— practiſchen Ackerbau, Anleitung 5 zum — —* —e„—— von Johann Nepomuk v. Schwerz, Director der Koͤniglich⸗Wuͤrtembergiſchen Verſuchs⸗ und Unterrichts⸗ Anſtalt fuͤr den Landbau. V... 1 5 ar Al. p eenn e⸗ 22 ich. J. fMet. re,ſ, ee L.ee Bat. ſ Zweyter Band. Sh. 9. Igeb. —y Stuttgart und Tuͤbingen, in der J. G. Cotta'ſchen Buchhandlung. 1 3 2 5. „Gerne uͤberlaſſe ich Andern, ihre gelehrten Unterſuchungen be⸗ kannt zu machen. Was mich angeht, ſo beruht das, was ich vor⸗ zutragen habe, auf ausgedehnter, mannichfaltiger Erfahrung vieler Landwirthe, und auf gandesuͤblicher Wirthſchaftsart mehrerer Ge⸗ genden.“ Arthur Young. An den geneigten Leſer. Geſchaͤfte, mehr noch widrige Geſundheits⸗ umſtaͤnde, haben die Erſcheinung dieſes zweyten Bandes verſpaͤtet, weßhalb ich den geneigten Leſer um Entſchuldigung bitte. Ich dachte fruͤher den ganzen Pflanzenbau in dieſen Band zuſammen zu bringen; da er aber zu unfoͤrmlich dadurch angeſchwollen waͤre: ſo finde ich mich gezwungen, die Beſchreibung des Han⸗ delsgewaͤchsbau's dem zukuͤnftigen dritten Bande einzuverleiben, der zugleich auch die Lehre der Feld— eintheilung und Fruchtfolge, vielleicht auch noch die der Beurbarung enthalten wird. In dem erſten Bande bitte ich, folgende zwey weſentliche Fehler zu berichtigen. Seite 574, Zeile 10 von unten ſteht 713 C. Liter, ſtatt 713 C. Li⸗ nien. Seite 575, unterſte Zeile ſteht 92,6 ſtatt 71,6. IV Zum ſchnellern Vergleiche einiger landuͤblichen Maaße mit dem Dezimalſyſteme, und umgekehrt, V wird auf Verlangen einiger Perſonen hier eine„ kurze Reduktionstabelle beygefuͤgt. 2 Hohenheim im Mai 1825. Der Verfaſſer. 8 — æyr-rr een Reduction 3) Des Dezimalmaaßes in Wuͤrtembergi⸗ ſches Maaß. Der Hektar(100 Ares) iſt gleiech... 5,174 Morgen. Zehn Hektar ſind gleich.............. 51,74 Morgen. Der Hektoliter(100 Liter) iſt gleich..... 0,564 Scheffel. Zehn Hektoliter ſind gleich...... 5,64 Scheffel. Der Kilogramme(1000 Gramme) iſt gleich... 2,14 Pfund. Zehn Kilogramme ſind gleich.......... e=.e. 24,4 Pfund. Ein Hektoliter p. Hektar thut p. Morgen....... 0, 178 Scheffel. Zehn Hektoliter p. Hektar thun p. Morgen.... 1,78 Scheffel. Ein Kilogramme p. Hektar thut p. Morgen.... 0,7 Pfund. Zehn Kilogramme p. Hektar thun p. Morgen... 7,o Pfund. Ein Stuͤck(z. B. Gulden, Pflanzen, Arbeiter u. ſ. w.) p. Hektar thut p. Morgen.... 0,515 Stuͤcke. Zehn Stuͤck p. Hektar thun p. Morgen........ 5,15 Stuͤcke. b) Des Wuͤrtemberger Maaßes in Dezi⸗ mal⸗Maaß. 1 .Der Morgen iſt gleich................ 0,315 Hektar. Der Scheffel iſt gleich............ 1,772 Hektolit. Das Simri iſt gleich......... 0,221 Hektolit. Das Pfund iſt gleich......er.B.neeeee. 0,467 Kilogr. Ein Scheffel p. Morgen thut p. Hektar.......... 5,626 Hektolit.* Zehn Scheffel p. Morgen thun p. Hektar....... 56,26 Hektolit. 2 Ein Simri p. Morgen thut p. Hektar.... 0,7 Hektolit. Ein Pfund p. Morgen thut p. Hektaear... 1,49 Kilogr. Zehn Pfund p. Morgen thun p. Hektar... 14,9 Kilogr. Ein Stuͤck p. Morgen thut p. Hektar......... 3, 174 Stuͤck. 1 Reduction a) Des Dezimalmaaßes in Oeſterreichiſches Maaß. 4. Der Hektar iſt gleich.. 7............ 7,74 Joch. Zehn Heklar ſind gleich....... n.....„g... 17,4 Joch. Der Hertoliter iſt gleich............... 1,63 Metzen. Zehn Hektoliter ſind gliech... 16,5 Metzen. Der Kilogramme iſt gleich........../.... 1,785 Pfund. Zehn Kilogramme ſind gleich.........-...-.-eenn. 17,85 Pfund. Ein Hektoliter p. Hektar thut p. Joch... 0,955 Metzen. Zehn Hektoliter p. Hektar thun p. Joch........ 9,35 Metzen. Ein Kilogramme p. Hektar thut p. Joch........ 1,05 Pfund. ₰ Zehn Kilogramme p. Hektar thun p. Joch....... 10,5 Pfund. Ein Stuͤck p. Hektar thut p. Jjch..... 0,575 Stuͤck. Zehn Stuͤck p. Hektar thun p. Joch....... 5,75 Stuͤck. — VII b) Des Oeſterreichiſchen Maaßes in Dezi⸗ mal⸗Maaß. Das Joch iſt gleich....... 0,575 Hektar. Der Metzen iſt gleiechhy.. 0,615 Hektolit. Das Pfund iſt gleich............⸗.*.. 0,56 Kilogr. Ein Metzen p. Joch thut p. Hektrer. 1,07 Hektolit. Zehn Metzen p. Joch thun p. Hektar.......... 10,7 Hektolit. Ein Pfund p. Joch thut p. Hektar.......... 0,974 Kilogr. Zehn Pfund p. Joch thun p. Hektar......eeeee. 9,74 Kilogr. Ein Stuͤck p. Joch thut p. Hektrtrtr. 1,74 Stuͤck. Zehn Stuͤck p. Joch thun p. Hektar......„. 17,4 Stuͤck. Reduction a) Des Dezimalmaaßes in Preußiſches Maaß. Der Hektar iſt gleichl..Ü.... 5,92 Morgen. Zehn Hektar ſind glech 39,2 Morgen. Der Hektoliter iſt gleich............ 1,84 Scheffel. Zehn Hektoliter ſind glech.. 138,4 Scheffel. Der Kilogramme iſt glich... 2,15 Pfund. Zehn Kilogramme ſind gleichh... 21,5 Pfund. Ein Hektoliter p. Hektar thut p. Morgen..... 0,472² Scheffel. Zehn Hektoliter p. Hektar thun p. Morgen.... 4,72 Scheffel. Ein Kilogramme p. Hektar thut p. Morgen.. 0,546 Pfund. Zehn Kilogramme p. Hektar thun p. Morgen 5,46 Pfund. Ein Stuͤck p. Hektar thut p. Morgen...... 0,255 Stuͤck. Zehn Stuͤck p. Hektar thun p. Morgen.... 2,55 Stuͤck. VIII b) Des Preußiſchen Maaßes in Dezi⸗ malmaaß. Der Morgen iſt gleich.. C.... 0,255 Hektolit. Der Scheffel iſt gleich.............. 0,5 ½ 5 Hektolit. Das Pfund iſt gleich.. 0,467 Kilogr. Ein Scheffel p. Morgen thut p. Hekter... 0,562 Hektolit. Zehn Scheffel p. Morgen thun p. Hektar....... 5,62 Hektolit. Ein Pfund p. Morgen thut p. Hektar.... 8..ee 1,85 Kilogr. Zehn Pfund p. Morgen thun p. Hektar...... 18,5 Kilogr. Ein Stuͤck p. Morgen thut p. Hektau.... 3,92 Stuͤck. Zehn Stuͤck p. Morgen thun p. Hektar...eeee.. 59,2 Stuͤck. 4 1 b Inhalt des zweyten Bandes. ‿ Erſte Abtheilung. Anbau mehlhaltiger Köoͤrner. Erſtes Hauptſtuͤck. Stroherzeugniß. 3 Seite. 4 Wichtigkeit der Stroherzeugung............... 7— 9 1 Erſter Abſchnitt. Strohertrag................ 10 ay Weizen... c.. 15 p) Dinkel. Spelz................14 e) Rocken................... 3.,v. 16 d) Gerſie. C 17 6) Haſer......... 18 6 3 Mais.....„ 3.21=...=.=.:22= S 20 G) Hirſe........ Se........ 20 h) Pferdebohnen........ 21 5) Erbſen. Wicken...................... 21 † Vergleichung der Hauptſtroharten........ 21 8 weyter Abſchnitt. Verwendung und Werth des Strohes... 23 a) Strohfuͤtterung der Kuͤeeee........ 27 6 b)—— der Zugochſen......... 2... 28 ¹ 4 c)—— der Pferde....... 29 d—= d der Schaaſe..... 30 Benutzung und Ausnutzung uͤberhaupt.... 1...e... 51 4 Dritter Abſchnitt. Eigenſchaften verſchiedener Stroharten Sahh. als Fuͤtterung und Regeln fuͤr leztere............. 35 Vergleichsſlerth................... 39 Zweytes Hauptſtuͤck. Anbau des Gelreides................... 45 Erſter Abſchnitt. Anbau des Weitzens........e⸗ 46 C. 1, Weitenarten........ 49 6. 2. Voden zum Weitzen.............. 5² s. 3. Stand in der Fruchtſolge.............. 54 §. 4. Bereiktung des Ackers............... 60 3) Bearbeitung der Brache........... 61 b)—= nach Tabhack................... 62 —— nach Kartoffem............ 63 d)—— nach verſchiedenen Gegenſtaͤnden 63 e)—— nach Buchweitzn.... 64 f)—— nach Kle.... 65 89—— nach Dreiſchea c.. 69 h)—— nach Esper und Luzernre.... 71 §. 5. Duͤngen zum Weitzen......... 71 §. 6. Wahl und Zubereitung des Saamens...... 75 G. 7. Saalzeit........ 81 §. 8. Saatquantum.. er......TLe.dhr.ee. 8³ §. 9. Durcheggen im Fruhjahr...... 35⁵ §. 10. Jaͤten....... 38 §. 11. Ueberſtpeuen....................... 39 §. 12: Schropfen............-.*..2........ 90⁰ §. 13. Abhuͤten............ 92 §. 14. Zeit der Aerndke............. 94 G. 15. Ertragsg„„.. 96 Vergleichswerthl. o„o. 98 Zweyter Abſchnitt. Dinkel, Spelz.... 100 §. 1. Abarten des Spelzes............... 100 X 8 * 5 5 2* · XI Klima...... d-eeereeegttigatsschs.-ese-=n Boden......... Stand in der Fruchtfolge............ Bereitung des Feldes.......... 48360Seedsses Sungen Saatzeit und Saamen..... Wartung der Saat....... Aerndte........... 8..Be. .Ertrag........... Werth des Dinkees...... Mahlproben..... Vergleichswerth.....r...e.e eereeeeee. Vortheile und Eigenheiten des Dinkelbau's.. A Drirter Abſchnitt. Einkorn........... Pierter Abſchnitt. Rocken............ §. §. §. §. §. §. — 1. 2. 5. 4. Vorzuͤge des Rockens.......... Boden und Klima................... Stelle in der Fruchtfolge.......... Bearbeitung des Boden...... 2) nach Rahs.......... 14e.aeeeenneeenese⸗ P) nach Klee.... c) nach Kartoffen........ eeese-. S... c) nach Rocken...... e) nach Buchweiten....... H nach Wintergerſte.......... g) nach WeizenH.... h) nach Hafe⁶r............ i) nach Erbſen............ 3 40 nach Lein..............eee eeee..eee 5. 6. Dungen....., ee tssages ies,en⸗ Saatzeit... 12r.s.. ⸗N. 9seT Te..... ⸗ Seite. 101 102 105 104 105 106 — 4———— 18 10 —, * ₰ — —— S„=Sͤ=ͤ 8 81 8=81 8 — -— o 142 — Sieb S S S 2 5.. 10. Saatquantum Saatunterbringen XII . Wachsthum und Pflege des Rockens....... Aerndte und Ertrag Fuͤnfter Abſchnitt. Sechster Abſchnitt. Sommergerſte Wintergerſte „„. en der, Saat................. §. 1. Gerſtarten §. 2. Klima §. 3. Boden §. 4. Stand in §. 5. Duͤngen §. 6. Feldbehandlung §. 7. Saatzeit §. 8. Staͤrke der Einſaat §. 9. Unterbring §. 10. Wartung der Saat §. 11. Aerndte §. 12. Ertrag enter Abſchnitt. Hafer... d. 1. Haferarten.......... §. 2. Vorzüge des Haferbaues... §. 3. Boden §. 4. Stelle in der Fruchtfolge §. 5. Duͤngen G. 6. Feldbereitung........ a) einfaͤhrige Beſtellung....... b) mehrfaͤhrige Beſtellung.... c) Beſtellung nach Klee..... d) Beſtellung nach Dreiſche... e) gerodete Beſtelluug... 0 Beſtellungs⸗Regeln .. der Fruchtfolge........ .. .. . e....... b0 b0 b0 8 8 0 G=u ud — —₰ 80 6. Saatzeit 7. Saamen 8 9. Haferpfle XIII eeeeeeeeeeeee ee.. und SaatquantimP. Unterbringen der Saat............ ge.......... §. 10. Aerndte und Ertrag.... Achter Abſchnitt. Neunter Abſchnitt. Zehnter Abſchnitt. Eilfter Abſchnitt. Emmer........... Sommerweitzen.......... Sommerdinkel........ 6. 1. VBoden........... 5. x cc... Stelle in Feldzuber Duͤnger. Saamen 8S5 9. Klima........................ der Fruchtfolge-.............. eitung... C rrc und Saatzeit......... Zwiſchenfruchte.............. Pflege......ů..... 4) Hacken und Haͤufen......... b) Ergaͤnzen c) Entſchoſſe . n. — Entfahnen...........=e.. erer.... d. 10. Feiude und Unfälle............... a4) Thiete.... b) Froſt, ſchlimme Witterung............ c) Winde...... ⁰ c........ 3 d) Krankheit.............. §. 11. Aerndte §. 12. Behandlung des Eingeaͤrndteten... a) Trocknen b) Entkörnen......................... c) Aufbewahren.. ½ 5 Zweyter Abſchnitt. Dritter Abſchnitt. —2 . 5 SS ee ⁴& 5 §. 9. Aerndte Fuͤnfter Abſchnitt. Sechster Abſchnitt. §. 13. Ertrag. Winterwicken.. Linſennn..... Vierter Abſchnitt. Pferdebohnen. §. 1. Wichtigkeit ihres Anbaues........⸗. 2. Boden.. XIV Dreyzehnter Abſchnitt. Hirſe......... Drittes Hauptſtuͤck. Anbau der Schoteufruͤchte cw...... Erſter Abſchnitt. Erbſen............... S§. 1. Boden.......................ee. §. 2. Stelle in der Fruchtfolge..............— §. 3. Düngen...... L. 4. Feldbereitung............. . 5. Saatzeit... 6. 6. Quantum der Einſaat........... S. 7. Unterbringen der Saat... S. 3. Pflege... F. 9. Aernde.......... 10. Werth und Ertrag..................... wicen..... „ 5. Stelle im Umlauſe.............. Oung.............. Feldbereitung................. 6. Saatzeit und Quantum............ Reihenſaat Pflege.. w„. §. 10. Ertrag und Werth.................. Fitzbohnen.. Buchweitzen....... 9. e Seite. 50 3⁰6 ˙˙ — 60ͤ 6ͤ 02 ——— h 2 02 ̈ 8 ◻— + ᷣ⏑ A + ⸗ η ⁴Ꝙ‿ ͤ Gͤ 0 8 ◻ —2 2 — 4 4 ₰ — XV F. 1. Boden....VV.. 69...=M.... §. 2. Stand in der Fruchtfolge............... 6. 5. Dung c....7.... . 4. Feldbereitung. §. 5. Saatzeit und Einſaat.............. §. 6. Pflege und Wachsthum......... 5. 2. Aerndte.......... v... §. 3. Eytrag............... §. 9. Werth und Verwendung.......... §. 10. Stroh........ e. 12.... Zweyte Atheilung. Anbau der Futterpflanzen. Vorwort.........v.n. Erſtes Hauptſtuͤck. Futterkraäuter................... Erſter Abſchnitt. Nother Klee......... d. 1. Rothe Kleearten..... 6. 2.„Boden..............H. 8. 5. Stand in dem Umlaufe.......... §. 4. Feldbereitung..............-2edn-. §. Saatzeit und Weiſe.............. §. 6. Saamen und Saatquant d. 7. Nachtheilige Zuſalle........... 34) Mißlikgen.............. 5) Auswintern........... c) ſchaͤdliche Thierr.... eeeeeeeeere e..e d) nachtheilige Pflanzen.............. e) Krankheiken.................... d. 3. Ueberdungen............... a) mit Miſt.......... XVI b) mit Guͤlle, Jauche.......*.Äe: 448 c) mit Taubenmiſt.eeeeeeeeennnnnnneeeee 449 d) mit Aſche... ů vxv 45⁰ e) mit Gips...nneeneeeneee..NBVK 455 H mit Kalk, Mergel.....eeee V. 457 8) mit Salz, Ruß..nenwneeennennnnene 458 h) mit Pferch...neneenneneneenneeennn: 459 §. 9. Benutzung im gruͤnen Zuſtande...e. 459 §. 10. Kleeheuwerbung...eeeeneeeneeneeneeeeeee 466 a) Zeit des Maͤhens eeenneneneneennne: 467 b) Weiſe des Abbringens...eeeeeene: 469 c) Trocknen des Klees....eneeeeneeeeenee 471 d) Trocknen auf Geruͤſten... 475 §. 11. Erkrag und Wert.....e.***.e.: 476 §. 12. Saamenerzielungl.... e.es- 48² Zweyter Abſchnitt. Weißer Kleeree. 439 Dritter Abſchnitt. Luzerne........... 495 §. 1. Klima.........*.**.=B.. 3..*.:knf 496 S§. 2. Boden.cnWnnnnnnnnnnn.nnnne 497 §. 3. Feldbereitung.....rerenenenneen: 5⁰¹ §. 4. Duͤngen....⸗r⸗.: ⸗..S*e. 5⁰ §. 5. Saͤen⸗ Saatzeit, Saamen....... 5⁰½ §. 6. Pflege.„„ vvv. 5⁰% §. 7. Benutzung und Ertrag...........eee. 5⁰/9 §. 8. Umbruch des Luzernfeldes..... eee 51⁵ Bierter Abſchnitt. Esper.... eK⸗een“ 5¹⁵ 6. 1. Boden.. ⸗...***... 516 §. 2. Feldbereitung, Ueberfrucht.....eeeee. 518 §. A. Saatzeit.. 5²¹ §. 5. Saamen und Saamenerzielug 5²¹⁷ §. 6. Saatquantum.........eee 5²³ XVII Seite. §. 7. Dung und Pflee........ 324 §. 3. Benutzung und Aerndte.... 5²5 §. 9. Ertrg. 4eeaeseee,e eses“ 32eeee-eee.⸗ 5²⁷ §. 10. Dauer und Wiederke⁶lhh...... 5²⁷ Fuͤnfter Abſchnitt. Futterſurrogatee... 5²9 §6. 1. Wicken..e.. 8.,2e. Jr. 53⁰ G§. 2. Erbſen.... 534 §. 3. Bohnen....... 89... 534 §. 4. Mais..... 9**,5848899*.... 53³⁵ 6. 5. Buchweißen.......... 536 S. 6. Weißer Senf...........v. 5⁵⁸ §. 7. Na wc⸗„cve.⸗ 540 §. 8. Hafergrs.... 541 §. 9. Hafer......................⸗.........**⸗. 5⁴42 G. 10. Rockken h. 542 9. 11. Spergelll..... 544 Zweytes Hauptſtuͤck. Wurzel⸗ und Knollengewaͤchſe. Erſter Abſchnitt. Bedingungen bey ihrem An⸗ bau.......O.... 548 Zweyter Abſchnitt. Rüuͤben. 555 g. 1. Tultur der Brachrüben............. 556 §. 2. Cultur der Stoppelrben..... 560 a) Stand in der Fruchtfolleler.. 561 b) Cultur nach Art der Belgen.... 563 c) Cultur nach Art der ElſaſerV. 564 d) Cultur auf Sanddoden 565 e) Saatzeit und Saame.. 566 v. Schwerz Anleit. z. prakt, Ackerbau. II. Bd. ⅝*⁵ §. 5. §. 4. Dritter Abſchnitt. §. 1. §. 2. 5. 3. §. 4. Aerndte Vierter Abſchnitt. Fuͤnfter Abſchnitt. §. 1. S. 2. a) Boden d) Pflege e) Aerndte 9. 5. Sechſter Abſchnitt. Duͤngen Stecken der Koͤrner Verpflannn..... f) Werth und Verwendung 8) Saamenerzielung Verbeſſerter Moͤhrenbau' Paſtinaten........... Kartoffeln. „„“ õD„ Stand in der Fruchtfolge 3. Feldbereitung Pflanzzeit und Saamen Pflanzungsart..................⸗ Runkelruͤben . Aufbewahren, Verwendung Kohlruͤben. Moͤhren Bau der Stoppelmoͤhren Brachmöhren................ 1. b) Stand in der Fruchtfolge c) Bearbeitung des Ackers . ö. Ertrag und Verwenduug........ a) Ertrag........... b) Benutzung c) Aufbewahren, Nahrhaftigkeit Saamenerzielung . . ⸗ „„ .. x . „ üü Seite. 566 566 568 5 72 7 574 576 . XIX . Seite §. 7. Pflege....... 65² §. 9. Aerndte und Ertrag.................... 634½ §. 9. Aufbewahren................. 658 §. 10. Verwendung.........F...... 639 S. 11. Zufaͤlle, Krankheiten........... 644 Siebenter Abſchnitt. Topinambur................ 647 S§. 1. Klima und Boden................. 649 §. 2. Bereitung des Bodens........... 651 §. 5. Stelle in der Fruchtforlle... 651 §. 4. Pflanzung.................. 654 §. Pflege.............. 655 g. 6. Vegetation............ 656 S. 7. Aerndte..... 657 40 Laubaͤrndte................ 658 P) Knollenärndte.................. 661 §. 3. Aufbewahren der Knollen................... 665 G. 9. Erkrag............ 664 §. 10. Verwendung der Laubſtaͤngel............. 666 a) in grunem Zuſtande.......... 666 h) in krocknem Zuſtande............ 669 a) Verwendung bey den Schaafen... 670 b)—— bey den Pferden........... 671 c)—— bey den Kuͤhen........... 671 .)—— zur Feuerung........... 674 . 12. Verwendung der Knollen............ 675 Achter Abſchnift. Kopſfkohl........... 678 §. 1. Wichtigkeit der Kraut⸗Cultur... 678 g. 2. Saamenerzielung................ 68⁰ g. 3. Saamenbeet............ 681 §. 4. Boden und Stelle im Umlauf........... 685 & . 6 96 S 5 S 2 ◻ 90 2 . §. 10. §, 11, XX Duͤngen und Bereitung des Krautfeldes.... „Werpſlanzen...s s...n* Pflegee........ee Vegetation und Feinde..... 1.9 9... 9nsse Krautaͤrndte..... 599,.ee e..**.s. s“ Ertrag und WerrhlU Verwendug cveeeeee.. Seite⸗ 686 686 b — Praktiſcher Ackerbau. Gewaͤchsbau. „Nicht vorausſetzen oder waͤhnen, ſondern auffinden muß man, wie die Natur handelt und was ſie vertraͤgt.“ Baco von Verulam. ₰ v. Schwerz Anleit. z. prakt. Ackerbau. II. Bd. 41 Man theilt die auf freiem Felde anzubauenden Ge⸗ waͤchſe— vom Garten kann hier nicht Rede ſeyn— in: I. Mehlhaltige Koͤrner. II. Futterpflanzen. III. Gewerbspflanzen. Zu den mehlhaltigen Koͤrnern gehoͤren: a.) Halmfruͤchte oder Getreide. b.) Schoten⸗ oder Huͤlſen⸗Fruͤchte. Zu den Futterpflanzen gehoͤren: a.) Futterkraͤuter. b.) Knollen⸗ oder Wurzel⸗Gewaͤchſe. c.) Gemuͤßarten. 4 Zu den Gewerbspflanzen gehoͤren: a.) Oelpflanzen. b.) Geſpinnſtpflanzen. c.) Farbepflanzen. d.) Gewuͤrzpflanzen. e.) Fabrikpflanzen. Praktiſcher Ackerbau. Gewaͤchsbau. Erſte Abtheilung. Anbau mehlhaltiger Koͤrner. Anbau mehlhaltiger Koͤrner. So ſchaäͤtzbar auch immer, ſo nuͤtzlich und wenig ent⸗ behrlich alle uͤbrigen kultivirten Pflanzen der menſchlichen Geſellſchaft ſind, ſo ſtehen ſie doch den mehlhaltigen Koͤrnern als Nahrungsmittel nach. Die Kultur dieſer leztern bleibt alſo mit Recht der Mittelpunkt, um welche alle uͤbrigen Ge— genſtaͤnde blos kreiſen; der Hauptzweck, auf den in der Regel ſich alles bei dem Ackerbau beziehen muß. Man theilt ſie in Halm⸗- und Schotenfruͤchte, und giebt erſtern vorzugs⸗ weiſe den Namen Getreide. Außer dem Mehle, als der Mutter des Brodes und der Grundlage ſo vieler Speiſen, gewaͤhren die mehlhaltigen Koͤrner einen weitern nicht genug zu ſchaͤtzenden Vortheil durch die Erzeugung des Strohes, jener herrlichen Subſtanz, durch deren Ruͤckgabe an den Boden die Fruchtbarkeit dieſes leztern unterhalten wird, ohne welches der fortgeſezte Anbau des Getreides einer Wirthſchaft eben ſo nachtheilig werden wuͤrde als ein zu ſtarker Bau der Gewerbspflanzen. 1 8 Wie wichtig fuͤr das Ganze der Strohertrag ſey, den zumal der Getreidebau liefert, belegt Sinclair durch eine. Berechnung des Totalwerthes des in Großbritannien erzeugten Strohes, welches er fuͤr die daſelbſt angebauten acht Millio⸗ nen Acres(3˙240,000 Hektars) zu 16/250,000 Pfd. Ster⸗ ling anſchlaͤgt.„Aus dieſem, ſezt er hinzu, ergiebt ſich, daß das alljaͤhrlich erzeugte Stroh in Beziehung auf reinen Geldwerth erheblicher ſey, als man insgemein dafuͤr haͤlt.“ Es wuͤrde demnach hoͤchſt unrichtig ſeyn, bei der Werth⸗ ſchaͤtzung des Getreidebaues das Stroh nicht in Anſchlag zu bringen; dann zumal, wenn wir zwiſchen dem Erzeugniß eines Getreideackers und dem eines Futterfeldes einen Ver⸗ gleich anſtellen wollen. Ich glaube deßhalb die Wuͤrdigung des Strohertrages der verſchiedenen Getreidearten in ein be⸗ ſonderes Hauptſtuͤck zuſammenfaſſen und dem Getreidebau voranſchicken zu muͤſſen. Anbau mehlhaltiger Koͤrner. Erſtes Haupt ſtück. Stroherzeugniß. Man kann, glaube ich, den Zuſtand einer gewoͤhnlichen Wirthſchaft, die ſchon einige Zeit im Gange iſt, nicht ſiche⸗ rer als aus der Groͤße ihres Strohvorraths beurtheilen. We⸗ nigſtens fand ich allemal die groͤßte Kraft und das ſtaͤrkſte Vorſchreiten in ſolchen Wirthſchaften, wo man, bei uͤbrigens wohlgenaͤhrtem und zureichendem Viehſtand, Stroh in Huͤlle und Fuͤlle hatte; hingegen nur eitle Quaͤlerei und muͤhſeliges Hinuͤberſchleppen von einem Jahr ins andere, da, wo es an Stroh gebrach; entweder weil man nicht die geho0ͤrige Aufmerkſamkeit auf den Getreidebau richtete; oder weil man den Anbau des Futters, bei Abgang an zureichendem Gras⸗ wuchſe, vernachlaͤſſigte; daher mit dem Zahn der Thiere zu ſtark in das Stroh eingriff. Dreimal Wehe aber einer Ackerwirthſchaft, wo das Stroh gering geſchaͤzt, wo es vergeudet, verbrennt, verkauft wird; ts ſey denn auf einem ſo reichen Boden, der wenig oder keines Dunges bedarf, oder da, wo dieſer durch Zukauf in Natura, oder einer dungerzeugenden Subſtanz erſezt wird! 10 Solches heißt dann Stroh gegen Miſt eintauſchen, und kann in einzelnen Faͤllen vortheilhaft ſeyn, nur als Regel kann es nicht gelten. Es iſt gewiß eine hoͤchſt weiſe Einrichtung von Seiten der goͤttlichen Vorſehung, daß gerade diejenigen Pflanzen, welche durch ihre Fruͤchte zum Unterhalt des Menſchen am meiſten beitragen, daher auch dem Acker, ihrer Koͤrner we⸗ gen, am meiſten entziehen, und wegen der Conſumtionsart dieſer Koͤrner durch das Verſchleppen ihrer Ruͤckſtaͤnde am wenigſten zuruͤckgeben, daß, ſage ich, dieſe Gewaͤchſe noch außerdem das Material, das Stroh, hervorbringen, welches, wenn es gehoͤrig zur Fuͤtterung und Streue verwendet und ohne einige Abkuͤrzung dem Acker, der es hervorgebracht hat, zuruͤckgegeben wird, mit Beihuͤlfe einer alle drei Jahre wie⸗ derkehrenden reinen Brache auf gutem Mittelboden zur Re⸗ produktion jener Gewaͤchſe beinahe allein zureicht. Dem zu Folge iſt es fuͤr den Landwirth ſehr wichtig, den Strohertrag der verſchiedenen mehlhaltigen Koͤrner, ſo wie deſſen Verwendung und Eigenſchaften zu kennen und zu wuͤrdigen. Erſter Abſchnitt. Strohertrag. Der Ertrag an Stroh iſt nicht allein nach den Frucht⸗ gattungen, ſondern auch bei derſelben Gattung nach der Kraft des Bodens, der Lage, der Zeit der Einſaat, des mehr oder weniger feuchten Jahrganges und Klima's ſehr verſchieden. So erzeugt in der Regel die Winterfrucht mehr Stroh 11 als die Sommerfrucht; der kräftige Boden mehr als der ma⸗ gere; der friſch geduͤngte mehr als der in zweiter Tracht; der Thon mehr als der Sand; die Gebirgsgegend mehr als die Ebene; das feuchte Jahr mehr als das trockene; das dicht geſaͤete Getreide mehr als das daͤnn geſaͤete, u. ſ. w. Es kommt ferner darauf an: ob das Getreide nahe bei der Erde abgeſchnitten wird, oder ob hoͤhere Stoppeln auf dem Felde zuruͤckgelaſſen werden. Wohl giebt kurzes Stroh nicht weniger Bunde als langes; aber bei weitem nicht ſo viele Pfunde. Noch muͤſſen bei Wuͤrdigung des Strohertrages nicht blos das Langſtroh, ſondern auch das Wirrſtroh, Abharkſel und Kaff(Spreuer, Brietz) in Anſchlag kommen, welches leztere bei einigen Fruchtarten ſehr betraͤchtlich iſt, obgleich in den meiſten Angaben keine Ruͤckſicht darauf genom⸗ men wird. Im Ganzen herrſcht noch eine ſehr große Unſicherheit uͤber den Strohertrag. Der gewoͤhnliche Landwirth zumal bekuͤmmert ſich um kein Gewicht; ſondern zaͤhlt ſein Stroh nach Bunden. Solches waͤre auch zureichend, wenn nur die Bunde beiläufig gleichen Umfang haͤtten. Allein hier bindet man in einfache, dort in doppelte Rockenſtrohlaͤnge; anderswo bedient man ſich beugſamer Schoͤße von verſchie⸗ denen Holzarten. In England bindet man in Weitzenſtroh, in den Niederlanden den Hafer in eigenes Stroh, in Nor⸗ folk wie im Elſaß wird die Gerſte gar nicht gebunden, u. ſ. w. Es bleibt demnach hoͤchſt ſchwierig, den wahren Stroh⸗ ertrag mit einiger Sicherheit aus geſammelten Angaben, deren wir ohuehin ſo wenige haben, wenn man nicht ſelbſt 12 daruͤber langjaͤhrige Erfahrungen gemacht hat, nachzuweiſen. Dieſes brachte auf den Gedanken, den Ertrag des Strohes durch den Vergleich mit dem Ertrage der Koͤrner auszu⸗ mitteln, da man dieſen weit beſtimmter kennt. Wenn nur die Abweichungen, welche bei dem Strohertrag unter ſichern Umſtaͤnden obwalten, mit den Abweichungen, welche die naͤmlichen Umſtaͤnde auf den Koͤrnerertrag hervorbringen, im Einklange ſtaͤnden, ſo waͤre der angegebene Maßſtab ganz erwuͤnſcht und paſſend; allein hier trifft oft gerade das Gegentheil ein; indem ein Theil der naͤmlichen Umſtaͤnde, die dem Stroh guͤnſtig ſind, bei der Koͤrnererzeugung ent⸗ gegengeſezt wirkt, ſo daß man oft bei mehr Stroh weniger und bei weniger Stroh verhaͤltnißmaͤßig mehr Koͤrner erhaͤlt. „Es iſt, ſagt daher Burger, ganz unmoͤglich, aus dem einzigen Factor des Koͤrnerertrages den Quotienten des Strohgewinnſtes auszumitteln, weil eine große Menge von Umſtaͤnden auf das hoͤhere oder niedere Wachsthum der Ge⸗ treidepflanzen, auf ihren dickern oder duͤnnern Halm ein⸗ wirkt, ohne daß in dem gleichen Verhaͤltniſſe auch die Zahl und Groͤße der Koͤrner dadurch vermehrt oder vermindert wird. Wer weiß nicht, daß man in naſſen Jahren hohes Stroh und wenig Koͤrner, und umgekehrt in trocknen Jah⸗ ren kurzes Stroh und wenig Koͤrner erhaͤlt? Daß friſch ge⸗ duͤugte Aecker immer mehr Stroh, nicht immer aber mehr Koͤrner geben, wie ſolche, wo das Getreide nach Klee, Wi⸗ cken oder einer wohlbearbeiteten Brachfrucht vorkoömmt? Daß auf tiefem und reichem Boden das Verhaͤltniß des Strohes zum Korn groͤßer iſt, als auf ſeichtem? Daß man bei einem duͤnnen Stande des Getreides mehr, und bei einem dichten weuiger Koͤrner gegen das umgekehrte Verhaͤltniß vom Stroh 13 erhaͤlt? Und daß man in den Thaͤlern und dem Mittelge⸗ birge das hoͤchſte und dichteſte Getreide ſieht, das aber dar⸗ um keinen groͤßern Koͤrnerertrag giebt, wie jenes in den Ebenen?“ Indeſſen wollen wir auch dieſes Verhaͤltniß, da wir doch ſonſt kein feſtes Maß haben, nicht vernachlaͤſſigen. Es kann mit dem noͤthigen Zu⸗ und Abgeben dem Landwirthe wenigſtens einigen Anhalt zu einer ungefaͤhren Berechnung des Strohertrages ſeiner Aerndten verſchaffen. Es bleibt nur zu bedauern, daß uns auch hier ſo wenige Angaben zu Gebot ſtehen. a. Weitzen. Verhaͤltniß des Strohes zum Korne nach wie— zu Thaer........ 100— 50 Podewiles...... 100— 35 Burger a........ 100— 246 Derſelbe b...... 100— 39 Derſelbe c. fuͤr das Marchfeld. 100— 38 Block....... 100— 33,3 Diererſen, Brabant... 100— 39,5 Hohenheim, Talaweraweitzen 100— 44,3 Verhaͤltniß im Durchſchnitt wie 100— 40,6 Strohertrag vom Hektar nach Kilogramme Thaer....... 55369 Podewils,“) Hoͤheboden.. 53535 *) Alle Angaben des Grafen Podewils, ſowohl hier als in der Folge gründen ſich auf einen langjaͤhrigen Durchſchnitt. Derſelbe, Niedernng...... 4380 Burger a......... 3442 Derſelbeb„.... 4765 Derſelbe c.......... 525 Diercrſen....... 4933 Middleton, England..... 3932 Brown, England.. 3961¹ Der Mittelertrag an Stroh von einem n Hktar⸗ Weitzen, nach obigen Angaben waͤre 3977 Kilogramm. Reduziren wir dieſes Strohprodukt nach dem Verhaͤlt⸗ niß von 100 zu 40,6 in Koͤrner: ſo muͤßte uns der Hek⸗ tar Weitzen im Durchſchnitte 1615 Kilogramme Koͤrner geben. Nun aber giebt er, wie wir in der Folge ſehen werden, 22 Hektoliter und dieſe geben, das Gewicht eines Hektoliters zu 77 Kilogramme angenommen, 1694 Kilogramme Koͤrner. Das angegebene Verhaͤltniß des Strohes zu den Koͤrnern traͤfe alſo bei dem Weitzen, freilich nach den nur wenigen Angaben, ſo ziemlich zu. Der verdienſtvolle Oberamtmann Block rechnet in ſeiner Wirthſchaft bei einer guten Aernte auf 5900 Kilogramme Weitzenſtroh, welches freilich ein außerordentlicher Stroher⸗ trag iſt. b. Dinkell. Strohertrag vom Hektar. Ich habe uͤber dieſe Fruchtart keine andere Angaben aufzuſtellen, als die aus den Wirthſchaftserfahrungen des Pfaͤlzers Moͤllinger von Pfeddersheim, und die von 1825 zu Hohenheim. Nach zehnjaͤhrigem Durchſchnitte trug der Hektar Dinkel bei Moͤllinger 2486 Kilogramme Stroh. 15 Der Ertrag zu Hohenheim, freilich nur von einem Jahre, das Stroh der vorhergehenden wurde, leider, nicht gewogen, betrug an Stroh.......„.. 2381 Kilogr. an Wirrbunenn 709 an Spreuer.......⸗ 439 Der Geſammtſtrohertrag vom Hektar war alſo 3529 Kilogr., alſo hier uͤber 1000 Kilogr. mehr als bei Moͤllinger. Ich vermuthe aber, daß dieſer Wirrbunde und Kaff nicht in die Strohrechnung mit aufgenommen hat. Es waͤre ſich wirklich zu wundern, wenn der Dinkel nicht eben ſo viel Stroh als der Weitzen abwerfen ſollte. Der Hektar an lezt gedachtem Orte im Jahre 1823 gab 2028 Kilogramm Dinkel, das Verhaͤltniß des Strohes zum Korne war alſo wie 100 zu 57,3. Da dieſes Verhaͤltniß des Strohes zum Korne geringer ſcheint wie das des Weitzens: ſo muß ich erinnern, daß hier die Huͤlſen in dem Korngewichte mit inbegriffen ſind. Enthuͤlſt werden jene 2028 Kilogr. Dinkel und etwa 1430 Kilogr. Kernen geben, und dann wird das Stroh ſich dazu verhalten wie 100 zu 42, und dieſes Verhaͤltniß gliche bei⸗ nahe dem, welches auch bei dem Weitzen hervorgehen muͤßte. Bei einem 1824 angeſtellten genauen Verſuche erhielt ich auf demſelben Felde, bei gleicher Ausdehnung, von Talawera⸗ weitzen an Stroh 379 Pfd., an Kaff 27 Pfd. Total 406 Pfd. Vom Dinkel erhielt ich an Stroh 396 Pfd., an Kaff 11 Pfd. Total 407 Pfd. Nur gab der Dinkel beim Ger⸗ ben noch 44 Pfd. Huͤlſen weiter. 16 e. Rocken. Verhaͤltniß des Strohes zum Korne nach wie— zu Thaer...... 100— 40 Bodewils Höhe..... 100— 41 Derſelbe Niederun 100— 28 Koppe....... 100— 41 Burger 180,...... 100— 54 Derſelbe 1812... 100— 51 Block....... 100— 29,3 Mollinger zeönzahr. Durchſchnitt 100— 66 Hohenheim 1825*)... 100— 31 Diercrſen, Brabant 100— 44 Dieſe Angaben geben im Durchſchnitte das Verhaͤltniß von 100 zu 41,5. Strohertrag vom Hektar nach Kilogramm Thaer........ 256 2 Podewils, Höhe...... 2109 Derſelbe, Niederung...... 3580 Burger 1807.. 3219 *) In Bezug auf dieſen großen Strohertrag im Verhaͤltniß zu den Koͤrnern muß ich bemerken, daß der Rocken auf dem Carlshof zu Hohenheim in der Regel die Hoͤhe von 6, oft? Fuß erreicht. 1822 war der Strohertrag muthmaßlich noch ſtaͤrker als 1823. An Koͤrnern ſcheffelte er aber im erſten Jahre beſſer als in lezterm. Ich weiß dieſen maͤchtigen Strohertrag des Rockens nichts anders als dem aͤußerſt feinſandigen Thonboden, und der etwas zu dichten Ausſaat zuzuſchreiben. 47 Derſelbe 1312..... 13366 Diercrſen 1802 und 3... 3236 Derſelbe 1739.... 4408 Moͤllinger, cjäͤhriger Durchſchnit. 40⁰8 Hohenheim an Stroh. 4095 an Wirrſtroh und Kaff. 682 4777 Der Mittelertrag an Stroh von einem Hektar Rocken, nach obigen Angaben waͤre 3418 Kilogr. Da, wie wir ſpaͤter ſehen werden, daß der Hektar Rocken im Durchſchnitte 1546 Kilogr. Koͤrner traͤgt: ſo folgt, daß ſich das Stroh zum Korne dabei verhalte wie 100 zu 45,23, alſo hier geringer als fruͤher angegeben worden. Bei guter Aerndte rechnet H. Block in ſeiner Wirth⸗ ſchaft auf 600 Kilogramme Rockenſtroh. d. Gerſte. Verhaͤltniß des Strohes zum Korne nach wie— zu Thaer........ 150=— 63 Podewils..... 100— 42 Derſelbe..... 100— 38 Block....... 100— 57,5 Hohenheim 1823... 100— 73 Die Angaben geben das Verhaͤltniß im Durchſchnitte an, wie........ 100— 5⁰,7 Strohertrag vom Hektar nach Kilogramm Thaecer.......... 1770 Burger.......... 2188 v. Schwerz Anleit. z. prakt. Ackerbau. II. Bd. 2 18 Moͤllinger*).. Hohenheim 1823 Stroh 2⁰26 Wirrſtroh und Kaff 1214 Midleton, England... Brown, daſelbſt . 1738 3240 . 2536 .. 2491 d Der Mittelertrag an Stroh von einem Hektar Gerſte waͤre nach obigen Angaben. H. Block rechnet in ſeiner Wirthſchaft bei guter Aerndte auf 4100 Kilogr. Gerſtenſtroh. e. Hafer. Verhaͤltniß des Strohs zum Korne nach 2327 Kilogramm. wie— zu Thaer.....11 000— 61 Podewils.. 100— 71 1— Clemens S. Belg. Wirthſchaft. 100— 79 1 Derſelbe Fahnenhafer... 100— 79 Burger..... 100— 52 Derſelbe Fahnenhafer 100— 49 Derſelbe ſchwarzer Hafer. 100— 38 Blodck. 100— 31,6 Moͤllinger ojaͤhr. Durchſchnitr⸗ 100— 90 Hohenheim 1323.„ 100— 66 *) Die Strohangabe fuͤr einen Boden, wie bei Moͤllinger, iſt offenbar zu niedrig, denn nach ihr verhielt ſich das Stroh zum Korne wie 100 zu 103. Ganz gewiß ſind weder Wirrſtroh noch Kaff darin einbegriffen. Ich habe dennoch jene geringe Angabe mit in den Durch⸗— ſchnitt gezogen, des ungewoͤhnlich hohen Stroh⸗ und Koͤrnerertrages wegen, welches 1805 in Hohenheim Statt hatte. **) Auch hier ſcheinen Kaff und Wirrſtroh bracht zu ſeyn. nicht in Anſchlag ge⸗ 19 Die Angaben geben im Durchſchnitt das Verhaͤltniß: an wie 100 zu 61,6. Strohertrag vom Hektar nach Kilogramm Thaer....... 16575 Burger weißer Hafer an Stroh 49¹⁵ an Spreu 71 49³⁴ Derſelbe Fahnenhafer an Stroh 671¹ an Spreu 97 68⁰⁸ Derſelbe ſchwarzer Hafer an Stroh 627² an Spreu 195 6467 Moͤllingerr...... 1927 Clemens weißer Hafer an Stroh 2830 an Spreu 251 3⁰81 Derſelbe Fahnenhafer an Stroh 26835 an Spreu 26²2 2947 2 Midleton......... 5172 Brown......... 3269 Hohenheim 1823 an Stroh 2378 an Wirrſtroh und Kaff 1361 3739 20 Der Mittelertrag von einem Hektar Hafer waͤre nach obigen Angaben an Stroh 4218 Kilogr. Dieſes Medium, welches das des Rockens und Weitzens betraͤchtlich uͤberſteigt, iſt allerdings zu hoch. Die Hafer⸗ aͤrndte von 1825 war die ſtrohreichſte, die wir noch in Hohenheim hatten, und doch gab ſie um 1000 Pfd. weniger Stroh als das angefuͤhrte Medium. Die ungemeine Staͤrke dieſes leztern ruͤhrt aber offenbar von dem ungemeinen Er— trag her, welchen Dr. Burger aus ſeinen Erfahrungen an⸗ giebt. Ohne dieſe auch nur im allergeringſten bezweifeln zu duͤrfen, kann ich doch nicht anders, als ſie nur als Aus⸗ nahme vom Allgemeinen anſehen. Laſſen wir ſie dem zu Folge aus dem Durchſchnitte als zu hoch, und die Moͤl— linger'ſche als zu gering weg: ſo ergiebt ſich ein anderer Durchſchnitt von 2964 Kilogramme, welcher beſſer mit dem der uͤbrigen Getreidearten vereinbar iſt. H. Block rechnet in ſeiner Wirthſchaft, bei einer guten Aerndte, auf 3960 Kilogr. Haferſtroh vom Hektar. f. Mai s. Nach einem Medium, das bei dem Abſchnitte uͤber den Mais vorkommen wird, glaube ich den Strohertrag dieſer Frucht nicht hoͤher als zu 4513 Kilogrammes vom Hektar annehmen zu koͤnnen. g. Hirſe. Nach Burger that das ausgetrocknete Stroh von einem Joche gewogen im Februar 4104 Pfd. wiener Gewicht, oder vom Hektar 3997 Kilogr. 21 h. Pferdebohnen. Strohertrag vom Hektar nach Kilogr. Burger.......... 2045 Midleton........ 3170 Brown......... 3269 Hohenheim 1323. 2581 Der Ertrag des Bohnenſtrohes mit Inbegrif der Scho⸗ ten und Spreu waͤre vom Hektar 2766 Kilogr. Ich glaube aber, daß man in Deutſchland im Durch— ſchnitte nicht ſo viel rechnen darf. Wenigſtens waren die 1823 zu Hohenheim auf Reihen geſaͤete und behaͤufte Boh⸗ nen ſo ſchoͤn, und ſtanden ſo dicht, daß wir ſie uns im Durchſchnitte nicht ſo verſprechen duͤrfen, und doch gaben ſie nur 2581 Kilogr. Stroh. i. Erbſen, Wicken. Noch wandelbarer als der der Bohnen moͤchte der Stroh⸗ ertrag der Erbſen und Wicken ſeyn. Daher wahrſcheinlich die Urſache, warum wir daruͤber noch weniger Angaben, als von den Getreidearten haben. Bei dem trefflichſten Stande moͤgen beide wohl nicht mehr als 4000 Kilogr. vom Hektar abwerfen, nehmen wir als geringen 2000 Kilogr. an: ſo wuͤrde das Medium ihres Strohertrages 3000 Kilogr. belau⸗ fen, welches dem Strohertrage der Bohnen gleich kaͤme. Indeſſen ſchaͤzt H. Block in ſeiner Wirthſchaft und bei guter Aerndte den Strohertrag der Erbſen auf 4700 Kilogr. Stellen wir den Strohertrag der vier Hauptgetreidearten gegeneinander: ſo giebt der Hektar Weitzen Rocken Gerſte . 3977 Kilogramme „.... 3418 ...... 2327 Hafer..... 29 4 Woher es koͤmmt, daß hier der Strohertrag des Weitzens ſich uͤber den Rocken erhebt, da doch allgemein dafuͤr gehal— ten wird, daß dieſer mehr Stroh als jener abwerfe, weiß ich nicht anders, als dadurch zu erklaͤren, daß man den beſten, kraftvolleſten Boden vorzugsweiſe dem Weitzen, dem Rocken aber in der Regel nur den weniger beguͤnſtigten ein⸗ raͤumt. Nun aber iſt es anerkannt, daß ein guter fetter Boden ſich beſonders durch einen ſtarken Strohertrag aus⸗ zeichnet. Wenn man, nach dem viel erfahrnen H. Koppe, von einem pr. Scheffel Rocken 200 Pfd. Stroh rechnet: ſo ergiebt ſich, daß das Stroh des Hafers und der Gerſte o,Zo gegen das des Rockens betraͤgt. Nehmen wir nun ſechs ſolcher Scheffel fuͤr den pr. Morgen au: ſo gehen daraus 2635 Ki⸗ logr. Rockenſtroh und 2108 Kilogr. Sommerſtroh von dem Hektar hervor. Lezteres verhaͤlt ſich alſo zu erſterm wie 3o0 zu 100. Nach dem ſo eben von mir aufgeſtellten Durchſchnitte verhaͤlt ſich das Sommerſtroh zu dem Rockenſtroh aber nur wie 77 zu 100 und zum Winterſtroh uͤberhaupt. Nach der Thaer'ſchen Angabe insbeſondere betraͤgt das Rockenſtroh 2362, das Gerſtenſtroh aber nur 1740, und das Haferſtroh gar nur 1639 Kilogr. Erſteres ſtuͤnde alſo zu dem des Rockens wie 753, lezteres wie 65, beide im Durch— ſchnitt wie 69 zu 100; ſtatt daß der Durchſchnitt nach Koppe wie 80 zu 1o0o betragen muͤßte; woraus dieſer den 23 Schluß zieht: die Freunde des Fruchtwechſels haͤtten den Strohertrag des Sommergetreides zu viel herabgeſezt. Da die angefuͤhrten einzelnen Angaben nicht zahlreich genug ſind, um zureichende und befriedigende Reſultate daraus ziehen zu koͤnnen: ſo duͤrfte man bis auf weiteres bei dem Durchſchnitte ſtehen bleiben, den Burger fuͤr das Stroh der verſchiedenen Getreidearten angiebt. Dieſer iſt vom Hektar Weitzen 3000— 3600 Kilogr. —— Rocken 3000— 4000 —— Hafer 3000— 4000 —— Gerſte 2000— 2500 Unter allen Getreidearten bleibt der Strohertrag des Hafers ſich am wenigſten gleich und ſchwankt zwiſchen 15 und 50, je nachdem es in ſchlechten, ausgetragenen, wie das ſo oft, oder in gutem kraftvollen Boden, wie dieſes ſo ſelten geſchieht, geſaͤet wird. Nach Koppe verhaͤlt ſich der Strohertrag von Hafer und Gerſte, durcheinander gerechnet, zu dem vom Ro— cken wie 4 zu 5, welches dem ſo eben beruͤhrten Durch⸗ ſchnitte nach Burger entſpricht. Koppe ſtellt ferner den Strohertrag der Erbſen dem des Sommergetreides gleich, welches man der außerordentlichen Ungleichheit der Erbſen⸗ arndten ſo gelten laſſen kann. Zweyter Abſchnitt. Verwendung und Werth des Streohes. Das Stroh iſt bei der Landwirthſchaft von ſo hohem Be⸗ lang, daß ſich eine Ackerwirthſchaft noch eher ohne ander⸗ 24 weitiges Winterfutter, als ohne Stroh durchfuͤhren laͤßt. Es macht nicht allein als Streue die Grundlage des Miſtes, ſondern auch einen Theil, ja in vielen Wirthſchaften den Hauptbeſtandtheil der Viehnahrung auf den Winter aus. Da ich den Verbrauch des Strohes in erſter Hinſicht ſchon bey der Abhandlung uͤber den Duͤnger beruͤhrt habe: ſo werde ich mich hier hauptſaͤchlich auf ſeinen Futterwerth beſchraͤnken. Auch den anderweitigen Gebrauch vom Stroh zu Garbenſeilen, zum Dachdecken, haͤuslichen Gebrauche u. ſ. w. wollen wir umgehen. Sehr waͤre zu wuͤnſchen, daß man ſich bey allen dieſen Nebenverwendungen, die Strohbande ausgenommen, moͤglichſt beſchraͤnkte; indem namentlich durch die Strohdachungen die Maſſe des Duͤngers ſo ſehr beein⸗ traͤchtiget wird. Wenn von Stroh als Futter in einer Wirthſchaft Rede iſt: ſo verſteht ſich von ſelbſt, daß Kaff, Spreu, leere Aehren, Taſchen(Schooten), Wirrſtroh, mit einem Worte: alles, was nach Abzug der auf gewoͤhnliche Weiſe, jedoch ſorgſam, ausgedroſchenen Koͤrner, von den Garben uͤbrig bleibt, mit einverſtanden werden muͤſſe. Es folgt, daß das dazwiſchen ſitzende Unkraut und die in den Aehren zuruͤck— gebliebenen unvollkommenen, oder vernachlaͤſſigten Koͤrner, deren es immer welche im Rocken- und Haferſtroh giebt, zu groͤßerer Nahrhaftigkeit dieſes leztern beytragen. Es folgt, daß die Nahrungsfaͤhigkeit des Strohes ſowohl, als ſeine Eigenſchaft, die Nahrungskraft anderer Stoffe zu befoͤrdern, von der Weiſe abhange, wie das Stroh bei dem Vieh ver⸗ wendet wird. Ferner laſſen die Englaͤnder die Guͤte des Futterſtrohes von Boden und Klima abhaͤngen. Nach ihnen erzeugt rei— — 25 cheres Land naͤhrenderes Stroh, als duͤrftiges. In ſuͤdlichen Klimaten enthaͤlt Weitzen⸗, Gerſte⸗ und Haferſtroh mehr Zucker⸗ ſtoff als in noͤrdlichen. Die groͤßere Schmackhaftigheit des einen vor dem andern wird vermittelſt des Kauens leicht er— kannt. In guͤnſtigen Jahren iſt das Stroh durchgehends ſchmackhafter als in widrigen. Eine naſſe Aerndte, oder ein wegen ſchlechtem Wetter verzoͤgertes Liegen der Frucht auf dem Felde, das Aufbin— den in etwas feuchtem Zuſtande, das Binden in gar dicke Garben, das Liegen zu oberſt auf einer ſtarken Banſe oder zu unterſt auf der Erde, oder in dumpfigen Scheunen und Strohraͤumen, und endlich ein verſpaͤteter Verbrauch, ver⸗ ſchlechtern das Stroh, als Futter betrachtet, mehr und mehr. Sind daher die Halme bey dem Aufbinden auf dem Felde nicht zureichend trocken, ſo duͤrfen nur duͤnne Buͤnde mit einem einfachen Strohbande gebunden werden. Der Scheune iſt von oben her Luft zu geben; die Banſe mit ſchlechtem Streuſtroh zu uͤberdecken; das Kaff zumal an einem durchaus trocknem Orte aufzubewahren; das Stroh nicht zu lange aufzuſparen „Der Werth des Strohes als Viehfutter, ſagt Sin⸗ clair, haͤngt bedeutend von der Zeit ab, wenn es verfuͤttert wird. Vom Anfange November bis Anfang März, wenn das Rindvieh Ruͤben oder anderes ſaftiges Futter hat, kann man unbeſorgt Hafer-, Bohnen⸗ und Erbſenſtroh, wenn es gut eingebracht iſt, als Erſatz des Heues verwenden, und darf waͤhrend dieſer Periode des Jahrs an Werth dem Heue, der Preis des leztern ſey welcher er wolle, bis zu gleich gehalten werden.“ Diejenigen, welche gewohnt ſind ihr Vieh mit Heu durch— 26 zufuͤttern, ſo wie auch die, welche dem Stroh alle poſitiv⸗ naͤhrenden Theile abſprechen, es alſo lediglich als Ausſtopf⸗ ſel betrachten, werden als Kleinigkeiten anſehen, was fuͤr ſolche, die mit keinem oder nur wenig Heu verſehen ſind, oder gaͤnſtigere Begriffe von dem Stroh haben, von großer Wichtigkeit iſt. Die Zeit moͤchte noch wohl kommen, und iſt in manchen Gegenden ſchon gekommen, wo, wenn man wird eingeſehen haben, welchen geringen reinen Nutzen ein großer Theil der Wieſen abwirft, und wie weit hoͤher ſie durch den Pflug benuzt werden koͤnnen, wo, ſage ich, man den Werth des Strohes, als Beyhuͤlfe bey der Winterfuͤtterung, als Surro— gat des Heues, beſſer zu wuͤrdigen lernen wird. Einſtweilen bleibt es fuͤr einen Wirth, der nicht in geſegneten Heuum⸗ ſtänden iſt, eine bedeutende Erſparung, wenn er im Winter auch nur ein paar Monate Stroh fuͤttern, und das Heu zum Fruͤhjahr uͤberſparen kann. So groß freylich, wie der des Heues, iſt der Antheil des Strohes an naͤhrenden Stoffen nicht, wozu denn noch der verhaͤrtete, verholzte Zuſtand koͤmmt, in welchem ſich die Stoffe des Strohes befinden. Daher iſt bey der Strohfuͤtte⸗ rung mehr, als bey jeder andern, viel Getraͤnke nothwen⸗ dig, und das Anfeuchten, Anbruͤhen, eines Theils der⸗ ſelben hoͤchſt nuͤtzlich. Es giebt Gegenden genug, und ich ſelbſt bewohnte lange Jahre eine ſolche, wo Rindoieh und Schafe nicht wiſſen, was Heu iſt; da ſie nie welches zu ſehen bekommen, und doch fehlt es dieſen Thieren, bey einer nur kaͤrglichen Zugabe zu ihrem duͤrren Stroh, nicht an Lebenskraft, in wofern ſie 27 nur das leztere zureichend erhalten; ſolches gut eingekommen und gut aufbewahrt worden. Es wird gut ſeyn, die Wahrheit des Geſagten aus der Erfahrung uͤber den Unterhalt der drei Hauptviehgattungen Kuͤhe, Pferde und Schafe nachzuweiſen. a. Strohfuͤtterung der Kuͤhe. Ohne mich auf ein Beyſpiel zu berufen, das ich 21 Jahre unter Augen, und woran ich in den lezten dieſer Jahre ſelbſt Antheil hatte, will ich nur einige andere anfuͤhren, ob ich gleich dadurch nur dem vorgreife, was ich, wo Gott will, in einem der folgenden Baͤnde dieſer Schrift bei Ge⸗ legenheit der Viehhaltung zu ſagen gedenke. Zwoͤlf ſehr ſchoͤne Kuͤhe, wovon das Kalb, nach 2—3 Wochen von der Mutter weg, auf Subſcription verkauft ward, erhielten bey einem meiner niederlaͤndiſchen Freunde im Winter, nebſt Suppe, nichts als gutes Haferſtroh. Die Suppe war nicht zu fett; denn ſie beſtand aus einem Sacke Kaff, das doch auch zum Stroh gezaͤhlt wird, und zwei Rapskuchen. Alles Uebrige wird durch Stroh, und zwar nicht im Ueberfluſſe, erſezt. Nur gegen die Zeit des Kal— bens wurden zwey Portionen Suppe gereicht. Dieſes Vieh uͤberſtand den Winter ſehr gut, ſtatt daß das meinige ſich nicht eben wohl dabey befand. Die Urſache des Unter— ſchieds lag darin, daß von dem Augenblicke an, wo die gruͤne Fuͤtterung gaͤnzlich aufhoͤrte, die Kuͤhe bey meinem Freunde nicht mehr gemolken wurden, ſtatt daß man bey mir das Gegentheil beobachtete Deſſen ungeachtet gab bey jenem die Kuh jaͤhrlich im Durchſchnitt 155 ½ Pfund Butter, und wuͤrde gewiß 180 gegeben haben, haͤtte ſie bey ihm eine reichlichere Sommerweide gehabt. 28 In einem Theile des Muͤnſterlandes wird das Horn— vieh blos mit Strohhaͤckſel und etwas Langſtroh ohne alle andere Zugabe im Winter durchgehalten.„So auffallend, ſchrieb mir D. Mayer, als mir Anfangs dieſe Fuͤtterung war, ſo muß ich doch geſtehen, daß die großen frieſiſchen Kuͤhe, die ich hieher brachte und die im Winter an das Heu gewohnt waren, bey bloßem aber reichlichem Strohfutter den Winter beſſer aushielten, als vorher bey Heu. Dabey werden die Kuͤhe kalt getraͤnkt.“ Auch in den Mecklenburgſchen großen Hollaͤndereyen bringt man das Hornvieh mit bloßem Stroh durch den Winter. Wenn endlich A. Young ſagt, daß, ſo lange das Pfund Butter nicht einen Gulden koſtet, man Unrecht habe die Kuͤhe mit etwas anders als Stroh im Winter durchzuhalten: ſo muß er wohl ſelbſt an die Moͤglichkeit einer ſolchen Hal— tung geglaubt haben, ohne welches es laͤcherlich ſeyn wuͤrde, ſie in Vorſchlag zu bringen. Daß die Belgen ihren Kuͤhen im Winter außer der Suppe nur Stroh reichen, verſteht ſich von ſelbſt, da ſie nicht Heu haben. b. Strohfuͤtterung der Zug⸗Ochſen. „Die Zugochſen, ſchreibt Koppe, bekommen auf zweyen der hieſigen Guͤter den ganzen Winter hindurch Rocken- und Gerſten-Stroh zu gleichen Theilen in Häckſel geſchnitten, Spreu und leere Aehren angemengt. Sie ſtehen bey dieſem Futter nie ganz muͤßig, ſondern werden zum Miſtfahren, Steinfahren und Meliorations-Arbeiten gebraucht. Geht die Pflugarbeit an: ſo bekommen ſie noch etwas Kartoffeln zu obigem Futter. Mit den ſo gefuͤtterten 19 Ochſen und 4 Pferden auf jedem der beyden Guͤter habe ich ſeit meh⸗ reren Jahren 250 Morgen mit Sommerfruͤchten beſtellt und noch anſehnliche Quantitaͤten Feldſteine abgefahren. Stattlich zwar ſehen die Ochſen dabey nicht aus; allein ſie erfuͤllen den Zweck, wofuͤr ſie gehalten werden. Etwas an— ders verlange ich von ihnen nicht.“ Daß bey reichlicher Strohfuͤtterung ohne Heu mit Kar— toffeln hinſichtlich der Maſtung erſtaunlich viel ausgerichtet werden kann, davon fuͤhrt Koppe das Beyſpiel einer Ge— meinde an, die alljaͤhrlich damit 4— 500 Ochſen ausmaͤſtet. c. Strohfuͤtterung der Pferde. In Norfolk erhalten die Pferde, nach Marshalls Zeugniß, im Winter nichts als Gerſtenſtroh und nur zur Zeit der Beſtellung des Sommerfeldes Kleeheu, welches zu dieſem Zwecke aufgeſpart wird. „Fuͤr diejenigen, ſchreibt Koppe, welche die Pferdehaltung ohne Heu noch nicht kennen, bemerke ich, daß auf hieſigen Guͤtern 40 Pferde ohne Heu, bey 12—13 Pfund Hafer, oder 15— 16 Pfund, wenn ſie ſtark ſchaffen muͤſſen, in gutem Zu— ſtande erhalten werden, und daß ſie dabey aͤußerſt ſelten Krankheiten unterworfen ſind. Ich kenne aus eigener Er— fahrung einen Fall, wo Pferde ohne Heu aufgezogen und ſtets ohne ſolches erhalten, 11 Jahre als Ackerpferde auf ei⸗ nem Rittergut benuzt worden waren, mithin wenigſtens 14 Jahre alt ſeyn mußten, und die noch als brauchbare Acker— pferde angeſprochen werden konnten.“ Somit beſtätigte ſich hier das franzoͤſiſche Spruͤchwort: cheval de paille cheval de bataille. 30 d. Strohfuͤtterung der Schafe. Wir wollen auch hier dem wohlerfahrenen H. Koppe das Wort laſſen. „Auf ſehr vielen Schaͤfereien bekommen die Schafe den ganzen Winter hindurch kein anderes Futter als Rockenſtroh. Zugegeben, daß bey ſolchem Futter ſic auch nur einen gerin— gen Wollertrag geben, ſo geben ſie dieſen Ertrag doch, und leben dabey. Das Stroh hat mithin auch einen Futter⸗ werth. Bey der Durchwinterung von großen Schaͤfereien iſt die Erbauung einer großen Menge Haferſtroh von der groͤßten Wichtigkeit. Die wohlfeile Durchwinterung einer Schaͤferey, und der reine Ueberſchuß, den ſie nach Abzug der Futterkoſten gewaͤhrt, haben ihren Grund nur darin, daß man das Stroh nicht in Anſchlag bringt.“ Nach dem A. R. Block zu Schierau ſind es jedoch nur die ausgedroſchenen Aehren und Spitzen des Rocken⸗ ſtrohes, denen die meiſte Nahrungskraft beywohnt. Werden dieſe davon getrennt, ſo kann von dem Halme allein kein Schaf leben, wie Verſuche beſtaͤtiget haben. Bleibt aber alles zuſammen, wie das ſich von ſelbſt verſteht, ſo kann, nach ihm das Schaf Monate lang, wenn gleich hoͤchſt kuͤm⸗ merlich, ſein Leben dabey friſten; vorausgeſezt, daß ihm eine ſolche Maſſe Stroh gereicht werde, als noͤthig iſt, ihm die Auswahl der Aehren und Blaͤtter zu laſſen. Auch iſt das Stroh wohl nur ſelten von allem Unkraut, noch ſind die Aehren ſo von allen Koͤrnern entbloͤßt, daß das Schaf ſich deren nicht zu erfreuen haben ſollte. Daher man auch in ſolchen Gegenden, wo die Strohfuͤtterung uͤblich iſt, Raufen hat, deren Sproſſen ſo weit unter ſich entfernt ſind, daß das Schaf den Kopf durchſtecken und nach Belieben in dem ——,— 31 Stroh ſtoͤren und nachſuchen kann. Wollte demnach je⸗ mand einwerfen, daß alſo der Stroh⸗Koͤrper an und fuͤr ſich nur hoͤchſt wenig naͤhre, ſo iſt ſolches allerdings wahr; allein wir muͤſſen das Stroh ſo annehmen, wie es allwegs bey der Landwirthſchaft vorkoͤmmt, und nicht wie der Stroh⸗ dachdecker es verwendet. Das Ganze aber iſt das Erzeug⸗ niß des Getreideackers, es muß alſo auch dieſem zu gut ge— rechnet werden. Es geſellen ſich ferner zu dem Stroh Wirrbunde, Ab⸗ harkſel und Kaff, welche zur Hauptſtrohmaſſe gehoͤrig noch naͤhrender als dieſe ſind und mittelmaͤßigem Heu nicht aus dem Wege, ſchlechtem aber vorgehen. Dieſe Abfaͤlle werden, ſo viel ich weiß, uͤberall ausſchluͤßlich den Pferden und dem Hornvieh zugewendet. Daß ſchlechtes Stroh die angefuͤhrten Eigenſchaften nicht habe, und daß ohne alle andere Zugabe die Strohfuͤtterung blos zur Friſtung des thieriſchen Lebens dienen koͤnne, und weder Milch noch Arbeitsgewinn gewaͤhre, darf kaum geſagt werden. Hier gilt der Grundſatz: Wer wenig giebt, iſt auch nur wenig zu fordern berechtigt. Noch wuͤrde es uͤber— trieben ſeyn, das Stroh im Fuͤtterungswerth gutem Heu gleich zu ſetzen, ſelbſt Unrecht es mit Heu von mittler Guͤte zu vergleichen. Wenn man aber gutem Stroh vor ſchlechtem Heu den Vorzug giebt: ſo bedarf das fuͤr den ausuͤbenden Landwirth keines Erweiſes. Man darf es allenfalls dem Vieh ſelbſt zur Entſcheidung uͤberlaſſen. Sehr viel koͤmmt endlich bey dem Werthe der Dinge auf ihre Verwendung an. Das Brod, ſo geſund und naͤh⸗ rend es an ſich ſeyn mag, wuͤrde fuͤr ſich allein genoſſen, 32 das Gedeihen nicht hervorbringen, was es in Verbindung mit andern Subſtanzen gewaͤhrt. Wie weit weniger das Stroh bey dem Viehe! Iſt gleich die unmittelbare Wirkung, welche es bey dem Genuſſe auf die Lebens-Unterhaltung aͤußert, nicht unbedeutend: ſo iſt ſie doch nicht der Art, daß ſeine Verwendung ohne Zuſatz von anderweitiger kraͤftiger Nahrung im Allgemeinen anzurathen ſey; noch weniger, daß ſein Gebrauch auf dieſem Wege den groͤßten Vortheil gewaͤhre. Der geringe Gehalt an Nahrungsſtoffen, den das Stroh hat, muß durch ſeine groͤßere Maſſe erſezt werden, welches nicht ohne Nachtheil fuͤr die Dungmaſſe ſtatt haben kann; indem um ſo weniger Stroh zum Einſtreuen uͤbrig bleibt, als mehr davon verfuͤttert wird. Eine ſchiere Strohfuͤtterung iſt nur eine Nothhuͤlfe, die es gut iſt zu kennen; deren Gebrauch aber nicht als Norm dienen kann, und in vielen Faͤllen eher gerechte Mißbilligung als Beyfall verdient. Weit mehr und zwar der groͤßte Vortheil geht aus dem Stroh bey der Fuͤtterung hervor, wenn es in Verbindung mit andern Dingen auftritt;„wenn, ſagt Block, es als Haͤckſel zur Vergroͤßerung des Raumes der feuchten, ſaftrei⸗ chen, nahrungsreichern, aber mindern Raum einnehmenden Nahrungsmitteln beygemengt, oder auch zum Theil im gan⸗ zen Zuſtande dem Thiere nach dem Genuſſe dieſer Nahrungs— mittel vorgelegt wird, wirkt es ſehr bedeutend und maͤchtig auf die vollkommenere oder auch auf die wohlfei⸗ lere Ernaͤhrung des Thieres. Das Stroh iſt naͤchſt dem Heu das beſte Mittel andern nahrungsreichen, aber wenig Raum einnehmenden, Nahrungsmitteln die Eigenſchaft zu geben, daß ſolche im gerechten und vollen Maße wirken, oder 33 oder ihre voͤllige Kraft bey der Ernaͤhrung aͤußern koͤnnen; denn auch das kraftvolleſte Nahrungsmittel wirkt vollſtaͤndig nur bedingungsweiſe; wenn naͤmlich die Form oder ſonſtige Eigenſchaft in richtigem Verhaͤltniß mit der Kraft und dem Beduͤrfniſſe des thieriſchen Koͤrpers ſteht. Das richtige Vo— lumen, das richtige Verhaͤltniß zwiſchen trocken und feucht, ſind naͤchſt der Kraft und dem ſpecifiſchen Gewicht des Nahrungsmittels Haupterforderniſſe, wenn eine vollkommene Ausnutzung des verwendeten Futters ſtatt finden ſoll. Der Meynung, daß das Strohhaͤckſel in jeder Wirthſchaft groͤß⸗ tentheils entbehrlich ſey, wenn nur nach dem Genuß des ſaftreichen Futters hinreichlich Langſtroh vorgelegt wird, bin ich nicht. Daß das Vieh auch bey lezter Weiſe erhalten werden kann, deſſen bin ich gewiß; aber fuͤr vortheilhaft halte ich es nach langjaͤhriger Erfahrung nicht.“ Uebereinſtimmend mit dem Vorhergehenden, ſchreibt Koppe,„daß die hoͤchſte Benutzung des Strohes nur dann erfolgen koͤnne, wenn man jedem Thiere eine verhaͤltniß⸗ mäßige Menge ſaftiger und trockner Nahrung zugleich reicht. Wird das Vieh mit Heu und Stroh allein gefuͤttert; ſo werden nicht alle Nahrungstheile aus dieſem trocknen Futter ausgeſchieden. Dagegen ſchwaͤchen wieder, wie es ſcheint, waͤſſerige Fuͤtterungsmittel die Verdauungsorgane, wenn ſie nicht mit genugſamem Heu und Stroh oerfuͤttert werden. Selbſt wenn Rindvieh im Sommer Gruͤnfutter zur Genuͤge erhalt, frißt es, vorzuͤglich bey naſſer Witterung, gern langes Rockenſtroh, gleichſam vom Inſtinkte getrieben.“ „Nach mehreren von mir angeſtellten Beobachtungen, läßt ſich annehmen, daß ein Thier, welches ſeine Haupt⸗ nahrung in Wurzeln erbale, uund wenn ihm dieſe bis zur d. Schwerz Anleit. z. prakt. Ackerbau. II.? 3 Saͤttigung gereicht werden, die Haͤlfte des Gewichts der Wurzeln an Stroh, Spreu und Aehren mit eingerech⸗ net, erhalten muͤſſe, wenn es von der Fuͤtterung einen ent— ſprechenden Nutzen und guten Miſt gewaͤhren ſoll. Wenn man z. B. einem Maſtochſen 50 Pfund Kartoffeln giebt: ſo bedarf man an Beyfutter und Streuſtroh 25 Pfund.“ „Bey einer ſolchen Stroh-Conſumtion erhaͤlt man, wie ich aus Erfahrung weiß, noch einen ſehr fetten Miſt. Es ergiebt ſich aber auch daraus, wie groß das Bedarf des Strohes fuͤr jede Wirthſchaft iſt, die viel Wurzelgewaͤchſe in der Abſicht anbauet, um dadurch das ihr fehlende Heu zu erſetten. Nur bey genugſamem Strohfutter kann man mit Wurzelgewaͤchſen, ohne Heu, Vieh mäſten, oder es nutzbar erhalten.“ Ich ſchließe dieſen wichtigen Gegenſtand mit den Wor⸗ ten Blocks.„Das Strohhaͤckſel wird wohl fuͤr die mehre⸗ ſten Wirthſchaften anraͤthlich bleiben, und nicht leicht ohne Nachtheil, ſo lange wir uns beſtreben, jedem Produkte den hoͤchſten Werth zu verſchaffen, ganz zu entbehren ſeyn, ſo vortheilhaft auch ſolches einerſeits fuͤr manche Wirth— ſchaften, wo ſtarker Hackfruchtbau getrieben wird, und die Thiere mit kraft- und ſaftreicher Nahrung genaͤhret werden, fuͤr die Duͤngerſtaͤtte oft ſeyn wuͤrde, weil bey einer ſtarken Haͤckſel- oder uͤberhaupt zu ſtarken Strohfuͤtterung, naͤmlich bey einer zu ſtarken ſaftreichen Fuͤtterung und uͤbertriebenem Viehſtappel, wo das richtige Verhaͤltniß zwiſchen Stroh und Futter, oder Getreidebau und Viehzucht nicht ſtatt findet, derſelben zu viel vom noͤthigen Einſtreuſtroh entzogen wird, welches aber bey kraftvoller Fuͤtterung um ſo unentbehrlicher iſt. Bey Mangel an Einſtreu gebricht uns das hoͤchſt noth⸗ wendige Vehikel zum Duͤnger, von welchem derſelbe die Eigen⸗ ſchaft erhaͤlt, ſeine vollkommene Wirkung zu leiſten, es ſpielt alſo auch hier das Stroh bey Erzeugung des Duͤngers, ſo wie bey der thieriſchen Ernaͤhrung— wenigſtens im Allgemeinen, auch ohne ſonderlich bey ſich habende Nahrungskraft— dennoch eine bedeutende Rolle. Der goldene Mittelweg, wel⸗ cher den forſchenden betriebſamen Landwirth mitten durch Getreide—, Futterfelder und be⸗ baute Weiden zu dem richtigen Verhaͤltniß der erforderlich anzubauenden Fruͤchte fuͤhrt und ihm den Bedarf der noͤthig zu haltenden Thiere lehrt, wird daher wohl ſtets der beſte ſeyn, auf welchem wir am naͤheſten im Ver⸗ haltniß unſerer Scholle Erde und der darauf berwendeten Kraft, das vorgeſteckte Ziel— wenn auch nicht ſo raſch und leicht, wie wir oft jugendlich traͤumen,— jedoch endlich, wenn auch muͤhſam, doch aber lohnend erlangen.“ Deritter Abſchnitt. Eigenſchaften verſchiedener Strohgattungen in Bezug auf Fuͤtterung, und dabey zu beobach⸗ tende Regeln. Das Stroh des Rockens wird ſeiner Haͤrte wegen mehr zum Streuen als zum Futtern beſtimmt. Indeſſen wird es auch als Futter nicht von dem Rindvieh verſchmaͤ— het. Auch werden ſeine Wirrbunde allenthalben zu lezterm Zwecke verwendet. Am vortheilhafteſten wird dieſes lange 36 Stroh zu Haͤckſel geſchnitten, und bleibt als ſolches dem uͤbrigen Getreideſtroh vorzuziehen. Iſt der Weitzen nicht zu dickhalmig aufgewachſen, noch von Roſt und Brand befallen: ſo giebt ſein Stroh ein gutes, dem Haferſtroh gleichzuſtellendes Futter und ein wahr⸗ haftes Haͤckſel. Da wo man, wie in der Gegend, die ich einige zwanzig Jahre bewohnte, das Vieh im Winter mit Stroh durchhaͤlt, wechſelt man bey jeder Mahlzeit zwiſchen Weitzen- und Haferſtroh ab. Auch das Stroh des Dinkels wird von dem Horn⸗ vieh gerne gefreſſen. Da es aber haͤrter als das Weitzen⸗ ſtroh iſt: ſo verdient dieſes den Vorzug. Daß es aber nicht zur Fuͤtterung taugen ſolle, wie einige oͤkonomiſche Schrift⸗ ſteller, welche wahrſcheinlich dieſe Frucht nicht kennen, einan⸗ der nachgeſchrieben haben, muß ich aus Erfahrung durchaus widerſprechen. Vor allen Strohgattungen hat das Gerſtenſtroh als Futter den Vorzug. Es iſt ſuͤß, wird nicht zaͤhe und laͤßt ſich daher leicht kauen. Es wuͤrde dem Heu nicht viel nachgeben, wenn die Gerſte nicht ſo oft lagerte und wenn man nicht die Gewohnheit haͤtte, ſie nach dem Schnitte einige Zeit auf dem Felde roͤſten zu laſſen. Allein nur ſel⸗ ten wird dieſes Stroh unbeſchaͤdiget eingebracht, und iſt dann ungemein ſchwer gut aufbewahrt zu werden. Nach der Sage der Bauern hieſiger Gegend ſoll es als Streue den Schweinen Laͤuſe zuziehen.(2) Daß die Pferde in Norfolk im Winter mit Gerſten⸗ ſtroh unterhalten werden, iſt ſchon geſagt worden; aber noch nicht, daß die Gerſtſpreu, die man an ſo vielen Orten weg⸗ wirft, nach Marshalls Verſicherung, daſelbſt an die 37 Pferde verfuͤttert wird; eben ſo daß man eben dieſes Kaff dem Hafer⸗Kaff vorzieht.„In den ausgedroſchenen Aehren des Getreides, ſagt Sinclair und vorzuͤglich in den Baͤl— gen der Gerſte iſt unbezweifelt viel Nahrungsſtoff enthalten. Doch iſt es noͤthig, ſie vor der Verfuͤtterung entweder in kal⸗ tem Waſſer einzuweichen, oder mit ſiedendem abzubruͤhen. Kuͤhhaͤlter bezahlen fuͤr die Baͤlge der Gerſte hoͤhere Preiſe als fuͤr die leeren Aehren des Weitzens.“ Das Haferſtroh koͤmmt als Langfutter bey dem Horn⸗ vieh am haͤufigſten vor. So wie alles Stroh, verliert es ungemein durch Luft und Regen. Dieſem Uebel aber wird der Hafer bey den meiſten Landwirthen durch das Liegen auf dem Felde ausgeſezt. Hierin verdient die belgiſche Behand⸗ lung gewiß den Vorzug. Nach ihr wird der Hafer, in ſo ferne er nicht mit Klee unterwachſen iſt, hinter der Senſe in duͤnne Buͤſchel gebunden und zu ſechs Stuͤck gegeneinan— der aufgeſtellt. Wenn das Haferſtroh, zu einer andern Zeit als waͤhrend dem Froſte verfuͤttert, bey dem Rindvieh, der Sage nach, Laͤuſe erzeugt, ſo koͤmmt das nicht von dem Stroh, ſondern von dem ſchlechten Stroh her, das, als ſolches, das Vieh nur elend und kuͤmmerlich naͤhrt.„Gu— tes Haferſtroh, ſagt Koppe, kann zuweilen beſſeres Futter ſeyn, als Erbſen⸗ und Wickenſtroh, wenn lezteres zu lange auf dem Felde geſtanden oder von der Witterung gelitten hat. Spreu und Abharkſel, welches namentlich vom Hafer ſehr bedeutend iſt, wird dem Gewichte nach ohne Zweifel dem gewoͤhnlichen Heu gleich zu ſetzen ſeyn.“ Das Bohnenſtroh wird von Einigen gelobt, von Mehreren getadelt. Von beyden wahrſcheinlich mit Recht. Nur ſelten, daß die Bohnen vom Roſte und widrigem 38 ſchwarzen Geſchmeiſe frey bleiben; eben ſo ſelten, daß ſie bey dem Nachreifen auf dem Felde guͤnſtiges Wetter haben, alſo 3—4 Wochen lang dem Wechſel zwiſchen Regen und Sonnenſchein, feuchter Kuͤhle der Nacht und austrocknenden Winden bey Tage ausgeſezt ſind. Wie kann da was Gu— tes und Nahrhaftes hervorgehen? Man verſuche es, behandle das Wieſenheu auf gleiche Weiſe und ſehe, was fuͤr Futter man gewinnen wird! Gewiß iſt, daß Bohnen, die nicht allzureif geworden, nicht mit Geſchmeiſe befallen, bey gutem Wetter trocken und gut eingebracht worden, ein treffliches Futterſtroh geben, das Arbeitspferden, Rindvieh und zumal Schafen angenehm und gedeihlich iſt. In den Niederlanden werden die Boh⸗ nen großen Theils im Stroh den Pferden und Schafen auf⸗ geſteckt, welche leztere nichts, nicht einmal die holzigen Ende der Staͤngel zuruͤcklaſſen. Das Bohnenſtroh ſoll, wie man in Flandern behauptet, zur Guͤte des Hammelfleiſches bey⸗ tragen, nur fuͤr Kutſch- und Reitpferde nicht taugen. „Wenn, ſpricht A. Voung, das Bohnenſtroh gut eingeaͤrndtet worden: ſo iſt es eine geſunde und nahrhafte Fuͤtterung im Winter. Ochſen und Pferde werden, wenn ſie nicht arbeiten, dabey zunehmen. Auch die Schafe knuͤs⸗ pen die Schoten ſehr gerne, und die Ueberkehr iſt ein ſehr nahrhaftes Krippenfutter. Die Wichtigkeit, Bohnen ſo fruͤh als moͤglich zu ſaͤen, um fruͤh zu aͤrndten, wird einleuchten, wenn ich verſichere, daß das gut eingeaͤrndtete Stroh der⸗ ſelben 2— 5 Pfd. Sterling vom Acre(50— 75 fl. vom Hek⸗ tar) werth iſt. Arbuthnots Geſpann, welches immer ſchwer arbeitete, bekam keinen Halm Heu zu ſehen, ſo lange ſein Bohnenſtroh reichte.“ 39 Die Guͤte des Wicken⸗ und Erbſenſtrohes, in ſo ferne die bey dem Bohnenſtroh beruͤhrten Bedingungen erfuͤllt ſind, uͤbertrifft die des Getreideſtrohes, zumal bey den Schafen. Dem Rindvieh ſo wie den Pferden wird es am beſten zerſchnitten vorgelegt, da es, zumal das Erbſen⸗ ſtroh, die Zaͤhne dieſer Thiere lahm macht. Hat aber das Stroh der Huͤlſenfruͤchte durch Naͤſſe gelitten: ſo bleibt ihm das Getreideſtroh vorzuziehen. Intereſſant muß es fuͤr den Leſer ſeyn, hier in einer kur⸗ zen Darſtellung beyſamen zu finden, was der hochverdiente Amtsrath Block zu Folge ſeiner mit eben ſo viel Scharf⸗ ſinn als herkuliſcher Ausdauer angeſtellten Verſuche uͤber den relativen Werth verſchiedener landwirthſchaftlicher Produkte ausgemittelt hat. Trifft auch dieſer Werth nach Verſchie⸗ denheit der Orte, der Wirthſchaftsverhaͤltniſſe, der Behand⸗ lung des Strohes und Heues, der Guͤte des leztern, der Verwendungsart beyder nicht allenthalben ſo genau zu: ſo gewaͤhrt der Vergleich doch einen ungefaͤhren Anhalt. Nach ihm ſind ſich gleich: 600 Pfd. Weitzenſtroh 600 Pfd. Rockenſtroh 600 Pfd. Haferſtroh 580 Pfd. Gerſtenſtroh 550 Pfd. Samen⸗Kleeſtroh 550⁰ Pfd. Rocken⸗ und Gerſtenſpreu 500 Pfd. Erbſenſtroh 480 Pfd. Wickenſtroh 480 Pfd. Weitzen⸗ Erbſen⸗Haferſpreu 325 Pfd. Kleegrummet 325 Pfd. gewoͤhnliches Wieſengrummet 4⁰ 300 Pfd. Kleeheu in der Bluͤthe 300 Pfd. gewoͤhnliches Wieſenheu 280 Pfd. beſtes Wieſengrummet 250 Pfd. beſtes Wieſenheu 250 Pfd. Kleeheu vor der Bluͤthe 118 Pfd. Haferkoͤrner 100 Pfd. Gerſtenkoͤrner 100 Pfd. Rockenkoͤrner 39 Pfd. gelbe Erbſen 80 Pfd. Weitzenkoͤrner Demnach haͤtten 2 Pfund Getreideſtroh ſo viel Werth als 1 Pfund gewoͤhnliches Wieſenheu, oder als 1 Pfund Kleeheu in der Bluͤthe gemaͤhet, u. ſ. w. Soll aber das Stroh den angefuͤhrten, oder ſonſt einen Fuͤtterungswerth haben: ſo, ich wiederhole es, muß es gutes, gut einge— brachtes, und gut aufbewahrtes Stroh ſeyn und mit Ueber⸗ legung verfuͤttert werden. Hierbey waͤre folgendes in Be⸗ tracht zu ziehen: a. Das Stroh verliert, es werde aufbewahrt wie es wolle, durch das Liegen an Werth; daher es am Beſten bald nach dem Abdruſch verfuͤttert wird. Liegt es an dumpfi⸗ gen Orten, ſo wird es dem Vieh zuwider und unge— ſund. An ſehr luftigen Orten verliert es, beſonders bey den austrocknenden Winden im Fruͤhjahr, bedeu— tend an Nahrhaftigkeit, wird haͤrter und holziger, taugt deßhalb im Maͤrz nur wenig mehr zur Fuͤtterung. b. Das Stroh haͤlt ſich beſſer, wenn es bey der Aerndte in duͤnne, nach dem Abdruſche aber in dicke Buͤſchel gebunden und an einem trocknen, dem Luftzuge nicht freygegebenem Orte feſt zuſammen getaßt wird. 4¹ c. Das feſtere Stroh haͤlt ſich laͤnger als das weichere; daher das Getreideſtroh laͤnger, als das der Huͤlſen⸗ fruͤchte; das des Wintergetreides laͤnger als das des Sommergetreides; das beſſere laͤnger als das ſchlechtere. Daher man ſich bey dem Verfuͤttern in der Zeit dar⸗ nach richten muß. d. Wenn man mit Heu verſehen iſt, deſſen aber nicht ge⸗ nug hat: ſo faͤngt man mit der Strohfuͤtterung an, und verſpart jenes, da es durch ſein feſtes Taſſen der Luft den Zutritt verwehrt, alſo bey dem Liegen weni⸗ ger als das Stroh an Nahrhaftigkeit verliert, bis zum Nachwinter auf. Dieſe Anordnung iſt fuͤr den Land⸗ wirth um ſo vortheilhafter, als es bey den Wurzelgewäch⸗ ſen derſelbe Fall wie bey dem Stroh iſt. Sind naͤm— lich 2 Pfund Kartoffeln im Vorwinter 1 Pfund Heu gleich zu ſtellen, ſo ſind ſie, wie wir in der Folge noch hoͤren werden, im Nachwinter kaum Pfund Heu mehr gleich. Nun aber iſt das Stroh gewiß nie vortheilhafter als in Verbindung mit ſolchem ſaftigen Futter angebracht. Es gereicht alſo zum groͤßten Vortheil, beyde zuſam⸗ men und ſo fruͤhe als moͤglich zu verfuͤttern. e. Daß das Erweichen des Strohs in geſchnittenem Zu⸗ ſtande, es ſey, daß ſolches durch Waſſer oder Beymi— ſchung ſaftiger Subſtanzen oder durch heißes Anbruͤhen (das wirkſamſte von allen) geſchehe, die Nahrhaftigkeit deſſelben, weilen ſeine Aufloͤslichkeit befoͤrdere, erhellt von ſelbſt; ſo wie, daß, wenn es in trocknem, nicht ge⸗ ſchnittenem Zuſtande dem Vieh gereicht wird, dieſes fleißig getraͤnkt werden muͤſſe, um die Aufloͤſung der Strohtheile im Magen moͤglichſt zu erleichtern. 4² f. Die Spreu(Spreuer, Kaff, Bruͤhtz) vom Getreide ſollte nie anders, als nach einer Anbruͤhung mit ſiedendem Waſſer verfuͤttert werden, theils des Staubes wegen, den ſie enthaͤlt, theils des Unkrautſaamens wegen, der ſich bey dem Dreſchen darunter miſcht. Wird das An— bruͤhen vernachlaͤſſiget, ſo kann man ſicher ſeyn, daß dieſer Saamen in dem Miſte auf den Acker zuruͤckkehre. Noch mehr verſteht ſich, daß der Scheuerſtaub, Tenne— unrath nicht auf den Miſthaufen gehoͤre, ſondern entweder auf die Wieſen zu bringen, oder zum Rotten auf ein paar Jahre in Gruben zu werfen ſey. Ich wuͤrde dieſes nicht einmal beruͤhren, wenn ich nicht ſchon einmal in meinem Leben einen zur Gerſte gepfluͤgten Acker mit ſolchem Staube hätte uͤberſtreuen ſehen.— Aber was ſieht man nicht alles in der Welt! Wie nachtheilig ſchlechtes Futterſtroh auf die Kuͤhhal— tung einwirke, daruͤber machte Schreiber dieſes 1801 eine hoͤchſt unwillkuͤhrliche und unangenehme Erfahrung, die er manchem wenig umſichtlichem Landwirthe, oder jungem An⸗ fänger, wenn gleich zu eigener Beſchaͤmung, hier zur War⸗ nung mittheilt. In einem Lande wirthſchaftend, wo man weder Wieſenheu noch Kleeheu hat, als das was fuͤr die Pferde nothduͤrftig beſtimmt iſt, beſtand die Nahrung ſeines Hornviehſtandes beym erſten Beginnen ſeiner kleinen Wirthſchaft nur aus Stroh, Kaff und einigen Oelkuchen als ſparſames Schmaͤlzwerk, damit die Suppe den Kuͤhen nicht in der Kehle ſtecken bleiben moͤge. Daß man auf dieſe Weiſe das Vieh den Winter ganz ordentlich durchbringen kann, habe ich ſchon fruͤher be⸗ richtet; allein dazu gehoͤren zwey Bedingungen. Die erſte und zwar Hauptbedingung iſt, daß das Stroh gut geeigen⸗ ſchaftet ſey, die zweyte, daß man den Kuͤhen nicht zu viel, am beſten gar keine Milch abfordere. Von beyden Bedin⸗ gungen gieng nun nicht eine bey dem ungluͤcklichen Schrei— ber in Erfuͤllung Der Hafer war feucht eingefahren wor— den, welches zwar ſeinem Vorgaͤnger in der Wirthſchaft zu Laſt kam, wovon aber er, als Nachfolger, die Zeche bezah— len ſollte. Etwas anders als Haferſtroh war nicht da, das aber war ſchwarz und halb verdorben. Die Kuͤhe fraßen's dennoch; denn was thut man nicht, um nicht Hungers zu ſterben? Dabey wurden die Thiere fleißig gemolken, und zwar ſo lange, als ihnen noch ein Tropfen Milch abzu— zwingen war; denn mit Willen gaben ſie ihn nicht her. Was war der Erfolg? Von 5 mit einer Kuͤhhaut uͤberzogenen Gerippen gaben nur g Kaͤlber, und welche? Dem erſten, wel⸗ ches das Lebenslicht erblickte, fielen bey der Geburt die Haare vom Leibe, und die nicht fielen, konnte man ohne Muͤhe mit der Hand von dem Felle abſtreifen. Die nach— folgenden Kaͤlber glichen dem erſten und waren im wahren Sinne Ohnehoſen. Ihre Muͤtter fraßen im Fruͤhjahre zwey— mal ſo viel als andere ehrbare Kuͤhe freſſen, hatten immer Hunger, und machten ihrem Beſitzer vielen Verdruß. Da ich oben den Vergleichswerth des Strohes zu den uͤbrigen Feldprodukten, nach den intereſſanten Tabellen des A. R. Block angefuͤhrt habe: ſo wird die Wichtigkeit des Stro— hes noch einleuchtender, wenn wir lezteres nach dem von ihm angegebenen Maßſtabe in Koͤrner reduziren, und ſo den Stroher⸗ trag eines Ackers mit dem ſeines Getreideertrages vereinen. Dem⸗ nach wäͤre der Strohertrag, ſo wie ich ihn bey jeder Getreideart fuͤrden Hektar angegeben habe, an Werth gleich zu ſtellen, beym 44 Weitzen= 7 Hektoliter Koͤrner Dinkel= 15—— Rocken— 8—— Gerſte= 7—— Hafer= 13—— Da wir nun in der Folge finden werden, daß ein Hek⸗ tar im Durchſchnitte an Koͤrnern abwirft, beym Weitzen. 22 Hektoliter Koͤrner. Dinkel(Spelz). 438—— Rocken. 22—— Gerſte. 28—— Hafer. 4²—— ſo folgt, daß das Stroh im Durchſchnitte dem vierten Theil des Geſammtertrages eines gegebenen Getreideackers gleich ſey. Ich will ſagen, daß die Aerndte eines Feldes, die z. B. ſechs Scheffel Koͤrner liefert, mit Inbegriff des Strohes, acht Scheffel Koͤrner gleich zu ſetzen ſey; oder anders, daß das Stroh von drey Morgen ſo viel Werth habe, als der Koͤr⸗ nerertrag von einem Morgen. Nimmt man aber Hafer und Gerſte fuͤr ſich allein: ſo thut das Stroh von erſterm mehr, von lezterer weniger im Vergleich zu den Koͤrnern. Bey der Gerſte kommen nur vier Morgen Stroh einem Morgen Koͤr⸗ nern gleich. Nach den Gegenden ſteht das Wintergetreideſtroh in einem noch ſtaͤrkern Verhaͤltniß zu den Koͤrnern, als wir eben angenommen haben. So wird bey Antwerpen das Stroh von 2 ⅓ Morgen einem Morgen Weitzenkoͤrnern gleich geſtellt. Anbau mehlhaltiger Koͤrner. Z weytes Haupt ſtuͤck. Anbau des Getreides. Die Pflanzen, welche wir unter dem Namen Getreide bauen, gehoͤren zu dem Geſchlechte der Graͤſer. Sie unterſcheiden ſich von den gewoͤhnlichen Graͤſern dadurch: daß ſie nicht perennirend, ſondern, wenn man ſie zum Saamen kommen laͤßt, nur einjaͤhrig, zum Theile nur halbjäͤhrig ſind; daß ſie groͤßere und mehlhaltigere Koͤr— ner liefern; daß ſie, wenigſtens in Europa, nicht im wilden Zuſtande vorkommen, ſondern der Pflege des Menſchen be⸗ duͤrfen. Wie alle Grasgewaͤchſe haben die Getreidearten lange ſchmale Blaͤtter, und mit Knoten verſehene, groͤßten Theils hohle Fruchtſtaͤngel oder Halme. Da einige von ihnen die Gabe haben, unſere Winter zu ertragen, einige nicht: ſo theilt man ſie in Winter- und Sommergetreide. Das Wintergetreide iſt in der Regel ausgiebiger als das Sommergetreide. Es iſt daher eine weiſe Einrichtung der Vorſehung, daß gerade jene Getreidearten, welche zum 46 Brod, als Hauptnahrung der Menſchen, die geeignetſten ſind, wie Weitzen und Rocken, unſere Winter aushalten. Noch gewaͤhrt dieſe Verſchiedenheit zwiſchen Winter- und Sommergetreide dem Landmanne durch die Theilung ſeiner Arbeit eine ungemeine Erleichterung. Wuͤrde alles nur Win— ter⸗ oder nur Sommergetreide ſeyn: ſo wuͤrde ſich bey der Beſtellung, es ſey im Fruͤh- oder im Spaͤtjahr, die Arbeit zu ſehr haͤufen und nur ſchlecht, oder zur Unzeit, oder gar nicht vollfuͤhrt werden koͤunen. Zu den Wintergetreidearten, deren Anbau wir zu be— ſchreiben haben, gehoͤren: Weitzen, Spelz, Einkorn, Rocken, Gerſte. Zu den Sommergetreidearten: Weitzen, Spelz, Em⸗ mer, Rocken, Gerſte, Hafer, Hirſe, Mais. Eigentlich ſind alle angefuͤhrten Getreidearten Sommer— getreide. In waͤrmern Klimaten heimiſch, reicht die Zeit vom Fruͤhjahre zum Herbſte zu, ihnen den erforderlichen Grad von Vollkommenheit zu geben. Von da verpflanzt nach mehr noͤrdlichen Gegenden, reicht zwar auch jene kurze Pe⸗ riode fuͤr ihre Reife zu; allein nicht eben ſo fuͤr die Voll— kommenheit der edelſten unter ihnen, die namentlich zum Brode beſtimmt ſind. Der Menſch ſuchte alſo einen Vor⸗ ſprung in der Zeit zu Gunſten der Vegetation zu gewinnen, und verſuchte mit Erfolg die Getreidearten ſchon im Herbſte zu ſaͤen. Das Gluͤck wollte, daß es ihm gerade am beſten mit denjenigen gelang, an welchen ihm am meiſten gelegen war, wie Weitzen, Dinkel, Rocken. Wahrſcheinlich gieng das Gelingen damit nur nach und nach von ſtatten, wie man auch nur ſtufenweis mit dem Saamen nach mehr und mehr kaͤltern Gegenden ruͤckte, und ſo den Zaͤrtling allmaͤhlich mit der Abhaͤrtung befreundete, 47 bis er ſich endlich ſo ſehr an die Laͤndlichkeit gewoͤhnt hatte, daß er nun nicht mehr ohne Vorſicht und zufällige Um⸗ ſtaͤnde davon abzubringen iſt. Leichter faͤllt es jezt, das Som— mergetreide, mit Ausnahme von Hafer, Hirſe, Mais, in Wintergetreide umzuwandeln, als umgekehrt. Im Ganzen iſt das Gerathen des Wintergetreides we— gen ſtaͤrkerer Bewurzelung, Beſtockung und laͤngerem Wachs— thum weniger gefaͤhrdet und traͤgt mehr und ſchwerere Koͤr⸗ ner als das Sommergetreide; daher man jenes im gemei— nen Gebrauche auch wohl ſchwere, dieſes leichte Frucht nennt. Noch hat die Verſchiedenheit der Cultur, des Klima's, des Bodens, oder einer zufaͤlligen ungleichen Befruchtung eine Menge Arten und Spielarten erzeugt, die mehr oder weniger feſtſtändig, mehr oder weniger vortheilhaft ſind. Ich bin daher weit entfernt zu glauben, daß wir nicht etwas noch Beſſeres erhalten koͤnnen, als das, was wir ſchon be— ſitzen; allein, ehe wir uns zu dem Neuen entſchließen, er— fordert die Klugheit und Unbefangenheit, es vorher mit dem alten Ueblichen zu vergleichen; daher das Empfohlene erſt in Kleinem, und mehrmal ſelbſt zu pruͤfen, bevor wir die Sache damit ins Große treiben. Gut mag oft fuͤr den Gar— ten ſeyn, was fuͤr's freye Feld nicht taugt; gut fuͤr jene, was nicht fuͤr dieſe Gegend!*) Jedes Getreide, ſo wie jedes Gewaͤchſe, hat einen Bo— den, eine Lage, worin es ſich gefällt, ſo wie eine andere *) Wenn der Leſer in der vorliegenden Abhandlung uͤber den Getreidebau die Angabe der verſchiedenen Ab⸗ und Spielarten ver⸗ mißt, und nur Kunde von den gemeinuͤblichen Arten findet, ſo ge⸗ ſchieht es, um den Band nicht ohne Noth zu verdicken. 48 Stellung, in der es nicht fort will. Etwas hinzwingen wol— len, wo es ſeiner Beſtimmung nach nicht hingehoͤrt, bleibt entweder eitles Bemuͤhen oder gewaͤhrt wenig Nutzen. Die Natur in ihrem Gange meiſtern wollen, zeigt Unſinn; ihr folgen und nachhelfen, Klugheit! Die Lehre, daß der Landwirth alles ſelbſt erzielen ſoll, deſ⸗ ſen er bedarf, um nur kein Geld ausgeben zu duͤrfen, iſt nicht gut. Oft wird das Selbſterzielte theurer zu ſtehen kom⸗ men als das Erkaufte. Er ſehe vielmehr: wozu ſein Boden am meiſten geeignet iſt; was dieſen auf die Dauer im Stand haͤlt; was er mit dem geringſten Aufwand und dem groͤßten Vortheil hervorbringt; was einen leichten und loh— nenden Abſatz findet; was ſeine Haͤnde oder ſein Geſpann am nuͤtzlichſten und in gehoͤrigem Maße beſchaͤftiget, gleich⸗ viel ob es Rocken oder Weitzen, Hirſe oder Hafer ſey; das baue, davon verſilbere er, um ſich das Fehlende zu ver⸗ ſchaffen. Er zwinge daher den Weitzen nicht hin, wo Rocken hingehoͤrt. Er fordere von dem Haferboden keine Gerſte, von dem erſchoͤpften Boden keinen Raps; von dem kalkloſen keinen Esper; von dem thonigen keinen Spergel, ſondern be⸗ herzige, was ſein Boden vermag und buͤrde ihm nicht mehr auf, als er vertraͤgt. Inveniat quid natura faciat aut ferat. Erſter Abſchnitt. Anbau des Weitzens. Unter allen Getreidearten ſteht dieſe Koͤniginn des Feldes oben an. Sie liefert das geſchmackvolleſte und nahrhafteſte Mehl, Mehl, und ſteht, mit Ausnahme ſehr weniger Gegenden, am hoͤchſten im Preiſe. In England und Frankreich baut man, als Brodfrucht, beynahe nur Weitzen. §. 1. Weitzenarten. Der Freyherr von Witten zaͤhlt ohne die Spelzarten, nicht weniger als 40 Arten Weitzen in ſeiner ſchaͤtzbaren Ab⸗ handlung uͤber den Anbau neuentdeckter Getreidearten auf, und gewiß wird das Publikum ihm den groͤßten Dank wiſ— ſen, wenn er nach einem mehrjaͤhrigen Zeitraum, durch Aus⸗ fuͤhrung im Großen, wird ausgemittelt haben, welche jener Weitzenarten ſich unter beſtimmten oͤrtlichen Verhaͤltniſſen, auf einem gegebenen Boden, und bey einer gegebenen Cul⸗ tur und Fruchtfolge am lohnendſten und feſtſtaͤndigſten ver⸗ halten hat.“ Wenn es wahr iſt, daß Klima und Boden, wie bey den Thieren alſo auch bey den Pflanzen, verſchiedene Mo⸗ difikationen und vor und nach ſolche Abarten, oder Spiel⸗ arten hervorbringen, die unter gleichen Umſtaͤnden als dauernd zu betrachten ſind: ſo iſt gar nicht zu zweifeln, daß ſolche Abaͤnderungen bey einer ſo edeln Fruchtart, wie der Weitzen, auf deren Erzielung die Menſchen ſich mit der meiſten Sorg— *) Doch! verdient nicht auch ſchon jezt der Mann unſern Dank, der ſich dem muͤhſamen Geſchaͤfte, Verſuche zu machen, unterzieht? Sollte auch nur ein einziger unter den vielen gedeihen; ja, ſchluͤgen ſie alle um; Und wuͤrden nicht erbluͤhen ſeiner Hoffnung Roſen; Sein raſtlos Streben Fruͤchte tragen nimmer; Und's blieb ein Traum: ſo traͤumt Er wenigſtens In ſeiner Seele Menſchenwohl, Und ſchon der Traum verdient der Edeln Dank! v. Schwerz Anleit. z. prakt. Ackerbau. II. Bd. 4 50 falt verlegt haben, vorzugsweiſe ſtatt gefunden haben. Denn nicht allein in dem heißen Suͤden, ſondern auch in dem kal— ten Norden, nicht blos auf ſtrengem Thon, ſondern auch auf ſandigem Thon, ja auf thonigem Sand; nicht blos in feuchten, ſondern auch in trocknen Lagen; auf humusreichem und auf duͤrftigem Boden ſuchte man Weitzen anzubauen, und ſo mochte durch lang fortgeſetzte Fortpflanzung ſich vor und nach eine Spielart bilden, die zu den gegebenen Um— ſtaͤnden am paſſendſten wurde. Daß es begrannten und nicht begrannten Winterweitzen, ſo wie begrannten und nicht begrannten Sommerweitzen gebe, iſt an den meiſten Orten bekannt; weniger daß der begrannte in nicht begrannten und der nicht begrannte in V begrannten ausarten koͤnne. Nach Reichart verliert der Saamen des begrannten boͤhmiſchen Weitzens, außer ſeiner Heimath angeſaͤet, in zwey Jahren uͤber die Haͤlfte ſeiner Grannen. Wird dieſer Saamen im dritten Jahre wieder ausgeſaͤet, ſo geht das ganze Stuͤck in unbegrannten Weitzen uͤber. Der Franzoſe Duͤhamel liefert das Seitenſtuͤck zu obiger Verwandlung.„Es giebt, ſagt er, begrannten und unbegrannten weißen Weitzen. Dieſer giebt mehr Mehl als jener. Wahrſcheinlich ſind beyde eine und dieſelbe Weitzen⸗ art; denn ſaͤet man von dem begrannten bey Petiviers: ſo hat er bey der dritten Aerndte ſeine Grannen ſchon ver⸗ loren. Dagegen erhaͤlt der unbegrannte Weitzen Grannen, wenn man ihn auf den ſchweren Boden bey Orleans bringt.“ Wir ſehen, welchen auffallenden Einfluß der Boden auf die aͤußere Geſtalt dieſer Fruchtart, und wahrſcheinlich auch— auf ihren innern Gehalt aͤußere. Dieſer Einfluß wird alle— mal um ſo ſtaͤrker ſeyn, als der Boden, wohin der Saa⸗ 51 men verpflanzt wird, ſeinen Beſtandtheilen nach kein eigent⸗ licher Weitzenhoden iſt, dieſer alſo gewiſſer Maßen auf dem ihm fremden Boden erkuͤnſtelt werden muß, wie ſolches in der ſandigen Provinz Norfolk der Fall iſt. Man baut daſelbſt in der Regel einen rothen Weitzen(red-wheat).— Man häͤlt ihn fuͤr ſchwerer als jeden andern, ob er gleich nicht ein ſolches Anſehen hat; denn ſein Korn iſt lang, ſchmal, und dem Rocken viel aͤhnlicher als dem Weitzen.— Wer erinnert ſich nicht, daß der Sandboden der eigentliche Rockenboden ſey? Und wer ahnet nicht, daß, auf ſolchen Boden gebracht, der Weitzen ſich einiger Maßen dem Rocken an Geſtalt und Ausſehen naͤhern muͤſſe? Nebſt dieſem Wei⸗ tzen fuͤhrte man in derſelben Provinz einen weißen Weitzen Ckentish white cosh) ein, der ſeiner dicken Koͤrner wegen, mehr ausgiebt als der rothe, und an Guͤte nicht viel weni⸗ ger geſchaͤzt wird. Wird aber dieſer weiße Weitzen einige Zeit fortgepflanzt: ſo artet er ſtufenweis in den rothen aus, und geht am Ende gaͤnzlich in ihn uͤber, ungeachtet man Sorge trug, ihn in Entfernung von dem rothen zu bauen. Indeſſen iſt dieſes bey dem Weitzen in den Niederlan⸗ den, wo man ſowohl weißen als rothen Weitzen baut, nicht der Fall. Auffallend iſt es, daß man daſelbſt den rothen Weitzen nach dem weißen, unter ſichern Umſtaͤnden, folgen laſſen darf, waͤhrend das mit weißem nach weißem Weitzen nicht einſchlaͤgt. Der Bartweitzen ſoll dem Roſt und Brand weniger unterworfen ſeyn und etwas fruͤher als der Kolbenweitzen reifen. Er hat ein ſteiferes Stroh, lagert daher nicht ſo leicht als dieſer, und iſt ſeiner Grannen wegen dem Vogelfraß weni— ger ausgeſetzt; dagegen faſſen ſeine Aehren um ſo mehr 5² Wind, und brechen leichter ab. Dabey iſt ſein Korn etwas kleiner, weniger ausgiebig, beſſer zum Branntweinbrennen als zum feinen Mehle geeignet. Was Burger uͤber ſeine Verſuche uͤber den Anbau fremder Weitzenarten ſagt, iſt ſo ſehr die Tagesgeſchichte aller derer, die ſich bisher damit abgegeben haben, daß ſie verdient woͤrtlich hier eingeruͤckt zu werden.„Ich habe, ſchreibt er, in fruͤheren Jahren eine große Anzahl von Weitzenarten aus allen Laͤndern im Garten gebauet, und immer war eine ſchoͤner als die andere. Wenn ich aber die im Garten er⸗ beuteten Koͤrner auf den Acker brachte, und ſie gleich dem einheimiſchen Weitzen behandelte: ſo ſchwanden ihre Vorzuͤge oft ſchon im erſten, ſicher aber im zweyten und dritten Jahre; und oft zeigte es ſich, daß ſie unſere langen Winter und die Nordoſtwinde des Fruͤhlings nicht ſo gut uͤberſtanden, wie unſere heimiſchen Weitzenarten, was beſonders von jenen gilt, die weißgelbe Koͤrner hatten.“ §. 2. Je mehr die Eigenſchaften des Bodens, die darin vor⸗ findlichen Nahrungsſtoffe, und die Eigenſchaften des Klima einer gegebenen Frucht entſprechen, um ſo vollkommener wird ſie, um ſo weniger gefaͤhrdet ihr Anbau, um ſo lohnender iſt ihr Ertrag! Da wo jene Bedingungen ſich nicht vereint finden, kann der Abgang der einen nicht ſelten durch die Anweſenheit der uͤbrigen bis auf einen gewiſſen Grad ausgeglichen werden. Vor Allem liebt der Weitzen einen bindigen, friſchen ſaͤurefreyen, kraͤftigen, etwas kalkhaltigen Boden. Er ver⸗ ſagt auf einem loſen, trocknen, ſauern, magern Boden. Er gedeiht nur mittelmaͤßig auf gewoͤhnlichem, kalkloſem, we⸗ Boden zum Weitzen. 5³ nig kraͤftigem Lehm. Er koͤmmt ſchlecht auf zaͤhem, zu ſonſti— gen Fruͤchten untauglichem Thon; es ſey denn, daß man in all dieſen Faͤllen den Ertrag mit einem unverhältnißmaͤßigen Aufwand von Duͤnger erkaufen; oder auf ſandigem Boden, nach Art der Englaͤnder, das Feld eindreiſchen wolle. Je waͤrmer und trockner das Klima einer Gegend iſt, wo Weitzen gebaut wird, um ſo noͤthiger thut ihm der bin— dige Boden; umgekehrt alſo kann er auf einem viel weniger zuſammenhangendem Boden kommen, der durch ein feuchte⸗ res Klima, und einen geſchloſſenen Untergrund beguͤnſtiget wird. Aus der Urſache gedeiht er bey angemeſſener Cultur in einigen Gegenden Englands ſelbſt auf lehmigem Sand⸗ Das Geeignetſeyn des Bodens zum Weitzenbau nach ſeinem Thongehalte zu beſtimmen, haͤlt ſowohl aus den eben angefuͤhrten Urſachen, als auch ſchon darum nicht Stich, wei⸗ len die Feinheit des dem Boden beygemiſchten Sandes den Thon großen Theils erſetzen kann. Dem Abgange natuͤrlicher Faͤhigkeiten des Bodens zum Weitzenbau kann endlich die Induſtrie einiger Maßen zu Huͤlfe kommen. So wird der Lockerheit und daraus entſtehender Trockenheit durch ſchweres Walzen und eine paſſende Vor⸗ frucht, der Kraftloſigkeit durch ſtarkes Duͤngen, der Saͤure durch Kalk und Mergel, der Verſumpfung durch Abzuͤge, der zu großen Gebundenheit und Verunreinigung des Bo⸗ dens durch eine gute Brachbearbeitung begegnet. Beſſer aber und ſicherer wird ſich der Landwirth dabey ſtehen, auf Boden, der mehr ein Rocken- als Weitzenboden iſt, dem Rocken oder der Gerſte den Vorzug zu geben; iu ſo ferne andere, von ſeiner Willkuͤhr unabhaͤngige Umſtaͤnde nicht das Gegentheil erheiſchen. 54 „In Norfolk, ſo wie auch anderswo, ſagt Mars⸗ hall, ſaͤen die Landwirthe Weitzen auf jeden Boden; allein koͤmmt die Aerndte heran: ſo findet ſich nicht ſelten, daß ſie mehr Vortheil von einer ſchoͤnen Gerſtenaͤrndte als einer halben Weitzenaͤrndte gehabt haben wuͤrden. Daher verwen⸗ den auch die denkenden unter ihnen ihre leichten Felder hauptſaͤchlich zur Gerſte. Wo man der ſandigen Beſchaffenheit des Bodens we⸗ gen, den Weitzen mit Gewalt zu erzwingen ſucht, wuͤrde man gewiß ſicherer, daher beſſer fahren, ein Gemiſch von Weitzen und Rocken, als reinen Weitzen zu waͤhlen. Noch iſt in Gegenden, wo man wenig oder keinen Weitzen baut, derſelbe, dem Fraße der Sperlinge wegen, wenigſtens in der Nachbarſchaft der Gehoͤfte zu widerrathen. §. 3. Stand des Weitzens in der Fruchtfolge. Man ſaͤet den Weitzen entweder in reine Brache; oder nach Brachfruͤchten, das heißt nach Dreiſche, Klee, Boh⸗ nen, Erbſen, Buchweitzen, Kopfkohl, Kartoffeln, Ruͤben, Raps, Taback, Mais, Hanf und Lein; oder nach Getreide, das heißt nach Hafer, Wintergerſte und Weitzen. Welcher von dieſen Gegenſtaͤnden der beſte Vorgaͤnger fuͤr den Weitzen ſey, iſt ſchwer zu beſtimmen, da ſolches zugleich von dem Boden, dem Klima, der Kraft des Ackers, der Behandlungsart, dem Fruchtumlaufe und manchmal auch von dem Zuſtande der Vorfrücht ſelbſt abhaͤngt. Als Regel mag hier gelten, daß, je muͤrber und weniger zaͤh ein Boden iſt, deſto mehr ſich die Auswahl der Fruͤchte verviel⸗ faͤltiget, welchen man dem Weitzen vorangehen laſſen kann. Auf zaͤhem Thonboden, der beym Regen viel Waſ⸗ 55 ſer aufnimmt und ſolches nicht leicht wieder verliert; dann aber bey eintretender Trockenheit zu einem Steine verhaͤrtet und ſich nur mit großer Anſtrengung in große Schollen bricht, bleibt die reine Brache die einzig ſichere Vorberei⸗ tung zum Weitzen. Wird aber die Miſchung eines ſolchen zaͤhen Bodens durch Aufbringen von Kalk, Mergel und hu⸗ moſen Theilen verbeſſert: ſo folgt von ſelbſt, daß die Brache in demſelben Verhaͤltniſſe entbehrlich werde. Außer der Brache ſind auf ſchwerem Boden die Pfer⸗ debohnen etwas dicht geſaͤet und reichlich geduͤngt zu em⸗ pfehlen; obgleich ſie, man ſage was man wolle, darin der Brache nicht beykommen. Auf gutem kraͤftigem Klai, der nach einem Regen bald wieder abtrocknet und zerfällt, der ſich beſonders auch zu der großen Gerſte eignet, ſind Taback und Hanf ſehr brave Vorgaͤnger zum Weitzen. Der Taback wird auf ſolchem Boden einſtimmig fuͤr die beſte Vorfrucht gehalten. Die ſtarke und gute Duͤngung, das wiederholte, ſorgfäͤltige Behacken, welche er erheiſcht, machen, daß, in ſo ferne dem Acker die Tabackſtaͤngel gelaſſen werden, man im Elſaß auf, Ertrag vom Weitzen mehr, als nach jeder andern Vorfrucht rechnet, obgleich in kuͤhlen Sommern der Taback nur ſpaͤt das Feld verlaͤßt. Da zum Hanfe noch ſtaͤrker als zum Taback geduͤngt wird, und dieſe Pflanze kein Unkraut aufkommen laͤßt: ſo giebt ſie als Vorfrucht zum Weitzen dem Taback wenig nach. Nach Kopfkohlſcheffelt der Weitzen zwar ziemlich gut; da aber das Feld weniger Stroh hervorbingt, ſo ſteht das Ganze des Ertrages dem des Tabackweitzen ſehr viel nach. Das ſpaͤte Einarndten des Kohls, ſo wie das des Tabacks, 56 ſteht dennoch in ſolchen Gegenden, wo der Weitzen fruͤh ge⸗ ſaͤet ſeyn will, dem Gedeihen des Leztern entgegen. Es giebt Gegenden, das Elſaß zum Beyſpiele, wo man auf daſigem koſtbarem Boden den Mais nur fuͤr eine ſchlechte Vorfrucht zum Weitzen haͤlt. Daher nehmen die da⸗ ſigen Felderwirthe den Mais ins Sommerfeld, und laſſen im Brachjahre Taback oder behackte Bohnen, und erſt darauf Weitzen folgen. Indeſſen wird im ſuͤdlichen Frankreich, ſo wie auf einigen Marſchboͤden in Ungarn alljaͤhrlich mit Erfolg abwechſelnd Mais und Weitzen gebaut. Nach Klee wird der Weitzen auf Boden, wovon hier Rede iſt, leicht lager. Auf reichem muͤrbem Weitzenboden gehen Erbſen und Wicken dem Weitzen nuͤtzlich voran, und es zeigt ſich zwiſchen ihnen und der Wirkung der Brache manchmal wenig Unter⸗ ſchied. Uebrigens wird man ſich auf ſolchem Boden nicht leicht zu einer reinen Brache entſchließen. Selbſt fuͤr!die an⸗ gefuͤhrten Schotenfruͤchte wird man dieſen Boden oft zu gut finden, und darauf, wie im Elſaß, den Bohnen den Vor⸗ zug geben. Eine mehrzaͤhrige Dreiſche, vorausgeſezt, daß es ein eigentlicher Weitzenboden, und bey genuͤgſamer Kraft zu Gras niedergelegt worden ſey, wird ſehr vortheilhaft, und ungeduͤngt, ſogleich mit Weitzen beſtellt.: Auf mehr gebundenem friſchem und tieferm Lehmboden, der ſich vorzuͤglich zum Klee eignet, bleibt deſſen einjaͤhrige Narbe oder Stoppel die beſte Vorbereitung, welche man dem Weitzen geben kann, vorausgeſezt daß der Klee ſelbſt in kraͤftigem Zuſtande war. Ein ſchmaͤchtiges ver⸗ quecktes Kleefeld giebt nur ein erbaͤrmliches Weitzenfeld ab. 57 Die Schotenfruͤchte, Wicken und Erbſen ſind eine paſſable, behackte Bohnen aber eine vorzuͤgliche Vorfrucht fuͤr Weitzen. Auch gruͤn abgefuͤtterte Wicken leiſten zu die— ſem Zwecke bey weitem nicht, was Klee leiſtet.„In naſſen kalten Sommern, ſagt Koppe, wo die Huͤlſenfruͤchte be⸗ kanntlich ſpaͤt reifen, verzoͤgert ſich die Zuruͤſtung des Bo— dens zu der Weitzenſaat ungemein, und dann iſt in der Re⸗ gel der Verluſt an dem nachfolgenden Weitzen groß. Es iſt daher nie rathſam, bey einem großen Gute ſich mit einem anſehnlichen Theile der Weitzenausſaat ſo einzurichten, daß ſie den breitwuͤrfig geſaͤeten Huͤlſenfruͤchten folgen. Die in Rei⸗ hen geſaͤeten Bohnen ſind in Anſehung der Reife zwar nicht minder von der Witterung abhaͤngig, des Behackens wegen aber kann der Weitzen nach ihnen, wie nach dem Taback, unbedenklich einfaͤhrig beſtellt werden.“ Gruͤnwicken ſind allerdings eine beſſere Vorbereitung zum Weitzen, als reif gewordene; indeſſen koͤmmt auch bey ihnen viel darauf an, ob ſie fruͤh oder ſpaͤt geſaͤet und abge— fuͤttert worden ſind. In lezterm Falle ſieht man es dem Wei⸗ tzen zu ſeinem Nachtheile wohl an. Unter allen angefuͤhrten Gegenſtaͤnden verdient der Raps unſtreitig auf dem vorliegenden Boden als Vorfrucht zum Weitzen den Vorzug; vorausgeſezt, daß der Naps ſelbſt in keinen Boden gepflanzt worden, der ſeiner unwuͤrdig war. Die fruͤhe Einaͤrndtung des Rapſes und die dadurch bewirkte Moͤglichkeit einer Brachbearbeitung traͤgt wohl das Meiſte zu dem trefflichen Gelingen des Weitzens bey.„Auf allen Bo⸗ denarten, ſagt Koppe, wo der Weitzen bey guͤnſtiger Wit⸗ terung ſich lagert, gewaͤhrt die Rapsſtoppel eine beſſere Vor⸗ bereitung zum Weitzen, als die reine Brache, weil das Korn 58 ſchwerer und ſchoͤner iſt, welches der Weitzen in der Raps⸗ ſtoppel traͤgt.“ Auf ſandigem Lehm, und noch mehr auf leh⸗ migem Sand ſind in den Niederlanden die Kartoffeln eine ſehr geſchaͤzte Vorfrucht fuͤr den Weitzen, vorausgeſezt, daß zu jenen kraͤftig geduͤngt worden. In Belgien ſowohl als im Altenburg'ſchen und am Rhein hat man ſich von dem Nutzen der Kartoffeln in jenem Bezuge uͤberzeugt. Der Kartoffelweitzen giebt zwar einige Bunde weniger, aber nicht weniger Koͤrner als der Brachweitzen, und iſt dem La⸗ gern nicht unterworfen. Dr. Schweizer bezeugt, daß viele Altenburger es fuͤr rathſam halten, Weitzen nach Kartoffeln zu ſaͤen, und mehr Vortheil dabey finden, als beym Rocken; daher das Weitzenſaͤen nach Kartoffeln ſich immer mehr daſelbſt verbrei⸗ tet und faſt allgemein geworden iſt. Selbſt nach Ruͤben iſt es in dem Altenburg'ſchen, und auch in Norfolk nichts ungewoͤhnliches, Weitzen zu bauen. Doch will ich ſolches keineswegs als Muſter einer guten Wirth⸗ ſchaft empfehlen. Nach Krapp kann ſelbſt auf leichtem Sandboden Weitzen geſaͤet werden, wenn das Land nur zureichend fett iſt. Ich fand davon Beyſpiele im Elſaß. In Norfolk koͤmmt der Weitzen auf daſigem lehmi⸗ gen Sand beynahe nur als Ausnahme auf einjahriger Kleeſtoppel vor.„Der regelmaͤßige Umlauf einer guten Cul⸗ tur, ſagt Marshall, bringt den Weitzen in dieſer Pro⸗ vinz unabaͤnderlich nach dem zweyten Jahre der Futterkraͤu⸗ ter an, und man kann rechnen, daß ungefaͤhr die neun Zehntel von allem Weitzen, der in Norfolk gebauet wird, auf 29 Klee folgt, der im zweyten Jahre umgebrochen worden. Wenn man auch gleich genoͤthiget durch einen unvorherge— ſehenen Zufall davon abweicht, und den Weitzen nach ein⸗ jährigem Klee folgen laͤßt: ſo bleibt doch die Methode, ihn erſt im zweyten Jahre folgen zu laſſen, hier die allge⸗ meinſte“*) Endlich iſt es in einigen Gegenden, unter andern in Belgien, nicht ungewoͤhnlich Weitzen nach Hafer oder gar Weitzen nach Weitzen folgen zu laſſen. Zu lezterm zumal gehoͤrt ein ſehr guter Weitzenboden. Man beobachtet dabey, daß der rothe Weitzen ſich als Folgefrucht am beſten eigne. Die Folge des Weitzens nach Hafer iſt nicht ſchlecht. Wo der Boden ſo uͤppig iſt, daß man nach dem Klee nur La⸗ ger von dem Weitzen zu erwarten hat, wird man mit mehr Erfolg Hafer nach dem Klee und dann erſt Weitzen folgen laſſen. „Nach ſtark geduͤngtem Hafer Weitzen zu ſaͤen, ſagt Burger, iſt ein ſehr beliebter Fruchtwechſel in Kaͤrnthen und in Schleſien. Solcher Weitzen iſt ſehr rein, zwar kuͤrzer im Stroh, wird dafuͤr aber fruͤher reif, und weniger vom Roſt befallen.“. Lein iſt nur ein ſchlechter Vorgaͤnger fuͤr Weitzen; es ſey denn, daß jener in eine Kleedreiſche geſaͤet worden waͤre. Da man Weitzen nach Klee folgen laͤßt; ſo folgt, daß ſolches auf angemeſſenem Boden noch mehr nach Esper und *) Um ſolches zu verſtehen, muß man ſich erinnern, daß die Englaͤnder, namentlich die Norfolker, Raygras unter den Klee ſaen, und ſich deſſen im Vorſommer des zweyten Jahres zur Weide bedie⸗ nen, und darauf das Feld wie Brache bearbeiten. 6⁰ Luzerne geſchehen kann. Im mittaͤgigen Frankreich ſaet man zwey, auch drei Jahre hintereinander Weitzen auf einen alten Luzernacker.. Will man das Geſagte in kurze Verhaltungsregeln zu⸗ ſammenziehen, ſo heißen dieſe ¹) auf ſandigem, daher wenig kraͤftigem Boden laß eine mehrjaͤhrige Grasdreiſche,— 2) auf etwas mehr gebundenem und ſtark geduͤngtem Boden laß Kartoffeln oder zweyjaͤhrige Kleedreiſche,— 3) auf ſchwerem Marſchboden laß behackte Bohnen,— 4) auf gutem Mittelboden laß einjaͤhrigen Klee, oder iſt der Boden verunreiniget, Brache oder Buchweitzen,— 5) auf ſchwerem Thon laß reine Brache— dem Wei⸗ tzen vorhergehen. 6) Auf Boden, wo Lager zu befuͤrchten iſt, laß nach dem Klee den Weitzen weg; ſaͤe lieber Bohnen und dann erſt Weitzen. 7) Nach mißrathenem, daher verquecktem Klee, ſaͤe Hafer und nicht Weitzen. 8) Auf Boden, der ſich ſeines Sandgehaltes und trock⸗ ner Lage wegen, beſſer zu Rocken als Weitzen ſchickt, halte dich am Rocken. 9) Auf Boden, dem es an alter Kraft gebricht, ſaͤe keinen Weitzen. §. 4. Bereitung des Bodens zum Weitzen. Wenn der Weitzen nur einen geſchloſſenen kraͤftigen Bo⸗ den haben kann: ſo erfordert er zu ſeiner Beſtellung we⸗ niger Sorgfalt als die uͤbrigen Getreidearten.„Man hat, ſagt A. YVoung, oft um ſo weniger Weitzen, als man 61 ſich mehr Muͤhe giebt, welchen zu haben.“ Man pfuͤgt, in der Regel, zum Weitzen weder ſo tief noch ſo fleißig als zum Rocken und eggt groͤber weg. Schließt das Innere des Bodens nur gut zuſammen: ſo achtet man auf die kleinen Kloͤtte nicht, die nach der Einſaat oben auf liegen bleiben. Man liebt ſie ſogar, als dem Weitzen zum Schutze im Winter dienend, und durch das Verſchleifen im Fruͤhjahre friſche Erde gewaͤhrend. Auch auf die Witterung koͤmmt es bey der Bearbeitung des Bodens nicht ſo genau an. Hat man Rocken und Wei⸗ tzen zu ſaͤen: ſo benutze man das guͤnſtige trockne Wetter vorzugsweiſe zur Bearbeitung des Feldes zum Rocken. Indeſſen leidet die Vorarbeit fuͤr den Weitzen nach Ver⸗ ſchiedenheit des Bodens, der vorhergehenden Fruͤchte, der Zeit und Umſtaͤnde bedeutende Abaͤnderungen, welche wir nach ihren mannichfaltigen Erforderniſſen hier anzugeben verſuchen werden. a. Bearbeitung der Brache. Da die Behandlung der Brache im Allgemeinen bey dem Vortrage uͤber die Feldbehandlung ihre Stelle findet, ſo beſchräͤuke ich mich hier blos auf einige einzelne Beyſpiele. In dem Altenburg'ſchen wird, nach Schmalz, die Brache zum Weitzen drei⸗ auch viermal gepfluͤgt. Im leztern Falle hat die erſte Fahre ſchon vor Winter ſtatt. Um Johannis wird der Miſt aufgefahren und nicht tief untergepfluͤgt, damit er bey der nächſten Pflugart untergriffen werden kann. Rauh bleibt der Acker liegen, bis im Auguſt geeggt und von Neuem gepfluͤgt wird. Wo moͤglich geſchieht dieſes uͤber die Breite des Feldes, um den Miſt deſto vollſtaͤndiger mit dem Boden zu vermengen, und dieſen auf das beſte zu verkruͤmeln. Nun 6² bleibt der Acker von Neuem einige Zeit rauh liegen, und wird erſt dann, wann das Saamenunkraut ausgelaufen iſt, vereggt. Die Saatfurche wird mit großer Sorgfalt abge— fertiget und zwar 3—4 Wochen vor der Einſaat. Ein fuͤnf⸗ maliges Pfluͤgen hat ſehr ſelten, und nur auf aͤußerſt ver— quecktem Acker ſtatt. Dabey unterlaͤßt man nicht nach je⸗ der Pflugart ein oder einige Mal gut zu eggen, um alles Unkraut zu tilgen.“ In Norfolk wird nur ſelten rein gebracht, da man die Brache gewoͤhnlich durch den Hackbau der Ruͤben zu erſetzen ſucht.„Indeſſen, ſagt Marshall, wenn ein Land durch eine ſchlechte Behandlung, das heißt, durch einen zu oft wiederholten Getreidebau, heruntergekommen, oder das Un⸗ kraut darauf uͤberhand genommen hat: ſo halten die ge— ſchickteſten Wirthe eine reine Sommerbrache fuͤr das ſchick⸗ lichſte Mittel, das Land wieder in Stand zu ſetzen.“ Von der Spatbrache der Norfolker wird bey dem Wei⸗ tzen nach Dreiſche Rede ſeyn. b. Bearbeitung des Bodens nach Taback. Ein ſo wohl bearbeitetes Land, wie das, welches Ta⸗ back getragen hat, bedarf nur einer Pflugart zum Weitzen. Sobald naͤmlich der Taback entblaͤttert, werden die Strun⸗ ken ausgehauen, damit ſie nicht ferner austreiben und den Boden erſchoͤpfen moͤgen. Man ſtreift mit einer Schleife oder umgeworfenen Egge die Erde von den Wurzeln, wirft die Strunken zur Seite, damit ſie dem Pfluge nicht im Wege liegen, und ſtreut ſie, wenn der Weitzen geſaͤet iſt, wieder uͤber das Feld her. Hier bleiben ſie bis zum Fruͤh⸗ jahre liegen. Man haͤlt dafuͤr, daß das Obenaufliegen der 63 Strunken waͤhrend des Winters dem Weitzen fromme. Sind die Strunken nicht zu ſtark: ſo iſt es vortheilhafter ſie un— terzupfluͤgen, zu welchem Zwecke ſie aber mit Ordnung und Vorſicht eingelegt werden muͤſſen, damit ſie der Pflug unter— und die Egge nicht wieder heraufbringe. c. Bearbeitung des Bodens nach Kartoffeln, Kraut und Ruͤben. Nach der Kartoffelaͤrndte wird in die Laͤnge und Quer geeggt, theils um die Kartoffeln vollends zu Tage zu foͤrdern, theils das Land zu ebnen. Iſt das Laub weggebracht: ſo wird gepfluͤgt und geſaͤet, wobey eine Egge dem Saͤemann vorgeht, die andere ihm folgt. Iſt zu den Kartoffeln nicht tuͤchtig geduͤngt geweſen, ſo muß zum Weitzen geduͤngt werden. Deſſen ungeachtet wird in den Niederlanden nicht mehr als einmal gepfluͤgt. Daſſelbe Verfahren hat auch im Elſaß ſtatt. Indeſſen verdient in dem Falle das Ueberduͤn— gen des Weitzens ſelbſt bey weitem den Vorzug. Auch nach Kopfkohl und behackten Ruͤben bedarf es nur eines einmaligen Pfluͤgens. Nur wenn ein Ruͤbenland ver— nachlaͤſſiget worden, alſo mit Unkraut beladen iſt: ſo wird in Norfolk geſchaͤlt(flach gepfluͤgt), vereggt, Weitzen geſaͤet und untergepfluͤgt. Sonſt pfluͤgt man daſelbſt nur einmal zu mittler Tiefe, ſaͤet auf die rauhe Furche und eggt ein. d. Bearbeitung des Bodens nach verſchiedenen Gegenſtaͤn den. Nach Hafer und Lein wird das Land vorlaͤufig ge— ſchaͤlt, vereggt, Miſt aufgebracht, im Falle zu jenen Ge— genſtaͤnden nicht geduͤngt worden waͤre, der Miſt untergepfluͤgt, darauf noch einmal und zwar tiefer gepfluͤgt. Wer aber in ein ausgemagertes Haferland Weitzen ſaͤen will, wird wahr⸗ lich wenig Freude daran erleben. Nach Bohnen und Hanf bleibt ein zwey⸗ auch drey⸗ maliges Pfluͤgen anraͤthlich. Nach Mais und gruͤn abgefuͤtterten Wicken genuͤgt ein einmaliges. Standen Erbſen und Wicken ſchlecht, ſo wird der Wei⸗ tzen herzlich ſchlecht ſtehen, und man wird geſcheiter thun Brache oder Hafer, als Weitzen, darauf folgen zu laſſen. Wie oft man nach den Erbſen pfluͤgen ſoll, haͤngt von Zeit, Umſtaͤnden und Boden ab. In Norfolk ſcheut man ſich nicht drey⸗ bis viermal darnach zu pfluͤgen; manchmal laͤßt man es aber ſchon bey dem erſten bewenden. Wo man ſpät ſaͤen darf, läßt ſich mehr thun, als anderswo. e. Bearbeitung des Bodens nach Buchweitzen. Bey einer Pflanze, die ſo ſpaͤt das Feld raͤumt wie das Heidekorn, thut man fuͤr den Weitzen nicht was man will, ſondern was man kann. Man giebt in Norfolk eine, hoͤch— ſtens zwey Pflugarten. Kann nur einmal gepfluͤgt werden: ſo wird der Dung auf die Buchweitzenſtoppel gefahren, ge⸗ breitet, der Weitzen geſaͤet und ſammt Miſt und Stoppeln untergepflaͤgt. Kann man zwey Pflugarten geben: ſo wird der Miſt vorlaͤufig flach untergeackert, darauf wird gewalzt, geſäͤet und der Saamen untergepfluͤgt. So eine gute Vorfrucht der Buchweitzen iſt: ſo ſoll er in England das Unangenehme haben, daß die bey der Aerndte ausgefallnen Koͤrner bey gelindem Fruͤhjahre treiben und dann dem Weitzen Nachtheil bringen. Unter dem rauhern deut⸗ 65 deutſchen Klima moͤchte man wohl von dem Austreiben der entfallenen Buchweitzen⸗Koͤrner nichts zu befahren haben. f. Bearbeitung des Bodens nach Klee. Man bricht die Kleeſtoppel entweder mit einem einfa⸗ chen Schnitte, oder mit einem Doppeltſchnitte, oder mit zwey, oder mit drey Schnitten um. In Gegenden, wo der Klee zu gerathen pflegt, und die kein allzutrocknes Klima haben, wird das einjaͤhrige Klee⸗ land, im Falle es nicht verqueckt iſt, nur einfaͤhrig zu Weitzen gepfluͤgt. Die allgemeine Erfahrung ſpricht ſich da— fuͤr aus, daß es, unter den angefuͤhrten Bedingungen, ſo am beſten ſey. Eine fernere Bedingung dabey iſt, daß das Umpfluͤgen fruͤh genug geſchehe, wenigſtens ein paar, beſſer vier, Wochen vor der Ausſaat, damit der Boden ſich zurei⸗ chend ſchließe, und die Narbe um ſo fruͤher zu moderen an— fange. Um Beydes zu befoͤrdern, iſt ein reines und vollſtaͤn⸗ diges Umkehren der Kleenarbe nothwendig. Um das Schlie⸗ ßen und Rotten noch mehr zu befoͤrdern, leiſtet ein kraͤftiges Walzen, beſonders auf ſproͤdem Boden, die trefflichſten Dienſte. Iſt die Witterung ſehr trocken: ſo iſt ein ſolches Walzen ſelbſt unerlaͤßlich. Man ſucht bey dem eben angegebenen Verfahren den Schnitt ſo dick abzufertigen, daß die Narbe Erde genug darbiete, um den Saamen vermittelſt der Egge damit decken zu koͤnnen, ohne den Klee ſelbſt an's Licht zu bringen. Iſt nämlich geſaͤet, ſo wird ſcharf eingeeggt, darauf gewalzt, wieder ſcharf geeggt, zum zweyten Mal gewalzt und zum dritten Mal ſcharf geeggt. Wenn Viele ſich bey der einfäͤhrigen Beſtellung der Kleeſtoppel zu Weitzen nicht wohl befunden v. Schwerz Anleit. z. prakt. Ackerbau. II. Bd. 5 66 haben: ſo ruͤhrte es wahrſcheinlich daher, weilen ſie das Um⸗ pfluͤgen zu kurz vor der Ausſaat unternommen, oder das wiederholte Scharfeggen und Walzen unterlaſſen haben, beyde unerlaͤßliche Bedingungen zu gutem Erfolge. „Die Englaͤnder, ſagt Herr v. Witten, pflegen ein Weitzenfeld von leichtem Boden, wo Klee oder Gras geſtan⸗ den, nachdem es einmal umgeackert und der Weitzen ein⸗ geeggt iſt, mit Schaafen behorden zu laſſen. Hierdurch wird nicht nur die Fruchtbarkeit des Ackers erhoͤhet, ſondern es wird auch der Saamen eingetreten, das Land befeſtiget, und die Wurzeln des Weitzens von allem Unfall bewahrt. Die Huͤrden werden gleich nach der Einſaat auf den Acker gebracht, und hiermit ſo lange fortgefahren, als es die Wit⸗ terung irgend erlaubt. Man iſt der Meynung, daß, wenn auch die Schaafe einige Pflanzen wegfreſſen und vernichten ſollten, dieſes durch ihren Miſt und Harn reichlich verguͤtet werde.“ Noch giebt es eine Art einfaͤhriger Beſtellung, die an einigen Orten im Elſaß uͤblich iſt. Man ſchaͤlt dabey die Kleeſtoppel nur um, ſaͤet den Weitzen druͤber her, und eggt Saamen und Kleenarbe ſo untereinander, daß leztere gaͤnz⸗ lich verriſſen und beyde mitſamt vermengt werden. Man belobt an jenen Orten ſich ſehr dieſes Gebrauches, der wahr⸗ ſcheinlich auf jedem Boden, der ſonſt fuͤr Weitzen zu leicht iſt, von Nutzen ſeyn moͤchte. Alles was von einer einfährigen Beſtellung des Weitzens nach Klee geſagt worden, verſteht ſich nur, wenn dieſer nicht verkrautet, zumal nicht verqueckt iſt. Iſt aber der Klee in leztem Falle: ſo thut ein mehrmaliges Umpfluͤgen noͤthig. Man fertiget dabey den erſten Schnitt nur flach, und, nach 67 tuͤchtigem Vereggen, den zweyten tiefer ab. Fuͤr noch beſſer haͤlt man ein dreymaliges Pfluͤgen. Jede dieſer Pflugarten geht tiefer als die vorhergehende. Man behauptet, daß der einfaͤhrige Weitzen mehr Stroh, der dreyfäͤhrige aber mehr Koͤrner liefere; daher lezteres ſich nicht blos bey vergraſtem, ſondern auch bey wohl beſtandenem Klee mit Vortheil an⸗ wenden laͤßt, ſo man Zeit und Muße dazu hat. Weder Hr. Koppe noch Hr. v. Knobelsdorf ſind einer einfaͤhrigen Beſtellung des Weitzens hold.„Der einfaͤhrige Umbruch der Kleeſtoppel, ſagt erſter, giebt zwar zuweilen herrliche Weitzenaͤrndten; allein wer die Schwierig⸗ keit kennt, ein durch die Sonnenhitze ausgedorrtes Land zu Ende Auguſts gut umzupfluͤgen, der kann nicht dazu rathen, daß eine ſo koͤſtliche Frucht, wie der Weitzen, von ſo un⸗ ſicherer Beſtellungsart abhaͤngig gemacht werde.“—„Es iſt, ſagt der andere, nicht ſowohl in Norfolk, ſondern auch in der ganzen Welt(2) ſehr häͤufig der Fall, daß ſchlechter Weitzen erbauet werde in einfaͤhriger Kleeſtoppel, wenn der Boden nicht in einer außerordentlichen(?) Cultur iſt, und der Klee vorher in hoͤchſter Vollkommenheit geſtanden hat. Deßhalb iſt es nur zu wahr, daß die einfaͤhrige Weitzenſaat zu den allerbedenklichſten Dingen in der Landwirthſchaft ge⸗ hoͤrt, und ein Fruchtwechſel, in welchem denſelben ein gan— zer Schlag gewidmet iſt, immer gefahrvoll bleibt.“ Mit den angefuͤhrten Anſichten ſtimmen weder meine langjaͤhrige Beobachtungen im weſtlichen Deutſchland und den Niederlanden, noch die Hrn. Dr. Burgers uͤberein.„Die Kleefelder, ſchreibt dieſer, oͤfter als einmal umzupfluͤgen, iſt nicht nur eine Verſchwendung der Kraft und Zeit, ſon⸗ dern hat auch den nicht geringen Nachtheil, daß dadurch 68 die Kleewurzeln von der Erde los, und durch die Egge auf die Oberflaͤche des Bodens gebracht werden, die— bleiben ſie in der Erde— als eine halbe Duͤngung zu betrachten, und einzig und allein(?) die Urſache ſind, warum alles Getreide nach Klee ſo gut ſteht.“ Wenn dieſe ſuͤddeutſchen Erfahrungen, wozu ſich auch die des weſtlichen Deutſchlands und der Niederlande geſellen, mit den nordoͤſtlichen nicht ſtimmen, ſo iſt die Urſache da— von wohl in Boden und Klima zu ſuchen. Was aber ins⸗ beſondere die Schwierigkeit des Aufbruchs einer durch die Sonnenhitze ausgedorrten Kleeſtoppel betrifft: ſo beweiſt ſie nur fuͤr einen ſchlechten Pflug. So kann ich auf Ge⸗ wiſſen und Ehre bezeugen, daß zu der Zeit, wo ich in der Maasgegend auf einem ſehr thonigem zaͤhem, zu Ziegeln geeignetem Boden wirthſchaftete, mich nie die groͤßte Duͤrre abgehalten hat das Umbrechen der Kleeſtoppel mit einem zweyſpaͤnnigen Brabanter Pflug auch nur um einen Tag zu verſchieben; waͤhrend meine Nachbaren vorlaͤufig einen Regen abwarten mußten, ohne welchen ſie mit vier Pferden vor ihrem Pfluge nicht damit zu Stande gekommen waͤren. Die Mitte zwiſchen beyden Vorrichtungen, der ein⸗ oder mehrfurchichen Beſtellung haͤlt das Verfahren, welches oft in Belgien angewendet wird, naͤmlich das Doppeltpfluͤgen oder ſogenannte Zweyfuͤhren. Wem daran gelegen iſt, den Klee. vollkommen zu decken und reine Arbeit zu machen, der kann es auf keine zweckmaͤßigere Art erreichen. Bey vergraſtem, auch verquecktem Boden iſt es ſehr wohl angebracht. Auf reinem Kleelande aber habe ich zwiſchen dem einfachen und dem Doppeltſchnitte keinen Unterſchied bey dem Weitzen be⸗ merken koͤnnen. So viel glaube ich, daß eine gezweyfuͤhrte 69 Kleeſtoppel ſich beſſer ſchließt, als eine einfuͤhrige, daher auf leichterem Boden oder bey trockener Witterung dem Weitzen vortheilhaft werden kann. Daſſelbe moͤchte auch bey ver⸗ ſpaͤtetem Umbruche ſtatt haben, wo der einfährigen Narbe nicht Zeit genug gelaſſen wird, ſich vor der Weitzenſaat ge⸗ hoͤrig zu ſchließen. Bey zweyjaͤhrigem Klee, wenn man die Stoppel nicht als Brache behandeln will, welches auf jeden Fall das Beſſere bleibt, iſt das Zweyfuhren beſonders paſſend. In den Niederlanden hat dieſe Pflugart auch nach ein— jaͤhrigem und reinem Klee zwar nicht allemal, doch ſehr haͤufig ſtatt. Der erſte Pflug ſchält die Kleenarbe zu einer Dicke von ſechs Centimeter ab, und laͤßt ſie in die geoͤffnete Furche fallen, darauf ſticht der zweyte Pflug den Streifen vollends bis zu einer Tiefe von zwoͤlf Centimeter aus. Da⸗ durch wird die Furche achtzehn Centimeter tief; in ſo ferne der Boden ſolches erlaubt. Einfaͤhrig ſah ich daſelbſt eine Kleeſtoppel nur zwoͤlf Centimeter tief umpfluͤgen. Es ge⸗ ſchah auf ſchwerem feuchtem Boden. g. Bearbeitung des Bodeus nach Dreiſche. Ich ſpreche hier nur von einer ſolchen zweyjaͤhrigen, oder dreyjaͤhrigen Dreiſche, wie ſie in England, namentlich in der Provinz Norfolk ſtatt hat, wo man Graͤſer unter den Klee ſaͤet, das Land alſo im zweyten, manchmal auch noch im dritten Jahre als kuͤnſtliche Wieſe benuzt, und alsdann zum Weitzen umbricht. Dabey gilt die Regel, den Kleegras⸗ wuchs in dem lezten Jahre bald nach der Vorſommerweide umzubrechen, und nicht den Nachwuchs abzuwarten, daher dem Boden eine Spaͤtbrache(Backward summerly) zu geben. 70 Die nachlaͤfſigen Landwirthe, denn ſolcher giebts in England, wie bey uns, pfluͤgen nur zweymal; das erſtemal flach. Nachdem der Raſen etwas vergangen, wird geeggt, geduͤngt und zur moͤglichſten Tiefe gepfluͤgt. Die etwas fleißigern fuͤgen noch ein drittes Pfluͤgen hinzu, womit zu⸗ gleich der Weitzenſaamen eingeackert wird. Die tuͤchtigſten aber unter ihnen, denen an ihrem Gewerbe, und einer gu⸗ ten Weitzenaͤrndte gelegen iſt, benehmen ſich dabey folgen⸗ der Maaßen* Nachdem die Weide des Vorſommers auf der kuͤnſtli⸗ chen Kleegrasdreiſche beendiget, und das Vieh davon weg⸗ gebracht iſt, wird das Land moͤglichſt flach mit dem Pflug geſchaͤlt, und, wenn es ſeyn kann, die Gelegenheit eines klei⸗ nen Regens dazu benuzt. In dieſem Zuſtande bleibt es bis nach vollendeter Getreideaͤrndte der uͤbrigen Felder liegen. Nunmehr wird uͤber die Breite des Feldes abgeeggt und in derſelben Richtung zur vollen Tiefe gepfluͤgt. Darauf wird der Miſt aufgefahren, und derſelbe flach mit dem Pfluge untergebracht. Dieſem Flachpfluͤgen ſchreiben die Englaͤnder nicht mit Unrecht eine vorzuͤgliche Wirkung zu; indem da⸗ durch die mit dem vorhergegangenen Tiefpfluͤgen heraufge⸗ brachte etwas rohe Erde zerkruͤmelt, und durch den dazwi⸗ ſchen eingebrachten Dung verbeſſert und gemuͤrbt wird. So ruhet der Boden bis zur Zeit der Einſaat. Man eggt nun, walzt, ſaͤet und bringt den Saamen mit der vierten Pflug— art unter. Auf ſo zubereiteten Feldern hat Hr. v. K. gewiß den ſchlechten Weitzen in Norfolk nicht gefunden, uͤber wel⸗ *) Ich verweiſe, groͤßerer Verſtaͤndlichkeit halben, hierbey auf das, was ich bey der Fruchtfolge noch hieruͤber zu ſagen gedenke. 7¹ chen er ſich mit Recht bey dem einfaͤhrigen nach einjaͤhrigem Klee geſaͤeten Weitzen in jener Provinz beklagt, welches lez⸗ tere auch wohl daher ruͤhren moͤchte, daß die Norfolker ſehr haͤufig da Weitzen bauen, wo der ſandigen Beſchaffenheit wegen nur Gerſte oder Rocken hingehoͤrt. h. Bearbeitung des Bodens nach Esper und Luzerne. Will man unmittelbar nach dieſen Gegenſtaͤnden Weitzen folgen laſſen: ſo muß der Boden um ſo fter und fleißiger gepfluͤgt werden, als jene Pflanzen ihn laͤnger im Beſitze hatten und um ſo mehr verkrautet er iſt. Es kann alſo von mehr als einer einſchuͤrigen Benutzung in dem lezten Jahre keine Rede ſeyn, damit Zeit zu einer vollſtaͤndigen Sommerbrachbehandlung uͤbrig bleibe. Daſſelbe gilt auch vom alten Klee. Laͤßt man den Esper nicht uͤber drey Jahr ſtehen: ſo geht die Sache mit der Zubereitung ſchon etwas leichter her. Nachdem man im Jahre des Aufbruchs den erſten Schnitt eingethan hat, wird das Land geſtuͤrzt, gewalzt, und bleibt ſo liegen, bis dahin die Narbe zureichend abgeſtorben iſt. Darauf wird zum zweytenmale gepfluͤgt, wodurch die Es⸗ perwurzeln wieder zu Tag kommen, nun muß mit eiſerner Egge auf das Strengſte vereggt werden. Ueber das Vereggte wird der Weitzen geſaͤet und in ſeichten ſchmalen Schnitten untergepfluͤgt. Man haͤlt den Esperweitzen fuͤr den beſten. §. 5. Duͤngen zum Weitzen. Der beſte, dem Weitzen anſtaͤndigſte Dung iſt alte Bo⸗ denkraft. Es iſt Herabwuͤrdigung einer ſo edeln Frucht, ſie 72² in abgetragenes Land zu bringen, obgleich dazu geduͤngt wird; es ſey denn, daß eine reine Brache vorhergegangen. Der Weitzen bedarf vieler, ſchon in aufloͤslichem Zuſtande vorgeſchrittene Nahrung, daher es nach Vorfruͤchten, wie Hanf, Taback, Bohnen, Raps, wozu kraͤftig geduͤngt wor⸗ den, keines neuen Duͤngens bedarf. Auch nach gut beſtan⸗ denem Klee bedarf er deſſen nicht, vorausgeſezt, daß man dieſen nur zweymal abmaͤhet und den dritten Ausſchlag durch Unterpfluͤgen dem Weitzen zu gut kommen laͤßt. Iſt der Kleeacker in keinem befriedigenden Zuſtande: ſo muß zum Weitzen geduͤngt werden. Den Dung auf die Kleeſtoppel bringen, den Klee etwas durchwachſen laſſen und dann die Stoppel einfaͤhrig umpfluͤgen, iſt ein treffliches Verfahren, welches dem Sogleichunterpfluͤgen des Dunges weit vorzuziehen iſt. Da wo man in der Gewohnheit iſt, den Klee im Winter mit Miſt zu uͤberfahren, bedarf es freylich keines nachherigen Duͤngens zum Weitzen. Auch laͤßt ſich der Miſt zwiſchen beyden Kleeſchnitten mit Vortheil anbringen, wie wir im erſten Bande bey dem Artikel Ueber⸗ duͤngen geſehen haben. Will man dreymal pfluͤgen: ſo wer⸗ den zuerſt die Kleeſtoppeln geſchält, vereggt, Miſt aufgefah⸗ ren, dieſer flach untergepfluͤgt, und nachher zum drittenmal, aber tiefer gepfluͤgt. Wird das Kleeland zu dem Weitzen geduͤngt: ſo iſt das nachherige Walzen unerlaͤßlich. Es geſchehe um ſo nach⸗ druͤcklicher als der Miſt weniger vergangen war; oder als er ſpaͤter aufgebracht worden. Lezteres iſt ſo viel moͤglich zu vermeiden, weilen der Weitzen gerne darnach zuſammenlläͤuft, und mehr Stroh als Korn giebt. Nichts iſt undkonomiſcher, als den Klee mit Haut und 56 75 Haar im Herbſte abzuſcharren. Man ſehe uͤber den Nutzen des Klees als Gruͤndung die Erfahrungen von Schroͤder und Schmalz, im erſten Bande Seite 87—83. Der auf friſchen Schaaf- und Pferde-Duͤnger, beſon⸗ ders auf Pferch gewachſene Weitzen hat nach Hrn. St. R. Thaer ein ſehr großes Uebergewicht an Kleber, welches ihn zum Bierbrauen und Branntweinbrennen ſo wie zur Staͤrke⸗ bereitung faſt untauglich, dagegen zum Backen ſehr gut macht. Hermbſtaͤdt will bald fuͤnf, bald dreyßig Prozent Kleber im Weitzen gefunden haben. In Norfolk legen die guten Landwirthe ein beſonderes Gewicht auf den Buchweitzen als Dungmittel zum Weitzen. Iſt er nicht allzuhoch: ſo bringen ſie vorn an dem Pfluge einen Stock an, der den Buchweitzen vor dem Schaare nie⸗ derbeugt; widrigen Falls walzen ſie ihn vor dem Pfluge nieder, der ihn dann vollſtaͤndig mit Erde deckt. Man walzt nun von neuem. Der Buchweitzen wird zu dem Ende ſo fruͤh geſaͤet, daß er noch vor der Getreideaͤrndte der uͤbrigen Felder untergepfluͤgt werden kann. Iſt dieſe dann vollbracht: ſo wird das mit Buchweitzen geduͤngte Land uͤber die Breite gepfluͤgt, darauf geeggt, gewalzt, Weitzen geſaͤet, und un— tergeackert. Wer einem magern, oder nicht wohl beſtandenem Klee— land keinen Dung zu geben hat, der laͤßt am beſten den Weitzen weg, und ſaͤet im folgenden Fruͤhjahre Hafer oder pflanzt Kartoffeln. §. 6. Wahl und Zubereitung des Weitzenſaamens. Der zum Saͤen beſtimmte Weitzen, ſagt v. Witten, muß vollſtaͤndig, ſchwer, zugerundet, glatt, duͤnnſchalig ſeyn, und ein feines weißes Mehl enthalten. Die Koͤrner muͤſſen einen flachen Spalt haben, und einen Klang von ſich geben, wenn man ſie durch die Hand laufen laͤßt. Je magerer, laͤnglicher und leichter der Weitzen iſt, und je mehr er ſich naßkalt anfuͤhlt, fuͤr deſto ſchlechter iſt er zu halten. Bey allen dieſen erforderten Eigenſchaften laͤßt ſich aber doch noch nicht dafuͤr buͤrgen, daß der Weitzen darum Krank⸗ heitfrey bleiben werde. Woran das liege, und wie da zu helfen, liegt noch ſo ſehr im Dunkeln, und es herrſchen dar⸗ uͤber ſo viele Theorien, Hypotheſen, Muthm aßung, Mey⸗ nungen, Rezepte und Widerſpruͤche, daß man in Verle⸗ genheit geraͤth, ſich herauszufinden. Ueberall, wo Weitzen gebaut wird, kennt man, ſo viel ich weiß, die fatalen Krankheiten, in Deutſchland namentlich den Brand, ſowohl Staub⸗ als Steinbrand, denen dieſe herrliche Frucht unterworfen iſt. Nur des Uebels Quelle kennt man nicht. Darum und wahrſcheinlich der Vielzahl der Quellen wegen kennt man auch kein unfehlbares Mittel dem Uebel zu begegnen. Alle Praͤſervativen, die man dagegen vorgeſchlagen hat, halten mehr oder weniger Stich, und ſelbſt die gepruͤfteſten, die ſich am laͤngſten bey dem Gebrauche bewaͤhrt hatten, ſchwaͤchten auf einmal das Zutrauen von Unfehlbarkeit, was die Verwender bis lang darauf geſezt hatten. Man muß jedoch geſtehen, daß ein zeitweiliger Ruͤckſchlag eines lange bewaͤhrten Mittels darum nicht deſſen ganzes Verdienſt auf⸗ hebt, noch daß es deßhalb verdient verbannt zu werden; er beweiſt nur, daß mitunter Umſtaͤnde eintreten koͤnnen, wo⸗ durch die Wirkung deſſelben gelähmt oder ganz aufgehoben werden kann. Jeder bleibe daher, bis er was Beſſeres ken⸗ 75 nen lernen, bey dem, wobey er ſich bis lang am wenigſten uͤbel befunden hat. Mir ſelbſt wurden von Maͤnnern, deren Glaubwuͤrdig⸗ keit ich eben ſo wenig, als meine eigene, in Zweifel ziehen darf, ausnehmend wirkſame Mittel mitgetheilt, wovon ich hier dem Leſer einige mittheilen werde, mir vorbehaltend, in einem der folgenden Baͤnde dieſes Werkes, bey Gelegenheit der Krankheiten des Getreides etwas umſtaͤndlicher uͤber den Brand zu reden. „Man waͤhlt bey mir, ſagt der nun verewigte Lob⸗ bes aus dem Cleviſchen, die vollkommenſten Koͤrner zur Einſaat, vermengt ſie mit zerfallenem Kalke, gießt Jauche daruͤber, ſaͤet ſie 24 Stunden nachher aus und— hat doch Brand. Auch ich war in dem Falle, bis ich 1794 nach jener Vorbereitung am Ausſäen gehindert und ſolches erſt dreymal 24 Stunden nach dem Einbeitzen, wo der Weitzen ſchon zu keimen anfieng, ausfuͤhren laſſen konnte. Der Weitzen ward beſſer, als ich je welchen gehabt hatte. Seit 22 Jahren(es war im Jahre 1817, wo der wuͤrdige alte Mann mir dieſes ſagte), daß ich dieſe Methode befolgte, habe ich nur eine einzige brandige Aehre auf meinen Feldern gefunden.“ Ein tuͤchtiger Landwirth bey Reinbach, Gegend von Bonn— Cölln, Namens Hillebrand, waͤhlt von dem Vorſchlage des aus der Sonne gedroſchenen Weitzens die beſten Koͤrner, nimmt auf jeden Sack voll Frucht einen Spaten voll geloͤſchten Kalk, ruͤhrt ihn in einer Kufe mit etwas Waſſer zu einem Breye, ſezt vergohrne Jauche mit ein paar Haͤnde voll Salz hinzu, ruͤhrt um und giebt den Weitzen hinein, laͤßt ihn 12— 14 Stunden ſtehen, wo die Maſſe 76 ganz compact wird. Um ſie ſaͤen zu koͤnnen, wird ſie ver⸗ kruͤmelt und mit etwas Holzaſche durchgerieben. Seit 16 Jahren(es war 1813, als der Mann es mir verſicherte) hat er keinen Brand mehr gehabt. Hr.** zu Ober⸗Caſſel am Rheine waͤhlt das beſte Stuͤck auf dem Weitzenfelde aus, laͤßt es wohl reifen, ſezt die Garben ſogleich auf, faͤhrt nur ein, wenn der Weitzen voͤllig trocken geworden, driſcht ſogleich aus, nimmt nur den Vorſprung der Koͤrner, breitet ſie auf dem Boden aus— einander, ſezt mit jeden vier Scheffeln Koͤrner einen Scheffel trockner Holzaſche untereinander, laͤßt das Gemiſche vierzehn Tage uͤber durchtreten und taͤglich einmal untereinander ſte— chen. Das Ganze bleibt ſo bis zur Zeit der Ausſaat liegen, wo man vorlaͤufig die Aſche herausſiebt, dieſe alſo fuͤr den haͤuslichen Verbrauch nicht verloren geht. Hr. Schmitz zu Duͤren, im Juͤlich'ſchen, nimmt auf 500 Pfd. Weitzen 1 Pfd. Alaun, 1 Pfd. Eiſenvitriol, ½ Pfd. Salpeter, Pfd. Gruͤnſpan. Die zerſtoßenen Ingredienzen werden mit zureichendem Waſſer uͤber dem Feuer aufgeloͤſt, und, wenn ſie erkaltet, mit ſo viel Waſſer gemiſcht, als noͤthig iſt, den Weitzenhaufen ganz zu durchfeuchten. Man ſticht ihn ein paarmal um, und ſaͤet nach 24 Stunden. Seit ſo vielen Jahren, daß Schmitz ſich dieſes Mittels be⸗ dient, hat er nie Brand gehabt. Er bot ſchon mehrmal und bietet noch fuͤr jede brandige Aehre, welche man auf ſeinen Weitzenäckern finden wuͤrde, dem Entdecker einen Du⸗ katen.— Ich habe Obiges aus dem Munde dieſes wuͤrdigen Mannes ſelbſt. „So lang ich Landwirth bin, ſchreibt Schma 1z, alſo von meiner fruͤhen Jugend an, habe ich ſowohl fuͤr mich 77 als Andere das vom Vater erlernte Mittel gegen den Brand angewendet, naͤmlich den Saatweitzen vor dem Saͤetag mit alter Miſtjauche, Kalk, Aſche und etwas Kochſalz vermengt, und nie kann ich mich erinnern, daß bey zweckmaͤßiger An— wendung dieſes Mittels Brand darauf erfolgt waͤre.“— „In einem Jahre, faͤhrt derſelbe fort, wo der ſo eingebeitzte Saamen nicht fuͤr das ganze Feldſtuͤck, es war Rapsland, zureichte, wurde der Ueberreſt deſſelben mit nicht zubereitetem Weitzeu beſaͤet. Der Erfolg war, daß ſich unter dieſem eine betraͤchtliche Menge brandiger Aehren befand, waͤhrend die ganze Flaͤche, die eingebeitzten Saamen erhalten, voͤllig brandfrey war.“ Nur ſieht Schmalz als Bedingung da— bey an, daß der eingebeitzte Saamen ſich weder in Haufen liegend, noch in Saͤcke gefaßt erwaͤrme, wie geſchehen kann, wenn nicht gleich am folgenden Tage geſaͤet wird. In die— ſem Falle muß der Weitzen ſorgfaͤltig auseinander gewor⸗ fen aufbewahrt werden. „Einige Wirthe in Norfolk, ſagt Marshall, behaup— ten dem Brand(smut, carie) mit Gewißheit zuvorzukom⸗ men, wenn ſie eine große Menge Salz in wenig ſieden— dem Waſſer aufloͤſen, den Weitzenhaufen damit anfeuchten und mit lebendigem Kalk durchpudern. Dieſe Wirthe be— haupten, daß man ſelbſt vom Brand geſchwaͤrzten, auf dieſe Art zubereitet, ohne beſondern Nachtheil ſaͤen kann, und der Brand ſich bey fortgeſeztem Mittel in dem dritten Jahre gänzlich aus dem Getreide verliert.“ In einer Gegend jenſeits derMaas, welche ich 24 Jahre lang bewohnte, bedient man ſich haͤufig des Vitriols zur Zubereitung des Weitzens. Man nimmt etwa fuͤr den Werth von 3 Kreuzer= 2 gG. Vitriol auf den Hektoliter 78 Weitzen, laͤßt ihn in 5 Liter Waſſer uͤber dem Feuer ſchmel— zen, und uͤbergießt mit dem heißen Waſſer den Weitzen⸗ haufen, ſticht dieſen einige Mal und ſaͤet am folgenden Tage.— Es iſt auffallend, daß Sinclair dieſes, in der von mir angefuͤhrten Gegend laͤngſt bekannte und uͤbliche, Mittel dem Naturforſcher Prevoſt als eine neuerlich ge⸗ machte Entdeckung beylegt, und fuͤr unfehlbar erklaͤrt. Lei⸗ der muß ich in Bezug auf Lezteres bekennen, daß ich ſchon im Jahre 1800 vitriolte, und von meinen damaligen Nach⸗ baren noch viel fruͤher vitriolen ſah, und ſie ſowohl als ich, wenn es ſo ſeyn ſollte, Brand hatten. Dennoch kann es ſeyn, daß die Verſchiedenheit bey der Anwendung eine Verſchiedenheit in dem Erfolge mag hervorgebracht haben. Deßhalb gebe ich hier noch das Verfahren nach Sin⸗ clair an. Man loͤſe 9o Grammes blauen Vitriol(Kupfer⸗Vi⸗ trioh) in 11 Liter Waſſer auf, eine Maſſe, die zur Vorberei⸗ tung von 107 Liter Saamen berechnet iſt. Man gebe hierauf ſo viel von dieſer Fluͤſſigkeit in ein, zwiſchen 220— 300 Li⸗ ter haltendes, Gefaͤß, als noͤthig iſt, um die hiernaͤchſt in das Geſchirr geſchuͤtteten 107— 140 Liter Weitzen 5—6 Zoll hoch zu uͤbergießen. Der Saame wird fleißig umgeruͤhrt und alles an der Oberflaͤche Schwimmende abgenommen. Nach einer halben Stunde wird der Weitzen aus der Fluͤfſig⸗ keit gehoben, in einem Korbe durch Eintauchen in friſches Waſſer gewaſchen und zum Trocknen ausgebreitet, auch wohl bey der Gelegenheit mit Kalk durchſtaͤubt. Man ſieht als eine Hauptbedingung an, daß die Koͤrner, welche in die Aufloͤſung gethan werden, durch und durch trocken ſeyn muͤſſen. 79 Das Waſchen des Saamenkorns, auch des beſten Wei⸗ tzens, im Falle er nicht geworfelt worden, iſt allemal ſehr nuͤtzlich; indem die unvollkommenen Koͤrner dann auf dem Waſſer ſchwimmen und abgenommen werden koͤnnen. Dieſe Koͤrner ſeyen entweder noch keim⸗-oder nicht mehr keim— faͤhig: ſo iſt allemal Nutzen dabey. Im leztern Falle ſind ſie, die in dem Boden verloren waͤren, bey dem Vieh noch immer zu gebrauchen. Im erſten Falle erzeugen ſie nur ſchmaͤchtige Pflanzen, die den beſſern unnuͤtzer Weiſe Kraft rauben. Am beſten kommen ſie uͤber dem Waſſer zu Tage, wenn man nicht dieſes uͤber den Weitzen hergießt; ſondern den Weitzen allmaͤhlig uͤber das Waſſer herſiebt, wo alles Leichte ſogleich obenauf ſchwimmend bleibt. „Ueber den Roſt oder Honigthau, eine Krankheit, wel⸗ cher der Weitzen in England beſonders unterworfen iſt, machte Marshall folgende Erfahrung.„Ich machte, ſagt er, im Jahre 1774*) den Verſuch Winterweitzen im Fruͤhlinge aus— zuſaͤen. Der Sommer war feucht, und ich erhielt nur ro⸗ ſtiges und zuſammengeſchrumpftes Getreide, das ſo kleine und ſchlechte Koͤrner gab, daß die Muͤller ſie nicht kaufen, *) Alſo vor izt 50 Jahren, einer Zeit, wo man in Deutſchland ſich wohl noch wenig um die Verbeſſerung des Ackerbaues bekuͤm⸗ merte! Nicht ohne einige Wehmuth denkt man ſich in jene vergan⸗ genen Tage zuruͤcke, wo Maͤnner wie Marshall und Young und Duket, die Vaͤter des brittiſchen Ackerbaues, bluͤheten. Entſchwun⸗ den ſind ſie; aber bleibend die herrlichen Spuren ihrer Nuͤtzlichkeit! Wenn Fluch das Andenken der Eroberer, der Weltverheerer trifft: ſo traͤufelt Segen der Nachkommenſchaft auf das jener Wohlthaͤter der Menſchheit herab: ſo wird Segen ſpat einſt noch traͤufeln auf Thaers und Jordans, und Burgers Angedenken! 80 und ſelbſt die Huͤhner ſie nicht freſſen wollten. Von dieſen Koͤrnern ſaͤete ich nun in ſelbem Herbſte auf mehreren Stuͤ— cken neben gut gewonnenen Weitzenkoͤrnern zum vergleichen⸗ den Verſuche aus. Allein kein Unterſchied bey der Aerndte war zwiſchen dem Ertrage dieſer elenden Koͤrner im Vergleiche zu den hoͤchſt vollkommenen Koͤrnern, die ich neben an ge⸗ ſaͤet hatte, ſichtbar. Was aber beſonders merkwuͤrdig war, daß von eben dieſen verſchrumpften Koͤrnern, die im Herbſte geſaͤet, ſo ſchon aufgegangen waren, im Fruͤhjahre geſaͤet kein einziges zum Keimen kam.“ Wohrſcheinlich dadurch, daß die geringe Lebenskraft, welche dieſen unvollkommenen Koͤrnern im Herbſte noch anwohnend, waͤhrend dem Winter ihrer Geringfuͤgigkeit wegen aus dem Schlummer in wirk⸗ lichen Tod uͤbergienge. Ich weiß nicht, ob ich Unrecht habe, daraus zu folgern, daß es alſo wenig oͤkonomiſch ſey, alte Frucht zu ſaͤen, indem waͤhrend ihrem verlaͤnger⸗ ten Schlafe manche Koͤrner darunter ihre, wenn gleich ge— ringe, Lebenskraft einbuͤßen, die als ſolche fruͤher zugereicht haben wuͤrde, die Frucht zu beleben, und eine geſunde Nach⸗ kommenſchaft zu bilden; daß alſo der Bauer ſo Unrecht nicht habe, wenn er vorzugsweiſe nur neue Frucht zur Ein⸗ ſaat waͤhlt. Ob ich gleich in Folge ein Mehreres uͤber die Krankhei⸗ ten des Getreides zu ſagen hoffe: ſo kann ich doch nicht unterlaſſen, hier vorlaͤufig anzugeben, daß man die rothen oder braunen Weitzenarten fuͤr weniger als die weißen oder gelben, ſo auch die duͤnnſchaligen fuͤr. weniger als die dick— ſchaligen dem Brande unterworfen haͤlt. So auch daß in einem Gemenge von Weitzen und Rocken dieſer jenen vor dem Brande ſchuͤtze. 8¹ §. 7. Saatzeit. Im Allgemeinen muß ich, uͤber Zeit und Maaß der Einſaat der Getreidearten auf das verweiſen, was in einem der folgenden Baͤnde dieſer Schrift, ſo es Gott gefällig iſt, daruͤber geſagt werden wird. Hier nur Einiges in Bezug auf den Weitzen insbeſondere. In einigen Gegenden ſaͤet man den Weitzen fruͤh, in andern ſehr ſpaͤt; in einigen vor, in andern nach dem Ro⸗ cken, je nachdem Klima, Boden, auch wohl Herkommen und Gewohnheit es wollen. Hier faͤngt man ſchon Anfangs September mit der Weitzenſaat an; dort iſt ſie mit Ende Novembers noch nicht ganz beendiget. In nicht zu kalten Lagen koͤmmt der Rocken zuerſt und dann der Weitzen an die Reihe, weilen lezter das Einſchmieren beſſer als erſter vertragen kann. Auf minder fruchtbarem Boden ſaͤet man fruͤher als auf reichem.„Auf jenem, ſagt Schmalz, haͤlt man im Altenburg'ſchen eine zeitige Saat fuͤr die ſicherſte Gewaͤhrleiſtung fuͤr einen lohnenden Ertrag; aber auf frucht— barem oder ſtark geduͤngtem Boden fand man, daß eine zeitige Saat des Weitzens haͤufig große Nachtheile herbey— fuͤhre.“ „Ich habe, faͤhrt er fort, herrlichen Weitzen geaͤrndtet, welcher erſt Anfangs Dezember geſaͤet wurde und vor Win⸗ ter gar nicht aufgieng. Auf reichem Boden habe ich nur durch ſpaͤte Saat dem Lagern vorbeugen koͤnnen. Dagegen habe ich auf Boden von mittler Fruchtbarkeit, der aber ſchoͤ⸗ nen Weitzen bey fruͤherer Saat tragen konnte und wirklich trug, großen Schaden vom ſpaͤten Saͤen, z. B. im No⸗ vember gehabt, und bin deßhalb vorſichtiger geworden.“ In Norfolks ſandigem Boden fangen die meiſten Land⸗ v. Schwerz Anleit. z. prakt. Ackerbau. UI. Bd. 6 1 8² wirthe ihre Weitzenſaat nicht vor dem halben Oktober an und fahren damit fort bis zum Dezember, manchmal bis Weihnachten. Die Urſache, welche ſie dafuͤr angeben, iſt, daß eine fruͤhe Saat bey ihnen vor Winter zuſammenlaͤuft, und nachher mehr Stroh als Koͤrner giebt, ſtatt daß ſol— ches bey der ſpaͤten Saat, beſonders wenn der Boden ge⸗ mergelt worden, nicht ſtatt hat. Hierbey muß ich jedoch bemerken, daß die Schuld von jenem Uebel weniger von dem fruͤhen Saͤen, als davon heruͤhrt, daß die Herren Nor⸗ folker oft eben ſo unuͤberlegt als viele unſerer deutſchen Land⸗ wirthe verfahren.„Es ſey, ſagt der redliche Marshall, ſo fruͤh oder ſpaͤt in der Zeit es wolle: ſo ſaͤet der Nor— folker ſeine 3 Bushel Weitzen auf den Acre; ohne zu be⸗ denken, daß zwey Bushel gegen die Haͤlfte des Septembers zureichen, wenn man ihrer drey gegen Ende Novembers nehmen muß. Was Wunder, wenn eine ſo ſtarke fruͤhe Ein⸗ ſaat(263 Liter) im Herbſte und Fruͤhling einen ſo ſchoͤnen Teppich bildet, auf dem aber ſpaͤter die Aehren verkruͤppeln! Auch auf ſchwerem Marſchboden, wie die niederlaͤndi⸗ ſchen Polder haben, ſaͤet man den Weitzen erſt gegen den 20. Oktober, und faͤllt dann viel Regenwetter ein, welches den Zutritt der Pferde nicht erlaubt: ſo ſaͤtt man noch im November, ja im Nothfalle bedient man ſich der erſten Kalte und ſaͤet uͤber die gefrorne Oberflaͤche her, wenn nur noch die Egge durchgreifen kann. Uebrigens hat man an mehreren Orten beobachtet, daß der bey naſſem Wetter ge⸗ ſaͤete Weitzen am beſten gerathe. Nach Taback und Hanf treibt der Weitzen ſchneller aus der Erde als nach andern Gegenſtaͤnden; daher das ver⸗ ſpaͤtete Saͤen nach jenen Fruͤchten um ſo weniger bedenklich 3³ wird. Kleeweitzen will 2—3 Wochen vor jedem andern ge⸗ ſäet ſeyn, ohne welches er, nach der Erfahrung der Elſaſſer, leicht taub wird. Die gewoͤhnlichſte Saatzeit des Weitzens iſt wohl acht Tage vor bis drey Wochen nach Michaelis. Ob nun gleich der vor jener Friſt geſaͤete Weitzen durchgehends beſſer ein⸗ ſchlaͤgt; ſo kommt man doch auf Aeckern, die zum Unkraut geneigt ſind, gedachter Friſt nicht gerne zuvor, weilen die⸗ ſes auf fruͤh beſaͤeten Aeckern zu ſtark wuchert. Das ſpaͤtere Saͤen, als jene Friſt angiebt, ſchlaͤgt nur in wenigen Jah⸗ ren zu Gluͤck; denn wenn gleich der Weitzen ſtark und kraft⸗ voll waͤchſt: ſo bleibt er doch lange gruͤn, und nothreift dann im Sommer, wodurch viele Aehren taub bleiben. Daher das Spruͤchwort: Wenn die Allerheiligenſaat ge⸗ räth: ſo ſoll's der Vater den Kindern nicht ſagen. §. 8., Saatquantum. Wie verſchieden nach den Orten die Staͤrke der Weitzen⸗ einſaat ſey, beweiſen folgende wenige Data. Man ſaͤet auf den Hektar zu * Edeghem, ſowohl auf hoch als nieder Land, 1,50 Hektoliter 8 Enkern, und in den Poldern auf ſchwerem 5 Marſchboden. 2, 0 Voorde, ſehr guter guter Mittelboden 1,80 5 Melle, Sandboden... 1,60 5⁵ Menin, Sandboden.. 1,50 80 Weſtflandern, Durchſchnitt. 1,75 In England im Allgemeinen. 2,90 A- Young haͤlt daſelbſt am ange⸗ meſſenſten........ 1,69 Beſte Gegend....... 1,87 Hektoliter Gegend von Wien..... 2,67 Marchfeld....... 5,26 Walloniſches Niederland ſtarker Thon⸗ boden...... 1,75 Im Preußiſchen nach Thaer 2,67 Im Elſaß... 1,90 Daſelbſt...... 2,42 Daſelbſt.... 2,90 Die Einſaat betraͤgt nach obigen Abga⸗ ben im Durchſchnitte 2,00 Oeſterreich Wie man in ein und eben derſelben Gegend, und zwar an zwey nicht ſehr entfernten Orten bey gleichem Klima und Boden, und bey demſelben Fruchtumlaufe im Elſaß hier 290 Liter ſaͤet, waͤhrend man dort mit 19o zureicht, beweiſt, wie Vieles von leidigem Herkommen bey den Land⸗ wirthen abhaͤngt. Daß aber das uͤbermaͤßige Saamenquan⸗ tum in dem gegebenen Beyſpiele wirklich daher ruͤhre, be— weiſen die Verſuche zweyer Maͤnner, wovon der eine in eben jener Gegend, wo man 290 Liter auszuſtreuen pflegt, ihrer nur 145, der andere gar nur 97 ſaͤete. Ich ſah das Feld dieſes leztern. Es ſtand vollkommen dicht und ſchoͤn, wäͤh⸗ rend auf dem daran ſtoßenden, nach Art der Gegend beſaͤe— ten, die Frucht groͤßtentheils gelagert hatte. Ich bin ent⸗ fernt lezteres Saatquantum als Maßſtab anzugeben, und wollte nur beweiſen, wie man unbedachtſamer Weiſe ſeine Frucht durch zu ſtarkes ſaͤen verſchleudern, und das Laͤndlich— ſittlich eben ſo unſittlich als dem Befolger nachtheilig wer⸗ den kann. 8⁵ Man beobachtet im Elſaß nach Klee ein Drittel Weitzen mehr als nach Taback auszuſaͤen. Der ausgeſtreute Saamen wird entweder mit der Egge oder dem Pfluge untergebracht. Erſteres hat auf ſchwerem, feuchten, lezteres auf leichtem trocknen Vorzuͤge. Im El— ſaß pflegt man zuerſt die Haͤlfte des Saamens unterzupfluͤ⸗ gen; dann die andere Haͤlfte zu ſaͤen und mit der Egge un— terzubringen. Bey dem Saameneineggen des Weitzens beob⸗ achtet man den Boden nicht zu fein zu legen, und hat gerne, wenn er kloͤttig da liegt, wodurch er nicht leicht uͤber Winter zuſammen ſchlaͤmmt. §. 9. Durcheggen im Fruͤhjahre. Wenn auf einen naſſen Winter ein trocknes Fruͤhjahr folgt: ſo verhaͤrtet ſich die Oberflaͤche eines bindigen Bodens ſo ſehr, daß es den jungen, am obern Knoten austreiben⸗ den Wurzeln unmoͤglich wird einzudringen, und die Pflanze erhaͤlt ein kraͤnkliches, bleichgelbes Anſehen. In eiuem ſol— chen Falle leiſtet ein einmaliges oder zweymaliges Eggen gute Dienſte. Dieſes Durcheggen des Weitzens wird in vielen Gegen⸗ den als eine Hauptverrichtung zu ſeinem Gedeihen betrach— tet, zumal wenn der Boden durch die Winternaͤſſe ſtark zu⸗ geſchlagen iſt und dann Riſſe bekoͤmmt. Es geſchieht, wenn im April der Boden zureichend abgetrocknet iſt, die Waͤrme in die Erde zu dringen, und die Pflanzen nach dem langen Winterſchlafe wieder zu beleben anfaͤngt. Hat man gehoͤri— ges, das iſt feucht⸗warmes Wetter dazu getroffen: ſo muß man ſich nicht fuͤrchten und das Eggen mit Nachdruck voll— fuͤhren, ohne welches wenig Nutzen dabey herauskoͤmmt. 85 Eine Egge mit eiſernen Zaͤhnen leiſtet dabey die beſten Dienſte.— In dem Juͤlich'ſchen wiederholt man die Arbeit nicht ſelten einigemal, und damit die Egge um ſo ſchaͤrfer eingreife, werden ihre dort hoͤlzernen Zaͤhne geſpizt. Man eggt da⸗ ſelbſt einmal uͤber die Laͤnge und einmal uͤber die Breite des Feldes. Je mehr der Acker verunkrautet iſt, um ſo ſtren⸗ ger und wiederholter wird geeggt. Allenthalben ruͤhmte man mir in dieſem Lande den dadurch befoͤrderten freudi⸗ gen Wuchs. Faͤllt bald darauf Regen: ſo iſt die Vorrich— tung gewiß gelungen; ſollte aber trockne Witterung eintre⸗ ten: ſo muß das Land zugewalzt werden. Das ſtrenge Verfahren bey dem Durcheggen des Wei⸗ tzens empfiehlt auch Thaer.„Wenn, ſagt er, der Acker unmittelbar nachher ausſieht, wie ein friſchbeſtellter; ſo daß man kaum ein gruͤnes Blakt darauf wahrnimmt, und nur bloße Erdkrume da zu ſeyn ſcheint, dann iſt es am beſten gerathen.