— Giessen 9 Ah Me. r eiunn SAKecfen, MWh. 7. Schriften Schleswig⸗Holſteiniſchen patriotiſchen Geſellſchaft. ——;⸗—— ——— Zweiter Band. ——— Heft III. Erſte Abtheilung. —⏑ʒÿ—————— Altona, dei Johaun Friedrich Hammerich. 18 20. Bemerkungen uͤber die Vortheile und Nachtheile, des mit der Bemergelung verbundenen Rapſaat⸗Baues, mit Bezug auf die dadurch bewirkte, Erhoͤhung des Ertrags, und Verminderung der Fruchtbarkeit des Bodens. Vom Freyherrn von Voght, veranlaßt durch Herrn Martens Abhandlung uͤber den Rapsbau und deſſen Anwendbarkeit auf der Geeſt. Altona, dei Johann Friedrich Hammerich. 1820. Ueber den Rapobau und deſſen Anwendbarkeit auf der Geeſt. Von J. D. Martens, zu Fahrenſtedt in Angeln. Mißbrauch hebt den Gebrauch nicht auf. — Ueber den Rapsbau und deſſen Anwendbarkeit auf der Geeſt. U die Mitte des vorigen Jahrhunderts wußte man in unſern Herzogthuͤmern noch nichts vom Napsbau auf der Geeſt. Vor etwa 60 Jahren ward ein Hol⸗ ſteiniſcher Bauer in der Probſtey Preetz durch einen Zu⸗ fall, den er ſehr verſtaͤndig zu benutzen wußte, mit dem Mergel bekannt, und machte durch ihn ſeine Laͤn— dereyen ſo fruchtbar, daß er nun auch den Rapsbau einfuͤhren konnte. Seine Nachbaren, durch den ihnen vor Augen gelegten guten Erfolg aufgemuntert, ahmten ihm das Mergeln und zum Theil auch den Rapsbah nach. Jenes ward in der Probſtey nach und nach ſo allgemein als dieſer haͤufig. Das Mergeln verbreitete ſich allmaͤhlich nicht nur uͤber ganz Holſtein, ſondern auch nach dem Schleswigſchen. Hie und da verſuchte man auch den Napsbau, doch fand er nie ſo viele A 2 Freunde — Freunde als in den zuletzt verfloſſenen 3, 4 Jahren. Seitdem betreibt man ihn nicht allein auf vielen Bauerhufen und kleinen Landſtellen, ſondern ſelbſt auf großen und kleinen Hoͤfen ſehr haͤufig, und hat daſelbſt den Raps in die regelmaͤßige Fruchtfolge aufgenommen. Mehrere Urſachen haben dazu beygetragen, ihn in der letzten Zeit ſo beliebt zu machen. Solche ſind: —— Erſtlich, ſein im Allgemeinen guter Ertrag waͤh⸗ rend der letztverfloſſenen 3, 4 Jahre. Freylich iſt die⸗ ſer groͤßtentheils der gehabten, ihm guͤnſtig geweſenen, Witterung zuzuſchreiben, jedoch zum Theil auch der er⸗ langten beſſern Bekanntſchaft mit ſeinem Anbau. Zweitens, die ſehr hohen Preiſe des Rapſaa⸗ mens waͤhrend gedachter Zeit. Sie und der erwaͤhnte 5„ gute Ertrag verſchafften ſeinen Freunden ſo auffallend 4 große Vortheile, daß ſelbſt Viele von denen, welche ihm fruͤher abgeneigt waren, ſich zur Nachahmung be⸗ quemten. Drittens. Die hoͤhere Stuffe, zu welcher der Ackerbau im Allgemeinen, namentlich durch das Mer⸗ geln, aber auch durch andere in der Landwirthſchaft gemachte Fortſchritte, erhoben iſt, geſtatten nun da den Rapsbau, wo fruͤher nicht an ihn zu denken war⸗ Unleugbar iſt, daß der Rapsbau ſeinen Freunden in den zuletzt verfloſſenen Jahren ausnehmend große Vortheile verſchafft hat; daß durch ihn ſehr anſehnliche Geld⸗ 5 Geldſummen in unſere Herzogthuͤmer gefloſſen ſind; daß er folglich dem Einzelnen wie dem Ganzen— dem Staate— von großen, nicht zu verkennenden ¹ Nutzen geweſen iſt; daß alſo ſeine Fortſetzung und wei⸗ tere Verbreitung wohl zu wuͤnſchen ſey. Er findet je⸗ doch, ſelbſt unter einſichtsvollen und ſehr geſcheuten Landwirthen, noch manche Gegner, die behaupten, der Raps werde, des verfuͤhreriſchen augenblick⸗ lichen Gewinnes wegen, gar haͤufig da angebaut, wo ſein Anbau nach richtigen und guten landwirth⸗ ſchaftlichen Grundſätzen nicht zu rechtfertigen ſey. Dar⸗ aus wuͤrden mit der Zeit, fruͤher oder ſpaͤter, nicht zu berechnende Nachtheile entſtehen, und man werde von der langſam und muͤhſeelig erreichten Stuffe einer beſſern Ackerwirthſchaft allmaͤhlig dermaaßen herabge⸗ ſetzt werden, daß die Nachkommen gerechte Urſache er⸗ hielten den fruͤhern Rapsbau zu verwuͤnſchen. Sie be⸗ gruͤnden dieſe ihre Behauptung, ſo wie uͤberhaupt ihre Abneigung gegen den Rapsbau auf Folgendes: 1. Der Raps ſauge, wie alle Oehlgewaͤchſe, z. B. Mohn, Hanf, Lein ꝛc. den Boden viel ſtaͤrker aus als Getreide. Vergleichende Verſuche, welche von ſehr ein⸗ ſichtsvollen Landwirthen daruͤber angeſtellt worden waͤ⸗ ren, haͤtten dies außer Zweifel geſetzt. Alles was nun A ſeit Jahren mit gutem Erfolge geſchehen ſey, den Acker in groͤßere Kraft zu ſetzen, werde jetzt, durch den zu ſehr uͤberhandnehmenden Rapsbau, wieder ruͤckgaͤngig gemacht, und wenn das ſo fortgehe, werde man ſich, in — 6 in kuͤrzerer oder laͤngerer Zeit, um mehrere Jahrzehende zuruͤckgeſetzt ſehn, ohne, wie damals, in dem Mergel eine Huͤlfsquelle zur ſo noͤthigen Vermehrung der Fruchtbarkeit des Vodens finden zu koͤnnen, weil er, auf die erſchoͤpften Laͤndereyen von neuem angewandt, das Uebel nur noch aͤrger machen wuͤrde. Dieſe Ausſaugung des Bodens werde 2. dadurch vermehrt, daß man mehrentheils Wei⸗ tzen, ſeltener Rocken, nach dem Raps baue, alſo zwey Fruͤchte in einem Umlaufe der Schlaͤge auf einander folgen laſſe, die beyde eines fetten, kraͤftigen Bodens beduͤrften. Indem nun zuerſt der Raps, hierauf aber der Weitzen, von der im Lande vorhandenen Kraft den zu ihrem guten Gedeihen erforderlichen Antheil nach Moͤglichkeit ſich aneigneten, und zwar in groͤßerer Menge als die uͤbrigen Getreidearten, nicht weniger im Miß⸗ verhaͤltniſee zu dem, was dem Boden an duͤngenden Stoffen zugewandt werden koͤnne: ſo liege zu Tage, daß eine große Entkraͤftung der Aecker die endliche trau⸗ rige Folge ſeyn muͤſſe. Der Ausſaugung des Bodens durch den Rapsbau werde aber 1 3. dadurch die Krone aufgeſetzt, daß bey ihm der Strohgewinn verlohren gehe, welchen der Anbau von Getreide verſchaffe. Mit dem Strohe verliehre man nicht allein einen Theil der Viehfuͤtterung, ſondern auch des ſo noͤthigen Duͤngers, und mit beyden die Mittel dem Acker auch nur das Gewoͤhnliche, geſchweige denn das — 4 das Mehrere was der Raps ihm entzogen habe, an Nahrungsſtoffen wieder zuzuwenden. Uuter dieſen Umſtaͤnden ſey es unmoͤglich den Laͤn⸗ dereyen ihre jetzige Fruchtbarkeit zu erhalten, und eine Verminderung dieſer unvermeidlich. 4. Der Anbau des Rapſes ſey mißlicher als den des Getreides, indem er leichter, nicht nur im Winter, ſon⸗ dern mehr noch im angehenden Fruͤhlinge, von ihm un⸗ guͤnſtiger Witterung leide, und dadurch oft alle auf ihn geſetzte Hofnung vernichte. Scharfe und harte Winter er⸗ trage er, in Ermangelung einer ihn ſchuͤtzenden Schnee⸗ decke, nicht ſo gut als Weitzen und Rocken, noch weniger aber im Fruͤhlinge die, mit taͤglichem warmen Sonnen⸗ ſcheine abwechſelnden, Nachtfroͤſte, auch werde er zuweilen vom Pfeiffer und anderem Ungeziefer verwuͤſtet. Wenn er nun. 5. nicht gut, doch nicht ſchlecht genug gerathe, um ſeine Anbauer zur Umackerung und Beſaamung des Lan⸗ des mit andern Fruͤchten zu bewegen: ſo naͤhmen Unkraͤu⸗ ter aller Art um ſo mehr uͤberhand, je fetter und frucht⸗ barer der Boden ſey; dieſer verwildere nun, und alle fol⸗ genden Saaten gedeihten ſchlecht. Endlich 6. treffe die Erndte des Rapſes haͤufig, ſeine Aus⸗ ſaat faſt immer mit der Erndte des Getreides zuſam⸗ men, und ſetze dadurch nur zu oft ſeine Anbauer in eine um deſto groͤßere Verlegenheit, je weitere Ausdehnung ſie dem 8 dem Rapsbau gegeben haͤtten. Zur naͤmlichen Zeit, wo die Gewinnung des Rapſes die Haͤnde aller Arbeiter, oder ſeine Ausſaat den groͤßten Theil dieſer und alle vorhandene Anſpannung erfordere, verlange das gereifte Getreide ſolche auch, und Ein's muͤſſe nun dem Andern dergeſtalt nach⸗ ſtehn, daß es ohne betraͤchtlichen Schaden nicht abgehn koͤnne. So weit die Gegner des Rapsbaues! Jetzt wollen wir auch die Freunde deſſelben hoͤren, denn die unpar⸗ theyiſche Erwaͤgung deſſen, was fuͤr und wider ihn ange⸗ fuͤhrt wird, laͤßt das Wahre und Richtige am leichteſten erkennen, und der Gegenſtand iſt fuͤr jeden Landmann ſo wichtig, daß es wohl der Muͤhe lohnt uͤber ihn auf's Reine zu kommen. Fuͤr den Rapsbau wird angefuͤhrt: 1. Wenn der Raps da angebauet werde, wo es mit wahrem Vortheile nur geſchehen koͤnne, und man dabey gehoͤrigermaaßen verfahre: ſo liefere er gewoͤhnlich von einer gleich großen Flaͤche wenigſtens eben ſo viele Ton⸗ nen reinen Ertrag an Koͤrnern als Weitzen und Rocken, bey guͤnſtiger Witterung und ſonſt ihm zuſagenden Umſtaͤn⸗ den ungleich mehrere. 