhrlicher und immer mehr fortſchrei⸗ tend. Die oͤrtliche Zerſtoͤrung der Holzlagen beginnt, wenn das Holz todt eine rothe Farbe erhaͤlt— man nennt es dann rothſtreifig, ſchreitet dann die Krankheit fort, ſo daß weiß⸗ faule Stellen bemerkbar werden, ſo wird es weißſtreifig genannt. Am haͤufigſten wird dieſe Krankheit in ſandigem Boden bemerkt, wo ſie ſich oft in ganz geſund ſcheinenden Baͤumen findet, immer ſcheint ſie aber im Boden zu liegen, da zuweilen die aͤltern Baͤume ohne Ausnahme davon ergrif⸗ fen ſind, zuweilen ſie wieder gar nicht bemerkt wird. Bei Kontrakten auf Stab- und Schiffbauholz, verdient ſie eine — 75— ſorgfaͤltige Beachtung, eine Unterſuchung der bisher geſchlage⸗ nen Hoͤlzer, da das Holz, welches roth⸗ oder weißſtreifig iſt, ſelbſt wenn es noch kaum bemerkbar iſt, zu dieſem Gebrauche nicht verwendet werden kann. Der Saftfluß, aus welchem krebsartige Schaden entſtehen, iſt gleichfalls eine haͤufige Krank⸗ heit dieſes Baums. Eiskluͤfte ſind der Eiche gewoͤhnlich. Schwaͤmme, wie Agaricus quercinus, Boletus igniarius, B. sessilis, B. membranaceus, und andere zeigen zwar immer faules Holz an, wenn ſie jedoch im Wipfel oder an den Ae⸗ ſten ſitzen, ſo iſt der Stamm haͤufig noch geſund. Ein In⸗ ſect, Cynips Quercus corticis, verletzt die Rinde oft uͤber der Wurzel, und erzeugt knotige Auswuͤchſe, welche dem Wuchſe der jungen Pflanzen nachtheilig werden. Die unbenutzbaren Gallaͤpfel, erzeugt durch den Stich der Cynips Quercus, ſind eine unſchaͤdliche Blattkrankheit. Die Fruͤchte werden oft von dem Cucculio nucum angeſtochen. 7) Holzmaſſe. Außerordentlich abweichend nach dem Boden. Als außerordentlichen Ertrag findet man im Hoch⸗ walde, in ſehr fruchtbarem Flußboden in ganz geſchloſſenen Beſtaͤnden wohl zuweilen bis 80 Kubikfuß Durchſchnittszu⸗ wachs. Schon 40 Kubikfuß ſind aber unter gewoͤhnlichen Verhaͤltniſſen als ein guter Eichenwuchs anzuſprechen. Wo er geringer iſt als 20 Kubikf., ſollte man keine Eichen mehr ziehen. Der Eichenniederwald iſt in kurzem Umtriebe ertrag⸗ reicher als in laͤngerm. Gewoͤhnlich ſchwankt er bei 16 bis ISjaͤhrigen, im vollen Beſtande, auf paſſendem Boden zwi⸗ ſchen 30 und 40 Kubikf., faͤllt nur bei laͤngerem unter 20 Ku⸗ bikfuß. Noch weit abweichender iſt die Groͤße der einzelnen Baͤume, die ſie in gewiſſem Alter erreichen, und es laͤßt ſich dafuͤr nicht fuͤglich ein Durchſchnittsſatz geben. Gebrauchsfaͤhigkeit. 1) Brennguͤte. a. als Feurungsholz. Das alte Stamm⸗ holz brennt traͤge, mit nicht lebhafter Flamme, bedarf ſtarken Luftzug, doch giebt es ziemlich anhaltende Kohlenglut. Auf — 70— dem Heerde ſchlecht wegen Springen und Platzen; vorzuͤglich zu empfehlen, wo eine anhaltende gleichmaͤßige Erwaͤrmung verlangt wird. Verhaͤlt ſich zum Buchen wie 76: 100. Rei⸗ del⸗ oder Stangenholz duͤrfte etwas beſſer ſeyn, Wurzelholz geringer, am ſchlechteſten iſt das Holz von abgeſtorbenen fau⸗ len Eichen. b. Kohlholz. Nicht zu jedem Gebrauche gleich gut und ſtarkes Geblaͤſe verlangend, weshalb es z. B. Schmiede ſehr ungern nehmen. Doch ſetzt man den Werth der Eichen⸗ kohle gegen Buchen wie 100: 84. Es ſcheint derſelbe noch nicht ſicher beſtimmt und viel Vorurtheil dabei zu herrſchen. 1000 Pfd. Holz geben nach Fabroni 182 Pfd. Kohlen. 2) Aſchertrag(von der Rinde viel groͤßer als vom Holze), 1000 Pfd. Holz werden als 23 ¾ Pfd. Aſche, 1 Pfd. 29 Loth Pottaſche gebend, angenommen*). 3) a. Dauer. Groß im Naſſen, Trocknen und in ab⸗ wechſelnder Feuchtigkeit und Trockniß. Es iſt jedoch dabei zu bemerken, daß dies nicht vom Splinte gilt, welcher im Trocknen ſchnell vom Wurme zerſtoͤrt wird. b. Spaltig⸗ keit, ſehr gut, weshalb auch eine Menge Spaltwaaren, wie Stab- und Boͤttcherhoͤlzer, Scheffelraͤder, Schindeln u. dgl. aus ihr gefertigt werden. c. Zaͤhigkeit, nur bei jungem und Kernholze betraͤchtlich, altes Eichenholz iſt haͤufig ſehr bruchig. d. Elaſticitaͤt. Gering bei altem Holze, mittel⸗ maͤßig bei jungem, es wird deshalb ungern zu Balken und Sparren gebraucht, die ſich leicht krumm ziehen. e. Textur. Ungleich nach dem Wuchſe, doch iſt das Gewebe der Holz⸗ faſern in der Regel nicht dicht, ſondern haͤufig ſind Zwiſchen⸗ raͤume bemerkbar. f. Wegen ungleicher Dichtigkeit des Kern⸗ und Splintholzes, wirft das Holz ſich ſehr leicht und ſtark. g. Gewicht. Verſchieden nach dem Sitze des Holzes. Wur⸗ zel- und Kernholz am ſchwerſten, leichter Aſt- und Wipfel⸗ holz, am leichteſten der Splint. Es kann die Differenz zwi⸗ *) Nach Wildenhayn. — 77— ſchen Wurzel⸗ und Aſtholze ½ betragen. Gewoͤhnlich haͤlt ſich das Gewicht des gruͤnen Holzes zwiſchen 68 und 72 Pfd. der Kubikfuß, des waldtrocknen zwiſchen 52 und 62 Pfd. Verwendung. Zu Land⸗, Waſſer⸗-, Schiff⸗, Ma⸗ ſchinen⸗Bauholz, Spalt⸗, Schirr⸗ und Wagnerholz. Be⸗ ſchraͤnkter iſt der Gebrauch, den Tiſchler, Drechsler, Schnitz⸗ arbeiter davon machen. Immer wird man die Eiche als die⸗ jenige Holzgattung anſehen koͤnnen, welche die groͤßte Maſſe von Nutzholz liefert, wenn gleich die Menge deſſelben von dem Wuchſe, der Beſchaffenheit des Holzes, der Bequemlichkeit der Abfuhre, der Gewohnheit und Dichtigkeit der Bevoͤlkerung abhaͤngt, ſo daß ſich kein Verhaͤltniß des Nutzholzes zum Brennholze angeben laͤßt. Baſt- und Rindenfleiſch liefert das geſuchteſte Ma⸗ terial zum Gerben, welches ſchwer oder gar nicht vollſtaͤndig zu erſetzen iſt. Die junge glaͤnzende, noch nicht aufgeſprun— gene Rinde des 12 bis 18 jaͤhrigen Schlagholzes, bekannt un⸗ ter dem Namen der Schaͤlwaldungen, welche man Spiegel⸗ rinde nennt, iſt die geſuchteſte Gerberinde. Sie enthaͤlt zwar im Winter den mehrſten Gerbeſtoff, kann jedoch nur in der Saftzeit geſchaͤlt werden. Zwar laͤßt ſie ſich um die Zeit des Johannitriebes noch einmal vom Stamme trennen, iſt dann aber an Guͤte betraͤchtlich geringer. Fruͤchte. Sie geben ein vorzuͤgliches Futter fuͤr Schweine, Schaafe und alle Vierfuͤßler unter dem Wilde. Blaͤtter. Sie geben gruͤn getrocknet ein ſehr nahrhaf⸗ tes Futter fuͤr Schaafe und Ziegen, gutem Heue an Werthe gleich. Das abgefallene Laub giebt ein ſehr mittelmaͤßiges Duͤngungsmittel, von dem man 3 bis 3 ½ Pfd. im Werthe 1 Pfd. Stroh gleich rechnen kann. Erziehung. Reine Eichenbeſtaͤnde werden unſtreitig am beſten durch die Saat erzogen. Ihrer Erziehung durch Beſamungsſchlaͤge ſetzen ſich entgegen: daß das alte Holz ſel⸗ ten dazu geſchloſſen genug, die junge Pflanze fruͤhzeitiger — 78— Lichtſtellung bedarf, als man ſie ihr gewoͤhnlich geben kann, die Aufarbeitung des Holzes, vorzuͤglich wo viel Nutzhoͤlzer gearbeitet werden, ſehr nachtheilig fuͤr ſie wird, oder die Nin— dengewinnung dabei unthunlich wird, das werthvolle Stock⸗ holz verloren gehet, Spalthoͤlzer im Winter nicht gearbeitet werden koͤnnen, und in den mehrſten Eichenwaͤldern die Plen⸗ terwirthſchaft noch immer nicht genug abzuſtellen iſt, um re⸗ gelmaͤßige Samenſchlaͤge fuͤhren zu koͤnnen. Die Pflanzung muß entweder ganz jung erfolgen, um ihr die Pfahlwurzel laſſen zu koͤnnen, oder die Pflanzſtaͤmme muͤſſen in Pflanz⸗ kaͤmpen erzogen werden, damit ſich an der Stelle der wegge⸗ nommenen Pfahlwurzel Seitenwurzeln bilden. Die Erfahrung lehrt jedoch, daß Eichen, denen in der Jugend die Pfahlwur⸗ zel mangelt, ſelten einen ausgezeichneten Wuchs haben, und eine beſondere Neigung zur Aſtverbreitung zeigen. Buche. Fagus sylvatica. 21. Kl. Linn. Monaecia. Verbreitung. Durch ganz Deutſchland. Herrſchend. An der Suͤdſeite des Harzes bis 1800 und 2000 Fuß, in den uͤbrigen deutſchen Gebirgen 3000 bis 4000 Fuß hoch wachſend. Boden. Sie gedeiht gleich gut im Gebirgs⸗ und Mee⸗ resboden, wenn derſelbe ein ihr guͤnſtiges Miſchungsverhaͤlt⸗ niß ſeiner Beſtandtheile hat, wird eben ſo ſelten im Fluß— als Sumpfboden gefunden. Ein friſcher, kraͤftiger, mit Kies und kleinen Steinbrocken gemiſchter Lehmboden, der nicht zu tief⸗ gruͤndig zu ſein braucht, zeigt ſie in der groͤßten Vollkommen⸗ heit. Im ſandigen, humoſen Lehmboden waͤchſt ſie noch gut, im humoſen Sandboden nur mittelmaͤßig, und erreicht da⸗ ſelbſt ein geringes Alter. Armen Sand, naſſen Bruchboden, Saͤuren, unvollkommnen Humus, ganz flachgruͤndigen Gra⸗ nit ꝛc., oder duͤrre flachgruͤndige Suͤdhaͤnge ertraͤgt ſie gar nicht. Selbſt als Schlagholz waͤchſt ſie auf ſehr flachgruͤn⸗ digem duͤrren Boden nur ſehr ſchlecht. Wenn der Boden nur — 79— humos und mit Steinen gemengt iſt, mag er fuͤr ſie bindend ſeyn. Voruͤbergehende Ueberſchwemmungen hindern ihren An⸗ bau. Sie waͤchſt nur gut, wenn der Boden eine ſtete Laub⸗ decke hat, und leidet bemerkbar unter der Zerſtoͤrung der obe⸗ ren Humusſchichten. Klima. Mitternachtsſeiten ſagen ihr mehr zu, als Suͤd⸗ und Suͤdweſthaͤnge, geſchuͤtzte Lage mehr als Freilagen. Die Gruͤnde enger Thaͤler paſſen wegen Feuchtigkeit und ſpaͤten Nachtfroͤſten weniger fuͤr ſie, als geſchuͤtzte Ebenen und Berg⸗ flaͤhhen. Die See wirkt unmittelbar an ſie gra)ͤnzend ſehr nachtheilig auf den Hoͤhenwuchs, die Erhaltung der jungen Pflanzen, in einiger Entfernung ſcheint die Buche das See⸗ klima zu lieben. Bau und Form. a. Wurzeln. In der Jugend eine Herzwurzel, welche ſich jedoch bald in viele Seitenwurzeln auswaͤchſt, die ſich ohne weit auszuſtreichen, lange dicht um den Stamm herum erhalten, ſo daß die Buche ohne weitere Vorbereitung mit Sicherheit noch bei 1½ bis 14¾ Zoll Dicke, und bis zu einem Alter von 12 bis 18 Jahren verpflanzt werden kann. Selbſt erwachſen behaͤlt ſie noch viel ſchwache, nicht weit ausſtreichende Wurzeln, und giebt deshalb bei ſchwie⸗ riger Rodung weniger brauchbares Stockholz als die Eiche, da die ſchwachen Wurzeln gewoͤhnlich nicht benutzbar ſind. Der Stock um den Wurzelknoten und die ſtarken Wurzeln ſind ſchlechtſpaltig. Man kann 0,20 Stockholz bei gewoͤhn⸗ licher Rodung rechnen, was ſich jedoch mehr auf die Klaftern nach ihrem Raumgehalte, als auf die wirkliche Holzmaſſe beziehet. b. Stammbildung. Der Stamm iſt im Schluſſe erwachſen walzenfoͤrmig, vollholzig, die Aeſte ganz verwach⸗ ſend bis zu betraͤchtlicher Hoͤhe, ſich aber in viele Aeſte ſchirm⸗ foͤrmig theilend. In freiem Stande hat die Buche eine große Neigung zur Aſtverbreitung. c. Die Aeſte ſind zahlreich, aber nicht ſhr ſtark, ziem⸗ — 80— lich gerade, mit viel kleinen Seitenzweigen beſetzt, woher die dichte verdammende Belaubung des Baumes ruͤhrt. Fuͤr ge⸗ ſchloſſene Orte laſſen ſich etwa 0,60 Stammholz, 0,10 Aſt⸗ holz, 0,08 bis 0,10 Reisholz von der ſummariſchen Holz⸗ maſſe rechnen. d. Die Rinde iſt glatt, mit duͤnnem, doch ſehr feſten Ueberzuge von abgeſtorbenem Rindenfleiſche, in welchem ſich oft freiſitzende Holzknoten bilden, wogegen die eigentliche Ma⸗ ſerbildung bei dieſer Holzgattung nicht getroffen wird. Die Baſthaut iſt ſproͤde und bruchig. Weder Rinde noch Baſt werden beſonders benutzt. e. Belaubung dicht und verdaͤmmend, deshalb verbeſ⸗ ſert aber auch dieſe Holzgattung unter allen Laubhoͤlzern den Boden am ſchnellſten und mehreſten. f. Die Buche erreicht auf paſſendem Boden eine ſehr aus⸗ gezeichnete Groͤße. Die groͤßte bekannte duͤrfte die in Chan⸗ tilli, dem Prinzen Condé gehoͤrig, ſein, welche 40 Fuß bis zum erſten Aſte, 90 Fuß lang war, bei 5 Fuß Hoͤhe 12 Fuß Durchmeſſer hatte*). Bluͤthe und Frucht. Maͤnnliche und weibliche Bluͤ⸗ then auf einem Stamme. Die maͤnnliche mit einem fuͤnf⸗ ſpaltigen, glockenfoͤrmigen Kelche, ohne Blume mit 10 bis 20 Staubfaͤden. Die weibliche mit einer allgemeinen vier⸗ ſpaltigen Huͤlle, worin 2 bis 3 Bluͤmchen, jedes mit einem kleinen ſechsblaͤttrigen Kelche, keiner Blume und einem drei⸗ bis ſechsſpaltigen Griffel. Die Frucht, eine ſtachelige und vierklappige falſche Kapſel, mit 2 bis 3 lederartigen Nuͤſſen. Die Bluͤthen brechen mit dem Laube zugleich aus, in milder Lage Anfang Mai. Reifzeit Ende September, Abfall An⸗ fang October.. Mannbarkeit. In der Regel mit 60 Jahren, Stock⸗ ausſchlag in warmer trockner Lage oft fruͤher. Fuͤr 1 Schock Baum⸗ *) Arthur Young Reiſen, 1. Bd. S. 13. ————. Baumreißig, das Gebund 12 Zoll Durchmeſſer laſſen ſich im Hochwälde bei voller Maſt etwa 4 berliner Scheffel rechnen, wovon der Scheffel 50 Pfd. wiegt. Das Gebund zu 4 Fuß Laͤnge 3 Kubikf. Räm, das Schock zu 36 Kubikf. wirkliche Holzmaſſe gerechnet, wuͤrden demnach von einem Beſtande zu 30 Klaftern pro Morgen, etwa 25 Scheffel Bucheln an⸗ zunehmen ſeyn. Im Mittelwalde tragen die alten Baͤume ſtaͤrker, in ſehr geſchloſſenen Hochwaldbeſtaͤnden weniger. Im Sandboden und von ſehr alten im Schluſſe ſtehenden Buchen, erfolgen verhaͤltnißmaͤßig viel taube Fruͤchte. Alter. a. Natuͤrliches. Im trockenen Sandboden er⸗ haͤlt ſich die Buche ſelten bis uͤber 160 und 180 Jahre ge⸗ ſund, im friſchen tiefgruͤndigen Lehmboden wohl 250 bis 300 J. b. Wirthſchaftliches. Der Umtrieb im Hochwalde ſchwankt zwi⸗ ſchen 90 und 140 Jahren, der gewoͤhnliche iſt 120 J. Ein kurzer Umtrieb duͤrfte hinſichts der Erzeugung der groͤßten Holzmaſſe nicht vortheilhaft ſein, da ſich der ſtaͤrkere Wuchs der Buche erſt im ſpaͤtern Alter entwickelt, ſie ſich auch bis zu 120 J. ſehr im Schluſſe erhaͤlt. Im Niederwalde findet zwar daſſelbe Verhaͤltniß ſtatt, doch leidet man bei laͤngerm Umtriebe ſehr unter dem ſchlechtern Stockausſchlage und den ſchwer zu ergaͤnzenden, eingehenden Mutterſtoͤcken. Der Um⸗ trieb liegt hier gewoͤhnlich zwiſchen 16 und 36 Jahren„ doch wird bei letzterm Alter der Ausſchlag ſchon ſehr ſchlecht. Selbſt Kopfholz macht eine nicht zu ſpaͤte Benutzung bei die⸗ ſer Holzgattung vortheilhaft, gewoͤhnlich 10 bis 20 Jahre, wobei aber die Regel, nur im jungen Holze zu hauen, ſorg⸗ faͤltig zu beachten iſt. Forſtliches Verhalten. 1) Betrieb. Am vortheilhafteſten als Hochwald, der mit Ahorn, Eſchen, Eichen, ſelbſt Fichten und Weißtannen ge⸗ miſcht ſein kann. Zu Mittelwald vielleicht die paſſendſte Holzgattung. Als Niederwald weniger empfehlenswerth, we⸗ gen des langſamen Wuchſes in der Jugend, des ſchlechten 6 — 82— Ausſchlages im Alter. Am wenigſten als Kopfholz vortheil⸗ haft. Auch ſchlecht zu Wegbaͤumen an Aeckern, Wieſen, auf Weiden, wegen ihrer ſtarken Aſtverbreitung und verdaͤmmen⸗ den Beſchattung.. 2) Wuchs. In der Jugend langſam, buſchig, dichten Stand liebend, mit etwa 40 bis 50 Jahren ſich reinigend, und im Wuchſe zunehmend, dann ziemlich gleichmaͤßig aus⸗ haltend, bis der Beſtand luͤckig wird. Gute Stockloden wach⸗ ſen zu geſunden Baͤumen herauf, weshalb der Uebergang aus dem Nieder⸗ und Mittelwalde zu Hochwald haͤufig durch ein bloßes Stehenlaſſen des Schlagholzes erfolgen kann, indem man die zuruͤckbleibenden Stangen in der Durchforſtung her⸗ ausnimmt. 3) Ausſchlagsfaͤhigkeit. Sie ſchlaͤgt am Stamme weder reichlich noch leicht, noch lange aus, treibt bei kurzem Umtriebe des Schlagholzes und tiefem Hiebe gewoͤhnlich Wur⸗ zelbrut, doch nicht regelmaͤßig. Bei altem Holze erzeugen ſich auf dem Abhiebe zwiſchen Splint und Rinde, oder auch an beſchaͤdigten Stellen des Stockes Holzwuͤlſte, aus denen zuweilen erſt in Jahresfriſt Ausſchlaͤge hervorbrechen, die je⸗ doch zur Erziehung gutwuͤchſiger Beſtaͤnde wenig Werth ha⸗ ben. Jung bedingt ſie ſehr tiefen Hieb, bei fruͤher hochge⸗ hauenen alten Mutterſtoͤcken wird deren Erhaltung unſicher, wenn man nicht im jungen Holze hauet. Gleich der Eiche ertraͤgt ſie den Safthieb. Bei kurzem Umtriebe bilden ſich durch die an der Erde liegenden ſchwachen Zweige haͤufig na⸗ tuͤrliche Senker, welche zur Verdichtung der Beſtaͤnde weſent⸗ lich beitragen. Eine beachtungswerthe Erſcheinung iſt, daß wie bei der Aspe, ſich zuweilen Wurzeln lange im Boden friſch erhalten und unbemerkt vegetiren, die wenn Lichtſtellung erfolgt und Schutz gegen Vieh und Wild eintritt, ploͤtzlich Wurzelbrut zu treiben anfangen. In wiefern dieſe zur Er⸗ ziehung wuͤchſiger Beſtaͤnde zu benutzen iſt, duͤrfte noch un⸗ entſchieden ſein. — 83— 4) Die Buche ertraͤgt maͤßig ſtarke Beſchattung ziemlich lange, ohne dadurch getoͤdtet zu werden, ſelbſt ein ſchon kuͤm⸗ mernder Stamm erhaͤlt ſich vorſichtig freigeſtellt, noch voll⸗ kommen. Man erkennt die nachtheilige Wirkung der Beſchat⸗ tung an der matten Farbe der Blaͤtter, einer Menge kleiner weißer Punkte, mit denen ſie geſprenkelt ſind, den kleinen ſchlecht ausgebildeten Knospen, dem Mangel an voller Be⸗ laubung, indem die duͤnnen und unverhaͤltnißmaͤßig langen jungen Pflanzen keine Seitenzweige, ſondern nur in der Spitze wenig kleine Blaͤtter haben. In der erſten Jugend leidet ſie unter freiem Stande und zu ſtarker Einwirkung des Lichtes, doch iſt unmittelbare Ueberſchirmung zu ihrer Erziehung nicht unbedingt noͤthig. Seitenſchatten und Seitenſchutz leiſtet die⸗ ſelben Dienſte. Ganz dichter Schatten von niedrigen Aeſten wird ihr ſchon in der erſten Jugend nachtheilig. Der Stock⸗ ausſchlag bedarf einer Beſchattung gar nicht, ſondern kann ganz frei erzogen werden. 5) Hinderniſſe der Erziehung ſind zuerſt Duͤrre und Froſt. Die erſtere wird vorzuͤglich dicht uͤberſchirmten Pflanzen nach⸗ theilig, denen dadurch der Thau entzogen wird. Der Froſt toͤdtet leicht die noch Samenlappen habenden Pflanzen, wenn ſie ſehr frei geſtellt ſind, oder uͤberhaupt ein ſtarker Spaͤtfroſt eintritt. Sobald die Samenlappen dicht auf der Erde auf⸗ liegen, iſt er nicht ſo gefaͤhrlich. Graswuchs wird erſt dann nachtheilig, wenn ſich das Gras filzaͤhnlich uͤber die Pflanzen hinweglegt, dagegen verdaͤmmen die weichen ſchnell wachſenden Hoͤlzer die Buche leicht. Windbruch findet wenig in Buchen ſtatt, Duftbruch nur bei zu ſehr im Schluß erzogenen und zu ſchlanken Staͤmmen. Der Blitz trifft zwar die Buchen, was man fruͤher ganz hat beſtreiten wollen, jedoch nur ſel⸗ ten. Von den Thieren leſen die Maͤuſe den Samen auf, und benagen bei Schnee und Mangel an Nahrung die Rinde und Wurzeln, freſſen ſelbſt noch ziemlich ſtarke Pflanzen in der 6* — 34— Erde ab. Auerwild verbeißt ſie durch Abaͤſen der Knospen. Das Schwein bricht die Pflanzen aus, Roth⸗, Damm⸗ und Nehwild verbeißt ſie, ohne die Buche jedoch ſehr zu lieben, ſo daß der Schade nur bei ſtarkem Wildſtande betraͤchtlich wird. Am gefaͤhrlichſten wird fuͤr die 1— 5jaͤhrige Buche der Haſe, welcher von ſelbſt ohne Mangel an Nahrung ſie an der Erde abſchneidet, und der deshalb in Buchenwaldun⸗ gen nicht zu dulden iſt. Auch das Kaninchen wird durch Schaͤlen hoͤchſt nachtheilig. Dies hindert jedoch nicht bei ei⸗ nem maͤßigen Wildſtande von Hochwild, noch Buchen mit Sicherheit erziehen zu koͤnnen. Selten leidet die Buche von Raupen, doch haben der Buchenfalter, Papilio populi Linn. und Ph. Bombyrx Quadra, zuweilen Orte kahl gefreſſen. Der gruͤne Prachtkaͤfer, Bubrestis viridis, beſchaͤdigte ſchon mehr⸗ mals die jungen Pflanzen. Die Buchen⸗Gallwespe, Cynips ſagi, erzeugt die birnfoͤrmigen, feſten Auswuͤchſe auf den Blaͤt⸗ tern, die zuweilen in ſo großer Menge vorhanden ſind, daß ſie allerdings dieſe in der Verrichtung ihrer Funktionen hin⸗ dern. Die Buchfinken verzehren oft Samen in großer Menge. 6) Krankheiten. Wifpfelduͤrre tritt gewoͤhnlich ein, wenn der Boden von der Laubdecke entbloͤßt und die Buche freigeſtellt wird, ſie iſt gewoͤhnlich toͤdtlich, wenn die Urſache nicht aufgehoben und der Ort wieder mit ſchirmendem dich⸗ ten Holzbeſtande gedeckt wird. Eben ſo iſt ſie dem Rinden⸗ brande ſehr unterworfen, ſobald ſie ploͤtzlich freigeſtellt oder auch ſtark geaͤſtet wird, weniger der Weisfaͤule, die gewoͤhnlich erſt Folge einer andern Krankheit iſt.— Anſcheinend geſunde Staͤmme erhalten im hoͤhern Alter, vorzuͤglich im ſandigen Boden, haͤufig einen abgeſtorbenen braunſchwarzen Kern, der zuletzt rothfaul wird und es rathſam macht, die Baͤume, wo er gefunden wird, nicht mehr zu lange ſtehen zu laſſen. Ei⸗ genthuͤmlich iſt ihr der ſogenannte verborgene Schwamm, der Buchenzunder, faules Holz von einer beſondern Beſchaffenheit. Die Buche hat nur geringe Ausdauer, und einmal ſchadhaft un — 35— verliert ſie bald ihren Zuwachs, ihr Verderben ſchreitet ſehr raſch vorwaͤrts. 7) Holzmaſſe. Im Hochwalde bei geſchloſſenen Be⸗ ſtaͤnden zwiſchen 50 und 20 Kubikſuß Durchſchnittszuwachs. Im Niederwalde zwiſchen 20 und 34 Kubikfuß. Der Ertrag des Mittelwaldes duͤrfte zwiſchen beiden Betriebsarten inne liegen. Der Kopfholz⸗Ertrag haͤngt zu ſehr vom Schluſſe der Staͤmme ab, jedoch iſt er jedenfalls niedriger als der des Niederwaldes. Das Buchenholz hat nur eine beſchraͤnkte Gebrauchs⸗ faͤhigkeit, und nur da koͤnnen betraͤchtliche Nutzholzmaſſen aus Buchenwaͤldern abgeſetzt werden, wo dieſe ſelten ſind. 1) Als Brennholz, a. mit einer anhaltend und gleichmaͤ⸗ ßig entwickelten Waͤrme, ſtarker Kohlenglut, ſehr gut. b. Zum lebhaften Flammenfeuer den Nadelhoͤlzern nachſtehend. c. Als Kohlholz zwar gut, jedoch im Verhaͤltniß der Guͤte als Feu⸗ rungsholz gegen Nadelhoͤlzer etwas verlierend. Gewoͤhnlich wird ſeine Brennguͤte= 1 geſetzt, um die der uͤbrigen Hoͤlzer danach zu berechnen. 2) Aſcheertrag. 1000 Pfd. Holz geben 16 Pfd. Aſche, 1 Pſd. 13 Loth Pottaſche. 3) a. Dauer: unter dem Waſſer gut, in abwechſelnder Feuchtigkeit gering, wegen leichter Stockung und Faͤulniß, ganz im Trocknen gering, wegen Wurmfraß. b. Spaltigkeit gut. c. Zaͤhigkeit mittelmaͤßig. d. Feſtigkeit betraͤchtlich. e. Elaſticitaͤt mittelmaͤßig. f. Textur und Dichtigkeit mittel⸗ maͤßig. g. Haͤrte betraͤchtlich. h. Gewicht gruͤn 1 Kubikfuß 65 Pfd., waldtrocken 50 Pfd. Verwendung als Nutzholz: Schirr⸗, Wagner⸗, Maſchinenholz, einige Spaltwaaren zu Kiſten und Faͤſſern, worin trockne Sachen gepackt werden, grobe Schritzarbeit, als Schaufeln, Spaten, Flachsbrechen u. dgl. m. Fruͤchte. Sie werden als Maſt fuͤr die Schweine be⸗ nutzt, ſtehen jedoch den Eicheln darin nach, da ſie weniger — 86— gut maͤſten. Vortheilhafter iſt vielleicht die Benutzung zum Oelſchlagen, da ſie ein gutes Speiſeoͤl geben. Die Blaͤtter geben gruͤn getrocknet nur ein geringes Futter fuͤr Schaafe und Ziegen. Duͤrres Laub wird zur Duͤngung benutzt, wobei man 3 Pfd. gleich einem Pfunde Stroh rechnet. Erziehung. In Beſamungsſchlaͤgen am beſten, durch Saat in beſchatteten Orten oder Pflanzkaͤmpen, ſicherer durch Pflanzung bereits an freien Stand gewoͤhnter Staͤmme. Im Niederwalde ſehr gut durch Senker oder Ableger. Der Ahorn. Acer. 23. Klaſſe Linn. Polygamia. 1) Der gemeine Ahorn, Acer pseudo-platanus. Die Blaͤtter fuͤnflappig und herzfoͤrmig, die Lappen ſtumpf zuge⸗ ſpitzt und ungleich ſtumpf gezaͤhnt, oben dunkelgruͤn und glatt, unten weißlich gruͤn und in der Jugend behaart. Lange roͤth⸗ liche Blattſtiele, die paarweiſe den Zweig und die Knospen umfaſſen. Die Bluͤthen erſcheinen im Mai nach Entwicke⸗ lung der Blaͤtter ſind gruͤnlich, gelb, ſtehen auf langen behaar⸗ ten Stielen in haͤngenden Trauben. Der Same reift im Sep⸗ tember, ſeine Fluͤgel ſind breit, lanzettfoͤrmig und ſtehen auf⸗ recht nahe beiſammen. Die Knospe iſt groß, von drei weiß⸗ gerandeten und braunſpitzigen Schuppen eingehuͤllt. Die Rinde an den Zweigen braͤunlich, am Stamme weißgrau, im Alter blaͤttrich aufgeſprungen. 2) Der Spitzahorn. Acer platanoides. Die Blaͤtter fuͤnf⸗ zuweilen ſiebenlappig, die Lappen bogig ausgeſchnitten, die Ausſchnitte in lange Spitzen auslaufend, glatt, auf lan⸗ gen Stielen paarweiſe ſitzend, den Zweig umgebend und die Seitenknospen verdeckend. Die Bluͤthen erſcheinen Ende April vor den Blaͤttern, in gelben Doldentrauben, indem erſt die maͤnnlichen, dann die Zwitterbluͤthen aufbrechen. Der Same iſt breit gedruͤckt, mit ſchwertfoͤrmigen Fluͤgeln ſperrig ausge⸗ breitet, Reifezeit Ende September. 3) Der Masholder, oder kleine deutſche Spitzahorn, ——·— n, Acer campestre. Die Blaͤtter herzfoͤrmig, fuͤnflappig und die drei vorderen Lappen mehrere Mal ſtumpf eingeſchnitten, oben dunkelgruͤn und glatt, unten blaſſer mit feinen Haͤrchen beſetzt, die ſich im Alter meiſt verlieren, auf 1— 3 Zoll lan⸗ gen Stielen. Die Bluͤthen, kleine gelblich gruͤne Doldentrau⸗ ben, erſcheinen im Mai gleich nach den Blaͤttern. Der Same reift im Oetober. Die Rinde gelblich braun, an jungen Zwei⸗ gen gewoͤhnlich korkartig aufgeriſſen*). 1) 2) Der gemeine und der Spitzahorn ſind in forſtli⸗ cher Beziehung ſo wenig verſchieden, daß ſie, um Wiederho⸗ lungen zu vermeiden, zuſammen behandelt werden koͤnnen, und nur das Wenige, was verſchieden iſt, bemerkt werden darf. Verbreitung. Durch ganz Deutſchland, doch im Suͤ⸗ den haͤufiger als im Norden, auch verſchwindet der gemeine Ahorn etwas fruͤher als der Spitzahorn. Immer nur einge⸗ ſprengt vorkommend. Am haͤufigſten in Buchen⸗ und Mittel⸗ waͤldern, der Spitzahorn im noͤrdlichen Deutſchland, auch zu⸗ weilen auf den Erhoͤhungen in den Erlenbruͤchern. Boden. In den Vorbergen, auf Kalk, Baſalt, Thon⸗ ſchiefer, in humoſem, nicht zu bindendem Lehmboden. Selten im Flußboden, gar nicht auf trocknem Sande, ſelten auf feuchtem humoſem. Weder Saͤuren noch unvollkommenen Humus er⸗ tragend, auf ſehr flachgruͤndigem Boden nicht gedeihend, daher ſelten auf Granit und Porphyr. Am haͤufigſten in engen Thaͤlern, in zuſammen geſchwemmten humoſen Boden, an Bachufern, in ſo fern ſie nicht ſumpfig ſind. Klima. Friſche Mitternachtsſeiten liebend, trockne warme Suͤd⸗ und Weſthaͤnge wegen der Spaͤtfroͤſte vermeidend. Rauhe Freilagen ſagen ihm eben ſo wenig zu, als die unmittelbare Seenaͤhe. In den Bergen gehet er oft noch uͤber die Buche hinaus. Bau und Form. a. Wurzeln. Starke ziemlich tief⸗ *) Die Beſchreibung, zur Erkennung der Art, nach Reums Forſtbotanik. gehende Wurzeln, unter denen eine kurze Pfahlwurzel bis in das mittlere Alter deutlich hervortritt. Starke Seitenwurzeln, die ſich im fruchtbaren tiefgruͤndigen Boden nicht weit verbrei⸗ ten, im flachgruͤndigen dagegen in der Oberflaͤche ziemlich weit auslaufen. Der Stockholzertrag wie in Buchen. b. Stammbildung. Selbſt im freien Stande reinigt er ſich bis auf die Hoͤhe von 20 und 30 Fuß ganz von Aeſten, und verwaͤchſt ſie vollkommen. Selten iſt der Stamm ganz rund, gewoͤhnlich etwas kluftig oder ſpannruͤckig, jedoch gilt dies mehr vom gemeinen als Spitzahorn. Bei beiden iſt der Stamm nach oben zu nicht ſo vollholzig, wie bei der Buche. c. Aſtbildung. Starke Aeſte mit nicht viel ſchwachem Reisholze, in dieſer Hinſicht zwiſchen Buche und Eiche inne ſtehend, die Aeſte haͤufig gabelfoͤrmig getheilt, eine regelmaͤßig abgewoͤlbte Krone bildend, jedoch nur eine mittelmaͤßige Ver⸗ breitung und Ueberſchirmung habend, da ſie mehr in die Hoͤhe ſtehen, als ſich weit wagerecht ausrecken. d. Die Belaubung locker, der Schatten nicht verdaͤm⸗ mend, den Boden aber auch nur, wie die Eiche, ſchirmend und beſſernd. Das Laub faͤllt bei dem erſten ſchwachen Froſte im Herbſte. e. An Hoͤhe keiner andern Laubholzgattung nachſtehend, hinſichts der Dicke hinter der Buche zuruͤckbleibend. f. Samen faͤngt er mit 40— 50 Jahren an zu tragen. Alter. a. Natuͤrliches. Nicht ausgezeichnet hohes, 150 bis 200 Jahr. b. Wirthſchaftliches. Von ſeiner Umgebung abhaͤngig, da er ſelten in ſolcher Menge vorkoͤmmt, um nach ihm die Feſtſetzung des Umtriebes zu treffen. Doch wird ein hohes Alter fuͤr ihn nicht vortheilhaft ſein, da ſein Wuchs ſtets im fruͤhern und mittlern Alter ſtaͤrker iſt, als im hohen. Er wird als Baumholz, Schlagholz und Schneidelholz gezogen. Seine Ausſchlagsfaͤhigkeit iſt ziemlich lange dauernd, bis 35 und 40 Jahre ziemlich ſicher, die Ausſchlaͤge ſind reich⸗ lich und ſtarkwuͤchſig, doch gewoͤhnlich ſo uͤber der Erde her— vorkommend, daß ſie ſich nicht mehr in dieſer ſelbſtſtaͤndig be⸗ wurzeln, weshalb auch die Mutterſtoͤcke leicht ausfaulen. Er ſcheint ſowohl als Baum⸗ wie als Schlagholz immer raͤum⸗ lichen Stand zu verlangen, und nicht gern im dichten Schluſſe zu wachſen. Vielleicht wird er deshalb am haͤufigſten im Mit⸗ telwalde als Baumholz getroffen. Er ertraͤgt nur maͤßige Beſchattung in der erſten Jugend, gleich allen im Anfange ſehr ſchnell in die Hoͤhe ſchießenden Holzgattungen, und muß, auf Buchenſchlaͤgen ſtehend, eine fruͤhere Lichtſtellung erhalten, als die Buche. Schon im zweiten und dritten Jahre kann er, in geſchuͤtzter Lage, die Beſchattung ganz entbehren, was ſchon daran zu erkennen iſt, daß er in licht geſtellten Mittel⸗ waͤldern am beſten gedeihet. Ein weſentliches Hinderniß ſeiner Erziehung ſind die ſpaͤ⸗ ten Froͤſte im Fruͤhjahre, welche die zeitig aufgehenden Pflan⸗ zen toͤdten. Man ſaͤet ihn deshalb gern etwas ſpaͤt im Fruͤh⸗ jahre in Platten, und bedeckt dieſe mit lockerm Laube. Ho⸗ hes Gras und verdaͤmmende Unkraͤuter ertraͤgt er nicht, wenn es uͤberſchirmt, liebt aber ſehr den Seitenſchutz. Er leidet ſehr unter dem Verbeißen durch Roth-, Damm- und Rehwild, ſo wie durch Vieh, da er, einmal verbiſſen, in der Regel ſich nicht mehr erholt, ſondern eingeht. Inſekten ſind ihm wohl ſelten nachtheilig. Von Krankheiten bemerkt man haͤufig Wipfelduͤrre und Brand; bei Staͤmmen vom Stock— ausſchlage, Stockfaͤule. Ueber das Volumen geſchloſſener Beſtaͤnde laͤßt ſich nichts ſagen, da es ſolche in Deutſchland nicht genug giebt, um Durchſchnittsſaͤtze ſammeln zu koͤnnen. Als einzelner Baum iſt er bis zum 50ſten Jahre der Buche voraus, im 60ſten gewoͤhnlich eingeholt, im 100 bis 120ſten in der Regel uͤber⸗ troffen. Als Schlagholz uͤbertrifft er die Buche mindeſtens um die Haͤlfte, oft um das Doppelte. Als Schneidelholz duͤrfte er im Ertrage der Eiche gleich kommen. Gebrauchsfaͤhigkeit. Als Brenn- und Kohlholz der — 9“/— Buche gewoͤhnlich gleich gerechnet. Der Aſcheertrag von 1000 Pfd. Holz iſt 27 Pfd. Aſche, 4½ Pſd. Pottaſche. a. Dauer gering, nur im ganz Trocknen mittelmaͤßig. b. Spaltigkeit ſchlecht, haͤufig maſerig oder gebogene und ge⸗ wundene Holzlagen. c. Feſt und hart, dem Reißen und Wer⸗ fen nicht ſehr ausgeſetzt. d. Textur: ſchoͤn, Gewicht: der Kubikfuß gruͤn 60 Pfd⸗, waldtrocken 50 Pfd. Verwendung. Zu Tiſchler⸗, Drechsler⸗, Wagner⸗ und Schnitznutzholz. Gewoͤhnlich nur in geringer Menge als Nutz⸗ holz abzuſetzen. Die Blaͤtter ſind gruͤn getrocknet ein gutes Viehfutter, zur Duͤngung dem Eichenlaube gleich. Die verſuchte Be⸗ nutzung des Saftes zur Zuckerbereitung wuͤrde ſchon wegen des ſeltenen Vorkommens des Baumes keine Beachtung ver⸗ dienen, auch ſeinen Anbau nicht rechtfertigen, da der Ackerbau ſchneller und mehr Zuckerſtoff liefern kann, wenn ihn der Han⸗ del nicht mehr genuͤgend zufuͤhren ſollte. Erziehung. Am ſicherſten in geſchuͤtzten Pflanzkaͤm⸗ pen, und durch Auspflanzung groͤßerer Staͤmme, die ſehr gut angehen. 0 3) Der Masholder. Verbreitung. Durch ganz Deutſchland, eine rauhere Lage ertragend und weniger unter dem Froſte leidend, als die erwaͤhnten beiden Arten. Standort. Liebt Lehmboden, vermeidet trocknen Sand, Sumpfboden und unvollkommnen Humus. Im Flußboden haͤufig. Das Innere großer Waldungen ſagt ihm nicht zu, da er Freilagen liebt, und deshalb vorzuͤglich an Feld⸗ und Wieſenraͤndern und in Vorhoͤlzern gefunden wird. Seine Stammbildung iſt unregelmaͤßig, mehr ſtrauchar⸗ tig, indem er bei großer Neigung zur Aſtverbreitung ſehr ſper⸗ rig waͤchſt, eine dichte verdaͤmmende Belaubung hat, auch nur eine geringe Groͤße erreicht, da er im freien Stande ſelten uͤber 40 Fuß hoch wird. Bei ſeinem damit im Verhaͤltniß ſtehenden nur langſamen Wuchſe als Baumholz, wird er als ſolches nicht gezogen, und iſt auch nur als Schlagholz, in ei⸗ nem Umtriebe von 12 bis 18 Jahren, empfehlenswerth, da er hier ſich durch zahlreiche Ausſchlaͤge und Wurzelbrut ſehr ver⸗ dichtet, und der Buche und Hainbuche ſowohl an Holzmaſſe, als Brennguͤte gleich kommen duͤrfte. Er ertraͤgt als Schlag⸗ holz maͤßige Beſchattung, iſt der Beſchaͤdigung durch Vieh und Wild wenig ausgeſetzt, und leidet darunter, wenn ſie er⸗ folgt, wenig. Bei ſeinem ſperrigen Wuchſe iſt er auch gut zu lebendigen Hecken zu gebrauchen. Das Holz iſt feſt, zaͤhe, ſehr ſchlecht ſpaltig, von ſchoͤner Textur, und wird zu Drechs⸗ ler- und Maſchinenholz vorzuͤglich benutzt. Die Verwendung der jungen geraden Schuͤſſe zu Pfeifenroͤhren und Peitſchen⸗ ſtoͤken iſt zu unwichtig, um deshalb ſeinen Anbau vorzuneh⸗ men. Ueberhaupt iſt es ein Holz, welches man nur im Nie⸗ derwalde und Unterholze im Mittelwalde duldet, ſelten anzu⸗ bauen veranlaßt iſt. Man wuͤrde dies am beſten durch Er⸗ ziehung in Pflanzkaͤmpen und Auspflanzung bewirken. Die Ruͤſter, Ulmus. 5te Klaſſe. Linn. Pentandria. 1) Die Feld⸗ oder glatte Ruͤſter, U. campestris, 2) Die rauhe Ruͤſter, U. sativa. Die glatte Ruͤſter unterſcheidet ſich von der rauhen durch groͤßere Blaͤtter, glatte Rinde an den jungen Zweigen, indem dieſe aufgeborſten bei der letztern iſt, durch ihre etwas ſpaͤtere Bluͤthe, welche mit fuͤnftheiligem, roͤthlichem Kelche buͤſchelweis erſcheint, waͤhrend die der rauhen Ruͤſter in einem kurz geſtiel⸗ ten, runden Koͤpfchen mit viertheiligem Kelche beſtehet. Verbreitung. Zwar durch ganz Deutſchland, jedoch im Suͤden und Weſten viel haͤufiger, als im Norden und Oſten, wo ſich vorzugsweiſe die Feldulme vorfindet. Sie koͤmmt horſtweis zuweilen rein vor, vorzuͤglich im Flußboden, jedoch immer nur in ſehr beſchraͤnkter Ausdehnung. Gewoͤhn⸗ lich iſt ſie nur in Laubholzwaldungen einzeln eingeſprengt, ſel⸗ — 92— ten findet man ſie in der Vermiſchung mit Nadelholz. Auch das Innere großer Waldungen ſcheint ſie nicht zu lieben. Boden. Friſcher, humusreicher, nicht zu feſter und dabei tiefgruͤndiger Lehmboden, ſagt ihr am mehrſten zu, ſie gedeiht aber auch noch ſehr gut in feuchtem humoſem Sande, ſo daß man ſie im Gebirgs-, Meer- und Sumpfboden findet, am mehrſten jedoch im Flußboden. In engen Thaͤlern, am Ufer der Baͤche, in geſchuͤtzter Lage, wird ſie haͤufig getroffen, ſelt⸗ ner an flachgruͤndigen Haͤngen. Im trocknen Sandboden koͤmmt zuweilen die Feldulme, jedoch daſelbſt nur kuͤmmerlich vegetirend, vor. Daſſelbe gilt von Bruchgegenden, welche ſauren Boden haben, denn ſonſt ertraͤgt ſie einen hohen Grad von Naͤſſe, leidet auch durch voruͤbergehende Ueberſchwemmun⸗ gen durchaus nicht. Klima. Ein warmes, mildes Klima ſcheint ihr Beduͤrf⸗ niß, ſie gedeiht gut an warmen, jedoch nicht zu flachgruͤndi⸗ gen Suͤd⸗ und Abendſeiten, ertraͤgt daſelbſt Freilagen, liebt uͤberhaupt die Raͤnder des Waldes, Feldhoͤlzer und Vorberge. Die unmittelbare Seenaͤhe iſt ihr nicht guͤnſtig. In den Ber⸗ gen begleitet ſie die Buche, laͤßt jedoch ſchon tiefer als dieſe im Wuchſe nach. Bau und Form. a. Wurzel. In der Jugend ziem⸗ lich ſtarke Pfahlwurzel, ſpaͤter mehrere ſtark und tief gehende Wurzeln, die ſich im lockern nicht tiefgruͤndigen Boden zwar maͤßig weit verbreiten, auf fruchtbarem jedoch mehr Neigung in die Tiefe zu wachſen zeigen. Der Stockholz⸗Ertrag iſt dem der Eiche gleich. b. Stammbildung. Regelmaͤßig, ſelbſt im freien Stande, jedoch leicht etwas knickig und immer ab⸗ holzig, ſonſt vollkommen rund. c. Aſtbildung. Aſtverbrei⸗ tung gering, dagegen die in die Hoͤhe ſtehenden Aeſte, welche die Krone bilden, lang, dieſe unregelmaͤßig abgewoͤlbt. Die Aeſte zwar ſperrig, aber doch im Innern wenig kleine Zweige habend. Der Reisholz⸗Ertrag zwiſchen Eiche und Buche inne ſtehend, die Aſtholzmenge gewoͤhnlich geringer, als bei — 93— beiden, im Verhaͤltniß zum Stammholze. d. Belaubung, lok⸗ ker und nicht verdaͤmmend. e. Die Rinde riſſig, die Baſt⸗ lagen ſehr ſtark, die abgeſtorbenen Rindenlagen oft ziemlich dick, jedoch dies mehr bei der rauhen als glatten Ulme. f. An Hoͤhe koͤmmt ſie den Laubhoͤlzern gleich, unter welche ſie ein⸗ geſprengt iſt, ſelten wird ſie vollkommen geſund im noͤrdlichen Deutſchland eine Dicke von drei Fuß erreichen. Bluͤthe und Frucht. Sie bluͤht vor Ausbruch des Laubes, Ende Maͤrz oder Anfang April, der Same reift Ende Mai, Anfang Juni. Gewoͤhnlich traͤgt ſie viel tauben Samen, welcher fruͤhzeitiger abfliegt, und den Forſtmann zwar darauf aufmerkſam macht, daß die Zeit des Sammelns nahet, jedoch nicht Veranlaſſung ſein darf, dies gleich zu beginnen, wenn der erſte Abfall bemerkbar wird, da der gute Samen dann haͤufig ſeine Reife noch nicht voll erlangt hat. Sie faͤngt ge⸗ gen das 40ſte bis 50ſte Jahr an Samen zu tragen, Stockaus⸗ ſchlag in warmer, trockner Lage oft ſchon 10 Jahre fruͤher. Alter. a. Natuͤrliches, auf paſſendem Standorte gegen 150 bis 200 Jahre. b. Wirthſchaftliches. Selten uͤber 100 bis 120 Jahre, da ſie dann theils die Staͤrke erreicht hat, die ihre gewoͤhnliche Verwendung verlangt, theils im Wuchſe nachlaͤßt, und leicht fehlerhaft wird. Forſtliches Verhalten und Betrieb. 1) Wuchs. In der Jugend ſperrig, anfangs nicht auf⸗ fallend raſch, den ſtaͤrkſten zwiſchen 30 und 60 Jahren zei⸗ gend, ſpaͤter nur auf ſehr kraͤftigem Boden nicht nachlaſſend. Als Schlagholz von 12 bis 30 Jahren am ſtaͤrkſten wach⸗ ſend, daher fuͤr Buſchholzumtrieb nicht paſſend. Als Baum⸗ holz wird ſie ſehr vortheilhaft als das Durchforſtungsholz in Eichen, als Oberholz im Mittelwalde, und als reiner Beſtand auf den niedrigen Hoͤrſten in Erlenbruͤchern, gezogen. Als Schlagholz iſt ſie paſſend in der Vermiſchung mit Buchen, Hainbuchen, Masholder, Eſchen u. dergl. Weniger gedeiht ſie in der mit Aspen, Weiden und allen ſchnell wachſenden, wei⸗ chen Hoͤlzern, die ſie leicht verdaͤmmen. 2) Ausſchlagsfuͤhigkeit. Reichlich, lange und gut. Sie ſchlaͤgt am ganzen Stamme, bei ſtehen bleibenden Saſtzie⸗ hern, bis in das hohe Alter aus, und iſt ein ſehr gutes Schneidelholz, weniger ertragreich, als Kopfholz. Wurzelbrut treibt ſie ſehr haͤufig und zahlreich von jungem Holz bei tiefem Hiebe. Der Hieb im jungen Holze iſt daher bei ihr nicht noͤthig. 3) Sie ertraͤgt nur maͤßige Beſchattung in der erſten Jugend, und verlangt bald Freiſtellung⸗ 4) Bis zu 60 Jahten haͤlt ſie ſich außerordentlich ge⸗ ſchloſſen, ſpaͤter, wenn die Krone ſich anfaͤngt mehr abzuwoͤlben, verlangt ſie etwas mehr Raum, jedoch gehoͤrt ſie nicht untet die Hoͤlzer, welche ſehr raͤumlich zu ſtehen verlangen. Fuͤr die Bodenverbeſſerung hat ſie mit der Eiche beinahe gleichen Werth. 5) Gegen Froſt und Duͤrre, einen paſſenden Standort vorausgeſetzt, iſt ſie nicht empfindlich. Dagegen leidet ſie ſehr unter dem Graswuchſe. Wild und Vieh verbeißen ſie ſehr, und obwohl ſie dies ziemlich erttaͤgt, iſt doch bei einem ſtar⸗ ken Wildſtande nicht an die Erziehung von Ulmen zu denken. Von Inſekten ſtoͤrt zuweilen das Weibchen von Aphis Ulmi, welches die Blaſen auf den Blaͤttern verurſacht, ihren Wuchs. 6) Von Krankheiten bemerkt man haͤufig: Kernfaͤule, Rindſchaͤle, ſo wie uͤberhaupt ſtarke Baͤume ſelten ganz geſund ſind. Sie haͤlt ſich bei oͤrtlichen Fehlern lange ausdauernd. 7) Ueber die Maſſe, welche man von ihr zu erwarten hat, iſt noch nichts Beſtimmtes ermittelt. An einzelnen Staͤm⸗ men bemerkt man in der Regel, daß ſie bis zum 60ſten und 80ſten Jahre der Eiche voraus ſind, und ½ bis 3 mehr Maſſe haben. Mit 100 und 120 Jahren ſind ſie jedoch wieder von ihr eingeholt. Als Niederwald iſt die Ulme der Buche und Hainbuche bei 20 bis 30 jaͤhrigem Umtriebe, wohl um in der Maſſenerzeugung voraus, bleibt aber gegen Eichen im — 95— Buſchholzumtriebe verhaͤltnißmaͤßig noch ſtaͤrker zuruͤck, ſo weit ſich aus dem Wuchſe der einzelnen Mutterſtoͤcke auf den ſum⸗ matiſchen Ertrag ganzer Beſtaͤnde ſchließen laͤßt. Als Schnei⸗ delholz koͤmmt ſie bei 5jaͤhriger Benutzung der Eiche ziem⸗ lich gleich. Gebrauchsfaͤhigkeit. Als Brennholz. Zwiſchen Bus chen und Eichen inne ſtehend, jeddch mehr der Buche naͤhernd, mehr Kohlengluth als lebhaftes Flammenfeuer gebend. Als Kohlholz verliert ſie etwas, und hat nur etwa? der Guͤte des Buchen. Es laͤßt ſich gleich dem Eichen ſehr lange im Freien aufbewahren, ohne an Guͤte zu verlieren. 2) Aſcheertrag. 1000 Pfd. Holz: 23 Pfd. Aſche, 3 ½ Pfd. Pottaſche. a. Dauer, ſehr groß, unter allen Um⸗ ſtaͤnden. b. Spaltigkeit ſehr ſchlecht. c. Zaͤhigkeit und Fe⸗ ſtigkeit ſehr betraͤchtlich. d. Elaſticitaͤt, ausgezeichnet. e. Haͤrte, bei der Feldulme bei trocknem Holze groß, bei der rauhen Ulme geringer, im gruͤnen Holze mittelmaͤßig. f. Textur, ſchoͤn, die Dichtigkeit der Holzlagen zwar gleich ſcheinend, je⸗ doch im Splinte unverhaͤltnißmaͤßig geringer, als im Kerne; ſie gleicht darin der Eiche. g. Vorzuͤglich in der Rinde trock⸗ net das Holz ſehr ſchwer aus. h. Das Reißen und Werfen iſt ihr in einem hoͤhern Grade eigen, vorzuͤglich der Feldulme, wie irgend einer andern Holzart. i. Gewicht. Gruͤn der Ku⸗ bikfuß 62 Pfd., waldtrocken 50 Pfd., es gehoͤrt jedoch lange Zeit dazu, bevor dieſer Gewichtsverluſt eintritt. Verwendung. Land⸗, Waſſer⸗ und Gruben⸗Bau⸗ holz von ausgezeichneter Guͤte. In fuͤdlichen Klimaten, wo die Ulme eine betraͤchtlichere Groͤße erreicht, als bei uns auch vortreffliches Schiffbauholz, Schirr⸗, Wagner⸗, Tiſchler⸗ und Drechslerholz. Die ſtarken Ulmen werden zu Kanonenlavetten ſehr geſucht und hoch bezahlt. Rinde und Baſt. Die ſtaͤrkere, korkaͤhnliche Rinde wird von den Schuſtern zum Einlegen zwiſchen die Sohlen der Bauernſchuhe, von den Fiſchern und Landleuten zu Ge⸗ — 96— faͤßen(Butten) benutzt. Das Baſt giebt Stricke, Netze und Flechtwerk, welches ſich vorzuͤglich im Feuchten und Waſſer ſehr gut haͤlt und der Faͤulniß lange widerſtehet. Vorzuͤglich wird die Feldulme dazu geſchaͤlt, und es iſt dies in vielen Gegenden, da es oft heimlich geſchiehet, ein weſentliches Hin⸗ derniß ihrer Erziehung. Die Blaͤtter ſind, gruͤn getrocknet, unter allen das ge⸗ ſundeſte und nahrhafteſte Viehfutter. Der Erziehung aus Samen im Freien ſetzt ſich haͤufig der Graswuchs entgegen. Sicherer iſt ſie in Pflanzenkaͤm⸗ pen und nachherige Auspflanzung. Im Niederwalde laͤßt ſie ſich gut durch Ableger verdichteen. Eiine beſondere Eigenthuͤmlichkeit der Ulme iſt, daß ſie die verlorne Rinde leichter, als irgend ein anderes Holz wie⸗ dererſetzt. Die Eſche. Fraxinus excelsior. 23ſte Klaſſe. Linn. Polygamia. Verbreitung. Einzeln eingeſprengt, ſelten horſtweis, durch ganz Deutſchland, auch noch betraͤchtlich weiter nach Norden und Suͤden gehend. „ Boden. Feuchter, lockerer, humoſer Saudboden, iſt ihr am beſten zuſagend. Auch gedeiht ſie ſehr gut in engen Thaͤ⸗ lern, in feuchten Schluchten an Mitternachtshaͤngen, wo hu⸗ moſer, lockerer Boden zuſammengeſchwemmt iſt. Selbſt in den großen Bruͤchern Norddeutſchlands, Preußens, Polens und Rußlands koͤmmt ſie mit der Erle gemiſcht vor, jedoch weniger gut gedeihend. Trockner Sandboden, flachgruͤndige, duͤrre Suͤdhaͤnge, ſtrenger Thonboden, ſind zu ihrer Anzucht nicht zu benutzen. Klima. Geſchuͤtzte Lage in Thaͤlern und auf Mitter⸗ nachtsſeiten, Vorberge, Ebenen, ſagen ihr mehr zu, als heiße Lage oder ſehr rauhe in hohen Bergen. Nur die unmittelbare Seenaͤhe Seenaͤhe wird ihr nachtheilig, ſonſt ſcheint ihr das Seeklima vortheilhaft. Form und Bau. a. Wurzel. Viele nicht zu ſtarke, jedoch tief und oft weit ausſtreichende Wurzeln. Man trifft zuweilen Eſchen, deren Wurzeln ſich in einem Kreiſe von 60 Fuß Durchmeſſer verbreiten. Stockholzmenge wie bei Buchen. b. Stammbildung. Selten ganz gerade, ſondern haͤufig knickig, abholzig, ſich gewoͤhnlich bald in aufrecht ſte— hende, gabelfoͤrmige Aeſte theilend. Die Hoͤhe ſtehet hinter keinem Laubholze zuruͤck, eine groͤßere Dicke als 3 Fuß Durch⸗ meſſer koͤmmt zwar vor, gehoͤrt aber unter die Seltenheiten. c. Aſtbildung. Die zahlreichen Aeſte, in der Jugend aufrecht ſtehend, erſt im Alter ſich mehr ſenkend, theilen ſich fortwaͤhrend gabelfoͤrmig, ohne jedoch im Innern mit kleinen Zweigen beſetzt zu ſein, daher verhaͤltnißmaͤßig viel Aſtholz bei wenig Reisholz. Die Aſtverbreitung iſt oft ſehr betraͤcht⸗ lich, mit großer Krone. d. Die Rinde in der Jugend glatt mit duͤnnem Ueber⸗ zuge, ſpaͤter riſſig, von mittelmaͤßiger Dicke. e. Belaubung locker, nicht verdaͤmmend. Bluͤthe und Frucht. Sie bluͤht Ende April, Anfang Mai. Die Frucht, welche buͤſchelweis an den Zweigſpitzen, un⸗ ter dem letzten Jahrestriebe ſitzt, reift im October, faͤllt aber erſt December oder Januar ab. Sie faͤngt mit 40— 50 Jah⸗ ren an Samen zu tragen, jedoch ſelten in ſehr großer Menge. Alter. a. Natuͤrliches. 150— 180 Jahre, jedoch ſel⸗ ten ſo lange ganz geſund. b. Wirthſchaftliches, im Hoch⸗ walde 80 bis 100 Jahre, im Niederwalde nicht uͤber 30 J. Forſtliches Verhalten. Der Wuchs in der Jugend gerade, raſch, bis 60 und 70 Jahre aushaltend, dann nachlaſſend. Sie iſt als Baum- und Schlagholz gleich empfehlens⸗ 7 — 98— werth, als Kopf⸗ und Schneidelholz weniger ertragreich. Als Unterholz im Mittelwalde leidet ſie leicht unter einer etwas ſtarken Beſchattung. 2) Bis zu 20 und 25 Jahren iſt der Ausſchlag zwar nicht reichlich, jedoch gut, am Stamme erſolgend, Wurzelbrut er⸗ ſcheint im lockern Boden zwar oft, doch nicht ſo regelmaͤßig, daß man auf ſie mit Sicherheit rechnen koͤnnte. Sie verliert die Ausſchlagsfaͤhigkeit nach der bemerkten Zeit bald, und be⸗ dingt daher den Hieb im jungen Holze, wenn man der Erhal⸗ tung der Mutterſtoͤcke gewiß ſeyn will. 3) Maͤßige Beſchattung ertraͤgt ſie nur in den erſten Jah⸗ ren, ſpaͤter verlangt ſie Lichtſtellung, gedeihet uͤberhaupt in dieſer beſſer. 4) Sie iſt unter die Hoͤlzer zu zaͤhlen, welche keinen ſehr geſchloſſenen Stand ertragen, ſondern einen raͤumlichen ver⸗ langen. 5) Den Boden verbeſſert ſie weniger als die Eiche. 6) Das Gras wird ihr haͤufig nachtheilig, da ſie nur in Boden gedeiht, worin uͤppiger Graswuchs iſt, ihr Same ge⸗ woͤhnlich Ein Jahr uͤberliegt, und die Beſchattung bei dem Aufgehen der Pflanzen nur gering ſein darf. Sypaͤtfroͤſte toͤd⸗ ten ſie leicht in warmer Lage. Maͤuſe und Wild freſſen ſie ab, vorzuͤglich das letztere, und da ſie das Verbeißen durch⸗ aus nicht ertraͤgt, ſo iſt dies eins der groͤßten Hinderniſſe ih⸗ rer Erziehung. Die Blaͤtter werden haͤufig durch die bekannte ſpaniſche Fliege, Lytta vesicatoria, verzehrt. In Baumſchu⸗ len kann man jedoch dieſelben leicht abſchuͤtteln und toͤdten, wenn man kuͤhle Morgen dazu waͤhlt. Von Krankheiten iſt die Stock⸗, Roth⸗ und Weißfaͤule haͤufig. Wunden heilen bei ihr ſehr leicht. Dem Windbruche iſt ſie zwar nicht hinſichtlich des Um— werfens ausgeſetzt, jedoch ſpalten die gabelſoͤrmigen Aeſte leicht ab. 7) Da ſie keine geſchloſſenen Beſtaͤnde bildet, iſt das ſum⸗ „ tt — 99— mariſche Volumen, welches ſie giebt, nicht zu beſtimmen. Dem Wuchſe der einzelnen Mutterſtoͤcke und Baͤume nach, wird ſie ſich als Baumholz der Ulme, als Schlagholz dem Ahorn naͤhern. Gebrauchsfaͤhigkeit. Als Brennholz dem Buchen uͤberall ziemlich gleich. Aſcheertrag. 1000 Pfd. Holz 12 ⅞ Pfd. Aſche, 1 Pfd. 18 Loth Pottaſche. a. Dauer im Trocknen gut, in abwech⸗ ſelnder Feuchtigkeit mittelmaͤßig, im Naſſen unbekannt. b. Spal⸗ tigkeit, ziemlich gut, Maſerbildung wird nicht gefunden. c. Zaͤ⸗ higkeit und Feſtigkeit, groß. d. Elaſticitaͤt, mittelmaͤßig. e. Tex⸗ tur und Dichtigkeit, mittelmaͤßig. f. Haͤrte, nicht ausgezeich⸗ net. g. Das Werfen und Schwinden des Holzes, nicht auf⸗ fallend. h. Gewicht, gruͤn 60 Pfd., waldtrocken 50 Pfd. Verwendung. Wagner⸗, Tiſchler⸗ und Maſchinen⸗ bauholz. Die ſtarken Eſchen geben die beſten Ruder ſuͤr die Flußſchiffahrt, und werden dazu ſehr geſucht. Die jungen, geraden Stangen werden zu ſtarken Reifen benutzt. Fruͤher brauchten ſie Tiſchler und Drechsler haͤufiger, als jetzt, da die auslaͤndiſchen Hoͤlzer die inlaͤndiſchen ſehr verdraͤngt haben, auch die vervollkommnete Kunſt des Lackirens die weichen mehr verwenden laͤßt. Die Blaͤtter geben ein brauchbares Viehfutter.— Erziehung. Außer den zufaͤllig im Walde aufgehen⸗ den Pflanzen, wird ſie groͤßtentheils in Pflanzkaͤmpen erzo⸗ gen und in ziemlicher Groͤße ausgepflanzt, um ihrer Beſchaͤ⸗ digung durch Wild, der Verdaͤmmung, durch Gras, zu ent⸗ gehen.— Die Linde. Tilia. 13te Klaſſe. Linn. Polyandria. 1) Sommerlinde. T. europaea. 2) Winterlinde. T. cordata. Die Blaͤtter der Sommerlinde ſind groͤßer, hellgruͤner, —7 — 100— unten einzeln behaart, die Fruͤchte haben fuͤnf deutliche er⸗ habene Streifen, die Rinde hat groͤbere Riſſe, als bei der Winterlinde. Verbreitung. Ganz Deutſchland, jedoch die Sommer⸗ linde mehr im ſuͤdlichen Theile, die Winterlinde mehr noͤrdlich, wie denn auch letztere es iſt, welche ſich weit nach Norden hin verbreitet, und vorzuͤglich in Polen und Rußland vor⸗ kömmt. In Deutſchland groͤßtentheils nur eingeſprengt, doch als Schlagholz zuweilen auf Flaͤchen von mehreren hundert Morgen in ganz reinen Beſtaͤnden vorkommend. Boden. Am haͤufigſten und beſten wachſend im Mee⸗ res⸗ und Sumpfboden, im feuchten, humoſen Sande ohne Saͤuren. Doch auch noch im ſandigen, nicht zu humusarmen, Lehmboden. In den Gebirgen, in Freilagen und den Vor⸗ bergen, als Schlagholz haͤufig auf Granit und andern flach⸗ gruͤndigen, ſteilen Haͤngen noch recht gut wachſend. Bei der gehoͤrigen Pflege uͤberhaupt beinahe auf jedem Boden, mit Ausnahme des ſehr ſtrengen Thonbodens, des Eiſenſtein ent⸗ haltenden und des Torfgrundes, noch ziemlich gut fortkommend. Klima. Gegen keins, worin uͤberhaupt noch Laubholz waͤchſt, empfindlich, oder auch nur eine beſondere Vorliebe zeigend. Form und Bau. 3. Wurzeln. Vielaͤſtige, nicht ſehr ſtarke, noch im hoͤhern Alter dicht am Stocke habend, und daher lange zur Verpflanzung geeignet. Sie gehen tief und ſtreichen weit aus, weshalb Lindenorte ſchwierig zu roden ſind. Ihr Stockholzertrag iſt aber dennoch, der vielen ſchwachen Wurzeln wegen, nicht bemerkenswerth groͤßer, als der an⸗ derer Hoͤlzer. b. Stammbildung. Im Schluſſe regelmaͤßig, walzen⸗ foͤrmig, vollholzig. Im freien Stande theilt er ſich gewoͤhn⸗ lich in geringer Hoͤhe in ſtarke Aeſte, und zeigt eine große Neigung zur Aſtverbreitung. c. Aſtbildung. Sehr zahlreiche, ſtarke, lang ausge⸗ — 101— reckte, mit vielen kleinen Zweigen beſetzte Aeſte, welche eine ſchoͤn abgewoͤlbte, große Krone bilden. d. Rinde. Feinriſſig, mit nur duͤnner, lockerer Be⸗ deckung von abgeſtorbenen Rindenlagen, ziemlich dickes Rin⸗ denfleiſch und ſtarke, jedoch ſeinfaſerige Baſtlagen, welche ſich leicht von der Rinde trennen laſſen. e. Belaubung. Voll, dunkel und verdaͤmmend. Den Boden verbeſſernd, wie die Buche. f. Groͤße. Sie bleibt auf paſſendem Standorte und das volle Alter erreichend, kaum hinter der Eiche an Hoͤhe und Dicke zuruͤck, gewiß aber hinter keiner andern Holzgattung. Bluͤthe und Frucht. Die Sommerlinde bluͤht im Juni, die Winterlinde 14 Tage bis 3 Wochen ſpaͤter, der Same der erſten reift ebenfalls etwas fruͤher, von beiden im October. Sie faͤngt mit 30 bis 50 Jahren an Samen zu tragen. Forſtliches Verhalten. 1) Wuchs. In der Jugend ſtark mit geraden Schüſſen, vorzuͤglich als Schlagholz. Als Baumholz laͤßt ſie mit 60 bis 80 Jahren bemerkbar nach, als Schlagholz ſchon mit 20 bis 25 Jahren. Auf flachgruͤndigem Boden giebt ſie im Buſch⸗ holzumtriebe das mehrſte Volumen, wie denn bei ihr im All⸗ gemeinen der lange Umtrieb zur Gewinnung einer großen Holzmaſſe nicht vortheilhaft iſt. 2) Alter. a. Natuͤrliches. Naͤchſt dem Taxus duͤrfte ſie diejenige deutſche Holzgattung ſein, welche das hoͤchſte er⸗ reicht, bis 800 Jahre und daruͤber. b. Wirthſchaftliches. Da die Linde nur als Schlagholz rein vorkoͤmmt— im Norden um der Baſtgewinnung willen in großer Ausdehnung— ſo kann nur von dieſem die Rede ſein. Zu Reisholz beſtimmt, duͤrften 8 bis 10 Jahre, zu Knuͤppel⸗ und Schaͤlholz 20 bis 25 Jahre, der vortheilhafteſte Umtrieb ſein. Einzelne Staͤmme duͤrfen nicht uͤber 80 Jahre alt werden, wenn ſie nicht ihre —-— 402— ſchaͤtzbare weiße Farbe verlieren ſollen, und werden auf gutem Boden dann auch die zu verlangende Staͤrke haben. 3) Ausſchlagsfaͤhigkeit. Sehr groß, bis in das hohe Alter ausdauernd, leicht am ganzen Stamme, an den frei lie⸗ genden Wurzeln Knospen entwickelnd, am liebſten dicht an der Erde, auch reichliche Wurzelbrut treibend. Der Hieb im jungen Holze iſt bei ihr nicht erforderlich. Noch ziemlich alte Staͤmme koͤnnen zu Kopf⸗ und Schneidelholz eingerichtet wer⸗ den, wobei ſie reichlichen Ertrag giebt. Sie ertraͤgt den Safthieb. 1 4) Duldet nur maͤßige Beſchattung in der erſten Ju⸗ gend, verlangt bald freien Stand. Iſt deshalb auch als Unter⸗ holz im Mittelwalde nicht empfehlenswerth, als Oberholz freilich noch weniger, wegen ihrer ſtarken Aſtverbreitung und verdaͤm⸗ menden Beſchattung. 5) Die Stammzahl iſt bei dem Baumholze, im hoͤhern Alter bei den ſtarken Kronen nicht groß. Auch die Mutter⸗ ſtoͤcke vereinzeln ſich ſchon bei 20jaͤhrigem Umtriebe bemerk⸗ bar, wenn gleich die Beſchattung dicht bleibt. 6) Gegen die Witterung iſt ſie nicht empfindlich. Gras und das Verbeißen durch Vieh, vorzuͤglich aber Wild, hindern ihr Aufkommen im Forſte vorzuͤglich, wenn gleich ſie ſich hin⸗ ſichtlich des letztern nicht ſehr empfindlich zeigt. Wind⸗, Duft⸗, Schneebruch, iſt ihr wenig nachtheilig. 7) Krankheiten. Kernfaͤule, Weiß⸗ und Rothfaͤule, iſt bei alten Staͤmmen die gewoͤhnlichſte, doch hat die Linde ein au⸗ ßerordentlich zaͤhes Leben, und dauert halbfaul noch viele Jahre. 8) Volumen. Nicht genau bekannt, doch wegen ihrer Lichtſtellung nicht als ſo hoch anzunehmen, wie ihr raſcher Wuchs in der Jugend es zu verſprechen ſcheint. Als Schlag⸗ holz wohl das Doppelte der Buche, im kurzen Umtriebe noch mehr. Gebrauchsfaͤhigkeit. 1) Als Brennholz ſchlecht, mit heller Flamme, wenig Kohlengluth, raſch verbrennend; als — 103— Schlagholz etwa die Haͤlfte des Werthes vom Buchen, als Stammholz etwas beſſer und um 3 geringer. Bei dem Kohl⸗ holze bleibt daſſelbe Verhaͤltniß. 2) Aſcheertrag. 1000 Pfd. Holz 11 Pfd. Aſche, Pott⸗ aſche 1 Pfd. 21 Loth. 3) a. Dauer, im Trocknen ziemlich, im Naſſen und ab⸗ wechſelnder Feuchtigkeit ſehr gering. b. Spaltigkeit, ſehr mit⸗ telmaͤßig, und zur Maſerbildung geneigt, dann ganz unſpaltig. c. Elaſticitaͤt, ziemlich. d. Feſtigkeit, um es zu zerreißen: groß, zum Zerbrechen: mittelmaͤßig. e. Haͤrte, ſehr gering. f. Dichtigkeit, bei lockern Holzlagen ſehr gleichmaͤßig, und da⸗ rum ſehr ſchoͤne Textur. g. Es trocknet ſchnell ſehr zuſam⸗ men, wirft ſich aber nicht, reißt auch, vorſichtig getrocknet, nicht leicht. h. Gewicht. Gruͤn 54 Pfd. der Kubikf., wald⸗ trocken 40 Pfd. Verwendung. Sehr geſucht zu Tiſchlerbrettern, die aber, bis ſie ausgetrocknet ſind, nicht uͤbereinander liegen duͤr⸗ fen, um ihre weiße Farbe zu erhalten, dann gutes Schnitz⸗ und Drechslerholz. In der Naͤhe großer Staͤdte kann das Lindenholz noch in ziemlicher Quantitaͤt, und weit mehr als z. B. Ahorn, als Nutzholz abgeſetzt werden. Als Alleebaum iſt die Linde zwar wegen ihrer ſchoͤnen Belaubung und Bluͤthe ſehr geſucht, dennoch aber wegen ihrer großen Aſtverbreitung und dichten Belaubung weder an ſchma⸗ len Wegen, noch an Feld⸗ und Wieſenraͤndern zu empfehlen. Das Baſt wird zu Matten, Baſtſchuhen, Stricken, Doh⸗ nen u. dergl. haͤufig benutzt. Die Blaͤtter geben, gruͤn getrocknet, ein mittelmaͤßiges Schaaffutter. Die Verwendung der Kohle, als Zeichenkohle und zur Pulverfabrikation, iſt wenig bedeutend. Die Faͤllung des Lindenſchlagholzes bei ſtrengem Winter zur Ernaͤhrung des Roth⸗, Damm⸗ und Rehwildes, iſt ein — 104— Auskunftsmittel, welches der Jaͤger bei ſtarkem Wildſtande haͤufig ergreifen muß. Die Pappel. Populus. 22ſte Klaſſe. Linn. Dioecia. Wir finden ohne erweislichen kuͤnſtlichen Anbau 3 Arten in Deutſchland heimiſch: 1) Die Schwarzpappel. P. Nigra. Nur im Flußbo⸗ den, verlaſſenen Flußbetten, in freier Lage, auf feuchtem Sande. 2) Die Silberpappel. P. Alba. Unter gleichen Ver⸗ haͤltniſſen, nie im Innern großer Waͤlder, ſo daß es zweifel⸗ haft iſt, ob nicht beide Arten, bei ihrem ſich weit verbreiten⸗ den leichten Samen, ſich erſt hier angeſiedelt haben, nachdem ſie durch Anpflanzung in Gaͤrten und an Wegen einheimiſch gemacht wurden. Beide verbreiten ſich mehr nach Suͤden und nach Norden, gehen auch ohne kuͤnſtlichen Anbau nicht uͤber Deutſchlands noͤrdliche Grenzen hinaus, waͤhrend ſie noch im Oderthale ziemlich haͤufig vorkommen. 3) Die Aspe. P. tremula. Ein einheimiſcher, deutſcher, eigentlicher Waldbaum, als Baumholz nur eingeſprengt vor⸗ kommend, als Schlagholz durch fehlerhafte Forſtwirthſchaft zuweilen in geringer Ausdehnung, mit wuchernder Wurzelbrut, herrſchend werdend. Sie verbreitet ſich bis hoch in den Nor⸗ den, weniger gegen Suͤden hin. Wir wollen hier zuerſt die Aspe ausſchließlich in ihrem Verhalten darſtellen, und dann unten die den Forſtwirth weit weniger beruͤhrende Schwarz- und Silberpappel, gedraͤngt nach ihrem Werthe wuͤrdigen. Boden. Die Aspe koͤmmt unter mannigfachen Boden⸗ verſchiedenheiten vor. Am beſten gedeiht ſie in einem humoſen, feuchten Sandboden, in einem lockern, kraͤftigen Lehmboden wird ſie noch ſehr gut wachſend gefunden, ſchlecht auf trocknem Sande, nur mittelmaͤßig in einem ſehr feſten Lehmboden, auf ſtrengem Thonboden wird ſie in der Regel nicht gefunden, eben ſo ſcheinen ihr duͤrre, heiße, felſigte Haͤnge nicht zuzuſagen. — 10⁰5— Klim a. Ein kaltes, feuchtes, ſcheint ihr mehr angemeſ⸗ ſen, als ein ſehr warmes, jedoch zeigt ſie ſich gegen die Wit⸗ terung uͤberhaupt nicht ſehr empfindlich. Form und Bau. a. Die Wurzeln flach, außerordent⸗ lich weit auslaufend, den Boden in ſehr vielen ſchwachen Zweigen vielfach durchſchlingend. Der Stockholz⸗Ertrag, wegen der großen Menge duͤnner, unbrauchbarer Wurzeln, nur gering. b. Stammbildung. Regelmaͤßig, ſich ſelbſt freiſtehend bis auf 20 und 30 Fuß hoch von Aeſten reinigend, im Schluſſe voll⸗ holzig, rund, mit wenig Aeſten und kleiner Krone. c. Aſt⸗ verbreitung, gering, die Zweige ſchwach und im Innern un⸗ belaubt, daher die Reißigmenge nicht groß. d. Die Rinde nur unten am Stamme riſſig, oben glatt, die abgeſtorbenen Rindenlagen, und ſelbſt das Rindenfleiſch, feſt und ſproͤde. c. Belaubung, locker und nicht verdaͤmmend. f. An Hoͤhe ge⸗ gen andere Laubhoͤlzer nicht zuruͤckbleibend, jedoch ſelten, und nur in ſehr paſſendem Boden, eine Dicke von 2 Fuß er⸗ reichend. Die Bluͤthe erſcheint vor Ausbruch der Blaͤtter Ende Maͤrz, Anfang April, der Same reift im Mai. Sie traͤgt mit 30— 40 Jahren Samen. Die Aspe erreicht nur ein geringes Alter, ſelten 80 bis 90 Jahr, was allerdings aber haͤufig davon herruͤhrt, daß die mehreſten Staͤmme aus Wurzelbrut entſtehen. Das Wirth⸗ ſchaftliche iſt bei Baumholz 50 bis 70 Jahr, bei Schlagholz zu Stangen 20 bis 30, bei Buſchholz 8 bis 10 Jahr. Forſtliches Verhalten. Sie wird haͤufig mit Recht mehr als ein Forſtunkraut, als wie ein zu pflegendes und abſichtlich zu erziehendes Holz betrachtet. Ihre wuchernde Wurzelbrut uͤberzieht leicht die licht geſtellten Schlaͤge, verdaͤmmt, in der erſten Zeit ſehr ſchnell wachſend, die langſamer heraufkommenden Laub⸗ und Nadelhoͤlzer, und haͤlt doch ſpaͤter nicht aus, um auch nur — 106— eine betraͤchtliche Holzmaſſe erwarten zu laſſen, indem ſie theils ſehr bald im Wuchſe nachlaͤßt, theils vom Wilde verbiſſen, von Inſekten beſchaͤdigt wird, oder, den Keim eines fruͤhzeitigen To⸗ des von der ausfaulenden Wurzel empfangend, von ſelbſt abbricht und abſtirbt. Auch iſt die Maſſe, welche ſie giebt, nicht hin⸗ reichend, um fuͤr ihr ſchlechtes Brennholz zu entſchaͤdigen, wes⸗ halb ihr Anbau in reinen Beſtaͤnden nicht zu empfehlen iſt. Es iſt deshalb auch eine Kulturmaßregel da, wo ſie in harte Hoͤlzer eingeſprengt iſt, ſie vor der Einſchonung herauszuhauen, um ihre Wurzelbrut verdaͤmmen und niederhuͤten zu laſſen. Demungeachtet werden aber auch haͤufig Aspen, da ſie in ausgedehnten Laubholzwaldungen das Nadelholz als Bauholz im Innern und ſelbſt zu Brettern, am beſten erſetzen, mit großem Vortheile erzogen, ſobald die jungen Pflanzen nur von einer ſolchen Beſchaffenheit ſind, daß ſich von ihnen ge⸗ ſunde ſtarke Staͤmme erwarten laſſen. 1) Wuchs. In der erſten Jugend, vorzuͤglich als Wur⸗ zelbrut, raſch, als Schlagholz ſchon in 20 Jahren ſehr nach⸗ laſſend, als Kernlode bis zu 50 und 60 Jahren ziemlich aushaltend. 2) Ausſchlagsfaͤhigkeit. Nur ſehr jung vermag die Aspe am Stamme auszuſchlagen, dagegen treibt ſie Wurzel⸗ brut bis in das hoͤchſte Alter. Selbſt von ausgefaulten Stoͤk⸗ ken vegetiren kleine Sproſſen treibende Wurzeln ſort, woher es denn koͤmmt, daß in den Kieferheiden Weſtpreußens, wo fruͤher viel Aspen eingeſprengt geweſen ſind, nach Braͤnden, welche den Kieferbeſtand verzehren, ſich alles mit Aspen⸗ Wurzelbrut bedeckt, welche jedoch nach wenig Jahren von ſelbſt wieder verſchwindet, da dieſe Wurzelreſte keinen groͤßern Stamm ernaͤhren koͤnnen. 3) Sie ertraͤgt wenig Beſchattung, und iſt deshalb als Unterholz im Mittelwalde nicht zu empfehlen; dagegen ein gutes Oberholz bei Unterholz, welches wenig Schatten ertraͤgt. 4) Ihre Neigung zur Lichtſtellung iſt ſehr ſtark, vorzuͤglich — 107— bei Beſtaͤnden, wie dies doch in der Regel der Fall iſt, die von Wurzelbrut herruͤhren. Darin liegt es zum Theil, daß die von ihr zu erwartende Holzmaſſe dem in der erſten Ju⸗ gend ſo raſchen Wuchſe nicht entſpricht. Auch wird dadurch eine haͤufig wiederkehrende Durchforſtung in den Stangenorten um ſo mehr bedingt, als die eingehenden Staͤmme ſehr ſchnell verderben und unbrauchbar werden. In Hinſicht der Boden⸗ verbeſſerung iſt ſie ſo wenig als eine ſehr zu empfehlende, wie als eine nachtheilige Holzgattung anzuerkennen. 5) Sie leidet wenig unter Witterungseinfluͤſſen. Dagegen aber beſchaͤdigt ſie das Wild durch Verbeißen, welches ſie nicht ertraͤgt, ſehr. Chrysomela populi frißt die Zellenmaſſe aus den Blaͤttern der jungen Pflanzen und Wurzelbrut, und toͤdtet ſie dadurch haͤufig, indem dann die Jahrestriebe nicht verhol⸗ zen koͤnnen, auch keine neuen Blaͤtter treiben. Von Ph. Bomb. Terebra frißt ſich die Raupe unten am Stamme in das Holz, vorzuͤglich kernfauler Staͤmme, und durchwuͤhlt es, auch Ph. Bomb. Cossus zerſtoͤrt oft ganze Beſtaͤnde auf gleiche Art. 6) Die Aspe iſt vielleicht unter allen unſern Waldbaͤumen den mehrſten Krankheiten unterworfen, was zum Theil ſeinen Grund darin hat, daß viele aus faulenden Wurzeln erwachſen, zum Theil auch, weil das Alter, in dem man ſie benutzt, demjenigen haͤufig ſo nahe liegt, worin ſie dem Lauf der Na⸗ tur gemaͤß ihre Vollkommenheit erreicht hat und abſtirbt. Stockfaͤule, Kernfaͤule, Wipfelduͤrre, welche in der Regel er⸗ folgt, wenn ſie fruͤher im Schluſſe ſtehend freigeſtellt wird, ſind die gewoͤhnlichſten. Einmal krank, ſchreitet ihr Verder⸗ ben raſch ſort, und bedingt eine ſchleunige Benutzung. Holzmaſſe. Unbeſtimmt, indem ſichere Erfahrungs⸗ tafeln mangeln. Muthmaßlich: a. im kurzen Umtriebe als Schlagholz mehr als das Doppelte wie die Buche; b. als Stangenholz wohl das Doppelte. c. Die einzelnen gut wuͤch⸗ ſigen Baͤume, erreichen in 50 bis 60 Jahren das Volumen — 108— einer 90 bis 100 jaͤhrigen Buche, uͤbertreffen ſie ſogar in ganz paſſendem Boden. Gebrauchsfaͤhigkeit. a. Brennholz. Lebhaftes Flam⸗ menfeuer, wenig Kohlengluth, geſchaͤtzt zum Ziegel⸗, Kalk⸗ brennen u. dergl., die durchſchnittliche Hitzkraft etwa ꝛ des Buchen. b. Kohlholz, behaͤlt dies Verhaͤltniß bei. Bei Kup⸗ fer⸗ und Silberhuͤtten wird das Aspenholz ſehr geſucht. 2) Aſcheertrag. 1000 Pfund Holz 11 ¾ Pfund Aſche, 23 ½ Loth Pottaſche. 3) a. Dauer: ganz im Trocknen ſehr gut, im Feuchten und Naſſen gering. Die Dauer gewinnt außerordentlich durch Abwelken, und iſt dann ſelbſt in abwechſelnder Feuchtigkeit und Trockniß, wenn das Holz nur dem Luftzuge und der Sonne ausgeſetzt iſt, ſo daß es immer wieder vollkommen austrocknen kann, nicht gering. Es verfault dann weniger im Innern, als daß ſich nach und nach die aͤußern Holzlagen abloͤſen und verwittern. b. Spaltigkeit, mittelmaͤßig, Maſer⸗ bildung iſt der Aspe nicht eigen, da ſich keine Knospen in der Rinde des Stammes entwickeln. c. Zaͤhigkeit und Feſtigkeit, bei geſchaͤltem und getrocknetem jungen Holze ſehr groß. d. Elaſticitaͤt, groß. e. Dichtigkeit, gering, aber ſehr gleich⸗ maͤßig, daher bei weißer Farbe gute Textur. f. Iſt dem Rei⸗ ßen und Werfen wenig unterworfen. g. Haͤrte, ſehr gering. h. Gewicht. Gruͤn 50 Pfd. der Kubikf., waldtrocken 39 Pfd. Verwendung. Sehr gut als Bauholz im Trocknen zu Balken, Sparren, Schalholz. Zu Brettern, die jedoch ſehr weich ſind, benutzbar. Brauchbar zu mancherlei Spalt⸗ und Schnitznutzholz, als Schindeln, Mulden u. dergl. Die geſchaͤlten und getrockneten Stangen erſetzen die Birke als Leiterbaͤume und Wagendeichſeln, die Kiefer als Zaunſtangen, vollkommen. In ſtrengen Thon eingeſetzt, das beſte Palli⸗ ſadenholz bei Feſtungen, was es giebt. Die Menge des ab⸗ zuſetzenden Nutzholzes haͤngt von den landuͤblichen Gewohn⸗ heiten ab, es giebt Gegenden, wo es hoͤher bezahlt wird als — 109— das Eichenholz. Die Blaͤtter geben getrocknet nur wenig und ein nicht beſonderes Viehfutter. Im Winter wird ſie haͤufig zur Ernaͤhrung des Wildas gefaͤllt, welches ſehr gern die Knospen und die Rinde verzehrt. Zum Anbau an Feldraͤndern iſt ſie wegen ihren weit aus⸗ laufenden Wurzeln nicht zu empfehlen. Erziehung. Gewoͤhnlich beſchraͤnkt man ſich darauf, die von ſelbſt aufſchlagenden Aspen wachſen zu laſſen und zu verpflanzen. Es iſt dabei nur darauf zu ſehen, daß man nicht Wurzelbrut von ganz flachlaufenden, ſehr ſtarken und im Innern faulen Wurzeln als benutzbar anſiehet, denn dieſe kann niemals gutwuͤchſiges Holz geben. Zu der Fortpflan⸗ zung durch Stecklinge muß man zwei⸗ bis dreijaͤhrige Wur⸗ zelſchoͤſſlinge, welche ganz geſund ſind und keinen ſchwarzen Kern haben, auswaͤhlen, aͤltere gehen ſehr ſchwer oder gar nicht an. Die Erziehung aus Samen bedingt einen feuchten, ganz wunden Boden, Reinhaltung von Gras, da die Samen⸗ pflanzen Anfangs nur ſehr langſam wachſen und leicht ver⸗ daͤmmt werden. Am beſten beſteckt man den Saatplatz mit den Zweigen woran der Same haͤngt, damit er von ſelbſt darauf abfliegt, indem er bei dem Sammeln ſich leicht zu⸗ ſammenballt und nicht gut einzeln zu ſaen iſt. Die Schwarz⸗ und Silberpappel wachſen vorzuͤglich gut auf einem feuchten Sandboden, ungern in ſehr thonigem oder flachgruͤndigem Gebirgsboden, ſchlecht in ſehr trocknem Sande oder Lehm. Sie fordern eine freie Lage und paſſen daher nur fuͤr die Raͤnder großer Holzungen, auf Triften, an Wieſen, Felder u. ſ. w. Beides werden ausgezeichnet große Staͤmme, die jedoch eine große Neigung zur Aſtverbreitung haben, und viele ſehr ſtarke, weit verbreitete Aeſte treiben, ſo daß nur im ganz geſchloſſenen Stande auf eine regelmaͤßige Stammbil⸗ dung zu rechnen iſt. Ihre weit auslaufenden vielen Wurzeln, die Wurzelbrut treiben, den Boden mit vielen duͤnnen Zwei⸗ gen ganz durchſchlingen, machen ſie, vereint mit der verdaͤm⸗ — 110— menden Beſchattung, an Aeckern und Wieſen zu einem unpaſ⸗ ſenden Baume, auch zu Wegbaͤumen ſind ſie deshalb nicht zu empfehlen. Dagegen geben ſie auf feuchtem Sandboden als Schlagholz in 15 bis 25 jaͤhrigem Umtriebe einen ſo ſtar⸗ ken Holzertrag, daß ſie, vorzuͤglich die Schwarzpappel, außer⸗ ordentlich zu empfehlen ſind, um in ſehr kurzer Zeit das Be⸗ duͤrfniß an Brennholz und ſelbſt, jedoch ſchlechtem, Bauholze zu befriedigen, da dies außerordentliche ſtarke Volumen die geringe Beſchaffenheit des Holzes hinreichend uͤbertraͤgt. Auch ſind ſie wegen ihrer vielen Wurzeln ſehr gut zur Befeſtigung der Flußufer, dem Anbaue der alten Flußbetten mit Buſch⸗ holz zu empfehlen. Die Schwarzpappel kann ſogar zur Bin⸗ dung der Sandſchellen benutzt werden, ob ſie gleich daſelbſt wenig Ertrag giebt und der Kiefer nachſtehet. Als Baum⸗ holz ſtellen ſich beide zwar licht, da ſie ihre Kronen ſehr weit verbreiten, und muͤſſen deshalb auch gleich in 8 bis 10 fuͤßiger Entfernung gepflanzt werden, aber auch hier wuͤrden ſie zur Bepflanzung feuchter, nicht zu feſter Aenger mit Erfolg be⸗ nutzt werden koͤnnen, um in ſehr kurzer Zeit einem eingeriſſe⸗ nen Holzmangel abzuhelfen. Als Kopf⸗ und Schneidelholz ſind ſie ſehr gut zu behan⸗ deln, und ſtehen im Ertrage der Weide nicht nach. Wenn ſie deshalb auch nicht als Holzgattungen zu betrachten ſein duͤrften, die ſich zur Herſtellung großer geſchloſſener Beſtaͤnde eignen, da ſich dazu weder paſſender Boden vorfinden wuͤrde, noch ſie ſich ihrer Eigenthuͤmlichkeit gemaͤß dazu eignen, ſo kann man ihren Anbau dagegen doch in holzarmen, fuͤr ſie paſſenden Boden habenden Gegenden, in jeder Art empfehlen, und es duͤrfte ſich bei naͤherer Unterſuchung leicht ergeben, daß ſie beſſer geeignet ſind, einem drohenden Holzmangel ſchnell zu begegnen, als manche ſehr empfohlene fremde Hoͤlzer. Die Beſchaffenheit des Holzes iſt mehr muthmaßlich, als genau und ſicher anzugeben. Als Brennholz duͤrfte es etwa die Haͤlfte des Werthes des Buchen haben. Als Bau⸗ ———— —— —-— 111— holz iſt es nur ganz im Trocknen und gegen die Witte⸗ rung geſchuͤtzt zu brauchen. Als Spaltholz gar nicht, da es, vorzuͤglich die Schwarzpappel, ſehr zur Maſerbildung geneigt iſt, dadurch oft ganz unſpaltig und in ſtarken Stuͤcken oft unbenutzbar wird, immer aber ſehr ſchlechtſpaltig iſt. Es giebt nur etwas ſchlechtes Schnitznutzholz, und fuͤr die Tiſchler zu⸗ weilen Maſern. Die getrockneten Blaͤtter koͤnnen als mittel⸗ maͤßiges Viehfutter benutzt werden. Das ſtarke Volumen, welches das drei⸗ und vierfache der Holzerzeugung in Buchen betragen kann, erfolgt vorzuͤglich bei einem kurzen, hoͤchſtens 20 bis 25 jaͤhrigem Umtriebe. Ein hohes Alter, uͤber 50 bis 60 Jahre, iſt nicht vortheilhaft, da ſie ſpaͤter im Wuchſe ſehr nachlaſſen. Die Erziehung geſchiehet am ſicherſten und leichteſten durch Stecklinge. Wild und Vieh beſchaͤdigen die Pappeln leicht, und Phalaena Bombyx Terebra bewirkt haͤufig das Verderben der in Baumſchulen erzogenen Schwarzpappeln. Gegen die Witterung ſind ſie nicht empfindlich. Die Birke. Betula alba. 21. Kl. Linn. Monaecia. Verbreitung. Iſt mehr im Norden einheimiſch, wo ſie von ſelbſt herrſchend erſcheint, als bei uns, wo ſie mehr eingeſprengt vorkoͤmmt, und nur durch Anbau in reinen Be⸗ ſtaͤnden erzogen wird. Doch trifft man ſie durch ganz Deutſch⸗ land, wenn gleich nach Suͤden zu immer mehr und mehr abnehmend. Boden. Beinahe auf jedem fortkommend, auf ſehr we⸗ nigen nur vollkommen gut gedeihend. Selten wird ſie im Flußboden getroffen, im Urgebirge nur ſchlecht wachſend, am beſten gedeiht ſie im Meeres- und angeſchwemmten Boden. In einem friſchen lehmigten Kiesboden zeigt ſie den ſtaͤrkſten Wuchs, in trocknem, lehmigten, nicht zu humnsarmen Sand⸗ boden gedeihet ſie noch ziemlich gut. Flachgruͤndiger Gebirgs⸗ boden, duͤrrer, armer Sandboden, Saͤuren enthaltender Sumpf⸗ — 112— boden zeigen ſie zwar haͤufig, jedoch immer nur duͤrftig wach⸗ ſend, nie ihre Vollkommenheit erreichend. Strenger Thonbo⸗ den iſt beinahe der einzige, auf welchem ſie in der Regel gar nicht vorkoͤmmt, auch ſehr ſchwer durch Anbau fortzubringen iſt. Auch trockne Kalkberge ſind ihr zuwider. Klima. Die Birke liebt Freilagen, mehr Kaͤlte und Feuchtigkeit, als Waͤrme und Trockniß. Mitternachtsſeiten, die geringen Hoͤhenzuͤge im Meeresboden, ſelbſt die Seenaͤhe, ſagen ihr deshalb mehr zu, als warme und trockne Suͤd⸗ und Weſthaͤnge. Auf dieſen letztern ſiedelt ſie ſich zwar bei dem gewoͤhnlich ſehr wunden Boden leicht an, gedeihet aber daſelbſt ſchlecht. In den Bergen iſt ſie haͤufig eben ſo die am hoͤchſten ſteigende, wie im Norden die letzte Laubholzgattung. In den ſuͤdlichen Gegenden iſt das rauhe Bergklima das einzige, wo⸗ rin ſie noch waͤchſt. Bau und Form. a. Wurtzelbildung. Wurzelmenge ge⸗ ring, flach laufend, die Saugwurzeln nur an den Spitzen, nur in lockerm Sandboden ſich in maͤßiger Entfernung ver⸗ breitend. Daß die Birke nur in den erſten Jahren nahe um den Stamm Zaſerwurzeln hat, iſt Urſache, weshalb ſie ſich ſpaͤter ſo ſchwer verpflanzen laͤßt. Die Stockholzmenge iſt ſehr gering, und betraͤgt in der Regel nur 5 Procent der gan⸗ zen Holzerzeugung. b. Stammbildung. Regelmaͤßig, da ſelbſt im freien Stande die Birke ſich ziemlich hoch von Aeſten reinigt, rund, abholzig, die Aeſte ganz verwachſend. c. Aſt⸗ bildung. Geringe Aſtverbreitung, im freien Stande verlaͤn⸗ gern ſich zwar die Zweigſpitzen ſehr, haͤngen fadenfoͤrmig herab (Hangelbirke), beſchirmen aber immer nur eine geringe Flaͤche. Die Aeſte ſind ſchwach, in geringer Menge vorhanden, daher auch Aſt⸗ und Reißigmenge nur gering. Wo die Birke nicht ganz frei ſtehet, wird man nicht mehr als 5 Procent Aſt⸗ holz und 3 Procent Reisholz bei dem Einſchlage rechnen koͤn⸗ nen. d. Rinde. Unten am Stamme riſſig, dick, ſehr feſt und beinahe unzerſtoͤrbar durch Faͤulniß. Dieſe Feſtigkeit der Rinde — 113— NRinde ſcheint das Hervorbrechen der Knospen zu hindern. Am obern Stamme ein feſter, pergamentartiger, leicht abzuſchaͤ⸗ lender, weißer Ueberzug, welcher viel oͤlige Theile enthaͤlt, und deshalb zum Feueranzuͤnden benutzt wird, den Birkentheer in Menge giebt, deſſen Abſchaͤlen aber der Birke ſehr verderb⸗ lich wird und den Rindenbrand verurſacht. e. Belaubung locker, wenig Schatten verurſachend, das Blatt klein und duͤnn. f. Groͤße. An Hoͤhe nicht hinter andern Laubhoͤl⸗ zern zuruͤckſtehend, ſelten eine Dicke von 2 Fuß erreichend. Bluͤthe und Frucht. Die Bluͤthe erſcheint mit Aus⸗ bruch des Laubes im Mai. Die Reifzeit des Samens iſt ſehr verſchieden, vom Auguſt bis October. Auf Sandboden, in warmer Lage, kann man haͤufig ſchon Mitte und Ende Au⸗ guſt in warmen, fruͤh eingetretenen Sommern reifen Samen finden, in ſpaͤten Jahren, in rauhen Bergen, auf kaltem Thon⸗ ſchieferboden koͤmmt oft der October heran, ehe er ganz reif zum Abnehmen iſt. Immer fliegt vorher viel tauber Same haͤufig ſchon im Juli ab, durch welchen man ſich uͤber die Reifzeit des tauglichen nicht irre machen laſſen darf. Die Mannbarkeit der Birke tritt ſehr fruͤh, unter guͤnſtigen Verhaͤltniſſen gewoͤhnlich mit 20 Jahren ein. Sie traͤgt ſehr viel Samen. Alter. a. Natuͤrliches. Haͤngt ſehr vom Standorte ab. Im trocknen, doch friſchen, ſandigen Lehmboden, in nicht zu warmer Lage, oft uͤber 150 Jahre, an warmen flachgruͤndi⸗ gen Suͤdhaͤngen, im Sumpfboden, auf Kalkgrunde haͤufig kaum 60 bis 80 Jahre. b. Wirthſchaftliches. Ein hohes Alter iſt wegen ihrer unten bemerkten Eigenſchaften niemals vortheilhaft, des⸗ halb gilt die Regel, die Birke nicht aͤlter werden zu laſſen, als bis das Holz die verlangte Staͤrke und Brauchbarkeit hat. Gewiß giebt ſie in reinen Beſtaͤnden in unſerem Klima als Niederwald, im kurzen Umtriebe noch die groͤßte Holzmaſſe, das 40 jaͤhrige Baumholz mehr als das 60 und 80 jaͤhrige. 8 — 114— Betrieb und forſtliches Verhalten. 1) Sie wird als Baumholz, Niederwald und Oberholz im Mittelwalde gezogen. Als Kopfholz iſt ſie nicht benutzbar, da ſie keine Ausſchlaͤge am Stamme entwickelt, als Unterholz im Mittelwalde unvortheilhaft, da ſie keine Beſchattung ertraͤgt. 2) Wuchs. In der Jugend raſch, ſowohl als Kernlode wie als Stockausſchlag, gerade Schuͤſſe treibend, die im Nie⸗ derwalde ſtaͤmmig ſind. Im Alter laͤßt ſie ſehr im Wuchſe nach, was ſehr verſchieden hinſichts der Zeit iſt, je nachdem ſie einen paſſenden oder unpaſſenden Boden hat. In war⸗ mer Lage, auf flachgruͤndigem Boden bemerkt man dies ſchon bei 20 Jahren, waͤhrend es erſt unter entgegengeſetzten Ver⸗ haͤltniſſen mit 40 und 50 Jahren in die Augen faͤllt. 3) Ausſchlagsfaͤhigkeit. Immer ſehr ſchlecht, fruͤh aufhoͤrend, mit fruͤh eingehenden Mutterſtoͤcken. Am ſchlech⸗ teſten auf trocknem armen Sandboden, am beſten auf ſeuch⸗ tem humoſen Sandboden, lehmigten Kiesboden, dazwiſchen liegt der flachgruͤndige Gebirgsboden. Unter keinem Verhaͤltniſſe iſt der Ausſchlag laͤnger als bis hoͤchſtens 30 Jahre ſicher, unter unguͤnſtigem verliert er ſich wohl ſchon mit 12 bis 18 Jah⸗ ren. Derſelbe koͤmmt entweder dicht an der Erde, wo die dicke aufgeborſtene Rinde aufhoͤrt, hervor, oder an den bloß liegenden Seitenwurzeln, jedoch nur dann, wenn dieſe nicht mit Erde bedeckt ſind. Darin liegt es, wenn die Bemerkung gemacht worden iſt, daß haͤufig gepflanzte, tief in der Erde ſtehende Birken ſchlechter ausſchlagen, als die flach ſtehenden geſaͤcten. Man kann dies jedoch dadurch aͤndern, daß man die Erde um den Stock etwas auflockert, ſo daß die ſtarken obern Seitenwurzeln bloß zu liegen kommen. Der Birke Mutterſtock breitet ſich mit ſeinen Ausſchlaͤgen nie in der Erde aus, dieſe Holzgattung hat daher immer nur vereinzelte und kleine Mutterſtoͤcke, die nicht lange ausdauern, weil die Ausſchlaͤge ſelten ſelbſtſtaͤndig in der Erde wurzeln, da ſie nicht in der Erde hervorkommen. Der Safthieb ſagt ihr nicht zu. 4) Sie ertraͤgt beinahe unter allen Hoͤlzern die wenigſte Beſchattung, macht ſelbſt nur eine ſehr geringe, und iſt durch⸗ aus nicht verdaͤmmend. 5) Außerordentlich ſtarke Neigung zur Lichtſtellung, in⸗ dem eine große Menge Staͤmme zeitig abſterben, was ſelbſt bei andern Holzgattungen, die ebenfalls nur kurze Lebensdauer haben, nicht ſo auffallend iſt. Dies begruͤndet nicht nur ihren geringen Ertrag bei langem Umtriebe, ſondern auch, daß ſie den Boden ſehr verſchlechtert. Bei der geringen Belaubung wird derſelbe von ihr nicht genug beſchirmt, der Humus, vor⸗ zuͤglich im Sande, leicht zerſtoͤrt, und der geringe Erſatz durch die wenigen duͤnnen Blaͤtter kann die in reinen Birkenbeſtaͤn⸗ den in warmer Lage ſtets fortſchreitende Bodenverſchlechterung nicht aufhalten. Dies iſt ein ſehr wichtiger Grund gegen ih⸗ ren Anbau in reinen Beſtaͤnden. Wo man ihn nicht achtet, indem man dem Eindraͤngen der Birke auf Bloͤßen Raum giebt, kann man leicht dahin kommen, auch ſelbſt dieſe ge⸗ nuͤgſame Holzgattung nicht mehr ziehen zu koͤnnen. 6) Die Witterung zeigt keine beſonders nachtheilige Ein⸗ wirkung auf die Birke, denn Froſt, Hitze, Stuͤrme, Duftan⸗ hang, kann ſie gleich gut ertragen, wenn die Duͤrre dabei nicht zu groß iſt. Nur der Schatten wird ihr verderblich. Der Malkaͤfer und einige Raupen naͤhren ſich zwar von ih⸗ rem Laube, ohne jedoch weſentlichen Schaden zu thun. Die Horniß, Vespa Crabro, frißt zuweilen die Rinde der jungen Staͤmme ab, und bewirkt das Eingehen von Wipfeln und Zweigen, wo es nur theilweis geſchiehet, eine ſtarke Fruchter⸗ zeugung, wie der pomologiſche Zauberring. Vieh und Wild greifen ſie nur durch Hunger gezwungen an, und ſind ihr da⸗ her im Allgemeinen wenig gefaͤhrlich. 7) Von Krankheiten bemerkt man zuerſt die Stamm⸗ ſproſſen, welche ſich gewoͤhnlich einige Jahre vor dem Abſter⸗ 8* —ÿy— — 116— ben des Baumes zeigen und ein ſicheres Kennzeichen deſſelben ſind. Sie erholt ſich einmal krank oder fehlerhaft ſelten mehr, der voͤllige Tod folgt ſehr ſchnell, bemerkten Fehlern. Da ſie auch abgeſtorben ſehr bald verdirbt, ſo wird dadurch nicht bloß große Vorſicht bei dem Ueberhalten der Birke im Mit⸗ telwalde u. ſ. w. noͤthig, ſondern die Birke fuͤhrt auch ſehr haͤufig wiederkehrende Durchforſtungen, bei ihrer großen Nei⸗ gung zur Lichtſtellung herbei. 8) Holzmaſſe. Schwankt in vollen Beſtaͤnden ge⸗ woͤhnlich zwiſchen 20 und 30 Kubikfuß jaͤhrlich, obwohl unter ſehr guͤnſtigen Verhaͤltniſſen in nicht zu langem Umtriebe, be⸗ traͤchtlich mehr gewonnen werden kann. Wirthſchaftlicher Werth. In geſchloſſenen Beſtaͤn⸗ den hat die Birke in unſerem Klima, denn anders iſt es im Norden, keinen großen Werth, und von ihrem ausgedehnten Anbaue iſt mehr abzurathen, als daß er zu empfehlen waͤre. Der ſtarke Wuchs in der Jugend taͤuſcht die Erwartung eines reichen Holzertrages, da er theils nicht aushaͤlt, theils ihre Neigung zur Aichtſtellung, vorzuͤglich im Baumholze, die Stammzahl zu ſehr vermindert. Im Niederwalde wird ſie wieder durch ſchlechten Ausſchlag, ſtetes Eingehen der Mutter⸗ ſtoͤke, unvortheilhaft. Auf Sandboden, wo haͤufig wiederkeh⸗ rende Pflanzung nothwendig wird, ſchmaͤlern die Kulturkoſten noch uͤberdies den ohnehin nicht großen Bruttoertrag. In großen Maſſen angezogen, giebt ſie auch nur dann viel Nutz⸗ holz, wenn alles andere Laubholz ganz mangelt. Dagegen empfiehlt ſie alles als untergeſprengtes Durchforſtungsholz. Ihre Vertraͤglichkeit mit andern Holzgattungen, da ſie nicht leicht verdaͤmmend wird— das Abpeitſchen der Wipfel des Nadelholzes iſt unter die alten Forſtfabeln zu rechnen— ihr raſcher Wuchs in der Jugend, ihre Brauchbarkeit als Stan⸗ genholz, da ſie dann nicht nur ein geſuchtes Brennholz, ſon⸗ dern auch das mehrſte Nutzholz giebt, machen ſie ſehr vor⸗ theilhaft in gemiſchten Beſtaͤnden, wo man jeden Stamm — 117— wegnehmen kann, der ſeine Brauchbarkeit erreicht hat. Die Nachtheile der Lichtſtellung und Bodenverſchlechterung fallen dann auch ganz hinweg. Sehr zweckmaͤßig ſprengt man ſie in Kiefern und Fichten unter, in Buchen, Eichen, Ulmen und Ahorn iſt jedoch Aufmerkſamkeit noͤthig, daß ſie nicht, wo ſie horſtweis ſtehet, doch zuletzt verdaͤmmend wird. 1) Gebrauchsfaͤhigkeit. a. Brennholz. Lebhaft, mit heller Flamme brennend, doch auch noch ziemlich dauernde Kohlengluth, etwa;ꝛ des Werthes des Buchen, bei der Ver⸗ kohlung ſich noch etwas beſſernd. Das Stangenholz ſtehet nicht hinter dem Baumholze zuruͤck. 2) Aſcheertrag. 1000 Pfd. Holz 14 Pfd. Aſche, 1 Pfd. 19 Loth Pottaſche. 3) a. Dauer. Gering unter allen Umſtaͤnden, denn ſelbſt im Trocknen iſt es leicht dem Wurmfraße unterworfen. b. Spaltigkeit, mittelmaͤßig. c. Feſtigkeit und Zaͤhigkeit, gut. d. Elaſticitaͤt, ziemlich. e. Dichtigkeit, mittelmaͤßig, die Holz⸗ lagen gleichmaͤßig und deshalb die Textur ſchoͤn. Vorzuͤglich geflammtes oder gemaſertes Holz wird ſtark von Tiſchlern zu feinen Geraͤthen verarbeitet. ſ. Reißen und Werfen iſt nicht auffallend bemerkbar. g. Gewicht. Gruͤn 60— 62 Pfd. der Kubikfuß, waldtrocken 50— 53 Pfd. Verwendung. Wangner⸗, Tiſchler⸗, Drechsler⸗, Schnitz⸗, Nutzholz, Reifſtaͤbe, in Ermangelung anderer Hoͤlzer, Bauholz im Trocknen, Maſchinenhoͤlzer. Die Rindes Gerberrinde, Verwendung zur Bereitung des Birkentheers, welcher bei der Juftenfabrikation benutzt wird. Der Saft, gegohren und mit Zucker verſetzt, als Ge⸗ traͤnk(Birken⸗Champagner). Das Laub getrocknet ein ſchlechtes Viehfutter, auch als Duͤngungsmittel wenig Werth habend. Erziehung: durch natuͤrlichen Anflug, Saat und Pflan⸗ zung. Zu Senkern im Niederwalde iſt die Birke wenig paſ⸗ — 118— ſend, da die ſtarken aufrechtſtehenden Schuͤſſe bei dem Nie⸗ derbiegen leicht losbrechen.— Die Erle. Alnus. 21. Kl. Linn. Monaecia. 1) Die gemeine ſchwarze Erle. A. glutinosa. 2) Die nordiſche Weißerle. A. incana. Unterſcheidungszeichen. Die Rinde der Weißerle an jungen Trieben braungrau und behaart, bei der Schwarz⸗ erle dunkelolivengruͤn. Die Aeſte der erſten ſtehen ſpitzwinkli⸗ cher, die Blaͤtter ſind ſpitziger und eckiger, als die der andern, uͤberdem mit ungleichen ſcharfen Zaͤhnen am Nande doppelt geſaͤgt, auf der untern Seite weißfilzig, wogegen die der ge⸗ meinen Erle rund, an der Spitze ſtumpf, unten glatt ſind. Beide ſind in ihrem forſtlichen Verhalten ſo weſentlich verſchieden, daß von jeder beſonders gehandelt werden muß. 1) Die gemeine ſchwarze Erle. Verbreitung. Durch ganz Deutſchland und noch be⸗ traͤchtlich noͤrdlicher, im Suͤden ſeltner werdend. Im Gebirgs⸗ boden nur horſtweis auf feuchten Stellen, einzeln an Fluß⸗ und Bachufern vorkommend, im Sumpf⸗ und Meeresboden oft in großer Ausdehnung bruchige Gegenden in reinen Be⸗ ſtaͤnden bewohnend, daher bedingt herrſchend. Boden. Weniger die Bodenmiſchung als der Feuchtig⸗ keitsgrad entſcheidet uͤber ihr Vorkommen und Gedeihen, da ſie im friſchen Boden zwar noch waͤchſt, doch nur im ſeuch⸗ ten gedeiht, ſelbſt naſſen noch ſehr gut ertraͤgt. Doch hindern auch flachgruͤndiger ſtrenger Thonboden, flachgruͤndiges Ge⸗ ſtein, Raſeneiſen, Saͤuren, Torf ihr vollkommenes Gedeihen, welches auf feuchtem humoſen Sande am ausgezeichneteſten hervortritt. Klima. Die Erle liebt Freilagen, waͤchſt am liebſten an Feld- und Wieſenraͤndern, weniger gut im Innern großer Waldungen. Doch iſt ſie dabei der Beſchaͤdigung durch Spaͤt⸗ froͤſte als ganz junges Schlagholz ſehr ausgeſetzt, die ihr ſehr — 4119— verderblich werden kann, worauf bei der Hiebsleitung ſehr Ruͤck⸗ ſicht genommen werden muß. Mitternachtsſeiten ſagen ihr ſonſt, des ſtaͤrkern Feuchtigkeitsgrades wegen, am mehrſten zu, kuͤhle Lage mehr als heiße, und in engen Thaͤlern wird ſie haͤufig getroffen, wenn gleich hier nicht ſo uͤppig wachſend als in frei gelegenen Feldbuͤſchen. In den Bergen gehet ſie ſehr hoch, begleitet daſelbſt die letzten Laubhoͤlzer. Bau und Form. a. Wurzelbildung. Viel ſchwache, tief und wenig auswaͤrts ſtreichende Wurzeln, giebt nur dann beachtungswerthen Stockholzertrag, wenn alle ſchwache Wur⸗ zeln benutzt werden, iſt ſchwierig zu roden, laͤßt ſich aber auch bei dieſer Wurzelbildung ziemlich ſtark ohne weitere Vor⸗ bereitung mit Sicherheit verpflanzen, da ſie viel Zaſerwurzeln dicht um den Stamm hat. b. Stammbildung. Regelmaͤßig, gerade, rund, im Schluſſe ziemlich vollholzig, ſich von Aeſten hoch reinigend. c. Aſtbildung. Geringe Aſtverbreitung, uͤberhaupt ſehr wenige, nur ſchwache Aeſte mit wenig Reisholz, 10 bis 13 Procent beides zuſammen, vom oberirdiſchen Holzertrage. d. Rinde, nicht dick, ſchuppig bei alten Staͤmmen, ſproͤde, mit ſchwachen Baſtlagen. e. Belaubung, locker, nicht daͤmmend, ein Erlenbe⸗ ſtand im Schluſſe beſchattet im hoͤhern Alter ſelten den Bo⸗ den ſo, daß nicht noch maͤßige Beſchattung ertragende Hoͤlzer oder Gras darunter wuͤchſen. f. Groͤße. An Hoͤhe allen uͤbrigen Hoͤlzern gleichkom⸗ mend, doch ſelten die Dicke von 3 Fuß erreichend. Bluͤthe und Frucht. Bluͤht im Maͤrz, der Same reift im October, faͤllt im Winter nach eingetretenem Froſt⸗ wetter aus, wird haͤufig dann durch die Erlenzeiſige verzehrt. Mannbarkeit. Schlagholz traͤgt oft ſchon mit 20 Jah⸗ ren ziemlich viel Samen, Kernſtaͤmme ſpaͤter mit 30— 40 J. Alter. a. Natuͤrliches. 