“ Auch in Meklenburg eggt man ſo lange bis die Erdoberflaͤche voͤllig zerkruͤmelt iſt. Das Eggen iſt nicht blos bey einem dichten, ſondern auch einem duͤnnen Stand der Saat anwendbar, und ge⸗ rade im leztern Falle noch mehr als im erſten, um das Be— ſtocken zu befoͤrdern. Man wird dadurch nicht ſelten ein Weitzenfeld retten, das ſchon zum Auspfluͤgen beſtimmt war. An einigen Orten iſt man zufaͤllig von dem Nutzen des Durcheggens belehrt worden. Man hielt naͤmlich fuͤr noth⸗ wendig, den uͤber den Weitzen geſtreuten Kleeſaamen etwas mit Erde zu decken und wagte es mit der Egge uͤber das Feld herzuziehen. Bald aber uͤberzeugte man ſich ſo ſehr von der guten Wirkung dieſer Vorrichtung, daß man ſie ——C—C—ęę——— 37 in der Folge nicht ſowohl des Klees, als des Weitzens ſelbſt, wegen anwendete. Durch das Eggen, ſagte mir ein guter weſtphaͤliſcher Bauer, werden die durch ſtarken Froſt und ſcharfe Winde entbloͤßten Wurzeln wieder zugeſcharrt, und gleichſam ange⸗ haͤufelt. Der Weitzen faͤngt darauf erſt recht an zu leben, und dehnt ſich durch das Austreiben neuer Sproͤßlinge ans⸗ einander. In der Gegend von Kempen(cleviſche Grenze), wo man den Weitzen auf einem Boden erzielt, der ihm nicht beſonders entſpricht, ſteht dieſe Frucht im Fruͤhjahr nicht ſelten duͤnne und gelb. In dem Falle wird uͤberpfult und darauf geeggt. Doch findet man bey Weitzen nach Klee das Eggen weniger vortheilhaft, als bey dem, der nach Buchweitzen folgt. Es mag dennoch Umſtaͤnde geben, unter welchen das Durcheggen nicht zu empfehlen ſeyn moͤchte. So ſagt Marshal:„Es iſt eine anerkannte Sache, daß man durch das Eggen des Weitzens im Fruͤhjahre Diſtel und Mohn(Klatſchroſen, papaver rhoeas) vermehrt. Ich ſelbſt habe oft bemerkt, daß da, wo man den Boden im Fruͤh⸗ jahre bearbeitet, die Diſteln nicht ausbleiben, ſtatt daß man auf den daran ſtoßenden Feldern keine gewahrt. Das Durch⸗ eggen des Weitzens im Fruͤhjahre moͤchte daher keine gute Vorrichtung ſeyn, es ſey allenfalls, wenn die feſte Borke der Erde erheiſchte erbrochen zu werden.“—„Ich ließ, faͤhrt derſelbe Beobachter fort, einen Theil meines Winterwicken⸗ feldes im Fruͤhjahre eggen, und es deckte ſich nachher ge— rade dieſer Theil mit Unkraut, ſtatt daß auf dem nicht geeggten keines zu ſehen war.“ Da wo man den Weitzen nicht durcheggt, wie in den Niederlanden, pflegt man ihn im Fruͤhjahre zu ſchleifen, um die kleinen Schollen, welche man beym Eineggen des Saamens zu erhalten geſucht hat, zu vertheilen, dadurch den Boden zu ebenen, und den jungen Pflanzen friſchen Grund zu geben. Hat der Froſt die Weitzenpflanzen aus dem Boden ge⸗ hoben: ſo iſt nicht die Egge, ſondern die Walze anwendbar. §. 10. Jaͤten. Ueberall wo das Jaͤten ausfuͤhrbar iſt, iſt es auch bey dem Weitzen von großem Nutzen. Es hat nicht allein ein reines Korn, ſondern auch eine ſtaͤrkere Beſtaudung zur Folge, und beydes wird allemal dadurch erreicht. In ſolchen Ge⸗ genden zumal, wo wie in Belgien und dem cleveſchen, man den Acker unablaͤſſig oder doch durchgaͤngig mit Getreide be⸗ ſtellt, alſo nicht Zeit genug hat das Unkraut anders zu til⸗ gen, iſt das Weitzenjaͤten unbedingt nothwendig, wenn der Acker nicht gaͤnzlich verwildern ſoll. Man unternimmt es, wenn die Frucht 3— g Zoll hoch iſt, oder auch noch etwas ſpaͤter. Nur bey naſſer Witterung muß es unterbleiben. Die Englaͤnder pflegen ſtatt des Jatens das Behacken anzuwenden, jedoch nur in einigen wenigen Gegenden. Die beſſern Landwirthe behacken ſogar ihre Weitzenfelder zweymal. Das erſte hat ſtatt noch bevor die Pflanzen ſich zu beſtocken anfangen, das zweyte folgt ganz kurze Zeit nachher. Die Hauen ſind ſechs, auch mehrere Zoll breit, nach dem dichtern oder weitern Stand der Pflanzen. Die Arbeit eines zweymaligen Behackens, welche ſo außerordentlich ſcheint, koſtet in Eſſer und in Glouceſter doch nicht mehr als 9 7 Gulden vom Hektar; nach den Umſtänden aber koͤnnen dieſe Koſten auch 3— 4mal ſo hoch kommen. Wahrſchein⸗ lich hat die Gewohnheit des Handhackens des Getreides, und die Schwierigkeit, es allenthalben auszufuͤhren, Gelegen⸗ heit zu dem Reihenſaͤen des Getreides und dem damit ver⸗ bundenen Pferdehacken gegeben. Ueber das Jäten der Felder in der Folge!— Hier nur vorlaͤufig ſo viel, daß derjenige, der ſich einmal damit be— freundet und den Erfolg davon geſehen hat, ſolches nicht mehr laſſen kann. Auf keinen Fall wird ein Landwirth, der auf dieſen Namen Anſpruch macheu will, das Ausziehen oder Ausſtechen der Diſtel im Fruͤhjahr auf ſeinen Winter⸗ getreidefeldern unterlaſſen. §. 11. Ueberſtreuen der Saat. Der Stand des Weitzenfeldes verſpricht im Fruͤhjahre manchmal zu viel, manchmal zu wenig. Im erſten Falle hat man eine zu uͤppige Frucht, alſo Lager, im zweyten eine zu ſchmächtige Frucht, und in beyden Fällen nur eine mittel⸗ maͤßige oder ſchlechte Aerndte zu erwarten. Um dem Lagern bey uͤppiger Frucht zuvorzukommen, ſtreut man Kalk oder Aſche, oder Ruß daruͤber her, wodurch das Stroh eine ſchilfartige Steifigkeit erhaͤlt. Am beſten geſchieht das Ueberſtreuen bey dem Durcheggen im Fruͤh⸗ jahre, oder, wo dieſes nicht uͤblich, bey dem Verſchleifen der Kloͤtte. Vielleicht auch daß ein ſehr ſchweres Walzen der Ueppigkeit ſteuern koͤnnte. Das Ueberſtreuen mit Taubenmiſt, oder einem Ge— menge von Taubenmiſt und Aſche, iſt ein aus Erfahrung bekanntes vortreffliches Huͤlfsmittel, einem kuͤmmernden 9⁰ Weitzenfelde wieder ſo aufzuhelfen, daß es nach wenigen Wochen nicht mehr kennbar iſt. Man wartet etwas feuchte Witterung im Mai dazu ab. Diejenigen, welche mit ſol⸗ chen Dungmitteln verſehen ſind, koͤnnen nicht beſſer, als ſie fuͤr dieſen Bedarf zu erſparen. Denſelben Zweck erreicht man auch durch das Pfulen oder Bejauchen. Man muß ſich uͤbrigens von dem ſchlechten Anſehen eines Weitzenfeldes im Fruͤhjahre nicht allzuſehr erſchrecken laſſen, ſollte der Winter auch noch ſo unguͤnſtig und naß geweſen ſeyn. Der Mai macht den Weitzen, und kann man dann die Pflanzen mit ausgeſpannten Fingern noch erreichen: ſo ſind ihrer genug, um einen kraͤftigen Acker gaͤnzlich zu uͤberziehen, und man laͤuft um ſo weniger Ge⸗ fahr Lager zu bekommen. §. 12. Schroͤpfen. Auf einem kraftvollen, und in guͤnſtigen Fruͤhjahren ſelbſt auf einem wenig kraftvollen Acker treibt der Weitzen nicht ſelten ſo maſtige Blaͤtter, daß man Lager davon be⸗ fuͤrchten muß. Koͤnnte man alles ſo recht vorher wiſſen: ſo ließ ſich der Sache durch ein ſchweres Walzen der Saat nach Winter oder durch ein bis zum halben April fortge⸗ ſeztes Abweiden durch Laͤmmer vorbeugen; allein beſchraͤnkt im Wiſſen, wie wir Menſchen nun einmal ſind, und bey allen Fortſchritten auch bleiben werden, muͤſſen wir es in vielen Dingen darauf ankommen laſſen, und erſt nach ein— getretener Zeit und Umſtaͤnden zu helfen ſuchen, ſo gut wir koͤnnen. Gluͤckt's auch nicht allemal, ſo gluͤckt's doch oft! Verraͤth das dunklere Gruͤn der Blaͤtter, oder ihr ma⸗ ſtiges Anſehen, oder gar ihr fruͤhes Liegen nach gelindem 9¹ Regen die kuͤnftige Gefahr: ſo nimmt man zum Schroͤpfen des Weitzenfeldes Zuflucht. Es beſteht darin: daß man, ohne das Herz der Pflanze za beruͤhren, die Blaͤtter mit der Sichel, oder wer geſchickter iſt mit der Senſe, abkuͤrzet. Ich g'aube ſogar nicht, daß man dabey ſo aͤngſtlich zu verfahren habe, wie es die gedruckten Vorſchriften wollen, wie ich aus folgender unwillkuͤhrlich gemachter Erfahrung ſchließen muß. Ich hatte im Fruͤhherbſte 1822 ein Stuͤck mit Rocken beſäͤet, beſtimmt im folgenden Jahre als Gruͤnfutter zu dienen. Neben ihm ſtand ein ſchmaler Streifen Talavera⸗ weitzen, der auf demſelben gewoͤhnlichen Felde, auf gewoͤhn⸗ liche Weiſe beſtellt und zur gewoͤhnlichen Zeit geſaͤet wor⸗ den war. Das Rockenabfuͤttern wurde im Fruͤhjahre zu lange verſchoben, ſo daß er ſchon voͤllig in Aehren ſtand, als die Senſe ihn von dem Felde rief. Der daran ſtoßende Weitzen hatte nun zwar noch keine Aehren, doch aber eine Hoͤhe von zwey Fuß. Die nichts ſchonende Senſe des nichts uͤberlegenden Arbeiters griff zu meinem Verdruß mit in den Weitzen ein, und ſtreckte einen guten Theil davon vor ſeiner Zeit hin. Dem ohngeachtet ſchlugen die abge⸗ maͤheten Stoͤcke von neuem aus, trieben Halme und Aehren, die etwa vierzehn Tage nach dem nicht abgemaͤhten Weitzen reif⸗ ten. Die Koͤrner waren ohne Tadel, nur etwas kleiner, das Stroh kuͤrzer. Häͤtte das Abmaͤhen um vierzehn Tage fruͤher ſtatt gehabt: ſo wuͤrde auch dieſer Unterſchied zwi⸗ ſchen beyden Weitzen verſchwunden ſeyn. Daſſelbe beſtaͤtigte ſich auch im Fruͤhjahre 1824 an einigen Weitzenpflanzen, welche zufaͤllig unter Rocken gekommen waren, und abgemaͤhet wurden, da der Rocken ſchon Aehren zeigte. Ich zog eine 9² Weitzenpflanze aus die acht, und eine andere, die außer zwey unvollkommenen noch zehn vollkommene Aehren hatte. Das Schroͤpfen laͤuft zwar nicht ohne Koſten ab; allein dieſe darf man ſchon darum nicht bereuen, weilen das Ge— ſchroͤpfte(abgeſchnittene Gruͤne) ein unuͤbertreffliches Milch⸗ futter iſt, das jene Koſten zum Theile erſezt. Sollte ſich ein foͤrmliches Abmaͤhen nach mehreren Verſuchen erproben: ſo waͤre die Arbeit durch den Futterertrag doppelt und drey⸗ fach erſezt. Das Schroͤpfen muß bey gutem und gelindem Wetter, nicht bey Nord⸗- oder Oſtwind geſchehen, ſonſt wird die Saat gelb. Tritt bald darauf ſchlimme Witterung ein: ſo wäre es beſſer geweſen das Schroͤpfen unterlaſſen zu haben. Der geſchnittene Weitzen treibt in dem Falle nur ſchwache Halme, und ſchwere Regen im Junius und JIulius druͤcken ihn dann doch nieder, und zwar leichter als den unbeſchnit— tenen. Ohne Noth muß ſich alſo der Landwirth nicht zu dieſer Operation entſchließen. §. 13. Abhuͤten. Ein weiteres Mittel den zu geilen Weitzen, oder viel— mehr den, der es zu werden droht, zu baͤndigen, beſteht in dem Abhuͤten, fruͤher durch Schaafe, ſpaͤter durch Pferde, nie durch Kuͤhe. Das Abhuͤten mit Pferden iſt in den guten Gegenden des Elſaſſes gebraͤuchlich. Ich ſah 1812 zu Benfelden einen praͤchtigen Weitzenacker, der vierzehn Tage lang mit Pferden abgehuͤtet, und hintendrein noch geſchroͤpft wor⸗ den war. Das Abhuͤten des Weitzens mit Schaafen hat, wie 9⁵ jedes Uebel, auch manchmal ſein Gutes; dann naͤmlich, wann die Witterung in der Folge ſehr guͤnſtig wird. Wäͤre ein ſolcher Fall nur jedesmal vorzuſehen: ſo gäbe es ſicher kein leichteres und zugleich nützlicheres Mittel als das Be⸗ huͤten. Nuͤtzlich, weilen es den Schaafen wirklich ſehr ge⸗ deihlich und bey den Muͤttern ſehr milcherzeugend iſt. Da aber die Zukunft außer unſerm Geſichtskreiſe liegt: ſo koͤn⸗ nen wir ihr nur auf Gerathewohl entgegengehen, und gehen daher mit unſern Spekulationen oft irre. Soll das Abhuͤ⸗ ten mit Schaafen ſchadlos ſeyn: ſo muß es vor dem Mai geſchehen. Man laͤßt alles kurz an der Erde, und ſchnell, das iſt, mit vielem Vieh auf einmal, aber nur einmal, abfreſſen. Leider aber wird von den Schaͤfern, die eine ſolche wundaͤrztliche Kur nur allzugerne ausuͤben, wenig be⸗ kuͤmmert, ob es dem Weitzen ihres Gutsherrn zum Vor— oder Nachtheil gereiche,— von Achtung fuͤr fremder Herren Gut iſt bey Schaͤfern ohnehin keine Rede da die Aerndte, welche ſie zu beſorgen haben, nicht auf dem Boden, ſon— dern dem Ruͤcken der Heerde waͤchſt; leider, ſage ich, wird das, was nur Heilmittel ſeyn ſollte, von dieſen heilloſen Leuten zum Erwerbszweige gemacht, und ein Jahr wie das andere ungewiſſenhaft benuzt. Auf guten kraͤftigen Feldern kann endlich auch eine re⸗ gelmaͤßige Weide ohne Nachtheil fuͤr den Weitzen ſtatt fin— den, jedoch darf ſie nur mit Laͤmmern betrieben, und nicht uͤber den erſten April hinaus verlaͤngert werden. Zum Verſcheuchen der Maͤuſe, zum Zertreten der Wuͤr⸗ mer, zum Feſtdruͤcken eines zu loſen Feldes leiſtet das Auf— treiben einer Schaafheerde der Saat gute Dienſte. 94 §. 14. Zeit der Aerndte. Die Lebensperiode des Weitzens dauert um ein paar Wochen laͤnger, als die des Rockens, welches wohl daher ruͤhrt, daß er einen groͤßern Grad von Waͤrme im Fruͤh⸗ linge bedarf, und in der Regel auf einen mehr gebundenen, daher langſamer treibenden Boden, oft auch etwas ſpaäter als der Rocken geſaͤet wird, und endlich weilen er ſich im Fruͤhjahre ſtaͤrker beſtockt als dieſer. Ende Oktobers geſaͤet geht er nach Beſchaffenheit der Witterung nach acht oder zwoͤlf Tagen auf, und treibt dann ſchmale ſpitzige, an dem Boden aufliegende, den Quecken aͤhnliche Blaͤtter. Im Fruͤhjahre beſtockt er ſich auf fettem Boden mehr als auf magerem; bey gelinder, zugleich feuchter Fruͤhlingswitterung ſtaͤrker, als bey trockner, kalter Zeit. Nachdem der Weitzen auf dieſe Weiſe den Boden uͤberzogen hat, fangen, gegen Ende Mai, ſeine Schoͤſſe an ſich zu er— heben, die zum Halme erwachſend, ſich in der Mitte des Junius mit Aehren kroͤnen, und das prachtvolleſte aller Ge⸗ treidefelder bilden. Gegen naßkalte Witterung iſt dieſe ſuͤdliche Pflanze ſehr empfindlich, erholt ſich aber beym Eintritte guͤnſtiger Witterung bald wieder. Um ſo erwuͤnſchter iſt ihr warmes mit oͤfterem Regen abwechſelndes Wetter: jedoch nur bis zum Eintritte ihrer Bluͤthe, wo ſie des Regens gerne entbehrt, und ſich trock⸗ nes warmes Wetter wuͤnſcht. Spaͤter erheiſcht die Vollen— dung ihrer Koͤrner eher eine maͤßigfeuchte, als allzutrockene Witterung, bey welcher leztern die Koͤrner zu ſchnell reifen und ihre gehoͤrige Vollkommenheit nicht erlangen. Man haͤlt deßhalb im Elſaß die ſpaͤten Weitzenaͤrndten fuͤr die beſten. — 95 Die Aerndte faͤllt gewoͤhnlich gegen Ende Julius, alſo nachdem der Weitzen das Land neun Monate lang in Be⸗ ſitz gehabt hat. Indeſſen da ſo viel von Boden, Klima und Witterung abhaͤngt, laͤßt ſich die Aerndte nicht nach dem Kalender ausmeſſen. Die Reife der Frucht beſtimmt einzig und allein die Zeit des Einſchnittes. Wird dieſer bey dem Weitzen verzoͤgert: ſo werden ſeine Koͤrner hornig und ver— lieren in den Augen der Kaͤufer viel an Werthe; indem ſie das ſchoͤne weiße Mehl nicht mehr liefern. Auch iſt bey dem Verſchub, zumal bey trocknem windigen Wetter, wegen dem Ausfall der Koͤrner ſehr viel gewagt. Wer nur immer eine betraͤchtliche Menge einzuſchneiden hat, wohl thut der, um ein paar Tage zu fruͤh, als um ein paar Tage zu ſpaͤt da— mit anzufangen! Man muß ſich dabey nicht durch das Anſehen des Strohes, ſondern durch eine genaue Unterſuchung der Koͤr⸗ ner leiten laſſen. Hat ſich die darin befindliche Milch verdickt: ſo daß ſie ſich wie Wachs zwiſchen den Fingern zuſammendruͤcken laͤßt: ſo iſt die Zeit da, vorausgeſezt daß die noͤthige Eigenſchaft der Witterung damit zuſammentrifft. Sollte dieſe der Aerndte nicht guͤnſtig ſeyn: ſo iſt leztere um ſo mehr zu verſchieben, als der fruͤh geſchnittene Wei— tzen bey dem Regen leichter auslaͤuft, als der vollkommen reife. Uebrigens iſt unter ſolchen Umſtanden bey dem Ver⸗ ſchub kein Verluſt an Koͤrnern zu befahren. Erinnern moͤchte ich dabey, aus eigener Erfahrung, den Landwirth, daß er ſich durch das Gerede ſeiner Umgebun— gen, namentlich das der gewoͤhnlichen Knechte, welche alles todtreif haben wollen, bevor ſie zur Sichel greifen, blos den Augenblick, nicht die Folge bedenkend, daß, ſage ich, er 96 ſich durch deren Gerede nicht abhalten laſſe, den geſetzmaͤ— ßigen Augenblick bey der Aerndte zu beobachten, und ihn noch lieber um etwas zu uͤbereilen als zu verſaͤumen. Wir wiſſen uͤbrigens, was fuͤr Wetter wir heute haben, aber nicht welches uns morgen bevorſteht. Noch macht der zur Ausſaat beſtimmte Weitzen eine Ausnahme von dem fruͤhen Einſchnitt. §. 15. Ertrag des Weitzens. Welchen Einfluß Boden, Cultur und Jahrgaͤnge auf den Ertrag, nicht blos des Weitzens, ſondern der Vegeta⸗ bilien uͤberhaupt haben, darf ich wohl nicht erinnern; noch daß in den Berichten, die man daruͤber einzieht, der Ertrag bald vergroͤßert, bald verringert wird. Auch muß ich ge⸗ ſtehen, daß, aus Furcht hintergangen zu werden, und da⸗ durch in die Lage zu gerathen, auch Andere zu hintergehen, bey den vielen Erkundigungen, die ich auf meinen Reiſen uͤber mancherley landwirthſchaftliche Gegenſtaͤnde einzog, ich gerade den vorliegenden Gegenſtand am meiſten vernachlaͤſſigte. Indeſſen iſt es doch nothwendig einen wenigſtens unge⸗ faͤhren Anhalt uͤber den Ertrag der verſchiedenen Culturge⸗ genſtaͤnde zu haben, theils um ſie untereinander vergleichen zu koͤnnen, theils damit der Landwirth doch annaͤhernd wiſſe, ob er ſich mit dem Ertrage ſeiner Felder befriedigen kann. Ich werde daher hier, ſo wie bey den uͤbrigen Ge⸗ treidearten, nur die zuverlaͤſſigſten Angaben zuſammen zu ſtellen ſuchen. Die Berechnung iſt in Hektolitern auf einen Hektar. Graf Podewils giebt an fuͤr ſeinen Hoͤheboden. 18,18 Hektoliter Der⸗ 97 Derſelbe fuͤr den Boden im Oderbruche. 19,25 Hektoliter St. R. Thaer in ſeinen Grundſaͤtzen als geringen Ertrag. 17,00 Derſelbe als guten Ertrag.... 25,56 Derſelbe in ſeiner Wirthſchaft zu Moͤ⸗ gelin... 21,30 Dr. Burger in einem Durchſchnitte von vier Jahren.... 19,50 Derſelbe an einem andern Orte in drey Jahren.. 19,000 Derſelbe wieder anderswo in drey Jahren..... 17,11 Deſſen ſtaͤrkſter Ertrag nach Klee un— gedungr....... 51,28 Luͤrzer zu Saalfelden in zwanzig⸗ jaͤhrigem Durchſchnitt... 16,10 Zu St. Florian in Oeſtreich gewoͤhnlich. 19,25 Daſelbſt auf vorzuͤglich gebauten Aeckern..... 25,67 A. Young fuͤr Englands beſten Bo⸗ den bey beſter Cultur. 30,0 Derſelbe, gewoͤhnlicher Boden, gute Eultur....... 21,40 Derſelbe oͤſtliche Reſſe. 2o,53 Derſelbe ſuͤdliche Reſe 21,00 Derſelbe noͤrdliche Reiſe.. 20, 00 Im Altenburg'ſchen, als gering, nach Schmalzz.. 1),00 Daſelbſt, beſſern. 21,00 Daſelbſt, ſehr oft. 544, o0 v. Schwerz Anleit. z. prakt. Ackerbau. II. Bd. 7 98 Schmalz ſelbſt zu Ponitz gewoͤhnlich. 31,0 Hektoliter Schwerz nach ſieben Angaben aus Brabant und Flandern. 25,16 Derſelbe fuͤr Elſaß reichen Boden nach ſtark geduͤngtem Taback 26,00 Der Durchſchnittsertrag obiger Geſammtangaben betruͤge alſo etwas uͤber 22 Hektoliter Weitzen vom Hektar. Wie hoch manchmal der Ertrag ſteigen koͤnnen, davon finden wir ein Beyſpiel in den langjaͤhrigen Wirthſchaftsbe⸗ rechnungen des Gr. Podewils, das ihn zu 36 ⅜ Hektoli⸗ ter anſezt.— In dem Altenburgy'ſchen verſicherten glaubwuͤr⸗ dige Maͤnner den braven Schmalz, daß ſie, aber freylich nicht oft, 38 ⅛ Hektoliter Weitzen vom Hektar gewonnen haͤtten. In Frankreich rechnet man fuͤr den allervorzuͤglichſten Weitzenboden 34, fuͤr guten Boden 22, dagegen fuͤr das ganze Reich nur neun Hektoliter. Lezteres moͤchte nun wohl fuͤr ein Land, das ſo vielen trefflichen Boden hat, und ſo viel auf reine Brache haͤlt, ein Schnitzer ſeyn. Vergleichen wir den angegebenen Durchſchnittsertrag mit dem fruͤher angegebenen Durchſchnitt der Einſaat= 2,25 Hektoliter per Hektar: ſo finden wir eine Samenvermehrung von beynahe zehn fuͤr eins. Der Hektoliter Weitzen wiegt 77 Kilogramme, auch mehr, auch weniger. Da nun vier Kilogramme Weitzen fuͤnf Kilogramme Rocken im Werthe gleich geſezt werden: ſo folgt: daß der Hektoliter Weitzen einen Werth hat von 96,25 Kilogr. Rocken. Da nun der Hektoliter Rocken nur 72 Ki⸗ logramme wiegt, ſo folgt weiter, daß ein Hektoliter Weitzen gleich ſey 1,35 Hektoliter Rocken; oder anders daß 100 —.—ᷓ; 99 Scheffel Weitzen gleich ſeyen 135 Scheffel Rocken. Ich darf kaum erinnern, daß hier von dem innern Werthe und nicht von dem Preiſe Rede iſt, welchen die Getreidearten nach Zeit, Ort und Umſtanden haben koͤnnen. In einer Gegend an der Maas, die ich lange Zeit bewohnte, achtet man gleich: 4 Scheffel Rocken„ — Weeitzen — Dinkel — Gerſte — Hafer, nicht voͤllig — Bohnen — Wicken — gelbe Erbſen — gruͤne Erbſen — ggraue Erbſen. Der Mittelpreis des Rockens von einem ganzen Jahr⸗ hundert von 1695 bis 1795 betrug daſelbſt per Hektoliter 4 fl.** im 24 Gulden⸗Fuß, demnach konnten in angefuͤhr⸗ ter Gegend werth an Geld ſeyn: der Hektoliter Rocken. fl. 4 —— Weitzen... 5,3 —— Dinkel..... 2 ͤ 00 Ar *) In dieſem Verhaͤltniß machen 100 Scheffel Weitzen 155 Scheffel Rocken. Dieſer nicht vorhergeſehene und nicht erwartete voll⸗ kommene Einklang mit dem ſchon angegebenen Verhaͤltniß nach Ge⸗ wicht und Werth der Koͤrner, lezter wie ihn Block angiebt, ſind mir ein einleuchtender Beweis fuͤr die Richtigkeit der Annahme. **) Einen Kreutzer weniger, den ich als unbedeutend, der Be⸗ rechnung wegen wegließ. 100 der Hektoliter Gerſte. 2,65 —— Hafer nicht ganz 2 —— Bohnen.... 3,2 —— Wicken 4 —— gelbe Erbſen 4 —-— gruͤne Erbſen. 5,3 —— graue Erbſen. 2,65 Zweyter Abſchnitt. Dinkel, Spelt, Spelz, Veſen. Triticum spelta. 2 Da der Spelz eine Art Weitzen iſt: ſo gilt das meiſte fuͤr leztern Geſagte, auch fuͤr jenen, und ich habe hier nur auf Abweichungen und Ausnahmen aufmerkſam zu machen. Der Spelz unterſcheidet ſich vom Weitzen ſchon beym Hervortreiben, durch ſeine ſchmaͤleren, grasgruͤneren Bläͤtter; dann in der Folge weſentlich durch ſeine plattgedruͤckten Aehr⸗ chen oder Spelzen, in deren jeder zwey Koͤrner ſo eingeſchloſ— ſen ſtecken, daß ſie ſelbſt bey dem Dreſchen nicht aus ihrer Huͤlſe fallen; die Aehrchen aber ſich von der Aehre ohne Muͤhe loͤſen. Eine vollkommene Aehre hat 19 bis 23 Aehr⸗ chen, alſo 38 bis 46 Koͤrner. §. 1. Abarten des Spelzes. Wie bey dem Weitzen hat man bäͤrtigen und unkbaͤrti⸗ gen Winterſpelz(rauhes Korn, glattes Korn), und ſo wie *) Dieſer Abſchnitt hat Vieles den Annalen des Freyherrn von Varn buͤhler zu verdanken. — 101 beym Weitzen ſind bey dem Dinkel die Grannen zufaͤllig, und wahrſcheinlich von Klima, Boden und Cultur abhaͤn⸗ gig. Wo man auf unpaſſendem, es ſey leichtem, es ſey abgetragenem Boden und bey liederlicher Cultur Spelz ſäet, da wird auch der unbaͤrtige Weitzen am Ende Gran⸗ nen bekommen, und umgekehrt der begrannte die ſeinige vor und nach verlieren. In Schwaben wird der weiße baͤrtige Dinkel nur fuͤr eine ſchlechte Frucht gehalten. Von dem unbaͤrtigen Dinkel giebt es in Wuͤrtemberg zwey Spielarten, welche ſich nur im reifen Zuſtande durch die Farbe in rothen und weißen Dinkel unterſcheiden. Unter dieſen verdient der rothe den Vorzug: Er iſt gegen Naͤſſe und Kaͤlte weniger empfindlich; beſtockt ſich beſſer; treibt ſtaͤrkere und hoͤhere Halme; hat vollkommenere Aehren; ſchef— felt ſtaͤrker; und, was ihn fuͤr manche Gegenden beſonders ſchaͤtzbar macht, iſt weniger dem Honigthau und Brande unterworfen. Endlich ſoll er, nach der Meynung Einiger, ein ſchoͤneres und zaͤheres Mehl geben, als der weiße. Man muß, um ihn zu erhalten, mit der Wahl der Saatfrucht ſehr ſorgfäͤltig ſeyn; oder dieſe ſich von andern, die ihn recht rein haben, zu verſchaffen ſuchen, da er bald ausartet; daher man auch in Wuͤrtemberg am gewoͤhnlichſten beyde Farben auf den Feldern gemiſcht findet. Beyde gelten uͤbrigens fuͤr eine vorzuͤgliche Winterfrucht. G. 2. Klima. Man haͤlt dafuͤr, daß der Dinkel nicht ganz ſo gut das noͤrdliche Klima vertrage, als das mehr ſuͤdliche.„Im Winter 18 ¾6, ſchreibt Hr. v. Witten, giengen ſaͤmmtliche Spelzarten hier ein, obgleich ihnen eine geſchuͤzte Lage an— gewieſen war.“ 102 Der Hauptſitz dieſer Cultur iſt in Schwaben, Franken, der Schweitz und der Rheingegend. In lezter Gegend faͤngt ſie auf dem linken Rheinufer in der Gegend von Landau an und erſtreckt ſich bis etwa unter Coblenz. Dann bauet man auch welchen jenſeits der Maas, in ſo ferne man die Miß— handlung, welche man daſelbſt dieſer edeln Frucht angedeihen laͤßt, Bau nennen darf. In den Niederlanden iſt der Spelz unbekannt. Es ſcheint, daß der Anbau des Spelzes vorzeiten un⸗ gleich mehr ausgedehnt in der nordweſtlichen Gegend von Deutſchland, und er ſogar die Hauptbrotfrucht war, indem die alten Erbgrundzinſen und ſelbſt der gewoͤhnliche Zeitpacht bis auf dieſen Tag in Spelz, épautre, angeſezt ſind. Da nun aber dieſe Fruchtart wenig oder gar nicht mehr daſelbſt gebauet wird: ſo wird allaaͤhrlich geſetzlich das Aequivalent davon in anderm Getreide, oder in Geld fuͤr die Leiſtung beſtimmt. Nach Schnees nuͤtzlichem Handbuche fuͤr Haus⸗ und Landwirthſchaft, iſt der Spelz eine der aͤlteſten Getreidearten, deren ſchon in der Bibel, beym Herodot, Columella, u. ſ. w. erwähnt wird, und ſonſt die einzige Getreidefrucht in Aegyp⸗ ten geweſen ſeyn ſoll. §. 3. Boden. Als einer Weitzenart iſt dem Spelze jeder Boden will⸗ kommen, der dem Weitzen angemeſſen iſt; er begnuͤgt ſich aber auch mit einem Boden, der fuͤr dieſen zu kraftlos, zu leicht oder zu trocken iſt, wie ich in einem Theile der Pfalz jenſeits des Rheins geſehen habe. Bey Speier fand ich ihn auf eigentlichem Sandboden in geregelter Fruchtfolge 103 nach Klee vorkommen, und dieſe Gegend hat kein feuchtes Klima. Auf ſchwerem Boden gewaͤhrt der Dinkel mehr Stroh, auf leichterem, beſonders kalkhaltigem, Boden wird ſein Korn beſſer, mehlreicher, die Huͤlſe duͤnner. Lezteres gilt auch fuͤr die Hoͤhe. §. 4. Stand in der Fruchtfolge. Es giebt nicht leicht eine vertraͤglichere Frucht mit ſich, oder andern, als der Spelz. Jede Frucht, mit Ausnahme vielleicht des Weitzens, mag auf ihn folgen, und da er ein verſpaͤtetes Saͤen vertraͤgt: ſo mag er auch nach jeder an⸗ dern Frucht folgen; freylich mit mehr oder weniger Gluͤck, wie das ſich von ſelbſt verſteht. So wird der Dinkel nach Kartoffeln, Lein und dergleichen nicht dem nach Raps, Klee und noch weniger dem nach reiner Brache gleich kommen. Bey jedesmaligem Duͤngen ſoll der Dinkel mehrere Jahre hintereinander auf dem naͤmlichen Felde mit gleich gutem Erfolge gebauet werden koͤnnen. Indeſſen bleiben die Hauptvorgaͤnger des Dinkels: reine Brache, Klee, Esper, Luzerne, Taback und Raps; dann Kopfkohl, Kartoffeln, Runkeln, Mais, Lein, Rocken und Hanf. Nur wenn der Klee ſchlecht ſtand, wie im Jahre 1822, thut man beſſer den Dinkel nach ihm wegzulaſſen; es ſey denn, daß man dreymal dazu pfluͤgen, und duͤngen koͤnne. Leider mag die hoͤher angefuͤhrte Gefaͤlligkeit des Spel⸗ zes in einigen Gegenden, wie am untern Rheine und an der Maas, Gelegenheit gegeben haben, dieſe edle Frucht zu mißhandeln, nach dem Spruͤchworte, daß dem, der viel tragen will, viel aufgelegt wird. Wenn in beyden Ge⸗ 104 genden nichts mehr auf dem Acker wachſen will: ſo ſpricht der Bauer, der noch etwas davon abnehmen moͤchte:„Ich denke: ich ſaͤe noch einmal Spelz hinein; iſt doch beſſer als gar nichts!“ Der Erfolg kroͤnt denn auch eine ſolche Be⸗ handlung, und wirkt auf die ohnehin geringe Achtung fuͤr dieſe herrliche Frucht nachtheilig zuruͤcke. So koͤmmt es denn, daß man dieſer zu Laſt legt, was nur Folge eigenen Ver⸗ gehens iſt. Aber wo ſchreibt der Bauer ſich ſelbſt das Miß⸗ lingen ſeiner Handlung zu? „Jede ſchlechte Getreideaͤrndte, ſagt Hergen, iſt trau— rig; aber eine ſchlechte Spelzaͤrndte uͤbertrifft alle andern an Erbaͤrmlichkeit!“ Der Acker verwildert darunter auf eine heilloſe Weiſe. §. 5. Bearbeitung des Bodens. In der Pfalz wird der Spelz auf leichtem Boden uͤber die Kleeſtoppel hergeſaͤet und flach mit dieſer untergepfluͤgt. Das Feld bleibt ſo liegen bis zum Fruͤhjahre; wo gewalzt wird, welches bey dieſer etwas gemaͤchlichen Beſtellungsart unerlaͤßlich iſt. Iſt das Wetter im Herbſt allzufeucht oder allzutrocken: ſo wird die Kleeſtoppel zuerſt untergefahren, der Dinkel daruͤber hergeſaͤet und mit der Egge untergebracht. Je naſſer das Wetter bey dieſer Beſtellungsart iſt, um ſo beſſer iſt es. Das Umpfluͤgen der Kleeſtoppel kann ganz duͤnne geſchehen, ſo daß ſie ſich mit dem Spelz vermittelſt der Egge untereinander wuͤhlen laͤßt, wie auch bey dem Weitzen geſagt worden iſt.— Soll Spelz nach Luzerne folgen: ſo kann dieſe im lezten Jahre nicht mehr als zweymal geſchnitten werden. Man pfluͤgt 2—5mal und zwar das erſtemal ſehr tief. Die Egge 195 muß Vieles auf einem ſolchen Acker leiſten. Der Spelz wird hier nur duͤnne geſaͤet, und noch muß es ein von Na⸗ tur ſchlechter Acker ſeyn; denn ſonſt wuͤrde dieſe Frucht nicht hinpaſſen, und nur Lager werden. Folgt der Spelz nach Kartoffeln: ſo wird das Land blos abgeeggt, der Spelz geſaͤet und eingeeggt, oder einge⸗ pfluͤgt. Wenn auf magerm Kartoffelfeld noch etwas ge⸗ duͤngt werden muß: ſo wird der Duͤnger vor dem Saͤen aufgebracht und ſammt dem daruͤber geſaͤeten Spelze unter— gepfluͤgt; beſſer aber wird der Dung erſt dann aufgebracht, wenn der Spelz ſchon uͤber der Erde iſt, wie ſolches in Wuͤrtemberg haͤufig geſchieht. Nach Raps wird 2— 3mal zum Spelz gepfluͤgt. War es aber eine Rapspflanzenſchule, ſo wird blos geeggt, ge⸗ ſaͤet und der Saamen eingepfluͤgt. Im Ganzen iſt die Beſtellungsart durchaus der des Weitzens gleich, welche daher nachzuſehen. §. 6. Duͤngen. Der Spelz liebt einen kraftvollen, aber nicht auͤberkraͤf⸗ tigen Boden, in welchem Falle er unausbleiblich lagert. Er vertraͤgt auch ein friſches Duͤngen, und eben ſo gut, wo nicht beſſer, bekommt ihm das Ueberduͤngen, wenn er ſchon einen Finger lang uͤber der Erde iſt. Auch laͤßt ſich das ſchon beſaamte Land mit großem Vortheile 2—3 Wochen lang mit Schaafen bepferchen. Ob nun gleich hierzu trock— nes Wetter am liebſten gewaͤhlt wird: ſo hat doch die Er— fahrung mehr als einmal bewieſen, daß das Pferchen auch bey naſſem Wetter, wo die Schaafe den Boden gleich einer Tenne feſt traten, den beſten Erfolg gewaͤhrte. 106 §. 7. Saatzeit und Saamen. Die Saatzeit des Dinkels gleicht der des Weitzens. Die gewoͤhnlichſte iſt acht Tag vor und acht Tag nach Michae⸗ lis. In einigen Gebirgsgegenden wird unmittelbar nach der Aerndte, und wenn dieſe ſich verſpaͤtet, noch vor derſelben geſaͤtt. Auf der Wuͤrtemberger Alp ſaͤet man zum Theile um Jakobi und aͤrndtet oft erſt um Michaelis. Dagegen kann in beſſern Gegenden eine ſehr ſpaͤte Ein⸗ ſaat noch zu Gluͤck ſchlagen. Es iſt nichts ungewoͤhnliches, daß noch Anfangs Februar Dinkel geſaͤet wird. Der Frey⸗ herr von Varnbuͤhler fuͤhrt in ſeinen Annalen ein Bey⸗ ſpiel an, wo am 14. Maͤrz 1817 Winterdinkel geſaͤet wurde, der ſehr gut gerieth und nur um vierzehn Tage ſpaͤter, als der zu gewoͤhnlicher Zeit geſaͤete, reifte. Da der Dinkel in den Schalen ausgeſaͤet wird: ſo iſt. das Quantum ſeiner Einſaat bedeutend, und betraͤgt unge⸗ faͤhr das Doppelte der nackten Getreidearten. Es wechſelt uͤberdem nach den Gegenden ſehr ab. So ſaͤet man in Wuͤrtemberg auf den Hektar: a. in den Oberaͤmtern Vaihingen und Leonberg.. 3,50 Hektoliter a. in andern Gegenden.... 4,22 c. in den wuͤrtemberg'ſchen Fildern. 5,62 d. im Oberland auf ſchwerem Boden 11,24 oder 5— 6— 8—16 Simri auf den daſigen Morgen. Man beobachtet in dem Verhaͤltniß mehr einzuſaͤen als der Boden ſchwerer wird. Wir ſäen in Hohenheim auf der Grenze der Filder, im Durchſchnitte ſieben Simri gleich 4,90 Hektoliter auf den Hektar. Doch iſt dieſes nach Raps immer noch zu viel und 107 es reichen ſechs Simri(4 Hektoliter) vollkommen zu. Moͤl⸗ linger in der Pfalz ſaͤet beynahe wie fuͤr Vaihingen ange⸗ geben, das iſt 3,34 Hektoliter. Laſſen wir die uͤbertrie— bene Ausſaat des Oberlandes weg: ſo geben uns die uͤbri⸗ gen fuͤnf Angaben einen Durchſchnitt von 4,42 Hektoliter. „Vernuͤnftige Landwirthe, ſagt Hr. v. Varnbuͤhler, richten ſich bey der Ausſaat auch nach der Beſchaffenheit des Korns. Da dieſes bey dem Dinkel, der Schalen wegen, oft verſchieden ausfaͤllt, ſo nehmen ſie die Hand voller bey großem vollkommenem Korne als bey kleinem, weil das Maß von dieſen offenbar mehr Spelzen enthaͤlt, als von jenen.“ Der Gewohnheit nach ſaͤet man nach dem Raps am ſchwaͤchſten, ſtaͤrker nach Brache; am ſtaͤrkſten nach Klee. Ungefaͤhr in dem Verhaͤltniß wie 6— 7— 8. Auf Aeckern, die keinen eigentlichen Dinkelboden, das heißt, keinen kraͤftigen und geſchloſſenen Boden haben, iſt es vortheilhaft Rocken und Dinkel untereinander zu ſaͤen. Die gewoͤhnliche Miſchung beſteht aus Rocken und ſ Spelz. Jedoch muß man bey dem Maße der ganzen Einſaat be⸗ rechnen, daß in einem Simri Rocken ſtark noch einmal ſo viele Koͤrner ſtecken als Dinkelkoͤrner. Wer deßhalb ſechs Simri reinen Dinkel auf den Morgen zu ſaͤen gewohnt war, der darf von dem angegebenen Gemiſche nicht mehr als fuͤnf Simri nehmen. Wer acht, der nehme nur 6 ½⅓, alſo fuͤnf Theile Dinkel und 1 Theil Rocken. Eine ſtaͤrkere Zumi⸗ ſchung von Rocken finde ich nicht zutraͤglich, da er ſeines ſchnelleren und hoͤheren Wuchſes wegen den Dinkel zu ſehr beeintraͤchtiget. Ein ſolches Gemiſch bietet unter gefaͤhrdeten Umſtaͤnden 108 groͤßere Sicherheit dar, als eine reine Saat. Schlaͤgt das eine ganz, oder zum Theil zuruͤck, ſo gewinnt das andere Raum und geraͤth um ſo viel beſſer. Auch hat eine ſolche Miſchung auf Boden, der dem Auffrieren unterworfen iſt, ganz beſondere Vortheile. Man ſezt deßhalb auf dem Hunds⸗ ruͤck,(Gegend zwiſchen Moſel und Nah) wo der Rocken⸗ bau herrſchend iſt, ⅛ Dinkel, dem Maße nach, dem Rocken zu. So auch moͤchte der Dinkel ſeinerſeits dadurch gegen den Brand geſichert werden. Uebrigens laͤßt ſich der Dinkel bey dem Reinigen in der Scheune ſehr leicht von dem Rocken tren⸗ nen, und deßhalb ſcheint eine ſolche Miſchung paſſender, als die des Rockens mit Weitzen. §. 3. Wartung der Saat. Keiner Frucht bekoͤmmt das Durcheggen im Fruͤhjahre ſo wohl, als dem Dinkel; beſonders wenn er ſtark verun⸗ krautet iſt, vorausgeſezt daß man dabey ſo verfaͤhrt, als wenn man alles mit der Egge zerſtoͤren wollte. Da man ſich vor nichts mehr, als vor dieſer Fruͤhjahrsoperation fuͤrch⸗ tet: ſo erlaube mir der Leſer, ſie durch ein paar Beyſpiele von meiner Bekanntſchaft zu bekraͤftigen. Im Fruͤhjahre von 1817 fand Hr. Vacano, Poſthalter in Simmern, einen ſeiner Spelzaͤcker ſo ſehr mit Unkraut ver⸗ wachſen, daß er ſich nichts davon verſprach. Er verfiel auf den Gedanken ihn eggen zu laſſen und zwar mit eiſerner Egge. Der Knecht, dem der Auftrag gegeben war, wollte ſich nicht zur Ausfuͤhrung bequemen, bis daß der Herr ihn ver⸗ ſicherte, der Acker ſollte nachher umgepfluͤgt und mit Gerſte beſtellt werden. Nun gieng es auf das Zerſtoͤren los, da der Knecht nichts mehr zu ſchonen hatte. Nach einigen Ta⸗ 109 gen gab es Regen, und, als nach ein paar Wochen der Knecht den Acker wieder zu Geſicht bekam, war der Spelz ſo ſchoͤn, daß er ſelbſt ſeinen Herrn bat, ihm doch das Le— ben zu laſſen. Ich ſelbſt habe dieſen Spelzacker im Som— mer geſehen. Er ſtand vortrefflich. Im Jahre 1818, wo der Wurmſtich den Rocken auf einer Kleenarbe zerſtoͤrt hatte, ließ Hr. Hergen, bey Co— blenz, den Acker im Spaͤtherbſte mit eiſernen Eggen ver— reißen, mit Spelz beſaͤen und ihn einpfluͤgen. Im folgen⸗ den Fruͤhjahr zeigten ſich die Saamenblaͤtter des Spelzes nicht haͤufig; dennoch ließ er den Acker, auf welchem ſich noch viele Graskloͤtte befanden, mit eiſernen Eggen tuͤchtig eggen, eine Verrichtung, die, als in daſiger Gegend nicht uͤblich, zu mehrern die Sache nicht genehmigenden Discuſſio⸗ nen unter den Bauern Anlaß gab; bis im darauf kommen— den Sommer der Erfolg dem Prozeſſe ein Ende machte, und fuͤr das Verfahren auf eine triumphirende Weiſe entſchied. So einſtimmig auch die auswaͤrtigen Schriftſteller, wel— che die Sache nicht aus eigener Erfahrung kennen, daruͤber ſind, daß der Dinkel dem Lagern nicht unterworfen ſey: ſo muß ich, leider! aus genauerer Bekanntſchaft mit ihm, je— ner Aeußerung geradezu widerſprechen. Freylich wohl mag da, wo man dem Dinkel kaum noͤthigen Lebensunterhalt reicht, derſelbe ſich aus Feiſtigkeit nicht lageren, ſo wenig als Rocken auf duͤrrem Sande. Unter guͤnſtigern Verhaͤlt⸗ niſſen aber lagert er nicht weniger, als Weitzen und Gerſte. Die Gefahr ſich zu lageren, iſt gegentheils beym Dinkel ſo gewoͤhnlich, daß nicht leicht ein Jahr iſt, in welchem er demſelben nicht ausgeſezt waͤre; daher man ihn auch in der Regel alljaͤhrlich ſchroͤpft. Im Jahre 1823 wurde in Ho⸗ 110 henheim ein Feld, das nicht geil war, das aber einen tuͤch⸗ tigen Dinkelboden hat, zweymal geſchroͤpft, und zwar das erſtemal, als die Schoſſen ſich ſchon in Kiele bildeten, und doch lagerte dieſer Dinkel in der Folge. Das Schroͤpfen als Praͤſervativ gegen das Lagern iſt bey dem Dinkel ſo her⸗ koͤmmlich und allgemein, daß man dieſer Vorrichtung den Namen Dinkelen beylegt. „Wenn, ſagt Hr. v. Varnbuͤhler, im Fruͤhjahr die Dinkelpflanzen dicht ſtehen, ſich ſtark beſtocken und ein ſchwarz⸗ gruͤnes Ausſehen haben: ſo muͤſſen ſie beſchnitten werden, weil der Dinkel ſich ſonſt lagert. Dieß geſchieht gewoͤhnlich im April, ſpaͤteſtens Anfangs Mai. Zeigen ſich die Halmen, ſo muß mit großer Vorſicht dabey verfahren werden. Das Abgeſchnittene giebt das erſte gruͤne Futter fuͤr das Rind— vieh, und wird mit Wicken- und Haferſtroh zu Haͤckſel ge⸗ ſchnitten.“ Beſondern Krankheiten iſt der Dinkel nicht unterworfen. Der Brand iſt nicht ſo gewoͤhnlich bey demſelben als beym Weitzen. Die brandigen Koͤrner, ſchoͤn und vollkommen wie ſie ausſehen, enthalten ein ſchwarzbraunes Pulver von ſo aaſigem Geruche, daß, wenn mehrere angeſteckte Aehren zuſammenſtehen, die Naſe ihn im Voruͤbergehen an dem Felde gewahr wird. §. 9. Aerndte. Die Aerndtezeit des Dinkels tritt in der erſten Haͤlfte des Auguſts ein. Man ſchneidet ihn, wenn der Halm weiß iſt; ſollte auch die Aehre noch nicht ganz reif, ſondern nach dem Sprachgebrauch untergruͤn ſeyn. Da die Aehren bey voller Zeitigung leicht durchbrechen: ſo iſt die Aerndte —— H 111 nicht zu verſchieben. Das Geſchnittene reift in den Schwa⸗ den oder Gelegen bey gutem Wetter nach und die Guͤte des Korns gewinnt dabey. Dagegen waͤchſt der Dinkel bey naſſem Wetter ſchneller als alles andere Getreide aus. Er laͤßt ſich ſowohl mit der Sichel als der Hau- und Geſtellſenſe abbringen. Ich habe ihn ſchon bey heißem Wetter an einem Tage Morgens in der Fruͤhe abſchneiden, und Abends einſcheuern ſehen. Auch in der Pfalz wird der Spelz, ſo wie er geſchnitten iſt, gebunden und eingefahren. Nur wenn er mit Gras durchwachſen, oder die Aehren nicht vollig reif ſind, laͤßt man ihn einige Tage liegen, bevor er gebunden wird. Des Zerbrechens der Aehren wegen iſt ein mit einer Leinwand uͤberſpannter Wagen gewiß wohl dabey augebracht, ob gleich man ſolches in vielen Orten, aber nicht in der Pfalz, vernachlaͤſſiget. Er kann, ſo wie er vom Felde koͤmmt, gedroſchen werden. Auf dem Boden laͤßt er ſich Jahre lang gut aufbewahren, wahrſcheinlich wei⸗ len ſein Korn in der Huͤlſe ſitzen bleibt. Vier Dreſcher dreſchen in ſechs Tagen den Ertrag von ein Hektar ab. Obgleich bey dem Dreſchen die Spelzen ſich ganz von der Aehre trennen, und in dieſem Zuſtande die eigentliche Kaufmannswaare bilden: ſo ſpringen doch auch einige wenige Koͤrner durch das Aufſchlagen aus ihren Huͤlſen hervor; dann giebt es wieder Spelzen, welche nur ein Korn haben. Man begreift beyde unter dem Namen Abzug. Dieſer wird auf dem Dinkelſiebe von dem Din⸗ kel getrennt, durch welches er, als kleiner, faͤllt. Noch er— geben ſich bey dem Dreſchen Spitzen. Dieſe beſtehen aus Spelzen, welche keine oder ſehr leichte Koͤrner haben. Sie fallen bey dem Putzen des Getreides unter den Staub, von 112 dem ſie durch das Staubſieb abgeſondert werden. Die Spi— tzen werden dem Vieh beſtimmt. An Spitzen und Abzug moͤgen auf den Hektar fallen 2 1 bis 3 Hektoliter. G. 10. Ertrag. Der verewigte Moͤllinger von Pfedders⸗ heim in der Pfalz erhielt in zehnjaͤhrigem Durch⸗ ſchnitte, 1803— 1812 an Dinkel per Hektar.. 46 Hektol. Sein geringſter Ertrag war 1811, er betrug 19,50, ſein hoͤchſter von 1812 betrug 86,00 Freyherr von Varnbuͤhler, in Wuͤrtem⸗ berg, giebt als den hoͤchſten Ertrag an, den er wohl zuweilen auf einzelnen Aeckern, nie aber im Durchſchnitte von ſeinem ganzen Areal bezogen habe, zu 15 Scheffel vom Morgen oder vom Hektar 84 Hektoliter. Bey guten Aerndten, ſagt er, und auf gu⸗ ten Feldern bekoͤmmt man gewoͤhnlich 9— 10 Scheffel, betraͤgt vom Hektar im medium. 53,60 Fuͤr ganz Wuͤrtemberg aber glaubt er, daß man nicht mehr als 5 Scheffel rechnen koͤnne, welches ſich nur durch die vielen ſchlechten Ge⸗ birgsgegenden erklaͤren laͤßt. Vom Hektar. 31,00 In einer Gegend an der Maas, wo man den Spelz nur ausſaͤet, wenn der Boden nichts anders mehr tragen will, erhaͤlt man noch 52 Hek⸗ tol., die aber als Mißbrauch hier nicht in die Wage gelegt werden duͤrfen. In Hohenheim that unſer Ertrag 1820 vom Morgen 7 Scheffel 5 ⅓ Simri, vom Hektar 45,24 113 Daſelbſt 1821 vom Morgen 10 Scheffel 2 ⅓ Simri betraͤgt vom Hektar.. 56,27 Hektol. Daſelbſt 1822 vom Morgen 9 Scheffel 7 Simri oder vom Hekta.. 55,90 Daſelbſt 1823 vom Morgen 9 Scheffel oder vom Hektar......... 50,65 In dem Canton Bern nach Tſchiffeli im Durchſchnitt........ 51,26 Der Durchſchnitt der angefuͤhrten Angaben giebt alſo vom Hektar..... 48,47 §. 11. Werth des Dinkels. Man giebt dem Dinkel den Namen einer Halbfrucht, dieweil er auch noch nach dem Abdruſche in ſeinen Huͤl— ſen feſt ſitzen bleibt, und mit dieſen aufgemeſſen wird; da⸗ her ſein Ertrag, wie wir geſehen haben, eine groͤßere Maſſe bildet, als die irgend eines andern Getreides. Um alſo zu wiſſen, wie viel er an reinem Korne enthaͤlt, muß er vor— laͤufig gegerbt, das iſt, enthuͤlſet werden, und da entdeckt ſich, daß die Koͤrner dem Maße nach noch nicht die Haͤlfte der Maſſe betragen; oder, wie man ſich im Wuͤrtemberg— ſchen ausdruͤckt, nicht zur Haͤlfte gerben. Das Enthuͤlſen geſchieht auf dem Gerbgang, welcher haͤrtere und rauhere Steine als der Mahlgang hat, und womit in dem Wuͤrtemberg'ſchen jede Muͤhle verſehen iſt. Das Gegerbte faͤllt aus dem Gerbgang in das Gerbrohr, wo die Koͤrner von den Schalen und dieſe von dem Staub getrennt werden. Auf ſolche Weiſe koͤnnen ſieben Hektoliter Dinkel in einer Stunde abgefertiget werden. In dieſem enthuͤlsten Zuſtande erhaͤlt er den Namen Kerne, ſtatt daß v. Schwerz Anleit. z. pralt. Ackerbau. II. Bd. 8 114 die ungegerbte Frucht den Namen Dinkel beybehaͤlt. Der Landwirth bringt ſie nur in lezterm Zuſtande in den Handel. Auf den Maͤrkten aber koͤmmt ſie unter beyden Formen vor. 1 Um das Quantum von Kernen und Mehl auszumit⸗ teln, welches man ſich ungefaͤhr von einem Scheffel Dinkel, gleich 177,22 Liter, zu verſprechen habe, lege ich folgende Mahlproben vor; wovon die ſieben erſten aus den Wuͤrtem⸗ berg'ſchen Annalen gezogen, die zwey lezten zu Hohen⸗ heim auf einer eigenen Muͤhle mit groͤßter Puͤnktlichkeit ge⸗ macht worden ſind. 115 Kilogr. Kilogr. Kilogr. Kilogr. Liter Kilogr. Kilogr. Jahrgang. Dinkel. Huͤlſen. Abgang. Kerne. Kerne. Mehl. Kleie. 1800 74. 00 20. 56 5. 44 48. o0 69. 13 43. 00 5. 00 18⁰1 77. o0 17. 75 3. 25 56. 00 76. 34 51. 00 5. o0 18⁰1 74. 0O0 17. 00 2. 80 54. 20 75. 18 48. Bo 5. 66 1817 74. 76 58. 40 1817 76. 40 15. 65 4. 00 56. 77 77. 52 51. 42 3. 72 1817 71. 50 16. 82 5. 27 51. 40 74. 75 46. 73 3. 27 1818 74. 7 15. 00 3. 34 56. 2 83. 00—55. 00 1. 40 1821 73. 36 20. 0O0 1. 66 51. 70 68. 45 45. 17 6. 53 182² 73. oo 13. 53 0. 75 53. 72 72. 65 52. 50 5. 00 3 hſchder 74. 86 17. 66 5. 5 54. 62 74. 63 49. 18 5. 00 Durchſchnitt.„ 7 per Hektoliter.ͤ 42. 24 10. 0 2. 0 30. 82 42. 11 27. 75 3. 0O0 116 Nach dieſer Tabelle betrug das Gewicht eines Wuͤrtem⸗ berger Scheffels Dinkel im ungeſchaͤlten Zuſtande oder die 177. 22 Liter: zum geringſten.. 1,5 Kilogr. zum hoͤchſten........ 78,0 im Durchſchnitt.... 74,36 Durchſchnittsgewicht fuͤr den Hckto iter 42,24 Im geſchaͤlten oder gegerbten Zuſtande gab dem Maße nach ein Scheffel Dinkel an Kernen: zum geringſten.... 63,45 Liter zum hoͤchſten.......„ ,„,52 im Durchſchnitt..... 74,63 Durchſchnittsmaß fuͤr den Hektolit iter 42, 11 Man kann demnach einen Kilogramm Dinkel einem Liter Kernen gleich ſetzen; oder mit andern Worten von einem Sack Dinkel, der 100 Kilogramme wiegt, darf man ſich im Durchſchnitte einen Hektoliter Kernen verſprechen. Da ſich nach der Tabelle der Gewichtsdurcyſchnitt des Dinkels zu dem Gewichtsdurchſchnitt der davon gekommenen Kerne ungefaͤhr verhaͤlt wie 74 zu 54: ſo folgt, daß man 20 Kilogramme(gleich 44 Pfd.) Kernen weniger zu erwar⸗ ten hat, als das Gewicht des Scheffels Dinkel, und etwas uͤber 100 Liter weniger als ſein Maß betrug. Es verſteht ſich, daß beydes nach den Jahren und dem Boden mehr, auch weniger ausmachen koͤnne. Unter jenen 20 Kilogr. Huͤlſen befinden ſich etwa 2 Kilogr. Staub, bleiben alſo 18 Kilogr. Huͤlſen. Nimmt man den Ertrag eines Hektars zu 48 Hektoliter Dinkel an: ſo geben dieſe beym Schäͤlen(Gerben) 480 Kilogr. Huͤlſen, wozu ſich noch 150 Kilogr. Spitzen und Kaff geſellen, welche 1 17 bey dem fruͤheren Reinigen der Frucht in der Scheune ge⸗ wonnen wurden. Wir erhalten demnach von dem Hektar 630 Kilogr. an Spreuer, welche als Viehfutter bey dem Strohertrag in Berechnung kommen muͤſſen. Um den Dinkel naͤher zu wuͤrdigen, haben wir ſeinen Ertrag an Kernen und Mehl mit dem des Weitzens zuſam⸗ men zu halten. Nach den im§. 9 angefuͤhrten Angaben giebt ein Hektar im Durchſchnitte 48 Hektoliter Dinkel, dieſe 48 Hektoliter wiegen 2027,5 Kilogramme, dieſe geben 20,21 Hek⸗ toliter Kernen, dieſe wiegen 1479,4 Kilogramme. Die Kerne geben 1332 Kilogramm Mehl. Ich beobachte hierbey, daß das angegebene Gewicht des Dinkels ſowohl, als des daraus hervorgegangenen Mehls genau mit der Angabe Luͤrzers in Burgers Lehrbuch II. S. 22 ſtimmt. Wir haben bey dem Abſchnitte des Weitzens den Er⸗ trag zu 22 Hektoliter vom Hektar angenommen. Demnach waͤre der Ertrag deſſelben dem Maße nach um groͤßer, als der des Dinkelkernen. Es bleibt nun noch der beyder⸗ ſeitige Mehlertrag gegeneinander zu halten. Leider fehlen mir dafuͤr in Bezug auf den züeiben voͤllig genuͤgende Angaben. Nach der mouture économique de Paris giebt der Hektoliter Weitzen, 77 Kilogr. wiegend, 57,75 Kilogr. Mehl. Nach Jakob Syrington giebt er 60,2. Nach einem Aus— ſchreiben des franz. Miniſters der Gewerbe vom 20. Mai 1812 durfte er gar nur 53,53 geben. Bey dem erſten Mehl⸗ anſatze moͤgen wohl die Herren Muͤller, Baͤcker und Sipp— ſchaft, bey dem lezten andere Dinge die Haͤnde im Spiel gehabt haben. Auch Syringtons Angabe ſcheint mir zu geringe, wenn ich ſie mit Schnees Handbuch, ſo wie mit 118 der Angabe Luͤrzers, am angefuͤhrten Orte Seite 23 ver⸗ gleiche. Nach dieſen geben 35 Pfd. Weitzen 71 Pfd. Mehl, der Hektoliter alſo, 77 Kilogr. wiegend, 64,32 Kilogr. Mehl, mithin 1,52 Kilogr. weniger als der Kernen des Dinkels giebt. Der Mehlertrag eines Hektars Weitzen aber beläͤuft ſich auf 1415, ſtatt daß der des Dinkels nur 1332 beträgt, jener alſo 83 Kilogr. Mehl mehr als dieſer. Der Unter⸗ ſchied zwiſchen beyden thut nach dem Mehlertrag nur h, ſtatt daß er nach den Koͤrnern, wie wir hoͤher ſahen, 0 thut. Was die Guͤte des Dinkelmehls betrifft: ſo ziehen Ei⸗ nige ſolches dem Weitzenmehl vor, weilen es feiner und weißer ſeyn ſoll; andere ſetzen es ihm nach, weilen das daraus gebackene Brod ſproͤder iſt und ſchneller als das Weitzen⸗ brod austrocknet. Die Wahrheit moͤchte alſo wohl auch hier in der Mitte liegen und ſich fuͤr die Gleichheit an Guͤte fuͤr beyde Theile ausſprechen. Wenn alle Getreidearten in allen Gegenden gleichen Ab⸗ ſatz faͤnden: ſo wuͤrden ſie dadurch auch einen gleichen rela⸗ tiven Werth erhalten, es ſey nun, daß man dieſen in Geld oder in einem gegebenen Normalgetreide ausſprechen wollte. Man hat das Schwankende nach der erſten Beſtimmung anerkannt, und iſt daher auf die andere Beſtimmungsart gefallen, welche ohne Zweifel fuͤr eine gegebene Gegend die richtigere iſt; aber durchaus nicht auf alle andere Ge⸗ genden paſſend. So ſteht z. B. der Preis des Rockens, den man in Norddeutſchland dazu gewaͤhlt hat, weder in England noch Frankreich in einigem Verhaͤltniſſe zu ſeinem wahren innern Werthe, daher auch in keinem richtigen Ver⸗ haͤltniß zu dem aͤußern Werthe der uͤbrigen Getreidearten, und doch iſt es dieſer aͤußere Werth, oder der repraͤſentative 119 Werth in Geld, der fuͤr den Produzenten in allen den Faͤl⸗ len entſcheidet, wo er etwas von ſeinen Produkten zu Markt zu bringen hat. So wuͤrde er in Wuͤrtemberg ſchwerlich ſo viel fuͤr einen Scheffel Weitzen als fuͤr einen Scheffel Dinkelkernen bekommen; in den Niederlanden dagegen wuͤrde man ihm nicht fuͤnf Scheffel Weitzen fuͤr zwoͤlf Scheffel Dinkel geben wollen, obgleich, wie wir geſehen haben, dieſe mehr gleich gutes Mehl als jene geben. In den Niederlan⸗ den erhaͤlt man im Tauſche fuͤr einen Scheffel Rocken zwey Scheffel Dinkel, in Wuͤrtemberg hoͤchſtens nur 1 Scheffel. Wenn ich mich hier uͤber den Preis und relativen Werth des Dinkels einlaſſe, ſo kann dieſes nur fuͤr Wuͤrtemberg, oder ſonſt einen Nachbarſtaat gelten, und daſigen Land⸗ wirthen von Nutzen und Gebrauch ſeyn. Dem zu Folge fuͤhre ich hier die wuͤrtemberg'ſchen Fruchtpreiſe von 1766 bis 1815 nach den Varnbuͤhler'ſchen Annalen an, woraus der daſige Landwirth erkennen kann, in wie weit es in Be⸗ zug auf den Geldertrag im Durchſchnitte vortheilhafter fuͤr ihn ſey, mehr von dieſer oder jener Frucht zu bauen. Scheffel. Rocken. Dinkel. Gerſte. V Hafer. Jahrzehnte. fl. V kr. fl. kr. kr. fl. kr. 1766— 1776 20 z 54 7⸗ 2 40 1776— 1786 5 45 3 3²2 33 2 47 1786— 1796 23 9 4 5 34 32* 5 1 1796— 18⁰6 10 1 5 6 4 5⁰ 4 22 1806— 1816 3 98 5 29 8 4 4 Durchſchuitt. 7 58 4 54 5„ Lhunier. 4 56 21 45 25 7 3 121 Demnach ſtuͤnden ſich im Geldwerthte ungefaͤhr gleich 611 Scheffel Rocken 818— Gerſte 1000— Dinkel 129o— Haeafer oder anders ein Scheffel Rocken waͤre an Geldwerth gleich 17 Gerſte———— 13 Dinkel———— 19 Hafer———— 8 Ich erinnere aber, daß dieſes Verhaͤltniß blos als tem⸗ porär und local, angeſehen werden muß, wie ſchon erfolgt, wenn wir es mit dem Verhaͤltniß zuſammenhalten, das ich bey Gelegenheit des Abſchnitts uͤber den Weitzen angefuͤhrt habe. Daſelbſt findet ſich folgende Proportion; Rocken gleich 17 Gerſte— 11,34 Dinkel— 8,50 Hafer—-— 8,25 Weitzen— 22,66 Faſſen wir alle Vortheile und Eigenheiten des Dinkels im Vergleich mit dem des Weitzens zuſammen, ſo ergiebt ſich, nach Abweiſung einiger irrigen Begriffe, welche diejeni⸗ gen aufgefaßt, oder andern nachgeſchrieben haben, die ſeine Cultur nicht aus eigener Erfahrung kennen: 1. Daß der Dinkel auf ſchlechtem und erſchoͤpftem Boden nur ſchlecht fortkommt; dennoch auch einen ſolchen ver⸗ traͤgt, der fuͤr Weitzen etwas zu leicht oder zu trocken iſt; auf rechtem Weitzenboden aber am beſten gedeiht. 2. Daß er dieſelbe Feldbeſtellung erfordert wie der Weitzen, 01 122 dabey aber das ſpaͤte Duͤngen, ſo wie das Ueberduͤngen beſſer vertraͤgt als dieſer. .Daß er ſich mit weniger Dung behilft, und weniger alte Kraft im Boden erfordert als der Weitzen. .Daß er ungleich vertraͤglicher mit ſich ſelbſt und mit andern Gewaͤchſen in der Fruchtfolge iſt als der Weitzen; wahrſcheinlich, weilen er den Boden weniger erſchoͤpft als dieſer. „Daß er den Krankheiten, namentlich dem Brand, weit weniger unterworfen iſt als der Weitzen. .Daß er von dem Vogelfraß auf dem Felde wenig oder nichts leidet. .Daß er aber dem Lagern und Abbrechen der Spelzen, daher von dieſer Seite der Gefahr des Verluſtes nicht weniger als der Weitzen ausgeſezt iſt. „Daß dem geſchnittenen Dinkel die Naͤſſe nicht minder nachtheilig iſt als dem Weitzen, dagegen aber ein ſchnel⸗ leres Aufbinden und Einheimſen(Einſcheuern) gleich hinter der Sichel vertraͤgt als dieſer. „Daß er leichter abzudreſchen iſt, auf dem Boden zwar einen etwas groͤßern Raum erfordert, ſich aber beſſer darauf als der Weitzen erhäͤlt. 10. Daß der Dinkel im Mehlertrage lezterm wenig nachſteht. 11. Daß ſich aus Dinkel zwar ein feineres Mehl als aus Weitzen hervorbringen laͤßt; daß aber das daraus ver⸗ fertigte Gebaͤcke ſproͤder iſt und ſich weniger friſch er⸗ halte, als das von Weitzenmehl angefertigte. 12. Daß das Dinkelſtroh zwar etwas ſteifer iſt als das des Weitzens, daß es aber demohngeachtet, nicht allein ein 125 treffliches Haͤckſel fuͤr die Pferde, ſondern auch gutes Langfutter fuͤr das Hornvieh giebt. Aus dem Angegebenen ergiebt ſich, welche große Vor⸗ theile der Anbau des Spelzes gewähre, und wie ſehr der ſchwaͤbiſche Landwirth Recht habe dabey ſtehen zu bleiben. Wenn der Spelz nicht allenthalben, in ſo weit ſich die kli— matiſchen Verhaͤltniſſe dazu eignen, eben ſo ſehr anzurathen iſt: ſo liegt das mehr am Abgang zweckmaͤßiger Vorrich⸗ tungen an den beſtehenden Muͤhlen, als am innern Werthe dieſer edeln Frucht. Dritter Abſchnitt. Einkorn, triticum monococoum. Da ich ſelbſt dieſe Frucht noch nie, es ſey zum erſten⸗ male im Herbſte 1825 gebauet, und nur ſelten und in un⸗ bedeutender Menge auf meinen Reiſen getroffen habe, auch die landwirthſchaftlichen Schriftſteller nur Weniges und Un— zulaͤngliches daruͤber ſagen: ſo muß ich mich beynahe aus⸗ ſchließlich anf das Wenige beſchraͤnken, was die Herren Schuͤbler und Glotz in den wuͤrtemberg'ſchen Annalen daruͤber geſagt haben. Die Aehre iſt platt, zuſammengedruͤckt, zweyzei⸗ lig, ſchmal und unbehaart. Die wechſelweiſe ſtehen— den Aehrchen liegen dicht und ziegelfoͤrmig, wie bey dem Emmer, uͤbereinander. In der Bluͤthe ſind ſie gruͤnlich oder gelblichgruͤn, zu der Zeit der Reife aber roͤthlichbraun. 124 Jeue gruͤngelbe Farbe giebt dem Einkornfelde ein beſonderes Anſehen, das man ſchon von ferne wahrnimmt und von den uͤbrigen Getreidefeldern unterſcheiden laͤßt. Die Zahl der Koͤrner betraͤgt 36— 4b. Von den drey Bluͤthchen iſt gewoͤhnlich nur eines fruchtbar und mit Grannen verſehen. Die Saamen ſind ſehr eng von den Baͤlgen umſchloſſen. Dieſe Weitzenart hat eine laͤngere Vegetationsperiode als die Sommergetreidearten, ſie wird daher gewoͤhnlich als Winterfrucht in Wuͤrtemberg gebauet.— Man weiht ihr einen Boden, der zum Dinkel nicht gut, oder nicht kraft⸗ voll genug iſt; daher man ſie viel auf ſteinigen und hoͤher liegenden Gebirgsfeldern antrifft. Beym Anbau in Großem auf weniger fruchtbarem Boden geſchieht es haͤufig, daß von drey Bluͤthchen nur eines einen fruchtbaren Saamen zu Stand bringt, woher denn die Benennung monococcon (Einkorn) ihren Urſprung hat; obgleich auch nicht ſelten, ſelbſt im Großen, am untern Theile der Aehre zwey Koͤr⸗ ner in den einzelnen Aehrchen reifen. Die Vorzuͤge des Einkorns beſtehen hauptſaͤchlich darin, daß es ſich ſtark beſtaudet, nicht leicht auswintert, nicht lagert und weniger leicht den Krankheiten anderer Weitzen⸗ arten unterworfen iſt. In Hinſicht des Bodens iſt es ſehr genuͤgſam, gedeiht beſonders gut auf ſtark ſteinigtem Bo— den, und zwar hier beſſer als der Dinkel, daher man es oͤfters in gebirgigten Gegenden antrifft. Es kann noch um Weihnachten und ſelbſt im Februar mit gutem Erfolg geſaͤet werden und liefert ein ſehr ſchoͤnes gelbes, zumal fuͤr Mehl— ſpeiſen unuͤbertreffliches Mehl. Das daraus gebackene Brod iſt locker, und gelb von Farbe. Das Ein— korn giebt nach der Enthuͤlſung mehr Kernen als der Din⸗ 125 kel, da es zur Hälſte gerbt. Das heißt: acht Simri Ein⸗ korn geben vier Simri, alſo o,50 Kernen, waͤhrend der Dinkel im Durchſchnitt nur o,4a Kernen giebt. Das Ein— korn alſo 16 pro cent mehr. Auf wohl bearbeitetem, gut geduͤngtem Boden kann es ſechszehnfachen Ertrag geben. Gewoͤhnlich ſaͤet man 2,8 bis 3,5 Hektoliter auf den Hektar= 4—5 Simri auf den wuͤrtemb. Morgen. Mit Dinkel gemiſcht giebt es die vor— zuͤglichſten Aerndten. Das Einkorn liefert ein feſtes, ſchweres, daher den Duͤngervorrath ſehr bereicherndes Stroh. Bey der Aerndte hat man zu beobachten, das Geſchnittene hoͤchſtens nur eine Nacht auf dem Felde zu laſſen, und wo moͤglich es noch an ſelbem Tage einzuheimſen. Zu dem Ende laͤßt man das Einkorn todtreif auf dem Halme werden, bevor man zum Schnitte ſchreitet. Fuͤr Boden, der zum Dinkel zu ſtorrig, fuͤr Felder, wor— auf das Sommergetreide zu viel gefaͤhrdet iſt, bleibt das Einkorn uͤberaus ſchaͤtzbar. Da es ein ſehr verſpaͤtetes Saͤen vertraͤgt: ſo ſchickt es ſich ſehr gut ins Sommerfeld. Ue⸗ beraus wohl bekoͤmmt ihm das Ueberduͤngen. Einer unſerer Nachbaren hatte 1823 einen W. Morgen im Sommerfeld damit beſtellt, alſo nach Dinkel, und das beſaͤete Land im Winter etwas uͤberduͤngt. Er aͤrndtete davon eilf Scheffel Koͤrner, oder beynahe 62 Hektoliter vom Hektar, alſo mehr als ihm der beſte Dinkel im Winterfeld getragen haben wuͤrde. Der Hagel vernichtete 1824 in Hohenheim die Berechnung. 126 Vierter Abſchnitt. Rocken. §. 1. Vorzuͤge des Rockens. Der Rocken macht den Hauptnahrungsgegenſtand des ganzen noͤrdlichen Deutſchlands, mit Inbegriff Belgiens, aus. Sein Mehl iſt zwar nicht ſo weiß noch ſo nahrhaft wie das des Weitzen, noch iſt es ſo zu allerhand Gebäcke und Kuͤchengebrauch anwendbar; es giebt aber ein geſundes ſchmackhaftes Brod, das ſich laͤnger friſch erhaͤlt als das Weitzen⸗ und zumal als das Dinkelbrod. Die Huͤlſe des Rockens enthaͤlt eine aromatiſche Subſtanz, die eine erfri⸗ ſchende Einwirkung auf den thieriſchen Koͤrper aͤußert, wie ſolches ſchon der nervenſtärkende Wohlgeruch des friſch ge— backenen ſchwarzen Brodes verraͤth. Mit der fein zermahle⸗ nen Huͤlſe verbacken beſizt das Brod die ſouveraͤne Eigen⸗ ſchaft, ſitzenden Perſonen zu einer gewiſſen Erleichterung zu verhelfen, woran es ihnen ſo oft fehlt. Dieſe Wirkung ſoll bey denen, die nicht an den Genuß des Rockenbrodes ge⸗ wohnt ſind, wie die Englaͤnder zum Beyſpiele, ſelbſt bis zur Liberalitaͤt gehen. An Koͤrnerertrag ſteht der Rocken dem Weitzen nicht nach und an Stroh geht er ihm vor. Der Boden bleibt unter ihm reiner, und wird weniger erſchoͤpft. Sein Koͤrnerertrag iſt ſicherer, da der Rocken nicht ſo vielen Krankheiten und Zufaͤllen unterworfen iſt wie der Weitzen, weniger von Un⸗ kraut leidet, ſich mit einem ſchlechtern und weniger kraͤfti⸗ gen Boden begnuͤgt und deſſen Saͤure leichter ertraͤgt; daher er ſowohl auf Heide⸗ als Moorboden fortkommt. Findet 127 er nur einen gehoͤrig zubereiteten Acker, wird er zu gehori⸗ ger Zeit geſaͤet, und koͤmmt er vor allen Dingen bey trock— nem Wetter in die Erde: ſo gehoͤrt ein eigentliches Miß⸗ rathen dieſer Frucht zu den außerordentlichen Ungluͤcksfaͤllen. Es verdient demnach dieſe Fruchtart die hoͤchſte Beach⸗ tung. Wird ſie aber in einigen Gegenden, z. B. in Eng⸗ land, zuruͤckgeſezt: ſo geſchieht es, weilen man ſie nicht kennt; oder daß, wie Angewohnheit einen Fehler ſchoͤn, ſo Ungewohnheit das Gute haͤßlich machen kann.— Es iſt unterhaltend zu hoͤren, wie ſich ein Engliſcher Landwirth ge⸗ gen Hrn. v. Knobelsdorf uͤber den Rocken ausdruͤckte: „Bis izt, ſagt er, eſſen ihn die Menſchen zwar noch nicht; allein da er viele gute Eigenſchaften hat: ſo iſt es nicht uͤbel, daß er auf einmal ſo in die Mode koͤmmt. Man ſollte kaum glauben, wie gut der Rocken auf Feldern waͤchſt, wo man mit dem Weitzen ſeine Plage hat; wie viel Stroh er giebt, und was dieß fuͤr ein ſchoͤnes Viehlager verſchafft. Was mir aber am beſten daran gefaͤllt, iſt, daß er gar nicht von den verdammten Krankheiten befallen wird, die den Weitzen von Jahr zu Jahr mehr heimſuchen. Ueberdem kann man die Pferde ſehr gut mit Rocken fuͤttern, und es heißt ſogar, daß man in London eben ſo guten Branntwein daraus an⸗ fertiget als aus Weitzen. Bald werden die Men⸗ ſchen ihn auch eſſen muͤſſen, denn ſo weit iſt's mit uns gekommen!“ §. 2. Boden und Clima. Der Rocken gefaͤllt ſich auf ſandigem Lehmboden, leh— migem Sandboden, und koͤmmt ſelbſt auf ſo ſcheuerm Sande, wo keine andere Getreideart, ſelbſt Buchweitzen nicht, fort⸗ 128 will. Ohne ihn wuͤrden viele ſandige Gegenden, wie die brabant'ſche Campanie, die Luͤneburger Heide, u. ſ. w. gar nicht zu bewohnen ſeyn. Bey fleißiger Bearbeitung ge— deiht er auf geſchloſſenem, ſchwerem Boden, wenn derſelbe nicht zu feucht iſt. Indeſſen mißraͤth er darauf nicht ſelten und der Weitzen bleibt zweckmaͤßiger daſelbſt angebracht. Dem Rocken wird vortheilhafter der muͤrbere Boden ange— wieſen. Der Niederungsboden erzeugt mehr Garben und hoͤheres Stroh; der Sandboden mehr Koͤrner, die zugleich mehlreicher, weilen duͤnnhuͤlſiger, ſind. Nach Hr. v. Wit⸗ ten wird der Niederungsrocken von dem Hoͤherocken(der Bruchrocken vom Sandrocken) oft um acht Kilogr. per Hek⸗ toli ter uͤbertroffen. Da der Rocken, die Wintergerſte ausgenommen, unter allem Getreide am erſten zeitiget, und dabey in ſeiner Ju— gend auch die ſtaͤrkſte Kaͤlte vertraͤgt: ſo iſt ſein Anbau auch in ſolchen Gegenden anwendbar, wo jedes andere Getreide, ſelbſt der Hafer, der verſpaͤteten Reife wegen gefaͤhrdet iſt. Man findet ihn deßhalb von der Mittelhoͤhe der Alpen an bis zu den ſchneeigten Grenzen Lapplands. §. 3. Stelle in der Fruchtfolge. Der Rocken folgt nach reiner Brache, Dreiſche, Klee, Spergel, Gruͤnwicken, reifen Erbſen, Bohnen, Kartoffeln, Hirſe, Taback, Naps, Flachs, Buchweitzen, Wintergerſte, Weitzen, Rocken, Hafer. Wie viel bey dem mehr oder we— niger Gedeihen des Rockens nach dieſer oder jener Frucht auf Boden und Umſtände ankomme, darf ich nicht erinnern. Da der Rocken einen wohlgemuͤrbten Boden liebt: ſo kommt auf ſtark gebundenem Boden(doch auch nur darauf) nicht 129 nicht leicht etwas Anderes der reinen Brache als Vorbe— reitung zum Rocken gleich. Der Brachrocken ſchockt ſtaͤrker, ſcheffelt reichlicher, ſein Stroh iſt ſteifer und reiner, ſein Korn ſchwerer und vollkommener, als Korn und Stroh nach jeder andern Vorbereitung. Iſt der Boden nicht ſehr ſtrenge: ſo giebt der Raps, zumal der verpflanzte, der Brache in jener Hinſicht nichts nach, welches, außer der ſehr geringen Erſchoͤpfung der Oel— gewaͤchſe, wohl dem Umſtande zuzuſchreiben iſt, daß der Raps, deßgleichen auch der Ruͤbſen, das Feld fruͤhe genug raͤumt, um eine Brachbehandlung zwiſchen ihrer Einaͤrndtung und der Rockenſaat zuzulaſſen. Vortheilhafter aber wird man auf kraͤftigem, etwas ſchwerem Boden Wintergerſte oder Weitzen auf den Raps, und darauf erſt Rocken folgen laſſen. „Selten, ſagt Schmalz, ſaͤet man im Altenburg'⸗ ſchen Winterrocken nach Klee, Raps, Kartoffeln, Kraut und Ruͤben; es ſey denn, daß der Boden zu leicht ſey, Wei⸗ tzen zu tragen. Meiſtens ſaͤet man den Rocken nach Erbſen, Wicken, Wickfutter, Sommer- und Winterruͤbſen, Hirſen, Kamillen und nach reiner Brache.“ Erbſen, Wicken, behackte Bohnen, und gruͤn ab⸗ gefuͤtterte Wicken ſind gute Vorgaͤnger fuͤr den Rocken, dann nämlich, wenn ſie gut geſtanden, und das Feld fruͤhzeitig genug geraͤumt haben. Unter ſolchen Umſtaͤnden moͤgen ſie, auf nicht ſchwerem Boden, der Brache gleichkommen. Nicht aber ein Gleiches hat man ſich davon zu verſprechen, in ſo ferne ſie das Feld nicht ſo zeitig raͤumen, daß ihre Stoppeln ſchon in der erſten Haͤlfte des Septembers umgebrochen werden koͤnnen, wovon wir die Urſache bey der Rockenſaat⸗ v. Schwerz Anleit. z. prakt. Ackerbau. II. Bd⸗ 9 130 zeit anzugeben haben. Selbſt die zum Gruͤnabfuͤttern be⸗ ſtimmten Wicken ſind in dem Falle.„Seit es Sitte wurde, ſagt Koppe, zu behaupten, daß gruͤnabgebrachte Fruͤchte den Boden nicht erſchoͤpften, habe ich um ſo mehr Acht auf den Rocken nach gruͤnen Wicken gegeben, und immer nach dem Ende Septembers und Anfangs Oktobers abgefuͤtter⸗ tem Gemenge erbaͤrmlichen Rocken gefunden.“ Bey dem Spergel wird geſagt werden, welche gute Vorfrucht er fuͤr den Rocken ſey; jedoch iſt dieſes nur füͤr Sandboden und von abgetuͤtertem, aber nicht abgemaͤhtem Spergel zu verſtehen. Hr. Koppe mag ſolches zwar mit Recht fuͤr ſeine Gegend(das nordoͤſtliche Deutſchland) ver⸗ neinen; aber unwiderſprechlich zeugt die allgemeine Erfah⸗ rung der Sandlaͤnder Belgiens und Weſtphalens dafuͤr, ohne daß man daſelbſt etwas weder von dem ſtrengen noch ge⸗ maͤßigten Fruchtwechſel wiſſe. Allein wahr iſt es, daß da⸗ ſige Gegend ein ſpaͤtes Einſaͤen des Rockens erlaubt. Obſchon der Rocken nach Buchweitzen auf gutem Sandboden gut geraͤth, ſo wird man ſich auf ſchlechtem Sandboden doch beſſer mit Rocken nach Rocken und aber— mals Rocken ſtehen, als bey dem Zwiſcheneinſchieben einer ſo zufaͤlligen Frucht, wie der Buchweitzen iſt. Wo man aber nicht alle Jahre zu dem Rocken auf ſolchem ſchlech— ten Boden duͤngen will, noch kann: da freylich moͤchte das Einſchalten des Buchweitzens dem Boden eine kleine Erleich⸗ terung gewaͤhren. So wie es auf mehr gebundenem Boden nicht leicht einen beſſern Umlauf giebt, als 1. Taback, 2. Weitzen: ſo giebt es auf gutem Sandboden keinen beſſern als 1. Taback, 2. Rocken, wohl zu merken, wenn man Dung genug hat. 131 Unter allen Vorfruͤchten zu Rocken moͤgen Kartoffeln wohl die unvortheilhafteſten ſeyn. Der Rocken geraͤth groͤß⸗ tentheils ſchlecht darnach.„Das Unterpfluͤgen des Saa⸗ mens, ſagt Hr. v. Witten, und das nachherige Walzen ſind zwar ſeinem beſſern Gedeihen in etwas zutraͤglicher, dem ohngeachtet bringen die Kartoffelaͤcker, wenn ſie gleich Duͤnger vollauf erhalten haben, oftmals einen ſo mittelmaͤ— ßigen Rocken hervor, daß man anſtehen koͤnnte, das Land fuͤr geduͤngt zu halten.“ Hiemit ſtimmt denn auch die Er— fahrung der Wuͤrtemberg'ſchen Schwarzwaͤldner uͤberein, ſo daß bey ihnen Regel geworden, nicht Rocken auf Kartoffeln folgen zu laſſen. Auf lehmigen Sandboden werden Weitzen und Hafer ſich noch immer beſſer nach Kartoffeln eignen als Rocken. Das Sicherſte, was hier gebauet werden kann, moͤchte wohl Mengkorn, das heißt ein Gemenge von Rocken und Weitzen ſeyn. Es iſt auffallend, daß der Rocken nach Kartoffeln viel Stroh und wenig Koͤrner, der Weitzen aber zureichend Koͤrner, aber weniger Stroh giebt! Soll Rocken nach Klee gerathen: ſo darf er nicht auf die Schwarte, wie beym Weitzen geſchieht, geſaͤet; ſondern die Kleeſtoppel muß zum allerwenigſten zweymal gepfluͤgt werden. Indeſſen hat auch dieſes ſeine Ausnahmen. Auf dem ſan— digen Boden des Waeslandes und in der Gegend von Ant⸗ werpen wird fuͤr den Kleerocken nicht anders verfahren, als fuͤr den Kleeweitzen geſagt worden iſt. Wo aber immer Weitzen, Dinkel oder Hafer wachſen wollen, da wird man den Rocken nach dem Klee beſſer weglaſſen. „Die zwey⸗ oder mehrjaͤhrige Kleedreiſch, ſagt Koppe, im Laufe des Sommerrs fleißig bearbeitet, iſt ohne 13² Zweifel auf allen Bodenarten, die mehr fuͤr Rocken als Weitzen geeignet ſind, diejenige Stelle, wo man den voll⸗ kommenſten Rocken in jeder Hinſicht aͤrndtet. Selten iſt der Rocken nach friſcher Duͤngung dem Dreiſchrocken gleich.“ Auch ein Neubruch, wenn er trocken liegt, laͤßt ſich mit Rocken beſaͤen, vorausgeſezt, daß der Boden dazu im Fruͤhjahre umgebrochen und wie Brache behandelt worden ſey.„Sollten, ſchreibt Koppe, auch nicht alle Wurzeln verrottet, die Raſenſtuͤcke nicht ganz zertrennt ſeyn: ſo kann man doch auf eine reiche Rockenaͤrndte rechnen. Ich habe zu Zeiten noch guten Rocken auf Rodeland geſehen, welches die erſte Furche im Juni erhielt. Gerathener iſt es immer, den Umbruch im Maͤrz zu veranſtalten.“ Da aber derley Umbruch im Lenze nur ſelten in die uͤbrigen landwirthſchaft⸗ lichen Verhaͤltniſſe paßt: ſo wird es in der Regel gerathe⸗ ner bleiben, das Rodeland im Spaͤtherbſte umzubrechen und im folgenden Fruͤhjahre mit Hafer oder ſonſtigen Sommer⸗ gewaͤchſen zu beſtellen, welche ſehr gut auf die Herbſtſchwarte geſaͤet werden koͤnnen, wodurch an Zeit und Arbeit gewon⸗ nen wird. Daun mag auf den Hafer Rocken oder Weitzen folgen. 1 Eine beſondere Eigenheit des Rockens duͤrfen wir nicht uͤberſehen, die naͤmlich, daß er auf Sandboden ungeſtraft eine Reihe von Jahren ununterbrochen auf ſich ſelbſt folgen kann. Es giebt eine Menge Sandfelder, ja Gegen⸗ den, wo ganze Fluren ſeit Menſchengedenken mit Erfolg nichts als Rocken tragen, und zwar ohne Dazwiſchenkunft von Brache, Dreiſche, oder ſonſt einer andern Frucht.*) Eine *) Ich kann deßhalb unmoͤglich das unterſchreiben, was uͤber dieſen Punkt Seite 75, IV. Band der Grundſͤtze der rationellen 133 Eigenſchaft, die nur ſehr wenige Culturgegenſtaͤnde, und in gleichem Grade nicht einer, mit dem Rocken gemein haben. Daher die Unſchaͤtzbarkeit dieſes Getreides fuͤr ſolche Sandgegenden, wo außer Spergel und Rocken nichts wach⸗ ſen will. Um allem Mißverſtande vorzubeugen, erinnere ich bey dem Rocken, was ich auch ſchon bey dem Weitzen erinnert habe, und was gleichfalls fuͤr alle andere Feldfruͤchte in Be⸗ zug auf ihr Hintereinanderfolgen gelten ſoll; daß naͤmlich viel dabey auf die Miſchung des Bodens, ſeine Kraft, ſeine Bearbeitung, auf das Klima und ſelbſt auf den Jahrgang ankomme. Wer mag ſich anmaßen feſte Regeln aufzuſtellen, wo ſo viele Umſtaͤnde eingreifen? So hier, ſo bey dem Ackerbau uͤberhaupt! Genug, ich zeige dir's; du magſt nun ſehen, was und ob's ſich fuͤr dich ſchickt! §. 4. Bearbeitung des Bodens. Da der Sandboden dem Rocken ſo ſehr zuſpricht: ſo folgt, daß, wenn man ihn auf einem mehr gebundenen Boden erzielen will, man dieſen auf das Fleißigſte muͤrben muß; daß er aber dann auch einen ſehr hohen Ertrag liefert. Die Brachbearbeitung bleibt alſo um ſo weſentlicher da⸗ zu, als der Boden ſtaͤrker gebunden iſt. Von dieſer an einem andern Orte. a. nach Raps. Kann nach dem Raps das Feld einmal geſtrichen(ge⸗ ſchält) und dann noch zweymal gepfluͤgt werden, und kann Landwirthſchaft geſagt iſt, behalte mir aber die Eroͤrterung fuͤr die Abtheilung der Fruchtfolge vor, wo ſie nicht weniger hingehoͤrt, als hieher. 134 das lezte Pfluͤgen noch ſo zeitig geſchehen, daß der Acker einen Raum von 3—4 Wochen gewinnt, um ſich zu ſetzen und gruͤn auszuſchlagen, bevor zur Rockeneinſaat geſchritten wird: ſo giebt das Rapsland der reinen Brache nicht das Geringſte nach. Waͤren bey der Aerndte viele Rapskoͤrner ausgefallen: ſo iſt es rathſam, gleich hinter der Aerndte das Feld mit der eiſernen Egge zu uͤberziehen, und dem Aus⸗ falle Zeit zu laſſen zu keimen, bevor man ſchaͤlt; ohne wel⸗ ches durch die dritte Pflugart der Saamen wieder heraufge⸗ bracht wird, und unter dem Rocken ausſchlaͤgt. Iſt die Zeit zu kurz, man wollte alſo den Koͤrnern nicht Zeit laſſen zum keimen: ſo muß die dritte Pflugart unterlaſſen werden, und es bey einem anderthalbmaligen Pfluͤgen ſein Bewen⸗ den haben. b. nach Klee. Nach Klee ſchaͤlt man zuvor die Stoppel mit dem Pfluge ab, vereggt ſie und pfluͤgt gleich darauf unter. Oder man baͤlkt(rispt) die Kleenarbe in die Laͤnge, eggt nach einigen Tagen ab, baͤlkt dann in die Breite, eggt wieder ab und pfluͤgt endlich zur Saat. Oder man zweyfuhrt, wie in Brabant, das heißt: man ſchaͤlt mit dem vorgehen⸗ den Pfluge die Narbe um, und deckt ſie mit der reinen Erde, die der unmittelbar darauf folgende Pflug aus der⸗ ſelben Furche zieht. Ein zweymaliges Pfluͤgen der Kleeſtoppel, wodurch dieſe hinab⸗ und dann wieder heraufgebracht wird, wird wohl kein vernuͤnftiger Landwirth fuͤr den Rocken unternehmen. Haͤtte er es verſehen und die Stoppel waͤre ſtatt geſtrichen zu werden, zur gewoͤhnlichen, bey ihm geſetzmaͤßigen, Tiefe 135 umgepfluͤgt worden, und er wollte durchaus weder Weitzen noch Dinkel noch Hafer auf das Feld bringen: ſo bleibt ihm nichts uͤbrig, als auf Gerathewohl auf die Schwarte zu ſaͤen, nachdem ſie lange genug gelegen hat. Auf ſehr mildem, auch ſandigem Boden, mag das denn noch wohl gelingen; aber auf ſtrengthonigem gewiß nicht. e. nach Kartoffeln. Will man Rocken nach Kartoffeln folgen laſſen, ſtatt Weitzen, Einkorn, oder Sommerkorn, die dahin ge⸗ hoͤren: ſo bleibt am raͤthlichſten gar nicht zu pfluͤgen; ſon⸗ dern das Land mit der Egge zu ebenen, Rocken zu ſaͤen und einzueggen. Darauf wird das Feld mit Dung bedeckt, wozu zum Theile das Kartoffellaub ſelbſt dienen kann. An einigen Orten pflegt man den Rockenſaamen nicht einmal einzueggen, ſondern begnuͤgt ſich mit der bloßen Miſtdecke. Will man Klee nach einem ſolchen Rocken folgen laſſen, welches allerdings hoͤchſt zweckmaͤßig iſt: ſo darf man im Fruͤhjahre den Kleeſaamen nur uͤber jene Miſtdecke aus⸗ ſtreuen, und unbekuͤmmert um den Erfolg ſeyn. d. nach Rocken. Soll Rocken nach Rocken folgen, ohne daß zu dem zweyten Rocken geduͤngt wird; ſo wird vor allem die Stop— pel geſchaͤlt, und vereggt. Iſt das Zeug etwas abgeſtorben, ſo wird gepfluͤgt, der Pflug aber bedeutend tiefer angeſezt, als zu dem erſten Rocken geſchehen iſt. Am beſten wird gezweyfuhrt oder gepflugſpatet. Dieſe Bedingung der Ver⸗ tiefung iſt zum guten Erfolge fuͤr den zweyten Rocken nach der Erfahrung der Clevlaͤnder unerlaͤßlich. Seitdem das 136 Pflugſpaten bey ihnen und ihren Nachbaren vernachlaͤſſiget worden, haben ſie einen Ruͤckſchlag an der zweyten, nicht geduͤngten Rockenaͤrndte verſpuͤrt, und der Rocken nothreift nicht ſelten; daher ſind viele wieder darauf zuruͤckgekehrt. Wird nach dem Pflugſpaten Kalk und Aſche ausgeſtreut und ſammt dem Rocken eingeeggt: ſo wird dieſer Folgerocken gewoͤhnlich beſſer, als der erſte war. Soll aber zu dem zwey— ten Rocken geduͤngt werden, ſo macht man, im Falle das Land rein von Quecken iſt, wenig Complimente mit der Beſtellung, fuͤhrt den Dung ohne vorheriges Pfluͤgen oder Schaͤlen auf die Stoppeln, und pfluͤgt alles zuſammen um, und ſo iſt das Land(Sandboden) zur Saat fertig. Das Saͤen des Rockens nach Rocken auf lehmigem Boden iſt ſo ſchlecht nicht, als man glauben moͤchte, und bezahlt ſeine Stelle oft beſſer als Gerſte. Da wo man Lager von dieſer oder dem Hafer befuͤrchtet, wird man ſicherer fahren ſtatt ihrer noch einmal Rocken zu ſaͤen. e. nach Buchweitzen. Wenn ein tiefes Pfluͤgen dem Rocken allenthalben wohl⸗ bekoͤmmt: ſo hat doch dieſes ſeine Ausnahmen, nach den Fruͤchten die vorhergegangen ſind. Von den Kartoffeln ha⸗ ben wir ſolches ſchon vernommen. Ueber den Rocken nach Buchweitzen erklaͤrt ſich Hr. v. Boͤnninghauſen in Ruͤckſicht auf die Twenter Wirthſchaft folgender Maßen. „Gewoͤhnlich, ſagt er, und wenn es immer geſchehen kann, wird die Rockenſtoppel, wie die jeder andern Getreideart, flach umgeſtrichen, nicht gebaͤlkt. Eine Ausnahme davon macht die Buchweitzenſtoppel, weil man es allgemein(in Twente) fuͤr beſſer haͤlt; dieſes hinreichend gereinigte Land 137 nur einmal zur Saat zu pfluͤgen, um es durch mehrmali— ges Pfluͤgen nicht unnoͤthiger Weiſe zu ruͤhren und aufzu⸗ lockern. Auch iſt es eine feſte, auf Erfahrung gebaute und von jedem guten Wirthe genau beobachtete Regel, das Land, welches Buchweitzen getragen, nicht tief zu pfluͤgen; ſondern ſo daß in dem folgenden Jahre unter dem alten Miſte(dem nämlich, der dem erſten Rocken gegeben wordend) hergepfluͤgt werden koͤnne.“ Auf der Cleviſchen Hoͤhe haͤlt man dennoch das vorlaͤu— fige Streichen und ſtarke Vereggen der Buchweitzenſtoppel zum abdorren fuͤr nothwendig, und ihr Unterbringen in gruͤ⸗ nem Zuſtande dem Rocken fuͤr nachtheilig. f. nach Wintergerſte. Wenn auf dem koͤſtlichen Boden bey Dortmund Rocken nach Wintergerſte folgt: ſo pfluͤgt man dreymal, zum erſten Mal flach, zum zweyten Mal eben ſo, zum dritten Mal aber tiefer. Da bey dem zweyten Pfluͤgen dieſelbe Krume wieder zur Hoͤhe gebracht wird: ſo ſcheint es, daß man dabey blos die Zerſtoͤrung oder das ooͤllige Abſterben der Stoppel und andern Gewurzels beabſichtige. g. nach Weitzen. Rationeller, als die ſo eben beruͤhrte Zubereitung des Bodens, ſcheint die der Clevlaͤnder auf der Höhe, welche auf ihren beſten Feldern Rocken nach Weitzen bringen. Die Stoppeln dieſes leztern werden ſogleich hinter dem Aerndte⸗ wagen ſo duͤnn als moͤglich abgeſchaͤlt. Nach 4—5 Tagen, wo das Wurzelunkraut etwas abgeſtorben, wird bey trocke⸗ nem Wetter 3— 4 Zoll tief gepfluͤgt und geeggt. Sobald 138 die aufgeeggten Quecken und Stoppeln abgewelkt ſind, wird gewalzt und geeggt. Darauf werden die Quecken auf dem Felde, in ſo ferne es das Wetter zulaͤßt, gedroſchen und abgebracht. Endlich wird 6—8 Zoll tief zur Saat gepfluͤgt. Das Verfahren der Belgen iſt folgendes: Sobald der Weitzen weg iſt, wird geſchaͤlt und ſcharf geeggt, wobey ein df⸗ teres Aufluͤften der Egge Noth thut. Darauf wird gewalzt, noch einmal ſcharf geeggt, das Ausgeeggte von Stoppeln und Unkraut in kleine Haufen zuſammengezogen und abgefuͤhrt. Darauf wird in Beete gepfluͤgt, und die Kanten derſelben geduͤngt. Es wird zwar nicht allemal gezweyfuhrt, wie bey der Kleeſtoppel in der Regel geſchieht; aber doch der einfährige Schnitt ſo tief als moͤglich gehalten, weilen man fuͤr deſto beſſer haͤlt; als man tiefer zum Rocken pfluͤgen kann. Wohl verſtanden, daß, wenn das Feld geduͤngt wer⸗ den muß, der Miſt nicht zu dieſer Tiefe vergraben wird; ſondern dieſer wird auf die ſchon gepfluͤgten Beete gebracht, und nach der den Belgen eigenen, in dem dritten Theile dieſer Schrift zu beſchreibenden, Weiſe uͤberſtrichen, h. nach Hafer. Soll Rocken nach Hafer folgen: ſo iſt dabey keine Zeit zu verlieren. Daher wird die Stoppel des leztern ſo— gleich abgeſchaͤlt, vereggt, Miſt aufgefahren, derſelbe ge— breitet und liegen gelaſſen. Man wartet gerne bis dahin der ausgefallene Hafer ausgeſchlagen und ſammt dem Unkraut durch den Miſt gewachſen iſt. Darauf wird gepfluͤgt, und der Rocken geſaͤet. Man haͤlt ſolches fuͤr ein ganz gutes Verfahren. Wer ſich aber ſo etwas auf thonigem Boden, oder bey verſpaͤteter Aerndte, oder bey feuchter Jahreswitte⸗ 139 rung erlauben, oder den Hafer ein paar Wochen lang zum roͤſten auf dem Felde liegen laſſen wollte, bevor er zum Pfluge griffe, der wuͤrde die Rechnung ohne den Wirth machen. Auf Marſchboden laͤßt ſich ſogar magerer Rocken in Sommergerſtſtoppel ſaͤen, ohne einen Ruͤckſchlag daran zu gewahren. Aber was laͤßt ſich nicht alles auf Marſch⸗ boden ausfuͤhren, woran man anderswo nicht denken darf! i. nach Erbſeern. Um Rocken mit Vortheil nach Erbſen folgen zu laſſen, thut man wohl, den fruͤhzeitigen Erbſen den Vorzug zu ge⸗ ben, und dazu zu duͤngen, damit man deſſen fuͤr den Ro⸗ cken uͤberhoben ſey.„Die Erbſenſtoppel, ſagt Schmalz, habe ich in den meiſten Faͤllen nur ein Mal gepfluͤgt. War mir es zum Rockenſaͤen noch zu fruͤh: ſo habe ich mit Vor— theil den Acker in rauher Saatfurche einige Zeit liegen laſſen.“ Hierbey muß ich bemerken, daß es gewiß vortheilhafter, und bey trockener Witterung nothwendig ſeyn duͤrfte, zwar nicht zu eggen, aber wohl zu walzen. So unnuͤtze und nach⸗ theilig es ſeyn wuͤrde, ein gepfluͤgtes und zur Winterruhe, be⸗ ſtimmtes Land zu walzen: ſo nuͤtzlich, ja nothwendig iſt lezteres bey einem Lande, das im Nachſommer oder Fruͤh⸗ herbſte zur Wintereinſaat gepfluͤgt worden iſt, und ſie er— wartend eine Zeitlang ruhig liegen muß.“ Auch in dem Altenburg'ſchen iſt das einmalige Pfluͤgen nach Erbſen uͤblich. Hieruͤber ſagt Hr. Schweitzer von Moſen:„Ich ſah nach Erbſen zweymal zu Rocken pfluͤgen, wo es ganz verkehrt war. Am beſten gedeiht dieſe Frucht im Erbſenlande wohl dann, wenn nur einmal gepflugt, und 140 der Saamen mit dem Extirpator(auch wohl mit einer bra⸗ ven Egge) wohl untergebracht wird. Dabey wird aber vorausgeſezt, daß zu den Erbſen geduͤngt worden. Im Altenburg'ſchen ſah ich niemals nach Erbſen duͤngen, ſon— dern allemal vorher.“ Das ſchnelle Umpfluͤgen der Erbſenſtoppel empfiehlt Schmalz auch aus dem Gruͤnde, daß die Ackerkrume des ſchweren Bodens leicht brockig wird, wenn jene Stoppel lange ungepfluͤgt liegen bleibt:„Ich habe daher, ſezt er hin— zu, mit dem Umpfluͤgen derſelben moͤglichſt geeilt, und ſo einen ungemein milden Saatacker fuͤr Rocken erhalten.“ „Auf Boden, der noch nicht in Kraft iſt, ſagt derſelbe Schriftſteller, ſo wie auf ſolchem, der noch nicht hinreichend vom Unkraut gereiniget iſt, da iſt freylich ein bedeutender Ruͤckſchlag vom Rocken nach Erbſen gegen Rocken nach rei⸗ ner Brache zu erwarten.“ K nach Lein darf man nur auf ſchlechten Rocken zaͤhlen, ſelbſt wenn zu dieſem geduͤngt wird. Beſſer wird man ſich jedoch da⸗ bey ſtehen, das Land vor der Beſtellung mit Rocken zu behur⸗ den; oder nachdem dieſer ſchon geſaͤet iſt. Auf Boden, der Weitzen oder Dinkel tragen will, werden ſich beyde Gegen⸗ ſtaͤnde immer beſſer als Rocken nach Lein ſchicken. Allen moͤchte wohl das Einkorn vorzuziehen ſeyn, welches das ver⸗ ſpaͤtete Saͤen vertraͤgt, und ſich mit wenig Kraft im Bo— den behilft. §. 5. Duͤngen. Wer, es ſey bey welcher Frucht es wolle, alſo auch bey dem Rocken, ſich auf ganz erſchoͤpftem Boden auf ein 141 friſches Duͤngen verlaͤßt, wird ſich nicht ſelten in ſeiner Er⸗ wartung betrogen finden. Nur auf Sandboden kann das Duͤngen mit kurzem Miſte hievon eine Ausnahme machen. So genuͤgſam auch immer der Rocken ſeyn mag: ſo wird er doch nicht ohne einen zureichenden Antheil von Miſt einen bedeutenden Koͤrnerertrag liefern, und dieſer wird um ſo ſtaͤrker ſeyn, als der Miſt ſich mehr in einem zerſezten Zu— ſtande, oder im Boden ſelbſt ſich mehr alte Kraft befindet. „Wo bey uns, ſagt ein Holſteiner, der friſche Miſt alles thun ſoll, und dieſer einer flachen Krume reichlich gegeben wird, da bringt der Rocken wohl eine bedeutende Menge Stroh, aber oft eine ſo unbedeutende Menge Koͤrner, daß es zweifelhaft wird, ob er die Koſten des Dreſchens be⸗ zahlt.“ „Daß der Rocken, ſagt Schmalz, eher mit leichterm, magerm Boden vorlieb nimmt, als der Weitzen, iſt eine bekannte Sache. Doch treibt man die Sache zu weit, wenn man in ſehr ausgetragene Felder ſaͤet, wo es ſich zum Vor⸗ aus berechnen laͤßt, daß der Ertrag die Beſtellungskoſten nicht lohnen wird. Ein mageres Feld erfordert mehr Be— arbeitung als ein kraftvolles, wenn es noch ſeine lezten Kraͤfte hergeben ſoll. Der Saamen muß dicker als ge— woͤhnlich geſaͤet werden, da an kein Beſtauden zu denken iſt.“ Was muß man alſo von jenen deutſchen Wirthen denken, die ſich kaum mehr als das dritte Korn verſprechen duͤrfen und doch Rocken ſaͤen? So wirthſchaftet man in den Niederlanden auch auf dem elendeſten Sandboden nicht! In der brabant'ſchen Campanie, ſo wie in Twente wird alle Jahre, und zwar der Quantitaͤt nach ſtark geduͤngt. Man duͤngt aber freylich nur ſehr wenig mit bloßem Stall⸗ 142 miſte, der ſich auch nicht wohl dazu ſchicken moͤchte; ſon— dern meiſt mit Plaggenmiſte, ein Gemiſche von ſieben Thei⸗ len Plaggen und einem Theile Miſt, wovon im erſten Bande dieſer Schrift geſprochen worden. Im Waeslande, Sandboden, wird der Rocken auf die einfaͤhrig geſtuͤrzte Kleeſtoppel geſaet, und darauf mit Jauche uͤberfahren. Auf ſolche Weiſe erhaͤlt der Rocken an dieſer ſogleich Nahrung, und ſpaͤter aus dem verweſenden Raſen. Zu Hoerdt im Elſaß, dieſem claſſiſchen Dorfe, ſaͤet man auf daſigem Sandboden den Rocken allemal nach Kar⸗ toffeln. Da man aber hier nichts ohne Duͤnger gewinnen kann, und der ſo ſpaͤt aufgebrachte Miſt dem Rocken wahr⸗ ſcheinlich nur nachtheilig werden wuͤrde: ſo wird mit herbey⸗ gefahrnem Ruͤbenlaube dazu geduͤngt. Kein anderer Duͤn⸗ ger koͤmmt nach der Erfahrung daſiger Wirthe, unter ſol— chen Umſtaͤnden dem Gruͤn-Dung gleich. Stark muß auf je⸗ den Fall die Ueberzeugung von dem Nutzen dieſer Duͤn⸗ gungsart ſeyn, da man dadurch dem Vieh einen Theil der Nahrung entzieht, und, im Falle die ſelbſt erzeugten Ruͤben— blaͤtter nicht zureichen, noch alle, die in den benachbarten Doͤrfern zu haben ſind, beykauft. Sind die Blätter geſtreut und untergepfluͤgt: ſo wird der Rocken geſaͤet und eingeeggt. Im Fruͤhjahr wiederholt man das Eggen noch einmal. §. 6. Saatzeit. Mehr als man gewoͤhnlich denkt, und mehr als bey irgend einer Getreideart, koͤmmt es bey dem Rocken auf das Beobachten der Zeit und Umſtaͤnde der Saatbeſtellung an. Schnell iſt die Friſt vierzehn Tage vor bis vierzehn Tage nach Michaelis ausgeſprochen; allein es gehoͤrt etwas mehr als die Einſicht des Kalenders zu einem guten Erfolge; 145 und ſelbſt jene peremptoriſche Friſt moͤchte, auch abgeſehen von allem Uebrigen, noch nicht als ſo ganz ausgemacht angeſehen werden koͤnnen. Bevor wir alſo den Kalender uͤber die Zeit der Rockenſaat zu Rath ziehen, haben wir noch andere nicht weniger wichtige Ruͤckſichten zu nehmen. Der Rocken erfordert erſtens ein wohlverarbeitetes ge— muͤrbtes Land; er erfordert zweytens einen gelegenen gahren Acker; er erfordert drittens eine trockne Zeit zur Einſaat; er erfordert viertens ein zeitiges Saͤen. Was das erſte be— trifft: ſo haben wir der Bearbeitung ſchon gedacht, und ſie fäͤllt auf eigentlichem Rocken— das iſt leichtem— Boden nicht ſchwer. Auf Sandboden wuͤrde ſelbſt ein wiederholtes Ruͤhren und Stoͤren nur eine nachtheilige Wirkung hervor⸗ bringen.„Was ſollen wir unſern Sand noch mehr vermah⸗ len, er iſt ohne das fein genug,“ ſagte nicht ohne Unrecht ein ſicherer Bauer. Was ich meiner Seits daruͤber zu ſagen habe, erlaube ich mir fuͤr die Folge, bey Gelegenheit der Pfluͤgarbeit, aufzuſparen. Die Urſache, warum ich dieſer Vorarbeit hier erwaͤhne, iſt, weilen ſie fruͤh genug abgefer— tiget ſeyn muß, damit zweytens der Acker Zeit gewinne, nach der lezten Pflugart zu ruhen. Nichts naͤmlich iſt dem Rocken mehr zuwider, als auf die friſche Furche geſaͤet zu werden, und ihm nichts zutraͤglicher, als wenn dieſe 3—4 Wochen vorher umgelegt worden iſt. Warum dem ſo ſey, wiſſen wir wohl nicht, daß ihm aber ſo ſeye, das wiſſen wir. Es wird nicht unwichtig ſeyn, hieruͤber einige Zeug— niſſe anzufuͤhren; denn wo wir durch ein richtiges Zeitein— halten bey unſerer Arbeit den Lohn dieſer leztern erhoͤhen koͤn— nen, da iſt die Beobachtung, alſo auch die Kenntniß von jenem aller Beherzigung werth. 144 „Auf dem beſſern Theile des hieſigen Bodens, ſagt Koppe Reviſion der Ackerbau⸗Syſteme Seite 10½, ſtan⸗ den dicht nebeneinander Erbſen und Wickengemenge. Zu den Erbſen war im Winter ganz ſchwach geduͤngt worden, zu dem Wickengemenge aber im Junius und zwar beynahe noch einmal ſo ſtark als zu den Erbſen geſchehen war.— Das Wickengemenge ward ſo dicht und ſtark, als man es ſehen kann; auch die Erbſen waren ſehr gut. Anfang Sep⸗ tembers wurden dieſe abgebracht. Der Pflug folgte unmit⸗ telbar. Die gruͤn abgefuͤtterten Wicken raͤumten in den er— ſten Tagen des Oktobers das Feld. Dieſes wurde ſogleich gepfluͤgt und mit dem vor vier Wochen gepfluͤgten Erbſen— lande an einem Tage beſaͤet. Die Saat kam auf beyden Stuͤcken gut vor dem Winter auf, aber der Rocken nach den Erbſen war auffallend dichter und ſtaͤrker.“— Und doch war zu den Erbſen ſchwach, zu dem Gemenge ſtark ge— duͤngt, die Erbſen waren zur Reife gelaſſen und das Wi⸗ ckengemenge gruͤn abgefuͤttert worden! Der Unterſchied des Rockens bey der Aerndte kann alſo nur dem Langeliegen der Saatfurche zugeſchrieben werden. Von dem Stoppelrocken(Rocken nach Rocken) ſagt die⸗ ſelbe Schrift Seite 16:„Das unmittelbare Umpfluͤgen der Stoppel, damit das Land ſich ſetze und gehoͤrig gahr werde, ſo wie die Vorfrucht weggebracht iſt, wird fuͤr un— erlaͤßlich gehalten, wenn der Stoppelrocken gut gerathen ſoll.“ „Man ſaͤet nach Hrn. v. Boͤnninghauſen, in der Twente nicht gerne, und nur aus Noth wegen anhaltender Duͤrre, den Rocken auf die friſche Furche, ſondern laͤßt dem 145 dem Acker Zeit ſich zu ſetzen.“— Die Twente hat Sand⸗ boden. 3 „Es trifft ſich oft in der Provinz, die ich bewohne, fuͤhrt Schmalz an, daß ein Acker mehrere Wochen, zuwei⸗ len einen Monat und länger in rauher Furche liegt. Ich habe hievon keinen Nachtheil verſpuͤrt, vielmehr bemerkt, daß es, beſonders in unſerer windreichen Provinz, eine beſ⸗ ſere und ſicherere Rocken⸗Aerndte bewirkt hat. Die Ackerkrume hat ſich ſchon geſezt, wenn der Saame hineinkoͤmmt, ſie haͤlt nun mehr Feuchtigkeit an ſich, der Saame keimt ſchnel⸗ ler und vollkommener, und der Acker deckt ſich ſchnell mit einem ſchoͤnen Gruͤn. Auch in Sachſen fand ich ſchon fruͤ⸗ her bey der Erbſen⸗ und Kleeſtoppel es vortheilhaft, den Acker einige Wochen in rauher Furche vor der Saat liegen zu laſſen.“ Auch in der Maasgegend, die ich ſo lange bewohnte, bleibt das zur Saat gepfluͤgte Rockenland 3—4 Wochen lie⸗ gen. Man liebt, wenn der Acker dann ſtark mit Unkraut ausgeſchlagen iſt. Sollte er auch noch ſo ſehr(Quecken ausge— nommen) davon ſtrotzen: ſo haͤlt man es fuͤr weit vortheil⸗ hafter daruͤber herzuſäen, und die Egge um ſo ſtaͤrker ſpie— len zu laſſen, als noch einmal vor der Saat zu pfluͤgen. So weit ſpraͤchen ſich alſo die Erfahrungen im Großen und die ganzer Lander daruͤber aus. Im Einzelnen ſind die Erfahrungen, welche v. Wit⸗ ten befliſſentlich uͤber dieſen Gegenſtand gemacht hat, einer beſondern Beachtung werth. Er erlaube mir, daß ich das⸗ jenige, was Er daruͤber zum oͤffentlichen Beſten in ſeiner Schrift: Ueber hoͤhere Landes⸗Cultur bekannt ge⸗ macht hat, als ein Gemeingut betrachte, und dem von v. Schwerz Anleit. z. prakt. Ackerbau. II. Bd. 10 146 Ihm aufgefundenen Nuͤtzlichen noch mehr Publicität gebe. „So wenig, heißt es Seite 129, bey einer einfaͤhrigen Be⸗ ſtellung und verſpaͤteten Einſaat des Rockens in friſch auf⸗ gepfluͤgter Furche etwas Gutes erwartet werden kann: ſo wenig wird das Spruͤchwort—: Eine Fahre mehr, eine Ahre mehr!— Anwendung finden, wenn der einfaͤhrige Acker fruͤhe, das iſt in der erſten Haͤlfte des Auguſts mit gehoͤriger Vorſicht geſtuͤrzt worden, und alsdann der Rocken — nachdem das Land vier Wochen in rauher Furche gelegen— ſpaͤteſtens bis zur Mitte des Septembers mit dem Extirpator untergebracht, und das Land glatt geeggt wird. Iſt der Acker in der Zwiſchenzeit nicht durch Platzre⸗ gen feſtgeſchlagen worden, ſo ſind, in Ermanglung des Extirpators*), auch ſcharfe Eggen zum Unterbringen des Ro⸗ ckens hinreichend.“ Ferner heißt es Seite 126:„Viele pfluͤgen die Erbs⸗ und Wickenaͤcker nur einmal, kurz vor der Einſaat des Rockens. Hierdurch geben ſie dem Acker Gelegenheit, ſich in der Zwiſchenzeit außerordentlich zu verſchlimmern; denn ſo muͤrbe ein ſolches Land bey Abaͤrndtung dieſer Fruͤchte zu ſeyn pflegt: eben ſo geneigt iſt es ſchleunigſt zu verwil— dern. Andere wollen dieſes durch eine mehrmalige Be⸗ ackerung verhindern. Dieſes ſcheint aber— wenigſtens auf mildem Boden— keinen guͤnſtigen Einfluß auf das Ge⸗ deihen des Rockens zu aͤußern, und verſpaͤtet oftmals ohne Noth deſſen Einſaat.“ **) Auch in dem Falle des beſchlagenen Bodens laͤßt ſich die Sache mit einer ſtarken eiſernen Egge abthun. Sie geht vor mit vier Pferden beſpannt, und eine zweyſpaͤnnige hoͤlzerne folget dem Saͤmann. 147 „Viel zweckmaͤßiger iſt es, die Stoppeln ſogleich nach Abaͤrndtung der Erbſen mit dem Exrtirpator zu uͤberziehen, cund 35— 4 Wochen darauf zur Saat zu pfluͤgen). Am vor— theilhafteſten aber hat es ſich gezeigt, den Acker gleich hin— ter den Erbſen weg ordnungsmaͤßig zu pfluͤgen, ihn nach 3— 4 Wochen mit Rocken zu beſaͤen, und den Saamen mit dem Extirpator unterzubringen.“ Zur Bekräftigung deſſen fuͤhrt Hr. v. Witten die Reſultate der angegebenen vier Verfahrungsarten an. Nach dieſen gaben a. acht Scheffel Einſaat, wozu den 3. September ge⸗ pfluͤgt, und unmittelbar darauf mit Rocken beſaͤet wor⸗ den, einen Ertrag von 45 Scheffel. b. acht Scheffel Einſaat den 3. Auguſt zum erſten, und den 8. September zum zweyten Mal gepfluͤgt und be⸗ ſaͤet, einen Ertrag von 45 Scheffel. c. acht Scheffel Einſaat den 8. Auguſt ertirpirt, den 3. September gepfluͤgt und beſaͤet, Ertrag 48 Scheffel. d. acht Scheffel Einſaat den 3. Auguſt gepfluͤgt, den 3. September geſaͤet und der Saamen mit dem Ertir⸗ pator in die Erde gebracht, einen Ertrag von 51 Scheffel. Aus dem Verſuche ergiebt ſich: 1) daß der Rocken nach dem zweymaligen Pfluͤgen noch ſchlechter ausfiel als nach dem einmaligen.(Vergleiche a mit b.) 2) daß das vorlaͤufige Extirpiren zwar etwas geleiſtet hat;(bergl. c mit a) aber dem Erfolg von dem nach⸗ herigen Extirpiren nicht gleich gekommen.(Vergl. c mit d.) 3) daß der Ruͤckſchlag im Ertrage von a bo wohl nur 148 dem Pfluͤgen unmittelbar vor der Saat zugeſchrieben werden koͤnne. Auf einer zweyten Tabelle Seite 131 fuͤhrt Hr. v. Witten fuͤnf Verſuche auf, bey welchen, wie es ſcheint, der Extirpator nicht angewendet worden, welche beſonders die Nachtheile, den Rocken auf die friſche Furche zu ſaͤen, erweiſen. Nicht ganz mit Unrecht wird man gegen dieſes fruͤhzeitige Zurechtlegen des Bodens einwenden, daß ſolches oft nicht moͤglich, und man in der Regel froh iſt, wenn man zur Zeit des geſetzlichen Saattermins mit dem Pfluge auf dem Acker fertig wird.— Bey dem ſorgloſen, ſchwachen oder traͤgen wird dieſes nun wohl allemal, bey dem fleißigen, umſichtigen und kraftvollen Landwirthe aber nur theilweis der Fall ſeyn. Eine verſpaͤtete Aerndte, ein unguͤnſtiger Nachſommer, Ueberhaͤufung der Arbeit und andere Zufälle machen nicht ſelten einen Strich durch die Rechnung, bevor ſie geſchloſſen iſt; allein ſoll man deßwegen das Beſſere außer Acht laſſen, weil man es nicht immer erreichen kann? Iſt es nicht ſchon ein Vortheil das Beſſere in einer Sache zu kennen, um darnach ſo viel moͤglich zu ſtreben? Und wenn wir, abgehalten durch fruͤhere Hinderniſſe, dem Acker die gewoͤhnliche Anzahl von Fahren zu geben, nur wiſſen, daß es beſſer ſey eine Fahre weniger zu geben, als unmit⸗ telbar vor der Rockenſaat zu pfluͤgen: ſo iſt ja ſchon an Zeit und Arbeit gewonnen. Die dritte, jedoch weniger wichtige Forderung, die wir zu einer guten Rockenaͤrndte aufſtellten, war ein zeiti⸗ ges, das iſt fruͤhes Saͤen. Wenn ſolches ſich mit der eben beruͤhrten Forderung, den Acker einige Wochen vor der Ein⸗ 149 ſaat fertig zu machen, kreuzen ſollte: ſo verſchiebe man das Saͤen, im Falle ſich die Pflugarbeit verſpaͤtet hat. Beſſer man ſaͤe um vierzehn Tage ſpaͤter wie gewoͤhn⸗ lich auf den gelegenen Acker, als um vierzehn Tage fruͤher auf die friſche Furche. Bey der reinen Brache kann eine ſolche Verſpaͤtung nun einmal nicht eintreten; auch nach Klee nicht, wenn man ihn nur zweymal benuzt und dann zweyfuhrt; noch nach Erbſen oder Wicken, wenn man, wie geſagt, nur einmal umpfluͤgt. Es koͤnnen alſo nur beſondere Fäaͤlle, z. B. eine anhaltend naſſe Witterung, dazu Anlaß geben. Die Regel des zeitigen Saͤens ſteht daher mit der eines laͤnger abge⸗ fertigten Hinlegens des Ackers nicht in Widerſpruch, und es ſind bloße Ausnahmen, die ſich kreuzen koͤnnen. Die Hauptſache vorangeſchickt: ſo handelt es ſich nun⸗ mehr um die Beſtimmung des geſetzmäͤßigen Zeitpunktes der Einſaat, in ſo ferne ein Geſetz, der Verſchiedenheit kli⸗ matiſcher Verhaͤltniſſe wegen, dafuͤr angegeben werden kann. So ſaͤet man in Ehſtland, Curland, Lithauen ſehr fruͤh. Man faͤngt mit dem halben Auguſt an und ſaͤet nicht uͤber den 10. September hinaus; endiget alſo zu der Zeit, wo bey uns die Rockenſaat kaum anhebt, da der Herbſt in jenen Provinzen fruͤh eintritt, und im Fruͤhjahre kalte Nord⸗ winde herrſchen, wodurch, mit ſeltenen Ausnahmen, nur derjenige Rocken vortheilhafte Aerndten giebt, der ſo zeitig beſtellt worden, daß er ſich noch im Herbſte hat beſtauden koͤnnen. Wenn nun gleich von einer Einſaat im Auguſt nicht leicht bey uns Rede ſeyn kann, und nach Schmalzes Zeugniß jene Nordlaͤnder die Sache etwas uͤbertreibeu mo⸗ 15⁰ gen: ſo bleibt es doch ſehr wahr, daß man ſich ſo ſehr mit der Rockenſaat beeilen ſolle, als unbeſchadet anderer zuneh⸗ mender Ruͤckſichten geſchehen kann. Dieſes iſt beſonders bey Rocken auf magerem Boden der Fall, bey dem nur durch ein fruͤhes Saͤen eine Erſtarkung der Pflanzen erreicht werden kann, die im Stande iſt ſie gegen das Rauhe des Winters zu ſchuͤtzen. Auf fetterem Boden duͤrften aber Manche eine zu ſtarke Vegetation vor Winter, und einen daraus entſtehenden Nachtheil beſuͤrchten. Dieſer Meynung iſt Thaer nicht, wenn er ſpricht: „Die Beſorgniß, daß ſich zu fruͤhe geſaͤeter Rocken, wenn es nur vollkommener Winter, oder Staudenrocken iſt, im Herbſt uͤberwachſen werde, iſt bloßes Vorurtheil. Solchen Rocken habe ich zu Ende des Julius geſaͤet, das Feld war um Michaelis eine dichte Wieſe, aber nicht ein Halm ſtieg in die Hoͤhe. Die Blaͤtter faulten nachher ab, aber die Pflanzen blieben mit all ihren Sproſſen geſund, und trieben im Fruͤhjahr eben ſo ſtark wieder aus. Es iſt aber allerdings rathſam, ein ſo dichtes Feld vor Winter mit den Schaafen zu gehoͤriger Zeit abhuͤten zu laſſen.— Ich bin uͤberzeugt, daß dieſe fruͤhe Saat ein Hauptgrund der beſſern und ſicherern Aerndten der Cur- und Lieflaͤnder ſey, daß das Klima hierin keinen Unterſchied mache, und daß wir dieſes von ihnen lernen ſollten. Je fruͤher man mit der Saat anfaͤngt, deſto beſſer kann man die Witterung answaͤhlen. Denn bey ſchlechter Witterung zu ſaͤen, um nur fruͤh fertig zu werden, iſt das Schlechteſte, was man thun kann.“ Goldne Worte! Wenn wir die fruͤhe Einſaat des Rockens in den an— gefuͤhrten mehr noͤrdlichen Gegenden gefunden haben: ſo 151 finden wir ſie nicht weniger auch in viel ſuͤdlichern Gegen⸗ den; in dem Verhäͤltniß, wie die Temperatur der Luft bey erhoͤheter Lage des Bodens, ſich der naͤhert welche durch eine mehr noͤrdliche Lage bewirkt wird. So bezeugt Burger fuͤr ſeine Gegend, die von Kaͤrnthen. „Winterrocken muß fruͤh im Herbſte geſaͤet werden; denn, weil er ſehr zeitig im Fruͤhlinge ſchoßt, ſo haͤngt die Groͤße ſeines Ertrages mehr von der Groͤße der Bewurze⸗ lung und der Menge der Seitentriebe ab, die er im Herbſte gemacht hat, als von jenen, die er im Fruͤhlinge macht. Spaͤt geſaeter Rocken bleibt immer ſchuͤtter(duͤnner), außer er waäre in ſehr reichen Boden geſäet worden, und die Fruͤh⸗ lingswitterung beſonders fruchtbar geweſen. In kalten Laͤn⸗ dern oder hoch gelegenen Gegenden gilt die Regel des Fruͤh— ſäens ganz beſonders. Weniger Nachtheil bringt die ſpaͤte Saat dort, wo der Schnee nur kurze Zeit die Felder deckt, und das Wachsthum der Saaten nur wenige Wochen un— terbrochen iſt. Im hohen Gebirge beginnt bey uns die Ro⸗ ckenſaat am 25. Auguſt. Im Mittelgebirge am 8. Sep⸗ tember. In der Ebene uund den Thälern am 15. September.“ Hier waren wir alſo bey dem Normalanfangspunkte der gewoͤhnlichſten Saatzeit angelangt; die wie bekanntlich nicht leicht fruͤher als 14 Tage vor Michaelis beginnt, und bis 8—14 Tage nachher, und in ſichern Sandlaͤndern bis in den November, ja Winter, fortgeſezt wird. Man beob⸗ achtet dabey den magern, ſo wie den zur Feuchtigkeit ge— neigten Boden zuerſt, den fettern und trocknern aber zulezt zu beſtellen. Die ſpaͤtere Saat lohnt, wenn ſie ein⸗ ſchlaͤgt, beſſer als die fruͤhe; dieſe aber iſt ſicherer und erzeugt mehr Stroh, auch im Durchſchnitt der Jahre mehr 152 Koͤrner, als eine ſolche, die kurz vor oder gleich nach Aller⸗ heiligen ſtatt hat, obgleich man bey dieſer einzelne Bey— ſpiele von einem ſo hohen Ertrag aufweiſen kann, wie man von einer Fruͤhſaat nicht erwarten darf, was aber der Va⸗ ter dem Sohne nicht ſagen ſoll. Allein, wie ich glaube ſchon geſagt zu haben, der Land⸗ wirth thut was er kann, und nicht was er will, macht alſo aus Noth eine Tugend, und erlaubt ſich Ausnahmen, wo fuͤr ihn die Regel nicht anwendbar bleibt, um das Gute nicht deßwegen fahren zu laſſen, weil er das Beſſere nicht erreichen kann. Beherzigungswerth ſind hieruͤber folgende Worte von Schmalz:„Ich will lieber meine Fel⸗ der gut bearbeiten und beduͤngen,* und einige Tage ſpaͤter ſaͤen, als ſchlecht und wenig bear⸗ beiten und ungeduͤngt fruͤh ſaͤen. Bey der Stall⸗ fuͤtterung wird auch im Sommer viel Duͤnger(— wohl der meiſte—) produzirt, ſoll ich dieſen im Stalle laſſen und einen Theil meines Feldes ungeduͤngt(— oder gar nicht—) beſaͤen, blos der einmal feſtgeſezten Saatzeit wegen? Nein, ich gewinne mehr, leztere zu uͤberſchreiten, um erſtern zum Beſten meiner, wenn gleich verſpaͤteten, Saaten zu benutzen.“ Ueber die Saatzeit des Rockens bietet uns Hr. v. Boͤn⸗ ninghauſen einige beſondere Erfahrungen aus der Twen⸗ ter Wirthſchaft dar.„Die beſte Zeit der Beſtellung haͤlt man acht Tage vor und acht Tage nach Michaelis und *) Hier koͤnnte wohl beygeſezt werden: und ſich einige Zeit nach dem lezten Pfluͤgen ſetzen laſſen. 155 richtet ſich dabey vorzuͤglich darnach, ob die Aerndte fruͤh oder ſpät einfiel. Je fruͤher naͤmlich der Rocken zeitig war, deſto ſpäter, und je ſpaͤter er zeitig war, deſto fruͤher glaubt man ſaͤen zu muͤſſen, und beobachtet dieſe Regel ſehr genau. Jakobi iſt hierbey die mittlere Zeit fuͤr die Aerndte, wie Mi— chaelis fuͤr die Ausſaat.— Eine langjaͤhrige Erfahrung vieler aufmerkſamer Ackerbauer hat naͤmlich den Grundſatz aufgeſtellt, den unter andern Jahren noch 1817 bewährt hat:„daß langſam und ſpaͤt gereiftes Korn auch langſam und ſpaͤt aufgehe,“ deßhalb alſo fruͤher ge⸗ ſaͤet ſeyn will. „Sieht man ſich genoͤthiget, faͤhrt derſelbe Beobachter fort: die Einſaat in der Twente uͤber die angefuͤhrte Friſt hinaus zu ſchieben, weilen nicht alle Aecker zu gehͤriger Zeit leer ſind: ſo ſorgt man hauptſaͤchlich dafuͤr, daß man nicht waͤhrend der ſogenannten Kieneltage ſaͤet, welche um die Mitte des Oktobers ein⸗ fallen und acht Tage dauern. Das um dieſe Zeit geſäete Korn ſoll naͤmlich bey dem darauf erfolgenden Kei— men ſich in die Hoͤhe ziehen, oben auf liegen bleiben und groͤßten Theils verderben. Ich habe nie voͤllige Gewißheit von dem Grund oder Ungrund dieſer Regel erhalten koͤnnen, ob zwar ich mehrmals den um dieſe Zeit geſaͤeten Rocken zum Theil oben auf liegen gefunden habe. Noch im vo— rigen Jahr fand ich dieß auf einem meiner Aecker in hie— ſiger Gegend, wo man von den Kieneltagen nichts weiß, und mein Twenter Knecht ſchob es ohne Weiteres auf die uͤbel gewaͤhlte Saatzeit.— Auch an vielen andern Orten hat man die Bemerknng gemacht, daß jene Zeit nicht guͤn⸗ ſtig zum Rockenſaͤen ſey, und ſpäterhin wieder eine beſſere Zeit eintrete, ohne genauer die Folgen davon beobachtet zu haben.“ ³) Noch iſt nicht zu uͤberſehen, daß der Vortheil des Fruͤh⸗ ſäens auch ſeine Ausnahme hat. Da naͤmlich, wo man, wegen fehlerhaftem Untergrunde, nur ſehr ſeicht pfluͤgen kann, oder ſolches zu thun gewohnt iſt: da haben die Wur⸗ zeln des Rockens gar bald jenes widrige Lager erreicht. Da ſie in ſelbes nicht zu dringen vermoͤgen: ſo gleiten ſie daruͤber hin, verbreiten ſich ſeitwaͤrts und verlaufen ſich in— einander. Dieſes geſchieht um ſo ſtaͤrker, als ſie vor Win⸗ ter mehr Zeit dazu gehabt haben. Hiedurch entſteht im An⸗ fange eine ſtarke und ſchnelle Vegetation, die aber die ſeichte Krume ſo ſchnell und ſtark erſchoͤpft, daß fuͤr den Zeitpunkt nichts uͤbrig bleibt, wo der eigentliche Wachsthum der Pflan⸗ zen beginnen ſoll, und dieſe dann ohne beſonders guͤnſtige Umſtaͤnde mißraͤth.„Dieſe Erfahrung, ſagt Hr. v. Boͤn⸗ ninghauſen, wie die darauf gegruͤndete Regel des Spaͤt⸗ ſaͤens iſt in manchen Gegenden am Rheine allgemein und auf einer Reiſe habe ich beydes ſelbſt in oͤden Gebirgsge⸗ genden gefunden, wo der Winter den Landwirth ſehr oft mitten in der Rockenſaat uͤberraſcht.“ In Sandgegenden ſaͤet man, wie ich ſchon geſagt habe, oft bis zu Weihnachten, ja bis zu Petri im Februar. Man *) Es giebt unlaͤugbar in der Natur noch ſo viele theils uner⸗ klaͤrbare, theils unbekannte Geheimniſſe, daß wir uns nicht wundern duͤrſen, wenn man noch immer ganz ſonderbare Entdeckungen macht. Wenn nun auf ſolchen Entdeckungen oder Erfahrungen landesuͤbliche Gebraͤuche begruͤndet und allgemein befolgt ſind: ſo erhalten ſie, wenig⸗ ſtens in meinen Augen, eben dadurch einen großen Grad von Glaub⸗ wuͤrdigkeit. v. B. 155 darf fuͤr das Saamkorn ſelbſt nicht fuͤrchten. Ueberfiel es auch der ſtärkſte Flachfroſt in der Milch, es wuͤrde darum eben ſo wenig wie der Weitzen Noth leiden. Unter der Schnee⸗ decke kann der Rocken, ſo wie Weitzen und Dinkel, noch aufgehen. Das fernere Gedeihen haͤngt von dem folgenden Fruͤhjahre ab. Lager hat man dabey nicht zu fuͤrchten. Nie aber wird eine ſo ſpaͤte Saat unter gleichen Umſtaͤnden einer fruͤheren im Ertrage gleichkommen. §. 7. Quantum der Einſaat. Wenn bey der Frage: Wannehr man den Rocken ſaͤen ſoll, mancherley Ruͤckſichten zu nehmen ſind: ſo ſind auch welche bey der Menge der Einſaatkoͤrner zu nehmen. Die allgemeinen Ruͤckſichten gehoͤren an einen andern Ort, hier ſey nur insbeſondere von denen fuͤr den Rocken Rede. Im Ganzen iſt das Quantum der Rocken⸗Einſaat dem des Weitzens gleich. Sind gleich die Koͤrner des leztern bedeutend dicker, und gehen ihrer daher um ſo mehr auf den Scheffel: ſo beſtaudet ſich der Weitzen auch ſtaͤrker als der Rocken, dadurch gleicht ſich die Sache wieder aus. In Brabant betraͤgt die Ausſaat per Hektar e edesh lehmiger Sand Li, Nea Eckeren 1,80 Oordam Marſchboden 1,3⁰ Campine Sand 1,50 In Flandern 4 v. reicher ſandiger Lehm 17, zu Melle Sand..... 1,29 156 In Weſtflandern..... 1,65 Hektol. Im Altenburg'ſchen.. h. 17,35 In der Pfalz....... 1,75 In England..... 1, 70 In Oeſterreich und Karnthen.. 2,10 Noch daſelbſt...... 1. 5, 20 Dr. Burger mit der Säiemaſchine. 3,90 Gr. Podewils auf der Hoͤhe.. 1,90 Derſelbe im Bruche...... 2,40 In Hohenheim ſaͤete man bisher.. 2,7 Ich habe mich aber uͤberzeugt, daß dieſes zu viel iſt, und das 1,75 Hektol. auf den Hektar oder 2 ½ Simri auf den wuͤrtemberger Morgen daſelbſt zureichen. Der allgemeine Durchſchnitt jener Anga⸗ ben giebt...... 1,60 Da es von einigem Intereſſe it, auch die Extreme zu kennen, ſo gebe ich folgendes von einer uͤbermaͤßigen landes⸗ uͤblichen Ausſaat an.„Die Beſtellung des Rockenfeldes, ſagt Hr. v. Boͤnninghauſen, hat in der Twente kaum etwas beſonderes, als eine ſehr dichte Ausſaat, und eine vorzuͤgliche Sorgfalt bey allen dazu gehoͤrigen Ar⸗ beiten.— Die gewoͤhnliche Ausſaat allhier iſt vier Alme⸗ loſche Scheffel auf eine Muͤtte Lands(4,25 Hektoliter auf den Hektar), welches eine ungeheure Saamenverſchwendung zu ſeyn ſcheint. Indeß ſpricht die Erfahrung ganz unzwey⸗ deutig fuͤr dieſe ſtarke Ausſaat, und einige, welche dabey eine bedeutende Erſparniß eintreten ließen, haben ſchlecht ihre Rechnunng gefunden.“ Dieſe ungeheure Saat iſt um ſo auffallender, als man in Belgien uͤberhaupt, und in den 157 ſtarkſtſandigen Gegenden dieſes Landes nur 1¼ Hektoliter braucht. So haͤtte denn alles auf der Welt ſeine Aus⸗ nahme! Man ſaͤet in der Regel nur friſchen Rocken, den vor⸗ jaͤhrigen nur aus Noth. Da dieſer Gebrauch allgemein: ſo iſt er auch nicht ohne Grund. Vielleicht moͤchte ein voͤllig gereifter, wohl aufbehaltener Rocken eine Ausnahme machen. Sicherer aber bleibt es immer ſich an der Regel zu halten. Auf jeden Fall muß der alte Rocken dichter als der neue geſaͤet werden, weilen viele ſeiner Koͤrner in dem Jahrsverlauf ihre Keimkraft haben verlieren koͤnnen. Bey dem Saͤen ſelbſt muß der Saͤmann kuͤrzer abtreten, weilen der alte Rocken ſeiner Trockenheit wegen ſich nicht ſo gut in der Hand faſſen laͤßt. Daher heißt es: der alte Rocken wehrt ſich im Sacke! Wenn die Trespe*) gewoͤhnlich nur als ein Rocken⸗ unkraut angeſehen wird: ſo giebt es doch Gegenden, wo der Rocken in feuchten Jahren, wegen Naͤſſe des Bodens, Gefahr laͤuft. Um ſich fuͤr ſolche Faͤllen zum Voraus ſicher zu ſtellen, ſaͤet man Trespe mit aus, als welche ſich beſſer mit der Naͤſſe als der Rocken vertraͤgt. Hier heißt es dann: Beſſer Trespe als gar nichts! Iſt der Jahrgang trocken, ſo bringt ſie dem Rocken wenig Nachtheil, indem dieſer die Oberhand gewinnt und ſeine Buhlerin zuruͤckdraͤngt. In ſeuchten Jahren behauptet ſie den Platz. So ſah ich 1816 *) Bromus secalinus, Rockentrespe. Man wolle ſie nicht mit dem Lolch, Taumellolch, Lolium temulentum, fuͤr eins halten. Erſtere iſt genießbar und unſchaͤdlich; leztere im Biere berauſchend und nach⸗ theilig. 158 Rockenfelder, die ganz gewiß aus Trespe beſtanden. Ohne ſie wuͤrden ſolche Aecker faſt nichts getragen haben. Als eine Zugabe beym Rocken iſt die Trespe zum Brode brauch— bar. Im Jahre 1816 lernte man ſie auch ohne Beymi⸗ ſchung von Getreide genießen, und ohne ſie wuͤrden ſichere Gegenden in Weſtphalen noch groͤßere Brodnoth gelitten haben. Als Pferdefutter koͤmmt ſie bey gleichem Maße dem Hafer voͤllig gleich. Jene Gegenden, deren ich er⸗ waͤhnte, haben einen ſehr guten, jedoch durch ſeine flache Lage feuchten, Boden. Ob man aber nicht Unrecht hat Rocken zu ſaͤen, wo allem Anſcheine nach Weitzen hin⸗ gehoͤrt?? Die Vertilgung der Trespe, wenn ſie auf feuchtem Bo⸗ den Ueberhand genommen hat, iſt beynahe nicht moͤglich. Sie ſaͤet ſich reichlich fort und kommt erſt im Fruͤhjahre unter dem Rocken zum Vorſcheine. Nur wenn dieſer einige Jahre weggelaſſen und etwas anders an ſeiner Stelle ge⸗ baut wird, moͤchte ſie ſchwinden.!? §. 8. Unterbringen der Einſaat. Der Rocken vertraͤgt das Einpfluͤgen nicht ſo gut als anderes Getreide; daher man es nur Ausnahmsweiſe ange⸗ wendet findet. Bey trockner Witterung und auf einem wohl verkruͤmelten Boden mag ein ſehr oberflaͤchliches Pfluͤgen von einigem Nutzen ſeyn; allein in den meiſten Faͤllen wird es eher Nachtheil als Vortheil gewaͤhren. Und warum ſich ohne Noth mit einer Vorrichtung abgeben, die ungleich ſchneller mit der Egge abgefertiget wird? Ob ein Extirpator oder Saatpflug den Vorzug vor dieſer verdiene, gehoͤrt nicht hieher und wird an einem andern Orte vorkommen. Vor⸗ 159 läufig kann ich die Landwirthe, welche nicht in der Lage ſind ſich mehrerley Werkzeuge anzuſchaffen, beruhigen, wenn ich ihnen ſage, daß der Unterſchied im Erfolge zwiſchen je— nen Werkzeugen und einer guten Egge nicht ſo erheblich ſey, als man es glauben moͤchte, wie mich eigene Erfahrung uͤberzeugt hat. Eine Grundregel beym Rocken bleibt die, ihn nicht tief in den Boden zu bringen. Er will, wie der Bauer ſich bey mir ausdruͤckt, gerne den Himmel ſehen. Erhaͤlt das Rockenkoͤrnlein eine ſtarke Bedeckung, ſo will's nicht durch und fault, zumal auf ſchwerem Boden. Die Weiſe wie in der Gegend, in der ich fruͤher wirth— ſchaftete, auf thonigem, zum Weitzen nicht viel weniger als zum Rocken geeigneten, Boden bey dem Unterbringeu des Saamens dieſes leztern verfahren wird, iſt folgende. Nachdem das Lad zur Saat gepfluͤgt worden, wird nicht geeggt, ſondern unmittelbar nach dem Pfluͤgen gewalzt. So bleibt das Land 3—4 Wochen liegen. Je gruͤner als— dann das Land ausgeſchlagen iſt(nur nicht von Quecken), um ſo lieber hat man's. Auf dieſes laͤngſt gewalzte Land wird daun geſaͤet, darauf flach geeggr, darauf gewalzt, darauf ſcharf geeggt, darauf wieder gewalzt und noch ein⸗ mal ſcharf geeggt. Eine Hauptregel ferner iſt, den Rocken trocken in die Erde zu bringen, Korn und Boden muͤſſen trocken ſeyn. Selbſt nicht im Thau darf geſaͤet werden; ſondern abzuwar— ten bis er geſchwunden. Nachtheiliger noch als Thau iſt ein ſtarker Nebel. Iſt aber der Rocken trocken in die Erde gebracht worden, ſo iſt der Regen nicht mehr zu fuͤrchten. Wer glauben wollte, daß ſo viele Umſtaͤnde, die ich 100 fuͤr das Unterbringen, Saͤen, Saatzeit und Feldvorberei⸗ tung zum Rocken angegeben habe, wohl uͤberfluͤſſig ſeyn duͤrften, dem lege ich die Erfahrung des Gr. Podewils vor, nach welcher von 82 auf Sandboden geſaͤeten geſunden und gewaͤhlten Koͤrnern nur 32 und eben ſo viel von 91 auf Bruch⸗Niederungsboden geſaͤeten das Feld behaupteten, da— her von erſten 50, von leztern 59, alſo weit uͤber die Haͤlfte der geſaͤeten, fehlte. Wollte man die Vorſchriften der ziemlich weitlaͤufig gewordenen Beſchreibung der Rockenbeſtellung in wenig Worten zuſammenfaſſen, ſo lauten ſie: 1. Bereite dem Rocken ein wohl bearbeitetes, gemuͤrbtes Land. 2. Säͤe nie auf friſchumgepfluͤgten, ſondern auf gelege⸗ nen Acker. 3. Saͤe lieber fruͤh als ſpaͤt, und um erſteres zu koͤnnen, gieb im Nothfalle deinem Lande lieber eine Fahre weniger. 4. Hat ſich die lezte Fahre verſpaͤtet, ſo verſchiebe lieber die Saat, und ſaͤe ſpaͤter, um nicht gleich hinter dem lezten Pfluͤgen ſaͤen zu duͤrfen. 5. die naſſen Felder beſaͤe zuerſt, die trocknen nachher. 6. Deßgleichen beſaͤe die magern Aecker vor den fetten. 7. Der Fruͤhſaͤer hat die Zeit vor ſich, der Spaͤtſaͤer aber hat ſie hinter ſich, und vermag nicht die verfloſſenen und vernachlaͤſſigten guͤnſtigen Tage zuruͤckzurufen, wenn ihn ungüuſtige befallen. 8. Magſt du, wie recht iſt, gerne fruͤh ſaͤen, ſo vergiß nicht, daß: bey ſchlechter Witterung ſaͤen, um nur fruͤh fertig zu werden, das Schlechteſte ſey, was du thun kannſt. 9. Saͤe 161 7 9. Saͤe endlich lieber ſpaͤt als gar nicht, um weder dei⸗ nen Miſt noch dein Land unbenuzt liegen zu laſſen. 10. Saͤe nicht leicht zwiſchen dem 10. und 20. Oktober. Haſt du alſo nicht in dem erſten Viertel des Monats ſaͤen koͤnnen: ſo ſaͤe auch nicht vor dem lezten. 11. Auf ſeichtem zugleich etwas treibendem Boden ſaͤe lieber ſpaͤt als fruͤhe. 12. Auf fettem Boden ſaͤe nicht dicht, auf magerem, oder ſchlecht zubereiteten, oder verunkrautetem nicht duͤnne. 13. Nimm friſches, kein altes Saatkorn. 14. Säe nicht anders als bey trocknem Wetter, ſelbſt nicht im Thaue, noch weniger bey Nebel. 15. Bringe den Saamen nicht tief in die Erde. 16. Laß dich durch das ausgelaufene Saamenunkraut nicht verleiten von neuem zu pfluͤgen; ſondern ſaͤe nur ge⸗ troſt darauf hin, und egge um ſo fleißiger. §. 9. Wachsthum und Pflege des Rockens. Nach acht oder zehn Tagen geht der Rocken auf, auch eher, nachdem die Witterung iſt. Bey fruͤher Ausſaat und guͤnſtiger Witterung beſtockt er ſich ſchon vor Winter ſehr ſtark, welches ihm um ſo vortheilhafter iſt, als er ſehr fruͤhe im Lenze aufſchießt, wo dann die Beſtockung zu ſpaͤt kom— men wuͤrde. In der erſten Haͤlfte des Mai's tritt er in Aehren und bluͤht ſo bald ſich dieſe ausgebildet haben. Wie alles Erſchaffene, ſo iſt auch der Rocken nicht frey von Ungemach. Naͤſſe, Kaͤlte, Krankheiten und Inſekten greifen ihn mehr oder weniger an. Im Ganzen aber bleibt er eine viel ſicherere Frucht als Weitzen, ja als alle andere Getreidearten. Wir durchgehen die Reihe jener Uebel. v. Schwerz Anleit. z. prakt. Ackerbau. II. Bd. 11 162 Nicht die unmittelbare Wirkung auch des ſtaͤrkſten Win⸗ terfroſtes, wohl aber das durch dieſen bewirkte Auffrieren des Bodens vermag dem Rocken zu ſchaden. Da aber die uͤbrigen Wintergetreidearten dieſem Uebel, ſo wie auch dem von ſtehender Naͤſſe nicht viel weniger als der Rocken un— terworfen ſind: ſo wird derſelben in der Folge anderswo ge⸗ dacht werden. Perſoͤnlichen Nachtheil erleidet der Rocken von den Fruͤhlings⸗ und Nachtfroͤſten, oder eiſigen Reifen im Mai, der Zeit, wo der Rocken ſchon in Acehren ſteht, oder gar in die Bluͤthe tritt, wodurch die Aehren oft ganz, oder doch an den Spitzen erfrieren. Sie werden weiß und bleiben leer. Dieſer Schaden kann ganze Felder und Flu⸗ ren treffen, wie 1814 und 1818 der Fall war. Abkehrende Mittel giebt es hier nicht. Vom Beſchlagen des Bodens bey der Winternaͤſſe, ſo wie von Unkraͤutern hat der Rocken weniger zu befahren als Weitzen und Dinkel, daher das Durcheggen der Saat im Fruͤhjahre von weniger Nutzen iſt, als bey jenen Ge⸗ treidearten. Bey ſehr dicht ſtehendem Rocken habe ich es mit Vortheil angewendet. Wird der Rocken durch Auffrie— ren aus dem Boden gehoben, ſo muß ſo ſchnell als moͤg— lich zur Walze gegriffen werden. Das Jaͤten, dem man alle Getreideaͤcker in Brabant unterwirft, hat nur oberflaͤchlich bey dem Rocken ſtatt, und dieſes wuͤrde nicht erforderlich ſeyn, wenn man nicht den Rocken ununterbrochen mehr⸗ mal hintereinander ſaͤete, wodurch die Zeit zur Reinigung des Bodens voruͤbergeht. Hr. v. Boͤnninghauſen glaubt, es der ſtarken Duͤn⸗ gung und Einſaat zuſchreiben zu muͤſſen, wenn ſich der loſe Sandboden der Twente bey der jaͤhrlichen Beſtellung mit 163 Getreide nicht verqueckt.„Faͤngt, ſagt er, dieſer boͤſe Feind an, ſich irgendwo bedeutend einzuneſteln: ſo verſtaͤrkt man die Duͤn⸗ gung und iſt dann ziemlich ſicher fuͤr's folgende Jahr davon befreyt zu ſeyn. Huͤlfe dieſes aber wider Vermuthen nicht, oder haͤtte fuͤr dießmal der Duͤnger nicht zugereicht: ſo muß im folgenden Jahre geduͤngter Buchweitzen das Feld reinigen.“ „Unter den Unkraäutern, ſchreibt derſelbe Beobachter, womit der Twenter auf ſeinem Rockenfelde zu kaͤmpfen hat, ſind der allgemeinen Meynung nach die boͤſeſten: der kleine Sauerampfer, der Windhalm, und das Ruchgras. Den erſten ſcheut man, weilen er die Stoppelhude fuͤr die Schafe gefährlich macht, die ſich, in ſo ferne ſie nicht allmaͤhlich daran gewoͤhnt werden, leicht davon faul freſſen. Der Windhalm wuchert beſonders in naſſen Jahren, verdraͤngt den Rocken, und wird dann oft ſehr ſchaͤdlich. Dem Ruch⸗ graſe ſchreibt man einen nachtheiligen Einfluß auf den Koͤr⸗ neranſatz zu. Gegen dieſe und andere minder ſchaͤdliche Unkraͤuter hilft man ſich allgemein, und meiſtens mit gu— tem Erfolge, durch verſtärkte Duͤngung, oder, wenn's all⸗ zuarg koͤmmt, durch Buchweitzen.“ Der Nachtheil, den die Nachbarſchaft der Berberitze (Sauerdorn, Dreydorn) dem Rocken bringt, iſt ſo erwieſen, daß es ermuͤdet darauf zuruͤckzukehren. Ich ſammelte dar⸗ uͤber ſo viele nicht zu bezweifelnde Data auf meinen Reiſen, ich machte 1821 daruͤber in Hohenheim eine ſo uͤber alle Ausſtellung erhabene Erfahrung, daß ich zehnmal eher an die Verwandlung des Rockens in Trespe, ja der Trespe in Rocken, als an die Unſchaͤdlichkeit des Sauerdorns, ohn⸗ geachtet aller ſeiner nicht genug bewanderten Apologiſten, glaube, und will ich meinen Sinnen und meinem bischen 164 Vernunft entſagen, glauben muß. Eine Entfernung von 10— 20 Schritt von dem Strauche kann den Rocken noch nicht gegen deſſen boͤſen Einfluß ſichern. Am uͤbelſten koͤmmt freylich der dem Strauche zunaͤchſt ſtehende Rocken weg. Das Verderben nimmt mit Vegroͤßerung der Entfernung ab. Wie weit die Verheerung in das Rockenfeld eingreife, bin ich nicht im Stande anzugeben, wahrſcheinlich auch, daß ſolches von der Groͤße und dem Alter des Berberitzen⸗ ſtrauches, vielleicht auch von ſeinem Standpunkte nach einer oder anderer Himmelsgegend herruͤhrt. Was die Art der Wirkung betrifft: ſo iſt ſie weder ein Verbleichen noch Ver⸗ ſcheinen. Weder das Stroh, noch die tauben Aehren wer⸗ den weiß, ſondern mit einer Art von braunem dicken Schmutz uͤberzogen, der einem fadenartigen Auswurfe von Gewuͤrme gleich ſieht. Die Huͤlfe faͤllt leicht durch das Umhauen der Berberitze, wenn ſie unſer iſt; ſonſt ſaͤe man keinen Rocken in ihrer Naͤhe. Nachtheilig waͤhrend der Bluͤthezeit wirkt eine ununter— brochene regnigte Witterung, welche den Austritt der Saa⸗ menbeutel verhindert. Wechſeln aber gute mit unfreund⸗ lichen Tagen, oder auch nur heitere mit truͤben Stunden, ſo gewinnen die Beutel Zeit hervorzutreten und mit ihrem befruchtenden Staube das Feld zu uͤberwallen. Nachtheilig auch ſind zu dieſer Zeit heftige Winde, welche den Staub entfuͤhren und die Befruchtung hindern. Nach wenigen Tagen wird man den Nachtheil davon gewahr, wo, gegen das Licht gehalten, alle befruchteten Spelzen durchſichtig, dunkel aber die nicht befruchteten erſcheinen, welches nach⸗ her die koͤrnerleeren Stellen der Aehren zur Folge hat. „Fuͤr die Befruchtung, ſagt Hr. v. Boͤnninghauſen, 165 ſcheint eine zuſammenhaͤngende Flaͤche von Rockenaͤckern von vieler Wichtigkeit zu ſeyn, indem vermuthlich die Staub⸗ wolke, welche waͤhrend der Bluͤthezeit die Flaͤche uͤberzieht, die Befruchtung beſonders befoͤrdert, waͤhrend in einzelnen, geſchloſſenen Koppeln manche Narbe unbeſtaͤubt und unbe⸗ fruchtet bleibt. Daher auch der unmerkliche Unterſchied in der Koͤrnigkeit in Jahren, wo der Rocken wenig geſtaubt hat, zwiſchen dem Rocken in groͤßern Flaͤchen, und dem Rocken in ſolchen Koppeln, welchen der Wind den Staub von jenen Flaͤchen zugeweht hat.“ Da der Rocken nach Winter ſo ſchnell in die Hoͤhe geht, ſo iſt das Schroͤpfen, um das Lagern zu verhuͤten, nicht wohl anwendbar. Auch vertraͤgt es der Rocken weni⸗ ger als Weitzen und Dinkel. Das Abhuͤten mit Schafen koͤnnte hier zwar helfen, wenn man nur wuͤßte, ob der Rocken in dem gegebenen Jahre einer ſolchen chirurgiſchen Operation beduͤrfe. Das laͤßt ſich aber vor dem erſten Maͤrz nicht leicht ausmitteln, und doch iſt dieſer Tag die perem— ptoriſche Friſt, uͤber welche hinaus das Abhuͤten des Rockens nicht leicht geſtattet werden darf, wenn das Heilmittel nicht nachtheiliger, als die Krankheit ſelbſt werden ſoll. Sehr merkwuͤrdig iſt was Hr. v. Boͤnninghauſen in ſeiner Beſchreibung der Twenter Rockenwirthſchaft hier— uͤber ſagt, und ich trage keinen Anſtand, die ganze Stelle hieher zu uͤbertragen. „Die ſtarke und fruͤhe Ausſaat, verbunden mit der ſtar⸗ ken Duͤngung, verurſacht ſchon vor dem Winter eine ſo ſtarke Beſtaudung des Rockenfeldes, wie ich ſie nirgend an— derswo angetroffen habe. Eben dieſer froͤhliche Wuchs im Herbſte, den man an andern Orten nicht gern ſieht, iſt in 166 Twente ſehr erwuͤnſcht; denn ſo bald es anfaͤngt zu frieren, werden die Schafe auf die Rockenäcker getrieben, und be⸗ halten ihre Weide darauf bis zum 25. Maͤrz den ganzen Winter hindurch und bey jeder Witterung. Man ſollte glauben, die immer erneuerten Quetſchungen und Wunden, in der kalten Jahreszeit, muͤßten den jungen Rockenpflan⸗ zen ſehr ſchaͤdlich ſeyn; aber man verſpuͤrt von dieſem an⸗ haltenden Abhuͤten ſo wenig uͤble Wirkung, daß es Nie⸗ mand, der ſelbſt keine Schafe haͤlt, ſich einfallen laͤßt, einem fremden Schaͤfer ſeinen Acker zu verbieten, obwohl Niemand Anſpruch auf Hudegerechtigkeit macht. Im Gegentheil liebt man dieſe Behuͤtung ſehr wegen des wohlthaͤtigen Feſitre⸗ tens des loſen Bodens, und weil unfehlbar die Maͤuſe ſich darnach verziehen*). Ich meines Theils glaube aber auch, daß dadurch die ungewoͤhnlich ſtarke Einſaat norhwendig gemacht wird, obwohl man auf nicht beweideten Aeckern das Korn eben nicht mehr ſpart.— In einigen Bauerſchaf⸗ ten, wo man aus Mangel an zureichender Haide und Wild⸗ weide ſich vereinbart hat, keine Schafe zu halten, treibt man ohne Bedenken im Winter die Kuͤhe auf den Rocken, und haͤlt dieß fuͤr eben ſo wenig ſchaͤdlich, als jenes. Im Fruͤhjahre erholt ſich die vom Weidevieh zertretene und benagte Saat ſehr bald, und man erſtaunt uͤber den ſchoͤnen, uͤppigen und gedraͤngten Raſen, den ſie gleichſam bildet. Es iſt in der That fuͤr den Freund der Landwirth⸗ — *) Dieſe lezte Wirkung hat ſich auch an mehreren Orten beſtaͤ⸗ tigt, und muß wohl theils dem ſtarken Geruche des friſchen Schaf⸗ dungers, theils dem Tritte derſelben zugeſchrieben werden. In un⸗ ſern Gegenden findet man die Schafe ſehr bewaͤhrt gegen Schneckenfraß. 167 ſchaft eine ſehr angenehme Ueberraſchung, wenn er um dieſe Zeit aus den oͤden und nackten Haiden in dieſe Fluren tritt, wo er ſolche Pracht und ſolche Fuͤlle nicht erwarten konnte. Eben ſo ſchoͤn und uͤppig waͤchſt nun auch nachher der Ro⸗ cken heran; es kann faſt keine Halmfrucht gedraͤngter ſtehen, als man ſie hier ſieht. Dabey erreicht das Stroh nicht ſel⸗ ten eine Laͤnge von mehr als 7 Fuß, weßhalb auch die Gar⸗ ben immer doppelt gebunden werden. Indeſſen ſcheffelt das Korn in Twente nicht ſo gut, als in vielen andern an ſich fruchtbareren Gegenden, wo es abwechſelnder gebaut wird, und weniger gedraͤngt ſteht.“ Eine eigene Krankheit, der der Rocken beſonders in naſſen Jahren unterworfen iſt, iſt das Mutterkorn, oder jener ſchwarze Auswuchs, der ſich an den Aehren in Geſtalt eines ſchwarzen Hoͤrnchens zeiget. Es iſt eine Koͤrnermiß⸗ geburt, die ſich leicht brechen laͤßt, und dann von Innen eine weißgrauliche, mehlartige, trockne und zuſammenhaltende Subſtanz zeiget, meiſt geruchlos iſt, manchmal aber auch einen widrigen Geſtank aushaucht. In einiger Menge ge⸗ noſſen erzeugt es Schwindel und eine Art von Tollſucht. Gemiſcht mit todten thieriſchen Koͤrpern erregt es in ihnen eine ſchnell zerſtoͤrende Faͤulniß, und kann deßhalb auch dem thieriſchen Leben nicht anders als nachtheilig ſeyn. Die Erfahrung hat ſolches im Jahre 1816 am Rheine beſtaͤ⸗ tiget. Man kennt weder die naͤhere Urſache der Entſtehung des Mutterkorns, noch weniger das Mittel ihm vorzubeugen. Ein Feind, der dem Rocken in den Scheunen nachſtellt, iſt das ſogenannte Kornthier, Kornkaͤfer, curculio fromen- tarius, der von dem Kornwurm der Boͤden(Speicher) phalaena tinea wohl zu unterſcheiden. Die Kornkaͤfer ſind 168 in einigen Gegenden am Rheine eine wahre Plage. Sie ſchrooten, beſonders in naſſen Jahren, das Getreide gaͤnzlich aus, ſo daß man die Huͤlſen davon ſcheffelweis auffaſſen kann. Wir verdanken das Mittel, ſie zu vertilgen, den Er⸗ fahrungen meines Landsmannes, des Hrn. Herrchen, den wir hier ſprechen laſſen. „Mein Hof, ſagt er, war wegen der Verwuͤſtungen der Kornkäͤfer renommirt. Es rauſchte in dem gebanſten Ge⸗ treide von ihren Bewegungen und ihrem Nagen. Im erſten Jahre wußte ich kein anderes Mittel, als ſogleich ausdre⸗ ſchen und verkaufen zu laſſen. Spaͤterhin kam ich meinem Feinde auf den Leib, und in zwey Jahren war er ſo ver⸗ tilgt, daß auch keine Spur mehr davon zu ſehen war, ob⸗ gleich fruͤherhin die Waͤnde ganz ſchwarz davon geweſen ſind. Ich ließ naͤmlich vor der Aerndte die Scheune ganz aus⸗ raͤumen und auf's beſte reinigen, dann wurden einige Gar⸗ ben Rocken geſchnitten und in die Scheune gelegt. Unter dieſem ſammelte ſich nun die ganze Sippſchaft, ſie wurde ausgeſchuͤttelt und den Huͤhnern vorgeworfen. Dieſes wurde wiederholt, bis keine Kornkaͤfer ſich mehr zeigten. Im er— ſten Jahre war der groͤßte Theil verſchwunden, bey der Wie⸗ derholung im folgenden Jahre zeigten ſich nur wenige und in dem naͤchſten Jahre waren ſie alle vertilgt. So einfach dieſes Verfahren iſt: ſo zweckmaͤßig hab' ich es gefun— den und kann es Jedem mit der groͤßten Zuverſicht em⸗ pfehlen.“ §. 10. Aerndte und Ertrag. Die Rockenaͤrndte hat im Vergleich mit der des uͤbri⸗ gen Getreides wenig Beſonderes. Ich verweiſe alſo auf 169 das, was in der Folge uͤber das Aerndtegeſchaͤft uͤberhaupt geſagt werden wird. Da der Rocken nicht ſo leicht wie anderes Getreide ausfaͤllt, ſo kann man bey ihm mit Sicherheit die Gelbreife abwarten, und muß ihn nicht zu fruͤhe abbringen, weilen er weniger als andere Getreidearten die Eigenſchaft beſizt im Stroh nachzureifen, und ſich vollkommen auszubilden. Sowohl in Holſtein als der Twente herrſcht der gute, anderswo leider zu wenig bekannte oder ausgefuͤhrte, Ge— brauch, den Rocken gleich hinter der Sichel zu binden und noch an ſelbem Tage aufzuhocken.„Die Garben, ſagt Hr. v. Boͤnninghauſen, welche doppelt, ein Mal et⸗ was unter der Mitte, und das andere Mal nahe an und zum Theile um den Aehren gebunden werden, muͤſſen in der Twente noch an ſelbem Tage von den Hauern zu Vie⸗ ren, ins Kreuz, gegeneinander aufgeſezt und oben noch— mals umbunden werden.“— In Holſtein, wo daſſelbe Verfahren ſtatt hat, ſieht man ſehr darauf, daß die Kno— ten der Seile nach dem Innern der Hocke zugekehrt werden, weil ſie ſich, da die Sonne ſie nun nicht beſcheint, nicht ſo leicht aufloͤſen. Ertrag vom Hektar. Ich glaube, daß folgende Data zureichen werden, um im Allgemeinen einen Durchſchnittsertrag fuͤr den Rocken feſtzuſetzen. Was die Anwendung deſſelben auf die verſchie⸗ denen Fäͤlle betrifft: ſo waͤre es freylich zu wuͤnſchen, daß ich bey jedem Poſten den Boden, die Tracht nach der Duͤn⸗ gung, die Fruchtfolge und Feldbearbeitung haͤtte angeben koͤnnen; allein ſolches liegt außer den Grenzen meines Wiſ⸗ ſens. Brabant Flandern Brab. Kurmark Kurmark richtet bin, 170 das Noͤthigſte ſagen. Campine, ſchlechter Sand, der alle Jahre mit Rocken beſtellt, und alle Jahre geduͤngt wird... Waarlos, Sandboden nach Klee oder Rocken, geduͤngt.... Edeghem lehmiger Sand, nach Wei⸗ tzen, Wintergerſte, Lein, Klee ge⸗ duͤngt.... Daſelbſt Diercrſen, ebeh i9, im Durchſchnitt von zwey Jahren 18⁰2 und 1805...... Eekeren Sandboden gedangt. Hodn Sandboden geduͤngt.. Melle Sandboden geduͤngt... Menin, fetter Sand, zweyte Tracht.... (Gr. Podewils Sandboden, erſte Tracht.. Derſelbe Sandöoden,; zweyte Tracht Thaer in achtjaͤhrigem Durchſchnitt Klee. Gr. Podewils im Bruche, erſi Tracht... Derſelbe, daſelbſt, zeyt⸗ Tracht nach Huͤlſenfruͤchten, Buchweitzen, Indeſſen werde ich doch fuͤr da, wo ich beſſer unter⸗ Einiges wird ſich auch aus der Abhandlung uͤber die Fruchtfolge in dem dritten Bande entnehmen laſſen, wohin ich den verehrten Leſer zum Voraus verweiſe. Hektol. 18,00 18,00 29,00 36,00 24,00 21,60 24,00 31,20 12,00 9,40 12,80 19,26 16,85 Flandern Pfalz Altenburg Oeſterr. Staat 17¹ Aloſt, guter ſandiger Thon, nach Lein zweyte Tracht, nach Winter⸗ gerſte dritte Tracht, nach Mengkorn vierte Tracht.. Voorde Boden wie Aloſt, nach Wintergerſte, Weitzen zweyte und dritte Tracht 3 Maasgegend zaͤher Lehmboden efſe Tracht nach Brache oder Huͤlſen⸗ fruͤchten......... England im Durchſchnitte nach Poung... 2 Moͤllinger, ſandiger Föm⸗ nach Wickenfutter, zehnjaͤhriger Durch⸗ ſchnitt*y........ Gute Gegend, nach reiner Brache, manchmal aber nicht immer, erſte Tracht........„ Gute Gegend nach Ruͤbſen, Hir⸗ ſeu, zweyte Tracht..... Schlechte Gegend, Brache, Schlechte Gegend, nach Kartoffeln Schmalz zu Ponitz nach Brache Derſelbe, daſelbſt, nach Kartoffeln. „Niederoͤſterreich.. Burger zu Lavanthale 4— 5te Tracht im fuͤnfjaͤhrigen Durchſchnitt.. Derſelbe in zweyter Tracht.. Luͤrzer zu Saalfelden in Salzburg Hektol. *) Sein geringſter Ertrag war 16, ſein ſtaͤrkſter 39. 31,00 33,00 19, 18 21,65 30,00 172 1820 19,50 Hohenheim, feinſandiger Thon 1821 23,2 2 ²*) 1822 21,70 18²23 23,90 Allgemeiner Durchſchnitt obiger Angaben 22,25 oder beynahe vier wuͤrtemb. Scheffel vom wuͤrtemb. Morgen. Vergleichen wir dieſen Ertrag mit dem des Weitzens, ſo fin⸗ den wir dem Maße nach zwar einen gleich ſtarken Ertrag zwiſchen beyden Getreidearten; dem Gewichte nach aber traͤgt der Hektar Rocken beynahe einen Hektoliter weuiger. Da ſerner die innere Guͤte des Weitzens die des Rockens uͤbertrifft: ſo folgt, daß man Unrecht haben wuͤrde, auf Bo⸗ den der zum Weitzenbau gut geeignet iſt, dem Rocken den Vorzug zu geben. Daſſelbe gilt auch unter gleichen Um— ſtaͤnden vom Dinkel. Dadurch wird jedoch dem Rocken von ſeinem großen Werthe fuͤr leichten Boden, wenig kraͤftige Felder und ſandige Gegenden nicht das Mindeſte benommen. Reduziren wir endlich den Werth eines Hektars Dinkel, nach dem angefuͤhrten 5ojaͤhrigen Durchſchnitt, in Geld; ſo giebt er uns die Summe von 132 Gulden, der eines Hek⸗ *) Wie hoch ſich manchmal der Rockenertrag belaufen koͤnne, davon hatten wir 1624 ein auffallendes Beyſpiel auf hieſigem Ver⸗ ſuchsfeld. Von einem halben Morgen, der mit Rocken und Win⸗ terwicken nach Brache beſaͤet worden war, aͤrndtete man 5,3 Scheffel, oder 56,61 Hektoliter= 2634 Kilogr. Koͤrner vom Hektar und 51 me⸗ triſche Zentner Stroh(ſaͤmmtlich gewogen.) Unter den Rocken war Klee geſaͤet worden, und obgleich der Rocken gelagert hatte, ſo wurde der Klee noch gut. 173 tars Rocken nur 99 Gulden. Erſterer, ſo auch der Weitzen, betruͤge dann gerade einen vierten Theil mehr als lezterer; wobey ich jedoch nicht in Abrede ſtellen will, daß der Rocken in Wuͤrtemberg im Preiſe etwas unter ſeinem wahren Werthe, wenigſtens im Verhaͤltniß zu dem des noͤrdlichen Deutſchlands und der Niederlande, ſtehe. Fuͤnfter Abſchnitt. Wintergerſte. Sie macht auf fettem, auf Polder oder Marſchboden in ſichern Gegenden, zumal in den Niederlanden, den Haupt⸗ gegenſtand der Cultur aus, und man bringt ſie beſonders da an, wo man von Weitzen nur Lager zu befuͤrchten ha⸗ ben wuͤrde. Ein Holſteinſcher Landwirth behauptet ſogar, in den Mecklenburg'ſchen neuen Annalen, daß ſie um ſo beſſer lohne, als ſtaͤrker ſie ſich lagert. Sie verſchmaͤhet in— deſſen, nach einer paſſenden Vorfrucht, auch einen guten friſchen, das iſt genugſam feuchten, Mittelboden nicht. Nur erheiſcht ſie Kraft und zwar alte Kraft ihrer ſtarken Be— ſtockung wegen. Ganz beſonders ſoll ſie nach jenes Hol— ſteiners Bemerkung auf vor einiger Zeit gemergeltem Boden einſchlagen, jedoch ein ganz friſch gemergeltes Land durch— aus nicht vertragen koͤnnen. Ein leichter trockner Boden ſteht ihr nicht an, noch weniger ein magerer. Ein Wirth alſo, dem es an Dung gebricht, muß ſich nicht damit befaſſen. Auch das Klima bleibt fuͤr die Cultur der Winter⸗ gerſte zu Rath zu ziehen. Iſt es der Kaͤlte wegen zu ſtrenge, 174 oder zu trocken: ſo iſt der Anbau derſelben ſehr gefährdet, daher ſo manche mißlungene Verſuche, die man im nordoͤſt⸗ lichen Deutſchlaud damit gemacht hat! Da ſie unter allem Getreide zuerſt reift: ſo iſt ſie auch dem Vogelfraße unter allem am meiſten ausgeſezt; daher nahe bey den Wohnungen durchaus nicht anzurathen. Die heilloſen Sperlinge fallen mit einer ſolchen Wuth auf ſie ein, daß weder Scheuſal, noch Wache, noch Schreyen noch Schießen etwas wider ſie vermoͤgen. Die vorzuͤglichſten Vorarbeiter zur Wintergerſte ſind Raps, Bohnen, Brache, Klee; auch nach Weitzen, Hafer, und, auf fettem Boden, nach ſich ſelbſt, mag ſie folgen. Da ſie einige Wochen vor den uͤbrigen Cerealien einge⸗ bracht wird, und den Boden weniger als die Sommergerſte angreift; ſo koͤnnen Rocken und Mengkorn(Weitz⸗Rocken) nicht allein ohne Anſtand auf ſie folgen, ſondern ſind auch geſchickter dazu, als jede andere Frucht; reiner Weitzen aber kann nur auf Marſchboden hinter ihr her geſaͤet werden. Wenn aber der hoͤher gedachte holſtein'ſche Wirth ſagt, daß Weitzen und Rocken gemeinlich darnach mißrathen, ſo liegt, in Bezug auf leztere, die Schuld nur am Boden oder an der Behandlung. In den Niederlanden folgt nach Win⸗ tergerſte nie etwas anders als Winterkorn. Die Folge Raps, Wintergerſte, Rocken iſt eine der gewoͤhnlichſten in den Niederlanden, und eine der lohnenſten. Nichts koͤmmt dem Raps als Vorgaͤnger zur Wintergerſte gleich. Selbſt da, wo man es des Bodens oder klimatiſcher Verhaͤltniſſe wegen nicht wagen darf ſie anzubauen, darf man es mit ihr nach Raps noch wagen. Und wenn es wahr iſt, daß die Sommergerſte nach Wintergetreide, das 175 auf Raps folgte, etwas zuruͤckſchlägt C): ſo wird man dieſes nicht zu befahren haben, wenn man ſtatt ihrer Win⸗ tergerſte ſogleich hinter dem Raps her nimmt, und darauf anderes Wintergetreide folgen laͤßt. Nach Raps, Bohnen und reiner Brache giebt man der Wintergerſte die naͤmliche Feldzubereitung, wie zu jedem andern Wintergetreide. Wenn in Brabant auf gutem leh⸗ migem Sand Wintergerſte nach Klee folgen ſoll: ſo wird die Kleeſtoppel einfaͤhrig umgebrochen, das Gepfluͤgte mit Miſt beſtreut, der Miſt feſtgewalzt, dann uͤberbeult, ge⸗ eggt, geſaͤet und eingeeggt. Bedient man ſich des uͤber⸗ ſtoßens ſtatt des uͤberbeulens, ſo ſaͤet man auf den Miſt, uͤberſtoͤßt und walzt. Ueberhaupt ſucht man den Saamen der Gerſte dem Miſte ſo nahe als moͤglich zu bringen. Merkwuͤrdig iſt folgende Behandlung, wenn Winter⸗ gerſte nach Getreide ſtatt haben ſoll, die ich in der Gegend von Dortmund in Weſtphalen gefunden habe. Sobald die Weitzen⸗ oder Rockengarben gebunden und Reihenweis auf⸗ geſtellt ſind, wird das Land geſchaͤlt, ſogleich vereggt, ge— walzt, und wieder geeggt. In dieſem Zuſtande bleibt der Acker liegen bis er gruͤn ausgeſchlagen iſt. Darauf wird ſo tief, als geſchehen kann, gepfluͤgt, aber nicht geeggt. Nach etwa vier Wochen, nachdem ein guͤnſtiger Regen eingetre⸗ ten, der Boden erweicht und wieder abgetrocknet iſt, wird wiederholt geeggt, gepfluͤgt und noch einmal geeggt. Sind die angegebenen Vorrichtungen bey guͤnſtigem Wetter ausge⸗ fuͤhrt worden, und iſt nach dem zweyten Pfluͤgen nicht ſo⸗ gleich ein ſtarker Regen gefallen, ſo iſt der Acker fuͤr die Gerſte gewonnen. Der Miſt wird nun aufgefahren, aber 176 auch bey trocknem Wetter und bleibt gebreitet auf dem Felde bis zur Saat liegen. In der lezten Haͤlfte Oktobers wird die Gerſte auf den Duͤnger geſaͤet und mit ſelbem unterge⸗ pfluͤgt. Geeggt wird nur dann, wenn der Boden rauh und ſchollig ſeyn ſollte. Alles Obige muß in einem Zeit— raume von ſechs, laͤngſtens ſieben Wochen vollendet ſeyn, worauf man zum Voraus Rechnung machen muß.— Daß hier nur von einem guten und wohl cultivirten Boden Rede iſt, laͤßt ſich denken. Da die Gerſte dem Auswintern unterworfen iſt: ſo wird bey dem Saͤen nicht viel geeggt, damit noch kleinere Kloͤtte zuruͤckbleiben, dieſe der Saat Schutz gewaͤhren, und den Boden vor dem Zuſchlaͤmmen ſichern. Man ſaͤet in den Niederlanden etwas uͤber 2 Hektoliter auf den Hektar. In Weſtflandern 2,75 Hektoliter. Die Wintergerſte will vor allem andern Wintergetreide geſaͤet ſeyn, theils damit ſie durch ein kraͤftiges Beſtocken dem Winter leichter widerſtehen koͤnne; theils weil ihr im Fruͤhjahre des ſchnellen Auftreibens wegen nicht viele Zeit zu ſolchem Beſtocken uͤbrig bleibt. Indeſſen iſt mir ein Bey⸗ ſpiel bekannt, wo man welche in ein wohl zubereitetes Land in der Mitte Februars ſaͤete. Sie hatte im Anfange ein ſchlechtes Anſehen, wurde darauf gepfult, wo ſich Farbe und Geſtalt ſogleich bey ihr aͤnderten. Sie beſtaudete ſich nach⸗ her ſehr ſtark, wurde wenige Tage nach der zu Anfang Oktobers geſaͤeten reif, und uͤbertraf ſie im Ertrage. Bey ihr mehr, als bey jedem andern Getreide, iſt das Behacken von großem Nutzen. Das Hacken iſt um ſo leich⸗ ter auszufuͤhren, als ſie nicht gedraͤngt ſtehen darf. Es hat in den Niederlanden, wenigſtens in daſigen Poldern, alle⸗ 177 allemal ſtatt. Die Hacken, deren man ſich dazu bedient, ſind denen Ha 2 Tafel VIII erſter Band durchaus aͤhnlich. Der richtige Zeitpunkt iſt bey der Gerſtaͤrndte ſehr wohl zu beachten. Man driſcht ſie ſogleich ab, und ſo bringt ſie dem Landmanne das erſte und meiſte Geld ein. Später fallt ſie, der Sommergerſte wegen, die um 0 ſchwerer iſt, im Preiſe, auch wird ſie von den Muͤllern zu Gruͤtze und Mehl nicht geſucht. Dagegen dient ſie ihrer kleinern Koͤrner wegen, die nicht ſo ſtark geſchaͤlt werden duͤrfen, daher auch keinen ſo ſtarken Abgang dabey leiden, wie die Sommergerſte, vorzuͤglich zu Perlgraupen,(Perlgerſte). Zur eigenen Benutzung hat die Wintergerſtgruͤtze den Vor⸗ theil, daß es derſelben weniger dem Maße nach bedarf, in⸗ dem ſie im Waſſer ſtaͤrker aufquillt und beym Kochen viel ſchneller muͤrbe wird als die Gruͤtze der Sommergerſte. Daſſelbe gilt auch von beyderſeitigem Mehle. Daß die Wintergerſte nicht zum Bier taugen ſoll, iſt wohl nur ein Traum. In dem Falle moͤchte ich wiſſen, was die Niederlaͤnder, die keine Gerſte im Brode dulden, mit all ihrer Wintergerſte anfangen, noch weniger, wo ſie die Gerſte zu all ihrem Biere herholen ſollten? Ich glaube, daß man bey ihnen zehnmal ſo viel Winter- als Sommergerſte bauet. Der Ertrag der Wintergerſte iſt in den Niederlanden ſehr groß. In den Poldern wird ſie oft, auf dem Halme ſtehend, zu 180 bis 260 fl. per Hektar verkauft. Der Holſtein'ſche Landwirth ſagt, daß man bey ihm auf fettem Boden mit ziemlicher Sicherheit auf das 2oſte Korn rechnen koͤnne; daß er ſelbſt, bey beſonders guͤnſtiger Witterung, ſchon das 26ſte Korn erhalten habe, und daß v. Schwerz Anleit. z. prakt. Ackerbau. II. Bd. 12 2 178 in den Marſchen das Zoſte Korn der gewoͤhnliche Er⸗ trag ſey. In den Niederlanden ſchlaͤgt man ihren Ertrag vom Hektar nach den Orten folgendermaßen an: zu Edeghem.......... 35 Hektol. Eeckeren........... 36 Stanbroeck........ 36 Hordam........... 45 in Weſtflandern....... 45 Melle.......... 32 Hr. Diercrſen 1739... 