2. Gut gerathen verſetze er den Boden in einen, der ihm folgenden Frucht aͤußerſt guͤnſtigen und vortheilhaften Zuſtand, bereite ihn fuͤr ſie auf's Beſte vor. Die Erfah⸗ rung lehre: daß der in Rapsſtoppel geſaͤete Weitzen und Rocken mehrentheils einen eben ſo guten, zuweilen gar einen 1 1 9 einen groͤßern Koͤrnerertrag lieferte, als wenn man dieſe Fruͤchte in reine Braache baue; daß ſie ſich in naſſen Jah⸗ ren nicht ſo leicht lagerten(welches weniger der vom Raps ſchon vorweggenommenen Kraft, als dem tiefern Pfluͤgen, welches er verlange, zu zuſchreiben ſey); und daß ſie an innerm Gehalte gewoͤnnen, die Koͤrner vollſtaͤndiger und ſchwerer, duͤnnſchaliger und mehlreicher wuͤrden. Indem der gut gerathene Raps dergeſtallt dem ihm folgenden Weitzen oder Rocken die reine Braache entbehr⸗ lich mache, und ſo der vortheilhafte Anbau zweyer koſtba⸗ rer Winterfruͤchte in einem Umlaufe der Schlaͤge moͤglich werde, vermehre er 3. ſeinen Anbauern die baaren Geldeinnahmen ſehr an⸗ ſehnlich, weil der Preiß des Rapſaamens immer dem des Rockens gleich komme, oft den des Weitzens uͤber⸗ ſteige. 4. Bey dem Rapsbau werde dem Landmanne ſeine jaͤhrliche Einnahme beſſer geſichert wie ohne denſelben, a. weil die Preiſe des Rapſaamens von denen des Ge⸗ treides ſo unabhaͤngig waͤren, wie die der Fettwaa⸗ ren von denen des Rapſaamens und Getreides; b. weil der Raps bey einer Witterung ſehr gut gedei⸗ hen koͤnne, die dem Weitzen und Rocken minder an⸗ gemeſſen ſey. Bey der groͤßern Mannigfaltigkeit in dieſer Hinſicht werde aber die Gefahr immer geringer, da man als Re⸗ gel 10 gel annehmen koͤnne: daß dann der Ausfall in einer Ein⸗ nahme durch die Vorzuͤglichkeit einer andern wieder aufge⸗ wogen und gut gemacht werde. 5. Durch das Mergeln und andere zweckmaͤßige Maaßregeln habe der Boden vielerwaͤrts, hauptſaͤchlich da, wo ſeine Beſchaffenheit an ſich vorher ſchon ſehr vorzuͤglich war, einen ſolchen Grad von Fruchtbarkeit erreicht, daß man in gewoͤhnlichen Jahren zu viel Lagerkorn, des Stro⸗ hes in Menge, aber der Fruͤchte verhaͤltnißmaͤßig zu we⸗ nige erhalte, und da ſey der Rapsbau wahres Beduͤrfniß. Das Mittel hoͤher achten als den Zweck ſey thoͤricht, und dies geſchehe wenn man unter ſolchen Umſtaͤnden immer noch auf groͤßere Fruchtbarkeit des Bodens hinarbeite, ohne je den Zweck— die Erzeugung mehrerer und beſſerer Fruͤchte— zu erreichen, als welcher nun durch den Anbau des Rapſes und aͤhnlicher Gewaͤchſe nur zu erlangen ſey, nicht aber dadurch, daß man immer noch bey einem Fruchtwechſel beharre, welcher mit der jetzigen Kraft des Landes nicht mehr in richtigem Verhaͤltniſſe ſtehe, Wo unter dieſen ebengedachten Umſtaͤnden der Raps angebauet werde, da treffe ihn 6. der Vorwurf nicht, daß er den Boden, theils weil er als Oelgewaͤchs ihn an und fuͤr ſich entkraͤfte, dann auch weil in dem Weitzen oder Rocken eine zweyte er⸗ ſchoͤpfende Frucht ihm folge, auf eine Weiſe ausſauge, die uͤber kurz oder lang von den nachtheiligſten Folgen ſeyn werde, denn a, ex⸗ 11 — a. erſchoͤpfe der Raps einen ſehr fruchtbaren und fetten Boden verhaͤltnißmaͤßig weniger, als einen ſol⸗ chen, der es nicht, oder im mindern Grade ſey, weil er jenem an befruchtenden Stoffen mehr wieder zuwende als dieſem, vermoͤge der mehreren, groͤßern und ſaftigern, im Winter abfallenden und vermodernden Blaͤtter; vermoͤge der groͤßern, nach der Aberndtung in der Erde zuruͤckbleibenden und daſelbſt verfaulenden Wurzeln; vermoͤge der Beſchattung, mit der er, von ſeinem erſten Wachsthume an bis zu deſſen Vollendung das Erdreich uͤberziehe, dadurch nicht nur verhin⸗ dere, daß kein Unkraut aufkommen koͤnne, ſon⸗ dern auch die Erzeugung von den Erdboden be⸗ fruchtenden Luftarten und deren Abſetzung in den⸗ ſelben veranlaſſe und beguͤnſtige, wohingegen dieſe Beſchattung bey, auf aͤrmeren Boden nur ſehr maͤßig gedeihenden Raps nicht allein mit ihren wohlthaͤtigen Wuͤrkungen wegfalle, ſondern auch das Unkraut ſich einſtelle, und den Acker, in Ge⸗ meinſchaft mit dem Raps, verhaͤltnißmaͤßig mehr erſchoͤpfe, ja ihn noch obendrein verwildere. b. Wuͤrde das treffliche Gedeihen des Weitzens, Rockens und aller uͤbrigen Fruͤchte nach gut gerathenem Raps, wohl nicht in dem Maaße Statt finden koͤnnen, wenn 12 weun er den Boden wuͤrklich ſo ausſauge wie be⸗ hauptet werde, und c. liefere der Boden an ſolchen Mitteln die zum Er⸗ ſatze der ihm, durch den Anbau von Fruͤchten, ent⸗ zogenen Kraft dienen koͤnnen, um ſo mehrere, je fet⸗ ter und fruchtbarer er ſey, woraus denn folge, daß man ihm verhaͤltnißmaͤßig auch ſo viel mehr zumu⸗ then duͤrfe. 7. Einen Ausfall im Stroh, folglich auch in der Viehfuͤtterung und dem Duͤnger, koͤnne der Rapsbau in keinem landwirthſchaftlichen Haushalte verurſachen, wenn man Behuf deſſelben nur keine der bisherigen Kornſaaten aufopfere, ſondern das Land dazu von der bisherigen Weide nehme. Obgleich dieſe dadurch vermindert werde, koͤnne dennoch faſt immer, vermoͤge zweckdienlicher Maaß⸗ regeln, die naͤmliche Anzahl Vieh beybehalten werden, in⸗ dem man z. B. die ſonſt den Sommer oder einen Theil deſſelben gegraͤſeten Pferde immer auf dem Stalle behalte, einen Theil des Rindviehes auf dem Stall fuͤttere u. ſ. w. Dann liege zwar das zum Rapsbau angewandte Land ein Jahr weniger zur Weide, und trage ein Jahr laͤnger Fruͤchte, das bisherige Verhaͤltniß des dem Ackerbau ge⸗ widmeten Landes zu dem der Viehnutzung beſtimmten werde alſo dadurch veraͤndert: allein keinesweges auf eine Weiſe, die nicht von Beſtand ſeyn koͤnne, wie das Beyſpiel anderer Laͤnder darthun, woſelbſt das alsdann eintretende Verhaͤltniß ſchon lange ohne alle Nachtheile Statt gefun⸗ den habe.— Uebri⸗ 4 Uebrigens ſey es unrecht das Rapsſtroh, wie bisher geſchehn, zu verbrennen und gar nicht zur Vermehrung des Duͤngers zu benutzen. Seiner holzigten Beſchaffenheit wegen eigne es ſich zwar bey weitem nicht ſo gut dazu als das Stroh von Getreide: allein brau chbar ſey es zu dem Ende doch, und auf die gehoͤrige Art damit ver⸗ fahren, koͤnne es wohl einigen Beytrag zum Duͤnger⸗ haufen liefern. 