100 bis 120 Jahre. b. Wirth⸗ — 120— ſchaftliches, als Baumholz 60 bis 80, als Schlagholz vom Buſchholzumtriebe bis zu 40 Jahren. Forſtliches Verhalten. 1) Wuchs. In der erſten Jugend ſehr ſchnell, vorzuͤg⸗ lich als Stockausſchlag, als Kernſtamm mit 40 bis 50 Jah⸗ ren bemerkbar nachlaſſend, als Stockausſchlag mit 25 bis 30. Auf Torfboden haͤlt ſie auch ſo lange nicht aus, ertraͤgt da⸗ ſelbſt eigentlich nur Buſchholz⸗Umtrieb, wenn ſie nicht ſehr im Ertrage zuruͤckgehen und die Gefahr des Eingehens der Mutterſtoͤcke vermieden werden ſoll. 2) Ausſchlagsfaͤhigkeit. Stark und lange aushal⸗ tend, gewoͤhnlich bis zu 40 Jahren. Die Ausſchlaͤge kommen am Wurzelknoten hervor, und bedingen deshalb tiefen Hieb. Ob man im jungen Holze hauen muß, laͤßt ſich aus einer Unterſuchung des Mutterſtockes entnehmen. Zeigen ſich tiefe Wurzel⸗ oder Stammſproſſen, Knospen und Maſerbildung, ſo iſt es nicht noͤthig, rathſam im entgegengeſetzten Falle. Wur⸗ zelbrut bringt ſie nicht, was auch die tief ſtreichenden Wur⸗ zeln nicht geſtatten wuͤrden. Von den flach⸗ und weitſtrei⸗ chenden Wurzeln, die die Erle nach den Handbuͤchern der Forſtbotanik haben ſoll, hat in vielen tauſend Morgen reiner Erlenbeſtaͤnde im Bruchboden nie etwas bemerkt werden koͤn⸗ nen, ſie muͤſfen auch nothwendig im Waſſer, was den Boden gewoͤhnlich bedeckt, fortlaufen und ſchwimmen. Es ſcheint kaum einen Unterſchied zu machen, in welcher Jahreszeit die Erle gehauen wird, da ſelbſt vor und nach Johanni einge⸗ ſchlagene, kraͤftige Mutterſtoͤcke gut ausſchlugen, wie vielfaͤltige Verſuche ergeben. Der gewoͤhnliche Abtrieb im naſſen Boden iſt im Winter. 3) Die Erle leidet ſehr bald unter der Beſchattung, und junge Samenpflanzen muͤſſen ſo ſchleunig als zslic licht geſtellt werden. 4) Der Samenanflug ſtehet bis zu 20 und 30 Jahren — 121— ſehr dicht, ſaͤngt dann aber an ſich licht zu ſtellen. Die Mut⸗ terſtoͤkke im Niederwalde ſind immer mehr oder weniger ver— einzelt. Dieſe Lichtſtellung iſt jedoch nicht ſo betraͤchtlich, daß der Maſſenertrag darunter ſehr litt. 5) Die Erle leidet, mit Ausnahme des Erfrierens des jungen Stockausſchlags, auf paſſendem Standorte wenig von Witterung und Naturereigniſſen. In feuchtem, humoſen und lockern Boden werden jedoch die jungen Pflanzen leicht durch Froſt aufgezogen. Der Graswuchs wird ihr nachtheilig und hindert ihr Aufkommen, ſobald die junge Pflanze ganz davon uͤberwachſen wird, oder das Gras ſich filzartig uͤber ſie hin⸗ weglegt. Dem Verbeißen durch Wild iſt ſie beinahe gar nicht unterworfen, das Rindvieh greift ſie durch Hunger dazu ge⸗ zwungen im Herbſte an. Schaafe vermeiden ſie ganz. Kein Inſect beſchaͤdigt ſie ſo, daß ein bleibender Nachtheil davon zu fuͤrchten waͤre. Auch Krankheiten ſind nur bei ihr zu be⸗ merken, die vom Alter oder unpaſſendem Boden herruͤhren. 6) Die Holzmaſſe, welche ſie als Niederwald giebt, iſt wohl groͤßer als die, welche man vom Baumholze erwarten kann, da ihr Wuchs als Stockausſchlag in der erſten Jugend außerordentlich ſtark iſt und das Baumholz ſehr darin nach⸗ laßt, auch ſich leicht licht ſtellt. Die Differenz darin iſt au⸗ ßerordentlich groß, der Zuwachs kann im ſauren Torfboden in vollen Beſtaͤnden zuweilen kaum 8 bis 10 Kubikfuß jaͤhr⸗ lich betragen, und im beſten Boden 80 Kubikf. uͤberſteigen. Stets wird aber die Erle auf paſſendem Boden unter die Holzgattungen zu zaͤhlen ſein, welche einen ſehr ſtarken Holz⸗ ertrag geben. Gebrauchsfaͤhigkeit. 1) Als Brennholz giebt ſie ein lebhaftes, hell brennendes Flammenfeuer mit wenig Kohlen⸗ gluth, und ſelbſt gruͤnes Holz brennt verhaͤltnißmaͤßig ſehr gut. Es hat etwa die Haͤlfte des Werthes des Buchen, als Kohlholz beſſert ſich dies Verhaͤltniß etwas. — 122— 2) Aſcheertrag. 1000 Pfd. Holz 25 Pfd. Aſche, 3 ½ Pfd. Pottaſche. 3) a. Dauer. In ſteter Naͤſſe ſehr gut, im Trocknen und in abwechſelnder Feuchtigkeit gering. b. Spaltigkeit, gut. c. Fe⸗ ſtigkeit und Zaͤhigkeit, ſehr gering, die Aeſte vorzuͤglich ſind dasjenige deutſche Holz, welches am ſproͤdeſten und bruchig⸗ ſten iſt. d. Elaſticitaͤt, gut. e. Haͤrte, gering. f. Es reißt ſtark, wirſt ſich auch leicht. g. Die Lage der Holzmaſſen ſcheint ziemlich gleichmaͤßig dicht. h. Gewicht, gruͤn der Kubikf. 56 bis 58 Pfd., waldtrocken 43 Pfd. i. Beachtungswerth iſt, daß das Erlenholz, vorzuͤglich jung, durch das Austrocknen außerordentlich am Volumen verliert, weshalb auch kein an⸗ deres Holz mit einem ſo ſtarken Uebermaße geſetzt werden muß, wenn es laͤngere Zeit im Walde ſtehen ſoll. Auch trock⸗ net es ſehr raſch aus. Verwendung. Als Bauholz in ſteter Naͤſſe, zu Grund⸗ pfaͤhlen, Noͤhren u. dergl. Schnitznutzholz, fuͤr Tiſchler und Drechsler. Der Nutzholzabſatz iſt gewoͤhnlich ſehr beſchraͤnkt. Die Erle koͤmmt in groͤßerer Ausdehnung gewoͤhnlich nur im Niederwalde vor. Die Behandlung als Samenwald(der mehr in Buͤchern als in der Wirklichkeit zu finden ſein duͤrfte) wuͤrde viel Schwierigkeit haben. Der uͤberſchwemmte, lockere und zum Auffrieren geneigte Boden mit uͤppigem Graswuchſe, den ſie beinahe immer einnimmt, wuͤrde es ſchwer, wo nicht unmoͤglich machen, Samenpflanzen durch Samenſchlaͤge zu erziehen, zumal da dieſe keinen Schatten ertragen und ſo bruchig und ſproͤde ſind, daß man bei dem Aushiebe der Sa⸗ menbaͤume alles vernichten wuͤrde. Je ſchwieriger auch die Erziehung neuer Pflanzen iſt, deſto ſorgfaͤltiger muß man da⸗ rauf bedacht ſein, die alten Mutterſtoͤcke durch paſſenden Um⸗ trieb zu erhalten. Bei einem 30 bis 35jaͤhrigen zieht man ſchon ſpaltiges Holz von 6 bis 8 Zoll Staͤrke, und erhaͤlt dabei den Ausſchlag noch ganz ſicher. Da das wenige ſtarke Holz, was zu Nutzholz bedurft wird, ſehr gut durch einzelne — 123— Randbaͤume und uͤbergehaltene Staͤmme erzogen werden kann, ſo iſt auch gar keine Veranlaſſung dazu da, Hochwald im laͤngern Umtriebe zu erziehen.— Die Ergaͤnzung der Mut⸗ terſtoͤkke, in ſo fern ſie nicht durch von ſelbſt aufwachſende Samenloden erfolgt, geſchiehet wohl ausſchließlich durch Pflan⸗ zung, als das allein anwendbare Mittel, da auch Senker bei dem ſproͤden Holze nicht ausfuͤhrbar ſind.— 2) Die Weißerle. Verbreitung. Vorzuͤglich in noͤrdlichen Gegenden ein⸗ heimiſch, nur einzeln nach Deutſchlands Gebirgen ſtreifend, jedoch auch in ihrer eigentlichen Heimath mehr haͤufig einge⸗ ſprengt, gewoͤhnlich horſtweis, als herrſchend. Boden. Friſcher und feuchter humoſer Sandboden, der jedoch nicht naß ſein darf, fruchtbarer nicht feſter kieſigter Lehmboden. Auf ganz trocknem Sande, ſtrengem Thonboden, flachgruͤndigen, duͤrren Haͤngen, Torfboden, iſt dieſe Holzgat⸗ tung nicht mit Erfolg zu ziehen. Klima. Alle heißen, trocknen Lagen ſind ihr zuwider, ſelbſt Freilagen ſcheinen ihr wenig zuzuſagen. Die Seenaͤhe ſchadet ihr nichts, ſie wird haͤufig in den unmittelbar an die Kuͤſte ſtoßenden Waͤldern gefunden. Bau und Form. a. Wurzel. Weit und flach laufend, viel ſchwache Zweige treibend und den Boden uͤberall durch⸗ ſchlingend. b. Stammbildung. Regelmaͤßig, ſich leicht von Aeſten reinigend, darin der Schwarzerle ziemlich gleichend. c. Die Aeſte bilden eine etwas ſtaͤrker abgewoͤlbte Krone wie bei dieſer, ſonſt ihr ziemlich gleich. d. Die Rinde, nur in der Farbe verſchieden. e. Die Belaubung, wenig dichter. f. Der Hoͤhenwuchs, vorzuͤglich im freien Stande, etwas geringer. Die Bluͤthe erſcheint bei uns oft ſchon Anfang Maͤrz, der Same reift im Oetober, die Mannbarkeit tritt beim Schlag⸗ holze oft ſchon mit 6 bis 8 Jahren ein. — 124— Forſtliches Verhalten. Alter. a. Natuͤrliches. Im Norden erreichen die Baͤume in paſſendem Boden ein Alter von 120 Jahren und daruͤber, und ſterben nur im trocknen Sande fruͤhzeitig ab, bei uns wird ſie ſelten uͤber 80 Jahr. b. Wirthſchaftliches. Nur als Schlagholz, in einem Umtriebe nicht uͤber 20 bis 25 Jahre hinausgehend, vortheilhaft, da ſonſt gewoͤhnlich viel Staͤmme wipfeltrocken werden, auch ihr Wuchs nachlaͤßt. 2) Wuchs. In der Jugend, vorzuͤglich als Schlagholz, ſo außerordentlich ſtark, daß man ſchon, auf paſſendem Bo⸗ den, mit 10 bis 12 Jahren auf Knuͤppelholz rechnen kann. 3) Ausſchlagsfaͤhigkeit. Bis zu 25 und 30 Jahren ſehr gut, auch viel Wurzelbrut treibend und dadurch bei kur⸗ zem Umtriebe die Beſtaͤnde ſehr verdichtend. 4) Sie ertraͤgt maͤßige Beſchattung recht gut in der erſten Jugend, und nur ſpaͤter geſtattet ſie keine unmittelbare Ueber⸗ ſchirmung. 5) Jung haͤlt ſie ſich ſehr geſchloſſen, die lichtere Stellung beginnt mit 20 bis 25 Jahren. Sie iſt ſehr zur Verbeſſe⸗ rung des Bodens geeignet. 6) Eine ſehr harte, gegen Kaͤlte unempfindliche Holzgat⸗ tung, der nur heiße, duͤrre Lage ſchadet. Vierfuͤßige Thiere und Inſekten werden ihr wenig nachtheilig. Von Krankheiten iſt die Gipfelduͤrre die gewoͤhnlichſte, vorzuͤglich bemerkbar im Schlagholze von etwas langem Umtriebe, auf trocknem, ſehr flachgruͤndigem Boden. 7) Die Holzmaſſe, welche ſie giebt, uͤbertrifft eher die der Schwarzerle, als daß ſie hinter ihr zuruͤckblieb. Gebrauchsfaͤhigkeit. a. Brennholz, etwas beſſer als das der Schwarzerle. b. Spaltigkeit, gut. c. Feſtigkeit und Zaͤhigkeit, nicht gering, ſo daß die jungen Stangen ſogar als Reifen benutzt werden. d. Die Holzlagen gleichmaͤßig, die Farbe weiß, ſonſt ziemlich gleiche Eigenſchaften wie die der Schwarzerle. Forſtlicher Werth und Verwendung. Als Brennholzwaͤlder ſind die Weißerlen⸗Beſtaͤnde von ausgezeichnetem Werthe fuͤr den Norden, da nicht leicht eine Holzgattung dort ſo viel Brennſtoff geben duͤrfte, wozu noch koͤmmt, daß die Ernte in ſo kurzer Zeit erfolgt. Man hat deshalb auch fuͤr Deutſchland den Anbau derſelben oft und dringend empfohlen. Es ſcheint ihr jedoch unſer ſuͤdlicheres Klima nicht zuzuſagen, denn auf demſelben trocknen Boden, wo ſie in Lievland noch fortkoͤmmt, gedeiht ſie bei uns nicht mehr. Wir haben den Boden, wo ſie den erwarteten hohen Ertrag auch bei uns geben wuͤrde, nicht in ſo großer Aus⸗ dehnung fuͤr den Holzanbau, daß zu erwarten waͤre, die An⸗ zucht der Weißerle wuͤrde je von Bedeutung werden. Dies hindert jedoch nicht, ſie wenigſtens fuͤr einzelne dazu paſſende Stellen dringend zu empfehlen. Auf Nutzholzabſatz wuͤrde bei uns wenig von ihr zu rechnen ſein, da ihr Holz nur etwa zu ſchlechtem Schnitz⸗, Tiſchler⸗ und Drechslerholz zu gebrau⸗ chen iſt, ſogar der Gebrauch als Waſſerbauholz nicht zu empfehlen iſt. Erziehung. Einmal beſtockte Niederwaͤlder beduͤrfen gewoͤhnlich gar keine Ergaͤnzung, da die in Menge hervor⸗ kommende Wurzelbrut ſich dicht erhaͤlt. Doch laͤßt ſie ſich auch leicht in Saatſchulen erziehen und gut verpflanzen. Die Hainbuche. Carpinus Betulus. 2lIſte Klaſſe. Linn. Monoccia. Verbreitung. Durch ganz Deutſchland, weder ſuͤdlich noch noͤrdlich weit uͤber deſſen Grenze hinausgehend, ruͤckſicht⸗ lich der Hoͤhe in den Bergen etwas gegen die Buche zuruͤck— bleibend. Als Baumholz gewoͤhnlich nur einzeln eingeſprengt, ſelten horſtweis, als Niederwald, wo ſie ſich durch ihre Wur⸗ zelbrut ſehr verbreitet, in groͤßerer Ausdehnung auch rein vor⸗ kommend, doch immer nur fleckweis. Boden. Man trifft ſie mit der Buche gemiſcht, aber — 126— auch haͤufig im Flußboden, wo dieſe in der Regel nicht ge⸗ funden wird, verlangt einen kraͤftigen nicht zu ſtrengen Bo⸗ den. Sie ertraͤgt ihn trockner und ſandiger als die Buche, geſtattet ihn noch flachgruͤndiger, nimmt mit einem etwas ge⸗ ringern Humusgehalte vorlieb, ſonſt hat ſie gleiches Vorkom⸗ men hinſichts des Bodens, wie dieſe Holzgattung. Klima. Freilagen, ſelbſt Suͤd⸗ und Weſthaͤnge, laſſen wenigſtens noch Schlagholz gedeihen, auch Sumpf⸗ und See⸗ klima ſcheinen ihr guͤnſtig zu ſein. Sie iſt uͤberhaupt nicht zaͤrtlich oder eigenſinnig, in dieſer Hinſicht, ſo beſchraͤnkt auch ihre Verbreitung iſt. Bau und Form. a. Wurzelbildung. Viel ſchwache, ziemlich tief ſtreichende, jedoch auch theilweis ſich in der Ober⸗ faͤche weit verbreitende Wurzeln. Die Rodung deshalb ſehr ſchwierig, der Stock ſehr ſchwer ſpaltig, der Stockholzertrag, wenn die ſchwaͤchern Wurzeln mit benutzt werden, uͤbrigens ziem⸗ lich dem der Buche gleich. b. Stammbildung. Unregelmaͤßig, kluftig, ſelten ganz gerade, ſehr abholzig. c. Aſtbildung. Sehr ſtarke Neigung zur Aſtverbreitung, viel ſchwache, lang ausgereckte Aeſte, mit vielen ſchwachen Reiſern beſetzt. Die Reisholzmenge betraͤgt ſelbſt bei nicht ganz freiſtehenden Baͤu⸗ men 10 pEt. der ganzen Holzerzeugung, die Aſtholzmenge in der Regel nicht weniger, oft mehr. d. Rinde, glatt, feſt, je⸗ doch nicht dick. e. Belaubung, verdaͤmmend. f. Groͤße. Frei⸗ ſtehend ſelten uͤber 40 bis 50 Fuß hoch, im Schluſſe mit Buchen vermiſcht, erreicht ſie jedoch ganz die Hoͤhe als dieſe. Die Hoͤhe der Fichte und Tanne kann ſie aber nicht erlangen, wenn ſie zufaͤllig zwiſchen dieſe eingeſprengt iſt. Sie kann eine Dicke von 4 Fuß und daruͤber erhalten, jedoch iſt dies nicht haͤufig. Blüthe und Frucht. Die Bluͤthe erſcheint im Mai mit dem Ausbruche des Laubes, der Same reift im October, und faͤllt dann bald ab. Man findet ihn oft in ſehr großer Menge, jedoch geraͤth er auch nur alle drei bis vier Jahre. — — 127— Die Mannbarkeit tritt ſehr fruͤh ein, zuweilen traͤgt I0jaͤhri— ger Stockausſchlag ſchon reichlichen und guten Samen, Kern⸗ ſtaͤmme jedoch ſelten vor 30 Jahren. Alter. a. Natuͤrliches. Zuweilen mehrere hundert Jahre, wie man an alten Grenzbaͤumen ſehen kann. b. Wirthſchaft⸗ liches. Als Baumholz wird ein 80 bis 100 jaͤhriges Alter das vortheilhafteſte ſein, als Schlagholz liegt es zwiſchen 10 und l2jaͤhrigem Buſchholzbetriebe und 30 bis 35jaͤhrigem Schlagholzumtriebe. Ein ſehr kurzer Umtrieb iſt bei dieſer Ho zgattung nicht vortheilhaft. Forſtliches Verhalten. 1) Wuchs. In der erſten Jugend ſelbſt verhaͤltnißmaͤßig nicht ſtark, eher zuruͤckbleibend, ſowohl als Kernſtamm wie als Stock⸗ ausſchlag, im Mittelalter ſich etwas ſtaͤrker entwickelnd, immer aber im Allgemeinen nur langſam. Etwas beſſer als Schlag⸗ holz wie als Baumholz. Das Buſchige, Sperrige des Wuch⸗ ſes macht ſich ſchon in der fruͤheſten Jugend bemerkbar, im Mittelalter iſt es noch am wenigſten auffallend. 2) Ausſchlagsfaͤhigkeit. Stark und lange dauernd, ſich am ganzen Stamme zeigend, ſo daß ſelbſt alte Staͤmme noch zu Kopf⸗ und Schneidelholz eingerichtet werden koͤnnen, wenn man ihnen nur Anfangs noch einige Aeſte als Saft⸗ zieher ſtehen laͤßt. Sie treibt im Niederwalde regelmaͤßig und viel Wurzelbrut, ſo daß ſie zu jeder Zeit tief gehauen wer⸗ den mußzl die Regel, im jungen Holze zu hauen, findet bei dem Schlagholze keine Anwendung, um ſicher zu ſein, tiefe Ausſchlaͤge zu erhalten. Theils durch dieſe Wurzelbrut, theils durch die vielen natuͤrlichen Senker, welche ſich aus den auf der Erde liegenden und gleichſam auf ihr hinkriechenden Aeſte bilden, verdichten ſich Niederwaͤlder von kurzem Umtriebe, bei tiefem Hiebe außerordentlich. 3) Sie ertraͤgt maͤßige Beſchattung und iſt deshalb ein ſehr gutes Unterholz im Mittelwalde. Doch bedarf ſie der Beſchattung nicht zu ihrer Erziehung. 1 — 128— 4) Als Baumholz ſtellt ſie ſich licht, und ſchon im Stan⸗ genholze, ſelbſt bei langem Umtriebe im Schlagholze wird dies bemerkbar. Den Boden verbeſſert ſie daher auch nicht ſo raſch als die Buche. 5) Auf ſandigem Boden leidet ſie ſeht durch Duͤrre und Froſt, weniger iſt dies im kraͤftigen Lehmboden bemerkbar, wo ſie unter die nicht empfindlichen Hoͤlzer gehoͤrt. Starker Gras⸗ wuchs kann den jungen Samenpflanzen leicht nachtheilig wer⸗ den, der Duftanhang beugt haͤufig ſehr im Schluſſe geſtan⸗ dene Stangen nieder. Die Maͤuſe ſchaͤlen oft große Flecke im Winter, oder nagen die Ausſchlaͤge im Niederwalde auch ganz ab. Auch die Kaninchen thun in dieſer Hinſicht Scha⸗ den. Am verderblichſten werden ihr Rehe, Roth⸗ nnd Damm⸗ wild, welche ſie leicht ſo verbeißen, daß ſie ſich nur noch als an der Erde rankendes Buſchholz erhaͤlt. Nicht leicht haͤlt dies jedoch eine Holzgattung ſo gut aus, als die Hainbuche, denn dies Erdholz waͤchſt noch zu brauchbarem Schlagholze und ſelbſt zu Baͤumen heran, ſogar wenn es beſchattet kuͤm⸗ merte, wenn es Ruhe und Luft erhaͤlt. Auch das Weidevieh beſchaͤdigt ſie ſehr. 6) Krankheiten. Wipfelduͤrre, Weißfaͤule und Rinden⸗ brand ſind die gewoͤhnlichſten, die, einmal bemerkbar, ſie bald toͤdten. Nur bei der Kernfaͤule erhaͤlt ſie ſich oft noch ſehr lange. 7) Volumen. Als Baumholz bleibt ſie bemerkbar hinter der Buche zuruͤck, ſobald ſie aͤlter als 70 bis 80 Jahr wird, und betraͤgt dies nach Verſchiedenheit des Bodens 3 bis 1. Als Schlagholz iſt ſie in kurzem Umtriebe etwas ertragreicher, im langen koͤmmt ſie der Buche gleich. 8) Gebrauchsfaͤhigkeit. 1) Brennholz. Mit lebhaf⸗ ter Flamme, ſtarker, anhaltender Kohlengluth, brennend, etwas beſſer als das der Buche. Daſſelbe gilt vom Kohlholze. 2) Aſcheertrag. 1000 Pſund Holz 25 ¼ Pfund Aſche, 3 Pfund 1 Loth Pottaſche. 3) a. Dauer. Gering unter allen Verhaͤltniſſen, da es ſelbſt ——., — 129— ſelbſt im Trocknen dem Wurmfraße ſehr ausgeſetzt iſt, ſonſt ſehr leicht verſtockt. b. Spaltigkeit, ſehr ſchlecht. c. Zaͤhig⸗ keit und Feſtigkeit, groß. d. Sehr elaſtiſch. e. Textur und Dichtigkeit, gleichmaͤßig, letztere betraͤchtlich. f. Haͤrte, ausge⸗ zeichnet. g. Reißen und Werfen iſt nicht beſonders bemerkbar. h. Gewicht, gruͤn 62 Pfd., waldtrocken 50 bis 56 Pfd., da es nur langſam und ungleich trocknet. Verwendung. Vorzuͤglich zu Brennholz, als Nutzholz zu Maſchinenholz, Schrauben, Hammerſtielen, Keilen und uͤberhaupt ſolchen Gegenſtaͤnden, wozu hartes, feſtes, ſchweres Holz von dichten Holzlagen bedurft wird. Der Nutzholzabſatz iſt deshalb nicht betraͤchtlich, da ſolche Gegenſtaͤnde nur eine geringe Holzmaſſe conſumiren. Die Blaͤtter geben getrocknet ein ziemlich gutes Viehfut⸗ ter.— Das duͤrr abfallende Laub ſteht in Menge und Guͤte, zur Duͤngung verwendet, dem der Buchenwaͤlder nach. Forſtlicher Werth. Als Baumholz wird die Hainbuche, da die von ihr zu erwartende Maſſe zu gering iſt, nur als Luͤckenbuͤßer in Bu⸗ chenwaldungen oder in ſolcher Menge, wie man ſie zu Nutz⸗ holz abſetzen kann, zu empfehlen ſein. Derjenige Boden, wo man ſie noch mit Erfolg ziehen kann, wird immer mit einer vortheilhafteren Holzgattung anzubauen ſein. Als Schlagholz verdient ſie vor der Buche im kurzen Umtriebe den Vorzug, da ſie etwas raſcher waͤchſt und ſich dichter haͤlt, auch die Mutterſtoͤcke laͤnger aushalten. Im laͤngern Umtriebe ſteht ſie ihr wenigſtens nicht nach. Als Oberbaum im Mittelwalde iſt ſie wegen ihrer Neigung zur Aſtverbreitung und Verdaͤm⸗ mung gar nicht zu dulden, wuͤnſchenswerth dagegen als Un⸗ terholz. Sehr empfohlen kann ſie als Kopfholz zur Brenn⸗ holz⸗Gewinnung werden, jedoch iſt dabei eine 12 bis I5jaͤh⸗ rige Benutzung beſſer, als eine kuͤrzere, ſie ertraͤgt ſogar eine noch laͤngere. Zu lebendigen Hecken iſt ſie vor allen andern 9 — 130— Hoͤlzern zu empfehlen, da ſie, beſchnitten, ſich ſehr kraus und dicht erhaͤlt. Da ſie ſich auf Bloͤßen durch Samen leichter anbauen laͤßt, als die Buche, ſo iſt ſie paſſend zur Ausfuͤl⸗ lung von Luͤcken, um ſpaͤter als Durchforſtungsholz heraus⸗ gehauen zu werden, denn beide Holzgattungen wachſen ſehr gut zuſammen herauf. Erziehung. Tiefer Stockausſchlag und Wurzelbrut kann gut zu Baumholz herangezogen werden. Die Pflanzen gehen gewoͤhnlich in großer Menge auf, und wenn man ſich nur huͤtet, im Schatten oder zu ſehr im Schluſſe ſtehende zu nehmen, ſo koͤnnen ſie ohne weitere Vorbereitung bis zur Staͤrke eines Buͤchſenlaufes, mit dem Ballen ſehr ſicher ver⸗ pflanzt werden, indem die Hainbuche lange Zeit ſehr viel kleine Wurzeln dicht um den Stamm herum erhaͤlt. Die Weide. Salix Ein zahlreiches Geſchlecht, von welchem wir 1) Die Baumweiden, zur Brennholzerzeugung— 2) Die Strauchweiden, neben der Benutzung als Brenn⸗ holz auch zu Reifſtaͤben, Korbruthen und Korbſpaͤhnen, und zu Waſſerbauten brauchbar, ausheben und danach geſondert betrachten wollen. 1) Baumweiden zur Brennholzerzeugung. a. Die weiße Weide, Salix alba, b. die Knackweide, S. fragilis, geben die groͤßte Holzmaſſe als Baum- oder Kopfholz. c. Die Lorbeerweide, S. pentandra, d. die Mandelweide, S. amygdalina, ſind zwar haͤufig, werden auch zu Kopfholzpflanzen verwandt, ſind jedoch weniger empfehlenswerth, da ſie, ohne beſſeres Holz zu geben, betraͤchtlich weniger Maſſe liefern. e. Die gelbe Weide, S. vitellina, iſt nicht ertragreich hin— ſichts der Maſſe, hat aber ſehr ſchlanke, biegſame Schuͤſſe, giebt daher gute Zaunruthen, Bindweiden, ſelbſt im Nothfalle — 131— vom Kopfholze Korbruthen, und iſt auch als Strauchweide zum Anbaue in den Werdern oder Hegern, um Reiſſtaͤbe und Korbruthen zu ziehen, ſehr zu empfehlen. f. Die Saalweide, S. caprea, wird zwar ein Baum, koͤmmt jedoch gewoͤhnlich nur als Strauch vor, und wit wol⸗ len ſie daher auch unter dieſe zaͤhlen. Kennzeichen, Bau und Form. Weiße Weide. Ausgezeichnet durch ihre Groͤße, da keine andere ſie an Hoͤhe und Dicke erreicht. Die Stamm⸗ bildung unregelmaͤßig, jedoch vorherrſchende Neigung einen oder mehrere Hauptſtaͤmme zu erzeugen, in der Jugend die Schuͤſſe ſehr ſtaͤmmig, haͤufig bogenfoͤrmig, ſpaͤter knickig, ſchraͤg ge⸗ neigt, ſelten ganz rund, ſich leicht gabelfoͤrmig theilend, viel ſehr ſtarke Aeſte, weite Aſtverbreitung, viel, mitunter weit auslaufende und ziemlich ſtarke Wurzeln. Die Rinde iſt in der Jugend geringelt und glatt, im Alter aſchgrau und fein auf— geriſſen. Die Blaͤtter ſind 3— 4 Zoll lang, nur Zoll breit, mit kaum merklich eingeſchnittnen, roͤthlich druͤſigen Saͤgezaͤh⸗ nen, die in der Mitte am deutlichſten ſind, beſetzt. Sie ſind auf beiden Seiten, vorzuͤglich aber auf der untern, ſeidenhaa⸗ rig und glaͤnzend, unten weiß ſchimmernd, oben gelbgruͤn, die Adern etwas hervorſtehend, und ſitzen auf kurzen und breit geringelten Stielen, welche im Juni ſehr kleine dreieckige Ne⸗ benblaͤttchen bekommen. Die Blaͤtter erſcheinen vor den Bluͤ⸗ then im April, und fallen Ende October ab, nachdem ſie vor⸗ her gelb und roſtfleckig geworden ſind. Knackweide. Koͤmmt der vorigen an Dicke zwar oft nahe, bleibt dagegen hinſichts der Hoͤhe ſehr zuruͤck. Die Krone iſt ſpitzer, weniger abgewoͤlbt, die Zweige ſind nicht ſo gabelfoͤrmig, ſondern mehr ſtumpfwinklich zuweilen beinahe ſich wagerecht ausreckend, angeſetzt, ſind kurz und ſperrig, wes⸗ halb die Aſtverbreitung geringer iſt. Im Innern iſt der Baum lichter, da die kleinen Zweige leicht in den Gelenken abbrechen und ſelbſt durch Glatteis oft heruntergeworfen werden, die 9* — 132— Belaubung deshalb auch etwas lockerer. Die Rinde der jun⸗ gen Zweige iſt braunroth, die Blaͤtter ſind auf beiden Seiten gleichfarbig, dunkelgruͤn, mit erhabenen Adern. Sie fallen ge⸗ woͤhnlich gruͤn, mit vielen Roſtflecken, nach dem erſten Froſte ab. In den Spitzen der Zweige ſitzen kleine Nebenblaͤtter, welche nach Entwickelung der Knospen wieder abfallen. Das Holz der Schuͤſſe und Zweige iſt ſproͤde, der Wuchs ſtark, ſtaͤmmig, weshalb ſie hoͤchſtens ſchlechte Zaunruthen außer Brennholz giebt. Mandelweide. An Hoͤhe und Dicke betraͤchtlich zu⸗ rüͤckbleibend, 25— 30 Fuß hoch, ſelten uͤber 2 Fuß dick, eine breite, runde Krone bildend, ſehr ſtarke Aeſte im Innern nicht dicht belaubt treibend, da die kleinen Zweige in den Ge⸗ lenken noch leichter abbrechen, als bei der Knackweide. Die Rinde der jungen Zweige iſt weiß oder graugruͤn, die alte riemenfoͤrmig aufgeriſſen. Die Knospen zeichnen ſich durch ihre ungewoͤhnliche Groͤße aus, haben eine dunkle, glaͤnzende Farbe. Die Blaͤtter ſind den Mandelblaͤttern ſehr gleichend, groß, dick, glatt, oben glaͤnzend dunkelgruͤn, unten graugruͤn, von bitterm Geruch und Geſchmack. Lorbeerweide. Crreicht eine betraͤchtlichere Groͤße als die vorige, hat feſtes und zaͤhes Holz, ſtarke Neigung zur Aſt⸗ verbreitung, und koͤmmt haͤufiger als Strauch wie als Baum vor. Die Knospen ſind dick, eirund, glatt, glaͤnzend braun und einklappig. Die Blaͤtter ſind oval zugeſpitzt, oben dunkelglaͤn⸗ zend, unten mattgruͤn, und ſehen den Lorbeerblaͤttern aͤhnlich. Sie ſind gezaͤhnt, und jeder Zahn iſt mit einer braunen Druͤſe beſetzt. Die Schuͤſſe ſind nicht ſchlank genug, um viel Reif⸗ ſtaͤbe zu geben oder zu feinem Flechtreißig gebraucht werden zu koͤnnen. Verbreitung. Dieſe Weiden kommen durch ganz Deutſch⸗ land vor, von Natur jedoch nur eingeſprengt oder horſtweis, die Extreme von heißer und ſehr kalter Lage in hohen Bergen immer vermeidend. Sie ſind uͤberhaupt im Gebirgsboden ſeltner, — 133— und dort mehr in den Thaͤlern, als im Meeres⸗, Fluth⸗ und Sumpfboden. Die Seenaͤhe iſt ihr nicht zuwider. Boden. Am beſten gedeihen dieſe Weiden auf feuchtem Sandboden, welcher nicht gerade ſehr humusreich zu ſein braucht. Doch wachſen ſie auch ſehr gut auf lockerm, friſchem und feuch⸗ tem Lehmboden, an den Ufern der Baͤche und Fluͤſſe. Im trocknen Boden ſind ſie noch zu ziehen, wenn er locker und nicht gerade duͤrr iſt, obgleich ihr Wuchs daſelbſt ſehr nach⸗ laͤßt. Im ſumpfigen Boden gedeiht noch am beſten von den aufgefuͤhrten die Lorbeerweide. Sehr ſtrenger Thonboden, flachgruͤndiger Gebirgsboden vorzuͤglich an Mittags⸗ und Abendhaͤngen, Torfgrund, paſſen nicht fuͤr ſie, und ſind da⸗ ſelbſt ſchwer oder gar nicht fortzubringen. Wirthſchaftlicher Werth der Brennholzweiden. In den Waͤldern haben dieſe Weiden nur geringen Werth, und ſind daſelbſt als Baumholz haͤufig gar nicht einmal zu dulden. Das Innere großer Waldungen ſagt ihnen nicht zu, da ſie mehr Freilagen lieben; der Boden, auf welchem ſie vor⸗ zuͤglich gedeihen, iſt in ihnen nur ſtellenweis vorhanden, und ſie werden deshalb nur einzeln, zuweilen horſtweiſe, an feuch— ten Orten gefunden. Hier paſſen ſie aber nicht zur Vermi⸗ ſchung mit andern Hoͤlzern, denn bei ihrem außerordentlich ſchnellen Wuchſe uͤberwachſen und verdaͤmmen ſie dieſe, ſter⸗ ben hernach bei ihrer geringen Lebensdauer bald ab, und ver⸗ urſachen ſo leicht luͤckenhafte Beſtaͤnde. Auf Nutzholz iſt vom Baumholz beinahe gar nicht zu rechnen, und ſelbſt das Brenn⸗ holz iſt in holzreichen Gegenden wegen ſeiner geringen Guͤte haͤufig gar nicht abzuſetzen. Der Forſtwirth iſt daher voll⸗ kommen gerechtfertigt, wenn er die Weiden, wo ſie ſich in Laubholz⸗Hochwaͤldern zeigen, mehr als Unkraut, wie als wuͤn⸗ ſchenswerthes Holz betrachtet, und ſie zeitig in der Durchfor⸗ ſtung aushauet. Als Niederwald wuͤrden ſich dieſelben, jedoch nur in kurzem Umtriebe, hoͤchſtens 12— 18jaͤhrig, da ſie ſich zeitig ſehr licht ſtellen, vortheilhafter zeigen, und es iſt gewiß, —— — 134— daß wir auf ganz paſſendem Boden eine ſo große Maſſe von Brennſtoff erziehen wuͤrden, wie kein anderer Niederwald, und ſelten ein Hochwald, giebt. Allein dieſen paſſenden Bo⸗ den beſitzen wir ſelten da, wo wir Holz ziehen, und immer nur in geringer Ausdehnung; auf unpaſſendem wuͤrde aber die große Holzmaſſe, die bei der geringen Guͤte des Holzes ver⸗ langt werden muß, nicht zu erhalten ſein. Dazu koͤmmt, daß dieſe oben aufgefuͤhrten 4 Weiden nicht auf Reiſſtoͤcke und Korbruthen rechnen laſſen, weshalb man andere Gattungen, die dieſe in großer Menge und ausgezeichneter Guͤte geben, da vorziehet, wo man Niederwaͤlder von Weiden anlegen kann. Haben nun aber auch dieſe Weiden fuͤr die eigentliche Forſtwirthſchaft keinen Werth, ſo iſt dieſer deſto groͤßer fuͤr den Landwirth und fuͤr holzarme Gegenden, wo der Brennholzbe⸗ darf an Wegen, Feld⸗ und Wieſenraͤndern, Bachufern, Teichen und auf Triften und Angern erzogen werden muß. Kier ſind ſie als Kopfholz leicht und ſicher angebauet, beſchatten und verdaͤmmen als ſolches nicht ſo ſehr, daß ſie dadurch beach⸗ tungswerthen Nachtheil erzeugten, wachſen ſo ſchnell, daß in wenig Jahren der Brennholzbedarf zu erziehen iſt, und geben eine ſo große Menge von Holz, daß ſolche Kopfholzpflanzun⸗ gen in Hinſicht der Menge des Brennſtoffes— Volumen und Guͤte ausgeglichen— die ſie liefern, den beſtbeſtandenen Hochwaͤldern gleich kommen.— Die weiße Weide iſt, da ſie den raſcheſten Wuchs hat, hierzu allen anderen vorzuziehen, und bei der Auswahl der Weiden ſollte mehr, als bisher ge— ſchah, auf die Art, welche man pflanzt, geachtet werden. Den eigentlichen Forſtwirth intereſſiren gewoͤhnlich dieſe Weiden⸗Kopfhoͤlzer nur nach der Anſicht, daß er dadurch leicht auf dem Walde laſtende Brennholzgerechtſame abfinden kann, indem er ſolche aulegt, und dem Berechtigten uͤbergiebt, ſobald ſie ertragreich genug ſind, um demſelben den noͤthigen Ertrag fuͤr Aufgabe ihrer Gerechtſame zu gewaͤhren. ——— — 135— 2) Die Strauchweiden zu Niederwald, vorzüglich zu Hegern oder Werdern. a. Die gelbe Weide. S. vitellina. b. Die Bachweide. S. helix. c. Die Korbweide. S. viminalis. d. Die Waſſerweide. S. aquatica. e. Die Saalweide. S. caprea. Die gelbe Weide iſt eine der groͤßten Baumweiden, mit kegelfoͤrmiger Krone, duͤnnen, ſehr biegſamen Zweigen, welche bei alten Staͤmmen der Trauerweide aͤhnlich, herab⸗ haͤngen. Sie hat eine dichte Belaubung, da ſie ſehr viel kleine Ausſchlaͤge im Innern erhaͤlt, und wird dadurch, wenn ſie ſich im Wuchſe uͤberlaſſen bleibt, leicht verdaͤmmend. Sie iſt leicht kennt⸗ lich an ihren im Winter orangegelben, im Sommer goldgelben jungen Zweigen, den eirunden zugeſpitzten Knospen, die gelb⸗ roth, unten gelblich, an der Spitze weiß und ſeidenhaarig ſind. Die Blaͤtter ſitzen wechſelsweiſe, ſind lanzettfoͤrmig, zugeſpitzt, oben glaͤnzendgruͤn, unten ſeidenhaarig und graͤulichgruͤn, mit haarigen meiſt druͤſenloſen Blattſtielen und gelblicher Hauptrippe. Als Kopfholz iſt dieſe Weide nur dann empfehlenswerth, wenn man davon ſchlanke Zweige zu Korbruthen, Bindweiden u. dgl. erziehen will, iſt aber dazu bei weitem als Buſchholz ergiebiger, da die Kopfweiden nie ſo ſchlanke und zahlreiche Schuͤſſe geben. In den Werdern iſt ſie ſehr geſchaͤtzt und giebt die feinſten Korbruthen unter allen. Die Bachweide waͤchſt ſtrauchartig, macht lange, duͤnne, biegſame, ruthenartige Triebe, wenn ſie im Schluſſe ſtehet, ſonſt wenigſtens in der Spitze der Zweige ziemlich ſperrig. Die jungen Zweige haben eine gelblich gruͤne, in das Rothe ſchil⸗ lernde oder auch wohl ganz rothe Rinde, welche aͤlter oliven⸗ gruͤn, roſtfarben gefleckt, oder punktirt wird. Die alte Stamm⸗ rinde iſt aufgeriſſen, gruͤnlich grau, aſchgrau gefleckt. Die kleinen Blattknospen ſind einklappig, eirund-laͤnglich, ſchmal und roͤthlich. Die Bluͤthenknospen, wenn ſie aufbrechen wol⸗ — 136— len, unten ſchwaͤrzlich, oben gelblich. Die Blaͤtter ſind lan⸗ zettfoͤrmig, zugeſpitzt, in der Mitte am breiteſten, 3 Zoll lang, ³ Zoll breit, oben hellgruͤn, unten blaͤulich oder graugruͤn, duͤnn und zart, mit einer ſtarken gelben Mittelrippe, kurz ge⸗ ſtielt, unten abwechſelnd, oben einander gegenuͤberſtehend. Dieſe Weide iſt bei ihrer zahlreichen und ſich in einander ſchlingen⸗ den Bewurzelung vorzuͤglich zur Befeſtigung der Flußufer zu empfehlen, haͤlt ſich bei kurzem Umtriebe ganz außerordentlich geſchloſſen, und giebt einen vorzuͤglich reichen Ertrag an Korb⸗ ruthen und Reifſtaͤben, wodurch ſie ſehr vortheilhaft wird. Auch zu Faſchinen zum Waſſer⸗ und Wegbau iſt ſie vortrefflich. Die Korbweide wird am haͤufigſten an Bachufern, Seen und Teichen gefunden. Die Rinde der jungen Zweige iſt gruͤnlich grau und haarig, die aͤltere an den Zweigen gruͤn, am Stamme grau und unregelmaͤßig aufgeſprungen. Die Blattknospen ſitzen an den Spitzen der Zweige, die Bluͤthen⸗ knospen unten, beide ſind einhuͤllig, oval, zugeſpitzt, gelb oder kaſtanienbraun, meiſt rothgrau uͤberpudert. Die Bluͤthenkaͤtz⸗ chen erſcheinen fruͤh im April, ohne Stiel, ſind walzenfoͤrmig, aufrecht gerichtet, oben etwas gekruͤmmt, von 2 bis 4 kleinen weißhaarigen Deckblaͤttern eingefaßt. Die Blaͤtter ſind die laͤngſten unter allen Weidenblaͤttern, 6 Zoll lang, ſchmal, nur ³ Zoll breit, lanzettfoͤrmig, und nur an beiden Enden etwas zugeſpitzt, in der Jugend am Nande ein wenig zuruͤckgerollt, runzlich, auf der Oberflaͤche glaͤnzend, dunkelgruͤn und glatt, auf der untern ſilberfarbig, mit einem weißen ſeidenhaarigen Filze uͤberzogen, einem Blattſtiele von 3 Zoll Laͤnge. Dieſe Weide iſt zwar ebenfalls bei ihrer dichten zahlrei⸗ chen Bewurzelung ſehr brauchbar zur Befeſtigung des Ufers, Beſtockung des Glacis einer Feſtung, zum Anbaue alter Fluß⸗ betten, ſie giebt auch viele und gute Reifſtaͤbe, jedoch groͤbere Korbruthen, welche zu feinen Arbeiten nicht gut zu benutzen ſind, und wird dadurch haͤufig weniger vortheilhaft als die —— ⏑☛⏑—— — 137— fruͤhern. Auch waͤchſt ſie ſperriger und hat weniger gerade Schuͤſſe, ſobald ſie nur irgend vereinzelt vorkoͤmmt. Dieſe Weiden werden ſelten um des Brennholzes willen gezogen. Sie nehmen vorzuͤglich die alten ſandigen Flußbet⸗ ten, die Ufer, Buhnen, Rauwehren, Deckwerke und aͤhnliche Waſſerbauten ein, und dienen dort, die noͤthigen Faſchinen zu Damm⸗ und Uferbauten fuͤr die Artillerie⸗ und Feſtungsar⸗ beiten zu geben, zugleich aber auch Reiſſtoͤcke in groͤßerer Zahl als irgend eine andere Holzgattung, ſo wie Korbruthen von vorzuͤglicher Guͤte. Gewiß koͤmmt kein anderes Holz einem gut beſteckten Weidenheger im Geldertage gleich, der an der Elbe und Oder haͤufig bis 10 Rthlr. jaͤhrliche Geldnutzung betraͤgt, ſobald Reiſſtaͤbe und Korbruthen gut abzuſetzen ſind. Er iſt jedoch nur allein von feuchtem und naſſem Sandboden zu gewinnen, welcher durchaus nicht bruchig ſein darf, da dieſe Weiden auf keinem anderen ſchnell und gut genug wach⸗ ſen, um in dieſer Art vortheilhaft benutzt werden zu koͤnnen. Darin liegt es denn auch, daß ſie in nur ſo geringer Menge vorkommen, daß ihr Ertrag durch den hohen Preis des Ma⸗ terials, welches ſie liefern, ſo ungewoͤhnlich hoch iſt. Um ſo weniger muß man aber auch, wo ſich paſſende Gelegenheit zu ihrem Anbaue zeigt, dieſen verabſaͤumen. Die Waſſerweide iſt an und fuͤr ſich keine vortheil— hafte Weidengattung, da ſie ſperrig und verhaͤltnißmaͤßig lang⸗ ſam waͤchſt, deshalb weder einen ausgezeichneten Brennholz⸗ ertrag giebt, noch bei ihr auf das vorerwaͤhnte Nutzholz zu rechnen iſt. Es bleibt jedoch nebſt der kleinen Werftweide die einzige Weide, welche man im Bruche, ſelbſt ſauerm Torf⸗ bruche, mit Erfolg anbauen kann. Hier giebt ſie, im Schluſſe gehalten und bei 5 bis 7jaͤhrigem Umtriebe, etwas grobe Korb⸗ ruthen, wenig kurze Reifſtaͤbe, bildet aber vortreffliche, beinahe undurchdringliche Remiſen fuͤr Wild, und wird deshalb vor⸗ zuͤglich gern in der Naͤhe von Faſanerieen, zu Brutplaͤtzen fuͤr wilde Enten u. ſ. w. angebauet.— Die alten Staͤmme und — 138— Zweige ſind graugruͤn oder gruͤnlich aſchgrau, die jungen aſch⸗ grau und glatt. Die Knospen erſcheinen weißgrau. Die wech⸗ ſelweis ſtehenden Blaͤtter ſind kurz geſtielt, verkehrt eirund oder oval, ſehr kurz zugeſpitzt, nach der Mitte zu etwas ge⸗ ſaͤgt, die untern oft ganz glattrandig, weich anzufuͤhlen, we⸗ nig runzlich, graugruͤn, oben faſt glatt, unten ſchimmlich gruͤn und weichhaarig, mit kleinen rundlichen, gezaͤhnten Nebenblaͤtt⸗ chen verſehen. Die Kaͤtzchen erſcheinen eher als die Blaͤtter, im Maͤrz oder April, ſind cylinderfoͤrmig und haben kleine braune haarige Schuppen. Die Salbeiweide, oder der kleine rauhe Werft, Salix aurita, waͤchſt ebenfalls im Bruche, und das hinſichts der Benutzung von der Waſſerweide Geſagte, gilt auch fuͤr dieſe Weidengattung, nur daß ſie beinahe noch buſchiger und ſper⸗ riger waͤchſt. Die Saalweide iſt ſo bekannt und leicht von andern Weiden zu unterſcheiden, daß wir die naͤhere Beſchreibung der⸗ ſelben uͤbergehen zu koͤnnen glauben. Sie unterſcheidet ſich aber auch hinſichts des Standorts, auf welchem ſie gewoͤhn⸗ lich vorkoͤmmt, von den uͤbrigen. Ein friſcher Lehmboden, nicht zu bindend, humusreich, vorzuͤglich in Kalk⸗ und Baſalt⸗ bergen, iſt ihr am zutraͤglichſten, und ſie findet ſich hier in den Niederwaldungen und Mittelwaͤldern der Vorberge einzeln eingeſprengt, ſelten nur in groͤßern Horſten. Naͤchſtdem wird ſie jedoch auch haͤufig in feuchtem humoſen Sandboden ge⸗ funden, vermeidet eigentlichen Bruch, ſehr bindenden und ſehr trocknen Boden, ertraͤgt auch voruͤbergehende Ueberſchwemmun⸗ gen nicht ſo gut als die uͤbrigen Weiden. Sie wird zu einem Baume maͤßiger Groͤße, hat dann aber einen ſperrigen unregelmaͤßigen Wuchs, der auch, wenn ſie aͤlter wird, ſchnell nachlaͤßt, iſt deshalb auch weder als Baum⸗ noch als Kopfholz zu empfehlen. Dagegen iſt ſie als Schlagholz im 8 bis 10 jaͤhrigen Umtriebe von einem ſo ſchnellen Wuchſe, gewaͤhrt eine ſo große, als Brennholz gar — 139— nicht ſchlechte Holzmaſſe, daß ſie alle Aufmerkſamkeit verdient. Unterſuchungen, in einzelnen kleinen Horſten vorgenommen, ergaben einen jaͤhrlichen Durchſchnittszuwachs von 65 Kubik⸗ fuß pro Morgen. Dabei iſt jedoch allerdings nicht unbeach⸗ tet zu laſſen, daß noch keinesweges entſchieden iſt, ob dieſe Holzerzeugung auch in groͤßern reinen Beſtaͤnden zu erhalten ſein wuͤrde. Sie zeigt ſchon fruͤh eine ſtarke Neigung zur Lichtſtellung und die Mutterſtoͤcke iſoliren ſich bald, weshalb zweifelhaft iſt, ob man den Beſtand ſo geſchloſſen wuͤrde er⸗ halten koͤnnen, als bei dieſer Ertragsberechnung nach Maß⸗ gabe des Schluſſes einzelner Horſte vorausgeſetzt wurde. Im⸗ mer iſt es aber im Niederwalde von kurzem Umtriebe, denn lange haͤlt ſie nicht aus, eine Holzgattung, die man nicht unter die ſchlechtere zaͤhlen kann. Das Holz der Saalweide wird zu des Werthes des Buchen als Brennholz angenom⸗ men. Es wird zu Korbſpaͤhnen, Harken, Stielen, Senſenbaͤu⸗ men u. dgl. benutzt, da es ſehr zaͤhe und ziemlich feſt iſt. Korbruthen giebt ſie nicht, da die Schuͤſſe dazu zu ſtark ſind, auch ſelbſt Reifſtaͤbe werden weniger von ihr gewonnen, als von den oben erwaͤhnten. Von der Behandlung der eigentlichen Weidenheger wird beſonders die Rede ſein. Diejenigen Laubhoͤlzer, welche kein Gegenſtand des forſt⸗ lichen Anbaues ſind, auch nur in geringer Menge vorkommen, doch immer aber noch einen Gegenſtand der Benutzung bil⸗ den, koͤnnen wir hier nur den Standort, das forſtliche Ver⸗ halten und ihren wirthſchaftlichen Werth kurz angeben, da der Raum dieſer Schrift nicht geſtattet, ſie mit gleicher Vollſtaͤn⸗ digkeit, wie die wichtigern zu behandeln. Die nachtheiligen, welche als Unkraͤuter beachtungswerth ſind, indem ſie bei der Holzerziehung hinderlich werden, ſollen ihren Platz im Forſt⸗ ſchutze finden, diejenigen aber, welche den Forſtmann nicht — 140— mehr als jedes andere im Forſte vorkommende Gewaͤchs, we⸗ der ſchaͤdlich noch nuͤtzlich ſich zeigend, beruͤhren, uͤbergehen wir ganz, denn daß ſie einen holzigen Stengel haben, kann allein nicht veranlaſſen, daß man ſie von den uͤbrigen Pflan⸗ zen trennt, und ſie als Forſtgewaͤchfe betrachtet. Die Ebereſche. Sorbus. 1) Gemeine Ebereſche. S. aucupacia. 2) Zahme Ebereſche. S. domestica. 3) Baſtard⸗Vogelbeerbaum. S. hybrida. Die gemeine Ebereſche, Quitſche, Vogelbeere, kommt auf ſehr verſchiedenartigem Boden vor, am beſten und haͤufig⸗ ſten wachſend im humoſen feuchten Sandboden, im lockern Lehmboden, mittelmaͤßig im trocknen lehmigten Sandboden, im flachgruͤndigen Gebirgsboden, ſchlecht auf Sumpf⸗, duͤrren Sandboden, an Felſenhaͤngen, beinahe gar nicht auf ſehr ſtren⸗ gem Lehmboden. Sie ertraͤgt ein ſehr rauhes Klima, ungern ein trocknes, heißes. In der Jugend ertraͤgt ſie viel Schatten, auch im Alter waͤchſt ſie noch haͤufig uͤbergipfelt, iſt aber des⸗ halb gegen eine Freilage nicht empfindlich. Immer iſt ſie nur einzeln eingeſprengt.— Als Baumholz waͤchſt ſie in der erſten Jugend ziemlich raſch, nach dem 40ſten, 50ſten Jahre langſamer. Als Schlagholz, worin ſie ſich mehr durch Wur⸗ zelbrut als durch eigentlichen Stockausſchlag wiederherſtellt, be⸗ taaͤchtlich raſcher als die Hainbuche. Verdaͤmmend i*ſt ſie nicht. Ihr Holz iſt zaͤhe und ziemlich hart, ein mittelmaͤßig gu⸗ tes Brennholz, in Stangen zu ſtarken Reifen geſucht, ſtaͤrker von Tiſchlern, Drechslern, Wagnern u. ſ. w. verarbeitet. Die Fruͤchte werden zum Vogelfange, Schaaffutter benutzt, zur Deſtillation und Muskochen verwendet. Wo man nicht die Baͤume der Fruͤchte wegen uͤberhaͤlt, thut man wohl, ſie mit 40 bis 60 Jahren in der Durchfor⸗ ſtung wegzunehmen, da dann ihr Zuwachs geringer, das Holz auch leicht fehlerhaft wird. Das Schlagholz wird ſelten in — 141— ſolcher Menge vorhanden ſein, daß es die Beſtimmung zum Umtriebe gaͤbe, fonſt duͤrfte ein 20 bis 25jaͤhriges Alter das beſte ſein. Sehr haͤufig wird der Baum zur Beſetzung der Wege gebraucht, wobei nur das Auslaufen der Wurzeln im lockern Boden unangenehm iſt. Die Staͤmme dazu erzieht man am liebſten aus Samen in Pflanzſchulen, da weder die Wurzelbrut noch die im Schatten ſtehenden Wildlinge zu em⸗ pfehlen ſind.— Den Safthieb ſoll ſie nicht ertragen. Die zahme Ebereſche, Sperbeerbaum, in den Vor⸗ bergen auf Kalk, Baſalt und fruchtbaren Lehmboden einzeln eingeſprengt, erreicht bei einem ſehr langſamen Wuchſe eine betraͤchtliche Hoͤhe und Staͤrke. Sie wird, wegen der gerin⸗ gen Holzmaſſe, die ſie giebt, mehr geduldet als geſucht, und wohl niemals angebauet. Wo ſie vorhanden iſt, ſuchen Drechs⸗ ler, Maſchinenbauer, Tiſchler und alle Arbeiter, welche ein feſtes, zaͤhes, dichtes Holz beduͤrfen, dies auf und bezah⸗ len es gut. Der Baſtard⸗Vogelbeerbaum, halb gefiederte Eber⸗ eſche, hat gewoͤhnlich bei uns gleiches Vorkommen mit der vorigen, iſt jedoch im Norden haͤufiger. Das Holz gleicht dem der gemeinen Ebereſche und wird wie dieſes benutzt, eben ſo die Beeren zum Vogelfange. Als Wegbaum iſt er ſehr zu empfehlen. Die Birnen. Pyrus. 1) Gemeiner Birnbaum. P. Pyraster. 2) Apfelbaum. P. malus. 3) Mehlbirne. P. aria. 4) Elzbeere. P. torminalis. Sowohl der wilde Birn⸗ als Apfelbaum ſind durchaus fuͤr unſere Forſtwirthſchaft unpaſſend, und nicht in den Waͤl⸗ dern zu dulden. Ihr langſamer, ſehr ſperriger Wuchs, ihre unregelmaͤßige Stammbildung, ihre dichte Belaubung und da⸗ her Verdaͤmmung, ſelbſt das Sperrige und Stachlichte des — 142— Schlagholzes verurſachen, das ſie wenig Brennholz, ſelten eine belohnende Menge von Nutzholz geben, was noch dazu ſehr ſchlechtſpaltig und darum als Brennholz nicht geſucht iſt. Dabei ſuchen ſie ſich einen raͤumlichen Stand zu verſchaffen, und thun deshalb durch Unterdruͤckung von anderem Holze viel Schaden. Nur an den Raͤndern der Gehoͤlze, auf Triften u. dgl. kann man ſie dulden, da allerdings das ſehr feſte, ſchoͤn geflammte, gute Politur annehmende Holz, wenn es geſund und in ſtarken geraden Stuͤcken vorkoͤmmt, ſehr von Tiſchlern, Drechslern und Maſchinenbauern geſucht und gut bezahlt wird. Fruͤher legte man viel Werth auf ihre Fruͤchte, als Maſt, Nahrung des Wildes, getrocknet und zu Eſſig be⸗ nutzt, ſelbſt als Nahrung des Menſchen, allein fuͤr den Men⸗ ſchen und die Hausthiere iſt ihr Ertrag viel zu gering, um den Schaden zu erſetzen, den ſie thun, und um des Wildes willen muß man außerhalb des Jagdparks nicht mehr eine nachtheilige Forſtwirthſchaft treiben. Die Mehlbirne. In den Vorbergen einzeln einge⸗ ſprengt, in friſchem, weder zu ſtrengen noch trocknen Lehm⸗ boden vorkommend. Wegen des langſamen Wuchſes wird ſie weder angebauet, noch beſonders geſchaͤtzt, doch wegen des ſchoͤnen feſten Holzes, und da ſie ſonſt keinen Schaden thut, gern geduldet. Die Elzbeere. Unter gleichem Vorkommen wie die vorige, da ſie ſehr ſelten im Meeres⸗, Fluß⸗ oder Sumpf⸗ boden gefunden wird. Sie hat eine ziemlich regelmaͤßige Stammbildung, und ſelbſt freiſtehend reinigt ſie ſich bis auf eine gewiſſe Hoͤhe von Aeſten. Ihre Belaubung iſt nicht verdaͤm⸗ mend, und ſie kann deshalb ſelbſt im Mittelwalde als Ober⸗ holz geduldet werden. Der Wuchs iſt eher langſam als raſch — ſie haͤlt als Baum- wie als Schlagholz ziemlich gleichen Schritt mit der Hainbuche— doch erreicht ſie in 100 bis 120 Jahren eine Staͤrke, wobei ſie als Nutzholz vollkommen brauchbar wird. Da nun auch das ſchoͤn geflammte, feſte, — 143— eine vortreffliche Politur annehmende Holz von mancherlei Arbeitern ſehr geſucht, in der Regel deshalb theuerer als Nutz⸗ holz verkauft wird, ſo haͤlt man gern in den Mittelwaͤldern wuͤchſige Staͤmme uͤber. In Buchen⸗ und Eichen⸗Hochwal⸗ dungen wird ſie leicht uͤberwachſen und verdaͤmmt, liebt auch einen gedraͤngten Stand nicht, ſo daß ſie hier ſelten zu er⸗ halten iſt, und mehr in den Mittelwaͤldern vorkoͤmmt. Die Fruͤchte ſind zwar, Teig geworden, esbar, jedoch kein Gegen⸗ ſtand einer beachtungswerthen Nutzung. Durch Erziehung in Pflanzſchulen und Auspflanzung, wuͤrde ſie leicht zu ver⸗ mehren ſein. Kirſch⸗ und Pflaumenbaͤume. Prunus. 1) Der Vogelkirſchenbaum, P. Avium. 2) Der Traubenkirſchenbaum, P. padus. 1) Der Vogelkirſchenbaum findet ſich einzeln eingeſprengt in den Vorbergen, an den Raͤndern der Felder und uͤberhaupt in etwas freier Lage, vorzuͤglich auf Kalkboden, Sandſtein und jedem nicht zu feſten Lehmboden. In trocknem Sande, Sumpf⸗ und ſtrengem Thonboden, wird er wenigſtens nicht wild wach— ſend gefunden. Eine ſehr heiße trockne Lage ſagt ihm ſo we⸗ nig zu als die unmittelbare Seenaͤhe, ſonſt iſt er nicht ſehr empfindlich gegen das Klima. Er koͤmmt als Baum von zu⸗ weilen 70 Fuß Hoͤhe und 2 Fuß Dicke vor, welche Groͤße er in 50 bis 60 Jahren, bei einem ziemlich ſtarken Wachsthume, erreicht. Auch als Schlagholz, wo er ſich mehr durch Wur⸗ zelbrut als durch Stockausſchlag verjuͤngt, findet man ihn, vorzuͤglich bei kurzem Umtriebe. Seine Aſtverbreitung iſt maͤ⸗ ßig, die Belaubung nicht verdaͤmmend, und da er ſich auch freiſtehend zu einem regelmaͤßigen, ſchoͤnes und ſehr geſuchtes Nutzholz gebenden Stamme ausbildet, ſo eignet er ſich beſon— ders, um im Mittelwalde uͤbergehalten zu werden. Nachthei⸗ lig werden dabei gewoͤhnlich ſeine wohlſchmeckenden Fruͤchte. Selten vermag man ſich gegen Entwendung derſelben zu ſchuͤtzen, und dabei in der Regel die Aeſte abgebrochen und ——— — 144— geriſſen werden, was der Baum nicht gut ertraͤgt, da er dann leicht am Gummifluſſe erkrankt, ſo wird er ſelbſt dadurch ſehr im Wuchſe zuruͤckgehalten, zugleich aber auch noch unter ihm alles andere Holz beſchaͤdigt. Dies iſt der einzige Grund, weshalb ihn viele Forſtmaͤnner weniger gern ziehen, als es ſein Wuchs, ſein ſchoͤnes, nutzbares Holz, verdienen. Gut⸗ wuͤchſige Staͤmme, welche von ſelbſt im Forſte aufwachſen, wird man deshalb aber doch immer uͤberhalten. 2) Die Traubenkirſche. In feuchtem, lockerm Boden haͤufig als Baum und Strauch vorkommend, jedoch weder an Groͤße noch Schnelligkeit des Wuchſes der vorigen gleichend. Nur im Schlagholze von kurzem Umtriebe, wo ſie ſich durch ihre Wurzelbrut leicht wuchernd ausdehnt, verdient ſie Beach⸗ tung und Erhaltung. Die Haſel. Corylus avellana. Obwohl nur noch als Strauch vorkommend, verdient doch dieſe Holzgattung eine groͤßere Aufmerkſamkeit, als die zuletzt erwaͤhnten Baumhoͤlzer, weil ſie in ziemlicher Ausdeh⸗ nung, unvermiſcht in betraͤchtlichen horſtweiſen Beſtaͤnden vor⸗ koͤmmt, als Niederwald und Unterholz im Mittelwalde bald ſehr unerwuͤnſcht iſt, bald durch die Reif⸗ und Korbſtock⸗Nuz⸗ zung, einen betraͤchtlichen Ertrag giebt, und der Erhaltung werth iſt. Sie verlangt einen tiefgruͤndigen, nicht zu feſten, friſchen, humoſen Boden, und findet ſich, ſehr gut wachſend, ſowohl im Lehm als feuchtem Sande. Trocknen Sand, Bruchboden, ſehr thonhaltigen Fluß⸗ und Marſchboden, vermeidet ſie ganz, an trocknen, flachgruͤndigen Haͤngen iſt ihr Gedeihen ſchlecht. Sie bedarf eine Freilage und waͤchſt nur ſchlecht im Innern großer Waͤlder. Feldhoͤlzer, die Raͤnder der Vorberge, die Wieſenraͤnder in friſchen Thaͤlern, Hecken, zeigen ſie im ſchoͤn⸗ ſten Wuchſe. Gegen Kaͤlte iſt ſie weniger empfindlich, als gegen Duͤrre. Der —9——— — 145— Der Wuchs der Schuͤſſe iſt in der erſten Zeit gerade, raſch bis zu 12 bis 16 Jahren. Spaͤter legen ſich die aͤuſ⸗ ſern Zweige zur Seite aus, von den ſtarken Laubbuͤſcheln nie⸗ dergezogen, der Wuchs nimmt ab und wird ſehr gering, wenn ſie aͤlter als 25 bis 30 Jahre wird. Will man einigermaßen der Neigung der Haſel, ſich licht zu ſtellen, begegnen, einen betraͤchtlichen Maſſenertrag haben, gerade Schuͤſſe zu Reif⸗ ſoͤkeen erhalten, ſo darf ſie nicht aͤlter als hoͤchſtens 16 bis 18 Jahre werden, bei welchem Alter das Holz auch die zu Reifſtaͤben zu verlangende Staͤrke erhalten haben wird. Der Ausſchlag iſt reichlich, erfolgt haͤufig in der Erde am Stamme, wo er erſt zwei bis vier Zoll horizontal fortſtreicht, dann im rechten Winkel ganz gerade emporſchießt. Hierdurch erfolgt die Ausdehnung der Mutterſtoͤcke, die oft im Innern ganz ausfaulen, aber demungeachtet als ganz unvergaͤnglich ange⸗ ſehen werden koͤnnen, da alle dieſe Ausſchlaͤge neue, ſelbſtſtaͤn⸗ dig in der Erde bewurzelte, Stoͤcke bilden. Die aͤltern Be⸗ ſtaͤnde treiben, auch abgehauen, fortwaͤhrend ſchlanke Gerten empor, welche haͤufig zu Wieden geſchnitten werden, was man jedoch, um ſich die Reifſtocknutzung nicht zu verderben, nur in bald zum Hiebe kommenden Orten dulden darf, wo die⸗ ſelben nicht mehr die erforderliche Staͤrke erhalten koͤnnen. Der Hieb der Haſel muß immer ſehr tief ſein. In guͤnſtiger Lage wird die Haſel der Eiche im Ertrage als Niederwald mindeſtens gleich kommen, ſie in einzelnen Faͤllen bei 16jaͤhrigem Umtriebe ſelbſt noch uͤbertreffen. Das Brennholz iſt unter das beſſere zu zaͤhlen, die Reif⸗ und Korb⸗ ſtocknutzung bei gutem Wuchſe und geſchloſſenem Beſtande oft ſo betraͤchtlich, daß die Haſel-Niederwaͤlder zuweilen zu den eintraͤglichſten gehoͤren, die wir haben. Die Fruͤchte bringen gewoͤhnlich den aͤrmern Anwohnern derſelben mehr Nutzen, als dem Eigenthuͤmer, der daraus erhaltene Erloͤs iſt oft nicht unbetraͤchtlich fuͤr die Sammler, ſelten beachtungswerth fuͤr den Forſtherrn. 10 — 146— Die Haſel ertraͤgt keinen Schatten, kann daher im Mit⸗ telwalde, wo auch nur maͤßige Beſchattung iſt, nie den Ertrag geben, den der reine Niederwald giebt, nur allenfalls bei ſehr wenigem Birken⸗ und Aspen⸗ Oberholze, noch als Unterholz, daſelbſt empfohlen werden. Sie leidet ſehr unter dem Ver⸗ beißen durch Rothwild und Rindvieh, und bedarf gewoͤhnlich mindeſtens eine 12jaͤhrige Schonung. Die Verdichtung der Mutterſtoͤcke kann durch Senker, oder Auspflanzung mit be⸗ wurzelten Schoͤſſlingen, oder in Samenſchulen erzogenen Pflan⸗ zen erfolgen. Aufgehende Pflanzen zwiſchen Stockausſchlag, kommen bei ihrem langſameren Wuchſe ſelten auf, ſie werden gewoͤhnlich entweder verbiſſen, oder verdaͤmmt. Der Faulbaum. Rhamnus frangula. Ein auf feuchtem, lockerm, wenigſtens nicht ſtrengem Boden vorkommender Strauch, welcher in der Naͤhe von Pul⸗ vermühlen einen guten Abſatz findet, da ſeine Kohle vorzuͤg⸗ lich zur Pulverbereitung geſucht wird. Er waͤchſt nicht ſehr raſch, doch ziemlich geſchloſſen, ertraͤgt noch betraͤchtlichen Schatten, ſo daß er haͤufig in den Erlenbeſtaͤnden als Unter⸗ holz vorkoͤmmt. Am zweckmaͤßigſten wird er zur Verkohlung fuͤr die Pulvermuͤhlen, in 16 bis 20 Jahren gehauen, da ſpaͤ⸗ ter ſein Wuchs zu ſehr nachlaͤßt. Es geſchiehet dies im Fruͤh⸗ jahr, wo die Rinde ſich ſchaͤlt, da dieſe vor der Verkohlung weggenommen ſein muß, die Stoͤcke bis zu 3 Zoll ſtark wer⸗ den ausgehauen, und das Holz wird dann Klafterweis verkauft. Wo man dieſen Strauch vorfindet, iſt er durch Aus⸗ hauen des andern Holzes, zwiſchen welchem er gewoͤhnlich waͤchſt, und durch eine maͤßige Lichtſtellung, leicht zu vermeh⸗ ren, da ſein Samen in Menge aufgehet, wo er wunden Bo⸗ den findet. Doch wird das Holz in Friedenszeiten nicht ſo gut bezahlt, daß, ſelbſt da, wo große Quanittaͤten abzuſetzen ſind, was ſelten der Fall iſt, ein beachtungswerther Vortheil durch ſeinen Anbau zu erhalten iſt. — —-— 147— Die Nadelhoͤlzer. Theils nehmen die Nadelhoͤlzer wohl einen groͤßern Raum ein, als die Laubhoͤlzer, verbreiten ſich auch immer mehr und mehr auf Koſten dieſer, je mehr die Bevoͤlkerung ſteigt und dazu noͤthigt, den Wald auf den zur Ackerkultur nicht taug⸗ lichen Boden zu beſchraͤnken, theils ſind ſie auch in der That wohl die in großen Maſſen vortheilhafter als das Laubholz. Sie nehmen daher die Aufmerkſamkeit des Forſtmannes ganz vorzuͤglich in Anſpruch. Ihre Vorzuͤge ſind: 1) daß ſie, vorzuͤglich die bei uns herrſchende Fichte und Kiefer, noch auf einem armen, oft nur noch fuͤr den Holzan⸗ bau zu benutzenden Boden, im rauhen, unwirthbaren Gebirge wie auf duͤrrem Flugſande, einen großen Ertrag, groͤßer als irgend eine andere Holzgattung auf demſelben gezogen, geben. 2) Daß ihr Volumen uͤberhaupt das der beſſern Laubhoͤlzer uͤbertrifft und ſie, vorzuͤglich wo das Holz verkohlt wird, die groͤßte Maſſe von Brennſtoff liefern. 3) Daß aus ihnen das Bau⸗, Bretkere und Spaltholz groͤßtentheils genommen wird, welches dasjenige Nutzholz iſt, was wir in der groͤßten Quantitaͤt beduͤrſen, woher es denn auch koͤmmt, daß in ihnen ein ſtaͤrkerer Nutzholzabſatz ſtatt⸗ findet, als in allen Laubhoͤlzern, mit Ausſchluß der Eiche, die allerdings mehr davon ausgiebt. 4) Ihr leichter Anbau auf Bloͤßen. 5) Ihre ſchnelle Verbeſſerung des Bodens. Die Nachtheile, welche ihnen eigen ſind, und die es wohl veranlaßten, daß man ſie im Werthe fruͤher unter die beſſern Laubhoͤlzer ſetzte, ihren Anbau und ihre Ausdehnung auf Ko⸗ ſten dieſer fuͤr unzulaͤſſig erklaͤrte, ſind: 1) Die Gefahren, denen ſie weit mehr unterworfen ſind, als: Feuer, Sturm, Inſekten und Schneebruch. Dies ver⸗ ringert ihren Werth allerdings ſehr, doch kann es nicht von 10* — 148— ihrem Anbaue abhalten, denn dieſe Naturereigniſſe ſind theils durch ſorgſaͤltige Wirthſchaft unſchaͤdlich zu machen, theils ſtoͤ⸗ ren ſie, mit Ausnahme des Feuers, mehr die beabſichtigte Wirthſchaftsfuͤhrung, als daß ſie das Holz der Benutzung ent⸗ zoͤgen, theils ſind ſie nur in großen, ausgedehnten Nadelholz⸗ waldungen zu fuͤrchten, wo man doch außer Stande iſt, eine andere Holzgattung zu ziehen. 2) Die Beſchaffenheit ihres Holzes. Die geringere Brenn⸗ guͤte wird ausgeglichen durch die groͤßere Maſſe; bei Verkoh⸗ lungen, bei einer Verwendung, wo eine lebhafte Flamme ver⸗ langt wird, iſt ſogar das Nadelholz dasjenige, wodurch unſere Brennholzbeduͤrfniſſe am allerbeſten und vortheilhafteſten be⸗ friedigt werden. Die geringe Haͤrte und Feſtigkeit deſſelben, laͤßt es jedoch nicht zu jedem Gebrauche verwenden, und ma⸗ chen das Laubholz zur Befriedigung vieler Beduͤrfniſſe unent⸗ behrlich. Da jedoch hartes Holz in geringerer Quantitaͤt be⸗ durft wird, als Bauholz, Bretter, Spaltholz, Brennholz, ſo koͤnnen auch die Laubhoͤlzer ſchon bei verhaͤltnißmaͤßig gerin⸗ ger Ausdehnung genuͤgen. Es ſollen jedoch dieſe Bemerkungen durchaus nicht be⸗ zwecken, das Nadelholz unbedingt uͤber das Laubholz zu ſetzen, und es ruͤckſichtslos auf Koſten der Laubhoͤlzer anzuziehen. Sie ſollen nur darauf aufmerkſam machen, daß es als ein unbegruͤndetes Vorurtheil anzuſehen iſt, wenn man die Laub⸗ hoͤlzer uͤber die Nadelhoͤlzer ſetzt, und alles aufbieten zu muͤſ⸗ ſen vermeint, um die immer groͤßere Verbreitung dieſer zu verhuͤten, die in der Natur begruͤndet iſt, da ſie erfolgen muß, je mehr wir auf armen oder erſchoͤpften Boden beſchraͤnkt werden. Jedes, des Anbaues uͤberhaupt werthes Holz, kann unter gewiſſen Umſtaͤnden das empfehlenswertheſte ſein, und es koͤmmt nur darauf an, unbefangen alles zu pruͤfen, was fuͤr oder gegen daſſelbe ſpricht, wenn von ſeiner Beguͤnſtigung oder Unterdruͤckung die Rede iſt. Von benutzbarem und des Anbaues wuͤrdigem Nadelholze — ze — 449— finden wir in Deutſchland einheimiſch aus der Gattung Pi- nus. 2Iſte Klaſſe. Linn. Monaecia: Die Kiefer, Pinus sylvestris. Linn. Die Fichte, P. abies. Linn.(P. picea; du Roi). Die Weißtanne, P. picea. Linn.(P. abies; du Roi). Die Lerche, P. larix. Linn. Die Zirbelkieſer, P. Cembra, iſt zwar wohl auch in den deutſchen Alpen zu finden, kann jedoch nicht als ein Gegen⸗ ſtand der deutſchen Forſtwirthſchaft betrachtet werden. Die Kiefer, Fuhre, Furche, Fohre, iſt durch ganz Deutſchland, herrſchend und in reinen Beſtaͤnden, verbreitet, jedoch mehr im Norden und Oſten, als im Suͤden und We⸗ ſten. Auch gehet ſie weiter noͤrdlich und oͤſtlich uͤber Deutſch⸗ lands Grenzen hinaus, als in entgegengeſetzter Richtung. Boden. Sie koͤmmt im Gebirge nur vor, wo der Bo⸗ den tieſgruͤndig und nicht zu bindend iſt, im Flußboden nur auf Sandhuͤgeln, im Sumpfboden ebenfalls auf angeſchwemm⸗ tem Sande, jedoch auch ſchlecht wachſend noch im eigent⸗ lichen Bruchboden, ſelbſt Saͤuren enthaltender Torfgrund hat noch kaͤrglich vegetirende Staͤmme, welche jedoch immer bald . abſterben. Ihre eigentliche Heimath iſt der Meeresboden, den ſie deſto mehr ausſchließlich einnimmt, je weniger er Thon⸗ theile hat. Die groͤßte Holzmaſſe giebt ſie im feuchten, hu⸗ moſen, jedoch nicht zu flachgruͤndigem Sandboden, in humoſem, friſchem, tiefgruͤndigem Lehmboden. Mittelmaͤßigen Ertrag hinſichts des Volumens, aber das harzreichſte Holz, erhaͤlt man auf trocknem, nicht zu humusarmen, ſandigem Lehmboden. Gutes Holz, aber geringere Maſſe, giebt friſcher Sandboden.— Die letztere vermindert ſich in demſelben Verhaͤltniſſe, wie der Sand trockner und aͤrmer wird. Auf flachgruͤndigen, duͤrren Haͤn gen gedeiht ſie gar nicht, auf naſſem Boden ſchlecht, ſtirbt fruͤh ab, und hat ein ſchlechtes, poroͤſes Holz, iſt dem Windbruche ſehr unterworfen. Den Bruchboden kann man nicht mehr als benutzbaren Kieferboden anerkennen. Im ſtrengen Lehmboden — 150— iſt ſie ſchwer zu erziehen, hat jedoch einmal fortgebracht, darin einen ſtarken Wuchs. Klima. Weder empfindlich gegen Kaͤlte noch gegen Waͤrme, wie wir ſie in Deutſchland haben. Ertraͤgt unmit⸗ telbare Seenaͤhe. In den Bergen gehet ſie gewoͤhnlich nicht ſo hoch als die Fichte, ſehr verſchieden nach dem Breitengrade und der exponirten oder geſchuͤtzten Lage, im Harze und Thuͤ⸗ ringerwalde nur bis 1500 Fuß hoch, in den Alpen bis 6000 Fuß. Wo ſtarker Duftanhang, viel in ſich zuſammenballenden Flocken fallender Schnee gewoͤhnlich iſt, leidet ſie bei ihren langen Nadeln, bruchigen Aeſten, der abgewoͤlbten Krone, mehr, als die Fichte. Bau und Form. a. Wurzelbildung. Sehr verſchie⸗ den. Die naturgemaͤße iſt: vorherrſchende, bis in das hohe Alter ſich erhaltende, tiefgehende Pfahlwurzel, die in der erſten Jugend die Saugwurzeln vorzuͤglich in den aͤußerſten Spitzen hat. Die ſich ſpaͤter bildenden, ſtarken Seitenwurzeln ſtreichen mehr tief, als daß ſie ſich weit verbreiten. Dies aͤndert ſich nach dem Boden, worauf ſie ſtehet. Auf ſehr lockerm, armen Sandboden erhaͤlt ſich zwar die ſtarke Pfahlwurzel, aber die Seitenwurzeln werden duͤnn, faden⸗ oder ſtrickaͤhnlich, ſtreichen außerordentlich weit aus, und entwickeln viel Saugwurzeln. Auf flachgruͤndigem, feuchtem Sandboden, verliert ſich die Pfahlwurzel bald ganz, eine Menge dicht verſchlungener, flach⸗ laufender Wurzeln ſind kaum von Erde bedeckt, der Wurzel⸗ bau gleicht dann ganz dem der Fichte. Die Stockholzmenge, am geringſten auf tiefgruͤndigem, fruchtbarem Boden, kann zu 12 bis 16 Procent der ganzen Holzmaſſe angenommen werden. b. Stammbildung. Im geſchloſſenen Stande regel⸗ maͤßig, jedoch immer abholzig, die Aeſte bis auf 24 bis 30 Fuß ganz verwachſend. Im Freien große Neigung zur Aſtverbrei⸗ tung, ſich nicht von Aeſten reinigend, und dadurch ſehr unre⸗ gelmaͤßige Stammbildung. c. Rinde. Bis auf die Hoͤhe von 20 bis 30 Fuß, dick, riſſig und große Schuppen bildend, graubraun bis in das — — 151— Schwarze ſpielend, hoͤher ein gelber, pergamentartiger, duͤnner, ſich abblaͤtternder Ueberzug, darunter die gelblichgruͤn ſchim⸗ mernde, danne Bedeckung des Rindenfleiſches, bei Staͤmmen uͤber 39 bis 40 Jahr alt. Jedoch auch dies aͤndert ſich nach dem Boden. Feuchter Boden, ſehr ſtarker Wuchs, erzeugen dickere Rindenlagen, die aufgeborſtenen hoͤher gehend, als trock⸗ ner und langſameren Wuchs verurſachender. Deshalb kann man auch ſchon mit ziemlicher Sicherheit aus dem Anſehen der Rinde, auf die innere Beſchaffenheit des Holzes ſchließen. d. Aſtbildung. Starke, knickige und vielfach gebogene, nicht weit ausgereckte Aeſte, welche mit 40 bis 60 Jahren eine abgewoͤlbte Krone zu bilden anfangen, indem dann der hervorſchiebende Mitteltrieb im Wuchſe nachlaͤßt, die Seiten⸗ zweige der Spitze ſich verhaͤltnißmaͤßig ſtaͤrker ausrecken. Die⸗ ſer ſtarken, zeitigen Abwoͤlbung der Krone, ſcheint wohl die Lichtſtellung der Kiefer gegen die Fichte zuzuſchreiben zu ſein, da dieſe vorzuͤglich zu der Zeit anfaͤngt bemerkbar zu werden, wenn jene beginnt. Die Aſtholzmenge kann man in geſchloſ⸗ ſenen Beſtaͤnden zu 5 bis 10 pCt. der ganzen Holzerzeugung annehmen, die Reißigmenge nur zu 3 pCt. Im lichten Stande ſteigt vorzuͤglich die Aſtholzmenge, oft auf 15 pCt. Der quirl⸗ foͤrmige Anſatz der Aeſte verliert ſich, ſo wie die Abwoͤlbung der Krone beginnt. e. Belaubung. Locker, nur bei freiſtehenden Baͤumen verdaͤmmend, jedoch nie in dem Grade, wie bei der Fichte und Tanne. Aus der Scheide, worin zwei Nadeln ſtehen, kann die Kiefer, zwiſchen dieſen hervorkommend, neue Knospen ent⸗ wickeln, wenn die Spitzknospen verloren gehen. Die Nadeln fallen ungleich ab, nach dem ſtaͤrkern oder ſchwaͤchern Wuchſe, lichtem oder geſchloſſenem Stande, im erſtern Falle nach drei Jahren, im andern bleiben ſie oft laͤnger ſitzen, am laͤngſten bei im Schatten kuͤmmernden Pflanzen. & Die Kiefer erreicht weder die Hoͤhe der Fichte und Tanne, noch die Dicke der letztern. 120 Fuß Hoͤhe, 4 Fuß — 152— Durchmeſſer, duͤrfte ſie in ſeltenen Faͤllen uͤberſteigen, und die Baͤume von 4 bis 5 Klaftern Maſſe, gehoͤren ſchon zu den großen Seltenheiten. Bluͤthe und Frucht. Bluͤht im Mai, wo owaht die maͤnnliche als weibliche Bluͤthe mit dem jungen Triebe her⸗ vorbricht. Die geſtielten Staubbeutel ſitzen unmittelbar auf dem Holzzweige, der fortwaͤchſt, nachdem ſie abgeſallen ſind. Sie verbreiten den gelben Samenſtaub in ſo großer Menge, daß er bei ſtarkem Regen zur Bluͤthezeit oft auf dem Waſſer ſchwimmt, und zu dem Maͤhrchen vom Schwefelregen Veran⸗ laſſung gegeben hat. Die Zapfen beduͤrfen 17 Monate zu ihrer vollen Reife, und werden erſt vom November des kuͤnf⸗ tigen Jahres an gepfluͤckt. Man laͤßt ſie gern haͤngen bis ſie einen Froſt bekommen haben, da ſich dann die Schuppen leichter oͤffnen, der Same beſſet ausklengen laͤßt. Der Same fliegt im Maͤrz und April bei jedem Winde, wenn es nur trockne, ſonnige Witterung iſt, ab, und faͤllt dabei ſelten in⸗ nerhalb der Traufe des Baumes zur Erde. Die leeren Zapfen bleiben oft bis zum Herbſte noch theilweis ſitzen. Bei Re⸗ genwetter ſchließen ſich die Schuppen ziemlich dicht wieder zuſammen, weshalb wohl eingequellte alte unter die friſchen gemiſcht werden. Es iſt jedoch nicht ſchwer, ſie zu erkennen, indem immer die Ritzen zwiſchen den Schuppen bemerkbar bleiben, auch die glaͤnzende Farbe, gegen die friſchen Zapfen gehalten, ſich verliert, matter und dunkler wird. Auch am trocknen Stiele und alten Bruche deſſelben, laſſen ſie ſich leicht erkennen. Ein Scheffel Zapfen enthaͤlt durchſchnittlich etwa 2900 Zapfen, giebt 29 Loth bis 1 Pfd. Samen, wiegt 64 Pfd., ein Zapfen enthaͤlt durchſchnittlich 15 bis 20 Koͤrner. Der Scheffel reiner Samen wiegt 56 Pfd. Die Samenjahre ſind haͤufig, und ſelten fehlen die Zapfen ganz, die Bluͤthen niemals. Die Mannbarkeit tritt bei der Kiefer fruͤh ein, im freien Stande, auf trocknem Sande, ſpaͤteſtens mit 20 Jahren. Im Schluſſe ſtehend, auf feuchtem Boden, haben dagegen oft — 153— 60— 70jaͤhrige Beſtaͤnde kaum hinreichenden Samen zur Beſa⸗ mung eines Ortes. Die ſchoͤnſten Zapfen erhaͤlt man von freiſtehendem, mittelwuͤchſigem Holze, die ganz alten Staͤmme im Schluſſe, tragen nur kleine mit wenig Samenkoͤrnern. Die ganz jungen Straͤucher haben zwar große Zapfen, aber oft wenig guten Samen, weshalb man ungern von ihnen pfluͤcken laͤßt. Alter. a. Natutliches, bis 180 und 200 Jahre. b. Wirth⸗ ſchaftliches, ſehr verſchieden nach Boden und Zweck bei der Verwendung des Holzes. Auf armen Boden zu Brennholz mit Vortheil nur 60 hoͤchſtens 80 Jahr, auf beſſerem als ſchwaches Bauholz 80 bis 100— ſtarkes Bauholz 100 bis 120 J. Sehr ſtarkes Holz zu Schiffbauholz, Muͤhlwellen, Bruͤckentraͤgern u. dergl., zieht man nicht in geſchloſſenen, das noͤthige Alter von 140 bis 180 Jahren erhaltenden Be⸗ ſtaͤnden, da die Kiefer ſich im hoͤhern Alter ſehr licht ſtellt, im Zuwachſe nachlaͤßt, wenig Staͤmme ſo lange geſund bleiben, ſondern vielmehr durch Ueberhalten einzelner, gut gewachſener, geſunder Baͤume. Wo man bloß nach der groͤßten Maſſe von Holz trachtet, ohne auf die Beſchaffenheit deſſelben zu ſehen, duͤrfte dieſe vielleicht bei einem 40— 60jaͤhrigen Alter zu gewinnen ſein. Forſtliches Verhalten. 1) Der Wuchs in der Jugend iſt raſch, im Höhenwuchſe mit etwa 35 bis 40 Jahren ſehr bemerkbar nachlaſſend, wo⸗ gegen die Dicke der Jahresringe auf tiefgruͤndigem und gutem Boden bis zu 80 Jahren nicht abnimmt. Das Ausaͤſten ertraͤgt ſie durchaus nicht und wird dadurch kruͤppelhaft, aͤſtig und im Wuchſe ſehr zuruͤckgeſetzt, verwaͤchſt auch die abge⸗ hauenen Aeſte nicht. Beſchattung bedarf ſie nicht, und er⸗ traͤgt ſie nur in den erſten Jahren auf armen Boden. Die dunkel gehaltenen, erſt nach 6 bis 8 Jahren ganz abgetriebe⸗ nen Beſamungsſchlaͤge, bringen die Kiefer außerordentlich im Wuchſe zuruͤck. 2) Lichtſtellung. Die Neigung dazu iſt ſehr groß, ſie — 154— iſt vorzuͤglich die Urſache des geringern Ertrages des langen Umtriebes. Auf ſchlechtem Boden wird es noch bemerkbarer, als auf gutem. Den Boden verbeſſert ſie in jungen Beſtaͤn⸗ den ſchnell durch den ſtarken Abfall der Nadeln, in alten, lichtern weniger. Bis zum 60ſten Jahre laͤßt ſie nur dichten Schatten ertragende Gewaͤchſe auffommen, von da an zeigt ſie ſich immer weniger verdaͤmmend, je aͤlter ſie wird. 3) Hinderniſſe der Erziehung. Duͤrre und Froſt haben verhaͤltnißmaͤßig wenig Einfluß auf ſie, erſtere nur in der fruͤheſten Zeit ihres Lebens, wenn die Pfahlwurzel noch nicht tief in die Erde gedrungen iſt. Das Gras wird ihr ſelten verderblich, wohl aber die Vaccinien, Schmielen, Ried⸗ graͤſer und andere verdaͤmmende Unkraͤuter. Die Rehe ver⸗ beißen ſie ſehr leicht, und obwohl ſie es lange ertraͤgt, indem die abgebiſſenen Pflanzen wieder ausſchlagen, ſo iſt es doch unmoͤglich, bei einem ſtarken Rehſtande Kiefern zu erziehen. Wenn ſie eine Hoͤhe von 4 Fuß erreicht hat, kann ſie als den Rehen entwachſen angeſehen werden, dann beſchaͤdigt ſie aber das ihr im Allgemeinen weniger gefaͤhrliche Rothwild, durch Verbeißen des Maitriebes und das Schaͤlen der Zweige und Wipfel. Letzteres verwaͤchſt ſie, wenn die Rinde nur nicht ringsum abgeſchaͤlt iſt. Die Schaafe loͤſen nur die Nadeln ab, und ſind ihr nicht ſehr gefaͤhrlich, das Rindvieh und die Pferde verzehren nur die jungen ſaftigen Maitriebe. Im All⸗ gemeinen leidet ſie nicht ſehr unter der Weide. Von dem Schaden, welchen die Inſekten in den Kiefer⸗ forſten thun, wird im Forſtſchutze beſonders gehandelt werden. Dem Windbruche iſt ſie vorzuͤglich auf feuchtem, flach⸗ gruͤndigem, lockerm Sandboden unterworfen, wo ſie mit glei⸗ cher Hinſicht, wie die Fichte, behandelt werden muß. Auch unter Duft- und Schneehang leidet ſie ſehr. Verletzungen ertraͤgt ſie gut und heilt ſich leicht aus. Ueberſchwemmungen toͤdten ſie leicht, wo ſie an trocknen Stand gewoͤhnt iſt. 4) Krankheiten. Eigenthuͤmlich iſt ihr das Abſterben — 155— des Wipfels, indem durch das Zerreißen des Zellengewebes ein Austreten des Saftes bewirkt wird, wobei die waͤſſerigen Theile verdunſten und das zuruͤckbleibende Harz das Holz und die Rinde ſo durchdringt, daß alle Saftcirculation darin aufhoͤrt. Es iſt dieſe Krankheit unter dem Namen Kienwipfel bekannt. Die Harzgallen, die Bildung eines Harzfluſſes am Stamme, ruͤhren von gleicher Urſache her. Die Stockfaͤule iſt auf Bo⸗ den, wo die Pfahlwurzel nicht fort kann und abſtirbt, ſehr gewoͤhnlich. Die Kernfaͤule findet man bei alten Staͤmmen, auf naſſem Boden ſehr haͤufig. Hier ſind auch Schwaͤmme das Kennzeichen oͤrtlicher Fehler, welche immer weiter fort⸗ ſchreiten und das Innere des Baumes durch Faͤulniß zerſtoͤ⸗ ren, wobei er aber noch viele Jahre fortleben kann, und ſogar die Stellen, wo die Schwaͤmme geſeſſen haben, nach dem Ab⸗ ſallen derſelben ſo verwachſen, daß ſie ſich nur noch durch eine Narbe verrathen, die zu erkennen, ein ſcharfes Auge er⸗ ſordert wird. Die Kernſchaͤle, ſowohl von ausgefaulten als nicht zuſammen verbundenen Jahresringen herruͤhrend, iſt ſehr gewoͤhnlich, ſie bezeichnet gute Spaltigkeit, weshalb kernſchaͤ⸗ lige Baͤume vorzugsweiſe zu Stabholz gewaͤhlt werden. Starke Baͤume haben ſehr haͤufig uͤber dem Wurzelknoten durch den Kern einen Spalt, den ſogenannten Waldriß, der jedoch nicht bis an den Splint gehet. Haͤufig erfolgt eine Ueberreizung der Lebensthaͤtigkeit an einzelnen Aeſten, und bewirkt das Her⸗ vorbrechen einer außerordentlichen Menge von Zweigen und Na⸗ deln, wodurch ein dichter ſtruppiger Buſch entſtehet, bekannt unter dem Namen: Donnerbeſen. Die Kiefer hat ein ſehr zaͤhes Leben, die mehrſten der ihr vielen eigenthuͤmlichen Krank⸗ heiten geſtatten noch die Anlegung eines vollen Jahresringes, und manche, wie z. B. der Kienwipfel und die Harzgallen, ſchei⸗ nen kaum eine Verminderung ihrer Lebensdauer herbeizufuͤhren. Auf trocknem Sandboden, nach trocknen Sommern, wer⸗ den zuweilen als Folge der Duͤrre, im Ausgange des Winters und um die Zeit, wo die Spitzknospen anfangen zu ſchwellen, K I — 156— die Nadeln gelb oder auch roth, in welchem letztern Falle ſie abfallen, was man das Schuͤtten der Kiefern nennt. Zuwei⸗ len gehen ſie davon ein, oͤfters erholen ſie ſich jedoch wieder nach dem Ausbruche der Maitriebe, und man hat die Hoff⸗ nung dazu, ſo lange die Spitzknospe noch markig und ſaftig iſt. Es muß dies nicht verwechſelt werden mit den Beſchaͤ⸗ digungen, welche Cucculio pini in den jungen Kieferſchonun⸗ gen anrichtet, welche auch das Rothwerden der Nadeln und dann das gaͤnzliche Abſterben der Pflanze herbeifuͤhren. Dieſe ſind leicht an einer ausgezogenen Pflanze zu erkennen, indem dann die Wurzeln oder die Rinde am Stamme abgenagt ſind. 5) Holzmaſſe. Sehr verſchieden nach dem Boden und zwiſchen 80 und 4 Kubikfuß jaͤhrlichen Durchſchnittszuwachs ſchwankend. Beide Zahlen ſind jedoch ſelten vorkommende Extreme, und man wird ihn als durchſchnittlichen Zuwachs zu 20 bis 60 Kbfß. ſetzen koͤnnen. Gebrauchsfaͤhigkeit. 1) Brennholz. Als Feuerholz ſehr lebhaft, mit ſtarker Flamme brennend, wenig Kohlengluth, ſchnell ſich verzehrend, daher bei jedem Gebrauche, wo eine ſehr lebhafte Flamme und eine ſchnelle ſtarke Hitze verlangt wird, ſehr geſucht, weniger zu demjenigen, wo man eine lange anhaltende gleichmaͤßige Waͤrme bedarf. Die Brennguͤte iſt außerordentlich verſchieden nach der Dichtigkeit der Holzlagen und dem Harzgehalte, was theils durch das Alter, theils durch den Boden, worauf es ſtehet, bedingt wird. Das beſte harz⸗ reichſte Holz entwickelt wohl dieſelbe Hitzkraft, wie das Bu⸗ chen, nur in anderer Art, das poroͤſe Stangenholz auf feuch⸗ tem Boden, als das ſchlechteſte, vielleicht noch nicht halb ſo viel. Als Kohlholz iſt die Verſchiedenheit geringer, indem hier der groͤßere oder geringere Harzgehalt nicht zur Sprache koͤmmt, ſondern nur die engern oder weitern Holzlagen entſcheiden. Man kann die Kiefernkohlen durchſchnittlich etwa zu ꝛ der Guͤte der Buchen anſetzen. — 157— 2) Aſcheertrag. 1000 Pfd. Holz 11 Pfd. Aſche, 23 Loth Pottaſche. 3) a. Dauer. In ſteter Naͤſſe vom mittlern Alter an, ſtets ſehr groß. In abwechſelnder Feuchtigkeit oder ſteter Trok⸗ kenheit ſehr verſchieden. Das junge oder poroͤs gewachſene Holz wenig dauerhaft, das aͤltere mit dichten Holzlagen, aber wenig mit Harze, von mittelmaͤßiger Dauer, von ſehr großer dagegen und den dauerhafteſten Hoͤlzern gleichzuſetzen, das ſehr harzreiche, wo die Holzfaſer ſo mit Harz umgeben iſt, daß weder die atmosphaͤriſche Luft eindringen, noch Wurmfraß ſtatt finden kann. b. Spaltigkeit im Allgemeinen ſehr gut, nur bei aͤſtigen, freiſtehenden Baͤumen ſchlecht, bei auf Bruchboden gewachſenen geringer als bei trocknem Boden. c. Die Zaͤhigkeit und Feſtigkeit haͤngt von der Dichtigkeit der Holzlagen ab, auf Bruchboden ſtehendes iſt bruͤchig und ſproͤde, zaͤher das vom trocknen, eben ſo das Kernholz gegen den Splint. d. Elaſticitaͤt, gut. e. Haͤrte, gering. f. Die Textur nicht ſchoͤn, da in der Regel die Jahresringe un⸗ gleiche Farbe und Dichtigkeit in ſich ſelbſt haben. g. Dem Reißen und Werfen iſt es nicht ſehr unterworfen. h. Der Harzgehalt iſt ſehr verſchieden nach Alter und Boden. Vor 80 bis 100 Jahren fuͤllen ſich die Zwiſchenraͤume im Holze nicht mit Harze, dem Auge ſichtbar, an, ſpaͤter geſchieht es zuerſt im Kerne, bei ganz alten Baͤumen iſt oft der ganze Baum ſo harzreich, daß die Saftcirculation beinahe allein auf den 2— 3 Zoll ſtarken Splintring beſchraͤnkt iſt. Das harz⸗ reichſte Holz waͤchſt auf trocknem, nicht humusarmen, leh⸗ migten Sandboden, das harzaͤrmſte auf naſſem Boden. i. Ge⸗ wicht. So verſchieden die Menge des Harzes und die Dich⸗ tigkeit der Holzlagen ſein kann, ſo verſchieden iſt auch da⸗ nach das Gewicht, was ſich jedoch mehr im trocknen, als im gruͤnen Zuſtande bemerkbar macht. Das gruͤne Holz ſchwankt zwiſchen 60 und 65 Pfd., das des waldtrocknen zwiſchen 48 und 63 Pfd.— Die Beſchaffenheit des Stock⸗, Stamm⸗ und — 158— Aſtholzes iſt nicht gleich. Das Stockholz iſt am harzreichſten und hat dichte zaͤhe Holzlagen. Das der Aeſte hat wenig Harz, ſehr dichte Holzlagen, iſt aber ſehr ſproͤde und elaſtiſch. Verwendung. Land⸗, Waſſer⸗ und Schiffbauholz, Brettwaaren, die man aus geſchloſſenen Beſtaͤnden ganz aſt⸗ rein erhaͤlt, Spaltwaaren, als Stab⸗ und Boͤttcherholz, Schin⸗ deln u. dgl. Das Stangenholz zu Latt⸗, Zaun⸗ und Hopfen⸗ ſtangen. Die langen, duͤnnen, ſehr biegſamen Wurzeln auf lockerm Sandboden, werden zu ſehr ſchoͤnen und dauerhaften Flechtwerken benutzt. Die Nadeln werden ſtark als Duͤngungsmaterial benutzt, und 2 Pfd. gleich 1 Pfd. Stroh gerechnet. Das harzreiche Holz, vorzuͤglich das Stockholz, wird zum Theerſchwelen und als Erleuchtungsmaterial benutzt, und iſt unter dem Namen Kiehn ſehr bekannt. Als eine beachtungswerthe Eigenthuͤmlichkeit der Kiefer kann noch die wunderliche Biegung der Aeſte, die ſelbſt an im Schluſſe ſtehenden Baͤumen zuweilen ſtatt findet, bemerkt wer⸗ den. Dieſe erzeugt ſo ſonderbare Verſchlingungen, als ſie keine Kunſt hervorbringen koͤnnte. In den Doͤrfern an der polniſchen Grenze wurden zur Zeit, als die Schulzen nicht ſchreiben, die Gemeindemitglieder nicht leſen konnten, ſolche ausgezeichnet gewachſenen Aeſte, unter dem Namen das Krumm⸗ holz bekannt, dem Boten, welcher muͤndliche Beſtellungen zu uͤberbringen hatte, zur Beglaubigung mitgegeben, oft auch zur Vorladung der Gemeinde in die Gemeindeverſammlung bloß das Krummholz herumgeſandt. Die Fichte, Rothtanne. Verbreitung. Herrſchend, durch ganz Deutſchland, noch viel weiter noͤrdlich gehend. Boden. Vorzuͤglich die Urgebirge einnehmend, und da⸗ ſelbſt in Mittel⸗Deutſchland die hoͤhern Regionen ausſchließ⸗ lich bewohnend. Doch aber auch in Preußen und Polen in ———— — 159— den feuchten und friſchen Niederungen in großer Ausdehnung vorhanden. Nur im Flußboden, in den Marſchen, auf trock⸗ nem Saudboden, naſſem Thonboden wird ſie gar nicht ge⸗ funden. Den beſten Wuchs hat die Fichte auf einem ſteinig⸗ ten Lehmboden, welcher ſehr friſch iſt, ſelbſt feucht ſein kann, und nicht tiefgruͤndig zu ſein braucht. Sehr fetter Boden in Kalk⸗, Trapp⸗ und Baſaltgebirgen erzeugt zwar ſchnell wuͤch⸗ ſiges, jedoch ſchwammiges und leicht rothfaul werdendes Holz, daſſelbe gilt auch von humoſem feuchtem Sandboden. Auch an duͤrren Mittags⸗ und Abendwaͤnden in den Vorbergen iſt ihr Fortkommen unſicher, und ihr Wuchs ſpaͤter ſehr ſchlecht. Dagegen gedeiht ſie ſelbſt an Felſenwaͤnden und in Rollſtei⸗ nen im feuchten Klima oft noch ſehr gut, wenn nur ihre Wurzeln in den Felſenſpalten oder zwiſchen den Steinen frucht⸗ baren Boden finden. Klima. Ein warmes, ſehr trocknes ſagt ihr nicht zu, ſie verlangt eine feuchte Atmosphaͤre und iſt dann gegen die Kaͤlte nicht empſindlich, leidet weit mehr unter der Duͤrre und Hitze. Die unmittelbare Seenaͤhe ertraͤgt ſie eben ſo gut, als eine ſehr betraͤchtliche Hoͤhe in den Bergen, welche ſie im Harze und Thuͤringen bis 3000 Fuß, in den Alpen zwiſchen 5 bis 6000 Fuß uͤber der Meeresflaͤche erreicht. In Freila⸗ gen von großer Hoͤhe leidet jedoch ihr Hoͤhenwuchs ſehr, auch iſt ſie nur daſelbſt unter dem Schutze des alten Holzes zu er⸗ ziehen, weshalb hier haͤufig Plenterwirthſchaft getrieben wer⸗ den muß. Bau und Form. a. Wurzelbildung. Viel flachlau⸗ ſende, ſich dicht verſchlingende, weit ausbreitende, nicht zu ſtarke Wurzeln, welche die Faͤhigkeit haben, in der feuchten Moosbedeckung der Felſen und Steine fortzuwachſen, und Fel⸗ ſenſpalten oder Erde zwiſchen den Steinen aufzuſuchen. Man findet in den Gebirgen haͤufig ſehr ſchoͤn gewachſene Staͤmme, welche im Mooſe oben auf großen Steinen erwuchſen, und mit ihren Wurzeln die an der Seite herab zur Erde drangen, — 160— dieſe ganz umſchlingen. Jedoch iſt dies nur im feuchten Klima moͤglich. Der Stockholzertrag iſt immer ſehr betraͤchtlich, je⸗ doch verſchieden nach Boden, Stand und Klima, indem ſehr hohe Freilagen, einzelner Stand, Bruchboden verhaͤltnißmaͤßig mehr Stockholz geben, als geſchuͤtzte Lage, voller Schluß und kraͤftiger Lehmboden. Er ſchwankt zwiſchen 15 und 33 Pro⸗ cent des ganzen Holzertrages. Er kann ſogar noch groͤßer ſein, jedoch liegt dies außerhalb des Gewoͤhnlichen, und wird auch wohl in den mehrſten Faͤllen durch die Art der Gewin⸗ nung des Stockholzes verurſacht. b. Stammbildung. Der einzeln ſtehende Stamm hat einen kegelfoͤrmigen Wuchs, im Schluſſe walzenfoͤrmig, vollholzig und rund, jedoch haͤufig die Spuren abgeſtorbener Aeſte bis tief herabgehend zeigend. Im Allgemeinen iſt die Stammbildung regelmaͤßig zu nennen, da ſie ſelbſt im freien Stande ſtets gleichen Geſetzen folgt, der Hoͤhenwuchs verhaͤltnißmaͤßig wenig darunter leidet. Der Wipfel woͤlbt ſich nicht ab, ſondern der hervorſtehende Hoͤhentrieb bleibt bis in das hoͤhere Alter bemerkbar, wodurch die groͤßere Laͤnge gegen die Kiefer erzeugt wird. c. Aſtbildung. Viel ſchwache, wagerecht, faſt quirlfoͤrmig ſtehende, im Alter her⸗ abhaͤngende Aeſte, welche ſich deckend, bei freiſtehenden Baͤu⸗ men einen undurchdringlichen Schirm bilden, den Baum bis auf die Erde herab beſetzen. Die Aſtverbreitung iſt zwar nicht auffallend ſtark, aber bei dem dichten Schluſſe des Holzes wachſen in jungen Beſtaͤnden die Aeſte ſo dicht in einander, daß ſie ganz undurchdringliche Dickungen bilden. Selbſt bei einer ſtarken Schneedecke findet man in ihnen oft keine Spur, indem ſie ganz auf dem geſchloſſenen Zweigſchirme liegt. Die Aſtmenge haͤngt zwar von dem lichten oder geſchloſſenen Stande des Holzes ab, iſt jedoch verhaͤltnißmaͤßig geringer als die Reißigmenge. Bei ſtarker Ausknuͤppelung kann man der Klaf⸗ ter- und Bundzahl nach, zwar eben ſo wie bei der Kiefer im geſchloſſenen Stande 5 bis 10 Procent Aſt⸗, 3 Procent Reiß⸗ holz von der ſummariſchen Holzerzeugung rechnen, jedoch iſt mehr V b — 161— mehr wirkliche Holzmaſſe darin, da das Holz ſich dichter ein⸗ legt. Im lichtern Stande ſteigt die Reißigmenge verhaͤltniß⸗ maͤßig mehr als die Aſtholzmenge. d. Rinde und Baſt⸗ haut. Die Rinde glatt, an alten Staͤmmen ſchuppig auf⸗ geriſſen, erhaͤlt nicht ſo dicke abgeſtorbene Rindenlagen als zu⸗ weilen bei der Kiefer, kann ſich bei Beſchaͤdigungen nicht wie⸗ der erſetzen, weshalb das Schaͤlen vom Wilde, das Harzſcharren, Schalmen, brandige Stellen und daraus entſpringende Roth⸗ faͤule erzeugt. e. Belaubung. Dicht, verdaͤmmend, da die Zweige ſehr lang mit den zwar kurzen, aber ſehr nahe zuſam⸗ menſtehenden Nadeln beſetzt ſind und ſich einander deckend uͤberragen. Die Bodenverbeſſerung bewirkt ſie ausge⸗ zeichnet, zwar in der Jugend nicht auffallend, viel mehr als die Kiefer, dagegen iſt im ſpaͤtern Alter der Unterſchied zu Gunſten der Fichte deſto deutlicher in die Augen ſpringend. Der Weide iſt ſie nachtheiliger als die Kiefer. f. Groͤße. An Laͤnge uͤbertrifft ſie alle unſere Waldbaͤume, bloß die Tanne rivaliſirt mit ihr vermiſcht ſtehend. Es ſind ſchon ein⸗ zelne Staͤmme von 200 Fuß Laͤnge gefunden, 160 Fuß iſt nicht ſelten. An Staͤrke bleibt ſie hinter der Tanne ſehr zu— ruͤck, uͤbertrifft die Kiefer nicht, da 3 bis 4 Fuß dicke Fichten ſchon zu den ſehr großen Seltenheiten gehoͤren. Bluͤthe und Frucht. Die Bluͤthen erſcheinen Ende Mai; die maͤnnlichen zwiſchen den Nadeln der vorjaͤhrigen Triebe, bei dem Ausbruche durch ihre rothen Schuppen Bee⸗ ren aͤhnlich, ſpaͤter gelblich, die weiblichen an den Spitzen der Zweige in etwas groͤßern, laͤnglichen und dunkelrothen Kaͤtz⸗ chen, welche ſchon im Spaͤtherbſte ſichtbar ſind. Die Zapfen, walzenfoͤrmig, 5 bis 6 Zoll lang, haͤngen gewoͤhnlich unter der Spitze des Baumes am reichlichſten, reifen im October und laſſen den Samen im Fruͤhjahre bei jedem Winde fallen, doch am gewoͤhnlichſten bei trocknem Abendwinde. Die Sa⸗ menjahre treten in Zwiſchenraͤumen von 3 bis 8 Jahren ein, der Same fehlt oft ganz, iſt dann aber auch oft wieder in 11 — 162— ungeheurer Menge vorhanden. Dies, und weil die Zapfen nahe am Stamme haͤngend, leichter zu ſammeln, leichter aus⸗ zuklengen ſind, als Kieferzapfen, auch viel mehr Samen ent⸗ halten, macht, daß der Fichtenſame viel wohlfeiler iſt, als der Kiefernſame. Man rechnet pr. Scheffel 1 Pfd. abgefluͤgel⸗ ten Samen; der Scheffel reiner abgefluͤgelter Same wiegt 48 Pfd. Bei dem Eintritte von Samenjahren bemerkt man viel abgebrochene Zweigſpitzen auf der Erde(Abſpruͤnge), und iſt uͤber dieſe Erſcheinung ſchon viel Streit geweſen. Ein Theil der Forſtmaͤnner behauptet, daß ſie durch Eichhoͤrnchen, Kreuzſchnaͤbel und andere Voͤgel abgeriſſen und abgebiſſen wer⸗ den, welche ſich von den maͤnnlichen Bluͤthenknospen im Win⸗ ter naͤhren, und dabei die Spitzen, auf denen dieſe ſitzen, herabreißen, der andere, daß es eine Operation der Natur ſei, um ſich der zu vielen maͤnnlichen Bluͤthen und ſelbſt der Aſt⸗ ſpitzen zu entledigen und dadurch in den Stand geſetzt zu werden, mehr Kraft zur Samenbildung gewinnen zu koͤnnen. Beide Behauptungen duͤrften richtig ſein, keine allein fuͤr ſich. Man bemerkt eben ſo wohl Zweigſpitzen, an denen ganz deut⸗ lich zu erkennen iſt, daß ſie abgebiſſen ſind, als ſolche, welche eben ſo beſtimmt von ſelbſt aus den Achſeln gebrochen ſind, die ein leichter Wind in Menge herabwirft. Auch ſind der Fichte dieſe Abſpruͤnge in Samenjahren nicht allein eigen, an⸗ dere Holzgattungen, z. B. die Eiche auf Sandboden, zeigen ſie dann ebenfalls in großer Menge, und noch beſtimmter iſt an ihnen zu erkennen, daß ſie durch eine Operation der Na⸗ tur abgeworfen wurden. Mannbarkeit. Bei 50 bis 60 Jahren durchſchnitt⸗ lich, jedoch ſpaͤter in rauher Lage, in feuchtem Klima, etwas fruͤher im milden auf trocknem Boden und im einzelnen Stande. Alter. a. Natuͤrliches. Auf fettem Boden, an heißen duͤrren Haͤngen oft nur 100 bis 140 Jahre, in kaltem Klima auf paſſenden Standorten 2 bis 300 J. b. Wirthſchaftliches. Ein ſo kurzer Umtrieb, als in Kiefern, wuͤrde fuͤr Fichtenwal⸗ ————— — 163— dungen nicht vortheilhaft ſein, da ſie lange geſchloſſen bleibt, erſt ſpaͤter ihren ſtaͤrkſten Wuchs entwickelt, ſelbſt die zu ver⸗ langende Bauholzſtaͤrke erſt ſpaͤter erreicht. Zu Kohlholzwal— dungen iſt ein 80 bis 100 jaͤhriger Umtrieb paſſend. Auf fet⸗ tem, feuchtem Boden, in warmer Lage wird er haͤufig nicht laͤnger anzuſetzen ſein, weil die Fichte aͤlter leicht rothfaul wird. Unter guͤnſtigen Verhaͤltniſſen, um Brettkloͤtze und ſtarkes Bau⸗ holz zu erziehen, nimmt man 120 bis 140 J. an. Das Ueberhalten im Schluſſe erzogener Baͤume iſt wegen Wind⸗ bruch nicht thunlich, man muß zur Erziehung außergewoͤhn⸗ lich ſtarker Hoͤlzer ganze dazu geeignete Beſtaͤnde ſtehen laſſen, bis ſie die verlangte Staͤrke erhalten haben. Forſtliches Verhalten. 