mnaer Bibllothek Hritt — 3 Verlagsbuchhandlung Paul Parey in Berlin SW., Hedemannstr. 10. leder Band FE B LI THEK Preis des Bandes einzeln käuflich. T in einen geb. 2 M. 50 Pf. Ackerbau und Düngerwesen. Urbarmachung und Verbesserung des Bodens von Ok.-Rat Dr. R. Buerstenbinder. Praktische Bodenkunde von Dr. A. Nowacki, Professor in Zürich. 3. Aufage. Käufliche Düngestoffe von Dr. A. Rümpler in Breslau.—. 4. Auflage. Wolff's Praktische Düngerlehre. 4 13. Auflage. Wolff's Anleitung zur chem. Untersuchung landw. Stoffe.*2 1 2 4. Auflage. Pflanzenbau. Tabaksbau von A. Freiherrn von Babo in Klosterneuburg. 3. Auflage. Wiesen- und Weidenbau von Dr. F. Burgtorf, Direktor in Herford. 4. Auflage. Feldholzzucht, Korbweidenkultur etc. von R. Fischer in Berlin. Hopfenbau von C. Eruwirth, Professor in Hohenheim Gekrönte Preiss hriſt. Anbau der Hülsenfrüchte von C. Fruwirth, Professor in Hohenheim. Braugerste von H. Heinc. Gekrönte Preisschrift. Lupinen- und Serradellabau von Kette-Jassen und König-Zörnigall. 9. Auflage. Rübenbau von Knauer auf Gröbers bei Hulle a. S. Flachsbau und Verarbeitung von R. Kuhnert in Marburg. Landw. Futterbau von Dr. William Loebe-Leipzig. 3. Auflage Samen und Saat von Dr. William Loebe-Leipzig.. Ernährung der landw. Kulturpflanzen von Dr. Ad. Mayer, Proſ. in Wageniugen. 2. Auflage. Getreidebau von Dr. A. Nowacki, Professor in Zürich. Gekrönte Preisschrift. 3. Auflage. Risler's Weizenbau. Herausgegeben von Amtsrat Dr. W. Rimpau in Schlanstedt. Kartoffelbau von Geheimrat Dr. H. Werner, Professor in Berlin. 3. Auflage. Krankheiten der landw. Nutzpflanzen von Professor Dr. Wolf. Forstkulturen von Urff, Kgl. Forstmeister in Neuhaus bei Berlinchen. 2. Auflage. Tierzucht und Fütterungslehre. Berlepsch' Bienenzucht. Bearbeitet von G. Lehzen in Hannover. 4. Auflage. Zoologie für Landwirte von Dr. J. Ritzema Bos, Professor in Amsterdam. 2. Auflage. Rindviehzucht von Dr. V. Funk, Direktor in Zoppot. 4. Auflage. Wirtschaftsfeinde aus dem Tierreich von Dr. G. von Hayck, Professor in Wien. May's Schweinezucht. Bearbeitet von E. Meyer-Priedrichswerth. 4. Auflage. Bakterienkunde für Landwirte von Dr. W. Migula in Karlsruhe. bribyl's Geflügelzucht, naubearbeitet von Oberstleutnant a. D. Sabel in Prier. 4. Auflage. Wolff's Landwirtschaftliche Fütterungslehre. 7. Aufiage. Betrieb. Birnbaum'’s Landw. Taxationslehre. 2. Auflage. Landw. Betriebslehre von Geheimrat Dr. Freiherr v. d. Goltz, Professor in Poppelsdorf. Landw. Buchführung von Geheimrat Dr. Freih. v. d. Goltz, Prof. in Poppelsdorf. 8. Auflage. Langethal's Geschichte d. Landwirtschaft bearb. v. Michelsen u. Nedderich 3. Auflage. Rechtsbeistand des Landwirts von M. Löwenherz, Amtsgerichtsrat in Köln. 2. Auflage. An- und Verkaufs-Genossenschaften von H. v. Mendel, Landesökonomierat in IIalle. Das Schriftwerk des Landwirts von C. Petri in Hohenwestedt. 2. Auflage. Wirtschaftsdirektion d. Landgutes von Geh-Rat Dr. A. Thaer, Prof. in Giessen. 3. Auflage. Baukunde.“ Ziegelei von Zieuelei-Ingenieur O. Bock in Berlin.. Auflage. Kalk-Sand-Pisébau von Baurat F. Engel. Bearbeitet von H. Hotop. t. Auflage. Pferdestall(Bau und Einrichtung) von. Baurat F. Eugel, in Berlin.. Auflage. 1 Viehstall(Bau und Einrichtung) von Ba rgerin erlin. 2. Auflage. Bauernhof(Anlage und Einrichtung)v 1 SSS heralsekretär in Osnabrück. Schubert’s Ldw. Baukunde. Neß 1 1 eister G. Meyer in Buxtehude. 6. Auflage. 7. Auflage. Geflügelställe(Bau und Einrichtung) v hubert in Höxter. Kalk-, Gips- und Zementfabriß tion Non H Stegindnn in Braunschweig. Zu beziehen durch jede Buchhandlung. er. ufage. ulage. uflage. flage. uflage. uflage. uige. Anflage. Auflage. Anfage. Aulage. Auflage. Auflage. Kuflage. Auflage. Aufape. Aufage. Auflage. Aufage. 8 cf. Anfage. Aufage. Aufage. Aufage. Aufage. 4 Auflage. 1 — Kulige. Auflage. Auflage. Auflage. Verlagsbuchhandlung Paul Parey in Berlin SW. Hedemannstr. 10. leder Band TH AER-BIBLI THE breis des Bandes elnzein käuffleh. X in Leinen geb. 2 M. 50 Pf. .. Landwirtschaftliche Gewerbe. Apfelweinbereitung von Dr. Ernst Kramer in Klagenfurt. Bierbrauerei von Dr. C. J. Lintner, Professor in München. 2. Auflage. Milchwirtschaft von Dr. William Loebe in Leipaig. 2. Auflage. Anleitung zum Brennereibetrieb von Geb.-Rat Prof. Dr. Maercker in Halle a. S. Die Milch und ihre Produkte von A. Otto in Halle a. S. 8 Stärkefabrikation von Dr. F. Stohmann, Professor an der Universität in Leipzig. Kulturtechnik, Maschinenkunde, Ingenieurwesen. Der Petersensche Wiesenbau von Dr. E. Fuchs in Kappeln. Landw. Plan- und Situationszeichnen von H. Kutscher in Hohenwestedt. Behandlung der Lokomobilen von professor Paul Lazar in Budapest. Perels' Ratgeber bei der Wahl Landw. Geräte und Maschinen. Schubert's Landw. Rechenwesen. Bearb. von H. Kutscher in Hohenwestedt. Dynamite von Isidor Irauzl, Ingenieur in Wien. Be- und Entwässerung der Acker und Wiesen von ék. Rat L. Vincent. 3. Auflage. . Auflage. Auflage. 21 Feldmessen und Nivellieren von Dr. A. Wüst, Professor in Halle. 4. Auflage. Der Landwirt als Kulturingenieur von Fr. Zajicek, Professor in Mödling. Veterinärwesen. Englischer Hufbeschlag von Hl. Behrens, Lehrschmied in Rostock. 2. Auflage. Eingeweidewürmer der Haussäugetiere von Dr. J. Dewitz in Berlin. Heilungs- und Tierarzneimittellehre von F. Flemming, Grossh. Tierarzt in Lübz. Physiologie und Pathologie der Haussäugetiere von P. Flemming, Tierarzt in Lübz. Innere Krankheiten der fdw. Haussäugetiere von F. Grosswendt, Kgl. Oberrussarzt. Gesundheitspflege der tddhn. Haussäugetiere von Med. Rat Prof. Dr. Johne in Dresden. Landw. Giftlehre von Dr. G. M üller, Professor in Dresden. Der kranke Hund von r. G. Müller, Professor in Dresden. Der gesunde Hund von Dr. G. Müller, Professor in Dresden. Beschlagkunde von Dr. A. von Rueff in Stuttgart. Kussere Krankheiten der ldw. Haussäugetiere von E. Zorn, Kgl. Korpsrossarzt. Geburtsbilfe von Amtstierarzt Tapken in Varel. 2. Auflage. Jagd, Sport und Fischerei-. Künstliche Fischzucht von M. von dem Borne auf Berneuchen. 4. Auflagc. Süsswasserfischerei von M. von dem Borne auf Berneuchen. Teichwirtschaft von M. von dem Borne auf Berneuchen. 4. Auflage. Goedde' s Fasanenzucht. Bearbeitet von Fasanenjäger Staffel in Fürstenwald. 3. Auflage. Die Jagd und ihr Betrieb von A. Goedde, Herzogl. Jägermeister in Coburg 2. Auflage. Jagd-, Flof- und Schäferhunde von Lieutenant Schlotfeldt in Hannover. Ratgeber beim Pferdekauf von Stallmeister B. Schoenbeck in Höxter. 2. Auflage. Widersetzlichkeiten des Pferdes von Stallmeister B. Schoenbeck in Höxter. Reiten und Fahren von Major R. Schoenbeck in Berlin. 3. Auflage. Gartenbau. Gehõölzzucht von J. Hartwig, Grossherzogl. Hofgarteninspektor in Weimar. 2. Auflage. Gewächshäuser von J. Hartw ig, Grossherzogl. Hofgarteninspektor in Weimar. 2. Auflage. Weinbau von Ph. Held, Gartenbau-Inspektor in Hohenheim. Meyer's Immerwährender Gartenkalender. 3. Auflage. Obstbau von R. Noack, Grossherzogl. Hofgarteninspektor in Darmstadt. 3 Auflage. Gartenblumen(Zucht und Pflege) von Th. R ümpler, General-Sekretär in Erfurt.. 2. Auflage. Rümpler' 8 Zimmergärtnerei. Bearbeitet von W. Mönkemeyer in Leipzig. 3. Auflage. 3 Obstbaumkrankheiten von Professor Dr. Paul Sorauer in Proskau. Gärtnerische Veredlungskunst von O. Teichert. Bearbeitet von Pintelmann. 2. Auflage. Gemüsehau von B. von Uslar in Hannover. 3. Aufage. LZu Poaieſen durch jede Sue iaadſung. Verlagsbuchhandlung Paul Parey in Berlin SW., Hedemannstr. 10. Landwirtschaftliche Unterrichtsbücher. Ackerbau von Direktor Dr. Droysen-Herford und Direktor Dr. Gisevius-Dahme. Vierte Auflage. Mit 175 Textabbildungen. 3 Geb., Preis 1 M. 60 Pf. Pflanzenbau von Direktor Dr. Birnbaum. Vierte Auflage, bearbeitet von Direktor Dr. Gisevius in Dahme. Mit 217 Textabbildungen. Geb., Preis 1 M. 60 Pf. Viehzucht von vV. Patzig, Professor in Marienburg. Vierte Auflage. Mit 96 Text- abbildungen. 4 Geb., Preis 1 M. 60 Pf. Wirtschaftsbetrieb von Dr. P. Gabler, Lehrer in Eldena. Kart., Preis 1 M. 20 Pf. Forstwirtschaft von G. Meyer, Kgl. Forstmeister in Ebstorf. Kart., Preis 1 M. Physik von M. Honmann, Oberlehrer in Thorn. Dritte Auflage. Mit 152 Textabbildungen. Jlk w 3 5 Geb., Preis 1 M. 30 Pf. Betriebslehre von Direktor A. Conradi in Hohenwestedt. Zweite Aufl. Geb., Preis 1 M. Wiesenbau von H. Kutscher, Lehrer in Hohenwestedt. Zweite Auflage. Mit 67 Textabbild. .. Geb., Preis 1 M 20 Pf. Chemie von P. J. Murzel, Direktor in St. Wendel. Zweite Auflage. Geb. Preis 1 M. 20 Pf. Selbstverwaltungsämter, Vorbereitung für staatliche und kommunale. Von C. Petri. 1 Lehrer in Hohenwestedt. Zweite Auflage. 8 Geb., Preis 1 M. 20 Pf. Chemie von A. Maas, Lehrer in Wittstock. Mit 10 Textabbild. Geb., Preis 1 M 60 Pf. Obst- u. Gemüsebau von Otto Nattermüller. Mit 70 Textabbild. Geb., Preis 1 M. 50 Pf. Rechenbuch fuür niedere u. mittlere landw. Lehranstalten von L. Lemke, Lehrer in Stargard. I. Teil. Zweite Aufl. Geb., Preis 1 Mk. 40 Pf. II. T eil. Mit 112 Textabb. Geb., Preis 2 M. Lösungen(für beide Teile) Preis 1 M. Geometrie, Feldmessen u. Nivellieren von H. Kutscher, Lehrer in Hohenwestedt. Zweite Auflage. Mit 172 Textabbildungen. Geb., Preis 1 M. 40 Pf. Rechenbuch für Ackerbauschulen und landw. Winterschulen von P. Knak, Lehrer in Wittstock. Zweite Auflage. 4 Geb., Preis 1 M. 20 Pf. Lösungen. 2. Preis 1 M. Mineralogie u. Gesteinslehre von v. Uhrmann, Lehrer in Chemnitz. Mit 40 Text abbildungen. Geb., Preis 1 M. Fütterungslehre von Direktor A. Conradi in Hohenwestedt. Zweite Auflage. Geb., Preis 1 M. 20 Pf. Düngerlehre von Direktor A. Conradi in Hohenwestedt.. Preis 60 Pf. Wirtschaftslehre von Direktor Dr. V. Funk in Zoppot. Vierte Auflage. Geb., Preis 1 M- Taxationslehre von c. Petri, Lehrer in Hohenwestedt. Geb., Preis 1 M. 60 Pf Geometrie der Ebene von Prof. L. Bosse in Dahme und Prof. H. Müller in Eldenad. Mit 200 Textabbildungen. Geb., Preis 1 M. 20 Pfſf. Stereometrie für Landwirtschaftsschulen von Prof. I. Bosse in Dahme und Prof. H. Müller in Eldena. Mit 30 Textabbildungen. Preis 50 Pf. Bodenkunde von Dr. W. Lilienthal, Lehrer in Schönberg. Mit 6 Textabbild. Geb., Preis 1 M. Deutsche Gedichte, herausgegeben für den Unterricht an Landwirtschaftsschulen von Direktor Dr. R. Schultz in Marggrabowa. Geb., Preis 2 M. Lehrbuch d. Botanik für Landwirtschaftsschulen und andere höhere Lehranstalten von Oberlehrer G. Meyer in Dahme. Mit 285 Textabbildungen. Geb., Preis 2 M. Bodenkunde von Direktor A. Wirtz in Odenkirchen. Preis 50 Pf, Lehrbuch der Physik in methodischer Bearbeitung für Landwirtschaftsschulen von Dr. Lautenschläger, Oberlehrer in Samter. Geb., Preis 2 M. 80 Pf. Landmanns Buchführung von Dr. H. Clausen, Direktor in Heide. Geb., Preis 1 M. 20 Pf. Betriebseinrichtung kleinerer Wirtschaften v. Ok.Rat Dr. Salfeld in Lingen. Preis 60 Pf. Deutsches Lesebuch für Ackerbauschulen, landw. Winterschulen und ländliche Fort- bildungsschulen von M. Hollmann u. P. Knak, Lehrern in Wittstock. Geb., Preis 2 M. 50 Pf. Bau und Leben der landwirtschaftl. Haussäugetiere von Dr. E. Laur, Lehrer in Brugg. Mit 64 Textabbildungen und 5 Tafeln. Geb., Preis 1 M. Chemie für Ackerbau- u. landw. Winter-Schulen von W. Wellershaus, Landwirtschaftslehrer. I. Teil: Anorganische Chemie. Preis 50 Pf. II. Teil: Organische Chemie. Preis 50 Pf. Betriebslehre für mittlere und niedere landw. Lehranstalten von Dr. R. Roth, Direktor in Chemnitz. Vierte Auflage. Geb., Preis 1 M. 40 Pf. Feldmess- und Nivellierkunde und Drainieren von Chr. Nielsen, Oberlehrer in Varel. Zweite Auflage. Mit 3 Tafeln und 102 Textabbildungen. Geb., Preis 2 M. Agrikulturchemie von Dr. R. Otto in Proskau. I. Teil. Preis 1 M. 40 Pf. Ackerbaulehre von H. Biedenkopf, Landwirtschaftslehrer in Chemuitz. Mit 83 Textabbild. Geb., Preis 1 M. 40 Pf. Zu beziehen durch jede Buchhandlung. Instituf für Pf⸗ zenh au un d Pℳ Nanze an der 18 eenadctung Ghesren chaschuſe Pratiiſche Bodenkunde. Anleitung Unterſuchung, Klaſſifißation und Kartierung des Bodens. Von Dr. Anton Nowaeki, Profeſſor der Landwirtſchaft am Polytechnikum in Zürich. Dritte, vermehrte und verbeſſerte Auflage. I Mit 9 Textabbildungen und 1 Farbendrucktafel. Berlin. Verlagsbuchhandlung Paul Parep. Verlag für Landwirtſchaft, Gartenbau und Forſtweſen. SW., Hedemannſtraße 10. 1899. Alle Rechte vorbehalten. Vorwort zur erſten Auflage. Im Juli 1883 brachte der Sprechſaal des„Schweizeriſchen landwirtſchaftlichen Zentralblattes“ folgende Anfrage:„In welchen kleineren Werken findet der Landwirt Anleitung zu leicht und mit wenig Koſten ausführbaren Boden⸗ unterſuchungen?“ Da in der Litteratur ein dem Sinne und Wunſche des Frageſtellers entſprechendes Buch meines Wiſſens nicht exiſtiert, ſo erbot ich mich, für das„Zentralblätt“ eine kurze An⸗ leitung zur einfachen Bodenunterſuchung zu ſchreiben. Die⸗ ſelbe iſt denn auch in Nr. 38, 39, 48, 49 und 50 erſchienen, aber der beſchränkte Raum des Blattes gebot zahlreiche Kürzungen. Namentlich mußte die genauere Unterſuchung des Bodens auf ſeinen Gehalt an Kalk und an Humus fortgelaſſen werden; ebenſo die Einteilung und Beſchreibung der Bodenarten, ſowie die Erörterung der Fragen: Wie erkennt und wie be⸗ ſeitigt man die Fehler und Mängel des Bodens? An welchen Pflanzennährſtoffen fehlt es dem Boden und wo⸗ mit müſſen wir düngen, um beſſere Ernten zu machen? ꝛc. Die vollſtändige Arbeit, die auch eine Anleitung zur An— legung von Bodenſammlungen und zur Aufnahme von Bodenkarten enthält, liegt nun hier vor, und ich wünſchte, daß das abgerundete Ganze ebenſo beifällig aufgenommen würde, wie die im„Zentralblatt“ bereits veröffentlichten Bruchſtücke. 1 Ich habe mich beſtrebt, den Gegenſtand ſo vollstümlich und praktiſch wie möglich zu behandeln, konnte mich aber nicht ent— ſchließen, dem Haſchen nach Popularität die Gründlichkeit zum Opfer zu bringen, und ich muß, um Enttäuſchungen vorzubeugen, aus⸗ drücklich bemerken, daß auch die einfachere Bodenunterſuchung eine Menge von Kenntniſſen und Werkzeugen erfordert, deren An⸗ wendung und Handhabung gelernt und geübt ſein will. Immerhin kann vieles von dem, was in dem Büchlein geſchrieben ſteht, von jedem verſtändigen Landwirt begriffen und nutzbringend verwertet werden; wer etwas über die Sekundarſchule hinausgekommen, wird auch das übrige verſtehen. Ich hoffe, daß meine„Anleitung“ dem IV Vorwort. Forſtwirt, dem Techniker und dem Naturforſcher ebenfalls willkommen ſein, und daß ſie beſonders auch als Leitfaden beim landwirtſchaft⸗ lichen Unterricht ſich als brauchbar erweiſen wird. Die im Anhang beigefügte, hier zum erſtenmale verſuchte Be⸗ nennung der Bodenarten in der Sprache der Viſſenſchaft empfehle ich einer nachſichtigen Beurteilung von ſeiten der Gelehrten. Den Praktiker, der von dem gelehrten Kram nichts wiſſen will, um kein „lateiniſcher Landwirt“ zu werden, bitte ich zu berückſichtigen, daß wir in der Schweiz romaniſch⸗, italieniſch⸗, franzöſiſch⸗ und deutſch⸗ redende Bauern haben. Die Wiſſenſchaft aber iſt allgemein, und ſie umſchlingt alle Nationen mit dem gleichen Bande. Fluntern bei Zürich, den 22. Juni 1884. A. Nowacki. Dorwort zur dritten Auflage. Schon die erſte Auflage enthielt mehr als der Titel verſprach. Die„kurze Anleitung zur einfachen Bodenunterſuchung“ war mir unter den Händen zu einer„praktiſchen Boden⸗ kunde“ geworden. Für die zweite und dritte Auflage iſt der ver⸗ änderte Titel um ſo mehr gerechtfertigt, weil ſie eine erhebliche Erweiterung und Vervollſtändigung erfuhr. Der vorbereitende Teil über„Begriff und Weſen des Bodens“ wurde neu hinzu⸗ gefügt; von dem praktiſchen Teil wurde der I. Abſchnitt über„die Geſtalt der Oberfläche“ und der II. Abſchnitt über„die Lagerungsverhältniſſe des Bodens“ ebenfalls neu bearbeitet, und auch der III. Abſchnitt über„die Bodenbeſtandteile und Bodenarten“ wurde durchgeſehen und durch eine in Farbendruck ausgeführte Flur⸗ und Bodenkarte ergänzt. Hoffentlich erfüllt das Büchlein nun noch mehr als früher ſeinen Zweck, den angehenden Landwirt und Kulturingenieur durch eine Anleitung zur einfachen Bodenunterſuchung auf praktiſchem Wege zur Kenntnis des Bodens zu führen. Zürich, Frühling 1899. A. Nowarki. 1. Inhalt. Vorbereitender Teil. Begriff und Weſen des Bodens. a) Was verſteht man unter Boden?. b) Wo finden wir den Boden?. c) Woraus beſteht der Boden?. Praktiſcher Teil. Die Geſtalt der Oberfläche des Bodens. Der horizontale oder ebene Boden Der geneigte Boden. Bedeutung der Oberflächengeſtalt. Die Geologen⸗Buſſole Das Nivellierinſtrument. Flurkarten mit Horizontalkurven Die Lagerungsverhältniſſe des Bodens. I. Der ſenkrechte Bahmitt o oder das urnl Probegruben.. Der Erdbohrer. Der Bohrſtock Die Sonde Was finden wir auf dem jentrechten Schnitt? Die Mächtigkeit des Bodens Schichten.. Grundwaſſer.. Obergrund und Unter grund Die Ackerkrume. Die Muttererde.....E... Der Untergrund........... II. Das Gefüge oder die Bkrukkur. 1. Die Körnigkeit des Bodens Seite VI Inhalt. 2. Die Lückigkeit des Bodens. Kapillare Poren und nicht kapillare deglriume. Kapillarität.. Sättigung und luenütmung des Bodens Durchläſſigkeit.... Waſſerkapazität. 3. Die Bündigkeit des Bodens 1. Feſtigkeit.. 2. Klebrigkeit 3. Volumenverminderung Die Stufen der Bündigkeit. Die Bodenbeſtandteile und Bodenarten. I. Die Bodenbeſtandkeile. 1. Die Unterſuchung des Bodens auf ſeinen Gehalt an Stein 2. Die Unterſuchung des Bodens auf leinen Gehalt an Sand und Thon Sand. Thon. Lehm. Löß Letten.. Sandiger Lehm und lehmiger Sand. Bedeutung der einfachen Bodenunterſuchung Die mechaniſche Analyſe und das Schlämmen des Bodens. Der Kühnſche Schlämmeylinder Sedimentierröhren und Sedimentiereylinder Bedeutung und beſchränkte Laiſung der mecha⸗ niſchen Analyſe 3. Die Unterſuchung des Bodens auf ſeinen cenut an n Kalk Die einfache Salzſäureprobe Die genauere Kalkbeſtimmung. 4. Die Unterſuchung des Bodens auf ſeinen gehalt an Sumns Humusbeſtimmung aus dem Glühverluſt 5. Wie erkennt und wie Leſeitiat man die Febler und Wuanne des Bodens?. a) Grundnäſſe..... b) Säufe...... Seite 60 61 62 62 63 64 75 75 77 79 81 86 87 88 88 88 89 90 91 91 92 96 99 101 103 104 106 108 111 113 113 115 II. 1. Inhalt. c) Eiſenſchüſſigkeit. d) Salz e) Steine. 4 f) Einſeitiger Beſtand des Bodens g) An welchen Pflanzennährſtoſien ſehlt es dem Boden, und womit ſollen wir düngen, beſſere Ernten zu machen?. Allgemeine Regeln für Düngungsverſuche. Beſondere Winke für Düngungsverſuche Kalk Gips. Phosphorſäure. Kali Stickſtoff. 99 Die Bodenarken. Hauptgruppen der Bodenarten. I. Hauptgruppe: Steinbodenarten. A. Grusböden.. 1. Humoſer Grusboden. 2. Lehmiger oder mergeliger Grusboden 3. Reiner Grusboden... B. Kiesböden. 4. Lehmiger oder mergeliger Kiesboden. 5. Reiner Kiesboden. 6. Grandboden. II. Hauptgruppe: gandhodenarten 1. Milder humoſer Sandboden 2. Mergeliger Sandboden 3. Lehmiger Sandboden. 4. Gemeiner Sandboden. 5. Naßkalter Sandboden 6. Loſer Sandboden. Hauptgruppe: Lehmbodenarten. 1. Milder humoſer Lehmboden . Lößartiger Lehmboden . Gemeiner Lehmboden. .Schwerer Lehmboden. III. ρ W Einteilung und Beſchreibung der Bodenarten. VII Seite 116 117 118 119 128 130 132 132 133 133 136 136 139 139 141 141 141 142 142 142 142 143 143 144 144 145 146 146 147 148 148 150 Inhalt. Naßkalter Lehmboden. 6 Sandiger, grandiger oder ſteiniger Lehmboden Hauptgruppe: Thonbodenarten. 1. Reicher humoſer Thonboden 2. Kalkhaltiger Thonboden. 3. Gemeiner Thonboden. 4. Strenger Thonboden.. 5. Naßkalter Thonboden, Leltenboden .Reiner Thonboden ½. V. Hauptgruppe: Mergelbodenarten. VI. VII. Humoſer Thonmergelboden. .Gemeiner Thonmergelboden. Humoſer Lehmmergelboden. Lößartiger Lehmmergelboden .Gemeiner Lehmmergelboden auptgruppe: Kalkbodenarten. .Humoſer Kalkboden Thoniger Kalkboden .Lehmiger Kalkboden.. .Sandiger oder grandiger Kalkboden. Steiniger Kalkboden— 3. Reiner Kalk⸗ und Kreideboden Anhang. Gipsboden. Hauptgruppe: Humuabodenorten „Acker⸗ und Gartenhumus 2. Grashumusboden. .Waldhumusboden. . Riedhumusboden .Mooshumusboden. 6. Heidehumusboden. 0 dboSE SAFE NgÖ — — Og 2. Anlegung einer Bodenſammlung 3. Bodenkarten Anhang. Wiſſenſchaftliche Benennung der Bodenarten. Flur⸗ und Bodenkarte Taf. 1. .Sandiger, grandiger oder ſteiniger Mergelboden. Seite 150 151 &r ͤͤ— ——— — ☛ ꝙ 0 — ————— — G. St G It A r 14 ₰ —— —½ Vorbereitender Teil. Begriff und Weſen des Bodens. a) Was verſteht man unter Boden? Das Wort Boden iſt uns an und für ſich nicht verſtändlich, weil es in verſchiedenem Sinne gebraucht wird. Der Töpfer, der Böttcher, der Zimmermann verſteht unter Boden etwas anderes als der Landwirt. Wir wollen verſuchen, uns den Begriff des Bodens klar zu machen, indem wir ihn ſprachlich entwickeln. Nach dem„Deutſchen Wörterbuch“ der großen Sprachforſcher Jakob und Wilhelm Grimm iſt das deutſche Wort Boden urverwandt mit dem lateiniſchen Wort fundus. Fundus kommt her von fundere, und das heißt gießen, ſchütten ec. Hiernach iſt Boden urſprünglich Guß(z. B. Opferguß) oder Gegoſſenes(z. B. ein Boden Wachs), und dementſprechend bedeutet Boden an einem Gefäß(Topf, Faß, Sack ꝛc.) die untere, innere Fläche, auf die gegoſſen oder geſchüttet wird.*) *) Unſer Wort Boden hat manche Wandlungen durchgemacht. Die älteſte Form iſt uns in der Benennung des Bodan oder Boden Sees = potamicus lacus erhalten. Das in potamicus liegende Wort hat ſich in folgender Weiſe entwickelt: pötam= pödam= bödom= bödem= böden = böden. In dem Winkel, wo die Provinzen Poſen, Weſtpreußen und Brandenburg zuſammenſtoßen, heißt das Wort noch jetzt bodom; ich weiß das genau, weil die dortige Sprache meine Mutterſprache iſt. Sonſt findet ſich das Wort bodom nirgends mehr in der Welt. Die Engländer haben bottom, die Schweden botten, die Niederländer bodem, die Dänen bund(anſtatt budn und bodn). Nowacki, Bodenkunde. 3. Auflage. 1 2 Begriff und Weſen des Bodens. Wie kommen wir aber von dieſem urſprünglichen oder eigent⸗ lichen Begriff zu dem abgeleiteten oder übertragenen Begriff, mit dem es der Landwirt zu thun hat? Auf dieſe Frage antworten die Gebrüder Grimm, indem ſie unmittelbar an den urſprünglichen Begriff anknüpfen: Zu dem Be⸗ griff Boden im Sinne von solum, terra könnte man gelangen, indem man Boden deutet als den„von Tau, Regen und allen himmliſchen Gaben übergoſſenen Grund“. Dieſe Erklärung iſt in gewiſſer Hinſicht ſchön, will mir aber doch nicht recht einleuchten. Die Gebrüder Grimm fühlen ſich ſelbſt von ihr nicht befriedigt, denn ſie fügen hinzu:„Natürlicher aber ſcheint es, die Oberfläche der Erde für die obere Wölbung, Rinde, Decke, Wölbung des großen Körpers zu nehmen und ihr, wie dem Faß, einen doppelten Boden, oberen und unteren beizumeſſen. Den uns zugedrehten, oberen Boden betreten wir, er iſt uns unten, unter uns; wir gehen, ſtehen an oder auf dem Boden.“ Auch mit dieſer Erklärung kann ich mich nicht befreunden, obwohl ſie manches Richtige enthält. Der Vergleich mit dem Faß, der uns allein an den urſprünglichen Be⸗ griff Boden erinnert, ſcheint mir nicht glücklich zu ſein. Noch viel weniger iſt es zuläſſig, unter Boden das Hingegoſſene oder Hingeſchüttete, d. h.„Schutt“ im naturwiſſenſchaftlichen Sinne zu verſtehen, denn dieſe ohnehin nicht allgemein zutreffende Deutung des Begriffs Boden iſt viel zu gelehrt und zu modern, als daß ſie für jene weit zurückliegenden Zeiten in Betracht kommen könnte, in denen das Wort Boden zuerſt auf den Erdboden bezogen wurde. Es läßt ſich noch eine andere Erklärung und Ableitung geben, die ebenfalls an den urſprünglichen Begriff Boden anknüpft, aber auf eine näherliegende Vorſtellung zurückgreift. Wenn die Kinder ſich ein Gärtchen machen, ſo legen ſie einen Kreis von Steinen oder ſie ſtecken Stäbchen ein: der umſchloſſene Raum iſt ein Boden(fundus), und er iſt zugleich der Boden(solum). Auf ähnliche Weiſe mögen unſere Vorfahren zu dem landwirt⸗ ſchaftlichen Begriff Boden gelangt ſein. Sie haben, außer Töpfen und anderen Behältern, zum Hineinſchütten von Vorräten auch Erdgruben hergeſtellt. Sie haben ſich Hütten gebaut, die nicht allein als Wohnſtätte, ſondern auch als Vorratsraum dienten. Jede Grube, jede Hütte hat unten einen Boden. t⸗ ſie Was verſteht man unter Boden? 3 So wurde der Begriff Boden nach und nach erweitert, zuerſt auf kleinere Gefäße, dann auf größere Räume bezogen; aber in der Vorſtellung blieb Boden zunächſt immer noch die unten liegende, von Wänden oder Wanbungen eingeſchloſſene, beſtimmt begrenzte Fläche. Dieſe Vorſtellung läßt ſich auch bei der Benennung gewiſſer Ortlichkeiten nachweiſen, z. B. bei dem„Urner Boden“, der eine 1 ½ Stunden lange und 1 ¼ Stunde breite, auf drei Seiten von Felswänden eingeſchloſſene und nur auf der vierten Seite, gegen Stachelberg hin, geöffnete Thal⸗ und Wieſenfläche darſtellt. Noch bekannter iſt die ebene, gleichfalls von hohen Bergen eingeſchloſſene Thalfläche, zwiſchen dem Thuner und Brienzer See in der Um⸗ gebung von Interlaken gelegen und im ſchweizeriſchen Volksmund „Bödeli“(kleiner Boden) genannt. Die Benennung des„Boddens“ bei der Inſel Rügen und des„Boden Sees“ bei Konſtanz gehört ebenfalls hierher; ja, es iſt wahrſcheinlich, daß das Wort Boden zum erſtenmal bei dieſem See(vergl. S. 1, Anmerkung) auf eine in der freien Natur liegende, begrenzte Fläche bezogen wurde. Dieſelbe Vorſtellung wurde denn auch auf die mit Mauern oder Zäunen eingefriedigte, zu Privateigentum gemachte Garten⸗, Acker⸗ und Wieſenfläche, und ſchließlich auf die nicht eingefriedigte, aber durch Grenzſteine, Grenzhaufen und drgl. rechtlich begrenzte Land⸗ und Gutsfläche übertragen. In Übereinſtimmung hier⸗ mit verſtanden die Römer unter fundus nicht den Erdboden, ſondern das Grundſtück, das Landgut, d. h. eine abgemeſſene, begrenzte Fläche Land. Selbſt„des Vaterlandes vielgeliebter Boden“ iſt ein beſtimmt begrenzter. Den Boden ohne Grenzen, als Naturprodukt und Naturobjekt zu denken und zu betrachten, gehört einer verhältnismäßig neuen Zeit an. Bevor das Wort Boden in dieſem Sinne gebraucht wurde, behalf man ſich mit den Ausdrücken: Erde, Land, Grund. Das griechiſche Wort„ε ον und das lateiniſche Wort solum (ebenſo auch das ſlaviſche Wörtchen pod= unten) weiſen uns darauf hin, den Umſtand ſchärfer ins Auge zu faſſen, daß der Boden für uns, d. h. von unſerem Standpunkt betrachtet, das Untere iſt. Das Wort“ iſt nämlich abzuleiten von ous,„oôde(lateiniſch pes, pedis), der Fuß, und das Wort solum bedeutet ſowohl die 1* 4 Begriff und Weſen des Bodens. Fußſohle wie den Boden. Hier wird alſo der Boden in Beziehung zu dem aufrecht gehenden oder ſtehenden Menſchen gedacht, und wir erhalten die Begriffsbeſtimmung: Boden iſt die Fläche, die wir beim Gehen und Stehen mit dem Fuße oder mit der Fußſohle berühren, oder, kürzer geſagt, Boden iſt die Fläche, an oder auf der wir gehen und ſtehen. Daß auch das deutſche Wort Boden früher nur die Fläche der Erde, des Landes, des Grundes bezeichnete, ergiebt ſich ſchon aus der Thatſache, daß im Deutſchen das Wort Grund mit dem Wort Boden ergänzt und zu einem Begriff verſchmolzen worden iſt. Das Wort Grund iſt uns an und für ſich ebenſowenig verſtändlich wie das Wort Boden. Wenn wir aber, beide Aus⸗ drücke zuſammenfaſſend, von„Grund und Boden“ reden, ſo weiß jeder, was gemeint iſt. Was iſt nun Grund? Man könnte meinen: Boden ſei das Obere, Grund das Untere. Wir haben aber geſehen, daß Boden urſprünglich das Untere, die unten liegende Fläche iſt; folglich muß Grund urſprünglich eine andere Bedeutung haben, ſonſt hätte es keinen Sinn von„Grund und Boden“ zu reden. Es läßt ſich leicht darthun, daß Grund urſprünglich und eigentlich nichts anderes iſt, als Erde, wobei wir uns unter Erde eine feinkörnige oder mulmige Subſtanz zu denken haben. Keine Stelle aus der deutſchen Litteratur beweiſt dies deutlicher als die folgende:„Im Hunger ſoll der Wolf Grund eſſen. Ihren Dreck decken ſie mit Grund.“ Die beiden Sätze laſſen nicht den geringſten Zweifel darüber, daß das Wort Grund ſich auf die Subſtanz der Erde von oben an bezieht, und daß es daher ſprach⸗ lich ganz richtig iſt, die von oben nach unten folgenden Lagen des Grundes als Obergrund und Untergrund zu bezeichnen. Auch das veraltete, in der Schweiz noch immer gebräuchliche„Grund führen“, im Sinne von„übererden“„Erde in die Weinberge ſchaffen“, läßt uns über die urſprüngliche und eigentliche Bedeutung des Wortes Grund nicht im Unklaren. Im Laufe der Zeit iſt das Wort Grund in ſeinem ur⸗ ſprünglichen Sinne mehr und mehr außer Gebrauch gekommen und durch das Wort Boden erſetzt worden. Allgemein gebräuchlich V V Wo finden wir den Boden? 5 ſind noch die Ausdrücke: Grundſtück, Grundbeſitz, Grundſteuer, Ober⸗ grund, Untergrund, flachgründig, tiefgründig ꝛc. Dagegen bezeichnen wir die Arten des Grundes als Sandboden, Lehmboden, Humus⸗ boden ec., wir ſprechen von der Lage, Lagerung und Struktur des Bodens, kurz, wir verſtehen heutzutage unter Boden nicht bloß die Fläche(Oberfläche, Raumfläche) der Grundſtücke, ſondern auch die ganze Maſſe des Grundes von oben bis unten. Demgemäß nennen wir die Lehre vom Grund und Boden kurzweg Boden⸗ kunde oder Pedologie. Es iſt aber gut, daß der deutſche Sprachgebrauch die beiden Begriffe„Grund und Boden“ feſtgehalten und zu einem Begriff zuſammengefaßt hat. Denn hierdurch werden wir daran erinnert, daß wir den Boden nicht bloß nach der Fläche(Oberfläche, Raum⸗ fläche), ſondern auch nach der Tiefe zu betrachten haben. Vielleicht treffe ich das Richtige, wenn ich, im Hinblick auf die vorausgeſchickten ſprachlichen Auseinanderſetzungen, den Begriff „Grund und Boden“ dahin erkläre: Boden bezieht ſich auf die wagerechte Fläche, Grund auf den ſenkrechten Schnitt. Wenn wir das Objekt, mit dem wir es hier zu thun haben, nach dieſen beiden Richtungen betrachten, ſo werden wir es als eine körperliche Maſſe auswendig und inwendig unterſuchen und„durch und durch“ begreifen und verſtehen lernen. b) Wo finden wir den Boden? Wenn wir querfeldein und kreuz und quer eine Wanderung machen, z. B. von Berlin nach Wien oder von Paris nach Moskau, ſo haben wir überall den Boden unter unſeren Füßen. Und wenn wir irgendwo ein Loch in den Boden graben, ſo treffen wir ſchließlich überall auf den Fels. Will ſagen: Wir finden den Boden an der Erdoberfläche; er bildet die Decke des Erdballs. Da der Boden oben liegt, ſo wird er von der Sonne beſtrahlt, von der Luft umſpült und vom Regen befeuchtet, und da er unten nur bis zum Fels hinabgeht, ſo hat er eine beſchränkte Dicke oder Mächtigkeit. Im Flachlande kann die Mächtigkeit 100 m und darüber betragen, im Gebirgslande beträgt ſie oft nur 1 m oder noch weniger. Stellenweiſe, nämlich dort, wo der nackte Fels 6 Begriff und Weſen des Bodens. zu Tage tritt, finden wir keinen„Boden“. Hier merken wir, daß wir richtiger„Grund und Boden“ ſagen würden, denn auf dem nackten Fels ſtehend haben wir wohl Boden, d. h. eine Fläche unter unſeren Füßen, aber nicht Grund, d. h. erdige Subſtanz. Im Vergleich zu ſeiner wagerechten Flächenausdehnung iſt der ſenkrechte Schnitt des Bodens auch dort, wo er mächtiger ent⸗ wickelt iſt, ſehr dünn. Denken wir uns den Schnitt mitten durch die Erdkugel ſo groß oder, beſſer geſagt, ſo klein, wie ein Wagen⸗ rad, ſo iſt der Teil des Schnittes, der auf den Grund und Boden kommt, verhältnismäßig noch dünner als ein Streifen Papier, den wir auf den Radreifen kleben. Der Radreifen ſelbſt kann uns als Bild für die feſte Felskruſte der Erde dienen. Der Boden liegt auf dem Fels. Der Fels bildet die Unterlage, die Stütze des Bodens. Solange der Fels feſt und ſtill ſteht, ſteht auch der Boden ſtill und feſt. Fängt aber der Fels in der Tiefe an zu ſchwanken oder zu rucken, ſo ſchwankt und kracht auch der Boden.— Wenn wir uns am Meeresſtrande befinden, um ein Bad in der Salzflut zu nehmen, ſo ſtehen wir auf dem Boden. Schreiten wir in das Waſſer hinein, ſo kommen wir von dem Boden auf den Meeresgrund. Die Grenze zwiſchen beiden iſt eine „fließende“; aber nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauch, der meiſt den Nagel auf den Kopf trifft, hört der Boden dort auf, wo der Meeresgrund anfängt. Es iſt indeſſen klar, daß ſich Boden und Meeresgrund nur durch die jetzige Lage unterſcheiden. Andert ſich die Lage, ſo wird der Boden zu Meeresgrund, der Meeresgrund zu Boden. Die Lage kann ſich ändern erſtens dadurch, daß der Meeresgrund ſich erhöht, oder zweitens durch wirkliche oder ſcheinbare Hebungen oder Senkungen des Feſtlandes und des Meeresgrundes, oder drittens auf die Weiſe, daß der Meeresſpiegel allgemein oder nur an ge⸗ wiſſen Küſten ſteigt, an anderen ſinkt. Dabei iſt der Umſtand beſonders zu beachten, daß die Ober⸗ fläche des Meeres nicht horizontal liegt, wie man gewöhnlich an⸗ nimmt, ſondern gegen die Küſten anſteigt und gegen die Mitte der Ozeane ſich ſenkt. Das Anſteigen an den Küſten iſt auf die An⸗ ziehung zurückzuführen, die von der körperlichen Maſſe des Feſt⸗ landes auf das Waſſer des Meeres ausgeübt wird. Änderungen Wo finden wir den Boden? 7 in der Maſſe des Feſtlandes haben demnach auch Änderungen in dem Niveau des Meeresſpiegels zur Folge. Als Urſachen für der⸗ artige örtliche Verſchiebungen der Strandlinie ſind geltend gemacht worden: Anhäufung von Sedimenten und vulkaniſchen Auswurfs⸗ ſtoffen an den Küſten; Emporwachſen von Korallenriffen; Bildung oder Wegſchmelzung von Eiskappen auf Küſtengebirgen oder, wie in der Eiszeit, auf großen Teilen der Kontinente; Aufſteigen von Gebirgsfalten; Abwetzung gebirgiger Küſtenſtriche; Ausfurchung von Thalflächen.*) Derartige Naturereigniſſe haben in der Vergangenheit ſtatt⸗ gefunden, und ſie finden auch in der Gegenwart noch ſtatt, teils langſam und ſtetig, teils plötzlich oder ruckweiſe. Daß ſie auf die Verteilung von Meer und Land und auch auf das Flächenmaß von Boden und Meeresgrund von Einfluß ſind, liegt auf der Hand. Zur Erläuterung einige Beiſpiele. Tag für Tag, Jahr für Jahr, Jahrhundert für Jahrhundert kommt eine Erhöhung des Meeresgrundes auf dem Wege zu ſtande, daß die Flüſſe den mitgeführten Schlamm an oder vor ihrer Mün⸗ dung abſetzen. Beiſpiele: die Deltas der Donau, des Po, des Nils, des Ganges, des Miſſiſippi u. ſ. w. Beiſpiele für Hebungen oder Trockenlegungen des Meeres⸗ grundes finden wir allgemein und überall. Der Boden des deut⸗ ſchen Reiches war noch in der Tertiärzeit größtenteils vom Meere bedeckt; ja, die Oberfläche ſämtlicher Kontinente bildete ehemals einen Teil des Meeresgrundes. Ein bekanntes Beiſpiel für die Hebung des Feſtlandes in der Gegenwart liefern uns die Küſten von Norwegen und Schweden. Auch an Beiſpielen für die Senkung des Feſtlandes beſteht kein Mangel. An der holländiſchen Küſte liegt ein Areal von 268 Quadratmeilen ſchon tiefer als der Meeresſpiegel; dieſe be⸗ deutende Bodenfläche wird gegenwärtig noch durch künſtliche Ein⸗ deichungen vor dem Eindringen des Waſſers geſchützt; wahrſchein⸗ lich aber ſteht ihr dasſelbe Schickſal bevor, wie dem Zuider See, der erſt vor 600 Jahren, genauer im Jahre 1287 durch Einbruch des Meeres zum Meerbuſen geworden iſt.— Auch die ganze Oſt⸗ *) H. Credner, Elemente der Geologie, 1887, S. 183. 8 Begriff und Weſen des Bodens. küſte der Vereinigten Staaten mit ihren untergegangenen Wäldern und trichterförmigen Flußmündungen iſt in Senkung begriffen.— Ebenſo ſinkt die Südſpitze Grönlands langſam unter das Meer; über den Pfählen, an denen die eingewanderten Europäer ihre Kähne zu befeſtigen pflegten, und über den Ruinen verlaſſener Ge⸗ bäude haben ſich die Waſſer bereits geſchloſſen.*) Im Vergleich zur Größe der Erdkugel ſind alle Hebungen und Senkungen der Oberfläche verſchwindend klein; aber ſchon relativ geringfügige Niveauveränderungen reichen hin, den Boden zu Meeresgrund, den Meeresgrund zu Boden zu machen. Bei den Binnengewäſſern wiederholen ſich in kleinerem Maß⸗ ſtabe dieſelben Vorgänge, oft unter Mitwirkung des Menſchen. So⸗ lange ein Seebecken bis zum Rande mit Waſſer gefüllt iſt, können wir in Bezug auf die bedeckte Fläche von Boden nicht reden. Ge⸗ lingt es aber den Seeſpiegel zu ſenken, ſo wird oft eine ausgedehnte Bodenfläche gewonnen. Ein intereſſantes Beiſpiel hierfür finden wir am Lungernſee in der Schweiz, der im Jahre 1835 durch den Stollen am Kaiſerſtuhl, d. h. durch eine unterirdiſche Ableitung des Waſſers nach dem Sarnerſee, um die Hälfte verkleinert wurde. Der trocken gelegte Seegrund iſt zu Boden geworden. Teile des Seegrundes können ferner dadurch zu Boden werden, daß der Seegrund auf natürlichem oder künſtlichem Wege bis über den Waſſerſpiegel aufgefüllt wird. Ein Beiſpiel hierfür gewähren uns die Quaianlagen am Zürichſee, bei denen der See ſelbſt das Material zur Ausfüllung hergeben mußte, indem der kreideweiße Seeſchlamm durch die Baggermaſchine in Kähne gehoben und aus dieſen über die Spundwand hinweg in das umfangreiche Becken geſchafft wurde, in dem die Auffüllung vor ſich ging. Endlich können Landſeen teilweiſe oder gänzlich zuwachſen, in⸗ dem ſich der Seegrund durch hineingeführten Flußſchlamm oder durch Torfbildung bis über den Waſſerſpiegel erhöht. Beiſpiele: Zahlreiche Torfmoore in der Schweiz, in Norddeutſchland u. a. a. O. Auch ein Flußbett kann zu Boden werden, wenn der Lauf des Waſſers eine künſtliche oder natürliche Verlegung erfährt. Beiſpiele: Flußkorrektionen, verbunden mit Durchſtechung der Serpentinen *) H. Credner, a. a. O., S. 174— 182. ecken in⸗ oder viele: a. O. f des piele: ntinen 7 Wo finden wir den Boden? 9 (Krümmungen), zur Sicherung des Bodens oder zur Beförderung der Schiffahrt. An alle dieſe Vorgänge müſſen wir uns erinnern, wenn wir uns die Frage beantworten wollen: Wo finden wir den Boden? Um aber in der Erſcheinungen Flucht einen feſten Punkt zu haben, ſchließen wir die Becken der Meere und Seen und die Betten der Flüſſe ſo lange von dem Begriff des Bodens aus, wie ſie vom Waſſer bedeckt ſind. Denn es gehört zum Begriff und Weſen des Bodens, daß ſeine Oberfläche wirklich oben liegt, an der freien Luft, unter freiem Himmel. Ebenſo haben wir den Gegenſatz zwiſchen Fels uud Boden feſtzuhalten. Zwar arbeitet die Natur ununterbrochen darauf hin, die Felſen durch Zertrümmerung und Zerſetzung in Boden über⸗ zuführen, und die Natur kennt auch Mittel und Wege, den Boden wieder in Fels zu verwandeln. Aber trotz alledem dürfen wir uns nicht einbilden, Boden und Fels ſeien einerlei; wir müſſen uns viel⸗ mehr klar zu machen ſuchen, daß ſie zweierlei ſind. Wodurch unterſcheiden ſich Boden und Fels? Der Unterſchied beruht auf dem Gefüge: Fels iſt feſt ge⸗ fügtes Geſtein, Boden iſt loſe gefügtes Geſtein. Dieſen Unterſchied können wir uns am beſten zur Anſchauung bringen, wenn wir die Gegenſtände, von denen die Rede iſt, in ge⸗ eigneter Weiſe mit Waſſer behandeln. Legen wir ein friſch ab⸗ gehauenes kleines Felsſtück in eine Schüſſel mit Waſſer, ſo bleibt es unverändert in Größe, Geſtalt und Gefüge. Ein Erdbrocken da⸗ gegen zerfällt und zerfließt im Waſſer meiſt ſchon von ſelbſt zu einem Brei, oder er wird wenigſtens ſchlüpfrig und geſchmeidig, ſo daß wir ihn mit einem Holzſtäbchen zerdrücken und zerteilen können. Daß die weniger feſt gebundenen Bodenarten(humoſer Sand, ſandiger Lehm ec.) ſich ſo verhalten, iſt ohne weiteres einleuchtend. überraſchend iſt es dagegen, daß auch der feſteſte,„ſteinhart“ ge⸗ trocknete Töpferthon faſt augenblicklich im Waſſer zerfällt. Ich machte dieſe Beobachtung zum erſtenmal Anfang der acht⸗ ziger Jahre an einem hellgraugefärbten, kalkhaltigen Töpferthon A, den ich im Jahre 1870 bei Corbeil in Frankreich geſammelt und anfänglich in Papier, ſpäter in einer verſchloſſenen Glasflaſche auf⸗ bewahrt habe und noch beſitze. Haſelnußgroße, eckige Stücke dieſes 10 Begriff und Weſen des Bodens. Töpferthons zerfallen im Waſſer in Zeit von ½ Minute, förmlich lebendig werdend.— Ein anderer, dunkelgrau gefärbter, kalkarmer Töpferthon B,*) im Limmatthal bei Zürich geſammelt und ſeit 1886 zuerſt im Keller und dann in einem Zimmerſchrank aufbewahrt, ver⸗ hält ſich jetzt(1899) im weſentlichen ebenſo; doch zerfällt er bei weitem nicht ſo raſch als Thon A, indem das Zerfallen erſt nach 3 Minuten beginnt und nach und nach erfolgt. Im Jahre 1892 begann das Zerfallen bei Thon B erſt nach 10 Minuten. Das Zerfallen des Thons im Waſſer iſt eigentümlich; es macht den Eindruck, als wenn kleinere oder größere, ſcharfkantige Brocken mit unſichtbaren Keilen abgeſpalten und nach zwei ſich rechtwinklig kreuzenden Richtungen immer weiter und weiter geſpalten werden. Am deutlichſten tritt dieſes eigentümliche Zerfallen, wie es ſcheint, bei dem Thon hervor, der in ſeinem natürlichen Gefüge ganz lang⸗ ſam und ſehr lange austrocknen konnte. Wenigſtens zeigte Thon A nach dem Kneten und Austrocknen(bei Zimmerwärme) das plötzliche Zerfallen im Waſſer nicht mehr, und von Thon B waren größere Klötze beim langſamen Austrocknen im Keller ſchon von ſelbſt in kleinere Brocken zerfallen. Feuchter Thon zerfällt nicht ſo im Waſſer; wenn wir ihn aber mit einem Rührſtabe oder mit einem Borſtenpinſel bearbeiten, ſo läßt er ſich gleichfalls in Schlamm zerteilen. Eine friſch geknetete Thonkugel, etwa von Haſelnußgröße, bleibt im Waſſer anſcheinend unverändert; laſſen wir ſie einige Tage im warmen Zimmer aus⸗ trocknen, bis ſie„ſteinhart“ geworden, ſo zerfällt ſie, ins Waſſer gelegt, in Zeit von 20 bis 50 Minuten. Bei einem Felsſtück, z. B. bei einem Bruchſtück von Schiefer, Granit, Sernifit ec., geſchieht dies ſelbſt in Wochen und Monaten nicht, und auch das Umrühren ꝛc. hilft nichts. Steinſalz und andere weiche Mineralien verhalten ſich ebenfalls anders, als Boden; ſie löſen ſich wirklich und voll— ſtändig im Waſſer. Der Boden dagegen löſt ſich nicht, oder doch nur zum kleinen Teil, ſondern er zergeht nur im Waſſer, trübt es und ſetzt ſich nach längerer oder kürzerer Zeit aus ihm ab. Was wir Boden oder Erde nennen, das iſt demnach, im Gegen⸗ *) Dieſer Thon zeigte bei der Prüfung mit Salzſäure keine Spur von Aufbrauſen. Woraus beſteht der Boden? 