8. So mißlich ſey der Rapsbau auch nicht, wie fruͤ⸗ her, wo man mit ihm noch nicht ſo gut bekannt war, ge⸗ glaubt wurde. Waͤhle man nur keinen fuͤr ihn nicht paſſenden Boden, ackere tief und gut, laſſe es uͤberhaupt in keinem Stuͤcke an dem fehlen, was zum Gelingen deſſelben erforderlich ſey: ſo ſchlage er nicht oͤfterer fehl als das Getreide. Auch dieſes mißrathe zuweilen. In den letzten Jahren habe der Raps es dem in reine Braache geſaͤeten Rocken weit zuvorgethan, und dieſer im Gan⸗ zen kein gutes Gedeihen gehabt. Schlage der Raps aber auch zuweilen fehl: ſo ſey deſſen Umackerung und die Beſtellung des Landes mit andern Fruͤchten minder nachtheilig und ſchwierig, wie beym Getreide, theils weil die Ausſaat des Rapſaamens in Vergleiche zu der des Getreides einen geringen Werth habe, theils auch weil das Gelingen oder Fehlſchlagen des Rapſes ſich in der Regel zu einer Zeit beurtheilen laſſe, wo eine andere Beſaamung des Landes nicht nur leichter zu bewerk⸗ ſtelligen ſey, ſondern man auch unter mehreren Fruͤch⸗ ten waͤhlen koͤnne. In 14 In ſo zweifelhaften Faͤllen, daß man 9. nicht gut mit ſich einig werden koͤnne, ob eine Umackerung des Rapſes rathſam ſey oder nicht, waͤre wohl immer das Erſtere vorzuziehn, um das Land ge⸗ gen Verwilderung zu ſichern. Koͤnne man ſich aber dazu nicht entſchließen: ſo ſey durch nachmaliges wie⸗ derholtes und zweckmaͤßiges Pfluͤgen und Eggen die fehlerhafte Beſchaffenheit des Ackers zu verbeſſern. Daß endlich 10, die Erndte und Saat des Rapſes ſich mit den gewoͤhnlichen Erndtegeſchaͤften, bey der gehoͤri⸗ gen Umſicht, ohne den geringſten Nachtheil fuͤr dieſe vereinigen laſſe, lehre die Erfahrung zur Genuͤge. Pruͤfet man nun das, was vorerwaͤhntermaaßen wider und fuͤr den Rapsbau angefuͤhrt zu werden pflegt mit unbefangenem Sinn: ſo ergiebt ſich, daß er als von dauerndem Nutzen und Vortheile gebilliget und empfohlen werden kann: da, wo der Boden ſich fuͤr ihn eignet; das heißt: wo dieſer an und fuͤr ſich Weitzen und Gerſte zu tragen vermag; ſehr kraftvoll und fett iſt, ſo daß ſolcher in gewoͤhnlichen Jahren, bey der bisher uͤblich geweſenen Fruchtfolge zu haͤufig Lagerkorn erzeugt; nicht ſauer, naß und kaltgruͤn⸗ dig iſt; mindeſtens ein 4— 5 Zoll tiefes Pfluͤ⸗ gen geſtattet. Da, 15 Da, wo er weder den bisher gewoͤhn lichen Viehbeſtand, weder die bisherige Fuͤt⸗ terung fuͤr denſelben, noch den Duͤnger vermindert, alſo da, wo viel Wieſenwachs und deſſen Verbeſſerung es moͤglich machen, den Boden in derjenigen Kraft fortwaͤhrend zu erhalten, welche der Rapsban verlangt, imgleichen da, wo ſolche, bisher haͤufig vernachlaͤßigte, Maaß⸗ regeln genommen werden, welche auf die Ver⸗ mehrung eines kraͤftigen und guten Duͤngers hin⸗ wuͤrken, z. B. beſſere Zurathehaltung und Behand⸗ lung des Duͤngers; Benutzung der Miſtjauche und aller— bisher wenig geachteten— Gegen⸗ ſtaͤnde, welche zur Vergroͤßerung und Verbeſſerung des Duͤngerhaufens dienen koͤnnen; Sommerſtall⸗ fuͤtterung eines Theils des bisher gegraͤſeten Vie⸗ hes; Brannteweinbrennereyen, wo deren Anlage erlaubt iſt, u. ſ. w.— Da, wo man von den Eigenthuͤmlichkeiten des Rapsbaues nicht nur die noͤthigen Kenntniſſe hat, ſondern ſie auch mit umſichtiger Thaͤtigkeit gehoͤrig an⸗ wendet. Der groͤßere oder geringere Mangel dieſer Erfor⸗ derniſſe macht den Rapsbau, in kuͤrzerer oder laͤngerer Zeit, mehr oder weniger nachtheilig und ſchaͤdlich, mehr oder weniger unzulaͤſſig und verwerflich, wenn er auch fuͤr 16 fuͤr eine gewiſſe Zeit, unter gewiſſen Umſtaͤnden, demohnerachtet vortheilhaft genug ſeyn mag. Bey der Vereinigung vorgedachter Erforderniſſe darf man ihn aber ganz unbeſorgt und getroſt beginnen oder fortſetzen denn: Mißbrauch hebt den Gebrauch nicht auf. Bemerkungen uͤber die Vortheile und Nachtheile, des mit der Bemergelung verbundenen Rapſaat ⸗Baues, mit Bezug auf die dadurch bewirkte, Erhoͤhung des Ertrags, und Verminderung der Fruchtbarkeit des Bodens. Vom Freyherrn von Voght. De Wunſche der Schleswig⸗Holſteiniſchen patrioti⸗ ſchen Geſellſchaft gemaͤß, habe ich die kleine mit Um⸗ ſicht und Unpartheylichkeit verfaßte Schrift uͤber den Rapsbau und deſſen Anwendbarkeit auf der Geeſt, mit dem Motto:„Mißbrauch hebt den Gebrauch nicht auf“ mit Aufmerkſamkeit durchgeleſen. Meine unmaßgebliche Meinung daruͤber iſt folgende: Die dem Rapſaatbau vorgeworfenen Nachtheile ſind in ihrer Vollſtaͤndigkeit ganz gut dargeſtellt; die jene aufwiegenden Vortheile ſollten vielleicht mehr bedingt und beſchraͤnkt dargeſtellt werden, als hier geſchehen iſt. Ich bin indeſſen inſoferne mit dem Verfaſſer ein⸗ verſtanden, daß da, wo der Boden fuͤr Weitzen und Gerſte tauglich, ſo kraftvoll und fett iſt, daß er gewoͤhnlich Lagerkorn erzeugt,— nicht ſauer,— nicht naß,— nicht kaltgruͤndig iſt, und min⸗ deſtens ein 4 bis 5 Zoll tiefes Pfluͤgen geſtattet; da, wo dieſer Anbau weder den bisher gewoͤhn⸗ lichen Viehſtand; weder die bisherige Fuͤt⸗ B te⸗ 18 terung fuͤr denſelben, noch den Duͤnger ver⸗ mindert; da endlich, wo man von den Eigenthuͤmlichkeiten des Rapsbaues nicht allein die noͤthigen Kenntniſſe hat, ſondern ſie auch mit umſichtiger Thaͤtigkeit gehoͤrig an⸗ wendet,— der Rapſaatbau von wirklichem Nutzen ſeyn koͤnne; daß er beym Mangel dieſer Erforderniſſe durchaus ver⸗ werflich ſey, wenn er auch fuͤr eine gewiſſe Zeit unter gewiſſen Umſtaͤnden, einen baaren Geld⸗ vortheil abwirft.— 1 Vielleicht macht meine individuelle Erfahrung mich fuͤr die bedenklichen Folgen des Rapſaatbaues auf das Ganze einer Wirthſchaft zu ſehr beſorgt, wenn es mir ſcheint, als wenn der einſichtsvolle Verfaſſer jener Schrift, dasjenige was er uͤber die Nachtheile dieſer Kul⸗ tur ſagt, zu ſehr durch Hoffnung auf Verbeſſerung des Bodens und dahin gehende, aber ſchwerer, als es hier an⸗ gedeutet wird, auszufuͤhrende Vorſchlaͤge entkraͤftet. So daß dieſe Schrift mehr zur Empfehlung, als zur Warnung, geſchrieben erſcheinen moͤchte. Um meine Meinung zu rechtfertigen, werde ich die fuͤr den Rapſaatbau angefuͤhrten Gruͤnde nach einander durch⸗ gehen. 1.„Die Rapſaat liefert mindeſtens einen dem Weitzen gleichen Ertrag.“ Dies iſt ſo: Eine Koppel, welche 10 Tonnen Weitzen liefern wuͤrde, kann bey gehoͤriger Be⸗ . ſtel⸗ 19 ſtellung 11 Tonnen Rapſaat liefern. Wenn der Mitkel⸗ preis des Weitzens und der der Rapſaat auf 5 Rthlr. ge⸗ rechnet wird, ſo iſt beym Letzteren§ Rthlr. Vortheil pr. Tonne Landes, welche aber fuͤr groͤßere Erndtekoſten wieder abzuziehen ſind. Die Frage iſt nur, ob der baare Vortheil, welcher aus dieſer ganz gewonnenen und der damit verbundenen nach⸗ folgenden Weitzenerndte unwiederſprechlich entſtehet, nicht auf dem groͤßten Theil der Geeſtguͤter zu theuer erkauft werde! 2.„Der darauf folgende Weitzen trage eben ſo viel zu, und ſey von vorzuͤglicherer Eigenſchaft, als der in reiner Braache gebauete.