59 Durchſchnitt obiger Angaben.... 38 Vergleichen wir dieſen Ertrag mit dem der Sommer⸗ gerſte, ſiehe folgenden Abſchnitt, ſo ergiebt ſich ein Unter⸗ ſchied von 9,4 Hektoliter vom Hektar zum Vortheile der Wintergerſte; oder anders, drey Morgen Wintergerſte ſtehen vier Morgen Sommergerſte im Körnerertrage gleich. Der Einwurf, den man gegen den Vorzug der Winter⸗ vor der Sommergerſte machen koͤnnte, daß naͤmlich die Wintergerſte mehr Kraft im Boden verlange als die Som⸗ mergerſte, iſt nicht zureichend ihren Werth und Vorzug vor dieſer zu ſchwaͤchen; denn erfordert jene, wie wahr, mehr Kraft: ſo laͤßt ſie deren verhaͤltnißmaßig doch mehr zuruͤcke, als die Sommergerſte, und man kann nach jener, ohne friſch zu duͤngen, ſchoͤnen Rocken, oder gar zuerſt Mengkorn und dann Rocken haben, ſtatt daß man ſich *) Ich habe dieſe hohe Durchſchnitts⸗Angabe aus ſo zuverlaͤſſiger Quelle, daß ich mich dafuͤr verbuͤrgen kann. Uebrigens iſt die fuͤr Holſtein angefuͤhrte noch hoͤher. Schwerz. 179 nach dieſer in der Regel nur ein hoͤchſt kuͤmmerliches Win⸗ tergetreide verſprechen darf. Es iſt demnach nicht ohne Ur⸗ ſache, warum man in den Niederlanden den Sommergerſt⸗ bau hintanſezt. Sechster Abſchnitt. Sommergerſte. §. 1. Ger ſt⸗Arten. Ohne uns bey den Fremdgerſtarten, wie nackte Gerſte, Himmelsgerſte, Pfauengerſte u. d. m. aufzuhalten, werden wir hier blos bey den gemeinuͤblichſten und bewaͤhrteſten um ſo lieber ſtehen bleiben, als das fuͤr dieſe Geſagte auch fuͤr jene gelten wird, mit dem Unterſchiede jedoch, daß jene zu ihrem voͤlligen Gedeihen einen noch beſſern Boden, oder mehr Kraft darin erheiſchen, als die gemeinuͤblichen; woher es denn kommen mag, daß jene, obgleich ſehr ſchaͤtzbaren Fruͤchte, noch keinen ausgedehntern Eingang gefunden haben, als unſere laͤnger bekannten. Dabey will man beobachtet haben, daß die Himmelsgerſte, das iſt die kleine nackte Gerſte, in die gewoͤhnliche vierzeilige Gerſte ausarte, und vielleicht moͤchte das Ausarten in die gewoͤhnliche zweyzeilige Gerſte bey der großen nackten Gerſte ebenfalls der Fall ſeyn. Die zwey Sommergerſtarten, die man durchgaͤngig in Deutſchland baut, ſind: a. die große, zweyzeilige Gerſte, b. die kleine, vierzeilige Gerſte, Welche von beyden vorzuziehen ſey, davon moͤchte die — — ¹ 180 Entſcheidung nur von den Umſtaͤnden abhaͤngen. Hat die große ſchoͤnere, mehlreichere Koͤrner fuͤr ſich; ſo begnuͤgt ſich die kleine mit einem geringern Boden, vertraͤgt das ſpaͤtere Saͤen, widerſteht der trocknen Witterung beſſer, geraͤth ſicherer, und ſcheffelt unter gleich guͤnſtigen Umſtaͤnden eben ſo gut, manchmal beſſer, als die große. Auf geringem Boden uͤbertrifft ſie die große Gerſte weit an Ertrag. In dem nordweſtlichen Deutſchland koͤmmt ſie haͤufiger vor als die große. Oft findet man beyde Arten auf einem Felde untereinander. Weitlaͤufigkeit zu vermeiden, duͤrfen wir beyde in Be⸗ ſchreibung ihrer Cultur nicht trennen; da es ohnehin dabey nur auf Abweichungen ankoͤmmt, die angegeben werden koͤnnen. C. 2. Klima. Die Sommergerſte ertraͤgt beſſer als alle uͤbrigen Ge— treidearten, jedes Klima von dem Polarkreiſe an bis uͤber den Wendekreis hinaus. Es kann in Deutſchland kein Zwei⸗ fel uͤber ihr Fortkommen obwalten; wozu dann namentlich auch ihr ſchnell vollendeter Wuchs beytraͤgt. Sie iſt ſelbſt in ſehr hohen Gebirgsgegenden die ſicherſte Frucht, die man bauen kann. In ihrer Jugend vertraͤgt ſie einen großen Grad von Kaͤlte, wovon zwar die Spitze ihrer Blaͤtter, ſie ſelbſt aber nicht angegriffen wird, ohne welches man es im Elſaß nicht wagen wuͤrde ſie(die große) ſchon in der erſten Haͤlfte des Maͤrzes zu ſaͤen. §. 5. Boden. Weit mehr fuͤr den Boden, als fuͤr das Klima, iſt die Gerſte empfindlich. Sie iſt darin weit heikeler, als Weitzen 181 und Rocken ſind. Eine zaͤhe Erdkrume vermag ſie mit ihren weichlichen Blattſpitzen nicht zu durchbohren; ein duͤrrer loſer Boden iſt ihr zuwider; auf einem magern Boden hat ſie kein Gedeihen; Saͤure verträgt ſie nicht, daher ſie auf Boden, der manchmal unter Waſſer ſteht, oder Torf- oder — Haidehumus enthaͤlt, ſchlecht angebracht iſt. Hat der Sand⸗ boden auch nur eine moorige Unterlage, ſo koͤmmt ſie darauf nicht fort. Schwieriger in Bezug auf den Boden, als die kleine Gerſte, iſt die große in ihren Forderungen. Man muß ihr daher vorzugsweiſe den bindigern Boden anweiſen. Ein gutes etwas Kalk enthaltendes Weitzenland iſt ihr Element. Im Ganzen liebt die Gerſte einen milden, reichen, war⸗ men, wohl verkruͤmelten, nicht zu trocknen und nicht zu naſſen Boden. Die kleinere Gerſte gedeiht auch wohl auf lehmigem Sande, in Gegenden, wo das Klima nicht allzu— trocken iſt.„Ein muͤrber Boden, ſagt Burger, der das Mittel haͤlt zwiſchen Weitzen- und Rockenboden, iſt der wahre Gerſtenboden. Im ſuͤdlichen Deutſchland findet man die Gerſte uͤberall nur im buͤndigen Boden; aber in dem kuͤhlern noͤrdlichen Theile unſeres Reiches wird ſie auch im Sandboden gebaut.“ In der Gegend von Weimar, eines der geſegnetſten Gefilde, raͤumt man der Gerſte unbedingt den allerbeſten Boden ein. Ein Gerſtenland oder ein gutes Land ſind dort gleich— bedeutende Worte. Man hoͤrt daſelbſt gewoͤhnlich ſagen: das Land iſt zu gut fuͤr Weitzen! Oder: das Gut hat ſo ſchlech— ten Boden, daß er nichts als Weitzen und Hafer traͤgt! „Dieſe Aeußerung, ſagt Dr. Schweitzer, hat ihren guten Grund in der Erfahrung. Rocken gedeiht dort auf den 182 guten Gerſtfeldern ungleich ſicherer und beſſer als Weitzen, der nur mehlarme, oft brandige, Koͤrner vorbringt. Man bringt daher dieſen nur auf ganz ſchweren, thonigen Acker und auf hoch und kalt gelegene Felder, auf welchen der Ro⸗ cken faſt jedesmal auswintern wuͤrde.“ „Ein Boden, faͤhrt Derſelbe fort, der bey 2—3 und mehr pCnt. Kalk und 3— 4 pCnt. mildem Humus, eine ſteinfreye Ackerkrume, und einen durchlaſſenden nicht un⸗ fruchtbaren Untergrund hat, nicht von Naͤſſe leidet und eine warme Lage beſizt, der ſich faſt zu jeder Zeit gut bearbeiten laͤßt, durch Froſt- und Sonnenbrand in Staub zerfaͤllt, faſt nie zuſammenſchlaͤmmt, und doch nicht zu trocken iſt, ein Boden alſo, wie der beſte um Weimar, iſt unbezweifelt derjenige, welcher, ſeiner Natur nach, in der Regel mit keinem andern Sommergetreide ſo vortheilhaft, wie mit Gerſte benuzt werden kann, und daher auch, einzelne Faͤlle ausgenommen, mit keinem andern beſtellt werden ſollte, wenn er zumal in einem guten Duͤnger⸗ und Culturzuſtande erhalten wurde.“ §. 4. Stand in der Fruchtfolge. Die Gerſte liebt weniger ein fettes als reines Land. Einen folchen Stand kann ihr aber eine dreyfeldrige Koͤr⸗ nerwirthſchaft ohne reine Brache auf die Dauer nicht verſchaffen. Fruͤh geſaͤet, wie es die große Gerſte in der Regel ſeyn will, wird ſie einem Heere von Unkraut preis, und unterliegt ihm, wo nicht gejaͤtet wird, in Jahren, welche lezteres beguͤnſtigen. Sie, mehr als jedes andere Getreide, verdient unmittelbar auf behackte Brachfruͤchte zu folgen, um ſo mehr, als ihrem Schutze gewoͤhnlich der junge Klee 183 anvertraut wird. Weniger hat ſolches bey der kleinen Gerſte, der ſpaͤtern Beſtellung wegen, zu ſagen. Indeſſen muß man nicht glauben, daß die Gerſte nicht auch auf anderes Getreide, wie Weitzen, Rocken, Winter— gerſte, Dinkel, und zwar mit vorzuͤglichem Gedeihen folgen koͤnne. Wo nur immer der Boden in Kraft ſteht und rein gehalten wird, da kann der Folge wegen Gerſte gedeihen. In der ſo beruͤhmt gewordenen Grafſchaft Norfolk wird nicht viel weniger Gerſte nach Weitzen als nach Ruͤben ge— ſaͤet, und der genaue engliſche Beobachter Marshall ver⸗ ſichert uns, daß die Weitzengerſte ſich durchgehends vor der Ruͤbengerſte auszeichne. In der Pfalz hat die Gerſte nach Runkeln nichts vor der nach Spelz voraus. „Ich habe, ſagt Koppe, ſeit langer Zeit mein Au⸗ genmerk darauf gerichtet, ob die kleine Gerſtenart im Durch⸗ ſchnitt nach Kartoffeln oder nach Rocken beſſer gerathe; ich moͤchte aber, nach dem Erfolge vieler Jahre, bey gleicher Duͤngung, eher der Gerſte nach Brachrocken den Vor—⸗ zug geben.“ Eine große Vertraͤglichkeit dieſer Kornart, faͤhrt der— ſelbe Verfaſſer fort, mit ſich ſelbſt habe ich ebenfalls aus Erfahrung kennen gelernt. Ich hatte ehemals Nachbaren, die in ihren Woͤhrten keinen andern Fruchtwechſel beobach⸗ teten, als folgenden: 1 Erbſen, Lein und Kartoffeln, wozu geduͤngt wurde, 2. Gerſte, 3. Gerſte. Ich kann verſichern, daß die Gerſte ſtets einen guten Ertrag gab.“ Ein Gleiches verſichert Burger nach der Erfahrung von einem Schlachter. Wer aber auf einem mit Hederich verpeſteten Acker Gerſte nach Getreide oder nach Huͤlſenfruͤchten folgen laſſen will, der wird nicht ſelten Rechnung ohne den Wirth machen. 184 Als Folge nach dem Wintergetreide behauptet Schmalz, daß die Gerſte beſſer und ſicherer nach dem Rocken als nach dem Weitzen gerathe, ohngeachtet der Weitzen immer in kraftvollen Acker geſaͤet worden. Sollte nicht dazu beytra⸗ gen, daß das Land unter dem Rocken reiner als unter dem Weitzen bleibt? Oder ſollte bey ihm von Kleeweitzen Rede ſeyn? Man beobachtet, nach meinen geſammelten Erfahrun⸗ gen an vielen Orten, daß die Gerſte, welche nach Winter— getreide, das in Kleeſtoppel geſaͤet wird, nicht gut gedeihen will, und oft vom Wurmſtich leidet. Auf ſehr leichtem Boden ſaͤen einige Landwirthe in Norfolk, ſtatt des Weitzens, Gerſte in ihre zweyjaͤhrige Dreiſchfelder. „Dreiſchgerſte, ſagt ein Holſteiner, geraͤth zuweilen ganz vorzuͤglich; ſie nimmt aber den Boden zum Nachtheil aller folgenden Saaten außerordentlich mit, und ſchließt be⸗ ſonders eine auch nur mittelmaͤßige Wintergetreidaͤrndte aus, wenn nicht erſt wieder gebracht und ſtark geduͤngt wird.“ Unlaͤugbar gehoͤren die Kartoffeln zu den vorzuͤglichſten Vorgaͤngern, welche die Gerſte nur haben kann; doch glaube ich auch beobachtet zu haben, daß ihnen die Runkeln darin nichts nachgeben, und ſie noch wohl uͤbertreffen. In Eng— lands ſandigen Provinzen ſind es bekanntlich die Ruͤben, welche am meiſten dafuͤr geſchaͤzt werden. Wer aber weiß, wie ſorgfaͤltig bey den Englaͤndern das Feld dazu beſtellt, wie reichlich geduͤngt, wie fleißig behackt wird, und endlich daß die Ruͤben auf dem Felde ſelbſt von den Schafen ver⸗ zehrt werden, der wird ſich nicht wundern zu hoͤren, daß die Gerſte vorzuͤglich darnach einſchlage. Eine ſolche Cultur wird aber in Deutſchland, ſelbſt in den großen 185 Sandwirthſchaften Deutſchlands, ſo bald nicht heimiſch werden. Nachtheilig aber im hoͤchſten Grade fuͤr die Gerſte ſind die Ruͤben, welche zwiſchen ihr und dem Wintergetreide im Herbſte eingeſchoben werden, oder die ſogenannten Stop⸗ pelruͤben. Es herrſcht hieruͤber in allen Gegenden, die ich kenne, nur eine Sprache. Daher auch kein guter Wirth we⸗ der in den Niederlanden noch im Elſaß ſich eine ſolche Zwi— ſcheneinſchaltung, es ſey denn in der hoͤchſten Noth, erlaubt. „Wer, ſagen die Elſaßer, auch nur mit einem Ruͤbenſacke im Herbſte am Acker vorbeygeht, der ſieht es ſchon der Gerſte im folgenden Jahre an.“ Die Urſache davon liegt wohl nicht ferne. Gerſte und Ruͤben ſind beyde gleich gierig auf Humus. Ziehen nun die Stoppelruͤben als fruͤher gela⸗ dene Gaͤſte, die humoſen Theile, welche das Wintergetreide im Boden zuruͤckließ, an ſich: ſo hält die arme Gerſte nur ſparſam Tafel. §. 5, Duͤngen. Wie alle Gewaͤchſe, welche ein ſchnelles Wachsthum haben, iſt die Gerſte weniger um friſchen Dung, als alte Bodenkraft verlegen. Sie gedeiht in einem kraftvollen Acker in zweyter, ja dritter Tracht beſſer, als in einem ausge— tragenem Acker nach friſchem Duͤngen. Dabey wird die im fri— ſchen Dung, zumal die im Schafmiſt gewonnene von den Bier⸗ brauern nicht geſucht, da ſie bey dem Malzen nicht ſo ſchnell wie die ungeduͤngte Gerſte keimt. Auf jeden Fall darf erſtere nicht unter lezte gemiſcht werden. Geſchieht das, ſo wird das Malz zweylaͤufig. „Eine einmalige Duͤngung des rohen Landes, ſagt 186 Koppe, giebt in der Regel noch keine verhaͤltnißmaͤßige Gerſtenaͤrndte. Hingegen ſieht man nicht ſelten auf ſolchen Feldern, die in neunjaͤhriger Duͤngung ſtehen, noch gute vierzeilige Gerſte, wenn ſolche Grundſtuͤcke ſeit undenklichen Zeiten, wenigſtens regelmäͤßig alle neun Jahre geduͤngt wor⸗ den ſind.“ Hiervon, bitte ich meine Leſer, keinen Miß— brauch zu machen. Manches Beyſpiel zeigt gerade nicht, was man thun ſoll, ſondern was man im Nothfalle aus⸗ nahmsweiſe noch thun kann. Ein nur alle neun Jahre vor⸗ kommendes Duͤngen iſt ſchon allein zureichend bey einem Weſtdeutſchen Grauſen zu erregen. So was kann nur die Folge von den ungeheuer großen Wirthſchaften ſeyn, mit denen man in ſichern Gegenden ſich bruͤſtet und nur mit einem mitleidigen Lächeln auf Wirthſchaften von einigen hundert Morgen zuruͤckſieht!— Doch, Verzeihung! das gehoͤrte nicht hieher. Iſt der Boden in einem Zuſtande, daß er geduͤngt wer— den muß, und man will durchaus Gerſte ſaͤen, und iſt mit keinem ganz kurzem, ſtark verottetem Dung verſehen: ſo muß der Miſt vor Winter aufgebracht und untergepfluͤgt werden. Im Fruͤhjahre wird etwas tiefer mit dem Pfluge untergegriffen, als der Miſt liegt, und dieſer, der dann kurz genug geworden iſt, zur Hoͤhe gebracht. Gerathener moͤchte es wohl ſeyn nach Art der Pfaͤlzer, die auf etwas magern Boden geſaͤete Gerſte zu pfulen,(mit Jauche zu uͤberfahren) wenn ſie den Boden ſchon uͤberzogen hat. Man kann damit fortfahren, bis die Gerſte in Halme aufſchießt. Auch in England wird zur Gerſte nicht geduͤngt, ſelbſt nicht, wenn ſie nach Weitzen in dritter Tracht vorkoͤmmt. 187 Nur wenn die Gerſte des leichten Bodens wegen ſtatt des Weitzens in Dreiſche geſaͤet wird, pflegt man in Norfolk et— was Dung aufzubringen. Jedoch leidet auch dieſes in dem uͤbrigen England ſeine Abaͤnderungen. „In einigen Kleigegenden, ſagt A. Young, haben die Landwirthe ein beſonderes Syſtem bey dem Gerſtenbau. Sie ſommerbrachen ihr Land, und legen es fuͤr den Winter in drey Fuß breite Beete, mit guten Waſſerfurchen. Beym harten Froſt fahren ſie den Duͤnger auf, und laſſen ihn bis zur Saatzeit in Haufen liegen, wo ſie ihn dann vor dem Pfluge her ausſtreuen. Dieß iſt eine gute Art. Sie wird eben ſo bey Gerſte auf Bohnen⸗, Erbſen⸗, Wicken⸗, Kartoffel⸗ oder Ruͤbenland* beobachtet. Nachdem naͤmlich dieſe Fruͤchte im Herbſte eingeheimſt ſind, wird gepfluͤgt, das Land in Beete gelegt, und mit Waſſeerfurchen verſehen. Die Hauptſache dabey iſt, den Boden ſo vorzubereiten daß keine andere Fahre, als die Fruͤhlingsfahre mehr noͤ— thig ſey.“ Eine ſehr bemerkens- und nachahmenswuͤrdige Weiſe, das Land fuͤr die Gerſte zu gewinnen, hat ſtatt in der Pfalz. Sobald das Winterkorn, hier Spelz, das Feld geraͤumt hat, werden Wicken daruͤber hergeſaͤtt, und mit der Spelz— ſtoppel flach umgepfluͤgt. Man ſaͤet ſie gerne dicht, damit ſie nicht zu grobſtaͤnglich werden; wo ſie ſchweorer rotten wuͤrden. Sind ſie uͤber der Erde, ſo gipſt man, damit ſie recht rankig werden, und moͤglichſt geil wachſen. Nicht zur Benutzung, ſondern zur Verbeſſerung des Bodens beſtimmt, *) Warum aber nach Ruͤben dungen, da zu den Rüben ſelbſt in England, auch anderswo, ſo ſtark geduͤngt wird? 1883 läßt ſich der Pfäͤlzer, ſie ſeyen auch ſo uͤppig wie ſie moͤ⸗ gen, nicht verleiten, ſie dem Feld zu entwenden. Deßhalb ſobald der Froſt oder ein Reifen ſie zu druͤcken anfaͤngt, benuzt er eine naßkalte Witterung, die er eigens dazu waͤhlt, um ſie unterzupfluͤgen. Sollte er auch, von dem Winter uͤberraſcht, von dem unterpfluͤgen abgehalten werden: ſo aͤndert das nichts an ſeinem Entſchluſſe ſie auf dem Felde ſtehen zu laſſen, das ſie erzeugte. Reichlich moͤge einem ſolchen braven Manne die ſchoͤnſte Gerſtenaͤrndte lohnen! Sie thut es denn auch in der Regel, und namentlich wird eine ſolche Gerſte beſonders ſchwer, und ausnehmend gerne gekauft.— Wer unter den Dreyfelderwirthen Oh⸗ ren hat zu hoͤren, der hoͤrel!! Auf die ſo untergepfluͤgte Wickennarbe wird im folgen— den Fruͤhjahre ohne weiteres die Gerſte ausgeſaͤet, und flach eingepfluͤgt.— §. 6. Feldbehandlung. Wenn, wie ich im vorgehenden§. geſagt habe, die ſchnellwuͤchſigſten Pflanzen die meiſten humoſen Theile er— fordern: ſo muß auch der Boden durch die Bearbeitung ſo aufgeſchloſſen oder verkruͤmelt werden, daß die Wurzeln, von ihrem erſten Beginn an, ſich frey nach allen Seiten bewegen, vordringen und jene Theile ſammeln koͤnnen. Da⸗ bey ſind alle im Boden befindliche zur Pflanzennahrung ge⸗ eignete Theile nicht gerade in jenem vorgeſchrittenen Zu— ſtande von Reife, in welchem ſie allein faͤhig ſind, vom Waſſer aufgeloͤſt und von den Wurzeln der Gewaͤchſe einge⸗ ſogen zu werden. Soll aber der Humus dieſe Reife erlan⸗ gen, ſo muͤſſen ſeine Theile durch fleißiges Pfluͤgen und 1 89 Ruͤhren den Einwirkungen der Luft zugaͤnglich gemacht wer⸗ den. Hierzu geſellt ſich denn noch ferner der Beweggrund, der Gerſte die noͤthige Reinigkeit im Acker zu verſchaffen, indem ſie weniger als irgend eine andere Getreideart im Stande iſt, ſich mit einem zahlloſen Heere von Unkraͤutern herumzuſchlagen. „Bey keiner Kornart, ſagt Koppe, iſt die Bearbeitung des Landes ſo wichtig, als bey der Gerſte. Sie begruͤndet bey gleicher Bodenkraft haͤufig einen Unterſchied von 4—5 Koͤrnern, wenn ſie moͤglichſt fleißig gegeben wurde, und wenn die Witterung die Zerkleinerung und Muͤrbemachung auf alle Weiſe beguͤnſtigte.“ Es fragt ſich nun, wie und wann die Bearbeitung des Gerſtenfeldes zu unternehmen? Ueber wenige landwirthſchaftliche Vorrichtungen ſind die Meynungen und Erfahrungen weniger getheilt, als uͤber dieſe. Dieſe nicht' gewoͤhnliche Uebereinſtimmung begruͤndet die Regel: Dem Boden ſo viel moͤglich noch vor Winter die voͤllige Zubereitung zur Aufnahme der Gerſte im Fruͤhjahre zu geben. Bey Kartoffeln, die gehoͤrig behandelt worden, macht ſich die Sache von ſelbſt. Durch das Auspfluͤgen, oder Ausgraben in Verbindung mit dem darauf folgenden Eggen und zweyten Pfluͤgen, um die Knollen voͤllig zu gewinnen, köͤmmt das Land in einen ſo artbaren Zuſtand, daß es im folgenden Fruͤhjahre keines Pfluͤgens, und nur blos mehr eines tuͤchtigen Vereggens, oder vielſcharigen Schaufelns be— darf. Widerſinnig ſelbſt wuͤrde es ſeyn, eine durch den Winterfroͤſt ſo ſchoͤn gelockerte und durch die Luft gemilderte Erdkrume durch ein neues Pfluͤgen in die Tiefe zu ſtuͤrzen; 19⁰ unwirthſchaftlich wuͤrde es ſeyn zum Ruͤhren des Bodens ſich des langweiligen Pfluges zu bedienen, da dieſe Arbeit mit dem Vielſchaufler oder einer braven Egge in dem vier— ten Theile der Zeit abgefertiget werden kann. Bey den Runkeln haben dieſelben Vorrichtungen ſtatt. Auch die Behandlung des Feldes nach Wintergetreide weicht wenig von obigem ab.„In Ponitz, ſagt Schmalz, habe ich die ſchoͤnſte zweyzeilige Gerſte gebaut, wenn ich ſchon im Auguſt die Rockenſtoppel flach umpfluͤgen, ſpaͤter⸗ hin eggen, und im Spaͤtherbſte noch einmal ziemlich tief pfluͤgen ließ. In rauhen Furchen blieb der Acker uͤber Win⸗ ter liegen. Im Fruͤhjahre wurde geeggt, und ſpaͤter zur Saat gepfluͤgt. Einige Mal habe ich den vor Winter zwey— mal gepfluͤgten Acker, noch zweymal im Fruͤhlinge zur Gerſte pfluͤgen laſſen; aber die Vermehrung der Arbeit wurde nicht belohnt.“*) Uebereinſtimmend damit ſind die Erfahrungen Kop⸗ pe's.„Als Stoppelfrucht nach Weitzen oder Rocken, ſagt er, traͤgt die große Gerſte eben ſo reichlich als nach Hack— fruͤchten, wenn die Stoppel der ihr vorgegangenen Frucht bereits im September umgepfluͤgt und die zweyte Furche noch vor Winter gegeben wurde. Dieſes Verfahren erlaubt nicht nur eine fruͤhe Ausſaat der Gerſte, ſo gut wie nach Hackfruͤchten; ſondern man findet auch, daß nach einer ſol⸗ chen Beſtellungsart das Vorhergehen des Wintergetreides der Gerſte gar nicht nachtheilig ſey. Wer freylich dieſes fruͤhe *) Man ſehe jedoch um einige Seiten weiter nachwaͤrts das Gegen⸗ theil dieſer Meynung in der Behandlungsart der Norfolker und Al⸗ tenburger. 191 Stoppelſtuͤrzen nicht durchſetzen kann, ſondern ſolches erſt zu Ende Oktobers vollfuͤhrt: der muß nothwendig in den meiſten Faͤllen ſchlechte Gerſte aͤrndten, ſobald er ſie im April oder in der erſten Haͤlfte Maies ſaͤet. Bey einem ſo ſpaͤten Umbruch koͤnnen wegen der niedrigen Lufttemperatur die wohlthaͤtigen Veränderungen im Boden nicht erfolgen, die ihn empfaͤnglich zur Aufnahme fuͤr eine folgende Frucht machen muͤſſen. Bey der Wendefurche im Fruͤhjahre findet man dann Stoppeln und Gras unverrottet. Die Gewalt der Egge trennt die Schollen und Kloͤße in kleinere Stuͤcke; aber die durch Luft, Waͤrme und Feuchtigkeit allein zu be— wirkende Muͤrbigkeit fehlt, und ſo wird bey den im Fruͤh— jahre herrſchenden Nordoſtwinden die Gerſte gewoͤhnlich in ein rohes Land gebracht.“ Bey Speier(Pfalz) werden die Spelzſtoppel ſogleich nach der Aerndte geſchaͤlt, darauf das Feld vor und im Winter zweymal gepfluͤgt. Im Fruͤhjahre wird mit Aus— nahme des Saatunterpfluͤgens ſtatt des Eineggens auf da— ſigem ſandigem Boden) kein Pflug mehr gebraucht. Man ſieht hier das ſchnelle Umſtuͤrzen der Spelzſtoppel und das mehrmalige Pfluͤgen vor Winter als die erſte und nothwen— digſte aller Bedingungen an, um gute Gerſte zu haben. Bey Hr. Freytag in Speier gab, unter voͤllig gleichen Um— ſtaͤnden das vor Winter dreymal gepfligte Land 210 Gar⸗ ben und das nur einmal gepfluͤgte nicht mehr als 9o.— Bey Gerſte nach Kartoffeln haͤlt man ein einmaliges Vor⸗ winterpfluͤgen zureichend. Im Elſaß wird als eine Hauptbedingung, um gute Gerſte zu erhalten, angeſehen, daß die Weitzenſtoppel un⸗ mittelbar nach der Aerndte umgebrochen werde. Läßt man —=:ſſſſſſſſſſ“ 192 ſie auch nur vier Wochen unberuͤhrt liegen: ſo ſchlaͤgt die Gerſte darnach ſchon merklich zuruͤck. Vor Winter wird dann noch einmal gepfluͤgt. Die dritte und lezte Pflug— art hat endlich ſtatt, ſobald man im Fruͤhjahre zu Feld kann. Wo in der Pfalz keine Wicken als Gruͤndung zwiſchen Spelz und Gerſte im Herbſte eingeſchoben werden, muß das zukuͤnftige Gerſtenland zweymal vor Winter umgepfluͤgt werden. Bey den Stoppelwicken geſchieht es ohnehin zwey— mal; einmal zum Unterbringen der Wickenſaat, das andre⸗ mal zum unterfahren der ausgewachſenen Wicken ſelbſt. Alle dieſe Erfahrungen und landesuͤblichen Gebraͤuche werden durch die Verfahrungsart der Altenburger bekräͤftiget. Weitzen- und Rockenſtoppel werden geſchaͤlt, waͤhrend ſelbſt die aufgerichteten Garbenreihen noch auf dem Felde ſtehen. Man haͤlt dafuͤr daß dieſes ſo zeitige Schälen der Stoppel ſehr veel zu dem hohen Ertrag der Gerſte beytraͤgt, den man in dieſem Lande findet. In den warmen Auguſt- und Sep— tembertagen verfault die hohe Stoppel, welche man hier bey der Aerndte bis 10—12 Zoll uͤber der Erde ſtehen laͤßt, und dient ſtatt dem zugleich untergepfluͤgten Unkraut der Gerſte zum Duͤnger. Zugleich haben die Unkrautsſaamen noch Zeit zu keimen, und werden dann durch ſpaͤteres Pfluͤ⸗ gen, Eggen oder auch durch den Froſt vernichtet; endlich werden auch die Quecken und andere Wurzelunkraͤuter zerſtoͤrt. Sobald nun die Beſtellung der Wintergetreidſaaten, und das Abſtoppeln im Ganzen vollendet iſt, wird das laͤngſt geſchaͤlte Feld gepfluͤgt, nachdem es einige Zeit vorher ver⸗ eggt worden So bleibt der Acker in rauher Furche den Win⸗ ter uͤber liegen, und wird, ſobald es die Witterung im Fruͤh⸗ 193 Fruͤhjahre zulaͤßt, ſcharf vereggt und von guten Wirthen zum Zweytenmal geruͤhrt. Im Mai endlich hat die vierte und lezte Pflugart ſtatt, auf welche unmittelbar geſaͤet wird. Jedoch haͤlt Schmalz, wie ſchon geſagt worden, ein zwey⸗ maliges Pfluͤgen im Fruͤhjahre fuͤr ganz uͤberfluͤſſig. Wir werfen nun noch einen Blick auf das Ausland, und zwar auf das bierluſtige England! Da die Gerſte in Norfolk den Hauptgegenſtand daſiger Cultur macht, und dieſe Gerſte vor der aller uͤbrigen Ge⸗ genden Englands den Vorzug behauptet: ſo erlaube ich mir daſige Behandlung ſo vollſtändig anzugeben, wie ſie uns Marshal hinterlaſſen hat. Soll Gerſte in Norfolk nach Weitzen folgen: ſo fuͤhrt man Ruͤben, die auf andern Feldern gewonnen worden, auf die Weitzenſtoppel und laͤßt ſie daſelbſt von dem Maſtvieh verzehren. Die auf ſolche Weiſe tuͤchtig vertretene und durch die Auswuͤrfe des Viehes bereicherte Stoppel wird im Vor⸗ winter ſeicht umgefahren, und die Beete damit geebnet. Anfangs Maͤrz wird geeggt, und tief uͤber die Breite des Beetes gepfluͤgt: oder im Falle der Boden zaͤhe und die Witterung regneriſch iſt: ſo bildet man mit dem Pfluge die Beete gerade wieder ſo, wie ſie im vorhergehenden Jahre geweſen.— Im April wird geeggt, und zur vollen Tiefe in die Laͤnge des Feldes gepfluͤgt, ſo daß dadurch fuͤnf bis zehn Schritt breite Abtheilungen(flache Beete) entſtehen. Sobald die Zeit des Saͤens herangekommen, wird geeggt, gewalzt, geſaͤet, und der Saamen ſeicht mit dem Pfluge untergebracht, ſo daß dabey die Beetfurche nun in die Mitte der Abtheilung faͤllt. 3 Folgt die Gerſte nach Ruͤben: ſo wird gleich nach dem v. Schwerz Anleit. z. prakt. Ackerbau. II. Bd. 15 1 194 Wegbringen der leztern gepfluͤgt. Das Wegbringen der Ruͤ⸗ ben hat entweder im Spaͤtherbſte und Vorwinter, oder im Nachwinter ſtatt. Im erſten Falle wird nur geſchaͤlt, im zweyten zur vollen Tiefe gepfluͤgt, doch hat dieſes auch ſeine Abweichungen, je nach der Denkart der Wirthe. Manch⸗ mal ſaͤet man ſogar auf dieſe einzige Pflugart, und bringt den Saamen mit der Egge ein; weit oͤfterer aber wird noch zweymal nachgepfluͤgt. Es geſchieht nicht ſelten, daß das dreymalige Pfluͤgen in einer und derſelben Woche voll⸗ fuͤhrt wird. Ein ſolches Schlag auf Schlagpfluͤgen ſcheint zwar wenig rational, indem es dem untergepfluͤgten Unkraut keine Zeit geſtattet weder in der Tiefe zu rotten, noch in die Hoͤhe gebracht abzuſterben, noch dem Saamenunkraut zu keimen; wo uͤberdem ein guter Theil der Winterfeuchtigkeit, ſo wich— tig in dem Boden angehalten zu werden, verdunſtet*. Allein da auch die geſchickteſten Landwirthe bey dieſer Me⸗ thode bleiben, und der Erfolg ihre Guͤte bekraͤftiget: ſo laͤßt ſich mit Sicherheit ſchließen, daß dieſe braven Maͤnner, die *) Man duͤrfte daraus folgern, daß das Zuruͤckhalten dieſer Feuch⸗ tigkeit, fuͤr die Gerſte wenigſtens, nicht ſo gar nothwendig ſey, ünd das zwar auf Sandboden. Mit dieſem ſtimmt das, was Hr. v. Boͤnninghauſen in ſeiner Beſchreibung der Twenter Nockenwirth⸗ ſchaft ſagt, voͤllig uͤberein.„Man pfluͤgt, heißt es, den etwas niedrig gelegenen Boden zu jeder Frucht gern ſo fruͤh, als moͤglich, damit, wie der Twenter ſagt, der Winter herauskomme. Ich habe mich nur mit vieler Muͤhe uͤberzeugen laſſen, daß man hierunter wirklich die Winterfeuchtigkeit verſtehe, die man ſonſt ſo gerne zuruͤckzuhalten ſucht. Nur wiederholter Augenſchein hat mir uͤber die Richtigkeit dieſer Twentiſchen, recht empiriſchen Bauernregel keinen Zweifel uͤbrig gelaſſen.“ 195 uͤbrigens den Gerſtenbau aus dem Fundamente kennen, nicht blos zum Spaß das Feld zweymal mehr pfluͤgen als Noth thut. Sie fuͤgen manchmal noch gar eine vierte Pflugart hinzu, dann naͤmlich, wann die Witterung feucht iſt. Aus allem folgt, daß ſie von dem Nutzen der hoͤchſtmoͤglichen Zerkruͤmelung, beſſer zu ſagen Verpulverung des Bodens fuͤr den Gerſtenbau uͤberzeugt ſind. Das ſpaͤte Fruͤhjahr 1782 ſtellte das Wiſſen der Nor⸗ folker auf die Probe. Man ſezte das Land zweymal auf Beete, die nicht mehr als zwey Schnitte breit waren, um der Luft die groͤßtmoͤglichſte Oberflaͤche darzubieten, ſo daß 2—5 Tage gutes Wetter zureichten um ſaͤen zu koͤnnen, und der Boden wie Aſche bei der Behandlung zerfiel. Die angefuͤhrten Behandlungen haben auch bey der Zu⸗ bereitung der Weitzenſtoppelaͤcker ſtatt, mit dem Unterſchiede nur, daß die Verkruͤmelung durch den Pflug dann nicht ganz ſo nothwendig wird; weilen die Stoppeln und das Gewurzel des Weitzens mit dem Boden gemengt, denſelben loſer, alſo dem Durchdringen und Verbreiten der erſten Wurzeln geeigneter machen.—„Dieſes, ſagt Marshall, kann dienen um die ſonderbare Thatſache, warum die nach Weitzen geſaͤete Gerſte in der Regel die nach Ruͤben geſaͤete uͤbertrifft, zu erklaͤren*).“ Folgt die Gerſte in Norfolk nach zweyjaͤhriger Dreiſche: ſo wird dieſe im Herbſte umgebrochen, der Boden uͤbrigens ſo, wie von der Weitzenſtoppel geſagt iſt, behandelt. *) Das werden die reinen Fruchtwechſeler, die es fuͤr Frevel anſe⸗ hen die Gerſte, ohne Zwiſchenkunft einer Brach⸗ oder Hackfrucht nach Weitzen folgen zu laſſen, nicht gerne hoͤren! 196 Eine vorlaͤufige vollſtaͤndige Zubereitung des Bodens vor Winter diene alſo als Grundſatz bey der Gerſte. Unterdeſ⸗ ſen iſt es uns nicht immer gegeben, das Beſſere thun zu koͤnnen. Wo ſtarker Haferbau getrieben wird, iſt der Land⸗ wirth mehr darum verlegen, vorlaͤufig fuͤr dieſen zu ſorgen, da die Gerſte noch beſſer als der Hafer das ſpaͤtere Saͤen vertraͤgt. Oft ruͤckt die Kaͤlte heran, bevor man voͤllig mit der Vorbereitung zum Hafer in Ordnung iſt. Da muß die Sorge fuͤr die Gerſte auf das Fruͤhjahr verwieſen werden, und man muß ſich blos mit dem Schaͤlen der Stoppeln vor Winter begnuͤgen; alsdann aber bleibt es rathſam nur kleine Gerſte zu nehmen, welche fuͤglich noch in der erſten Haͤlfte des Inni geſaͤet werden kann. S. 7. Saatzeit. Je nachdem eine und eben dieſelbe Gerſtenart fruͤh oder ſpaͤt geſaͤet wird, heißt man ſie Fruͤh- oder Spaͤtgerſte. In⸗ deſſen iſt es wahr, daß die kleine oder vierzeilige Gerſte die ſpaͤtere Einſaat beſſer als die große oder zweyzeilige zu ih⸗ rem vollkommenen Gedeihen vertraͤgt, aber nicht, daß ſie das ſpaͤtere Einſaͤen nothwendig dazu erheiſcht. Es koͤmmt daher bey der Beſtimmung der Saatzeit nicht ſowohl auf die Gerſtenart, als auf andere Umſtaͤnde an. Vor allem muß der Boden wohl und vollſtaͤndig zube— reitet ſeyn, und das bleibt dabey die Hauptſache. Die zweyte iſt eine guͤnſtige zur Gerſtenart geeignete Witterung. Hat man beyde erreicht, ſo wuͤrde es thoͤricht ſeyn zum Mai oder gar zum Juni zu verſchieben, was man im April, oder ſelbſt im Maͤrz thun kann; um ſo mehr als die fruͤhere Gerſtenſaat in der Regel die beſte iſt, und die reich⸗ 197 ⸗ lichſten Aerndten zu Folge hat, wie auch A. Young be⸗ merkt. 8 Je durſtiger an ſich der Boden, und je trockner das Klima einer Gegend iſt, um ſo wichtiger iſt das fruͤhe Saͤen der Gerſte, um die Feuchtigkeitsreſte des Winters fuͤr ſie zu benutzen; um ſo leichter faͤllt auch die Ausfuͤhrung einer fruͤhen Beſtellung, indem Boden und Klima ihr nicht jene Hinderniſſe in den Weg legen, welche ſich auf ſchwerem thonigem Boden vorfinden, und die durch ein regneriſches Klima noch um Vieles vermehrt werden. Außer der Unmoͤglichkeit, worin auch der thaͤtigſte Land⸗ wirth ſich manchmal befinden kann, ſein Feld zu einer fruͤ— hen Saat fertig zu machen, giebt es auch wohl noch an— dere Umſtaͤnde, die ihn dazu vermoͤgen koͤnnen. Dahin ge— hoͤrt unter andern ein mit Saamenunkraut, namentlich mit Hederich, verpeſteter Acker. Hat man dieſes fatale Un— kraut nicht vor Winter ein paarmal zum Keimen bringen koͤnnen: ſo muß man ſolches im Fruͤhjahre zu thun ſuchen. Zum Keimen aber gehoͤrt Zeit und ein gewiſſer Grad von Waͤrme, mit einem Worte der ſchoͤne Maienmond. Wenn in einem Lande wie das Elſaß die Gerſte ſo furchtbar von jenem heilloſen Feinde bekaͤmpft wird; wenn ſie ihm nicht ſelten gänzlich unterliegt: ſo weiß ich es keiner andern Urſache zuzuſchreiben, als dem ſehr fruͤhen Saͤen bey daſiger Dreyfelderwirthſchaft in Verbin⸗ dung mit der Vernachlaͤſſigung des Jaͤtens oder der reinen Brache. Iſt der Pfaͤlzer gluͤcklicher bey ſei— ner fruͤhen Saat, ſo hat er ſolches ſeinem Fruchtwechſel zu verdanken. Beyde ſind indeſſen bey ihrer fruͤhen Einſaat durch Boden und Klima begruͤndet. 198 Wir gehen nunmehr zu den einzelnen Beyſpielen uͤber. Sowohl im Elſaß als in der Pfalz ſaͤet man die Gerſte, wo moͤglich ſchon im Hornung, ohne ſich um die Naͤſſe im Boden zu bekuͤmmern; man ſucht vielmehr befliſſentlich die— ſelbe dazu zu benutzen. Die Elſaſſer lieben es, wenn das Waſſer bey dem Unterpfluͤgen des Saamens dem Pfluge nach⸗ laͤuft. Sie finden, daß die bey trockner Zeit geſaͤete Gerſte um ein merkliches ſchlechter wird. Daher bey ihnen das Spruͤchwort: Wer Rocken unterſtaͤubt Die Gerſte unterkleibt(einſchmiert), Den Weizen ſaͤet in Schollen, Der hat Alles im Vollen. Daß jenes Einſchmieren, welches, der allgemeinen Er⸗ fahrung nach, der Gerſte ſo ſehr zuwider iſt, nur von ei— nem Boden, der beym Abtrocknen ſich nicht verklebt, ſon⸗ dern zerfaͤllt, verſtanden werden koͤnne, beweiſt das abwei⸗ chende Beyſpiel in einer andern Gegend deſſelben Landes, die zaͤheren Boden hat.„Zu dem Saͤen des Sommergetrei⸗ des, ſagt Schroͤder, waͤhlt der Landwirth bey mir gutes Wetter. Wird die Gerſte eingeſchmiert, ſo iſt ſie mehr als zur Haͤlfte verloren; dann da jedes Korn mit einer Kruſt uͤberzogen und daher bey erfolgtem trocknem Wetter gleich⸗ ſam eingemauert wird: ſo kann die Blattſpitze dieſe Borke nicht durchdringen. Das Wetter muß alſo gut und der Bo⸗ den etwas abgetrocknet ſeyn, wenn bey uns geſaͤet werden ſoll.“— Wenn man deßhalb in der mittlern Ebene des Elſaſſes gegen den halben Maͤrz, auch noch fruͤher ſaͤet: ſo faͤllt die Saatzeit nach dem Gebirge zu um einen Monat ſpaͤter. 7 199 In der Pfalz, ſowohl dieß⸗ als jenſeits des Rheins, ſaͤet man gerade ſo fruͤh wie im Elſaß. Was man gegen eine ſo fruͤhe Einſaat, wie die im Maͤrz, einwenden koͤnn— te, waͤre die nachtheilige Einwirkung, welche der ſpaͤtere Froſt darauf hervorbringen koͤnnte; allein haͤufige Erfahrun⸗ gen beweiſen deſſen Unſchaͤdlichkeit. Im Jahr 17838 ſchneite und fror es im Elſaß unmittelbar auf das Saͤen und es gab vorzuͤgliche Gerſte. 1813, wo wir im Fruͤhjahr noch ei— nen ſehr ſtarken Froſt hatten, war die Gerſte ſchon allent— halben geſaͤet und zum Theile im Hervorſproſſen, ohne daß ihr die Kaͤlte im geringſten nachtheilig geweſen waͤre. Sie lagerte nachher vor Ueppigkeit. Auch Burger erklaͤrt ſich fuͤr eine fruͤhe Einſaat. „Fruͤhgeſaͤete Gerſte, ſpricht er, giebt nach meiner und al— ler Landwirthe Erfahrungen ein vollkommeneres Korn als ſpaͤ⸗ ter geſaͤtte. Um daher die Saat der großen Gerſte ſo zeit— lich als moͤglich machen zu koͤnnen, wird der Acker im Herbſte vollkommen zubereitet, und bleibt uͤber Winter in rauher Furche liegen. Im Fruͤhlinge wird blos uͤbereggt, geſaͤet und extirpirt.(Das heißt der Saamen vielſcharig unterge— bracht.) Man kann die Gerſte zur Noth ſehr ſpaͤt, ja die kleine ſelbſt noch in der erſten Haͤlfte des Juni ſaͤen. Man verſchiebt aber die Saat der großen Gerſtenarten nicht leicht uͤber den Ablauf des erſten Drittels des Maimonats. Tro— ckene Aecker werden in den beſten Wirthſchaften im März, naſſe aber im Mai beſaͤet; denn es vertraͤgt die Gerſte die Naͤſſe keineswegs, und man muß dem Acker Zeit laſſen ſich derſelben zu entledigen, ehe man ihn damit beſtellt.“— Welchen Unterſchied in Bezug auf lezteres der Boden machen koͤnne, haben wir bey dem Verfahren der Elſaſſer geſehen. 1 200 In den Angaben der Englaͤnder uͤber die Zeit der Ger⸗ ſtenſaat kreuzet ſich die Meynung A. Voungs mit dem Ge— brauche, den uns Marshall, dieſer puͤnktliche Zeuge, von den Norfolkern angiebt. Ich fuͤhre beyde um ſo lieber hier an, als der Gerſtenbau in England mit mehr Sorgfalt als irgendwo betrieben wird. „Der Maͤrz, ſagt Arthur, iſt der paſſendſte Monat, um die Gerſte in die Erde zu bringen. Spaͤter geſaͤete kann ſehr eintraͤglich ſeyn; unter gleichen Umſtaͤnden aber wird die Maͤrz⸗Gerſte doch den Vorzug verdienen.. Ich will zwar nicht behaupten, daß der April durchaus unſchicklich dazu ſey; wenn aber Boden, Bearbeitung, Kraft u. ſ. w. gleich ſind: ſo wird die Maͤrzſaat in einem Durchſchnitte von mehreren Jahren 4 Bushel(anderthalb Hektoliter vom Hektar) mehr geben, als die Aprilſaat... Jedoch will ich nicht ſagen, daß alle im Maͤrz geſaͤete Gerſte gut gerathe. Die Hauptſache beym Saͤen jeder Frucht, der Gerſte aber vorzuͤglich, iſt, daß das Land trocken genug ſeye. Oft geht der Maͤrz voruͤber, ohne daß man einen Zeitpunkt findet, wo man naſſes Land pfluͤgen kann*5). In ſolchem Falle kann die Gerſte nicht geſaͤet werden. Deßhalb paßt der Rath, ſie im Maͤrz zu ſaͤen, immer nur unter der Vor— ausſetzung, daß das Land trocken genug zum Pfluͤgen ſey. Gerſte nach einer Sommerbrache auf ſchwerem Boden ſollte, ſobald dieſer trocken genug iſt, entweder im Februar oder Maͤrz auf eine Furche geſaͤet werden.“ „Alle Gerſte, faͤhrt Voung fort, welche im Maͤrz nicht *) Ein Beweis fuͤr die Nuͤtzlichkeit der Zubereitung des Ackers vor Winter! 201 geſaͤet iſt, ſollte noch in der Mitte Aprils in der Erde ſeyn. Ich ſetze voraus, daß das Land ſchon im Herbſte bereit liegt, ſo daß die Einſaat— nach der alten und gewoͤhn⸗ lichen Methode des Pfluͤgens— auf die Fruͤhjahrsfurche ge⸗ ſchieht. Mehrere Furchen im Fruͤhjahre zu geben, halte ich nur in dem einzigen Falle fuͤr rathſam, wo das Feld uͤber Winter ſo-feſt geworden iſt, daß es bey der erſten Furche nur in Klumpen zerbricht.— In einigen Gegenden⸗ ſchie⸗ ben die Landwirthe das Saen bis in die lezte Woche des Aprils oder bis zu Anfang Mai auf, um Zeit zu drey Fruͤhlingsfahren zu gewinnen; allein ſie verlieren dabey mehr durch das ſpäte Saͤen, als ſie durch die mehrere Bearbei⸗ tung ihres Feldes gewinnen. Wenn Klee ein Hauptgrund dieſes Verfahrens, und das Land dazu nicht fein genug iſt: ſo muß freylich die Einſaat verſchoben werden. Es iſt die⸗ ſes aber nur die Schuld einer ſchlechten Wirthſchaft; denn ſolche Falle muß man vorherſehen, und alles nicht mit Fruͤchten beſezte Land ſchon im Herbſte zureichend pfluͤgen. Ein guter Landwirth muß ſich die groͤßte Muͤhe geben, ſtreitende Umſtaͤnde zu vereinigen, wenn ſie nicht ganz vermieden werden koͤnnen.“ „In dem neuern Syſtem*), das Fruͤhjahrspfluͤgen ganz zu vermeiden, verbunden mit einer der Bindigkeit des Bodens angemeſſenen Sorgfalt, verlaͤßt man ſich auf die *) Der liebe Leſer vergebe mir, wenn ich Young ſo lange fort⸗ ſprechen laſſe! Ich moͤchte nur die belehrenden Worte dieſes großen praktiſchen Mannes nicht gerne fallen laſſen, ſondern ſie zu ſeinem und meinem Dienſte beſtens zu verwenden ſuchen. Youngs Worte werden den Leſer uͤbrigens mehr, als meine eigenen anfprechen. 202 Verpulverung durch den Froſt. Das Hauptſtreben iſt, die Oberflaͤche vor Winter ſo zu bereiten, daß gleich nach ſel— bem hineingeſaͤet werden darf. Wenn das Wetter im Maͤrz nicht guͤnſtig, oder die zu beſaͤende Breite zu groß war, um bey guͤnſtigem Wetter alles zu beendigen, oder wenn Un— kraut auf dem Gerſtenacker ſich zeigte, das erſt vielſcharig abgeſchaufelt werden muß, ſo vollende man die Einſaat im April.⸗. Es bleibt, wie mir ſcheint, wenig uͤbrig, was man jenen weiſen Beachtungen You ngs noch hinzufuͤgen koͤnne. Indeſſen ſtimmen, wie geſagt, die Gebraͤuche der Norfol— ker, dieſer großen Gerſtbauer, auf ihrem leichten Boden nicht damit uͤberein.„Man ſaͤet, berichtet Marshall, die Gerſte erſt ſpaͤt, faͤngt nicht leicht vor dem halben April damit an, und ſezt ſie bis zur Haͤlfte des Mais fort. Man richtet ſich bey der Einſaat mehr nach der Temperatur, als nach dem Calender. Noch bevor Linnaͤus angab, ſich mit der Fruͤhlingsſaat nach dem Blatttreiben ſicherer Holzarten zu richten, beobachtete man in Norfolk ſchon ein Spruͤch— wort, nach welchem die Gerſtenſaat dann vollendet ſeyn muß, wenn die Knospen der Eiche ſich oͤffnen, um dem Austritte der Blaͤtter Luft zu verſchaffen.— Im Jahr 1782 ſaͤete man bis in den Juni noch Gerſte mit Erfolge.“ Nicht blos die Zeit, ſondern auch die Witterung des Tages, an dem man zu ſaͤen gedenkt, iſt nicht gleichguͤl— tig bey der Gerſte. Sieht man Regen an ſelbem Tage vor— aus, der alſo fallen kann, bevor die oberſte, immer etwas friſche, Krume nach der Einſaat abgetrocknet iſt: ſo thut man beſſer, das Saͤen fuͤr den Tag auf thonigem Boden zu unterlaſſen, oder hat man ſchon angefangen, und es 203 will regnen, die Arbeit ſogleich zu unterbrechen. Weniger indeſſen hat erſteres bey dem Unterpfluͤgen des Saamens als bey dem Eineggen deſſelben zu ſagen; da das gepfluͤgte Land ſchneller wieder abtrocknet als das geeggte, und da ohnehin erſteres noch geeggt werden muß, welches ſich ohne Anſtand um einige Tage verſchieben läßt. Die Kurländer beobachten bey der Gerſtenſaat einen ge— wiſſen Luftzuſtand, dem ſie den Namen: die Erde bluͤ⸗ het, geben. Dieſes Bluͤhen, ſagen ſie, laſſe ſich nicht mit Worten ausdruͤcken, noch in der Stube, ſondern blos auf dem Felde, beſonders des Morgens fruͤhe wahrnehmen. Bemerkt man dann nahe uͤber der Oberflaͤche der Erde wie eine wallende Bewegung der Duͤnſte, welche nicht leicht an⸗ ders als bey heiterm, warmem Wetter ſtatt hat: ſo iſt der guͤnſtige Tag zur Gerſtenſaat da. §. 8. Staͤrke der Einſaat. Hektoliter. Man ſaͤet auf den Hektar im Elſaß. 3,38 bey Moͤllinger, Pfalzz. 2,02 im Altenburg'ſchen... 2,21 Graf Podewils ein Bruch in erſ und zwey⸗ ter Tracht..... 3,20 zu Hohenheim nach Kartoffeln und Dinkel.2,25 Dr. Burger nach Kartoffeln... 3,14 Derſelbe nach Mais, zufaͤllig.... 4, 28 Schwerz nach Rapspflanzen.. 2,28 Derſelbe nach Mohren.. 3,90 Maasgegend..... 2,13 Norfolk nach Marshall„ 2,92 England nach Begtrupg 2,67 Hektoliter. ebenda nach ſelben 3,50 A. Voung fuͤr geduͤngte Aecker.... 2,65 Derſelbe fuͤr nicht geduͤngte.......80 In ſeinem Farner Calender nimmt derſelbe an fuͤr leichten Boden.... 1,78 bis 2,67 Im Durchſchnitte verſchiedener Bodenarten, daſelbſt........2,6, bis 3,5) Allgemeiner Durchſchnitt 3 Hektoliter. Welchen Unterſchied die Kraft des Bodens, und ſeine Vorbereitung in Bezug auf die Ausſaat der Gerſte hervor— bringen, darf nicht erſt geſagt werden. Zufaͤllig aber kann man ſich auch bey einer noch ſo wohl berechneten Stärke der Ausſaat doch noch truͤgen, da die Witterung auf eine Pflanze von ſo ſchnellem Wuchſe, wie die Gerſte, einen ſo großen Einfluß hat. Oft wird man wuͤnſchen mehr oft weniger geſaͤet zu haben. So ſcheint die fuͤr Hohenheim angegebene Ausſaat etwas zu geringe, und doch war ſie 1823 noch zu ſtark. Die Gerſte lagerte ſtark, ohne welches man ſie wohl unuͤbertrefflich hätte nennen koͤnnen. 1822 haͤtte ich ge⸗ wuͤnſcht, daß ſie um ein Drittel dichter geſaͤet worden waͤre. So wahr iſt das Spruͤchwort: Der Bauer wird immer um ein Jahr zu ſpaͤt weiſe! A. Young machte den Verſuch bis 6,77 Hektoliter in ungeduͤngtes Feld zu ſaͤen, und gerade da erhielt er den hoͤchſten Ertrag. Das war gut fuͤr ein Jahr. Auch Bur— ger erhielt von der angefuͤhrten zufaͤllig ſtaͤrkern Einſaat den hoͤhern Ertrag. Der Ertrag, den ich ſelbſt bey 3,90 Hek⸗ toliter Einſaat von einem nicht allzufetten Moͤhrenlande er— hielt, verhielt ſich zu dem, der bey 2,28 Einſaat von einem 205 fetten Rapspflanzenland hervorgieng, an Koͤrner wie 52 zu 51 und an Stroh wie 208 zu 187. Dr. Burger iſt geneigt zu glauben, daß man die Gerſte im Allgemeinen dichter ſaͤen koͤnnte. Dieſer Mey— nung iſt das Altenburg'ſche Spruͤchwort nicht hold, das ſich ſo ausdruͤckt:„Wer uͤber Winter zu duͤnn, und uͤber Som— mer zu dick ſaͤet, braucht ſeine Scheune nicht groͤßer zu machen.“ Im Elſaß nimmt man ein Drittel Gerſte mehr, als man Weitzen nehmen wuͤrde. Dieſes ſtimmt genau mit dem medium der Einſaat, welches ich fuͤr beyde Ge⸗ treidearten angegeben habe. §. 9. Unterbringen der Saat. Solches geſchieht entweder mit dem Pflug oder mit der Egge. Jedes hat nach den Unſtaͤnden ſeine Vorzuͤge. Durch das Unterpfluͤgen koͤmmt die Saat beſſer in den Boden, erhalt ſich daher feuchter und geht gleichfoͤrmiger auf. Einen unverkennbaren Vortheil hat es bey der Spaͤtgerſte, die Ende Mais uͤber den fruͤher geebneten, nun mit Saa— menunkraut(zumal Hederich) beſchlagenen, Boden geſaͤet, und dieſes mitſammt der Gerſte untergeackert wird. Koͤnnte dieſes Unkrauttilgeu auch eben ſo gut durch den vielſcharigen Schaufeler geſchehen: ſo waͤre es doch der Gerſte nicht ſo vortheilhaft, da die Erdkrume dadurch zu ſtark austrocknet. Auf allem leichtem Boden, ſo wie bey anhaltend trock⸗ ner Witterung iſt das Einpfluͤgen des Gerſtſaamens uͤberaus wohl angebracht. Wir finden es daher auch in den mehr windigen, oder ſandigen, Gegenden, auf Boden, der leicht austrocknet, wie in der Pfalz, dem Elſaß u. ſ. w. So macht darin die ſandige Provinz Norfolk eine Ausnahme 206 von allen andern Gegenden Englands, welche leztere die Gerſte eineggen, ſtatt daß ſie in Norfolk eingepfluͤgt wird. Auf ſchwerem Boden hingegen, bey einem feuchten Zu— ſtande des Ackers oder der Jahreszeit, auch bey dringender Arbeit tritt das Eineggen des Saamens in ſeine Rechte ein. Daher ſieht man oft beyde Vorrichtungen neben einander in derſelben Gegend beſtehen. Auf dem Erdſtriche des El⸗ ſaſſes, wo der koſtbare Boden die Mitte zwiſchen dem leich⸗ ten und ſchweren Boden haͤlt, pflegt man beyde Methoden zugleich anzuwenden, das heißt man ſaͤet zuerſt des Saa⸗ mens aus und pfluͤgt ſolches unter; ſaͤet dann die uͤbrigen % uͤber den Acker her, eggt ſie ein. In wie weit als ſol⸗ ches nuͤtzlich iſt, weiß ich nicht zu ſagen, glaube aber, daß wenn dabey die Gerſte nicht zweylaͤufig wird, ſolches blos durch das fruͤhe Saͤen(hier Anfangs Maͤrz oder Ende Hor— nungs) verhindert werden koͤnne. Auch in Norfolk eggt man nach Marshalls Zeug⸗ niß die Gerſte bey naſſer Witterung ein, jedoch nur aus Noth, indem man daſelbſt dem Einpfluͤgen bey weitem den Vorzug giebt. Will man auf trocknem Boden und bey trockner Wit⸗ terung Gerſte ſaͤen, und ſie eineggen: ſo muß das Land unmittelbar vor der Saat, wiewohl ſeicht gepfluͤgt werden. Man wirft den Saamen uͤber den rauhen Acker, und bringt ihn mit der ruͤckwaͤrts eingehenkten Egge, alſo mit ſchleifen⸗ den Zinken**, uͤber die Laͤnge und Breite des Feldes fah⸗ rend, unter. Darauf wird leicht gewalzt, vorwaͤrts geeggt, und wieder leicht zugewalzt. —— *) Ich bemerke, daß ich nur eine Egge, die ſchraͤg eingelaſſene Zinken hat, fuͤr eine gute Egge anerkenne. 2⁰7 Die Weiſe der Kurlaͤnder, am Abend im Thau zu ſaͤen, und am andern Morgen, mit Tages-Anbruch ſchnell einzupfluͤgen, oder auch wohl einzueggen, kann nicht anders als hoͤchſt erſpießlich bey trocknem Wetter ſeyn. Das Saat— korn, ſagen ſie, werde vom Thau erweicht; die Feuchtigkeit werde nicht von Sonne und Wind dem Boden entzogen; wenn man dafuͤr ſorgt, daß die Arbeit bis zur Mittags⸗ ſtunde vollendet ſey.„Auf dieſes im Thau ſaͤen, ſagt Thaer, haͤlt der Landmann an manchen Orten viel und der um die nordiſche Landwirthſchaft ſo verdiente Probſt Luͤder empfahl es dringend.“ Wie nachtheilig eine duͤrre Zeit bey der Gerſtenſaat iſt, belehrte uns das trockne Fruͤhjahr 1822. Die Gerſte wurde zweylaͤufig und blieb zum Theile ganz aus. Man konnte es dem Gerſtenfelde den ganzen Sommer anſehen, welcher Theil an demſelben Tage Morgens und welcher Nachmit— tags beſaͤet und eingeeggt worden war. Ich halte deßhalb die angefuͤhrte Methode der Kurlaͤnder unter aͤhnlichen Um— ſtaͤnden fuͤr hoͤchſt wichtig. Das Unterbringen der Gerſte mit dem vielſcharigen Schaufler, ſowohl dem Fellenberg'ſchen, als dem beſſern, dem Arndt'ſchen Saatpflug aͤhneluden, Hohenheimer, hat auf demſelben Felde gegen das mit der Egge nicht den ge— ringſten Vortheil, weder beym Aufkeimen, noch in der Folge bewieſen, und nur den Nachtheil gehabt, daß es langſamer damit als der Egge zugehe. Ich bin uͤberzeugt, daß wer mit einer guten brabant'ſchen Egge verſehen iſt, die Abwe— ſenheit eines Extirpators, ſehr wenige Faͤlle ausgenommen, nicht vermiſſen wird. Nach dem Einpfluͤgen des Saamens wird das Ueber— 2⁰8 eggen der rauhen Oberflaͤche nothwendig. Es kann ſolches ſogleich, oder einige, ja noch acht Tage nach der Einſaat geſchehen. Im leztern Falle muͤrbt die Krume ſich beſſer, und faͤllt bald nach der Saat Regen ein, ſo beſchlaͤgt der Boden nicht, oder das beſchlagene wird ſpaͤter durch die Egge wieder geloͤſt. Nur bey ſehr trockner Witterung moͤchte ich das Eggen gleich hinter dem Pfluge vorziehen, weil die Feuchtigkeit dadurch beſſer zuruͤckgehalten wird. Noch fuͤr beſſer aber halte ich unter ſolchen Umſtaͤnden ſtatt der Egge die Walze ſogleich zu gebrauchen, und die Egge erſt nach einigen Tagen folgen zu laſſen. Man habe den Saamen nun mit der Egge oder dem Pfluge untergebracht: ſo iſt das Beſchlagen(Zuſchlaͤmmen) des Bodens durch einen etwas ſtarken, beſonders einen Platz⸗ regen, bevor die Gerſte aus der Erde hervorſticht, derſelben außerordentlich nachtheilig. Iſt ſolches aber geſchehen, ſo muß das Feld, die Gerſte mag ſchon im Keimen, oder nicht, begriffen ſeyn, aufgeeggt werden, um die Borke zu durchbrechen, ohne welches die im Boden kruͤmmenden Blatt⸗ ſpitzen nicht hervor koͤnnen. Dagegen habe ich beobachtet, daß, wenn dieſe Spitzen ſchon uͤber der Erde ſind, und das Feld durch Ueberſchwemmung mit Erde bedeckt wird, reichte ſie auch uͤber die Hoͤhe der Blattſpitzen hinaus, die ſelbe doch durchwachſen, wahrſcheinlich weil dieſe nun ſchon mehr erſtarkt ſind, vielleicht auch weil ſie nun einmal die rechte Richtung haben. Wenn das Walzen des Ackers gleich nach dem Unter⸗ bringen der Saat auf einem feuchten ſchweren Boden, und bey feuchter Witterung auch auf jedem andern, unterbleiben muß: ſo iſt es um ſo vortheilhafter unter allen andern Um⸗ ſtaͤnden. 2⁰9 ſtänden. Mit wenigen Ausnahmen wird die Gerſte allent— halben gewalzt; doch haͤufiger wenn ſie etwa einen Finger lang uͤber der Erde iſt, als gleich nach der Einſaat. Sind aber die Umſtaͤnde der Zeit guͤnſtig: ſo halte ich lezteres fuͤr vortheilhafter. Im Jahre 1821 ließ ich Verſuchshalben ei⸗ nen Theil des Gerſtenackers ſogleich nach der Einſaat wal⸗ zen, den andern ſpaͤter. Der Unterſchied war ſo auffallend, daß man die zuerſt gewalzte Gerſte fuͤr vierzehn Tage aͤlter gehalten haͤtte, und dieſer Vorſprung und das beſſere An⸗ ſehen derſelben ließ ſich bis zur Aerndte beobachten. Dabey hat dieſe Methode den Vortheil, daß man das Walzen ja auch noch ſpaͤter, bey gelaufener Gerſte nachholen kann, wenn man durch Umſtaͤnde fruͤher daran gehindert worden. Nach mehrerern Erfahrungen kann ich das Walzen des Ger⸗ ſtenfeldes gleich nach der Saat nicht genug empfehlen. Ich fuͤhre hieruͤber noch einen Gewaͤhrsmann an.„Ei⸗ nen unkrautloſen Acker, ſagt Schmalz, ſogleich nach der Gerſteneinſaat zu walzen, habe ich vortheilhaft gefunden. Die Feuchtigkeit des Bodens entwich weniger, das in die Erde gedruckte Saamenkorn keimte ſchneller, das Pflaͤnzchen deckte die Oberflaͤche ſchneller, und beſchattete ſich fruͤher, als wenn man gar nicht, oder erſt ſpaͤt gewalzt haͤtte. Man glaubt zwar, daß der Boden, welcher mit Unkraut be⸗ haftet, nicht ſogleich gewalzt werden ſollte, um lezteres nicht zu beguͤnſtigen; allein ich denke, daß das Unkraut auch ohne Walzen zurecht kommt, und daß das, was dem Un⸗ kraut frommt, auch der Gerſte frommen moͤge.“ §. 10. Wartung der Saat. Kaum ſticht die Gerſte hervor, als ſich auch ſchon der grauſige Hederich blicken laͤßt. Klein beym Entſtehen und v. Schwerz Anleit. z. prakt. Ackerbau. II. Bd. 14 210 wenig von der Gerſte, wie von ihrem Beſteller geachtet, waͤchſt der erklaͤrte Feind im Stillen heran, und dro⸗ het, wo ihn Nachtfroͤſte oder Erdfloͤhe nicht zerſtoͤren, der Gerſte des Dreyfelderwirthes den Untergang. Aber auch die Wechſelwirthe kommen nicht ſo ungehudelt davon, als ſie ſich ſolches, ihrem Syſteme zu Folge, verſprechen moͤchten. Es mag ſeyn, daß es ſo gluͤckliche Gegenden, Lagen, oder Bodenatten giebt, wo das Unheil unbedeutend iſt, und die moͤgen ſich Gluͤck wuͤnſchen, und andere ehrliche Leute be⸗ dauern, die gleichen Vortheil nicht mit ihnen theilen. Die⸗ ſen leztern, in ſoferne ſie ihre Koͤrnerwirthſchaft nicht ver⸗ aͤndern koͤnnen, oder wollen, bleibt nichts uͤbrig als Jaͤten. Wem dieſes Wort Schrecken einjagt, den verweiſe ich auf einen der folgenden Baͤnde dieſer Schrift. 2 Nan muß aber die Folgen dieſes Uebels nicht kennen, wenn man vor den Mitteln ihnen zu wehren zuruͤckſchreckt. Man jäͤtet in England, in den Niederlanden und in Hohenheim. Es geſchieht Anfangs Juni, auch ſpaͤter, aber immer bevor die Gerſte zu ſtark in die Hoͤhe treibt. Ein fruͤheres Jaͤten waͤre freylich beſſer; allein, da dann noch viele der Hederichpflanzen klein ſind und bey dem Jaͤten uͤberſehen werden, ſo wird oft ein Nachjaͤten noͤthig, wo⸗ durch die Koſten vermehrt werden. Dullo in ſeiner kurlaͤndiſchen Wirthſchaft bemerkt, daß er gekeimte und ſchon hervorgeſchoſſene Gerſte, worin er viel Hederich bemerkt, mit ſehr gutem Erfolge habe in die Laͤnge und Breite umpfluͤgen laſſen, und zwar ſelbſt bey duͤrrem Wetter, mit beſſerem Erfolge jedoch, wenn ein Regen ein⸗ fiel. Wenn dieſe Erfahrung Stich halten ſollten): ſo waͤre *) Mir iſt kein gelungener Verſuch davon bekannt; wohl aber einige 211 allerdings dieſe Vorrichtung mit dem Pfluge der mit der Egge vorzuziehen, indem das Durcheggen der Frucht ſehr wenig zur Zerſtoͤrung des Unkrauts beytraͤgt. Indeſſen haͤlt Hr. v. Witten das Eggen der Gerſte bey einer Laͤnge von 2—5 Zoll zu ihrem Gedeihen fuͤr hoͤchſt vortheilhaft. Nur, ſagt er, muß dieſes nach einem Striche geſchehen, indem die Gerſte es wohl leidet, daß ſie an die Erde gedruͤckt, aber nicht wieder in entgegengeſezter Richtung aufgeegget werde. Ein anderes feindſeliges Unkraut hat die Gerſte an dem Klapperkraut(Hahnenkamm, Doͤbbe, rhinanthus crista galli). Viele halten es blos auf den Wieſen, die einen thonigen geſchloſſenen feuchten Boden haben, zu Hauſe, und da haust es leider! Allein in ſichern Gegenden findet es ſich auch unter der Gerſte ein, und wird da bedeutend ſtaͤr⸗ ker als auf den Wieſen. Hier iſt nun uͤber das Jaͤten nicht zu kapituliren. Es muß, man mag wollen oder nicht, ge⸗ ſchehen! Das Ausziehen faͤllt um ſo beſchwerlicher, als das Kraut erſt dann recht ſichtbar wird, wann die Gerſte ſchon die Aehren zeigt. Der Elſaſſer, ſonſt kein Jaͤter, unter⸗ läßt da nicht in den Gerſtenacker zu dringen, um das Klap⸗ perkraut auszuziehen, weniger um den Nachtheil bekuͤmmert, den er dießmal unter ſeiner Gerſte anſtellt, als um den, welchen nur wenige Stoͤcke dieſes gehaͤſſigen Krauts durch deſſen ploͤtzlich reifenden Saamen auf dem Felde anrich⸗ ten wuͤrden, wenn er's nicht auszoͤge. Noͤthiger noch wird da, wo ſie herrſcht, das Ausziehen mißlungene. Der, welchen Hr. St. Rath Thaer 18% damit machte, lief ſchlecht ab. Das gleiche gilt auch fuͤr den Hafer. 212 der Wucherblume. Gott Lob! daß man ſie weder hier noch in den Niederlanden kennt! Wenig gefaͤhrlich, wie ſchon geſagt, iſt der Gerſte der Froſt. Erfrieren gleich die Blaͤtter der fruͤh geſaͤeten; ſo ſchlaͤgt ſie nach der Erfahrung der Pfaͤlzer wieder von neuem aus. Schaͤdlicher bey weitem iſt ihr in der Jugend viel naſſes Wetter. Wird ſie dann gelb, ſo kann man die Hoff⸗ nung verlohren geben. Gebricht es ihr gegentheils an Feuch⸗ tigkeit zur Zeit, wo ſie in die Aehren tritt: ſo ſchlaͤgt ſie auch bey dem beſten Anſchein zuruͤcke. Wird die Gerſte zu geil, ſo hat man Lager zu befuͤrch⸗ ten, und das Schroͤpfen wird bey ihr nothwendig. Auch die geſchroͤpfte Dreyfelder-Gerſte lagerte 1823 in Hohen⸗ heim, und trieb gelagert aus ihren Halmen neue Schoͤſſe mit unvollkommenen Aehren. §. 11. Aerndte und Ertrag. Die Gerſte, wie Trautmann in ſeinem trefflichen landwirthſchaftlichen Lehrbuche bemerkt, geht bey guͤnſtiger Witterung ſehr fruͤhe, oft ſchon nach 4—5 Tagen, mit ei— nem breitern, ſtumpfern und hellgruͤnerm Blatte auf, als der Hafer, und waͤchſt mit einer außerordentlichen Schnelle. Man kann die kleine Gerſte, nach dem Spruͤchworte, nach neun Wochen wieder in dem Sacke haben. In den kuͤhlſten Sommern bedarf ſie kaum drey Monate zu ihrer Reife. Dieſe iſt wohl in Acht zu nehmen, wenn man nicht einen großen Theil der Aerndte auf dem Felde zuruͤck laſſen will. Man zieht daher vor, ſie in ihrer Gelb⸗ als in ihrer Weiß⸗ Reife zu ſchneiden; dann aber muß ſie nothwendig mehrere Tage auf dem Felde liegen bleiben. Wird man dennoch, 215 wie leicht geſchieht, durch die Schnelle ihres Reifwerdens uͤberraſcht, ſo muß ſie am Morgen geſchnitten und moͤglichſt ſorgfältig behandelt werden. Die Aerndte faͤllt manchmal vor, manchmal mit, manch⸗ mal nach der Weitzen⸗ und Dinkelaͤrndte. Wird ſie zugleich mit dieſen Gegenſtaͤnden reif: ſo fertiget man ſie zuerſt ab, welches kein bedeutendes Hinderniß da verurſacht, wo ſie, wie im Elſaß und in England, nicht geſchnitten, ſondern gemaͤhet wird, was in 2—5 Tagen vollendet ſeyn kann. Sie kann acht Tage auf dem Schwade liegen bleiben. Man läßt ſie gerne auf dem Felde durchaus trocken werden, wei⸗ len ſie bey einer fruͤhern Einſcheuerung leicht eine rothe Farbe annimmt.„Die Gerſie, ſchreibt A. YVoung, laͤßt man 3—8 Tage auf dem Felde liegen, wo ihr ſelbſt einige hef⸗ tige Regenſchauer nichts ſchaden, ſondern vielmehr dazu beytragen, daß die Koͤrner aufſchwellen und ein beſſeres Ausſehen erhalten. Da hingegen werden ſowohl Stroh als Koͤrner durch anhaltendes Regenwetter verdorben. Hin und wieder wird die Gerſte auch, gleich nachdem ſie gemäͤhet iſt, eingefahren, welches doch meiſtens ſehr gefaͤhrlich iſt.“ Im Elſaſſe wird die Gerſte nicht gebunden, ſondern den Tag vor dem Einheimſen mit Gabeln in kleine Haufen gebracht, des andern Morgens beym Thau aufgeladen und eingefahren. Zu dem Ende wird der Aerndtewagen mit einem großen Tuche bekleidet. Die Hungerharke holt nach, was nothwendig bey dem Aufſtechen liegen geblieben. Mehr Verluſt iſt dabey, als wenn die Gerſte abgeſichelt und auf⸗ gebunden wird; allein man findet, daß die Erſparniß an Koſten jenen Verluſt uͤberwiegen. In Norfolk wird die Gerſte nicht anders als in ihrer 214 vollen Reife geaͤrndtet. Dennoch wird ſie allemal hier ge⸗ maͤhet, und niemals geſchnitten. Man heftet bey der Ge— legenheit einen kleinen Bogen auf die Ferſe der Senſe, um die Halme beſſer zuſammen zu halten. So bleibt ſie auf Schwaden wie das Gras liegen. Tritt Regen waͤhrend dem Liegen ein, ſo kehrt man die Schwaden zum Abtrocknen nicht ſogleich um, ſondern luͤftet nur die von dem Regen an die Erde geſchlagenen Aehren mit der Gabel oder dem Rechenſtiele. Dieſes Verfahren reicht zu und hat nicht das Hudeln und Verbeugen des Strohes zur Folge, wie ſie bey dem Umkehren der Schwaden ſtatt hat, durch welches lez⸗ tere, wenn es des Wetters wegen mehrmal wiederholt wer⸗ den muß, das Stroh ſo ſchwach wird, daß die Aehren ſich an die Erde ſchmiegen, und das Korn darin auskeimt.— Sind die Schwaden von oben ganz trocken: ſo kehrt man ſie zum Trockenwerden auf die andere Seite um, und bringt ſie darauf in Haͤufchen. Das Bringen in Haͤufchen geſchieht aber erſt dann, wenn man Hoffnung hat, ſie noch an ſelbem Tage einfah⸗ ren zu koͤnnen. Man wuͤrde es fuͤr eine Fahrlaͤſſigkeit an⸗ ſehen, die Haͤufchen uͤber Nacht auf dem Felde zu laſſen. Die Haͤufchen ſind ſehr ſchnell vermittelſt eines langzaͤhnigen Rechens gebildet. Man rollt damit die Gerſtenſchwaden, bis dahin der Halme ſo viel zuſammenkommen, als der Aufſtecher mit der Ladegabel faſſen kann. Daraus folgt, daß auch in Norfolk die Gerſte nicht gebunden wird. Da das Getreide hier groͤßten Theils in Feimen gebracht wird: ſo beobachtet man bey der Gerſte in ihrer Mitte eine ſenk⸗ rechte Oeffnung, gleich einem Rauchfange zu laſſen, durch welchen die Daͤmpfe aufziehen. In naſſen Jahren, oder 215 wo die Gerſte nicht voͤllig trocken eingekommen iſt, beobach⸗ tet man daſſelbe auch in den Scheunen. §. 12. Ertrag vom Hektar. Hektoliter. Wirthſchaft von Moͤglin, Durchſchnitt von 7— 83 Jahren*)..... 16,10 Gr. Podewils im Bruche.. 22,50 Derſelbe in zweyter Tracht..... 19,30 Burger, nach Mais und Kartoffeln, Pfanen⸗ gerſte........... 338,50 Derſelbe ebenſo Pg... 4o0, 10 ———....„ 44,70 —- 33,30 — anderswo auf geduͤngtem Acker. 21,40 — daſelbſt in minder kraͤftigem Boden 17,10 — gewoͤhnliche Gerſte, nach Hackfruͤch⸗ ten in friſchem Duͤnger.. 25,70 — g. G. anderswo, bey gleicher Be⸗ handlung....... 22,50 — aauf leichtem Kalkboden. 13,20 Unter⸗Elſaß nach Weitzen.. 29,0 Daſelbſt, als einzelnes Beyſpiel 49,70 *) Fuͤr die in der Sache Unbewanderte muß ich ſagen, daß, wenn die Angaben von Moͤglin hier, wie auch bey den andern Getreidearten nur geringe ausfallen, ſolches theils von daſigem ge⸗ ringem Boden, theils von den ungluͤcklichen Kriegsumſtaͤnden, unter welchen die Erfahrungen gemacht, theils daher ruͤhrt, weilen die Wirthſchaft damals nur in ihrem Entſtehen war. 216 Hektoliter. ” MNRoliinger, Pfalz, 10jaͤhriger Durchſchnitt 28,00 V Derſelbe hoͤchſter Ertrag....... 43,00 Derſelbe geringſter......... 13,60 Altenburg............ 29,30 Daßſelbſt.......... 5 ,oo Daſelbſt...... 3,50 Hohenheim 1823 nach Kartoffeln... 59,40 England nach Dickſon..... 23,80 Daſelbſt nach ſelbem...... 26,90 Daſelbſt nach ſelbem...... 238,40 Daſelbſt YVoungs öſtliche Reiſe. 28,50 Daſelbſt deſſen ſuͤdliche Reiſe.. 27,00 Daſelbſt deſſen noͤrdliche Reiſe. 27,00 Daſelbſt Y. Farners Calender, als guter Er⸗ trag).... 27,56 Der allgemeine Durchſchnit ohiger Angaben vom Hektar Sommergerſte waͤre.. 28,5 In dem Elſaß ſchaͤzt man im Allgemeinen zwey Schef⸗ fel Gerſte einem Scheffel Weitzen gleich. Demnach verhaͤlt ſich der Ertrag eines Hektars Gerſte zu dem eines Hek⸗ tars Weitzen, im beyderſeitigen Durchſchnitt genommen, wie 14,5 zu 22, und es kommen zwey Morgen Weitzen drey Morgen Gerſte im Koͤrnerwerth gleich. Nehmen wir aber zugleich Ruͤckſicht auf das Stroh, welches beym Weitzen das der Gerſte um 3 ¾ Hektoliter Weitzenkoͤrner uͤbertrifft, *) Vergleichen wir dieſe Angabe mit dem hier folgenden medium: ſo entſpricht ſie der Erwartung nicht, die wir uns von der ſo hochge⸗ prieſenen engliſchen Gerſtencultur zu machen berechtiget fuͤhlen duͤrften. 217 ſo ſteht der Geſammt-Ertrag eines Hektars Gerſte zu dem eines Hektars Weitzen wie 29 zu 51, und es kommen 2 Mor⸗ gen Weitzen 3 ½ Morgen Gerſte gleich. Ich ſchließe mit einer beſondern Erfahrung, die der St. R. Thaer im Jahre 1811 uͤber die Gerſte gemacht hat.„Die große Gerſte, ſagte er, ſchien(auf dem ſandigen Schlage, wohin Er ſie geſaͤet hatte) bey der bis gegen die Mitte Juni anhal⸗ tenden heißen Duͤrre, ganz mißrathen zu wollen, und war faſt aufgegeben. Sie erholte ſich aber, wie etwas Regen fiel, ſehr ſchnell, und trieb Aehren hervor, die laͤnger waren, als der niedrig gebliebene Halm. Gebunden konnte ſie wegen Kuͤrze des Halms nicht werden. Es blieb auch vieles liegen, und dennoch gab ſie beym Ausdruſche den unerwarteten Ertrag(15 Hektoliter vom Hektar) in ſehr vollſtaͤndigen Koͤrnern. Der Erfolg dieſes Jahres hat mich in meiner Methode, die große Gerſte auf ſandigem Boden zu bauen, am aufeallendſten beſtaͤrkt.“ Siebenter Abſchnitt. Hafer. §. 1. Haferarlten. Die in Deutſchland am meiſten vorkommende Haferart iſt wohl der gelbe glatte Hafer, Rispenhafer, avena sativa, nach ihm der orientaliſche oder Fahnenhafer, avena orien- talis. Dann der braune Hafer, avena fusca, der die Gabe beſitzen ſoll, den Boden ſo wenig anzugreifen, daß man ihn an einigen Orten ſogar fuͤr eine den Boden verbeſſernde Frucht anſieht. In Frankreich wird der ſchwarze Hafer ſtark angebaut und geſchaͤzt. 218 In Bezug auf den braunen Hafer verdient Folgendes nach v. Witten angefuͤhrt zu werden. Er iſt ſehr lohnend und vertraͤgt ſich am beſten ſowohl mit kaltem als leichtem Boden. Auf beſſerm Boden erreicht er eine betraͤchtliche Hoͤhe. Die Saamen ſind lang, braun und an den Spitzen gelblich, nicht dickſchaalig, und nicht weniger mehlreich, als die des gewoͤhnlichen Rispenhafers. Sie dreſchen ſich leicht ab, blei— ben aber groͤßtentheils zu drey Koͤrner zuſammenhangend, daher ſie etwas auftragen, alſo den Scheffel bald fuͤllen, welcher nothwendig dadurch am Gewichte verliert. Der Fahnenhafer gewaͤhrt auf dem Felde einen reichern Anblick als der Rispenhafer. Auf gutem Boden ſcheffelt er ſtaͤrker als dieſer, und erzeugt mehr Stroh. Er faͤllt bey un⸗ guͤnſtiger Witterung auf dem Felde nicht aus, driſcht ſich aber auch darum nicht leicht ab, und laͤßt manches Korn im Strohe zuruͤcke, welches dem Vieh bey der Fuͤtterung zu gut koͤmmt. An Geywichte endlich, alſo auch an Nahr⸗ haftigkeit ſteht er dem Rispenhafer nach, und verhaͤlt ſich darin, nach einer meiner fruͤhern Erfahrungen wie 24 zu 27. Er liebt den Dung, lagert ſich daher wahr⸗ ſcheinlich auf fettem Boden nicht ſo leicht als der Rispen⸗ hafer. §. 2. Vorzuͤge des Haferbaues. Fuͤr keine Getreideart hat man bey dem Anbau weni— ger Achtung als fuͤr den Hafer, und bey keiner hat man darin mehr Unrecht, als gerade bey ihm; kaum iſt ein Acker ſo ſchlecht, der, um ihm vollends den Reſt zu geben, nicht verdammt wuͤrde, noch einmal Hafer zu tragen. Und da klagt man uͤber ſchlechten Ertrag, uͤber gaͤnzliche Erſchoͤ⸗ 2¹9 pfung und Verwilderung des Bodens, und an all dem Un⸗ heil, heißt es, iſt nur der Hafer Schuld! „Was fuͤr vernuͤnftige Gruͤnde man haben mag, ſchreibt A. Young, Hafer in Land zu ſaͤen, welches fuͤr Gerſte in zu ſchlechtem Zuſtande iſt, weiß ich nicht. Der gewoͤhnliche Grund: daß er doch ſeiner Haͤrte wegen da wachſe, wo kein anderes Getreide mehr wachſen will, ſeine Koſten noch immer bezahlen, und allenfalls einen kleinen Vortheil geben wuͤrde, zeugt nur von ſchlechten Wirthſchaftsprinzipien. Auch wird ein ſo niedriger Ertrag, der gewoͤhnlich nur auf fal⸗ ſchen Berechnungen ruht, nie einen guten Wirth zu einem ſolchen Haferbau bewegen.“ „Der Hafer verlangt, ſagt derſelbe Schriftſteller, eine gleich gute Behandlung wie die Gerſte; auch wird jeder gu— te, erfahrne Landwirth wiſſen, daß er dieſe Aufmerkſamkeit nicht ſchlechter lohnt als dieſe, in ſoferne das Land dazu in gehoͤrigem Stande iſt. Ich bin durch lange Erfahrung uͤber⸗ zeugt, daß der Hafer eben ſo eintraͤglich, wenn nicht noch eintraͤglicher, wie die Gerſte iſt. Die groͤßere Quantitaͤt des Ertrags wird den niedrigern Preis erſetzen, welcher jedoch, verhaͤltnißmaͤßig oft hoͤher, als der Gerſtenpreis iſt.“ Die groͤßere Genuͤgſamkeit dieſer hoͤchſt ſchaͤtzbaren Frucht⸗ art in Bezug auf die Beſtandtheile des Bodens und die darin enthaltene Kraft; die Eigenſchaften, daß ſie dieſem durch das Stroh eine groͤßere Duͤngermaſſe wieder giebt, als die Gerſte; daß ſie weniger Feuchtigkeit bedarf und doch mehr Feuchtigkeit vertraͤgt als leztere; daß ſie im erwachſe— nen Zuſtand ſolchen Spaͤtfroͤſten widerſteht, deren Gerſte und Sommerweitzen unterliegen, giebt dem Hafer einen aus⸗ gezeichneten Werth. 220 §. 3. Boden. Es giebt nicht eine Getreideart, welche weniger em⸗ pfindlich fuͤr den Boden waͤre, als der Hafer. Weitzen liebt vorzugsweis einen thonigen, Rocken einen ſandigen, Gerſte einen maͤßig gebundenen, muͤrben Boden. Duͤrren Sand und Kalkboden ausgenommen verſchmaͤht der haͤrtere Hafer auch nicht eine Erdart. Auf allen an Naͤſſe leidenden Bo⸗ denarten, in denen ſich gewoͤhnlich mehr oder weniger Saͤure erzeugt, ſeyen ſie auch ſchwammiger, loſer Natur, bleibt der Hafer das Haupt⸗, oft das einzige Getreide. Auf Neubruch und Moorgrund kann der Hafer eine Reihe von Jahren hintereinander vorkommen. Er wird dar⸗ auf nicht ſelten im zweyten und dritten Jahre beſſer als er im erſten geweſen iſt; da doch eine andere Frucht den Bo⸗ den bald erſchoͤpft, wenn kein Duͤnger hinzu koͤmmt. Daraus, daß der Hafer auch den ſchlechten und un⸗ dankbaren Boden nicht verſchmaͤhet, folgt von ſelbſt, daß er auch mit einem beſſern vorlieb nehme, und dann in dem Verhaͤltniß zu der Ehre, die man ihm angedeihen laͤßt, lohne. Selten aber widerfaͤhrt ihm in Gegenden, wo man Sommergerſte ſaͤet, ein ſolches Gluͤck, da man fuͤr dieſe das beſſere Land zuruͤckhaͤlt. Dieſes moͤgte dennoch nicht immer ſo oͤkonomiſch richtig ſeyn, als man ſich es einbil— det. Allerdings ſoll man nicht das Gegentheil thun und die Gerſte hinweiſen, wo ſie nicht wachſen kann; aber daraus' folgt keineswegs, daß ſie nothwendig auf jedem fuͤr ſie ge— eignetem Boden angebaut werden muͤſſe, noch daß es nicht manchmal eben ſo vortheilhaft, ja ſelbſt vortheilhafter ſeyn koͤnne, ſie auszuſtoßen und durch Hafer zu erſetzen. Wenn man ſich 4 oder gar 5 Scheffel Hafer verſprechen kann, wo 4 221 man nur 3 Scheffel Gerſte einaͤrndten wuͤrde, und wenn dann die Gerſte im Werthe zum Hafer ſteht wie 4 zu 3: ſo wird man ſich, unter uͤbrigens gleichen Umſtaͤnden noch beſſer bey dem Hafer als der Gerſte ſtehen, indem jener den Boden weniger erſchoͤpft und mehr Stroh abwirft, als dieſe. Bey 5 Scheffel Haferertrag wuͤrde man alsdann doppelt Un⸗ recht haben, bey der Gerſte ſtehen zu bleiben. Oft auch iſt es der Boden nicht allein, der fuͤr die Aus— wahl des Hafers vor der Gerſte entſcheidet. Die vorherge⸗ gangene Frucht, die Zubereitung des Ackers, der groͤßere oder geringere Grad von Kraft, der in dieſem ſteckt, die Witterung, die Frucht, die unmittelbar darauf folgen ſoll, koͤnnen bald fuͤr die eine, bald fuͤr die andere beyder Fruchtarten entſcheiden.... Diejenigen, welche ſich um⸗ ſtaͤndlicher uͤber dieſen nicht unwichtigen Gegenſtand belehren wollen, muß ich auf die trefflichen Bemerkungen uͤber den Hafer verweiſen, welche Dr. Schweizer in dem er⸗ ſten Theile der Mittheilungen aus dem Gebiete der Landwirthſchaft mitgetheilt hat. Es ſollte mich freuen, bey dieſer Gelegenheit manchen Leſer auf ein Buch aufmerk⸗ ſam gemacht zu haben, das in der Hand aller Landwirthe zu ſeyn in hohem Grade verdient. §. 4. Stelle in der Fruchtfolge. So vertraͤglich der Hafer mit allen Bodenarten iſt, ſo vertraͤglich iſt er auch mit allen Fruchtarten. Man kann al⸗ les auf ihn folgen laſſen, und er kann nach allem, ſelbſt nach der unvertraͤglichen Gerſte, ſogar wiederholt auf ſich ſelbſt, folgen. Alles das mehr oder weniger, je nachdem der Boden ihm mehr oder weniger augemeſſen iſt, und mehr 222 oder weniger Kraft enthaͤlt. Wer aber verſucht hat, dem Acker durch den Hafer den Reſt zu geben, der freylich darf keinen Weitzen unmittelbar darauf folgen laſſen! Aus dem, daß der Hafer auf alle uͤbrigen, ſelbſt er⸗ ſchoͤpfende Feldfruͤchte folgen kann, laͤßt ſich ſchließen, daß er die Gabe beſitze, ſich mit groͤbern, von andern Gewaͤch— ſen verſchmaͤhten, organiſchen Ruͤckſtaͤnden im Boden zu be— gnuͤgen, ſie zu zerſetzen und ſich anzueignen; daher ſelbſt eine friſch umgelegte wilde Grasnarbe fuͤr ſein Beduͤrfniß zureicht.. Aus dem, daß andere Gewaͤchſe ohne Nach⸗ theil auf ihn folgen koͤnnen, geht hervor, daß er nicht ſo vieler feinen humoſen Theilchen bedarf, wie die hungrige Gerſte; denn ſonſt wuͤrde man eben ſo wenig auf ihn als auf dieſe Weitzen folgen laſſen koͤnnen, der ohne alte Bo⸗ denkraft nicht wohl zurecht koͤmmt. Ich weiß, daß Manche dieſe Anſicht nicht theilen, weilen ſie den Hafer fuͤr erſchoͤ⸗ pfender als die Gerſte halten, welches wohl daher ruͤhrt, daß man ihn, leider nur zu oft, in ein ſchon erſchoͤpftes Land ſaͤet. Wie ſoll aber der Hafer Kraft zuruͤcklaſſen, wo er keine gefunden? Der vorzuͤglichſte Vorgaͤnger des Hafers iſt der Klee. Wo man den Werth deſſelben zu ſchaͤtzen weiß, da wird ihm vorzugsweiſe, ſelbſt vor dem Weitzen, die Kleeſtoppel angewieſen. Waͤre der Hafer nicht dem Lagern unterworfen: ſo verdiente er allenthalben dieſen Ehrenplatz. Die Einwir— kung des Klees auf den Hafer iſt ſo groß, daß wenn auch Weitzen zwiſchen beyde eingeſchaltet worden, man noch die guten Folgen an dem Hafer bemerken kann. Da wo man in den Niederlanden wegen Loſigkeit des Bodens keinen oder nur ſchlechten Hafer erzielen kann, laͤßt man ihn nach Klee 223 oder auf Dreiſche folgen. In dem Herzogthum Juͤlich hat er fuͤr allemal ſeine angewieſene Stelle nach Klee. Auf jedem Neubruch, in ſoferne derſelbe nicht aus ganz ſchlechten, verwilderten, mit Heidekraut angefuͤllten Boden beſteht, gewaͤhrt der Hafer unter allen Getreidearten den hoͤchſten Ertrag. Man hat dieß auch ſo allgemein be— merkt, daß man nur ſelten etwas anders, es ſey etwa Lein oder Erbſen, darauf bauet. „Nach Weitzen, ſagt Schmalz, geraͤth der Hafer in der Regel beſſer als Gerſte, daher ich, ſobald mein ganzes Areal im Stande iſt, die Weitzenſtoppel alle mit Hafer be⸗ ſaͤen werde.“ „Nach ungeduͤngten Kartoffeln, faͤhrt derſelbe Ver⸗ faſſer fort, habe ich hier ſchon einigemal Hafer geſaͤet, und ungemein ſchoͤne Aerndten gewonnen. Ein Stuͤckchen Feld, das ſeit langer Zeit keinen Duͤnger geſehen, wurde mit Kar⸗ toffeln beſteckt und das zwoͤlfte Korn davon genommen. Nach dieſen wurde Hafer ohne ferneres Pfluͤgen geſaͤet und unter— geſchaufelt. Dieſer Hafer ward ſo ſchoͤn als er uur ſeyn konnte, und ſchoͤner als der neben ihm nach Korn geſaͤete. Er gab gewiß das fuͤnfzehnte Korn.“ Dagegen widerraͤth Koppe das Haferſaͤen nach Hack— fruͤchten, es ſey denn auf moorigem Bruchboden, der fuͤr Gerſte nicht taugt. Nach ſeinen Erfahrungen ſoll der Hafer nach Hackfruͤchten nicht beſſer werden, als der nach einer Halmfrucht. Fuͤr meinen Theil bin ich geneigt zu glauben, daß der Hafer nach Kartoffeln, ſelbſt wenn zu dieſen ge— duͤngt worden, dem nach Kleeweitzen, unter uͤbrigens glei⸗ chen Umſtaͤnden und bey paſſender Behandlung, nicht bey⸗ komme. 224 Hafer nach Hafer kann auf reichem Boden mehrere Jahre hintereinander ſtatt haben, bevor man einen Ruͤck⸗ ſchlag an den Aerndten bemerkt, welches bey keiner andern Halmfrucht, es ſey dann, daß zu ihr geduͤngt werde, der Fall iſt. Der Hafer laͤßt am Ende wohl einen verwilderten, aber nicht leicht einen ganz erſchoͤpften, Acker zuruͤcke. §. 5. Duͤngen. Da der Hafer ſelbſt auf ſolchen Feldern, die wegen Mangel an Bodenkraft kein anderes Getreide mehr vorbrin⸗ gen koͤnnen, noch immer einen mittelmaͤßigen Ertrag, in ſoferne von keinem Sandboden Rede iſt, zu geben pflegt: ſo iſt ſchwer zu begreifen, woher die Meinung bey vielen Perſonen ruͤhre, daß er den Boden, und zwar mehr noch als die Gerſte erſchoͤpſfe. Man verſuche es und duͤnge zu der Gerſte und zu dem Hafer, laſſe auf beyde Weitzen un— geduͤngt folgen, und ſehe nach welchem von beyden er am beſten einſchlage. Dieſe Folge des Weitzen nach ſtark ge⸗ duͤngtem Hafer iſt uͤbrigens keine bloße Idee, ſie iſt nicht allein in den Niederlanden, ſondern auch, wie Burger verſichert, in Kaͤrnthen und in Schleſien ein ſehr beliebter Fruchtwechſel. Ein gleiches laͤßt ſich gewiß von der Gerſte nicht erwarten. Da der Hafer die Eigenſchaft beſitzt, vermoͤge ſeiner ſtaͤrkern Organe aus den groͤberen Ruͤckſtaͤnden, welche fuͤr die uͤbrigen Getreidearten noch unverdaulich ſind, die noͤthige Nahrung zu ziehen: ſo vertraͤgt er auch den friſchen rohen Miſt beſſer als dieſe, und erreicht, wenn ihm welcher ge⸗ geben wird, eine weit hoͤhere Vollkommenheit, als auf ma— gerem Boden. Gute Dreyfelderwirthe pflegen auch wohl et⸗ was 225 was dazu zu duͤngen, vorzuͤglich wenn ſie Klee darunter ſaͤen wollen, woraus dann ſchon folgt, daß das dem Ha⸗ fer vorgehende Winterkorn kein Kleekorn war. In lezterm Falle, das iſt nach Kleerocken oder Kleeweitzen, bedarf der Hafer durchaus keiner Beyhuͤlfe, um das zu leiſten, was er ſchuldig iſt, da er ſich noch immer einiger Reſte der Klee— wurzeln im Boden zu erfreuen hat. Mehr Nahrung freylich findet er, wenn er unmittelbar auf Klee folgt. Bey den Belgen wird ſelten Hafer geſaͤet, ohne dazu zu duͤngen. Die Art, dabey zu verfahren, wird ſogleich hey der Feldbereitung vorkommen. Man ſtreuet in der ſan— digen Campine nicht ſelten Kalk uͤber den umgepfluͤgten Acker, egget alles ſtreng untereinander und ſaͤet dann den Hafer. Von der großen Wirkung, welche der Mergel auf den Ha⸗ fer hervorbringt, glaube ich ſchon im erſten Bande geſpro⸗ chen zu haben, auch daß er dem Boden den Mergel ſchnel⸗ ler entzieht, als das uͤbrige Getreide, welches man als ei— nen Beweis anſehen kann, daß er einen Theil ſeiner Nah⸗ rung aus nicht organiſchen Subſtanzen zu ziehen im Stande iſt, wodurch die Ruͤckſtaͤnde organiſcher Abkunft im Boden um ſo mehr geſchont werden. §. 5. Feldbereitung. So wie man den genuͤgſamen Hafer, oft ohne Wahl, auf das erſte beſte Feld bringt, den einzigen Fall ausge⸗ nommen, wo ſolches allzuduͤrre, bloßer Rockenboden, waͤre: ſo iſt man auch oft wenig um die Beſtellungsart bekuͤmmert, die man ihm angedeihen laͤßt, in der Zuverſicht, daß er doch wachſen und ſich durchſchlagen werde. Es iſt aber ein ſehr großer Unterſchied zwiſchen Hafer und Hafer; denn nur dem Fleiß ſeine Krone! v. Schwerz Anleit. z. prakt. Ackerbau. II. Bd. 15 226 Wahr iſt es, daß der Hafer nicht ſelten auch bey dem ſaumſeligſten Verfahren geraͤth; wieder wahr, daß die ſorg⸗ ſamſte Beſtellung nicht allemal durch einen verhaͤltnißmaͤßi⸗ gen Erfolg bey dieſer Frucht gekroͤnt wird, welches dann dem traͤgern Landwirthe zum Troſt und Vorwande dient; allein bey dem Fleißigen kann nur die Regel und nicht die Aus⸗ nahme gelten. Doch uͤberſieht derſelbe auch leztere nicht, wenn „Boden oder Witterung, oder dringendere Geſchaͤfte oder ſon⸗ ſtige Ruͤckſichten eine Abweichung von der Regel erheiſchen. Zu dem Ende wollen wir uns mit den mancherley Verfah⸗ rungsarten der Hafer⸗Beſtellung bekannt machen. Man beſtellt den Hafer entweder: nach einer einfachen Herbſtfahre oder nach einer einfachen Fruͤhlingsfahre, oder nach einer Herbſt- und einer Fruͤhlingsfahre oder nach einer zweyfachen Herbſtfahre 6 oder nach einer zweyfachen Herbſt- und einer einfachen Fruͤhlingsfahre, oder nach einer einfachen Herbſt⸗ und zweyfachen Fruͤh⸗ lingsfahre, oder nach einer Doppeltfahre(Zweyfurche) oder endlich auf einen mit dem Spaten gerodeten Boden. Mit einem Worte, es giebt keine Frucht, bey der ſo viele Beſtellungsarten eintreten, als bey dem Hafer. Dabey faͤllt es ſchwer, ja unmoͤglich zu beſtimmen, welche jener Verfahrungsarten im Allgemeinen die beſſere ſey. Es laͤßt ſich nur ſo viel annehmen, daß eine mehrfaͤhrige Beſtellung fuͤr verqueckten Boden nothwendig, eine einfaͤhrige aber fuͤr ein mit Hederichſaamen angefuͤlltes Land zweckmaͤßiger ſey. 227 Es laͤßt ſich ferner fuͤr ſolche Gegenden, wo der Hafer fruͤh geſaͤet werden muß, annehmen: daß, durch Unſtaͤnde ver⸗ ſpaͤtet, man beſſer thue, dem Lande nur eine Fahre zu ge⸗ ben, um fruͤher ſaͤen zu koͤnnen, als 2—3 Fahren, wenn dadurch die Ausſaat zu weit hinausgeſchoben werden ſollte. Endlich hat man auf einem zum Verquecken geneigtem Acker zu erwarten, daß derſelbe nach einfaͤhriger Haferbeſtellung unausbleiblich zum Nachtheile der folgenden Fruͤchte verwil⸗ dern werde, welches die, welche Erbſen oder Wicken nach dem Hafer zu bauen gedenken, wohl zu beachten haben. a) Einfaͤhrige Beſtellung. Sie hat entweder vor, oder nach Winter ſtatt. Folgt der Hafer nach ſolchen Fruͤchten, zu denen, wie Kartoffeln, gehackt worden iſt: ſo wird im Fruͤhlinge ohne Anſtand auf die Herbſtfahre, welche nach Einaͤrndtung der Kartoffeln ſtatt gehabt, geſaͤet werden koͤnnen. Es wuͤrde ſelbſt zweckwidrig ſeyn, die durchwinterte gut gemuͤrbte Krume im Fruͤhlinge von neuem in die Tiefe zu ſtuͤrzen und dadurch friſchen Unkrautſaamen zur Hoͤhe zu bringen. Sind die Kar⸗ toffeln oder dergleichen nur wohl bearbeitet worden: ſo iſt ungeachtet der einfaͤhrigen Beſtellung des Hafers ſo leicht nichts von den Quecken zu fuͤrchten. Noch wuͤrde ein weiteres Pfluͤgen nach Winter auf ei⸗ nem Kartoffelacker den Nachtheil haben, einige Bodenarten zu loſe zu machen, wodurch der an ein nuͤchternes Leben ge⸗ woͤhnte Hafer zu uͤbermuͤthig werden, zu viel ins Stroh ſchießen, und nur wenig Frucht anſetzen wuͤrde. Das Haferſaͤen nach Getreide auf die einfache Herbſt⸗ fahre kann nur auf lockerem Boden ausfuͤhrbar ſeyn. Unter dieſer Herbſtfahre muß aber kein flaches Abſchaͤlen der Stop⸗ 4 228 pel, ſondern ein tiefes Umpfluͤgen derſelben verſtanden wer⸗ den. Beſſer bleibt auf jeden Fall, wenn zuerſt geſtoppelt und dann gepfluͤgt wird, wie wir bey der zweyfaͤhrigen Be⸗ ſtellung darthun werden. Oefter als das Pfluͤgen vor Winter koͤmmt bey der ein— faͤhrigen Beſtellung vor das Umreißen der Narbe nach Win— ter. Ob dieſes oder jenes vorzuziehen ſey, kann nur durch den Boden entſchieden werden. Auf ſteifem Thonboden moͤgte das Saͤen auf eine einzige Herbſtfahre ſelten paſſen. Daß der Hafer auf einer umgelegten Grasnarbe ohne weiteres gut fortkomme, iſt bekannt; er kann alſo auch ei— ner Getreideſtoppelſchwarte nicht ganz abhold ſeyn, vorausge⸗ ſezt: ¹) daß ſie fruͤhe genug— unmittelbar nach Winter— umgelegt worden; 2) daß die Schnitte 5—6 Zoll dick abge⸗ fertiget und gut umgekehrt worden; 3) daß der Boden kein allzuſtrenger oder ſproͤder Thon, und 4) daß er rein von Quecken, auch nicht ſtark zum Verquecken geneigt ſey, end⸗ lich 5) daß ein nachheriges fleißiges und verdoppeltes Eggen das erſetze, was der Pflug nicht geleiſtet hat. Da der Hederich ſich auf einem gemuͤrbten Boden weit thaͤtiger erweiſt, als auf einer feſtern Krume: ſo kann die einfährige Beſtellung des Hafers auf einem mit Hederich ver— peſteten Lande gerathener bleiben als eine mehrfaͤhrige.„Auf mittlerem, ſandig-lehmigem Boden, ſagt Thaer, habe ich gefunden, daß, nach dem Durchſchnitt der mir ſeit 15 Jah— ren bekannt gewordenen Erfahrungen, der einfaͤhrige Hafer beſſer geworden iſt als der zweyfaͤhrige. Es war aber alles Land ſolches, was mit Hederich und anderm boͤſen Unkraut angeſaamt war. Dieſes kam weniger in dem einfaͤhrigen Acker auf und entzog dem Hafer weniger Platz und Kraft. Aber im⸗ 229 mer habe ich auch bemerkt, daß alles Wurzelunkraut, ins⸗ beſondere Quecken, oder Paͤden, in ſolchem Acker ſo uͤber⸗ hand genommen haben, daß ſie durch eine gewoͤhnliche drey— fährige Brache nicht vertilgt werden konnten, ſelten den Huͤl⸗ ſenfruͤchten wichen, und dem Wurzelgewaͤchsbau ſehr im Wege waren.“ Ein achtſamer Landwirth im Altenburg'ſchen verſicherte den Dr. Schweitzer, daß er nie mehr zu Hafer felgen— ſchaͤlen— werde, wenn ſolches nicht vor Mitte Oktobers geſchehen koͤnne; ſondern lieber die dann noch uͤbrige Zeit des Herbſtes zum Umbruch der Brache benutzen wolle, weil er davon groͤßern Nutzen habe; denn vor Winter gebracht ſey halbe Duͤngung, und der Hafer wachſe eben ſo gut, wenn zu ihm erſt nach Winter gepfluͤgt werde, zumal auf naſſen kalten Feldern, wo man ihn dann auch fruͤher beſtel⸗ len koͤnne. Eine unerlaͤßliche Bedingung, um nach einer einfachen Fruͤhlingsfahre guten Hafer zu erzielen, iſt wohl die, jene Fahre ſo fruͤh als moͤglich zu geben, nicht zu eggen, ſondern die Schnitte feſt an den Boden zu walzen, das Land einige Zeit ſo liegen zu laſſen, dann auf das gewalzte zu ſaͤen, einzueggen, zu walzen, wieder zu eggen und zu walzen, und endlich zum dritten Male zu eggen. Dieſes dreyfache Eggen ge⸗ ſchieht mit vorwaͤrts gerichteten Zinken. b) Mehrfaͤhrige Beſtellung. Folgendes iſt wohl eines der gewoͤhnlichſten Verfahren den Hafer zu beſtellen. Man ſtoppelt das Feld vor, und pfluͤgt es nach Winter. Auf thonigem Boden kann dieſes Stoppeln nur durch Rispen(Baͤlken) geſchehen, auf jede 230 andere Weiſe ausgefuͤhrt, werden die Quecken nicht getilgt, noch ein ſolcher Boden im erſten Fruͤhlinge trocken genug ſeyn, um gepfluͤgt werden zu koͤnnen. Die Balken werden nach Winter mit der Egge verriſſen. Nach einigen Tagen wird gepfluͤgt, und zwar tief. Die Egge folgt unmittelbar dar⸗ auf, und die Walze deckt das Land zu. Nach einigen, auch mehreren, Wochen wird auf das fruͤher gewalzte geſaͤet, und der Saamen flach untergepfluͤgt. Darauf wird flach geeggt, gewalzt, ſcharf geeggt, wieder gewalzt und dann noch ein⸗ mal ſcharf geeggt. Die angefuͤhrte, wie mir ſcheint nicht ſchlechte, Methode iſt die in einer Gegend, die ich lange bewohnte, auf thoni⸗ gem Boden bey guten Wirthen gemeinuͤbliche. Genau beſe⸗ hen iſt ſie eine dreyfaͤhrige Beſtellung; zweyfaͤhrig iſt ſie, wenn der Hafer ſtatt untergepfluͤgt, untergeeggt wird, wel⸗ ches bey feuchter Witterung den Vorzug verdient. Auf trockenem, lockerem, queckenloſem Boden, wo das Baͤlken nicht noͤthig wird, pflegt man im Altenburg'ſchen den Hafer auch wohl auf die Fahre vom Vorwinter zu ſaͤen, und einzuackern. Eine Vorrichtung, welche auf ſolchem Bo⸗ den vor der eben angefuͤhrten den Vorzug verdient. Auf ſchwerem, kaltem, mitunter auch naſſem Boden geht Dr. Schweitzer folgender Maaßen zu Werk.„Ich laſſe, ſagt er, jederzeit die zu Hafer beſtimmten Winterge⸗ treidfelder im Herbſte ganz umbrechen, im Fruͤhjahre ſorg— fältig in die Laͤnge und Queere eben eggen; dann zur Saat mit ſo ſchmalen Furchen, als nur zu erzwingen ſind, ackern, den Hafer bald darauf ſaͤen und recht tuͤchtig eineggen. Es iſt auffallend, wie der Ertrag des Hafers durch dieſe Be⸗ ſtellungsart gehoben wird.“ 231 Auf aͤhnlichem, jedoch viel Kalk enthaltendem Thon⸗ oder rechtem Weitzen⸗Boden geraͤth der Hafer am beſten, wenn beyde Fahren vor Winter ſtatt haben, alſo im Fruͤh⸗ linge nicht mehr gepfluͤgt, ſondern auf die alte Fahre geſaͤet und der Saamen eingeeggt wird. Sind die Felder etwas loſe, oder ſieht man ein trockenes Wetter vor: ſo iſt es noch beſſer den Saamen unterzupfluͤgen. Ueber den Nutzen der Feldvorbereitung im Herbſte iſt es räthlich, den practiſchen Schmalz zu hdͤren.„Seit vie⸗ len Jahren, ſagt er, habe ich in Sachſen und in Preußen ſchon im Herbſte einen Theil des zu Hafer beſtimmten Ackers zur Saat gepfluͤgt, und dieſer war jedesmal der beſſere, ſelbſt wenn nur einmal gepfluͤgt werden konnte. Jezt ver⸗ fahre ich dabey folgender Maaßen. So fruͤh als es Zeit, Aerndte⸗ und Winterſaatgeſchaͤfte geſtatten, wird geſtoppelt. Hat der Acker ſo 4—6 Wochen ranh da gelegen; ſo wird geeggt und um ſo tuͤchtiger als der Acker vorher unrein war⸗ Iſt er ſehr kloͤttig, ſchollig: ſo wird das Eggen bis nach einem durchdringenden Regen verſchoben. Anfangs Novem⸗ ber, wann das Stuͤrzen der ſaͤmmtlichen Wintergetreideſtop⸗ pel vollendet und nun meine Nachbaren ſich ſchlafen legen, pfluͤge ich zur Saat fuͤr meinen Hafer. Rauh bleibt der Acker in dem Zuſtande liegen, und wird im Fruͤhlinge moͤg⸗ lichſt bald, wenigſtens wenn die Erbſenſaat vollendet iſt, be⸗ ſäet und mit eiſernen, ſchraͤgzinkigen Eggen untergebracht. Dieſer Hafer geht ſehr ſchnell auf, und waͤchſt auch dann freudig fort, wann der, wozu im Fruͤhjahre gepfluͤgt wor⸗ den, bey trockener Witterung ganz zuruͤckbleibt. In der Re⸗ gel wird er hoͤher an Stroh, ergiebiger an Koͤrnern, und bleibt ſicherer als dieſer.“ 232 Die vollſtaͤndige Zubereitung des Bodens vor Winter hat folgende unverkennbare Vortheile. Erſtens, daß man dadurch im Fruͤhlinge freye Hand fuͤr die uͤbrigen Feldge⸗ ſchaͤfte gewinnt; zweytens, den Hafer zu beliebiger Zeit in die Erde bringen kann, wodurch man von Witterung und Umſtaͤnden unabhaͤngiger wird; drittens, daß Quecken und Saamenunkraͤuter den Hafer dabey weniger gefaͤhrden. Erſtere lieben den durch das Liegen uͤber Winter geſchloſſenen Boden nicht, leztere ſind zum Theile uͤber Winter zum Kei⸗ men gekommen, und durch den Froſt zerſtoͤrt worden, oder werden es noch durch das Eineggen des Hafers. Vier⸗ tens, bleibt die Feuchtigkeit, die dem Hafer auf trocknem Boden oder in trockenen windigen Gegenden ſo nothwendig, in der Erde zuruͤck, ſtatt daß ſie durch ein weiteres Pfluͤgen im Fruͤhjahre entweicht. Wenn nun gleich dieſe Methode nur fuͤr trocknen, lo— ckern Boden zu paſſen ſcheint: ſo iſt ſie doch auch auf ſchwe— rem anwendbar, in ſoferne man mit guten eiſernen Eggen, oder Meſſer⸗ oder Schaufelpfluͤgen verſehen iſt, um der Ge⸗ ſchloſſenheit des Bodens im Fruͤhjahre zu begegnen. In einer Gegend der Pfalz haͤlt man ein mehrmaliges Pfluͤgen vor Winter zu einer guten Aerndte fuͤr unbedingt nothwendig. Iſt der Boden leicht, ſo wird zu jener Zeit dreymal, iſt er ſchwer, zweymal gepfluͤgt; dann aber wird der Pflug bey dem Zweytenmal tief angeſezt. Zugleich haͤlt man eine breite Furche, damit der Acker ſich recht rauh la⸗ gern und uͤber Winter durchfrieren moͤge. Der Saamen wird eingepfluͤgt. Dieſes Verfahren giebt noch einmal ſo viel Ha⸗ fer, als wenn der Boden vor Winter nur einmal gepfluͤgt worden waͤre. So ſah ich 1814 bey Speyer Hafer nach drey⸗ — 233 facher Herbſtfahre, deſſen Halme ſechstehalb Fuß hoch und wie ein Federkiel dick waren; ſtatt daß der danebenſtehende, vor Winter nur einmal gepfluͤgte, nur zwey Fuß uͤber der Erde maß. c) Beſtellung nach Klee. Nicht ſelten kommt in den Niederlanden der Hafer nach Klee, in dem Juͤlich'ſchen allemal vor.“ Muͤßte man nicht mit ſich ſelbſt Geduld und Nachſicht haben, ſo wuͤrde ich mir's niemals verzeihen, daß ich in leztem Lande, das ich doch mehrmals durchreiſt, und wo ich ſo aufmerkſam auf die Wichtigkeit des Haferbaues nach Klee gemacht worden bin, daß, ſage ich, ich mich nicht einmal darnach erkundiget habe, wie man es dabey angreife, alſo auch dem Leſer nicht zu ſagen weiß, ob man die Kleeſtoppel vor oder nach Winter zum Hafer umbreche. Moͤgen andere Reiſende weiſer und umſichtiger ſeyn, als ich es uͤberhaupt war, und leider noch bin. Ich erlaube mir den Leſer dafuͤr durch das zu ent— ſchaͤdigen, was Hr. Thaer im erſten Jahrgange ſeiner An⸗ nalen daruͤber ſagt:„Hat der Acker nur ein Jahr zu Klee gelegen, iſt er in ein queckenreines Land geſaͤet und hat dicht geſtanden: ſo wird eine einfaͤhrige Beſtellung nicht nur zureichend ſeyn; ſondern in der Mehrheit der Jahre eine mehrfaͤhrige uͤbertreffen. Einem nicht ſehr zaͤhem, nicht naſ⸗ ſem, nicht der Abſpuͤlung unterworfenem Boden wuͤrde ich dieſe Fahre aber ſchon im Herbſte geben, den Hafer etwas dicker, als auf muͤrbem Lande, ſaͤen und ihn ſcharf und wirkſam eineggen. Den uͤberjaͤhrigen, duͤnne ſtehenden, ver⸗ queckten Kleeacker aber wuͤrde ich bald nach dem zweyten Schnitte flach umbrechen und ihm im Fruͤhjahre noch zwey Furchen geben.“ 234 Zu Voorde in Flandern, wo der Boden eher ſchwer als leicht zu nennen iſt, hat man eine eigene Art den Hafer nach Klee zu beſtellen. Die Stoppeln des leztern werden vor Winter flach, etwa drey Zoll tief umgepfluͤgt und bleiben in dieſem Zuſtande uͤber Winter liegen. Im Fruͤh— jahr wird 3—4 mal geeggt, dann geſaͤet und noch ſechs⸗ mal in die Kreuz und Quer geeggt. Man ſaͤet dieſen Klee⸗ hafer um einen Monat fruͤher, als man den Getreideſtop⸗ pelhafer zu ſaͤen pflegt. Von ſolchem Hafer aͤrndtet man das zwanzigſte Korn. In den duͤrren Sandgegenden Brabants laͤßt ſich der Hafer nur erzwingen. Dieſes geſchieht, daß man ihn un— mittelbar auf den, ſeiner Seits ebenfalls erzwungenen, Klee folgen laͤßt. Da hier nichts ohne Duͤnger waͤchſt: ſo wird die Kleeſtoppel flach umgebrochen, aber nur auf jedem Beet mit ſechs Schnitten, darauf wird Miſt gefahren, und ange— walzt, die Furchen werden mit dem Pfluge ausgeſtochen, und die daraus gewonnene Erde— Sand— vermittelſt des Streichhackens von jeder Seite uͤber die Haͤlfte des Beetes, alſo uͤber den Miſt geſtrichen, darauf wird vorgeſchichtet, geſaͤet, eingeſchichtet und werden zulezt die Beetfurchen aus⸗ geraͤumt. d) Beſtellung nach Dreiſche. „Es iſt eine ſehr gewoͤhnliche Methode, ſagt A. Doung, Hafer auf die erſte Fahre, oder umgelegte Narbe alter und neuer Graslaͤnder zu ſaͤen; aber in den mehrſten, vielleicht in allen, Faͤllen iſt es beſſer Erbſen auf leichtem, Bohnen auf ſchwerem, neu aufgebrochenem Lande zu bauen. Ich habe oft geſehen, daß Hafer auf Dreiſch im erſten Jahre 235⁵ nur einen geringen, bey nachher wiederholter Saat aber einen reichlichen Ertrag gab. Ein Beweis, daß es im erſten Falle an zureichender Bearbeitung fehlte.“ Daß der Hafer im zweyten Jahre beſſer als im erſten gerathe, mag um ſo ſicherer anzunehmen ſeyn, als die dann mehr vergangene Graswurzeln die Vegetation beſſer beguͤn⸗ ſtigen; nach meiner Erfahrung aber kann ich den Bohnen den Vorzug vor dem Hafer in dem erſten Jahre auf einer einfach umgelegten Narbe nicht geben. Das Gras unter⸗ laͤßt nicht zwiſchen den Schnitten hervorzuwachſen, und ſeine Tilgung ſezt der Haue ſehr viele Schwierigkeiten ent⸗ gegen. Wollte man nicht hacken: ſo wuͤrde das Gras den Boden geradezu uͤberziehen und den Bohnen nachtheilig wer⸗ den. Auf Reihen zu ſaͤen faͤllt dabey unmoͤglich, es ſey, daß man die Bohnen dippeln wollte. Der Hafer aber hat vor dem Gras nicht bange, und unterdruͤckt es durch die Ueppigkeit ſeiner Vegetation. Es ſind wohl Wenige, die ſich competenter daruͤber aus⸗ ſprechen koͤnnen, als die Holſteiner Koppelwirthe. Wir wol⸗ len ſie abhoͤren.„Der auf die erſte Fahre geſaͤete Dreeſch⸗ hafer, ſagt Lang, kann den hoͤchſten Ertrag geben, wenn das Jahr oder der Acker feucht, oder ſo viele Kraft darin iſt, daß der Hafer ſich vor dem Eintritt der erſten Som— merduͤrre ſo beſtaude, daß er den Acker vollkommen uͤber⸗ ſchattet— Es wird dazu im Fruͤhjahre, ja nicht im Herbſt“), *) Und warum nicht auch im Herbſte? Ich habe manchen Raſen vor Winter aufbrechen laſſen. Der Hafer zeigte darauf keinen Nach⸗ theil, als daß er ſich theilweis lagerte. Da aber, wo der Raßboden an ſich feucht, vor Winter gepfluͤgt, den Zutritt der Egge nicht zeitig im Fruͤhjahre geſtatten wuͤrde, bin ich Langs Meynung. 236 ſo fruͤh als moͤglich, und ſo tief als es der Acker vertraͤgt, gepfluͤgt.— Die Schnitte muͤſſen gleich breit und ſo gehal— ten werden, daß ſie nicht ganz umklappen, ſondern ſich immer auf die Vorhergehende ſtuͤtzen.— Man ſäͤet ſo fruͤh, als das Land den Zugang der Egge erlaubt. Vor dem Saͤen darf nicht geeggt werden, weilen das Land dadurch zu eben wuͤrde, um den Hafer decken zu koͤnnen.— Man giebt gewoͤhnlich zwey Zuͤge mit der ſchweren, oder Boot⸗ egge, dann einige mit eiſernen Rundeggen. Dieſen folgt eine ſchwere Walze, um die hochliegenden Furchen nieder zu druͤcken, welches von großer Wichtigkeit iſt. Den Beſchluß machen die eiſernen Rundeggen. Hoͤlzerne Zinken ſpielen ohne allen Nutzen unter ſolchen Umſtaͤnden.“ „Sicherer, faͤhrt Lang fort, aber auch mit viel mehr Muͤhe verbunden, iſt der Dreeſchhafer in der Falge, dem wenigſtens zwey, wo moͤglich aber drey Fahren gegeben werden; denn auch bey der ſorgfaͤltigſten Behandlung wird man es nicht verhuͤten koͤnnen, daß der Acker nicht ſodig bleibe. So viele Vorzuͤge das Querpfluͤgen ſonſt auch hat, ſo wenig iſt es beym in der Falge geſaͤetem Hafer zu em— pfehlen. Die Soden werden dadurch in viereckte Stuͤcke geſchnitten, die ſich die Egge ſetzen, die Arbeit unſaͤglich erſchweren, und keine reine Pflugarbeit moͤglich laſſen.“ Wo der Boden es zulaͤßt, und genau genommen laͤßt er es allenthalben zu, die Grasnarbe ſechs Zoll tief aufzu⸗ ſchneiden, da ſollte man eine alte Weide oder Wieſe alle⸗ mal zweyfuhren, wobey der erſte Schnitt die Narbe etwa drey Zoll dick umlegt, und der zweyte drey bis vier Zoll Untergrund aus der Furche hebt, und uͤber die umgelegte Narbe bringt. Geſchieht das vor Winter, wobey freylich 237 die Waſſerfurchen offen gehalten werden muͤſſen: ſo gleicht die oberſte Krume im Fruͤhjahre einem Aſchhaufen. Hat das Zweyfuhren im Fruͤhjahre ſtatt, welches ich aber nicht fuͤr ſo gut halte, ſo ſchafft es doch reine Erde genug, um ungeſtoͤrt hineinſaͤen und das Geſaͤete eineggen zu koͤnnen. Das Zweyfuhren hat ſo viele Vorzuͤge, daß ich mich all— jaͤhrlich derſelben und ausſchließlich bediene. Freylich geht das mit allen Pfluͤgen nicht. In Brabant, wo man daſſelbe thut, hat fuͤr ſolche magere Gegenden, wo ein fuͤr allemal nichts ohne Duͤn⸗ ger, ſelbſt nach keiner Dreeſche waͤchſen will, folgendes beachtenswerthe Verfahren ſtatt: Nachdem die Grasweide gezweyfuhrt worden, läßt man ſie einen Monat uͤber, oder noch laͤnger, ſo liegen. Darauf wird Hafer geſaͤet, kurzer Miſt aufgefahren und uͤber den Hafer gebreitet, flach umge— pfluͤgt, damit der Pflug die Narbe nicht wieder herauf— bringe. Man eggt das Feld leicht ab, laͤßt aber eine ſchwere Walze folgen. Man aͤrndtet auf dieſe Weiſe leicht 60 Hek⸗ toliter vom Hektar. Dagegen wuͤrde man auf gutem Bo— den, bey dieſer trefflichen Methode, nur Lager zu erwarten haben. 0) Gerodete Beſtellung.* Wenn in Flandern das Land gerodet wird, welches im Waeslande und der Gegend von Aloſt alle 6—7 Jahre ſtatt *) Unter Roden verſtehe ich eine ſolche Vertiefung des Bo⸗ dens, welche auf gewoͤhnlichem Wege nicht mit dem Pfluge, und hoͤchſtens nur mit zwey hintereinander folgenden guten Pfluͤgen(wie der belgiſche z. B.) ausfuͤhrbar iſt. Dieſes Roden geſchieht in der 238 hat, ſo wird es vorzugsweiſe mit Hafer beſtellt. Das Ro⸗ den wird mit dem Spaten vollfuͤhrt, und dringt 15—16 Zoll tief ein. Es geſchieht allemal nach Winter. Nachdem das Land eine Weile rauh gelegen hat, und anfaͤngt gruͤn auszuſchlagen, wird es eben geeggt, und flach umgepfluͤgt, damit ſich der Boden ſchließe und ſetze. Darauf wird wie⸗ der geeggt, Miſt aufgefahren, der Hafer uͤber den gebreite⸗ ten Miſt geſaͤet, und beyde zuſammen untergepfluͤgt. Dar⸗ auf wird gewalzt oder geſchleift. Man wird ſich wundern, daß da zu Lande ſo viele Complimente mit dem Hafer gemacht werden, den man anderswo auf einen 5, oft nur 3 Zoll dicken einfaͤhrigen Schnitt ſtreuet; und fuͤrchten daher, daß die dadurch be⸗ wirkte Ertragsvermehrung ſolche Rodekoſten nicht decken koͤnne, und man hat in ſo weit nicht Unrecht; aber der Flammaͤnder hat nicht ſowohl den Hafer, als den auf den Hafer folgenden Lein, und mehr noch die ganze Zeit ſeines Fruchtumlaufes zum Ziel, und dieſes Ziel erreicht er in hohem Maße. f) Beſtellungs⸗Regeln. Da wohl Niemand den Haferbau genauer beobachtet, und vollſtaͤndiger beſchrieben hat, als der treffliche Dr. Schweizer: ſo erlaube ich mir die von ihm dafuͤr aufge⸗ Regel mit dem Spaten allein, oder mit dem Spaten und Pfluge zugleich.. Man druͤckte bisher ein ſolches ungewoͤhnliche Vertiefen durch das, wie mir ſcheint wenig Deutſche, nicht einmal feſt be⸗ ſtimmte Wort, Royolen, Rajolen, Rigolen, Ragolen und Rogolen aus. Ohne Jemand hierin Vorſchrift geben zu wollen, werde ich mich meiner Seits des deutſchen Wortes Roden bedienen. 239 ſtellten Regeln nebſt meinen Zugaben anzufuͤhren, welche man als das Reſultat des Vorgeſchickten betrachten kann. 1. Will man mit Gewißheit einen lohnenden Ertrag von dem Hafer erwarten: ſo muß die Art ſeiner Beſtellung ſich vor allem nach den Vorfruͤchten und der Beſchaf⸗ fenheit des Bodens richten. 2. Iſt der Boden ſchwer, und die Vorfrucht Getreide ge⸗ weſen: ſo breche man deſſen Stoppeln im Herbſte um, und pfluͤge wenigſtens einmal im Fruͤhjahre, ſaͤe den Hafer auf die rauhe, oder ſollte das Feld ſehr klotzig ſeyn, auf die abgeeggte Furche, und egge den Saa⸗ men ſorgfaͤltig ein. 3. Hat man unter den angegebenen Umſtaͤnden Zeit ge— nug, ſo pfluͤge man, beſonders wenn der Acker ver⸗ queckt iſt, zweymal im Fruͤhjahre, oder, beſſer, man bediene ſich, im Falle der Boden queckenlos iſt, ſtatt des zweyten Pfluͤgens, des Unterbringens der Saat durch den Schaufelpflug. Sollte die Saat dadurch auch etwas verſpaͤtet werden, ſo wird man ſich doch gut bey dieſem Verfahren ſtehen. 4. Iſt der Boden locker, trocken und in Kraft, vielleicht auch mit etwas Saamenunkraut gefuͤllt: ſo bleibt es am rathſamſten im Fruͤhjahre nicht zu pfluͤgen, ſon⸗ dern den Hafer auf die Herbſtfahre zu ſaͤen und mit der Egge unterzubringen. 5. Vortheilhafter iſt es fuͤr den eben angegebenen Fall dem Acker vor Winter zwey Fahren zu geben. 6. In dem Falle, daß der vor Winter zweymal gepfluͤgte Boden, von dem einfaͤhrigen gilt das um ſo mehr, durch einen unguͤnſtigen, naſſen Winter ſollte zuſam⸗ 240 mengeſchlaͤmmt worden ſeyn, ſo thut ein Pfluͤgen im Fruͤhjahre Noth, oder doch das Unterackern der Saat, lezteres, wenn der Boden von Natur locker iſt. . Iſt der Boden ſehr feucht und der Herbſt ſo naß, daß die Pflugarbeit dadurch erſchwert und nicht gut wird: ſo ſcheint es haͤufig am gerathenſten in dieſer Jahrs⸗ zeit nicht zu pfluͤgen; ſondern die Stoppeln erſt nach Winter umzubrechen, und ſogleich auf die rauhe Furche bey den erſten guͤnſtigen Tagen den Hafer zu ſaͤen und einzueggen. . Nach Hackfruͤchten aller Art, wird es, wenn im Herbſte ſorgfaͤltig gepfluͤgt wurde, am gerathenſten ſeyn, den Pflug im Fruͤhjahre ganz wegzulaſſen, und den Saa— men unterzuſchaufeln oder einzueggen. Nur ein ſchwe⸗ rer, naſſer Boden macht davon eine Ausnahme. 9. Nach Huͤlſenfruͤchten, auf nicht ſchwerem Boden aus— genommen, ſcheint ein nochmaliges Pfluͤgen nach Win— ter zum Hafer nothwendig; weilen nach ihnen die Fel⸗ der meiſtens ſehr feſt werden, und feucht bleiben. 10. Nach Klee darf nur einmal entweder vor oder nach Winter gepfluͤgt werden. Auf lockerem dem Zuſammen—⸗ ſchlaͤmmen unterworfenem Boden iſt das Nachwinter⸗ pfluͤgen dem Herbſtpfluͤgen vorzuziehen. 11. Eine uͤberjaͤhrige, meiſt verqueckte Kleeſtoppel wird am ſicherſten gezweyfuhrt, im Grunde alſo nur einmal, wiewohl mit zwey Pfluͤgen gepfluͤgt. 12. Esperfelder, Luzernfelder werden am beſten vor Win⸗ ter umgebrochen. Daſſelbe gilt auch fuͤr Neubruͤche, es ſey denn, daß ſie eine feuchte Lage haͤtten. Im Fruͤh⸗ jahre wird nicht weiter gepfluͤgt.. 13. Ob⸗ 241¹ 13. Obgleich der Hafer einen tief erbrochenen Boden liebt: ſo muß dieſer ſich doch nachher wieder geſchloſſen ha⸗ ben, wenn der Hafer nicht Lager werden ſoll. Daher lohnt es ſich, wenn man oͤfterer eggt, als man zu thun gewohnt iſt. „Beobachtet man, ſagt Schweitzer, die angegebenen Regeln, die aus reiner Erfahrung geſchoͤpft ſind, ſo wird man gewiß meiſtens eine geſegnete Haferaͤrndte, im Verhaͤlt— niß zu der Kraft des Bodens zu erwarten haben, und nicht ſelten groͤßern Vortheil von ſeinem Anbau ziehen⸗ als von dem der Gerſte.“ §. 6. Saatzeit. Je mehr Zeit eine Gewaͤchsart bis zu ihrer Vollendung braucht: um ſo fruͤher will ſie geſaͤet ſeyn, fruͤher alſo der Hafer als die Gerſte. Noch hat die dem Gewäͤchſe mehr oder weniger entſprechende Witterung, Lage und Bodenart auf die Saatzeit einen großen Einfluß. So ſind ein etwas feuchtes Klima, ein friſcher Boden der Entwicklung und dem Wachsthum des Hafers zuſprechender als eine windige, trockene Lage, ein duͤrrer Boden. Er bedarf uͤberdem zum Keimen mehr Feuchtigkeit als die Gerſte. Man muß daher unter weniger guͤnſtigen Umſtaͤnden die Bodenfeuchte des Winters zu benutzen und den Hafer moͤglichſt fruͤh zu ſaͤen ſuchen. Wenn man daher in einigen Gegenden den Hafer im Mai ſaͤet, ſo ſaͤet man ihn in andern am liebſten im Maͤrz. Aber auch in eben derſelben Gegend, alſo unter Heinem und demſelben Klima ſaͤet man auf feuchtem Marſch— boden(wie die niederlaͤndiſche Polder) im April, wenn man auf dem daran ſtoßenden trocknen Sandlande(der daſigen v. Schwerz Anleit. z. prakt. Ackerbau. II. Bd. 16 242 Campine) erſt im Mai ſaͤet, welches leztere ſich wohl nur aus daſigem feuchtem Klima erklaͤren laͤßt. Auf den Wuͤr⸗ tenberg'ſchen Hoͤhen, wie Hohenheim, bezeichnet der nach dem Maͤrz geſaͤete Hafer in der Regel nicht viel, waͤhrend man in Belgien zur Noth noch in den erſten Tagen des Juni ſaͤen kann. Noch beobachtet man in leztem Lande den Hafer, der nach Klee folgt, daſſelbe gilt auch fuͤr den Dreeſchhafer, um einen Monat fruͤher zu ſaͤen, als den nach Getreide folgenden. Sowohl in Belgien als in Cleve wird der geduͤngte Hafer ſpaͤter als der magere geſaͤet. In einigen Gegenden., richtet man ſich mit der Zeit der Einſaat des Hafers nach dem Zeitpunkte, wo der Weißdorn zu bluͤhen anfaͤngt. In Curland ſaͤet man, nach Dullo, den Hafer ſo fruͤh als moͤglich, wenn das Waſſer noch in den Furchen dem Pfluͤger nachlaͤuft, und die Erde nur ſo weit aufge⸗ thauet iſt, daß der Pflug 4—5 Zoll eindringen kann; be⸗ ſonders auf ſandigem Boden. Man ſieht es daſelbſt als eine nothwendige Bedingung an, daß der Hafer noch viele Naͤſſe im Boden antreffe. So viel vermoͤgen Umſtaͤnde und oͤrtliche Einfluͤſſe! Und ſo ſchwer, ja unmdoͤglich faͤllt es fuͤr manche Gegen— ſtaͤnde allgemein paſſende Regeln zu geben! Ein jeder ſehe alſo und pruͤfe das Hergebrachte, bevor er es verwirft; befolge es aber nicht blindlings, ſo wenig als das Ge⸗ ſchriebene! Vielſeitig in ihrem Gange iſt die Natur, viel⸗ ſeitig ſey auch der Menſch in dem ſeinigen, damit er ſeine Vorgaͤngerin nicht verfehle! Die einzige Regel, welche ſich fuͤr den Hafer aufſtel— len laͤßt, iſt die, ihn ſo fruͤh zu ſaͤen als Zeit und Um⸗ 243 ſtaͤnde es zulaſſen. Sicherer in der Regel, und ergie⸗ biger oder doch ſchwerer(und lezteres will viel bey dem Ha⸗ fer ſagen) wird ſeyn der fruͤh- als der ſpaͤt geſaͤtte. Man eilt ſo ſehr fuͤr das Einbringen der Bohnen, man ſollte noch mehr fuͤr das des Hafers eilen; doch leztern nicht wie jene einſchmieren. Bey feuchter Witterung fertige man alſo die Bohnen zuerſt ab, und erſpare die Arbeit fuͤr den Hafer auf eine etwas guͤnſtigere Zeit. Er ſey aber dabey der Gerſte nicht im Wege, denn dieſe erfordert fuͤr ſich die guͤnſtigſte Zeit. Da der Hafer uͤberdem die Spaͤtfroͤſte beſſer als jedes andere Sommergetreide ertraͤgt: ſo laͤuft man bey einer ganz fruͤhen Ausſaat keine Gefahr; denn nicht nur widerſteht er in ſeinem großartigen Zuſtande dem Froſte, ſondern auch dann, wann er ſchon in Halme aufgeſchoßt iſt, welches die andern Getreidearten nicht thun. Wird der Hafer ſpaͤt geſaͤet, ſo geht er ſchwer und ungleich auf und leidet mehr von der duͤrren Witterung als der fruͤhere; dabey bleibt die⸗ ſer duͤnner und ſchmaͤchtiger. §. 7. Saamen und Saatquantum. Die Auswahl, oder vorherige Ausſcheidung des Saa— mens, iſt bey keiner Fruchtgattung nothwendiger, als beym Hafer, der ſo viele taube oder doch unausgebildete Koͤrner zahlt. Solche Koͤrner, die zur Fuͤtterung noch immer eini⸗ gen Werth haben, ausſaͤen, iſt Verſchwendung; denn ent⸗ weder keimen ſie gar nicht, oder liefern nur unvollkommene, den beſſern hinderliche, Pflanzen. Ob man nicht beſſer thun wuͤrde, den Hafer nach dem Gewichte als dem Maaße zu ſäen? Noch wird ſich die Muͤhe den Saamen zu reinigen, um ihn moͤglichſt von dem Unkrautſaamen zu befreyen, bey dem Hafer ſehr wohl bezahlen. 5 244 Wie bey andern Getreidearten, ſo iſt auch das Maaß der Einſaat bey dem Hafer nach den Orten verſchieden. Die allgemeinen Regeln fuͤr das dickere oder duͤnnere Saͤen gel⸗ ten auch fuͤr ihn. Man beachtet insbeſondere die Vorfrucht und die weniger oder mehr ſorgfaͤltige Beſtellung. So nimmt man nach Klee einen viertel Theil Saamen mehr, und nach einfaͤhriger Dreiſche das Doppelte, was man fuͤr Hafer nach Getreide zu nehmen pflegt. Nach Berechnung von Burger bedarf man von recht ſchoͤnem Hafer fuͤr den Hektar auf gutem Boden oder bey friſcher Düngung........ 2,85 Hektoliker. in zweyter oder dritter Tracht 4, 28 in der ſchlechteſten Lage..... 5,70 Bey G. Podewils, nach langjaͤhrigem Durchſchnitt, im Bruche.... 5,00 A. Young haͤlt fuͤr angemeſſen auf rei⸗ chem Boden..... 3,50 bis 4,28 auf armem. 5,35 Der beruͤhmte Duket drillte.. 4,41 In England uͤberhaupt. 5,35 bis 6,95 Dr. Burger ſelbſt drillte... 3,74 In den Niederlanden zu Edeghem ſandi— ger Bodeir.......... 2,25 In den Poldern....... 2,75 Noch daſelbſt......... 3,00 Eampine......... 3,40 Poorde........... 3,00 Weſtflandern......... 2,75 Das Medium der Einſaat von allen dieſen Angaben betraͤgt alſo 4 Hektoliter auf den Hektar, das von den Nie⸗ 245 derlanden insbeſondere 2,86. Lezteres ſtimmt vollkommen mit dem, was Burger fuͤr guten oder friſch geduͤngten Boden angiebt. Nehmen wir das Medium der Angaben ohne die niederlaͤndiſche: ſo finden wir, daß die Einſaat der uͤbrigen ſich zu dieſen verhalte, wie 100 zu 61 und daß leztere noch bedeutend geringer ſey, als die zwey angegebe⸗ nen mit dem Saͤekaſten abgefertigte Einſaaten. Ein Beweis, was eine gute und kraͤftige Cultur vermag! Vergleichen wir zulezt das Geſammtmedium der Anga⸗ ben fuͤr den Hafer mit denen, Seite 156 aufgeſtellten fuͤr den Rocken: ſo finden wir, daß das Saatquantum dieſes leztern ſich zu dem des erſtern verhalte, wie 100 zu 222, oder wie 5 zu 11; daß man im Allgemeinen alſo mehr als noch einmal ſo viel Hafer zur Einſaat verwende als Rocken. Verglei⸗ chen wir endlich die Ausſaat beyder Fruchtarten, wie ſie in den Niederlanden ſtatt hat, unter ſich: ſo ergiebt ſich ein we— niger bedeutender Unterſchied. Die Hafereinſaat verhaͤlt ſich naͤmlich zu der des Rockens⸗wie 100 zu 185, oder wie 5 zu 9. — §. 3. Unterbringen der Saat. Der Hafer wird theils mit dem Pfluge, theils mit der Egge untergebracht. Welches von beyden den Vorzug ver⸗ diene, haͤngt von den Umſtaͤnden ab, und dieſe geben dem aufmerkſamen Wirthſchafter von ſelbſt an, was er zu thun habe. Im Allgemeinen moͤgten wohl folgende zwey Regeln gelten: I. Auf naſſem Boden; auf zaͤhem, ſchwerem Boden; auf ſteinigem Boden; auf einfaͤhrig umgelegtem Lande; bey feuchter Witterung, da egge man den Haferſaamen ein; II. Auf trocknem Boden, auf leichtem, lockerm Boden, bey trockner Witterung, in windigen Gegenden, da pfluͤge man ihn unter. Am rathſamſten von allem moͤgte wohl ſeyn den Hafer zuerſt einzueggen, und nach dem Verlaufe von ein paar Tagen das Land flach und in ſchmalen Schnitten umzupfluͤ⸗ gen. Wir werden darauf bey Gelegenheit der Haferpflege zuruͤckkommen. Der untergepfluͤgte Hafer ſcheint im Ganzen Vorzuͤge vor dem eingeeggten zu haben. Nur muß das Walzen vor dem Saͤen nicht vergeſſen werden, wodurch ſich der Saamen gleicher uͤber dem Boden vertheilt, und dieſer reiner mit dem Pfluge umgelegt wird. Waͤre der Boden aber ſchwer, oder etwas feucht, ſo bleibt ein vorlaͤufiges Eggen dem Wal⸗ zen vorzuziehen. Erheiſchen die bey J angefuͤhrte Umſtaͤnde das Eineggen der Saat, ſo ſpare man die Egge nicht, am wenigſten dann, wenn man unter ſolchen Umſtaͤnden, derer bey II gedacht worden, ſich des Pfluges zum Unterbringen der Saat nicht bedienen will. Ob man das Land ſogleich nach der Einſaat des Hafers, oder erſt dann walzen ſoll, wann dieſer 3—4 Zoll uͤber der Erde iſt, wird durch die Witterung und den Boden ent⸗ ſchieden. Iſt dieſer zugleich ſchwer und feucht, ſo duͤrfte das Walzen nur nachtheilig, durch die Bildung einer feſten Borke, wirken. Man unterlaͤßt es alſo, und nimmt es ſpaͤter vor, wann Witterung und Boden trocken geworden ſind. Auf leichten, auch trockenen Feldern, bey guter Wit⸗ terung, bleibt das Walzen unmittelbar nach der Saat mit Vortheil anwendbar, und auf lockerem Boden, bey trockner — 247 Witterung, oder auf friſch geduͤngtem Acker nothwendig. Das Walzen beſchleuniget das Keimen des Saamens, und bezweckt ein gleichfoͤrmiges Aufgehen aller Pflanzen. Bey⸗ des ſo wichtig bey dem Sommergetreide! §. 9. Haferpflege. Wenn alsbald nach der Einſaat der Boden durch einen Platzregen zugeſchlagen wird: ſo iſt das Aufeggen erprobt zweckmaͤßig. Man unternimmt es in einigen Gegenden Weſt⸗ phalens auch ohne ein ſolches Zuſchlagen, 4—5 Tage nach der Ausſaat, und laͤßt die Walze darauf folgen. Wird dieſe Vorrichtung von neuem wiederholt, wenn der Hafer einen Finger lang iſt: ſo darf man hoffen, ihm dadurch einen maͤchtigen Vorſprung uͤber das Unkraut verſchafft zu haben. Wohl wird ein Theil Pflanzen dabey ausgeriſſen; allein die uͤbrigen beſtocken ſich nachher um ſo ſtaͤrker und ihre Halme werden um ſo ſteifer. Dieſes Eggen iſt in jenen Gegenden unter dem Namen Haferwecken bekannt. Etwas Aehnliches erzaͤhlt auch Dullo von Curland. Nach⸗ dem man den Hafer ſehr fruͤhe geſaͤet und untergepfluͤget hat, wartet man 14 Tage, und laͤnger, bevor man zum Eggen ſchreitet. Fuͤrchtet ſich aber dann nicht, wenn die Koͤrner auch ſchon aufgegangen ſind, in der Ueberzeugung, daß das Eggen durch das Auflockern der Erde der gekeimten Saat Vortheil bringe. Nach dem Eggen uͤberfaͤhrt man das Land mit einer ſchweren Walze. Ohne ſelbſt daruͤber eine Erfah⸗ rung gemacht zu haben, bin ich geneigt, ſolches fuͤr eine hoͤchſt paſſende Vorrichtung zu halten, deren Pruͤfung ich mir vorbehalte.. Auffallend iſt folgendes, freylich einzelnes Beyſpiel. Zu einer Zeit, wo wegen einfallendem, lange anhaltendem Re— genwetter die Ausſaat des Hafers ſich bis in den Mai ver⸗ ſpaͤtete, ließ ein Landwirth im Paderbornſchen den ganzen Haferſchlag, durch Anſtellung mehrerer Saͤeleute auf einmal beſaͤen, eineggen und 8 Tage nachher unterpfluͤgen. Auf lezteres wurde dann geeggt und gewalzt. Der Erfolg davon ſoll zum Theile außerordentlich geweſen ſeyn. Wucherblu⸗ men und Hederich wurden ſo unterdruͤckt, daß ſie dem Ha⸗ fer nicht mehr zu ſchaden vermogten. Auch dieſer Verſuch verdiente eine Wiederholung. Ich weiß wohl, daß einige Verſuche der Art mißlungen ſind; allein da lag wohl die Schuld an der Behandlung; oder viel⸗ mehr an dem zu weit hinausgeſchobenen Umpfluͤgen des ſchon fingerlangen Hafers. Der von mir angefuͤhrte Verſuch aber ſpricht von dem Umpfluͤgen nach 83 Tagen und nicht nach 3 Wochen. Der Leſer wird beobachtet haben, daß hier der Hafer zuerſt eingeeggt und dann untergepfluͤgt; in der vor⸗ hergehenden Angabe gegentheils zuerſt untergepfluͤgt und dann— geeggt wird. Beydes duͤrfte alſo nach den Umſtaͤnden an⸗ wendbar ſeyn. Hederich, Flughafer und Wucherblumen ſind die großen, erklaͤrten Feinde des Hafers. Leidet die Gerſte weniger darunter: ſo gelingt es da, wo ſie ſpaͤter beſtellt und fleißiger angebaut wird; dann ſchneller aufſchießt als der langſame Hafer. Man hat außer dem Umpfluͤgen des ſchon hervorſte⸗ chenden Hafers, wodurch das auf der Oberflaͤche keimende Unkraut mit untergebracht wird, und unter der Erddecke er⸗ ſtickt, waͤhrend der Hafer wieder durchwaͤchſt, noch man— ches gegen den Hederich verſucht, wovon einiges viel, an⸗ 249 deres wenig, anderes gar nichts hilft. Nichts hilft das Ab⸗ maͤhen des eine handhohen Hafers; wenig das Saͤen auf die Schwarte, oder das Durcheggen der Saat; mehr die voͤllige Zurechtlegung des Ackers vor Winter, am meiſten das Jaͤten. Eines der Hohenheimer Felder, das erſt im Jahre vor— her uͤbernommen worden, wurde mit Hafer beſaͤet, und ſpaͤ⸗ ter gejaͤtet. Es ſtrozte aber an einigen Stellen ſo mit, hier weißbluͤhendem, Hederich(der leidige raphanus), daß kein Hafer darunter zu erkennen und das Ausjaͤten wohl phyſiſch, aber nicht oͤkonomiſch, moͤglich war. Ich ließ daher maͤhen. Der Hafer kam, freylich etwas ſchwaͤcher, wieder; aber der liebe Hederich, der ſchon abgemaͤhte naͤmlich, kam auch, und trieb viermal ſo viel, doch ſchwaͤchere, Aeſte als vor— her. Es waren die jungen Hyderkoͤpfe; der Drache war alſo nichts weniger als uͤberwunden. Grauſenerregend war der Zuſtand eines andern Stuͤckes, das wir geſaͤet auf die Schwarte uͤbernommen hatten. Wo zehn Hederichpflanzen gegen eine Haferpflanze vorkommen, da wird der Ertrag die Koſten des Jatens nimmer decken. Es waͤre aber eben ſo unwirthſchaftlich lezteres zu unterneh⸗ men, als unverantwortlich einen nicht raſtenden Feind leben zu laſſen. Maͤhen und umpfluͤgen blieb hier das einzige Mittel, und es wurde dazu gegriffen. Das ſpaͤte Durcheggen der Saat iſt zwar erſprießlich zum beſſern Wachsthume des Hafers und kann dadurch mit⸗ telbar etwas zur Ueberwaͤltigung des Saamenunkrauts die⸗ nen; aber zur Zerſtoͤrung deſſelben unmittelbar nichts bey— tragen. Die wilden Pflanzen wiſſen den Zaͤhnen der Egge eben ſo gut auszuweichen als die zahmen. 25⁰ Das wenigſt, oder vielmehr gar nichts, koſtende, und doch ſehr wirkſame Mittel gegen das Saamenunkraut iſt die voͤllige Zurechtlegung des Bodens vor Winter, von deren Nutzen ſchon in dem§. 5 geſprochen worden. Schon im Jahre 1805) zeigte mir ein Freund auf ſtrengem Lehm⸗ boden mehrere Haferſtuͤcke, die ſehr rein und ſchoͤn ſtanden, ſtatt daß andere dazwiſchen liegende mit Hederich uͤberſaͤet waren. Er erklaͤrte, daß er gedachte Stuͤcke vor Winter zur Saat habe pfluͤgen laſſen, und daß dieſes das wirkſamſte Mittel ſey, reine Sommergetreide zu erhalten. Dieſes wurde mir nachher noch an mehreren Orten beſtaͤtiget. Wer alſo es thun kann, der thu' es! Hilft endlich nichts: ſo hilft das Jaͤten.— Aber Jaͤ⸗ ten?— Ja Jaͤten! So ſehr der Landwirth, der es nicht kennt, davor erſchrickt; ſo ſehr ich ſelbſt einſt davor zuruͤck⸗ ſchroͤckte: ſo darf ich aus Erfahrung verſichern, daß er nach einigen Jahren keine Ausgabe lieber machen wird, als ge⸗ rade die fuͤr's Jaͤten ſeiner Getreidefelder. Es liegt etwas ſo Troͤſtliches in der Sicherheit des Erfolges, und etwas ſo Wonnigliches in der Bekaͤmpfung eines Erzfeindes, daß da, wo man des erſten gewiß iſt, man lezteres nicht unterlaſſen kann. Hier wahrlich iſt Rache ſuͤß— und erlaubt! Wo aber keine Haͤnde zum Kampfe zu haben ſind, oder der ner— vus belli fehlt, da muß man's freylich bey dem Frieden laſſen. Hat das Walzen des Haferfeldes nicht gleich nach der Einſaat ſtatt gehabt; ſo muß es geſchehen, wenn der Ha⸗ fer einen Finger lang uͤber der Erde hervorragt.„Wenn, *) S. Belgiſche Laudwirthſchaft I. Band, Seite 5653. 251 ſagt Schweitzer, das Walzen nicht eher geſchieht, als bis die Pflanzen anfangen Nebenſproſſen zu treiben: ſo befoͤr⸗ dert es, wie ich deutlich bemerkt habe, das Beſtocken der⸗ ſelben, und hindert bey trockner warmer Witterung ihr all⸗ zuſchnelles Schoſſen, indem durch das Niederdruͤcken ihr Streben nach der Hoͤhe verringert, und das nach den Sei⸗ ten vermehrt wird. Auch werden die mit dem Boden in Be⸗ ruͤhrung gebrachten Halmknoten zum Treiben neuer Wurzeln gereizt.“ Das Ueberfahren des Hafers, nachdem er aufgeſproſ⸗ ſen, mit Jauche, iſt freylich vortrefflich. Wohl dem, der es thun kann, und wohl dem Hafer, dem auf magerem Felde ein ſolches Gluͤck wiederfaͤhrt! §. 10. Haferaͤrndte und Ertrag. Man muß mit dem Einſchnitte des Hafers nicht lange zaudern. Alle Koͤrner kommen nicht dabey zur Zeitigung, und wer auf die lezten warten wollte, ſezt ſich der Gefahr aus, die erſten, alſo die beſten, durch einen ungebetenen Windſtoß zu verlieren. Er reift geſchnitten eben ſo gut, wie anderes Getreide, nach. Der Hafer wird entweder mit der Geſtellſenſe gemaͤht, welches das beſſere iſt, oder gehauen. Manche laſſen ihn eine Zeitlang auf dem Schwade liegen, welches nur dann zu billigen, wenn er waͤhrend dem Einſchneiden beregnet, oder naß, oder mit Klee oder vielem Kraut durchwachſen iſt. Er kaun auf der Erde liegend allerdings vielen Regen vertragen; daß er ſich dann nachher leichter abdreſchen laſſe, mag ſeyn, daß er aber durch das Liegen dicker werde, dazu gehoͤrt ein feſter Glaube! 25²2 Sowohl in den Niederlanden als in Holſtein, bindet man den reinen Hafer gleich hinter der Senſe, oder ſobald nur moͤglich.„Gute Wirthe, ſagt Lang, halten dieſe Ar— beit fuͤr ſo wichtig, daß ſie, wenn es an Leuten fehlt, lie⸗ ber mit dem Einfahren des Wintergetreides einhalten, um nur ihren Hafer in Band zu kriegen.— Man hat nicht das Vorurtheil, daß er erſt beregnen muͤſſe, um jhn rein abdreſchen zu koͤnnen. Unſere Dreſcher verſtehen auch den feſter ſitzenden Hafer auszuſchlagen. Wenn das aber auch nicht moͤglich waͤre: ſo wollen wir lieber den leichten, un— reifen Hafer dem Viehe bey der Fuͤtterung zu gut kommen laſſen, als den beſten vollkommenſten den Voͤgeln und Maͤuſen auf dem Felde preisgeben.— Wenn der Hafer nur trocken ins Band koͤmmt, und anders muß man nie binden: ſo haͤlt er auch die ſchlechteſte Witterung ſehr lange ohne Nachtheil aus, waͤhrend er in den Schwaden nur mit großem Koͤrnerverluſt durch haͤufiges Wenden vor gaͤnzlichem Verderben geſchuͤzt werden kann. Auch will man bemerkt haben(dieſes bedarf wohl keines Beleges), daß das Stroh von gleich aufgebundenem Hafer weit kraftiger in der Fuͤt⸗ terung ſey, als wenn er 8 Tage in Schwaden gelegen.“ In den Niederlanden, wo, wie geſagt, das unmittel⸗ bare Aufbinden hinter der Senſe ebenfalls ſtatt hat, macht man keine beſondere Bande, ſondern bindet den Hafer in ſein eigenes Stroh, und zwar zweymal. Die Bunde wer⸗ den dadurch von der Dicke, daß ihrer vier in ein doppeltes Rockenſtrohband gehen wuͤrden. Alſo gebunden werden ſie zu ſechs gegen einander im Kreiſe aufgeſtellt, nach unten von einander entfernt, und von oben leicht zuſammenge⸗ bunden. 253 Nach einigen Angaben des Dr. Burger ſchwankt der Haferertrag auf angemeſſenem Boden und bey paſſender Cul⸗ tur zwiſchen 32 und 53. Im Sandboden bey geringer Cultur oder auf ausgetra⸗ genen Aeckern, zwiſchen 21 und 32. In den Niederlanden nimmt man auf Marſch⸗ oder ſonſt ſehr gutem Boden an. 56 bis 67 Daſelbſt auf Sandboden.. A4o. 41 Daſelbſt in der Campine, oder auf ſchlechtem Sande....... 57 Ertrag von Hohenheim vom Jahre 1825⸗ 5 44 Medium fuͤr England nach Youngs ſtlicher Reiſe............ 54 ſädlicher Reiſe......... 23 noͤrdlicher Reiſe.... 32. Demnach thaͤte das Medium vom Hektar fuͤr Deutſchland....... 54,50 Hektol. fuͤr die Niederlande...... 50, 66 fuͤr England.....31,35 Daraus ergeht, wie nachl afſig der Haferbau in Eng⸗ land betrieben wird, und wie hehr und groß er im Gegen⸗ theile in den Niederlanden erſcheint. Doch, wo iſt ein Land, deſſen Ertrag ſich mit dem der Niederlande meſſen koͤnne! Man hat mir Partheylichkeit fuͤr die Niederlaͤnder vorgewor⸗ fen, und man hat nicht ganz Unrecht. Partheylichkeit aber fuͤr's Wahre und Gute verdient keinen Tadel. Man gehe hin und ſehe, und wer kann, der zeihe mich der Luͤge! *) Wird als ein beſonders ergiebiges Haferjahr in dem Durch⸗ ſchnitte nicht mit zaͤhlen. Wegen Hagel iſt von 1824 nichts zu ſagen. 254 Bis dahin kann ich nicht, als einem Volke die Palme zu⸗ erkennen, die es ſich ſo ruhmvoll im Angeſicht aller ſeiner 4 Nachbaren von jeher und noch bis auf dieſe Stunde er— kaͤmpfet. Achter Abſchnitt. Emmer oder Ehmer, triticum dicoccum, iſt weſentlich vom Einkorn und dem Spelz(Dinkel) verſchieden. Das triticum tricoc- cum koͤmmt kaum in 12 Monaten bey uns zur Vollkom⸗ menheit, außer in warmen Jahren und auf einem ſehr kraͤf⸗ tigen Boden. Wenn ihm der Name egyptiſcher Spelz ge⸗ buͤhrt, unter welchem man dieſe Pflanze manchmal bezeich⸗ net: ſo iſt nicht zu mißkennen, daß ſie ſich nach ihrem Va⸗ terlande zuruͤckſehnt, und an Nils fettem Strande beſſer gedeihen mag als in Deutſchland. Der Ehmer, ſo wie Einkorn und Spelz, gehoͤrt zu den Weitzenarten, und alle drey zaͤhlen unker den Halbfruͤchten, das heißt, ſie muͤſſen, da die Koͤrner in den Huͤlſen beym Dreſchen ſitzen bleiben, und damit aufgemeſſen werden, ge⸗ gerbt werden, wodurch das Maaß ungefaͤhr auf die Haͤlfte herabfaͤllt. Man baut dreyerley Arten von Emmer in Wuͤrtem⸗ berg, weißen, rothen und ſchwarzen. Lezter wird vielleicht nur als Winterfrucht gebaut; beyde erſtere aber kommen als Sommerfrucht vor, wollen jedoch fruͤh geſaͤet ſeyn. Nach einer Erfahrung aber haͤlt auch der rothe Emmer nicht allein 255 den Winter aus, ſondern wird ſo vollkommener, als wenn er im Fruͤhjahre geſaͤet worden waͤre. Der weiße Emmer giebt ein weißeres feineres Mehl, als der rothe, und liefert eine ſehr ſchoͤne weiße Staͤrke; dagegen iſt der rothe ergiebiger, und gedeiht beſſer auf ge⸗ bundenem Boden. Fuͤr meinen Theil ziehe ich den rothen zum Anbau bey weitem vor. Beyde haben vor den uͤbri— gen Weitzenarten den Vorzug, daß ſie mit trocknerm und ſchlechterm Boden vorlieb nehmen. Sie haben ferner den, daß ſie nicht lageren, und die Meynung, welche dieſe Eigenſchaft dem Dinkel, der ſie doch nicht hat, zuſchreibt, moͤchte wohl von dem Emmer herruͤhren. Das ſteife Stroh taugt daher auch nicht zur Fuͤtterung. Als Sommerfrucht dient er, Hafer und Gerſte auf dem Felde zu erſetzen. Er koͤmmt daher nach dem Wintergetreide vor. Willkommner, als dieſe Stelle bey den Dreyfeldern, moͤchte ihm eine im Fruchtwechſel ſeyn; am liebſten wahr⸗ ſcheinlich die nach Klee, und hier waͤre zu verſuchen ihn mit Hafer auszuſaͤen, bey dem er das Lagern unter ſolchen Um⸗ ſtänden verhindern koͤnnte. Noch bleibt der Ehmer, als Brodfrucht, fuͤr den Landwirth ſchaͤtzbar, der mit ſeiner Wintergetreidſaat nicht hat fertig werden koͤnnen und ſie im Fruͤhjahr durch den Emmer ergaͤnzt. Der Ertrag vom Ehmer wird in den Wuͤrtemberg'ſchen Annalen angegeben zu 7— 8 Scheffel vom Morgen, oder 39— 45 Hektoliter vom Hektar, welches fuͤr Sommergetreide ein ſehr bedeutender Ertrag iſt. Wir ſelbſt aͤrndteten 1825 von etwas kleines mehr als einem Hektar, nach Kartoffeln 44,2 Hektoliter. Dieſe gaben an Stroh und Kaff 43,8 metriſche Zentner. 1824 hatte der Ehmer von dem Hagel 256 gelitten. Wir aͤrndteten dennoch 39,38 Hektoliter Koͤrner, bey 46 m. Ztr. Stroh. Die Koͤrner gaben nach dem Ger— ben 24 ½ Hektoliter Kernen. Die auf demſelben Felde un⸗ mittelbar daran ſtoßende Gerſte ertrug 20 Hektoliter Koͤrner und 56 m. Ztr. Stroh. Der Ehmer will ſehr fruͤhe geſaͤet ſeyn, und vertraͤgt wahrſcheinlich auch eine Ausſaat im Spaͤtherbſte. Man nimmt eben ſo viel Saamen als fuͤr den Dinkel angegeben worden. Da er fruͤh geſaͤet ſeyn will, dem Lagern nicht unterworfen iſt, und ſpät reift: ſo eignet er ſich um mit Erbſen oder Hafer ausgeſaͤet zu werden, wodurch dem Felde wahrſcheinlich ein ſehr hoher Ertrag abzugewinnen waͤre. Auch unter gruͤn abzufuͤtternde Wicken ſcheint er zu paſſen, da er ſie beſſer als jedes andere Getreide aufrecht erhält. Noch iſt er auf einem Lande, wo man Ueppigkeit halber von jedem andern Getreide Lager zu befahren hat, zu em⸗ pfehlen. Wichtig iſt bey der Einaͤrndtung des Ehmers das Treffen trockner Witterung, da er, geſchnitten, keinen Re— gen vertragen kann. Wird er dann durchnaß: ſo zerfließt nachher das Mehl beym Backen und erlangt einen bittern Geſchmack. Der ſchwarze Winterehmer, der im Oeſterreichiſchen im Großen gebaut werden ſoll, duͤrfte zwar auch anderswo ge⸗ deihen; doch hat ſich bey den in Wuͤrtemberg damit ange— ſtellten Proben gezeigt, daß er dem Mehlthau mehr als an⸗ dere Weitzenarten unterworfen iſt; worauf die Aehre ſich zwar noch vollkommen zu entwickeln ſcheint, aber viele taube, magere und ſchlechte Koͤrner anſezt, welche oft keine Kei⸗ mungsfaͤhigkeit mehr haben. Nach 257 Nach den Beobachtungen Dr. Schuͤblers reifen in einer Aehre gewoͤhnlich beym— Koͤrner— wiegend Gran weißen Ehmer 56— 35 rothen Ehmer 60— 40 Sommer⸗Dinkel 34— 24 Sommer⸗Weitzen 50— 3⁰ Vergleichen wir dieſe Beobachtungen miteinander und bemerken, daß der Ehmer ſich nicht weniger als Sommer⸗ Weitzen und Sommer⸗Dinkel beſtocke: ſo duͤrfte man der Cultur des rothen Ehmers nicht mit Unrecht den Vorzug vor der der beyden andern Getreidearten geben. Koͤmmt gleich ſein Korn der Guͤte des Weitzens nicht gleich, ſo iſt ſein Ertrag an Kernen um groͤßer als das des Som⸗ mer⸗Weitzens, und dabey weniger gefaͤhrdet. Wo aber die Muͤhlen nicht mit einem Gerbgange verſehen ſind, da iſt ſeine Einfuͤhrung vor der Hand eben ſo wenig als die des Dinkels anzurathen, es ſey denn, daß man ihn den Pfer⸗ den verfuͤttern wolle. Dieſe Verwendung wuͤrde nicht blos in ſolchen Jahren oder Gegenden, wo der Hafer in hohem Preiſe ſteht, ſondern auch uͤberhaupt von großem Vortheil ſeyn; da der Ehmer im Ertrage zum Hafer wie 4o zu 34 ſteht. Verglichen im Gewichte giebt der Hektar Hafer 1496, der Hektar Ehmer 1920 Kilogr., dieſer alſo 424 Kilogr. an Koͤrnern mehr als jener. Nach den Waͤge⸗, Mahl⸗ und Backproben, die ich im Dezember 1824 mit Ehmer und Einkorn anſtellen ließ, er⸗ gaben ſich folgende Reſultate. v. Schwerz Anleit, z. prakt. Ackerbau. II. Bd. 17 100 Liter wogen.. 43,5 Kilogr. gaben Kernen..... 53, 12 Liter. dieſe wogen y.... 36,3 Kilogr. gaben Mehl... 31,5— gaben Kleie........ 4,65— das Mehl gab Brod* 43,47— Ein korn. . . . . . — «· 160 Liter wogen.... 40,77 Kilogr. gaben Kernen........ 38,27 Liter. dieſe wogen...... 30⁰,0 Kilogr. gaben Mehl......:.. 25,0— gaben Kleie.„.... 4,25— das Mehl gab Brod...... 34,45— Neunter Abſchnitt. Sommerweitzen. Er ſey begrannt oder unbegrannt, ſo iſt zwiſchen ihm und dem Winterweitzen kein anderer Unterſchied, als der der Zeitigung. Da dieſe ſchneller bey dem einen als bey dem andern vor ſich geht: ſo erlaubt ſie die Einſaat des einen im Fruͤhlinge zu unternehmen, wenn die des andern —— *) Ich gab ſpaͤterhin das Mehl von einem Hektoliter Ehmer an einen Becker, erhielt aber nur 55,4 Kilogr. Brod zurücke, alſo acht weniger als von eigenem Gebaͤcke. Das Brod vom Becker aber war beſſer und weniger feucht, als das eigene. Das Mehl vom Ehmer kommt jedoch dem Mehl vom Einkorn an Guͤte nicht gleich. 259 im Herbſte vollfuͤhrt werden muß. Aber auch dieſer Unter— ſchied liegt nicht in der Pflanze ſelbſt, ſondern in der ſtu— fenweiſen Angewohnheit. Daß aber eine laͤngere Lebenspe⸗ riode dem Weitzen mehr zuſpreche, erſieht man daraus, daß der Sommerweitzen, wenigſtens der unbegrannte oder Kol⸗ benweitzen vor und nach verſchlechtert, wenn er nicht durch interimiſtiſches Saͤen vor Winter aufgefriſcht wird. Wo das Klima dem Wineterweitzen nicht zuſagt, da bleibt freylich der Sommerweitzen ein nuͤtzliches Surrogat, ſonſt wird jener bey weitem den Vorzug vor dieſem behaup⸗ ten. Burger fand noch Sommerweitzen auf der ſuͤdlichen Abdachung der Kaͤrnthen'ſchen Alpen bis zu einer Hoͤhe von 1280, ja 1374 Meter uͤber dem Meere angeſaͤet, wo wahr⸗ lich an kein Wintergetreide gedacht werden konnte. In Bezug auf den Boden iſt er weniger ſchwierig als der Winterweitzen, wenn er nur genug, und zwar alte Kraft darin vorfindet. Die Zeit ſeines Genuſſes iſt kurz im Ver⸗ haͤltniß zu ſeinen Beduͤrfniſſen; er muß dieſe alſo um ſo ſchneller befriedigen koͤnnen, wenn er gebuͤhrend lohnen ſoll. Zu Hoͤrdt im Elſaß baut man ihn auf Boden, der 8, pCt. Sand enthaͤlt, ohne den feinſten, der bey dem ſchwemmen mit dem Thone entweicht. Daß aber Cultur und Frucht⸗ folge dazu beytragen, werden wir ſogleich hoͤren. Uebrigens bedarf er, wie der Winterweitzen, um ſo mehr Feuchtigkeit als der Boden loſer und das Klima heißer iſt. Da der Sommerweitzen wie alle vorhergehende Getrei⸗ dearten, in ſeinem jugendlichen, noch grasartigen Zuſtande, den haͤrteſten Froſt ertragen kann, ſo ſcheint er, als eine halbe Winterfrucht, in der Regel am beſten fruͤhe geſaͤet 26⁰ werden zu koͤnnen, wenn gleich einige hieruͤber anderer Mey⸗ nung ſind. Wie alles Sommergetreide, will der Sommerweitzen dichter als der Winterweitzen geſaͤet ſeyn, als welchem lez⸗ tern mehr Zeit zum Einwurzeln und Beſtocken zugemeſſen iſt. Der verehrte K. K. R. R. von Jordan zu Voͤſen⸗ dorf bey Wien ſtellte uͤber das Quantum der Einſaat fol— genden vergleichenden Verſuch mit neapolitaner Sommer⸗ weitzen an. Auf demſelben Felde wurde vermittelſt dem fellenberg'ſchen Saͤekaſten: Der Hektar) a beſtellt mit 71 Liter. Der Hektar bb—— 142 Der Hektauxce—— 214 Der Acker war nicht im kraͤftigſten Zuſtande, die Wit⸗ terung fuͤr das Sommergetreide nicht die gedeihlichſte. Die Saat zeigte ſich nachher anhaltend auf a zu duͤnne, auf b nicht befriedigend dichte, auf c ſo wie man ſie ſich wuͤnſchen konnte. Das Reſultat der Aerndte war bey a 1284 Liter. Nach Abzug der Einſaat 12,13 Hektol bey b 2020 Liter........ 18,78 bey c 2514 Liter.... 23,005 Aus dieſem Reſultate geht Patvor, daß der Ertrag ſich in dem Verhaͤltniß zur Vergroͤßerung der Saat vermehre. Nur muß man das nicht ſo nehmen als wenn der Ertrag anhaltend dadurch geſteigert werden koͤnne; es ſoll nur be⸗ weiſen, daß man auch zu wenig ſaͤen, und daß Saamen⸗ ——xã- *) Ich erlaube mir der Gleichfoͤrmigkeit wegen das Oeſterreichi⸗ ſche Gemaͤß nach dem Dezimalmaß anzugeben. 261 abkargung ſo gut wie Saamenverſchwendung zum Nachtheil gereichen koͤnne. Von Lezterm ſtellt Jordan zugleich das Beyſpiel von einem, neben jenem gelegenen, Lande auf, worauf man an Winterweitzen 2 Hektoliter mit derſelben Maſchine geſaͤet hatte. Er ſtand noch dichter als der Som⸗ merweitzen o; verſprach eine ſtaͤrkere Aerndte als dieſer, und gab doch nur 20,86 oder nach Abzug der Ausſaat 18,36 Hektoliter, alſo 4 Hektoliter weniger als der Sommer⸗ weitzen o. Bey Hr. Fellenberg war einiger, doch nicht ſo gro⸗ ßer, Unterſchied zwiſchen dem Ertrag der dichtern oder duͤn⸗ nern Saat. Da aber der Vergleich aus zwey verſchiedenen Jahrgaͤngen herruͤhrt: ſo laͤßt ſich daraus nichts folgern, als allenfalls daß Fellenberg ſich vom Nachtheil einer ſchwachen Maſchineneinſaat uͤberzeugt habe. Er ſaͤete naͤmlich auf den Hektar 18 ½ 110 Liter und aͤrndtete 13, 10 Liter, nach Abzug der Saat.. 12, Hektol. 18 ⁄3 200 Liter und aͤrndtete 14,32 Liter, nach Abzug der Saat..... 12,32 Hektol. Ein Englaͤnder giebt ſeinen Durchſchnittsertrag vom Hek⸗ tar an zu 14,12 Hektoliter; den auf vorzuͤglich bereitetem Acker zu 21,08. Luͤrzer im Salzburg'ſchen erhielt im 20⸗ jaͤhrigen Durchſchnitt 14,26. Das Medium des rohen Sommerweitzen⸗Ertrags von den wenigen angefuͤhrten Angaben** thaͤte demnach 14,35 Hektoliter. Da der Winterweitzen ihrer 22 giebt: ſo ſteht der Sommerweitzen um im Ertrage unter dem Winter weitzen, und um ¼ unter dem Sommer⸗Emmer. *) Mit Ausſchluß des Jordan'ſchen als bloßen Verſuchen. 262 Es iſt mir ungemein leid, daß ich den Ertrag von dem hoͤchſt intereſſanten Dorfe Hoͤrdt im Elſaß, wo der Som⸗ merweitzen alle vier Jahre vorkoͤmmt, nicht angeben kann. Dafuͤr ſtehe hier daſige Cultur deſſelben, auf Sand⸗ oder eigentlichem Rockenboden. Man laͤßt den Sommerweitzen einmal nach Mais, und vier Jahre nachher nach Erbſen folgen. Zu jenem wird ge⸗ duͤngt, zu dieſen nicht. Nach dem Mais wird im Spaͤt⸗ herbſte Dung aufgefahren und untergepfluͤgt. Im folgen⸗ den Fruͤhjahre wird weiter kein Pflug angeſezt; ſondern blos aufgeeggt, geſaͤet und der Saamen mit der Egge unter⸗ gebracht. Nach Erbſen wird ſogleich gepfluͤgt, als dieſe das Land verlaſſen haben, Raps uͤber die rauhe Furche geſaͤet und eingeeggt. Dieſer Raps wird vor dem Froſte unterge⸗ pfluͤgt, um dem im folgenden Jahre zu ſaͤenden Sommer⸗ weitzen zur Nahrung zu dienen. Man zieht dieſes gruͤne Dungmittel auf hieſigem Boden dem animaliſch, vegetabili⸗ ſchen vor. Iſt jedoch das Feld in ſchlechtem Zuſtande: ſo reicht es allein nicht zu, und es muß mit einer halben Stallduͤngung nachgeholfen werden. Ganz humuslos iſt aber der Boden zu Hoͤrdt niemals. Waͤre das, ſo wuͤrde kein friſch aufgebrachter Miſt helfen. Sobald der Weitzen 3—4 Zoll uͤber der Erde iſt, wird er mit 2 Zoll breiten und 1 ½ Zoll langen Hauen behackt, oder vielmehr durchkrazt. Bey allem, was ſich zum Vortheile des Sommerwei⸗ tzens ſagen laͤßt, bleibt er doch immer nur ein Surrogat, und was Surrogate bedeuten, weiß jeder verwoͤhnte Kaffe⸗ trinker. Thaer hat ſchon einmal einen Ertrag von 34 Hek⸗ 263 toliter gehabt, und iſt doch auf gewoͤhnlichem Ackerboden von ſeinem Anbau abgegangen, da er dem Mißwachſe in dem mehr noͤrdlichen deutſchen Klima unterworfen iſt.„Kalte regnichte oder duͤrre Sommer, ſagt dieſer große Agronom, ſind ihm gleich nachtheilig. In einem Jahre, wo bey war— mer mit vielem Regen abwechſelnder Witterung die Gerſte ungemein gerieth, war uͤber die Haͤlfte der Sommerweitzen Aehren vom Staubbrande ergriffen. Dieſe Krankheit ſcheint beym Sommerweitzen haͤufiger als beym Winterweitzen zu ſeyn, wogegen ich den eigentlichen Kornbrand,(— Krebs⸗ brand, geſchloſſenen Brand—) bey jenem nie bemerkt habe.“ Wahrſcheinlich iſt jene Geneigtheit zum brandigwerden die Urſache, warum ſich ſein Anbau im noͤrdlichen Europa nicht verbreitet, und faſt nur da, wo man keinen Winterweitzen bauet, zum eigenen Bedarf ausgeſaͤet wird.“ Zehnter Abſchnitt. Sommerdinkel. Moͤchte wohl unter allen Getreideſurrogaten das aller— erbaͤrmlichſte ſeyn, und nur dieſer Erbaͤrmlichkeit wegen einen eigenen Abſchnitt verdienen. Es mag ſeyn, daß er hier und da, und dann und wann den Platz bezahlt, worauf er ſteht; und ihn jemand deßwegen in Schutz nimmt; aber *) Da ich den geſchloſſenen Brand noch bey keinem Sommer⸗ getreide gefunden habe: ſo ließe ſich ſchließen, im Falle jene Bemer⸗ kung richtig iſt, daß der geſchloſſene Brand in der Herbſt⸗ oder Win⸗ terwitterung den Grund ſeiner Entſtehung habe. 264 nach allem, was ich bisher davon geſehen habe, begreife ich nicht, wie ein Landwirth ſich dazu entſchließen kann, ſo lange noch Sommerweitzen, Emmer, Gerſte und Hafer auf ſeinem Felde wachſen wollen; oder nicht Mangel an Brodkorn im Lande entſteht! Zwar giebt meine Schrift uͤber die Wirthſchaft von Hofwyl den Sommerdinkel⸗Ertrag derſelben fuͤr 1812 zu 45, ſage vierzig fuͤnf, Hektoliter an; da aber der Winter⸗ dinkel daſelbſt im ſelben Jahre nur 41,65 Hektoliter vom Hektar abwarf: ſo duͤrfen wir die Richtigkeit der erſten An⸗ gabe bezweifeln. Auch koͤmmt im Jahre 1813 kein Som⸗ merdinkel mehr in daſigen Rechnungen vor. Eilfter Abſchnitt. Sommerrocken. Wenn man dem Sommerweitzen, dem Sommerdinkel und dem Sommerrocken einen eben ſo kraftvollen, und an alter Kraft reichern Boden anweiſen kann, als man bey den Wintergattungen derſelben Art thut; dann hat man ſich allerdings, in ſo weit Zeit und Umſtaͤnde das Gedeihen be— guͤnſtigen, Befriedigung, und nicht ſelten reichen Ertrag davon zu verſprechen. Wenn man aber jene viele Kraft erhei⸗ ſchende Gegenſtaͤnde, ſtatt des Hafers, oder der Gerſte, in einen halb erſchoͤpften Boden bringt, dann hat man Un— recht das Hoͤhere zu wollen, wo nur das Mittelmaͤßige oder Schlechte zu erreichen iſt. Noch giebt es Zeiten, es giebt Umſtaͤnde, wo es fuͤr den Landwirth, ja fuͤr die Menſchheit, erwuͤnſcht ſeyn kann, mehr als eine Huͤlfsquelle zu beſitzen, wo ſelbſt Surrogate, 265 in ſoferne es keine Kaffewicken ſind, ihr Verdienſt haben. Wie erfreulich z. B. waͤre es 1817 geweſen, wenn man nach dem Mangeljahre 1816 mit Sommerrockenſaamen ver⸗ ſehen geweſen waͤre, um dadurch den Abgang an Brodkorn zu erſetzen; und, fuͤr den Landwirth insbeſondere, um von den ungeheueren Fruchtpreiſen Nutzen zu ziehen!