1) Wuchs. In der Jugend, vorzuͤglich bis zum 10ten bis 15ten Jahre ſehr langſam, dann zunehmend und ziemlich gleichmaͤßig bis zum 80ſten und 100ſten Jahre aushaltend. Mit 40 und 50 Jahren hat die Fichte in der Regel die Kie⸗ fer eingeholt, von da an uͤbertrifft ſie dieſelbe betraͤchtlich an Holzerzeugung. 2) Sie ertraͤgt zwar mehr Beſchattung als die Kiefer, dauert jedoch in der verdaͤmmenden Beſchirmung des eignen Mutter⸗ baumes nicht aus, und muß deshalb bald freigeſtellt werden. Aeltere Pflanzen, welche in einer maͤßigen Beſchattung geſtan⸗ den haben, erholen ſich nach erfolgter Freiſtellung beſſer, als dies bei der Kiefer der Fall iſt. Seitenſchatten iſt ihr ſowohl in rauher Freilage, als an duͤrren Haͤngen ſehr wohlthuend. 3) Lichtſtellung. Die Fichte haͤlt ſich bis in das hohe Alter ſehr geſchloſſen; darin und in der groͤßern Laͤnge, der groͤßern Vollholzigkeit der Staͤmme liegt auch ihr groͤße⸗ rer Ertrag. Der dichte Schluß in der Jugend ſchadet ihrem Wuchſe nichts, es ſcheint dieſer ſogar bei dicht ſtehenden klei⸗ nen Horſten beſſer als bei einzelnen licht ſtehenden Pflanzen. Große Flecke ſehr dicht beſtanden fuͤhren jedoch leicht Duft⸗ 11* — 164— und Schneebruch herbei. Wuͤnſchenswerth iſt ein gleiches Alter der jungen Beſtaͤnde, indem aͤltere Pflanzen, die in ſtarken Schuß kommen, die juͤngern noch zuruͤckbleibenden leicht un⸗ terdruͤcken. Dies iſt der Grund, weshalb man ungern auf zu beſaͤenden oder zu bepflanzenden Orten ſchon vorhandenen An⸗ flug ſtehen laͤßt.— Eine zu ſtarke Lichtſtellung bei einer fruͤ⸗ hen Durchforſtung, wirkt ſehr nachtheilig auf ſie. 4) Der Froſt zieht die jungen flach wurzelnden Pflanzen leicht auf, ſonſt iſt er ihnen wenig gefaͤhrlich, obgleich in rau⸗ hen Hoͤhen, feuchten Thaͤlern wohl auch zuweilen die Mai⸗ triebe erfrieren. Duͤrre iſt ihr ſehr verderblich, vorzuͤglich bei ſehr trockner Luft; die Saaten werden am haͤufigſten dadurch vernichtet. Eben ſo empfindlich iſt ſie gegen den Graswuchs. Sobald die Graswurzeln, der wilde Sauerampfer und aͤhnliche Gewaͤchſe ſie umſchlingen und ſie uͤberwachſen, iſt ſie in der Regel verloren. Die Maͤuſe heben ſie aus, verzehren auch wohl ihre Wurzeln, indem ſie mit ihren Gaͤngen die Saat⸗ plaͤtze durchwuͤhlen. Rehe und Nothwild verbeißen ſie, letzte⸗ res thut auch noch in ſchon 30 bis 40 jaͤhrigen Stangenhoͤl⸗ zern durch das Abſchaͤlen der Rinde außerordentlichen Scha⸗ den. Die wilden Tauben, Finken und andere Voͤgel leſen den Samen auf den Saatplaͤtzen auf. Von dem Schaden, welchen Inſecten thun, wird am andern Orte gehandelt wer⸗ den. Sturmwinde und Feuer werden ihr oft außerordentlich verderblich. Dem Duft⸗ und Schneehange kann ſie gut wi⸗ derſtehen, da die ſpitzen Wipfel darunter wenig leiden und die zaͤhen, biegſamen, in einander geflochtenen Aeſte eine große Laſt tragen koͤnnen, ohne zu brechen. 5) Die gewoͤhnlichſten Krankheiten ſind die Rothfaͤule, der durch Beſchaͤdigungen der Rinde entſtehende Brand, auch wird ſie in ſehr rauher Lage oft ganz von langen Bartflech⸗ ten uͤberzogen. In ſehr trocknen Jahren ſterben ſelbſt alte Fichten oft haͤufig ab, ohne eine bemerkbare Urſache ihres To⸗ des zu entdecken. Sie hat kein ſehr zaͤhes Leben, und ein⸗ mal entſtandene Krankheiten nehmen gewoͤhnlich ziemlich ſchnell uͤberhand. 6) Holzmaſſe. Sie iſt ſehr groß, kann bis 100 Ku⸗ bikfuß Durchſchnittszuwachs jaͤhrlich und ſelbſt daruͤber ſtei⸗ gen, faͤllt ſelten unter 20 Kubikfuß. Auch erhaͤlt man den Ertrag, den volle Beſtaͤnde geben koͤnnen, weit haͤufiger als bei der Kiefer, bei der ſelbſt die relative Vollkommenheit viel ſeltener erhalten werden kann. Gebrauchsfaͤhigkeit. 1) Brennguͤte. Mit lebhaſter Flamme und wenig Kohlengluth, raſch verbrennend, zwiſchen 4 und der Guͤte des Buchenholzes nach dem Alter und Wuchſe des Holzes, da altes Holz beſſer iſt als junges, lang⸗ ſam gewachſenes groͤßere Hitzkraft hat, als ſchnell und poroͤs gewachſenes. Als Kohlholz beſſert es ſich gegen das Buchen gehalten, und kann noch etwas uͤber † des Werthes von die⸗ ſem geſetzt werden. Das Stockholz iſt bemerkbar beſſer als das Stammholz, und kann als Kohlholz, wozu es in der Regel verwendet wird, zu gegen den Werth von Buchen⸗ kohlen angenommen werden. Die Fichtenkohlen werden auf den Huͤttenwerken ſehr geſucht. 2) Aſcheertrag. 1000 Pfd. Holz 4½ Pfd. Aſche, ¾ Pfd. Pottaſche. 3) a. Dauer. Im Trocknen gut. In freier Luft ver⸗ ſchieden, von Bergfichten mit engen Holzlagen, eher beſſer als bloß mittelmaͤßig, von Baͤumen auf fettem und naſſem Bo⸗ den, oder ſolchen, welche zum Harzſcharren benutzt wurden, ge⸗ ring. Im Naſſen ſehr mittelmaͤßig, eher noch gering. Das Holz von den Aeſten, vorzuͤglich der auf dem Baume abge⸗ ſtorbenen, iſt von guter Dauer, hat aber auch außerordentlich dichte Holzlagen. b. Spaltigkeit gut, nur verwaͤchſt ſie die Aeſte ſelten ganz, da die Aſtwurzel bei der großen Feſtig⸗ keit und Dauer des Holzes nicht ſo ausfault, wie bei der Kiefer und Tanne, ſich auch die Holzringe um die ſtehen blei⸗ benden trocknen Stummel(Hornaͤſte) anlegen. c. Zaͤhig⸗ 1„ 4 — 166— keit, bei jungen Fichten, die zu Wieden bei der Floͤßerei ver⸗ braucht werden, groß, eben ſo bei den Aeſten, bei aͤlterm Stammholze mittelmaͤßig. d. Elaſticitaͤt vorzuͤglich, bei ſtarkern Baͤumen ausgezeichnet. e. Haͤrte gering, nur bei den Aeſten, vorzuͤglich den trocknen betraͤchtlich. f. Dichtig⸗ keit der Holzlagen im Stammholze gering, doch ziemlich gleichmaͤßig, die Textur beſſer als bei Kiefern. g. Dem Reißen und Werfen iſt das Holz wenig unterworfen. h. Ge⸗ wicht. Gruͤn 55 bis 57 Pfd. der Kubikfuß, waldtrocken 44 bis 48 Pfd. Das Stockholz etwas ſchwerer. Verwendung. Zu Bauholz, Brettern, Maſten, in⸗ laͤndiſchen Spaltwaaren. Die gruͤnen Zweige werden im Nothfalle, wo das Vieh daran gewoͤhnt iſt, zu Futter verwandt, auch zum Einſtreuen benutzt. Das Harz zur Pech⸗ und Kienruß⸗Bereitung. Die Rinde dient in Ermangelung beſſerer als Gerberrinde. Erziehung. In Samenſchlaͤgen, denen ſich jedoch manches entgegenſetzt, woruͤber unten das Naͤhere. In ſehr rauhen Freilagen, an Seekuͤſten, ſelbſt in der Plenterwirthſchaft. Der Saat wird die Pflanzung und dazu die Erziehung der Pflanzen in Pflanzkaͤmpen, mit Recht vorgezogen. Die Fichte bildet durch die auf der Erde liegenden Aeſte, welche Wurzel ſchlagen, haͤufig natuͤrliche Senker, von denen jedoch in der großen Forſtwirthſchaft weiter kein Gebrauch zu machen iſt. Die Weißtanne. Verbreitung. Von Natur ſehr ſelten in reinen Be⸗ ſtaͤnden vorkommend, gewoͤhnlich mit Buchen oder Fichten ge⸗ miſcht, und daher nur ſehr bedingt unter die herrſchenden Hoͤl⸗ zer zu zaͤhlen. Wir finden ſie in Deutſchlands Urgebirgen zwar vorzuͤglich, doch nicht uͤberall— dem Harze fehlt ſie, ſo wie ſie ſich auch mehr nach Suͤden und Weſten draͤngt, als in die entgegengeſetzte Richtung. Boden. Dem Flußboden, dem Sumpfboden, fehlt ſie — 1067— ganz. Im Meeresboden iſt ſie ſelten, doch horſtweis, z. B. in der Lauſitz vorkommend. Vorzugsweiſe nimmt ſie die mitt⸗ lern Bergregionen auf Urgebirgsarten ein, findet ſich auf aͤl⸗ term Sandſtein, ſeltner auf Kalk ſehr gut wachſend. Immer verlangt ſie einen friſchen, kraͤftigen und tiefgruͤndigen Boden, der nicht zu bindend iſt. Klima. Duͤrre heiße Lage iſt ihr zuwider, lieber ſind ihr geſchuͤtzte Mitternachtsſeiten, die unmittelbare Seenaͤhe er⸗ traͤgt ſie ſo wenig, als eine ſehr rauhe Freilage in großer Hoͤhe. Bau und Form. a. Wurzelbildung. Starkaͤſtig, tiefgehend, ſich in maͤßiger Ausdehnung verbreitend. b. Stamm⸗ bildung, regelmaͤßig, walzenfoͤrmig, mit im Alter ſtufiger Krone aus aufrecht ſtehenden ſtarken Aeſten gebildet, in der Jugend hervorſtehender Wipfeltrieb. c. Aſtbildung. Zahl⸗ reiche Aeſte von nicht zu weiter Verbreitung, die in den Aſt⸗ winkeln ein ſehr hartes ſproͤdes Holz haben. d. Rinde. Aſch⸗ grau, glatt, nur an alten Staͤmmen aufgeriſſen. e. Belau⸗ bung. Die Nadeln kurz, breit, markig, die Belaubung dicht und verdaͤmmend. Die Nadeln fallen gewoͤhnlich drei Jahre alt, ab. f. Die Tanne erreicht unter unſeren Nadelhoͤlzern die betraͤchtlichſte Groͤße. An Hoͤhe der Fichte wenig nachge⸗ bend, wird ſie bis 12 Fuß dick, und giebt oft eine außeror⸗ dentlich betraͤchtliche Holzmaſſe. Bluͤthe und Frucht. Die Bluͤthen erſcheinen im Mai, die maͤnnlichen einzeln zwiſchen den Nadeln in kleinen roth⸗ braunen, die weiblichen in etwas laͤngern, weißgruͤnen Kaͤtz⸗ chen. Der Same reift Ende September, Anfang October, und befindet ſich in einem walzenfoͤrmigen, 6 Zoll langen Zapfen, welcher braun iſt, und dann ein doppelſchuppiges Anſehen hat. Es oͤffnen ſich zuerſt an der Spitze die Schup⸗ pen, und fallen mit dem Samen zugleich ab, ſo daß bloß die Spindel des Zapfens auf dem Stamme zuruͤckbleibt. Die Mannbarkeit tritt haͤufig erſt mit 60 bis 70 Jahren voll⸗ kommen ein. — 168— Alter. a. Natuͤrliches, 300 Jahre und daruͤber. b. Wirth⸗ ſchaftliches, 100 bis 140 Jahr, und gilt das, was in dieſer Hinſicht von der Fichte geſagt iſt, auch von der Tanne. Forſtliches Verhalten. 1) Wuchs. In der Jugend langſam, im ſpaͤtern Alter ſtark und aushaltend. 2) Sie haͤlt ſich geſchloſſen, vorzuͤglich in der Vermiſchung mit Fichten, beſchirmt und verbeſſert den Boden gleich dieſer. 3) Sie kann nur in der Beſchattung, welche ſie verhaͤlt⸗ nißmaͤßig dicht und ſelbſt noch im ſpaͤtern Alter ertraͤgt, er— zogen werden, und gedeihet deshalb ſelbſt in der Plenterwirth⸗ ſchaft gewoͤhnlich beſſer, als bei regelmaͤßiger Schlagſtellung. 4) Sie iſt eine empfindliche Holzgattung, am ſchwerſten unter allen deutſchen Nadelhoͤlzern zu erziehen, und gehoͤrt nur in das Innere großer Waͤlder. Duͤrre wird ihr ſehr leicht, zu ſtarker Lichteinfall ſtets verderblich. Gegen Froſt zeigt ſie ſich weniger empfindlich. Das Gras iſt ihr in der erſten Ju⸗ gend ſehr gefaͤhrlich, unter Sturm und Schneebruch leidet ſie wenig. Dem Verbeißen durch Wild und Vieh iſt ſie zwar ſehr unterworfen, kann jedoch, da ſie ſchlafende Knospen hat, die fortwachſen, wenn die Spitzen verloren gehen, Verletzun⸗ gen ziemlich gut ertragen. Selbſt ausgeaͤſtet, entwickeln ſich neue Knospen an den jungen Staͤmmen. Inſektenſchaden iſt bei ihr nicht haͤufig, obwohl Ph. Bomb. Monacha, Ph. Tor- trix piceana, Bostr. Abietiperda, auch ſchon den Tannen⸗ waldungen verderblich geworden ſind. 5) Von Krankheiten ſind die Kernfaͤule, Rindenbrand und Schurf die gewoͤhnlichſten. 6) Das Volumen, welches ſie giebt, wird dem der Fichte gleich geſetzt. Gebrauchsfaͤhigkeit. 1) Als Brenn⸗ und Kohlholz wird das ausgewachſene Holz zu des Buchen angenommen. 2) Den Pottaſchenertrag ſetzt Bechſtein zu ¼ desjenigen des Buchen. t — — 169— 3) a. Dauer. Nur im hoͤhern Alter im Trocknen und freier Luft mehr als mittelmaͤßig, ſehr gering bei jungem Holze. Im Naſſen hat auch das alte Holz nur mittelmaͤßige Dauer. b. Spaltigkeit, gut. c. Zaͤhigkeit, betraͤchtlich, wie ſchon die Verwendung als Schachtelholz zeigt. d. Elaſti⸗ citaͤt, hinreichend zum Gebrauche als Balken ꝛc. e. Dich⸗ tigkeit der Holzlagen zwar nicht groß, jedoch ſehr gleichmaͤ⸗ ßig und daher ausgezeichnet ſchoͤne Textur. f. Haͤrte, gering. g. Dem Reißen und Werfen iſt zwar das Holz nicht ſehr ausgeſetzt, dagegen aber ſchwindet das junge auffallend ſtark. h. Gewicht. Gruͤn der Kubikfuß 59 Pſfd., waldtrocken 44 bis 48 Pfd. Verwendung. Zu Bauholz, Muͤhlwellen, Brettern, Re⸗ ſonanzboden, Spaltwaaren, Schachteln, Siebraͤndern, Schnitz⸗ nutzholz u. dergl. Aus dem Harze, welches ſich an der Rinde in Blaſen ſammelt, wird der gemeine Terpentin bereitet, aus den jungen im Juni gebrochenen Zapfen das Terpentinoͤl, in⸗ dem man ſie zerhackt und auskocht. Der Same kann zur Gewinnung von Brennoͤl benutzt werden. Als Eigenthuͤmlichkeit der Weißtanne iſt zu bemerken, daß zuweilen abgehauene Stoͤcke ſich mit einem Holzwulſte bedecken, an dem ſich viele Jahre hindurch jaͤhrliche Holzlagen anlegen. Wahrſcheinlich ſtehen dieſe Stoͤcke durch die Wur⸗ zeln mit einem lebenden Stamme in Verbindung, der dieſe Holzerzeugung an ihnen fortſetzt. Die Lerche. Verbreitung. Die eigentliche Heimath dieſes Baumes iſt der hoͤhere Norden, Rußland, Sibirien, wo ſie herrſchend in großen, ausgedehnten Waͤldern vorkoͤmmt. Doch iſt ſie auch in den hoͤhern Regionen der Alpen und Karpathen hei⸗ miſch, wo ſie aber mehr in großen Horſten, auch wohl mit der Fichte vermiſcht, erſcheint, als rein in betraͤchtlicher Aus⸗ — 170— dehnung. In den deutſchen Ebenen und Watelgelingen iſt ſie erſt in der neuern Zeit angebauet. Boden. Sie verlangt einen tiefgruͤndigen, nicht zu ſe⸗ ſten, friſchen, kraͤftigen Lehmboden. Auf humoſem, feuchtem Sandboden waͤchſt ſie bis zu 60 Jahren noch ziemlich, auf einem ſandigen, trocknen Lehmboden nur noch ſehr mittelmaͤ⸗ ßig. Trockner Sand, duͤrre, flachgruͤndige Haͤnge, Sumpf⸗ boden, ſind durchaus nicht fuͤr ſie geeignet. Dieſe ſehr ſchaͤtz⸗ bare Holzgattung erfordert eine große Sorgfalt bei der Aus⸗ wahl des Bodens. Auf unpaſſendem, wie z. B. trocknem Sandboden, taͤuſcht ſie im Anfange wohl durch ihren ſtarken Wuchs, giebt jedoch daſelbſt durchaus nicht einen Ertrag, der ihren Anbau belohnt. Der ruͤckſichtsloſe auf jedem Boden, gehoͤrt unter die Modethorheiten, die hoffentlich nicht mehr wiederkehren. Klima. Heiße, ſonnige Lage iſt ihr zuwider, geſchuͤtzte Mitternachtsſeiten ſagen ihr beſſer zu. In den Bergen gehet ſie hoͤher noch als die Fichte, und gedeihet ſelbſt in der Hoͤhe von 1200 bis 2500 Fuß, im noͤrdlichen Deutſchland beſſer, als in der Ebene. In ſehr exponirten Freilagen iſt ſie nicht zu ziehen, da die ſchlanken Wipfeltriebe dem Winde zu wenig widerſtehen, und ihr Hoͤhenwuchs dadurch geſtoͤrt wird. Die Seenaͤhe ertraͤgt ſie in einer Lage, wobei ſie gegen die Stuͤrme in der Jugend geſchuͤtzt iſt. Feuchte Atmosphaͤre, ſcheint eine Bedingung ihres vollkommnen Gedeihens zu ſein. Form und Bau. a. Wurzelbildung. Bis zum 40ſten Jahre eine vorherrſchende Pfahlwurzel, ſpaͤter ziemlich tief, nicht ſehr weit ſtreichende, zahlreiche aber nicht ſehr ſtarke Wurzeln. Die zu erwartende Stock- und Wurzelmenge iſt unbekannt, ſie duͤrfte etwas geringer als bei der Kiefer anzu⸗ nehmen ſein. b. Stammbildung. Regelmaͤßig, ſelbſt im freien Stande reinigt ſich die Lerche bis auf 30 Fuß und da⸗ ruͤber freiwillig von Aeſten. Zuruͤckbleibende Staͤmme wach⸗ ſen ſehr leicht knickig und buchtig. Sonſt iſt der Stamm ——— —- 171— rund, aber nicht vollholzig, ſondern ſpitz abfallend. Im ſtar⸗ ken Schluſſe iſt zu 60 Jahren der Hoͤhenwuchs ſehr vorherr⸗ ſchend, und die Baͤume erhalten eine unverhaͤltnißmaͤßige Laͤnge bei geringer Staͤrke, wohl 70 bis 80 Fuß bei 8 bis 9 Zoll Durchmeſſer. Die nicht ſtarke Krone iſt kegelfoͤrmig. c. Aſt⸗ bildung. Die Aeſte ſtehen wagerecht, oft ſich ſenkend, haben keine weite Verbreitung und ſind nur ſchwach, auch in gerin⸗ ger Menge, ſo daß der Abfall an Aſt- und Reisholz im Ver⸗ haͤltniſſe zum Stammholz nur gering iſt. d. Die Rinde am Stamme iſt graubraun, ſtark aufgeriſſen, an den Zweigen gelblich weiß und geſtreift. e. Die Belaubung locker und nicht verdaͤmmend. f. Der Lerchenbaum erreicht eine Hoͤhe bis zu 100 Fuß, eine Dicke bis zu 3 und 4 Fuß. Bluͤthe und Frucht. Die Bluͤthen erſcheinen Ende April oder Anfang Mai mit den Nadeln, die maͤnnlichen in runden, gelben, ¹ Zoll langen, die weiblichen aber in laͤng⸗ lichen, ſchoͤn rothen, 2 Zoll langen Kaͤtzchen, beide aus den Seitenknospen, die letztern mit Nadeln umgeben. Die Zapfen reifen im October, der Same fliegt im folgenden Fruͤhjahre ab. Da die Zapfen ohnehin nicht gut platzen, ſo pfluͤckt man ſie wo moͤglich erſt kurz vorher, ehe ſie ſich oͤffnen, was das Ausklengen des Samens ſehr erleichtert. Der Scheffel reiner Samen wiegt gegen 56 Pfd. Die Lerchen fangen ſehr fruͤhzeitig an Samen zu tragen, auf warmen Sandboden wohl ſchon mit 6 bis 8 Jahren, in der Regel taugt aber der Samen vom Sandboden nichts, und nur die kaͤltern Berge liefern ſolchen, auf deſſen Aufgehen man rechnen kann. Der Same geraͤth ſonſt ſehr oft und iſt in großer Menge vorhanden. Alter. a. Natuͤrliches. In ſeiner eigentlichen Heimath, im kalten Klima, erreicht die Lerche ein Alter von oft mehr als 200 Jahren, in warmer Lage, auf ſandigem Boden ſtirbt ſie haͤufig ſchon mit 80 bis 100 Jahren ab. b. Wirthſchaft⸗ liches. Bei dem raſchen Wuchſe in der Jugend, der nach —- 172— 60 bis 80 Jahren ſehr nachlaͤßt, giebt man der Lerche um ſo mehr keinen hoͤhern Umtrieb, als ſie bei dieſem Alter ſchon vollkommen zu Bauholz brauchbar iſt. Forſtliches Verhalten. 1) Wuchs. Sie waͤchſt unter allen Nadelhoͤlzern am ſchnellſten in die Hoͤhe, macht ſehr lange, fadenfoͤrmige Mit⸗ teltriebe, und verſpricht auf paſſendem Boden in ſehr kurzer Zeit eine große Maſſe Holz. 2) Beſchattung ertraͤgt ſie nicht, verlangt aber geſchuͤtzte Lage. 3) Sie haͤlt ſich bis zu 60 und 80 Jahren ſehr geſchloſ⸗ ſen, beſchirmt und verbeſſert den Boden mittelmaͤßig. 4) Hinderniſſe der Erziehung. Wenig empfindlich gegen Witterung und Naturereigniſſe, auch der Beſchaͤdigung durch Inſekten nicht ausgeſetzt, leidet der Lerchenbaum vor⸗ zuͤglich nur unter Wild⸗ und Weidevieh. Zuweilen beſchaͤdigt ihn das Eichhorn. 5) Krankheiten. Kernfaͤule, Schurf, auf magerm Bo⸗ den leicht Bartflechten. 6) Die Holzmaſſe, welche dieſer Baum unter guͤnſtigen Verhaͤltniſſen geben kann, iſt ſehr groß bei 60 bis 80 jaͤhrigem Umtriebe. In einzelnen Beſtaͤnden ſind uͤber 100 bis 120 Ku⸗ bikf. Durchſchnittszuwachs gefunden worden, ſo wie denn auch viele Beiſpiele von ausgezeichnet ſchnellem Wachsthume einzelner Baͤume bekannt ſind. Gebrauchsfaͤhigkeit. Die Beſchaffenheit des Holzes i*ſt außerordentlich verſchieden nach dem Standorte. Auf feuch⸗ tem, humoſem Sandboden, in warmer Lage, vorzuͤglich noch jung, uͤbertrifft es unſere Fichte und Kieſer an Guͤte nicht beſonders. Dagegen iſt das in hoͤheren Bergen erwachſene aͤltere Holz, in vieler Hinſicht von einer ganz vorzuͤglichen Beſchaffenheit. Das Folgende bezieht ſich nur auf dies letz⸗ tere Holz. 1) Brennguͤte. Das Holz brennt raſch mit lebhafter n 1 — 173— Flamme, wenig Kohlengluth, die Guͤte wird zu ⁸ der des Buchen angenommen. Ueber ſeinen Werth als Kohlholz feh⸗ len die naͤhern Nachweiſungen. Auch der Ertrag an Pott⸗ aſche iſt nicht bekannt. 2) a. Dauer. Unter allen Verhaͤltniſſen groß. b. Spal⸗ tigkeit, gut. c. Zaͤhigkeit und Feſtigkeit, mittelmaͤßig. d. Elaſticitaͤt, gut. c. Textur, mittelmaͤßig. f. Haͤrte, nicht groß. g. Es reißt und wirft ſich nicht beſonders be⸗ merkbar. h. Gewicht. Gruͤn der Kubikf. 61 Pfd., wald⸗ trocken 46 Pfd. Forſtlicher Werth. Dieſe ſo außerordentlich empfohlene Holzgattung taͤuſcht in unſerm fuͤr ſie zu warmen Klima haͤufig durch ihren ſehr ſchnellen Wuchs in der Jugend, verliert dieſen, noch ehe ſie eine benutzbare Staͤrke erreicht hat, und die mehrſten Anlagen in Norddeutſchland, die namentlich in den preußiſchen Staa⸗ ten in großer Ausdehnung gemacht wurden, haben das nicht geleiſtet, was ſie verſprachen, ſind haͤufig durch die Kiefer uͤberholt worden. Im Meeresboden iſt uberdem ſehr ſelten paſſender Boden fuͤr ſie zu finden, weshalb ſie nur fuͤr die Gebirge in Deutſchland zu empfehlen ſein duͤrfte. Hier fin⸗ den wir ſie aber mitunter ſo ausgezeichnet wachſend, daß allerdings ihrem Anbaue daſelbſt eine groͤßere Ausdehnung zu wuͤnſchen iſt, vorausgeſetzt, daß ſie gegen Beſchaͤdigung durch Wild hinreichend geſichert iſt. Die Verwendung des Holzes hat nichts beſonderes, und iſt wie bei den uͤbrigen Nadelhoͤlzern. Nebennutzungen gaben wenigſtens unſere Anpflanzungen noch nicht, auch ſcheinen ſie uͤberall nicht von Bedeutung zu ſein. Die Erziehung iſt bis jetzt, um der Koſtbarkeit des Sa⸗ mens und der leichten Beſchaͤdigung durch Wild willen, bei⸗ nahe ausſchließlich in den Pflanzkaͤmpen und ſpaͤter Auspflan⸗ zung in das Freie erfolgt. — 174— Die in Deutſchland eingefuͤhrten Hoͤlzer. Zur Zeit als man fuͤrchtete, daß uͤber Deutſchland ein allgemeiner Holzmangel hereinbrechen wuͤrde, forſchte man nach ſchnellwuͤchſigen Hoͤlzern, die geeignet waͤren, ihm zeitig genug zu begegnen. Man glaubte vorzuͤglich in Nordamerika ſolche gefunden zu haben, welche an Schnelligkeit des Wuch⸗ ſes unſere einheimiſchen weit uͤbertraͤfen, ihnen an Guͤte und Gebrauchsfaͤhigkeit nicht nachſtaͤnden. Eine große Menge der⸗ ſelben wurden von dorther eingefuͤhrt, und ihr theilweis ſehr raſcher Wuchs in der Jugend, auch wohl das Privatintereſſe der Samenhaͤndler, die Vorliebe derer, die ſie einzufuͤhren ſuch⸗ ten fuͤr ihre Schuͤtzlinge, machte ihren Anbau zur Modeſache, ſo daß Private und Regierungen groͤßere oder geringere Sum⸗ men darauf verwandten, je nachdem ſie mehr oder weniger empfaͤnglich fuͤr die Ideen der damaligen Forſtgelehrten waren. Die Zeit, welche immer am beſten uͤber ſolche Dinge be⸗ lehrt, hat gezeigt, daß die Anzucht dieſer Fremdlinge nicht einmal den Vortheil gewaͤhrt, der unbezweifelt bei einer ſorg⸗ faͤltigen Pflege von unſern einheimiſchen Waldbaͤumen zu er⸗ halten iſt. Viele haben ſich nur noch in Parks als Zierbaͤume und Straͤucher oder in botaniſchen Gaͤrten erhalten, nur we⸗ nige trifft man noch in einzelnen, gewoͤhnlich kuͤmmernden Anlagen, im Freien als Denkmal jener Modethorheiten, deren uͤbrigens immer jedes Zeitalter ſeine eigenen hat. Wir koͤnnen zuerſt den nordamerikaniſchen Fremdlingen in unſerm immer mehr oder weniger erſchoͤpſten, oder doch ſtark benutzten Waldboden, nicht diejenigen aufgehaͤuften Humus⸗ ſchichten bieten, auf welchen ſie in ihrem Vaterlande uͤppig wucherten. Dies hat nicht bloß auf ihren Wuchs, ſondern ſelbſt auf ihre Beſchuͤtzung gegen Froſt und Hitze einen nach⸗ theiligen Einfluß. Dann iſt, ſelbſt bei gleichem mittlern Tem⸗ peraturgrade, ja bei groͤßerer Kaͤlte in Amerika, doch das Klima ihnen hier gefaͤhrlicher, da unſere haͤufigen ſpaͤten Nacht⸗ — 175— froͤſte jenem Lande nicht eigen ſind. Daher koͤmmt es denn auch wohl, daß z. B. die Akazie bei uns erfriert, die dort einen viel groͤßern Kaͤltegrad aushaͤlt. Drittens hat nicht allemal das Holz die verlangte Be⸗ ſchaffenheit. Das ſchwammige, beinahe unbenutzbare Holz der Weymuthskiefer, die unregelmaͤßige Stammbildung der Akazie als Baum, das dornenartige als Schlagholz, wuͤrden ſie werth⸗ los, ſelbſt bei großem Volumen, machen. Rechnet man hierzu die Koſten des Anbaues wegen theu⸗ ren Samen und ſorgfaͤltiger Pflege in Baumſchulen, die Schwierigkeit, ſie gegen Beſchaͤdigungen durch Wild zu ſichern, welches immer fremde Hoͤlzer am ſtaͤrkſten aufſucht, ſo wird ſich das Urtheil von ſelbſt herausbilden: daß der Anbau der nordamerikaniſchen Hoͤlzer im Freien fuͤr Deutſchland nicht paſſend und Gewinn verſprechend iſt. Demungeachtet verdienen zwei eine naͤhere Erwaͤhnung, da ihnen eine bedingte Benutzbarkeit deshalb noch nicht ganz abzuſprechen iſt. Die Akazie, Robinia pseudo acacia, die geruͤhmteſte unter allen nordamerikaniſchen Hoͤlzern, verlangt einen lockern, nicht naſſen Boden, waͤchſt dann ſelbſt auf armen recht gut. Thon⸗, Sumpf⸗, flachgruͤndiger Gebirgsboden, iſt ihr ſo un⸗ guͤnſtig, daß ſie darin nicht gebauet werden kann. Als Baum⸗ holz iſt ſie von wenig Werth. Die Stammbildung iſt unre⸗ gelmaͤßig, knickig, ſich in die Aeſte verbreitend, der Wuchs laͤßt im hoͤhern Alter ſchnell nach, ſie hat große Neigung zur Lichtſtellung, und ſtehet im Ertrage auf trocknem Sandboden der Kiefer, auf friſchem, humoſem, lockerm Lehmboden, meh⸗ reren unſerer einheimiſchen Hoͤlzer nach. Als Schlagholz im 12 bis sjaͤhrigen Umtriebe, hat ſie auf trocknem Sandboden noch einen ſehr ſtarken Wuchs, und iſt das einzige Laubholz, welches man als Niederwald noch mit Erfolg daſelbſt anbauen kann. Sie iſt ſogar zum Anbaue der Flugſandſchelle noch benutzbar, und deckt den Boden ziemlich ſchnell hinreichend, — 176— um ihn zu binden. Das Reisholz iſt zwar bei kurzen Nie⸗ derwaldumtrieben wegen ſeiner vielen Dornen ſchwer abzu⸗ ſetzen, die ſchon ziemlich ſtarken Schuͤſſe, bei einem Alter von 12 bis 16 Jahren, geben aber nicht bloß ein gutes Brenn⸗ holz, ſondern auch eine Menge Wein⸗ und Baumpfaͤhle, welche vorzuͤglich in Weingegenden eine ſolche Anlage ſich recht gut bezahlen laſſen. Dieſe Niederwaͤlder leiden jedoch ſehr vom Froſte und von Haſen. Wenn ſie erfrieren, muͤſſen ſie im Fruͤh⸗ jahre ſehr tief gehauen werden, da der Mutterſtock nicht ein⸗ gehet. Gegen Haſen, welche ſie in den erſten Jahren im Winter ſchaͤlen, iſt freilich nicht viel zu thun, da ſich dieſe eben ſo wenig ganz ausrotten laſſen, als es moͤglich iſt, Anlagen durch Umzaͤunung zu ſchuͤtzen.— Dieſe beſchraͤnken ſich bei uns aber auch wohl mehr darauf, eine ſandige Gegend in der Naͤhe von Gebaͤuden mit freundlichem Laubholze zu ſchmuͤk— ken, als große Flaͤchen mit der Akazie in Beſtand zu bringen. Die Erziehung der jungen, ſich ſehr ſicher in fruͤher Jugend verpflanzen laſſenden, Staͤmme, geſchiehet in gut geſchuͤtzten Pflanzkaͤmpen, wo man den 24 Stunden lang eingequellten Samen in Rinnen ſo weitlaͤuftig ſaͤet, und 1 Zoll hoch mit Erde bedeckt, daß die Pflanzen 3 Jahr alt werden koͤnnen, ohne daß eine Verſetzung noͤthig wird. Bei der dann erfolgenden Auspflanzung in das Freie, kann man die zu Buſchholz be⸗ ſtimmten Orte ziemlich licht pflanzen, weil ſie ſich ſpaͤter ſehr durch Wurzelbrut verdichten. Die Weymuthskiefer, Pinus strobus. Dieſer an⸗ ſehnliche Baum waͤchſt auf lockerm, mehr trocknem als feuch⸗ tem Boden, bis zu einem Alter von 50 bis 70 Jahren ſehr ſchnell herauf, und erreicht bis dahin ſchon eine Staͤrke von Mittel- und ſtarkem Bauholz, wenn der Boden nur tiefgruͤn⸗ dig und nicht zu humusarm iſt. Gegen die Witterung iſt ſie im Ganzen unempfindlich, leidet nur bei ihren ſtarken Nadeln und bruchigem Holze ſehr unter Duftbruch. Auch ſchaͤlt das Rothwild ſie noch bei S bis 10 Zoll Durchmeſſer, was ſie jedoch — 177— jedoch verwaͤchſt, wenn es nur ſtellenweis geſchiehet. Sie wuͤrde fuͤr die Sandgegenden Norddeutſchlands, da ſie ſich ſehr geſchloſſen haͤlt und den Boden ſchnell verbeſſert, ein ganz unſchaͤtzbarer Baum ſein, wenn das Holz nicht von ſo ſchlech⸗ ter Beſchaffenheit waͤre. Dies iſt weich, ſchwammig, bruchig, als Bauholz kaum zu brauchen, als Brennholz ſehr ſchlecht. Nur in dem Falle koͤnnte daher ihr Anbau empfohlen werden, wo es darauf ankaͤme, bei einem wirklich zu befuͤrchtenden Holzmangel in ſehr kurzer Zeit Bauholz zu erziehen, welches wenigſtens vorlaͤufig, und bis das beſſere Kieferholz die noͤ— thige Staͤrke erhalten hat, dem Beduͤrfniſſe abhelfen kann, ein Fall uͤbrigens, der bis jetzt noch ſehr ſelten geweſen iſt, und auch wohl nur bei einzelnen Privatforſten vorkom⸗ men kann. Die Erziehung geſchiehet am beſten in Pflanzkaͤmpen und nachherige Auspflanzung. 4) Welches Holz den Vorzug verdient. „In der Regel ſind nur die groͤßern Baumhoͤlzer und ei⸗ nige ſchnellwachſende, Nutzholz gebende Strauchhoͤlzer, z. B. Weiden und Haſeln, Gegenſtand des forſtlichen Anbaues, der Pflege und Erhaltung. Die langſam wachſenden, kleinen Hoͤlzer, die durch die wenige Maſſe, die ſie geben, ſich un— vortheilhaft zeigen, duldet man entweder nur als Luͤckenbuͤßer, wo ſie von ſelbſt aufwachſen und kein beſſeres Holz verdraͤn⸗ gen, oder man behandelt ſie auch als Forſtunkraͤuter. Doch koͤnnen einzelne beſondere Verhaͤltniſſe auch Ausnahmen erzeu⸗ gen. So iſt der Schlehdorn in der Naͤhe von Salzſiedereien mit Gradirwerken oft ſehr vortheilhaft abzuſetzen, der Faul⸗ baum an Pulvermuͤhlen mit Gewinn zu verkaufen, u. ſ. w. Man muß deshalb kein Vorurtheil fuͤr oder gegen eine Holz⸗ gattung haben, am allerwenigſten aber glauben, daß es ein beſtes Holz gebe, was man wo moͤglich unter allen Umſtaͤn⸗ den erziehen muͤſſe. Wenn man im Stande iſt, eine Holz⸗ 12 —— ——— —,——— 1 — 178— gattung durch die Wirthſchaft zu beguͤnſtigen, oder zu ver⸗ draͤngen, ſo berechne man ſich ihren muthmaßlichen Reiner⸗ trag. Das iſt die beſte, welche, alle mittelbaren und unmit⸗ telbaren Gewinne und Aufopferungen genau beruͤckſichtigt, zu⸗ letzt das hoͤchſte nachhaltige Reineinkommen gewaͤhrt, ohne daß dabei ein fremdes Recht verletzt wird. Es koͤmmt hierbei zur Sprache: 1) Die zu erwartende Holzmaſſe. Sie haͤngt theils von der Eigenthuͤmlichkeit der Holzgattung ſelbſt ab, von ihrem raſchern oder langſamern Wuchſe, ihrer groͤßern Dichtigkeit oder der Neigung zur Lichtſtellung, theils vorzuͤglich davon, daß der Boden fuͤr die gewaͤhlte Holzgattung ganz paſſend iſt. Wo dies nicht der Fall iſt, wird der Ertrag der ſchnell⸗ wuͤchſigſten Holzgattung nur gering, ihr Anbau ſchwierig und koſtbar, ihre Erhaltung unſicher. Diejenige Holzgattung, welche unter denen, die uͤberhaupt hinſichts ihres Anbaues in Betracht kommen koͤnnen, am beſten waͤchſt, die andern ver— draͤngt, iſt auch die am erſten zu erziehende. Doch iſt dabei nicht außer Augen zu ſetzen, ob dies in einer bleibenden Ei⸗ genthuͤmlichkeit des Bodens, oder nur in einer fehlerhaften Wirthſchaft, in einer voruͤbergehenden Raſchheit des Wuchſes liegt. Die Birke verdraͤngt in zu licht gehauenen Orten die Buche, die Aspen⸗Wurzelbrut, die Weiden und aͤhnliche Hoͤl⸗ zer, uͤberwachſen ſtets die Buche, Eiche, Fichte und andere weit werthvollere Hoͤlzer. Es wuͤrde Unrecht ſein, die Folgen einer fehlerhaften Wirthſchaft als in der Natur liegend anzu⸗ ſehen, und ihnen nachgeben zu wollen, wobei der Nachtheil immer groͤßer wird, den Schein, welchen viele Hoͤlzer taͤu⸗ ſchend in der Jugend uͤber ſich verbreiten, als Wahrheit an⸗ zunehmen, waͤhrend ſie im Alter das nicht leiſten, was ſie zu⸗ erſt verſprachen. Der Satz: nicht die verdraͤngte, ſondern die verdraͤngende Holzgattung, kann daher nur ſo gedeutet werden: daß, wenn von zwei gleich nutzbaren Hoͤlzern das eine ſelbſt bei regele ——— — 179— maͤßiger Wirthſchaft, dauernd das andere uͤberwwaͤchſt, und fort⸗ dauernd das ſchlechter wachſende nur durch Kunſt und Unter⸗ ſtuͤzung des Menſchen erhalten werden kann, man dies letz⸗ tere nicht bauen muß. Das gilt da, wo die Kieſer auf ſan⸗ digem Boden die Eiche, die Fichte in Gebirgen die Buche, verdraͤngt, aber niemals wo wuchernde, dennoch aber zuletzt wenig Ertrag gebende Holzgattungen die vortheilhafteren in der Jugend unterdruͤcken. Im Allgemeinen wird man immer dasjenige Holz da vorfinden, was auf einen Boden gehoͤrt, weil es am beſten daſelbſt gedeihet. Dies liegt ſchon darin, daß die Natur nur dann Holzgattungen an einem Orte aufzubringen, oder gar herrſchend zu machen wußte, wenn die Bedingungen ihres Gedeihens daſelbſt vorhanden waren, wenn ſie ſich daſelbſt mehr beguͤnſtigt fanden, als andere. So lange ſich daher weder Klima noch Boden geaͤndert haben, wird auch in der Regel diejenige Holzgattung die vortheilhafteſte ſein, welche die Natur daſelbſt erzog. Erfolgte eine Aenderung bei dem einem oder dem andern, z. B. bei dem Klima durch unvor⸗ ſichtige Abholzungen und nachtheilige Freiſtellung, bei dem Boden durch Entwaͤſſerung, durch Verminderung des Humus⸗ gehalts, ſo kann eine Wechſelung mit der Holzgattung aller⸗ dings rathſam und unvermeidlich werden. Allein auch hier⸗ bei iſt nicht ununterſucht zu laſſen: ob die Aenderung als bleibend, oder als wieder aufzuhebend anzuſehen iſt. Im er⸗ ſtern Falle iſt ihr unbedingt und bleibend nachzugeben, im zweiten nur bedingt, ſo daß man den vorigen Stand der Dinge nach und nach wieder herzuſtellen ſucht. So ſind die Trockenlegung der Bruchgegenden, die Verminderung der Hu⸗ musmenge in den Kieferheiden, als bleibend anzuſehen, denn ſo lange unſere jetzige Kultur und Bevoͤlkerung ſich erhaͤlt, iſt weder anzunehmen, daß man neue Verſumpfungen wird ent⸗ ſtehen laſſen, noch daß die Waͤlder in einer Art unbenutzt bleiben, daß ſich ſolche Maſſen von Humus auf dem an und 12* — 180— fuͤr ſich armen Sandboden aufſammeln werden, daß darin Eichen mit Vortheil erzogen werden koͤnnen, die ihr Daſein bloß dieſer zufaͤlligen, voruͤbergehenden Fruchtbarkeit des Bo⸗ dens zu danken haben. Dagegen kann eine zu ſtarke Licht⸗ ſtellung, die die Erziehung der Buchen ſchwierig macht, die Eindraͤngung anderer Hoͤlzer beguͤmſtigt, als kein Grund an⸗ geſehen werden, der es rechtfertigt, jenen ganz aufzugeben und dieſe ſie verdraͤngen zu laſſen, wenn ſonſt der Boden noch Buchen bringen kann, und ſie nach Erwaͤgung aller Umſtaͤnde vortheilhaft erſcheint. Man hat viel von einer Neigung der Natur zum Wech⸗ ſeln mit der Bodenerzeugung geſprochen, dies daraus ableitend, daß ſich zuletzt der Boden zur vortheilhaften Ernaͤhrung der ſchon Jahrhunderte lang hervorgebrachten Gewaͤchſe erſchoͤpfe, andere dagegen eine reichere aufgeſammelte Maſſe von Nah⸗ rungstheilen darbiete, welche die fruͤhere Bodenbedeckung nicht zu conſumiren vermochte, da ſie ihr nicht zuſagte. Dieſe Be⸗ hauptung iſt aus dem Vortheile des Wechſels mit den ver⸗ ſchiedenen Getreidegattungen im Fruchtbaue, mit der Erfah⸗ rung, daß eine und dieſelbe Obſtgattung nicht gut gedeihet, wenn man wieder einen Baum genau auf die Stelle des ein⸗ gegangenen pflanzt. Dies kann in Bezug auf den Wald nur ſehr bedingt ein⸗ geraͤumt werden. Man muͤßte zuerſt dabei die Bedingung aufſtellen, daß der Standort fuͤr zwei verſchiedene Holzgattungen gleich guͤn⸗ ſtig ſei. So wenig eine Wechſelung zwiſchen Roggen und Waitzen auf dem Sande vortheilhaft ſein wuͤrde, ſo wenig kann ſie es zwiſchen der Eiche und Kieſer daſelbſt ſein. Alle unſere herrſchenden Holzgattungen, ſind aber ſchon durch Bo⸗ den und Klima ſo beſtimmt auf einen gewiſſen Standort be⸗ ſchraͤnkt, daß eine zweckmaͤßige Wechſelung mit ihnen dadurch ſehr ſelten gemacht wird. In einem geſchloſſen erhaltenen Walde findet aber auch, ——— — 181— im Verhaͤltniß der Humuserzeugung, eine bei weitem geringere Conſumtion der Bodenkraft ſtatt, als bei dem Getreide⸗ und ſelbſt dem Obſtbaue, wo die Koͤrner⸗ und Fruchterzeugung dieſe ſehr ſtark macht und verhaͤltnißmaͤßig nur geringer Er⸗ ſatz erfolgt. Im Walde vermehrt ſich die Ertragsfaͤhigkeit des Bodens bei geſchloſſenen Beſtaͤnden von ſelbſt, waͤhrend kein Getreidebau ohne fortwaͤhrende Duͤngung beſtehen kann, wenigſtens nicht in unſerm europaͤiſchen ſchon lange benutztem Boden. Der Schluß iſt ſehr einfach, daß deshalb das im Walde nicht noͤthig iſt, um ſeinen Ertrag zu erhalten, was nothwendig der Getreidebau bedingt, um jede Aeußerung der Ertragsfaͤhigkeit des Bodens vollſtaͤndig benutzen zu koͤnnen, ſeine Erſchoͤpfung zu verhindern, die fuͤr eine und dieſelbe Fruchterzeugung unzureichende Duͤngung entbehrlich zu machen. Seit Jahrtauſenden erzeugen die hoͤhern Gebirgsregionen, die kaͤltern Zonen nichts als Nadelhoͤlzer, es iſt nicht zu erwei⸗ ſen, daß die ſuͤddeutſchen Vor⸗ und Mittelgebirge je etwas anderes erzeugten, als Laubhoͤlzer, und dennoch haben ſie ihre volle Fruchtbarkeit erhalten, wenn nur ihre Beſtaͤnde voll er— halten wurden. Es iſt in ihnen keine Neigung zum Wechſel der Holzgattung zu bemerken, dieſe ſcheint alſo mehr eine Folge der veraͤnderten Beſchaffenheit des Bodens, der fuͤr die vorhandenen Hoͤlzer nicht paſſenden Behandlnng des Waldes zu ſein, als ein Beduͤrfniß der ſich ſelbſt uͤberlaſſenen Natur. In den Urwaldungen der Gebirge, des Nordens von Europa und außereuropaͤiſchen Waͤlder iſt dieſe nie bemerkt, man fin⸗ det nicht die geringſten Spuren davon, dies muͤßte aber noth⸗ wendig der Fall ſein, wenn dieſe Neigung zur Wechſelung mit der Bodenerzeugung der Natur eigenthuͤmlich, nicht das Product einer zu großen Steigerung der Anforderung an die natuͤrliche Productionsfaͤhigkeit des Bodens durch den Menſchen waͤre. Auch duͤrfte nicht unbeachtet bleiben, daß der Gewinn, den man dadurch erhaͤlt, daß ein bisher dem Boden fremdes Gewaͤchs in ihm gezogen wird und fruͤher nicht benutzte Nah⸗ — 182— rungstheile darin vorfindet, offenbar nur kurze Zeit dauert, indem dieſer Vorrath augenſcheinlich ſchnell conſumirt wird. Ein magrer Waldboden zum Getreidebaue benutzt, gewaͤhrt ohne Duͤngung nur wenige Ernten, ein abgeſaͤetes Getreide⸗ land mit Holz angebauet erzeugt allerdings in den erſten Jah⸗ ren einen im Verhaͤltniß ſeiner natuͤrlichen Fruchtbarkeit ſtarken Holzwuchs, allein dieſer haͤlt nur kurze Zeit aus. Wenige Jahre reichen hin, ihn auf eine Stufe zuruͤckzufuͤhren, auf der zuerſt der Wuchs nicht ſtaͤrker erſcheint, als auf einem ſtets mit Holz bebaueten Waldboden von gleicher Fruchtbarkeit, je ſpaͤter bemerkt man ſogar, daß die durch die fruͤhere Getreide⸗ nutzung herbeigefuͤhrte Erſchoͤpfung, ſich auch im Holzwuchſe deutlich zeigt. Die Faͤlle ſind in großer Zahl nachzuweiſen, wo ſchlechte, abgeſaͤete Getreidefelder mit Kiefern angebauet wurden, fruͤher ſehr ſchoͤnwuͤchſige Pflanzen erzeugten, dann im Wuchſe ſtockende Beſtaͤnde erhielten, ſpaͤter ohne weitere Veranlaſſung anfingen abzuſterben, und nicht einmal diejenige relative Vollkommenheit erhielten, die man der eigenthuͤmlichen Beſchaffenheit des Bodens gemaͤß von ihnen haͤtte erwarten koͤnnen. Wir koͤnnen daher nicht anerkennen, daß eine ſo beach⸗ tungswerthe Neigung der Natur, mit der Bodenerzeugung zu wechſeln, vorhanden ſei, daß ſchon deshalb, und ohne Beach⸗ tung aller aͤußern mitwirkenden Urſachen, daraus Veranlaſſung genommen werden koͤnnte, die vorhandenen Holzgattungen in eine andere umzuwandeln, in der Vorausſetzung, daß man dadurch eine ſtaͤrkere Bodenproduction erlangen koͤnne. Dieſer Idee kann vielmehr nur nachgegeben werden, wenn ſich eine bleibende Aenderung des Bodens zeigt, welche die fruͤher vor⸗ handen geweſene Holzgattung als unpaſſend zeigt, oder die anzubauende andere uͤberwiegende Vortheile verſpricht. Unter dieſen ſtehet nun: 2) das davon zu erwartende hoͤhere Einkommen, oben an. Nicht das Volumen allein entſcheidet uͤber den Ertrag eines „—,——— ꝝ—— —ÿ4j4+ ꝑꝗ — 183— Holzes, ſondern auch deſſen Benutzbarkeit. So wenig als man ſagen kann, daß es ein Holz gebe, von welchem man unter allen Verhaͤltniſſen die groͤßte Maſſe zu erwarten habe, eben ſo wenig giebt es ein ſolches, welchem man ſtets die groͤßte Brauchbarkeit zuerkennen kann. Die Beduͤrfniſſe des Menſchen ſind ſo mannigfaltig als die Eigenſchaften der Hoͤlzer verſchieden, um ſie paſſend zu befriedigen. Es iſt zwar unmoͤglich, berechnen zu wollen, was und wieviel die Menſchen, welche die Waͤlder benutzen, aus ihnen beduͤrfen, um es demgemaͤß zu erziehen, denn dies wechſelt, der Einzelne weiß es oft kaum ſelbſt, viel weniger daß es fuͤr die Geſammtheit ermittelt werden koͤnnte. Wir haben jedoch ein Merkmal, woraus es genuͤgend beurtheilt werden kann, was Beduͤrfniß iſt: die Nachfrage. Was be⸗ durft wird, das wird auch geſucht. Was ſehr geſucht iſt, das wird auch gut bezahlt, und rentirt fuͤr denjenigen vortheilhaft, der es erzieht und herbeiſchafft. Darum iſt der verhaͤltniß⸗ maͤßig hohe Preis, der aus der Steigerung des Bedarfs und der Nachfrage entſpringt, eine Auſſorderung ein Holz zu er⸗ ziehen, ſelbſt wenn die Maſſe, die man davon zu erwarten hat, verhaͤltnißmaͤßig nicht groß iſt. Sobald der hohe Preis dies uͤbertraͤgt, ſo kann die Anzucht einer Holzgattung vor⸗ theilhaft werden, ſelbſt wenn eine andere an dieſer Stelle ei⸗ nen paſſenden Boden fand. Es iſt deshalb, zur Ausgleichung der Maſſe und der Brauchbarkeit, das reine Geldeinkommen, welches jede mit Sicherheit zu erziehende Holzgattung ver⸗ ſpricht, zu berechnen und zu vergleichen. Man darf jedoch dabei nie außer Acht laſſen, daß der ſtattfindende oder angenommene Preis eben nur aus der Nach⸗ frage entſpringt, und daß dieſer ſich haͤufig aͤndert, wenn große Maſſen des verlangten Produkts auf den Markt gebracht werden. Vorzuͤglich iſt dies der Fall bei denjenigen Gegen⸗ ſtaͤnden, welche auf einem kleinen Raume conſumirt werden, hier iſt das Gleichgewicht zwiſchen Nachfrage und Angeboth — 1 1 — —-— 184— ſehr leicht geſtoͤrt. Solche, welche durch den Welthandel weit uͤber viele Laͤnder verbreitet werden, empfinden eine ſolche Stoͤrung viel weniger, weil eine Vermehrung an einem Orte nur immer ſehr unbetraͤchtlich im Verhaͤltniſſe zu der ſehr großen Conſumtion ſein kann. Wenn man, weil Birken⸗Leiterbaͤume in einer Gegend gut abzuſetzen ſind, Ahornholz von Tiſchlern, Hainbuchen von Muͤllern, ſehr geſucht werden, nur 10 bis 20,000 Morgen mit dieſen Holzgattungen anbauen wollte, ſo wuͤrde der Preis dieſes Nutzholzes ſehr bald ſinken, da die Maſſe des erzeugten nur in der Umgegend conſumirt werden kann, und deshalb zu groß iſt, um abgeſetzt zu werden. Daſſelbe gilt vom gewoͤhnlichen Bauholze im Nadelholze, welches in Gegenden, wo das Laubholz allein herrſchend iſt, ſehr theuer ſein kann, gar nicht alles zu verkaufen waͤre, wenn man alle Laubhoͤlzer in Nadelholz umwandeln wollte. Wenn dagegen hunderttauſend Morgen zu Schiffbauholz, in der Naͤhe ſchiffbarer Fluͤſſe angezogen werden, ſo kann dies wenig Einfluß auf den Preis deſſelben haben, da die Conſumtion dieſes Artikels in und außer Europa viel zu groß iſt, um durch das dadurch vermehrte Angeboth ein beachtungswerthes Mißverhaͤltniß zwiſchen ihm und der Nachfrage zu erzeugen. Man beachte daher immer bei der Anzucht eines geſuchten und gut bezahlten Nutzholzes, und der dadurch beabſichtigten Erhoͤhung des Einkommens aus dem Walde, den moͤglichen und wahrſcheinlichen Abſatz, nach Maßgabe der Conſumtion und der Groͤße des Marktes. 3) Die Sicherheit der Erziehung und Erhaltung eines Holzes iſt ein weſentlich zu beruͤckſichtigender Gegenſtand. In ſofern dies von der Einwirkung des Bodens und Klimas abhaͤngt, iſt es ſchon in der wichtigen Auswahl des Stand⸗ orts mit begriffen. Aber auch aͤußere, von dieſen ganz un⸗ abhaͤngige Einwirkungen, duͤrfen in dieſer Hinſicht nicht unbe⸗ achtetblei ben. Nicht zu beſchraͤnkende Weidegerechtſame, ein — 485— nicht abzuſtellender ſtarker Wildſtand, Dieberei, die vorzuͤglich einer oder der andern Holzgattung gefaͤhrlich wird, in der Ge⸗ gend ſehr gefaͤhrlicher Feuer- oder Inſektenſchaden, Ueber⸗ ſchwemmung und andere Dinge mehr, koͤnnen gegruͤndete Veranlaſſungen geben, daß man eine Holzgattung, die ſonſt wohl vortheilhaft waͤre, nicht anzieht, weil ſie dieſen Gefahren ſehr unterworfen iſt, die weniger vortheilhafte beibehaͤlt, weil ſie weniger darunter leidet. Wenigſtens muß man in einem ſehr betraͤchtlichen Ueberſchuſſe gleichſam eine Aſſecuranzpraͤmie, die mit den Gefahren im Verhaͤltniſſe ſtehet, erhalten, wenn man ſich ihnen ausſetzen will. 4) Von dem dereinſtigen Ertrage iſt die gegenwaͤrtige oder kuͤnftige Auslage, um ihn zu erhalten, die Koſten des Anbaues, mit den Zinſen bis zur Zeit des Wiedererſatzes in Abrechnung zu bringen. Die Groͤße dieſer Auslage kann deshalb nicht unbeachtet bleiben, es iſt ein ohne Koſten zu erhaltender An⸗ flug bei gleich großem kuͤnftigen Ertrage einer theuern Saat oder Pflanzung, welche noͤthig wuͤrde, um eine andere Holz⸗ gattung anzubauen, ſehr vorzuziehen. 5) Die erſte Bedingung einer guten Landwirthſchaft iſt unſtreitig die volle Kultur des Bodens, den Duͤngungszuſtand oder die Ertragsfaͤhigkeit zu erhalten. Nicht minder iſt dies Pflicht des Forſtwirths. Eine Holzgattung wie die Birke, welche ſo ſehr zur Verſchlechterung des Bodens hinwirkt, kann ſchon darum nicht in großer Ausdehnung in reinen Beſtaͤnden angebauet werden, ſondern muß, ſelbſt wenn ſie ſich fuͤr den Augenblick ſehr eintraͤglich zeigte, um der Zukunft willen, ge⸗ gen andere, den Boden mehr verbeſſernde zuruͤckſtehen. 6) Daß Holzgattungen, welche allein geſchickt ſind, eine beſtimmte Gerechtſame zu befriedigen, die Eiche und Buche, wo die Maſtgerechtigkeit auf dem Walde laſtet, die Kiefer und Fichte, wo die Kiehngerechtigkeit oder das Harzſcharren frem⸗ den Beſitzern zuſtehen, nicht umgewandelt werden koͤnnen, wird kaum einer Erinnerung beduͤrfen. — 186— 7) Da die verſchiedenen Hoͤlzer ſich abweichend im Ertrage darſtellen, jenachdem der Wirthſchaftsbetrieb verſchieden iſt, Hochwald, Mittelwald, Niederwald, Kopfholz, ſo verſtehet es ſich von ſelbſt, daß der Ertrag jeder immer nur in Bezug auf die vorausgeſetzte Wirthſchaftsart berechnet werden kann, daß die gewaͤhlte Holzgattung auch fuͤr den Betrieb paſſe, das Holz in einer ſolchen Form giebt, wie es fuͤr den vortheilhaf⸗ ten Abſatz erforderlich iſt. 5) Von reinen oder gemiſchten Beſtaͤnden. Von Natur kommen Holzgattungen nur in reinen Be⸗ ſtaͤnden vor: 1) Wo das rauhe Klima das Gedeihen anderer Holzgat⸗ tungen nicht erlaubt. So hat der hohe Norden reine Lerchen⸗ waldungen, Fichten, Kiefern, auch wohl Birken, weil das eine oder das andere dieſer Hoͤlzer als vorzugsweiſe beguͤnſtigt, richtiger noch, das Klima allein ohne Nachtheil ertragend, da⸗ ſelbſt erſcheint. 2) Wo der Boden das Aufkommen keines andern Holzes geſtattet. So die Kiefer auf dem duͤrren Sandboden, die Fichte an Felſenhaͤngen, die Erle im uͤberſchwemmten Bruch⸗ boden. 3) Wenn bei dichtem Schluſſe, verdaͤmmendem Schatten, betraͤchtlicher Groͤße und langer Lebensdauer eine Holzgattung die andern mitwachſenden zu vernichten mag. Dies iſt wohl zuweilen bei der Buche und Fichte der Fall. 4) Leichte Anſiedelung, Abhaͤrtung gegen Gefahren, wo⸗ durch es wohl koͤmmt, daß die ſich leicht verbreitende, wu⸗ chernde, unempfindliche, zuletzt herrſchend herſtellt. In einem milden Klima, im fruchtbaren Boden, ſind ſich ſelbſt uͤberlaſſene Urwaldungen ſelten, oder nie von einer und derſelben Holzgattung ganz allein eingenommen. Die herrſchenden Hoͤlzer verlieren ſich ganz gegen den Suͤden hin, wo ſie nur noch in den hoͤheren Gebirgen getroffen werden. — 187— Es ſcheint die Natur ihren Wohlgefallen an mannigfaltig wechſelnden Formen zu haben, eben ſo wie es offenbar fuͤr den Menſchen vortheilhaft iſt, vielfach verſchiedene Holzgat⸗ tungen in einem Walde vorzufinden. Es gab jedoch eine Zeit, wo man, wenn auch nicht alle Vermiſchungen der verſchiedenen Hoͤlzer, doch viele tadelte und auf die Erziehung reiner Beſtaͤnde hinzuwirthſchaften, vor⸗ ſchrieb. Die Gruͤnde dafuͤr fand man: a. In dem verſchiedenen natuͤrlichen und wirthſchaftlichen Alter. Eine kuͤrzer dauernde, fruͤher zu benutzende Holzgat⸗ tung ſchien unpaſſend mit einer ſolchen vermiſcht, fuͤr welche ein hoͤheres Alter beſtimmt werden mußte, weil man dann dieſe letztern zur Zeit ihrer Haubarkeit nicht geſchloſſen genug erhalten zu koͤnnen glaubte. b. In dem verſchiedenen Wuchſe. Die raſch wachſende uͤberfluͤgelt und verdaͤmmt die langſam wachſende, beide zu⸗ ſammen zu erziehen, ſchien deshalb unuͤberwindliche Schwie⸗ rigkeiten darzubieten. Die eine viel betraͤchtlichere Hoͤhe er⸗ reichende laͤßt fuͤrchten, daß ſie ſich nicht mit der kleiner blei⸗ benden vertragen wuͤrde. c. In dem verſchiedenen Lichtbeduͤrfniſſe in der Jugend. Die Buche will laͤngere Zeit dunkel gehalten ſein, was die Fichte und Kiefer in gleicher Art nicht ertraͤgt. d. Sogar daß die eine die andere feindlich beſchaͤdige, nahm man an, denn wer haͤtte nicht von dem Abpeitſchen der Fich⸗ tennadeln durch die Birken, wenn ſie eingeſprengt ſind, geleſen. e. Der Glaube an die abſolute Vorzuͤglichkeit des einen oder andern Holzes, trug endlich ebenfalls dazu bei, die we⸗ niger edle ganz auszuſchließen, nur die edelſte zur Erziehung in reinen Beſtaͤnden zu empfehlen. Mit unrecht will der Menſch die Natur hier meiſtern. Wo Boden und Klima die Erziehung gemiſchter Beſtaͤnde ge⸗ ſtatten, verdienen dieſelben ſtets den Vorzug vor den reinen. Es koͤnnen hinſichts ihrer Erziehung und Behandlung Hinder⸗ — 188— niſſe ſtattfinden, aber ſie ſind nicht unuͤberwindlich, und ſchon in der neueren Zeit hat man ſie groͤßtentheils beſiegen gelernt. Die Vorzuͤge der gemiſchten Beſtaͤnde von den reinen ſind folgende: 1) Ein beſſerer Wuchs des Holzes. Der verſchiedene Wurzel- und Aſtbau geſtattet einen dichtern Stand; die ver⸗ ſchiedene Nahrung, welche die verſchiedenen Hoͤlzer beduͤrfen, eine reichlichere Ernaͤhrung. Es bedarf, um die Richtigkeit dieſes Satzes zu erweiſen, kaum einer Ausfuͤhrung der Theorie, das Hinweiſen auf das taͤglich vor Augen liegende Verhalten der gemiſchten Beſtaͤnde gegen die reinen, genuͤgt dazu ſchon. Nie wird man in reinen Kieferbeſtaͤnden von 40 bis 60 Jah⸗ ren eine ſo große Stammzahl finden, als darin ſind, wenn ein Drittheil derſelben aus Birken beſtehet. Wo zwiſchen 2 Kiefern keine dritte mehr ſtehen koͤnnte, befindet ſich eine Birke noch recht wohl, ohne ihre beiden Nachbarn im Ge⸗ ringſten im Wuchſe zu hindern. Wo der Sandboden keine reinen Eichenbeſtaͤnde mehr ernaͤhren kann, gedeihen einzelne Staͤmme davon noch recht gut eingeſprengt in Kiefern. Der Wuchs einer Eiche, in einem Buchen- oder Hainbuchen⸗Horſte ſtehend, iſt auffallend ſtaͤrker, als in einem gleich dichten Eichen⸗ horſte. Die ſchoͤnſten Baͤume, die groͤßten Holzmaſſen in Fichten und Buchen, findet man immer, wo beide Holzgat⸗ tungen unter einander ſtehen. So koͤnnte man die Beiſpiele noch ſehr vervielfaͤltigen, es wird aber ſchon genuͤgen, darauf aufmerkſam gemacht zu haben, damit dieſe Behauptung im Walde von jedem ſelbſt naͤher gepruͤft werde. 2) Gemiſchte Beſtaͤnde geben eine groͤßere Mannigfaltig⸗ keit von Nutzholz als reine, und daher groͤßeren Ertrag. Der Erweis dieſes Satzes ſcheint uͤberfluͤßig zu ſeyn, da er vor Augen liegt. 3) Eine Holzgattung hebt die nachtheiligen Eigenſchaften der anderen auf und dient zu ihrer Beſchuͤtzung. Die Birke wegen Verſchlechterung des Bodens ſo ungern rein zu erzie⸗ 2 — 189— hen, verliert dieſe Eigenſchaft ganz, wo ſie nur eingeſprengt in andere ihr ſchuͤtzende und verbeſſernde Hoͤlzer vorkoͤmmt. Die Eiche, ſpaͤt einen Ertrag gebend, laͤßt dies weniger nach⸗ theilig bemerken, wo nur der ſtarke Nutzholzſtamm in ande⸗ rem Brennholze erwaͤchſt. Die Hainbuche ſcheint ihre Nei⸗ gung zur Aſtverbreitung zu vergeſſen, wenn ſie im Schluſſe von anderen hochſtaͤmmigen Hoͤlzern einen gleichen Wuchs anzunehmen gezwungen wird. Oft iſt es nicht ausfuͤhrbar, eine empfindliche Holzgat⸗ tung, z. B. Buche, Weißtanne, rein heraufzuziehen; nur die Vermiſchung mit anderen Hoͤlzern geſtattet dies und die Moͤg⸗ lichkeit, ſpaͤter wieder ſie dominirend zu erhalten. 4) Die Gefahren, durch Naturereigniſſe herbeigefuͤhrt, dro⸗ hen gemiſchten Beſtaͤnden in dem Maße wie den reinen. Feuer, Sturm⸗, Schnee⸗ und Duftbruch, Inſekten⸗, Wild⸗ und Maͤuſefraß ſind den erſtern nie ſo verderblich. Das Laub⸗ holz wird nicht vom Feuer ergriffen, das Nadelholz, ſtaͤmmi⸗ ger in mit Laubholz gemiſchten Beſtaͤnden erwachſend, leidet weniger vom Sturm und Dufthange; den Schnee ſchlagen die leicht bewegten Reiſer des Laubholzes ab. Die ſchaͤdlich⸗ ſten Inſekten entwickeln ſich niemals in gemiſchten Waͤldern, ſcheinen, ſelbſt nach erfolgter Entwickelung, ſie ungerner an⸗ zugreifen, als die reinen. Am Harze haben ſich oft nur die gemiſchten Fichtenbeſtaͤnde bei der allgemeinen Wurmtrockniß erhalten; in den Marken ſind nur ſehr ſelten, und nur bei einer ungeheuren Vermehrung der Kieferraupen, die mit Laub⸗ holz ſtark durchſprengten Kieferbeſtaͤnde gefreſſen worden. In gemiſchten Beſtaͤnden beſchaͤdigen Wild und Maͤuſe ge— woͤhnlich nur eine Holzgattung, ſo daß die andere Zeit hat, ihnen zu entwachſen. 5) Nicht immer vermag man mit voller Gewißheit zu entſcheiden, welche Holzgattung ſich zuletzt als die vortheil⸗ hafteſte darſtellen wird. In gemiſchten Beſtaͤnden kann ein Fehlgriff nie ſo nachtheilig ſein, als in reinen. Die Nachkom⸗ — 190— men werden durch ſie in den Stand geſetzt, nicht bloß unſere mangelhafte Theorie aus der Erfahrung zu ergaͤnzen, ſondern auch, was wohl noch wichtiger iſt, jeder nach den ſich aͤndern⸗ den Kulturverhaͤltniſſen anders geſtaltenden Anſicht zu folgen, das Beſſere zu waͤhlen, wenn ſie es als ein ſolches erkennen. 6) Man wird dadurch in den Stand geſetzt, im Anbaue koſtbare Hoͤlzer weitlaͤuftig zu erziehen, ohne deshalb auf die Beſchirmung des Bodens und die Zwiſchennutzungen verzichten zu muͤſſen, indem man ſie mit andern Hoͤlzern vermiſcht, bis ſie in den Schluß kommen. Es bieten ſich allerdings mannigfaltige Hinderniſſe bei der abſichtlichen Erziehung gemiſchter Beſtaͤnde darz ſie erfor⸗ dern eine umſichtigere Behandlung als die reinen, allein kei⸗ nes derſelben ſcheint unbeſiegbar. Eins der wichtigſten, bei verſchiedenem Alter des Holzes den vollen Schluß des Waldes bis zum Abtriebe zu erhalten, iſt bereits dadurch als beſeitigt anzuſehen, daß die Durch⸗ forſtungen eingefuͤhrt ſind. Sobald die Untermiſchung nur nicht horſtweis, ſondern einzeln iſt, ſo iſt kein Hinderniß da, jede Holzgattung zur Zeit ihrer natuͤrlichen oder wirthſchaft⸗ lichen Haubarkeit wegzunehmen. Der verſchiedene Wuchs iſt ein Gegenſtand, der mehr Beachtung verdient. Weniger nachtheilig bei der horſtweiſen, als einzelnen Vermiſchung, kann allerdings die langſamer wachſende Holzgattung nicht den Schutz gegen Verdaͤmmung durch die uͤppiger emporſchießende entbehren. Allein dieſer iſt theils durch Wegraͤumung der unmittelbar uͤberſchirmenden Hoͤlzer, theils durch Einpflanzung ſolcher groͤßern Staͤmme, daß ſie einen Vorſprung haben, der im Verhaͤltniſſe mit ihrem langſamern Wuchſe ſtehet, ihm bei einer ſorgfaͤltigen Wirth⸗ ſchaft auch zu gewaͤhren. Dieſer verſchiedene Wuchs wird uͤbrigens mehr in der Jugend bemerkbar, als im Alter, wo ein Baum den andern mit heraufnimmt, und kann daher den Forſtmann nur kurze Zeit beſchaͤftigen. Dem verſchiedenen — —= ͤ— B8 — — 191— Lichtbeduͤrfniſſe iſt leicht zu genuͤgen, ſobald man nur der an und fuͤr ſich falſchen Idee Raum giebt, daß eine gleiche Ver⸗ theilung der Beſchattung etwas Zweckmaͤßiges ſey, ſondern jeder einzelnen Stelle dasjenige Licht giebt, was ſie dem Be⸗ duͤrfniſſe der darauf ſtehenden Pflanzen gemaͤß verlangt. Von der Unvertraͤglichkeit der Hoͤlzer unter einander, der feindlichen Beſchaͤdigung, die das eine dem andern zufuͤgt, wird hoffentlich kaum mehr die Rede ſeyn. Das Maͤhrchen des Abpeitſchens der Nadeln durch die Birke ſcheint in den Kinderſtuben, wo die Birkenruthen gebraucht werden, entſprun⸗ gen zu ſeyn. Kaum laͤßt ſich denken, daß ein einzelner Fall, wo zufaͤllig eine Birke ſo nahe ſtand„ um einen WiWpfel zu bereiben, dazu die Veranlaſſung gegeben hat. Daß es keine Holzgattung giebt, der man eine abſolute Vorzuͤglichkeit einraͤumen koͤnnte, iſt ſchon eroͤrtert worden. Wenn wir aus dieſen Gruͤnden den gemiſchten Beſtaͤn⸗ den, ſelbſt in ſolchen Holzgattungen, die rein vorkommen, den Vorzug einraͤumen, ſo wird ſich daraus von ſelbſt ergeben, daß noch vielweniger die Erziehung unvermiſchter Beſtaͤnde von ſolchen Hoͤlzern, die uͤberhaupt nur eingeſprengt vorkom⸗ men, angerathen werden kann. Es iſt dies durch Kunſt aller⸗ dings wohl moͤglich, allein ſelten werden ſich ſolche Beſtaͤnde geſchloſſen erhalten, vielmehr in der Regel ſehr licht ſtellen, da ſtets mehr oder weniger etwas in ihrem Baue oder der Eigenthuͤmlichkeit ihres Lebens liegt, was ihre dichte Stellung verhindert. Es iſt zudem auch nicht einmal eine Veranlaſſung zur Herſtellung ganz reiner betraͤchtlicher Beſtaͤnde aus ihnen, da keines ſich dann vortheilhafter im Ertrage darſtellen duͤrfte, als in der Vermiſchung. Wenn man davon ſpricht, welche Holzgattungen am vortheilhafteſten mit einander vermiſcht erzogen werden, ſo muß man einen Unterſchied zwiſchen der voruͤbergehenden Vermiſchung und bleibenden (bis zum Abtriebe) machen. — 192— Die Eiche paßt ſich beinahe mit keinem anderen Holze zur bleibenden Vermiſchung, als Eichenhochwald, weil die⸗ ſem ein ungewoͤhnliches hohes Alter, wegen des darin zu er⸗ ziehenden ſtarken Nutzholzes, beſtimmt wird. Wohl aber zur voruͤbergehenden ſehr gut mit Ulmen, Eſchen, Lerchen, ſchon weniger, doch noch gut, mit Buchen, Kiefern, Birken, Ahorn, Hainbuchen. Schlecht mit Erlen, Pappeln, Weiden, da dieſe zwiſchen den Eichen zu ſehr verdaͤmmend wuchern. In Nie⸗ derwaͤldern ertraͤgt ſie nur ſolche Holzgattungen nicht, welche bei einer viel ſchnellern Entwickelung verdaͤmmend werden. Bei ihrem langſamen Wuchſe in der Jugend, da ſie leicht unterdruͤckt wird, iſt uͤberhaupt in vermiſchten Eichenwaldun⸗ gen jeder Art darauf zu ſehen, daß ſie nicht durch andere Hoͤlzer uͤberwachſen werden. Die Buche gedeiht nicht bloß in der gewoͤhnlichen Ver⸗ miſchung mit Ahorn, Eichen, Hainbuchen, Ulmen, Elzbeer⸗ baum und Eſchen gut, ſondern auch in der mit allen Nadel⸗ hoͤlzern, von denen am gewoͤhnlichſten Weißtannen und Fichten mit ihr zuſammenwachſend gefunden werden, da ſie am haͤu⸗ figſten einen gleichen Boden einnehmen. Doch iſt man aber auch noch im Stande, ſie im ſandigen Lehmboden da in der Vermiſchung mit Kiefern zu ziehen, wo ſie rein nicht mehr fort⸗ zubringen waͤre, und beide Holzgattungen gedeihen ſehr gut zuſammen. Im Niederwalde vertraͤgt ſie ſich ſchlecht mit Haſeln, Aspen, Weiden, die ſie verdaͤmmen, am beſten mit Hainbuchen, doch auch noch gut mit Eichen, Ahorn, Ulmen und aͤhnlichen Hoͤlzern. Die Erle wird ſelten vermiſcht gefunden, was nicht ſo⸗ wohl in ihrer Unvertraͤglichkeit mit andern Hoͤlzern zu ſuchen iſt, als darin, daß wenige den Boden ertragen, den ſie ein— nimmt, oder doch ſchlechter darauf gedeihen. Trockne Horſte in Erlenbruͤchern werden— wegen gleichartiger Behandlung— wohl am zweckmaͤßigſten mit Birken angebauet; fuͤr duͤrre bleibt nur die Kiefer. Auf feuchten Horſten findet man die Eſche — 193— Eſche und Ulme haͤufig vortheilhaft eingeſprengt. Das Pulver⸗ holz kann ſehr gut als Unterholz in lichten, nicht zu naß ſtehenden Erlenbeſtaͤnden gezogen werden, Salix acuminata auf naſſen Torfſtellen. Die Birke laͤßt ſich beinahe uͤberall als Durchforſtungs⸗ holz einſprengen, den ſtrengen Thon- und uͤberſchwemmten Bruchboden ausgenommen. Von den Nadelhoͤlzern iſt die Lerche beinahe uͤberall, wo es der Boden ſonſt erlaubt, vermiſcht zu ziehen. Die Fichte und Weißtanne wachſen gewoͤhnlich zuſammen, und ſcheinen auch von der Natur zu gemeinſchaftlich erwach⸗ ſenden Hoͤlzern beſtimmt zu ſeyn. Theils des verſchiedenen Bodens wegen, den ſie beduͤrfen, theils um des ganz abweichenden Wuchſes willen, laͤßt ſich die Vermiſchung der Kiefer mit der Fichte und Weißtanne weder als ſehr wuͤnſchenswerth erkennen, noch findet ſie ſehr haͤufig ſtatt. Mit den Laubhoͤlzern iſt die Kiefer dagegen, in ſo fern der Boden es nur erlaubt, ohne alle Ausnahme, gut zuſam— men zu erziehen, ſobald von hochwuͤchſigen Baumhoͤlzern die Rede iſt, denn fuͤr Strauchhoͤlzer paßt ſie natuͤrlich nicht. Die Weiden, Pappeln und alle ſehr ſchnell wachſenden Hoͤlzer koͤnnen nur unter einander vermiſcht werden, nicht mit den langſam wachſenden. Es iſt aber vorzuͤglich in den Wei⸗ denhegern ſtreng darauf zu halten, daß die zu Reiſſtoͤcken und Korbruthen paſſenden Weidengattungen rein erhalten und nicht mit ſchlechtern Weiden oder Pappeln untermiſcht werden. Nur auf die ganz trocknen hohen Horſte, in den Flußbetten, auf denen die beſſeren Weiden nicht mehr gedeihen, bringt man gewoͤhnlich die Schwarzpappel, um ſie nicht unbenutzt zu laſſen. — 13 — 194— Dritter Abſchnitt. Allgemeine, wie ſpecielle Grundſaͤtze der Waldbehandlung. 1) Von den verſchiedenen Betriebsarten. Das Holz wird erzogen: 1) Im Hoch⸗ oder Samenwalde, 2) im Niederwalde, 3) im Mittelwalde, 4) im Kopfholzbetriebe, 5) im Hackwalde, 6) im Plenterwalde. Es iſt auch noch in Vorſchlag gebracht und verſucht 7) die Erziehung im Baumfelde. Hochwaldbetrieb iſt: wenn das Holz bis zur Groͤße von Baͤumen herauwaͤchſt, in welchem Falle es in der Regel aus Samen neu erzogen werden muß, wovon nur Aspen, Weiden, Linden theilweis eine Ausnahme machen, indem dieſe Holzgattungen ſich auch wohl aus Wurzelbrut zu Baumholz erziehen laſſen. Die Benennung bezeichnet ſchon hohes, aus⸗ gewachſenes Holz. Niederwald, Ausſchlagwald deutet eine Wirth⸗ ſchaft an, wobei das Holz nicht ſeine natuͤrliche Groͤße er⸗ reicht, dabei in der Regel durch Ausſchlag aus dem Stocke oder der Wurzel neu hergeſtellt wird. Er theilt ſich: a. in Buſch⸗ oder Reiſer⸗Betrieb; b. Schlaghoͤlzer zu Knuͤppel⸗ und ſtaͤrkerem Holze. Mittelwald, fruͤher Compoſitions⸗Betrieb, gemiſchter Hoch⸗ und Niederwald, iſt ſchon dem Worte nach eine Wirth⸗ ſchaft, wodurch die beiden zuerſt genannten gleichſam verbun⸗ den werden, indem man einen Theil des Holzes zu Baͤumen erwachſen laͤßt, den andern als Schlagholz abtreibt und durch Stockausſchlag oder Wurzelbrut verjuͤngt. — 195— Der Kopfholzbetrieb iſt verſchieden: a. eigentliches Kopf⸗ holz; b) Schneidelholz. Bei dem erſten wird der Baum in einer gewiſſen Hoͤhe, gegen 5 bis 7 Fuß weggehauen, um die am ⸗Abhiebe hervorkommenden Ausſchlaͤge von Zeit zu Zeit zu benutzen. An der Stelle, wo dies geſchiehet, erhaͤlt der abgekuͤrzte Stamm eine große Dicke, einen Kopf, daher der Name. Bei dem Schneidelholze bleibt der Wipfel des Bau⸗ mes unverletzt, nur die Seitenzweige werden ſo weggenom⸗ men, daß immer wieder von Neuem dergleichen ausſchlagen. Der Hackwald iſt nur in Weſtpfalen, einigen Gegen— den von Franken, Schwaben und den Umgegenden des Rhei⸗ nes gebraͤuchlich. Es iſt Niederwald, in welchem nach dem Abtriebe der Boden mit der Hacke verwundet wird, um zwiſchen die Mutterſtoͤcke einige Jahre Getreide zu ſaͤen, bis die auf— wachſenden Ausſchlaͤge dies nicht mehr geſtatten. Der Plenterwald, im Gegenſatze von der Schlagwirth⸗ ſchaft, bei welcher die ganze zum Hiebe beſtimmte Flaͤche neu verjuͤngt, der Wald in ganz abzutreibende Schlaͤge ge— theilt wird, bezeichnet eine Wirthſchaft, wobei mehr einzelne Baͤume, oder das Holz von ganz kleinen Stellen herausge⸗ hauen werden, das umſtehende zum Fortwachſen ſtehen gelaſ⸗ ſen wird, ſo daß alſo die verſchiedenen Altersklaſſen der Baͤume, nicht jede fuͤr ſich geſchieden, eine beſondere Flaͤche einnehmen, ſondern alle unter einander ſtehen. Man kann ihn eintheilen: a. in den unregelmaͤßigen und b. regelmaͤßigen. Der unre⸗ gelmaͤßige giebt den Begriff: daß dabei weder einer beſtimmten Hiebsleitung, noch einer Regel, um das Nachwachſen des Holzes zu ſichern, noch um die vorhandene Holzmaſſe fuͤr einen ge— wiſſen Zeitraum zu vertheilen, gefolgt wird, bei der regelmaͤßi⸗ gen wird dieſe vorausgeſetzt. Unter Baumfeld, welches jedoch mehr in der Idee, als in der Wirklichkeit exiſtirt, verſtehet man eine Verbindung der Holzerziehung mit der Frucht- und Graserzeugung, indem der Grund reihenweis mit Pflanzen beſetzt, und das zwiſchen die⸗ 13* — — — —— — 196— ſen liegende Terrain ſo lange mit Getreidefruͤchten bebauet oder als Wieſe benutzt wird, bis die heranwachſenden Baͤume ſich ſchließen, und dies ferner unthunlich machen. Es iſt keine dieſer verſchiedenen Betriebsarten unbedingt zu verwerfen, einer anderen nachzuſetzen oder vorzuziehen. Welche man waͤhlen muß, haͤngt vom Boden, von der Holz⸗ gattung, dem Klima, den Beduͤrfniſſen, welche der Wald be— friedigen ſoll, der Groͤße der Forſtflaͤchen, den Servituten, und noch manchen anderen Zufaͤlligkeiten ab. Der H ochwaldbetrieb wird, als das mehrſte und nutz⸗ barſte Holz gebend, als die empfehlenswertheſte Wirthſchaft, in ſo fern die Verhaͤltniſſe ihn geſtatten, betrachtet. Indem das Holz in ihm ungeſtoͤrt fortwachſen kann, bis er ſeine Voll⸗ kommenheit erreicht hat, ſoll er das mehrſte Holz geben, und in demſelben Verhaͤltniſſe nutzbarer gegen Niederwald ꝛc. ſein, wie die Befriedigung unſrer Beduͤrfniſſe mehr ſtarkes, als ſchwa⸗ ches Holz verlangt. Auch die Erhaltung und Verbeſſerung des Bodens ſoll der Hochwald am mehrſten ſichern, indem dieſer darin am laͤngſten ohne Unterbrechung mit blaͤtterabwerfenden Baͤumen bewachſen und von ihnen beſchirmt iſt. Das mehrſte Holz erziehet man jedoch nicht im Hoch⸗ walde in folgenden Faͤllen: 1) Auf ſehr flachgruͤndigem Boden, wo die Wurzeln der Baͤume bald auf eine unbenutzbare Erdſchicht ſtoßen, abſter— ben, dem Baume ihr Verderben mittheilen, oder wenigſtens ſein Wuchs dadurch zuruͤckgehalten wird. Hier iſt, wenn man Laubholz erziehen will oder muß, der Niederwald mit flach⸗ laufenden Wurzeln, die ſich theils aus den bei dem Abhiebe ſtaͤrker hervortreten den Seitenwurzeln, theils aus den Wurzel ſchlagenden Ausſchlaͤgen bilden, ertragreicher an Maſſe, wie der Hochwald. 2) Auf Boden, wo die Wiedererzeugung des Beſtandes ſehr unſicher, nur luͤckenhaft erfolgen kann, in mit Waſſer —— 2. ₰— z„ —— — 197— bedeckten Bruͤchern, an klippigen Haͤngen, wird der gut durch Ausſchlag erhaltene Niederwald mehr Holz geben, als das einzeln erzogene Baumholz. 3) Bei Holzgattungen, welche in der Jugend einen ſehr ſtarken Wuchs haben, vorzuͤglich als Stockausſchlag, im Alter ſehr nachlaſſen, als Weiden, Pappeln, Ahorn, ſelbſt Eichen, wird der Zweck der groͤßern Holzerzeugung durch Baum⸗ holz nicht erreicht. 4) Daſſelbe gilt von ſolchen Hoͤlzern, welche ſich als ſol⸗ ches ſehr licht ſtellen, wie die Birke, Erle. Es iſt uͤbrigens dabei gleich, ob dieſe Lichtſtellung in der Holzgattung ſelbſt liegt, oder durch Zufaͤlligkeiten, Beſchaͤdigungen, Entwendungen, Krankheiten des Holzes herruͤhrt. Wo dieſe Verhaͤltniſſe nicht ſtattfinden, muß bei einem Umtriebe, in welchem ſich die Beſtaͤnde noch ganz geſchloſſen und geſund erhalten, nothwendig durch Erziehung vom aus⸗ gewachſenen Baumholze das mehrſte Holz erzeugt werden, in— dem bei dem fruͤheren Abtriebe die Holzerzeugung jedesmal geſtoͤrt, und die in den naͤchſten Jahren nach dieſem erfolgende geringer ſeyn wird, als wenn das Holz haͤtte fortwachſen koͤnnen. Wir brauchen allerdings verhaͤltnißmaͤßig mehr ſtarkes Holz, als ſchwaches, indeſſen liegt dies doch bei dem Brenn— holze theilweis mehr in der Gewohnheit, als Nothwendigkeit. Unentbehrlich iſt das ſtarke Holz fuͤr Berg- und Huͤttenwerke zu Kohlen, fuͤr Staͤdte und Gegenden, welche ihr Holz aus betraͤchtlicher Entfernung erhalten, indem Reisholz ſich weder weit transportiren, noch lange aufbewahren laͤßt. Der ge— woͤhnliche Feurungsbedarf der nahen Anwohner des Waldes, kann eben ſo gut durch Knuͤppel⸗ und Reisholz befriedigt werden, als durch Klobenholz. Was das ſtarke Nutzholz be⸗ trifft, ſo muß ſo viel gezogen werden, als das Beduͤrfniß ver⸗ langt und mit Vortheil abzuſetzen iſt, mehr als dies erziehen zu wollen, haͤtte keinen Zweck. Die Verbeſſerung des Bodens erfolgt in gut beſtandenem — 198— Hochwalde, wo der ſchleunige Wiederanbau dem Abtriebe regel⸗ maͤßig folgt, bei Hoͤlzern, die ſich ſehr geſchloſſen halten; auf Ebenen, wo der Boden feſtliegt, mehr und ſicherer als im Niederwalde, wo bei dem jedesmaligen Abtriebe der Boden entbloͤßet wird, welcher dadurch ſeine Humusſchicht verliert und keinen Erſatz derſelben durch die geringe Maſſe der abfal⸗ lenden Blaͤtter erhaͤlt. Anders iſt es bei den ſich lichtſtellenden Holzgattungen, wo der geſchloſſene Niederwald, vorzuͤglich bei laͤngerem Um⸗ triebe in demſelben Verhaͤltniſſe, den Boden mehr verbeſſert, als das dichte Stangenholz gegen die lichtern haubaren Be⸗ ſtaͤnde. Dies liegt vielleicht weniger in dem groͤßern Blatt— abfalle, als in der dichtern Beſchirmung, der Verhinderung des Luftzuges, weshalb der Faͤulnißprozeß in den jungen Dickun⸗ gen vollſtaͤndiger ſtattfinden kann, als in den lichteren hau⸗ baren Beſtaͤnden. Noch verdienen die Haͤnge von ſtarkem Neigungswinkel eine beſondere Beachtung. Das Baumholz kann ſie bei der ſtufigen Stellung weder dicht genug beſchir⸗ men, noch das Abſpuͤlen des Humus und ſelbſt der Erde durch Regen⸗ und Schneewaſſer verhindern. Beides wird durch den Niederwald weit vollſtaͤndiger erreicht, deſto beſſer, je kuͤrzer der Umtrieb iſt. Das den Boden dicht bedeckende Geſtraͤuch bewirkt die Faͤulniß des Blattabfalls, die vielen Ausſchlaͤge und Mutterſtoͤcke halten den Boden feſt, wie ſich denn auch unter ihnen kein abſpuͤlender Waſſerabfluß bilden kann. Wenn man daher auch keiner weitern Ruͤckſicht folgen will als der, das mehrſte und brauchbarſte Holz zu erziehen, dabei auch zugleich auf die Verbeſſerung des Bodens moͤglichſt hinzuwirken, ſo wird doch deshalb die ruͤckſichtsloſe Empfeh⸗ lung der Baumholzerziehung dazu noch nicht gerechtſertigt, ſondern es iſt dabei noch die Eroͤrterung der beruͤhrten Ver⸗ haͤltniſſe erforderlich. Fuͤr kleine im Felde liegende Waldorte, Privatforſtbeſitzer, welche nur wenig Forſt haben, iſt der Hochwaldbetrieb, vor⸗ — 199— zuͤglich wenn das Holz ein hohes Alter erreichen ſoll, noch aus andern wirthſchaftlichen Ruͤckſichten, ſelten anwendbar. Es wird darin die jaͤhrliche gleichmaͤßige Befriedigung des Beduͤrf⸗ niſſes unausfuͤhrbar, die Schlaͤge werden zu klein, um ſie hin— reichend ſchuͤtzen zu koͤnnen, ſelbſt das hohe Holz kann den Feldern durch Beſchattung und Verhinderung des Luftzuges nachtheilig werden. Dagegen werden wieder durch den Niederwaldbetrieb viele Nebennutzungen vermindert, wovon da naͤher die Rede ſeyn wird, wo die Ruͤckſichten bei Feſtſetzung des Umtriebes er⸗ oͤrtert werden. Bei der Eroͤrterung, ob Hoch- oder Nieder⸗ wald zu waͤhlen ſey, beachte man daher 1) die Beſchaffenheit des Bodens, ſeine Form und Lage, die Hinderniſſe, welche ſich der Wiederherſtellung des Waldes aus Samen darauf entgegenſetzen. 2) Den Wuchs und das Verhalten der vorhandenen oder zu erziehenden Hoͤlzer, ihre Ausdauer und Lichtſtellung. 3) Das Beduͤrfniß und den Abſatz an ſtarkem und ſchwachem Holze. 4) Die Servituten, die in dieſer Hinſicht ſpaͤter eroͤrtert werden ſollen. 5) Die noͤthige Beſchirmung des Bodens zur Erhaltung und Verbeſſerung ſeiner Ertragsfaͤhigkeit. 6) Die Groͤße der Schlaͤge bei dem einen oder andern Betriebe, die gleichmaͤßige Befriedigung der Beduͤrfniſſe daraus, und die Moͤglichkeit ihres Schutzes, die Wirkungen des hohen oder niedrigen Holzes auf die benachbarten Grundſtuͤcke. Von dem Werthe der fruͤher eingehenden Nutzung gegen die ſpaͤter eingehenden, wird in der Folge gehandelt werden. Wo die Nothwendigkeit das Beduͤrfniß zu befriedigen es nicht geſtattet, das Holz heranwachſen zu laſſen, ſondern zwingt es fruͤhzeitig zu benutzen, kann keine Rede mehr von der Wahl des Betriebes ſeyn. Es wird Niemand daran denken, in der Gegenwart Noth zu leiden, um in der Zukunft etwas —— ——— —— — — —— — 200— mehr, oder beſſeres Holz zu haben, um ſo weniger, als uns Mittel genug zu Gebote ſtehen, auch dieſe zu ſichern. Der Mittelwaldbetrieb hat ſich ſehr fruͤh ausge— bildet, als das Beduͤrfniß die Hochwaͤlder in Niederwald um⸗ wandeln ließ, dabei doch aber auch die Nothwendigkeit in die Augen ſprang, zugleich ſtarkes Holz zu haben und die nutz⸗ baren Baͤume zu ſchonen. Dieſe hatten einen hoͤhern Werth, als das ſchwache, oder Buſchholz; daraus entwickelte ſich die Regel, fuͤr eine gute Forſtwirthſchaft viel ſtarkes Holz uͤber⸗ zuhalten; die aͤltern Forſtmaͤnner erkannten nur denjenigen fuͤr einen geſchonten und pfleglich behandelten Mittelwald, welcher recht viel altes Holz hatte. Wo das Schlagholz we— niger eintraͤgt, als das Baumholz, kann und muß der Hoch— waldbetrieb dem Niederwalde und Mittelwalde vorgezogen wer⸗ den, aber die Herſtellung eines Waldzuſtandes, worin zu we⸗ nig Baumholz iſt, um den vollen Zuwachs zu erhalten, den der Boden nach ſeiner Produktionsfaͤhigkeit, geben kann, zu⸗ viel, um noch Schlag- oder Unterholz darunter erziehen zu koͤnnen, rechtfertigt dies nicht. Die daraus entſtehende unvor⸗ theilhafte Wirthſchaft ließ den Mittelwaldbetrieb uͤberhaupt verwerfen, indem man von dem Grundſatze ausging: er bringe nicht bloß einen geringern Ertrag als der Hochwald, wegen der zu geringen Menge des Baumholzes, ſondern zuletzt ſo⸗ gar weniger als der Niederwald, indem bei der lichten Stel— lung der Baͤume weniger producirt werde, als im vollbeſtan⸗ denen Niederwalde, auf Unterholz aber wenig zu rechnen ſei. Andere Forſtwirthe ſchloſſen wohl auch ſo: wo Boden und Holzbeſtand es erlaubt, muß man Hochwald haben, wo dies nicht der Fall iſt, kann die Erziehung von Baͤumen nur un⸗ vortheilhaft ſein. Dieſe Anſichten ſind unſtreitig nicht allemal richtig und ſehr einſeitig. 1 Der Mittelwaldbetrieb, eine richtige Wirthſchaftsfuͤhrung darin vorausgeſetzt, iſt in allen Faͤllen zu empfehlen, wo eine — 201— reine Hochwaldwirthſchaft, nach den oben gegebenen Erlaͤuterun⸗ gen, unausfuͤhrbar oder unvortheilhaft iſt, wo aber Boden und Holzgattung die Erziehung vortheilhaft abzuſetzenden, ſtar⸗ ken Holzes erlauben. Solche Verhaͤltniſſe ſind: 1) Wo nur einzelne Stellen des Bodens hin und wieder gutwuͤchſiges Baumholz tragen koͤnnen. 2) Wo die dazu tauglichen Holzgattungen nur einzeln zwi— ſchen ſolchen vorkommen, die bloß zu Unterholz taugen, wo wenigſtens der Mittelwald als Uebergang zum Hochwalde zu empfehlen iſt. 3) Wo das Beduͤrfniß, die Groͤße der Forſtflaͤchen, die Erziehung von Schlagholz unvermeidlich, den Abſatz vortheil⸗ haft machen, doch aber auch Baumholz bedurft wird. 4) Wo man das Unterholz zur Schirmung und Deckung des Bodens nicht entbehren kann, es ſich aber doch auch im Ertrage zu unvortheilhaft zeigt. Ob der Mittelwald uͤberhaupt weniger Holz erzeugen muͤſſe, als der Hochwald, iſt noch zweifelhaft, und wird auch zuletzt mit Gewißheit allein aus fortgeſetzten Unterſuchungen uͤber den Ertrag der verſchiedenen Betriebsarten entſchieden werden koͤnnen. Theoretiſch unterſucht, muß es verneint und eher die Moͤglichkeit einer gleichen, oder gar groͤßern Holzerzeugung vorausgeſetzt werden. Die Groͤße der Holzerzeugung haͤngt ab: 1) von der Ertragsfaͤhigkeit des Bodens. 2) Von der hinreichenden(nicht zu großen) Menge geſunder Werkzeuge, welche rohe Stoffe in Holz verwandeln. 3) Von dem groͤßten Lichtgenuſſe, den die Pflanzen haben, da das Licht zum Wachsthum derſelben, wie zur Erzeugung von Holz durch ſie unentbehrlich iſt. Zu 1. Da der vollkommen beſtandene Mittelwald den Boden gleich gut, theilweis ſelbſt beſſer, ſchirmt, mit Laub — —— — 202— bedeckt, als ſelbſt der Hochwald, ſo laͤßt ſich nicht behaupten, daß der Boden in ihm an Ertragsfaͤhigkeit verliere. Zu 2. Die Menge der Wurzeln im Mittelwalde, welche Nahrung aus dem Boden aufnehmen, iſt unbeſtritten, im Mit⸗ telwalde eher groͤßer, als im Hochwalde. Die Blattmenge, wo das Unterholz den Boden auch nur außerhalb der Aſtver⸗ breitung des Oberholzes, geſchloſſen bedeckt, iſt in dieſer Be— triebsart augenſcheinlich die groͤßte, ſind es aber die Blaͤtter, welche den Holzſtoff bereiten, ſo hat auch dieſelbe die groͤßte Menge von Werkzeugen zur Holzerzeugung. Zu 3. Eine wellenfoͤrmige Oberflaͤche bietet dem Lichte eine groͤßere Flaͤche zur Beleuchtung dar, als deren ebene Grundflaͤche, ſo wie die Oberflaͤche eines Berges groͤßer iſt, als deſſen Grundflaͤche, und deshalb kann auf derſelben mehr Holz wachſen als auf dieſer, weil ſie mehr volles Licht ge— nießen kann, eben ſo wie in einem Glashauſe mehr terraſſen⸗ foͤrmig aufgeſtellte Gewaͤchſe erhalten werden koͤnnen, als wenn ſie auf gleichem Erdboden dicht neben einander geſtellt wuͤr⸗ den, obgleich im letztern Falle ſie eben ſo viel Raum haben, als bei der terraſſenfoͤrmigen, in ſofern bloß von der Anein⸗ anderſetzung der Toͤpfe die Rede iſt. Wenden wir dies auf den Hoch- und Mittelwald an, ſo bietet der erſtere im ge⸗ ſchloſſenen Beſtande eine ebene Flaͤche, mit geringen Einſen⸗ kungen zwiſchen den aneinander geſchloſſenen Wipfeln, dem Lichte dar. Bei dem einzelnen Stande der Baͤume im Mit⸗ telwalde dagegen, kann das Licht nicht nur auf alle Seiten des Baumes, die viel mehr Flaͤche haben als die Grundflaͤche, welche er uͤberſchirmt, fallen, ſondern auch noch auf den nicht vom Oberholze uͤberſchirmten Boden. Es bietet daher der Mittelwald der Einwirkung des Lichtes die groͤßte Flaͤche dar, und in ſo fern von der groͤßern oder geringeren beleuchteten Flaͤche, die groͤßere oder geringere Holzerzeugung abhaͤngt, wuͤrde dieſe auch im Mittelwalde vermuthet werden muͤſſen. Außer⸗ dem hat dieſe Betriebsart noch folgende eigenthuͤmliche Vortheile: — 203— Man hat nicht noͤthig, in ihm mehr ſtarkes Holz zu er⸗ ziehen, als man zu Nutzholz bedarf und mit Vortheil abſetzen kann, und erhaͤlt dies bei dem freien Stande der Baͤume in kuͤrzerer Zeit, als im Hochwalde. Man iſt im Stande, das Entſtehen jeder Luͤcke zu ver⸗ huͤten, was man im Hochwalde nicht immer vermag. Die Mutterſtoͤcke ergaͤnzen ſich leichter von ſelbſt durch abfliegenden Samen. Die Nebennutzung der Maſt iſt oft betraͤchtlich, da die freiſtehenden Baͤume viel Fruͤchte tragen. In rauher Lage laſſen ſich die Samenpflanzen zaͤrtlicher Holzgattungen am leichteſten in ihm erziehen, da ſie daſelbſt den mehrſten Seitenſchutz haben, ohne unter Ueberſchirmung leiden zu duͤrfen. Der Kopfholzbetrieb, gleich dem Niederwalde be⸗ ſtimmt, ſchwaches Holz zu erziehen, iſt, in Bezug auf die Holzwirthſchaft, ſchlechter als dieſer. Die in der Hoͤhe abge— hauenen Baͤume faulen leichter ein, dauern nicht ſo lange aus, als wenn die Ausſchlaͤge in der Erde hervorkommen und ſich dort ſelbſtſtaͤndig bewurzeln, ſo eine beinahe unvergaͤngliche Dauer des Mutterſtocks, und einen viel ſtaͤrkern Wuchs als die Kopfholzausſchlaͤge erhalten. Es hat dagegen der Kopfholzbe⸗ trieb aber den Vortheil, weil immer dabei hochſtaͤmmiges Holz gepflanzt wird, welches das Vieh nicht beſchaͤdigen kann, die Weidenutzung nicht auszuſchließen. Deshalb eignet er ſich vorzuͤglich um Triften, Aenger, Holzraͤnder, welche laͤngs den Triften hin liegen, zur Holzgewinnung zu benutzen. Da das Kopfholz, vorzuͤglich wenn die Ausſchlaͤge nicht alt werden, auch wenig verdaͤmmend iſt, ſo koͤnnen Feld⸗ und Wieſenraͤnder, Bachufer, Naine und kleine fuͤr die Fruchterzeugung unbenutz⸗ bare Stellen damit beſetzt werden. Es iſt deshalb die Kopf⸗ holzwirthſchaft vorzuͤglich fuͤr den Landwirth paſſend, der Forſt⸗ mann macht nur Gebrauch von ihr, um diejenigen Orte, welche er nicht einſchonen kann, nicht ganz fuͤr die Holzerzeugung zu — — — — — — — 204— verlieren. Auch eignen ſich mit Kopfholz bepflanzte Diſtricte am beſten dazu, Brennholz⸗ und Weide⸗Gerechtſame von ei⸗ nem Walde abzuloͤſen, wovon am andern Orte naͤher gehan⸗ delt werden wird. Der Hackwald iſt als eine Wirthſchaft empfohlen wor⸗ den, wodurch zugleich eine große Holzmaſſe und eine groͤßere Getreidemenge, als ohne ſie je erhalten werden koͤnnte, ge— wonnen werden ſoll. Beſtimmte eigenthuͤmliche Verhaͤltniſſe des Bodens, der Kultur deſſelben, koͤnnen ihn bei einer ſtarken Bevoͤlkerung unſtreitig empfehlenswerth machen, ohne dieſe iſt er es nicht, und mehr als nothwendiges Uebel, denn als eine an und fuͤr ſich vortheilhafte Wirthſchaft zu betrachten. Man hat darin eine Beguͤnſtigung der Holzerzeugung fin⸗ den wollen, weil: 1) der Wechſel zwiſchen Frucht und Holz, in gleicher Art die Bodenkraͤfte beſſer zu benutzen verſtattete, als dies bei dem Wechſel mit der Bodenerzeugung uͤberhaupt geſchiehet, 2) die Auflockerung des Bodens, die bei dem Umhacken deſſelben zwiſchen den Mutterſtoͤcken zur Getreideſaat erfolgt, nicht bloß deſſen Fruchtbarkeit vermehre, ſondern auch mehr und beſſere Ausſchlaͤge aus der Wurzel erzeuge. Die Holzerzeugung kann nur dabei leiden, denn es ge⸗ ſtattet die Gewinnung von Getreide zwiſchen den Mutterſtoͤk ken keine dichte Beſtockung, die Wurzeln und Ausſchlaͤge wer⸗ den immer mehr oder weniger beſchaͤdigt, vor allem aber wird dadurch eine ſchnelle Erſchoͤpfung der Bodenkraft herbeigefuͤhrt, indem durch die Auflockerung und Getreideſaat, ſelbſt durch das uͤbliche Ausbrennen der Schlaͤge, eine ſtaͤrkere Konſumtion des Humus erzeugt wird, ohne daß bei der lichten Beſtockung ein vollſtaͤndiger Erſatz durch abfallendes und verfaulendes Laub erſolgte. Alle Hackwaͤlder haben auch erfahrungsmaͤßig einen ſchlechtern Wuchs und geringern Ertrag, als gut gehaltene Niederwaͤlder. Von einem Wechſel der Bodenerzeugung kann eigentlich bei dieſer Wirthſchaft gar nicht die Rede ſein, da — 205— die alten Mutterſtoͤcke bleiben, und ſtets gleichmaͤßig die Er⸗ tragsfaͤhigkeit des Bodens in Anſpruch nehmen, vielmehr nur von einer ſtaͤrkern Benutzung der Bodenkraft. Getreidefrucht wird dadurch jedoch allerdings mehr ge— wonnen, indem auf dem ſaͤmmtlichen Waldlande, nachdem es eine Zeitlang geruhet oder brach gelegen hat, durch den Blattabfall und Aſche geduͤngt worden iſt, einige Jahre ſolche gebauet wird, erhaͤlt man freilich mehr Frucht, als wenn dies nicht der Fall waͤre. Sie kann jedoch nur durch einen unverhaͤlt— nißmaͤßig großen Aufwand von Arbeit erhalten werden, den die Anwendung der Hacke ſtatt des Pfluges, die muͤhſame Gewinnung des Getreides, welches zwiſchen den Ausſchlaͤgen ſtehet, verurſacht. Es iſt auch keinem Zweifel unterworfen, daß, wenn man Holz und Getreide, jedes fuͤr ſich geſondert, anbauen koͤnnte, die Verhaͤltniſſe erlaubten theils hinreichendes, gut bearbeitetes und geduͤngtes Feld, theils gut beſtockten Wald aus den Hackwaͤldern herzuſtellen, man mehr Getreide und Holz anbauen wuͤrde, als in ihnen erzogen wird. Unter folgenden Verhaͤltniſſen iſt dies jedoch nicht thunlich, und die Hackwaldwirthſchaft verdient allerdings Empfehlung: Wo bei einer ſtarken Bevoͤlkerung eine große Waldflaͤche iſt, deren Boden wohl eine von Zeit zu Zeit abwechſelnde Be⸗ nutzung zum Getreidebaue, aber keine fortdauernde erlaubt, und dieſe Flaͤche gemeinſchaftliches Eigenthum der kleinern Grundbeſitzer iſt. Wo es weniger auf die Vermehrung der Holzerzeugung als auf den Gewinn von Nahrungsmitteln ankoͤmmt, und Haͤnde genug vorhanden ſind, die, aus Mangel an belohnen— derer Beſchaͤftigung, die Bearbeitung des Hackwaldes mit Vor⸗ theil uͤbernehmen koͤnnen, zugleich auch das ſchwache Holz, welches die Hackwaldwirthſchaft giebt, conſumirt werden kann. Die Idee des Baumfeldes hat ſich wohl aus dem ſchon vorhandenen Hackwalde gebildet, und ſucht nur den bei dieſem noͤthigen Arbeitsaufwand, die nicht zu vermeidende Beſchaͤdi— — 206— gung des Holzes zu umgehen, die Wechſelung mit Holz⸗ und Fruchterzeugung vollſtaͤndiger zu machen. Auch das Baum— feld kann unter gleichen Verhaͤltniſſen vortheilhaft ſein, unter welchen der Hackwald es iſt. Entbehrt es jedoch auf der ei— nen Seite manche Nachtheile deſſelben, ſo ſetzen ſich ihm auch auf der andern die entgegen, daß es viel fruͤher noch eine Er⸗ ſchoͤpfung des Bodens herbeizufuͤhren drohet. Indem der Ge⸗ treidebau bei ihm laͤnger, vielleicht 10 bis 15 Jahre zwiſchen den Baumreihen, dauern ſoll, der Boden der Einwirkung der Luft und des Lichtes noch mehr preisgegeben iſt, wird dieſe auf armen Boden unfehlbar eintreten, da eine Duͤngung deſ⸗ ſelben weder in der Idee liegt, noch ausfuͤhrbar ſein wuͤrde. Die Einfuͤhrung des Baumfeldes in groͤßerer Ausdehnung wuͤrde ſich entgegenſetzen: 1) Der Boden, den die Waͤlder groͤßtentheils einnehmen, welcher weder ſeiner Beſchaffenheit noch Form nach haͤufig auf mehrere Jahre zum Getreidebaue, oder auch nur zur Weide, benutzt werden kann. 2) Die Entfernung des Waldes von den Wohnungen, welche die Bearbeitung deſſelben ſuͤr den Landwirth ſehr er⸗ ſchweren muß. 3) Die Koſten der Urbarmachung, Bearbeitung, Anpflan⸗ zungen, welche haͤufig durch die wenigen magern Ernten, bei unſern oft niedrigen Holz- und Getreidepreiſen, nicht uͤber⸗ tragen werden wuͤrden. 4) Daß in dem Klima des noͤrdlichen Deutſchlands das Getreide gar keine Beſchattung ertraͤgt, ſondern ganz frei ſte⸗ hen muß, wenn man auf Koͤrnerertrag rechnen will. Die Faͤlle werden nur ſelten ſein, wo es eine Beachtung verdiente*). *) Siehe: Die Baumfeldwirthſchaft von Cotta, Dresden bei Arnold. 