11 ſatz zum Fels, eine Anhäufung von unzähligen kleinen Körnern oder Einzelkörpern, die ſo loſe aneinanderge⸗ fügt oder gelagert ſind, daß ſie ſich im feuchten, oft auch ſchon im trocknen Zuſtande leicht von einander trennen, aneinander verſchieben und in eine neue Lagerung, An⸗ ordnung oder Gruppierung bringen laſſen. Auf dieſen Eigenſchaften des Bodens beruht die Möglichkeit ſeiner Bearbeitung mit Spaten, Pflug, Grubber, Egge und Walze. Der Fels läßt ſich mit den landwirtſchaftlichen Geräten und Werkzeugen nicht bearbeiten, er iſt zu feſt gefügt. Suchen wir nach Ausdrücken, die uns, immer im Vergleich zum Fels genommen, das loſe Gefüge des Bodens erklären, ſo ſtoßen wir auf die Begriffe: Lockerheit und Zerbrechlichkeit. Von dieſen beiden Begriffen iſt die Zerbrechlichkeit leichter zu verſtehen, weil wir ſie uns mit Hülfe der Sinne beſſer zum Bewußtſein bringen können. Unterhöhlen wir, wie es beim Ausſchachten von Braun⸗ kohlen vorkommt, den Boden auf größere Ausdehnung, ſo ſtürzt er ein und zeigt uns ſeine Zerbrechlichkeit im Großen, und ver⸗ ſuchen wir den Boden mit dem Spaten oder mit der Hand auf⸗ zunehmen, ſo zeigt er uns ſeine Zerbrechlichkeit im Kleinen. Es giebt in der deutſchen Sprache keinen Ausdruck, der das Weſen des Bodens, im Gegenſatz zum Fels, kürzer, anſchaulicher und faß⸗ licher bezeichnet, als das Wort: Zerbrechlichkeit. Wir kommen daher bei der Erörterung der Frage: Wo finden wir den Boden? zu folgendem Schluß: Wir finden den Boden an der trocknen Erdober⸗ fläche; er geht ſenkrecht hinab bis zum Fels und breitet ſich wagerecht aus vom Fels bis zum Meer. Mit anderen Worten: Der Boden bildet die dünne und zerbrechliche Decke des Erdballs, auf der wir gehen und ſtehen. c) Woraus beſteht der Boden? Zu einer allgemeinen Beantwortung dieſer Frage gelangen wir, wenn wir an recht vielen verſchiedenen Stellen recht viele verſchiedene Böden unterſuchen und das Geſamtergebnis aller Einzelunter⸗ ſuchungen in eine kurze Überſicht zuſammenziehen. Die Unterſuchung wird teils in der freien Natur, teils im 12 Begriff und Weſen des Bodens. Laboratorium ausgeführt. Zur Ermittlung der Hauptbeſtandteile genügt meiſt ſchon ein aufmerkſames Anſehen und Anfühlen unter Mitbenutzung einer Lupe und einiger anderer Hülfsmittel, von denen ſpäter die Rede ſein wird. Für eine weitergehende, genauere Unter⸗ ſuchung iſt die Zerlegung zweckmäßig ausgewählter Proben durch die mechaniſche und chemiſche Analyſe unter Mitbenutzung des Mikro⸗ ſkopes erforderlich. Es hat keine Schwierigkeit feſtzuſtellen, ob die körperliche Maſſe des Bodens, wie ſie in der Natur anſteht, 1. durchweg oder größten⸗ teils aus feinem, oder ob ſie 2. durchweg oder größtenteils aus grobem Material beſteht, oder ob ſie 3. ein Gemenge von feinem und grobem Material darſtellt. Das feine Material nennt man im gewöhnlichen Leben Erde, und dieſer Ausdruck iſt ſo übel nicht. Andere, erklärende Ausdrücke für dieſelbe Sache ſind: Feinerde, Feinboden, Reinerde, ſtaubförmige und abſchlämmbare Teile. Weniger paſſend, weil nicht allgemein richtig, iſt der Ausdruck Thonteile. Am meiſten hat von jenen Aus⸗ drücken noch das Wort Feinerde für ſich. Da aber auch dieſes Wort in verſchiedenem Sinne gebraucht wird, ſo ſchlage ich zur Bezeichnung des feinen Materials ein neues Wort vor, nämlich das Wort: Mollgeſte in. Für Mollgeſtein kann man auch ſagen: Mollboden, Mollbeſtandteile oder Moll⸗ ſubſtanz des Bodens, oder kurzweg Moll. Wenn man berückſichtigt, daß ſich das feine Material durch das weiche oder ſanfte An⸗ fühlen auszeichnet, ſo wird man dieſe neuen Ausdrücke zutreffend finden. Auf den Einwand, daß das Wort„Mollgeſtein“ einen Widerſpruch in ſich ſelbſt enthalte, entgegne ich, daß es in der Geo⸗ logie und Bodenkunde allgemein üblich iſt, Thon,. Torf, Moor und den Boden überhaupt als„Geſtein“ zu betrachten und zu bezeichnen. Das grobe Material bezeichnet man, je nach der Größe der einzelnen Körner oder Körper, als Sand, Grand, Kies, Grus und Stein. Daneben ſind die Ausdrücke Schotter, Gerölle und Geſchiebe im Gebrauch. Ganz große„Findlinge“ oder Felsſtücke nennt man Blöcke, ſie haben zuweilen einen Längen- und Querdurchmeſſer von 1—3 m, aber ſie ſind niemals feſtgewachſen, ſondern in die erdige Maſſe des Bodens loſe eingebettet, ſo daß ſie herausfallen, wenn man den Boden ſenkrecht abgräbt.(Die Spitzen der feſtgewachſenen Woraus beſteht der Boden? 13 Felſen, die in den Boden hinaufragen, gehören nach S. 6 nicht zum Boden, ſondern zum Gebirgsmaſſiv.) Will man das ſämtliche grobe Material mit einem einzigen Ausdruck zuſammenfaſſen, ſo kann man ſich des Wortes Durgeſtein bedienen. Dies Wort iſt als Gegenſatz von Mollgeſtein allgemein verſtändlich und allgemein richtig, weil auch die groben und feinen Sande trotz ihrer Kleinkörnigkeit wegen ihres rauhen oder ſcharfen Anfühlens im eigentlichen Sinne des Wortes nichts anderes ſind als Durgeſtein. Für Durgeſtein kann man auch ſagen: Durboden, Dur⸗ beſtandteile oder Durſubſtanz des Bodens, oder kurzweg Dur. An⸗ ſtatt:„Der Boden beſteht aus grobem und feinem Material“ kann es kurz heißen:„Der Boden beſteht aus Dur und Moll.“ Mir ſcheint das nicht bloß kurz, ſondern auch ſprachlich und ſachlich richtig und verſtändlich zu ſein. Dagegen iſt der Ausdruck Skelett, Bodenſkelett, den einige wollen, nicht bloß überflüſſig, ſondern auch ſachlich unrichtig. Man ver⸗ deutſche nur das Wort Skelett in Knochengerüſt, um ſich ſofort zu überzeugen, daß das gröbere Geſtein im Boden durchaus nichts Derartiges bildet. Nicht die Steine tragen oder ſtützen den Boden, ſondern Steine und Erde bilden zuſammen den Boden, und Steine und Erde werden zuſammen getragen und geſtützt von dem Fels; die felſenfeſte Erdrinde iſt die Unterlage oder, wenn man will, das Gerüſt, auf dem der Boden ruht. Wir ſagen alſo, der Boden beſteht entweder 1. aus Moll⸗ geſtein(z. B. Thon), oder 2. aus Durgeſtein(z. B. Kies), oder 3. aus Moll⸗ und Durgeſtein(z. B. grandiger Lehm). Das grobe Durgeſtein läßt ſich, wenn wir es mit dem Hammer zerſchlagen, um den friſchen Bruch zu ſehen, mineralogiſch meiſt ohne Schwierigkeit näher beſtimmen als Trümmer, Körner oder Splitter von Quarzfels, Granit, Porphyr, Gneis, Glimmerſchiefer, Grünſtein, Baſalt, Thonſchiefer, Grauwackenſchiefer, Kalk ꝛc. Damit ge⸗ winnen wir zugleich einen Einblick in die ſtoffliche Zuſammenſetzung der Felstrümmer oder„Steine“ des Bodens, weil die chemiſchen Be⸗ ſtandteile der verbreiteten Geſteins⸗ oder Gebirgsarten bekannt ſind. Dasſelbe gilt für die einzelnen Mineralien und Kryſtalle: Quarz, Feldſpath, Glimmer, Augit, Hornblende, Gips, Kalk, Talk, ꝛc., die bei dem Zerfall der Felſen mehr oder weniger unverändert in die 14 Begriff und Weſen des Bodens. Bodenmaſſe gelangen, zuweilen auch durch Kryſtalliſation in der Maſſe des bereits abgelagerten Bodens neu entſtehen, wie z. B. die Gipskryſtalle im Tertiärthon. Auch die Kalkknollen(Lößkindel) im ſonſt ſteinfreien Lößboden, und die Knollen oder Bänke von Raſen⸗ eiſenſtein im ſteinfreien Sandboden entſtehen nachträglich in der fertig gebildeten Bodenmaſſe. Bei dem feinen Mollgeſtein, das in der Regel ein Ge⸗ menge von verſchiedenartigen Subſtanzen darſtellt, iſt die Unter⸗ ſuchung nicht ſo leicht zu bewerkſtelligen, wie bei dem groben Dur⸗ geſtein. Es iſt bis jetzt nicht gelungen, das Mollgeſtein auf mechaniſchem Wege ſo zu zerlegen, daß man die einzelnen Gemeng⸗ teile getrennt nebeneinander hat. Dagegen kann man mit einer mehr oder weniger weit ausgedehnten chemiſchen und mikroſkopiſchen Unter⸗ ſuchung dahinter kommen, daß das Mollgeſtein aus Thonpartikeln, Kalk⸗ oder Kreideſtaub, Kieſelmehl und Humusteilchen beſteht. Bald ſind alle dieſe Gemengteile vertreten, bald fehlt der eine oder andere von ihnen. Mit Hülfe der chemiſchen Analyſe kann man auch die näheren Beſtandteile des Mollgeſteins ermitteln, von denen Kieſelſäure, Thonerde, Kalkerde, Magneſia, Kali, Natron, Eiſen⸗ und Manganoxyd, Phosphorſäure, Schwefelſäure, Chlor und Fluor die häufigſten und inſofern auch die wichtigſten ſind, als ſie den Pflanzen die mineraliſchen Nährſtoffe(Aſchenbeſtandteile) liefern, oder doch indirekt an der Ernährung der Pflanzen beteiligt ſind. Indirekt wirkt namentlich die Thonerde, die nicht als Nährſtoff in die Pflanzen übergeht, aber trotzdem in hervorragendem Maße zur Fruchtbarkeit des Bodens beiträgt, und zwar in Form von Thon. Der Thon— eine chemiſche Verbindung von waſſer⸗ haltiger kieſelſaurer Thonerde mit Beimengungen von überſchüſſiger Kieſelſäure, Eiſen⸗ und Manganoxyd, Kalk und Magneſia— iſt der weſentliche und charakteriſtiſche Beſtandteil der Thonböden. Auch in den Lehmböden, Mergelböden und lehmigen Sandböden bildet der Thon einen weſentlichen Beſtandteil. Eine beſondere Berückſichtigung verdient die Humusſubſtanz des Bodens. Streng genommen iſt ſie in den Mollbeſtandteilen des Bodens enthalten. Wir können aber der Einfachheit und Kürze wegen auch die Reſte von Pflanzen und Tieren(z. B. die noch nicht völlig verweſten Leichen der Regenwürmer und Inſekten, der tanz teilen lürze noch der Woraus beſteht der Boden? 15: Mäuſe und Maulwürfe, ſowie die noch kenntlichen Überbleibſel der Stoppeln und Wurzeln, der abgefallenen Blätter und Stengel, des Stallmiſtes und Gründüngers) zu der Humusſubſtanz des Bodens rechnen, da alle dieſe Dinge bei ihrer Vermoderung im Boden zu Humus werden. Wir vermeiden dabei abſichtlich den Ausdruck„orga⸗ niſche Subſtanz“, um das Lebendige und das Tote auseinanderzuhalten. Naturgemäß finden wir die Humusſubſtanz hauptſächlich in dem dunkler gefärbten Obergrunde, während der heller gefärbte Untergrund in der Regel nur geringe oder ſehr geringe Mengen von ihr aufweiſt. Doch kommen Ausnahmen von dieſer Regel vor (z. B. bei der ruſſiſchen Schwarzerde). Ganz frei von Humus⸗ ſubſtanz iſt der Untergrund ſchon deshalb gewöhnlich nicht, weil ein Teil der in den Untergrund hinabwachſenden Pflanzenwurzeln daſelbſt verweſt, und weil die im Boden lebenden Tiere Röhren in den Untergrund bohren und ihre Exkremente ꝛc. in ihnen abſetzen. Immerhin beſteht der Boden ſowohl im Obergrund wie im Untergrund in der Mehrzahl der Fälle überwiegend aus Mineral⸗ ſubſtanz, indem die Humusſubſtanz ganz zurücktritt oder doch nur einige Prozent von dem Gewicht des Bodens ausmacht. Nur bei gewiſſen Böden herrſcht die Humusſubſtanz dem Gewichte oder wenigſtens dem Raume nach ſowohl im Ober⸗ wie im Untergrunde vor. Danach können wir die in der Natur vorkommenden Böden in drei Abteilungen bringen: 1. Mineralböden(z. B. reiner Sand). 2. Humushaltige und humoſe Mineralböden(z. B. humoſer Lehm). 3. Humusböden(z. B. Torf). Wie überall in der Natur, ſo finden wir auch zwiſchen dieſen drei Abteilungen alle möglichen Zwiſchenſtufen und Übergänge. Der Humus iſt eine verwickelt zuſammengeſetzte Maſſe und eine ſehr leicht zerſtörbare Subſtanz. Er verbrennt im Feuer, zer⸗ ſetzt ſich aber auch bei genügendem Luft⸗ und Waſſerzutritt, unter Mitwirkung kleiner Lebeweſen, in Kohlenſäure, Waſſer und Ammo⸗ niak, um ſchließlich bei vollſtändiger Zerſetzung nichts zurückzulaſſen, als die mollig-feinerdigen, aus den vermoderten Pflanzen⸗ und Tier⸗ leichen herſtammenden Aſchenbeſtandteile, die ihrerſeits ebenfalls fort und fort verſchwinden, indem ſie von den lebenden Pflanzen auf⸗ gezehrt werden. Da der Humus aber auf dem pflanzentragenden Boden immer von neuem entſteht, ſo iſt jederzeit, namentlich un 16 Begriff und Weſen des Bodens. Obergrunde, ein gewiſſer Humusvorrat vorhanden. Ebenſo ſind jederzeit die Zerſetzungsprodukte des Humus vorhanden. Es ge⸗ hören mithin nicht bloß die Humusſubſtanzen ſelbſt, ſondern auch ihre Zerſetzungsprodukte: Kohlenſäure, Waſſer und Ammoniak nebſt der Aſche zu den Beſtandteilen des Bodens. Waſſer kommt überdies mit jedem Regen und mit jedem anderweitigen Niederſchlag in den Boden. Es geht aus dem Boden fort, teils nach unten, teils nach oben, fällt aber immer wieder vom Himmel zur Erde herab, und in den Zuſtand abſoluter Trocken⸗ heit gelangt der Boden höchſtens nur vorübergehend, in unſerem gemäßigten Klima vielleicht niemals. Jedenfalls ſind wir berechtigt, das wirklich im Boden befindliche Waſſer zu den Beſteandteilen des Bodens zu rechnen, und zwar denken wir dabei weniger an das Grundwaſſer, als vielmehr an die in den Poren des Bodens ſitzende und den Bodenteilchen äußerlich anhaftende Feuchtigkeit. Mit demſelben Recht können wir auch die im Boden befind⸗ liche Luft zu den Beſtandteilen des Bodens zählen. Daß Luft ſich wirklich im Boden befindet, ergiebt ſich aus dem Gefüge des Bodens ohne weiteres. Da der Boden nämnlich nicht eine völlig dichte, ſondern, ganz ähnlich wie die Krume des Brotes, eine löchrige, lückige oder höhlige Maſſe darſtellt, ſo müſſen die Hohlräume, die das Waſſer freiläßt, ſelbſtverſtändlich mit Luft gefüllt ſein. Waſſer und Luft verteilen ſich ſo im Boden, daß das Waſſer die kleineren, die Luft die größeren Hohlräume einnimmt; jedoch wird auch ein Teil der Luft im Waſſer aufgelöſt. Will man ſich näher vor Augen führen, daß der Boden in der That Luft enthält, ſo braucht man nur einen ausgetrockneten Lehmbrocken in ein mit Waſſer gefülltes Glas fallen zu laſſen; man ſieht dann die Luftblaſen aufſteigen, und zwar um ſo reichlicher, je ſtärker der Lehmbrocken vorher ausgetrocknet war. In der freien Natur ſteht die Bodenluft mit der äußeren Luft in fortwährendem, oder doch oft wiederholtem Austauſch. Schon durch den Wechſel von Tag und Nacht(Temperaturdifferenzen ꝛc.) wird dies bedingt, noch mehr aber durch den Wechſel von Regen und Sonnenſchein. In Zeiten der Trockenheit dringt die äußere Luft, die unter einem mittleren Druck von 720 mm Queckſilber ſteht, in alle Hohlräume des Bodens ein, aus denen das Waſſer durch die Wurzelhaare aufgeſaugt oder durch einfache Verdunſtung Woraus beſteht der Boden? 17 fortgeſchafft worden iſt. In Zeiten der Näſſe wird die Bodenluft durch das eindringende Waſſer aus den größeren und kleineren Lücken des Bodens nach außen verdrängt; ſobald aber das in den größeren Hohlräumen verſinkende und verſickernde Waſſer Platz macht, folgt die äußere Luft auf dem Fuße nach. Der Boden bekommt ſo ab⸗ wechſelnd Luftbäder und Waſſerbäder; nur dem verſumpften Boden wird dieſe Wohlthat nicht zu teil, weil in ihm alle Hohl⸗ räume, kleine und große, fortwährend mit Waſſer gefüllt ſind. In ihrer Zuſammenſetzung ähnelt die Bodenluft der freien atmoſphäriſchen Luft. Dieſe iſt in der Hauptſache ein Gasgemenge von Sauerſtoff, Stickſtoff, Kohlenſäure und Waſſergas. Dieſelben Gaſe haben wir auch in der Bodenluft zu erwarten, jedoch iſt ſie, namentlich in dem humushaltigen und gedüngten Kulturboden, ärmer an Sauerſtoff, dafür reicher an Kohlenſäure, weil bei den im Boden vor ſich gehenden Zerſetzungsprozeſſen Sauerſtoff verbraucht, Kohlenſäure erzeugt wird. Die Ammoniak⸗ ſalze(kohlenſaures, ſalpetrigſaures und ſalpeterſaures Ammonium,, die in geringer Menge in der atmoſphäriſchen Luft vorkommen, werden mit dem Regen ꝛc. niedergeſchlagen und im Boden in ſalpetrig⸗ ſauren und ſalpeterſauren Kalk und in kohlenſaures Ammoniak umgeſetzt. Sowohl dieſes, als auch jenes kohlenſaure Ammoniak, das bei der Verweſung der pflanzlichen und tieriſchen Subſtanz des Bodens entſteht, wird von der thonigen Feinerde begierig abſorbiert und feſtgehalten, um jedoch bald eine eigentümliche Zerſetzung und Umwandlung zu erfahren. Die Ammoniakſalze werden nämlich durch äußerſt kleine, im Boden befindliche Lebeweſen beſtimmter Art in ſalpetrigſaure Salze(Nitrite) übergeführt, die ihrerſeits durch Vermittlung kleiner Lebeweſen anderer Art ziemlich raſch in ſalpeterſaure Salze(Nitrate) übergehen. Die Klarlegung dieſes intereſſanten und wichtigen Zuſammen⸗ hangs von Thatſachen haben wir Winogradsky zu verdanken.*) Ich frage nun jetzt, um immer ſtreng bei der Sache zu bleiben, gehören die betreffenden kleinen Lebeweſen, die ſog. Salpeter⸗ fermente, zu den Beſtandteilen des Bodens, oder nicht? Der Geolog *) E. Schulze hat im„Landw. Jahrbuch der Schweiz“, 1891, S. 82— 85, über die Arbeiten Winogradskys kurz referiert. 8 Nowacki, Bodenkunde. 3. Auflage. 2 18 Begriff und Weſen des Bodens. und Mineralog wird dieſe Frage wahrſcheinlich verneinen, der Chemiker, Phyſiolog und Landwirt wird ſie wahrſcheinlich bejahen. Schon länger wiſſen wir, daß außer den eben berührten auch noch ganz anders geartete kleine Lebeweſen im Boden vorkommen, die in den Wurzelknöllchen der ſtickſtoffſammelnden Pflanzen zur Entwicklung gelangen und auf irgend eine bis jetzt nicht näher erforſchte Weiſe die Bindung und Nutzbarmachung des freien Stickſtoffs beſorgen oder vermitteln. Nach ihrem Entdecker Beyerinck nennt man dieſe Lebeweſen Wurzelbakterien, und es iſt wahrſcheinlich, daß jede der ſtickſtoffſammelnden Pflanzenarten: Bohnen, Erbſen, Wicken, Lupinen, Serradella, Klee, Luzerne, Eſpar⸗ ſette u. ſ. w. ihre eigene Art oder Varietät von Wurzelbakterien beſitzt und verlangt. Dieſe Wurzelbakterien gehören, ſofern und ſoweit ſie im Boden liegen, ebenfalls zu den Beſtandteilen des Bodens. Dasſelbe gilt von den wiederum anders und unter ſich ver⸗ ſchieden gearteten kleinen Lebeweſen, die an der Zerſetzung der pflanzlichen und tieriſchen Subſtanz des Bodens beteiligt ſind. Nur der Spezialforſcher vermag dieſe kleinen Organismen zu unterſcheiden und auseinanderzuhalten; der Laie bezeichnet ſie als Pilze, Fäulnis⸗ und Verweſungserreger ꝛc., und er kann ſich einen Begriff von ihrer Menge machen, wenn er erfährt, daß in 1 g Erde 4—500 000, in manchen Fällen ſogar 7— 900 000 Bakterien ermittelt worden ſind. Die vorſtehend genannten kleinen Lebeweſen ſind nützliche; es giebt aber auch ſchädliche. Von dieſen erinnern wir an die Sporen der gefährlichen Brandpilze, die, wie Brefeld zuerſt nachge⸗ wieſen, längere Zeit lebensfähig im Boden verweilen. Es ſchließen ſich unmittelbar an: die kleinen tieriſchen Feinde unſerer Kulturpflanzen, z. B. die von Julius Kühn näher erforſchten Rübennematoden, Weizenälchen, Roggenälchen ec., die ſo ſehr Beſtandteile des Bodens werden können, daß ſie den Boden förmlich verſeuchen. Es ſchließen ſich weiter an: die ſchädlichen Engerlinge, die ſich während ihres einige Jahre dauernden Larvenzuſtandes im Boden auf⸗ halten, und die nützlichen Regenwürmer, die ihr ganzes Leben im Erdboden zubringen und ſo ſehr mit ihm eins ſind, daß man ſie nicht bloß im Boden, ſondern auch den Boden in ihnen findet. U. ſ. w. Wollte man gegen dieſe Darſtellung einwenden, daß man nur Woraus beſteht der Boden? 19 das zu den Beſtandteilen des Bodens rechnen dürfe, was bleibend und beſtändig in ihm iſt, ſo läßt ſich erwidern, daß der Boden dann überhaupt keine Beſtandteile hat. Denn ſelbſt die Mineral⸗ ſubſtanz des Bodens iſt durchaus nicht bleibend und beſtändig. Nicht allein die Humusſubſtanz, ſondern auch die Mineralſubſtanz des Bodens zerſetzt ſich fortwährend, zum Teil ohne, zum Teil mit Beihülfe gewiſſer Lebeweſen. Das Waſſer führt jahraus jahrein, ſelbſt in der Ebene, teils oberirdiſch, teils unterirdiſch die Mineral⸗ beſtandteile fort. Der Wind entführt feine Sand⸗, Thon⸗ und Kalk⸗ teilchen in Form von Staub von unſeren Feldern. Mit den ge⸗ ernteten Pflanzen führen wir alljährlich eine gewiſſe Menge Mineral⸗ ſubſtanz vom Felde fort. Allerdings führen wir, wenn wir ordent⸗ lich wirtſchaften, auch wieder Mineralſtoffe hinzu, aber dieſer Um⸗ ſtand dient nur zur Beſtätigung unſerer Auffaſſung, daß der Boden auch in ſeinem Mineralbeſtande nicht etwas Bleibendes iſt, ſondern im Gegenteil etwas Veränderliches und Vergängliches. Aus dem Bereich der Natur kann freilich kein Stoffatom verſchwinden, wohl aber aus dem Bereich eines Gutes oder eines Landes. Die Mineral⸗ ſtoffe, die der Rhein im gelöſten oder ſchwebenden Zuſtand bei Baſel abwärts führt, ſind für die Schweiz unwiederbringlich ver⸗ loren und verſchwunden. Betrachten wir den Boden vom Standpunkt des Geologen und Mineralogen, ſo werden wir ſagen: Der Boden beſteht aus Mineraltrümmern; er iſt im weſentlichen nichts anderes, als eine Anhäufung von loſem Geſtein. Betrachten wir den Boden vom Standpunkt des Phyſiologen und Landwirts, ſo werden wir ſagen: Der Boden ſtellt, im Gegenſatz zu dem feſten und ſtarren Fels, eine loſe gefügte Maſſe dar, in der größere und kleinere bis verſchwindend kleine Geſteins⸗ trümmer mit Mineralſalzen, Humusſubſtanzen, Waſſer, Luft, pflanzlichen und tieriſchen Lebeweſen zu einem in ſich beweglichen und veränderlichen Ganzen vereinigt ſind. Je weiter nach oben, deſto mehr wird die Maſſe lebendig, bis die Keime, die in ihr liegen, die Köpfchen und Armchen hervorſtrecken und unter den Strahlen der Sonne größer und größer werdend uns Blumen bringen und Früchte. — 3— 5 Praktiſcher Teil. Wenn wir den landwirtſchaftlichen Wert eines Grundſtücks ermitteln wollen, ſo hat die Unterſuchung, falls ſie vollſtändig ſein ſoll, nnende e echae zu berückſichtigen: Die wirtſchaftliche Lage(Verkehrs⸗, Abſatz⸗, Arbeiter⸗ Verhältniſſe ꝛc.). 2. Die klimatiſche Lage(Geographiſche Breite, Höhe über Meer, Regenmenge, Hagelgefährlichkeit ꝛc.). 3. Die Beſchaffenheit des Grund und Bodens. Mit dem beſtimmten Hinweis auf ihre große Bedeutung für die Beurteilung des Landes bezüglich ſeiner Fruchtbarkeit und ſeines Reinertrages, laſſen wir die wütſchenlche und die klimatiſche Lage hier unerörtert und beſchränken unſere Betrachtung auf die Boden⸗ verhältniſſe. Im beſonderen iſt es der Zweck der vorliegenden Schrift, den angehenden Landwirt und Kulturingenieur durch eine Anleitung zur einfachen Bodenunterſuchung auf praktiſchem Wege zur Kenntnis des Bodens zu führen. Bei der Unterſuchung des Bodens kommen vornehmlich in Betracht: I. Die Geſtalt der Oberfläche. II. Die Lagerungsverhältniſſe. III. Die Bodenbeſtandteile und Bodenarten. — -——— Die Geſtalt der Oberfläche des Bodens. Der horizontale oder ebene Boden.— Die Oberfläche des Bodens iſt entweder horizontal, oder ſie iſt geneigt. Der horizontale Boden bildet eine Ebene; er gleicht in Bezug auf die Geſtalt der Oberfläche einem See. Deshalb braucht man in der Bodenkunde, wie in der Umgangsſprache, die Ausdrücke horizontal und eben meiſt als gleichbedeutend; man nimmt überhaupt, und zwar mit Recht, beide Ausdrücke nicht mathematiſch genau. Wir finden den ebenen Boden hauptſächlich in den Flußthälern und am Rande, namentlich am oberen Ende der Seen. Ins⸗ beſondere haben viele, aber keineswegs alle Torf⸗ und Riedwieſen eine ebene Oberfläche, weil hier das Land meiſt durch Zuwachſen eines Sees entſtanden iſt. Das ebene Land iſt denn auch der Üüberſchwemmung und der Verſumpfung am häufigſten aus⸗ geſetzt, und dieſen Umſtand hat man bei Beurteilung der Ober⸗ fläche des Bodens beſonders in Erwägung zu ziehen. An Fluß⸗ ufern beſteht überdies die Gefahr, daß der Boden vom Waſſer unterſpült und fortgeriſſen wird, um ſo mehr, wenn die Schiffer mit ihren Ankern das Land verwunden. Der geneigte Boden.— Der geneigte Boden kann eine gleichmäßige und regelmäßige Neigung beſitzen; wir ſprechen dann von einer ſanften oder mäßigen, oder ſteilen Ab⸗ dachung des Geländes. Der geneigte Boden kann aber auch unregelmäßig und verſchiedenartig geneigt ſein; dann be⸗ dienen wir uns der Ausdrücke: muldenförmig, keſſelförmig wellenförmig, terraſſenförmig, hügelig, bergig ꝛc. Eine nähere Erklärung der genannten Ausdrücke erſcheint nicht nötig, weil ſie ſich von ſelbſt verſtehen. Die Geſtalt der Oberfläche. Bedeutung der Oberflächengeſtalt für die Benutzung des Bodens.— Alle dieſe Verhältniſſe müſſen ſorgfältig beachtet werden, wenn es ſich um die Unterſuchung und Beurteilung des Bodens handelt, denn die Art und der Grad der Neigung ſind auf die land⸗ und forſtwirtſchaftliche Benutzung des Landes von größtem Einfluß. Bei einer Neigung von 1—20 eignet ſich der Boden am beſten zum Ackerbau; völlig ebene, d. h. horizontale Lage iſt, namentlich bei ſchwerem, undurchläſſigem Boden, weniger günſtig, weil ſie den natürlichen Waſſerabfluß behindert, und aus Mangel an Gefäll auch die künſtliche Ableitung des Waſſers erſchwert oder ganz unmöglich macht. Leidet der Boden nicht an Näſſe, was bei durchlaſſendem Untergrunde der Fall ſein wird, ſo hat die ebene oder annähernd ebene Lage für die Zwecke des Ackerbaues in allen Beziehungen den Vorzug. Die Vorteile der ebenen Lage ſind folgende: 1. Die Flur⸗ und Feldeinteilung wird erleichtert; man kann in jeder beliebigen Richtung gerade Grenzen und gerade Wege ziehen. Die Grundſtücke oder Schläge erhalten die Form eines Rechtecks. 2. Alle Feldarbeiten werden erleichtert. Man kann in jeder Richtung(längs und quer) pflügen; die Furchen verlaufen gerade und wagerecht, wodurch die Zugkraft verringert, eine gleichmäßige Tiefe und Breite der Pflugſtreifen, alſo auch eine beſſere Arbeit er⸗ möglicht wird. Ebenſo wird die Anwendung der Egge, der Walze, der Drillmaſchine, der Mähmaſchine erleichtert. Desgleichen die Zufuhr des Düngers und die Abfuhr der geernteten Feldfrüchte. Hemmvorrichtungen an den Wagen ſind nicht erforderlich. 3. Die Anfeuchtung des Bodens durch Regen und Schnee, ſo⸗ wie die Erwärmung und Beleuchtung durch die Sonne iſt eine gleichmäßige. Daraus reſultiert ein gleichmäßiger Stand der Kulturpflanzen. 4. Das Fortſchwemmen der Boden⸗ und Düngerteile iſt weniger oder gar nicht zu befürchten, weil das Regenwaſſer nicht ins Fließen kommt, es ſei denn, daß Beet⸗ und Waſſerfurchen vorhanden ſind. 5. Ein weſentlicher Vorteil der ebenen Lage beſteht auch noch darin, daß ſie die Aufſicht und Überſicht der Feldarbeiten erleichtert. Der Wirtſchaftsdirigent überſieht von jedem Punkt ſeiner Feldmark, ſo⸗ eine der niger ießen ind. noch htert mark Geologen⸗Buſſole. 23 ob die Karre im Gang iſt und, wenn nicht, wo es hapert. Ebenſo wird erleichtert die Überwachung der Felder gegen Diebſtahl, gegen Weiden von fremdem Vieh. Es kann ſich niemand hinter den Berg verſtecken, weil kein Berg da iſt. Die Vorteile und Nachteile der geneigten oder bergigen Lage ergeben ſich hiernach von ſelbſt. Die Geſpannarbeit, die ſchon bei 10⁰ ihre Schwierigkeiten hat, erreicht bei 150 ihre Grenze. Bei 10— 20 Neigung gegen Süd, Südoſt oder Südweſt eignet ſich der Boden innerhalb der klimatiſchen Höhengrenzen am beſten zum Weinbau. Beträgt die Neigung 20— 40⁰, ſo iſt das Ter⸗ raſſieren der Rebberge geboten. Steile Abhänge nach Nord, Nordoſt und Nordweſt eignen ſich nur zum Waldbau und zum Wieſen⸗ bau; doch iſt das an der Schattenſeite erzeugte Futter ärmer an Kleearten und würzigen Kräutern und deshalb weniger ſchmackhaft und nahrhaft, als das an der Sonnenſeite gewachſene. Bei 40° Neigung kann der Boden nur noch zum Waldbau benutzt werden. An Abhängen über 450 hält ſich kein Boden mehr. Kommen Bäume, Sträucher, Kräuter und Gräſer an ſteilen Fels⸗ wänden vor, ſo wachſen ſie auf den ſanfter geneigten Terraſſen⸗ bändern, oder ſie zwängen ſich mit ihren Wurzeln in die Klüfte und Fugen der Felſen, in denen auch der Boden einigen Halt findet, zumal wenn er durch die Wurzeln umklammert wird. Die Geologen⸗Buſſole.— Obwohl es in vielen Fällen für die Praxis genügen wird, die Neigungsverhältniſſe einfach mit dem Auge zu ſchätzen, ſo iſt es doch von Wert, ein Inſtrument zu be⸗ ſitzen, mittelſt deſſen man den Neigungswinkel meſſen kann, um ſo mehr, da ſelbſt ein geübtes Auge ſich leicht trügt und namentlich die Neigung des Bodens oft überſchätzt. Für dieſen Zweck dient die Geologen⸗Buſſole.(Fig. 1, S. 24.) Das iſt ein einfaches, handliches und praktiſches Inſtrument in Geſtalt einer Taſchenuhr. Hält man die Buſſole wagerecht, ſo kann man nach der Stellung der Magnetnadel die Himmelsrichtung beſtimmen, alſo auch genauer ermitteln, ob der betreffende Abhang nach Nord, Nordoſt oder Oſtnordoſt geneigt iſt u. ſ. f. Stellt man dagegen das Inſtrument, nachdem man einen Hake aus der Meſſingfaſſung herausgezogen, aufrecht auf eine Setzla 24 Die Geſtalt der Oberfläche. oder einen Maßſtab, ſo giebt ein leicht beweglicher, pendelartiger Zeiger den Grad der Neigung an. Die Magnetnadel wird hierbei außer Thätigkeit geſetzt. Will man alſo die Neigung des Bodens meſſen, ſo legt man z. B. eine gerade Meßlatte in der mutmaßlichen Richtung des Abhanges mit der hohen Kante feſt auf den Boden und ſetzt die Geologen⸗Buſſole auf die Latte; dann kann man ſofort an dem Inſtrument ableſen, ob der Boden horizontal iſt oder nicht, und wie viel Grad die Neigung beträgt. In Figur 1 zeigt die Spitze des Zeigers, die nach innen gerichtet iſt, eine Neigung von 25° oder, genau genommen, etwas über 250. Das Nivellierinſtrument.— Handelt es ſich um die Er⸗ mittlung und Darſtellung der Neigungs⸗ oder Gefällverhältniſſe eines größeren Gebietes, dann genügt die Geologen⸗Buſſole nicht, ſondern dann muß das Nivellierinſtrument zu Hülfe genommen werden. Die ßandhabung des Nivellierinſtrumentes erfordert zwar einige Übung, aber immerhin eine verhältnismäßig einfache Sache. Zwei oder d Punkte auf ihre gegenſeitige Höhenlage mit dem Nivellier⸗ A inſtr feti nnic vir Flurkarten mit Horizontalkurven. 25 inſtrument zu vergleichen, ſetzt beiſpielsweiſe kaum ſo viel Kunſt⸗ fertigkeit voraus, als eine gerade Furche zu pflügen oder die Mäh⸗ maſchine zu lenken. Es iſt daher wohl nicht zu viel verlangt, wenn wir dem Landwirt zumuten, daß er ſich bei leichteren Fragen des Nivellierinſtrumentes zu bedienen verſteht. Jeder Landwirt ſollte z. B. im ſtande ſein, den richtigen Zug eines Grabens oder einer Waſſerfurche mit dem Nivellierinſtrument aufzuſuchen. Die ſchwie⸗ rigeren und größeren Aufgaben mag er immerhin dem geübten und erfahrenen Geometer oder Ingenieur überlaſſen. Flurkarten mit eingezeichneten Horizontallinien.— Eine Beſchreibung der Konſtruktion und Handhabung des Nivpellier⸗ inſtrumentes würde uns hier zu weit führen; dagegen wollen wir nicht unterlaſſen, ſehr nachdrücklich hervorzuheben, daß eine geo⸗ metriſche Aufnahme, auf der die Gefällverhältniſſe durch Horizontal⸗ linien(Horizontalkurven) mit gleichem Höhenabſtand(AÄquidiſtanz) eingezeichnet ſind, die unerläßliche Grundlage bildet für die richtige Behandlung einer Feldflur in landwirtſchaftlicher oder kulturtechniſcher Hinſicht. Die Flur⸗ oder Schlageinteilung, die Weganlage, die Möglichkeit der Entwäſſerung und Bewäſſerung, die Richtung der Beet⸗ und Waſſerfurchen, der Entwäſſerungs⸗ und Bewäſſerungs⸗ gräben, die Anordnung der Drainzüge ꝛc. ergiebt ſich leicht und ſicher aus einer mit Horizontalkurven verſehenen Karte. Das Vor⸗ handenſein ſolcher Karten iſt ſowohl im Gebirgslande, wo Berg und Thal auf das mannigfaltigſte mit einander wechſeln, als auch im Flachlande, wo es oft ſehr ſchwer hält, dem Waſſer den nötigen Abfluß zu verſchaffen, eine Sache von der allergrößten Wichtigkeit, und es wäre im Intereſſe der Hebung der Bodenkultur ſehr zu begrüßen, wenn der nun bald vollendete topographiſche Atlas der Schweiz recht fleißig benutzt und zu landwirtſchaftlichen Zwecken in vergrößertem Maßſtabe gezeichnet würde. Andere Länder, denen ein topographiſcher Atlas noch fehlt, mögen ſich die Schweiz zum Muſter nehmen. Die bereits vorhandenen älteren Flurkarten be⸗ dürfen vielfach der Reviſion und Berichtigung. Es ſollte jede größere Gutswirtſchaft, wenn immer möglich, auch jede Gemeinde eine derartige Aufnahme von ihrer Feldflur beſitzen und die be⸗ treffende Karte an einem leicht zugänglichen Platze in dem Gemeinde⸗ oder Schulhaus zur allgemeinen Einſicht anbringen oder bereit halten. 26 Die Geſtalt der Oberfläche. Bei dem Vorhandenſein der nötigen Lehrmittel wäre es auch wohl durchführbar, der heranwachſenden Jugend bei Gelegenheit des erd⸗ kundlichen oder mathematiſchen Unterrichtes ein Verſtändnis von der Bedeutung der Horizontallinien beizubringen. Eine praktiſche und anſchauliche Übung dazu wäre folgende: In der Turnſtunde ſtellt der Lehrer mit Hülfe des Nivellierinſtrumentes ſämtliche Schüler an einem Abhang oder Hügel mit den Hacken ſo auf eine Horizontal⸗ linie, daß die Schüler 5— 10 Schritt von einander entfernt ſind; ſteckt dann jeder Schüler an ſeinem Standort einen Turnſtab oder eine Bohnenſtange in die Erde, ſo iſt eine Horizontallinie im Terrain abgeſteckt. Iſt der Abhang gleichmäßig geneigt wie ein Dach, ſo wird die Horizontallinie eine gerade Linie darſtellen. Iſt der Ab⸗ hang gekrümmt, ſo wird auch die Horizontallinie in krummer Rich⸗ tung verlaufen u. ſ. w. Eine einzige ſolche Übung hilft mehr als zehn Lehrſtunden. Die am Schluſſe dieſes Buches angeheftete Flur⸗ und Boden⸗ karte(die freilich aus Mangel an Raum nur ein Stück einer ſol⸗ chen darſtellt) kann zur Veranſchaulichung der Horizontalkurven dienen. In der Natur erſcheint die betreffende Landfläche— eine unter viele Beſitzer geteilte Torfwieſe— ganz eben und horizontal. Die auf der Karte eingezeichneten rotgelben und mannigfach ge⸗ krümmten Horizontalkurven laſſen aber ſofort erkennen, daß die Fläche in der Richtung von links oben nach rechts unten um mehr als 4 m geneigt iſt, denn es ſind 5 Horizontalkurven, bezeichnet mit den Zahlen 416 bis 420, vorhanden und der Höhenabſtand oder die Aquidiſtanz von je zwei benachbarten Horizontalkurven be⸗ trägt auf der vorliegenden Karte überall 1 m. Man erſieht auch ſofort, daß die Neigung oder das Gefäll der Bodenoberfläche dort ſtärker iſt, wo die Horizontalkurven wie bei Punkt 2 näher bei⸗ einander liegen, als dort, wo ſie wie bei Punkt 1 und 3 weiter voneinander entfernt ſind. Ja, man kann ſogar aus der Karte ent⸗ nehmen, wieviel Prozent Gefäll die Bodenoberfläche an jedem Punkt der Karte hat. Wie unter der Karte geſchrieben ſteht, iſt der Maßſtab 1: 10 000, das heißt 1 mm auf der Karte entſpricht einer Länge von 10 m im Terrain. Greift man alſo z. B. bei dem Punkt 2 die Entfernung der Horizontalkurven mit dem Zirkel ab, wobei ſich, auf einem gewöhnlichen Maßſtab gemeſſen, 9 mm .—— 9 Flurkarten mit Horizontalkurven. 2/ ergeben, ſo iſt das Gefäll auf 90 m 1 m, d. h. 1,1%. Bei dem Punkt 1 iſt die mit dem Zirkel abgegriffene Entfernung der Hori⸗ zontalkurven 19 mm, folglich iſt das Gefäll der Bodenoberfläche hier auf 190 m 1 m, d. h. rund 0,5%. Bei dem Punkt 3, längs dem Wege bb gemeſſen, iſt die Entfernung der Horizontalkurven 23,5 mm, folglich iſt das Gefäll der Bodenoberfläche hier auf 235 m 1 m, d. h. rund 0,4%*) u. ſ. w. So läßt ſich auch aus der Karte erſehen oder abmeſſen und berechnen, wie viel Gefäll jeder Graben und wie viel Steigung jeder Weg hat.— Man erſieht ferner aus der ſtarken Krümmung der Horizontalkurven 416, 417 und 418, daß bei bb eine ſanfte Vertiefung ſich befindet, daß alſo der Hauptgraben neben dem Wege bb an der richtigen Stelle liegt. Ebenſo erſieht man aus der ſtarken Krümmung derſelben Horizontal⸗ kurven, daß der neben dem Wege gg verlaufende Hauptgraben gleichfalls in einer Vertiefung, alſo gleichfalls an der richtigen Stelle angeordnet worden iſt. Ferner erſieht man, daß alle Seiten⸗ gräben das größtmögliche Gefälle haben, weil ſie die Horizontal⸗ kurven überall annähernd rechtwinklig kreuzen. Eine ſolche Lage der Gräben war hier erwünſcht oder notwendig, weil das Gefäll überall ſehr gering iſt. Dabei wird kein einziges Grundſtück von einem Graben quer durchſchnitten; ſämtliche Grundſtücke ſind viel⸗ mehr mit parallelen Grenzen an das Graben- und Wegenetz ange⸗ paßt. Ohne die auf das Nivellement geſtützten Horizontalkurven wäre kein Menſch im ſtande geweſen, einen gleich zweckmäßigen Flurplan zu entwerfen. Durch eine Geradelegung der Gemeinde⸗ ſtraße wäre zwar eine noch etwas regelmäßigere Einteilung der Fläche möglich geworden, aber die Straße, die ſich in gutem Zu⸗ ſtand befand, mußte zur Vermeidung bedeutender Koſten an ihrem alten Platze verbleiben. Schließlich ſei noch bemerkt, daß die bei den Horinzontalkurven eingeſchriebenen Zahlen zugleich angeben, *) Ein Grundſtück, das auf die Länge von 100 m nicht mehr Ge⸗ fäll hat als 0,4 bis 0,5 m, ſcheint uns ganz horizontal zu ſein; daß es in Wirklichkeit geneigt iſt und gerade um ſo viel, wie angegeben, können wir nur mit dem Nivellierinſtrument oder allenfalls mit der Waſſerwage oder der Lotwage ermitteln. Die S. 23 erwähnte Geologen⸗Buſſole iſt im Grunde genommen auch nichts anderes, als eine Lotwage. 28 Die Geſtalt der Oberfläche. daß die betreffende Landfläche 416 bis 420 m über Meer ge⸗ legen iſt.*) Hiernach wird wohl jeder Landwirt, der dieſer Sache bisher keine beſondere Aufmerkſamkeit zugewendet hat, von dem praktiſchen Nutzen der Horizontalkurven überzeugt ſein. Die Geſtalt der Bodenoberfläche läßt ſich ſchlechterdings in keiner an⸗ deren Weiſe einfacher, richtiger und anſchaulicher auf der Guts⸗ oder Flurkarte darſtellen, als durch die Hori⸗ zontalkurven. *) Vergl. C. Zwicky, Feldweganlage, Flureinteilung und Güterzu⸗ ſammenlegung. Die Lagerungsverhältniſſe des Bodens. I. Der ſenkrechte Schnitt oder das Profil des Bodens. Will man ſich ferner über die Lagerungsverhältniſſe des Bodens unterrichten, ſo muß man ſich den ſenkrechten Schnitt oder das Profil des Bodens auf irgend eine Weiſe klar zu machen ſuchen. 1, 2 217/ 7 K 0 K. 144Le 6 144 1G 1 40 4e. ——— Muer- Fig. 2. Probegruben.— An ſicherſten und deutlichſten, aber freilich auch am koſtſpieligſten geſchieht dies durch Ausheben von Probe⸗ gruben auf 1, 2 oder 3 m Tiefe.(Figur 2.) 30 Der ſenkrechte Schnitt oder das Profil. Auf kleinen Parzellen von 10 bis 15 Ar Größe erreicht man meiſt mit einer einzigen Probegrube ſchon den Zweck, im übrigen muß man ſo viele Probegruben herſtellen, als nötig erſcheinen, um einen möglichſt richtigen Einblick in die Lagerungsverhältniſſe des Bodens zu gewinnen. Für gewöhnlich werden 5 oder 6 Probe⸗ gruben pro Hektar genügen, unter Umſtänden kann aber auch die doppelte oder dreifache Zahl erforderlich ſein. Die Stellen, wo ein⸗ gegraben werden ſoll, müſſen mit Umſicht ausgewählt werden, wobei die Geſtalt der Oberfläche, der Stand der Pflanzen und die Be⸗ ſchaffenheit der oberen Bodenſchicht wertvolle Fingerzeige geben können. Wie überall, ſo wird auch hier ein Sachverſtändiger viel unnötige Arbeit erſparen. Bei dem Ausheben der Probegruben gräbt man nicht ein kreis⸗ rundes oder quadratiſches Loch in die Erde, ſondern man wählt am beſten die Geſtalt eines länglichen Rechtecks. An Abhängen richtet man die ſchmale Seite der Grube nach dem Berge hin, weil anderen⸗ falls durch das vom Berge herabdrückende Grundwaſſer die Wände leicht einſtürzen. Meiſt gelingt es, auch ohne Anwendung von Sperrbrettern bis auf 3 m Tiefe hinabzugraben. In ſchwimmen⸗ dem oder breiartigem Erdreich muß man auf die Herſtellung tieferer Probegruben verzichten. Damit kein Unfall begegnet, ſollten bei tieferen Probegruben immer zwei Arbeiter zur Stelle, und außer⸗ dem ſollten einige Bretter und eine kleine Leiter zur Hand ſein. Um die Erdbewegung und die Arbeitskoſten bei dem Ausheben der Probegruben möglichſt zu vermindern, kann man folgende Maße zum Anhalt nehmen: Tiefe Breite Länge 1 m 0,40 m 1,20 m 2„ 0,60„ 1,60„ 3„ 0,90„ 2,00„ Mit dieſen Zahlen möchten wir zugleich andeuten, daß es keines⸗ wegs immer nötig iſt, die Probegruben 3 m tief zu machen; es genügt vielmehr in den meiſten Fällen eine Tiefe von 1—2 m. Eine Verminderung der Arbeitskoſten läßt ſich auch noch dadurch erzielen, daß man nicht die ganze Länge der Probegrube bis zur vollen Tiefe aushebt, ſondern nur einen Teil. Z. B. bei 1,60 m Länge läßt man bei der Tiefe von 1 m einen Erdklotz von 60 cm n O Erdbohrer. 31 ſtehen und gräbt nur 1 m lang daneben bis zur vollen Tiefe (2 m) hinab. In allen Fällen iſt aber ſehr anzuraten, die Unterſuchung des Bodens ſofort nach Herſtellung der Probegrube vorzunehmen, denn man muß immer darauf gefaßt ſein, daß die Wände einſtürzen. Der Erdbohrer.— Weniger überſichtlich und anſchaulich, aber oft ſchneller und billiger zum Ziele führend, als die Herſtellung der Probegruben, iſt die Unterſuchung des Bodens mit dem Erd⸗ bohrer. Leider iſt dieſes Werkzeug dort nicht anwendbar, wo der Boden zu viele Steine enthält. Ein kopfgroßer Stein, der in dem Bohrloch getroffen wird, ſtellt dem Erdbohrer ein unüberwindliches Hindernis entgegen; walnuß⸗ große Steine, wenn ſie nicht zu zahlreich ſind, vermag er herauszubrechen. In ſteinfreiem Boden leiſtet das Werkzeug vorzügliche Dien ſte. Sind die Bedingungen für die Anwendung gegeben, ſo kann man ſich mit dem Erdbohrer, wie er für landwirtſchaftliche Zwecke hergeſtellt und benutzt wird, über die Lagerungsverhältniſſe des Bodens bis zu einer Tiefe von 3 m einen völlig genügenden Aufſchluß verſchaffen, wenn man die nötige Fertigkeit im Erkennen und Be⸗ urteilen der Bodenarten beſitzt. Es giebt Löffel-⸗Erdbohrer nnd Schrau⸗ ben⸗Erdbohrer. Die Löffel⸗Erdbohrer ſind nur dann zweckmäßig, wenn Bohrlöffel und Bohrſtange aus einem Stück beſtehen. Fig. 3 zeigt den Erdbohrer, der bei der Landſchaft der Provinz Sachſen im Gebrauch iſt, ein einfaches, dauerhaftes und wirklich praktiſches Werkzeug.*) Unpraktiſch ſind dagegen die Löffel-Erdbohrer, bei denen der Löffel nicht feſt angeſchmiedet, ſondern nur angenietet iſt. Ein der⸗ artiger Erdbohrer iſt mir ſogleich beim erſten Verſuch zerbrochen. Ferner muß die Bohrſtange eine genügende Stärke und Wider⸗ *) Der Erdbohrer Fig. 3 wird von der Kunſtſchloſſerei Rudolf Müller in Halle a. S. angefertigt. 