— Wie nuͤtzlich wuͤrde es ferner fuͤr manche Gegenden ſeyn, wo der Winterrocken dem Ausfrieren(Auffrieren) unterworfen iſt, oder aus ſonſtigen Urſachen nicht recht fort will, oder wenn der einzelne Landwirth mit ſeiner Winterbeſtellung nicht hat fertig werden koͤnnen, Sommerrocken zu beſitzen! Es iſt auffallend, daß dieſe Fruchtart von dem Rheine an bis hin zur weſtlichen Meereskuͤſte gar nicht gekannt iſt, da doch der Rocken daſelbſt die Hauptbrodfrucht iſt. Der Sommerrocken iſt vor dem Winterrocken dem We— ſen nach durch nichts unterſchieden, als daß er eine kuͤrzere Zeit zu ſeiner Vollendung braucht, und etwas kleinere Koͤr⸗ ner vorbringt, als dieſer. An Guͤte des Mehls ſtehen beide einander gleich. Oft ſelbſt wird der Sommerrocken etwas theurer als der andere bezahlt, beſonders gegen die Zeit der Fruͤhlingsſaat. Auf ſandigem duͤrrem Boden, wo weder Hafer noch Gerſte wachſen wollen, leiſtet der Sommerrocken zwar treff— liche Dienſte, und iſt recht an ſeinem Platz. Dem ohnge⸗ achtet wird auch da kein ſtarker Gebrauch davon gemacht, indem ſolche Gegenden ein ſehr ſpaͤtes Saͤen des Winter⸗ rockens erlauben, und der Sommerrocken zu ſeinem Gedei— hen ein ſehr fruͤhes Saͤen erfordert; beyde Einſaaten ſich alſo daſelbſt die Haͤnde reichen. In dem kleinen Lande Dellbruͤcken gilt das Spruͤchwort, daß auf Petri Stuhlſeyer 266 (22. Februar) ſich am Vormittag nach Winterrocken ſaͤen laͤßt, am Nachmittag aber ſchon Sommerrocken geſäͤet werden muͤſſe. Doch wird er gewoͤhnlich erſt im März und Anfangs April geſaͤet. Der fruͤhgeſaͤete uͤbertrifft aber durchgehends den ſpaͤtern. Der Sommerrocken erfordert nicht wenig Kraft im Bo⸗ den. Je mehr er ihrer findet, um ſo beſſer er einſchlaͤgt, und doch iſt ſein Ertrag geringer, und ſeine Exiſtenz mehr gefaͤhrdet, als die des Winterrockens. Manchmal mißraͤth er gaͤnzlich; dann naͤmlich, wann die Witterung im Fruͤh— linge ſehr trocken iſt.„Daher ruͤhrt es, wie Burger ſchreibt, daß der Sommerrocken nur in bergigen, oder hochgelegenen Laͤndern, die kuͤhle und feuchte Fruͤhlinge haben, gut fort— kommt, und in ebenen Laͤndern faſt immer mißräth.“ In⸗ deſſen wird er auf einem etwas feuchten Sande uͤberall fort⸗ kommen. Man nimmt nicht mehr Saamen als vom Winterrocken, und auf fettem Boden noch weniger, oft, als von die⸗ ſem. Dagegen iſt auch ſein Ertrag in der Regel um ge⸗ ringer als der des Winterrockens. Nach einem Durchſchnitte von drey Jahren, die Burger angiebt, trug der Hektar 10,34 Hektoliter, waͤhrend der Winterrocken an ſelbem Orte 11,81 gab. Demnach wäͤre der Ertrag des erſtern nur um ⅛ geringer geweſen als der des leztern. Was den Sommerrocken vor dem uͤbrigen Sommerge⸗ treide beſonders auszeichnet, iſt ſein groͤßerer Strohertrag, der dem des Winterrockens nicht viel aus dem Wege geht. Dagegen wirft man ihm vor, daß er ein ſehr verquecktes Feld hinterlaſſe.„Da, ſagt Thaer, er gewoͤhnlich in die Stoppel des Winterrockens auf friſchem Duͤnger geſaͤet, und — 267 der Acker nur in der kalten, naſſen Jahreszeit dazu vorbe⸗ reitet wird: ſo wuchern Quecken und Agroſtisarten unge⸗ mein unter ſelbigem ein, und man findet die Aecker faſt nir⸗ gends ſo damit verunreiniget, wie da, wo er haͤufig in die⸗ ſer Ordnung gebaut wird.“ Ein Landwirth in Dellbruͤck behauptet, daß der zum Saͤen beſtimmte Rocken, der nicht zur vollkommenen Reife gekommen, der beſte ſey, und nicht nur leichter aufgehe, ſondern ſich auch beſſer mache und halte. Das ſtieße alſo eine hergebrachte Meynung, die ſich fuͤr die Todtreife des Saatkorns ausſpricht, um. Die Sache iſt des Verſuches werth. Der Mann, welcher mir das erzaͤhlte, heißt We— ſtermeyer, ein ganz guter Landwirth. Zwoͤlfter Abſchnitt. M a i. Mais, Kukurutz, tuͤrkiſcher Weitzen, Waͤlſchkorn, frumentum indicum. Wir haben uͤber dieſe Frucht eine vollſtaͤndige, 27 Bo— gen durchlaufende, Abhandlung von Dr. Burger, die wohl wenig zu wuͤnſchen uͤbrig laͤßt, auf die, wenn ich ſie nicht abſchreiben ſoll, ich diejenigen verweiſen muß, welche einen erſchoͤpfenden Unterricht uͤber den Mais zu haben wuͤnſchen. Meiner Seits werde ich ſuchen, dem Leſer die von mir ſelbſt geſammelten Erfahrungen mitzutheilen, und ſie durch die Burgerſchen Angaben, ſo viel zur Vervollſtaͤndigung des Zweckes noͤthig iſt, zu ergaͤnzen. H. 1. Bode n. Es ſtimmt mit den weiſen Abſichten des Schoͤpfers uͤber⸗ ein, daß die beyden Pflanzen, ich meyne den Mais und 263 die Kartoffeln, welche Er vorzugsweiſe den in ihrer Rohheit befindlichen amerikaniſchen Voͤlkerſchaften gab, ſich, mit Aus⸗ nahme des zaͤhen, thonigen, ſo wie des feuchten Bodens, mit jedem andern begnuͤgen, vorausgeſezt, daß er Kraft genug eut⸗ halte, oder daß man ſolche hineinzubringen ſuche. An naſ⸗ ſen ſumpfigen Oertern faulen die Saamenkoͤrner, oder es kuͤmmert die daraus hervorgehende Pflanze. Der ſtrenge Thon laͤßt ſich ſeinerſeits nicht pfluͤgen und bearbeiten wie und wann man will; die der Cultur beraubte Pflanze kuͤm⸗ mert alſo oder unterliegt dem Unkraut. Der Mais koͤmmt auf ſandigen Heiden, wo weder Weitzen noch Gerſte gedeihen, auf ſteinigen Sandfeldern, oden Steppen, ſchlechtem Kiesboden fort. Dieſer Genuͤg⸗ ſamkeit wegen weiſt man ihm im Elſaß nicht leicht ein Feld von der erſten Claſſe an, man haͤlt dieſes fuͤr zu gut fuͤr eine Frucht, von welcher, wenn wir auf ihren großen Er— trag ſehen, nicht zu laͤugnen iſt, daß ſie den Boden ſtark angreife. Baut man ſie aber darauf: ſo geſchieht es, um durch den Bau, den ſie erheiſcht, einen von Saamenun⸗ kraut verwilderten Boden zu reinigen. Haͤufiger findet man daher den Mais in dem angefuͤhrten Lande auf Mittelboden, und noch haͤufiger auf Sandboden. Daraus duͤrfen wir aber nicht folgern, daß er ſich nicht beſſer in einem fetten, tiefen und muͤrben Lehmboden gefalle. Der reichſte Boden iſt fuͤr ihn nicht zu reich. Neubruͤche im zweyten Jahre, weilen die Raſen, es ſey denn, daß ſie gebrennt werden, im erſten Jahre der Beſtel⸗ lung und Bearbeitung zu viel Hindernß in den Weg legen; abgelaſſene, voͤllig trocken gelegte Teiche; mit fettem Fluß⸗ ſchlamme bedeckte Gruͤnde ſind die Treib- und Miſtbeete fuͤr 269 den Mais, in welchen er zu einer wunderbaren Hoͤhe und Groͤße gelangt. §. 2. Kl i m a⸗ Schwieriger in Bezug auf das Klima als auf den Bo⸗ den iſt der Mais, wie der Wein ein Kind mehr ſuͤdlicher Gegenden. Nach Arthur Young erſtreckt ſich die Grenze des Weinbaues noch weiter gegen Norden, als die des Mai— ſes, welches aber nur daher ruͤhrt, daß der Wein in den fuͤr ihn unguͤnſtigen Klimaten nur in den ſuͤdlichen Abda⸗ chungen der Gebirge und Huͤgel, alſo im Schutze gegen den Norden gebaut wird; der Mais aber in der Regel in freyen allen Winden ausgeſezten Lagen. Es folgt daraus, daß der Mais auch in allen mehr noͤrdlichen Regionen, wo noch Wein waͤchſt, erzogen werden kann; vorausgeſezt, daß man ihm eine gleiche Lage, das iſt, ein nach Suͤden abgedach⸗ tes, gegen Norden geſchuͤztes Feld einraͤumt. Es folgt fer⸗ ner, daß man dieſe ſonnegierige Pflanze, eben ſo wenig als den Weinſtock, in dem Schatten erziehen kann. Ich gab mir in fruͤhern Jahren einige Muͤhe, den Mais in den Niederlanden zu bauen. In einem durch Mauerwerk geſchuͤzten Garten gedieh er ganz gut, nicht ſo, wenn ich ihn auf das Feld, ſelbſt in ausgetrocknete Fiſchteiche brachte. Ich gab die Sache daher bald, vielleicht zu bald, wieder auf, wozu mich A. Youngs angefuͤhrte Meynung um ſo mehr bewog. §. 3. Stelle in der Fruchtfolge. Daß eine ſo ruͤſtige Pflanze, wie der Mais, nach je— der Frucht folgen koͤnne, ſpricht ſich von ſelbſt aus; nicht 270 ſo uͤberall, was man mit groͤßerm Vortheile darnach folgen laſſen koͤnne. Im Elſaß z. B. haͤlt man den Mais, und zwar den auf das fleißigſte cultivirten, fuͤr eine hoͤchſt mittelmaͤßige Vorbereitung zum Weitzen; daher nehmen die daſigen Drey⸗ felderwirthe ihn ins Sommerfeld auf, und laſſen eine an⸗ dere dem Weitzen mehr zuſagende Frucht, wie Taback oder Bohnen darauf folgen. Ich erinnere mich nicht einen ein— zigen Fruchtumlauf daſelbſt getroffen zu haben, wo er die Stelle im Brachfelde als Vorbereitung zum Weitzen ein⸗ naͤhme. Dieſes ſtreitet aber keineswegs mit dem, was wir von andern waͤrmern oder mehr geſchuͤzten Gegenden wiſſen, wo Mais und Weitzen ununterbrochen mit einander abwechſeln, welches freylich der hoͤchſte Ertrag iſt, den die Erde zur Nahrung der Menſchen und Thiere hervorbringen kann. Wo man keinen Froſt im Mai zu befuͤrchten hat, den Mais alſo um einige Wochen fruͤher, als anderswo pflanzen kann; wo uͤberdieß die Waͤrme der Atmoſphaͤre ihn ſchneller zur Reife bringt: da faͤllt ſeine Aerndte fruͤh genug, um einer gehoͤrigen Feldzubereitung zur Aufnahme des Weitzens nicht entgegen zu ſtehen. Dieſes iſt aber keineswegs der Fall we⸗ der im Elſaß noch in Schwaben, welche man zu der noͤrd⸗ lichſten Grenze des Maisbau's zaͤhlen kann. Nur da, wo man bey uns den Mais auf Sandboden bringt, der Rocken alſo, bis tief in den Winter, ohne Nachtheil geſaͤet werden kann, laͤßt man dieſen ohne Bedenken auf den Mais folgen. Iſt der Mais nicht allenthalben eine gute Vorfrücht ſuͤr Winterweitzen, ſo iſt er eine um ſo viel beſſere fuͤr Taback, Bohnen, vorzuͤglich aber fuͤr Hanf, Sommerweitzen und 27 271¹ Gerſte. So zaͤhlt man im Elſaß auf ſieben Scheffel Gerſte nach Mais, wenn man ihrer nur fuͤnf nach Winterweitzen erwarten darf. Da aber der ſtrenge Dreyfelderwirth nicht leicht von ſeinem ein zwey drey abgeht, nach welchem auf Brachfrucht nothwendig Winterfrucht folgen muß: ſo bleibt auf gebundenem Boden gerathener Dinkel zu ſaͤen, der, ſo ſpaͤt geſaͤet, beſſer als Weitzen fortkommen wird, oder am gerathenſten vielleicht Einkorn. §. 4. Feldzubereitung. „Auf ſo verſchiedene Weiſe, ſagt Burger, die Mais⸗ cultur in Europa und Amerika ausgeuͤbt wird; ſo iſt man doch allenthalben daruͤber einig, das Feld im Herbſte oder Winter dazu, ſo tief es geſchehen kann, umzupfluͤgen und den Acker in rauhen, unzertheilten Furchen uͤber Winter lie⸗ gen zu laſſen, damit die Erde durch die Einwirkung des Fro⸗ ſtes und der Luft gemuͤrbt und tragbarer gemacht werde.“ Auch im Elſaß wird dieſes, oft zweymalige, Pfluͤgen im Spaͤtherbſte und Vorwinter, auf gebundenem Boden voll⸗ fuͤhrt. Nur der Sandboden zu Hoͤrdt macht hiervon eine Ausnahme. Man hat daſelbſt beobachtet, daß das Pfluͤgen vor Winter auf daſigem rothem und loſem Sande, der bey jedem ſtarken Regen zuſammenſchlaͤmmt, dem Mais aͤußerſt nachtheilig ſey, daher man die Rockenſtoppel dazu den Win⸗ ter uͤber unberuͤhrt liegen laͤßt. Ein ſolcher Boden, wo der Froſt keine Schollen zu zertheilen hat, macht alſo nicht ohne Grund eine Ausnahme von der allgemeinen Regel. Der Boden muß rein und muͤrbe ſeyn, wenn ein ein⸗ maliges Pfluͤgen im Fruͤhjahr zureichen ſoll; ſonſt pfluͤgt man zweymal, wo mit dem lezten Male der Duͤnger un⸗ 27² tergebracht wird. Es ſey denn, daß man den Mais in Hoͤrſten, wie die Kartoffeln, bauen will. Daß ein mehr⸗ maliges fleißiges Eggen nicht vergeſſen werden darf, ver⸗ ſteht ſich fuͤr allen thonigen Boden. §6. 5. Duͤnger. „Der Mais erfordert zu ſeinem vollen Gedeihen einen in voller Kraft ſtehenden Boden. Wenn man bey allen an⸗ dern Getreidearten manchmal zu ſtark duͤngen kann: ſo kann man es doch bey dem Mais nicht. Wer alſo keinen von Natur ſehr reichen Boden, oder wer keinen Miſt hat, der muß nicht Mais pflanzen. Indeſſen laͤßt er ſich auch unge⸗ duͤngt ins Sommerfeld bringen; da näͤmlich, wo der Bo⸗ den von lange her in guter Cultur und Kraft ſteht, und an ſich gut, wenn ſchon gerade kein Marſchboden iſt. Sol⸗ ches hat durchgehends im Elſaß ſtatt. Wo aber der da⸗ ſige Dreyfelderwirth ihn in's Brachfeld, alſo nach Gerſte bringt, da duͤngt er, und zwar um ein Drittel ſtaͤrker, als er zu Weitzen thun wuͤrde. Auf Sandboden endlich wird in gedachtem Lande allemal zum Mais geduͤngt, er mag folgen, worauf er wolle. Da man den Mais im Elſaß weit von einander zu pflanzen pflegt, es daher auf dem Sande nicht wirthſchaft⸗ lich ſeyn wuͤrde, den in den Zwiſchenräumen untergepfluͤg⸗ ten Miſt der Verfluͤchtigung Preis zu geben, welche theils durch die Qualitaͤt des Bodens, theils durch die Bearbei⸗ tung, welche der Mais erheiſcht, ſehr befoͤrdert werden wuͤrde: ſo duͤngt man in die Gruben oder Stufen. Wo man nach dem Wintergetreide, auf welches im folgenden Jahre Mais folgen ſoll, Stoppel⸗, das iſt, Herbſtruͤben ſaͤet: 273 ſaͤet: da ſucht man dem Lande das Kraut dieſer Ruͤben zu⸗ ruͤckzugeben, welches eine ſichtbar gute Wirkung auf den Mais hervorbringen ſoll. „Alle Arten von Duͤnger, ſagt Burger, ſie ſeyen aus dem Thier⸗ oder Pflanzenreich, ſind zum Maisbau anwend⸗ bar, es ſeyen menſchliche oder thieriſche Auswuͤrfe; oder un⸗ tergepfluͤgte Vegetabilien. Doch ſtehen die menſchlichen Aus⸗ wuͤrfe dabey oben an. Den zweyten Rang behauptet ein 5— 6 Monat lang in Haufen gelegener Stallduͤnger von gut gefuͤttertem Hornvieh. Roher Duͤnger ſchadet indeſſen dem Maisbau keineswegs, und man kann nicht beobachten, daß die Maispflanzen darnach weniger ſchoͤn werden, oder eine geringere Ausbeute geben, wenn er nur in groͤßerer Quan⸗ titaͤt, als bey dem verlegenen nothwendig, aufgefuͤhrt wird.“ Aus lezterm laͤßt ſich, wie ich glaube, folgern, daß das hoͤher empfohlene lange Abliegen des Miſtes, in ſoferne es die Wirthſchaftsumſtaͤnde nicht ohnehin noͤthig machen, ziem⸗ lich uͤberfluͤſſig, und auch nicht oͤkonomiſch richtig ſey: Denn aus dem, daß mehr Fuder friſchen, als abgelegenen Miſtes erfordert werden, fließt nicht, daß bey Verwendung des er⸗ ſten eine groͤßere Menge duͤngender Theile erfordert werde; ſondern blos, daß die Kraft dieſer Theile durch das Rotten, daher durch Verminderung der Maſſe, in lezterm mehr con⸗ centrirt werde. Nun iſt aber erwieſen, daß jene Rottung nicht ohne einen ſichern Verluſt an Kraft vor ſich gehe, daß daher 12 Fuder Miſt im friſchen Zuſtand dem Acker mehr Kraft geben, als dieſelbe Fuder, wenn ſie durch die Ver— rottung in 8 zuſammengeſchmolzen ſind. Zur Unterſtuͤtzung meiner Meynung uͤber den Nutzen der Anwendung des fri⸗ v. Schwerz Anleit. z. prakt. Ackerbau. II. Bd. 18 274 ſchen Duͤngers beym Mais koͤmmt noch folgende Aeußerung Dr. Burgers ſelbſt. „Hin und wieder, ſagt er, herrſcht der Gebrauch, ſchon im Herbſte zum Mais zu duͤngen; allein ich halte dieſes Verfahren nicht fuͤr klug und glaube, daß es auf ſehr un— ſtatthaften Gruͤnden beruhet; denn erſtens iſt es gewiß, ein Vorurtheil, daß friſcher Duͤnger ſolchen Pflanzen, wie dem Mais, die einen geilen Boden lieben, ſchaden ſoll, und die Erfahrung aller Laͤnder durch drey Jahrhunderte ſpricht laut dagegen; zweytens geht die Ausduͤnſtung deſſelben, ſeine chemiſche Einwirkung auf den Acker, die Erwaͤrmung, welche er durch ſeine Gaͤhrung gleich Anfangs der Erde noch mit— theilt, in dem langen Zwiſchenraume vom Herbſte bis zu Ende Aprils ganz fuͤr die Maispflanzen verloren.“ Hieruͤber laͤßt ſich aber auch ſagen, daß eben das, was Burger zum Nachtheile des Miſtauffahrens vor Winter ſagt, nicht weniger gegen den Nutzen, den derſelbe dem abgelege— nen Miſte zuſchreibt, in Anwendung kommen muͤſſe. §. 6, Saamen und Saatzeit. Bey Pflanzen, die in einer ſichern und zwar betraͤcht⸗ lichen Entfernung gebaut werden, wie ſolches namentlich bey dem Maiſe ſtatt hat, wo alſo der Ausfall einer Stelle ſogleich eine bemerkbare fruchtloſe Leere verurſacht, da koͤmmt es mehr noch auf die Auswahl des Saamens an, als bey breitwuͤrfig, und in der Regel dichter als noͤthig geſaͤeten Koͤrnern. Man waͤhlt zu dem Ende bey der Maisaͤrndte die ſchoͤn⸗ ſten und reifſten Kolben, deren Koͤrner ſich durch ihren Glanz und ihre gewoͤlbte Oberflaͤche auszeichnen. Man entkleidet 275 dieſe Kolben zwar im Herbſte, entkoͤrnt ſie aber erſt im Fruͤhjahre, nachdem ſie, an einem luftigen Ort aufgehaͤngt, uͤber Winter aufbewahrt worden. Die Bedingung des Nicht⸗ entkoͤrnens vor Winter iſt zwar nicht durchaus noͤthig, wird auch oft unterlaſſen; allein zweifeln laͤßt ſich wohl nicht, daß es ſo beſſer ſey, indem die Frucht noch immer einige Kraft aus ihrem Fruchtboden zieht. Bey dem Entkoͤrnen zu dem Saamen ſieht man darauf, die zu oberſt und zu un⸗ terſt an den Kolben ſitzende, ſweilen unvollkommenere, Koͤr⸗ ner zu entfernen. Man hat im Elſaß beobachtet, daß die Maiskoͤrner, welche nicht zu ihrer voͤlligen Reife gekommen, in der Erde verfaulen, wenn nach der Saat langes Regenwetter eintritt. — Dr. Burger raͤth keine Koͤrner auszuſaͤen, deren Keim⸗ kraft man nicht vorlaͤufig erprobet habe.„Eine Menge ei— gener und fremder Erfahrungen, ſagt er, hat mich belehrt, daß ſich der Mais oft vollkommen ausbildet und doch im Fruͤhlinge lauter todte Koͤrner hat.“ Ob aber jene Koͤrner, welche nach dem Stielchen zu von außen ſchwarze Punkte oder Flecken zeigen, entweder keine, oder nur unfruchtbare Aehren anſetzen, ſcheint noch nicht entſchieden. Das Einweichen der Koͤrner, das an vielen Orten uͤb⸗ lich, iſt nicht nothwendig; kann manchmal nuͤtzlich, aber auch ſchaͤdlich werden. In dem Elſaß wollen ſich Einige wohl dabey befinden, den Saamen ein Paar Stunden in Waſſer zu legen und ihn darauf mit Gyps zu uͤberſtreuen. Dieſe Vorrichtung hat wenigſtens das Gute, daß ſich die leichten unvollkommenen Koͤrner in dem Waſſer von den ſchweren abſondern, und ſich leicht wegnehmen laſſen. So mag auch 276 der Gyps die Koͤrner gegen die Maͤuſe und Reitwuͤrmer in der Erde ſchuͤtzen. Nach Parmentier bedient man ſich in dem ſuͤdlichen Frankreich zu demſelben Zwecke einer Lauge von Holzaſche, und uͤberſtreuet den Saamen nachher mit Schwefelbluͤthe. Man bedient ſich auch eines Abſuds von Coloquinten, oder weißer Nießwurzel, veratrum album, oder Stechapfelſaamen, datura Stramonium. Durch leztere werden die Voͤgel, die den ge— pflanzten Koͤrnern ſo grauſam nachſtellen, bey dem Genuſſe betaͤubt, und koͤnnen dann leicht erſchlagen werden. Auch auf die Maͤuſe wirket eine ſolche Beitze nachtheilig. Vortheilhaft kann ein 12⸗ oder 24ſtuͤndiges Einweichen des Maisſaamens bey verſpaͤteter Einſaat und auf ausge⸗ trocknetem Boden ſeyn, wo das Korn, aller Feuchtigkeit beraubt, in der Erde liegend, oft lange dem Regen entge⸗ genharret, und Zeit verliert; waͤhrend der eingeweichte Saa⸗ men nur der Waͤrme bedarf, um ſeine Vegetation zu begin⸗ nen. Nachtheilig aber kann das Einweichen werden, wenn die Witterung zur Zeit des Pflanzens kuͤhl und feucht, oder der Boden naß iſt. Je weiter man in Deutſchland gegen Norden vorruͤckt, um ſo bedenklicher wird die Saatzeit fuͤr den Mais. Die gewoͤhnliche Friſt faͤllt daſelbſt in die lezten acht Tage des Aprils. Fruͤher geſaͤet laͤuft man Gefahr, daß er von dem Maifroſte leide; ſpaͤter geſaͤet, daß er vor ſeiner Reife von dem Herbſtfroſte uͤberraſcht werde, indem er fuͤnf volle Mo⸗ nate zu ſeiner Zeitigung braucht. Daß Witterung und Zu⸗ ſtand des Bodens, bey der Einſaat erſterer in Bezug auf Kälte, lezterer in Bezug auf Naͤſſe beruͤckſichtiget werden muͤſ⸗ ſen, verſteht ſich bey dem denkenden Landwirthe von ſelbſt. — 277 §. 7. Saͤen und Saamenunterbringen. Der Mais wird auf mannigfaltige Weiſe in den Bo⸗ den gebracht. Man ſaͤet ihn entweder a) breitwuͤrfig aus und pfluͤgt ihn mit flachen Schnitten unter; oder b) man dippelt ihn mit einem Pflanzſtocke in das voͤllig zubereitete Land; oder c) man ſaͤet ihn mit der Hand in die mit dem Pfluge geoͤffnete Furche; oder d) man ſaͤet ihn mit einem Saͤekaſten in die Furche; oder e) man ſaͤet ihn mit dem Saͤekaſten in Rillen auf das zubereitete Feld; oder man ſaͤet ihn zuerſt breitwuͤrfig aus, bringt ihn mit dem Haͤu— felpflug huͤgelfoͤrmig(in Kaͤmmen) unter; oder g) man pflanzt ihn mit der Haue in Gruben oder Stufen. Die Weiſe a) gleicht der, welcher man ſich auch zu den Pferdebohnen bedient, iſt aber fuͤr einen wie fuͤr den andern Gegenſtand die ſchlechteſte, welche man anwenden kann, es ſey denn, daß man in der Folge nicht zu hacken gedenke, was in Bezug auf den Mais hoͤchſtens nur dann geſchehen darf, wenn man ihn als Gruͤnfutter abmaͤhen will. Die Weiſe b) iſt von allen die ſchoͤnſte und regelmaͤßigſte, aber auch die mehr zeitkoſtende. Da ſie auch bey den Bohnen Anwendung findet: ſo werden wir ihrer bey leztern gedenken. Auch die Weiſen c) und d) haben, mit einigen Ab⸗ weichungen, bey den Bohnen ſtatt; nur ſind ſie bey dem Mais nicht eben ſo gut anwendbar; denn erſtlich vertraͤgt er das Eintreten mit dem Hufe der Pferde nicht, ſo wie es die Bohnen vertragen, da er nicht tief liegen will; zweytens darf er nicht ſo dicht als dieſe geſaͤet werden. Wollte man auch, wie geſchehen muß, die Reihen nachher verduͤnnen: ſo verurſacht dieſes eine Vermehrung der Arbeit, ſo wie das Ganze eine unnuͤtze Vergeudung von Saamen. 278 Um erſteres zu vermeiden, legt man im Elſaß die Saa⸗ men nicht auf den Boden der Furche, ſondern druͤckt ſie mit der Hand in die Wand des umgeworfenen Schnittes, zu 2—3 Körner an jede Stelle, wenn man den Mais auf anderthalb, oder zu 5— 6 Koͤrner, wenn man ihn auf drey Fuß der Reihe entlang von einander entfernt. Dieſe Pflan⸗ zungsweiſe gehoͤrt unſtreitig zu den beſſern, hat aber auch einen groͤßern Zeitaufwand gegen ſich. Beſſer als das Einſtreuen mit der Hand auf die Sohle der Furche iſt zwar das mit dem Saͤekaſten, weilen die Koͤrner richtiger durch leztern vertheilt werden; aber dabey wird das bald zu dicht bald zu duͤnne Fallen der Koͤrner, ſo wie das Eintreten derſelben durch den Huf des Pferdes nicht vermieden werden koͤnnen. Es iſt alſo auch dieſe Weiſe nicht vollkommen befriedigend, und koͤmmt der Elſaſſiſchen Methode hinter dem Pflug zu pflanzen nicht gleich. Entſprechender allerdings iſt die Weiſe e, vermittelſt welcher der Mais mit dem Saͤekaſten auf das eben zube⸗ eitete, queckenfreye, und nicht mit Langmiſt geduͤngte Feld in Rillen geſaͤtt wird. Dazu gehoͤrt aber ein eigener Saͤe⸗ kaſten. Der von Burger in ſeiner Schrift uͤber den Mais angegebene ſcheint ſehr zweckmaͤßig. Der Burger'ſche Saͤekaſten hat den Vortheil zwey Raͤder zu haben, welche gerade ſo weit von einander ab⸗ ſtehen, als die Zeilen unter ſich entfernt werden ſollen, ich ſetze 2 ½ Fuß. Da er mit ſeinem Schaar eine Rinne zu oͤffnen hat, ſo erfordert er ein Pferd oder einen Eſel zur Beſpannung. Zum Anfange laͤßt man das eine Rad in der Furche einer der Seiten des Feldes oder des Beetes gehen, darauf aber wird es jedesmal bey dem Umkehren in 279 daſſelbe Gleis gebracht, das es bey dem vorherigen Gange in den Boden eingedruͤckt hatte. Nothwendig muß das Zug— thier am Zaume kurz gehalten und vorſichtig geleitet wer— den. Um die Richtung nicht zu verfehlen, ſchreitet der Lei⸗ ter in der ſchon beſaͤeten Rille ſelbſt voran, bald alſo zu der rechten, dann wieder zu der linken Seite des Zugthiers gehend. Das Auftreten iſt zum Aufkommen des Geſaͤeten von Nutzen. Die Maſchine iſt ſo berechnet, daß ſie alle Fuß 2 Koͤrner fallen laͤßt. 5)) Nach vollbrachter Einſaat wird das Land uͤberſchleift, um das was von Koͤrnern nicht gedeckt worden waͤre, zu decken. Bey trocknem Wetter, oder auf leichtem Boden iſt das nachherige Walzen wohl angebracht. Die Weiſe g, oder das Eingruben des Maiſes, iſt wohl die aͤlteſte, und noch in vielen Gegenden gebraͤuchliche Pflanzungsart. Es geſchieht mit der Haue. Dazu wird das Land nach dem lezten Pfluͤgen im Fruͤhjahre nicht ab⸗ geeggt, damit die Furchenſchnitte dem Arbeiter zur Richtung dienen. Dieſer haut dann der Furche entlang die Loͤcher in beliebiger Entfernung, gewoͤhnlich von einem Schritte, ein. Da er bey dem Schaffen ruͤckwaͤrts ſchreitet: ſo dient ihm ſeine hinterſte Fußſtapfe zur Ortsbeſtimmung fuͤr jede Grube. Die zweyte Grubenreihe faͤllt eben ſo weit, oder auch noch weiter von der erſten, ab. Es bedarf dabey kei⸗ nes Abmeſſens, ſondern man richtet ſich nach den noch ſicht— *) Ich behalte mir vor in einem der folgenden Theile eine Zeich⸗ nung dieſes, oder vielleicht eines verbeſſerten Saͤekaſtens anzubringen, den ich mit einigen kleinen Abaͤnderungen in Hohenheim habe anſer⸗ tigen laſſen. 280 baren Pflugſchnitten, deren man zwey, auch drey uͤbergeht. Iſt der Miſt vorlaͤufig untergepfluͤgt worden: ſo giebt man den Gruben eine Tiefe von zwey Zoll; ſoll aber der Miſt in die Gruben gebracht werden, ſo muͤſſen ſie 3—4 Zoll Tiefe haben. Der Pflanzer legt 4—5 Koörner in die flache Grube, ſcharrt mit dem Fuße die Erde druͤber her, und tritt ſie etwas feſt. Wird Miſt in die Grube gebracht: ſo legt er die Maiskoͤrner nicht unmittelbar darauf, ſondern tritt zuerſt etwas Erde gegen den Miſt an, und legt die Koͤrner auf dieſe Erde an dem Rande des kleinen Miſthaͤuf⸗ cheus, darauf ſcharrt er vollends zu. Die ganze Vorrichtung zeigt, daß ſie mehr fuͤr kleine als ausgedehnte Pflanzungen paſſe. Sie iſt im Elſaß bey ſolchen Wirthen uͤblich, die das Maisfeld in dem Jahre zugleich zu ihrem Garten machen, und nicht ſelten Kopf— kohl, Kohlrabi, Gemuͤſe, Faſeolen, und etwas Hanf, dieſen zum Saamentragen, hineinbringen; das Feld wohl duͤngen und gartenmaͤßig bearbeiten, wo es denn allerdings einen ſehr hohen Ertrag giebt. Nach Dr. Burger bedarf man fuͤr den Mais, der in 2 Fuß entfernten Reihen, und, 1 Fuß unter ſich gepflanzt wird, 5 ½ Liter Saamen. Im Elſaß, wo in viel weiterer Entfernung aber Horſtweis gepflanzt wird, reicht man mit 36 Liter aus. Man ſieht, daß im Ganzen die Einſaat bey einer Frucht, wo man, wie wir ſehen werden, im Durch⸗ ſchnitte 4100 Liter, oder bey Burger 7000 Liter, alſo 111 bis 131 fuͤr eins aͤrndtet, hoͤchſt unbedeutend iſt. Daß der Mais nicht ſtark bedeckt, alſo auch nicht tief geeggt werden darf, habe ich ſchon erinnert. Bey den Verſuchen, die Burger in der lezten Haͤlfte des Juni dar⸗ 281 uͤber anſtellte, gieng der 1 Zoll tief gelegte auf nach 8 ¾ Tagen, der zu 1 ½ Zoll nach 9 ½ Tagen der zu 2 Zoll nach 1— der zu 2 ½ Zoll nach 11 ½— der zu 3 Zoll nach 12— der zu 3 ½ Zoll nach 13— der zu 4 Zoll nach 13½— Was noch tiefer gelegt war, kam gar nicht, oder aͤußerſt ſpaͤt. Da der Verſuch im Garten und bey guͤnſtiger Wit— terung gemacht worden war: ſo ergeht, daß jene Saamen zu 3— 4 Zoll Tiefe im freyen Felde, und bey mehr kuͤhler Jahrszeit vielleicht gar nicht oder ſehr ſchlecht gekommen ſeyn wuͤrden. Eine Tiefe von 1—2 Zoll bleibt daher fuͤr den Mais wie fuͤr alles andere Getreide die zweckmaͤ⸗ ßigſte, wie ich es fuͤr lezteres ſeiner Zeit darthun werde. Bey einer ſpaͤtreifenden Pflanze wie der Mais koͤmmt ohne— hin viel auf Zeitgewinn an. §. 8. Zwiſchenfrüuchte. Die Entfernung, welche man dem Mais ſeiner Hoch— und Vollwuͤchſigkeit, und der Pflege wegen zu geben ge— noͤthiget iſt, brachte auf den Gedanken die Zwiſchenraͤume nebenbey zu benutzen, welches, ſo lange es nicht auf Koſten der Hauptfrucht erkauft wird, von Vortheil iſt. Dazu ge⸗ hoͤrt aber ein wenig um ſich greifendes, niedrig bleibendes, fruͤh heranwachſendes Gewaͤchſe, alſo weder Kartoffeln, noch rankende Bohnen, noch Kuͤrbiſſe u. dgl.; obgleich dieſe Gegenſtaͤnde in ſichern Maisfeldern vorkommen. Gedachtes Gewaͤchſe finden wir in den Zwergbohnen,(kleinen Vitz⸗ 282 bohnen, Faſeolen). Nur muͤſſen ſie,(in ſoferne man ſpaͤter den Mais mit Pferdehacke oder Haͤufelpflug zu beſchaffen gedenkt) ſo gepflanzt und behandelt werden, daß dadurch dieſen Werkzeugen kein Hinderniß in den Weg gelegt, oder deren Anwendung unmoͤglich gemacht wird. Solches wird aber vermieden, ſobald wir jene Gewaͤchſe zwiſchen den Mais auf den Reihen, und nicht in ihren Zwiſchenraͤumen anbringen. „Seit ich mich uͤberzeugt habe, ſagt Burger, daß eine zweckmaͤßige, nicht zu dicht geſaͤete, Zwiſchenfrucht dem Gedeihen des Mais, ſo wie den Arbeiten des Behackens und Behaͤufens, nicht im mindeſten hinderlich ſey, oder eine eigene zu große Aufmerkſamkeit erfordere, nehme ich keinen Anſtand zu erklaͤren, daß der Landwirth, der es verſaͤumt eine ſolche Zwiſchenfrucht zu bauen, ſich um einen großen und wichtigen Theil des Ertrages des Maisackers bringe, ſo wie es in keinem Falle unvortheilhaft ſeyn kann, es zu thun.“ Auch im Elſaß iſt die Zwergbohne die gewoͤhnliche Frucht, welche in den Maisfeldern, zwar nicht auf den Rei— hen ſelbſt, ſondern in den Zwiſchenraͤumen angebaut wird, welches darum angeht, weilen das Hacken und Haͤufen des Mais daſelbſt mit der Hand vollfuͤhrt wird. Die Art, die Bohnen daſelbſt zu ſaͤen, iſt folgende. Da die Faſeolen eine ſtaͤrkere Bedeckung vertragen als der Mais: ſo bedarf es dabey keiner beſondern Umſtaͤnde bey dem Pfluge. Man ſucht blos ſie in die Mitte der Zwi⸗ ſchenraͤume der Maisreihen zu bringen. Zu dem Ende wer— den, wenn eine dieſer Reihen mit Mais bepflanzt und mit dem erſten Schnitte bedeckt iſt, die Bohnen in die Furche 283 dieſes Schnittes, und zwar ſo eingelegt, daß ſie in den Winkel, den die Sohle der Furche mit der Landſeite bildet, zu liegen kommen. Darauf folgt der zweyte Schnitt, der ſie deckt; dann koͤmmt der dritte Schnitt, der ſich an den zweyten anreiht. Nun folgt ein neuer Schnitt fuͤr den Mais u. ſ. w. Es iſt erſichtlich, daß dieſe Schnitte nur ſchmal gehalten werden duͤrfen, wenn der Zwiſchenraum der Maisreihen nicht zu betraͤchtlich werden ſoll. Man legt 5— 6 Bohnen beyſammen, und, ſo viel geſchehen kann, ſo, daß ſie mit dem Mais im Verband ſtehen. An einigen Orten giebt man ſich weniger Muͤhe, und ſaͤct die Bohnen breitwuͤrfig uͤber das Feld, wo ſie dann der Pflug beym Maislegen in die Erde bringt. Iſt alles beendiget: ſo ſtreut man noch Hanfſaamen uͤber das Feld; aber nicht mehr als 6 Liter auf den Hektar. Darauf wird geeggt. In dieſem Fall werden die Bohnen weggelaſſen. Daß ein Zuſatz von Hanf, der hier blos zum Saamentra⸗ gen beſtimmt iſt, die Groͤße des Maisertrages beeintraͤch— tigen muͤſſe, erhellt von ſelbſt; allein wenn dieſer Abgang durch den Ertrag von Nebenerzeugniſſen gedeckt und erſezt wird: ſo liegt dem Landwirthe wenig daran, ob er in einem oder mehreren Gegenſtaͤnden zugleich ſeine Belohnung finde. Die Erzielung guten Hanfſaamens, hat aber fuͤr den El⸗ ſaſſer einen großen Werth. Der Saͤekaſten von Burger iſt ſo eingerichtet, daß er Mais und Bohnen zugleich ſaͤet. Man bedarf von lezten 82 Liter auf den Hektar und aͤrndtet davon 10 bis 12 Hek⸗ toliter. Man hat in Kaͤrnthen Beyſpiele, wo Bauern das Doppelte geaͤrndtet haben. Was noch ferner uͤber dieſe ſehr nuͤtzliche Pflanze zu ſagen iſt, wollen wir bis zu dem 28½ Artikel erſparen, der fuͤr ſie in der Folge dieſer Schrift be⸗ ſtimmt iſt. §. 9. Pflege. Hieher gehoͤren: das Hacken und Haͤufeln, das Ergaͤn⸗ zen, das Entſchoſſen, das Entfahnen, das Aufrichten. a) Hacken und Haͤufeln. Hacken und Haͤufeln ſind eben ſo nothwendige Bedin⸗ gungen bey dem Mais- wie bey dem Tabackbau. Das erſte Hacken hat ſtatt, wenn er eine Hand hoch uͤber der Erde iſt, welches gewoͤhnlich 4—5 Wochen nach dem Pflan⸗ zen eintrifft. Hat er 9— 10 Zoll Hoͤhe, ſo wird das Hacken wiederholt. Bey dieſem zweyten Behacken wird die Erde zugleich ein wenig an ihn herangezogen, und die uͤberzaͤhli⸗ gen Pflanzen, deren man nicht mehr als eine, oder bey weiten Zwiſchenraͤumen zwey, auf derſelben Stelle läͤßt. Hat endlich der Mais die Hoͤhe von anderthalb Fuß: ſo wird gehaͤufelt. Dieſes geſchieht gewoͤhnlich um Johannis. Das erſte Behacken laͤßt ſich nach den Erfahrungen ei⸗ nes Franzoſen auch erſparen. Er laͤßt nach dem Pflanzen den Acker rauh liegen, und ebnet ihn erſt mit der Egge, wann der Mais ſchon uͤber der Erde iſt. Spaͤter läͤßt er einmal hacken, und unmittelbar vor der Rockenaͤrndte be⸗ haͤufen. Nach Burger wird der Mais bey der Reihen⸗Cultur am zweckmaͤßigſten folgender Maßen bearbeitet. Bey 6 Zoll Hoͤhe werden die Reihen mit der Hand behackt, um alles Unkraut in der naͤchſten Umgebung der Pflanze zu tilgen. Unmittelbar darauf werden die Zwiſchenraͤume flach mit der 285 dreyſcharigen Pferdhacke durchzogen. Bey g Zoll Hoͤhe wird leztere Arbeit wiederholt, nur tiefer als bey dem vorherge⸗ henden Male. Wenn die Pflanzen einen Fuß hoch gewor⸗ den, wird zum Erſtenmal, und 14 Tage ſpaͤter zum Zwey⸗ tenmal mit dem Haͤufelpflug durchgefahren. Auch die fleißi⸗ gen Bauern von Hoͤrdt im Elſaß bearbeiten den Mais auf ihrem Sandboden viermal. Man beobachtet im Elſaß, das Behacken ja nicht bey feuchtem Wetter vorzunehmen. Das Behaͤufen iſt eine eben ſo unerlaͤßliche Vorrichtung. Die Haufen koͤnnen dabey nicht zu hoch angelegt werden; ſowohl um das Ausſtoßen der obern Wurzeln an dem Stamme zu foͤrdern, und ſie gegen die Naͤſſe zu ſchuͤtzen, als um den Stamm ſelbſt gegen die Windſtoͤße zu ſichern. Das Behacken und Haͤufen des Mais geſchieht im El— ſaß manchmal im Verdinge, und da zahlt man auf Sand⸗ boden fuͤr ein viermaliges Beſchaffen mit der Haue 33 fl. 20 kr. vom Hektar. Dieſe Unkoſten ſind allerdings groß; es waͤre aber unbillig, ſie auf Rechnung des Mais allein anzuſetzen, da die dadurch bewirkte Reinigkeit des Bodens mehreren Pflanzengenerationen zu gut kommt. Werden aber, wie bey der Reihenſaat geſchieht, Geſpannwerkzeuge zu Huͤlfe genommen: ſo wird freylich ein betraͤchtlicher Theil der Ko⸗ ſten erſpart. So rechnet Dr. Burger, daß er zum Be— hacken und Behaͤufen eines Hektars braucht 1,7 Pferdetag⸗, 3,5 Weiber⸗ und 6,1 Maͤnnertagwerk, wovon ſich die Geſammt⸗ koſten auf 7 fl. 51 kr. p. m. vder ungefaͤhr zum fuͤnften Theil deſ⸗ ſen belaufen, was die dazu noͤthige Handarbeit im Elſaß koſtet. b) Ergaͤnzen. Eine zweyte Pflege des Maisfeldes beſteht in dem Aus— 286 fuͤllen der leeren Stellen, deren es, der Verheerungen der Maͤuſe und Reitwuͤrmer, und hauptſaͤchlich des Raubes der Voͤgel wegen, immer welche giebt. Hierzu dient das Nachſetzen ſolcher Pflanzen, die man da, wo ſie zu dichte ſtehen, auszieht. Der Mais verträgt das Verſetzen ganz gut, nur darf man davon nicht gleichen Ertrag erwarten, wie von dem, der unverruͤckt ſtehen geblieben iſt. c) Entſchoſſen. Die dritte Pflege, welche man dem Maiſe angedeihen laͤßt, iſt das Abreißen der Seitenſproſſen. Wo der Mais nicht zu dichte ſteht, treibt er auf gutem fettem Boden nahe bey der Erde einige Schoͤſſe aus, die nur ſchwache, meiſt gar keine Kolben tragen, und ſowohl dem Hauptſtamme einige Kraft benehmen, als den Boden ſtaͤrker erſchoͤpfen. Man reißt ſie daher aus, und laͤßt ſie dem Vieh als ein treffliches Futter zu gut kommen. Da der Maisacker, waͤh⸗ rend der Bluͤthe oder Befruchtungszeit nicht betreten werden darf: ſo wird das Entſchoſſen gleich vor, oder erſt nach ihr vorgenommen, bey welcher Gelegenheit auch die Raͤuber— das iſt uͤberfluͤſſigen— Kolben abgebrochen werden, denn man laͤßt jedem Stamme nicht leicht mehr als einen, hoͤch⸗ ſtens zwey Kolben(Aehren). Die Staͤmme, welche auch nicht einen Kolben zeigen, ſchneidet man an der Erde weg, um ſie mit dem uͤbrigen Abfall zu verfuͤttern. ch Entfahnen. Die angefuͤhrten Vorrichtungen koͤnnen gleichzeitig mit dem Entfahnen vorgenommen werden, wodurch an Zeit ge— wonnen und das viele Hin- und Herlaufen vermieden wird. 237 Unter dem Entfahnen verſteht man das Wegſchneiden der Blumenwimpel, maͤnnlichen Bluͤthen, mit ſammt ihrem Stiele. Das gute milchreiche Futter, welches dieſe Abfaͤlle in noch friſchem Zuſtande gewaͤhren, das dadurch bewirkte ſchnellere Zeitigen der Frucht geben dieſer Vorrichtung eine große Wichtigkeit. Nur muß ſie nicht zu fruͤhe getroffen werden. Die Periode der Befruchtung beym Mais geht nur vor und nach von ſtatten, und dauert einige Wochen. Selbſt dann, wann die maͤnnliche Bluͤthe ihren Staub ausgeſtreuet hat, darf man ſie darum dem Stamme noch nicht entwen⸗ den. Es iſt die Anſicht der Fruchtkolben, die hier entſchei⸗ det. Fangen die Haarbuͤſchel dieſer leztern an welk zu wer⸗ den, und verlieren ihre glaͤnzende Farbe: ſo iſt ihre Beſtim⸗ mung wie die der Wipfel zu Ende. Man kann ſich der Pflanze ohne ihren Nachtheil naͤhern, und die Wipfel bis etwas uͤber dem Fruchtkolben abſchneiden. Im Elſaß laͤßt man der Pflanze noch ein Blatt oberhalb dem Kolben; al⸗ lein nach den Verſuchen, welche Burger daruͤber angeſtellt hat, iſt ſolches nicht noͤthig. Fuͤr beſſer haͤlt er jedoch, die Wipfel zuerſt abzuſchneiden, und alle Blaͤtter ohne Aus⸗ nahme dann, wann ſich hin und wieder auf dem Felde ſchon einige reife Aehren zeigen, und die Koͤrner uͤberhaupt ſich zu verdichten anfangen, abzunehmen. Man unternimmt das Entfahnen und Entblaͤttern nur vor und nach, in ſo weit man der Abfälle beym Fuͤttern bedarf. Dieſes Futter, bemerkt Burger, wirkt merklich auf die Milcherzeugung, ſo lange es noch friſch iſt, und nach keinem ſind die Kuͤhe, zumal die Ochſen, gieriger, als darnach. Leztere ziehen es dem beſten Heue vor, und ſehen, ungeachtet aller Arbeit, nie ſo gut aus, als waͤh⸗ 288 rend ſie damit genaͤhrt werden. Man zerſchneidet vorlaͤufig ſowohl Blaͤtter als Fahnen in zwey Zoll lange Stuͤcke, damit weniger davon verwuͤſtet werde. Ein Hektar reicht, nach ſei⸗ ner Erfahrung zu, um acht Ochſen oder eilf Kuͤhe einen Monat lang mit jenen Abfällen vollauf zu fuͤttern. Neh⸗ men wir den taͤglichen Futterbedarf einer Kuh zu 7 Kilog. Heu an:** ſo gleicht der Werth dieſer Abfaͤlle 25 metriſchen Zent⸗ nern Heu, ungefaͤhr ſo viel, als man ſich von einem Hek⸗ tar ziemlich guter Wieſen an Heu und Grummet verſpre⸗ chen, darf. Da man ſich aber anderswo, wie wir noch hoͤ⸗ ren werden, keinen ſo ſtarken Maisertrag, wie Burger, zu verſprechen hat: ſo iſt die angefuͤhrte Benutzung im Durch— ſchnitte auf 13— 14 metriſche Zentner zu reduziren. Außer dem bedeutenden Vortheil, der aus dem Ver⸗ brauche der gruͤnen Blaͤtter und Fahnen hervorgeht, iſt die dadurch bewirkte ſchnellere Zeitigung des Kolben, ſo wichtig fuͤr das deutſche Klima, nicht zu bezweifeln. Wenn einige Perſonen Nachtheil davon wollen verſpuͤrt haben: ſo ruͤhrt es daher, daß ſie beydes zu fruͤhe unternommen. Von dem Aufrichten wird in dem hier folgenden Para⸗ graphen Rede ſeyn. §. 10. Feinde und Unfaͤlle, denen der Mais aus⸗ geſezt iſt. Hieher gehoͤren Thiere, Reife, Winde und Krankheiten. a) Thiere. Unter ihnen ſind die Voͤgel, welche ſich zuerſt zeigen. Augelockt durch einige oben aufliegende, durch ihre helle Farbe — und *) Das Wenigſte, was ſich zur Friſtung ihres Lebens anneh⸗ men laͤßt. 280 und Groͤße ſehr ſichtbare Koͤrner, leſen ſie nicht allein dieſe auf, wobey wohl kein Schaden ſeyn duͤrfte; ſondern ſpuͤ⸗ ren auch dann den mit Erde bedeckten nach, verfolgen mit ihren Nachſtellungen das Maisfeld und ziehen die Pflanzen aus, wenn dieſe auch ſchon eine Hoͤhe von mehreren Zollen haben. Das erſte, was dagegen zu thun, iſt, keinen Saa⸗ men unbedeckt zu laſſen; die oben aufliegende Koͤrner alſo zu ſammeln oder zu uͤberſcharren. Da aber jene gefiederten Gaͤſte am Ende dennoch auf die Spur ihres Fraßes kom⸗ men, waͤre es auch nur, wann der Mais hervorſticht; ſo muß ihnen durch Scheuſale gewaͤhrt werden, worunter das Um⸗ ziehen und Queruͤberziehen des Feldes mit groben Faͤden, in die man einige Federn eingeknuͤpft hat, das beſte Mittel iſt. Man bindet die Faͤden an Staͤbe, Pfaͤhle, zu einer Hoͤhe von 3 Fuß uͤber der Erde. Iſt der Mais mehr herangewach⸗ ſen, ſo hoͤrt der Beſuch der Schmarotzer zwar auf; faͤngt aber, mit erneuertem Drang, bey dem Eintritte der Reife der Koͤrner wieder an. Dohlen, Kraͤhen, Aelſtern, Nuß⸗ haͤher, und wie die ganze Sippſchaft heißt, geben ſich um die Wette mit der Pluͤnderung ab, und koͤnnen kaum durch Strohmaͤnner, todte Raubvoͤgel und Windklappern zurecht gewieſen werden. Zu den unterirdiſchen Feinden des Maiſes gehoͤren die Maͤuſe, Reitwuͤrmer, Kaͤfermaden und ſonſtiges Gewuͤrme. Das Einbeitzen des Saamens in ſcharfe oder giftige Mittel kann hoͤchſtens eine ganz kurze Zeit gegen den Anbiß die⸗ ſer Thiere ſichern. Da aber den Wurzeln und Keimen nichts von den Eigenſchaften jener Mittel anklebt, ſo iſt wenig dabey gewonnen. Das einzige wahre Mittel, welches Burger angiebt, iſt ein vorlaͤufiges oͤfteres Pfluͤgen und v. Schwerz Anleit. z. praft, Ackerbau. II. Bd. 19 29⁰ Eggen, welches nebenbey dem Wachsthum der Pflanze ſo ſehr zutraͤglich iſt.„Dadurch, ſagt er, daß der Acker im Herbſt tief gepfluͤgt worden und den Winter uͤber in rauhen Schollen liegen bleibt, kommen die von vielen Inſekten in die Erde gelegten Eyer auf die Oberflaͤche, und gehen durch Froſt und Naͤſſe zu Grunde. Was nicht durch dieſe zerſtoͤrt worden, wird durch ein zweymaliges Pfluͤgen und dreyma⸗ liges Eggen im Fruͤhling getilgt.“ Nachtheiliger noch als das angegebene Gewuͤrme iſt eine Made, welches den Mais gegen die Zeit ſeines Koͤrneran⸗ ſatzes befaͤllt. Sie hat in dem Innern der Fruchtſtaͤngel ihre Behauſung, und greift nicht blos die ſich bildenden Koͤrner, ſondern auch die Stiele an, welche die Fruchtkolben tragen. Die von innen vernagten Stiele geben der Laſt des Kolbens nach, wodurch dieſe wie eingeknickt, ſich vor der Reiſe abwaͤrts ſenken. Dadurch wird nicht ſelten die Haͤlfte der Aerndte zerſtoͤrt, wie ich einmal zu Hoͤrdt im Elſaß ſah. Naͤhere Auskunft uͤber dieſe heilloſe Made weiß ich nicht zu geben, und Mittel dagegen wird man ſchwerlich wiſſen. b) Froſt, ſchlimme Witterung. Außerordentliche Faͤlle und Mißjahre, denen keine Pflan⸗ zengattung zu entgehen vermag, abgerechnet, kann der Mais mehr als alle uͤbrige Getreidearten anhaltende Extreme von Wit⸗ terung ertragen. So ſchadet ihm, nach Burger, anhal⸗ tendes Regenwetter zur Zeit ſeiner Bluͤthe nicht im gering⸗ ſten. Er vertraͤgt den von der Sonnenhitze viele Wochen lang ausgedorrten Boden, und nimmt von anhaltendem Regen, vorausgeſezt, daß das Waſſer nicht auf dem Acker ſtehen bleibt, keinen Nachtheil. Selbſt ein ſtarker Reif ver⸗ 291 mag dieſe ſuͤdliche Pflanze in ihrer erſten Jugend nicht zu zerſtoͤren. Ich geſtehe, daß ich uͤber dieſen Punkt einer an⸗ dern Meynung war; allein die von Burger angefuͤhrten fremde und eigene Erfahrungen erlauben nicht daran zu zweifeln. Moͤgen nach ihm die Blaͤtter auch bis an den Bo⸗ den erfrieren, ſo treibt der Stock, deſſen Herz und Wur⸗ zeln ungetoͤdtet blieben, wieder neue Blaͤtter, und die Saat nimmt davon keinen Schaden. Ich beobachte dabey, daß hier von jenen Froͤſten Rede iſt, welche gegen die Haͤlfte des Mais eintreffen, wo die Pflanzen etwa erſt 3—4 Zoll uͤber der Erde ſind. c) Winde. Wenn gleich der Mais nicht wie die uͤbrigen Getreide⸗ arten, der Geilheit des Bodens unterliegt, und man aus Furcht davor den Dung bey ſeinem Bau nicht zu ſparen braucht: ſo kann er doch einem mit ſtarkem Gewitterregen verbundenem Sturme nicht widerſtehen. Indeſſen iſt dieſer Schaden nie ſo groß, als er im erſten Anblicke es zu ſeyn ſcheint, indem die gebeugten Staͤngel ſich nach wenig Ta— gen wieder von ſelbſt aufrichten, oder mit einiger Muͤhe wie⸗ der aufgerichtet werden koͤnnen. Noch weniger haben die Stuͤrme zu ſagen, wenn ſie eintreten, bevor die Pflanze noch keine ſo bedeutende Hͤhe, wie zur Bluͤthezeit, erreicht hat. Die gefaͤhrlichſte Zeit fuͤr den Mais moͤgte alſo die zweyte Haͤlfte des Juli ſeyn, wo er in Bluͤthe ſteht und der Stamm am muͤrbſten iſt. Spaͤter erhaͤrten die Pflanzen ſchon mehr und koͤnnen dem Sturme beſſer widerſtehen. Man darf nicht unterlaſſen noch ſaͤumen, die verboge⸗ nen oft untereinander ſich kreuzenden Staͤmme mit vorſich⸗ 292 tiger Hand wieder aufzurichten und die Erde an die Wurzel mit dem Fuß feſt anzudruͤcken, wo ſich dann der Schaden in kurzer Zeit ſo verwaͤchſt, daß man bey der Aerndte nichts mehr davon inne wird. Bey dieſer Arbeit hat man zwey Vorſichtsmaßregeln zu nehmen. Die eine, daß man ſo lange damit wartet, bis die Blaͤtter von dem Regenguſſe wieder trocken geworden ſind; die andere den Stamm ja nicht bey den Piſtillen(Haarbuͤſchel) der Kolben anzugreifen, oder dieſe auf eine oder andere Weiſe zu druͤcken, wodurch man dem Koͤrneranſatz mehr Schaden thun wuͤrde, als der Sturm⸗ wind ſelbſt gethan hat. Dieſe Arbeit kann alſo nur durch ſehr umſichtliche Leute vollfuͤhrt werden. Abgeſehen von der Uebermacht eines Sturmes: ſo iſt das Umwerfen des Maiſes oft die Folge einer nachlaͤſſigen Behandlung von Seiten des Wirthes, und nicht mit Un⸗ recht haͤlt Burger die Winde fuͤr die Pruͤfer, durch welche die vorhergegangene Behandlung erſichtlich wird. Ein zu ſeicht gepfluͤgtes Land, worin die Wurzeln nicht tief genug einſchlagen koͤnnen, eine zu gedrängte Saat, die nur ſchmaͤch⸗ tige Halme zur Folge hat, ein zu ſchwaches Behaͤufen, das den hohen Stamm nicht zu ſtuͤtzen vermag, ſind des Stur⸗ mes Helfer. Man vermeide die Fehler und das Beſſere wird ſich von ſelbſt einſtellen. Die ganz gebrochenen, oder waͤhrend des Aufrichtens brechenden Staͤngel werden ausgeſchnitten und verfuͤttert. d) Krankheiten. Der Mais iſt nur ſehr wenigen Krankheiten unterwor⸗ fen, und dieſe ſind wegen ihrer geringen Ausdehnung von geringen Folgen.„Nur eine einzige Krankheit, ſagt Bur⸗ 293 ger, die ihm ausſchließlich-eigen zu ſeyn ſcheint, hat man bis jezt an ihm entdeckt, naͤmlich die Brandbeule, wobey irgend ein Theil der Maispflanze, am gewoͤhnlichſten die Aehre, aufſchwillt, mit einer ſilberfarb glaͤnzenden Haut uͤberzogen, und im Innern mit einer waͤſſerigen Feuchtig— keit gefuͤllt iſt, die ſich mit der Zeit in ein ſchwarzes Pul⸗ ver verwandelt. Da ſie aber nur ſelten vorkoͤmmt, der Ge⸗ ſundheit voͤllig unſchaͤdlich, und nicht forterbend iſt, ſo ver⸗ dient ſie keine weitere Aufmerkſamkeit.“ Ich habe im Elſaß auf Sandboden noch eine andere Krankheit des Maiſes gefunden. Sie beſteht in einem bran⸗ digen, braungefaͤrbten, wie ein breitblaͤttriger Buſch her⸗ vorragenden, wahrhaft monſtroͤſen Auswuchs, wodurch ein Theil oder das Ganze des Kolbens zerſtoͤrt wird. In guten Maisjahren ſtellt er ſich haͤufiger ein, als in ſchlechten. Da er aber nur einzelne Stoͤcke befaͤllt: ſo iſt der Verluſt nicht betraͤchtlich. An dem Orte, wo ich dieſes brandige Gewaͤchs ſahe, ruͤhrte es ſicher weder vom ſtarken Duͤnger, noch von dichtem Stand, noch von ſchattiger Lage her. §. 11. Aerndte. Wann die Spitzen der Deckblaͤtter weiß werden, die Koͤrner dem Drucke des Nagels wenig nachgeben: ſo iſt der Mais zeitig und kann eingeaͤrndtet werden. Man bricht die Kolben ab, wirft ſie auf kleine Haufen zuſammen und bringt ſie nach Hauſe. Die Zeit trifft in Deutſchland gewoͤhnlich in die lezte Häͤlfte des Septembers oder in die erſte des Oktobers. Tritt aber die Kaͤlte vor dieſem Zeitpunkte ein: ſo muß er, reif oder nicht, vom Feld gebracht werden. Die Blaͤtter welken 294 vom Froſt und erbleichen; die Koͤrner ſchrumpfen ein. Es iſt keine Zeitigung mehr zu hoffen, wenn ſie nicht bis da ſchon eingetreten iſt. Die Staͤngel werden ſpaͤter an der Erde abgeſchnitten, und, wenn ſie zum Winterfutter dienen ſollen, je fuͤnf und fuͤnf zum Trocknen auf dem Felde gegen einander angeſtellt. Sollen ſie aber zur Streue dienen, ſo koͤnnen ſie ſogleich eingefahren werden. Eine Maisaͤrndte erfordert zum Abbrechen, Austragen und Aufladen nach den Erfahrungen Burgers 26 Frauentag⸗ werke fuͤr den Hektar. Dieſe Aerndtekoſten wären nur ge⸗ ringe, wenn nicht die weit betraͤchtlichern des Entkleidens dazu kaͤmen, wie wir ſehen werden. Da die Kolben am ſelben Tage, wo ſie gebrochen, oder ſpaͤtſtens am andern entkleidet(entfedert) ſeyn wollen: ſo muß man ihrer taͤglich nicht mehr brechen, als man am ſelben Abend, oder am folgenden Vormittage entkleiden kann. Die nicht entkleideten Kolben haben eine ſo große Neigung ſich zu erhitzen, daß man gewiß ſeyn kaun, daß die Deck⸗ blaͤtter faulen, und die Koͤrner einen uͤblen Geſchmack an— nehmen werden, wenn die Kolben laͤnger als 24 Stunden in einem großen Haufen zuſammen liegen. Burger rech⸗ net, daß zu dem Entfedern der Maiskolben von einem Hek⸗ tar 7o Frauen⸗ und Kindertagwerke gehoͤren. In Verbin⸗ dung mit dem ſchon beruͤhrten Abbrechen u. ſ. w. belaͤuft die ganze Aerndtearbeit auf 96 ſolcher Tagwerke. §. 12. Trocknen, Entkoͤrnen und Aufbewahren. Der Mais kann nicht, wie anderes Getreide, friſch gus der Soune weg abgedroſchen, noch, wie ſolches, zu⸗ 295 ſammengebanſet werdeen. Seine Koͤrner ſowohl als der Frucht⸗ boden, worauf ſie anſitzen, enthalten ſo viele Feuchtigkeit, und dieſe wird noch uͤberdem durch den gedraͤngten Stand der Koͤrner an der Verduͤnſtung ſo ſehr gehindert, daß die Kolben mit einer eigenen Vorſicht behandelt werden muͤſſen. Man unterſcheidet dabey zwiſchen dem Entkoͤrnen und dem Aufbewahren der Kolben, die als Vorbereitung dem Entkoͤrnen vorgehen muß. a) Trocknen. Die gewoͤhnlichſte, älteſte und allenthalben bekannte Weiſe die Kolben zu trocknen iſt, ſie in freyer Luft, unter Obdach aufzuhaͤngen. Um dieſes moͤglich zu machen, laͤßt man jeden Kolben bey dem Entkleiden einige der unterſten Deckblaͤtter, die man nach der Hoͤhe ſtreift, und ſie damit Paarweis zuſammenbindet; oder man faßt ſie bey den Blaͤt⸗ tern je zehn und zehn zuſammen, und umwindet ſie mit einem Bindfaden. Je nachdem der Ort, wo ſie aufgehaͤngt werden ſollen, mehr oder weniger luftig iſt, koͤnnen ihrer mehr oder weniger zuſammen gefaßt werden. Dieſes iſt al⸗ lerdings die ſicherſte Verfahrungsart, jedoch nicht leicht in Großem ausfuͤhrbar. Nach einer zweyten Weiſe werden die oollig entkleideten Kolben auf einen ſehr luftigen Boden(Speicher) gebracht, nicht uͤber einen halben Fuß hoch angehaͤuft und auf das fleißigſte mit einer Harke(Rechen) geruͤhrt und gewendet. Dieſe Art iſt unter allen die einfachſte, aber wegen Mangel an Raum nur ſelten ausfuͤhrbar, da auf einem Speicher, der 20 Meter lang und 8 Meter breit iſt, doch nicht mehr als 250 Hektoliter aufgeſchuͤttet werden koͤnnen. 296 Die dritte Weiſe iſt, die Kolben in beſonders dazu er⸗ richtete Trockenhaͤuſer(Koſchen) zu bringen. Ein ſolcher Koſch mißt 12— 14 Fuß in der Hoͤhe, und 2— 2 ½ Fuß in der in⸗ nern Weite oder Breite. Die Länge richtet ſich nach der Groͤße der Aerndte; oder auch nach dem Holze, das man hat. Vier ſtarke in den Boden feſt eingerammelte Haupt⸗ pfoſten bilden die Ecken des Geruͤſtes, zwiſchen welchen noch andere Pfoſten kommen, im Falle der Koſch ſehr lang wer⸗ den ſoll. Die Pfoſten ſind oben, in der Mitte, und nach unten durch Riegel mit einander verbunden. Dem untern Riegel gleich läuft der aus zwey Brettern beſtehende Boden. Er erhebt ſich um 3—4 Fuß uͤber der Erde, welches der Maͤuſe und Ratzen wegen nothwendig iſt. Das bretterne Dach laͤßt ſich theilweis aufdecken, weil der Koſch von oben ein gefullt wird. Das Dach ſpringt um 3—9 Zoll uͤber die Seitenwaͤnde hervor. Dieſe beſtehen aus Latten, welche von der innern Seite gegen die Riegel angenagelt ſind. Statt der Latten läßt ſich auch ein Flechtwerk anbringen. Wenigſtens einer der Giebel iſt mit zwey Thuͤrchen, eines mehr nach der Hoͤhe, eines nach unten zu verſehen, durch welche dem in dem Lattengebaͤude ſtehenden Banſer die Kol⸗ ben in Koͤrben zugereicht, und von dieſem, wo ſie gehd⸗ ren, hingetragen werden. Am Ende wird das Uebrige zu dem Dache hineingeworfen. Das untere Thuͤrchen dient in der Folge zur Leerung des Koſches. Die Pfoſten werden von der Erde an bis zu dem Boden des Magazins rund und glatt angefertiget; auch wird allda bey jedem ein her⸗ vorragendes Brettchen angebracht, um den ungebetenen vier⸗ fuͤßigen Gaͤſten den Zutritt unmoͤglich zu machen. Eine Hauptvorſicht bey dem Fuͤllen beſteht darin, daß 297 der Koſch bis unter's Dach voll ſey, ohne welches Schnee und Regen zwiſchen den unter ſich entfernten Latten in das Innere der Banſe ſchlagen, und Schimmel verur⸗ ſachen. So weit alſo als der Koſch leer bleibt, oder leer wird, muͤſſen von außen Bretter angeheftet werden. Die vierte Weiſe iſt die des, in Burgund und in der Franche⸗Comte uͤblichen, Doͤrrens. Man heizt dabey den Backofen etwas ſtaͤrker, als es zum groben Brodte erforder⸗ lich iſt, kehrt ihn aus und bringt die abgeblaͤtterten Mais⸗ kolben hinein. Nach einer Stunde wird der Ofen geoͤffnet und der Mais mit einer eiſernen Schaufel ſo umgekehrt, daß die zu unterſt liegenden Aehren oben auf kommen. Dann legt man noch einige gluͤhende Kohlen, wenn man damit verſehen iſt, an die Muͤndung des Ofens und verſchließt ſie von neuem. Nach einigen Stunden wiederholt man das Umſchaufeln und laͤßt nun den Ofen geſchloſſen. Es wer⸗ den 24 Stunden zum voͤlligen Ausdorren erfordert. Man darf nicht fuͤrchten, daß nach obiger Art der Ofen zu heiß ſeyn moͤge, da die große Menge Maiskolben, welche man auf einmal hineinbringt, die Hitze maͤßiget. Durch dieſe Vorrichtung verliert der Mais zwar die Eigenſchaft, mit dem Zuſatze von anderm Mehl, zu Brod verwendet wer⸗ den zu koͤunen; ſein Mehl erhaͤlt aber einen Wohlgeſchmack, dem auch der beſte Mais aus den mittaͤgigen und heißeſten Provinzen nicht gleich kommt. Es uͤbertrifft zur Zuberei⸗ tung der Speiſen, vorzuͤglich aber des Breies und der Sup⸗ pen das Mehl von allen andern Getreidearten. Auch ſind es nur die unbemittelten Leute in jenen Provinzen, die aus Mangel an Holz ſich des nicht gedoͤrrten Maiſes be⸗ dienen. 2983 Den ſchon entkoͤrnten Mais in den Ofen zu bringen hat man nicht gut befunden. b) Entkoͤrnen. Nachdem die Maiskolben zureichend trocken ſind, wer⸗ den ſie entkoͤrnt, welches in der Regel nie vor dem Ein⸗ tritte eines ſtarken Froſtes, gewoͤhnlich aber erſt gegen das Fruͤhjahr ſtatt hat. Es geſchieht entweder mit der Hand, oder mit dem Flegel. Das Entkoͤrnen mit der Hand paßt nur fuͤr da, wo der Mais in keiner bedeutenden Menge erbauet wird. Es iſt im Elſaß die Nebenarbeit des Geſindes in den Winter— abenden. Man reibt die Kolben an dem Ruͤcken eines ſei⸗ ner Laͤnge nach in einen Schemel eingeſchlagenen alten Meſ⸗ ſers auf und ab, wobey die Koͤrner in den darunter hinge⸗ ſezten Korb fallen. Zwey Perſonen reiben auf dieſe Art in zwey Stunden ſehr leicht einen Hektoliter Koͤrner ab. Fuͤr einen ausgedehnten Maisbau kann nur das Aus⸗ dreſchen mit dem Flegel gelten. Sehr merkwuͤrdig iſt dar⸗ uͤber die Erfahrung Burgers, daß eine vollkommene Aus⸗ trocknung der Kolben dazu nicht durchaus erforderlich ſey, und man ſchon drey, ja zwey Monate nach der Aerndte dre⸗ ſchen kann, ohne daß dadurch die Arbeit ſchwerer oder ſchlech⸗ ter wuͤrde.. Bey dem Dreſchen muß darauf geſehen werden, daß die Kolben hoch genug aufgeſchuͤttet werden, damit ſie nicht unmittelbar zwiſchen den Flegel und die Tenne kommen. Burger bedient ſich dabey folgender Methode.„Ich laſſe, ſagt er, dreyßig Tragkoͤrbe voll auf einmal auf die Tenne tragen, und ſie in der Mitte derſelben zu einem Viereck zu⸗ 299 ſammen machen, ſo daß die Kolben etwa vierfach uͤberein⸗ ander liegen, und ſtelle hierauf die Dreſcher oben und unten ſo an, daß ſie die Lage gemeinſchaftlich abdreſchen und ſich gegenſeitig nicht irren. Man driſcht ſo lange, bis die oberſte Lage der Kolben faſt ganz entkoͤrnt iſt. Nun harkt man die noch nicht entkoͤrnten Aehren zur Seite, und ſchaufelt die Koͤrner von dem Schlagplatze weg. Darauf werden die Aeh⸗ ren an Ort und Stelle, wie das erſte Mal zuſammen gebracht, wieder abgedroſchen, abgekaͤmmt, und zum dritten Mal ge⸗ droſchen, wobey die Fruchtboͤden ihrer wenigen Koͤrner gaͤnz⸗ lich entlediget werden.“ Um das Abgedroſchene von den Fruchtbodenſtuͤcken zu reinigen, wird es zuerſt durch ein groͤberes, dann durch ein feineres Sieb und zulezt durch eine Fegmuͤhle getrieben. Vier Dreſcher dreſchen auf jene Art in 9 Stunden 13 Hektoliter Koͤrner ab, worin Beytragen, Sieben und Aufmeſſen mit inbegriffen iſt. Die naͤmlichen Arbeiter wuͤr⸗ den in der naͤmlichen Zeit 10 Hektoliter nach der hoͤher angegebenen Methode abgeriffelt haben. Da jedoch hier kein Beytragen und Aufmeſſen begriffen iſt, ſo duͤrfte man an⸗ nehmen, das Abdreſchen verhalte ſich zum Riffeln wie 7 zu 5. c) Aufbewahren. So wie der gedoͤrrte Mais ſich leichter abdriſcht, ſo laͤßt ſich das Abgedroſchene auch ohne Nachtheil auf dem Boden oder in einer geſchloſſenen Kammer anhaͤufen. Anders aber verhaͤlt es ſich bey dem, auf gewoͤhnliche Weiſe trocken ge— wordenen, zumal bey dem im halb trocknen Zuſtand ausge⸗ droſchenen Mais. Man darf leztern nicht uͤber einen halben 5⁰⁰0 Fuß auf einem luftigen Speicher aufſchuͤtten, und muß ihn alle Woche zweymal umſchaufeln, indem die Koͤrner im⸗ mer noch einige Monate brauchen, bevor ſie ſich ihrer Feuch⸗ tigkeit entledigt haben. Wird ſolches vernachläſſiget, ſo er⸗ waͤrmt ſich der Haufen und die Frucht wird dumpfig. Sind die Maiskoͤrner auf obige Weiſe ganz trocken ge⸗ worden, ſo muͤſſen ſie in einen wohl geſchloſſenen, trocknen, kuͤhlen Raum gebracht und entweder in Säͤcken oder Kaſten aufbewahrt werden. Ratzen und Maͤuſe ſind des Maiſes grimmigſte Feinde, doch iſt ihnen noch eher zu ſteuern, als dem kleinern Gewuͤrme, welches ihn vor und nach ganz aufreibt. Um dieſem zu begegnen iſt es nothwendig, die Vorrathskammer hoͤchſt reinlich, und Thuͤren und Fenſter derſelben wohl verſchloſſen zu halten. Iſt der Mais in unreifem Zuſtande nach Haus gekom⸗ men, welches in Deutſchland nichts ungewoͤhnliches iſt, ſo kann er, wo er nicht im Ofen gerdͤſtet worden, nicht auf⸗ bewahrt werden, und iſt uͤberhaupt von geringem Werth. Das beſte, was man damit anfangen kann, iſt, ihn, ſo wie man ihn theilweis vom Felde bringt, mit einem Stampf⸗ meſſer zu zerſtoßen, und zu verfuͤttern, und das, was nicht aufgefuͤttert werden kann, im Ofen zu doͤrren. §. 13. Ertrag. Burger giebt ſeinen Maisertrag vom Hektar an zu.... 71 Hektoliter Derſelbe den fuͤr Kaͤrnthen zu. 48— Derſelbe den fuͤr Oeſterreich und Maͤh⸗ ten zu 21— Derſelbe fuͤr Ungarn und Kroatien zu 37— 301 Schwerz den fuͤrs Elſaß zu 33 Hektoliter Andrieu ein Franzoſe deu ſeinigen in einem Durchſchnitt von 3“ Jahren zu 26— Simonde fuͤr Toscana zu 58— Das Medium ſaͤmmtlicher Angaben giebt 41— Der Geldwerth des Maiſes iſt freylich noch viel zufaͤlli⸗ ger als der des uͤbrigen Getreides, da ſein Verbrauch nicht allenthalben in Deutſchland uͤblich, und ſelbſt nach den Ge⸗ genden, wo er gebaut wird, nicht eben mannichfaltig iſt. Nach einer Berechnung nimmt Burger das Verhaͤltniß ſei— nes Geldwerthes zu dem des Weitzens an wie 100 zu 139. Im Elſaß ſchaͤzt man ihn dem der Bohnen, auch nur wohl der Gerſte gleich. Da nun die Bohnen ſich zum Weitzen verhalten wie 3 zu 5, ſo waͤre daſelbſt das Verhaͤltniß des Geldwerthes des Maiſes zu dem des Weitzens nur wie 100 zu 167. Da aber der Ertrag eines Hektars Mais ſich zu dem eines Hektars Weitzen verhaͤlt wie 41 zu 22: ſo ſtuͤnde der ganze Ertragswerth von einem Mais⸗ zu einem Weitzen⸗ felde, wie 1v0 zu 9o. Ein Hektar Mais waͤre alſo atel mehr werth als ein Hektar Weitzen. Dieſes rechtfertiget den Ausſpruch A. Youngs, daß ein Jahr Weitzen, das andere Mais der hoͤchſte Ertrag ſey, den der Menſch der Erde ab⸗ fordern kann. Nach dem Geldwerth, den Burger fuͤr ſeine Gegend dem Mais beylegt, ſtuͤnde der Ertragsweith eines Maisfeldes zu dem eines Weitzenfeldes wie 100 zu 75. Oder ein Hektar Mais waͤre tel mehr werth als ein Hektar Weitzen. Noch koͤmmt zu dem Maisertrage der der Fitzbohnen, welcher bey Burger 11, bey den Elſaſſern aber 6 Hektoli⸗ 3⁰2 ter vom Hektar betraͤgt, welche leztere, um das Geringere anzunehmen, 6 Hektoliter Weitzen oder 10 Hektoliter Mais gleich ſind. Demnach duͤrfen wir den Ertrag des ganzen Feldes gleich 51 Hektoliter Mais ſetzen. Berechnet wie 5 zu 3 giebt der Hektar das Aequivalent von 50,6 Hektoliter Weitzen; oder anders der Geſammtertrag von 11 Hektar Mais gleicht an Geldwerthe 15 Hektar Weitzen. Setzen wir hinzu, daß, wie im§. 9 geſagt worden, die in dem Maisfeld geworbene gruͤne Fuͤtterung dem Ertrage eines eben großen Grasfeldes von mittler Guͤte gleicht; vereinigen wir ferner damit die große Maſſe von Stängeln, Frucht⸗ deckeln und Fruchtboͤden, die dem Stroh⸗ und Kaffertrage eines Getreidefeldes bey weitem vorgehen: ſo ergiebt ſich, daß nicht ein landwirthſchaftliches Produkt ſich mit dem Mais in der Benutzung meſſen kann, und daß die Walla⸗ chen nicht ſo ganz Unrecht haben, wenn ſie von gichts als von ihrem geliebten Kukurutz wiſſen wollen. Anderswo trifft das nun freylich nicht ſo zu. Wo näm⸗ lich der Mais die gewoͤhnliche Menſchenkoſt nicht bildet, und man ihn blos fuͤr ein gutes Gaͤnſefutter anſieht, um den leckern Leberpaſteten vorzuarbeiten, da kann er gleichen Werth nicht haben. Da er aber zur Maſt einer jeden Viehgattung geeignet iſt: ſo darf man ihn auch nicht als eine bloße Schnabelweide fuͤr Gaͤnſe und Putter betrachten. Bey der Schweinemaſt uͤbertrifft er, nach der Erfahrung der Elſaſſer, alles was man dieſen Thieren reichen kann, und hat die gute Eigenſchaft, daß die Schweine ſich nicht daran den Eckel freſſen, wie bey den Bohnen manchmal geſchieht. Zur Maſtung aber ſolcher Ochſen, die man nicht fuͤr eigene Conſumtion, ſondern zum Verkaufe beſtimmt hat, haͤlt man 3⁰3 den Mais fuͤr weniger vortheilhaft, weil er ſie nicht ſichtbar genug auseinander treibt. Da der Gebrauch des Maiſes als Viehfutter bey uns noch lange der Hauptzweck ſeiner Cultur ſeyn moͤchte: ſo erlaube ich mir die Hauptmomente daruͤber aus der Bur⸗ ger'ſchen Abhandlung zu erheben. „Wenn man den Melkkuͤhen, den Ochſen, Pferden, Schweinen und Huͤhnern einmal angefangen hat Mais zu geben: ſo verſchmaͤhen ſie in der Folge, wenn man ihn mit Rocken, Hafer oder Gerſte vertauſchen wollte, ganz gewiß dieſelbe. Nur Hunger und Noth wird ſie dazu bringen, ſich wieder zu einer minder angenehmen Nahrung zu be⸗ quemen. Auch fuͤhrt der Geſchmack die Thiere hierin nicht irre. Nichts näͤhret ſie ſo kraͤftig, bey keinem Futter ge⸗ deihen ſie ſo wohl, als bey dem Mais, und der Mais bauende Landwirth verkennt ſeinen Vortheil voͤllig, wenn er ein einziges Korn eines andern Getreides zur Fuͤtterung verwendet.“ „Auf meiner Wirthſchaft baute ich keinen Hafer. Ich kann einem Getreide, wovon der Hektoliter nur 41 ¾ Kilo⸗ grammes wiegt und hoͤchſtens nur 27 Kilogr. naͤhrende Stoffe enthaͤlt, nicht hold ſeyn, weil die Cultur jedes an— dern Getreides mehr Nahrungsſtoffe erzeugt, und ich mit dem Mais bey der Fuͤtterung dreymal ſo weit reiche als mit Hafer. Wenn ich meinen Pferden ſtatt 2 Hektoliter Hafer 1 Hektoliter Mais gebe: ſo werden ſie viel beſſer ge⸗ naͤhrt als vorher.* Von dem Vorurtheile, der Mais *) Nun aber aͤrndtete Burger im Durchſchnitte 30 Hektoliter Hafer, und 71 Hektoliter Mais, oder gar 32 Hektoliter Mais, wenn 3⁰4 naͤhre die Pferde zwar beſſer, mache ſie aber traͤge und voll⸗ bluͤtig, hoͤrte ich in Ungarn, Kroazien und Italien, wo ich nichts anderes als Mais an ſie verfuͤttern ſah, kein Wort. Junge Pferde freſſen ihn ſo wie er iſt; fuͤr aͤltere wird er eingeweicht. Ich habe ihn zu Pferdefutter nie brechen laſſen.“ Auch im Elſaß, wo die Pferde mit Gerſte gefuͤttert werden, vertritt der Mais an mehreren Orten ihre Stelle. „Meine Maſcochſen, faͤhrt Burger fort, wurden ſonſt mit Gerſtenmehl gefuͤttert; allein ſeit ich Maisſchroot auf ihr Futter ſtreue, erreiche ich mit einer geringern Quantitaͤt und in kuͤrzerer Zeit den naͤmlichen Zweck.“ „Nichts maͤſtet die Schweine ſo gewiß und ſo geſchwind als Mais. In Kroazien, Italien u. ſ. w. erhalten dieſe Thiere, wenn ſie zur Maſtung aufgeſtellt werden, kein an⸗ deres Korn, und nirgends ſieht man fettere Schweine als in dieſen Laͤndern. Thiere mit 150— 200 Pfd. Speck findet man in vielen Haushaltungen. Die Maſtzeit iſt kurz, vom November bis in den Hornung.“ „Als Nahrung fuͤr das Gefluͤgel behauptet der Mais ebenfalls den erſten Rang. Wer kennt nicht die Groͤße, Fette und Muͤrbigkeit der ſteieriſchen Kapaunen und Welſch⸗ huͤhner?“ Von der Benutzung der Fahnen und gruͤnen Blaͤtter des Maiſes iſt ſchon Rede geweſen. Nicht weniger ſchaͤtz⸗ bar ſind die getrockneten aͤußern Blattſcheiden der Kolben. Man zieht ſie im Elſaß dem Wieſengrummet vor. Die in⸗ nern wir die Bohnen hinzurechnen. Der Ertrag gliche alſo 164 Hektoliter Hafer; ein Hektar Mais alſo beynahe 5 ¼ Hektar Hafer. Doch moͤchte man anderswo billig den Vergleich zur Haͤlfte herabſetzen. nern duͤnnen Schalen, das eigentliche Kolbenhemd, weilen es ihnen unmittelbar anliegt, werden ſorgfaͤltig geſammelt, verrupft und zum Ausfuͤllen der Betten fuͤr das Geſinde, ſtatt der Federn oder Haare, verbraucht.— Die trocknen Staͤngel oder Staͤmme des Mais werden geſchnitten, ent⸗ weder angebruͤht, oder mit zerſtoßenen Kartoffeln gemiſcht dem Hornvieh im Winter verfuͤttert, oder untergeſtreut; aber auch dann muͤſſen ſie vorlaͤufig in halbfußlange Stuͤcke zer⸗ ſchnitten werden. Ueber die Benutzung der abgedroſchenen Fruchtboͤden ſagt Burger folgendes.„Aus der Analyſe, die ich davon machte, ergeht, daß in 1000 Theilen derſelben 219 nahr⸗ hafte Theile enthalten ſind; woraus ſich ſchließen laͤßt, daß ſie eine groͤßere Wuͤrdigung verdienen, als ſie gewoͤhnlich genießen. Ich habe 1804 und 1805 einen großen Theil davon zum großen Vortheil meines Viehes verfuͤttert. Klein gedroſchen wurden ſie auf die Muͤhle geſchuͤttet und das Mehl, mit ſiedendem Waſſer angebruͤht, den Melkkuͤhen im Trank gegeben. Sie liebten ihn ſehr, und er ſchien guͤnſtige Einfluͤſſe auf die Milchvermehrung gehabt zu haben.“ Burger giebt den Strohertrag fuͤr einen Hektar Mais folgender Maßen an. An Staͤngenn. 5734 Kilogr. an Deckblaͤtternn 5750— an Fruchtbdden 1536— Summa... 7796— Ich beobachte, daß dieſes zwar in ſeiner Wirthſchaft bey 71 Hektoliter Koͤrner ſo ſtatt gehabt hat; da aber die⸗ ſer Ertrag ſich weit uͤber die uͤbrigen Angaben erhebt: ſo glaubte ich bey der Strohausmittelung das Medium des v. Schwerz Anleit. z. prakt. Ackerbau. II. Bd. 20 3⁰6 Koͤrnerertrages= 41 Hektoliter zum Grund legen zu muͤſſen. Demnach truͤge ein Hektar Mais: an Staͤngen 5311 Kilogr. V an Deckblattern.. 42— an Fruchtboöden... 77o— Summa gleich Stroh... 4513— Hierzu geſellen ſich dann noch fuͤr Bluͤtheſtaͤngel und Schoſſen 1782 Kilogr. Der ganze Stroh⸗ und Futterbe⸗ trag thut demnach 65 metriſche Zentner, ſtatt daß der Hek⸗ tar Getreide nur 35 metriſche Zentner Stroh abwirft. So viel von dieſem hoͤchſt wichtigen, an vielen Orten noch verkannten Culturgegenſtand. Gerne moͤchte ich den Verbrauch des Maiſes zur menſchlichen Nahrung hier ange⸗ ben, muͤßte ich nicht fuͤrchten, daß dadurch der Raum fuͤr die uͤbrigen Gegenſtaͤnde, welche zu vorliegendem Bande beſtimmt ſind, zu ſehr beengt werden moͤchte. Dreyzehnter Abſchnitt. H i 1 f e. Man baut in Deutſchland zwey Haupthirſenarten: die Rispenhirſe, oder Quaſthirſe, panicum miliaceum und die Kolbenhirſe, panicum italicum(ob nicht vielleicht germa— nicum?) Da, wo, wie im Oeſterreichiſchen, die Hirſe eine ge⸗ ſuchte Waare iſt, macht ihr Anbau einen wichtigen Gegen⸗ ſtand der Cultur aus, indem ihr Strohertrag den des Weitzens uͤbertifft, und ihr Reinertrag ihm nicht nachſteht. 3⁰7 Wo ſie aber nur als Nahrung fuͤr's Federvieh vorkoͤmmt, duͤrfte ſich ihre Cultur nicht in Großem lohnen. In Bezug auf die klimatiſchen Verhaͤltniſſe hat die Hirſe Vieles mit dem Mais gemein, gedeiht alſo unter denſelben Bedingungen, wo auch dieſer gedeiht, mit dem ſie in dem Wuchſe der Staͤngel und Blaͤtter manche Aehnlichkeit hat. Nur beym Saamen ſind die Koͤrner des einen eben ſo groß, als die der andern winzig ſind. Nach Burgers Bemerkung bedarf die Kolbenhirſe eine etwas waͤrmere Lage als die Quaſt⸗ hirſe; denn, wenn dieſe in einer Lage, wo kein Wein mehr gebaut wird, noch fortkoͤmmt, ſo will jene uͤber die Wein— graͤnze hinaus nicht wohl mehr gedeihen. „Die Hirſe, ſagt Burger, den man als den ſicher⸗ ſten Geleitsmann, ſo wie bey dem Mais- alſo auch bey dem Hirſenbau, waͤhlen kann, vertraͤgt große Trockne und Hitze und kann daher in ſandigem Boden mit Nutzen ge⸗ baut werden. Ich kenne keine Pflanze aus der Claſſe der Graͤſer, die dieſe Eigenſchaft in einem hoͤhern Grade beſaͤße. Wir muͤſſen daher in einem ſandigen Boden und warmen Klima die Hirſe als die vorzuͤglichſte, ja gewiſſer Maßen einzige Sommerfrucht betrachten. In einem Jahre, wo al⸗ les auf hieſigen Sandfeldern vertrocknete, wuchs nur die Hirſe fort. Wir finden ſie deßhalb bey uns nur da, wo der leichte Boden die Cultur des Weitzens verbietet, und die Hirſe ſeine Stelle in der Bekoͤſtigung des Volkes einnimmt. Auf bindigerm Boden verſchwindet ſie und macht dem Weitzen Platz.“ Wie fuͤr den Mais iſt der Boden fuͤr die Hirſe nicht leicht zu fett. Sie vertraͤgt den friſchen Duͤnger beſſer als alle uͤbrigen Getreidearten. Dem ungeachtet verwendet man, 3⁰8 der Reinlichkeit wegen, den friſchen Miſt nicht gerne unmit⸗ telbar dazu. Der Schafpferch iſt gewiß nirgend beſſer als bey ihr angebracht. Der Neubruch iſt fuͤr die Hirſe das wahre Element. „Wo Hirſſe reif wird, ſagt Burger, waͤre es baarer Unſinn alte Weiden, Dreiſchfelder, ausgetrocknete Teiche, Moor⸗ laͤnder auf irgend eine andere Art in den Ackerwechſel zu bringen, als dadurch, daß man ſie mit dieſer Frucht be— ſaͤet, nach deren Einſchnitt die Grasnarbe im Herbſte ſo muͤrbe und zergangen iſt, daß wir den Boden nun mit dem Pfluge ohne Anſtand behandeln und zu einer andern Saat vorbereiten koͤnnen.“ Außer dem kraͤftigen liebt die Hirſe einen reinen Bo⸗ den, welches wohl mit eine der Urſachen iſt, warum ſie auf dem Neubruche ſo vorzuͤglich gedeiht. Wollte man ihr dieſen reinen Stand durch die Vorbereitung des Ackers nicht verſchaffen: ſo wuͤrde man eine ſolche Fahrlaͤſſigkeit bey nach⸗ heriger Pflege der Pflanzen dreyfach zu bezahlen haben. Bey keiner Pflanze moͤgte die Bearbeitung des Bodens vor Win⸗ ter, zur Tilgung des Unkrauts, ſo gut angewendet ſeyn, als bey der Hirſe. Man waͤhlt vorzugsweiſe ein Feld, das im vorhergehenden Jahre ſchon eine reinigende, oder gerei— nigte Frucht, zu welcher ſtark geduͤngt worden, getragen hat. Kartoffeln moͤchten ſich wohl am beſten dazu eignen. Mit Ausnahme der Dreiſche geht eine reine Kleeſtoppel gewiß allen andern Vorarbeitern vor; denn wozu iſt,Klee nicht gut?„Nach Klee, ſchreibt Schmalz, habe ich in der Regel ſchoͤnere Hirſe erbaut, als nach Kopfkohl. Sie ſcheint die Lockerheit, welche Kleeſtoppeln und Wurzeln im Boden hervorbringen, zu lieben. Auch war die Hirſe darauf durch⸗ 3⁰9 gehends reiner als auf dem Krautlande, und erforderte nur ein einmaliges Jaͤten. Die Kleeſtoppel muß wenigſtens drey⸗ mal zur Hirſe gepfluͤgt werden.“ Will oder muß man ſie nach Getreide folgen laſſen: ſo gilt das dafuͤr, was als eine gute Behandlung fuͤr die Gerſte angegeben worden. Selbſt nach Kopfkohl, der doch ſo fleißig behackt wird, laͤßt Schmalz zweymal pfluͤgen. Die Egge zumal, und auf klottigem Boden die Walze, duͤrfen nicht geſchont werden. Die Zeit der Saat iſt fuͤr beyde Gattungen verſchieden. Die Kolbenhirſe wird geſaͤet, ſobald keine Froͤſte im Fruͤh⸗ jahre mehr zu befuͤrchten ſind; indem ſie fuͤnnß Monate zu ihrer Reife braucht. Fuͤr die Rispenhirſe aber, die nur drey Monate dazu bedarf, bleibt der ganze Mai zur Saat ge⸗ eignet. Jedoch iſt, wie Burger bemerkt, auch bey ihr die fruͤhere Saat die ſchoͤnere; nur daß ſie bey der folgen— den Pflege die meiſte Muͤhe macht, weil der Acker zu we⸗ nig durch vorbereitende Arbeit gereiniget werden konnte. Da die Hirſe dem Brand unterworfen, ſo muß man bey der Auswahl des Saamens vorſichtig ſeyn und keine andere als vollſtaͤndige und geſunde Kolben oder Rispen dazu wäͤhlen. Zu dieſem Zwecke ſchneidet man ſie einzeln aus, bewahrt ſie an einem luftigen Ort und loͤſt die Koͤrner erſt vor dem Saͤen ab. Man braucht nicht mehr als 27—35 Li⸗ ter Saamen auf den Hektar. Er wird flach eingeeggt und gewalzt. Ein bedenklicher Augenblick fuͤr die Hirſe iſt die Zeit ih⸗ res Hervortreibens. Faͤllt dann viel Regen ein: ſo ſchlaͤgt ſie leicht zuruͤck. Bildet ſich nach dem Regen eine Kruſt uͤber dem Boden: ſo muß dieſe mit der Egge durchbrochen wer⸗ 310 den. Daß aber die Hirſe immer noch eine ſchoͤne Ausbeute geben kann, wenn ſie fruͤher große Trockenheit erlitten, dar⸗ uͤber machte Schmalz folgende Erfahrung: Um eine ganz verunkrautete, im Herbſt umgeriſſene Kleeſtoppel gehoͤrig klar und rein zu bringen, ließ er ſie mehrmals pfluͤgen und eg⸗ gen, wodurch ſie wirklich ſehr locker ward, aber auch bey der ein⸗ fallenden trocknen Witterung um ſo mehr austrocknete. Die Hirſe gieng zwar auf, war aber eine geraume Zeit kaum zu ſehen: ſo daß man ihm rieth ſie umzupfluͤgen; welches Schmalz aber nicht that, doch aber das Feld auch nicht mehr anſah, bis endlich nach einigen Tagen ein durchdrin⸗ gender Regen gefallen war.„O Himmel, welche Freude! ruft er aus: Meine Hirſe prangte in ſchoͤner dunkler Farbe, aber auch das Unkraut zwiſchen ihr. Es wurde gejaͤtet, und die Hirſe gab eine ſehr reiche Ausbeute an Koͤrnern, wofuͤr ich 180 Thlr. einnahm.“(Von wie viel Land ²) Wer die Hirſe kennt, der ſieht von ſelbſt ein, daß eine ſo uͤppig aufwachſende, blattreiche Pflanze eines nicht unbe⸗ deutenden Raumes bedarf, um ſich in der Folge gehoͤrig zu entwickeln. Daraus fließt, daß, da die Pflanze in den er— ſten 6—8 Wochen ihres Lebens ſolche Raͤume nicht ausfuͤl⸗ len kann, ſich ein weites Feld fuͤr das Unkraut oͤffne, wel⸗ ches nicht unterlaſſen wird, die noch junge Hirſe zu bedraͤn— gen. Es thut ihr alſo eine thaͤtige Beyhuͤlfe noͤthig, wenn ſie einiger Maßen lohnen ſoll. Zu dem Ende wird das Feld zweymal mit kleinen ſpitzigen Hauen behackt. Das erſte Hacken hat ſtatt, wenn die Pflanzen 2 Zoll uͤber dem Bo⸗ den ſind; das zweyte, wenn ſie die Hoͤhe von 4—6 Zoll haben. Bey dem Behacken werden zugleich die zu dicht ſte⸗ 311 henden Pflanzen weggehauen, ſo daß ſie in der Entfernung von einem halben Fuß von einander fallen. Um die betraͤchtlichen Koſten des Behackens zu mindern, laſſen Einige die Egge zweymal auf dem Felde ſpielen. Dr. Burger will, daß ſolches mit Nachdruck geſchehe, wenn es von Nutzen ſeyn ſoll. Allerdings wird bey dem erſten Eg— gen eine gute Menge Hirſe mit ausgeriſſen; allein dieſes ſchadet um ſo weniger, als die Entfernung der Pflanzen den Ertrag nicht mindert, ſondern vermehrt. Ob die Hirſen⸗ cultur nicht durch eine Reihenſaat, wie der Mais betrieben werden koͤnne, muͤßte verſucht werden. 1 Das Verdrießlichſte bey dem Hirſebau iſt die Aerndte. Da ſie hoͤchſt ungleich reif wird: ſo muß man den richtigen Zeitpunkt gewiſſer Maßen erhaſchen und wird es bey aller Vorſicht doch nicht vermeiden koͤnnen, einen guten Theil davon auf dem Felde zuruͤckzulaſſen. Wann der groͤßte Theil der Koͤrner reif iſt, und die zuerſt reif gewordenen anfan⸗ gen auszufallen, muß ſofort zur Aerndte geſchritten werden. Das Schneiden muß mit Vorſicht geſchehen. Die Gelege werden ſogleich in Garben gebunden, auf einem mit einem Tuche uͤberſpannten Wagen zur Scheune gebracht, und die Koͤrner durch Pferde und Ochſen ausgetreten. Reichart will, daß man die Garben 3—4 Tage lang auf der Scheun⸗ tenne uͤber einander liegen laſſe, damit ſie ſich erwaͤrmen, wo die Koͤrner ſich bey dem Dreſchen leichter abſondern, und groͤßten Theils von ſelbſt ausfallen. Das Abgedroſchene muß auf dem Speicher duͤnne auseinander gebreitet und mehr— mals geruͤhrt werden, ohne welches der Saamen ſich erhizt und einen bittern Geſchmack annimmt. Der Ertrag der Quaſthirſe wechſelt, nach Burger, bey 312 einer angemeſſenen Cultur zwiſchen 21 und 32 Hektoliter vom Hektar. Der Hektoliter Hirſe wiegt 7o Kilogramme, dieſe geben enthuͤlſt 45 ½ Kilogr. Brein(wahrſcheinlich das, was bey dem Dinkel mit dem Worte Kernen bezeichnet wird). Die Kolbenhirſe giebt etwas mehr an Saamen; da⸗ gegen iſt der Brein derſelben kleiner und wird etwas weniger geſchaͤzt als der der Quaſthirſe. Die Hirſe iſt ſehr nahrhaft; zu Suppen, Brey und Gefluͤgelfutter ſehr brauchbar; aber zur Paniſication untauglich. Da die Hirſeaͤrndte friſch eingebracht wird, ſo iſt es nothwendig das Stroh derſelben nach dem Dreſchen ſogleich aus der Scheune in die Luft zu bringen, und daſelbſt auf⸗ zuhangen, wenn es nicht verfaulen, und zumal zum Ge⸗ nuſſe der Thiere tauglich bleiben ſoll. Einige legen dem Hirſeſtroh als Futter einen hohen, andere einen ſehr gerin⸗ gen Werth bey. Wahrſcheinlich nachdem es gut oder ſchlecht behandelt worden. Burger ſchaͤzt den Ertrag an Stroh der geduͤngten Hirſe dem des geduͤngten Winterrockens gleich, und halt das Stroh der Kolbenhirſe fuͤr zuckerreicher als das der Rispenhirſe. Man beſchuldigt die Hirſe, daß ſie den Boden ſtark ausziehe, und viel Unkraut unter ſich aufkommen laſſe, wo⸗ durch das Getreide oft ſchlecht darnach geräth. Dagegen hat ſie in den Augen von Schmalz den Anſchein, als wenn ſie dem Acker gar keine Kraft entzoͤge. Hier thaͤte alſo eine Beſtimmung nach Graden Noth. Allein, wer ſchoͤpft uns Waſſer aus dem tiefen, tiefen Borne?! Anbau mehlhaltiger Koͤrner. DOrittes Hauptiſtuͤ ck. Anbau der Schotenfruͤchte. Wenn die Erzielung des Getreides der Hauptgegenſtand des Ackerbaues iſt, und im Allgemeinen auch ſeyn muß: ſo reiht ſich die der Schoten⸗ oder Huͤlſenfruͤchte unmittelbar daran an. Dienen ſie gleich nicht fuͤr ſich allein zur Anfer⸗ tigung des Brods: ſo theilen ſie dieſen Mangel an Eigen— ſchaft mit den meiſten Getreidearten; dann außer dem Ro⸗ cken und den verſchiedenen Weitzenarten geben alle uͤbrige entweder nur ein hoͤchſtaͤrmliches Brod, oder ſind ohne Bey— miſchung andern Mehles gar nicht faͤhig dazu. Wenn es aber auf eine Miſchung bey dem Brode ankoͤmmt: ſo ziehe ich unbedingt Bohnen und Erbſen dem Hafer und der Gerſte vor. Doch dem ſey, wie ihm wolle, ſo bleibt anerkannt, daß Fitzbohnen, Linſen, Erbſen nährender ſind als Ge⸗ treide, als Weitzen ſelbſt, da ihr groͤßerer Gehalt an naͤhrenden Stoffen, in Kleber und Eiweiß beſteht, die ſie, ſo wie den Mais, fuͤr ſich allein untauglich zum Brode machen. 314 Unter den Schotenfruͤchten dienen einige, wie Fitzbohnen und Linſen, ausſchließlich zur menſchlichen Nahrung; ei— nige wie Wicken, Grauerbſen fuͤr's Vieh; Pferdebohnen und Erbſen fuͤr Menſchen und Thiere. Mit geringer Ausnahme ſind alle nur Sommergewaͤchſe, denen alſo die Cultur des Wintergetreides nicht entgegenſteht, ſo wie ſie ihrer Seits leztere nicht ſchmaͤhlern. Einen weit bedeutendern Vortheil aber gewaͤhren die Scho⸗ tenfruͤchte dadurch, daß ſie bey der großen Erzeugung an naͤhrenden Stoffen, den Boden weniger als das Getreide er⸗ ſchoͤpfen. Bey dieſem werden, von der Zeit der Bluͤthent⸗ wicklung an, der ohnehin ſparſamen Blaͤtter immer weni⸗ ger, und verſchwinden endlich gaͤnzlich; die Pflanze kann ſich alſo fuͤrder vermittelſt derſelben keine Stoffe mehr aus der Atmoſphaͤre aneignen, und lebt von nun an einzig auf Rechnung des Bodens. Die Schotenfruͤchte hingegen mit ihrem ſaftigerm Staͤngel, ihrem laubigem Wuchs, ihren dickern, zur Einſaugung luftiger Theile mehr geeigneten, Blaͤttern, dem ſtaͤrkern Verdauensvermoͤgen ihrer Wurzeln, beduͤrfen der eigentlich humoſen Theile im Boden weit weni⸗ ger als das Getreide, und ſelbſt als die Wurzelgewaͤchſe. Eine weitere Wohlthat, die ſie gewaͤhren, iſt die Er— leichterung im Fruchtwechſel. Nur ſelten laͤßt ſich das Ge⸗ treide, oder nur mit ungewoͤhnlicher Anſtrengung, eine ge⸗ raume Zeit hintereinander auf demſelben Felde erzielen. Eine Unterbrechung ſeines Vorkommens, durch oͤfteres Einſchie⸗ ben der Brache, wuͤrde aber nothwendig einen Ausfall an mehlhaltigen Koͤrnern, zumal an Stroh erzeugen; und mehr noch wegen der zu oft eintretenden Nichtbenutzung des Ackers in den Brachjahren mit einer guten Oekonomie we⸗ 315 nig vereinbar ſeyn. Wollte man auch dieſen Ausfall durch den Anbau von Wurzel⸗ und Knollengewaͤchſen zu erſetzen ſuchen: ſo ſtehen dieſem Aushuͤlfsmittel zwey wichtige Hin— derniſſe auf ſtark thonigem Boden entgegen, das eine, daß das Wintergetreide nur Ausnahmsweiſe nach den Wurzelge⸗ waͤchſen gut einſchlaͤgt; das andere, daß dieſe Gewaͤchſe ſelbſt auf dem angefuͤhrten Boden nicht zum beſten gedeihen und ihr Aubau in den meiſten Jahren große Schwierigkeiten findet. Endlich erſchoͤpfen die Schotenfruͤchte nach meinem Dafuͤrhalten den Boden weniger als die Wurzelgewaͤchſe. Sollte ſolches auch nur daher ruͤhren, daß der durch die Erzeugung der Schotengewaͤchſe entſtandene Kraftver⸗ luſt dem Boden großen Theils durch die wohlthaͤtige Be⸗ ſchattung, die ſie verbreiten, die Blaͤttermenge, welche ſie theils waͤhrend ihrem Wachsthume, theils bey ihrer Ein⸗ aͤrndtung auf das Feld ſtreuen, und endlich durch die Stop⸗ peln, welche ſie auf dem Boden zuruͤcklaſſen; daß, ſage ich, ſie dieſem das zum Theile erſezten, was ſie daraus gezogen hatten. Offenbar aber iſt das nicht derſelbe Fall bey den Wurzelgewaͤchſen, die mit Stamm, Laub und Wur⸗ zeln ſammt und ſonders dem Felde entwendet und anderwei⸗ tig verbraucht werden. Erſter Abſchnitt. Erbſen. Eine Frucht, die außer dem Felde noch ſo haͤufig in den Gaͤrten gebaut wird, mußte auf die Dauer nothwendig eine Menge Ab, und Spielarten erzeugen. Wir werden uns 316 aber nicht dabey aufhalten, da der Garten uns nicht an⸗ geht, und die Felderbſen mehr oder weniger die naͤmliche Cultur erfordern. Daß man ſolche Erbſen hat, die, gleich den Wicken, nur zur Nahrung des Viehes dienen, andere die Vorzugs⸗ weiſe fuͤr die Menſchen, und nur nebenbey fuͤr die Thiere beſtimmt werden, iſt bekannt. Man bezeichnet erſtere unter dem Namen der grauen, leztere unter dem der weißen, gel⸗ ben und gruͤnen Erbſen. §. 1. Boden. Nehmen wir die aͤußerſten Graͤnzen wie Sandboden, Thonboden, naſſen und Moorboden aus, ſo laſſen ſich die Erbſen mit mehr oder weniger Erfolg allenthalben gewinnen; ſind aber nicht allenthalben gleich ſchmackhaft, markig und leicht kochbar. Ein guter Mittelboden, wie da iſt ein ſan— diger Thon, auch wohl ein thoniger Sand, iſt am beſten zu dieſer Frucht geeignet. Iſt aber der ſandige Thon kalk⸗— los: ſo wird auch darauf die weiße Erbſe nicht wohl gedei⸗ hen, oder doch nicht leicht kochbar werden. Wenigſtens weiß ich dieſen Umſtand, der auf derley Boden in einer Gegend, die ich lange bewohnte, zutraf, von nichts anders herzu⸗ leiten. Dabey muß ich bemerken, daß die Felder daſelbſt nie weder gekalkt, noch der Klee gegipſt wurden. Mehr baute man daſelbſt die gruͤne, und noch mehr die graue oder Vieherbſe. Ein maͤßiger Antheil von Kalk und Humus ſcheint ein zu dem Fortgange der Erbſen weſentliches Erforderniß zu ſeyn, und beyde ſind wahrſcheinlich dabey um ſo nuͤtzlicher, als der Boden ſehr thonig oder ſehr ſandig iſt. 317 Legte aber auch die mangelhafte Zuſammenſetzung eines zaͤhen Thonbodens der Vegetation der Erbſen kein eigentli⸗ ches Hinderniß in den Weg, wie bey einem gebuͤhrenden Gehalt von humoſen Theilen der Fall ſeyn koͤnnte: ſo ſezt er ſich doch in manchen Fruͤhjahren, ſeiner lange anhalten— den Naͤſſe wegen, der Bearbeitung und fruͤhen Beſtellung entgegen. Ein Verſchieben dieſer leztern aber verſchiebt noth— wendig die Aerndte, und die Verſchiebung der Aerndte er— ſchwert die gehoͤrige Behandlung des Feldes zur Getreide⸗ einſaat. Daher unter ſolchen Umſtaͤnden im Ganzen nur Nachtheil von dem Erbſenbau zu erwarten ſteht. „Die Erbſen, ſagt Trautmann in ſeinem hoͤchſt ſchaͤtzbaren Verſuche der Landwirthſchaftslehre, gedeihen am beſten im Mittelboden. In einem zu feuchten Grunde bluͤ⸗ hen ſie beſtaͤndig fort, ohne Schoten anzuſetzen; in magerm Grunde bleiben ſie ganz zuruͤck; in friſchem Duͤnger wach⸗ ſen ſie blos ins Stroh.“ §. 2. Stelle in der Fruchtfolge. Da die Erbſen, durch die Staͤrke des Anſaugungsver— moͤgens ihrer Wurzeln, ſich aus ſolchen Ruͤckſtaͤnden, welche andere auf mehr zerſezte Stoffe ausgehenden Pflanzen, das Getreide z. B. im Boden zuruͤckgelaſſen haben, Nahrung zu verſchaffen wiſſen: ſo folgt, daß ſie mit Nutzen auf der— ley Pflanzen folgen koͤnnen. Denn wenn es gleich wahr iſt, daß jene groͤberen Ruͤckſtaͤnde ſich fuͤr die Folge, auch ohne Dazwiſchenkunft der Huͤlſenfruͤchte, ſattſam zerſetzen, und alsdann dem Getreide frommen wuͤrden: ſo geht die Be— nutzung dieſer Theile auf lezterm Wege langſamer vor ſich, wodurch an Zeit, alſo an ſchnellem Umſatze und Vermeh⸗ 318 rung des Dung⸗Capitals verlohren wird; waͤhrend die Erb⸗ ſen fuͤr die verzehrten alten Dungſtoffe ſogleich einen reichli— chen Erſatz an neuem Dungmaterial liefern. Um aber die⸗ ſes zu vermoͤgen und damit ihre Cultur lohnend werden ſoll, iſt erforderlich, daß der Boden ſolche Stoffe in zureichendem Maße enthalte. In den gewoͤhnlichen Koͤrner- oder Felderwirthſchaften wird lezteres nur hoͤchſt ſelten der Fall ſeyn; daher die Erb⸗ ſen in dem Brachfelde entweder nicht gedeihen, oder den Boden zum Nachtheile der folgenden Saaten gänzlich erſchoͤpfen. Nun aber erlaubt das immer etwas verſpaͤtete Einheimſen der Erbſenaͤrndte nicht, ein verunkrautetes Feld vor der Ein⸗ ſaat des Wintergetreides zu reinigen, noch ein erſchoͤpftes Land in Kraft zu ſetzen, am wenigſten auf thonigem Bo⸗ den. Deßwegen iſt es nicht mit Unrecht, daß man auf lezterm die Erbſen ins Sommerfeld aufnimmt. Finden die Erbſen einen ihnen angemeſſenen Boden, ſo laſſen ſie ſich nach Allem ſaͤen, nur nach ſich ſelbſt nicht. Dieſe Unvertraͤglichkeit mit ſich erſtreckt ſich nicht blos auf die unmittelbare Folge; ſondern auf eine Reihe von mehre⸗ ren Jahren. Ich weiß wohl, daß ſolches mit der Theprie unſeres einſichtsvollen Burgers nicht uͤbereinſtimmt; allein ich kann nicht anders, als die Ausſagen einer Menge prak⸗ tiſcher Landwirthe und die Erfahrungen ganzer Gegenden zum Grunde legen, nach welchen die Erbſen nicht vor 9, ja 12 Jahren zuruͤckkommen duͤrfen. Damit man dieſes aber nicht einer mangelhaften Fruchtfolge, wohin man ge— woͤhnlich die Dreyfelder zaͤhlt, zuſchreiben moͤge: ſo fuͤhre ich daruͤber die Aeußerung eines Mannes an, der als ein geſchworner Feind der Dreyfelder bekannt iſt.„Man 319 bemerkt allgemein, ſagt A. YVoung, daß Erbſen bey oͤfterm Zuruͤckkommen, ſchlecht gerathen und man ſollte ſie deßhalb nur alle 9— 10 Jahre auf daſſelbe Land bringen.“ Auch Koppe ſagt:„Eine ſeltene Wiederkehr der Erbſen auf einem Acker ſcheint allgemeine Regel des Erbſenbaus zu ſeyn. Wo man Erbſen nach einem kuͤrzern als ſechsjaͤhri⸗ gem Zeitraum folgen ließ, da hat man gefunden, daß ſie Stroh, aber wenig Koͤner geben.“ Am beſten gedeihen die Erbſen nach einer Dreiſche. Die Englaͤnder waͤhlen hierzu ihr zweyjaͤhriges Raygras. „Erbſen auf Dreiſch zu pflanzen,(dippeln), ſagt A. YVoung, kann nicht genug empfohlen werden.“— Von der Art und Weiſe, wie ſie dabey verfahren, wird in einem der folgenden§§.— Rede ſeyn. Daß Erbſen auch nach Klee vortrefflich einſchlagen muͤſ⸗ ſen, folgt aus dem Geſagten. Allein wozu iſt Klee nicht gut? Indeſſen hat man, die Koppelwirthſchaften ausgenom⸗ men, die Dreiſche nur zufaͤllig und die Verwendung der Kleeſtoppel zu Erbſen koͤmmt ſelten vor, da man dieſe Eh— renſtelle lieber dem Weitzen, oder Hafer vorbehaͤlt. Einige wollen ſich wohl befinden die Erbſen nach Kar— toffeln folgen zu laſſen. Das mag ſeyn; allein ich kann jeder Ordnung, welche den Getreidebau unnoͤthiger Weiſe beengt, meinen Beyfall nicht geben. 1. Kartoffeln, 2. Gerſte, 3. Erbſen, worauf 4. wieder Gerſte, oder Wintergetreide folgen kann, wird gewiß beſſer und anwendbarer bleiben, als 1. Kartoffeln, 2. Erbſen, 3. Gerſte, worauf mit Vor⸗ theil kein anderes Getreide, es ſey hoͤchſtens ſchlechter Hafer folgen kann. 320 Nach wohl behandelten Ruͤben gerathen die Erbſen vor⸗ zuͤglich; aber auch hier gilt das ſo eben Geſagte. Sehr richtig druͤckt ſich Thaer uͤber die Folgen des Erbſenbaus aus.„Die Erfahrungen und Meynungen der Dreyfelderwirthe uͤber die Wirkung der Erbſen auf die fol⸗ genden Getreideſaaten, gegen die der reinen Brache, ſind ſehr verſchieden; jedoch nicht ſo widerſprechend, wie ſie ſchei⸗ nen. Darin ſtimmen alle uͤberein, daß ſie eine um ſo groͤ⸗ ßere Fruchtbarkeit hinterlaſſen, je dichter und uͤppiger ſie ſtanden; aber nachtheilig wirkten, wenn ſie ſchlecht, beſonders im Stroh geriethen. Diejenigen, welche im Durchſchnitt der Jahre keinen Abſchlag des Getreides nach Huͤlſenfruͤch⸗ ten, im Vergleich nach reiner Brache verſpuͤrt haben, haben ſich zur Regel gemacht, nach dem Wegſchaffen der Huͤlſen⸗ fruͤchte mit dem Umbruche des Ackers moͤglichſt zu eilen, und ſelbſt zwiſchen den Haufen mit dem Pfluge zu arbeiten, dann nochmal ſorgfaͤltigſt zur Saat zu ackern; wogegen Andere, die dieß vernachlaͤſſigen, einen Abſchlag an Ge⸗ treide, vorzuͤglich auf thonigem Boden ſpuͤren.“ §. 3. Duͤngen. Aus dem vorhergehenden§ ergiebt ſich ſchon, was fuͤr dieſen geſagt werden kann, nämlich: daß die Erbſen in der zweyt en Gaile, das iſt nach einer geduͤngten Vorfrucht, am beſten gerathen; daß ſie aber in einem durch mehrere Fruͤchte erſchopften Boden nicht fortkommen, daß es alſo im lezten Falle nothwendig ſey unmittelbar zu den Erbſen Dung auf⸗ zubringen, welcher ſeiner Seits noch der folgenden, auch wohl der zweyt folgenden Frucht frommen wird. Keine Spekulation ſcheint uͤbler, als die, Erbſen in einem 321 einen beynahe erſchoͤpften Boden zu ſaͤen, um dieſem vol⸗ lends den Reſt zu geben. Denn nicht allein thun dann die Erbſen das, und geben dem Boden wirklich den Reſt, durch das Ausziehen ſeiner noch uͤbrigen Kraft, ſondern ſie richten ihn auch auf eine heilloſe Weiſe zu Grund, indem ſie der Verwilderung durch mancherley Unkraͤuter Raum geben. Wohl mag es ſeyn, daß bey guͤnſtigen Jahren eine ſolche magere Erbſenaͤrndte mehr Koͤrner abwerfe als eine fette; da aber die Erbſen nicht fuͤr ſich allein auf der Welt und nicht einmal die Hauptfrucht ſind, worauf der Land⸗ wirth zielt: ſo ſteht das plus ihres Ertrages in keinem Ver⸗ haͤltniß mit dem Verluſt, den der Wirth ſich durch ein ſo wenig berechnetes Verfahren bey den darauf folgenden Fruͤch⸗ ten zuzieht. Wahr iſt es, daß Erbſen, zu welchen hat ge— duͤngt werden muͤſſen, ſich nicht ſelten uͤberwachſen, wo— durch ihre erſten Bluͤthen erſtickt werden, und nur die ſpaͤtern hoͤher ſitzenden Schoten anſetzen, und dadurch eine geringe Ausbeute an Koͤrnern liefern; dagegen erſetzen ſie das durch eine um ſo ſtaͤrkere Ausbeute an Futterſtroh, durch das Rein⸗ halten des Bodens, durch die vermittelſt des Abfalls der häͤufigen Blaͤtter und der kraͤftigen Stoppeln bewirkte Be⸗ reicherung deſſelben, ſo wie durch eine gewiſſe Gare, welche ſie unter dem Schutze ihrer rankigen Woͤblung in der Krume des Bodens hervorbringen; indem ſie die Feuchtigkeit darin zuruͤckhalten und der Luft einen gemaͤßigten Zutritt geſtatten. Vortheile, die zuſammengenommen den mindern Koͤrnerer⸗ trag reichlich erſetzen.„Ich habe ſchon, ſagt Schmalz, hinter uͤppig ſtehenden Erbſen und Wicken einen hoͤhern Er— trag gehabt, als nach geduͤngter reiner Brache.“ Da das Duͤngen ſich in naſſen Fruͤhlingen oft ver— v. Schwerz Anleit. z. prakt. Ackerbau. II. Bd. 21 ſen, ſollen ebenfalls ſich nicht leicht beym Kochen erweichen. 322 zoͤgert, wodurch alſo auch die Erbſenſaat verzoͤgert wird: ſo muß es ſo viel moͤglich im Winter ausgefuͤhrt werden. Aber auch dieſes wird nicht immer geſchehen koͤnnen. Es iſt alſo vortheilhaft zu wiſſen, daß das Duͤngen noch nach voll⸗ brachter Einſaat, alſo ein Ueberduͤngen des Erbſenfeldes, ſtatt haben kann. Man will ſogar, daß der Dung ſo mehr Wirkung auf die Erbſen hervorbringe, als wenn er untergepfluͤgt worden. Zu dem Ueberduͤngen moͤchte der lange ſtrohige Miſt gerade der beſte ſeyn, theils weil er die fruͤh austreibenden Erbspflanzen bey ihrer Entſtehung gegen ſcharfe Witterung in Schutz nimmt; theils weil das ihm beygemiſchte Langſtroh die Ranken in der Folge hindert, ſich auf den nackten Boden anzulegen. Nur bleibt zu fuͤrchten, daß das Stroh uͤberduͤngter Erbſen dem Vieh weniger an⸗ genehm ſeyn duͤrfte. Da die Erbſen keine Saͤure im Boden vertragen: ſo folgt, daß Kalk und Mergel ſehr gut bey ihnen angebracht ſind. Der Gips befoͤrdert zwar ihren laubigen Wuchs, da⸗ gegen ſind die Koͤrner der gegipſten Erbſen ſchwer weich zu kochen. In dem Falle ſollen auch ſolche ſeyn, wozu mit Rind⸗ und Schweinemiſt geduͤngt worden. Eine entgegen⸗ geſezte Wirkung ſollen Roß- und Schafmiſt hervorbringen. Da die Guͤte der Erbſen hauptſaͤchlich von der Eigen⸗ ſchaft abhaͤngt ſich leicht und voͤllig zu Mark zu verkochen: ſo verdiente jene Angabe wohl einige Verſuche; wobey jedoch der Einfluß nicht zu uͤberſehen, den außer dem Miſt und Boden, die Jahreswitterung auf gedachte Kocheigenſchaft ha⸗ ben kann. Erbſen, die bey trockner, duͤrrer Zeit heranwach⸗ 323 §. 4. Feldbereitung. Es bedarf bey der Feldbereitung zur Aufnahme der Erb⸗ ſen weniger Umſtaͤnde, als zu der des Getreides. Am haͤu⸗ figſten werden die Getreideſtoppeln, auf welche ſie folgen, erſt im Fruͤhjahr umgewendet und unmittelbar darauf geſaͤet. Sie bleiben auf ſolche Weiſe reiner, als bey einem zweyten Pfluͤgen, wodurch der Unkrautſaamen, der ſich zwiſchen den Stoppeln befand, wieder zur Hoͤhe gebracht wird. Indeſſen iſt eine ſolche einfaͤhrige Beſtellung mehr nach Sommerge⸗ treide als nach Wintergetreide anwendbar; denn obgleich die Stoppeln des Wintergetreides, wegen groͤßerm Vorrath von alter Kraft im Boden, den Erbſen mehr zuſprechen, als die Stoppeln des Sommergetreides: ſo wird doch das Land nach lezterm, das nur einen Winter unerbrochen gelegen bat, durch ein einfaͤhriges Pfluͤgen lockerer werden,, als eine Wintergetreidſtoppel, wo der Boden zwey Winter uͤber ge— ſchloſſen lag.*) Sind dem Sommergetreide Hackfruͤchte vorangegangen: ſo laͤßt ſich keine zweckmaͤßigere Beſtellung fuͤr Erbſen denken, als die einfaͤhrige. Daß der Schnitt bey einer einzigen Fahre nicht oberflaͤchlich, ſondern tief ge⸗ griffen werden muß, verſteht ſich. Wer Erbſen nach Winterfrucht ſaͤen will, der wird freylich am beſten thun ſie zweyfaͤhrig, oder, wie man es auch nennen koͤnnte, dreyfaͤhrig zu beſtellen. Hierzu wird *) Dieſes findet jedoch eine Ausnahme, wenn nach dem Win⸗ tergetreide der Boden zu dem Sommergetreide gleich nach Abaͤrndtung der erſten, alſo noch vor Winter erbrochen worden, wie allemal ge⸗ ſchehen ſollte, wenn man in der Folge Erbſen nach dem Sommer⸗ getreide zu ſaͤen gedenkt, wie ich ſchon bey Gelegenheit des Hafers geſagt habe. 5²24 das Land bald nach der Abaͤrndtung des Getreides duͤnn abgeſtoppelt(geſchaͤlt), darauf vereggt, und beym Eintritte des Winters tief gepfluͤgt. Im Fruͤhjahre wird geeggt, die Erbſen geſaͤet und mit dem Vielſchaufler untergebracht, oder in dem Fall der gepfluͤgte Acker im Winter mit Dung uͤber⸗ fahren worden, werden die Erbſen uͤber dieſen hergeſaͤet und ſamt ihm mit dem Pfluge untergebracht. Ein bloͤßes Ab⸗ ſtoppeln vor, und ein darauf folgendes einfaches Pfluͤgen nach Winter wird ſelten den Erbſen von Nutzen ſeyn. Sie werden dabey zwar mehr Stroh, aber weniger Koͤrner ab⸗ werfen, als bey einfähriger Beſtellung. Man muß bey der Bearbeitung uͤberhaupt von der Regel ausgehen, daß die Erbſen ein etwas rauh liegendes Land lieben, daher man dieſes weder durch Pflug noch durch Egge zu ſtark verkruͤmmeln ſoll. Von lezterer zumal muß wenig Gebrauch gemacht werden. Je klarer man uͤbrigens ein Land eggt, um ſo mehr wird das Saamenunkraut aus⸗ ſchlagen, und die gute Saat beeintraͤchtigen. Auf leichtem, zumal ſandigem, Boden iſt das Pfluͤgen zu Erbſen vor Winter durchaus zu widerrathen. Auch das Duͤngen iſt nicht vortheilhaft, weilen es den Schluß des Bodens verhindert. Es folgt alſo, daß ſie daſelbſt nur in einen noch kraͤftigen Acker, alſo unmittelbar nach Winter⸗ getreide, oder ſtatt der Gerſte nach gut geduͤngten Ruͤben geſaͤet werden muͤſſen. In keinem Falle darf ein ſolcher leichter Boden vor Winter weder geſchaͤlt noch gepfluͤgt wer— den. Auf dem Sandboden zu Hoͤrdt im Elſaß wird ſo⸗ gar das Pfluͤgen im Fruͤhjahr unterlaſſen, die Saat uͤber die Rockenſtoppel geſtreut, und ſamt den Stoppeln ein⸗ gepfluͤgt. — 325 §. 5. Saarzeit. Man ſaͤet die Erbſen von der Haͤlfte des Maͤrz an bis zur Haͤlfte des Mais, nach Verſchiedenheit des Bodens, der Witterung, oder auch des einmal eingefuͤhrten Gebrau⸗ ches. Lezterm wird ſich wohl kein denkender Landwirth ohne vorlaͤufige Pruͤfung unterwerfen. Anders aber verhaͤlt es ſich mit der Ruͤckſicht auf Boden und Witterung. Ein zur Naͤſſe geneigtes Land in naſſem Zuſtande beſaͤen, weil es der Kalendertag ſo haben will, iſt unverzeihlich. Lieber verſchiebe man unter ſolchen Umſtaͤnden die Saat, welche Anfang Aprils haͤtte vorgenommen werden ſollen, bis hinein in den Mai, denn Erbſen wollen nicht in den Boden ge⸗ ſchmiert ſeyn. Will man eine Regel fuͤr die Saatzeit der Erbſen, ſo iſt es die: um ſo fruͤher zu ſaͤen als der Boden ſandiger und dem Austrocknen unterworfener iſt, und um ſo ſpaͤter als der Boden thoniger und naͤſſer iſt. Die Erbſen ver⸗ tragen uͤbrigens das Saͤen von Anfang Maͤrz bis zu dem Mai hin. Den Froſt koͤnnen ſie beſſer als die uͤbrigen Sommerfruͤchte uͤberſtehen. Sollte ſie auch ein 14ataͤgiger Schnee decken, ſo ſchadet's ihnen nicht. Selbſt Verſuche ſie auf trocknem Boden vor Winter zu ſaͤen, ſollen gelungen ſeyn. Graue Erbſen werden ſowohl in England als in den Niederlanden oft vor Winter geſaͤet. Solche Wintererbſen liefern manchmal ganz vorzuͤgliche Aerndten. Die fruͤh geſaͤeten Erbſen haben den Vortheil des fruͤhern Reifens, welches zur Beſtellung des Feldes, im Falle Win⸗ tergetreide darauf folgen ſoll, von großer Wichtigkeit iſt. Einige glauben, daß eine ſehr fruͤhe Saat einen ſtärkern Ertrag zur Folge habe, und auch ſchoͤnere und vollkomme⸗ 326 nere Koͤrner gewaͤhren; dagegen hat die Erfahrung an andern Orten gelehrt, daß die Saat um den halben Mai, vom Wurmſtich, den Erbſen oft ſo nachtheilig, verſchont bleibe, und zwar nicht ſo langes Stroh, aber in der Regel einen eben ſo ſtarken Ertrag geben, als eine ſpaͤte Saat. Um dem verſpaͤteten Reifwerden vorzubeugen, wuͤrde es nuͤtzlich feyn Fruͤherbſen zur ſpaͤten Ausſaat zu waͤhlen; oder die Erbſen vorlaͤufig einzuweichen. Dieſes Aufweichen, welches ein ſchnelleres Laufen der Erbſen zur Folge hat, duͤrfte ihnen auch einen Vorſprung uͤber das Unkraut geben. §. 6. Quantum der Einſaat. Ob man die Erbſen dicht oder duͤnne ſaͤen ſoll, haͤngt wohl davon ab, ob man ſie in der Folge zu behacken, oder nicht zu behacken gedenkt, ſo wie: ob der Boden reich, oder arm an Kraft iſt. In beyden erſten Faͤllen iſt ein duͤnnes, in beyden lezten ein dichtes Saͤen zu empfehlen. Sehr duͤnne ſollten die Erbſen auf keinen Fall geſaͤet werden, und um ſo weniger als ihre Koͤrner dick ſind. Man verliere nicht aus den Augen, daß nicht alle Koͤrner aufkommen, daß Voͤgel, Maͤuſe, Inſekten fuͤr das Verduͤnnen ſorgen, und die Pflanzen ſich nicht wie das Getreide beſtocken. Da wo ſie behackt werden, laſſen ſie ſich mit der Haue verein⸗ zeln. Werden ſie durcheggt, ſo ſchaffen die Zaͤhne der Egge oft mehr Raum, als einem lieb iſt. Stehen die Erbſen aber duͤnne auf magerm nicht behacktem Boden: ſo verwil⸗ dert der Acker unfehlbar, doͤrret aus, und nicht blos aus der Erbſen⸗, ſondern auch aus der darauf folgenden Getrei⸗ deaͤrndte wird etwas. Dichtſtehende Erbſen gegentheils hal⸗ ten unter ihrer Beſchattung die Feuchtigkeit im Boden 327 zuruͤcke, haͤngen ſich in einander und erſticken das Un⸗ kraut. Wegen der Grob- oder Feinkoͤrnigkeit der Erbſen laͤßt ſich das Quantum der Einſaat nicht genau angeben. Dem⸗ nach nimmt man 2, auch 3 Hektoliter auf den Hektar. Lez⸗ teres iſt wohl das Maximum, was man ſaͤen darf. Nach Young ſaet man in England 3 breitwuͤrfig, und 1 ¾, wenn gedippelt wird. Die Erbſen ſcheinen ihre Keimkraft ſehr lange zu be⸗ halten, wenigſtens fehlte von zehn Stuͤck vierjaͤhrigen, die ich zum Verſuche ſteckte, auch nicht ein Korn. §. 7. Unterbringen der Saat. Die Erbſen werden entweder mit der Egge oder dem Pfluge untergebracht. Das Eineggen derſelben iſt wohl nur auf zaͤhem ſchwerem Boden, der durch die Borke, welche er bildet, ſich dem Hervortreiben der Erbſen zu ſtark widerſezt, zuläſſig; uͤberall anderswo verdient das Unterpfluͤgen den Vorzug. Auf trocknem ſandigen Boden iſt lezteres ſogar nothwendig. Es ſchuͤzt uͤberdem die Saat gegen den Fraß der Voͤgel, indem nicht leicht ein Korn dabey oben auf zu liegen kommt. Man eggt das Land nachher nicht ab, wo⸗ durch die Verbreitung des Saamenunkrauts beguͤnſtiget wer⸗ den wuͤrde. Liegt das Land nach dem Einpfluͤgen des Saa⸗ mens allzu rauh, oder gedenkt man ſpaͤter die Erbſen zu durcheggen, ſo laͤßt man walzen. Man bringt die breitwuͤrfigen Erbſen auch wohl mit dem vielſcharigen Schaufler unter. Die Reihenerbſen wer⸗ den mit dem Saͤekaſten in anderthalb Fuß weiten Entfer⸗ nungen geſäet. Die Englaͤnder bringen die Reihen manch⸗ 328 mal auf 2, ja 2 ½ Fuß auseinander, wo ſie dann in der Folge um ſo ſicherer mit Geſpannwerkzeugen behackt werden koͤnnen. Indeſſen geben ſie bey einem weit dichtern Stande ſelbſt nach Voungs Zeugniß einen viel ſtaͤrkern Ertrag. Bey dem Dippeln oder Pflanzen in Loͤcher kommen die Erb⸗ ſen viel naͤher zu liegen, ſo daß ſie nur gejaͤtet werden koͤnnen. Die Englaͤnder ſind fuͤr ſolche kuͤnſtliche Beſtellun⸗ gen der Erbſen ſehr eingenommen.„Breitwuͤrfig geſaͤete Erbſen, ſagt A. YVoung, ſind auf jeden Fall ganz zu verwerfen. Die einzige Frage, welche bey ihrem Anbau noch ſtatt finden kann, iſt: ob man ſie drillen oder pflan⸗ zen ſolle.“ Wir Deutſchen ſind uͤber dieſen Punkt weniger gewiſſenhaft. Wenn die Erbſen auf dem Felde, ſo wie in den Gaͤr⸗ ten geſtiefelt werden koͤnnten: ſo wuͤrde allerdings ihr Er⸗ trag weit bedeutender ſeyn, als er gewoͤhnlich iſt; allein dieſes geht in Großem nicht ohne viele Schwierigkeit an. Man ſucht ſich deßhalb mit dem Unterſaͤen ſolcher Fruͤchte zu hel⸗ fen, die als nicht rankend, ſondern aufrecht ſtehend den Erbſen zur Stuͤtze dienen ſollen. Man erwaͤhlt dazu Vor⸗ zugsweiſe Pferdebohnen oder Sommerrocken; auch wohl Ha⸗ fer, und nimmt von leztern beyden Gegenſtaͤnden 1 Schef⸗ fel zu 4 Scheffel Erbſen. Man erreicht aber dabey doch nur auf eine ſehr unvollkommene Weiſe den beabſichtigten Zweck. Beſſer geſchieht ſolches durch den ſteifern Ehmer. Auch die Bohnen, es ſey denn, daß ſie in bedeutender Menge mit ausgeſaͤet werden, befriedigen jene Erwartung nicht. Die Erbſen fangen ſchon mit dem 4—5ten Tage an aufzugehen, und ſelbſt vierjaͤhrige Erbſen machen darin kei— nen Unterſchied. 3²9 §. 8. Pflege. Die Reinigung und Auflockerung des Bodens zwiſchen den Pflanzen bekoͤmmt den Erbſen ſehr wohl, wie es die Erfahrung den Gaͤrtner ſchon lange gelehrt hat. Auf dem Felde geſchieht ſolches entweder mit der Egge, oder der Pferd⸗ hacke, oder der Haue. Ein ſcharfes Durcheggen lockert allerdings den Boden; allein zur Zerſtoͤrung des Unkrauts traͤgt es nur wenig bey. Indeſſen iſt das dadurch bewirkte bloße Auflockern ſchon von Wichtigkeit; zumal wenn der thonige Boden durch einen Re⸗ gen zugeſchlagen worden. Ohne Ausrupfen mehrerer Pflan⸗ zen mit den Zaͤhnen der Egge, und Zerſtoͤren mancher Keime durch den Tritt des Geſpannes geht das nun freylich nicht her; dafuͤr aber gewinnen die uͤbrigen Pflanzen an Raum und Wohlſtand, wie es viele und alljaͤhrliche Beob⸗ achtungen ſinniger und erfahrner Landwirthe bezeugen. Nur muß man das Eggen nicht ſpäter verſchieben, als bis da— hin die Erbſen etwa zwey Zoll uͤber der Erde ſind. „Das Uebereggen der Erbſen, ſagt Burger, habe ich oft, und mit Nutzen verſucht. Es geht in einem leichten Boden am beſten fuͤr ſich, wenn der Acker nach der Einſaat zugewalzt worden. Unterlaͤßt man dieſes Walzen, ſo reißt die Egge nachher zu viele Pflanzen aus. Iſt aber der Bo⸗ den thonig, ſo ſezt er ſich wohl von ſelbſt feſt genug zu⸗ ſammen, beſonders nach Regen, um der ſchweren Walze nicht zu beduͤrfen.“ Mir ſcheint jedoch, daß wenn der Thon⸗ boden ſehr kloͤttig iſt, daß Walzen bey trockner Zeit gut, ja nothwendig ſey. Statt des Durcheggens ruͤhmt Dullo ein anderes von ihm und vielen erfahrnen Landwirthen mit dem beſten Er⸗ 330 folge angewendetes Verfahren. Naͤmlich 8—10 Tage, nach⸗ dem die Erbſen geſaͤet worden ſind und gekeimt haben, ſie ins Kreuz wieder aufpfluͤgen zu laſſen. Man habe auf ſan⸗ digem Acker hiernach das fuͤnfzehnte Korn uͤber die Einſaat geaͤrndtet. Vollkommener ohne Zweifel erfuͤllt das Behacken mit der Haue deu doppelten Zweck des Reinigens und Auflockerns; aber freylich mit mehrfacher Arbeit. Ein Muſter in der Erb⸗ ſen⸗Cultur, wie in dem Feldbau uͤberhaupt, ſtellen die ge⸗ werbfleißigen, ſchon mehrmals von mir belobten Einwohner des Dorfes Hoͤrdt auf. Sind die Erbſen zwey Zoll uͤber ihrem Sande, ſo werden ſie geeggt; mit vier Zoll Hoͤhe werden ſie zum Erſtenmal, und bevor ſie in einanderwach⸗ ſen zum Zweytenmal behackt. Die Haue hat nicht mehr als 2 Zoll Breite und 1 ¼⁵(Zoll Hoͤhe. Will man endlich weder hacken, noch eggen: ſo iſt es in vielen Faͤllen unerlaͤßlich zu jaten. Wollte man es auch nicht der Erbſen wegen thun: ſo geſchehe es doch des Bo⸗ dens ſelbſt wegen, der unter dem Hederich, der blauen Korn⸗ blume, und dem Flughafer zu großem Nachtheile verwildert, wodurch der ganze Vortheil der Erbſenaͤrndte leicht uͤberwo⸗ gen werden koͤnnte. Bey dem Jaͤten muß mit vieler Vor⸗ ſicht verfahren werden, da ein eingeknickter oder zertrete⸗ ner Erbsſtamm verloren iſt, Bey der Reihenſaat wird an Unkoſten fuͤr das Hacken viel gewonnen, auch wenn ſolches wegen engerem Stand der Reihen mit der Hand ausgefuͤhrt werden muß. Das Handhacken iſt bey den Englaͤndern noch gewoͤhnlicher als das Pferdehacken.„Der große Nutzen des Drillens der Erb⸗ ſen, ſagt A Young, iſt, daß man ſie dann leicht behacken 331 kaun. Keine Frucht bezahlt das Hacken beſſer als die Erb⸗ ſen. Sind ſie aber breitwuͤrfig geſaͤet; ſo faͤllt die Arbeit ſehr ſchwer und koſtbar, waͤhrend ſie bey gleichmäͤßigen ei⸗ nen Fuß von einander entfernten Reihen leichter, beſſer und wohlfeiler ausgefuͤhrt wird.“ Soll das Behacken mit der Pferdehacke vorgenommen werden: ſo gehoͤrt eine Entfernung von wenigſtens andert⸗ halb Fuß zu den Reihen. Man kann die Arbeit ein paar⸗ mal hintereinander wiederholen. Ob dieſe Methode aber eben ſo große Vortheile als Schwierigkeit darbiete, daran moͤgte ich faſt zweifeln. Was bey ſteif aufrecht ſtehenden Gewaͤch⸗ ſen recht gut anwendbar, iſt es weniger oder gar nicht bey rankenden. Gelangen weit von einander ſtehenden Erb⸗ ſeu nicht zu einem ſehr vollſtaͤndigen Wuchſe: ſo koͤmmt das Unkraut um ſo leichter dazwiſchen auf, der Boden wird nicht uͤberwoͤlbt, die Erbſen hangen ſich nicht zuſammen und koͤnnen aus demſelben Grunde ſich nicht aufrecht erhalten, legen ſich an die Erde an, und geben nur eine geringe Aus⸗ beute. Weit raͤthlicher bleibt alſo das Handhacken, wobey ein Zwiſchenraum von 8—10 Zoll hinreichend iſt. Eine ſehr lohnende, nur leider im Großen ſchwer aus⸗ fuͤhrbare, Pflege, die man den Erbſen angedeihen laſſen kann, iſt das Stiefeln, oder Beſtecken mit Reiſig, wobey Stroh und Koͤrner ſehr gewinnen. Es erſchwert aber auch nicht wenig die Aerndte. Man verhindert lezteres und er⸗ reicht denſelben Zweck, und zwar mit weniger Koſten, wenn man ſtatt des Reiſigs einfache Ruthen, Gerten, nimmt, ſie ſchreg in den Boden ſteckt, und ſie oben etwas einknickt, daß ſie ungefähr die Stellung bekommen, wie 532 Dabey wird an Holz erſpart, und die Arbeit bey der Aerndte erleichtert. Bey Abgang an Holz ſchlaͤgt Dullo folgendes Verfah⸗ ren vor:„Man ſtreut, ſagt er, nach Verhaͤltniß des Stroh⸗ vorraths, womit man verſehen iſt, ſolches dick oder duͤnne auf die geſaͤeten Erbſen und laͤßt ſie durchwachſen. Hier— durch ſichert man die Saat vor dem Austrocknen, häͤlt die Inſekten, beſonders einen kleinen Ruͤſſelkaͤfer, der oft ganze Felder zu Grunde richtet, ab, hauptſaͤchlich aber ſichert man die Erbſen vor dem Faulen, wenn ſie ſich legen. Alle dieſe Abſichten werden durch die Strohbedeckung vollkommen er⸗ reicht. Nur muß man nicht ſogleich einen Sturmwind zu befahren haben, waͤhrend man es unternimmt.“ d. 9. Aerndte. Die Erbſenaͤrndte iſt ſchwieriger wie jede andere. Man nimmt dabey den Zeitpunkt wahr, wo die meiſten untern Schoten reif ſind, ohne ſich an die hoͤheren, noch gruͤnen, und noch weniger an die Bluͤthen zu kehren. Sonſt laͤuft man Gefahr die reifen und beſten Erbſen auf dem Felde zu laſſen und ſtatt der Koͤrner leere Taſchen nach Haus zu fuͤh⸗ ren. Sie ſpringen bey aller Vorſicht nur zu leicht auf, vor⸗ zuͤglich wenn nach einem Regen die Sonne darauf ſcheint. Sollte auch durch ein fruͤheres Abbringen der Koͤrnerertrag 4½ 3³⁵5 in etwas vergeringert werden: ſo wird ſolches durch das wahr⸗ haftere Stroh erſezt. Die Erbſen koͤnnen nur wohl mit der Hauſenſe und Si⸗ chel abgebracht werden. Die Senſe iſt am ungeſchickteſten dazu. In Norfolk bedient man ſich der obern Haͤlfte einer Senſe, die in einem Griff gerade eingelaſſen iſt. Es muß nicht dabey vergeſſen werden, daß die Ranken der Erbſen ſich ineinander verſchlingen, und daß, wenn man Gewalt brauchen will, die Schroten ſich reiben und oͤffnen. Am ſicherſten werden ſie daher mit der linken Hand ausgerauft, waͤhrend die mit dem Eiſen bewaffnete Rechte, durch Schnei⸗ den an der Erde da nachhilft, wo ſie ſich nicht ohne Wi⸗ derſtand abraufen laſſen. Man muß dabey keine ordent⸗ liche Gelege machen, und zu dem Ende die Erbſen ausein⸗ ander reißen wollen; ſondern man faͤhrt mit rupfen, ſchnei⸗ den und aufeinanderrollen der Schwaden fort, bis zu einer Stelle, wo ſie weniger ineinander haͤngen. Man laͤßt die gerollte Schwaden vor der Hand ſo liegen, bis ſie trocken oder doch vollig welk ſind. Dann bringt man ſie, wenn kein Sturm zu befuͤrchten iſt, am Morgen in etwas groͤßere Wulke zuſammen, und fuͤhrt ſie am Nachmittage baldmoͤg— lichſt heim. Die Sache iſt bey regneriſcher Witterung nicht wenig ſchwierig. Durch wiederholtes Umkehren der Schwa⸗ den, ſpringen die Schoten mehr und mehr auf. Thaer räth ſie dann lieber in große lockere Haufen zuſammen zu bringen, und dieſe von Zeit zu Zeit mit einem Stocke zu luften. Da die Erbſen ungebunden eingefahren werden, und dem Aufſpringen ſo ſehr unterworfen ſind: ſo iſt das Ueber⸗ 33½ ſpannen des Wagens mit einem Tuche durchaus noͤthig, ſonſt duͤrfen ſie nicht als im Thaue eingeheimſt werden. Sollte die Erbſenaͤrndte ſich allzuſehr verſpaͤten wollen, welches beſtimmt einen Nachtheil auf das darauf folgende Wintergetreide hervorbringen wuͤrde, ſo wird man, wenn lezteres durchaus darauf folgen ſoll, beſſer thun, die gebuͤh⸗ rende Reife der Erbſen nicht abzuwarten. Sind ſie in dem Zuſtande auch keine Kaufmannswaare, ſo iſt ihr Stroh um ſo viel beſſer, und man thut dann wohl ſie ungedroſchen den Pferden zu verfuͤttern, und auch ſo gewaͤhrt die Erbſen⸗ aͤrndte dem Landwirth noch einen guten Ertrag. §. 10. Werth und Ertrag. Die Erbſen ſind noch an vielen Orten ein wichtiger Ge⸗ genſtand der Cultur, und waren es vor Einfuͤhrung der Kartoffeln noch weit mehr, welche leztere ihnen an Nahr⸗ haftigkeit bey weitem nicht gleich kommen, und die Erbſen blos durch Menge und groͤßere Sicherheit des Ertrages uͤber⸗ treffen. Vor der Kartoffelzeit bildeten die Erbſen, nach dem Brod, den Hauptnahrungszweig der Landbewohner und thun es noch in guten Erbſengegenden, wie auf dem Mayfeld bey Koblenz. Sie ſind eine eben ſo angenehme, als naͤh⸗ rende Speiſe, die fuͤr den Haushalt noch den Vortheil hat, daß ſie ſehr wenig Feldzuſatz bey der Zurichtung erfordert. Rocken und ½ Erbſen geben ein gutes und beſonders nahr⸗ haftes Brod. Bey den Schweinen uͤbertreffen ſie alles uͤbrige als Maſtfutter. Der dadurch gewonnene Speck iſt derbe und haltbar, welches von den Kartoffeln nicht geſagt wer⸗ den kann. Am Gewichte ſowohl, als an Nahrhaftigkeit, ſtehen die Erbſen dem Weitzen gleich, und die guten Erbſen haben — 3³⁵ an den meiſten Orten auch gleichen Preis mit ihm. Jedoch iſt lezter ſehr wandelbar, weilen ihr Ertrag es iſt. Ohne eine ſolche Zufaͤlligkeit wuͤrden ſie keinem Produkte aus dem Wege gehen; zumal wegen der großen Schaͤtzbarkeit ihres Strohes, wenn es nicht zu ſpaͤt verfuͤttert wird. Die Koͤr⸗ ner aber halten ſich lange gut, vorausgeſezt, daß ſie nicht fruͤher von dem Wurmſtiche gelitten haben. Schmalz rechnet vom Hektar lir das Altenburg'ſche als hoͤchſten Ertrtrggg 221 Hektol. als geringſten... 3,5— v. Witten nimmt an fuͤr zaͤhe geduͤngte Brache......„. 6,5— nach Hackfruͤchter)n).. 12— nach Sommergetreiie 9,5— auf gutem Erbſenboden als nichts Unge⸗ woͤhnliches.... 22,0— Burger im Durchſchnitte der Jahre von 1804— 180) m.... 50,0— derſelbe anderswo in dreyjaͤhrigem Durch⸗ ſchnitte...... 15,6— derſelbe zu Bleibuugg.868,5— Graf Podewililes. 9,5— Allgemeiner Durchſchnititt 14 Hektol. Da der Strohertrag der Erbſen, nach Seite 21, 3000 Kilogramme betraͤgt, und dieſe, nach Seite 39— 40, in dem Verbaͤltniß von 500 zu 89, gleich ſind 480 Kilogramme Koͤrner, da ferner der Hektoliter Erbſen, gleich dem Wei⸗ tzen, 79 Kilogramme wiegt: ſo folgt, daß gut eingekomme⸗ nes Stroh im Werth gleich ſey 6 i Hektoliter Erbſen. Dem⸗ 4³⁶ nach waͤre der ganze Ertrag eines Hektars Erbſen gleich 20%¾ Hektoliter Koͤrner. Vergleichen wir ferner den Total⸗ werth eines Erbſenackers mit dem eines Getreideackers: ſo finden wir im Durchſchnitte, daß der Werth eines Ackers ſich verhalte: zu einem Acker Weitzen.. wie 70 zu 100 zu einem Acker Rocken.. wie 82 zu 100 zu einem Acker Gerſte. wie 103 zu 100 zu einem Acker Hafer wie 114 zu 100. Demnach ſteht der Ertrag eines Erbſenackers um 24 pCt. unter dem Werth eines Wintergetreideackers, und um 83 ½ pCt. uͤber dem des Sommergetreides. Lezteres gilt als Beweis, daß nichts dabey verloren wird, wenn der Landwirth, ſtatt Gerſte und Hafer auf paſſendem Boden Erbſen in's Sommerfeld nimmt. Zweyter Abſchnitt. Wicken. Da vieles von dem, was fuͤr die Erbſen geſagt wor— den, auch auf die Wicken anwendbar iſt: ſo duͤrfen wir uns in dieſem Abſchnitte kuͤrzer zuſammenfaſſen. Die Wicken kommen nur mit Vortheil auf gebundenem oder thonigem Boden. Der lehmige Sand muß ſchon eine feuchte Lage haben, wenn ſie darauf gedeihen ſollen; daher leichte, hochliegende Aecker ſich nicht dazu ſchicken. Jedoch moͤgen naſſe Jahrgaͤnge, fuͤr leichten Boden eine Ausnahme machen.„In dem naſſen, unfruchtbaren Jahre 1816, ſagt Burger, ſtanden die Wicken im hieſigen Sandboden ganz vortrefflich; ſie mißriethen aber in den folgenden Jahren, die 337 die trockne Fruͤhlinge hatten.“ Da indeſſen der Jahrgang nicht vorherzuſehen iſt: ſo bleibt die Wickencultur auf ſol— chen Aeckern nur gewagt. Auf thonſchieferigem, von bin⸗ denden Theilen entbloͤßtem, Boden gedeihen die Wicken durch⸗ aus nicht. Selbſt mit einem Ueberfluſſe von Duͤnger iſt da⸗ bey nicht zu helfen. Auch Erbſen kommen nicht darauf fort. Die Cultur der Wicken hat zwar, wie ſchon geſagt wor— den, vieles mit der der Erbſen gemein; jedoch bedarf es dabey weniger Umſtaͤnde als bey dieſen.„Felder, ſagt Kop⸗ pe, welche ſpaͤt abtrocknen und in der erſten Fruͤhlingszeit nicht zu beſtellen ſind, eignen ſich fuͤr Wicken beſſer als fuͤr Erbſen. Auch koͤnnen ſie die friſche Duͤngung beſſer als dieſe vertragen, weilen man den Dung bey einer ſpaͤtern Ausſaat leicht mehrere Male mit dem Lande umpfluͤgen und zur Pflanzennahrung vorbereiten kann.“ Nur auf ſchwerem, zaͤhem Thone, und auf leichtem Boden, dann wann der Jahrgang feucht iſt, werden die Wicken den unmittelbar vor der Einſaat untergebrachten Miſt vertragen koͤunen. In jedem andern Falle thut man un⸗ gleich beſſer, das ſchon beſaͤete Feld zu uͤberduͤngen. Die Wicken vertragen ſolches nicht allein ſehr gut, ſondern ſind in kalten und trocknen Sommern ſo dem Mißrathen weit weniger ausgeſezt, als die, wozu der Dung untergepfluͤgt worden. Gerathen aber auf ſolche Weiſe die Wicken beſſer, ſo hinterlaſſen ſie auch eine ſtaͤrkere Stoppel, welche mit dem aufliegenden Miſte umgepfluͤgt, der Erfahrung nach, eine beſſere Getreideaͤrndte zur Folge hat. Wenigſtens wird dieſes fuͤr die zuerſt folgende Frucht allemal der Fall ſeyn. Die Wicken beduͤrfen zwar keinen kraͤftigen Boden, und v. Schwerz Anleit. z. prakt. Ackerbau. II. Bd. 22 338 koͤnnen auch auf einem magern, etwas thonigen Boden in feuchten Jahren einen uͤberraſchenden Ertrag geben; dieſer Ertrag aber wird im Durchſchnitte durch eine mittelmaͤßige Duͤngung mehr geſichert und betraͤchtlich erhoͤhet. Sehr ſtark darf ſelbſt nicht dazu geduͤngt werden, zumal wenn die Wicken zum Koͤrnertragen beſtimmt ſind. Sehr gewagt bleibt es hingegen, die Wicken auf nicht geduͤngten, abgetragenen Acker zu ſaͤen; denn, gerathen ſie ſchlecht, wie unter ſol⸗ chen Umſtaͤnden in nicht ganz guͤnſtigen Jahren immer der Fall ſeyn wird: ſo geben ſie nicht blos einen elenden Er— trag, ſondern verſchlechtern das Feld auf eine heilloſe Weiſe. Dann aber heißt es mit der Senſe oder dem Pfluge ſogleich druͤber her. In ferro Salus! 5 In Bezug auf die Fruchtfolge ſind die Wicken ſowohl mit ſich ſelbſt, als ihren Vorgaͤngern und Nachfolgern ſehr vertraͤglich. Daher leiſten ſie auch bey dem Uebergange aus einer Feldeintheilung in eine andere als Einſchiebſel gute Dienſte. Bey den Dreyfeldern kommen ſie geduͤngt im Brachfelde oder ungeduͤngt im Sommerfelde vor. Ihre guͤn⸗ ſtige oder unguͤnſtige Einwirkung auf das ihnen nachfolgende Wintergetreide haͤngt theils von ihrem guten oder ſchlechten Stande, theils von der fruͤhern oder ſpaͤtern Zeit ab, wo ſie das Feld raͤumen. Bey ſchlechtem Stande der Wicken, ſo wie bey verſpaͤteter Einaͤrndtung auf thonigem Boden, hat man ſelten Hoffnung zu einer guten Wintergetreideaͤrndte; daher bleibt unter ſolchen Umſtaͤnden ihre Aufnahme in's Sommerfeld, worauf alſo eine Brachfrucht folgt, viel ge⸗ rathener. Dieſe Aufnahme der Wicken ins Sommerfeld hat noch neben her den Vortheil, daß man ſie dann ungeſtraft mit 359 einem Gemenge von Hafer, Sommerrocken oder Ehmer aus⸗ ſaͤen kann, welches im Brachfeld ohne bedeutenden Nachtheil der darauf folgenden Winterfrucht nicht angeht. Da die Wicken eine kuͤrzere Zeit zu ihrer Reife erfor⸗ dern als die Erbſen: ſo koͤnnen ſie auch ſpaͤter geſaͤet wer— den. Im Nothfalle kann man ſie bis Ende Mais ſaͤen, und ſich noch eine reife Koͤrneraͤrndte davon verſprechen. Da⸗ gegen laſſen ſie ſich auch moͤglichſt fruͤh ſaͤen, da ſie von der Kälte wohl ſehr zuruͤckgehalten, aber nicht zerſtoͤrt werden. Da die Wicken bedeutend feinkoͤrniger ſind als die Erb⸗ ſen: ſo bedarf man weniger davon an Einſaat wie von die⸗ ſen. 14 bis 2 Hektoliter reichen fuͤr einen Hektar zu. Sie ſcheinen das Unterpfluͤgen weniger als die Erbſen zu vertra⸗ gen; es ſey denn, daß der Boden ſehr locker ware. Sie muͤſſen aber der Tauben wegen ſehr ſorgfaͤltig eingeeggt werden. Der Erfolg der Wicken haͤngt noch mehr als der der Erbſen von der Feuchtigkeit ab. Ein trocknes kaltes Fruͤh⸗ jahr ſezt, wie ich ſchon geſagt habe, ſie ſehr in ihrem Wuchſe zuruͤck; jedoch moͤgte ſolches nachtheiliger auf ihren Futter⸗ als Koͤrnerertrag einwirken. Auf leichtem Boden trocknen ſie in heißen Sommern aus, ſterben auch wohl ganz ab. Um ſo willkommener iſt ihnen eine feuchte Witterung; es ſey denn, daß der Boden dadurch verſumpfe.„In ſehr duͤrren Jahren, ſagt Koppe, habe ich ſie noch nach jeder Beſtel⸗ lung mißrathen ſehen.“ Nicht weniger als die Duͤrre iſt eine ſchnelle Abwechs⸗ lung der Temperatur, inſonderheit kalte Witterung waͤhrend der Bluͤthezeit nachtheilig. Es wird, wie v. Witten bemerkt, 340 der Umlauf der Saͤfte dadurch gehindert, das Wachsthum ſtockt, die Bluͤthe wird die Beute einer Made und die Pflanze ſtirbt ab. Dieſe Unſicherheit iſt wohl die Haupturſache, warum man die Wicken nicht oft allein, ſondern meiſtens im Ge⸗ miſche mit Sommergetreide ausſaͤet. Beguͤnſtiget dann die feuchte Jahrszeit die Wicken, ſo uͤberziehen ſie das ganze Feld, und das mitgeſaͤete Getreide, gebeugt unter der Laſt ihrer Ranken, dient dieſen blos noch zur Stuͤtze, damit ſie ſich nicht zu platt auflageren. Der Ertrag der Wicken iſt dann anſehnlich. Iſt gegentheils der Sommer trocken, alſo dem Getreide guͤnſtiger als den Wicken, ſo gewinnt jenes die Oberhand, und erſetzet zum Theile, was dieſen an Er⸗ trag abgeht. Gerathen beyde Theile: ſo geht ein ſolches Feld keinem Getreidefeld aus dem Wege. Ein gut beſtandener Wickenacker bedarf keiner Pflege; ein ſchlecht beſtandener verdient keine. Dort erſticken die Wi⸗ cken alles Unkraut, hier zerſtoͤre es der nichts ſchonende Pflug. Jedoch kann bey zugeſchlagenem Acker das Durcheg⸗ gen, bey ſehr klottigem Acker das Walzen, dieſes der kuͤnf— tigen Aerndte wegen, von Nutzen ſeyn. Beydes geſchieht, wenn die Wicken ein paar Zoll uͤber der Erde ſind. Da ein guter Theil des Werthes eines Wickenackers auf ſeinem Stroh beruht; da dieſes Stroh um ſo ſchlechter wird, als man die Wicken länger auf dem Felde ſtehend zeitigen laͤßt; da die mehr gruͤnen Wickenſtoppel beym Umpfluͤgen dem Boden einen ſtaͤrkern Erſatz zuruͤckgeben, als die mehr duͤrren; da ſich durch die Verſchiebung der Wickenaͤrndte nothwendig auch die Beſtellung des Feldes zum Nachtheile der Getreideinſaat verſchiebt; da endlich die zur voͤlligen Reife gelangten Wicken, 341 wegen dem Ausfall der beſten Koͤrner, dem ſie ausgeſezt ſind, im Durchſchnitt der Jahre vielleicht eher an Ertrag verlieren als gewinnen: ſo bleibt es wirthſchaftlicher ihre voͤllige Reife nicht abzuwarten. Hoͤchſt ſchwer iſt der Ertrag der Wicken anzugeben; theils weil ſie in manchen Wirthſchaften nicht ausgedroſchen werden, theils weil man ſie in andern mehr des Gruͤnfut⸗ ters(wovon im folgenden Hauptſtuͤck Rede ſeyn wird) und nur neben bey der Koͤrner wegen erzielt; theils weilen ihr Ertrag an und fuͤr ſich ſo hoͤchſt ſchwankend iſt. Graf Po— dewils nimmt den Durchſchnittsertrag der Wicken zu 13, Dr. Burger fuͤr lehmigen Boden zu 17 Hektoliter an. Das Medium von beyden waͤre alſo 15 vom Hektar. Fuͤgen wir hierzu den. Strohertrag von 2700 Kilogramme, an Werth gleich 580 Kilogr. Wicken Koͤrner: ſo iſt der Geſammter⸗ trag eines Hektar gleich 23 Hektoliter Wicken, oder eben ſo viel Hektol. Rocken. Da nun das Reſultat bey den Erbſen im vorigen Abſchnitt 20 Hektoliter Erbſen betrug, welche eben ſo viel Weitzen gleich ſind, der Weitzenwerth ſich zum Rockenwerth aber verhaͤlt wie 4 zu 5, ſo folgt, daß der Ertrag eines Wickenackers ſich zu dem eines Erbſenackers verhalte, wie 69 zu 8⁰0. Der Unterſchied zwiſchen beyden iſt alſo ziemlich bedeutend. Reine Wicken, das heißt ſolche, welche ohne Beymen⸗ gung einer andern Getreideart geſaͤet worden, ſtehen im Werthe und auch im Preiſe dem Rocken gleich. Sie ſind bedeutend ſchwerer als dieſer, da der Hektoliter Wicken 85, der H. Rocken aber nur 73 Kilogramme wiegt. Zur menſch— lichen Nahrung ſind die Wicken nur als Beymiſchung in dem Brode zu gebrauchen; ſiehen aber darin den Erbſen und 342 Pferdebohnen ſehr nach. Die Natur hat ſie nur wohl fuͤr die Thiere beſtimmt. Fuͤr Pferde und Schafe ſind ſie ein vorzuͤgliches Nahrungsmittel. In einem Theile des Elſaß werden ſie viel mit Gerſte ausgeſaͤet, und dieſes Gemiſch, ſtatt des Hafers, den Pferden gereicht. In Kaͤrnthen iſt, nach Burger, das Wickenmehl ſehr beliebt zur Ochſenma⸗ ſtung. Fuͤr Tauben ſind die Wicken ein Leckerbiſſen: ſo daß dieſe Thiere ihre mit Hafer ſchon angefuͤhrten Kroͤpfe entlee⸗ ren und ſie mit Wicken fuͤllen, wenn ſie Gelegenheit dazu finden. Den Schweinen ſollen dieſe Koͤrner, nach einigen Aus⸗ ſagen, nicht zutraͤglich ſeyn. Winterwicken. Obgleich die deutſchen oͤkonomiſchen Schriftſteller der Mey⸗ nung ſind, daß dieſe Wickenart nur fuͤr England gemacht ſey, und die Winter in Deutſchland nicht ertrage: ſo weiß ich doch aus Erfahrung das Gegentheil. Sie war mir fruͤ⸗ her aus den walloniſchen Niederlanden bekannt, wo ſie ziem— lich haͤufig mit Rocken ausgeſaͤet wird, und ſich an ihm bis zu einer Hoͤhe von 4—6 Fuß aufwindend, mit ihm einge⸗ aͤrndtet, und unausgedroſchen zu grobem Häckſel geſchnitten bey der Pferdefuͤtterung verwendet, und ſehr geſchäzt wird. Am haͤufigſten wird jenes Wickenrockengemenge in gruͤnem Zuſtande abgemaͤhet, und bietet dann, noch vor dem Klee, ja vor der Luzerne den Kuͤhen ein herrliches Fruͤhfutter dar. Um es recht fruͤh zu haben, iſt es raͤthlich das Gemenge ſchon im Auguſt oder Anfangs September zu ſaͤen. Nun koͤnnte man glauben, daß die gelinderen Winter der Nieder⸗ lande, welche ich doch nicht wohl als ſolche in dem hoͤher gelegenen walloniſchen Theile anſehen kaun, Urſache waͤren, 343 daß die Wicken daſige Kaͤlte uͤberſtuͤnden; allein man findet dieſelbe Wicke in Wuͤrtemberg unter Dinkel geſaͤet, und zwar auf daſiger Alpe, wo es an ſtrengen Wintern eben nicht fehlt. Auch durch eigenen Anbau uͤberzeugte ich mich ſeit zwey Jahren von ihrer Ausdauer gegen die Kälte des hieſigen Kli— ma's. Sie hielten die beyden Winter von 1822— 23 und 1823— 24, wovon beſonders der erſte ganz ſchneelos war, ſehr gut aus, und zwar hatte ich den Saamen dazu aus den Niederlanden kommen laſſen, der alſo durchaus nicht akklimatiſirt war. Das Verſehen, was man wahrſcheinlich in Deutſchland begieng, moͤgte ſeyn, daß man ſie fuͤr ſich allein ſaͤete; ſtatt daß ich ſie ſtets mit Rocken ausgeſaͤet fand und ſie auch ſo ausſaͤete. Es ſcheint alſo, daß eine ſolche Beymi— ſchung zu ihrem Schutze noͤthig iſt. Sollte ſie es aber auch nicht ſeyn: ſo bleibt ſie doch zu ihrer Unterſtuͤtzung hoͤchſt raͤthlich; indem die Winterwicken ſich noch weniger als die Sommerwicken aufrecht zu halten vermoͤgen. Das Gemiſch beſteht aus 6 Rocken und ½ Wicken. Im Jahre 1823 machte ich eine unwillkuͤhrliche Erfah— rung uͤber die Winterwicken. Ein Theil des Rockens, unter welchem ſie ſtanden, ward aus Verſehen als Gruͤnfutter weggemaͤhet, und zwar zu einer Zeit, wo der Rocken ſchon in Aehren ſtand. Demungeachtet ſchlugen die Wickenſtop— peln wieder aus, ſezten Bluͤthen und reifen Saamen an, und ſchienen die nicht abgemaͤhten noch am Ertrage zu uͤber⸗ treffen. Werden die Winterwicken im Fruͤhjahre geſaͤet: ſo darf man nicht hoffen, daß ſie zur Reife gelangen. Sie werden großen Theils durch den Mehlthau zerſtoͤrt; ſo wie die Som— merwicken durch den Froſt, wenn man ſie vor Winter ſaͤen wollte. Die Koͤrner der Winterwicken ſind beynahe ſchwarz, die Schoten, worin ſie ſitzen, vor der Reife dunkelgruͤn, und ha— ben ein glattes, glaͤnzendes Aeußere. Ich halte ſie, gegen die Meynung Dr. Burgers, weſſentlich und nicht blos zu⸗ faͤllig von den Sommerwicken verſchieden. Dritter Abſchnitt. i n ſf e u. Weniger wichtig, als die uͤbrigen Schotenfruͤchte, fuͤr den Ackerbau ſind die Linſen, die in der Regel nur auf ein⸗ zelnen Stuͤcken, und in mehreren Gegenden gar nicht ge⸗ baut werden. Da ſie zu koͤſtlich fuͤr die Viehfuͤtterung fal⸗ len, uͤberdem zwar ſehr gutes, aber auch ſehr wenig Stroh abwerfen: ſo koͤnnen ſie blos als ein ſchmackhaftes Gemuͤß fuͤr die Menſchen in Betracht kommen. Die Linſen gedeihen auf einem Boden, der fuͤr Erbſen paßt; ſelbſt auf ſolchem, der fuͤr leztere zu leicht iſt: Wie dieſe freuen ſie ſich einer alten Bodenkraft, jedoch koͤmmt ihnen auch der unmittelbar dazu aufgebrachte Dung ganz gut, ob gleich ſolches nicht allgemein geglaubt wird. Die⸗ ſer Glauben ruͤhrt wahrſcheinlich von der Genuͤgſamkeit der Linſen her, welche auch einen ſolchen Boden, der weder Ha⸗ fer noch Rocken mehr zu tragen im Stande iſt, nicht ver⸗ ſchmaͤhet. Indeſſen werden ihre Koͤrner unter ſo beklemmten Umſtaͤnden ſichtbar kleiner, und die große Pfenninglinſe ar⸗ tet dabey in die kleine Linſe aus. Eine nicht unbegruͤndete Urſache ihnen den Dung zu verſagen, liegt in der Reinigkeit des Bodens, die ſie zu ihrem Gedeihen erheiſchen, und die nicht leicht anders als durch Jaͤten erhalten werden kann. Nun aber wuͤrde ein friſch geduͤngter Acker nicht ermangeln, den Gegenſtand der Jäͤtearbeit zu vermehren. Aus der eben angefuͤhrten Urſache moͤchte es auch am paſſendſten ſeyn, das Land vor Winter ſo herzurichten, daß ohne weiteres im Fruͤhjahre auf die gelegene Vorwinterfurche geſaͤet werden kann. Reiner allemal wird ſo die Oberflaͤche des Ackers ſeyn und bleiben. Der beſte Standort, den man den Linſen anweiſen kann, moͤchte wohl ein Acker ſeyn, der im vorhergehenden Jahre Kartoffeln getragen hat. Ob ſie nicht auch auf einer umgebrochenen Dreiſche kommen ſollten? Man ſaͤet ſie gewoͤhnlich gleichzeitig mit den Erbſen, auch wohl noch etwas ſpaͤter, weil man durchgehends glaubt, es ſchade ihnen die Kaͤlte. Dr. Burger aber will ſie ſo fruͤh als moͤglich geſaͤet wiſſen, und behauptet, oft Gelegenheit gehabt zu haben, zu beobachten, daß die Kaͤlte den jungen Pflanzen keineswegs ſchade. Ich unterſchreibe dieſe Meynung um ſo eher, als mir bekannt iſt, daß man an einigen Orten im Waͤrtemberg'ſchen die Linſen vor Winter mit Dinkel ausſaͤet. Nach Hr. v. Witten ſaͤet man ſie auch wohl unter Fruͤhgerſte, und nimmt dann gegen 2 Hektoliter Gerſte einen halben Hektoliter Linſen. Bey der Auswahl der Linſen zur Saat iſt wohl darauf zu ſehen, daß ſich keine Wicken dar⸗ unter befinden, welches ihren Werth bedeutend verringert. Man ſaͤet auf den Hektar: nach Reichart...... 2, 40 Hektol. nach Thaer.. 1,60— nach Burger 1,00 Hektol. auch. 1,50— nach v. Heintel. 2,40— auch....... 5,20— der Durchſchnitt gibtbtt 2— alſo 2 Liter fuͤr den Are. Die Beobachtung der Zeit fuͤr ihre Aerndte, ſo wie die ganze Behandlung erfordert eine große Puͤnktlichkeit. Laͤßt man ſie voͤllig reif werden: ſo ſpringen die Schoten auf und die Koͤrner entfallen. So bald die Schoten anfangen braun zu werden: ſo muͤſſen die Linſen gezogen(ausgerauft) werden; ſollte das Stroh auch noch gruͤn ſeyn. Haben ſie ein paar Tage gelegen: ſo muͤſſen ſie ohne Zaudern einge⸗ fuͤhrt werden. Werden ſie beregnet: ſo ſpringen ſie beym erſten Sonnenſcheine auf. Man ſoll die Linſen daher nim— mer zu einer Zeit ziehen, wenn man Regenwetter befuͤrchtet; ſind ſie aber nach dem Ziehen beregnet worden: ſo muß man den erſten guͤnſtigen Augenblick zu ihrem Einbringen wohl in Obacht nehmen, wenn nicht mehr als die Haͤlfte der Koͤrner auf dem Felde zuruͤckbleiben ſoll. 1 Thaer ſchlaͤgt den Ertrag der Linſen auf gehoͤrigem Boden und bey gehoͤriger Behandlung zu 17 bis 21, Bur⸗ ger fuͤr leichte Aecker, im vierten bis fuͤnften Jahre nach der Duͤngung, zu 10 bis 17 Hektoliter an. Das Medium dieſer freylich nicht zahlreichen Angaben betraͤgt alſo 16 Hek⸗ toliter, ein ſehr großer Ertrag, wenn wir ihn mit dem der Wicken gleich 15 und dem der Erbſen gleich 14 vergleichen. Der Hektoliter Linſen wiegt 85 Kilogramme. Es iſt auffallend, daß die in ſichern Gegenden erzoge— nen Linſen ſich durchaus nicht weich kochen laſſen, wie ich 347 ſelbſt in den Niederlanden erprobet habe, ob ich gleich von anderswoher verſchriebene gut kochbare Linſen geſaͤet hatte. Auch ſind die Linſen in lezt gedachtem Lande ein ganz un⸗ bekanntes Gewächſe. Vierter Abſchnitt. Pferdebohnen. §. 1. Wichtigkeit ihres Anbaues. Unter allen Gewaͤchſen ſtehen die Pferdebohnen an Wich⸗ tigkeit dem Getreide am allernaͤchſten. Ein Wirth der, auf dazu gecignetem Boden ihren Anbau vernachlaͤſſigt, kennt ſeinen Vortheil nicht. Sie ſind fuͤr Deutſchland, England, die Niederlande das, was der Mais fuͤr die mehr waͤrmern Gegenden iſt. Koppe ſagt deßhalb nicht mit Unrecht, daß es zu verwundern ſey, daß der Anbau der Bohnen, in Gegenden wo ſie ſehr gerathen muͤßten, noch ganz unbekannt iſt.„Auf jedem Marſch- oder Aueboden, ſezt er hinzu, ſo wie uͤberhaupt auf jedem feuchtem Lehm- oder Thon— boden ſind Bohnen eine unvergleichliche Frucht, zumal wenn man ſie in Reihen bauet. Sie geben auf den genannten Bodenarten unſtreitig unter allen Huͤlſenfruͤchten den ſicher⸗ ſten, und ich glaube auch den ſtaͤrkſten Ertrag“ Es verdienet wohl, wie A. Young bemerkt, der auf⸗ merkſamſten Unterſuchung eines Landwirthes, ob er in ſei⸗ nen Fluren kein Land habe, welches ſich fuͤr Bohnen ſchickt, wenn er gleich bis jezt noch nie welche darauf gewagt haͤtte. „Man kann, ſagt er, einen geſcheuten Landwirth nach ſeinem Bohnenbau vorzuͤglich beurtheilen; denn ein guter Wirth 346 muß Bohnen bauen, wo ſie nur wachſen wollen. Sie ſau⸗ gen den Boden nicht aus, bereiten ihn beſſer, als irgend eine andere Frucht zum Weitzen vor; ſie ſtehen ohne ſich zu lageren, laſſen alſo die Pferdehacke zu; ſie beſchatten den Boden vor der Sonne; ihr Stroh, gut eingeaͤrndtet, hat einen hohen Futterwerth; mit einem Worte es giebt der Umſtaͤnde ſo viel, die ſie empfehlen, daß jeder Landwirth ſich, wo moͤglich, zu ihrem Anbau entſchließen muß.“„Es faͤllt ſchwer, ſagt dieſer große Mann an einem andern Orte, einen reichen etwas feuchten Boden ohne Beyhuͤlfe der Pfer⸗ debohne auf das Hoͤchſte durch die Cultur zu benutzen. Dieſe Pflanze vereint zwey Vortheile von ganz beſonderer Wich— tigkeit. Der eine, daß ſie dem Boden nur ſehr wenig Kraft entzieht; der zweyte, daß ſie den Boden vielleicht beſſer wie jede andere Pflanze zum Weitzen vorbereitet.“ §. 2. Boden. So wie die Erbſen einen milden warmen Boden, lie⸗ ben die Bohnen einen ſchweren, gebundenen, etwas feuchten Boden, auf dem ſie auch deßwegen um ſo gerathener blei⸗ ben, weilen ſie ihn durch ihre ſpindelfoͤrmigen ſtarken Wur— zeln zertheilen, und durch ihre hohlen Staͤngel in ſeiner Tiefe mit der Luft in Verbindung bringen. Die Bohnen moͤgen uͤberhaupt nur mit Vortheil auf ſolchem Boden kommen, der auch zum Weitzen geeignet iſt, und ſo wie dieſer keine Saͤure darin vertraͤgt, ſo vertragen auch die Bohnen keine, und werden davon roſtig. Ein fetter Marſchboden, wie der bey der Muͤndung ſicherer Fluͤſſe, ein koſtbarer Weitzen- und Großgerſtboden wie im Elſaß, ein reicher, trockner, geſunder Lehmboden wie in der Graf⸗ 349 ſchaft Kent, ſind das Element der Bohnen. Indeſſen ver⸗ ſchmaͤhen ſie, in ſolchen Gegenden, die ein feuchtes Klima haben, auch den ſandigen Lehmboden nicht. Auch die Lage, der Untergrund, die Jahreswitterung, ſo wie der Vorgaͤn⸗ ger der Bohnen, wenn dieſer z. B. eine Dreiſche, ein Gras⸗ boden war, koͤnnen das erſetzen, was dem Boden an Ge— bundenheit fehlt. In aͤußerſt feuchten Vorſommern wollen die Bohnen eben ſo wenig als Erbſen und Wicken fort, wenn der Bo— den an ſich ſchon zur Naͤſſe geneigt, alſo ſchnell damit uͤber— laden iſt. Im Jahre 1824 wurden ſie auf einem ſolchen Felde in Hohenheim zum Theile nicht eine Spanne hoch, und giengen, wo das Waſſer geſtanden, gaͤnzlich aus. An Hacken und Haͤufeln iſt unter ſolchen Umſtaͤnden gar nicht zu denken. §. 3. Stelle im Umlauf. Wie alle Schotenfruͤchte, dienen die Bohnen ſehr vor⸗ theilhaft als Einſchiebſel zwiſchen zwey Getreideaͤrndten. Unbekuͤmmert um ihre eigenen Vorgaͤnger ſind ſie mit allem, auch mit ſich ſelbſt vertraͤglich, und koͤnnen einige Jahre unun⸗ terbrochen auf ſich ſelbſt vorkommen, wobey ſich der Boden immer verbeſſert, vorausgeſezt, daß ſie gehoͤrig behandelt worden. Der Dung und das Behacken, das ſie fordern, gleichen die bey der Vorfrucht begangenen Fehler in der Cul⸗ tur aus, und arbeiten der nachfolgenden Frucht vortheilhaft vor.„Aber auch abgeſehen von der Cultur, ſagt Mars⸗ hall: ſo ſcheint es in der Natur ſelbſt dieſer Pflanze zu liegen, daß ſie eine ungemeſſene Zeit auf tiefem thonigem Boden gedeiht. In Gloceſter, wo die Bohnen ſeit Jahr⸗ 35⁰ hunderten alle zwey oder drey Jahre vorkommen, iſt ein Ertrag von 23 Hektoliter nichts Ungewoͤhnliches, und ihr Durchſchnitt 21 vom Hektar.“ Nach mehrjaͤhrigem Klee, oder Kleedreiſche, iſt es vor— theilhafter Bohnen als Weitzen zu bauen, und dieſen erſt nach jenen folgen zu laſſen. Wenn einige Bodenarten eine alljaͤhrliche Abwechſelung zwiſchen Bohnen und Weitzen zulaſſen, wie ſolches in mehr ſuͤdlichen Laͤndern mit Mais und Weitzen geſchieht, welches dann gewiß der hoͤchſte Ertrag iſt, den der Boden gewäh⸗ ren kann: ſo geht dieſes doch nicht uͤberall an, und man muß mit jedem fuͤnften oder ſiebenten Jahre einmal damit ausſetzen. Auf einem einfaͤhrig umgebrochenen alten Graslande gedeihen die Bohnen zwar gut, ich finde ſie aber der er⸗ ſchwerten Behandlung wegen daſelbſt nicht raͤthlich; es ſey denn, daß das Grasland einen lockern muͤrben Boden hätte. Auf etwas zäher Narbe vermag man ſie nicht in die Erde zu bringen, und ein ſtarker Regen ſchwemmt ſie weg. §. 4., Dung. Wenn derjenige, der keinen Dung hat, ſich, es ſey denn, daß er auf einem Marſchboden hauſe, mit dem Boh⸗ nenbau nicht abgeben ſoll: ſo kann derjenige, der deſſen ge— nug hat, nichts beſſeres auf ſchwerem Boden thun, als Bohnen und wieder Bohnen bauen. Die⸗Bohnen, wie der Mais, haben den Vortheil, daß bey ihrem aufrecht ſtehen⸗ den Staͤngel der Dung kein Lager verurſacht, man daher die Ueppigkeit bey dieſen Pflanzen forciren(Sit v. v.) kann, welches bey behackten Fruͤchten immer von großem Nutzen 351 iſt. 30 vierſpaͤnnige Fuder Miſt auf den Heltat ſind fuͤr Bohnen gar nicht zu viel. Wenn aber die Bohnen vielen Dung vertragen, wenn, wie A. Young glaubt, keine Pflanze den Dung beſſer zuruͤckzahlt: ſo folgt daraus nicht, daß ſie darum nothwen⸗ dig, es ſey auf zaͤhen oder magern Thon, wo ohne viel Dung auch ſonſt nichts waͤchſt, den meiſten Dung erheiſchen. Auf einem kraftvollen Boden koͤnnen ſie auch ohne Duͤnger; und auf Feldern, die in gehoͤrigem wirthſchaftlichem Zuſtande ſiud, bey halber Duͤngung fortkommen und Weitzen oder Dinkel hinter ihnen noch gedeihen; nur muß man ſich dann auf einen Ruͤckſchlag bey dem auf jene folgenden Som⸗ mergetreide gefaßt machen; da kein Boden, unter den ge⸗ woͤhnlichen, unerſchoͤpflich iſt. In manchen Gegenden, na⸗ mentlich in Gloceſter und Suffolk, wird gar nicht zu den Bohnen geduͤngt. Daraus, wie aus dem, was im§. 1 dieſes Abſchnittes geſagt worden, geht die Genuͤgſamkeit der Bohnen hervor; ob ſie ihnen gleich von Vielen abgeſprochen wird. Es mag ſeyn, daß da, wo man ſie auf einem ihnen nicht zuſpre— chenden Boden mit Gewalt zu erzwingen ſucht, oder wo man ſie nicht pflegt, nicht behackt, oder dicht wie ein Wald⸗ geſtruͤppe in einander ſaͤet, daß, ſage ich, da Unkraut oder Bohnen den Acker entkraͤften; aber bey gehoͤriger Cultur thun ſie das gewiß weit weniger als alle, ſo ſehr geruͤhmten Knollen⸗ und Wurzelgewächſe. Werden die Bohnen fruͤhe geſaͤet: ſo vertragen ſie auch den ganz friſchen Dung. Am beſten aber wird dieſer vor, oder im Winter aufgebracht und im erſten Falle unterge⸗ pfluͤgt. Es iſt dieſes um ſo wuͤnſchenswerther daß es ge— 352 ſchehen moͤge, als die thonigen Aecker, welches doch die eigentlichen Bohnaͤcker ſind, den Miſtwagen im erſten Fruͤh⸗ jahre gar nicht zulaſſen, wodurch denn die Saat der Boh⸗ nen zu ihrem und der darauf folgenden Frucht Nachtheil zu weit hinaus geſchoben wird. Auch iſt mir mehr als wahr⸗ ſcheinlich, daß die Bohnen, wozu vor Winter geduͤngt wor⸗ den, mehr Koͤrner, wenn gleich nicht eben ſo viel Stroh geben, als die, wozu unmittelbar vor dem ſaͤen geduͤngt wird. §. 