1820. ꝛc. — 207— 2) Von dem Alter, welches das Holz erreichen muß. Da von dem Alter, welches man dem Holze beſtimmt, theilweis ſchon die Betriebsart abhaͤngt, ſo iſt Mehreres be⸗ reits im vorhergehenden Abſchnitte daruͤber bemerkt. Aber auch im Hoch⸗, Mittel⸗, Nieder⸗, Plenter-Walde kann man das Alter bald hoͤher, bald niedriger anſetzen, indem man die Zeit, in welcher man ſaͤmmtliche Orte des Waldes abzunutzen denkt, den Umtrieb bald kuͤrzer, bald laͤnger beſtimmt. Die Ruͤckſichten, welche dabei beachtet werden muͤſſen, ſind folgende: 1) Gewinnung der groͤßten Holzmaſſe. Im Hochwalde wird theils in der Zeit von der Abhol⸗ zung des alten Beſtandes bis zur voͤlligen Wiederherſtellung des jungen Holzes, Zuwachs verloren gehen, da ſelten es moͤglich iſt, die vollſtaͤndige Beſtockung mit jungen Pflanzen unmittelbar auf die Abraͤumung des Holzes folgen zu laſſen, theils wird von den ganz jungen Pflanzen, ſelbſt wenn ſie auch ganz vollſtaͤndig vorhanden ſind, Anfangs weniger Holz erzeugt, als von mittelwuͤchſigen oder ausgewachſenen, ge⸗ ſchloſſenen Beſtaͤnden. Dazu koͤmmt, daß ein Theil der Holz⸗ erzeugung in der erſten Zeit aus ſchwachem, gewoͤhnlich unbe⸗ nutzbarem Reiſerholze beſtehet, waͤhrend dieſe in der ſpaͤtern Zeit mehr ſtaͤrkeres, beſſer zu benutzendes Material gewaͤhrt. Je laͤnger der Umtrieb iſt, deſto kuͤrzer wird, im Verhaͤltniß der Lebensdauer des Holzes, die Zeit, in welcher daſſelbe nur wenig oder ſchwaches, unbenutzbares Reiſerholz erzeugt, und ein langer Umtrieb muß deshalb zur Erzeugung der groͤßten Holzmaſſe beſſer ſein, als ein kurzer. Dieſem ſtehet jedoch auf der andern Seite wieder entgegen, daß nur geſunde und geſchloſſene Beſtaͤnde das mehrſte Holz erzeugen koͤnnen. So wie daher die Holzbeſtaͤnde anfangen luͤckenhaft zu werden, viel kranke Staͤmme in ihnen ſich finden, faͤllt die Production wieder. Dies iſt nach den Holzgattungen verſchieden. Dieje— nigen, welche eine lange Lebensdauer haben, ſich lange ge⸗ „ 11 — 208— ſchloſſen erhalten, ſind im hoͤheren Umtriebe vortheilhafter als die, welche fruͤh durch viel abſterbendes Holz luͤckenhaft wer⸗ den. Dabei iſt auch zugleich auf die Zufaͤlle Ruͤckſicht zu nehmen, welche bald mehr, bald weniger die Erhaltung voller Beſtaͤnde unſicher machen, als: Dieberei, Windbruch, Krank⸗ heiten, die dem Boden eigenthuͤmlich ſind u. ſ. w. Je mehr dergleichen zu fuͤrchten ſind, deſto weniger iſt langer Umtrieb zu empfehlen. Boden und Klima verdienen ebenfalls ſorgfaͤltige Beach⸗ tung in dieſer Hinſicht. Je angemeſſener der Standort fuͤr die Holzgattung iſt, je tiefgruͤndiger der Boden, deſto laͤnger haͤlt der Zuwachs aus. Solcher, von mittelmaͤßiger Boden⸗ kraft, wobei aber das Holz ſich geſund erhaͤlt, macht ein hoͤ⸗ heres Alter des Holzes vortheilhafter, als ſehr fetter, wo es ſeine Vollkommenheit fruͤher erreicht. Flachgruͤndiger, ſehr feuchter, humoſer Boden, bedingt immer einen kuͤrzern Um⸗ trieb. Auch die warme Lage beſchleunigt die Entwickelung des Holzwuchſes, und es haben die Baͤume in ihm eine viel kuͤrzere Lebensdauer, als im kalten und rauhen, ſo wie der Norden immer einen laͤngern Umtrieb bedingt, als die ſuͤdlich gelegenen Laͤnder, der warme Boden fruͤhere Abnutzung rath⸗ ſam macht, als der kalte. Bei dem Niederwalde tritt noch die beſondere Ruͤckſicht ein, daß bei langem Umtriebe die Ausſchlagsfaͤhigkeit der Stoͤcke ſchwaͤcht, ihre Erhaltung gefaͤhrdet. Es iſt deshalb nicht bloß der gegenwaͤrtige Umtrieb allein zu beachten, ſon⸗ dern auch der Ertrag der kuͤnftigen. Ein langer Umtrieb iſt darum in der Regel der groͤßten Holzerzeugung nicht guͤnſtig. Auch im Mittelwalde wird ein hohes Alter des Ober⸗ holzes dadurch nachtheilig, daß die großen, dichtbelaubten, un⸗ ter ihrem Schirme alles unterdruͤckenden Baͤume, durch die Verdaͤmmung mehr Nachtheile verurſachen, als die juͤngern und mittelwuͤchſigen. Das Unterholz leidet aber in demſelben Verhaͤltniſſe deſo mehr von dem Oherholze, wie es aͤlter wird, wie — 209— wie denn uͤberhaupt das junge Holz die Beſchattung mit we⸗ niger Nachtheil ertraͤgt, als das aͤltere. 2) Eine zweite Ruͤckſicht bei Feſtſetzung des Umtriebes iſt, daß man Holz von verlangter Staͤrke und Brauchbarkeit erhaͤlt. Dies kann ein ſo verſchiedenartiges Alter zweckmaͤßig machen, als es verſchiedenes Nutzholz und Brennholz giebt. Es iſt dabei nur nicht zu vergeſſen: a. Daß ſich dieſe Ruͤckſicht auf die Quantitaͤt des Ab⸗ ſatzes von jeder Nutzholzgattung beſchraͤnken muß— indem es z. B. laͤcherlich iſt, einen ganzen Forſt zu ſtarken Ax⸗ oder Felgen⸗Buͤchen heranziehen zu wollen, alles zu ſtarkem Bau⸗ holze zu beſtimmen, wenn vielleicht nur ꝛ5 oder noch weniger der ganzen Material⸗Erzeugung, als ſolches abzuſetzen iſt. b. Daß dieſelbe ſtets den wichtigern der Beachtung des Bodens, der Servituten u. ſ. w. untergeordnet werden muß. c. Daß die ganz ſtarken Hoͤlzer nie den Maßſtab zur Feſtſetzung des Umtriebes geben koͤnnen, indem ſelbſt in den ſchoͤnſten Beſtaͤnden ſich immer nur verhaͤltnißmaͤßig wenig Staͤmme dazu paſſen. d. Daß man das ſcheinbare Beduͤrfniß des ſtarken Hol⸗ zes von dem wirklichen unterſcheiden muß, welches man daran leicht erkennen kann, daß bei dem wirklichen Beduͤrfniſſe die Preiſe des verlangten Holzes auch ſeine Erziehung belohnen muͤſſen. 3) Der Zuſtand eines Forſtes, der Ertrag, den die gegen⸗ waͤrtigen Beſtaͤnde verſprechen, entſcheiden ſehr uͤber die Zeit, welche man ſie noch wachſen laͤßt. Sehr luͤckenhafte Beſtaͤnde, unwuͤchſige Hoͤlzer, von denen man nicht die volle Production, deren der Boden faͤhig iſt, erhaͤlt, machen den baldigen Anbau beſſerer, mehr producirender, rathſam, waͤhrend man ſolche, welche der Vollkommenheit faͤhig ſind, die volle Production des Bodens gewaͤhren, gern ſtehen laͤßt. 4) Die Servituten, welche auf einem Forſte laſten, ent⸗ ſcheiden haͤufig allein, ſelbſt zum Nachtheil des Forſtbeſitzers 14 — 210— und gegen die Regeln einer guten Forſtwirthſchaft, uͤber den feſtzuſetzenden Umtrieb. Der Waldeigenthuͤmer darf ſich den rechtlich beſtehenden Verpflichtungen gegen die Beſitzer von Nutzungen aus ſeinem Forſte nicht entziehen, die Geſetze ſchuͤz⸗ zen dieſe darin, eine Forſteinrichtung, welche dieſelben wider— rechtlich verletzen wuͤrde, muͤßte zum großen Nachtheile des Forſtbeſitzers, bei entſtehender Klage, als unſtatthaft erkannt werden. Die Geſetze jedes Landes ſtellen die Befugniſſe des Wald⸗ eigenthuͤmers, oft ſehr abweichend, in dieſer Hinſicht feſt, und jeder oder der Verwalter des Forſtes, muß ſich mit ihnen be⸗ kannt machen, um nicht dagegen zu handeln. Wir koͤnnen hier nur diejenigen Servituten bemerkbar machen, die bei der Feſtſetzung des Umtriebes beruͤckſichtigt werden muͤſſen, weil durch ſie die Rechte ihrer Beſitzer beeintraͤchtigt werden koͤnnen. A. Holzungsſervituten. a. Die Abgabe von freiem Baum⸗ und Nutzholze, welche bedingt, daß immer hinreichend Holz von der zu ver⸗ langenden Staͤrke vorhanden iſt. b. Das Recht auf Stockholz, Abraum, trockne Baͤume, Windbruch, und alle ſolche Holzſortimente, die nur aus dem Baumholze erfolgen koͤnnen, verlangt Hochwald, unterſagt die Umwandlung in Nieder⸗ und Mittelwald. c. Das Recht auf Kiehn macht noͤthig, daß das Holz hinreichend harzig wird, um die Stoͤcke als Kiehn benutzen zu koͤnnen; man kann 100— 120 Jahr alt als hinreichend annehmen. d. Bloßes Raff⸗ und Leſeholzrecht verbietet bloß die Einfuͤhrung von Buſchholzumtrieben. B. Das Weideſervitut bedingt, daß dem Berech⸗ tigten entweder die bisher zu betreibende Flaͤche— eine re— gelmaͤßige Schlagfuͤhrung dem Betriebe gemaͤß vorausgeſetzt, offen, oder die zur Ernaͤhrung des berechtigten Viehes er⸗ forderliche Weide geſichert bleibt. Da jede Verkuͤrzung des — 211— Umtriebes eine Vergroͤßerung der Schonungsflaͤche als noth⸗ wendige Folge herbeifuͤhrt, indem die Schonungszeit fuͤr jede Betriebsart immer dieſelbe bleibt, die Schonung aber deſto oͤfter noͤthig wird, je ftuͤher man mit dem Hiebe im Forſte herumkoͤmmt, ſo verdient die Weidegerechtſame, wenn ſie auf dem Walde laſtet, in allen Laͤndern, wo das Einſchonungs⸗ recht nicht ganz unbeſchraͤnkt iſt, eine ſehr ſorgfaͤltige Erwaͤ⸗ gung, bei jeder beabſichtigten Verringerung des Alters, gegen das bisherige des Holzes. C. Die Maſtungsgerechtigkeit verlangt, daß immer eine verhaͤltnißmaͤßige Menge hinreichend altes Holz da iſt, welches Maſtfruͤchte tragen kann. Es darf deshalb der Um⸗ trieb nicht mehr verkuͤrzt werden, als daß noch genug⸗ ſam alte Maſtbaͤume bleiben, um das berechtigte Maſtvieh zu friſten. D. Die Streugerechtigkeit beſchraͤnkt in der Feſtſetzung des Umtriebes nur dann, wenn man verlangt, daß die juͤn⸗ gern Alterklaſſen mit dem Streurechen ganz verſchont werden ſollen. In dieſem Falle muß ſtets ſo viel Holz den Berech⸗ tigten zur Benutzung verbleiben, daß ſie ihren Streubedarf daraus befriedigen koͤnnen. E. Auch das Harzſcharren legt nur dann Verpflich⸗ tungen in gleicher Art auf, wenn man kein juͤngeres Holz als bisher dazu benutzen laſſen will. 5) In eben der Weiſe, wie man berechnet, ob eine der Nebennutzungen, welche ein Fremder aus dem Walde beziehet, durch die Feſtſetzung des Umtriebes verringert werden wird, verfaͤhrt man auch, inſofern der Waldbeſitzer dieſe ſelbſt er⸗ haͤlt, damit nicht fuͤr ihn durch Nichtbeachtung derſelben ein Verluſt entſtehet. 6) Wo der Anbau nach dem Abtriebe des alten Holzes Koſten verurſacht, darf man nicht vergeſſen, daß dieſelben deſto oͤfter wiederkehren, je haͤufiger bei kuͤrzerm Umtriebe der Wiederanbau ſtattfinden muß. Iſt das Gelingen deſſelben 14* — 212— unſicher, was an felſigen, duͤrren Haͤngen, in der Ueber⸗ ſchwemmung ausgeſetztem Flußboden u. ſ. w., wohl der Fall ſein kann, ſo wird man ſich nicht ohne wichtige Gruͤnde dieſer Gefahr oͤfter, als durchaus erforderlich iſt, ausſetzen. 7) Ein Thaler, den man gleich, oder ſehr bald einneh⸗ men kann, iſt mehr werth, als ein ſolcher, welcher erſt in ſpaͤter Zukunft eingehet. Man ſetzt daher die Benutzung des Holzes nur in dem Falle ſpaͤter als bis zu dem Zeitpunkte an, wo das Holz benutzbar iſt, und den uͤbrigen hier aufge⸗ fuͤhrten Bedingungen gemaͤß, benutzt werden darf, als durch das laͤngere Stehenbleiben deſſelben ein Erſatz der Zinſen, die man durch das willkuͤhrliche Unbenutztlaſſen verliert, zu er⸗ warten iſt. Es wird von dieſer eben ſo wichtigen als viele Seiten darbietenden Ruͤckſicht am andern Orte erſchoͤpfender gehandelt werden. 8) Bei Forſten, wo eine gleichmaͤßige, nachhaltige Ver⸗ theilung des Holzertrags verlangt wird, muß ein Umtrieb ge⸗ waͤhlt werden, der dies geſtattet. So kann z. B. in dem Falle, wo ein Forſt viel altes Holz, wenig junges und von mittlerm Alter hat, ein kurzer Umtrieb noͤthig werden, um das alte Holz, welches nur noch eine beſtimmte Zeit zu er⸗ halten iſt, gleichmaͤßig vertheilen zu koͤnnen. 9) Wenn in den benachbarten Forſten das alte Holz jetzt ſehr mangelt, in der Folge aber darin große Maſſen jetzt noch nicht benutzbares, als ſtarkes Holz zum Hiebe kommen wer⸗ den, der einzurichtende Forſt dagegen dieſes jetzt verhaͤltniß⸗ maͤßig viel hat, ſo iſt es, inſofern nicht Verhaͤltniſſe obwal⸗ ten, welche eine unbedingte Nachhaltigkeit verlangen, vortheil⸗ hafter, die Benutzung dieſes ſtarken Holzes fruͤher anzuordnen, als bis zu einer Zeit damit zu warten, wo es in Ueber⸗ fluß auf den Markt gebracht werden wird. 10) Bei Herſtellung einer regelmaͤßigen Wirthſchaft aus einer unregelmaͤßigen, bei dem Uebergange aus dem Nieder⸗ walde und dem Mittelwalde in die Hochwaldwirthſchaft, muß — 213— fuͤr den erſt herzuſtellenden, regelmaͤßigen Hochwald in der Regel ein kuͤrzerer Umtrieb feſtgeſetzt werden, als fuͤr einen ſchon vorhandenen paſſend ſein wuͤrde, weil: a. man gewoͤhn⸗ lich nur noch unvollkommene Beſtaͤnde erhaͤlt, b. oft viel Stockausſchlag zu Baumholz erzogen werden muß, der im Wuchſe weniger aushaͤlt, auch fruͤher Samen traͤgt, als aus dem Kerne erzogene Beſtaͤnde, c. das Verhaͤltniß der Altersklaſſen gegen einander ſonſt zu unrichtig und unpaſſend werden wuͤrde. Fuͤr den Hochwald, welcher durch Samenſtellung verjuͤngt werden ſoll, iſt der kuͤrzeſte Umtrieb der Zeitpunkt, wo die Baͤume dazu anfangen hinreichenden Samen zu tragen. Fuͤr Nieder⸗ wald der laͤngſte, inſofern er durch Stockausſchlag ergaͤnzt werden ſoll, wobei noch die volle Ausſchlagsfaͤhigkeit der Mut— terſtoͤcke geſichert bleibt. Dies iſt um ſo wichtiger, je weniger man im Stande iſt, die eingegangenen Mutterſſtoͤcke zu erſetzen. Fuͤr das Oberholz im Mittelwalde iſt gar kein feſtes Al— ter zu beſtimmen, man nimmt einen Baum weg, oder laͤßt ihn ſtehen, je nachdem ſich dies aus der Erwaͤgung aller daruͤber entſcheidenden Umſtaͤnde als zweckmaͤßig zeigt. Bei dem Unterholze kommen die Ruͤckſichten zur Feſtſetzung des Umtriebes im Niederwalde zur Beachtung, indem man zu— gleich darauf achtet, daß hier die Ausſchlagsfaͤhigkeit ſchon fruͤher abnimmt, als im Schlagholze ohne Beſchattung. Der regelmaͤßige Plenterwald hat zwar gleiche Beziehun⸗ gen wie der Samenwald, doch auch hier darf man nicht ver⸗ geſſen, daß die ſehr alten Baͤume gleich nachtheilig werden, wie im Mittelwalde. Das Kopfholz kann nicht ſo alt werden, wie der Nieder— wald, da die Abhiebe noch weniger uͤberwachſen, die Staͤmme noch leichter ausfaulen. Nur die Hainbuche ertraͤgt eine 20 bis 25jaͤhrige Benutzung ohne weſentlichen Nachtheil. Der Hackwald wird allgemein als Knuͤppelholz benutzt. Ein Buſchholzumtrieb wuͤrde die Erſchoͤpfung des Bodens noch mehr beſchleunigen, auch der Fruchterzeugung durch die — 214— ſtarkere Verdichtung der Mutterſtoͤcke eben ſo wenig zu ſagen, als der Benutzung der Holzerzeugung guͤnſtig ſein. Von dem wirthſchaftlichen Alter des Holzes iſt zwar ſchon bei jeder einzelnen Holzgattung die Rede geweſen, und wird durch das Noͤthige daruͤber noch am betreffenden Orte bemerkt werden. Man muß jedoch dringend warnen, nicht die Wirthſchaftseinrichtungen nach auswendig gelernten Umtriebsaltern machen zu wollen, ſondern vielmehr auffor⸗ dern, in jedem einzelnen Falle ſorgfaͤltig zu pruͤfen, welches Alter, den ſo vielfach abweichenden Verhaͤltniſſen gemaͤß, das paſſendſte iſt. Es wird ſehr ſelten ein Forſt getroffen werden, ſelbſt gleiche Holzgattung und gleiche Betriebsart vorausgeſetzt, in welchem jeder Beſtand ein und daſſelbe Alter erreichen koͤnnte. Boden, Klima, Holzwuchs, Beſchaffenheit der Be⸗ ſtaͤnde, Servituten, die gleiche Vertheilung des Ertrages machen darin mehr Abweichungen, als gleichfoͤrmige Anordnungen noͤ⸗ thig. Die Zeit, in welcher man mit dem Abtriebe aller in dem gegenwaͤrtigen Umtriebe zur Benutzung kommenden Be⸗ ſtaͤnde fertig ſein will, deutet daher wohl auch das Alter des Holzes im Allgemeinen an, welches man als das paſſendſte anerkennt, und daher entweder jetzt erreichen, oder in Zukunft zu erhalten moͤglich machen will, allein ſie iſt deshalb noch nicht das unbedingt inne zu haltende. Was zu Abweichun⸗ gen davon beſtimmen kann, wird in der Lehre: von der Lei⸗ tung des Hiebes, eroͤrtert werden, zu der wir jetzt uͤbergehen. 3) Von der Anordnung der Schlaͤge. Wir haben in dieſer Hinſicht zu unterſuchen: 1) In welcher Reihenfolge die Schlaͤge abgetrieben wer⸗ den muͤſſen. 2) Von welcher Groͤße ſie in großen Forſtſlaͤchen, wo dieſe nicht beſchraͤnkt iſt, ſein darf, und in wiefern es vortheil⸗ — 215— haft oder nachtheilig iſt, nur Holz von einerlei Alter zuſam⸗ menliegend zu haben. Zu 1. Die fruͤhere, oft planloſe Wirthſchaft, bei welcher man einzelne Stellen willkuͤhrlich abtrieb und anbauete, ſo wie ſich zeigender Anflug, bequeme Abfuhr, Neigung des Kaͤu⸗ fers u. ſ. w. es wuͤnſchenswerth zu machen ſchienen, hat haͤufig eine große Unregelmaͤßigkeit in den Beſtaͤnden erzeugt, ſo daß verſchiedene Holzgattungen und Altersklaſſen uͤberall unter ein⸗ ander liegen. Dadurch wird die Aufſicht im Forſte erſchwert; die kleinen, im hohen Holze liegenden Schonungen leiden unter dem Schatten und dem Weideviehe, die Abfuhr wird den jungen Beſtaͤnden nachtheilig, und eine Menge andere Nach⸗ theile, wie ſich ergeben wird, entſtehen. Man hat dies ſchon lange gefuͤhlt und durch eine Eintheilung des Forſtes in ſo viel Jahresſchlaͤge, als Jahre des Umtriebes beſtimmt waren, die der Reihe nach abgeholzt werden ſollten, eine Regelmaͤßig⸗ keit in die Hiebsleitung bringen wollen, indem die Schlaͤge der Nummer nach gehauen werden ſollten, allein dieſe Idee zeigte ſich wenigſtens im Hochwalde bald unausfuͤhrbar. Theils war dieſe planimetriſche Eintheilung ohne alle Ruͤckſicht auf den Zuſtand der Beſtaͤnde durch Geometer, denen dazu die noͤthige forſtliche Kenntniß mangelte, gemacht, theils war es auch an und fuͤr ſich unmoͤglich, in Forſten, wo bald haubares Holz neben jungen Beſtaͤnden lag, und dann wieder Bloͤßen und Raͤumden mit dichten horſtweiſen Baumhoͤlzern graͤnzten, eine ſolche Schlageintheilung zu machen, daß fuͤr jedes Jahr eine gleich große Flaͤche, in einer regelmaͤßigen Figur abge— theilt werden konnte. Nicht bloß mußte man bei der Schlag⸗ ſtellung zur natuͤrlichen Beſamung mehrere Jahresſchlaͤge zu⸗ ſammenfaſſen, ſondern auch die jungen Beſtaͤnde uͤberſpringen, in dem beſſeren alten Holze weniger Flaͤche nehmen, als in den lichtbeſtandenen Orten, wenn man ausreichen wolltez auf den Bloͤßen und Raͤumden fand man den Bedarf nicht, und konnte ſo die Schlageintheilung niemals inne halten. Des⸗ 216— halb hat man ſie im Hochwalde auch laͤngſt aufgegeben, und beſchraͤnkt ſich darauf, dem ermittelten Abgabeſatze gemaͤß, fuͤr eine beſtimmte Zahl von Jahren die noͤthige Flaͤche, wo⸗ von dieſer wahrſcheinlich wird erfuͤllt werden koͤnnen, ſo ab⸗ zutheilen, daß dadurch im Allgemeinen die Reihenfolge feſtge⸗ ſetzt wird, in welcher die verſchiedenen Beſtaͤnde zur Benutzung kommen ſollen. Es iſt, ſtreng genommen, nur noͤthig, die in der erſten Zeit zunehmenden Schlaͤge richtig abzutheilen, denn theils laͤßt ſich fuͤr die ſpaͤte Zukunft gar nichts mit Gewißheit beſtim⸗ men, da man nicht vorausſehen kann, wie die Beſtaͤnde dann beſchaffen ſeyn werden, und welche Ruͤckſichten dann einwirken, um den Hieb des einen oder anderen Ortes zweckmaͤßig zu machen, theils iſt kaum darauf zu rechnen, daß unſere Nach⸗ kommen noch gleiche Grundſaͤtze befolgen werden, als wir jetzt aufſtellen, da die Wiſſenſchaft in ſteter Fortbildung iſt, und die ganzen Kulturverhaͤltniſſe eines Landes ſich ſtets anders geſtalten. Bei einer gaͤnzlichen Unabhaͤngigkeit und Zuverlaͤſ⸗ ſigkeit des Revierverwalters kann dieſem ſogar uͤberlaſſen blei⸗ ben, jedes Jahr den paſſenden Schlag auszuwaͤhlen, was je⸗ doch bei großen Staatsforſten, wo die obere Behoͤrde die Lei⸗ tung des Betriebes ordnet, und eine ſtete Ueberſicht haben will, nicht ausfuͤhrbar iſt. Wo indeſſen der jaͤhrliche, nach⸗ haltig aus dem Forſte zu entnehmende Abgabeſatz daraus ent⸗ wickelt wird, daß man berechnet, wieviel ein Ort bei ſeinem Abtriebe wahrſcheinlich Holz geben wird, muß natuͤrlich auch ſein wahrſcheinliches Alter voraus beſtimmt werden, da davon die in ihm vorhandene Holzmaſſe abhaͤngt. Es iſt dann noͤ⸗ thig, die Grundſaͤtze der Hiebsleitung ſo aufzuſtellen, daß dieſe alle in jedem Forſte vorhandenen, und in dem erſten Umtriebe zu beachtenden Beſtaͤnde umfaßt. Auch iſt es allerdings wohl noͤthig zu wiſſen, was ſpaͤter zum Hiebe gebracht werden muß, wenn man das auswaͤhlen will, was am erſten gehauen werden ſoll. — 217— Folgende Gegenſtaͤnde kommen dabei zur Eroͤrterung: a. Die Brauchbarkeit des Holzes. Es kann durch laͤnge⸗ res Stehenbleiben daran verlieren, nichts verlieren und nichts gewinnen, oder noch brauchbarer werden. Im erſten Falle iſt ſein baldiger Einſchlag unerlaͤßlich, im zweiten zweckmaͤßig, im dritten wird er nur zu entſchuldigen ſeyn, wenn andere wichtige Ruͤckſichten ihn fordern. b. Die Geſundheit und Ausdauer des Holzes. Krankes, im Zuwachſe zuruͤckgehendes Holz bringt man eher zum Hiebe als geſundes, ſeinen vollen Zuwachs wahrſcheinlich noch ge— raume Zeit behaltendes. c. Die Holzhaltigkeit des Ortes. Lichte, wenig Zuwachs gebende Orte treibt man eher ab, als ſolche, welche einen vollen Beſtand haben und das an Zuwachs geben, was, der eigenthuͤmlichen Produktionsfaͤhigkeit des Bodens gemaͤß, von dieſem zu fordern iſt. d. Die Beſchaffenheit des Bodens. Unbeſchirmter Boden, welcher durch Bloßliegen ſeine Ertragsfaͤhigkeit verliert, Flug⸗ ſand werden kann, durch Verwilderung die Kultur kuͤnftig ſehr erſchweren koͤnnte, muß fruͤher in Anbau gebracht werden, als ſolcher, bei welchem dies nicht zu fuͤrchten iſt. Guter Boden, der viel Ertrag giebt, wird ſonſt fruͤher angebauet, als ſolcher, der durch geringern Ertrag die Kultur ſchlechter bezahlt. e. Die Erſparung von Kulturkoſten. Orte, welche jetzt ſolche verurſachen wuͤrden, ſpaͤter eine Erſparung derſelben er⸗ warten laſſen, laͤßt man eher fuͤr den ſpaͤtern Hieb zuruͤck, als ſolche wo ein umgekehrtes Verhaͤltniß ſtattfindet. f. Die gleiche Vertheilung des Nutzholzes. Wo die alten, zu Bau⸗ und ſtarkem Nutzholze tauglichen Beſtaͤnde fehlen, die juͤngeren bereits zu Brennholze benutzbaren im Ueberfluſſe da ſind, iſt man genoͤthigt, dieſe letztern ſchon jetzt zur Er⸗ fuͤllung des Abgabeſatzes anzugreifen, und dagegen einen Theil des aͤltern Holzes fuͤr ſpaͤtere Zeiten ſtehen zu laſſen, um in dieſen den Nutzholzbedarf decken zu koͤnnen. — — 218— g. Die Abfuhre, vorzuͤglich in Gebirgen beachtungswerth. Die Schlaͤge muͤſſen ſo angelegt werden, daß die Abſuhr oder die Heranbringung des Holzes an Stellen, von wo dieſe erfolgt, nicht vorliegende junge Beſtaͤnde beſchaͤdigt. So duͤrfen an ſteilen Berghaͤngen, wo man das Holz durch Werfen, Rieſen und Schurren in das Thal bringt, die Schlaͤge nicht horizontal der Bergwand entlang, dieſe theilend, gefuͤhrt werden, ſondern die Schlaggrenzen muͤſſen vom Thale bis auf den Kamm des Berges laufen, damit alles Holz auf dem abgeraͤumten Schlage transportirt werden kann. h. Sturm und Froſt. Bei Hoͤlzern, die dem Windbruche ſehr unterworfen ſind, z. B. Fichten, Kiefern auf flachgruͤndi⸗ gem naſſen Sandboden, muß man der Gegend, aus welcher, der Erfahrung gemaͤß, die Schaden anrichtenden Stuͤrme kom⸗ men, der Sturmgegend, entgegen hauen. Gewoͤhnlich iſt dies Weſten oder Suͤdweſten, doch verurſachen die Seenaͤhe, die Richtung langer, hoher Gebirgszuͤge, lange Thaͤler in ihnen ſehr vielfache Abweichungen und bilden eine oͤrtliche Sturm⸗ gegend, die zu beachten iſt. Unter Verhaͤltniſſen, wo Stuͤrme ſehr gefaͤhrlich werden, darf nie die Hiebsleitung ſo ſeyn, daß ihnen Luͤcken in geſchloſſen aufgewachſenen Beſtaͤnden darge— boten werden, daß ſehr lange Zeit uͤber dem Abtriebe eines ſolchen, wenn er einmal angehauen iſt, vergehen ſoll, da doch dann immer mehr oder weniger Windbruch darin zu fuͤrchten iſt. Der Froſt thut vorzuͤglich in Schonungen Schaden. Da⸗ gegen ſehr empfindliches Holz, wie Erlen⸗Schlagholz, Buchen, Eichen, Ahorn aus dem Samen erwachſen, bedingen wo moͤg⸗ lich eine Hiebsleitung, wobei die vorſtehende Holzwand den Oſt⸗Nord⸗Oſt⸗ und Nordwind auffaͤngt, da bei dieſen der Froſtſchaden am haͤufigſten iſt. In dunkel gehaltenen Samen⸗ ſchlaͤgen, wo die jungen Pflanzen zwiſchen ſchuͤtzendem Holze ſtehen, iſt jedoch dieſe Ruͤckſicht weniger wichtig, als bei freien Anſaaten; eben ſo in geſchuͤtzter Lage weniger als bei Freilagen. i. Die Servituten. Es iſt nicht nur noͤthig, daß der Um⸗ —-— 249— trieb im Allgemeinen ſie beruͤckſichtige, ſondern die Hiebslei⸗ tung muß dies auch noch im Beſondern thun. So muß in großen Forſten darauf geſehen werden, daß nicht bloß das Weidevieh die geſetzliche Flaͤche zum Beweiden offen hat, ſon⸗ dern auch, daß dieſe nicht ſo entfernt iſt, daß es ſie, ohne weſentliche Verminderung der Viehnutzung, beweiden kann, daß die erforderlichen Triften offen bleiben, daß die Schonungen im Verhaͤltniß der Ernaͤhrungsfaͤhigkeit des Bodens dergeſtalt vertheilt werden, daß dabei ſtets die Erhaltung des Viehes geſichert bleibt. k. Die Vertheilung der Holzung fuͤr die verſchiedenen Empfaͤnger. Die Schlaͤge muͤſſen ſo angelegt ſeyn, daß alle Anwohner des Forſtes jaͤhrlich eine bequeme Befriedigung ihrer Beduͤrfniſſe finden; wird daher der Ertrag des Forſtes in verſchiedenen von einander entfernt liegenden Gegenden be— zogen, ſo muß auch fuͤr jede die Holzung ſo angeordnet wer⸗ den, daß die Abfuhr nicht zu unbequem iſt. Die Regel: daß die Hiebsleitung darauf Ruͤckſicht neh— men muͤſſe, daß die vorliegende Holzwand den abgeholzten Schlag mit Samen uͤberſtreuen koͤnne, hat in der neueren Zeit ihre Bedeutung verloren. Theils iſt wohl nur noch ſehr ſelten der Fall, daß man dies verlangt, indem man mehr regel— maͤßige Beſamungsſchlaͤge ſtellt, als Kahlſchlaͤge fuͤhrt, die vom benachbarten Holze mit Samen uͤberſtreuet werden ſollen, theils iſt die Meinung irrig gefunden worden, die man fruͤher hatte, daß der Same nur mit einem gewiſſen Windſtriche abfloͤge. Zu 2. Die Groͤße der Schlaͤge und die Aneinanderrei⸗ hung derſelben, ſo daß alle gleich alte Altersklaſſen zuſam⸗ menzuliegen kommen, iſt etwas, was eine ſehr ſorgfaͤltige Pruͤfung aller dadurch zu erhaltenden Vortheile oder zu fuͤrch⸗ tenden Nachtheile noͤthig macht. A. Kleine, zu ſehr vereinzelte Schlaͤge, wodurch eine Untereinandermiſchung verſchiedener Alterklaſſen entſtehen muß, bewirken folgende Nachtheile: — 220— a. Erſchwerung der Aufſicht. Wenn der Föoͤrſter die Schlaͤge an mehreren Orten zugleich beaufſichtigen ſoll, weil ſie klein in verſchiedenen Gegenden des Reviers genommen werden, ſo kann er weder die Holzhauereien, noch die Kulturen gehoͤrig beſorgen. b. Werden die Schonungen klein, von hohem Holze um⸗ geben, angelegt, ſo leiden die Raͤnder ſehr durch Verdaͤmmung. c. Wild und Weidevieh beſchaͤdigen kleine Schonungen weit mehr als große, ſich durch ihre Groͤße ſelbſt ſchuͤtzende. d. Die Bewaͤhrungskoſten mehren ſich deſto mehr, je klei⸗ ner die Schonungen ſind, und deſto groͤßer daher ihre Naͤnder im Verhaͤltniß zu ihrer Flaͤche werden. e. Es werden bei kleinen Schlaͤgen mehr Wege noͤthig, als bei großen, und ſie koſten nicht bloß eine groͤßere Boden— flaͤche, ſondern indem da, wo die Altersklaſſen untereinander liegen, haͤufig durch junge Schonungen Abfuhr ſtattfindet, ſo hat man auch Beſchaͤdigungen derſelben mehr zu fuͤrchten. B. Aber auch zu große Schlaͤge haben eine Menge beachtungswerther Nachtheile. a. Wenn in großen Bloͤcken von 10— 12000 Morgen, welche 3 bis 4 Schutzbezirke(Unterfoͤrſterbelaͤufe) enthalten, alle Schlaͤge fuͤr 20 und mehr Jahre in einem und demſel⸗ ben Schutzbezirke zuſammengelegt werden, ſo wird die Aufſicht dadurch ebenfalls ſehr ſchwierig gemacht, indem dann einem Foͤrſter alle, durch die Holzhauereien, Abfuhren und Kulturen entſtehende Arbeiten aufgelaſtet werden, waͤhrend die andern dieſe gar nicht haben. b. Die richtige Vertheilung der Holzung, ſowohl die nach⸗ theilige Benutzung der vorhandenen Nutzhoͤlzer, als die be⸗ queme Befriedigung der verſchiedenen Empfaͤnger, wird dadurch ſehr erſchwert. c. Eben ſo werden die Rechte der Servitutberechtigten dadurch leicht gefaͤhrdet. d. Große Schlaͤge leiden mehr unter den nachtheiligen — 221— Naturereigniſſen als Froſt, Hitze, Feuer, Sturm und Flug⸗ ſand. Auch ſelbſt ſpaͤter ſind große Flaͤchen, mit gleichen Altersklaſſen beſtanden, dem Windbruche, Feuer, Inſektenſcha⸗ den weit mehr ausgeſetzt, als wenn dieſelben mehr gemiſcht unter einander liegen. e. Die Kultur ſehr großer Flaͤchen iſt ſchwieriger als die⸗ jenige kleinerer, welche uͤberall vom ſchuͤtzenden und Samen tragenden hohen Holze umgeben ſind. f. Große Schlaͤge koͤnnen ſpaͤter der Huͤtung aufgegeben werden als kleinere, weil in ihnen weniger auf gleichmaͤßig erwachſenden Beſtand zu rechnen iſt. Je groͤßer die mit einem Male in Betrieb genommene Flaͤche iſt, deſto weniger iſt darauf zu rechnen, gleichen Boden, gleichen Anflug, gleichen Wuchs des Holzes zu erhalten. Wenige Flecke, welche dem Viehe noch nicht entwachſenes Holz haben, bedingen aber oft die Schonung einer ganzen, zum Theil mit nicht mehr zu beſchaͤdigendem Holze beſtandenen Flaͤche. g. Das Ausruͤcken des Holzes wird in großen Schonun— gen koſtbarer, und thut mehr Schaden als in kleinen. h. Die Wege werden weit mehr im Lehmboden verdorben, wenn viel Holz, bei großen Schlaͤgen, auf ihnen abgefahren werden muß, als dies bei wenigerem von kleinen Schlaͤgen der Fall iſt. i. Es iſt bei großen Schlaͤgen weit weniger moͤglich, immer den zweckmaͤßigſten Zeitpunkt des Anhiebes wahrzunehmen, als bei kleinern. Die Frage: was iſt zu groß und was zu klein zu nennen?— iſt ſchwer zu beantworten. Es kann dies nur aus der Abwaͤgung aller Vortheile und Nachtheile groͤßerer und kleinerer Schlaͤge entnommen werden, die, jeder Oertlich⸗ keit gemaͤß, ſich zeigen. Kein zu befuͤrchtender Nachtheil darf uͤberwiegend hervortreten. Die Schlaͤge muͤſſen ſo groß ſeyn, die Altersklaſſen ſind in einem Maſte zuſammenzulegen, daß die Nachtheile der zu kleinen nicht zu fuͤrchten ſind; man — 222— muß ſie nicht groͤßer nehmen, als daß die, zu großen zuſam⸗ menliegenden Flaͤchen, noch nicht bemerkbar werden. Rauhes Klima, Boden zum Fluͤchtigwerden geneigt, Frei⸗ lagen, die unter Froſt und Hitze leiden, ſich haͤufig zeigender Inſektenſchaden, machen kleinere Schlaͤge eher Vühlann⸗ als wo dies nicht der Fall iſt. Daſſelbe gilt von Holzgattungen, welche nur in R geſchütz⸗ ter Lage gedeihen, von ſolchen, die dem Windbruche ſehr aus⸗ geſetzt ſind und in Beſamungsſchlaͤgen verjuͤngt werden ſollen. Niederwald und Mittelwald bedingen kleinere Bloͤcke oder Wirthſchaftsganze, als Hochwald von langem Umtriebe. Sehr zerſtreut liegende Forſtdiſtrikte, kleine Schutzbezirke verlangen ebenfalls kleinere Schlaͤge, als große geſchloſſene Waldmaſſen. Eben ſo werden da, wo die Altersklaſſen, die Holzgattungen ſehr gemiſcht untereinander liegen, die Schlaͤge nicht ſo groß genommen werden koͤnnen, als da, wo das Ge⸗ gentheil ſtattfindet. Wo Wild- oder Weideſchaden ſehr gefaͤhrlich iſt, hat man mehr Urſache, die Schonungen zuſammenzulegen, als wo dies nicht der Fall iſt. Bei ſicherer Kultur mag man unbeſorgter große Schlag⸗ flaͤchen zuſammenlegen, als bei unſicherer und ſchwieriger, ſo wie auch durchgaͤngig gleicher Boden groͤßere erlaubt, als ſol— cher, der von ſehr verſchiedener Guͤte iſt. Wo nicht große natuͤrliche Wirthſchaftsfiguren durch Thaͤ⸗ ler, Berge, Fluͤſſe u. ſ. w. gebildet ſind, muß ſich dieſen auch die Schlagbildung anſchließen, wogegen man groͤßere Flaͤchen zuſammenlegen und bewirthſchaften kann, wo dies nicht der Fall iſt. Die Nothwendigkeit, ſehr verſchiedenartige Beduͤrfniſſe vieler Empfaͤnger zu befriedigen, macht in der Regel kleinere Schlaͤge noͤthig, als wo nur ein und daſſelbe Material, z. B. Kohlholz fuͤr Huͤttenwerke, Brennholz zur Verſorgung großer Staͤdte abgegeben wird. — 223— Viel ſeparirte Servitutberechtigte, die ihr Recht jeder auf einem beſondern Diſtrikte ausuͤben, machen eine Vereinze— lung der Holzung oft unvermeidlich, zu der gar keine Veran⸗ laſſung waͤre, wenn nur Ein Servitutberechtigter, oder Alle gemeinſchaftlich, ihre Gerechtſame ausuͤbten. So koͤnnen dieſe und noch viele andere Verhaͤltniſſe ſo mannigfaltige Abweichungen hinſichtlich einer zweckmaͤßigen Schlaggroͤße herbeifuͤhren, daß ſich dieſe wenigſtens nicht in Zahlen ausdruͤcken laͤßt. Es wird dadurch auch dargethan werden, daß ſich keine beſtimmte Flaͤche als paſſend fuͤr einen Block oder ein Wirth⸗ ſchaftsganzes, von deſſen Groͤße vorzuͤglich die Schlaggroͤße abhaͤngt, geben laͤßt. 4) Von der Erziehung des Holzes in Beſa⸗ mungsſchlaͤgen. Vortheile und Nachtheile der Beſamungsſchlaͤge. Mit dem Worte: Beſamungsſchlag verbindet man den Begriff einer ſolchen Stellung und Vertheilung Samen tra⸗ gender Baͤume, daß der damit beſtandene Diſtrikt hinreichend mit Samen uͤberſtreuet werden kann, daß die jungen Pflanzen die noͤthige Beſchuͤtzung erhalten, jedoch auch ungehindert er⸗ wachſen koͤnnen, bis dieſe Samenbaͤume ganz weggenommen werden. Dunkelſchlag iſt die erſte verhaͤltnißmaͤßig dichte Stellung zur Beſchirmung des Bodens bis zum Abfalle des Samens, zur vollſtaͤndigen Ueberſtreuung mit demſelben, zur Beſchuͤtzung zarter Pflanzen, welche den freien Stand in der Jugend nicht ertragen. Oft gebraucht man auch fuͤr die Stellung des Schlages vor dem Abfalle des Samens das Wort: Vorbereitungsſchlag, wodurch man bezeichnet, daß durch ſie entweder der Boden zur Aufnahme des Samens empfaͤnglich gemacht, oder die Baͤume zum Samentragen durch lichte Stellung geſchickt gemacht werden ſollen. Lichtſchlag — 224— iſt ein Ausdruck, welcher die lichtere Stellung durch Weg⸗ nahme eines Theils der Baͤume aus dem Dunkelſchlage an— deutet, ſo wie endlich Abtriebsſcylag die letzte Abraͤumung der uͤbergehaltenen Samenbaͤume bezeichnet. Die Vortheile, welche man durch die Erziehung des Holzes in Beſamungsſchlaͤgen erhaͤlt, ſind: 1) Beſchirmung zaͤrtlicher junger Pflanzen durch die uͤber⸗ gehaltenen Samenbaͤume gegen zu ſtarken Lichteinfall und Froſt. Auch das Austrocknen des Bodens ſoll dadurch ver⸗ huͤtet werden; durch Entziehung des Thaues leiden jedoch die unter dem Schirme des alten Holzes ſtehenden Pflanzen in der Regel mehr, als ihnen die langſamere Austrocknung des Bodens Vortheil verſchafft. Holzgattungen, die die volle Ein— wirkung des Lichtes ertragen, dem Froſtſchaden in der Jugend nicht ausgeſetzt ſind, wachſen beinahe immer ſchlechter im Sa⸗ menſchlage, als im freien Stande, und gerade auf duͤrrem Boden iſt dies oft am erſten bemerkbar. 2) Ein zweiter Vortheil bei ſolchen Hoͤlzern, die gut im freien Stande erzogen werden koͤnnen, gewoͤhnlich der zu Be⸗ ſamungsſchlaͤgen beſtimmende, iſt die Erſparung an Kultur⸗ koſten. Ob dieſe ein wirklicher oder nur ſcheinbarer Gewinn iſt, muß unterſucht werden, indem man: a. die Ausgabe, welche das Ausruͤckerlohn des Holzes, b. die wahrſcheinlichen Verbeſſerungskoſten direkt, c. der Verluſt an Stockholz, d. der Verluſt an Zuwachs bei lange lichtſtehenden Schlaͤgen, e. die Verſchlechterung des lange unbeſchirmt liegenden Bodens, f. der oft ungleiche Beſtand, g. die ſchwierigere Gewinnung des Nutzholzes indirekt herbeifuͤhren, berechnet, und gegen die unvermeidlichen Kul⸗ turkoſten, die der Anbau aus der Hand verurſacht, haͤlt. 3) Eine Erſparung an Arbeit kann in großen Waͤldern, wo Menſchen ſehlen, die Beſamungsſchlaͤge ſelbſt dann noch zweck⸗ — 225— zweckmaͤßig machen, wenn auch kein Gewinn hinſichtlich des Geldaufwandes dabei iſt. 4) Wo eine gaͤnzliche Entbloͤßung des Bodens die Wie⸗ derkultur gefaͤhrden koͤnnte, auf Boden, der zum Fluͤchtigwer⸗ den geneigt iſt, an Seekuͤſten, an duͤrren Haͤngen, in ſehr rauhen, hohen Gebirgen, kann man nur Holz in Beſamungs⸗ ſchlaͤgen erziehen, wenn man nicht gar genoͤthigt iſt, ſeine Zuflucht zur Plenterwirthſchaft zu nehmen. Die Nachtheile dieſer Erziehungsweiſe, zum Theil ſchon in dem eben Geſagten beruͤhrt, ſind: 1) Bei Holzgattungen, die keinen Schatten ertragen, ein ſchlechterer Wuchs, gegen den im freien Stande, deſto ſchlech⸗ ter, je laͤnger ſie beſchattet ſtehen. 2) Der Verluſt des Stockholzes, deſto groͤßer, je dunkler die Schlaͤge bis zum Abfalle und Aufgehen des Samens ſte⸗ hen muͤſſen, je mehr die Wurzelverbreitung in der Oberflaͤche ſtatt findet, ſo daß z. B. in Fichten, wo durch das Stockro⸗ den gleich der Windbruch herbeigefuͤhrt wird, ſogar die ganze Stockholzmaſſe des Schlages verloren gehen kann. Eben das gilt von der Kiehnnutzung, ſobald nur abgefaulte Stoͤcke ge⸗ rodet werden. 3) Der Verluſt an Zuwachs. Nur der volle Holzbeſtand kann den vollen Zuwachs gewaͤhren. Wo ein Baſamungs⸗ ſchlag lange mit wenigen Samenbaͤumen ſtehet, ehe er wieder mit jungen Pflanzen in Beſtand koͤmmt, kann an dieſem wenigen Holze nicht der volle Zuwachs erzeugt werden. 4) Wo ein Samenſchlag in langer Zeit nur nach und nach durch den natuͤrlichen Samenabfall in Beſtand gebracht wird, da muß dieſer von ungleichem Alter ſein. Bei Holzgattungen, die ſehr unter der Verdaͤmmung leiden, wie z. B. die Kiefer, iſt dies fuͤr den Wuchs der Beſtaͤnde ſehr nachtheilig. 5) Die Gewinnung der Rinde, der Spalthoͤlzer, die im Sommer gearbeitet werden, der ſtarken Nutzholzſtaͤmme, deren Ausarbeitung und Abfuͤhren in den Licht⸗ und Abtriebsſchlaͤ⸗ 15 — 226— gen viel Schaden thut, wird durch Beſamungsſchlaͤge ſehr er⸗ ſchwert. Ueberhaupt aber wird man durch ſie und hinſichts der Zeit des Verkaufes und Einſchlages weit mehr beengt, als bei dem kahlen Abtriebe und dem darauf folgenden Anbaue aus der Hand. 6) Die Hiebsleitung iſt bei dieſem letztern viel unabhaͤn⸗ giger, da man weder noͤthig hat auf Samenjahre zu warten, noch die Verjuͤngung uͤberhaupt von dem Samentragen des Holzes, welches zum Hiebe gebracht werden ſoll, abhaͤngig iſt. 7) Die der Huͤtung entzogene Flaͤche wird bei Samen⸗ ſchlaͤgen weit groͤßer, als bei dem Anbaue aus der Hand, weil die Schonung auch um den gleich im Anfange ſich zeigenden Anflug oder Aufſchlag, eingelegt werden muß. 8) Bei dem Anbaue kann eine regelmaͤßigere Vertheilung der jungen Pflanzen erfolgen, der zu dicke, wie luͤckenhafte Be⸗ ſtand kann beſſer vermieden werden. 9) Vermiſchte Beſtaͤnde ſind, wegen des verſchiedenen Lichtbeduͤrfniſſes, in Beſamungsſchlaͤgen gewoͤhnlich ſchwerer zu erziehen, als durch theilweiſen Anbau. Es iſt demgemaͤß als ein ſehr zu tadelndes Vorurtheil anzuſehen, wenn man glaubt, daß in einer guten Forſtwirth⸗ ſchaft es Regel ſein muͤſſe, die Hochwaldbeſtaͤnde immer durch Samenſchlaͤge zu verjuͤngen, wo dies moͤglich iſt, daß der An⸗ bau aus der Hand nur da eintreten duͤrfe, wo dieſelben miß⸗ lingen, oder der Beſchaffenheit der Beſtaͤnde u. ſ. w. gemaͤß, unausfuͤhrbar ſind. Bei einer guten Wirthſchaft, wo das Holz Werth genug hat, um die zur Erziehung vollkommnen Be⸗ ſtaͤnde, zur Gewinnung der vollen Bodenproduction aufgewen⸗ dete Arbeit, zu bezahlen, iſt unter Verhaͤltniſſen, wo der kahle Abtrieb thunlich, der Anbau aus der Hand ſicher iſt, dieſer beinahe immer den Beſamungsſchlaͤgen vorzuziehen, ſelbſt wenn man den ſtaatswirthſchaftlichen Grundſatz unbeachtet laſſen will: daß man immer ſo viel als moͤglich Gelegenheit zur productiven Arbeitsdarſtellung zu geben ſuchen muß. — 227— Nur fuͤr Holzgattungen, welche geſchloſſene Beſtaͤnde bil⸗ den(die herrſchend ſind), laſſen ſich Regeln zur Behandlung der Samenſchlaͤge geben. Eingeſprengte ſind bloß mit Ruͤck⸗ ſicht auf fruͤhere oder ſpaͤtere Lichtſtellung, wenn ſie zwiſchen andern Hoͤlzern vorkommen, zu beachten. Da davon ſchon in der Nachweiſung des forſtlichen Verhaltens der Hoͤlzer die Rede geweſen iſt, ſo beſchraͤnken wir uns hier auf die Be⸗ handlung der Samenſchlaͤge in den herrſchenden Holzgattungen. Von dieſen ſind die Buchen wo moͤglich immer in Sa⸗ menſchlaͤgen neu zu erziehen. Die Saat koͤmmt nur an ſehr geſchuͤtzten Orten, als Ergaͤnzung des natuͤrlichen Samenab⸗ falls vor, die Pflanzung wird nur auf Bloͤßen und zur Aus⸗ fuͤllung luͤckenhafter Beſtaͤnde angewendet. Die Eiche paßt ſchon weit weniger fuͤr dieſe Art der Erziehung. Es fehlen dazu die hinreichend geſchloſſenen Be⸗ ſtaͤnde, oder, wo man ſie hat, hindert die Benutzung der Rinde, das Aufarbeiten von Schiffbau⸗, Stabholz, Maſchinen⸗ und andern Nutzhoͤlzern dieſelbe, indem dadurch theils viel Schaden in jungen Beſtaͤnden angerichtet werden wuͤrde, theils zur Aus⸗ nutzung eine Art von Plenterwirthſchaft beibehalten werden muß, theils die erſte nothwendige dunkle Stellung bei dem Ausbleiben von Samenjahren eine zeitige Freiſtellung, wie ſie nothwendig wird, verhindert, indem dabei zu große Holzmaſ⸗ ſen mit einemmale erfolgen wuͤrden, waͤhrend zu andern Zei⸗ ten wieder das Holz fuͤr den Bedarf nicht zu erhalten iſt. Da nun auch der Wuchs der Eichen durch Auflockerung des Bodens und Entfernung aller unmittelbaren Ueberſchirmung unlaͤugbar gewinnt, das Stockholz oft ſehr werthvoll und gut zu roden iſt, auch die Saat in Verbindung mit der voruͤber— gehenden Benutzung des Bodens zum Fruchtbau haͤufig ohne alle Koſten gemacht werden kann, ſo wird dieſe eben ſo leichte, als ſichere Art reine Eichenbeſtaͤnde zu erziehen, mit Recht den Samenſchlaͤgen, die ſo viel Schwierigkeiten darbieten, vor⸗ gezogen, und das, was uͤber die Erziehung der Eichen aus 15* 228— dem natuͤrlichen Samenabfalle zu ſagen iſt, mag mehr auf die in vermiſchten Beſtaͤnden vorkommenden einzelnen Pflan⸗ zen und Horſte, und auf Ausnahmen fuͤr Faͤlle, wo ſich der Saat Hinderniſſe entgegenſetzen, bezogen werden, als auf große regelmaͤßig anzulegende Samenſchlaͤge. Die Birke erſpart durch ihren leichten Anflug gewoͤhn⸗ lich Saat oder Pflanzung, wo der Boden paſſend iſt, und alte Baͤume hinreichend vorhanden ſind. Es iſt kein Grund vor— handen, ſie auf andere Weiſe erziehen zu wollen, ſobald ge⸗ nugſam natuͤrlicher Anflug zu erhalten iſt. Die Erle auf dieſe Art zu erziehen, iſt ſelten ausfuͤhr⸗ bar. Nicht gerechnet, daß der Boden, den die reinen, ausge⸗ dehntern Erlenbeſtaͤnde einnehmen, gewoͤhnlich uͤberſchwemmter Bruchboden iſt, auf dem kein Samenkorn aufgehen, keine junge Pflanze wachſen kann, ſo ſind auch der Graswuchs und das Auffrieren des nicht uͤberſchwemmten Bodens ſchwer zu beſie⸗ gende Hinderniſſe. Dazu koͤmmt noch, daß bei dem ſehr bru⸗ chigen Holze der Aushieb der alten Samenbaͤume die jungen Beſtaͤnde mehr, als von irgend einer andern Holzgattung be— ſchaͤdigt werden, ſo daß man in der Regel da, wo man die Verjuͤngung der Erlenbeſtaͤnde nicht durch Stockausſchlag be⸗ wirken kann, lieber zur leichten und ſichern Pflanzung ſeine Zuflucht nimmt, als daß man auf den ſehr unſichern Sa⸗ menanflug rechnet. Wo dieſer ſich jedoch erwarten laͤßt, iſt kein Grund vorhanden, dies nicht zu benutzen, oder auf ſeine Erzeugung hinzuarbeiten. Die Kiefer fliegt haͤufig ſehr leicht an, und wo man das Stockholz entweder gleich bei dem Anhiebe des Ortes bis auf das der Samenbaͤume roden kann, oder dies wohl auch wenig Werth hat, wuͤrde es unrecht ſein, ſich unnoͤthige Koſten zu machen und auf den von ſelbſt erfolgenden Anflug Verzicht zu leiſten. Wo der bloßgelegte Boden fluͤchtig werden koͤnnte, waͤre dies ſogar gefaͤhrlich. Wo aber der Anflug unſicher, langſam und in großen Zwiſchenraͤumen erfolgend iſt, der — 229— Schlag lange licht geſtellt liegen muß, das Ausruͤcken des Holzes hoch zu ſtehen koͤmmt, das Stockholz Ertrag verſpricht, der in Samenſchlaͤgen verloren gehet, oder durch ſpaͤtere Ro⸗ dung Schaden zu entſtehen drohet, wo durch Verbindung der Ackerkultur mit der Saat wenig oder gar keine Koſten entſte— hen, da iſt es ſehr unvortheilhaft, auf die natuͤrliche Verjuͤn⸗ gung der Kiefer zu beſtehen, indem der Wuchs der freien Saa⸗ ten immer bemerkbar beſſer iſt, als der in irgend dunkeln Schlaͤgen. Die Beſamungsſchlaͤge in Fichten haben ſchon viel Streit unter den Forſtmaͤnnern erregt, indem ein Theil ſie fordert, der andere ſie verwirft und den Anbau aus der Hand vorziehet. Daß die Erziehung der Fichten in Beſamungs⸗ ſchlaͤgen in vielen Faͤllen ausfuͤhrbar iſt, kann nicht gelaͤugnet werden, viele Beiſpiele am Thuͤringerwalde und im Erzgebirge beweiſen es. In ſehr rauhen Gebirgsgegenden, wo bei kah— lem Abtriebe die Wiederherſtellung der Beſtaͤnde unſicher wird, moͤchte deshalb wenigſtens ein Verſuch, dies durch ſie zu be— wirken, unbedingt zu empfehlen ſein. Wo jedoch Saat oder Pflanzung ſicher iſt, da duͤrfte dieſe gewiß den Vorzug ver— dienen, da die Beſamungsſchlaͤge in Fichten immer mehr oder weniger ein unſicheres Gelingen der Wiederkultur, und ſelbſt dann noch viele eigenthuͤmliche Nachtheile haben. Dieſe ſind: 1) Der ſtete Windbruch auf den durchhauenen Schlaͤgen. Man meint zwar: ein Windbruch gehe nicht verloren, und ſelbſt in dem Falle, wenn der ganze Schlag umgeworfen wuͤrde, kaͤme man erſt eben ſo zu ſtehen, als bei dem gleich Anfangs erfolgten Kahlhiebe— dies iſt jedoch wohl keine ganz richtige Anſicht. Haͤufig werden Staͤmme, die vom Winde gebrochen ſind, ſo beſchaͤdigt gefunden, daß das darin vor⸗ handene Nutzholz verloren gehet. Die einzelnen, oft mitten im Sommer bei Gewitterſtuͤrmen, von Zeit zu Zeit umbre⸗ chenden Staͤmme ſind ſelten ſchnell und gut genug abzuſetzen, verderben, erſchweren die Kontrolle und Aufſicht, laſſen die — 230— Holzhauereien nie aufhoͤren, werden bei der Gewinnung und der Abfuhre koſtbarer, geben leicht Veranlaſſung zur Vermeh⸗ rung des Borkenkaͤfers, und thun auch oft durch das Aus⸗ reißen ſchon vorhandener Pflanzen Schaden, da man nicht immer im Stande iſt, den gebrochenen Stamm ſchnell genug abzuſchneiden, ſo daß der Stock wieder zuruͤckklappt, 2) Der Verluſt an Stockholz iſt ſehr betraͤchtlich, da man dies wegen der flachlaufenden Wurzeln, die große Verbreitung haben, um nicht die ſtehenden Baͤume locker zu machen und anzuroden, eben ſo wenig nach, als vor dem Abfalle des Sa⸗ mens benutzen kann. 3) Da der Fichtenſame nur in laͤngern oder kuͤrzern Zwi⸗ ſchenraͤumen geraͤth, ſo entſtehen dadurch folgende Nachtheile fuͤr die Wirthſchaft in Beſamungsſchlaͤgen: a, Vergroͤßerte Gefahr des Windbruchs, indem bei dem langen Ausbleiben der Samenjahre betraͤchtliche Flaͤchen durch⸗ hauen werden muͤſſen, um den Abgabeſatz zu erfuͤllen. b. Schwierigkeit bei ausfallenden Samenjahren und der Nothwendigkeit, die angehauenen Orte ziemlich dicht zu ſtel⸗ len, dieſen zu erhalten, bei erfolgtem Samenabfalle wieder die entgegengeſetzte dem Lichtbeduͤrfniſſe der Fichte raſch genug zu genuͤgen, ohne den etatsmaͤßigen Holzeinſchlag zu uͤberſteigen. c. Ungleicher Beſtand, von den verſchiedenen Samenjah⸗ ren herruͤhrend, der fuͤr den Wuchs der Fichte ſehr nach⸗ theilig iſt. 4) Wenn die Schlaͤge, vielleicht durch Windbruch theil⸗ weis licht geſtellt, einmal anfangen zu verraſen, ſo wird die Kultur ſchwieriger, als wo der Anbau dem Abtriebe gleich an⸗ fangs Schritt vor Schritt folgt. 5) Bei dem vielen Nutzholze, welches die Fichte giebt und was in den Beſamungsſchlaͤgen nicht gearbeitet werden kann, den ſtarken Holzmaſſen, welche gute Beſtaͤnde uͤberhaupt geben, wuͤrden die Ausruͤckerloͤhne des Holzes, zumal in Ge⸗ —-— 231— birgen, haͤufig allein mehr betragen, als die in der Regel ver⸗ haͤltnißmaͤßig geringern Koſten des Anbaues aus der Hand. Dieß hat mit Recht die Veranlaſſung gegeben, daß man in vielen Gegenden, z. B. im Harze und dem ſchleſiſchen Ge⸗ birge, auf die Erziehung der Fichten in Beſamungsſchlaͤgen ganz Verzicht thut, und auch in anderen ſie nur theilweis dadurch zu bewirken ſucht. In den Staatsforſten darf man auch nicht vergeſſen, daß, wenn durch Kulturarbeiten nur irgend ein Gewinn er⸗ halten wird, die dafuͤr aufgewandten Kulturkoſten keine Na⸗ tionalausgabe ſind, ſondern nur ein Arbeitsaufwand, durch deſſen Erſparung dem Volke in der Regel kein Vortheil er⸗ wachſen wuͤrde, vielmehr ein reeller Gewinn verloren gehet. Die Weißtanne muß zwar in Beſchattung erzogen wer⸗ den, doch haben die Beſamungsſchlaͤge noch nicht immer guͤn⸗ ſtigen Erfolg gehabt, und es ſcheint beinahe, als wenn ihre Erziehung in einer geregelten Plenterwirthſchaft ſicherer waͤre. Allgemeine Anſichten und Regeln uͤber die Behandlung der Beſamungsſchlaͤge. Wenn gleich jede Holzgattung ein beſonderes Verfahren, ſowohl fuͤr die Stellung vor dem Abfall des Samens, als nachher bedingt, ſo laͤßt ſich doch auch Manches theils einer allgemeinen Anſicht unterwerfen, theils bleiben ſich einige Re— geln in der Anwendung ſtets gleich. Dieſe wollen wir zuerſt anfuͤhren, bevor wir zum Beſondern uͤbergehen. Es bieten ſich dabei folgende Gegenſtaͤnde zur Eroͤrterung dar: 1) Wie groß die Flaͤche ſein muß, die bei dem erſten An⸗ hiebe in Betrieb genommen werden darf?— 2) Die Behandlung des Vorbereitungſchlags, a. um den Boden fuͤr die Beſamung empfaͤnglich zu machen— b. die Baͤume zum Samentragen zu bringen. — 232— 3) Die Stellung des Dunkelſchlags zur vollen Ueber⸗ ſtreuung des Bodens mit Samen. 4) Die Auslichtung und Ausbringung der Samenbaͤume. 5) Der Abtrieb und das Ueberhalten einzelner Staͤmme. 6) Die Durchforſtung und Ergaͤnzung der jungen, reinge⸗ hauenen Schonungen. Zu 1. Indem man das Holz bei Stellung eines Sa⸗ menſchlages nicht rein abtreibt, ſondern nur einen Theil weg⸗ nimmt, muß man zur Erfuͤllung des Abgabeſatzes eine Flaͤche in Anhieb nehmen, worauf mehr Holz ſtehet, als dieſer be⸗ traͤgt. Die Samenjahre treten eben ſo wenig immer gleich ein, nachdem die Stellung des Samenſchlages erfolgte, als der wirklich abfallende Same immer ſogleich einen vollen Be⸗ ſtand erzeugt, oder die aufgegangenen Pflanzen eine bald da⸗ rauf folgende Lichtung ertragen, ſo daß man genoͤthigt iſt, die Durchhauungen fortzuſetzen und von neuem eine Flaͤche in Beſamungsſchlag zu ſtellen. Das einfachſte Verfahren iſt hierbei: daß man die Rich⸗ tung, in welcher der Hieb gefuͤhrt werden ſoll, die Reihen⸗ folge, in der die Beſtaͤnde zur Benutzung kommen muͤſſen, feſtſett— die Stellung des Schlages ganz nach den Grund⸗ ſaͤtzen der Holzzucht bewirkt, und die Groͤße der in Betrieb zu nehmenden Flaͤche von dieſer richtigen Stellung und dem zu erfuͤllenden Abgabeſatze, zuerſt abhaͤngig macht. Im Fall des Ausbleibens der Samenjahre, oder wenn man in den be⸗ ſamten Orten nicht holzen kann, reihet man ſo Schlag an Schlag, wobei jedoch die nicht zu uͤberſchreitende Grenze ſo gezogen wird: daß man in den Vorbereitungs⸗, Dunkel⸗, Licht⸗ und Abtriebs⸗Schlaͤgen niemals eine groͤßere Holzmaſſe ſtehen haben muß, als die noͤthige Lichthauung und Freiſtellung der jungen Pflan⸗ zen, mit Innehaltung des nachhaltigen Abgabe⸗ ſatzes geſtattet. — 233— Um dies uͤberſehen zu koͤnnen, beſtimmt man: a. die Zeit, welche im Durchſchnitte von dem erſten Auf⸗ gehen der Pflanzen bis zur gaͤnzlichen Freiſtellung derſelben verfließen muß— b. ſpricht die in den angehauenen und in Betrieb ge⸗ nommenen Schlaͤge hinſichts der in ihnen befindlichen Holz⸗ maſſen an— c. vergleicht dieſe Holzmaſſen mit dem beſtimmten nach⸗ haltigen Abgabeſatze, um dadurch zu ermitteln, ob dieſer die Lichtſtellung und Abraͤumung der im Betriebe ſtehenden Orte in einer Zeit, wie es das Beduͤrfniß der Pflanzen erfor⸗ dert, erlaubt. Beiſpiel. Man ſoll nach Maßgabe der Oertlichkeit annehmen koͤnnen, daß ſpaͤteſtens in 15 Jahren ein Buchen⸗ ſchlag, vom Jahre ſeiner Beſamung an gerechnet, ganz frei⸗ geſtellt ſein muß, ein Kieferſchlag in 5 Jahren; der jaͤhrliche Abgabeſatz iſt 1000 Klafter; ſo duͤrfen in ſaͤmmtlichen Schlaͤ⸗ gen, welche ſo beſchaffen ſind, daß entweder der abfallende Same darin ſogleich aufgehen kann, oder worin ſchon Pflan⸗ zen ſtehen, nicht mehr als 15000 Klafter in Buchen, 5000 Klaf⸗ ter in Kiefern ſtehen, um mit dem Aushiebe dem Lichtbeduͤrf⸗ niſſe der Pflanzen folgen zu koͤnnen. Im Fall dieſe Holzmaſſe ſchon in den Schlaͤgen ſtehet, die Samenjahre bleiben immer noch aus, der jaͤhrliche Abga⸗ beſatz muß aber erfuͤllt werden, ohne daß man die im Be— triebe ſtehenden Orte dazu benutzen kann, ſo ſucht man ihn zu erfuͤllen: a. aus der fuͤr ſolche Zeitpunkte aufgeſparten Durchfor⸗ ſtung— b. durch einſtweilige Vorgriffe in Holzgattungen und Wirthſchaftstheilen, wo dies weniger Nachtheil verurſacht, z. B. im Mittel- und Niederwalde, die man nach erfolgten Samen⸗ jahren, wo die Samenſchlaͤge viel Holz liefern, wieder verhaͤlt⸗ nißmaͤßig ſchont— — 234— c. in Holzgattungen, die dies geſtatten, wie Kiefern und Fichten, durch kahlen Abtrieb einiger, ſich dazu am mehrſten eignenden Orte und nachherigen Anbau aus der Hand. d. Durch eine ſo ſchwache Durchhauung der noch vollen Beſtand habenden Orte, daß ſie mehr einer Durchforſtung gleicht und der Boden noch voll beſchirmt bleibt, wobei ſich von ſelbſt verſtehet, daß dies ſich nur auf die in der naͤchſten Zeit zum Hiebe kommenden Beſtaͤnde erſtrecken darf, um den Zu⸗ wachs der noch laͤngere Zeit ſtehen bleibenden nicht zu ſchwaͤchen. Das Holz, welches in ſolchen Vorbereitungsſchlaͤgen ſte⸗ het, die noch auf keine jungen Pflanzen rechnen laſſen, koͤmmt bei der Berechnung der in den Schlaͤgen ſtehenden Holzmaſſe nicht in Betracht. Unter Verhaͤltniſſen, wo die Samenjahre nur in ſehr lan⸗ gen Zwiſchenraͤumen eintreten, wo die Erziehung junger Pflan— zen ſehr ſchwierig iſt, wird ein anderes Verfahren eintreten muͤſſen. Wir rechnen hierzu: Sehr rauhe Gebirgsgegenden fuͤr Buchen, die Kuͤſten und kleinen Inſeln der Oſt- und Nord⸗ ſee fuͤr dieſelbe Holzgattung, die Fichten an der Vegetations⸗ grenze des Holzes in hohen Gebirgen, die Weißtanne unter allen Verhaͤltniſſen, die Kiefern am Rande der Duͤnen, wo Verſandungen von der Seeſeite zu fuͤrchten ſind, oder Duͤ⸗ nenſand, hohe Sandruͤcken, den Boden bilden. Fuͤr alle dieſe Faͤlle iſt es ſicherer, die Samenſtellung mit der regelmaͤßigen Plenterwirthſchaft ſo zu combiniren, daß man eine Flaͤche in Anhieb nimmt, welche in Buchen und Weißtannen den jaͤhrlichen Abgabeſatz 20 bis ſelbſt 30 fach, in Kiefern und Fichten 10 bis löfach enthaͤlt. Dieſe wird nach und nach, jedoch mehr fleckweis, dergeſtalt durch⸗ hauen, daß der Boden uͤberall ſo geſchirmt bleibt, daß er we⸗ der verraſen, noch fluͤchtig werden, noch ſeine Dammerden⸗ ſchicht verlieren kann, und nur gerade ſo viel Licht und Luft iſt, daß bei eintretenden Samenjahren der Same aufgehen kann, und die jungen Pflanzen ſich etwa Ein Jahr zur Fort⸗ zucht tauglich erhalten. Tritt dann ein ſolches ein, was unter dieſen Verhaͤltniſſen haͤufig nur in Bezug auf einzelnen Baͤumen ſtattfindet, ſo durchhauet man die Stellen, auf de⸗ nen Pflanzen bemerkbar werden, dergeſtalt, daß nur ihre Er⸗ haltung, und daß ſie nicht ganz verdaͤmmt werden, geſichert iſt, ohne ſich daran zu kehren, daß auf dieſe Weiſe der junge Beſtand im Anfange nur horſtweis entſtehet. Man ſchreitet dann nach und nach mit der horſtweiſen Auslichtung, dem nachhaltigen Abgabeſatze gemaͤß, ſo vor, wie es das Beduͤrf⸗ niß der Lichtſtellung der Pflanzen und die Sicherung gegen Froſt, Flugſand ꝛc. geſtattet. Bei beiden Methoden ſtellt man wieder Vorbereitungs⸗ und Dunkelſchlaͤge in noch unangehauenen Orten, ſobald ſich die Holzmaſſe in den ſchon im Betriebe ſeienden Orten der⸗ geſtalt vermindert, daß man zu uͤberſehen vermag, man werde auch in neu anzuhauenden Orten, wenn ſie beſamt werden, zu rechter Zeit mit dem Hiebe folgen koͤnnen. Mit andern Worten, man ſucht gern die Klafterzahl voll zu erhalten, die, den angenommenen Grundſaaͤtzen gemaͤß, in den Betriebsſchlaͤ⸗ gen vorhanden ſein ſoll.— Zu 2. Man kann einen Vorbereitungsſchlag nach der doppelten Anſicht ſtellen, um den Boden fuͤr die Beſamung empfaͤnglich zu machen— um die Baͤume zum Samentragen zu bringen— in beiden Faͤllen rechnet man darauf, daß er noch eine Zeit lang, ſelbſt bei Eintritt eines Samenjahres, ohne zureichende Pflanzen bleiben wird. Der Boden kann als unempfaͤnglich fuͤr die Beſamung betrachtet werden: a. In Buchen und Fichten, wenn in ſehr geſchloſſenen Beſtaͤnden eine ſo hohe Laubſchicht oder Bedeckung von un⸗ vollkommnem Humus vorhanden iſt, daß die Wurzel der auf⸗ gehenden Pflanze entweder in dem leicht austrocknenden, der Ernaͤhrung unfaͤhigen obern Bodenbedeckung bleibt, oder der — 236— Same auch wohl gar nicht aufgehen kann, weil das Samen⸗ korn der Fichte auf der trocknen, zu dicken Nadelbedeckung liegen bleibt, die Buchel bei weichen Wintern im naſſen Laube vermodert. Der Zweck des Vorbereitungsſchlages iſt dann, dadurch, daß man der Sonne und Luft mehr Zutritt ver⸗ ſchafft, den Blattabfall durch Wegnahme eines Theils der Baͤume vermindert, das zu viele Laub und den unvollkomm⸗ nen Humus wegzuſchaffen. Vorausgeſetzt, daß der unvoll⸗ kommne Humus nur wegen noch nicht genug vorgeſchrittener Faͤulniß unvollkommen iſt, ſo erreicht man ſeinen Zweck bald, wenn die Zweigſpitzen der Buchen und Fichten 8 bis 15 Fuß auseinander gebracht werden, und der volle Schluß auf dieſe Weiſe unterbrochen wird. Nie darf die Stellung des Schla⸗ ges ſo licht ſeyn, daß eine Verraſung zu befuͤrchten waͤre. Sobald als das Gras anfaͤngt ſich zu zeigen, in einzelnen Halmen bemerkbar wird, ohne den Boden ganz zu decken, ſich vollkommen auszubilden, kann man annehmen, daß der Vorbereitungsſchlag fuͤr den beabſichtigten Zweck richtig ge⸗ ſtellt ſei. Man wird wohlthun, vor der Stellung deſſelben im Forſte Orte aufzuſuchen, wo dies der Fall iſt, um daraus die paſſende Entfernung der Baͤume beurtheilen zu koͤnnen. b. In Kiefern iſt haͤufig der Boden mit Mooſen, Hei⸗ delbeeren(Vaccinium myrtillus), Heidekraut(Erica vulga- ris) und aͤhnlichen, einen maͤßigen Schatten ertragenden Ge— waͤchſen, ſelbſt in ziemlich geſchloſſenen Beſtaͤnden, bedeckt, welche theils das zur Erde Kommen des Samens, theils das Gedeihen der aufgehenden Pflanzen verhindern. Die Wundmachung des Bodens durch Menſchenhaͤnde, iſt eben ſo oft dabei wegen der dadurch entſtehenden Koſten unthunlich, als unnoͤthig, indem dieſe Bodenbedeckung von ſelbſt verſchwindet, ſobald man ſie der Einwirkung der Sonne und Luft freiſtellt, d. h. die Zweig⸗ ſpitzen der Baͤume 20 bis 30 Fuß auseinander bringt, was in dieſem Falle ohne Gefahr geſchehen kann. Schon im zwei— ten oder dritten Jahre wird dann der Boden gewoͤhnlich von — 237— ſelbſt hinreichend wund.— Nadeln bedecken in haubaren, Sa⸗ men tragenden Kieferorten den Boden nie ſo ſehxgidaß da⸗ durch das Aufgehen des Samens verhindert wuͤrde, wohl aber in Fichten, wo ſie aufgerecht werden muͤſſen. In Eichen und Weißtannen hat man dieſe Art der Vor⸗ bereitungsſchlaͤge nicht noͤthig, bei letztern hackt man den Bo⸗ den lieber auf. In Birken und Erlen koͤnnen ſie zwar noͤthig werden, erzeugen aber gewoͤhnlich eine noch viel ſchaͤdlichere Verraſung, wenn man zu ihnen ſeine Zuflucht nehmen muß. Sehr geſchloſſen ſtehendes, noch junges Holz, vorzuͤglich auf etwas feuchtem Boden, traͤgt oft ſehr ſelten und auch dann nicht hinreichenden Samen. Durch eine Unterbrechung des Schluſſes, eine Freiſtellung der dominirenden Staͤmme mit den ausgebildeſten Wipfeln, ſo daß die Sonne und Luft frei darauf einwirken kann, befoͤrdert man die Neigung und Faͤhigkeit zum Samentragen. Dies geſchiehet in einem noch viel hoͤhern Grade, wenn man bei aſtreichen Baͤumen ein ſchwaches Ausaͤſten der untern Zweige damit verbinden kann. Es vergehet jedoch ſtets eine geraume Zeit, bevor man ſeinen Zweck erreicht, und da, wenn dies geſchehen iſt, gewoͤhnlich der Schlag ſo verangert und verwildert erſcheint, daß der Sa⸗ menabfall ohne Wundmachung nicht mehr hilft, ſo iſt dieſe Art von Vorbereitungsſchlaͤgen nicht zu empfehlen, und in der Regel wird dabei nur ſehr ſelten auf die Erziehung guter Be⸗ ſtaͤnde zu rechnen ſein. Zu 3. Die Stellung des Dunkelſchlages, um den Schlag voll mit Samen uͤberſtreut zu erhalten, kann ſehr verſchieden ſein, je nachdem die Baͤume mehr oder weniger Samen tragen, und ſich dieſer weit, oder nur in geringer Entfernung vom Baume verbreitet, ſelbſt nachdem von nahe ſtehendem Holze außerhalb des Schlages Unterſtuͤtzung bei der Beſamung zu erwarten iſt oder nicht. Aeltere frei erwachſene Baͤume, welche einen voll ausgebildeten Wipfel haben, tragen in der Regel — 238— mehr Samen, als die im vollen Schluſſe ſtehenden; die, welche gedruͤckt ſtanden, bringen am allerwenigſten. Das junge Holz, welches erſt angefangen hat, Samen zu tragen, iſt dazu noch weniger geſchickt, als das vollkommen mannbare; der trockne Boden erzeugt reichlicher Fruͤchte, als der feuchte. Bei ein und derſelben Holzgattung kann man daher bald mehr, bald weniger Baͤume beduͤrfen, um eine hinreichende Samenmenge zu erhalten. Sind die Verhaͤltniſſe ſo, daß man nur auf wenig Samen rechnen kann, ſo haͤlt man wo moͤglich bis zum Abfall deſſelben den Schlag ſchon deshalb dunkler, als man thun wuͤrde, wenn man das Ge⸗ gentheil erwarten koͤnnte, ſtellt ihn dann aber bald nachtraͤg⸗ lich ſo licht, als es das Lichtbeduͤrfniß der aufgehenden Pflanzen verlangt. Es koͤmmt aber nicht bloß auf die hinreichende Menge von Samen an, ſondern auch darauf, daß er gleichmaͤßig uͤber den Schlag verbreitet werde. Die ſchweren Samenarten, als Eicheln und Bucheln, fallen am wenigſten entfernt vom Stamme ab, und die Verſchleppung und Verbreitung derſel⸗ ben durch Maͤuſe, Eichhoͤrnchen und Holzheher iſt doch zu unſicher, um ſehr darauf rechnen zu koͤnnen. Eher kann man an den ziemlich ſteilen Bergen auf das Herabrollen und Sprin⸗ gen des Samens zaͤhlen. Auch werfen lange ſchlanke Staͤmme den Samen weiter, als kurze ſtaͤmmige. Selbſt im unguͤnſtigſten Falle, d. h. wo ſehr ſtarke Baͤume mit tiefgehenden Aeſten auf der Ebene ſtehen, und zuffaͤllig um die Zeit des Samenabfalls keine ſtarken Winde wehen, verbreitet ſich doch der Same regelmaͤßig 4 bis 5 Schritt weit uͤber die Traufe der aͤußern Zweigſpitzen, indem er ent⸗ weder vom Winde uͤber dieſelbe geſchleudert wird, oder auch wohl, indem die Eicheln und Bucheln auf Aeſte fallen, uͤber ſie hinausſpringen. Beachtet man dabei, daß, ſelbſt wenn eine Luͤcke von mehreren Schritten breit entſtaͤnde, wo keine — 239— Samenlhoͤrner hinfallen, dies noch gar kein Hinderniß der Er⸗ ziehung eines ſich zur rechten Zeit ſchließenden Beſtandes ſeyn wuͤrde, ſo wird der Satz gerechtfertigt erſcheinen, daß bei vol⸗ ler Maſt die Zweigſpitzen der Baͤume wohl 20 Fuß aus ein⸗ ander ſeyn duͤrfen, ohne daß man Gefahr dadurch lief, nicht den ganzen Schlag voll uͤberſtreuet zu erhalten. Betraͤchtlich weiter, außerhalb der Traufe der Staͤmme, wird bei dieſen Holzgattungen die Frucht von ſchlank aufgewachſenem mittel⸗ wuͤchſigem Holze geworfen, indem der Wind, der gewoͤhnlich dieſelbe abwirft, ihre Kronen mehr beugt und ſie dadurch wei⸗ ter fortſchleudert. Man kann in dieſem Falle ſicher darauf rechnen, den Samen noch 6 bis 8 Schritt außerhalb der Schirmflaͤche des Mutterbaumes verſtreuet zu finden. Am weiteſten wird er an ſteilen Haͤngen ohne Laub, Gras und Geſtraͤuch verbreitet, indem, die Eicheln noch mehr wie die Bucheln, bei dem Abfalle oft ziemlich weit am Berge herun⸗ terrollen. In den Winden ausgeſetzten Freilagen vertheilt ſich der Same auch weiter, als in engen Thaͤlern und geſchuͤtz⸗ ten Orten. Der gefluͤgelte Same fliegt deſto weiter umher, je leichter er iſt. Weniger weit die Frucht der Hainbuche, des Ahorns, als die der Kiefer, Fichte, oder gar der Birke und Pappeln. Die naͤhere oder weitere Verbreitung iſt mehr von Zufaͤlligkei⸗ ten abhaͤngig, und deshalb weniger regelmaͤßig, als bei der Buche und Eiche, z. B. vom ſtaͤrkern oder ſchwaͤchern Luft⸗ zuge waͤhrend des Samenabfalles, von der freien oder geſchuͤtz⸗ ten Lage, ſelbſt vom wechſelnden oder gleichbleibenden Wind⸗ ſtriche wird oft die volle und gleichmaͤßige Ueberſtreuung des Schlages bedingt. Man kann jedoch bei den ſchwereren ge⸗ fluͤgelten Samenarten, vorausgeſetzt, daß alle, oder doch die Mehrzahl der Baͤume Frucht bringen, in jedem Falle dieſer noch gewiß ſeyn, wenn die Mutterbaͤume auch noch 15 bis 20 Schritt mit den Zweigſpitzen aus einander ſtehen; bei den leichtern Samen iſt ſie in dieſem Falle noch bei einer Ent— — 240— fernung von 20 bis 30 Schritten ſicher. Da jedoch ſelten auf ſo viel Samen zu rechnen iſt, daß jeder Baum ſolchen trug, ſo laͤßt man haͤufig die Stellung etwas dichter. Zu 4. Bei dem erſten Anhiebe wird vorzuͤglich folgendes Holz, in ſofern es weder zur Beſchuͤtzung der jungen Pflanzen (als Schutzbauung), noch zur Samenſtellung bedurft wird, weggenommen; wobei die Regel iſt, zuerſt lieber etwas weni⸗ ger Holz wegzuhauen und durch Nachhauen, wenn erſt der Schlag ſich beſſer uͤberſehen laͤßt, die richtige Stellung zu bewirken. a. Diejenigen Holzgattungen, welche nicht nachgezogen werden ſollen. b. Die Baͤume zweiter und dritter Groͤße, welche gedruͤckt und von andern uͤberwachſen ſind, vorzuͤglich dann, wenn ſie ſtarke, niedrige und deshalb verdaͤmmende Kronen haben. c. Die ſtarken Nutzholzſtaͤmme, deren Aufarbeitung und Ausbringung in dem mit Pflanzen beſtandenen Schlage viel Schaden thun wuͤrde. d. Die großen Hauptbaͤume mit verdaͤmmenden Kronen, in ſo fern dies die richtige Schlagſtellung irgend geſtattet. e. Hat man die Wahl zwiſchen mehreren Baͤumen, ſo laͤßt man die am liebſten ſtehen, die durch die regelmaͤßigſte hochangeſetzte Krone, durch die darunter liegenden Zapfen oder Kapſeln den mehrſten Samen verſprechen, am wenigſten Scha⸗ den durch Verdaͤmmung thun, und die, welche keine ſtarke, ſehr flachlaufende, dem Auge bloßliegende Wurzelverbreitung haben. f. Die Mitte des Schlages wird gern etwas lichter ge— halten, als die Raͤnder, vorzuͤglich haͤlt man ſolche Baͤume am erſten uͤber, die an Wegen und Geſtellen ſtets ohne gro⸗ ßen Schaden zu bekommen ſind. g. Wo Windbruch zu fuͤrchten iſt, werden die von Jugend auf raͤumlich erwachſenen Baͤume beſonders zu Samenbaͤumen gewaͤhlt, weil ſie den Angriffen des Sturmes am beſten widerſtehen. h. Der Schlag muß forgfaͤltig von allem verdaͤmmenden Unter⸗ n Unterholze, welches weder als Schutzholz, noch zur Ergaͤn⸗ zung von Luͤcken benutzt werden kann, geraͤumt werden. Doch haͤlt man die Raͤnder in Buchen, wo der Wind das Laub wegwehen koͤnnte, die Sandberge, wo Flugſand zu fuͤrchten iſt in Kiefern, die ſehr rauhen Hoͤhen in Fichten gern ſo lange dicht gedeckt, bis die Naͤumung durchaus noͤthig wird, weil ſonſt die jungen Pflanzen Schaden leiden wuͤrden. Ueberhaupt iſt in vielen Faͤllen Unterholz noch ſehr gut als Schutzmittel, und bedingt bei einigen Holzgattungen auch zur Ausfuͤllung von Luͤcken zu benutzen, wovon an ſeinem Orte naͤher gehandelt werden wird. Auch fuͤr den Aushieb der ſchon beſamten Schlaͤge laſſen ſich, abgeſehen von dem ſehr verſchiedenen Lichtbeduͤrfniſſe der jungen Pflanzen, einige allgemeine Regeln geben, die hier kurz zuſammengefaßt folgen moͤgen. a. Niemals ſtrebe man nach einer, uͤber den Schlag gleich und regelmaͤßig vertheilten Stellung der bleibenden Schutzbaͤume, ſondern nehme ſie weg, oder laſſe ſie ſtehen, wie es der Boden, Wuchs und das Lichtbeduͤrfniß der zu be⸗ ſchuͤtzenden Pflanzen zu erkennen geben, ſollte gleich dabei eine horſtweiſe unregelmaͤßige Gruppirung der Baͤume erfolgen. b. Wenn unter dem Schirme einzelner ſtark belaubter Staͤmme entweder gar keine, oder doch ſehr kuͤmmernde Pflanzen ſtehen, ſo muͤſſen dieſe nicht noch laͤnger uͤbergehalten werden, um Aufſchlag, oder Anflug unter ihnen zu erwarten, oder aus Furcht die kraͤnkelnden, ſchon vorhandenen, zu fruͤh licht zu ſtellen. Es wird dann entweder die gaͤnzliche Wegnahme ſol⸗ cher Baͤume, oder doch ihre ſtarke Schneidlung unerlaͤßlich. c. Jeder auszuhauende Baum muß mit dem wenigſten Schaden gefaͤllt und abgefahren werden. Dazu iſt: dem Holzhauer ſchon durch die Art des Anſchlags die Stelle anzuweiſen, wo der Stamm hinfallen ſoll; Baͤume, die unter ihrem Schirme nur noch wenig, oder ſchwaches 16 —- 242— junges Holz haben, mit den Aeſten in das Dickigt fallen und viel Schaden thun wuͤden, muͤſſen geaͤſtet werden, ehe man ſie hauet, wogegen dieſes mehr Schaden als Nutzen thun wuͤrde, wenn der entgegengeſetzte Fall ſtattfindet; bei ſtarkem Blachfroſte darf weder Holz gefaͤllt, noch abge⸗ fahren werden. Nur wenn die Pflanzen ganz vom Schnee eingehuͤllt und bedeckt ſind, iſt uͤberhaupt ein Schlag fuͤr den Aushieb und Abtrieb bei ſtarkem Froſte als zugaͤnglich zu betrachten. So lange die Pflanzen noch ganz klein ſind, und wenn das Holz bis zum Ausbruche der Blaͤtter oder Maitriebe ab⸗ gefahren wird, kann es auf Unterlagen im Schlage ſelbſt auf⸗ geſetzt werden. Bei groͤßern Pflanzen und ſpaͤtern Abfuhren, muß man es an die Wege und Geſtelle bringen. In Ge⸗ birgen, auf kurze Entfernungen, in ſehr ſtarken und ſchon aͤltern Dickigten geſchiehet dies bei geſpaltenen Hoͤlzern am beſten durch die Holzhauer mit Schubkarren, Schlitten ꝛr. In Ebenen, bei Entfernungen uͤber 150— 200 Schritt, wo die Pflanzen noch klein ſind, iſt die Ausfuhr durch Zugvieh wohlfeiler, und darum zweckmaͤßiger. Doch muß dies wo moͤglich mit Maulkoͤrben verſehen ſein, die Wagen muͤſſen, wenn es landuͤblich iſt, unbeſchlagene Raͤder mit breiten Felgen haben, um nicht einzuſchneiden. Ganze Staͤmme werden mit⸗ telſt des Lotteiſens oder Schweinskopfes ausgeruͤckt, wovon ſpaͤter naͤher die Rede ſein wird. Das Aufarbeiten des Nutzholzes im Schlage iſt nur dann zu geſtatten, wenn dazu hinreichend raume Stellen vor⸗ handen ſind, die ſpaͤter noch in Beſtand gebracht werden. Die Koͤhlerei nur auf ein fuͤr allemal beſtimmten Kohlſtellen laͤngs den Wegen und Geſtellen. Zu 5. Das Ueberhalten einzelner geſunder, wuͤchſiger, aus⸗ dauernder Staͤmme, um Holz von außergewoͤhnlicher Staͤrke zu Nutzbaͤumen zu erziehen, was in geſchloſſenen Beſtaͤnden gar nicht, oder nur mit großer Aufopferung zu erhalten waͤre, — 243— iſt dringend zu empfehlen, ſobald dies ſtarke Holz bedurft wird, oder mit Vortheil abzuſetzen iſt. Es iſt jedoch dabei zu beachten: a. Daß die Wahrſcheinlichkeit vorhanden iſt, daß der uͤberzuhaltende Baum einen doppelten Umtrieb geſund und ſicher aushalten werde. b. Daß ſein Wuchs von der Art iſt, daß er nicht bloß das verlangte Nutzholz geben kann, ſondern auch nicht ver⸗ daͤmmend wird. c. Daß keine groͤßere Zahl von Staͤmmen uͤbergehalten wird, damit das junge Holz gegen jede Verdaͤmmung ſicher iſt. In Buchen wird man ohne allen Nachtheil Drei bis Vier ſchlank erwachſene Staͤmme pro Morgen ſtehen laſſen koͤnnen, in Eichen Zwei bis Drei, in Kiefern Einen bis Zwei. Fichten eignen ſich nicht zum Ueberhalten, da ſie dem Windbruche zu ſehr ausgeſetzt ſind. Hoͤlzer von kurzer Lebens⸗ dauer, als Birken, Pappeln und dergl., nicht, weil ſie ge⸗ woͤhnlich keinen doppelten Umtrieb aushalten, andere wieder nicht, weil man ſie nicht von ausgezeichneter Staͤrke bedarf, oder ihre Aſtverbreitung zu groß iſt. Bruchboden iſt dazu nicht paſſend, weil das Holz auf ihm nur geringe Lebensdauer hat, flachgruͤndiger wuͤrde es nicht geſtatten, weil daſelbſt der Zuwachs zu zeitig aufhoͤrt. Bei einem langen Umtriebe wird dies Ueberhalten theils weniger noͤthig, theils unausfuͤhrbarer, als bei kurzem. Zu 6. Schon bei der Lichtſtellung und dem Aushiebe des letzten Holzes, muͤſſen die Schonungen genau durchgeſehen werden, um: a. alles verdaͤmmende Strauchholz, welches den beſſer wuͤchſigen Pflanzen nachtheilig werden koͤnnte, wegzunehmen. b. Alle Luͤcken, die ſich zur verlangten Zeit nicht ſchlie⸗ ßen werden, durch Pflanzung zu ergaͤnzen. Nichts iſt fuͤr die Erziehung voller und gleichwuͤchſiger Orte verderblicher, als das eigenſinnige Beharren auf vollſtaͤndige natuͤrliche Be— 16* — 244— ſamung, und deshalb das lange Ueberhalten einzelner Baͤume auf noch unbeſamten Stellen, um auch auf dieſen dadurch noch Pflanzen zu erhalten. Entweder kann unter denſelben bei dichter Belaubung nichts wachſen, oder der Boden ver⸗ liert bei lichter ſeinen Humusgehalt, verwildert und verra⸗ ſet. Das Hauen und Abfahren dieſer lange ſtehenden Baͤume, die bis dahin auf den Wuchs des ſie umgebenden jungen Holzes nachtheilig einwirkten, thut viel Schaden wenn es zu ſpaͤt erfolgt. Wenn ja dieſe einzelnen Stellen noch durch Samenabfall in Beſtand gebracht werden, ſo iſt zu fuͤrchten, daß die daraus erwachſenden, viel juͤngern Pflanzen durch das ſie umgebende aͤltere Holz verdaͤmmt werden. Man wird durch dies Verfahren genoͤthigt, die Schonungen ſehr lange der Weide zu entziehen, und erhaͤlt ſehr große Schonungs⸗ flaͤchen. Die Ausfuhr des Holzes wird koſtbar, und doch muß man oft auf ſtarke Nutzhoͤlzer in den ſtehen gebliebenen Baͤumen verzichten, weil ſie nicht ohne uͤberwiegenden Scha⸗ den herauszuſchaffen ſind. Deshalb kann man als Grundſatz fuͤr gut geordnete regelmaͤßige Wirthſchaften aufſtellen, daß, ſobald ein Beſamungsſchlag zum groͤßten Theile mit jungen, ſchon ziemlich alten Pflanzen in Beſtand gebracht worden iſt, einzelne leer gebliebene Stellen, nach erfolgter Abraͤumung der Samenbaͤume, dergeſtalt durch Pflanzung angebauet wer⸗ den muͤſſen, daß die ganze Schonung in gleichmaͤßigen Schluß gebracht wird, und alles Holz heraufwachſen kann, ohne daß eins das andere verdaͤmmt. Die Behandlung der Beſamungsſchlaͤge, der einzelnen Holzgattungen im Beſondern. Buche. Auf einem durch Streurechen vom Laube und Humus entbloͤßten Boden gedeiht die Buche nur ſchlecht, und iſt dem Erfrieren und Vertrocknen ſehr ausgeſetzt. Es iſt deshalb — 245— wuͤnſchenswerth, daß das, ſuͤr Buchen ohnehin hoͤchſt verderb⸗ liche Streurechen, wenigſtens 10 bis 15 Jahre vor der Stel⸗ lung des Beſamungsſchlages wieder aufhoͤre, wo es uͤblich iſt, um dieſem die noͤthige Laubdecke zu verſchaffen. An den Raͤndern der Buchenwaͤlder, laͤngs der Felder, der Landſeen, in exponirten Freilagen uͤberhaupt, wird das Laub leicht vom Winde weggewehet, die jungen Buchen leiden daſelbſt von Froſt und Hitze, ihre Erziehung wird ohne Sei⸗ tenſchutz ſchwierig. Vortheilhaft fuͤr dieſe iſt es, wenn man noch vor der Samenſtellung dieſe Raͤnder durch einen ausge⸗ ſaͤeten oder angepflanzten Streifen von Nadelholz oder anderm dichten, eine freie Lage ertragendem Holze, in Beſtand bringt, um den erforderlichen Seitenſchutz zu erhalten. Wo die Buchen ſehr licht ſtehen, kann man zwar die mangelnde Beſamung durch Ausſtreuen von Bucheln ergaͤnzen, aber dies erſetzt noch nicht den noͤthigen Schutz, im Fall auch andere Holzgattungen, die als Schutzbaͤume zu gebrauchen ſind, mangeln. Die Anſaat von Hainbuchen, Ahorn, Eichen, Ulmen, Kiefern, ſelbſt Birken, jenachdem der Boden iſt, ſo duͤnn, daß dadurch die Abſicht, dieſe Hoͤlzer nur eingeſprengt zu erziehen, gleich angedeutet wird, erleichtert die Anzucht der Buche ſehr, indem durch das aufſchlagende Holz der Seiten⸗ ſchutz erhalten wird, der den Mangel an Ueberſchirmung ſehr wohlthaͤtig erſetzt. Jedes andere Strauchholz, Haſeln, Kart⸗ riegel, ſelbſt noch ſchlechteres, gewaͤhrt dieſen zwar auch, und man iſt mit der Raͤumung des Schlages davon deſto vorſich⸗ tiger, je lichter die Samenbaͤume ſtehen, aber, wie ſich von ſelbſt verſtehet, man ziehet lieber dazu ſolche Hoͤlzer vor, welche ſich entweder zur Unterſprengung eignen, oder wenigſtens als Durchforſtung eine Nutzung verſprechen. Nur Gewaͤchſe, die horſtweis, buſchweis wachſen, paſſen zu dieſem Seitenſchutze, nicht ſolche, von denen die dichte Ueberziehung des Schlages zu fuͤrchten waͤre. Selbſt Gras, Unkraͤuter jeder Art, die — 246— nur buſchweis, geringe Ausdehnung habend, vorkommen, ſind bei wenig Oberholz eher wohlthaͤtig, als nachtheilig. Durch Weidevieh oder Wildpret verbiſſene Buchenpflanzen, ſelbſt im Schatten verkruͤppelte, erheben ſich noch, letztere bei vorſichtiger, nach und nach erfolgender Freiſtellung, ſobald ſie nur nicht ſchon ganz abſterbend ſind, und wachſen zu brauchbaren Baͤumen heran. Man laͤßt ſie deshalb in einem Maße vorlaͤufig ſtehen, daß ſie das Aufgehen des Buchenſa⸗ mens und das Wachſen ganz junger Pflanzen nicht hindern. Da ſie jedoch immer ſchlechtern Wuchs behalten, als ganz ge⸗ ſund erzogene Staͤmme, ſo hauet man ſie ſpaͤter heraus, ſo⸗ bald geſunde Pflanzen genug vorhanden ſind, um uͤberall einen ſich ſchließenden Beſtand zu bilden. Daſſelbe gilt von den Hainbuchen, die anfangs als Schutzholz oder Luͤckenbuͤßer, wenn die Beſamung unvollkommen werden ſollte, geſchont, ſpaͤter aber, wo ſie entbehrlich werden, unbedingt herausge⸗ hauen werden muͤſſen, wo man nicht abſichtlich, wegen Nutz⸗ holz, dieſe Holzgattung untergeſprengt verlangt. Da von der Stellung des Schlages vor, und bis zu dem Abfalle des Samens ſchon die Rede geweſen iſt, ſo bleibt uns nur noch uͤbrig, von derjenigen zu ſprechen, welche das Aufgehen des Samens, den Schutz, wie das Lichtbeduͤrfniß der Pflanzen verlangen. 1) Stellung nach dem Abfall des Samens, bis zum 2 bis 4jaͤhrigen Alter der Pflanzen. Ungern wirthſchaftet man in einjaͤhrigen Schlaͤgen, und bringt ſie des⸗ halb, wenn es moͤglich iſt, nach dem Abfalle des Samens in eine ſolche Stellung, daß die junge Buche in den naͤchſten 2 bis 3 Jahren nicht vom Schatten leidet. Dahin gehoͤrt unbedingt die Ausaͤſtung niedriger verdaͤmmender Zweige, bis auf 20 und 25 Fuß Hoͤhe des Baumes wenigſtens, der Aus⸗ hieb großer verdaͤmmender Strauchhoͤlzer, die nur noch an den Naͤndern als Schutzwand zu dulden ſind. V — 247— Die Stellung der Samenbaͤume ſelbſt kann verſchieden ſein, nach: a. dem hin und wieder mangelnden Samenabfalle— b. Boden, Klima und Lage des Forſtorts. c. Dem Wuchſe des Holzes. Zu a. Wo der Boden noch keinen Samen empfangen hat, kann man allerdings auch nicht hauen, die Baͤume muͤſ⸗ ſen dann ſo ſtehen bleiben, wie ſie ſtanden. Es iſt aber ein nicht genug zu ruͤgender Fehler, ſich mit ſpreng- oder horſt⸗ weiſer Beſamung zu begnuͤgen, und ſich allen den oben an— gefuͤhrten Nachtheilen plaͤtziger Beſamungen auszuſetzen, oder die Nothwendigkeit koſtbarer Pflanzungen herbeizufuͤhren, da man es jetzt in der Gewalt hat, mit ſehr wenigen Koſten durch Ausſtreuung und Unterhackung von außer dem Schlage geſammelten Samen, die unbeſamt gebliebenen Stellen eben⸗ falls in Beſtand zu bringen, und einen gleichmaͤßigen Auf⸗ ſchlag durch den ganzen Schlag zu erzeugen. Vorzuͤglich in rauhen Gegenden, wo ſelten Maſtjahre eintreten, und dann auch oft nur Sprengmaſt, iſt es von großer Wichtigkeit, den Schlag ſorg⸗ faͤltig durchzugehen, jede Buche, die keinen Samen hat, zu zeich⸗ nen, und dann nnter ihr und um ſie herum den noͤthigen auszu⸗ ſtreuen, mit dem Harken zu uͤberkratzen, oder, beſſer noch, in auf⸗ gehackte Plaͤtze zu ſaͤen und einige Zoll hoch mit Erde zu bedecken. Es iſt dies eine ſehr geringe Aufopferung gegen die vielen Nachtheile lange luͤckig bleibender Schlaͤge.— Zu b. Die Beſchaffenheit des Bodens entſcheidet zuerſt uͤber die Stellung der Baͤume an beſamten Flecken. Durch Schweine umgebrochener, in welchem die Pflanze tief ſtehet, oder doch mit der Wurzel tief in die Erde gedrungen iſt, ge⸗ ſtattet eine etwas lichtere, als wo die Wurzel zum Theil bloß in der obern, vielleicht noch unvollkommenen Humusſchicht befeſtigt iſt. Deshalb, und um die Maͤuſe zu vertreiben, die Inſekten zu zerſtoͤren, behuͤtet man wo moͤglich mit dieſer Vieh⸗ gattung die Schlaͤge ſchon den Sommer hindurch, bevor der — 248— Same abfaͤllt. Selbſt nachher kann man den Eintrieb Mit⸗ tags, wenn die geſaͤttigten Schweine ſtark brechen, geſtatten, im Fall mehr Frucht im Schlage liegt, als zu ſeiner Beſtok⸗ kung mit Pflanzen noͤthig iſt. Das Umhacken wuͤrde von derſelben Wirkung ſein, wenn unſere Forſtwirthſchaft dies ge⸗ ſtattete.— Ein ſehr kahler Boden macht eine dunklere Stel⸗ lung der Baͤume noͤthig als ein folcher, wo die jungen Bu⸗ chen geſchuͤtzt im Graſe, Kraͤutern und Straͤuchern ſtehen. Auf ſtrengem, kaltgruͤndigem Lehmboden ertragen ſie die Ueber⸗ ſchirmung ſtaͤrker als auf trocknem Sandboden, vielleicht be⸗ darf gerade auf dieſem, ſo widerſprechend es auch erfſcheinen mag, dieſe Holzgattung die fruͤheſte Befreiung von unmittel⸗ barer Ueberſchirmung, und verlangt dagegen mehr Seiten ſchutz. Wahrſcheinlich liegt dies darin, daß fie in dieſem trocknen Boden am allerwenigſten den Thau zu ihrer Erhaltung ent⸗ behren kann, den ihr die Ueberſchirmung raubt, und es ihr genuͤgt, durch den Seitenſchutz gegen Froſt bringende und austrocknende Winde geſichert zu ſein. Ein ſehr rauhes Klima, die Naͤhe großer Waſſerflaͤchen, machen eine dichtere Stellung der Baͤume noͤthig, laſſen die Freiſtellung ſpaͤter eintreten, als dies in milden, geſchuͤtzten Gegenden paſſend ſein wuͤrde.— Freilagen, ziemlich ſteil anlaufende Haͤnge, erlauben eben⸗ falls mehr Beſchattung als die Ebene, da an ihnen doch die Pflanze immer noch Luft, Licht und atmosphaͤriſche Nieder⸗ ſchlaͤge eher erhaͤlt. Zu c. Der Wuchs und die Beſchaffenheit des alten wie des jungen Holzes hat ebenfalls Einfluß darauf. Junge, ſchlank und geſchloſſen heraufgewachſene Samenbaͤume mit hoch angeſetzten nicht zu dichten und ſtarken Kronen, koͤnnen dichter ſtehen, als ſehr große dicht belaubte Baͤume mit gro— ßer Aſtverbreitung, zumal wenn dieſe nicht hoch uͤber der Erde ſich ausdehnt. Sehr uͤppig wachſendes, junges Holz bedingt ſtaͤrkere und fruͤhere Freiſtellung, als langſam wachſendes, wo⸗ — 249— bei allerdings nicht unbeachtet gelaſſen werden darf, daß der langfame Wuchs in ſehr vielen Faͤllen Folge der zu ſtarken Beſchattung iſt.— Im Allgemeinen kann man kuͤhn behaupten, daß von den mehrſten Forſtbedienten die Buche, auf guͤnſtigem Boden und im milden Klima, als zu zaͤrtlich angeſehen, und daß ihr deshalb durch zu ſtarke Beſchattung haͤufig Schaden gethan wird, ſo daß fie deshalb langſamer waͤchſt, verzaͤrtelt wird, und dadurch erſt bei nachheriger Freiſtellung leidet. Es iſt ein ganz falſcher Glaube, wenn man waͤhnt, ſie litt Anfangs nicht durch dichte Beſchattung. Schon der Anblick der nach einem Maſtjahre in geſchloſfenen Orten aufgehenden Pflanzen, zeigt vom Gegentheile. In geſchuͤtzter Lage und Boden, mildem Klima, werden nach Abfall des Samens die Zweigſpitzen bis gegen 40 Fuß auseinander gebracht werden koͤnnen, vorzuͤglich wo der Boden mit Strauchholz gedeckt iſt, und nur an den Naͤndern iſt eine dichtere Stellung wuͤnſchenswerth. Unter unguͤnſtigen Ver⸗ haͤltniſſen wird keine dichtere zu verlangen ſein, als 6 bis 10 Fuß Entfernung der Zweigſpitzen. Zwiſchen dieſen Ver⸗ ſchiedenheiten liegen die mannigfaltigen Abſtufungen, den oben bezeichneten Verhaͤltniſſen gemaͤß, inne, indem dieſe als die Extreme angeſehen werden koͤnnen. Bedingung bei einer lich⸗ ten Stellung iſt jedoch, daß der Same nicht bloß liegt, da der hervorbrechende Keim gegen die Einwirkung des Lichtes ſehr empfindlich iſt. Wo dies der Fall iſt, muß die dunklere gewaͤhlt werden. Fuͤr die lichtere Stellung ſpricht im Allgemeinen, daß man darin kraͤftigere, geſundere, ſchnell wuͤchſigere Pflanzen erzieht, die ſelbſt weniger unter der Duͤrre leiden, da ihnen der Thau und ſchwache Regen mehr zu gute koͤmmt. Fuͤr die dunklere, daß darin die Spaͤtfroͤſte weniger gefaͤhrlich ſind, vor allem aber, daß, wenn eine Beſamung mißlingt, was man niemals mit Beſtimmtheit vermeiden kann, man noch — 250— Samenbaͤume genug hat, um den Boden geſchuͤtzt zu er⸗ halten, eine neue Beſamung erwarten zu koͤnnen. Die oͤrt⸗ lichen Verhaͤltniſſe und die Beachtung des Erfolgs des einen oder des andern Verfahrens, muͤſſen entſcheiden, welches man waͤhlt. In den Vorbergen des Harzes und den Buchenwaldungen auf dem ſandigen Boden des noͤrdlichen Deutſchlands, zeigen die lichtern Stellungen immer beſſern Erfolg, als die ſehr dunkeln. 