“ Es iſt wahr, daß der Raps das Land trefflich zum Weitzen vorbereitet, und daß die darauf fol⸗ gende Weitzenſaat gewoͤhnlich recht gut geraͤth. Dies mag theils in einer, oft unerklaͤrlichen aber unleugbaren Eigen⸗ ſchaft gewiſſer Pflanzen liegen, durch ihre Vegetation die Nahrungstheile zu entwickeln oder die Dextur zu befoͤr⸗ dern, welche einer beſtimmten andern Pflanze zuſagt; theils aber auch liegt es darin, daß— da die Rapſaat noth⸗ wendig lockern und reinen Boden erfordert— der Land⸗ mann des hohen Ertrags wegen, den ihm die Rapſaat giebt, ein mehrmaliges und tieferes Pfluͤgen nicht ſcheuet,— auch baß, nach der fruͤhen Rapſaat⸗Erndte, der Boden noch zweymal zum Weitzen zu einer Zeit umgepfluͤgt wird, wo Luft und Licht gar ſehr auf das Land einwirken, wel⸗ ches dadurch beynahe eine zweyte Braache erhaͤlt, und deanach fruͤhe genug fertig wird, damit die Saat zur B 2 rech⸗ 20 rechten Zeit in die Erde komme. Daher wird außer der Kraftvermehrung des Landes durch die Braache(die auf 121 pCt. berechnet wird) der Rapſaat ſelbſt noch 6 ⅞ pCt. Krafterhoͤhung zugeſchrieben,— welches in der Wirkung auf die folgende Weitzenerndte mehr als richtig iſt; aber ja nicht auf die dann folgenden Halmfruͤchte ausgedehnt werden muß, weil die groͤßere Weitzenerndte nicht aus ei⸗ ner groͤßeren Bereicherung des Bodens entſteht, welche auf die folgenden Saaten fortwirken wuͤrde; ſondern aus einer erzwungenen Entwickelung der Kraft, die den Reich⸗ thum vermindert, indem ſie durch groͤßere Erndten den Bo⸗ den erſchoͤpft. Daß dieſer Weitzen aber ſo zutraͤglich ſey, als der nach reiner Braache geſaͤete, ſtimmt nicht mit meinen vieljaͤhrigen Erfahrungen uͤberein. Ich habe zwar uͤber⸗ haupt ſelten reine Braache, aber bey mir iſt der Wei⸗ tzen ſeit 7 Jahren immer in Einmal tief umgebrochenen oder auch halbgebraachten Klee, bey gleichem Grade der Fruchtbarkeit, zutraͤglicher geweſen. Auch ſchwerer und vollſtaͤndiger an Korn war ſtets dieſer Weitzen, ob er gleich darin noch von dem in reiner Braache gebaueten, uͤbertroffen werden mag.— Ich bin alſo weit entfernt, den auf Rap⸗ ſaat gebaueten Weitzen fuͤr vorzuͤglicher zu halten, und bin ſogar ſehr uͤberzeugt, daß er viel leichter iſt; be⸗ ſonders aber wenn zur Rapſaat gemergelt wurde. Der Unterſchied der Guͤte zwiſchen dem auf gemer⸗ gelten und nichtgemergelten Boden gewachſenen Weitzen, wird 21 wird beſonders auf dem Hamburger Markte gewuͤrdigt, wo der Holſteiniſche Weitzen, ſo wie das Mergeln zu⸗ nahm, immer tiefer, bey hohen Preiſen oft 15 Rthlr. fuͤr die Laſt, unter den Mecklenburger Weitzen geſunken iſt. Die Brauer geben 5 Rthlr. mehr pr. Laſt fuͤr Gerſte von nicht gemergelten Feldern. 3. gehoͤrt theils zu Nr. 1. und wird theils in den Bemerkungen zu Nr. 7. beruͤckſichtigt werden. 4. Es iſt wahr, daß die Witterung, die fuͤr den Weitzen unguͤnſtig iſt, der Rapſaat ſehr guͤnſtig ſeyu koͤnne, und daß die Preiſe des Rapſaamens gaͤnzlich un⸗ abhaͤngig ſind von denen des Weitzens; daß es aller⸗ dings ſehr vortheilhaft fuͤr den Landmann iſt, die Ge⸗ fahr des Mißwachſes, durch die Vertheilung derſelben, zu verringern, und ſich fuͤr ſeine Beſitzung einen gleich⸗ maͤßigen Durchſchnitts⸗Ertrag zu ſichern. 5. Ich gebe zu, daß da, wo der Boben fuͤr den Weitzen zu kraͤftig und zu reich iſt,(ſo daß doch nur Lagerkorn zu befuͤrchten waͤre) der Rapſaatbau ein zweckmaͤßiges Mittel ſey, ihn zu entkraͤften, ohne ihn fuͤr die folgende Weitzenſaat untauglich zu machen;— aber ſollte es der gluͤcklichen Landwirthe auf der Geeſt (denn in den Marſchen iſt dies beſtimmt der Fall, und daher der Rapſaatbau dort einheimiſch) wirklich viele geben, die ſich dieſer Ueberfruchtbarkeit zu ruͤhmen haͤt⸗ ten?— Es moͤchte wohl wenig Rapſaat auf der Geeſt gebauet werden, wenn ſtrenge auf dieſe Bedingung geſehen wuͤrde, und etwa das Lagerkorn nicht aus dem all⸗ 22 allzuflachen Pfluͤgen entſtuͤnde, wobey die Wurzel nicht tief genug in den Boden dringen kann, und die 2 bis — 2 ½ Zoll tiefe Oberflaͤche mit Duͤnger zu ſehr uͤberla⸗ den iſt. Nach meiner ſiebenjährigen Erfahrung muß ich auf mein Rapſaatfeld 11 bis 12 Fuder Duͤnger mehr pr. Tonne Land bringen, als auf mein Kartoffelfeld oder auf meine Braache, um eben ſo viel Weitzen in der darauf folgenden Erndte zu bauen, obgleich die Rap⸗ ſaatſtoppel den Vortheil hat, daß der Weitzen nach der⸗ ſelben fruͤher in die Erde koͤmmt, als nach den Kar⸗ toffeln. Ich darf daher nach meiner Erfahrung die Zweck⸗ maͤßigkeit des Rapſaatbauens nur dann zugeben, wenn die Koppel um 11 bis 12 Fuder Duͤnger pr. Tonne Landes zu fett fuͤr Weitzen iſt, oder wenn die gewoͤhnliche Beduͤngung in dem Verhaͤltniſſe vermehrt werden kann. 6. Ich habe oben ſchon geſagt, daß eine Pflanze die Eigenſchaft haben koͤnne, den Boden fuͤr eine an⸗ dere beſtimmte Pflanze trefflich zu bereiten, ohne daß man daraus auf eine Bereicherung des Bodens ſchlie⸗ ßen duͤrfe. Das weis jeder Landwirth, der verſchiedene Rotationen mit einander verglichen, und die Verſchie⸗ denheit der Einwirkung derſelben Vorfrucht auf ver⸗ ſchiedene Nachfruͤchte bemerkt hat. Aber daruͤber, ob die nach Rapſaat und Weitzen gehauter Gerſte und der darauf folgende Hafer nicht an 3 Stroh⸗ „—„ͤ—— 23 Stroh⸗ und Kornertrag bedeutend gegen die nach Braach⸗ weitzen gebaueten Erndten zuruͤckſtehn,— ob der unter dieſem Hafer geſaͤete Klee, eine eben ſo reichliche Weide giebt,— daruͤber ſollten die Erfahrungen ſorgfaͤltig ge⸗ ſammelt werden. Ich habe freylich dieſe Saatfolge nicht, und pflege meine Kleeſtoppel zu theilen. Die Haͤlfte traͤgt: Wei⸗ tzen,— Hafer,— Hafer;— die andere: ſtark ge⸗ duͤngte Rapſaat,— Weitzen,— Hafer. Dennoch iſt mein Hafer in der fuͤnften Saat in der Weitzenrota⸗ tion immer voͤllig ſo gut, als bey der Rapſaatrotation in der dritten, und auf keinen Fall wuͤrde ich es fuͤr nuͤtzlich halten, Kleeſaamen auf dieſen letzten zu ver⸗ wenden, den ich uͤberdies nie anders als auf ſehr fetten Boden, daher unter meine Winterſaat ſaͤe. Nach meiner Meinung iſt der Unterſchied der Weitzen⸗ Erndte nach der Braache oder nach der Rapſaat, minde⸗ ſtens Eine Tonne am Maaß und mehr noch nach dem Ge⸗ wicht; die darauf folgende Gerſtenerndte verliert 2 Ton⸗ nen; die beyden Hafererndten, ehe die Koppel wieder mit Klee zur Weide gelegt wird, verlieren zuſammen uͤber 6 Tonnen Hafer;— und die Koppel bleibt um ½ Theil ſchlechter zur Weide liegen; das heißt: ſtatt 100 Kuͤhe finden nur d0 dieſelbe Nahrung. Dabey faͤllt eine Wei⸗ dekoppel gaͤnzlich weg, falls nicht(wie allerdings raͤth⸗ licher iſt) eine Hafererndte aufgeopfert wird.— Die aus dieſen beyden Umſtaͤnden nothwendig wer⸗ dende Verminderung des Duͤngers, und der obige Koͤrner⸗ 44 ver⸗ 24 verluſt, wuͤrden ſchwerlich durch die Rapſaaterndte erſetzt werden. 7. Daß alles dieſes groͤßtentheils nicht zutrefſe, wenn dieſer Boden gemergelt worden, und durch die daraus ent⸗ ſtandene Krafterhoͤhung, ſtatt z. B. 6600= 800 0 Frucht⸗ barkeit und daruͤber erhalten haͤtte, hat allerdings ſeine Richtigkeit. Nur durch das Mergeln iſt der Rapſaatbau auf den Geeſtguͤtern moͤglich geworden, und es kann alſo eigentlich nur von ihm, in Verbindung mit dem Mergeln die Rede ſeyn. Die große Wirkung des reichhaltigen Kalkmergels auf den mehrſten Geeſtguͤtern, iſt dadurch erklaͤrlich, daß bey der Holſteiniſchen Koppelwirthſchaft die lange Dreeſchweide nebſt dem Braachduͤnger, dem Lande ſeit undenklicher Zeit ſo viele(mehr ober minder zerſetzte) Nahrungstheile fuͤr die Pflanzen gegeben hat,— daß dieſe durch das bloße Braachpfluͤgen nie haben gehoͤrig entwickelt werden koͤnnen. Dieſen lange geſammelten Schatz entwickelt der Mer⸗ gel, indem ſeine phyſiſchen und chemiſchen Eigenſchaften die Textur des Bodens dahin veraͤndern, daß Luft, Licht, Waͤrme und Feuchtigkeit theils die Aufloͤſung dieſer Nah⸗ rungstheile beſſer befoͤrdern koͤnnen, theils den Pflanzen ſelbſt mehr Nahrung geben. Der Mergel vermengt ſich nur langſam mit dem Boden, wirkt weniger im erſten Jahre, mehr im zweyten und am mehrſten im dritten und vierten Jahre. Fuͤhre man dann mit Cerealien fort, ſo wuͤrde die Wirkung des Mergels auf die Kornerndten jaͤhr⸗ 25 b V jaͤhrlich bedeutend abnehmen. Eben weil unvorſichtige b Landwirthe nicht darauf achteten, daß der durch den Mer⸗ b gel immer in Thaͤtigkeit erhaltene Boden nach und nach b allen ſeinen Reichthum verlieren muß, iſt das inſoferne wahre Sprichwort entſtanden:„daß das Mergeln reiche Vaͤter und arme Kinder mache.