5. Feldbearbeitung. Man macht bey einer ſolchen rauhen Pflanze, wie die Bohne, mit der Zubereitung des Bodens wenig(ob nicht manchmal etwas zu wenig?) Complimente. Sie arbeitet ſich demungeachtet durch, ſollte ſie auch eingeſchmiert, ſollte ſie von einem Raſen bedeckt worden ſeyn. Einige bringen ſie ſammt den Getreideſtoppeln, worauf ſie uͤber den gebreiteten Miſt geſaͤet werden, mit dem Pfluge unter. Hier hat alſo nur ein einziges Pfluͤgen ſtatt, welches auf zaͤhem Thone bey einer Pflanze, die ſo fruͤh beſtellt ſeyn will, unverkennbare Vorzuͤge hat. Andere laſſen im Herbſte ein Abſchaͤlen der Stoppel vorhergehen, und machen es im Uebrigen ſo wie die erſten. Die Dritten pfluͤgen vor Winter zu ooͤlliger Tiefe, bringen im Winter den Dung auf und pfluͤgen ihn ſamt den Bohnen flach unter. Die Methode moͤchte unter den dreien, aus leicht zu errathenden Urſachen, wohl die beſte ſeyn. Immer aber bleibt es gut und angenehm zu wiſſen, daß, wenn man ſich in die Un⸗ moͤglichkeit verſezt ſieht, das Beſſere zu unternehmen, man noch einiger Maßen auf einem minder vollkommenern Wege ſeinen Zweck erreichen kann. Ein Ein tiefes Pfluͤgen ſcheint der ſpindelfoͤrmigen Wurzel der Bohnen ſehr angemeſſen. In Gloceſter pfluͤgt man vor Winter zu 9— 10 Zoll Tiefe. Gewiß ein herrliches Verfah⸗ ren uͤberall, wo es nur der Boden zulaͤßt! §. 6. Saatzeit und Quantum. Man kann zwar die Bohnen von Anfang Maͤrz an bis zum Mai ſaͤen, haͤlt aber durchgehends das fruͤhe Saͤen fuͤr das Beſte. Die Englaͤnder zumal wollen nur eine fruͤhe Saat fuͤr gut anerkennen. Es giebt zwar Jahre, wo die ſpaͤt geſaͤtten Bohnen einſchlagen, indem der Haupterfolg auf der Witterung waͤhrend ihrer Bluͤthezeit beruht. Iſt jene dann heiß und trocken: ſo darf man fuͤr das Anſpin⸗ deln der Schoten nichts geben; das Gegentheil erfolgt, wenn zu dieſer Zeit das Wetter feucht und kuͤhl iſt, wodurch das Verbluͤhen nur langſam vor ſich geht. Nun, aber koͤnnen bald die fruͤhern, bald die ſpaͤtern mit ihrer Bluͤthe in die ihnen mehr oder weniger guͤnſtige Periode fallen. Im Gan⸗ zen glaubt man, daß die fruͤh geſaͤeten weniger vom Roſt und dem nachtheiligen Geſchmeiße leiden, zwar kuͤrzeres Stroh, aber mehr Koͤrner als die ſpaͤten geben. Eine Hauptberuͤck— ſichtigung, welche zu Gunſten der fruͤhern Saat ſpricht, iſt, die dadurch bewirkte fruͤhere Reife, wodurch das Stroh ſchneller und beſſer trocken, und Zeit gewonnen wird, das Land zum Empfange der Winterfrucht vollſtaͤndiger vor⸗ zubereiten. Wie viel Saamen zu nehmen, iſt verſchieden. Mehr wird bey der breitwuͤrfigen, weniger bey der Reihenſaat er⸗ fordert. Bey lezter bedarf es nicht uͤber 1,8 Hektoliter fuͤr den Hektar. Wir brauchten in Hohenheim beym Saͤen in v. Schwerz Anleit. z. prakt. Ackerbau. II. Bd. 23 jede zweyte Furche, oder auf 2 Fuß Entfernung unter den Reihen 1,9 Hektoliter. Die breitwuͤrfige Saat bleibt ſich fuͤr England, Flandern und Kaͤrnthen durchaus gleich, und erfordert 2,75 Hektoliter. Die niederlaͤndiſchen Polder machen darin eine Ausnahme. Man braucht daſelbſt 3,5 Hektoliter. Auch im Elſaß braucht man mehr als 3 Hektoliter auf den Hektar. A. Young ſpricht ſich fuͤr eine ſtarke Einſaat aus, und will 4,5 Hektoliter. §. 7. Reihenſaat. Wenn gleich die breitwuͤrfige Ausſaat bey den Bohnen die gemeinuͤblichſte iſt: ſo iſt doch gewiß, daß bey keiner Pflanze die Saat in Reihen ſo wohl angebracht iſt, als bey ihnen; es ſey denn da, wo man ſie nicht behacken wollte. In lezterm Falle wollte ich freylich die Vortheile des Bohnenbaus nicht gelteud machen, deren ich beym Ein⸗ gange dieſes Abſchnittes zu ſeinem Ruhme erwaͤhnt habe. Hier kann nur durch dichtes Saͤen dem Uebermaße von Unkraut geſteuert werden. Dafuͤr werden aber die Bohnen um ſo weniger Schoten anſetzen, und groͤßten Theils nur Stroh liefern. Wer daher Freude an ſeinen Bohnen erleben will, der muß ſie in ſichern Entfernungen von einander pflanzen; wer entfernt pflanzt, der muß hacken; wer end⸗ lich ſich das Hacken um Vieles erleichtern will, der muß in Reihen bauen. Das Reihenſaͤen hat ſtatt in die mit dem Pflug geff⸗ nete Furche. Es geſchieht entweder mit Huͤlfe eines ein⸗ trichterichen Saͤekaſtens, oder durch Einwerfen mit der Hand. Erſteres geht regelmaͤßiger, lezteres geht ſchneller von ſtatten, da man nicht leicht ſo viele Saͤekaſten als dienſtbare Haͤnde —— 355 zu Gebote hat. Der Schnitt der folgenden Furche fuͤllt die beſaͤete und deckt die Bohnen. Es folgt alſo, daß der Pflug nur ſeicht angeſezt wird. Wie weit die Zeilen von einander fallen ſollen, haͤngt von dem Boden ab. Auf einem kraͤftigen Boden muͤſſen ſie der Ueppigkeit wegen und auf einem recht ſchweren Bo⸗ den der nachherigen Behandlung wegen weiter, alſo wo das Gegentheil eintrifft weniger, von einander entfernt werden. Man hat dabey zwey Extreme zu vermeiden; die naͤmlich, die Zwiſchenraͤume nicht zu breit zu halten, weilen der Er— trag dadurch geſchmaͤlert wird, und nicht zu enge, weilen dadurch die Huͤlfe des Geſpannes bey dem nachherigen Be⸗ hacken nicht anwendbar ſeyn wuͤrde; es ſey denn, daß man Handhacken wollte. Zum Pferdehacken gehoͤrt ein Zwiſchenraum von andert⸗ halb, auch zwey Fuß, wenn der Boden Kraft hat. Zum Handhacken reicht ein Fuß Entfernung zu. Im lezten Falle werden alſo alle Furchen, in erſterm wird eine Furche uͤber die andere beſaͤet. Die Englaͤnder bedienen ſich auch wohl der Doppeltreihen, wo je zwey und zwey ſich auf 8 Zoll nahe fallen, worauf erſt ein Zwiſchenraum von 2 Fuß foͤlgt. Solches ſezt aber bey ihnen voraus, daß zwiſchen den Dop⸗ peltreihen mit der Hand gehackt, und nur in den Zwiſchen⸗ raͤumen gepferdhackt wird. Dieſe Methode vermehrt zwar die Koſten, giebt aber einen groͤßern Strohertrag, und hin⸗ terlaͤßt ein ſehr reines Land. Die angegebenen Entfernungen ſind aber blos von den Reihen, und nicht von den Pflanzen unter ſich auf den Rei— hen ſelbſt zu verſteheu. Hier koͤnnen die Bohnen auf 1—2 Zoll von einander fallen, und werden der Seitenraͤume we⸗ 356 gen doch Luft genug haben. Noch vorzuͤglicher aber gedei⸗ hen die Bohnen, wenn man auch dieſe ununterbrochene Kette vermeidet, und ſie wie in Berkshire auf Fuß auf der Reihe ſelbſt von einander bringt; dann aber an jeder Stelle 4—5 Stuͤcke zuſammenlegt; alſo kleine Hoͤrſte damit bildet. Die Urſache des Vortheils beruht hier auf der Zu⸗ laͤſſigkeit einer vollkommenern Bearbeitung beym Behacken. Die Englaͤnder, als große Bohnenfreunde, ziehen das Pflanzen dem Saͤen noch vor. Weniger um dieſe Methode meinen Landsleuten aufzudringen, als ihnen zu zeigen, wie unverdroſſen wahre laͤndliche Induſtrie iſt, gebe ich hier die Weiſe an, wie man in Gloeeſter dabey verfaͤhrt. Nachdem das Land vor, oder Anfangs, Winter 9— 10 Zoll tief umgepfluͤgt, und ſo fruͤh als moͤglich nach Winter abgeeggt worden iſt, wodurch daſiger Boden ſich vollkommen muͤrbt und zerfaͤllt, ſchreitet man zum Beſtecken deſſelben mit Pferdebohnen. Man pflanzt theils der Laͤnge nach, theils uͤber die Breite der Beete. Oft bedient man ſich da⸗ bey einer Schnur; noch oͤfter keiner. Die Arbeit wird von Frauen abgefertigt, deren jede ein Saͤckchen mit Bohnen am Halſe hangen, und einen Pflanzſtock in der Hand hat. Der Pflanzſtock iſt einen Fuß lang, und gleicht dem der Gaͤrtner, mit dem Unterſchiede, daß er eine Kruͤcke hat, auf welche die Pflanzerin den Daum- und Zeigefinger an⸗ legt. Das Pflanzen geht ſeitwaͤrts von der Linken zur Rech⸗ ten, und zwar ſo, daß das Geſicht der ſchon beſteckten Reihe zugewendet wird. Man entfernt die Loͤcher nicht weiter als einen Zoll von einander, giebt ihnen 2 Zoll Tiefe und laͤßt in jedes eine Bohne fallen. Mit etwas Uebung geht die Arbeit ſehr ſchnell und gerade von ſtatten. 357 Die Entfernung der Zeilen wechſelt zwiſchen 10 und 14 Zoll. Die Loͤcher werden nachher mit einer Schleife, oder einer Dornegge zugeſchleift. Die flandriſche Methode, die Bohnen zu pflanzen, iſt fol⸗ gende. Nachdem das Land vorlaͤufig geduͤngt und zubereitet worden iſt, fertigt der Arbeiter mit der Bracke(Haue) eine 2 Zoll tiefe Rinne uͤber die Breite des Feldes an, in welche ſein Helfer alle 3— 4 Zoll von einander eine Bohne legt. Dieſe Bohnenreihe wird mit der Erde aus der folgenden Rinne gedeckt. Beyde Perſonen fertigen auf ſolche Weiſe in drey Tagen einen Hektar ab. Anderswo in Brabant dippelt man die Bohnen nach Weiſe der Englaͤnder, bedient ſich aber dazu, ſtatt des Pflanzſtockes, des Bohnentreters, eines etwa einen Meter langen Holzes, in welchem vier zwey Zoll lange Zapfen in der Entfernuug von 25 Centimeter eingelaſſen ſind, wodurch man vier Loͤcher auf einmal anfertigen kann. Der Helfer wirft in jedes Loch 2—5 Bohnen. Die Arbeit geht uͤber die Breite des Feldes. Eben daſelbſt hat man noch eine beſondere Art die Boh⸗ nen breitwuͤrfig zu bauen. Nachdem das Land in Beete (das heißt ſchmale von 8 Fuß Breite) gepfluͤgt iſt, die Furchen aber noch nicht ausgeſtochen ſind, wird Miſt auf⸗ gefahren und die Bohnen darauf hingeſaͤet. Nun werden die Beetfurchen nicht mit dem Pfluge ausgeſtochen; ſondern mit, dem Spaten ausgegraben, und die daraus gewonnene Erde uͤber die Bohnen hergeſchleudert. Spaͤter werden ſolche Felder gejaͤtet, aber nicht behackt. Wo ich noch immer Nachrichten uͤber den Bohnenbau Troſte, daß auch das ſtrengſte Eggen, der Sage nach, den eingezogen habe, habe ich nie gehoͤrt, daß ſie mit der Egge in die Erde gebracht werden. §. 3. Pflege. Nur wo der Ackerbau, oder doch gewiß der Bohnenbau noch in der Wiege liegt, da werden die Bohnen unbehackt gelaſſen. Selbſt breitwuͤrfig geſaͤte werden in England, Bel⸗ gien und Wuͤrtemberg behackt. Von denen, die in Reihen geſaͤet worden, verſteht ſich das wohl allenthalben, da man nur darum in Reihen ſaͤet, um ſo leichter und ſicherer dazwi⸗ ſchen hacken zu koͤnnen. Man laͤßt dem erſten Hacken oft Schleife und Egge vorgehen. Das Schleifen iſt auf thonigem Boden von Nu⸗ tzen. Da nach dem Einpfluͤgen der Bohnen das Feld nicht abgeeggt wird, weil man die Kloͤtte, zur Verhinderung des Zuſchlagens der Oberflaͤche gleich nach der Einſaat, zu er⸗ halten ſucht, ſolche Kloͤtte aber in der Folge erhaäͤrten und der Bearbeitung im Wege ſeyn wuͤrden: ſo laͤßt man ſie, allenfalls mit einer herumgeworfenen Egge verſchleifen, ſo bald die Bohnen uͤber der Erde ſind. Man unternimmt ſolches um, oder gleich nach Mittag, wo die Pflanzen von der Waͤrme etwas erſchlafft ſind. Man ſieht, daß auf leich— tem, oder bey dem Saͤen rein hingelegten Boden, das Schleifen uͤberfluͤſſig ſeyn wuͤrde. Bey breitwuͤrfig geſaͤeten Bohnen wird, 2—3 Wochen nach der Saat, ſcharf geeggt. Iſt ſolches bey guͤnſtiger Witterung geſchehen, ſo koͤnnen dicht ſtehende Bohnen auf einem nicht gar unreinen Acker zur Noth des Hackens ent⸗ behren. Man muß aber ſtrenge dabey verfahren, mit dem 359 Bohnen nicht ſchade. Werden auch welche verlezt: ſo erho⸗ len ſie ſich doch gleich wieder. Eine viel vollkommenere Pflege gewaͤhrt freylich das Hacken, welches aber das Eggen darum nicht geradezu aus⸗ ſchließt, ſondern von dieſem Nutzen und Erleichterung zieht; beſonders wenn von breitwuͤrfigen Bohnen Rede iſt, die nicht anders als mit der Hand behackt werden koͤnnen. Aber auch die Reihenbohnen werden mit Vortheil geeggt, und dann behackt. Der fleißige Elſaſſer behackt ſeine Boh⸗ nen, ohngeachtet des Eggens, zweymal. Auf welche Weiſe man aber immer hackt, ſo muß das lezte Behacken vor der Bluͤthe beendet ſeyn. Die Pflanzen waͤhrend dieſer kritiſchen Epoche nicht zu beunruhigen, iſt Regel fuͤr alle Gewaͤchſe. Auf der Inſel Thanet in England, wo die Bohnen⸗ cultur wohl am hoͤchſten getrieben wird, vereinigt man die verſchiedenen Reinigungsarten. Zuerſt werden die Zwiſchen⸗ ruͤume der Reihen der Laͤnge nach gepferdehackt; dann wird uͤber die Breite der Beete geeggt, und zulezt mit einer 5 Zoll breiten Haue gehandhackt, und beyde leztere Vorrichtungen, im Falle es Noth thut, noch wiederholt, bis dahin das Land einem Garten gleicht. Das Eggen uͤber die Breite des Feldes iſt dabey wohl zu bemerken; denn da die Pferdehacke den Boden der Pflanzenreihen nicht erbrechen darf, ſo geſchieht ſolches vermittelſt der quer durch die Reihen gezo⸗ genen Egge. Da ich die Pflanzungsweiſe, die in Gloceſter ſtatt hat, angegeben habe: ſo mag hier auch die dort uͤbliche Pflege ſtehen.— Sobald ſich die Bohnen uͤber dem Boden zeigen, wird geeggt. Sind ſie zu einer Hoͤhe herangewachſen, wo man nicht mehr fuͤrchten darf ſie mit Erde zu uͤberſchuͤtten, 560 wird gehackt, und zwar ſo nahe bey den Pflanzen als moͤg⸗ lich. Jeder Hacker nimmt zwey, auch wohl drey Bohnen⸗ reihen auf einmal vor. Das zweyte Hacken wird, ſo lange es fuͤglich geſchehen kann, verſchoben. Nur muß ſolches voll⸗ fuͤhrt ſeyn, bevor die Bohnen in die Bluͤthe treten. Nichts haͤlt man fuͤr nachtheiliger, als waͤhrend dieſer Zeit etwas an den Bohnen zu unternehmen. Bey dem zweyten Hacken wird das Unkraut, welches auf den Reihen ſelbſt hervor⸗ waͤchſt, mit der Hand ausgezogen. Man laͤßt auch nicht das mindeſte Unkraut aufkommen, da die untern Bluͤthen dadurch des Lichtes und der Luft beraubt, am Anſetzen der Frucht gehindert werden, und das Feld durch den Unkrauts⸗ ſaamen fuͤr die Folge verunreiniget wird. Dieſes zweyte Behacken halten die Englaͤnder fuͤr unumgaͤnglich nothwen⸗ dig, und behaupten, daß ohne ſolches, das erſte zu nichts dient. Durch das erſte Hacken naͤmlich wird der Boden er— brochen, durch das zweyte wird er gereiniget, und obgleich durch jenes auch das dann hervortretende Unkraut zerſtoͤret wird: ſo tritt durch das Hacken ſelbſt eine vielleicht noch groͤßere Menge Unkrautsſaamen ins Leben, die ohne ſolches vergraben geblieben und nicht geſchadet haben wuͤrden. Was das Unkraut einer Seits, kann ein zu dichter Stand der Bohnen anderer Seits bewirken; naͤmlich das Erſticken der untern Bluͤthen. Es iſt aber eine bekannte Sache, daß man ſich eine nur mittelmaͤßige Bohnenaͤrndte zu verſprechen hat, wenn die Bohnen nicht von unten herauf, ſondern blos in der Hoͤhe ſpindeln. Jenes wird aber durch die zu dicht ſtehenden, hohen, laubigen Bohnenſtaͤngel eben ſo ſehr als durch das Unkraut gehindert. Wohlthätig iſt alſo bey dem zweyten Behacken, die Pflanzen, wo es Noth thut, 361 zu verduͤnnen, ohne welches die Staͤngel nur in die Hoͤhe ſchießen und ſchmaͤchtig bleiben. Das zweymalige Behacken eines Hektars nebſt dem Un— krautausziehen koſtet in England im Durchſchnitte nicht mehr als 7— 8 Gulden vom Hektar. Wohlfeiler bey weitem, aber freylich nicht ganz ſo gut, wird die Arbeit mit der Pfer⸗ dehacke ausgefuͤhrt. Man mag alſo da, wo die Handarbeit zu hoch koͤmmt, oder wo es an Haͤnden fehlt, ſeine Zu⸗ flucht zum Geſpanne nehmen, und den Schaufelpflug zu zwey verſchiedenen Malen durch die Zwiſchenraͤume ziehen laſſen. Wer mit einem guten Haͤufelpflug verſehen iſt, be— darf keines beſondern Schaufelpfluges und wird mit jenem die Sache ſicherer und eben ſo gut abfertigen, wie ich aus Erfahrung weiß. In Hohenheim werden die Bohnen zuerſt geſchleift, ſpaͤ— ter die Zwiſchenraäͤume ganz flach mit dem Haͤufelpfluge durchzogen, dann wird quer durch die Reihen geeggt, und endlich dieſe leztern etwas ſtaͤrker angehaͤuft; oder um mich genauer auszudruͤcken: es werden die Zwiſchenraͤume zum erſtenmal flach, zum zweytenmal tiefer mit dem Haͤufelpflug ausgeſtochen. Das ſpaͤtere Saamenunkraut auf den Reihen wird im Nothfalle nachher noch mit der Hand ausgezogen. Lezteres hoffe ich in der Folge mit der Handhaue auszu— fuͤhren, dann aber die Bohnen, wie hoͤher geſagt worden, Horſtweis zu legen. Aus Erfahrung muß ich warnen, auf einem mit Ackerfuchsſchwanz angefuͤlltem thonigem Acker ſich bey den Bohnen nicht auf das Hacken zu verlaſſen; ſondern ihn vorher durch eine wohl bearbeitete Brache zu reinigen, und auf dieſe die Bohnen folgen zu laſſen, dann wird der Acker 362²2 rein werden. 18253 ſaͤeten wir, Ungluͤck nicht ahnend, auf ein ſo eben uͤbernommenes Land Bohnen, handhackten, zogen Unkraut aus, aͤrndteten nicht der Arbeit Werth, und ſahen uns genoͤthiget 1824 alſo hintendrein zu brachen. So was heißt dann recht, die Sache verkehrt angreifen! Das Ueberſtreuen der Bohnen, wenn ſie eine Hand hoch uͤber der Erde ſind, mit Salinenabfall iſt ein vorzuͤg⸗ liches Mittel ſie gegen den Roſt zu ſicheren; man ſollte ſich daher zumal in der Nachbarſchaft der Salinen auf den Boh⸗ nenbau verlegen, wie ich ſolches in einer Gegend der Graf— ſchaft Mark ſah. Der groͤßte Feind, den die Bohnen haben, beſteht wohl in dem haͤßlichen ſchwarzen Geſchmeiße, welches ſich zuerſt an dem Gipfel der Pflanze zeigt, und von da abwaͤrts uͤber den ganzen Stock verbreitet, der Pflanze allen Saft ent— trinkt, die angeſezten Schoten verdirbt, den Anſatz neuer ver— hindert, die Blaͤtter in Runzeln zuſammenzieht, und der ganzen Pflanze ein widriges Anſehen giebt.— Woher doch dieſes Eckelerregende Geſchmeiß?— Ob das Gipfeln, welches man dagegen empfiehlt, etwas hilft, daran zweifle ich faſt, da das Geſchmeiße oft fruͤher da iſt, als man gipfeln kann, oder ſich ſchon tiefer herabgezogen hat, als man gipfeln darf. Das Gipfeln(Koͤpfen) hat aber andere Vortheile zur Folge, die ſeine Anwendung hoͤchſt raͤthlich machen. Wie Erbſen und Wicken wachſen die Bohnen noch fort, wenn laͤngſt ihre unterſten Schoten ſich gebildet haben. Dieſes anhal— tende Fortwachſen, das laubige, oft mit Geſchmeiß beladene Haupr, und die unnuͤtzen, oder wenig bedeutenden Bluͤthen, die ſich nach den Spitzen zu zeigen, entziehen den untern ſich ſchon bildenden Fruͤchten einen Theil ihrer Saͤfte, hin⸗ 363 dern die etwas ſpaͤteren, aber immer noch fruchtfaͤhigen mitt⸗ leren Bluͤthen am Anſatz, und verſpaͤten das Reifwerden der ganzen Pflanze, durch welches leztere dann nothwendig aach die Herbſtbeſtellung zum Nachtheil des Weitzens ver— ſpaͤtet wird. Dieſen vereinigten Uebeln koͤmmt man nun durch das Koͤpfen vor. Man verrichtet es mit einem lan— gen Meſſer, kleinen Saͤbel, oder einer alten Senſe, die man an einem Handgriffe oder Stiele in gerader Linie befeſtiget. Die Zeit des Gipfelns iſt, wenn die unterſten Schoten an— ſetzen. Man laͤßt die Gipfel zur Erde fallen, und ſo geht das Hauen ohne Muͤhe und ſchnell, zumal bei Reihenboh⸗ nen vor ſich. Das Gipfeln befoͤrdert die Reife der Schoten um 14 Tage und traͤgt zum ſchnellern Abtrocknen des Strohes viel bey. Einen weitern Erzfeind der Bohnen fand ich in dem Elſaß, aber auch nur da, an der cuscuta europea, Flachs⸗ ſeide, Droͤſſel(lezter Name wahrſcheinlich von erdroſſeln). Dieſe gehaͤſſige Pflanze uͤberſtrickt und erdroſſelt im eigent— lichen Verſtande die Pflanzen. Das Hacken hilft nichts da⸗ gegen, indem ſie erſt ſpaͤt austreibt. Da aber dieſe Pflanze nicht blos die Bohnen, ſondern auch den Lein, und nament— lich den Klee bedroht, ſich durch eine unglaubliche Menge Saamen fortpflanzt ſo wird derjenige, der ſeinen Acker nicht damit verpeſten will, ſich wohl nicht bedenken, die von ihr uͤberſtrickten Bohnen, waͤre es auch auf dem ganzen Felde, vor der Reife wegmaͤhen und gruͤn verfuͤttern zu laſſen. §. 9. Aerudte. Eine kuͤhle mehr feuchte als trockne Witterung, alſo ein langſames Entwickeln der Bluͤthe verheißt eine gute Boh⸗ 564 nenaͤrndte. Bey anhaltend heißer Witterung dorren die Bluͤ⸗ then ohne anzuſetzen. Man laͤßt die Bohnen nicht allzureif werden, weilen ſie ſonſt ſchwarze Flecken bekommen. Man aͤrndtet ſie da⸗ her, wenn die meiſten Schoten ſchwarz werden. Fruͤhe ein⸗ geaͤrndtete Bohnen geben ein weißeres Mehl, und ſind zur Beymiſchung im Brode ſehr geſchickt. Sie reifen uͤbrigens im Strohe recht gut nach. Man bringt die Bohnen auf mancherley Art ab, am gewoͤhnlichſten durch's Maͤhen, wenn ſie kurz, und durch's Hauen, Sichten, wenn ſie langſtaͤnglich ſind. Im erſten Falle laͤßt man ſie zum Abtrocknen einige Tage in Schwa⸗ den liegen; darauf bringt man ſie mit einer Gabel in Ge— lege zuſammen, und laͤßt ſie darin ooͤllig trocken werden, worauf ſie gebunden und eingefahren werden. Im zweyten Falle, oder bey langſtaͤnglichen Bohnen, ſtellt man ſogleich 3— 4 Gelege gegeneinander an, entfernt ſie mit ihren Sturz⸗ enden, ſo daß ſie einen hohlen Kegel bilden, der zu oberſt an der Spitze mit einigen Strohhalmen umwunden wird. Alſo bleiben ſie bis zum Binden und Einfahren ſtehen. Iſt das Wetter guͤnſtig: ſo werden die gehauenen oder geſchnit⸗ tenen Bohnen am beſten ſogleich auf einfache Strohſeile gelegt, in welche ſie nach 3—4 Tagen, oder auch ſogleich gebun⸗ den, und dann zu 10, oder noch mehr, gegen einander auf⸗ geſtellt werden. Auf dieſe lezte Weiſe geht unter allen am wenigſten verloren. Da die Bohnen beym Binden niemals ganz trocken ſind, und es auch, wegen Gefahr des Ausfallens, nicht ſeyn duͤrſen; ſo muͤſſen die Bunde nur duͤnne gemacht wer⸗ 265 den, nicht uͤber 8— 10 Zoll im Durchmeſſer, wozu alſo eine einfache Rocken⸗ oder Weitzenſtrohlaͤnge zureicht. Das fruͤhe Binden hat auch den Vortheil, daß man die Bunde Reihenweis aufſtellen, dazwiſchen pfluͤgen, dann die Kegel auf das Gepfluͤgte ſetzen und auch das Uebrige umpfluͤgen kann, wodurch fuͤr die Beſtellung des Weitzens zu rechter Zeit viel gewonnen wird. §. 10. Ertrag und Werth. Marshall giebt fuͤr Gloceſter im Durch⸗ ſchnitte fuͤr den Hektar un... 21,5 Hektol. und haͤlt 28,5 fuͤr keine außerordentliche Aerndte. A. Young nimmt an fuͤr Suffolk 21,5— Derſelbe fuͤr Kant....... 26,5— Derſelbe oͤſtliche Reſe. 27,66— Derſelbe ſuͤdliche Reiſe„. 21,0— Derſelbe noͤrdliche Reiſe 26,75— Derſelbe nach eigener Erfahrung 29,8— Weſtflandern im Durchſchnitt 21,0— Polder unterhalb Antwerpben 32,5— Lurzer im Salzburg'ſchen nach 20jaͤhrigem Durchſchnitte...... 20,0— Hohenheim 1825........ 22,5— Durchſchnitt ybiger Angaben 24,3— Wie viel ein naſſer Jahrgang zu dem Gedeihen der Bohnen beytrage, bezeugt Koppe, der 1816 auf einem Bo⸗ den, der wegen wenigem Thongehalte kaum den Namen eines Lehmbodens verdient, 28 Hektoliter aͤrndtete. Dr. Burger ſagt, daß ſein hoͤchſter Ertrag von den Pferdebohnen nie 32 Hekto⸗ liter uͤberſtiegen, daß er aber oft 32— 43, ja einmal 56 Hek⸗ toliter Saubohnen von dem Hektar geaͤrndtet habe. Vergleichen wir das hoͤher angefuͤhrte Medium mit dem der Erbſen= 14 dem der Wicken= 15: ſo findet ſich der Quantitaͤt nach ein bedeutender Ausſchlag zu Gunſten der Bohnen, und es folgt, daß dieſe unter den Huͤlfenfruͤchten den groͤßten und ſicherſten Ertrag geben. Was den Werth der Bohnen betrifft: ſo ſezt man ſie im Elſaß der Gerſte gleich, welches aber zu gering iſt. Die naͤhrenden Theile der Gerſte zu o,675 angenommen, ent⸗ haͤlt der Hektoliter, 132 Pfund wiegend, 86 Pfund naͤhren⸗ den Stoff. Die naͤhrenden Theile der Bohnen zu gleichem Maaße angenommen, welches das Geringſte iſt, was ſich thun laͤßt, ſo enthaͤlt der Hektoliter, 198 Pfund wiegend, 127 Pfund Nahrungsſtoff, alſo ein Drittel mehr als die Gerſte. Demnach wuͤrden 2 Hektoliter Bohnen 3 Hektoliter Gerſte im Preiſe gleich ſtehen, in ſoferne die Gerſte nicht eines mannichfaltigern Gebrauches, z. B. zum Biere, faͤhig waͤre. Daß aber 1 Scheffel Bohnen mehr werth ſey als ein Scheffel Gerſte, beweiſen die Durchſchnittspreiſe eines Landes, deſſen Getraͤnke blos in Bier beſteht, wo alſo die Gerſte ge⸗ wiß nicht unter ihren Werth herabgewuͤrdiget iſt. Dieſes Land iſt Belgien, namentlich Weſtflandern. Es verhaͤlt ſich daſelbſt der Mittelpreis der Bohnen wie 9, 1 der der Gerſte wie 3, der des Hafers wie 6, der des Rockens wie 10, der des Weitzens wie 16, Demnach waͤren die Bohnen% mehr werth als die Gerſte und ͤ6 mehr als der Hafer, welches gewiß das wenigſte iſt, 567 was man zu Gunſten der erſtern annehmen kann, da der Hektoliter Hafer nur 46, der Hektoliter Gerſte— 63, der Hektoliliter Bohnen aber 88 Kilogramme wiegt. Die Bohnen bilden als Beymiſchung zu anderm Mehle ein weißeres, leichteres Brod. Sie dienen zur Nahrung der Pferde, des Milchviehes, und zum Maͤſten der Schafe und Schweine. Wegen ihrem beynahe doppeltem Gewichte be— darf es bey den Pferden nicht uͤber die Haͤlfte der Haferra⸗ tion nach dem Maaße. Nur muͤßigen und jungen Pferden ſind ſie nicht zutraͤglich, deſto zutraͤglicher aber den ſtark ſchaffenden. Im Elſaß werden ſie ausſchließlich zu dieſer Beſtimmung, ſo wie zum Maͤſten der Schweine, beſtimmt. In den Niederlanden glaubt man kaum, daß man ohne Bohnen einen Hammel fett machen koͤnne. Sie ſind ein ganz beſonders gutes Milchfutter. Ein Landwirth im Elſaß verſicherte mich, daß ein Scheffel Bohnen mehr und beſſere Milch erzeuge, als 10 Scheffeln Runkeln. Man weicht die Bohnen vorlaͤufig einen halben Tag ein, miſcht ſie mit Spreu oder Haͤckſel, und feuchtet die Maſſe etwas an. Seit ich Obiges vor mehreren Jahren bekannt machte, hatte ich Gelegenheit in Hohenheim mich von ihrer ungemei⸗ nen Nuͤtzlichkeit, zumal ihrer Verdaulichkeit, bey dem Rind⸗ vieh zu uͤberzeugen. Da das Wurzelwerk gegen das Fruͤh— jahr 1822 zu Ende gieng, ließ ich den Kuͤhen Bruͤhfutter reichen, und da keine andere Ingredienzen dazu da waren, als Strohhaͤckſel und Rapshuͤlſen, wurde etwas geringe Gerſte zu Huͤlfe genommen. Dieſe obgleich zuerſt im kalten, ſpaͤ⸗ ter in heißem Waſſer erweicht, gieng großen Theils unver⸗ daut durch den Darmcanal der Thiere. Erſezt durch Boh⸗ 368 nen, fand ſich von dieſen, ob ſie gleich nur kalt eingeweicht worden, auch nicht eine Spur in den Auswuͤrfen. Es hat mich recht gefreut, einen unſerer trefflichſten deut⸗ ſchen Landwirthe durch jene Bekanntmachung zu aͤhnlichem Verſuche veranlaßt zu haben, und finde zweckmäßig ſolches hier mitzutheilen. „Auch ich, ſagt Dr. Schweitzer, in den ſo hoͤchſt intereſſanten Mittheilungen aus dem Gebiete der Landwirth— ſchaft, 2ter Band, Seite 3⁰3, habe mich uͤberzeugt, daß die Bohnen dem Rindvieh ein ſehr nahrhaftes und an— genehmes Futter ſind. Im Jahre 1816, dieſem traurigen, allen Landwirthen erinnerlichen, Jahre, mißriethen meine Kartoffeln, die ich zufaͤllig auf mein naſſeſtes Feld gepflanzt hatte, faſt gaͤnzlich. Die Bohnen, welche einen eben ſo naſſen Standort hatten, geriethen dagegen ganz vortrefflich, ga⸗ ben das 16te Korn, beynahe 12 Dresd. Scheffel(2) vom Magd. Morgen. Es war mir daher hoͤchſt unangenehm, daß ich nur eine kleine Flaͤche, nicht mein ganzes Kartoffelfeld mit Bohnen, ſtatt mit Kartoffeln, beſtellt hatte. Aus Abgang dieſer wurden die Bohnen bey der Fuͤtterung benuzt, und mir geſiel dieſes Futter ſo, daß ich auch in den folgenden Jahren mehrmals davon Gebrauch machte. Ich ließ ſie den Tag vor dem Fuͤttern einquellen, und dann unter das Ge⸗ ſchnittene mit Haͤckſel und Sied angemengte Kartoffel⸗ und Ruͤbenfutter miſchen, hierauf die ganze Maſſe mit Oelku⸗ chentrank anfeuchten, und ſo den Kuͤhen vorlegen. Dieſe ſuchten begierig die Bohnen und ſchienen ſich vorzuͤglich wohl bey dieſem Futter zu befinden. Ich glaube bemerkt zu ha⸗ ben, daß 1 Scheffel Bohnen 5 Scheffel Kartoffeln voͤllig gleich zu ſetzen ſey. Es verlohnt ſich alſo wohl der Muͤhe, all⸗ 569 alljaͤhrlich ein Stuͤck Land blos zu Futter fuͤr das Rindvieh damit zu beſtellen.“ Bey den Pferden, Schafen und Schweinen iſt das Ein⸗ weichen ganz uͤberfluͤſſig, und bey beyden erſten Thierarten wahrſcheinlich eher nachtheilig als vortheilhaft. Meiſt wirft man ſie den Pferden und Schafen im Stroh, alſo un⸗ ausgedroſchen, vor, wo leztere ſelbſt die dicken Staͤngel nicht verſchmaͤhen.„Ich kenne, ſagt der wuͤrdige Veteran der Mecklenburgiſchen Landwirthſchaft, der Geheime Hofrath und Profeſſor Kariſten, kein beſſeres Fuͤtterungsmittel fuͤr Pferde. Ein kahl abgeſtrichener Scheffel Bohnen giebt ihnen mehr Kraͤfte als zwey gehaͤufte Scheffel Hafer. Im Anfange habe ich allerley Verſuche damit gemacht. Ich ließ ſie ſchro⸗ ten, abg das war mir zu gefaͤhrlich und auch zu koſtbar. Ich ließ ſie einweithen, aber die Pferde wollten ſich nicht daran gewoͤhnen. Es ſchien, als wenn ſie ihnen nicht aus den Zaͤhnen heraus wollten. Endlich ließ ich ſie trocken mit Haͤckerling verfuͤttern, und nun fraßen ſie dieſelben mit der groͤßten Begierde. Ich habe die dreyjaͤhrigen Fohlen gleich meinen uͤbrigen ſtark arbeitenden Pferden mit Bohnen gefuͤt⸗ tert, und ſie blieben eben ſo gewandt und leichtfuͤßig wie bey dem beſten Hafer.“ „In dieſem traurigen Jahre— 1806— da der Rocken uͤberall mißrathen iſt, geben mir die Bohnen ein vortreff⸗ liches Surrogat zum Brodkorn. 3 Theile Rocken und 1 Theil Bohnen geben ein Mehl, wovon man ein uͤberaus lockeres, weit ſchoͤneres und ſchmackhafteres Brod erhaͤlt, als vom Rockenmehl allein. In eben dieſem Verhaͤltniß verbeſſern die Bohnen auch das Weitzenmehl, das durch dieſe Mi⸗ ſchung nicht nur zu allen Kochereyen, ſondern auch ſelbſt v. Schwerz Anleit. z. prakt. Ackerbau. MI. Bd. 24 370 zum feinſten Backwerk, weit ſchoͤner wird, und laͤnger vor⸗ haͤlt, als vom beſten Weitzen. Ich werde alſo in Zukunft dieſe Miſchung, ſowohl unter Rocken als Weitzen beybehal⸗ ten*5.“ „Das ausgedroſchene Bohnenſtroh iſt Pferden, Rind⸗ vieh und Schafen eine Leckerſpeiſe. Erſtere verzehren es bis auf die dickſten Staͤngel. Ich laſſe alles Bohnenſtroh mit anderm Stroh ſchneiden und gebe es den Kuͤhen, die ſich ſehr wohl dabey befinden.“ Nur von Inſekten beſchmuztes, vom Roſt befallenes, durch langes Stehen auf dem Felde und ſchlechte Witterung ſpaͤt nachgereiftes Bohnenſtroh hat bey der Fuͤtterung keinen Werth. Fuͤnfter Abſchnitt. Fitzbohnen. Zwergbohnen, phaseolus nanus, keiner Stuͤtze beduͤr⸗ fende Schminkbohnen, kommen zwar nur an wenig Orten auf freyem Felde vor, ſind aber demungeachtet ein wuͤrdiger Gegenſtand der Landwirthſchaft, und verdienen als ſolcher hier einer Erwaͤhnung. Nichkt leicht laͤßt ſich ein ſchlechter ſandiger Boden hoͤher, als durch ſie, benutzen. Man hat eine große Menge Abarten von Bohnen, un⸗ ter welchen wohl die weißen, als die ſchmackhafteſten, am meiſten im Gebrauche ſind. Ihr Ertrag iſt aber mehr als *) In Wuͤrtemberg werden die Bohnen von den Beckern geſucht und geſchaͤzt.U 371¹ der der gefaͤrbten gefaͤhrdet. Unter dieſen zieht Burger die mit roth geſprenkten faſt runden Koͤrnern vor. Dieſe Abart waͤchſt ſehr ſchnell und traͤgt viele und große Schoten. Die ich im Elſaß und am Rheine bauen ſah, war nur immer die weiße..; Die Faſeolen lieben ein reines, trocknes, muͤrbes, et⸗ was gebundenes, beſonntes Land. Indeſſen verſchmaͤhen ſie weder den duͤrren Sand⸗ noch den Thonboden, mit dem Un⸗ terſchiede, daß ſie auf jeuem oft von der Duͤrre, auf die⸗ ſem noch oͤfter von der Naͤſſe leiden. Da ſie friſch aufge⸗ brachten Dung nicht moͤgen: ſo muß man bedacht ſeyn ih⸗ nen eine Stelle anzuweiſen, die noch alte Bodenkraft ent⸗ haͤlt, oder eine ſolche, worauf der Dung einige Mal durch⸗ pfluͤgt worden iſt; ob ſie gleich ſeiner auch gaͤnzlich entbeh⸗ ren koͤnnen. Viel beſſer, als Naͤſſe und Kaͤlte, koͤnnen die Bohnen Trockenheit und große Hitze vertragen, wenn ſie nur waͤh⸗ rend ihrer Bluͤthezeit ſich einiger friſchen Witterung zu er⸗ freuen haben. Dagegen iſt ihnen ein naſſer und kuͤhler Som⸗ mer zuwider, und Fruͤh- wie Spaͤtfroͤſte ſind ihr Tod. Ihr Anbau bleibt alſo immer etwas gefaͤhrdet. Sie ſollen den Boden wenig erſchoͤpfen, und doch hal⸗ ten Einige ſie fuͤr keinen guten Vorgaͤnger zum Getreide. Die Zwergbohnen werden entweder fuͤr ſich allein, wel⸗ ches ſelten, oder zwiſchen andern Fruͤchten, welches oͤfter vorkoͤmmt, gebaut. Als niedere, wenig Anſpruͤche machende Gewaͤchſe ſind ſie uͤberaus geeignet, die Raͤume auszufuͤllen, welche man zwiſchen hochaufgehenden, einer beſondern Pflege beduͤrfen⸗ den, Gewaͤchſen zu laſſen genoͤthiget iſt, wie bey Mais, 57² Mohn, Topinamburs, Kohl u. ſ. w. Hier behelfen ſie ſich auch mit dem kleinſten Plätzchen, ohne ihre gaſtfreyen Nach⸗ baren auch nur im geringſten zu beeintraͤchtigen. Ihren Nutzen, wenn man ſie zwiſchen dem Mais anbringt, haben wir ſchon bey lezterm angegeben. Im Elſaß, wo man die Zwergbohnen auch fuͤr ſich al⸗ lein anbaut, geht man folgender Maaßen zu Werke. Das Feld wird vor Winter zum erſten, zu Ende Maͤrz zum zweyten, und in der Mitte Aprils zum drittenmal gepfluͤgt. Darauf wird gewalzt. Miſt wird nicht aufgebracht. Ende Aprils wird zur Saat gepfluͤgt, und die Bohnen gleichzei⸗ tig in die Erde gebracht. Man ſezt bey dem lezten Pfluͤgen den Pflug ſo an, daß der damit ausgeſtochene Schnitt nicht feſt an den vorhergehenden angeworfen werde, wodurch ſich dann einiger Maaßen Rillen bilden, in welche die Bohnen eingeworfen werden. Der Saͤer laͤßt, im Gehen der Furche entlang, bey jedem kleinen Schritt 5— 6 Bohnen auf jede Stelle fallen und tritt mit dem Fuß darauf. Die Zeilen fallen einen Fuß, die Bohnenhoͤrſte aber anderthalb Fuß von einander. Zulezt wird geſchleift, auch nach Umſtaͤnden noch leicht gewalzt. Man bedarf 1,5 Hektoliter Saamen auf den Hektar. Wann die Bohnen mit dem Laube etwas uͤber der Erde ſind, werden ſie zuerſt mit einer breiten, und ſpaͤter mit einer ſchmalern Haue behackt und zugleich ein wenig angehaͤufelt. Da der Feldbau der Zwergbohnen wenig bekannt iſt, ſo erlaube ich mir zur Vervollſtaͤndigung dieſes Gegenſtandes hier das anzufuͤhren, was uns Reichart daruͤber fuͤr Erfurt hinterlaſſen hat, und wir von Bambergs Gegend wiſſen. „Man bringt, ſagt Reichart, die kleinen Schminkboh⸗ 373 1 nen in die Brachaͤcker. Dieſe werden im Spaͤtherbſte tief umgeackert, und dann mit der großen Egge uͤberzogen. Zu Ende Aprils, wo keine Froͤſte mehr zu beſorgen ſind, wer⸗ den mit einer kleinen Haue in einer Entfernung von einem halben Fuß 2—3 Zoll tiefe Gruͤbchen angefertigt, und in jedes 3— 4 Bohnen, jedoch ſo, daß ſie ſich nicht beruͤhren, eingelegt. Darauf wird mit der breiten Haue zugeſcharrt.“ „Manche laſſen auch erſt im Fruͤhjahr tief pfluͤgen, eggen und die Bohnen auf die beſchriebene Weiſe ſogleich le⸗ gen. Allein faͤllt dann kein Regen, und es treten duͤrre und austrocknende Winde ein: ſo bleibt der Boden zu locker und hohl, ſo daß die Bohnen zum Theile vermodern.“ Fuͤr eine zweckmaͤßigere Beſtellungsart haͤlt Reichart fol⸗ gende: das Land wird im Spätherbſte recht tief(mit 3—4 Pferden) auseinander gepfluͤgt und bleibt ſo bis zur Zeit der Be⸗ ſtellung im Fruͤhlinge liegen. Nun pfluͤgt man in recht ſchma⸗ len und ſeichten Furchen zuſammen, und zettelt in jede zweyte Furche die Bohnen einzeln hinein, ſo daß alle halb oder drey viertel Fuß eine zu liegen koͤmmt. Damit das Geſpann nicht aufgehalten wird, werden 2—3 Perſonen zum Einwer⸗ fen der Bohnen erfordert. Nach vollbrachter Saat wird das Land mit der Egge uͤberſtrichen. Da die Schnitte ſchmal gehalten werden, und von zwey Furchen nur eine beſaͤet wird: ſo werden die Zwiſchenraͤume der Zeilen 1 ¼ Fuß breit. Ein ſo beſtelltes Land wird in der Folge mit einer breiten Haue ein⸗ auch zweymal behackt.„Auf dieſe Art, ſagt Rei⸗ chart, wird der Acker faſt eben ſo gut vom Unkraut gerei⸗ niget, als durch eine Brache, an deren Stelle man dieſe Bohnen anzubauen pflegt.“ Als Zwiſchenfrucht anderer Gewaͤchſe theilen ſie mit die⸗ 374 ſen die naͤmliche Pflege, werden gleichzeitig gehand⸗ oder gepferdhackt, wie ſchon bey der Cultur des Maiſes angege⸗ ben worden. Ohne Zweifel wuͤrden ſie alſo, fuͤr ſich allein geſaͤet, die Drillcultur vertragen, wodurch das koſtbarere Handhacken wenigſtens zum Theile erſpart wird. Wenn die Bohnen reif und auf dem Stocke duͤrre ge⸗ worden, werden ſie im Thaue aufgezogen, ein paar Tage liegen gelaſſen, und, wenn ſie trocken, entweder gebunden, oder auch ungebunden auf einem mit einem Tuche uͤber⸗ ſpannten Wagen eingebracht. Selten daß man ſie ſo gleich dreſchen kann. In dem Falle bringt man ſie fuͤr einige Wo⸗ chen auf einen luftigen Boden; oder uͤber den Ueberſprung der Tenne, im Falle er mit Brettern gebodnet iſt; oder man haͤngt ſie auf Stangenwerk, jedoch ſo, daß die aus⸗ fallenden, ohne Verluſt, zuſammengeſcharrt werden koͤnnen. Da die Faſeolen die uͤble Eigenſchaft haben ſich ihrer Koͤrner zu entledigen, ſobald die reifen Schoten naß und wieder trocken werden: ſo gehoͤrt viele Vorſicht dazu, wenn man nicht einen Theil der Aerndte verloren gehen laſſen will. Der Ertrag dieſer kleinen Pflanze iſt nichts weniger als unbedeutend. Stroh und Schoten ſind ein treffliches Futter fuͤr Schafe und Rindvieh. Erſtere laſſen auch nicht das Geringſte davon in der Krippe zuruͤcke. Leztern muß es zu langem Haͤckſel geſchnitten werden⸗ Im Elſaß zieht man das Stroh, mit Inbegriff der Spreuer, eines Bohnenackers dem eines Gerſtenackers vor. Dagegen dienen die Bohnen nicht zum thieriſchen Genuſſe, da, wie Burger verſichert, kein Thier ſie, weder roh noch gekocht, frißt. Auch moͤgten ſie, da ſie im Werthe dem Weitzen gleich geachtet werden, wohl zu koſtbar zur Viehfutterung ſeyn. 375 Der Ertrag dieſer Bohnen iſt oft ſehr groß. Wo ſie im Elſaß fuͤr ſich allein gebaut werden, aͤrndtet man im Durch⸗ ſchnitte 29 Hektoliter vom Hektar, und ihr Ertrag ſteigt manchmal auf 40. Nun aber traͤgt der Weitzen in jenem Lande nicht mehr, daher man auch daſelbſt einen Hektar Bohnen einem Hektar Weitzen gleich ſezt, mit Ausnahme jedoch des Strohes, welches lezterm den Ausſchlag giebt. Burger erhielt drey Jahre hintereinander auf ſehr maͤßig geduͤngten Feldern von in 138 zoͤlligen Reihen geſaͤten Fa⸗ ſeolen............. 16,05 idem............ 20,75 idem....... ,499 Derſelbe zwiſchen den Mais.... 11,77 Einige Landwirthe in Kaͤrnthen auch zwiſchen Mais........ 71, 0 idem............ 49,63 Durchſchnitt im Elſaß der fuͤr ſich allein ge⸗ ſaͤete 29,00 Daſelbſt zwiſchen Mais... 6,00 Das Medium dieſer Angaben waͤre 22,7 Hektoliter vom Hektar; alſo nicht viel weniger als ich fuͤr die Pferdebohnen ausgemittelt habe, und ungleich mehr als die rankenden Schotengewaͤchſe abwerfen. Ich glaube hierbey nichts zum Vortheile der Faſeolen gethan zu haben, da ich ihren Ertrag als Haupt⸗ und Zwi⸗ ſchenfrucht zuſammengeſchmolzen habe, und doch uͤbertrifft ihr Durchſchnittsertrag den eines Weitzenackers gleicher Groͤße. Demnach haben wir, wo es nicht an Abſatz fehlt, keinen landwirthſchaftlichen Gegenſtand, der eine hoͤhere Achtung 376 verdient, und das fuͤr eine Pflanze, die in Bezug, ſowohl auf Boden, als Duͤnger, ſo hoͤchſt genuͤgſam iſt! Sechster Abſchnitt. Buchweitzen, Heidekorn. Eine von Getreide und Schotengewächſen durchaus ab⸗ weichende Pflanze, die aber ihrer mehlhaltigen Koͤrner we⸗ gen, in oͤkonomiſcher Hinſicht, jenen Gewaͤchſen mit Recht beygezaͤhlt wird. Ihre Genuͤgſamkeit in Bezug auf Boden und Dung, ihr ſchneller Wuchs, ihre alle andere Gewaͤchſe uͤbertreffende Eigenſchaft den Boden zu reinigen, und ihr, im Falle ſie einſchlaͤgt, beynahe unglaublicher Ertrag wuͤrde dieſe Pflanze zu einem der wichtigſten Culturgegenſtaͤnde er⸗ heben, waͤre eben dieſer Ertrag nicht ſo ſehr von Wind und Wetter gefaͤhrdet, daher ſo aͤußerſt ſchwankend und ungewiß. Der Buchweitzen erfordert nur wenig Dung. Seine Wurzeln ſind in dem Verhaͤltniß zu andern Gewächſen nur kurz und in geringer Anzahl. Zum Erſatze verſah ihn die Natur an Zweigen und Blättern mit einer Menge Einſau⸗ gungswerkzeugen, durch welche er ſich groͤßten Theils aus der Atmoſphaͤre mit Nahrung verſieht, daher unter allen mehlhaltigen Koͤrnern den Boden am wenigſten erſchoͤpft, ihn mit ſeiner laubigen, blumenreichen Krone uͤberſchattet, und kein Unkraut unter ſich aufkommen laͤßt, alſo mit Recht den Namen einer verbeſſernden Frucht verdienen wuͤrde, hätte ſein Strohertrag nur mehr Werth. Eben jene Eigenſchaft, ſeine Nahrungsſtoffe hauptſaͤch⸗ lich aus der Atmoſphaͤre zu beziehen, iſt auch die Urſache, warum der Buchweitzen mehr als alle andere Gewaͤchſe von 377 den atmoſphaͤriſchen Einfluͤſſen abhaͤngt. So erfordert er im Anfange trockne, warme Witterung, ſpaͤterhin warme Re⸗ gen, in der Bluͤthe ſtille trockne und warme Luft. Dabey iſt er eine fuͤr die Kaͤlte und ausdorrenden Winde empfind⸗ liche Pflanze und mißraͤth daher haͤufiger als die uͤbrigen Getreidarten.„Die Kaͤlte, ſagt Burger, verurſacht weni⸗ ger oft das Mißrathen des Buchweitzens, wie die Oſt⸗ und Nordwinde, wenn dieſe in der Bluͤthezeit eintreten. Mor⸗ genfroͤſte, wobey die Kaͤlte durch ein paar Stunden den Eis⸗ punkt nicht uͤberſteigt, machen blos den Thau auf der Pflanze erfrieren, nicht aber die in den Gefaͤßen derſelben vorfindige Feuchtigkeit, und ſind von keinem bedeutenden Nachtheil, wie ich mich oft uͤberzeugte; aber die ausdorren⸗ den kalten Winde machen die Befruchtungswerkzeuge ver⸗ ſchrumpfen, und verurſachen ſichern Mißwachs. Mangel an Waͤrme und Sonne, waͤhrend der Bluͤthe bringt die gleiche Wirkung hervor.“ Dagegen glaubt Burger nicht an die nachtheilige Wirkung elektriſcher Einfluͤſſe auf dieſe Pflanze. Zur Beſtaͤtigung dieſer Meynung fuͤhrt er die Erfahrung von einem Jahre an. Ich glaube aber, daß ein einzelnes Bey⸗ ſpiel nicht zureiche, um eine ſehr ausgebreitete Meynung umzuſtoßen. Verringert endlich die Wandelbarkeit des Ertrages den Werth einer Pflanze, ſo vernichtet ſie ihn doch nicht, und der Buchweitzen bleibt nicht blos ein theures Geſchenke fuͤr die Sandlaͤnder, zumal fuͤr ſolche, wo das Sommergetreide, wie Hafer und Gerſte, nicht gedeihen will; ſondern es ſollte ſelbſt keine große Wirthſchaft auf gebundenem Boden ſeyn, die nicht wenigſtens ihren Saamenbedarf fuͤr einen Fall der Noth anbauen. Nicht allemal wird man, ungeachtet aller 378 Anſtrengung und zureichenden Kraft, mit der Fruͤhjahrsſaat der mehlhaltigen Koͤrner fertig. Wir erlebten in dem Jahre 1824 davon ein Beyſpiel in Hohenheim, wo durch die lange und ſpaͤte Naͤſſe des Fruͤhlings manche Felder vor dem ſie— benten Junius unzugaͤnglich waren. Wir waren dann froh, daß uns der Buchweitzen das Mittel darbot, ſolche Felder, die zum Theile in geduͤngtem Zuſtande waren, nicht unbe⸗ nuzt liegen zu laſſen. Sollte auch, bey verſpaͤtetem Saͤen, nicht viel aus den Koͤrnern werden: ſo kann die Pflanze als Gruͤnfutter benuzt werden, oder zum Unterpfluͤgen als Gruͤndung dienen, und wird in jedem Falle zur Reinigung des Bodens beytragen. Noch unſchaͤtzbarer iſt der Buchweitzen fuͤr mehr ſuͤdliche Gegenden, wo er als zweyte oder Nachfrucht vorkoͤmmt und als ſolche noch zeitiget.„Wo, ſagt Burger, der Schnitt des Wintergetreides in die erſten Tage des Juli faͤllt und der September keine ſtarken Froͤſte befuͤrchten laͤßt, ſpielt der Buchweitzen als zweyte Frucht eine Hauptrolle.“ Boden. Der Buchweitzen liebt einen trocknen der Sonne ausge⸗ ſezten Boden, der entweder von Natur locker oder es durch Cultur geworden iſt. Daher eignet er ſich auf ſandigen Bo⸗ den, wenn dieſer nur einiger Maaßen in Kraft ſteht. Er gedeiht vortrefflich auf abgebrenntem Moor- oder Torfbo— den, auf umgebrochenen Dreiſchen, die mehrere Jahre zur Weide gelegen haben; auf Rodland nach ausgeſtocktem Ge— hoͤlze. Hochliegende, ebene, trockne Felder liebend, gedeiht der Buchweitzen nicht in den Thaͤlern auf fettem ſtarkem, noch kieſigem oder ſteinigem Boden. Daß er ſich aber nur blos 379 fuͤr ſandige und nicht auch fuͤr mehr gebundene Felder ei⸗ gene, mag in mehr noͤrdlichen Gegenden oder in kaͤltern La⸗ gen zutreffen; nicht aber in waͤrmern, wenn wir den ſtren⸗ gen Thonboden und feuchte Felder ausnehmen. In unausgetorften, mit Binſen, Heid- und Moor⸗ pflanzen beſezten Mooren kann man nichts vortheilhafter bauen als Buchweitzen; vorausgeſezt, daß die Oberflaͤche vorlaͤufig gebrennt werde. Man pflegt in dem noͤrdlichſten Theile von Weſtphalen ſolche Moore acht Jahre hintereinander mit die⸗ ſer Frucht zu beſtellen; aber auch alle Jahre zu brennen⸗ worauf der Boden 20 Jahre liegen bleibt, bevor mit dem Brennen wieder angefangen wird. Der Buchweitzen liefert allda in den erſten vier Jahren die vorzuͤglichſten Aerndten, laßt aber in den vier folgenden betraͤchtlich im Ertrage nach. Stand in der Fruchtfolge. Eine ſo genuͤgſame, den Boden ſo reinigende Frucht kann eben ſo gut auf jede andere folgen, als vortheilhaft ihr vorgehen. Nur muß der Boden ſo gleich nach der Ein⸗ aͤrndtung des Buchweitzens umgebrochen werden, weilen er ſonſt bey eintretender Duͤrre, zum Nachtheil des Rockens, den man in der Regel darauf folgen laͤßt, zu ſehr erhaͤrtet. Nach der Beobachtung eines Holſteiners, geraͤth unter glei— chen Umſtaͤnden der Weitzen in ſeiner Stoppel beſſer, als in reiner Brache, der Rocken wenigſtens eben ſo gut. Sowohl in den Niederlanden als in einem Theile des Juͤlicher Landes iſt es Sitte, den verqueckten Acker ſtark zu duͤngen, und ihn blos zur Reinigung mit Buchweitzen zu beſaͤen. Auch in Norfolk iſt dieſes Verfahren nicht unbe⸗ kannt. Wer aber auf magerem Acker, ohne vorlaͤufiges 38⁰ Duͤngen, ſich einfallen laſſen wollte blos durch Buchweitzen⸗ ſaͤen das Unkraut zu bekaͤmpfen, der wuͤrde mit einer kranken Armee einen geſunden Feind ſchlagen wollen. Man behauptet, daß der Buchweitzen eine ſehr gute Ueberfrucht fuͤr den Klee ſey. Da aber ein gut ſtehender Buchweitzen das unter ihm ſprießende Unkraut erſtickt: ſo duͤrfte vielleicht ein Gleiches fuͤr den Klee zu befahren ſeyn. Oder ſollte Jenes blos von gruͤnabzufuͤtterndem Buchweitzen verſtanden werden muͤſſen? Dun g. Wenn ich dem Buchweitzen das Praͤdicat einer hoͤchſt genuͤgſamen Pflanze beygelegt habe: ſo ſoll das nicht ſo zu verſtehen ſeyn, als wenn er blos vom Winde lebe. Ohne einige Kraft im Boden, oder ohne Nachhuͤlfe mit Dung, wozu der Miſtplaggendung ſehr gut geeignet iſt, kann Buch⸗ weitzen nicht gedeihen. Wird er daher auf ſolche ausge⸗ tragene Aecker verbannt, auf denen ſonſt nichts mehr wachſen will: ſo kann er, es ſey denn daß die Witterung ihn un⸗ gewoͤhnlich beguͤnſtige, nicht in die Hoͤhe, ſezt nur wenig und kleine Koͤrner an, und faͤllt in unverdiente Verachtung. Es bezeichnet aber nur einen ſchlechten Landwirth, der nicht jeder Frucht einen fuͤr ſie paſſenden Ort anzuweiſen, und den Grad von Kraft beyzulegen ſucht, deſſen ſie zu ihrem vollkommenen Gedeihen bedarf. Es trifft ſich dann, daß der elende Ertrag nicht einmal die darauf verwendeten elenden Koſten lohnt, und zwar eben darum, weil dieſe ſo elend ſind. „Wo, ſagt der treffliche Burger, der Buchweitzen als erſte Frucht kultivirt wird, da iſt man uͤberall der Meynung, daß er den Boden nur wenig erſchoͤpfe, und daß der wenige 381 auf ihn verwendete Dauͤnger groͤßten Theils der folgenden Frucht zu gut komme; wo er aber als zweyte Frucht geſaͤet wird, und wo man ihn nicht duͤngen darf, weil er dadurch zu lange wachſen und zu ſpaͤt einkoͤruen wuͤrde, da hoͤrt man haͤufig die Meynung, daß er den Boden ſtark angreife und einen gewaltigen Abfall der nachfolgenden Frucht verur⸗ ſache, was doch der wirklichen Erfahrung zuwider iſt. Im⸗ mer geht aber doch ein Theil des Humus zur Bildung des Buchweitzens auf, und wir ſind nicht geſonnen zu behaupten, daß er blos von Luft und Waſſer lebe; nur meinen wir, daß das, was er vom Boden nimmt, aͤußerſt klein ſey im Verhaͤltniſſe deſſen, was er an organiſcher Subſtanz hervor⸗ bringt, und daß er mehr, wie die grasartigen Getreidear⸗ ten, Luft und Waſſer in organiſche Form umzuſtalten faͤhig ſey. Wenn Waͤrme mit oͤfterem Regen abnechſelt, ſo pran⸗ gen die oͤdeſten Aecker mit Buchweitzenpflanzen, und verleiten den Unkundigen, dieſe Erſcheinung der Kraft des Bodens zuzuſchreiben, die oft nicht mehr hinreicht, eine lohnende Haferaͤrndte hervorzubringen.“ Endlich bleibt es auch eine unrichtige Speculation zum Buchweitzen nicht duͤngen zu wollen, in ſoferne man Dung dazu hat; da dieſes alsdann nothwendig zu dem darauf fol⸗ genden Wintergetreide geſchehen muß, wozu es oft au Zeit fehlt, oder wodurch die Beſtellung dieſes leztern verſchoben, oder ſchlecht vollfuͤhrt wird. Dabey kanun nur der gut be⸗ ſtandene alſo geduͤngte Buchweitzen das Feld reinigen; nur er durch ſeine Ruͤckſtände dem Boden einigen Erſatz fuͤr die entzogene Kraft geben; daher nur er der folgenden Frucht mit Nutzen vorarbeiten. So lehrte die Erfahrung, daß ge⸗ rade jene Aecker, welche die ſtaͤrkſte und vollkommenſte Buch⸗ 382 weitzen⸗Aerndte gaben, ſich auch bey der folgenden Rocken⸗ aͤrndte am ergiebigſten bewieſen. Feldbearbeitung. Nachlaͤſſige Wirthe pfluͤgen zum Buchweitzen nur ein⸗ mal, oder zweymal, in ſoferne ſie Dung haben. Hier zeigt ſich denn ſchon ein ſehr merklicher Unterſchied, indem das auf lezte Art zubereitete Feld nicht ſelten den zweyfachen, ja drey⸗ fachen Ertrag giebt, als das blos einmal gepfluͤgte magere. Nur dann, wenn man den Buchweitzen als Nachfrucht baut, mag man es Kuͤrze der Zeit wegen bey einer Fahre bewenden laſſen. Dieſe, oder die eigentliche Stoppelfahre muß unge⸗ ſaͤumt gegeben werden, ſo wie das Getreide das Feld ge⸗ raͤumt hat; damit der mit Stoppeln durchflochtene Boden Zeit gewinne, ſich vor der Buchweitzenſaat zu ſetzen. Der Buchweitzen erfordert, wenn er gehoͤrig gebaut werden ſoll, drey Pflugarten. Eine tiefe vor Winter, wobey der Acker rauh bis ins Fruͤhjahr liegen bleibt. Nach der Haferſaat wird zum zweytenmal, und zur Zeit der Buch⸗ weitzenſaat zum drittenmal gepfluͤgt. Mit dieſer lezten Pflug⸗ art kaun der Saamen zugleich untergepfluͤgt werden, im Falle man nicht vorzieht ihn einzueggen. Das Pfluͤgen vor Winter iſt auf thonigem Boden unerlaͤßlich, auf Sandboden hinge⸗ gen moͤchte es weniger wichtig, manchmal ſelbſt nicht an⸗ rathſam ſeyn. Auf Neubruch wird der Buchweitzen am vortheilhafteſten einfährig beſtellt; voraus geſezt, daß man der umgelegten Narbe Zeit gelaſſen habe, ſich zu ſetzen, wie ſolches auch bey Weitzen und Dinkel beobachtet werden muß. In Norfolk macht man in der Feldbereitung keinen Unterſchied zwiſchen Buchweitzen und Gerſte. Man ent⸗ 383 ſchließt ſich daſelbſt jenen zu ſaͤen, wenn der Boden zu un— rein fuͤr dieſe iſt. Saͤet man aber Buchweitzen, um ihn nachher als Gruͤndung unterzupfluͤgen, ſo giebt man ſich mit Recht ſo viele Muͤhe nicht, und pfluͤgt nur einmal. In Flandern wird drey⸗, ja viermal gepfluͤgt. Das lezte Pfluͤgen geſchieht tiefer, als bey den vorhergehenden Pflugarten geſchehen iſt, um dadurch ſolchen Boden zur Hoͤhe zu bringen, der ſeit mehreren Jahren nichts getra⸗ gen hat. Um den thonigen Boden vorlaͤufig zu muͤrben, duͤrfen Egge und Pflug nicht geſpart werden. Saatzeit und Einſaat. Die beſte Zeit zur Saat iſt die lezte Woche des Mais, und die erſte des Junis. Indeſſen laͤßt ſich auch acht Tage fruͤher anfangen, ſo wie acht Tage ſpaͤter endigen. Es bil⸗ det alſo der Buchweitzen die lezte in der Reihe der Fruͤhlings⸗ Einſaaten, welches kein kleiner Vortheil iſt. Nach Burger iſt es eine allgemeine Erfahrung, daß der fruͤhgeſaͤete zwar groͤßere Pflanzen, der ſpaͤtere aber eine reichere Koͤrneraͤrndte gebe. In etwas kalten Lagen darf die Saat nicht bis zur Haͤlfte des Junis verſchoben werden; dagegen wird in waͤr⸗ mern Gegenden der Buchweitzen als Nachfrucht in der lezten Haͤlfte des Juli in die Erde gebracht.— Ein ſanfter Regen iſt zur Saatzeit ſehr willkommen. Das Saatquantum bey dem Buchweitzen iſt nur ſehr geringe. Man nimmt nicht mehr als die Haͤlfte des, was man an Rocken nehmen wuͤrde; denn jene Frucht traͤgt keine aufrecht ſtehende Aehren, ſondern bildet eine aͤſtige Krone, der, wenn ſie zu ſtark mit ihren Nachbaren zuſammenwaͤchſt, es an Raum und Licht gebricht, ihre Saamen gehoͤrig aus⸗ zubilden. Man ſaͤet auf den Hektar: in Flandern)). 75 Liter. ebendaſeltt).. 50— in Brabantt„ 60— in der Maasgegend.... 30— in Englanndn)· 39— daſelbſt.... 134— in Käruthen..„142— Burger mit dem Saͤekaſten. 95— Eine Ausſaat von 10) fand er zu ſtark. in Wuͤrtembeg. 140— nach v. Witten hoͤchſtens.... 106— Demnach laſſen ſich im Durchſchnitte 97 Liter fuͤr den Hektar annehmen. Dieſe Einſaat iſt fuͤr wohl zubereiteten Boden immer noch zu ſtark, und thut mehr als die Haͤlfte der Rockeneinſaat, die nur 90 Liter betraͤgt. Pflege und Vegetation.*) Der Buchweitzen bedarf durchaus keiner Pflege, dagegen verdient ſeine Vegetation, ſo verſchieden von der aller uͤbri⸗ gen Culturgegenſtäͤnde, einige Beachtung. Tritt bald nach der Saat Regen ein: ſo kommen nach 10— 14 Tagen an einem gruͤnen, braunen oder rothen Haͤlm⸗ chen einige gruͤne Blaͤttchen zum Vorſcheine, deren ſich, je hoͤher der Halm treibt, immer mehrere, ſo wie auch 3— 6 *) Vergleiche Annalen der wuͤrtembergiſchen Landwirthſchaft II. Band. IV. Heft, Seite 587. 385 3— 6 oft 10 Aeſte, und zwiſchen den Blaͤttchen die Bluͤthen anſetzen, bis der Halm nach Verlauf von 5—6 Wochen eine Hoͤhe von 2—4 Fuß erreicht. Der Bauer im Wuͤrtemberg'ſchen nennt die Nebenaͤſte Geſtreu, daher ſein Ausdruck:„Heuer hat das Welſchkorn ein rechtes Geſtreu!“ ſo viel ſagen will: als heuer ſieht man einer ergiebigen Buchweitzenaͤrndte ent— gegen. Der Buchweitzen zeichnet ſich durch den Reitz und die Farbenmiſchung ſeiner Bluͤthen vor allen andern Getreidearten aus. Sie gehn auf einigen, und zwar den meiſten Staͤngeln von der Milchweiße in die Schneeweiße; auf andern von dem Hochrothen in das ſchoͤnſte Roſenfarbe und den feinſten Carmin uͤber. Die Bienen finden an der Bluͤthe mehr als eine bloße Augenweide, und ſuchen ſie aus großen Entfernungen heim. Anhaltendes Regenwetter iſt der erſten Bluͤthe hoͤchſt ſchaͤdlich, weil dadurch die in ihr enthaltenen Koͤrnchen taub werden. Eben ſo wenig kann ſie anhaltende Duͤrre vertra— gen; ſondern verlangt abwechslend Regen und Trockenheit. Die zweyte Bluͤthe, die nur wenig Tage nach der erſten eintritt, leiſtet nur im Fall der guͤnſtigſten Witterung einigen Erſatz fuͤr den Ruͤckſchlag der erſten. Die dritte 10—14 Tage ſpaͤter eintretende Bluͤthe koͤmmt nie zur Reife. Man haͤlt es fuͤr ein gutes Zeichen des Gedeihens des Buch— weitzens, wenn ſeine Bluͤthe mehr ins Weiße als ins Roͤth⸗ liche ſpielt. So wie nun die Bluͤthen abfallen, ſetzen ſich hellgruͤne, weiche, dreyeckte Koͤrnchen an, die nach und nach dunkel— gruͤn und haͤrter, und wenn ſie die Reife erreichen, ſchwarz oder ſchwarzroth und ganz hart werden. Der ſchneeweiße Kern ſteckt in dieſer harten, den Buͤcheln aͤhnelnden, Schale, v. Schwerz Anleit. z. prakt. Ackerbau. II. Bd. 25 386 die ſich jedoch, wenn ſie nur gehoͤrig gedoͤrret unter den Mahlſtein gebracht wird, ſehr leicht und gerne von ihrem mehligten Inhalte trennt. Aerndle. Die Reife des Buchweitzens erfolgt ungleichzeitig, wie die Entwickelung ſeiner Bluͤthe. Man findet an demſelben Zweiglein Koͤrner von allen Farben, ja ſogar noch Bluͤthen. Auf das Reifwerden der hellgruͤnen Koͤrner warten wollen, hieße den braun- und ſchwarzgefaͤrbten entſagen. Man darf alſo eine allgemeine Zeitigung nicht abwarten; ſondern muß ſchneiden, wenn die meiſten Koͤrner eine dunkle Farbe ge— wonnen haben, und der darin befindliche Kern nicht mehr in der Milch iſt, und ſich brechen laͤßt. Das halbzeitige reift noch nach, oder faͤllt in der Scheune unter das nuͤtz⸗ liche Buchweitzenkaff Die Aerndte tritt ein Ende Auguſts oder Anfangs Septembers. Das Geſchnittene bleibt einige Tage zum halbtrocknen liegen, wird dann in ſehr duͤnne Buͤſchel gebunden. Dieſe werden zur voͤlligen Austrocknung, je zwey und zwey gegen⸗ einander angeſtellt. Der Regen ſchadet ihm ſo nicht leicht, und das Ausfallen der Koͤrner wird dadurch vermindert. Nach den Umſtaͤnden bleibt der Buchweitzen 2—3 Wochen ſtehen, damit er ſo trocken werde, um von dem Wagen weg abgedroſchen werden zu koͤnnen. Wollte man ihn ein⸗ banſen, ſo wuͤrde ſolches ſelten von gutem Erfolge ſeyn, indem das Stroh einer Frucht, die nur vor und nach reift, nicht wie das des Getreides auf dem Fuße dorret. Das Stroh wuͤrde in der Scheune ſchimmlich und ganz unbrauchbar werden; obgleich ſolches dem Korne nicht zum Nachtheile gereicht, wie vieljaͤhrige Erfahrungen bewieſen haben. —.,— Ertrag. Kein Ertrag iſt ſchwankender als der des Buchweitzens. Bald voͤllige Mißaͤrndte, bald unglaublicher Ertrag. Man zählt nach den Jahren und nach der Behandlung 30— 60— 90— 120 bis 200 Koͤrner auf jedem einzelnen Stamme. Ein Ungenannter in den wuͤrtemberg'ſchen Annalen zog 1819 drey Halme aus und zaͤhlte auf dem einen 197, auf dem andern 285 und am dritten 307 Koͤrner. Dagegen wurden von ihm im Jahre 1818, wo die erſte Bluͤthe durch die zu lange anhaltende Duͤrre ganz verlohren gieng, am ſtaͤrk— ſten Halme kaum 6—8 Koͤrner gefunden. Aus dieſer unſicherheit geht hervor, daß man in Ge⸗ genden, wo der Buchweitzen ſtark geſucht wird, ſehr wohl daran thue, in guten Jahren Vorraͤthe auf die Mißjahre aufzubehalten. Burger giebt das Schwanken des Buch⸗ weitzenertrages von. 13 zu 43 Hektoliter vom Hektar an. In Brabant hat man...... 36— 49 In Flandern........ 25— 30 An der Maas...... 24 Allein das reicht nicht zu, um einen Durchſchnitt darauf zu gruͤnden, der uͤberdem bey einer ſo unſichern Frucht zu nichts fuͤhren wuͤrde. Der von 25 Hektoliter moͤchte allen— falls einigen Anhalt gewaͤhren. Moehr gefährdet, daher noch unſicherer, iſt der Ertrag des Buchweitzens als zweyte Frucht. Merkwuͤrdig ſind hier⸗ uͤber die Erfahrungen Burgers. Er aͤrndtete von einem Hektar Buchweitzen, den er in den Rockenſtoppeln anbaute: 333 1804.... 10 Herkol. 18⁰5 gaͤnzlicher Mißwachs 1806....... 1,9— 1307...... 11,9— 1809.... 1.. 17,5— 1811...... 126,6— 1812........ 8,6— 1813... 9,6— 1814.....3.,2— 13145...... 1,6— 1316... ,6— 131.. 1..... 22,8— 1818...... 23,5— 1819.. 16,0— Durchſchnitt. 11 Hektoliter vom Hektar. Man duͤrfte dabey auf 1000 Kilogramme Stroh, und beym Buchweitzen als erſte Frucht auf 2400 rechnen. Werth und Verwendung. Der Buchweitzen hat nach den Jahren ſeines Gerathens, oder dem Verbrauche, zu welchem er geſucht wird, bald den Preis des Rockens, bald den der Gerſte; gewoͤhnlicher doch wohl den der leztern, da er zum Verbacken als Brod nicht taugt. Leute, die an ſeinen Genuß gewoͤhnt ſind, behaupten, daß ſie nichts mehr bey der Arbeit kraͤftige, als Buchweitzen. Er giebt eine vorzuͤgliche Gruͤtze(Gries, Grau⸗ pen). Buchweitzen, der auf den Hoͤhen aufgewachſen, ver⸗ dient den Vorzug vor dem aus den Niederungen. Als Maſtfutter bey Schweinen, Rindvieh und Gefluͤgel geht er allen andern Koͤrnern vor. Er liefert bey den Schwei⸗ 389 nen das ſchmackvolleſte und geſundeſte Fleiſch, Speck und Schmalz(Federfett). Da er immer ein etwas koſtbares Futter bleibt: ſo nimmt man auf ein Schwein taͤglich nicht mehr als 2¼ Liter Buchweitzen⸗Schroot, gleich 4 ¾ Liter Koͤrner, bruͤhet den Schroot mit heißem Waſſer an und giebt ihn als Zugabe zum gewoͤhnlichem Futter. Oder man ſiedet die Koͤrner bis ſie weich werden, und ruͤhrt 2—3 Haͤnde voll unter das Schweinefutter, wodurch der Abgang des Schrootens zwar vermieden, die Maſtung aber ſpaͤter er⸗ reicht wird. Dem Rindvieh, das man maͤſten will, wird das Korn, nachdem es einige Tage uͤber in kaltem Waſſer aufgeweicht worden, auf die Siede(Kurzfutter auch Bruͤhfutter) ge⸗ ſtreut; oder man laͤßt es, wo Gelegenheit dazu da iſt, un— gedoͤrrt in einer Stampfmuͤhle ſtampfen. Man muß aber bey der Maſtung des Rindviehes vorher uͤberſchlagen, ob man mit dem Vorrathe ausreiche, weil, wenn man damit nicht fortfahren kann, 14 und mehr Tage verlaufen, bis es bey anderm Futter wieder zunimmt. Bey der Verwendung des Buchweitzens zu Pferdefutter, nehmen dieſe Thiere ungemein ſchnell im Fleiſche zu, ſchwi⸗ tzen aber leicht und ſtark bey warmem und beſonders bey heiterm Wetter. „So anerkannt, ſagt Thaer, die guten Eigenſchaften des Buchweitzens ſind; ſo hat man doch auch nachtheilige Einwirkungen von ihm angegeben, und zwar beſonders in Verbindung mit der Einwirkung des Lichtes. Faſt alle Schaͤ⸗ fer verſichern, daß Buchweitzen, in jeder Art gefuͤttert, den Schafen gut bekomme; nur muͤſſe ihnen dann die Sonne nicht auf's Leib ſcheinen, ſonſt bekaͤmen ſie dicke Koͤpfe und — — ———— 390 wuͤrden taumlich; erholten ſich jedoch, ſo bald man damit nachließe.“ Auch die weißen Schweine, mit gruͤnen Buchweitzen gefuͤttert, ſcheinen, in die Sonne gebracht, ungemeine Kraͤmpfe und Schmerzen zu leiden. Der Englaͤnder Hun⸗ ter bemerkt, daß junge Schweine am erſten Tage, wo ſie damit gefuͤttert werden, wie betrunken umherlaufen, wider die Waͤnde anrennen, hinfallen, wieder aufſtehen, und ganz ungewoͤhnlich munter ſind. Er ſchließt daraus, daß man ihnen in den erſten Tagen nur wenig Buchweitzen reichen ſoll. Daß die Koͤrner dem Gefluͤgel ſehr willkommen ſind, und ſolches ſehr gut maͤſten, iſt bekannt. Werden die Kaͤ— ſetheile der Milch hinzugefuͤgt: ſo wird man nicht leicht lecker⸗ haftere Kapaunen, Pularden, Putter u. ſ. w. fuͤr den Gau⸗ men finden, als die welche damit gefuͤttert worden. Bey Huͤhnern ſoll der Buchweitzen das Eyerlegen ſehr vermehren. Faſanen lieben nichts ſo ſehr als dieſe Frucht, und legt man hier und dort in dem Holzgehaͤge einigen Buchweitzen im Stroh: ſo werden dieſe Voͤgel nicht allein ihren Aufent⸗ halt nicht verlaſſen, ſondern es werden ſich auch noch fremde Faſanen herbeyziehen. Ein Hektoliter guter Buchweitzen wiegt 61 Kilogramme, manchmal aber wiegt er ihrer nur 51. Bevor man den Buchweitzen zur Muͤhle bringt, wird er gedorret. Zu dem Ende thut man ihn in den Backofen, ſobald das Brod die⸗ ſen verlaſſen hat. Hier bleibt er bis zur voͤlligen Abdoͤrrung liegen. Durch dieſe Vorrichtung verliert er 25 pCt. an Maſſe. Es bleiben alſo von dem Hektoliter noch 75 Liter uͤbrig. 391 Dieſe geben auf der Muͤhle 24 Liter Gries oder Gruͤtze. Demnach giebt der Scheffel Buchweitzen den vierten Theil ſeines Maaßes an Gruͤtze zuruͤck. Dieſe Gruͤtze bildet eine vortreffliche Suppe, und guten Brey. S t r o h. Da uͤber die Nuͤtzlichkeit und Unnuͤtzlichkeit dieſes Ma⸗ terials die Meynungen nicht einig ſind, ſo glaube ich ihm hier einen beſondern Artikel anweiſen zu muͤſſen. Einige halten das Buchweitzenſtroh fuͤr ein vorzuͤgliches, andere fuͤr ein hoͤchſt mittelmaͤßiges, und wieder andere fuͤr ein ganz ſchlechtes und ſelbſt nachtheiliges Nahrungsmittel fuͤr alle Art von Vieh. Ohne dieſem Gegenſtande ſelbſt eine beſondere Aufmerkſamkeit gewidmet zu haben, glaube ich doch, nicht eine Gegend geſehen zu haben, wo man jenes Stroh zu etwas anders als zur Streue verwende. Es mag vor Allem bey dem Buchweitzenſtroh, ſo wie bey jedem Stroh viel darauf ankommen, unter welchen Um⸗ ſtaͤnden es aufgewachſen, was fuͤr Wetter es nach der Aerndte gehabt hat, wie man es auf dem Felde behandelt und bey dem Einheimſen, oder nach dem Abdruſche aufbewahrt hat. Da dieſes alles nun nach den Gegenden oft ſehr verſchieden: ſo muß nothwendig auch der Nutzen verſchieden ſeyn, der aus ſeiner Verwendung hervorgeht. „Wird der Buchweitzen, ſagt ein Wuͤrtemberger, wie das Gras weggemaͤht: ſo koͤmmt alles ſo untereinander, daß das Stroh auch bey dem heißeſten Wetter nicht aus⸗ trocknet, und zu nichts anderm als zur Streue fuͤr das Vieh benuzt werden kann. Noch lehrt die Erfahrung, daß 39² auch die ſorgfaͤltigſte Behandlung in manchen Jahren die Be⸗ nutzung des Strohs unmoͤglich macht, ungeachtet es ein gar kraͤftiges Futter iſt, wenn es duͤrr eingeheimſt und dem Vieh als Haͤckſel gereicht wird. In dem Falle wird es von dieſem jedem andern Strohfutter vorgezogen, und weder Heu noch Grummet in den Raufen von ihm beruͤhrt, bevor es das Haͤckſel aus den Krippen gefreſſen hat.“ „Das Buchweitzenſtroh, ſchreibt v. Boͤn ninghauſen, welches man an vielen Orten nicht achtet, wird in Twente zur Fuͤtterung dem Rockenſtroh vorgezogen. Die Urſache da⸗ von liegt vielleicht in dem uͤppigern und blaͤtterreichern Wuchs, den dieſe Frucht an andern Orten, wo ſie in ein ausgetragenes Feld koͤmmt, nicht hat, und weil ſie faſt nie bis zur Zeitigung aller Koͤrner ſtehen bleibt.“ Im Luͤneburg'ſchen und Bremiſchen iſt, nach Zeugniß von Thaer, Buchweitzenſtroh die Hauptfuͤtterung des Vie⸗ hes im Winter.„Daß die Kuͤhe, ſagt ein Holſteiner, nach dem haͤufigen Genuß des Buchweitzenſtrohes, wenn es an⸗ ders gut einkam, haͤufig verkalbten, wie man dieſes Stroh beſchuldigen will, hat man hier zu Lande nicht bemerkt.“ Dagegen erklaͤrt ſich v. Witten entſchieden gegen das Buchweitzenſtroh.„Daß, ſagt er, der Genuß dieſes Stro⸗ hes, das in feuchtem Zuſtand eingebracht war, vie⸗ len Thieren das Leben gekoſtet hat, iſt wohl eine ausge— machte Wahrheit. Es zeigt aber auch voͤllig ausgetrocknetes Stroh, ſo wie die Huͤlſe der Saamen, verdaͤchtige Wirkun⸗ gen. Das Milchvieh laͤßt bey dem Genuſſe deſſelben ſchnell von der Milch ab, und Schaafen ſchwellen die Koͤpfe an.“ Lezteres wurde ſpaͤter hin in den Moͤglin' ſchen Annalen durch einen ſchleſiſchen Landwirth beſtaͤtiget. Eine Verminderung 393 der Milch hat zwar ein anderer Landwirth nicht wahrgenom⸗ men, wohl aber eine ploͤtzliche Verminderung des Rahms, der ſich nur mehr von der Dicke eines Kartenblattes uͤber der Milch anſezte, welche Verminderung verſchwand, ſo bald man ſtatt des Buchweitzenſtrohes nun Haferſtroh fuͤt⸗ terte, dann ſogleich wieder eintrat, als von neuem zu er⸗ ſterm uͤbergegangen wurde. Noch will man beobachtet ha⸗ ben, daß, wenn geſcheckte Kuͤhe anhaltend mit Buchweitzen— ſtroh gefuͤttert werden, ſie einen raudigen Cſchorfigen) Aus— ſchlag an allen weißen, aber nicht an den braunen und ſchwarzen Flecken bekommen, daher auch ganz dunkelgefaͤrbte Kuͤhe ganz frey davon bleiben. Auch die Erfahrungen des Herrn Petri bey der Schaf⸗ fuͤtterung ſind ſehr zum Nachtheile dieſes Strohes ausgefal— len.„Mir ſind Faͤlle bekannt, ſpricht er, wo durch un⸗ vorſichtiges Futtern deſſelben halbe Schaͤfereyen zu Grund gegangen ſind, und mich ſelbſt hat nahmhafter Schaden be⸗ troffen, ehe ich mit ſeinen gefaͤhrlichen Wirkungen durch ei— gene Beobachtungen bekannt wurde.“ Petri räth deßhalb an, das Buchweitzenſtroh nur kurze Zeit, hoͤchſtens 3—4 Wo⸗ chen, und zwar nur bey der ſtrengſten trockenen Kaͤlte zu verfuͤttern. In Weſtphalen ſah ich das Buchweitzen-Kaff den Schwei⸗ nen bey dem Anfange der Maſtung geben. Der tartariſche Buchweitzen, polygonum tartaricum, der vor mehreren Jahren zum Anbau anempfohlen worden, verdient dieſe Empfehlung nicht. Sein Ertrag koͤmmt dem des gewoͤhnlichen Buchweitzens nicht gleich. Seiner ſcharfen 394 Ecken wegen iſt er ſchwer zu enthuͤlſen. Der Abgang dabey iſt ſtaͤrker, und ſein Mehl ſoll einige Bitterkeit beſitzen. Da— gegen ſoll er etwas weniger empfindlich gegen den Froſt ſeyn. Ich fand nicht ſelten einzelne Staͤmme dieſes Buchweitzens unter dem gewoͤhnlichen, wovon er ſich durch einen ſtaͤrkern Reichthum von blaßgruͤnen Blaͤttern, kleinen gruͤnlichen Bluͤ⸗ then und ſcharfeckigen Koͤrnern unterſcheidet. Praktiſcher Ackerbau. Fuͤnfte Abtheilung. Anbau der Futterpflanzen. Anbau der Futterpflanzen. Vorwort. Zugetheilt den Menſchen und den Thieren ward die Erde. Damit aber keiner der Betheiligten den andern in dem Ge⸗ nuſſe derſelben bedrängen moͤgte, ward angeorduet: daß ei⸗ ner ohne den andern nicht wohl, und die Menſchen, als die maͤchtigeren, gar nicht ohne die Thiere beſtehen ſollten. Ohne dieſe wuͤrden jene nur ſchlecht und kuͤmmerlich genaͤhrt, die Erde nur ſchlecht in kleinen Parzelen angebaut, aͤrmlich geduͤngt und daher wenig fruchtbar ſeyn; ohne die Obſorge der Menſchen wuͤrden die Hausthiere, als die nuͤtzlichſten von allen, nur in ſehr geringer Anzahl, und nur in eini⸗ gen wenigen Gegenden, vorhanden ſeyn. Wunderbare Ver— kettung! heilige Bande, geflochten durch wechſelſeitiges Be⸗ duͤrfniß! Ehrwuͤrdiges Ganze, das ohne Schaden ſeiner be⸗ ſtehenden Theile nicht getrennt werden darf! Und ſo wollte es die goͤttliche Vorſehung, daß aus den Maͤngeln der Einzelnen die Fuͤlle fuͤr Alle hervortreten ſollte! Durch Kraut und Gruͤn, womit ſich die Erde, wie von ſelbſt, deckte, ward fuͤr die Thiere zuvoͤrderſt geſorgt. Fuͤr ſich ſelbſt ſorgen ſollte der Menſch; ihm dabey behuͤflich 398 zu ſeyn, dafuͤr wurden ihm zugeſellt und unterworfen die Thiere. Da von der Freygebigkeit einer hoͤhern Hand fuͤr dieſe ſchon großentheils geſorgt war: ſo hatte der Menſch im Anfange ſich nur wenig um ſie zu bekuͤmmern. Er ge— noß ihrer nur, und ließ den Himmel ſeine Sorge dafuͤr allein fortſetzen. Dieſes geſchah auch, ſo lange die Thiere in dem Genuſſe der Guͤter, welche ihnen die Hand der Natur ſpendete, nicht beengt wurden. Da aber durch die Zunahme der Bevoͤlkerung eine Beſchraͤnkung der natuͤr— lichen Weiden durch den Pflug nothwendig wurde: ſo mußte auch nothwendig die Anzahl der Thiere entweder vermindert, oder durch den Pflug fuͤr ihre Nahrung mitbey geſorgt wer⸗ den. Aus Mangel an beſſern Kenntniſſen entſchloß ſich zu erſterm der Menſch. Durch Brodnoth gezwungen, hatte er einen Theil der groͤßern Weidreviere dem Vieh durch den Pflug entzogen, und dieſes dafuͤr keinen zureichenden Erſatz im bloßen Stroh des Brodkorns gewonnen. Die Viehhal⸗ tung wurde daher verringert, waͤhrend das Beduͤrfniß, wel⸗ ches zu halten, erweitert wurde; denn je weniger Vieh da war, um ſo weniger Dung ward erzeugt, und je mehr der Getreidebau ſich vermehrte, um ſo mehr Dung ward er⸗ fordert. Unmoͤglich konnte die Kraft einer umgelegten Grasnarbe auf die Dauer anhalten, und der Reichthum, den die Na⸗ tur ſeit Jahrhunderten darin aufgeſpeichert hatte, ward in weniger als in eben ſo viel einzelnen Jahren durch den Pflug erſchopft. Nun ſollte Dung beygeſchafft werden, und aus Abgang an Vieh, weilen aus Abgang an Viehfutter, hatte man keinen dem ſich immer mehr und mehr erſchoͤpfenden Acker zu geben. Der allzugierig betriebene Getreidebau 399 gieng alſo zum Theile wieder ein; denn die Erde wollte ihn nicht. Man ließ nun von jeden drey Jahren eines leer aus⸗ ſcheiden, und gewaͤhrte dem Boden, waͤhrend der Ruhe, wo man ihm keine zu entaͤußernden Erzeugniſſe abforderte, einige Zeit, um ſich mit Gras und Kraut zu bedecken, wel⸗ ches untergepfluͤgt dem Boden einigen, wenn gleich kaͤrg⸗ lichen, Erſatz fuͤr die Erzeugung waͤhrend der zwey vorher— gehenden Getreidejahren gab. So entſtand die Brache! Die Brache hatte aber außerdem noch einen doppelten Nutzen; einen, welcher freylich ziemlich unbedeutend iſt: dem Vieh, am meiſten noch den Schaafen, einige Weide zu verſchaffen; und einen andern viel bedeutendern: dem Acker eine vollſtaͤndige Bearbeitung zum Aufſchluſſe ſeiner verhaͤr⸗ teten, den Pflanzenwurzeln ſchwer durchdringlichen Kloͤtte zu geben, und den Boden von einem Heere von Unkraut zu reinigen. Die Brache that daher weit weniger fuͤr den Vieh⸗ ſtand, als den Getreidebau, alſo im Grunde auch fuͤr leztern nicht viel, weilen die Hauptkraft ihm doch aus dem Vieh⸗ ſtand zufließen mußte. Die von Zeit zu Zeit eintretenden Hungerjahre der Vorzeit beſtaͤtigen, wie ich glaube, die Wahrheit des Geſagten. Man fieng alſo wieder an auf das Vieh zuruͤckzudenken, um, fuͤr dieſes mehr ſorgend, auch fuͤr den Acker beſſer zu ſorgen. Von lezterm konnte, oder wollte man nicht gerne etwas zum Beſten des Viehes hergeben; weil der Getreidebau nicht eingeſchraͤnkt werden ſollte oder es nicht durfte. Die Brache aber war nun einmal da, und gehoͤrte dem Getreide nur mehr als Vorbereitung an. Konnte man dieſe nun durch einen kuͤnſtlichen Anbau der Brache erſetzen: ſo war von zwey Seiten, ſo war fuͤr Alles gewonnen. Man hatte 400 mehr Futter, konnte mehr Vieh halten, mehr Miſt erzeugen, den Acker mehr kraͤftigen, und in den beyden Getreidejahren mehr Koͤrner hervorbringen. Die Niederlande waren die große Schule dieſer hehren Verbeſſerung. Durch einen den Bewohnern derſelben eigenen Ackergewerbfleiß, durch Wohlſtand, Lage und andere befliſſent⸗ lich oder zufäͤllig herbeygeleitete Umſtände beguͤnſtiget, waren die Niederlaͤnder ſchon ſeit unkenntlichen Jahren in der Kennt⸗ niß und dem Gebrauche mehrerer Futterkraͤuter, namentlich des rothen Klees, und verdankten ihm den Wohlſtand ihres Ackerbaues. Des Herzogs von Alba Zerſtoͤrungen hatten wenigſtens fuͤr uns das Gute, daß ſie einen Theil der, bis zur Zeit der Reformation friedlichen, Bewohner dieſer Lande aus ihrer Heimath vertrieben; wobey die Auswandernden ihre Ackerbaukenntniſſe, und ihren Kleebau zu den Ufern des Rheines uͤbertrugen, und den Grund zur Verbreitung des leztern uͤber Deutſchland, und wahrſcheinlich auch uͤber England, legten. Segen dafuͤr dem fleißigen, braven nie⸗ derlaͤndiſchen Volke! Indeſſen wirkte das Beyſpiel, nur von ſo Wenigen ge⸗ geben, erſt ſpaͤt und langſam, wie denn uͤberhaupt das Gute, im Gegenſatze von dem Schlimmen, zu thun gewohnt iſt. Man war in Deutſchland noch nicht in der Geſamtkenntniß der Landwirthſchaft ſo weit vorgeruͤckt, daß man den Klee gehoͤrig haͤtte wuͤrdigen, und die ganze Maſchine war zu lahm, als daß ein ſo wirkſames Rad mit Nachdruck haͤtte eingreifen koͤnnen. Dabey war man mit der Aſche, gleich den Niederlaͤndern, zur Belebung des Klees nicht verſehen, und die Wirkung des Gipſes noch unbekannt. Der Kleebau gieng daher ſchon in ſeinem Entſtehen unter, oder wurde nur 4⁰¹ nur von wenig Einzelnen betrieben. Endlich trat er, vor jezt 60— 70 Jahren, aus der Vergeſſenheit hervor, und wurde hoͤchſt wahrſcheinlich durch die Oeſterreich'ſchen Truppen, welche das Kriegstheater der Niederlande gegen das zank⸗ ſuͤchtige Frankreich ſo oft betraten, und obgleich Krieger den auffallenden Nutzen der herrlichſten aller Pflanzen bewun⸗ dern mußten, nach Oeſterreich, Schleſien, u. ſ. w. gebracht, und zu ewigen Zeiten auf deutſchen Boden verpflanzt. Mit einem ganz eigenen Eifer faßte ein thaͤtiger, ſich der Landwirthſchaft ganz hingebender Mann in Sachſen den Lichtſtrahl auf, und ſuchte ihn, gegen Schwierigkeiten und Widerſacher ruͤſtig ankaͤmpfend, durch That, Worte und Schriften zu verbreiten. Dieſer Mann war Schubart, dem Joſeph II. mit Recht den Namen eines Edeln von Kleefeld beylegte, und der bey einigem Unrecht, wozu ihn ſein Enthuſiasmus fuͤr die gute Sache hinriß, ſich ein un⸗ ſterbliches Verdienſt um Menſchen und Thiere erwarb. Waͤh⸗ rend dem predigte Leo, Schubarts Schuͤler, den Kleebau am Rhein und in der Pfalz. Schroͤder der Vater brachte den erſten Saamen 1759 ins Elſaß. Es bedurfte aber noch 20 Jahre, bevor er daſelbſt recht in Aufnahme kam, wozu der Gips, von Meyer von Kupferzell aus verkuͤndet, wohl das Meiſte beytrug. Solche Kaͤmpfe hat das Gute, wenn es neu iſt, zu beſtehen! Hier faͤngt nunmehr eine neue Epoche fuͤr den Ackerbau an. Die bislang als nothwendig erachtete leere Brache wurde umgangen; denn man hatte, womit ſie anfuͤllen; zumal da es unausbleiblich war, daß der menſchliche Geiſt durch die Bekanntſchaft mit einem kuͤnſtlich erzeugten Futter⸗ kraut rege gemacht, nicht auch auf andere, als Surrogate, v. Schwerz Anleit. 3. prakt. Ackerbau. II. Bd. 26 4⁰² verfiel. Die Grundlage war nun da, und nothwendig fuͤhrte ſie die Stallfuͤtterung bey den kleinen, dann bey den groͤßern Wirthen herbey. Man lernte den Weidegang mehr und mehr entbehren; man hatte die Beſchraͤnkung des Grasbaues nicht mehr zu bedauern und Vieh und Acker und Menſchen befanden ſich beſſer bey der neuen Umſtaltung. Aus Abgang an Kenntniß, weilen an Erfahrung, ent⸗ ſtunden bey der Einfuͤhrung der Futterktäuter auch bald Mißgriffe. Die Brache war durch dieſe Kraͤuter zwar benuzt;— und der Acker durch das Erzeugte zur Vermehrung neuer Erzeugniſſe erkraͤftiget; nur aͤußerten ſich dabey zwey große Maͤngel. Der eine, den auch der unverdroſſene Schubart am Ende empfand, daß der Klee ein ſo ſchuelles Wiederkom⸗ men nicht vertragen konnte, zuruͤckſchlug, oder doch be⸗ deutend von ſeiner erſten Ueppigkeit nachließ, ohne daß Gips, Aſche, Salz ihn dagegen ſicheren konnten. Der andere, daß die Reinheit des Ackers gaͤnzlich daruͤber zu Grund gieng. Gegen den erſten Mangel, der doch nur durch uͤbermaͤßig ausgedehnten Kleebau herbeygefuͤhrt werden konnte, waren die Futterſurrogate, wie Wicken, Erbſen, Buchweitzen u. ſ. w. ausreichende Huͤlfsmittel, gegen leztern aber konnte nur zeitweilige Hervorſuchung der reinen Brache, oder ſolcher Fruͤchte, die fleißig behackt und beſchafft werden, helfen. Das Mittel dazu bot ſich dem Landwirthe in den Knollengewaͤchſen und Gewerbspflanzen dar. Erſtere fuͤr den, dem es noch an noͤthigem Futter gebrach, leztere fuͤr den, der zureichend damit, ſo wie mit Miſt, verſehen war; wobey zum Ruhm der Futterkraͤuter nicht zu uͤberſehen iſt, daß gerade ſie es ſind, welche den Wirth zu der Erzielung beyder leztern Gewaͤchſe in Stand ſezten; denn obgleich die 4⁰³ Knollengewaͤchſe ihrer Seits auch zur Vermehrung des Miſtes namentlich beytragen: ſo iſt doch nicht zu mißkennen, daß ihre Erzeugung nicht viel weniger Dung koſtet, als ſelbſt durch ihre Verfuͤtterung hervorgebracht wird; obgleich mehrere der verehrten Leſer dieſen Glauben nicht mit mir theilen werden. Dem ſey wie ihm wolle, ſo gehoͤrt die Palme den Futterkraͤutern! Die geringe Kraft, die ſie aus dem Boden ziehen; die wohlthaͤtige Ueberſchattung, die ſie ihmngee waͤhren; der nicht unbetraͤchtliche Erſatz, den ſie ihm zuruͤck⸗ geben; die geringern Beſtellungskoſten, welche ſie erheiſchen; die groͤßere Leichtigkeit, womit ſie im trocknen Zuſtande auf⸗ geſpeichert werden koͤnnen; die laͤngere Dauer bey ihrer Auf⸗ bewahrung; die wenigen Umſtaͤnde, welche ſie bey der Fuͤtterung verurſachen; ihre groͤßere Vertraͤglichkeit mit den auf ſie folgenden Feldfruͤchten; alles dieſes giebt den Futterkraͤutern einen entſcheidenden Vorzug vor allen Knollen⸗ und Wurzel⸗ gewaͤchſen, die Kartoffeln ſelbſt nicht ausgenommen. Indeſſen wollen wir den Werth dieſer lezten Gewaͤchſe darum keineswegs herabſetzen. In Verbindung mit Stroh ſind ſie bey der Viehhaltung, beſonders bey der Maſtung, eine große Stuͤtze, wobey ſich das Heu gaͤnzlich erſparen läßt, und ſo, aber auch nur ſo, ich meyne durch die nuͤtz⸗ liche Verwendung des Strohes als Futter, und die dadurch erwirkte Erſparung an duͤrren Futterkraͤutern, ſind ſie wahr⸗ haft ſchaͤtzbar. Nur iſt ein Uebermaß bey ihrem Bau weit mehr, als bey dem der Futterkraͤuter, zu vermeiden. Bey jenen bringt ein Uebermaß oft, bey dieſen ſelten Nachtheil. Wohl wird der geſchloſſene Boden durch das Hacken, welches man den Knollengewaͤchſen angedeihen laͤßt, wie bey einer 4⁰4 halben Brache gelockert und gereiniget; allein dieſe Lockerung und Reinigung geht nicht aus jenen Gewächſen ſelbſt hervor, faͤllt ihnen alſo nicht zu gut, ſondern zum Theile zur Laſt. Dabey koͤmmt die durch das Hacken bewirkte ſchnellere Zer— ſetzung der humoſen Theile in Betracht, welche zwar dieſen Gewaͤchſen, aber nur zum Nachtheile der auf ſie folgenden, frommt, wodurch die Vortheile der Bearbeitung in Bezug auf dieſe wieder aufgehoben werden. Daher ſah ich große Runkelruͤbenpflanzer ihren Anbau nach dem Verlaufe mehre⸗ rer Jahre wieder aufgeben, und ausgedehnte Kartoffelpflanzer nur wegen ihrer Brennerey dabey beharren, nie aber habe ich irgendwo geſehen, daß Kleefreunde von ihrer Lieblings⸗ ſache zuruͤckgekommen waͤren, oder Noth dabey gelitten haͤtten. Doch geſtehe ich, daß man, wie Alles, ſo auch den Futter— kraͤuterbau uͤbertreiben kann. Solches geſchieht, wenn man vergißt, daß in der Regel alles Futterwerk nur Mittel zum Zweck, der verbeſſerte Getreidebau aber der Zweck ſelbſt iſt. Durch jenen wird fuͤr die Thiere mehr, durch dieſen mehr fuͤr den Menſchen geſorgt. n5 Anbau der Futterpflanzen. Erſtes Hauptſtuͤck. Futterkraͤuter. Erſter Abſchnit r. Rotrher Klee. Was der Weitzen unter dem Getreide, das iſt mehr noch der Klee unter den Futterpflanzen, von welcher Gat⸗ tung ſie immer ſeyen. Wohlthaͤtig in ſeinem Leben, wirkt er auch nach ſeinem Tode noch wohlthaͤtig auf die kuͤnftigen Pflanzengeſchlechter bis in die zweyte, ja dritte Generation fort. Und, wahrlich, derjenige iſt kein Landwirth, der nicht mit einem ſichern Hochgefuͤhl an ihn denkt, nicht mit Achtung von ihm ſpricht, oder freudenlos an ihm voruͤber⸗ gebt! Der Klee iſt und bleibt der Pfeiler jeder mit Kraft betriebenen Wirthſchaft, und neben ihm ſind alle uͤbrigen Futterpflanzen, mit Ausnahme jedoch des Graſes, Surro— gate, alſo nur gut und annehmenswerth, wenn es an der Hauptſache fehlt. Ueberfluͤſſig vielleicht moͤgte dem bey weitem groͤßten Theile meiner Leſer das Lob einer Sache ſcheinen, die ge⸗ 4⁰ wiſſer Maßen uͤber alles Lob erhaben, und als ſolche allge— mein bekannt iſt, und doch iſt lezteres nicht an dem! Man ſollte kaum glauben, daß es noch wirklich in Deutſch⸗ land, und mehr noch in Frankreich Gegenden gebe, wo der Bauer ſeinen Acker mit ſolchem Zeug, wie der Klee, nicht beſchmutzen wolle; wo er, nach ſeinem Glauben und Ausdrucke, den Weitzen auf dem Kleewagen nach Hauſe fuͤhren, das heißt: durch den Klee ſeinen Wei⸗ tzenertrag ſchmaͤlern wuͤrde; wo er lieber zehn Morgen gu— tes, geſundes, trocknes Artland zur Weide liegen laͤßt, auf der ſich eine Kuh kuͤmmerlich beym Leben erhaͤlt, als einen einzigen Morgen derſelben mit Klee anzuſaͤen, um ſie reich⸗ lich davon zu ernaͤhren? Aber wie ſollte der Bauer dem Klee hold ſeyn, ſo lange er glaubt, der Klee verpeſte, wie die Quecke, ſeinen Acker; er vergifte ſein Vieh; er mache ſeine Pferde blind; er erſchoͤpfe ſeinen Boden? Wohl ſchwerer als Quecken ſind Vorurtheile zu entwur⸗ zeln, zumal wenn ſie durch einen mißlungenen, weilen ſchlecht unternommenen, Verſuch gekräftiget worden ſind, und ſchwerer noch bey dem Gebildeten als bey dem Unge⸗ bildeten. Dieſer haͤngt ſeinem Vorurtheile an, weilen er nicht weiter ſieht; jener weilen er nicht weiter ſehen will. Willkuͤhrliche Finſterniß iſt aber immer ſchwieriger zu erhel⸗ len, als nicht verſchuldete. Da die Vertheidigung des Klees, die Entwicklung ſeiner mannichfaltigen Vortheile, die Un⸗ ſchaͤdlichkeit ſeines Genuſſes, u. ſ. w. mich zu weit fuͤhren wuͤrde, ſo bitte ich nachzuſehen, was Andere, namentlich H. Elsner in den Moͤglinſchen Annalen Band VlI daruͤber geſagt haben. Ich trage meiner Seits nicht das geringſte Bedenken zu behaupten, daß die Einfuͤhrung des Kleebau's 407 dem deutſchen Ackerbau weit mehr Vorſchub geleiſtet habe, als die Einfuͤhrung der ſo hoch gefeyerten, und fuͤr das oͤf⸗ fentliche Wohl ziemlich zweydeutigen Kartoffeln. Koͤmmt es dem Staate auf Menſchenvermehrung an: ſo gebuͤhrt aller⸗ dings dieſer lezten Frucht, koͤmmt es ihm aber auf Wohl⸗ ſtand an: ſo gebuͤhrt ohne Gleichen dem Klee der Vorzug. §. 1. Rothe Kleearten. Wir beſitzen zwey Arten von rothem Feldklee, die eine bekannt unter dem Namen ſpaniſcher oder brabanter, die andere unter dem Namen gruͤner oder ſteyriſcher Klee. Dieſer unterſcheidet ſich von jenem, daß er um 14 Tage ſpaͤ⸗ ter in die Bluͤthe tritt, laͤngere Ranken oder Aeſte treibt, daher auf gutem Boden einen ſehr hohen Ertrag giebt, und zur Gruͤnfuͤtterung gut geeignet iſt. Dr. Schweitzer giebt ihm in dieſer Beziehung einen entſchiedenen Vorzug vor dem Brabanter⸗Klee, da er nach ſeiner Verſicherung ſich laͤnger friſch und ſaftig erhaͤlt, nicht ſo leicht duͤrre und holzig wird, daher dem Vieh laͤnger an— genehm bleibt. Um ſo weniger paßt er ſeiner harten Staͤn⸗ gel wegen zum Hauen, die ſelbſt als Gruͤnfutter, in etwas vorgeſchrittenem Zuſtande, von dem Viehe verſchmaͤhet wer⸗ den. Dieſer Verhaͤrtung wegen wirkt er dann auch weniger auf die Milch. Dagegen iſt der Brabanter Klee, ſeiner duͤn⸗ nern Staͤngel und breitern Blaͤtter wegen ſaftiger und nahr— hafter, und zum Doͤrren beſſer geeignet. Er beſtaudet ſich ſehr ſtark, erfordert daher weniger Saamen, giebt keinen geringern Ertrag und ein beſſeres Heu als der ſteyerſche Klee. Noch ſoll dieſer fuͤr mehr ſandigen Boden nicht paſſen. Der beſte Gebrauch, den man bey uns von dem ſteyer⸗ 4⁰³⁸ ſchen Klee machen koͤnnte, ſcheint der zu ſeyn, nur einen Theil, etwa den vierten, des Futterfeldes damit zu beſaͤen, und ihn als Gruͤnfuͤtter dann zu benutzen, wann der Bra⸗ banter Klee, ſeines ſchnellern Vorſchreitens wegen, ſchon anfaͤngt hart zu werden. Der gruͤne Klee iſt im Saamen⸗ tragen bey weitem nicht ſo ergiebig als der Brabanter Klee; daher koͤmmt er bey uns ſelten rein in den Handel. §. 2. Boden. Der rothe Klee geraͤth zwar nicht auf allen, doch auf ſehr vielen Bodenarten, und iſt hierin weniger ſchwierig wie die Luzerne. Auch koͤnnen Lage, Klima, Kraft und Be⸗ handlung Manches erſetzen, was den Eigenſchaften des Bo⸗ dens abgeht. An und fuͤr ſich will der Klee einen mehr tho⸗ nigen als ſandigen Boden. Ein wenig thoniger Sand iſt zwar nicht ungeſchickt dazu, doch vermag der Klee nicht ſich ſattſam darauf zu beſtrauchen und ſchießt nur in einzel⸗ nen Staͤngeln in die Hoͤhe. Deſto beſſer eignet ſich der dar⸗ auf gewonnene Klee zum Saamenanſatz. Beſſer und ſiche⸗ rer gedeiht er auf ſandigem Thon; noch beſſer auf Lehm und am allerbeſten auf gutem koͤrnigem Thonboden. Als Regel kann man anſehen, daß jeder Weitzenboden, im Falle er nicht zu zaͤhe und kalt iſt, dem Klee zutraͤglich ſey. So aber wie ein Boden der, ungeachtet ſeinem Mangel an zu⸗ reichender Bindung, durch ſeine niedere Lage, die Tiefe ſei⸗ ner Krume, oder die feuchte Beſchaffenheit des Klima's ſich noch immer zum Weitzen eignen kann: ſo kann er es auch unter gleichen Umſtaͤnden zum Klee. Da aber ſolche Um⸗ ſtaͤnde nur Ausnahmsweiſe eintreten: ſo bleibt die Regel feſt, nach welcher der Klee, zumal in warmen Lagen, ei⸗ 409 nen geſchloſſenen, thonigen, tiefen, daher Feuchtigkeit an⸗ haltenden, oder ſogenannten friſchen Boden verlange. Wie viel dabey auf den Untergrund ankomme, bezeugt Dr. Schweitzer.„Der Klee, ſpricht er, gedeiht in der Re⸗ gel am beſten auf einem, ihm ſonſt zuſagendem, Acker, deſſen naͤchſter Untergrund mit der Oberflaͤche gleiche natuͤr— liche Beſchaffenheit hat, ob ſie gleich wegen Mangel an Cul— tur nicht zu gleichem Grade von Fruchtbarkeit gelangt iſt. Dieſe Art Untergrund beſteht meiſt aus einem ſteifen broͤck⸗ lichen, mit Steinen gemiſchten Lehm, der ſeiner Seits auf einer in ziemlicher Tiefe ſich befindenden un- oder ſchwer⸗ durchlaſſenden Erdſchichte oder Steinlager ruhet.“ Nach Deſ⸗ ſelben Erfahrungen kann ein lockeres oder ſtark ſandiges, da⸗ her kaum zum Kleetragen faͤhiges, Feld durch eine thonige, feuchte Unterlage hoͤchlich dazu geeignet werden; daher auch der Klee an ſolchen Stellen, wo der Kandelwiſch, equise— tum arvense, lebhaft waͤchſt, recht gut gedeiht. Auf loſem ſchwammigem Boden friert der Klee in die Hoͤhe; auf ſtark ſandigem verdorret er; auf ſchlechterm bleibt er nur niedrig und mager; auf erſchoͤpftem wird er von dem Unkraut uͤberwaͤltiget; auf trocknen nach der Sonne abhaͤngigen Feldern ſtirbt er oft ab; auf den Abſeiten der Berge, welche quellartig ſind, wintert er aus; uͤber eiſen— haltigem(ockerartigem) Untergrund will er nicht fort; auf ſeichtem Boden, der zu ein paar Zoll Tiefe eine Felſen⸗ ſchichte oder einen dem Waſſer undurchdringlichen wuͤſten Thon beherbergt, verſagt er gaͤnzlich. Auch ein an ſich zu Klee nicht ungeeigneter Boden kann durch zu tiefes Pfluͤgen ſo locker und hohl gemacht werden, daß er untauglich dazu wird. Er koͤmmt zwar, ſo lange 410 er in der feſt zuſammengedruͤckten Oberkrume vegetirt; geht aber zuruͤcke, ſobald ſeine Wurzeln den hohlen Boden errei⸗ chen. Daher mag es kommen, daß in einigen Gegenden der Klee nicht wohl auf einem Felde gedeiht, das im vor⸗ hergehenden Jahre Bohnen getragen hat; ob er gleich mit Vortheil unter Bohnen geſaͤet werden kann. Um dem Uebel der Lockerheit abzuhelfen, muͤſſen die Schaafe im Herbſte aufgebracht werden, das junge Kleefeld feſt zu treten. Noch koͤnnen, durch ein allzuoftes Wiederkommen des Klees, die meiſten Bodenarten fuͤr eine geraume Zeit zu ſeinem Her⸗ vorbringen ungeſchickt werden. Endlich verſchmaͤhet der Klee auch den ſchwerſten, ſtreng⸗ ſten Thonboden nicht, wenn dieſer nur in Kraft und gutem Bau iſt, und traͤgt, mehr als auf irgend einem Boden, zu deſſen Verbeſſerung bey; denn nicht blos bereichert er ihn durch den Abfall einiger Blaͤtter, und ſeine darauf zuruͤck— bleibende Stoͤcke und Wurzeln, ſondern er verbeſſert ihn zu⸗ gleich auf eine mechaniſche Weiſe, durch die Zertheilung und Lockerung des Bodens vermittelſt ſeiner vielen, zum Theile langen, Warzeln und buſchigten Stoͤcke. An einem ſol⸗ chen Boden wird man daher auch laͤnger die guten Folgen, die er darauf hervorbringt, inne, als auf einem leichtern Boden. Herr Elsner behauptet ſogar, daß der Klee zur Ableitung der uͤberfluͤſſigen Feuchtigkeit, womit der ſchwere Boden in naſſen Jahren ſich uͤberladet, ſehr wirkſam bey⸗ trage, und bezeugt, daruͤber die erfreulichſten Erfahrungen gemacht zu haben. Nur muß man ſich nicht ſchmeicheln, daß man auf einem mit Naͤſſe uͤberſaͤttigten Boden guten Klee haben werde. Das Vorhandenſeyn des Kalkes im Boden befoͤrdert we⸗ 4¹¹1 ſentlich des Klees Ueppigkeit; daher auch der Mergel ſo vor⸗ zuͤglich darauf wirkt. Gewinnt aber der Kalk im Boden die Oberhand; oder ruht er gar in geringer Tiefe als Fel— ſen darunter, der in ſeinen Kluͤften das Waſſer begierig aufnimmt und ſo das Austrocknen des Feldes beſchleuniget, dann wird er dem Klee cher nachtheilig als nuͤtzlich, wie nach Dr. Schweitzers Zeugniß mehrere Aecker in Thuͤringen ſolches deutlich zeigen, die ſich dagegen zum Luzern- und Esperbau ſo gut eignen. Faſſen wir die Eigenſchaften zuſammen, die dem Klee am zutraͤglichſten ſind: ſo finden wir ſie in einem gebunde⸗ nen, tiefen, wohl gemuͤrbten Kalk, oder mergelhaltigen, humusreichen, Feuchtigkeit haltenden, reinen, nicht naſſen, nicht leichtſandigen, nicht duͤrren, nicht ſeichten, nicht ocker⸗ artigen, nicht erſchoͤpften, nicht unreinen Boden. Ein neuer Boden, der noch nie Klee getragen hat, macht manchmal dabey eine Ausnahme, und kann, ungeachtet ſeiner Maͤn⸗ gel, wohl einmal Klee vorbringen; aber auch nur einmal. „Uuter uͤbrigens gleichen Umſtaͤnden, ſagt Dr. Schwei⸗ tzer, wird zwar der Klee immer auf Aeckern am beſten ge⸗ deihen, welche am meiſten Kraft haben, und ſich im beſten Duͤngerzuſtande befinden; aber die hoͤchſte natuͤrliche Frucht⸗ barkeit und die ſtaͤrkſte Duͤngung ſind nicht vermoͤgend ihn auf Boden zur gewuͤnſchten Vollkommenheit zu bringen, der die angegebenen Eigenſchaften nicht beſitzt; dagegen er auf ſo beſchaffenem Boden, auch ohne große Kraft oder beſon⸗ dere Duͤngung, recht lohnend geraͤth. So kenne ich einen uͤberaus fruchtbaren Aueboden, der wohl eine zwey Fuß tiefe Schichte der beſten Dammerde enthaͤlt, auf dem alle andere Gewaͤchſe in ſchwelgeriſcher Fuͤlle gedeihen, und die 4¹² Luzerne einen ungeheuern Ertrag giebt, der Klee aber, im Verhaͤltniß zu der Kraft dieſes Bodens, ſo erbaͤrmlich waͤchſt, daß man ſich nicht genug daruͤber verwundern kann. Aber ich kenne auch wieder Aecker, die einen nicht tiefen, roͤth⸗ lichen, mit zahlloſen Steinen gemiſchten Lehmboden, der nichts weniger als hohe Fruchtbarkeit verſpricht, haben, und dennoch vorzuͤglichen, ungleich ſchoͤnern Klee, als jener, her⸗ vorbringen, weil ſich die uͤbrigen, ſeinem Wuchſe guͤnſtigen Eigenſchaften auf ihm vereinigen.“ §. 3. Stand in der Fruchtfolge. Wenn der Klee einen reinen, kraͤftigen und wohlge⸗ muͤrbten Boden liebt: ſo ergiebt ſich die Stelle von ſelbſt, auf welche er, dem als Stuͤtze der ganzen Wirthſchaft der erſte Platz zukoͤmmt, hingehoͤrt. Ein durch mehrere hinter⸗ einander folgende Getreideaͤrndten erſchoͤpfter und verunkrau⸗ teter Acker darf der Ort nicht ſeyn, wo die nuͤtzlichſte aller Futterpflanzen hinverwieſen wird. Auch folgt die Strafe ei⸗ nem ſolchen Vergehen auf dem Fuße nach. Ein kraftloſer Boden wird durch den Klee noch mehr entkraͤftet, ein un— reiner noch mehr verunreiniget; ſtatt daß auf kräftigem Bo⸗ den gerade das Gegentheil eintritt. Hat der Klee einmal ſeine Staͤrke darauf erreicht, ſo erſtickt er alles Unkraut; waͤhrend er auf magerem Boden in ſeiner Jugend davon uͤberwaͤltiget wird. Groß iſt daher der Mißgriff, auf ma⸗ gern Boden Klee zu ſaͤen; groͤßer noch der, ihn auf einen mit Quecken verpeſteten Acker zu bringen, welcher jedoch zum Gluͤcke bey keinem auch nur halbguten Landwirth an⸗ zutreffen ſeyn wird. Um jenes doppelte Ziel zu erreichen, ſucht man den 41¹13 Klee unmittelbar nach einer wohlgeduͤngten und behackten Brachfrucht, wie Kartoffeln, Runkeln, Ruͤben, u. ſ. w. folgen zu laſſen, und es iſt nicht zu laͤugnen, daß dieſer Standort dem Klee nicht in einem hohen Grade zuſpreche, und daß man nicht Unrecht habe, dieſe Ordnung fuͤr die Grundlage eines guten Feldſyſtems anzuſehen. Indeſſen iſt auch nicht zu laͤugnen, daß man außerhalb jener Ordnung vor⸗ trefflichen Klee erzielen koͤnne; dann naͤmlich, wann der Acker in zureichender Kraft und guter Cultur ſteht. Iſt ein ſolcher Acker uͤberdem eher ſchwer als leicht zu nennen: ſo wird der Hackfrucht-Gerſt-Klee kaum dem Rocken-Gerſt-Klee gleich kommen, und dieſer Klee wird jenen meiſtens uͤber⸗ treffen, im Falle dem Rocken reine Brache vorhergegangen iſt. Ein brachetreibender Koͤrnerwirth kann daher im drit⸗ ten Jahre nach ihr, das iſt nach zwey Getreideaͤrndten, der nicht brachende, aber jätende und wiederholt duͤngende belgi⸗ ſche Koͤrnerwirth kann ſelbſt nach drey Getreideaͤrndten vor⸗ trefflichen Klee erzielen. Der Gang einer guten Koͤrnerwirth⸗ ſchaft ſchließt demnach die Ausſicht zu einem guten Futter⸗ felde nicht aus. Meine fruͤher daruͤber gemachten Erfahrungen beſtaͤtigten ſich mir auch im vorigen Jahre. Achtzehn Mor⸗ gen Kartoffelgerſtenklee ſchienen nichts zu wuͤnſchen uͤbrig zu laſſen und die Aufmerkſamkeit aller Voruͤbergehenden zu er⸗ regen, und doch kam dieſer Klee an Staͤrke einem andern auf 25 Morgen nicht ganz gleich, der unter Rapsdinkelgerſte geſaet worden war. Es verſteht ſich, daß auf dieſem Stuͤcke nur zu Raps, auf jenem zu den Kartoffeln geduͤngt wor⸗ den. Der Unterſchied lag aber darin, daß das vormalige Rapsland von fruͤher her mehr alte Kraft, als das vorma⸗ lige Kartoffelland enthielt. Demnach gab hier die hoͤhere 414 Kraft den Ausſchlag vor der beſſern Ordnung. Doch worin beſteht wohl das Beſſere der Ordnung? Sollte auf etwas ſchwerem, dem Rocken nicht weniger als dem Weitzen ent⸗ ſprechendem, Boden die Ordnung; u) reine Brache, 2) Ro⸗ cken, 3) Gerſte, 4) Klee, 5) Weitzen oder Dinkel 6) Hafer nicht eben ſo gut, und eben ſo rationaͤl berechnet ſeyn, als 1) Hackfruͤchten, 2) Gerſte, 3) Klee, 4) Weitzen, 5) Wicken, 6) Rocken? Oder welcher dieſer beyden Ordnungen gebuͤhrt im Ganzen der Vorzug? Doch Lezteres gehoͤrt nicht hieher! Ich wollte blos ſagen, daß der Klee in der Folge: Brache, Rocken, Gerſte, Klee eben ſo gut gedeihen koͤnne, als in der: Hackfruͤchte, Gerſte, Klee. Weniger zuſprechend, als die erſte Ordnung, wuͤrde ſeyn: Brache, Weitzen, Hafer, Klee, Weitzen, Gerſte, und das aus unſchwer zu errathenden Urſachen. Noch kann ich verſichern, daß: verpflanzter Raps, Weitzen, Klee, eine fuͤr dieſen ſehr guͤnſtige Folge, und auf zaͤhem Boden ungleich anwendbarer ſey als: Kartoffeln, Gerſte, Klee. Das Geſagte betrifft, wie wir geſehen haben, nur die mittelbaren Vorgaͤnger des Klees. Wir haben alſo noch ſeine unmittelbaren Vorgaͤnger, oder die Ueberfruͤchte zu betrach⸗ ten, deren Schutz und Schirm der Klee anvertrauet wird. Hierzu paſſen: gruͤnabzufuͤtternde Wicken, Gerſte, Weitzen, Rocken, Dinkel, Lein, Hafer, Hirſe und, wie man be⸗ hauptet, Buchweitzen. So wie alle nicht rankende, nicht zu behackende, nicht allzu gewaltig emporwachſenden Ge⸗ waͤchſe. Wenn man annimmt, daß der Klee minder gut nach dem Hafer als nach der Gerſte einſchlage, und wenn dem auch oft ſo iſt: ſo ruͤhrt es nicht ſo wohl von dem Hafer, als daher, daß man der Gerſte das beſſere Land vorzugs⸗ weiſe einräumt. Es koͤmmt nebenbey viel auf die Witterung an. Da die Gerſte in der Regel ſpaͤter geſaͤet wird als der Hafer: ſo leidet der Klee oft große Noth unter jener, wenn die Witterung im Mai und Anfangs Juni ſehr trocken iſt, wie vor einigen Jahren der Fall war, wo der unter der Gerſte aufgekommene Klee gaͤnzlich verdorrete. Man ſäet den Klee an mehrern Orten ſehr gerne uͤber die Winterfrucht, und nicht ohne Grund, da das Winter⸗ getreide in der Regel in einen kraͤftigern Boden gebracht wird, als das Sommergetreide. Unter andern Umſtaͤnden halte ich lezteres als Ueberfrucht fuͤr beſſer. Unter den Fruͤchten, wo der Klee am beſten gedeiht, ſtehen Lein nach Ausſage der Niederlaänder, und Hirſe nach Ausſage der Pfaͤlzer oben an. Ein Land, das ſo gut ge⸗ duͤngt, ſo fein bereitet, ſo feſt gelegt, ſo reinlich gejatet wird, wie es der Lein fordert; eine Pflanze, die nicht uͤber⸗ mäßig aufſchießt, ſich nicht beſtockt, fruͤhe ausgezogen und vom Felde gebracht wird, ſind Umſtaͤnde, deren Zuſammen⸗ treffen den Wachsthum des Klees nothwendig beguͤnſtigen muße Er liefert dann vor Winter ſchon einen guten Schnitt, und zwey vollkommene im folgenden Jahre, wovon der erſte 8— 10 Tage fruͤher da iſt, als der gewoͤhnliche Getreideklee. Sollte man fuͤrchten, daß der Klee durch ſchnellen Wuchs dem Flachſe ſchaden koͤnne: ſo darf man ihn nur erſt dann ſaͤen, wann dieſer gejaͤtet werden ſoll. Nach der Meynung Einiger ſoll der Sommerruͤbſen die beſte Ueberfrucht fuͤr den Klee ſeyn, da er das Feld nur kurze Zeit behauptet.— Bey dem Buchweitzen waͤre auf gutem Boden, wo er die Hoͤhe von 4—5 Fuß erreicht, viel⸗ leicht zu befahren, daß er den Klee erſticken duͤrfte. In⸗ 41¹6 deſſen bleibt die Aushuͤlfe durch Wegmaͤhen und Verfuͤttern des Buchweitzens in gruͤnem Zuſtande zur Hand.„Unter dem Buchweitzen, ſpricht Thaer, habe ich den Klee dicht hervorkommen ſehen, auch auf Boden, der keineswegs fuͤr ihn geeignet war; und da daran ſtoßend, faſt auf beſſerm Boden, Hafer und unter ſelbigem auch Klee geſaͤet war, ſo konnte ich mich von dem großen Unterſchiede, der auch im ganzen folgenden Jahre blieb, deutlich uͤberzeugen. Wem daher an einem dichten Kleefelde, beſonders auf Boden, den man fuͤr Klee nicht ganz ſicher haͤlt, gelegen iſt, dem rathe ich ihn unter Buchweitzen zu ſaen. Es ſcheint gleichguͤltig, ob man dieſen reifen laſſe, oder gruͤn abmaͤhe.“ Will man Anſpruch auf vollkommenen Klee machen: ſo mimmt man im erſten Jahre Kartoffeln, im zweyten Hafer mit Klee. Der Hafer wird, wenn er einen Fuß hoch iſt, abgemaͤhet. Er kann dann noch einmal und das Feld zum drittenmal abgemähet werden, wann der Klee im Herbſte in die Blume tritt. Im folgenden Jahre hat man alſo Klee fuͤr ſich allein.„Nie, ſagte Pfarrer Mayer, werde ich den Klee anders als ſo ſaͤen. Die Kuͤhe geben bey dieſem Gemiſche um ein Drittel mehr Milch, als bey bloßem Klee.“ — Wem es hauptſaͤchlich um Kuͤhhaltung zu thun iſt, der kann wohl keine beſſere Folge waͤhlen. Da ſie aber nur Futter, und kein Stroh, kein Korn giebt: ſo bleibt ſie blos im Kleinen anwendbar. Im Jahre 182²3 ließ ich Klee unter gruͤn abzufuͤtternde Wicken ſaͤen. Das Land war im Vorwinter 1822 gehdrig geduͤngt und wohl bereitet worden. Das Wickenfutter ward ſehr ſchoͤn und der Klee gab im Spaͤtherbſte einen in der Wirthſchaft ſehr willkommenen Schnitt. Im Juni 1824 wurde 417 wurde der dichtſtehende, aber etwas ſchwachrankige Klee zu Heu gemacht, und gab ein feines Futter; der zweyte wurde zum Saamentragen beſtimmt. Dieſes Feld wurde im Winter uͤberduͤngt und iſt beſtimmt im Sommer 1825 noch einen Schnitt zu geben. Den Klee fuͤr ſich allein, alſo ohne Ueberfrucht zu ſaͤen, iſt nicht raͤthlich. Er bedarf einiges Schutzes, wenn er auf⸗ gegangen iſt, den er nur unter einer Ueberfrucht findet. Dabey iſt ſein Ertrag im erſten Jahre zu unbedeutend, um fuͤr ſich allein ſeinen Standort bezahlen zu koͤnnen. Haben die mittelbaren Vorgaͤnger des Klees den Boden nur kraftvoll und rein hinterlaſſen, ſo gilt ihm gleich, welche Fruͤchte es geweſen, und in welcher Ordnung ſie auf einan⸗ der gefolgt ſind. Nicht ſo vertraͤglich iſt er mit ſich ſelbſt, und es iſt eine laͤngſt anerkannte Sache, daß der Klee nicht in einem kurzen Zeitraum auf ſich ſelbſt folgen kann. Vor ſechs Jahren darf kein Felderwirth ihn wieder zuruͤckfuͤhren. Der Weiſere verſchiebt es auf neun und wenn er kann auf zwoͤlf Jahre. Man hat zwar geglaubt, und behauptet, daß der Fruchtwechſel ſeinen Mann hierin von dem allgemeinen Geſetze los ſpraͤche; allein die Erfahrung, wovon ich, unter andern, fruͤher in der Schweitz eine ſehr merkwuͤrdige in Großem vor mir hatte, hat das Gegentheil gezeigt, und erwieſen, daß der vierfeldrige Fruchtwechſeler hierin zwar einigen, aber doch keinen dauerhaften Vorzug vor dem alten Koͤrnerwirthe habe. Eine Sache, die auch den Englaͤndern nicht unbekannt iſt. „Ein unangenehmer Umſtand, ſagt YVoung, beym Kleebau iſt, daß er auf Feldern, wo er ſchon eine lange Zeit betrieben worden iſt, leicht fehl ſchlaͤgt. Das Land v. Schwerz Anleit. z. prakt. Ackerbau. II. Bd. 27 4¹8 wird, um den Pachterausdruck beyzubehalten, des Klees muͤde. Im KHerbſt zeigt er wohl ſchoͤne Pflanzen, die aber im Maͤrz und April mehrentheils ausgehen. Dieß macht alſo eine neue Fruchtfolge erforderlich. Anſtatt ihn alle vier Jahre einmal, wie es in Norfolk gebraͤuchlich iſt, anzubrin— gen, wird es nothwendig ihn in dem zweyten Umlaufe weg⸗ zulaſſen, und Wicken oder Bohnen an ſeiner Stelle hinter der Gerſte folgen zu laſſen. Man hat ſich dabey mehr ge⸗ ſichert befunden. Doch darf ich nicht umgehen zu ſagen, daß H. Arbutnoth durch tieferes Pfluͤgen und ſorgfältiges Duͤngen immer guten Klee in jedem dritten Jahre in dieſer Fruchtfolge hatte: 1) Bohnen, 2) Weitzen, 3) Klee, und zwar auf Land, welches deſſen muͤde ſeyn ſollte, weil er alle vier Jahre einmal darauf erbauet worden war. Ich ſah ſeinen Klee in dieſer neuen Fruchtfolge, und fand nie einen beſſern.“ Fuͤr die Provinz Norfolk ſchreibt der wohl darin bewan⸗ derte und genaue Forſcher Marshall:„Die Aecker in Norfolk tragen nun ſchon ſo lange Klee, daß, ungeachtet aller Muͤhe, die man ſich giebt, ihn alle vier oder auch nur alle ſechs Jahre wieder kommen zu laſſen, ſie ſeiner muͤd zu werden ſcheinen, daher man ihn mit Raygras aus⸗ ſaͤet.“ Die von Young angefuͤhrte Verbeſſerung des vierjaͤh⸗ rigen Fruchtwechſels findet man puͤnktlich in dem Landſtriche zwiſchen Moſel und Rhein unterhalb Koblenz befolgt, und wird daſelbſt als der herkommliche Schlendrian angeſehen. Der erſte Umlauf ihres vierjaͤhrigen Fruchtwechſels heißt: 1) Ruͤben, 2) Gerſte, 3) Klee, 4) Spelz oder Weitzen. 4¹9 Der zweyte, der ſich unmittelbar an ihn anreiht, heißt: 5) Brache, 6) Rocken,) Erbſen, 8) Hafer. Lächerlich iſt der Vorſchlag von Crud, deſſen Werk, ich weiß nicht recht warum, ins Deutſche uͤberſezt worden, wenn er anraͤth, in dem Falle, wo der Boden anfaͤngt des wiederholten Vorkommens des Klees muͤde zu werden, Lu⸗ zerne auszuſaͤen und ſelbe 5—6 Jahre ſtehen zu laſſen. Er ſcheint nicht bedacht zu haben, daß dieſes eine gaͤnzliche Um⸗ waͤlzung des eingefuͤhrten Fruchtumlaufs vorausſezte. Wie viele Landwirthe ſind wohl in dem Falle das zu koͤnnen, und koͤnnten ſie es, was wird der Boden dazu ſagen? Man muß dem Uebel vorzukommen ſuchen, alsdann bedarf es kei— ner ſolchen gewaltſamen Heilung. Wehe dem, der aus Un⸗ beſonnenheit, oder Mangel an Kenntniſſen, oder Hartnaͤckig⸗ keit ſeine Wirthſchaft auf die Spitze ſtellt, und der Natur etwas abtrotzen will! Zwingen, wie ſchwache Muͤtter von eigenſinnigen Kindern, laͤßt ſich dieſe Mutter nicht. Inve-— niendum quid ferat, non fingendum! Man laſſe es da⸗ her bey dem Klee nicht auf's Gerathewohl ankommen; ſou⸗ dern ſetze allemal voraus, daß er das gehaͤufte Wiederkom— men nicht ertrage, und laſſe ſich von dem augenblicklichen Erfolge nicht blenden. Hat man mehr Futter noͤthig, ſo ſchalte man Wicken, Rocken oder Mais bey Zeiten zwiſchen ein, und der Boden wird nicht ermuͤden, und eine Umwaͤl— zung des ganzen Wirthſchaftsſyſtems durch die mehrjaͤhrige Luzerne wird nicht erforderlich werden. Die Ausnahme, welche BVoung bey Arbutnoth fand, beweist nichts gegen die angefuͤhrte Regel; denn wie ſollte ein einzelnes Beyſpiel gegen die Erfahrung Aller, oder doch der ungleich groͤßern Mehrheit, entſcheiden koͤnnen? Hat 4²⁰ Arbutnoth dieſe Ausnahme mit einem ungewoͤhnlichen Auf⸗ wand von Dung erkauft? Oder ſollen die Bohnen die Ver⸗ ſoͤhnung des Klees mit ſich ſelbſt bewirkt haben? Oder wie lange hat die Sache fort beſtanden? Alles das weiß ich nicht; wohl aber, daß mir ein Beyſpiel bekannt iſt, wo ſelbſt bey Dreyfelderwirthen der Klee alle drey Jahre vor⸗ koͤmmt. So wenig aber dieſes fuͤr die Vertraͤglichkeit des Klees beweist, ſo, und noch weniger, beweist Arbutnoths Beyſpiel dafuͤr. Nur eins iſt gewiß, daß, wenn der Bo⸗ den des Klees einmal aus Uebermaaß muͤde geworden, eine Reihe von Jahren dazu gehoͤre, ihn wieder damit auszu⸗ ſoͤhnen. Noch faͤllt mir auf, daß Arbutnoth ſich bey dem Klee nach Bohnen⸗Weitzen ſo wohl befunden hat, da die Erfah⸗ rung in Flandern das Gegentheil erwieſen. Wir hatten ſelbſt in jener Folge nun zweymal hintereinander ſchlechten Klee, welches mich bewegt die bisherige Folge: 10 Bohnen, 2) Weitzen(Dinkel), 3) Klee, 4 Dinkel, 5) Wicken, 6) Ha⸗ fer, in die Folge 1) Bohnen, 2) Dinkel, 5) Wicken(gruͤn abgemaͤhet zu Heu, oder Futter), 4 Klee, 5) Dinkel, 6) Ha⸗ fer umzuwandeln. In Bezug auf ſeine Nachfolger iſt der Klee auf dem Felde nur ein Segen. Nichts iſt, was nicht auf ihn folgen koͤnnte; nichts, was nicht Vortheil von ſeinem vorlaͤufigen Daſeyn zoͤge. Und dieſer wohlthaͤtige Einfluß wirkt nicht blos auf das unmittelbar darauf folgende Jahr; ſondern er⸗ ſtreckt ſich noch ſichtbar auf das zweytfolgende. Nur Ro⸗ cken und Gerſte muͤſſen meines Wiſſens davon ausgenom⸗ men werden; nicht daß der Klee nachtheilig auf ſie einwirke; ſondern weil ſie nicht gleichen Vortheil wie andere Feldfruͤchte 4²¹ davon einziehen. Unter allen dieſen moͤgten es wohl die Kartoffeln ſeyn, die am unuͤbertrefflichſten darnach einſchla⸗ gen, und unter dem Getreide der Hafer. Beyde Gegen— ſtände freuen ſich ſeiner noch, wenn auch zwiſchen ihnen und dem Klee eine andere Getreideaͤrndte eingeſchoben worden. §. 4. Feldbereitung. Da der Klee unter eine andere Frucht ausgeſäet wird: ſo theilt er die Vorbereitung des Feldes mit ſeiner Ueber⸗ frucht; wobey jedoch zu erinnern nothwendig iſt, daß fuͤr leztere ſorgfaͤltiger als gewoͤhnlich vorgeſchafft wird. Man darf ſich's auch nicht gereuen laſſen, dem Feld eine Pflug⸗ art mehr zu geben, fleißiger zu eggen, zu walzen u. ſ. w., da die Arbeit nicht fuͤr ein, ſondern fuͤr zwey Jahre gilt, und ſchon durch den Klee allein ſo herrlich belohnt wird. Demnach wird es wohl kein Vernuͤnftiger unternehmen, Klee unter einfaͤhrigen Stoppelhafer zu ſaͤen, noch unter Gerſte, die auf ſchlecht oder gar nicht behackte Kartoffeln, und der⸗ ley Fruͤchte folgt. Eine fleißige Bearbeitung thut, zumal auf ſtrengem Bo⸗ den, Noth; denn obgleich der Klee einen gebundenen Boden liebt: ſo muß dieſer doch ſo verkruͤmelt ſeyn, daß ſeine Wurzeln, beſonders im Anfange nach allen Seiten ohne beſondern Widerſtand vordringen koͤnnen. Eine ſolche Ver— kruͤmelung iſt aber dem nachherigen Feſtliegen oder Schließen des Bodens gar nicht entgegen. Ein thoniges Feld, auf dem die verhärteten nicht zermalmten Schollen untergepfluͤgt wor⸗ den, ſchließt ſich weniger, oder doch ungleicher als ein vor— läufig wohl gemuͤrbtes. Die Wurzeln des Klees umgehen die harten Schollen, welche ihnen deßfalls keine Nahrung 42² darbieten koͤnnen. Eben ſo ſchlimm iſt jenes heilloſe Pfluͤ⸗ gen, wo die Ungeſchicklichkeit oder Traͤgheit Balken in der Furche zuruͤcklaßt.— Ein tieferes Ackern als gewoͤhnlich iſt nicht nothwendig, da die Wurzeln des Klees nicht be— ſonders tief eindringen; auch wuͤrde es dem Sommergetreide nicht gedeihlich ſeyn. Dagegen iſt es fuͤr den Klee uͤberaus gedeihlich, wenn, zumal auf geſchloſſenem Boden, dieſer zu der vorlezten Frucht ſo tief als moͤglich erbrochen worden. Daher der Nutzen der Hackfruͤchte als Vorgaͤnger, und der reinen, wohlgearbeiteten Brache als Vorvorgaͤnger zum Klee. Zu dem Ende glaube ich die Vemerkung eines ſchotti⸗ ſchen Landwirthes nicht uͤbergehen zu duͤrfen. Spricht er gleich nur von der Zubereitung der, bey uns ſelten vorkom⸗ menden, Ruͤbenbrache: ſo ſind ſeine Worte nicht weniger auf die Kartoffeln und andere der Gerſte vorgehende Hack— fruͤchte anwendbar.„Zu Ruͤben, ſagt er, ſollte zum er— ſtenmal ſehr zeitig im(vor) Winter gepfluͤgt werden, und zwar ſo tief als es die Pferde vermoͤgen. Hierbey muß ich anfuͤhren, daß der Klee, welcher mit der Frucht nach den Ruͤben geſaͤet wird, in dem Maaße gut geräth, in welchem dieſe erſte Furche tief ausge— fahren wird. Die zweyte und dritte Bearbeitung der Ruͤ⸗ benbrache kann dann 6—8 Zoll tief ſeyn. Ich bin geneigt zu glauben, daß das haͤufige Fehlſchlagen des Klees in Nor— folk durch das nicht genugſam tiefe Pfluͤgen der Ruͤbenbrache veranlaßt wird; da ich uͤberzeugt bin, daß der Saamen der Futtergewaͤchſe eine tiefe und friſche Ackerkrume verlangt.“*) **) Der Schotte ſcheint zu uͤberſehen, daß der Boden in Norfolk das tiefe Pflugen durchaus nicht vertraͤgt. Es iſt uͤberhaupt ſchwer, die 4²³ Hierin wird wohl niemand unſerm ſchottiſchen Wirthe Un⸗ recht geben; auch nicht, wenn er zu der auf die Ruͤben fol⸗ genden Gerſte nur ein ſeichtes Pfluͤgen von 3—4 Zoll ver⸗ langt, da es unwirthſchaftlich ſeyn wuͤrde, den durch den Bau der Hackfruͤchte verbeſſerten Boden in die Tiefe zu ver⸗ graben. Die Meynung jenes Schotten iſt aber auch in England nicht weniger bekannt.„Um, ſagt Sinclair, ſich der Fort⸗ dauer der durch den Klee erwirkten Fruchtbarkeit fuͤr die Folge zu verſichern, iſt es eine wichtige Bedingung der, dem Klee vorangehenden Ruͤbenſaat(daſſelbe gilt alſo auch fuͤr Kar⸗ toffeln) eine tiefe Furche zu geben. Zahlreiche Beyſpiele ver⸗ buͤrgen dieſe Erfahrung.“ Dagegen beweist ein anderes Beyſpiel, wie nachtheilig es ſey, zu dem auf die Kartoffeln folgenden Sommerge⸗ treide als Ueberfrucht des Klees, 20(ſage zwanzig) Zoll tief zu pfluͤgen. Aber, hoͤre ich ſagen, welche Afterwirthſchaft moͤgte die ſeyn, die ſo etwas unternaͤhme! Hierauf dient zum Troſt, und zur Rettung der Ehre der Landwirthſchaft uͤberhaupt, daß ſich in ihrem ganzen Gebiete meines Wiſ— ſens nur ein einziges Muſter der Art vorfindet. Es muß ja auch ſolche geben, die zeigen, was man nicht thun ſoll! Mag gleich der Flitter, der das Außerordentliche nicht ſel— ten umgiebt, vom Unwiſſenden fuͤr gediegenes Gold gehal⸗ ten werden, ſo bleibt es doch nur Rauſchgold, und ver— mag hoͤchſtens einen gutmuͤthigen Kenner in weiter Ferne durch ſein Rauſchen zu taͤuſchen. Sollte das angefuͤhrte Wirthſchaft Anderer aus der Ferne zu beurtheilen, nnd wohl eben ſo ſchwer aus der Ferne ihnen Rath zu ertheilen. 4²4 Beyſpiel Jemand zur Nachfolge reizen wollen: ſo moͤge er wiſſen, daß man 20 Zoll tief pfluͤgen, und gerade darum keinen Klee haben kann. Es wird nicht am unrechten Orte ſeyn, etwas uͤber die Cultur des Klees auf wildem Sandheideboden zu ſagen. Ob ich gleich dem nur vorgreife, was ich bey Gelegenheit der Beurbarung der Heide daruͤber vorzutragen habe*). Bekanntlich iſt der Sand, zumal der trockene Sandbo⸗ den, wenn er auch ſeit langer Zeit in guter Cultur ſteht, fuͤr den Klee nicht der guͤnſtigſte, und kann nur, durch paſ⸗ ſende Voraͤrndten zubereitet, oder durch Nebenumſtaͤnde be⸗ guͤnſtiget, den Klee mit Erfolg hervorbringen. Die Ur⸗ ſache davon liegt offenbar in ſeinem wenigen Zuſammenhan⸗ ge, und dem daraus entſtehenden Mangel an waſſerhalten⸗ der Kraft. Dieſer Mangel wird um ſo groͤßer als der Bo⸗ den in ſchlechter Dungkraft ſteht. Daraus ſcheint nothwen⸗ dig zu folgen, daß kein Platz dazu weniger geeignet ſeyn koͤnne, als eine noch wild liegende Sandheide. Dem iſt aber nicht ganz ſo. Der Klee, wie die meiſten Brachge⸗ waͤchſe, liebt einen neuen Boden, der ihn alſo noch nie ge⸗ tragen hat, und greift man ſich nur etwas zweckmäßig da⸗ bey an, ſo kann er unter ſolchen Umſtaͤnden fuͤr einmal nicht blos einen befriedigenden Ertrag, und zwar ohne Dung, geben, ſondern dem Boden auch zur Grundlage ſeiner Be⸗ urbarung und fernern Cultur dienen; denn, wie bekannt, 8 *) Warum das Nuͤtzliche zu thun auf morgen verſchieben, was wir heute thun koͤnnen? Einſt ſagte mir, bey aͤhnlicher Gelegenheit, der unvergeßliche Lezay Marnesia: Vous voulez differer pour l'année prochaine? Eh! saves vous, si vous] viverez encore? 4 25 wer Futter auf der Heide erzielen kann, hat ſie gewonnen! Ich ſetze voraus, man waͤhle nicht gerade eine Stelle auf einer Erhoͤhung, alſo voͤllig duͤrren Sandkuppe, oder eine ſolche, wo ſelbſt das genuͤgſame Heidekraut, erica, nicht fortwill; ſondern eine ebene, mit ſtarkem Heidekraut wohl bewachſene Stelle. Hier faͤngt man vor allem an, den Bo⸗ den abzuplaggen, und wirft die Soden(Plaggen) auf Haufen. Darauf zeichnet man mit der Schnur alle 38— 10 Fuß einen Furchgraben von der Breite eines ſtarken Spatenſtiches. Aus dieſem bezeichneten Graben zieht man vor der Hand nur ein wenig Erde, die man ſtellenweis auf die Beete hin⸗ wirft. Dieſe Erde wird etwas geordnet, um den Brand⸗ weilern zur Grundlage zu dienen. Auf dieſe Erde werden die Soden in kleinen Haufen aufgeſezt, und gebrennt. Waͤhrend dem graͤbt man die Furchen mit einem Spaten⸗ ſtiche aus, der ſo tief eindringt, als die Wurzeln des Hei— dekrauts reichen. Mit der dadurch gewonnenen Erde(Sand) ebnet man die unebenen Stellen der Oberflaͤche; dann ſticht man die Gräben von neuem aus, und zwar ſo tief als der Spaten dringen mag. Dieſe Erde verbreitet man beſtens uͤber den Boden, damit allenthalben etwas davon hinfalle, und Aſche und Kleeſaamen damit gemengt werden koͤnnen, ohne welches erſtere verwehet und lezter nicht aufgehen wuͤrde. Es iſt alſo durchaus noͤthig die Furchen ſo tief auszuſtechen. Die kleinen Aſchenmeiler werden ſpaͤter ſorgfaͤltig aus⸗ geſtreuet, wobey man beobachtet keine Aſche auf den Brand⸗ ſtellen zuxuͤckzulaſſen, als welche ſchon zureichend durch das Feuer allein verbeſſert worden ſind. Der Klee wird uͤber das ſo geaſchte Feld geſaͤet und vermittelſt der Schleife 4²6 eingezogen, und angedruͤckt. Auf dieſe Art wird auf dem feſten Boden der Klee weit beſſer gedeihen, als wenn man ſich noch ſo viele Muͤhe mit vorlaͤufigem Pfluͤgen und Ruͤh⸗ ren gegeben haben wuͤrde. In dem erſten Jahre reicht die Aſche der Brennhaufen fuͤr den Klee zu. Im zweyten aber muß er mit anderer Aſche uͤberſtreuet werden, wozu 50—60 Hektoliter auf den Hektar erfordert werden. Dadurch wird man auch in dieſem Jahre ſchoͤnen Klee haben, der ſelbſt noch im dritten einen befriedigenden Schnitt darbieten kann. Wird nun eine halbe Duͤngung aufgebracht, ſo laͤßt ſich oft Weitzen, allemal aber Rocken, auf ſolchem Felde erzielen. Iſt das Feld in einer Niederung gelegen, und ſchickt ſich zur Weide: ſo nimmt man bey dem Brennen etwas weniger Kleeſaamen als gewoͤhnlich, und ſaͤet Grasſaamen mit aus, wozu ſich die Lotusarten beſonders ſchicken, dann die kleinen Feſtuken, Ruchgras, Kolbengras, weiche Trespe, Honiggras, Wieſenhafer, Raygras, und weißer Klee. Zur Weide mag das Feld ſo lange liegen bleiben, als ſich kein Moos darunter zeigt. Einiges Heidekraut aber verſchlechtert ſie nicht, indem das Vieh dieſes in ſeinem jungen Zuſtande gerne mit dem Uebrigen wegfrißt. Indeſſen laͤßt ſich der Klee auch ohne vorlaͤufiges Bren— nen auf einem Heideneubruch gewinnen. Zu dem Ende wird die Heidenarbe, ſtatt abgeplaggt, im Vorſommer, wo das Geſpann am beſten Zeit hat, umgepfluͤgt, und bleibt in dieſem Zuſtande bis zum Spätherbſte zum Verrotten, oder vielmehr Abſterben, liegen. Nun wird gezweyfuhrt, wodurch die Narbe wieder umgekehrt, und mit einem Schnitt roher Erde bedeckt wird, die den Winter uͤber durch Froſt und 4²⁷ Luft ihr rohes Weſen verliert. Im Fruͤhjahre darf der Pflug das Feld durchaus nicht mehr beruͤhren, denn gerade dadurch wuͤrde der Klee mißrathen. Man ſaͤet nunmehro dieſen allein, oder mit etwas Spergel oder unter Hafer aus, eggt ein, und walzet feſt. In dem erſten und zweyten Falle bedarf es nichts als Aſche(ausgelaugte Holzaſche), in lez⸗ term Falle aber, des Hafers wegen, außer der Aſche auch noch kurzen Duͤngers, Rottmiſtes. §. 5. Saatzeit und Weiſe. In Bezug auf die Zeit gilt die Regel: den Klee ſo fruͤhe als moͤglich zu ſaͤen. Indeſſen hat auch dieſes ſeine Ausnahmen und richtet ſich im Ganzen nach der Ueber— frucht, unter welche er geſaͤet wird. Man kann ihn ſogar noch ſehr ſpät, ja ſelbſt in dem Herbſt mit dem Winterge⸗ treide ſäen. In der Pfalz iſt es nicht ganz ungewoͤhnlich, ſowohl Klee als Luzerne und Esper damit zu ſaͤen; jedoch dann nur, wann nicht unmittelbar zu dem Wintergetreide geduͤngt worden. Hr. Elsner raͤth zu dem Ende den Klee— ſaamen ſehr zeitig, wenigſtens Anfangs September mit dem Rocken zu ſaͤen, und ihn eben ſo ſtark, wie dieſen einzu⸗ eggen.„Bey dieſer Methode, ſagt er, habe ich Klee auf hohen Sandkuppen erbaut und er ſteht in einer Friſche da, die man von dieſen Plätzen gar nicht erwarten ſollte. Es iſt mir auch im vorigen Winter beynahe keine Staude aus⸗ gegangen, ohnerachtet der Berg bey der uͤbermäßig ſtrengen Käͤlte im vorigen Winter(18%) faſt ganz vom Schnee entbloͤßt war.“ Indeſſen iſt der nämliche Verſuch dem Hrn. St. R. Thaer zweymal fehl geſchlagen. Daß man, aber jenes Verfahren abſichtlich gegen das Auswintern des Klees 4²8 anwenden ſolle, wie Hr. Elsner behauptet, hat fuͤr den zweyten Winter, das iſt fuͤr den, der nach der Rockenärndte folgt, ſeine Richtigkeit; dafuͤr aber duͤrfte der Klee unter dem Rocken im erſten Winter um ſo eher Gefahr leiden. Man ſaͤet den Klee entweder zwiſchen Winter⸗ oder Sommergetreide. Im erſten Falle geſchieht ſolches von Ende Januar an bis zum Mai. Die fruͤheſte Saat bleibt hier die ſicherſte. Faͤllt im Maͤrz etwas Schnee: ſo ſaͤet man ihn mit Vortheil daruͤber her, indem der Schnee beym Schmelzen den Saamen an die Erde anklebt. Geſchieht das Saͤen im April, ſo wird es mit dem nuͤtzlichen Durch⸗ eggen der Frucht verbunden. Kann lezteves nicht ſtatt haben, ſo laͤßt man eine Walze nach dem Saͤen hinlaufen. Iſt die Witterung dann feucht, ſo bedarf es weder der Walze noch der Egge; wie ſolches der Gebrauch einer Gegend, die ich lange Jahre bewohnte, ſo wie, nach Burgers Zeugniß, der eines großen Theils von Kaͤrnthen, und meine eigenen Erfahrungen darthun. Wo man das Wintergetreide während dem Winter zu uͤberduͤngen pflegt, laͤßt ſich der Kleeſaamen mit Vorth eil daruͤber herſtreuen. In der Gegend von Herzogeubuſch uͤberſaͤtt man den Rocken Ende Februars oder Anfangs Maͤrz mit Kleeſaamen, eggt nicht, uͤberſtreut ihn aber mit einem guten Antheil Torfaſche. Die Feuchtigkeit, welche dann noch im Boden ſizt, und die Froͤſte, welche noch eintreten und ihn auf⸗ ſchließen, machen daß der Saamen groͤßten Theils in die Erde koͤmmt. Sollte der Acker durch den Froſt zu loſe ge⸗ worden ſeyn: ſo wird im April mit einer ſchweren ſteinernen Walze gewalzt.— Der ganz fruͤhe uͤber die Winterfrucht geſaete Klee bietet —,— 4²³9 den Vortheil dar, daß er im Herbſte nach der Getreideaͤrndte oft einen bis zur Bluͤthe gelangten Schnitt darbietet, welches bey dem Sommerfrucht⸗Klee ſeltner der Fall iſt. Unterdeſſen wird er doch gewoͤhnlicher unter dieſe als jene Frucht geſaͤet und das mit Recht! Wenn von Sommergetreide die Rede iſt: ſo ſaͤet man den Klee entweder gleichzeitig mit dieſem; oder wenn es ſchon einige Zoll hoch uͤber der Erde ſteht; oder zwiſchen beyden Epochen. Im erſten Falle wird die Ueberfrucht, es ſey Gerſte oder Hafer, zuerſt untergebracht, dann der Klee geſaͤet und nur mit einem Striche der Egge uͤberzogen. Auf thonigem Boden, der ſich Kloͤtte halber beym Eineggen des Getreides nicht eben genug hinlegt, wird noch gewalzt, der Klee auf den gewalzten Acker geſaͤet, und dann mit einem einfachen Striche der Egge uͤberzogen. Iſt das Getreide nachher ein Paar Zoll uͤber der Erde, ſo wird von neuem gewalzt. Man pflegt auch wohl das Eineggen des Klees gaͤnzlich zu unterlaſſen, und den Saamen blos anzuwalzen. Ich war vormals viel fuͤr dieſe Verfahrungs⸗ art, wobey man ſicher iſt, daß auch nicht ein Koͤrnchen tiefer, als es ſoll, in den Boden komme; allein eine nach⸗ herige Erfahrung belehrte mich, daß bey eintretender trockner Witterung der Klee bey dieſer Verfahrungsart nur ſparſam aufgehe. Sie hat alſo nur bey guͤnſtiger Witterung ihre Vorzuͤge. Im zweyten Falle wird der Klee geſaͤet, wenn das Ge⸗ treide einen Finger lang uͤber der Erde iſt. Darauf wird gewalzt, oder auch nicht, wenn ſehr feuchte Witterung ob⸗ waltet. Auf recht trocknem Boden hilft das Saatanwalzen wenig, beſonders wenn der Boden hart kloͤttig iſt. Da huͤpft die Walze nur druͤber her, ohne oft den Kleeſaamen zu be⸗ 45 ruͤhren, der dann bey trocknem Wetter nicht zum Keimen koͤmmt. Das Saͤen des Klees uͤber die gelaufene Sommer⸗ frucht bleibt alſo immer etwas gewagt, weilen einzig dem Wetter uͤberlaſſen. Zwiſchen beyden Methoden ſchaltet ſich noch eine dritte ein, die naͤmlich, den Klee, weder gleichzeitig mit dem Sommergetreide, noch wenn dieſes uͤber der Erde iſt, ſon⸗ dern waͤhrend dem Keimen deſſelben zu ſaͤen. Es geſchieht bey dem Hafer 8— 10 Tage nach dem Saͤen. Der Acker wird dann ſcharf durchgeeggt, der Klee geſaͤet und flach ein— geeggt. Etwas der Art hat auch in Norfolk ſtatt. „Man waͤhlt, ſagt Marshall, in Norfolk ein ganz eigenes Moment, wenn man Klee unter die Gerſte ſaen will. Solches geſchieht weder zur Zeit der Saat dieſer lez— tern, noch wenn dieſe ſchon uͤber der Erde iſt; ſondern waͤhrend der Zwiſchenzeit beyder.— Schwer faͤllt es die Urſache davon anzugeben. Geſchieht es um einen Vorſprung uͤber den Unkrautſaamen zu gewinnen, den die Egge unter⸗ gebracht hat?* Oder hat dieſe Vorrichtung, deren Guͤte die Erfahrung bewaͤhrt hat, etwas anders zum Grunde? Vielleicht folgendes: Die feuchte Erde, welche das Unter— bringen der Gerſte zu Tage foͤrdert, reicht hin, um den gleich hinterher geſaͤeten Klee ſamt Raygras aufgehen zu machen; ihre Feuchtigkeit reicht aber vielleicht nicht hin, um beyde lang genug fortwachſen zu machen, im Falle der Regen ſich zu lange erwarten laͤßt. Saͤet man aber dieſe Gewaͤchſe, nachdem die Oberflaͤche bis auf einen ſichern Grad abge⸗ trocknet iſt: ſo gehen ihre Saamen nicht vor dem erſten *) Ich weiß dieſer Vermuthung keine recht wirthſchaftliche Deu⸗ tung zu geben. Die gleich folgende aber ſcheint ſehr gegruͤndet. 451 Regen auf, und die jungen Pflaͤnzlein gewinnen Zeit ſich zu erhalten, bis ſie die ſchuͤtzende Gerſte unter dem Schatten ihrer Blaͤtter aufnimmt.“ „Der Saamen, faͤhrt Marshall fort, wird mit zwey Strichen eingeeggt, aber nur ruͤckwaͤrts, alſo mit ſchleifen⸗ den, nicht ergreifenden Zaͤhnen, um weder Gerſte noch Kloͤtte heraufzubringen.“ Man wird aus all dem vorgeſchickten geſehen haben, daß es ſich bey dem Kleeſaͤen um ein moͤglichſt flaches Un— terbringen des Saamens handelt, und das iſt die zweyte dabey zu beobachtende, ja Haupt⸗Regel. Sie ſteht ſo feſt, daß im Elſaß, wo aller uͤbrige Saamen, er mag Namen haben, wie er will, vom Weitzen bis zu Raps und Ruͤben mit dem Pfluge untergebracht wird, fuͤr den Kleeſaamen allein eine Ausnahme ſtatt findet. Die Verſuche, die Hr. Leopold in der landwirth⸗ ſchaftlichen Zeitung 1808 mitgetheilt hat, veranlaßten mich ſolche zu wiederholen. Wenn unſere Reſultate ſich nicht ganz gleichen: ſo gleichen ſie ſich doch in dem Hauptpunkte, naͤmlich, daß man um ſo weniger, und um ſo ſchwaͤchere Pflanzen erzeugt, als man den Saamen tiefer in den Boden bringt. Im Uebrigen beſchraͤnke ich mich hier blos auf die Angaben meiner eigenen mit moͤglichſter Sorgfalt ge— machten Erfahrungen. Demnach giengen von 100 Koͤrnern Kleeſaamen auf: bey 3 zoͤlliger Bedeckung 0, Verluſt 100 Koͤrner. bey 2 zoͤlliger Bedeckung 27, Verluſt 75— bey zoͤlliger Bedeckung 93, Verluſt 7— bey zoͤlliger Bedeckung 97, Verluſt 3— ohne Bedeckung 7, Verluſt 99— 4 ³² Die Zeit des Aufgehens war wie folgt: bey 2² Zoll Bedeckung zwiſchen dem ꝛ0ten und 16ten Tag alſo mit 13 Tagen. bey 1 Zoll Bedeckung zwiſchen dem 6ten und 12ten— alſo mit 9 Tagen. bey Zoll Bedeckung zwiſchen dem 4ten und 8ten— alſo mit 6 Tagen. ohne Bedeckung zwiſchen dem 5ten und 6ten— Dabey waren anhaltend die ½ und 1 zollige die ſtaͤrkſten, die ohne Bedeckung ſchwaͤcher, die 2 zoͤllige nur elende Schwaͤchlinge, die ſich hier und dort zwiſchen den Erdriſſen durchgeſtohlen hatten. Von den 5 zoͤlligen zeigte ſich auch nach 22 Tagen nicht eine Pflanze. Was die oben auf liegenden Koͤrner betrifft, ſo fehlte bey den Leopoldſchen Verſuchen auch nicht eines; bey den meinigen gegentheils keimte nicht eines, bis auf die 7, welche alle ein wenig mit der Erde von den Seiten in Beruͤhrung gekommen. Wahrſcheinlich hielt Hr. Leopold das Geſaͤete ſehr naß, ich vielleicht etwas zu trocken; doch gab ich den Verſuchen alle 3 Tage ein wenig Waſſer, und ſuchte mich, nach beſtem Duͤnken, nach dem Witterungszuſtande zu richten, auf welchen man im Freyen zählen darf. Auf dem Felde geraͤth das Obenaufſaͤen in der Regel ſehr gut, welches ich zwey Urſachen zuſchreibe; die eine, daß ſolches zwiſchen das ſchon ausgelaufene Getreide geſchieht, welches dem Klee⸗ keime Schutz gewaͤhrt, die andere, daß die kleinen Kloͤtte auf dem Felde dem Klee mehr oder weniger zur Bedeckung dienen, beſonders wenn die Walze, zum Andruͤcken des Kleeſaamens daruͤber herlänft. Dieſe Methode iſt alſo nicht ganz ſo verwerflich, als ſie es dem Verſuche nach zu ſeyn ſcheint. 435 ſcheint. Doch iſt nicht zu laͤugnen, daß in trockner Zeit der Klee mehr dabey gefaͤhrdet iſt, als bey dem Unterbringen. Dieſe Verſuche beweiſen zur Genuͤge fuͤr das moͤglichſt ſeichte, und gegen jedes, uͤber einen Zoll tiefe, Unterbringen des Kleeſaamens. Sie beweiſen, daß, je rauher der Boden iſt, wodurch man manchmal genoͤthiget wird mit der Egge ſcharf einzugreifen, nm ſo mehr Saamen man nehmen muͤſſe. Ich bemerke zulezt noch, daß wenn, wie bey dem Verſuche, eine uͤber den Saamen hergeruͤttelte Erde, bey der Dicke von 1—2 Zoll zureicht, um ſo manche Koͤrner am Aufgehen zu hindern, wie viel mehr ſolches bey gewoͤhnlich rauherer Oberflaͤche des Feldes der Fall ſeyn muͤſſe. §. 6. Saamen und Saatquantum. Wenn es irgend einen ſchaͤndlichen Verrath in merkan⸗ tiliſcher Hinſicht giebt: ſo iſt es der Verkauf von untaug— lichem Kleeſaamen. Wenn Jemand zehn Zentner Kleeſaamen vom Boden entwendete, man wuͤrde ihn ohne Weiteres fuͤr einen Dieb halten; und doch entzoͤge er dem Eigenthuͤmer dadurch nur den Werth von etwa 100 Thaler. Statt deſſen verkauft mir ein Anderer zehn Zentner unbrauchbaren, z. B. durch ſtarkes Doͤrren im Ofen getoͤdteten Kleeſaamen zu ge⸗ dachtem Preiſe. Ich ſaͤe ihn auf Treu und Glauben, und er geht nicht auf, und ich habe im folgenden Jahre kein Futter, und ich gaͤbe gerne noch 500 andere Thaler darum, wenn ich welches fuͤr mein Vieh haͤtte. Wie ſollte man einen ſolchen Frevel nennen? Wie den daraus hervorgehenden, nicht zu berechnenden, Verluſt verguͤten? Billig ſollte man keinen Kleeſaamen ohne vorllaͤufige Pruͤfung kaufen. Dieſe Pruͤfung iſt ſehr leicht. Vor Allem v. Schwerz Anleit. z. prakt. Ackerbau. II. Bd. 28 4³4 ſehe man auf ſeine Farbe. Iſt dieſe nicht hellgelb und zum Theile blau, nicht etwas glaͤnzend, ſondern braun und blaß: ſo iſt der Saamen hoͤchſt verdaͤchtig. Zum Pruͤfen laͤßt man eine Scherbe mit milder Erde fuͤllen, eine beſtimmte Anzahl Saamenkoͤrner oben auf ſtreuen, mit lau warmem Waſſer angießen, an einen temperirten Ort hinſtellen, nach 4—6 Tagen, auch etwas ſpaͤter, nachſehen, und wird dann von der Zahl der keimenden Koͤrner auf ihre Guͤte ſchließen koͤnnen. Noch kann der Kleeſaamen nicht verdorben, aber doch mehrere, vielleicht 5—6 Jahre alt ſeyn. Er wird dann, wenn nicht naſſe Witterung eintritt, meiner Erfahrung nach, nur ſpaͤt, und zum Theile gar nicht keimen.* Am ſicherſten faͤhrt allemal der Landwirth, der ſeinen Kleeſaamen⸗Bedarf ſelbſt erzeugt. Hoch freylich ſchlagen Manche die durch dieſe Saamenerzielung bewirkte Erſchoͤpfung des Bodens an**; die Englaͤnder haben ſelbſt einen ſo pa⸗ niſchen Schrecken dafuͤr, daß ſie keinen zu erzielen wagen, und lieber den Belgen das Geld dafuͤr zuſenden. Thun ſie doch deßgleichen fuͤr Raps und Wicken! Der Niederlaͤnder lacht daruͤber in die Fauſt, und laͤßt den Inſulanern gern ihren Wahn. Man kann Alles, auch das Beſte, bis zur Pedanterei treiben, und einem ſchoͤnen Weitzenfelde, wie einem Prachtpferde, alle ſonſtige davon zu beziehende Vortheile aufopfern. Der Menſch lebt aber von Brod und Hammel⸗ fleiſch nicht allein! Zoͤge der Kleeſaamen auch ſo viele Kraft aus dem Boden wie der Weitzen, was bey weitem nicht iſt: *) Es iſt zu bedauern, daß wir bis jezt die Dauer der Keim⸗ barkeit jedes landwirthſchaftlichen Gewaͤchſes noch nicht kennen. **) Wir werden in der Folge dieſes Abſchnittes etwas daruͤber zu ſagen finden. — 435 ſo zieht er doch nicht ſo viel daraus, als er ihm durch die Wurzeln, Stoppeln, Blaͤtter ſeiner Saamenſtaͤngel zuruͤck⸗ giebt. Ein Pferd wohl fuͤttern, einen Acker wohl duͤngen, und viel von beyden fordern, das iſt die Maxime der Niederlaͤnder, wodurch ſie ihre Wirthſchaft auf einer Hoͤhe erhalten, die ſelbſt den Englaͤndern zur Bewun— derung dient, und wobey jene ſicherer bey ihrem einfachen Kopfrechnen, als dieſe bey ihren politiſchen Calcuͤls fahren. Sollten aber die Englaͤnder nur die Veraͤnderung bey Ankauf des Kleeſaamens beruͤckſichtigen: ſo moͤchte ihr Ver⸗ fahren zu entſchuldigen ſeyn. Auch in Flandern geſchieht ſolches. In dem Lande von Waes, welches den beſten und geſuchteſten Saamen fuͤr andere Gegenden liefert, ſucht man den Saamen oft zu veraͤndern und von andern Orten ein⸗ zutauſchen. Oft laͤßt man den Saamen aus Holland kom⸗ men, um die Abwechſelung noch vollkommener zu machen. Auf fettem Boden wird man oft in die Lage verſezt, den Kleeſaamen fuͤr Geld beziehen zu muͤſſen, da er hier zu maſtig wird, zu viel in einander waͤchſt, lagert, und beynahe nur taube Bluͤthenkoͤpfe treibt. Dann laſſe man ſich ja durch die niedrigern Preiſe uicht verleiten ſchlechtem vor gutem Saamen den Vorzug zu geben. Das Schlechte bleibt am Ende immer das Theuerſte. So wird man von 20 Pfund gutem Kleeſaamen mehr Pflanzen auf dem Felde zaͤhlen, als von 30 Pfund ſchlechtem. Was hat man nun durch den Ankauf von lezterm gewonnen? Wie viel Saamen man nehmen ſoll, haͤngt, wie bey allen uͤbrigen Gegenſtänden, von der Eigenſchaft des Saa⸗ mens, und dem natuͤrlichen und zufaͤlligen Zuſtande des Bodens; dann insbeſondere von der Ueberfrucht ab, worunter 4³⁶6 der Klee geſaͤet werden ſoll. Staͤrker ſaͤet man auf ſehr ſandigem, als auf gutem Mittelboden, auf ſchlecht bear⸗ beitetem, verunkrautetem mehr, als auf reinem wohlverkruͤmel⸗ tem; auf armem mehr, als auf reichem; ſtaͤrker unter die Winter- als Sommerfrucht; ſtaͤrker, wenn die leztere ſchon ausgelaufen iſt, als wenn man den Klee gleichzeitig mit ihr ſaͤet; ſtaͤker um ein Drittel, wenn man mehrjaͤhrigen, als wenn man ein⸗ oder zweyjaͤhrigen Saamen gebraucht. Burger gibt fuͤr unter Sommerfrucht auf reichen Mergelboden geſaͤeten Klee per Hektar an......... 14,6 Kilogr. auf ſandigen Boden....... 19,5— Deßgleichen bey Trockenheit..... 23,4— Nach Youngs Verſuchen gab der hoͤchſte Ertrag auf geduͤngtem Felde die Einſaat von. 14 Kilogr. auf ungeduͤngtem die von. 20— In ſeinem Calender giebt Noung als ge— woͤhnlich fuͤr England an.. 12 bis 18— nach vieljaͤhrigen Erfahrungen aber haͤlt derſelbe ohne Unterſchied des Bodens fuͤr beſſer..... 25 und mehr— die ſtaͤrkſte Ansſaat in den Niederlanden auf Sandboden betraͤgt... 20— daſelbſt........... 16454— daſelbſt........... 12— daſelbſt auf gutem Thonboden.... 12,0— daſelbſt.... 9— Auf der Cleviſchen Hohe auf Sandboden 12— Dr. Schweitzer ſäett 11,0— der Durchſchnitt giebt 4³⁷ Iſt der Klee beſtimmt laͤnger als ein Jahr ſtehen zu bleiben, und im zweiten zur Viehweide zu dienen, ſo ſaͤet man mit vielem Nutzen etwas weißen Klee, oder nach Art der Englaͤnder einige Grasarten darunter, wozu ſich insbe⸗ ſondere das Knaulgras, dactylis glomerata, das Raygras, und ſelbſt das Hafergras ſchicken. Das Raygras wuͤrde am paſſendſten dazu ſeyn, wenn man ihm ſeines uͤberaus haͤu⸗ figen Saamentragens wegen nicht Schuld gaͤbe, daß es den Boden ſtark angreife. Auf gutem Sandboden pflegt man auch bey einjaͤhri— gem Stand ein bis zwey Kilogramme weißen Kleeſaamen unter den rothen zu miſchen, weilen jener, wenn dieſer ab⸗ gemaͤhet iſt, nicht ſo ſtark von der Senſe beruͤhrt wird, dem— nach den entbloͤßten Sandboden gegen die Sonnenſrahlen deckt, bis dahin der rothe im Stande iſt, ihn mit ſeinem zweyten Wuchſe in Schatten zu ſetzen. In Flandern ſaͤen einige die unausgedroſchenen Saamen⸗ koͤpfe uͤber das Wintergetreide, und halten ſo das Auf⸗ kommen des Klees fuͤr weniger gefaͤhrdet. §. 7. Nachtheilige Zufaͤlle. Auch der Klee iſt manchen Widerwaͤrtigkeiten unter— worfen. Dahin gehoͤren: das Mißlingen bey ſeiner Ent⸗ ſtehung, das Erfrieren im Winter, ſichere Unkraͤuter, Thiere, und Krankheiten. a. Mißlingen. So viele Muͤhe man ſich auch giebt den Klee gehoͤrig zu beſtellen: ſo iſt man doch nicht immer ſicher, welchen zu haben, wenn gleich ſolches unter die ſelteneren Fälle gehoͤrt. 438 Weniger iſt dabey das nicht Aufgehen des Saamens, als ſein Vergehen, wenn er ſchon aufgegangen iſt, zu be⸗ fuͤrchten. Hat der Klee im Fruͤhjahre wegen Abgang an Feuchtigkeit nicht zum Keim kommen koͤnnen: ſo geht er doch nachher beym erſten warmen Regen, wenn gleich erſt um Johannis auf. Wenn in äußerſt trocknen Sommern der Klee ſogar bey der Getreideaͤrndte noch nicht da ſeyn ſollte: ſo darf man, wenn man nur der Guͤte des Saamens bewußt war, und nun feuchte Witterung eintritt, die Hoff⸗ nung nicht aufgeben, und man muß den Erfolg abwarten, bevor man ſich zum Umpfluͤgen der Stoppeln entſchließt. Der dann noch aufkeimende Klee kann, geſchuͤzt von den Getreideſtoppeln, den Winter aushalten. Toͤdtlich aber wird der jungen ſchon gekeimten Kleeſaat ein duͤrrer Sommer, wie ſolches 1821 an vielen Orten der Fall war. Man ſchob ihren Untergang damals auf Rech⸗ nung der Maͤuſe; aber mit Unrecht. Der junge ganz kuͤm⸗ merliche Klee war eine zu magere Koſt fuͤr dieſe hungrigen Gaͤſte, die auf den aͤltern Kleefeldern eine reichlicher gedeckte Tafel fanden, und weidlich darauf aufraͤumten. Eine Sicherheitsmaßregel bleibt es fuͤr den groͤßern Wirth, einen Theil ſeines Klees uͤber Winterfrucht zu ſaͤen, damit, wo eine Saat ausbleibt, doch die andere ſich erhal⸗ ten moͤge. So ſaͤeten wir bisher in Hohenheim alljaͤhrlich den dritten Theil uͤber Rocken oder Dinkel. Der Klee verliere ſich aber in ſeiner Jugend durch welchen Zufall er wolle: ſo iſt es hoͤchſt wichtig, ſich gegen ſeinen Abgang im folgenden Jahre zu decken. Das Wicken⸗ ſaͤen, worauf man zaͤhlt, thut viel, aber nicht Alles, manch⸗ mal nur wenig. Immer bleiben Wicken nur Surrogat des 4³⁹ Klees. Man kann dieſen aber aunch noch nach der Winter⸗ getreidaͤrndte ſäͤen. Sobald naͤmlich dieſes vom Felde iſt, werden die Stoppeln ohne Zeitverluſt abgeſchaͤlt und ſogleich vereggt. Man laͤßt nun dem Lande etwas Ruhe, und ſieht gerne, wenn es ſich verwaͤchſt. Dann wird gepfluͤgt und Klee ohne Ueberfrucht geſaͤet. Iſt er ein wenig uͤber der Erde, ſo wird gegipſt. Es verſteht ſich, daß hier von einem Lande Rede iſt, wo zum Wintergetreide geduͤngt worden war. Ich fand dieſes Auskunfts⸗Mittel ſowohl im Elſaß als in der Pfalz, und machte daruͤber ſelbſt folgende Erfahrung. Im Jahre 1822 war uns ein Land mit Gerſte uͤber⸗ geben worden, worunter Klee geſaͤtt war. Der Saamen von lezterm hatte wahrſcheinlich nicht zugereicht, und es war deßhalb ein Streifen von einem Morgen unbeſaͤet ge— laſſen worden, wie ſich nach dem Abbringen der Gerſte zeigte. Der Gleichfoͤrmigkeit und auch des Verſuches wegen ließ ich in den erſten Tagen des Auguſts pfluͤgen und Klee ſaͤen. Der Klee kam, hielt den ziemlich ſtrengen, ſchnee⸗ loſen Winter 18 ⅞ ſo gut aus, als ſein Nachbar, und gab zwey Schnitte, die zwar nicht ſo feiſt, als die des leztern, aber doch eben ſo dicht, und nicht weniger hoch waren. b) Auswintern. Der Klee kann entweder durch Erfrieren oder Auffrieren zu Grund gehen. Ob der Klee wirklich in der Erde er⸗ frieren koͤnne; oder ob dieſes Erfrieren nur dann erfolge, wann der Klee, durch den Froſt aus der Erde gehoben, und ſeine entbloͤßten Wurzeln dem Verderben durch Luft und Kälte preis gegeben werden, wage ich nicht zu entſchei— den, da mir noch nie ein Auswintern des Klees vorkommen iſt. Im Zweifel ſcheint lezteres, naͤmlich das Auffrieren am 440 glaubwuͤrdigſten. In einem der lezten Jahre des vorigen Jahrhunderts befror der unbeſchneite Boden bis zu einer Tiefe von(wo ich nicht irre) zwey Fuß, und doch winterte der, auch nicht mit Miſt gedeckte Klee, in der Gegend die ich bewohnte, wo der Boden nie aufzufrieren pflegt, nicht aus; ſtatt daß man damals anderswo viel vom Auswin⸗ tern ſprach. Einige ſehen das Ueberduͤngen des Klees mit Stall⸗ miſt im Winter, das bey allen guten Dreyfelderwirthen uͤblich, als ein Schutzmittel gegen das Auswintern an. In ſo weit als ſolches gegen die Nachtheile des Auffrierens ſchuͤßt, haben ſie wohl Recht, indem der ſtrohige Miſt die entbloͤßten Wurzeln des Klees fuͤr das Austrocknen be— wahrt. Gegen einen ſtarken ſchneeloſen Froſt wuͤrde aber eine ſolche durchloͤcherte Decke nicht ſchuͤtzen, im Falle der Klee dem Erfrieren in der Erde unterworfen waͤre, welches er aber meines Dafuͤrhaltens nicht iſt. Ein wohl einge— wurzelter, weilen auf kraͤftigem Acker aufgewachſener Klee, hat nach meiner Erfahrung, wenigſtens auf thonigem Bo⸗ den, keines Schutzmittels noͤthig. Von Ueberduͤngen des Klees als Kraftmittel in dem folgenden§. Auf wenig gebundenem Boden moͤchte das Auftreiben, alſo auch das Abweiden des Klees im Herbſte und Vor⸗ winter durch Schaafe, wodurch die Erde feſt an und zwi⸗ ſchen die Wurzeln des Klees gedruͤckt wird, ein gutes Vor⸗ beugungsmittel gegen das Auffrieren ſeyn. Iſt aber das Uebel einmal geſchehen, das heißt: hat der Klee ſich aus dem Boden gehoben, ſo wird, wie ſolches unter gleichen Umſtänden auch bey dem Getreide uͤblich iſt, gewalzt. 