32 Der ſenkrechte Schnitt oder das Profil. ſtandsfähigkeit haben, ſonſt dreht ſie ſich beim Gebrauch in eine Spirale zuſammen, wie ein Pfropfenzieher. Bei einem Erdbohrer, der ſich in der Sammlung des eidgenöſſiſchen Polytechnikums be⸗ findet, iſt die ſpiralige Drehung zu ſehen, obwohl die vierkantige Stange einen Durchmeſſer von 16 mm aufweiſt. Für tiefere Bohrungen iſt die Konſtruktion vorzuziehen, bei der der bohrende Teil eine kurze, flache Schraube bildet, während eine 4—5 em dicke, durch Anſchrauben mehrerer Stücke verlängerbare runde Stange die Be⸗ wegung der Schraube vermittelt. Mit einem ſolchen Erdbohrer habe ich ſchon Ende der ſechziger Jahre während meiner Studienzeit in Halle das Verſuchsfeld des landwirtſchaftlichen Inſtitutes auf 3 m Tiefe abbohren ſehen. Zur Bedienung ſind, je nach der Tiefe der Bohrung und der Beſchleunigung der Arbeit, zwei bis drei kräftige Männer erforderlich. Dazu kommt noch der Werkführer, der immerfort zugegen ſein muß, um die Unterſuchung der heraufgeholten Bodenproben vorzunehmen. Eine ähnliche, jedoch nicht ganz ſo ſtarke Konſtruktion zeigt der amerikaniſche Erd⸗ bohrer, der in Figur 4 abgebildet iſt. Die aus einem Stück beſtehende Stange hat hier eine feſte Länge von 1,5 m. Der Bohrer ſelbſt hat ſtählerne Schneiden, die, je nach der Breite, ein Bohrloch von 8, 10, 13, 16, 18, 21, 23 ½, 26, 31 cm Weite herſtellen.*) Bei der Bodenunterſuchung genügt für eine Tiefe von 1,5 m eine Lochweite von 10 cm, für eine Tiefe von 2—3 m eine ſolche von 12—13 cm. Bei der Arbeit iſt es wichtig, daß genau ſenkrecht gebohrt und *) Bezugsquelle für den amerikaniſchen Erdbohrer: Aktien⸗ Geſellſchaft H. F. Eckert, Berlin 0. 34. Gewicht des amerikaniſchen Erd⸗ bohrers, je nach der Größe, 4—12 Kilo. Preis, je nach der gewünſchten Lochweite, 11— 27 ½ M. Bohrſtock von Bennigſen. 33 daß der Bohrer beim Herausheben nicht gedreht wird. Im übrigen wird jedesmal ein Erdpfropf von etwa 15 cm Länge heraufgeholt und ſogleich genau unterſucht. Wird zugleich die Tiefe des Bohr⸗ lochs gemeſſen, wobei die Stange des Erdbohrers als Maßſtab dienen kann, ſo ergiebt ſich aus der Zuſammenſtellung der Einzel⸗ reſultate ein vollſtändiges und getreues Bild der aufeinanderfolgenden Bodenſchichten. Mit anderen Worten, wir erhalten auch auf dieſem Wege eine richtige Vorſtellung von dem ſenkrechten Schnitt des Bodens. Der Bohrſtock.— Der Bohrſtock iſt ein kleiner hand⸗ licher Erdbohrer in Stockform. Seit lange iſt der Bohrſtock von Bennigſen bekannt. In den Jahren 1891 und 1892 hat W. Borchardt unter meiner Mitwirkung einen neuen verbeſſerten Bohrſtock konſtruiert. a) Der Bohrſtock von Bennigſen iſt ähnlich eingerichtet wie ein Stockdegen. Die Bohrſtange iſt von Eiſen, die Hülſe von Holz. Der mit einer gehärteten Spitze verſehene halbeylindriſche Löffel des Bohrers hat eine Länge von 35 cm und einen Durch⸗ meſſer von 10— 12 mm. Bei der runden Stange genügt eine Stärke von 9—10 mm. Die ganze Länge des Bohrers beträgt bei meinem Inſtrument nur 80 em, darf aber bis 1 m betragen. Wichtig iſt, daß der Horngriff genügend ſtark und gut befeſtigt, daß das ganze Inſtrument überhaupt ſolid gemacht wird. Die Bohrſtöcke, die von Leipzig bezogen oder hier in Zürich nachgemacht wurden, ſind faſt alle beim Gebrauch ſchadhaft geworden. Bald iſt der Bohrer zerbrochen, bald iſt der Griff oder das Meſſinggewinde für die Hülſe loſe geworden, bald iſt der Griff oder die Hülſe geplatzt ꝛc. Der Bohrſtock dagegen, den ich mir vor 30 Jahren von Halle mit⸗ genommen, befindet ſich trotz häufiger Benutzung heute noch in völlig brauchbarem Zuſtande. Bei der Anwendung wird der Bohrſtock von Bennigſen ſenkrecht und ohne zu drehen in den Boden gedrückt, beim Her⸗ ausziehen dagegen fortwährend und zwar immer in demſelben Sinne(nach links) gedreht, damit die vom Löffel geſchöpfte Erde möglichſt vollſtändig in ihm ſitzen bleibt. Der Löffel füllt ſich alſo nicht ſo, wie ein Holzbohrer, bei dem die geſchärfte Kante das Material abſchneidet und in einer Spirale aufwärts treibt, ſondern Nowacki, Bodenkunde. 3. Auflage. 3 34 Der ſenkrechte Schnitt oder das Proofil. er füllt ſich einfach auf die Weiſe, daß die Erde beim Hinabſtoßen in den offenen Löffel hineingedrückt wird. b) Der Bohrſtock von Borchardt iſt nach einem ganz Fig. 5. anderen Prinzip kon⸗ ſtruiert, um die Mängel des Bennigſen’'ſchen Bohrſtocks zu vermeiden. Dieſe Mängel beſtehen hauptſächlich darin, daß der Löffel nur wenig, im unteren Teil oft gar keine Erde faßt und daß die gefaßte Erdprobe beim Herausziehen oder Her⸗ ausdrehen des Bohrers mit der oberen Erde vermiſcht oder verſchmiert wird. Um dieſem übel⸗ ſtand abzuhelfen, bleibt nichts anderes übrig, als den Bohrer geſchloſſen zu machen, das heißt, ihn aus einem Rohr oder Lauf herzuſtellen. In Figur 5 zeigt bb den Bohrlauf, der aus einer gezogenen, 16 mm ſtarken Stahlröhre an⸗ gefertigt, oben durch eine eiſerne Muffe verſtärkt und unten mit gehärteten Sägezähnen verſehen iſt. Um den Bohrlauf handhaben und in die Erde bringen zu können, muß er oben mit einem Griff und unten mit einer Spitze in Verbindung ge⸗ bracht werden. Dieſen Zweck erfüllt die ſtählerne Bohrſtange aa, die in den Bohrlauf geſchoben und mit dem eiſernen Stift c feſtge⸗ en Bohrſtock von Borchardt. 35 ſtellt wird. So zuſammengeſteckt wird der Bohrſtock, indem man den Griff ein wenig nach links und rechts dreht, in den Erdboden gedrückt. Dabei bohrt die dreikantig geformte und ge⸗ härtete Spitze der Stange vor, während der Bohrlauf, wie es links von a vergrößert zu ſehen, durch eine genau paſſende Rot⸗ gußverſtärkung der Bohrſtange dicht geſchloſſen iſt. Jetzt wird der Stift c gelöſt und, nachdem die Bohrſtange ſo weit in die Höhe gezogen, in das zweite Loch geſteckt. Nun erſt beginnt die eigentliche Bohrung, die zur Aufnahme der Bodenprobe führt, in⸗ dem man den Griff mit Nachdruck einfach immerfort rechts herum dreht. Dabei dringt der Bohrlauf, mit den Sägezähnen fräſend, in den Untergrund und füllt ſich mit einem Erdpfropf von 5— 12 cm Länge und 13 mm Dicke. Hierin beſteht die eigentümliche, bis jetzt durch kein anderes Inſtrument erreichte Leiſtung des Borchardt'ſchen Bohrſtocks, und an dieſer Erfindung habe auch ich inſofern einen Anteil, als die Idee, einen Erdpfropf zu faſſen und heraufzuholen, von mir herrührt.*) Es *) Herr Borchhardt lernte in den agronomiſchen Übungen bei mir den Bennigſen'ſchen, aus Halle mitgebrachten Bohrſtock kennen und hand⸗ haben. Da er ſich lebhaft für die Sache intereſſierte, ſagte ich zu ihm: „Sie ſind ja ein Tauſendkünſtler. Machen Sie doch einen neuen Bohrſtock nach den Regeln der modernen Technik, Sie würden ſich dadurch um Wiſſenſchaft und Praxis ein Verdienſt er⸗ werben.“ Dieſe Anregung genügte, um Herrn B. zur Konſtruktion eines Bohrſtocks zu veranlaſſen. Nach einigen Monaten überraſchte er mich mit einem zierlichen Inſtrument, bei dem der mit einer ſcharfen Schneide ver⸗ ſehene ſtählerne Löffel bis auf die hervorſchauende Spitze durch ein Meſſingrohr verſchloſſen, mittelſt Bohrſtange und Griff in die Erde ge⸗ drückt, zur Aufnahme der Bodenprobe aus dem Rohr hervorgeſchoben und. mit einem dünnen„Erdſpahn“ gefüllt, wieder in das Rohr zurückgezogen werden konnte. Das mit vieler Mühe fix und fertig ausgearbeitete Mo⸗ dell befriedigte mich aber aus verſchiedenen Gründen nicht, und ich ſtellte die beſtimmte Anforderung:„Der Erdbohrer nach meiner Idee muß einen Erdpfropf von 5 cm faſſen und unvermiſcht herauf⸗ holen.“ Daraus ergab ſich für Herrn Borchhardt die notwendige Folgerung, das Prinzip des Löffelbohrers gänzlich fallen zu laſſen und zum Faſſen der Bodenprobe das Rohr zu verwenden, dem ich ſpäter, als es zur Benennung der einzelnen Teile kam, den Namen„Bohrlauf“ 3* 36 Der ſenkrechte Schnitt oder das Profil. handelt ſich nun noch darum, den aus dem Boden herausgehobenen Bohrlauf zu entladen, das heißt, den Erdpfropf, der ganz feſt in dem Bohrlauf ſteckt, hinauszuſchieben. Das geſchieht in folgen⸗ der Weiſe: Man läßt, nachdem man die Bohrſtange ganz aus dem Bohrlauf herausgezogen, den Meſſingbolzen d, mit dem glatten Ende voran, in den Bohrlauf gleiten und ſchiebt ihn mit der Bohr⸗ ſtange vorwärts, bis der Erdpfropf heraus iſt. Man ſchiebt dann ſogleich weiter, bis der Meſſingbolzen, der den Lauf rein ausputzt, ebenfalls erſcheint, und bis auch die Spitze der Bohr⸗ ſtange wieder ganz herausſchaut. Wird jetzt der Stift c in das erſte Loch geſteckt, ſo iſt der Bohrſtock ſofort zu einer zweiten Bohrung fertig geſtellt. Hat man einen Gehülfen zur Hand, ſo beanſprucht jede Bohrung einſchließlich der Unterſuchung der Boden⸗ probe nicht mehr Zeit als fünf Minuten. Bei einiger Geſchicklich⸗ keit kann auch ein Mann allein das Entladen des Bohrlaufs fertig bringen; das Hineinbohren und das Herausziehen des Bohrſtocks erfordert ſowieſo nur einen Mann. Wenn man mit den Bohrungen aufhört, wird der Bohrſtock ähnlich wie ein Gewehr gereinigt. Schließlich ſchiebt man die Dochtpatrone f, das weiche Ende voran, von oben in den Bohr⸗ lauf und, wie nicht zu vergeſſen, den Meſſingbolzen hinterher, bis die Spitze der Bohrſtange wieder vollſtändig ſichtbar iſt. Da⸗ bei giebt die Dochtpatrone genügend Parafinöl ab, um den Lauf innen einzufetten und vor zu Roſt ſchützen. Es erübrigt noch, die gab, um das zwar bezeichnende, aber zu barbariſch klingende Wort Bohr⸗ rohr zu vermeiden. Bei dem endgültigen, in allen Teilen gänzlich neu hergeſtellten Modell wurde der Bohrlauf, ſeinem veränderten Zweck ent⸗ ſprechend, aus einem gezogenen Stahlrohr angefertigt und am unteren Ende mit Sägezähnen verſehen. Der Bohrlauf wirkt demnach in der Weiſe, daß er, wenn er von oben gedrückt und gedreht wird, mit den Sägezähnen einen eylindriſchen Erdkörper aus dem Untergrunde heraus⸗ ſchneidet oder herausfräſt, wobei ſich die Laufmündung Ruck für Ruck über den rings herum ſcharf abgeſchnittenen Erdpfropf hinüberſchiebt. Schließ⸗ lich ſteckt der 5— 12 cm lange Erdpfropf, ähnlich wie eine ſtramm einge⸗ ſchobene Patrone, in dem Bohrlauf, und wenn dann der Bohrlauf aus dem Bohrloch herausgezogen wird, ſo muß der feſt eingezwängte Erdpfropf mit heraus. Bohrſtock von Borchardt. 37 Dochtpatrone bei f“, den Meſſingbolzen bei e’ in die Höhlung des Griffes zu ſchieben, die Verſchlußkapſel e auf den Griff und die Zwinge g auf die Spitze des Bohrſtocks zu ſtecken. Die Handhabung des Borchardt’ſchen Bohrſtocks iſt im ganzen ſehr einfach, und die Konſtruktion des Inſtrumentes iſt durch die Verbindung eines Stahlrohrs mit einer Stahlſtange und dem eiſernen, mit Leder überzogenen Griff äußerſt feſt und dauer⸗ haft. Dabei iſt das Inſtrument doch elegant und in der gewöhn⸗ lichen Länge von 1 m ſamt Zubehör noch nicht ganz 2 kg ſchwer.*) Die Tiefe, bis zu der man mit dem Borchardt'ſchen Bohr⸗ ſtock gewöhnlicher Größe bohren kann, beträgt 90 cm. Für Torf⸗ böden kann das Inſtrument in der Länge von 2—3 m hergeſtellt und verwandt werden. Steine ſind auch der Anwendung des Bohrſtocks hinderlich, jedoch nicht in dem Grade wie bei dem Erdbohrer, da man, wenn man einen Stein getroffen, den Bohrſtock ohne großen Zeitverluſt an einer anderen Stelle einſtechen kann. In hartem Boden iſt das Hineindrücken des Bohrſtocks ſchwierig; man wird daher auf bündigem Boden die Unterſuchung am beſten vornehmen, wenn Ober⸗ und Untergrund durch den Regen angefeuchtet und aufge⸗ weicht ſind. Die Menge der Erde, die der Bohrſtock faßt, iſt allerdings nur gering, aber für den Sachverſtändigen, namentlich bei dem Borchardt'ſchen Bohrſtock, völlig groß genug, um die Bodenart zu beſtimmen. Durch dieſes Inſtrument iſt das Problem in einfacher Weiſe gelöſt, aus einer beſtimmten Tiefe eine unvermiſchte Erdprobe für die Beſichtigung und Unterſuchung heraufzuholen.**) *) Der Borchardt'ſche Bohrſtock iſt zu beziehen von Erneſt Joerin⸗Gerber. Zürich. Preis des gewöhnlichen, 1 m langen Bohr⸗ ſtocks 25 Franken= 20 Mark. **) Herr Profeſſor Dr. O. Wyß, Direktor des hygieniſchen Inſtituts in Zürich, hatte die Freundlichkeit, mir den Fränkel'’ſchen Erdbohrer zugänglich zu machen, dem die Idee zu Grunde liegt, die Bodenprobe in einer länglichen Höhlung der runden Bohrſtange zu faſſen und zur bak⸗ teriologiſchen Unterſuchung heraufzuholen, indem die Höhlung geöffnet und verſchloſſen werden kann durch einen mit länglichem Ausſchnitt verſehenen 38 Der ſenkrechte Schnitt oder das Profil. Der Bohrſtock hat den großen Vorzug, daß eine einzelne Unter⸗ ſuchung bis auf eine Tiefe von 90 cm nur 5, in ſchwierigen Fällen höchſtens 10 Minuten beanſprucht, ſo daß man in kurzer Zeit an vielen verſchiedenen Stellen des Feldes eine Probe nehmen und da⸗ her ein möglichſt vollſtändiges und richtiges Urteil über die Boden⸗ ſchicht gewinnen kann, die den Landwirt zunächſt angeht. Es ſteht auch nichts im Wege, mit dem Borchardt'ſchen Bohrſtock gewöhn⸗ licher Länge bis auf 2 m einzudringen, wenn man zunächſt mit dem Spaten eine Probegrube von 1,10 m Tiefe aushebt und dann auf der Sohle der Grube mit dem Bohrſtock noch 90 cm tiefer bohrt. Durch dieſe Kombination von Probegrube und Bohrloch wird im Vergleich zur einfachen Probegrube bedeutend an Zeit und an Arbeit geſpart. Die Sonde.— Für beſondere Zwecke, namentlich zur Unter⸗ ſuchung des Bodens auf Wieſenerz(Raſeneiſenſtein) dient die Sonde. Das iſt ein einfacher runder, etwa 15 mm ſtarker und 1,20 m langer Eiſenſtab, der unten zugeſpitzt und oben mit einem Knopf oder Handgriff verſehen iſt. Beim Gebrauch wird die Sonde ein⸗ fach ſenkrecht in den Boden geſtoßen; das Vorhandenſein von Wieſen⸗ erz, das meiſt in einer Tiefe von 30—60 cm getroffen wird, macht ſich dem Gefühl und dem Gehör bemerklich, und man ſpürt auch, ob das Wieſenerz in geſchloſſenen Bänken oder in Geſtalt von Grus Hohlcylinder, der ſeinerſeits vermittelſt einer vorſtehenden Naſe um die Bohrſtange drehbar iſt. Eine zuverläſſige und reine Probenahme geſtattet aber der F.'ſche Erdbohrer aus verſchiedenen Gründen nicht. Übrrdies hat er den großen Mangel, daß man ihn wegen der über 1 cm weit vor⸗ ſtehenden ſtumpfen Naſe in bündigen oder mit Wurzeln durchzogenen Boden ſchlechterdings nicht hineinbringen kann. Der Fränkel'ſche Erd⸗ bohrer iſt daher für den Landwirt nicht brauchbar, und für den Hygieniker noch weniger, während der Borchardt'ſche Bohrſtock ſowohl dem Landwirt wie dem Hygieniker dienen kann. Schneidet man von dem Erdpfropf die oberſten 5 mm ab, um die vielleicht zwiſchen den Sägezähnen haften gebliebene Erde zu beſeitigen, ſo iſt die Probe rein. Noch ſicherer iſt es, wenn man den Erdpfropf nicht ganz aus dem Bohrlauf hinausſchiebt, ſondern nur den vorderen, zuerſt erſcheinenden Teil des Erdpfropfes mit einem paſſenden Gläschen auffängt und für die bakteriologiſche Unterſuchung verwendet. Einſchnitte und Erdblößen.— Mächtigkeit des Bodens. 39 abgeſetzt iſt. Allenfalls kann auch ein gewöhnlicher Krückſtock mit feſter Zwinge und Spitze zur Sondierung des Bodens benutzt werden. Den Bohrſtock verwendet man für dieſe einfache Unter⸗ ſuchung aus dem Grunde beſſer nicht, um die Spitze nicht unnötiger⸗ weiſe abzunutzen.*) Beſichtigung der vorhandenen Einſchnitte und Erd⸗ blößen.— Zum Schluß wollen wir hier noch daran erinnern, daß man alle ſchon vorhandenen Einſchnitte und Erdblößen beſichtigen wird, um ſich über die Lagerung und ſonſtige Beſchaffenheit des Bodens zu unterrichten. Dahin gehören Eiſenbahn⸗ und Straßen⸗ einſchnitte, Gräben, Thon⸗, Sand⸗, Kies⸗ und Mergelgruben, Stein⸗ brüche, Dohlen⸗, Brunnen⸗ und Kellerbauten, Erdſpalten, Rutſch⸗ flächen, Maulwurfshaufen ꝛc. Kurz, hier heißt es: Schau dich um! Was finden wir nun auf dem ſenkrechten Schnitt des Bodens? Die Mächtigkeit des Bodens.— Unter Mächtigkeit ver⸗ ſteht man den Abſtand zwiſchen der äußeren Oberfläche des Bodens und dem in der Tiefe anſtehenden Fels. Die Mächtigkeit bezieht ſich alſo auf den ſenkrechten Schnitt von der oberen bis zur unteren Grenze des Grund und Bodens(Fig. 2). Im Flachlande wird der Fels in einer Probegrube von drei Meter Tiefe noch nicht getroffen. Wer ſein Lebelang immer im Flachlande bleibt, hat überhaupt niemals Gelegenheit, die untere Begrenzung des Bodens zu ſehen. Hier giebt es wohl Feldſteine, als ſeltene Erſcheinung auch einmal einen erratiſchen Block von 1 chm Größe, aber der anſtehende Fels tritt nirgends zu Tage, und auch beim Keller⸗ und Brunnengraben trifft man nicht auf den Fels. Ich war 26 Jahre alt, als ich in dem Porphyr⸗Steinbruch an der Saale, in der Nähe von dem berühmten Giebichenſtein, den erſten Fels zu Geſichte bekam. Die wohl kaum 50 m hohe Fels⸗ wand machte einen ſo gewaltigen Eindruck auf mich, daß ich ſie jetzt, nach 33 Jahren noch deutlich vor mir ſehe. Im Gebirgslande findet ſich der Fels ſchon in viel geringerer *) Beſagte Unterſuchung hat einen doppelten Zweck. Erſtens muß das Wieſenerz herausgeſchafft werden, weil es dem Pflanzenwuchs ſchädlich iſt, und zweitens läßt es ſich zur Eiſengewinnung verwerten. —ÿÿ ãé èE 40 Der ſenkrechte Schnitt oder das Profil. Tiefe, ſo daß die Mächtigkeit des Bodens hier oft nur 1—2 m be⸗ trägt. Dabei wechſelt die Mächtigkeit des Bodens ungemein. Von dem neuen Chemiegebäude in Zürich ſteht der ſüdliche Flügel mit ſeinen Fundamenten direkt auf dem Molaſſefelſen, der nördliche Flügel dagegen ruht auf langen Pfählen, die in den unergründlichen Schlammboden ſo tief eingerammt wurden, bis die Spitze wahr⸗ ſcheinlich ebenfalls auf den Felſen ſtieß. Einige Schritte ſüdwärts von dem Chemiegebäude mußten in dem Garten der land⸗ und forſtwirtſchaftlichen Schule die Felſen an einer Stelle weggeſprengt werden, um die Gartenerde doch wenigſtens 1 m tief anlegen zu können. Der Molaſſefels war hier nicht ſichtbar geweſen, er ward vielmehr erſt beim Eingraben bloßgelegt. An anderen Orten, z. B. an der„böſen Seite“ im oberen Haslithal, an den ſogenannten „hellen Platten“, ſteigt der Fels(in der eben bezeichneten Lokalität iſt es Granit) bis zur Oberfläche empor, ſo daß er gar nicht von einer eigentlichen Erdſchicht bedeckt iſt. Dieſe Verhältniſſe bezeichnet man, ſoweit ſie den Boden be⸗ treffen, mit den Ausdrücken: Flachgründigkeit und Tiefgründig⸗ keit in verſchiedenen Abſtufungen. Beide Ausdrücke werden mit dem Wort„Mächtigkeit“ zuſammengefaßt. Bei der Unterſuchung des Bodens wird die Mächtigkeit mit dem Maßſtabe feſtgeſtellt, indem man von der äußeren, zu Tage tretenden Oberfläche des Bodens ſenkrecht bis zum Felſen hinabmißt. Zu dem Zwecke legt man am ſicherſten einen geraden Stab oben quer über die Probegrube hart auf die eigentliche Oberfläche des Bodens, hält das Senkblei an und ſtellt den Maßſtab oder die Meßlatte ſenkrecht neben die Schnur. Auf dieſelbe Weiſe verfährt man bei allen Meſſungen, die ſich auf das Profil des Bodens be⸗ ziehen. Die Benutzung des Senkbleis iſt namentlich bei geneigtem Boden anzuraten. In der durch Fig. 2 dargeſtellten Probegrube beträgt die Mächtigkeit des Bodens in der Mitte 2,20 m, an der linken Seite 2,40 m und an der rechten Seite 2,55 m. Die Mächtigkeit des Bodens iſt von Bedeutung, weil ſie die Länge der Wurzeln beſtimmt. Bei manchen Kulturpflanzen, nament⸗ lich bei der Luzerne, hat man die Wurzeln bis auf 10 m Tiefe ver⸗ folgt. Bis zu dieſer Tiefe erſtrecken ſich auch die jährlichen, auf dem Einfluß der Sonnenwärme beruhenden Temperaturſchwankungen. Angeſtammter und angeſchwemmter Boden. 41 Es iſt daher wünſchenswert, daß die Mächtigkeit des Bödens 10 m, oder noch mehr betrage. Indeſſen genügt den meiſten Kulturpflanzen allenfalls noch eine Mächtigkeit von 1 m. Wird die Mächtigkeit noch geringer, ſo können ſich nur die flachwurzelnden Gewächſe, z. B. die Gräſer, normal entwickeln, doch leiden auch ſie auf ſo flachgründigem Boden leicht von der Trockenheit. Hat der flach⸗ gründige Boden, wie es oft vorkommt, eine ſtark geneigte Lage, dann iſt er nicht bloß der Gefahr des Fortſchwemmens, ſondern auch der Gefahr des Rutſchens ausgeſetzt. Angeſtammter und angeſchwemmter Boden.— Bei dieſer Unterſuchung hat man zugleich darauf zu achten, ob der Untergrund a) in den in der Tiefe anſtehenden Fels allmählich über⸗ geht, oder ob er b) ſich ſcharf von dem Fels abgrenzt. a) Im erſten Fall iſt der Fels das Muttergeſtein, aus dem der auflagernde Boden durch Verwitterung entſtanden iſt: An⸗ geſtammter Boden, Verwitterungsboden. Wir werden in dieſem Fall nicht allein die Art des Bodens, ſondern auch die Art des Muttergeſteins zu beſtimmen haben, wobei uns die geologiſchen Karten gute Dienſte leiſten. Von beſonderem Wert ſind geologiſche Kantons⸗ oder Bezirkskarten, weil auf dieſen die im Gebiete vor⸗ kommenden Geſteins⸗ oder Gebirgsarten noch ſpezieller zu erſehen ſind. Die Benutzung der Karten hat zwar einige Vorkenntniſſe in der Geologie zur Vorausſetzung; für den einzelnen Landwirt wird die Sache aber dadurch ſehr vereinfacht, daß er es auf ſeinem Territorium gewöhnlich nur mit einer einzigen, oder mit einigen wenigen Gebirgsarten zu thun hat. b) Im zweiten Fall, nämlich dann, wenn eine ſcharfe Grenze zwiſchen Boden und Fels vorhanden iſt, hat der Boden hin⸗ ſichtlich ſeiner Entſtehung und Zuſammenſetzung nichts mit dem Grundgeſtein gemein, ſondern er iſt von anderswoher durch Vermittlung des Waſſers— Meeresbildungen, Süßwaſſerbildungen, Gletſcherbildungen— auf ſeine jetzige Lagerſtätte geſchafft worden: Angeſchwemmter Boden, Schwemmlands⸗ oder Schwemm⸗ boden.*) Dieſer Fall iſt der gewöhnliche im ſchweizeriſchen Mittel⸗ *) Die von Fallou eingeführten Ausdrücke: Grundſchuttgelände und Flutſchuttgelände werden in der Bodenkunde(oder ſollen wir Ge⸗ 42 Der ſenkrechte Schnitt oder das Profil. lande, d. h. auf dem Hochplateau, das ſich zwiſchen Jura und Alpen vom Bodenſee bis zum Genferſee erſtreckt. Das Grundgeſtein iſt hier faſt überall Molaſſe, von der bald eine Sandſteinſchicht, bald eine Mergelſchicht zu oberſt anſteht. Hier und da findet ſich auch Nagelfluh. Zuweilen tritt die Molaſſe zu Tage, in der Regel aber iſt ſie von angeſchwemmtem Boden(Thon, Lehm, Mergel, Sand, Kies ꝛc.) überdeckt, ſo daß die Wurzeln der Kulturpflanzen nicht in der Molaſſe ſelbſt, ſondern in dem auf ihr lagernden Schwemm⸗ landsboden ſich verbreiten(Fig. 2).— Im norddeutſchen Flachlande iſt ebenfalls der angeſchwemmte Boden in großer Ausdehnung und Mächtigkeit vertreten. Wir finden daſelbſt an vielen Stellen in der Reihenfolge von oben nach unten die drei Schichten: Lehm, Mergel, Sand, die auch im Mittellande der Schweiz wiederkehren(Fig. 2). Der Umſtand, daß auch bei unregelmäßiger Geſtaltung der Ober⸗ fläche zu oberſt immer der Lehm getroffen wird, ſpricht dafür, daß der Lehm durch Verwitterung aus dem Mergel entſtanden iſt: Lehm und Mergel gehören alſo in ein und dieſelbe geologiſche Formation. In den meiſten Fällen ſind dagegen die verſchieden⸗ artigen Schichten in verſchiedenen Zeiten nacheinander aus dem Waſſer abgeſetzt worden. Schichten.— Dieſes Vorkommen von Schichten iſt bei der Beurteilung der Lagerungsverhältniſſe des Bodens ganz beſonders ins Auge zu faſſen. In der Regel ſind die Schichten, die man leicht an ihrer verſchiedenen Farbe und Körnung erkennt, bei dem Schwemmlandsboden viel deutlicher, als bei dem Verwitterungsboden, bei dem ſie oft ganz fehlen. Die Mlächtigkeit der einzelnen Schichten wird in der Probe⸗ grube gemeſſen; ebenſo mit der Geologen⸗Buſſole Fig. 1 feſt⸗ geſtellt, ob die Schichten horizontal oder ob, und wie ſtark, und nach welcher Richtung ſie geneigt ſind. ländekunde ſagen?) am beſten vermieden, weil es unglückliche Wort⸗ bildungen ſind. Gelände iſt ſo viel wie Boden, Schutt iſt hier auch nichts anderes als Boden, folglich iſt Grundſchuttgelände= Grundbodenboden!! Das Wort„Grund“ darf zur Bezeichnung einer Bodenklaſſe ohnehin nicht benutzt werden, weil es in dem Begriff„Grund und Boden“ bereits ver⸗ braucht iſt. Waſſerführende Schichten.— Grundwaſſer. 43 Außerdem wird natürlich die Bodenart der einzelnen Schichten beſtimmt und zugleich unterſucht, ob die Schichten durchläſſig oder undurchläſſig ſind. Eine durchläſſige Schicht ſetzt der Bewegung des Waſſers einen geringen, eine undurchläſſige Schicht ſetzt der Bewegung des Waſſers einen bedeutenden Widerſtand entgegen. Ein großer Gehalt an Steinen, Kies, Sand oder Humus kennzeichnet die durchläſſigen, ein großer Gehalt an Thon kennzeichnet die undurchläſſigen Bodenſchichten. Auch das Grundgeſtein iſt in der Regel undurchläſſig. Doch kommen auch undurchläſſige Kies⸗ und Sandſchichten vor; dies iſt der Fall, wenn Kies oder Sand durch ein Bindemittel feſt zuſammengekittet worden ſind, was be⸗ ſonders dadurch zu ſtande kommt, daß ſich Kalk oder Eiſen aus dem Bodenwaſſer niederſchlägt. Andererſeits iſt der Fels, der unter dem Erdreich anſteht, nicht immer undurchläſſig, weil er oft mit Spalten und Klüften durchſetzt iſt, die dem Waſſer den Abfluß geſtatten. Waſſerführende Schichten.— Die Durchläſſigkeit einer Schicht erkennt man am deutlichſten, wenn ſie Waſſer führt, was immer beſonders bemerkt werden muß. Sind mehrere waſſerführende Schichten, getrennt durch undurchläſſige Schichten, übereinander vor⸗ handen, ſo iſt zu ermitteln, welche Schicht das meiſte Waſſer führt. In einer friſch geöffneten Probegrube läßt ſich dies ge⸗ wöhnlich leicht feſtſtellen, doch muß man ſich mit der Unterſuchung beeilen, ehe ſich die Grube mit Waſſer füllt. Grundwaſſer.— Quillt aus einer oder mehreren Schichten des Bodens Grundwaſſer hervor, ſo läßt man nach Einmeſſung und Unterſuchung der Schichten das Waſſer etwa einen Tag lang in der Probegrube ſich ſammeln und mißt dann den Abſtand zwiſchen dem Waſſerſpiegel und der äußeren Oberfläche des Bodens.*) Wenn es die Verhältniſſe geſtatten, wird man die *) Dagegen iſt es unzweckmäßig, die Waſſerſtandshöhe von der Sohle der Probegrube bis zum Waſſerſpiegel zu meſſen, weil die Sohle durch Hineinſtürzen von Erde oder Hineintreiben von Schlamm ſich oft unbemerkt erhöht. Kommt es, wie z. B. bei Waſſerrechts⸗Prozeſſen, auf größere Ge⸗ nauigkeit an, ſo ſchlägt man einen Pfahl in die Probegrube, mißt aber nicht dicht an dem Pfahl hinab, weil das Waſſer ſich an dem Pfahl in die Höhe zieht, ſondern man legt, und zwar jedesmal an ein und derſelben Stelle, die Meſſerklinge flach und feſt auf den Kopf des Pfahles, läßt den 44 Der ſenkrechte Schnitt oder das Profil. Meſſungen des Waſſerſtandes unter Rückſicht auf die Witterung öfter wiederholen. Dabei kann man folgende drei Fälle unter⸗ ſcheiden: a) Nähert ſich der Waſſerſpiegel bis auf wenige Centimeter der Oberfläche, ſo iſt der Boden übermäßig naß und ſowohl auf Acker⸗ land wie auf Wiesland der Entwäſſerung(Drainage) bedürftig. b) Bleibt der Waſſerſpiegel 50— 60 cm von der Oberfläche entfernt, ſo iſt auf Ackerland auch noch die Entwäſſerung angezeigt. Auf Wiesland, das nicht zu trocken gelegt werden darf, wird bei dieſem Stande des Grundwaſſers eine Entwäſſerung nur dann not⸗ wendig ſein, wenn der Boden ſchwer iſt und ſonſtige Kennzeichen der Näſſe(Moos, Binſen, Riedgräſer u. ſ. w). aufweiſt. c) Hält ſich endlich der Waſſerſpiegel, ſelbſt bei feuchter Witte⸗ rung und hohem Grundwaſſerſtand, einen Meter von der Oberfläche entfernt, ſo iſt weder auf Ackerland, noch auf Wiesland eine Ent⸗ wäſſerung erforderlich. Hierzu bemerke ich noch, daß wir durch Beobachtung und Meſſung des Grundwaſſerſtandes in Probegruben oder Bohr⸗ löchern über die Durchläſſigkeit unſeres Bodens im großen ſicherer ins Klare kommen, als durch künſtliche Experimente mit kleinen Erdproben. Liegt der Fall c vor, ſo iſt die Durchläſſigkeit erwieſen, oder es iſt wenigſtens erwieſen, daß wir von der Her⸗ ſtellung einer größeren Durchläſſigkeit mittelſt eingelegter Drain⸗ röhren Umgang nehmen können. In den Fällen a und b iſt ent⸗ weder die Durchläſſigkeit zu gering, oder das Gefäll des Grund⸗ waſſers und der waſſerführenden Schicht iſt zu ſchwach, oder es ſteht in der näheren oder ferneren Umgebung dem Grundwaſſer ein mehr oder minder undurchläſſiger Damm im Wege ꝛc. Alles das kann und muß, nötigenfalls unter Mitbenutzung des Nivellierinſtrumentes, durch Probegruben, Bohrlöcher oder anderweitige geologiſche Unter⸗ an den Gelenken feſtſtellbaren Maßſtab langſam an der Meſſerſchneide hinab und drückt ihn in dem Moment, wo das untere Ende des Maß⸗ ſtabes den Waſſerſpiegel berührt, mit der Kante an die Meſſerſchneide. So kann man, wenn man dieſelbe Meſſung zur Kontrolle zwei⸗ oder dreimal wiederholt, die Höhe des Waſſerſpiegels bis auf 1 mm genau meſſen. Die Höhe verſchiedener, getrennter Waſſerſpiegel läßt ſich mit der Waſſerwage oder mit dem Nivellierinſtrument feſtſtellen und vergleichen. Obergrund und Untergrund. 45 ſuchungen feſtgeſtellt werden, wenn auf kulturtechniſchem Wege eine gründliche und richtige Abhülfe geſchafft werden ſoll. Dagegen hat es ſehr geringen oder gar keinen Wert für die Beurteilung der Waſſerverhältniſſe eines Grundſtücks, mit entnommenen Bodenproben Verſickerungs⸗ oder Durchläſſigkeitsverſuche in gläſernen oder blechernen Gefäßen anzuſtellen, weil der eingefüllte Boden ganz anders gebaut und gefügt iſt, als der auf ſeiner natürlichen Lagerſtätte befindliche „gewachſene“ Boden, zumal da dieſer in der Regel aus verſchiedenen Schichten beſteht, von denen einige durchläſſig, andere dagegen un⸗ durchläſſig ſind. Obergrund und Untergrund.— Die auf dem ſenkrechten Schnitt von oben nach unten folgenden Bodenmaſſen unterſcheidet man nach ihrer Lage als Obergrund und Untergrund(Fig. 2). Beide Ausdrücke können im ganz allgemeinen Sinn genommen werden, ſo daß Obergrund einfach den oberen Teil, Untergrund den ſich anſchließenden unteren Teil des Bodenprofils bezeichnet. Bei dieſer Auffaſſung, die für gewiſſe Fälle vorbehalten werden muß, läßt man die Grenze zwiſchen Obergrund und Untergrund ganz unbeſtimmt. In der landwirtſchaftlichen Praxis verſteht man unter Ober⸗ grund meiſt nichts anders als die Ackerkrume, die gewöhnlich in⸗ folge der Humusbeimengung dunkler gefärbt iſt als der Untergrund. Nach dieſer Auffaſſung iſt die Grenze zwiſchen Obergrund und Unter⸗ grund eine beſtimmte: der Untergrund fängt unmittelbar unter der Ackerkrume an, gleichviel, wie ſtark oder wie ſchwach die Ackerkrume ſein mag. Hat ein Feld z. B. eine Ackerkrume von 12 cm Tiefe, ſo greift die Pflugſchar mit dem 13 cm ſchon in den Untergrund, und jeder Vorpflüger verſteht ſeinen Meiſter, wenn dieſer zu ihm ſagt: Pflügt mir nicht den toten Untergrund herauf! Dennoch decken die Begriffe Obergrund und Ackerkrume, wofür einige Oberkrume wollen, ſich nicht immer. Gräbt man von einem Felde die Acker⸗ oder Oberkrume ab und fährt ſie fort, ſo hat das Feld keine Acker⸗ oder Oberkrume, wohl aber hat es auch jetzt einen Obergrund, denn Obergrund iſt eigentlich und genau genommen nichts anderes, als der obere Teil des Grundes, des Bodens, des Grund und Bodens. Das Wort„Oberkrume“ ſetzt zu ſeiner Er⸗ gänzung das Wort„Unterkrume“ voraus; das giebt's aber nicht, —x—x—⸗—⸗⸗—⸗—⸗—⸗—⸗—⸗—x—x—ꝛxꝛꝛꝛꝛyõjꝛ 46 Der ſenkrechte Schnitt oder das Profil. und da Unterkrume keinen Sinn hat, ſo hat auch Oberkrume keinen Sinn. Dagegen paſſen Obergrund und Untergrund vortrefklich zuſammen. d Die Ackerkrume, Krume, Erdkrume.— Das Wort Ackerkrume iſt ſo ungemein treffend und bezeichnend, daß man es jedenfalls beibehalten wird, obgleich es auf das Wiesland, Weide⸗ d land und Waldland nicht wohl bezogen werden kann. Will man ein allgemein umfaſſendes Wort, ſo kann man kurzweg ſagen: die 1 Krume. Ich wüßte auch nicht, was ſich gegen das Wort„Erd⸗ krume“ einwenden ließe, das ganz ebenſo gebildet iſt, wie das Wort Erdkruſte. Nimmt man das Wort Erdkrume an, dann iſt das Wort Vegetationskrume entbehrlich, das mir ohnehin keinen rechten— Sinn zu haben ſcheint. Was ſoll man unter Vegetationskrume ver⸗ ſtehen? Die Krume der Gewächſe, die Krume des Pflanzenwuchſes, die Krume der Pflanzenwelt? Das hat alles keinen Sinn, und anders läßt ſich das Wort Vegetation nicht überſetzen. % Die Muttererde.— Das Wort Vegetationskrume iſt um ſo V 'mehr entbehrlich, weil die deutſche Sprache noch ein anderes Wort b— gebildet hat, das viel ſchöner und viel bezeichnender iſt. Ich meine das Wort Muttererde. Mit dieſem Wort halten auch die Wörter: Pflanzenerde, Gewächserde, Humusſchicht, Kulturſchicht entfernt nicht den Vergleich aus, und das Wort Dammerde iſt in der Bodenkunde ganz zu ſtreichen, weil es gar keinen Sinn oder wenigſtens einen ganz anderen Sinn hat, als es hier haben ſoll. Anſtatt„Mutter⸗ erde“„Mutterboden“ zu ſagen, ſcheint mir aus ſprachlichen und ſachlichen Gründen nicht zweckmäßig zu ſein. In dem Wort„Mutter⸗ boden“ liegt eine Zweideutigkeit. Das Wort Muttererde iſt rein landwirtſchaftlich gemeint und wohl zu unterſcheiden von dem griechiſchen Demeter, Gemeter und von dem deutſchen Erdmutter und Mutter Erde, die mehr im poetiſchen und religiöſen Sinne genommen werden wollen. Unter Muttererde verſtehen wir die Schicht des Grund und Bodens, die die Pflanzen hervorbringt, und die zugleich in hervorragendem Maße die Eigenſchaft beſitzt, ſie zu ernähren. Ziemlich genau das⸗ ſelbe gilt auch von der Ackerkrume. Ackerkrume und Mutter⸗ erde ſind ſprachlich genommen ſehr verſchiedene, techniſch genommen ſehr nahe verwandte Begriffe, und beide Ausdrücke werden in der e Worauf beruht die Fruchtbarkeit der Ackerkrume? 47 landwirtſchaftlichen Praxis in der That oft als gleichbedeutend ge⸗ braucht. Ob ich beim Erdefahren zu meinen Leuten ſage:„Räumt die Muttererde ab!“ oder:„Fahrt mir nicht die Ackerkrume fort!“, das kommt genau auf dasſelbe hinaus. Worauf beruht die Fruchtbarkeit der Ackerkrume?— Die bevorzugte Fruchtbarkeit der Ackerkrume ergiebt ſich aus folgen⸗ den Erwägungen: 1. Die Ackerkrume ſteht mit der atmoſphäriſchen Luft in un⸗ mittelbarer Berührung und Wechſelwirkung. Sie iſt dem Regen und dem Sonnenſchein, dem Froſt und der Hitze am ſtärkſten aus⸗ geſetzt. Durch die Beackerung wird der Zutritt und die Einwirkung der Atmoſphärilien noch unterſtützt. Aus dieſen Gründen iſt die Verwitterung des Geſteins im Obergrunde weiter fortgeſchritten als im Untergrund, und der Obergrund infolgedeſſen reicher an auf⸗ nehmbaren mineraliſchen Pflanzennährſtoffen. 2. Die Ackerkrume bereichert ſich auf Koſten der Atmoſphäre mit Pflanzennährſtoffen, denn ſie empfängt die Niederſchläge mit all den Stoffen, die darin ſind. Das Regenwaſſer enthält nament⸗ lich kohlenſaures, ſalpetrigſaures und ſalpeterſaures Ammonium. 3. Die natürliche und künſtliche Düngung kommt zunächſt der Ackerkrume zu gute. Dabei denken wir, abgeſehen von den unter 2 angeführten Ammoniakſalzen, an die mineraliſchen, pflanzlichen und tieriſchen Subſtanzen, die dem Boden teils ohne, teils mit Zuthun des Menſchen einverleibt werden. 4. Die natürliche und künſtliche Bearbeitung des Bodens kommt ebenfalls ausſchließlich oder doch vorwiegend der Ackerkrumezu ſtatten. Die künſtliche Bearbeitung geſchieht mit den Ackergeräten. Die natür⸗ liche Bearbeitung wird bewirkt durch den Froſt, durch die Pflanzen⸗ wurzeln und durch die Tiere, die im Boden leben. Insbeſondere iſt auf die Thätigkeit der Regenwürmer hinzuweiſen, denen von manchen Seiten die Herſtellung der ganzen Ackerkrume zugeſchrieben wird. 5. Durch die merkwürdige Eigenſchaft der Abſorption hält die Ackerkrume die wertvollſten Pflanzennährſtoffe in ſich feſt, ſo daß ſie von dem verſickernden Regenwaſſer nicht in den Untergrund fortgewaſchen werden können. Dieſe Stoffe ſind: Phosphorſäure, Kali und Ammoniak. 6. Die Ackerkrume beherbergt eine Unzahl von kleinen Lebe⸗ —öͤöͤöͤöſöoöͤſͤſöſͤſͤſſſſͤſͤͤ ————————— — 2———— —————— 48 Der ſenkrechte Schnitt oder das Profil. weſen, die teils für die Zerſetzung der Mineral⸗ und der Humus⸗ ſubſtanzen, teils für die überführung der Ammoniakſalze in Nitrite und Nitrate, teils endlich für die Bindung und Nutzbarmachung des freien Stickſtoffs von der größten Bedeutung ſind.(Vergl. S. 17 u. 18.) Wie mißt man die Ackerkrume?— Aus den angeführten Gründen beſitzt die Ackerkrume oder Muttererde einen wahren Schatz von wertvollen Eigenſchaften, die dem Untergrund gänzlich fehlen oder doch in viel geringerem Grade zukommen. Man ſucht deshalb die Grenze zwiſchen Krume und Unter⸗ grund, die zuweilen ganz ſcharf, zuweilen aber auch undeutlich und verwaſchen iſt, ſo gut als möglich zu beſtimmen, indem man ſich den ſenkrechten Schnitt des Bodens in der Probegrube genau be⸗ trachtet und mit dem Meſſer die betreffende Linie bezeichnet. Da die Tiefe der Krume auf die Fruchtbarkeit und auf den Wert des Bodens von hervorragendem Einfluß iſt, ſo daß ſchon ein Centimeter mehr oder weniger einen erheblichen Unterſchied be⸗ dingt, ſo empfiehlt es ſich, die Krume genau zu meſſen. Das Meſſen geſchieht ſenkrecht, an Abhängen mit Benutzung des Senkbleis, und wenn der Boden durch die Bearbeitung gelockert ſein ſollte, ſo muß man ihn feſt zuſammentreten, um eine richtige Meſſung der Krume zu erhalten. Es iſt auch vielleicht nicht über⸗ flüſſig zu bemerken, daß die Krume im naſſen Zuſtande ein größeres Maß ergiebt als im trocknen, weil der Boden in der Nüſſe ſich ausdehnt, in der Dürre ſich zuſammenzieht, und zwar um ſo mehr, je mehr Humus und Thon er enthält. Richtet man ſich, wie gewöhn⸗ lich, bei der Meſſung der Krume nach der Farbe des Bodens, ſo kann man auch noch dadurch getäuſcht werden, daß der feuchte Boden dunkler und ſcheinbar humushaltiger ausſieht als der trockene. Beziehung zwiſchen Ackerkrume und Bodenwert.— Um näher darzuthun, wie wichtig es iſt, die Tiefe der Krume bei der Bonitierung und Taxation eines Grundſtückes genau und richtig zu meſſen, mögen folgende Worte Albrecht Thaers hier Platz finden. „In welchem Verhältniſſe vermehrt oder vermindert die größere oder geringere Tiefe des Bodens ſeinen Wert? Wir nehmen eine 6zöllige Tiefe an. Mit jedem Zoll größerer Tiefe vermehrt ſich ſein Wert, wie wir ſicher annehmen können, um 8%, bis zu der — ⸗— —y+— — ne. der den. ßere eine ſih Überblick über die Tiefe der Ackerkrume. 49 Tiefe von 12 Zoll, ſo daß ein 12zölliger Boden beinahe um die Hälfte mehr wert iſt als ein 6zölliger. Bei noch größerer Tiefe, die durch den Pflug nicht erreichbar iſt, ſteigt der Wert zwar nicht mehr in derſelben Progreſſion, aber doch wohl immer noch um 5%, da auch die unter der Sohle der Pflugfurche liegende Erde nicht ganz ohne Nutzen iſt. Dagegen fällt ſein Wert mit jeder Ver⸗ minderung ſeiner Tiefe in eben dem Verhältniſſe.“ Danach be⸗ rechnet A. Thaer folgende Verhältniszahlen, bei denen der Wert des Bodens mit einer 6zölligen Ackerkrume zu 50 angenommen worden iſt. Tiefe der Ackerkrume Relativer Wert des Bodens 3 Zoll 38 „ 42 5„ 46 6„ 50 7„ 54 8„ 58 9„ 62 10„ 66 11„ 70 12„ 74 überblick über die Tiefe der Ackerkrume.— Wie zu Thaers Zeiten, ſo können wir auch heutzutage die mittlere Tiefe der Ackerkrume bei den gewöhnlichen Böden zu 6 Zoll oder 15 bis 16 cm annehmen. Doch finden wir eine Mächtigkeit der Krume von 30 cm jetzt häufiger als vor 100 Jahren, weil die Landwirt⸗ ſchaft, insbeſondere wegen der Einführung und Ausdehnung des Zuckerrübenbaues, von der Flachkultur mehr und mehr zur Tief⸗ kultur übergegangen iſt. Auf den ſtark gedüngten und nur von Zeit zu Zeit oder gar nicht geackerten Wieſen(Matten) des ſchweize⸗ riſchen Mittellandes iſt(auch ohne Zuckerrübenbau) auf gemeinem Lehmboden eine Krume von 30 und ſelbſt 40 cm Tiefe keine Seltenheit. Nachſtehende Zahlen können einen raſchen Überblick über die in Rede ſtehenden Verhältniſſe gewähren: Bei 10—12 cm Tiefe nennt man die Krume flach, „ 15 20„„„„„„ nittteltief⸗ Nowacki, Bodenkunde. 3. Auflage. 4 —n 50 Der ſenkrechte Schnitt oder das Profil. bei 25— 30 cm Tiefe nennt man die Krume tief, „ über 30„„„„„ ſehr tief. Der Untergrund.— Im Gegenſat zu der milden, lockeren und fruchtbaren Erde der Ackerkrume bezeichnet man die Erde des Untergrundes als roh, wild und tot. Der Untergrund iſt, an die Oberfläche gebracht, in der Regel gänzlich unfruchtbar oder doch auffallend weniger fruchtbar als die Krume, und er wird erſt V im Verlauf längerer Zeit geſchickt, Pflanzen zu ernähren. Am deut⸗ V lichſten ſieht man dies, wenn(was freilich niemals vorkommen ſollte, aber gelegentlich doch vorkommt) die ganze Muttererde abgegraben und weggefahren wird; an ſolchen Stellen zeigt ſich im Pflanzen— beſtande trotz ſtärkerer Düngung nach 10 Jahren noch ein Schand⸗ fleck. Die Erklärung hierfür iſt S. 47 ſchon gegeben worden. Namentlich ſcheint es dem Untergrund an den für das Pflanzen⸗ wachstum notwendigen, früher(S. 17) ſchon erwähnten kleinen Lebeweſen zu fehlen. Für dieſe Annahme ſpricht die Thatſache, daß der Gehalt des Bodens an Bakterien unter der Ackerkrume plötzlich abnimmt. Aber auch die übrigen, S. 47 unter 1 bis 6 angeführten Thatſachen kommen in Betracht, wenn es ſich darum handelt, den Unterſchied in der Fruchtbarkeit zwiſchen Obergrund und Unter⸗ grund zu erklären. Zur weiteren Beleuchtung der Untergrundsverhältniſſe können folgende Erfahrungen aus der landwirtſchaftlichen Praxis dienen. Es iſt ziemlich allgemein angenommener Grundſatz, die ſo ſehr erwünſchte Vertiefung der Ackerkrume nicht mit einem Ruck, ſondern nach und nach, Centimeter für Centimeter, in dem Maße vorzunehmen, wie der Vorrat an Stallmiſt oder Gründünger ſich vermehrt. Es gilt ferner als Regel, den aus dem Untergrunde heraufgeholten Mergel nicht ſofort unterzuackern, ſondern längere Zeit, nach der Vorſchrift der engliſchen Landwirte einen Winter und einen Sommer, in kleinen Haufen liegen zu laſſen, um ihn der Einwirkung des Froſtes, der Sonne, des Regens und der Luft aus⸗ zuſetzen. Es iſt ferner ratſam oder geradezu unerläßlich, den aus dem Torfbruch geholten, zur Melioration ſandigen oder thonigen Landes beſtimmten Moorboden, mit Kalk durchſchichtet, eine Zeit⸗ lang in Haufen ſtehen zu laſſen, damit er ſich zerſetzt, ehe er aus⸗ gebreitet und untergepflügt wird u. ſ. w Untergrund. 