“ Wird aber nach der dritten Saat das Land in Klee gelegt, ſo bleibt der Einfluß des Mergels auf die Textur des Bodens fuͤr den Graswuchs ſo kraͤftig, daß— falls dem Lande die durch die vorigen ſtarken Erndten verurſachte Erſchoͤpfung im Duͤn⸗ ger wieder erſetzt worden iſt,— unter vortheil⸗ haften Umſtaͤnden, Eine Tonne Land zur Weide fuͤr eine Kuh zureicht, wenn vorher Eine und eine halbe Tonne noͤthig waren. Sonach bringt auch der Mergel auf die Rapſaat im erſten Jahre nicht die Wirkung hervor, die man bey ei⸗ ner hoͤheren Cultur von demſelben Grade des Reichthums erwarten koͤnnte. Der darauf folgende Weitzen giebt ſchon in einem groͤßeren Verhaͤltniſſ Die im dritten und vierten Jahre folgenden Gerſten⸗ und Hafererndten geben bedeutend mehr. Herr Iverſen) nimmt an, daß der Boden, der vor der Mergelung das *) Beytraͤge zur Kenntniß der Schleswig⸗Holſtei⸗ niſchen Landwirthſchaft und ihrer jetzigen . Verhaͤltniſſe, von Jacob Iverſen— Augu⸗ ſtenburg 1819— hey Steinacker in keipzig. 25 das 7te Korn Weitzen gab, nun das note giebt, das 8te Korn Gerſten⸗ ⸗ das 1öôte, das rote Korn Hafer ⸗ ⸗ das 14te Koru. Nun iſt es aber auch nicht minder wahr, daß die durch groͤßere Kraftentwickelung des Bodens vergroͤ⸗ ßerte Erndten, eine ſtaͤrkere Erſchoͤpfung bewirkt haben, und— da hier beſonders von den Wirthſchaften die Rede iſt, wo auf dem bemergelten Felde Rapſaat ge⸗ bauet wird, ſo bleibt es der ernſteſten Aufmerkſamkeit werth, zu unterſuchen, in wie ferne der mit der Mer⸗ gelung combinirte Napſaatbau, die Fruchtbarkeit des Bodens erſchoͤpfe. Es kommt hier eine, den Ertrag auf eine gewiſſe Reihe von Jahren ſehr vermehrende, dann aber den Acker in großer Entkraͤftung laſſende Bemergelung, mit einer, dieſe Entkraͤftung vermehrenden Kultur zuſammen. Wenn, wie ich glaube und von einigen Guͤtern weiß, es moͤglich iſt, dieſe doppelte Entkraͤftung dem Acker zu erſetzen, ſo moͤchte es doch ſehr wichtig ſeyn, uͤber die Umſtaͤnde aufs Reine zu kommen, durch welche dieſe Moͤglichkeit bedingt wird. Wenn ich die oben angefuͤhrten, durch Herrn Iver⸗ ſen angegebenen Thatſachen annehme, ſo giebt der Wei⸗ tzen nach dem Mergeln 3 Koͤrner mehr, die Gerſte g Koͤrner, der darauf folgende Hafer 4 Koͤrner. De 27 Da auf die Tonne Landes:*) Weitzen etwa eine Tonne geſaͤet wird, ſo macht dies fuͤr 250—R.— 3 Tonnen mehr, a 5 kleine Hpt. pr. Tonne— 15 Hpt.; pr. 100 OR. alſo 6 Hpt.; Gerſte wird gleichfalls 1 Tonne geſaͤet; macht fuͤr 8 Koͤrner 8 Tonnen mehr= 40 Hpt., pr. 100 OR. 16 Hpt.; Hafer wird 1 ½ Tonne pr. T. geſaͤet; 4 Koͤrner machen alſo hier 6Tonnen= 30 Hpt, pr. 100R. 12 Hpt. Die ate Hafererndte faſt eben ſo vierl 10 Hpt. Die Erſchoͤpfung des Bodens durch einen auf 100.R. geerndteten Himpten Weitzen auf 4½0 gerechnet, giebt fuͤr 6 Hpt... zo Erſchöpfung, fuͤr Gerſte auf 0 gerechnet, giebt fuͤr . 16 Hpt.*.* 6 6 2 fuͤr Hafer auf 40 gerechnet, giebt fuͤr 12 Hpt... 35 ⸗ die 2te Hafererndte giebt fuͤr 10 Hpt. 210„ Dieſe 14 ½° Erſchoͤpfung zu erſetzen, bedarf es, da die Wirkung eines 4ſpaͤnnigen Hoffuders Duͤnger fuͤr 100 OR. zu 30 Reichthum angenommen wird, 4 ½ Fu⸗ der Duͤnger, oder fuͤr die Tonne 12 Fuder. Koͤmmt nun noch eine Rapſaaterndte hinzu, die 189 Reichthum 4 pr. ) Da meine Erfahrungen alle nach 100 Q. berechnet ſind, ſo habe ich zuerſt alles auf die von mir angenommenen Verhaͤltniſſe vom Hpt. zu 100 QR. redueiren muͤſſen: dann aber das Reſultat im Verhaͤltniß mit dem Tonnenmaaß angegeben. 28 pr. 100 OR. auszieht,“) ſo bleibt dagegen Eine Ha⸗ fererndte gaͤnzlich weg, die wir, auf das 14te Korn, alſo à 3 Hpt. Einſaat pr. 100 R. auf 42 Hpt. und à 40 Erſchoͤpfung pr. Hpt. auf 10 ½ gerechnet haben. An die Stelle des Falgehafer tritt eine Dreeſch⸗ hafererndte**) ein, die faſt um die Haͤlfte weniger traͤgt und erſchoͤpft= 50. Wuͤrden dieſe 150 erſparte Er⸗ ſchoͤpfung von der durch die Rapſaat verurſachten Er⸗ ſchoͤpfung von 180 abgezogen, ſo bleibt eine vermehrte Erſchoͤpfung von 2 ½ pr. 100 R.; mit obigen 14 ¾ alſo 170= nahe an 6 Fudern Duͤnger pr. 100 OR. oder 15 Fuder pr. Tonne Landes.**) In dieſem Falle alſo wuͤrde das Land waͤhrend dieſer Rotation „ 15 Fuder außerordentlichen Duͤnger pr. Tonne Landes beduͤrfen, um durch das mit dem Rapſaatbau combi⸗ nirte Mergeln nicht an Fruchtbarkeit verlohren zu ha⸗ ben. Nun tritt aber hier der Fall ein, daß grade durch den Mergel die Dreeſchweide der Koppel einen bedeutenden Erſatz an Reichthum gewaͤhrt, theils weil der dichtere Gras⸗ wuchs den Boden aus bekannten Urſachen fetter macht, theils ’*) Nach meiner Erfahrung zieht die Tonne Rapſaat auf 100 QR., 40 Reichthum aus. Dies macht auf die ange⸗ nommene Erndte von 11 T. pr. 250 QR.= 180. **8) Eine Erndte die nach dem letzten Weidejahre vor der Braache genommen wird. ***) Es iſt hier nicht der Ort, meine, durch Jjaͤhrige Erfahrun⸗ gen, in ſo ferne es meine Felder betrifft, gerechtfertigten Grundſaͤtze, und die bey ihrer Anwendung befolgte Methode darzulegen. Ich muß alſo bitten, obige Beſtimmungen einſt⸗ weilen anzunehmen. Ueber die Methode ſelbſt werden die angehaͤngten Tabellen Beyſpiele geben. 29 — theils weil das um die Haͤlfte vermehrte und beſſer genaͤhrte Vieh, der Koppel ſo viel mehr Duͤnger zuruͤcklaͤßt. Theorie und Praxis ſtimmen darin uͤberein, daß dieſes waͤhrend der 4 Dreeſchjahre mindeſtens 60 Reichthum= 2 Fuder Duͤnger pr. 100 QR. verſchafft. Dieſes macht pr. Tonne 5 Fuder, und reduzirt dieſe 15 Fuder auf 10 Fuder, welche nothwendig ſind, um die durch Mergel und Rapſaatbau verurſachte Erſchoͤpfung zu erſetzen.— Es bleibt nun zu unterſuchen, in wie ferne das Mergeln den Stroh⸗ und Duͤngerertrag vermehre, und den Eig⸗ ner in den Stand ſetze, dem Boden dieſe Erſchoͤpfung zu verguͤten. Es iſt gewiß, daß der Mergel mehr noch auf das Stroh, als auf den Koͤrnerertrag wirket, und daß wohl angenommen werden kann, daß da, wo er den Koͤrner⸗ Ertrag um ¼ Theil erhoͤhet, der Strohertrag ſich um 4 Theil(vielleicht um das Doppelte) vermehrt. Wenn man nun dazu rechnet, daß durch das kraͤftiger ge⸗ naͤhrte Vieh die Weiden ſtaͤrker geduͤngt werden, daß die groͤßere Anzahl von Pferden, die bey der Mergel⸗ wirthſchaft gehalten werden muͤſſen, im Stalle ſtehen, und daß die Anzahl der Kuͤhe ſich im Verhaͤltniß der kraͤftigeren Weide und des vermehrten Strohfutters, ver⸗ groͤßern kann,— ſo moͤchte dadurch wohl ſo viel Duͤnger gewonnen werden koͤnnen, daß der 3ten Saat die Haͤlfte des gewoͤhnlichen Braachduͤngers gegeben werden koͤnne. Daß dies wirklich geſchehen ſey, iſt mir von einem Gute in Mecklenburg bekannt, welches aber freylich einen ſchweren fetten Weitzenboden hatte, . auf 30 auf welchem der Weitzen nach dem Mergel ſich ſicher⸗ lich gelagert haben wuͤrde. Dieſes Gut wird in 9 Schlaͤ⸗ gen bewirthſchaftet, und veraͤnderte nach dem Mergeln ſeine Rotation auf folgende Weiſe: Vor dem Mergeln: nach dem Mergeln: 1 Braache mit 15 Fuder 1 Braache mit 15 Fuder Duͤnger pr. Tonne Duͤnger pr. Tonne 2 Weitzen 2 Rapſaat 31 3 Gerſte 3 Weitzen u 4 Hafer 4 Gerſte geduͤngt, mit 7½ Fuder 3 Hafer 5 Klee(Weide nach dem erſten Schnitt) 6 Dreeſch 6 Dreeſch 7 dito 7 dito 8 dito 8 dito 9 dito 9 Hafer. Seit 6 Jahren wird dieſe Wirthſchaft gefuͤhrt, und ſeit 4 Jahren wird der Viehſtand jaͤhrlich um 5 bis 6 pCt. vermehrt, dieſer kraͤftiger genaͤhrt und mehr Pferde gehalten. Nach vollendeter Rotation koͤnnte viel⸗ leicht die Zahl der Kuͤhe um die Haͤlfte vermehrt ſeyn.