441¹ c) Schaͤdliche Thiere. Erdfloͤhe, Schnecken, Maͤuſe. Ob die Erdfloͤhe dem hervorſtehenden Klee, wie man behauptet, nachſtellen, kann ich nicht ſagen, da ich noch nie einen Floh darauf erblickt habe. Schwer auch ſcheint es zu glauben, wenn man bedenkt, mit welcher graͤulichen Wuth die Floͤhe in manchen Jahren uͤber den unter der Gerſte aufkeimenden Hederich herfallen. Stellten ſie nun eben ſo ſehr dem unter die Gerſte geſaͤeten Klee nach, ſo blieb nicht Stumpf noch Stiel davon uͤbrig, und des Kla⸗ gens uͤber Noth waͤre kein Ende. Da dieſes aber nicht ge— ſchieht, ſo wage ich es, die Erdfloͤhe von dieſer weitern Schuld loszuſprechen. Hat man wirklich am jungen Klee Inſekten⸗Fraß bemerkt: ſo moͤchte derſelbe eher den Erd⸗ ſpinnen, wie ſolches bey Wicken und Pferdebohnen entſchie⸗ den der Fall iſt, zuzuſchreiben ſeyn. Gewiß mehr, als jenes Geziefer, thun die kleinen grauen Erdſchnecken dem Klee Schaden. In feuchten Climaten, in regneriſchen Jahren, auf feuchtem Boden, zumal wenn die Felder von Hecken und Baͤumen eingeſchloſſen ſind, richten die Schnecken nicht wenig Unheil im erſten Winter unter dem Klee an. In den Niederlanden wirft man an ſolchen Stellen etwas Ruͤbenſaamen mit dem Kleeſaamen aus, da das Ruͤbenlaub mehr als die Kleeblaͤtter dem Geſchmacke dieſer kleinen aber unerſaͤttlichen Freſſer zuſagt. In Gegen⸗ den, wo man mit Kalk verſehen iſt, wuͤrde ein wiederholtes Ueberſtreuen damit wohl von groͤßerer Wirkſamkeit ſeyn, auch nebenbey noch dem Klee frommen. Auch hilft ein wiederholtes kraͤftiges Walzen vor oder nach Sonnenauf⸗ und⸗ untergang. uͤberſtrickende Flachs ſeide. Dieſe Schmarotzerpflanze hat 44² Maͤuſe ſind wohl die thieriſchen Hauptfeinde des Klees. Das Laub, welches wieder nachwachſen koͤnnte, verſchmaͤ— hend, gehen ſie auf die Wurzeln los, kuͤrzen dieſe mit ih⸗ ren ungeheuren Zaͤhnen in zwey Zoll lange Stuͤcke und heim⸗ ſen ſie ordnungsmaͤßig in ihre Magazine ein. Loͤcher, Fal⸗ len, und, beſſer noch, ein oͤfteres und fleißiges Trippeln der Schaafe auf dem Kleeacker moͤgen hier helfen. d) Nachtheilige Pflanzen. Ich kenne nur zwey dem Klee nachtheilige Pflanzen, den ſpitzen Wegerich, plantago lanceolata, und die Flachs⸗ ſeide, cuscuta. Der Wegerich koͤmmt, meiner Erfahrung nach, an einigen Orten beſonders haͤufig unter dem Klee vor. Friſch mit dieſem gefuͤttert, iſt er nicht nachtheilig; wird aber der Klee geheuet, ſo verſchlechtert er denſelben namentlich; in— dem er nicht gut trocknet. Eine ſchlimmere Eigenſchaft iſt die, daß er den Boden ſo ſehr angreift, daß man an dem ſchlechten Weitzen die Stellen erkennen kann, wo viel Wegerich unter dem Klee geſtanden. In ſolchen Gegenden iſt man dann auch ſehr behutſam beym Ankauf des Kleeſaa⸗ mens, und bey ſeiner Erzielung ſucht man bey Zeiten mit einem engen dreyzinkigen Haͤckchen die Wegerichpflanzen zwi⸗ ſchen dem heranwachſenden zweyten Kleeſchnitte auszuziehen. Eine dem Lein, den Bohnen, dem Klee und ſelbſt dem Graſe fuͤrchterlicher Feind iſt die Alles umgarnende und ſich nur vor und nach unter uns verpflanzt, und durch die Cultur zugenommen. Site zeigte ſich erſt vor etwa 40— 50 Jahren in den Niederlanden, und war, wenn gleich ein— 44³ heimiſch, vorher wenig daſelbſt gekannt. Man fand ſie blos zwiſchen den Genſt-, Ginſter-Anſaamungen, wozu be— kanntlich nur ſchlechter Boden gewaͤhlt wird, den man nach— her mit Rocken zu beſtellen gedenkt. Von da aus verbreitete ſich jene heilloſe Pflanze, die man nicht weniger in dem ganzen weſtlichen Deutſchland, namentlich im Elſaß und in Wuͤrtemberg antrifft, uͤber die gewoͤhnlichen Ackerfelder, und zwar ſo, daß die Landwirthe kaum Mittel wiſſen, ih— rer los zu werden. Dieſe Pflanze zeigt ſich weder unter dem jungen Klee in dem Herbſte des erſten Jahres, noch unter dem erſten Schnitte des zweyten Jahres; allein wird das Wetter alsdann trocken: ſo iſt der zweyte Schnitt großen Theils verloren, und mit ihm die Saamenaͤrndte. Das Jäten und Ausziehen iſt dabey fruchtlos, da ſich die Wurzeln des Unkrauts ſo ſehr mit den Kleewurzeln ver⸗ ſchlingen, daß die Pflanze beym Ziehen abbricht; wodurch man nach wenigen Tagen zehn Pflanzen ſtatt einer antrifft, die den Klee erſticken. Da die Flachsſeide ſich ſo gerne un— ter dem Lein anſiedelt: ſo vermeidet man in ſolchen Diſtrik— ten Flanderns, wo jenes Unkraut einmal Beſitz vom Acker genommen, Klee unter Lein zu ſaͤen, ſo gerne man es auch ſonſt thut. Nur ſolche Leute, die ihr Feld mit dem Spa— ten umgraben, und es mit Kartoffeln bepflanzen, auf welche Rocken und dann Lein folgt, ſaͤen den Klee unter dieſen, und dann zeigt ſich die Flachsſeide ſelten auf einem ſolchen Kleeſtuͤcke.— Sollte man Saamen von einem mit Flachs— ſeide verwachſenen Klee aufnehmen wollen: ſo muͤßten die Saamenlkoͤpfe auf dem Felde abgeriſſen, alſo fuͤr ſich allein geſammelt werden. 414 e) Krankheiten. In der Gegend von Mannheim beklagt man ſich, daß der Klee nicht ſelten vom Honig-poder Mehlthau heimge⸗ ſucht und dadurch ſein erſter Schnitt unbrauchbar werde. Wahrſcheinlich tragen die Nebel an dem daſelbſt traͤge flieſ⸗ ſenden Rheine dazu bey. Mittel zur Abwendung des Schadens moͤgten ſeyn, wenn der Klee im Auguſt mit Dinkel zum Abfuͤttern angeſaͤet wuͤrde!? Einer eigenen Krankheit, von der ich ſonſt nie gehoͤrt habe, iſt der Klee in dem kleinen Lande um die Staͤdte Kempen, Dahlen u. ſ. w. unterworfen. Man bezeichnet ſie unter dem Namen Stock. Nebſt dem Klee leiden auch Ro⸗ cken, Hafer und Buchweitzen, nicht aber Weitzen und Lein, darunter. Die Krone des ſtockigen Klees iſt ſchwarz, die Wurzel welk, zaͤhe, trocken, ohne Faͤule oder Benagung von irgend einem Thiere. Der Stock zeigt ſich gewoͤhnlich ſchon im Herbſte des erſten Jahres. Erblickt man dann auf dem Kleefeld ſchwarze Flecken, auch nur von der Groͤße eines Tellers, ſo kann man ſchließen, daß ſie im folgenden Fruͤhjahre ſich ſchon auf einige Ruthen werden ausgedehnt haben. Man hat zum Verſuche rings um ſolche Stellen eine Rinne ausgegraben, und dadurch die Fortſchritte der Krankheit von den benach⸗ barten geſunden Stellen abgehalten, welches beweist, daß das Uebel ſich durch Beruͤhrung fortpflanzt. Iſt der erſte Kleeſchnitt ſtockig, ſo iſt von dem zweyten durchaus nichts zu erwarten. Der Buchweitzen wird fuͤr die eigentliche Mutter des Stocks angeſehen. Das Getreide vergeht durch den Stock gaͤnzlich, und man ſagt dann: der Acker ſey toll. Wird 445 ein ſtockiges Haferland umgepfluͤgt, und im Herbſte mit Rocken beſtellt: ſo wird dieſer unfehlbar auch ſtockig, und verſchwindet von dem Felde. Die Heilmittel gegen dieſes Uebel ſind reine Brache, Lein, Erbſen, Kartoffeln. Ein Beweis daß das, in jener Gegend uͤbliche, zu haͤufige Wiederkommen des Getreides auf daſigem Boden den Stock erzeuge. Auch halten die er— fahrenſten Landwirthe in Dahlen eine von Zeit zu Zeit wie⸗ derholte Brache fuͤr unentbehrlich, und daß ſie, durch keinen Dung erſezt werden koͤnne, wovon man mirr die uͤberzeu— gendſten Beweiſe gab. §. 3. Ueberduͤngen. Zum Ueberduͤngen des Klees dienen Miſt, Jauche, Aſche, Mergel, Kalk, Gyps, Salz. a) M i ſt. In mehreren guten Dreyfelderwirthſchaften wird der Klee regelmaͤßig mit langem Stallmiſt uͤberdeckt, und zwar mit mehr Miſt, als auf die Brache verwendet wird. Die Er⸗ ſchoͤpfung des Bodens durch zwey Halmfruͤchte macht ſolches oft noͤthig. Man iſt dabey ſicher guten Klee, alſo auch guten Weitzen und nach dieſem noch guten Hafer zu haben, und auf dieſe Weiſe iſt das Felderſyſtem ſo ſchlimm nicht. Brache, Rocken, Gerſte, Klee, Weitzen, Hafer, wenn zu Brache und Klee geduͤngt wird, iſt eine ſehr gute, lohnende und ſich aufrechthaltende Fruchtfolge fuͤr einen thonigen Mit— telboden. Ich ſah ſie lange, lange Zeit ſo ausfuͤhren und das ohne Beyhuͤlfe von Heu im Winter, und bey einer kaͤrglichen Viehweide im Sommer. Das ganze Gebäude gruͤndete folglich auf Klee und Stroh, und von dieſen wurde 446 der Acker, nicht uͤberfluͤſſig, aber doch zureichend alle drey Jahre mit Miſt verſehen. Dabey hatte man weder Gyps noch Aſche noch ſonſt was zu Gebote. Wollte man die Moͤglichkeit des Geſagten in Zweifel ziehen: ſo weiß ich nichts darauf zu antworten, als daß ich es 21 Jahre lang bey den Bauern meines fruͤhern Aufenthaltes bey Tongern ſo geſehen habe. Das Ueberdecken des Klees mit Miſt geſchieht im Win⸗ ter, wenn der Boden zugefroren iſt; beſſer aber gegen Ende deſſelben als im Anfange. Eine Decke gegen den Froſt hat der Klee auf geſchloſſenem Boden nicht noͤthig. Fruͤh auf⸗ gebracht macht ſie ihn vielmehr fuͤr die Spaͤtfroͤſte noch em⸗ pfindlicher. Dabey beguͤnſtiget das Ueberduͤngen im Vor⸗ winter bey eintretendem gelindem Wetter das Unkraut, und zieht die Maͤuſe heran. Daß aber das Ueberduͤngen gegen die Nachtheile des Aushebens des Klees durch den Froſt ſchuͤ⸗ tzen koͤnne, iſt ſchon geſagt worden. Das Abharken der ſtrohigen Miſttheile im Fruͤhjahre, welches man ſo angele⸗ gentlich empfiehlt, hatte in meiner Gegend nicht ſtatt, und ich habe deßfalls nie geſehen, daß das Vieh nachher den gruͤnen Klee verſchmaͤhte. Die Regen des Fruͤhlings druͤcken Miſt und Stroh ſo gut an den Boden, daß die Senſe ſie nicht auffaßt. Ich will durch Obiges nicht ſagen, daß es nicht beſſer ſey, im Falle der Klee unter Hafer geſaͤet werden ſoll, et⸗ was zu dieſem zu duͤngen, zumal auf unkraͤftigem Boden. Es iſt immer ein Vortheil, wenn der Klee ſtark ſtaͤmmig zum Winter koͤmmt. Allein der Dreyfelderwirth hat den Duͤnger nicht, wann er will; da er ſich aber mit Wurzel⸗ 447 gewaͤchſen wenig oder nicht abgiebt, ſo hat er immer wel— chen gegen das Fruͤhjahr. Verſchwenderiſch moͤgte Manchem das Ueberduͤngen der Kleefelder vorkommen, der es ohne Bedenken fuͤr die Wie— ſen billiget. Und doch, welch ein Unterſchied zwiſchen bey— den! Oder lohnt ein Acker, der bey einmaligem Ueberduͤn⸗ gen in drey Jahren 5000 Kilogramme Kleeheu, 20 Hektoli⸗ ter Weitzen, 34 Hektoliter Hafer und 7000 Kilogramme Stroh traͤgt, nicht mehr als ein Hektar, alle drey Jahre einmal uͤberduͤngter, Wieſe, der in dieſen Jahren zuſam— men auf aͤhnlichem Boden hoͤchſtens 7500 Kilogramme Heu abwirft?— Doch ich irre! So bald von der Wirkung des Duͤngers Rede iſt, pflegt man auf dem Acker nicht mit Unrecht den ganzen Ertrag von ihm abzuleiten, da ohne ihn das Feld nichts erzeugen wuͤrde. Nicht ſo bey den Wie⸗ ſen! Bey weitem die meiſten Wieſen in der Welt erhalten keinen Duͤnger. Koͤmmt gleich ihr Ertrag dem geduͤngter Wieſen nicht gleich, wie Jedermann gerne zugeben wird: ſo bleibt es doch wahr, daß ſolche mager gehaltene Wieſen noch immer einen Ertrag geben. Schlagen wir dieſen nur zur Haͤlfte der geduͤngten an, und das iſt wohl das We⸗ nigſte, was ſich annehmen laͤßt: ſo giebt uns dieſe Haͤlfte den Normal⸗ oder natuͤrlichen Ertrag an, und nur das, was daruͤber hinausgeht, kann dem Miſt zugeſchrieben werden. Nach dieſer nicht zu bezweifelnden Regel geht alſo von dem hoͤher angefuͤhrten dreyjaͤhrigen Ertrage einer geduͤngten Wieſe die Hälfte beym Vergleiche ab, und es bleiben als Pro⸗ dukt des Duͤngers 3750 Kilogramme Heu zuruͤck. Laſ⸗ ſen wir von der andern Seite die des Koͤrnerertrags fuͤr Einſaat und Baukoſten weg: ſo gehen aus dem dem Felde 448 gegebenen Duͤnger noch 5 Hektoliter Weitzen, 3 ½ Hafer, 7000 Kilogrammes Stroh und 5000 Kilogr. Kleeheu hervor. Daͤrfte ich mir erlauben die Reduktion des dreyjaͤhrigen Er⸗ trages des Ackers auf Heuwerth zu machen: ſo ſtuͤnde die Rechnung wie folgt: 5 Hektol. Weitzen= 1450 Kilogr. Heu. 8 q⅓ Hektol. Hafer= 950 Kilogr. H. zooo Kilogr. Stroh= 3500 Kilogr. H. 5000 Kilogr. Kleehen= 5000 Kilogr. H. 10900 Kilogr. H. Derſelbe Dung alſo, der auf dem Felde das Aequiva⸗ lent von 109 metriſchen Zentnern Heu hervorbringt, ver⸗ mehrt, auf die Wieſen verwendet, den Ertrag dieſer leztern hoͤchſtens um 38 Zentner. Die hohen Verehrer des Wieſen⸗ duͤngens moͤgen nun da abnehmen, hier zuſetzen, und uns dann ſagen wie ſie ſich herausziehen. Ich fuͤr meinen Theil behaupte ohne allen Anſtand, daß der naͤmliche Dung, auf das Feld gebracht, wenigſtens das Doppelte an reinem Ertrage giebt, von dem, den er, auf die Wieſe gebracht, gegeben haben wuͤrde. b) Guͤlle, Jauche. Kann der Klee zweymal, das iſt zum erſten und zwey⸗ ten Schnitte beguͤllt werden: ſo wird die Wirkung davon in Beziehung auf den Klee einer Miſtduͤngung gleich kom⸗ men. Durch die erfolgte Erſtaͤrkung des Klees wird der Wei⸗ tzen auch noch Vortheil davon ziehen, es wird aber nur in ſehr wenig Faͤllen fuͤr zwey Getreideaͤrndten zureichen, am wenigſten wenn nur einmal geguͤllt worden iſt. Wer aber mit langem Miſte vorher duͤngen und dann Jauche daruͤber her 449 her verbreiten kann, der freylich ſorgt fuͤr Gegenwart und Zukunft; oft aber auch fuͤr Lagerfrucht. Im vergohrnen Zuſtande laͤßt ſich jenes fluͤſſige Duͤng⸗ mittel bey jedem Wetter auffuͤhren. Im unvergohrnen Zu⸗ ſtande aber laͤßt es ſich nur bey regnigter Witterung, oder auf den Schnee thun. Je näͤher es endlich der Vege⸗ tations⸗Zeit gebracht wird, um ſo ſtaͤrker iſt ſeine Wirkung. Im Ganzen aber dient es mehr fuͤr kleine als große Wirth⸗ ſchaften. Die Wirkung dieſes fluͤſſigen Duͤngemittels in Ver⸗ bindung mit dem Gipſen, iſt der ſtärkſte Hebel, den man beym Klee anwenden kann; es bleibt nur dabey zu fuͤrch⸗ ten, daß ſich ein ſo behandelter Klee vor Geilheit lagere. c) Taubenmiſt. Nichts koͤmmt dem Taubenmiſt an Wirkſamkeit gleich, zumal auf kaltem Boden. Indeſſen fällt er etwas zu theuer fuͤr den Klee, und wird mit mehr Vortheil auf den Lein verwendet. Ueberdem iſt er nicht leicht in einiger Menge zu haben. Man mahlt oder ſchlaͤgt ihn zu Staub, und ſtreut ihn im Fruͤhjahre, wenn der Klee den Boden zu bedecken anfängt. Das Streuen muß bey durchaus ſtillem Wetter geſchehen. Um weiter damit auszureichen, pflegt man ihn mit etwas anderm zu miſchen. Ich bediente mich hierzu der Steinkohlenaſche, und gewahrte davon die trefflichſte Wirkung. Alle kräftigen Streumittel haben den Vortheil des leich⸗ ten Aufbringens und Verbreitens. Dabey wollte ich nur das Einzige erinnern, das Kleefeld nicht bey einem Reifen zu betreten, wozu man durch die Erwartung, daß der Staub ſich an die feuchten eiſigen Blaͤtter anhangen werde, v. Schwerz Anleit. z. prakt. Ackerbau. II. Bd. 29 450 veranlaßt werden koͤnnte. Es mag mit den Vortheilen ei⸗ nes ſolchen Anklebens ſeine Richtigkeit haben, daher auch ein thauigter Morgen bey dem Streuen nicht zu vernachlaͤſ⸗ ſigen iſt, nur darf der Thau nicht wie Eis auf den Pflan⸗ zen liegen, weil ſonſt jede Stapfe, wo der Streumann den Fuß hinſezt, nach Sonnenaufgang ſchwarz wird, die Klee— blaͤtter daher leiden oder verfaulen. d) Aſche. Wenige Duͤngmittel kommen der Aſche, es ſey Holz⸗ aſche, Braunkohlenaſche, oder gute Torfaſche, fuͤr den Klee gleich. In den Niederlanden iſt die hollaͤndiſche Torfaſche all— gemein im Gebrauche und ſteht in der groͤßten Verehrung. Der geaſchte Klee iſt gewoͤhnlich um einen ganzen Fuß hoͤ⸗ her als der nicht geaſchte. Die Wirkung iſt ſo groß, daß da, wo vorher kein Klee zu ſehen war, einige Wochen nach dem Aſchen der herrlichſte zum Vorſchein koͤmmt. Die In⸗ ſekten werden dadurch vertilgt, und die Fruchtbarkeit des Bodens wird gehoben. Wiederholte Verſuche haben gezeigt, daß ohne Aſche der Wuchs des Klees ſo ſehr gelitten habe, daß die Getreideaͤrndten betraͤchtlich ſchlechter darnach aus⸗ fielen, und eine gaͤnzlich verloren gieng. Daher das nie⸗ derlaͤndiſche Spruͤchwort: Wer kein Geld fuͤr Aſche ausge⸗ ben will, wird ſie doppelt zahlen! Man ſtreut, wie ſich denken laͤßt, die Aſche an einem windſtillen, wo moͤglich ne— blichten Morgen, wenn die Pflanzen den Boden zu belegen anfangen, und braucht 40—46 Saͤcke auf den Hektar, die auf 34 bis 38 fl. zu ſtehen kommen. Nach einer andern Angabe ſtreuet man 20— 22 metriſche Zentner aus. Zu 45¹ Melle in Flandern verwendet man fuͤr 45 fl. Aſche auf den Hektar. Bey Antwerpen aber, wo die Aſche ſchon wohlfei⸗ ler iſt, und man vielleicht auch nicht ſo ſtark ſtreuet, thut die Ausgabe etwa 20 fl. Groͤßer, als die Wirkung der Torfaſche, iſt die der reinen Holzaſche, da ſie aber vortheilhafter zu Potaſche und Bleichereyen verwendet wird, ſo wird ſie im unausge⸗ laugten Zuſtande ſelten, vielleicht nie auf den Klee gebracht. Im unreinen Zuſtande koͤmmt ſie in Holland unter dem Na⸗ men Maaskantſche Aſche vor. Dieſe iſt der Ruͤckſtand von verbrannten Weiden und anderm leichten Gehoͤlze, von Stroh, Rohr, Bohnenſtroh und getrocknetem verbranntem Kuhmiſt. Sie wird ſehr hoch geſchaͤzt und theuer bezahlt. Es werden 435— 44 Hektoliter auf den Hektar erfordert. Viel haͤufiger koͤmmt die Holzaſche im ausgelaugten Zu⸗ ſtande bey dem Klee vor. Wo kein Klee kommen will, und ihn der Gips ſelbſt nicht erzwingen kann, da erzwingt ihn dieſe Aſche. Selbſt wenn keiner hingeſaͤet worden, koͤmmt welcher durch ſie zum Vorſcheine. So wohlthaͤtig auch im— mer der Gyps iſt: ſo koͤmmt er doch, beſonders in rauhen Gegenden und auf magerm Boden der ausgelaugten Holzaſche nicht bey, und die Wirkung dieſer leztern laͤßt ſich laͤnger als die des Gipſes im Boden ſpuͤren. Noch nuͤtzlicher duͤrfte ſeyn, die Aſche, ſtatt den Klee damit zu uͤberſtreuen, auf das Getreide zu verwenden, unter welches der Klee geſaͤet wird. In einer hohen Gebirgsgegend Weſtphalens(auf dem Scharfenberg bey Brillon) unternimmt man es nicht Klee auszuſaͤen, wenn zu dem Getreide nur geduͤngt und nicht geaſcht worden. Man zieht ſogar viele Aſche ohne — 45² Dung dem Dung mit wenig Aſche vor. Man zeigte mir auf einem Kleefelde drey Streifen, wovon der eine zu dem Rocken, als Schutzfrucht des Klees, blos geduͤngt und nicht geaſcht, der zweyte etwas geduͤngt und etwas geaſcht, und der dritte nicht geduͤngt, aber ſtark geaſcht worden. Auf dem erſten war kein Klee, auf dem zweyten wenig, und auf dem dritten viel zu finden. Gerſte darf hier nie auf unge⸗ aſchte Felder geſaͤtt werden. Die Wirkung der Aſche iſt ſo groß, daß man den Klee unter dieſem rauhen Himmelsſtri⸗ che, von keiner Art von Befriedigung geſchuͤzt, zweymal in einem Jahre maͤhen und im Herbſte noch abhuͤten kann. Selbſt im folgenden Jahre laͤßt er ſich noch ein- oder zwey⸗ mal ſchneiden. Von da an bleibt dann das Land auf ein Paar Jahre zur Weide liegen. Binnen dieſer Zeit nimmt es eine dichte Grasnarbe an, durch welche man den Boden nicht mehr erblickt. Auffallend war mir, zwiſchen dem Graſe ſolcher Dreiſchen eine Menge wilder Wicken zu fin— den, doch nur blos auf fruͤher geaſchten Feldern. Das vormals veroͤdete Dorf Kriegsfeld in der Pfalz hat nur der Aſche ſeinen Klee, und durch dieſen ihr die Ret⸗ tung von ſeinem Untergange zu verdanken.(Man findet es in meiner Beſchreibung des Ackerbaues der Pfälzer.) Wo Bleichereyen in der Naͤhe ſind, wird in Flandern viel Gebrauch von ihrer Aſche gemacht. Man ſtreut 37 Hek⸗ toliter auf den Hektar. Dieſe Duͤngung koͤmmt auf 207 Fr., alſo beylaͤufig 97 fl.»* Der Klee, der im Herbſte abge⸗ —— *) Wer ſich uͤber eine ſolche Ausgabe wundern möͤgte, den erlaube ich mir hier mit noch andern Ausgaben derſelben Wirthſchaft, eines 45³ weider worden, wird im November mit 53 Hektoliter Sei⸗ fenſiederaſche uͤberſtreut. e) Gi p s. Da der Gebrauch der Aſche ſich nur auf wenige Ge⸗ genden beſchraͤnken kann, der Miſt zum Ueberdecken des Klees nicht in jeder Wirthſchaft zu Hauſe iſt: ſo hat der Kleebau erſt dann rechten Eingang in Deutſchland gefunden, als Meyer von Kupferzell den Gebrauch des Gipſes ſo hoch und hehr verkuͤndet hatte. Ob es nun gleich ausge⸗ macht iſt, daß der Gips nicht allenthalben gleiche Wirkung, auf ſichern Bodenarten ſogar keine, hervorbringt: ſo bleibt er demungeachtet im Allgemeinen eine der wohlthaͤtigſten und, im Verhaͤltniß zu ihrer Wirkung, wohlfeilſten Subſtanzen, deren der Landwirth ſich zu ſeinem Klee bedienen kann. Wenn man ihn, wie geſagt, wenig oder ganz unwirkſam gefunden hat: ſo mag dieſes, außer dem Einfluſſe des Kli— ma's und Bodens, auch von der Qualitaͤt des Gipſes, der Menge, Zeit und Witterung bey der Verwendung ſelbſt ab⸗ Bauernhofes von 22 Hektar Acker, Wieſen und Weiden in der Gegend von Menin, bekannt zu machen. Die Artikel heißen: 14800 Oelkuchen zum Duͤngen. 1776 Franks. 90 Raſier Steinkohlenaſche 100— 216 Raſier Bleicheraſche 4532— Summa: 2508 gleich beylaͤufig 1060 fl. Es fallen daher alljaͤhrlich auf jeden Hektar 49 fl. fuͤr Streumiſt. Außerdem werden in derſelben Wirthſchaft er⸗ zeugt 274 Fuder Stallmiſt und 465 Tonnen Jauche. Fuͤr 14 Kuͤhe werden zugekauft 2000 Oelkuchen und 24 Saͤcke Leinſaatmehl, fuͤr die Summe von 25o fl. 454 hangen. Es bleibt daher zu eroͤrtern: Welcher und wie viel Gips, zu welcher Jahrszeit, bey welchem Wetter, und auf welche Art er auf den Klee zu verwenden? Man gebraucht den Gips ſowohl im gebrennten als ungebrenntem Zuſtande. Da ich von erſterm keine Kenntniß habe: ſo gilt das zu Sagende blos von lezterm. Je reiner der Gips von erdigen Theilen und je feiner er gemahlen, im eigentlichen Sinne verpulvert, um ſo groͤßer iſt ſeine Wirkung. Daraus geht hervor, daß die Menge des zu ſtreuenden Gipſes im Allgemeinen nicht zu beſtim⸗ men ſey, und man mit einem Zentner guten Gips eben ſo weit reiche als mit 2—3 Zentner ſchlechtem. Daher koͤmmt es ferner, daß man an einigen Orten 6—8 Zentner auf den Morgen braucht, waͤhrend man an andern mit 3— 4 genug hat. Von recht gutem Gipſe nimmt man ſo viel, als man Scheffel Ausſaat an Rocken oder Gerſte nehmen wuͤrde. Von ſchlechtem Gipſe kann man nicht zu viel aus⸗ werfen. Es koͤmmt aber bey dem Gipſen, wie bey allen landwirthſchaftlichen Vorrichtungen und Verbeſſerungen auf die Vorfrage an, in wie weit es ſich durch den Erfolg be⸗ zahlt, damit das Mittel nicht groͤßer ausfalle, als das da— durch zu erreichende Ziel. Es muß alſo das durch den Gips errungene plus des Ertrages zwar nicht alle Koſten des Gip⸗ ſens, doch wenigſtens die zwey Drittel derſelben decken. Das Uebrige mag dann den, aus dem beſſern Klee hervor⸗ gehenden beſſeren Aerndten zu Laſt gelegt werden. Iſt der Jahrgang dem Gipſe guͤnſtig, das iſt: mehr warm als kalt, mehr trocken als naß; ſo wird man die durch das Gipſen bewirkte Vermehrung des Ertrages ohne Uebertreibung zu 5, oder im Durchſchnitte der Jahre zu annehmen koͤnnen. 455 In Beobachtung der Zeit des Gipſens herrſcht eine große Verſchiedenheit. Hier gipſt man, wenn der Klee eben unter dem Getreide hervorgekommen iſt. Dort gipſt man gleich nach Abaͤrndtung des Getreides; anderswo beym Ausgange des Winters. Am gewoͤhnlichſten thut man es im Fruͤh⸗ jahre, wenn der Klee den Boden zu belegen anfaͤngt. Ein Landwirth will es erſt dann angewendet wiſſen, wann der Klee einen halben Fuß hoch uͤber der Erde iſt. Oft ſtreuet man den Gips in zwey Malen. Die eine Haͤlfte im Herbſte, die andere im Fruͤhjahr; oft die eine uͤber den erſten, die andere uͤber den zweyten Kleewuchs. Das Gipſen des aufkeimenden Klees hat offenbar die Moͤglichkeit eines guten Einſchnittes vor Winter zur Abſicht und Folge. Man koͤnnte aber manchmal Gefahr laufen, daß ein ſolcher Klee ſeine Schutzfrucht uͤberwuͤchſe. Dabey wird ein neues Gipſen im folgenden Fruͤhjahr doch noch noth— wendig ſeyn. Es wuͤrde merkwuͤrdig geweſen ſeyn, wenn Jemand den Klee unter der Sommerfrucht in dem hoͤchſt trocknen Sommer 1821 unternommen haͤtte, zu ſehen, ob vielleicht durch ihn der Klee vor dem Ausdorren geſchuͤzt geblieben waͤre, da der Gips bekanntlich viele Feuchtigkeit in der Nacht aus der Atmoſphaͤre anzieht, und ſie den Blaͤttern, die er beruͤhrt, mittheilt.— Wie Manches ha⸗ ben wir Landwirthe nicht noch zu verſuchen und zu erler— nen, bevor wir uns ruͤhmen duͤrfen in der Praris ausge⸗ lernt zu ſeyn? Und doch wollen das ſo viele nicht recht glauben, wenigſtens nicht eingeſtehen! Das Gipſen vor, oder gleich nach dem Winter hat einen fruͤhen Schnitt im Fruͤhjahr zum Zwecke. Bey dem ſpaͤtern Gipſen im April und Mai ruͤckt der Schuitt auch ſpaͤter 45⁵6 heran, und doch iſt es zu der Zeit der Witterung wegen am beſten angebracht. Durch ein zweymaliges Ueberſtreuen zum erſten und zweyten Kleewuchs, wird lezterer namentlich befoͤrdert. Es— hat aber noch das Gute, daß wenn die Witterung der Wir⸗ kung des erſten Gipſens nicht guͤnſtig war, es zu hoffen ſteht, daß ſie das zweyte Gipſen beſſer beguͤnſtigen werde. Nur muß erinnert werden, daß ein zweymaliges Ueberſtreuen zwar nicht das Doppelte, aber doch die Hälfte an Gips mehr erfordert, als das Ueberſtreuen mit einem Male. Auf welche Art man aber bey dem Gipſen verfahre, ſo iſt die Ruͤckſicht auf das Wetter, zumal im Fruͤhjahre und Sommer, nicht dabey zu vernachlaͤſſigen, das ſo oft einen Strich durch unſere landwirthſchaftliche Rechnungen macht. Bey kaltem, es ſey trocknem, es ſey naſſem, Wetter kann man ſich des Gipſens uͤberheben. Seine Wirkung iſt als⸗ dann, beſonders bey kalter Trockenheit, nur geringe, oder gar nicht zu ſpuͤren. Dagegen beguͤnſtiget eine warme, etwas feuchte, nicht naſſe Witterung ungemein die Wirkſamkeit des Gipſes. Iſt auch die Witterung nicht feucht, aber doch warm, ſo verbreitet ſie einen heilſamen Thau, deſſen An⸗ weſenheit man bey dem Ueberſtreuen in der Fruͤhe zu be⸗ nutzen ſucht. Diejenigen aber, welche Regen zu dieſer Vor⸗ richtung waͤhlen, waͤhlen ſehr verkehrt. So haben verglei⸗ chende Verſuche gezeigt, daß der bey trocknem gelinden Wet⸗ ter gegipſte Klee immer gruͤn und wuͤchſig blieb, waͤhrend das Gegentheil mit dem eintraf, der bey Regenwetter ge⸗ gipſt worden war. Der erſte wuchs in acht Tagen ſchnel⸗ ler, als der andere in drey Wochen. Auf naſſem Boden, auf nachtſchattig gelegenen Feldern. 457 bringt der Gips dem Klee keinen Nutzen, und es bleiben ihm alle andere Streumittel vorzuziehen. Ob der Gips nicht etwa den Klee haͤrter mache, wie wir ſolches bey den gegipſten Gemuͤſearten, die zum menſch⸗ lichen Genuſſe beſtimmt ſind, beobachten, ſteht dahin? Ich verweiſe auf das, was im erſten Bande uͤber Gips und Aſche vorgetragen worden iſt, fuͤrchtend ohnehin, einen Theil des daſelbſt Geſagten wiederholt zu haben. H Kalk— Mergel. Der Kalk, und noch mehr ein Gemiſch von Kalk und Aſche, erſezt an einigen Orten den Gips reichlich. Die An⸗ fertigung davon iſt im erſten Bande Seite 239 angegeben worden. Wird dieſes Gemiſch in einiger Menge angewen⸗ det: ſo aͤußert es nicht blos auf den Klee, ſondern auch noch 3—4 Jahre nachher, ſeine Wirkung. Bey Mangel an Aſche bringt man den Kalk mit Modder oder Raſen in ei⸗ nem Haufen in Verbindung, arbeitet ihn nach einer gerau— men Zeit untereinander, bedient ſich aber ſeiner nicht zum Ueberſtreuen, ſondern bringt das Gemiſche gleichzeitig mit ſammt dem Kleeſaamen in die Erde. Oder noch beſſer man eggt dieſen nicht ein, ſondern uͤberwirft ihn mit gedachtem Compoſt. Es wird aber mehr von dieſem Gemiſſhe erfor⸗ dert, als wenn dem Kalk Aſche zugeſezt worden. Ein Ge⸗ miſche von Grabenausſchlag und Kalk dient fuͤr ſchweren, von Grabenerde und Aſche fuͤr leichten Boden. Man bedient ſich des Kalks auch allein, und zieht ihn in ſichern Gegenden als Streumittel dem Gipſe vor, wahr⸗ ſcheinlich weil dieſer von keiner beſondern Guͤte iſt. Man nimmt 8—9 metr. Ztr. auf den Hektar. Die Anwendung 4⁵8 des Kalks findet zumal auf ſchwerem Boden ſtatt. Auf der Cleviſchen Hoͤhe bedient man ſich des Kalks auch auf da⸗ ſigem Sandboden und ſtreut ihn gleichzeitig mit dem Klee⸗ ſaͤen aus. Der ſeel, Lobbes ſpricht von 18 metriſchen Zent⸗ nern Kalk, zugleich mit eben ſo viel Aſche fuͤr den Hektar. Auf welche Art man aber immer den Kalk auf den Klee ver⸗ wende, ſo unterlaͤßt man nie zu dem Getreide, unter wel⸗ ches der Klee geſaͤet wird, zu duͤngen; es ſey denn, daß der Acker ohne das Kraft genug habe. Ein Dunghaufen von guter Erde, Raſen, Modder, kurzer Miſt, Tafo, Aſche, Bodenſchlamm der Guͤllenloͤ⸗ cher, Kalk u, ſ. w., den man im Sommer oder Herbſt zuſammenbringt, mit Jauche begießt, einmal umſticht, ge⸗ waͤhrt ein alles uͤbertreffendes Duͤngungsmittel. Man fuͤhrt dieſen Mengduͤnger im Winter auf die Kleefelder, ſtoͤßt ihn in kleinen Haͤufchen ab, und wirft dieſe im Fruͤhjahre aus— einander. Hat man Luzernfelder, ſo iſt ein ſolcher Duͤnger noch mit mehr Vortheil darauf angebracht. Auf der Cleviſchen Hoͤhe bedient man ſich auch eines Kalkmergels, den man von ferne her bezieht. Man ver⸗ wendet 40— 50 Hektoliter auf den Hektar, und ſtreut ihn aus, wenn der Klee ſo eben uͤber den Rocken geſaͤet wor⸗ den. Es bedarf darauf keines Durcheggens. Ich bemerke nochmals, daß in dieſer ſandigen Gegend der Klee allemal unter Getreide geſaͤet wird, zu dem vorlaͤufig geduͤngt worden. g) Salz, Ruß u. ſ. w. Die mit dem Gipſe ſo nah verwandten Salzabfaͤlle ſind ſchon deßwegen ein gutes Streumittel fuͤr den Klee. Alles 459 aber uͤbertrifft der Ruß; wenn man nur haͤufig in der Lage waͤre, ſich ſolchen in zureichender Menge verſchaffen zu koͤnnen.— Auch das Knochenmehl moͤchte hieher gehoͤren, im Falle es ſehr fein verpulvert wuͤrde.— Nur vergeſſe, bey Verwendung aller ſolcher ſchoͤnen und ſchaͤtzbaren Mittel, der Landwirth das Rechnen nicht, wiſſend, daß er nur von dem lebt, was nach Abzug ſeiner Ausgaben uͤbrig bleibt! hb. Pferch. Ich fuͤhre das Pferchen des Klees im Herbſte hier nur als eine Sache an, die man nicht thun ſoll. Nach der Er⸗ fahrung des Hrn. Dr. Schweitzer, wintert der bepferchte Klee durch ſein beſtaͤndiges Nachtreiben aus. Wenigſtens iſt ſolches in gelinden Wintern der Fall. Das Behurden des Klees, ſelbſt des uͤberjaͤhrigen, bleibt alſo ſehr gewagt. Ob das Walzen des Klees auf leichtem, das Durch— eggen deſſelben auf ſchwerem Boden von Nutzen ſey, laſſe ich, da es mir an Erfahrung daruͤber fehlt, dahingeſtellt ſeyn. §. 9. Benutzung im gruͤnen Zuſtande. „Bey Feldern, ſagt Herr Elsner, die einen guten Kleeertrag geben, iſt es leicht alle natuͤrliche und kuͤnſtliche Wieſen zu entbehren. Es giebt wenig Vieh, das ihn nicht gerne fraͤße. Im Sommer werden bey mir Schaafe, Rind⸗ vieh, Pferde, Schweine, Gaͤnſe u. ſ. w. damit gefuͤttert, und alles befindet ſich wohl dabey. Schaafe und Kuͤhe ſind ſo daran gewoͤhnt, daß ſie anderes Gras und Heu neben gruͤ— nem Klee und Kleeheu nicht anruͤhren wollen. Meine Schaafe haben ſich fruͤher, wo ich noch weniger Klee baute und mehr Brache hielt, weit weniger wohl befunden, als jezt, wo ſie 460 Winter und Sommer faſt nur vom Klee leben. Im Som⸗ mer werden ihnen Flecke, wo er duͤnner geſaͤet iſt, zur Weide hingegeben und wenn ſie nicht zureichen, wird ſtaͤrkerer Klee gemaͤhet und auf dem Felde vorgeworfen. Die Laͤmmer kommen faſt nur auf Kleeweide, und werden im Winter beynahe allein von Kleeheu erhalten, und noch habe ich nicht die mindeſte nachtheilige Einwirkung davon verſpuͤrt. Sie halten ſich im Gegentheile ſo gut, daß ich im vorigen Jahre (1820) nur 1 pCt. Abgang gehabt habe.“ Was die Gefahr anbelangt, welcher das Weidevieh auf dem Klee ausgeſezt ſeyn koͤnnte, ſo ſagt Elsner hieruͤber Folgendes:„Iſt das Vieh einmal daran gewoͤhnt und giebt man ihm denſelben nur nicht mit der Naͤſſe des Thaues*), vom Regen naß geworden ſchadet er weit weniger, ſo wird man ſelten Ungluͤck fuͤrchten duͤrfen. Ich habe mein Rind⸗ vieh auf jungem ſtarken Klee eine halbe Stunde lang weiden laſſen, und keinen Unfall erlebt. In fruͤhern Jahren hin⸗ gegen, wo das Vieh noch nicht an den Klee gewoͤhnt war, wurde eine Viertelſtunde ihm oft weit gefaͤhrlicher. Daß man das Vieh unmittelbar nach dem Genuſſe nicht traͤnken muß, iſt eine bekannte Sache.“ Da wo die Stallfuͤtterung ſich auf den Klee gruͤn⸗ det, muß der Anfang im Fruͤhjahr damit gemacht werden, ſobald die Senſe nur den jungen Klee faſſen kann, theils weil er ſo am milchreichſten iſt; theils und hauptſaͤchlich, *) Hr. E. verſteht dieſes nur wohl von der Weide des bethauten Klees; oder vielleicht auch von dem Verfuͤttern deſſelben, wo die Thau⸗ naͤſſe noch darauf liegt, und nicht von dem Maͤhen und nach Hauſe fuͤhren im Thau, welches nicht allein voͤllig unſchaͤdlich, ſondern beſſer iſt, als wenn der Klee in der Sonnenhitze gemaͤhet wird. — 46 1 weilen dadurch nachher keine Luͤcke in guter Gruͤnfuͤtterung entſteht. Die Kuͤhe verſchmaͤhen den hartſtaͤnglich gewor— denen Klee, verwuͤſten den groͤßten Theil davon, und laſſen in der Milch nach. Iſt man zugleich mit einem Luzernfelde verſehen, ſo kann deſſen zweyter Schnitt in warmen Vor⸗ ſommern jene Luͤcke zwar ausfuͤllen; da dieſes aber bey kuͤhler Zeit nicht ſo genau der Fall iſt: ſo koͤmmt man noch wohl einige Male dabey in die Klemme. Faͤngt man nur fruͤh genug mit der Kleefuͤtterung an: ſo bedarf man der Luzerne nicht. Ich geſtehe, daß der Fehler des ſpaͤtern An⸗ fangs mit der Kleefuͤtterung, wozu dann jedesmal die Lu⸗ zerne Anlaß gab, mich nachher noch immer gereuet hat. Ich fuͤhre zum Belege eine merkwuͤrdige Aeußerung Dr. Schweitzers an.„Je zeitiger man den Klee zu maͤhen anfaͤngt, deſto ſchneller waͤchſt er nach, und nur wenn man es ſo macht, iſt es moͤglich immerfort jungen, dem Vieh angenehmen Klee zu haben, wonach man vorzaͤglich ſtreben muß; denn fuͤttert man ihn zu alt, ſo wird er von dem Vieh verſchmähet, wirkt wenig auf die Milch und ge⸗ waͤhrt alſo nur einen geringen Nutzen. Man thut in dem Falle am beſten, ihn ſchnell in Heu zu verwandeln. Man handelt daher ſehr unrichtig, wenn man den zur Gruͤnfuͤt⸗ terung beſtimmten Klee erſt dann zu mäͤhen anfaͤngt, wenn die Bluͤtheknospen ſchon zum Vorſchein kommen, und wird ſich dann des ſchoͤnen milchergiebigen Futters, das der junge Klee liefert, nicht lange freuen. Wir fangen an ihn zu mähen, wenn er oft kaum 5 Zoll hoch iſt. Die kleinen Wirthe thun es noch zeitiger mit der Sichel und ſtehen ſich gut dabey.“ Zwey Sachen duͤrfte man dagegen einwenden. Die 46² eine, daß ein ſo junger Klee dem Vieh um ſo gefaͤhrlicher werde, als es bey zu Ende gehender Winterfuͤtterung gieriger daruͤber herfaͤllt. Die andere, daß die Futtermaſſe des Klees, wenn gleich nachher noch zweymal geſchnitten werden kann, geringer iſt, als die von zwey Schnitten, wenn man ſie zu ſtaͤrkerm Wachsthum hat kommen laſſen.— Was den erſten Einwurf betrifft, ſo zerfaͤllt er von ſelbſt; denn wo iſt ein Wirth, der im Fruͤhjahre wenigſtens nicht mit Stroh verſehen waͤre? Schneidet er dieſes zu langem Haͤckſel und miſcht es unter den jungen Klee, beym Anfange viel, etwas ſpaͤter weniger: ſo iſt alle und jede Gefahr beſeitiget, und die Kuͤhe werden bey dem wenigen Klee mehr, oder doch beſſere Milch geben als nachher bey voller, aber haͤrter ge⸗ wordenen Kleefuͤtterung.— Der zweyte Einwurf iſt, wenn man die Maſſe beruͤckſichtiget, gegruͤndet. Allein es koͤmmt ja bey der Benutzung des Futters weniger auf ſeine Maſſe, als ſeine Nahrhaftigkeit an, und ſo kann in drey juͤngern Kleeſchnitten mehr zum ſchnellen Uebergange in die thieriſche Anlage geeigneter Nahrungsſtoffe vorhanden ſeyn, als in zwey voluminoſern, aber haͤrtern Kleeeinſchnitten, wie ſolches auch wirklich der Fall iſt. Stuͤnden ſich aber auch beyde in der Menge der nutzbaren Nahrungstheile gleich, ſo hat doch immer jene Methode des fruͤhern Anfangs der Fuͤtterung, daher der hervorgehenden ſchnellern Benutzung wegen, den Vorzug, und mir ſcheint daß die Verfahrungsart, mit der Kleefuͤtterung ſo fruͤh als moͤglich anzufangen, nicht genug empfohlen werden kann. Der Klee liefert gewoͤhnlich zwey vollſtaͤndige Schnitte, wovon bald der eine, bald der andere befriedigender aus⸗ faͤllt. Nur bey ſehr fruͤhem Abbringen dieſer Schnitte darf 465 man auf gewoͤhnlichem Boden auf einen dritten Anſpruch machen. Der Klee unterlaͤßt zwar nicht im Herbſte von neuem auszutreiben; allein nur eine uͤbelverſtandene Oeko⸗ nomie, oder die aͤußerſte Noth koͤnnen dieſen lezten Trieb dem Boden zum Nachtheile der folgenden Fruͤchte entwen— den. Es gleicht der Benutzung der Triebe der Tabackſtaͤn⸗ gel nach vollbrachter Blattaͤrndte, die man nicht mit Un— recht mit dem Namen Geitz belegt. Der Klee gewaͤhrt aber auch ſchon eine Benutzung in dem erſten Jahre ſeines Lebens. Aufgewachſen unter dem Getreide verbeſſert er den Futterwerth des Strohes bedeutend. Wo man das Getreide mit der Sichel abbringt, pflegt man auch wohl daſſelbe befliſſentlich daſſelbe hoch uͤber der Erde abzuſchneiden, und nachher den Klee ſamt den Stoppeln wegzumaͤhen und zu heuen, welches allerdings ein treffliches Futter giebt. Ich halte ſelbſt dafuͤr, daß man bey dem Getreide als Ueberfrucht des Klees nie anders verfahren ſollte. Schneidet oder maͤhet man ſolches Getreide nahe bey der Erde ab: ſo faͤllt es oft ſchwierig daſſelbe, des Klees wegen, zu gerechter Zeit einzufahren, da man das Trockenwerden des leztern bis zu einem ſichern Grade ab⸗ warten muß, ein Umſtand, der bey der Aerndte immer un— angenehm, oft nachtheilig iſt. Dann verliert der mit dem Getreide abgemaͤhete Klee bey dem Dreſchen ſeine Blaͤtter und naͤhrendſten Theile, die ihm erhalten werden, wenn man ihn mit ſamt den Stoppeln abmähet, und zu Heu macht, oder gruͤn verfuͤttert. Ich halte dieſe Ruͤckſicht ſehr beachtungswerth. In beyden Fällen begnuͤgt ſich aber der gierige Land— wirth nicht allemal damit; ſondern fegt, um mehr zu haben, 464 dem Klee auch den zweyten Wuchs vor Winter weg; ein Verfahren, was ich nicht billigen kann. Ich verſuchte es einmal, werde aber nie wieder darauf zuruͤcke kommen. Der Ertrag iſt gering, und nicht viel mehr werth, als das Maͤhen, Zuſammenharken und Einfahren koſten; das Futter iſt des Aufblaͤhens wegen gefaͤhrlich, und die Pflanze, welche immer wieder vor Winter auszuſchlagen ſucht, wird ge⸗ ſchwaͤcht. Wenn ein ſo geplagter Klee nachher auswintert, ſo iſt es ſeines Plagers Schuld. Fuͤr beſſer haͤlt man das Abhuͤten vor Winter, wozu Einige die Schaafe, Andere das Rindvieh vorſchlagen, An⸗ dere keines von beyden wollen. Auf naſſen Feldern iſt jeder Viehauftritt im Herbſte dem Klee ſchaͤdlich, am ſchaͤdlichſten der des ſchweren Hornviehes. Nicht allein ttritt es einen Theil Kleepflanzen gaͤnzlich in den Boden, wodurch ſelbſt die benachbarten entbloͤßt werden; ſondern es entſtehen auch tiefe Stapfen, die ſich nachher mit Waſſer anfuͤllen, welches ſeiner Seits wieder zu Eis wird. Es iſt alſo kein Wunder, wenn unter ſolchen Umſtaͤnden Froſt und Naͤſſe einen Theil des Klees zerſtoͤren. Daſſelbe tritt auch auf andern Feldern bey naſſer Herbſtwitterung ein. Auch unter guͤnſtigern Um⸗ ſtaͤnden muß das junge Kleefeld den Kuͤhen und Ochſen un⸗ terſagt bleiben. Nur das Jungvieh mag darauf geduldet werden. Indeſſen laͤßt man in Flandern im Oktober auch die Kuͤhe 8—14 Tage lang darauf weiden. Nach den Beobachtungen der Altenburger und ihres Geſchichtſchreibers Schmalz machen die Schaafe eine Aus⸗— nahme. Ihr Zahn und Tritt ſollen bey gehoͤrig trocknem Zuſtand des Bodens und der Witterung, dem Klee nicht allein keinen Nachtheil, ſondern wirklichen Vortheil bringen; in⸗ 465 indem der Boden feſter an die Wurzeln angetreten, und der Klee dadurch gegen das Auswintern geſchuͤzt wird.„So forderte, ſagt Schmalz, mich ein Pachter, der ſelbſt keine Schaafe halten konnte, auf, alle Herbſte ſeinen jungen Klee mit meinen Schaafen abhuͤten zu laſſen, indem er gefun⸗ den, daß der beweidete Klee ſehr oft im Fruͤhjahr dichter und beſſer ſtuͤnde, als der, welchen man unbeweidet ließ.“ Dr. Schweitzer glaubt bemerkt zu haben, daß, unter gleichen Umſtaͤnden, ein im Herbſte ſtark mit Schaafen be— huͤtetes Feld nicht ſo zeitig im Fruͤhjahre da ſey, als eines, wo dieß nicht ſtatt gehabt hat. Mit dem angegebenen Verfahren ſtimmt jedoch der Gebrauch der Norfolker nicht uͤberein.„Man entfernt, ſchreibt Marshall, im erſten Herbſte die Schaafe ſehr ſorgfältig von dem jungen Klee; geſtattet aber dem Jung— vieh, bey trocknem Wetter, unbedenklich den Zugang.“ Wo liegt nun der Knoten dieſes Widerſpruches? Etwa in Nor⸗ folks ſandigem Boden? Der Klee kann mit Vortheil nur ein Jahr benuzt wer⸗ den, das ſeiner Ausſaat nicht mit einbegriffen. Wenn von keiner Weide mit untergeſaͤeten Graͤſern Rede iſt: ſo hat man ſelten Nutzen den Klee uͤber ſein erſtes Benutzungsjahr ſtehen zu laſſen. Indeſſen koͤnnen Zufaͤlle es noͤthig machen, von dieſer Regel abzuweichen. Dann zum Beyſpiele, wenn durch irgend eine Urſache die junge Kleeſaat zuruͤckgeſchlagen waͤre. Die Begierlichkeit, vielleicht die Traͤgheit, vielleicht auch die Gewohnheit, in welcher man war, in den Grasaͤngern beſtaͤndige Futterfelder zu erblicken, brachten die fruͤheren Anbauer des Klees wahrſcheinlich auf den Gedanken, ihn mehrere Jahre hintereinander zu benutzen. Man ſah nur v. Schwerz Anlcit. z. prakt. Ackerbau. II. Bd. 30 466 auf das, was er unmittelbar leiſtet, und nicht auf die mit⸗ telbare Wirkung, die er zum Beſten des Ganzen hervorbringt. Um jene zu vermehren, ſuchte man ſeine Lebensfriſt zu ver⸗ laͤngern, vergeſſend, daß der Nutzen jeder Kraft um ſo groͤßer iſt, als ſie das Rad des Ganzen ſchneller herum⸗ dreht. Beſaͤße der Klee keine andere Vorzuͤge, als daß er ſchon gleich im erſten Jahre einen vollen Genuß darbietet, welches weder bey Luzerne noch Esper der Fall iſt: ſo gaͤbe ihm das ſchon einen bedeutenden Ausſchlag vor dieſen bey⸗ den Gegenſtaͤnden. Die 8⸗ oder 10 jaͤhrige Dauer dieſer lez⸗ tern paßt nur fuͤr Außenſchlaͤge und nicht in eine regel— maͤßige Fruchtfolge; es ſey auf Guͤtern von einer ſehr großen Ausdehnung. Eine kuͤrzere Dauer derſelben aber iſt nicht vortheilhaft, weilen das erſte und das lezte Jahr ſo gut als halb dabey verloren gehen. Und gewiß wuͤrden die Pfälzer den Esparſettbau aus ihrem Fruchtumlauf ausſchließen, waͤre ihr Boden dem rothen Klee mehr guͤnſtig. Eine uͤberjaͤhrige Benutzung des Klees bietet ferner die Unannehmlichkeit dar, daß das Land dabey nicht ſelten ſo ſehr verqueckt, daß man nur mit Muͤhe vermag, es zu rei⸗ nigen. Ein ſolches Verquecken kann ſelbſt ſchon im erſten Jahre ſtatt haben, dann naͤmlich, wenn der Klee, wegen Kraftloſigkeit, Auswintern, Maͤuſefraß u. ſ. w., den Boden nicht zu uͤberdecken im Stande iſt. Man laſſe ſich dann ja nicht verleiten den zweyten Kleeſchnitt abzuwarten, ſon⸗ dern pfluͤge das Land um und behandle es wie Brache. §. 10. Kleeheuwerbung. Bey der Heuwerbung kommen in Betracht die Zeit wann, und die Weiſe wie abgebracht und geheuet werden ſoll. 467 a) Zeit des Maͤhens. Wenn es ſchon beym Graſe nicht vortheilhaft iſt den richtigen Zeitpunkt zum Heuen zu uͤbergehen: ſo iſt es noch weit weniger vortheilhaft bey dem Klee. Bey beyden macht zwar die Witterung nicht ſelten einen Strich durch die Rech— nung, und der Landwirth kann nicht immer thun, was er will; nuͤtzlich aber iſt ihm zu wiſſen, was er im Falle der Moͤglichkeit thun ſoll. Oft wird ihn, den Geplagten, die feuchte Witterung an der Ausfuͤhrung zur geſetzmaͤßigen Zeit hindern; ein anderes Mal wird ihn eine heiße duͤrre Witte— rung, aus der nicht ungegruͤndeten Urſache, daß ſolches dem zweyten Triebe nachtheilig werden koͤnnte, zum Auf⸗ ſchube noͤthigen. Man mäͤhet den Klee zum Heuen entweder, wenn er voͤllig in der Bluͤthe ſteht; oder wenn ein bedeutender Theil der Blumenkoͤpfe ſich oͤffnet; oder bevor er zu bluͤhen an⸗ faͤngt. Der Nutzen der beyden erſten Methoden beſteht, wie man glaubt, in einem groͤßern Heuertrage, die der lezten in beſſerm Futter. Ich denke nicht, daß irgend Jemand ſey, der dem fruͤher gemaͤheten Klee eine hoͤhere Guͤte und Nahrhaftigkeit abſprechen wollte; wohl aber laͤßt ſich bezweifeln, ob ein ſpaͤt gemäͤhteß Kleefeld wirklich einen groͤßern Ertrag ab⸗ werfe, vorausgeſezt, daß die Witterung des Sommers nicht allzu unguͤnſtig fuͤr den zweyten Schnitt ausfalle. In den 8—14 Tagen, wo der erſte Schnitt das Feld fruͤher ge— raͤumt hat, wird der Nachwuchs nicht unterlaſſen Fort⸗ ſchritte zu machen und das zu erſetzen, was bey jenem auf⸗ geopfert worden. Gewiß iſt ferner, daß je laͤnger der Klee des erſten Schnittes ſtehen bleibt, um ſo haͤrter und zaͤher, alſo dem Vieh unangenehmer, ſeine Staͤngel werden, ſeine Ranken ſich mehr lagern, mehr Blaͤtter verlieren, und bey dichtem Stande von unten dumpfig, mulſtrig, werden. Ge⸗ wiß iſt es ferner, daß um ſo viel laͤnger der erſte Wuchs den Platz behauptet, um ſo weniger Zeit fuͤr den des zwey⸗ ten uͤbrig bleibt. Wollte man dieſem entſagen, oder waͤre keine Hoffnung da ihn zu erhalten, dann freylich wuͤrde man Unrecht haben, den erſten Schnitt vor vollſtaͤndiger Bluͤthe abzunehmen, und der Verluſt des Quantums wuͤrde durch den Gewinn an Qualiteaͤt nicht befriedigend erſezt werden. Noch iſt nicht zu uͤberſehen, daß der bis zur voͤlligen Entwicklung ſeiner Bluͤthe, eine Zeit, wo jede Pflanze wahr— ſcheinlich den groͤßten und lezten Theil ihres Unterhaltes aus der Erde zieht, ſtehende Klee den Boden mehr angreife, als wenn er vor dieſer Epoche abgebracht wird; oder, um mich beſſer auszudruͤcken: daß, je mehr Saͤfte der Stock des Klees zur Ausbildung der Bluͤthe hergiebt, um ſo mehr er daran erſchoͤpft, und, im Falle er wieder ausſchlagen und neue Aeſte treiben ſoll, gendͤthiget wird, um ſo mehr neue Saͤfte aus dem Boden zu ziehen. Es moͤchte wohl ſeyn, wie es die Verſuche des Hrn. v. Dombasle bey dem Getreide hoͤchſt wahrſcheinlich machen, daß alle Subſtanz, welche zur Ausbildung des Saamens erforderlich iſt, ſchon in dem Augenblicke in dem Ganzen der Pflanze ſtecke wo dieſe in voller Bluͤthe iſt. Wenn nun, wie man behauptet, die Kleeſaamen⸗Erzielung den Boden erſchdpft: ſo thut es auch die voͤllige Ausbildung ſeiner Bluͤthe, oder vielmehr ſie mehr als der Saamen. Wollte man aber auch dieſe Bodener⸗ ſchoͤpfung bezweifeln, oder fuͤr unbedeutend anſehen: ſo bleibt doch gewiß, daß nichts den Kleeſtock ſelbſt mehr ent⸗ 469 kraͤftet, als die Blumenentwicklung. Demnach wird die rei⸗ chere Aerndte des erſten Schnittes nur blos auf Rechnung des zweyten erkauft, alſo nichts dabey, als groͤberes Futter gewonnen. Geringer ſind die Nachtheile, wenn der Klee in ſeiner Halbbluͤthe gemaͤhet wird, wie wohl am Gewoͤhnlichſten ge— ſchieht. Noch beſſer aber bleibt es auch dieſer Epoche um etwas zuvorzukommen, in ſo ferne Witterung und Umſtaͤnde es nicht unmoͤglich machen; denn, noch einmal! der Land⸗ wirth kann nicht immer, was er gerne will. Es wird nicht uaͤberfluͤſſig ſeyn, zur Bekraͤftigung des Geſagten, die Meynung des trefflichen Beobachters Mars⸗ hall zu vernehmen.„Ich glaube, ſagt er, daß man dem zweyten Kleeſchnitt betraͤchtlich ſchade, wenn man den erſten zu lange ſtehen laͤßt. So erblicke ich bey drey meiner Nach⸗ baren einen ganz herrlichen zweyten Kleewuchs, waͤhrend der meinige ganz elend neben an ſteht. Die Urſache liegt darin, daß ich viel ſpaͤter, als ſie, maͤhete. Ihr zweyter Schnitt verſpricht gewiß zwey Fuder Heu vom Acre, und vielleicht erhalten ſie noch einen dritten. Deshalb werde auch ich, ſo viel moͤglich, Anfangs Juni und auf jeden Fall vor dem 15ten mähen, es ſey nun ob viel oder wenig da ſtehe. Gewiß iſt, daß der Stamm ſchneller wieder ausſchlaͤgt, wenn der Klee mitten im Wachsthume gemaͤhet wird, als wenn man wartet, bis die Pflanze ihre ſtaͤrkſten Kraͤfte verwen⸗ det hat.“ b) Weiſe des Abbringens. Man bringt den Klee ab entweder mit der Grasſenſe, oder mit der Hauſenſe(Sichte). Iſt der Klee noch jung, 470 ſo wie er zum Gruͤnfuͤttern verbraucht wird; oder ſteht er mager und duͤnne, aufrecht und nicht in einander verſchlun⸗ gen: ſo iſt die Grasſenſe ein paſſendes Werkzeug dazu; bey ſtarkem, uͤppigem, aͤlterm Klee aber iſt es die Sichte. Mit einem Hacken in der Linken reißt der Hauer den ranki⸗ gen Klee, ſo wie ihn die Sichte von dem Stamme trennt, auseinander, wodurch dieſer kein Hinderniß im Wege ſteht, weiter zu greifen; waͤhrend die Senſe ſich in dem Ab⸗ gemaͤhten verwickelt oder darin hangen bleibt. Hat ſich der Klee noch gar gelagert, ſo iſt guter Rath theuer, und der Maͤher weiß nicht wo er anſetzen ſoll, und vermag keinen vollen Zug mit der Senſe zu thun. Ferner rollt der Hauer mit ſeinem Hacken den Klee auf ſich hin, und bildet dadurch ein wulſtiges Gelege, das nicht zuſammengerecht werden, ſondern beym Trocknen nur umgewendet werden darf, wo⸗ durch die wenigen Blaͤtter, die abfallen, meiſt in dem Wulſte ſtecken bleiben. Dieſe Art den Klee abzubringen, iſt von der Maas an bis zur See allgemein, und ich bin uͤber⸗ zeugt, daß der, welcher mit dem Hauen umzugehen weiß, nicht leicht eine Senſe mehr zu ſeinem Kleeheu anſetzen wird. In Flandern wird der Klee nie anders als gepickt(gehauen). Die Gelege werden nur duͤnne angefertiget, und ſo ord⸗ nungsmaͤßig niedergelegt, wie bey dem Abſicheln des Ge⸗ treides zu geſchehen pflegt. So bleibt er zwey Tage liegen, dann werden zwey und zwey Gelege gegeneinander angeſtellt, ſo daß der Theil, der bisher auf der Erde lag, nach außen koͤͤmmt. Nach 5—6 Tagen, wo der Klee trocken iſt, wird er in Buͤſchel gebunden und eingefahren. Es iſt nicht zu laͤugnen, daß dieſe Methode etwas mehr Arbeit macht; aber 471 eben ſo wenig, daß es die zweckmaͤßigſte von allen iſt, in⸗ dem kein Blatt dabey verloren geht. c) Trocknen des Klees nach gewoͤhnlicher Art. Der Klee kann nicht, wie das Gras, beym Trocknen hin und her geworfen werden. Je mehr daran geruͤhrt wird, um ſo mehr Blaͤtter gehen verloren; daher dann Manche beynahe nur die nackten Staͤngel nach Hauſe fahren. Um ſolches zu vermeiden, laͤßt man vor der Hand die Schwaden oder Gelege einen oder zwey Tage zum Abtrocknen liegen. Nun kehrt man die Schwaden mit einem Stocke ſanft um, und bringt ſie am folgenden Tage mit einer Gabel in lockere ſpitzige Haͤufſchen. Wieder einen oder zwey Tage ſpaͤter werden dieſe Haͤufchen umgekehrt. Dieſes muß aber behut⸗ ſam, alſo mit den Haͤnden geſchehen. Bey recht guͤnſtiger Witterung kann er nach einigen Tagen aus dieſen umge— kehrten Haͤufchen aufgeladen werden; wo nicht: ſo werden Morgens fruͤhe, wenn der Thau nur ſo eben entſchwunden iſt, die Haͤufchen zu 3— 4 zuſammen in etwas groͤßere Hau⸗ fen gebracht. Die feſte Regel bey dieſen Haufen und Haͤuf⸗ chen iſt, ſie ſo locker als moͤglich zu halten, und die Haufen insbeſondere am folgenden Tage etwas aufzuſtocheren, zu luͤften. Iſt die Witterung nicht gar unguͤnſtig, ſo iſt das Kleeheu in 6—7 Tagen gewonnen. Die Haufen oder Haͤufchen muͤſſen immer Gaſſenweis geſezt werden, damit der Wagen zwiſchen zwey Reihen un⸗ gehindert durch kann, wodurch das Laden und Abfahren er— leichtert wird. So viel moͤglich muß das Laden in der Fruͤhe geſchehen, wo das Kleeheu noch etwas feucht vom Thaue iſt. Man muß ſich durch das blos welke Anſehen der Staͤn⸗ gel nicht von dem Einheimſen abſchrecken laſſen. Dieſe trocknen erſt zu Hauſe voͤllig aus, und bringen dem Ganzen keinen Schaden. Weit ſchwieriger iſt das Heuen des Klees bey anhal— tend ſchlechter Witterung. Es erfordert nothwendig mehr Aufſicht und Arbeit, wenn das Futter nicht unbrauchbar werden ſoll. Die angefuͤhrte Behandlung bleibt zwar die⸗ ſelbe,„nur, ſagt Schmalz, habe ich jedes paar Stunden, wo es nicht regnete, oder wo die Luft etwas wehete, benuzt und den Klee wenden und auflockern laſſen, er mag noch in Schwaden oder Haͤufchen gelegen haben. So konnte er nie ſich erhitzen, und nie iſt mir auch nur ein einziges Fuder verdorben, hatte auch das Regenwetter 14 und noch mehr Tage angehalten. Fallen gute Tage zwiſchen ein: ſo muͤſſen ſie ja nicht verſaͤumt werden. Geitzige Landwirthe ſparen den Lohn der Arbeiter und laſſen in den guten Ta⸗ gen zwiſchen dem Regenwetter nichts thun. Sie meynen trocken wuͤrde in ſo kurzer Zeit der Klee doch nicht, daß es alſo nichts helfe, die naſſe Seite hinunter zu kehren. Sie bedenken aber nicht, daß das Untere, wenn es lange liegen bleibt, warm und ſchimmlicht wird“ Eine eigene Art, das Kleeheu zu behandeln, ſo wie es in Norfolk ſtatt hat, fuͤhre ich nach Marshall hier an. „Sobald, ſpricht er, der Klee trocken genug iſt, um keine Faͤulniß davon zu befuͤrchten: ſo bringt man ihn in ſolche Haufen zuſammen, daß ihrer 5—6 ein Fuder bilden. In dieſen Haufen bleibt er 8, auch 14 Tage ſitzen. Kurze Re⸗ gen ſchaden ihm ſo nichts, allein lange anhaltende verſchlech⸗ tern merklich ſeine Guͤte. Dennoch halten die Landwirthe dieſe Verfahrungsart fuͤr vortheilhaft. 47³ Der Klee ſchwizt in dem Haufen aus; das Heu wird zureichend und doch nicht zu trocken, wodurch bey dem La— den und Einfahren weniger Blaͤtter, als bey dem auf ge⸗ woͤhnliche Weiſe geheuten Klee, verloren gehen.“ d) Trocknen des Klees auf Geruͤſten. Die Unſicherheit und Unbeſtaͤndigkeit der Witterung in manchen Gegenden, der Mangel an Zugluft, die Nacht⸗ ſchattigkeit der Lage, der von der Sonne weggewendete Hang der Felder, naſſe Sommer erſchweren nicht ſelten das Trock⸗— nen des Klees. Solches gab alſo, beſonders in Gebirgsge— genden, Anlaß, den Klee auf Geruͤſten, ſogenannten Klee⸗ reitern zu trocknen. Da wir ſie in Hohenheim einfuͤhrten, und uns ſeit fuͤnf Jahren recht gut dabey befinden, ſo kann ich ihren Gebrauch nicht allein angeben, ſondern auch empfehlen. Jeder Reiter beſteht aus einem 6— 10 Fuß langen oder noch langeren ſtarken, unten zugeſpizten Pfahl, mit 5— 4 uͤber⸗ einander in verſchiedenen Richtungen durchgebohrten Loͤchern, durch deren jedes ein 4 Fuß langer Stab geſchoben wird. Die Loͤcher ſitzen etwa 1 ⅓ Fuß von einander, und der un⸗ terſte 3 Fuß uͤber dem Spitzende des Pfahls. Bey dem Ge⸗ brauche bohrt man mit einem Pfahleiſen vor, ſtoͤßt und ſchlägt die Reiter ein, damit der Wind ſie in der Folge nicht umlegt, und ſorgt dafuͤr, daß ſie Zeilenweis zu ſtehen kommen, um dem Wagen ſpaͤterhin kein Hinderniß in den Weg zu legen. Bey dem Behaͤngen oder Aufhiffeln ſind folgende Re⸗ geln zu beobachten: 1. Die friſchen Kleemahden bleiben einen Tag liegen, da⸗ mit ſie welk werden. 474 a2. Sie muͤſſen nicht feſt aufgepackt, ſondern ziemlich loſe, 1 uͤber den Tragſtecken angehaͤuft werden, wobey man mit den unterſten anfaͤngt. 3. Das Aufhängen darf nicht waͤhrend des Regens ge⸗ ſchehen. 4. Der Klee auf den unterſten Tragſtecken muß nicht bis auf die Erde herabhangen, wodurch die Feuchtigkeit ge⸗ hindert wuͤrde ſchnell zu dunſten. 5. Zum ſchnellern Trocknen muß man nicht mehr als 100 Kilogr. gruͤnen Klee auf einen Reiter von 7 Fuß Hoͤhe bringen, welches, da 100 Pfd. gruͤn gewoͤhulich 22 Pfd. G trocken geben, 55 Pfd. Kleeheu vom Reiter betraͤgt; woraus der Bedarf der Zahl der Reiter fuͤr ein gege⸗ benes Kleefeld hervorgeht. Ich weiß, daß Manche mit der Beobachtung und An⸗ gabe der angefuͤhrten Vorſchriften es nicht ſo puͤnktlich neh— men, allein die Erfahrung hat uns von ihrem Nutzen uͤber⸗ zeugt, und wir haben im erſten Jahre, wegen ihrer Nicht⸗ beachtung, viel ſchimmlicht Heu bekommen, das von Neuem V in der Sonne getrocknet werden mußte. Iſt nur die Arbeit nach den gegebenen wenigen Vorſchriften ausgefuͤhrt, ſo darf man um den aufgehiffelten Klee nicht verlegen ſeyn, der ſich von ſelbſt in das ſchoͤnſte Heu umbilden wird. Man kann dieſes ſelbſt darauf hangen laſſen, bis der zweyte Kleeſchnitt die Raͤumung der Reiter erheiſcht. Bey dieſem Schnitte, im Falle er gedoͤrret werden ſoll, kommen die Reiter noch beſſer zu ſtatten, da wegen zu Ende gehen— dem Sommer und kuͤrzern Tagen das Trocknen des Klees immer ſchwieriger wird. Die erſte Anſchaffung ſolcher Reiter, ſo wie die alljaͤhr⸗ — 475 liche Reparatur und Ergänzung derſelben iſt, zumal in holzarmen Gegenden, ziemlich koſtbar. Hierzu geſellen ſich noch die Ausgaben fuͤr das Einſchlagen, Aufhiffeln u. ſ. w., wodurch die Heuwerbungskoſten ſich uͤber die des gewoͤhn— lichen Verfahrens erhoͤhen. Indeſſen iſt in ſolchen Gegen⸗ den, welche einem haͤufigen Wechſel der Witterung unter⸗ worfen ſind, oder auch anderswo in einem Jahre, wo man auf das Wetter nicht zaͤhlen kann, die Sicherſtellung des Winterfutters von ſehr hohem Werth. Der Gebrauch der Kleereiter(ſogenannter Heinzen) bietet auf ſchwerem Boden einige, nicht unbedeutende Schwie⸗ rigkeiten dar; denn nicht blos muͤſſen die Loͤcher zu ihrer Aufnahme mit einem Pfahleiſen eingeſtoßen werden; ſondern jeder Reiter erfordert noch ein ſtarkes Antreiben mit einem hoͤlzernen Schlegel. Durch dieſes Schlagen werden die Koͤ⸗ pfe der Reiter nicht wenig beſchaͤdiget, und es ſpringen oft ganze Stuͤcke davon. Die Sache geht noch ſchwerer und langſamer, wenn ſich Steine im Boden vorfinden. Dabey werden die Stecken oder Arme der Reiter, theils durch das Aufhiffeln des Klees, theils durch das Hin- und Herfahren zerbrochen, und das Flicken nimmt kein Ende. Dieſes be⸗ wog mich auf eine andere Vorrichtung zu denken, welche ſchneller abgefertigt, dauerhafter, und auf dem ſteinigſten haͤrteſten Boden ohne Schlagen und Eintreiben ausfuͤhrbar iſt. Der Erfolg leiſtete mehr als ich erwartete; denn nicht blos wurden jene Bedingungen erfuͤllt; ſondern auch die Ko— ſten bey der Anwendung der Kleetraͤger(ein Name, den ich ihnen gegeben habe) um mehr als die Häͤlfte verringert, ohne daß ihre erſte Anſchaffung mehr, und, wenn man auf die Dauer ſieht, noch weniger koſtet, als die der Kleereiter. Die Kleetraͤger beſtehen aus einzelnen Schragen, deren einen ich hier mit einigen Strichen angeben will. 35 2 Zwey ſtarke Staͤbe a a kreuzen ſich in dem Punkte i. b b ſind zwey Zapfen, die in die Staͤbe feſt geſchlagen ſind. cccbezeichnen drey Stangen, uͤber welchen der Klee auf⸗ gehangen und aufgethuͤrmt wird. 3 Schragen und 6 Stan⸗ gen bilden einen Traͤger. Wie man denken kann, wird ein Schragen in der Mitte, die beyden andern an den Enden aufgeſtellt. Da der Traͤger aus zwey Stangenlaͤngen be— ſteht: ſo muͤſſen ſich dieſe auf dem mittelſten Schragen kreu⸗ zen. Damit der Traͤger ſich nicht nach oben oder unten ſenke, alſo zur Erde falle, werden die zwey aͤußern Schra⸗ gen jeder mit einer Gabel geſtuͤzt. Da man nicht leicht mit ſolchen Holzgabeln verſehen iſt: ſo nimmt man einen ſtarken Stab und ſchlaͤgt nach ſeiner Hoͤhe einen Fußlangen Zapfen hinein, wie Fig. B zeigt. Dieſe Stuͤtze wird ſchraͤg gegen den Schragen angerichtet, und dieſer etwas nach ihr hin geſenkt, ſo daß A x auf B x zu ruhen koͤmmt, wo⸗ —— 477 durch der Schragen ausſieht, als wenn er drey Beine haͤtte. Nunmehr wird der Klee aufgehiffelt, mit dem Behangen der unterſten Stangen anzufangen. Der beladene Traͤger gleicht am Ende einem Huͤgel, unter welchem die Luft in ſeiner ganzen Laͤnge durchſpielen kann. Es wuͤrde der ſtaͤrk⸗ ſte Sturm kaum vermoͤgen, die beladenen Traͤger hinzu⸗ ſtrecken. Es verſteht ſich, daß man die Traͤger durch das An— bringen mehrerer Schragen auch verlaͤngern kann, wodurch an Gabelſtuͤtzen etwas erſpart wird. Die Stangen, deren wir uns hier bedienen, ſind alte Hopfenſtangen. Die Ent⸗ fernung der Schragen richtet ſich nach der Länge der Stan⸗ gen. Die Laͤnge eines Traͤgers, wovon in folgender Be⸗ rechnung Rede ſeyn wird, betraͤgt 26 Fuß. Seine Laſt iſt 120 Kilogramme Heu p. m. Es wird nicht uͤberfluͤſſig ſeyn beyde Trocknungsarten, auf Reitern und Traͤgern, mit einander zu vergleichen, nach einem genauen Verſuche, den ich daruͤber angeſtellt habe. Die Berechnung legt den erſten Kleeſchnitt eines Hektars zum Grunde. Reiter. Es wurden erfordert... 177 Stuͤcke 9. zum Loͤchermachen, Maͤnner. 16 Stunden 51 Min. zum Einſchlagen, Maͤnner.. 7 Stunden 22 Min. zum Aufhiffeln, Weiber.. 89 Stunden 33 Min. Summen der Arbeitsſtunden 113 Stunden 46 Min.“*) *) Auf einem andern Felde bedurfte man ihrer bey eben ſo ſtarkem Klee 140. Medium 1538. **) Burger rechnet fuͤr ſeine Gegend nur 72 Stunden halb Frauen⸗, halb Maͤnner⸗Arbeit auf den Hektar. 478 Träaͤger. Es wurden erfordert..... 32 Stuͤcke. dazu gehoͤren: Stangen 192 von 16 Fuß Laͤnge. Schragen 96 von 5 Fuß Hoͤhe. Stuͤtzen 64 zum Aufrichten der Traͤger und Aufhiffeln des Klees in Al⸗ lem 47 Stunden 37 Minuten. Demnach fertigen dieſelben Arbeiter in derſelben Zeit, bey dem Gebrauche der Traͤger beynahe 2 ⅓ Hektar ab, waͤh⸗ rend ſie bey den Reitern nur 1 Hektar abfertigen. Der Vorzug der erſten bleibt alſo entſchieden, auch ohne ihrer uͤbrigen Vortheile zu gedenken. Worunter das Auf⸗ und Abfahren, der mindere Raum, den ſie zum Aufbewahren im Winter fordern, nicht zu vergeſſen. Nehmen wir an, daß der erſte Schnitt eines Hektars Klee 30 metriſche Ztr. betraͤgt, ſo fallen Stunde 38 Mi⸗ nuten auf die Heuwerbung von einem metriſchen Ztr. ver⸗ mittelſt der Traͤger, womit jeder die gewoͤhnlichen Koſten bey ihm vergleichen kann. Wenn ich des Heuen nach der Klappmeier'’ſchen Me⸗ thode nicht gedenke: ſo geſchieht es, weil ich ſie ein Paar⸗ mal verſucht, mich aber ſchlecht dabey befunden habe. Ein Gleiches iſt auch andern widerfahren. §. 11. Ertrag und Werth. Weit mehr, als auf den Ertrag des Getreides, haben Klima und zumal Boden auf den des Klees Einfluß, und weit eher kann eine gute Cultur bey jenem dem Mangel ſol⸗ cher Einfluͤſſe begegnen, als bey dieſem. Daher denn ruͤhrt 479 die außerordentliche Verſchiedenheit der Angaben bey dem Ertrag des Klees. Hierzu geſellt ſich noch die Schwierig⸗ keit, daß man hoͤchſt ſelten den eigentlichen Ertrag kennt, da er nur hoͤchſt ſelten abgewogen, ſondern nach Fudern, alſo ungefaͤhr beſtimmt, und bald fruͤher, bald ſpaͤter ge— maͤhet, bald mehr, bald weniger trocken eingefahren wird. Ungeachtet einiger Angaben, die ich daruͤber vor Au⸗ gen habe, und die ſich von 44 auf 110 metriſche Zentner Heu fuͤr die beyden Kleeſchnitte belaufen, wage ich es doch nicht einen Durchſchnitt daraus zu ziehen, der ſich auf 77 ſolcher Zentner belaufen wuͤrde. Ein Medium von 50 Zent⸗ ner vom Hektar duͤrfte im Allgemeinen wohl die Klee— freunde befriedigen. In Hohenheim gab 1824 der erſte Schnitt vom Klee, der unter Kartoffelgerſte geſaͤet worden war, 37,4 metriſche Zentner Heu; der unter Dinkelgerſte nach den Regeln der Dreyfelder geſaͤete gab ihrer 41,7. Was das Nachheu be⸗ trifft: ſo kann ich den Betrag nicht mit Beſtimmtheit an— geben, da der zweyte Schnitt aus beſondern Urſachen um drey Wochen fruͤher, als er ſollte, gemaͤhet worden war. Ich glaube nicht zuviel zu thun, wenn ich ihn zu des erſten annehme. Demnach gab der erſte Acker 6½, der an— dere 69 metriſche Zentner vom Hektar, Medium 65,5 Ztr.*0 Da der Klee beym Doͤrren 75— 80 pCt. an Gewicht verliert, je nachdem er fruͤher oder ſpaͤter gemaͤhet worden, ſo bieten 50 metriſche Zentner Heu in noch gruͤnem Zuſtande ungefaͤhr 250 Ztr. Futter dar. Nehmen wir an, daß eine Kuh taͤglich 40 Kilogramme Klee frißt, und die gruͤne Fuͤt⸗ *) Im Durchſchnitt 400 Pfund Heu vom Wuͤrtemb. Morgen. 480 terungszeit 150 Tage dauert: ſo ergiebt ſich, daß 4 Kuͤhe von einem Hektar gedachte Zeit uͤber unterhalten werden koͤnnen, wie ſolches auch genau nach den Beobachtungen des Hrn. Diererſen bey Antwerpen zutrifft. Es haben Einige dem Kleeheu einen hoͤhern Werth bey— legen wollen, als dem Wieſenheu; allein abgeſehen von dem, daß zwiſchen erſterm ſelbſt eine bedeutende Verſchie⸗ denheit iſt, je nachdem es vor, in, oder zu Ende der Bluͤ⸗ the gemaͤhet, und gegen das Abfallen der Blaͤtter mehr oder weniger gut behandelt worden iſt: ſo iſt die Verſchiedenheit bey dem Wieſenheu noch viel groͤßer, je nach dem Bo⸗ den, worauf es ausgewachſen iſt; den Graͤſern und Kraͤu⸗ tern, woraus es beſteht; und der Qualitaͤt, welche dieſe nach den Locglitaͤten angenommen haben. Waͤhlen wir das auf ſumpfigen mit Binſen und Seggen angefuͤllten Wieſen geworbene Heu, ſo mag leicht ein Ztr. Kleeheu mehr werth ſeyn, als vier Ztr. von lezterm. Solches aber heißt gute Waare mit ſchlechter vergleichen. Nach meinem Dafuͤr⸗ halten hat Hr. Amtmann Block den richtigſten Maaßſtab dafuͤr angegeben. Dem zu Folge ſezt er vor der Bluͤthe ge⸗ worbenes Kleeheu dem beſten Wieſenheu, in der Bluͤthe ge⸗ maͤhtes gewoͤhnlichem Wieſenheu gleich. Ueber die Anwendung zur Fuͤtterung ſagt Schmalz: „Das Kleeheu wird von allem Vieh ſehr gerne gefreſſen⸗ Die Kuͤhe melken bey hinlaͤnglichem Saufen vorzuͤglich gut darnach; die Milch iſt von guter Eigenſchaft, und ſehr ſchmackhaft. Beſonders gedeihlich iſt dieſes Heu den Mut⸗ terſchaafen. Sie bekommen viele Milch und die Wolle waͤchſt ſehr darnach. Schon die Laͤmmer im Mutterleibe gewinnen durch die Kleeheuſuͤtterung; ſie ſind immer groß, ſtark und geſund 481 geſund. Durch das Kleeheu war ich im Stande meine Schaͤferey von 450 auf 900 Stuͤck zu verſtaͤrken.“ Nachtraͤglich muß ich noch anfuͤhren, daß man in Weſt— phalen zum Theile den Klee, ſtatt zu doͤrren, wie Sauer⸗ kraut einmacht. Man ſchneidet ihn ein- oder zweymal durch und tritt ihn ſchichtweis in Tonnen, oder ausgemauerte, auch wohl nur mit Thon waſſerdicht ausgeſchlagene, Behaͤl⸗ ter ein; ſtreut etwas Salz zwiſchen die Schichten und be⸗ ſchwert den Deckel. Zieht der Klee nicht von ſelbſt Bruͤhe genug: ſo muß ſo viel Waſſer zugegoſſen werden, daß die Fluͤſſigkeit einen Zoll hoch uͤber dem Deckel ſtehe. Zu dieſer Hoͤhe muß man ſie dann auch anhaltend zu erhalten ſuchen, wenn ſie verduͤnſten oder ſich ſonſt verlieren ſollte. Auf dieſe Weiſe laͤßt ſich das Kleeſauerkraut bis zum erſten Kleeſchnitt des folgenden Jahres aufbewahren. Mit Haͤcker⸗ ling bey dem Verbrauche, oder auch nicht, gemiſcht, giebt es ein den Kuͤhen gedeihliches und milchreiches Futter. Frey— herr von Hoͤvel in der Grafſchaft Mark verſicherte mir, daß er nie Klee doͤrren wuͤrde, wenn er zureichend mit Behaͤl⸗ tern zum Einmachen verſehen waͤre. Um den Nutzen des Kleebaues in ſeinem ganzen Um— fange zu wuͤrdigen, darf ſeine allgemein anerkannte guͤn⸗ ſtige Einwirkung auf den Boden nicht uͤberſehen werden. Hierin mag ſich wohl kein anderes Erzeugniß mit dem Klee meſſen. Wohl thun dieſes Esper und Luzerne; aber nur erſt dann, wann ſie das Feld mehrere Jahre beſezt gehalten haben. Wir pfluͤgten heuer den dritten Schnitt, der bis auf einen Fuß hoch heran gewachſen war, zur Dinkelſaat unter, und ich darf hoffen, daß dieſer damit zufrieden ſeyn, und vielleicht nur zu uͤppig werden wird, obgleich er erſt v. Schwerz Anleit. z. prakt. Ackerbau. II. Bd. 31 48² in fuͤnfter Tracht oder Gaile vorkoͤmmt. Das Feld hatte naͤmlich 1821 10 Raps geduͤngt, 2) Dinkel, 3) Gerſte, 4) Klee gegipſt und nun 5) Dinkel, darauf wird es 1826 Hafer tragen. Ohne Dazwiſchenkunft des Klees wuͤrde ſol⸗ ches nimmer ſo gehen; vielleicht auch jezt nicht, wenn der Klee dreymal abgeſchoren wuͤrde. In Flandern ſaͤet man haͤufig Klee in der Abſicht aus, um ihn im Herbſte unterzupfluͤgen. Da, nach Meynung der Flamaͤnder, die Kartoffeln den Boden ſtark angreifen, ſo ſaͤen ſie, uͤber den darauf folgenden Weitzen oder Lein, Klee, pfluͤgen ihn im ſelben Herbſte unter und ſaͤen dann Rocken, wodurch ſie dem Boden einen Erſatz fuͤr jene Er⸗ ſchoͤpfung zu geben ſuchen. Man ſchaͤzt dieſe Methode be⸗ ſonders auf naſſem Boden, der durch den Klee trockner wird. §. 12. Saamenerzielung. Man waͤhlt zum Saamentragen keine ſolche Felder, wo der Klee ſich vor Ueppigkeit lagert. Hier bluͤhet er immer fort, und bringt meiſt nur taube und leere Knoppen vor. Der beſte Boden dazu iſt wohl ein guter, oder doch gut ge⸗ bauter Sandboden. Man laͤßt in der Regel den zweyten Schnitt zu Saa⸗ men ſtehen, weilen der erſte, ſeiner Ueppigkeit wegen, vor⸗ theilhafter zu Futter als zu Saamen benuzt wird. Man waͤhlt aber vorzugsweiſe ſolche Flecke, die zuerſt, oder doch vor Johannis gemaͤhet worden, weilen man bey dem ſpaͤtern Gefahr laͤuft, den Saamenklee im Herbſte nicht mehr zurei⸗ chend trocknen zu koͤnnen. Bey guͤnſtiger Witterung, freudig bluͤhendem, nicht gelagertem Klee iſt es ſehr rathſam, einen 48⁵ Theil des erſten Schnitts zum Saamentragen zu beſtimmen; denn man iſt ja nicht ſicher, was aus dem Saamen des zweyten werden wird. Der Saamen von jenem iſt dann ſchon Anfangs Auguſt reif, und kann der Hitze wegen auf dem Felde ſelbſt uͤber Tuͤchern abgeklopft werden, wo die Knoppen ſich am leichteſten von dem Stroh trennen. Der Saamenklee wird mit der Senſe, beſſer aber mit der Sichte*), abgebracht. Auf jeden Fall bleibt er zwey Tage liegen, wird dann behutſam umgekehrt, und wieder nach ein paar Tagen aufgehockt. Man ſtellt dabey 3— 4 Ge⸗ lege ungebunden mit den Koͤpfen gegen einander an, und umwindet ſie ganz an der Spitze mit einigen Strohhalmen. Sollte der Wind die Hocken umwerfen: ſo muͤſſen ſie noch an demſelben Tage wieder aufgerichtet werden, indem die Feuchtigkeit den an der Erde liegenden Saamenkoͤpfen be⸗ traͤchtlich ſchadet. Das in Flandern haͤufig vorkommende Abrupfen der rei⸗ fen Saamenkoͤpfe durch Kinder, vor dem Maͤhen, iſt frey⸗ lich die Methode, wobey man am ſicherſten faͤhrt, indem man die Koͤpfe, unabhaͤngig von dem Wetter, zu Hauſe trocknen kann; ſie macht aber mehr Koſten. Wenn man indeſſen gezwungen wäre Kleeſaamen von einem Felde zu ſammeln, das von der Flachsſeide, oder auch nur vom Wegerich angegriffen waͤre: ſo bleibt das Abnehmen der Knoppen mit der Hand, von dem noch ſtehenden Klee, die einzig raͤthliche Methode. Dabey hat ſie noch den Vortheil, daß das Saamenkleeſtroh viel beſſer bleibt, indem es nicht *) Hauſenſe, Sichet. 484 wie bey der gewoͤhnlichen Weiſe unter den Flegel koͤmmt, die Blaͤtter alſo nicht von den Staͤngeln abgeſchlagen werden. In Bezug auf die Behandlung der Kleeſaamenaͤrudte glaube ich nichts Nuͤtzlicheres thun zu koͤnnen, als den verehrten Leſer mit dem Verfahren Hrn. Elsners nach ſeinen eigenen Worten bekannt zu machen.„Zuboͤrderſt, ſagt er, laſſe ich den Klee vollkommen reif werden, und zwar ſo, daß die ſpaͤtbluͤhenden Kolben, wenn auch noch keine ooͤllig trock⸗ nen, doch vollkommen ausgebildete Koͤrner haben. Unter den ſpaͤtbluͤhenden Kolben verſtehe ich aber keine ſolche, die manchmal aus dem Stocke nach einem Regen bey langer Trockenheit nachſchießen; ſondern nur die bey der Haupt⸗ bluͤthe verſpaͤteten, die oft erſt zu bluͤhen anfangen, wenn bereits die Mehrheit der Kolben reift. Man wartet haͤufig die verſpaͤteten Bluͤthen nicht ab, um den erſten Saa⸗ men nicht Preis zu geben; aber man kann es ohne Gefahr. — Eilt man mit dem Abmaͤhen des Saamenklees allzuſehr, ſo muß er wegen des vielen noch in den Staͤngeln befind⸗ lichen Saftes zu lange liegen. Er bekoͤmmt dann wohl auch noch einige Roͤſten durch Regen, und man verliert alsdann mehr von dem erſten Saamen, als beym laͤngern Stehen, und hat außerdem von den unreif gebliebenen Kolben einen ſchlechten Saamen, der ſich noch dazu nur mit der groͤßten Anſtrengung herausbringen laͤßt.— Laͤßt man hingegen den Saamen ſeine vollkommene Reife erlangen: ſo trocknet er mit der groͤßten Leichtigkeit ab. Selten darf ich meinen Saamenklee laͤnger als 3—4 Tage liegen laſſen, und den⸗ noch geht die Arbeit bey dem Abdreſchen recht gut von ſtat⸗ ten. Sind die Schwaden gewendet, und etwas trocken ge⸗ worden, ſo werden ſie in Kappen(Hucken) aufgeſtellt. Iſt 485 der Klee nun hinlaͤnglich duͤrre, welches bey meinem Ver— fahren in vier Tagen ſtatt hat, ſo wird er auf mit Tuͤchern uͤberſpannten Wagen eingefahren, und wo moͤglich uͤber der Tenne eingebanſet, wo er bis zum Abdreſchen liegen bleibt**). Die abgedroſchenen Kolben werden auf einem luftigen Bo⸗ den anderthalb Fuß dick aufgeſchichtet, und bey trocknem Froſte ausgedroſchen, wobey ich folgendes Verfahren beob⸗ achte. Es iſt angenommene Regel, daß die Kolben zwoͤlf⸗ mal ſtark durchdroſchen und alsdann geſiebt werden. Hierzu dienen nur Drathſiebe. Das erſte mit vier Quadratlinien großen, das zweyte mit um ein Drittel engern Oeffnungen. Was auf dem erſten und zweyten Siebe zuruͤckbleibt, koͤmmt wie⸗ der zum Dreſchen. Das Sieben geſchieht im Windzuge, wobey der Saamen ſchon ſo rein wird, daß er auf einem Haarſiebe vom Staube getrennt werden kann.“ Schneller geht das Ausdreſchen von ſtatten, wenn man es erſt im Fruͤhjahre unternimmt, und dann die Knoppen vorlaͤufig in die Sonne bringt. Zum Saͤen uͤber das Win⸗ tergetreide faͤllt aber das Dreſchen im Fruͤhjahre zu ſpaͤt, ſo auch wenn man eine Menge zum Verkauf auszubieten hat. Am vortheilhafteſten moͤgte ſeyn, ſich des Saamens erſt um ein Jahr ſpaͤter zu bedienen. Dann kann man die warmen Tage im Mai abwarten, und die Knoppen nach Gefallen der heißen Sonne ausſetzen. Solches kann dann, wenn es an Raum fehlt, in Haufen geſchehen, die man oͤfters umſchippt. Am ſchwerſten geht der Kleeſaamen aus den Huͤlſen, wenn er etwas feucht eingebracht worden iſt. *) Bey kleinen Quantitaͤten werden die Kleeſaamen⸗Knoppen am beſten ſogleich beym Einfahren abgedroſchen. 486 Statt der verſchiedenen feinen Drathſiebe, wovon Hr. Els⸗ ner ſpricht, und womit nicht Jedermann verſehen iſt, kann man ſich wiederholt der Staubmuͤhle bedienen. Auf welche Art man auch immer den Klee auszukoͤrnen ſucht: ſo bleibt es ein langwieriges und die Geduld ermuͤ— dendes Geſchaͤft. Es waͤre daher zu wuͤnſchen, daß es moͤglich gemacht werden koͤnnte, ſolches auf einer Muͤhle zu vollfuͤhren. Das Doͤrren des Klees im Backofen moͤgte freylich die Sache am meiſten foͤrdern; aber auch die meiſte Gefahr darbieten. Die Guͤte eines auf dieſem Wege gewon⸗ nenen Kleeſaamens iſt hoͤchſt zweydeutig. Sicherer laͤßt er ſich in ſtark geheizten Kammern, aber freylich viel langſa⸗ mer als im Backofen trocknen. Schweitzer empfiehlt das Ausſtampfen des Saamens in einer Oelmuͤhle, giebt aber das Verfahren davon nicht an. Sehr paſſend zum Ausbrin⸗ gen des Saamens ſollen die hollaͤndiſchen Dreſchwalzen ſeyn. Das Kleeſaamenſtroh hat zwar nicht den Futterwerth, welchen das Kleeheu hat, es ſteht aber darin doch dem Ge⸗ treideſtroh voͤllig gleich. Die Spreu aber geht aller Getreide⸗ ſpreu vor. Die Frage, ob die Kleeſaamen⸗Erzielung den Boden angreife, alſo den darauf folgenden Fruͤchten Nachtheil bringe, wird von Mehreren bejahet, von Mehreren ver⸗ neint. Ich fuͤr meinen Theil habe weit mehr Wirthe gefun⸗ den, die fuͤr das Nein als fuͤr das Ja ſtimmten. Beyde gruͤndeten ihre Meynung auf die Erfahrung. Wollen wir keiner dieſer Meynungen etwas vergeben, wozu wir, da von Thatſachen, und nicht von Anſichten Rede iſt, auch nicht berechtiget ſind: ſo laͤßt ſich muthmaßen, daß die durch den Saamen bewirkte Entkraͤftung nicht ſehr bedeutend 487 ſeyn muß; oder daß ſie da, wo ſie ſtatt hat, von zufaͤlli⸗ gen Urſachen, die ſich nicht uͤberall gleich ſind, herruͤhre. Ich darf darunter nur a) den Antheil der Kraft, der im Bo⸗ den ſteckt, b) das mehr oder weniger Geeignetſeyn des Bo⸗ dens zum Klee, und c) die Zeit, wo der Kleeſaamen einge⸗ aͤrndtet wird, aufzaͤhlen. In Bezug auf a) gilt daſſelbe, was fuͤr den Raps gilt. So unſchuldig ich auch dieſen in gedachtem Stuͤcke glaube und mich von Jahr zu Jahr mehr in dieſem Glau⸗ ben beſtaͤrke: ſo moͤgen auch Andere Recht haben, das Ge⸗ gentheil zu glauben, ſolche nämlich, welche auf kraftloſem Boden kraͤftige Dinge erzielen wollen. ad b) wird wohl allgemein angenommen werden duͤrfen, daß ein Boden um ſo mehr von einem Gegenſtand angegriffen wird, als er, ſeiner natuͤrlichen Beſchaffenheit nach, weniger zu Hervor⸗ bringung dieſes Gegenſtandes geeignet iſt, und umgekehrt. ad c) ſezten wir bey dem Weitzen, als nothwendige Be⸗ dingung zu ſeinem vollkommenen Gedeihen voraus, daß die Kleenarbe 3—4 Wochen vor der Weitzenſaat umgelegt werde. Da alſo, oder in den Jahren, wo ſolches durch das ver⸗ ſpaͤtete Wegbringen des Kleeſaamens vom Felde gehindert wird, muß freylich der Weitzen darunter leiden. Wo man gewohnt iſt die Kleeſtoppel etwas zum Wei⸗ tzen zu duͤngen, oder ſich bewogen fuͤhlt den erſten Schnitt zum Saamen ſtehen zu laſſen, wird man keinen Ruͤckſchlag an dem folgenden Weitzen gewahren. Doch dem ſey, wie ihm wolle; ſo fragt ſich, ob 4—5 metriſche Zeutner Klee— ſaamen, denn ſo viel aͤrndtet man oft von einem Hektar im Cleviſchen, nicht zureichen, nach Abzug aller Koſten die kleine Erſchoͤpfung im Boden zu decken, die durch die Saa⸗ . 488 men⸗-Erzielung bewirkt werden koͤnnte? Und: ob wirklich Erſchoͤpfung genannt werden darf, was nur eine Vermin⸗ derung derjenigen Kraft iſt, welche der Klee dem Boden im gruͤnen Zuſtande mittheilt, einer Kraft, die alſo nicht im Boden liegt, ſondern in dem Klee ſelbſt urſtaͤndet? Oder wollte man dieſen dafuͤr verantwortlich machen, wenn er fuͤr eigene Rechnung zehrt, und wo nicht dem Boden, doch dem Wirthe die Zeche treulich zahlt? Aber ſo wie im Kriege giebt es auch im Gebiete der Landwirthſchaft paniſche Schrecken! Wie wichtig die Saamen⸗Erzielung fuͤr Flandern ſey, ergiebt ſich aus folgender Geldberechnung. Man ſchlaͤgt da— ſelbſt den ganzen Kleeertrag vom Hektar an zu 220 Gul⸗ den. Wird Saamen vom zweyten Schnitte gezogen: ſo traͤgt er im Durchſchnitt 360 Kilogr.(zu Lockeren im Waes⸗ land 550— 560). Jener Saamen iſt werth 150 Gulden, wozu der Werth des erſten Schnittes zu 120 fl., der ganze Ertrag alſo gleich 270 fl., ohne das Saamenſtroh, welches fuͤr ſich wenigſtens 40 fl. werth iſt. Demnach gewinnt der Flamaͤnder durch die Saamen-Erzielung go fl. mehr vom Hektar, als wenn er beyde Kleeſchnitte zu Heu gemacht haͤtte. Das Einzige, was bey der Saamen⸗Erzielung als Nachtheil betrachtet werden kann, iſt die Ungewißheit der Aerndte, da ein vierundzwanzigſtuͤndiger Oſt- oder Nord⸗ oſtwind im Stande iſt, die Blumenkoͤpfe taub zu machen, und ſo im eigentlichen Sinne des Landwirths Hoffnung in der Bluͤthe zu erſticken. Allein welche Lichtſeite auf dieſer Erde hat nicht auch ihre Schattenſeite! 3 489 Zweyter Abſchnitt. Weißer Klee. Wenn der rothe Klee hauptſaͤchlich zum Maͤhen, ſo iſt der weiße Klee beynahe ausſchließlich zur Weide beſtimmt, und ſowohl in dieſer Hinſicht, als in Bezug auf ſeinen Saamen hoͤchſt ſchaͤtzbar. Es giebt vielleicht nicht eine Pflanze, die auf paſſendem Boden mehr zur Weide geeig⸗ net ſey als der weiße Klee. Ich fand auf meinen fruͤhern Reiſen zwey Gegenden, wo man ſich vorzuͤglich auf ſeinen Anbau verlegte. Die eine am Rheine unterhalb Koͤlln, wo man ihn blos zur Kuhweide, die andere im Juͤlicher Lande, wo man ihn zur Schaafweide und Saamenerzielung benuzte. Wir wollen zuerſt von jener, dann von dieſer ſprechen. Es fehlt nicht an guten Wirthen in der angefuͤhrten Rheingegend, ſo wie in einem Theile der Grafſchaft Mark, welche die weiße Kleeweide der Stallfuͤtterung vorziehen. Sie macht weniger Muͤhe, erfordert weniger Stroh, und der Miſt ſammt dem Urin koͤmmt nicht weniger dem Lande zu gut. Zu dieſem Zwecke ſaͤet man den Klee im Fruͤhjahre ziemlich dicht uͤber den Rocken zu 9— 10 Kilogr. auf den Hektar. Iſt das Getreide eingeaͤrndtet und der Klee im Herbſte herangewachſen: ſo wird das Hornvieh aufgebracht, und um Verheerungen zu verhuͤten, darauf angepfahlt. Im Fruͤhjahre wird gegipſt, und, ſo bald der Zahn den Klee faſſen kann, werden die Kuͤhe aufgebracht. Dadurch ge⸗ winnt der Wirth an fruͤher Benutzung, und der Klee Zeit zum Nachwachſen. Dieſe Kleeweide dauert den ganzen Som⸗ mer uͤber, bis das Vieh zur Stoppelhut auf die Getreide⸗ felder uͤbergeht, wo dann der Klee umgebrochen wird. Waͤh⸗ 49⁰ rend der Stoppelhut hat der in dieſem Jahre angeſaͤete neue Klee Zeit gewonnen zum Heranwachſen und dient dann zur Herbſtweide, bis zur Zeit, wo die Ruͤben heranruͤcken. Bey dem Behuͤten des jungen Klees im Herbſte wird einige Be— hutſamkeit erfordert, da ſie dem Vieh bey trockner Witte— rung nachtheilig werden kann. Man findet am vortheilhaf— teſten den Klee nur ein Jahr zu benutzen, da die Quecken ſich im zweyten darunter einfinden. Ich halte dieſes Wirthſchaftsſyſtem, wo kein Dung dem Acker vertragen, viel Stroh erſpart, der rothe Klee zum Heu fuͤr die Winterfuͤtterung eruͤbriget, und Wieſen und gewoͤhnliches Heu als uͤberfluͤſſig wegfallen, fuͤr ſehr beach— tenswerth. Auch wird es immer beliebter, und Manche, die vor 20 Jahren ihr Vieh immer auf dem Stalle gehal⸗ ten, ſind zur weißen Kleedreiſchweide uͤbergegangen, und befinden ſich ſo beſſer. Dagegen haben Andere in derſelben Gegend, welche die Stallfuͤtterung aufgebend ihr Vieh nicht auf ihre Aecker, ſondern auf eigene Grasplaͤtze, Weiden, Wieſen getrieben haben, ſich ſehr ſchlecht bey der Umaͤnde— rung gefunden und die Fruchtbarkeit ihrer Aecker herunterge⸗ bracht. Dieſes bleibt alſo ein bedeutender Wink fuͤr ſolche Wirthe, welche nicht Stallfuͤtterung treiben, und ihren Kuͤhen trockene Grasweiden preisgeben. Wie viel beſſer braͤ— chen ſie dieſe um, und oerſchafften ſich kuͤnſtliche Weiden auf ihren Aeckern, denen dadurch kein Dung vertragen wer⸗ den wuͤrde.— Diejenigen, welche nicht zureichend mit weißer Klee⸗ weide verſehen ſind, bringen das Vieh am Mittage auf den Stall, und reichen ihm daſelbſt, ſo wie Abends, ein Futter rothen Klee. Die es vermoͤgen, faſſen auch wohl ihr 491 Kleefeld mit Stangen ein, und geben dem Vieh, das dann nicht angepfahlt wird, einen Huͤter zu. Ein Hektar Klee⸗ weide reicht unter ſolchen Umſtänden in den guten Gegen— den der Grafſchaft Mark fuͤr ſechs Milchkuͤhe. In Gegenden, wie zum Theile im Juͤlicher Land, wo man ſich auf Schaafzucht legt und ihre Unterhaltung haupt— ſächlich auf den weißen Klee gruͤndet, ſucht man nebenbey die⸗ ſen auf Saamen zu benutzen, welcher einen bedeutenden Han⸗ delszweig ausmacht. Man duldet zu dem Ende die Schaafe nicht laͤnger darauf, als es unbeſchadet der Saamenerzie⸗ lung geſchehen kann, gewoͤhnlich bis zu Johannis. Man ſaͤet den Klee ſowohl uͤber Sommer- als Winter⸗ getreide aus, am beſten freylich uͤber lezteres, theils weil der Acker dabey in der Regel noch mit mehr Kraft verſehen iſt; theils weilen tiefer dazu als zum Sommergetreide ge— pfluͤgt wird, da der weiße Klee ſogleich eine ſehr lange Pfahl⸗ wurzel treibt. Soll er recht gedeihen: ſo muß der Boden ſo viel als moͤglich gemuͤrbt worden ſeyn. Das gleichzeitige Ausſtreuen von Aſche bekoͤmmt ihm uͤberaus wohl. Bey zureichendem Grad der Reife, oder im Septem— ber, wird der Klee gemaͤhet und in Schwaden unberuͤhrt liegen gelaſſen, bis er duͤrre iſt. Nun harkt man ihn in kleine Haͤufchen waͤhrend dem Thaue zuſammen, die bis zum Wegfahren liegen bleiben. Fällt ſchlechtes Wetter ein: ſo werden die Haͤufchen in große Haufen zuſammen gebracht. Ein langer Regen ſchadet zwar dem Saamen nicht, wohl aber dem Kaff und Stroh. Erſteres zumal iſt ein vortreff— liches Futter, welches angebruͤht ſelbſt den Oelkuchen vorge— zogen wird. Man dreſcht den Saamen beym Froſt ab. Er loͤſt ſich leichter und vollkommener aus den Knoppen als der 49² des rothen Klees. Geraͤth der Saamen, ſo iſt der Ertrag ſehr groß, und groͤßer als der des beſten Ackers Weitzen. Ein Hektar kann uͤber 5 Hektoliter Saamen geben. A. Young ſchlaͤgt den Verkaufswerth deſſelben in Suffolk zu 2 bis 400 fl. fuͤr den Hektar an. Diejenigen, welche keine Schaafe halten, pflegen auch wohl den erſten Schnitt zu heuen und den zweyten zur Saa⸗ menreife ſtehen zu laſſen.*) Iſt der Klee in ein gutes Land geſaͤet worden: ſo ſoll ſein erſter Schnitt nicht weniger, und auf jeden Fall beſſeres, Heu geben, als der erſte des rothen Klees. Man gipſt im Fruͤhjahre. Er verbeſſert den Boden namentlich; ſelbſt dann, wenn er geheuet, und von dem Nachwuchs der Saamen aufgenommen worden. Sowohl Weitzen als Rocken folgen mit Vortheil darnach, vorausge⸗ ſezt, daß das Umbrechen der Kleeſtoppel nicht verſpaͤtet wird. Wer aber glaubt aͤhnliche, Vortheile zu erringen, wenn er den weißen Klee in ein erſchoͤpftes Land ſaͤet, z. B. un⸗ ter Hafer bey der Dreyfelderwirthſchaft und nicht unter das Getreide in erſter Gaile, der betruͤgt ſich. Ein ſolcher wird allerdings etwas kaͤrgliche Kieeweide fuͤr ſeine Lämmer auf dem Brachfeld erzielen, aber auf Kleeheu, Kleeſaamen und Weide fuͤr groͤßeres Vieh verzichten muͤſſen. Sonſt ſcheinen 1) Brache, 2) Rocken, 3) rother Klee, 4) Weitzen, 5) weiße Kleeweide, 6) Rocken oder Weitzen, 7) Hafer kein unrechtes Feldſyſtem fuͤr eine Wirthſchaft, die keine Wieſen und keinen duͤrren Sandboden hat, darzubieten. Auf gu⸗ *) Man kann, wenn man will, den Saamen auch vom erſten Schnitt abnehmen, und darauf das Land wie Brache behandeln. 495 tem mildem Boden laſſen ſich im erſten Jahre Kartoffeln, im zweyten Gerſte anbringen. Es laͤßt ſich ferner noch ein Gebrauch von dem weißen Klee machen, wenn man den im Fruͤhjahre uͤber das Win⸗ tergetreide geſaͤtten, nach der Aerndte dieſes leztern, etwas heranwachſen, dann vom Vieh abweiden, und die Stop⸗ peln umpfluͤgen laͤßt, wodurch man ſich einer trefflichen Sommergetreid⸗Aerndte im folgenden Jahre zu erfreuen Hoffnung hat. Dieſe auf dem koſtbaren Boden des Hell⸗ wegs in der Grafſchaft Mark eingefuͤhrte Methode gleicht der pfaͤlziſchen, die man in der Gegend von Landau findet, wo man aber ſich zu demſelben Zwecke des rothen Klees bedient; auch hat ſie einige Aehnlichkeit mit dem Wicken⸗ ſäͤen und Unterpfluͤgen zwiſchen Winter- und Sommerfrucht, wie bey Mannheim und Heidelberg uͤblich. „Der weiße, im Cleviſchen bekannte wilde Klee, ſagt Lobbes, gehoͤrt mit vollem Recht unter die Hauptfutter⸗ kraͤuter. Denn, ob er ſchon nicht mehr gemaͤhet, noch im Stalle verfuͤttert werden kann; ſondern abgehuͤtet wird: ſo fordert ſeine Cultur auch nicht ſo viele Koſten, noch ſo gu⸗ tes Land, als die des rothen Klees. Geſezt ich ſaͤe im zwey— ten Jahre des Duͤngers, alſo in das magere Land Hafer mit weißem Kleeſaamen. Geraͤth der Klee, ſo ernaͤhrt der hollaͤndiſche Morgen den Sommer uͤber drey milchende Kuͤhe (zwey Hektare ſieben Kuͤhe). Dieſe Hutung breche ich im Herbſte, wie die Stoppeln des rothen Klees einfaͤhrig um, ſaͤe darein(aber vor Michaelis, ſonſt verliert ſich die Saat im Fruͤhjahr vom Felde, wenn ſie vor Winter nicht ſtark bewurzelt geweſen) Rocken ohne Duͤnger, und doch wird er den geduͤngten weit an Guͤte uͤbertreffen. Als Nachfrucht 494 kommt Spergel und im Jahre drauf Hafer ohne Duͤnger. — Wird der weiße Klee uͤber geduͤngten Rocken geſaͤet: dann folgt darnach noch einmal Rocken, welcher ohne Ausnahme am beſten ſcheffelt. Dieſem Rocken folgt Hafer, dem Hafer Buchweitzen, Alles ohne Duͤnger.“ Um jedoch der ſangui⸗ niſchen Hoffnung nicht allzuviel Raum zu geben, erinnere ich, daß Lobbes hier von gutem, und, nach Cleviſcher Art, in Kraft gehaltenem Sandboden ſpricht. Daß der weiße Klee noch nahrhafter und dem Vieh an⸗ genehmer ſey als der rothe, wird allgemein angenommen; daß aber das Vieh bey ſeinem Genuſſe nicht auflaufen koͤnne, iſt ein Irrthum. Meliloten⸗Klee. Ich wuͤrde ſeiner nicht erinnern, wenn er nicht neuer⸗ dings wieder zur Sprache gekommen waͤre. Wenn man nichts Neues hat: ſo waͤrmt man das Alte auf! Er giebt viel ſtark riechendes Futter, zehrt den Acker viel aus, und iſt den Bienen viel angenehmer als dem Vieh. Das iſt Alles, was ich mit Wahrheit von ihm ſagen kann, er ſey weiß, gelb, oder violet. Auch den Incarnat⸗Klee fuͤhre ich blos der Erinnerung wegen an, da er in der ſuͤd⸗ lichen Schweitz ſeit einigen Jahren ſehr zur Sprache ge— kommen. Dieſe ſuͤdliche Pflanze moͤchte ſich nicht leicht mit unſern Wintern befriedigen. Uebrigens duͤrfen wir ſie bey⸗ nahe nur als eine Weidepflanze betrachten, da ſie abſtirbt, wenn mau ſie zur Bluͤthe kommen laͤßt. Dabey iſt ſie dem Vieh weniger angenehm als die andern Kleearten, und wirkt ——7 . 495 weniger auf die Milch. Sie wird ſogleich nach Einaͤrndtung des Wintergetreides geſaͤet, kann dann im Herbſte noch ab— geweidet werden. Man ſaͤet dieſen Klee mit einer Ueberfrucht aus. Das groͤßte Verdienſt dieſes Incarnat⸗Klees ſcheint darin zu beſtehen, daß er im Fruͤhjahre 8 Tage vor der Luzerne da iſt. Da er auf ſolche Weiſe das Feld fruͤh wieder raͤumt, ſo laſſen ſich nach ſeiner Benutzung im Mai noch Kartof⸗ feln oder Runkeln in daſſelbe Land pflanzen. Dieſer Klee iſt dann blos als Nach⸗ oder Zwiſchenfrucht zu betrachten. Dritter Abſchnitt. Luzerne. Es moͤchte eben ſo ſchwer fallen etwas zu den uͤbertrie— benen Lobeserhebungen, die man dieſer Pflanze beygelegt hat, hinzuzufuͤgen, als etwas, ohne ſich großen Widerſpruͤ⸗ chen auszuſetzen, davon wegzunehmen. Allein est modus in rebus, und dieſen mocdus ſollten wir weder zu Gunſten unſerer Freunde noch zum Nachtheile unſerer Feinde uͤber⸗ ſchreiten. Der Werth einer Sache haͤngt von dem Erfolge ab, und dieſer bey der Landwirthſchaft von Boden, Klima, Behandlung u. ſ. w. Da dieſe nicht allenthalben die naͤm— lichen ſind: ſo kann auch nicht allenthalben dieſelbe Sache denſelben Erfolg, alſo auch nicht denſelben Werth haben. Und doch wird dieſer ſo einfache Maßſtab in unſerm Fache ſo leicht und ſo oft uͤberſehen! Man ſchneidet ſich gewoͤhn⸗ lich den ſeinigen nach eigenen Verhaͤltniſſen zu, und darin hat man Recht; Unrecht aber, wenn man ihn auch auf An⸗ 496 dere, ohne Beruͤckſichtigung ihrer Verhaͤltniſſe, anpaſſen will, und noch mehr Unrecht, wenn man, hochtrabend, deßhalb die Meynung oder Erfahrung Anderer verwirft, weilen ſie ſich nicht unſerm Maßſtab anſchmiegen will, oder der von ihnen angenommene Maßſtab dem unſrigen widerſpricht. Man verzeihe dieſe Abſchweifung; denn das Geſagte betrifft mehr als blos die Luzerne! „Man hat, ſagt Arthur, ſchon Baͤnde uͤber die Lu⸗ zerne geſchrieben. Die guten Leute glauben daher, daß man ſie nur zu leſen brauche, um voͤllig damit ins Reine zu kommen. Allein die darin entwickelten Meynungen ſind ſo widerſprechend, daß man am Ende nicht weiß, wo man dran iſt. Es liegt mir nicht ob, ſolche Widerſpruͤche zu loſen. Ich halte mich lieber an dem, anzugeben, was man thun muß, um gute Luzerne zu haben.“ §. 1. Klima. Was der Klee fuͤr das mittlere Europa, das iſt die Luzerne und die Sulla fuͤr das mehr ſuͤdliche, und doch bleibt zu verwundern, daß erſtere daſelbſt nicht mehr ausge⸗ breitet iſt. Gekannt und verehrt von den alten Roͤmern zer— fiel ihr Anbau mit der Herrſchaſt dieſer leztern.„Kaum, ſagt Mathioli, findet man Jemand in Italien, der die Luzerne kennt, da doch dieſe Pflanze fruͤher allgemein da⸗ ſelbſt zum Unterhalt des Viehes angeſaͤet wurde.“— Cres⸗ centio, der 1478 ſchrieb, nennt nicht einmal ihren Namen, und Tull, der 1711 Italien bereiste, verſichert, daß er jenſeits der Alpen keine Luzerne geſehen habe. Sie ſcheint ſich nur in dem ſuͤdlichen Frankreich erhalten zu haben, von wo ſie mehr noͤrdlich vorangeruͤckt iſt. Ob 497 Ob nun gleich dieſe von Medien ſtammende Pflanze ein warmes Klima erheiſcht, und ſelbſt ein heißes, ſehr trock⸗ nes, vertraͤgt: ſo begnuͤgt ſie ſich doch auch mit einem mehr gemaͤßigten, daher man ſie in dem ſuͤdlichen und mittlern Deutſchland haͤufig antrifft, wo ſie in ihr guͤnſtigen, das heißt mehr warmen und trocknen als kuͤhlen und feuchten Jahren, auf angemeſſenem Boden, einen ſehr hohen Ertrag giebt. In England koͤmmt ſie ſeltener als in Deutſchland, und in den Niederlanden gar nicht, vor. So ſah ich auf den verſchiedenen Reiſen, die ich durch leztere machte, nur ein einziges kleines Luzernfeld, das wahrſcheinlich irgend einem Rationellen angehoͤrte. Wenn man die Luzerne bey einem ſo induſtrioͤſen Volke, wie die Belgen, nicht findet, das doch der Welt den Klee gegeben hat: ſo muß es ſich entweder beſſer bey dieſem befinden, oder Klima und Boden der Luzerne nicht angemeſſen ſeyn. In den Rhein-, nament⸗ lich in den Rhein-Weingegenden koͤmmt ſie unter dem Na— men, ewiger Klee, ſehr haͤufig vor. Ihr Anbau nimmt jedoch mehr und mehr daſelbſt ab. In kuͤhlen feuchten Jahren iſt der Ertrag der Luzerne im Vergleiche zu dem des Klees nur geringe; dagegen waͤchſt ſie in ſolchen freudig fort, wo der Klee der Trockenheit we⸗ gen nur trauert. §. 2. B oden. Nicht mit Unrecht ſagt A. Young, daß es leichter ſey die Bodenarten zu benennen, welche der Luzerne nicht, als welche ihr zuſagen. Zu erſtern gehoͤrt jeder Boden, der das Waſſer lange zuruͤckhaͤlt, es ſey im Ober- oder im Un— tergrund. Die Pflanze kraͤnkelt, wo ſie nicht ſtirbt: ſo bald v. Schwerz Anlett. z. prakt. Ackerbau, II. Bd. 32 498 ſie die feuchte Unterlage erreicht. Daher ſind waſſergallige Stellen, Torf- und Moorgruͤnde, duͤnne uͤber Felſen ruhende Thonſchichten durchaus zu vermeiden. Eben ſo wenig ſpricht ihr ein duͤrrer Sand, oder ein zaͤher Thon zu. Auch auf gerodetem Waldboden koͤmmt ſie nur ſchlecht. Abgeſehen von ſolchen Extremen, verſchmaͤhet die Luzerne weder den Sandboden, noch den lehmigen Sand, noch den ſandigen Lehm, wenn der Boden nur tief genug iſt. Der Klee be⸗ gnuͤgt ſich mit einer geſetzmaͤßigen Tiefe des Bodens; die Luzerne erheiſcht einen weit tiefern. Bey jenem koͤmmt es mehr auf die Krume, bey dieſer mehr auf den Untergrund an. Der Klee ſucht ſeine Nahrung mehr in der Hoͤhe, die Luzerne mehr in der Tiefe. Ein mehr ſandiger als thoniger, mehr leichter als ſchwe— rer, dabey reicher, tiefer, etwas, ſelbſt viel, Steingeroͤlle ent⸗ haltender, iſt der fuͤr die Luzerne paſſende Boden.„Ein fruchtbarer, tiefer, ſandiger Lehm auf Kalkunterlage, ſagt A. Young; ein trockner weißer Mergelboden; ein tiefer, reicher Sand; ein Mergel enthaltender Kies ſind alle fuͤr die Luzerne ſehr geeignet. Mit einem Worte: dieſe Pflanze waͤchſt vortrefflich auf jedem Boden, der gut genug fuͤr Wei⸗ tzen, zugleich aber trocken genug fuͤr zu behackende Wurzel⸗ gewaͤchſe iſt.“ Wie erſprießlich ein tiefer Boden fuͤr die Luzerne ſey, beweiſt eine Beobachtung des Naturforſchers Bonnet, der an den Ufern der Arve eine Pflanze fand, deren Pfahlwurzel 66 Fuß lang war. Ohngeachtet Voung jeden Boden, der zu Weitzen gut genug und fuͤr Wurzelgewaͤchſe geeignet iſt, fuͤr tauglich zum Luzernbau erklaͤrt, ſo weiß ich, aus Erfahrung, leider das Gegentheil. Ein leidenſchaftlicher Verehrer der Lu⸗ 499 zerne, einſt, unternahm ich vor jezt 24 Jahren ihren Bau in einer Gegend einzufuͤhren, wo ſie unbekannt war. Die Sache wurde mit einem Eifer, einer Umſicht, einem Fleiße, einer Geduld ausgefuͤhrt, derer ich jezt nicht mehr faͤhig bin, und einer Intelligenz und Mannichfaltigkeit, woran ich noch jezt nichts zuzuſetzen oder zu veraͤndern wuͤßte. Der Boden war in einen Zuſtand von Kraft und Reinheit verſezt worden, den 114 zweyſpaͤnnige Fuder Miſt per Hektar, und ein zweyjaͤhriger Hackfruchtbau ihm geben koͤnnen. Das Feld war von jeher als das beſte der Flur anerkannt, kein ſtocken⸗ des Waſſer, was den Untergrund, kein ſtehendes, was die Krume verderben konnte. Es hatte eine gegen Norden ge— ſchuͤzte, gegen Mittag offene, ebene Lage. Der Boden blieb ſich gleich bis zu einer großen Tiefe, ohne Steinlager und ſproͤden Letten, und war gleich geſchickt zu Weitzen, Rocken, Gerſte, Hafer u. ſ. w. Die Luzerne gerieth, erregte ſchon im erſten Jahre nach der Einſaat die Bewunderung meiner Nachbaren, war im zweyten mein Stolz, und im dritten mein Verdruß. Sie wurde ausgeackert. Das Feld hatte einen Thonboden, deſſen Krume blos durch eine, viel hun⸗ dertjaͤhrige Cultur fruchtbar gemacht worden war. Dieſe Cultur konnte aber den kalkloſen Thon der Tiefe nicht er— warmen, nicht muͤrben, nicht den Pfahlwurzeln der Luzerne durchdringlicher machen. Bis dahin und nicht weiter woll— ten dieſe gehen. Ihre Lebensdauer konnte alſo auch nicht laͤnger, als die des rothen Klees, waͤhren. Mit dieſer Meinung iſt auch Burger einverſtanden. „Sandmergel, ſagt er, ſcheint ihr bey uns am zutraͤglichſten zu ſeyn. Ich habe ſie im Lehm- und Sandboden zwar nicht uͤppig, aber ziemlich gut fortkommen geſehen; immer 5⁰ aber ſtand ſie da am beſten, wo Kalk im Boden vorhanden war. Ich ſchreibe es dieſem Umſtande zu, daß ſie oft, auch in fruchtbaren, trocknen Boͤden entweder nur geringe Trieb⸗ kraft aͤußert; oder im dritten bis vierten Jahr ſchon wieder ausgeht.“ „Die Unterlage, faͤhrt er fort, ſcheint keinen weſentli— chen Einfluß auf das Gedeihen und Fortkommen der Pflan⸗ zen zu haben, wenn ſie nur waſſerlos, und nicht Felſen⸗- oder Ziegelthon iſt. Ich habe ein fuͤnfzehnjaͤhriges Luzernfeld vor Augen auf einem Acker, der bey einer ſandigen, aber mit vielem Humus gemiſchten Dammerde von 8 Zoll ein 4 Klaf⸗ ter tiefes Steingerdll unter ſich hat, das zufolge einer Un⸗ terſuchung ganz mit Luzernwurzeln durchdrungen iſt.“ Dieſe Erfahrung Burgers habe ich auch anderwaͤrts bewaͤhrt ge⸗ funden. Aber der verehrte Verfaſſer obiger Stelle erlaube mir zu bemerken, daß eben dieſe Erfahrung dem widerſpricht, was er uͤber den nicht weſentlichen Einfluß des Untergrun⸗ des auf die Luzerne ſagt. Sie beweiſt vielmehr, wie er⸗ ſtaunlich Viel, ja Alles, fuͤr die Dauer, welches wohl mit die Hauptſache bey der Luzerne iſt, auf den Untergrund an⸗ komme. Je weniger dieſer zuſammenhaͤngend iſt: um ſo freyer und anhaltender koͤnnen ſich die tief gehenden Wurzeln darin verbreiten, und dem Mutterſtocke immer neue Be⸗ ſtandtheile zufuͤhren. Von dieſer Geſchloſſenheit oder Nicht⸗ geſchloſſenheit des Untergrundes bis zu einer mehr oder we⸗ niger waſſerfreyen Tiefe ſcheint mir mehr als von allen an— dern Umſtaͤnden die kuͤrzere oder laͤngere Dauer der Luzerne abzuhaͤngen. Viele humoſe Theile in der Oberkrume ver⸗ moͤgen wohl ihr in den erſten Paar Jahren einen freudigen Wuchs zu geben; aber nicht im Geringſten auf ihre Dauer 5⁰¹ zu wirken, ſondern dieſe vielmehr durch die Graserzeugung zu gefaͤhrden. §. 3. Feldbearbeitung. Es iſt etwas Anderes Luzerne und etwas Anderes gute Luzerne haben. Ein vollkommenes Gedeihen iſt bey ihr weit wichtiger als bey dem Klee. Bey dieſem dauert der Vor⸗ oder Nachtheil nur ein Jahr, bey jener eine Reihe von Jahren. Ob nun gleich Einige die Vorſchriften der dazu erforderlichen Feldbereitung bis ins Laͤcherliche trei⸗ ben: ſo iſt es auch wahr, daß Andere die Sache ein wenig zu ſchnellfuͤßig abthun, wodurch ſie ſich zwar Luzerne, aber keine gute Luzerne verſchaffen. Die Luzerne, heißt es, waͤchſt wie Unkraut! Das thut ſie, ſie vergeht aber auch ſchnell wie alles Unkraut, das keine kriechende Wurzeln hat. Muͤrbe und Reinheit der Oberkrume und tiefer Aufbruch ſind die Bedingungen, die man ſich bey der Feldbearbeitung zur Luzerne vorſetzen muß. Die Muͤrbe dient, damit die hervorſprießende Pflanze ſogleich nach allen Seiten auf Nahrung ausgehen kann; denn obgleich die Tendenz, der erſten und einzigen Wurzel, als Pfahlwurzel nach der Tiefe geht, ſo entwickeln ſich von dem Augenblicke an, als das erſte Rundblaͤttchen zwiſchen den Saamenlappen hervorkoͤmmt, der Pfahlwurzel entlang und von allen Seiten derſelben horizontalauslaufende Wur⸗ zelzweige, wie ſolches auch bey dem rothen Klee ſtatt hat, mit dem Unterſchied, daß bey gleichem Alter die Pfahlwurzel des Klees bedeutend laͤnger, die der Luzerne aber, ſo wie die Seitenwurzeln derſelben bedeutend kraͤftiger ſind. Auf⸗ fallend war mir, daß, bey gleichem Alter, die Laͤnge der 5⁰² Pfahlwurzel des weißen Klees die der Luzerne uͤbertraf, und noch auffallender, daß die Pfahlwurzel dieſer kriechenden Pflanze keine Verzweigungen ausgetrieben hatte, welches man doch ihrer kriechenden Eigenſchaft wegen haͤtte vermuthen ſollen.*) Die Reinlichkeit des Bodens, beſonders von Wurzel⸗ unkraut, iſt die zweyte Bedingung, wenn die Schmarotzer nicht die geladenen Gaͤſte vom Tiſche verdraͤngen ſollen. Auf jeden Fall ſchmaͤlern ſie leztern die Koſt. Ganz frey von Saamenunkraut aber wird nie ein Acker ſeyn. Etwas ſcha⸗ det auch nicht, es dient der Luzerne im Anfange zur Ueber⸗ frucht. Nach dem erſten Senſenzug verſchwindet es ohnehin, und die Luzerne bleibt. Quecken aber und Gras vergehen in der Folge nicht, und wo ſie ſind, da iſt es um die Dauer der Luzerne geſchehen. Die Verqueckung wird ſich wohl kein guter Landwirth zu Laſt kommen laſſen; aber die Vergra⸗ ſung? Ich ließ das Gras in heiligem Eifer mit Haͤckchen zwiſchen der Luzerne ausrupfen; allein haͤtte ich es auch mit einem Korkzieher heraus bringen laſſen, es wuͤrde nichts ge⸗ holfen haben. Wie, man dem Boden die gehoͤrige Reinlichkeit und Muͤrbheit durch reine Brache, oder Hackfruͤchte verſchafft, wuͤrde wohl uͤberfluͤſſig ſeyn hier zu erwaͤhnen! Am wirk— ſamſten bleibt ſicher eine zweyjaͤhrige unmittelbar hinterein⸗ ander folgende Beſtellung des Bodens mit Hackfruͤchten. Es iſt viel leichter dem Entſtehen des Unkrauts zuvor zu kommen, als das ſchon entſtandene nachher zu tilgen. Fuͤr *) Es ſcheint, daß die pfahlwurzelnden Pflanzen in den erſten Paar Wochen ihrer Entſtehung die Feuchtigkeit mehr, als der Speiſe beduͤrfen, daher ihre erſte Tendenz nach der Tiefe gehe. 5⁰⁵ jeden Groſchen, den man im Anfange ausgiebt, wird man ihrer fuͤnf in der Folge erſparen. Das tiefe Aufbrechen des Bodens iſt die dritte Bedin⸗ gung, welche wir angeben; allein dieſe Vertiefung muß Maaß und Ziel haben, wenn auch die reichſte Luzerne die Koſten davon decken ſoll. Ein Zweyfuhren laͤßt ſich ohne Bedenken und ohne Aufwand ausfuͤhren; nicht ſo das Zwey— ſpaten. Jenes geſchieht mit zwey in derſelben Furche hin— tereinander folgenden Pfluͤgen, dieſes mit zwey Spatenſtichen in demſelben Schlage. Statt des Zweyſpatens laͤßt ſich mit halben Koſten das Pflugſpaten anwenden. Zweyfuhren und Pflugſpaten ſind der Luzerne hoͤchſt nuͤtzlich, und thut man es manchmal fuͤr Moͤhren, ſo ſollte man es noch weit eher fuͤr Luzerne thun. Es wird dabey allemal ſehr lohnen. Als Regel duͤrfte man annehmen, daß das tiefe Erbre⸗ chen um ſo nothwendiger, oder nuͤtzlicher ſey, als der Untergrund weniger zur Luzerne geeig⸗ net iſt. Man darf nicht fuͤrchten rohen Grund dadurch in die Hoͤhe zu bringen; denn alle Kleearten lieben einen neuen Boden, und wiſſen die Dammerde, die in die Tiefe gebracht worden, wohl aufzufinden. Durch Zweyfuhren, dieſe herrliche Methode der Belgen, laͤßt ſich Luzerne auch auf verquecktes Land ſaͤen. Iſt das Zweyfuhren mit einem belgiſchen Pflug, und wie es ſoll, ausgefuͤhrt worden: ſo wird das rankende Geſindel ſich nicht unter der Luzerne zeigen. Bey gehoͤriger Behandlung laͤßt ſich die Luzerne ſelbſt auf einem Raſen-Boden erbauen. Es giebt nämlich trockne einmaͤhdige, daher wenig eintraͤgliche Wieſen, die ungleich hoͤher durch eine Anſaamung mit Luzerne benuzt werden koͤn— nen. Zu dem Ende wird das Grasland nach der Heu⸗ 5⁰G aͤrndte, oder doch im Herbſte aufgebrochen, im Fruͤhjahr von neuem gepfluͤgt und mit Kartoffeln oder ſonſtigen Fauͤchten bepflanzt, die im Sommer einigemal behackt werden. Dar⸗ auf aber wuͤrde ich rathen tief zu pfluͤgen, zu zweyfuhren, um Boden aus der Tiefe hervorzubringen, der reiner von Unkraut iſt, als die zerſtoͤrte Narbe, in welcher, bekanntlich, ſich im zweyten Jahre eben ſo viele Unreinigkeit zeigt, als ſie im erſten frey davon geweſen iſt. Die Luzerne wird nun mit gruͤnabzufuͤtternden Gewaͤchſen geſaͤet, wodurch das Un⸗ kraut noch ferner zerſtoͤrt wird. §. 4. Duͤngen. Das unmittelbare Duͤngen zu der Luzerne waͤre beſtimmt uͤbel angebracht, und das Unkraut dadurch eben ſo ſehr als die Luzerne beguͤnſtiget. Wer Miſt aufbringt, bringt auch Unkrautsſaamen auf. Man muß alſo dieſem ein, beſſer zwey Jahre Zeit laſſen, bevor man die Luzerne auf den ge⸗ duͤngten Acker ausſaͤet. Iſt der Acker gut, und gut im Stande,(und wer moͤchte auch einem andern Luzerne an— vertrauen?) ſo bedarf es zu ihrer Anſaat keines Dunges⸗ Ihr Gewerbe geht groͤßten Theils nach der Tiefe, wo der aufgefahrene Dung nicht hindringt. Ein kraͤftiges Duͤngen zu der lezten, oder noch beſſer zu der vorlezten gehackten Vorfrucht, iſt das Beſte, was man thun kann. §. 5. Saͤen, Saatzeit, Saamen. Man ſaͤet die Luzerne vom halben April an bis zu Johannis, und kann, im Falle die Duͤrre nicht daran hin⸗ dert, auch in dem Sommer damit fortfahren. Ich zweifle gar nicht, daß man ſie ſelbſt im Maͤrz uͤber den Rocken, ſo wie den Klee ſaͤen koͤnne. Das ſpaͤtere Saͤnn im Mai und Juni hat den Vortheil, daß man das Saamenunkraut im Fruͤhjahr noch zum Laufen bringen, und vor dem Saͤen tilgen kann, Bey dem Fruͤhſaͤen wird aber nothwendig eine Ueberfrucht erfordert, ohne welche die junge Luzerne durch die Fruͤhlingsreife zerſtoͤrt werden koͤnnte. Es wollen Mehrere die Luzerne fuͤr ſich allein geſaͤet wiſſen, aber das iſt voͤllig uͤberfluͤſſig und bringt mehr Nach— als Vortheil. Eine Ueberfrucht ſchuͤzt die jungen Pflanzen fruͤhe gegen die Kaͤlte, ſpaͤter gegen ausdorrende Sonnen⸗ ſtrahlen; ſie unterdruͤckt manches Unkraut; ſichert gegen den Fraß der Inſekten, und gewaͤhrt fuͤr ſich ſelbſt im erſten Jahre, wo die Luzerne ſehr wenig abwirft, einen befriedi⸗ genden Nutzen. Alle Ueberfruchtarten, die fuͤr den Klee an— gegeben ſind, gelten auch fuͤr die Luzerne. Am meiſten moͤchte ich, aus Erfahrung, den Lein, der auf Kartoffeln folgte, dazu anrathen; auch gruͤnabzufuͤtternden Buchweitzen oder Wicken. Will man das Getreide reifen laſſen, ſo muß man nicht viel uͤber die Haͤlfte der gewoͤhnlichen Einſaat nehmen. Die Englaͤnder, welche ſich ſo gerne mit dem Sonder— baren abgeben, haben ſchon verſucht die Luzerne zu drillen, zuerſt in 18 Zoll, dann in g Zoll unter ſich entfernten Zei⸗ len. Wer, gleich ihnen, das Sonderbare liebt, mit guten Hackwerkzeugen verſehen iſt, einen trocknen, leichten, muͤrben, zur Luzerne geeigneten, aber ja nicht thonigen, Boden be⸗ ſizt, der mag es verſuchen! Wer aber einen thonigen Bo⸗ den bewirthſchaftet, der wird ſich eine Noth aufladen, die der beykoͤmmt, welche ich in fruͤhern Jahren damit gehabt habe, und es gleich mir bey dem erſten Verſuche bewen⸗ den laſſen. Eine andere Sonderbarkeit iſt das Verpflanzen der Lu⸗ zerne. Wer einen Boden bewirthſchaftet, der einen dieſer Pflanze widerſtrebenden Untergrund, aber trefflichen Ober⸗ grund hat, und der trotz ſeiner Lage, und zu jedem Preiſe ein Luzernfeld, waͤre es auch blos zur Parade, haben will, der kann ſich allerdings eines durch das Verpflanzen ver⸗ ſchaffen. Indem er die Pfahlwurzel der Pflanze abſtuzt, wird dieſe genoͤthiget ihre Seitenwurzeln zu verſtaͤrken, und dieſe in der Oberkrume, zum Erſatz des Abgangs der Tiefe, zu verbreiten ſuchen.„It is, ſagt A. Voung, a pretty thing for a man who has one acre of land; a foly at large. Niedlich in Kleinem, Unſinn in Großem! Auch ich huldigte vor jezt 25 Jahren der Mode! Aber was thut nicht der enthuſiaſtiſche Anfaͤnger?! Man ſaͤet in England 23, 25, 29, in Frankreich 34 Kilogr. Luzerne auf den Hektar. Lezteres iſt nicht zu viel und wenn es auch 40 Kilogrammes waͤren, welches das Doppelte von dem iſt, was man an rothem Klee braucht. Dieſe Verdoppelung halte ich fuͤr das rechte Maaß, was man nie bereuen wird, befolgt zu haben, und wodurch man alles Jaͤten, auch ſelbſt das oͤftere Durcheggen erſparen wird. Das Korn der Luzerne iſt groͤber, das Beſtauden geht viel langſamer vor ſich als bey dem Klee. Eine dicht ſtehende Luzerne haͤlt ſich ſelbſt rein, ihre Staͤngel werden nicht ſo holzig, die Benutzung iſt in den erſten zwey Jahren ſtaͤrker und in der Folge nicht geringer. Die Luzerne mit etwas rothem Klee auszuſaͤen haben mehrere angerathen, und ich fruͤher befolgt. Man erhaͤlt dadurch ſchon im erſten Jahre nach der Einſaat eine voll⸗ kommene Aerndte; denn was die Luzerne alsdann noch nicht 5⁰7 vermag, das thut der Klee. Dieſer nimmt im zweyten Jahre ab, und geht im dritten aus. Dadurch gewinnt die immer mehr und mehr ſich beſtockende Luzerne Raum, nimmt die von dem Klee erledigten Stellen ein, und uͤberzieht das ganze Feld. Das iſt nun alles in der Theorie recht und ſchoͤn, und es waͤre zu wuͤnſchen, daß es auch in der lei⸗ digen Praxis ſo waͤre! Allein die Erfahrung hat mir und Andern das Gegentheil erwieſen. Der uͤppigere Klee be⸗ draͤngt die im Anfange ſchmaͤchtigere Luzerne. Unter dieſem Drange kuͤmmert und verkoͤmmt ſie in ihrer Jugend, und ſtatt ihrer nehmen Gras und Unkraͤuter die leeren Stellen des verlebten Klees ein. Wer ſein Luzernfeld nur 5, hoͤch⸗ ſtens 4 Jahre benutzen will, der mag Klee mit unter ſaͤen; wem aber an einem ausdauernden Luzernfeld gelegen iſt, der laſſe ihn weg! Viel eher als zum Klee, wuͤrde ich auf geeignetem Boden zum Unterſaͤen des Espers rathen, weil beyde perenniren, daher, wenn auch eine von beyden be— draͤngt wird, die andere Erſatz dafuͤr leiſtet. Da oft Betruͤgereyen mit altem verlegenem Luzernſaa— men vorgehen: ſo uͤberzeugt man ſich von ſeiner Guͤte durch eine vorlaͤufige Probe. Man untermengt den Saamen mit etwas leichter Erde, wie aus hohlen Weiden, Humus aus Miſtbeeten u. ſ. w., legt es in eine Taſſe, und feuchtet wohl an. Die Keimfaͤhigkeit wird ſich dann nach zweymal 24 Stunden zeigen. Daſſelbe gilt auch fuͤr den Klee. Der gute Luzernſaame iſt ſchoͤn gelb und glaͤnzend. Die weißen Koͤrner ſind unreif, und die gar braunen durch Doͤrren uͤber⸗ trieben worden. §. 6. Pflege. „In dem erſten Jahre nach der Einſaat, ſchreibt A. 5⁰⁸ 7 Young, muß das Luzernfeld nach dem zweyten Schnitte, wiewohl nicht allzuſtrenge, durcheggt werden. In dem zwey⸗ ten nach der Saat, und allen darauf folgenden Jahren aber kann nicht ſtrenge genug dabey verfahren werden. Man eggt ſowohl nach dem erſten, als nach dem dritten Schnit⸗ te, alſo im Fruͤhjahre und im Herbſt. Es geſchieht mit einer ſo ſchweren Egge als 4 Pferde ſie fortbringen koͤnnen. Dabey muß ſie nicht breiter als 4—5 Fuß ſeyn. Man zieht nachher das ausgeeggte Unkraut zuſammen, fuͤhrt es ab und laͤßt zur Ebenung des Bodens eine nicht zu ſchwere Walze daruͤber herlaufen.“ Einige laſſen das Feld mit ei— nem Pfluge aufwuͤhlen, der ein keilfoͤrmiges converes Schaar hat. Tull erzaͤhlt von einem Luzernfelde, das 22 Jahre uͤber mit dem Pfluge auf dieſe Art kaſteit worden, und ſich immer noch wohl dabey befand. Daß das Ueberlagern des Luzernfeldes im Winter mit Miſt, das Ueberfahren mit Compoſt dem Wachsthum der Luzerne, ſo gut wie dem Klee fromme, erleidet keinen Zweifel, aber eben ſo wenig, daß es zugleich das Gedei— hen des Unkrauts befoͤrdere, und zu dem alten noch neuen Unkrautsſaamen hinzufuͤge. Wenn das bey dem kurzdauern⸗ den Klee nichts Beſonderes zu ſagen hat: ſo hat es bey der langdauernden Luzerne um ſo mehr zu ſagen. Ich kann deßhalb nicht zum Dung, es ſey denn vieljaͤhriger, rathen. Leichter und wohlfeiler laͤßt ſich die Sache mit Gips, Kalk, Aſche und Jauche abthun. Die Luzerne darf im erſten Jahre nach der Saat nicht zum Saamentragen gelaſſen werden, welches den Stock ſchwaͤchen wuͤrde. Man maͤht ſie in der Bluͤthe; und nicht 5⁰9 fruͤher, damit ſie dem Unkraut mehr Meiſter werde. In der Folge hat es damit nicht mehr ſo viel zu ſagen. §. 7. Benutzung und Ertrag. Ob der große Werth der Luzerne auf der Laͤnge ihrer Dauer beruhe, und ob ihr dieſe Dauer ein Vorrecht vor dem rothen Klee gebe, das ſcheint mir noch nicht erwieſen, und, ſo viel ich weiß, noch nicht einmal unterſucht. Wenn es ſchicklich waͤre ein Luzernfeld nach einem Getreidefeld ab⸗ zumeſſen: ſo wuͤrde freylich lezteres um ſo eintraͤglicher er— funden werden muͤſſen, als es mehrere Jahre hintereinander geſchnitten werden koͤnnte, ohne von neuem gepfluͤgt und geſaͤet zu werden. Sein Reinertrag waͤre demnach um ſo groͤßer, als alle Unkoſten fuͤr dieſe Arbeiten, ſo wie fuͤr den Saamen, wegfielen. Aber nicht ganz ſo verhaͤlt es ſich mit der Luzerne, dem Esper, dem Klee u. ſ. w. Werden dieſe Gegenſtaͤnde mit einer Ueberfrucht ausgeſaͤet: ſo iſt vorauszuſetzen, daß dieſe die Beſtellungskoſten ungefaͤhr deckt, mithin den Kleearten nicht mehr als Saamen und Saͤen zur Laſt fallen. Es wird alſo bey ihrer verlaͤngtern Dauer wenig von dieſer Seite erſpart. Dagegen entſteht die Frage: ob die oͤftere Benutzung der, durch jene Kleearten in dem Boden erwirkten, Verbeſ⸗ ſerung, durch einen ſchnellern Wechſel zwiſchen Futter und Getreide oder ſonſtigen Pflanzen, nicht mehr Vortheil, als die lange Dauer der Futterfelder gewaͤhre? In allen Ver⸗ haͤltniſſen, die nicht hauptſaͤchlich, oder gar ausſchließlich, auf Viehhaltung ausgehen, wo das Gruͤnfutter alſo nur Mittel zum Zwecke und nicht Zweck ſelbſt iſt: da loͤſt ſich die Frage von ſelbſt, und die Antwort entſcheidet unwider⸗ — 510 ſprechlich fuͤr den ſchnell moͤglichſten Umſatz, alſo gegen das lange Hinhalten dieſer Gewaͤchſe. Wenn die Kleearten blos durch ihren Einſchnitt Stoff zur Dungfabrikation lieferten: ſo moͤgten wir billig die Dauer dieſer Dungſtofffabriken ſo viel moͤglich zu verlaͤngern ſuchen. Da ſie aber außerdem den Boden, auf dem ſie ausgewachſen ſind, unmittelbar und ſchnell verbeſſern, und dieſe Verbeſſerung gewiß alle Koſten eines wiederholten Saͤens und des Saamens uͤber⸗ wiegt: ſo ſcheint es nicht wirthſchaftlich, die Benutzung dieſer errungenen Kraft zu verſchieben. Die Einwendung, welche ſich in Bezug auf die Lu⸗ zerne dagegen machen laͤßt, iſt die, daß ſie im erſten Jahre nach der Anſaat nicht den befriedigenden Ertrag giebt, den man in demſelben Jahr von dem Klee zu erwarten hat; daß man alſo bey einer 16jaͤhrigen Luzerne nur einmal, bey einer vierjaͤhrigen Luzerne aber in 16 Jahren viermal einem ſolchen Ausfall ausgeſezt iſt; aber das beweiſt nur zum Nachtheile der Luzerne und zum Vortheile des Klees, der von einem ſolchen Ausfalle nichts weiß. Es beweiſt ferner, daß man Unrecht haben wuͤrde, auf Boden und unter einem Klima, die fuͤr beyde Pflanzen gleich gut geeignet ſind, der Luzerne vor dem Klee den Vorzug geben zu wollen. Dieſes wuͤrde aber auch noch dann der Fall ſeyn, wenn die Lu⸗ zerne im zweyten Jahre keinen Ausfall darboͤte, indem der Klee durch ſein ſchnelleres Wiederkommen, wenn gleich kuͤr⸗ zeres Daſeyn, den Umſatz aller andern Produkte ſchneller foͤrdert, und die Kraft beſſer unter ſie vertheilt, als eine 12— 20 Jahre beſtehende Luzerne, welche nur die 2—3 er⸗ ſten unmittelbar darauf folgende Aerndten mit ihrem Ein⸗ fluſſe beguͤnſtiget und alle uͤbrigen leer ausſcheiden laͤßt. 511 Aus dieſem Grunde halte ich es ſelbſt bey der Luzerne fuͤr vortheilhaft, ſie nicht laͤnger(beſondere Umſtaͤnde aus⸗ genommen) als 4 Jahre zu benutzen, oder nur 3, wenn ſie abnehmen ſollte; denn wenn gleich auf 4 Jahre ein hal⸗ bes, auf 12 Jahre aber auch nur ein halbes wegen Min⸗ derertrag im erſten Jahre abgerechnet werden muß, wodurch bey jener Methode in demſelben Zeitraume 1⅓e, ſtatt bey der laͤngern Methode nur verloren geht: ſo glaube ich doch, daß das plus des Ausfalls bey jener durch den Er⸗ folg ausgeglichen werde. Bey einer zwoͤlfjaͤhrigen Luzerne kann man die gute Einwirkung auf ihre Nachfolger nicht laͤnger als hoͤchſtens auf 3 Aerndten berechnen, bey einer vierjaͤhrigen aber gewiß auf 2. Nun aber begaͤnſtiget lez⸗ tere in 12 Jahren, dreymal die zwey nachfolgenden Aernd⸗ ten, ſie wirkt alſo das Doppelte von jener; wodurch dem Landwirth mehr Vortheil erwaͤchſt, als ihm Nachtheil aus einem Carenzjahre zufloß. Uebrigens wuͤrde eine 12jaͤhrige Luzerne einen 24jaͤhri⸗ gen Umlauf vorausſetzen; ſtatt daß bey Ajaͤhriger Luzerne der Umlauf ſich mit 8 oder 12 Jahren endigen kann. Eine ſo lange Rotation aber, wie die erſtere, iſt in einer Acker— wirthſchaft kaum anwendbar. Ein langdauerndes Luzernfeld kann daher nur auf einem Außen-oder Nebenſchlage ſtatt finden. Ein ſolcher langedauernder Futternebenſchlag iſt ohne Zweifel eine ſehr wuͤnſchenswerthe Sache, und ſichere Stuͤtze fuͤr jede Wirthſchaft. Den Ertrag eines Luzernackers wer mag ihn angeben, und wozu wuͤrde eine ſolche Angabe bey einer Pflanze fuͤh— ren, die ſo ſehr vom Boden und Klima abhaͤngt? Moͤgen immer die rieſenhaften Angaben von 170— 180 metriſchen 5¹12 Zentner, und 5—6 Schnitte fuͤr das mittaͤgige Frankreich, Italien u. ſ. w. gelten; ſo duͤrfen wir uns nicht mit ſol⸗ chen ſanguiniſchen Hoffnungen wiegen. Man wird in Deutſch⸗ land von der Luzerne, wenn gleich in drey Schnitten, nicht viel mehr Futter, als von zweyſchnittigem Klee erhalten. Gruͤngefuͤttert, und vor der Bluͤthe gemaͤhet, ſteht die Luzerne dem Klee nicht nach; in der Bluͤthe gemaͤht werden ihre Stängel zu holzig, und der Klee verdient den Vorzug. Aus dem Grunde ſchickt ſie ſich wenig zu Heu; es ſey denn, daß man ſehr fruͤhe zur Senſe gegriffen habe. Die erſten Triebe im Fruͤhjahre, ſo wie die zarten Triebe im Septem⸗ ber ſind dem Vieh, wegen Auflaufen, nicht minder gefaͤhr⸗ lich, als die des Klees. Gruͤn moͤgte ich die Luzerne bey der Pferdefuͤtterung dem rothen Klee vorziehen, da ſie der ſchmalern Blaͤtter und haͤufigern Staͤngel wegen dieſen Thieren eine feſtere Nahrung darbietet. Den Schweinen ſoll ſie, nach Youngs Zeugniß, angenehmer zum Abweiden ſeyn, als der rothe Klee, ſo daß ſie dieſen verlaſſen und die Luzernfelder aufſuchen. Ob die Kuͤhe eben ſo viele Milch nach der Luzerne geben, als nach dem Klee, laͤßt ſich be⸗ zweifeln. Man hat, nach meinem Dafuͤrhalten, die Wichtigkeit der Luzerne bey uns(ich ſpreche von Deutſchland) etwas zu ſehr erhoben. Ihren Werth in Ehren gehalten: ſo kann ſie nur Bedingungsweiſe dem rothen Klee gleich geſtellt werden. Man zaͤhlt unter ihre Hauptvortheile, daß ſie im Fruͤhjahre 10—14 Tage vor dem Klee da iſt; allein dieſe Annehmlich⸗ keit hat nur bey warmer und trockner Fruͤhzeit ſtatt. Iſt der Fruͤhlings⸗-Anfang feucht und kalt, ſo wird der Klee gleichzeitig mit ſeiner Rivalinn da ſeyn. Endlich haben wir bey 5¹³ bey dem Klee ſchon angedeutet, wie deſſen fruͤhere Benu⸗ tzung bewerkſtelliget werden kann, und werden in einem der folgenden Abſchnitte noch ein fruͤheres Futter als die Luzerne kennen lernen. In heißen, trocknen Jahren kann man der Luzerne den Vorrang nicht abſprechen. Sie bleibt dann uͤberaus ſchaͤtz⸗ bar und gewaͤhrt der Wirthſchaft eine große Sicherheit. Die groͤßte Wohlthat bietet ohne allen Zweifel die Lu⸗ zerne den Stallfuͤtterungswirthen, vom halben Auguſt an bis in den Oktober dar, wo der Klee theils zu hart gewor⸗ den, theils der Weitzenſaat wegen das Feld geraͤumt hat. Wer keine Brachruͤben hat, oder keinen Kopfkohl baut, koͤmmt da leicht in die Klemme, aus der ihn die ſpaͤtge⸗ ſaͤeten Wicken nicht allemal ziehen. Hier kann man dann nicht zu viel Luzerne haben. Die Luzerne giebt endlich auch reichlich Saamen, und ſeine Erzeugung ſcheint mir weniger gefaͤhrdet, als die des Klees. Man nimmt ihn aber nicht vor dem dritten, vier⸗ ten Jahre der Pflanze auf. Noch muß man den Saamen nicht mehrmal auf derſelben Stelle zur Reife kommen laſ⸗ ſen, wodurch ſich die Pflanzen erſchoͤpfen und vor der Zeit ausgehen. §. 8. Umbruch des Luzernfeldes. Die luzernleeren Stellen bezeichnen das herannahende Ende ihrer Dauer. Das Nachſaͤen und Ergaͤnzen hilft nichts, oder koſtet mehr als es werth iſt. Man fange alſo gleich mit der Anlegung eines neuen Luzernfeldes, und zwar zwey Jahre vorher an, ehe man von dem alten Abſchied zu neh— men gedenkt; indem zwey Jahre hinlaufen, bevor man zu v. Schwerz Anleit. z. prakt. Ackerbau. II. Bd. 33 514 einem befriedigenden Genuſſe bey der jungen Luzerne ge⸗ langt. Der Umbruch eines alten Luzernfeldes iſt nicht ohne Schwierigkeit. Iſt man mit keinem Pfluge mit breitem Schaar und kräftigem Geſpann verſehen, ſo vollfuͤhrt man den Umbruch mit der Haue, welche die Luzernſtoͤcke unter der Krone abkuͤrzt, und dadurch dem Pflug die Arbeit er— leichtert. Ungeachtet aller Verwuͤſtung, die durch Pflug oder Hacke unter den Luzernpflanzen angerichtet wird, muß man doch nicht erwarten, daß ſie gaͤnzlich dadurch zerſtoͤrt ſey; daher als Hauptregel angeſehen wird, im erſten oder zweyten Jahre Hackfruͤchte darauf folgen zu laſſen. Man giebt den Runkelruͤben dabey den Vorzug, die ſich daſelbſt in ihrem Elemente befinden. Dazu muß aber nothwendig das Luzernfeld ſchon im vorhergehenden Herbſt geſtuͤrzt worden ſeyn; auch muß man des Unkrauts wegen die Runkelnkoͤr⸗ ner nicht hin ſtecken; ſondern die Pflanzen hin verſetzen. Will man Weitzen oder Spelz unmittelbar auf die Lu⸗ zerne folgen laſſen: ſo darf dieſe im lezten Jahre hoͤchſtens nur zweymal benuzt werden. Man pfluͤgt zweymal; das erſtemal ſehr tief. Die Egge muß Vieles bey der Zuberei⸗ tung leiſten. Das Getreide wird nur duͤnne ausgeſaͤet, und noch muß es ein von Natur aus ſchlechter Acker ſeyn, wenn Weitzen und Spelz nicht darauf lagern ſollen. Soll Raps auf die Luzerne folgen: ſo muß nur ein Schnitt davon genommen und das Land wie reine Brache behandelt werden. Wird aber der Raps hin verpflanzt, ſo läßt ſich auch der zweyte Schnitt noch einaͤrndten. Will man Hafer in dem erſten Jahre nach dem Um⸗ bruch ſaͤen: ſo nimmt man auf geringem Boden auch nur 5¹5⁵ einen Schnitt von der Luzerne, laͤßt den zweyten eine hand⸗ hoch heranwachſen, pfluͤgt dann ſo tief als moͤglich, um die Krone ſammt ihrem Aufwuchs voͤllig in den Boden und die langen Wurzeln nach der Hoͤhe zu bringen. In dieſem Zuſtande bleibt der Acker bis zum Fruͤhjahre liegen, und wird ohne ferneres Pfluͤgen mit Hafer beſtellt. Das Land gleicht dann einem Aſchhaufen, auf dem der Hafer außer⸗ ordentlich einſchlaͤgt. Waͤre es aber ein gutes Feld: ſo wuͤrde bey dem Hafer, des Lagers wegen alles gewagt ſeyn, und man wauͤrde mit weit groͤßerer Sicherheit und Nutzen Hanf, Taback, Mais u. dgl. darauf bauen. Vierter Abſchnitt. Esper oder Esparzette. Wenn der Esper nicht einen gleich großen Ertrag giebt, wie Klee und Luzerne: ſo giebt er doch ein beſſeres Heu, und wahrſcheinlich das beſte und geſundeſte Futter, was auf der Welt iſt. Die Franzoſen bezeichnen es daher nicht mit Unrecht unter dem Namen Sainfoin, Geſundheu, wel⸗ ches die Deutſchen ſehr unrichtig durch Heiligheu, Saintfoin, gegeben haben. Gruͤngefuͤttert hat es die blaͤhende ſchaͤdliche Eigenſchaft nicht, wie die Kleearten, und ſeine Staͤngel werden, ſelbſt bey voller Bluͤthe nicht, wie die der Luzerne, holzig. Durch den Esper allein wird in trocknen, zum Klee nicht geeigneten, dabey wieſenarmen, Gegenden die Haltung eines zureichenden Viehſtappels im Winter moͤglich; durch ihn erhob ſich, aus dem Grunde, die Pfalz jenſeits zu dem, was ſie iſt. Da ich bey Gelegenheit des rothen Klees eines Schu⸗ 516 barts mit Ruhm und Ehre gedacht habe, wie ſollte ich bey Gelegenheit des Espers des alten David Moͤllinger fuͤr die Pfalz nicht gedenken? Dieſes Mannes, der durch die Einfuͤhrung dieſer hoͤchſt nuͤtzlichen Pflanze die jenſeitige Pfalz aus ihrem Mangel hervorrief und durch ſie ſeine Mit⸗ buͤrger duͤrre Steppen in bluͤhende Gefilde umſchaffen lehrte, wodurch da, wo ſich in einem Dorfe, vor jezt fuͤnfzig Jahren, kaum einige Dutzend Kuͤhe mit Muͤhe und Kum⸗ mer vom Graſe an den Wegen und Rainen der Felder naͤhr⸗ ten, ihrer nun einige Hundert im Stalle vollauf gefuͤttert werden? Moͤgte der Name dieſes laͤngſt verſtorbenen Wohlthaͤters nie unter ſeinen Mitbuͤrgern verhallen; wie der unſerer hochgeprieſenen wiſſenſchaftlichen Zeithelden, die zerſtören und nicht aufbauen, ſchaden und nicht nuͤtzen, blenden und nicht aufhellen, unfehlbar verhallen wird, wenn dereinſt die Taͤuſchung des Augenblickes vor der erwachten Zukunft ſchwinden, und die Augen ſich dem Guten und Wahren wieder oͤffnen werden. §. 1. Boden. Wenn der Esper von der einen Seite ſich mit einem weit weniger kraͤftigen Boden begnuͤgt, als Klee und Lu⸗ zerne: ſo geraͤth er doch nicht auf jedem. Er iſt vielmehr in Bezug auf die natuͤrliche Beſchaffenheit des Bodens noch empfaͤnglicher, eigenſinniger, heikler, als alle uͤbrigen Fut⸗ tergewaͤchſe. Wenn man aus einigen Gegenden ſchreibt: die Esparzette koͤmmt aberall, welches auch immer die Beſchaffenheit des Bodens ſey! ſo ſoll das heißen: bey uns, in unſerer Gegend, auf die man, ihrer Ausdeh⸗ nung wegen, oft das anwenden koͤnnte, was Voltaire von 527 der kleinen Republik Genf ſagt: en secouant ma peruque. je poudre toute la republique. Daß es nicht uͤberall mit dem Gedeihen des Espers ſo gehe, weiß Schreiber dieſes aus Erfahrung, und iſt auch wohl jezt im Allgemeinen an⸗ erkannt. Die conditio sine qua non iſt ein Untergrund, in welchen die Wurzeln zur beliebigen Tiefe eindringen koͤnnen, ohne dabey auf ſtockendes Waſſer zu ſtoßen. Dieſe Be⸗ dingung iſt jedoch mit dem Esper der Luzerne gemein— Sie iſt ſelbſt bey dieſer noch erforderlicher als bey jenem; auch hat die Guͤte der Oberkrume mehr Einfluß auf die Lu⸗ zerne als die Esper, obgleich lezter eine gute Oberkrume keineswegs verſchmaͤhet. Der Esper koͤmmt nirgends beſſer fort als auf einem trocknen Boden, der uͤber einer Steinkalk⸗ oder Kreidſchichte ruhet. Wie duͤnne auch immer die obere Krume ſeyn mag; ob ſie ſey kieſig, ſandig, mager: ſo gedeiht dieſe Pflanze darauf, vorausgeſezt, daß ſie im Untergrund findet, was ſie wuͤnſcht, naͤmlich kalkhaltige Theile. Ich ſah bey Buͤ⸗ ren im Paderborn'ſchen ſolche Felder, die unter einer Kru⸗ me, die ſo duͤnne war, daß man nie duͤngen konnte, ohne daß Alles, was man nachher darauf ſaͤete, verbrannte, einen muͤrben Kalkfelſen beherbergte. Hier war der Esper das Einzige, was man anbauen konnte, und nur durch ihn wurde der Boden nach einer Reihe von Jahren in den Stand geſezt, ein paarmal ungeduͤngt Getreide und einmal Huͤlſenfruͤchte zu tragen, worauf wieder mit Esper angefan⸗ gen wurde.— Wie manche Gegenden, die einen Kalk⸗ oder Kreideboden haben, wuͤrden aus ihrer Armuth hervor⸗ gehen, gefiel es ihren Bewohnern, die Haͤnde nach dieſem 5¹18 Heilmittel auszuſtrecken.„Ich kenne, ſagt A. Young, kei⸗ nen traurigern Anblick, als ſolch armes Land eine erbaͤrm⸗ liche Kornaͤrndte, oder etwas ſparſames Gras tragen zu ſehen, und keinen Acker mit Esper, wo ſie mit Hunderten ſeyn ſollten.“ In England haben ſich Aecker von 2—5 Shelling Pacht durch die Einfuͤhrung des Espers auf 10— 15— 20 Shelling erhoben. Der belobte Moͤllinger erkaufte 60 Morgen Feld, bevor der Esper durch ihn bekannt wurde, zu 5 fl. den Morgen, der jezt nicht fuͤr 100 fl. zu haben ſeyn wuͤrde. Moorigen, naſſen Boden verſchmaͤhet der Esper durch⸗ aus; auch ſagt man, daß er auf einem ſolchen, der haͤufig Genſt(Pfriem) vorbringt, nicht fort will. §. 2. Feldbereitung und Ueberfrucht. Wir vereinigen beyde Gegenſtaͤnde, da die Ueberfrucht gewoͤhnlich uͤber die Feldzubereitung entſcheidet. Es giebt nicht leicht eine Pflanze, die ſich, zumal in ihrer Jugend, nicht eines reinen Bodens freue: ſo dann auch der Esper; ob er gleich darin weniger heikel iſt als die Luzerne. Eine oorhergehende Hackfrucht iſt dafuͤr allemal gut, zwey hintereinander folgende Hackfruͤchte ſind noch beſ⸗ ſer. Indeſſen, wie bey dem Klee, geht die Sache auch, wenn man den Esper unter Hafer oder Gerſte ſaͤet, die nach Brachwinterkorn gefolgt ſind; wobey jedoch zu bemer⸗ ken, daß je weniger die Unterlage des Feldes dieſer Pflanze zuſpricht, um ſo mehr die obere Krume wohl zubereitet wer⸗ den muͤſſe, da die Pflanze ſich in dem Falle auf dieſen be⸗ ſchraͤnken muß, und ihr Daſeyn nur von kurzer Dauer iſt. Auf den Hoͤhen von Cotswold in England, die unter 5¹9 einem kalkhaltigen Steingebroͤckel, das bis zu 2—3 Fuß Tiefe reicht, ein Kalkſteinlager beherbergen, in deſſen Spal⸗ ten die Wurzeln des Espers ſo gierig eindringen, und ſich darin auf 10— 20 Fuß Tiefe verſenken, iſt man nicht viel um die Zubereitung des Bodens verlegen. Man findet, daß der Esper am beſten unter Hafer gedeihe, der nach Win⸗ tergetreide geſaͤtt worden, wenn ſelbſt der Acker verqueckt waͤre. Weit mehr fuͤrchtet man daſelbſt die weiche Trespe, die auf reinen, wohlzubereiteten Aeckern ſo fleißig koͤmmt. Man ſaͤet den Esper entweder a) ohne alle Ueberfrucht; oder b) mit Hafer, der zum Gruͤnabfuͤttern beſtimmt iſt; oder c) mit Sommergetreide, das reif werden ſoll; oder d) mit Sommerruͤbſen; oder f) mit Ruͤben in der Brache. a) Iſt unter allen wohl das ſicherſte und beſte Verfahren; nur iſt die Entbehrung des Genuſſes in dem Saatjahre nicht außer Acht zu laſſen, welches bey einem lang⸗ dauernden Esperfelde zwar wenig, bey einem kurz⸗ dauernden aber viel zu ſagen hat. b) Hat den Vortheil fuͤr ſich, daß die Benutzung im er⸗ ſten Jahre nicht ganz wegfaͤllt, und, im Falle der Bo⸗ den nicht zu gail iſt, auch den Wuchs des Espers nicht zuruͤckhaͤlt. Nur muß der Hafer gruͤn und friſch hin— tereinander abgefuͤttert, und darf nicht zu Heu gemacht werden. c) Wenn Hafer und Gerſte nicht lagern, noch allzudicht geſäet ſtehen; ſo iſt dieſe Methode, ihres groͤßern Nu— tzens im erſten Jahre wegen, nicht zu verwerfen. d) So wie der Klee laͤßt ſich der Esper im Fruͤhjahre uͤber das Wintergetreide herſaͤen. Sehr gelungene Verſuche haben gezeigt, daß ſolches auch im September gleich⸗ 5²⁰ zeitig mit Rocken oder Weitzen geſchehen kann. Man be⸗ hauptet, daß die jungen Esperpflanzen die Kaͤlte nicht fuͤrch⸗ ten.„Ich habe, ſagt Piktet, noch nie den Esper durch den Froſt leiden ſehen.“ Das gilt aber wahrſcheinlich nur fuͤr ſeine Gegend. In der Pfalz erfaͤhrt man nicht ſelten das Gegentheil und ſieht ſich dann gezwungen das Feld umzuackern. e) Wenn man von dem mit Getreide ausgeſaͤeten Esper im folgenden Jahre nur eine halbe Aerndte zu erwarten hat: ſo iſt dieſes nicht der Fall, wenn man ihn mit Sommerruͤbſen ausſaͤet. H Iſt eigentlich daſſelbe Verfahren, was bey a) angegeben worden, mit dem Unterſchied der Mitausſaat einiger Ruͤben, um die Benutzung des Feldes im erſten Jahre nicht ganz zu entbehren. Die vorzuͤglichſte Vorbereitung, welche man wohl fuͤr den Esper treffen kann, iſt ihn nach Moͤhren, wozu ge⸗ pflugſpatet worden, folgen zu laſſen. Man ſaͤet ihn unter den Hafer, der den Moͤhren folgt. Sollte die Erde, welche durch das Pflugſpaten zur Hoͤhe gebracht worden, auch noch ſo roh und ſteinig ſeyn: ſo geraͤth der Esper doch ſehr gut darin. Es ſcheint ſelbſt, daß ſolche rohe Erde dieſer Pflanze beſſer zuſage, als die fetteſte Erde. Man ſieht die Beſtel⸗ lungsart: erſt Moͤhren, dann Hafer mit Esper fuͤr das „Mittel an den ſchlechteſten Boden zu verbeſſern.— Wo man keine Moͤhren ſaͤen will, pflugſpatet man jedoch, ſaͤet Hafer, den man reif werden laͤßt, und laͤßt im Jahre dar⸗ auf Lein mit Esper folgen. Man ſieht das Heraufbringen des rohen Bodens als die Hauptſache zum Gedeihen des Es⸗ pers und der Luzerne an. Da man bey jedem mehr als 5²¹1 gewoͤhnlich tiefen Pfluͤgen eine Menge Unkrautsſaamen zu Tag zu foͤrdern pflegt: ſo darf man den Esper nicht un⸗ mittelbar in die Frucht hinter dem Pflugſpaten oder tiefem Zweyfuhren anbringen. § 4. Saatzeit. Aus dem, daß man den Esper mit Winterfrucht, Som⸗ merfrucht, Sommerruͤbſen und Brachruͤben ausſaͤen kann, ergeht, daß er zu jeder Jahrszeit ausgeſaͤet werden kann, vorausgeſezt, daß die Trockenheit des Bodens und Wetters ſich ſeinem Aufkommen nicht widerſetze. Bey großer Hitze, ohne Feuchtigkeit im Boden, ſpringen die Schalen auf, und der Saamen keimt nicht. §. 5. Saamen und Saamenerzielung. Bey der Auswahl des Saamens gehoͤrt Vorſicht, damit man weder veraltete, noch unvollkommene Koͤrner ſaͤe. Es giebt nicht leicht ein Korn, deſſen erſtes Aufkommen ſo ge— fährdet iſt, als das des Espers, und hiervon liegt die Urſache hauptſaͤchlich im Korne ſelbſt. Wenn man ſelbſt den Saamen erzielt: ſo weiß man, was man hat; nicht ſo, wenn man kauft. Die Einſammlung des Esperſaa⸗ mens iſt nicht ohne viele Schwierigkeit. Laͤßt man ihn voͤl— lig reifen, und es tritt ein Wind ein: ſo bleibt uͤber die Haͤlfte des Saamens auf dem Felde. Dieſes verleitet dann die Spekulanten auf Verkauf den Esper zu maͤhen, wenn die Staͤngel nur einige reife Koͤrner zeigen. Daher koͤmmt es, daß man bey dem Ankauf und der Ausſaat darauf rechnen muß, nur ein Drittel aufgehen zu ſehen. In dem Falle der Nichtreife ſind alle gruͤnſchalige etwas geſchrumpfte 5²³²2 Saamen, die uͤberdem, nach dem Abdruſch oft in Haufen liegend, ihre Keimkraft durch Erhitzung verloren haben. Da ſo viel auf guten Saamen ankoͤmmt; da damit ſo leicht Betrug getrieben wird; da man deſſen folglich noch einmal ſo viel, als noͤthig, ausſaͤen muß; da ſelbſt an gu⸗ tem Saamen eine betraͤchtliche Menge erfordert wird; da die— ſer Saamen beym Ankaufe theuer, und doch ſein Ertrag bey der Saamenerzielung groß iſt; und da endlich das Reif⸗ werdenlaſſen deſſelben der Pflanze keinen Nachtheil bringt: ſo ſollte billig jeder Landwirth, der erſt einmal mit einem Esperfelde verſehen iſt, nicht ermangeln, den Saamen von ſeinem eigenen Felde aufzunehmen. Dieſes Aufnehmen ge⸗ ſchieht, meiner Erfahrung nach, am beſten, wenn man in dem Zwiſchenraume einiger Tage junge Leute das Feld durch⸗ gehen laͤßt, die mit der Hand den ſich ſo leicht loͤſenden reifen Saamen abſtreifen und ihn in einen Hangkorb oder Sack fallen laſſen. Auf dieſe Weiſe geht am wenigſten ver— 1 loren; man erhaͤlt nur reifen Saamen; der noch nicht reife gewinnt Zeit es zu werden; und man bedarf bey der Aus⸗ ſaat weniger davon als von dem auf jede andere Weiſe ge— ſammelten. Wer aber vorzieht den Esperſaamen zu maͤhen, der warte die Zeit ab, wo die meiſten Koͤrner, oder, beſſer zu ſagen, ihre Huͤlſen braun geworden, und maͤhe bey gu⸗ tem Wetter, und im Thaue. Die Schwaden bleiben bis zum Abend liegen, werden dann ſehr vorſichtig umgekehrt. So wie die Sonne am folgenden Morgen das Gemaͤhte ab— getrocknet hat, driſcht man es uͤber einem großen Tuche aus, wobey vier Mann den Ertrag von einem Hektar in einem Tage abfertigen. Der Abdruſch wird zum volligen Trocken⸗ 5²³ werden in der Sonne ausgebreitet, und in der Folge auf der Staubmuͤhle gereiniget. A. Young ſchlaͤgt den Saamen⸗ ertrag in Suffolk zu 14 bis 18 Hektoliter fuͤr den Hektar an; er kann ſogar, nach Anderer Beobachtung, auf 40 Hektoliter ſteigen. Wie alt der Saamen werden darf, um noch brauchbar zu bleiben, iſt wahrſcheinlich noch nicht erprobt. Von 10 Koͤrnern, von dem, den ich 1820 ſammeln ließ, und 1824 im Auguſt in eine Scherbe zu ¼ Zoll tief einlegte, ka— men am achten Tage 2 und am neunten noch 3, in al⸗ lem alſo 5 zum Vorſcheine. Weiter ließ ſich nichts mehr ſehen. Um auch zu ſehen, wie ſich das Legen der nackten Koͤrner verhielte, enthuͤlſte ich ihrer 1co. Von fuͤnf, die eine dunkelbraune Farbe hatten, gieng nur eins, von fuͤnf hellgelben giengen drey auf. §. 6. Saatquantum. Das Beſte, was man bey dem Esper thun kann, iſt, ihn ſehr dicht auszuſaͤen. Wer dabey kargt, der kargt zu ſeinem Nachtheil. Guten Saamen waͤhlen, bey guͤnſtigem Wetter und Boden ſaͤen, und viel Saamen auswerfen ſind die Mittel, durch deren Vereinigung man Anſpruch auf ein gutes Esperfeld machen kann. Man nimmt gewoͤhnlich an, daß man dem Maaße nach noch einmal ſo viel Esper als Weitzen fuͤr eine gegebene Flaͤche bedarf, und das mag auf hoͤchſt reinem Acker, und bey vollkommen gutem Saamen wahr ſeyn; allein in der Regel reicht es nicht zu, und man muß nicht weniger als dreymal ſo viel, alſo 6 Hektoliter, auf den Hektar nehmen. So viel ſaͤet man in der Pfalz, und ſo viel im Durchſchnitt ungefaͤhr in England; ob gleich 5²4 einige Angaben nur von 3 Hektoliter, ja nur von 2 Hektoliter ſprechen, worunter man jedoch gewiß keine breitwuͤrfige Ausſaat verſtehen kann. Piktet iſt ebenfalls fuͤr ein dreyfaches Saat⸗ quantum. B. Crud fordert ſogar 120—130 Pfd. fuͤr den Magd. Morgen, alſo 229 Kilogramme= 3 Hektoliter fuͤr den Hektar. Der Esperſaamen wird in den Huͤlſen ausgeſaͤet. Der Hektoliter wiegt p. p. 27 ½ Kilogramme, und wird in der Pfalz, nach Moͤllinger, mit 5 fl. bezahlt. Eine weitere Frage eroͤffnet ſich hier, die naͤmlich: ob man den Esper mit etwas rothem Klee ausſaͤen ſoll? Sie laͤßt ſich aus den naͤmlichen Gruͤnden verneinen, die wir ſchon bey der Luzerne angegeben haben. Indeſſen leidet ſol— ches da eine Ausnahme, wo der Esper ohnehin von keiner Dauer iſt und mit dem dritten und vierten Jahre umgepfluͤgt werden muß, wie ſolches in der Pfalz der Fall iſt. Hier waͤre die Entbehrung zu groß, wenn man nicht ſchon im erſten Jahre nach der Einſaat einen befriedigenden Ertrag davon zu erwarten haben wuͤrde. Man pflegt daher daſelbſt etwa 6 Kilogrammes Kleeſaamen mit dem Esper auszu⸗ ſaͤen, welcher zumal den zweyten Schnitt ſehr anſehnlich vermehrt. Fuͤr das Unterbringen der Saat gilt daſſelbe, was ſchon fuͤr Klee und Luzerne geſagt worden iſt; naͤmlich daß ſolches nicht leicht zu flach geſchehen kann. §. 7. Dung und Pflege. Das Ueberlagern des Espers mit Miſt, wie bey dem Klee; oder mit Compoſt, wie bey der Luzerne, gewaͤhrt nur wenig Vortheil, und der Landwirth wird dieſe Gegenſtaͤnde mit weit mehr Nutzen anderwaͤrts verwenden koͤnnen. Man 5²25 will ſogar Nachtheil von derley Vorrichtung gehabt haben; dagegen koͤmmt ihm die Anwendung von Gyps, Rus, und Aſche aller Art, ſo wie ein grimmiges Durcheggen ſehr gut. §. 8. Benutzung und Aerndte. Der Esper gewaͤhrt in der Regel zwey Schnitte, wovon der erſte den der Luzerne an Menge uͤbertrifft, der zweyte aber dieſer betraͤchtlich nachſteht. Von einem dritten Schnitte kann nur in waͤrmern hoͤchſt guͤnſtigen Gegenden, aber nir⸗ gendwo, ſo viel mir bekannt, in Deutſchland Rede ſeyn. Selbſt der zweyte Schnitt iſt in England, wie in der Pfalz, oft wenig bedeutend, und nur in warmen feuchten Som⸗ mern lohnend, erreicht demungeachtet kaum die Hoͤhe eines Fußes. Uebrigens iſt der zweyte nicht minder nahrhaft als der erſte. Dieſe Einſeitigkeit im Ertrage iſt eine Ur— ſache, warum der Esper zur gruͤnen Nahrung des Viehes, die keine Unterbrechung zulaͤßt, nicht paßt. Die zweyte iſt in der Unuͤbertrefflichkeit des Heues, welches dieſe Pflanze darbietet, zu finden. Hafer mit ſchlechtem Wieſenheu wird ein Pferd nicht ſo gut fuͤttern, als bloßes Esperheu. Den Saamen, im Falle man ihn nicht verwerthen kann, haͤlt man fuͤr ein vorzuͤgliches Pferdefutter, und fuͤr 2—3mal ſo nahrhaft als Hafer. Wenn die Blumenknoppen halb aufgebluͤhet ſind, ſo iſt es Zeit zum Maͤhen. Man kehrt die Schwaden, die am Mor⸗ gen niedergelegt worden, am Abend um, und zwar ſo, daß je zwey und zwey nebeneinander, jedoch nicht uͤbereinander zu liegen kommen. Am Abend des zweyten Tages wird mit der Gabel untergegriffen und das Heu auf kleine Spitz— haufen von 4 Fuß Hoͤhe gebracht. Man verhuͤtet dabey alles 5²6 Untereinander⸗Ruͤhren ſo viel als moͤglich. Es wird ſogleich nachgerecht. Dieſes geſchieht in einem Striche vor dem Fuße weg, und nicht durch Schleppen. Das Zuſammen⸗ geharkte wird zuoberſt auf die Haufen gebracht. Bey guͤn⸗ ſtigem Wetter kann alles ſchon am dritten Tage eingefahren werden. Faͤllt nach dem Maͤhen Regen ein: ſo bleiben die Schwaden ſo lange ungewendet liegen, bis ſie wieder trocken geworden. Daſſelbe gilt auch, wenn am zweyten Tage Regen einfaͤllt. Sollte der Regen gleich acht und noch mehr Tage anhalten: ſo darf doch nichts an dem Gemaͤhten vor⸗ genommen werden. Wird das Heu auch nicht voͤllig trocken eingebracht: ſo ſchadet es ihm nicht; nur muß es an einem geſchloſſenen und nicht an einem luftigen Orte liegen, und beym Taſſen ebenmaͤßig verbreitet, aber wenig getreten wer⸗ den. Oben auf legt man in dem Falle Stroh, damit die aufſteigenden Duͤnſte darin niederſchlagen, und im Heu ſelbſt kein Schimmel entſtehe. Iſt das Esperheu gut eingebracht worden: ſo haͤlt es ſich an trocknem Orte zehn und mehr Jahre, ohne an Guͤte zu verlieren. Die Erfahrung hat in England bewieſen, und die befliſſent⸗ lich angeſtellten, wiederholten Verſuche Piktets haben beſtaͤti⸗ get, daß der Esper das Abhuͤten durch Schaafe durchaus nicht vertrage.