51 Aus dieſen und anderen Erfahrungen iſt zu entnehmen, daß dem„Rohboden“ des Untergrundes gewiſſe Mängel anhaften, von denen die Ackerkrume frei iſt, oder daß ihm gewiſſe Eigenſchaften oder Beſtandteile fehlen, mit denen die Ackerkrume ausgerüſtet iſt, daß er aber bei angemeſſener Behandlung und Verwendung ſehr wohl in„Kulturboden“ umgewandelt, unter gewiſſen Umſtänden ſogar dazu benutzt werden kann, die Ackerkrume in phyſikaliſcherzund chemiſcher Beziehung zu verbeſſern. Hierauf kommt es bei der Beurteilung des Untergrundes an. Wir haben uns alſo die Frage vorzulegen, ob das im Unter⸗ grund aufgeſpeicherte Material zur Vertiefung und Ver⸗ beſſerung der Ackerkrume herangezogen werden kann oder nicht. Bei felſigem, ſteinigem und kieſigem Untergrund wird dies in der Regel ausgeſchloſſen, bei erdigem Untergrund wird es in der Regel möglich ſein. Selbſt unfruchtbarer Sand kann zur Melioration benutzt werden, wie die Rimpauſchen Moorkulturen beweiſen. Sehr wertvoll iſt der Mergel. Am wenigſten dankbar iſt der zähe Thon. Im übrigen liegen die Verhältniſſe günſtiger, wenn die Grundmelioration durch Tiefpflügen(Rajolpflügen, Doppel⸗ pflügen, Spatpflügen) an Ort und Stelle ausgeführt werden kann, als wenn ſie einen Transport des ausgegrabenen Materials von einer Stelle zur anderen erfordert. Es iſt daher durchaus nicht gleichgültig, aus was für Material der Untergrund beſteht. Wir haben vielmehr bei einem mächtigen und wertvollen Untergrund zwei Landgüter über⸗ einander, denn wir können aus dem unteren holen, was dem oberen fehlt. Für den Haushalt der Pflanzen läßt ſich derſelbe Geſichtspunkt geltend machen. Es ſteht feſt, daß alle Kulturgewächſe die Haupt⸗ maſſe ihrer feinen Saugwurzeln im Obergrunde entwickeln und daß ſie demzufolge auch die Hauptmaſſe ihrer Nahrung aus dem Ober⸗ grunde beziehen. Es ſteht andererſeits aber ebenfalls feſt, daß nicht bloß die ſog. Tiefwurzler, ſondern auch die ſog. Flachwurzler einen Teil der Wurzeln bis zu bedeutender Tiefe(bis auf 1, 2 und mehr Meter) in den Untergrund hinabſenden, ſofern der Untergrund nicht unüberwindliche Hinderniſſe in den Weg ſtellt. Was holen die Pflanzen mit dieſen tiefgehenden 4* 52 Der ſenkrechte Schnitt oder das Profil. Wurzeln aus dem Untergrund? Wir können, ohne uns in weitläufige Auseinanderſetzungen einzulaſſen, einfach antworten, ſie holen das aus dem Untergrund, was ſie im Obergrund gar nicht oder doch nicht in ausreichender Menge finden, mag dies nun eigent⸗ licher Nahrungsſtoff ſein oder Waſſer.*) Es liegt auf der Hand, daß die Ernährung und Waſſer⸗ verſorgung der Pflanzen um ſo mehr geſichert iſt, je länger und zahlreicher ihre ſenkrechten und je länger und zahlreicher ihre wage⸗ *) Da der Obergrund in den allermeiſten Fällen reicher an Pflanzen⸗ nährſtoffen iſt als der Untergrund, ſo ſcheinen die tiefgehenden Wur⸗ zeln hauptſächlich den Zweck zu haben, Waſſer aus dem Unter⸗ grund zu ſchöpfen. Unter den landwirtſchaftlichen Kulturpflanzen hat die längſten Wurzeln die Luzerne. Dieſe Pflanze iſt bekanntlich ein aus⸗ gezeichneter Stickſtoffſammler. Folglich kann die alte Theorie, daß die tief⸗ gehenden Wurzeln die vom Boden nicht abſorbierbare Salpeterſäure aus dem Untergrunde heraufholen, für die Luzerne heutzutage nicht mehr auf⸗ recht erhalten werden. Die Luzerne und die übrigen verwandten Tief⸗ wurzler bedürfen als Stickſtoffſammler die Salpeterſäure des Untergrundes am wenigſten. Dagegen läßt ſich jener Theorie die andere gegenüberſtellen, daß die Luzerne ihre langen Wurzeln der natürlichen Zucht⸗ wahl und der Anpaſſung an den trockenen Standort verdankt. Die Luzerne ſtammt, wie ſchon ihr botaniſcher Name beſagt, aus Medien, das heißt aus einem heißen und trocknen Klima, wo die tiefgehenden Wurzeln für die Waſſerverſorgung der Pflanzen die allergrößte Bedeutung haben. Wenn der Boden bis zu einer Tiefe von beiſpielsweiſe 1 m ſo ſtark austrocknet, daß die Wurzeln ihm kein Waſſer mehr zu entziehen ver⸗ mögen, ſo müſſen alle Pflanzen, die nur 1 m lange Wurzeln haben, ver⸗ trocknen und abſterben und nur die Pflanzen, deren Wurzeln tiefer gehen, können ſich erhalten und zur Fortpflanzung gelangen. So kann die natür⸗ liche Zuchtwahl die langen Wurzeln der Luzerne und auch der übrigen Pflanzen zu ſtande gebracht und die tiefgehenden Wurzeln können demnach den Zweck haben, die Pflanzen zu befähigen, die Zeiten anhaltender Dürre zu überſtehen. Dabei iſt an die Unterſuchungen von Schulz⸗Lupitz zu erinnern, bei denen ſich ergeben hat, daß die Flachwurzler in der Folge nach tief⸗ wurzelnden Stickſtoffſammlern, namentlich in trockenen Jahren, höhere Er⸗ träge liefern, weil ſie, die Wege der Vorgänger benutzend, mit ihren Wurzeln tiefer in den Untergrund hineindringen und in Zeiten der Dürre ihren Be⸗ darf an Waſſer beſſer zu decken vermögen. — N — S 8 8 —.— ₰☛ Untergrund. 53 rechten Wurzeln ſind, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß ein tiefer Untergrund vor einem ſeichten für die Entwicklung der Pflanzen einen ebenſo großen Vorzug hat wie eine tiefe Ackerkrume vor einer flachen. Den beſten Untergrund, den ich jemals zu ſehen bekommen, habe ich in der Umgebung von Zürich beim Ausgraben der Kellererde für einen Neubau gefunden. Hier habe ich eine anſcheinend ganz gleich⸗ artige humushaltige Lehmſchicht von 1,20, ſtellenweiſe ſogar von 1,80 m gemeſſen, und erſt nachdem ich das Bodenprofil in größerer Ausdehnung bloßgelegt ſah, konnte ich die mir von früher bekannte ſtaunenerregende Produktionskraft des betreffenden Grundſtücks be⸗ greifen. Hier beſtand nicht bloß der Obergrund, ſondern auch der Untergrund aus Muttererde, deren Anhäufung im vorliegenden Fall entweder durch künſtliche Auffüllung oder durch die Thätigkeit der Regenwürmer oder durch die Zuſammenwirkung beider Vorgänge zuſtande gekommen war. In anderen Fällen ſind ähnliche Bodenbildungen unzweifelhaft ein Erzeugnis der Natur. Wir finden ſie in der Umgebung der Meere, Seen und Flüſſe, wo durch die von Zeit zu Zeit wieder⸗ kehrenden Überſchwemmungen eine Humusſchicht nach der andern unter dem abgeſetzten Schlamm begraben wird, ſo daß im Laufe der Jahrhunderte mächtige Ablagerungen eines humusreichen, gewöhn⸗ lich ſehr fruchtbaren, ſozuſagen unerſchöpfllichen Bodens entſtehen: Schwarzerde, Marſchboden, Aueboden. Weniger günſtig, aber auch nicht zu verachten ſind die Bodenbildungen, die etwas un⸗ beſtimmt als Torf⸗, Bruch⸗, Moor⸗, Moos⸗, Ried⸗ oder Wies⸗ land bezeichnet ebenfalls in großer Ausdehnung, Verbreitung und Mächtigkeit vorkommen. Die beſtimmtere Unterſcheidung, Beſchrei⸗ bung und Einteilung der Bodenarten folgt weiter unten. Hier handelt es ſich nur darum, mit einigen Beiſpielen die An⸗ forderung zu motivieren, daß die Unterſuchung des Bodens nicht auf den Obergrund beſchränkt, ſondern auch auf den Untergrund ausgedehnt werden muß.*) Zum mindeſtens bis *) Von der Durchläſſigkeit und Undurchläſſigkeit des Bodens, von dem Vorkommen von Schichten und vom Grundwaſſer iſt S. 42 ff. ſchon die Rede geweſen. —— ——õ—jxöõ—öööö 54 Das Gefüge oder die Struktur. auf 1 m Tiefe ſollte jeder Landwirt das Bodenprofil ſeiner ſämt⸗ lichen Grundſtücke kennen; wer es durchführen kann, ſein ganzes Areal oder wenigſtens alle intereſſanten Stellen bis auf 2 und 3 m abzubohren, wird manchen wichtigen Aufſchluß erhalten und manchen unerwarteten Schatz entdecken. II. Das Gefüge oder die Struktur des Bodens. Bei der Beurteilung der Lagerungsverhältniſſe haben wir im beſonderen auch das Gefüge oder die Struktur des Bodens ins Auge zu faſſen, worunter wir die Art und Weiſe verſtehen, wie die einzelnen Bodenbeſtandteile an⸗ und aufeinandergelagert und zu körperlichen Maſſen vereinigt ſind. Wir betrachten das Gefüge oder die Struktur nach den drei verſchiedenen Beziehungen, die ſich aus der Natur der Sache von ſelbſt ergeben, nämlich in Beziehung auf die Körnigkeit, Lückigkeit und Bündigkeit. 1. Die Körnigkeit des Bodens. Je nach der Größe und Geſtalt der ſichtbaren, feſten Boden⸗ beſtandteile und je nach dem Vorwalten des gröberen oder feineren Materials bezeichnen wir die Struktur des Bodens als a) grusartig, b) kiesartig, c) grandartig, d) grobkörnig, e) feinkörnig, f) ſtaubförmig, g) mollig. Anderweitige, die Struktur betreffende Ausdrücke ſind: h) ſteinig und ſteinfrei, i) gleichkörnig und ungleichkörnig, k) faſerig. a) Grusartig nennen wir die Struktur, wenn der Boden aus⸗ ſchließlich oder überwiegend aus unregelmäßig⸗eckigen Geſteins⸗ trümmern beſteht, deren Größe beträchtlich(über 2 mm), übrigens aber ſo verſchieden iſt wie ihre Form. Dieſe Art der Struktur finden wir nur bei dem Verwitterungsboden, alſo namentlich im eigentlichen Gebirgslande. Im Flachlande, wo es keine Felſen, alſo auch keinen Verwitterungsboden giebt, können uns die zerklopften Steine, die zur Beſchotterung der Kunſtſtraßen dienen, die grus⸗ artige Struktur veranſchaulichen. Noch beſſer werden wir uns die grusartige Struktur zum Bewußtſein bringen, wenn wir einen morſchen Stein eigenhändig mit dem Hammer zertrümmern und die te 1 Körnigkeit. 55 Bruchſtücke nicht nur genau beſichtigen, ſondern auch in die Hand nehmen und befühlen. b) Kiesartig iſt die Struktur, wenn der Boden größtenteils aus kleinen abgerundeten Steinen oder Geröllen beſteht, die die Größe der Walnüſſe, Haſelnüſſe, Erbſen und Wicken haben. Die Korngröße beträgt demnach 30— 2 mm; doch laſſen dieſe Maß⸗ zahlen namentlich nach oben einen weiteren Spielraum. Die kies⸗ artige Struktur kommt nur im Schwemmlande vor, wo die Kies⸗ ablagerungen, oft in einer Mächtigkeit von drei und mehr Metern anſtehend, teils als Flußbildungen, teils als Gletſcherbildungen, ſeltener im Ober⸗ als im Untergrunde vertreten ſind. c) Grandartig wird die Struktur genannt, wenn der Boden überwiegend aus 2——1 mm großen Körnern beſteht, die alſo die Größe der Raps⸗ und Senfkörner haben. Sind die Grandkörner, wie es zuweilen vorkommt, ſcharfkantig, dann haben wir es mit einem Verwitterungsprodukt(z. B. mit Granitgrand), ſind ſie, wie es gewöhnlich der Fall, glatt und abgerundet, dann haben wir es mit einer Schwemmlandsbildung(mit gemeinem Grand) zu thun. Im norddeutſchen Flachlande finden wir den Grandboden in größerer Ausdehnung, und von dorther habe ich den Begriff Grand. Den Grand als Perlſand zu bezeichnen, halte ich ſchon aus dem Grunde für verfehlt, weil die Perlen als Kunſterzeugnis eine ganz un⸗ beſtimmte Größe haben; es giebt Perlen, die ſo groß ſind wie Erbſen und Haſelnüſſe. Überdies iſt das Wort Grand kürzer und aus der Sprache des praktiſchen Lebens genommen. d) Grobkörnig iſt die Struktur, wenn der Boden überwiegend aus 1— ½ mm großen, meiſt abgerundeten Körnern beſteht, die in der Größe mit den Körnern von Mohn, Weißklee und Timothee übereinkommen. Dieſe Art der Struktur finden wir gewöhnlich im Schwemmlande; ſie kann aber auch bei der Verwitterung eines grobkörnigen Sandſteins zuſtande kommen. e) Feinkörnig heißt die Struktur, wenn der Boden über⸗ wiegend aus Körnern beſteht, deren Größe ½— ½ mm. beträgt. Bei dieſer Größe laſſen ſich die Körner mit bloßem Auge noch deutlich als Körner erkennen. Die Körner ſind meiſt glatt und abgerundet(Quarzſand, Kalkſand), zuweilen aber auch zum Teil —— ͦᷣõy 56 Das Gefüge oder die Struktur. blättrig(Glimmerſand), gewöhnlich dem Schwemmlandsboden, ſeltener f dem Verwitterungsboden angehörend. f) Staubförmig erſcheint die Struktur, wenn der Boden überwiegend aus Körnchen beſteht, deren Größe ⅞— ⅛ mm be⸗ trägt. Bei dieſer geringen Größe der Bodenbeſtandteile läßt uns das Auge mehr und mehr im Stich; Körnchen von G— o mm 1 können wir nicht mehr mit dem bloßen Auge, wohl aber noch mit 3 dem Gefühl oder Taſtſinn unterſcheiden. Der Boden fühlt ſich immer noch rauh an. Die ſtaubförmige Struktur zeigen uns gewiſſe Sandablagerungen, z. B. der Flugſand, der Tertiärſand der d Braunkohlenformation und der lehmige Sand des norddeutſchen Schwemmlandes. Auch der Lößboden, den einige für„ange⸗ ſchwemmt“, andere für„angeweht“ erklären, hat eine ſtaubförmige 1 1 Struktur. g) Mollig nennen wir die Struktur, wenn der Boden ſo fein zerteilt iſt, daß die Körnchen ſich weder mit dem bloßen Auge, noch mit dem Gefühl unterſcheiden laſſen. Zwiſchen den Fingern ge⸗ rieben, fühlt ſich derartiger Boden ſo weich oder ſo ſanft an wie Mehl oder Sammet. Aus dieſem Grunde ſcheint mir der Ausdruck mollig bezeichnend zu ſein. Wollen wir uns durch ſinnliche Wahrnehmung überzeugen, daß trotzdem Körnchen vorhanden ſind, ſo machen wir folgenden ein⸗ fachen Verſuch. Wir werfen einen kleinen Thonbrocken in ein Glas Waſſer und rühren einige Zeit kräftig um, bis ſich das Waſſer ge⸗ trübt hat. So laſſen wir das Glas etwa ½¼ Stunde lang ruhig ſtehen, damit die Thonbröckchen und Sandkörnchen ſich abſetzen. Dann nehmen wir mit einem reinen Glas⸗ oder Holzſtab aus dem oberen Teil des nur noch ſchwach getrübten Waſſers einen Tropfen auf eine Glasſcheibe(auf ein Stück Fenſterglas oder auf den Objekt⸗ träger eines Mikroſkops). Nachdem der Tropfen, der nur die ab⸗ ſchlämmbaren Thonteilchen enthält, eingetrocknet iſt, können wir ſowohl bei auffallendem als bei durchgehendem Lichte mit einer guten Lupe die Körnchen ſehen. Sie ſind allerdings ſo klein, daß wir ſie nur bei günſtiger Beleuchtung und bei recht aufmerk⸗ ſamer Betrachtung als Körnchen zu unterſcheiden vermögen. Steht uns ein Mikroſkop zur Verfügung, dann können wir die Körnchen deutlicher erkennen und mit einem Mikromillimeter⸗Maß⸗ ———— —.——— —9,—ͤ— ——— —— — Körnigkeit. 57 ſtab auch auf ihre Größe meſſen. Beim Töpferthon überſchreitet die Mehrzahl der Körnchen die Größe von 10 mm nicht, während die kleinſten der bei 600 facher Vergrößerung noch deutlich erkenn⸗ baren Körnchen die winzige Größe von ⁄1000 0ßmm zeigen. Die mollige Struktur finden wir ſowohl bei Schwemmlands⸗ wie bei Verwitterungsböden. Beiſpiele liefern uns außer den Thon⸗ und Thonmergelböden auch gewiſſe Kalk⸗ und Humusböden; mit einem Wort die Mollböden. h) Steinig und ſteinfrei.— Beſteht der Boden größtenteils, d. h. hier genauer zu 80% und darüber, aus ſteinigem Material, ſo könnten wir ihn zwar ſteinig nennen, wir werden dann aber lieber die unter a) und b) erklärten Ausdrücke grusartig und kiesartig gebrauchen, weil dieſe Ausdrücke beſtimmter und präg⸗ nanter ſind. Ein Boden, der mehr als 80% Steine enthält, iſt mehr als ein ſteiniger Boden, er iſt ein„Steinboden“. Steinig nennen wir die Struktur alſo dann, wenn Steine in der Bodenmaſſe ſich bemerklich machen, wenn ſie aber nicht den Hauptbeſtand des Bodens bilden, oder doch weniger als 80% des Geſamtbodens betragen. Das iſt z. B. im Diluviallehm und im Diluvialmergel gewöhnlich der Fall. Auch der Diluvialſand(Diluvial⸗ miſchſand) iſt gewöhnlich ſteinig. Ferner haben viele Verwitterungs⸗ böden eine ſteinige Struktur; ein Geſteinsgrus, der heute eine grusartige Struktur aufweiſt, kann infolge der Verwitterung nach zehn oder zwanzig Jahren eine ſteinige Struktur angenommen haben. Bei der kiesartigen Struktur kommt ein ähnlicher Über⸗ gang in die ſteinige Struktur ebenfalls vor, aber weniger infolge der Verwitterung, als infolge der Auf⸗ und Einſchlämmung von Feinerde. Wird z. B. eine Kiesablagerung von Thon überdeckt, ſo haben wir unten(in dem Kies) eine kiesartige Struktur, oben (in dem Thon) eine mollige Struktur, und in der Mitte(in dem Gemenge von Kies und Thon) eine ſteinige Struktur. Dieſes Beiſpiel zeigt zugleich, daß die Struktur auf dem ſenkrechten Schnitt des Bodens ſchichtenweiſe eine ganz verſchiedene ſein kann. Steinfrei werden wir demgegenüber die Struktur eines Bodens oder einer Bodenſchicht dann nennen, wenn die Steine gänz⸗ lich fehlen, oder doch nur ganz vereinzelt, als zufällige oder ungewöhn⸗ liche Beimengungen, vorkommen. Der Thon, der Löß, der Torf ——————oowooorͤöͤöͤöͤoͤoſͤſͤſͤſſſ 58 Das Gefüge oder die Struktur. ſind gewöhnlich ſteinfrei. Ebenſo der Tertiärſand, der Dünenſand und der Flugſand. Da die Steine das Gefüge des Bodens weſentlich beeinfluſſen, ſo haben wir in jedem Fall auf ihr Vorkommen und ihre Ver⸗ teilung genau zu achten. Näheres hierüber folgt weiter unten. i) Gleichkörnig und ungleichkörnig.— Genau genommen, iſt die Struktur bei allen in der Natur vorkommenden Boden⸗ bildungen ungleichkörnig. Mir iſt wenigſtens keine Boden⸗ bildung bekannt, in der die Körner ſämtlich gleiche Größe zeigen. Soll alſo der Begriff gleichkörnig in der Bodenkunde einen Sinn haben, ſo dürfen wir ihn nicht wörtlich nehmen. Gleichkörnig können wir die Struktur bei den Bodenarten oder Bodenſchichten nennen, in denen die Körner annähernd gleiche Größe haben. Der Löß hat z. B. eine gleichkörnige Struktur, weil er in der Hauptſache aus Sandkörnchen beſteht, die der Mehrzahl nach die Korngröße von S0— o mm aufweiſen, während die Steine und auch die gröberen Sandkörner gänzlich fehlen oder doch ſo ſehr zurücktreten, daß ſie ſich nicht bemerklich machen. Die Thonteilchen, die der Löß enthält, ſind allerdings viel feiner, aber durch ſie wird der Charakter der Gleichkörnigkeit nicht geſtört.— Aus ähnlichen Gründen hat der Thon ebenfalls eine gleichkörnige Struktur, denn im Thon ſind nur mikroſkopiſch feine Beſtandteile vertreten.— Auch grobkörnigere Bodenarten, wie Kies, grober und feiner Sand, können eine gleichkörnige Struktur haben, wenn die Körner in der Größe nicht ſehr differieren. Ungleichkörnig können wir dagegen die Struktur dann nennen, wenn die Beſtandteile des Bodens in der Korngröße auf⸗ fallend von einander abweichen. Ungleichkörnig iſt das Gefüge namentlich bei dem ge⸗ meinen Lehmboden, der ein Gemenge darſtellt von mikro⸗ ſkopiſch feinem Thon, grob⸗ und feinkörnigem Sand und außerdem oft auch noch von großen Geröllen oder Geſchieben, die die Struktur obenein noch ſteinig machen. Ungleichkörnig iſt ferner die Struktur bei dem lehmigen und mergeligen Grus⸗ und bei dem lehmigen und mergeligen Kiesboden; doch wird die Struktur bei dem bei Körnigkeit. 59 dieſen Bodenarten offenbar beſſer durch die eben gebrauchten Be⸗ nennungen charakteriſiert, als durch das Wort ungleichkörnig. Überhaupt werden wir gut thun, die Ausdrücke gleichkörnig und ungleichkörnig möglichſt zu vermeiden und ihre Anwendung auf die Fälle zu beſchränken, in denen etwas Beſonderes geſagt und betont werden ſoll. Wenn wir z. B. den Gegenſatz von Löß und Lehm hervorheben wollen, ſo können wir ſagen, der Löß iſt gleich⸗ körnig, der Lehm ungleichkörnig, dürfen dabei aber nicht überſehen, daß auch der Löß in Wirklichkeit ungleichkörnig iſt. k) Faſerig iſt eine beſondere, bei gewiſſen Bodenbildungen vorkommende Art der Struktur, die wir hier der Vollſtändigkeit wegen ſchließlich noch berühren. Wir finden ſie namentlich bei den oberen Schichten des Mooshumus und des Riedhumus, in denen die Faſern der abgeſtorbenen Moos⸗ und Riedpflanzen noch nicht in Erde, Moder oder Torf übergegangen, ſondern noch kennt⸗ lich vorhanden ſind. Vorübergehend kann auch der ſtrohige Stall⸗ miſt und der Gründünger die Struktur des Bodens faſerig machen. Von dieſen Ausnahmen abgeſehen, iſt die Struktur des Bodens immer körnig.— Wollen wir das Gefüge oder die Struktur des Bodens im all⸗ gemeinen verſtehen und begreifen lernen, ſo müſſen wir uns vor allen Dingen im beſonderen mit der Körnigkeit des Bodens ver⸗ traut zu machen ſuchen. Ein unentbehrliches Hülfsmittel hierbei iſt ein Siebſatz mit gebohrten Löchern von 2, 1, ½ und ¼ mm Maſchen⸗ weite. Ein anderweitiges praktiſches Hülfsmittel beſteht in der An⸗ legung einer Bodenſammlung, die die unter a) bis g) aufgeführten Strukturen umfaßt. Bei dem Wechſel der Bodenarten im Ober⸗ und Untergrunde läßt ſich eine ſolche Sammlung oft im Umkreis einer Stunde zuſammenbringen. Wenn aber auch die eine oder die andere Nummer der Struktur fehlt, ſo hat dies nicht viel zu ſagen. Die Hauptſache iſt, daß die Anlegung der Sammlung uns Gelegen⸗ heit bietet zur fleißigen Übung des Auges mit und ohne Lupe und ebenſo zur feineren Ausbildung des Gefühls⸗ oder Taſtſinns. Der Siebſatz dient dabei zur Kontrollierung unſerer Beſtimmungen. Haben wir uns auf dieſe Weiſe vorbereitet, dann wird es uns auch gelingen, in den Bodenarten mit verwickelter Struktur das Verhältnis zwiſchen dem gröberen und feineren Material ge⸗ ——— ——— ͤ 60 Das Gefüge oder die Struktur. nauer zu ſchätzen, ohne zu der zeitraubenden Schlämmanalyſe des A Bodens, auf die wir weiter unten zurückkommen, unſere Zuflucht zu ü nehmen. 31 Hier will ich die Aufmerkſamkeit noch auf eine Zerlegung des nd Bodens hinlenken, die trotz ihrer Einfachheit ſelbſt in ſchwierigen gen Fällen einen ausgezeichneten Überblick über die Bodenbeſtandteile und ihre Korngröße gewährt. Man verreibt auf einer Glasſcheibe ſe eine kleine Bodenprobe(ein Brocken von der Größe einer Erbſe ge⸗ 1 nügt) mit einem Borſtenpinſel und Waſſer möglichſt fein und du läßt das Waſſer verdunſten. Schon bei dem Verreiben wird man ſpüren, ob der Boden ausſchließlich aus feinen, oder ob er zum Teil ker aus gröberen Körnern beſteht, und wenn man nachher die Scheibe mit der Lupe betrachtet, ſo hat man die verſchiedenen Korngrößen me überſichtlich vor Augen. Macht man dasſelbe Experiment auf dem Objektträger eines Mikroſkopes, dann kann man die ver⸗ Le ſchiedenen Korngrößen auch meſſen. Man führe den Verſuch ver⸗ gleichend aus mit je einer Probe von Thon, Löß und Lehm, und wi man wird überzeugt ſein von der Zweckmäßigkeit dieſer einfachſten ſt aller Schlämmoperationen. . de 2. Die Tückigkeit des Bodens. ſch Aus der Körnigkeit folgt unmittelbar die Lückigkeit des Bodens. Legen wir eine Anzahl Bruchſteine mit unregelmäßigeckiger Form oder eine Anzahl Feldſteine mit abgerundeter Form auf einen Haufen, ſo berühren ſich die Steine nicht allſeitig und überall, rit ſondern nur an gewiſſen Punkten, und es bleiben Lücken oder Hohl⸗ tin räume zwiſchen den Steinen. Denken wir uns die Steine kleiner en und kleiner werdend, wie Kies, Grand, Sand, ſo werden auch die ve Lücken kleiner und kleiner, aber die Lücken verſchwinden nicht, ſelbſt cbe dann nicht, wenn die Steine oder Geſteinsfragmente ſo klein werden, vi daß wir ſie nur mit dem Mikroſkop als Körner oder Einzelkörper zu unterſcheiden vermögen. L Aus dieſer einfachen Betrachtung ergiebt ſich, daß jeder Boden, bn auch der feinſte und ſcheinbar dichte, Lücken oder Hohlräume ent⸗ 1 hält, die in der freien Natur ſelbſtverſtändlich nicht leer, ſondern— mit Luft, oder mit Waſſer, oder mit Waſſer und Luft gefüllt ſind. Es ergiebt ſich weiter, daß die Zahl, Größe und Form der nnd inen rall, ohl⸗ einer ſelbſt erden, örper Zoden, e ent⸗ ondern tſind. m der Lückigkeit. 61 Lücken ſich nach der Zahl, Größe und Form der Bodenbeſtandteile richten muß. Je grobkörniger der Boden iſt, deſto größer und weniger zahlreich ſind ſeine Hohlräume, je feinkörniger er iſt, deſto kleiner und zahlreicher ſind ſie. Die Form der Hohlräume iſt im all⸗ gemeinen unregelmäßig. Großlückig wird daher die Struktur ſein bei den Grus⸗, Kies⸗, Grand⸗ und grobkörnigen Sandböden, und zwar um ſo aus⸗ geſprochener, je reiner ſie ſind d. h. je weniger Mollgeſtein dem Durgeſtein beigemengt iſt. Feinlückig wird dagegen die Struktur ſein bei den fein⸗ körnigen und ſtaubförmigen Böden: Tertiärſand, Löß ꝛc. Dicht(d. h. ſcheinbar dicht) wird die Struktur ſein bei den molligen Thon⸗ und Thonmergelböden.*) Ungleichlückig wird die Struktur ſein bei dem ungleichkörnigen Lehmboden. Kurz, wenn wir die Körnigkeit des Bodens kennen, ſo wiſſen wir auch, wie ſich die Lückigkeit des Bodens im allgemeinen ge⸗ ſtalten wird. Kapillare Poren und nicht kapillare Hohlräume.— In Bezug auf die Größe der Lücken hat man im beſonderen zu unter⸗ ſcheiden: a) kapillare Poren, b) nicht kapillare Hohlräume. a) Unter kapillaren Poren verſteht man die ganz kleinen, mit bloßem Auge und auch mit der Lupe nicht ſichtbaren Hohl⸗ räume des Bodens, in denen das Waſſer, ähnlich wie in den Poren eines Schwammes, durch Adhäſion hängen bleibt, und in denen es, wenn ſie in Verbindung ſtehen, durch Kapillarität von unten nach oben aufſteigt, ähnlich wie der Kaffee in einem Stück Zucker oder wie das Ol in einem Lampendocht. b) Die nicht kapillaren Hohlräume ſind die größeren Lücken des Bodens, durch die das Waſſer, dem Zuge der Schwer⸗ kraft folgend, hindurchläuft oder hindurchfällt. Eine ſcharfe Grenze zwiſchen den kapillaren und den nicht kapillaren Hohlräumen beſteht *) Werden die Thonteilchen vom Waſſer durchtränkt, ſo quellen ſie auf, und dadurch wird das Gefüge des Bodens um ſo dichter. — 1 I —yyrͤ 62 Das Gefüge oder die Struktur. jedoch nicht; auch in den größeren Hohlräumen wird eine geringe Waſſermenge durch Flächenanziehung an der Oberfläche der Boden⸗ teilchen zurückgehalten. Kapillarität.— Im Laboratorium pflegt man die Kapillarität, die eigentlich nicht eine beſondere Kraft, ſondern nur eine beſondere Erſcheinung anderer allgemeiner Kräfte iſt, mit feinen Glasröhren und einer gefärbten Flüſſigkeit zu demonſtrieren. Es läßt ſich leicht zeigen, daß die Flüſſigkeit um ſo höher ſteigt, je enger die Röhren ſind, und ferner auch, daß engere Kapillarröhren den weiteren die Flüſſigkeit zu entziehen vermögen, aber nicht umgekehrt. Dieſelben Vorgänge finden im Boden ſtatt. Im Thon⸗ und Humusboden ſteigt das Waſſer durch Kapillarität höher, als im Sandboden; in reinem Kies, dem die kapillaren Poren fehlen, kann von einem kapillaren Aufſteigen gar keine Rede ſein. Walzen wir den Boden, ſo wird die obere, dichtere, mit engeren Kapillaren verſehene Schicht den unteren Schichten das Waſſer entziehen; lockern wir dagegen den Boden oberflächlich, ſo wird die gelockerte Schicht die unteren gegen das Austrocknen ſchützen, weil der Kapillaritätsſtrom unter⸗ brochen iſt u. ſ. w. Die kapillare Hubhöhe iſt im Torf⸗ und Moorboden weit⸗ aus am größten, ſie erreicht hier 5— 6 m. Im Thonboden beträgt ſie nur 1,00— 1,25 m, im Lehmboden 0,45— 0,60 m, im Sand⸗ boden 0,25— 0,30 m. Immerhin kann den Pflanzenwurzeln in Böden mit engen Hohlräumen durch Kapillarität eine gewiſſe Menge Waſſer aus dem Untergrunde zugeführt werden. Sättigung und überſättigung des Bodens.— Wichtiger iſt jedenfalls, wie ſich der Boden gegen den Regen verhält, der die Pflanzen hauptſächlich mit Waſſer verſorgt. Dabei ſpielen die kapillaren und die nicht kapillaren Hohlräume eine beſondere Rolle. Wie ſie wirken, darüber können wir uns im kleinen durch folgenden einfachen Verſuch unterrichten. Wir nehmen einen gefüllten Blumen⸗ topf, am beſten einen ſolchen, der ſeit längerer Zeit nicht mehr be⸗ nutzt worden, ſo daß die Erde ſich im geſackten und ausgetrockneten Zuſtande befindet. Benetzen wir die Oberfläche tropfenweiſe nach und nach mit Waſſer, ſo wird die Erde das Waſſer begierig ein⸗ ſchlucken, und wir werden zugleich Luftblaſen aufſteigen ſehen, weil das ſchwerere Waſſer die leichtere Luft aus den Hohlräumen des Lückigkeit. 63 Bodens verdrängt, um ſich ſelbſt hineinzuſetzen. So können wir eine beträchtliche Waſſermenge aufgießen; die Erde wird feucht, jedoch nicht naß erſcheinen. Endlich kommt aber ein Zeitpunkt, wo die Näſſe ſich auf der Oberfläche zeigt, und gleichzeitig fängt das Waſſer an, unten durch die Offnung des Blumentopfes abzutropfen In dieſem Zeitpunkt iſt der Boden mit Waſſer geſättigt, d. h. ſämtliche kapillare Poren des Bodens, Schicht für Schicht von oben bis unten, ſind mit Waſſer gefüllt, während die größeren, nicht kapillaren Hohlräume immer noch Luft enthalten. Kommt nach der Sättigung noch mehr Waſſer hinzu, ſo verſinkt es, unten ablaufend, durch die nicht kapillaren Hohlräume, und indem es verſinkt, füllen ſich die leergewordenen Hohlräume ſofort wieder mit Luft. Ganz ähnlich geſtalten ſich die Verhältniſſe in der freien Natur bei einem normalen Boden mit durch läſſigem Untergrunde. Stopfen wir jetzt das Loch am Boden des Blumentopfes zu und gießen wir nach und nach noch mehr Waſſer auf, ſo werden ſich Schicht für Schicht von unten nach oben auch die nicht kapillaren Hohlräume mit Waſſer füllen und der Boden wird mit Waſſer überſättigt. Überſättigt iſt der Boden alſo dann, wenn nicht nur die kapillaren Poren, ſondern auch die nicht kapillaren Hohlräume mit Waſſer gefüllt ſind. Der Blumentopf mit dem zugeſtopften Abzugsloch veranſchaulicht uns im kleinen die Verhältniſſe eines fehlerhaften Bodens mit undurchläſſigem Untergrunde. Dieſer Verſuch zeigt zugleich, daß auch ein an und für ſich durchläſſiger Boden an Näſſe leiden kann, nämlich dann, wenn er auf einem undurchläſſigen Untergrund ruht. Durchläſſigkeit.— Die Art oder der Grad der Durchläſſigkeit im Ober⸗ und Untergrund hängt natürlich ab von der Art oder dem Grad der Lückigkeit. Die großlückigen Bodenarten oder Boden⸗ ſchichten ſind leicht durchläſſig, die feinlückigen ſind mäßig durchläſſig, die dichten ſind ſchwer durchläſſig bis undurch⸗ läſſig. Gewöhnlich macht man nur zwei Abteilungen, indem man die Durchläſſigkeit der Undurchläſſigkeit gegenüberſtellt, und man kann kurz ſagen: die Durchläſſigkeit beruht auf dem Vor⸗ handenſein, die Undurchläſſigkeit auf der Abweſenheit von nicht kapillaren Hohlräumen. Um Wiederholungen zu vermeiden, verweiſen wir auf S. 43, und fügen nur noch bei, daß 0 —— 3 ———C——õuu———n — V V 64 Das Gefüge oder die Struktur. die Röhren, die die Regenwürmer bohren, und die Kanäle, die die verweſenden Wurzeln zurücklaſſen, weſentlich dazu beitragen, die Durchläſſigkeit, namentlich der feinlückigen und dichten Böden, günſtiger zu geſtalten.*) Waſſerkapazität.— Bei der Waſſerkapazität handelt es ſich um die Beantwortung der Frage: Wieviel Waſſer vermag der geſättigte Boden in ſeinen kapillaren Poren zu faſſen und feſtzu⸗ halten, ohne es tropfenweiſe fahren zu laſſen? Wiſſenſchaftliche Unterſuchungen über dieſen Gegenſtaud hat zuerſt G. Schübler ausgeführt, der die Waſſerkapazität(oder die waſſerhaltende Kraft, wie er es nannte) ſowohl dem Gewicht wie dem Volumen nach vergleichend bei den einzelnen Hauptbeſtand⸗ teilen des Bodens und auch bei mehr oder weniger mannigfach zu⸗ ſammengeſetzten Bodenarten beſtimmte. Die nachſtehende Tabelle enthält einen Auszug der von Schübler mitgeteilten, grundlegenden Zahlen. (Siehe Tabelle S. 65.) Von den Bodenbeſtandteilen beſitzt der Sand die geringſte Waſſerkapazität, man mag ihn dem Gewicht oder dem Volumen nach mit den anderen Bodenbeſtandteilen vergleichen. Bei dem reinen Kies, den Schübler nicht unterſuchte, iſt die Waſſerkapazität noch geringer, als bei dem Sand. Bei dem Sand ſelbſt zeigt ſich die Waſſerkapazität je nach der Feinheit des Kornes verſchieden; bei grobkörnigem Sand und Grand kann ſie ſich nach Schübler bis gegen 20% vermindern, während ſie ſich bei ſehr feinkörnigem bis gegen 40%(dem Gewichte nach) erhöhen kann. Die kohlenſaure Kalkerde zeigt je nach der Feinheit ihres Korns ebenfalls große Verſchiedenheiten in ihrer Waſſerkapazität. Bei dem reinen Thon ſteht die Waſſerkapazität hoch, jedoch nicht höher, als bei ſehr fein zerteiltem Kalk; bei den Gemengen von Thon und Sand fällt die Waſſerkapazität mit dem Sandgehalt. Der Humus hat unter den gewöhnlichen Bodenbeſtandteilen *) In einem Vortrag, der in Nr. 15 und 16 des„Schweiz. landw. Centralblattes“ 1890 unter dem Titel„Der Regenwurm als Gehülfe der Bodenkultur“ veröffentlicht wurde, habe ich ausführlicher über dieſen Gegenſtand geſprochen. Lückigkeit. 65 die größte Waſſerkapazität; jedoch iſt der Unterſchied zwiſchen den Prozentzahlen, die ſich auf das Volumen beziehen, bei weitem Waſſerkapazität . nach nach odenarten Gewicht Volumen %% Quarzſand.......... 25 37,9 Kallſand 29 44,1 Feine Kalkerde*)......... 85 66,1 Thon mit 45, Sand.... 40 51,4 Thon mit 24% Sand...... 50 57,3 Thon mit 10% Sand....... 61 62,9 Reiner grauer Thon**)...... 70 66,2 Weißer Thon, liejenerde)..... 87 66,0 Humus?*)....... 181 69,8 Gartenerde).......... 89 67,3 Ackererde*)......... 52 57,3 *) Über die Bodenproben, die Schübler bei ſeinen Unterſ ſuchungen benutzte, macht er folgende Bemerkungen. Die feine, pulverförmige, kohlenſaure Kalkerde, aus gebranntem Kalk erhalten, war durch 6 Jahre langes Liegen an der Luft wieder in vollkommen kohlenſauren Zuſtand übergegangen. Der reine, graue, gewöhnliche Thon beſtand aus 58% gieſelerde, 36,2% Thonerde und 5,8% Eiſenoxydul. Der weiße Thon, die ſog. Pfeifenerde, iſt eine der reinſten natür⸗ lichen Thonarten. Als Humus wurde zu dieſen Unterſuchungen jedesmal die tieriſch⸗ vegetabiliſche Humusſubſtanz genommen, die ſich auf die Vegetation vor⸗ züglich wirkſam zeigt. Die fruchtbare, ſchwarze Gartenerde beſtand aus 52,4% Thon, 36,5% Quarzſand, 1 8% Kalkſand, 2,0% Kalkerde und 7,2% mildem Humus und organiſchen Üüberreſten. Die Ackererde beſtand aus 51,1% Thon, 42,7% Quarzſand, 0,4% Kalkſand, 2,3% Kalkerde und 3,4% mildem Humus mit organiſchen Überreſten. G. Schübler, Grundſätze der Agrikultur⸗Chemie, 2. Auflage, 1838. Nowacki, Bodenkunde. 3. Auflage. 5 Das Gefüge oder die Struktur. nicht ſo groß, wie zwiſchen den auf das Gewicht bezüglichen Zahlen, weil der Humus, auf der Wage gewogen, ſehr leicht iſt. Bei der Gartenerde und der Ackererde, die ein Gemenge von Sand, Thon, Kalk und Humus darſtellten, fand Schübler, wie die Zahlen der Tabelle zeigen, eine höhere Waſſerkapazität, als ſich nach den einzelnen Beſtandteilen erwarten läßt, und dies iſt offenbar darauf zurückzuführen, daß ſich die feinen Bodenbeſtandteile in die Lücken der größeren lagern und ſo die Zahl der kapillaren Poren vermehren. Aus den Schüblerſchen Unterſuchungen geht ſo viel mit aller Beſtimmtheit hervor, daß die Waſſerkapazität zu der Körnig⸗ keit und Lückigkeit des Bodens in der innigſten Be⸗ ziehung ſteht. Je feiner das Korn und je feiner und zahlreicher die kapillaren Poren, deſto höher die Waſſer⸗ kapazität. Schübler veröffentlichte ſeine„Grundſätze der Agrikultur⸗ Chemie“, die im zweiten Teil„Agronomie“ die phyſikaliſchen Unter⸗ ſuchungen des Bodens enthalten, ums Jahr 1830, denn in der mir vorliegenden, von K. L. Krutzſch herausgegebenen zweiten Auflage vom Jahre 1838 wird in dem Vorwort bemerkt, daß die erſte Auflage vor 8 Jahren erſchien. Später iſt dann von anderer Seite mit beſonderem Nachdruck betont worden, daß die Waſſerkapazität nicht auf das Gewicht, ſondern auf das Volumen bezogen werden müſſe. Die hiſtoriſche Gerechtigkeit erfordert zu konſtatieren, daß Schübler die Waſſer⸗ kapazität(waſſerhaltende Kraft) nicht nur dem Gewicht, ſondern auch dem Volumen nach beſtimmte und zwar nach beiden Be⸗ ziehungen mit großer Genauigkeit. Beſtimmung der Waſſerkapazität nach Schübler. a) Dem Gewicht nach. „Die waſſerhaltende Kraft einer Erde, ſo lauten Schüblers Worte, läßt ſich auf folgende Art finden: Man nimmt 400 Gran) der zu unterſuchenden Erde und trocknet ſie in einer Temperatur von etwa 50° R., bis ſie nichts mehr an Gewicht verliert. Um unter *) 16,104 Gran= 1 Gramm. 400 Gran ſind daher rund 25 Gramm. ers n') tur nter mm. Lückigkeit. 67 ſich vergleichbare Reſultate zu erhalten, iſt es zweckmäßig, den Ver⸗ ſuch mit nahehin gleichen Quantitäten der Erde in ihrem feinen Zu⸗ ſtand anzuſtellen, jedesmal etwa mit 400 Gran oder etwa mit 1 Kubikzoll, indem bei großen Erdquantitäten das Gewicht der Erde ſelbſt ein Ausdrücken einer größeren Menge Waſſer veranlaßt, und man daher für dieſelbe Erde verſchiedene Reſultate erhalten könnte. „Man bringt dieſe getrocknete Erde auf ein rundes, aus ungeleimtem Druckpapier beſtehendes Filtrum, das man zuvor im durchnäßten Zuſtande gewogen und in einen Glastrichter oder auf eine über einen Rahmen geſpannte Leinwand(Fig. 6) gelegt hat; dies iſt vorzuziehen, indem das aufzugießende Waſſer leichter ab⸗ fließen kann, und es auch leichter gelingt, das durchnäßte Papier⸗ filtrum von dem Tuch in die Höhe zu heben, ohne es zu zerreißen. „Man gießt nun der auf dem Filtrum liegenden Erde ſo lange deſtilliertes Waſſer— oder Regenwaſſer zu, bis ſie völlig durch⸗ 4 näßt iſt, und bringt ſie nun in dieſem durchnäßten Zuſtande, ſobald von dem zu⸗— gegoſſenen Waſſer keine Tropfen mehr Pig. g. abfließen, mit dem Filtrum auf die Wage und beſtimmt ihr Gewicht, woraus ſich durch eine einfache Rechnung die Menge des abſorbierten Waſſers und ihre waſſerhaltende Kraft nach Prozenten finden läßt. Das Gewicht der trockenen Erde ſei... 400 Gran Das Gewicht des naſſen Filtrums... 110„ Summa beider 510 Gran Das Gewicht der mit Waſſer geſättigten Erde mit dem Filtrum..... 706„ ſo beträgt die Menge des abſorbierten Waſſers 196 Gran. „Da 400 Gran dieſer Erde 196 Gran Waſſer abſorbierten, ſo werden 100 Gran 49 zurückhalten(400: 100= 196:„), und die waſſerhaltende Kraft dieſer Erde wird ſich daher durch 49 aus⸗ drücken laſſen. „Sollte die auf dem Filtrum liegende Erde die Feuchtigkeit nur ſchwer und ungleichförmig in ihre Zwiſchenräume aufnehmen, ſo iſt es beſſer, die Erde in ihrem trockenen, zuvor gewogenen Zuſtand in einem gläſernen Gefäß(oder in einer Porzellanſchale) mit Waſſer 5* 1— — — —⸗—x—⸗———⸗⸗⸗———⸗xxxxxꝛxꝛr——86ͦℳͤ 68 Das Gefüge oder die Struktur. anzurühren und ſie nun aus dieſem Gefäß nach und nach auf das 6 Filtrum zu bringen. f V„Enthält eine Erde viel Humus, ſo kann es zweckmäßig ſein, r die friſch vom Felde genommene Erde ſogleich auf dem Filtrum völlig mit Waſſer zu benetzen und ſie erſt nachher vollkommen aus⸗ I zutrocknen, indem der Humus, nach dem eben Erwähnten, die f Eigenſchaft hat, weniger Waſſer aufzunehmen, wenn er einmal völlig ausgetrocknet wurde. „Bei Erdarten, die nur wenige Prozente Humus ent⸗ 1 halten, wie es bei den meiſten Ackererden der Fall iſt, kann ſich f jedoch die waſſerhaltende Kraft dadurch nur ſehr wenig verändern; 6 E vielmehr wird man durch das oben angeführte Verfahren weit über⸗ 3 einſtimmendere Reſultate erhalten, indem es nur bei zuvor aus⸗ 1 getrockneten Erden möglich iſt, mit gleichen Quantitäten Erde den Verſuch anzuſtellen, und thonreiche Erden ſelbſt eine verſchiedene Menge Waſſer aufnehmen, je nachdem ſie zuvor in ihrem durch⸗ 3 näßten Zuſtand einem verſchiedenen Druck und verſchiedener Behand⸗ b lung ausgeſetzt waren; Verſchiedenheiten, die ſich nur durch vorher⸗ 6 gehendes Trocknen und Pulveriſieren aufheben laſſen. 2 b) Dem Volumen nach. 3 „In agronomiſcher Beziehung iſt es zugleich von Wichtigkeit, 1 zu wiſſen, wieviel Waſſer ein beſtimmtes Volumen Erde in ſich— nehmen kann, wodurch ſich oft die Waſſermenge richtiger beurteilen 3 läßt, die die Pflanzen aus einem beſtimmten Raum abſorbieren— können. 1 „Dieſe Beſtimmung läßt ſich jedesmal leicht aus der dem Gewicht nach beſtimmten waſſerhaltenden Kraft und dem 1 Gewicht eines beſtimmten Volumens der Erde im naſſen 3 (d. h. mit Waſſer geſättigten) Zuſtand finden.*) Man habe die waſſerhaltende Kraft des Quarzſandes= 25%, und das Gewicht 3 — d *)„Es könnte ſcheinen, daß ſich dieſe Beſtimmung durch die bloße G Gewichtsv ergleichung eines Kubikzolls trockener und naſſer Erde oder aus d dem abſoluten Gewicht eines Volumens der trockenen Erde und der waſſer⸗ d haltenden Kraft finden laſſe; man erhält jedoch auf dieſe Art kein richtiges 3 Reſultat, weil ſich viele, vorzüglich thon⸗ und humusreiche Erden beim Austrocknen bedeutend zuſammenziehen, ein Kubikzoll trockener Erde nimmt im naſſen Zuſtand gewöhnlich einen größeren Raum ein“(Schübler). Lückigkeit. 69 eines Kubikzolls im naſſen(geſättigten) Zuſtand zu 605 Gran ge⸗ funden: ſo werden, da 100 Gran dieſes Sandes 25 Teile auf⸗ nehmen, die 605, die einen Kubikzoll bilden, 121 Gran aufzunehmen im ſtande ſein(125: 25= 605.: x und x= e= 121), woraus ſich leicht die waſſerhaltende Kraft dem Volumen nach finden läßt. 1 pariſer Kubikzoll Waſſer enthält 1728 par. Kubik⸗ linien und wiegt 319,14 Gran; die 121 Gran Waſſer, die in 1 Kubikzoll Sand enthalten ſind, werden alſo einen Raum von 655 Kubiklinien einnehmen, oder die waſſerhaltende Kraft dieſes Sandes dem Volumen nach wird 37,9% betragen(1728: 655= 5 500 65 50- 37,9).“*) 100: x, und x= 1728 Ich habe die Worte Schüblers ausführlich wiedergegeben, um dem Begründer der Bodenphyſik Gerechtigkeit widerfahren zu laſſen, und dann auch aus dem Grunde, weil ſeine Methode der Waſſerkapazitätsbeſtimmung dem Gewicht und dem Volumen nach — ſelbſtverſtändlich mit Benutzung des neuen Maß⸗ und Ge⸗ wichtsſyſtems— noch heute brauchbar iſt und an Genauigkeit nichts zu wünſchen übrig läßt. Kritik der von Heinrich vorgeſchlagenen„Feldprob e“.