“) In den erſten Jahren wird es freylich ſehr ſchwer, die Bedingung der 4ten Saat moͤglich zu machen, ehe der *) Seit dies geſchrieben war, ſcheinen ſich auch auf dieſem Gute die Schwierigkeiten gemehrt zu haben, wozu wohl die Duͤrre der vorigen Jahre beygetragen haben mag; der Be⸗ ſitzer iſt entſchloſſen, den Rapſaatbau aufzugeben. Selbſt die beſſern Landwirthe vergeſſen nur gar zu leicht, daß ſie bey ihren Erwartungen uͤber den Erfolg ihrer Verbeſſe⸗ rungsplaͤne auf eine ununterbrochene Reihe guͤnſtiger Um⸗ ſtaͤnde rechneten. 2 31 der Strohertrag ſich wirklich vermehrt und die Weiden ſich verbeſſert haben. Wenn die Naͤhe der Staͤdte oder der Marſchen nicht den Ankauf des Futters oder Duͤngers geſtattet, wird es ſchwerlich durch die aͤußerſte Oeconomie beym Futter und durch die Beweidung einiger Wieſen, bin⸗ nen den erſten 5§ Jahren, bis dahin gebracht werden koͤnnen. Aber ſelbſt in dieſer gücklicſten Vorausſetzung wer⸗ den ſchwerlich mehr als ½ des Duͤngers gewonnen wer⸗ den koͤnnen, der zum Erſatz der Erſchoͤpfung noͤthig iſt, und nach vollendeter Rotation wird das Land um et⸗ was aͤrmer ſeyn, als es vorher war.*) Mit der baaren Einmahme wird es folgendermaa⸗ ßen ſtehen: Mit Rapſaat: 1 Braache mit 15 bis 16 Fuder geduͤngt 2 11 Tonnen Rapſaat à 5 Rthlr. 55 groͤßere Erndtekoſten— 5 2 3 10 Tonnen Weitzen à 5 Rthlr.... ⸗ 50 4 16 Tonnen Gerſte(mit 7 bis 8 Fuder Daͤnger) 4 3 Reblr...... ⸗ 48 d5, 6, 7, 8 Klee und Weidee„„ 9 10 Tonnen Hafer à a Rthlr.„„ 20 Koͤrnerertrag einer Tonne Landes: Rthlr. 168 Ohne *) Beſtimmter, und ſo viel als moͤglich iſt, in Zahlen ausge⸗ druͤckt, wird ſich dieſes aus den Tleehanstem Tabellen er⸗ geben. 32 Ohne Rapſaat: Braache mit 15 bis 16 Fuder Duͤnger 10 Tonnen Weitzen à 5 Rthlr... Rthlr. 50 16 Tonnen Gerſte à 3 Rthlr.„⸗ 48 21 Tonnen Hafer à 2 Rthlr....„ 42 20 Tonnen Hafer(mit 7 bis 8 Fuder Dünger).....„ 0 6, 7, 8, 9 Klee und Weide„— Koͤrnerertrag einer Tonne Landes: Rthlr. 180 G d Sollte Herr Iverſen*) auch die Hafererndte nach dem Mergeln etwas uͤbertrieben haben, ſo erhellet wenigſtens aus dieſer Zuſammenſtellung, daß ſo lange Weitzen und Rapſaat in demſelben Preiſe ſtehen, fuͤr den baaren Ertrag bey dem Rapſaatbau ſchwerlich Vortheil ſeyn koͤnne;— anders iſt es ſrey⸗ lich, wenn, wie in den letzten Jahren, die Rapſaat 2 bis 3 Rthlr. pr. Tonne mehr(welches 22 bis 33 Rthlr. pr. Tonne Landes ausmacht) gegolten hat, wozu noch der Vortheil koͤmmt, daß eine bedeutende Summe auf Einmal und um einige Jahre fruͤher dem Beſitzer zu Gute koͤmmt, der die Koſten des Mergelns zu tragen hatte. 8. Mißlich bleibt die Rapſaaterndte immer; der Wurmfraß gleich beym Aufgehen der Saat; eine Duͤrre, die *) Deſſen Autoritaͤt ich ſehr hoch ſtelle, und deſſen Angaben ich durchaus angenommen habe. 33 ———— die oft das Aufgehen der Saat ſo lange verhindert, daß die Pflanze bey zunehmender Naͤſſe nicht ſtark ge⸗ nug in den Winter koͤmmt; Naͤſſe waͤhrend des Win⸗ ters; Kaͤlte im Fruͤhjahr; ſpaͤter Froſt; der Wurm, der kurz vor der Erndte im Stengel ſich zeigt,— zer⸗ ſtoͤren im Durchſchnitte unter 4 Erndten Eine, der un⸗ guͤnſtigen Witterung beym Beſtauden, Bluͤhen und bey der Erndte hier nicht zu gedenken, weil dieſen Unfaͤllen auch jede andere Frucht unterworfen iſt. Man ſollte jedes Rapſaatfeld unterpfluͤgen, welches nicht 10 Tonnen Saat pr. Tonne Landes verſpricht. Freylich kann dieſes fruͤhe genug geſchehen, um das Feld mit einer andern Sommerſaat zu beſtellen. Bey einem gebraachten und ſtark beduͤngten Acker aber, wo noch obendrein die Rapſaatpflanzen unterge⸗ pfluͤgt werden, giebt dieſes ſicherlich Lagergerſte, und dieſe iſt ein aͤrmlicher Erſatz fuͤr eine Erndte, an welche man die Braache und ſo vielen Duͤnger gewandt hat. Aus dieſer naͤheren Beleuchtung der fuͤr den Rap⸗ ſaatbau auf der Geeſt angefuͤhrten Gruͤnde, ſcheinen mir folgende Reſultate hervor zu gehen: 1. Die Rapſaat traͤgt eben ſo viel baare Ein⸗ nahme, als der Weitzen an Koͤrnern traͤgt, wenn beyde denſelben Preis gelten; wogegen aber der groͤßere Werth des Weitzenſtrohes gerechnet werden muß. 2. Der darauf folgende Weitzen traͤgt eine groͤßere Erndte, als die welche der Reichthum des Bodens zu C er⸗ 34 erwarten berechtigte, obgleich etwas weniger und von etwas minderem Gewichte als nach einer gut beſtellten Braache. 3. Die Rapſaat kann gerathen, wenn der Weitzen mißraͤth, und alſo durch deſſen Bau die Gefahr des Verluſtes durch Mißerndten vermindert werden. 4. Die Rapſaat erſchoͤpft den Boden aber ſo ſehr, daß die auf den Weitzen folgenden Erndten bedeutend geringer werden, und die Koppeln um* Theil ſchlech⸗ ter zur Weide liegen bleiben;— Der Bau iſt alſo nur da anzurathen, wo der Boden, wie in den Mar⸗ Heen ſchen, fuͤr den Sachweitzen viel zu geil iſt, oder wo hnman die Erſchoͤpfung mit 10 bis 12 Fuder außeror⸗ dentlich angeſchaften Duͤnger zu erſetzen im Stande iſt. (Siehe Bemerkung ad 5 u. 6.) 5, Daher iſt(mit geringen Ausnahmen) nur auf den Geeſtguͤtern, welche gemergelt haben, der Rapſaat⸗ bau moͤglich geworden; bey uͤbrigens gutem Boden iſt dann durch die ſo ſehr vermehrte Fruchtbarkeit, die Haͤlfte mehr an Kornertrag— faſt noch Ein⸗ mal ſo viel Stroh gewonnen worden und durch Aufopferung einer Hafererndte hat der Viehſtand bedeutend vermehrt werden koͤnnen.(S. Bemerk. ad 7.) 6. Selbſt bey der vortheilhafteſten Rotation ver⸗ ſchafft dieſes doch nur drey Viertheile des Duͤngers, der zum Erſatz der durch das Mergeln und den Rap⸗ ſaatbau verurſachten Erſchoͤpfung noͤthig iſt. Kann aber 35 aber auch dieſe Duͤngung beſchafft werden, ſo wird das Land nach vollendeter Rotation dennoch um Einige pCt. aͤrmer, als es vor Anfang der Rotation war. 7. Daher macht der Rapſaatbau nur dann das Land nicht aͤrmer und iſt nur dann anzurathen, wenn, theils durch die reicheren Erndten und die verbeſſerte Weide, oder durch Anſchaffung von Außen, die gewoͤhn⸗ liche Duͤngung von 15 Fudern pr. Tonne Landes um 10 Fuder vermehrt werden kann, die theils zur Ger⸗ ſtenſaat, theils beym Aufbruch der Dreeſch, auf das Land gebracht werden. 8. Was den baaren Ertrag ünbelangt, ſo wird, falls dem Rapſaatbau Eine der zwey Hafererndten auf⸗ geopfert, und— um die Guͤte der Weide nicht zum Schaden der Wirthſchaft zu ſehr zu ſchwaͤchen— ſtatt des Falgehafer eine Dreeſchhafererndte genommen wird, der Rapſaatbau,(wenn Rapſaat⸗ und Weitzenpreiſe gleich ſind) zwar eine augenblickliche ſtarke Einnahme geben, aber nach Ablauf der Rotation die baare Ein⸗ nahme um 12 Rthlr. pr. Tonne vermindern;— gilt die Tonne Rapſaat einen Rthlr. mehr als die Tonne Weitzen, iſt die Einnahme dieſelbe; bey jedem Thaler aber, den die Rapſaat mehr gilt, entſteht allerdings ein baarer Vortheil von 11 Rthlr. pr. Tonne Landes. 9. Wenn man ſich zu der viel ſchaͤdlicheren Auf⸗ opferung einer Weidekoppel entſchließt, iſt der baare Ertrag zwar groͤßer, naͤmlich: C 2 1 — Rthlr. 2 Napſaat 5o ⸗ Weitzen.. 50—⸗ Gerſte 48 Hafer 16... 33 ⸗ Dreeſch— Hafer 8 Tonnen 16 ⸗ 87 O 197 Rthlr. alſo 29 Rthlr. pr. Tonne mehr;*) aber dagegen hat das Gut ¼ Theil Weideland weniger, und die uͤbrigen 4¼ Theile ſind um* Theil ſchlechter, ſo daß ſtatt einer Vermehrung des Viehſtandes um die Haͤlfte, eher eine bedeutende Verminderung zu erwarten, und die volle Unmoͤglichkeit da iſt, zu der noͤthigen ſupplementariſchen Duͤngung zu rathen, deren ungeachtet das Land wieder um*¼ Theil ſchlechter zur Braache koͤmmt, als bey der andern Rotation, welches alles denn ſo ein Gut voͤllig zu Grunde richten muß.