„Im erſten Jahre, ſagt dieſer ſcharfſinnige und genaue Beobachter, als die Schaafe darauf gelaſſen werden, gehen eine Menge Pflanzen aus; weiden ſie ihn im folgenden Jahre von neuem ab: ſo iſt der Esper gänz⸗ lich verloren. Es darf hoͤchſtens nur im Herbſte geſchehen, wann der Esper zum drittenmal ausſchlaͤgt. — 527 §. 9. Ertrag. Dagegen ſoll das Beweiden mit anderm Vieh ihm zu keiner Zeit ſchaden. A. Young giebt den Ertrag eines Hek⸗ tars Esperheus fuͤr England an zu 32— 43— 53 metriſche Centner. Crud zu 36— 40. Der Durchſchnitt der fuͤnf An⸗ gaben waͤre 41 Ctr. m. Bey Moͤllinger in der Pfalz that der hoͤchſte Ertrag, den er im Jahre 1810 hatte, 68 Ctr. m. Der Durchſchnitt von zehn Jahren aber nur 37. Der Klee that bey demſelben in den naͤmlichen Jahren im Durch— ſchnitte 44. Die Auslagen fuͤr ein Esperfeld fuͤr 2ĩ ½ Jahre(nach daſiger Dauer deſſelben) betrugen bey Moͤllinger auf den Hektar fuͤr Saamen........ fl. 16 kr. o Gyps.......... 11.56 Heuwerbung... 16—43 Grummetwerbung 9— 52 Summa fl. 54 kr. 16 Fur dieſe Ausgabe aͤrndtete er dann in jener Zeit 92 metriſche Centner Heu. Es fallen alſo auf den metriſchen Centner 35,4 kr. §. 10. Dauer und Wiederkehr. Bey einer Pflanze, die ihr Heil in des Untergrunds tie⸗ fem Schooſe aufſucht, haͤngt die Dauer von der Beſchaffen⸗ heit deſſelben nothwendig ab. Die immer ſich verlaͤngernden, immer ſich verbreitenden Wurzeln fuͤhren ihrem Mutter⸗ ſtocke immer neue Nahrungsmittel zu, und verlaͤngern ſeine Erhaltung. Die Krone der Eiche verkruͤppelt und ſtirbt in 528 ihrem beſten Lebensalter ab, ſobald die Hauptwurzel in der Tiefe Widerſtand findet; ſie, die Jahrhunderte zu leben be⸗ ſtimmt war. Wenn deshalb der Esper, das Gleiche gilt von der Luzerne, an einigen Orten 10, 15, 20 Jahre lebt: ſo unterliegt er an andern ſchon im dritten, vierten Jahre ſeinem Looſe. In der trocknen, lehmſandigen Ebene der Pfalz, wo man den Esper mehr aus Noth, weilen der Klee daſelbſt nicht geraͤth, als aus Syſtem baut, erſtreckt ſich ſeine Dauer nicht uͤber einen dritthalbjaͤhrigen Genuß. In dem erſten Jahre nach der Ausſaat gewaͤhrt er, je nach den Umſtaͤnden, einen mehr oder weniger befriedigenden Ertrag, in dem zwey⸗ ten einen vollſtaͤndigen. Im dritten nimmt er ſchon wieder ab, daher man dann uur einen Schnitt davon nimmt, und darauf das Feld umbricht. Der Pfaͤlzer darf alſo nur auf einen vollſtaͤndigen zweyjaͤhrigen Ertrag in drey Jahren rech⸗ nen, wovon mithin eines verloren geht, welches bey dem Klee, der jedes Jahr ſeinen Lohn abtraͤgt, nicht ſtatt hat. Uebrigens hat die angefuͤhrte kurze Dauer doch das Gute fuͤr den Pfaͤlzer, daß ſie ihm geſtattet den Esper in ſeinen allgemeinen Umlauf einzufuͤhren, welches bey einer Dauer von 10—15 Jahren in einer nur kleinen Wirthſchaft, wie die ſeinige iſt, nicht ſtatt haben koͤnnte. Dann iſt auch der Vortheil des oͤftern Umſatzes der durch den Esper erzeugten, wenn gleich geringern, Kraft dabey nicht zu uͤberſehen, und ſo hat Alles, neben ſeiner ſchlimmen, auch ſeine gute Seite! Die Dauer des Espers aber ſey welche ſie wolle, ſo darf ſie nicht uͤber den Zeitpunkt verſchoben werden, wo der Boden ſich mit Gras zu aͤberziehen anfaͤngt, ohne welches nur Verluſt an Zeit, Umſatz, und Ertrag entſteht. Was dar⸗ 5²9 darauf folgen ſoll, haͤngt von der Eigenſchaft des Bodens und mehr noch von dem laͤngern oder kuͤrzern, dem beſſern oder ſchlechtern Stand des Espers ab. Im Allgemeinen wird man eher wegen zu großer als zu geringer Ueppigkeit der darauf folgenden Frucht in Verlegenheit gerathen. Sonſt ſaͤet man nach den Eigenheiten des Bodens Rocken, Weitzen, Dinkel und beſtellt das Feld im zweyten Jahre mit Kar⸗ toffeln, oder man nimmt im erſten Kartoffeln und im zweyten Gerſte oder Hafer. In der Pfalz gilt bey allen guten Wir⸗ then die Regel, wo nicht im erſten, doch im zweyten Jahre Hackfruͤchte nach dem Esper folgen zu laſſen. Manchmal auch erſezt man die Hackfruͤchte durch reine Brache. In der Pfalz pflegt man am gewoͤhnlichſten den Esper nach einem Zeitraum von acht Jahren auf demſelben Felde wiederkommen zu laſſen. Es iſt aber auch nichts ſeltenes, daß ſolches mit 4—6 Jahren geſchieht. Wahrſcheinlich ent— ſcheiden hierin die Beduͤrfniſſe, und die ſtaͤrkere oder gerin⸗ gere Duͤngermaſſe. Um ſo knapper dieſe iſt, um ſo oͤfterer muß zu einem Erſatze durch Weglaſſung des Getreides und Kraͤftigung des Bodens vermittelſt des Espers gewirkt werden. Fuͤnfter Abſchnitt. Futterſurrogate. Hieher gehdren: Wicken, Erbſen, Bohnen, Buchweitzen, Senf, Raps, Hafergras, Hafer, Rocken, Mais und Spergel. Wenn ich die uͤbrigen Graͤſer, ſo wie die Pim⸗ pernelle nicht hieher zaͤhle: ſo geſchieht es weilen ſie entweder v. Schwerz Anleit. z. prakt. Ackerbau. II. Bd. 34 53⁰ ſchon bey der Abtheilung uͤber den Grasbau vorgekommen ſind; oder nur als Weide dienen, von welcher leztern ich an einem andern Orte zu reden gedenke. Cichorien, Tauben⸗ kropf, Neſſeln, Laktuken kommen wohl zu ſelten vor, als daß ich ihrer erwaͤhnen moͤgte. §. 1. Wicken. In allen Stallfuͤtterungsgegenden ſind die Wicken als Futter nun einmal ein ergaͤnzender Theil, und da, wo Klee und Luzerne nicht gerathen wollen, ein nothwendiger Theil der Cultur, und mehr als bloßes Surrogat geworden. Selbſt dem Kleewirthe, der nicht nebenbey mit Luzerne verſehen iſt, helfen die Wicken nicht ſelten aus der Noth; theils als Ein⸗ ſchiebſel zwiſchen den zwey Kleeſchnitten, theils fuͤr den Fall, wo der Klee zuruͤckſchlaͤgt; theils zu verhindern, daß, durch die Nothwendigkeit den Klee allzuoft zuruͤckzubringen, der Boden des Kleetragens muͤde werde. Es giebt nicht leicht eine bedenklichere Sache bey der Landwirthſchaft als alles auf einen einzigen Fundamentalpunkt gruͤnden zu wollen. Wankt dann dieſe einzige Stuͤtze, ſo droht das Ganze den Einſturz, und erfordert eine Schnellhuͤlfe, die oft nicht in der Macht des Wirthes ſteht zu leiſten. Die aͤltern Stall⸗ fuͤtterungswirthe werden ohne weiteres verſtehen, und die Anfänger noch erfahren, welch ein grauſes Ding es ſey, Vieh den Sommer uͤber im Stalle, und nicht anhaltend Futter genug dafuͤr zu haben. Die Wicken bieten hierbey ein großes Auskunftsmittel dar, das um ſo leichter faͤllt, als es im Nothfalle keiner beſondern Feldbereitung zu ihrer Erzielung bedarf. Thoͤricht wuͤrde indeſſen ſeyn, den Kleebau der Wicken wegen be⸗ 531 ſchraͤnken zu wollen. So was hieße die Hausfrau der Magd hintanſetzen. Es gehoͤren aber beyde zu einer guten Haus⸗ wirthſchaft, nur jede an ihrem Orte. Ich kann daher dem unbemeſſenen Lobe, welches man in den neuern Zeiten den Wicken beygelegt hat, nicht wohl zuſtimmen, aus Urſachen, die ſich noch ergeben werden. „Der Klee, ſagt der wackere Dr. Schweitzer, kann da, wo er waͤchſt, durch kein anderes Gruͤnfutter, am we⸗ nigſten durch Wickfutter, erſezt werden. Davon habe ich den deutlichſten Beweis in einer Wirthſchaft geſehen, deren Direktor den Klee fuͤr zu waͤſſerig, und dem Vieh nachthei⸗ lig hielt, und daher ſtatt deſſen faſt blos Wilkfutter dagen wollte. Seine Wirthſchaft kam aber dadurch mehr zuruͤck als vorwaͤrts. Die Wicken lieferten nicht Futter genug, zu manchen Zeiten gar keins. Dabey wirkte es gar nicht wohl⸗ thaͤtig auf die Milch, und gab daher nie den Ertrag, den der Klee giebt.“ Diejenigen, welche ſich nicht mit Klee verſehen koͤnnen, weilen ihr Boden ihn nicht vertraͤgt, noch Weidewirthſchaft treiben, weilen es die Zuſammenſetzung ihrer Wirthſchaft nicht zulaͤßt, ſuchen die Wicken ſo fruͤhe als moͤglich zu haben, und fangen ſchon im Februar an, welche zu ſaͤen. Iſt ihnen die Witterung guͤnſtig, ſo ſind ſie nicht lange nach dem Klee, alſo nach dem halben Mai da. Um ſolches zu koͤnnen, darf man freylich das Pfluͤgen nicht bis zur Zeit der Ausſaat verſchieben; ſondern man ſtuͤzt im vorhergehen⸗ den Herbſt ein in guter Geile befindliches Getreideſtoppelfeld, laͤßt es ſo uͤber Winter liegen, eggt, ſohald es der Boden im Hornung zulaͤßt, tuͤchtig, und ſaͤet Wicken. Mit der Einſaat faͤhrt man von acht zu acht Tagen fort bis zum 1 1 G 4 S 1 A I 5³² halben Mai; wodurch man zaͤhlen kann von Anfang Juni bis Ende Auguſts mit Futter verſehen zu ſeyn. Bey den Kleewirthen koͤmmt es hauptſaͤchlich darauf an zwiſchen den beyden Schnitten, wovon der eine Wuchs ſchon zu alt, der andere zu jung iſt, ein Gruͤnfutter zu haben. Dieſe Luͤcke zu fuͤllen dienen die Wicken, die Au— fangs April, oder Ende Maͤrz geſaͤet werden. Mit etwas Ueberlegung laͤßt ſich aber die Luͤcke durch den Klee ſelbſt ausfuͤllen, wie ich ſchon beym Klee geſagt habe. Man fuͤttert die Wicken dem Rindvieh, wenn ſie in voller Bluͤthe ſtehen; den Pferden aber, wenn ſie Schoten angeſezt haben. Bey dem erſten Fuͤttern iſt einige Vorſicht noͤthig, damit das Vieh ſich nicht daran uͤbernehme. Ue⸗ bermäͤßig gefuͤttert halten ſie Einige fuͤr erhitzend und Gele⸗ genheit zur Klauen⸗Krankheit gebend. Man haͤlt dafuͤr, und nach meiner Erfahrung mit Recht, daß ſie nicht ſo vor— theilhaft, wie der Klee, auf das Molkenweſen wirken. Wer⸗ den ſie fuͤr ſich allein gefuͤttert: ſo wird man ſogleich einen Ruͤckſchlag an dem Milchertrage bemerken. Noch ſollen ſie der Butter einen etwas bittern Geſchmack geben. Es bleibt deßhalb rathſam ſie nicht fuͤr ſich allein, ſondern mit Ha⸗ fer, Erbſen oder Bohnen, wozu ein wenig Mais genom⸗ men werden kann, zu ſaͤen. Das Unterſaͤen der Gerſte, welches ſehr uͤblich iſt, kann weniger gebilligt werden, da ſie in einem gewiſſen Alter, der Grannen wegen, in dem Maule hinderlich iſt. 4 Theile Wicken, 1 Theil Erbſen und 3 Theile Hafer geben ein gutes gruͤnes Mengfutter. Man gipſt die Wicken, wenn ſie ſich uͤber dem Boden zu entfalten anfangen. Bey fruͤh geſaͤeten hat man nicht noͤthig damit zu eilen, weilen der Gips vor eintretender lau⸗ 5³³ warmen Witterung nur von wenig Wirkung iſt, und die Wicken bey kuͤhlem Wetter nicht voran wollen, ein Fehler, der nicht ſelten einen Strich durch die Rechnung des Stall⸗ fuͤtterungswirthes macht; denn ob ſie gleich bey eintreten⸗ der feucht warmen Witterung ſich wieder erholen: ſo iſt doch der berechnete Zeitpunkt, ſie fuͤr den beſtimmten Au⸗ genblick zu haben, verſtrichen, und nicht ſelten haben die ſpaͤter geſaͤeten einen Vorſprung vor den um 14 Tage fruͤ⸗ her geſaͤeten. Das Vieh aber befriediget ſich bey dem Ver⸗ rechnen nicht. Am Ertrage kommen die Wicken, wenn ſie geheuet werden, dem Klee lange nicht bey. Bey Moͤllinger ga⸗ ben ſie im Durchſchnitte von 7 Jahren(1803 zu 1809) 22 metriſche Centner vom Hektar, der Klee gab ihrer 44. Der ſtaͤrkſte von jenen war in gedachter Zeit 25, von dieſem 65. Staatsr. Thaer nimmt aber nur fuͤr guten geduͤngten Boden 36 m. C. fuͤr die Wicken an; er ſagt auch, daß ſie wegen Duͤrre im Fruͤhjahre auf 18 herabſinken koͤnnen. Man moͤge ferner nicht vergeſſen, daß die Wicken fuͤr ſich wenig⸗ ſtens eine Pflugart erfordern, welches bey dem Klee nicht der Fall iſt; ferner, daß die durch die Wicken bewirkte Ver⸗ beſſerung des Feldes auf keine Weiſe dem durch den Klee bewirkten Zuwachs an Kraft verglichen werden kann. Die Verbeſſerung des Bodens durch die Wicken beſteht eigentlich nur in der Reinigung; indem nicht zu laͤugnen iſt, daß ſie gruͤn abgemaͤhet dem Unkraut keine Zeit laſſen, Saamen zur Reife zu bringen, und das iſt viel werth. Als Wirthſchaftsregel moͤgte ich annehmen: der Wirth ſolle ſo viel Klee ſaͤen, als nur immer ſein Bo— den des Wiederkommens wegen vertraͤgt, und, 5³⁴ wo der Klee nicht ausreicht, nebenbey ſo viel Wickfutter als noͤthig iſt. Hat er von lezterm mehr als er zur Gruͤnfuͤtterung bedarf: ſo ſoll er die Wicken zum Schotenanſatz, bis nahe zur Reife kommen laſſen, ſie dann maͤhen, heuen, und fuͤr ſeine Pferde oder Schaafe auf den Winter verſparen, wo er des Hafers dann durchaus entbeh⸗ ren kann. Noch laſſe er alle Jahre ſo viel Wicken zur Reife gelangen, als noͤthig iſt, um anhaltend mit Saatkorn verſe⸗ hen zu ſeyn. G. 8. Erbſen. Wenn die Ausſaat, der dickern Koͤrner wegen, nicht etwas zu koſtbar fiele: ſo wuͤrde ich die Erbſen als Gruͤn⸗ futter den Wicken vorziehen. Sind ſie gleich weniger gegen⸗ haltend als dieſe: ſo geben ſie ein dem Vieh gefaͤlligeres und gedeihlicheres Futter, und erzeugen eine Butter, die an Wohlgeſchmack der Maibutter des Weideviehes auf trock⸗ nen Grasaͤngern gleich koͤmmt, wie ich aus einer vor vie⸗ len Jahren gemachten Erfahrung weiß. Außerdem vertragen die Erbſen eine fruͤhe Einſaat beſſer als die Wicken, werden durch die Kaͤlte weniger in ihrem Wachsthume zuruͤckgehal⸗ ten als dieſe, und ſind gleichzeitig, wo nicht fruͤher, mit ihnen da. Ein Gemiſch von Erbſen und Bohnen moͤgte wohl das beſte Gruͤnfutter ſeyn, was man, nach dem Klee, den Kuͤhen zu geben im Stande iſt. Auf jeden Fall ſind ihnen einige Erbſen, unter die Wicken geſaͤet, hoͤchſt will— kommen, und die Milch wird dadurch bedeutend verbeſſert. H. 3. Borhneu ſind fuͤr ſich allein geſaͤet, als Gruͤnfutter noch weniger als die Erbſen uͤblich, wahrſcheinlich wegen ihrem noch groͤbern 5³⁵⁵ Korn, daher theuern Einſaat. Als Gemiſche mit Wicken oder Erbſen kommen ſie, wie ſchon geſagt, haufiger vor. Hafer und Bohnen, ſo wie Ehmer und Bohnen moͤgten ein ſehr gutes Gruͤnfutter geben. Ich ſetze mir vor ſolches in kuͤnftigem Jahr anzuwenden. Die einzige Erfahrung, die mir, fuͤr Deutſchland, uͤber reines Bohnenfutter bekannt, iſt die von Dr. Schwei⸗ tzer. Ich fuͤhre ſie deßhalb woͤrtlich an.„Ein ſehr gutes Gruͤnfutter, ſchreibt er, liefern die Bohnen. 1812 hatte ich ſie auf ein feuchtes Feld beſtimmt; das, da es zufaͤlli⸗ ger Weiſe vor dem Winter gepfluͤgt worden, durch einen lange anhaltenden Regen ſo durchnaͤſſet worden war, daß es nicht vor dem 4ten Juni beſtellt werden konnte. Ich ſaͤete an dieſem Tage die Bohnen und ſie wuchſen in dem ihnen guͤnſtigen Jahr vorzuͤglich uͤppig in die Hoͤhe, wurden aber nicht reif. Anfangs Oktober bluͤhten ſie noch, und ich ließ ſie gruͤn abfuͤttern. Die Kuͤhe wollten Anfangs nicht dran; als ſie aber gekoſtet hatten, fraßen ſie mit Begierde und gaben darnach eben ſo fette und wohlſchmeckende Milch, wie nach Klee.“ H. 4. Mais. Daß der Mais ein herrliches Gruͤnfutter ſey, wer moͤgte das bezweifeln? Ich ſaͤete 1823 ein Paar Morgen zu dem Zwecke damit an, etwas dicht, doch auf Reihen, die mit dem Pfluge behaͤuft werden konnten und auch behaͤuft wur— den. Da dazu geduͤngt worden war, ſo war der Futterer⸗ trag allerdings ſehr groß; allein alles wohl berechnet, zu⸗ mal das geduͤngte Land in Anſchlag gebracht, auf welchem in demſelben Sommer fuͤr 66 fl. Hanf per Morgen hätte 5³⁶6 erbaut werden koͤnnen, wie es ein daran ſtoßendes Grund⸗ ſtuͤck bewies, das keines Schaufelns und Pferdehackens be⸗ durft hatte: ſo, ich geſtehe es, ſchien mir das ſchoͤne Fut⸗ ter doch zu theuer bezahlt. Ich werde demungeachtet noch einige Verſuche damit anſtellen. Da, wo man ein ſolches Maisfutter als zweyte, oder Stoppelfrucht gewinnen kann, halte ich es aller Ehre werth. Das geht aber, wie Bur⸗ ger angiebt, nur in ſolchen Gegenden, wo der Rocken ge⸗ woͤhnlich im erſten Drittel des Juli reif wird.„Die Kul— tur dieſer Pflanze, ſagt er, beſteht darin, daß man ſie in 18 Zoll(48 centim) weiten Reihen, aber dicht neben ein⸗ ander eindrillt, ſo daß auf 1 ½ Zoll(4 centim) ein Korn faͤllt, wonach 2 ½ Metzen Saat auf das Joch(267 Liter auf den Hektar) erforderlich ſind. Spaͤter werden die Pflan⸗ zen behackt und behaͤuft, und wenn die Rispen zu bluͤhen anfangen: ſo iſt es Zeit ſie zu ſchneiden. Nicht fruͤher, weil ſie ſonſt noch zu klein ſind und der Saft zu wenig zuckerig iſt; nicht ſpaͤter, weilen die Staͤngel ſonſt zu hart werden.“ Der Ertrag eines wohl kultivirten Stoppelmais giebt nach ihm im guͤnſtigſten Falle 450, im unguͤnſtigſten 300 metriſche Centner gruͤnes Futter vom Hektar, oder 72 à 43 trocknes, gewiß als zweyte Frucht ein ungeheurer Fut⸗ terertrag, da er den eines Kleeackers uͤbertrifft! §. 5. Buchweitzen. Fuͤr geeigneten Boden und ſandige Gegenden iſt der Buchweitzen ein ganz gutes Futterkraut, ob ich gleich in kei⸗ ner der mir bekannten Gegenden der Art ihn habe zu die⸗ ſem Zwecke anwenden ſehen. Der Sandbewohner kargt mit ſeinen Aeckern, ſo viel er kann und ſucht ſo viel Stroh und — 537 Rocken darauf zu erzeugen als der Boden vorbringen will. Wo Buchweitzen auf eine Weiſe fortkoͤmmt, daß er als Fut⸗ ter lohnt, da laͤßt ſich, wie mir ſcheint, in der Regel auch Klee erzielen, und wo kein Klee gedeihen will, da bleibt der Buchweitzen in der Regel auch ſo niedrig, daß ſein Koͤrnerertrag ſeinen Ertrag als Futter bey weitem uͤberwiegt. Ich halte das fuͤr die Urſache, warum man in den Sand⸗ gegenden ſo wenig Gebrauch von dem Buchweitzen als Gruͤn⸗ futter macht. Da ſeine Anwendung in dieſer Hinſicht wenig bekannt iſt, ſo fuͤhre ich hier einige Erfahrungen daruͤber an:„Ich habe, ſagt ein ſchleſiſcher Landwirth— von Werder— ſeit vielen Jahren gruͤnen Buchweitzen als das raſchwachſendſte, wohlfeilſte und beſte Futterkraut fuͤr Ochſen und Kuͤhe be— nuzt, und es bey leztern, wenn es nur zeitig gehauen wird, vorzuͤglich milcherzeugend gefunden. Selbſt wenn ich es zweymal in einem Jahre auf demſelben Acker folgen ließ, habe ich trotz des verſpaͤteten Saͤens noch ſchoͤnen Rocken darauf erbauet. Den auf dem Stalle gefuͤtterten Stoͤhren und Laͤmmern reichte ich jenes Futter ohne bemerklichen Nach— theil; als ſie aber im Spaͤtherbſte ausgelaſſen und die Sonne ihnen recht auf die Koͤpfe brannte: ſo wurden dieſe dick, die Ohren ganz roth und ihr ganzer Zuſtand war krank⸗ haft.“ Daß dieſes Futter dem auf dem Stalle gefuͤtterten Rind⸗ vieh vorzuͤglich wohl bekomme, bezeugt v. Boͤnninghauſen aus eigener zweyjaͤhrigen Erfahrung. Es ſchien ihm ſogar, als wenn der Buchweitzen an Zutraͤglichkeit fuͤr die Geſund⸗ heit des Viehes, und beſonders in der Wirkung auf die Milch, den Klee uͤbertraͤfe. 5⁵8 Auch der Englaͤnder Hunter ſpricht ſich zu Gunſten dieſes Futters aus, und haͤlt es fuͤr eben ſo gedeihlich als dem Vieh angenehm, das heißt Pferden und Kuͤhen. Er findet, daß leztere durch das gierige Freſſen davon auflau⸗ fen koͤnnen, weßhalb er anraͤth, den Buchweitzen erſt am Tage nach dem Maͤhen zu verfuͤttern. Auch fuͤr die Schweine findet er ihn hoͤchſt paſſend. Da es mir noch immer ſcheint, als wenn der Buch⸗ weitzen in Bezug auf die Menge mehr Futter abwerfen muͤßte, um befriedigend zu lohnen: ſo ließ ich ihn heuer(18245 mit Wicken ausſaͤen. Im Anfange ſchien der Buchweitzen zu herrſchen, nachher aber wurde er von den Wicken unter⸗ druͤckt, und ich war nicht boͤſe darob. „Ein mir ſehr gut gelungenes Verfahren, ſagt Thaer, iſt: Buchweitzen mit Staudenrocken im Julius auszuſaͤen, das Gemiſche im Herbſte gruͤn zu machen, und den Rocken im folgenden Jahre zu aͤrndten. Dieß koͤnnte am vortheil⸗ hafteſten in der gruͤnen Wickenſtoppel geſchehen.“— Thaer haͤlt den Buchweitzen fuͤr nicht weniger nahrhaft, und auf gleichem Boden fuͤr ergiebiger als die Wicken. Lezteres trifft mit meinen Erfahrungen gar nicht zu, wahrſcheinlich wegen der Verſchiedenheit unſeres Bodens. §. 6. Weißer Senf. Ich wurde vor etwa 24 Jahren durch einen Gartenver⸗ ſuch damit bekannt. Fruͤhe abgeſchnitten giebt er ein Ge⸗ muͤß fuͤr Menſchen, das, wie Spinat zubereitet, dieſem fuͤr die Tafel nichts nachgiebt. Der Seuf ſchlug von neuem aus, und ward von Vieh gerne gefreſſen. Der Ertrag an Gruͤnfutter im Garten war nicht zu verſchmaͤhen, war aber, 539 auf's Feld gebracht, weit geringer. Ich ſchloß daraus, daß er, gleich ſeinem Verwandten, dem ſchwarzen Senf, einen ſehr fetten Boden liebe. 1823 ließ ich zu Hohenheim den Saamen uͤber den aufgeworfenen Schlamm eines Muͤhltei⸗ ches ſaͤen, und die Ueppigkeit dieſer Pflanze war außeror⸗ dentlich, welches mich bewog 1824 den Senf auf's Feld zu bringen. Ungeachtet dazu geduͤngt worden und das Feld nicht ſchlecht war, entſprach er meinen Wuͤnſchen durchaus nicht, und das Unkraut nahm uͤberhand. Wobey ich jedoch bekenne, daß die Erdfloͤhe ihn ziemlich ſtark, als Futter allzuſtark verduͤnnt hatten. Wer Verſuche damit zu ſelbem Zwecke machen will, dem waͤre zu rathen, ihn auf ſeine gailſten Felder zu brin⸗ gen, und ihn nicht duͤnne zu ſaͤen. Weniger als 20 Kilo⸗ gramme Saamen ſollte man meines Erachtens nicht neh⸗ men, und 25 auf weniger fettem Boden. Herr Kammerrath Plathner ſchlaͤgt den Ertrag eines Hektars gut ſtehenden in voller Bluͤthe gemaͤhten Senfs auf 208 metriſche Centner an; die aber nach ihm ihrer großen WVaͤſſerigkeit wegen im trocknen Zuſtande nur 37 m. Ctr. ge⸗ ben. Dahingegen trug der Klee in dem naͤmlichen Jahre bey ihm 62, das Gruͤnfutter(wahrſcheinlich Wickengemen⸗ ge) 67 metriſche Centner Heu. Demnach betruͤge lezteres beynahe das Doppelte, was der Senf ertraͤgt. Freylich iſt die Annahme H. Plathners fuͤr die Wicken ſehr hoch, und uͤberſteigt alle Begriffe, die ich mir bisher von den Wicken gemacht habe;(Siehe den vorhergehenden§. 1¹) indeſſen iſt ſeine Annahme fuͤr den Senf auch nicht geringe. Staͤnde es uns zu, beyde zu reduziren, ſo wuͤrde, wenn man 37 540 m. Ctr. Wickenheu zu erwarten hat, man ſich 20 C. trocknes Senffutter vom Hektar zu verſprechen haben.*) Sehr leſenswerth iſt, was Plathner, in dem Jahr⸗ buch der Landwirthſchaft III. Band II. Stuͤck Seite 164, uͤber den Einfluß ſagt, den der Senf auf die Fuͤtterung des Viehes hat. Die Reſultate davon ſind: daß der Senf, bis zur Haͤlfte der taͤglichen Futterration beygemiſcht, dem Milchertrag durchaus nicht ſchade, und der Butter keinen ſchlechten Geſchmack gebe; daß aber, wo man das Vieh zwang nur gruͤnen Senf freſſen zu muͤſſen, Butter und Milch einen ſcharfen Geſchmack annahmen, erſtere eine weiße Farbe bekam und keine Butter auf die Dauer wurde. Dar⸗ aus fließt alſo von ſelbſt, daß man den Senf den Kuͤhen nicht in Maſſe geben, ihn alſo nur zugleich mit anderm Futter verwenden ſoll. §. 7. Raps. Der Raps wird bey den Englaͤndern, aber auch nur bey ihnen, im Spaͤtjahr ausgeſaͤet, um den Schaafen im Fruͤhjahre zur Fuͤtterung zu dienen. Wir Deutſchen wuͤrden ihn, wenn er gerathen und den Winter uͤberſtanden har, wohl mit mehr Vortheil zur Reife kommen laſſen. Iſt er aber nicht gut gerathen: ſo bildet er auch nur ein aͤrmliches Futterfeld. Wie iſt es doch moͤglich, daß dieſe Inſulaner, welche es fuͤr eine Art von Verrath an ihrem Felde anſehen, *) Ich bin weit entfernt eine Thatſache, wie ſie der, um die Landwirthſchaft wohlverdiente, K. Plathner anfuͤhrt, in Zweifel zu ziehen, nur andeuten wollte ich, daß ſeine Angaben blos als Ausnahme von der Regel gelten koͤnnen. 541 den Raps darauf reifen zu laſſen, kein Bedenken tragen ihn zur Weide auszuſaͤen! Daß aber der Raps nicht durch ſeinen Koͤrneranſatz, ſondern durch ſeinen Wuchs vor Win⸗ ter, dem Boden Kraft entziehe, habe ich ſchon vor 25 Jahren bezeugt, und werde es in dem dritten Bande dieſer Schrift noch mehr bekraͤftigen. Eine Beobachtung, deren ich bey dieſer Pflanze an⸗ derswo gedenken werde, verleitete mich 1823 mehrere Mor⸗ gen im Fruͤhlinge mit Wicken und untergemengtem Raps zu beſaͤen. Beyde Pflanzen wuchſen wie Bruͤder freundſchaft⸗ lich mit einander auf, und boten einen reichlichen Schnitt dar. Bey dem Gebrauche fand ſich aber, daß Milch und Butter einen nicht vortheilhaften Geſchmack annahmen, und auch das Vieh ſich nicht ganz wohl dabey befand. Ich bin deßhalb nicht ferner geneigt den Verſuch, eben ſo wenig wie den mit weißem Senf, zu wiederholen.— Mißlungene Er⸗ fahrungen ſinp nicht minder lehrreich, als gelungene. 6. 3. Hafergras. Wie Alles einmal Epoche in ſeinem Leben macht: ſo dann auch das Hafergras, mehr bekannt unter dem pom⸗ poſen Namen franzoͤſiſches Raygras, fromental. Der Ge⸗ danke dieſes Gras auf dem Felde anzubauen, es ſey denn zur Weide, war einer der aͤrmlichſten Einfaͤlle, deren ein dkonomiſcher Geiſt faͤhig iſt. Ich bauete vor einigen 20 Jah⸗ ren ganz im Stillen auch etwas davon, doch nur unter dem Klee und nicht laͤnger als ein ganzes Jahr. Wenig naͤhrend, den Boden magernd, aber hoch und ſchoͤn ausſehend, das ſind die Eigenſchaften, die ich dieſem Graſe zuerkenne. Steht es auf einem feiſten Boden und 5⁴4² kann alle Jahre geduͤngt oder geguͤllt werden, ſo giebt es der Maſſe nach einen bedeutenden Ertrag, bleibt aber im⸗ mer ein ſchlechtes Gruͤnfutter. Welcher Unterſchied, wenn wir es mit dem Klee vergleichen, der auf gleiche Weiſe ge⸗ pflegt wuͤrde!— Wenn doch nur alle Jene, die ſich mit dem Auspoſaunen des Neuen abgeben, dieſes Neuere vor⸗ laͤufig, aber gehoͤrig, pruͤfen wollten, um ſich fremden Schadens nicht theilhaftig zu machen; und vielmehr liebe⸗ voll dagegen warnen wollten! §. 9. Haſfer. Meyer von Kupferzell pries, und wie ich glaube, nicht mit Unrecht, den Gruͤnhafer als das milchreichſte Fut⸗ ter, was man Kuͤhen reichen kann. Schade nur, daß ſein Ertrag allein nicht zureicht um gebuͤhrend zu lohnen. Man ſaet ihn daher mit Wicken, oder mit Klee aus, in welchem leztern Falle das Feld einen ſtarken und hochg ſchaͤtzbaren Feldertrag giebt. §. 10o. Rocken. Wichtiger noch als der Hafer iſt der Rocken zu Gruͤn⸗ futter. Der groͤßte Vortheil, den die Surrogate gewaͤhren koͤnnen, waͤre der, wenn wir ſie um 14 Tage fruͤher als den Klee haben koͤnnten. Das vermag aber unter allen der Rocken nur allein. Er geht darin ſelbſt der Luzerne vor. Dieſe fruͤhe Aushuͤlfe iſt fuͤr den Stallfuͤtterungswirth, zu⸗ mal fuͤr den, der nicht mit Luzerne verſehen iſt, von un⸗ gemeinem Nutzen bey ſeinem fruͤhmelkenden Vieh. Man findet die Anwendung davon haͤufig in den Niederlanden, wo man keine Luzerne hat, und bey der Zuſammenſetzung 54³ daſiger Wirthſchaften auch keine zu haben ſucht. Wird der Futterrocken zu Anfang Septembers in einen noch kraͤftigen Acker und dicht genug geſaͤet: ſo uͤbertrifft ſein Ertrag oft alle Erwartung. Der Rocken, den ich auf ſolche Art ſaͤete, gab ungeachtet des ſehr unguͤnſtigen Fruͤhjahres, im Anfange Mais 1825 vom Hektar 134,5 metriſche Centner Gruͤnfut⸗ ter. 100 Pfund, die an Luft und Sonne getrocknet wur⸗ den, hinterließen 30 Pfund, gleich 41,86 m. Ctr. per Hek⸗ tar. Es ſollte nicht ein Wirth ſeyn, der nicht einen Theil ſeiner beſten Getreideſtoppeln, auf welche im folgenden Jahre Brache oder Brachfruͤchte folgen ſollen, mit Futterrocken beſtellte. Da der Rocken ſchon Ende Aprils oder doch gewiß in der erſten Haͤlfte des Mai das Feld verlaͤßt: ſo laſſen ſich Kartoffeln, Steck- und Runkelruͤben oder dergleichen nach ihm bauen. Vielleicht waͤre der Futtermais noch beſſer nach dem Gruͤnrocken angebracht. Zu dem Ende habe ich fuͤr ein beſonderes Feld folgende Rotation feſtgeſezt. Das Feld trug 1824 Raps, wurde ſogleich nach der Aerndte geſchaͤlt, ver⸗ eggt, geduͤngt, zweymal gepfluͤgt und in den erſten Tagen des Septembers mit Rocken beſaͤet, beſtimmt Ende April 1825 den Kuͤhen verfuͤttert zu werden. Die Rockenſtoppel werden zum Wiederausſchlagen beguͤllt, nach 6—7 Wochen umgepfluͤgt, und das Feld in den erſten Tagen des Juni mit Mais zum Gruͤnabfuͤttern beſtellt. Darauf wird im Oktober Raps ge⸗ pflanzt. Dieſen Verſuch erſtes Jahr Futterrocken und Fut⸗ termais, zweytes Jahr gepflanzter Raps, werde ich dann ſo lange fortſetzen, als der Erfolg meiner Erwartung ent⸗ ſprechen wird. 544 §. 11. Spergel. Spark, Ackerſpergel, Knoͤterich, spuri, spergula arven- sis, iſt ein vierteljaͤhriges Gewaͤchſe, und das eigentliche, weilen einzige, Futterkraut ſolcher duͤrrer Sandgegenden, wo weder Klee noch Gras fortkommen. Freylich gedeiht es beſſer auf gutem Sandboden oder lehmigen Sand. So wie aber der Boden ſchwerer wird, bleibt es weniger anzurathen. Auf gutem Boden, der Klee zu tragen im Stande iſt, lohnt der Spergel nicht zureichend. Er iſt und bleibt daher nur eine Gabe fuͤr ſchlechtere Sandlaͤnder. Sowohl gruͤn als gedoͤrret iſt der Spergel ein vorzuͤg⸗ liches Futter, um Milch und Butter bey den Kuͤhen zu ver⸗ mehren. Die Butter zumal wird als ſehr nachhaltend fuͤr die Kuͤhe geſchaͤzt. Das Saamenſtroh hat nicht weniger Werth als das Wieſenheu. Es wird gewoͤhnlich dem Vieh des Winters in der Siede gereicht. Ein noch koͤſtlicheres Futter gewaͤhrt das Spergelheu, zumal der Saamen, der die Oelkuchen bey weitem uͤbertrifft. Der kurzen Zeit ſeiner Vegetation wegen,— acht Wo⸗ chen reichen dafuͤr zu— laͤßt ſich der Spergel nicht blos als Nachfrucht ſaͤen; ſondern auch zwiſchen zwey unmittel⸗ bar aufeinander folgenden Wintergetreideaͤrndten im Herbſte einſchalten; ohne daß die neu zu ſaͤende etwas dadurch ver⸗ ldre. Sie gewinnt vielmehr, wenn der Spergel auf dem Felde abgetuͤtert wird, ſo daß der Folgerocken beſſer geraͤth, als wenn kein Spergel eingeſchaltet worden waͤre. Auf ſolche Weiſe erzeugt er Dung, ohne welchen zu fordern. In der Qualitaͤt des Nahrungsſtoffes endlich geht er dem Klee und Herbſtgraſe um Vieles vor. 4 Der Spergel wird entweder als Brachfrucht, oder als Stop⸗ 545 Stoppelfrucht angebaut. Im erſten Falle geſchieht es theils der Saamenerzeugung willen; theils um dem Felde eine kleine Unterbrechung von dem alljaͤhrlichen und ununterbro⸗ chenen Rockentragen zu goͤnnen; theils um dem Stalffuͤtte⸗ rungswirthe, der mit keinem Klee verſehen iſt, im Sommer einiges Futter fuͤr ſeine Kuͤhe darzubieten. In lezterm Falle ſucht man ihn von Zeit zu Zeit zu ſaͤen, und faͤngt mit dem Maͤrze an, wo er dann ſchon im Mai gemaͤhet werden kann. Will man davon zu Saamen ſtehen laſſen: ſo wird dieſer ſchon vor Johannis reif, und kann zur neuen Saat in demſelben Jahre dienen. Man koͤmmt darin uͤberein, daß der Brachſpiegel auch dann, wann er Saamen getragen hat, die beſte Vorbereitung zum Rocken ſey.*) Anderer Spergel als ſolcher, welcher Saamen ab⸗ getragen hat, wird ſelten zu Heu gemacht. Weit haͤufiger koͤmmt der Spergel in der Stoppel als Herbſtweide vor. Das Vieh wird allemal darauf angepfahlt, ohne welches es zu viel Futter vertreten, auch Gefahr lau— fen wuͤrde, ſich zu uͤberfreſſen und aufzulaufen. Man hat beobachtet, daß die Kuͤhe, von der Spergelweide heimkeh⸗ rend, ſich mit Begier auf das Heidekraut werfen, welches ſie ſonſt kaum im aͤußerſten Hunger anruͤhren. Man giebt dieſem Inſtinkte gerne nach. Der Spergel erfordert nur eine ſehr einfache Beſtellung. Man pflaͤgt die Getreideſtoppel ganz flach und ſo ſchnell als moͤglich hinter der Aerndte um.— Tiefpfluͤgen oder Zweymal⸗ pfluͤgen taugt durchaus nicht,— eggt leicht weg, ſaͤet, eggt *) Ich bitte den geehrten Leſer zu bemerken, daß Alles, was ich über den Spergel zu ſagen habe, nur blos die Sandlaͤnder angeht⸗ v. Schwerz Anleit. z. prakt. Ackerbau. II. Bd. 35 546 und walzt. Je mehr die ſeichte Krume durch die Egge zer— theilt, und je feſter ſie durch die Walze angedruckt wird, um ſo beſſer geraͤth der Spergel. Ungeachtet der Feinheit des Saamens will er dicht ausgeworfen ſeyn. Man ſaͤet 30— 100 Liter auf den Hektar.*) Dem Brachſpergel bekoͤmmt ein Ueberfahren mit Jauche außerordentlich wohl. Im Maͤrz geſaͤet, wird er Ende Mai oder Anfangs Juni gemaͤhet. Er giebt dann 30 Fuder, wahrſcheinlich einſpaͤnnige, vom Hektar, worauf man nicht ſelten noch Kartoffeln folgen laͤßt. Er kann ungefaͤhr dem Ertrag eines Kleeſchnittes auf aͤhnlichem Boden gleich ge— ſtellt werden. Er iſt nicht ſchwer zu heuen. Man verfaͤhrt dabey gleich dem Klee. Auch ein langer Regen ſchadet ihm im abgemaͤhten Zuſtande nicht. Es iſt nur der Fruͤhſpergel, von dem ſich Saamen zie⸗ hen laͤßt. Der vom Herbſte koͤmmt nicht leicht mehr zur Reife. Iſt der Saamen zeitig, worauf man aber, des Ausfallens wegen, nicht zu lange warten darf: ſo maͤhet man die Pflanze ab und behandelt ſie wie Heu; oder trock⸗ net ſie auf aufrecht ſtehenden Stangen, um welche ſie auf eine eigene Art wie eine Wurſt gerollt werden. Der Sper⸗ gel bringt ſehr reichlich Saamen, der auf einer Oelmuͤhle zermalmt ein treffliches Pferdefutter giebt. Dem Hornvieh wird es in der Siede, alſo in heiß angebruͤhtem Zuſtande gegeben, ohne welches er von dieſer Viehgattung nicht ver⸗ daut wird. Die gute Wirkung davon auf Milch und But⸗ ter iſt auffallend. *) 5 Vierling auf den Wuͤrtemberger Morgen. 547 Ich kann dieſen Artikel nicht ſchließen, ohne dabey eines gewoͤhnlichen Paͤchters eines Bauernhofes im Muͤnſterlande Ehrenmeldung zu thun. Sein Name iſt Boſſ, als Mu⸗ ſter ſeiner Gegend mehr unter dem Namen Buſſmann bekannt. Dieſer Mann gewann vor vielen Jahren auf meine Vorſtellung die Stallfuͤtterung in einer Gegend, wo ſie durchaus unbekannt iſt, ſo lieb, daß er ſich am Ende nicht mehr entſchließen konnte, ſie auch nur auf wenige Wochen im Herbſte, zum Abtuͤtern des Spergels, zu unterbrechen. Er laͤßt deßhalb auch den Herbſtſpergel maͤhen und im Stalle verfuͤttern. Um ihn recht fruͤh und in allmaͤhlicher Folge zu haben, laͤßt er ein Stuͤck Rocken vor ſeiner ooͤlligen Reife aͤrndten, und zu Haͤckſel geſchnitten fuͤr die Pferde zuruͤcklegen. Die Stelle wird ſogleich mit Spergel beſtellt. Bald darauf, alſo gleich beym Anfange der Aerndte, wird ein zweytes Stuͤck auf gleiche Weiſe ſchnell abgefertigt. Iſt endlich die Rockenaͤrndte gaͤnzlich vollendet: ſo wird das ganze Stoppelfeld mit Spergel beſaͤet. Iſt der Spergel abgefuͤttert: ſo wird ſogleich gepfluͤgt, geeggt, geduͤngt, gepfluͤgt und Rocken geſaͤet. Hat man vollauf Spergel zu fuͤttern: ſo erheiſcht es Vorſicht, und Buſſmann hatte des⸗ wegen ſchon einige ſchlafloſe Naͤchte, wiewohl ſie ohne Un⸗ gluͤck voruͤber giengen. Es iſt ein wonnigliches Gefuͤhl einen gewoͤhnlichen Bauern gegen Schwierigkeiten ankaͤmpfen zu ſehen, wovor mehr als ein gebildeter Oekonom zuruͤckſchrecken wuͤrde. Ehre einem ſolchen Manne! Ehre einem Lande, wie das Muͤn⸗ ſter'ſche und die Grafſchaft Mark, wo ſo viele tuͤchtige und geſcheute Landwirthe und Bauern wohnen! Anbau der Futterpflanzen. Zweytes Hauptſtuͤck. Wurzel⸗ und Knollengewaͤchſe. Erſter Abſchnitt. Bedingungen bey ihrem Anbau. Es iſt wohl Niemand, der dem Anbau dieſer Gewaͤchſe in Bezug auf die Viehhaltung einen bedeutenden Werth ab⸗ ſprechen koͤnne. Indeſſen iſt auch nicht zu laͤugnen, daß Einige dieſen Werth uͤbertrieben, oder zu unbedingt darge⸗ ſtellt haben, wodurch wieder Andere, welche das Geſagte nur blindlings aufzufaſſen, und wenig uͤberlegt anzuwenden gewohnt ſind, zu Schaden gebracht werden. Wir wollen verſuchen, ob wir den Schluͤſſel zu dem anſcheinenden Wi⸗ derſpruche zwiſchen den aus ihrer Cultur hervorgehenden Vor⸗ und Nachtheilen auffinden koͤnnen. Das Geeignetſeyn des Bodens zu jenen Vegetabilien; die groͤßeren oder geringeren Produktionskoſten derſelben; ihre mehr oder weniger nutzbare Verwendung; eine wohlerwogene 549 Anwendung des daraus hervorgehenden Duͤngers; die Be⸗ duͤrfniſſe des Bodens in Bezug auf leztern; die Wahl und richtige Stellung der Fruchtfolge, und endlich der Zuſam⸗ menhang der ganzen Wirthſchaft beſtimmen den Grad von Vor⸗ oder Nachtheil, der aus dem Anbau der Wurzelge⸗ waͤchſe in Großem ergehen kann. Wir wollen dieſe Bedin— gungen mit einigen Worten entwickeln. 1) Wenn der Wirth auf Sandboden ſich vorzugsweiſe mit Spergel; auf gutem Thonboden mit Klee, auf kraͤfti⸗ gem tiefem Boden mit Luzerne, auf kalkſteinigem mit Esper abgiebt: ſo iſt er dabey gegruͤndet. Wenn er aber auf ſehr ſandigem Boden Klee, auf Thonboden Esper, auf kraͤftigem tiefem Boden Spergel, auf ſeichtem Bo⸗ den Luzerne erzielen wollte: ſo wuͤrde er hoͤchſt Unrecht haben. Der Norfolker Wirth beſaͤet ſeine ſandigen Aecker mit Ruͤben, und huͤtet ſie an Ort und Stelle mit ſeinen Schaa⸗ fen ab; der deutſche Wirth bepflanzt ſeine trocknen leichtern Aecker mit Kartoffeln und Brachruͤben, und verfuͤttert ſie im Stalle. Das iſt Alles ſehr paſſend! Wer aber auf zä⸗ hem, der Naͤſſe unterworfenem Boden jene Gegenſtaͤnde eine Rolle in dem Fruchtumlauf ſpielen laſſen wollte, deſſen lez⸗ ter Auftritt koͤnnte leicht ſehr tragiſch enden. Man pferd⸗ hackt einen zaͤhen ſtorrigen Boden nicht wie, noch wann, man will, und wen je auf ſolchem Boden ein naſſer Herbſt einigemal bey ſeiner Kartoffelleſe uͤberraſcht hat, der wird den Wurzelgewaͤchsbau ohne Bedenken gegen den der Fut⸗ terkraͤuter eintauſchen. Mag deßhalb das: Kartoffeln, Ger⸗ ſte, Klee u. ſ. w. auf leichtem und gutem Mittelboden ganz angemeſſen ſeyn: ſo verhaͤlt es ſich in einer Wirthſchaft auf 55⁰ Thonboden damit ganz anders, und derjenige Wirth wuͤrde graͤulich neben das Ziel ſchießen, der in Großem auf eine Ausfuͤhrung der Art denken und die Brache daruͤber verſaͤu⸗ men wollte. 2) In einem nicht ſtark bevoͤlkerten Lande, bey hohem Taglohn, und niedrigen Preiſen des Fleiſches, der But⸗ ter, der Milch, den Bau der Wurzelgewaͤchſe nach der Schnur mit Spaten und Hacke, alſo blos mit Men⸗ ſchenhaͤnden in Großem ausfuͤhren wollen, iſt eine ſehr koſtſpielige Sache, und es gehoͤrt ſchon ein ſehr großer Rohertrag dazu, um dieſe Koſten, mit Einſchluß aller uͤbrigen, zu decken. Iſt aber der Reinertrag um ſo geringer, als die Culturkoſten groͤßer ſind: ſo wird er um ſo groͤßer, als dieſe geringer ausfallen. So ge⸗ wiß aber die Anwendung der Geſpannhuͤlfe die Cultur⸗ koſten bey der Beackerung uͤberhaupt vermindert; eben ſo gewiß vermindert ſie dieſelbe bey dem Wurzelgewaͤchs⸗ bau. Sollte auch, welches, wenn gleich von Man⸗ chen geglaubt, noch nicht erwieſen iſt, der Ertrag der mit Handwerkzeugen beſchafften Gewaͤchſe etwas groͤßer ſeyn, als der mit Geſpannwerkzeugen: ſo iſt doch die⸗ ſes kleine plus nicht zureichend, die damit verbundene Koſtenvermehrung auszugleichen. Die Einfuͤhrung der: Geſpannarbeit vermittelſt zweckmaͤßiger Werkzeuge bey dem Anbau der Wurzel- und Handelsgewaͤchſe, iſt eine der namentlichſten Verbeſſerungen, welche die neuere Zeit im Fache des Ackerbaues verbreitet hat. 3) Wenn gleich die vermehrte Dungerzeugung, welche aus den Wurzelgewaͤchſen hervorgeht, in den Augen ihrer Freunde es hauptſaͤchlich iſt, worauf ſich die Vortheile 551 dieſes Baues gruͤnden: ſo laͤßt ſich doch noch zweifeln, ob in dieſer Erzeugung wirklich ein ſo bedeutender Vor⸗ theil liege, als geſagt wird; denn da die Wurzelge⸗ waͤchſe ihrer Seits wieder einen guten, vielleicht den groͤßten, Theil dieſes Dunges zu ihrem Wachsthum zuruͤckfordern, ſo moͤgte der Ueberſchuß nicht zureichend ſeyn, um die betraͤchtlichen Ausgaben zu decken, welche der Anbau jener Gewaͤchſe erheiſcht, und der Tadel Der⸗ jenigen nicht ganz ungegruͤndet, die als eine uͤbelberathene Oekonomie anſehen: eine miſterzeugende Werk⸗ ſtaͤtte vermittelſt des Anbaues ſolcher viel Dung erfordernden Gewaͤchſe auf freyem Felde anlegen zu wollen. Sehr merkwuͤrdig hieruͤber iſt die Aeußerung A. Youngs. „Solche Fruchtwechſel, ſpricht er, worin Ruͤben, Kopfkohl „und Kartoffeln am oͤfterſten vorkommen, ſind die, welche „unter allen am wenigſten vorbringen und den kleinſten Vor⸗ „theil gewaͤhren.“ 4) Wollte man den eigentlichen und Hauptvortheil dieſer Gewaͤchſe in ihrer Verwendung auf die Viehhaltung ſu⸗ chen: ſo iſt dieſes allerdings der richtige Weg, um ſich aus dem etwas fehlerhaften Kreiſe der Dungconſumtion und Dungreproduction ohne Nachtheil herauszufinden. Nur muß der Landwirth zum Voraus ſich uͤberzeugen, ob er bey dieſer Verwendung wirklich mehr reinen Nu⸗ tzen habe, als bey der eines andern, wohlfeilern, Fut⸗ ters, welches nicht allemal, und bey dem Augenmerk auf Milch, Butter und Kaͤſe in der Regel wohl nie— mals bey uns der Fall ſeyn wird. Er hat alſo wohl zu uͤberlegen, welcher Viehgattung er die Wurzelge⸗ 55² waͤchſe beſtimmt; zu welchem Zwecke er ſie darauf ver⸗ wendet; und welchen Erfolg dieſe Fuͤtterung im Ver⸗ gleiche zu einer andern hat. Er muß dabey nicht ver⸗ geſſen, die Aufbewahrungs⸗ und Zubereitungskoſten des Wurzelwerks in Anſchlag zu bringen. Duͤrre Fruͤchte laſſen ſich ohne Gefahr und Umſtaͤnde aufbewahren, und machen bey der Fuͤtterung wenig Umſtaͤnde. Nicht ſo die ſaftigen Knollen⸗ und Wurzelgewaͤchſe. Das Eingraben, das Ausgraben, das Waſchen, und endlich das Hacken oder Schneiden zu der Fuͤtterung ſind nicht ſo leicht ab⸗ gethan, als ſich's anſieht. —— Koͤnnen die angefuͤhrten Gewaͤchſe vorlaͤufig noch zu an⸗ derm Gebrauche verwendet werden, ehe man ſie, oder viel⸗ mehr ihre Reſte, verfuͤttert, z. B. zu Zuckermachen, Brannt⸗ weinbrennen ꝛc., ſo geht freylich aus einer dreyfachen Be⸗ nutzung, als Fabrikat, als Futter und als Duͤnger Nutzen hervor, und wir wiſſen, daß die Pfalz ſich auf dieſem Wege durch die Kartoffelbrennerey erhoben hat... Auch durch den Verkauf jener Gewaͤchſe kann unter gewiſſen Vorausſetzungen betraͤchtlicher Vortheil aus ihrem Anbau hervorgehen. Je⸗ doch iſt dieſes beynahe nur als eine Ausnahme von der Re⸗ gel der Selbſtverfuͤtterung zu betrachten, da der Dung da⸗ durch aus der Wirthſchaft vertragen wird. 5) Der Dung hat einen um ſo groͤßern oder geringern Werth, als er gehoͤrig, oder nicht, verwendet wird. Da nun, wie aus dem Vorhergehenden nicht zu mißkennen, auf dieſem Werthe großen Theils auch der der Futter⸗ gewaͤchſe beruht: fo folgt, daß aus ihrem Anbaue fuͤr das Ganze um ſo mehr oder weniger Vortheil hervor⸗ gehe, als die Verwendung des Dungs mit mehr oder ₰ℳ 55³ weniger Sachkenntniß betrieben wird. Bey einer ge⸗ woͤhnlichen Koͤrnerwirthſchaft bleibt ein Ueberfluß an Dung ohne allen Vortheil, wenn ſie ſich deſſelben nicht auf einem andern Wege, z. B. durch Erzeugung vielen Dung fordernder Gewerbspflanzen, auf eine vor⸗ theilhafte Weiſe zu entledigen ſucht. 6) Wichtiger iſt der Dung fuͤr einen duͤrftigen als uͤppi⸗ gen Boden; wichtiger alſo auch bleiben fuͤr jenen die Mittel ſich ſolchen zu verſchaffen. Wenn, wie nicht gelaͤugnet wird, der groͤßte Vortheil, den die Wurzel— gewaͤchſe gewaͤhren, aus dem Dung hervorgeht, den ſie erzeugen: ſo iſt dieſer Vortheil fuͤr ſo geringer an⸗ zuſehen, als der Boden deſſen weniger bedarf, und man wird ſich beſſer dabey ſtehen, den Futterbau, zu⸗ mal den der koſtſpieligern Wurzelgewächſe zu vermin⸗ dern, und den Getreide- oder Gewerbspflanzenbau zu vermehren. Man wird daher finden, daß man in gu⸗ ten Gegenden ſich weniger mit den Wurzelgewaͤchſen be— faßt, als in ſchlechten; obgleich jene der Erzielung ſolcher Gewaͤchſe weit mehr als leztere zuſagen. Die— ſelbe Hintanſetzung findet man in der Regel auch da, wo die Induſtrie auf einen hohen Grad geſtiegen iſt, Boden und Zeit werden hier fuͤr zu koſtbar geachtet, als daß man beyde auf bloße Acceſſorien verwenden ſollte. Unterläßt man aber demungeachtet den Anbau ſolcher Nebendinge nicht gaͤnzlich: ſo geſchieht es als zweyte Frucht in dem naͤmlichen Jahre, wo das Feld ſchon ſeine Hauptfrucht abgeliefert hat; alſo als bloße Zugabe zu dieſer. Man ſehe z. B. ob es den Elſaͤſ⸗ ſern bey ihrem gutem Boden, ob es den Niederlaͤndern 554 bey dem außerordentlichem Grad ihrer Induſtrie an Ruͤ⸗ ben und Moͤhren, die nach oder unter Lein und Getreide geſaͤet worden, gebreche! „) Auch die Auswahl der Fruchtfolge kann dem Wurzel⸗ gewaͤchsbau Werth geben oder nehmen. Dem Dreyfel⸗ derwirthe, der ſie in die Brache aufnimmt, und Win⸗ tergetreide darauf folgen laͤßt, kann ihr Anbau nur we⸗ nig Heil bringen. Er wird dadurch oft mehr an Stroh und Korn verlieren, als jene Gewaͤchſe ihm werth wa⸗ ren. Dieſem Nachtheile iſt der Fruchtwechſelwirth nicht ausgeſezt, da er es in ſeiner Gewalt hat, nur dasjenige Getreide oder diejenigen Pflanzen folgen zu laſſen, die ſich am beſten mit einem ſolchen Vorgaͤnger vertragen. 8) Endlich koͤmmt die Zuſammenſetzung der Wirthſchaft ſehr dabey in Betracht. Auf weit entlegenen Feldern faͤllt die Cultur der Wurzelgewaͤchſe aͤußerſt beſchwerlich; bey einer ſtarken Zulage von natuͤrlichem Graswuchs iſt ihre Ausdehnung ins Große ganz uͤberfluͤſſig; wo es dem Betreiber an Kraft und Vermoͤgen zum Produzi⸗ ren und Conſumiren fehlt, iſt ſie nachtheilig. Das Ver⸗ ſilbern dieſer Gewaͤchſe iſt nur dem erlaubt, der einen Theil des Erloͤſes auf Duͤngerzukauf verwendet; oder deſſen Aecker mit einem Reichthum von Kraft verſehen ſind. Aus dem Geſagten geht hervor, daß man ſich nicht ohne Umſicht zu einem ins Große getriebenen Wurzel⸗- und Knol⸗ lengewaͤchsbau entſchließen ſoll. Aus Mangel an vorlaͤufiger und reiflicher Ueberlegung der angefuͤhrten und noch mehrerer zufaͤlligen Umſtaͤnde, haben manche Anfaͤnger, geblendet durch den Schimmer des Neuen, ſich durch die Einfuͤhrung 2 5⁵⁵ ihres Baues nur geſchadet, und dem Syſteme den Scha⸗ den zugeſchrieben, den ſie ſich durch eigene Schuld zugezo— gen haben. Zweyter Abſchnitt. Ruͤben. Unter allen Knollen⸗ und Wurzelgewaͤchſen ſind die Ruͤ⸗ ben, Waſſerruͤben am meiſten verbreitet, und ihr Anbau hat nur durch die Verbreitung der Kartoffeln eingeſchraͤnkt werden koͤnnen. In leichten ſandigen Gegenden machen ſie die Grundlage aller ſaftigen Fuͤtterung, und zum Theile die Angel aus, um welche ſich der ganze Fruchtumlauf dreht. Wer kennt z. B. das Turneps, Gerſte, Klee, Weitzen eini⸗ ger Englaͤnder nicht? Warum es Mode geworden die altdeutſchen Ruͤben mit dem engliſchen Namen Turneps zu decoriren, weiß ich nicht; wohl aber, daß Manche dadurch bewegt worden, die Tur⸗ neps fuͤr eine andere Ruͤbenart als die unſerigen zu halten, was aber nicht iſt; denn in England wie in Deutſchland baut man weiße, violette, gruͤnliche, gelbe, platte, birn— foͤrmige und lange Ruͤben, je nach den Gegenden und ſelbſt nach den einzelnen Liebhabern. Man wuͤrde alſo ſehr Un— recht haben ſich Turnepsſaamen uͤber Meer kommen zu laſ⸗ ſen, den man bey jedem deutſchen Bauer findet. Im El— ſaß hat man noch eine ſchwarze Art, die man, dem Aeußern nach, fuͤr einen Rettig halten ſollte, ſie haͤlt den Winter im freyen Felde aus, iſt gut von Geſchmack, wird aber blos, warum weiß ich nicht, in den Gärten gebaut. Die lange oder ſpindelfoͤrmige Ruͤbe hat die Eigenſchaft ſtark uͤber den Boden hervorzuwachſen, welches ihr Einaͤrndten erleich⸗ tert. Sie wird an manchen Orten ſehr geſchaͤzt, und iſt von gutem Ertrage, wird aber, wenn man ſie lange ſte⸗ hen laͤßt, leicht pelzig, und widerſteht dem Froſte nicht. Der Boden, der den Ruͤben am meiſten zuſpricht, iſt ein leichter, wenig zuſammenhangender Boden; indeſſen verſchmaͤhen ſie auch einen mehr geſchloſſenen Boden nicht, in ſo ferne er Rocken oder Gerſte zu tragen vermag. Soll ein zaͤher kalter Boden ſie hervorbringen: ſo iſt nothwendig, daß gemergelt werde. Ein trockner Boden und ein naſſer Himmel ſind die rechten Ruͤbenpfleger. Wir theilen in folgender Culturbeſchreibung die Ruͤben in Brach- und Stoppelruͤben. Eine Unterſcheidung die, un⸗ abhaͤngig von Farbe und Geſtalt, durch den Unterſchied der Zeit gegruͤndet wird, wo man ſie ſaͤet. Der Brachruͤbenbau hat hauptſaͤchlich in England ſtatt; der der Stoppelruͤben in den Niederlanden, den Rheingegenden und einem großen Theil des ſuͤdlichen Deutſchlands. In den beſtcultivirten Ge— genden ſieht man beynahe nur Stoppelruͤben. Der Boden iſt daſelbſt zu koſtbar, um ihn ein ganzes Jahr uͤber einer Frucht hinzugeben, die Dung fordert, und nicht vielmehr als Dung wiedergiebt. §. 1. Cultur der Brachruͤben. Wir muͤſſen es den Englaͤndern zugeſtehen, daß ſie in dieſem Bau unſere Meiſter ſind. Ob wir aber bey un⸗ ſern beſtehenden Verhaͤltniſſen gewinnen wuͤrden ihnen dieſe Kunſt abzulernen, ſteht die Frage. Es waͤre wenigſtens der lezte Zweig engliſcher Cultur, den ich auf deutſchen Boden verpflanzt zu ſehen waͤnſchte. Indeſſen iſt der Anbau der 557 Brachruͤben in Kleinem, ſo wie er auch bey uns ſtatt hat, nicht ohne Vortheil. Wenn die Gruͤnfuͤtterung mit Klee zu Ende geht, ſo geraͤth der Stallfuͤtterungswirth, der nicht mit Luzerne, Mais oder Kohl verſehen iſt, nicht ſelten in Verlegenheit, was er nnnmehr, bevor Runkeln und Kar⸗ toffeln hernnruͤcken, ſeinem Vieh geben ſoll. Hier helfen dann die Brachruͤben ſchoͤn aus, bringen ihn bis zu den Runkelblaͤttern, und dem Kopfkohl. Von da geht er zu den Stoppelruͤben, und endlich zu den Kartoffeln und Run⸗ keln uͤber. Findet gleich der genau rechnende Wirth nicht immer, ſo finden doch ſeine lieben Kuͤhe ihre Rechnung bey dieſer ſchoͤnen Ordnung. Die Norfolker pfluͤgen zu ihren Ruͤben im Spaͤtherbſte zur vollen Tiefe, um, wie ſie ſagen, dem Winter Eingang in den Boden zu verſchaffen. Nachdem die Zeit der Ger— ſtenſaat voruͤber iſt, wird der, dann ſehr vergraſte, Acker zum Zweytenmal gepfluͤgt und zwar nicht uͤber die Breite, ſondern wie das Erſtemal uͤber die Laͤnge des Feldes Man eggt und pfluͤgt zum Drittenmal. Nun wird das Wurzel— unkraut auf das ſorgfaͤltigſte zuſammengeſchleppt und ver— brennt. Der Miſt wird aufgefahren, flach untergepfluͤgt, und vermittelſt der Egge moͤglichſt untereinander gewuͤhlt. Endlich folgt die fuͤnfte und lezte Pflugart. Auf ſchwerem Boden jedoch wird die vierte Pflugart auch unterlaſſen, und der Miſt mit der Saatfurche untergebracht. Man ſieht, daß ſich dieſe Fruͤhlingsfahren Schlag auf Schlag folgen, vom halben Mai an, bis zu Anfang Juli. Der Dung, den die Norfolker auf ihre geliebten Ruͤ— benfelder verwenden, iſt ein Gemenge von Miſt und Mer⸗ gel oder guter Erde. Ruͤben gehoͤren unter die wenigen 5⁵58 Pflanzen, fuͤr die man nimmer zu viel Dung aufbringen kann. Es geſchieht daher nicht ſelten, daß der Norfolker den ſaͤmmtlichen Dung ſeiner Wirthſchaft darauf verwendet, und dem Weitzen mit Kalk, Malzkeimen, Oelkuchen und Ruß nachhilft. Es ſey nun, daß man dieſes oder ein anderes Verfah⸗ ren bey dem Ruͤbenbau beobachten wolle: ſo darf nicht von der Regel gewichen werden: Ruͤben nie als in einen wohlgeduͤngten, wohlgereinigten und wohlbear⸗ beiteten Boden zu ſaͤen. Man pflaͤgt dafuͤr nicht zu oft, duͤngt nicht zu ſtark, und eggt nicht zu ſtrenge, wenn ſie lohnen ſollen. Man ſaͤet bey uns die Brachruͤben in der erſten Haͤlfte des Juli, oder, wie man ſagt, um Kiliani. In rauhern und kältern Gegenden waͤhlt man dazu die lezte Haͤlfte des Juni. Man ſaͤet 2 ⅓, hoͤchſtens 4 Kilogramme auf den Hek⸗ tar. Nichts iſt den Ruͤben nachtheiliger als ein zu dichter Stand! Man muß ſich bey dem Saͤen nicht auf das nach⸗ herige Verduͤnnen verlaſſen; denn bevor man zu dieſem ſchreiten kann, thut ein dichter Stand ihnen ſchon Schaden. Des ſchnellern Aufgehens wegen ſaͤet man auf die friſche Furche, die man, im Falle das Feld rauh liegen ſollte, et⸗ was abeggt. Der Saamen wird doppelt, doch immer mit ſchleifenden Zinken, eingeeggt. Ob gleich die Brachruͤben bey uns nur ſelten behackt werden, ſelbſt in den Gegenden, wo man dieſe Ehre den Stoppelruͤben*) wiederfahren laͤßt: ſo waͤre es doch des Bo⸗ *) Die Beſchreibung des Behackens wird im folgenden Paragra⸗ phen vorkommen. 5⁵9 dens wegen erſprießlicher, wenn ſolches auch fuͤr jene ge— ſchaͤhe. Von dieſer Vernachlaͤſſigung mag es dann, wenn gleich nicht allein, herruͤhren, daß ein Ruͤbeuacker bey uns fuͤr eine hoͤchſt ſchlechte Vorbereitung zum Getreide angeſehen wird. Was wuͤrde ein Engländer ſagen, der einen nicht behackten Ruͤbenacker zu Geſicht bekaͤme? Indeſſen laͤßt ſich das Hacken auch durch tuͤchtiges Durcheggen erſetzen, wie wir bey Gelegenheit der Stoppelruͤben hoͤren werden. Ich fand ſogar einen trefflichen Landwirth an der Weſer, der mir ſagte, daß er lieber ſeine Ruͤben durcheggt und nicht behackt, als behackt und nicht durcheggt ſehen wollte. Da— bey habe er zwar noch keine engliſchen Ruͤben von 60— 70 Pfund, häufig aber von 14—18 gezogen. Wenn wir ſo eben einen weſtphaͤliſchen Landwirth von engliſchen Ruͤben zu anderthalb Stuͤck auf den Centner ſpre— chen hoͤrten: ſo moͤgte ich nicht, daß man daraus folgerte, als wenn alle Turneps ſolche große Thiere waͤren.„Zu der Zeit, ſagt Marshall, als die Turneps ſich in Norfolk zu verbreiten anfiengen, pflegte man die Felder ſtark zu mergeln, und der Boden, freygebig wie er gegen jedes Ge⸗ wächſe iſt, das er bis lang noch nicht getragen hat, ver⸗ ſchwendete die Nahrungstheile an jene Neulinge. Die Ruͤ⸗ ben gewannen eine Dicke von 10—12 Zoll im Durchmeſſer. Zu unſern Tagen aber ſcheinen die Felder des Turnepstra⸗ gens muͤde zu werden; oder doch gewiß erreichen ſie nicht mehr die Dicke von vormals. Es iſt nun ſehr ſelten, daß eine uͤber 8 Zoll dick wird und der groͤßte Theil geht nicht uͤber 4—5 Zoll im Durchmeſſer hinaus.“ So viel zum Troſte der deutſchen Ruͤbenbauer! Ein Englaͤnder, Namens Watſon, nimmt nach drey 56⁰ Verſuchen den Ertrag der Brachruͤben an zu 759 metriſchen Centnern. Da aber bey den Verſuchen es etwas ſcharf ge⸗ nommen wird: ſo moͤgten die 59 wohl wegfallen duͤrfen. Die uͤbrigen 700 m. Ctr. waͤren gleich 131 m. Ctr. Heu. oder 262 m. Ctr. Kartoffeln. Da nun dieſe 304 Hektoliter betragen, der Hektar aber ihrer nur 276 abwirft: ſo folgt, daß, wenn Watſons Ruͤbenertrag als Medium angenommen wer⸗ den koͤnnte, der Nahrungsſtoff eines Hektars Ruͤben den eines H. Kartoffeln uͤberſtiege. Diejenigen, welche die neue engliſche, oder vielmehr ſchottiſche, Drillcultur der Ruͤben kennen lernen wollen, muß ich, Weitlaͤufigkeit zu vermeiden, auf Sinclairs Grund⸗ ſaͤtze der Landwirthſchaft verweiſen. Auch in Flandern ſind die Brachruͤben nicht ganz un— bekannt, nur verſteht man darunter ſolche, die nach Raps folgen. Dazu werden die Stoppeln des leztern ſo gleich ge⸗ ſtuͤrzt, und das Land bis in die Mitte des Juli 2— 5mal gepfluͤgt. Vor der lezten Pflugart wird auf ſchweren Boden Kalk gefahren, auf leichten Dung. Dieſe Gegenſtaͤnde wer⸗ den aber nur ſeicht untergepfluͤgt. Solche Ruͤben gewinnen Man zieht ſie nur vor und nach eine ausgezeichnete Dicke. ung bedarf, von Allerheiligen aus, wie man ſie zur Fuͤtter bis Lichtmeß. Dieſes ſezt voraus, daß man kein Winter⸗ getreide nach dem Raps, ſondern im Fruͤhjahre Lein oder Pferdebohnen folgen laſſen will. §. 2. Cultur der Stoppelruͤben. Ich habe ſchon erinnert, daß da, wo der Boden we⸗ gen ſeiner Guͤte, oder wegen der hohen Stufe landesuͤblicher Cultur einen großen Werth hat, man es nicht fuͤr vortheil⸗ haft 561 haft halte, den Wurzelgewaͤchſen, mit Ausnahme der Kar⸗ toffeln, das Land einen ganzen Sommer uͤber einzuraͤumen. Daſſelbe gilt namentlich von den fuͤr die Kuͤhhaltung ſehr nuͤtzlichen Ruͤben, und zwar um ſo mehr, als ſie eine ſpaͤte Einſaat nicht blos vertragen, ſondern auch ſo, in Bezie⸗ hung auf Geſchmack ſowohl, als auf Haltbarkeit, die fruͤ⸗ hergeſaͤeten uͤbertreffen. Sie kommen deßhalb ſowohl in den Niederlanden als im Elſaß beynahe nur als zweyte, oder Stoppelfrucht vor. Man betrachtet ſie als eine bloße Zu⸗ gabe, die von ſo groͤßerm Werthe iſt, als ſie keiner andern Aerndte den Platz raubt. Die Stoppelruͤben ſind in gedach⸗ ten Ländern die Hauptſtuͤtze der Wirthſchaft im Winter, und wenn ihr Anbau nicht eben ſo ausgebreitet in der Pfalz iſt: ſo ruͤhrt ſolches von den haͤufigen Kartoffelbrennereyen her, die durch ihre Abfaͤlle die Ruͤben entbehrlicher machen. a) Stand in der Fruchtfolge. Man bringt die Ruͤben am gewoͤhnlichſten in die Win⸗ tergetreideſtoppel, doch moͤgen ſie auch wohl auf Gerſte fol⸗ gen, wenn Jauche dafuͤr aufgefahren wird. Dieſes Ver⸗ fahren bleibt fuͤr die Dreyfelderwirthe allerdings das vorzuͤg— lichſte; denn bey allen Vortheilen, welche die Stoppelruͤben einer Wirthſchaft gewaͤhren: ſo iſt doch der nachtheilige Ein⸗ fluß unverkennbar, den ſie auf das darauf folgende Som⸗ mergetreide aͤußern. Im Elſaß bringt kein guter Landwirth ſie auf ein Feld, auf das er nachher Gerſte zu ſaͤen gedenkt, wiſſend, daß der Ertrag dieſer leztern bedeutend geringer nach ihnen ausfalle. In der Pfalz gilt das Spruͤchwort, daß man es im folgenden Jahre am Acker inne werde, wenn man im vorhergehenden Herbſte nur mit Ruͤbenſaamen im Sacke voruͤbergegangen iſt. v. Schwerz Anlelt. z. praft. Ackerbau. II. Bd. 36 56² Je dichter die Ruͤben ſtehen, um ſo nachtheiliger iſt ihre Einwirkung. Selbſt, wie Einige behaupten, wenn die Ruͤ⸗ ben auf dem Felde faulen, und als Dung untergepfluͤgt werden, ſoll ſich ein Zuruͤckſchlag bey der Gerſte ſpuͤren laſ— ſen. Auch fuͤr den Lein iſt ihr nachtheiliger Eindruck durch die Erfahrung außer Zweifel geſezt. In den Niederlanden zieht man einen ungeduͤngten Acker, der keine Stoppelruͤben getragen hat, einem geduͤngten vor, der damit beſezt war. Selbſt wenn eine reine Brache auf die Ruͤben folgt: ſo wol— len Einige bey dem in dieſe Brache geſaͤetem Wintergetreide oder Rapſe noch Nachtheil geſpuͤrt haben. Wenn gleich in dieſer lezten Beſchuldigung, ſo wie bey dem hoͤher beruͤhrten pfaͤlziſchen Ruͤbenſacke, eine Uebertrei⸗ bung ſtatt finden mag: ſo zeugt die allgemeine Ueberein⸗ ſtimmung doch keineswegs zu Gunſten der Stoppelruͤben. Demungeachtet behauptet ihr Anbau in allen jenen Gegen⸗ den, wegen dem geringen Aufwand, den er fordert; dem betraͤchtlichen Futtervorrath, den er darbietet; dem Miſt, der daraus erzeugt wird, unter den daſigen Wirthſchaftsverhaͤlt⸗ niſſen einen ſehr hohen Werth, und ihre Bewohner ſind nicht weniger um ihre wohlfeilen Stoppelruͤben verlegen, als es die Englaͤnder um ihre koſtſpieligen Turneps ſind. Wie leicht faͤllt es uͤbrigens einem Fruchtwechsler den angefuͤhr⸗ ten Nachtheilen auszuweichen, der nach einem Theile ſeines Wintergetreides vielleicht Bohnen oder Gruͤnwicken, oder Kar— toffeln folgen laͤßt! Er hat wirklich die Stoppelruͤben als freye Zugabe, und wird ſich, iſt er Stallfuͤtterungswirth, im Durchſchnitt gewiß beſſer dabey ſtehen, als der Englaͤn⸗ der bey ſeinen hochverehrten Brachruͤben! 563 b) Cultur nach Art der Niederlaͤnder. Nachdem die Getreideſtoppel flach umgepfluͤgt worden, wird ſtark vereggt, darauf gewalzt, dann wieder gewalzt, dann wieder geeggt und Stoppeln nebſt Unkrautwurzeln ab⸗ geharkt und weggeſchafft. Darauf wird von neuem gepfluͤgt, flach geeggt, geſaͤet, der Saamen flach eingeeggt, und end⸗ lich, doch nicht allemal, gewalzt. Manche bringen Jauche und Aſche auf den Acker. Geduͤngt mit Miſt wird nicht. Die Jauche kann noch aufgebracht werden, wenn die Ruͤ⸗ ben 4—6 Blaͤtter haben. Hat das Kraut der Ruͤben die Laͤnge einer Hand: ſo werden ſie ſcharf durcheggt, wobey das Spruͤchwort: Wer Ruͤben eggt, muß nicht hinter ſich ſehen! Damit nicht etwa das grauſe Anſehen der ge— machten Arbeit ihn abſchrecke. An einigen Orten wiederholt man das Eggen von 8 zu 8 Tagen bis zum Drittenmal und in die Quer.— Auch in dem Cleviſchen eggt man ſo ſcharf und tief, als die Zähne eindringen wollen; ſo daß der Wind am Ende die Pflanzen umweht. Wenn man ſo eben noch Kraut, gegen die Sonne ſehend, erblickt: ſo haͤlt man die Ruͤben fuͤr gut geeggt. Auch Burger zollt dem Verfahren der Niederlaͤnder ſeinen Beyfall, wenn er ſagt:„Das Verfahren der Nieder⸗ länder die Ruͤben, ſtatt zu behacken, zweymal zu uͤbereggen, hat nach meinen eigenen, nun ins fuͤnfte Jahr fortgeſezten, Verſuchen ſo große Vorzuͤge, daß es allgemein nachgeahmt zu werden verdient. Die Stoppeln werden bey mir, gleich nach dem Schnitte, tief umgepfluͤgt und der Acker hierauf uͤbereggt. Anfangs Auguſt wird Duͤnger aufgefuͤhrt, gebrei⸗ tet und untergepfluͤgt, worauf der Saamen geworfen und eingeeggt wird. Sobald die Ruͤben 6 Blaͤtter haben, und ihr — 564 Kraut eine Hand lang iſt, werden ſie durcheggt, wobey al⸗ lerdings eine Menge von Pflanzen zerſtoͤrt wird, was aber nothwendig iſt, weil ſie ſonſt zu dicht ſtehen wuͤrden. Nach 3— 0 Tagen wird das Eggen wiederholt.“ c) Cultur nach Art der Elſaſſer. Im Elſaß pfluͤgt man nur einmal; ſaͤet ſogleich uͤber die rauhe Furche und eggt flach unter. Man duͤngt manch⸗ mal mit Federn dazu, welches ſehr ſchoͤne Ruͤben geben ſoll. Wird die Geſpannarbeit im Elſaß bey den Ruͤben geſpart: ſo ſucht man ſolches durch nachheriges Handhacken zu er⸗ ſetzen. Bey dem Hacken wird die Pflanze beynahe gaͤnzlich von der Erde entbloͤßt, ſo daß ſie in einer Grube zu ſtehen ſcheint und im Anfange vom Winde hin und her geworfen wird. Die Ruͤben, heißt es, wollen geruͤttelt ſeyn, wenn ſie gedeihen ſollen. Zugleich haut man alle uͤber⸗ fuͤſſigen Pflanzen weg: ſo daß die bleibenden auf einen ſtar⸗ ken Fuß Entfernung zu ſtehen kommen. Da die Erde keſ⸗ ſelförmig um die Ruͤben ausgebohrt wird: ſo ſtoͤßt man bey der Vorrichtung dieſelbe bald nach der einen, bald nach der andern Seite, um die Pflanzen nicht zu verletzen. Die Erde wird in den Zwiſchenraͤumen auf kleine Haͤufchen zu⸗ ſammengeworfen, wodurch das Unkraut erſtickt. Jede Ruͤbe ſteht nunmehr fuͤr ſich allein, wie in einem Becken, und, obgleich nur wie mit einem Faden in Verbindung mit der Erde, erholt ſich in wenig Tagen. Das Hacken(hier⸗Ruͤh⸗ ren genannt) belaͤuft ſich auf 10—12 Gulden vom Hektar. Manchmal wird zweymal gehackt. Es iſt auffallend, welche Aehnlichkeit dieſes Behacken mit dem der Englaͤnder hat. Man ſollte glauben, die einen 565 wären bey den andern in die Schule gegangen. Gleiche Fer⸗ tigkeit beym Hacken, eine Fertigkeit, die nur in der Jugend erlernt werden kann; gleiches beckenfoͤrmige Ausbohren der Erde; gleiches Entbloͤßen der Pflanzen; und ſelbſt gleiche Koſten der Arbeit! Nur auf Norfolks ſandigem Boden fal⸗ len ſie um ½6 geringer. Als fruͤher geſaͤet beduͤrfen die Ruͤ⸗ ben in England nothwendig ein zweytes Behacken, deſſen Koſten wir aber ſchon in obigem einbegriffen haben. Aus derſelben Urſache werden ſie daſelbſt um ein paar Zoll wei⸗ ter auseinander geſtellt als im Elſaß; doch nicht weiter, als ihre laubigen Koͤpfe in der Folge einzunehmen im Stande ſind, eine Sache, die bey allen Wurzelgewaͤchſen wohl zu beachten iſt. d) Cultur auf Sandboden. In den duͤrren Sandgegenden Brabants, wo nichts ohne Dung wachſen will, wird auf folgende Weiſe zu den Ruͤben verfahren. Man ſchießt vorderſamſt ſtatt 8 nur die erſten 6 Schnitte der Beete an, bringt Miſt auf, und ſaͤet uͤber den gebreiteten Miſt. Um das Geſaͤete zu decken, be— dient man ſich des Spatens, womit die ſtehenbleibenden Kaͤmme ausgeſtochen und der Sand uͤber die Beete herge⸗ ſchleudert wird. Sonſt wird weder in den Niederlanden noch im Elſaß Miſt zu Stoppelruͤben aufgebracht. Nur auf Sandboden iſt das Duͤngen unerlaͤßlich, wenn man gute Ruͤben haben will. Das Saͤen uͤber den gebreiteten Duͤnger iſt nach Burgers Zeugniß auch in Kaͤrnthen uͤblich. Saa⸗ men und Miſt werden daſelbſt zuſammen untergepfluͤgt. 566 e) Saͤezeit und Saamen. Fuͤr alle Sandlaͤnder gilt die Regel nicht vor Lauren⸗ tius zu ſaͤen; aber auch nicht leicht nach dem halben Auguſt. Auf ſchwerem Boden bleibt es raͤthlich, ſich ſo fruͤhe dran zu machen, als das Getreide vom Felde iſt. Daher der Elſaſſer Spruͤchwort: Wer Ruͤben ſaͤen will, muß den Pflug an den Aerndtewagen hangen. Nach Burger bedarf man 2 ½ Kilogramme Saamen auf den Hektar; nach einer Angabe aus Flandern 3, und wie⸗ der nach einer andern 4. In Brabant ſaet man etwas we⸗ niger als 2 Liter auf den Hektar. §. 3. Ertrag und Verwendung. a) Ertrag. Der Ertrag der Brachruͤben iſt in der Regel bedeutend groͤßer als der der Stoppelruͤben. Die Englaͤnder ſchlagen jene bey ihrer hoͤchſt ſorgfaltigen Cultur auf 6—7— B0o me⸗ triſche Centner vom Hektar an. Wird der Ertrag verkauft unter der Bedingung, daß er auf den Feldern des Verkäu⸗ fers abgefuͤttert werden ſoll: ſo belauft ſich der Preis da⸗ von auf etwa 60 Gulden, wobey dann die Auswuͤrfe des Viehes, ſo wie die nicht verzehrten Reſte dem Felde, alſo dem Verkaͤufer zu gut kommen. Zu einem Handel, daß der Kaͤufer die Ruͤben ausziehen, und anderswo als auf den Feldern des Verkaͤufers verzehren laſſen kann, wird ſich ein engliſcher Landwirth nur hoͤchſt ſelten und blos aus Noth verſtehen. Es thun es daher auch nur die wenig vermoͤgen⸗ den kleinen Wirthe unter ihnen, aus Abgang an zureichen⸗ dem Vieh. 567 Man rechnet bey Antwerpen, daß zum Unterhalt von 10 Kuͤhen fuͤr den Herbſt und Winter, nebſt Stroh und Srppe, der Ertrag von 4 Bunder= 5% Hektar Stoppel⸗ ruͤben noͤthig iſt. Nehmen wir an, daß der Kuh taͤglich 50 Kilogramme gereicht werden: ſo bethaͤgt das auf die 10 Stuͤcke in 160 Futtertagen 800 metriſche Centner, alſo 152 ſolcher Ctr. vom Hektar. Fuͤr Geld wird manchmal der Ertrag dieſes leztern verkauft zu 46— 64 Gulden. Zu dieſem Preiſe käme alſo der Herbſt- und Winterunterhalt einer Kuh an Ruͤben auf 24 bis 33 Gulden, oder g bis 12 ½ Kreuzer taͤglich. In Weſtflandern thut der Ertrag ſolcher Ruͤben, die nach Raps geſaͤet werden, 250 metriſche Centner vom Hektar. „Den Ertrag der Stoppelruͤben, ſagt Burger, der aber von geduͤngten Ruͤben ſpricht, habe ich ſelbſt mehrmals gemeſſen und gewogen. 1815, als ich zuerſt die belgiſche Manier(des Durcheggens) einfuͤhrte, erhielt ich nur 238 Ctr. vom Joche ohne Kraut und Schweif; 1817 erhielt ich 377, und 1818 380 Ctr.“ Im DOurchſchnitte alſo 320 me⸗ triſche Ctr. vom Hektar. Thaer nimmt fuͤr ſeinen Boden nur 46 m. Ctr. an. Im Elſaß, wo, wie in den Niederlanden, Ruͤben von 3—9 Pfund nicht zu großen Seltenheiten gehoͤren, zaͤhlt man auf 750 Koͤrbe Stoppelruͤben auf den Hektar. Der Korb zu 25 Kilogramm angenommen, betraͤgt der Ertrag nicht mehr als 187 m. Ctr. Faſſen wir die angefuͤhrten fuͤnf Angaben zuſammen, ſo geben ſie uns im Durchſchnitte einen Ertrag von 191 m. Ctr., gleich, wie wir ſehen werden, an Nahrhaftigkeit 36 m. Ctr. Heu per Hektar. — 568 1 b) Beuutzung. Nicht blos in England, ſondern auch in einigen Ge⸗ genden des Continents ſind die Ruͤben eine der Hauptſtuͤtzen der Wirthſchaft. In England fuͤr Schaafe und Maſtung, in den Niederlanden fuͤr die Kuhhaltung, im Elſaß fuͤr die Pferdefuͤtterung. Ueberall haͤlt man ſie fuͤr ein hoͤchſt geſun⸗ des Futter. Ueberall hoͤrt man große Klage beym Mißlin⸗ gen einer Ruͤbenaͤrndte. Der Englaͤnder begreift nicht, wie man Vieh ohne tur— neps und rye-gras maͤſten kann. Das daraus hervorge⸗ hende Fleiſch iſt von ſolcher Guͤte und Wohlgeſchmack, daß die Metzger es fuͤr einen Betrug halten, wenn das Maſt⸗ vieh nebenbey mit Gerſtenſchroot herausgefuͤttert wird. Eben ſo wenig iſt die gute Wirkung der Stoppelruͤben auf das Milchvieh zu verkennen. Ohne ſie haͤtte der Niederlaͤnder ſei⸗ nem Vieh beynahe nichts als Stroh im Winter zu reichen. Im Elſaß iſt die Pferdefuͤtterung mit Ruͤben ſehr im Ge⸗ brauche. Man ſieht ſie in dieſer Beziehung fuͤr ein aͤußerſt geſundes Futter an. An manchen Orten ſind die Ruͤben und Stroh das Einzige, was den Pferden im Winter gereicht wird. Sie werden zerſtoßen und mit etwas Kaff gemiſcht. Die Tagesration fuͤr 4 Pferde iſt ein Sack Ruͤben. Bey der Verwendungsart der Ruͤben herrſcht zwiſchen den Deutſchen und Englaͤndern eine große Verſchiedenheit. Wenn erſtere ſie blos in dem Stalle verfuͤttern, ſo verfuͤt⸗ tern leztere ſie auf dem Felde. Wenn gleich dieſe Methode bey uns wenig Nachahmer finden duͤrfte: ſo iſt es doch nicht ohne Intereſſe Einiges davon zu kennen; waͤre es auch blos um zu wiſſen, wie man außerhalb unſerer Heimath wirth⸗ ſchaftet. 369 In den meiſten Gegenden Englands, wo die Ruͤben der Schaafe wegen geſaͤet werden, pflegt man ſie auf dem Felde, wo ſie ausgewachſen, abfreſſen zu laſſen. Nicht ſo, wo man ſie, wie in Norfolk, zur Maſtung es ſey des Horn— viehes, es ſey der Schaafe verwendet. In dem lezten Falle, der bey weitem am oͤfterſten vorkoͤmmt, werden ſie vor und nach ſaͤmmtlich von dem Acker, der ſie trug, weggefahren und auf eine Brache, eine Stoppel oder eine Wieſe gebracht. Man haͤlt dabey eine gewiſſe Ordnung bey, die bis zum Fruͤhlinge dauert. In den erſten Wochen, vom r1oten Ok⸗ tober anzufangen, werden die Ruͤben auf die Weitzenſtoppel gebracht, die im folgenden Sommer Gerſte tragen ſoll. Geht es auf das Stuͤrzen dieſer Stoppel los, ſo werden die Ruͤ⸗ ben auf die Gerſteſtoppeln gefahren. Im Januar, wo auch dieſe Stoppel erbrochen wird, kommen die Ruͤben an⸗ haltend auf die zweyjaͤhrigen Kleefelder bis dahin dieſe zu treiben anfangen. Der Ueberreſt wird zulezt auf jenen Fel— dern verzehrt, die in dem Jahre zum Ruͤbentragen beſtimmt ſind. Unter den zweyjaͤhrigen Kleefeldern werden hier ſolche verſtanden, die, nachdem ſie in dem vorhergehenden Jahre zum Kleemaͤhen gedient hatten, nunmehr zur Weide dienen ſol— len.* Im erſten Jahre nach der Kleeſaat werden, des Zer⸗ tretens wegen, keine Ruͤben darauf verfuͤttert. Das Verfuͤt⸗ tern auf den Kleefeldern im zweyten Winter wird als die *) Zur Vervollſtaͤndigung des angegebenen Verfahrens muß ich darauf aufmerkſam machen, daß der gemeinuͤblichſte Fruchtumlauf in Norfolk 1) Ruͤben, 2) Gerſte, 3) Klee, 4) Klee und Grasweide, 5) Weitzen, 6) Gerſte iſt. Die Winterfuͤtterung des Maſtviehes auf freyem Felde, wird den deutſchen Landwirth an ſeine deutſchen, nicht engliſchen, Winter erinnern. 5-⸗- 570 Hauptſache angeſehen, und iſt eine Miturſache, weswegen der Norfolker Wirth ſo viel zweyjaͤhrigen mit Raygras ge— miſchten Klee, als moͤglich, zu haben ſucht, da das Vieh auf nicht begraſten Feldern in naſſen Wintern zu viel im Kothe ſteht, und dann nicht gedeiht. Um die Ruͤben gehoͤrig zu vertheilen, werden ſie ein— zeln und zwar ſo von dem Wagen herabgeworfen, daß jede in der Entfernung von 3—4 Fuß von der andern hinfaͤllt. Damit aber die thieriſchen Auswuͤrfe nicht blos einem Theile des Feldes zu gut kommen, werden keine Ruͤben von neuem an dieſelbe Stelle gebracht, als bis dahin das ganze Feld damit verſehen worden. Bey der Fuͤtterung hat das Maſt⸗ vieh den Vorſitz an dieſer wahrhaft offenen Tafel. Was es auͤberlaͤßt koͤmmt ſeinen Auffolgern, den Schaafen, Kuͤhen und Kaͤlbern zu gut. Zur Nachtsrahe wird dem Maſtvieh in einer Ecke des Feldes etwas Gerſtenſtroh geſtreut. Man wiederholt das Strohſtreuen taͤglich, damit das Vieh etwas davon freſſe, um, wie der Norfolker ſich ausdruͤckt, ſich das Maul zu reinigen, da daſſelbe wirklich von der an den Ruͤben klebenden Erde nicht wenig beſchmiert wird.„Es iſt, ſagt Marshall, eine auffallende Thatſache, daß unter zehn Fettochſen, die in Norfolk gemaͤſtet werden, vielleicht nicht einer iſt, der nur eine Handvoll Heu oder ſonſtiges trocknes Futter, es ſey denn ein wenig Gerſtenſtroh, waͤh— rend der Maſtzeit gefreſſen habe. Jedoch legen vorſichtige Landwirthe etwas Heu zuruͤck fuͤr den Fall, daß die Ruͤben nicht bis zur vollendeten Maſtung reichen ſollten.“— Auf fettem thonigem Boden, wie in naſſen Jahren, ziehen die Englaͤnder jedoch, und gewiß nicht mit Unrecht, wenn gleich mit etwas mehr Muͤhe, die Verfuͤtterung der 571 Ruͤben auf dem Hofe vor, und finden, daß das Vieh da⸗ ſelbſt ſchneller fett wird; zumal wenn der Hof mit einem Schup⸗ pen verſehen iſt, worin es ſich gegen das Wetter ſchuͤtzen kann. Fuͤr leichten Boden aber geben ſie unbedingt der Feld⸗ fuͤtterung den Vorzug, weilen dadurch theils das Miſtauf— fahren nebſt Laden und Verbreiten erſpart, theils der leichte Boden feſtgetreten und mehr gebunden wird. VWo die Ruͤben den Zucht-Schaafen beſtimmt werden, hat man dreyerley Arten dabey zu verfahren. Die erſte. Man treibt die Schaafe ohne Weiteres auf die Felder und laͤßt ſie die Ruͤben nach Gefallen aus der Erde herausfreſ— ſen. Dieſes iſt offenbar der einfachſte und wenigſt koſtſpie⸗ lige Weg, wodurch zugleich das Feld nicht blos durch die Auswuͤrfe der Schaafe, ſondern auch durch die zahlreichen in dem Boden ſteckenbleibenden Reſte der Ruͤben zur Aufnah⸗ me der Gerſte und des darunter geſaͤeten Klees zu einem ho⸗ hen Grad verbeſſert wird. Daraus folgt aber auch, daß nur derjenige ihn einſchlagen kann, der mit Ruͤben im Ue⸗ berfluſſe verſehen iſt. Wirthſchaftlicher in Bezug auf den Futtervorrath bleibt das zweyte Verfahren; nach welchem die Ruͤben vorlaͤufig ausgezogen, an derſelben Stelle, wo ſie gewachſen, liegen gelaſſen, und die Hurden daruͤber aufgeſchlagen werden. Auf einem wohl beſtandenen Ruͤben⸗ acker iſt aber auch dieſe Fuͤtterungsart zu vergeutend, da durch die Menge des Futters ein großer Theil davon verwuͤ⸗ ſtet wird. Man nimmt daher als drittes Verfahren an, die ausgezogenen Ruͤben zur Haͤlfte wegzubringen, anderswo zu verwenden, und nur die uͤbrige Hälfte auf dem Ruͤben⸗ feld von den Schaafen verzehren zu laſſen, wo es aber auch dann nicht ganz ohne Verwuͤſtung ablaͤuft. Ob nun gleich 552 die Schaafe ſchneller auf den ausgezogenen Ruͤben gedeihen und fett werden, und weniger Futter verloren geht: ſo zie⸗ hen die Englaͤnder doch das Abweiden in der Erde den bey⸗ den leztern Methoden bey den Schaafen vor; theils weilen das Ausziehen erſpart wird, theils und hauptſaͤchlich weilen ſie es ſo vortheilhafter fuͤr das Feld erachten. So auffallend uns Deutſchen auch immer eine ſolche Feldfuͤtterung ſcheinen mag: ſo iſt doch das Paſſende derſel⸗ ben fuͤr eine große Wirthſchaft mit Schaafen unter einem milden Klima nicht zu verkennen. Man hat dabey nicht einzuaͤrndten, nicht einzufahren, nicht aufzubewahren; Dinge, die bey der Stallfuͤtterung unerlaßlich ſind, und in Bezug auf das Wurzelwerk ſehr beſchwerlich fallen. Eben ſo wich⸗ tig iſt die Erſparniß des Aufladens, des Auffahrens und Verbreitens des Duͤngers; die Entfernung alles Unkrauts, das ſo haͤufig mit dem Miſte aufgebracht wird, und endlich die erhoͤhete Kraft des Bodens, wodurch aller Nachtheil reich⸗ lich ausgeglichen wird, der dem Felde durch den Ruͤbenbau gewoͤhnlich zu erwachſen pflegt. Wir duͤrfen uns daher uͤber das unerſchoͤpfliche Lob nicht wundern, welches die engli⸗ ſchen Landwirthe, zumal bey ihren angenehmen Fleiſch⸗ und Fett⸗Preiſen, jener Methode beyzulegen gewohnt ſind. c) Aufbewahren. Nahrhaftigkeit. In ſolchen gemaͤßigten Gegenden, wie England, zum Theile auch die Niederlande, halten die Ruͤben die meiſten Winter aus. Hauptſaͤchlich aber die ſpaͤtgeſaͤeten; weßhalb die Englaͤnder ihre im Herbſte zu fuͤtternden Ruͤben im hal⸗ ben Juni, die zur Winterweide beſtimmten aber um einen ganzen Mounat ſpaͤter ſaͤn. Noch beſſer widerſtehen der Kaͤlte die Stoppelruͤben oder die in der erſten Haͤlfte des Auguſts geſäeten. Die Urſache davon mag wohl in einer ge⸗ ringern Ueberladung von Saͤften, vielleicht auch in dem thaͤ⸗ tigern Lebensprinzip der mehr jugendlichen Pflanze liegen. Auch zur Aufbewahrung zu Hauſe ſind ſie weit beſſer als erſtere geeignet. In den gemaͤßigten Gegenden des Continents, beſon⸗ ders ſolchen, die ſich zugleich eines ſandigen Bodens freuen, läßt man ohne viele Gefahr die Ruͤben den Winter uͤber in freyem Felde, wie wir ſchon von den Englaͤndern vernom⸗ men haben. Jedoch machen die langen aus der Erde her⸗ vorragenden Ruͤben davon eine Ausnahme. Sie ertragen den Froſt durchaus nicht. Unter gleichen Umſtaͤnden zieht man die Ruͤben in den Niederlanden vor und nach aus, in dem Verhältniß als man ihrer zur Fuͤtterung bedarf. Faͤllt ſtrenge Kaͤlte ein, die das Ausziehen verhindert: ſo erſezt man ſie durch etwas Anderes. Ein Theil davon bleibt bis ins Fruͤhjahr ſtehen, wo die Ruͤben mit Laub, Staͤngel und Blumen den Kuͤhen verfuͤttert werden. Dieſes hat dann auf ſolchen Feldſtuͤcken ſtatt, wo kein Sommergetreide, ſondern Kartoffeln hingepflanzt werden ſollen. Es gilt alſo blos als Ausnahme. Da das Laub der Ruͤben von beſonderm Werthe bey der Spaͤtherbſtfuͤtterung iſt: ſo zieht man allenthalben nicht mehr Ruͤben taͤglich aus, als man von jenem verfuͤttern kann. Die kleinern Ruͤben werden ſogleich mit den Blaͤt⸗ tern dem Vieh vorgeworfen, nachdem man ſie mit einem Kreuzſchnitte, des Verſchluckens wegen, geſpaltet hat. Die entlaubten Ruͤben koͤnnen lange Zeit, blos gegen den An⸗ drang der Luft geſchuͤzt, im Freyen aushalten. Der großen 574 Kalte wegen aber bleibt es raͤthlich ſie in Kellern oder Gru⸗ ben aufzubewahren. Man fertiget leztere nur ſehr flach an, thuͤrmt ſie kegelfoͤrmig darin auf, umgiebt ſie mit etwas Stroh, und ſchlaͤgt um dieſes eine, einen halben Fuß dicke, Erdſchichte. Am beſten iſt, nicht uͤber 25— 30 Koͤrbe voll in einen ſolchen Haufen zu bringen. Die Nahrhaftigkeit der Ruͤben wird verſchieden angege⸗ ben. 100 Pfund gleichen nach Thaer....... 22 Pfund Heu. Block..... 13,75 Murre, Englaͤnder. 15 Midleton... 12,50 Das Medium dieſer Angaben thut 18 ¾ Heu, ſtatt daß 100 Pfund Kartoffeln 50 Pfund Heu gleich ſtehen. Dem⸗ nach ſind 3 Pfund Kartoffeln eben ſo nahrhaft, als 3 Pfund Ruͤben. Doch moͤgte ich dieſen den Vorzug bey dem Milch⸗ vieh geben. §. 4. Saamenerzielung. Nur in ſolchen Gegenden, wo ein Gegenſtand ein Hauptzweig der laͤndlichen Produktion geworden iſt, darf man erwarten alle Theile ſeiner Cultur auf dem verhaͤltniß⸗ maͤßig hoͤchſten Grad von Vollkommenheit zu erblicken, de⸗ ren er fäͤhig iſt. Der deutſche unbefangene Leſer wird alſo einige Nachſicht haben, wenn ich zu dem Mehreren, was ich ſchon uͤber den engliſchen Ruͤbenbau vorgetragen habe, noch Folgendes uͤber die Art der Saamenerzielung, die in Norfolk ſtatt, und mit der belgiſchen ſo viel gemein hat, mit den eigenen Worten des genaueſten engliſchen Beobach⸗ ters hinzuſetze. 575 Eine lange Erfahrung, ſagt Marshall, hat die Nor⸗ folker uͤberzeugt, daß, wenn man mehrere Jahre hinterein⸗ ander den Saamen von verpflanzten Ruͤben aufnimmt, dieſe Wurzel in Geſtalt und Qualitaͤt eine Veraͤnderung erleide; daß ferner das Gleiche erfolge, wenn man eine Zeit lang eben ſo mit nicht verpflanzten verfaͤhrt.— In dem erſten Falle wird der Hals(die Krone) immer kleiner; die Belau— bung ſchwaͤcher und ſuͤßer; die Wurzel zarter aber duͤnner. Im zweyten Falle wird die Krone ſehr breit, die Schaale an ſelber rauh; der obere Theil der Ruͤbe ſchuppig; das Fleiſch hart, faſerig; die Pfahlwurzel gabelfoͤrmig, und der untere Theil der Ruͤbe zum Anfaulen geneigt. Mit einem Worte: die Pflanze nimmt den Charakter ihres urſpruͤnglichen wilden Zuſtandes, aus dem die Cultur durch die Verpflan⸗ zung ſie gezogen hat, wieder an.— Demnach ſucht der Landwirth beyden Extremen zu begegnen, und die zum Saa⸗ mentragen beſtimmten Ruͤben bald zu verpflanzen und bald nicht, je nachdem dieſelbe auf eine oder andere Art von dem gewuͤnſchten Normal⸗Zuſtande abzuweichen drohen. Er ſezt ſich deßhalb keine beſtimmte Zahl von Jahren fuͤr den Wech⸗ ſel feſt. Er verpflanzt die Saamenruͤben 2, 3, auch 4 Jahre hintereinander, und nimmt den Saamen wieder von nicht verpflanzten auf.— Das Verpflanzen geſchieht im Winter, wobey er ſich in der Auswahl nicht durch die Dicke, ſon⸗ dern durch die Geſundheit und Angemeſſenheit der Geſtalt leiten laͤßt. Er waͤhlt zu ihrer Aufnahme einen guten Bo⸗ den in der Nachbarſchaft des Hauſes, und ſezt ſie in 2 Fuß entfernten Reihen, um ſie rein halten zu koͤnnen. Der Saa⸗ men erfordert gegen die Zeit ſeiner Reife einen Huͤter gegen die Voͤgel, der manchmal durch eine Schelle erſezt wird, 576 deren Schnur von Eiſendrath in die Nachbarſchaft der Kuͤche geleitet, und Jedermann eingeladen wird beym Voruͤberge⸗ hen einen Zug zu thun, wo ſich dann die Voͤgel des oftern Gelaͤutes wegen verlieren. Dritter Abſchnitt. Runkelruͤben. Runkeln, Burgunderruͤben, Angerſchen u. ſ. w., Beta cicla altissima weichen, gleich den Waſſerruͤben, in Geſtalt und Farbe von einander ab. Man hat dunkelrothe, hellro⸗ the, roſenrothe, weiße und gelbe, kugelrunde, ovale und lange Runkeln. Die gelben unterſcheiden ſich von den an— dersgefaͤrbten durch einen etwas ſuͤßern und bittern Ge⸗ ſchmack, und ein feſtes Fleiſch. An Gewicht geben ſie den uͤbrigen nichts nach. Weſentlicher ſcheint der Unterſchied zwiſchen den Runkeln in Bezug auf Form. Die langen rei⸗ chen bis zu ¾ uͤber dem Boden hervor, und haften nur durch etwas Gewurzel darin feſt. Ein ſtarker Wind vermag die laͤngſten manchmal umzuwerfen. Die ovalen ſtecken bis zur Haͤlfte im Boden, die runden faſt gaͤnzlich. Unter den gelben habe ich bis jezt noch keine langen angetroffen. Welche der Ruͤben in Bezug auf Form den groͤßten Ertrag geben, weiß ich nicht zu ſagen. Mir ſcheint, daß auf nicht tief gepfluͤgtem Boden die langen ſich vorzugsweiſe hinſchicken. Sie haben den nicht unbedeutenden Vortheil, daß ſie leich⸗ ter einzuaͤrndten ſind und hauptſaͤchlich, daß ſie reiner aus der Erde kommen. Die Runkeln lieben einen guten, fetten, tiefen, mehr ſchweren als leichten Boden. In einem tief gerodeten fleißig bear⸗ —— 277 bearbeitetem Lande erreichen ſie ihre moͤgliche Vollkommen⸗ heit. Im Nothfalle koͤnnen ſie noch eher des Dunges, als einer guten Bearbeitung entbehren; ob ſie gleich auch jenem ſehr hold ſind und ſich einen guten Antheil davon zuzueig— nen wiſſen. Man baut ſie auf zweyerley Art; entweder durch Ste⸗ cken der Koͤrner an Ort und Stelle, oder durch Verpflan⸗ zen. Beyde Methoden haben nach den Umſtaͤnden ihre Vor⸗ und Nachtheile. Erſteres macht des Jaͤtens oder erſten Be— hackens, des Verduͤnnens, des Ergaͤnzens wegen mehr Ar⸗ beit; ſtatt daß bey lezterm der Boden vorlaͤufig ſo zugerich⸗ fet werden kann, daß das nachkommende Unkraut den ſchon ſtarken Pflanzen im Anfange nicht hinderlich wird. Noch hat das Verpflanzen in feuchten Jahren, das Stecken in trocknen den Vorzug. §. 1. Stecken der Koͤrner. Zu dem Stecken gehoͤrt die doppelte unerlaͤſſige Bedin⸗ gung, daß der Boden ſo muͤrbe als moͤglich gemacht, der Dung vor Winter aufgebracht und auf das Innigſte mit der Erde vermengt werde. Auf gut gehaltenem Acker kann auch ein reichliches Begießen mit Jauche oder Guͤlle den Miſt erſetzen. Die Vereinigung beyder Mittel iſt freylich noch erwuͤnſchter. Auf einem unreinen Lande aber vermeh⸗ ren dieſe Kraftmittel die Arbeit des Jaͤtens. Man ſollte da⸗ her das Stecken auf einem ſolchen Lande nicht unternehmen. Die Art bey dem Stecken zu verfahren iſt folgende. Nachdem das Feld im April zum Leztenmal gepfluͤgt wor⸗ den, wird nicht abgeeggt. Zwey Perſonen folgen dem Pfluge unmittelbar, wovon die eine in den aufgeworfenen Schnitt v. Schwerz Anlelt. z. prakt. Ackerbau. II. Bd. 37 573 eine kleine Grube mit der Hand macht, in welche die an⸗ dere ein oder zwey Koͤrner einlegt und einen Zoll hoch mit Erde bedeckt. Um die Koͤrner in eine gleichmaͤßige Entfer⸗ nung zu bringen, iſt die erſte Perſon mit einem Maaßſtabe von anderthalb Fuß Laͤnge verſehen. In der Pfalz betraͤgt die Entfernung dritthalb Fuß. Es werden jedesmal 1, auch 2 Schnitte von den Pflanzern uͤberſchlagen, je nachdem die Furchen breit oder ſchmal gezogen werden. Die Entfernung der Reihen von 2 Fuß iſt die paſſendſte. Nach dem Stecken wird das Feld mit einer ſchweren Walze uͤberrollt. Wäre der Boden der Naͤſſe unterworfen: ſo iſt es nuͤtzlich das Feld vor dem Stecken auf Kaͤmme oder ſchmale Daͤmme zu legen, welches entweder mit einem gewoͤhnlichen Pfluge, oder mit einem Haͤufelpfluge geſchehen kann. Bey lezterm wird es noͤthig, den Furchenzieher vorgehen zu laſſen. Da bey den Runkeln viel auf ein ſchnelles Hervorſtechen ankoͤmmt: ſo iſt es gut den Saamen ein Paar Tage vor⸗ her in Waſſer zu werfen, dann aber ihn feucht zu ſaͤen, be⸗ vor er trocken wird. Das Waſſer dient zugleich zur Abſon⸗ derung der darauf ſchwimmenden ſchlechten Waare. Um die Koͤrner leichter im feuchten Zuſtande zu ſtreuen, durchpudert man ſie mit Gips, Aſche, oder Mehlkalk. Es haben Einige vorgeſchlagen den Miſt, es ſey, daß man vollauf damit verſehen waͤre, nicht uͤber das ganze Feld zu ſtreuen, ſondern ihn unmittelbar unter den Schnitt zu bringen, auf welchen die Koͤrner geſteckt werden; allein einer fruͤhern Erfahrung zu Folge kann ich nicht dazu ra⸗ then. Die Runkeln, wovon ich die Saamen ſo legte, dran⸗ gen mit ihrem Koͤrper nicht weiter als auf die Miſtlage vor, und ſtatt der ſpindelfoͤrmigen Verlaͤngerung der Pfahlwurzel 279 bildete ſich eine Menge unbedeutender Wurzeln, die den Miſt durchſtachen. Ich halte dafuͤr, daß das, was fuͤr die platt⸗ foͤrmigen Waſſerruͤben nutz iſt, nicht eben ſo fuͤr die Run— keln, es ſey denn die lange uͤber den Boden hervorragende Art, tauge. Die geſteckten Runkeln erfordern ein dreymaliges Beha⸗ cken. Sobald ſich die Pflanzen, mithin auch das Unkraut, zu zeigen anfangen, werden die Reihen mit der Handhacke, die Zwiſcheuraͤume mit dem Schaufelpfluge behackt. Mei⸗ ſtens aber wird die Geſpannhuͤlfe dabey wegbleiben muͤſſen. Auf das erſte Hacken folgt bald ein zweytes, wobey man zugleich die uͤberfluͤſſigen Pflanzen auszieht oder abpuzt und nicht mehr als eine einzige ſtehen laͤßt. Es enthaͤlt naͤmlich jede Runkelkapſel 2—5 Koͤrner, die zuſammen aufwachſend ſich im Zunehmen beeintraͤchtigen. Anfangs Auguſt wird die Erde von den Wurzeln weg und nach den Zwiſchenraͤumen hingezogen, ſo daß jene, welche dann ſchon eine betraͤcht⸗ liche Dicke haben, halb entbloͤßt ſtehen. Die Nuͤtzlichkeit dieſes Verfahrens will ich fuͤr geſteckte Runkeln nicht in Ab— rede ſtellen, nur bey verpflanzten kann ich ſie nicht zu⸗ geben. §. 2. Verſetzen der Pflanzen. Zu dem Verpflanzen muß das zur Saamenſchule be⸗ ſtimmte Feld ſchon vor Winter geduͤngt, zubereitet, und trocken gelegt werden, um ſo fruͤhe als moͤglich ſaͤen zu koͤn— nen. Die beſte Weiſe iſt, das Feld mit einem vollen Stiche umzuſpaten, dann reichlich? Neiſt aufzubringen und zu ver⸗ breiten. Man vertheilt das Feld nun in Beete von einem Meter Breite vermittelſt der Gartenſchnur, und läßt zwi⸗ 580 ſchen jedem Beetlein einen Zwiſchenraum von 20—25 Cen⸗ timeter Breite. Dieſer Zwiſchenraum wird mit dem Spaten zur Tiefe, wie das Erſtemal gegraben worden, ausgeſtochen, und die Erde uͤber den Miſt des Beetleins vertheilt. So bleibt das Feld bis gegen den halben Maͤrz liegen. Man bezeichnet nun ſeichte Rinnen in der Entfernung von 15 Cen— timeter uͤber die Breite der Beetlein, tritt ein wenig an, und uͤberſtreut die beſaͤeten Rinnen, wenn man will, mit etwas fauler Erde. Es iſt unglaublich, welche Vorzuͤge ein fruͤheres Pflan⸗ zen gegen ein ſpaͤteres hat.„Der Unterſchied von 3—4 Wo⸗ chen kann die Haͤlfte des Ertrages mehr oder weniger zur Folge haben. Man ſucht daher auf alle Weiſe noch vor Aus⸗ gang Mai zu pflanzen; um das aber zu koͤnnen, muß die Wurzel der Setzlinge die Dicke eines ſtarken Gaͤnſekiels ha⸗ ben. Das Land, welches ſie aufnehmen ſoll, muß im Winter geduͤngt und 2— 3mal durchpfluͤgt werden. Wo moͤg⸗ lich wartet man zu dem Verpflanzen einen Regen oder doch truͤbes Wetter ab. Im Falle ſolches nicht, ohne allzu lan— gen Verſchub zu erreichen iſt, iſt das Anſchlaͤmmen der Wur— zeln von groͤßtem Nutzen. So verpflanzten wir in dem uͤberaus trocknen Fruͤhjahr 1821 bey anhaltender Duͤrre ohne daß auch nur eine Pflanze ausgegangen waͤre, weun gleich alle eine geraume Zeit zuruͤckblieben. Unter ſolchen Umſtaͤn⸗ den leiſtet das Auffahren von Jauche, unmittelbar vor dem Verpflanzen die herrlichſten Dienſte. Man ſezt die Pflanzen entweder mit dem Pflanzſtock, oder legt ſie hinter dem Pfluge ein. Lezteres kann nur gut mit ſtaͤrkern Pflanzen geſchehen. Der Pflug zieht zuerſt einen ſeichten Schnitt ohne Streich⸗ 581 brett, an welche ſich ein zweyter tieferer Schnitt mit dem Streichbrett anſchließt. Gegen dieſen Schnitt werden die Pflaͤnzlinge angelegt, etwas angedruͤckt, und durch den drit⸗ ten Pflugſchnitt gedeckt. Darauf folgt wieder ein ſeichter Schnitt u. ſ. w. Man richtet die Sache ſo ein, daß die 3 Schnitte zuſammen eine Breite von 2 Fuß einnehmen. Auf der Reihe ſelbſt fallen die Pflanzen auf 1¼ Fuß von einander. Bey dem Setzen mit dem Pflanzſtock ſtuzt man vor⸗ läͤufig die Pfahlwurzel etwas ab, damit dieſelbe beym Ein⸗ ſtecken ins Loch ſich nicht nach der Hoͤhe kruͤmme, in wel⸗ chem Falle man keine vollkommene Ruͤbe zu erwarten hat. Die Loͤcher werden mit dem Pflanzſtock in dem vom Pfluge ſo eben umgelegten Schnitte geoͤffnet, und der Pflaͤnzling ſenkrecht eingeſteckt. Man hat bey etwas großen Pflanzen wohl zu achten, daß der Stock tief eindringe, ohne welches ſich manche Wurzel verkruͤmmen wuͤrde. Es iſt rathſam dem Pflanzſtock die Länge der Entfernung zu geben, welche die Pflanzen unter ſich erhalten ſollen. Dadurch hat der Pflan⸗ zer zugleich den Maßſtab in der Hand. Zur Bedienung eines Pflugs braucht man zehn Perſonen. Davon tragen zwey die Setzlinge bey, zwey ſtreuen ſie zum Behuf der Pflanzer der Furche entlang aus, und die ſechs uͤbrigen pflanzen. Von dieſen Perſonen befindet ſich die eine Haͤlfte dieß⸗, die andere jenſeits der zu pfluͤgenden Feldabtheilung, um das Hin⸗- und Herlaufen zu vermeiden. Stellt man mehr Pfluͤge auf einmal an, ſo muß nothwendig die Zahl der Pflanzer und ihrer Handlanger vermehrt werden; damit es keinen Aufenthalt fuͤr das Geſpann gebe. Fangen die Pflanzen an zu treiben, ſo wird behackt 582 und nicht fruͤher. Das zweyte Behacken folgt bevor die Blaͤtter ſich ausbreiten und das Feld uͤberziehen. Erſt nach dieſem zweyten Behacken fangen die Runkeln an recht zuzu⸗ nehmen. Das Entbloͤßen der Pflanzen von Erde, wie bey den Waſſerruͤben, halte ich der Erfahrung nach fuͤr uͤberfluͤſ⸗ ſig. Im Jahre 1825 ließ, ich einen Theil anhaͤufen, ohne daß Nachtheil davon zu bemerken. Sie waren im Nachſom⸗ mer auffallend laubiger und kraͤftiger von Anſehen, als die nicht gehaͤuften. Im Ertrage gaben beyde einander nichts nach. Da die behaͤuften um zwey Wochen ſpaͤter als die andern gepflanzt worden waren: ſo bin ich geneigt zu glau— ben, daß ſie unter gleichen Umſtaͤnden die nicht gehaͤuften uͤbertroffen haben wuͤrden. Das naſſe Jahr 1824 hinderte alle fernere Verſuche. §. 3. Aerndte. Die Nachtheile des Abblattens vor der Ruͤbenaͤrndte, die ich durch vergleichende Verſuche vor jezt 23 Jahren nachge⸗ wieſen habe, haben ſich ſeit dem allenthalben beſtaͤtiget. Die Leſer meiner Schrift uͤber die belgiſche Landwirthſchaft werden ſich vielleicht noch erinnern, daß das einmalige Blat⸗ ten den Wurzeln zwar keinen beſondern Nachtheil brachte; daß es aber nur bey einem kleinen Bauer die Arbeit decken kann. Bey einmaligem Blatten ſank der Ruͤbenertrag um 7 pCt. und bey zweymaligem um 36 pCt. Dabey ſind dieſe Blaͤtter fuͤr ſich allein gefuͤttert das wirkſamſte Purgir⸗ mittel, was man den Kuͤhen beybringen kann, und wehe dem, der unter ſolchen Umſtaͤnden mit einem ehrbaren Frack hinter ihnen vorbeyzieht! experto crede! Hierzu geſellte ſich ferner nach meinen Meßverſuchen, daß die nicht geblatteten ——— 583 Ruͤben gerade noch einmal ſo viel Blaͤtter bey der Aerndte abwarfen, als die, welche zweymal geblattet worden waren. Nun bedarf es keines Beweiſes, daß die Blaͤtter im Herbſte mit dem Abſchnitte der Krone zugleich gefuͤttert dem Vieh zutraͤglicher und dem Landwirth zu dieſer Zeit ungleich will⸗ kommener ſind, als waͤhrend dem Sommer, wo der Klee ſeiner Senſe zu Gebote ſteht. Endlich wird man noch beob⸗ achten, daß durch das Blatten die Haͤlſe der Ruͤben ſich ver⸗ laͤngern und holzig werden, wodurch die Ruͤbe an Fuͤtterungs⸗ werth verliert. Da es aber nun allerhand Nothfaͤlle in der Welt giebt: ſo koͤnnte auch bey einer Wirthſchaft der Fall des gruͤnen Futtermangels zu ungebuͤhrender Zeit eintreten, ſo daß man gezwungen ſeyn duͤrfte, die Runkeln zum Zweytenmal zu blatten. In dem Falle bliebe dann in der Regel rathſamer, die Ruͤben ſammt den Blaͤttern auszuziehen, und die halb⸗ ausgewachſenen, die nach dem Blatten ohnehin nicht, oder nur ſehr wenig, mehr zunehmen wuͤrden, ſammt dem Kraut zu verfuͤttern, und das Land mit Waſſerruͤben zu beſtellen. Die Blattaͤrndte im Herbſt iſt fuͤr den Landwirth von bedeutendem Werth, die Runkeln haben darin einen Vor⸗ theil, den die Kartoffeln nicht gewaͤhren. Auch die Moͤh⸗ ren, deren Laub nur ein ſchlechtes Futter iſt, ſtehen darin den Runkeln nach. Um die Blaͤtter mit Vortheil zu verwen⸗ den, zieht man nicht mehr Runkeln aus, als von jenen an einem Tage verfuͤttert werden kann. Bey etwas feuchtem Boden iſt es rathſam das Laub gleich bey dem Ausziehen von den Knollen zu trennen, und jeden Theil fuͤr ſich al⸗ lein nach dem ihm beſtimmten Ort zu fahren. Schmutzige Wurzeln mit dem Laube auf dem Wagen untereinander ge⸗ — — —y— worfen, koͤnnen lezteres nur beſchmutzen, und dem Vieh zu⸗ wider machen. Bey trocknem Boden und Wetter mag man das Laub zu Hauſe abſchneiden. Der Ertrag der Runkeln iſt ſehr groß und uͤbertrifft an Maſſe den der Moͤhren, und bey weitem den der Kar⸗ toffeln. Ich erhielt fruͤher 360 metriſche Centner vom Hek⸗ tar. Das iſt auch was Thaer fuͤr angemeſſenen Boden an⸗ nimmt. Daß der Ertrag unter guͤnſtigen Umſtaͤnden auf 5— 600 Centner ſteigen koͤnne, leidet keinen Zweifel. Der hoͤchſte Ertrag, den Moͤllinger in 10 Jahren erhielt, betrug indeſſen nur 467, und der Durchſchnitt dieſer Jahre 271 metriſche Centner. Das Laub laͤßt ſich zum des Gewich⸗ tes der Wurzeln annehmen; aber wohl nur zum ¹ ihres Werthes. Nehmen wir an, daß 100 Kilogramme Runkeln gleich ſind 30 K. Heu, ſo liefert der Hektar, bey dem Mit⸗ telertrage von 360 metriſchen Centner Wurzeln, das Aequi⸗ valent von 108 met. Ctr. Heu. Hierzu fuͤr Nahrhaftig⸗ keit der Blaͤtter= 9 Ctr., ſo gleicht der ganze Ertrag 117 Ctr. Heu. Vergleichen wir die Runkeln mit den Kartoffeln: ſo geben dieſe zwar nur 270 m. Ctr. an rohem Gewicht, da ſie ſich aber an Nahrhaftigkeit zum Heu verhalten, wie 0o zu 100: ſo folgt, daß ihr Ertrag 135 m. Ctr. Heu gleich zu ſetzen; die Kartoffeln alſo die Runkeln an Maſſe von Nahrungsſtoff um 15 pCt. uͤbertreffen. §. 4. Aufbewahrung und Verwendung. Das Aufbewahren der Runkelruͤben hat mehr Schwie⸗ rigkeit, als das der Kartoffeln. Beyde vertragen wahrſchein⸗ lich einen gleichen Kaͤlte⸗Grad; nur ſind erſte ſchwerer da⸗ gegen zu ſchuͤtzen, da ſie an einem etwas warmen Orte, 585⁵ wie in den Kellern, oder in etwas bedeutenden Maſſen an⸗ gehaͤuft, dem Faulen mehr als die Kartoffeln, wenn gleich nicht ſo ſtark als die Kohlruͤben, unterworfen ſind. Die beſte Weiſe ſie zu verwahren iſt die in Gruben, und zwar je ſchmaͤler dieſe ſind, um ſo beſſer. Giebt man dieſen bey 2 ½ Fuß Tiefe nicht mehr als 2 Fuß von oben und 1 von un⸗ ten: ſo erhalten ſich die Runkeln friſch bis in den Sommer. Man muß ihrer aber nicht mehr einlegen, als die Grube der Erde gleich faſſen kann. Hier bedeckt man ſie mit et⸗ was Stroh und thuͤrmt die ausgeſtochene Erde huͤgelmaͤßig daruͤber auf. Hat man die Runkeln in weitere Gruben gebracht, wel⸗ ches fuͤr die, welche nicht bis ins Fruͤhjahr aufbewahrt zu werden beſtimmt ſind, ganz zuläſſig iſt: ſo muͤſſen nach dem Verlaufe des Froſtes die Gruben geleert, die anbruͤchi— gen Ruͤben ausgeworfen, und die geſunden wieder eingefuͤllt werden.„Sie halten ſich dann noch recht lange, beſonders wenn man ſie dann mit Erde durchſchichtet. Die Runkeln ſind wenig milcherzeugend, weßhalb ſie in den Stoppelruͤbenlaͤndern, wie das Elſaß, nur wenig, und in den Niederlanden gar keinen Eingang gefunden haben. Auch nachdem man daſelbſt dem Zucker zu Gefallen mit ih⸗ rem Anbau und Verwendung naͤher bekannt geworden, hat man ſich ihrer losgeſagt, ſobald Napoleon's Machtſpruͤche verhallten. Die Erfahrung hat bewieſen, daß, wenn die Kuͤhe nur zwey Tage damit gefuͤttert werden, die Milch ab⸗ und ſogleich wieder zunimmt, als man die Runkeln durch Ruͤben erſezt. Demungeachtet bleiben ſie ein ſehr ſchaͤtzbares Futter, ſelbſt bey den Kuͤhen, um ſie bey Leib zu erhalten, und in 586 gutem Zuſtand bis zur gruͤnen Kleefuͤtterung durch den Win⸗ ter zu bringen. Zugleich mit Kartoffeln oder Ruͤben gefuͤt⸗ tert, welche mehr auf die Milch, waͤhrend die Runkeln mehr auf das Fleiſch wirken, wird ihre Benutzung auf das vor⸗ theilhafteſte geſteiger.— Auch als Maſtfutter haben die Runkeln einen ausgezeichneten Werth, der den rohen Kar⸗ toffeln, welche alles Vieh nicht wohl vertragen kann, eher vor- als nachſteht. Auch hier thut die Miſchung beyder treffliche Dienſte. Die Ration davon fuͤr einen Maſtochſen beſteht aus 2 Koͤrben Runkeln und 1 Korb Kartoffeln. Zerſtuͤckt werden ſie mit Kaff oder Rapsſpreu vermengt und mit et⸗ was kaltem Waſſer angefeuchtet. Daneben wird etwas Heu oder Gerſtenſtroh gereicht, aber nichts zu ſaufen. Man fuͤt⸗ tert nur zweymal im Tage. Die Metzger ziehen die, auf ſolche Weiſe gemaͤſteten, Ochſen den mit Branntweinſpuͤh⸗ licht weit vor. Am vortheilhafteſten werden, nach den in der Pfalz gemachten Erfahrungen, die Runkeln auf die Pferde ver⸗ wendet. An einigen Orten unterhaͤlt man ſie den ganzen Winter damit, und zwar von Anfang Oktobers bis zur gruͤnen Klee⸗ fuͤtterung im Juni. Sie werden mit Haͤckſel gemiſcht, und Heu nebenbey gefuͤttert. Sie ſollen ſich ſo wohl dabey be⸗ finden, daß ſie auch bey der Arbeit zunehmen. Diejenigen, welche ſich ſtark mit dem Runkelnbau be⸗ faſſen, alſo eine beſondere Aufmerkſamkeit darauf verwenden, waͤhlen zu Saamentraͤgern ſolche Wurzeln, die nur wenig uͤber der Erde hervorragen, von mittler Dicke und ohne Zacken ſind, dabey recht gruͤne, aufrechtſtehende Blaͤtter ha⸗ ben. Beym Ausgraben fegt man leztere weg, ohne die Krone der Ruͤben zu verletzen, und ſchlaͤgt ſie in einem 587 trocknen kuͤhlen Keller aufrechtſtehend in Sand ein. Im Fruͤhjahr werden ſie in den Garten gebracht, und ihr Stäͤn⸗ gel an einen Stab gebunden. Es fragt ſich, ob es nicht rathſam waͤre ſpaͤter die Blumenaͤhre des Herztriebes weg⸗ zuſchneiden, und blos die aus dem Staͤngel haͤufig hervortrei⸗ benden Nebenblumenzweige beyzubehalten? Ferner an jedem Fruchtaͤhrchen die Spitzen, wo ſich nur kleine und je weiter hinauf um ſo kleinere Koͤrner bilden, abzuzwicken? Der Saamen erhaͤlt ſich meiner Erfahrung nach 6—7 Jahre, und vielleicht noch laͤnger. Ob die Runkeln Kraft aus dem Boden ziehen, bedarf wohl keiner Beantwortung. Und ſind ſie nicht berechtiget dazu? Ob ſie derer aber mehr oder weniger als die Kartof⸗ feln ausziehen, iſt, ſo viel ich weiß, noch nicht ausgemittelt? wie denn uͤberhaupt dieſe Lehre noch ſo ſehr im Dunkeln liegt, daß ſie keine mathematiſche Formel ſo leicht zu Tag foͤrdern wird. Die Gerſte, die heuer in Hohenheim nach verpflanzten Runkeln folgte, hatte einen ſichtbaren Vorzug vor der nach Kartoffeln. Wahrſcheinlich greifen die geſteck— ten, oder nicht verpflanzten Runkeln den Boden ſtaͤrker an. Vierter Abſchnitt. Kohlruüben. Erdkohlraben, Bodenkohlraben, Krautruͤben, Steckruͤ⸗ ben, Rutabaga, ſchwediſche Ruͤben, Idolsberger Ruͤben, Knollen, Dorſchen, Brassica napobrassica, oder welchen Namen man ihnen immer geben mag, halte ich allzumal fuͤr eins; oder einige darunter nur fuͤr Abarten. Sollte der Name ruta; oder rotabaga vielleicht von der engliſchen Be⸗ 588 nennung turnep rooted- cabbage herruͤhren? Ich bin ge⸗ neigt zu glauben, daß die Englaͤnder den Saamen von die⸗ ſer altdeutſchen, in den Niederlanden nicht bekannten, Pflanze aus Deutſchland bezogen, und ihn umgetauft zu uns zuruͤck geſchickt haben. So ward ſie denn engliſches Produkt, und fand als ſolches in der nachahmenden deutſchen Welt Ach⸗ tung und Aufnahme; waͤhrend ihre deutſche Abkunft und der geringe Preis des Saamens ihr bey den hohen Britten zu keiner Empfehlung dienen konnte.„Die Menſchen, ſagt A. Young, ſind nun einmal ſo toll, daß ſie nichts ſchätzen, was nicht theuer iſt. Als Reynolds, ein guter praktiſcher Land⸗ wirth, die Kohlruͤben empfahl, ſo konnte weder ſein Credit, noch die Beyhuͤlfe der Geſellſchaft der Kuͤnſte es dahin brin⸗ gen, dieſer ſo nuͤtzlichen Pflanze Aufnahme zu verſchaffen; bis ein Saamenhaͤndler aus London ins Spiel trat, den Saamen unter dem Namen Lapplaͤnderkohl ausſchrie, und das Pfund zu 12 Shelling anſchlug. Haäͤtte er den Preis zu einem Shelling angeſezt, kein Menſch wuͤrde darnach ver⸗ langt haben.“ Wenn die Runkelruͤben in ebenen Gegenden auf gutem mildem Boden einen bedeutend hoͤhern Ertrag dem Maaße nach geben, als die Kohlruͤben: ſo verhaͤlt ſich ſolches um— gekehrt auf einem zaͤhern und rauhern Boden, in feuchtern, zumal in Gebirgsgegenden. Auch fand ich die Kohlruͤben auf meinen Reiſen beynahe nur in leztern, wozu, wie ich glaube, außer der Feuchtigkeit auch das rauhere Klima bey⸗ traͤgt. Die Verſuche, die ich in Hohenheim damit machte, fielen nicht glaͤnzend aus. Sie gewannen ſehr lange und holzige Haͤlſe, und die Dicke der Knollen reichte im Durch⸗ ſchnitte nicht uͤber die 3 der Runkeln. ——— —— 539 Die Cultur der Kohlruͤben iſt vollkommen die der Run⸗ keln. Nur iſt das Saͤen an Ort und Stelle weit mehr ge⸗ wagt, als bey dieſen, da die Erdfloͤhe ihnen ſo gefaͤhrlich ſind; auch fand ich es nirgends ausgefuͤhrt. Selbſt in der Pflanzſchule hat man damit ſeine Noth. Hat man Gele⸗ genheit dazu: ſo geht man am ſicherſten das Saamenbeet an dem Ufer eines Baches, vielleicht auch eines Teiches, zu waͤhlen, wodurch es vor den kleinen Verwuͤſtern geſchuͤzt ſeyn ſoll. Burger ſchlaͤgt zu demſelben Zwecke das Be⸗ gießen mit Jauche, ein fruͤhes Saͤen, und bey ſehr kal⸗ tem oder heißem Wetter ein Bedecken mit Geſtraͤuche, vor. Das Saamenbeet muß eine recht kraͤftige, oder altfette Erde haben. Durch das Duͤngen, ſo wie durch das Begießen, werden die Pflanzen nur verzaͤrtelt. Man unterlaͤßt alſo bey⸗ des. Man bedarf auf eine zbfuͤßige Quadrat⸗Ruthe 6 Loth Saamen. Das Jäten der Pflanzenſchule darf nicht ver⸗ ſaͤumt werden. Das Land, worauf die Pflaͤnzlinge, nach Art der Run⸗ kelruͤben, geſezt werden ſollen, muß nothwendig geduͤngt wer⸗ den. Die beſte Art den Miſt auf die Kohlruͤben zu verwen⸗ den, iſt das Obenaufduͤngen des Bodens, es ſey, daß ſol— ches mit kurzem oder langem Miſt geſchehe. Um aber die Setzlinge nicht zu beſchaͤdigen, bringt man den Miſt vor dem Verpflanzen auf, und breitet ihn uͤber das nicht abgeeggte Land. In der Folge werden die Kohlruͤben nicht blos be⸗ hackt; ſondern, damit ſie nicht holzig werden, auch be⸗ haͤuft. Auch bey den Waſſerruͤben ſoll das Obenaufduͤngen von ſehr guter Wirkung ſeyn. Der Ertrag der Kohlruͤben iſt ſehr bedeutend, und ihr Kraut wuͤrde hoͤchſt ſchaͤtzbar ſeyn, wenn es nicht gleich dem 59⁰ Weißkohl ſehr oft von Raupen zerſtoͤrt wuͤrde. Burger nimmt den gewoͤhnlichen Ertrag dieſer Ruͤben fuͤr ſeine Ge⸗ birgsgegend zu 389,5 und einen guten zu 437— 584 metri⸗ ſche Centner vom Hektar an, alſo hoͤher als er ihn fuͤr die Runkeln annimmt, welches bey ihm, aber anderswo durch⸗ aus nicht zutrifft. Die Kohlruͤben haben die Eigenſchaft die Kaͤlte beſſer als alles andere Wurzelwerk, mit Ausnahme jedoch der To⸗ pinamburs, zu vertragen. Man kann ſie, im Falle ſie be⸗ haͤuft worden, ohne alle Gefahr im Felde ſtehen laſſen. Ich beobachte hier nebenbey, daß man keiner Pflanze, welcher Art es ſey, die man im freyen Felde zu uͤberwintern ge⸗ denkt, das Laub nehmen darf. Es iſt der Mantel der Ge⸗ waͤchſe.— Schwieriger ſind die ausgehobenen Knollen zu bewahren, indem ſie in dieſem Zuſtande die Waͤrme noch mehr als die Kaͤlte fuͤrchten. Es ſey, daß man ſie in Kel⸗ ler, oder Gruben bringe: ſo duͤrfen ſie darin nicht in Maſ⸗ ſen aufgehaͤuft werden, ohne welches ſie ohne Rettung fau⸗ len wuͤrden. Die Gruben muͤſſen deßhalb nicht uͤber 1 ½ Fuß breit ſeyn. Am beſten halten ſie ſich in Rinnen, die nicht uͤber einen Spatenſtich breit und tief ſind. Man legt die Ruͤben einzeln, eine neben der andern hinein, und indem man die zweyte ausſticht, deckt man mit der Erde die vorhergehende Rinne zu. Bey dieſer freylich etwas umſtaͤndlichen, aber fuͤr kleine Vorraͤthe wohl anwendbaren Art, halten ſich die Kohl⸗ ruͤben bis Pfingſten.— In Kellern ſchichtet man ſie wie einen ſchmalen, freyſtehenden Wall auf, ohne daß es noͤ— thig iſt, Sand oder Erde dazwiſchen einzuſchichten. Nur muß dem Keller bis zum ſtrengen Froſt ſtarke Zugluft gege⸗ 591 ben werden. Beſſer als ein Keller moͤgte eine kalte gut ver⸗ wahrte, und zu verdunklende Kammer dazu paſſen. Dieſes iſt mir um ſo wahrſcheinlicher, als man ſie nicht ſelten auf folgende Weiſe in freyer Luft uͤberwintert. Man haͤuft ſie nämlich gegen eine Mauer an, die durch ihre Lage ſie vor dem Nordwinde ſchuͤzt, und deckt bey eintretender Kaͤlte mit Stroh. Ueber die Trefflichkeit der Kohlruͤben als Futter iſt nur eine Stimme. Auf mein Anfragen in den Gebirgsgegenden, welches das vorzuͤglichſte Maſtfutter ſey, erhielt ich allemal zur Antwort:„die Kohlruͤben!“ Man zog ſie daſelbſt ſo— wohl den Moͤhren als Kartoffeln vor. Einige behaupten, daß 2 Centner Kohlruͤben 3 Centner Kartoffeln gleich kom⸗ men. Auch bey der Milcherzeugung ſind ſie vortheilhaft. Bey ihrer Verwendung muß einige Vorſicht gebraucht wer⸗ den, indem das Vieh ſich leicht verfaͤngt, wenn ſie ihm in Menge gereicht werden. Den Schaafen duͤrfen ſie nicht in großen Stuͤcken, am wenigſten ganz vorgeworfen werden, da ſie durch ihre Haͤrte die Zaͤhne zu viel erſchuͤttern und vom Fleiſche entbloͤßen, eine Sache, die bey edlen Schaafen, de⸗ ren Leben bey weitem laͤnger als das der gewoͤhnlichen iſt, nicht uͤberſehen werden darf. Fuͤnfter Abſchnitt. Moͤhren. Moͤhren, an einigen Orten Carotten, gelbe Ruͤben, gelbe Wurzeln, auch ſchlechtweg Wurzeln. Daucus carotta. Wenn die Moͤhren nicht die langwierige Arbeit des Jaͤ⸗ tens erforderten, ſondern ſogleich das Hacken, oder das 59² Verſetzen vertragen koͤnnten, wie die Runkelruͤben, oder be⸗ handelt werden duͤrften, wie die Kartoffeln: ſo wuͤrde auch nicht ein einziges Knollen- und Wurzelgewaͤchſe ihnen als Viehfutter gleichkommen, da keines ſie an Guͤte und An⸗ nehmlichkeit, noch ſelbſt an Ertrag erreicht. Da ich ſie fruͤ⸗ her in Großem, und zwar mit auffallendem Erfolge gebaut habe: ſo kann ich mich auch competent daruͤber ausſprechen. Von ihren Vorzuͤgen wird nachher Rede ſeyn. Man baut die Moͤhren entweder als Stoppel⸗ oder als Brachfrucht. §. 1. Bau der Stoppelmoͤhren. Man ſaͤet die Moͤhren uͤber Wintergetreide, Raps, und Lein. Nie aber fand ich ſie unter Sommergetreide, wahrſcheinlich weilen ſolches das Feld zu ſpaͤt und zu er⸗ ſchoͤpft verlaͤßt. Mehr ſuͤdliche Gegenden moͤgen davon eine Ausnahme machen. Das Ausſaͤen uͤber Wintergetreide kann vor oder nach Winter geſchehen. Erſteres hat auf trocknem, leichtem Bo⸗ den ſtatt, und bleibt daſelbſt der Fruͤhjahrs⸗Ausſaat vorzu⸗ ziehen; iſt aber auf feuchtem Boden gar nicht anwendbar. Die Fruͤhjahrs⸗Saat geſchieht im Februar oder Maͤrz, waͤh⸗ rend das Land von dem vorhergehenden Froſte noch locker und feucht, oder mit etwas Schnee bedeckt iſt. Man nimmt 3 bis 5 Kilogramme Saamen auf den Hektar. Sobald das Getreide den Boden geraͤumt hat, wird das Land in die Kreuz und Quer vereggt, Stoppeln und Unkraut abgeharkt und vom Felde geſchafft, worauf wieder ſcharf geeggt wird. Iſt das Land unrein: ſo wird das Scharfeggen noch 3— zmal wiederholt. Gemeiniglich wird auch 59⁵ auch das Unkraut noch mit der Hand herausgezogen. Iſt es ein Rapsfeld: ſo werden die Wurzelſtoͤcke ausgezogen, ge— jaͤtet, oder gehackt; darauf ſcharf geeggt, auch wohl nach einiger Zeit noch einmal gehackt. Bey dieſer leztern Vorrich⸗ tung haut man zugleich alle zu dicht ſtehenden Moͤhren weg. Verwendet man demnach auf die Rapsmoͤhren weit mehr Arbeit als auf die nach Getreide: ſo gehen erſtere auch den Brachmoͤhren am Ertrage nicht aus dem Wege. Man er⸗ ringt alſo zwey vollſtaͤndige Aerndten in einem Jahre. Laͤßt man dann aber Wintergetreide darauf folgen, ſo darf man freylich auf jenen unuͤbertrefflichen Ertrag keine Anſpruͤche machen, der auf eine Rapsaͤrndte zu folgen pflegt. Die Getreidemoͤhren ſind hoͤchſt wohlſchmeckend; errei⸗ chen aber die Dicke, alſo auch den Ertrag der Brachmoͤh⸗ ren nicht. Wenn daher Jemand behauptet hat, von Getreide⸗ moͤhren 383 Hektoliter einzuaͤrndten, da man ſich bey gu— ter Cultur nicht leicht mehr als 320—350 von Brachmoͤh⸗ ren zu verſprechen hat: ſo laſſe ich das dahin geſtellt ſeyn. Wenigſtens entſprachen die, welche ich bey jenem Landwirthe ſah, einer ſo hochgeſpannten Angabe durchaus nicht. Zu ſolchen Erwartungen kann hoͤchſtens ein gluͤcklicher, und in voller Kraft ſtehender Boden berechtigen, Bedingungen, die man nicht allenthalben findet.— So viel nur nepenbey; damit meine juͤngern Herren Collegen den Bogen ihrer Hoff⸗ nung nicht zu hoch ſpannen! Die Anſchlagsberechnungen ſind geſchwinde gemacht, und da mag es leicht geſchehen, daß man ſich um eine unbedeutende Nulle verſtoͤßt. v. Schwerz Anleit. z. praft. Ackerbau. II. Bd. 38 594 §. 2. Brachmdhren. a) Boden. Die Moͤhren erfordern einen tiefen, mehr leichten als ſchweren, und, ſollen ſie recht gedeihen, kraftvollen Bo⸗ den.„Es iſt die gewoͤhnliche Meynung, ſagt Young, daß nur loſer Sand den Moͤhren zutraͤglich ſey; aber das iſt ein Irrthum. Der beſte Boden dafuͤr iſt ein ſandiger Lehm, welcher, wenn er bis an den Grindel hinangepfluͤgt worden, durchaus von gleicher Beſchaffenheit iſt. Demungeachtet koͤn⸗ nen ſie auch auf ſchwerem, nur nicht naſſem, Lehm einen hohen Ertrag liefern. Auf gutem kieſigem Weitzenlehm, der ſich leicht pfluͤgen laͤßt, gerathen ſie ſehr gut.“ Wie ſehr die Moͤhren einen gleichfoͤrmigen Boden lie⸗ ben, erfuhr ich auf einem Felde, deſſen Lehm bis zu einer nicht gemeſſenen Tiefe, ohne allen Stein, reichte. Ich zog daſelbſt mehrmal ſolche Moͤhren aus, deren Wurzelende, gleich einem ſtarken Bindfaden, 10—12 Fuß lang war. Dieſer Boden enthielt ſo viel Thon, daß man, nach Ab⸗ raͤumung der Oberkrume Mauerziegel daraus anzufertigen pflegte. Der Ertrag darauf war 1700 Koͤrbe vom Hektar, der Korb zu 24 Kilogr., thut 408 metriſche Centner. Es waren viele Stuͤcke darunter, die 2 ½ und 3, eines das 4 Kilogrammes wog. In trocknen Jahren gedeihen ſie nicht eben ſo gut als in etwas feuchten. Bey den Runkelruͤben verhaͤlt es ſich umgekehrt. b) Stand in der Fruchtfolge. Wie alle Wurzelgewaͤchſe moͤgen ſie nach Allem folgen; am liebſten jedoch nach ſolchen Gewaͤchſen, zu deren Anbau 595 der Boden tief erbrochen und rein gehalten worden. Am beſten alſo wohl nach Krapp, dann nach Kartoffeln. Al⸗ lein eine ſolche Folge paßt beſſer zur Theorie, als zur Pra⸗ xis. Man bauet die Brachfruͤchte um das Land ſich von dem anhaltenden Getreidetragen erholen zu laſſen. Dazu genuͤgt aber eine nur einjaͤhrige Einſchiebung anderer Fruͤchte. Das Getreide bleibt daher der gewoͤhnliche Vorgaͤnger der Moͤhren. Mehr Schwierigkeit hat es in Bezug auf ihre Nachfolger; denn, da ſie das Feld nur ſpaͤt raͤumen, ſo will das Wintergetreide, es ſey etwa auf Sandboden, nicht wohl darnach gedeihen. Die Dreyfelder nehmen ſie deßhalb ins Sommerfeld und laſſen, wenn's geſchehen kann, Lein darauf folgen, der, im Falle nichts bey der Cultur der Moͤhren vernachlaͤſſiget worden, ſehr gut einſchlaͤgt. c) Bearbeitung des Bodens. Bey dem Baue der Brachmoͤhren beobachtet man allent⸗ halben, den Boden mehr als gewoͤhnlich zu vertiefen, ſelbſt an ſolchen Orten, wo man es ſonſt fuͤr kein anderes Ge— waͤchſe thut. Es geſchieht entweder durch Zweyfuhren, oder, wo man mit keinem paſſenden Pfluge verſehen iſt, durch Pflugſpaten. Bey lezterm hat man darauf zu ſehen, daß die Arbeiter nicht die Haͤlfte der Furche unausgeſtochen laſ— ſen, es darf alſo nicht im Verdinge geſchehen. Das Ver— tiefen geſchieht, wo moͤglich, vor Winter. Man aͤberfaͤhrt 2 das rauhliegende Land waͤhrend dem Froſt mit langem Miſt, oder im Februar mit kurzem Duͤnger. Anfangs Maͤrz wird der Dung mit flachen und ſchmalen Schnitten untergepfluͤgt, der Moͤhrenſaamen uͤber die rauhe Furche geſaͤet, flach ein⸗ geeggt und leicht gewalzt. Hat das Tiefpfluͤgen nicht vor — 596 Winter geſchehen koͤnnen, ſo nimmt man es im Fruͤhjahre vor. Die beſte Art alsdann zu duͤngen iſt, den Dung erſt nach dem Moͤhrenſaͤen aufzubringen und das Stroh bey dem Jaͤten abzuharken. Als Widerſpruch von dem Geſagten ſtehe hier eine An⸗ gabe A. Youngs.„Die beſte Cultur der Moͤhren iſt, die Weitzen⸗ oder Gerſteſtoppel ſo lange liegen zu laſſen, bis man pfluͤgen und gleich darauf ſaͤen kann, und ihnen nur eine Furche zu geben. Ein wiederholtes Pfluͤgen halte ich fuͤr Moͤhren nicht rathſam.“ Youngs Ausſpruch in Ehren gehalten: ſo geſtehe ich, daß mir ſolches in der Praxis noch nicht vorgekommen iſt. Der Landwirth pruͤfe, welche der beyden angefuͤhrten Beſtellungsarten am beſten zu ſeinem Boden paſſe! d) Pflege. Unerlaͤßlich bey Moͤhren iſt das Jaͤten. Dieſe Pflanze iſt bey ihrem Erſcheinen ſo unbedeutend, daß ſie ohne eine ſolche kleinliche Pflege unter dem Wuſte von Unkraut nicht fort kann. Die Jäͤterinnen liegen dabey nothwendig auf den Knieen; eine ihrer Haͤnde iſt mit einem Jaͤtemeſſer be⸗ waffnet, womit ſie alle Schmarotzerpflaͤnzchen aus dem Bo⸗ den luͤften, waͤhrend die Finger der andern Hand ſie vol— lends ausziehen. Das Jaͤtemeſſer beſteht aus einem 4 Cen— timeter langen und breiten Spatel an einem 12 Centimeter langen eiſernen Stielchen, das oben in ein 10 Centimeter langes rundes Querholz etwas ſchraͤge eingelaſſen iſt. Wo der Boden nicht zu feſt iſt, kann man ſich ſtatt des Jaͤtemeſ⸗ ſers auch eines 5 Centimeter breiten Krappers mit einem etwa einen Fuß laugen Stiele bedienen. Mit dieſem Werk⸗ 597 zeuge wird die Oberflaͤche des Feldes bekrazt. In der Folge, wann die Pflanzen mehr ſichtbar ſind, wird gehackt; oder da, wo man das Hacken nicht kennt, zum Zweytenmale gejaͤtet*). Ohne Hacken iſt der Moͤhrenertrag nicht allein bedeutend geringer, ſondern das Land ſelbſt, das ihn er— zeugte, verſchlechtert, welches man an der darauf folgenden Frucht inne wird. e) Aerndete. Je laͤnger man die Moͤhren im Herbſte in der Erde laſſen kann, um ſo vortheilhafter iſt es.— Wir hatten, in der Gegend wo ich wohnte, im ganzen Sommer 1802 kei⸗ nen Regen. Anfangs September fiel zwar etwas, aber ohne Wirkung. Als zu Ende dieſes Monats die Moͤhren ausgezogen werden ſollten, war der Boden ſo feſt, daß er ſich nur mit der groͤßten Gewalt eines guten brabanter Pflu⸗ ges erbrechen ließ. Das Kraut der Moͤhren und Runkeln lag welkend an der Erde. Waͤhrend der Einaͤrndtung der— ſelben trat am 5., 7., 10., 11. und 12. Oktober Regenwetter ein. Die noch ſtehenden Moͤhren fingen von neuem an zu leben, ſezten eine Menge ſchneeweißer Haarwurzeln an, ge⸗ wannen zuſehends an Dicke, und die am ſpaͤteſten ausge— zogenen mochten die fruͤheſten etwa um ½ an Umfange uͤber⸗ *) Der Ausdruck: wo man das Hacken nicht kennt, wird in ſolchen Gegenden auffallen, wo man das Hacken fuͤr eben ſo un⸗ entbehrlich als das Umſpaten haͤlt, und doch iſt es leider ſo! In ei⸗ nem Lande, das ich ſehr lange bewohnte, ſind Hacke und Karſt ganz unbekannte Dinge, nnd doch glaubt der Bauer daſelbſt, eben ſo gut als anderwaͤrts, er beduͤrfe nichts weiter zu lernen, und manche Ge⸗ lehrten glauben es mit ihm!! 598 treffen. Man darf ſich endlich mit der Aerndte nicht uͤber⸗ eilen, da ein erſter und zwar ſtarker Froſt den Moͤhren nicht ſchadet. Thaut es aber dann auf und friert von neuem, ſo ſind ſie verloren. Kommen, wie auf Thonboden haͤufig der Fall iſt, die Moͤhren ſchmierig aus der Erde: ſo ſchichtet man ſie obelis— kenfoͤrmig, alſo ſo ſchmal und hoch als moͤglich auf dem Felde auf. Man legt ſie dabey ſo, daß das Laub nach Innen, die Wurzeln nach Außen kommen. Durch Sonne, Luft und Regen werden ſie dann trocken, rein und zum Aufbewahren geeignet. Um die Wurzeln lange zu erhalten, hat die Erfahrung gelehrt, daß es vortheilhaft ſey, eine duͤnne Scheibe der Krone zugleich mit dem Laube abzuſchneiden, und die Moͤh⸗ ren vor dem Einpacken etwas an der Luft liegen zu laſſen, damit die Wunde abtrockne. Sie laſſen ſich nur an einem trocknen nicht feuchten Ort, am beſten in einer geſchloſſenen kalten Kammer aufbewahren. Hier ſezt man ſie in einem langen, viereckten Haufen auf, und zwar ſo, daß er nir⸗ gendwo die Wand beruͤhre, alſo ringsum ein Gang bleibe. Iſt eine ſtarke Schichte Moͤhren gelegt, ſo wird ein oder ein Paar Zoll trockne Erde daruͤber hin geſtreut, und abwechs⸗ lend bis zur beliebigen Hoͤhe damit fortgefahren. In den Niederlanden werden ſie gleich den Ruͤben und Kartoffeln in runden Haufen aufbewahrt, mit dem Unter⸗ ſchiede jedoch, daß zwiſchen jeder Lage Moͤhren Stroh eingelegt wird. Will man ſie bis Oſtern friſch erhalten, ſo bringt man ſie in ſchmale Gruben, legt Stroh auf die Soh⸗ le, darauf eine einzelne Schichte Moͤhren, wieder Stroh und — 599 ſo bis zur Hoͤhe, wo man von dem ausgeworfenen Grund einen Huͤgel daruͤber bildet. H Werth und Verwendung. Es giebt kein Wurzelgewaͤchſe, das jeder Viehgattung vom Gefluͤgel an bis zum Pferde, ſo willkommen und ge— deihlich waͤre, als Moͤhren. Nur in der Menge nahrungs— faͤhiger Theile ſtehen ſie bey gleichem Gewichte den Kartof— feln nach; indem, der Sage nach, 200 Pfund von dieſen 270 Pfund von jenen gleich kommen ſollen.*) Reduziren wir aber die Quantitaͤt ihrer naͤhrenden Theile auf die Quan⸗ titaͤt des Ertrages eines gegebenen Flaͤcheninhaltes, wie die— ſes von dem Produzenten allmaͤhlich geſchehen muß: ſo ſchwindet aller Unterſchied, indem die Moͤhren einen bedeu— tend ſtaͤrkern Ertrag als die Kartoffeln geben. Dabey iſt die Milch, welche aus dieſen hervorgeht, waͤſſeriger, die Butter weit weniger ſchoͤn und ſchmackhaft als die, welche aus Moͤhren erfolgt. Fuͤr Schaafmuͤtter und Laͤmmer giebt es kein beſſeres Futter als Moͤhren. Bey der Schweinemaſt er⸗ zeugen ſie einen feſtern Speck als Kartoffeln. Bey der Pferdefuͤtterung gehen Moͤhren den Waſſerruͤ⸗ ben und Runkeln vor.„Die Pferde, ſagt Young, koͤnnen auf keine vortheilhaftere Weiſe gefuͤttert werden, als mit Moͤhren. Bey Haͤckſel, ohne Hafer und Heu iſt die taͤgliche Ration 71 Liter auf's Stuͤck, oder nur die Haͤlfte, im *) Wenn der verdienſtvolle Amts⸗Rath Block 200 Pfund Kar⸗ toffeln 538 Pfund Moͤhren und Runkeln gleich ſezt: ſo kann ich dieſes allenfalls in Bezug auf dieſe leztern, aber keineswegs auf die Moͤhren gelten laſſen. —— 600 Falle man zugleich 5 Liter Hafer reicht. Ein Hektar, der 357 Hektoliter Moͤhren giebt, reicht zu um ein Geſpann von 4 Pferden 125 Tage lang ohne Hafer zu ernaͤhren, und es bleibt dabey in gutem Stande. Nehmen wir nun, daß die Tagsration von einem Pferde 11 Liter Hafer betrage: ſo wuͤrden durch obige Fuͤtterung erſpart werden 55 Hekto⸗ liter Hafer. Da nun ein Hektar von dieſer Frucht im Durch⸗ ſchnitte ihrer 44 ertraͤgt: ſo folgt, daß 4 Hektar Moͤhren 5 Hektar Hafer gleich zu ſetzen. Wohl giebt lezter außer dem Korn⸗ auch noch einen Strohertrag; dafuͤr aber gewaͤhren die Moͤhren in jenen 125 Tagen ein Heuerſparniß von 25 metriſchen Centner, gleich 50 m. C. Stroh; alſo ſtehen auch hierin die Moͤhren dem Hafer um 4 vor, und noch mehr, wenn wir das Laub, welches, wenn es gleich kei— nen beſonderen, doch immer einigen Werth hat, hinzu— ſetzen. Sind die Culturkoſten bey den Moͤhren gleich hoͤher, als bey dem Hafer: ſo betraͤgt das plus davon zuverlaͤſſig nicht den fuͤnften Theil ihres ganzen Ertrages. Auch glaube ich nicht, daß irgend ein Bauer, gegen Entſchaͤdigung des plus der Koſten, einen Morgen Moͤhren fuͤr einen Morgen Hafer hingeben werde. Was die Vorliebe angeht, welches die Thiere fuͤr die⸗ ſes Gewaͤchſe bezeigen: ſo machte mein Freund Clemens daruͤber verſchiedene Verſuche mit allerhand Vieh, deckte z. B. die gehackten Moͤhren mit gehackten Runkeln, allein der Geruch verrieth ihm ſogleich den verſteckten Leckerbiſſen, es ſtoͤrte alles um und fraß nicht eher von dem Uebrigen, als bis das geliebte Gericht alle war.— So wie das Fuͤt— tern mit Moͤhren die Butter gelblich faͤrbt: ſo faͤrbt es auch — Q⏑——Q—QQ—ę—C—C—C—·-—ñ- 6⁰¹ einiger Maaßen das Fett beym Maſtvieh, welches aber ſei⸗ ner Guͤte nichts benimmt. 9) Saamenerzielung. Bey der Auswahl der Saamentraͤger ſucht man ſchoͤne, ſpindelfoͤrmige, goldgelbe, nicht zackige Wurzeln aus, ſtuzt das Laub ein wenig ab, bewahrt ſie entweder in einem trocknen Keller und verpflanzt ſie gleich nach Winter in den Garten oder auf's Feld; oder ſezt ſie im Herbſte ſchon ſo gleich an Ort uud Stelle, ſie bey ſtrenger Kälte mit Stroh bedeckend. Der Saamen wird ſammt dem Staͤngel abgeſchnitten, aufgehangen, und erſt gegen die Zeit, wo man ihn braucht, abgeſtreift. Nun muß er nothwendig in die Sonne gelegt und fleißig zwiſchen den Haͤnden gerieben werden, indem er ſich ſonſt ſeiner kleinen haarigen Hacken wegen in einander haͤngt, und nicht ſaͤebar iſt. Aus eben der Urſache haͤlt es ſo aͤußerſt ſchwer, ihn mit einer Maſchine zu ſaͤen. §. 3. Verbeſſerter Moͤhrenbau. Da die Moͤhren ſich nur an Ort und Stelle, und nicht wie die Runkeln und Kohlruͤben verpflanzen laſſen; erſt nach A, ja 6 Wochen aus der Erde hervorkommen, waͤhrend dem das Unkraut Zeit findet den Acker zu uͤberziehen; da die Pflanzen im Anfange ſo winzig und von ein Paar Unkraͤu— tern begleitet werden, die gleich Anfangs viele Aehnlichkeit mit ihnen haben: ſo macht das erſte Jaͤten, und das nach— herige Behacken wegen unordentlichem Stande der Pflanzen viele Arbeit und Beſchwerniß. Um beydes zu erleichtern, ließ ich die Moͤhren in 2 Fuß entfernten Reihen bauen, dieſe 6⁰² mit dem Furchenzieher anfertigen, den Saamen von den achtſamſten Arbeitern einwerfen, und nachher leicht zuſchlei— fen. Daß das Land vorher fleißig, und tief gepfluͤgt, und ſehr gut geduͤngt worden war, wird man denken. Das Einwerfen des ohnehin boͤs zu ſaͤenden Saamens in die ſeichten Furchen hat ſeine Schwierigkeiten, dagegen faͤllt das nachherige Jaͤten um ſo leichter, indem die Rei⸗ hen den Jaͤterinnen zur Richtung dienen, und blos die Rei⸗ hen und nicht die Zwiſchenraͤume gejaͤtet werden duͤrfen. Groͤßern Vortheil zieht man nachher von der Anwendung des Schaufelpfluges; wiewohl er die Handhacke das Erſtemal nicht ganz entbehrlich macht. Es bleibt ſelbſt zu rathen, das Erſtemal blos mit der Hand zu behacken, und nur beym Zweytenmal die Geſpannhacke zu gebrauchen. Endlich macht das Reihenſaͤen es dem Pfluge moͤglich die Moͤhren bey der Aerndte unbeſchaͤdigt aus der Erde zu bringen, welches, meiner Erfahrung nach auf ſtark thonigem Boden bey trock⸗ ner Witterung mit Spaten, Karſt oder Forke kaum moͤg⸗ lich iſt. Wenn man glauben wollte, daß durch eine Ent⸗ fernung von 2 Fuß die Moͤhren-⸗Reihen zu weit auseinan⸗ der fallen wuͤrden, welches auch in den erſten zwey Mona— ten auf dem Felde ſo ſcheint: ſo kann ich verſichern, daß bey gehoͤriger Cultur, ſie nachher mit ihrem Kraute ſo zu— ſammengewachſen, daß man kaum zwiſchen den Reihen durch⸗ gehen kann. Zu einem guten Erfolge ſind folgende Beobachtungs⸗ Regeln noͤthig: 1. Der Saame werde auf das ſorgfaͤltigſte getrocknet und gerieben. 603 2. Es werde bey dem Einſtreuen deſſelben in die Furchen nicht zu ſehr oͤkonomiſirt. 3. Man lege ſchon fruͤhe eine kleine Pflanzſchule von Run— keln an, um damit im Erforderungsfalle die Luͤcken in den Moͤhren⸗Reihen auszufuͤllen. 4. Man ſaͤe nicht zu fruͤhe, um den Acker vorlaͤufig recht reinigen zu koͤnnen und decke das Geſaͤete nur mit ſehr wenig Erde. Der Saame geht auf, wenn er nur den Boden beruͤhrt. 5. Man jaͤte die Reihen zuerſt mit der Hand, und hacke alsdann die Zwiſchenraͤume mit der Handhacke. Ein Stoßeiſen, ſo wie man ſich deſſen zur Reinigung der Wege in den Gaͤrten bedient, iſt dazu ſehr zweckmaͤßig. Der Unterſchied zwiſchen der Hack- und Stoß-Arbeit liegt darin, daß bey erſter der Arbeiter ſtets auf das Gehackte tritt, indem er vorwaͤrts ſchreitet, der Stoßer oder Schuffler hingegen ſchreitet ruͤckwaͤrts, und tritt daher das Geſchuffelte nicht, wie der erſte, feſt an den Boden. Dieſer Umſtand iſt bey einiger Feuchtigkeit ſehr wichtig. 6. Sobald das Unkraut von neuem um ſich greift, werden die Reihen mit der Handhacke, die Zwiſchenraͤume mit der Pferdhacke beſchafft. Die allzudicht ſtehenden Pflan⸗ zen werden jezt weggehauen. 7. Wann die Moͤhren anfangen Kraft zu gewinnen, wer⸗ den die Reihen zum zweyten Male mit der Hand be⸗ hackt, dabey alle Pflanzen, die nicht auf einen halben Fuß getrennt ſtehen, ohne Nachſicht an der Erde weggehauen. Die Zwiſchenraͤume werden nun mit einem Pfluge, der — —— 1 6⁰ ein keilfoͤrmiges Schaar hat, oder beſſer mit einem Meſſerpflug durchbrochen. 8. Man nehme ſich in Acht, das Jaͤten nicht bey zu trock⸗ nem, und das Hacken und Schaufeln nicht bey naſſem Boden vorzunehmen, wenn dieſer lehmig oder thonig iſt. 9. Man verlaſſe ſich nicht allein auf die Geſpannwerk⸗ zeuge; ſie ſind weder auf den Reihen, noch dicht an denſelben anwendbar, und koͤnnen folglich die Handhacke nicht ganz entbehrlich machen. 10. Sollten die Moͤhren den Schein annehmen, als wenn ſie mit ihrem Kraute den Acker nicht zureichend in Schatten ſetzen wuͤrden: ſo kann man unmittelbar vor dem lezten Hacken Waſſerruͤben-Saamen uͤber das Feld auswerfen. 11. Der Freund ſeines Feldes durchgehe daſſelbe im Som⸗ mer einige Mal, um die ſaamenſtreuenden einzelnen Unkraͤuter, ſo wie die aufſchießenden Moͤhren auszu⸗ ziehen. 12. Man ſchreite, beſonders nach einem trocknen Sommer, ja nicht zu fruͤhe zur Moͤhren⸗Aerndte, aus Furcht ſpaͤ⸗ ter durch unguͤnſtiges Wetter daran gehindert zu werden. Man wird dadurch den Ertrag bedeutend vermindern, und die Muͤhe bey dem Ausheben der Wurzeln nur er— ſchweren. Die Moͤhren koͤnnen noch den ganzen Ok⸗ tober in der Erde zunehmen. 13. Auf Reihen gepflanzte Moͤhren laſſen ſich recht gut mit einem guten Pfluge, und oollſtaͤndiger als mit Handwerkzeugen, ausheben. Zwey Pfluͤge und zehn er⸗ wachſene Kinder ſammeln in einem Tage die Moͤhren von einem Hektar, und ſchneiden noch einen guten Theil 605 vom Kraut ab. Die Pflugarbeit darf dabey den Moͤh⸗ ren nicht zur Laſt fallen, da das Land zum Beſten der folgenden Saat ohnehin haͤtte gepfluͤgt werden muͤſſen. Ein Hektar nach angefuͤhrter Weiſe kultivirter Moͤhren koſtete mir in dreyjaͤhrigem Durchſchnitte fuͤr's Reihenſden........ 1 fl. 3 kr. Jaͤten und Hacken...... 33— o— Ausziehen, Krautabſchneiden, nach Haus⸗ fahren...... 25— 26— Ausgab⸗Summe 59— 28— Dafuͤr hatte ich 120 metriſche Centner Laub.......... 274— o— An Wurzeln 340 metr. Centn. à 4o kr. (zu 10 kr. der Tragkorb)... 226— 40— Ertrags⸗Summe 250— 40— Wovon außer den angefuͤhrten Ausgaben noch fuͤr Pfluͤ⸗ gen, Eggen, Walzen, Dung, und deſſen Auffahren und Brei⸗ ten ab 76 fl. 20 kr., bleibt reiner Gewinn 114 fl. 52 kr. Wie viel eine gute Behandlung zu dem Ertrage der Moͤhren beytrage, belehrten mich einige vergleichende Ver⸗ ſuche. Nach dieſen gaben nicht geduͤngte noch behackte, ſondern blos gejätete Moͤhren....... 100 geduͤngte, nicht behackte..... 133 geduͤngte und behacke.. 156 Scheffel von derſelben Oberflaͤche. 6⁰6 Die Paſtinaken verdienen, ungeachtet des Weſens, das man davon hat ma⸗ chen wollen, keiner beſondern Erwaͤhnung. In einem kraͤf⸗ tigen Gartenboden gehen ſie den Moͤhren an Ertrag vor, auf dem Felde ſtehen ſie denſelben nach. Zur Maſtung ſind ſie vortrefflich, der Milch aber ertheilen ſie, wenigſtens ge— gen das Fruͤhjahr verfuͤttert, einen bittern Geſchmack. Den Menſchen ſind ſie keine unangenehme Speiſe. Am beſten ſind ſie mit Moͤhren zuſammen verfuͤttert. Derjenige, der einen Verſuch mit ihrem Anbau machen will, wird am be— ſten thun, ſie mit Moͤhren untereinander auszuſaͤen, mit denen ſie ſich, meiner Erfahrung nach, ſehr wohl vertra⸗ gen, und gleiche Behandlung erheiſchen. Sie halten den Winter im Felde aus. Sechster Abſchnitt. Kartoffeln. Man darf wohl ſagen, daß unter den beſtehenden Verhaͤltniſſen die Kartoffeln das vorzuͤglichſte aller land⸗ wirthſchaftlichen Gewaͤchſe ſeyen. Unerſchoͤpft iſt das Lob, welches alle land- und ſtaatswirthſchaftlichen Schriftſteller ihnen zollen. Es waͤre deßhalb ganz uͤberfluͤſſig etwas zu den Lobeserhebungen dieſer hochgefeyerten Pflanze hinzuſetzen zu wollen; paſſender vielleicht, dieſelbe auf einen billigern Maaßſtab zuruͤckzufuͤhren. Stammend aus ferner Heimath, dem neuen Continente, wo die Vorſehung ſie ſolchen Nationen verlieh, die ſo lange in der Kindheit der Bildung verweilen und mit ſehr be⸗ 607 ſchraͤnkten Mitteln ihre geringen Beduͤrfniſſe befriedigen ſoll⸗ ten: wurden die Kartoffeln von daher, vor noch kaum hun⸗ dert Jahren auf deutſche Erde verpflanzt, und als eine neue Huͤlfsquelle, bey dem damals noch ziemlich unvollkommenen Ackerbau, mit offenen Armen aufgenommen. Es giebt wohl keine Pflanze, die, weilen neu, ſich ſo ſchnell und allgemein verbreitet haͤtte, als die Kartoffel. Als Gemuͤſe und Brod zugleich beengte ſie den Anbau der Ruͤ— ben und Moͤhren; verdraͤngte die Topinambur; verringerte den Bau der Erbſen; erſezte bey dem kleinen Bauer das Brodkorn, und bey der Branntweinbrennerey das Getreide. Hell glaͤnzte ſeitdem an dem oͤkonomiſchen Firmamente dieſe Frucht als ein Stern erſter Groͤße, und das mit Recht! Dennoch duͤrfen dem europaͤiſchen Beobachter die Nebelflecken nicht entgehen, die das Licht etwas truͤben. Die Verehrer der Kartoffeln werden mir es nicht verargen, wenn ich auf einige ſolcher Flecken nur leiſe hindeute. Es mag wahr ſeyn, daß, wie Burger ſich ausdruͤckt, eine große Bevoͤlkerung die guͤltigſte Verſicherung fuͤr Man— gel und Hunger nur*) in der Kartoffel finde. Dagegen läßt ſich fragen: ob dieſe Frucht, durch die Leichtigkeit, die ſie gewaͤhrt, das dringendſte aller Beduͤrfniſſe, den Hun— ger, zu ſtillen, nicht die Hauptquelle einer immer und im— mer ſich mehrenden Population ſey? Und eine ſolche Stei— gerung, vielmehr Ueberſteigerung, iſt ſie fuͤr ſolche Gegen— den, deren ganze Exiſtenz auf dem Ackerbau beruht, wohl ein Gluͤck? Iſt ſie eine Wohlthat fuͤr den Staat, der, wei— *) Indeſſen beſteht die ungeheure Bevoͤlkerung von China ohne ſie. 6⁰8 len er die Menſchen nicht gerade zu fuͤr Schlachtthiere haͤlt, ſeine Staͤrke nicht blos nach der Koͤpfezahl berechnet, noch ſich mit einer reinen Kartoffelabgabe befriedigen kann?— Oder macht das Daſeyn allein den individuellen Menſchen gluͤcklich, und hat bey uns der Buͤrger nicht noch andere Beduͤrfniſſe, als den Bauch mit Kartoffeln zu fuͤllen?— In Irland bewegt der Beſitz von einer Lehmhuͤtte, einem Sack Kartoffeln und einem Bund Stroh ein Brautlager zu halten, und eine Bettlerfamilie darauf zu gruͤnden. Wird es bey der vorherrſchenden Heirathsluſt unſerer Kartoffeleſſer nicht auch dahin kommen; oder vielmehr iſt es bey der un⸗ eingeſchraͤnkten Erlaubniß, ſich zu verehlichen, nicht ſchon bey uns dahin gekommen?— Haben die Kartoffeln in Verbin⸗ dung mit dieſer Erlaubniß nicht Antheil an der immer um ſich greifenden Verſchlechterung der Moralitaͤt; wozu der in einigen Gegenden ſich raſend verbreitende, und durch das viele Kartoffeleſſen ſelbſt nothwendig gewordene, Genuß des Brannt⸗ weins das Seinige noch beytraͤgt?— Wenn die Kartoffeln zur Zeit des Mangels an Getreide, vorausgeſezt, daß ſie dann, wie 1816 geſchah, nicht ſelbſt fehl ſchlagen, eine Aus⸗ huͤlfe gewaͤhren, kann man ſie von der andern Seite von der Schuld losſprechen, die Haupturheber des erſtaunlichen Sin⸗ kens der Getreidepreiſe und ſomit des Sinkens des ganzen landwirthſchaftlichen Gewerbes zu ſeyn? Nach meinem Dafuͤr⸗ halten fehlte es uns noch an einem Brodfruchtbaume, um den Getreidebau voͤllig herabzubringen, und an einigen Palm⸗ blaͤttern die Bloͤße zu bedecken, um uns einander voͤllig ent⸗ behrlich zu weroen. Ich hoffe nicht, daß man mich deßhalb für einen Kar⸗ toffel⸗ 6⁰9 toffelfeind*) halten werde. Ich wollte blos andeuten, daß man auch dem Guten zu viel Gutes nachſagen und Unrecht haben kann, einen Culturzweig ſonder Maaß und Ziel an⸗ zuempfehlen, der uͤberdem, wenn gleich in viele, doch nicht in alle Verhaͤltniſſe paßt. Die Maſſe des Pflanzguts, deſ⸗ ſen man bedarf, die Schwierigkeit, welche eine große Aerndte auf ſtark thonigem Boden bey naſſer Herbſtzeit dar⸗ bietet, die Muͤhe und Umſtaͤnde bey dem Aufbewahren und Verfuͤttern des Erzeugten, das Unpaſſende fuͤr den Drey— felderwirth, ſie ohne Stoͤrung oder Nachtheil in ſeine Feld⸗ eintheilung zu uͤbertragen, ſind Umſtaͤnde, die bey ihrem Anbau in Großem nicht uͤberſehen werden duͤrfen. Auch denke ich nicht, daß ein Wirth auf ſchwerem Thonboden ſich leicht dazu entſchließen, noch daß der, welcher eine ſtarke Zulage von natuͤrlichen Wieſen und einen zum Klee wohlgeeigneten Boden beſizt, viel Vortheil bey einem aus— gedehnten Kartoffelbau finden wird. Unter ſolchen Verhaͤlt— niſſen koͤnnen beynahe nur Branntweinbrenner eine Ausnah⸗ me bilden. §. 1. Boden. Es iſt nicht wohl eine Pflanze, die ſich ſo leicht mit jedem Boden vertraͤgt, als die Kartoffel. Bey vielem Duͤn⸗ ger macht ſelbſt der duͤrreſte Boden, und der ſtrengſte Thon keine Ausnahme davon, wenn gleich nicht viel Vortheil bey dieſem, wie bey jedem andern Zwange herauskoͤmmt. Auf lezter Bodenart nehmen die Kartoffeln einen wuͤſten Geſchmack *) Das Gegentheil duͤrfte ſich Seite 515 meiner Beſchreibung der Elſaſſer Landwirthſchaft nachweiſen. v. Schwerz Anleit. z. prakt. Ackerbau. II. Bd. 39 61⁰ und ein teigiges, ſchwer verdauliches Weſen an. Waſſer⸗ gallige, oder ſtockende Feuchtigkeit enthaltende Stellen, und ſumpfige Plaͤtze taugen durchaus nicht dafuͤr. Ein mehr leichter als ſchwerer, mehr trockner als feuch⸗ ter Boden, ein abgebrannter Moorboden, ein Neubruch ſagen dieſer Pflanze beſonders zu. Kalkſteinige Felder ſind weniger dazu geſchickt, als thonſchiefrige. Ihr Laub iſt gegen die Kaͤlte im Fruͤhjahre, und die Knolle im Herbſte nicht wenig empfindlich. Allzugroße Naͤſ⸗ ſe, wie allzugroße Duͤrre ſind ihr gleich nachtheilig. Doͤr⸗ ret das Laub wegen lezterer gegen den Herbſt ab, noch be⸗ vor die Zeit der Aerndte da iſt: ſo darf man dieſe nicht verſchieben, indem bey eintretendem Regen die Knollen an— fangen Brut anzuſetzen, wodurch jene ſich verſchlechtern, ohne daß bey dieſer was gewonnen wird. §. 2. Stand in der Fruchtfolge. Der Stand eines Gewaͤchſes in der Fruchtreihe haͤngt mehr oder weniger ab: von der alten Kraft, die es erheiſcht; von der neuen, die man ihm zufuͤhren kann; von dem Zu⸗ ſtande von Kraft, die es im Boden zuruͤcklaͤßt; von der Reinigkeit und Muͤrbe, die es vermittelſt ſeiner Cultur dem Felde verſchafft, und endlich von der Dauer ſeiner Vegeta⸗ tion. Je genauer dieſe Ruͤckſichten bey Anweiſung des Stand⸗ ortes jeder einzelnen Pflanze ins Auge gefaßt werden, um ſo mehr Vortheil wird ſich der Landwirth, wenn gleich nicht immer von der gegebenen Frucht, doch immer von dem Ganzen des Feldſyſtems zu verſprechen haben. Sind daher die Erwartungen mancher Wirthe in Bezug auf dieſes oder jenes Gewaͤchſe geſcheitert: ſo mag es mehr von unrichtiger — 6¹1 Stellung, Behandlung und Benutzung deſſelben, als von dem Gewaͤchſe ſelbſt herruͤhren. Wir wollen uun jene, wie ich glaube, unlaͤugbare Prinzipien auf den Kartoffelbau an⸗ wenden, wobey ich erinnere, daß hier keine Rede iſt, zu unterſuchen: ob der Kartoffelbau zu dem Ganzen einer Wirth⸗ ſchaft, ſondern wo er auf dem Felde in Bezug auf ſeine Vor⸗ und Nachgaͤnger am beſten hinpaſſe. Es giebt nicht leicht ein Gewaͤchſe, daß ſich nicht al⸗ ter Bodenkraft freue, ſelbſt dann, wenn es ſich mit friſchem Dunge begnuͤgt. Da aber nicht alle Gewaͤchſe in gleichem Falle ſind, ſo pflegt man der genuͤgſamen Kartoffel, die ſich durchſchlaͤgt wie ſie kann, nicht leicht einen ſo vortheil⸗ haften Standpunkt anzuweiſen, und ſucht das Abgehende durch friſchen Dung zu erſetzen. Ob allemal mit Recht, ſteht zu bezweifeln! Man zaͤhlt die Kartoffeln unter die Brachfruͤchte, und nicht ganz ohne Grund; denn wenn ſie gleich ihres großen Mehlgehaltes wegen dem Getreide beygezaͤhlt werden koͤnnen: ſo iſt doch ihr Anbau von einer Art, daß der Boden dabey brachmaͤßig behandelt werden kann, welches bey dem Ge⸗ treide, ſelbſt dem gedrillten, nicht ſo ſtatt hat. Deßhalb glaubt der Dreyfelder(wiewohl nicht jeder) ſich berechtigt, die Kartoffeln ins dritte Feld zu verweiſen, wo, wenn ge⸗ hdͤrig dazu geduͤngt, und alles wohl gemacht wird, ſie ganz gut gerathen. Eine ſo robuſte Pflanze ſcheut auch nicht ei⸗ nen ihrer Vorgaͤnger; es ſey denn, daß er den Boden in hoͤchſt verquecktem Zuſtand zuruͤckgelaſſen haͤtte, welchem wohl ein Mann vom Handwerk abzuhelfen wiſſen wird. Einen weitern Spielraum hat der Fruchtwechsler; denn es ſteht bey ihm die Kartoffeln in die Klee- und Luzernſtop⸗ —j——— 61¹² peln, wo ſie ungemein gedeihen, oder nach einer Dreiſche, oder nach dem Wintergetreide, wo der Boden noch alte Kraft beſizt, anzubringen. Eben ſo wenig iſt er um die Auffolger der Kartoffeln verlegen, und laͤßt nicht leicht Win⸗ tergetreide darauf folgen. Er faͤngt ſeine Rotation gewiſſer Maaßen mit Kartoffeln an, waͤhrend der Dreyfelder die ſei⸗ nige nicht ſelten damit endet. Die Schwierigkeit, welche die Kartoffeln in dem Fel⸗ der⸗Syſtem darbieten, beſteht darin: daß das Winterge⸗ treide, namentlich der Rocken, nur ſehr mittelmaͤßig dar⸗ nach einſchlaͤgt, welches von der durch die Kartoffeln be⸗ wirkten ſtarken Erſchoͤpfung des Bodens, ihrer verſpäteten Aerndte, die, Sandboden ausgenommen, weder das Saͤen zur gerechten Zeit zulaͤßt, noch dem aufgewuͤhltem Boden ſich hinreichend zu ſchließen, geſtattet, es ſey denn, daß ein Winter dazwiſchen komme, herruͤhrt. Iſt zu den Kar— toffeln nicht, oder nur ſchwach geduͤngt worden, und muß ſolches fuͤr das Wintergetreide geſchehen, oder wiederholt werden: ſo ſteht die Sache wegen verſchobener Einſaat und Hohlwerden des Bodens noch ſchlimmer. Indeſſen wird es fuͤr den Felderwirth, der nicht mit zureichendem Dunge ver⸗ ſehen iſt, oft vortheilhafter ſeyn, dieſen den Kartoffeln zu entziehen, und dem darauf folgenden Wintergetreide zuzu— wenden. Glaͤnzend wird dann freylich die Kartoffelaͤrndte nicht ausfallen, beſſer aber die des Weitzens und des nach⸗ herigen Sommergetreides einſchlagen. Auch der unter dieſes geſaͤete Klee wird ſich deſſen noch herzlich freuen und das Ganze der Wirthſchaft dabey gewinnen. Wird nur das Feld zu den Kartoffeln tief genug erbrochen, ſo daß ſie neuen Bo⸗ 6¹³ den erhalten: ſo wird ihr Ertrag befriedigender ausfallen, als man ſich ihn verſprochen hat. Um aber in dieſem Falle dem Nachtheile des uͤbereilten Duͤngens, und des verſpaͤteten Saͤens und Hohlwerdens des Bodens zu entgehen, faͤhrt man den Miſt erſt nach der Saat, im Spaͤtherbſte, oder waͤhrend dem Froſt auf, und breitet ihn uͤber die gelanfene Frucht, wozu ſich Weitzen oder Spelz beſſer als Rocken ſchicken. Um das Zuſchlagen, oder Zuſchwaͤmmen des durch die Kartoffeln ſo ſehr verkruͤ⸗ melten Bodens zu verhindern, eggt man zu dem Winter⸗ getreide nur grob weg, und nicht mehr als noͤthig iſt, um den Saamen zu decken. Am beſten bleibt gar nicht dazu zu eggen, ſondern den Saamen unterzupfluͤgen. Auf dieſe Weiſe dann laͤßt ſich der Kartoffelbau auch in dem gewoͤhn— lichen Dreyfelderumlauf ohne Nachtheil anbringen. Wohlgeordnete, und nicht pedantiſche Felderwirthe aber haben noch ein weit beſſeres Mittel dabey zurecht zu kom⸗ men. Sie bringen gleich den gewerbsverſtaͤndigen Elſaſſern die Kartoffeln ins Sommerfeld, und laſſen auf ſie im Brach⸗ jahre Bohnen oder Taback folgen. Da beyde behackt wer⸗ den, da beyde eine vortreffliche Vorfrucht fuͤr den Weitzen ſind: ſo verdient dieſes Verfahren nicht blos den Vorzug vor dem hoͤher angefuͤhrten, ſondern es iſt auch wahrhaft das Mittel den Boden zu veredeln, und ihn fuͤr einige Jahre vom Unkraut, namentlich dem Hederich, zu reinigen. Bey einer ſo großen Maſſe mehlhaltiger Stoffe, welche eine Kartoffelaͤrndte erzeugt, kann ihre ſtark erſchoͤpfende Ei— genſchaft nicht in Zweifel gezogen werden, und es iſt wohl nicht im Ernſte, wenn einige landwirthſchaftliche Schriftſtel⸗ ler behaupten: fie ſaugten den Boden nur ſehr wenig oder 614 gar nicht aus; es ſey denn ſie naͤhmen an, das Erſchoͤ⸗ pfungsvermoͤgen einer Pflanze ſtehe gar in keinem Verhaͤlt⸗ niſſe zu den naͤhrenden Theilen derſelben. Wenn ſie ſich aber darin taͤuſchen, ſo ruͤhrt das wahrſcheinlich von dem vortrefflichen Zuſtand in Bezug auf Muͤrbheit, Vertheilung und Reinigkeit her, in welchem die Kartoffeln den Boden zuruͤcklaſſen. Dieſe Verbeſſerung iſt ſo groß, daß ich ihrem Anbau nicht entſagen kann, ſo entbehrlich mir auch ihr Pro⸗ dukt, und ſo laͤſtig deſſen Verwendung bey der Fuͤtterung wird. Auch die Englaͤnder halten die Kartoffeln fuͤr eine hoͤchſt erſchoͤpfende Frucht.