— In neuerer Zeit hat R. Heinrich,**) der, wie er ſelbſt bemerkt, die Arbeiten Schüblers im Original nicht kannte, den Vorſchlag gemacht, die Sättigung des Bodens zum Zweck der Waſſerkapazitäts⸗ Beſtimmung nicht im Laboratorium, ſondern auf dem Felde vor⸗ zunehmen. Das Durchtränken des„in ſeiner natürlichen Lagerung“ gelaſſenen Bodens ſoll mit einem ſiebförmigen Gefäß von 20 cm Weite und 40 cm Höhe geſchehen, und die Entnahme der Boden⸗ probe zur Waſſerbeſtimmung ſoll erſt 18— 24 Stunden nach dem Durchtränken erfolgen. Das Durchtränken iſt aus naheliegenden Gründen nur ausführbar bei der oberſten Schicht des Bodens, bei der Ackerkrume, und auf ſie will Heinrich die Beſtimmungen der Waſſerkapazität auch ausſchließlich beſchränken. *) Weiter unten folgt ein Beiſpiel für die Berechnung nach dem neuen Maß⸗ und Gewichtsſyſtem. *) R. Heinrich, Grundlagen zur Beurteilung der Ackerkrume, 1882. ——— —— ¼ — — — — Das Gefüge oder die Struktur. Das empfohlene Verfahren kann aber, abgeſehen von ſeiner Umſtändlichkeit, keine gleichmäßigen und zuverläſſigen Reſultate liefern, worauf Schübler mit Recht ſo großen Wert legt. Wann ſoll man die Durchtränkung der Ackerkrume vornehmen? Vor dem Pflügen, oder nach dem Pflügen? Vor der Düngung, oder nach der Düngung? Vor dem Regen, oder nach dem Regen? In der Roggenſtoppel, oder in der Kleeſtoppel, oder auf dem abgeernteten Kartoffelfelde? Die Struktur der Ackerkrume verändert ſich fortwährend, und demgemäß müſſen auch die Beſtim— mungen der Waſſerkapazität auf ein und demſelben Grundſtück, ſelbſt bei gleichmäßigem Untergrund, je nach der Zeit und den Unmſtänden verſchieden ausfallen. Die Ergebniſſe der Verſuche, die Heinrich ſelbſt ausgeführt hat, ſprechen viel mehr gegen als für die von ihm vorgeſchlagene Methode. Er fand, daß 100 Teile Trockenſubſtanz eines Sand⸗ bodens A zurückhielten: Sandboden A a) nach der Laboratoriumprobe= 28,2 Teile Waſſer b) nach der Feldprobe dagegen nur= 10,1„„ Wie ſoll man dieſen auffallenden Unterſchied anders erklären, als durch die Annahme, daß der Boden bei der Laboratoriumprobe wirklich mit Waſſer geſättigt war, bei der Feldprobe dagegen nicht? In den 18—24 Stunden, die Heinrich verſtreichen läßt, ehe er die Bodenprobe vom Felde zur Waſſerbeſtimmung entnimmt, verliert der Boden einen Teil, der Sandboden den größeren Teil des zu ſeiner Sättigung erforderlichen Waſſers, auch wenn die durchtränkte Stelle„mit einem Brett oder ſtarken Papier“ bedeckt iſt. Ein Sandboden B, den Heinrich in der angedeuteten Weiſe mit Waſſer behandelte, ergab(auf 100 Gewichts⸗Teile Trocken⸗ ſubſtanz des Bodens berechnet) folgenden Waſſergehalt: Sandboden B Sofort nach der Sättigung entnommen 24,0 Gew.⸗Teile. 2 Stunden darauf...... 15,4„ 6„„...... 8,9„ 17„„...... 8,9„ 24 8,1„ —————„—— Lückigkeit. 71 Wie dieſe Zahlen zeigen, verlor der Sandboden B in den erſten 6 Stunden nach ſeiner Sättigung den größten Teil ſeines Waſſers. Von der 6. bis zur 17. Stunde(in der Kühle der Nacht?) blieb der Waſſergehalt konſtant. Von der 17. bis zur 24. Stunde ging der Waſſergehalt wieder ein wenig zurück. In welcher Stunde nach ſeiner Durchtränkung enthielt nun dieſer Boden„die ſeiner Kapazität entſprechende Waſſermenge?“ Die Zahlen laſſen die Antwort auf dieſe Frage zweifelhaft. Nehmen wir nach der Vor⸗ ſchrift Heinrichs die Zeit zwiſchen der 17. und 24. Stunde als die maßgebende an, ſo kommen wir auf die zwiſchen 8,9 und 8,1 liegende Zahl 8,5. Stellen wir dieſe Zahl der höchſten bei dem⸗ ſelben Boden gefundenen Zahl 24,0 gegenüber und vergleichen wir dieſe beiden Zahlen mit den bei dem Sandboden A ermittelten Zahlen, ſo erhalten wir folgende, ſehr annähernd richtige Proportion: Sandboden A Sandboden B 28,2: 10.1 5 24,0: 8,5. Daraus ziehen wir den Schluß, daß der Sandboden B bei der Laboratoriumprobe eine Waſſerkapazität von 24,0 ergeben haben würde, das iſt gerade ſo viel, wie er bei der Feldprobe ſofort nach der Sättigung wirklich ergab. Unter dieſer Vorausſetzung kam bei dem vorliegenden Sandboden die Laboratoriumprobe und die Feldprobe auf dasſelbe Reſultat hinaus. Bei thonigem oder humushaltigem Boden dürfen wir aber die Waſſerbeſtimmung jeden⸗ falls nicht ſofort nach der Durchtränkung des Bodens vornehmen, und da die Zeit, wann die normale Sättigung eintritt, nicht be⸗ ſtimmbar iſt, ſo iſt die von Heinrich empfohlene Feldprobe nicht anwendbar. Der weſentliche Unterſchied zwiſchen der Feld⸗ und der Laboratoriumprobe beſteht eben darin, daß wir im Laboratorium den Zeitpunkt der Sättigung an dem Aufhören des Ab⸗ tropfens genau feſtſtellen können, auf dem Felde dagegen nicht. Zur Erklärung der großen Differenzen zwiſchen der Laboratorium⸗ probe und der Feldprobe kann ferner ein dritter intereſſanter Ver⸗ ſuch dienen, den Heinrich ausgeführt und mit folgenden Worten beſchrieben hat:„Man nehme zwei Glasröhren, ca. 1 cm im Durch⸗ meſſer und 1—2 m lang; die eine fülle man mit ſandigem Boden, die andere mit Thonboden. Jetzt übergieße man in beiden Röhren die Erdproben mit Waſſer, bis ſie von oben bis unten vollſtändig — 72 Das Gefüge oder die Struktur. durchfeuchtet ſind, und laſſe ſie ſo lange ſtehen, bis ſie nicht mehr abtropfen. Die Zeit, die hierzu nötig, iſt für den Sand nur kurz; der Thon dagegen nimmt eine ſehr lange Zeit in Anſpruch. Damit die oberſten Schichten der Erdſäulen während des Abtropfens durch Verdunſtung nicht weiter austrocknen, ſorgt man dafür, daß die Erde nur bis 10 cm unter das obere Ende der Glasröhre reicht; außer⸗ dem verſtopfe man das Ende der Röhren zur Verhütung des Luft⸗ wechſels mit Wolle. Nachdem die Erdſäulen vollſtändig abgetropft haben, werden die Glasröhren in Stücke zerſchnitten und der Feuchtigkeitsgehalt in den verſchiedenen Höhen der Erdſäulen be⸗ ſtimmt.“ Bei der Ausführung ergab ſich auf je 100 g Trockenſubſtanz der Erdarten folgender Waſſergehalt: Höhe der Bodenſchicht Sandboden*) Thonboden*) von unten g g 0— 3 cm 20,3— 50,7 15— 18„ 17,3 52,3 30— 33„ 15,9 46,9 45— 48„ 13,6 45,8 60— 63„ 11,9 44,4 75— 78„ 11,3 43,0 90— 93„ 8,6 39,6 Das Bemerkenswerte in den vorliegenden Zahlenreihen iſt das, daß der Waſſergehalt ſowohl im Sandboden wie im Thonboden(mit einer vermutlich auf einem Verſuchsfehler be⸗ ruhenden Ausnahme) von oben nach unten zunimmt. Auf was für eine Urſache dies zurückzuführen, hat Heinrich nicht an⸗ gegeben. Die Urſache liegt, wie ich glaube, in der Kaplllarität. Denken wir uns die Verſuchsröhren, anſtatt mit Erde, mit einer großen Zahl gläſerner Kapillarröhrchen von verſchiedener Weite gefüllt, ſo wird das Waſſer in den engſten Kapillarröhrchen am höchſten, in den weiteſten am tiefſten ſtehen oder hängen bleiben, und in der Mitte wird ſich die Höhe des Waſſerſtandes nach der ab⸗ und zunehmenden Weite der Kapillarröhrchen abſtufen. Mit “) Das hygroſkopiſche Waſſer, d. h. der Waſſergehalt des lufttrockenen Bodens, betrug bei dem Sandboden 0,27 g und bei dem Thonboden 2,6 g. das Lückigkeit. 73 anderen Worten, in dem oberen Teil der Erde werden nur die engen, in dem mittleren Teil werden die engen und mittleren und in dem unteren Teil werden die engen, mittleren und weiten Ka⸗ pillaren mit Waſſer gefüllt ſein. Die Erde wird demnach nur unten mit Waſſer geſättigt ſein, in der Mitte nicht und oben noch weniger. Hieraus ergiebt ſich, daß wir die Beſtimmung der Waſſer⸗ kapazität, wenn wir möglichſt gleichmäßige und zuverläſſige Reſultate erhalten wollen, nicht mit langen Erdſäulen, alſo auch nicht auf dem Felde vornehmen dürfen. Die Beſtimmung wird um ſo genauer ausfallen, je kürzer wir die Erdſäulen wählen. Wir kommen daher zu dem Schluß, daß die von Schübler empfohlene, S. 66 näher beſchriebene Laboratoriumprobe ihrer Ein⸗ fachheit und Sicherheit wegen vor der von Heinrich empfohlenen Feldprobe den Vorzug verdient. Die Erdmenge, die Schübler benutzte, beträgt nach dem neuen Gewicht rund 25 g. Dieſe Erdmenge iſt für die Beſtimmung der Waſſerkapazität nach dem Gewicht ausreichend, aber für die Be⸗ ſtimmung nach dem Volumen zu klein. Es wird ſich empfehlen, für beide Beſtimmungen annähernd dieſelbe Menge zu nehmen, was bei 35— 40 g, oder 25 cem zutrifft. Als Maßgefäß kann man ein gläſernes Vogelnäpfchen von entſprechender Größe verwenden. Zur Erläuterung ein Beiſpiel. a) Waſſerkapazität nach Gewicht. Gewicht der völlig trockenen Erde....= 38,81 g Gewicht des feuchten Filters.......= 6,74 g Zuſammen= 45,55 g Gewicht der geſättigten*) Erde ſamt Filter= 55,70 g Folglich Waſſer feſtgehalten....= 10,15 g Um die Waſſerkapazität nach Gewichtprogent zu berechnen, haben wir anzuſetzen: 38,81: 10,15= 100: Alſo iſt die Waderkanzitat nach dem Gewicht....= 26,1%ꝙ. *) Die Sättigung der Erde geſchieht zweckmäßig auf einem Filter, das auf einem mit Leinwand überſpannten Rahmen liegt. Vergl. Fig. 6 und — —⅓ — ——— — ———yyõõõÿññ Das Gefüge oder die Struktur. b) Waſſerkapazität nach Volumen. Das Maßgefäß enthält geſättigte Erde..= 48,42 g. Um zu erfahren, wieviel Waſſer in dieſem Gewicht Erde enthalten iſt, haben wir, entſprechend der vorhin ge⸗ fundenen Waſſerkapazität nach Gewicht, anzuſetzen: 126,1: 26,1= 48,42: X = 10,02 Da 1 cem Waſſer 1 g wiegt, ſo können wir dieſe 10,02 benennen, wie wir wollen. 25,11 g Das Maßgefäß faßt reines Waſſer..= 25,11 cem. Um die Waſſerkapazität nach Volumenprozent zu berechnen haben wir anzuſetzen: 25,11: 10,02= 100: Alſo iſt die Waſſerkapazität nach dem Volumen....= 39,9%. Die Beſtimmung nach Gewicht iſt einſocher und genauer, als die Beſtimmung nach Volumen, weil ſich der Boden genauer wägen als meſſen läßt; gewöhnlich wird daher die Waſſerkapazität in Gewichtsprozenten angegeben. Wie ſteht es mit der praktiſchen Verwertung der Waſſerkapazitäts⸗Beſtimmungen?— Das Verhalten des Bodens gegen das Waſſer iſt außerordentlich wichtig, und es iſt auch keineswegs gleichgültig, was für eine Waſſerkapazität der Boden beſitzt; aber die Zahlen, die wir bei der Waſſerkapazitäts⸗Beſtimmung finden, dienen doch nur zur allgemeinen Beurteilung des Bodens, für die Praxis des Acker⸗ und Pflanzenbaus laſſen ſie ſich nur ſelten verwerten. Daß es einem loſen Kies⸗, Grand⸗ oder Sandboden zuträglich iſt, die Waſſerkapazität durch Zufuhr von Feinerde(Thonmergel, Humus ec.) zu erhöhen, das wiſſen wir ſchon ohne eine beſondere Waſſerkapazitäts⸗Beſtimmung. Daß dieſen Böden die Bewäſſerung dient, ebenfalls. Wo andererſeits den Nachteilen einer zu hohen die betreff. Bemerkungen von Schübler. Bei dem Einfüllen in das Gefäß wird die feuchte Erde angedrückt und eingerüttelt, damit keine Hohl⸗ räume bleiben. )0%. auer zität der des iſt den ung eens, elten glich rgel, dere rung ohen das Hohl⸗ Bündigkeit. 75 Waſſerkapazität oder, richtiger geſagt, einer zu geringen Durch⸗ läſſigkeit durch Zufuhr von Sand oder durch Entwäſſerung ent⸗ gegenzuarbeiten iſt, darüber können wir uns auf anderem Wege gleichfalls beſſer unterrichten, als durch die Beſtimmung der Waſſer⸗ kapazität(vergl. S. 44). Ferner wiſſen wir, daß wir durch ober⸗ flächliches Lockern die Feuchtigkeit des Bodens erhalten können, und daß die Vertiefung der Ackerkrume ein ausgezeichnetes Mittel iſt, die Pflanzen gegen die Dürre zu ſchützen. Im übrigen müſſen wir es dem Himmel überlaſſen, unſeren Boden mit Waſſer zu ſättigen und unſere Pflanzen zu tränken. Aus der Wolke Quillt der Segen, Strömt der Regen. 3. Die Bündigkeit des Vodens. In der freien Natur äußert ſich die Bündigkeit des Bodens in verſchiedener Weiſe, nämlich: 1. In der Feſtigkeit, oder in der Kraft, mit der die Boden⸗ beſtandteile im trockenen Zuſtande zuſammengehalten werden, was uns am deutlichſten zum Bewußtſein kommt, wenn wir den hart⸗ getrockneten Boden eigenhändig umzugraben verſuchen. 2. In der Klebrigkeit, oder in der Kraft, mit der der Boden im feuchten Zuſtande an anderen Gegenſtänden, z. B. an unſeren Stiefeln, hängen bleibt. 3. In der Riſſigkeit und Volumenverminderung, oder in der Kraft, mit der der feuchte Boden beim Austrocknen auf einen kleineren Raum in ſich zuſammengezogen wird. Schübler war der erſte, und er iſt bis heute auch der einzige geblieben, der nach dieſen drei Beziehungen eine Anzahl zweckmäßig ausgewählter Bodenarten planmäßig und vergleichend unterſuchte. 1. Feſtigkeit.— Die Feſtigkeit beſtimmte Schübler, nach⸗ dem er verſchiedene Methoden verſucht und verworfen hatte, in folgender Weiſe.*) Man formt(ähnlich wie man es beim Ziegel⸗ *) Die Methoden zur Beſtimmung der Bündigkeit, die von anderen Forſchern vorgeſchlagen worden ſind, ſtehen in Bezug auf Anwendbarkeit —————;—:—B:::—ꝛꝭ——:¶tͤ——öäßͤͤſſſ 76 Das Gefüge oder die Struktur. ſtreichen macht) aus den gleichmäßig, aber nicht zu ſtark durchnäßten Bodenproben mittelſt einer unten und oben offenen Form von Hart⸗ und Zuverläſſigkeit ſamt und ſonders gegen die Schüblerſche Methode zurück. Profeſſor Völker ſchlug, wie ich aus Schüblers Agronomie erſehe, ein ziemlich zuſammengeſetztes Inſtrument vor, das in der Hauptſache in einer Art Spaten beſteht, deſſen Eindringen auf dem Felde ſelbſt durch Gewichte beſtimmt wird. Das Inſtrument ſoll in den neuen Mögelin⸗ ſchen Annalen der Landwirtſchaſt im 4. Band, S. 119 beſchrieben und ab⸗ gebildet ſein. Okonomierat Dr. Meyer wendet, wie Schübler weiter mitteilt, eine Scheibe von 4 Quadratzoll an, die an ihren 4 Ecken mit unten ab⸗ gerundeten Stahlſtiften verſehen iſt und auf eine Erdſchicht von 3 Zoll Tiefe geſetzt wird; die zum Eindringen nötigen Gewichte, die auf die Scheibe ge⸗ legt werden, dienen als Maß der Bündigkeit. Dieſe Methode hat den Nachteil, daß bei thonigen Böden im trockenen Zuſtande ſehr große Gewichte (über 30 Pfund) aufgelegt werden müſſen, während bei fehr lockeren Böden die Scheibe ſchon ohne Belaſtung zu leicht einſinkt. Heinrich(Grundlagen der Ackerkrume, S. 226) hat vorgeſchlagen, die feuchte Erde zwiſchen zwei je 1 qdem große Eiſenplatten zu quetſchen, von denen die obere mittelſt 4 an den Ecken befindlichen Haken aufgehängt, während an die untere ein Körbchen zum Einlegen der Gewichte(Sand, Granaten) angehängt wird. Heinrich ſagt ſelbſt, daß die Methode, weit entfernt unverbeſſerlich zu ſein, nur bei bündigen Böden anwendbar iſt.— Die Methode Heinrichs zur Beſtimmung der Adhäſion der Bodenarten an Eiſen oder Holz hat ebenfalls vor der Schüblerſchen keinen Vorzug. Dasſelbe gilt von der Methode Haberlands, der cylindriſche Säulen aus den Bodenproben herſtellte und auf ihre Widerſtandsfähigkeit gegen Druck(rückwirkende Feſtigkeit) unterſuchte. Endlich hat Sprengel ſchon in den 40 er Jahren zur Beſtimmung der Bündigkeit der Bodenarten den Kraftmeſſer in Verbindung mit dem Pfluge empfohlen. Dieſe Methode erſcheint auf den erſten Blick ſehr ein⸗ fach und praktiſch, ſtößt aber in der Anwendung auf erhebliche Schwierig⸗ keiten, weil der Widerſtand ein und desſelben Bodens je nach der Feuch⸗ tigkeit ſehr verſchieden iſt, und weil die verſchiedenen Bodenarten, was für die planmäßige und vergleichende Durchführung der Verſuche doch nötig wäre, ſich in der Natur nicht nahe beiſammen finden. Außerdem iſt die Konſtruktion des Pfluges von Land zu Land, oft ſogar von Dorf zu Dorf eine andere. ——o———— —q,,.,———— Bündigkeit. 77 holz oder beſſer von Metall kleine vierkantige Balken von 5 cm Länge und 15 mm Dicke, die man in der Form ſelbſt trocknen läßt oder auch ſogleich noch feucht mit einem paſſenden Hölzchen aus der Form hinausſchiebt, um ſie zunächſt an der Luft im Schatten und dann bei einer Wärme von 50— 600 C. völlig auszutrocknen. Die Feſtigkeit dieſer Erdbalken wird mit einer ungleicharmigen Wage (Fig. 7) ermittelt, die an dem langen Arm bei e einen immer ſenk⸗ recht hängenden, unten 15 mm breiten, ſtumpfen Stahlſpatel trägt, indem man je einen Erdbalken unter dieſen Spatel bringt und in die Wagſchale ſo lange kleine Gewichte legt, bis der Erdbalken durchſchnitten wird. Der Verſuch wird bei jeder Bodenart mehrere Mal wiederholt und aus den Reſultaten das Mittel gezogen. Auf dieſem Wege gelangte Schübler, indem er die bei dem dichteſten A. le. Fig. 7. Thon gefundene Feſtigkeit mit 100 bezeichnete und die Feſtigkeiten der übrigen Bodenarten auf dieſe Zahl zurückführte, zu den in der nachſtehenden Tabelle zuſammengeſtellten Verhältniszahlen. (Siehe Tabelle A S. 78.) 2. Klebrigkeit.— Die Tabelle enthält zugleich die, auf neues Maß und Gewicht umgerechneten Zahlen für die Klebrigkeit des Bodens oder für das Anhängen an Eiſen und Holz, das Schübler in folgender Weiſe feſtſtellte. Man befeſtigt unter der Wagſchale einer gewöhnlichen Wage Scheiben von Eiſen oder von Holz und ſetzt mit ihr die andere Wagſchale durch aufgelegte Gewichte ins Gleichgewicht; dann bringt man die Scheibe mit der unter ihr liegenden durchnäßten Erde in innige Berührung und legt in die andere Schale ſo lange Gewichte, bis die Scheibe losreißt. Die Menge der aufgelegten Gewichte entſpricht der Größe der Adhäſion oder der Schwierigkeit, die Erde im naſſen Zuſtande zu bearbeiten. l ——. ——mm 78 Das Gefüge oder die Struktur. Tabelle A. . Feſtigkeit Anhängen 1 im trockenen im naſſen Zuſtand 1 Zuſtand, die an die Fläche von 1 Bodenarten des Thons 1 qdem 3 = 100 geſetzt 1' Verhältnis⸗ Eiſen Holz d zahlen g g 1 1 Quarzſand......... 0 170 190 1 Kalkiand....... 0 190 200 b Feine Kalkerde)....... 5,0 650 710 Thon mit 45% Sand.... 57,3 350 400 3 Thon mit 24% Sand..... 68,8 480 520 Thon mit 10% Sand..... 83,3 780 860- Reiner grauer Thon*).... 100,0 1220 1320 1 Humuaz)......... 8,7 400 420 Gartenerde))....... 7,6 290 340 t Ackererde*).. 33,0 260 280 d Tabelle B. 8 Volumen⸗ Waſſerkapa⸗ verminderung. zität. Von 100 cem Bodenarten 100 cem trockene naſſer Erde Erde halten ſchwinden beim d Waſſer feſt Austrocknen com cem! Duarzſand........ 37,9 0,0 1 Kalkſand......... 44,1 0,0 Feine Kallerde....... 66,1 5,0 Thon mit 45% Sand.... 51,4 6,0 Thon mit 24% Sand.... 57,3 8,9 Thon mit 10% Sand... 62,9 11,4 1 Reiner grauer Thon..... 66,2 18,3 Humus........ 69,8 20,0 Gartenerde........ 67,3 14,9. Ackererde........ 57,3 12,0 *) Über die Beſchaffenheit und Zuſammenſetzung der Bodenarten vergl. die Anmerkung auf S. 65. I ergl. Bündigkeit. 79 3. Volumenverminderung.— Zur Beſtimmung der Volumen⸗ verminderung beim Austrocknen formte Schübler aus den zu ver⸗ gleichenden Bodenproben in ihrem naſſen Zuſtande gleich große Würfel(von 1 Kubikzoll Größe), ließ ſie im Schatten nach und nach ſo lange austrocknen, bis ſich ihr Gewicht nicht mehr veränderte, und ſtellte durch genaues Meſſen vor und nach dem Trocknen die Volumenverminderung feſt. In der vorſtehenden Tabelle B haben wir den Reſultaten zur Vergleichung die Zahlen für die Waſſerkapa⸗ zität beigefügt. Reſultate der Schüblerſchen Unterſuchungen.— Über⸗ blicken und vergleichen wir die in den Tabellen A und B zuſammen⸗ geſtellten Zahlen, ſo gelangen wir zu folgenden Schlüſſen: 1. Der Thon beſitzt weitaus die größte Feſtigkeit und auch die größte Klebrigkeit. Seine Volumenverminderung iſt ebenfalls ſehr beträchtlich. 2. Der Humus ſchwindet beim Austrocknen am ſtärkſten, noch ſtärker als der Thon— die Erfahrung im großen beſtätigt dies, denn in dem trocken gelegten Humusboden bilden ſich gewaltige Spalten—, trotzdem iſt ſeine Feſtigkeit und Klebrigkeit ſehr gering. 3. Der feine erdige Kalk zeigt im feuchten Zuſtand eine erheb⸗ liche Klebrigkeit, dagegen iſt ſeine Feſtigkeit im trockenen Zuſtande auffallend gering. Ebenſo iſt ſeine Volumenverminderung ſehr ge⸗ ring; ſie genügt zwar, um bei dem in größeren Maſſen austrocknen⸗ den Kalkſchlamm die Entſtehung von mäßig breiten Spalten herbei⸗ zuführen(wie ich bei den Quaibauten in Zürich zu beobachten Ge⸗ legenheit hatte), aber der fertige Kalkboden bekommt keine Spalten mehr. 4. Bei dem Sand(Quarzſand und Kalkſand) kann weder von Feſtigkeit noch von Volumenverminderung die Rede ſein, und auch die Adhäſion im feuchten Zuſtande iſt verſchwindend gering. 5. Die Waſſerkapazität ſteht in Beziehung zur Feſtigkeit, doch machen der Humus und der erdige Kalk eine Ausnahme. Die Waſſerkapazität ſteht auch in Beziehung zur Klebrigkeit, doch macht der Humus eine Ausnahme. Die Waſſerkapazität ſteht endlich auch in Beziehung zur Volumenverminderung, doch macht hier wieder der Kalk eine Ausnahme. Zur leichteren Orientierung in dieſem Wirr⸗ warr diene folgende Zuſammenſtellung. Das Gefüge oder die Struktur. Schematiſche überſicht über die Eigenſchaften der Bodenarten. G◻ bedeutet gering, bedeutet hoch. Eigenſchaften Sand Thon V Kalk Humus Feſtigkeit. H V U ¶ Klebrigkeit O I O Volumenverminderung ¶ 8 V O Waſſerkapazität. ¶- V 8* 1 In dieſer Überſicht tritt uns der ſcharfe Gegenſatz zwiſchen Thon und Sand entgegen, und wir überblicken auch, durch welche Eigen⸗ ſchaften ſich Kalk und Humus einerſeits von dem Thon und anderer⸗ ſeits von dem Sand unterſcheiden. 6. Als Hauptreſultat ergiebt ſich, daß die Bündigkeit ganz über⸗ wiegend, faſt ausſchließlich auf der Subſtanz des Bodens beruht, die hohe Waſſerkapazität mit hoher Klebrigkeit und hoher Volumen⸗ verminderung vereinigt und ſich namentlich durch hohe Feſtigkeit auszeichnet. Dieſe Subſtanz, die wie ein Leim die übrigen Beſtand⸗ teile des Bodens zuſammenhält, iſt der gewöhnliche, eiſenhal⸗ tige Thon.*) Praktiſche Schlußfolgerungen.— Bei den Sand⸗ und Grandbödeu iſt die Bündigkeit zu gering. Die Bündigkeit läßt ſich erhöhen durch Zufuhr von Thon, Thonmergel und Lehmmergel. Der Thon⸗ und Lehmmergel erfüllt den Zweck beſſer als der Thon, weil er leichter zerfällt. Das Zerfallen erklärt ſich daraus, daß der Mergel ein inniges Gemenge von Thon und Kalk darſtellt, die ſich in Bezug auf Feſtigkeit und Volumenverminderung entgegengeſetzt verhalten. Durch Zufuhr von Kalk und Humus wird die Bündigkeit nur ſehr wenig, die Waſſerkapazität dagegen beträchtlich erhöht.— Bei den Thonböden iſt die Bündigkeit im allgemeinen zu groß. Die Bündigkeit läßt ſich vermindern durch Zufuhr von Sand, *) Daß das Eiſenoxyd bei der Bündigkeit des Thons eine weſentliche Rolle ſpielt, geht aus der Thatſache hervor, daß Schübler bei dem ge⸗ wöhnlichen grauen Thon eine Feſtigkeit von 100 fand, während die Feſtig⸗ „keit bei dem weißen reinen Thon(der ſog. Pfeifenerde) nur 42 betrug. Bündigkeit. 81 Kalk, Kalkmergel, Sandmergel und Humus. Die Bündigkeit wird auch durch die Einwirkung des Froſtes auf den feuchten Boden (auf den völlig trockenen Boden wirkt der Froſt nicht) bedeutend vermindert. Bei einem thonigen Boden, deſſen Feſtigkeit 69 betrug, fand Schübler nach dem Durchfrieren nur eine Feſtigkeit von 45. Das iſt ein ganz erheblicher Unterſchied. Der Froſt erſpart uns alſo viel Arbeit, er leiſtet ſogar mehr als die ſorgfältigſte Beackerung, denn er dringt ins Innere. Indem das Waſſer in den kleinen Hohlräumen des Bodens gefriert, werden die Erdteilchen aus ihrer Lage gerückt und ihre Berührungspunkte vermindert. Dabei wird zugleich ein Teil der kapillaren Poren ſo erweitert, daß das Waſſer herausfällt, d. h. daß die Waſſerkapazität abnimmt. Nach J. Sachs enthielt ein humoſer Boden bei 0 Grad vor dem Gefrieren in 100 Gewichtsteilen trockner Subſtanz 108,8, nach dem Auftauen(bei 0 Grad) dagegen nur 102,8 Gewichtsteile Waſſer; die Waſſerkapa⸗ zität hatte ſich alſo um 6% vermindert. Wir haben daher alle Ver⸗ anlaſſung, uns die Einwirkung des Froſtes dadurch zu ſichern und zu nutze zu machen, daß wir den Boden vor Winter in Kämme pflügen oder wenigſtens durch tiefe Beackerung in möglichſt rauhe Furchen legen. Die Stufen der Bündigkeit.— Jeder Landwirt muß im⸗ ſtande ſein, die verſchiedenen Stufen oder Grade der Bündigkeit auch ohne umſtändliche Experimente zu erkennen und annähernd richtig zu beſtimmen.„Man kann ſie“, ſagt Thär,„bei einiger Übung durch Aufſtoßen mit dem Stocke oder ſogar durch den Fußtritt unter⸗ ſcheiden.“ Zur Wegleitung laſſen wir hier eine Abſtufung folgen, die ſich hauptſächlich ſtützt auf das Verhalten des Bodens bei der Bearbeitung. Doch benutzen wir auch die von Schübler ermittelten Feſtigkeitszahlen, indem wir die Feſtigkeit des T Thons ⸗ 100 ſetzen. 1. Leicht oder loſe nennt man das Gefüge, wenn der Boden ſelbſt bei Regenwetter nicht an Pflug, Egge und Walze klebt, wenn er niemals Brocken oder Schollen bildet, auch nicht eigentlich krümlig wird, ſondern ſtets körnig und leicht verſchiebbar bleibt und nach dem Pflügen ſofort oder ſehr bald wieder zuſammenſackt. Im trocknen Zuſtand wird der loſe Boden bei feiner Körnung vom Winde verweht(Flugſand). Es fehlt hier das Bindemittel, der Nowacki, Bodenkunde. 3. Auflage. 6 —————Q—zꝛerͤſſſ⁄ 82 Das Gefüge oder die Struktur. Thon, ganz oder es iſt doch nur in ſehr geringer Menge vertreten. Die Beſtandteile des Bodens(Körner, Gerölle, Geſteinsbrocken) werden nur durch ihr eigenes Gewicht in ihrer gegenſeitigen Stel⸗ lung und Lagerung gehalten. Die Bündigkeit nach der Schüblerſchen Skala iſt 0—5. Hierher gehören die reinen Grus⸗, Kies⸗ und Grandböden, ſowie die Sandböden mit grobem und zum Teil auch ſolche mit feinem Korn. 2. Schwammig oder mulmig iſt das Gefüge bei den Böden, die ſich, ſofern ſie nicht naß gelegen ſind, zwar ebenfalls leicht be⸗ arbeiten laſſen, ohne feſte Schollen zu bilden, die aber bei dem Pflügen ſehr beträchtlich an Volumen zunehmen, indem zwiſchen den Bodenkrümeln zahlreiche größere Hohlräume entſtehen, die ſich wegen des geringen Gewichts der Bodenmaſſe lange erhalten. Der Boden ſackt oder ſetzt ſich langſam; er bleibt überhaupt ſchwammig und ſperrig, wenn er nicht durch Sand oder Mergel zuſammengedrückt und befeſtigt wird. Auch im ungepflügten Zuſtand, als Wieſe be⸗ nutzt, verändert der ſchwammige Boden ſein Volumen, indem die Bodenmaſſe bei Regenwetter quillt, beim Austrocknen wieder ſchwindet. Unter dem Fußtritt zeigt ſich der ſchwammige Boden elaſtiſch. Auch hier fehlt das Bindemittel, der Thon. Die Bündigkeit beträgt 6—9. Dieſe eigentümliche Art des Gefüges finden wir bei den Torf⸗ und Moorböden, die größtenteils aus Humus und Pflanzenreſten beſtehen und daher am kürzeſten als Humusböden bezeichnet werden. 3. Locker oder mürbe nennt man das Gefüge, wenn der Boden ſchon einige Bündigkeit zeigt, ſo daß er beim Pflügen im feuchten Zuſtand einen zuſammenhängenden Schnitt bildet. Die Schollen oder Brocken, die beim Pflügen entſtehen, laſſen ſich aber, auch wenn ſie trocken ſind, mit der Egge und Walze leicht zerteilen. Bündigkeit 10—30. Hierher gehören die Bodenarten mit einem mäßigen Gehalt an Thon und einer reichlichen Beimengung von Sand oder Kalk oder Humus, z. B. der lehmige Sand, der ſandige Lehm ꝛc. 4. Bündig, im gewöhnlichen, engeren Sinne des Wortes, iſt das Gefüge, wenn der Boden in dem richtigen Zuſtand der Feuchtig⸗ keit oder Trockenheit noch ohne erhebliche Anſtrengung gepflügt ten. ken) tel⸗ mit den, em den gen een ict Bündigkeit. 83 werden kann, auf dem aber nach dem Eggen und Walzen in der Regel zahlreiche Brocken von der Größe der Haſel⸗ und Walnüſſe zurückbleiben. Bündigkeit 30— 60. Hierher gehören die Mittelböden, die etwa zur Hälfte aus Thon, zur Hälfte aus Sand beſtehen, wie der gemeine Lehmboden u. a. 5. Schwer nennt man das Gefüge des Bodens, wenn das Pflügen ſelbſt im richtigen, ſchnell vorübergehenden Zeitpunkt ſchon bedeutende Anſtrengung erfordert, wenn die Zerbröckelung der Schollen aber durch den Stoß raſchbewegter Eggen oder durch den Druck ſchwerer Walzen(Schollenbrecher) noch gelingt. Bündigkeit 60—75. Hierher gehören die Thonböden, die eine genügende Beimengung von Kalk oder Humus enthalten, alſo auch die Thonmergelböden ꝛc. 6. Streng oder zähe nennt man das Gefüge, wenn der Boden„bei einiger Feuchtigkeit wie ein klebriger Teig ſich an Pflug und Egge hängt, nur ſchwer abfällt, beim Abfallen zuſammenhängend bleibt, ſo daß er nur durch einen Stich oder Schnitt getrennt werden kann, und dann auf der Schnittſeite glatt und glänzend iſt. Bei mehrerer Trockenheit iſt er dagegen hart wie ein Ziegel, und ſeine Schollen können nur durch einen gewaltſamen Stoß in würfelige oder blättrige Stücke, oft gar nicht in Pulver, zerteilt werden“(Thär). Bündigkeit 75— 90. Hierher gehören die Thonböden, die weder durch Beimengung von Kalk, noch von Humus gemildert ſind und dafür einige Prozent Eiſenoxyd enthalten. 7. Widerſpenſtig oder unbändig nennt man endlich das Gefüge, wenn die Bündigkeit ſo groß iſt, daß der Boden die Be⸗ arbeitung nicht mehr ermöglicht, oder wenigſtens nicht mehr lohnt. Bündigkeit 90— 100. Hierher gehört der Töpferthon.— Dem landwirtſchaftlichen Sprachgebrauch gemäß haben wir die Ausdrücke„leicht“ und„ſchwer“ zur Bezeichnung der Bündigkeit benutzt, unbekümmert um das Gewicht. Daß das Gewicht des Bodens nicht in Beziehung ſteht zur Bündigkeit, zeigt folgende Zuſammenſtellung: 6* —————·ͤͤͤ 84 Das Gefüge oder die Struktur. b Spez. Gew. Litergewicht Feſtigkeit t b Bodenarten Waſſer= 1 trocken feucht*) Thon= 100 kg kg Kalkſand.] 2,722 2,085 2,605 0 Quarzſand.... 2,653 2,044 2,494 0 Thon mit 45% Sand. 2,601 1,799 2,386 57,3 V Thon mit 24% Sand. 2,581 1,621 2,194 68,8 Reiner grauer Thon. 2,533 1,376 2,126 100,0 1 Feine Kalkerde... 2,468 1,006 1,758 5,0 G Humus...... 1,370 0,632 1,428 8,7 Ackererde..... 2,401 1,537 2,180 33,0 V*) Feucht iſt hier ſo viel, wie„mit Waſſer geſättigt“. Bei dem Sand iſt das ſpezifiſche Gewicht ſowohl wie das Liter⸗ gewicht(beide gehen ziemlich parallel) am höchſten, die Feſtigkeit dagegen am geringſten. Bei dem reinen grauen Thon iſt das Ge⸗ wicht ein mittleres, die Feſtigkeit dagegen am höchſten. Bei dem Humus iſt das Gewicht am geringſten, die Feſtigkeit zwar auch nicht hoch, aber doch höher als beim Sand u. ſ. w. Kurz, eine Beziehung zwiſchen dem Gewicht des Bodens und der Feſtigkeit oder Bündigkeit beſteht nicht. Übrigens iſt das ſpezifiſche Gewicht des Bodens von dem Litergewicht wohl zu unterſcheiden. Das Litergewicht(Maßgewicht, Volumengewicht) findet man, indem man einfach unter Einrütteln und ſanftem Eindrücken ein kleines Maßgefäß von bekanntem Rauminhalt das eine Mal mit trockener, das andere Mal mit feuchter Erde füllt und wägt. Das ſpezifiſche Gewicht wird am genaueſten mit einem Thermometer⸗Pyknometer unter Anwendung der Luftpumpe be⸗ ſtimmt. Für weniger genaue Beſtimmungen dient folgendes, von Schübler benutztes Verfahren. Man füllt ein Fläſchchen mit ein⸗ geriebenem Stöpſel genau mit Waſſer und wägt es. Hierauf ent⸗ leert man es bis zur Hälfte, bringt die vorher völlig getrocknete und abgewogene Bodenprobe hinein, füllt es wieder genau mit Waſſer und wägt es, nachdem man die Luftbläschen durch Schütteln entfernt hat, zum zweitenmal. Dann läßt ſich das ſpezifiſche Gewicht der Erde berechnen, z. B.: Bündigkeit. 85 8 Gewicht des bloß mit Waſſer gefüllten Fläſchchens= 60,0 Gewicht der trockenen Erde= 24,0 Zuſammen= 84,0 Gewicht des mit Erde und Waſſer gefüllten Fläſchchens= 74,4 Folglich hat die Erde Waſſer verdrängt= 9,6 Demnach iſt das ſpezifiſche Gewicht ⸗ 2,5. Aus dem ſpezifiſchen Gewicht laſſen ſich wichtige Schluß⸗ folgerungen nicht ziehen, weil es zu wenig differiert, bei den meiſten in der Natur vorkommenden Bodenarten gegen 2,5 be⸗ trägt. Auch das Litergewicht gewährt nur ein geringes praktiſches Intereſſe. Dagegen iſt das Gefüge oder die Struktur des Bodens von fundamentaler Bedeutung. Die Klaſſifikation der Bodenarten ſtützt ſich, wenn auch nicht ausſchließlich, ſo doch vorzugsweiſe auf die Körnigkeit, Lückigkeit und Bündigkeit des Bodens, mit einem Wort, auf ſeine Struktur. Wohl dem Landwirt, der in den mikroſkopiſch kleinen Kammern ſeines Grund und Bodens ſo genau Beſcheid weiß, wie in den Kammern ſeines Hauſes. ————— —— 8 Die Bodenbeſtandteile und Bodenarten. Wir haben bei Beſprechung der Lagerungsverhältniſſe ſchon wiederholt angedeutet, daß ſowohl der Ober⸗ wie der Untergrund auf Beſtand und Bodenart zu unterſuchen iſt, und es wird nun unſere Aufgabe ſein, auch hierfür eine kurze Anleitung zu geben. I. Die Bodenbeſtandteile. Die Hauptbeſtandteile des Bodens ſind: Stein, Sand, Thon, Kalk und Humus. Wie verfährt man, um den Boden auf dieſe ſeine Hauptbeſtandteile zu unterſuchen? 1. Die Anterſuchung des Bodens auf ſeinen Gehalt an Ftein. Ob der Boden im Ober⸗ und Untergrund Steine enthält oder nicht, wird bei dem Ausheben der Probegruben ſofort klar. Wir faſſen zunächſt die Menge der Steine ins Auge. Sie läßt ſich am ſicherſten beurteilen auf dem ſenkrechten Schnitt, den uns die Wände der Probegrube zeigen.(Vergl. Fig. 2.) Es hat keine Schwierigkeit feſtzuſtellen, ob der Boden gar keine, ob er wenige, ob er viele Steine enthält, oder ob er endlich größtenteils aus Steinen beſteht. Durch ein aufmerkſames Anſehen des Profils, unterſtützt durch Anfertigen einer Skizze, überzeugen wir uns auch über die Ver⸗ teilung der Steine, wobei wir etwa folgende Fragen zu beant⸗ worten haben. Sind Steine auf der Oberfläche vorhanden? Sind ſie gleichmäßig im Ober⸗ und Untergrund verteilt, oder ſind ſie in einzelnen Schichten oder Neſtern zuſammengehäuft, während andere Schichten oder Stellen frei von Steinen ſind? Nimmt die Menge der Steine nach der Tiefe hin zu? Sind die Steine loſe, oder ſind ſie feſtgewachſen, d. h. in Verbindung mit dem Grundgeſtein? Steine. Sand und Thon. 87 Ferner iſt die Größe der Steine zu beachten, wobei wir fol⸗ gende Einteilung machen können: Erbſengröße(0,5 cm), Haſel⸗ nußgröße(1 cm), Walnußgröße(5 cm), Fauſtgröße(10 cm), Kopfgröße(20 cm) und Blockgröße(über 20 cm). Eine beſondere Bedeutung hat die Form der Steine. Im Schwemmlandsboden haben die Steine nämlich infolge des Rollens und Reibens eine abgerundete glatte Oberfläche; im Ver⸗ witterungsboden haben ſie dagegen, je nach der Art des Geſteins und nach der Art ſeines Zerfallens bei der Verwitterung, eine unregelmäßige, eckige oder kantige, muſchelförmige, ſplittrige oder ſchiefrige Geſtalt. Endlich iſt auch die chemiſche Zuſammenſetzung der Steine und ihre Verwitterbarkeit von Wichtigkeit. Die chemiſche Zu⸗ ſammenſetzung erſehen wir aus der Art des Geſteins, die uns die geologiſchen Karten, wenigſtens bei dem Verwitterungsboden, angeben. Im Schlemmlandsboden müſſen wir, ſoweit es nötig er⸗ ſcheint, das Steingerölle mineralogiſch zu beſtimmen ſuchen. Die Verwitterbarkeit läßt ſich beurteilen, wenn wir die Steine mit dem Hammer zerſchlagen und das Innere mit dem Außeren vergleichen, wobei wir die Meſſerſpitze zum Prüfen der Härte und Feſtigkeit benutzen können. Manche Steine ſind ſo morſch, daß ſie ſich mit den Fingern zerbrechen laſſen. Im allgemeinen widerſtehen die im Schwemmlandsboden vorkommenden Steine der Verwitterung viel mehr, als die Steine des Verwitterungsbodens. Überdies enthält der Schwemmlandsboden immer mehrere Arten von Geſteinen, z. B. Gerölle von Quarz, Feuerſtein, Granit, Kalk, Hornblende u. dergl., während die Geſteinsreſte des Verwitterungsbodens gewöhnlich ſämtlich ein und derſelben Geſteinsart angehören, ſo daß z. B. ein Boden, der durch Verwitterung aus Flyſchſchiefer entſtanden, nur Stücke von Flyſchſchiefer enthält u. ſ. f. 2. Die Anterſuchung des Bodens auf ſeinen Gehalt an gand und Thon. Beſteht der Boden größtenteils aus Sand oder größtenteits aus Thon, d. h. mit anderen Worten: ſind Sand⸗ oder Thonboden ziemlich rein, ſo iſt die Unterſuchung leicht; etwas ſchwieriger wird —— b V 88 Die Bodenbeſtandteile. ſie dagegen bei den aus Thon und Sand gemengten Bodenarten, beſonders wenn ſie noch anderweitige Beimengungen enthalten. Sand.— Der Sand kennzeichnet ſich durch ſeine Körnig⸗ keit. Bei gröberen Sandarten, deren Körner eine Größe von 1— ½ mm haben, kann das Auge die einzelnen Körner deutlich als ſolche erkennen. Bei den feinen Sandarten mit der Korngröße von ½— ¼ mm iſt dies auch noch möglich. Werden die Körner noch kleiner, ſo läßt uns das Auge mehr und mehr im Stiche. Wir können dann eine Lupe benutzen, die uns, abgeſehen von der Ver⸗ größerung, ſchon dadurch viel hilft, daß ſie uns zwingt, die Gegen⸗ ſtände ſcharf und mit Aufmerkſamkeit zu betrachten. Noch ſicherer aber iſt es, wenn wir uns nicht allein auf das Geſicht verlaſſen, ſondern das Gefühl mit zu Hülfe nehmen, das in den Fingerſpitzen beſonders des Daumens und des Zeigefingers ſehr fein entwickelt iſt und durch fleißige Übung zu unglaublicher Unterſcheidungsfähigkeit ausgebildet werden kann. Das Gefühl oder, wie man hier vielleicht beſſer ſagt, der Taſt⸗ ſinn leiſtet uns bei der Bodenunterſuchung überhaupt ſehr weſent⸗ liche Dienſte. Thon.— Was den Thon betrifft, ſo läßt er ſich daran er⸗ kennen, daß er im feuchten Zuſtande zähe und klebrig, knetbar und formbar iſt. Im trockenen Zuſtande verbreitet er beim Anhauchen oder Anfeuchten den eigentümlichen„Thongeruch“. Ferner läßt ſich ein Stück trockenen Thons in ſehr vollkommener Weiſe mit dem Finger⸗ nagel glätten und glänzen; die geglättete Fläche iſt fettig oder ſeifig anzufühlen. Zwiſchen den Fingerſpitzen zeigt ſich der angefeuchtete Thon ſchlüpfrig, und das Gefühl ſpürt nichts von Körnigkeit oder Rauhigkeit, zum Beweiſe, daß dieſe Bodenart aus lauter äußerſt feinen, molligen Körnchen beſteht.(Vergl. S. 56). Gemenge von Sand und Thon, die in ſehr verſchiedenen Abſtufungen vorkommen, laſſen ſich auf das Verhältnis von Thon und Sand in den meiſten Fällen auch hinreichend beurteilen nach einfachen, leicht in die Sinne fallenden Merkmalen. Lehm.— Der Lehm, der zu dieſen Gemengen gehört, läßt ſich kneten und formen, ähnlich wie der Thon. Aber es beſteht zwiſchen richtigem Lehm und richtigem Thon der weſentliche Unter⸗ ſchied, daß ſich der Lehm körnig oder rauh anfühlt, was bei dem Lehm. Löß. 89 Thon, wie eben erwähnt, nicht der Fall iſt. Dies kommt daher, daß der Lehm gröberen und feineren Sand, kleine und große Steine in größerer oder geringerer Menge ent⸗ hält, während der Thon gewöhnlich frei von Steinen und von fühlbaren Sandkörnern iſt.*) überdies iſt der Sandgehalt im Lehm beträchtlich höher. Deshalb nennt man den Thon fett, den Lehm mager. Und da die Sandpartikelchen im Thon mikroſkopiſch klein, nicht fühlbar, und da ſie gleichmäßig zwiſchen den Thon⸗ partikelchen verteilt ſind, ſo erhalten wir beim Kneten und beim Taſten mit den Fingerſpitzen von dem Thon den Eindruck einer gleichartigen(homogenen) Maſſe, während wir bei dem Lehm, indem wir bald die Thonteilchen, bald die Sandkörner und Steinchen fühlen, den Eindruck einer ungleichartigen Maſſe be⸗ kommen. Auch die ganze Lagerung und Struktur iſt bei dem Thon viel gleichartiger, als bei dem Lehm. Der Thon bildet oft mehrere Schichten oder Bänke übereinander, deren jede wie aus einem Guß erſcheint, während der meiſt in einer einzigen Schicht abge⸗ lagerte Lehm ein regelloſes Durcheinander von Thon, grobem und feinem Sand und Steinen darſtellt. Endlich iſt noch hervorzuheben, daß im ausgetrockneten Zuſtande ein Stück Thon, abgeſehen von den Kanälen, die die verweſenden Wurzeln zurücklaſſen, ein dicht⸗ geſchloſſenes, ein Stück Lehm dagegen ein lückiges Gefüge zeigt, was beſonders bei der Unterſuchung mit der Lupe ſehr deut⸗ lich entgegentritt. Löß.— Ein Gemenge von Thon und Sand, das einer be⸗ ſonderen Erwähnung verdient, iſt der Löß. Dieſe Bodenart iſt durch einen hohen Gehalt an ſtaubförmigem Sand ausgezeichnet, der mit dem feinen Sand zuſammen gegen 70% der ganzen Boden⸗ ſubſtanz ausmacht. Da überdies die gröberen Sandkörner und die Steine ganz fehlen oder doch an Menge ſehr zurücktreten, ſo wird der Löß in Bezug auf Gleichmäßigkeit und Feinheit des *) Zuweilen kommen Kryſtalle von Gips, von Quarz oder von Schwefelkies im Thone vor. Geſteinsſtücke gelangen manchmal auf die Weiſe in ein Thonlager, daß ſie von verwitterten Felsſtücken herabſtürzen. Der durch Verwitterung entſtandene Thon enthält oft noch Reſte ſeines Muttergeſteins —õ———————ͤnnmn 90 Die Bodenbeſtandteile. Kornes dem Thonboden ähnlich. Trotzdem laſſen ſich Thon und Löß durch folgende Kennzeichen leicht von einander unterſcheiden. Der Löß fühlt ſich rauh und mager an, der Thon ſchlüpfrig und fett. Der trockene Thon läßt ſich mit dem Fingernagel glätten und glänzen, der Löß nicht. Der Löß beſitzt eine viel geringere Zähigkeit und Formbarkeit als der Thon. Im trockenen Zuſtande läßt ſich der Löß leicht krümeln, der hartgetrocknete Thon dagegen läßt ſich gar nicht krümeln, ſondern nur ſchwer in ſcharfkantige Stücke zerbrechen. Ein wichtiges Kennzeichen des Lößbodens iſt ſeine eigen⸗ tümliche Struktur(Auf⸗ und Aneinanderlagerung der Beſtand⸗ teile), der zufolge er in 5— 10 m hohen Wänden, an Hohlwegen z. B., ſenkrecht ſtehen bleibt, ohne ſich abzuböſchen oder einzuſtürzen. Dies iſt, wie mir ſcheint, nur möglich, wenn die ganze Lößmaſſe luftig und porös aufgebaut und, obwohl wenig gebunden, doch widerſtandsfähig gegen Druck iſt, wenn ſie zugleich das Waſſer leicht und gleichmäßig in die Tiefe ſinken und andererſeits auch leicht und gleichmäßig nach oben und außen verdunſten läßt, ohne ſich hierbei im einzelnen und im ganzen weder merklich auszudehnen, noch zuſammenzuziehen. Der Thon verhält ſich in allen dieſen Beziehungen weſentlich anders. Er iſt dicht gefügt, undurchläſſig, waſſerhaltend und ſehr widerſtandsfähig gegen die Verdunſtung. Er dehnt ſich in der Näſſe ebenſo ſtark aus, wie er in der Dürre ſchwindet. Er wird niemals locker und luftig, ſondern in der Näſſe ſchmierig und kotig, in der Dürre hart und feſt wie Stein und zugleich von tiefen Riſſen und Spalten durchſetzt. Hiernach ſind Löß und Thon ſo ſcharf von einander unter⸗ ſchieden, daß eine Verwechslung füglich nicht möglich iſt. Letten.— Ja, was iſt Letten?— In den Büchern findet man ſehr abweichende Antworten auf dieſe Frage. Man wendet ſich daher am beſten an die Natur und ſieht ſich namentlich den Boden an, wie er beim Drainieren zum Vorſchein kommt. Man wird dann nicht ſelten eine Bodenſchicht treffen, die naß iſt und ſtark an den Spaten anklebt. Gewöhnlich iſt das der ſog. Letten. Wie iſt dieſe Bodenart nun näher beſchaffen? Da ſie ſtark anklebt, ſo muß ſie reichlich Thon enthalten. Aber da ſie naß iſt, Letten. Sandiger Lehm, lehmiger Sand. 91 ſo kann ſie nicht ganz ſo undurchläſſig ſein, wie der fette und ſteife Thon, denn eine ſolche Schicht wird auf ihrer natürlichen Lager⸗ ſtätte im Untergrunde zwar feucht, aber niemals eigentlich naß und breiig, ſelbſt wenn das Waſſer unmittelbar über und unter ihr ſteht. Andererſeits kann der Letten aber auch nicht ſo durchläſſig ſein, wie der gemeine ſteinhaltige Lehm, denn wir ſehen beim Drainieren häufig, daß der Letten es iſt, der das Waſſer anhält. Folglich ſteht der Letten zwiſchen richtigem Thon und richtigem Lehm in der Mitte, er iſt ein Gemenge von Thon und ſehr feinem Sand, das man entweder als einen fetten Lehm, oder als einen mageren Thon auffaſſen kann. Beides kommt ziemlich auf eins heraus; doch ziehe ich es vor, den Letten zu den Thonböden zu rechnen, da ihm die Steine und groben Sandkörner fehlen und da er in ſeinen ganzen Eigenſchaften mehr mit dem Thon als mit dem Lehm übereinſtimmt. Der Letten iſt alſo ein naſſer oder waſſerſüchtiger, leicht zerfließlicher, ſandiger Thon.