2) Die Lichtſtellung und der Abtrieb des be— ſtockten Schlages. Die Zeit, wo ſie eintreten muß, haͤngt zuerſt von der bisherigen dunklern oder lichtern Stellung ab. Iſt man ge⸗ noͤthigt geweſen, aus irgend einem Grunde viel Holz ſtehen zu laſſen, zeigt ſich ein dringendes Lichtbeduͤrfniß der jungen Pflanzen, ſo muß ein fruͤherer Nachhieb erfolgen, als wo das Gegentheil ſtatt findet. Die Kennzeichen, woraus ſich erſehen laͤßt, ob die Pflan⸗ zen unter dem Schatten leiden, ſind: a. mattgruͤne, weißpunktirte, kleine Blaͤtter, aus denen man vorzuͤglich im Auguſt und September mit Sicherheit auf einen ſchon krankhaften Zuſtand ſchließen kann. b. Ein ſpilleriger Wuchs ohne Seitenaͤſte, mit einer klei⸗ nen Blattkrone in der Spitze, c. ſehr kleine, unvollkommne Spitzknospen, mit dunklem, glaͤnzendem Ueberzuge. Geſunde, kraͤftige Pflanzen wachſen ſtaͤmmiger, buſchig, treiben bald Seitenknospen, zeichnen ſich durch großes, perga⸗ mentartiges Laub ſehr deutlich aus. Da die Auszeichnung des Holzes in den Monaten Au⸗ guſt und September vorgenommen werden muß, wo man die Pflanzen deutlich im Graſe bemerken kann, ſo iſt es bei ei⸗ niger Aufmerkſamkeit nicht ſchwer, ihr groͤßeres Lichtbeduͤrfniß zu erkennen. Haben ſie ſchon ſehr unter der Beſchattung großer dicht belaubter Baͤume gelitten, ſo wuͤrde es unvor⸗ ſichtig ſein, ſie ploͤtich durch Wegnahme derſelben ganz frei — 251— zu ſtellen, man muß ſie dann nach und nach erſt durch Aeſtung an den freieren Stand gewoͤhnen. Die gewoͤhnliche Regel, die Pflanzen Einen Fuß hoch werden zu laſſen, bevor man die erſte Lichtſtellung vornimmt, iſt ganz richtig fuͤr eine hin⸗ reichend lichte Stellung, wo ſie wachſen koͤnnen; ſie kann aber ſehr verderblich werden, in ſo fern dieſelbe ſo dunkel iſt, daß dieſelben viele Jahre kuͤmmern, bevor ſie dieſe Hoͤhe erreichen. Es muß deshalb mehr die Beſchafſenheit der Pflanzen beach⸗ tet werden, als ihre Hoͤhe allein. Gerade die Kraͤnklichkeit derſel⸗ ben, die oft zur laͤngern Dunkelhaltung des Schlages Veranlaſ⸗ ſung giebt, iſt es, welche die nothwendige Lichtſtellung bedingt. Der Boden und das Klima entſcheiden ebenfalls uͤber die fruͤhere oder ſpaͤtere Lichtſtellung. Im friſchen, kraͤftigen Boden erhaͤlt ſich die junge Buche laͤnger in der Beſchattung, als im trocknen. Im rauhen Klima gehet man langſamer und allmaͤhliger zur Freiſtellung uͤber, als im milden. Auf geſchuͤtztem, bewachſenem Boden kann man ſruer und ſtaͤrker holzen, als auf nacktem. Die fruͤheſte Lichthauung, dieſe immer nur auf beſtockte Stellen bezogen, beginnt im zweiten Winter nach erfolgter Beſamung, vorausgeſetzt, daß die erſte Schlagſtellung richtig war, wobei man ſelten mehr als ein Drittheil des vorhande⸗ nen Holzes wegzunehmen wagen darf. Die ſpaͤteſte wird nach 4 bis 6 Jahren eintreten muͤſſen, die ſich dann aber wohl auf die Haͤlfte alles Holzes erſtrecken kann. Kommen im Schlage andere Hoͤlzer, welche eine fruͤhere Lichtſtellung beduͤr⸗ fen, als Eichen, Ahorn ꝛc. vor, ſo muͤſſen die Stellen, wo junge Pflanzen davon ſich zeigen, dem Beduͤrfniſſe dieſer ge⸗ maͤß behandelt werden. Ob man bis zum gandfchens Abtriebe noch eine aber⸗ malige Durchhauung vornimmt, oder ob der Schlag nach der erſten bis zur Abraͤumung ſtehen bleiben kann, haͤngt von mancherlei Umſtaͤnden ab. Eine anfangs ſehr dunkle Stel— lung, ein rauhes Klima, ein Boden, wo die Pflanzen nur ei— — 25⁵52— nen geringen oder auch ungleichen Wuchs zeigen, machen einen allmaͤhligen Uebergang zur gaͤnzlichen Freiſtellung, und mehrma⸗ lige Durchhauungen wuͤnſchenswerth. Das Gegentheil geſtat⸗ tet die Einlegung des Abtriebsſchlages nach einer einmal er⸗ folgten Durchhauung. Außerdem ſind in dieſer Hinſicht noch mitwirkend: Die Nothwendigkeit, z. B. bei Verkohlungsſchlaͤgen, wo moͤglich viel Holz auf einem Flecke einſchlagen zu koͤnnen, und das Vereinzeln der Holzung zu vermeiden— die Moͤglichkeit, bei einem zahlreichen Forſtperſonale ſehr zer— ſtreute Hauungen beaufſichtigen zu koͤnnen, oder wegen Man⸗ gel an Aufſicht die Schlaͤge zuſammenhalten zu muͤſſen. Sobald das junge Holz den Boden vollſtaͤndig deckt und die Hoͤhe von 1 ½ Fuß unter ſehr guͤnſtigen, die von 4 bis 5 Fuß unter unguͤnſtigern Verhaͤltniſſen erreicht hat, bedarf es keiner Beſchirmung mehr, und die gaͤnzliche Abraͤumung des Schlages, bis auf die etwa uͤber zu haltenden Baͤume, kann dann erfolgen. Es ertraͤgt die Buche eine leichte Be⸗ ſchattung allerdings noch laͤnger, allein ohne eine gebieteriſche Nolhwendigkeit; zuweilen durch unverhaͤltnißmaͤßig große Scho⸗ nungsflaͤchen, die nicht geſtatten, mit dem Hiebe zu folgen, herbeigefuͤhrt, muß man das alte Holz nicht laͤnger, als durch⸗ aus noͤthig iſt, im Schlage uͤberhalten. Der junge Aufſchlag wird dadurch ſehr im Wuchſe zuruͤckgehalten, das Ausbringen des Holzes wird deſto nachtheiliger, je groͤßer dieſer iſt, der⸗ ſelbe leidet deſto mehr durch die Freiſtellung, je laͤnger er im Schatten geſtanden hat. Bei der gaͤnzlichen Freiſtellung bekoͤmmt das junge Holz im erſten, und ſelbſt wohl noch im zweiten Sommer, auch wenn es nicht vom Froſte leidet, was haͤufig der Fall iſt, ein krankhaftes Anſehen, eine gelbliche, duͤnne Belaubung. Dies vergehet jedoch wieder, wenn es ſich an den freien Stand ge— woͤhnt hat. Eben ſo zeigt ſich bei ganz geſunden wuͤchſigen Staͤmmen, die frei geſtellt werden, Anlage zur Wipfelduͤrre; — 253— auch dieſe verliert ſich aber wieder, ſobald nur der Boden voll⸗ ſtaͤndig durch das junge Holz gedeckt iſt, und man darf ſich dadurch nicht von dieſer Maßregel, wo ſie ſonſt als zweckmaͤ— ßig erſcheint, abhalten laſſen, zumal da ſie auf den Wuchs des jungen Buchenholzes eher einen wohlthaͤtigen als nach⸗ theiligen Einfluß zu aͤußern ſcheint. Eine ganz erſchoͤpfende Darſtellung einer zweckmaͤßigen Behandlung der Buchenbeſamungsſchlaͤge in einem Buche ge⸗ ben zu wollen, ſcheint uͤbrigens ganz unmoͤglich. Die richtige Verfahrungsweiſe wird ſo ſehr durch Boden, Klima und viele gar nicht ſo beſtimmt zu bezeichnende Verhaͤltniſſe, daß ſie er⸗ kennbar waͤren, beſtimmt, daß nur ein Studium des Forſtes, den man bewirthſchaftet, eine ſorgfaͤltige Beobachtung des Er⸗ folgs jeder Operation den Forſtmann gruͤndlich in dieſer Hin⸗ ſicht belehren kann. Es muß deshalb die zweckmaͤßigſte Be⸗ handlung jedes Buchenwaldes in demſelben ſelbſt ſtudirt werden. Eiche. Die Richtung des Hiebes iſt bei Eichenſchlaͤgen ſorgfaͤlti⸗ ger noch, als bei Buchen, ſo zu fuͤhren, daß ſie wo moͤglich gegen Norden und Oſten geſchuͤtzt ſind, denn da dieſelben weit fruͤher licht gehauen werden muͤſſen, ſo leiden ſie oft mehr durch Froſt, als die jener Holzgattung. Da die junge Eiche bald eine ſehr tief gehende Pfahlwur⸗ zel bekoͤmmt, ſo ſchadet ihr eine ſtarke Laubdecke nur in dem Falle, wo ſich dieſelbe durch Zufall uͤbermaͤßig dick angehaͤuft hat. Selbſt Moos und maͤßiger Graswuchs wird ihr nicht leicht nachtheilig. Saudiſteln und aͤhnliche einzeln ſtehende, nicht dicht beſchattende Gewaͤchſe, ſchuͤtzen ſie ſogar in der er— ſten Jugend ſehr wohlthaͤtig, gleich dem niedrigen, lichten Strauchwerke, in dem ſie ſehr gern heraufwaͤchſt. Die Stellung vor dem Abfalle des Samens iſt in nichts verſchieden von der der Buchenſchlaͤge. Schon im Winter nach demſelben muß aber die Lichtung — 254— betraͤchtlich ſtaͤrker ſein. Vorzuͤglich richtet man ſein Augen⸗ merk darauf, alles verdaͤmmende Holz entweder wegzunehmen, oder doch auszuaͤſten, die ſtarken Baͤume, deren Aufarbeitung im Schlage noͤthig wird, einzuſchlagen, die ſehr großen Stoͤcke zu roden, und in den Stockloͤchern wieder Eicheln einzuhacken. Alles Holz muß ausgeruͤckt werden, die Arbeit im Schlage muß eben ſo, wie in Buchen, beendigt ſein, ſo wie der Same anfaͤngt zu keimen. Da das Wild und viele Thiere die Ei⸗ cheln noch mehr aufſuchen als die Bucheln, ſo iſt, vorzuͤglich bei nicht reichlicher Maſt, darauf zu ſehen, daß der Schlag die noͤthige Sicherung erhaͤlt, damit nicht die Eicheln verloren gehen. Die Ausbeſſerung unbeſamt gebliebener Stellen durch Saat iſt dringend noͤthig, da gerade bei dieſer Holzgattung Beſtaͤnde von ungleichem Alter nie recht vollkommen werden. Selbſt das Einſprengen von Holzgattungen, mit denen die Eiche gut heraufwaͤchſt, duͤrfte ſehr zu empfehlen ſein. Eigentlich iſt eine Beſchirmung der jungen Eichen nicht durchaus noͤthig, wie ſchon die im Freien in irgend geſchuͤtzter Lage vortrefflich gedeihenden Saaten dieſer Holzgattung ge⸗ nugſam darthun. Es iſt jedoch ſelten moͤglich, das Holz alles gleich nach erfolgter Beſamung zugute zu machen, und da die flach liegenden Eicheln, ſo wie die deshalb flacher ſtehen⸗ den jungen Pflanzen, auch weit eher durch Froſt Schaden leiden, als tief untergehackte Saaten, den maͤßigen Schatten ohne weſentlichen Nachtheil noch einige Zeit ertragen, ſo raͤu— met man ebenfalls nur nach und nach das alte Eichenholz ab. Unter guͤnſtigen Verhaͤltniſſen, wo der Boden gut, das Klima mild, die Lage geſchuͤtzt, der Graswuchs nicht zu uͤppig iſt, kann entweder ſchon im naͤchſten Winter nach dem Abfalle des Samens, oder doch ſpaͤteſtens in dem darauf folgenden, wenn die Pflanzen Ein Jahr alt ſind, die Stellung ſo licht ſein, daß die Zweige der Baͤume 30 bis 40 Fuß auseinander kommen. Von dem ſtehen bleibenden Holze darf nichts einen verdaͤmmenden Schat⸗ ten verurſachen. Im zweiten oder dritten Jahre kann die — 255— Haͤlfte des ſtehen gebliebenen Holzes herausgeſchlagen werden, und im dritten bis fuͤnften die Abraͤumung des Schlages erfolgen. Bei der Herausſchaffung des Holzes aus den jungen Pflanzen iſt noch mehr Sorgfalt aufzuwenden, um es nicht zu beſchaͤdigen, da ſie weit mehr leiden, als die Buchen. Das laͤngere Ueberhalten wird ſchon durch die Beſchaͤdigungen, welche die Beſtaͤnde dann erfahren, ſehr nachtheilig. Die ein⸗ mal verdaͤmmte Eiche erholt ſich aber auch nicht mehr, und bei einer Behandlung der Eichen⸗Beſamungsſchlaͤge, die der⸗ jenigen in den Buchenwaldungen gleich waͤre, duͤrften wohl ſchwer gute Beſtaͤnde zu erziehen ſein. Wo die jungen Eichenpflanzen im Schutze von andern Hoͤlzern ſtehn, wird man in milder Lage ſelbſt ohne Gefahr den Abtriebsſchlag, wenn es ſonſt die Verhaͤltniſſe geſtatten, einlegen koͤnnen, wenn ſie Ein bis Zwei Jahre alt ſind, und dann auf beſſern Wuchs rechnen duͤrfen, als wenn ſie laͤngere Zeit uͤberſchirmt geblieben waͤren. Die Kennzeichen unterdruͤckter, durch zu ſtarke Beſchat⸗ tung kraͤnklich gewordener Pflanzen, ſind: unverhaͤltnißmaͤßig langer und duͤnner Schaft ohne alle Seitenzweige, oben bloß mit einer aus wenig kleinen Blaͤttern beſtehenden Blattkrone, kleine, unausgebildete Knospen, fruͤhzeitig eine weißlich glaͤn⸗ zende Rinde, ſehr duͤnne und ſchwaͤchliche Triebe, wenn das Verderben ſchon uͤberhand genommen hat, auch wohl duͤrre Spitzen an den Zweigen und das zur Erdebeugen des Stammes. Haben die Pflanzen nur etwas von der Beſchattung ge⸗ litten, ſo iſt ihnen nur durch eine ſehr vorſichtige und allmaͤh⸗ lige Lichtſtellung zu helfen. Das Abſchneiden ſehr ſchlecht wuͤch⸗ ſiger junger Staͤmme, erzeugt dann einen beſſern und kraͤftiger wachſenden Ausſchlag, der die ploͤtzlich ſtaͤrkere Lichtſtellung eher ertraͤgt. In einem rauhen Klima kann man theils eine dichtere Stellung anordnen, theils ſpaͤter zur Frei- und Lichtſtellung — 256— uͤbergehen. Vorausgeſetzt, daß kein Holz mit ſehr dichter Be⸗ laubung, niedrig angeſetzten Aeſten auf den Schlaͤgen geduldet wird, ſondern die Samenbaͤume hochſtaͤmmig, ſchlank, mit nicht zu ſtarken Kronen verſehen ſind, iſt, bis der Aufſchlag das Alter von zwei Jahren erreicht hat, die Stellung licht genug, wenn die Zweigſpitzen nur uͤberall bis auf eine Entfer⸗ nung von 5 Fuß auseinander gebracht werden. Der Abtrieb des Holzes iſt von da an nach und nach innerhalb 4 bis 6 Jahren ſo zu bewirken, daß jedesmal etwa der vierte Theil des ſtehen gebliebenen Holzes herausgehauen wird. Den Graswuchs, wo er ſehr uͤppig iſt, durch eine dichte Stellung zuruͤckhalten zu wollen, iſt unthunlich, indem da, wo wegen der Beſchattung kein Gras mehr waͤchſt, auch die Eiche niemals gedeihen wird. Dieſe Holzgattung leidet zwar uͤberhaupt nicht ſehr darunter, ſollte es aber bei einem uͤppi⸗ gen Wuchſe verdaͤmmender Grasarten oder Kraͤuter der Fall ſein, ſo bleibt nichts uͤbrig, als durch Auspfluͤcken oder hohes Abſchneiden derſelben ihr die noͤthige Luft zu verſchaffen. Ungeachtet dem Anſcheine nach die Erziehung der Eiche in Beſamungsſchlaͤgen gar nicht ſchwer iſt, da bei einem Sa⸗ menjahre gewoͤhnlich eine große Menge von Pflanzen erſchei⸗ nen, ſo duͤrfte ſie doch viel unſicherer und ſchwieriger ſein, als bei der Buche. Dieſer gegen Beſchattung ſo empfindlichen Holzgattung die richtige Lichtſtellung zu geben, das Holz da⸗ bei ohne Beſchaͤdigung der Schlaͤge gut zu benutzen, ſelbſt ſie gegen Rehe und Wild zu ſichern, erzeugt ſo viel oft ſchwer zu beſiegende Hinderniſſe, daß die Saat, vorzuͤglich wo ſie mit der Ackerkultur verbunden und dadurch ohne beachtungs⸗ werthe Koſten gemacht werden kann, in der Regel vorzuziehen iſt. Birke. Wo dieſe Holzgattung einen Boden ſindet, auf dem der Same uͤberhaupt aufgehet, bedarf ſie nur Luft und Licht und einen hinreichend wunden Boden, um ſich theils von wenig — 257— wenig uͤbergehaltenen Samenbaͤumen, oder auch wohl von ziemlich entfernten Beſtaͤnden uͤberall wuchernd zu verbrei— ten. Die Behandlung der Beſamungsſchlaͤge iſt deshalb auch ſehr einfach. Der Boden, auf dem der Same aufgehen ſoll, darf nicht zu duͤrr ſein. Sehr trockner Sandboden und ſehr duͤrre Haͤnge verſprechen in dieſer Hinſicht eben ſo wenig Erfolg, als ſol⸗ cher, der mit Heidehumus oder unvollkommenem Humus be⸗ deckt iſt. Der Samenkorn iſt nur klein, und wenn der Keim nicht gleich im Anfange durch Feuchtigkeit ernaͤhrt wird, ver— trocknet er leicht. Daſſelbe gilt von den ſehr flach wurzeln⸗ den jungen Pflanzen. Da das Samenkorn ſehr leicht und von einem verhaͤlt⸗ nißmaͤßig großen Fluͤgel umgeben iſt, von welchem es ſich erſt dann trennt, wenn es zu ſchwellen anfaͤngt, ſo kann es ſich nicht durch die eigene Schwere, wie z. B. die Eichel, an den Boden andruͤcken. Die geringſte Bedeckung von Moos, Gras, was ſich dicht uͤber den Boden legt, ſelbſt von Laub und Nadeln, verurſacht, daß es oben auf liegen bleibt und der Keim nicht Erde faſſen kann. Nur dann iſt deshalb ein Bo⸗ den als fuͤr die Birkenbeſamung empfaͤnglich anzuſehen, wenn an ſo viel Stellen, als erforderlich ſind, um einen geſchloſſe⸗ nen Birkenbeſtand zu erzeugen, der nackte Boden zu erblicken iſt. Eine lockere Erdbedeckung wird noͤthigenfalls vor dem Abfliegen des Samens durch Eggen oder Ausharken wegge⸗ nommen oder wenigſtens aufgekratzt, bei einer feſten muß der Bo⸗ den vorher durch die Hacke oder den Pflug verwundet werden. Von einem Birkenbeſamungsſchlage wird alles, was nur irgend eine dichte Beſchattung verurſachen koͤnnte, weggenom⸗ men. Es bleibt nur alle 20 bis 30 Schritt eine Samenbirke ſtehen, wozu man die aͤltern Staͤmme mit vielen Zweigen waͤhlt. Eine dichtere Stellung wird nur noͤthig, wo das Holz noch jung iſt und wenig Samen traͤgt. Dieſe Samenbaͤume werden ſo lange uͤbergehalten, bis man ſiehet, daß der Schlag 17 — 258— hinlaͤnglich mit Pflanzen angeflogen iſt, wo man ſie dann ſo⸗ gleich mit einemmale heraushaut. Sollte die Beſamung nur horſtweis erfolgt ſein, ſo wird im 4ten bis 5ten Jahre eine Bepflanzung der leeren Stellen vorgenommen werden muͤſſen, indem die Birkenbeſtaͤnde von ungleichem Alter ſchlecht wach⸗ ſen. Das Ueberhalten von Staͤmmen fuͤr die folgende Ab⸗ nutzung, wird nur bei ſehr kurzem Umtriebe, und auf Boden, wo die Birke lange ausdauert, ausfuͤhrbar ſein. ³ . Erl e. Eine dunkle und lichte Schlagſtellung wird aus den oben angefuͤhrten Gruͤnden ſelten Erfolg verſprechen. Wo der Bo⸗ den von einer Beſchaffenheit iſt, daß man auf das Aufgehen des Samens und die Erhaltung der jungen Pflanzen rechnen kann, wartet man, bevor man den durch natuͤrlichen Samen⸗ abfall zu verjuͤngenden Ort anhauet, ein reiches Samenjahr ab. Im Herbſte wird der Schlag durch Ausrechen, oder leich⸗ tes Abſchaͤlen des Grasfilzes, wobei aber alle Auflockerung des Bodens vermieden werden muß, ſo wund gemacht, daß der Same zur Erde kommen kann. Sobald nach dem erſten Froſte der Same anfaͤngt auszufallen, legt man den Hieb ein und treibt den ganzen Schlag ab, wobei das Holz ausgeruͤckt werden muß. Gewoͤhnlich gehen dann Pflanzen in Menge auf. Man ſchuͤtzt dieſe gegen Ueberziehung durch Gras, indem man dies nach Johanni mit der Sichel ſo hoch, unter ſorgfaͤltiger Aufſicht, ausſchneiden laͤßt, daß keine Pflanze Gefahr laͤuft beſchaͤdigt zu werden. Sobald der Schlag 3 bis 4 Jahr alt iſt, pflanzt man die etwa vorhandenen Luͤcken aus, wozu die noͤthigen Pflanzen an Ort und Stelle ausgehoben werden. Kiefer. Die erſte Aufmerkſamkeit erfordert der Boden, ob er hinrei⸗ chend wund iſt, um des Aufgehens des Samens und des Aufwachſens der Pflanzen ſicher zu ſein. — 259— Von der Vertilgung der im Schatten erwachſenen Forſt⸗ unkraͤuter, durch Freiſtellung, iſt ſchon die Rede geweſen. Nur wo dieſelben einen dichten Bodenuͤberzug bilden, wird dieſe Maßregel nothwendig. Bloß buſchweis vorkommendes Heide⸗ kraut, ſelbſt wenn es von betraͤchtlicher Hoͤhe iſt, Heidelbee⸗ ren oder aͤhnliche Gewaͤchſe, die den Boden noch ſtellenweis ſo unbedeckt laſſen, daß hinreichender Platz fuͤr einen mit dem 10ten bis 15ten Jahre in Schluß kommenden Beſtand bleibt, ſind als unſchaͤdlich anzuſehen, und die Kief erwaͤchſt ſogar recht gern zwiſchen ihnen. Wachholder und Beſenpfriem(Spartium Scoparium) muͤſſen, da ſie ſelbſt buſchweis verdaͤmmend werden, mit der Hacke oder der Arxt wenigſtens niedergehauen werden. Die Baͤrenbeere, Arbutus uva ursi, bedeckt zuweilen betraͤchtliche Stellen auf leichtem Boden ſo dicht, daß der Hauptſtock, von dem die auf der Erde fortkriechenden Auslaͤufer ausgehen, durch⸗ gehauen werden muß, wo ſie dann bald vertrocknet. Kiehnpoſt, Laedum palustre, wuͤrde durch das Aushacken eine zu koſtbare Bodenkultur verurſachen, da die in einander verſchlungenen Zweige und Wurzeln bei ihrer Haͤrte dies ſehr ſchwierig machen. Durch die Lichtſtellung, verbunden mit der Ziehung von Entwaͤſſerungsgraͤben, vertrocknet dies gefaͤhrliche Unkraut von ſelbſt, ohne deſſen Wegſchaffung da, wo es wuchernd und in Menge vorkoͤmmt, an keinen Erſolg der Beſamung zu denken iſt. Man muß jedoch nicht außer Acht laſſen, daß der Kiehnpoſt noch einen weit reichlicher vorhan⸗ denen unvollkommnen Humus erzeugt, als das Heidekraut, und daß deshalb die tiefe Wundmachung des Bodens ſelbſt dann noch noͤthig werden kann, wenn man denſelben ſchon vertilgt hat. Es giebt uͤberhaupt wohl keine ſchwierigere Kul⸗ tur der Kiefer, als auf dicht, mit Kiehnpoſt beſtandenem Bruchboden. Die Moosbedeckung iſt durch Lichtſtellung, wenn es Sumpf⸗ mooſe ſind, durch Entwaͤſſerung, oder auch durch Ausharken 17* — 260— leicht wegzuſchaffen, oder auch wohl nur durch kreuzweiſes Aufeggen unſchaͤdlich zu machen. Nur dichte, hohe Mooſe ſind uͤberhaupt ſchaͤdlich. Flechten verhindern das zur Erde Kommen des Samens und das Wachſen der Pflanzen nicht, ſie koͤnnen haͤufig auf dem duͤrren Boden, wo ſie vorkommen, eher als wohlthaͤtig betrachtet werden, da ſie ſeine Wegwehung und Bewegung durch den Wind verhindern. Schmielen und Riedgraͤſer ſind außerordentlich verderb⸗ lich, auch durch Lichtſtellung nicht zu verhindern, da ſie dann erſt deſto mehr uͤberhand nehmen. Sie entziehen der Kiefer auf dem duͤrren Boden, wo man ſie vorzuͤglich trifft, den Thau, durchſchlingen den Boden ſo mit ihren Wurzeln, daß ſie der Kieferpflanze die wenige, darin vorhandene Nahrung wegnehmen, und werden ihr zuletzt noch durch die Beſchattung verderblich. Es iſt ſehr ſchwer, ſie zu vertilgen, denn das ſtreiſenweiſe Aufhacken oder Aufpfluͤgen verhindert nicht, daß ſie durch Wurzelauslaͤufer und Samen die verwundeten Stel⸗ len wieder ſchnell uͤberziehen. Wo ſie in Menge vorhanden ſind, iſt der Beſamungsſchlag kaum anzurathen. Beſſer iſt es, ihn rein zu roden, ihn ganz umpflugen zu laſſen, vielleicht Eine Korn⸗ oder Buchweizen⸗Erndte davon zu nehmen, und ihn dann aus der Hand zu beſaͤen, wenn irgend die Verhaͤlt⸗ niſſe dies geſtatten. Boden mit einer kurzen, dichten Grasnarbe bedeckt, kann, wo dieſe maͤßig iſt, durch kreuzweiſes Eggen nach dem Samen⸗ abfalle, verwundet werden. Wo ſie dichter iſt, wird das ſtrei⸗ fenweiſe Aufpfluͤgen, was jedoch nur in lichten Beſtaͤnden und mit Ochſen ausfuͤhrbar iſt, die bei jedem Widerſtande, durch eine Wurzel veranlaßt, ſtille ſtehen, noͤthig, das Aufhacken, wo der Pflug unanwendbar iſt. Wichtig iſt die Beachtung des oxydirten oder unvollkomm⸗ nen Humus, der vorzuͤglich in Gegenden vorkoͤmmt, die fruͤher naß geweſen ſind, oder wo viele hochaͤſtige Mooſe wachſen. Er verraͤth ſich dadurch, daß gewoͤhnlich weder Gras noch — 261— Kraͤuter, ſelbſt wo das Licht nicht mangelt, darauf wachſen, iſt auch leicht erkennbar, indem er entweder wie ein ſchwarz⸗ braunes Pulver, oder wie nicht ganz zerſtoͤrte Pflanzenfaſer, ſich anfuͤhlen laͤßt und keine bemerkbare Beimiſchung von Erde, oder auch nur Sand zeigt. Ohne eine Bearbeitung, wodurch entweder dieſe unfruchtbare Decke wenigſtens ſtreifenweis weg⸗ genommen, oder unter die fruchtbarere Erde gebracht wird, iſt an keine Erziehung von Pflanzen auf dieſem Boden zu denken. Liegt er ſehr tief, ſo wird durch Rodung des ganzen Beſtandes, durch Bepflanzung in tief ausgeſtochene Pflanzloͤcher, der Zweck der Wiederkultur am ſicherſten erreicht werden. Eine flachere Bedeckung kann durch voruͤbergehende Ackerkultur, und darauf folgende Saat, durch Aufpfluͤgen und Aufhacken bis in eine Tiefe, daß der beſſere Boden zum Vorſchein koͤmmt, fuͤr die Beſamung ſowohl durch natuͤrlichen Abfall, als aus der Hand, hinreichend weggeſchafft werden. Eine einmal in der Beſchattung verkruͤppelte Kiefer erholt ſich nicht mehr. Sie gehet zwar bei der Freiſtellung nicht immer ein, ſie verliert aber ihren ganzen Hoͤhenwuchs, ver⸗ breitet ſich ſtrauchartig in die Seitenaͤſte, hat einen außeror— dentlich geringen Zuwachs, ſo daß ſie weder Nutzholz, noch einen belohnenden Brennholzertrag giebt. Nur den einzigen Fall ausgenommen, wo man Flugſand zu fuͤrchten hat, oder unmittelbar an die Seekuͤſte grenzt, muß deshalb die erſte Sorge bei zu erwartendem Samenabfalle ſein, alle im Schlage vorhandenen verdaͤmmten Straͤucher heraushauen zu laſſen. Selbſt auf freien Raͤumden ſtehende, von beſſerm Wuchſe, wenn ſie nicht in groͤßern Horſten vorkommen, ſind da, wo man auf eine neue vollſtaͤndige Beſamung rechnen kann, lie⸗ ber wegzunehmen, da Holz von ungleichem Alter nie ſchoͤne Kieferbeſtaͤnde giebt, indem das groͤßere das kleinere um ſich her verdaͤmmt. Man wird ſehr haͤufig in den Schlaͤgen eine Menge ganz kleiner, aber dennoch ſchon verkruͤppelter Pflanzen finden, welche, kuͤmmerlich fortwachſend, nur einen ſchlechten — 262— Beſtand geben, doch aber ſchon hinreichen, das Aufkommen beſſerer, wuͤchſigerer Pflanzen zu verhindern, und dieſe zu verdaͤmmen. Dieſe gleich anfangs ausrupfen, oder durch Ver⸗ wundung des Bodens aushacken und umpfluͤgen zu laſſen, wuͤrde zu koſtbar ſein. Eine Menge derſelben gehen vielleicht auch ohnehin noch von ſelbſt bei der Lichtſtellung ein. Man laͤßt ſie deshalb vorlaͤufig noch unbeachtet, ſorgt aber dafuͤr, daß ſie ſpaͤter, wenn ſie groͤßer und dem beſſeren Anfluge nachtheilig erſcheinen, umgeknickt oder ausgehauen werden. Die verdaͤmmten Pflanzen laſſen ſich leicht erkennen: an dem mangelnden Hoͤhenwuchſe, den duͤnnen, ſehr kurzen Trie⸗ ben, kleinen Spitzknospen, der weißen, unbenadelten Rinde, den kurzen markloſen Nadeln, den dichten, ſchwachen Jahres⸗ ringen, dem feſten Holze mit braunem Kerne. Alle Hoͤlzer, von auch nur mittelmaͤßig dichter Beſchattung, Buche, Eiche, Fichte u. ſ. w. ſind fuͤr die Kiefernſamenſchlaͤge hoͤchſt verderblich und verdaͤmmen ſie. Das Ueberhalten der⸗ ſelben verhindert die Erziehung voller Beſtaͤnde ſicher, und nur, wo es aus irgend einem Grunde ganz unvermeidlich iſt, kann es entſchuldigt werden. Dagegen thut die Birke wenig⸗ ſtens in der erſten Zeit keinen Schaden, und da es ſehr wuͤnſchenswerth iſt, dieſe Holzgattung als Durchforſtungholz untergeſprengt zu erhalten, ſo laͤßt man gern auf Boden, wo auf das Aufgehen des Samens zu rechnen iſt, pro Morgen Eine oder Zwei Birken ſtehen, die man ſpaͤter mit dem Ab⸗ triebe der Samenkiefern wegnimmt. Die Neigung der Kiefer zum Samentragen iſt ſehr ver⸗ ſchieden. Bei einem raͤumlichen Stande, auf trocknem Boden, traͤgt ſie eben ſo fruͤh, als reichlich Samen, bei ſehr im Schluſſe ſtehenden Beſtaͤnden, vorzuͤglich im feuchten Boden, iſt oft die Samenmenge noch bei 70 bis 80 Jahren ſehr ge— ring. Vor dem Anhiebe des Ortes muß man darauf Ruͤck⸗ ſicht nehmen, um bis zum Samenabfalle mehr Baͤume ſtehen zu laſſen, wenn der Ort zum Samentragen uͤberhaupt nicht — 263— geneigt iſt, wogegen man mit einer geringern Menge aus⸗ koͤmmt, wo das Gegentheil ſtattfindet. Man kann anneh⸗ men, daß wenigſtens 6 Scheffel pro Morgen an den Baͤu⸗ men haͤngen muͤſſen, um ihn uͤberall hinreichend mit Samen uͤberſtreuet zu erhalten. Bei wenigem Samen ſucht man ſich wo moͤglich dadurch noch eine Unterſtuͤtzung zu verſchaffen, daß entweder das Reisholz von den im Winter gefaͤllten Staͤmmen nicht eher aus dem Schlage gebracht werden darf, bis die daran haͤngenden Zapfen ſich geoͤffnet haben, oder daß man dieſe abpfluͤcken und in den Schlag werfen laͤßt. Alle Schlaͤge, die man deshalb ſehr dicht gehalten hat, um einer vollſtaͤndigen Ueberſtreuung mit Samen ſicher zu ſein, muͤſſen, im Fall es nicht ſchon gleich nach dem Abfalle deſſelben ge— ſchehen kann, den darauf folgenden Winter nachgehauen wer⸗ den, um ſie in eine Stellung zu bringen, die den Verhaͤlt— niſſen angemeſſen iſt. Wenn nur der Schluß der Wipfel unterbrochen iſt, kein Baum mit niedrigen verdaͤmmenden Aeſten geduldet wird, ſo erhaͤlt ſich die einjaͤhrige Pflanze in einem ſolchen Schlage wohl geſund, wenn gleich ſie in einem freiern Stande einen kraͤftigern Wuchs haben wuͤrde. Die Behandlung der Kiefer-Beſamungsſchlaͤge aͤndert ſich nach dem Boden und der Lage. Wir bemerken drei deutlich in die Augen ſpringende Haupt— verſchiedenheiten, die ſich natuͤrlich wieder in mancherlei Ab⸗ ſtufungen bringen laſſen: 1) Friſchen humoſen oder lehmigten Sandboden, wozu wir auch den ſandigen, graßreichern Lehmboden rechnen wollen. 2) Duͤrrer Sandboden, groͤßtentheils oder nur mit Flech⸗ ten oder eigentlichen Sandgewaͤchſen bedeckt, vorzuͤglich wo er Sandruͤcken und Berge bildet, oder aus Duͤnenſand beſtehet. 3) Feuchter humoſer Sand, der nur eine geringe Erhoͤhung uͤber den gewoͤhnlichen Waſſerſpiegel bildet. Zu 1. Auf dem zuerſt bezeichneten Boden huͤte man ſich, wenn er unbenarbt iſt, die Lichtſtellung eher vorzuneh⸗ — 264— men, bevor man nicht ſiehet, daß wirklich Samen genug vor⸗ handen iſt. Der Boden verraſet hier leicht, bedarf dann ſpaͤ⸗ ter einer koſtbaren Wundmachung, und dennoch iſt das Ge⸗ lingen des Samenſchlages unſicher. Der Verſuch, durch einen Vorbereitungsſchlag erſt die Baͤume zum Samentragen ge— ſchickt machen zu wollen, muß unter zehn Malen wohl neun Male ſehr theuer bezahlt werden. Die Regel, dem Hiebe unmittelbar die Kultur folgen zu laſſen, iſt in Kiefern, da ſie gewoͤhnlich ſandigen Boden einnehmen, auf dem der Humus ſo leicht zerſtoͤrt wird, vorzuͤglich wichtig, und ſichert, wenn ſie befolgt wird, ſchon allein das halbe Gelingen des Wieder⸗ anbaues. Muß man einmal hauen, ohne Samen im Schlage zu haben, ſo laſſe man lieber einige Pfunde Samen oder Scheffel Zapfen darauf ausſtreuen und den Schlag uͤbereggen, ehe man horſtweis aufgehende Pflanzen erzieht und ſpaͤter weit koſtbarere Maßregeln zu ergreifen genoͤthigt wird, um einen vollen Beſtand zu erhalten. Auf dieſem Boden hat man eigentlich nicht noͤthig, Baͤume zur Beſchuͤtzung der Pflanzen uͤberzuhalten, denn wenn ſie nicht durch Inſekten, z. B. dem Kiefern⸗Ruͤſſelkaͤfer, Cur-— culio pini, oder er eine ungewoͤhnliche Duͤrre beſchaͤdigt wer⸗ den, gegen die auch die dunkelſte Stellung nicht ſchuͤtzt, ſo gedeihen ſie eigentlich im freien Stande beſſer, als in der Beſchattung. Ein ſehr uͤppiger Graswuchs kann zwar nach⸗ theilig werden, allein die Kiefer ertraͤgt den Schatten noch weniger, als das Gras, und es iſt deshalb unthunlich, dies durch dunkle Stellung zuruͤck halten zu wollen. Dieſe wird daher allein nach der Anſicht, den Schlag voll mit Samen uͤberſtreuet zu erhalten, anzuordnen ſeyn. Wie dicht ſie dazu ſein muß, kann ſehr verſchieden ſein. Bei den ehemali⸗ gen langen und ſchmalen Schlaͤgen in der Mark Branden⸗ burg, wobei das angrenzende Holz zur Beſamung mitwirkte, genuͤgten haͤufig drei bis vier auf dem Morgen uͤbergehaltene ſtarke Staͤmme vollkommen. Zehn bis zwoͤlf 120 jaͤhrige Baͤume — 265— mit guten Kronen, die viel Samen tragen, ſind ſehr oft dazu mehr als hinreichend, man kann aber auch in jungem Holze, welches bisher ſehr geſchloſſen ſtand, ſo viel Samenbaͤume beduͤrfen, daß die Zweigſpitzen derſelben nur wenige Fuß aus⸗ einander kommen. In dieſem letztern Falle muß jedoch gleich nach dem Samenabfalle wenigſtens die Haͤlfte derſelben nach⸗ gehauen werden, wenn man nicht lieber vorzieht, den mangeln⸗ den Samen durch Ausſaat zu ergaͤnzen. Da im hochſtaͤmmi— gen Holze, wenn die Zweigſpitzen 10 bis 15 Fuß auseinan⸗ der kommen, die Kiefer im erſten Jahre wenigſtens nicht ſo leidet, daß es bemerkbare nachtheilige Folgen haͤtte, ſo waͤhlt man auf dieſem Boden im 90 bis 120jaͤhrigen Holze gewoͤhn⸗ lich dieſe Stellung, und nur altes Holz mit dicht belaubten Kronen wuͤrde eine lichtere nothwendig bedingen, ſo daß die Entfernung der Baͤume von einander doppelt ſo groß waͤre. Man wuͤrde, vorzuͤglich wenn die Pflanzen gar nicht unter dem Schatten gelitten haben, den mit ihnen ganz be— ſetzten Schlag ſchon im naͤchſten Winter ganz abraͤumen koͤn⸗ nen, wie dies denn auch in den Privatforſten oft mit gutem Erfolge geſchiehet. Allein man waͤhlt dies Verfahren nur dann, wenn die Nothwendigkeit das Holz auf dem Schlage benutzen zu muͤſſen, dazu zwingt. Da man nicht ſicher iſt, die Pflanzen durch Duͤrre oder Inſekten ganz oder theilweis wieder zu verlieren, ſo behaͤlt man noch eine Zeit lang hinreichende Sa— menbaͤume als Nuͤckhalt(Reſerve), um den Schlag noͤthigen⸗ falls nochmals mit Samen zu uͤberſtreuen. Dies iſt um ſo mehr anzurathen, als bei zweckmaͤßiger Behandlung des Schla⸗ ges die jungen Pflanzen weder durch laͤngere maͤßige Beſchat⸗ tung, noch durch das Herausruͤcken des Holzes ſehr leiden. Die Lichtung des Schlages erfolgt im naͤchſten Winter nach der Beſamung, oder hoͤchſtens wenn die Pflanzen Zwei Jahre alt ſind, ſo daß alle 20 bis 30 Schritt ein Baum ſtehen bleibt. Nach drei bis vier Jahren, hoͤchſtens aber wenn die Pflanzen 6 Jahre alt ſind, erfolgt dann der Abtrieb. Die — 266— Erfahrung iſt ganz unbeſtreitbar, daß eine das volle Licht ge⸗ nießende Kiefer beſſer waͤchſt, als eine beſchattete, allein die nothwendige Vertheilung des in den Schlaͤgen ſtehenden Holzes fuͤr mehrere Jahre, die Gefahr bei dem Vertrocknen der Pflanzen außer Stande zu ſein, ſie von neuem in Beſtand zu bringen, wo der Kulturfond mangelt, ſelbſt auch wohl die Furcht durch eine zu raſche Freiſtellung eine zu ſtarke Zerſtoͤrung des Hu⸗ mus zu bewirken, bewegen gewoͤhnlich mit Recht dazu, lieber auf einen etwas beſſeren Wuchs Verzicht zu thun, als ſich alle dem auszuſetzen. Die Kiefer leidet unter dem vorſichtigen Aushiebe des Holzes in der erſten Jugend beinahe gar nicht, weshalb man auch jedes Jahr ohne Gefahr in den Schlaͤgen wirthſchaften kann. Das Faͤllen und Aufarbeiten kann im Herbſte bei offnem Wetter, und wenn kein Froſt iſt, bis zum Ausbruche des Maitriebes ſtattfinden. Die Ausfuhr geſchiehet ganz ge⸗ fahrlos mit Wagen, deren Raͤder am beſten unbeſchlagen ſind und breite Felgen haben, um nicht einzuſchneiden. Bei tiefem Schnee, welcher die ganze Pflanze bedeckt, bei weichem Wet⸗ ter kann die Arbeit fortgeſetzt werden. Sie iſt jedoch durch— aus einzuſtellen, und die Schlaͤge muͤſſen ruhig bleiben, ſo⸗ bald hartes Froſtwetter eintritt, und gar kein Schnee oder nur ſehr wenig liegt, ſo daß die jungen Kiefern ganz, oder theilweis unbedeckt ſind. In dieſer Holzgattung kann man auf dem in Rede ſte⸗ henden Boden ohne Nachtheil Einen, hoͤchſtens Zwei ſchlanke, geſunde Staͤmme auf den Morgen mit geringer Aſtverbrei⸗ tung uͤberhalten, um außergewoͤhnliches ſtarkes Nutzholz zu erziehen, was in den beiden folgenden Bodenklaſſen unpaſſend ſein wuͤrde. 2) Aller duͤrrer Sandboden, der leicht Flugſand werden koͤnnte, vorzuͤglich aber auf Sandruͤcken und an Sekkuͤſten, erfordert eine andre Behandlung. Es koͤmmt bei ihm weni⸗ ger darauf an, die beſtwuͤchſigſten Pflanzen zu erziehen, als — 267— alle Gefahr theils in erwaͤhnter Hinſicht, theils die ſtarke Zer⸗ ſtoͤrung des Humus durch Einwirkung des Lichts und der Luft zu vermeiden. Da ein ſolcher Boden gewoͤhnlich uneben iſt, friſche und geſchuͤtzte Gruͤnde zwiſchen duͤrren Huͤgeln hat, ſo kann die Behandlung deſſelben nicht gleich ſein. Die Gruͤnde und Einſenkungen koͤnnen lichter geſtellt werden, fruͤher den Schutz des Oberbaumes entbehren, als die Sandruͤcken, wo⸗ bei jedoch nicht zu vergeſſen iſt, daß die tiefer ſtehenden Baͤume, welche mit ihren Wipfeln in gleicher Hoͤhe mit dem Sand— ruͤcken ſich befinden, dieſe letztern ſchuͤtzen, das Fluͤchtigwerden des Sandes hindern, deshalb als auf der Hoͤhe ſelbſt ſtehend anzuſehen, und folglich ſo lange uͤberzuhalten ſind, als bis dieſe vollkommen gedeckt oder durch anderes Holz geſchuͤtzt iſt. Als erſte Regel iſt in dieſem Boden aufzuſtellen, daß er in kleinen Schlaͤgen bewirthſchaftet wird, damit dieſelben im— mer noch von dem umſtehenden alten Holze geſchuͤtzt blei— ben. Die Gefahr der Verſandung, der nachtheilig einwirken— den Sonne und Luft, wird immer groͤßer, je groͤßer die abge— raͤumte Flaͤche wird. Eine andere Regel iſt, die Raͤnder des Waldes, wenn dieſer an Flugſand anſtoͤßt, nicht eher zu lich— ten, und ſo lange ganz unberuͤhrt ſtehen zu laſſen, bis die dahinter liegenden Flaͤchen, denen ſie zum Schutze dienen, ſo weit verjuͤngt und wieder mit jungem Holze beſtockt ſind, daß ihnen in keinem Falle der Flugſand nachtheilig werden kann. Der Aushieb des ſich unter dieſen Verhaͤltniſſen vorfin⸗ denden Strauchholzes, ſei es auch noch ſo verkruͤppelt, kann nur bis zu einem Maße ſtattfinden, daß es nicht das Auf— gehen des Samens und die moͤgliche Erhaltung der neu ent— ſtehenden Pflanzen verhindert. Dazu genuͤgt, daß man die aͤltern Straͤucher ſchneidelt, das niedrige, ganz unwuͤchſige Holz platzweis ſo lichtet, daß hinreichend freie Stellen dazu entſtehen. Das einigermaßen wuͤchſige Holz auf unbeſchirmt geweſenen Stellen laͤßt man lieber ſtehen, um es zur Ergaͤn⸗ zung des kuͤnftigen Beſtandes zu benutzen, da man unter die⸗ — 268— ſen Verhaͤltniſſen doch einmal nicht auf ſchoͤn wuͤchſige Hoͤlzer rechnen kann, und das Sichere weniger Vollkommne beſſer iſt, als das Unſichere, Ideale.— Es gilt jedoch dies Alles nur fuͤr die Sandruͤcken, duͤrren und gefaͤhrlichen Stellen, nicht fuͤr die leicht und ſicher in Beſtand zu bringenden Gruͤnde, welche ganz dem beſſeren Boden gleich zu behandeln ſind. Die Stellung der Samenbaͤume kann hier ſo ſein, daß die Zweige einander beinahe beruͤhren, oder ihre Spitzen doch nur wenige Fuß auseinander ſind. Dabei iſt jedoch ſorgfaͤltig darauf zu halten, daß alle niedrigen Aeſte bis 20 und 30 Fuß hoch, jenachdem der Wuchs der Baͤume iſt, weggenommen werden, weil man ohne dies gar keine geſunden Pflanzen er⸗ halten wuͤrde. Selten beſamt ſich ein ſolcher Boden ſogleich uͤberall, ſondern in der Regel nur ſtellenweis, weshalb auch die Auslichtung nicht gleichfoͤrmig erfolgen kann, ſondern ſich nur auf die mit Pflanzen verſehenen Stellen erſtrecken darf. Am beſten plentert man das Holz, ganz dem Beduͤrfniſſe der beſtockten Stellen gemaͤß, innerhalb von 6 bis 8 Jahren von Jahr zu Jaht aus, d. h. man nimmt es ſo hinweg, daß eine 6, hoͤchſtens Sjaͤhrige Pflanze keine Ueberſchirmung mehr hat, im Fall ein ziemlich gleichmaͤßiger Anflug erfolgt iſt. Jedoch kann man auch den Abtrieb ſo bewirken, daß entweder alle zwei Jahre— des Holzes, oder 1, je nachdem man in 6 oder 8 Jahren den Abtrieb bewirken will, wegnimmt. Die laͤngere Zeit waͤhlt man nur, wo die Verſandungen ſehr gefaͤhrlich ſind. Fliegt der Ort nur ſehr horſtweis an, ſo daß die mit jungen Pflanzen verſehenen Holze ſchon von einem hoͤheren ſchuͤtzen⸗ den Beſtande umgeben ſind, ſo beduͤrfen dieſe zuletzt angeflo⸗ genen Flecke kein ſo langes Ueberhalten der Samenbaͤume. Man ſtellt ſie in dieſem Falle, vorzuͤglich wenn die abzuraͤu⸗ menden Stellen nur klein ſind, ſchon frei, wenn die Pflanzen Ein bis Zwei Jahre alt ſind, da dann der Seitenſchutz die wegfallende Ueberſchirmung ſehr gut erſetzt. So wie ſich junge Pflanzen im naͤchſten Fruͤhjahre nach — 269— dem Abfalle des Samens zeigen, muͤſſen die fruͤher ſtehen ge⸗ bliebenen verdaͤmmten Strauchhoͤlzer, eben ſo wie die etwa des Schutzes wegen noch geſchonten Forſtkraͤuter, als Beſen— pfriem u. dergl., an den Stellen, wo dies der Fall iſt, ſogleich nachgehauen werden. Nur dann tritt eine Ausnahme von dieſer Regel ein, wenn zu fuͤrchten waͤre, daß der Ort ganz mit Sand uͤberſchuͤttet werden koͤnnte. Ein haͤufiger, ſehr ſchwer in ſeinen nachtheiligen Folgen zu beſeitigender Fall iſt, daß auf dieſem Boden der Schlag zu dicht anfliegt. Die Kiefer ertraͤgt auf ihm den ſehr dichten Stand durchaus nicht, es geſchiehet oft, daß junge, zu dicht ſtehende Orte, wenn ſie die Hoͤhe von 5 bis 10 Fuß erreicht haben, nicht weiter fortwachſen, ja zuletzt ganz abſterben. Das Ausheben junger, geſunder, nicht in der Beſchirmung von altem Holze ſtehender Pflanzen, um ſie zur Ausbeſſerung leerer Stellen zu verwenden, waͤre allerdings das beſte Mit— tel, um die zu dicht beſtockten Stellen zu lichten. Da dies jedoch nicht immer anwendbar iſt, ſo wird wenigſtens eine ſehr fruͤhe Durchforſtung, die ſich auf die zuruͤckbleibenden Staͤmme erſtreckt, und als bloße unvermeidliche Kulturmaß⸗ regel zu betrachten iſt, eintreten muͤſſen. 3) Auf einem feuchten humoſen Sandboden, wo die Kie— fer wegen flachliegenden Waſſerſpiegel keine Pfahlwurzel hat, iſt ſie dem Windbruche oft beinahe eben ſo ſehr ausgeſetzt, als die Fichte. Dieſelben Sicherungsmaßregeln gegen dieſes Uebel, nicht zu große Schlaͤge, eine Fuͤhrung des Hiebes gegen die Richtung, von welcher die Stuͤrme gewoͤhnlich kommen, Er— haltung des Mantels, nicht zu ſehr vereinzelte Stellung der Samenbaͤume vor Abfall des Samens, treten auch hier ein. Wenn jedoch der Boden nicht etwa mit unvollkommnem Hu⸗ mus bedeckt iſt, ſo fliegt derſelbe eben ſo leicht an, als die Pflanzen ſich darauf ſicher erhalten, wenigſtens ſehr ſelten der Gefahr unterworfen ſind, durch Duͤrre zu leiden. Bei dem hier ſehr ſtarken Wuchſe der Kiefer ertraͤgt ſie auch wenig Beſchattung, 270— will fruͤh freigeſtellt ſein, und darauf gruͤnden ſich folgende Re⸗ geln der Behandlung der Beſamungsſchlaͤge in dieſem Boden. Man ſtellt den Schlag, bis ſo viel Same darin vorhan⸗ den iſt, daß man auf ſeine volle Ueberſtreuung rechnen kann, ſo dicht, daß ſich die Zweige beinahe noch beruͤhren, damit der Boden nicht verraſet, und man gegen Windbruch geſichert iſt. Bemerkt man hinreichende Zapfen in ihm, ſo wird die Haͤlfte des Holzes, bei einem ſehr reichen Samenjahte viel⸗ leicht zwei Drittheile weggenommen, wobei man zugleich da⸗ rauf ſiehet, daß der Same der gefaͤllten Baͤume dem Schlage ebenfalls zu gute koͤmmt. Zeigt ſich im naͤchſten Fruͤhjahre genugſamer Anflug, der ſich den Sommer uͤber erhaͤlt, ſo treibt man ſchon in dem darauf folgenden Winter, alſo wenn die Pflanzen Ein Jahr alt ſind, den ganzen Reſt der Sa⸗ menbaͤume ab. Einzelne, noch unbeſamte Stellen muͤſſen dann aus der Hand beſaͤet, oder auch mit einjaͤhrigen Kiefer⸗ pflanzen vom Schlage bepflanzt werden, welches mit ſehr ſicherm Erfolge und wenig Koſten geſchehen kann. Alle Kiefern⸗Beſamungsſchlaͤge kann man nicht bloß ohne Nachtheil bis zum wirklichen Aufgehen des Samens mit Rind⸗ vieh und Schafen behuͤten laſſen, es iſt ihnen dies ſogar ſehr vortheilhaft, weil dadurch der Same angetreten, das Gras ꝛc. niedergehalten wird. Selbſt fuͤr die ſchon aufgegangenen Pflan⸗ zen hat man dabei wenig zu fuͤrchten, indem beide Viehgat— tungen ſie weder angreifen, noch ihnen ſonſt in der erſten Zeit ſchaͤdlich werden, woruͤber der Beweis deutlich genug dadurch gefuͤhrt wird, daß dieſelben ſogar an Triften und in taͤglich behuͤteten Orten, wo das Vieh ſehr wenig Nahrung findet, im erſten Jahre unberuͤhrt ſtehen bleiben. Fichte. Man hat auf verſchiedene Art die Fichte durch natuͤr⸗ lichen Samenabfall zu erziehen geſucht, um den oben bezeich⸗ neten Hinderniſſen des Erfolgs der Samenſchlaͤge zu begegnen. — 271— 1) Durch kahl abgetriebene Schlaͤge, welche von dem um⸗ oder nebenſtehendem Holze mit Samen uͤberſtreuet werden, 2) durch Dunkel⸗ und Lichtſchlaͤge. 1) Die Kahlſchlaͤge theilen ſich wieder: a. in Keſſelſchlaͤge, b. Kouliſſenſchlaͤge, c. ſchmale, laͤngs einer ſamentragenden Holzwand hin— laufende, nach und nach an einander zu reihende Schlaͤge. Die Keſſelſchlaͤge, worunter man den Abtrieb eines Fleckes, mitten im hohen Holze und nicht groͤßer, als daß er uͤberall von dieſem mit Samen uͤberworfen werden kann, verſtehet, konn⸗ ten nur anwendbar ſein, ſo lange die Maſſe des haubaren Holzes ſehr groß im Verhaͤltniß zu der abzutreibenden Flaͤche war, wie dies fruͤher beinahe in allen großen Waͤldern in der Regel angenommen werden konnte. So wie die haubaren und ſamentragenden Beſtaͤnde ſich verminderten, war man außer Stand geſetzt, dieſe fruͤher ſehr beliebte Wirthſchaft fortzuſetzen. Man kam dadurch auf die Idee, regelmaͤßig Keſſelſchlaͤge durch die Kouliſſenhiebe einzufuͤhren, indem man den Wald ſtreifenweis ſo durchhieb, daß wechſelsweis immer ein Schlag oder Streifen rein abgetrieben wurde, und einer dagegen ſte⸗ hen blieb, ſo daß alſo die abgeholzten Schlaͤge uͤberall zwiſchen dem hohen Holze lagen, und dadurch beſamt werden konnten. Die Erfahrung hat jedoch gelehrt, daß gerade dieſe Art der Wirthſchaft am allerwenigſten geeignet war, die Hinder— niſſe zu beſeitigen, die ſich der Verjuͤngung der Fichte durch natuͤrliche Beſamung entgegenſetzen. Der Windbruch wird durch eine ſolche Durchloͤcherung der geſchloſſenen Orte, am allermehrſten und gefaͤhrlichſten herbei⸗ gefuͤhrt. Die kahl abgetriebenen Schlaͤge verraſen bei lange ausbleibenden Samenjahren, ſo daß der Same, welcher auf ſie faͤllt, weder aufgehen kann, noch die jungen Pflanzen ſich zu erhalten vermoͤgen.— —- 272— Die Naͤnder der Schlaͤge leiden durch Verdaͤmmung, die Weidenutzung gehet entweder in den ſchmalen Streifen hut⸗ baren Holzes ganz verloren, oder die Schonungen ſind gar nicht gegen Beſchaͤdigungen zu ſichern, ſo wie denn uͤberhaupt auch bei dieſer Art der Wirthſchaft an keinen regelmaͤßigen Weidezug zu denken iſt.— Das Faͤllen und Abfahren des zuletzt einzuſchlagenden Holzes, muß den uͤberall angrenzenden jungen Beſtaͤnden ſehr verderblich werden, da man nicht mit dem Hiebe ſo raſch zu folgen vermag, daß man zeitig genug die angrenzenden hohen Holzſtreifen abtreiben koͤnnte. Dieſe, in ſo fern ſie neben jungem Holze liegend, ſpaͤter ſelbſt zum Hiebe kommen, muͤſſen zuletzt doch aus der Hand angebauet werden. Dies alles ſind Gruͤnde, gewiß hinreichende, aus denen man in regelmaͤßig benutzten Waͤldern ganz auf Keſſelhiebe und Kouliſſenſchlaͤge in der neuern Zeit. Verzicht gethan hat. Auch diejenige Methode, wobei man lange, ſchmale Schlaͤge laͤngs der ſamentragenden Holzwand hinfuͤhrt, ſo daß dieſe die abgeholzte Flaͤche beſamen kann, iſt zwar keinesweges die empfehlenswertheſte, indem man dabei ebenfalls die mehreſten der angefuͤhrten Nachtheile empfindet, die vollſtaͤndige Beſa⸗ mung immer unſicher bleibt, und die Etatserfuͤllung bei aus⸗ bleibenden Samenjahren ſchwierig wird. Man hat jedoch da⸗ bei weder ſo große Gefahr des Windbruchs, noch ein ſo nach— theiliges Verhauen des Reviers, wie bei der vorigen Betriebs⸗ art, zu fuͤrchten, und es bleibt immer noch die anwendbarſte, wo man einmal auf kahlem Abtriebe der Schlaͤge beſtehet, und dieſe nicht ganz aus der Hand wieder anbauen will. Man theilt dazu das Revier in ſo viel Bloͤcke, als die Zahl der Jahre, in denen erfahrungsmaͤßig ein Samenjahr wiederzukehren pflegt, z. B. 4, 5 bis 6. In jedem Blocke nimmt man jaͤhrlich Einen Schlag, mit Ruͤckſicht auf die Sturmgegend, in einer Form, daß er nicht breiter wird, als die Hoffnung geſtattet, ihn von dem angrenzenden hohen Holze — 273— Holze mit Samen uͤberſtreuet zu ſehen. Au Bergen muͤſſen die Schlaͤge ſtets in der Richtung, wie das Waſſer abfließt, gefuͤhrt werden, um das Holz auf ihnen abfahren zu koͤnnen. Die Breite derſelben ſoll eigentlich nicht mehr betragen, als die Laͤnge des ausgewachſenen haubaren Holzes, ſelten erlaubt jedoch die nothwendige Etatserfuͤllung und die Form der mit haubarem Holze beſtandenen Flaͤchen die ſtrenge Innehaltung dieſer Vorſchrift. Indem man jedes Jahr Einen Schlag in jedem Blocke abtreibt, der gerodet und bis zum Eintritt des Samenjahres behuͤtet wird, hat man die Hoffnung, daß ein ſolcher erfolgt, bis man in allen Bloͤcken herum iſt. Es wuͤrde jedoch nur ein Zufall ſein, wenn gerade nach Beendigung des Cyklus der Schlaͤge in allen Bloͤcken das Samenjahr eintraͤte. Gewoͤhn⸗ lich iſt dies entweder fruͤher, bevor man alle Schlaͤge genom— men hat, oder ſpaͤter, wenn man laͤngſt mit allen fertig iſt, der Fall. Wenn der erſtere eintritt, ſo durchhauet man, um das Samenjahr nicht zu verlieren, die noch ſtehenden Schlaͤge gleich im Winter, bevor der Samenabfall erfolgt iſt, ſo ſtark, daß die darauf ſtehenden Pflanzen ſich wenigſtens Ein bis Zwei Jahre darin erhalten koͤnnen, und ſetzt in den folgenden Jahren die Abraͤumung derſelben fort. Bei dem zweiten ſaͤet oder pflanzt man entweder den fruͤher genommenen, unbeſamt gebliebenen Schlag an, bis ein eintretendes Samenjahr wieder von dem Anbaue aus der Hand entbindet, oder man durchhauet, ſtatt des kahlen Ab⸗ triebes Eines Schlages, zwei Schlaͤge in zwei Bloͤcken, indem man von jedem die Haͤlfte ſeines Holzbeſtandes ſo wegnimmt, daß die an den letzten Kahlſchlag grenzende Seite etwas dunk⸗ ler gehalten wird, als die laͤngs dem vollen Holzbeſtande hin— liegende, was ſich im Nothfalle auf alle Bloͤcke erſtrecken muß. Bei dem erſten dann eintretenden Samenjahre raͤumt man 18 — 274— die vorlaͤufig dunkel geſtellten Schlaͤge nach und nach ab, da ſich in ihnen die Pflanzen wohl Ein oder Zwei Jahre halten. Die Aneinanderreihung mehrerer Kahlſchlaͤge bei ausblei⸗ benden Samenjahren iſt unausfuͤhrbar, weil dieſe dadurch zu breit werden, und zu ſehr verangern und verraſen wuͤrden. Dieſe Art der kahlen Beſamungsſchlaͤge hat allerdings den Vorzug, daß man das Stockholz erhaͤlt, in der Aufarbeitung des Holzes weniger beengt iſt, die Pflanzen nicht unter dem Schatten leiden, das Ausruͤckerlohn erſpart wird, der Wind⸗ bruch bei einer guten Hiebsleitung nicht ſo ſehr zu fuͤrchten iſt, als bei den Dunkelſchlaͤgen. Sie werden aber ſtets eine ſchwerfaͤllige Wirthſchaft erzeugen, wo man bald nicht weiß, woher man das Holz nehmen ſoll, bald in Verlegenheit iſt, es nicht zeitig genug abraͤumen zu koͤnnen. Der Anflug erfolgt dabei haͤufig nur horſtweis, oder auch wohl gar nicht, wenn bei ſelten und ſpaͤt eintretenden Samenjahren die Schlaͤge ſehr verraſen, und der Anbau aus der Hand muß gewoͤhnlich zu⸗ letzt doch das Beſte dabei thun. In Gegenden, wo der Boden nicht zu locker iſt, die, wie es oft bei Gebirgsſchluchten der Fall iſt, nicht zu ſehr unter dem Windbruche leiden, ſind wohl die regelmaͤßigen Dunkel⸗ ſchlaͤge am mehrſten zu empfehlen, wenn einmal der, in Ge— genden, wo das Holz Werth hat, gewiß am erſten vorzuzie⸗ hende Anbau aus der Hand nicht anwendbar waͤre, der dage⸗ gen da, wo der Windbruch ſehr haͤufig iſt, beinahe unver⸗ meidlich wird. Dieſe dunkeln Beſamungsſchlaͤge ſind nach folgenden Grundſaͤtzen zu behandeln: 1) Die Bloͤcke duͤrfen nicht zu groß ſein, damit man nur kleine, vom unangehauenen Beſtande geſchuͤtzte Schlaͤge neh⸗ men kann. 2) Die Richtung, aus welcher die Stuͤrme gewoͤhnlich kommen, iſt ſorgfaͤltig zu ermitteln, um den Hieb ihr entge⸗ genfuͤhren zu koͤnnen. — 275— 3) Der Mantel des Waldes, d. h. die an die Angriffe des Sturmes gewoͤhnten Nandbaͤume, ſind moͤglichſt lange dicht zu halten, damit ſie den Schlaͤgen zum Schutze dienen. 4) Das Stockroden, in ſo fern dadurch die uͤberzuhal⸗ tenden Samenbaͤume in den Wurzeln beſchaͤdigt, dem Wind⸗ bruche mehr ausgeſetzt werden koͤnnten, muß unterbleiben. 5) Die am feſteſten ſtehenden Baͤume, d. h. die ſtaͤmmi— gen, mehr frei erwachſenen, die auf feſtem Grunde ſtehenden, zwiſchen Felſen und Steine eingeklemmten, werden am erſten uͤbergehalten. Es kann jedoch dieſe Regel nicht auf die kur— zen, unterdruͤckten ausgedehnt werden, da dieſe keinen Sa⸗ men tragen. 6) Je mehr Windbtuch oder die Verraſung zu fuͤrchten iſt, je ſeltener die Samenjahre eintreten, und je mehr deshalb zu vermuthen iſt, daß der Schlag lange unbeſamt ſtehen bleiben wird, deſto dichter muß derſelbe geſtellt werden. Auch ſehr trockne Haͤnge verlangen eine dunkle Stellung bis zur Beſamung. Als ſehr dichte Stellung iſt diejenige anzuſehen, wo ſich die Zweigſpitzen uͤberall beruͤhren, und die Baͤume ſich noch gegen einander lehnen koͤnnen, wenn der Wind ſie beugt. Es laͤßt dieſelbe in der Regel nur den Aushieb der zuruͤckgebliebenen Staͤmme zu. Als lichte iſt anzuſehen, wenn die Zweigſpitzen 8 bis 10 Fuß von einander entfernt ſind. 7) In den Schlaͤgen darf nicht mehr als ein vierjaͤhriger Abgabeſatz ſtehen, weil man ſonſt nach dem Eintritte des Sa⸗ menjahres nicht wuͤrde mit dem Hiebe folgen, und den Pflan— zen das noͤthige Licht geben koͤnnen. Bleibt es laͤnger aus, ſo muß man entweder den Etat aus eingeſchlagenen Vorraͤ⸗ then, oder aus der Durchforſtung und andern Holzgattungen erfuͤllen, oder auch dazu einige Schlaͤge kahl abtreiben und aus der Hand anbauen. 8) Alles vorhandene Unterholz bleibt bis zum Eintritt ei— nes Samenjahres ſtehen, wo es dann nachgehauen wird, um den Boden moͤglichſt gegen Verangerung und Austrocknung 18* — 276— zu ſchuͤtzen. Eben ſo erfolgt erſt dann das nothwendige Aeſten der aſtreichen Baͤume, bis auf eine Hoͤhe von 20 und 25 Fuß. 9) Bevor der Same abfaͤllt, muß der Boden durch Aus⸗ rechen der Streu, Aufeggen, ſelbſt durch Aufhacken, zur Auf— nahme deſſelben hinreichend verwundet werden. Das Aufpfluͤ⸗ gen, wie in Kiefern, iſt wegen der flachlaufenden Wurzeln der Fichte unanwendbar. In ſumpfigen Gegenden wird die vor— her erfolgende Ziehung der Entwaͤſſerungsgraͤben noͤthig. 10) Tritt ein Samenjahr ein, ſo durchhauet man ſaͤmmt⸗ liche Schlaͤge, in denen die Baͤume ſo dicht ſtehen, daß die Zweige ſich ganz oder beinahe beruͤhren, dergeſtalt im Winter vor dem Abfalle des Samens, daß man ein Viertheil bis ein Drittheil des Holzes wegnimmt, damit die im Fruͤhjahr auf⸗ gehenden Pflanzen ſich wenigſtens den darauf folgenden Som⸗ mer geſund erhalten koͤnnen. Noͤthig iſt dabei, daß man durch ſorgfaͤltiges Aeſten alle tief haͤngenden Zweige wegſchafft. 11) Wenn man die vorhandenen Pflanzen im darauf fol⸗ genden Winter als ganz geſund, und nicht durch Schatten kraͤnklich geworden, anſprechen kann,— wenn die in den Schlaͤgen ſtehende Holzmaſſe den Einſchlag mit einem Male erlaubt, ſo raͤumt man dieſelben ganz kahl ab. Dieſe Maßregel iſt ſelbſt dann noch empfehlenswerth, wenn man einen zweijaͤhrigen Abgabeſatz einſchlagen, und folg⸗ lich den des folgenden Jahres vorraͤthig hauen muͤßte, wenn die Verhaͤltniſſe dies irgend geſtatten. 12) Wo die gaͤnzliche Raͤumung der Schlaͤge mit einem Male nicht erfolgen kann, weil die unter II. dazu aufgeſtell⸗ ten Bedingungen es nicht geſtatten, durchhauet man im zwei⸗ ten Jahre die Schlaͤge ſo, daß ein Drittheil des noch ſtehen⸗ den Holzes weggenommen wird, und raͤumt dann die Haͤlfte der beſamten Flaͤche im dritten Jahre, die andere im vierten Jahre ganz ab. 13) In den Beſtaͤnden, deren Schluß unterbrochen iſt, — 277— wird man ſtets mehr oder weniger Windbruch zu fuͤrchten haben. Erfolgt ein ſolcher, wenn ſchon Pflanzen auf der mit den Wurzeln aufgehobenen Erddecke ſtehen, ſo muß man fuͤr ein ſchleuniges Abſchneiden der umgeworfenen Baͤume Sorge tragen, damit der Stock wieder zuruͤckklappt, was in der Re⸗ gel geſchiehet. Die Pflanzen wachſen dann ungeſtoͤrt fort. Dies gilt auch fuͤr Kiefern und andere Hoͤlzer, deren weit ver— breitete Wurzeln eine große Flaͤche aufreißen. 14) Bei platzweiſen Beſamungen wird es immer zweckmaͤ⸗ ßiger ſein, die Luͤcken bald durch Saat oder Pflanzung zu er— gaͤnzen und den Schlag ganz abzuraͤumen. Nur der gaͤnz⸗ liche Mangel an Mitteln kann das laͤngere, horſtweiſe Ueber⸗ halten der Samenbaͤume auf den leeren Stellen entſchuldigen, was ſelten von gutem Erfolge ſein wird. Auch hier gilt dann aber, wie in Kiefern, die Regel, daß gerade die einzelnen Baͤume, unter denen ſich kein Anflug vorfindet, am erſten weggenommen werden, und dagegen die zur Seite ſtehenden bleiben muͤſſen, da der leichte Kiefern⸗ und Fichtenſamen ſel⸗ ten innerhalb der Traufe, vorzuͤglich bei dicht belaubten Baͤu⸗ men, abfliegt und gedeihet. 15) Die Raͤumung der Schlaͤge erfolgt am beſten bei Schnee, da die ſehr kleinen Fichten durch dieſen gedeckt und geſchuͤtzt werden, doch kann auch ohne betraͤchtlichen Schaden bei offnem Wetter das Holz ſchon im Herbſte und ſpaͤter im Fruͤhjahre, bis zum Ausbruche des Maitriebes, abgefahren werden. 5) Von der Erziehung der Hoͤlzer in geregeltem Plenterhiebe. Es iſt eine eben ſo alte, als fuͤr den, welcher das Be— duͤrfniß der Lichtſtellung bei jungen Pflanzen nicht beachtete, naturgemaͤße Waldwirthſchaft, immer nur diejenigen einzelnen Staͤmme herauszuhauen, welche gerade benutzbar ſind, oder gebraucht werden, die ihre Vollkommenheit erreicht zu haben — 278— ſcheinen, das ſchwaͤchere Holz zu ſchonen und wachſen zu laſ⸗ ſen, bis es ebenfalls brauchbar geworden iſt und bedurft wird. Man kann es eine Wirthſchaft nennen, die keine Regel hatte,, als die Befriedigung des Beduͤrfniſſes. So lange die Waͤlder groß genug waren, um bei derſel⸗ ben immer Holz genug, ſo wie man es bedurfte, vorzufinden, war keine Veranlaſſung vorhanden, von ihr abzugehen. So wie aber die Bevoͤlkerung ſtieg, es noͤthig wurde, dem Boden die volle Production abzugewinnen, um darauf ſtets paſſendes und hinreichendes Holz vorzufinden, bemerkte man bald, daß dieſe Art der Wirthſchaft nicht geeignet ſei, vollkommene Be⸗ ſtaͤnde zu erziehen. Die ſich dabei zeigenden Nachtheile waren: 1) daß die Beſchattung der umherſtehenden Hoͤlzer es ver⸗ hinderte, an die Stelle eines weggehauenen Baumes ſogleich wieder gutwuͤchſige Pflanzen zu bringen, was vorzuͤglich bei ſolchen Holzgattungen bemerkbar wurde, die einen freien Stand verlangen, als: Eichen, Kiefern, Birken, Fichten und dergl., welche durch die Beſchattung des ſtehenbleibenden Holzes ver— daͤmmt werden. 2) Daß die Weide, welche oft ſchwer oder gar nicht aus dem Walde zu entfernen war, den uͤberall darin umherſtehen⸗ den einzelnen Pflanzen hoͤchſt verderblich werden mußte, da dabei keine regelmaͤßige Schonung moͤglich war. 3) Daß das Heraushauen und die Abfuhre der Baͤume, die in dem juͤngern, um ſie her aufgegangenen, horſtweiſen Beſtand ſtanden, dieſem ſehr nachtheilig wurde. 4) Daß es ſehr ſchwer war, bei der uͤberall im Walde vereinzelten Holzung eine vollſtaͤndige Kontrolle anzuordnen, und eine nachhaltige Vertheilung der Holzung zu treffen, ſo daß man ſicher war, mit den vorhandenen Beſtaͤnden auszu— reichen, bis neue, benutzbare, nachgezogen waren. 5) Daß man da, wo Windbruch zu fuͤrchten war, dieſen ſehr leicht durch den einzelnen Aushieb herbeifuͤhrte. Alle Schriftſteller und einſichtsvolle Forſtmaͤnner drangen deshalb auch gleich im Anfange, wo ſich die Lehre von einer „regelmaͤßigen Waldbehandlung auszubilden begann, mit dem groͤßten Eifer darauf, dieſe unregelmaͤßige Plenterwirthſchaft abzuſtellen, und die Beſtaͤnde rein abzutreiben, um ſtatt der⸗ ſelben geſchloſſenes Holz von gleichem Alter wieder anbauen zu koͤnnen. Im Allgemeinen wird auch gewiß eine regelmaͤßige Schlag⸗ wirthſchaft jeder, ſelbſt einer geordneten Plenterwirthſchaft vor⸗ zuziehen ſein, da es nicht moͤglich iſt, den Nachtheilen der Beſchattung, des Schadens durch Hieb und Abfuhre, der Be⸗ ſchaͤdigung der Pflanzen durch Weidevieh, ganz zu entgehen, wenn auch jetzt leichter eine Kontrolle und nachhaltige Ver⸗ theilung der Holzmaſſe dabei zu erreichen ſein duͤrfte. Es giebt jedoch Faͤlle, wo es gefaͤhrlich iſt, den Boden und die jungen Pflanzen auch nur ſo unbeſchuͤtzt zu laſſen, als es bei Dun⸗ kelſchlaͤgen geſchiehet, wo die Freiſtellung ſelbſt noch jungen Orten von verhaͤltnißmaͤßig ſchon betraͤchtlichem Alter gefaͤhr⸗ lich werden kann, und wo deshalb eine geregelte Plenterwirth⸗ ſchaft gewiß mit Recht empfohlen wird. Man wird unter dieſen Verhaͤltniſſen, wo die Beſchattung niemals ſo verderb⸗ lich wirkt als da, wo das Holz eine freie Stellung verlangt, an Maſſe wenig verlieren, dabei aber den Gewinn einer weit groͤßern Sicherheit der Erhaltung des Holzbeſtandes und eines ſteten Schutzes durch das nie ganz weggenommene Holz er⸗ halten. Unter dieſe Faͤlle und Verhaͤltniſſe rechnen wir: 1) Sehr rauhe, den Stuͤrmen ausgeſetzte Hoͤhen, wo theils nur in der Umgebung und unter dem Schutze von anderem Holze junge Pflanzen fortzubringen ſind, theils auch aͤltere nur ihren Hoͤhenwuchs erhalten, wenn ſie zwiſchen hoͤheren, ſie ſchuͤtzenden Baͤumen ſtehen. 2) Waͤlder, welche ſo nahe an Seekuͤſten im kalten Klima liegen, daß der Seewind ſie unmittelbar beruͤhrt, da dann ebenfalls nur Holz in fortdauerndem Schutze von anderem zu — 280— erziehen iſt. Dienen ſolche Waͤlder zugleich gegen Verſandun⸗ gen, ſo iſt noch aͤngſtlicher darauf zu ſehen, daß niemals ſo viel Holz weggehauen wird, daß der Sand in ſie eindringen koͤnnte, und dieſer Wall, welcher gegen ihn ſchuͤtzt, auch nur kurze Zeit fehlt. 3) Selbſt den Angriffen des Windes ſehr ausgeſetzte, be⸗ traͤchtliche Sandhuͤgel, die leicht Flugſand entſtehen laſſen, duͤrften wenigſtens auf den Spitzen und Kaͤmmen, am beſten ſo behandelt werden, daß ſie zu keiner Zeit die Gefahr ganz kahl zu werden, fuͤrchten laſſen. 4) Waͤlder, im hohen Gebirge zum Schutze gegen Lavinen und Erdſtuͤrze beſtimmt, bedingen unerlaͤßlich eine Plenter⸗ wirthſchaft, welche bewirkt, daß ſie ſtets im Stande ſind, die⸗ ſen zu gewaͤhren. 5) Steile Felſenhaͤnge, an denen das Holz nur einzeln vorkoͤmmt, wenn zufaͤllig ein Samenkorn in eine Felſenſpalte mit fruchtbarer Erde angefuͤllt, faͤllt, haben ſelten einen gleich⸗ maͤßigen Beſtand. Gewoͤhnlich trifft man daſelbſt Holz von allem Alter, und muß ſich begnuͤgen, von Zeit zu Zeit das nutzbare heraus zu hauen, um es nicht verderben zu laſſen; das ſchwaͤchere, noch nicht brauchbare dann mit wegzuneh⸗ men, waͤre ganz ohne allen Zweck, da man ſich nicht bloß um die kuͤnftige Ernte braͤchte, ſondern vielleicht auch gar nicht einmal mehr im Stande waͤre, dieſe Stellen ſicher wie⸗ der in Beſtand zu bringen, was nur zufaͤllig durch ununter⸗ brochene Ueberſtreuung mit Samen geſchehen kann, wozu man deshalb gern die erforderlichen Samenbaͤume uͤberhaͤlt. 6) Auch in Weißtannen duͤrfte die Nachzucht ſicherer in der Plenterwirthſchaft ſein, als in regelmaͤßigen Beſamungs⸗ ſchlaͤgen, da dieſe Holzgattung zu lange und zu ſehr geſchutzt erhalten werden muß, als daß man dies durch Ueberſchirmung des Holzes allein erhalten koͤnnte, vielmehr der Seitenſchutz dazu mit benutzt werden muß. Eine jede Plenterwirthſchaft muß jedoch gewiſſen Regeln — 281— unterworfen werden, und kann nicht in einem willkuͤrlichen Heraushauen des Holzes beſtehen. Dieſe Regeln muͤſſen ſtets die Erreichung des durch ſie beabſichtigten ſpeciellen Zweckes im Auge haben, koͤnnen daher nicht uͤberall ganz gleich ſein, laſſen ſich jedoch auch theilweis fuͤr jeden Zweck gleichmaͤßig geben, inſofern ſie die Verhuͤtung der oben bezeichneten Nach⸗ theile der Plenterwirthſchaft zum Gegenſtande haben. Als allgemein geltende Regeln ſind folgende zu betrachten: 1) Ein Plenterwald muß in viele, nicht große Wirth⸗ ſchaftsfiguren getheilt werden, die ſo viel als moͤglich von Wegen oder Geſtellen begrenzt ſind, auf denen man das Holz abfahren kann, um nicht durch die Abfuhre des zu ſchlagen⸗ den Holzes zu viel Schaden zu thun. Wo die Oertlichkeit es erlaubt, ſind die verhaͤltnißmaͤßig langen und ſchmalen Schlaͤge, durch Wege getheilt, den breiten vorzuziehen. 2) Es ſind darin ſo wenig als moͤglich große Hauptbaͤume, mit ſehr ſtarker Aſtverbreitung und dichter Belaubung zu dulden. 3) Mit Ausnahme des Plenterwaldes an Felſenhaͤngen, wo das Holz ohnehin gewoͤhnlich ſchon nur ſehr licht ſtehet, muß die Heraushauung deſſelben nicht in einzelnen Baͤumen erfolgen, ſondern es muͤſſen ſo große Plaͤtze licht gehauen werden, daß Pflanzen darauf aufgehen und gedeihen koͤnnen. Dieſe muͤſſen groͤßer ſein bei Holzgattungen, welche viel Licht verlangen, kleiner bei ſolchen, die noch im Schatten gut wach⸗ ſen. Es darf ſich dabei der Hieb nicht allein auf das Holz erſtrecken, welches ſich als das benutzbarſte zeigt, ſondern es muß auch das verkruͤppelte, zur Fortzucht nicht taugliche, eben ſo wie das zu ſehr verdaͤmmende, herausgehauen werden. 4) Die Durchhauungen muͤſſen ſo geleitet werden, daß ſie, in regelmaͤßiger Aneinanderreihung der Schlaͤge, ſich immer nur auf einen beſtimmten Fleck des Waldes dergeſtalt be⸗ ſchraͤnken, daß man damit in einer gewiſſen Zeit herumkoͤmmt. Dieſe Zeit iſt verſchieden: a. je nachdem man mit einemmale viel oder wenig Holz wegnimmt; b. nach dem Alter, welches — 282— das Holz uͤberhaupt erreichen ſoll; c. nach dem ſchnellern oder langſamern Wuchſe deſſelben; d. nach den ſehr ſelten oder haͤufig eintretenden Samenjahren. Sie kann zwiſchen 20 und 30 Jahre liegen, 5) Alle Vorſichtigkeitsmaßregeln, um bei dem Faͤllen und Abfahren des Holzes Schaden zu verhuͤten, muͤſſen ſorgfaͤltig befolgt werden. 6) So lange, als zur vollen Beſtockung unentbehrliche Pflanzen in einem Diſtrikte noch vom Viehe beſchaͤdigt wer⸗ den koͤnnen, muß dieſer mit der Huͤtung verſchont werden. Dieſe allgemeinen Regeln muͤſſen wieder, wenn gleich ſie nie aus den Augen verloren werden duͤrfen, theilweis nach dem ſpeziellen Zwecke, welcher durch die Plenterwirthſchaft er⸗ reicht werden ſoll, geordnet und berichtigt werden. Auf rauhen betraͤchtlichen Bergen, wo das Holz ſehr langſam waͤchſt, durch die Stuͤrme gewoͤhnlich ſeinen ganzen Hoͤhenwuchs verliert, nur im dichten Seitenſchutze nachgezogen werden kann, die Samenjahre ſelten eintreten, koͤnnen die Durchhauungen nur in laͤngern Zwiſchenraͤumen eintreten, das die jungen Pflanzen umgebende hohe Holz muß geſchont wer⸗ den, bis dieſe ihren Hoͤhenwuchs wenigſtens einigermaßen aus⸗ gebildet haben, die kahl zu hauenden Stellen duͤrfen nicht groͤßer ſein, als daß immer noch der volle Seitenſchutz ſich wirkſam zeigt, weshalb ſie kleiner an ſteil aufſteigenden Bergen ſein muͤſſen, als auf der Ebene der Berggipfel noͤthig iſt. Eine fortwaͤhrend ſtarke Beſchattung des Nachwuchſes iſt hier um ſo eher zu dulden, als es mehr darauf ankoͤmmt, jede Ent⸗ bloͤßung zu verhindern, als ſchnell und langſchaͤftig wachſen⸗ des Holz zu erziehen, auf welches man bei dieſer Oertlichkeit doch nie wird rechnen koͤnnen. An Seekuͤſten finden theils dieſelben Verhaͤltniſſe ſtatt, von denen hier ſo eben gehandelt wurde, theils ſollen die da⸗ ſelbſt liegenden Waͤlder haͤufig natuͤrliche Schutzwehren gegen Verſandungen bilden. Bei einer gleichen Behandlung wird — 283— noch außerdem eine groſſe Aufmerkſamkeit auf die der See zunaͤchſt liegenden Raͤnder noͤthig. In dieſen iſt nicht eher zu hauen, bis hinter ihnen das alte Holz ſo mit jungem durch⸗ ſprengt iſt, daß es in jedem Falle eine vorſchreitende Verſan⸗ dung aufhalten kann. Iſt man gezwungen, auch die Raͤnder anzuhauen, weil ſie zu licht werden, die Erziehung eines neuen Beſtandes unvermeidlich wird, ſo muß ſich die Wegnahme von altem Holze immer nur auf dasjenige beſchraͤnken, was durchaus hinweggenommen werden muß, um das unentbehr⸗ liche Licht zu verſchaffen. Alles, ſelbſt das verkruͤppelte Unter⸗ holz, was nur irgend zum Aufhalten des Sandes dienen kann, muß geſchont werden, die Durchhauungen geſtatten keine Regelmaͤßigkeit, ſondern beſchraͤnken ſich rein auf die Weg⸗ nahme einzelner Baͤume, welche fuͤr den darunter ſich zeigen⸗ den Anflug oder Aufſchlag verdaͤmmend werden. Nicht die Anſicht einer zweckmaͤßigen Benutzung, ſondern nur die des zu erhaltenden Schutzes, darf hier geltend gemacht werden. Haͤufig wird man auch noch genoͤthigt ſein, wenn man zur Verjuͤngung dieſer Raͤnder ſchreiten will, Vorbaue von Elymus arenarius, oder Arundo arenaria, wo ſie genuͤgen, auch durch Zaͤune, vorzunehmen, bevor man darauf rechnen kann, daß darin Pflanzen aufkommen. Dies gilt vorzuͤglich von den Faͤllen, wo die alten Baͤume, gewoͤhnlich Kiefern, tief im Sande ſtehen, wie denn ſolche vorkommen, wo die 40 und 50 Fuß hohen Staͤmme nur noch mit den Wipfeln hervorragen. Im Binnenlande, wo man, um das Fluͤchtigwerden der Sandruͤcken zu verhuͤten, oder Verſandungen von benachbar⸗ ten Sandſchellen vorzubeugen, zu einer ſteten Beſchirmung ebenfalls genoͤthigt wird, iſt die Gefahr niemals ſo groß, als an der Seekuͤſte, und die daſelbſt zu fuͤhrende Plenterwirth⸗ ſchaft kann ſich deshalb ſchon mehr einer Schlagwirthſchaft mit lange uͤbergehaltenen Samenbaͤumen naͤhern. Der Unter⸗ ſchied liegt nur darin, daß man auf das Blankhauen, im Fall die natuͤrliche Beſamung laͤngere Zeit ausbleibt, ganz Verzicht — 284— thut, und durchaus das ſchuͤtzende Oberholz nicht eher weg⸗ nimmt, bevor nicht der darunter ſtehende Anflug den Boden hinreichend geſchirmt hat, ſo daß weder die Ueberſchuͤttung deſſelben durch angeweheten Sand, noch das Fluͤchtigwerden deſſelben zu fuͤrchten iſt. Dadurch werden gewoͤhnlich horſt⸗ weiſe Beſtaͤnde von verſchiedenem Alter erzeugt, aus denen man genoͤthigt iſt, das aͤlteſte Holz von Zeit zu Zeit auszu⸗ plentern. Wo es moͤglich iſt, Beſtaͤnde von gleichem Alter zu erziehen, thut man hier gern auf Plenterwirthſchaft Ver⸗ zicht, da die Kiefer immer ſchlecht in ihr waͤchſt, welche Holz⸗ gattung dieſe Sandhuͤgel beinahe ausſchließlich einnimmt, in— dem fuͤr ſie dieſelbe nur als ein wo moͤglich zu vermeidendes Uebel anzuſehen iſt. um Doͤrfer, Wieſen und Weiden gegen die verheerenden Lavinen mancherlei Art zu ſchuͤtzen, hat man in den Alpen und andern hohen Gebirgen die Bannwaͤlder angeordnet, d. h. Forſten, in denen weder Holz gehauen, noch die Weide benutzt werden darf. Man duͤrfte wohl durch eine zweckmaͤ⸗ ßige Plenterwirthſchaft die Idee, einen immerwaͤhrenden Schutz zu erhalten, beſſer erfuͤllt ſehen, als dadurch, daß man ſolche Waldorte ſich ſelbſt ganz uͤberlaͤßt. Hohes ausgewachſenes Holz, iſt weit weniger im Stande den Lavinen zu widerſtehen, als junges, da das erſtere gewoͤhnlich ſchon durch den ſtarken vorausgehenden Luftdruck umgeworfen wird, und ein Baum den andern niederwirft. Dann muͤſſen nothwendig auch die Baͤume nach und nach abſterben, und wie alle Urwaldungen, die Beſtaͤnde zuletzt luͤckig werden. Beſſer iſt es daher, man verjuͤngt das ausgewachſene Holz dergeſtalt, daß man, von unten an gegen den Berg aufſteigend, ſo daß der oberſte Rand zuletzt zur Verjuͤngung kommt, in dem ausgewachſenen Holze ſo viel Luft macht, daß ſich Anflug erzeugen kann, und der ganze Wald immer mit dichtem Unterholze beſtanden iſt. Hier wird die alte Plenterwirthſchaft, wobei immer nur ein⸗ zelne Baͤume weggenommen wurden, ganz an ihrer Stelle — 285— ſein, mit der einzigen Abaͤnderung, daß man weniger auf die Benutzbarkeit des Holzes ſiehet, als darauf, daß nur immer dem nachwachſenden Holze die unentbehrliche Luft zum Wachſen gegeben wird. Bei der Plenterwirthſchaft an ſteilen Haͤngen und Felſen, hat man die beiden Zwecke in das Auge zu faſſen: das Holz, welches brauchbar iſt und durch laͤngeres Stehenbleiben nur im Werthe verlieren wuͤrde, wegzunehmen, dagegen das noch nicht benutzbare ſtehen zu laſſen, zugleich aber auch ſo viel Samenbaͤume uͤberzuhalten, daß die abgeholzten Stellen wie⸗ der mit Samen uͤberſtreuet werden koͤnnen. Bei dem Anhiebe geſchloſſener Weißtannenbeſtaͤnde ohne Unterholz, nimmt man etwa den vierten Theil der vorhande⸗ nen Holzmaſſe dergeſtalt weg, daß uͤberall Plaͤtze von 6 bis 8 Quadratruthen Groͤße, in gleichmaͤßiger Entfernung von einander, von aller unmittelbaren Ueberſchirmung befreiet wer⸗ den. Kurz vor dem Abfalle des Samens werden dieſelben wo moͤglich aufgehackt, und wenn dieſer erfolgt iſt, uͤberharkt, damit der Same einige Bedeckung von Erde erhaͤlt, welches zur Erhaltung der jungen Pflanzen außerordentlich beitraͤgt. Der Schlag bleibt dann 10 bis 12 Jahre, oder bis die jungen Weißtannen eine vorherrſchende Neigung zum Hoͤhenwuchſe zeigen, unberuͤhrt ſtehen. Man haut dann abermals ein Viertel der alten Holzmaſſe dergeſtalt hinweg, daß die Raͤnder der jungen Pflanzenhorſte geluͤftet werden, ſo daß die uͤber⸗ haͤngenden Zweige der Baͤume nicht verdaͤmmend wirken koͤnnen. Außer dieſer Luͤftung entbloͤßet man aber auch wieder neue Stellen in der fruͤhern Art, ſo daß dieſe ebenfalls moͤglichſt gleichmaͤßig vertheilt werden. Mit der dritten Durchhauung kann man dann laͤngere Zeit warten, da die Pflanzen nun ſchon mehr Luft haben, und die Abraͤumung des letzten Vier⸗ tels des alten Holzes ſo lange anſtehen muß, bis die zuerſt erzogenen Pflanzenhorſte Samen tragen. Außer dieſen platz⸗ weiſen Entbloͤßungen, trifft der Hieb aber auch bei der jedes— — 286— maligen Durchhauung diejenigen Baͤume, welche ſchadhaft ſind, und deren Ausdauer bis zum naͤchſten Hiebe zweifelhaft iſt, ohne daß jedoch deshalb das beſtimmte Holzquantum uͤber⸗ ſchritten werden duͤrfte. Sollten die Beſtaͤnde ſchon luͤckig ſein, ohne noch junge Pflanzen zu haben, ſo werden ſie vorlaͤufig bei einem Sa⸗ menjahre bloß eingeſchont und aufgehackt, bis genugſame Pflanzen die Durchhauung in der beſchriebenen Art erlauben. Waͤren dieſe ſchon vorhanden, ſo aͤndert ſich das Verſahren bloß ſo ab, daß man die Abholzung auf eine verhaͤltnißmaͤßig kuͤrzere Zeit vertheilt. Groͤßere Stellen, die nicht mit Weißtannen in Beſtand zu bringen ſind, muͤſſen mit Fichten angeſaͤet werden, die je⸗ doch etwas mehr Licht beduͤrfen, da die Weißtanne beſſer in der Vermiſchung mit dieſer Holzgattung zu wachſen ſcheint, als rein. 6) Von dem Uebergange aus der Plenterwirthſchaft in eine regelmaͤßige Schlagwirthſchaft. So lange auch ſchon die Abſtellung der Plenterwirth⸗ ſchaft in Waͤldern empfohlen worden iſt, wo keine beſondern, oben angefuͤhrten Verhaͤltniſſe dazu noͤthigen, ſo finden wir doch noch haͤufig ſolche Forſten, in denen als Folge derſelben Holz von jedem Alter und jeder Groͤße unter einander ſtehet. In dieſem mit einem Male ſo zur regelmaͤßigen Schlag⸗ wirthſchaft uͤberzugehen, daß man ſich darauf beſchraͤnkte, eine verhaͤltnißmaͤßige Flaͤche, der getroffenen Hiebsordnung gemaͤß, regelmaͤßig abzutreiben und zu verjuͤngen, außerhalb derſelben aber alle Holzung, außer etwa dem abſterbenden Holze, auf⸗ zugeben, erlauben die Verhaͤltniſſe nur ſelten; unnoͤthige Auf⸗ opferungen wuͤrden dabei ganz unvermeidlich werden. Es waͤre dann nicht zu vermeiden, daß in den zuletzt zum Hiebe kommenden Schlaͤgen viel Baͤume, die jetzt mit Vortheil als Nutzholz abzuſetzen ſind, faul und werthloſes — 287— Brennholz wuͤrden, daß manche Orte, in denen vielleicht das junge Holz noch zu einem benutzbaren Beſtande herangezogen werden kann, wenn ihnen zu rechter Zeit Luft gemacht wird, vollends verdaͤmmt wuͤrden. Man wuͤrde vielleicht gar nicht einmal dabei den nachhaltigen Ertrag gleichmaͤßig vertheilen koͤnnen, da ſolche Waͤlder gewoͤhnlich ſehr ungleich beſtanden ſind, und man nicht immer im Stande iſt, den Nutzholzbe⸗ darf aus den zum Hiebe kommenden Schlaͤgen zu entnehmen, auch der Weide wegen es haͤufig der Fall iſt, daß die ſchlecht beſtandenen Orte nicht in einem Umfange zur Einſchonung gezogen werden koͤnnen, daß man darauf den beſtimmten Ab⸗ gabeſatz hinreichend vorfaͤnde. Nachdem die Anordnung des Hiebes, wie ſie der Wald fordert, getroffen, der jaͤhrliche Abgabeſatz wie er erfolgen kann, entworfen iſt, ſetzt man die Plenterwirthſchaft in einer regel⸗ maͤßigen Durchhauung des Waldes neben den regelmaͤßig zu verjuͤngenden Schlaͤgen ſo fort, daß: durch ſie das nicht ausdauernde oder ſchlechter werdende Holz zur gehoͤrigen Zeit benutzt wird— wenn auf den Schlaͤgen Ausfaͤlle ſtattfinden, auf ihnen mit der Holzung inne gehalten werden muß, gleichſam in der Durchforſtung, die Erfuͤllung des Abgabeſatzes in Nutz- und Brennholz erfolgt. Die Behandlung des Plenterwaldes, um zur regelmaaͤßi⸗ gen Schlagwirthſchaft uͤberzugehen, iſt ganz abweichend: 1) in ſolchen Holzgattungen, die ſich in maͤßiger Beſchat— tung noch geſund und wuͤchſig erhalten, wohin wir die Buche, Hainbuche, Weißtanne, nur ſehr beſchraͤnkt die Fichte rechnen; 2) in denen, welche in der Beſchattung ganz verkruͤppeln und niemals mehr einen guten Wuchs erhalten, wenn ſie auch freigeſtellt werden, wohin wir hier vorzuͤglich Kiefer und Eiche zaͤhlen. Zu 1. In Buchenwaͤldern, dieſe Holzgattung als Re⸗ praͤſentanten derer betrachtet, welche in einer maͤßigen Be⸗ — 288— ſchattung in einer Art ſich erhalten, daß ſie noch nach der Freiſtellung zu wuͤchſigen Beſtaͤnden herangezogen werden koͤn⸗ nen, ordnet man die Hiebsfolge nach folgenden Regeln an: a. Zuerſt kommen diejenigen Beſtaͤnde zum Hiebe, welche ſolches und ſo viel junges Holz haben, indem man mit dem aͤlteſten jungen Holze beginnt, daß nach dem Aushiebe des alten beſchattenden Holzes zu erwarten ſtehet, daß dies in Schluß koͤmmt, oder wenigſtens ſo werthvolle Beſtaͤnde bildet, daß ihre Erziehung ſich rechtfertigt. Man muß dabei nicht vergeſſen, zugleich den beſſern wuͤchſigen Pflanzen durch Weg⸗ nahme der aͤltern Stangen, der unpaſſenden Holzgattungen ꝛc. Luft zu verſchaffen. Haben Stellen wegen zu dichten Standes des alten Holzes noch keine Pflanzen, ſo verfaͤhrt man bei dieſen wie bei Stellung eines Beſamungsſchlags, nimmt je⸗ doch die Samenbaͤume nach erfolgter Beſamung verhaͤltniß⸗ maͤßig fruͤh weg.— So bildet man ſich zuerſt die juͤngſte Altersklaſſe, bei der man nur Sorge traͤgt, daß kein Holz ſtehen bleibt, welches das andere verdaͤmmt, ohne uͤbrigens auf eine aͤngſtliche Herſtellung eines gleich alten Beſtandes halten zu koͤnnen. Selbſt einzelne aͤltere, jedoch bis der Ort zum Hiebe koͤmmt, aushaltende Baͤume muͤſſen ſtehen bleiben, wenn durch ihr Heraushauen eine produktionsloſe Luͤcke ent⸗ ſtehen koͤnnte. Doch traͤgt man Sorge, ſie durch maͤßiges Aeſten weniger verdaͤmmend zu machen. b. Sobald alle Orte, die jungen Aufſchlag haben, in dieſer Art durchlichtet ſind, trifft die Reihe ſolche, in welchen das alte Holz ſo dominirt, daß es einen Beſamungsſchlag ſtellen kann. Die Behandlung unterſcheidet ſich von derjeni⸗ gen der gewoͤhnlichen Beſamungsſchlaͤge nur darin, daß man, wegen luͤckenhaften Beſtandes, gewoͤhnlich genoͤthigt iſt, mehr Unterwuchs uͤberzuhalten, an leeren Stellen Bucheln einzu⸗ hacken, mehr Auspflanzungen vorzunehmen. c. Diejenigen Orte, worin die Stangenhoͤlzer und mitt⸗ lern Altersklaſſen vorherrſchend ſind, muͤſſen ſtehen bleiben, bis ſie —- 289— ſie ſo viel Samen tragende Baͤume haben, daß ein Beſamungs⸗ ſchlag darin geſtellt werden kann, ſie folgen deshalb erſt auf diejenigen Beſtaͤnde, welche ſchon jetzt verjuͤngt werden koͤnnen. Was die neben den Schlaͤgen fortlaufenden Durchhauun⸗ gen oder Plenterungen betrifft, ſo ſind dabei folgende Regeln zu beachten. a. Sobald der Abgabeſatz aus dem Schlage erfuͤllt wer⸗ den kann, haut man nicht in den uͤbrigen Beſtaͤnden. b. Die Durchhauung dieſer muß ſich ebenfalls in einer beſtimmten Ordnung bewegen, wie man mit den Schlaͤgen vorſchreitet, damit das dadurch zu gewinnende Holz nicht zu ſehr vereinzelt wird; nur einzelne ungewoͤhnlich ſtarke Nutz⸗ holzbaͤume, die man gerade bedarf oder vortheilhaft abſetzen kann, nimmt man, jedoch immer mit Ruͤckſicht auf die gleich⸗ maͤßige und nachtheilige Vertheilung, da weg, wo man ſie findet. c. Je naͤher ein Ort der regelmaͤßigen Verjuͤngung liegt, deſto weniger nimmt man bei der Durchplenterung heraus, da man den Grundſatz nie aus dem Auge verlieren darf, daß dieſer ſich immer nur auf dasjenige Holz erſtrecken ſoll, was nicht aushaͤlt, was zur Vermehrung der Produktion des Orts (wegen Schaden durch Verdaͤmmung) herausgehauen wer⸗ den muß, was zur gleichmaͤßigen nachhaltigen Benutzung be⸗ durft wird. d. Hieraus wird ſich ſchon von ſelbſt ergeben, daß, waͤh⸗ rend man die Dickungen reinhauet, aus den Orten, wo das haubare Holz dominirt, in der Regel nur das abſterbende, nicht aushaltende Holz genommen werden darf, dagegen die mittelwuͤchſigen Hoͤlzer nach der Anſicht durchplentert werden, um daraus die ſtarken verdaͤmmenden Nutzhoͤlzer zu nehmen. Auf wie viel Holz ſich die Durchplenterung erſtrecken muß, haͤngt allein vom Zuſtande des Waldes ab. 2) Die eben dargeſtellte Wirthſchaftsmethode waͤre in Kie⸗ fern und Eichen ganz unanwendbar, und die ſchlechteſte, die man waͤhlen koͤnnte, 19 — 290— weil in dieſen Holzgattungen das junge, bisher beſchattet ge— weſene Holz nur in einer maͤßigen Beſchattung fortwaͤchſt, ploͤtzlich frei geſtellt, ſeinen ganzen Wuchs verliert; weil das Heraushauen und Aufarbeiten des Holzes zu viel Schaden thut, und ſich nicht erwarten laͤßt, daß ſich die da⸗ durch entſtehenden Luͤcken noch zuziehen. Folgende Wirthſchaftsordnung, nach den abweichenden Verhaͤltniſſen des Forſtes modificirt, duͤrfte im Allgemeinen die fuͤr Kiefern- und Eichen⸗Plenterwaldungen paſſende ſein, um in eine regelmaͤßige Schlagwirthſchaft uͤberzugehen. a. Man beginnt mit der regelmaͤßigen Verjuͤngung in denjenigen Orten, welche das mehrſte alte Holz, das wenigſte junge haben, oder auch mit den Naͤumden, auf denen kein junges Holz ſtehet, und verjuͤngt ſie regelmaͤßig, ohne auf das verkruͤppelte Unterholz zu achten, ganz nach den Grund⸗ ſaͤtzen der Behandlung der Samenſchlaͤge. b. Sobald der Abtrieb der Orte beendigt iſt, worin das haubare Holz dominirt, trifft die Reihe diejenigen, welche nur unwuͤchſiges Stangenholz, vermiſcht mit altem Holze, haben. c. Die zuletzt zum Hiebe kommenden Orte ſind ſolche Diſtrikte: worin das 20— 40jaͤhrige Holz ſo geſchloſſen und wuͤchſig iſt, daß man daraus einen guten Ertrag gebenden Beſtand zu erziehen hoffen kann— die mit jungem Holze unter 20 Jahren beſtandenen Orte, in denen nur wenig Stangenholz oder alte Baͤume ſind, ſo daß auch von ihm auf einen wenigſtens mittelmaͤßigen Beſtand zu rechnen iſt. Auch hier werden die Plenterungen nach folgenden Grund⸗ ſaͤtzen fortgeſetzt. Was nicht abſtirbt, worin nicht Nutzholz verloren gehet, was nicht zur Erfuͤllung des Etats durchaus gehauen werden muß, alles dies muß ſtehen bleiben. Die Orte ſtark lichten zu wollen, um dem jungen Holze darin einen beſſern Wuchs — 291— zu verſchaffen, waͤre ein ganz falſches Verfahren, denn ein⸗ mal iſt Holz, was ſchon lange Zeit im Schatten geſtanden hat, nur zu erhalten, und, wenn gleich bei einem langſamen Wuchſe, zu einem benutzbaren Beſtande heraufzuziehen, wenn eine maͤßige Beſchattung und Vermiſchung mit altem Holze auch ferner erhalten wird; dann iſt aber auch auf die durch Wegnahme und Abfuhre der alten Staͤmme entſtehenden leeren Stellen nichts anderes zu bringen, dieſe Luͤcken werden auch in Eichen und Kiefern viel groͤßer, da hier das Faͤllen des Holzes viel mehr Schaden thut, als in Buchen. Das von dieſer Holzgattung auf die Kiefern, von Forſtmaͤnnern, w elche dieſe letztere Holzgattung nicht kannten, uͤbergetragene Ver⸗ fahren, den jungen verdaͤmmten Unterwuchs licht zu hauen, hat uͤberall, wo es ſtattfand, einen außerordentlich nachtheili— gen Einfluß gehabt. Man kann in ſolchem Diſtrikte weder das alte Holz wegnehmen, weil dann das junge allen Wuchs verliert, noch auch oft dieſes heraushauen, um den Schlag neu anfliegen zu laſſen, wenn man nicht etwa Gelegenheit hat, es vortheilhaft zu Faſchinen, dem Baue von Sandſchellen, zu Zaunruthen u. dergl. abzuſetzen, da dies nicht ohne betraͤcht⸗ liche Koſten geſchehen kann, und dies ſchwache Reisholz als Brennholz ſo geringen Werth hat, daß es ſelten verkaͤuf⸗ lich iſt. Man laͤßt deshalb ſolche Orte lieber ſo lange wachſen, bis man darin wenigſtens brauchbares Knuͤppelholz erhaͤlt. Auch hier entſcheiden jedoch allerdings die Verhaͤltniſſe des Forſtes, und vorzuͤglich, ob man nicht noͤthig hat, einen Aufwand von Kulturkoſten zu ſcheuen, um dem Boden ſo ſchnell als moͤglich eine beſſere Produktion zu verſchaffen, oder in welchem Verhaͤltniſſe der Zuwachs dieſer Orte zu dem der uͤbrigen des Forſtes ſtehet. 19* — 292— 6) Von der Bewirthſchaftung des Niederwaldes. Allgemeine. Anſichten. Von der Zeit der Abholzung. Sie wird in der Regel zwiſchen die des Abfalls der Blaͤtter, bis zum Aus⸗ bruche derſelben geſetzt. Manche Holzgattungen, wohin man vorzuͤglich Weide und Erle rechnen kann, zeigen ſogar keine bemerkbare Verſchiedenheit im Wiederausſchlage, wenn man ſie im vollen Laube hauet, ja ertragen ſogar einen Abhieb ſo ſpaͤt im Jahre, daß die Ausſchlaͤge nicht ganz verholzen, ohne ſehr bemerkenswerthen Nachtheil. Da jedoch das Holz dann leicht verdirbt, die Blaͤtter das Einbinden des Reiſigs erſchwe— ren, und dieſes ungern von den Brennholzkaͤufern genommen wird, ſo wuͤrde dieſe Jahreszeit ganz unpaſſend zum Brenn⸗ holzeinſchlage ſein. Wo es dagegen zu Faſchinen bei dem Waſſer⸗ und Wegebaue bedurft wird, kann in beiden genann⸗ ten Holzgattungen die Furcht, den Wiederausſchlag zu verlie⸗ ren, kein Grund ſein, den Einſchlag in ihnen zu irgend einer Jahreszeit zu weigern. Den Anhieb kurz vor dem Abſterben des Laubes, ſo ſpaͤt, daß ſich keine Knospen mehr ausbilden koͤnnen, ertragen alle Laubhoͤlzer, wie die zum Viehfutter benutzten Schneidel- und Kopfhoͤlzer genugſam erweiſen; man waͤhlt ihn jedoch nur in dem Falle, wo das Laub benutzt werden ſoll. Die Birken, Ebereſchen und wilden Kirſchen ſollen unter dem Hiebe im ſpaͤten Fruͤhjahre ſehr leiden, und man treibt ſie deshalb gern ab, bevor die Saftcirculation beginnt. Ein aͤlterer Forſtmann, Keppler, ſtellte, geſtuͤtzt auf Erfahrungen, die Behauptung auf: daß aller Niederwald zu der Zeit, wo die Knospen ſchwellen und aufbrechen, gehauen, ſchneller und kraͤftiger wieder aus⸗ ſchlage, als der im Herbſt oder Winter gehauene, und empfahl deshalb den ſogenannten Safthieb, d. h. den Hieb im ſpaͤ⸗ — 293— tern Fruͤhjahre, wo der Saft ſchon vollkommen fluͤſſig und in Bewegung iſt. Der dagegen gemachte Einwurf einer dadurch herbeige⸗ fuͤhrten Verblutung, wurde theils durch die ungefaͤhrdete Er⸗ haltung, der Eichen⸗Schaͤlwaldungen widerlegt, theils durch den gefuͤhrten Nachweis, daß der verloren gehende Saft nur in rohem, in groͤßerer Menge aufgenommenen Safte beſtehe, deſſen Verluſt nicht nachtheilig ſein koͤnne, da ihn der abge⸗ hauene Stamm nicht in der Menge beduͤrfe, wie er ihm bei dem Safthiebe zugefuͤhrt werde. Außerdem fuͤhrte man zu Gunſten deſſelben an: daß das auf dem Abhiebe, bei im Herbſte und Winter ge— hauenem Holze, eindringende und zu Eis frierende Waſſer die Stoͤcke nicht durch ſeine Ausdehnung beſchaͤdigen koͤnne— daß ein Stock, deſſen Lebensthaͤtigkeit ſich bei der Wegnahme des Stammes ſchon vollkommen entwickelt habe, raſcher und leichter muͤſſe Knospen entwickeln koͤnnen, als ein ſolcher, deſ⸗ ſen Organismus durch eine ſo gewaltſame Operation ge⸗ ſtoͤrt ſei— daß die Erweichung der Rinde durch den im unabgehauenen Stamme ſtark zuſtroͤmenden Saft, ebenfalls der Knospenent⸗ wickelung ſehr guͤnſtig ſei. Unſere Kenntniß des Lebens der Pflanzen iſt noch viel zu gering, um daraus ſolche praktiſche Folgerungen mit Sicher⸗ heit ziehen zu koͤnnen; die Erfahrung allein kann dabei ganz zuverlaͤſſige Reſultate geben. Dieſe lehrt, daß allerdings der Safthieb bei den mehrſten Hoͤlzern nicht nachtheilig iſt, und kraftvolle Ausſchlaͤge gewaͤhrt; allein ſie zeigt auch, daß gut bewirthſchaftete Niederwaͤlder, im Herbſte, Winter und zeiti⸗ gen Fruͤhjahre gehauen, ebenfalls ſo ſchoͤn wieder ausſchlagen, daß ſchwer zu entſcheiden iſt, ob wirklich der Safthieb in die⸗ ſer Hinſicht beachtungswerthe Vortheile gewaͤhrt, ob es ſich der Muͤhe verlohnt, alle die andern Nachtheile deshalb zu uͤbernehmen, die er gewoͤhnlich mit ſich fuͤhrt, als da ſind: — 294— ſchwierige Naͤumung der Schlaͤge vor dem Wiederausſchlage, leichtes Verderben des Holzes, Beengung der Zeit bei dem Abhiebe u. ſ. w. Es iſt deshalb mehr die Zeit des Abhiebes von den wirth⸗ ſchaftlichen Verhaͤltniſſen des Waldes abhaͤngig zu machen, als von der Idee von einer oder der andern Zeit einen be— traͤchtlich beſſern Ausſchlag erhalten zu wollen. Dieſe ſind: 1) Die Gewinnung der Rinde und Schaͤlholz. Eichen⸗ Schaͤlwaldungen, Weidenwerder, welche Korbruthen und Reif⸗ ſtaͤbe zum Schaͤlen liefern ſollen, koͤnnen nur im ſpaͤten Fruͤh⸗ jahre gehauen werden. 2) Von der Zugaͤnglichkeit der Schlaͤge und Brauchbarkeit der Abfuhrwege. Erlenbruͤcher koͤnnen nur bei ſtarkem Froſte gehauen werden.. In Gebirgen, wo tiefer Schnee faͤllt, vermeidet man da⸗ gegen jeden Winterhieb, weil man ſich der Gefahr ausſetzt, ſowohl hochgehauene als ſehr beſchaͤdigte und abgeſplitterte Stoͤcke zu erhalten, das abgehauene Holz leicht verſchneiet, ſelbſt viel mehr Wieden, die bei Froſt nicht aushalten ge⸗ braucht werden. 3) Von der Zeit der Abfuhr. Wo alles Holz ſchon vor der Saatzeit im Fruͤhjahre abgeholzt wird, eilt man dann mit den Schlaͤgen fertig zu ſein, faͤngt deshalb ſchon lieber im Herbſte an. Man erſpart ſich dadurch das Ausruͤcken des Holzes, wo die Schlaͤge zugaͤnglich ſind, ohne die andern Vor⸗ theile eines raſchen Abſatzes zu gedenken. 