(S. Tabelle Nr. 3.) 10. Daraus erhellet endlich, daß es ſelbſt fuͤr den umſichtigen Landeigner gefaͤhrlich iſt, ſich durch jene großen baaren Hebungen zu dem mit Mergeln verbun⸗ denen Rapſaatbau zu entſchließen, ob er gleich alle Um⸗ ſtaͤnde genau erwaͤgen und bey Zeiten einhalten kann, wenn der Boden nicht ſeine erhoͤhete Frucht⸗ barkeit durch die, den oben angefuͤhrten gleichkommenden Erndten beweiſet; wenn dieſe *) Vergleiche mit der Berechnung pag. 31. — 37 dieſe*) groͤßeren Erndten und die ver⸗ beſſerte Weide die noöoͤthigen 10 Fuder Duͤn⸗ ger pr. Tonne Landes nicht verſchaffen, oder dieſe nicht außer der Wirthſchaft an⸗ geſchafft werden koͤnnen. Um ſo mehr iſt es unraͤthlich, ſelbſt gegen eine bedeutende Erhoͤhung der Pacht, beydes, das Mergeln und dem Rapſaatbau dem Paͤchter zu erlauben, der nur jenen baaren Vortheil ge⸗ winnen, und dann dem Eigner das Land um mehr als* Theil ſchlechter zuruͤckgeben wuͤrde, als er es er⸗ halten hat. Im Aprilmonat 1819. Freyherr von Voght. *) Wohl zu bemerken; daß dieſe reichlichen Erndten wirklich wie oben angenommen worden, das note Korn Weitzen, das 16te Gerſten, das 14te Hafer geben müͤſſen. Auf den verbeſſerten Koppeln muß ½ Vieh mehr Gra ſung oder Heufutter finden!! Sollte dies wohl oft der Fall ſeyn? Dennoch verſchafft dies unerlaͤßliche, ſo ſchwer er⸗ reichbare nur 3 des noͤthigen Duͤngers. Na ch⸗ Nachſchrift. Jo mag der Verſuchung nicht wiederſtehen, der Section zu mehrerer Erlaͤuterung und als Beyſpiel aͤhn⸗ licher Berechnungen, eine Tabelle vorzulegen, in welcher der comparative Zuſtand deſſelben Bodens berechnet iſt, wenn er unter den oben angefuͤhrten Bedingungen(in 9 Schlaͤgen). Nr. 1. ohne Mergel nach gewoͤhnlicher Art beſtellt wird, mit Braache, Weitzen, Gerſte, Hafer, Hafer und dann 4 Dreeſchjahre; Nr. 2. wenn nach dem Mergeln eben ſo bewirth⸗ ſchaftet wird; Nr. 3. wenn nach dem Mergeln dem Rapſaatbau eine Weidekoppel aufgeopfert wird; Nr. 4. wenn nach dem Mergeln dem Rapſaatbau eine Hafererndte aufgeopfert wird, Nr. 5. wenn, wie es mir von einem anſehnlichen Gute in Mecklenburg bekannt iſt, durch Beyle⸗ gung ber Nebenſchlaͤge ſtatt 9— 11 Schlaͤge ent⸗. ſtehen, und folgendermaaßen bewirthſchaftet wer⸗ den: Braache— Rapſaat— Weitzen— Gerſte 39 Gerſte— Klee— Weitzen— Hafer mit Klee— 4 Dreeſchjahre.*) Ich muß bitten, mir fuͤr jetzt den Erweis der Richtigkeit der angegebenen Verhaͤltniſſe zu erlaſſen, weil, wenn ich auch auf die Thaerſchen und v. Wuͤlffenſchen Werke verweiſen wollte, doch noch eine eigne Abhandlung erfordert wuͤrde, um ſie ganz verſtaͤndlich zu machen und meine Abweichung von ih⸗ nen zu rechtfertigen. Es kommt ſogar hier nicht ſehr darauf an, ob man mit dieſen Angaben genau einver⸗ ſtanden iſt, da ſie in allen 5 Tabellen dieſelben ſind, und hier nur von einer Vergleichung derſelben unter einan⸗ der die Rede iſt. Bey der Berechnung der Kraft, die der Boden durch das Mergeln erhaͤlt, habe ich mich genau nach Herrn Iverſens Angaben uͤber die Vergroͤßerung der Erndten durch das Mergeln gerichtet. Was mit demſelben Reichthume mehr geerndtet worden, wird natuͤrlicher Weiſe auf Rechnung der Kraft gebracht. Nro. 1. Erſtes Jahr. Wenn die Koppel nach Braache und Duͤngung im Stande iſt, das 7te Korn Weitzen zu geben, ſo beweißt dies eine Frucht⸗ barkeit von 5040, welche, da die Fruchtbar⸗ keit als das Product zweyer Faktoren, von de⸗ nen Einer die Kraft, der andere den Reichthum des *) Gegen dieſe Rotation hatte ich uͤberdem noch zu erinnern, daß der mit Hafer geſaͤete zu ſchnell auf den mit Weitzen geſaͤeten Ktee folgt, um bey der Weide von bedeutendem Nutzen zu ſeyn. 40 des Bodens bezeichnet, angeſehen wird, hier ſo ausgedruͤckt wird*). 7* 72= 304 Die Erſchoͤpfung des Bodens durch die Production des 2ten Korns iſt. 1*7 Stand der Fruchtbarkeit im alen Jahre.... 6 65= 3900 Zweytes Jahr. Dieſe Frucht⸗ barkeit kann das 8te Korn Gerſte geben; die Erſchoͤ⸗ pfung iſt)....— 6 Stand der Fruchtbarkeit im 3ten Jahrer 6 59= 354 Drittes Jahr. Hafer kann das 10te Korn geben; Er⸗ ſchöpfung....+ 24 Stand der Fruchtbarkeit im 4Aten Jahre.... 6 514= 3090 Viertes Jahr. Hafer kann das 8te Korn geben; Erſch..— 6 6 45 ¾= 2730 5tes *) 7 iſt hier der Faktor fuͤr die Kraft; 72 fuͤr den Reichthum. Dies Verhaͤltniß kann beym erſten Anfange auf mannigfal⸗ tige Weiſe verſchieden ſeyn. Hier, wo von demſelben Felde die Rede iſt, dient er allen Tabellen zur Grundlage. 4**) Die Kraft eines Feldes verliert der Erfahrung nach nichts durch ein Sommer⸗Cernal. 41 58. 68. 78 u. 88 Jahr, ſind Dreeſchjahre, deren jedes 0, 60 pr. 1000 Fruchtbar⸗ keit den Reichthum des Ackers vermehren ſoll, iſt hier jaͤhrlich 12 0, in 4 Jah⸗ ren)...... † 7 Neuntes Jahr. Braache und die gewoͤhnliche Duͤngung von 15 Fuder Duͤnger pr. Tonne Landes*).. 1+ 18 Stand der Fruchtbarkeit im erſten Jahre der neuen Ro⸗ tation„.... 7* 70= 493 ½ Das Land hat alſo hier einen unbedeutenden, durch Ein Fuder Duͤnger pr. Tonne Landes zu erſetzenden Verluſt an Fruchtbarkeit erlitten. 1 Nro. 2. Erſtes Jahr, nach der vorigen Suppoſition 7 72= 5049 Der Mergel vermehrt die Kraft im erſten Jahre †f 3 10 72= 7200 Der *) Iſt wohl nur 65; aber auf die kleine Faktion koͤmmt es hier nicht an. **¼) Die Braache wird fuͤr Einen Grad Kraftvermehrung gerechnet. 4² 8 Der Weitzen produzirt nun d. 10te Korn. Erſch. Stand der Fruchtbarkeit im aten Jahre... im 2ten Jahre hat der Mergel die Kraft vermehrt um Zweytes Jahr,— denn die Gerſte giebt eine, dieſe Fruchtbarkeit bewei⸗ ſende Erndte vom 16ten Korn. Erſchoͤpfung Stand der Fruchtbarkeit im 3ten Jahre. Wirkung des Mergels im zlten Jahre... Drittes Jahr,— denn der Hafer giebt eine dieſe Fruchtbarkeit beweiſende Erndte vom 14ten Korn. Erſchoͤpfung.. Stand der Fruchtbarkeit im 4ten Jahre.. NB. Kann nun mit 7 ½ Fuder pr. Tonne geduͤngt werden, ſo gewinnt der Reichthum 10 5 72— 7209 1=— 10 9 64= 5580 4 13 62= 9060 — 12 13 ,50— 650 + 3 16 5 50= 8000 * ro 16 394= 6320 v Viertes Jahr. Die Wirkung des Mergels erhaͤlt ſich unn einige Jahre ohnge⸗ faͤhr auf demſelben Punkt, daher giebt dieſer Hafer nur etwas weniger als die vorige Erndte. Erſchoͤpf. 16 54 48 ½= 7752 — 10 5. 6. 7. 8 ſind Dreeſchjahre, waͤhrend welche der Mer⸗ gel ſeine Kraft groͤßten⸗ theils verliert, u. die Kraft des Bodens ohngefaͤhr auf die urſpruͤnglichen 60, die es vor der Braache hatte, zuruͤckſinkt. Dagegen ge⸗ winnt der Reichthum jaͤhr⸗ lich o, 60 pr. 100 Frucht⸗ barkeit= jaͤhrl. 35, fuͤr 4 Jahre 146.. Neuntes Jahr. Braache und 15 Fuder Duͤnger Stand der Fruchtbarkeit bey der neuen Rotation*) 16 38 ½—= 6160 7 705= 49675 Das *) Ich bin nicht gewiß hier, der vortheilhaften Einwirkung des Mergels auf die Weiden, nicht zuviel eingeraͤumt zu haben. Nach meiner Meinung iſt das Land um mehr als 5„Ct. ermer geworden und ſteht etwa auf 475.. 44 Das Land iſt nach einer wahrſcheinlich zu vortheil⸗ haften Vorausſetzung um ein geringes ſchlechter gewor⸗ den, und ſteht ſich ohngefaͤhr ſo wie das nicht gemer⸗ gelte Land. Es mag ſeyn, daß, wie einige behaupten, das Land in den erſten Jahren der neuen Rotation noch Wirkungen des Mergels in etwas reichlichen Erndten zeige; das aber iſt nur eingebildeter Reichthum, wenn man nicht den Reichthum des Feldes in demſelben Ver⸗ haͤltniß vermehrt. Nro. 3. Erſtes Jahr, nach der vorigen Suppoſition... 