*) Sandiger Lehm und lehmiger Sand.— Die Gemenge von Thon und Sand, die man als ſandigen Lehm und lehmigen Sand bezeichnet, ſtehen einander ſehr nahe. Dennoch giebt es ein einfaches Kennzeichen, mittelſt deſſen ſie der Geübte ziemlich ſicher unterſcheiden kann. Der ſandige Lehm läßt ſich nämlich noch zu einer Kugel ballen; der lehmige Sand dagegen nicht, indem hier die Kugel trotz alles Knetens und Drückens immer wieder platzt, weil das Bindemittel, der Thon, in zu geringer Menge vorhanden iſt. Bedeutung der einfachen Bodenunterſuchung.— In den meiſten Fällen werden die eben beſprochenen einfachen Kennzeichen und Unterſcheidungsmerkmale ausreichen, um nicht allein die reineren Sand⸗ und Thonböden, ſondern auch die aus Thon und Sand ge⸗ mengten Bodenarten(Lehm, Löß, Letten, ſandigen Lehm und lehmigen Sand) zu beſtimmen, d. h. auf ihren Gehalt an Thon und Sand *) Der Begriff Letten ſchließt das Naſſe und das Kotige mit ein, denn wie unſer Wort Lehm von dem lateiniſchen limus, ſo kommt unſer Wort Letten her von dem lateiniſchen lutum, und das bedeutet kotige, breiige Erde. Im Rheinthal, von Sargans abwärts bis zum Bodenſee findet ſich der Letten in großer Ausdehnung; er wird dort im Volksmund ganz richtig Rheinletten genannt. 92 Die Bodenbeſtandteile. annähernd richtig zu beurteilen, und ich betone ausdrücklich, daß dieſe einfache Art der Unterſuchung, die ſich auf den Ge⸗ brauch der Sinne: Geſicht, Gefühl und Geruch ſtützt, für die praktiſche Bonitierung oder Wertſchätzung des Bodens die allergrößte Bedeutung hat. Denn dieſe einfache Unter⸗ ſuchung geſtattet, an vielen Stellen des Ober⸗ und Untergrundes eine Probe zu nehmen, deren Beſtimmung in einigen Minuten ab⸗ gethan iſt, während jede andere feinere und genauere Unterſuchung ſchon deshalb, weil ſie viel Zeit erfordert, alſo koſtbar wird, denn Zeit iſt Geld!— auf eine geringe Anzahl von Proben beſchränkt werden muß. Schon lange hat man es erkannt und ausgeſprochen, daß die Schlüſſe, die man aus der noch ſo genauen Unterſuchung einiger weniger Proben auf die Zuſammenſetzung eines ganzen großen Feldes zu ziehen wagt, unſicher und trügeriſch ſind. Wäre der Boden auf größere Strecken ganz gleichmäßig zu⸗ ſammengeſetzt, dann ſtände die Sache anders; aber bekanntlich wechſelt die Zuſammenſetzung, beſonders im Gebirgslande, auf kurze Ent⸗ fernungen, genau genommen, mit jedem Schritt. Darum iſt bei der Bodenunterſuchung an dem Grund⸗ ſatz feſtzuhalten: Je mehr Proben, deſto mehr Sicherheit. Dieſem Grundſatz kann aber die Unterſuchung in dem Grade beſſer nachkommen, als ſie weniger Zeit erfordert. Eben deshalb hat die beſprochene einfache Art der Bodenunterſuchung ſo großen Wert, zumal da ſie uns nötigt, den Boden auf ſeiner natürlichen Lagerſtätte und in ſeinem natürlichen Zuſtande draußen im Freien zu betrachten, wo wir die Geſamtheit der Verhältniſſe zu überblicken und zu würdigen im ſtande ſind. Die mechaniſche Analyſe und das Schlämmen des Bodens.— Daneben iſt aber die genauere Unterſuchung, wie ſie durch die mechaniſche Analyſe und das Schlämmen des Bodens bezweckt wird, nicht zu unterſchätzen. Denn ſoviel muß von vorn⸗ herein bedingungslos zugegeben werden, daß wir durch eine Zer⸗ legung des Bodens in ſeine Beſtandteile einen beſſeren Einblick in ſeine Zuſammenſetzung erlangen, als durch jene einfache Art der Unterſuchung. Nur werden wir aus den eben hervorgehobenen Gründen die feinere Unterſuchung auf die Fälle beſchränken, in denen Mechaniſche Analyſe. 93 jene einfache Unterſuchung mittelſt der Sinne nicht ausreicht, und wir werden auch hier die Methoden vorziehen, die mit den ein⸗ fachſten Apparaten in der kürzeſten Zeit das vollkommenſte Reſultat zu liefern vermögen. Das gilt, alles zuſammengerechnet, von keiner andern in dem Maße, als von der Unterſuchungsmethode, die ich vor 30 Jahren bei meinem hochverehrten Lehrer Julius Kühn kennen gelernt und ſeither immer beibehalten habe, obwohl mir andere Methoden nicht unbekannt geblieben ſind. Da indeſſen auch das von Kühn erdachte Verfahren immerhin ſchon mehrere Stunden Zeit zur Beendigung einer Unterſuchung erfordert, alſo nicht auf eine große Zahl von Proben ausgedehnt werden kann, ſo iſt es vor allem unerläßlich, bei der Auswahl der Proben mit Umſicht und überlegung zu Werke zu gehen. Hieraus ergiebt ſich von ſelbſt, daß die mechaniſche Analyſe die beſprochene einfache Unterſuchung des Bodens mit Hülfe der Sinne ſchlechterdings zur Vorausſetzung hat, denn wer nicht weiß, wie, wo und warum er eine Bodenprobe nehmen ſoll, der kann ſich mit der mechaniſchen Analyſe vielleicht auf angenehme Weiſe die Zeit vertreiben, einen wiſſenſchaftlichen oder praktiſchen Erfolg wird er dagegen nicht erzielen.„Das Experimentieren ohne Verſtändnis und ohne klar durchſchauten Zweck wird gar leicht zur nutzloſen Spielerei. Namentlich hat ſich der junge unerfahrene Landwirt vor derartigen Beſchäftigungen zu hüten, ſolange er nicht auf einer tüchtigen landwirtſchaftlichen Schule vor allen Dingen die nötigen Vorkenntniſſe ſich erworben, nächſtdem aber auch eine ſachgemäße und gründliche Anleitung zu ſolchen praktiſchen Arbeiten genoſſen hat.“ Das habe ich ſchon im Jahre 1873 geſagt und es paßt auch noch im Jahre 1899. Bei der Entnahme der Probe zum Zweck der mechaniſchen Analyſe muß nächſtdem als ſtrenger Grundſatz gelten: Jede Probe wird für ſich gefaßt und für ſich unterſucht. Auch dies habe ich ſchon früher geſagt und will es heute noch ſchärfer betonen, weil in der Litteratur immer wieder das Gegenteil empfohlen wird. Eine Vermengung mehrerer Proben, die von verſchiedenen Stellen des Feldes genommen werden, in der Abſicht, durch Herſtellung einer „Mittelprobe“ die Unterſuchung abzukürzen, hat keinen Sinn und —õsssõsõsssͤͤſ⁄— 94 Die Bodenbeſtandteile. Zweck. Entweder ſind nämlich die Feldproben nach dem Anſehen und Anfühlen ꝛc. untereinander gleich oder ſehr ähnlich zuſammengeſetzt, dann iſt es von vornherein überflüſſig, mehrere Proben nach Hauſe zu ſchleppen, indem in dieſem Fall eine einzige vollkommen genügt. Oder aber die Feldproben erweiſen ſich nach dem Anſehen und Anfühlen ꝛc. als ungleich zuſammengeſetzt, dann müſſen ſie auch ge⸗ trennt gefaßt und getrennt unterſucht werden, weil ſonſt in der durch Vermengung erzeugten„Mittelprobe“ eine Zuſammenſetzung her⸗ geſtellt wird, die in Wirklichkeit an keiner Stelle des Feldes vor⸗ kommt. Alſo wohlgemerkt: So viel Proben, ſo viel Einzel⸗ unterſuchungen! Die mit einer kleinen Handſchaufel aufgenommene Probe wird am beſten in ein dichtes Leinwand⸗ oder Drillichſäckchen gethan, das ungefähr 1 Liter Erde faßt. Größere Steine und Wurzeln bleiben auf dem Felde zurück, indem wir uns über den Steingehalt des Bodens, wie S. 86 angegeben, an Ort und Stelle zu orientieren ſuchen. Selbſtverſtändlich wird bei jeder Probe notiert, von welcher Stelle und aus welcher Tiefe ſie genommen iſt, was nötigenfalls ein Ein⸗ meſſen der Probegrube nach der Karte ec. erfordert. Zu Hauſe wird die Probe, gröblich zerbröckelt, ſo lange vor⸗ d getrocknet, bis ſich die Erde leicht mit den Fingern zerkrümeln läßt. Der hierzu nötige mittlere Zuſtand zwiſchen Trockenheit und Feuch⸗ tigkeit iſt ſorgfältig wahrzunehmen. Ein gewaltſames Zerſtampfen der etwa hartgetrockneten Brocken in einem Mörſer iſt nicht ge⸗ ſtattet, weil dabei eine Zerkleinerung der Steinchen und Sand⸗ körner eintreten würde. Von der zerkrümelten, noch etwas feuchten Erde dient ein Teil A zur Beſtimmung des Steingehaltes des Geſamt⸗ bodens, ein anderer Teil B zum Schlämmen der Feinerde. Durch dieſe Teilung des Materials wird Arbeit und Zeit geſpart. Die beiden Teile werden auf folgende Weiſe behandelt. 3 A. Beſtimmung des Steingehaltes des Geſamtbodens. Die Bodenprobe A wird auf einem Bogen Papier oder in einer Schüſſel flach ausgebreitet und an der Sonne oder in dem Brat⸗ ofen oder in der Ofenröhre ſo lange getrocknet, bis die Brocken durch und durch ausgetrocknet ſind, was man daran erkennt, daß die 5 Brocken im Innern ebenſo hell ſind, als außen(der feuchte Boden 1 n und geſett, Hauſe enügt. und h ge⸗ durch her⸗ vor⸗ zel⸗ wird das auf ens, hen. telle Ein⸗ vor⸗ läßt. euch⸗ pfen ge⸗ and⸗ ein amt⸗ erde. part. dens. einer Brat⸗ rocken ſß die Goden Schlämmen der Feinerde. 95 hat bekanntlich eine dunklere Farbe). Mit einem Wort: die Boden⸗ probe muß in den„lufttrocknen“ Zuſtand übergeführt werden. Von dem lufttrocknen Geſamtboden wägt man ein be⸗ ſtimmtes nicht zu kleines Gewicht(200 g) ab, ſchlägt die Erde durch ein 5 Millimeter⸗Sieb, wäſcht die im Siebe zurückbleibenden Steine mit Waſſer und einem Borſtenpinſel ſauber ab, entfernt die Wur⸗ zeln ꝛc., läßt die Steine trocknen und wägt ſie. Die Feinerde, die mit dem Waſſer durch das Sieb geht, gießt man fort, da es zu umſtändlich iſt, ſie zu trocknen; ihr Gewicht ergiebt ſich aus der Differenz.*) Zum Beiſpiel: Gramm Prozent Gewicht des lufttrocknen Geſamtbodens...= 200= 100 Gewicht der lufttrocknen Steine...= 94= 47 Differenz: Gewicht der abgeſiebten Feinerde.= 106 53 Der Geſamtboden enthält alſo 47% Steine und 53% ſo g Feinerde.**) B. Schlämmen der Feinerde.— Der andere Teil B des Geſamtbodens wird im zerkrümelten, noch etwas feuchten Zuſtande ebenfalls durch ein 5 Millimeter⸗Sieb geſchlagen. Hier werden aber die im Siebe zurückbleibenden gröberen Materialien: Steine, Wurzeln, Inſektenleichen ꝛc. einfach beſeitigt. Die geringe Menge Feinerde, die an den Steinen hängen bleibt, kann vernachläſſigt werden. Die abgeſiebte Feinerde, um deren Unterſuchung es ſich jetzt allein handelt, wird ebenſo, wie vorhin angegeben, in den„lufttrocknen“ Zuſtand übergeführt. Von der lufttrocknen Feinerde wägt man 50 g genau ab. Der Reſt wird für nötige Kontrollunterſuchungen ꝛc. in einer ganz trocknen Flaſche aufbewahrt, wobei das Etikettieren nicht zu vergeſſen iſt. Es empfiehlt ſich überdies, einen Teil der urſprünglichen, nicht geſiebten Probe des Geſamtbodens zur Anlegung einer Bodenſamm⸗ lung zu verwenden. *) Wie die„Feinerde⸗ für die weitere Unterſuchung gewonnen wird, iſt unter B näher angegeben. *) Unter„Feinerde“ iſt hier das Material zu verſtehen, das durch ein 5 Millimeter⸗Sieb gefallen iſt, das alſo außer den feinſten Teilchen mög⸗ licherweiſe auch Kies, Grand, Sand enthält. ——— 3 —ÿÿ——õnnn 96 Die Bodenbeſtandteile. Die abgewogene Feinerde, mit gewöhnlichem reinem Waſſer in eine genügend große Porzellanſchale gethan, muß nun durch ½⸗ bis 2 ½ ſtündiges Kochen unter fleißigem Umrühren und ſanftem Zerdrücken der Brocken mit einem glatten Stabe von Glas oder Hartholz, in einen feinen Brei verwandelt werden mit der Vor⸗ ſicht, daß von den abgewogenen 50 g durch Überkochen, Her⸗ ausſpritzen ꝛc. nicht das Geringſte verloren geht. Tritt durch Ungeſchicklichkeit oder ſonſt auf eine Weiſe irgend ein Verluſt ein, ſo fängt die ganze Arbeit unbedingt mit einer neuen Probe von vorne an. Dieſer Grundſatz gilt unerbittlich auch für alle folgenden Operationen. Der Kühn'ſche Schlämmeylinder.— Die völlig aufgeweichte und fein zerteilte Bodenſubſtanz kommt in den Kühn'ſchen Schlämm⸗ cylinder. Dieſer Schlämmapparat(Fig. 8) iſt ein einfaches cylin⸗ driſches Gefäß von 26 cm Höhe und 8,5 cm lichter Weite, 4 cm über dem Boden mit einem Ausfluß(Tubulus) verſehen, der mit einem eingeſchliffenen Glas⸗ oder mit einem Kautſchukſtopfen ver⸗ ſchloſſen werden kann. Es wird nun Waſſer aufgefüllt bis zur Marke, die 3,5 cm vom oberen Rande entfernt iſt, und darauf mit einem glatten Hartholz⸗ ſtabe gründlich und gleichmäßig umgerührt. Dann läßt man das Gefäß 15 Minuten lang ruhig ſtehen.— In dieſer Zeit ſetzen ſich die Steinchen und Sandkörner ab, die Thonteilchen u. ſ. w. I bleiben dagegen ſchwebend in dem Waſſer, das nun ſamt den feinſten Teilchen durch den Ausfluß abgelaſſen wird.“*) Dann wird von V neuem Waſſer aufgefüllt, umgerührt und wieder nach 15 Minuten *) Um Sandverluſt zu vermeiden, muß der Stopfen mit der Innen⸗ wand des Schlämmglaſes genau abſchneiden und gut paſſen und ſchließen, aber doch bequem heraus⸗ und hineingedreht werden können. Dieſe Forde⸗ rungen ſind indeſſen ſchwer oder gar nicht zu erfüllen, wenn die Ausfluß⸗ öffnung ſchlecht gebohrt oder wenn der Tubulus ſchlecht angeſetzt iſt. Ich habe daher den Tubulus ausſchleifen und mit einem eingeſchliffenen Glas⸗ ſtopfen verſehen laſſen, den man, wenn er zerbricht oder verloren geht, immer noch durch einen gut paſſenden Kautſchuk⸗ oder Korkſtopfen erſetzen kann. Die Höhe des Cylinders habe ich 3 cm niedriger genommen, da⸗ V gegen die Zeit des Stehenlaſſens auf 15 Minuten ausgedehnt. Dadurch wird eine genauere Scheidung des Dur⸗ und Mollgeſteins erzielt. n geht elſetzen en, da⸗ Dadurch Schlämmen der Feinerde. 97 abgelaſſen, und dieſe Operation ſo oft(wenn nötig 20 mal) wieder⸗ holt, bis das 15 Minuten lang ruhig geſtandene Waſſer nicht mehr trübe, ſondern klar erſcheint. Daran erkennt man, daß ſümtliche Thonteilchen ꝛc. herausgeſchlämmt ſind.*) Damit iſt die eigentliche Schlämmoperation beendigt: die abſchlämmbaren, molligen Teile, zuweilen nur aus Thon, zuweilen aber auch aus Thon, Humus, mikroſkopiſch feinem Sand und Kalk beſtehend, ſind alle mit dem Waſſer ausgefloſſen, der Sand nebſt den gröberen Geſteinsreſten(Kies, Grus, Grand) iſt in dem Schlämmglas zurückgeblieben. Der Sand wird nun unter Zuhülfe⸗ nahme einer Spritzflaſche und einer Feder⸗ fahne vorſichtig und ſauber aus dem Schlämm⸗ cylinder herausgeſpült, entweder direkt auf ein Filter, oder zunächſt in ein Becherglas. Es handelt ſich jetzt darum, den Sand von dem Waſſer zu trennen. Dies geſchieht am beſten durch Filtrieren. Das Filter(von ½¼ Bogen geſchnitten) wird in einen Glas⸗ oder Blechtrichter gethan und angefeuchtet, damit es dicht anliegt, alsdann der Sand nach und nach ohne Verluſt darauf gegeben. Nachdem das Waſſer abgetropft, wird Fig. 8. der ruhig in dem Trichter verbleibende Sand getrocknet, alsdann von dem Filter in eine kleinere Por⸗ zellanſchale gethan und gewogen.— Der Chemiker hat zum Trocknen einen beſonderen Trockenſchrank oder auch einen kupfernen Trockenkaſten, der mit einem doppelten Boden, mit einer Thür und einem Thermometer verſehen durch eine Gas⸗ oder Spiritusflamme geheizt wird. Auf dem Lande muß man ſich meiſtens mit dem Bratofen, mit der Ofenröhre oder mit der Sonnenwärme behelfen. *) Zuweilen wird das Waſſer überhaupt nicht hell und durchſichtig, ſondern es bleibt weißlich, gelblich oder bräunlich trübe. Nach einiger übung erkennt man trotzdem leicht, wann die abſchlämmbaren Teile ent⸗ fernt ſind. Nowacki, Bodenkunde. 3. Auflage. 7 — ————õmmmn 98 Die Bodenbeſtandteile. Nun folgt, unter Benutzung eines handlichen Siebſatzes mit runden Löchern von 2, 1, ½ und ¼ mm, das Zerlegen des Sandes in die verſchiedenen Korngrößen“), endlich das Wägen der einzelnen Sortimente auf einer genauen Wage mit Horn⸗- oder Nickelſchalen, und dann läßt ſich das Reſultat in Zahlen zuſammenſtellen. Zur Erläuterung diene folgendes Schul⸗ beiſpiel. Gewicht der lufttrocknen, abgeſiebten Feinerde...= 50 g Sand ꝛc. im Schlämmeylinder zurückgeblieben...= 26„ Folglich abgeſchlümmt........* 24 g. Ergebnis der Einzelwägungen nach dan Sieben des Sandes. Zuſammenſetzung der Feinerde. 1. Kies von 5— 2 mm Größe= 1,5 g oder= 3% 2. Grand„ 2— 1„„= 0,5„„= 1„ 3. Grober Sand„ 1— ½„„= 2,0„„= 4„ 4. Feiner Sand„ ½— ½„„= 6,5„„= 13„ 5. Staubförmiger Sand unter ¼„„= 15,0„„= 30„ 6. Thon ꝛc., mikroſkopiſch klein, abge⸗ ſchlämmt 24,0 2„— 48 1„ Verluſt durch Verſtäuben ec.= 0,5 chöchſtens!)= 1„„ 50,0 g 100% Die in der letzten Reihe ſtehenden Zahlen ſind die Prozente der Feinerde. Da unſer Boden nicht durchweg aus Feinerde be⸗ ſtand, ſondern 47% Steine und nur 53% Feinerde enthielt, ſo müſſen wir vorſtehende Zahlen auf dieſes Verhältnis umrechnen. Nach dieſer Umrechnung(die nach dem Anſatz 100:3= 53:X u. ſ. w. geſchieht) ergiebt ſich folgende *) Bei dem Abſieben des Sandes muß man die zuſammengetrockneten Bröckchen mit einem Hartholzſtabe zerdrücken und die Geduld nicht verlieren, wenn das feinſte Sieb an der Reihe iſt, denn die Arbeit mit ihm erfordert —2 Stunden Zeit. Dieſe Zeit wird erſpart, wenn man darauf verzichtet, den Sand unter ½ mm weiter zu zerlegen; aber in vielen Fällen iſt es gerade von Wichtigkeit zu wiſſen, wieviel ſtaubförmigen Sand(unter ⁰½¼ mm) der Boden enthält. Jeder mechaniſche Vorteil iſt mit einem mechaniſchen Nachteil verknüpft. ——„,n2———— Sedimentierröhren und Sedimentiercylinder. 99 Zuſammenſetzung des Geſamtbodens. 1. Steine über 5 mm Größe= 47,00% 2. Kies von 5—2„„= 1,59„ 3. Grand„ 2—1„„ 0,53„ 4. Grober Sand„ 1— ½„„= 2,12„ 5. Feiner Sand„ 1²2.— 1„„= 6,89„ 6. Staubförmiger Sand unter ¼„„= 15,90„ 7. Thon tc., mikroſkopiſch klein, abgeſchlämmt= 25,44„ Verluſt durch Verſtäuben ꝛc.= 0,53„ 100,00%. Erſt in dieſen Zahlen kommt das Reſultat der mecha⸗ niſchen Analyſe und die Zuſammenſetzung des Geſamt⸗ bodens richtig zum Ausdruck. Es iſt daher unumgänglich not⸗ wendig, die Zuſammenſetzung der Feinerde und die Zu⸗ ſammenſetzung des Geſamtbodens ſcharf auseinanderzuhalten. Sedimentierröhren und Sedimentiereylinder.— Für ge⸗ nauere quantitative Beſtimmungen iſt der Kühn'ſche Schlämmcylinder nebſt den dazu gehörigen Sieben unentbehrlich. Handelt es ſich, wie es in der landwirtſchaftlichen Praxis oft vorkommt, um einen raſchen Überblick über den relativen Gehalt an groben und feinen Beſtandteilen bei einer größeren Zahl von Bodenproben, dann kann man a) einfache Sedimentierröhren, oder b) Sedimentier⸗ cylinder benutzen. a) Sedimentierröhren. Man läßt ſich 10, 20 oder 30 Glasröhren von 12 oder 15 cm Länge und 2 cm Weite ſchneiden. Um vergleichbare Reſultate zu erhalten, muß die lichte Weite bei allen Röhren gleich ſein. Zum Zweck des Schlämmens wird zunächſt eine dieſer kurzen Sedimentierröhren an dem unteren Ende feſt verkorkt und durch ein paſſendes Stück Kautſchuk mit einer gleich weiten, aber etwa 30 cm langen Glasröhre in Verbindung gebracht. Von der lufttrocknen, von den größeren Steinen und Wurzeln befreiten Bodenprobe wägt man 10 g ab, zerteilt ſie, wenn nötig, durch Kochen oder Einweichen in Waſſer und ſpült ſie mit Hülfe eines Trichters in die zuſammen⸗ geſetzte Glasröhre. Nachdem dieſe auch am oberen Ende feſt ver⸗ korkt worden, ſchüttelt man Waſſer und Erde kräftig durcheinander, hält dann die Röhre annähernd ſenkrecht und unterſtützt das Sedi⸗ 7* 4 ————— b b V b 100 Die Bodenbeſtandteile. mentieren eine Zeitlang(5—10 Minuten) durch pendelför⸗ miges ſchnelles Hin⸗ und Herbewegen der Glasröhre zwiſchen den Fingern, zu dem Zweck, die feinen Teilchen, die von den grö⸗ beren, geſchwinder fallenden Körnern mit hinabgeriſſen werden, von dieſen zu befreien und ſo ein gleichmäßiges Abſetzen einzuleiten. Darauf ſtellt man die Glasröhre möglichſt genau ſenkrecht in ein Geſtell und läßt ſie ruhig ſtehen. Wenn ſich die Bodenteilchen genügend abgeſetzt haben, nimmt man die obere lange Röhre nebſt dem Kautſchukrohr vorſichtig ab und kann auch das klare Waſſer aus der unteren Sedimentierröhre über dem abgeſetzten Schlamm mit einer Pipette oder einem dünnen Glasröhrchen abziehen. Das Abſetzen von Kies, Grand und Grobſand geſchieht ſofort, bei dem ſtaubförmigen Sand iſt es längſtens in 30 Minuten be⸗ endigt; bei den mitkroſkopiſch feinen Tonteilchen ſind dagegen oft 24— 48 Stunden, zuweilen ſogar mehrere Tage und ſelbſt Wochen und Monate zu dem vollſtändigen Abſetzen und Zuſammenſacken er⸗ forderlich. Behandelt man die andern Bodenproben in derſelben Weiſe, ſo hat man ſchließlich in den Sedimentierröhren das Material ſchichten⸗ weiſe nach der Korngröße geordnet ſehr anſchaulich vor Augen. Die Sedimentierröhren bieten noch die Annehmlichkeit, daß man die geſchlämmten Bodenproben beliebig lange in ihnen auf⸗ bewahren und immer wieder betrachten und vergleichen kann. b) Sedimentiercylinder. Wer die Mehrkoſten nicht zu ſcheuen braucht, wird ſtatt der Sedimentierröhren beſſer 25 oder 30 cm hohe und 3 em weite, graduierte Steheylinder(Maß⸗ cylinder) mit eingeſchliffenem Glasſtopfen verwenden, die ohne Ge⸗ ſtell ſenkrecht ſtehen und zugleich den Vorteil gewähren, daß die Un⸗ bequemlichkeit mit dem Verſtopfen, dem Zuſammenſetzen und Aus⸗ einandernehmen der Glasröhren wegfällt. Üüberdies geſtatten dieſe Steh⸗ oder Maßeylinder die Verarbeitung einer größeren Boden⸗ probe von 50 g. Um übefſichtliche, leicht vergleichbare Reſultate zu gewinnen, empfiehlt ſich auch hier, auf gleiche lichte Weite der Cylinder zu achten. Füllt man in die Cylinder je 100 ccm Waſſer, ſo muß der Waſſerſpiegel bei gleicher Weite der Cylinder in allen gleich hoch ſtehen. fför⸗ iſchen grö⸗ , von leiten. n ein nmmt ig ab röhre ünnen ſofort, be⸗ oft ochen n er⸗ ſe, ſo hten⸗ vor daß auf⸗ ht zu oder Naß⸗ ſe Ge⸗ le Un⸗ Aus⸗ dieſe Zoden⸗ ate zu eder Laſſer, allen Bedeutung der mechaniſchen Analyſe. 101 Anwendbarkeit der mechaniſchen Analyſe.— Die mechaniſche Analyſe und das Schlämmen des Bodens läßt ſich bei allen Sand- und Grandböden, Thon- und Lehmböden, Kalk- und Mergelböden, alſo gerade bei den Bodenarten, mit denen es der Landwirt gewöhnlich zu thun hat, in der Weiſe anwenden, wie wir es vorhin beſprochen haben. Bei den Grus⸗ und Kiesböden, namentlich bei ſolchen, die augenſcheinlich ganz überwiegend aus gröberem Geſteinsmaterial be⸗ ſtehen, iſt die mechaniſche Analyſe zwar ebenfalls anwendbar, doch wird es hier meiſt genügen, um den Gehalt an Feinerde zu erfahren, eine größere Probe(mindeſtens 1 Liter) mäßig zu trocknen, durch ein 5 mm-Sieb, ohne Beihülfe von Waſſer, in Steine und Fein⸗ erde zu trennen und beide Teile zu wägen oder zu meſſen. Bei den Humusböden, die viel unzerſetzte Pflanzenteile ent⸗ halten, kann man in ähnlicher Weiſe verfahren. Doch hat die mechaniſche Analyſe und das Schlämmen eines Bodens, der augen⸗ ſcheinlich nur aus Pflanzenfaſern beſteht, wie z. B. manche Schichten des Moostorfes, kaum einen Zweck. Auch bei den modrig-erdigen Humusböden werden wir meiſt auf einem anderen Wege(durch Ab⸗ glühen der Humusſubſtanz) ſchneller zum Ziele kommen, als durch die mechaniſche Analyſe. Bedeutung und beſchränkte Leiſtung der mechaniſchen Analyſe.— Werden die Proben, was unerläßliche Bedingung iſt, von ſachverſtändigen, praktiſchen Männern ausgewählt und unterſucht, ſo unterliegt es keinem Zweifel, daß uns die mechaniſche Analyſe viele wichtige Anhaltspunkte zur Beurteilung der Boden⸗ beſchaffenheit zu gewähren vermag, daß ſie unter jener Be⸗ dingung namentlich auch ein Mittel iſt, um für die ſtatiſtiſchen Verhältniſſe eines Landes, ſoweit ſie den Grund und Boden be⸗ treffen, wertvolles Material zu erhalten. Bei gegebener geographiſcher und örtlicher Lage und bei be⸗ kannten Lagerungsverhältniſſen eines Grundſtücks gewinnen wir mit der Kenntnis des Miſchungsverhältniſſes der gröberen und feineren Bodenbeſtandteile ein ziemlich ſicheres Urteil darüber, wie ſich der Boden bei der Bearbeitung verhalten wird, wie er ſich verhalten wird gegen Waſſer und Wärme, wie gegen den Dünger in feſter und flüſſiger Form(Zerſetzung, Abſorption), wie gegen das Ein⸗ 102 Die Bodenbeſtandteile. dringen der Luft u. ſ. f. Kurz, es läßt ſich eine Menge in agro⸗ nomiſcher Beziehung wichtiger Eigenſchaften des Bodens aus dem prozentiſchen Gehalt an gröberen und feineren Beſtandteilen ableiten. Nachſtehendes Schema wird vielleicht dazu dienen, das oben Geſagte einigermaßen anſchaulich zu machen: Beſteht der Boden überwiegend aus abſchlämmbaren nicht abſchlämmbaren thonigen Teilen, gröberen Teilen, ſo nennen wir ihn 3 a) in Bezug auf Bearbeitung ſchwer leicht b)„„„ Bündigkeit feſt loſe C)„„„ Gefüge dicht lückig d)„„„ Feuchtigkeit undurchlaſſend durchlaſſend e)„„„ Wärme kalt hitzig f)„„„ Thätigkeit unthätig überthätig u. ſ. w. Eben deshalb, weil die gröberen und die feineren Beſtandteile ſo verſchieden, in vielfacher Beziehung ſich geradezu entgegengeſetzt verhalten, iſt die mechaniſche Analyſe, die uns über das quantitative Verhältnis unterrichtet, ſo wertvoll und brauchbar. Immerhin iſt die Leiſtung der mechaniſchen Analyſe inſofern be⸗ ſchränkt, als ſie den Boden nur in ſeine mechaniſchen Gemengteile, nicht auch in ſeine chemiſchen Beſtandteile zu zerlegen vermag. Schon mit bloßem Auge erkennen wir in den nicht abſchlämm⸗ baren Teilen, beſtehend aus Grus, Kies, Grand und Sand, ver⸗ ſchiedene Mineralien und Geſteine, z. B. Quarzkörner, Feldſpat⸗ ſtückchen und Glimmerblättchen, oder Trümmer und Gerölle, z. B. von Granit oder Gneis, in denen die eben genannten drei Mine⸗ ralien zu einer Geſteinsmaſſe vereinigt vorkommen ꝛc. So ſind auch die abſchlämmbaren Teile häufig ein Ge⸗ menge von verſchiedenen Subſtanzen. Wir können uns hier⸗ von überzeugen, wenn wir etwas von dem abgeſchlämmten Material unter der Lupe oder unter dem Mikroſkop betrachten. Nach der Farbe und Lichtbrechung, ſowie nach der Form und Größe können wir beurteilen, ob wir es mit chemiſch verſchiedenen oder gleichen Stoffteilchen zu thun haben. Noch ſicherer wird unſer Urteil, wenn wir chemiſche Reagentien und den Mikromillimeter⸗ agro⸗ dem eiten. oben baren len, nd deile geſetzt tative n be⸗ teile, rmag. Kalk. 103 Maßſtab bei der mikroſkopiſchen Unterſuchung benutzen, was wir hier indeſſen nur andeuten können, ohne näher darauf einzugehen. Nur möchten wir bei dieſer Gelegenheit auf die Bedeutung des Mikroſkopes, dieſes unentbehrlichen Hausgerätes für den mit der Welt fortſchreitenden Landwirt, auch für die Bodenunterſuchung aufmerkſam machen(vergl. S. 56). Die genauere Unterſuchung lehrt, daß die abſchlämmbaren Teile aus Thon, Humus, mikroſkopiſch feinem Sand, Kalk u. a. Subſtanzen beſtehen können. In der Mehrzahl der Fälle iſt der Thon überwiegend; es kommt aber auch vor, daß der Humus oder der Sand überwiegt, und zuweilen enthalten die abſchlämm⸗ baren Teile faſt nichts als Kalk. Behandeln wir z. B. eine Probe von Lößmergel mit dem Kühn’'ſchen Schlämmeylinder, ſo finden wir in den abſchlämmbaren Teilen ein Gemenge von Thon, Kalk und Kieſelmehl; und in dem Schlamm, der bei den Züricher Quaibauten im Sommer 1883 aus dem See gebaggert und zur Auf⸗ füllung verwandt worden iſt, beſtehen die abſchlämmbaren und übrigens auch die im Schlämmglaſe zurückbleibenden Teile faſt durchweg aus Kalk. Wir dürfen daher, ſofern wir uns nicht täuſchen wollen, auf die mechaniſche Analyſe uns nicht allein verlaſſen, ſondern wir müſſen jene einfache Unterſuchung, die ſich auf den Gebrauch der Sinne ſtützt, immer mitbenutzen, und außer der mikroſkopiſchen, namentlich auch die chemiſche Unterſuchung mit zu Hülfe nehmen. In erſter Linie kommt hierbei die Ermittelung des Kalkes und des Humus in Betracht. Wir wollen deshalb jetzt die chemiſche Unterſuchung des Bodens auf ſeinen Gehalt an Kalk und Humus beſprechen, beſchränken uns aber auch hier wieder auf die Methoden, die möglichſt einfach und dabei doch möglichſt zuverläſſig ſind, indem wir die komplizierteren und allerdings auch genaueren Methoden dem Chemiker von Fach überlaſſen. 3. Die Anterſuchung des Bodens auf ſeinen Gehalt an Kalk. Der Kalk findet ſich im Boden im ſteinigen, im ſandig— körnigen, und namentlich auch im erdigen oder molligen Zuſtande. Es giebt einige ſinnliche Merkmale, die zur Erkennung des Kalkes dienen. Zerſchlägt man Trümmer oder Gerölle von 104 Die Bodenbeſtandteile. dichtem Kalkſtein, ſo zeigt ſich ein muſcheliger Bruch, und die friſche Bruchfläche tin ſich mit der Meſſerſpitze, nicht aber mit dem Fingernagel ritzen. Der Kalkſand iſt weniger hart und nicht ſo glänzend als der Quarzſand oder gemeine Sand, der wegen ſeiner Härte zwiſchen den Zähnen ein ſehr unangenehmes Gefühl verurſacht, während der weichere Kalkſand unſere Zahnnerven viel weniger beleidigt. Und der erdige Kalk beſitzt weder den Geruch noch die Formbarkeit des Thons. Mit dieſen Merkmalen können wir den reinen Kalk iemlich ſicher von anderen Geſteinen und Erdarten unterſcheiden. Reiner Kalk kommt aber, namentlich in erdigem Zuſtande, nur ſelten vor, vielmehr treffen wir ihn faſt immer in Begleitung von Thon. Die ſehr verbreiteten Mergelböden ſind ein derartiges inniges Ge⸗ menge von Kalk und Thon, das oft auch Sand, d. h. Quarzſand, enthält. Aber auch in anderen Bodenarten, in Thonböden, in Lehmböden, ſelbſt in manchen Humusböden findet ſich der erdige Kalk in größerer oder geringerer Menge ſehr häufig. Wir können dann zwar aus dem Verhalten des Bodens bei der Bearbeitung, bei dem Abtrocknen ꝛc. mit einiger Wahrſcheinlichkeit auf die Gegen⸗ wart des Kalkes ſchließen, namentlich zerfällt ein mergeliger oder kalkhaltiger Boden nach dem Auftanen aus dem Winterfroſt in eigentümlicher Weiſe; noch ſicherer zeigen gewiſſe Pflanzen, die freiwillig auf dem Boden wachſen, die Gegenwart des Kalkes an; aber dieſe Merkmale ſind entweder nicht zuverläſſig, oder ſie ſind nicht ausreichend, weil nicht immer und nicht überall anwendbar. Die einfache Salzſäureprobe.— Dagegen giebt es ein chemiſches Mittel, um ſchon einen geringen Kalkgehalt im Boden zu entdecken. Das iſt die Salzſäure. Gießen wir nämlich einige Tropfen Salzſäure auf eine Bodenprobe, ſo entſteht bei Vorhanden⸗ ſein von Kalk ein Aufbrauſen von Kohlenſäure, indem dieſe aus ihrer Verbindung mit dem Kalk durch die ſtärkere Salzſäure ausgetrieben wird. Andere ſtarke Säuren, wie Schwefelſäure, Salpeterſäure, Eſſigſäure, bewirken dasſelbe, jedoch bedient man ſich bei der Bodenunterſuchung gewöhnlich der Salzſäure. Mit Hülfe dieſes einfachen Mittels können wir bei aufmerk⸗ ſamer Beobachtung und nach einiger übung in einigen Minuten über die Menge und Verteilung des Kalkes Auskunft erhalten, in⸗ nlich einer Kalk. 10⁵ dem ſich dieſe Verhältniſſe aus der Art und Stärke des Aufbrauſens annähernd erkennen laſſen. 1. Erfolgt gar kein Aufbrauſen, ſo beträgt der Kalkgehalt unter 1%6: 2. erfolgt ein ſchwaches Aufbrauſen, ſo können wir den Kalkgehalt zu 1—2%; 3. erfolgt ein deutliches, aber nicht anhaltendes Aufbrauſen, ſo können wir ihn zu 3— 4% annehmen; 4. erfolgt ein ſtarkes und langanhaltendes Aufbrauſen, ſo beträgt der Kalkgehalt über 5%; er kann dann alſo 20, 50, 70% und mehr betragen; erfolgt ein gleichmäßiges Aufbrauſen durch die ganze Boden⸗ maſſe, ſo iſt der Kalk gleichmäßig verteilt; iſt das Aufbrauſen dagegen ungleichmäßig, d. h. bemerken wir es nur an einzelnen Punkten, ſo iſt der Kalk in einzelnen, zerſtreuten Steinchen, Körnchen oder Stäubchen vorhanden; 6. waſchen wir den Boden mit Hülfe eines ſteifen Pinſels durch ein feines Sieb von ½ mm Maſchenweite, ſo können wir noch ſicherer feſtſtellen, ob der Kalk ſowohl in dem gröberen als auch in dem feineren Material, oder ob er nur in dieſem oder nur in jenem vertreten iſt. Ebenſo iſt es leicht, die bei der Schlämmanalyſe gewonnenen einzelnen Produkte auf ihren Kalkgehalt zu prüfen. Um hierbei vergleichbare Reſultate zu gewinnen, müſſen wir zur Unterſuchung immer dieſelbe Verdünnung der Salzſäure und immer auch möglichſt dieſelbe Menge(1—3 Tropfen) verwenden. Es empfiehlt ſich daher, ein für allemal eine Säure zu nehmen, die zur Hälfte aus reiner konzentrierter Salz⸗ ſäure und zur Hälfte aus Waſſer beſteht. Die Auskunft, die wir durch dieſe einfache und ſchnelle Art der Unterſuchung erhalten, wird uns in der Mehrzahl der Fälle genügen. Iſt es aber, z. B. bei der Beurteilung eines Mergels von Wichtigkeit, den Kalkgehalt genauer zu kennen, ſo werden wir in der Regel am beſten thun, wenn wir eine mit Umſicht und unter Benutzung der Salzſäure genommene Probe an die agrikultur⸗ chemiſche Verſuchsſtation einſenden. &◻ 106 Die Bodenbeſtandteile. Die genauere Kalkbeſtimmung.— Indeſſen will ich doch, um hier nicht eine Lücke zu laſſen, eine Methode der Kalkbeſtimmung beſchreiben, die an Einfachheit und Schnelligkeit nichts zu wünſchen übrig läßt und auch in Bezug auf Genauigkeit den Anforderungen der Praxis völlig genügt. Die Methode eignet ſich zwar nur für ſolche Böden, die viel Kalk(über 5%) enthalten, aber gerade des⸗ halb iſt ſie wertvoll, weil wir bei den Böden mit niedrigem Kalk⸗ gehalt(unter 5%), wie oben angedeutet, mit der einfachen Salz⸗ ſäureprobe uns zur Not behelfen können. Unerläßliche Bedingung iſt aber der Beſitz einer feineren Wage und genaues Wägen. Am beſten eignet ſich hierzu eine ſog. Präziſionswage, mit Balkenarretierung und 200 g Tragkraft, deren Beſchaffung ohne oder mit Glaskaſten eine Auslage von 38 oder 48 M benötigen würde. Aber es genügt allenfalls auch eine kleine Handwage mit feinen Horn⸗ oder Niaelſchalen, die man für 5—7 M haben kann. Die Tragkraft iſt bei dieſer zweckmäßig 100— 150 g und der Durch⸗ meſſer der Schalen 9 cm. Mit dieſer wie mit jener Wage läßt ſich bei der nötigen Sorgfalt auf ½100 g genau wägen, und das iſt für die Kalkbeſtimmung und für alle ſonſtigen landwirtſchaftlichen Unter⸗ ſuchungen ausreichend. Zu der Wage gehört auch ein vernickelter Gewichtsſatz mit 200, 20, 2, 0,2, 0,02, 0,002 Gramm⸗Gewichten, der 10 Mà koſtet.*) Wer ſich häufiger mit derartigen Unterſuchungen be⸗ ſchäftigen will, wird immerhin beſſer thun, ſich eine Präziſions⸗ wage anzuſchaffen. Übrigens iſt es mit dem Wägen wie mit dem Schießen. Ein feiner Schütze trifft auch mit einer ordinären Büchſe ins Schwarze; wer dagegen das Laden und das Zielen nicht ver⸗ ſteht, der knallt auch mit der beſten Büchſe in den Wind. Zum Zweck der Kalkbeſtimmung wird von dem lufttrockenen Boden eine kleine Menge in einem Mörſer von Porzellan oder Achat(zur Not thut's auch ein gewöhnlicher Küchenmörſer) fein zer⸗ *) Obige Angaben habe ich dem Preisverzeichnis von G. Hartner, Fabrikation von Präziſions⸗Wagen, in Ebingen, Süddeutſchland, ent⸗ nommen. doch nung ſchen ngen rfür des⸗ Kal⸗ Sah⸗ iner tſich und eine nügt oder t iſt urch⸗ jener 100 g mung inter⸗ auch 0,2, ſtet.) n be⸗ ons⸗ t dem Büchſe t ver⸗ kenen oder i zel⸗ rtner, , elt⸗ Kalk. 107 ſtoßen und von der gepulverten Erde ein beſtimmtes Gewicht auf einem ſauberen und trockenen Uhrglas genau abgewogen. Bei Mergelboden nimmt man 5 g, bei Kalkboden genügen 3 g.*) Alsdann wird in ein gewöhnliches, aber ebenfalls ſauberes und trockenes Medizinfläſchchen mit Hülfe eines Glastrichters ſoviel Salz⸗ ſäure gegoſſen, daß ſie reichlich einen Centimeter hoch in dem Fläſchchen ſteht.“**) Die Salzſäure ſoll auch hier zur Hälfte aus konzentrierter Salzſäure und zur Hälfte aus Waſſer beſtehen. So gefüllt kommt das Fläſchchen, nach Beſeitigung des Trichters, auf die Wage. Man wägt wiederum genau und notiert das Gewicht. Nun thut man die Erde nach und nach von dem Uhrglas in das Fläſchchen, indem man immer eine ganz kleine Meſſer⸗ ſpitze voll nimmt und ſorgfältig darauf achtet, daß nichts von der Erde verſtäubt, auch nichts an dem Hals des Fläſchchens hängen bleibt. Schüttet man zu viel Erde auf einmal hinein, ſo ſpritzt die Flüſſigkeit in feinen Perlen heraus oder ſchäumt wohl gar über und die Arbeit iſt vergebens. Hier gilt das Sprüchwort: Eile mit Weile. Von Zeit zu Zeit wird das Flläſchchen vorſichtig bewegt, damit die Salzſäure überall mit dem Kalk in Berührung treten und die Kohlenſäure vollſtändig austreiben kann. Die letzte Erde wird mit einem zugeſtutzten Federbart oder mit einem kleinen Pinſel, der wiederum ganz ſauber und trocken ſein muß, auf dem Uhrglas zuſammengekehrt und auch die Meſſerſpitze abgeputzt, denn die Auf⸗ gabe iſt die, daß die abgewogene Bodenſubſtanz ohne den ge⸗ ringſten Verluſt in das Fläſchchen gelangt. Iſt dies glücklich erreicht, ſo wartet man einige Zeit, damit der Schaum ſich ſetzen und die Kohlenſäure aus dem Fläſchchen entweichen kann. Dann *) Mergel⸗ und Kalkboden können wir dadurch unterſcheiden, daß der Kalkboden noch ſtärker und anhaltender brauſt, und daß er ſich in einer genügenden Menge Salzſäure bis auf einen kleinen Reſt vollſtändig auflöſt. *) Das Fläſchchen darf nicht zu groß ſein, ſonſt iſt es zu ſchwer, es darf aber auch nicht zu klein ſein, ſonſt ſchäumt die Salzſäure über. Man wähle alſo ein Fläſchchen von 12 cm Höhe und 5—6 cm Weite, und achte auch darauf, daß der Hals kurz und weit iſt.— Bequemer und ſicherer iſt ein Erlenmeyerſches Kochfläſchchen, das 13 cm hoch und über dem Boden 8 em weit iſt. Fig. 9. 108 Die Bodenbeſtandteile. wird das Fläſchchen wieder genau gewogen. Das übrige ergiebt ſich durch Rechnung. Zum Beiſpiel: Erſte Wägung: Uhrglas.......... 6,51 g Zweite Wägung: Uhrglas+† Erde...... ⸗ 11,86„ Folglich Erde metto........= 5,35 g. Dritte Wägung: Fläſchchen † Salzſäure..= 81,99 g Vierte Wägung: Fläſchchen+ Salzſäure+ Erde.= 87,02 g. Die vierte Wägung ergiebt weniger, als das Fläſchchen mit der Salzſäure und der unveränderten Erde wiegen würde. Nämlich 5,35+ 81,99= 87,34 Vierte Wägung= 87,02 Differenz= 0,32. Dieſe 0,32 g entſprechen dem Gewicht der Kohlen⸗ ſäure, die durch die Salzſäure aus der Bodenſubſtanz ausgetrieben worden iſt. Nimmt man an, daß dieſe Kohlen⸗ ſäure mit Kalkerde verbunden war, ſo läßt ſich das Gewicht des Kalks berechnen. Es beſtehen nämlich 100 Teile Kalk aus 44 Teilen Kohlenſäure und 56 Teilen Kalkerde. Folglich haben wir an⸗ zuſetzen: 44:56= 0,32:X X= 0,40. Das heißt: 0,32 g Kohlenſäure verbinden ſich mit 0,40 g Kalk⸗ erde zu 0,72 g Kalk. Wir haben alſo 0,72 g Kalk in 5,35 g Boden⸗ ſubſtanz gefunden. Um die Prozentzahl zu berechnen, machen wir den Anſatz: 5,35: 0,72= 100:X X= 13. Alſo enhält der unterſuchte Boden 13% Kalk. 4. Die Anterfuchung des Vodens auf ſeinen Gehalt an Humus. Der Humus iſſt pflanzliche oder tieriſche Subſtanz, durch Zerſetzung und Zerfall übergeführt ineinen faſerigen oder modrig⸗erdigen, molligen Zuſtand. Im Vergleich zu den anderen Hauptbeſtandteilen des Bodens iſt der Humus ſehr vergänglich. Durch Feuer ſchnell, durch Verweſung langſam zer⸗ ſtört, verwandelt er ſich in Luft und Dunſt, und an der Stätte, wo er war, bleibt nur ein Häufchen Aſche zurück. mus. tanz, igen ch zu ſehr zel⸗ te, Wo Humus. 109 Der faſerige Humus, in dem das Pflanzengewebe mehr oder minder vollſtändig erhalten, iſt ohne weiteres als das zu erkennen, was er iſt. Manche Schichten des Moostorfes beſtehen z. B. aus faſerigem Humus. Der modrig-erdige Humus enthält als charakteriſtiſchen Be⸗ ſtandteil den Kohlenſtoff, und durch ihn bekommt er eine dunkle Farbe, die im feuchten Zuſtande meiſt tiefſchwarz, im trockenen Zuſtande ſchwarzbraun, gelblichbraun, bläulichſchwarz oder ſchwärzlichgrau erſcheint. Da nun die anderen Beſtandteile des Bodens: der Thon, der erdige Kalk und der Sand(Quarzſand) eine helle Farbe haben, ſo können wir nach der mehr oder minder dunklen Farbe ziemlich ſicher den Gehalt des Bodens an Humus beurteilen. Nur bei den Böden, die durch Verwitterung aus Baſalt, Schiefer, ſchwarzem Kalkſtein ꝛc. entſtanden ſind, oder bei ſolchen Böden, die viel Eiſen enthalten, können wir in einen Irrtum verfallen, wenn wir uns allein von der Farbe leiten laſſen. Bei einiger Aufmerkſamkeit läßt ſich dieſer Irrtum vermeiden. Denn die Farbe des Eiſens, wie es im Boden vorkommt, zieht mehr ins Gelbe und Roſtrote(Eiſenoxyd) oder auch ins Grünliche oder Grünlich⸗ bläuliche(Eiſenoxydul). Ferner verrät ſich der Humus im feuchten Zuſtande durch einen eigentümlichen Geruch, den man als„Erd⸗ geruch“ oder„Modergeruch“ bezeichnet. Außerdem kennzeichnet ſich der Humus durch ſein ſchwammiges, mulmiges Weſen und durch ſein ſanftes, molliges Anfühlen. Endlich beſitzt der Humus, wenn er nicht von Waſſer durchtränkt iſt, ein viel ge⸗ ringeres Gewicht, als ſämtliche andere Bodenarten. Im großen und ganzen genügt es, wenn wir den Humusgehalt des Bodens nach den ſinnlichen Eindrücken beurteilen. Bei den Humuspolſtern hoch oben auf den Bergen, wo die Alpenroſen blühn, bei den Humuslagen, die wir im Schatten der Laub⸗ und Nadel⸗ wälder finden, bei den Humusmaſſen, die als Torf, Moor oder Moos in den Keſſeln, Becken und Thälern angehäuft ſind, iſt eine Täuſchung nicht möglich. Hier können wir uns meiſt darauf beſchränken, die Mächtigkeit der Humusablagerung feſtzuſtellen, eine Unter⸗ ſuchung, die nicht zu unterlaſſen, übrigens mit einigen Probegruben oder Bohrlöchern abgethan iſt. Im Walde finden wir unter der lockeren und ſchwammigen 110 Die Bodenbeſtandteile. Humusdecke, die zuweilen nur ſchwach, zuweilen gar nicht vorhanden iſt, häufig eine Schicht, die ein Gemenge von Humus und anderen Bodenbeſtandteilen darſtellt. Die Mächtigkeit dieſerhumushaltigen Schicht, an der dunkleren Farbe von dem Untergrund zu unter⸗ ſcheiden, iſt ebenfalls feſtzuſtellen. Dies gilt auch für das Wieſen⸗ und Weideland, ſowie für das Ackerland mit Einſchluß des Garten⸗ und Reblandes. Auch hier haben wir, wie früher bereits erwähnt, die Tiefe der Ackerkrume oder die Mächtigkeit des Obergrundes möglichſt genau zu ermitteln. Denn es verſteht ſich von ſelbſt, daß der Humusgehalt des Bodens im allgemeinen um ſo größer ſein wird, je tiefer die Ackerkrume oder je mächtiger der Obergrund iſt. Die Tiefe der Ackerkrume iſt geradezu ein Maßſtab für den Humus⸗ gehalt. Der Untergrund iſt gewöhnlich humusfrei oder humus⸗ arm. Doch kommen Ausnahmen von dieſer Regel vor, die nicht überſehen werden dürfen. Man vergleiche das S. 53 Geſagte. Auch im Untergrund macht ſich der Humus durch ſeine dunkle Farbe be⸗ merklich. Die hier und da im Untergrunde vorkommenden Stein⸗ und Braunkohlenflötze werden wir leicht als ſolche erkennen, aber nicht zu dem Humus rechnen, obgleich ſie ihrer Entſtehung nach mit ihm verwandt ſind. Hinſichtlich der Menge und Beſchaffenheit des Humus laſſen ſich aus dem Vorhandenſein gewiſſer Tiere einige Schlußfolgerungen ziehen, die hier erwähnt ſein mögen. Wo nämlich viele Inſekten und Würmer im Boden vorkommen, da iſt der Humus reichlich ent— wickelt. Man achte bei der Unterſuchung der Probegruben beſonders auf die röhrenförmigen Gänge, die die Engerlinge und Regen⸗ würmer, das Erdreich durchbohrend, hinter ſich zurücklaſſen. Dieſe Erdbewohner tragen auch ſelbſt zur Humusbildung ihren Teil bei, und zwar einen größeren, als man bei oberflächlicher Betrachtung erwartet. Der bekannte Naturforſcher Darwin hat ein ganzes Buch geſchrieben über die Bildung der Ackererde durch die Thätig⸗ keit der Würmer. Wo viele Regenwürmer leben, da wandert die ganze Ackerkrume und zum Teil auch der Untergrund, mit Pflanzen⸗ teilen und Wurmexkrementen vermengt und bereichert, im Laufe der Jahrhunderte durch den Darm der Würmer, und durch dieſe Pflug— —— ↄ———— ———— Humus. 