4) Die Zahl der Arbeiter. Wo man viel Arbeiter hat, kann man ſpaͤter beginnen, als dies bei wenigen rathſam iſt. 5) Die Zeit der Aufbewahrung des Holzes im Walde. Im ſpaͤten Fruͤhjahre gehauenes Holz verdirbt viel ſchneller, alsim Winter gehauenes. Ungern haut man deshalb ſpaͤt, wenn man fuͤrchten muß, daß das Reisholz vielleicht Ein Jahr, das Knuͤppelholz mehrere Jahre, uͤberſtehen muͤßte. Vor⸗ — 295— zuͤglich gilt dies von den leicht verderbenden Hoͤlzern, Erlen, Birken u. dergl. 6) Im Mittelwalde tritt bei dem Abtriebe des Unterhol— zes noch die Nuͤckſicht ein, daß man den Schlag reingehauen haben muß, bevor man das Oberholz einſchlaͤgt, und daher auch fuͤr dieſes die noͤthige Zeit bedarf. Die Art des Abhiebes. Eine unabaͤnderliche Regel bleibt immer: den Ausſchlag ſo tief als moͤglich zu erhalten und deshalb nur ſo viel vom Stocke ſtehen zu laſſen, daß er nur gerade hervorbrechen kann, wobei man im Ducchſchnitt an⸗ nehmen kann, daß der Stock bis Einen Viertel Zoll unter dem Abhiebe abſtirbt. Nicht bloß die Ausdauer der Mutter⸗ ſoͤcke, ſondern auch der Wuchs des Holzes, die Erhaltung zahlreicher Ausſchlaͤge, haͤngt davon ab. Fruͤher enthielten die Lehrbuͤcher das Maͤhrchen: der Mutterſtock im Niederwalde daure nur ſo lange, als der unabgehauene Stamm wuͤrde ge⸗ lebt haben. Man kann jedoch ſagen, ein gut behandelter Mutterſtock, auf einem Boden auf welchem der Ausſchlag Erde faſſen und ſich neu als Senker bewurzeln kann, regenerirt ſich dadurch in einer Art jedesmal wieder, daß er einen neuen fuͤr ſich beſtehenden Stamm bildet, und ſo ſein Leben eine unabſeh⸗ bare Zeit hierdurch erhalten kann. Dazu koͤmmt, daß einem fuͤr ſich auf dieſe Weiſe ſelbſtſtaͤndig in der Erde bewurzelten Stamme, das Ausfaulen des alten Mutterſtockes nicht nach— theilig wird, daß er durch die neu ausgebildeten Wurzeln mehr Nahrung erhaͤlt, daß ſich weit zahlreichere Ausſchlaͤge auf dieſe Art ernaͤhren koͤnnen, als wenn ſie allein am Mutter⸗ ſtocke befeſtigt waͤren, folglich auch der Beſtand ſich deſto mehr verdichtet. Jeder Ausſchlag der in der Erde hervorbricht, oder auch nur dicht auf der Erde, und ſpaͤter mit verfaulendem Laube, bedeckt wird, hat aber das Vermoͤgen, aus der Rinde neue Wurzeln zu entwickeln, obwohl einige Holzgattungen dies ſchneller thun, als andere. Damit ſoll jedoch nicht die Behauptung aufgeſtellt wer— — 296— den, als ſei der tiefſte Hieb ſtets der beſte, denn nicht immer iſt es alten Mutterſtoͤcken moͤglich, noch tiefe Ausſchlaͤge zu entwickeln. Alle Samen- oder Kernpflanzen, welche noch in dem Al⸗ ter bei voller Geſundheit ſtehen, daß man von ihnen uͤberzeugt ſein kann, daß ſie noch die gehoͤrige Ausſchlagsfaͤhigkeit haben, muͤſſen ſtets dicht an der Erde weggehauen werden. Eben dies gilt von allen denjenigen Holzgattungen, von denen man weiß, daß ſie ſelbſt im hohen Alter noch Wurzel⸗ brut treiben, die ſich in der Regel dadurch regeneriren, deren Ausſchlagsfaͤhigkeit aus der alten Rinde des Mutterſtockes noch ſicher oder ſehr wahrſcheinlich iſt. Man nimmt bei ihnen keine Ruͤckſicht auf den fruͤhern, fehlerhaften, hohen Hieb, ſondern haut ſie tief, dicht an der Erde weg. Bei Holzgattungen, welche viel natuͤrliche Senker bilde⸗ ten, in dicht auf der Erde liegenden, ſchon bewurzelten Zwei⸗ gen beſtehend, hauet man jeden alten ſchlechten Mutterſtock ſo tief heraus, als es ohne Verletzung dieſer Senker geſchehen kann, ſobald davon eine hinreichende Menge vorhanden ſind, um auf den Ausſchlag am alten Stocke verzichten zu koͤnnen, damit dieſe Senker ſein Leben fortſetzen. Bei Hoͤlzern dagegen, welche weder Wurzelbrut treiben, noch aus der alten Rinde der Mutterſtoͤcke Ausſchlag erwar⸗ ten laſſen, muß man nothgedrungen im jungen Holze hauen, d. h. von den letzten Ausſchlaͤgen ſo viel ſtehen laſſen, daß daran die neuen Triebe hervorbrechen koͤnnen. In Erlenbruͤchern muß man die gewoͤhnliche, und im Falle eine Ergaͤnzung eingehender Mutterſtoͤcke unausfuͤhrbar waͤre, ſelbſt die moͤgliche Hoͤhe des Waſſerſtandes bis Mitte Mai beachten. Der Stock darf nicht tiefer gehauen werden, als daß man Sicherheit hat, daß zu dieſer Zeit er weit ge⸗ nug aus dem Waſſer herausſtehet, um uͤber demſelben Aus⸗ ſchlaͤge entwickeln zu koͤnnen. Abgehauene Stoͤcke, die dann noch ganz vom Waſſer bedeckt ſind, gehen gewoͤhnlich ein. Sobald man die Regel befolgt, nicht mehr vom Stocke ſtehen zu laſſen, als zur Erlangung des tiefſten Ausſchlages noͤthig iſt, muß man aber auch bei allen Hoͤlzern die am Stamme wieder ausſchlagen, indem ſie keine Wurzelbrut trei⸗ ben, ſorgfaͤltig dahin ſehen, daß der Stock in keiner Art be— ſchaͤdigt wird, ſondern der Hieb glatt an der Erde den Stamm wegnimmt, ohne Rinde abzuſpalten oder den Stock einzu⸗ ſplittern. Dazu gehoͤret: a. daß der Hieb wagerecht, wenn es ſein kann, ſogar von unten heraufgefuͤhrt wird, ohne den abzuhauenden Stamm zur Seite zu biegen. Bei ſtarkem Holze muß wenigſtens der untere Hieb zum Kerbe, in dieſer Art gefuͤhrt werden; b. daß der Abhieb des ſchwachen Holzes mit leichten, duͤnn, unten gerade aus, oben mit einer Bahn geſchliffenen Inſtrumenten erfolgt, nicht mit ſchweren Aexten mit keilfoͤr— miger Schneide, deren Wirkung mehr durch den Druck als durch das Schneiden erfolgt. Die ſogenannten Bahrten im mittlern Deutſchlande ſind dazu am empfehlenswertheſten, und der Abhieb des Schlagholzes im noͤrdlichen Deutſchland, iſt groͤßtentheils wegen der unpaſſenden Inſtrumente ſo ſchlecht. c. Daß bei tiefem Schnee und ſtrengem Froſtwetter nicht gehauen wird. Der erſte verhindert das Abhauen dicht an der Erde, der andere laͤßt das Abſplittern der Rinde kaum vermeiden. d. Weidenwerder duͤrfen nicht auf dem Eiſe, oder bei ho⸗ hem Waſſerſtande gehauen werden. Welche der Holzgattungen, die fuͤr den Niederwald beach⸗ tungswerth ſind, Wurzelbrut treiben, oder ihre Ausſchlagsfaͤ⸗ higkeit ſehr lange erhalten, iſt in dem Abſchnitte von der Holz- kenntniß nachgewieſen. Vom Aufmachen und der Abfuhre des Holzes. Entweder gehen die Nutzholzarbeiter und Kaͤufer den Schlag vorher durch, und ſuchen alles brauchbare Nutzholz — 298— heraus, oder die gewoͤhnlichen Holzhauer ſortiren es. Wenn man auf die erſtere Art alles vorhandene Nutzholz abſetzen kann, ſo verdient ſie den Vorzug, und man theilt dazu jedem Kaͤufer ſeinen beſtimmten Fleck ab, damit nicht der zuerſt kom— mende das beſte auswaͤhlt. Wo die Brennholzarbeiter das Sortiren uͤbernehmen, muß man ſtets fuͤrchten, daß unpaſ⸗ ſendes Holz liegen bleibt, oder paſſendes in das Brennholz koͤmmt, auch wohl mehr ausgehalten wird, als abzuſetzen iſt. Jedem Arbeiter ſchalmt oder zeichnet man ſeinen Streifen aus, um theils Streit zu verhindern, theils die Arbeit eines jeden beſſer controlliren zu koͤnnen. Sollte es nicht moͤglich ſein, alles Holz vor dem Wie— derausſchlage der Stoͤcke aufzubinden, ſo darf daſſelbe nicht auf dieſe gelegt werden. Die zum Aufbinden des Reisholzes erforderlichen Wieden, muͤſſen an ſolchen Orten angewieſen werden, wo ihre Weg⸗ nahme keinen Schaden thut. Biegſame Zweige der Fichten und Birken, die geraden Schuͤſſe in den aͤltern Haſelorten, woraus keine Reifſtaͤbe mehr werden, eben ſo die duͤnnern Schuͤſſe der zum Abtriebe kommenden Weidenwerder, geben am vortheilhafteſten den Wiedenbedarf. Beſſer iſt es uͤbrigens, man laͤßt im Nothfalle einen Weidenort rein abſchneiden, als eine groͤßere Flaͤche uͤberall durchlichten. Das Auflagern des Reisholzes, welches in vorgeſchriebe⸗ ner Form moͤglichſt feſt gebunden ſein muß, geſchiehet am be⸗ ſten in einer Art, daß man gleich auf den erſten Blick uͤber— ſiehet, ob der Haufen die feſtgeſetzte Zahl Gebunde enthaͤlt. Wo Mandelweis geſetzt wird, iſt dies z. B. der Fall, wenn der Haufen pyramidenfoͤrmig ſo gepackt wird, daß unten 5, dann 4, 3, 2, 1, Welle liegen. Theils weil bei der Abfuhre die Ausſchlaͤge oder Lohden beinahe unvermeidlich beſchaͤdigt werden, wenn ſie erſt dann erfolgt, wenn dieſelben ſchon emporgeſchoſſen ſind, theils, weil ſich ſpaͤter das Reisholz ohne Zerreißen der Wieden nicht gut — 299— transportiren laͤßt, ſorgt man dafuͤr, daß, wenn man zu fuͤrch⸗ ten hat, die Abfuhre werde eiſt ſpaͤt erfolgen, daſſelbe gleich bei dem Aufbinden an die Wege und Naͤnder des Schlages ge⸗ bracht wird. Dennoch muß man Maßregeln ergreifen, um das Abfreſſen der Ausſchlaͤge durch das Zugvieh zu verhindern, z. B. durch Maulkoͤrbe, welche die Fuhrleute mitbringen muͤſſen. Beſondere Ruͤckſichten bei den verſchiedenen Holz⸗ gattungen. Eiche. Die reinen Eichenniederwaldungen ſind gewoͤhn— lich zur Gewinnung der Gerberrinde, bekannt unter dem Na⸗ men Spiegelrinde, da ſie noch glatt und unaufgeſprungen iſt, beſtimmt, und gewaͤhren dabei oft einen hohen Ertrag. Doch ſind auch Berghaͤnge, auf Sandſtein, Thonſchiefer, ſelbſt Gra⸗ nit und ſchwer zerſtoͤrbarem Geſteine, haͤufig ſehr gut mit Ei— chenbuſchholz beſtanden. Die Schaͤlwaldungen, in einem 12 bis 18jaͤhrigen Umtriebe, werden gehauen, ſobald die Knospen beginnen aufzubrechen, und die Rinde ſich leicht vom Stamme trennt. An warmen, vorzuͤglich regnichten Tagen, ſchaͤlt ſich die Ninde am beſten, weniger gut an kalten bei trocknem Nord⸗ und Oſtwinde. Man kerbt entweder den ſtehenden Stamm, ſo hoch wie er abgehauen werden ſoll, rund herum ein, aͤſtet ihn etwas aus, ſchlitzt die Rinde mit dem Lohſchnitzer unten auf, und reißt ſie ſo am Stamme herauf bis in die Spitze ab, daß ſie oben flatternd haͤngen bleibt und trocknet, oder man faͤllt nicht mehr Stangen, als taͤglich geſchaͤlt werden koͤnnen, um dieſe, auf beſtimmten Stellen zuſammengeſchleppt, und mit dem Stammende auf kreuzweis eingeſchlagene Pfaͤhle gelegt, zu ſchaͤlen. Die ſchwaͤchern Aeſte werden in Stuͤcke gehauen, ſo lang als ſie ſich irgend ſchaͤlen laſſen, und noͤthi— genfalls mit hoͤlzernen Schlaͤgeln geklopft, um ihre Rinde zu gewinnen. Dieſe muß bei dem Trocknen ſorgfaͤltig gegen Re⸗ gen geſchuͤtzt werden, und wird dann in Buͤndel gebunden oder in Klaftern geſetzt. — — — 300— Der Ertrag dieſer Schaͤlwaldungen iſt auf gutem Boden zu 24 bis 27 Centner Rinde, 5 bis 600 Kubikfuß Holz, bei 16 bis 18Sjaͤhrigem Umtriebe, zu ſetzen, auf mittelmaͤßigem zu 14 bis 18 Centner Rinde und 350 bis 400 Kubikf. Holz. Einhundert Gebund Rinde rechnet man in den Rheingegenden etwa gleich 28 Centner, wobei daſſelbe 7 Fuß Laͤnge, 3 ½ Fuß Umfang am Stammende hat.— Man gewinnt an Holz⸗ maſſe im kurzen Umtriebe gegen den laͤngern, theils, weil die Ausſchlaͤge in der erſten Jugend verhaͤltnißmaͤßig ſtaͤrker wach⸗ ſen, als ſpaͤter, theils, weil man bei der Erziehung von ſtaͤr⸗ kerm Knuͤppelholz nicht mehr auf ganz geſchloſſenen Beſtand rechnen kann. In Buchen-⸗ und Hainbuchen⸗Niederwaldungen wird der kurze Reiſerholzumtrieb unvortheilhaft, weil das Holz in der erſten Jugend nur langſam waͤchſt, vorzuͤglich in Buchen der lange Umtrieb uͤber 25 bis 30 Jahre nachtheilig iſt, und weil ſich der Beſtand darin durch ſchlechten Ausſchlag ſehr licht ſtellt. Ueber den Abtrieb iſt nichts Beſonderes zu ſagen. Im Birken⸗Niederwalde iſt ſtets auf ein ſtarkes Ein⸗ gehen der Mutterſtoͤcke zu rechnen, wo nicht ganz kurzer Buſch⸗ holzumtrieb ſtatt findet. Man laͤßt deshalb gern auf dem Morgen 6 bis 8 Samen tragende Stangen ſtehen, damit ſich immer wieder neuer Anflug zwiſchen den Mutterſtoͤcken erzeugt, verwundet auch wohl den Boden zwiſchen ihnen mit eiſernen Rechen, wenn die Bedeckung deſſelben es noͤthig macht. Vorzuͤglich wo die Birken-Niederwaͤlder zu Reiſſtaͤben benutzt werden, hat man ſehr auf geſchloſſenen Stand zu halten, damit die Schuͤſſe ſchlank in die Hoͤhe ſchießen. Der lange Umtrieb erzeugt viel abſterbendes, ſchnell verfaulendes Holz, da ſich die Birke fruͤh licht ſtellt, und ſehr dichte Be⸗ ſtaͤnde wuͤrden dabei ſelbſt im Niederwalde eine vorſichtige, ſich allein auf das abſterbende Holz erſtreckende Durchforſtung geſtatten, wo die Holzpreiſe hoch ſind. Oft wird die Entwen⸗ dung des Beſenreiſigs den Forſten ſehr nachtheilig; man thut dann — 301— wohl, es um billigen Preis in den Schlaͤgen ausſchneiden zu laſſen, weil nur dadurch dieſem Uebel geſteuert werden kann. In den Erlen-Niederwaldungen wird haͤufig ſtarkes, ſpaltiges Scheitholz in einem 40 bis 50 jaͤhrigem Umtriebe ge⸗ zogen, den die Erle zwar wohl haͤufig ertraͤgt, der aber doch, uͤber 40 Jahre hinausgeſetzt, oft ſehr gefaͤhrlich wird, wo die Ergaͤnzung der Mutterſtoͤcke ſchwierig oder unſicher iſt. Ein ſolcher langer Umtrieb geſtattet bei 20 bis 25 Jahren eine, in dichten Beſtaͤnden, gar nicht unbetraͤchtliche Durchforſtung, die ſich jedoch ebenfalls nur auf das ganz unterdruͤckte oder abſterbende Holz erſtrecken darf. Das Ueberhalten von Sa⸗ menbaͤumen iſt, wegen des ſich ſchnell zeigenden, ſtarken Gras⸗ wuchſes, gewoͤhnlich von keinem Erfolge, und vorzuͤglich bei lan⸗ gem Umtriebe deshalb nicht zu empfehlen, weil die uͤbergehal⸗ tenen Staͤmme weder bis zum folgenden Abtriebe aushalten, noch ohne großen Schaden im jungen Holze nachgehauen werden koͤnnen, auch dadurch der Mutterſtock fuͤr den Ausſchlag ver⸗ loren gehet, bei vielen uͤbergehaltenen Staͤmmen auch das junge Holz leicht unter dem Schatten leidet. Der kurze Um⸗ trieb giebt mehr Holz, als der laͤngere; ein hoher iſt deshalb nur da zu empfehlen, wo ſchwaches Holz nicht abzuſetzen iſt. In ſtarkem Erlenholze iſt das Faͤllen bei ſtrengem Froſte zu widerrathen, weil das ohnehin ſehr bruchige Holz wie Glas zerſpringt, ſo daß dabei wenigſtens am Reisholze betraͤchtlicher Verluſt eintritt. In den Bruͤchern darf man nicht mehr Holz faͤllen, als fortwaͤhrend ausgefahren und auf feſtem Boden aufgeſetzt werden kann. Das vorlaͤufig im Bruche ſelbſt auf⸗ geſetzte Holz, muß ſtets auf Unterlagen gelegt werden. Junge Schlaͤge muͤſſen bei dem ſehr bruchigen Holze mit der Ab⸗ fuhre ganz verſchont werden, die hier mehr Schaden als in irgend einer andern Holzgattung thut. Das hohe Gras in den Schlaͤgen kann mit Vorſicht mit der Sichel benutzt wer⸗ den, ſobald ſich keine Samenpflanzen zwiſchen den Mutter⸗ ſtoͤcken befinden. — 302— Die Weiden-Niederwaͤlder beſchraͤnken ſich, da die Saal⸗ weide ſelten in reinen Beſtaͤnden vorkoͤmmt, gewoͤhnlich auf die Flußbetten, Flußufer und horſtweiſe Beſtaͤnde in ſumpfigen Gegenden. Sie ſind in der Regel weniger zur Brennholzer⸗ zeugung beſtimmt, als um Korbſtoͤcke, Reifſtaͤbe und Korb⸗ ruthen darin zu erziehen, oder um Faſchinenholz und Zaun⸗ ruthen zu liefern. Der gewoͤhnliche Umtrieb zur Erziehung dieſer ſtaͤrkern Hoͤlzer, faͤllt zwiſchen 5 und 8 Jahre, wogegen die Korbruthen in der Regel geſchnitten werden, wenn ſie Ein Jahr alt ſind. Fortdauernd einen Weiden-Niederwald alle Jahre zu Korbruthen zu ſchneiden, wuͤrde die Mutterſtoͤcke zu ſehr ſchwaͤchen, weshalb man lieber die Korbruthennutzung mit der Erziehung von Reifſtaͤben und Faſchinenholz dergeſtalt ver⸗ bindet, daß nur Ein, hoͤchſtens Zwei Jahre hinter einander Korbruthen geſchnitten werden, dann aber das Holz wieder zu ſtaͤrkerm Holze fortwaͤchſt. Es faͤllt daher in eine Zeit von 6 bis 9 Jahren eine zweimalige Abnutzung, ſelten in eine ſolche Bon 7 bis 10 Jahren eine dreimalige. Um ſchlanke Schuͤſſe zu erhalten, muͤſſen die Weidenheger ſehr dicht erhalten werden, was ſie auch ſehr gut ertragen. Einmal luͤckig gewordene, laſſen ſich ſchwer nachbeſſern, was immer durch Senker oder Stecklinge geſchieht. Weil jedoch die uͤppig heraufſchießenden Stockausſchlaͤge das nachgepflanzte Holz leicht uͤberwachſen und verdaͤmmen, und um vorzuͤglich den Stecklingen einen Vorſprung gegen die Ausſchlaͤge gewin⸗ nen zu laſſen, ſchneidet man dieſe letztern lieber zweimal zu Korbruthen, nachdem man die Auspflanzung gleich nach dem Abtriebe vorgenommen hat, wenn auch der Ausſchlag darunter etwas leiden ſollte. Mit Ausnahme der etwa ſich natmuͤrlich bildenden Senker, muß man ſtreng darauf halten, daß alles rein abgehauen und geſchnitten wird, weil die ſchlechten Sei⸗ tenreiſer, welche vorzuͤglich die Korbruthenſchneider als un— brauchbar gern am Stocke ſtehen laſſen, die Ausſchlagsfaͤhig⸗ keit deſſelben ſchwaͤchen, und keine gute Ernte von Reiſſtaͤben — 303— erwarten laſſen. Immer muß man darauf ſehen, daß durch recht tiefen Hieb vorzuͤglich die Wurzelbrut beguͤnſtigt wird, da dieſe zur Verdichtung des Beſtandes am mehrſten beitraͤgt. Wenn die Werder durch Eisgang beſchaͤlt und beſchaͤdigt wer⸗ den, ſo ſind ſie, ohne Ruͤckſicht auf ihr Alter, ſobald der Ab⸗ fall des Waſſers es erlaubt, nachzuhauen. Auch die Haſeln-Niederwaͤlder werden groͤßtentheils um der Reifſtoͤcke willen beibehalten. Sie ertragen kein Oberholz, und werden in einem 12— 16jaͤhrigen Umtriebe bewirthſchaf⸗ tet. Das Wiedenſchneiden iſt vor dem 12ten Jahre nicht in ihnen zu dulden. Es iſt ſehr ſchwer, ſie dicht beſtockt zu er— halten, im langen Umtriebe beinahe gar nicht ausfuͤhrbar, im kurzen erreicht man dieſen Zweck durch das Abſenken der ſich gegen die Erde neigenden Seitenzweige noch am leichteſten. Sie bedingen tiefen Hieb, doch ſo, daß noch etwa Ein Zoll uͤber der Erde ſtehen bleibt. 5 7) Von der Behandlung des Mittelwaldes. Nur wo das Oberholz und Unterholz zuſammen paßt, laͤßt ſich dieſer Betrieb mit Vortheil beibehalten oder einrichten. Unterholz, welches gegen die Beſchattung empfindlich iſt, duldet kein Oberholz, welches eine ſtarke und dichte verurſacht, wogegen Buchen und Hainbuchen auch ſolches Oberholz ge⸗ ſtatten. Doch waͤhlt man auch dann ungern ſolches Ober⸗ holz, welches dabei ſtarke Neigung zur Aſtverbreitung hat, als: Linden, Hainbuchen, Masholder. Das empfehlenswertheſte Oberholz in Buchen und aͤhnlichem Unterholz, ſind: Eichen, Buchen, Ulmen, Eſchen und Ahorn. Im Eichen⸗, Birken⸗, As⸗ pen⸗ und Haſeln⸗Unterholz kann man einzelne nicht aſtreiche Ei⸗ chen, Birken, Aspen und Lerchen erziehen, allenfalls wo es der Boden erlaubt, licht gehaltene Eſchen und Ulmen. Von den uͤbrigen Nadelhoͤlzern paßt die Kiefer, wegen ihrer unregelmaͤ⸗ ßigen Stammbildung, im freien Stande nicht dazu, die Fichte —-— 304— und Tanne nicht wegen der ſtarken Beſchattung, welche we⸗ nigſtens bei der Fichte Schneidelung bedingen wuͤrde. Die Erle paßt uͤberhaupt nicht zum Mittelwalde. Daß einzeln vorkommende Baͤume von den ſeltnern Holzgattungen, als: Elz⸗ beerbaum, wilder Kirſchbaum, Spierlingsbaum u. dergl., wo ſie zu Nutzholz abzuſetzen ſind, recht gut uͤbergehalten werden koͤnnen, bedarf keiner weitlaͤuftigen Eroͤrterung. Wenn es ſonſt mit andern Bedingungen ſich vereinen laͤßt, ſo haͤlt man von den Hoͤlzern, die man zu Unterholz wuͤnſcht, gern ſo viel Baͤume uͤber, daß man durch den Sa⸗ menabfall eine Ergaͤnzung der im Mittelwalde viel haͤufiger, als im Niederwalde, eingehenden Mutterſtoͤcke, erwarten kann, um die Kulturkoſten zu erſparen. Doch darf dies kein Grund zur Erziehung ſonſt unpaſſenden Oberholzes ſein, da die Aus⸗ pflanzung der wenigen Staͤmme, die bedurft werden, keine große Ausgabe verurſacht. Was ſonſt uͤber den Werth und die Anzucht der verſchie⸗ denen Holzgattungen geſagt iſt, gilt auch fuͤr den Mittelwald. Von dem Verhaͤltniſſe zwiſchen dem Ober⸗ und Unterholze. Dies Verhaͤltniß kann nicht gleich bleiben. Es aͤndert ſich: 1) Nach dem Boden und der Form deſſelben. Je weniger der Boden uͤberhaupt zur Baumholzerziehung taugt, deſto we⸗ niger kann man Oberholz uͤberhalten, umgekehrt, deſto mehr, je beſſer er ſich zum Hochwalde paßt. Freilagen, anſteigende Haͤnge, ertragen mehr Oberholz, als enge Thalgruͤnde und ſelbſt tief im Walde liegende Ebenen, kleine Feldhoͤlzer, mehr als große geſchloſſene Waldmaſſen. 2) Nach dem Ertrage, den das Baumholz oder das Schlag⸗ holz giebt. Dasjenige beguͤnſtigt man am mehrſten, was am beſten rentirt. 3) Nach dem gegenwaͤrtigen und kuͤnftig beabſichtigten Zuſtande des Waldes. In gut geſchloſſenem Unterholze wird man n — 305— man weniger veranlaßt, viel Oberholz erziehen zu wollen, als man auf Schlaͤgen uͤberhaͤlt, auf denen es nicht gelingen wollte, einen vollen unterholzbeſtand herzuſtellen. Wo man die Idee hat, einſt zum Hochwaldbetriebe uͤberzugehen, beach⸗ tet man das Unterholz weniger, als wo man den Mittelwald⸗ betrieb beibehalten will. 4) Nach der Beſchaffenheit des Oberholzes. Große dicht belaubte Baͤume mit niedrigen Aeſten bedingen, daß eine klei⸗ nere Flaͤche unter ihrer unmittelbaren Ueberſchirmung liegt, als wo der Beſtand aus duͤnn belaubten Holzgattungen, jungen ſchlank aufgeſchoſſenen Staͤmmen beſtehet, die kein hohes Alter erreichen. 5) Nach dem Umtriebe des Unterholzes. Je aͤlter daſſelbe wird, deſto mehr leidet es unter dem Schatten, deſto ſeltner hat man Gelegenheit demjenigen, welches verdaͤmmt wird, Luft zu machen, deſto mehr ſtarkes Oberholz enthaͤlt ein Schlag, und deſto geringer muß nicht bloß die Stammzahl, ſondern auch die uͤberſchirmte Flaͤche ſein. 6) Nach den Holzgattungen. Beim Unterholze, welches viel Schatten ertraͤgt, kann man viel Oberholz von ſolchen Holzarten uͤberhalten, welche wenig Schatten verurſachen; um⸗ gekehrt findet das Gegentheil ſtatt. So verſchieden nun auch die Menge des uͤberzuhalten⸗ den Oberholzes nach dieſen abweichenden Verhaͤltniſſen ſein kann, ſo findet doch unlaͤugbar ein Minimum und Maximum ſtatt, welches, vorausgeſetzt, daß man uͤberhaupt eine Mittel⸗ waldwirthſchaft beabſichtigt, und der Boden ſie erlaubt, in keinem Falle uͤberſchritten werden darf. Man muß ſtets ſo viel Oberholz uͤberhalten, als das Unterholz erlaubt, ohne luͤckig zu werden, und bemerkbar im Wuchſe zuruͤck zu kom⸗ men, weil an dem Baumholze dann eine ſtaͤrkere und beſſere Holzerzeugung ſtattfindet, als man haben wuͤrde, wenn es nicht vorhanden waͤre, immer dabei einen dafuͤr geeigneten Bo⸗ den vorausgeſetzt. Man muß aber auch niemals ſo viel 20 — 306— Oberholz dulden, daß dadurch der Wuchs des Unterholzes ganz vernichtet wuͤrde, weil dann der Mittelwald aufhoͤrt, ein luͤckiger Hochwald an ſeine Stelle tritt. Man hat verſucht, fuͤr die Menge des uͤberzuhaltenden Oberholzes dadurch eine feſte Beſtimmung zu geben, daß man feſtſetzte, wieviel Flaͤche bei dem jedesmaligen Abtriebe des Un⸗ terholzes durch daſſelbe unmittelbar uͤberſchirmt bleiben duͤrfe. Dieſe Berechnung nimmt ſich zwar auf dem Papiere ſehr gut aus, ſie iſt leicht fuͤr den Lehrer, fuͤr den eine feſte, in Zahlen ausgedruͤckte Beſtimmung ſtets bequemer iſt, als ein Aufſuchen aller abweichenden Verhaͤltniſſe im Walde und eine daraus ſich entwickelnde Lehre von der Behandlung des Waldes, ſehr erwuͤnſcht fuͤr den Schuͤler, der dabei weniger zu denken, als auswendig zu lernen hat, allein wir muͤſſen eine ſolche demungeachtet als ganz unbenutzbar fuͤr den prak⸗ tiſchen Betrieb erklaͤren. Nicht genug, daß dieſe gegebenen Zahlen eben ſo oft verſchieden ſein muͤſſen, als die angedeuteten Verhaͤltniſſe abweichend ſind, daß ſich fuͤr keines derſelben eine uͤberall paſſende feſte geben laͤßt, ſo iſt es ſogar beinahe un⸗ ausfuͤhrbar, die wirkliche Schirmflaͤche im Walde zu ermitteln. Die abweichende Groͤße, der verſchiedene Bau, die ſehr un⸗ gleiche Belaubung der Baͤume, laſſen ſelten, oder nie auch nur zur wahrſcheinlichen Beſtimmung uͤber die durchſchnitt⸗ liche Groͤße der Schirmflaͤche aller Baͤume gelangen. Mit dem Maaßſtabe in der Hand herumzugehen, um ſie auszu⸗ meſſen, waͤre eine um ſo laͤcherliche Pedanterie, daß man doch zuletzt von den erhaltenen Rechnungsreſultaten nur Gebrauch machen koͤnnte, wenn man durch Pruͤfung aller Verhaͤltniſſe, welche auf das Ueberhalten von mehr oder weniger Oberholz Einfluß haben, ſich uͤberzeugt haͤtte, ob die beabſichtigte Schirm⸗ flaͤche paſſend, zu groß oder zu klein ſei. Thut man dies aber, ſo iſt dieſe Berechnung und Unterſuchung ſehr entbehrlich. Es giebt nur Ein Mittel ſich zu unterrichten, ob man eine paſſende Menge von Oberholz, zu viel oder zu wenig — 307— habe, ſobald man ſich ſchon von der vortheilhaften Beibehal⸗ tung des Mittelwaldes durch Vergleichung des Ertrags der verſchiedenen Betriebsarten unterrichtet hat: daß man den Einfluß der Beſchattung auf das Unterholz unterſucht, dieſelbe vermindert, wenn dies zu ſehr leidet, das Oberholz vermehrt, ſo⸗ bald dies ohne Gefahr geſchehen kann. Man vergleicht dazu den Ertrag des ganz freiſtehenden Niederwaldes, oder auch nur groͤßerer, ſehr wenig oder gar nicht beſchatteter Stellen, mit dem der ſtaͤrker beſchatteten auf gleichem Boden, woraus ſich der Einfluß der Beſchattung ergiebt. Findet man, daß das Unterholz zu ſehr leidet, ſo muß eine Durchlichtung ſo ſtark vorgenommen werden, wobei vorzuͤglich auf die Wegnahme des alten verdaͤmmenden Holzes geſehen wird, daß eine Stellung der Baͤume erfolgt, worin, der im Walde ſelbſt anzuſtellenden Unterſuchung gemaͤß, das Un⸗ terholz ſich noch erhalten kann. Es kann nicht fehlen, ſolche Stellen zur Norm dienend aufzufinden, da es nicht leicht einen Mittelwald geben wird, der nicht wenigſtens an eini⸗ gen Orten wuͤchſiges Unterholz haͤtte. Das zu wenige Ober⸗ holz, erkennbar an einem ſo lichten Stande, daß noch gar kein Einfluß auf den Wuchs des Unterholzes im Allgemeinen bemerkbar wird, kann man leicht durch Ueberhalten von Laß⸗ reiſern und verhaͤltnißmaͤßige Schonung der juͤngern Baum⸗ klaſſe vermehren, die dann wieder nachgehauen werden, wenn ſie anfangen ſich nachtheilig zu zeigen. Eine beſtimmte Flaͤche, die bei dem Abtriebe des Unter⸗ holzes durch das Oberholz uͤberſchirmt ſein ſoll, vorzuſchrei⸗ ben, oder auch nur zu empfehlen, wird abſichtlich vermieden. Fuͤr ſolche Forſtmaͤnner, welche ſie ohne weiteres Nachdenken anwenden moͤchten, nutzt ſie nichts, denn ſie wuͤrden kaum im Stande ſein, ſie zu ermitteln, und die, welche dies vermoͤ— gen, beduͤrfen ſie nicht, denn ſie werden ſich durch Unterſu— chung der Beſtaͤnde und Exrwaͤgung aller Ruͤckſichten, die uͤber 20* — 308— die Menge des Oberholzes entſcheiden, eine viel beſſere Regel ſelbſt entwickeln koͤnnen. Wir wollen wenigſtens nicht bei die⸗ ſem wichtigen und ſchwer zu beſtimmenden Gegenſtande in den Fehler vieler Lehrbuͤcher fallen, lieber die oft unpaſſende Vorſchrift ohne weiteres zu geben, als die Anleitung, ſich eine paſſende ſelbſt aus den beſtehenden Verhaͤltniſſen, zu entwickeln. Von dem Alter des Holzes. A. Das Oberholz. Fuͤr dieſes giebt es gar kein allge⸗ mein zu beſtimmendes Alter, und darf es keins geben, ja es iſt ein ſehr beachtungswerther Vortheil der Mittelwaldwirth⸗ ſchaft, daß man gar kein gleichmaͤßiges noͤthig hat, ſondern jeden Baum dann wegnehmen kann, wenn es ſich, ſo wie der Schlag an den Ort koͤmmt, wo er ſtehet, gerade paſſend zeigt. Ueber die Wegnahme oder das Stehenlaſſen eines Bau⸗ mes entſcheiden dann: a. Der Wuchs und die Geſundheit und Ausdauer deſſelben. Schlechtwuͤchſiges, zuruͤckgehendes ſchlaͤgt man ein, Birken, Aspen und uͤberhaupt alles, was ſchlechter werden oder gar bis zum naͤchſten Abtriebe des Unterholzes abſterben wuͤrde, kann nicht ſtehen bleiben. Anders iſt es mit ſehr gutwuͤchſi⸗ gen, noch ſtarken Zuwachs verſprechenden Baͤumen. b. Die Brauchbarkeit. Ein Baum, der jetzt gerade die verlangte Staͤrke und Brauchbarkeit hat, iſt eher als haubar anzuſehen, als ein ſolcher, der ſie erſt noch erhalten wird, ohne daß es dabei auf eine abſolute Staͤrke oder auf das Alter ankoͤmmt. Eine Eiche, die in 30 Jahren eine Muͤhl⸗ welle zu werden verſpricht, laͤßt man paſſend oft ſtehen, eine Birke zum Leiterbaume tauglich, eine Buche zu Felgen, eine ulme zu Naben, eine Aspe zu Landbauholz tauglich, haut man weg. c. Die Verdaͤmmung. Einen Baum, der viel Schaden thut, indem er den darunter oder daneben ſtehenden Aufſchlag — 309— verdaͤmmt, nimmt man fort, einen andern, der weggenom⸗ men eine leera Stelle verurſachen wuͤrde, laͤßt man ſtehen. d. Der Erſatz und die gleichmaͤßige Vertheilung. Wo Laßreiſer und Oberſtaͤnder ſtehen, hauet man den ſtarken Baum eher, als wo ſie fehlen. Wo das Oberholz zu dicht ſtehet, ſchlaͤgt man eher ſolches ein, als wo es mangelt. e. Die nachhaltige Vertheilung. Wenn gleich kein feſtes Alter fuͤr das ſtarke Holz beſtimmt werden kann, ſo muß man doch eine gewiſſe Zeit mit ihm ausreichen, bis anderes hat nachgezogen werden koͤnnen. Je ſchneller es nachwaͤchſet und die verlangte Staͤrke und Brauchbarkeit erhaͤlt, deſto mehr kann man jedesmal wegnehmen, im entgegengeſetzten Falle deſto weniger. f. Zu verlangende oder entbehrliche Beſamung. Wo z. B. in Buchen das Unterholz ganz mangelt, muß man, bis eine Beſamung erfolgt, mehr Oberholz ſtehen laſſen, als wo dem ſchon vorhandenen Luft zu machen iſt. Außer dieſen beſondern Beruͤckſichtigungen gilt noch fol⸗ gende allgemeine Regel:* Man muß das Oberholz nicht aͤlter werden laſſen„ als deſſen Brauchbarkeit erfordert, indem alles alte Holz, ſelbſt bei gleicher uͤberſchirmter Flaͤche, dem Unterholze weit nach⸗ theiliger wird, als das Baumholz von geringerer Staͤrke, und man deshalb von dieſem verhaͤltnißmaͤßig eine groͤßere Maſſe haben kann, als von jenem. Zudem verurſachen die alten Baͤume viel leichter luͤckige Unterholzbeſtaͤnde, als junge. Die Belaubung derſelben iſt dichter, als die der ſchwachen Hoͤlzer, der Seitenſchatten weniger wechſelnd, laͤnger auf einer Stelle bleibend; auf der Flaͤche, die von ihnen uͤberſchirmt wird, muß zuletzt alles Unterholz getoͤdtet werden, der Luftzug wird da⸗ durch weit ſtaͤrker behindert. Sobald deshalb das Brennholz hinreichend ſpaltig iſt, ſchlaͤgt man es als haubar ein, nach⸗ dem man durch viel Laßreiſer ꝛc. fuͤr den Erſatz geſorgt hat; — 310— das Nutzholz nur bleibt ſtehen, bis es die verlangte Staͤrke erreicht hat. Als Vortheile eines verhaͤltnißmaͤßig jungen Baumholz⸗ beſtandes kann man uͤberdies noch anſehen: daß man dabei mehr brauchbare Laßreiſer erhaͤlt, weniger Muͤhe mit dem Schneideln hat, eine geringere Menge von Zacken- und an⸗ bruͤchigem Holze zu erwarten hat, und ſelbſt leichter eine ver⸗ langte Regelmaͤßigkeit in den Oberholzbeſtaͤnden herzuſtellen vermag, als bei viel alten Baͤumen. B. Das Unterholz. Wenn auch fuͤr daſſelbe die fuͤr den Niederwald paſſenden Regeln anwendbar ſind, ſo darf man doch nicht vergeſſen, daß beſchattetes Holz die Ausſchlagsfaͤ⸗ higkeit fruͤher verliert, als freiſtehendes, daß die Wirkung der Beſchattung immer nachtheiliger ſich zeigt, je aͤlter das Holz wird. Dazu koͤmmt noch, daß die Vertheilung des Oberholzes bei langem Umtriebe des Unterholzes ſchwieriger wird, die Nachhuͤlfe, wo ſie ſich noͤthig zeigt, ſeltner eintreten kann, die Samenjahre ſeltner zu benutzen ſind, die alten Baͤume in groͤßerer Zahl vorhanden ſein muͤſſen, weil weniger Abſtufungen in den Altersklaſſen vorhanden ſind. Dies Alles rechtfertigt die Regel, daß man noch weit vorſichtiger im Mittelwalde ſein muß, und ein hohes Alter des Unterholzes zu vermeiden Urſache hat, als bei freiſtehendem Niederwalde unter ſonſt gleichen Verhaͤltniſſen. Beſondere Regeln der Erziehung des Holzes. Bei der Auswahl der Staͤmme, welche ſtehen bleiben ſollen, um zu Baͤumen zu erwachſen(Laßreiſer), muͤſſen fol⸗ gende Gegenſtaͤnde beachtet werden. a, Die Holzgattung, daß ſie paſſend iſt. b. Die Beſchaffenheit und der Wuchs des jungen Stam⸗ mes. Am liebſten waͤhlt man etwas frei geſtandene, ſtaͤm⸗ mig gewachſene, geſunde Kern- oder Samenloden dazu, die einen regelmaͤßig ausgebildeten Stamm haben. Im dichten *τℛͤ G⏑⏑⏑—— — 311— Schluſſe ſchlank aufgeſchoſſene Staͤmme wuͤrden einen großen Vorzug dadurch haben, daß ſie ſich ſelbſt bis in betraͤchtliche Hoͤhe von Aeſten gereinigt und uͤberhaupt eine geringere Nei⸗ gung zur Aſtverbreitung haben. Sie erhalten ſich jedoch ſchwer gegen Duftanhang, werden ſelbſt haͤufig durch die ſich ſtaͤrker ausbildende Blattkrone niedergezogen, ſobald ſie nur der Regen beſchwert; auch ſcheint der ſpaͤtere Wuchs eines ſolchen ploͤtzlich frei geſtellten Stammes weniger freudig zu ſein. Das Umbeugen dieſer ſchlanken Laßreiſer zu verhuͤ⸗ ten, hat man zwei Mittel: das horſtweiſe Ueberhalten mehrer, die ſich gegenſeitig ſtuͤtzen, wo dann die uͤberfluͤſſigen Stangen ſpaͤter nachgehauen wer⸗ den, ſobald die, welche man behalten will, ſich genug er⸗ ſtaͤrkt haben— das Einſtutzen, indem man einen Theil des Wipfels heraus⸗ hauet, was keinen bemerkenswerthen nachtheiligen Einfluß auf den Wuchs des Stammes hat, indem ſich der Wipfel bald wieder erſetzt. Man kann dies gleich bei dem Abtriebe des Unterholzes vornehmen, oder muß wenigſtens ſehr aufmerk⸗ ſam ſein, daß man augenblicklich, ſo wie ſich eine Biegung des Wipfels bemerkbar macht, derſelbe theilweis weggenom⸗ men wird, wo ſich dann der Stamm wieder aufrichten wird und viele ſonſt verloren gehende Laßreiſer erhalten werden koͤnnen. Bei windſtillem Regenwetter, bei Duftanhang, ſind die Schlaͤge deshalb fleißig zu revidiren. Bei kurzem Um⸗ triebe im Unterholze iſt man dieſer Gefahr weniger ausgeſetzt, als bei langem. Nicht unbedingt bedarf man Kernſtaͤmme zum Ueberhalten als Laßreiſer. Geſunde, tiefe Ausſchlaͤge, gute tiefe Wurzel⸗ brut von ſchwachen Wurzeln, laſſen ſich ebenfalls dazu be⸗ nutzen. Es eignen ſich jedoch allerdings davon erzogene Baͤume weniger zu ſtarken, ein hohes Alter beduͤrfenden Nutzholz⸗ ſtaͤmme, als zu Brennholz von geringerem Alter. c. Wichtig iſt es, die zu große Aſtverbreitung des Ober⸗ — 312— holzes zu verhindern, moͤglichſt glatte, zu Nutzholz taugliche Schaͤfte zu erziehen. In langem Umtriebe des Unterholzes iſt dieſes wohl moͤglich, wo wenigſtens bis zu einer gewiſſen Hoͤhe des Baumes das Abſterben der Aeſte bewirkt wird. Im kurzen dagegen kann das Oberholz mehr, als im freien Stande erzogen betrachtet werden, und es bedarf deshalb gewoͤhnlich der Nachhuͤlfe durch Schneideln, oder Wegnahme der tiefen Aeſte. Geſchiehet dies erſt ſpaͤt, ſo wird dadurch mehr die Erziehung des Unterholzes geſichert, als daß deshalb ſpalti⸗ ges glattſchaͤftiges Oberholz zu erhalten waͤre. Sobald es aber ſchon an den uͤberzuhaltenden Laßreiſern vorgenommen wird, uͤberwaͤchſt der geſchneidelte Stamm die Aeſte ſo voll⸗ kommen, daß er dadurch eine weit groͤßere Brauchbarkeit er⸗ haͤlt. Im Zuwachſe wird ein Baum jedoch allerdings durch die Wegnahme der Zweige in demſelben Verhaͤltniſſe zuruͤck⸗ geſetzt, weil ihm deshalb die Blaͤtter zur Bereitung des Bil⸗ dungsſtoffes mangeln. Aus dieſem Grunde, und weil ein zu ſtark geſchneidelter Baum neue Knospen und Zweige an der Stelle der weggenommenen entwickelt, wodurch der Zweck, ſpaltiges und glattſchaͤftiges Holz zu erziehen, ganz verfehlt werden wuͤrde, muß man das Schneideln ſo weit beſchraͤnken, daß der Baum wenigſtens ſo viel Aeſte im Wipfel behaͤlt, als er haben wuͤrde, wenn er im vollen Schluſſe aufgewachſen waͤre, und daß er nicht genoͤthigt iſt, neue Ausſchlaͤge zu ent⸗ wickeln, um die weggenommenen Zweige dadurch zu erſetzen. Zur Erziehung des Unterholzes, Ergaͤnzung der einge⸗ henden Mutterſtoͤcke ohne Anbau aus der Hand, ſtehen, bei den vorhandenen Samenbaͤumen im Mittelwalde, mehr Mit⸗ tel zu Gebote, als im reinen Niederwalde, in ſo fern nur nicht die Weidegerechtigkeit ein Hinderniß der Heraufbringung der Samenpflanzen iſt. Wenn in plaͤtzigen Unterholzbeſtaͤnden, wo gewoͤhnlich die Luͤcken innerhalb der durch ſtarke Baͤume uͤberſchirmten Flaͤche ſich bemerkbar machen, ſich junger Aufſchlag oder An⸗ — 313— flug zeigt, ſo kann man ihn durch einſtweiliges Aeſten, ein⸗ zulegende Vorſchonung, wohl ſo lange erhalten, bis der Hieb in dieſe Gegend koͤmmt, wenn das Alter des Holzes oder die beſtimmte Hiebsordnung es nicht erlauben, den Schlag bald nach erfolgter Beſamung in Betrieb zu nehmen. Eben ſo muß auch ein bei dem Abtriebe dunkel gehaltener Ort, auf welchem die Samenpflanzen, zur Ausfuͤllung der Luͤcken, ſich ſpaͤter zeigen, nachgehauen werden. Mit einem Worte, die Regeln zur Erziehung des Holzes in Beſamungsſchlaͤgen ſind auch auf den Mittelwaldbetrieb anwendbar, in ſo fern durch natuͤrlichen Samen⸗Abfall Unterholz nachgezogen werden ſoll.— Das vielen Seitenſchutz gewaͤhrende Unterholz erlaubt auch vor ſeinem Abtriebe Bucheln, Ahorn und Eicheln auf leeren Stellen unterzuhacken, im Fall die Samenbaͤume mangeln. Mehr noch als im Niederwalde hat man darauf zu ſehen, unpaſſendes Unterholz, als Haſeln, Aspen, Weiden und dergl. bei Buchen⸗Oberholz wegzuſchaffen, da vorzuͤglich die Be⸗ ſchattung es iſt, welche verurſacht, daß es ſich ſo unvohtheil⸗ haft zeigt. Man erreicht dieſen Zweck am beſten, wenn man dieſe Hoͤlzer einige Jahre vor dem Abtriebe des Orts heraus⸗ hauen laͤßt und denſelben einer ſtarken Behuͤtung unterwirft, wo theils das Weidevieh, theils die noch dauernde ſtarke Be⸗ ſchattung entweder das gaͤnzliche Eingehen der Mutterſtoͤcke bewirken, oder doch ein ſo ſtarkes Zuruͤckbleiben der Ausſchlaͤge, daß die langſam wachſenden Hoͤlzer einen Vorſprung gewinnen. Nicht ſelten iſt es der Fall, daß die durch Beſamung erzeugten jungen Hainbuchen und Buchen durch ſchnell wachſende Stockausſchlaͤge und Wurzelbrut verdaͤmmt, durch zu fruͤh eingetriebenes Vieh oder auch wohl Wild verbiſſen werden, und zwiſchen dem Unterholze nur als verkruͤppeltes Erdholz erſchei⸗ nen. Die ſonſtige Meinung war es ebenfalls, oft mit nicht unbetraͤchtlichen Aufopferungen an Hauerloͤhnen, mit hinweg⸗ hauen zu laſſen, um neue kraͤftig wachſende Ausſchlaͤge zu er⸗ halten. Der Erfolg war aber gewoͤhnlich, daß dieſe von neuem — 314— wieder verdaͤmmt oder verbiſſen wurden. Nachdem man be⸗ merkt hat, daß aus dieſem unſcheinbaren, geſchornen Hecken gleichendem Holze, noch recht gutes Unterholz gezogen werden kann, ohne daß man noͤthig haͤtte, es vorher abzuhauen, laͤßt man es nun lieber ſtehen(nach dem techniſchen Ausdrucke durchgehen), indem es dabei nicht bloß gegen die Verdaͤm⸗ mung beſſer geſchuͤtzt wird, ſondern auch ſelbſt vom Wilde nicht mehr beunruhigt wird, welches die jungen Ausſchlaͤge der andern Hoͤlzer lieber angreift, und den Buchen und Hain⸗ buchen Zeit giebt, ihm ganz zu entwachſen. 8) Von dem Uebergange aus einer Betriebs⸗ art in die andere. 1) Von der umwandlung des Hochwaldes in Niederwald. a. Diejenigen Orte, welche noch nicht zu alt ſind, ſo daß ſie ſicher tauglichen Stockausſchlag erzeugen koͤnnen, kann man ſogleich auf die Wurzel ſetzen. Man beginnt mit dem aͤlteſten, welches dieſe Bedingung erfuͤllt, und laͤßt die juͤngern heranwachſen, bis ſie das verlangte Alter haben. b. Baumholzorte, welche fuͤr den Ausſchlag zu altes Holz haben, muͤſſen erſt durch Beſamung verjuͤngt werden, bevor man den Niederwaldbetrieb einfuͤhren kann. Beſtaͤnde, die zum Ausſchlage zu alt, zur Verjuͤngung durch Samen zu jung ſind, muͤſſen ſtehen bleiben, bis dieſe Verjuͤngung moͤglich geworden iſt. Selten oder nie wird man ganze große Waͤlder auf dieſe Art umwandeln wollen, es erſtreckt ſich dies nur auf einzelne Forſtdiſtrikte, wo das Baumholz unpaſſend erſcheint, oder kleine Privatreviere, da Reisholz in ſehr großer Menge niemals ab⸗ zuſetzen iſt. Fuͤr dieſe iſt eine kuͤnſtliche Berechnung der kuͤnf⸗ tigen Ordnung der Schlagfolge, ſchon bei der jetzigen Anord⸗ nung des Hiebes unnoͤthig. Bei den einzelnen Diſtrikten groͤ⸗ — 315— ßerer Reviere entſcheidet daruͤber die Wirthſchaftsordnung der ganzen Waldmaſſe, zu der ſie gehoͤren; kleine Privatforſten haben zu wenig Flaͤche, um verwickelte Rechnungen und Com⸗ binationen zu beduͤrfen, die Verhaͤltniſſe des Beſitzers und der Oekonomie, zu welcher das Revier gehoͤrt, entſcheiden theils daruͤber, theils iſt das Ganze zu uͤberſichtlich, um einer weit⸗ laͤuftigen Berechnung zur kuͤnftigen Schlageintheilung ſchon jetzt zu beduͤrfen. Wir uͤbergehen ſie daher mit Abſicht. 2) Umwandlung von Niederwald in Hochwald. Dieſe iſt nur dann moͤglich, wenn der Beſtand des Nie⸗ derwaldes von einer ſolchen Beſchaffenheit iſt, daß eine hin⸗ reichende Menge Baͤume von der verlangten Holzgattung dar⸗ aus erzogen werden koͤnnen, um einen geſchloſſenen Hochwald⸗ beſtand zu bilden. In wiefern dazu auch Stockausſchlag und Wurzelbrut tauglich iſt, wurde oben nachgewieſen. Wenn die umzuwandelnden Orte zu einem groͤßern Wald⸗ complexe von Hochwald gehoͤren, oder uͤberhaupt kein Wirth⸗ ſchaftsganzes fuͤr ſich bilden, ſo beſtehet die Umwandlung in nichts, als daß man das zu Baumholz untaugliche von Zeit zu Zeit heraushauet, die etwanigen Luͤcken, wenn es die Beſchaffenheit des Beſtandes erlaubt, durch Pflanzung ausbeſſert, und uͤber⸗ haupt einen ſolchen Ort wie einen rein gehauenen Samen⸗ ſchlag im Hochwalde behandelt. Regel iſt es dabei, einen ſolchen umgewandelten Ort nicht zu alt werden zu laſſen, weil er ſelten ganz gut beſtanden iſt, und der Stockausſchlag fruͤhzeitiger im Wuchſe nachlaͤßt, leichter krankhaft wird, als der aus dem Kerne erwachſene Stamm. Sobald eine ſo große, bisher als Niederwald bewirthſchaftete Waldflaͤche um⸗ gewandelt werden ſoll, daß ſie kuͤnftig beſtimmt iſt, ein als Hochwald zu benutzendes Wirthſchaftsganzes zu bilden, ſo muß man darauf achten, ſo viel als moͤglich die Aufopferungen zu vermindern, welche ſtets mehr oder weniger damit verbun⸗ den ſind, theils ſo viel als moͤglich das Mißverhaͤltniß in den — 316— Altersklaſſen zu vermeiden, welches entſtehet, wenn man mit einemmale einen Niederwald, der z. B. lauter 1 bis 30 Jahr alte Schlaͤge, 90 bis 120 Jahr alt werden laſſen wollte. Man erreicht dies am beſten, wenn man: a. den Wald in ſo viel Schlaͤge theilt, daß nach Been⸗ digung des Umtriebes darauf zu rechnen iſt, daß die bei dem Abtriebe jedesmal ſtehen bleibenden Staͤmme anfangen Sa⸗ men zu tragen.. b. Eine ſolche Menge von zu Baͤumen taugliche Laßrei⸗ ſer bei dem Abtriebe jedes Schlages ſtehen laͤßt, daß man darauf zaͤhlen kann, ſie werden in einen maͤßigen Schluß ge⸗ kommen ſein, wenn man wieder mit dem Hiebe an dieſen Ort gelangt. c. Das in dem Niederwalde ſtehende bis zu der Zeit, wo der regelmaͤßige Hieb hinkoͤmmt, nicht aushaltende Holz einſt⸗ weilen in der Durchforſtung wegnimmt. d. Nach der Beendigung des Durchhiebes des Niederwal⸗ des in den(nicht zu lange) zu beſtimmenden Umtrieb des Hochwaldes uͤbergehet, den in den erſten Schlaͤgen vorgefun⸗ denen Stockausſchlag wegnimmt, eine regelmaͤßige Samenſtel⸗ lung bewirkt, noͤthigenfalls aber die noch mangelhafte Beſa⸗ mung aus der Hand ergaͤnzt. e. Die ſpaͤter zur Verjuͤngung kommenden Schlaͤge, bis dieſe erfolgt, aber regelmaͤßig durchforſtet. Beiſpiel, entnommen von einem in 30 jaͤhrigem Umtriebe ſtehenden Buchen⸗Niederwalde. Zu a. Der Umtrieb wird auf 50 Jahre verlaͤngert, um auf dem erſten Schlage nach Beendigung deſſelben 80 jaͤhrige Samenbaͤume vorzufinden. Zu b. Man laͤßt pro Morgen in moͤglichſt gleichmaͤßi⸗ ger Vertheilung etwa 150— 200 Laßreiſer ſtehen, welche mit 80 Jahren in vollen Schluß kommen werden. Zu c. Sobald in den ſpaͤter zum Hiebe kommenden Schlaͤgen ſich Holz zeigt, welches nicht aushaͤlt, bis der Hieb — 317— hinkoͤmmt, wird es in regelmaͤßiger Durchforſtung heraus⸗ gehauen. Zu d. Wenn nach Verlauf des 50jaͤhrigen Umtriebes das auf den erſten Schlaͤgen ausgehauene Holz 80 Jahre alt iſt, erfolgt die Samenſtellung. Hat der Stockausſchlag vom angehauenen Schlagholze nicht bis zu dieſer Zeit aushalten wollen, ſo muß er ſchon fruͤher als Durchforſtungsholz weg⸗ genommen werden, außerdem geſchieht es nunmehr bei der Stellung des Beſamungsſchlages. Zu e. Die Durchforſtung umfaßt alle Schlaͤge, in denen ſie ſich, waͤhrend des nun feſtzuſetzenden 80 bis 90 jaͤhrigen Umtriebes, noͤthig zeigt. Umwandlung eines Mittelwaldes in Hochwald. So vielfach verſchieden die Beſtaͤnde in einem Mittel⸗ walde ſein koͤnnen, ſo vielfach abweichend muß auch das Ver⸗ fahren bei ſeiner Umwandlung ſein. Folgende Verſchieden⸗ heiten laſſen ſich nicht bloß denken, ſondern werden auch haͤu⸗ fig gefunden: 1) Ein einigermaßen regelmaͤßiges Verhaͤltniß in den Al⸗ tersklaſſen im Oberholze mit gutem Unterholze. 2) Ein regelmaͤßiger Oberholzbeſtand mit einem Unterholz⸗ beſtande, der nicht zur Erziehung von Baumholz zu be⸗ nutzen iſt. 3) Sehr viel altes Oberholz, gar keine Oberſtaͤnde und Laßreiſer, oder doch nur ſehr weniges, ſchlechtes Unterholz. 4) Mangel an Oberholz, aber gutes Unterholz. 5) Viel Laßreiſer und Oberſtaͤnder, wenig alte Baͤume, bei a. gutem, b. ſchlechtem Unterholzbeſtande. 6) Sehr ſchlechte Beſtaͤnde, luͤckenhafte, unpaſſende Holz⸗ gattungen, ſowohl im Ober⸗ als Unterholze. Zu 1. Man kann a. das aͤltere Holz bis zu den Ober⸗ ſtaͤndern herab ſo heraushauen, das ſchwaͤchere Baͤume nur da ſtehen bleiben, wo ſie eine Luͤcke decken ſollen, das untaugliche — 318— oder unpaſſende Unterholz wegnehmen, und laͤßt das Uebrige mit den Laßreiſern heraufwachſen. Dadurch erhaͤlt man die juͤngſte Altersklaſſe des kuͤnftigen Hochwaldes. b. Man ſchnei⸗ delt nur das alte Holz, oder hauet hoͤchſtens einen zu ſehr verdaͤmmenden Stamm heraus, dadurch erhaͤlt man Beſtaͤnde, in denen nach einer Zeit, wo das Unterholz verdaͤmmt wird, durch die herangewachſenen Oberſtaͤnder und Laßreiſer eine Samenſtellung bewirkt werden kann. c. Man hauet das Un⸗ terholz, mit Ueberhalten von vielen Laßreiſern, Oberſtaͤndern und mittelwuͤchſigem Holze, der Wegnahme der nicht aushal⸗ tenden alten Baͤume, hinweg, um die auf die Abtheilung b. folgenden Schlaͤge zu erhalten. Die Beſchaffenheit des Be⸗ ſtandes auf jedem Schlage entſcheidet uͤber deſſen Behandlung. Bei ſehr gutem Unterholze benutzt man dieſes mit Hinzuzie⸗ hung der Laßreiſer zum kuͤnftigen Baumholzbeſtande, bei ſchlechterm Unterholze ſucht man ſobald als moͤglich zu Sa⸗ menbaͤumen aus dem Oberholze zu gelangen, bei vielen Laß⸗ reiſern und Oberſtaͤndern vervollſtaͤndigt man dieſe durch Ueber⸗ halten vieler der letzten, aus dem wegzunehmenden Unter⸗ und ſtarkem Oberholze.. Auf welche Art man aus dem bisherigen kuͤrzern Um⸗ triebe in den laͤngern des Hochwaldes uͤbergehen will, haͤngt ebenfalls von der Beſchaffenheit der Beſtaͤnde ab. Sind ſie von einer ſolchen, daß man ſich einigermaßen eine regelmaͤ⸗ ßige Abſtufung der Altersklaſſen bilden kann, ſo daß ſtets die Samenſtellung geſichert iſt, ſo gehet man gleich in den Hoch⸗ waldumtrieb uͤber. Dieſer Fall fand z. B. ſtatt, wenn bei einem Mittelwalde von 20jaͤhrigem Umtriebe, der zuerſt einen 80jaͤhrigen Hochwaldumtrieb erhalten ſollte, Beſtaͤnde haͤtte, wovon z rein von altem Holze gehauen werden koͤnnte, und aus dem Unterholze und den Laſtreiſern ein brauchbarer Hochwaldbeſtand zu erwarten war, n — 319— z jetzt geſchneidelt, etwa nach 26 bis 27 Jahren eine Samen⸗ ſtellung erlaubte, z ſo viel Laßreiſer und Oberſtaͤnde haͤtte, um durch ſie nach Verlauf einiger 50 Jahre eine Schlagſtellung vornehmen zu koͤnnen. Man wirthſchaftet dann die erſten 26 bis 27 Jahre, dem Beduͤrfniſſe der Holzerziehung gemaͤß, in einer Art von Plen⸗ terwirthſchaft ſo, daß man das erſte Drittheil reinhauet— im zweiten ſchneidelt und alles verdaͤmmende wie nicht aus⸗ haltende Holz, im dritten das Unterholz und die alten Baͤume, wegnimmt. Wie und zu welcher Zeit der Hieb in jede dieſer Abthei⸗ lungen fallen muß, kann allein durch ſeine Beſchaffenheit be— ſtimmt werden. Waͤre es nicht moͤglich, eine ſolche Abſtufung der Alters⸗ klaſſen zu erhalten, ſo verlaͤngert man den Umtrieb bis zur Grenze der Ausſchlagsfaͤhigkeit des Unterholzes, um durch Ueberhalten von vielen Laßreiſern, Verminderung der alten Baͤume auf den ſpaͤterhin zuletzt zum Hiebe kommenden Schlaͤgen, den verlangten Zuſtand herzuſtellen. Zu 2. Wo taugliches Unterholz mangelt, muß man die Erziehung des kuͤnftigen Hochwaldes vom Oberholze erwarten. Man verlaͤngert den Umtrieb ſo ſehr, als es die Beſchaffen⸗ heit des Unterholzes geſtattet, und fuͤhrt den Hieb dergeſtalt, daß man auf den Schlaͤgen, die ſpaͤterhin am erſten zur Ver⸗ juͤngung durch Samenſchlaͤge kommen, alles Oberholz ſtehen laͤßt, was dazu bedurft wird, dagegen in den zuletzt dazu ge— langenden Schlaͤgen das alte Baumholz hinwegnimmt, und dagegen ſehr viel junges ſtehen laͤßt und nachzieht. Zu 3. Die Behandlung gleicht mehr der eines Plenter⸗ waldes, indem man diejenigen Orte, welche dazu altes Holz genug haben, ſogleich in Samenſchlag ſtellt, in denjenigen, wo es fehlt, nur das fuͤr die Samenſtellung nicht benutzbare und aushaltende wegnimmt, dagegen möͤglichſt viel Laßreiſer — 320— auf den Luͤcken nachzuziehen ſucht, das entbehrliche Unterholz wegnimmt, ſo wie es benutzbar wird. Man gehet dabei gleich in den kuͤnftigen Hochwaldumtrieb uͤber, indem man die vor⸗ handene Oberholzmaſſe fuͤr denſelben vertheilt, der fruͤhere Mittelwaldumtrieb giebt jedoch gewoͤhnlich die Reihenfolge an, in der die Durchhauungen vorgenommen, und den Zeitraum, in denen man mit ihnen im Walde herumkommen will. Zu 4. Wo bei gutem Unterholze das Oberholz ſehr fehlt, naͤhert ſich das Verfahren in eben dem Grade deſto mehr der Umwandlung aus Niederwald in Hochwald, als der Mangel an Oberholz groͤßer iſt. Man laͤßt dabei nur da die ſchwaͤ⸗ chern, aushaltenden Staͤmme ſtehen, wo ſie die fehlenden Laß⸗ reiſer erſetzen muͤſſen⸗ Zu 5. In dieſem Falle hat man das ſchon erreicht, was man bei der Umwandlung des Niederwaldes in Hochwald her⸗ beifuͤhren will— die Erziehung einer hinreichenden Menge brauchbarer Staͤmme, um daraus den kuͤnftigen Baumholz⸗ beſtand herzuſtellen. Das Verfahren iſt alſo nur darin ver⸗ ſchieden, daß man die erſten Durchhauungen als ſchon fruͤher ſtattgefunden anſehen kann. Iſt der Unterholzbeſtand gut, ſo verlaͤngert man den Umtrieb bis an die Grenze der Aus⸗ ſchlagsfaͤhigkeit deſſelben, bildet ſich zuerſt die juͤngſte Alters klaſſe dadurch, daß man die Oberſtaͤnder und ſchlechten Laß⸗ reiſer aushauet, um die beſſern mit dem Unterholze zuſammen heraufwachſen zu laſſen. In dem uͤbrigen Theile beobachtet man das entgegengeſetzte Verfahren, indem man das Unter⸗ holz wegnimmt, um durch Oberſtaͤnder und alte Baͤume die aͤlteſte Altersklaſſe, oder durch Oberſtaͤnder und Laßreiſer eine mittlere zu bilden, je nachdem der Beſtand ſich fuͤr die eine oder die andere mehr eignet. Iſt das Unterholz ſchlecht, ſo muß es uͤberall bei der Durchhauung weggenommen werden, jedoch tritt dann das eben beſchriebene Verfahren ebenfalls in der Art ein, daß man die juͤngſte Altersklaſſe dadurch zu er⸗ langen ſucht, daß man zu den vorhandenen Laßreiſern moͤg⸗ lichſt —- 321— lichſt viel neue ſtehen zu laſſen ſucht, um Beſtaͤnde von ziem— lich gleichem Alter zu erhalten, die wenigſtens ſpaͤter in Schluß zu kommen verſprechen. Zu 6. Aus Nichts iſt nichts zu erziehen, der Anbau aus der Hand muß da zu Huͤlfe kommen, wo der Samen⸗ aufſchlag oder Anflug nicht hinreicht, um ſo viel gute Pflan⸗ zen zu erhalten, daß daraus ein ſich ſehlißender Baumholz⸗ beſtand erzogen werden koͤnnte. 9) Von der Kopfholzwirthſchaft. Die Forderungen, welche man an das Kopfholz macht, entſcheiden eben ſowohl uͤber die Holzgattungen, welche man dazu waͤhlen muß, als der Boden, denn auch dieſer Betrieb iſt unvortheilhaft, wie jeder andere, ſobald man die Kopfholz⸗ ſtaͤmme auf unpaſſenden Standort bringt. Beabſichtigt man vorzuͤglich die Gewinnung von Futter— laub, ſo ſind Eichen, Ulmen und Linden am mehrſten zu empfehlen, jedoch nicht als eigentliches Kopfholz, ſondern als Schneidelholz, d. h. indem man den Wipfel unverletzt laͤßt, und nur die Seitenaͤſte wegnimmt. Eine alle 3 bis 5 Jahre erfolgende Benutzung giebt das mehrſte und beſte Laub, aller⸗ dings aber nur ſchwaches Reiſerholz. Der Abhieb erfolgt von Anfang September bis zu der Zeit, daß ein Nachtfroſt einge⸗ treten iſt, oder das Laub fleckig wird und anfaͤngt abzuſterben. Die abgehauenen Zweige werden in duͤnne Gebunde gebunden und an der Luft getrocknet, bevor ſie auf den Boͤden aufge— ſchichtet werden. Im Winter den Schafen und Ziegen vor⸗ gelegt, geben ſie ein vortreffliches Futter, und dienen zur Feue— rung, nachdem das Laub abgefreſſen worden iſt. Zu Brennholz ſind Weiden, Hainbuchen und Schwarz⸗ pappeln wohl die ergiebigſten Hoͤlzer als Kopfholz. Fuͤr Wei⸗ den und Pappeln waͤhlt man gewoͤhnlich einen 5 bis Jſaͤhri⸗ gen Umtrieb, fuͤr Hainbuchen wird er mit Vortheil oft bis auf 20 Jahre verlaͤngert. 21 — 322— Zur Erziehung von Zaunruthen taugen nur Weiden, im 4 bis 6jaͤhrigen Umtriebe. Bei allem Kopfholze muß ſtets im jungen Holze gehauen werden, auch muß man darauf ſehen, daß nichts unabgehauen ſtehen bleibt, ſondern alle Ausſchlaͤge rein hinweggenommen werden. Der Abhieb erfolgt gewoͤhnlich im Fruͤhjahre vor dem Ausbruche der Knospen. Wie eng oder weitlaͤuftig man die Kopfholzſtaͤmme pflanzt, haͤngt davon ab: a. Ob man die Holzerzeugung ausſchließlich beruͤckſich⸗ tigt, oder ob auch die Weidenutzung unter dem Kopfholze er⸗ halten werden ſoll. Im erſtern Falle koͤnnen die Kopfhoͤlzer bei kurzem Umtriebe 8 bis 10 Fuß von einander geſetzt wer⸗ den, bei langem 12 bis 15 Fuß. Wo dagegen die Weide beachtet werden muß, wird man eine 15 bis 25fuͤßige Ent⸗ fernung waͤhlen muͤſſen. b. Je aͤlter die Ausſchlaͤge werden ſollen, deſto weitlaͤuf— tiger muß die Pflanzung ſein. c. Schneidelholz kann dichter ſtehen, als eigentliches Kopfholz. d. In ſchmalen Reihen kann das Kopfholz naͤher an ein⸗ ander ſtehen, da es dann von der Seite Luft erhaͤlt, als in gro— ßen Flecken, welche einen geſchloſſenen Kopfholzbeſtand bilden. Die Erziehung der auszupflanzenden Staͤmme geſchiehet am beſten in Pflanzkaͤmpen, wo man ſie ſo beſchneidet, daß der Kopf in der verlangten Hoͤhe ſich bildet. Da man bei Kopfholzpflanzungen ſelten Schonung einlegen kann, ſo iſt man genoͤthigt, ſtarke Heiſter auszupflanzen, welche durch Umbinden mit Dornen gegen Beſchaͤdigung durch das Vieh geſichert wer⸗ den, und ſo hoch ſind, daß die obern Ausſchlaͤge nicht mehr durch daſſelbe erreicht werden koͤnnen. Wenn man ſie unten behuͤgelt, ſo kann man den Pfahl erſparen, welcher die Pflanze leicht durch Reibung beſchaͤdigt, und ſpaͤter abgefault, ſie oft eher umbeugt, als zum Halte dient. de — 323— Die Weiden ſind diejenige Holzgattung, welche am haͤu⸗ figſten als Kopfholz benutzt werden. Je nachdem man bloß den Gewinn an Feuerholz beabſichtigt, oder Zaunruthen und Reiſſtaͤbe ꝛc. erhalten will, muͤſſen die verſchiedenen Arten aus⸗ gewaͤhlt werden. Die raſch wachſenden Baumweiden, vorzuͤg⸗ lich Salix alba, verdienen fuͤr den erſten Zweck den Vorzug, diejenigen, welche lange, ſchlanke und biegſame Schuͤſſe geben, paſſen beſſer fuͤr den zweiten. Es iſt zwar gewoͤhnlich, die Kopfweiden bloß durch ſtarke Setzſtangen anzubauen, und unter guͤnſtigen Verhaͤltniſſen wachſen dieſelben auch ſehr gut an, wenn jedoch der Boden trocken oder lettig und ſehr thonhaltig iſt, ſo wird das Ge— deihen derſelben ſehr ungewiß. Man thut dann beſſer, die Setzſtangen in einem Pflanzkampe ſo zu erziehen, daß man ſie mit hinreichenden Wurzeln verſehen, in das Freie aus⸗ pflanzen kann. Bei Weiden, Hainbuchen und uͤberhaupt bei Holzgattun⸗ gen, welche leicht Ausſchlaͤge aus der Rinde entwickeln, kom⸗ men dieſe oft nach der Pflanzung am ganzen Stamme her⸗ vor. Um die Krone nicht zu ſchwaͤchen und die vollſtaͤndige Ausbildung derſelben zu beguͤnſtigen, muß man im Juni und Auguſt die Pflanzung nachſehen, um die Staͤmme von dieſen Ausſchlaͤgen zu reinigen. Wo friſch abgeſchnittene Staͤmme eingeſetzt werden, um⸗ huͤllt man oben den Abſchnitt mit Lehm, damit er nicht zu weit herab vertrocknet und abſtirbt. Die in den Kopfholzpflanzungen eingehenden Staͤmme, werden durch Nachpflanzung erſetzt, ſo wie Luͤcken entſtehen. Bei ſehr langem Umtriebe im Kopfholze, oder auch wo aͤltere Staͤmme noch zu ſolchem eingerichtet werden ſollen, laͤßt man einen oder zwei Zweige, als ſogenannte Saftzieher, ſtehen, wodurch der Ausſchlag mehr geſichert wird. 21* — 324— 10. Erziehung von Hecken. Lebende Hecken werden zwar vorzuͤglich zur Einhegung von Gaͤrten und Koppeln benutzt, doch auch der Forſtmann macht Gebrauch davon, um Pflanzgaͤrten, und ſelbſt ewige Gehege, wie in Holſtein, durch ſie gegen Menſchen, Vieh, ſo⸗ gar hohes Wild, zu ſchuͤtzen. Die von allen Regierungen, um der Holzerſparung wil⸗ en, vielfach empfohlene Anlegung derſelben, iſt haͤufig miß⸗ lungen, weil man theils unpaſſende Holzgattungen waͤhlte, theils die Hecken ſelbſt unrichtig behandelte. Die dazu beſtimmten Hoͤlzer muͤſſen als Ausſchlagwald einen ſperrigen Wuchs haben, eine große Ausſchlagsfaͤhigkeit beſitzen, wo moͤglich Wurzelbrut treiben koͤnnen, und das Be⸗ ſchneiden gut ertragen. Es ſind auf kraͤftigem Lehmboden vorzuͤglich zu empfehlen: Rothbuche, Hainbuche, Ulme, Mas⸗ holder, Linde, Weißdorn, Kreuzdorn, Heckenkirſche(Lonicera Xylosteum). Auf feuchtem Sandboden: Weide, Trauben⸗ kirſche(Prunus Padus), Wachholder und allenfalls auch Erle, obwohl der Wuchs derſelben ſich nicht gut zu Hecken eignet. Beſſer iſt die Fichte, welche ganz vortreffliche Hecken auf paſſendem Boden, worunter auch der feuchte Sand ge⸗ hoͤrt, giebt. Auf trocknem Sande ſind: die Akazie(Robinia Pseudo Acacia), Rainweide, Ligustrum vulgare, Tartari⸗ ſcher Zaͤunling, Lonicera tartarica, der Berberitzenſtrauch, wo nicht Felder in der Naͤhe ſind, denen der Bluͤthenſtaub ſchadet, Sauerkirſchen, und auch wohl Genista spinosa, an⸗ zurathen. Die zur Anlage der Hecken erforderlichen Pflanzen wer⸗ den entweder in Pflanzkaͤmpen erzogen, oder in den Schonun⸗ gen ausgehoben, in welchem letztern Falle man darauf halten muß, daß nicht bloß alle Bedingungen der Wuͤchſigkeit erfuͤllt werden, ſondern auch vorzuͤglich, daß die Pflanze ſtaͤmmig ge⸗ wachſen iſt, und nicht zu ſehr im Schluſſe geſtanden hat. n — 325— Um den einzufriedigenden Diſtrikt wird zuerſt ein Graben geworfen, den Auswurf nach innen, der die Anpflanzung ge⸗ nugſam ſchuͤtzt. Auf den etwas geebneten Auswurf ſetzt man die Pflanzen in einer dichten Reihe 1 bis 2 Fuß auseinan⸗ der. Sind ſie hoch genug dazu, ſo iſt es gut, alle 10 Fuß einen Pfahl einzuſchlagen, und daran 3 ½ bis 4 Fuß hoch eine Querlatte zu befeſtigen, um die Pflanzen an ſie anzubinden. Eingehende Staͤmme, die Luͤcken verurſachen koͤnnten, muͤſſen ſogleich im naͤchſten Jahre ergaͤnzt werden. Sobald die Wip⸗ fel derſelben ſich ausbilden, werden ſie in der Hoͤhe, welche die Hecke erhalten ſoll, weggeſchnitten. Bei Fichten genuͤgt dies, um dieſelbe dicht zu erhalten, wenn auch von Zeit zu Zeit die Seitentriebe etwas geſtutzt werden. Bei den Laub⸗ hoͤlzern iſt man genoͤthigt, die Zweige ineinander zu flechten, um der Hecke anfangs die noͤthige Dichtigkeit zu geben. Wenn die Staͤmme ſtaͤrker werden und eine geringere Zahl die Hecke fuͤllt, waͤhlt man die zuruͤckbleibenden aus, haut ſie bis zum halben Durchmeſſer ein, und biegt ſie ſo nieder, daß ſie hori— zontal an die uͤbrigen gebunden werden koͤnnen. Indem ſie fortwachſen, entſtehet der ſogenannte Knick. Waͤchſt ſich die Hecke zu ſehr aus, ſo ſucht man ſie durch Senker zu verdich⸗ ten, und nimmt dann die einzelnen ſtaͤrkern Staͤmme weg, um den nachwachſenden Ausſchlaͤgen Luft zu verſchaffen. Das Vorſtehende beziehet ſich auf ſolche Hecken, welche einer fortdauernden Pflege unterworfen werden koͤnnen, indem man ſie beſchneidet, durchflicht und von Zeit zu Zeit aus⸗ pflanzt. Nicht immer kann man dies bei groͤßern Einfriedi⸗ gungen im Walde bewirken, und man muß dann darauf den⸗ ken, daß die Natur das erſetzt, was die Kunſt hier nicht lei— ſten kann. Zu den ſich ſelbſt uͤberlaſſenen Hecken koͤnnen nur ſolche Strauchhoͤlzer gewaͤhlt werden, die durch ihren dornigen, ſperrigen und dichten Wuchs eine natmuͤrliche Schutzwehr bil⸗ den. Man legt die Hecke dann in einer wenigſtens eine Ruthe breiten Pflanzung an, um durch die Breite den Mangel an —-— 326— Dichtigkeit zu erſetzen. Da ſelbſt die beſten Holzgattungen dazu, wie Weiß⸗, Schwarz⸗ und Kreuzdornen, ſich zuletzt auswachſen und auf dem Boden licht und luͤckig werden, ſo muß die Verjuͤngung derſelben durch Abhieb von Zeit zu Zeit eintreten. Iſt die Hecke breit genug dazu, ſo treibt man ſie ſtreifenweis, immer nur zur Haͤlfte mit einemmale ab, damit man den Schutz nicht ganz verliert, jedoch darf das ſtehen⸗ bleibende Holz niemals das junge verdaͤmmen. 11. Von der Durchforſtung. Als denkende Forſtmaͤnner zuerſt den Aushieb des zu dicht ſtehenden und unterdruͤckten Holzes in Vorſchlag brachten, wurde dieſer haͤufig mit der eben erſt verworfenen Durchplen⸗ terung verwechſelt, welche letztere ſich aber auf wuͤchſiges und dominirendes Holz erſtreckt. Jetzt iſt der Vortheil der Durchforſtung, ſowohl hinſichts der betraͤchtlichen Menge von Holz, welche ſie gewaͤhrt, als des dadurch bewirkten beſſern Wachsthums des raͤumlicher ge⸗ ſtellten Holzes allgemein anerkannt. In der Regel findet dieſelbe zwar nur im Samenwalde ſtatt, jedoch kann ſie auch mit Erfolg im Niederwalde von laͤngerm Umtriebe da eintreten, wo das Holz viel Werth hat und mit Vortheil abzuſetzen iſt, ſobald keine Holzberechtigun⸗ gen es verhindern. Bei Holzgattungen von raſchem Wuchſe, die ſich bald licht ſtellen und wo viel Stockausſchlaͤge ꝛc. ab⸗ ſterben, wie Erlen, Pappeln, Birken, gewaͤhrt ein 30 bis 35jaͤhriger Umtrieb keine unbetraͤchtliche Holzmenge durch die Durchforſtung. Es laſſen ſich zwar allgemeine Regeln fuͤr ſie geben, je⸗ doch erleiden dieſe nach den verſchiedenen Verhaͤltniſſen wieder vielfache Abaͤnderungen. — 327— 1) Von dem Alter, in welchem die Durchforſtung beginnen kann. Ein zu dichter Stand der Holzpflanzen, bei welchem ſich keine vollkommen ausbilden kann, weil eine die andere beengt, weder die Zweige, noch Wurzeln naturgemaͤß auswachſen koͤn⸗ nen, wo ſelbſt oft die Zahl der Staͤmme ſo groß iſt, daß ſie ein oft armer Boden gar nicht einmal gehoͤrig ernaͤhren kann, iſt immer nachtheilig. Findet er ſtatt, ſo wuͤrde es wuͤnſchens⸗ werth ſein, ſchon in den erſten Jahren eine Lichtſtellung durch Aushebung von Pflanzen vornehmen zu koͤnnen. Eine Durch⸗ forſtung, nach der Anſicht, den Pflanzen den noͤthigen raͤum⸗ lichen Stand zu verſchaffen, kann deshalb nie zu fruͤh eintre⸗ ten, und je laͤnger ſie bei zu dicht ſtehenden Orten verabſaͤumt wird, deſto mehr leiden dieſe darunter. Vorzuͤglich wichtig wird der zeitige Aushieb des ſchnell wachſenden(weichen) Holzes in Orten, wo langſam wachſen⸗ des erzogen werden ſoll, damit das Erſtere das Letztere nicht verdaͤmmt. Nicht immer erlauben die Verhaͤltniſſe eines Forſtes, bei Mangel an Abſatz des ſchwachen Holzes, die nothwendige Ver⸗ meidung von Koſten, die der Aushieb verurſachen wuͤrde, die ſehr fruͤhe Durchforſtung. In gutem Boden, wo der Wachs⸗ thum des Holzes raſch iſt, es ſich bald entſcheidet, was zu⸗ ruͤckbleiben ſoll, wo hinreichende Bodenkraft auch fuͤr dicht ſtehendes Holz iſt, wird die unterbliebene Auslichtung fuͤr das dominirende Holz nicht ſo ſehr nachtheilig. Man beginnt dann erſt mit der Durchforſtung, wenn der Werth des gewon⸗ nenen Holzes die Koſten deckt. In ſchlechtem Boden, wo bei kaͤrglicher Nahrung die Pflanzen Jahre lang zubringen, bevor die eine die andere ſo unterdruͤckt, daß ſie abſtirbt und Raum fuͤr die bleibenden entſtehet, wird die zeitige hinreichende Lich⸗ tung, unerlaͤßliche Kulturmaßregel, wenn man nicht den ganzen Beſtand verlieren will. Sehr viel uͤberſaͤete Kieferſchonungen A b — 328— auf ſchlechtem Boden gehen mit 40 Jahren ſchon von ſelbſt ein, nachdem ſie 10 bis 20 Jahre nicht den geringſten Wachs⸗ thum mehr gezeigt haben. Auch natuͤrlicher Samenanflug iſt oft ſo dick, daß er nicht wachſen kann. Beſſer waͤre es zwar, ſolche dicke Schonungen uͤberhaupt nicht zu dulden; ſind ſie jedoch einmal vorhanden, ſo muß man ſie lieber unter gehoͤ⸗ riger Aufſicht durch Holzberechtigte oder arme Leute lichten laſſen, wenn man keine Koſten aufwenden kann, dies durch Lohnarbeiter zu bewirken. Nicht alle Holzgattungen ſind jedoch hierin ſo empfind⸗ lich, als die Kiefer und Birke. Die Fichte, Buche, Eiche lei⸗ den unter dem ſehr dichten Stande weit weniger. Daß uͤbrigens bei ſchnell wachſenden Hoͤlzern, die bald eine betraͤchtliche Groͤße erreichen, wie Pappeln, Weiden, Erlen, Lerchen, die Durchforſtung fruͤher eintreten kann, als bei lang⸗ ſam wachſenden, wird keiner naͤhern Auseinanderſetzung beduͤrfen. 2) Von der Menge des wegzunehmenden Holzes. Die Aufgabe der Durchforſtung iſt, jedem Baume den hinreichenden Raum zum Wachſen zu verſchaffen, dabei aber den Ort doch auch noch ſo geſchloſſen zu erhalten, daß weder die Humuserzeugung darin durch zu ſtarken Luftzug und Ein⸗ fall der Sonnenſtrahlen geſtoͤrt wird, noch die Gefahr des Duft⸗ und Schneebruchs eintritt, oder auch der Hoͤhenwuchs der Baͤume leidet. Die Gewinnung einer groͤßern Menge Holz kann niemals allein die Beſtimmung deshalb geben, ſondern muß dieſen angefuͤhrten Ruͤckſichten oft untergeordnet bleiben. Als ſtets zu beachtende Regel iſt anzunehmen: daß ſtets der Boden dicht beſchirmt bleibt, und niemals der volle obere Schluß des Holzes un⸗ terbrochen werden darf. So wie nur das eine gute Landwirthſchaft genannt wer⸗ den kann, wobei die Ertragsfaͤhigkeit des Ackers erhalten wird, ſo auch das nur eine gute Forſtwirthſchaft, wobei der Wald⸗ — 329— boden nicht verſchlechtert, ſondern verbeſſert wird. Dies iſt nur dann zu erwarten, ſobald derſelbe ſo dicht mit Holz be⸗ ſtanden iſt, daß der Abfall des Laubes oder der Nadeln ihn uͤberall deckt, und wenn bei dichter Beſchirmung und bei ge⸗ ſchloſſenem Stande des Holzes Sonne und Luft ihn nicht zu ſehr austrocknen, ſo daß der Faͤulnißprozeß, welcher eine hinreichende Menge Feuchtigkeit verlangt, eintreten kann. Ein ſehr lichter Stand des jungen Holzes kann deshalb zwar wohl fuͤr den Augenblick einen ſtaͤrkern Holzwuchs der einzelnen Staͤmme erzeugen, wird aber fuͤr die Folge, vorzuͤglich auf Boden, dem die eigenthuͤmliche Fruchtbarkeit mangelt, durch Verringerung der Bodenguͤte ſo verderblich, daß dringend da⸗ gegen zu warnen iſt, und die in der neuern Zeit ſo ſehr empfohlnen weitlaͤuftigen Pflanzungen und ſehr lichten Stel⸗ lungen des Holzes nur verderblich wirken koͤnnen. Dagegen kann man aber ſtets das ganz unterdruͤckte Holz, welches eben ſo wenig mehr zur Beſchirmung des Bo— dens, als zur Stuͤtzung ſchlanker Stangen bedurft wird und benutzt werden kann, wegnehmen. Bei zu dicht ſtehenden Orten, namentlich in Kiefern auf ſchlechtem Boden, welche deshalb allen Wachsthum verloren haben, muß man ſo viel Staͤmme wegnehmen, daß die Zweige der ſtehenbleibenden ſich nur noch uͤberall beruͤhren. Selbſt wenn dadurch fuͤr den Augenblick die Humuserzeugung etwas leiden ſollte, ſo kann und muß man doch hier von zwei Uebeln das kleinſte waͤhlen, da ohne Lichtung der ganze Ort verloren gehen wuͤrde. Zwiſchen den beiden Extremen, der Beſchraͤnkung der Durchforſtung auf die Wegnahme des ganz unterdruͤckten, ab⸗ ſterbenden oder ſchon abgeſtorbenen Holzes, und einer durch ſie bewirkten Stellung der ſtehenbleibenden Staͤmme derge— ſtalt, daß ſich die Zweige nur uͤberall nach oben beruͤhren, und ſo den Schluß erhalten, liegen noch eine Menge Abſtu— fungen der lichtern oder dunklern Stellung, die durch eine — 330— Menge verſchiedener Nuͤckſichten herbeigefuͤhrt werden. Sie kann abweichend ſein: a. nach der Holzgattung. Eine ſolche, welche einen dich⸗ ten Stand von Natur behaͤlt, als: Eiche, Buche, Ulme, Fichte, Tanne, Lerche, muß eine groͤßere Stammzahl behalten, als die ſich licht ſtellenden Hoͤlzer Kiefer, Birke, Erle, Aspe; b. nach dem Boden. In trocknem ſandigem Boden zer⸗ ſetzt ſich bei einer ſtarken Lichtſtellung der Humus nicht bloß ſchneller, ſondern erzeugt ſich auch dann in geringerm Maße, als auf feuchtem thonhaltigem. Eine volle Beſchirmung iſt deshalb hier vorzuͤglich noͤthig. Das Holz hat auf ihm aber auch eine große Neigung zur Aſt- und Wurzelverbreitung, die Ernaͤhrungsfaͤhigkeit deſſelben iſt gering, und es wird deshalb hier doppelt wichtig, gerade nicht mehr Staͤmme ſtehen zu laſſen, als zur vollen dichten Beſchattung noͤthig ſind. In kraͤftigem friſchen, oder feuchtem Lehmboden ſchadet ſowohl der lichtere, wie der geſchloſſenere Stand weniger, und auch ohne eine ganz zweckmaͤßige Durchforſtung ſtellen ſich darauf zuletzt vollkommne Beſtaͤnde von ſelbſt her; c. nach dem Klima und bisherigem Stande des Holzes. Wo Schnee oder Rohreif zu fuͤrchten iſt, die Beſtaͤnde ſehr geſchloſſen waren und ſchlank in die Hoͤhe geſchoſſen ſind, muß man vorſichtiger mit der Auslichtung ſein, als wo das Holz ſtaͤmmig erwuchs und kein Schnee⸗ und Duftbruch zu fuͤrchten iſt. Es muͤſſen in erſterm Fall immer noch ſo viel zuruͤckbleibende Stangen, deren Wipfel ſchon etwas uͤberwachſen iſt, ſtehen bleiben, daß ſich die dominirenden, wenn ſie vom Schnee gebogen werden, dagegen lehnen koͤnnen, ſo daß auf dieſe Art das gaͤnzliche Umbeugen derſelben verhindert wird; d. nach Art der Benutzung des Holzes. Wo die Durch⸗ forſtungshoͤlzer alle Jahre einzeln zu Hopfenſtangen, Baum⸗ pfaͤhlen, Lattſtangen, Leiterbaͤumen ꝛc. abgegeben werden koͤn⸗ nen, und man dieſelben zu jeder Zeit benutzen kann, nimmt man weniger weg, als da, wo man ſie zu Brenn- und Kohl⸗ — 331— hoͤlzern einſchlaͤgt, und ihr Abſatz nur moͤglich wird, wenn groͤ— ßere Quantitaͤten auf einer Stelle eingeſchlagen werden, ſo daß die Durchhauung nur in langen Zwiſchenraͤumen erfolgen kann; e. nach der Gefahr von Dieberei, den Holzberechtigungen und dergl. Wenn man fuͤrchten muß, daß ein großer Theil des Holzes auf dieſe Weiſe verloren gehen kann, daß Holz— diebe oder Berechtigte, wenn ſie keine unterdruͤckten Hoͤlzer mehr finden, dominirende Stangen nehmen werden, ſo durch⸗ forſtet man lieber ſchwaͤcher, f. nach der kuͤnftigen Beſtimmung des Holzes. Wo es darauf ankoͤmmt, vorzuͤglich langes, ſchlankes, aſtreines Bau⸗ und Nutzholz zu erziehen, haͤlt man das Holz geſchloſſener, als wo bloß Brenn⸗ und Kohlholz verlangt wird. Je mehr die Holzgattungen eine natuͤrliche Neigung zur Aſtverbreitung haben, z. B. Eiche, Buche, Hainbuche ꝛc., deſto mehr ſucht man dieſer durch dichten Schluß entgegen zu wirken; g. nach dem Beduͤrfniß der verſchiedenen Holzgattungen eine dichte Laubdecke uͤber ihren Wurzeln zu haben. Hoͤlzer mit flachlaufenden Wurzeln gedeihen nur, wenn ſich uͤber die— ſen eine ſtarke Laubdecke befindet— Buche und Fichte machen dies unter allen am bemerkbarſten— ſie verlangen ſchon da— rum eine dichtere Stellung als Eiche und Kiefer mit tiefge⸗ henden Wurzeln; h. nach dem Alter, in welchem die Durchforſtung vor⸗ genommen wird. So lange der Hoͤhenwuchs noch praͤdomi⸗ nirend iſt, muß die Durchforſtung immer verhaͤltnißmaͤßig ſchwaͤcher ſein, als man ſie ſpaͤter vornehmen kann, wenn die Wipfel anfangen ſich mehr abzuwoͤlben, und die Kronen ſich zu breiten beginnen. Die Natur ſelbſt giebt hierzu die noͤthi— gen Andeutungen. Hierin wird die Entſchuldigung liegen, wenn keine be— ſtimmte Vorſchrift gegeben wird: wie viel Holz jedesmal bei der Durchforſtung weggenommen werden ſoll?— ſondern ſtatt derſelben nur die Forderung aufgeſtellt werden kann: daß der — 332— Forſtwirth nach Pruͤfung aller dieſer Ruͤckſichten die paſſende Menge des wegzunehmenden Holzes ſelbſt ermitteln muß. 3) Die Zeit der Wiederkehr der Durchforſtung. Die Wiederkehr der Durchforſtung in langen Zwiſchen⸗ raͤumen, z. B. alle 20 oder 30 Jahre, kann nur als noth⸗ wendiges Uebel, entſpringend aus der Nothwendigkeit, viel Holz mit einem Male einzuſchlagen, weil wenig nicht abzu⸗ ſetzen iſt, angeſehen werden. Die beſte Methode iſt dann immer, uͤberfluͤſſig werdende Staͤmme wegzunehmen, wenn ſich die Lichtung nothwendig zeigt, wenn es Staͤmme giebt, die nicht mehr zur Erhaltung des vollen Beſtandes bedurft wer⸗ den. Die ſeltene und darum ſtarke Durchhauung erzeugt den Nachtheil, daß eine Zeit lang das Holz zu geſchloſſen ſtehet, manches fuͤr die Benutzung verloren gehet, und dann, wenn man zur Durchforſtung koͤmmt, mehr weggenommen werden muß, als eigentlich wuͤnſchenswerth iſt, weil man gleich dar⸗ auf Ruͤckſicht zu nehmen hat, daß man geraume Zeit nicht wieder in dieſem Orte holzen kann. In den wenigſten Faͤllen iſt es jedoch praktiſch ausfuͤhr⸗ bar, alle Jahre die zu durchforſtenden Orte zu durchſuchen und einzelne Staͤmme auszuhauen; es muͤſſen vielmehr dazu bald laͤngere, bald kuͤrzere Zwiſchenraͤume eintreten. Dieſe koͤnnen nicht uͤberall gleich ſein, ſelbſt wo die aͤußern Verhaͤlt⸗ niſſe des Abſatzes gleich ſind. Es richtet ſich dies a. nach dem Alter des Holzes. Junges Holz muß oͤfter durchforſtet werden, als altes, weil in erſterm ſich nicht bloß das Zuruͤckbleiben der uͤberfluͤſſig werdenden Staͤmme ſchneller entſcheidet, ſondern dieſe auch raſcher eingehen und verderben, als bei aͤlterm Holze; b. nach der Holzgattung. Weiden, Linden, Aspen, Erlen, Birken, ſelbſt Lerchen und Kiefern, muͤſſen oͤfter durchforſtet werden, als Eichen, Buchen, Hainbuchen, Ulmen, weil nicht — 333— bloß in erſtern Holzgattungen ſich haͤufiger uͤberfluͤſſiges Holz zeigt, ſondern dies auch weit fruͤher ganz verdirbt und unbe— nutzbar wird; c. nach dem Wuchſe des Holzes. Schlank in die Hoͤhe geſchoſſene Orte, die bisher in ſehr dichtem Schluſſe ſtanden, wo Schnee⸗ und Duftbruch zu fuͤrchten iſt, duͤrfen anfangs nur wenig gelichtet werden, die Durchhauung iſt dagegen deſto oͤfter zu wiederholen, damit ſich das Holz nach und nach an den freiern Stand gewoͤhne; d. nach dem Zuſtande des Holzes. Beſchaͤdigungen durch Inſekten, auszuhauender Stockausſchlag und Wurzelbrut, um Samenpflanzen Luft zu verſchaffen, der nothwendige Aushieb weicher Hoͤlzer aus Eichen und Buchen u. ſ. w., machen oft eine ſchneller wiederkehrende Durchhauung noͤthig, als ſie ohne dies erforderlich waͤre. Vierter Abſchnitt. Saat und Pflanzung. 1) Was vorzuziehen iſt: Saat oder Pflanzung? Vor noch nicht zu langer Zeit zog man im Allgemeinen ſtets die Saat der Pflanzung vor, indem man jene theils fuͤr wohl⸗ feiler hielt, theils ſie als naturgemaͤßer und einfacher anſahe. Ein unbedingter Vorzug laͤßt ſich jedoch keiner dieſer beiden Kulturmethoden einraͤumen, derſelbe haͤngt von den Verhaͤlt⸗ niſſen ab, welche man vorher unterſuchen muß, bevor man ſich fuͤr die eine oder die andere entſcheidet. Vorzuͤglich kommen hierbei zur Beachtung: 1) Die Koſtbarkeit der einen oder andern Art des Anbaues. 2) Die groͤßere oder geringere Sicherheit des Gelingens. 3) Die Kraͤfte und Zeit, welche zur Ausfuͤhrung großer Kulturen zu Gebote ſtehen. 4) Die Verhaͤltniſſe, unter denen der zu kultivirende Ort jetzt angebauet, und ſpaͤter erwachſen wird. 5) Die Holzgattung. Zu 1. Die groͤßere Wohlfeilheit der Saat iſt, ſobald man den Samen zum vollen Preiſe rechnet, an und fuͤr ſich ſchon oft nur ſcheinbar. Man muß aber auch dabei noch die groͤ⸗ ßere Unſicherheit des Gelingens derſelben gegen die Pflanzung mit in Anſchlag bringen. Oft muß man zwei- und dreimal ſaͤen, wo man mit einer Pflanzung ausreicht. Ueber den groͤ⸗ ßern oder kleinern Koſtenbetrag der einen oder andern Art des Anbaues entſcheiden: a. Die Wohlfeilheit oder Theurung des Samens. Wenn man 1 Rthlr. bis 1 Rthlr. 8 gGr. fuͤr 1 Pfund Lerchenſa⸗ men bezahlen muß, ſo wird die Pflanzung allemal wohlfeiler ſein; wo man fuͤr 4 gGr. 1 Pfund Kieferſamen gewinnt, iſt gewoͤhnlich die Kieferſaat wohlfeiler, als die Pflanzung. b. Verwundung des Bodens. Wird die Ackerkultur mit der Saat verbunden, ſo koſtet dieſe haͤufig gar nichts, indem die voruͤbergehende Getreidenutzung die wenigen Kulturkoſten ganz deckt. Kann eine weitlaͤuftige Plattenſaat mit Erfolg angewandt werden, ſo koſtet es offenbar weniger, von einer Platte den Raſen abzuſchaͤlen und einige Samenkoͤrner ein⸗ zuſtecken, als auf derſelben Stelle ein Pflanzloch zu graben und eine Pflanze einzuſetzen. c. Beſchuͤtzung der Kultur. Wo die Fichtenſaat mehrere Jahre lang mit großem Koſtenaufwande vom Graſe gereinigt werden muß, wo die Saatplaͤtze mit vielfachen Graͤben durch⸗ zogen werden muͤſſen, um die Feuchtigkeit abzufuͤhren und das Auffrieren zu verhindern, pflanzt man viel wohlfeiler, als man ſaͤet. d. Die Koſten der Erziehung der Pflanzen. Zu 2. Nicht auf die erſte Ausgabe allein koͤmmt es an, ſondern auf die Summe aller Auslagen bis zur Herſtel⸗ lung eines vollen Beſtandes. Die wohlfeilſte Kultur, wenn n —— — 335— ſie nicht gelingt, iſt die theuerſte, da man fuͤr das ausgege⸗ bene Geld nichts hat. In bei weitem den mehrſten Faͤllen iſt aber die Saat weit unſicherer, als die Pflanzung. Der Beweis fuͤr dieſe Behauptung liegt ſchon darin, daß man da, wo mit der Saat nichts mehr auszurichten iſt, zur Pflanzung ſeine Zuflucht nimmt. Er iſt aber auch theoretiſch durch die Nachweiſung zu fuͤhren, daß: a. fuͤr das Gedeihen einer eingeſetzten Pflanze mehr ge⸗ than werden kann, als fuͤr das Aufgehen, die Erhaltung und Beſchuͤtzung eines Samenkorns, weniger dem Zufalle bei der Pflanzung uͤberlaſſen bleibt; b. die kleinſten Pflanzen den mehrſten und groͤßten Ge⸗ fahren unterworfen ſind, und groͤßere daher ſchon einem be⸗ traͤchtlichen Theile dieſer Gefahren entgangen ſind. Doch entbindet dieſe allgemeine Behauptung noch nicht von der Beachtung des Beſondern. Auf felſigem Boden, wo die Wurzeln ſich in Felſenſpalten zwiſchen das Geſtein draͤngen muͤſſen, um Nahrung zu er⸗ halten, iſt gewoͤhnlich nur die Saat ausfuͤhrbar. Im Bereiche alter Baͤume laͤßt ſich allenfalls wohl noch ſaͤen, aber nicht pflanzen, da theils eine Pflanzung im Schat⸗ ten ſelten gedeihet, theils junge Samenpflanzen den Aushieb von altem Holze wohl ertragen, was aber bei gepflanzten Staͤmmen nicht der Fall iſt. Holzgattungen, deren Wurzeln ſchon in der erſten Jugend ſehr tief ſtreichen, erhalten ſich oft ſicherer bei der Saat, als bei der Pflanzung. Dagegen hat wieder die eßtere unbeſtreitbar in folgen⸗ den Faͤllen eine viel groͤßere Sicherheit des Gedeihens, als die Saat: a. Wo Bloͤßen mit Holzgattungen in Beſtand gebracht werden ſollen, die in der erſten Jugend den freien Stand nicht gut ertragen. b. Wo der Graswuchs uͤppig iſt und den jungen Samen⸗ pflanzen verderblich wird. c. Wo Maͤuſe, Wild oder Naturereigniſſe, als Froſt, Hitze ꝛc. dem Samen oder den jungen aufgehenden Pflanzen ſehr verderblich werden, und der Saatplatz daher eines beſon⸗ dern Schutzes bedarf, den man wohl einem Saatkampe, aber nicht einer großen Kultur verſchaffen kann. d. Wo die obere Erdſchicht ſchlecht iſt und das Samen⸗ korn deshalb ein ſchlechtes Keimbett erhalten wuͤrde, was haͤufig der Fall iſt, wenn die Oberflaͤche des Bodens mit Heide oder unvollkommnem, verkohltem Humus bedeckt iſt. e. Wo Ueberſchwemmungen der Saat verderblich wer⸗ den koͤnnen, wie dies z. B. in Erlenbruͤchern gewoͤhnlich zu fuͤrchten iſt. f. Wo der Boden ſehr zum Auffrieren geneigt iſt. g. Wo eine in der erſten Jugend langſam wachſende Holz⸗ gattung, deren Verdaͤmmung deshalb zu fuͤrchten iſt, zwiſchen ſchnell wachſenden gezogen werden ſoll. Gewoͤhnlich pflanzt man dann die erſtere, damit ſie einen Vorſprung gewinnt, aus, und ſaͤet die andere dazwiſchen, oder wenn man beide pflanzt, muͤſſen die Pflanzſtaͤmme der langſam wachſenden groͤßer ſeyn. h. Wo man nicht hinreichende Zeit zur Schonung gegen Weidevieh hat, um Samenpflanzen erziehen zu koͤnnen. Wenn gar keine Schonung ſtattfindet, iſt uͤberhaupt nur durch den Anbau ganz hochſtaͤmmiger Pflanzen, die das Weidevieh nicht mehr beſchaͤdigen kann, ein Ort in Beſtand zu bringen. i. Wo ein luͤckenhafter Beſtand, welcher ſchon eine ge⸗ wiſſe Groͤße erreicht hat, nachgebeſſert werden ſoll. Die Saat wuͤrde in dieſem Falle zu kleine Pflanzen und zu ungleichen Beſtand geben. Zu 3. Wo man Samen wohlfeil und in Menge hat, die Pflanzen entweder fehlen oder erſt mit Aufwand von Geld und Zeit erzogen werden muͤſſen, ſaͤet man lieber, als man pflanzt, — 337— pflanzt, ſobald nicht irgend eines der bezeichneten Verhaͤltniſſe zu letzterm noͤthigt. Wo Menſchen zur Pflanzung fehlen, wohl aber Zugvieh vorhanden iſt, um den Boden zur Saat aufzufluͤgen oder zu eggen, wird man ebenfalls zur letztern ſchreiten muͤſſen. Es wuͤrde ſchon aus dieſem Grunde in den preußiſchen Provinzen, jenſeits des linken Elbufers, unausfuͤhrbar ſein, alle Kiefern⸗ kulturen durch Pflanzung zu bewirken, weil dazu die Menſchen mangeln wuͤrden. Zur Saat ſind dagegen hinreichende Kraͤfte vorhanden. Zu 4. Wo es darauf ankommt, den Boden ſchnell ganz zu decken, iſt die Saat gewoͤhnlich vorzuziehen. Eine dichte Pflanzung wird zu koſtbar, eine dichte Saat laͤßt ſich mit wenigeren Koſten bewirken. Durch die Pflanzung hat man eine paſſende Vertheilung der Pflanzen weit mehr in der Gewalt, als durch die Saat. Wo man ſich gegen Schnee- und Duftbruch, gegen Sturm, dadurch ſichern muß, daß man ſtaͤmmige Baͤume, die nicht zu dichten Schluß haben, erziehet, iſt die Pflanzung in der Regel vorzuziehen. Die Plattenſaat bewirkt dies zwar auch, jedoch nicht ſo vollſtaͤndig, da doch haͤufig ſtarke Pflanzen⸗ horſte dabei erſcheinen. Durch die paſſende Vertheilung der Pflanzen wird in den mehrſten Faͤllen eine groͤßere Holzmaſſe erzogen. Nament⸗ lich iſt deshalb bei der Kiefer auf ganz ſchlechtem Boden die Pflanzung vorzuziehen, weil man es bei der Saat kaum in der Gewalt hat, auf der einen Seite eines vollen Beſtandes ſicher zu ſein, auf der andern den hier ſo ſehr nachtheiligen zu dichten Stand zu vermeiden. Orte, die ſchon ſehr fruͤhzeitig dicht ſtehen muͤſſen, um Nutzholz zu geben, werden beſſer angeſaͤet, als angepflanzt. Birken zur Reifſtabnutzung wird man eben ſo wenig pflanzen, als dies bei Kiefern zweckmaͤßig iſt, wo ſchon die erſte Durch⸗ forſtung an Bohnenſtangen ſehr gut bezahlt wird. 22 — 338— Zu 5. Unter allen Holzgattungen paßt die Eiche, weil ihr die fruͤhzeitig ſehr tiefgehende Wurzel Beduͤrfniß iſt, und die Saat gewoͤhnlich Wohlfeilheit und Sicherheit zugleich verbindet, am wenigſten zur Pflanzung. Von der Kiefer glaubte man dies fruͤher ebenfalls; die Erfahrung hat aber in der neuern Zeit gezeigt, daß in vielen Faͤllen ſie zweckmaͤßiger gepflanzt als geſaͤet wird. Zur Ausbeſſerung luͤckenhafter Haſelbeſtaͤnde kann man die Pflanzung allein anwenden, weil kleine Samenpflanzen zwiſchen dem Stockausſchlage nicht herauffommen. Von den uͤbrigen Holzgattungen werden noch die durch Stecklinge an⸗ zubauenden ausſchließlich gepflanzt, die andern nach Wuͤrdi⸗ gung aller Verhaͤltniſſe durch verſchiedene Arten des Anbaues erzogen. 2. Von der Holzſaat im Allgemeinen. Die Holzſaat begreift folgende Gegenſtaͤnde und Verrich⸗ tungen in ſich: 1) Sammlung und Aufbewahrung des Samens. 2) Verwundung des Bodens, oder Zubereitung des Saat⸗ platzes. 3) Paſſende Samenmenge. 4) Vertheilung und Unterbringung des Samens. 5) Zeit der Ausſaat. 6) Beſchuͤtzung der Saat. 7) Erſparung unnoͤthiger Koſten. Vieles davon muß in Bezug auf jede Holzgattung beſon⸗ ders betrachtet werden, fuͤr Vieles ſind aber auch allgemeine Regeln zu geben, die vorher angefuͤhrt werden muͤſſen, bevor das Beſondere behandelt wird, um Wiederholungen zu ver⸗ meiden. Zu 1. Aller Holzſame muß, bevor man ihn ſammelt, wo moͤglich die volle Reife erhalten. Je fruͤher man ihn abpfluͤckt, ſelbſt wenn er ſchon die gehoͤrige Keimfaͤhigkeit er⸗ — 339— halten hat, deſto ſchwerer laͤßt ſich der Same des Laubholzes aufbewahren, und deſto ſchwerer oͤffnen die Zapfen der Nadel⸗ hoͤlzer ihre Schuppen, ſo daß die Muͤhe des Ausklengens da⸗ durch ſehr vermehrt wird. Noͤthigenfalls kann man ihn, wenn man die Zweige des Baumes mit dem daran haͤngenden Sa⸗ men abbricht, und dieſe an einem trocknen, luftigen Orte auf⸗ haͤngt, noch eine Art von Nachreife erhalten laſſen. Es iſt nicht gut, den erſten reifenden Samen zu ſam⸗ meln, da unter dieſem gewoͤhnlich viel tauber, wurmſtichiger und ſchlechter iſt. Bei vielen Holzgattungen iſt dieſer allemal untauglich. Den beſten Samen geben gewoͤhnlich die freiſte⸗ henden Baͤume von mittlerm Alter. Die ganz alten Staͤmme tragen gewoͤhnlich nur ſehr kleine Fruͤchte, oft mit vielen ſchlech⸗ ten untermiſcht. Auch in den Zapfen, welche die ganz jungen Nadelhoͤlzer, vorzuͤglich die Lerche, zum erſtenmale tragen, ſind oft wenig keimfaͤhige Samenkoͤrner. Bei der Aufbewahrung koͤmmt es darauf an: a. das Verſtocken, Vermodern, Erhitzen deſſelben zu ver⸗ meiden— b. das zu ſtarke Austrocknen zu verhindern, c. bei einigen Samengattungen glaubt man auch ſich ge⸗ gen den Froſt ſichern zu muͤſſen, obwohl es noch ſehr zweifel⸗ haft, ſogar unwahrſcheinlich iſt, daß derſelbe dem gut getrock⸗ neten Samen ſchaͤdlich wird. Zu a. Alle friſch gepfluͤckte Samen haben noch viel Feuchtigkeit in ſich, welche zum Theil noch verdunſtet. Wer⸗ den ſie gleich nach dem Sammeln auf einen Haufen geſchuͤt⸗ tet, ſo wird theils dieſe Verdunſtung verhindert, theils der Haufen im Innern feucht, wovon das Verderben, Vermodern und Erhitzen des Samens die nothwendige Folge iſt. Nur bei den Zapfen der Nadelhoͤlzer hat man dies nicht zu fuͤrchten, alle Samen der Laubhoͤlzer muͤſſen aber nach der Sammlung, wenn ſie aufbewahrt werden ſollen, vorher duͤnn an einem 22* — 340— luftigen Orte aufgeſchuͤttet werden, und ſo lange bis ſie hin— reichend abgetrocknet ſind, muß man ſie oͤfter umharken oder umruͤhren. Zu b. Sohbald alle waͤſſerige Feuchtigkeit aus dem Sa⸗ menkorn verdunſtet, kann kein Keimungsproceß mehr ſtattfin⸗ den. Daß ſo viel Nadelholzſamen auf den Feuerdarren ſeine Keimfaͤhigkeit verliert, liegt nicht darin, wie der gewoͤhnliche Ausdruck iſt, daß er verbrannt wird, denn niemals iſt dazu die Waͤrme ſtark genug, ſondern lediglich iſt die zu ſtarke Aus⸗ trocknung bei einem zu hohen Waͤrmegrade davon die Urſache. Ganz daſſelbe erfolgt in der Sonne, wenn man den Samen den ganzen Sommer hindurch einer zu ſtarken Sonnenhitze ausſetzt. Wir haben zwar Saͤmereien, denen das Austrocknen gar nicht nachtheilig zu werden ſcheint, wie z. B. Melonen⸗ kerne, Leinſamen, welche eine große Reihe von Jahren aufbe⸗ wahrt werden koͤnnen, ohne im Trocknen ihre Keimfaͤhigkeit zu verlieren. Auch von den Holzſaͤmereien erhalten ſich manche laͤngere Zeit,— einige Nadelholzſamen am laͤngſten— manche nur kuͤrzere; es giebt jedoch keinen darunter, der die volle Keim— faͤhigkeit, ſelbſt gut aufbewahrt, uͤber 5 bis 6 Jahre erhielt, und auch dies nur weniger ſelten, und unter gewiſſen beding⸗ ten Umſtaͤnden.