„Die Kartoffeln, ſagt A. Young, er⸗ ſchopfen den Boden mehr als irgend eine Brachfrucht(fal- low-crop), mehr als Gerſte, ja ſelbſt mehr als Weitzen.“ Wie vertraͤglich die Kartoffeln, auf einem ihnen ange⸗ meſſenen Boden, mit ſich ſelbſt ſind, ergeht aus meinen Beobachtungen, die ich daruͤber im Elſaß gemacht habe. An einem Orte traf ich einzelne Felder an, die ein Jahr uͤber das andere damit bepflanzt werden; an einem andern bringt man ſie 4—6 Jahre hintereinander auf's Feld, ohne daß ihr Ertrag abnimmt, in ſoferne alle zwey Jahre dazu geduͤngt wird. Zu Meiſtratzheim ſprach man von Feldern, die 6 Jahre hintekeinander ungeduͤngt» Kartoffeln ge⸗ tragen haben. Nach ihnen hatte man dann bey dem Schluſſe noch uͤberaus ſchoͤne Gerſte. An einem andern Orte bezeich⸗ nete man mir einen Acker, der in 20 Jahren einmal Gerſte und 19mal Kartoffeln getragen hatte. Dagegen erzaͤhlte man *) Hieruͤber weiß ich nun nichts zu ſagen, als: keine Regel ohne Ausnahme! 615 mir denn auch von einem Jaͤger in Wuͤrttemberg, der 52 Jahre hintereinander dieſe Frucht auf demſelben Flecke gebaut hat, und alle Jahre dazu duͤngte. Die Kartoffeln wurden aber am Ende nicht dicker als Nuͤſſe. §. 3. Feldbereitung. Bey den Verſchiedenheiten, die nach den Gegenden dar⸗ uͤber obwalten, gilt doch allgemein die Regel: oͤfters und einmal ſehr tief zu pfluͤgen, damit die Kartoffel eine Maſſe von lockerem Boden und, wo möglich, neuer Erde, finde, in welcher ſie ſich frey ausbreiten und ihre Knollen bilden koͤnne. Wo es nur immer der Acker vertraͤgt: da iſt eine Tiefe von 10—12 Zoll nicht blos der Frucht, ſondern dem Acker ſelbſt hoͤchſt nuͤtzlich, und das Mittel dieſen ungeſtraft zu veredeln. Soll Klee darauf folgen, ſo iſt eine ſtarke Ver⸗ tiefung zu deſſen vollkommenem Gedeihen nothwendig, wie ich ſchon bey dieſer Pflanze erinnert habe. Ob das Tiefpfluͤgen vor oder nach Winter vorgenom⸗ men werden ſoll, haͤngt von der Beſchaffenheit des Bodens ab. Auf thonigem, viel Waſſer aufnehmendem Boden wird ſolches nicht vor Winter geſchehen duͤrfen; auch nicht leicht geſchehen konnen. Hier bleibt ein zweymaliges Baͤlken zu dieſer Zeit anwendbarer und das Tiefpfluͤgen iſt bis nach Win⸗ ter zu verſparen. Wo aber nur immer das Tiefpfluͤgen vor Winter vorgenommen werden kann, da bleibt es allemal hoͤchſt nuͤtzlich; indem der aufgebrachte rohe Grund, in rau— hen Furchen liegend, Zeit gewinnt, durch die Winterfroͤſte gemildert zu werden. Auf ſchwerem Boden pflegt man in Flandern ſich nicht 6¹6 mit einer einzigen tiefen Pflugart zu begnuͤgen; ſondern giebt ihrer zwey. Je fruͤher in der Zeit die erſte dieſer Pflug— arten ſtatt hat, um ſo beſſer iſt es. In Brabant, wo man in der Regel nie mehr als 2 Pferde anſpannt, fand ich 4 Pferde vor dem Pflug, die den ſandigen Boden 15—16 Zoll tief umriſſen; nie aber wird Miſt mit dieſem tiefen Pfluͤgen untergebracht. Soll dieſes geſchehen, ſo geſchieht es durch Zweyfuhren, wie ich noch ſagen werde. Das Zweyfuhren, welches ich von der Land⸗Seite maß, drang 12, und an einem andern mehr ſandigen Orte 16 Zoll in die Tiefe. Dabey gieng ein Pferd an dem vordern und 2 Pferde an dem hintern Pflug. §. 4. Duͤngen. Mit wenigen Ausnahmen kann zu Kartoffeln nicht zu ſtark geduͤngt werden. In wie weit aber eine verſtaͤrkte Duͤn⸗ gung bey ihnen lohne, iſt im Allgemeinen nicht wohl zu be⸗ ſtimmen, indem alles dabey auf den Zuſtand des Ackers, ſeine Beſtandtheile, den Jahrgang, die Bearbeitung und die Kartoffelgattung ankoͤmmt. Weniger ſchwer faͤllt eine ſolche Beſtimmung in Bezug auf das Wohl der Wirthſchaft ſelbſt, da es bey ihr einzig auf den Dungvorrath ankoͤmmt, uͤber den der Landwirth ohne Beeintraͤchtigung ſeiner uͤbrigen Gewaͤchſe verfuͤgen kann. Iſt er nur kaͤrglich damit verſe⸗ hen: ſo waͤre es hoͤchſt Unrecht ihn an eine Lieblingspflanze zu verſchwenden, die ſchon durch die Art ihrer Cultur einen guten Theil davon aufreibt, und mit weniger zu ihrer Nah⸗ rung auskoͤmmt. Iſt er aber reichlich mit Dung verſehen: ſo waͤre es eben ſo Unrecht ihn bey einer Pflanze ſparen zu wollen, die durch einen kraͤftigen Stand, und die Bearbeitung, die ſie 617 erheiſcht, zur Reinigung, Vertiefung und Muͤrbung des Ackers ſo unuͤbertreffliche Dienſte leiſtet. Jeder Dung iſt zu den Kartoffeln geeignet, und in wel⸗ chem Zuſtande er ihnen auch zugefuͤhrt werden moͤge. Der Schaafmiſt, zumal der aus dem Winterlager, hat eine große Wirkung auf ihren Ertrag, nur iſt er ihrer Qualitaͤt zum menſchlichen Genuß nicht guͤnſtig. Das Gleiche gilt vom Pferch. Raſen, Kalk, Jauche, Guͤlle, wollene Lumpen, Schlamm, der ſich in den Graͤben ſammelt, ſind gute, zum Theile vortreffliche Duͤngmittel. Auf zaͤhem Boden iſt der lange Strohmiſt der beſte, um den Boden mehr zu ver— theilen und die Ausdehnung der Wurzeln und Knollen zu erleichtern. Man duͤngt entweder vor, oder im, oder gleich nach Winter, oder bey dem Pflanzen der Kartoffeln, oder wenn dieſe ſchon uͤber der Erde ſind. Bey dem Duͤngen vor Winter pfluͤgt man den Dung ſogleich flach unter, welches zu ſeiner Verbindung mit dem Boden und zur Muͤrbung deſſelben Vieles beytraͤgt. Auf zähem, kaltem, den Miſt nur langſam zerſetzendem Boden iſt dieſes Verfahren ſehr gut angebracht; weniger auf einem leichten hitzigen Boden. Indeſſen iſt der Landwirth zu der Zeit nur ſelten in dem Falle Miſt zu haben, oder welchen eruͤbrigen zu koͤnnen. Haͤufiger koͤmmt daher vor Das Ueberfahren des rauh und tief gepfluͤgten Ackers mit langem friſchem Miſte im Winter. Dieſe Methode iſt ſehr paſſend, da ſie dem Landwirth Gelegenheit verſchafft ſich des auf der Miſtſtaͤte muͤßig liegenden, oft hinderlichen, Miſtes zu entledigen, und ſein Geſpann waͤhrend einer Zeit, wo es oft nichts zu thun hat, z. B. beym Froſte, zu be⸗ 618 ſchaͤftigen. Gebreitet uͤber den rauh aufgepfluͤgten Boden ziehen die von dem Miſte ſich trennenden, ausgewaſchenen Theile in denſelben hinein, die auf der Miſtſtaͤte zum Theile, oder ganz verloren gegangen waͤren. Die Strohdecke dient ihrer Seits zur Milderung der rohen Scholle. Das Duͤngen nach Winter iſt oft an andern Geſchaͤf⸗ ten hinderlich, und wird dann fuͤglicher bis zum Pflanzen ſelbſt verſchoben. Das vorlaͤufige Duͤngen und unterpfluͤgen hat indeſſen den Vortheil, daß die Kartoffeln einen beſſern Geſchmack annehmen, als wenn der Dung unmittelbar mit den Knollen eingebracht wird. Ein zweymaliges Duͤngen, wobey die Haͤlfte des Miſtes vor, die Haͤlfte nach Winter aufgebracht wird, iſt, in ſoferne es ausgefuͤhrt werden kann, unter allen das beſte Verfahren, beſonders auf etwas er⸗ ſchoͤpftem Boden; indem der vor Winter aufgebrachte Miſt in einen humoſen Zuſtand uͤbergeht, auf den der friſche thaͤ⸗ tig einwirkt. Das Duͤngen bey dem Pflanzen der Kartoffeln ſelbſt iſt wohl das gemeinuͤblichſte Verfahren. Es findet ſowohl bey dem Einlegen hinter dem Pfluge, als den Handwerkzeugen ſtatt. Bey erſterm wird der Dung entweder vorlaͤufig uͤber das ganze Feld verbreitet; oder Reihenweis in Haͤufchen von dem Wagen abgezogen, und zugleich mit den Kartoffeln mit der Forke in die geoͤffneten Furchen eingelegt. Bey dem Gebrauche der Handwerkzeuge wird der Dung ebenfalls in die gedffneten Gruben(Stufen) gebracht. Man ſieht nicht darauf, ob die Setzkartoffel auf oder unter den Miſt zu liegen komme; jedoch iſt jenes auf feuchtem, dieſes auf trocknem Boden gerathener. Beabſichtiget man mehr den Ertrag der Kartoffeln, und die Erſparung des Duͤngers, ſo 6¹9 ſcheint das Eingruben des Miſtes wirthſchaftlicher; beabſich, tiget man aber zugleich die folgenden Fruͤchte, ſo iſt das Ueberduͤngen der ſaͤmmtlichen Oberflaͤche vorzuziehen. Jedoch bildet auch dieſes ſeine Ausnahme. Iſt der Boden hitziger, dungverzehrender Natur, oder, mit andern Worten, iſt er ein Sandboden: ſo iſt das Mehraufbringen von Dung, als die Kartoffelhoͤrſte noͤthig haben, eine Vergeudung, indem ſich der Dung in den Zwiſchenraͤumen fruchtlos aufreibt, und fuͤr die folgenden Fruͤchte verloren iſt. Man reicht alſo beſ⸗ ſer der Kartoffel nur eben ſo viel, als ſie bedarf, und bringt es ihr ſo nahe, als moͤglich. Auf welche Art aber auch immer der Dung angewendet wird: ſo gilt dabey die Hauptregel, ihn nicht zu tief in den Boden zu bringen, alſo das Talent nicht zu vergraben. Da es jedoch Faͤlle giebt, wo das Tiefpfluͤgen mit dem Miſtein— pfluͤgen zuſammentreffen kann: ſo muß alsdann gezweyfuhrt, und der Miſt zwiſchen die beyden Schnitte eingebracht werden. Das Ueberduͤngen der ſchon gepflanzten Kartoffeln, wo⸗ von uns noch zu reden uͤbrig bleibt, hat nicht allein viele Anhaͤnger und Vertheidiger; ſondern wird auch alle Tage beliebter. Intelligente Landwirthe behaupten, daß ſolches ſowohl fuͤr die Kartoffeln, als die darauf folgenden Fruͤchte beſſer ſey. In feuchten Sommern zumal ſoll dieſe Duͤn⸗ gungsart gute Wirkung thun, und den Kartoffelertrag ſehr vermehren. Auf jeden Fall hat das Ueberduͤngen den Vor⸗ theil, daß man auch dann Kartoffeln legen kann, wenn man fuͤr den Augenblick nicht mit Dung verſehen iſt. Nach— dem naͤmlich die Kartoffeln uͤber der Erde und durcheggt oder behackt worden ſind, wird der Miſt aufgefahren und ſogleich uͤber das Feld verbreitet. Sind die Kartoffeln durch⸗ 620 gewachſen: ſo wird mit der Hacke gehaͤufelt. War der Miſt kurz, ſo laͤßt ſich das Haͤufeln auch mit dem Geſpanne aus⸗ fuͤhren. In Flandern bedient man ſich außer dem Miſt noch anderer Gegenſtaͤnde zum Duͤngen der Kartoffeln, naͤmlich Kalk, Aſche, Rapskuchen, Jauche. Auf ſchwerem kaltem Boden wendet man den Kalk an, ſtreut ihn einige Tage nachdem die Kartoffeln gepflanzt ſind, und uͤberſchleift das Feld mit umgeworfener Egge, um den Kalk mit der Erde zu verbinden. Eine ſolche Kalkduͤngung wirkt dann auch noch merklich auf den Weitzen oder die Bohnen fort, welche man auf die Kartoffeln folgen laͤßt. Die Anwendung der Aſche hat ſtatt auf ſchwerem, die der Oelkuchen auf leichtem Boden. Beyde Gegenſtaͤnde werden nicht uͤber das Feld her⸗ geſtreut, ſondern zu einer, Handvoll in jede Grube oder Stufe eingeworfen. Die Jauche wird uͤber die Kartoffeln erſt dann ergoſſen, wenn ſie ſchon uͤber der Erde ſind. Iſt aber gekalkt worden, ſo wird keine Jauche aufgebracht. Hieher gehoͤrt endlich die in Flandern uͤbliche gruͤne Duͤn— gung zu Kartoffeln. In Suͤmpfen, Graͤben, traͤge laufen⸗ den Fluͤſſen erzeugt ſich in dieſem Lande eine Menge Waſ⸗ ſerpflanzen, die der fleißige Flamaͤnder auf trocknem Boden zu ſeinen Kartoffeln verwendet. Wenn nun gleich die Wir⸗ kung dieſer Pflanzen nicht von Dauer iſt, ſo reicht ſie doch zu, um, beſonders in trocknen Jahrgaͤngen, eine gute Kar⸗ toffelaͤrndte ohne andern Miſt zu erzeugen. Man benimmt ſich dabey auf folgende Weiſe. Das abgemaͤhete Kraut wird aus dem Waſſer gefiſcht, und auf das Feld gebracht, das aber ſchon ganz fertig zum Pflanzen ſeyn muß. Die Stu⸗ fen werden zu 4 Zoll tief ausgehauen, von dem Kraut ein⸗ 621 geworfen, und die Setzkartoffel darauf gelegt, oder auch dieſe unten, und das Kraut oben daruͤber, im Falle der Boden ſehr trocken iſt. Strenge muß dabey beobachtet wer— den, daß das Kraut in Zeit von zweymal 24 Stunden in der Erde ſeyn muß, ohne welches es ſeine Wirkung verliert. Dieſe beruht naͤmlich hauptſaͤchlich auf der unglaublichen Gaͤh— rung, in welche das in friſchem Zuſtande untergebrachte Kraut geraͤth, wodurch der Boden ſich erwaͤrmt, und die Kartoffeln ſogleich zu keimen anfangen. Dabey unterhaͤlt das Kraut die Feuchtigkeit im Boden, welches ſo wichtig fuͤr trockne leichte Felder iſt. Der Flamaͤnder hat ſich ſo uͤberzeugt von dem Nutzen dieſer Duͤngungsart, daß er, in Abgang andern Dungs, manchmal Klee maͤhet, um ihn in die Stufen der Kartoffeln zu bringen. §. 5. Pflanzzeit und Saamen. Man kann die Kartoffeln fruͤhe und ſpaͤt pflanzen. Die eigentliche und beſte Zeit iſt die, wo ſich Leben und Waͤrme in dem Boden verbreitet haben; alſo von der Haͤlfte Aprils bis zur Haͤlfte Mais. Von einem fruͤhern Legen wird man ſelten Vortheil, von einem ſpaͤtern nicht ſelten Nachtheil ha⸗ ben; am meiſten dann, wenn man Wintergetreide darauf folgen laſſen wollte. Was hat man nicht ſchon Alles mit der geduldigen Kartoffel angefangen, um das ziemlich koſtſpielige Saat⸗ gut derſelben weniger koſtſpielig zu machen; oder durch die Auswahl deſſelben die Ruͤckgabe zu vermehren! Man pflanzt ſehr dicke auserleſene Kartoffeln, mittelmaͤßige, kleine, Aus— wurf. Man pflanzt ganze, halbe, viertel, einaͤugige Wuͤr⸗ fel, Platten(Kartoffelkoͤpfe), ausgebohrte Augen, Schaa⸗ 6²22 ben. Man legt gelaufene Keime, verpflanzt getrennte und bewurzelte Schoͤſſe, ſteckt abgeſchnittene Fuß lange Laubſtaͤn⸗ gel, oder legt ſie unabgeſchnitten um den Stock herum ein. — Und— Alles waͤchſt und gedeiht mehr oder weniger, je nachdem man mehr oder weniger Fleiß und Vorbereitung darauf verwendet. Da dieſe Schrift keine Garten-Cultur beruͤckſichtiget, ſo kann ſie ſich auch mit reinen Kuͤnſteleyen nicht abgeben, und beſchränkt ſich auf die erprobt beſten, auf das Feld anwendbarſten, Weiſen. Wir gehen bey der Auswahl der zur Saat beſtimmten Kartoffeln von dem anerkannten Grundſatz aus, daß der Trieb ſich einige Zeit aus dem Mutterſchooße naͤhre, bevor er durch ſeine Wurzeln ſich Nahrung von außen her zu ver⸗ ſchaffen weiß. Wir gewahren dieſes bey den Kartoffeln, mehr noch als bey andern Pflanzen, z. B. durch das Trei⸗ ben einiger Ellen langen Ranken, wenn die Knollen an et⸗ was warmen Orten aufbewahrt werden. Legt man ſie in Waſeer, ſo treiben ſie mehrere belaubte Zweige, die bis zur Hoͤhe von einem halben Fuß heranwachſen, ohne einer an⸗ dern Nahrung zu beduͤrfen. Es folgt mithin, daß die er⸗ ſten Kartoffeltriebe um ſo ſchnelleres Gedeihen haben, als der Mutterkoͤrper, mit dem ſie zuſammen hangen, ihnen mehr Nahrungsſtoffe darbietet, bis dahin ſie erſtarket ſich der Mutter entwoͤhnen, und auf eigene Rechnung zu leben an⸗ fangen. Eine dicke, vollbuͤrtige Kartoffel wird daher, unter gleichen Verhaͤltniſſen, eine ſtaͤrkere und dabey groͤßere Nach⸗ zucht haben, als eine von mittelmaͤßigem Umfange, und die Abkommlinge dieſer werden die einer kleinen, zumal ei— ner ganz kleinen, uͤbertreffen. Man wuͤrde daher hoͤchſt Un⸗ recht haben andere, als gerade die auserleſenſten zu pflanzen, 623 wenn nicht der Verluſt an Maſſe zum Nachtheile des Vor⸗ raths dabey in Betracht käme. Es iſt zwar wahr, daß man die dicken Pflanzkartoffeln weiter unter ſich entfernen kann, da ſie ſtaͤrkere Hoͤrſte bil— den; demungeachtet wird gar leicht noch einmal ſo viel Saat⸗ gut drauf gehen, als bey mittelmaͤßigen. Man hat aber in dem Zertheilen ein gutes Mittel dem Verluſt vorzubeu— gen, und kann dann das Viertel einer ganz großen Kartof⸗ fel der Haͤlfte einer mittelmaͤßigen, ſo wie zwey kleinen gan⸗ zen vorziehen. Indeſſen ſind Einige, die ſich gegen das Zerſtuͤckeln er⸗ klaͤren. Auch dieſe moͤgen unter ſichern Umſtaͤnden Recht ha⸗ ben. Hierunter zaͤhle ich die Naͤſſe, es ſey, daß ſie vom Boden, oder vom Jahrgang herruͤhre. Es ſcheint ſehr glaub⸗ bar, daß die ganzen Kartoffeln einer großen Naͤſſe weit beſ⸗ ſer als die getheilten widerſtehen. Der Belge van Aelbroeck fuͤhrt daruͤber eine Exfahrung an, welche ich in Kuͤrze hier angeben will. Ein ſtarker Platzregen vertrieb zwey Nachba⸗ ren, die mit Kartoffelpflanzen beſchaͤftiget waren, vom Fel⸗ de, nachdem die Arbeit bis auf vollendet war. Die ge⸗ ſchnittenen Kartoffeln blieben unterdeſſen im Regen liegen. Die Pflanzer kamen bald nach dem Erguſſe wieder, und vollbrachten ihre Arbeit. Nach zwey Monaten fand ſich nun, daß nicht die Haͤlfte der nach dem Regen gepflanzten aufge⸗ gangen war. Man grub nach, und fand ſie verrottet. Bey den Verſuchen, welche Anderſon hieruͤber anſtell⸗ te, war das Ertragsverhaͤltniß von großen ganz gepflanz⸗ ten Kartoffeln zu dem von ganz kleinen, nach Abzug der Einlage, wie 283 zu 153. Das von zerſchnittenen großen, an denen man nur ein Auge gelaſſen hatte, verhielt ſich zu 6²4 dem von in der Mitte durchgeſchnittenen wie 231 zu 125. In dem erſten Verſuche ſtand das Quantum der Einſaat der groͤßern Kartoffeln zu dem der kleinern wie 23 zu 1, in, lezterm Verſuche wie 6 zu 1. Anderſon folgert aus meh⸗ reren Verſuchen: daß die Groͤße des Ertrages mehr oder weniger von der Groͤße des Pflanzgutes ab⸗ hange, und daß man auf keinen Fall kleine Kar⸗ toffeln pflanzen ſoll. Es geht noch ferner daraus her⸗ vor, daß der Rohertrag großer ganzer Kartoffeln betraͤcht⸗ lich groͤßer ſey, als der derſelben Kartoffeln, wenn ſie in Stuͤcke geſchnitten, und in aͤhnlicher Entfernung einzeln ge⸗ pflanzt werden, indem ihm jene 453, dieſe nur 266 dem Maaß nach gaben; indeſſen ſinken jene wieder um etwas ſtaͤrker nach Abzug der Einſaat, da nur 283 davon, von den zerſchnittenen aber 251 uͤberblieben. Demnach hatten ſich die ganzen K. nur um 3mal, die geſchnittenen aber um ⸗ zmal vermehrt, welches leztern keinen unbedeutenden Aus⸗ ſchlag giebt, indem die Kartoffeln zur Zeit der Saat, des Einſchrumpfens wegen, bey gleichem Maaße einen hoͤhern Werth als zur Zeit der Aerndte haben. Am ſchlechteſten bewieſen ſich in Anderſons Verſuchen die Spitzen und Platten oder oberen und unteren Ende der Kartoffeln. Sie verhielten ſich im Ertrage zu den hoͤher gedachten kleinen ganzen Kartoffeln wie 1 zu 2 und zu den Stuͤcken der großen wie 1 zu 5, obgleich jene Platten und Spitzen nicht von kleinen, ſondern von dicken abgeſchnitten worden waren. Ein fruͤherer Verſuch, den Anderſon mit bey⸗ den gemacht hatte, gab zwar den Platten ein großes Ue⸗ bergewicht uͤber den Erfolg der Spitzen, da ſolches ſich aber beym folgenden Verſuche nicht bewaͤhrte und beyder Ertrag ſich 625 ſich auf ſehr wenig gleich war: ſo ſchloß er, daß das fruͤ⸗ here plus der Platten von der ſtaͤrkern Dicke herruͤhrte, die er ihnen gelaſſen hatte; bey dem leztern Verſuche aber hatte er ſie gleich betheiligt. Daß dieſer Schluß richtig war, be⸗ wieſen ihm andere Stuͤcke von dem dickern Theile der Kar⸗ toffel, an denen er ebenfalls nur ein Auge, aber 17mal ſo viel Fleiſch gelaſſen hatte. Nach ihm ſcheint es nicht, daß ein Auge an irgend einem Theile der K. fruchtbarer ſey als eines an einem andern. Ich uͤbergehe meine eigenen, vor einigen zwanzig Jahren gemachten und kundgewordenen Verſuche, um mich zu de— nen zu wenden, welche H. Bergier de Renens bey Lauſanne uͤber denſelben Gegenſtand anſtellte. Er beſteckte 12 Reihen, jede Reihe mit 16 Pflanzen. Davon wog die Einſaat von drey zu drey Reihen wie folgt: Nr. 1. ganz dicke Kartoffel... 18 Pfd. 6 Unzen. Nr. 2. mittelmaͤßige..... 8 Nr. 5. kleine........ 4 3 Nr. 4. Stuͤcke mit zwey, drey Augen?2 2 Der Ertrag war von Nr. 1... 2035 Pfd. 4 Unz. Einſaat.. 18 6 abgezogen ₰ bleibt rein....... 1387 Pfd. 14 Unz. Nr. 2. 158 12 Einſaat. 8. u abgezogen bleibt rein....... 150 12 Nr. 3.... 149. 12 Einſaat.. 4 3 abgezogen bleibt rein........ 1,5 4 w Schwerz Anlelt. z. prakt. Ackerbau. II. Bd. 40 Nr. 4. 126 4 Einſaat... 2. zahgezogen bleibt rein.„.. 1124 2 Es bedarf wohl keines ſtaͤrkern Beweiſes fuͤr die Vor⸗ theile, welche groͤßere Pflanzkartoffeln gewaͤhren. Schließlich will ich nicht in Abrede ſtellen, daß, wenn kleine Kartoffeln, oder kleine Wuͤrfel, oder duͤnne Platten ein⸗ oder zwey⸗ dreymal naͤher zuſammengepflanzt werden, als große ganze Kartoffeln, oder ſchwere Stuͤcke derſelben, daß, ſage ich, man von jenen nicht einen gleichen Ertrag wie von dieſen erwarten koͤnne, ſchwerlich aber eben ſo ſchoͤne Fruͤchte. Aus dem Geſagten geht hervor, daß das Quantum der Einſaat nicht zu beſtimmen ſey, und daß man je nach der weitern oder engern Entfernung, den groͤßern oder klei⸗ nern Knollen, dem Ganz⸗ oder Zerſtuͤckeltlegen, man mehr oder weniger Pflanzgut noͤthig habe; ſo pflanzt man bey Thaer 12, in der Gegend von Bruͤgge 25, von Antwer⸗ pen 34, bey Moͤllinger 13 ⅜, im Elſaß 25. Als Regel laͤßt ſich annehmen, daß in dem Verhaͤltniß zu der Kartof⸗ felart, der Bearbeitung, die man auf ſie zu verwenden ge⸗ denkt, und der Kraft des Bodens die Knollen ſo nahe ge⸗ bracht werden muͤſſen, daß ſie bey ihrem Vollwuchs das Land durch ihre Belaubung gaͤnzlich in Schatten ſetzen, ohne jedoch ſich zu draͤngen. Ob dem wirklich ſo ſey, wie Ei⸗ nige behaupten, daß die K. auf magerm Boden weiter von einander gebracht werden muͤſſen als auf fetterem, um durch fleißigere Bearbeitung nachher das zu erſetzen, was dem Bo⸗ den an Kraft gebricht, weiß ich nicht zu ſagen. 6²27 §. 6. Pflanzungsart. Das Pflanzen geſchieht entweder mit Hand⸗- oder Ge⸗ ſpannwerkzeugen. Die Pflanzungsart mit erſtern iſt ſehr verſchieden. Man bedient ſich dabey hier des Spatens, dort der Haue, an andern Orten des Karſtes, und wieder an andern eines keil⸗ foͤrmig zulaufenden Pfahls. Das Pfahlpflanzen, ſo wie es in Belgien zum Theile ſtatt hat, geht am geſchwindeſten. 4 Maͤnner und 2 Frauen beſchaffen dabey ſo viel, als 8 Maͤnner und 2 Frauen mit dem Spaten. Van Aelbroeck will ſogar, daß ein ruͤſtiger Stecher drey Kartoffeleinlerger(Kinder oder Weiber) beſchaͤf⸗ tigen kann, und daß dann dieſe Perſonen auf einen Tag ungefaͤhr 1 ¾ Hektar abfertigen koͤnnen, welches mir jedoch kaum glaublich ſcheint. Der Pflanzpfahl wird indeſſen nur auf ſandigem Boden angewendet. Die Locher fallen dabey auf 1 ½— Fuß ins Quadrat. Die Pflugſchnitte dienen zur Richtung. Der Pfahl hat 4 Fuß in der Laͤnge, und mißt an dem dickern Theile des Keiles 3 Zoll im Durchſchnitt. Die Frauen werfen in jedes Loch eine oder zwey Kartoffeln, oder Stuͤcke, je nach ihrer Groͤße. Nach dem Pflanzen wird eingeeggt, wodurch ſich die Loͤcher fuͤllen, oder auch nicht geeggt und die Loͤcher von den Pflanzern mit dem Fuße zugeſcharrt. Das Pflanzen mit dem Spaten, der Haue, oder dem Karſte iſt bekannt. Das Ausſpannen einer Schnur iſt da⸗ bey ooͤllig uͤberfluͤſſig. Zu dem Ende wird der Acker nach dem lezten Pfluͤgen nicht abgeeggt, wodurch die Pflugſchnitte dem Locherhauer oder Stecher zur Richtung dienen. Er hat es in ſeiner Wahl einen oder zwey Schnitte zu uͤberſchlagen, 1 4 6²8 je nachdem dieſe breit ſind, oder die Kartoffelhoͤrſte weit oder enge fallen ſollen. Man fuͤllt entweder die Vertiefung der bepflanzten Stufe unmittelbar mit der Erde, die aus der folgenden gehoben wird; oder man wartet, bis eine Stufenreihe gaͤnzlich vollendet iſt, und deckt mit der Erde aus der folgenden Stufenreihe. Man giebt den Stufen (Gruben) hoͤchſtens 4 Zoll Tiefe. Ein Weib oder Kind iſt fuͤr zwey Gruber zum Einlegen zureichend. Da die Pflanzungen mit Handwerkzeugen viele Men⸗ ſchen, oder bey wenig Menſchen viele Zeit erfordern, daher die Koſten vermehren: ſo laͤßt ſich bey groͤßern Pflanzungen die Sache wohlfeiler, ſchneller und doch eben ſo gut mit dem Pfluge abfertigen. Außer dem Pfluͤger ſind dabey 6 Einleger, oder bey zwey Pfluͤgen 12 Einleger erforderlich. Man belegt eine Furche uͤber die andere; oder jede dritte, im Falle die Schnitte ſchmal ſind. Weiter als 2 Fuß duͤr⸗ fen die Reihen nicht von einander abſtehen, weilen ſie ſich ſonſt nicht voͤllig mit den Geſpannwerkzeugen haͤufeln laſſen. Unter ſich laͤßt man die Kartoffeln im Verhaͤltniß zur Groͤße des Saatguts, oder ihrer Belaubung auf 6— 12—18 Zoll von einander fallen. Auf duͤrrem Boden thut man am beſten die Kartoffeln in den Winkel zu legen, den die Sohle der Furche mit ih⸗ rer ſenkrechten Wand bildet; auf ſchwerem oder feuchtem Boden wuͤrde dieſes Anlegen auf die feſte Sohle in naſſen Jahren Nachtheile zuziehen. Man bringt daher die Setzlinge auf die entgegengeſezte Seite, und druͤckt ſie ein Paar Zoll uͤber der Sohle in den aufgeworfenen Schnitt. Dadurch kommen ſie in den aufgelockerten Grund zu liegen, und — 62²9 koͤnnen von dem vorſchreitenden Geſpanne nicht aus ihrer Lage verruͤckt werden. Waͤre man gendͤthiget die K. auf einen der Naͤſſe un⸗ terworfenen Boden zu bringen: ſo muß man ſie ſo hoch als moͤglich, alſo oben auf, und nicht in den Boden zu pflanzen ſuchen. Zu dem Ende wird das Feld fertig ge⸗ pfluͤgt, und die Setzkartoffeln Reihenweis angelegt, wie ſie jeder zweyte Schnitt bezeichnet, ohne vorher geeggt zu haben. Sollten ſich aber die Schnitte nicht deutlich genug ausſpre⸗ chen: ſo wird vorlaͤufig abgeeggt, leicht gewalzt, und das Feld ſeiner Laͤnge nach mit einem Furchenzieher uͤberfahren, deſſen Fuͤße oder Stiele 1 Fuß Entfernung haben. Man belegt nunmehr die bezeichneten Rillen, eine uͤber die andere, und durchfaͤhrt die nicht belegten unmittelbar darauf mit dem Haͤufelpflug, wodurch die Setzkartoffeln uͤberdeckt werden— Gerade das entgegengeſezte Verfahren hat in Flandern auf trocknem Boden ſtatt. Das Land wird voorlaͤufig auf Hohlfuhren, ganz ſchmale Kämme, gepfluͤgt, und die Kar⸗ toffeln in die offenſtehenden Furchen gelegt. Der Miſt wird nun aufgefahren, und uͤber die Kartoffelreihen vertheilt. Dar⸗ auf wird mit der Haue die Erde der Kaͤmme daruͤber her⸗ gezogen und das Feld am Ende mit der Schleife geebnet. Mehrere Verfahrungsarten giebt an die Anleitung zur Kennt⸗ niß der belgiſchen Landwirthſchaft II. Band Seite 79—91. Das vorgeſchlagene Legen ins Quadrat hat den anſchei⸗ nenden Vortheil des Behaͤufens nach allen Richtungen; bleibt aber nur auf ſehr breiten, und zugleich ſolchen Feldſtuͤcken anwendbar, wo man von vier Seiten Zugang hat. Dabey giebt es der Entfernung der Hoͤrſte wegen nicht gleichen Er⸗ trag, wie das Legen in Reihen. Endlich laſſen ſich dieſe 630 eben ſo vollkommen und mit weniger Muͤhe behaͤufen, und fuͤglicher mit dem Pfluge einaͤrndten, als die ins ◻ ge⸗ pflanzten Kartoffeln. Noch bleibt uns uͤbrig hier der Ir⸗ laͤndiſchen Art zu gedenken. In einem Lande, wo eben ſo heilloſe als bedauerns⸗ wuͤrdige Umſtaͤnde ſieben Millionen Menſchen dahingebracht haben, beynahe nur von Kartoffeln zu leben; da mag die Noth die Einwohner erfinderiſch, und ſie mit der jenem Baue entſprechendſten Cultur vertraut gemacht haben. Es hat zwar den Anſchein, daß durch die irlaͤndiſche Art viel Raum ver— loren gehe, und die ganze Beſtellung viel Arbeit koſte, wie auch beydes wahr iſt; indeſſen iſt ſie ſo ergiebig, daß Leute, welche die Reihencultur verſucht hatten, ſie wieder aufgaben, um zu ihrer beliebten vaterlaͤndiſchen zuruͤckzukehren. Auch iſt nicht zu laͤugnen, daß ſie auf jeden feuchten, ſelbſt tor— figen, Grasboden in hohem Grade paſſe. Der Boden wird entweder vorlaͤufig in Beete, die nicht ſchmaͤler als 4 Schnitte(3 ½ Fuß) und nicht breiter als 6 Schnitte(5 Fuß) ſeyn duͤrfen, gepfluͤgt, und zwiſchen Beet und Beet ein Raum gelaſſen, der etwas breiter als das Drittel des Beetes gehalten werden muß. Statt des Pflu⸗ ges bedient man ſich auch wohl der Haue oder des Spa⸗ tens. Iſt es ein guter Grasboden, den man vor ſich hat: ſo wird oft weder gepfluͤgt noch gegraben, und die Beete werden blos nach der Schnur abgeſtochen. Man nennt dieſe leztere Methode Lazy- bed(Faullenzer⸗Beete). Iſt das Feld nach einer der vorgeſchriebenen Arten vor⸗ bereitet worden, ſo witd der Miſt aufgefahren, und uͤber die Beete, nicht aber die Zwiſchenraͤume, gebreitet. Auf dieſen Miſt werden die Kartoffelſtuͤcke ohne beſondere Ord⸗ 631 nung gelegt, jedoch ſo, daß ſie in jeder Richtung einen kleinen Fuß von einander fallen. Nunmehr werden die Zwi⸗ ſchenraͤume ausgegraben und wenn es ein Grasboden iſt, die Stiche ſehr duͤnn und ſeicht gehalten, um die Narbe leichter broͤcklen zu koͤnnen. Mit dieſem Gebroͤckel werden die Kar⸗ toffeln uͤberworfen, und noch mit etwas Erde aus den Zwi⸗ ſchenraͤumen, nun Graͤben, uͤberſchoſſen. Bey den Faullen⸗ zerbeeten iſt das Behacken der Pflanzen, wie ſie aus der Erde hervorſtechen, nicht nothwendig, da der Boden an ſich rein iſt; nicht ſo bey den umgepfluͤgten Beeten, die ſchon vorher Acker waren. Haben die Pflanzen etwa 2 Zoll Hoͤhe: ſo werden die Graͤben zum Zweytenmal ausgegraben, und das Feld mit der ausgeſtochenen Erde uͤberſchoſſen. Sind die Kartoffeln auch uͤber dieſe Decke hervorgewachſen: ſo wird das Feld von neuem mit Erde gedeckt. Bey dieſer lezten und end⸗ lichen Vorrichtung werden die Waͤnde der Graͤben rein abge— ſtochen, und die Sohle deſſelben vollkommen gereiniget. Die Graͤben haben dann in dem Verhaͤltniß zu der Erhoͤhung der Beete eine Tiefe von einem bis anderthalb Fuß.— Bey nach⸗ heriger Aerndte und fernern Behandlung des Feldes fuͤllen ſich die Graͤben einiger Maaßen, und der Acker bildet ſtark erhoͤhete Beete. Etwas Aehnliches findet man auch in den Niederlanden. Sieht man einen regneriſchen Jahrgang vor: ſo legt man das Feld bey dem Pfluͤgen in ſchmale, 6 Schnitt breite, Beete, und pflanzt die Kartoffeln darauf nach gewoͤhnlicher Art mit Spaten, Haue, oder Pfahl, aber nicht mit dem Pflug. Darauf werden die Beetfurchen mit dem Spaten um einen vollen Stich— 8, 9 Zoll— vertieft und mit 6³²³ dem gewonnenen Grund die Beete uͤberworfen. Da nun die Furchen rein ausgeſchoͤpft, und die Beete ſo ſchmal ſind, ſo kann kein uͤberfluͤſſiges Waſſer in leztern ſtehen bleiben. Diejenigen, welche ſich in den Jahren 1816 und 1817 ſo benahmen, hatten eine geſegnete Aerndte, ſtatt daß andere, welche es nicht beobachteten, faſt nichts hatten. §. 7. Pflege. Das Behacken und Behaͤufen mit Handwerkzeugen, wie Karſt, Haue, Spaten bedarf, als allgemein bekannt, wohl keiner Beſchreibung. Auch die mit dem Geſpanne vollfuͤhrte Arbeiten ſind hoͤchſt einfach. Nach dem Pflanzen der Kartoffeln laͤßt man das Land 1 rauh liegen, damit die Egge nachher ſtaͤrker eingreifen koͤnne. Iſt der Boden ſproͤde, alſo zum Erhaͤrten bey trockner Wit⸗ terung geneigt: ſo eggt man ein Paar Tage nach dem Pflanzen, ſonſt erſt wenn die K. uͤber der Erde ſind. Aber auch im Falle fruͤher geeggt worden waͤre, muß jezt von neuem, und zwar nachdruͤcklich, geeggt werden, wenn es zur Zerſtdͤrung des fruͤhen Unkrautes dienen ſoll. Dieſes Eggen kann zum Zweyten⸗, ja Drittenmale wiederholt wer⸗ den, in ſoferne es die Unreinigkeit oder Sproͤde des Ackers erheiſcht. Man darf dabey weder das Schinden der Kartof⸗ felblaͤtter, noch ihr Ueberſchleifen mit Erde fuͤrchten. Ha⸗ ben die Pflanzen die Hoͤhe von einem kleinen Fuß erreicht: ſo wird zum Erſten-, und nach etwa 14 Tagen zum Zwey⸗ tenmal vermittelſt des Zweyruͤſters gehaͤufelt; flacher das Erſte, ſtaͤrker das Zweytemal. Shim, Paßauf, Reihen⸗ ſchaufler ſind dabey uͤberfluͤſſig, ein guter Zweyruͤſtriger oder Haͤufelpflug genuͤgt. —— ——— —— —. 63³ Eine Hauptregel iſt, das Behaͤufen nicht bey naſſem Zuſtande des Bodens zu vollfuͤhren. Hat man einen duͤrren Boden vor ſich, oder wohnt man in einer ſehr ſuͤdlichen und warmen Gegend: ſo ge⸗ waͤhrt das Behaͤufen im Durchſchnitte mehr Nach⸗ als Vor⸗ theile. Man thut dann beſſer, wie bey den Runkeln, das Land nur flach zu behacken. In den Sandlaͤndern Belgiens koͤmmt dieſes oft vor. Da die Menſchen nicht leicht genug haben, ſo ſchien der Ertrag ſelbſt der Kartoffeln nicht alle zu befriedigen. Ei⸗ nige verſuchten ihn durch das Auspetzen der Blumen, ſo— bald ſie ſich zeigten, zu vermehren; andere dadurch, daß ſie der Pflanze nicht mehr als einen Trieb ließen. Der Er⸗ folg war vorauszuſehen. Die Sache iſt verſchollen, und wird nur von Neuerungsſuͤchtigen manchmal wieder hervor⸗ geſucht. Andere wollten, außer der Benutzung der Knollen, auch noch aus der des Laubes Vortheil ziehen. Die Urheber die— ſer Entdeckung legten ihr einen bedeutenden Werth bey, und, ſiehe da! das Vieh frißt's, wenn es recht Hunger hat; oder wenn man viel gutes Futter damit miſcht. Aus Erfahrung kann ich bezeugen, daß das Kartoffellaub, ſelbſt dann, wenn es nur halb ausgewachſen iſt, ein ſehr ſchlechtes Fut⸗ ter fuͤr die Kuͤhe abgiebt. In ſeiner Reife gehoͤrt es auf den Miſthaufen; fruͤher gemaͤhet vermindert es den Ertrag der Knollen. Nach Anderſons Verſuchen verhielten ſich 9 Hoͤrſte, denen das Laub genommen worden war, zu g andern, de⸗ nen man es gelaſſen hatte, wie folgt: a) Den 2. Auguſt Entlaubte gaben Ertrag 2 Pfd. 12 Unzen. Nicht Entlaubte daneben ſtehend. 12 Pfd. 12 U. ——— 634 b) Den 10. Auguſt Entlaubte 5 Pfd. 8 u. Nicht Entlaubrbe. 13 Pfd. 11 U. c) Den 17. Auguſt Entlaubee. 6 Pfd. 2 U. Nicht Entlaubte. 13 Pfd. 12 U. d) Den 22. Auguſt Entlaubte. 9 Pfd. 5 U. Nicht Entlaubtbte 13 Pfd. 13 U. e) Den 29. Auguſt Entlaubte... 10 Pfd. 10 U. Nicht Entlaubte..... 14 Pfd. 1 U. H Den 5. September Entlaubte 12 Pfd. Nicht Entlaubte 13 Pfd. 3 U. Die Aerndte hatte ſtatt am 28. Oktober. Demnach waren Verluſt auf 2) 77 pCt. Pb) 60 pCt. c) 55„Ct. d) 32 ⅓ pCt. e) 24 ½ pCt. HP 11„pCt. Wer wollte fuͤr einen ſolchen Verluſt an nuͤtzlichen Knol⸗ len ſich hoͤchſt ſchlechtes Laub erkaufen? §. 3. Aerndte und Ertrag. Wenn das Laub anfaͤngt gelb zu werden, und die Knol⸗ len ſich ohne Widerſtand von den Wurzeln trennen, iſt die Zeit der Reife, alſo der Aerndte da. Dieſe geſchieht bey in Hoͤr⸗ ſten oder in Stufen gepflanzten Kartoffeln mit Forke, Karſt, Spaten oder Haue; bey Reihenpflanzungen mit dem Pfluge. Unter den Handwerkzeugen verdienen Karſt und Forke(Miſt⸗ gabeh den Vorzug; leztere zumal auf leichtem Boden. Der Forkenſtecher geht ruͤckwaͤrts bey ſeiner Arbeit. Er 635 ſchuͤttelt die ausgehobenen Hoͤrſte und breitet die Kartoffeln uͤber dem Felde hin, wo man ſie ein Paar Stunden zum Abtrocknen liegen laͤßt, bevor ſie aufgeleſen werden. Sol⸗ ches hat nebenbey den Vortheil, daß die Aufleſer nicht auf die Stecher warten duͤrfen und mancher Schaͤckerey zwiſchen beyden vorgebeugt wird. Auf dieſe Weiſe fertigen in Bel— gien, das in Saͤckefaſſen und Aufladen mit einbegriffen, 18 Mann und 3 Frauen 360 Hektoliter, den Ertrag eines Hektars, in einem Tage ab. Nach einer andern Angabe werden 11 Mann und 22 Frauen dazu erfordert. An dem Rheine bedient man ſich durchgehends des Kar⸗ ſtes, das iſt der Winzerhaue. Zur Abfertigung von 164 Hektoliter Kartoffeln, als Ertrag von einem Hektar bey dem Pfaͤlzer Moͤllinger, bedarf man 5 Hauer, 5 Aunfſchuͤttler und 10 Raffer. Nach dieſer Berechnung fertigen 20 Perſo⸗ nen einen Hektar mit dem Karſte ab, ſtatt daß ihrer 26— 33 mit der Forke dazu erfordert werden; dagegen foͤrdern dieſe das Doppelte an Scheffeln zu Tage. Da bey Ndͤl⸗ linger nur 13 und Hektoliter, bey Antwerpen aber 33 ½ gepflanzt werden; ſo folgt, daß man hier zwey und ein halbmal ſo viele Hoͤrſte als dort auszuheben hat, daß alſo jede Perſon bey der Forke ein ſtarkes Drittel mehr Arbeit abfertiget, als bey dem Karſte. Ich geſtehe aber gerne, daß Menſchen und Boden hierin einen Unterſchied machen koͤnnen. Bey Thaer foͤrdern 4 Hauer mit dem Kartoffelheber und 30 Weiber 192 Hektoliter, den Ertrag eines Hektars, zu Tage. Es fallen alſo bey ihm auf die Perſon 5,65 Hek⸗ toliter, ſtatt daß bey Moͤllinger 8,2 und in den Niederlan⸗ den beym Gebrauch der Forke 11 bis 13,33 darauf fallen. 6³⁶ zur Abfertigung eines Hektars. kannte daruͤber an. ſeine Gegend.. Zu Contigh in Brabant. In Weſtflandern Im Land von Waes In der Gegend von Tongern Die auf Reihen gepflanzten Kartoffeln werden gewoͤhn⸗ lich ausgepfluͤgt. Man bedarf zur Bedienung eines Pfluges auf thonigem Boden, der der Arbeit ſo viele Hinderniſſe in den Weg legt, 32 auch 36 Perſonen, Haͤlfte Kinder ſeyn koͤnnen. Man fertigt auf dieſe Weiſe 1 ½ Mor⸗ gen per Tag ab. Demnach gehoͤren 72 Perſonen und 2 Pfluͤge So verhaͤlt ſich's bey uns. Ich geſtehe, daß dieſe Arbeit ſehr theuer koͤmmt, iſt es, unſerer Erfahrung nach, die wohlfeilſte, anwenden koͤnnen. Burger bedarf fuͤr das Joch 10 Maͤn⸗ ner und 30 Weiber, alſo 7o Perſonen fuͤr den Hektar. I In den Niederlanden herrſcht die ſehr nuͤtzliche Methode, bey dem Aufleſen die ganz kleinen, dem Vieh ausſchließlich beſtimmten, Kartoffeln von den groͤßern zu ſondern. Sie betragen ungefaͤhr den 18ten Theil der Aerndte. nur 5 des Werths, den die vollwachſenen haben. Da die Pflanzungsart und das Quantum der Einlage 6 ſo mannigfaltig iſt: ſo fließt daraus, 1— ſehr weit von einander abweiche. Nach 9 Angaben von eben ſo vielen Diſtrik⸗ ten in England betraͤgt das Medium. Nach A. Youngs Reiſen ebendaſelbſt In Irland. 1 Nach 13 Angaben von Burger für bhn und worunter aber die und doch die wir hier Sie haben daß auch der Ertrag Ich fuͤhre das mir Be⸗ 289 Hektol. 354— 2960— 293— 362— 295— 319— 637 Bey Staatsr. Thaer........ 1831 Hektol. Bey Moͤllinger in der Pfalz nach einem Durch⸗ ſchnitt von 1o Jahren.. 164— Im Erſaß....... Das Medium dieſer Angaben giebt 276 Hektoliter vom Hektar. Nach einer Erfahrung, die mir in Brabant mitgetheilt wurde, kann der Ertrag der Kartoffeln in freyem Felde auf 477, und nach einer andern des Dr. Burger auf 416 Hek⸗ toliter ſteigen. Der geringſte Ertrag, von dem ich weiß, iſt von 96 Hektoliter. Er hatte ſtatt in der Pfalz bey Moͤl⸗ linger. Ich bedaure nur ſo wenig Angaben uͤber das Quantum der Einlage zu beſitzen; glaube aber immer, daß der Er⸗ trag in einem engen Verhaͤltniß zu der Einlage ſtehe. Das heißt, daß derjenige, der viel pflanzt, von einer gegebe⸗ nen Flaͤche nach Abzug der Einſaat mehr aͤrndtet, als der wenig pflanzt. Verſuche, die ich vor einigen 20 Jahren daruͤber anſtellte, bewieſen dieſes auf das Ueberzeugendſte. Es beſtaͤtiget ſich auch einiger Maaßen durch die ſo eben be— ruͤhrte Angabe. Thaer und Moͤllinger pflanzen im Durchſchnitte 12 ½ Hektoliter, aͤrndten nach Abzug der Einſaat 160. Im El⸗ ſaß pflanzt man 23, aͤrndtet nach Abzug der Einſaat 267. In den Niederlanden pflanzt man im Durchſchnitt 29 ½, ärndtet nach Abzug der Einſaat 298. Ich getraue mir zu behaupten, daß der geringe Ertrag beyder erſten, zum Theile, von der allzugeringen Menge des Saatguts herruͤhrt. 290— —— —— 638 §. 9. Aufbewahrung. Das Aufbewahren der Kartoffeln geſchieht in Kellern, wenn man damit verſehen iſt; oder in Gruben, welches nicht anzurathen; oder am gewoͤhnlichſten und beſten in Mie— then(langen oder runden Haufen, uͤber der Erde). Man graͤbt nicht tiefer in dieſe ein, als noͤthig iſt um ſo viel Erde zu gewinnen, als noͤthig iſt die Miethen zu decken, etwa einen Fuß tief. Die langen Miethen haben den Vor⸗ zug vor den runden, daß man ihnen bey 6—8 Fuß Breite jede beliebige Laͤnge geben, und ſie beym Anbrechen allmaͤh— lig wegnehmen kann; ſtatt daß die runden auf einmal weg— genommen werden muͤſſen. Man muß von leztern alſo ſchon mehrere anlegen, welches die Arbeit vermehrt. Man belegt den Boden mit etwas Langſtroh, ſo daß es bis zur Haͤlfte ſeiner Laͤnge uͤber den Rand der flachen Grube hervorrage, beugt das Stroh nach außen zur Erde, und legt einſtweilen ein Brett daruͤber her, bis die Kartof⸗ feln eingefuͤllt ſind. Man thuͤrmt dieſe in einen ſpitzzulau⸗ fenden Huͤgel auf, beugt zuerſt das aus der Grube hervor⸗ ragende Stroh dagegen an, breitet noch anderes Langſtroh dachfoͤrmig uͤber den Huͤgel oder Kegel her, und bewirft ihn leicht mit Erde, die man mit dem Spaten etwas anklopft. Bey eintretender Kaͤlte verdoppelt man die erdige Bekleidung. Die Dicke von einem Fuß, auch weniger, wenn man die Miethen mit einem dichtern Strohmantel umgeben hat, reicht zu. Daß kein Waſſer um die Miethe ſtehen bleiben, und noch weniger ſich in ihrem Innern vorfinden darf, verſteht ſich von ſelbſt.. Einige Worte Teichmanns uͤber das Aufbewahren der Kartoffeln werden hier an ihrem Orte ſeyn.„Werden, 639 ſagt er, die Kartoffeln fruͤhe bey warmer trockner Witterung ausgenommen; kommen ſie wie gewaſchen und faſt ohne alle Erde in den Keller, werden ſie hoch aufgeſchichtet, und waren ſie bey dem Ausgraben theilweis etwas beſchaͤdiget worden: ſo werden ſie um ſo weniger dauern, je laͤnger die warme Witterung nach dem Ausnehmen noch anhaͤlt, und je ſorgfaͤltiger das Behaͤltniß, wo ſie aufbewahrt wer— den, bis zum Eintritt des Winters verſchloſſen wird; oder je weniger ein Zuſtroͤmen der Luft bis zu dieſer Zeit ſtatt finden kann.“ Auch in den Miethen laͤßt man zu dem Zwecke von oben eine oder mehrere Oeffnungen, jedoch ſo, daß der Regen nicht dadurch hineinlaͤuft. Man ſchließt ſie bey herannahendem Froſte. Man huͤte ſich vor allem keine gefrornen Kartoffeln in den Haufen zu bringen; weßhalb man auch in den Zeiten, wo Nachtfroͤſte eintreten, die Kar⸗ toffelaͤrndte ſo lange einſtellt als dieſe dauern. Beſſer immer man ſuche dieſer Periode zuvorzukommen. §. 10. Verwendung. Wer wird ſie aufzaͤhlen die Verwendungsarten, zu der ſich dieſe geſegnete, wenn gleich unſern Wohlſtand bedrohen⸗ de, und den Ackerbau gefaͤhrdende, Frucht bequemt! Den Menſchen, wie den Thieren willkommen, dienen die Kar⸗ toffeln zu Speiſe und Trank, als Gemuͤſe und Brod, als Staͤrke, Puder und Gebaͤcke, als Wein und Branntwein, als fett- und milcherzeugendes Futter u. ſ. w. Sie uͤber⸗ treffen alle den Menſchen genießbare Gegenſtaͤnde an Groͤße des Ertrags, begnuͤgen ſich, ſehr wenig ausgenommen, mit jedem Boden, und gewaͤhren unter allen mehlhaltigen Ge⸗ waͤchſen das ſicherſte Einkommen. Mit einem Worte dieſe 640 einzige Pflanze iſt im Stande einen Strich durch die ganze Wiſſenſchaft des Ackerbaues zu machen. Moͤgte es dabey allein ſein Bewenden haben!!! Man ſchaͤzt einſtimmig den Werth der Kartoffeln an Nahrungsſtoff fuͤr das Vieh dem halben Heue, Block den⸗ noch nur dem halben Grummet, gleich. Beydes mag ſeyn! Es liegt aber ein großer Unterſchied darin, ob ſie ſo gleich nach ihrer Einaͤrndtung, oder 2—3 Monate ſpaͤter verfuͤt⸗ tert werden. In lezterm Falle, werden ſie dem Heue in je— ner Beziehung nicht zum Drittel, ja kaum zum Viertel nahe kommen, wie die Beobachtungen des ſehr erfahrnen, ge⸗ nauen und ſcharfſinnigen Schweizer Landwirthes H. v. Loys zu Lauſanne es dargethan haben. Es bedarf meines Exrach⸗ tens keiner Beweiſe, daß bey dem Eintrocknen ſaftiger Ge— waͤchſe ſich nicht auch naͤhrende Theile verfluͤchtigen, noch daß die fluͤſſigen Theile vor ihrem Entweichen dazu dienen oͤnnen, die feſtern Subſtanzen, mit denen ſie verbunden ſind, noch nahrhafter oder gedeihlicher zu machen; noch end— lich, daß, da die Kartoffeln nicht fuͤr ſich allein, ſondern als Zuſatz mit anderm trocknen Futter, Heu oder Stroh, gereicht werden, und durch dieſe Vergeſellſchaftung beyder⸗ ſeitige Wirkung erhoͤhet wird, daß, ſage ich, die Kartof— feln in ihrem ſaftigern Zuſtand dieſen Zweck beſſer, als in dem mehr trocknen erfuͤllen. Dagegen werfen Einige dem Safte der Kartoffeln eine nachtheilige Wirkung vor, und gewiß iſt es, daß nicht je⸗ des Vieh ſie ohne eine gute Zugabe von Heu in ihrem rohen Zuſtande vertragen kann. Man hat daher angefangen ſie zu kochen, wodurch ohne Widerſpruch, wie es der Erfolg bey dem menſchlichen Genuſſe erweist, alle widrigen Wirkungen des 641 des Saftes gehoben werden, und dieſer Verbindungen ein⸗ geht, welche die nahrungsfähigen Theile der ganzen Frucht vermehren; ſollte lezteres auch nur dadurch entſtehen, daß durch das Kochen die teigige Subſtanz in eine mehr ſchwam— mige brodartige, wie bey dem Getreidemehl durch das Ba⸗ cken geſchieht, umgewandelt wird. Der Vorzug der Kar⸗ toffeln in gekochtem Zuſtande kann daher, wie ich glaube, von Niemand verkannt werden. Eine vollſtaͤndige Gahre iſt dabey nicht noͤthig und es reicht zu, wenn ſie auch nur halb gekocht ſind. Noch behaupten einige, daß ein bloßes An— bruͤhen der klein zerſchnittenen Kartoffeln mit kochendem Waſ⸗ ſer eine vortheilhafte Wirkung hervorbringe. Diejenigen, welche das Kartoffelwaſſer fuͤr nachtheilig halten, gießen das Koch- oder Bruͤhwaſſer weg; dagegen Andere ſich eben dieſes Waſſers bedienen, um Strohhaͤckſel oder Kaff damit anzubruͤhen. Die Herren Favre, von der Meynung des Nachtheils ausgehend, verfielen in neurer Zeit darauf, die rohen Kartoffeln vorlaͤufig zu zermalmen, dann auszupreſſen, und nur das Ausgepreßte dem Vieh zu ge— ben. Es wird dem Leſer angenehm ſeyn, die Erfahrung Pictets daruͤber zu vernehmen. „Seit langer Zeit, ſagt er, verfuͤtterte ich die Kartof— feln auf dem Stalle, bis ich die Idee des Preſſens aus⸗ fuͤhrte. Die Schaafe nahmen gerade das Doppelte zu ſich, als ſie von ungepreßten Kartoffeln verzehrt haben wuͤrden. Dieſe Fuͤtterungsart laͤßt nichts zu wuͤnſchen uͤbrig, weder in Beziehung auf die Milch der Muͤtter, noch auf das Wohl⸗ befinden der Thiere. Es aͤußerte ſich nie bey ihnen ein Durch⸗ fall, wie manchmal bey den nicht gepreßten rohen Kartof⸗ feln zu geſchehen pflegt. Ich bediene mich dazu einer ge⸗ v. Schwerz Anleit. z. prakt. Ackerba u. II. Bd. 41 642 woͤhnlichen Schraubenpreſſe mit durchloͤchertem Kaſten. Auf dieſe Weiſe gedenke ich meinen ganzen heurigen Ertrag(1822) von 1384 Sack Kartoffeln zu verwenden.“ So viel das Auspreſſen auch fuͤr ſich haben mag: ſo iſt es doch auch mit manchen Schwierigkeiten verbunden, die da, wo der Brennſtoff nicht allzu theuer iſt, bewegen wer⸗ den, dem Sieden den Vorzug zu geben. Die Hauptbe⸗ ſchwerde beſteht naͤmlich darin, daß die Kartoffeln nicht tro⸗ cken, ſondern nur ungefaͤhr der Haͤlfte ihrer Feuchtigkeit ent⸗ leert aus der Preſſe kommen. Daher ſie noch an ſelbem Tage aufgefuͤttert, oder auf ſonſt eine Weiſe getrocknet wer— den muͤſſen, wodurch die Koſten und Umſtaͤnde groͤßer aus— fallen koͤnnen als beym Kochen. Bey Gelegenheit des Auspreſſens machte Pictet zufaͤllig eine Erfahrung uͤber die Nutzbarkeit des Kartoffelwaſſers bey ſeiner Verwendung auf das Gras. Eine wenig ergiebige Stelle eines guten Grasplatzes, die damit im Maͤrz befah⸗ ren worden war, wurde fuͤnfmal mit dem uͤbrigen abgefuͤt— tert, und zeichnete ſich jedesmal vor dem ganzen Platze aus. Bey der Fuͤtterung des Hornviehes will H. v. Loys, daß die Zugabe von Kartoffeln nicht ſtaͤrker als ½ hoͤchſtens die Haͤlfte des Heues betragen ſoll. Er haͤlt dafuͤr, daß, ſo bald man den Kuͤhen mehr als 15 Pfund taͤglich davon reicht, das plus den verhaͤltnißmaͤßigen Werth zum Heu nicht mehr habe, den die 15 Pfund fuͤr ſich haben, wo⸗ durch dann eine Verminderung des Futterwerths der Kartof⸗ feln hervorgehe. Demungeachtet erhalten ſeine Kuͤhe im Win⸗ ter 20 Pfund gekochte Kartoffeln nebſt 22 Pfund Heu. Ich beobachte dabey, daß es Kuͤhe von 1000 Pfund ſind. Der⸗ ſelbe haͤlt ferner dafuͤr, daß die Kartoffeln bey keinem Vieh mit mehr Vortheil anzubringen, als bey den Milchkuͤhen. Er rechnet, daß die daraus hervorgehende Milch 4 Kreuzer p. 29 Pfund(ſo viel als zu 1 Pfund Butter erfordert werden) mehr werth ſey, als die aus bloßem Heu hervorgeht, welches, wie mir ſcheint, er auch nur von gekochten Kartoffeln ver⸗ ſteht. In dem Elſaß werden die(rohen) Kartoffeln nicht leicht allein, ſondern mit Runkeln gemiſcht verfuͤttert; da erſtere zwar ſtark auf die Milch wirken, das Vieh aber dabey an Leib verliert, welches durch den Genuß der Runkeln erſezt wird. Wo man aber gutes Heu neben den Kartoffeln fuͤt⸗ tert, da wird man keinen Abfall vom Fleiſch zu befuͤrchten haben. Die Schweine laſſen ſich bey bloßer Kartoffelfuͤtterung nicht uͤber einen guten Fleiſchanſatz hinausfuͤhren, wie mich vergleichende Verſuche in fruͤhern Jahren belehrt haben. Daſ— ſelbe aͤußert auch ſpaͤter(1806) der Englaͤnder Roberts. „Bey der Schweinemaſt, ſchreibt er, bin ich von den ge— kochten Kartoffeln ein wenig angefuͤhrt worden. Im An— fange nahmen ſie ſtark zu; dann aber war das Zunehmen wenig merklich, ob die Thiere gleich nicht unterließen nach wie vor zu freſſen. Da ich den Ausgang erwarten wollte, ließ ich die bloße Kartoffelfuͤtterung ununterbrochen fortgehen, bis ich mich nach dem Verlaufe eines Monats uͤberzeugte, daß dieſes Futter allein nicht zureichte, und fuͤgte dann ge— ſchrotene Gerſte und Erbſen, jedes zu gleichen Theilen hin⸗ zu. Nun fiengen meine Schweine an aufzugehen; da ſie aber nach meinem Dafuͤrhalten nicht zureichend ſoffen, ließ ich die Mehlzugabe vermehren. Nun giengs! Und nach 644 drey Wochen waren 93 Schweine fett, deren jedes im Durch⸗ ſchnitte 215 Pfund wog.“ §. 11. Zufaͤlle, Krankheiten. Alles auf Erden iſt der Wandelbarkeit unterworfen, ſelbſt die rauhe, nicht Erdfloͤhe, nicht Schnecken, nicht herbes Klima fuͤrchtende, Kartoffel. Der Wechſel mit den Kartoffelarten, der ſo haͤufig und allgemein vorkoͤmmt iſt nicht bloße Folge des menſchlichen Unbeſtands, noch einer beſſern Wahl, ſondern der Nothwen⸗ digkeit; da die Erfahrung bewieſen, daß, wenn eine Kar⸗ toffelart laͤngere oder kuͤrzere Zeit in derſelben Gegend gebaut worden, ſie an Ertrag abnimmt, oder von ihrer urſpruͤng⸗ lichen Guͤte verliert; daher man ſie durch eine neue zu er— ſetzen ſucht, die dann, fuͤr eine beraumte Zeit, der Erwar⸗ tung beſſer entſpricht. Ich fuͤr meinen Theil habe dieſen Wechſel zwiſchen langen, runden, platten, glatten, rauhen, rothen, gelben, blauen, ſchwarzen, geſchäͤckten u. ſ. w. haͤufig er— lebt. Faſt allemal war die neuere Art die beſſere, doch nicht immer auf lange. Ob dieſe Neigung zur Verſchlechterung von der ſchlechten Auswahl des Pflanzguts, wozu man mei— ſtens nur die kleinen, oft die verkruͤppelten Knollen waͤhlt, oder von einer andern Urſache herruͤhre, weiß ich nicht zu ſagen; wohl aber, daß, da, mehrſeitigen und nicht zu be⸗ zweifelnden Erfahrungen nach, groͤßere Pflanzkartoffeln, un⸗ ter gleichen Umſtaͤnden, ungleich groͤßere und ſchoͤnere Kar⸗ toffeln erzeugen, als kleines Pflanzgut, daß, ſage ich, es dadurch den Anſchein gewinnt, daß eine von Jahr zu Jahr fortgeſezte Verſchlechterung am Ende eine bleibende Entar⸗ tung hervorbringen, oder Kartoffelkrankheiten herbeyziehen koͤnne. 6ʃ45 Derjenige, der nun einmal mit einer guten, mehlrei⸗ chen, leicht kochbaren, ergiebigen, zu ſeinem Boden und ſei⸗ nen Verhaͤltniſſen paſſenden Art verſehen iſt, ſollte alles an⸗ wenden, um ſie bey ihrer urſpruͤnglichen Vollkommenheit zu erhalten. Es ſollte ihn nicht gereuen alljaͤhrlich einige, oder mehrere Scheffel auf einem eben nicht friſch geduͤngten, aber in kraftvollem Zuſtande befindlichen, geſunden, trocknen Felde zu ſtecken, und dazu die auserleſenſten Knollen zu waͤh⸗ len, die er nach Belieben in 2— 4 Stuͤcke theilen kann. Mit einem ſolchen Felde dann fleißig zu wechſeln, um die Kar⸗ toffeln, ſo viel geſchehen kann, immer in einen ihnen neuen Boden zu bringen. Dieſen neuen Boden kann ſich der Land⸗ wirth auch ſelbſt erſchaffen, wenn er das zu der Pflanz⸗ ſchule beſtimmte Feld bedeutend tiefer als gewoͤhnlich um— bricht, wobey er keinen Schaden haben wird, da auf ſol— chem heraufgebrachtem rohem Untergrunde, die Kartoffeln ſelbſt ohne Dung gedeihen, und ihn verbeſſern. Dieſe be— ſondere Pflanzung nun diene ihm zur Saamenſchule, mit de⸗ ren Erzeugniß er ſeine Kartoffelfelder beſteckt. Ich bin uͤber, zeugt, daß ihn auf keinen Fall die Ausfuͤhrung meines Vor⸗ ſchlages gereuen wird.— Es liegt ein ſo großer Unter— ſchied darin, ob ich mit den naͤmlichen Koſten, und auf derſelben Ausdehnung 100 oder 120 Scheffel aͤrndte. Wuͤr⸗ den, zum Beyſpiele, die Beſtellungskoſten, nebſt allen Ab⸗ gaben 80 Scheffel wegnehmen, ſo blieben mir im erſten Falle 20, im leztern 40 Scheffel, alſo hier noch einmal ſo viel als dort an reinem Ertrage. Eine Krankheit, der die Kartoffeln manchmal unterwor⸗ fen ſind, iſt das Kraͤuſeln. In der erſten Jugend der Pflanze iſt ſie wenig an ihr bemerkbar; dann aber nimmt ſie mit 646 dem Wachsthume der Triebe zu. Die Blaͤtter zuerſt, dann die Staͤngel ſchrumpfen zuſammen, wie wenn ſie von der Trockenheit litten, oder von einem innern Inſekte benagt wuͤrden. Zwar ſtirbt die Pflanze nicht davon; allein ſie waͤchſt ſehr wenig und ſezt nur kleine und wenig Knollen an. Da die Krankheit ſich fortzuerben ſcheint: ſo huͤte man ſich, von einem damit befallnen Felde Kartoffeln zur Fort⸗ zucht zu waͤhlen. Wahrſcheinlich neſtelt ſich das Uebel dann bey einer Kartoffelart ein, wenn ſie des Bodens oder der Gegend muͤde wird. Auf jeden Fall ſoll man nicht zu lange zoͤgern, eine abnehmende Kartoffelart gegen eine neue zu ver⸗ tauſchen. Sind die Kartoffeln nicht zureichend gegen die Käͤlte geſchuͤzt, ſo erfrieren ſie, und gehen unaufhaltſam zu Grund. Man hat aber in neuern Zeiten ein Mittel gefunden, den edelſten Theil derſelben zu retten, welches ich hier mit den Worten des ſeel. Einhofs anfuͤhre. „Die Kartoffeln muͤſſen, wenn ſie durch den Froſt zu Mehl vorbereitet werden ſollen, ganz durchfrieren und zu einem ſteinharten Klumpen erſtarren. Ein gelinder Froſt toͤd⸗ tet ſie nicht gaͤnzlich, wodurch ſie eine betraͤchtlich lange Zeit zum Austrocknen erfordern. Um ſolches leichter zu erzwecken, muͤſſen ſie in freyer Luft, am beſten auf einem Grasplatze ausgebreitet werden. Wechſeln Froſt und Thauwetter mit einander, ſo werden die Kartoffeln um ſo ſchneller ihrer Feuchtigkeit los. Die aͤußere Huͤlſe loͤſt ſich immer mehr ab, die mehlartige Subſtanz zieht ſich zuſammen und man darf die Schaale nur zerreißen, ſo faͤllt dieſe heraus. Bey trock⸗ nem Wetter wird ſie oft ſchon in 24 Stunden duͤrre. Wie lange es waͤhrt, bis die Kartoffeln voͤllig trocken werden, haͤngt 647 von der Witterung ab. Ich habe ſolche, die aber auch wohl nicht ooͤllig durchgefroren waren, 4—6 Wochen in freyer Luft liegen laſſen muͤſſen, bevor ſie gemahlen werden konnten, waͤhrend andere in 6 Tagen dazu tauglich wurden. Um Mehl daraus anzufertigen, muͤſſen ſie vorlaͤufig etwas zerſtampft und dann erſt auf den Muͤhlſtein gebracht wer— den. Geſchaͤlt duͤrfen ſie nicht werden, da die Huͤlſe ſich als Kleie bey dem Beuteln abſondert. Das Kartoffelmehl kann eben ſowohl zu Brod als ſonſtigem Kuͤchengebrauche verwendet werden. Es unimmt mehr Waſſer als das Ge⸗ treide.⸗Mehl an.“ Siebenter Abſchnitt. Topinam burs. Helianthus tuberosus. Man giebt ihnen auch wohl den Namen Erdartiſchocken, von ihrem, mit dem den Arti⸗ ſchocken aͤhnelnden, Geſchmacke, in ſoferne ſie gerade wie dieſe zubereitet werden. Einige geben ihnen den Namen Erdaͤpfel, andere Erdbirnen, andere knollige Sonnenroſen. Lezter Namen waͤre allerdings der zulaͤſſigſte, da er ſich auf die botaniſche Beſtimmung dieſer Pflanze gruͤndet, allein im gemeinen Leben machen zuſammengeſezte Benennungen, wenn ſie nicht in ein Wort zuſammenfließen, ſelten ihr Gluͤck. Die Benennungen Erdaͤpfel und Erdbirnen iſt deß⸗ halb nicht zulaͤſſig, weilen man in einigen Gegenden dieſe Benennungen den Kartoffeln beylegt, woraus nur Mißver— ſtand entſteht. Warum alſo nicht einem fremden Gewaͤchſe ſeinen fremden Namen laſſen? Wir werden dadurch um ein Wort reicher, ſo wie wir es durch das Wort Kartoffeln geworden ſind, welches eben ſo wenig, als das Geyaͤchſe, deutſcher Abkunft iſt. Die Topinambur unterſcheidet ſich von der Sonnen⸗ blume Chelianthus annuus), mit der ſie dem Anſehen nach ſo Vieles gemein hat, durch einen hoͤheren Wuchs, der 6— 12 Fuß erreicht; durch ein kleineres Blatt; eine kleinere Blu⸗ me; eine viel ſpaͤter eintretende Bluͤthe, deren Saamen bey uns nicht zur Reife kommen; durch mehrfaͤltige aus der Erde vortreibende Staͤngel; durch ihre knolligen eßba⸗ ren Wurzeln, und endlich, daß ſie nicht wie die Sonnen⸗ blumen durch Saamen, ſondern durch ihre Knollen fortge⸗ pflanzt wird. 1 Mit den Kartoffeln haben die Topinambur gar nichts gemein, als daß beyde in der Erde eßbare Knollen erzeu⸗ gen; wobey aber den Knollen der erſtern, ihrer Mehlhal⸗ tigkeit wegen, beſonders als menſchliche Speiſe der Vorzug gebuͤhrt. Das iſt aber auch der einzige Vorzug, den die Kartoffeln vor den Topinambur behaupten. Der Ueberlieferung nach ſind die Topinambur ein bra⸗ ſilianiſches Gewaͤchſe, und ſeit mehr als 200 Jahren, alſo lange vor den Kartoffeln bey uns bekannt. Indeſſen ſchei⸗ nen ſie, ihres wenig angenehmen Geſchmackes wegen, nie eine große Aufnahme gefunden, und ihr Anbau ſich mei⸗- ſtens nur auf den Garten beſchraͤnkt zu haben. Die Ein— fuͤhrung der Kartoffeln, als Menſchen- und Thier-Nahrung zugleich, hat die Topinambur beynahe gaͤnzlich verdraͤngt. Sie mogten auch bey der Werthſchaͤtzung um ſo weniger den Kartoffeln das Gleichgewicht halten, als man den großen Nutzen, den ihre belaubten Staͤngel gewaͤhren, nicht kann— te, oder uͤberſah, und daher nicht in Anſchlag brachte. Sie 649 haben aber, wie wir ſehen werden, auch noch ſo manche andere gute und vorzuͤgliche Seite, daß ſie wohl verdienen aus dem Schatten gezogen und mit Ehren neben den Kar— toffeln aufgeſtellt zu werden. Ich fand die Topinambur vor etwa 12 Jahren zuerſt in freyem Felde und zwar ziemlich haͤufig angebaut. Es war im Elſaß unterhalb Straßburg, zum Theile auf ſehr ſchlechtem, ſandigem Boden. Das Lob, was man dieſer Frucht daſelbſt ſprach und das ich ſchriftlich bekannt machte, erregte die Aufmerkſamkeit einiger Perſonen, namentlich des H. Wirthſchaft-Inſpektors Kade, deſſen Verſuche und Be⸗ richte den bedeutenden Nutzen dieſes Gewaͤchſes uͤber allen Zweifel erheben, und zur Verbreitung ſeines Anbau's außer— ordentlich beygetragen haben. Wir haben von ihm bis jezt drey Heftchen daruͤber von 1820, 21 und 23. Deren In⸗ halt ich hier mit benutzen werde. §. 1. Klima und Boden. Es giebt wohl kein genießbares Gewaͤchſe, das ſo mit jedem Klima und jedem Boden vorliebnimmt, wie die To— pinambur. Aus dem heißen Braſilien ſtammend, vertragen ſie in dem Boden einen Grad von Kaͤlte, wobey alle andere Wur⸗ zel- und Knollen-Gewaͤchſe zu Grund gehen. Man kann ſie deßhalb ohne die mindeſte Gefahr den Winter uͤber in dem Acker laſſen; es ſey denn, wenn dieſer naß waͤre, wo ſie aber eher faulen als erfrieren wuͤrden. Wie unempfind— lich gegen die Kaͤlte dieſe Pflanze auch waͤhrend ihrer Vege— tation und zwar in ihrer zarteſten Jugend iſt, erprobte Kade durch eine Erfahrung: Pflanzen, die er in einem 65⁰ Miſtbette erzogen hatte, und bey einer Hoͤhe von 6— g Zoll ausheben und ins Freye verſetzen ließ, befroren ſchon in der erſten Nacht ſo ſtark, daß die Blaͤtter zum Zerbrechen wa⸗ ren. Daſſelbe geſchah noch vielmal nachher. In dem Miſt⸗ bett waren ſie an eine Waͤrme von 25 Grad R. gewohnt, und in der erſten Nacht erſtanden ſie eine Kaͤlte von 3 Grad unter o, blieben am Leben, thaueten an der Sonne auf, und waren ſo gut wie vorher. 1 Eben ſo ertragen die Topinambur einen großen Grad von Trockenheit. Wird die Duͤrre und Hitze ſehr groß: ſo laſſen ſie wohl ihre Blaͤtter hangen, aber ſie fallen nicht ab, und erheben ſich allemal des Nachts wieder.„Ich habe, ſagt Thaer, in dem Sande, worin ſie ſtanden, auf 11¼ Fuß Tiefe keine Spur von Feuchtigkeit gefunden, und den⸗ noch erholten ſie ſich, wenn die Luft nur etwas truͤber wurde. Das Einſaugungs⸗Vermoͤgen ihrer Blaͤtter ſcheint alſo außerordentlich groß zu ſeyn.“ Noch weniger kann ih⸗ nen alſo auch der hoͤchſte Grad von Duͤrre in geſchloſſenem Boden ſchaden, ſollte er auch ſteinhart davon werden. Den verſumpften Boden ausgenommen gedeihen die To⸗ pinambur uͤberall, vom beſten Weitzenboden an bis zum duͤrren Kiesſande, der zum Straßenbau verwendet wird, und zum todten Sandberge, der im natuͤrlichen Zuſtande, außer dem Bocksbart, keine Pflanze traͤgt. Daß aber der Ertrag ſich nach dem Boden richte, und der reichhaltigſte Boden einer ſo uͤppig wachſenden Pflanze am meiſten zu— ſpreche, darf wohl nicht geſagt werden. Es iſt ſchon Lob genug, daß ſie auch den aͤrmſten Boden nicht ganz ver⸗ ſchmaͤhe. 651 §. 2. Bereitung des Bodens. Sie iſt durchaus dieſelbe, welche auch fuͤr die Kartof— feln angewendet wird, das Gleiche gilt auch von der Duͤn⸗ gung. Im Elſaß, wo ſie im Sande eingegrubt, das iſt: Horſt⸗ oder Stufenweis gepflanzt werden, wirft man eine Handvoll Dung auf die eingelegten Knollen, und ſcharrt dann mit dem'Fuß oder der Haue zu. Sie erfordern weniger Dung als die Kartoffeln, vertragen deſſen aber mehr, und Der, welchem es hauptſaͤchlich um eine reichliche Blattaͤrndte zu thun iſt, ſollte ihn dabey nicht ſparen. Auf ſchlechtem Sande ſie ohne allen Dung pflanzen, kann in jeder Bezie— hung nur eine erbaͤrmliche Aerndte zur Folge haben. §. 3. Stelle in der Fruchtfolge. Die einzige Schwierigkeit bey dem Anbau der Topi— nambur liegt wohl darin, ſie in einer regelmaͤßigen Frucht⸗ folge anzubringen. Unbekuͤmmert um ihre Vorgaͤnger, da ſie, wie die Kartoffeln, nach allem folgen moͤgen, haben ſie die Unart, mehr als dieſe, ihren Auffolgern laͤſtig zu wer— den. Da ſie das Feld ſo ſpaͤt, meiſtens nur im Winter oder Fruͤhjahr, raͤumen: ſo kann von keiner Auffolge des Wintergetreides dabey Rede ſeyn. Der Dreyfelderwirth kann ſie daher nicht anders als in das Sommerfeld bringen und Brachfruͤchte darauf folgen laſſen, wodurch er aber einen Ausfall an Sommergetreide leidet. Der Fruchtwechsler iſt zwar darum nicht verlegen, da die Gerſte eben ſo gut, und der unter dieſe geſaͤete Klee, wie man behauptet, noch beſſer nach Topinambur als Kartoffeln geraͤth. Die Schwierigkeit beſteht hier in dem Wiederausſchlagen jeuer Knollen, welchen durch kein auch noch ſo ſorgfaͤltiges Aufleſen bey der Aerndte, 65² zumal auf geſchloſſenem Boden, vorgebeugt werden kann. Die Kartoffeln haben zwar auch denſelben Fehler, aber nur nach einem ſehr gelinden Winter, der nicht vermogte, die im Felde zuruͤckgebliebenen zu vertilgen. Das Ausziehen dieſer Marodeurs iſt zu ſchwierig, mit zu viel Nachtheil fuͤr die Gerſte verbunden, und hilft nicht voͤllig, wenn die Knoͤllchen nicht mit demſelben Zuge aus der Erde herauf gebracht werden. Endlich duͤrfte es ſich auch noch fragen, ob eine ſo verſpaͤtete Aerndte, wie die der Topinambur im Fruͤhjahre, nicht nachtheilig auf die Gerſte wirken koͤnnte, zumal da, wo dieſe eine ſpaͤte Einſaat nicht vertraͤgt. Die Elſaſſer pflegen Kartoffeln hinter den Topinambur folgen zu laſſen, die recht gut darnach gedeihen, und deren Behacken die Topinamburausſchlaͤge tilgt. Indeſſen will Kade ſich nicht wohl dabey befunden haben, da die Topinambur aus den Kartoffelſtoͤcken ſelbſt nicht wegzubringen ſind, wel— ches ich aber bey Futterkartoffeln fuͤr kein Uebel, vielmehr fuͤr Vortheil halte. Ich bin gegentheils entſchloſſen, den Ver⸗ ſuch zu machen, Kartoffeln mit Topinambur in einen Horſt zu bringen.— Am beſten wird der Tilgungszweck durch eine Ausſaat von gruͤn zu verfuͤtternden Wicken erreicht. Die Topinambur werden ſich, meiner Erfahrung nach, theil⸗ weis auch noch in dem Jahre nach den Wicken zeigen; da aber Klee unter dieſe geſaͤet worden, welcher nun noch zwey— mal abgemaͤhet wird: ſo koͤnnen die Topinambur ihrer gänz⸗ lichen Niederlage nicht entgehen. Ich geſtehe, daß ein ſolcher Wechſel, der drey Brach⸗ fruͤchte unmittelbar hintereinander zulaͤßt, nicht leicht im Großen in ein Feldſyſtem paßt. Indeſſen iſt der Anbau 65³3 der Luzerne und des Espers noch mehr in demſelben Falle; und ſo wie man dieſen, in ſoferne man nicht die Haupt— rotation ihretwegen verlaͤngern will, ein Außenfeld oder be— ſondern Schlag anweiſt, und ihnen denſelben 10—20 Jahre hintereinander einraͤumt: ſo laͤßt ſich daſſelbe zu Gunſten der Topinambur vornehmen, um ſo mehr, als dieſe, durch die immer ſich erneuernden Knollen, perennirend ſind. Kade bemerkt von einer Pflanzung, die ſein Vater 1787 in einem Garten angelegt, die 1820 noch immer fortdauerte, und ungeachtet ſie in dieſem ganzen Zeitraume weder einer Be— duͤngung noch Bearbeitung genoſſen, Staͤngel von 8— 10 Fuß Hoͤhe trieb, und immer einen guten Ertrag gegeben hatte.„Man hat alſo, ſagt er, 32mal geaͤrndtet, ohne einmal zu ſaͤen.“ Im Elſaß hat man aͤhnliche Erfahrungen gemacht. Dieſe Sache iſt allerdings von Wichtigkeit. Ein Stuͤck Feld, das anhaltend geaͤrndtet werden kann, und weder Ar— beit, noch Duͤnger, noch Saamen erheiſcht; das fuͤr ſich ſelbſt nichts beduͤrfend nur da zu ſeyn ſcheint, um den uͤbri— gen Feldern aufzuhelfen, gleicht einem Maͤhrchen aus einem landwirthſchaftlichen Schlaraffenland, und iſt doch wahr. Nur muß erinnert werden, daß eine ſolche Erzeugung nur auf recht guten Feldern— und wer wollte ihr unter ſolcher Bedingung nicht mit Freuden das trefflichſte einraͤumen?— ſtatt finden kann. Auf ſchlechterm Boden geht das Perenni— ren zwar auch vor ſich, es muß aber alle drey Jahre Dung aufgebracht werden. Doch haͤlt man im Elſaß fuͤr beſſer die Topinambur alle Jahre von neuem zu pflanzen. Sie werden ſo, meiner Erfahrung nach, im zweyten Jahre ſchoͤ⸗ ner, als im erſten. §. 4. Pflanzung. Die Pflanzzeit der Topinambur kann nach Winter ſo fruͤhe vorgenommen werden, als es Zeit und Umſtaͤnde zu⸗ laſſen; darf aber nicht uͤber den halben April hinaus ver— ſchoben werden, da ſie um dieſe Zeit zu keimen anfangen. Da ſie keinen Froſt ſcheuen, ſo laſſen ſie ſich auch vor Win— ter legen, welches auf duͤrrem ſandigen Boden dem Legen im Fruͤhjahre vorzuziehen iſt. Es hat ſtatt Ende Oktobers und kann bis zum Froſte fortgeſezt werden. Nur auf naſ⸗ ſem, oder nicht mit den noͤthigen Abzugsrinnen verſehenem Boden, bleibt die Herbſtpflanzung des Anfaulens wegen ge— faͤhrdet. Wenn gleich fuͤr die fruͤhere Reife der Aerndte und ihren groͤßern Ertrag nichts dadurch gewonnen wird: ſo ge⸗ winnt der Landwirth doch an Gelegenheit, eine oft muͤßige Zeit im Herbſte zu benutzen, und ſich eines Theiles der Fruͤhjahrsarbeit vor Winter zu entlaſten.„Auf hohen Sand⸗ bergen, ſpricht Kade, iſt der Ertrag der Herbſt-Aus⸗ ſaat um ein Bedeutendes groͤßer, da ein ſolcher Boden die ihm ſo unentbehrliche Winterfeuchtigkeit nicht ſo zeitig ver— liert, was unfehlbar erfolgt, wenn er im Fruͤhjahre bear⸗ beitet wird. Auf ſolchen Bergen nehme ich die Ausſaat nur im Herbſte vor, und bin dann eines reichlichen Ertrages gewiß.“ So klein auch immer die Knollen ſind: ſo ſind ſie doch zum Pflanzen geeignet. Auch die voͤllig verwelkten Knollen“, ein Zuſtand, in den ſie gerathen, wenn ſie einige Wochen außerhalb der Erde oder dem Keller in freyer Luft liegen, ſind brauchbar, in ſoferne man ſie vorlaͤufig drey— mal 24 Stunden lang in Waſſer wirft. Nach Kade's Beobachtung ſollen die Knollen das Zerſchneiden, wie es bey 655 den Pflanzkartoffeln gewoͤhnlich iſt, nicht wohl vertragen. Die Verſuche, die er damit machte, ſind ihm jedesmal mißrathen; beynahe der vierte Theil blieb zuruͤck. Das Legen der Topinambur hat das Meiſte mit dem der Kartoffeln gemein. Nur vertragen ſie ein tiefes Legen nicht ſo leicht wie dieſe. Bey ſeichter Lage gehen ſie uͤber— dem auch ſchneller auf. Bey kleinen Knollen legt man, der Sicherheit halben, ihrer 2—3 zuſammen. Die Entfernung muß etwas groͤßer ſeyn, als die gewoͤhnliche der Kartof⸗ feln, da ſie einen ſtarken Horſt von 7— 9 Trieben bilden. In dem Elſaß bringt man ſie auf 3 Fuß nach allen Sei— ten auseinander. Bey der Bearbeitung mit dem Pfluge moͤgte wohl am beſten ſeyn, ſie zu 2 Fuß auf den Reihen zu entfernen, und den Zwiſchenraͤumen 3 Fuß zu geben. Greift der Pflug etwas tief, oder iſt der Boden zur Naͤſſe geneigt: ſo muͤſſen die Knollen nicht auf die Sohle der Furche gelegt, ſondern in die Wand des Schnittes einge⸗ druͤckt werden, wie ſolches auch fuͤr die Kartoffeln angege— ben worden. §. 5. Pflege. Wie alle weit auseinander gepflanzten Gewaͤchſe be⸗ duͤrfen die Topinambur ſowohl ihrer ſelbſt, als des Bodens wegen des Behackens, und, wenn man auf den Ertrag der Knollen ſieht, auch des Behaͤufens. „Die Zeit, ſpricht Kade, wo die junge Pflanze wenig waͤchſt, und zu kraͤnkeln ſcheint, iſt der wichtigſte Zeitpunkt fuͤr ſie, wo ſie durchaus ein Auflockern und Reinhalten des Bodens vom Unkraut verlangt. Unterlaͤßt man es: ſo wird der Wuchs der Staͤngel ſowohl, wie der Ertrag der Knollen, 656 ſchlecht bleiben. Dieſes Auflockern hat einen außerordent⸗ lichen Einfluß auf das Wachsthum der Pflanzen, weniger das Behaͤufeln derſelben. Sieht man daher mehr auf Laub⸗ als Knollengewinn, ſo kann das Behaͤufeln unterbleiben, weßhalb ich dieß auch in den perennirenden Plantagen, wo es wegen der Unregelmaͤßigkeit, in der die Pflanzen hier ſtehen, ſchwierig iſt, ganz unterlaſſe, und nach Umſtaͤnden ein ein- oder zweymal wiederholtes Auflockern mit der Hand⸗ hacke, wobey zugleich die zu dicht ſtehenden Pflanzen weg⸗ gehauen werden, vorziehe.“ In einer ſehr kraͤftigen Plantage, die zum Verſuche nicht behaͤufelt worden, trieben die Pflanzen bey anßerordent⸗ lichem Wuchs Staͤngel von 13— 14 Fuß Hoͤhe, und gaben Anlaß das fuͤnfzehnte Korn davon zu erwarten, boten aber bey der Aerndte nur das ſiebente dar. Da ſich in der Pflanzung immer einzelne Stellen be⸗ finden werden, wo die Knollen keine Triebe geworfen haben, wahrſcheinlich, weilen ſie von Thieren aufgefreſſen worden, oder vielleicht aͤuch weil ſie zu tief in den Boden gekommen ſind: ſo laſſen ſich die Luͤcken zwar durch das Ausheben anderer jungen Triebe mit ſammt der Wurzel ergaͤnzen; dieſe verſezten Pflanzen werden aber nimmer den uͤbrigen gleich werden, und oft nur eine kuͤmmerliche Ausbeute geben, da⸗ her kaum die Koſten des Verpflanzens decken. §. 6. Vegetation. Wir wollen dem mehr erfahrnen Kade hiebey das Wort laſſen. „Das Aufgehen der Topinambur haͤngt ganz von der Witterung ab. Iſt dieſe gut und der Acker erwaͤrmt: ſo 657 ſo erfolgt es ſchon den 18ten Tag. Beynahe in jedem Acker haben die Pflanzen bis Anfang Juni ein kraͤnk⸗ liches Anſehen und wachſen ſchlecht. Erſt nach Johannis erholen ſie ſich, bekommen eine dunkelgruͤne Farbe und fan— gen an zu wachſen. Ihre ſtaͤrkſte Vegetation entwickelt ſich im Auguſt, wo die Staͤngel oft in 24 Stunden um 2 Zoll hoͤher aufſchießen. Im Jahre 1819 hatten die Pflanzen in einer Plantage den 23. Auguſt ſchon die Hoͤhe von 3—9 Fuß, worunter Stoͤcke mit 6— 8 Nebentrieben zu 4—5 Sei⸗ tenaͤſten, die uͤber 600 Blaͤtter hatten, wovon die groͤßten 14 Zoll lang und 8 Zoll breit waren. Dieſe Plantage wurde den 9. Auguſt durch einen Platzregen eine Elle hoch unter Waſſer geſezt, was beynahe 12 Stunden ſtand. Ich hielt die Pflanzen fuͤr verloren. Kartoffeln waͤren es ohnfehlbar geweſen. Es hat ihnen aber nichts geſchadet. Sie ſind fort⸗ gewachſen und erreichten eine Hoͤhe von 12—13 Fuß.“ „Die Blaͤtter der Topinambur, faͤhrt er fort, ſo wie die Staͤngel ſind an den Raͤndern rauh, und fuͤhlen ſich doch fett an. Die Bluͤthe geht erſt im Oktober vor ſich, das Wachsthum aber der Staͤngel waͤhrt fort bis in den No— vember, auch dann noch, wenn ſchon Nachtfroͤſte eintreten. Die Kuollen in der Erde nehmen im Winter noch betraͤcht— lich zu, beſonders, wenn man ihnen die Stäͤngel im Herbſte nicht genommen hat. Der Saamen der Bluͤthe koͤmmt bey uns nicht zur Reife u. ſ. w.“ §. 7. Aerundte. Da der Ertrag der belaubten Staͤngel der Topinambur eben ſo wichtig iſt als der ihrer Knollen und beyde eine ei⸗ gene Behandlung bey dem Einſammeln erfordern, ſo ver⸗ v. Schwerz Anleit. z. praft. Ackerbau. II. Bd. 42 6⁵8 dient ihre Aerndte um ſo mehr eine doppelte Ruͤckſicht, als ſie nicht gleichzeitig fuͤr beyde Theile eintritt. a) Laubaͤrndte. Derjenige, dem es blos um die Knollen zu thun iſt, und die Staͤngel nur als Brennſtoff benutzen will, thut am beſten die Staͤngel gar nicht abzuſchneiden, da die Erfah⸗ rung bewieſen hat, daß der Ertrag der Knollen uͤber Win⸗ ter ſo am meiſten zunimmt. Die Staͤngel loͤſen ſich in die⸗ ſer Zeit von ſelbſt, ſie beduͤrfen daher nicht abgeſchnitten zu werden. Daraus folgt alſo, daß auch der, welcher die Laubſtaͤngel als Futter zu benutzen gedenkt, das Abſchnei— den derſelben nicht zu fruͤhe vornehmen muß, wenn er nicht einen Ruͤckſchlag an der Knollenaͤrndte erleiden will. Eine gerechte Zeit zu jenem Zwecke waͤre wohl die lezte Haͤlfte Oktobers, wo die Pflanzen in die Bluͤthe getreten ſind, wenn ihr nicht die Schwierigkeit, die Laubſtaͤngel zu trocknen, entgegenſtuͤnde. Man kann alſo bey betraͤchtlichen Pflanzungen das Abſchneiden nicht wohl uͤber das Ende Sep⸗ tembers hinaus verſchieben. Fruͤher und ſchon im Auguſt damit anzufangen iſt noch weniger rathſam; wenigſtens iſt eine Probe, die Kade damit gemacht hat, fehlgeſchlagen. Das Laub, noch nicht zu ooͤlliger Zeitigung gelangt, be— hielt nicht ſeine gruͤne Farbe, wurde ſchwarz und hatte we⸗ nig aromatiſchen Geruch, und die Knollen giengen beynahe gaͤnzlich dadurch verloren. Indeſſen darf nicht verhehlt wer⸗ den, daß alles Abſchneiden der Staͤngel vor Eintritt des Winters nachtheilig auf den Knollenertrag wirkt. Der ſo ſpaͤte Eintritt ihrer Bluͤthe beweiſt fuͤr die Verſpaͤtung des Vollwuchſes der Knollen, die ſelbſt noch im Winter zu— 659 nehmen. Wem alſo nichts an den Laubſtaͤngeln gelegen iſt, der wird unſtreitig am beſten thun, ſie nicht vom Felde zu nehmen, als bis dahin ſie ſich von ſelbſt vom Stocke loͤſen, wie ſolches im Elſaß ſtatt hat. Zu der Abaͤrndtung bedient man ſich der Sichel, die aber ſtark dabey angegriffen wird, wenn ſie nicht ſtaͤrker als gewoͤhnlich iſt, obgleich die Staͤngel ihrer Sproͤde wegen gerne uͤberbrechen. Man muß ſie nicht dicht an der Erde, ſondern einen ſtarken halben, oder einen ganzen Fuß uͤber derſelben abſchneiden. Sobald der Schnitt vollbracht iſt, werden die Staͤngel in Bunde von 10—12 Zoll im Durchmeſſer loſe mit Stroh ge⸗ bunden, und dieſe zu 7 in Haufen aufrecht gegen einander angeſtellt. Sind die Blaͤtter nach außen zu trocken, etwa nach 8 Tagen, ſo werden die Bunde gekehrt und die trock⸗ nere Seite nach dem Innern des Haufens zu gerichtet. Die Zeit, wo ſie eingeheimſt werden koͤnnen, iſt nicht leicht zu beſtimmen. Bey guͤnſtigem Wetter kann ſolches nach 14 Tagen geſchehen. Die Blaͤtter werden ſchnell, die Staͤngel aber nur ſehr langſam trocken. Die Bunde koͤnnen abgefah⸗ ren werden, ſobald die Staͤngel beym Zuſammendrehen kei⸗ nen Saft mehr von ſich geben; ſie ſind aber deßhalb noch keineswegs in einem Zuſtande ohne Gefahr zu beſchimmeln eingebanſt werden zu koͤnnen. Man bringt ſie demnach irgend unter ein Obdach, und ſtellt ſie aufrecht aneinander hin, bis ſie voͤllig, wenn gleich nicht bis zum Zerbrechen, tro— cken ſind, wo ſie denn auf die Boͤden gebracht werden. Die Blaͤtter haben die gute Eigenſchaft, daß ſie feſt am Staͤn— gel anſitzen, nicht leicht abreiben, daher keinem großen 66⁰ Verluſte unterworfen ſind. Selbſt Regen, Schnee und Sturm vermoͤgen kaum ihnen nachtheilig zu werden. Kade giebt in ſeinem Hefte von 1823 folgende Be⸗ handlung an. Nachdem die Bunde der Haufen auf ihrer nach außen gekehrten Seite trocken ſind, laͤßt er ſie drey und drey, alſo 21 Bund zuſammentragen. 14½ von dieſen Bunden werden kreisfoͤrmig, mit Erweiterung der Baſis zuſammengeſtellt, die andern 7 Bunde werden, mit nach der Hoͤhe gerichteten Sturzenden uͤber den Kreishaufen als Dach aufgerichtet und durch ein langes feſt angezogenes Strohſeil zuſammengehalten. Auf dieſe Art bleiben die nun kegelfoͤrmigen Haufen ſo lange, bis ſie den hoͤchſten Grad der Trockenheit erreicht haben. Dieſen beurtheilt man, wenn man den Baſt der ſtarken Staͤngel nicht mehr mit den Fin⸗ gernaͤgeln abſtreifen kann.„Auf dieſe Art, ſagt Kade, trotzen ſie dem ſchlechteſten Wetter, und behalten die gruͤne (braune?) theeartige Farbe. Auch dann, wenn man mit Gewißheit auf anhaltend gute Witterung rechnen koͤnnte, halte ich gedachtes Eindecken fuͤr ſehr rathſam, denn das Trocknen wird durch ſtarkes Schwitzen der innern Gebunde eher erreicht, und der Geruch geht nicht verloren. Solches Laub wird von den Schaafen mit noch groͤßerer Begierde gefreſſen, als anderes nicht ſo behandeltes.“ Indeſſen haben wir in Hohenheim die Erfahrung ge⸗ macht, daß auch das ſchlechteſte Wetter das Laub der auf dem freyen Felde liegenden Staͤngel nicht verdirbt. Ich laſſe naͤmlich die Staͤngel eben ſo wie die Pferdebohnen behandeln, das heißt: nachdem ſie einige Tage vorher geſchnitten worden, werden ſie ungebunden aufgehockt(zu 4—5 Gelegen, ſo viel nachher in ein Bund gehen, gegeneinander aufgeſtellt) und 661 nach oben mit etwas Stroh umwunden. Der, in dem fuͤr uns traurigen Herbſt 1824, mit Sturm abwechſelnde Re⸗ gen warf die kleinen Zelte ſo oft um, daß die Geduld ſie wieder aufzurichten endlich entwich. Die armen Topinam⸗ burſtaͤngel blieben alſo vier Wochen auf dem Felde liegen, waren wie vergeſſen, wurden endlich nicht im trockenſten Zuſtande eingebunden und unter luftiges Obdach gebracht, ohne daß ſie nachher auch nur im Geringſten gelitten zu ha⸗ ben ſchienen, und wurden, obgleich bey gedrängtem Stande, vollkommen trocken. Ich will uͤbrigens dieſes Verfahren ge⸗ rade nicht als Muſter empfehlen. Es verdient aber fernere Verſuche, da dadurch an Arbeit gewonnen, und manche uͤberfluͤſſige Sorge erſpart wird. Im kuͤnftigen Jahre ge⸗ denke ich mich nebenbey auch der bey dem Klee angefuͤhr⸗ ten Kleetraͤger zu bedienen. b) Knollenaͤrndte. Die Gabe, welche die Topinambur haben, daß ihre Knollen auch durch den ſtaͤrkſten Froſt in der Erde nicht zer⸗ ſtoͤrt werden koͤnnen, wie die Erfahrung allenthalben nach⸗ gewieſen, gewaͤhrt die auf Sandboden nicht genug zu ſchaͤ⸗ tzende Wohlthat, daß ihre Einärndtung vom halben Okto⸗ ber an bis zum halben April, alſo waͤhrend einem Zeit⸗ raume von 6 Monaten, vorgenommen werden kann, ein Vortheil, den nicht eine Pflanze mit gleicher Sicherheit ge⸗ waͤhrt. Man arndtet alſo die ganze Winterfuͤtterungszeit uͤber; und erſpart dadurch ein muͤhſames Aufbewahren in Gruben und Kellern. Die Proviſion ſtatt an Maſſe zu ver⸗ lieren, wie das bey allen andern Futtergewaͤchſen im Win— ter geſchieht, gewinut vielmehr. Man behauptet ſogar, daß 66² dieſe Vermehrung die Vorwinteraͤrndte um uͤberſteigen koͤnne, und endlich, was nicht weniger wichtig iſt, ſo ver⸗ lieren die Topinambur im Winter nichts an ihrer Qualitaͤt und ſind im Maͤrz eben ſo nahrhaft und dem Vieh ange⸗ nehm als im Oktober, eine Sache, die ſich weder von Kar⸗ toffeln, noch Moͤhren, noch Runkeln ſagen laͤßt. In dem Elſaß zieht man ſie vor und nach aus, wie man ihrer zur Fuͤtterung bedarf. Man faͤngt im Fruͤhjahre damit an, ſo wie man in den Boden kann; verſchiebt das allmaͤhlige Ausgraben aber nicht uͤber die Haͤlfte Aprils hin⸗ aus, wo ſie zu keimen anfangen. Die Knollen, welche alsdann noch auf dem Felde ſind, werden mit Einemmale ausgezogen, und ſogleich in den Keller gebracht. Kade bemerkt, daß ſich die Knollen der Fruͤhjahrs⸗ aͤrndte nicht ſo gut halten, und der Luft ausgeſezt mehr leiden, als die im Herbſt ausgegrabenen Knollen; allein das ſcheint doch nur zu beweiſen, daß man ſie nicht unbewahrt der Luft ausſetzen, ſondern ſie in den Keller bringen muß; aber waͤren die vor Winter geaͤrndteten wohl in einem an⸗ dern Falle, wenn man ſie im Fruͤhjahre der Luft ausſezte, wie jene? Das Einzige, was den Knollen im Winter nach— theilig werden kann, iſt die Naͤſſe, wodurch ſie faulen. Man aͤrndte daher auf ſolchen Stellen im Herbſte, und auf den trocknen im Fruͤhjahre. Ueber die Weiſe, die Knollen aus dem Boden zu brin⸗ gen, habe ich nichts zu ſagen, da ſie der bey den Kartoffeln gleicht. Nur erfordert ſie mehr Puͤnktlichkeit als dieſe, des Ausſchlagens wegen. 66³ §. 8. Aufbewahren der Knollen. Da der Froſt eine Unterbrechung der Aerndte verur⸗ ſachet: ſo iſt derjenige, der mit keinem andern Wurzel⸗ werk auf den Winter verſehen iſt, genoͤthiget einen Theil der Topinambur vor Winter auszugraben, und, da ſie außerhalb der Erde dem Froſte nicht widerſtehen, ſie auf eine oder andere Weiſe dagegen zu ſichern. Solches ge— ſchieht in Miethen, oder mit Erde bedeckten Haufen. Hier mag nun der Froſt auch eindringen und die Erde ſammt den Knollen in eine Maſſe zuſammenfrieren, wobey die Kartoffeln unfehlbar zu Grunde gehen: ſo ſchadet ihnen das nicht im Geringſten, vorausgeſezt, daß man ſie unter der Erddecke wieder aufthauen laͤßt, oder ſie ſogleich verbraucht. Dieſe Knolle erleidet naͤmlich durch das Erfrieren keine ſolche Zerſetzung, oder Abſonderung der fluͤſſigen von den feſten Theilen, wodurch die Kartoffel unausbleiblich zerſtoͤrt wird. Die ſteinhart gefrorne Topinambur wird nur etwas erweicht und einer welken Frucht aͤhnlich, bleibt aber voͤllig genieß— bar, wiewohl nicht mehr ſo haltbar, noch zum Verpflan⸗ zen tauglich; es ſey denn, daß man ſie, wie ſchon geſagt, in der Erde ſelbſt aufthauen laſſe, in welchem Falle ihr nie auch der allerſtrengſte Froſt ſchadet. Eine ziemlich aͤhnliche Wirkung bringt das Liegen in freyer Luft auf die Knollen hervor, beſonders bey der Fruͤh⸗ jahrsaͤrndte auf dem Felde. Sie welken nach einigen Wo⸗ chen, und verſchrumpfen ſo ſehr, daß ſie einer leeren Tuͤte gleichen. Wirft man ſie aber in Waſſer und laͤßt ſie drey— mal 24 Stunden darin, ſo nehmen ſie ihre vorige Geſtalt wieder an, und werden nicht allein zum Verfuͤttern, ſon⸗ dern auch zum Pflanzen geeignet. §. 9. Ertrag. 664 Der Futterertrag an Laubſtaͤngeln iſt ſehr groß. In zureichend trocknem Zuſtande gab der Hektar bey Kade nach Abzug der ungenießbaren Staͤngel Im Jahre 1819 auf gutem, wohlgeduͤngtem Boden: auf ſehr ſchlechtem Boden, der kaum den mager iſt, ſchaͤzt er p. p. Im Jahre 1820 auf dem Gut Tſchirnau Neuſorge. — — — — — — — — — Sulkau Katſchgau Roniken Ellguth 2 nicht zur Reife koͤmmt auf grobkoͤrnigem Kiesſand, der nur zum Straßenbau taugt Demnach thut das Medium, mit Weglaſſung der zwey lezten Angaben, an trocknem Futter. Namen Kornboden verdient: auf Boden, der nicht gar ſchlecht und auf lohigtem Sandboden, wo das Korn 31 75 . 12 75 — . 10 metr. Ctr. — Die Knollen der Topinambur geben im Ertrage den Kartoffeln nicht allein nichts nach; ſondern uͤbertreffen ſie, nach dem allgemeinen Glauben der Elſaſſer, und oft betraͤcht, lich. Gerathen ſie, ſo ſchlaͤgt man auf daſigem Sandboden den Ertrag eines Hektars zu 128 Hektoliter an. 68 r Kade berechnet den ſeinigen von 1819 im beſten Boden zu„. 3iüg Hektol. im ſchlechteſten Boden zu...... 68— als Durchſchnitt erhielt er.. 226 ½— Demnach betruͤge der Durchſchnitt gedachter vier Anga— ben nur 135 Hektoliter. Man kann aber den erbaͤrmlichen Ertrag von 68 Hektoliter um deßhalb nicht in Berechnung ziehen, weilen er von ſo elendem Boden gewonnen war, worauf der Rocken nicht einmal gedeiht, wie bey dem Laub— ertrag ſchon erinnert worden. Laſſen wir alſo dieſen Ertrag weg: ſo geben die uͤbrigen drey Angaben ein Medium von 224 Hektoliter, welches indeſſen dem fuͤr die Kartoffeln à 271 H. angegebenen noch nicht gleich koͤmmt. Dem Gewichte nach ſchlaͤgt Kade den ganzen Futter— gewinn an Laub und Knollen zu 309 metriſchen Centnern an, ohne die genießbaren dicken Staͤngel. Ich glaube nicht, daß dieſe Angabe uͤbertriebon iſt, da die Kartoffeln mit In⸗ begriff ihres geringen Strohwerthes nicht weniger geben. Nehmen wir an, daß in dieſem Gewichte das Laub 104, die Knollen 205 Ctr. betragen; nehmen wir ferner an, daß leztere 100 Ctr. Kleeheu gleich kommen: ſo giebt uns der Hektar wohl gerathener Topinambur den vierfachen Ertrag an Futter, den man im Durchſchnitte von einem Kleeacker zu erwarten hat. Laſſen wir aber auch noch die Haͤlfte des Ertrages der Topinambur fallen, theils um ihn auf eine mittelmäßige Aerndte herabzuſetzen, theils geringe⸗ rer Nahrhaftigkeit wegen: ſo haben wir noch 100 Ctr. dem Klee an Qualitaͤt gleichkommenden Futter, alſo den doppel⸗ ten Ertrag eines Kleefeldes, und daß ſie dieſen wenigſtens leiſten, davon bin ich uͤberzeugt. 666 §. 10. Verwendung der Laubſtaͤngel. a) in gruͤnem Zuſtande. Wenn gleich ein ſehr fruͤhes Abſchneiden der Topinam— burſtaͤngel, z. B. zu Ende Auguſts oder Anfangs Septem⸗ ber das Zunehmen der Knollen betraͤchtlich, und zwar um 5 vermindert: ſo kann es doch zu dieſer Zeit und in gruͤ— nem Zuſtande verfuͤttert einen Werth haben, der den ange⸗ fuͤhrten Verluſt reichlich deckt. Wenig verlegen um den Unterhalt des Hornviehes im Sommer, ſieht der Stallfuͤtterungswirth in ſichern Jahren nicht ohne Grauſen den kahlen Herbſt heranruͤcken. Der Klee geht zu Ende; die Runkeln- und Ruͤbenaͤrndte iſt noch nicht da; die Blaͤtter der erſten, wenn ſie auch folgen, ſind, wie des Graſes dritte Mahd, fuͤr ſich allein eine nicht ge⸗— genhaltende Koſt; den Heuſtock ſucht man noch zu ſchonen; friſch ausgedroſchenes Stroh iſt nicht zur Hand, und das alte abgelegene dient nicht zur Fuͤtterung; ein zureichendes Luzernfeld hat nicht Jeder. Indeſſen bringt eine gaͤnzliche Unterbrechung des Gruͤnfutters ein betraͤchtliches Sinken in dem Milchertrag hervor, der durch ein nachheriges Fuͤttern mit Wurzelwerk nicht mehr zu ſeiner vorigen Hoͤhe zuruͤck⸗ gebracht werden kann; gerade weil die ſaftige Fuͤtterung eine Zeitlang unterbrochen worden; und ſo iſt der Wirth dann uͤbeler daran, als wenn er die ſaftige Fuͤtterung, we— gen Nichtzureichen, fruͤher im Winter beſchließen muß, dafuͤr aber im Herbſte ununterbrochen gruͤn fortfuͤttern kann. Es koͤmmt deßhalb bey der Landwirthſchaft nicht blos auf die hohe innere Guͤte, noch auf die außere Menge ei⸗ nes Gegenſtandes, ſondern auch auf die Zeit an, wo man 667 ihn benutzen, und den Zweck, zu welchem man ihn ver⸗ wenden kann. Bexydes erfuͤllen die gruͤnen Topinambur⸗ Staͤngel. Gemiſcht mit etwas Luzerne helfen ſie dieſe ver— längern; mit Ruͤben⸗ und Kohlblaͤttern und weichem Gras geben ſie dieſen mehr Conſiſtenz. Fehlen ſolche Zugaben: ſo fuͤttert man etwas Heu oder Oehmd mit. In jedem dieſer Faͤlle hilft man ſich hinuͤber bis zur Wurzel-, Knollen⸗- oder Ruͤbenfuͤtterung, und leidet dadurch keine nachtheilige Un⸗ terbrechung in dem Milchweſen. Wer aber der Staͤngel in gruͤnem Zuſtande nicht bedarf, der wird ſich huͤten durch ein voreiliges Schneiden derſelben unnuͤtzer Weiſe den Knol⸗ lenertrag zu ſchmaͤlern. Ich geſtehe ſehr gerne, daß gruͤnabgefuͤtterter Mais an Guͤte die Blattſtangel der Topinambur uͤbertreffen mag, da⸗ fuͤr aber erheiſchen dieſe auch weniger Dung, kommen in einem viel ſchlechtern Boden, geben nachher noch einen Er⸗ trag an Knollen, erſchoͤpfen den Boden weniger, und koͤn⸗ nen perennirend darauf vorkommen. Wenn Einige bey der Fuͤtterung dieſer Staͤngel einen Ruͤckſchlag an Milch oder Sahm verſpuͤrt haben: ſo ruͤhrte dieſes daher, weil ſie ſolche allein verfuͤttert haben, wo das Vieh davon ermuͤdet und im Freſſen nachlaͤßt. Ich gebe daruͤber einige Erfahrungen an, die wir in Hohenheim befliſſentlich mit 3 Kuͤhen ge⸗ macht haben. a) Bey 150 Pfund Gras, von dritter Schur, alſo ſehr weich, und 30 Pfund Heu gaben gedachte Kuͤhe taͤglich 31 Schoppen Milch. b) Bey 84 Pfund Laub und Staͤngel von Topinambur und 30 Pfund Heu gaben dieſelben wie zuvor 31 Schoppen. 668 c) Bey 150 Pfund Gras, 51 Pfund Laubſtaͤngel und 18 Pfund Heu gaben dieſelben 33 Schoppen Milch. d) Als ſie nichts weiter als Staͤngel bekamen, fraßen die 3 Stuͤcke taͤglich 150 Pfund und gaben 33 Schop⸗ pen Milch. e) Nach einigen Tagen aber war ihnen dieſes Futter we— niger angenehm. Sie fraßen nunmehr 102 Pfund und gaben 28 Schoppen Milch. H Am 12. Oktober gaben ſie bey 150 Pfund Gras; 36 Pfund Staͤngel und 15 Pfund Heu wieder 33 Schop⸗ pen. Bey aller Unzulaͤnglichkeit, welche dieſe Erfahrungen wegen Kuͤrze ihrer Dauer haben moͤgen, um einen richtigen Vergleich zwiſchen Gras, Heu und gruͤnen Topinamburſtaͤn⸗ geln in Bezug auf Milcherzeugung aufſtellen zu koͤnnen, be⸗ weiſen ſie doch, daß die Staͤngel nicht allein zu fuͤttern ſind; daß ſie aber in Verbindung mit den angefuͤhrten an⸗ dern Subſtanzen den Werth dieſer leztern, ſo wie dieſe den Werth jener Staͤngel bey der Fuͤtterung erhoͤhen. Durch eine naͤhere Zuſammenſtellung einiger jener Er— fahrungen laͤßt ſich, wie ich glaube, der Heuwerth der gruͤ— nen Topinamburſtaͤngel ziemlich annaͤhernd beſtimmen. Zu Folge der Erfahrung b, verglichen mit a, erſezten 84 Pfund Laubſtaͤngel 150 Pfund Gras. Von dieſen duͤrfte man ſich zu verſprechen haben 24 Pfund Heu, wenn wir ſeiner Waͤſſerigkeit wegen, ſtatt 73 pCt., wie bey gewoͤhnlichem, Heu, 84„Ct. Verluſt fuͤr das Austrocknen annehmen. Dem⸗ nach glichen 100 Pfund Staͤngel 28,57 Pfund Heu. 669 Zu Folge der Erfahrung c, verglichen mit a, erſetzen mit Vortheil 51 Pfund Staͤngel 12 Pfund Heu. Demnach glichen: 100 Pfund Staͤngel 23,56 Pfund Heu. Zu Folge der Erfahrung f erſetzen mit Vortheil 36 Pfd. Staͤngel 15 Pfund Heu. Demnach glichen: 100 Pfund Staͤngel 41,66 Pfund Heu. Nach dieſen drey Angaben gleicht der Mittelwerth von 100 Pfund gruͤner Laubſtaͤngel 31 Pfund Heu. Aus Ver⸗ ſehen wurde nicht ausgemittelt, weder wie groß der Ertrag eines Hektars an gruͤnen Staͤngeln ſeyn koͤnne, noch wie viel ſelbe beym Trocknen verlieren. Der geneigte Leſer er⸗ warte alſo Nachricht daruͤber in der Folge. Ueber den Verbrauch der Laubſtaͤngel in gruͤnem Zu⸗ ſtande ſagt Thaer:„Vortheilhafter(als bey den Kuͤhen) ſchien uns dies Kraut fuͤr die Schaafe, welche es im Sep⸗ tember, wenn ſie Abends von der nachlaſſenden Weide ka⸗ men, vorgelegt erhielten. Ihre Begierde war ſehr groß dar— nach, ſo daß ſie in Erwartung dieſes Futters maͤchtig nach dem Stalle eilten.“ 3) In trocknem Zuſtande. Aus der Gedeihlichkeit des Topinambur-Laubes und ihrer Staͤngel geht hervor, daß ſie auch in trocknem Zu— ſtande zur Fuͤtterung anwendbar ſeyn muͤſſen, und daß ſie das ſind, beweiſt der Inſtinkt, durch welchen geleitet alles Vieh ſie ſo gerne frißt. Am beſten moͤgte ſie wohl, der knuppernden Eigenſchaft der Staͤngel wegen, bey Pferden, Schaafen und Ziegen angebracht ſeyn. Indeſſen bleiben ſie auch, wie wir hoͤren werden, fuͤr das Hornvieh ein gutes — ͦ--ésö———— ꝗM—— 670 Beyfutter. Man darf ſich dabey vor der ſchwarzen Farbe, welche die Blaͤtter beym Trocknen annehmen, nicht fuͤrch— ten. Dieſe Farbe, im Falle die Blaͤtter nicht vielleicht ſchon fruͤher, bey Lebzeiten der Pflanze, abgeſtorben waren, be⸗ nimmt ihrem Werthe nichts, eben ſo wenig, als eine Art von weißem Anfluge, oder Ausſchlage, der ſich an den Spitzen der Blaͤtter zeigt, und den man fuͤr Schimmel halten moͤgte, was er aber nicht iſt. a) Verwendung bey den Schaafen. Es wird nicht am unrechten Orte ſeyn, wenn ich den in dieſem Stuͤcke mehr erfahrnen Kade hier ſprechen laſſe. „Obgleich die Laubaͤrndte von 1823 wegen Regenwetter 3 Wochen(bis zum 28. Oktober) auf dem Felde bleiben mußte, ſo litten ſie davon doch keinen Schaden. Die Laub⸗ ſtaͤngel wurden in Scheunen und Schuppen aufgeſtellt, hiel⸗ ten ſich ſehr gut, und wurden ſpaͤterhin von allem Vieh, beſonders aber von den Schaafen, die einen wahren Heiß⸗ hunger darnach haben, mit vieler Begierde gefreſſen. Ich koͤnnte mehrere ſehr achtungswerthe Landwirthe als Zeugen anfuͤhren, die die Fuͤtterung dieſes Laubes mit angeſehen haben, und deren Erwartung bey weitem uͤbertroffen wurde. Die Schaafe laſſen das beſte Wieſenheu, und ſelbſt Hafer⸗ garben unberuͤhrt liegen, ſo lange ſie jenes Laub vor ſich haben.“ Eine aͤhnliche Erfahrung machte Freyherr von Varn⸗ buͤhler, wo ſeine von der Weide zuruͤckkommenden Schaafe die im Stalle bereitete Salzlecke, den hoͤchſten ihrer Lecker⸗ biſſen, uͤbergiengen und ſich vorderſamſt uͤber die in die Raufen eingelegten Topinamburſtaͤngel hermachten. „Seit dem 25. Oktober, faͤhrt Kade fort, erhalten 671 meine Schaafe taͤglich, wenn ſie von der Weide kommen, ein Laubfutter. Sie freſſen es mit unbeſchreiblicher Begierde, und laſſen nur wenig von den ſtarken Staͤngeln uͤbrig. Dieſe Thiere, die, ſo lange ſie auf die Weide gehen, nicht gro— ßen Appetit nach trocknem Futter zeigen, machen bey dem Topinamburlaub eine Ausnahme. Oft ſah ich ſie auf dem Felde gruͤne Graͤſer verſchmaͤhen und das abgefallene Laub der ſchon eingeaͤrndteten Staͤngel vorziehen. Gleiche Be— gierde zeigen auch die jungen Laͤmmer. Ich laſſe dieſen, ſo bald ſie anfangen wollen zu freſſen, zuerſt davon vorlegen, wodurch ſie eher als beym Heufutter zum Saufen der Traͤnke gebracht werden, welches bey der Laͤmmerzucht von großem Vortheile iſt.“*) b) Verwendung bey den Pferden. „Auf dem Gut Tſchirnau, ſagt Kade, wurden zwey Pferden, ſtatt des Heues, Laubſtaͤngel gegeben, die ſie vom erſten Augenblicke an gut fraßen. Ueberhaupt iſt das Pferd unter allen Thieren am gierigſten darauf, was wahrſchein— lich von dem ſuͤßen Mark der Staͤngel herruͤhrt. Sie freſ— ſen dieſe, wenn ſie nicht gar zu ſtark ſind, gaͤnzlich auf.“ c) Verwendung bey den Kuͤhen. „Die Kuͤhe, erzaͤhlt Kade, bekamen auf einem Gute täglich 1 Metze(3 ¼ Liter) Knollen und 1 Gebund Laub; **) Da das Laub ſelten allein, ſondern haͤufiger in Verbindung mit den Knollen verfuͤttert wird; ſo verweiſe ich bey dieſer, wie bey den fol⸗ genden Viehgattungen, auf das, was bey Gelegenheit der Verwendung der Knollen daruͤber geſagt werden wird. 672 auf dem andern Gute 2 Gebund Laub und keine Knollen. Der Erfolg war, daß die mit Knollen und Laub gefuͤtter⸗ ten zwar mehr, die mit Laub allein gefuͤtterten aber viel fettere Milch gaben.“ In Hohenheim wurden die Kuͤhe vom 1. bis zum 14. Maͤrz 1824 mit geſchnittenen Laubſtaͤngeln gefuͤttert. Man reichte ihnen 400 Pfund davon, ſtatt daß ſie bisher 300 Pfund Oehmd(Grummet) erhalten hatten. Die Kuͤhe fraßen ſie zwar dem Anſcheine nach nicht ausnehmend gern, und ließen einen guten Theil davon in der Krippe liegen, dennoch war kein Ruͤckſchlag in der Milch dabey bemerkbar. Da mich aber dieſe Erfahrung nicht befriedigte, indem das Vieh außer den Staͤngeln noch Bruͤhfutter erhalten hatte: ſo ließ ich den Verſuch 18 wiederholen. Drey Allgaͤuer Kuͤhe gaben, bey 10 Pfund Kleeheu, 10 Pfund Grummet und A Pfund Stroh per Stuͤck, zu⸗ ſammen taͤglich 16 i Liter Milch. Statt gedachten Futters wurden ihnen nunmehr bloße Topinamburſtaͤngel gereicht, und ſogleich nahm der Milch⸗ ertrag ab. Die Kuͤhe verloren den Geſchmack daran, und nahmen nach 3 Tagen nur mehr 13 Pfund zu ſich, ſo doß dieſe Fuͤtterungsart, aus Furcht fuͤr Nachtheil, nach 4 Ta— gen eingeſtellt werden mußte. Die Thiere fraßen noch lieber ihre Stroheinſtreuung, ſelbſt wenn ſie beſchmuzt war. Man gab ihnen nunmehro täͤglich 10 Pfund halb Klee⸗ heu, halb Grummet und 16 Pfund Topinamburſtaͤngel, und der Milchertrag ſtieg binnen acht Tagen im Durch⸗ ſchnitte auf 16 Liter. Auffallend war, daß ſie die Staͤn⸗ gel nun wieder ſehr gerne fraßen. Daraus ſcheint offenbar zu folgen, daß 16 Pfund trockne Staͤn⸗ 673 7 Staͤngel an Werth gleich ſind 10 Pfund Heu, vorausge⸗ ſezt, daß ſie nicht fuͤr ſich allein verfuͤttert werden. Mit dieſen Erfahrungen ſtreitet einigermaaßen die des H. O. A. Freyer in den Moͤglin'ſchen Annalen XI.„Die große Begierde, ſagt er, mit welcher die Kuͤhe das Kraut der Topinambur bis auf die mehr als daumdicken Staͤngel fraßen, brachte mich auf den Gedanken, daß dieß Kraut auch vorzuͤglich nahrhaft und milcherzeugend ſeyn moͤgte. Um dieß zu verſuchen, ließ ich zwey Kuͤhe, die bis zum 10. November bey Tage in den Wieſen gehuͤtet und Nachts mit Topinamburkraut gefuͤttert worden waren, in einen Stall allein ziehen. Sie hatten in der Weide taͤglich 9 ½ Quart Milch gegeben, erhielten ſo viel von dem Kraut, ſo viel ſie freſſen wollten, beyde 32 Pfund, wovon taͤglich nur wenig uͤber 2 Pfund, groͤßtentheils Blaͤtter, die in der Duͤrre des Junius vertrocknet und ſchwarz geworden waren, uͤbrig blieb. Sie ließen in der Milch ſchon am andern Tage nach, kamen auf 71 Quart herunter und die Milch ſezte kaum halb ſo viel Sahn als vorher ab, und dieſe Sahn war faſt ohne Farbe. Nach 3 Tagen ließ ich beyde Kuͤhe mit gutem Kleeheu fuͤttern, wovon ſie auch beynahe 30 Pfund verzehrten, und ſie kamen am dritten Tage auf 10 Quart Milch, welche uͤberdieß ſehr viel mehr und dunkel⸗ gelbe Sahn abſezte.“ Ich finde aber in dieſer Erfahrung Freyers nur die Beſtaͤtigung meiner eigenen; naͤmlich: daß Laub und Topinamburſtaͤngel allein zur Fuͤtterung des Viehes nicht zureichen; daß dieſes aber nichts gegen den großen Nutzen beweiſt, wenn ſie in Verbindung mit anderm Futter gereicht werden. v. Schwerz Anleit. z. prakt. Ackerbalt, II. Bd. 43 1 1 3 1 1 674 d) Verwendung zur Feuerung. Die Topinambur haben in Beziehung auf Brennſtoff einen weit hoͤhern Werth als alle andere landwirthſchaftliche Gewaͤchſe, da keins unter dieſen gefunden wird, das eine ſolche Maſſe von Staͤngeln abwirft, wie jene. Kade ſchaͤzte nach einem den 26. April angeſtellten Waͤgeverſuche, wo die Staͤngel alſo eine vollſtaͤndige Trockenheit erlangt hatten, den Ertrag eines Magdeburger Morgens auf 6554 Pfund, alſo 119 metriſche Centner vom Hektar. Wir wol⸗ len das fuͤr einen einzelnen Fall gelten laſſen. Da wir uns aber nach dem fruͤher ausgemittelten Durchſchnitt nicht mehr als 75 Centner belaubter Staͤngel verſprechen duͤrfen, und von dieſen etwa ein Drittel fuͤr das Laub abzuziehen iſt: ſo bleiben uns noch 50 metriſche Centuer Brennſtoff uͤbrig, womit wir uns befriedigen koͤnnen. Zu dieſem Zwecke laͤßt man die Staͤngel am beſten an den Stoͤcken und fuͤhrt ſie erſt im Winter, wo ſie abgeſtor⸗ ben ſind, von dem Felde ab. Zu groͤßerer Bequemlichkeit fuͤr den Gebrauch haut man ſie durch und bindet ſie in Buͤ— ſchel zuſammen. Hat die Knollenaͤrndte im Herbſte ſtatt: ſo bieten ſelbſt die Stuppen(bey dem Getreide, Stoppeln) noch einen ziem— lichen Ertrag an Brennſtoff. Man uͤberzieht den Acker mit der Egge, um die Stuppen mehr und mehr von der Erde zu entbloͤßen und die verſchuͤtteten zu Tag zu foͤrdern. Ha⸗ ben ſie einige Tage ſo gelegen: ſo faͤhrt man mit der Schleife druͤber, wodurch ſich die nun trockne Erde voͤllig abloͤſt. Man zieht oder wirft ſie dann in Haufen zuſam⸗ men, und bringt ſie weg. Sizt noch Erde zwiſchen den Wurzeln: ſo laͤßt man ſie zu Hauſe mit Pferden ausreiten, 675 oder auswalzen. Um ſie aufzubewahren, muͤſſen ſie unter Obdach, oder in mit Stroh gedeckte Fiemen gebracht werden. Kade ſchlaͤgt den Ertrag davon in voͤllig trocknem Zu⸗ ſtande auf 10 Centner vom M. Morgen an, wovon wir aber als Durchſchnitt nur die Hälfte, alſo 9 metriſche Centner fuͤr den Hektar, annehmen wollen. Dieſes Material kann nach Kade dem beſten Brennholze an die Seite geſezt wer⸗ den. Es eignet ſich zu jeder Art von Feuerung, Brod⸗ backen u. ſ. w. Werden die Knollen erſt im Fruͤhjahre ge⸗ aͤrndtet: ſo ſind ihre Stuppen zur Feuerung wenig hrauch⸗ bar, und man bringt ſie vortheilhafter in den Miſt. Kade gewann von 13 Pfund verbrannten Staͤngeln 24 Loth reine Aſche, alſo beynahe 6 pCt., die ſich in Stuͤcken gleich Platten zuſammenſezte, und eine Lauge von ſolcher Stärke gab, daß ſie alles bunte Zeug entfäͤrbte. §. 11. Verwendung der Knollen. Da keine Kuollen⸗ oder Wurzelgattung irgend einem Thiere allein, ſondern immer in Verbindung mit andern trocknen Subſtanzen verfuͤttert wird: ſo haͤlt es oft ſchwer, den wahren Fuͤtterungswerth jener ſaftigen Dinge rein aus⸗ zumitteln. Die Schwierigkeit ſteigt in dem Verhaͤltniß, als das trockene oder Bey⸗Futter nahrhafter iſt, und der Quan⸗ titaͤt und Qualität nach in einem mehr oder weniger richti⸗ gen Verhaͤltniſſe zu der Quantitaͤt und Qualitaͤt des ſafti⸗ gen Futters ſteht. Da das Stroh das wenigſt nahrhafte trockene Futter iſt, was dem Vieh gereicht wird; ſo ſcheint es, daß in Verbindung mit ihm der Werth, oder Einfluß jeder andern Fuͤtterungs⸗Zugabe am richtigſten ausgemit⸗ telt werden koͤnne. Zu dem Ende ſetze ich mir vor, in kuͤnf⸗ 676. tigem Winter 6 Kuͤhe ein paar Wochen lang mit nichts als Stroh und Kartoffeln, und dann eben ſo lang mit Stroh und Topinambur zu fuͤttern. Heuer gaben die Kuͤhe bey 24 Pfund Topinambur 10 Pfund Kleeheu und 3 Pfund Rapsſchoten eben ſo viel Milch, als bey 24 Pfund Kar⸗ toffeln und denſelben Gegenſtaͤnden. Demnach haͤtten bey der Fuͤtterung beyde gleichen Werth. Da das Elſaß das einzige Land iſt, wo meinem Wiſ⸗ ſen nach die Cultur der Topinambur auf freyem Felde ſich erhalten hat: ſo iſt das Zeugniß deſſelben in Bezug auf den Nutzen ihrer Verwendung ſehr wichtig. Sowohl nach den von mir, als von einem ſpaͤtern Reiſenden geſammelten Nachrichten*), haͤlt man daſelbſt die Knollen fuͤr ein vor— zuͤgliches Milchfutter bey den Kuͤhen; jedoch fuͤttert man ſelbe nicht leicht allein, ſondern in Miſchung mit Runkeln oder Kartoffeln, und zieht ſie ſo jedem Futter in Bezie⸗ hung auf Milch vor. Wenn in dem Elſaß die Pferde im Winter großentheils mit Ruͤben unterhalten werden: ſo zieht man in den Ge⸗ genden, wo Topinambur gebaut werden, dieſe den Ruͤben vor. Die Pferde bekommen bey jenem Futter keinen Durch⸗ fall, werden dick und fett, putzen ſich aus, koͤnnen ſtark dabey arbeiten. Nur muͤſſen ſie zu dem Zwecke friſch, wie ſie aus der Erde kommen, verwendet werden. Man ſieht im Ganzen dieſe Fuͤtterung fuͤr eine Geſundheitskur fuͤr al⸗ les Vieh an. Die taͤgliche Ration fuͤr ein Pferd iſt von 10 Liter. „Jedes Jahr, ſagt Kade, ſind Verſuche im Kleinen *) Moͤglin'ſche Annalen Band VII. S. 555. 6,7 mit Stängel⸗ und Knollen⸗Fuͤtterung der Topinambur bey Schaafen, Kuͤhen und Pferden gemacht worden, und das lezte Jahr hat die beſtimmte Entſcheidung gegeben, daß die⸗ ſes Futter nicht allein ganz unſchaͤdlich, ſondern auch ſehr nahrhaft und milcherzeugend ſey; daher nun kuͤnftig die Fuͤtterung damit, in ſoweit ſie zureicht, auf allen Vorwer⸗ ken hieſiger Guͤter und bey allen Vieharten, ſtatt haben ſoll. In jeder Schaͤferey iſt eine Abtheilung von Muͤttern, Schoͤpſen und Jungvieh dazu beſtimmt; ferner, Kuͤhe, Stammochſen und Pferde. Den Schaafen wurde taͤglich noch nicht ganz Liter(1 Hektoliter auf 120 Stuͤck) gereicht; dabey aber ſo viel Laubſtaͤngel als ſie freſſen wollen. Die Fuͤtterung dauerte vom 1. November bis zum 28. Maͤrz. Das Laub fraßen die Schaafe ſogleich, bey den Knollen aber machten ſie, wenn ſie nicht an Kartoffelfuͤtterung ge— woͤhnt ſind, einige Umſtaͤnde. Der Erfolg war, daß die Muͤtter ſehr ſtarke, geſunde Laͤmmer zur Welt brachten, Ueberfluß an Milch hatten und gut ſaͤugten. Die jungen Schaafe wuchſen und hatten ungemein viele Wolle. Ein alter Schoͤps, der vor der Fuͤtterung gewogen worden war, und 95 Pfund wog, hatte nach 86 Tagen bey 21% Metzen Knollen(72 Liter) und hinlaͤnglichem Laube um 20 Pfund zugenommen.“ „In andern Schaͤfereyen war die Fuͤtterung und der Erfolg gleich dem vorigen. Zwey tragende Muͤtter, die ſchon zweymal ſchwache Laͤmmer zur Welt gebracht, und ſchlecht geſaͤugt hatten, gebahren ſtarke Laͤmmer und ſaͤugten gut. Die Kuͤhe bekamen taͤglich etwas uͤber 3 Liter Knollen und ein Bund Laubſtängel. Die jungen Stammochſen erhielten vom 1. November bis zum lezten Maͤrz taͤglich 2 ½ Liter nebſt —— 678 2 Bund Staängel. Sie beſſerten ſich bald im Fleiſche und wuchſen gut.“ „Die Pferde erhielten vom 15. November bis zum 15. Februar taͤglich 10 Liter Knollen, aber kein Laub. An⸗ fangs ließ ich Kleien und geſchrotenes Getreide darunter mengen. Sie verſchmaͤheten es aber, und fraßen die Knol⸗ len lieber allein mit Siede(Strohhaͤckſel?) vermiſcht. Zu⸗ lezt zogen ſie ſolches Futter dem Koͤrnerfutter vor. Sie blie⸗ ben geſund, beſſerten ſich im Fleiſche, und verrichteten gleich den andern Pferden alle Arbeit.“ Wohrſcheinlich erhielten die Pferde zugleich Heu; da der Verfaſſer unmittelbar dar— auf ſagt, daß zwey Pferden auf einem andern Gute, ſtatt des Heues, Topinamburlaub gegeben worden waͤre. Achter Abſchnitt. Kopf k oh. Obgleich dieſes Gewaͤchſe weder unter die Knollen⸗ noch Wurzelgewaͤchſe gehoͤrt: ſo glaubte ich doch, da es das ein⸗ zige ſtaͤmmige in Großem angebaute Futtergewaͤchſe iſt und mehr oder weniger dieſelbe Behandlung wie jene fordert, die Beſchreibung ſeiner Cultur, der der Knollen⸗Gewaͤchſe an⸗ reihen zu muͤſſen, um nicht ein beſonderes Hauptſtuͤck fuͤr eine einzelne Pflanze machen zu duͤrfen. §. 1. Wichtigkeit der Kraut⸗Cultur— Spiel⸗ arten. Es giebt eine Menge Kohlarten, in deren Beſchreibung wir uns nicht einzulaſſen brauchen. Es genuͤgt zu wiſſen, daß man, ſie in Kopfkohlarten und Blattkohlarten theilt. 679 Beyde koͤnnen zu dem Genuſſe ſowohl der Menſchen als des Viehes verwendet werden. Bey den erſten koͤmmt es haupt⸗ ſaͤchlich auf die feſten geſchloſſenen Koͤpfe und eine groͤßere Zartheit, bey leztern auf die Mehrheit der Blaͤtter an. Und vielleicht beſteht der Vorzug, den Einige dieſen, die auch Strunkkoͤhle heißen, geben, darin, daß ſie eine laͤnger dauernde Benutzung, durch mehrmals wiederholtes Abblat⸗ ten, zulaſſen, ſtatt daß die Friſt des Verbrauches bey den Kopfkohlarten, des Verderbens wegen, nur ſehr beſchraͤnkt iſt. Waͤre lezteres nicht der Fall, und ließ ſich der Kopf- kohl wie die Kartoffeln und Runkeln in Gruben oder Kel⸗ lern oder gar im Freyen, bis zum Fruͤhjahr aufbewahren: ſo wuͤßte ich kein Futtergewaͤchſe, welches demſelben ſowohl an Quantitaͤt als Qualitaͤt gleich kaͤme. Milch- und Maſt⸗ vieh verſchmaͤht beſtimmt alle Knollen- und Ruͤben⸗Fuͤtte⸗ rung, ſo lange es Kohl, zumal Kopfkohl, haben kann. Dabey iſt er ſehr leicht zu fuͤttern, bedarf keines Waſchens, noch einer aͤngſtlichen Zerſtuͤckelung. Bey dem Paragraphen der Verwendung werden wir noch auf die Wichtigkeit dieſes landwirthſchaftlichen Produktes zuruͤckkommen. Es ſey nun, daß der Kohl fuͤr Menſchen oder Thiere angebaut werde; ſo erleidet ſeine Cultur wenig Abweichun— gen. Wir werden deßhalb hier nur die des Kopfkohls (Weißkrauts, Kappis) beruͤckſichtigen, und zwar ſo wie ſie auf dem Felde, nicht in den Gaͤrten, betrieben wird, in welchen leztern man ſich mehr auf das Fruͤhkraut verlegt. Auf dem Felde baut man nach den Orten das platt- und das ſpitzkoͤpfige ſpaͤte Weißkraut; lezteres vorzuͤglich in den wuͤrtembergiſchen Fildern. Es wird hier zu Lande, ſei— ner Zartheit wegen, mehr als das plattkoͤpfige geſchaͤzt. — — 68⁰ An einigen Orten Deutſchlands koͤmmt auch das Rothkraut, rother Kappis, vor. 1 Als Viehfutter mag der amerikaniſche Kohl, deſſen Koͤ⸗ pfe oft 20— 30 Pfund ſchwer werden, unter einem dem Kraut guͤnſtigen Klima, wie in England, Lob verdienen; ſchwerlich aber wird er eben ſo gut unter unſerm deutſchen Himmel gedeihen. Es weiſt ſich ferner von ſelbſt aus, daß ſolchen Dickkoͤpfen ein groͤßerer Raum zugemeſſen werden muß, als den halb ſo dicken Gattungen, und dadurch moͤgte ſich der Unterſchied im Ertrage wieder ausgleichen. Dabey ſagt man, daß der große engliſche Kopfkohl, wovon man 2—5 Gattungen hat, nicht fuͤr Menſchen tauge. §. 2. Saamenerzielung. Zu Saamentraͤgern werden im Oktober die geſundeſten, feſtgeſchloſſenſten, weißeſten(und bey dem Filderkraut ſpi⸗ tzigſten) Koͤpfe, von mittler Groͤße, und mit kurzen Strun⸗ ken ausgewaͤhlt. Man legt ſie bis zum Eintritte des Froſtes an einen trocknen Ort; bringt ſie dann in den Keller, und ſtellt ſie aufrecht nebeneinander hin. Iſt der Keller feucht: ſo faulen ſie zwar zum Theile in ihrer aͤußern Umgebung. Das hat aber nichts zu ſagen, wenn nur das Herz von der Dicke eines Eies gut bleibt. Sobald die ſtarken Froͤſte voruͤber ſind, werden die Saa⸗ mentraͤger in den Garten auf einen fetken oder vor Winter geduͤngten Platz ausgepflanzt; aber nicht in der Nachbar— ſchaft von andern Kohlarten, Raps, Ruͤben u. d. gl., um das Ausarten durch den Saamenſtaub zu vermeiden. Beym Aufſchießen muͤſſen die Ranken durch Stecken aufrecht ge⸗ halten werden. 681 Der Saame reift ungefähr in der erſten Haͤlfte des Au⸗ guſts. Da er nicht gleichzeitig reift und man durchaus die allgemeine Reife nicht abwarten darf, wenn man nicht Ge⸗ fahr laufen will, den fruͤhern beſſern zu verlieren; ſo ſchnei⸗ det man ihn, ſobald der groͤßere Theil der Schooten an⸗ fängt weiß zu werden, und laͤßt das Abgeſchnittene auf Tuͤchern nachreifen. Man haͤngt auch wohl die Saamen⸗— ſtaͤngel 4—6 Wochen lang zu Hauſe auf, und reibt ſie dann aus. Der Saame wird in kleine Saͤckchen gefaßt und an einem luftigen Ort aufbewahrt, wo er ſich 5—6 Jahre keim⸗ faͤhig erhaͤlt. Hier zu Lande haͤlt man den Saamen der Herzſtaͤngel fuͤr den beſten, und hebt ihn deßhalb zu eigenem Gebrauch auf, weilen man glaubt, daß die davon gewonnenen Pflan⸗ zen nicht ſo leicht flatterig werden, und beſtimmt den Saa⸗ men der Nebenzweige zum Verkaufe. In den Fildern, wo viel Handel mit Saamen ge⸗ trieben wird, wird das Pfund nicht unter einem Gulden verkauft, und oft mit fuͤnf Gulden bezahlt. §. 3. Saamenbeet. Man waͤhlt dazu eine warme, gegen alle ſcharfen Winde geſchuͤzte Lage. Der darauf verwendete Miſt muß wohl verrottet ſeyn. Mit dieſem, in den wuͤrtembergiſchen Fildern uͤblichen, Verfahren koͤmmt man in Sachſen nicht uͤberein.„Allgemein, ſagt Teichmann, iſt man dar⸗ uͤber einverſtanden, daß zu den Pflanzen nicht mit Miſt noch Jauche geduͤngt werden darf.“ Am beſten wird der Miſt vor Winter aufgebracht und entweder ſogleich oder im erſten Fruͤhjahre untergegraben. Man zieht den Dung vom 68²2 Hornvieh, als den mildeſten, und nicht ſtark treibenden, zu dieſem Gebrauche vor. Hat man ein Stuͤck guten Gras⸗ boden dazu gewaͤhlt, ſo iſt das Duͤngen nicht noͤthig. Die Pflanzen gedeihen darauf ſehr gut, leiden nicht vom Un⸗ kraut, noch, wie man behauptet, von den Erdfloͤhen.— Der Bauer hat aber gewoͤhnlich ſein beſtaͤndiges Krautfeld⸗ chen, auf welchem die Pflaͤnzlinge alle Jahre erzogen werden. Das Saͤen hat ſtatt in der erſten Haͤlfte des Maͤrzes, ſelbſt in den lezten Tagen des Februars, in ſoferne es Wet⸗ ter und Umſtaͤnde zulaſſen. Der Saamen wird eingehaͤckelt oder eingeharkt und der Boden darauf feſtgetreten. Daß dieſer vorlaͤufig voͤllig verkruͤmelt und gemuͤrbt werden muß, iſt leicht denkbar. Es iſt ſehr vortheilhaft, wenn man mit Ruß oder Gips verſehen iſt, ſolche uͤber das Beet zu ſtreuen und mit ſammt dem Saamen einzuharken. Auf naßkaltem Boden thut der Taubenmiſt gute Wirkung. Man bedarf o,25 Kilogramme ½ Pfund) Saamen, um ſpaͤter damit einen Hektar bepflanzen zu koͤnnen. Da die Pflanzen aber nicht allemal gerathen, ſo thut man wohl 0,30 Kilogr. auszuſaͤen. Viel koͤmmt dabey auf eine gleiche Vertheilung des Saamens an, ſo wie darauf, daß die Pflanzen nicht zu duͤnne noch zu dicht ſtehen, wie ſolches alle Gaͤrtner wiſſen. Die, welche das Pflanzenlaͤndchen nach— her noch benutzen wollen, koͤnnen ohne deren Nachtheil Moͤh⸗ ren mit ausſaͤen, die nach dem Wegſchaffen der Kohl⸗ pflanzen ſehr zunehmen und wohl gedeihen werden; wie ſol⸗ ches im Elſaß uͤblich iſt. Bey trocknem Wetter, zumal bey ſcharfen Winden, iſt es von Nutzen, das Beet mit Stroh zu uͤberdecken, und zu 68³ deſſen Anhalt einige Stangen daruͤber her zu legen. In dem Falle muß aber genau bemerkt werden, wenn der Saa⸗ men beginnt aufzugehen; alsdann muß das Stroh weg. Das Beet wird nunmehr mit Reiſern, Tannenreiſer ſind dazu am geſchickteſten, uͤberdeckt, um die Pflänzchen gegen Froſt, und ſelbſt gegen die Erdfloͤhe zu ſchuͤtzen. Dieſe lez⸗ tern ſind immer ihre grimmigſten Feinde. Die Streumittel helfen nicht viel dagegen, beſſer das beſagte Decken mit Reiſern, verbunden mit einem oͤftern Begießen, vorzuͤglich aber das vorgeſchlagene ganz fruͤhe Saͤen. Noch behauptet man, daß die Naͤhe eines fließenden oder auch ſtehenden Waſſers die Pflanzſchule gegen dieſe Feinde ſichert. Das Jaͤten des Saamenbeetes darf nicht erſt empfohlen werden. §. 4. Boden und Stelle im Umlauf. Ein naſſer, ſtorriger Boden iſt ſchon des Hackens we— gen nicht zu der Krautcultur geſchickt, und ſollte auch der Ertrag, bey ſtarker Duͤngung, auf einem ſolchen Boden lohnen: ſo bleibt ſie doch der darauf folgenden Fruͤchte we— gen nicht wohl anzurathen, am wenigſten, wenn es Win⸗ tergetreide ſeyn ſoll. Der beſte Boden dazu bleibt immer ein milder, warmer Lehmboden. In ſandigen Gegenden kann das Kraut nur bey feuchter Lage, oder in einem feuch⸗ ten Klima mit Vortheil gebauet werden. In ſehr heißen Gegenden, Spanien z. B., wird es nur mit Kunſt, und durch Bewaͤſſerung erzeugt. Daß der Kopfkohl vielen Dung erfordere, und vielen Dung aus dem Boden ziehe, wird durchgehends angenom⸗ —— ———y— —— ———— 68 men“) Dieſe boͤſe Eigenſchaft ſoll er ſelbſt in einem noch hoͤhern Grade als Kartoffeln und Ruͤben beſitzen. Am ſchlimm⸗ ſten zeigt er ſich aber am Acker, wenn man die Koͤpfe blos ausſchneidet, und die Strunken bis zum Fruͤhjahre ſtehen laͤßt, waͤhrend welcher Zeit ſie Sproſſen treiben, und, gleich dem Geitze der Tabackſtrunken, den Boden ſehr entkraͤften. Wer Gegenſtaͤnde der Art bauen will, muß fuͤr den Anfang viel entbehrlichen Dung haben, auch fuͤr die Folge, im Falle er das Kraut zum Verkaufe benuzt, wenn er ſeinen uͤbri⸗ gen Fruͤchten nicht Nachtheil bringen will. Die Englaͤnder zaͤhlen bey der Gerſte auf 8 Bushels, beynahe den vierten Theil des Ertrages, vom Acker Ruͤckſchlag; wobey in Be⸗ tracht koͤmmt, daß die Gerſte gerade die Frucht iſt, welche am beſten darnach gedeiht. Indeſſen moͤgte ſolches wohl daher ruͤhren, daß ſie das Kraut bis ſpaͤt in den Winter auf dem Felde laſſen. Mit ſich ſelbſt iſt das Kraut ſehr vertraͤglich, und kann in Krautgaͤrten uͤber das andere Jahr, und auf dem Felde mit jedem dritten Jahre wieder kommen. Bey den ſoge⸗ nannten Kraut⸗- oder Kappis⸗Bauern hat lezteres auf paſ⸗ ſendem Boden gewoͤhnlich ſtatt. Erz⸗Dreyfelderwirthe haben nicht leicht eine andere Wahl als das Kraut in das Brachfeld zu bringen, und man hat in den Fildern keinen andern Nachtheil an dem darauf *) Und doch laͤßt man ihn nicht zum Saamen kommen, welches meine ſchon vor zwanzig Jahren geaͤußerte Meynung beſtaͤtiget, daß es nicht die Epoche des Saamenanſatzes ſey, und noch weniger die ſeiner Reife, wel⸗ che den Boden am meiſten entkraͤfte. Doch hiervon in kuͤnftigem dritten Bande bey Gelegenheit der Fruchtfolge! 685 folgenden Dinkel bemerkt, als daß er weniger Stroh als nach Klee abwerfe, im Korne aber keineswegs zuruͤckſtehe; pferche man aber zu dem Dinkel, ſo gebe der Kohldinkel dem Kleedinkel in keinem Stuͤcke nach. Wenn man anderswo einen bedeutenden Ruͤckſchlag des Wintergetreides nach dem Kohl bemerkt: ſo hat dieſes auf ſolchem Boden ſtatt, der ſeines Thongehaktes wegen das ſpaͤte Saͤen nicht vertraͤgt, oder wo man nicht zureichend zum Kohl duͤngt; oder ihn nicht ſorgfaͤltig genug behackt; oder in naſſem Herbſte. Auf jeden Fall, und uͤberall wo es ausfuͤhrbar, iſt es gerathener Sommer⸗ als Wintergetreide auf den Kohl fol⸗ gen zu laſſen. Kann oder will man das aber nicht: ſo iſt der aus dem Wintergetreide hervorgehende Schaden nicht ſo betraͤchtlich, da er durch den reichern Ertrag der auf das Wintergetreide folgenden Gerſte oder Hafer zum Theile er— ſezt wird. Man beobachtet in den Fildern, daß das Sommergetreide, welches auf Flachsdinkel, Kartoffeldinkel, ja ſelbſt auf Kleedinkel folgt, ſo gut nicht gerathe, als das auf Kohldinkel folgende; woraus dann offenbar hervorgeht, daß der Kohl den Boden nicht ſo ſtark angreife, als ich hoͤher angedeutet habe, und es einige Englaͤnder wollen. Auch iſt man, nach A. Youngs Zeugniß, damit in Eng⸗ land noch nicht im Reinen. So ſchreibt auch Burger: „Da der kubiſche Raum, den die Wurzeln des Kohls ein— nehmen, nicht groß iſt: ſo erſchoͤpft er den Boden weniger als Kartoffeln, Mais und Bohnen.“ In Bezug auf lez⸗ tere wuͤrde A. Voung, wenn er noch lebte, foͤrmlich prote⸗ ſtiren, auch ich bin geneigt dieſer Proteſtation beyzutreten. 686 §. 5. Duͤngung und Bereitung des Kraut⸗ feldes. 1 In ſoferne man nicht das Kraut alljaͤhrlich auf derſel⸗ ben Stelle wiederkommen laͤßt, wird nicht allein Dung, ſondern viel Dung dazu erfordert. In den Fildern duͤngt man, wo moͤglich zweymal dazu. Einmal im erſten Fruͤh⸗ jahre, das anderemal unmittelbar vor dem Pflanzen. Statt dieſes zweyten Duͤngens wendet man am gewoͤhnlichſten, wohl auch am liebſten, den Pferch an. Unter allem Dung zieht man den Schaafmiſt zum Kohle vor. Daß das erſte Duͤngen auch vor Winter geſchehen koͤune, wenn man Miſt und Zeit hat, verſteht ſich. Solches ſchließt aber das Duͤn⸗ gen unmittelbar vor der lezten Pflugart nicht aus. Sollte man nicht zweymal duͤngen koͤnnen: ſo bleibt es ungleich beſſer, das einmalige Duͤngen erſt bey der lezten Furche vor⸗ zunehmen. Dieſes hat nebenbey den Vortheil, daß der Bauer alsdann mehrentheils mit Miſt verſehen iſt, da die Kartoffeln nun ſchon lange den ihrigen haben. Teich⸗ mann verſichert, daß man in Sachſen abſichtlich und recht gefliſſentlich ſo verfahre, weil die Bauern daſelbſt die Ueber⸗ zeugung hegen, daß das Gedeihen des Kohls durch den fri⸗ ſchen Miſt beſonders befoͤrdert werde. Eben daſelbſt haͤlt man das Pferchen vor der lezten Furche fuͤr hoͤchſt vortheilhaft. Auch in England haͤlt man auf das Duͤngen unmittelbar vor dem Pflanzen. Man empfiehlt fuͤr den Kohl ein oft wiederholtes Pfluͤ⸗ gen. Die Englaͤnder ſprechen von einem 4— 5maligen, und es mag ſeyn, daß auf ſehr ſchwerem Boden ſolches unbe⸗ dingt nothwendig iſt; auf gutem mildem, eigentlichem Kraut⸗ boden aber reicht ein zweymaliges im Fruͤhjahre, und ein 687 Schaͤlen(Felgen) vor Winter zu, wie es der Gebrauch in den Fildern beweiſt. Mit der erſten Furche wird der erſte Miſt untergebracht. Darauf wird, um die Feuchtigkeit im Boden zu erhalten, gewalzt, welches bey trockner Zeit, des Miſtes wegen, nothwendig wird. Unmittelbar vor der Pflan⸗ zung wird die zweyte Pflugart gegeben, und, wie ſchon geſagt, der jezt aufgefahrne Miſt oder Pferch in die Erde gebracht. Man eggt das Land moglichſt fein, und die mit keiner Walze verſehen ſind, zerſchlagen die Kloͤtte. In den Gebirgsgegenden, wo das Brennen einheimiſch iſt, wie auf dem Schwarzwald in Wuͤrtemberg, in Steier— mark u. ſ. w. wird der Raſen der Feld- oder Kommun—⸗ Weiden abgeſchaͤlt, gebrennt, und nachdem geduͤngt wor⸗ den, oder auch nicht, wird gepfluͤgt und das Land mit Kraut bepflanzt, welches ganz beſonders darauf geraͤth; ohne Duͤnger aber freylich weniger. Da der Kopfkohl nicht gerne mit der Naͤſſe zu thun hat: ſo verdient auf einem derſelben unterworfenem Boden, vielleicht auch auf jedem andern, die engliſche Methode, nach welcher das Land auf dreyfurchige, oder drey Schnitt breite Beete gelegt wird, den Vorzug; um ſo mehr, als ſich der Duͤnger in dieſen ſchmalen Beeten conzentrirt, und die Pflanze dadurch recht auf den Miſt zu ſtehen koͤmmt. §. 6. Verpflanzung. Mit der Krautpflanzung faͤngt man nie vor Ende Mai an, und kann ſie bis Ende Juni fortſetzen. Die beſte Zeit iſt gleich vor Johannis. Im Verlaufe des Mais zu pflan⸗ zen hält man fuͤr nachtheilig; daher das Spruͤchwort: Mai⸗ kraut kein Kraut! Im Uebrigen koͤmmt Vieles auf die 1 688 Witterung und die Staͤrke der Pflanzen an. Eine etwas feuchte Witterung iſt zu einem ſolchen Geſchaͤfte uͤberall will⸗ kommen, aber keine naſſe. Man zieht in den Fildern das trockne Wetter dem naſſen vor, und iſt um das An⸗ ſchlagen der Pflanzen, bey den daſelbſt beobachteten Maßregeln, unbekuͤmmert. Eine Hauptbedingung iſt das Pflanzen auf die friſche Furche. Bedient man ſich dabey des Pflanzſtockes oder auch des Fingers, ſo ſollte das Setzen waͤhrend dem Pfluͤgen in dem eben umgelegten Schnitt geſchehen. Bey dem Legen mit der Haue geſchieht ſolches, wenn ein Theil des Feldes mit dem Pfluge abgefertiget iſt. Eine zweyte Bedingung iſt, die Pflanzen in eine gehoͤrige Entfernung nach allen Seiten zu bringen, um ſie nach der Hand mit Leichtigkeit behacken und behaͤufeln zu koͤnnen. In den Fildern, ſo wie im Elſaß, iſt die Entfernung von 5 Fuß, einem ſtar⸗ ken Schritte ins D. Mau bedient ſich daſelbſt der Haue, fertiget damit eine flache Grube an, gießt etwa ein Trink— glas voll Waſſer, oder, noch beſſer, verduͤnnter Jauche hinein, ſcharrt etwas trockne Erde auf die Wurzeln der eingelegten Pflanze⸗ und tritt ein wenig an, worauf die Pflanze ge⸗ rade gerichtet, und mit Erde umgeben wird. Um die Pflanzen friſch und wohlbewurzelt zu erhalten, wird das Saamenbeet vorlaͤufig ſtark begoſſen, wodurch die Pflanzen ſich leichter ausziehen laſſen und mehr Erde zwi— ſchen den Wurzeln hangen bleibt. Im Falle man kein Waſ⸗ ſer in die Setzgruben bringen will, iſt das Anſchlaͤmmen der von der Erde entbloͤßten Pflaͤnzlinge hoͤchſt nuͤtzlich und bey trocknem Wetter nothwendig. Zu einer Entfernung von einem Schritte ins ◻ bedarf maunu 687 man 9500 bis 10,000 Pflanzen auf den Hektar. Zur Aus⸗ fuͤllung ſpaͤter entſtehender Luͤcken ſezt man hier und dort zwey Pflanzen nebeneinander, um im Nothfalle eine der⸗ ſelben zur Hand zu haben. §. 7. Pflege. Eine vollkommene Reinhaltung des Bodens von allem Unkraut thut dem Kohl Noth, und wahrſcheinlich eben ſo ſehr das Behaͤufen, wie bey allen Pflanzen, die eine Menge Wurzeln bilden, ſolche aber nicht nach der Ferne ausbrei⸗ ten. In dem Falle ſind außer dem Kohl auch Taback und Mais. In den Fildern, wo die Pferdehacke nicht bekannt iſt, handhackt man zuerſe ſehr vollſtaͤndig und mit vieler Umſicht. Da der Handhacker, hier durchgehends Frauleute, bey der Arbeit voranſchreitet, daher das zum Theile feſt⸗ tritt, was er aufgelockert haͤt: ſo dreht er, oder vielmehr ſie, ſich von Zeit zu Zeit um, um die gemachten Fußſta⸗ pfen wieder auszugleichen. Umſicht beym Hacken iſt noͤthig, um die Pflanze nicht zu verruͤcken, welches der Kohl, im Gegenſatz von den Ruͤben nicht vertraͤgt. Dieſes erſte Be⸗ hacken hat 3—4 Wochen nach dem Pflanzen ſtatt. Das zweyte Behacken, welches unmittelbar vor der Win⸗ tergetreidärndte vorgenommen wird, wird zugleich mit dem Anhaͤufen verbunden, und damit i*ſt die Pflege vollbracht. Hat man den Kohl auf Daͤmme(Kaͤmme) gepflanzt, und iſt man mit einem guten Haäͤufelpflug verſehen: ſo be⸗ darf es nur des Handhackens auf den Daͤmmen, alſo auf den Reihen zwiſchen den Pflanzen. Darauf wird die herab⸗ fallende Erde nach einigen Tagen mit dem Haͤufelpflug v. Schwerz Anleit. z. prakt. Ackerbau. II. Bd. 44 688 wieder zuruͤck nach den Daͤmmen gebracht. In Bezug auf die Daͤmme beobachte ich, daß ſie nur auf gebundenem, zumal feuchtem, Boden von Nutzen, auf leichtem Boden aber in trocknen Jahren dem Kohl nachtheilig werden koͤnnen §. 8. Vegetation und Feinde. Der Kohl vertraͤgt noch eher ein trocknes als naſſes Jahr. In jenem erhaͤlt er zwar nur kleine, aber feſtgeſchloſſene Koͤpfe; in dieſem werden die Haͤupter flatterich, ſie ſchlieſ⸗ ſen ſich nicht. Wem an den Koͤpfen mehr als an den Blaͤt⸗ tern gelegen iſt, der beraube ſie derſelben nur erſt ſpaͤt, etwa 14 Tage vor dem Abhauen, am beſten gar nicht. Die voͤllige Ausbildung der Koͤpfe erfolgt erſt gegen den Herbſt, wenn die Naͤchte anfangen kuͤhl zu werden. Der Kohl waͤchſt noch bis zu Martini. Ein ſehr laͤſtiger Feind des Krauts, beſonders in der Nachbarſchaft von Wohnungen, Obſtbaͤumen und Hecken, ſind die Raupen. Dieſes Geſchmeiß richtet zumal den Kohl als Viehfutter zu Grund. Im freyen, offenen Feld ſind ſie weniger gefaͤhrlich. Eine ſorgfaͤltige Tilgung der Diſtel, um deren Blumenkoͤpfe ſich die ſchmutzigweißen Schmetter⸗ linge ſo haͤufig ſammeln, wuͤrde gewiß zur Verminderung des Raupengeſindels einer Gegend viel beytragen. §. 9. Krautaͤrndte. Wem es mehr um die Blatt⸗ als Kopfaͤrndte zu thun iſt, faͤngt mit jener ſchon in der erſten Haͤlfte des Septem⸗ bers an, wo die unterſten Blaͤtter beginnen gelb zu werden. Das Blatten wird ununterbrochen bis zur Zeit des Abbrin⸗ gens der Koͤpfe fortgeſezt. Auf ſolche Weiſe macht man „ 689 zwey⸗, dreymal die Runde des Feldes, und es iſt nicht zu läugnen, daß dieſe Blaͤtter nicht einen bedeutenden Werth haben, der aber in einer kleinen Wirthſchaft, wo das Blatt ten von dem Geſinde geſchieht, weit mehr, als in einer großen, wo ſolches im Taglohn ausgefuͤhrt werden muß, in Betracht koͤmmt. Die Blaͤtter muͤſſen naͤmlich Ordnungs⸗ weiſe auf Strohſeile gelegt, mit dieſen zuſammengebunden und zu dem Rand des Feldes getragen werden, wo der Wa⸗ gen ihrer harret, und das giebt immer ein theures Futter. Schlagen wir den daraus nothwendig entſtehenden Ruͤck⸗ ſchlag im Ertrage der Koͤpfe an, ſo duͤrfte ſich der groͤßere Wirth nur im Nothfalle zu dem Blatten entſchließen, und es entſtuͤnde die Frage, ob er in dem Falle nicht beſſer thun wuͤrde, den Kohl ſelbſt fuͤr jeden taͤglichen Bedarf wegzu⸗ raͤumen und zu verfuͤttern. Setzen wir, zum Beyſpiel, er haͤtte fruͤher mit dem Abblatten des ganzen Feldes ſein Vieh auf 4 Wochen laͤnger in der Gruͤnfuͤtterung hinaus bringen koͤnnen: ſo wuͤrde, im Falle er die Koͤpfe ſammt den Blaͤt⸗ tern wegnimmt, der vierte oder doch gewiß der dritte Theil des Feldes zu demſelben Zwecke zureichen. Während dem werden die uͤbrigen oder der Koͤpfe ungeſtoͤrt fortwach⸗ ſen, und durch das Nichtblatten vielleicht um ſo viel zu— nehmen, als durch die voreilige Einaͤrndtung und Verfuͤtte⸗ rung des ¼ oder G der Koͤpfe verloren worden. Dabey wird nicht gelaͤugnet werden koͤnnen, daß die Fuͤtterung des ganzen Kohls dem Vieh angenehmer und milchgebender, und die daraus hervorgehende Butter ſchmackhafter ſey, als die der abſterbenden Blaͤtter. Weiter hat dieſe Methode den Vortheil einer Erſparung an Arbeitslohn. Es duͤrfen nun⸗ mehr keine Blaͤtter mehr aus dem Felde herausgetragen wer⸗ 690 den; da der Wagen ſelbſt angefahren und der Kohl drauf geworfen werden kann. Endlich wird das Feld dadurch ſtrei⸗ fenweis ſeines Ertrages entlediget, wodurch der Pflug um ſo fruͤher den Anfang machen kann, welches ſo wichtig fuͤr das darauf folgende Wintergetreide bey den Dreyfeldern iſt. Die Einaͤrndtung der Koͤpfe faͤllt in den Fildern ge— gen die Mitte Oktobers(Gallustag). Nur, wenn das Kraut anfaͤngt zu berſten, ſtellweis aufzuplatzen, und dann zur Faͤule geneigt wird, koͤmmt man jener Zeit zuvor. Man haut die Staͤmme kurz an der Erde weg rund bedient ſich dazu der Hebe(Habe, Hackmeſſer). Die Altenburger ho⸗ len ihr Kraut nicht vor Ende Oktobers, oder Anfang No⸗ vembers ein; oder ſetzen, wenn keine Winterfrucht darauf folgen ſoll, das Blatten bis zum Dezember fort. Die Be⸗ handlung des Eingeaͤrndteten haͤngt davon ab, ob man die Koͤpfe zum Verkaufe, oder zum Verbrauche beſtimmt. Im erſten Falle werden ſie ſogleich auf große Haufen geworfen, und 3 auch 14 Tage darin liegen gelaſſen, bevor man ſie abblattet. Durch dieſe Vorrichtung werden ſie weißer(ſie bleichen), welches ſie beym Verkaufe ſehr empfiehlt. Dar— auf werden die Strunken abgeſchnitten, und die aͤußern Blaͤtter abgenommen, die, wenn dann ſchon etwas gelb, dem Vieh immer noch ſehr willkommen ſind. Im zweyten Falle werden ſie ſogleich vom Acker weg entblattet, und an luftigem Ort nebeneinander hingelegt. Wollte man ſie wie das Kaufgut behandeln, ſo wuͤrden ſie ſich nicht bis in den Winter aufbewahren laſſen; ſondern nach kurzer Zeit faulen. Man nimmt, wie leicht zu denken, das Kraut nicht all' auf einmal von dem Felde ab, ſondern nur vor und nach, wie man im Stande iſt, die Blaͤtter bey dem Vieh 691 zu verwenden. Verzoͤgert ſich die Aerndte und man hat Froſt zu fuͤrchten: ſo muß der Reſt voͤllig und auf einmal einge⸗ holt werden. In England, wo man gelindere Winter hat, als bey uns, faͤngt die Krautaͤrndte und Abfuͤtterung erſt im No— vember an und dauert bis Anfangs Maͤrz. Dann aber muß der Kohl vom Felde, um der Beſtellung zur Gerſte Raum zu geben. Bey uns iſt ein langes Aufbewahren des Kohls weit ſchwieriger, indem er im Freyen dem Froſte unterliegt, und in geſchloſſenem Raume dem Faulen unterworfen iſt. Am beſten thuͤrmt man ihn nach dem erſten Abtrocknen in einer etwas geſchuͤzten Lage im Freyen in kleinen Pyrami⸗ den auf, die Strunken, die am erſten vom Frpoſt leiden, nach innen gekehrt. Bey eintretender ſtarker Kaͤlte deckt man ſie mit Stroh, wenn der Schnee nicht allenfalls lezteres entbehrlich macht. Auf jeden Fall laſſen ſich die Strunken laͤnger als die Koͤpfe aufbewahren. Man ſaͤuert noch in einigen Gegenden den Kohl, nicht blos fuͤr Menſchen, ſondern auch fuͤr das Vieh ein. Zu lezterm Zwecke wird er groͤblich zerſchnitten, in Tonnen, oder waſſerdichte Gruben geworfen, ſchichtweis feſtgetreten oder geſtampft, mit etwas Salz, auch mit ein wenig Aſche unterſtreut, und ſtark beſchwert. Hat man nur Sorge, daß die Bruͤhe uͤber dem beſchwerten Deckel ſteht: ſo haͤlt ſich das Eingemachte, und ſchmeckt dem Vieh im Winter als Zugabe zu ſeinem Haͤckſel, oder als Ingredienz ſeiner Sie⸗ de, ungeachtet des wenig lieblichen Geruchs, ganz herrlich. ——— 692 §. 10. Ertrag und Werth. Der Ertrag eines Krautackers iſt ſehr groß. Nach der Berechnung Burgers ſtehen, bey 2 Fuß ins[J, 25,000 Pflanzen auf dem Hektar. Von dieſer Zahl duͤrfte jedoch wegen Ruͤckſchlag mehrerer Pflanzen der zehnte Theil abge⸗ rechnet werden; bleiben 22,500. Ihr Gewicht im Durch⸗ ſchnitt 3 zu 2 Kilogrammes angenommen, giebt eine Maſſe von 460 metriſchen Ctr. Gruͤnfutter. Hiervon moͤgen 6 einem Centner Heu gleich ſeyn. Der Futterertrag eines Hektars Kraut waͤre alſo gleich 75 metr. Ctr. Heu. Thaer ſchlaͤgt den Ertrag des Krautes weit hoͤher an, und ſezt ihn p. Hektar 110 metr. Ctr. Wieſenheu gleich. Nun aber ſteht nach ihm ein Hektar Klee 47 ½ und ein Hektar Kartoffeln 73 metr. Heu gleich. In den Fildern, ſo wie im Elſaß, wo man ſich hauptſaͤchlich der Koͤpfe wegen mit dem Kraut befaßt, fal⸗ len nur 10,000 Pflanzen auf den Hektar, wovon vielleicht 10 pCt. fuͤr die Flatterer abzuziehen, bleiben 9000 Koͤpfe, wovon in Wuͤrtemberg das Hundert bald mit 1, bald mit 5 fl. bezahlt wird, Medium 2 fl. 30 kr. Demnach thut die Einnahme 225 fl. Zu dieſem Preiſe aber wuͤrde man hier zu Lande allemal 122 metr. Ctr. Heu kaufen koͤnnen. Schlagen wir die Blaͤtter und Strunken ſammt Flatterer an Werth zum fuͤnften Theil der Koͤpfe an: ſo haben wir ei— nen Totalertrag von 281 fl.*), oder den Geldwerth von *) Ich beobachte hierbey, daß in meiner Beſchreibung der El⸗ ſaſſer Landwirthſchaft ſich ein grober Verſtoß eingefunden hat. Seite 541 iſt ein Acker Kohl(½ Hektar) zu 400 Franken angenommen; ———:— ——— 693 152 metr. Ctr. Wieſenhen. Nehmen wir keine Ruͤckſicht auf Verkauf und Geld, und ſchlagen jede Pflanze ſammt Fruͤh⸗ blaͤtter und Strunk zu 3 Pfund an: ſo geben uns die 10,000 Staͤmme eines Hektars 3⁰,000 Pfund= 362 metriſche Ctr. gruͤnes Futter. Da nun 6 von dieſem einem Ctr. Heu gleich ſind: ſo gleicht der Ertrag eines Hektars Kraut, als Fut— ter, 60 metriſchen Ctr. Heu, woraus hervorgeht, daß der wuͤrtembergiſche Filderbauer ſich eines bedeutenden Vortheils berauben wuͤrde, wenn er die Krautkoͤpfe verfuͤtterte, im Falle er das Hundert zu 2 fl. 30 kr. verkaufen kann; daß er aber Vortheil von ihrer Verfuͤtterung habe, wenn die Krautkoͤpfe nicht uͤber 1 fl. 12 kr. bezahlt werden. In Suffolk ſchaͤzt man einen Acker Kraut bey der Ver— fuͤtterung anderthalb Acker Ruͤben gleich. Mehrere daſige Paͤch— ter ſchlagen es zum doppelten Werth an. Einer unter ihnen behauptete bey A. Young, daß ein Acker von ſeinem Kohl ihm mehr werth ſey, als die zwey beſten Aecker Ruͤben, die er jemals gehabt habe. S. 11. Verwendung. Es giebt kein Thier, dem die Kohlfuͤtterung nicht hoͤchſt zutraͤglich waͤre. Dahin gehoͤren Vorzugsweiſe Rindvieh und Schweine. In den Fildern iſt es nichts Ungewoͤhnliches auch die Pferde damit zu fuͤttern. Zu dem Ende werden die Kohlblaͤtter geſchnitten und mit Haͤckerling gemengt. Die Schweine, als Liebhaber weicher ſaftiger Koſt, freſſen die Kohlblaͤtter mit vieler Gier, und ruͤhren nicht es wird aber hoͤchſtens 200, alſo ſtatt 2000 nur 1000 Franken vom Hektar heißen ſollen, und das ſcheint noch zu viel. 694 leicht Ruͤben oder Kartoffeln an, ſo lange ſie Kraut haben koͤnnen. Daß in England viele Ochſen mit Kohl ausgemaͤſtet werden, iſt bekannt. H. Green beobachtet, daß er mit einem Mittelertrage von ½ Acre Kohl 2 Stuͤcke von 700 Pfd., die den Sommer uͤber auf der Weide geweſen waren, aus⸗ gemaͤſtet habe; macht 6 ⅜ Stuͤck p. Hektar. Nach Youngs Farner⸗Kalender verzehrt ein Ochſe von mittler Groͤße, wenn er gemaͤſtet wird, in 24 Stunden 81 Kilogr. Kohl, ein Ochſe, der ausgemaͤſtet 500 Kilogr. wiegt, 39 Kilogr., dabey aber noch 3 Kilogr. Heu= 18 Kilogr. Kohl. Leztere Ochſen wurden in 4 Monaten odllig fett. Demnach reichte ein Hektar Kohl ohne Heu zur Ausmaͤſtung 4 ſolcher Ochſen von 2000 Kilogr. hin. Junge Kuͤhe fraßen taͤglich 57 Kilogr. Kohl, nebſt 2¼ Kilogr. Heu= 14 Ki⸗ logr. Kohl, und wurden in 3 Monaten fett. Ein Hektar Kohl reichte alſo ohne Heu zu, um 3 ſolche Kuͤhe zu maͤ— ſten. Jaͤhrige Kaͤlber fraßen taͤglich 32 Kilogr. Kohl mit Stroh gemiſcht. Herr Green haͤlt den Kohl fuͤr ein ganz vorzuͤgliches Futter fuͤr entwoͤhnte Kaͤlber.„Von den Ruͤben, ſagt er, bekommen dieſe Thiere manchmal eine Krankheit, woran ſie gewoͤhnlich umkommen; aber in 6 Jahren, wo ich den Kohl zu ihrer Fuͤtterung verwendete, verlor ich von 40 Kaͤl⸗ bern nur eins. Es giebt gar keine Nahrung, wobey ſie beſ⸗ ſer gedeihen. Nirgend aber iſt, nach dem Zeugniß aller Gegenden, dieſe Fuͤtterung beſſer angebracht, als bey dem Milchvieh. Man geſteht gerne ein, daß ein Fuder Krautblaͤtter einem 695 Fuder Klee an Nahrhaftigkeit nicht gleich komme*)(Ich ſage Blaͤtter, bey den Koͤpfen koͤnnte es ſich anders verhal— ten); allein man muß bedenken, daß man ſelten mit Klee, oder doch nicht zureichend zu der Zeit verſehen iſt, wo die Krautfuͤtterung angeht. Dabey wirft ein Hektar Klee nur 250 m. Ctr. gruͤnes Futter ab, wenn ein Hektar Kohl de⸗ ren 400 abwirft. Demnach verhaͤlt der Ertrag eines Kohl⸗ ackers ſich zu dem eines Kleeackers wie 60 zu 55. Daraus laͤßt ſich aber keineswegs folgern, daß erſter wirklich mehr Werth in einer Wirthſchaft habe, als lezter; denn es iſt ein großer Unterſchied zwiſchen einem Futter, das ich 4 Mo⸗ nate lang, und einem ſolchen, das ich nur 2 Monate lang benutzen kann, wozu noch koͤmmt, daß ich jenes Heuen, alſo noch 6 Monate weiter in trocknem Zuſtande aufbewah⸗ ren kann, ſtatt daß ich mit dem Verbrauche von dieſem, unter Gefahr des Verderbens, eilen muß. Nach den Beobachtungen der Englaͤnder giebt der Kohl mehr und beſſere Milch und Butter als Ruͤben.„Alle Paͤch⸗ ter, ſchreibt Voung, die ich daruͤber abhoͤrte, ſtimmen darin uͤberein, daß Kohl mit Stroh ein beſſeres Futter fuͤr die Milchkuͤhe ſey, als Heu, ſo reichlich man ihnen lezteres auch reichte. Was nicht wenig fuͤr die Trefflichkeit des *) Welches auch ſchon daraus erſichtlich, daß der Kohl beym Trocknen 35, der Klee nur 73 pCt. verliert. Nur die altenburg'⸗ ſchen Damen, große Krautpflanzerinnen, wollen ſolches nicht einge— ſtehen, und legen in ihrer muͤtterlichen Vorliebe dem Kraut den dop⸗ pelten Werth des Klees bey. Iſt wohl um die Haͤlfte uͤbertrieben! Nach dem braven Block gleichen 50 Pfund Kohlblaͤtter nur 2) Pfund gruͤnem Klee. Demnach kommen 9 Fuder von dieſem ꝛ0 Fuder von jenen gleich. — — 696 Kohls, in Bezug auf die Guͤte der Butter, ſpricht, iſt: daß die Strohkohlbutter in London allemal zu demſelben Preiſe verkauft wird, wie die von dem Heu gewonnene, welches mit der Ruͤbenbutter nicht der Fall iſt. Nur muß der Kohl ſich nicht im Zuſtande einer anfangenden Faͤulniß befin⸗ den.“*) Auch in Sachſen iſt die Krautbutter hinſichtlich ihres guten Geſchmacks und ihrer vorzuͤglichen Haltbarkeit beſonders beruͤhmt. Die Vorliebe fuͤr das Kraut als Milch⸗ futter iſt in Altenburg ſo groß, daß die Kartoffeln es noch nicht haben verdraͤngen koͤnnen, und das mit Recht! meynt Schmalz. Wie gut, wenn es uͤberall ſo geblieben waͤre! Man reicht in Sachſen mit der Kohlfuͤtterung nicht ſel— ten bis in das neue Jahr, und mit den Strunken wohl bis gegen Faſtnacht. Blaͤtter und Koͤpfe(welche leztere aber wegen dem vorhergehenden wiederholten Blatten wenig be⸗ deutend ſind) werden zuerſt verfuͤttert. Fehlt es an einem Behaͤltniſſe, um die Strunken gegen den Froſt(von welchem ſie ſo leicht angegriffen werden) zu ſichern: ſo muͤſſen ſie *) Nicht leicht aber laͤßt ſich dieſes zuſammenreimen mit dem, wie ſich derſelbe V. in dem Farmer-Calender ausſpricht, wo er ſagt: „Der Kohl iſt fuͤr alles zu maͤſtende Vieh, und auch ſuͤr Schaafe zur Lammzeit ein herrliches Futter; fuͤr Milchvieh und Schweine aber habe ich ihn, bey all' meinen daruͤber angeſtellten Verſuchen, nie gut finden koͤnnen. Die Erfahrung hat mich belehrt, daß Kuͤhe, welche mit Heu gefuͤttert wurden, mehr Milch gaben, als ſolche, denen man ihr Futter zur Haͤlfte in Heu, und zur Haͤlfte in Kohl beſtimmt hatte. Kohl mit Stroh vermiſcht brachte bey Milchkuͤhen immer eine widrige Wirkung hervor.“— Es muß wohl ein merk⸗ licher Unterſchied zwiſchen Heu und Heu, und Kohl und Kohl obwal⸗ ten, um mit Ehren aus dem Streite herauszukommen, und den Layen kein Aergerniß zu geben! 697 gleichzeitig mit dem Uebrigen weggefuͤttert werden. Sonſt werden ſie bis zu Ende aufbewahrt, und meiſt erſt in der lezten Haͤlfte des Dezembers verfuͤttert. Die Strunken ſind ein ſehr koſtbares Futter, das ſelbſt den Haͤuptern vorzuziehen bleibt. Es iſt aber nothwendig, ſie, ihrer Haͤrte wegen, vorlaͤufig in vier Stuͤcke zu ſpalten. Berichtigungen im zweyten Bande. Seite Linie ſtatt lies 111 15 Brietz Bruͤhets. 15 19 und etwa etwa. 36 5 wahrhaftes nahrhaftes. 5 7 11 folgen folge. 68 1 v. u. gezweyfuͤhrt gezweyfuhrt. — 7v. u. zweyfuͤhren zweyfuhren. 69 1 einfuͤhrig einfaͤhrig. 33 5 v. u. leichter ſchwerer. 216 14 v. u. Farner Farmer. 244 6 viertel⸗ vierten. 255 18 5⁰,66 48,2. 288 16 des der. 1 369— Kariſten Karſten. 139 v. u. muß das(0 wegbleiben. 272 6 muß das() wegbleiben. 115 Das hier angegebene Medium von 48 ½ Hektoliter fuͤr den Dinkel, verſteht ſich blos von eigentlichem Din⸗ 5 kelboden und guter Cultur. Im allgemeinen Durch⸗ ſchnitte darf man kaum auf ao Hektoliter zaͤhlen. 8 ——— /g ei ele8eA — b 1 ——*