111 und Drainierarbeit leiſten die Regenwürmer der Landwirtfchaft einen unberechenbaren Nutzen.— Da nun die Regenwürmer und Enger⸗ linge großer und kleiner Art gewiſſen Säugetieren und Vögeln zur Nahrung dienen, ſo liefert uns die Menge dieſer Wurm- und In⸗ ſektenfreſſer einen Maßſtab für den Reichtum des Bodens an Humus. Im beſonderen dürfen wir dort, wo viele Maulwürfe, Lerchen, Amſeln und Droſſeln ſich aufhalten, einen milden und frucht⸗ baren Humus erwarten, während wir in jenen Gegenden, wo der Kiebitz ſeinen Klagelaut ertönen läßt, in der Regel einen ſauren und naſſen Humus finden werden. Für die Einteilung und Benennung des Bodens nach ſeinem Humusgehalt können wir uns folgender Abſtufung bedienen. Man nennt den Boden: humusfrei bei einem Humusgehalt von 0% humusarm„„„ unter 2„ humushaltig„„. von 3— 4„ humos, humusreich bei einem Humusgehalt von 5— 10— 15„ Humusboden„„„ über 20„ Dieſe fünf Abſtufungen laſſen ſich nach einiger Übung auf Grund der vorhin angegebenen Merkmale zur Not unterſcheiden, ohne daß man zu einer eigentlichen Humusbeſtimmung ſeine Zuflucht zu nehmen braucht. Wollen wir den Humusgehalt auf ½% genau erfahren, ſo müſſen wir die Unterſuchung(Elementar⸗Analyſe!) dem Fach⸗ chemiker überlaſſen. Es wäre aber ſehr zu wünſchen, daß die Agri⸗ kulturchemiker eine Methode der Humusbeſtimmung ausfindig machten, die bei hinreichender Genauigkeit ſo einfach wäre, daß ſie auch der Landwirt anwenden konnte. Die bis jetzt übliche Methode, den Humusgehalt aus dem Glühverluſt zu beſtimmen, entſpricht den An⸗ forderungen der Landwirtſchaft nur zum Teil. Humusbeſtimmung aus dem Glühverluſt.— Man ver⸗ fährt dabei in folgender Weiſe: Von der durchgeſiebten lufttrockenen Erde(vergl. S. 95) wird ein beſtimmtes Gewicht, der einfachen Rechnung wegen gerade 10 g, in einem kleinen Porzellan⸗ oder Platintiegel genau abgewogen und im Trockenkaſten(vergl. S. 97) bei einer, nach dem Thermometer regulierten Hitze von 140—150° C. — über 1500 darf die Hitze nicht ſteigen!— mindeſtens 2 Stunden ö 112 Die Bodenbeſtandteile. lang getrocknet.“*) Sobald dann der Tiegel ſoweit abgekühlt iſt, daß man ihn eben mit den Fingern halten kann, wird er noch warm auf die Wage geſetzt und möglichſt ſchnell, aber genau gewogen. Der Gewichtsverluſt entſpricht dem Waſſer, das bei dem Erhitzen fortging. Nun wird der Tiegel über einer Spiritus⸗**) oder Gasflamme zuerſt ſchwach, allmählich ſtärker erhitzt und die darin befindliche Erde unter fleißigem, aber vorſichtigem Umrühren mit einem Platin⸗ draht oder Platinſpatel ſo lange ausgeglüht, bis das Glimmen auf⸗ hört und alle kohligen Teile verbrannt ſind. Dann wird die ab⸗ gekühlte Erde mit einigen Tropfen einer klaren Löſung von kohlen⸗ ſaurem Ammoniak befeuchtet, um dem Kalk ꝛc. die durch die Hitze ausgetriebene Kohlenſäure wieder zu geben. Nachdem nun der Tiegel nochmals einige Minuten ſchwächer erwärmt worden, um das zu⸗ geſetzte Ammoniak zu verflüchtigen, kommt er wieder auf die Wage. Der jetzige Gewichtsverluſt gegen die letzte Wägung wird als Glüh⸗ verluſt in Rechnung gebracht. Zum Beiſpiel: Erſte Wägung: Tiegel leer......... 58,73 g Zweite Wägung: Tiegel † lufttrockene Erde..= 68,73„ Dritte Wägung: Tiegel+ getrocknete Erde.= 67,32„ Vierte Wägung: Tiegel geglühte Erde—— 66,71„ Folglich Glühverluſt= 0,61 g Dieſer Glühverluſt von 0,61 g bezieht ſich auf die abgewogenen 10 g Erde. In Prozenten beträgt alſo der Glühverluſt= 6,1%. Iſt nun dieſer Glühverluſt= dem Humusgehalt des Bodens? Antwort: Ja und Nein. Bei der einen Klaſſe von Böden iſt dies der Fall, bei der anderen Klaſſe dagegen nicht. .*) Beſitzt man keinen Trockenkaſten, ſo ſtellt man den Tiegel auf einem ſelbſtangefertigten Draht⸗Dreifuß in den Bratofen und reguliert die Hitze, ſo gut es eben geht. Man kann den Tiegel auch in einer mit Sand ge⸗ füllten eiſernen Pfanne auf den Herd ſetzen, um ſo das Trocknen der Bodenprobe im„Sandbade“ zu bewirken. Der praktiſche Mann weiß ſich auch ohne ein glänzend eingerichtetes Laboratorium zu helfen. **) Es iſt hierzu eine Spirituslampe mit doppeltem Luftzuge, eine ſog. Berzelius⸗Lampe, erforderlich. 773 g 13„ 797„ ,61 g genen 6,10%. t des Böden if einem ie Hihe, zand ge⸗ nen der un weſß eine ſog. Grundnäſſe. 113 Bei den Böden nämlich, die keinen oder nur ſehr wenig(unter 10%) Thon enthalten, als da ſind: Grusböden, Kies⸗ und Grand⸗ böden, loſe und humoſe Sandböden nebſt den eigentlichen Humus⸗ böden— können wir die Formel als richtig annehmen: Glüh⸗ verluſt=⸗Humus. Bei den Böden aber, die Thon in irgend erheblicher Menge (über 10%) enthalten, iſt dieſe Formel nicht zutreffend, vielmehr fällt bei dieſer Klaſſe von Böden die Humusbeſtimmung nach dem Glühverluſt regelmäßig zu hoch aus. Dies kommt daher, daß der Thon einen Teil des Waſſers ſo feſt hält, daß es beim Trocknen durch eine Hitze von 140 bis 150⁰ C. nicht ausgetrieben, ſondern erſt bei der Glühhitze freigegeben wird. Bei thonigen Böden gilt demnach die Formel: Glühverluſt= Humus+ Waſſer. Leider beſitzen wir bis jetzt kein Mittel, um den hierdurch be⸗ dingten Fehler in der Humusbeſtimmung zu beſeitigen. Wir müſſen uns ſo lange, bis die Chemiker eine beſſere und womöglich noch ein⸗ fachere Methode herausgefunden haben, mit der Glühmethode be⸗ helfen, werden aber, um den Humusgehalt nicht zu überſchätzen und um uns nicht zu unſerem eigenen Nachteil zu täuſchen, von dem aus dem Glühverluſt berechneten Humusgehalt bei Thon⸗ und ſchweren Lehmböden... ½ „ gewöhnlichen Lehmböden.... 41 „ ſandigen Lehm⸗ und lehmigen Gandbäden 11 für Waſſer in Abzug bringen.*) Wäre alſo in obigem Beiſpiel die Humusbeſtimmung mit einem gewöhnlichen Lehmboden vor⸗ genommen worden, ſo hätten wir ſtatt der gefundenen 6,1% nur 4% Humus anzunehmen. Mit dieſer Berichtigung, die freilich nur ein Notbehelf iſt, kann die beſprochene Humusbeſtimmung für praktiſche Zwecke immerhin beibehalten werden. 5. Wie erkennt und wie beſeitigt man die Fehler und Mängel des Bodens? a) Grundnäſſe.— Der gewöhnlichſte Fehler, an dem der Boden in der kälteren gemäßigten Zone leidet, iſt der überfluß *) Obige Verhältniszahlen habe ich auf Grund der vergleichenden, nach drei verſchiedenen Methoden ausgeführten Humusbeſtimmungen von Nowacki, Bodenkunde. 3. Auflage. 8 114 Die Bodenbeſtandteile. an Waſſer. Indem das Waſſer im Unter⸗ und im Obergrunde ſtockt und feſtliegt, alle größeren und kleineren Hohlräume zwiſchen den feſten Bodenbeſtandteilen ausfüllend, verwehrt es der Luft den Zutritt, und damit iſt ein Zuſtand herbeigeführt, der nur den eigentümlich eingerichteten Sumpfpflanzen zuſagt, den aber die Kulturpflanzen durchaus nicht vertragen können. Die Kultur⸗ pflanzen bedürfen einen durchlüfteten Grund und Boden; in dem mit Waſſer überſättigten, verſumpften und ver⸗ ſauerten Lande kränkeln und ſterben ſie, und alles Düngen, alles Kalken, alles Äſchern nützt nichts, alles Pflügen und Pflanzen iſt vergebens, ſo lange die Lebensluft im Boden fehlt. Ein äußerlich ſichtbares und ſicheres Kennzeichen der Grund⸗ näſſe gewährt uns das Auftreten gewiſſer wildwachſender Pflanzen: Moos, Binſen, Riedgräſer und Erlen; im Innern des Bodens konſtatiert man die Näſſe durch Probegruben, wie früher ſchon an⸗ gegeben worden iſt.(S. 43.) Die einzige Abhülfe beſteht hier in der Entwäſſerung des Landes, ſei es durch Drainage, ſei es durch offene Gräben in Verbindung mit Beet⸗ und Waſſerfurchen. Die Entwäſſerung ſchafft Luft nach allen Richtungen. Einmal ſchafft ſie Luft, indem ſie das feſtliegende Waſſer in Be⸗ wegung und in die Lage bringt, daß es aus den Hohlräumen des Bodens abziehen kann. Zweitens ſchafft ſie Luft, indem nach dem Sinken des Grund⸗ waſſers die Lebensluft, d. h. der Sauerſtoff der atmoſphäriſchen Luft, von außen in die leergewordenen Räume des Erdreichs ein⸗ dringen kann. Drittens ſchafft ſie Luft, indem das befruchtende Regenwaſſer, das früher auf dem hochliegenden Grundwaſſer ſtehen blieb, jetzt in die Tiefe ſinken und die Nährſtoffe im Boden löſen und verbreiten, zugleich aber auch die durch die Lebensluft zerſetzten ſchädlichen Ver⸗ bindungen aus dem Bereich der Pflanzenwurzeln fortwaſchen kann. Kurz, die Entwäſſerung ſchafft Ausfuhr und Einfuhr, G. Loges, landw. Verſuchsſtationen 1882, S. 229 ff. mehr durch Schätzung, als durch Rechnung gefunden. runde ſchen Luft nur r die ltur⸗ den; ver⸗ gen, ügen t im -nnd⸗ zzen: dens an⸗ des üben ien. m Be⸗ n des rund⸗ iſchen ein⸗ vaſſer, ett in reiten, Ver⸗ kann. fuhr⸗ ützung, Säure. 115 Tauſch und Umſatz in dem dunkeln Schoß der Erde, ähn⸗ lich wie die Waſſer-, Land⸗ und Eiſenwege auf ihrer be⸗ ſonnten Oberfläche. b) Säure.— Der Landwirt verſteht unter Säure des Bodens nicht immer und nicht genau dasſelbe, wie der Chemiker. Der Begriff„verſauertes Land“ bezieht ſich nämlich nicht allein auf einen chemiſchen, ſondern auch auf einen phyſikaliſchen Zu⸗ ſtand des Bodens, denn verſauertes Land iſt ungefähr ſo viel wie verſumpftes, naßkaltes, unthätiges, ungeſundes und un⸗ ſicheres Land. Moos, Binſen, Riedgräſer und Erlen ſind ſeine charakteriſtiſchen Bewohner. Hieraus erhellt, daß das ver⸗ ſauerte zunächſt wiederum ſolches Land iſt, in dem das Waſſer feſtliegt. In derartigem Lande bilden ſich bei der Vermoderung der ab⸗ geſtorbenen Pflanzen in der That auch Säuren verſchiedener Art, die wir unter dem gemeinſchaftlichen Namen der Humusſäuren zuſammenfaſſen können. Aber es iſt hervorzuheben, daß die in humoſem Boden vorkommenden Säuren an ſich nicht ſchädlich oder giftig für die Kulturpflanzen ſind. Die Thatſache, daß die Kultur⸗ gewächſe auf dem ſauren Humus nicht gedeihen, iſt vor allem darin begründet, daß der Boden(Torf, Moor) mit Waſſer über⸗ ſättigt iſt, daß er demgemäß an den Fehlern leidet, die wir vor⸗ hin ſchon kurz angedeutet haben. Dazu kommt, daß der Humus, wenn er im Übermaß vorhanden, das Gefüge des Bodens zu locker und zu ſchwammig geſtaltet. Endlich fehlen dem Humusboden oft auch die mineraliſchen Nährſtoffe der Pflanzen. Die Säure läßt ſich bei humusreichem Lande ſchon an dem eigentümlichen Geruch erkennen; es iſt aber immerhin ſicherer und ſehr einfach, ſie auf chemiſchem Wege nachzuweiſen. Man benutzt hierzu einen Streifen blaues Lackmuspapier, das mit dem feuchten und friſchen Boden in innige Berührung gebracht ſich rot färbt, ſobald freie Säure vorhanden iſt. Je ſaurer der Boden iſt, d. h. je mehr freie Säure er enthält, deſto deutlicher tritt die rote Farbe hervor.*) *) Derartiges Probierpapier iſt in jeder Apotheke zu haben. Es kann auch zur Unterſuchung der Gülle, wenn man zur Bindung des Ammoniaks 8*½ 116 Die Bodenbeſtandteile. Das Fundamentalmittel, um verſauertes Land trag⸗ fähig für die Kulturpflanzen zu machen, beſteht wiederum in der Entwäſſerung. Über ſeine ſonſtige Behandlung folgen weiter unten nähere Angaben. e) Eiſenſchüſſigkeit.— Das Eiſen kommt in mannigfachen Verbindungen ſehr verbreitet im Boden vor. Die gelbe Farbe des Sandes, die gelbe oder rotbraune Farbe des Lehms, die gelbliche, grünliche oder bläuliche Farbe des Thons ꝛc. rührt von Eiſen⸗ verbindungen her. In ſtark eiſenhaltigem, ſog. eiſenſchüſſigem Boden bemerkt man roſtrote Flecke oder Streifen. Wo das im Boden ſtehende Waſſer viel Eiſen aufgelöſt enthält, da wird es zu⸗ weilen Veranlaſſung zur Bildung des Raſeneiſenſteins(S. 38). Auf der Oberfläche der Waſſerlachen zeigt ſich daſelbſt oft eine in Regenbogenfarben ſchillernde Haut. Das Waſſer, das aus eiſen⸗ ſchüſſigem Lande in Gräben oder Drainröhren abzieht, ſetzt einen roſtfarbenen Schlamm ab, zum Beweiſe, daß das vorhandene Eiſen durch die Entwäſſerung aus dem Untergrunde herausgeſchafft wird. Die Gegenwart des Eiſens macht ſich hiernach ſo leicht kennt⸗ lich, daß eine chemiſche Unterſuchung des Bodens, die wir dem Fach⸗ chemiker überlaſſen, nur ausnahmsweiſe nötig ſein wird, nämlich dann, wenn es ſich darum handelt, gewiſſe ſchädliche Verbindungen des Eiſens(ſchwefelſaures Eiſenoxydul) zu ermitteln, die übrigens wohl nur dort vorkommen, wo der Boden zugleich an Näſſe leidet. Auch hier gewährt alſo die Entwäſſerung, und zwar durch tiefe Drainage mit weiten Röhren, die beſte und ſicherſte Abhülfe, obwohl oft erſt im Verlauf einiger Jahre. Selbſt das Herausbrechen des Raſeneiſenſteins iſt nur dann von dauerndem Erfolg, wenn das Land zugleich trocken gelegt wird, denn ohne dies bildet ſich der Raſeneiſenſtein immer wieder von neuem. Nach der Entwäſſerung iſt Kalkung am Platz. Im übrigen erfordert der eiſenſchüſſige Boden 1. eine fleißige Schwefelſäure zuſetzt, benutzt werden. Es muß nämlich ſo viel Schwefel⸗ ſäure zugeſetzt werden, bis die Gülle nach dem Umrühren anfängt, ſauer zu reagieren, was man daran erkennt, daß das blaue Lackmuspapier ſich rötet. trag⸗ erum olgen fachen e des bliche Eſſen⸗ igem s im s zu⸗ 38) ne in eiſen⸗ einen dene unde fennt⸗ Jach⸗ imlich ungen igens käſſe urch erſte t das ndem edies der ßige zwefel⸗ zwer zu Hübtet. Salz. 117 Bearbeitung, um das Eiſenoxydul gleichmäßig zu verteilen und durch Berührung mit dem Sauerſtoff der Luft in Eiſenoxyd über⸗ zuführen, und 2. eine häufige Düngung, denn man ſagt ganz treffend von eiſenſchüſſigem Lande: Es frißt den Dünger. Bei der Auswahl der anzubauenden Pflanzen hat man zu be⸗ rückſichtigen, daß tiefwurzelnde Gewächſe, die einen trockenen und kalkhaltigen Untergrund lieben, wie Luzerne und Eſparſette, auf nicht gut gedeihen. Überhaupt iſt derartiger Boden nicht ſehr dank⸗ bar; er verlangt viel Arbeit und viel Dünger und leiſtet trotzdem wenig. Durch regelrechte Drainage wird er aber ganz bedeutend in ſeiner Ertragsfähigkeit gehoben. d) Salz.— Nicht allein an den Meeresküſten, ſondern hier und da auch im Binnenlande(Salzſteppen, Salzſeen, Salzquellen u. ſ. w.) enthält der Boden ſo viel Salze(Kochſalz u. a. Salze), daß er Salzboden genannt wird. Er trägt dann eine eigene Flora, die Salzflora,*) an deren Vorhandenſein man dieſen Zuſtand des Bodens ſchon hinreichend erkennt. Will man ſich ſonſt noch von dem Salzgehalt überzeugen, ſo rührt man einige Hände voll Erde in gewöhnlichem Trinkwaſſer an, filtriert etwas von der Flüſſigkeit, und erfährt durch den ſalzigen Geſchmack die Natur des Bodens. Der Salzboden gewährt in feuchter Lage oft eine vorzügliche Nutzung als Weide⸗ oder Wieſenland, denn die Gräſer ꝛc., die er erzeugt, ſind ſehr ſchmackhaft, gedeihlich und nährend: das Vieh erfreut ſich hier der Fettweide. Dagegen iſt der Salzboden für die eigentlichen landwirtſchaft⸗ *) Zu der Salzflora gehören folgende Pflanzen: Strandmilchkraut, Glaux maritima(fehlt in der Schweiz). Meerſtrands⸗Dreizack, Triglochin maritimum. Seeſtrands⸗Wegerich, Plantago maritima(fehlt in der Schweiz). Sumpf⸗Aſter, Aster Tripolium. Gemeines Salzkrant, Salsola Kali. Krautartiges Glasſchmalz, Salicornia herbacea(fehlt in der Schweiz). Strandgerſte, Hordeum maritimum. Salzſchwaden, Glyceria distans. Strand⸗Simſe, Scirpus maritimus. Strand⸗Binſe, Juncus maritimus, u. a. m. 118 Die Bodenbeſtandteile. lichen Kulturpflanzen, für Getreide, Gartengewächſe, Obſt⸗ bäume, ſowie auch für unſere gewöhnlichen Wieſen⸗ pflanzen ganz unfruchtbar, und er kann für dieſe Gewächſe auch nicht durch Düngung, durch Bearbeitung oder Erdmiſchung tragfähig gemacht werden, denn durch alle dieſe Operationen wird das Grundübel: das Übermaß von Salz nicht beſeitigt.*) Auch hier hilft nur die Entwäſſerung, ſofern ſie ausführbar. Indem nämlich das Regenwaſſer durch den Boden ſickert, löſt es das Salz auf und führt es in den Gräben oder Drainröhren ab. So wird im Verlauf von einigen Jahren der Boden ausgeſüßt, die Salz⸗ flora verſchwindet, Weißklee, Geiß⸗ oder Märzblümchen und Löwen⸗ zahn erſcheinen, und daran erkennt man, daß nun der Standort für die Kulturpflanzen in Ordnung geſtellt iſt. e) Steine.— Die Steine auf der Oberfläche gewähren den Nutzen, daß ſie zur Befeſtigung des Landes, zur Erhaltung der Feuchtigkeit und zur Erhöhung der Temperatur des Bodens dienen. Bei ſteil gelegenem Rebgelände können dieſe Umſtände von Bedeutung ſein. Bei dem ſanfter geneigten oder eben gelegenen Ackerlande ſieht man dagegen die Steine auf der Oberfläche nicht gern, weil ſie die Anwendung der Ackergeräte und Maſchinen erſchweren. Auch in der Ackerkrume ſind die Steine bei der Beackerung, namentlich beim Pflügen in dem Grade hinderlich, daß die geringe Menge von Pflanzennahrung, die bei der Verwitterung aus ihnen hervorgeht, jenen mechaniſchen Nachteilen gegenüber praktiſch nicht in Betracht kommt. Die Steine ſind und bleiben tote Maſſen. Im Untergrunde ſind die Steine, wenn ſie nicht zu maſſenhaft auftreten, weniger ſchädlich; ſie können hier ſogar inſofern nützlich ſein, als ſie bei dicht⸗ gefügtem, thonigem Erdreich die Durchläſſigkeit des Bodens günſtiger geſtalten. Im allgemeinen wird das Beſtreben des Landwirts darauf ge⸗ richtet ſein, die Oberfläche und die Ackerkrume von Steinen zu reinigen. *) Zuweilen iſt der in der Nähe des Meeres gelegene Boden, wie Heinrich nachgewieſen hat, aus dem Grunde ſo unfruchtbar, weil ihm durch das ſtark löſende Salzwaſſer alle Nährſalze entzogen worden ſind. In dieſem Falle iſt die Unfruchtbarkeit gar nicht, oder nur durch ſtarke Düngung zu heben. Einſeitiger Beſtand. 119 Dies kann a) nach und nach geſchehen, indem man jeden Stein, der vom Pfluge getroffen wird, herausſchafft und nebſt den auf der Oberfläche befindlichen Steinen je eher, deſto beſſer auf den Wagen bringt nnd abfährt. Oder es kann b) mit einemmal radikal geſchehen, indem man das Land auf 40, 50 oder 60 cm Tiefe rajolt, um alle Steine, die darin ſtecken, auf die Oberfläche zu ſchaffen und abzufahren. Die Rajolarbeit rentiert ſich oft vorzüglich, weil man die Steine für Häuſer⸗, Straßen⸗ oder Uferbauten zu hohen Preiſen verwerten kann. Geht das Rajolen tiefer als die Ackerkrume, ſo wird es zweck⸗ mäßig ſo ausgeführt, daß man die Muttererde nicht in die Tiefe ſondern wieder obenauf wirft. Befolgt man dieſen Wink nicht, ſo kann man ſich durch das Heraufholen des rohen, wilden und toten Untergrundes das Land für viele Jahre oder für immer verderben. Schließlich iſt noch vor dem Verſenken der Steine zu warnen, das in der Regel weit mehr Arbeit verurſacht als das Herausſchaffen, ohne daß das Hindernis für die Wurzeln beſeitigt wird. Gerade die großen Steine, mit Pulver geſprengt, liefern, namentlich im Schwemmlande ein ausgezeichnetes und koſtbares Baumaterial. Wird alſo ein großer Findling getroffen, dann kurz entſchloſſen: heraus mit ihm! t) Einſeitiger Beſtand des Bodens.— In dem beſſeren Kulturlande finden wir ſtets mehrere von den Hauptbeſtandteilen des Bodens vereinigt, und man kann ſagen, daß der Boden um ſo frucht⸗ barer ſein wird, je mannigfaltiger ſeine Zuſammenſetzung iſt. Ein Grundſtück z. B., das 20% Stein, 20% Sand, 20% Thon, 20% Kalk und 20% Humus in gleichmäßiger Miſchung bis auf 1 m Tiefe enthielte, würde bei günſtiger Lage wahrſcheinlich in keiner Beziehung etwas zu wünſchen übrig laſſen. Wenn dagegen der Boden ausſchließlich oder ſo gut wie aus⸗ ſchließlich z. B. aus Thon beſteht, ſo iſt er ebenſo unfruchtbar, als wenn er nur aus Kalk, oder nur aus Humus, oder nur aus Sand, oder nur aus Kies beſteht. In der Natur kommt ſo einſeitig zuſammengeſetzter Boden in der That vor, und dieſer einſeitige Beſtand iſt ein ſchlimmer Fehler, denn er läßt ſich oft gar nicht beſeitigen.(Wir 120 Die Bodenbeſtandteile. ſetzen dabei voraus, daß der Untergrund den Obergrund nicht vor⸗ teilhaft ergänzt, denn wenn beiſpielsweiſe unter einer Decke von ſchierem Sand ſchon in einer Tiefe von 30 oder 50 cm ein bündiger Lehm anſteht, ſo ſind die Verhältniſſe von vornherein günſtiger, weil dann der einſeitige Beſtand nur in beſchränktem Maße, im Grunde genommen gar nicht vorhanden iſt.) Von den Maßregeln, die hier zur Verbeſſerung des Landes in Anwendung kommen können, mögen folgende hervorgehoben werden. 1. Bei Grus⸗, Kies⸗ und Grandboden, dem die Feinerde mangelt, könnte man daran denken, thon⸗, kalk- und humushaltige Erde aufzufahren. Allein dieſe Melioration muß meiſt unterbleiben, einmal, weil das Meliorationsmaterial nicht in ausreichender Menge zu beſchaffen iſt, und zweitens, weil der Transport unverhältnis⸗ mäßig große Koſten verurſacht. Man erwäge nur, daß ein Hektar eine Fläche von 10000 qm umfaßt. Will man alſo ein Grundſtück mit beſſerer Erde überfahren, ſo braucht man bei einer Schicht von pro Quadratmeter pro Hektar 1 cm Höhe 10 1 100 chm Um eine merkliche Wirkung zu erzielen, würde man bei den genannten Bodenarten mindeſtens eine Schicht von 10 cm Höhe auf⸗ bringen müſſen. Das macht pro Quadratmeter pro Hektar 100 1 1000 cbm Eine Erdmaſſe von 1000 chm hat aber im feuchten Zuſtande ein Gewicht von 2000 000— 2 500 000 kg. In dieſen Zahlen liegt die Erklärung, weshalb eine derartige Melioration, ſofern ſie durch trockenen Erdtransport mittelſt Handkarren, Pferdekarren oder Rollwagen geſchehen müßte, nur unter ſehr günſtigen Verhältniſſen in Betracht kommen kann. Läßt ſich dagegen die Zufuhr des Meliorationsmaterials mit Hülfe des Waſſers a) durch Aufſchlämmung bewirken, ſo geſtaltet ſich die Sache weſentlich anders. Dieſe Art der Melio⸗ ration iſt nicht allein im kleinen, ſondern auch im großen ausführ⸗ bar, und die Gelegenheit dazu iſt ſowohl im Gebirgslande wie im Flachlande häufig zu finden. Es wäre daher zu wünſchen, daß die vor⸗ von ein erein lktem es in rden. nerde ltige iben, tenge tnis⸗ ektar ſtück von den auf⸗ tande ohlen fern rren, unter 3 mit n, ſo Relio⸗ gführ⸗ ie im ß die Einſeitiger Beſtand. 121 Beiſpiele von gelungenen Anlagen, die wir bereits beſitzen, nach⸗ geahmt und vermehrt würden.*) Die Operation der Aufſchlämmung iſt ſehr einfach. Es wird aus einem Fluſſe oder Bache ein Graben abgezweigt, der das Waſſer auf die mit Dämmen eingefaßte Fläche leitet. Hat ſich der Schlamm aus dem ruhig ſtehenden Waſſer abgeſetzt, ſo wird es abgelaſſen, wenn es nicht von ſelbſt verſinkt und darauf die Fläche von neuem mit ſchlammreichem Waſſer überſtaut. Auf dieſe Weiſe kann man mit geringen Koſten nicht allein Kiesflächen mit beſſerer Erde überdecken, ſondern auch Ausſchachtungen neben Eiſenbahndämmen, ſowie Thon⸗ und Sandgruben ꝛc. wieder ausfüllen und in nutzbares Land ver⸗ wandeln. Das Meliorationsmaterial⸗ ſelbſt koſtet in dieſem Falle gar nichts, denn es beſteht aus dem Schlamm, der ſonſt nutzlos in den Flüſſen abwärts treibt bis ins Meer. Zuweilen wird es ſich empfehlen, b) die Abſchwemmung mit der Aufſchlämmung zu verbinden, oder auch für ſich allein ins Werk zu ſetzen, in der Art, daß man die Erde an höheren Stellen mit dem Spaten, Pickel, Karſt ꝛc. losmacht und durch den Schwemm⸗ graben, der von einem Bach geſpeiſt wird, nach den tieferen Stellen hinſchwemmt. Durch Vorlegen von Faſchinen wird der Waſſerlauf und Schlammabſatz reguliert. Auch auf dieſem Wege wird der Erdtransport ſehr wohlfeil durch das Waſſer beſorgt. Die abgeſchwemmte Fläche, die hierbei zugleich eine regelmäßige Ab⸗ dachung erhält, kann ſehr leicht zur Hangberieſelung eingerichtet werden.**) 2. Bei den Grus⸗, Kies⸗ und Grandböden und ferner auch bei den Sandböden iſt nächſt der Aufſchlämmung die einfache Bewäſſerung, ſei es durch Berieſelung, ſei es durch Über⸗ ſtauung ſehr ins Auge zu faſſen. Jedoch beanſpruchen die zuerſt *) Auf der Beſitzung des Herrn Nat.⸗Rat v. Planta in Landquart, Graubünden, ſind innerhalb zweier Jahre gegen 20 Jucharten ertragloſes Kiesland 6—10 Fuß mit ausgezeichnetem Material aufgefüllt und in frucht⸗ bares Acker⸗, Garten⸗ und Wieſenland umgewandelt worden. In der Schweiz. landw. Ztſchr. 1879, S. 464 ff. iſt die Anlage von F. Anderegg kurz beſchrieben und durch einen lith. Plan erläutert. *) In den Grundſätzen der rat. Landwirtſchaft von A. Thaer iſt die Operation der Abſchwemmung ſehr anſchaulich geſchildert. 122 Die Bodenbeſtandteile. genannten Bodenarten, weil ſie ohne vorausgegangene Aufſchläm⸗ mung durchläſſig ſind wie ein Sieb, ſehr große Waſſermaſſen. Der Sandboden ſtellt ſich in dieſer Hinſicht günſtiger, und er erweiſt ſich überhaupt ſehr dankbar gegen die Bewäſſerung. Die Bewäſſerung, da ſie nicht allein anfeuchtend, ſondern namentlich auch düngend wirkt, lockt ſelbſt aus gänzlich unfruchtbarem Sande, wie mit einem Zauberſchlage, den üppigſten Graswuchs hervor. Nichts beſſer für den Sand als Waſſer. Auf dem Sandboden hat ſich oft auch das Aufbringen von gutem Lehm- oder Thonmergel(nicht zu verwechſeln mit Lehm und Thon) bewährt. Der Mergel findet ſich in jüngeren und älteren geologiſchen Formationen. Im Alluvium unter dem Riedtorf als Wieſenkalk oder Seekreide. Im Diluvium, meiſt unter einer Lehmdecke, als Diluvialmergel. In der Tertiärformation als Septarienthon. In der Molaſſeformation bald als thoniger, bald als ſandiger Molaſſe⸗ mergel. In der Juraformation als Liasmergel. In der Keuper⸗ Kreide⸗ und Muſchelkalkformation als Keupermergel ꝛc. Auch des Phonolithtuffs, der bei Schaffhauſen vorkommt, iſt hier zu ge⸗ denken. Kurz, der Mergel iſt ſehr verbreitet. Suchet, ſo werdet ihr ihn finden! Das Gefüge des Mergels iſt bald erdig, bald ſteinig. Um unnütze Ausgaben zu vermeiden, empfiehlt es ſich, jeden Mergel vor der Anwendung auf ſeinen Kalkgehalt zu unterſuchen(S. 106). Bei dem ſteinigen oder felſigen Mergel iſt ferner das Zerfallen zu prüfen. Setzt man ihn dem Froſt aus, ſo zerfällt er meiſt ſchon in einem Winter zu Erde. Eine alte Regel ſchreibt vor, jeden Mergel, auch den erdigen, einen Winter und einen Sommer in kleineren oder größeren Haufen an der Oberfläche liegen zu laſſen, um ihn der Einwirkung der Atmoſphärilien und der Verwitterung auszuſetzen. Erſt dann wird er ausgebreitet und durch Unterpflügen, Grubbern, Krümmern und Eggen möglichſt gleichmäßig mit der Ackerkrume gemengt. Der Mergel, namentlich der kalkreiche, läßt ſich mit Vorteil auch zur Melioration des Thon- und Humusbodens verwenden, worauf wir weiter unten zurückkommen. Zur Melioration des Sandbodens verdient der Lehm⸗ und Thonmergel den Vorzug. läm⸗ Der tſich rung, end mem ſſer Bei ffen. mnem den zeren kung dann mern orteil nden, Einſeitiger Beſtand. 123 Das Mergeln des Sandbodens iſt rentabel, da bei der Flach⸗ kultur ſchon eine Mergelſchicht von 3—5 mm Höhe eine Wirkung hervorbringt. Freilich macht man auf ſolchem Boden, ſofern nicht außergewöhnlich oft gedüngt werden kann, nur beſcheidene Anſprüche. Die Wirkung der Mergelung hält indes jeweilen nur 6, 9 oder 12 Jahre vor; wiederholt man nach dieſer Zeit die Mergelung nicht, ſo iſt das Land ſo unfruchtbar wie vorher, denn hier gilt das Wort: Sand bleibt Sand. Wo der loſe Sand(Dünenſand, Flugſand) vom Winde weiter gewälzt wird, Acker, Dörfer und Wälder begrabend, da iſt ſeine Befeſtigung geboten. Dies kann, wie in Holland, durch An⸗ ſaat von Sandhafer(Elymus arenarius), oder mit größerem Nutzen, wie an der Weſtküſte von Frankreich, durch Anſaat von Föhren oder Kiefern(Pinus silvestris, P. pinaster P. mari- tima) geſchehen. Die Anſaat der Föhren muß aber an der Wind⸗ ſeite und am Fuße der Sandberge beginnen, um im Laufe der Jahre nach der Höhe und Leeſeite fortzuſchreiten. Auch iſt es nötig, die erſte Ausſaat mit grünen Laub⸗ oder Nadelholzzweigen zu decken, die mit dem holzigen Ende dem Winde zugekehrt und mit eingeſchlagenen Haken feſtgenadelt werden. Mit dieſen einfachen Mitteln iſt es gelungen, der verderbenbringenden Wanderung des Flugſandes Einhalt zu thun und zugleich dem vorher ganz wert⸗ loſen Boden einen Ertrag abzuringen. Bis in das hochgelegene Schweizerland verſteigt ſich der Flugſand glücklicherweiſe nicht. 3. Mit dem reinen Thon lüßt ſich für die Zwecke der Pflanzenkultur meiſt gar nichts anfangen. Den weniger wider⸗ ſpenſtigen, aber immerhin noch fetten Thon hat man(in England) mit Erfolg auf dem Acker gebrannt; aber große Bedeutung hat dieſe Melioration wegen ihrer Koſtſpieligkeit nicht. Auch Zufuhr von Schlacken, Kies, Grand oder Grobſand iſt meiſt zu teuer. Am lohnendſten und wirkſamſten iſt noch das Kalken. Dabei werden 5000— 10 000 kg gebrannter Kalk pro Hektar) in kleinen Haufen *) Das angegebene ſtarke Quantum von Kalk paßt nur für den ſtrengen Thonboden; für leichtere Böden, bei denen die Kalkung einen anderen Zweck hat, iſt es angemeſſen, nur 2000 kg zu verwenden und die Kalkung von Zeit zu Zeit zu wiederholen. EEEEE—; 124 Die Bodenbeſtandteile. (ähnlich wie die Haufen beim Miſtfahren) verteilt, gut mit Erde bedeckt und, falls Waſſer in der Nähe, mit der Gießkanne angenetzt; anderenfalls überläßt man das Annetzen dem Regen und Tau. In einigen Tagen iſt der Kalk in Pulver zerfallen. Er wird bei trockenem Wetter geſtreut, ſogleich untergepflügt und durch nach⸗ folgendes Eggen, Krümmern oder Grubbern möglichſt gleichmäßig mit dem Thonboden gemiſcht. Die Hauptwirkung des Kalkes, die auch durch eine entſprechende Menge von kalkreichem Mergel erzielt werden kann, beruht hier auf Verminderung der Bündigkeit. Neben der Kalkung und Mergelung hat man auf ſtrengem Thonboden die Lockerung durch den Winterfroſt, durch ſtrohigen Dünger und durch Humusbereicherung ins Auge zu faſſen. Auch Tannennadeln, Sägemehl und Holzwolle leiſten gute Dienſte. 4. Der hitzige, überthätige und zehrende reine Kalk⸗ und Kreideboden kann zwar durch Zufuhr von Lehm, Lehm⸗ und Thonmergel ſehr verbeſſert werden, aber auch hier ſcheitert die Melioration meiſt an dem Koſtenpunkt, ſofern ſie nicht durch Aufſchlämmung bewerkſtelligt werden kann. Sehr wirkſam und lohnend iſt auf Kalkboden die Bewäſſerung mit dungreichem Waſſer. Wo die Gelegenheit hierzu fehlt, da wird man an ſicherſten durch Kompoſt, der aus humoſer Erde, Miſt, Holzaſche, Mergel ꝛc. beſteht, die Verbeſſerung des Bodens erreichen. 5. Der reine Humusboden, gewöhnlich naß gelegen und ver⸗ ſauert, bedeckt in der Schweiz und den benachbarten Ländern eine bedeutende Fläche; denn zwar nicht alles, aber vieles Land, das man als Bruch, Ried, Torf, Moos und Moor bezeichnet, gehört hierher, und derartige Vorkommniſſe finden ſich in allen Höhen von der Thalſohle aufwärts bis zu den Regionen des ewigen Schnees. Es tritt daher die Frage an uns heran: Wie ſollen wir dieſe Bodenbildungen vom landwirtſchaftlichen Standpunkte beurteilen, wie ſollen wir ſie benutzen, und wie ſollen wir ſie zum Zweck einer möglichſt hohen Verwertung behandeln? Darauf läßt ſich in der hier vorgeſchriebenen Kürze etwa folgendes antworten. Die gewöhnlich nur ſchwachen Polſter und Lager von Humus, denen wir auf unſeren Alpen häufig begegnen, müſſen ſorgfältig Pr erhalten und im großen und ganzen belaſſen werden, wie ſie ſind. Erde enetzt. 1. In d bei nach⸗ mäßig 5 die erzielt kkeit. engem durch Auge volle und und t die durch mund ichem erſten gel v. ver⸗ eine Sman gehört n von hnees. dieſe n, wie einer in der zumus gfältig e ſind. Einſeitiger Beſtand. 125 Denn obwohl das Vieh auf ihnen ſelbſt keine Nahrung findet, weil ſie von Moos, Alpenroſen, Heidekraut und anderen humusliebenden Pflanzen beſetzt ſind, ſo ſind ſie doch für die Ertragsfähigkeit der Alpen inſofern von großer Bedeutung, als ſie das Waſſer ſchwamm⸗ artig aufſaugen und die Feuchtigkeit der Luft erhalten und regeln, auf der die weltberühmte Fruchtbarkeit unſerer Alpenweiden in allererſter Linie beruht. Der Humus mit den niederen Pflanzen, die ihn beſiedeln, übernimmt auf jenen baum⸗ loſen Höhen dieſelbe unentbehrliche Rolle in unſerem wirtſchaftlichen Leben, wie eine Staffel tiefer der Wald. Zerſtörung jener Humus⸗ maſſen iſt gleichbedeutend mit Verwüſtung und Verödung der Alpen. Dem Walde ſelbſt, darüber iſt man ſchon lange einig, muß ſeine Humusdecke ebenfalls und vor allem im Hochgebirge erhalten werden. Es iſt demnach die Entwäſſerung der Alpen mit Vorſicht zu behandeln und auf die Stellen zu beſchränken, wo das Waſſer durch Runſen⸗ und Rutſchbildung gefährlich, oder wo es durch Ver⸗ ſumpfung, verbunden mit allzu üppiger Torfwucherung. offenbar und unzweifelhaft ſchädlich wird. In den mittleren und tieferen Lagen ſpielt der Humus⸗ boden in Bezug auf Regulierung der Waſſer⸗ und Feuchtigkeits⸗ verhältniſſe eine nicht minder wichtige Rolle, als auf den Alpen und im Hochgebirgswald. Ähnlich wie die offenen Waſſerbecken, die zahlreichen großen und kleinen Seen, die uns allerdings noch als Geſchiebeſammler ꝛc. einen unberechenbaren anderweitigen Nutzen gewähren, wirken die Ried⸗ und Moosflächen, die zum guten Teil nichts anderes ſind, als zugewachſene Seen, indem ſie die Ge⸗ walt der Ströme brechen, vor Überſchwemmungen ſchützen und die Luft mit Feuchtigkeit verſorgen. Beweis für die große Waſſer⸗ maſſe, die der Humusboden aufſaugt und in den Luftkreis ver⸗ dunſtet, ſind die häufigen Nebel, die wir über derartigem Lande bemerken. Wir werden hiernach auch in den mittleren und tieferen Lagen aus waſſerwirtſchaftlichen Gründen auf die Erhaltung der Humus⸗ ſubſtanz bedacht ſein und deshalb ihre Zerſtörung auf die Brenn⸗ torfnutzung beſchränken, die Brandkultur, d. h. das ſchichten⸗ weiſe Veraſchen der Humusſubſtanz auf dem Terrain zum Zweck der Bodenverbeſſerung dagegen möglichſt vermeiden. —— 126 Die Bodenbeſtandteile. Wo die Bedingungen für die Torfbildung und Torfverwertung ſehr günſtig ſind, da werden wir das Torſſtechen ausnahmsweiſe ohne Entwäſſerung oder doch nur mit vorübergehender Trockenlegung des Landes betreiben, einmal um uns das Waſſer zu erhalten, und zweitens um das Nachwachſen des Torfes, das bei den von Jahr zu Jahr höher ſteigenden Preiſen der Brenn⸗ materialien immer rentabler wird, zu ermöglichen.*) Auch in der Entwäſſerung, ſo wohlthätig ſie am rechten Orte wirkt, kann man des Guten zu viel thun. Denn bekanntlich werfen die Torf⸗ und Moorbrücher als Streuland einen Reinertrag ab, der gar nicht ſelten dem der Heuwieſen gleichkommt. Die Streue wächſt eben von ſelbſt, meiſt ganz ohne Zuthun des Menſchen, während die Heuwieſen, ſofern ſie nicht bewäſſert werden, gedüngt und ge⸗ pflegt ſein wollen. Die guten und einträglichen Streuriede werden wir jedenfalls erhalten, und meiſt wird es das Richtigſte ſein, ſie einfach zu be⸗ laſſen, wie ſie ſind. Auf Streuland, das nach wie vor auf Streue genutzt werden ſoll, iſt die Entwäſſerung nur in dem Falle anzuraten, wenn die Entwäſſerung mit der Bewäſſerung verbunden wird. Oft iſt dies mit einer einzigen Stauvorrichtung zu erreichen, denn hier genügt es meiſtens, die Gräben zur rechten Zeit voll Waſſer zu halten. So gehandhabt, hat die Entwäſſerung den Vorteil, daß die Gewinnung und Abfuhr der Streue erleichtert wird. Auf weniger einträglichem, trockenem Streuland iſt vor allem die Bewäſſerung zum Zweck der Streuvermehrung ins Auge zu faſſen. Auch dungarmes Waſſer, wie es z. B. in Gräben aus Torf⸗ brüchern oder in Drainröhren aus Acker⸗ und Mattland abzieht, iſt auf Streuwieſen brauchbar. Für ihre Bewäſſerung iſt die einfache Einſtauung und Überſtauung der künſtlicheren und koſtſpieligeren Berieſelung vorzuziehen. *) Lesquereux hat nachgewieſen, daß das Nachwachſen des Torfs im Jura nur ſelten weniger als 2 Fuß und oft mehr als 4 Fuß in 100 Jahren beträgt; in einem Falle betrug die Neubildung in der alten Grube ſogar 6 Fuß in 70 Jahren. Anderwärts hat man noch ſtärkere Nachwüchſe beobachtet, ſelbſt in 30 Jahren 4—6 Fuß(J. Nöggerath, der Torf, 1875). rtung weiſe nder Laſſer a das renn⸗ Orte erfen gob. treue hrend d ge⸗ ffalls be⸗ erden die Oft hier er zu p die allem ge zu Tolf⸗ ht, iſt nfache ggeren Torfs zuß in alten ſtärkere erath, Einſeitiger Beſtand. 127 Wo das Bedürfnis nach Streue in der eigenen Wirtſchaft nicht vorhanden iſt, da hat man, ehe man ſich zur Trockenlegung des Streulandes entſchließt, die Möglichkeit des Streuverkaufs in Er⸗ wägung zu ziehen, wobei in Rechnung zu ſtellen iſt, daß mit der Einſchränkung des Getreidebaues die Nachfrage nach Streue von Jahr zu Jahr zunimmt. Bei der Frage, ob es rätlich iſt, das Streuland in Kulturland umzuwandeln, kommt endlich in Betracht, daß es mit den Koſten der Entwäſſerung nicht allein abgethan iſt, ſondern daß noch ander⸗ weitige Meliorationskoſten und außerdem regelmäßig wiederkehrende Auslagen für Dünger ꝛc. hinzutreten. Nimmt man nach reiflicher Überlegung die Urbarmachung eines Torf⸗ und Moorbruches an die Hand, ſo heißt es freilich vor allen Dingen: Entwäſſern. Die Entwäſſerung geſchieht dort(vergl. S. 126), wo die Humus⸗ ſubſtanz als Brenntorf zu verwerten iſt, ſo tief, daß die ganze Torfmaſſe bis auf den Grund vollſtändig trocken gelegt wird, was allerdings genügende Vorflut vorausſetzt. Dann wird der Torf bis auf den Grund ausgeſtochen, denn der unterſte Torf iſt in der Regel als Brennmaterial am wertvollſten, für die Pflanzenproduktion dagegen am ſchlechteſten. Bei dem Austorfen ſchreitet man regel⸗ mäßig und ſtreifenweiſe vorwärts, ſo daß das ausgebeutete Land mit dem Abraum ſogleich wieder verebnet wird. Nach dem Aus⸗ torfen wird der humoſe Abraum gleichmäßig mit Erde gemengt, die man durch Rajolpflügen, durch Doppelpflügen, durch Spatpflügen oder durch Handrajolen aus dem Untergrunde heraufſchafft. Thon⸗ und Lettenboden eignet ſich zu dieſer Vermengung mit dem Humus allerdings viel weniger gut, als Sand und kalkreicher Mergel. (Veenkultur, Miſchkultur.) Wo der moorige Boden nicht als Brennmaterial verwertet werden kann, da wird die Trockenlegung nur ſo weit getrieben, daß dem Lande eine gewiſſe Friſche verbleibt. Noch ſicherer iſt es, wenn die Entwäſſerung mit der Bewäſſerung(Einſtauung, Überſtauung) verbunden wird. Nächſtdem iſt auch in dieſem Fall das Aufbringen von Erde geboten. Sie wird entweder mit dem Waſſer aufgeſchlämmt, oder mit Rollwagen auf Schienen herbeigefahren, oder aus 128 Die Bodenbeſtandteile. dem Untergrunde heraufgeholt. Das Heraufholen hat ſich nach den Erfahrungen Rimpau' ſelbſt in dem Falle rentiert, wenn die betreffende Schicht auch erſt in einer Tiefe von 1,20— 1,50 m getroffen wird. Bei dem Ausſchachten der Meliorationserde werden die Gräben, ſofern ſie nicht zur Entwäſſerung oder Bewäſſerung nötig ſind, ſogleich wieder mit dem Abraum zugeworfen, ſo daß an der betreffenden Stelle eine muldenförmige Einſenkung verbleibt, die ebenfalls zur Pflanzenproduktion benutzt werden kann. Die Dämme dienen als Ackerland, die Mulden als Wiesland. Um eine nach⸗ haltige Wirkung zu erzielen, muß die Oberfläche des Moors mit einer Sand- oder Mergelſchicht von 10—12 cm Höhe gleichmäßig überdeckt werden. Je ſchwächer die Decke der Meliorationserde iſt, deſto ſorgfältiger hat man darauf zu achten, daß ſie nicht tief unter⸗ geackert, ſondern zur Beſchwerung der ſchwammigen Humus⸗ ſubſtanz immer obenauf gelaſſen wird.(Dammkultur, Deck⸗ kultur.) Die Düngung des urbar gemachten Torf⸗ und Moorbodens betreffend, ſo iſt Holzaſche, gebrannter Kalk und erdiger Kompoſt, wozu man auch flüſſigen und feſten Viehmiſt verwendet, vorzüglich am Platz. Von künſtlichen Düngemitteln werden ſich Thomasſchlackenmehl und Kaliſalze auf humusreichem Lande in der Regel wirkſamer erweiſen als Chileſalpeter und andere Stickſtoffdünger. Im übrigen eignet ſich derartiges Land am beſten zum Futter⸗ bau. Namentlich gut gedeihen die Futtergräſer: Knaulgras, franzöſiſches, italieniſches und engliſches Raygras, Timotheegras, Wieſenſchwingel und Honiggras. Von den Kleearten ſind Luzerne und Eſparſette auszuſchließen und Rotklee als unſicher auch nur mäßig zu verwenden; es bleiben alſo zur Herſtellung der Kleegras⸗ miſchung hauptſächlich Weißklee, Baſtardklee und Sumpf⸗ ſchotenklee übrig. Als Deckfrucht paßt hier vorzüglich der Hafer, der auch für ſich allein angebaut, auf melioriertem Torf⸗ und Moor⸗ boden höhere und ſicherere Erträge liefert, als jede andere Frucht.— g) An welchen Pflanzennährſtoffen fehlt es dem Boden? Womit ſollen wir düngen, um beſſere Ernten zu machen? Dieſe Fragen werden von den Landwirten häufig geſtellt, und die Anſicht iſt ſehr verbreitet, daß vor allem der Agrikulturchemiker in t ſich wenn 50 m eerden erung aß an t, die ämme nach⸗ 3 mit näßig de iſt Inter⸗ mus⸗ Deck⸗ dens diger endet, ſich chem ndere tter⸗ gras, xgras, zerne ) nur egras⸗ impf⸗ afer, Moor⸗ ſ- den! chen? nd die kker in Pflanzennährſtoffe. 