— Um das zu ſtarke Austrocknen zu verhuͤ⸗ ten, muß, da die Aufbewahrung des Samens wohl ohnehin immer im Schatten erfolgt, der zu ſtarke Zutritt der Luft ab⸗ gehalten werden. Man waͤhlt zur Aufbewahrung einen ganz trocknen Ort, wo die noͤthige Luftcirkulation ſtattfindet, und packt dann den gehoͤrig abgetrockneten Samen in Saͤcke, die man zur Sicherung gegen Maͤuſe an Balken aufhaͤngt, oder in durchloͤcherte Kiſten und Faͤſſer. Eine der beſten Arten der Aufbewahrung iſt unſtreitig fuͤr die groͤßern Saͤmereien, als: Eicheln, Bucheln u. ſ. w., die Vermiſchung mit Laub, Rog⸗ genſpreu, Heckerling u. ſ. w., um ſie damit in Haufen auf trocknen Boͤden aufzuſchuͤtten, die dann noch mit einer Schicht dieſes Materials bedeckt werden. Man hat zwar auch, um — 341— den Zutritt der Luft ganz abzuhalten, die Verſenkung dieſer ſchweren Samenarten, vorzuͤglich der Eicheln, in das Waſſer vorgeſchlagen, in dem man ſie in durchloͤcherte Faͤſſer thut; es iſt aber gar kein Grund vorhanden, dieſe koſtbare, muͤh⸗ ſame und nur in ſeltnen Faͤllen anwendbare Aufbewahrungs⸗ art zu empfehlen, da man den dadurch beabſichtigten Zweck viel leichter und ſicherer auf die angegebene Weiſe erreichen kann, vielmehr ganz davon abzurathen. Wir haben keinen Holzſamen, der dadurch gewoͤnne, wenn er laͤngere Zeit aufbewahrt wuͤrde, friſcher Same giebt ſtets mehr Pflanzen, wie alter, ſelbſt wenn es eine Holzgattung iſt, von der er ſich mehrere Jahre aufbewahren laͤßt, was nicht bei allen der Fall iſt. Man kann daher die Aufbewahrung des Samens, uͤber die natuͤrliche Saatzeit hinaus, fuͤr ein kuͤnftiges Jahr, nur als ein nothwendiges Uebel betrachten, welches man deshalb nicht umgehen kann, weil entweder nicht alle Jahr der nothwendige Samen zu haben iſt, oder die ra⸗ ſche Ausſaat des friſch gewonnenen unthunlich wird, oder auch wohl, weil der entfernte Gewinnungsort die naͤchſte Saatzeit zu verabſaͤumen noͤthigt.— Bei jeder einzelnen Holzgattung wird ſpaͤter angegeben werden, wie lange ſich der Samen da⸗ von aufbewahren laͤßt. 2) Verwundung des Bodens. Wir muͤſſen ſie nach den verſchiedenen Zwecken betrachten, die dadurch erreicht wer⸗ den ſollen. a. Das Samenkorn ſoll dadurch ein gutes Keimbett er⸗ halten. Wenn daſſelbe auf dem Laube, Mooſe, Graſe, oder auf einer andern Bodenbedeckung aufzuliegen koͤmmt, wenn die Wurzel keinen Boden faſſen kann, der die Pflanze zu er⸗ naͤhren im Stande iſt, ſo kann man auch nicht darauf rech⸗ nen, daß die Saat gelingt. Es iſt daher jeder Boden, moͤge er nun eine ſolche obere Bedeckung haben, welche macht, daß der Keim den ernaͤhrungsfaͤhigen Boden nicht erreichen kann, indem das Samenkorn darauf zu liegen koͤmmt, oder mag — 342— die obere Bodenſchicht wegen unvollkommnen, verkohlten Hu⸗ mus ꝛc. unbenutzbar fuͤr die Wurzel ſein, in einer Art ver⸗ wundet werden, daß dieſes Hinderniß des Gedeihens der jun⸗ gen Pflanze beſeitigt wird. Nicht alle Samenarten bedin⸗ gen in dieſer Hinſicht gleiche Behandlung des Bodens. Solche, welche große Kernſtuͤcke haben, wie z. B. die Eichel, vermoͤgen den hervorbrechenden Keim aus dieſem laͤngere Zeit zu ernaͤhren, und derſelbe durchdringt, ſo genaͤhrt, eine ſelbſt ziemlich ſtarke Laub-Moosbedeckung ꝛc. bis er fruchtbaren Boden findet, wo die Wurzel ſich befeſtigÄt. So hindert die Eichel ſelbſt eine ziemlich ſtarke doch lockere Bodenbedeckung nicht, aufzugehen, die Pflanze kann dabei dennoch in ernaͤh⸗ rungsfaͤhigen Boden zu ſtehen kommen, und die Wurzel be⸗ findet ſich ſehr wohl unter der ſchuͤtzenden Laubdecke. Anders iſt es dagegen mit der Birkenſaat. Der Same ſelbſt hat ſehr kleine Kernſtuͤcke, und wenn der Keim nicht gleich bei dem Hervorbrechen ernaͤhrenden Boden faſſen kann, ſo vertrocknet er. Die flachlaufende Wurzel kann nicht wie die tief eindrin⸗ gende Eichenwurzel eine obere ſchlechte Bodenſchicht durch⸗ brechen, um in beſſern Boden zu gelangen, der Birkenſame muß durchaus ein gutes Keimbett erhalten, wenn ſeine Aus⸗ ſaat von Erfolg ſein ſoll. Man kann daher wohl fuͤglich ſagen: Es iſt unter allen Verhaͤltniſſen und fuͤr jede Holzgat⸗ tung zwar wuͤnſchenswerth, daß der Same ein gutes Keim⸗ bett erhalte, die unerlaͤßliche Nothwendigkeit, dies durch Ver⸗ wundung des Bodens zu bereiten, iſt jedoch ſehr verſchieden, je nachdem die Beſchaffenheit des Samenkorns, der Wuchs der Wurzel in der erſten Lebenszeit der Pflanze, verſchieden iſt. Man kann deshalb auch keine allgemeine Regel geben, bei welcher Bodenbedeckung aus dieſer Nuͤckſicht eine Wund⸗ machung durchaus noͤthig wird, ſondern muß vielmehr dies fuͤr jede einzelne Holzgattung beſtimmen. b. Gras und Unkraͤuter jeder Art koͤnnen vernichtet werden muͤſſen, weil ſie den jungen Pflanzen verderblich werden wuͤrden. — 343— Dies kann geſchehen: durch Ueberſchattung, indem ſie ſich filz⸗ artig, vorzuͤglich im Winter, uͤber ſie hinweg legen, ſo daß die⸗ ſelben darunter erſticken. Ferner, indem die Gewaͤchſe, welche den Boden bedecken, dieſem und den Pflanzen den Thau und ſelbſt die Feuchtigkeit, von ſchwachem Regen herruͤhrend, entziehen. Mooſe, Borſten⸗ gras und aͤhnliche Gewaͤchſe, werden hierdurch auf trocknem Boden oft allein nachtheilig. Zuletzt durchſchlingen auch viele Pflanzen mit ihren Wur⸗ zeln den Boden ſo dicht, daß die des Holzes ſich nicht ver⸗ breiten koͤnnen, und ihnen die noͤthige Nahrung entzogen wird. Nicht alle Holzgattungen leiden gleich ſehr durch Gras und Unkraͤuter nach dieſer Anſicht. Solche, welche ſchon in der erſten Jugend einen ſtarken Hoͤhenwuchs zeigen und dabei ſtaͤmmig genug ſind, um nicht durch das Gras mit niederge⸗ druͤckt zu werden, befinden ſich oft im ziemlich hohen Graſe ꝛc. ſtehend recht wohl. Koͤlzer mit tiefgehenden Wurzeln, wie Kiefer und Eiche, gedeihen vortrefflich in einem dichten Ra⸗ ſenfilze, wobei an die Erziehung der Fichte nicht mehr zu den⸗ ken waͤre. Die Hinwegſchaffung des Unkrautes kann deshalb fuͤr eine Holzgattung unerlaͤßlich werden, wo ſie fuͤr die an⸗ dere ſehr entbehrlich iſt. Es wuͤrde auch ein großer Irrthum ſein, annehmen zu wollen, daß jede Wundmachung ohne Ausnahme zum Gedei⸗ hen der Holzſaat deſto mehr beitruͤge, je vollſtaͤndiger das Un⸗ kraut dadurch vertilgt wuͤrde. Das Gras und andere Ge⸗ waͤchſe gewaͤhren zaͤrtlichen, jungen Holzpflanzen, z. B. Bu⸗ chen, Ahorn, oft einen vortrefflichen Seitenſchutz, ohne den ſie ſich nicht auf freien Stellen erhalten wuͤrden. Die junge Eiche leidet, darin ſtehend, viel weniger vom Froſte, als auf unbenarbtem Boden. Eben ſo verhindert die Verſchlingung der Graswurzeln auch das Auffrieren des Bodens. Erlen ſind im feuchten Moorboden beinahe nur durch die Saat zu ziehen, wenn er durch Graswurzeln befeſtigt wird. Einen Beleg zu — 344— dieſer Behauptung liefern die vielen tauſend Erlenpflanzen, welche jaͤhrlich auf ſumpfigen Wieſen aufgehen, waͤhrend auf dem unbenarbten Moorgrunde keine Pflanze zu erziehen iſt.— Auch zur Befeſtigung des Bodens an ſteilen Haͤngen, kann die Erhaltung der Grasnarbe noͤthig ſein, und eine gaͤnzliche Wundmachung ſehr verderblich werden. c. Ein dritte Veranlaſſung zur Wundmachung kann die nothwendige Auflockerung des Bodens ſein, theils um dem Samenkorn die noͤthige Bedeckung zu geben, theils um den Wurzeln das tiefere Eindringen zu erleichtern, und eine ſtaͤr⸗ kere und weitere Verbreitung derſelben herbeizufuͤhren. Ein feſter Untergrund, ein ſehr thonhaltiger Boden, ſind es vorzuͤg⸗ lich, welche dieſe Auflockerung wuͤnſchenswerth machen. Ueber die Art und Weiſe der Wundmachung entſcheidet zuerſt der Zweck, welchen man dadurch erreichen will. Wo es bloß darauf ankoͤmmt, die obere Bodendecke weg⸗ zuſchaffen, um dem Samenkorn eine ſolche Lage zu verſchaf⸗ fen, daß es auf fruchtbarem Boden Wurzel ſchlagen kann, genuͤgen oft ſehr einfache Maßregeln. Hat ſich die Bodenbedeckung im Schatten und dichtem Holzbeſtande erzeugt, ſo verſchwindet ſie von ſelbſt, wenn der Bo⸗ den dem Einfall der Sonnenſtrahlen und dem Luftzuge frei⸗ geſtellt wird. Mooſe, Vaceinien und andere im Schatten er⸗ wachſene Gewaͤchſe, vergehen in wenig Jahren, und machen einer andern Vegetation, die in freier Lage gedeihet, Platz. Zur Birken- und Kiefernſaat iſt oft nichts weiter als Freiſtel⸗ lung noͤthig; nur muß man dann den Zeitpunkt nicht verab⸗ ſaͤumen, wo ſich der Boden hinreichend wund zeigt, denn ſpaͤ⸗ ter erhaͤlt er wieder einen viel gefaͤhrlichern Ueberzug. Leicht wegzunehmende Bedeckung von Laub, Mooſen und Flechten, kann durch Ausharken entweder ganz hinweggenom⸗ men, oder doch wenigſtens durch kreuzweiſes Eggen, ſo auf⸗ geriſſen werden, daß der Same zur Erde kommen kann. Eine leicht feuerfangende Bedeckung von trocknen Graͤ⸗ — 345— ſern, Kraͤutern, Staudengewaͤchſen, iſt zwar durch das Aus⸗ brennen auf Orten, wo keine Verbreitung des Feuers zu fuͤrch⸗ ten iſt, leicht zu vertilgen. Man darf jedoch dabei nicht ver⸗ geſſen, daß dieſer Maßregel gewoͤhnlich ein deſto ſtaͤrkerer Gras⸗ wuchs folgt. Sie iſt deshalb auch nur da zu empfehlen, wo dieſer ſpaͤter der Holzſaat nicht verderblich zu werden drohet. Wo der Boden mit einer Schicht von unvollkommnem Humus in der Oberflaͤche bedeckt iſt, in welcher die entſte⸗ hende Pflanze ſich nicht erhalten kann, wird die Wegſchaffung fuͤr alle flachwurzelnde Holzgattungen unerlaͤßlich. Liegt ſie nur flach, ſo laͤßt ſie ſich durch ſtreifenweiſes Pfluͤgen oder Hacken, durch Aufdeckung einzelner Plaͤtze, wegſchaffen. Eine tiefere bedingt entweder, daß der Kulturplatz mehrere Jahre zum Getreidebaue ausgegeben wird, um hinreichend tief auf⸗ gepfluͤgt werden zu koͤnnen, oder daß die Saat in tief aufge⸗ ſtochene Saatloͤcher(aͤhnlich den Pflanzloͤchern) gemacht wird. Wenn der Zweck iſt, die Verdaͤmmung durch hohe be— ſchattende Gewaͤchſe zu verhindern, ſo muß man beachten, ob dieſe mehrere Jahre beduͤrfen, um eine ſchaͤdliche Groͤße zu er⸗ halten, oder ob dies in einem Jahre geſchiehet. Im erſten Falle genuͤgt gewoͤhnlich das Aushauen mit dem Beile oder der Hacke, im zweiten muß zugleich die Wurzel zerſtoͤrt wer⸗ den. Hinſichts dieſer nachtheiligen Gewaͤchſe iſt bei denen, deren Samen ſich weit verbreitet, darauf zu ſehen, daß, ſo⸗ bald ſie ſich auf dem Kulturplatze oder in der Naͤhe deſſelben zeigen, ihre Vertilgung erfolgt, noch ehe dieſer ſeine Reife er— halten hat. Sobald ſie in der Zeit der Bluͤthe, oder kurz vor und nach derſelben beſchaͤdigt werden, vertilgt man mehrere derſelben am erſten. Hoͤlzer, welche durch ihre Wurzelbrut nachtheilig werden, z. B. Aspen, haut man einige Jahre vor⸗ her weg, um die hervorkommenden Ausſchlaͤge theils durch den Schatten verdaͤmmen, theils durch das Weidevieh verbeißen zu laſſen. Sobald man die Wurzeln zugleich mit zu zerſtoͤren beab⸗ — 346— ſichtigt, bleibt nur die Hacke und der Pflug zur Bodenver⸗ wundung uͤbrig. Sie muß deſto tiefer erfolgen, je tiefer wie⸗ der ausſchlagende Wurzeln ſtreichen. Eine ſehr tiefe Auflockerung iſt nur durch wiederholtes tiefes Auſpfluͤgen oder Umgraben zu erreichen. Soll ſie uͤber 6 bis 8 Zoll tief ſtattfinden, ſo bleibt allein nur uͤbrig, die Saatloͤcher in gleicher Art aufzugraben, wie dies bei der Pflan⸗ zung mit den Pflanzloͤchern geſchiehet. Nicht unbeachtet kann bei der Wundmachung des Bodens die Form der Oberflaͤche deſſelben bleiben, ob ſie eben iſt oder bergigt. Eine gaͤnzliche Entbloͤßung und Auflockerung der Ober⸗ flaͤche iſt bei einem ſtarken Neigungswinkel ſtets ſehr gefaͤhr⸗ lich, indem der lockere Boden leicht abgeſchwemmt wird und Bergriſſe entſtehen. Selbſt die rinnenweiſe Bearbeitung bleibt in dieſer Hinſicht immer gefaͤhrlich, wenn man dies gleich da⸗ durch zu vermeiden ſucht, daß die Rinnen horizontal am Berge hingezogen werden, damit das Waſſer nicht in ihnen am Berge herabſtroͤmen und ſo Auswaſchungen erzeugen kann. In ſehr vielen Faͤllen kann man die Art und Weiſe der Verwundung allein davon abhaͤngig machen, daß man dazu diejenigen Mittel waͤhlt, welche am erſten vorhanden ſind, und die am wenigſten Koſten verurſachen, indem die Verhaͤltniſſe ſo ſein koͤnnen, daß der beabſichtigte Zweck auf viele verſchiedene Arten erreicht werden kann. Wo Boden und Lage des Kulturplatzes ſo beſchaffen ſind, daß darauf ein bis drei Jahre Getreide gebauet werden kann, wo dies gegen das Wild geſchuͤtzt iſt und ſich Landbauer fin⸗ den, welche die Bearbeitung deſſelben uͤbernehmen, da iſt es die vortheilhafteſte Art der Wundmachung, den Getreide⸗ oder Kartoffelbau vorausgehen zu laſſen. Vorzuͤglich im lehmigten und ſehr thonhaltigen Boden, traͤgt dieſe Art der Bearbeitung ſehr zur Vermehrung der Fruchtbarkeit bei, indem die Luft einen ſtaͤrkern Zutritt erhaͤlt, um Kohlenſaͤure entwickeln zu —- 347— koͤnnen. Weniger zu empfehlen iſt ſie bei ſehr ſandigem Bo⸗ den; abzurathen iſt davon, wenn derſelbe zum Fluͤchtigwerden geneigt iſt. In Gegenden, wo man wohlſei Zugvieh haben kann, um den Boden ſtreifenweis aufzupfluͤgen, ziehet man dies in der Ebene, und wo der Kulturplatz dazu hinreichend rein von Wurzeln und Steinen iſt, der Bearbeitung durch Menſchen⸗ haͤnde vor. Eine gaͤnzliche Umhackung oder Ungrabung des Saat⸗ platzes findet nur bei Saatkaͤmpen, niemals bei großen Saa⸗ ten im Freien ſtatt, da dies zu koſtbar ſein wuͤrde. Die Ver⸗ wundung durch Menſchenhaͤnde erfolgt vielmehr immer nur ſtreifenweis, oder in Platten(Plaͤtzen). Die Platten ſcheinen im Allgemeinen den Vorzug zu verdienen, weil: a. bei ihnen weniger Boden verwundet werden darf, und man an Arbeit ſparen kann; b. weil eine gleichmaͤßige Vertheilung der Pflan⸗ zen und Pflanzenhorſte ſicherer wird; c. weil in den Platten ſelbſt auf die Einlegung des Samens mehr Aufmerkſamkeit gewendet und deshalb dabei geſpart werden kann, noͤthigenfalls auch die jungen Pflanzen auf ihnen beſſer rein gehalten wer⸗ den koͤnnen; d. weil man im Stande iſt, den jungen Pflan⸗ zen durch ſie mehr Schutz gegen Duͤrre und ſelbſt Froſt zu verſchaffen, guten Boden zum beſſern Keimbette hineinzuſchaf⸗ fen, und, wo es noͤthig iſt, den Untergrund ohne betraͤchtliche Koſten aufzulockern; e. beſſer im Stande iſt, die Steine und ſchlechten Stellen zu umgehen, auch ſchon vorhandene Pflan⸗ zen zu ſchonen und zu benutzen. Die Verwundung in Reifen oder Rinnen verdient nur da den Vorzug, wo man ſie durch Pfluͤgen wohlfeiler hat, und wo es darauf ankoͤmmt, den Saatplatz bald ganz zu decken, was bei der Plattenſaat eine ſehr geringe Entfernung der Platten noͤthig machen wuͤrde, wodurch die Koſten ſich ſehr vermehren. Die gewoͤhnliche Ent⸗ fernung derſelben iſt ſonſt derjenigen gleich, in welcher man Pflanzen einſetzen wuͤrde. Die Groͤße kann verſchieden ſein — 348— von ³ bis 4 und 6 Quadratfuß; das letztere iſt nur dann zweckmaͤßig, wenn man entweder ſehr viel Pflanzen zur Ver⸗ pflanzung ausheben will, oder fuͤrchten muß, daß Unkraut klei⸗ nere Platten uͤberzieht und die Pflanzen darauf toͤdtet. In bei weitem den mehrſten Faͤllen wird es genuͤgen, die ver⸗ wundeten Stellen Einen Quadratfuß groß zu machen, und ſie 4 bis 5 Fuß auseinander zu bringen, um nicht unnuͤtz Ar⸗ beit und Samen zu verſchwenden.— Auch die Rinnen wer— den ſehr verſchieden gemacht, von 1 Fuß breit und 5 bis 6 Fuß auseinander, 3 Fuß breit und 3 Fuß Entfernung. Je groͤßer die Flaͤche des verwundeten Bodens iſt, deſto mehr wachſen die Arbeit und Koſten. Es kann nur die nothwen⸗ dige Vertilgung verdaͤmmender Unkraͤuter, die Abſicht, einen großen Theil der durch die Saat erzogenen Pflanzen zur kuͤnf⸗ tigen Auspflanzung zu benutzen, die Nothwendigkeit, den Bo⸗ den ſchnell zu decken, einen groͤßern Koſtenaufwand, als noͤthig iſt, um volle Beſtaͤnde zu erziehen, entſchuldigen. 3) Von der paſſenden Samenmenge. Die Samenmenge wird gewoͤhnlich von der Art der Ver⸗ wundung des Bodens, und der des Ausſtreuens des Samens, abhaͤngig gemacht. Es ſcheint auch auf den erſten Blick, als ob die Samenmenge deſto groͤßer ſein muͤſſe, je groͤßer die verwundete Flaͤche iſt. Sobald man von dem Grundſatze ausgehet, daß die Pflanzen ſtets gleich dicht ſtehen muͤſſen, gleichviel, ob der Same nur auf einzelne Stellen geſtreuet, oder uͤber den ganzen Saatplatz verbreitet werde, ſo wuͤrde dies allerdings der Fall ſein. Dieſe Annahme wuͤrde aber ganz unrichtig ſein. Je weiter die Stellen, welche mit Sa⸗ men beſtreuet werden, von einander entfernt ſind, deſto weni⸗ ger darf man ſich der Gefahr ausſetzen, daß eine derſelben ohne Pflanzen bleibe, und deſto dichter muͤſſen deshalb die Samenkoͤrner darauf zu liegen kommen; ſie koͤnnen viel weit⸗ laͤuftiger bei einer gleichmaͤßigen Verbreitung uͤber den Saat— — 349— platz ausgeſtreuet werden. Dieſelbe Samenmenge, welche bei der Plattenſaat einen vollen Beſtand gewaͤhrt, wo die Pflan⸗ zen horſtweis ſtehen, muß den Ort noch viel fruͤher mit ſol— chen bedecken, wenn dieſelben ſich, einzeln ſtehend, hinreichend verhreiten und gut auswachſen koͤnnen. Auch wuͤrde nichts hindern, auf einen ganz geackerten Boden ebenfalls platzweis oder in Streifen zu ſaͤen, wenn man einmal uͤberzeugt iſt, da⸗ mit auszukommen. Es bleibt ſtets die Verwendung einer groͤ⸗ ßern Samenmenge als noͤthig iſt, eine nicht zu rechtfertigende Verſchwendung. Die Verwundungsart des Bodens kann des⸗ halb nur dadurch einen mittelbaren Einfluß auf die zu neh⸗ mende Samenmenge haben, daß man bei der einen oder der andern den Samen ſorgfaͤltiger einſtreuen, und ſein Aufgehen mehr ſichern kann.. Dagegen haben folgende Umſtaͤnde Einfluß auf die groͤ⸗ ßere oder geringere Samenmenge: a. Guͤte des Samens. b. Sicherheit des Aufgehens deſſelben, der Erhaltung von Samen und Pflanzen. c. Die Nothwendigkeit, den Boden fruͤh zu decken, oder die Abſicht, einen dichten Stand der Pflanzen zu vermeiden. d. Der Zweck, die Saat zur Auspflanzung und Aushe⸗ ben von Pflanzen zu benutzen. Zu a. Bei ganz verdorbenem Samen wuͤrde auch die groͤßte Menge nichts helfen; ſehr haͤufig iſt er aber nur theil⸗ weis ſchlecht, dann muß im Verhaͤltniß der Menge der nicht keimfaͤhigen Koͤrner, auch eine groͤßere Samenmenge genommen werden. Bei den Eicheln, Bucheln und Kiefernzapfen, kann man ſich ſchon durch den Augenſchein von ihrer Tauglichkeit unterrichten. Man nimmt eine beſtimmte Menge und unter— ſucht ſie, um das Verhaͤltniß des ſchlechten zum guten Sa— men zu beſtimmen. Bei Nadelholzſamen kann man aus dem Gewichte entdecken, ob viel taube Koͤrner darunter ſind. Alter Same, welcher ſchon zu ſehr ausgetrocknet iſt, und — 350— dadurch die Keimkraft verloren hat, wird zwar auch leichter, jedoch nicht in dem Maße, wie ſolcher, der viel taube Koͤrner hat, und man kann ſich deshalb bei dieſem auf das Gewicht nicht allein verlaſſen, obwohl es die Anzeige giebt, daß der Same ſchon alt iſt. Die ſicherſte Erkennung der Guͤte deſſelben findet immer ſtatt, wenn man eine Quantitaͤt davon in Blu⸗ mentoͤpfe oder Blumenkaſten zur Probe ſaͤet, und dieſe in einer gewoͤhnlichen Stubentemperatur feucht haͤlt, um beobachten zu koͤnnen, wie viel davon aufgehet. In kuͤrzerer Zeit kann man die Zahl der keimenden Koͤrner kennen lernen, wenn man ſie in einen dicken wollenen Lappen einſchlaͤgt, und dieſen fort⸗ waͤhrend feucht in einer warmen Stube haͤlt. Ulmen, Eſchen, Birken, Erlen, Eicheln, Bucheln muͤſſen ſpaͤteſtens das naͤchſte Fruͤhjahr nach ihrer Einſammlung aus⸗ geſaͤet oder in die Erde gebracht werden, und wenn dieſe und die Aufbewahrung ſorgfaͤltig erfolgt iſt, der Same gut war, ſo wird er bis dahin auch ſeine volle Keimfaͤhigkeit groͤßtentheils erhalten haben, obwohl ſchon die Herbſtſaat in dieſer Hinſicht beſſer iſt. Tannen⸗, Ahorn⸗, Hainbuchen⸗Same dauert wohl zwei Jahre; es iſt aber rathſam, bei dem auf Boͤden aufbewahr⸗ ten zweijaͤhrigen die Samenmenge um ein Viertheil groͤßer zu nehmen. Fichten-, Kiefern- und Lerchenſamen laͤßt ſich 4 bis 5 Jahre aufbewahren, jedoch wird man mit jedem Jahre 3 bis ½ mehr Samen nehmen muͤſſen. Zu b. Die Sicherheit des Aufgehens alles Samens haͤngt zum Theil von der ſorgfaͤltigen Einlegung deſſelben ab. Wo die Eicheln uͤber den ganzen Saatplatz geworfen und un⸗ tergepfluͤgt oder untergeegt worden, wobei ein Theil vielleicht zu tief, der andere obenauf zu liegen koͤmmt, muß man mehr Samen haben, als wenn man jede Eichel ſorgfaͤltig einſteckt. Wo der Kiefernſame ohne alle Bedeckung hingeworfen, theil⸗ weis von Voͤgeln aufgeleſen wird, muß man ſaͤrker ſaͤen, als bei der Plattenſaat, bei der jedes Korn ſorgfaͤltig bedeckt und — 351— in ein gutes Keimbett gebracht wird. Eine nachlaͤſſige Be⸗ handlung der Ausſaat wird deshalb auch haͤufig ſehr koſtbar, durch die deshalb noͤthig werdende groͤßere Samenmenge. Die Gefahr, durch Wild, Maͤuſe, Voͤgel einen Theil des Samens aufgeleſen zu ſehen, noͤthigt zur Verwendung einer groͤßern Menge. Die Erhaltung der aufgegangenen Pflanzen iſt eben ſo beachtungswerth. Ein ſtarker Wildſtand, und eine daher ruͤhrende Beſchaͤ⸗ digung vieler Pflanzen, geſtattet keine ſehr duͤnne Saat— man muß viel haben, wenn man einen Theil verlieren kann, ohne daß die Erhaltung des vollen Beſtandes gefaͤhrdet wird. Zu c. Auf Sandſchellen, welche gebunden werden ſollen, kann man keinen weitlaͤuftigen Stand der Pflanzen geſtatten, weil ſchon fruͤhzeitig das junge Holz das Wegwehen des San⸗ des verhindern muß. Die Beachtung, ſich durch zweckmaͤßige Entfernung der Pflanzen einen ſtaͤrkern Zuwachs zu verſchaf⸗ fen, iſt hier nur Nebenſache. Daſſelbe gilt an oͤſtlichen und weſtlichen Freilagen von ſtarkem Neigungswinkel, welche bald gegen das Abſpuͤlen der Erde und das Austrocknen geſichert werden muͤſſen. Nicht bloß, daß Berghaͤnge, deren Flaͤchen⸗ inhalt nach der Grundflaͤche berechnet iſt, uͤberhaupt eine groͤ⸗ ßere Samenmenge ertragen, weil die Pflanzen an ihnen einen groͤßern Luft⸗ und Lichtgenuß haben, ſondern auch weil das Bloß⸗ liegen derſelben nachtheiligere Folgen hat, als auf der Erde. Wenn aus der Saat ein Hochwald von langem Umtriebe erzogen werden ſoll, ſo kann man eine geringere Samenmenge nehmen, weil eine ſpaͤtere Deckung des Bodens genuͤgt, als wo man eine Niederwaldwirthſchaft in kurzem Umtriebe beab⸗ ſichtigt. Im letztern Falle koͤnnen dagegen Holzgattungen, die ſich durch Wurzelbrut verdichten, anfaͤnglich einen weitlaͤuf⸗ tigern Stand erhalten, als die, bei denen dies nicht erfolgt. Wo Schnee- und Windbruch zu fuͤrchten iſt, hat man Urſache, gleich durch duͤnne Saat einen ſehr geſchloſſenen Stand des Holzes zu vermeiden. — 352— Zu d. So wie man in einem Saatkampe dicker ſaͤet, als in freier Saat, ſo nimmt man auch bei dieſem mehr Samen, wenn aus ihr viel Pflanzen zur Verpflanzung ausgehoben werden ſollen. 4) Von der Vertheilung des Samens und ſeiner Bedeckung mit Erde. Man muß nach der moͤglichſt gleichen Vertheilung der fuͤr eine gewiſſe Flaͤche beſtimmten Samenmenge ſtreben. Dieſe kann jedoch nach zwei ganz verſchiedenen Anſichten er— folgen muͤſſen: a. daß jede einzelne Pflanze moͤglichſt weit von einander entfernt ſtehet; b. daß die in ſich dichten Pflanzen⸗ horſte in gleicher Entfernung von einander ſich befinden. Das Letztere iſt nur bei der Fichte noͤthig, da dieſe horſtweis beſſer gedeihet, als einzeln, wovon die Urſachen unten, und kann nur durch die platzweiſe Saat vollkommen erreicht werden. Die gleiche Vertheilung der einzelnen Samenkoͤrner in Rinnen oder den ganzen Saatplatz, ſo wie die gleiche Zahl Samenkoͤrner fuͤr jede Platte, erhaͤlt man am zweckmaͤßigſten auf ſolgende Weiſe. Man ſteckt eine beſtimmte Flaͤche, von einem halben bis einem viertel Morgen aus, und wiegt oder mißt die darauf kommende verhaͤltnißmaͤßige Samenmenge ab. Ein Arbeiter, welcher ein- fuͤr allemal die Ausſaat beſorgt, muß ſich dann einuͤben, jedesmal ſo viel Samen zu greifen und auszuſtreuen, daß er gerade ausreicht. Es iſt eben ſo leicht, demſelben die mechaniſche Fertigkeit, ſtets gleich viel Samen zu faſſen und dabei mit einer beſtimmten Menge eine feſtgeſetzte Flaͤche zu erreichen, zu verſchaffen, als dies in der Landwirthſchaft bei den Saͤeleuten geſchiehet, welche dieſelbe ebenfalls bei der Saat des Getreides beſitzen muͤſſen.— Der Forſtbeamte muß ſich dabei die Kenntniß erwerben, gleich aus der Entfernung, in der die Samenkoͤrner von einander liegen, beurtheilen zu koͤnnen, wie viel Pfund ꝛc. wohl auf dem Mor⸗ gen ausgeſaͤet ſein koͤnnen. Die — 353— Die hoͤchſte Bedeckung des Samens mit Erde, bei der er noch ſicher aufgehet, iſt die beſte, weil a. die tiefliegende Bewurzelung der Pflanze ſie am beſten gegen Duͤrre und Hitze ſchuͤtzt; b. der Froſt den keimenden Pflanzen, die da⸗ durch beſchaͤdigt werden koͤnnten, weniger nachtheilig wird; c. der Same mehr gegen das Aufleſen durch Thiere, das Wegſchwemmen an Bergen, geſichert iſt. Damit ſoll aber nicht geſagt werden, daß die Erdbedeckung nicht zu hoch ſein koͤnne. Dieſelbe muß ſehr verſchieden ſein: a. nach den Holz⸗ gattungen; b. nach dem Boden. Die Hoͤhe der Erdbedeckung, welche die verſchiedenen Samenarten ertragen, ſcheint in einem gewiſſen Verhaͤltniſſe mit der Groͤße derſelben zu ſtehen. Die Eichel ertraͤgt die groͤßte, der Birkenſame die kleinſte; es giebt aber keinen Samen, fuͤr den nicht eine geringe Bedeckung vor⸗ theilhaft waͤre. Der ſandige lockere Boden, welcher theils einen ſtarken Zutritt der Luft geſtattet, theils der hervorbrechenden Pflanze wenig mechaniſchen Widerſtand entgegenſetzt, kann hoͤher uͤber dem Samenkorn liegen, als der feſte Thonboden, bei dem das Gegentheil eintritt. Das iſt jedem Landwirthe laͤngſt bekannt, es bleibt ſich ganz gleich auch bei der Holz⸗ ſaat. Auf Flugſand gehet die Kiefer noch bei 1 Zoll Erdbe⸗ deckung auf, auf feſtem Lehmboden wuͤrde, vorzuͤglich bei ein⸗ tretender Trockenheit, ſchon nicht mehr bei einem halben Zolle darauf zu rechnen ſein. 5) Von der beſten Jahreszeit zur Saat. Man kann nicht bloß viele Saͤmereien, welche im Herbſte reifen, entweder gleich, oder auch im darauf folgenden Fruͤh⸗ jahre ſaͤen, ſondern auch im letztern die Saat fruͤher oder ſpaͤter machen. Die allgemeine Regel: das ſei die beſte Zeit der Ausſaat, wo die Natur den Samen ausſtreue, iſt doch ſehr vielen Ausnahmen unterworfen. Die vorzuͤglichſten ſind: a. Wenn man Gefahr laͤuft, daß bei der Herbſtſaat der Same durch Thiere aufgeleſen wird, oder durch Ueberſchwem⸗ 23 — 354— mungen leidet, was vorzuͤglich in den Flußthaͤlern bei Fruͤh⸗ jahrswaſſer leicht der Fall ſein kann.—. b. Wenn, wie bei dem Ahorn, die ſehr fruͤh aufgehenden Pflanzen leicht durch Fruͤhjahrsfroͤſte beſchaͤdigt werden. c. Wenn im Herbſte die Arbeiter mangeln, der Boden bei duͤrrer Witterung ſehr ſchwer zu bearbeiten iſt, die Tage ſchon ſehr kurz geworden ſind, und das Arbeitslohn zu koſt⸗ bar werden wuͤrde. Beſſer iſt es vielleicht, die Regel hinſichtlich der Saͤme⸗ reien, die noch im Sommer und Herbſte reifen und abfallen, ſo zu ſtellen: Wo die Saat ſicher und mit gleichen Koſten ſchon zu dieſer Zeit gemacht werden kann, iſt ſie der Fruͤhjahrsſaat vor⸗ zuziehen, um ſich die Muͤhe und Koſten der Aufbewahrung zu erſparen, und weil die beſte immer in der Erde iſt. Wo man aber den Samen ſicherer und wohlfeiler auf dem Boden hat ac., als in der Erde, da waͤhle man die letztere. In Bezug auf die Frage: ob man zeitig oder ſpaͤter im Fruͤh⸗ jahre ſaͤen ſoll, kommen folgende Gegenſtaͤnde zur Eroͤrterung: a. Die groͤßere Sicherheit des Gedeihens der Saat zu der einen oder der andern Zeit. b. Die Ausdehnung der Kulturen und die Mittel, ſie zu bewirken. c. Die Beſchaffenheit des Bodens. Zu a. Die vorzuͤglichſten Gefahren, die unſern Holzſaaten drohen, ſind: Duͤrre, Froſt, Aufleſen des Samens durch Voͤgel. Viele Forſtmaͤnner wollen die ſpaͤte Saat, weil ſie be⸗ haupten, zu Johannis und nachher ſei weniger Duͤrre fuͤr die jungen aufgegangenen Pflanzen zu fuͤrchten, als fruͤher, man muͤſſe deshalb ſo ſaͤen, daß bei dem Aufgehen der jungen Pflanzen die groͤßte Duͤrre ganz voruͤber ſei. Wenn auch in — 355— einzelnen Jahren ſich dieſe Behauptung als richtig zeigen kann, ſo iſt doch leicht erwieſen, daß ſie im Allgemeinen ganz falſch iſt, und in dieſer Hinſicht die fruͤhe Saat vorzuziehen iſt. Am wichtigſten fuͤr die Saat iſt die Feuchtigkeit im Bo⸗ den zu der Zeit, wo das Korn keimt; im zeitigen Fruͤhjahre iſt aber durchſchnittlich der Boden gewiß feuchter, als im ſpaͤ⸗ tern. Zwar iſt die durchſchnittliche Regenmenge im Mai und Juni gewoͤhnlich etwas groͤßer, als im Maͤrz und April; allein in dieſen beiden Monaten iſt die Verdunſtung auch weit ge⸗ ringer, als ſpaͤter bei groͤßerer Waͤrme; der heitern Tage ſind im Mai und Juni viel mehr. Der groͤßern Regenmenge un⸗ geachtet, trocknet der Boden deshalb in dieſen viel ſchneller aus. Die gefaͤhrlichſten Monate ſind der Juli und Auguſt. Daß ihre Duͤrre aber Pflanzen, die ſchon ziemlich tief be⸗ wurzelt ſind, weit weniger nachtheilig wird, als ſolchen, welche erſt nicht lange aufgegangen ſind, bedarf keiner beſondern Ausfuͤhrung. Der Froſt toͤdtet viele Laubhoͤlzer, Ahorne, Buchen, Eichen bei dem zeitigen Aufgehen. In Gegenden, wo die ſpaͤten Nachtfroͤſte ſehr gefaͤhrlich werden, in der Naͤhe großer Waſ⸗ ſerflaͤchen, an Suͤdhaͤngen, in Gebirgen uͤberhaupt, wird bei denen, die weniger von der Duͤrre leiden, die ſpaͤtere Saat wuͤnſchenswerth ſein, damit ſie ſpaͤter aufgehen. Unſere ein— heimiſchen deutſchen Waldhoͤlzer verholzen dabei noch genug, um gegen die folgenden Winterfroͤſte geſichert zu ſein, wenn auch die Saat um 2 bis 3 Wochen verſchoben wird. So lange ſich die Zugvoͤgel, vorzuͤglich die wilden Tau— ben, noch nicht geſondert haben, noch in großen Schaaren beiſammen ſind, thun ſie an den Saaten mehr Schaden, als ſpaͤter. In Gegenden, wo ſie in Menge einfallen, laͤßt man deshalb gern die Zugzeit voruͤbergehen, und ſaͤet etwas ſpaͤter. Zu b. Wo man ſehr ausgedehnte Kulturen mit vielleicht wenig Mitteln zu machen hat, kann man nicht ſo aͤngſtlich in der Wahl des paſſenden Zeitpunktes ſein, als da, wo die⸗ 23*⁴ — 356— ſelben nicht ſehr betraͤchtlich ſind. Man muß fruͤh anfan⸗ gen, um ſelbſt ſpaͤt fertig werden zu koͤnnen. In den Ge⸗ birgen, wo der Boden ſpaͤt zugaͤnglich wird, die ganze benutz⸗ bare Saatzeit nur ſehr kurz iſt, muß man, wenn Menſchen und Zugvieh mangeln, oft den fruͤheſten Zeitpunkt ſchon be⸗ nutzen, waͤhrend man in bevoͤlkerten Ebenen einen weit groͤ⸗ ßern Spielraum hat. Zu c. Saaten auf ſehr feuchtem Boden laſſen ſich ſelten ſehr fruͤh im Jahre machen, auf ſehr trocknem Boden iſt die ſpaͤte Saat immer deſto ſchlechter, je mehr er die Winterfeuch⸗ tigkeit verloren hat. In Flußthaͤlern muß man haͤufig warten, bis das Fruͤh⸗ jahrswaſſer voruͤber, und der Boden wieder etwas abgetrock⸗ net iſt.— In rauhen Gebirgsgegenden iſt die ſehr fruͤhe Saat nicht anwendbar, weil noch ſpaͤt eintretender Froſt und Schnee die Arbeiten unterbrechen wuͤrden. Gern ordnet man auch die Kulturarbeiten ſo an, daß ſie nicht mit der Zeit, wo Kartoffeln gelegt, oder andere Arbei⸗ ten vorgenommen werden, die den Landmann ſehr beſchaͤfti⸗ gen, zuſammentreffen. 6) Die Beſchuͤtzung der Saat liegt ſchon, in ſo fern hier von ihr die Rede ſein kann, groͤßtentheils in dem Vor⸗ hergehenden. Haͤufig wird die Bewachung derſelben gegen wilde Tauben und andere Voͤgel noͤthig. Einige Falken, welche ausgeſtopft an ſchraͤg eingeſteckten Stangen und an einer Schnur haͤngend, uͤber denſelben ſchweben, ſchuͤtzen ebenfalls ſehr gut gegen Finken und kleine Voͤgel, der Lerchen⸗ und Thurmfalken. Von dem Schutze gegen Maͤuſe, Wild u. ſ. w. wird ſpaͤter die Rede ſein. 7) Erſparung unnoͤthiger Koſten. Wenn man mit wenig Aufwand von Samen, Arbeit und Koſten die Herſtel⸗ lung guter und geſchloſſener Beſtaͤnde bewirken kann, ſo iſt es thoͤricht, mehr aufzuwenden. Die theuerſte Kultur iſt aber ſtets die, wo aus Mangel — 357— an Sorgfalt kein Erfolg zu erwarten iſt, fortwaͤhrend der An⸗ bau wiederholt werden muß. Setzen ſich dem Gelingen des Anbaues ungewoͤhnliche Hinderniſſe entgegen, ſo muß man die Sorgfalt dabei ſo lange vermehren, bis dieſe uͤberwunden ſind. Beſſer iſt es, gar nichts zu thun, als fortwaͤhrend Koſten zu verurſachen, und zuletzt keine Pflanzen dabei zu erziehen. Ein Forſtbeamter, dem die Kulturen niemals gelingen, hat gar keine Entſchuldigung. So lange er nicht die Wahrſchein⸗ lichkeit des Gedeihens der Schonungsanlagen fuͤr ſich hat, muß er ſie gar nicht machen. Mittel, die Kulturen wohlfeiler zu machen, ſind: a. Der Verdung aller derjenigen Arbeiten, deren Beſchaf⸗ fenheit, nachdem ſie verrichtet worden ſind, controllirt werden kann. Wenn der Arbeiter durch eine groͤßere Anſtrengung ein hoͤheres Lohn verdienen kann, arbeitet er fleißiger, als in blo⸗ ßer Tagearbeit, wenn er unabhaͤngig hinſichts der Zeit und Art ſeiner Anſtrengung iſt, wenn er ſich durch Frau und Kin⸗ der helfen laſſen kann, wohlfeiler. Die Verwundung des Bodens, den Transport der Pflanzen und Saͤmereien und aͤhnliche Arbeiten, von denen es ſtets vor Augen liegt, wie ſie verrichtet worden ſind, verdingt man daher am beſten nach Morgen, Schocken ꝛc. Arbeiten, welche mit großer Sorgfalt gemacht werden muͤſſen, von denen man, nachdem ſie vollendet ſind, nicht beurtheilen kann, ob dieſe in dem verlangten Maße auch angewendet worden iſt, wie das Einſetzen der Pflanzen, das Bedecken des Samens mit Erde ꝛc., werden beſſer unter gehoͤriger Aufſicht fuͤr Tage⸗ lohn gemacht. b. Die Inſtrumente zur Verwundung des Bodens, oder an⸗ dere Kulturarbeiten, in ſo fern durch eine zweckmaͤßige Beſchaf⸗ fenheit die Arbeit erleichtert werden kann, z. B. Pflanzſpaten, Gehegehacken, Waldpfluͤge, Pflanzleinen ꝛc. muͤſſen gut und zweckmaͤßig auf Koſten der Forſtkaſſe angeſchafft werden. Die Arbeiter ſind theils zu arm, theils dauern die Kulturarbeiten — 358— zu kurze Zeit, um ihnen die Anſchaffung auf ihre Koſten an⸗ muthen zu koͤnnen, und ſie arbeiten, wenn man dieſe Regel nicht befolgt, entweder mit ſchlechten Inſtrumenten langſam, oder der aͤrmſte Theil, der auch dieſe nicht beſitzt, kann gar nicht an der Arbeit theilnehmen. c. Jede Arbeit, welche mit wenig koͤrperlichen Kraͤften verrichtet werden kann, muß man ſuchen, durch Kinder, Maͤdchen, Frauen machen zu laſſen, weil dieſe viel wohlfeiler arbeiten, als die Maͤnner. Ein Kind von 14 Jahren beſaͤet bei der Plattenſaat eben ſo viel und eben ſo gut, als ein Mann von 30 Jahren, und iſt mit einem Drit⸗ theile des Lohnes zufrieden. Auch iſt es gut, immer die⸗ ſelben Arbeiter zu nehmen, damit ſie die noͤthige Fertig⸗ keit erhalten. d. Wenn man es kann, muß man es vermeiden, im Spaͤtherbſt oder ſehr zeitigen Fruͤhjahre arbeiten zu laſſen, da bei den kurzen Tagen, der unſichern Witterung in dieſer Jah⸗ reszeit, weniger verrichtet wird, als unter guͤnſtigern Verhaͤlt⸗ niſſen. Doch kann dies allerdings kein Grund ſein, eine un⸗ paſſende Jahreszeit zu waͤhlen, und iſt nur ſo zu verſtehen, daß man, wenn weiter keine Urſache vorhanden iſt, ſehr fruͤh oder ſpaͤt im Jahre zu kultiviren, dies vermeidet. e. Haͤufig iſt die Theuerung des Samens eine Urſache der koſtbaren Kultur. Man vermeide ihn, ſo viel nur thun⸗ lich iſt, von Haͤndlern zu kaufen, weil der Same in der Re⸗ gel nicht ganz friſch iſt und nicht ſein kann, haͤufig auch alter untauglicher unter den friſchen gemiſcht wird, auch ſtets einen viel hoͤhern Preis hat, als derjenige iſt, wofuͤr man ihn ſelbſt gewinnen, oder doch von den Sammlern, aus der erſten Hand, kaufen kann. Am beſten iſt es, wenn man die Holz⸗ hauer, und die in der Naͤhe des Waldes wohnenden Landleute uͤber die Sammlung und Aufbewahrung des Samens belehrt, ſie, noͤthigenfalls durch eine anfaͤnglich ſehr reichliche Beloh⸗ nung, ermuntert, die Saͤmereien, die man bedarf, zu ſammeln, — 359— und dieſelben ſich durch dieſe Leute liefern laͤßt. Daß man nicht durch unnuͤtze Samenverſchwendung, indem man mehr nimmt, als noͤthig iſt, die Kultur koſtbar machen muß, iſt ſchon oben bemerkt. 3) Von den beſondern Maßregeln bei der Saat der ver⸗ ſchiedenen Holzgattungen. Die Eichellaat. a. Sammlung des Samens. Die erſten abfallen⸗ den Eicheln ſind in der Regel ſchlecht, wo moͤglich laͤßt man ſie aufhuͤten, oder zu Viehfutter leſen. Vor Ende September iſt es ſelten rathſam, Sameneicheln zu ſammeln, und nur, wenn ſo wenig vorhanden ſind, daß man fuͤrchten muß, nicht hinreichend davon zu bekommen, muß man eillen ſich die vor⸗ handenen zu verſchaffen. Das Schuͤtteln und Schlagen iſt nicht anzurathen. Die auf ſolche Weiſe erhaltenen Eicheln ſind zu gruͤn, und erhitzen ſich leicht, laſſen ſich ſchwer auf— bewahren. Beſſer iſt es, ſie einige Zeit unter dem Baume liegen und austrocknen zu laſſen. Das Leſen muß bei trock— ner Witterung, erſt wenn der Thau abgetrocknet iſt, ſtattfin— den, um nicht feuchte Eicheln zu ſammeln. Das Leſerlohn iſt ſehr verſchieden, nachdem viel oder wenig Fruͤchte ſind, von 3 bis zu 10 Sgr. der Scheffel. b. Aufbewahrung. Gut abgetrocknet, mit trocknem Sande vermengt, in Kellern, welche gegen die Feuchtigkeit ge⸗ ſichert ſind, auf Boͤden mit Laub, Stroh, Heckerling vermiſcht und bedeckt. Im Freien mit trocknem Laube vermiſcht, in kegelfoͤrmige Haufen aufgeſchuͤttet, welche mit Stroh einge⸗ deckt werden, ſo wie man die Kartoffeln im Felde aufbewahrt. Die Aufbewahrung in Erdgruben oder im Waſſer iſt nicht zu empfehlen. Laͤnger als bis zum naͤchſten Fruͤhjahre laſſen ſich die Eicheln nicht erhalten. c. Jahreszeit der Saat. Die beſte iſt wohl der — 360— Herbſt, und nur wo Maͤuſe, Wild, oder auch Ueberſchwem⸗ mung zu fuͤrchten ſind, die Spaͤtfroͤſte ſehr viel Schaden thun, waͤhlt man die Fruͤhjahrsſaat. d. Verwundung des Bodens. Wo man den Saat⸗ platz zum voruͤbergehenden Getreidebaue benutzen kann, iſt die Ackerung die wohlfeilſte und beſte. Es iſt nur darauf zu halten, daß vor der Eichelſaat ſo tief als moͤglich gepfluͤgt wird, um den Untergrund hinreichend aufzulockern. Iſt man genoͤthigt, die Verwundung mit der Hacke vorzunehmen, ſo kann dies in Reifen oder Rinnen, in Platten oder Plaͤtzen, durch Unterhacken der Eicheln, durch Ausbohren von Loͤchern, um dieſe hineinzulegen, geſchehen(Stopfen). Bei einem lockern Boden genuͤgt es, die Rinnen 6 bis 8 Zoll tief aufzuhacken oder zu graben, und in ihnen die Eicheln ſo einzuſtecken oder einzulegen, daß ſie die hinreichende Bedeckung mit lockerer Erde erhalten. In ſehr verraſetem ſtrengem Au⸗ und Lehmboden ſticht man die oberſte Raſen⸗ ſchicht ab, und lockert den Boden 12 bis 18 Zoll tief mit dem Spaten auf. Kann man, wie bei dem Rajolen, den Ra⸗ ſen unten hinbringen, ſo befoͤrdert dies den Wuchs der Eicheln ſehr. Die Rinnen koͤnnen 3 bis 4 Fuß aus einander ſein, und in einem Boden von ſehr ſtarkem Graswuchſe 2 bis 3 Fuß breit; in ſandigem humoſen Lehmboden, wo der Gras⸗ wuchs bei hoher Lage weniger zu fuͤrchten iſt, genuͤgt eine Breite von 12 bis 18 Zoll. In die breiten Rinnen legt man gewoͤhnlich zwei Reihen Eicheln, in die ſchmaͤleren nur eine. Die Plattenſaat iſt an Bergen, und wo man die Eiche in vermiſchten Beſtaͤnden ziehen will, auch wegen der gerin⸗ gern Koſten, in vielen Faͤllen der Rinnenſaat vorzuziehen. Man ſticht, 4 bis 5 Fuß von einander entfernt, Loͤcher von 1 bis 2 Quadratfuß Groͤße, ganz wie gewoͤhnliche Pflanzloͤcher, bis zu einer Tiefe von 18 bis 24 Zoll, aus, fuͤllt ſie wieder — 361— ſo mit Erde an, daß die obere Raſenſchicht unten hinkoͤmmt, und ſteckt dann in jedes Loch 10 bis 12 Eicheln. Bei dem Unterhacken bedient man ſich einer langen ſchma⸗ len Hacke, hebt damit die Erde, indem man ſie einſchlaͤgt, in die Hoͤhe, und legt 3 bis 4 Zoll tief zwei Eicheln in jeden Hackenſchlag, indem man den Boden wieder ſo andruͤckt, daß er zerbroͤckelt und die Eicheln zwar uͤberall, aber doch nur locker bedeckt. Nur in einem humoſen, ſandigen, daher lockern Boden, welcher nicht ſehr zum Verraſen geneigt iſt, kann man dies Verfahren empfehlen. Es wird vorzuͤglich angewandt, wo man Eichen unter andere Holzgattungen, im Mittelwalde, in Buchenſchlaͤgen ꝛc. einſprengen will. Das Aufgraben von Saatloͤchern iſt ihm aber immer vorzuziehen. Das Stopfen der Eicheln geſchiehet, indem man mit einem Inſtrumente, wie die Hohlſchaufel eines gewoͤhnlichen Schaͤferſtabes, ein Loch von 2 bis 2 ½ Zoll Durchmeſſer, 4 bis 6 Zoll tief ausbohrt, zwei Eicheln hineinwirft, und ſie dann mit der zerkleinerten Erde des ausgehobenen Erdballens ſo bedeckt, daß keine Zwiſchenraͤume im Loche bleiben, und die Erdbedeckung nicht zu ſeſt iſt. Es iſt dabei, weil man die Loͤcher ziemlich dicht, in einer Entfernung von 2 bis 3 Fuß, machen muß, auch die Arbeit nicht ſehr raſch gehet, wenig Gewinn an Erſparung von Koſten, dabei die vorbeſchrie⸗ bene Plattenſaat aber in Hinſicht des Gedeihens der Eicheln vorzuziehen. e. Samenmenge. Ein Scheffel Eicheln von der Stiel⸗ eiche enthaͤlt durchſchnittlich 11000 Stuͤck, eine Metze etwa 690 Stuͤck. Wenn die Eicheln zwei Fuß im Verband liegen ſollten, ſo wuͤrden dazu auf den Morgen 7480 Stuͤck erfor⸗ dert werden, und wenn auf jeden Quadratfuß eine geworfen werden ſoll, 25920, oder noch nicht voll 2 ½ Scheffel. Selbſt wenn zwei Eicheln auf den Quadratfuß gerechnet wuͤrden, nur 5 Scheffel. — 362— Macht man bei der Plattenſaat die Saatloͤcher in Zfuͤßiger Entfernung, ſo ſind pr. Morgen erforderlich 3330 St. „»4„“„„„„„»» 1870» „5»*„»„»„» 5„ 1190» Rechnet man fuͤr jedes Saatloch 10 Eicheln, ſo bedarf man bei 3 Fuß 33300 Eicheln= 3 Scheffel.— „ 4» 18700„— 1³„ „ 5“⸗ 11900„= 1„ 1 Metze. Es wird deshalb leicht zu berechnen ſein, daß bei gutem Samen, bei ſorgfaͤltiger Unterbringung deſſelben, und wenn man nicht auf betraͤchtlichen Verluſt zu rechnen hat, mit 5 Scheffel der Saatplatz ganz und ziemlich dick uͤberſtreuet werden kann, daß man aber auch mit weit weniger ſehr gut auszureichen vermag.. Von der Traubeneiche gehen bis 14200 Eicheln in einen gehaͤuften Scheffel, und 890 Stuͤck in eine Metze; die Saat wird deshalb bei ihr noch dichter, wenn man die angegebene Samenmenge nimmt. f. Die Eichel ertraͤgt im lockern Boden eine Erdbedeckung von 6 Zoll Hoͤhe. Wo man die Getreidenutzung mit der Eichelſaat verbindet, kann man entweder den Saatplatz vor dem Umpfluͤgen mit Eicheln uͤberſtreuen, und dieſe dann flach unterpfluͤgen, wie den Winterroggen in mildem Boden, oder ſie hinter dem Pfluge in die Furche legen, um die folgende daruͤber werfen zu laſſen. Das erſte Verfahren bedingt eine etwas ſtaͤrkere Ausſaat, weil dabei nicht jede Eichel in gleich⸗ maͤßige Entfernung und die paſſendſte Lage koͤmmt, das an— dere verurſacht mehr Koſten bei der Ausſaat, indem das Ein⸗ legen in die Furchen viel langſamer von Statten gehet, als das Ausſtreuen uͤber die ganze Flaͤche. Ein Uebereggen iſt nicht noͤthig, weil, ſelbſt bei nicht ganz klarem Lehmboden, dieſer doch, vorzuͤglich bei der Herbſtſaat, von ſelbſt klar ge⸗ nug wird.— Es iſt vortheilhaft, mit der Eichelſaat nochmals eine duͤnne Getreideſaat zu verbinden, ſei es nun, nach der ——— /—·ↄ— — — 363— Zeit der Ausſaat, Winterung oder Sommergetreide. Das nicht zu dicht ſtehende Getreide beſchuͤtzt die junge Eiche gegen die Fruͤhjahrsfroͤſte, ohne ihr nachtheilig zu werden, und es kann mit der Sichel ſpaͤter leicht ſo hoch abgeſchnitten wer⸗ den, daß die jungen Pflanzen dabei nicht gefaͤhrdet ſind. Bei der Abfuhre muß es vom Saatplatze an die Wege getragen werden.— Wo das Stopfen oder Unterhacken angewandt wird, iſt vorzuͤglich darauf zu ſehen, daß die Eichel uͤberall von Erde umgeben wird. g. Die Eichenſaaten leiden vorzuͤglich durch die Larven der Maikaͤfer, welche die Keime und Wurzeln verzehren; die Maͤuſe, welche die Fruͤchte aufſuchen; das Wild, welches dies ebenfalls thut, ſpaͤter aber die jungen Pflanzen verbeißt. Ge⸗ gen die Engerlinge und Maͤuſe ſichert man ſich am beſten, wenn man vor der Saat den Saatplatz ſtark mit Schweinen betreiben laͤßt, damit er umgewuͤhlt werde. Iſt er nicht groß, ſo ſuche man zu bewirken, daß eine Schweineheerde wo moͤg⸗ lich immer des Mittags darauf lagert. Damit ſich die, durch durch das Umwuͤhlen vertriebenen Maͤuſe nicht wieder hinzie⸗ hen, umgiebt man den Saatplatz mit einem Graben, deſſen Waͤnde ſenkrecht abgeſtochen, und auf deſſen Sohle Fallloͤcher angebracht ſind. Eine Tiefe deſſelben von 18 Zoll iſt hin⸗ reichend. Die Fall⸗ oder Fangloͤcher koͤnnen 12 Zoll tief ge⸗ ſtochen werden, muͤſſen aber die ganze Breite des Grabens einnehmen. Von Zeit zu Zeit iſt derſelbe nachzuſehen, um ihn aufzufriſchen, wenn er einfallen ſollte. Um die Saat gegen Wild zu ſchuͤtzen, iſt nur das Einzaͤunen derſelben oder das Abſchießen des Wildes von Erfolg. Vom Schaden, welcher durch Froſt entſtehet, und deſſen Verhuͤtung, wird beſonders gehandelt werden. Gegen Gras und Unkraut iſt die junge Eiche zwar nicht empfindlich, ſie wird ſogar dadurch oft, wie z. B. durch die Diſtel, wohlthaͤtig gegen Froſt geſchuͤtzt, doch darf man nichts dulden, was ſich uͤber die jungen Pflanzen filzartig hinweglegt. — 364— Bei der Reifen- und Plattenſaat kann man, wenn die Pflan⸗ zen ein bis zwei Jahre alt ſind, das Gras ohne Nachtheil ausgraſen laſſen, wenn man zuverlaͤſſige Leute hat, wohl auch gleich im erſten Jahre. h. Die reinen Eichenſaaten ſind weniger zu empfehlen, als die mit andern Hoͤlzern gemiſchten, ſelbſt wenn man die Abſicht hat, fuͤr die Zukunft reine Eichenbeſtaͤnde zu erziehen, wo man dann die untergeſprengten Hoͤlzer in der Durchfor⸗ ſtung heraushauet. Die Eiche waͤchſt beſſer im gemiſchten Stande, ſie leidet darin weniger durch Froſt, und ſelbſt das Wild beſchaͤdigt ſie dann nicht ſo leicht. Holzgattungen zur Untermiſchung ſind: Ulmen, Hainbuchen, Buchen, wo dieſe durch Saat erzogen werden koͤnnen, Eſchen und Masholder. Sehr ſchnell wachſende, ſie dann verdaͤmmende Hoͤlzer paſſen nicht zur Vermiſchung bei der Saat. Die beſte Art, ver⸗ miſchte Saaten zu machen, iſt, die Eicheln in Platten 5 bis 7 Fuß von einander entfernt zu ſaͤen und dazwiſchen die ein⸗ zuſprengende Holzgattung zu bringen. Zeigen ſich verdaͤm⸗ mende Hoͤlzer, ſo muͤſſen ſie bald ausgehauen werden. Die Buchelſaat. a. Sammlung des Samens. Man vermeidet den Samen von ganz alten im dichten Schluſſe ſtehenden Buchen zu nehmen, da dieſer gewoͤhnlich unverhaͤltnißmaͤßig viel taube Koͤrner hat. Vor dem Abfalle der Bucheln reinigt man den Boden innerhalb des Schirms der Aeſte von Laub, Holz, Moos ꝛc., um die abgefallenen Fruͤchte mit einem ſtumpfen Beſen zuſammenkehren zu koͤnnen. Iſt dies geſchehen, ſo laͤßt man alles Zuſammengekehrte durch ein Sieb laufen, welches paſſende Oeffnungen hat, um die Bucheln durchzulaſſen, Laub, Holz, Kapſeln ꝛc. aber zuruͤckzuhalten. Die ſo aus dem Gro⸗ ben gereinigten Bucheln werden auf einem Boden duͤnn aus⸗ gebreitet und taͤglich umgeharkt, um ſie zu trocknen. Iſt dies geſchehen, ſo bringt man ſie auf eine Scheunentenne, um ſie zu — 2—— — 365— wurfen, wodurch nicht bloß die uͤbrigen Unreinigkeiten, ſondern auch die tauben Nuͤſſe von den vollen geſchieden werden, in⸗ dem die leichtern vorn weggenommen werden koͤnnen, wie dies mit dem ſchlechtern Getreide geſchieht. Eine andere Methode iſt, die Bucheln zu ſchuͤtteln und in untergehaltene große Leinwandtuͤcher aufzufangen. Man wartet dazu ſo lange, bis die tauben Fruͤchte abgefallen ſind, und alle Kapſeln ſich geoͤffnet haben. Die uͤberhaͤngenden, nicht zu hoch uͤber der Erde befindlichen Aeſte werden dann mittelſt eines Hakens geſchuͤttelt, oder durch das Aufſchlagen mit einer Arxt erſchuͤttert, wodurch bei windſtillem Wetter die Bucheln in das darunter gehaltene Tuch fallen. Das Schla⸗ gen mit der Axt, oder das Aufſchlagen mit einer langen Stange in die Zweige, beſchaͤdigt jedoch leicht die Baͤume auf eine nachtheilige Art, und wird deshalb bei ſolchen nicht ge⸗ duldet, welche noch laͤngere Zeit ſtehen bleiben ſollen. Sonſt ſind beide Methoden, im Holze mit niedrigen Aeſten, in ge— ſchloſſenen Beſtaͤnden nur die erſte, anwendbar; auch wird man durch das Zuſammenkehren der Bucheln leicht groͤßere Quan⸗ titaͤten zuſammenbringen koͤnnen, als durch das Schlagen. Die Sammlungskoſten koͤnnen von 10 Sgr. bis 20 Sgr. pro Scheffel betragen. b. Die Aufbewahrung geſchiehet, nachdem die Bucheln hinreichend auf luftigen Boͤden, durch oͤfteres Umrechen, ge⸗ trocknet ſind, am beſten, indem man ſie mit trocknem Laube vermiſcht, in Gemaͤchern oder Schuppen, welche gegen Maͤuſe und Feuchtigkeit geſichert ſind. Durch Wurfen oder Sieben ſind ſie leicht wieder gereinigt, wenn man ſie brauchen will. c. Wo man freie Saaten machen wlll, duͤrfte die nicht zu zeitige Fruͤhjahrsſaat den Vorzug verdienen, um die Gefahr der ſpaͤten Nachtfroͤſte zu vermeiden. Die Nachbeſſerungen und Saaten unter hinreichenden Schutzbaͤumen, koͤnnen dage⸗ gen eben ſo gut im Herbſte gemacht werden, wobei man we⸗ — 366— niger Muͤhe mit der Aufbewahrung hat. Sie kann nur bis zum naͤchſten Fruͤhjahre ſtattfinden. d. Die Saat auf freien Plaͤtzen iſt am zweckmaͤßigſten rillenweiſe zu machen, ſelbſt wenn der Boden vorher gepfluͤgt und klar geeggt worden waͤre. Man laͤßt ſich in dieſem Falle einen ſchweren Harken oder Rechen, nach Art derer, mit wel⸗ chen die auf dem Acker zuruͤckgebliebenen Aehren zuſammen⸗ geharkt werden(Sterze) von etwa 10 Fuß Laͤnge, machen, in welchem die Zinken ungefaͤhr 18 Zoll weit auseinander kommen. Mit dieſem uͤberzieht man den Saatplatz ſo, daß dadurch 3 bis 4 Zoll tiefe, 17 bis 18 Zoll von einander ent⸗ fernte Rillen gemacht werden, in welche man die Bucheln einlegt, und ſie dann etwa 3 Zoll hoch mit Erde bedeckt.— Die Nachbeſſerungen in luͤckenhaften Samenſchlaͤgen und Saaten an Orten, wo entweder durch Ueberſchirmung oder einzelnes Strauchholz hinreichender Schutz vorhanden iſt, werden bei⸗ nahe ſtets mit Platten gemacht, die man Ein bis Zwei Qua⸗ dratfuß groß aufhackt, und worin etwa 15 bis 20 Bucheln geworfen und in gleicher Art mit Erde bedeckt werden. Sollte es thunlich geweſen ſein, den Ort vorher ſtark durch Schweine haben umwuͤhlen zu laſſen, ſo kann man die Eicheln in die Schweinewuhlen ſtreuen und mit Erde bedecken. e. Da die Bucheln einen kleinern Kern haben, als die Eicheln, ſo braucht man auch eine kleinere Quantitaͤt. Zur dichten Rillenſaat kann man mit 2 Scheffeln auf den Morgen ausreichen, zur Plattenſaat genuͤgt, bei gewoͤhnlichen 4 Schffl., obwohl man die Buchen gern etwas dichter ſtehen hat, als die Eichen. f. Die jungen Buchenpflanzen leiden bei dem Aufgehen gleich ſehr durch zu ſtarke Einwirkung des Lichtes, wie durch ſpaͤte Nachtfroͤſte. Die Gefahr, der ſie in dieſer Hinſicht ausgeſetzt ſind, vermindert ſich jedoch in dem Maße, wie ſie tiefer in die Erde ſtehen. Die Sorge fuͤr eine paſſende Erdbedeckung iſt deshalb bei der Buchelſaat vorzuͤglich wichtig. In jedem 6 — 367— Boden kann dieſe 3 Zoll betragen, im ſandigen, humoſen und uͤberhaupt ſehr lockern, aber auch wohl bis 4 und 4½ Zoll ſteigen. Bei einer Saat im Freien, rillenweiſe gemacht, wird es noͤthig, um ſie zu erhalten, nachdem die jungen Buchen aufgegangen ſind, ſie mit einer Kartoffelhacke ſo anhaͤufeln zu laſſen, daß die Samenlappen wo moͤglich dicht auf der Erde aufliegen, ohne jedoch davon bedeckt zu werden. Daſſelbe iſt in Pflanzkaͤmpen zu empfehlen, die nicht geſchuͤtzt genug liegen. g. In Hinſicht ihrer Beſchuͤtzung gegen Maͤuſe und Wild gilt das bei der Eiche Angefuͤhrte; es iſt nur noͤthig hinzu⸗ zufuͤgen, daß vorzuͤglich der Haſe den Buchenpflanzen nachthei⸗ lig wird, und daß man deshalb die Saatplaͤtze beſonders ge⸗ gen dieſe Wildgattung ſchuͤtzen muß. Wenige dieſer ſonſt ziem⸗ lich unſchaͤdlichen Thiere reichen hin, um in einer Nacht eine große Menge Pflanzen abzuſchneiden, und oft thun ſie dies eben ſo gut im Fruͤhjahre und Sommer, als im Winter bei Schnee. h. Auch die Buche laͤßt ſich mit den bei der Eiche an⸗ gegebenen Holzgattungen vermiſcht ziehen, und es iſt ſogar zu ihrer Beſchuͤtzung ſehr gut, wenn dieſe ſchon einen Vorſprung haben, im Fall man nur Sorge traͤgt, daß ſie nicht verdaͤm⸗ mend werden. Außerdem gedeiht ſie noch recht gut mit den Nadelhoͤlzern und Ahornen. Die Ahornſaat. a. Ende Septembers, wenn der Same durch ſeine braune Farbe die erhaltene Reife anzeigt, findet deſſen Sammlung ſtatt. Bei voller Reife kann er, windſtilles Wetter vorausge⸗ ſetzt, durch ſtarkes Schuͤtteln zum Abfallen in große unterge⸗ haltene Tuͤcher gebracht werden. Im Anfange der Reifezeit koͤnnen die Zweigſpitzen ausgeſchneidelt, in lockere Buͤndel zu⸗ ſammengebunden werden, damit er, wenn man dieſe auf einen luftigen Boden zum Trocknen aufhaͤngt, an ihnen die Nach⸗ reife erhaͤlt. Das Abpfluͤcken mit der Hand iſt nur bei ſehr — 368— aſtreichen Baͤumen anwendbar und verurſacht viel Koſten, das Aufleſen auf vorher gereinigtem Boden nach dem Abfalle wird koſtbar, da der Same oft bis 50 Fuß vom Baume ab, und deshalb nur ſehr einzeln, liegt. b. Er wird nach vorher erfolgter Abtrocknung in Saͤcken oder durchloͤcherten Kiſten aufbewahrt, um die zu ſtarke Aus⸗ trocknung zu vermeiden. Es iſt nicht anzurathen, ihn vor der Ausſaat uͤber ein Jahr alt werden zu laſſen, auch dabei verlieren ſchon gewoͤhnlich die mehrſten Koͤrner ihre Keim⸗ faͤhigkeit. c. In geſchuͤtzter Lage, wo man die Fruͤhjahrsfroͤſte we⸗ nig zu fuͤrchten hat, iſt die Herbſtſaat gleich nach der Samm⸗ lung vorzuziehen. An Suͤdhaͤngen, in feuchten Thalgruͤnden, die etwas ſpaͤte Ausſaat im naͤchſten Fruͤhjahre. d. Die Saat geſchiehet im Freien gewoͤhnlich auf Plaͤtzen zur Untermiſchung zwiſchen andere Holzarten, und wird der Same bis 1 ½ Zoll hoch mit Erde bedeckt. Daß die jungen Ahorne moͤglichſt tief in der Erde ſtehen, iſt ihnen eben ſo Beduͤrfniß, wie bei der Buche. e. Man bedarf 12 bis 18 Pfund gefluͤgelten Samen fuͤr den Morgen. f. Die jungen Ahornpflanzen leiden ſehr unter dem Gras⸗ wuchſe; Wild und Maͤuſe werden ihnen gefaͤhrlich. Die Uüulmenſaat. a. Die Reifezeit des Samens iſt Ende Mai, Anfang Juni, und wird ſtets durch die zuerſt oft ſehr haͤufig abflie⸗ genden tauben Samenkoͤrner verkuͤndigt. So lange noch gruͤ⸗ ner Same auf dem Baume haͤngt, kann man ziemlich ſicher annehmen, daß der reif ſcheinende taub iſt, und erſt der zu⸗ letzt reifende iſt zu empfehlen. Die Sammlung geſchiehet ent⸗ weder, indem der Arbeiter mit einem umgeknuͤpften Tuche den Baum beſteigt, und die ziemlich zaͤhen Zweige mit einem Ha⸗ ken behutſam an ſich heranzieht, um den Samen abzuſtreifen, oder — 369— oder indem, zu einer Zeit, wo die gruͤnlich gelben Fluͤgel⸗ fruͤchte noch feſt genug ſitzen, die Zweigſpitzen ausgeſchnei⸗ delt, in Buͤndeln locker zuſammengebunden, auf luftigen Boͤ⸗ den aufgehangen, abgetrocknet werden, wo dann der Same entweder von ſelbſt abfaͤllt, oder leicht abgeklopft werden kann. b. Mit der Aufbewahrung des geſtreifelten Samens muß man ſehr vorſichtig ſein. Selbſt bei dem Sammeln kann er, friſch in einem Sacke 24 Stunden zuſammengepreßt, ſich leicht erhitzen und verderben. Er muß duͤnn auf einem luftigen Bo⸗ den ausgebreitet und taͤglich umgeharkt werden, um ihn ab⸗ zutrocknen. Bei einer laͤngern Aufbewahrung geſchiehet dies in Saͤcken, welche an Balken aufgehangen werden, oder in durchloͤcherten Kiſten. Er dauert nur bis zum naͤchſt folgen⸗ den Fruͤhjahre. c. Die baldige Ausſaat, auf ſchon vor der Abnahme des Samens bereitetem Boden, geſchiehet jedoch ſogleich noch im Monat Juni, ſo wie man ihn geſammelt hat. d. Der Boden muß dazu ſo verwundet ſein, daß nicht bloß das Samenkorn auf die wunde Erde aufzuliegen kommt, ſondern daß auch die aufgehende Pflanze in dem erſten und zweiten Jahre gegen das Ueberziehen mit Gras geſichert iſt. Aufgelockert darf derſelbe dabei nicht werden, auch mengt man den Samen mehr mit Erde ein, als daß man ihn hoch da⸗ mit bedeckte. Die Platten- oder Reifenſaat iſt ſchon deshalb vorzuziehen, weil man dabei den Boden ſorgfaͤltiger zur Saat vorbereiten und fuͤr den Samen beſſer eine gute Vertheilung und paſſende Bedeckung erhalten kann. e. Man langt bei gutem Samen mit 6 bis 8 Pfund vollkommen auf dem Morgen aus, auch die Haͤlfte kann aber ſchon bei gehoͤriger Sorgfalt einen geſchloſſenen Beſtand ge⸗ ben. Wuͤnſchenswerth iſt es, daß man bei windſtillem Wetter ſaͤct, da der Same bei ſeiner Leichtigkeit ſonſt ſchwer gegen das Forttreiben durch den Wind zu ſichern iſt. f. Die Finken und andere kleine Singvoͤgel, fallen ſehr 24 — 370— ſtark auf die Ulmenſaaten, und leſen den Samen auf. Noͤthig iſt deshalb ſchon die Ueberkratzung mit Erde, aber auch dann noch muß der Saatplatz oft bewacht, oder durch ausgeſtopfte, an Schnuren, gleich ſchwebenden Raubvoͤgeln, aufgehangene Ler⸗ chenfalken, geſchuͤtzt werden. g. Die Ulme waͤchſt beſſer mit Eichen, Hainbuchen, Bu⸗ chen, Eſchen gemiſcht, als in reinen Beſtaͤnden. Die Eſchenſaat. a. Sammlung des Samens. Er haͤngt gewoͤhnlich noch nach dem Abfall der Blaͤtter an den Zweigſpitzen, und kann von Ende October an geſammelt werden, indem er ent⸗ weder abgeſtreifelt wird, oder die Zweigſpitzen ausgehauen werden. Auch laͤßt er ſich wohl ſpaͤter in ein untergehaltenes Tuch, bei windſtillem Wetter, ſchuͤtteln, wenn die Baͤume nicht zu ſchlank und hoch ſind. Doch ſitzt er im Anfange der Reife⸗ zeit ſehr feſt, ſo daß, wenn der Baum gefaͤllt wird, er ſich nicht losſchlaͤgt und gepfluͤckt werden kann. b. Am vortheilhafteſten ſaͤtt man den Eſchenſamen ſo⸗ gleich nachdem man ihn geſammelt hat, wo moͤglich Anfang November; man wird dann darauf rechnen koͤnnen, daß der⸗ ſelbe im naͤchſten Fruͤhjahre aufgehet, wogegen er, ſobald man ihn entweder auf dem Baume ſelbſt oder auf dem Boden ſehr austrocknen laͤßt, in der Regel ein Jahr uͤber liegt, und nicht im naͤchſten Fruͤhjahre nach der Saat aufgehet, auch eine weit geringere Zahl von Pflanzen liefert. Wenn man ihn ſo ſpaͤt ſammelt, daß die Saat nicht mehr ſogleich erfolgen kann, ſo wird er auf einem luftigen Boden abgetrocknet, bis zum Fruͤh⸗ jahr in Saͤcken aufbewahrt, und dann auf einem trocknen Grunde, in 12 bis 18 Zoll tiefen Rinnen mit Erde vermengt, eingelegt, wo man ihn zur Saat im folgenden Fruͤhjahre ſo zeitig als moͤglich herausnimmt, und auf den beſtimmten Saatplatz ſaͤet. Man kann ihn zwar auch gleich im naͤchſten Fruͤhjahre ausſaͤen, dann muß man aber Sorge tragen, daß der Saat⸗ 22 8A—— — ̊ — 371— platz, da er ein Jahr in der Erde liegen bleibt, ſich nicht mit Gras uͤberzieht, indem dies die aufgehenden jungen Eſchen⸗ pflanzen nicht ertragen.. c. Die Saat der Eſche im Freien iſt nicht anzurathen, weil man ſelten im Stande iſt, ſie gegen Gras und Wild zu ſchuͤtzen. Am beſten erzieht man ſie in Pflanzkaͤmpen, welche gehoͤrig vom Graſe gereinigt werden koͤnnen, dies um ſo mehr, als die Eſche in der Regel nur einzeln untergepflanzt wird. Der Boden darf darin jedoch nicht zum Auffrieren geneigt ſein, und wo man dies zu fuͤrchten hat, wenigſtens nicht auf⸗ gelockert werden. Die Erdbedeckung des Samens kann z bis 1 Zoll hoch ſein. 30 bis 40 Pfund auf dem Morgen ſind auch im Pflanzkampe hinreichend. Die Hainbuchenſaat. a. Der gewoͤhnlich in großer Menge gerathende Same iſt von freiſtehenden Baͤumen mit niedrigen Zweigen leicht durch Streifeln, Schuͤtteln, oder, wenn er auch ſchon abgefal⸗ len iſt, durch Zuſammenkehren, zu ſammeln. b. Auch bei der Hainbuche iſt die moͤglichſt raſche Ein⸗ ſaat wuͤnſchenswerth, und das, was uͤber die Aufbewahrung des Eſchenſamens geſagt iſt, gilt auch fuͤr ſie, da der Same, wenn er ſtark getrocknet wird, ebenfalls in der Regel ein Jahr in der Erde uͤberliegt. c. Man kann die Hainbuche zwar ſehr gut im Freien anſaͤen, doch iſt die gaͤnzliche Ueberſtreuung des Saatplatzes (Vollſaat) niemals anzurathen, da ſie dabei zu ſehr vom Graſe leidet, ſondern man ſaͤet entweder in Rinnen, oder, beſ⸗ ſer noch, in nicht zu kleinen Platten, auf denen die Gras⸗ wurzeln ganz zerſtoͤrt oder weggenommen ſind. Die Erdbe⸗ deckung des Samens kann ³ bis 1 Zoll ſein. Man bedarf 25 bis 40 Pfd. abgefluͤgelten Samen fuͤr den Morgen. Die groͤßere Menge, wo man einen gleich anfaͤnglich dichten Nie⸗ derwaldbeſtand verlangt, die kleinere, wo die Hainbuche zu 24* — 372— Baumholz heranwachſen ſoll, wenn man ganz guten Samen hat und die erforderliche Sorgfalt auf die Ausſaat verwen⸗ den kann. d. Die junge Hainbuchenpflanze leidet durch ſtarken Gras⸗ wuchs, wird durch Maͤuſe ſehr leicht beſchaͤdigt, und vorzuͤg⸗ lich von den Rehen ſehr verbiſſen, und man muß im Stande ſein, ſie gegen dieſe Gefahren zu ſchuͤtzen, wo man auf ihre Erziehung im Freien rechnen will. Es iſt wuͤnſchenswerth, daß der Saatplatz eine geſchuͤtzte Lage hat, jedoch duͤrfen die jungen Pflanzen nicht im verdaͤmmenden Schatten ſtehen. e. Man wird ſie ſelten zu reinen Beſtaͤnden anſaͤen, ſon⸗ dern mehr als Luͤckenbuͤßer zwiſchen Eichen, Buchen, Ulmen und andern Laubhoͤlzern, die ſehr gut zwiſchen ihr heraufkom⸗ men. Zu Niederwald beſtimmt, verdichtet ſie ſich ſchnell durch ihre ſtarke Wurzelbrut, und es iſt deshalb nicht noͤthig, ſie ſo ſehr dicht zu ſaͤen. Die Birkenſaat. a. Der Same wird ſehr ungleich reif, oft ſchon in war⸗ mer Lage Ende Auguſt, in den Bergen erſt Ende September, Anfang October. Der zuerſt abfliegende iſt ſtets taub, und man darf ſich nicht gleich zur Sammlung verleiten laſſen, wenn man zuweilen ſchon im Auguſt den Boden mit abge⸗ flogenen Schuppen und Samen bedeckt ſiehet. Erſt wenn die Zaͤpfchen braͤunlich werden, iſt es Zeit zur Sammlung. Man erkennt die Reife derſelben, wenn man ſie zwiſchen den Fingern biegt, ſo daß das Zaͤpfchen zerbricht. Theilt es ſich nur in zwei noch zuſammenhaltende Stuͤcke, ſo kann der Same wenigſtens noch nicht geſtreifelt werden, wohl aber, wenn es ſich bei dem Zerbrechen in lauter einzelne Koͤrner zerbroͤckelt. Wenn aber der zuerſt reifende Same nichts taugt, ſo iſt auch der letzte, im Winter auf den Baͤumen haͤngenbleibende, bei⸗ nahe immer taub, und man kann daher nicht mit der Samm⸗ lung warten, bis das Laub anfaͤngt zu fallen. —-õã-§r=ͤ—— — — 373— b. Das beſte Mittel, den Samen in Menge zu ſammeln, iſt, die Zweige mit einer Raupenſcheere, oder einer Hippe, welche an einem Stock befeſtigt iſt, abzuſchnippen oder auszu⸗ hauen, an deren Spitzen er ſitzt. Bei Staͤmmen, die zur Faͤllung kommen, koͤnnen auch wohl die Aeſte uͤberhaupt heruntergehauen werden, um dann die ſchwaͤchern Zweige ab⸗ zuſchneiden. Man laͤßt ihn dann an den zuſammengebunde⸗ nen, luftig aufgehangenen Zweigen die Nachreife erhalten, und klopft ihn erſt ab, wenn er ausgeſaͤet werden ſoll, oder kehrt den von ſelbſt abfallenden von Zeit zu Zeit zuſammen. Mit der Aufbewahrung und Abtrocknung des geſtreifelten Sa⸗ mens, ſei er durch Faͤllung oder Beſteigung der Baͤume ge⸗ wonnen, muß man deſto vorſichtiger ſein, je weniger er noch die volle Reife erhalten hat. Er verdirbt in ſehr kurzer Zeit, wenn man ihn zuſammengepreßt in einem Sacke oder Tuche ſtehen laͤßt. Erſt wenn er duͤnn ausgebreitet auf einem lufti⸗ gen Boden, bei einem ſteten Wenden und Umharken, gehoͤrig abgetrocknet iſt, darf man ihn in einen Haufen zuſammen⸗ bringen, worin er bis zum naͤchſten Fruͤhjahre aufbewahrt wird. Eine laͤngere Aufbewahrung iſt nicht anzurathen. c. Die Ausſaat im Herbſte iſt der im Winter auf Schnee, oder der Fruͤhjahrsſaat, vorzuziehen. d. Der Birkenſame verlangt ſehr wunden Boden, damit das Samenkorn unmittelbar auf keimfaͤhiger Erde aufliegt. Eine Auflockerung iſt nicht noͤthig, auch nicht einmal vortheil⸗ haft. Iſt der Saatplatz bloß mit Moos, Laub, oder einer mittelſt der Egge und des Harken wegzunehmenden Bedek⸗ kung uͤberzogen, ſo genuͤgt das Aufkratzen durch dieſe Inſtru⸗ mente, und die Vollſaat wird dann die wohlfeilſte und empfeh⸗ lenswertheſte. Die Ackerung, mit dem Pfluge, iſt haͤufig wohlfeiler, als die Verwundung des Bodens durch die Hacke; nur iſt es dann gut, wenn ſich der Boden erſt wieder geſetzt hat, ehe man ſaͤet. Man thut deshalb wohl, ſchon im Som⸗ — 374— mer pfluͤgen und den Saatplatz eineggen zu laſſens wenn man im Herbſte ſaͤen will. Wenn man einmal hacken laſſen muß, iſt die breite Rei⸗ fenſaat der Plattenſaat vorzuziehen. Die Birke ertraͤgt ſelbſt ſchon in der erſten Jugend ungern einen ſehr dichten Stand, und eine gleichmaͤßige Vertheilung der Pflanzen uͤber die ganze Flaͤche iſt ihr angemeſſener, als ein dichter Stand in lauter einzelnen Horſten, was gerade das Gegentheil wie bei der Fichte iſt. Der Birkenſame verlangt gerade keine Erdbedeckung, iſt auch dem Aufleſen durch Voͤgel wenig ausgeſetzt, jedoch er⸗ traͤgt er nicht nur recht gut im Lehmboden eine Vermengung mit Erde, im lockern, ſandigen eine Erddecke von ¾ Zoll, ſon⸗ dern die etwas tiefer ſtehenden Pflanzen halten ſich auch viel beſſer bei einfallender Duͤrre, als die ſehr flach wurzelnden. Ein Uebereggen der Saat auf feſtem Boden, oder ein vorſich⸗ tiges Einharken auf lockerm, iſt daher vortheilhaft. e. Mit 2 Scheffel, oder 24 Pfund, guten Samen kann man einen Morgen ziemlich dicht uͤberſtreuen; wo die Birke nur als Durchforſtungsholz eingeſprengt werden ſoll, iſt ½ Schfl. oder 6 Pfd. mehr als hinreichend. f. Die Ausſaat muß bei windſtillem, wenn es ſein kann, regnigtem, Wetter geſchehen. Will man ſicher ſein, daß der Same auf die fuͤr ihn beſtimmte Stelle faͤllt, ſo muß die Hand dicht uͤber der Erde zum Auswerfen gefuͤhrt werden. Gewoͤhnlich faßt man die Hand voll, druͤckt ſie feſt zuſammen, und laͤßt bei jedem Wurfe durch eine geringe Oeffnung derſel⸗ ben nur die verlangte Menge abfliegen, wenn eine Voll⸗ oder Breiteſaat gemacht wird. Bei der Plattenſaat dagegen faßt man die fuͤr jede Platte beſtimmte Samenmenge zwiſchen drei Finger, um ſie einzeln uͤber den Saatplatz zu kruͤmeln. g. Unter einem maͤßigen Graswuchſe leidet die Birke nicht, jedes ſie beſchattende Gewaͤchs wird ihr dagegen ver— derblich. Nur die Duͤrre iſt fuͤr ſie zu fuͤrchten, gegen alle —,————,— — 375— uͤbrigen Naturereigniſſe iſt ſie ſehr unempfindlich, und wird ſelten von Thieren beſchaͤdigt. Schatten ertraͤgt ſie gar nicht. Selten iſt man veranlaßt ſie in Pflanzkaͤmpen zu ziehen, und auch die zur Auspflanzung beſtimmten Staͤmme werden in der Regel in freien Saaten erzogen. Die Erlenſaat. a. Sammlung des Samens. Sie kann in dop⸗ pelter Art geſchehen, indem man die Zaͤpfchen ſammelt und den Samen entweder ausklengt, oder die Zweige, woran ſie ſitzen, ausſteckt, damit derſelbe von ſelbſt ausfaͤllt, oder indem man den im Winter ausgefallenen, auf dem Waſſer ſchwim⸗ menden Samen auffiſcht. Bei jeder Art der Sammlung kann man guten keimfaͤhigen Samen gewinnen, jedoch laͤßt ſich der im Waſſer eingeweicht geweſene nicht aufbewahren, ſondern muß bald ausgeſaͤet werden, wogegen er aber auch unter geeigneten Verhaͤltniſſen leicht, mit wenig Koſten, in großer Menge auf dieſe Weiſe zu erhalten iſt. Um die Zaͤpfchen zu ſammeln, wartet man bis im No⸗ vember, obgleich der Same ſchon im October reift, weil die Schuppen derſelben ſich leichter oͤffnen, wenn ſchon einige Nachtfroͤſte ſtatt gefunden haben, auch nicht zu fuͤrchten iſt, daß der Same vor Ende November abfaͤllt. Man ſucht vorzuͤg⸗ lich die einzelnen Baͤume, welche an Bachufern ſtehen, die Randbaͤume an den Bruͤchern mit vielen niedrigen Zweigen, auf, weil dieſe den mehrſten Samen haben, und dieſer auch am leichteſten von ihnen zu erhalten iſt. Bei Baͤumen, die man nicht ſehr zu ſchonen Urſache hat, werden die Aeſte, an denen viel Samen ſitzt, mit einem gewoͤhnlichen Haken abge⸗ brochen, was bei dem bruchigen Holze ſehr leicht iſt. Will, oder darf man dies nicht, ſo laͤßt man ſich ein Inſtrument wie eine Stimmgabel machen, befeſtigt dies mittelſt einer Tille auf einer Stange, und knickt ſo bloß die Zweigſpitzen aus, an denen der Same ſitzt. Dieſe werden dann mit Baſt ꝛc. in — 376— Buͤndel gebunden und auf luftigen Boͤden aufgehaͤngt, wo man ſie bis zur Ausſaat haͤngen laͤßt. Man nimmt ſie dann herunter, um ſie auf einer glatten Tenne zu klopfen, da ſie den Samen oft ſehr ſchwer fallen laſſen. Der auf dieſe Art gewonnene kann noͤthigenfalls ein Jahr lang in Saͤcken auf⸗ bewahrt werden; beſſer iſt es, man ſaͤet ihn bald aus. Um den Samen im Waſſer aufzufiſchen, was nur bei großen Bruͤchern anwendbar iſt, befeſtigt man da, wo der Abfluß des Waſſers iſt, einige Weiden⸗ oder Nadelholz⸗Faſchi⸗ nen dergeſtalt quer uͤber dem Abfluſſe, daß ſie auf eingeſchla⸗ genen Pfaͤhlen ruhen, und nur wenige Zoll tief in das Waſ⸗ ſer eintauchen. Der davor ſchwimmende Same iſt dann leicht mit kleinen Hamen, aus Leinwand gemacht, herausgenommen. Werden die Erlenbeſtaͤnde von uͤberſchwemmten Wieſen umge⸗ ben, ſo wird derſelbe vom Winde oft in großer Menge an den Rand getrieben, und man hat nur noͤthig, ſobald das Waſſer faͤllt, ihn aufzuraffen. Iſt er mit Waſſerlinſen, oder andern Unreinigkeiten gemiſcht, ſo wird er ſo viel getrocknet, daß die Koͤrner ſich ſondern, und durch Wurfen oder Sieben gereinigt. Man muß bei dem auf dieſe Weiſe geſammelten Samen ſehr vorſichtig ſein, und ihn eben ſo wenig feucht auf einander haͤufen, wo er ſchnell verdirbt, als ihn zu ſtark aus⸗ trocknen laſſen, wo er ebenfalls ſeine Keimfaͤhigkeit verliert. Am beſten iſt es, ſobald er nur ſo weit getrocknet iſt, daß die Koͤrner nicht mehr zuſammenkleben, ihn bald auszuſaͤen. Muß er noch eine kurze Zeit aufbewahrt werden, ſo geſchiehet dies am beſten im Waſſer, wie es haͤufig in der Natur der Fall iſt, wo er erſt bei dem Abfall deſſelben auf den Boden koͤmmt. Es ſchadet auch nichts, wenn man ihn auf den noch etwas mit Waſſer bedeckten Boden ausſaͤet, ſobald man nur ſicher iſt, daß er nicht wegſchwimmen oder durch den Wind zuſam⸗ mengetrieben werden kann. b. Die Zeit der Saat iſt ſtets im Fruͤhjahre, ſobald als es die Verhaͤltniſſe irgend geſtatten. — 377— c. Da die Erlenſaaten am mehrſten durch das Auffrieren leiden, ſo wuͤrde jede ſtarke Auflockerung des Bodens, wodurch die Gefahr deſſelben vergroͤßert wird, nur nachtheilig ſein. Auf Boden mit einſtieligen Riedgraͤſern, niedrigen Binſen ꝛc. ſo bedeckt, daß dieſe Gewaͤchſe nur in einzelnen Stoͤcken vor⸗ kommen, und zwiſchen ihnen wunder Boden iſt, begnuͤgt man ſich, durch hohes Abſchneiden des Graſes ꝛc. im Sommer zu verhindern, daß die hervorkommenden Pflanzen durch Verdaͤm⸗ mung leiden. Bei einem ſehr dichten und filzartigen Gras⸗ wuchſe wird der Raſen ganz duͤnn abgeſchaͤlt, ohne die Wur⸗ zeln, die den Boden befeſtigen, rein mit herauszunehmen. Man ſorgt nur, daß das Gras, ſo wie es ſich zu groß zeigt, hoch mit der Sichel weggeſchnitten wird, ohne daß dabei die junge Pflanze Gefahr laͤuft verletzt zu werden. In Saat⸗ ſchulen kann zwar der Boden gegraben werden, jedoch tritt man ihn feſt, bevor er beſaͤet wird. Auf einem naſſen, ſehr humoſen Boden iſt wenig auf die Erhaltung der jungen Erlenpflanzen zu rechnen, wenn man nicht Mittel findet, das Auffrieren zu verhindern. Auf feuch⸗ tem Boden und wo man nicht zu fuͤrchten hat, daß die Voͤ⸗ gel durch Aufleſen des Samens Schaden thun, iſt eine Erd⸗ bedeckung nicht noͤthig; gut iſt auf etwas trocknem die Ein⸗ mengung deſſelben. 6 bis 8 Pfd. trockner Same geben eine ſehr dichte Saat, wenn man einen Morgen ganz mit Pflan⸗ zen beſtanden verlangt; bei feuchtem Samen kann man ³ mehr rechnen. d. Die natuͤrlichen Saatplaͤtze ſind die kleinen Horſte in Bruͤchern, jedoch frei von aller Beſchattung, welche, gegen Ueberſchwemmungen geſichert, keinen eigentlichen Moorgrund, aber noch hinreichende Feuchtigkeit haben. Fehlen dieſe, ſo koͤnnen die zur Auspflanzung verlangten Pflanzſtaͤmme haͤufig nur an den Naͤndern der Lachen gezogen werden, wo der Bo⸗ den von gleicher Beſchaffenheit iſt. Vortrefflich zur Erziehung derſelben ſind oft die naſſen Wieſen, welche die Erlenbruͤcher — 378— begraͤnzen, und die ſich nicht ſelten in jedem Fruͤhjahre von ſelbſt mit einer zahlloſen Menge von Pflanzen bedecken, auch weiter keine Vorbereitung beduͤrfen, als daß man ſie allenfalls beſaͤet, wenn nicht von ſelbſt der Same darauf ſchwimmt. e. Will man, wo der Boden es erlaubt, mit der Erle Eſchen und Ulmen vermiſcht ziehen, ſo iſt es beſſer, dieſe bei den Holzgattungen etwas groͤßer unterzupflanzen, da ſie ſonſt ſehr leicht durch die Erle uͤberwachſen und verdaͤmmt werden. Andern Beſchaͤdigungen als die erwaͤhnten, ſind die Er⸗ lenſaaten nicht leicht unterworfen. Die Kiefernſaat. Sie kann gemacht werden, indem man: 1) Zapfen ausſtreuet(Zapfenſaat), 2) der reine ausgeklengte Samen geſaͤet wird. Die Zapfenſaat hat folgende Vorzuͤge: a. man erſpart die Koſten des Ausklengens, was bei Feuer⸗ darren zu 1 Sgr. 3 Pf., bei Sonnendarren zu 2 Sgr. pro Pfund angenommen werden kann. b. Man iſt gewiß, friſchen und gut aufgehenden Samen zu erhalten. c. Man kann gleich im erſten Fruͤhjahre ſaͤen, was bei reinem Samen gewoͤhnlich nicht moͤglich iſt, weil die Saatzeit verfließt, bevor das Ausklengen des Samens beendigt wird. Darin liegt es wohl, daß doch haͤufig der Same von Zapfen⸗ ſaaten beſſer aufgehet. Die Saat des reinen Samens gewaͤhrt dagegen die Vortheile: a. einer Erſparung an Samen, da man ihn gleichmaͤßi⸗ ger vertheilen kann, als dies bei der Zapfenſaat moͤglich iſt, wodurch man in den Stand geſetzt wird, bei ganz gleich gu⸗ tem Samen ſich auf eine kleinere Quantitaͤt zu beſchraͤnken. b. Die Zapfenſaat leidet zuweilen unter der Witterung, indem bei einfallendem Regenwetter, wenn die Schuppen ſich — 379— ſchon geoͤffnet haben, und wieder ſchließen, die Koͤrner dazwi⸗ ſchen vermodern oder erſticken. c. Auf feuchtem, nicht ganz wundem Boden ſoungen die Zapfen oft ſehr ſchlecht, und der Samen verdirbt darin. Auf Sandſchellen werden die Zapfen leicht eingewehet. d. Der Transport des reinen Samens iſt viel leichter, als der der Zapfen, ein Scheffel Zapfen, worin etwa 2,900 Stuͤck Zapfen ſind, die 29 Loth bis 13 Pfund Samen enthalten, wiegt 64 Pfund. e. Man kann bei der Saat des reinen Samens reiche Samenjahre benutzen, um Samen in Vorrath zu gewinnen, und ſo jedes Jahr regelmaͤßig in der Kultur fortfahren, waͤh⸗ rend ſich die Zapfen nur unter guͤnſtigen Verhaͤltniſſen Ein Jahr aufbewahren laſſen, und deshalb bei der Beſchraͤnkung bloß auf Zapfenſaaten und dem Mißrathen des Samens, oft mehrere Jahre hinter einander derſelbe mangelt. Weder die eine noch die andere Methode iſt daher unbe⸗ dingt als die beſſere zu empfehlen, ſondern die zu waͤhlen, die den Verhaͤltniſſen gemaͤß ſich als die beſte zeigt. Wir empfehlen: Zapfenſaaten, wo man den Bedarf an Samen regelmaͤ⸗ ßig und reichlich in der Naͤhe erhalten kann, auf trock⸗ nem, feſtem, unbenarbtem Boden, wo das Klima nicht ſehr feucht iſt.— Saaten von reinem Samen, wo bloß der Same auf benarb⸗ tem Boden eingeegget wird, auf Sandſchellen, auf feuchtem Boden, in Bergen, wo oft lange feuchtes und nebliges Wet— ter anhaͤlt, ein ſehr ſtarker Thau faͤllt, wo der Same wolhlfeil und gut ausgeklengt zu erhalten iſt, wo er aus der Ferne geholt werden muß, wo er zwiſchen das Getreide geſaͤet wird. Gewinnung der Zapfen und des Samens. a. Die Sammlungszeit iſt von Mitte November bis zu der Zeit, gewoͤhnlich im Maͤrz, wo man bemerkt, daß die — 380— Schuppen der Zapfen in der Spitze anfangen zu ſpringen. Die fruͤher gepfluͤckten Zapfen ſpringen ſchwer auf, die ſpaͤter gewonnenen ſind leicht ſchon ohne Samen. Die dem Walde nahe wohnenden Landleute pfluͤcken gewoͤhnlich dieſelben auf den Schlaͤgen, in dem 20 bis 40jaͤhrigen Strauchholze auf Raͤumden, an den Feldraͤndern u. ſ. w., gegen ein Lohn von 3 bis 8 Sgr. fuͤr den Scheffel. Man hat dabei darauf zu ſehen, daß die Baͤume nicht durch das Abbrechen der Aeſte beſchaͤdigt werden, ſo wie, daß nicht eine betruͤgeriſche Unter⸗ miſchung alter, im Waſſer eingequellter Zapfen ſtattfindet. Die Zapfen koͤnnen auf trocknen Boͤden, in Scheunen und Schup⸗ pen gegen Sonne und Luftzug geſchuͤtzt, wohl ein Jahr ohne Nachtheil aufbewahrt werden. Will man das Aufſpringen derſelben ganz vermeiden, ſo bedeckt man den Haufen etwas mit dichtem Roggenſtroh, ſticht ihn aber alle Monate ein⸗ mal um. Um die Zapfen auszuklengen, hat man mehrere Mittel. Ein ſehr einfaches iſt, im Fall man dazu den ganzen Sommer verwenden kann, ſie auf einem gedielten Boden un⸗ ter einem Ziegel- oder Schindeldache auszubreiten und einen ſtarken Luftzug durch Aufhebung von Schindeln oder Ziegeln zu bewirken, wobei die Zapfen in den warmen Monaten ſprin⸗ gen, und, mit einer Harke umgewendet, den Samen fal⸗ len laſſen. Die Vorrichtungen zum Ausklengen der Zapfen durch die Sonnenwaͤrme, Bubberte, Sprangkaſten, Sonnendarren ge⸗ nannt, ſind mancherlei. Die einfachſte iſt folgende: Man laͤßt Kaſten von etwa 6 bis 8 Fuß Laͤnge, 4 bis 5 Fuß Breite, hinten 24, und vorn 18 Zoll, Tiefe machen, welche einen gewoͤhnlichen Deckel zum Aufklappen haben, ſo daß er ſich nach der niedrigen Seite des Kaſtens oͤffnet. In der Mitte deſſelben liegt ein hoͤlzernes Gitter ſo dicht, daß kein Zapfen durchfallen kann, auf Leiſten, ſo daß es leicht herauszunehmen iſt. Die Kaͤſten werden an — 381— der Mittagsſeite eines Hauſes ſo aufgeſtellt, daß ſie wie ein Miſtbeet ſchraͤg gegen die Sonne geneigt ſind, mit Zapfen, etwa 4 bis 5 Zoll hoch, angefuͤllt, und der Deckel inwendig, wenn es ſein kann, mit weißer Oelfarbe angeſtrichen, mittelſt eines Stabes ſo aufgeſtellt, daß er die darauf fallenden Son⸗ nenſtrahlen auf die Zapfen wirft, auch bei Regenwetter ſo⸗ gleich nieder gelaſſen werden kann. Morgens um 10 oder 11 Uhr, und Nachmittags um 3 bis 4 Uhr werden die Zapfen ſo gewendet und geſchuͤttelt, daß der Same durch das Gitter in den untern Kaſten faͤllt, und wenn ſie ganz ausgeklengt ſind, hebt man das ganze Gitter, vermoͤge der daran befeſtig⸗ ten Handhaben, heraus, um die leeren Zapfen wegzunehmen und den Samen unten zuſammen zu kehren.— Doch muͤſſen dieſe Darrkaſten gegen Tauben, Huͤhner und ſelbſt Finken oder aͤhnliche kleine Voͤgel geſichert ſein, da dieſe ſich leicht dahin gewoͤhnen, um den Samen aufzuleſen. Das Ausklengen der Zapfen, den Winter hindurch in den Stuben der Holzhauer und Landleute, iſt ebenfalls ſehr leicht auf Horden, die an der Decke aufgehangen werden, und unter welchen ein Beutel befeſtigt iſt, in den der Same faͤllt. Doch muͤſſen ſich die Leute erſt an den kienigen Geruch gewoͤhnen, welcher dadurch entſtehet, und wenn auch nicht ſchaͤdlich, doch unangenehm iſt. Wo die Foͤrſter, Holzhauer, Haͤusler, und die Anwohner des Waldes uͤberhaupt, ſich mit der Ausklengung des Kiefern⸗ und Fichtenſamens, welcher letztere auf gleiche Art gewonnen wird, beſchaͤftigen, und dies auf eine Weiſe thun, wodurch der Same an Guͤte nicht leidet, iſt dies ſtets der Ausklen⸗ gung in großen Samendarren fuͤr eigne Rechnung vorzuzie⸗ hen, da dieſe Leute es immer wohlfeiler thun koͤnnen. Man muß ſie daher auf jede Art dazu ermuntern und ihnen die noͤthige Anleitung geben. Nur wo große Quantitaͤten Sa⸗ men fortwaͤhrend gebraucht werden, und wo die Landbewoh⸗ ner entweder zu ſehr fehlen, oder durchaus nicht dazu zu be⸗ — 382— wegen ſind, iſt es nothwendig, eine eigene Samendarre ein⸗ zurichten, die ebenfalls auf verſchiedene Weiſe, bald mehr, bald weniger koſtbar angelegt werden kann. Eine vollſtaͤn⸗ dige Anleitung dazu, verbunden mit Zeichnung und Koſten⸗ Anſchlag, findet man in: Kropf Syſtem und Grundſaͤtze. Berlin, 1807(bei Reimer). Der ausgeklengte Kieferſamen kann 3 bis 4 Jahre lang aufbewahrt werden, verliert jedoch an Guͤte, je aͤlter er wird. Er kann mit den Fluͤgeln auf einem trocknen Boden, gegen Maͤuſe geſichert, aufgeſchuͤttet werden, wobei man jedoch Sorge tragen muß, ihn von Zeit zu Zeit umzuſtechen. Will man ihn von den Fluͤgeln reinigen, ſo benetzt man ihn mit ganz wenig Waſſer, fuͤllt einen Sack zum vierten Theile an und reibt die Fluͤgel ab. Durch Schwingen laſſen ſie ſich, in einer gewoͤhnlichen Futterſchwinge, leicht von den Koͤrnern ſondern. b. Zur Saat des reinen Samens iſt das zeitige Fruͤh⸗ jahr am vortheilhafteſten; die Zapfen koͤnnen aber nicht eher ausgeſaͤet werden, als bis die Luft warm und trocken genug iſt, um auf ein raſches Springen derſelben zu rechnen, da ſie leicht in Sand eingeſchweift werden, wenn ſie lange auf dem Saatplatze liegen, ehe dies geſchiehet, und in dieſem Falle von Neuem aufgeharkt werden muͤſſen. c. Die Verwundung des Bodens kann ſehr verſchieden⸗ artig erfolgen. Iſt der Boden bloß mit Moos, Flechten oder einer durch die Egge abzureißenden Bodendecke uͤberzogen, ſo genuͤgt es, vorzuͤglich bei der Saat mit reinem Samen, ihn kreuzweis mit derſelben zu uͤberziehen. Iſt er von einer ſolchen Beſchaffenheit, daß er eine oder zwei Ernten, gewoͤhnlich das erſte Jahr von Buchweizen, das zweite von Roggen, giebt, ſo laͤßt ſich durch die voruͤberge⸗ hende Benutzung zu Ackerland eine ſehr vortheilhafte, keine Koſten verurſachende Verwundung erhalten. Sie iſt ſehr zu empfehlen, wo die Verhaͤltniſſe ſie irgend geſtatten, und bloß —·—=·2—— — 333— auf ſolchem Boden, welcher, wenn er aufgepfluͤgt wird, fluͤch⸗ tig werden koͤnnte, oder auch aus ganz armen Sande beſtehet, der aber auch ohnehin keinen Fruchtertrag verſpricht, kann man nicht dazu rathen. Wenn im zweiten Jahre Roggen geſaͤct worden iſt, ſo kann man, keine zu dicke Getreideſaat vorausgeſetzt(etwa von 4 bis 6 Metzen auf dem Morgen) im Maͤrz oder April in das Getreide ſaͤen, welches die auf⸗ gehenden Kieferpflanzen wohlthaͤtig beſchirmt, und ohne allen Nachtheil fuͤr dieſelben, hoch abgeſchnitten, geerntet werden kann. Laͤßt inte vorher wegnehmen und ſaͤet erſt im fol⸗ genden re darauf, ſo wird der Boden nicht mehr auf⸗ gepfluͤgt, un der Same wird bloß eingeegget, was bei der Zapfenſaat dann geſchiehet, wenn die Zapfen geſprungen ſind. Bei einem Boden, welcher das Pfluͤgen erlaubt, ziehet man 4 Fuß von einander entfernte Furchen, und ſaͤet in dieſe dann den Samen, der wo moͤglich mit ſchmalen Harken ein⸗ gekratzt wird. Mit einem Ochſengeſpanne und einem ſtarken Pfluge mit feſtgeſtelltem ſcharfen Seche, kann man dieſe wohl⸗ feile Wundmachung ſelbſt auf nicht ganz wurzelreinem Bo⸗ den anwenden. Die Verwundung mit der Hacke kann ſowohl ſtreifenweis, als in Platten vorgenommen werden. Die breite Streifen⸗ ſaat waͤhlt man, wo der Boden, wenn er laͤngere Zeit unbe⸗ ſchirmt bleibt, fluͤchtig werden koͤnnte, ſehr verſchlechtert wird, ſich mit Schmielen und Carex⸗Arten zu uͤberziehen droht, mit einem Worte, wo es darum zu thun iſt, ihn bald ſchnell zu decken. Die Saat in Platten oder Plaͤtzen verdient den Vorzug, wo ſtarkes Heidekraut, Kiehnpoſt, Vaccinien u. dergl. die Verwundung ſehr koſtbar machen, wo die obere Boden⸗ ſchicht aus adſtringirendem, oxydirtem, verkohltem oder uͤber⸗ haupt unvollkommenem Humus beſtehet, welchen man weg⸗ ſchaffen muß, wo es bei ſehr duͤrrem Boden darauf ankoͤmmt, den Untergrund aufzulockern und den Pflanzen einen geſchuͤtz⸗ ten Stand zu verſchaffen. In dieſem Falle graͤbt man die — 334— Saatloͤcher 12 bis 18 Zoll tief auf, und fuͤllt ſie nur ſo wie⸗ der aus, daß noch einige Zolle daran fehlen. Iſt Ueberſchat⸗ tung von Unkraut zu fuͤrchten, ſo muͤſſen die Platten groß genug ſein, um den Kiefern einen freien Stand zu ſichern. Man hat noch die Ueberziehung des Saatplatzes durch den Schleppbuſch, d. h. durch zuſammengebundene, beſchwerte Zweige vorgeſchlagen. Dieſes unbehuͤlfliche, zerbrechliche Werk⸗ zeug iſt jedoch weder zur Wundmachung des Bodens, noch zur Bedeckung des Samens mit Erde zu empfehlen, und die gewoͤhnliche Egge ihm unbedingt vorzuziehen. d. Bei der Zapfenſaat iſt es ſehr en und zu kehren, ſobald die Zapfen anfangen gen, um den Samen zum Ausfallen zu bringen. Verabſaͤumt man dies, und es faͤllt Regenwetter ein, wenn die Schuppen ſich ſchon etwas geoͤffnet haben, ohne daß der Same noch aus⸗ fallen konnte, ſo ſchweift ſich Sand in die Zwiſchenraͤume der⸗ ſelben, und der Same verdirbt, wenn die feuchte Witterung lange anhaͤlt. Es iſt deshalb auch eine ſehr unzeitige Spar⸗ ſamkeit, zu warten, bis die Zapfen ganz vollkommen geſprun⸗ gen ſind, wo uͤberhaupt das Kehren nicht mehr noͤthig iſt; es muß vielmehr geſchehen, wenn auch nur noch ein Theil an der Spitze geſprungen iſt, und ſpaͤter noch einmal wiederholt werden. Es geſchiehet mit einem ſtumpfen Dornenbeſen, oder einem von andern etwas ſtarken Zweigen gefertigten, der zwar den Zapfen faßt und fortſchleudert, aber den Samen nicht wegkehrt, ſondern nur einkratzt. Das Eggen erſetzt dies Keh⸗ ren oder Wenden nur bei vollkommen geplatzten Zapfen. Je feuchter oder lockerer der Boden iſt, deſto mehr Aufmerkſamkeit muß hierauf verwandt werden, und ſelbſt noch gar nicht ge⸗ ſprungene Aepfel muͤſſen aufgekehrt oder geharkt werden, wenn man ſiehet, daß ſie zu ſehr im Sande oder feuchten Mooſe liegen. Eine paſſende Bedeckung des Samens mit Erde iſt dem Gedeihen der Saat ſehr vortheilhaft. In ſehr lockerm Boden kann — 385— kann ſie bis und 1 Zoll hoch ſein; im Lehmboden jedoch darf ſie ½ Zoll nicht uͤberſteigen. e. Die Samenmenge kann ſelbſt bei gleich gutem Boden nicht immer dieſelbe ſein. Auf Flugſand, den man binden will, muß man fruͤher eine volle Bedeckung des Bodens ver⸗ langen, und deshalb ſtaͤrker ſaͤen, als da, wo der Boden nicht leidet, wenn auch der Beſtand etwas ſpaͤter in vollen Schluß koͤmmt. Wo man Birken zur Durchforſtung unterſprengt, nimmt man weniger Samen, als wo die Kiefer rein erzogen wird. Einencon hohem Holze umgebene kleine Bloͤße, auf der eine uteitttte durch natuͤrlichen Samenanflug zu erwarten i*ſt, erforderk weniger Samen, als ein freigelegener Fleck, den man vielleicht benutzt, um Pflanzen darauf auszuheben.