7 72= 504 Vermehrung der Kraft durch Mergel..... 3 10+ 72= 7200 kann eine Rapſaaterndte von 11 Tonnen tragen. Die da⸗ durch verurſachte Erſchoͤpf. des Bodens. 18 Stand der Fruchtbarkeit im aten Jahre.... 10 4 54= 540 Vermehrung der Kraft durch Mergel..... 4 — 45 Zweytes Jahr, kann das 10te Korn Weitzen tragen. Erſch. 1—† 10 Stand der Fruchtbarkeit im 3ten Jahre„. 13 44= 572 Wirkung des Mergels im 3ten Jahre„ 4. 3— Nothwendige Duͤngung von 7 ½ Fudern..—+ 9. 16 53= 8480 Drittes Jahr giebt mindeſtens das 16te KornGerſte. Erſch.* 12 Stand der Fruchtbarkeit im 4ten Jahre... 16 5 41= 6560 Viertes Jahr kann 164 Ton⸗ nen Hafer geben.* 84 5. 6. 7 ſind Dreeſchjahre zu 0, 60 pr. 1000 Fruchtbark., macht auf 5000— 30—, fuͤr 3z Jahre.+ 9 16 413= 6630 In der Vorausſetzung, daß nach den beendigten Dreeſchjah⸗ ren die Wirkung des Mer⸗ gelns unbetraͤchtlich werde, und die Kraft wieder auf den erſten Punkt zuruͤckſinke 10 6 41¾—= 250½° Wahr⸗ 46 Wahrſcheinlich aber iſt, daß im 8. Jahre fuͤr dieſen Dreeſch⸗ hafer noch eine Kraft ein⸗ wirke von † 2 und dann waͤre der Stand der Fruchtbarkeit im gten Jahre 8 41¾= 334 Achtes Jahr kann dasste bis é6te Korn geben. Erſchoͤpf. 4 Beendigte Kraft des Mergelns* 2 6 54 37 ¾= 226 ¾° Neuntes Jahr. Braache mit 15 Fuder Duͤnger+ 1+ 18 Stand der Fruchtbarkeit beym Aufange der neuen Rotation 7 4554= 390½% Das Land iſt durch die unvorſichtiger Weiſe genom⸗ meuen 3 Kornerndten, der, doch noch ſchwerlich zu be⸗ ſchaffenden Nachduͤngung ungeachtet, um 1140— alſo uͤber ½ Theil ſchlechter geworden; dabey iſt zwar an Stroh nichts verlohren, dagegen aber eine ganze Wei⸗ dekoppel eingebuͤßt, welches den Viehbeſtand bedeutend vermindern muß. Nro. 4. Erſtes Jahr nach der vorigen Suppoſition... 7 72= 504“ Wirkung des Mergels. 3 10 72 10 ₰ 72 Erſchoͤpfung durch die Rap⸗ ſaaterndte...-— 18 Stand der Fruchtbarkeit im aten Jahre 10 4 54— 540 Wirkung des Mergels+ 4 14 54 Zweytes Jahr. Erſchoͤpfung durch die Weitzenerndte 1— 10 13 44 Wirkung des Mergels.+ 3 Die noͤthige Beduͤngung von 7½ Fudern..+ 9 16* 53 Drittes Jahr. Erſchoͤpfung durch die Gerſtenerndte.— 12 Stand der Fruchtbarkeit ihittm 4ten Jahre„„ 16 41—= 6560 4. 5. 6. 7 ſind Dreeſchjahre. Der Reichthum des Bodens ge⸗ winnt jaͤhrlich o, 6° fuͤr 1000 Fruchtb.; macht hier 375, fuͤr 4 Jahre+†. 15 85 15 ⁵6 5675= 905 6 Wenn 48 Wenn, wie in Nr. 3 zuge⸗ 1 ſtanden wird, der Mergel 9 in dieſem Jahre noch wie. A 20 Kraft wirket, ſo ſind 1 nur abzuziehen..— 8 G Stand der Fruchtbarkeit im 8ten Jahre 8 à 565= 45225 Achtes Jahr. Erſchoͤpfung durch eine Dreeſchhafer⸗ Erndte von 10 Tonnen— 2— 5 Neuntes Jahr. Braache und 15 Fuder Duͤnger † 1+ 18 Stand der Fruchtbarkeit bey der nenen Rotation. 7 69 75= 48775 Das Land hat nur 170 Fruchtbarkeit verlohren, welche durch 2½ Fuder Duͤnger mehr, erſetzt werden muͤſſen; das Gut hat aber bedeutend an baarer Ein⸗ nahme fuͤr Kornertrag verlohren, und wird vielleicht noch Hafer zu kaufen muͤſſen. Sein Viehſtand iſt wie bey der Rotation Nr. 2. Dieſe Rotation ſcheint uͤberhaupt die vorzuͤglichere, und ein Theil dieſes Vorzuges liegt darin, daß das Land in einem reichern Zuſtand zur Weide liegen bleibt. Ich habe, den Angaben gemaͤß, ihn doppelt ſo hoch als vor der Mergelung annehmen muͤſſen. Ich bin ſehr be⸗ 49 beſorgt, den Freunden des Mergelns hier zu viel ein⸗ geſtanden zu haben. Zeigt die Erfahrung nicht, daß die Weidekoppeln in dem hier angegebenen Verhaͤltniß uͤp⸗ piger, der Strohertrag groͤßer geworden, ſo halte man ja bey Zeiten mit der erſchoͤpfenden Kultur ein. Nro. 5. Erſtes Jahr nach der vorigen Suppoſitioon. 7* 72= 504 Wirkung des Mergels.. 3 10 72— 7200 Erſchoͤpfung durch die Rap⸗ ſaaterndte..— 18 Stand der Fruchtbarkeit im 2ten Jahre.. 10 ℳà 54= 540 Wirkung des Mergels..+ 4 Zweytes Jahr. Erſchoͤpfung durch d. Weitzenerndte— 1— 10 Stand der Fruchtbarkeit im zten Jahre 13 44= 572 Wirkung des Mergels.+ 3 Drittes Jahr kann 142 Tonn. Gerſte geben. Erſchoͤpf.— 94 Stand der Fruchtbarkeit im 4ten Jahre... 16 34= 5560 D Vier⸗ 50 Viertes Jahr traͤgt Maͤhe⸗ klee, der nachher bewei⸗ det wird, dem Lande keinen Reichthum entzieht, viel⸗ mehr die Kraft durch den Zuſtand der beſchatteten Waͤrme 10 vermehrt 16 56 34½¾= 5560 Die Beduͤngung von 7½ Fud. Stand der Fruchtbarkeit im Sten Jahtiee Fuͤnftes Jahr traͤgt Weitzen. Erſchoͤpfung fuͤr 10 Tonnen Erſchoͤpfung der Kraft durch die Erndte... 10 Verminderung d. Wirkung des Mergels 20 Stand der Fruchtbarkeit im Eken Jahre... Sechstes Jahr traͤgt Hafer. Erſchoͤpf. fuͤr 12 Tonnen Verminderung des Einfluſſes des Mergells Stand der Fruchtbarkeit im 7ten Jahre.. 11 27 ¾= 305 ½ 7⸗p· 51 11 27 ¾= 3054 7. 8. 9. 10 ſind Dreeſchjahre, 20, 60 pr. 1000 Fruchtbar⸗ keit, macht jaͤhrlich 1; in 4 Jahren. 7 Nach 11 Jahren iſt die Wir⸗ kung des Mergels ſicherlich zu Ende, und die Kraft verliert aunn— 5 Stand der Fruchtbarkeit nach dem 10ten Jahre. 6 35— 2100 Eilftes Jahr. Braache und 15 Fuder Duͤnger+ 1+ 18 7 53= 3710 Der baare rohe Ertrag wuͤrde 10 pCt. mehr ſeyn, als bey der vorigen Rotation; aber das Land haͤtte 1330 Fruchtbarkeit verlohren; das Gut haͤtte uͤber 4 Theil an Ertragsfaͤhigkeit verlohren, und um ſo viel muͤßte der Viehſtand auch verringert werden. Ein be⸗ dauernswuͤrdiges Beyſpiel, wie durch die Verbindung des Rapſaatbaues mit dem Mergeln, der Beutel des Paͤchters gefuͤllt, und der Gutsbeſitzer zu Grunde ge⸗ richtet werden koͤnne! Schluß⸗Anmerkung. Seitdem ich weis, daß die Schleswig⸗ Holſteiniſche patriotiſche Geſellſchaft, dieſe Bemerkungen zum Druck beſtimmt hat, iſt es mir freylich aufgefallen, daß ich vielleicht denen Leſern nicht verſtaͤndlich werden wuͤrde, welche 52 welche mit den Thaerſchen und von Wulffenſchen Verſuchen, die Fruchtbarkeit des Bodens und die durch die Erndten verurſachte Erſchoͤpfung in Zahlen auszu⸗ druͤcken, unbekannt ſind. Vielleicht habe ich bald eine Veranlaſſung, die Grundſaͤtze, nach welchen ich dabey verfahren bin, naͤ⸗ her zu entwickeln. So unvollkommen dieſe Theorie bis jetzt noch ſeyn mag, ſo halte ich ſie dennoch, da, wo es nur auf Ver⸗ gleichung der Rotationen auf demſelben Boden ankommt, fuͤr genuͤgend, bin aber weit entfernt, meinen Voraus⸗ ſetzungen irgend eine Gemeinguͤltigkeit beyzulegen. Ich weis ſehr wohl, wie ſehr der nie zu berech⸗ nende Einfluß der Witterung dieſe Vorausſetzungen un⸗ richtig machen kann, welche nur auf einen Durchſchnitt von vielen Jahren, oder in ſo ferne von einem guten Mitteljahr die Rede iſt, angenommen werden duͤrfen. Ferner weis ich ſehr wohl, daß, was fuͤr meinen Boden und die Lage meiner Felder zutrift, auf jedem andern Boden und in jeder andern Lage, anders ſeyn koͤnne und muͤſſe. Dennoch iſt mir dieſer Verſuch, ſchwankenden Sup⸗ poſitionen, durch welche der unternehmende Landmann ſich oft, und oft ſo gerne taͤuſcht, mehr Praͤciſion zu geben, ſo nuͤtzlich geweſen, daß ich es faſt fuͤr Pflicht halte, dieſe Anſichten groͤßern Landwirthen zur Pruͤfung, Berichtigung, Vervollkommnung vorzulegen; gewiß, daß das Nachdenken uͤber dieſen Gegenſtand zu einer ge⸗ nauern Beachtung mancher uͤberſehenen Thatſache fuͤh⸗ ren kann, und daß dadurch die Fortſchritte der Land⸗ wirthſchaft allerdings gefoͤrdert werden koͤnnten. — 1G. Farbkarte 13