— Selbſt in denjenigen Faͤllen, wo man ſich veranlaßt glaubt ſehr dick ſaͤen zu muͤſſen, ſind aber 6 Scheffel Zapfen und eben ſo viel Pfund guter Samen die groͤßte Menge, die ſich entſchuldigen laͤßt; in den mehrſten kann man mit 3 Scheffel und 3 Pfund vollkommen ausreichen, ſelbſt mit noch weniger ſehr gut ſich ſchließende Beſtaͤnde erziehen. Die fruͤher ange⸗ ſetzten Samenmengen ſind alle zu groß, wie neuere Verſuche genugſam erwieſen haben, und um ſo mehr zu tadeln, als dadurch nicht bloß die Kulturen ſehr koſtbar, ſondern auch noch uͤberdies durch den zu dichten Stand ſchlecht werden. Bei 4 Scheffeln koͤmmt auf 2 Quadratfuß 1 Zapfen, worin durchſchnittlich wenigſtens 15 bis 20 Koͤrner ſind; es iſt aber einleuchtend, daß ſo viel Pflanzen auf dieſer Flaͤche in gutem Boden eher einen ſchlechten, als guten Beſtand geben, da ſie auf derſelben ſehr bald keinen Raum mehr haben, und ein Theil verdraͤngt werden muß, damit der andere wachſen kann. Die Saaten ſind gegen wilde Tauben, Finken und andere Voͤgel zu ſchuͤtzen, welche daran viel Schaden thun. Die Kiefer laͤßt ſich mit den mehrſten Baumhoͤlzern, in ſo fern der Boden paſſend iſt, vermiſcht ziehen. Sie iſt ſogar das Mittel, auf magerm Boden noch Buchen und Eichen herauf⸗ 25 — 386— zubringen, indem ſie dieſelbe nicht bloß ſchuͤtzt, ſondern dieſe hier auch uͤberhaupt beſſer zwiſchen ihr wachſen, als in rei⸗ nen Beſtaͤnden. Am vortheilhafteſten ſcheint jedoch das Ein⸗ ſprengen von Birken, welche in der Durchforſtung herausge⸗ hauen werden, zu ſein, und kann ohne Gefahr des Schluſſes der Kiefer im 40ſten Jahre, bei gleicher Vertheilung, die Haͤlfte der aufgehenden Pflanzen in Birken beſtehen. Die Fichtenſaat. a. Sie wird nur mit ausgeklengtem S gemacht. Der Scheffel Zapfen giebt 2 ½ Pfund gefluͤgelten, uder 12 Pfund abgefluͤgelten Samen. Die Zapfen ſind viel leichter zu pfluͤcken, als die der Kiefern, da ſie viel dichter zuſammenhaͤngen, die Fichten ſich auch beſſer beſteigen und die Groͤße der Zapfen ſchnell eine betraͤchtliche Quantitaͤt Samen gewinnen laͤßt. Auch das Ausklengen iſt viel leichter. Man hat deshalb in guten Samenjahren das Pfund ſchon fuͤr Einen Groſchen und darunter gekauft. Was Hinſichts der Gewinnung und Auf⸗ bewahruug des Kiefernſamens geſagt iſt, gilt im Uebrigen auch fuͤr den Fichtenſamen. b. Die Saat findet im Fruͤhjahre ſtatt, ſobald der Bo⸗ den, nach dem Wegthauen des Schnees und Aufhoͤren der ſtarken Froͤſte, die Bearbeitung geſtattet. In Gebirgen wartet man auch wohl, bis die ſtarken Schwaͤrme der ſamenfreſſen⸗ den Zugvoͤgel ſich etwas zerſtreuet haben; doch duͤrfte es beſ⸗ ſer ſein, die Saat durch ſorgfaͤltige Erdbedeckung und Be⸗ wachung zu ſchuͤtzen, als die beſte Witterung zum Keimen voruͤbergehen zu laſſen. c. Bei der Fichtenſaat kommt es vorzuͤglich darauf an, ſie gegen das Auffrieren und den Graswuchs zu ſichern, da ſich ſelten eine junge Fichte erhaͤlt, wenn die Graswurzeln, Sauerampfer oder aͤhnliche Unkraͤuter ſie umſchlingen und uͤber⸗ ziehen. Da nun auch dieſe Holzgattung den horſtweiſen Stand ſehr liebt, und darin am erſten ſich gegen Duft⸗ und Schnee⸗ —„ ͤ—r—— — 387— bruch ſchuͤtzt, ſo wird die Platten⸗ oder Plaͤtzeſaat mit Recht jeder andern Verwundung des Bodens vorgezogen. Man macht dazu Platten von 1 bis 3 Quadratſuß Groͤße, deſto groͤßer, je mehr zu fuͤrchten iſt, daß das Gras ſiee uͤberziehen koͤnnte, hackt den Raſenfilz ganz rein heraus, ohne den Untergrund aufzulockern, und klappt ihn gegen Mittag zu auf, ſo daß er den jungen Pflanzen zum Schutze gegen die Mittagsſonne dient. Die kleinen Platten werden oft in 4fuͤßiger Entfer⸗ nung gemacht, die groͤßern ſind bei 5fuͤßiger dicht genug. In ſehr rauhen Hoͤhen, an duͤrren Haͤngen, ſieht man nicht auf die regelmaͤßige Entfernung der Saatloͤcher, ſondern ſucht ſo viel als moͤglich die Saat an alte Stoͤcke und an große Steine zu machen, um die herum, vorzuͤglich aber an der Mitternachtsſeite, man den Samen ſtreuet, weil dieſe den jungen Pflanzen zum Schutze gegen Froſt und Hitze dienen. Wo die Holzzucht auf freien Stellen in betraͤchtlicher Hoͤhe ſchwierig iſt, rodet man ſogar die Stoͤcke ungern, um dieſen Schutz nicht zu verlieren. d. Die noͤthige Samenmenge iſt ſehr verſchieden nach der Oertlichkeit. Unter guͤnſtigen Verhaͤltniſſen, wo weder das Auffrieren, noch der Graswuchs ſehr zu fuͤrchten iſt, kann man mit 6 bis 8 Pfund Samen ſehr gut auskommen. Da, wo man ſich dagegen ſchuͤtzen muß, und dies nur durch einen gedraͤngten Stand der Pflanzen, den die Fichte horſtweiſe ſehr gut ertraͤgt, erhalten kann, bedarf man wohl 18 bis 20 Pfd., in ſehr rauhen Bergen ſelbſt noch mehr auf dem Morgen. Dies iſt auch um ſo weniger als eine nachtheilige Verſchwen⸗ dung anzuſehen, als theils der Same ſo wohffeil iſt, theils, wenn die Saat geraͤth und alle Pflanzen bleiben, der uͤber⸗ fluͤſſige Theil derſelben zur Auspflanzung verwandt werden kann. Die Fichtenpflanzung iſt der Saat aber beinahe ſtets vorzuziehen, da ſie viel ſicherer iſt, und man macht gewoͤhn⸗ lich nur ſo viele Saaten, als man bedarf, um hinreichende Pflanzen zu haben. 25* — 3988— e. Bei der Ausſaat werden, um einen geſchloſſenen Stand der Pflanzen zu erhalten, die Koͤrner nicht einzeln geſtreuet, ſondern man ziehet dicht an dem aufgeklappten Raſenfilze, da⸗ mit die Pflanzen in den Schatten deſſelben zu ſtehen kommen, einen Streifen, welcher etwa einen halben, bis einen Zoll tief aufgekratzt, und einen bis zwei Zoll breit iſt. In dieſen legt man die Samenkoͤrner dicht neben einander, und bedeckt ſie einen halben Zoll hoch mit Erde; im Fall der Boden aber ſehr bindend iſt, nur einen viertel Zoll. Will man die Saat ſtark zur Auspflanzung benutzen, ſo ziehet man noch einen Streifen, in einem rechten Winkel mit dem erſten, Fhr mit⸗ ten durch den Saatplatz. f. Kleines Gebuͤſch und Strauchholz wirkt, ſobald es die jungen Pflanzen nur nicht uͤberſchattet, in den erſten Jahren ſehr wohlthaͤtig, muß aber ſpaͤter ausgehauen werden. Die Saat muß nicht bloß bis zum Keimen gegen Voͤgel geſchuͤtzt werden, ſondern auch nachher verbeißen die Finken die aufge⸗ gangenen jungen Fichten. Die Maͤuſe ſiedeln ſich oft in den Saatplaͤtzen an, freſſen theils die Wurzeln, theils heben ſie die Pflanzen aus, indem ſie die Erde umwuͤhlen; es iſt ſchwer, ihnen auf großen Flaͤchen Abbruch zu thun, und man muß wenigſtens die zu ihrer Vertilgung wirkenden Thiere ſchonen. Auch iſt es vortheilhaft, das Gras aus der Schonung zu ſchaffen, welches ihnen zum Schutze dient. Da dies uͤberdies noch ſonſt den Pflanzen ſo ſehr nachtheilig wird, und das Rindvieh den jungen Fichten wenig gefaͤhrlich iſt, ſo laͤßt man wohl daſſelbe ruhig durch die Schonung ziehen und dieſelbe aushuͤten. Wuͤrde der Graswuchs der Saat Zerſtoͤrung dro⸗ hen, ſo bleibt nichts uͤbrig, als ſie jaͤten zu laſſen, indem man wenigſtens das dicht um die Pflanzen, Streifen und Horſte ſtehende Unkraut ausziehen und aushacken laͤßt. Wo indeſſen die Verhaͤltniſſe ſo ſehr unguͤnſtig ſind, wie dies in den rauhen Berghoͤhen haͤufig der Fall iſt, da ſind die freien Saaten uͤberhaupt nicht zu empfehlen. Es iſt rathſa⸗ — 389— mer, die Fichten in Pflanzkaͤmpen zu erziehen, wo man ſie beſſer zu ſchuͤtzen vermag, und dann aus dieſen die anzubauen⸗ den Flaͤchen zu bepflanzen. Saat der Weißtanne. a. Der Weißtannenſamen reift Ende Septembers oder Anfang Octobers, wo die Zapfen braunroth werden. Man ſammelt ſie wie die Fichtenzapfen, ſobald die oberſten Spitzen⸗ ſchuppen ſich anfangen zu oͤffnen. Der Same laͤßt ſich leicht bei einer maͤßigen Waͤrme, oder auf luftigen Boͤden ausklengen, wenn man die Zapfen hin und her ſtoͤßt und wendet, ſo daß die Schuppen ſich davon trennen. Man reinigt dann den Sa⸗ men durch Sieben. Es iſt ſehr wuͤnſchenswerth, daß das Ausklengen ſo raſch als moͤglich geſchiehet, damit man die Saat wo moͤglich noch denſelben Herbſt machen kann, indem der Same ſich zwar bis zum Fruͤhjahre haͤlt, jedoch auch dann ſchon ſchlechter aufgehet. Eine laͤngere Aufbewahrung iſt nicht vortheilhaft. Auch dieſe muß, nachdem der Same abge⸗ trocknet iſt, mit ſtetem Wenden des in Haufen geſchuͤtteten verbunden ſein. Ein Scheffel Zapfen giebt 2 ½ Pfund gefluͤ⸗ gelten Samen. b. Die Saat im Freien iſt nicht anzurathen. Nur auf kleinen Waldbloͤßen, ringsum von ſchuͤtzendem, hohem Holze umgeben, laͤßt ſich auf Erhaltung der aufgehenden Pflanzen rechnen, und man waͤhlt ſie deshalb auch zur Anlage von Pflanzkaͤmpen, um die Weißtanne in andere Holzgattungen, vorzuͤglich Buche und Fichte, unterzupflanzen. Gewoͤhnlich ſaͤet man ſie unter dem Schirme alter Schutzbaͤume, in noch ziemlich dicht ſtehenden alten Beſtaͤnden von Tannen, Fichten und Buchen aus, und begnuͤgt ſich, die untern zu ſehr verdaͤmmenden Aeſte bis auf eine Hoͤhe von 15 oder 20 Fuß wegzunehmen. Man hackt dazu die Erde ganz auf, und ſiehet zugleich darauf, verdaͤmmende Unkraͤuter und das Gras, wenn ſich ſolche vorfinden ſollten, zu vernichten. In die aufgehack⸗ — 390— ten Stellen ſtreuet man den Samen, und uͤberziehet ihn 1 bis 1 ½ Zoll hoch mit Erde. Kann man den Saatplatz mit lockerm Laube uͤberſtreuen, ſo traͤgt dies dazu bei, die Erhal⸗ tung der Pflanzen zu ſichern. Wenn dieſelben groͤßer werden, muß man ihnen durch Aeſten, und ſpaͤter durch Aushieb der Baͤume nach und nach die noͤthige Luft verſchaffen, doch ertra⸗ gen ſie ziemlich dichten Schatten bis zu 12 und 15 Jahren. c. Die Tanne verlangt einen dichten, geſchloſſenen Stand, die einzelnen und freiſtehenden Pflanzen erhalten nie einen guten Wuchs. Man kann daher mit dem Samen nicht ſo ſparen und nimmt fuͤr einen Morgen, welcher ganz uͤber⸗ ſtreuet werden ſoll, 40 bis 45 Pfund. d. Das Gras, Wild und Weidevieh werden den jungen Tannenſaaten gleich verderblich, und um ſie zu erhalten, muß man ſie dagegen ſichern koͤnnen. Die Saat des Lerchenbaums. a. Es iſt nicht leicht, guten Lerchenſamen zu erhalten. Derjenige, welchen man von den Haͤndlern kauft, iſt oft zu alt, oder bei dem Ausklengen durch Aufweichen der Zapfen in heißen Daͤmpfen verdorben, ſo daß man dabei ſehr vor⸗ ſichtig ſein muß. Der ſelbſt geſammelte von jungen Staͤm⸗ men, oder von ſolchen, welche auf Sandboden an trocknen heißen Suͤdſeiten einen unpaſſenden Standort haben, iſt haͤufig taub, und hat eben ſo wenig Werth. Auch iſt das Pfluͤcken der Zapfen in geſchloſſenem Stande der Baͤume ſehr beſchwer⸗ lich, das Ausklengen der Zapfen nruͤhſam. Obgleich der Schef⸗ fel Zapfen 7 ½ Pfund abgefluͤgelten Samen giebt, ſo iſt er deshalb doch immer noch theuer, da das Pfund guter Samen ſelten unter 16 gGr. zu haben iſt, und fruͤher ſogar 1 Atzle 8 gGr. bis 1 Rthlr. 16 gGr. koſtete. Wo man Gelegenheit hat, guten Samen arimneln zu laſſen, was man vorher, um nicht unnoͤthige Koſten zu ver⸗ urſachen, unterſuchen muß, wartet man bis im Februar und — 391— Anfang Maͤrz, weil die fruͤher gebrochenen Zapfen ſich ſehr ſchwer ausklengen laſſen. Das Ausklengen geſchiehet entwe⸗ der in maͤßiger Ofen⸗ und Stubenwaͤrme, oder auf Sonnen⸗ darren. Letztere ſind mehr zu empfehlen, als die Feuerdarren. Wenn man, bevor ſich noch die Schuppen oͤffnen, die Zapfen ganz wenig von Zeit zu Zeit mit Waſſer beſprengt, ſo befoͤrdert man das Springen derſelben ſehr, ohne daß man Nachtheile davon zu fuͤrchten hat. Der Same faͤllt nur nach und nach aus, indem die untern Schuppen ſich viel langſamer oͤffnen, als die obern, und man iſt deshalb genoͤthigt, dieſelben Zapfen den ganzen Sommer uͤber auf der Darre liegen zu laſſen. Viele bringen ſie ſogar im folgenden Jahre nochmals darauf, wenn ſie noch ungeſprungene Schuppen bemerken, unter denen ſich gute Koͤrner vermuthen laſſen; doch taugt gewoͤhnlich der zuletzt ausgefallene Same nicht viel. Er wird wie der uͤbrige Nadelholzſame aufbewahrt, und haͤlt ſich 2 bis 3 Jahre. b. Bei der Koſtbarkeit und Seltenheit des Samens, den Gefahren, welchen die jungen Lerchen hinſichtlich der Beſchaͤ⸗ digung durch Wild oder des Ueberziehens durch Gras ausge⸗ ſetzt ſind, ſaͤet man ſie ſelten in großer Ausdehnung im Freien aus, ſondern erzieht ſie lieber in Pflanzkaͤmpen, da ſie die Auspflanzung ſehr gut ertragen. Wo ſie in freier Saat er⸗ zogen werden koͤnnen, waͤhlt man wenigſtens die ſehr weit⸗ laͤuftige Plattenſaat von 6 bis 8 Fuß Entfernung, und bauet dazwiſchen Fichten an, die man ſpaͤter in der Durchforſtung heraushauet, wenn die Lerchen in Schluß kommen, um am Samen zu ſparen. c. Man ſaͤet den Samen auf einen graßreinen, aufge⸗ lockerten Boden Anfang Mai, und bedeckt ihn nur ſehr wenig mit Erde, indem er bloß eingemengt wird. Schon im naͤchſten Jahre koͤnnen die Pflanzen verſetzt werden, und nur wenn ſie der Beſchaͤdigung durch Wild ausgeſetzt ſind, oder zwiſchen anderes Holz untergepflanzt werden ſollen, laͤßt man ſie 3 — 392— bis 4 Jahre alt werden. Nur wenn ſie einzeln ſtehen, koͤn⸗ nen ſie aber bis dahin unverſetzt ſtehen bleiben. d. Mit 8 bis 10 Pfund kann man auch im Pflanzen⸗ kampe einen Morgen in Rillen vollkommen beſaͤen; bei der Saat im Freien reicht man, in oben anaegabendre Altn mita 1 bis 2 Pfund aus.— 1 Suns Anmerkung. Ueber die Saat und Seehun der auelindiſchen, vorzuͤglich nordamerikaniſchen Holzarten iſt nachzuleſen: Burgsdorf, Anleſtung zux Erziehung und Anpflanzung der Halzarten Berlin 1805. Deutſchlands Baumzucht von Borchmeyer. Muͤnſter 1823. 4) Von der Pflanzung im Allgemeinen.„. Man hat in Hinſicht der Pflanzung folgende Gegen⸗ ſtaͤnde zu beachten: 1) Die Erziehung guter, fuͤr die Luspſtanzund paſſender Pflanzſtaͤmme. 2) Die Groͤße derſelben. 3) Die Jahreszeit der Pflanzung. 4) Das Roden und Ausheben. 9 5) Die Sorge fuͤr ihre Erhaltung und bei ihrem Transport. 2 6) Das Beſchneiden der Wurzeln und Zweige, 7) Die Weite, in der die Pflanzloͤcher von einander ge⸗ macht werden ſollen, und der Ordnung derſelben. 8) Die Anfertigung der Pflanzloͤcher. 9) Das Einſetzen und Befeſtigen der Pflanzſtäͤmme. 10) Die fernere Sorge fuͤr die eingepflanzten Staͤmme. 1) Es iſt eine niemals zu vernachlaͤſſigende Regel, daß man zur Auspflanzung ſtets die geſundeſten, kraͤftigſten, mit den beſten Wurzeln verſehenen Staͤmme waͤhlen muß. Durch das Ausheben, Beſchneiden u. ſ. w. wird ohnehin ſchon die Pflanze in einen kraͤnklichen Zuſtand verſetzt, ſie uͤberſtehet — 393— dieſen nur bei voller Geſundheit. Man muß daher ſorgfaͤltig vermeiden, Pflanzen zu waͤhlen, welche die geringſte Anlage zur Krankheit zeigen, duͤrre Aeſte, Flechten ꝛc. haben— die durch den Schatten verdaͤmmt, in zu dichtem Schluſſe ſchlank heraufgeſchoſſen ſind— welche von Wurzelbrut herruͤhren, oder ſonſt ſchlechte Wurzeln haben— die auf ſchlechtem Boden lange kuͤmmerten— durch Verbeißen beſchaͤdigt oder auf eine andere Art verletzt wurden. Nur ganz geſunde, frei geſtandene, auf hinreichendem Raume ſtaͤmmig erwachſene Pflanzen, mit gut ausgebildeten Wurzeln, laſſen erwarten, daß ſie angehen und gedeihen. Große Mißgriffe in dieſer Hinſicht hat die an und fuͤr ſich nicht unrichtige, aber oft falſch verſtandene Regel: Man ſolle nicht von gutem Boden auf ſchlechten pflanzen, verur⸗ ſacht. Man darf nicht Pflanzen von feuchtem Boden auf duͤrren, nicht ſolche von uͤppigem, ſehr fruchtbarem auf ſehr magern Boden bringen. Eine Pflanze, die fuͤr einen ſtarken Zufluß an Nahrungstheilen organiſirt iſt, gedeiht nicht auf ſolchem Boden, der ihr nur wenig darbietet. Aber man kann darum noch nicht gute, kraͤftige Pflanzſtaͤmme auf ſehr armen und duͤrftigem Boden erziehen. Es bildet ſich hier nicht bloß der Stamm nicht regelmaͤßig aus, ſondern, was noch viel uͤbler iſt, es erzeugen ſich darauf weit auslaufende, ſtarke Wurzeln mit wenig Zaſerwurzeln. Es giebt keine ſchlechtere Pflanzbirke als die von ganz ſchlechtem Sandboden. Fuͤr das erſte Leben der Pflanze muß der Boden immer noch kraͤftig genug ſein, eine regelmaͤßige Stamm⸗ und Wurzelbildung zu ge⸗ ſtatten. Iſt man genoͤthigt ganz ſchlechten Boden zu bepflanzen, ſo gewoͤhne man lieber die auf beſſerm erzogenen Pflanzſtaͤmme durch Verſetzung auf einen ſolchen, der dem des kuͤnftigen Pflanz⸗ ortes gleich iſt, wo man ihnen aber die noͤthige Pflege kann angedeihen laſſen, an den kuͤnftigen, ſchlechtern Standort. — 394— Ganz ſchlechte Pflanzen ſind die in dichtem Schluſſe ſchlank heraufgeſchoſſenen. Nicht bloß daß ſie keinen Halt haben, ſie leiden auch durch die ploͤtzliche Freiſtellung des Stammes in je⸗ der Art, und es iſt ein ganz ſalſches Verfahren, was aber taͤglich getroffen wird, immer nur aus den dichteſten Horſten Pflanzen auszuheben, um nicht etwa eine Luͤcke von einigen Quadratſußen, durch Wegnahme einer freiſtehenden Pflanze zu verurſachen. Wo man untadelhafte Pflanzſtaͤmme auf freien Saaten, oder von natuͤrlichem Anfluge, auf frei geſtellten Samenſchlaͤ⸗ gen hat, waͤre es unnuͤtze Verſchwendung, ſolche erſt in beſon⸗ dern Pflanzkaͤmpen erziehen zu wollen. Noch viel thoͤrichter aber iſt es, den nicht unbetraͤchtlichen Koſtenaufwand der Pflan⸗ zung zu machen, und dazu Staͤmme zu nehmen, von denen gleich von vorn herein ſich nicht erwarten laͤßt, daß ſie ge⸗ deihen koͤnnten. Die koſtbarſte Pflanzung iſt ſtets diejenige, welche keinen Erfolg hat und wovon man keinen Ertrag er⸗ haͤlt. Iſt daher Mangel an guten Pflanzen, ſo iſt die noth⸗ wendigſte Maßregel, die allen uͤbrigen vorausgehen muß, daß man fuͤr die Erziehung ſolcher, die ein gewiſſes Gedeihen der Pflanzung erwarten laſſen, Sorge traͤgt. 2) Je groͤßer die Pflanze iſt, deſto mehr Koſten macht ihre Verſetzung. Schon deshalb iſt es zu tadeln, wenn man ſie groͤßer nimmt, als es noͤthig iſt. Man erſchwert aber auch dadurch das Gelingen der Pflanzung, weil man immer mehr Wurzeln und Zweige wegnehmen muß, je groͤßer der Stamm iſt, und die Stoͤrung ſeines Lebens dadurch deſto fuͤhlbarer wird. Es laͤßt ſich deshalb der Satz aufſtellen: daß man nur ganz kleine Pflanzſtaͤmme waͤhlen muß, wenn man nicht durch eine beſondere Ruͤckſicht gezwungen wird, ſie groͤßer zu nehmen. Dieſe kann ſein: a. indem man das Auffrieren, Ueberziehen von Gras, die Ueberſchwemmung durch Waſſer, durch eine beſtimmte Groͤße verhindern muß— — 395— b. um Beſchaͤdigungen von Wild und Weidevieh entwe⸗ der ſogleich oder doch bald vorzubeugen, c. um bei Nachbeſſerungen den Pflanzſtamm nicht durch den vorhandenen groͤßern Beſtand uͤberwachſen und verdaͤmmen zu laſſen— d. weil man keine kleinen Pflanzen hat, die ſchon an einen freien Stand gewoͤhnt ſind— e. indem zugleich mit der Pflanzung die Abſicht verbun⸗ den wird, Sand und Erdboden zu befeſtigen, eine Schutzwand zu bilden. So kann es kommen, daß man Einjaͤhrige Pflanzen mit Vortheil verſetzen kann, daß man aber auch genoͤthigt iſt, 15jaͤhrige zu nehmen. Bei der Pflanzung der einzelnen Holz⸗ gattungen wird davon naͤher gehandelt werden. 3) Die Pflanzzeit des Laubholzes iſt von dem Abfall des Laubes bis zum Wiederausbruche deſſelben, und bloß Froſt uͤnd Schnee ſind in dieſer Zeit ein Hinderniß, welches ſie aus⸗ ſetzen laͤßt. Die Lerche iſt in dieſer Hinſicht den Laubhoͤlzern gleich. Die Fichten und Kiefern kann man eigentlich das ganze Jahr verpflanzen, doch waͤhlt man ungern den Zeit⸗ punkt, wo die Maitriebe ganz hervorgeſchoſſen ſind und noch nicht Feſtigkeit genug haben, um gegen eine Verletzung geſi⸗ chert zu ſein, eben ſo wie man ohnehin die heißen trocknen Monate, Juni, Juli, Auguſt, vermeidet. Die Herbſtpflanzung hat den Nachtheil, daß die friſch eingeſetzten Staͤmme leicht durch den Froſt leiden oder aufge⸗ zogen werden, der Beſchaͤdigung durch Wild ausgeſetzt ſind, durch den Schnee umgebogen werden, und gedeihen wenigſtens die Laubhoͤlzer im Allgemeinen ſchlechter dabei, als bei der Fruͤhjahrspflanzung. Ihr Vortheil ſoll ſein, daß ſich die Feuchtigkeit beſſer einzieht und laͤnger haͤlt, er findet aber ge⸗ gen die zeitige Fruͤhjahrspflanzung wohl nicht in einem ſolchen Maße ſtatt, um ſie allein deshalb vorzuziehen. Demunge⸗ achtet muß man ſie haͤufig waͤhlen: — 396— a. in Bruchgegenden, welche im Fruͤhjahre uͤberſchwemmt ſind, wie dies z. B. in den Erlenbruͤchern ſehr gewoͤhnlich iſt, eben ſo an Flußufern, b. in Gebirgen, wo die Zeit im Fruͤhjahre, wo das Pflan⸗ zen moͤglich iſt, zu kurz wird, um die Kulturen zu beendigen. Noch hat auch die Fruͤhjahrspflanzung den Vorzug, daß die Tage im Maͤrz und April laͤnger ſind, als im November, das Wetter gewoͤhnlich beſſer, die Landleute weniger beſchaͤftigt. 4) Das Roden und⸗Ausheben laͤßt ſich mit wenig Wor⸗ ten vorſchreiben: Es muͤſſen dabei ſo viel Wurzeln als moͤg⸗ lich herausgebracht, und ſo wenig als moͤglich beſchaͤdigt wer⸗ den. Niemals darf die Pflanze ausgezogen oder ausgeriſſen werden, weil dann immer die Zaſerwurzeln, welche ſie ernaͤh⸗ ren ſollen, in der Erde zuruͤckbleiben, die Arbeiter muͤſſen viel⸗ mehr das Inſtrument zum Ausheben in hinreichender Entfer⸗ nung von der Pflanze ſo tief einſtechen, daß dieſe mit der Erde daran emporgehoben werden kann. Wenn es der Transport erlaubt, ſo laͤßt man an den Wurzeln ſo viel Erde, als ſich um dieſelben befeſtigt findet, und ſetzt ſie damit wieder ein, was man die Ballenpflanzung nennt. Man verhindert dadurch das Abreißen und Austrock⸗ nen der Zaſerwurzeln, die Ernaͤhrung der Pflanze geht bei⸗ nahe ungeſtoͤrt fort, man hat nicht zu fuͤrchten, daß bei dem Einſetzen die Wurzeln hohl zu liegen kommen, das Aufziehen durch Froſt, das Umbeugen durch Waſſer ꝛc., iſt viel weniger zu fuͤrchten. Wenigſtens ſucht man doch die zwiſchen den Wurzeln befindliche Erde zu erhalten, und trennt die Uebrige davon weniger durch Losreißen, als durch Niederwerfen auf die Erde, damit ſich dieſelbe durch die Erſchuͤtterung losmacht, ohne daß die feinen Wurzeln mit abgeriſſen werden.— Je groͤßer die Pflanzen ſind, deſto weiter muß man bei dem Aus⸗ heben vom Stamme abgehen, und deſto weniger kann man die Erde ganz davon abmachen.— Zur Erleichterung des Aushebens mit dem Ballen hat — 397— man fuͤr junge Pflanzen mit Erfolg einen Hohlſpaten. (Pflanzbohrer) angewandt. Er gleicht einem gewoͤhnlichen Vogelbohrer, nur daß er groͤßer iſt, 14 bis 18 Zoll lang, 6 Zoll weit, und man braucht ihn nicht bloß, um damit die Pflanzen auszubohren, indem man ſie mit dem Ballen aus⸗ hebt, zugleich aber auch die dazu paſſenden Pflanzloͤcher damit zu fertigen, in welche dieſe Ballen genau paſſen, ſo daß der Pflanzſtamm verſetzt wird, ohne beinahe irgend eine Stoͤrung zu erfahren. So lange die Wurzeln noch ſo klein ſind, daß man nicht noͤthig hat, den Ballen groͤßer als 6 bis 8 Zoll im Durchmeſſer herauszunehmen, iſt die Pflanzung mit dieſem Inſtrumente, womit man ſelbſt eine ziemlich tiefgehende Pfahl⸗ wurzel ganz unbeſchaͤdigt herausnehmen kann, gewiß die beſte und ſicherſte Art, die ſehr ſelten fehlſchlaͤgt. 5) Es iſt bei dem Transporte nicht bloß darauf zu ſehen, daß die Staͤmme und Wurzeln nicht beſchaͤdigt werden, ſon⸗ dern vorzuͤglich hat man auch Sorge zu tragen, daß letztere nicht vertrocknen. Sobald ſie mit Erde umgeben ſind, hat man dies zwar nicht zu fuͤrchten, man muß dann aber bei nahem Transporte denjenigen auf Schleifen und in Schwingen waͤhlen, wenn zu fuͤrchten waͤre, daß ſich die Erde auf dem Wagen losruͤtteln koͤnnte. Bei weiterm Verfahren ohne Ballen, iſt der Wagen mit Stroh oder Moos auszufuͤttern, ſo wie oben zu bedecken, und dies durch Begießen mit Waſſer ſtets ſeucht zu erhalten, damit das Austrocknen verhuͤtet wird. Pflanzen, welche nicht gleich eingeſetzt werden koͤnnen, muͤſſen in die Erde eingeſchlagen werden. Man muß dabei darauf ſehen, daß die Wurzeln, vorzuͤglich wenn es Gebunde ſind, nicht hohl liegen, ſondern uͤberall von friſchem Boden umgeben ſind, und ſie zu dem Ende lieber einſchlemmen, da⸗ mit die Erde zwiſchen die Wurzeln laͤuft. 6) Wenn der Pflanze bei dem Ausheben ein Theil der Wurzeln genommen wird, ſo vermindert ſich dadurch auch die, ihr durch dieſe zugefuͤhrte, Saftmenge. Wollte man ihr nun — 398— Laub, welches dieſe zugefuͤhrten Stoffe verarbeitet, nicht ſo viel Nahrungstheile erhalten, als es bedarf, ſeine Functionen nicht vollſtaͤndig verrichten koͤnnen, die Pflanze wuͤrde ſich erſchoͤpfen. Man ſucht deshalb durch die Wegnahme eines Theils der Zweige, ein richtiges Verhaͤltniß zwiſchen ihnen und den Wur⸗ zeln herzuſtellen, ſo daß man, je mehr die Pflanze von dieſen verloren hat, auch von jenen mit einem ſcharfen Meſſer und ſchraͤgem Schnitte, nicht zu dicht am Stamme, um dieſen nicht zu verletzen, deſto mehr wegnimmt. Man hat ſogar bei ganz armen Boden, und bei Pflanzungen, die zu Schlagholz beſtimmt ſind, das gaͤnzliche Abſchneiden der Pflanze empfoh⸗ len, um neue Ausſchlaͤge aus dem Stocke zu erhalten. Dies iſt jedoch in keiner Hinſicht vortheilhaft. Der Kraftaufwand zur Bildung ganz neuer Knospen iſt groͤßer, als der zur Ent⸗ wickelung der ſchon vorhandenen, die laͤngere Zeit, welche bei abgeſchnittenen Staͤmmen nach dem Einſetzen der Pflanze verfließt, ehe ihre volle Lebensthaͤtigkeit wieder beginnen kann, i*ſt fuͤr das Anwachſen derſelben nicht vortheilhaft, und Ein oder Zwei Zweige mit Knospen muͤſſen dem eingepflanzten Stamme, wenn er nicht etwa beſchaͤdigt iſt, verbleiben. Ge⸗ zwungen wird man nur zu dem Abſchneiden in der Mitte, oder Einſtutzen, bei der Pflanzung ſchlanker, hochſtaͤmmiger Baͤume, die man nicht hinreichend befeſtigen und gegen das Losruͤtteln durch den Wind, das Umbeugen durch Schnee⸗ und Duftdruck ꝛc., ſichern kann. Aber auch dann iſt es gut, wenn man ihnen noch einen Seitenzweig als Saftzieher laſſen kann. Das Beſchneiden der Zweige gilt jedoch nur vom Laub⸗ holze. Nadelholz, welches ſich weit mehr aus der Luft ernaͤhrt, weniger verdunſtet, wird bei jungen Pflanzen gar nicht be⸗ ſchnitten, bei aͤltern werden nur die untern, ſchon die Nadeln theilweis am Stamme verlierenden Zweige, etwas eingeſtutzt. Von den Wurzeln werden nur die beſchaͤdigten, mit ſcharfem, ſchraͤgen Schnitte, damit die Wunde leicht uͤberwachſen kann, alle Zweige und Knospen laſſen, ſo wuͤrde das hervorbrechende — 399— oder die zu langen, welchen nicht im Pflanzloche die vorige natuͤrliche Lage zu geben waͤre, weggenommen. 7) Die Ordnung, in welcher die Pflanzen auf groͤßern leeren Flaͤchen geſetzt werden ſollen, denn bei bloßen Nachbeſ⸗ ſerungen findet eine beſtimmte nicht ſtatt, kann verſchieden ſein: a. ſo, daß drei Pflanzen immer ein gleichſeitiges Dreieck bilden(Dreipflanzung); b. daß vier Pflanzen ein gleichſeitiges Rechteck bilden (Vierpflanzung); c. ſo, daß in der Mitte eines gleichſeitigen Rechteckes noch eine Pflanze ſtehet, und dies in 4 gleichſchenkliche Dreiecke zerfaͤllt(die Fuͤnfpflanzung); d. ſo, daß die Pflanzen in Reihen geſetzt werden, welche weiter von einander entfernt ſind, als die Pflanzen in ihnen aus einander ſtehen. Eine beſtimmte Ordnung iſt jedesmal zu empfehlen, wenn große Bloͤßen bepflanzt werden, weil die Pflanzſtaͤmme dabei in gleichmaͤßiger Entfernung von einander zu ſtehen kommen, die Zahl der auszupflanzenden oder wirklich gepflanzten beſſer uͤberſehen werden kann. Auch iſt dabei in der That eine Zeit⸗ erſparniß, wenn an jedem Orte, wo ein Pflanzloch hinkom⸗ men ſoll, mittelſt des Ausziehens einer langen Leine ein Stab eingeſteckt wird, um es zu bezeichnen, als wenn man jedem Arbeiter uͤberlaͤßt, ſich die Stelle nach der beſtimmten Entfer⸗ nung ſelbſt auszuwaͤhlen. Zwei geuͤbte Arbeiter ſtecken die Pflanzung fuͤr 50 Perſonen, welche die Loͤcher machen, ab; 52 Menſchen, die jeden Augenblick zweifelhaft ſind, wo ſie eingraben ſollen, abmeſſen, einander ſtoͤren, verrichten viel we⸗ niger. Auch gewaͤhrt bei Tagearbeiter dieſe regelmaͤßige Ord⸗ nung den großen Vortheil, daß ein fleißiger Vorarbeiter die uͤbrigen noͤthigt, in den ihnen angewieſenen Reihen gleichen Schritt mit ihm zu halten, und dadurch die Kontrolle ſehr erleichtert wird. Man darf daher das Wohlgefaͤllige einer gut geordneten Pflanzung fuͤr das Auge, die leichtere Zaͤhlung — 400— etwa eingegangener Pflanzen, gar nicht erſt erwaͤhnen, um ihr ſtets den Vorzug vor einer unregelmaͤßigen einzuraͤumen. Man zog fruͤher die unter a. b. c. erwaͤhnte Stellung der Pflanzen nach der Anſicht vor, daß, wenn man annimmt, die Zweige und Wurzeln des Baumes dehnen ſich kreisfoͤrmig aus, dabei die groͤßte Menge von Staͤmmen auf einer gewiſ⸗ ſen Flaͤche ſtehen koͤnnen, ohne ſich zu beruͤhren, und empfahl deshalb wieder ganz beſonders die Drei⸗ und Fuͤnſpflanzung. Der Baum wird jedoch in ſeinem Wuchſe durchaus nicht ge⸗ ſtoͤrt, wenn er nur ſeine Zweige und Wurzeln nach zwei Sei⸗ ten hinausdehnen kann, wie der ſtarke Zuwachs an ziemlich dicht ſtehenden Alleebaͤumen zeigt. Man kann mit Gewißheit annehmen, daß in der Reihenpflanzung eben ſo viel Baͤume gleich gut wachſen koͤnnen, als bei jeder andern Art der Ver⸗ theilung. Da dieſe nun aber den Vorzug der leichtern und ſchnellern Abſteckung der Pflanzloͤcher, der zweckmaͤßigern Durch⸗ forſtung hat, indem dabei keine ſo großen Luͤcken entſtehen, als z. B. bei der Dreipflanzung, da ſie die Zugaͤnglichkeit der Orte erleichtert, ſo verdient die Reihenpflanzung den Vorzug vor allen uͤbrigen. Die Entfernung, in welcher die Pflanzen von einander geſetzt werden ſollen, verdient, hinſichts der groͤßern oder ge⸗ ringern Koſten, die ſorgfaͤltigſte Beachtung. Wenn man noch einmal ſo viel Staͤmme braucht, betragen auch die Koſten das Doppelte. Man muß nicht dichter pflanzen, als noͤthig iſt, um a. den Boden zeitig genug zu decken und ſeine Veroͤdung zu verhindern; b. Die Entſtehung von Luͤcken durch einzelne eingehende Pflanzen, welche immer vorkommen, zu verhindern; c. Das Holz fruͤhzeitig genug in den Schluß zu bringen, und langſchaͤftiges, aſtreines Holz zu erziehen; d. eine benutzbare Durchforſtung zu haben und keine Bodenkraft zur Erzeugung von brauchbarem Holze unbenutzt zu laſſen. Bei — 401— Bei Pflanzungen, wo nicht die Holzerziehung allein beach⸗ tet werden kann, ſondern wo zugleich Ruͤckſicht auf Erhaltung der Weide, die Gewinnung von Maſtfruͤchten, das Durchtrei⸗ ben von Viehheerden genommen werden muß, wird noch eine viel groͤßere Entfernung der Pflanzen noͤthig. Die dichteſte Pflanzung erfordert der Ausſchlagwald, vor⸗ zuͤglich dann, wenn zugleich der Boden dadurch befeſtigt wer⸗ den ſoll. Um Sand in Flußbetten zu befeſtigen, die Ufer zu ſchuͤtzen, Waſſerriſſe zuzubauen, ſetzt man die Weiden⸗ und Pappelnſtecklinge, wenn ſie einzeln zu ſtehen kommen, zuwei— len nur 6 bis 12 Zoll weit aus einander; bei der Neſter— pflanzung, wobei mehrere Stecklinge in Ein Loch kommen, nicht uͤber 2 Fuß. Gewoͤhnliche Niederwaldungen zu Buſchholzum— trieben werden mit 3 Fuß Entfernung angepflanzt; die Erlen, Birken, Buchen, Hainbuchen zu 25jaͤhrigem und ſpaͤterm Um⸗ triebe zu 4 bis 5 Fuß. Die gewoͤhnliche Entfernung fuͤr an⸗ zupflanzende Hochwaldungen iſt 5 Fuß, bei ſchwaͤchern 6, und 7 Fuß bei ſtaͤrkern Pflanzſtaͤmmen. Wo man ganz ſchwache, vielleicht einjaͤhrige Kieferpflanzen einſetzt, waͤhlt man aus Vorſicht eine Entfernung von 3 Fuß. Auf Sandſchellen, welche durch die Pflanzung zugleich gebunden werden ſollen, macht man die Reihen nur 2 Fuß aus einander, und ſetzt in ſie alle Fuß eine 3 bis 4jaͤhrige Pflanze. In Bezug auf die Reihenpflanzung gilt uͤberhaupt die Entfernung, welche hier angegeben iſt, fuͤr die Weite der Reihen, da man in dieſen die Pflanzen etwas dichter ſetzen kann, um alle, durch Eingehen von Pflanzen entſtehende Luͤcken zu vermeiden. Die weiteſte Entfernung erhalten die ſtarken Pflanzheiſter auf Bloͤ⸗ ßen in groͤßern Buchendickungen, die Kopfhoͤlzer, die auf Triften und Weideaͤngern ausgepflanzten Staͤmme, unter denen die Weide erhalten werden muß. Dieſe werden gewoͤhnlich in 10 bis 15fuͤßiger, das fortwachſende auf Aengern und Trif⸗ ten bis zu einer Entfernung von 20 und 30 Fuß gepflanzt. 26 — 402— Folgendes iſt die Anzahl der Pflanzen, welche man bei der Pflanzung in Reihen, O und(¶◻ fuͤr einen preußiſchen Morgen bedarf. —ÿ⸗———LL x.˖Q—————————————————— Entfernung Stamzahl Stammzahl der auf einen preußiſchen Morgen Pflanzen vro Morgen bei der A und Pflanzung. Reihen. in den bei h Ahen der Rei⸗ Entfernung nuch unch hhenpflanzung. nach A 1 Fuß. Fuß. Fußen. 1 1 25920 1 29930 25920 2 1 12960 1 ½ 13360 11520 2 2 6480 2 7491 6480 3 1 8640 2 ½ 4791 4147 3 2 4320 3 3327 2880 5 3 2880 3 ½ 2445 2115 4 1 6480 4 1871 1620 4 2 3240 4 ½ 1478 1280 4 3 2080 5 1197 1036 4 4 1620 5 ½ 989 856 5 1 5184 6 831 720 5 2 2592 6 ½ 708 613 5 3 1728 7 610 528 5 4 1296 8 467 4⁰5 5 5 1⁰36 9 369 320 6 1 4320 10 299 259 6 2 2160 11 247 214 6 3 1440 12 207 180 6 4 1080 13 177 153 6 5 864 14 152 13² 6 6 720 15 133 115 7 2 1826 16 116 101 7 3 1234 17 103 89 7 4 913 18 92² 8⁰ 7 5 740 19 83 71 7 6 617 20 75 64 7 7 528 -———— — 403— 8) Die Anfertigung der Pflanzloͤcher muß ſo erfolgen, daß der Raſen, die beſſere Erde, die ſchlechtere, jedesmal be⸗ ſonders gelegt werden, indem der Raſen entweder ganz unten hinkoͤmmt, oder da, wo das Ausſchwemmen der Pflanzen durch Waſſer, das Aufziehen durch Froſt zu fuͤrchten iſt, oben⸗ auf gelegt wird, die beſte Erde zur Einfuͤtterung der Wurzeln benutzt werden muß, die ſchlechteſte die obere Bedeckung bildet. Außerdem muß man dabei noch beachten: a. die Beſchaffenheit des Bodens; b. die Groͤße der Pflanzen; c. den Wurzelbau der Holzgattung. Zu a. Feſter thoniger Boden muß breiter und tiefer auf⸗ gelockert werden, als es bei ſandigem noͤthig iſt; ein feſtes Unterlager, welches die Wurzeln bald erreichen koͤnnen, muß man durchſtechen. In verkohltem, unvollkommenem Humus kann man nicht pflanzen, ſondern muß den beſſern Boden heraufbringen, um die Wurzeln damit zu umgeben. Bei einem ſehr ſtrengen Boden iſt es ſehr gut, zur Fruͤhjahrspflanzung die Pflanzloͤcher ſchon im Herbſte vorher zu machen, damit der Froſt den Boden zerkleinern hilft, derſelbe von der Luft durchzogen wird; in naſſem darf man die Pflanzloͤcher erſt dann ſtechen, wenn man die Pflanze einſetzen will, damit ſie nicht voll Waſſer laufen. Auch bei ſandigem Boden iſt es nicht rathſam, die Pflanzloͤcher lange vorher zu ſtechen, da der Sand dann bei dem Einpflanzen leicht zu trocken iſt. Zu b. Die Groͤße des Pflanzlochs muß ſtets im Ver⸗ haͤltniſſe mit der Groͤße der Pflanze, fuͤr welche es beſtimmt iſt, mit der Laͤnge der Wurzeln ſtehen. Zu c. Holzgattungen mit tiefſtreichenden Wurzeln ver⸗ langen eine tiefere Auflockerung des Bodens, geſtatten vielleicht aber Pflanzloͤcher, welche etwas kleiner ſind, als dies bei ſolchen i*ſt, welche flachlaufende, weit ausſtreichende Wurzeln haben. 9) Bei dem Einſetzen der Pflanzen muß man a. darauf halten, daß jede Wurzel wieder in ihre natuͤr⸗ 26* — 404— liche Lage, in der ſie fruͤher war, koͤmmt, nicht gekruͤmmt, oder mit einer andern zuſammengepreßt wird; denn diejenigen wachſen nicht, bei denen dies der Fall iſt. Man haͤlt ſie darum beinahe ſchwebend in dem Pflanzloch, wenn man nicht mit dem Ballen pflanzen kann, wodurch dieſe Bedingung am ſicherſten erfuͤllt wird, und laͤßt die klar geriebene Erde zwiſchen die Wurzeln laufen. b. Sehr wichtig iſt es, darauf zu ſehen, daß nirgends ein leerer Zwiſchenraum bleibt, ſondern die Erde uͤberall die Wurzeln dicht umgiebt, da ſie ohne dies nicht anwachſen koͤn— nen. Bei ſehr dicht verſchlungenen Wurzeln kann dies oft allein nur durch das Anſchlemmen erreicht werden, indem Waſ⸗ ſer, nachdem das Pflanzloch halb mit Erde gefuͤllt worden iſt, darauf gegoſſen wird, um einen Schlamm zu bilden, der ſich zwiſchen die Wurzeln ſchweift und uͤberall dicht um ſie an⸗ legt. Es iſt deshalb ein großer Irrthum, wenn man glaubt, es ſei daſſelbe nur bei trocknem Boden noͤthig; wenigſtens iſt es uͤberall wuͤnſchenswerth. c. Die beſſere Erde muß theils die Unterlage bilden, theils die Wurzeln umgeben, die ſchlechtere aber zur Ausfuͤl⸗ lung des Loches verwandt werden. Der abgeſtochene Raſen wird, kleingeſtoßen in den Grund, als Duͤngung gebracht; nur bei ſehr zum Aufſchwemmen geneigtem Boden, da, wo man ſo flach pflanzen muß, daß der Pflanze der noͤthige Halt mangelt, in zwei Stuͤcke geſtochen, zur Bedeckung des Pflanz⸗ lochs dergeſtalt umgekehrt verwandt, daß der Raſenfilz auf der Erde aufliegt. d. Die Erde im Pflanzloche muß hinreichend feſtgedruͤckt oder getreten werden, damit weder Zwiſchenraͤume bleiben, noch die Feuchtigkeit aus dem lockern Boden zu leicht ver⸗ dunſtet, doch aber auch nicht ſo feſt, daß die Wurzeln zuſam⸗ mengepreßt, oder gar gequetſcht wuͤrden. c. Eine Beachtung verdient die nothwendige und zweck⸗ maͤßige Befeſtigung der Pflanzen. Mit Pfaͤhlen, welche man N 2 02+8 8 S — 405— einſtoßen muß, bevor die Pflanze eingeſetzt wird, damit die Wurzeln nicht verletzt werden, iſt es, ſchon der Koſtbarkeit we⸗ gen, nur bei ſehr großen und ſtarken Staͤmmen rathſam. Man muß dann dieſe da, wo ſie mit den Wieden angebunden wer⸗ den, mit Moos umgeben, damit ſie ſich nicht durch Reibung verletzen, auch ſpaͤter nachſehen, daß nicht die oft ſehr ſchnell abfaulenden Staͤbe, den Stamm den ſie ſtuͤtzen ſollen, nieder⸗ ziehen. Bei denjenigen Holzgattungen, welche einen tiefen Stand ertragen, als: Buche, Eiche, Hainbuche, Ahorn, Ulme, Erle, Eſche, iſt das etwas tiefe Einſetzen, oder das Umhaͤufeln des Stammes mit einem Erdkegel von 1 bis 12 Fuß Hoͤhe und Breite mehr zu empfehlen, da es wohlfeiler und von beſſerer Wirkung iſt. Noch mehr werden die Pflanzſtaͤmme gegen das Umbiegen und Losruͤtteln durch den Wind, geſchuͤtzt, wenn man ſie in einer Hoͤhe von 4 bis 6 Fuß einſtutzt, d. h. ihnen den Wipfel nimmt, und nur wenn es ſein kann, ein paar Reiſer zu Saftziehern ſtehen laͤßt. Es iſt nicht bemerkbar, daß die ſo behandelten Staͤmme, ſobald ſie nur nicht zu ſpaͤt in Schluß kommen, dadurch ſpaͤter am Hoͤhenwuchſe verloͤren. Buchen, Hainbuchen, Eichen, Erlen, in 5 und 6fuͤßiger Ent⸗ fernung gepflanzt, laſſen ſchon im 40ſten Jahre die Stelle ſehr ſchwer erkennen, wo ſie weggeſchnitten worden ſind, und zeigen ſich gegen Wind, Duftbruch u. ſ. w., vollkommen geſichert. f. Die Frage, wie hoch die Wurzeln mit Erde bedeckt wer⸗ den duͤrfen, oder wie tief eine Pflanze eingeſetzt werden koͤnne? — laͤßt ſich nicht beſtimmt beantworten, da dies von man— cherlei ſehr verſchiedenen Dingen abhaͤngt. Die allgemeine Regel: den Pflanzſtamm nur etwa zwei Zoll tiefer zu ſetzen, als er geſtanden hat, iſt vorzuͤglich fuͤr Holzgattungen mit flachlaufenden Wurzeln, Nadellhoͤlzer uͤber⸗ haupt, in einem feſten Boden, wichtig. Fichten, Birken, Aspen, Kiefern, ertragen es gar nicht oder ſehr ungern, wenn man die Wurzeln viel hoͤher mit Erde bedeckt, als ſie es fruͤher waren; man ſiehet darauf, daß der Unterſchied, nachdem ſich der Bo⸗ — 406— den geſetzt hat, hoͤchſtens zwei Zoll betraͤgt, fuͤllt aber das Pflanzloch nicht ganz aus, vorausgeſetzt, daß der Boden tief⸗ gruͤndig genug iſt, um das Ausſtreichen der Wurzeln in frucht⸗ barem Boden, bei der ihnen gegebenen Lage zu geſtatten. An⸗ dere Holzgattungen, wie die obengenannten, ertragen das tieſe Einpflanzen ſehr gut, entwickeln ſogar, aus dem mit Erde be⸗ deckten Stamme neue Wurzeln, wie ſich aus dem Wachsthume der mit Erdhuͤgeln umgebenen Staͤmme unwiderleglich dar⸗ thun laͤßt. Das tiefe Einſetzen gewaͤhrt dabei zu große Vortheile, um es nicht da, wo der Boden es geſtattet, vorzu⸗ ziehen. Sie ſind: eine beſſere Befeſtigung der Pflanze, eine ſicherere Erhaltung der Feuchtigkeit im Boden, wo die Wurzeln ſich befinden. Doch muß man darin nicht bloß Maaß und Ziel halten, ſondern auch die Beſchaffenheit des Bodens beruͤck⸗ ſichtigen. Ein ſehr feſter, den Zutritt der Luft ausſchließender, geſtattet keine ſo tiefe Pflanzung als ein lockerer; wo der frucht⸗ bare Boden nur flach liegt, kann man den Pflanzſtamm nicht tief in den ſchlechtern ſetzen; wo er feucht iſt, pflanzt man flacher, als wo er ſehr trocken iſt. Mit Beachtung dieſer ab⸗ weichenden Verhaͤltniſſe wird es ſonſt fuͤr diejenigen Holzgat⸗ tungen, welche eine tiefe Pflanzung ertragen, auf lockerm und trocknem Boden von ſehr gutem Erfolge ſein, wenn man die Wurzeln drei bis fuͤnf Zoll hoͤher mit Erde bedeckt, als ſie in der Regel in den Samenſchlaͤgen und auf freien Saatplaͤtzen be⸗ deckt ſind.— In den Pflanzkaͤmpen iſt es aber von großer Wichtigkeit, gleich vom Anfange an die Pflanzen an den tie⸗ fen Stand zu gewoͤhnen, und dazu die Rillen lieber etwas an⸗ zuhaͤufeln, um ſie bei der ſpaͤtern Auspflanzung wieder eben ſo tief einzuſetzen, als ſie geſtanden haben, wenn man dabei beachtet, daß ſich die um den Stamm herum angehaͤufte Erde, nachher immer noch etwas ſetzt. 10) Auf ſehr trocknem Boden belegt man die Pflanzloͤcher der groͤßern Staͤmme gern mit etwas Moos, wenn es zufaͤl⸗ lig in der Naͤhe iſt, um das Austrocknen des Bodens zu ver⸗ — 407— hindern. Werden ſteile Berge bepflanzt, ſo umgiebt man das Pflanzloch, gegen den Abhang hin, mit einem halb mondfoͤr⸗ migen Damme, um das Regenwaſſer aufzufangen. Pflanz⸗ ſtaͤmme deren Wipfel oder Stamm abſtirbt, und die unten ausſchlagen, ſchneidet man in der Zeit ab. Eben ſo ſolche, welche durch Duft, Schnee, Regen, niedergebogen werden. 5) Von dem Beſondern der Pflanzung der verſchiedenen Holzgattungen. Die Eichenpflanzung. Die Eiche laͤßt ſich ſehr jung verpflanzen, und bei der ſchon fruͤh ſehr tief gehenden Pfahlwurzel iſt es, ſobald man nicht in Pflanzkaͤmpen beſondere Staͤmme die zur Auspflan⸗ zung als ſtarke Pflanzheiſter geſchickt ſind, erziehet, ſogar ſehr anzurathen, daß man 1 und Ajaͤhrige Pflanzen, welche die theilweis verloren gegangene Pfahlwurzel noch wieder erſetzen, dazu waͤhlt. Am beſten werden ſie mit dem Pflanzbohrer ausgehoben, da es ſchwer iſt, und viel Muͤhe macht, ſie mit dem gewoͤhnlichen Spaten tief genug auszuheben. Wenn man genoͤthigt iſt, wegen der Gefahr der Beſchaͤdigung durch Wild oder Weidevieh, oder zur Unterpflanzung unter anderes ſchon groͤßeres Holz, ſtarke Pflanzſtaͤmme zu nehmen, ſo muͤſſen dieſe in beſonders dazu angelegten Pflanzkaͤmpen erzogen werden. Man graͤbt dazu den Boden des Saatplatzes um, legt die Eichen in Rillen, die 2 Fuß auseinander kommen, und ſorgt daß der Boden wenigſtens nicht gleich Anfangs ſehr ver⸗ raſet, indem man die Zwiſchenraͤume zwiſchen den Rillen durch⸗ hacken laͤßt. Im zweiten oder dritten Jahre werden die jun⸗ gen Eichen verſetzt, indem man ihnen die Pfahlwurzel nimmt, und ſie in den Reihen zwei Fuß auseinander bringt. Durch Wegnahme der untern Aeſte ſucht man zugleich ſie hochſtaͤm⸗ mig zu erziehen. Das Verſetzen kann man ſich auch erſparen, wenn man — 408— die Eicheln ſo weit auseinander einlegt, daß die Staͤmme von der verlangten Groͤße noch hinreichenden Raum neben einan— der haben, und dann im zweiten oder dritten Jahre mit einem ſcharfen duͤnnen Spaten die Pfahlwurzel in einer Tiefe von 4 bis 5 Zoll durchſticht, ohne die Pflanze dabei weiter zu ſtoͤ⸗ ren, nachher aber den Boden wieder feſttritt. Man erreicht dadurch den Zweck, die zu tief gehende Wurzel wegzunehmen, und den Stamm ſtatt deſſen zu zwingen, mehr flachſtreichende Seitenwurzeln zu entwickeln, eben ſo gut und mit weit weni⸗ gerem Koſten⸗ und Zeitaufwand. Die Buchenpflanzung. Eine der haͤufigſten Urſachen, weshalb ſo viel Buchen⸗ pflanzungen mißlingen, iſt, weil man keine an freien Stand gewoͤhnte taugliche Pflanzen hat. Eine in der Beſchattung ſte— hende Buche laͤßt ſich ſo wenig in das Freie verpflanzen, als ſie, wieder in den Schatten gepflanzt, gedeihet. Will man die⸗ ſelbe aus den Samenſchlaͤgen benutzen, ſo kann man nur ſolche Pflanzen gebrauchen, die ſchon mehrere Jahre ganz frei ge⸗ ſtanden haben, und muß ſo viel als moͤglich vermeiden, die im ganz dichten Schluſſe ſtehenden Staͤmme zu nehmen, ſondern mehr die im raͤumlichen Stande ſtaͤmmig erwachſenen. Wo dieſe Bedingungen erfuͤllt werden, gedeihen die jungen 4 bis 5 Jahr alten Pflanzen beſſer als die aͤltern; da jedoch bei dem erſt ſpaͤt erfolgenden Abtriebe der Buchenſchlaͤge es gewoͤhnlich an jungen freigeſtellten Pflanzen fehlt, ſo iſt man haͤufig genoͤthigt ſtarke Staͤmme, bis I und 1 ½ Zoll dick zu waͤhlen. Dies iſt auch deshalb oft noͤthig, weil die Buchenpflanzungen gewoͤhn⸗ lich mehr Nachbeſſerungen zwiſchen ſchon groͤßern Pflanzen⸗ horſten zum Zwecke haben, als neue große Anlagen. Die Buche laͤßt ſich auch, indem ſie viele kleine Wurzeln dicht um den Stamm herum hat, noch ſpaͤt mit großer Sicherheit ohne alle weitere Vorbereitung verpflanzen, und bei gehoͤriger Sorgfalt gehen ſelbſt 9 bis 12 Fuß hohe, aus den Samenſchlaͤgen aus⸗ — 409— gehobene Pflanzheiſter, ſicher an, nur wird ihre Pflanzung koſtbarer, als die der kleinen Pflanzen. Wo man mit dieſen letztern cultiviren will, iſt es noͤthig, ſie ſo zu behandeln, daß ſie zeitig an freien Stand gewoͤhnt werden. Man haut dann in ſehr geſchuͤtzter Lage Flecke von einem halben bis dreiviertel Morgen, welche hinreichend mit jungen Pflanzen beſtanden ſind, zeitig licht, ſo daß mit 4 bis 5 Jahren das ganze ſie uͤberſchirmende Oberholz weggenommen iſt, und ſie nur noch den Seitenſchutz vom umherſtehenden Holze genießen. Mit 6 und 7 Jahren laſſen ſie ſich dann ſehr gut verpflanzen. Beſſer noch koͤmmt man zum Zwecke, wenn man auf kleinen Waldbloͤßen im hohen Holze, am zweckmaͤßigſten auf alten 3 bis 4 Ruthen breiten Geſtellen oder Schneißen, Pflanz⸗ kaͤmpe anlegt. Dieſe werden umgegraben, die Bucheln in Ril⸗ len gelegt, und die aufgegangenen Pflanzen ſo behandelt, wie oben bei der Buchenſaat gelehrt iſt. Mit zwei Jahren nimmt man die etwa uͤberhaͤngenden Aeſte der umſtehenden Baͤume weg, mit 3 bis 4 Jahren holzt man die Raͤnder auf 2 bis 3 Ru⸗ then Breite entweder ganz ab, oder ſtellt ſie doch wenigſtens licht, wo man dann mit 5 bis 6 Jahren ſehr ſchoͤne Pflanz⸗ buchen, die einen freien Stand ertragen, erhaͤlt.— Pflanzen aus ganz freien Saaten, laſſen ſich noch fruͤher verſetzen. Die Ballenpflanzung iſt fuͤr die Buche immer die beſte. Wird ſie zu koſtbar, ſo muß man ihr wenigſtens die zwiſchen den Wurzeln befindliche Erde laſſen, weil es nicht moͤglich iſt, vorzuͤglich bei thonigem Boden, ſie ohne Beſchaͤdigung der⸗ ſelben wegzunehmen, auch ſehr ſchwer dies Wurzelgewirr was gute Pflanzen haben, wieder uͤberall dicht bei der Einpflan⸗ zung mit Erde zu umgeben. Die Buche geſtattet das maͤßig tiefe Einpflanzen, und ertraͤgt das Behuͤgeln der ſtaͤrkern Staͤmme ſehr gut. Eben ſo erſetzt ſie das Einſtutzen bei 4 bis 5 Fuß Hoͤhe, und erſetzt den weggenommenen Wipfel bald vollkommen wieder, ſo daß — 410— es bei langen und ſehr ſchlanken Pflanzen ganz beſonders zu empfehlen iſt. Es laſſen ſich noch groͤßere leere Stellen in Buchenorten, die ſchon 20 bis 25 Jahr alt ſind, ſelbſt mit etwas kleinern Pflanzſtaͤmmen nachbeſſern, da die Buche nur dann verdaͤmmt wird, wenn ſie in unmittelbarer Ueberſchirmung ſtehet, Orte mit Holz von ungleichem Alter beſtanden, ſehr gut herauf⸗ wachſen. Von der Pflanzung der Hainbuchen, Ahornen, Ul⸗ men, Linden, Eſchen, Birken, Erlen und Aspen. Die Hainbuchen laſſen ſich ſehr ſpaͤt verpflanzen, ohne daß man ſie irgend in Pflanzgaͤrten, oder durch vorheriges Verſetzen dazu vorbereitet haͤtte, da ſie von Natur ſehr viel kleine Wurzeln dicht um den Stamm herum haben. Es ſcheint ſogar daß die ſtaͤrkern Pflanzſtaͤmme beſſer angehen, als die ſchwaͤchern, wenn man nur vermeidet, nicht etwa flach ſtehende Wurzelbrut zunehmen. Sie werden haͤufig in Ermangelung von Buchenpflanzen zur Ausbeſſerung der luͤckenhaften Schonungen dieſer Holzgattung verwandt, und die ſtaͤrkern Staͤmme ge⸗ woͤhnlich eingeſtutzt. Sie ertraͤgt eine tiefe Pflanzung. Der Ahorn wird am beſten in geſchuͤtzten Pflanzgaͤrten, zur Auspflanzung in das Freie, gezogen, wo man die Beete mit Laub deckt, und ihn gegen die ſpaͤte Fruͤhjahrsfroͤſte, noͤ⸗ thigensfalls durch Schmauchfeuer ſchuͤtzen kann. Man laͤßt ihn, nachdem er im zweiten Jahre in einer ſolchen Weite verſetzt worden iſt, 5 bis 6 Fuß hoch werden, und pflanzt ihn dann, ohne ihm die Spitze zu nehmen, was er ungern ertraͤgt, und was auch bei ſeinen ſtarken Schuͤſſen, und wenn er nicht zu ge⸗ ſchloſſen ſtand, nicht noͤthig iſt. Will man ihn in Buchen ein⸗ ſprengen, ſo geſchiehet es erſt nach der gaͤnzlichen Abraͤumung des Schlages von altem Holze, und ſo, daß er einen Vor⸗ ſprung in der Groͤße hat. Er kann tief gepflanzt werden. Auch die Ulme wird am ſicherſten in Pflanzgaͤrten ge⸗ — 411— zogen, jedoch da, wo ſie gegen Beſchaͤdigung durch Wild, Vieh, und Ueberwachſen durch Gras geſichert iſt, lieber jung, mit zwei bis drei Jahren, als hochſtaͤmmig gepflanzt, obwohl ſie letzteres auch ertraͤgt. Die Linde iſt ganz wie die Hain⸗ buche zu behandeln, und nur dann zieht man ſie in Pflanz⸗ gaͤrten, wenn ein ſtarker Wildſtand das Aufkommen der Sa⸗ menpflanzen im Freien nicht geſtattet, und bloße Wurzelbrut vorhanden iſt, die nur ſchlechte Pflanzſtaͤmme giebt. Die Eſche muß dagegen ganz wie der Ahorn behandelt werden, und ſchon um ſie gegen Wild- und Graswuchs zu ſchuͤtzen, muß man ihre Erziehung gewoͤhnlich auf Pflanzgaͤrten beſchraͤnken. Die Birke laͤßt ſich nur ſo lange gut verpflanzen, bis die Rinde unten am Stamme anfaͤngt weiß zu werden, da ſie bald die Wurzeln weit ausreckt und wenig Zaſerwurzeln nahe um den Stamm behaͤlt. Wenn man ſie bis zum 5ten und 6ten Jahre, das beſte Pflanzalter iſt im 4ten und 5ten, ver— pflanzt, iſt weder eine vorhergehende Verſetzung, noch ihre Er⸗ ziehung in Pflanzgaͤrten noͤthig, da ſie in der freien Saat im paſſenden Boden, leicht und ſicher zu erziehen iſt. Sie ertraͤgt I das Wegnehmen des Wipfels ungern, und darf nicht ſehr tief gepflanzt werden. Auch kann man bei tief eingeſetzten Staͤm⸗ V men nicht auf Stockausſchlag rechnen, wenn man nicht nach dem Abhiebe des Stammes die Erde um denſelben ſo weit aufkratzt, daß die oberſten ſtarken Seitenwurzeln dicht am Stocke V Knospen entwickeln koͤnnen. Unter allen Holzgattungen ſcheint ihr die Herbſtpflanzung am wenigſten zuzuſagen, und es iſt die Fruͤhjahrspflanzung fuͤr ſie vorzuziehen. V Die Erle bedarf ebenfalls keiner Erziehung in Pflanz⸗ gaͤrten. Drei bis 5jaͤhrige gut wuͤchſige Pflanzen ſind die be⸗ V ſten, und koͤnnen ohne weitere Vorbereitung verpflanzt werden. Der Herbſt iſt auf naſſem Boden diejenige Jahreszeit, welche man waͤhlen muß, da das Waſſer die Fruͤhjahrspflanzung ge⸗ woͤhnlich nicht erlaubt. Man kann damit beginnen, ſobald der erſte Nachtfroſt das Laub getoͤdtet hat, welches dann oft — 412— noch eine Zeitlang gruͤn auf den jungen Pflanzen haͤngen bleibt. Wo moͤglich pflanzt man mit Ballen, um das Auffrieren der Pflanzen und Umſchweifen derſelben, durch Waſſer zu verhuͤ⸗ ten, auch weil ſich die Erde zwiſchen den Wurzeln ſchwer weg⸗ nehmen laͤßt, ohne ſie zu beſchaͤdigen. Iſt der Boden ſehr feucht, ſo werden die Pflanzloͤcher erſt geſtochen, wenn der Stamm eingeſetzt werden ſoll. Iſt er ſehr naß, ſo pflanzt man die Erle oben auf, indem man nur den obern Raſenfilz ſo weit wegkratzt, daß der Boden wund wird, und dann die Erle mit einem Erdhuͤgel, von etwa zwei Fuß Durchmeſſer, ſo anhaͤufelt, daß ſie darin eben ſo zu ſtehen koͤmmt, wie ſie im gewoͤhnlichen Pflanzloche ſtehen wuͤrde. Sie ertraͤgt uͤbri⸗ gens ein ziemlich tiefes Einſetzen. Iſt der Boden ſehr locker, und zum Auffrieren geneigt, ſo wird der Stamm mit abge⸗ ſtochnem Raſen ſo umgeben, daß dieſer bewurzeln, und die Pflanze feſthalten kann. Demungeachtet muß jedesmal im Fruͤhjahre, ſobald das abfallende Waſſer es nur irgend erlaubt, die Pflanzung nachgeſehen werden, um die umgebogenen und aufgeſchwemmten, wieder neu anzutreten. Sehr lange, ſchlank aufgeſchoſſene Erlen, muͤſſen entweder gertenartig ausgeſchnit⸗ ten werden, oder wenn auch dies noch nicht genuͤgt, um ſie gegen das Umbiegen zu ſchuͤtzen, ſtutzt man ſie lieber bei etwa 4 Fuß Hoͤhe ein, was dieſe Holzgattung recht gut ertraͤgt. Niemals darf die junge Pflanze ganz vom Waſſer bedeckt wer⸗ den, und ganz kleine Staͤmme ſind deshalb gewoͤhnlich unbe⸗ nutzbar. Die Pflanzung iſt im humoſen Bruchboden als das einzige ſichere Mittel anzuſehen, um ihn in Beſtand zu brin— gen, und bei ihrem ſichern Gedeihen der Saat unbedingt vor⸗ zuziehen. Es iſt nicht leicht, die Aspe durch Pflanzung gut fort⸗ zubringen, wenn man ſich nicht gute Pflanzſtaͤmme dazu er— zieht. Die in großer Menge vorhandene Wurzelbrut iſt ganz untauglich, ſobald ſie von flachliegenden ſtarken Wurzeln her⸗ ruͤhrt, oder dieſe ſchon im Innern faul ſind. Schwache, ge⸗ — 413— ſunde, ziemlich tief liegende Wurzeln, erzeugen zwar Ausſchlaͤge die man benutzen kann, um wuͤchſiges Holz daraus zu erzie⸗ hen, doch werden dieſe auch haͤufig wieder durch Wild verbiſ⸗ ſen, oder durch den Pappeln⸗ Blattkaͤfer(Chrysomela populi) ſo beſchaͤdigt, daß ſie nicht als gute Pflanzſtaͤmme anzuſehen ſind. Daher wird die Erziehung dieſer, ſonſt als wucherndes Forſtunkraut oft kaum zu vertilgenden Holzgattung, unter be⸗ ſonderm Schutze nicht ſelten noͤthig, wenn man durch irgend eine Veranlaſſung bewogen wird, ſie zu Baumholz auszupflan⸗ zen. Man kann dazu die aͤußerſten, vorſichtig herausgenom⸗ menen Wurzelſpitzen, bis zur Staͤrke von einem halben Zolle, in gut aufgelockerten Boden, in ihre natuͤrliche Lage einlegen, und 12 bis 2 Zoll hoch mit lockerer Erde bedecken, wo im feucht gehaltenen Boden die Wurzelbrut nicht ausbleiben wird. Wenn dieſe 1 bis 2 Jahr alt iſt, zerſticht man die Wurzel die ſie erzeugte mit einem ſcharfen, gut verſtaͤhlten Spaten ſo, daß man die einzelnen Staͤmme in die Pflanzſchule tief ein⸗ ſetzen kann, bis ſie die verlangte Staͤrke erhalten haben. Sie laͤßt ſich, jedoch nicht ſo ſicher als die uͤbrigen Pappeln, auch durch Stecklinge erziehen, woruͤber das Naͤhere unten. Will man ſie aus Samen erhalten, ſo ſchneidet man die Zweige, woran ſich reifer, durch die Befruchtung vollkommner Same befindet ab, und ſteckt dieſe ſo tief in die Erde, daß der Same nicht mit weggetrieben werden kann, wenn er abfliegt. Die jungen Samenpflanzen ertragen weder Schatten noch Gras, und werden im zweiten Jahre verſetzt, und im Pflanzgarten in Reihen gepflanzt. Von der Pflanzung der Weiden und Pappeln durch Stecklinge. Die Weiden, Schwarz- und Silberpappeln werden am vor⸗ theilhafteſten durch Stecklinge angebauet. Zu der Anlage der Niederwaͤlder an Flußufern, auf feuchtem Sande,(Weidenwer⸗ der) waͤhlt man zwei bis dreijaͤhrige Schuͤſſe, von derjenigen — 414— Weidengattung die man zu ziehen wuͤnſcht. Dieſelben werden in einer ſolchen Laͤnge geſchnitten, daß ſie ſo tief eingelegt werden koͤnnen, daß man ſicher iſt, der Boden werde bei ge⸗ woͤhnlicher Witterung nicht bis dahin austrocknen. Auf fri⸗ ſchem und feuchtem Boden, kann man dazu eine Tiefe von 12 Zoll annehmen; auf lockerm, in den Flußbetten hoch zuſam⸗ men geſchweiften Boden, kann es noͤthig werden, die Stecklinge bis 24 Zoll tief einzugraben, und da man ſie 4 bis 6 Zoll uͤber der Erde herausſtehen laͤßt, laͤnger wenn man zu fuͤrchten hat, daß viel Sand daruͤber geworfen wird, kuͤrzer wenn dies nicht der Fall iſt, ſo iſt die Laͤnge derſelben zwiſchen 16 und 30 Zoll. Der Abſchnitt wird ſchraͤg, mit einem ſcharfen Meſſer ſo ge⸗ fuͤhrt, daß ſich die Rinde nicht abloͤſet. Die Seitenzweige werden alle weggenommen, ohne die Rinde zu verletzen. Die Stecklinge koͤnnen 8 bis 14 Tage vor dem Einpflanzen in das Waſſer gelegt, oder geſteckt werden, bei der Fruͤhjahrspflan⸗ zung, ſcheint dies ſogar ihrem Anwachſen zutraͤglich zu ſein. Doch duͤrfen ſie vorher eben ſo wenig austrocknen, als alle uͤbrigen Pflanzſtaͤmme. Man kann die Weidenwerder durch Stecklinge von Mitte Auguſt bis Ende April anlegen. Es iſt ſogar der fruͤhe Herbſt in Flußbetten, wo zu dieſer Zeit der niedrigſte Waſſerſtand iſt, diejenige Jahreszeit, welche am mehrſten zu empfehlen iſt, da das Gelingen der Pflanzung in derſelben, eben ſo ſicher iſt, als im Maͤrz oder April. Die Pappeln dagegen werden im Fruͤhjahre vor Ausbruch des Lau⸗ bes gepflanzt. Da man, um den Sand feſtzuhalten, und ſehr dichte Be⸗ ſtaͤnde zu erziehen, auch gleich ſehr dicht pflanzen muß, das Einſetzen einzelner Stecklinge dabei aber ſehr koſtbar werden wuͤrde, ſo waͤhlt man zur Bepflanzung der Flußbetten und Anhegerungen, zur Deckung abbruͤchiger Ufer gewoͤhnlich die ſogenannte Neſterpflanzung. Es werden dazu, reihenweis oder im Verbande, gewoͤhnliche Pflanzloͤcher von 1 bis 2 Quadrat⸗ — 415— fuß Groͤße, bis zur verlangten Tiefe ſo aufgegraben, daß ſie ſich nach unten zu etwas verengen und die Waͤnde etwa einen Neigungswinkel von 60 bis 70 Grad haben, um die Setz⸗ linge dagegen legen zu koͤnnen. In dies Pflanzloch werden 6 bis 8 Stecklinge ſo eingeſteckt, daß der ſchraͤge Abſchnitt behutſam, damit ſich die Rinde nicht abloͤſet, in die aufge⸗ lockerte Erde gedruͤckt wird. Man wirft dann den Sand in das Loch und tritt ihn etwas feſt. Die Setzlinge, welche zu einzelnen Staͤmmen, ſei es Kopf⸗ holz oder ausgewachſene Staͤmme, erzogen werden ſollen, ſetzt man auch einzeln ein. Die Pappeln zu Wegbaͤumen werden am beſten aus ein⸗ bis zweijaͤhrigen Zweigen, die nur zwei Zoll uͤber der Erde hervorſtehen, gezogen. Um zu verhuͤten, daß ſie nicht durch den Pappelbohrer, Ph. Bombyx Terebrai, beſchaͤdigt werden, welcher ſeine Eier am Stamme ablegt, wo dann die hervorkommende Larve ſich einfrißt, beſtreicht man ſie im dritten Jahre mit duͤnnem aufgeweichtem Lehme, und ſcheidet die bemerkbaren Bohrloͤcher vorſichtig aus, bis man das Inſekt erreicht. Iſt es ſchon bis auf den Kern gedrun⸗ gen, ſo bleibt nichts uͤbrig, als den Stamm dicht uͤber der Erde wegzuſchneiden, um neuen geſunden Ausſchlag zu erhal⸗ ten, denn die von dieſem Inſekte beſchaͤdigten Staͤmme tau— gen nicht zur Verſetzung. Zu den Kopfweiden werden etwa 2 Zoll ſtarke, 7 ½ Fuß lange Stangen genommen, welche 1½ Fuß in die Erde kom⸗ men, die aber nicht in die Erde geſtoßen werden duͤrfen, ſon⸗ dern in ausgegrabene Loͤcher geſetzt werden muͤſſen, ſo daß der Stamm uͤberall dicht umgeben iſt. Der obere Abſchnitt wird mit Thon oder Lehm uͤberklebt, und gegen Johannis muͤſſen die untern Ausſchlaͤge, welche zur Bildung des Kopfes nicht erforderlich ſind, weggenommen werden. Auf unguͤnſti⸗ gem trocknem Boden, an Wegen, wo das raſche Anwachſen der Kopfweiden zu wuͤnſchen iſt, wird es rathſam, die dazu zu benutzenden Staͤmme aus ſchwachen Stecklingen in Pflanz⸗ — 416— gaͤrten zu erziehen. Es wuͤrden nicht ſo viel vergebliche Pflanzungen gemacht werden, wenn man nicht, geſtuͤtzt auf das leichte Anwachſen der Setzſtangen, dabei oft zu wenig Sorgfalt anwendete. Von der Kieferpflanzung. Die Pflanzung der Kiefer, welche man fruͤher weniger anwandte, weil man ſie bei der langen Pfahlwurzel dieſer Holzgattung fuͤr unpaſſend hielt, iſt eben ſo ſicher, als die jeder andern Holzgattung, und vorzuͤglich auf trocknem Boden und zu Nachbeſſerungen zu empfehlen. Wo die jungen Pflanzen ganz ſicher ſtehen, koͤnnen ſie ſchon im erſten Jahre verpflanzt werden. Wo das Gras, der Flugſand, oder andere Hinderniſſe ihres Gedeihens zu fuͤrchten ſind, laͤßt man ſie 3 bis 5 Jahre alt werden. Groͤßere Pflanzen, welche ſchon mehrere Quirle angeſetzt haben, wachſen weniger gut, wenig— ſtens muß man ihnen, ſo wie der Eiche, durch mehrmaliges Verſetzen ſehr jung die Pfahlwurzel nehmen und ſie zur Ent⸗ wicklung vieler Seitenwurzeln zwingen, wenn man ſie mit Erfolg bei einer Hoͤhe von 2 Fuß und daruͤber verpflanzen will. Die ſicherſte Art der Verpflanzung iſt die mit dem Ballen, indem man ſie mittelſt des Pflanzbohrers ſehr tief aushebt. Sobald der Boden hinreichend feucht iſt, kann es beinahe zu jeder Jahreszeit geſchehen, doch waͤhlt man wegen des leichten Austrocknen des Sandes am liebſten das Fruͤhjahr oder den Spaͤtherbſt. Ganz vorzuͤglich wichtig iſt es ganz geſunde, wuͤchſige, im Freien erwachſene, einzeln ſtehende und deshalb recht ſtark benadelte Pflanzen zu waͤhlen. Selten findet man ſie in den Samenſchlaͤgen tauglich, und auch in den freien Saaten ſtehen ſie gewoͤhnlich entweder zu dicht, oder man will nicht gern Luͤcken machen. Die ſchoͤnſten Pflanzſtaͤmme erhaͤlt man unſtreitig, wenn man von lockerm und tiefgruͤn⸗ digem Boden einjaͤhrige Pflanzen aushebt und ſie in umgegra⸗ benenem friſchen Sand, in Reihen, 6 Zoll im Rechteck, von ein⸗ — 417— einander ſetzt, um ſie dann im 4ten oder 5ten Jahre in das Freie zu verpflanzen, wo ſie 3 bis 5 Fuß auseinander ge⸗ ſetzt werden koͤnnen. Von einer ſolchen gut behandelten Pflan⸗ zung werden ſelten, ſelbſt auf ſchlechtem Boden und bei trock⸗ nem Wetter, viel Staͤmme ausgehen, ſie iſt viel ſicherer, und darum auch gewoͤhnlich wohlfeiler, als die Saat. Die Fichtenpflanzung. Sobald die Fichte einzeln erzogen iſt und ſich ungehin— dert hat in Seitenzweige ausbilden koͤnnen, kann ſie auch ſo, wie die Kiefer, einzeln wieder verpflanzt werden. Wenn ſie jedoch in dichten Pflanzenhorſten erwachſen iſt, iſt man auch genoͤthigt, ſie in Buͤſcheln von 5 bis 8 Pflanzen zuſammen zu verpflanzen. Wollte man dieſe, gleichſam ineinander ge⸗ wachſenen kleinen Staͤmme voneinander reißen, um jeden einzeln einzuſetzen, ſo wuͤrden dadurch die in einander geſchlun⸗ genen Wurzeln verletzt werden, und der im dichten Stande unbenadelt gebliebene Stamm einer ſehr nachtheiligen Einwir⸗ kung der Sonne und Luft preiß gegeben ſein. Im milden Klima, auf nicht zu ſehr zum Verraſen ge⸗ neigtem Boden, pflanzt man die Fichte am beſten 3 bis 5jaͤh⸗ rig; zur Bepflanzung ſehr rauher Hoͤhen und bei ſehr ſtarkem Graswuchſe, laͤßt man ſie auch wohl 6 bis 10 Jahr alt wer⸗ den. Auch laͤßt ſich dieſelbe noch aͤlter mit Sicherheit ver⸗ pflanzen, wenn man die groͤßern Koſten nicht ſcheuet. Man wendet bei ihr immer mehr oder weniger die Bal— lenpflanzung an, indem man wenigſtens Sorge traͤgt, die zwiſchen den Wurzeln befindliche Erde zu erhalten. Wo die Buͤſchelpflanzung ſtattfindet, wird der ganze Pflanzenhorſt bis auf ſo viel, als noͤthig iſt, um den Saatplatz hinreichend be⸗ ſtanden zu erhalten, ausgehoben und mit der Hand in ſo viel Stuͤcke gebrochen, als daraus Pflanzenbuͤſchel gemacht wer⸗ den ſollen. Dieſe werden dann in 4, 5 bis öfuͤßiger Entfer⸗ nung in ein aufgehacktes Pflanzloch ſo eingeſetzt, daß ſie nicht, 27 — 418— oder nur ſehr wenig, tiefer zu ſtehen kommen, als ſie fruͤher geſtanden haben, und nur die Zwiſchenraͤume zwiſchen dem Balken und den Waͤnden des Pflanzloches gut ausgefuͤllt werden. Sollte das Gras der Pflanzung nachtheilig werden, ſo laͤßt man dieſelbe vorſichtig mit Rindvieh aushuͤten;— Scha⸗ fen oder beſchlagnem Zugviehe iſt jedoch der Eintritt in die Schonung nicht zu geſtatten. Die Pflanzzeit beginnt in den hoͤhern Gebirgen gewoͤhn⸗ lich zu Anfang September, und wird im Fruͤhjahre bis zum vollen Ausbruche des Maitriebes beendigt, was im Herbſte nicht gefertigt werden konnte. In den Vorbergen und Ebe⸗ nen wartet man jedoch bis Anfang Oktober, um die trockne Witterung voruͤber zu laſſen. Am zweckmaͤßigſten erzieht man die Fichtenpflanzen in Saatkaͤmpen, wo moͤglich auf dem kuͤnftig zu bepflanzenden Orte ſelbſt angelegt. Der Boden wird dazu moͤglichſt tief im Herbſte vor der Saat umgegraben oder gehackt, um das Gras ꝛc. darin zu vertilgen. Im Fruͤhjahre walzt man ihn feſt, und ſaͤet in Rillen, zwei Fuß auseinander, zur Buͤſchel⸗ pflanzung 30 bis 40 Pfund reinen Samen, um die Pflanzen einzeln zu verpflanzen, 10 bis 12 Pfund, in Rillen 6 bis 9 Zoll weit auseinander. Der Kamp muß nicht bloß gegen Tauben geſchuͤtzt werden, die den Samen aufleſen, ſondern auch gegen Finken, welche die jungen Pflanzen im erſten Jahre abbeißen. Im Juli und Auguſt wird das Unkraut zwiſchen den Pflanzen ſelbſt vorſichtig ausgezogen, zwiſchen den Rillen aber mit der Kartoffelhacke weggenommen. Wenn die Pflanzen im folgenden Fruͤhjahre durch Froſt aufgezogen ſein ſollten, druͤckt man ſie wieder an, und uͤberdeckt die Wurzeln mit ganz wenig Erde. Wenn die Pflanzen zwei Jahre alt ſind, beduͤrfen die dichtſtehenden keiner Reinigung mehr, und mit 3 bis 5 Jahren werden ſie ausgehoben, indem nur ſo viel ſtehen bleiben, als zu einer gut beſtandenen Pflanzung gehoͤren. — 419— Die Lerchenpflanzung. Bei der Koſtbarkeit des Samens, welche eine ſorgfaͤltige Behandlung der Saat rathſam macht, und weil es ſchwer iſt, die Lerche im Freien gegen Wild und Gras zu ſchuͤtzen, er⸗ ziehet man dieſe Holzgattung in der Regel in Pflanzkaͤmpen. Der Saame wird auf gut gereinigte Saatbeete geſaͤet, wobei man mit 10 Pfund vollkommen ausreicht. Bis zum Auf⸗ gehen des Samens muß der Boden feucht gehalten werden. Die einjaͤhrigen Lerchenpflanzen koͤnnen in Neihen geſetzt wer⸗ den, und ſind mit 3 bis 4 Jahren zur Auspflanzung am paſſendſten. Sowohl das Verſetzen im Pflanzgarten, als die Auspflanzung in das Freie, muß zeitig im Fruͤhjahre geſchehen. Vom Anbaue durch Abſenker. Unter Abſenker oder Ableger verſtehet man die zur Erde niedergebogenen und mit Boden bedeckten Zweige, welche da— ſelbſt Wurzel ſchlagen und fortwachſend zuletzt ſelbſtſtaͤndige Staͤmme bilden. Alle Holzgattungen beſitzen die Eigenſchaft aus den jungen Zweigen, wenn dieſe mit Erde umgeben wer⸗ den, Wurzeln zu entwickeln; und bei ſeltenen exotiſchen Hoͤlzern iſt es die leichteſte und gewoͤhnlichſte Art, Pflaͤnzlinge zu er— halten, daß ein Zweig durch einen mit Erde gefuͤllten, feucht gehaltenen Blumentopf gezogen wird, um ihn abzuſchneiden, nachdem er Wurzeln geſchlagen hat. Nicht bei allen Holzgat⸗ tungen und Betriebsarten ſind jedoch die Ableger im Großen zur Erziehung von Beſtaͤnden anwendbar, da theils der Wuchs des Holzes, theils die oft langſame Bewurzelung der Zweige, dieſe Methode der Fortpflanzung des Holzes nicht immer zu benutzen geſtatten, und man durch Saat und Pflanzung kuͤrzer zum Zwecke koͤmmt. Vorzuͤglich benutzt man die Ableger, um auf ſteinigem Boden, welcher der Bearbeitung viel Hinderniſſe entgegenſetzt, die eingehenden Mutterſtoͤcke im Niederwalde zu erſetzen, die 27* — 420— lichtwerdenden Beſtaͤnde darin zu verdichten, oder ſich in die⸗ ſem Pflanzſtaͤmme zu verſchaffen, wenn ſich der Erziehung derſelben aus Samen Hinderniſſe entgegen ſetzen. Unter die⸗ ſen Verhaͤltniſſen, und ganz vorzuͤglich zur Verdichtung der Niederwaͤlder in kurzem Umtriebe, ſind aber auch die Ableger gewiß die beſte, ſicherſte und wohlfeilſte Art des Holz— anbaues, welche man waͤhlen kann, und die nicht genug empfohlen werden koͤnnen. Am naturgemaͤßeſten ſind ſie bei Maſtbuchen, Hainbu⸗ chen, Ulmen und allen ſolchen Hoͤlzern, welche dicht auf der Erde liegende, ſich lange gruͤn erhaltende Zweige bilden, denn dieſe machen ſchon von Natur eine Menge Ableger, indem dieſe Zweige ſich bewurzeln, wenn ſie von dem abfallenden und verfaulendem Laube bedeckt, oder an den Bergen durch das herabſtroͤmende Waſſer mit Erde uͤberſchweift werden. Man darf hier der Natur nur einigermaßen zu Huͤlfe kom⸗ men, und auf die zur Erde niedergebogenen Zweige einige Schaufeln von Erde werfen, um ſtets neue geſunde Mutter⸗ ſtoͤcke im Niederwalde zu bilden. Schwieriger, aber deshalb nicht minder anwendbar, ſind ſie bei den Holzgattungen, welche gerade, ſtaͤmmige Schuͤſſe mit ſehr wenig Seitenzweigen bilden, wie der Ahorn, die Eſche, die Birke u. ſ. w., indem dieſe, vorzuͤglich wenn der hohe Stockausſchlag bloß in der RNinde ſitzt, nicht ſo gut nie⸗ dergebogen werden koͤnnen. Leichter iſt das Abſenken in Ha⸗ ſeln und Weiden, wo es ganz vorzuͤglich zu empfehlen iſt, da die langen, biegſamen Schuͤſſe dieſer Holzgattungen ſich leicht zur Erde biegen laſſen. Man kann die Ableger zu jeder Jahreszeit machen, je⸗ jedoch iſt das Fruͤhjahr, vor dem Ausbruche des Laubes, das zu am paſſendſten. Bei dem Abtriebe des Niederwaldes laͤßt man diejenigen Seitenzweige, welche ſich zum Niederbeugen zur Erde paſſen, ſtehen, und ſchneidelt ſie mit einem ſcharfen Meſſer ſo aus, daß — 421— daß nur die obern Zweigſpitzen daran bleiben. Doch kann auch ein ſtarker geſunder Seitenzweig ſtehen gelaſſen werden, um ihn mit einzulegen. Man hackt oder graͤbt dann ein 6 bis 8 Zoll tiefes Graͤbchen auf, in welches der Zweig einge⸗ legt und worin er mit Haken befeſtigt wird. Man umgiebt ihn uͤberall dicht mit Erde, bedeckt ihn 8 bis 10 Zoll hoch damit, und laͤßt nur die aͤußerſten Zweigſpitzen 6 bis 8 Zoll lang hervorſtehen, indem man ſie, uͤberall gut mit Erde ein⸗ gefuͤttert, mit Haͤkchen befeſtigt und, gegen Raſenſtuͤcke ge⸗ lehnt, ſo aufwaͤrts biegt, daß ſie wie kleine eingeſetzte Pflanz⸗ ſtaͤmme hervorſtehen. Sollten die niederzubiegenden Zweige oder Schuͤſſe zu ſtark ſein, um ſie niederlegen zu koͤnnen, ſo werden ſie halb durchgehauen, da ſelbſt die eingeſplitterte Stange noch gut fortwaͤchſt. Man kann auf dieſe Weiſe noch 3 Zoll dicke Stangen von nicht ſehr biegſamen Holze ſehr gut abſenken. Dieſe eingelegten Zweige, welche anfangs ihre Nahrung aus dem Mutterſtocke erhalten, ſpaͤter aber ſich bewurzeln, leiden weder durch Froſt noch Hitze; ſelbſt das Wild greift ſie weniger an, als Samenpflanzen, und man hat ſie nur gegen Verdaͤmmung durch den Stockausſchlag des Mutterſtockes zu ſichern, wenn ſie ſehr nahe an dieſem liegen. Sie koͤnnen entweder zum Erſatze des eingehenden und ſchlechtwuͤchſigen Mutterſtockes dienen, oder auch ſpaͤter als Pflanzſtaͤmme benutzt werden, wenn ſie hinreichende Wurzeln erhalten haben. 6) Von den Pflanzkaͤmpen. Schon aus dem Vorhergehenden wird ſich ergeben haben, wie in allen Faͤllen, wo ſich der Erziehung tauglicher Pflanz⸗ ſtaͤmme in Samenſchlaͤgen oder freien Anſaaten, Hinderniſſe entgegenſetzen, Einrichtungen getroffen werden muͤſſen, um dieſe durch ſorgfaͤltige Pflege und Beſchuͤtzung beſiegen zu koͤnnen. Man nennt einen dazu beſonders zugerichteten Platz, wo bloß ganz kleine Pflanzen aus dem Samen erzogen wer⸗ 28 422— den ſollen, die nochmals vor der Auspflanzung in das Freie verſetzt werden ſollen, einen Saatkamp, wogegen ein ſolcher Ort, wohin die kleinen Pflanzen verſetzt werden, um ſie unter gehoͤriger Pflege zu erziehen, ein Pflanzkamp genannt wird. Es iſt dabei zuerſt auf eine gute Auswahl des Orts, wo die Anlage erfolgen ſoll, zu ſehen. a. Hinſichtlich des Bodens. Er muß zum Saatplatze hinreichend kraͤftig, friſch und locker genug ſein, um nicht bloß das Aufgehen des Samens ſicher erwarten zu koͤnnen, ſon⸗ dern auch gutwuͤchſige Pflanzen mit vielen, nahe um den Stamm entwickelten Wurzeln, zu gewaͤhren. Den Pflanzkamp waͤhlt man gern von gleicher Beſchaf⸗ fenheit des Bodens, als die des kuͤnftig zu bepflanzenden Ortes iſt, um die Pflanzen zeitig an den fuͤr ſie beſtimmten Stand⸗ ort zu gewoͤhnen. Man vermeidet es in Stellen, welche die Bearbeitung des Bodens durch viele darin vorhandene Steine oder Wurzeln ſehr erſchweren oder koſtbar machen. Ein Bo⸗ den, welcher zum Auffiieren ſehr geneigt iſt, eignet ſich nicht zum Saatkampe, eben ſo wenig ein ſehr flachgruͤndiger oder quelliger. b. Die Lage muß moͤglichſt geſchuͤtzt gegen ſpaͤte Nacht⸗ froͤſte und alle nachtheiligen klimatiſchen Einwirkungen ſein. Wuͤnſchenswerth iſt es, den Pflanzkamp in der Naͤhe des zu bepflanzenden Ortes zu haben, um die Transportkoſten zu er⸗ ſparen und die Pflanzen gleich nach dem Ausheben wieder einſetzen zu koͤnnen. Doch darf deshalb der noͤthige Schutz gegen Wild und Weidevieh nicht mangeln. Bei Pflanzgaͤrten, welche ſehr viel Arbeit und Aufſicht verlangen, iſt es vortheil⸗ haft wenn ſie ſo gelegen ſind, daß der Forſtbediente, welcher ſie beſorgt, entweder nicht zu fern von ihnen wohnt, oder doch haͤufig in die Gegend derſelben durch ſeine uͤbrigen Geſchaͤfte gefuͤhrt wird. Da zum Feuchthalten der Saatbeete und zum Anſchlemmen und Angießen der Pflanzen oft Waſſer gebraucht wird, ſo iſt ſehr darauf zu ſehen, daß dies in der Naͤhe iſt. —— — 423— c. Bei der Bearbeitung muß alles dasjenige, was uͤber die Zubereitung des Bodens uͤberhaupt geſagt worden iſt, mit vermehrter Sorgfalt beachtet werden. Tiefe Auflockerung, dann oft wieder Feſttreten und Walzen des oben zu lockern Bodens, Bereitung eines guten Keimbettes, Vertilgung des Unkrautes, koͤnnen auf einem kleinen Flecke weit vollkommner bewirkt wer⸗ den, als auf großen Flaͤchen, und daß es geſchehe, liegt ſchon in der ganzen Idee der Einrichtung der Pflanzkaͤmpe. Wo die Verhaͤltniſſe es geſtatten, kann die vorhergehende zweijaͤhrige Benutzung des Bodens zum Kartoffelbau und Erziehung von Gartengewaͤchſen, bei denen die tiefe Auflockerung deſſelben er⸗ folgt, ſehr zur Erſparung der Koſten empfohlen werden. Außer⸗ dem muß der Saatplatz ſo tief umgegraben oder gehackt wer⸗ den, daß zwar der Raſen unten hinkoͤmmt und verfault, doch aber auch nicht todter Boden ſo tief oben aufzuliegen koͤmmt, daß der Same ein ſchlechtes Keimbette erhaͤlt. Fuͤr den Pflanz⸗ kamp iſt das tiefe Rajolen oder Umgraben, ſelbſt wenn dadurch der ſchlechtere Boden heraufkoͤmmt vortheilhaft, weil die Wur⸗ zeln der verſetzten Pflanzſtaͤmme ſchon tiefer gehen. Eine ſolche oberflaͤchliche Umarbeitung des Bodens, daß er bald wieder mit Unkraut uͤberzogen wird, traͤgt nichts zur Erſparung der Koſten bei, vermehrt dieſe eher oft noch, da das dann nothwendig werdende Reinigen gewoͤhnlich mehr koſtet, als das tiefere Umgraben. d. Die Eintheilung des Kamps geſchiehet ſo, daß lauter gleich große Beete oder Quartiere gemacht werden, und uͤber jedes eine gleich große Zahl von Samenrillen oder Pflanzen⸗ reihen gezogen werden. Es erleichtert dies die Ueberſicht der darin vorhandenen Menge von Pflanzen. Die Saat und Auspflanzung in Rillen und Reihen, iſt darum jeder andern Art der Vertheilung der Pflanzen vorzuziehen, weil dadurch die Reinigung und Bearbeitung des Bodens ſehr erleichtert wird, am beſten auf dieſe Weiſe der hinreichend raͤumliche Stand der Pflanzen geſichert werden kann, indem ſich dieſelben dann 28* — 424— wenigſtens hinreichend zur Seite auszubreiten vermoͤgen. Auch iſt die Zaͤhlung des Beſtandes dabei am leichteſten. e. Die Umzaͤunung muß ſehr verſchieden ſein, nach dem Zwecke den man dadurch erreichen will. Ein dichter Ruthen⸗ zaun ſchuͤtzt am beſten gegen kalte Nord⸗ und Oſtwinde, ein guter Palliſadenzaun haͤlt am laͤngſten, und ſichert am mehr⸗ ſten gegen Haſen, ein Lattenzaun reicht hin, hohes Wild ab⸗ zuhalten, ein Graben mit ziemlich ſteilen Waͤnden haͤlt Maͤuſe und Maulwuͤrfe am erſten ab. Hat man dieſe ſehr zu fuͤrch⸗ ten, iſt es noͤthig noch außerhalb, des zum Schutze gegen Wild und Weideviehes errichteten Zaunes, einen 2 Fuß breiten und tiefen Graben, auf der Sohle mit ſenkrecht geſtochenen Fang⸗ loͤchern verſehen, zu ziehen.— Oft entſcheidet aber auch nicht bloß die Nothwendigkeit des vollkommnen Schutzes allein, ſon⸗ dern auch das Fehlen oder das Vorhandenſein eines oder des andern Materials, verbunden mit der Zeit der Dauer, welche verlangt wird. Ein Fichtenkamp der mit 5 Jahren ausgeſto⸗ chen wird, kann einen leichten Zaun aus Fichtenſtangen, aus der Durchforſtung genommen, befriedigt werden, einen 20 Jahre lang zu benutzenden Eichenkamp, in welchem ganz ſtarke Pflanz⸗ heiſter erzogen werden ſollen, zaͤunt man vielleicht da, wo viele abſterbende ſpaltige Eichen ſind, die bloß wohlfeiles Brennholz geben, beſſer mit Eichen-Zaunplanken ein. Wo bloß der An⸗ lauf von Weidevieh abgehalten werden ſoll, genuͤgt vielleicht ein gewoͤhnlicher Schonungsgraben, oder ein lebendiger Zaun, von nicht zu ſchwachen eingeſtutzten Hainbuchen Pflanzheiſtern. f. Der Beſchuͤtzung der Saaten und Pflanzungen kann in den Kaͤmpen mehr Aufmerkſamkeit gewidmet, und dabei mehr Sorgfalt angewandt werden, als dies bei großen freien Kultu⸗ ren thunlich iſt. Gegen Duͤrre und Froſt, Aufleſen des Samens⸗ durch Voͤgel, ſchuͤtzt das Belegen der Saatbeete mit Reiſern. Bu⸗ chen und Ahorn ertragen auch eine Bedeckung von lockerm Laube, und ſtehen darin viel geſicherter. — 425— Bei kalten Naͤchten im Fruͤhjahre ſchuͤtzen Schmauchfeuer ſehr gegen Nachtfroſt. Man zuͤndet zu dem Ende feuchtes Holz und Laub an, und ſchließt den Luftzug ſo weit aus, daß es bloß ſchwelen, nicht in hellen Flammen aufbrennen kann, legt dieſe Schmauchhaufen auch ſo, daß der Rauch uͤber den Kamp wegziehet. Er ſichert bei windſtillem Wetter vollkommen. Durch Froſt aufgezogene Pflanzen, muͤſſen bei dem erſten Aufthauen wieder eingepflanzt werden. Wenn man viel Maͤuſe, welche Schaden thun, bemerkt, ſo laſſen ſich dieſelben in halb mit Waſſer gefuͤllten Toͤpfen, in welchen auf ein Stoͤckchen geſteckt, eine Speckſchwarte ſich befindet, wegfangen, indem man ſie in die Erde graͤbt. Maulwuͤrfe und Maulwurfsgrillen muͤſſen eben ſo wie in Gaͤrten vertilgt werden. 7. Von dem Betrage der Koſten der verſchiedenen Kulturarbeiten. Es iſt ſchon haͤufig verſucht worden, theils gewiſſe Saͤtze feſtzuſtellen, nach denen die Koſten der Saaten, Pflanzungen, Graͤbenziehungen, Verzaͤunungen u. ſ. w., berechnet werden ſollen, theils doch wenigſtens den dazu erforderlichen Zeit⸗ und Kraftaufwand zu ermitteln, um die Lohnſaͤtze demgemaͤß aus⸗ zuwerfen. Dieſe Berechnungen werden jedoch nie fuͤr alle Faͤlle paſſen, ſelbſt wenn man dabei auf das abweichende Tagelohn Ruͤckſicht nimmt. Der Boden iſt bald ſchwerer, bald leichter zu bearbeiten, der Kulturplatz iſt bald nahe, bald fern von der Wohnung der Arbeiter und der Stelle, wo die Pflanzen ſich befinden, die Arbeiter ſind bald mehr bald weniger geuͤbt, die Witterung iſt zuweilen guͤnſtig oft unguͤnſtig, und noch eine Menge anderer, oft ſehr zufaͤlliger Dinge, haben Einfluß auf die Koſten, welche der Holzanbau verurſacht. Um feſte Koſtenſaͤtze theils fuͤr den Verdung, theils zum Entwurfe von Kulturanſchlaͤgen zu erhalten, bleibt nur uͤbrig — 426— unter ganz gleichen Verhaͤltniſſen und ſtrenger Aufſicht, Pro⸗ bearbeiten verrichten zu laſſen, und dabei den erforderlichen Zeitaufwand bei einer zu verlangenden Kraftanſtrengung, zu ermitteln. Die nachfolgenden Saͤtze ſollen daher auch nur haͤufig als vorkommende Durchſchnittszahlen angeſehen werden, um we⸗ nigſtens einen allgemeinen Anhalt zu geben, keinesweges als uͤberall paſſend und anwendbar gelten. Sie ſind nach dem Zeitaufwande berechnet, wobei fuͤr die mehr Kraͤfte erfordern⸗ den Arbeiten, deren Verrichtung durch Maͤnner, fuͤr die wozu ſolche in einem geringern Grade verlangt werden, Weiber und ſtaͤrkere Kinder, vorausgeſetzt werden. 1) Verwundung des Bodens: a. 1 Morgen in ſchwerem Boden ganz umzupfluͤgen, 1 Tag fuͤr 2 ſtarke Pferde oder 3 Ochſen, wobei aber angenommen iſt, daß er ziemlich wurzelrein iſt. b. im Sandboden, wurzelrein ³ bis ½ Tag, zwei ſchwache Pferde oder 2 Ochſen, pro Morgen, Fahre um Fahre zu pfluͤgen. c. Zur Kiefernſaat reihenweis ſo zu pfluͤgen, daß die Fur⸗ chen 2 Fuß auseinander kommen, fuͤr ein gleiches Geſpann, 3 Tag pro Morgen. Im Verhaͤltniß der groͤßern Entfernung der Furchen von einander, vermindert ſich auch der noͤthige Zeit- und Kraftaufwand. d. Einen Morgen kreuzweis aufzueggen ¾ bis ½ Tag. e. Einen Morgen gepfluͤgtes Land zu uͤbereggen, ½ Tag. f. Einen Morgen in 2 Fuß breiten, 4 Fuß von einander entfernten Reihen, 6 Zoll tief, in wurzelreinem aber feſtem Bo⸗ den, aufzuhacken, 10 bis 12 Tagearbeiter. g. Einen Morgen mit Heidekraut bewachſen, in gleichen Reihen, jedoch die Bodendecke blos abgeſchaͤlt zu verwunden, 7 bis 8 Tage. h. Einen Morgen feſten Sandboden unbewachſen, in glei⸗ cher Art zu verwunden, 4 bis 5 Tage. i. Einen Morgen einen Spatenſtich tief zu umgraben in — 427— lockerm, wurzelreinem Boden, 16 bis 20 Tage, in feſtem Lehm⸗ boden, 24 bis 30 Tage. k. Platten 1—Fuß groß zu hacken pro Morgen, 3 Fuß Entfernung 6 bis 8 Tage, 4»„ 3» 4» 5»„ 2 ½ 2 2„ 6 2» 1 4» 2 2 bei kleinen Platten von ½ bis ½ ◻Fuß Groͤße: 3 Fuß Entfernung 3 bis 4 Tage, 4 s»„ 2„» 2 ½„ 1 1 5»„ 1¹„ 1 ½„ 6»» 4„—„ Bei ſehr verwachſenem Boden, wenn er ſehr ſteinig und voll Wurzeln iſt, kann jedoch der Arbeitsaufwand um ein Drit⸗ theil bis die Haͤlfte groͤßer ſein. 2) Das Ausſtreuen des Saamens. a. Einen Morgen mit Eicheln rillenweis zu beſaͤen, und dieſe zu bedecken, ½ bis Tag. b. Auf einem Morgen die Eicheln hinter dem Pfluge ein⸗ zulegen, ½ Tag. c. 1 Morgen Bucheln und Eicheln in Platten zu ſaͤen, und mit Erde zu bedecken, ½ bis ¾ Tag. d. Einen Morgen mit Eicheln und Kieferzapfen, in der Vollſaat zu beſtreuen ½ bis ½ Tag. e. Einen Morgen mit reinem Kiefer oder Birkenſamen zu beſaͤen, ½ bis ½ Tag. f. Einen Morgen in Platten bei 4fuͤßiger Entfernung mit Fichten oder Kiefern zu beſaͤen, ½ bis 1 Tag. g. 1 Morgen mit Kieferzapfen beſaͤet zu kehren, ¾ bis Tag. 3) Pflanzkoſten. Einen Morgen mit 3 bis 5jaͤhrigen Kiefern zu bepflanzen ſind noͤthig: t bei 3 Fuß Entfernung 10 ⅞ bis 13 ½ Tagarbeiten, „ 4»„ 5„ 7„ » — 428— bei 3 Fuß Entfernung 3 ½ »„ 6 2 ½ bis 4 Tadabeien, 3 Bei 4 bis 5 Fuß hohen Birken und Erlen ſteigt der Ar⸗ beitsaufwand um 3 bis zur Haͤlfte. Bei ſtarken Pflanzheiſtern kann ein Mann nicht mehr als 6 bis 8 Staͤmme ausheben, beſchneiden und einſetzen. 4) Bewaͤhrungskoſten. Ein Arbeiter fertigt an Schonungsgraͤben taͤglich: a. zu 2 Fuß Weite 2 Fuß Tiefe im Sandboden 5 bis 57 Rth. „ 2 b.» 3 3 „ 3 c.» 3 ½ 9 33 5 3 ½ 2 „ » „ 2 2 22 25 2 2 2¼ 24 23 23 23 2) 2 2 8 „ 5 2 2 2 2 » Lehmboden 4» 44 „ Sandboden 3 ½ » Lehmboden 3 » ſteinig. Bod. 1 ½ „» Sandboden 3 „» Lehmboden 2 ½ „ ſteinig. Bod. 1 „ 4 „ 34 „ 2 „» 3 ½ 3 „ 2½ „ 11 2 Bei ſehr ſtrengem Thonboden, oder wenn viel Wurzeln oder große Steine herauszuſchaffen ſind, kann auch haͤufig nicht ſo viel verrichtet werden. Ruthen⸗ oder Flechtzaͤune kann Ein Mann in Einem Tage, einſchließlich aller Handarbeiten I bis 1½ Ruthe anfertigen, wenn 2 Ruthen bei 3 Fuß Hoͤhe. Um die kuͤrzeſten Zaun⸗ oder Grabenlinien zu erhalten, muß man ſich mit den Schonungsflaͤchen ſtets ſo 8. als moͤglich, der Figur eines Viereckes naͤhern. ſie 4 Fuß hoch ſind, Berlin, gedruckt bei A. Petſch. h e e er eren Aeer zee ie 4— 2 A—— Shrmn , al AS