129 der Lage ſei, die paſſende Antwort zu geben, wenn ihm eine Boden⸗ probe von dem betreffenden Grundſtück zur Unterſuchung ein⸗ geſandt wird. Im großen und ganzen iſt dieſe Anſicht unbegründet. Denn der Chemiker kann zwar in gewiſſen Fällen, nämlich dann, wenn der Boden an dem einen oder dem andern Pflanzennährſtoff, oder über⸗ haupt ſehr arm iſt, durch die Unterſuchung einer Anzahl ſorgfältig ausgewählter Proben herausfinden, an welchen Stoffen es dem Boden fehlt, aber im allgemeinen kann bis jetzt der chemiſchen Analyſe des Bodens ein großer praktiſcher Wert in der bezeichneten Richtung nicht zugeſprochen werden. Es liegt das einerſeits daran, daß nur kleine und nicht zahlreiche Proben unterſucht werden können, und andererſeits daran, daß die Chemie in der Unterſuchung des Bodens, die eine ſehr umſtändliche und ſchwierige Sache iſt, noch viel zu lernen und zu erforſchen hat. Speziell iſt der Chemiker bis jetzt nicht im ſtande, die Fruchtbarkeit eines Bodens richtig zu be⸗ urteilen, weil er weder die Seite 17 und 18 erwähnten kleinen Lebeweſen, deren Vorhandenſein die Fruchtbarkeit zum Teil bedingt, durch die chemiſche Analyſe nachzuweiſen, noch die Thätigkeit der Pflanzenwurzeln auf künſtlichem Wege nachzuahmen vermag. Wir müſſen uns deshalb die Frage: An welchen Pflanzen⸗ nährſtoffen fehlt es dem Boden? Womit ſollen wir düngen, um die Erträge zu ſteigern? vorläufig auf einem anderen Wege beantworten, nämlich durch den direkten Düngungsverſuch. Hierbei kann uns der Agrikulturchemiker in Verbindung mit dem wiſſenſchaftlich und praktiſch gebildeten Landwirt ſehr wichtige und wertvolle Winke und Ratſchläge erteilen, aber freilich auch nur dann, wenn wir ihm eine genaue und richtige, klare und kurze Beſchreibung von dem betreffenden Grundſtück geben, geſtützt auf eine Unterſuchung des Bodens, wie ſie in der vorliegenden Anleitung empfohlen wird. Noch beſſer wird es ſein, wenn der ſachverſtändige, mit einem Gutachten betraute Landwirt und Agrikultur⸗ chemiker an der Unterſuchung oder Vorunterſuchung des Bodens perſönlich teilnehmen und nötigenfalls die für die genauere Unterſuchung beſtimmten Bodenproben ſelbſt auswählen und faſſen kann. Nowacki, Bodenkunde 3. Auflage. 9 ——õumsms—s—ö—ö—ö—öͤdd 130 Die Bodenbeſtandteile. Iſt die Gegenwart der Sachverſtändigen nicht möglich und es erſcheint eine Zuſendung von Bodenproben angezeigt, ſo empfiehlt ſich für das Faſſen und Verpacken der Proben ein Ver⸗ fahren, das von einem praktiſchen Schweizer A. Gräßli in Grabs bei Buchs erfunden worden iſt. Man gräbt ein Loch von 60 cm Tiefe, ſticht an der Wand der Probegrube mit einem gewöhnlichen Torfmeſſer einen vierkantigen Erdbalken von 50—60 cm Länge ſenkrecht aus, wickelt ihn in einen großen Bogen Pack⸗ papier und legt ihn in eine Kiſte, die auf einem Karren mitgeführt wird. Eine ſolche Bodenprobe iſt viel mehr wert, als eine nach gewöhnlicher Art in einen Sack geſchüttete, denn ſie zeigt uns den ſenkrechten Schnitt des Bodens in ſeiner natürlichen Lagerung und Schichtung und ſie geſtattet die getrennte Unterſuchung der Schichten. Dabei iſt eins nicht zu überſehen, was oft überſehen oder wenigſtens nicht genügend gewürdigt wird. Bevor wir uns zum Ankauf von Kunſtdünger und zur Einleitung von Düngungsverſuchen irgend welcher Art entſchließen, haben wir uns die Frage vorzulegen: Leidet der Boden an einem Grundfehler: Näſſe, Säure, Eiſenſchüſſigkeit, Salzigkeit, Steinigkeit, Einſeitigkeit? Trifft das eine oder das andere zu, ſo haben wir vor allem die Maßregeln zu ergreifen, die im vorſtehenden angedeutet worden ſind. Denn auf einem Boden, der an einem Grund⸗ fehler leidet, ſind alle Düngungsverſuche von vorn⸗ herein vergebens. Iſt der Grund und Boden von Natur in Ordnung, oder iſt er durch die Kunſt bereits in Ordnung gebracht, ſo laſſen ſich für die Ausführung von Düngungsverſuchen in der hier gebotenen Kürze folgende Regeln geben. Allgemeine Regeln für Düngungsverſuche.— 1. Alle Verſuche, deren Erfolg irgendwie zweifelhaft erſcheint, werden vor⸗ erſt ganz im kleinen ausgeführt.(Vorprüfung.) 2. Zu jedem Verſuch gehören mindeſtens zwei Vergleichs⸗ parzellen(jede von 10— 20 qm Größe), von denen die eine mit dem betreffenden Düngemittel gedüngt, die andere nicht gedüngt wird. Sicherer, aber auch umſtändlicher iſt es, zweimal zwei oder dreimal zwei Vergleichsparzellen abzuſtecken, ſo daß die Erträge der unge⸗ in Gubs on o en wütrlche 0-b e dgen p nitefit ine n t wn ntürlichen getrennte ſeher der r uns zmn wprrerte donzälcer ſe, Säuke ſeitigkeit r allen di ntet voͤd n Grunr- von vour n dr i ſſen ich ir nenen Kite - 1. NM werden vu⸗ Verxlite ane nit d dingt vn dder drin ge da u⸗ Pflanzennährſtoffe. 131 düngten Parzellen ſich gegenſeitig kontrollieren und die Erträge der gedüngten Parzellen ebenfalls. Größe, Lage, Boden und Behandlung der Vergleichsparzellen müſſen gleich ſein. 3. Bei jedem Verſuch wird immer nur ein beſtimmtes Dünge⸗ mittel geprüft, und man wählt natürlich zuerſt das, von dem man nach Maßgabe der Verhältniſſe am ſicherſten eine Wirkung erwarten kann. 4. Der Ertrag der Vergleichsparzellen wird gewogen und be⸗ ſonders auch die Qualität des Ertrages ſo genau als möglich feſt⸗ geſtellt. Macht man den Verſuch z. B. auf einer Naturwieſe, ſo wird nicht allein das Heu in dem gleichen Zuſtand der Trockenheit gewogen, ſondern auch der Pflanzenbeſtand auf das Verhältnis der Kleearten zu den Grasarten und zu den Unkräutern ꝛc. gemuſtert. 5. Iſt der Verſuch durch die Witterung, durch ſchädliche Tiere, durch Pflanzenkrankheiten ꝛc. offenbar geſchädigt oder geſtört worden, ſo wird er im nächſten Jahre auf zwei neuen Parzellen wiederholt. 6. Erweiſt ſich das betreffende Düngemittel wirkſam, ſo wird⸗ ein größerer Verſuch wiederum mit zwei Vergleichsparzellen unter⸗ nommen, deren Größe*) z. B. je 10 a beträgt.(Hauptprüfung). — Erweiſt ſich dagegen das betreffende Düngemittel auch unter günſtigen Witterungsverhältniſſen ꝛc. nicht wirkſam, ſo wird ein anderes, und zwar vorerſt wieder im kleinen geprüft. Nach dieſem meinem Vorſchlage hat man es jedes Jahr nur mit einem einzigen Verſuche zu thun, und ich rate ſehr an, ſich nicht auf zu viel einzulaſſen, ſonſt kommt es im Drange der Ge⸗ *) Die Größe der Parzellen wählt man ſo, daß man die geernteten Produkte bequem auf einen Wagen laden, alſo das Erntegewicht je mit einer Wägung ermitteln kann. Hat man keine Brückenwage zur Ver⸗ fügung, ſo ermittelt man das Erntegewicht von einem kleineren, ſorgfältig⸗ ausgewählten und genau abgemeſſenen Muſterſtück. Bei gewiſſen Produkten, z. B. Kartoffeln, Trauben ꝛc. genügt auch das Meſſen, doch iſt das Wägen immer ſicherer. Bei Getreide muß außer dem Garbengewicht auch. das Stroh⸗ und Korngewicht beſonders ermittelt werden.— Die Qualität der Produkte beurteilt man zunächſt nach den äußeren, leicht in die Sinne fallenden Merkmalen; wo es wichtig erſcheint, wird der Gehalt an Stärke, Zucker, Stickſtoff ꝛc. beſtimmt, nötigenfalls unter Beihülfe der agrikultur⸗ chemiſchen Verſuchsſtation. 9* 132 Die Bodenbeſtandteile. ſchäfte leicht dazu, daß das Wägen unterlaſſen und folglich die Hauptſache verabſäumt wird. In der Ernte hat man nie eine Stunde zu viel, oft aber eine zu wenig. Beſondere Winke für Düngungsverſuche.— Was nun die einzelnen Düngemittel betrifft, ſo können wir hier von be⸗ ſonderen Verſuchen mit eigentlichem Stallmiſt, ſowie mit Stock⸗ miſt und Gülle abſehen, weil dieſe in der Wirtſchaft vorhandenen Hauptdünger jedenfalls zu verwenden und unter unſeren Ver⸗ hältniſſen von vornherein als wirkſam zu betrachten ſind. Verſuche über die Art der Behandlung und Verwendung ſind damit nicht ausgeſchloſſen, es iſt hier aber nicht am Platz, dieſes wichtige Kapitel der Düngerlehre zu erörtern. Auch über Kompoſt und Holzaſche, ſowie über die ſonſtigen in der Wirtſchaft vorkommenden Düngemittel können wir hinweg⸗ gehen, da jeder verſtändige und rührige Landwirt alle dieſe Ma⸗ terialien ſorgfältig ſammeln und zweckmäßig verwenden wird. Es kommen hier mehr die ſog. Kunſt⸗ oder Handelsdünger, Hülfs⸗ oder Beidünger in Frage. Auf dieſe wollen wir im folgenden wenigſtens ſo weit eintreten, wie es für den vorliegenden Zweck notwendig iſt. 1. Kalk.— Verſuche mit Kalk ſind angezeigt auf den Böden, die ſo kalkarm ſind, daß bei der Salzſäureprobe(S. 104) kein Auf⸗ brauſen entſteht, und die zugleich infolge vieljähriger Stallmiſt⸗ düngung ꝛc. einen reichen Vorrat von Humus und„alter Kraft“ beſitzen. Man berechnet zu dem Verſuch pro 10 qm 2500 g= 2 ½ kg gebrannten Kalk, der vor dem Ausſtreuen mit wenig Waſſer gelöſcht wird, ſo daß er in Pulver zerfällt. Das Anfeuchten geſchieht am beſten durch ein⸗ oder zweimaliges Untertauchen der Körbe, in denen die Kalkſtücke ſich befinden. Auf Ackerland wird der Kalk im reinen Zuſtande angewandt(S. 123), auf Wiesland in Form von Kompoſt, d. h. unter Zuſatz einer reichlichen Menge Erde. Dabei wird die übliche Düngung mit Stock- und Stallmiſt, mit Jauche und Gülle ꝛc. beibehalten, denn das Kalken hat hier nur den Zweck, durch erhöhte Thätigkeit des Bodens und durch lebhafteren Umſatz des Dungkapitals eine Steigerung der Erträge herbeizuführen. h die eine 3 nun n be⸗ tock⸗ denen Ver⸗ rſuche nicht ichige iſtigen nweg⸗ Ma⸗ nger, wir in genden Böden, n Alf⸗ allmiſt⸗ traft' 21½ kg gelöſch eht am rbe, in er Kal n Form de. tallmitt hat hie d durch Erträge Pflanzennährſtoffe. 133 Die beſte Zeit der Kalkung iſt der Herbſt. Die gewöhnliche Düngung mit Gülle ꝛc. folgt im Frühjahr oder ſpäter. Wieder⸗ holung der Kalkung auf bündigem Boden alle 3—6 Jahre, auf leichterem Boden alle 6—9 Jahre. 2. Gips.— Die oft ganz überraſchende Wirkung des Gipſes auf kleeartige Gewächſe(Rotklee, Luzerne ꝛc.) und Hülſen⸗ früchte(Erbſen, Wicken ec.) iſt bekannt, ebenſo weiß man, daß dieſes Düngemittel auf andere Gewächſe, namentlich auf Getreide, Kartoffeln, Runkeln und Wieſengräſer keine Wirkung ausübt. Die Wirkung des Gipſes iſt immer noch nicht genügend erklärt; vielleicht beruht ſie darauf, daß der Gips zur Entwicklung und Thätigkeit der Wurzelbakterien in Beziehung ſteht. Für dieſe An⸗ nahme ſpricht die Thatſache, daß der Gips auf die ſtickſtofffammelnden Pflanzen wirkt, auf andere nicht. Die Verſuche ſind alſo auf die Grundſtücke zu beſchränken, auf denen die Kleearten und Hülſenfrüchte den alleinigen oder vor⸗ herrſchenden Beſtand ausmachen. Man ſäet das Gipsmehl im Frühjahr, wenn die Kleepflanzen handhoch ſind, des Abends, wenn Tau zu erwarten, oder des Morgens, wenn ſtarker Tau gefallen, breitwürfig aus, ſo daß der Gips auf den Blättern hängen bleibt und mit dem Tauwaſſer in Berührung tritt. Dabei berechnet man von dem rohen, unge⸗ brannten Gips pro 10 qm 500 g;(der gebrannte Gips empfiehlt ſich weniger als der ungebrannte.) 3. Phosphorſäure.— Die Stallmiſtwirtſchaft und die Aus⸗ fuhr von Fleiſch, Milch, Käſe, Korn ꝛc. bringen es mit ſich, daß der Boden an Phosphorſäure leicht verarmt, während der Vorrat an anderweitigen aufnehmbaren Pflanzennährſtoffen ſich nicht in gleichem Maße vermindert, zuweilen ſogar vermehrt. Tritt dieſes Mißverhältnis ein, ſo liegt ein Teil unſeres Dungkapitals ganz nutzlos im Boden oder geht wohl gar durch Auswaſchen in den Untergrund unwiederbringlich verloren. Es iſt daher auf Acker⸗, Garten⸗, Wieſen⸗ und Rebland ſehr zu empfehlen, die Wirkung der Phosphorſäure zu prüfen. Man darf in den allermeiſten Fällen des Erfolges gewiß ſein. Man wähle zu dem Düngungsverſuch ein Phosphorit⸗ Superphosphat, deſſen garantierter Gehalt an waſſerlös⸗ 134 Die Bodenbeſtandteile. licher Phosphorſäure nicht unter 16% beträgt, ſo daß man in 100 kg der Ware mindeſtens 16 kg waſſerlösliche Phos⸗ phorſäure erhält. Der Kunſtdünger wird, ſo wie er iſt oder beſſer mit der drei⸗ fachen Menge Erde, Sägemehl oder Torfmüll(nicht mit Aſche!) ver⸗ mengt, im Frühjahr ausgeſtreut und, wo es zuläſſig, ſogleich unter⸗ geackert. Man berechnet bei einem kleineren Verſuch als Bei⸗ dünger zu dem gewöhnlichen Dünger pro 10 qm 500 g= ½ kg; bei größeren Verſuchen etwas weniger, nämlich 300— 400 g pro 10 qm, oder, was auf dasſelbe herauskommt, 300— 400 kg pro Hektar. Zur näheren Erläuterung derartiger Düngungsverſuche ſchalten wir hier ein Beiſpiel ein, das ſich an die uns am nächſten liegen⸗ den ſchweizeriſchen Verhältniſſe anſchließt und ſich auf Lehmboden bezieht. Nummer Größe Düngung Ertrag . Art der 4 der zuſtut der Kuhgüll Phosphorit⸗ an Parzelle*) Kultur Parzelle uhgülle Superphosph. Heu qm 1 kg kg I. Naturwieſe 20 100 1 19,9 II. do. 20 100— 11,8 Differenz:——— 1 8,1 Durch die Ermittelung des Erntegewichts erfahren wir, daß der Zuſchuß von 1 kg Superphosphat auf der Fläche von 20 qm einen Mehrertrag an Heu und Emd von 8,1 kg ergeben hat. Gewirkt *) Die Lage der Parzellen wählt man zweckmäßig nicht am Rande, ſondern im Innern der Wieſenfläche je 5 m lang und 4 m breit. Die vier Ecken bezeichnet man mit Pfählen; zwiſchen den Parzellen läßt man einen Weg von 1 m Breite. Um eine möglichſt gleichmäßige Verteilung zu erzielen, verdünnt man die Kuhgülle mit der doppelten Menge Waſſer. Aus demſelben Grunde wird das Superphosphat mit der dreifachen Menge Sägemehl oder Torfmüll(ſ. oben!) vermengt. Bei der Ernte ſchiebt man keine Stange oder Latte von Pfahl zu Pfahl und ſchneidet das Gras außen herum genau bis zur Grenze ab, denn es verſteht ſich von ſelbſt, daß ein Fehler in der Größe der Parzellen auf das Reſultat von Einfluß iſt. der einen wirkt tande, Die man ng zu Jaſſer Menge t man außen aß ein t Pflanzennährſtoffe. 135 hat alſo in dieſem Fall die in dem Kunſtdünger enthaltene Phos⸗ phorſäure zweifellos, aber hat ſich der Mehraufwand auch bezahlt? 8,1 kg Heu à 0,08 Fr.... 0,65 Fr. 4,0„ Superphosphat....= 0,20„ 4) Differenz= 0,45 Fr. Der Überſchuß über die Koſten beträgt demnach= 0,45 Fr. Daraus berechnen ſich, wenn wir 0,05 Fr. für die Mehrarbeit (Ausſtreuen des Kunſtdüngers ꝛc.) in Abzug bringen, pro Hektar 200 Fr. Mit dieſem Reſultat könnten wir ſchon zufrieden ſein. Nun haben wir aber noch zu veranſchlagen, daß der Futterwert des Heues auf der mit Superphosphat gedüngten Wieſe in dem Ver⸗ hältnis von 9:8 Fr. pro 100 kg beſſer iſt. Danach ſtellt ſich die Rechnung wie folgt: I. Parzelle: 19,9 kg Heu à 0,09 Fr... ⸗ 1,80 Fr. II.„ 11,8„„ àA 0,08„...= 0,95„ Differenz zu gunſten der I. Parzelle...= 0,85 Fr. Davon ab a) für 1 kg Superphosphat 0,20 b)„ Mehrarbeit... 0,05 = 0,25„ Bleibt auf der I. Parzelle ein Überſchuß von= 0,60 Fr. Daraus berechnen ſich pro Hektar 300 Fr., und da die ander⸗ weitigen Koſten ſich gleich bleiben, ſo iſt dieſer Überſchuß nichts anderes als höherer Reinertrag oder reiner Gewinn. Dieſe Berechnung hinkt inſofern, als die Übertragung von einer ſehr kleinen Fläche auf eine ſehr große immer mißlich iſt. Deshalb muß der Vorprüfung im nächſten Jahre die Hauptprüfung auf einem größeren Verſuchsſtück folgen. Fällt dieſe wiederum günſtig aus, ſo werden wir uns zu größeren Zuſchüſſen an Phos⸗ phorſäure entſchließen, aber nach einer Reihe von etwa 6 Jahren wieder einen ähnlichen Verſuch machen, um zu kontrollieren, ob der Zukauf von Phosphorſäure noch weiter nötig iſt. Denn da einer⸗ ſeits ein Teil der aufgeſchloſſenen Phosphorſäure nicht ſogleich *) Wenn der Preis des Düngers niedriger ſteht, ſo ſtellt ſich die Rechnung um ſo günſtiger.— 5 Franken= 4 Mark. 136 Die Bodenbeſtandteile. verbraucht und andererſeits ein Teil der nicht aufgeſchloſſenen Phosphorſäure(namentlich bei Anwendung des Thomasmehls) mit der Zeit löslich wird, ſo kann ſich der Vorrat an nutzbarer Phos⸗ phorſäure in 6 Jahren ſo anhäufen, daß nun eine Zeitlang der Zuſchuß unterbleiben kann u. ſ. f. 4. Kali.— Weniger allgemein wirkſam als die Phosphorſäure wird ſich das Kali erweiſen. Dennoch ſind Verſuche auch mit dieſem Pflanzennährſtoff ſehr anzuraten. Ziemlich ſicheren Erfolg kann man namentlich auf den Humus⸗ böden(Torf und Moor) erwarten. Auch auf Kalk⸗ und Mergel⸗ böden, ſowie auf Sandböden wird ſich das Kali in vielen Fällen bewähren. Am meiſten zweifelhaft bleibt der Erfolg auf Lehm⸗ und Thonböden, weil dieſe Bodenarten ihrer Entſtehung nach gewöhnlich reicher an Kali ſind, als die vorher genannten. Sehr unſicher iſt ferner der Erfolg der Kalizufuhr auf allen Grundſtücken, auf denen regelmäßig und reichlich mit Kuhmiſt und Gülle und obendrein noch mit Holzaſche, alſo mit kalireichen Dünge⸗ mitteln gedüngt wird. Doch Probieren geht über Studieren, und ein kleiner Verſuch koſtet ja weniger Geld, als Mühe. Von den Staßfurter Düng⸗ ſalzen wählt man für dieſen Zweck am beſten ſchwefelſaures Kali mit einem garantierten Gehalt an Kali von 50— 52%. Man be⸗ rechnet pro 10 qm 500 g= ½ kg der Ware und ſtreut das Salz, mit der dreifachen Menge trockener Erde gemengt, jedenfalls im Herbſt aus, um es, wo dies zuläſſig, ſogleich tief unterzuackern. Auf Natur⸗ und Kunſtwieſen und bei Hülſenfrüchten iſt die Wirkung nach den bisherigen Erfahrungen ſicherer, als bei Getreide und Hackfrüchten. 5. Stickſtoff.— Nur ſelten wird in einer Wirtſchaft ſo viel Viehmiſt produziert, daß ein Zuſchuß von Stickſtoff überflüſſig wäre. Gerade dieſer Pflanzennährſtoff iſt geeignet, die Ernten mächtig zu ſteigern; die Wirkung iſt oft augenfällig. Doch hat man nach der Art der anzubauenden Pflanzen und auch nach der Art des Bodens ſorgfältig zu unterſcheiden. Was zuerſt den Boden betrifft, ſo ſind Verſuche mit Stick⸗ ſtoff auf allen normalen Böden am Platz, nur der Humusboden (Torf, Moor ꝛc.) bedarf bei ſonſt paſſender Behandlung der Stick⸗ hloſſeren amehle mt dner Phe⸗ eitong de phoriirr nit diein Hunue⸗ ‚Nerge⸗ len Fälln if Lehu⸗ ung mt 1 auf alle wwiſt und ndinge⸗ r Vejjah er düng⸗ res Kali Man be⸗ 1s Snh alls im zuacken. Wirkung ide und tſo viel berllſig Ernten hot nan der At Pflanzennährſtoffe. 137 ſtof[düngung oft gar nicht. Man merke ſich die Erfahrungen, die Rimpau bei ſeinen großartigen Moorkulturen gemacht, und die auf das offene und beachtenswerte Bekenntnis hinausliefen: Ich habe Tauſende von Thalern für den Stickſtoff verſchwendet. Was zweitens die Pflanzen anlangt, ſo kann man die Erfah⸗ rungen der Landwirte in folgende Sätze zuſammenfaſſen: a) Auf kleeartige Gewächſe und Hülſenfrüchte, auf die„Stick⸗ ſtofffammler“, äußert die Stickſtoffdüngung meiſt gar keine Wirkung. b) Dagegen unterſtützt der Stickſtoff das Wachstum des Rapſes, der Kohlarten, der Futterrunkeln und Futterrüben, ſowie der Futter⸗ gräſer mit Einſchluß von Futtermais und Futterroggen in auffallender Weiſe, und dieſe Gewächſe können nicht leicht mit Stickſtoff über⸗ düngt werden. c) Bei dem Getreide, das Körner liefern ſoll, iſt der Stickſtoff zwar ebenfalls ſehr wirkſam, aber hier hat man zu ſtarke Stickſtoff⸗ düngung zu vermeiden, weil ſonſt die Halme zu geil wachſen und ſich lagern. d) Auch Kartoffeln und Zuckerrüben vertragen nur eine mäßige Düngung mit Stickſtoff. Für einen kleineren Düngungsverſuch, der die Prüfung der vermehrten Stickſtoffzufuhr bezweckt, eignet ſich am beſten der Chile⸗ ſalpeter. Man berechnet, je nach dem Düngungszuſtande des Bodens und je nach der Art der Kulturpflanzen, 100— 300 g pro 10 qm, oder 100— 300 kg pro Hektar. Dieſes Quantum, reichlich und gleichmäßig mit Erde gemengt, wird aber nicht mit einemmal, ſondern in zwei oder drei Portionen geteilt, zur üÜberdüngung in der Zeit vom Beginn der Vegetation bis zum Beginn der Blüte der Pflanzen verwandt.— Haben wir durch die vorſtehend empfohlenen Düngungsverſuche, die nach der einen oder anderen Richtung abgeändert und ergänzt werden können, die ſchwachen Seiten unſeres Bodens kennen gelernt und im beſonderen herausgefunden, mit welchen Stoſfen wir im ſtande ſind, die Erträge zu ſteigern, ſo werden wir zur Düngung im großen aus den im Handel angebotenen Kunſtdüngern die auswählen, in denen wir die betreffenden Stoffe in der geeig⸗ neten Form am wohlfeilſten beziehen können. Eine nähere 138 Die Bodenbeſtandteile. Anleitung hierfür zu geben, iſt hier nicht am rechten Ort. Nur eine allgemeine Bemerkung ſei noch geſtattet. Die künſtlichen Düngemittel ſind immer nur wertvolle Hülfs⸗ oder Beidünger, die den Stallmiſt vorteilhaft ergänzen und in ſeiner Wirkſamkeit ſehr weſentlich unterſtützen, niemals aber in phy⸗ ſikaliſcher Beziehung, und auf die Dauer und im großen auch nicht in chemiſcher Beziehung vollſtändig erſetzen können. Die ſog.„vieh⸗ loſe Wirtſchaft“, die ihr Futter nebſt allem, was ſie ſonſt erntet, jahraus jahrein verkauft, iſt nur vereinzelt durchführbar, und ſie vermag ſich nur dadurch zu erhalten, daß ſie von Zeit zu Zeit die Ernte dem Acker opfert(Gründüngung) oder ſtädtiſchen Dünger kauft. Wir anderen, die wir die Viehzucht nicht als ein not⸗ wendiges Übel, ſondern als eine Haupterwerbsquelle betrachten, wir werden unentwegt feſthalten an der Stallmiſt⸗ wirtſchaft, ſei es mit, ſei es ohne Güllebereitung, denn ſie liefert den reichlichſten, den beſten und den billigſten Dünger, und wir werden dahin trachten, die Menge und Güte des natürlichen Düngers durch intenſiven Futterbau, durch Zukauf von Kraftfutter, durch rationelle Bewäſſerung der Wieſen und vor allem anderen durch zweckmäßige Behandlung im Stalle, auf der Düngerſtätte und auf dem Felde von Jahr zu Jahr zu vermehren und zu verbeſſern. Die feſten und flüſſigen Auswurfſtoffe der Tiere und — der Menſchen ſind und bleiben das Hauptfutter für die Pflanzen. Im Vergleich zu ihnen verſchwinden die künſtlichen Düngemittel wie das Salz in der Suppe. Kauft Kunſt⸗ dünger, ſo viel wie ſich rentiert, doch vergeßt das alte Sprüch⸗ lein nicht: Miſt iſt des Bauern Liſt! VI. Einteilung der Bodenarten. 139 II. Die Bodenarten. 1. Einteilung und Beſchreibung der Bodenarten. (Agronomiſche Klaſſifikation.) Nach den vorwaltenden und charekteriſtiſchen Beſtandteilen kann man die Geſamtheit der Bodenarten gruppieren und einteilen, wie folgt: Hauptgruppen der Bodenarten. Zahl und Charakteriſtiſche Beſtandteile: Benennung der V Hauptgruppen Stein V Sand V Thon Kalk Humus % V%% V%% Minimum Minimum Minimum Minimum Minimum ca. ca. ca. ca. ca. I. Steinbodenarten 80———— II. Sandbodenarten— 80——— III. Lehmbodenarten— 50 20—— IV. Thonbodenarten—— 50—— V. Mergelbodenart.—— 20 5— VI. Kalkbodenarten——— 50—. VII. Humusbodenart.—— b—— V 20 In der vorliegenden Tabelle iſt die Benennung der Haupt⸗ gruppen angegeben und zugleich angedeutet, durch welche Beſtandteile jede Gruppe charakteriſiert iſt. Vielleicht iſt es nicht überflüſſig, darauf hinzuweiſen, daß die Zahlen bei jedem charakteriſtiſchen Beſtandteil die ungefähre untere Grenze oder das annähernde Minimum angeben. Die Zahl 80 in der erſten Reihe bedeutet alſo: die Steinbodenarten enthalten „mindeſtens 80“, oder ſie enthalten„über 80“ Prozent Steine; und umgekehrt, wenn eine Bodenart„über 80“ Prozent Steine enthält, ſo gehört ſie in die Gruppe der Steinbodenarten. Zur ferneren Erläuterung diene noch folgendes. Nach der Ta⸗ belle enthalten die Lehmbodenarten mindeſtens 50% Sand, ſie ſollen aber nicht über 80% enthalten, weil mit dieſer Prozentzahl 140 Die Bodenarten. die untere Grenze der Sandbodenarten überſchritten wird; andererſeits enthalten die Lehmbsdenarten mindeſtens 20% Thon, ſie ſollen aber nicht über 50% enthalten, weil mit dieſer Prozent⸗ zahl die untere Grenze der Thonbodenarten überſchritten wird. — AÄAnhnlich verhält es ſich mit dem Kalk. Der Kalk iſt der cha⸗ rakteriſtiſche Beſtandteil der Mergelböden; dieſe müſſen, wie die Tabelle beſagt, mindeſtens 5%, ſie können aber auch 10, 20, 30, 40% Kalk enthalten; ſteigt jedoch der Kalkgehalt über 50%, ſo ge⸗ hört die Bodenart nicht mehr in die Gruppe der Mergel⸗, ſondern in die Gruppe der Kalkbodenarten u. ſ. f. Alle in der Tabelle angegebenen Minimalzahlen geſtatten einen Spielraum nach oben und nach unten, was wir mit dem Wörtchen „circa“ angedeutet haben. Die Abgrenzung der Hauptgruppen gegeneinander iſt bis zu einem gewiſſen Grade willkürlich, da eine Gruppe in die andere übergeht und ſcharfe Grenzen in der Natur nicht vorhanden ſind. Wir hoffen aber, daß unſere Einteilung mit der natürlichen Ver⸗ ſchiedenheit der Bodenarten, insbeſondere mit der Abſtufung nach ihren chemiſch⸗phyſikaliſchen Eigenſchaften und nach ihrem Verhalten gegen die Pflanzen ſich möglichſt deckt, und daß ſie zugleich einfach, klar, überſichtlich und auch umfaſſend iſt. Alle auf der Erde vorkommenden Bodenarten, ſo verſchieden ſie im einzelnen auch ſein mögen, werden ſich in eine der genannten 7 Hauptgruppen einreihen laſſen. Wenigſtens iſt es für praktiſche Zwecke nicht nötig, eine größere Zahl von Hauptgruppen zu bilden. Dagegen iſt es zweckmäßig und durchführbar, in den Hauptgruppen einige Unterabteilungen und Klaſſen zu unterſcheiden, ſo daß man im ganzen etwa 40 Bodenarten erhält. Eine zu weit gehende Speziali⸗ ſierung iſt vom Übel. Denn ſchon der altrömiſche Schriftſteller Columella ſagt: Es iſt nicht Sache der Biſſenſchaft, ſich weit⸗ läufig über die unzähligen Varietäten des Bodens zu verbreiten, ſondern einzudringen in die Gattungen und Arten, die durch den Verſtand und durch Worte leicht gefaßt werden können. Ob wir dieſer Vorſchrift überall nachgekommen ſind, mag der geneigte Leſer entſcheiden. Wir laſſen nun die Beſchreibung der Hauptgruppen nebſt ihren Unterabteilungen und Klaſſen folgen. wind Thon, vozent⸗ wind. er cha⸗ de die 0, 30, ſo ge⸗ endern einen rtchen is zu ndere ſind. Ver⸗ nach halten nfach, hieden innten ktiſche ilden. uppen dan in eziali⸗ ſſteller ˖weit⸗ vreiten, ch den Ob wir te Leſer ſt ihren Grusböden. 141 I. Hauptgruppe: Steinbodenarten. Steine verſchiedener Art, Form und Größe bilden den Haupt⸗ beſtand, über 80%. Feinerdige Theile(Thon, Kalk, Humus) fehlen ganz oder treten an Menge ſehr zurück. Verwitterungsböden oder Schwemmlandsböden. I. Unterabteilung. Grusböden(Trümmer⸗, Schotter⸗, Schuttböden). Kenntlich an der unregelmäßigen, eckigen, muſcheligen, ſplitterigen oder ſchieferigen Geſtalt der Steine. Die Grusböden, auch Trümmer⸗, Schotter⸗ oder Schuttböden genannt, entſtehen als erſtes Produkt der Verwitterung aus den verſchiedenſten Geſteins⸗ oder Felsarten(Verwitterungsböden). Wir finden ſie beſonders häufig im Hochgebirge, wo ſie die Schutthalden bilden. Doch beſtehen nicht alle Schutthalden aus Grusboden, da manche Felsarten, namentlich Mergelgeſteine, bei der Verwitterung ſehr bald einen erdigen Boden liefern, während andere Felsarten, namentlich die Sandſteinfelſen, bei der Verwitterung als⸗ bald in Sand zerfallen. Verwitterungsprodukte dieſer Art gehören dann nicht in die I. Hauptgruppe, ſondern in die II., III., IV. V. oder VI. Hauptgruppe der Bodenarten. Die Fruchtbarkeit der Grusböden iſt im allgemeinen gering. Je mehr der Gehalt an Feinerde zunimmt, ſei es durch Verwitterung, ſei es durch Aufſchlämmung, ſei es durch Humusbildung, veranlaßt durch niedere Pflanzen, Flechten, Mooſe ꝛc., deſto mehr hebt ſich die Fruchtbarkeit. Hiernach kann man die Grusböden in folgende drei Klaſſen bringen: 1. Klaſſe: Humoſer Grusboden. Gemenge von Geſteinsgrus und Humus. Auf den Alpen und im Hochgebirgswald vorkommend. In jenen feuchten Lagen mäßig fruchtbares Wald⸗ und Weideland. 2. Klaſſe: Lehmiger oder mergeliger Grusboden. Feinerdige Teile(Thon oder Thon und Kalk zwiſchen dem Ge⸗ ſteinsgrus deutlich bemerkbar, aber an Menge ſo gering(5— 20%), daß ſich eine feuchte Bodenprobe in der Hand nicht ballen läßt. 142 Die Bodenarten. Durch dieſes Kennzeichen zu unterſcheiden von ſteinigem Lehm und Lehmmergel, bei denen der Gehalt an Feinerde über 20% beträgt. Auf Schutthalden in höheren und tieferen Lagen vorkommend. In feuchter Lage mäßig fruchtbar, doch meiſt auch nur als Weide⸗ und Waldland, zuweilen als Rebland zu nutzen. Auf lehmmergeligem Grusboden gedeiht allenfalls Luzerne und Eſparſette. 3. Klaſſe: Reiner Grusboden. Sehr arm an Feinerde(unter 5%). Steile, ſteinige Schutt⸗ halden. Fruchtbarkeit ſehr gering. Oft ganz kahl und wüſt. Brauch⸗ bar als Straßenſchotter. II. Unterabteilung. Kies⸗ und Grandböden(Geröllböden). Kenntlich an der abgerundeten Geſtalt und geglätteten Oberfläche der Steine. Hierhin gehören Schwemmlands⸗ böden verſchiedener Art, bei denen die feinerdigen Teile ganz oder größtenteils fortgeſchwemmt, ſo daß in der Hauptſache nur größere und kleinere Gerölle zurückgeblieben ſind. Meiſt in Flußthälern, doch auch im Hügel⸗ und Bergland häufig vorkommend. Oft von einer Schicht beſſeren Bodens überdeckt, alſo den Untergrund bildend(Kiesgruben). Im Anſchluß an die Grusböden bringen wir die Kies⸗ und Grandböden in folgende drei Klaſſen: 4. Klaſſe: Lehmiger oder mergeliger Kiesboden. Feinerdige Teile(Thon oder Thon und Kalk) zwiſchen dem groben Gerölle bemerkbar, aber nicht über 20% betragend. In Flußthälern und im Untergrunde vorkommend. Selten zu Tage tretend. Fruchtbarkeit mäßig oder gering. In trockener Lage meiſt nur als Weide⸗ und Waldland(Föhre) oder als Eſperboden, zuweilen als Rebland, in feuchter Lage auch als Wieſenland zu nutzen. 5. Klaſſe: Reiner Kiesboden. Sehr arm an Feinerde(unter 5%), oft mit Grand und Sand gemengt oder wechſellagernd. Material für Straßen⸗ und Betonbauten. m und eträgt d. In e⸗ und eligem Schut rauch⸗ eten nds⸗ oder ößere äufig alſo Sandböden. 143 Fruchtbarkeit ſehr gering. In trockener Lage unbedingter Waldboden. In Flußthälern, der Überſchwemmung ausgeſetzt, oft mit Weiden bewachſen, daher auch zur Korbweidenkultur zu ver⸗ wenden. 6. Klaſſe: Grandboden. Gerölle von Senfkorngröße(1—2 mmI) bilden den Haupt⸗ beſtand. Das übrige iſt Kies, grober und feiner Sand nebſt einer geringen Menge von Humus oder Thon. Fruchtbarkeit ſehr gering. In trockener Lage unbedingter Wald⸗ boden(Föhre). In friſcher Lage kommen bei genügender Düngung allenfalls Roggen, Lupinen und Kartoffeln fort. Die Flora des gemeinen Sandbodens, S. 145, gilt auch für den Grandboden. II. Hauptgruppe: Sandbodenarten. Deutlich ſichtbare und fühlbare Körner unter 1 mm Größe bilden den Hauptbeſtand, über 80%. Die Körner ſind größtenteils Quarzſand. Feinerdige Teile(Thon, Kalk, Humus) ganz fehlend oder an Menge ſehr zurücktretend, unter 20%, meiſt unter 10%. In der Schweiz in einigen Flußthälern(Aare, Rhone, Reuß, Rhein) und im Untergrunde des Hügel⸗ und Berglandes vor⸗ kommend; als Kulturland nicht häufig, weil gewöhnlich von anderen beſſeren Bodenarten überdeckt. In anderen Gegenden, namentlich in Norddeutſchland, ſehr verbreitet. Nach der Ertragsfähigkeit kann man die Sandböden in folgende ſechs Klaſſen abteilen: 1. Klaſſe: Milder humoſer Sandboden. So reichlich Humus enthaltend(5— 10%), daß der Boden im feuchten Zuſtande ſchwarz oder ſchwarzbraun, im trockenen Zuſtande dagegen grau erſcheint. Bei näherem Zuſehen erkennt man die weißen Körner von Quarzſand, die den Hauptbeſtand ausmachen. Auch kleine Schneckengehäuſe kommen hier häufig vor. Dieſe Bodenart findet ſich als Aueboden an Flüſſen und Bächen. Daher meiſt feucht gelegen. Zuweilen der Überſchwemmung ausgeſetzt, doch frei von ſtockender Näſſe. Guter Wieſenboden. Das Gras enthält jedoch gar keine oder nur eine geringe Beimengung von Kleearten. 144 Die Bodenarten. Von anderen landwirtſchaftlichen Kulturpflanzen gedeihen bei genügender Trockenlegung und Düngung: Roggen, Hafer, Hirſe und Mais ſicherer als Gerſte; Kartoffeln, Möhren, Kohl⸗ und Waſſer⸗ rüben ſicherer als Runkelrüben; Rübſen ſicherer als Raps. Bei reicher Düngung mit Natur⸗ und Kunſtdünger auch Kohl, Hopfen, Lein und Hanf. Kleearten und Hülſenfrüchte ſind im allgemeinen unſicher, von jenen noch am ſicherſten Baſtardklee und Sumpfſchoten⸗ klee im Gemenge mit Futtergräſern, die ſich für dieſen Boden vorzüglich eignen. Ein häufiges und läſtiges Unkraut auf dem humoſen Sand⸗ boden iſt die Quecke, Triticum repens. 2. Klaſſe: Mergeliger Sandboden. Bei der Salzſäureprobe mehr oder weniger deutlich, aber nicht ſtark aufbrauſend. Kalkgehalt 2— 4%. Etwas bündig, doch leicht zu bearbeiten. Thätig. Geſund. Ziemlich fruchtbar. Mäßige, aber oft wiederholte Düngung ratſam und lohnend. Hauptfrüchte: Roggen und Kartoffeln. Für Weizen zu leicht. In friſcher Lage, bei bündigem Untergrunde, gedeihen Gerſte und Hafer. Außerdem Erbſen, Wicken, Zuckerrüben, Möhren, Tabak u. a. Futtergewächſe nicht ſehr ertragreich, aber von guter Qualität. Kleegras ſicherer als reiner Rotklee. Eſper und Luzerne kommen auch im Reinbeſtande fort. Wildwachſend finden ſich auf dieſer Sandbodenart häufig Gelb⸗ klee, Medicago lupulina und Brombeere, Rubus caesius, die man als„Leitpflanzen“ für mergeligen Boden betrachten kann. 3. Klaſſe: Lehmiger Sandboden. Arm an Kalk, daher bei der Salzſäureprobe nicht aufbrauſend. Etwas bündig, läßt ſich aber nicht zu einer geſchloſſenen Kugel ballen, weil der Thongehalt nur 5— 20% beträgt. Trotzdem können gewiſſe Varietäten des lehmigen Sandbodens, wenn ſie viel feinen Sand enthalten, bei lange anhaltender Dürre ſo erhärten, daß das Pflügen unmöglich iſt. Trägt dieſelben Kulturpflanzen, wie die vorige Klaſſe, jedoch ſind Erbſen, Wicken, Rotklee, Eſper und Luzerne viel unſicherer, 6 8 755 en bei ſe und Waſſer⸗ . Wei vopfen, meinen ſchoten⸗ Voden Sand⸗ er nich leicht Näßige, zen zu Gerſte Köhren, walität kommen Gelb⸗ ie man n. rauſfend n Kügel m können el feinen daß da ſe jedoc Inſichele, Sandböden. 145 weil der Kalkgehalt zu gering. Für dieſe Pflanzen treten hier ſchon ein: Sandluzerne, Lupinen, Wundklee, Serradella und Spörgel. Kleegrasgemenge als Mähefutter nicht ſo ausgiebig, als Wickhafer⸗ gemenge. Zur Weide, beſonders für Schafe, eignen ſich Weißklee mit Timothee und engliſchem Raygras. Hänufige ſchädliche Unkräuter des lehmigen Sandbodens ſind: Kornblume, Centaurea Cyanus— Kornrade, Agrostemma Githago — und Hederich, Raphanus Raphanistrum. Ebenfalls häufig, aber weniger ſchädlich ſind: Knörich, Scleranthus annuus— Frühlings⸗ ehrenpreis, Veronica verna— und dreifarbiges Veilchen, Viola tricolor. 4. Klaſſe: Gemeiner Sandboden. Meiſt grobkörnig. Nur in feuchtem Zuſtande etwas bündig. Gehalt an Thon unter 5%. Von Halmfrüchten gedeiht hier nur noch der Winterroggen. Kartoffeln liefern geringen Ertrag, aber vorzügliche, geſunde Saatware. Von anderen Hackfrüchten kommen noch fort Möhren und Waſſerrüben(Räben). Futtergewächſe: Lupinen, Wundklee, Serradella, Buchweizen und Spörgel. Zur Schafweide: Weißklee, engliſch Raygras und Timothee unſicher; am ſicherſten Schafſchwingel. Namentlich mit Hülfe der Lupine iſt es möglich, dieſem Boden noch einen leidlichen Ertrag abzugewinnen, oft aber dürfte es vor⸗ zuziehen ſein, ihn durch Bepflanzung mit Föhren(Kiefern), Akazien, Birken, Eſpen, Schwarz⸗ und Pyramidenpappeln zur Holzzucht zu verwenden. Von den Pflanzen, die den gemeinen Sandboden kennzeichnen, wollen wir, außer den bereits genannten land⸗ und forſtwirtſchaft⸗ lichen Kulturgewächſen, noch folgende hervorheben: Heidekraut, Calluna vulgaris. Beſenpfriemen, Sarothamnus scoparius. Königskerze, Verbascum thapsiforme. Katzenklee, Trifolium arvense. Grasnelke, Armeria vulgaris. Hungerblümchen, Erophila verna. Nowacki, Bodenkunde. 3. Auflage. 10 146 Die Bodenarten. Sandwegerich, Plantago arenaria. Sandlieſchgras, Phleum arenarium. Nelkenhafer, Avena caryophyllea. Sandriedgras, Carex arenaria. Steinpilz, Boletus edulis. Einige andere Pflanzen der Sandbodenflora werden wir bei der 6. Klaſſe der Sandbodenarten anführen. 5. Klaſſe: Naßkalter Sandboden. Oft eiſenſchüſſig. Oft auch Raſeneiſenſtein im Untergrunde. Im Obergrunde oft ſauren oder auch kohligen, tauben Humus ent⸗ haltend. Im Naturzuſtande zuweilen mit Erlen, im Kulturzuſtande zu⸗ weilen dicht mit Vogelmiere(Stellaria media) bewachſen. Für Kulturpflanzen unſicher. Durch Trockenlegung wird er ſehr verbeſſert. Röhrendrainage lohnt ſich jedoch meiſt nicht, weil der Boden an und für ſich zu ſchlecht. Alſo offene Gräben. Sicherſte Gewächſe: Hafer, Lein, Spörgel und Futtergräſer (Honig⸗ und Thimotheegras). Das Futter iſt hier aber wenig nahrhaft. Bei guter Düngung und Behandlung(Beet⸗ oder Dammkultur) trägt er Kohl und Kohlrüben, auch Winterrübſen und Roggen. 6. Klaſſe: Loſer Sandboden. Dünen⸗ und Flugſand, auch ſtaubiger, kohliger Sand(Bleiſand), ſowie grob⸗ und feinkörniger reiner Sand(Streuſand, Seeſand) ge⸗ hören hierher. Ackerbau rentiert hier nicht mehr, ſelbſt das Aufbringen der Föhrenſaat erfordert beſondere Vorkehrungen(vergl. S. 123). Von den wenigen Pflanzen, die der Dünen⸗ und Flugſand freiwillig hervorbringt und die auch künſtlich zu ſeiner Befeſtigung angebaut werden, ſind folgende erwähnenswert: Sandhafer, Elymus arenarius. Sandrohr, Psamma oder Arundo arenaria. Sandſchmiele, Corynephorus oder Aira canescens. Die Blätter und Halme dieſer drei Gräſer ſind ſo hart und unſchmackhaft, daß ſie ſowohl von zahmen wie von wilden Tieren verſchmäht werden. e wir runde. s ent⸗ de zu⸗ ird er vweil grüſer wenig kultur) 2 iſand) d) ge⸗ en der ). lugjand ſtigung art und Tieren Lehmböden. 147 Die unterſte Stufe des loſen Sandbodens wird in trockener Lage zur Wüſte. Derartiges Material läßt ſich zuweilen zur Glas⸗ fabrikation verwenden. Auch als Mauerſand zur Kalkmörtelbereitung, ſowie zu Cementarbeiten iſt es vortrefflich geeignet. III. Hauptgruppe: Lehmbodenarten. Gemenge von Sand und Thon, in denen der Sandgehalt zwiſchen 80 und 50%, der Thongehalt zwiſchen 20 und 50% wechſelt. Arm an Kalk, daher bei der Salzſäureprobe gar nicht oder nur ſchwach aufbrauſend. Bündig. Formbar. Rauh oder mager anzufühlen. In der Regel mit Steinen durchſetzt. In der Schweiz und den Nachbarländern ſehr verbreitet, be⸗ ſonders als obere Decke im Hügel⸗ und Berglande. Guter Acker⸗, Wieſen⸗, Weide⸗, Reb⸗ und Waldboden, natürlich mit Abſtufungen in der Fruchtbarkeit. Nach der Ertragsfähigkeit kann man die Lehmböden in folgende ſechs Klaſſen bringen: 1. Klaſſe: Milder humoſer Lehmboden. Reichlich(5— 10%) milden und fruchtbaren Humus enthaltend; dadurch mürbe und locker. Ertragreich und ſicher. Doch zuweilen der Überſchwemmung ausgeſetzt.. Dieſer Boden trägt alle Gewächſe mit Ausnahme der eigent⸗ lichen Sandpflanzen. Vorzüglich gedeihen Gerſte(Gerſtboden) und Zuckerrüben (Rübenboden). Außerdem Raps, Weizen, Pferdebohnen und Hanf. Roggen, Kartoffeln und Erbſen beſſer in zweiter Tracht, als in friſchem Dünger. Rotklee üppig, noch beſſer im Gemenge mit italieniſchem Ray⸗ gras zu ein- oder zweijähriger Nutzung. Futtergräſer, namentlich Knaulgras, engliſches, italieniſches und franzöſiſches Raygras mit Rotklee, Baſtardklee und Luzerne zu mehr⸗ jähriger Nutzung angebaut, liefern hohe Erträge, beſonders wenn der Untergrund Mergel enthält. Fehlt der Mergel(Kalk) im Untergrunde, ſo werden Luzerne und Klee unſicher, halten wenigſtens nicht lange aus. Wie ſehr dieſe Bodenart das Wachstum der Gräſer begünſtigt, 10* 148 Die Bodenarten. zeigt der Umſtand, daß wir auf ihr außer den genannten die beſten anderen Wieſengräſer, Wieſenfuchsſchwanz, Wieſenſchwingel, Gold⸗ hafer, Kammgras, die Riſpengräſer u. a. wildwachſend in der üppigſten Entwicklung antreffen. In feuchter oder friſcher Lage iſt der humoſe Lehm, ſowie der ihm naheſtehende, aber kalkreichere humoſe Lehmmergel ein ganz vorzüglicher Wieſenboden. In trocknerer Lage als Acker⸗ oder Gartenland benutzt, finden wir auf dem humoſen Lehm und Lehmmergel als Unkräuter den gemeinen Erdrauch, Fumaria officinalis, das jährige Bingelkraut, Mercurialis annua und das gemeine Kreuzkraut, Senecio vulgaris, oft in großer Menge. 2. Klaſſe: Lößartiger Lehmboden. Ausgezeichnet durch einen hohen Gehalt an fein- und gleich⸗ körnigem Sand(vergl. S. 89). Oft kalkhaltig. Frei von Stein. Ebenfalls ſicher und ertragreich. Trägt dieſelben Kulturgewächſe, wie die vorige Klaſſe. 3. Klaſſe: Gemeiner Lehmboden. Mehr oder weniger Steine enthaltend. Gehalt an abſchlämm⸗ barem Thon gegen 40%. Gleichfalls ertragreich und ſicher. Bei genügender Düngung trägt er dieſelben Pflanzen, wie Klaſſe 1 und 2. Von wildwachſenden Pflanzen finden wir auf dem gemeinen Lehmboden, außer den bei der 1. Klaſſe erwähnten Gräſern, folgende: a) Acker⸗Unkräuter. Feldritterſporn, Delphinium Consolida. Klatſchmohn, Papaver Rhoeas. Hahnenfuß, Ranunculus arvensis und R. bulbosus. Saudiſtel, Sonchus arvensis. Kratzdiſtel, Cirsium arvense. Cichorie oder Wegwart, Cichorium intybus. Ehrenpreis, Veronica arvensis und V. hederaefolia. Hirtentäſchelkraut, Capsella Bursa pastoris. Kamille, Matricaria Chamomilla. Hundskamille, Anthemis arvensis. Gelbe Wucherblume, Chrysanthemum segetum u. a. m. ümm⸗ Bei mnd 2. innen ende: Lehmböden. 149, b) Wieſen⸗Unkräuter. Löwenzahn, Taraxacum officinale. Weiße Wucherblume, Chrysanthemum Leucanthemum. Hahnenfuß, Ranunculus repens und R. acer. Rainfarn, Tanacetum vulgare. Wilde Möhre, Daucus Carota. Roßkümmel, Anthriscus silvestris. Wieſenkümmel, Carum Carvi u. a. m. Zur Erläuterung bemerken wir, daß dieſe Pflanzen nicht allein auf dem gemeinen Lehm, ſondern auch auf andern Lehmbodenarten wachſen. Sie ſind auch nicht ausſchließlich auf die Lehmböden an⸗ gewieſen, ſondern ſie gehen auf verwandte Bodenarten, beſonders auf Thonboden, Thon⸗ und Lehmmergelboden, und lehmigen Sand⸗ boden über. Immerhin wird man dort, wo viele oder mehrere von ihnen, oder wo einige von ihnen in Menge, d. h. in zahlreichen Exemplaren vorkommen, zunächſt einen Lehmboden, und zwar häufiger mit, als ohne Mergelunterlage, vermuten dürfen.*) Was die Waldbäume betrifft, ſo finden wir auf Lehm und ver⸗ wandten Bodenarten wildwachſend und kultiviert beſonders harte Laubhölzer: Eichen, Buchen, Eſchen, Ahorne, Ulmen. Daneben auch gewiſſe Nadelhölzer: Rottannen, Weißtannen und Lärchen, bald in reinen, bald in gemiſchten, d. h. aus Laub⸗ und Nadelholz zuſammen⸗ geſetzten Beſtänden. Wo wir aber bemerken, daß die Föhre, Pinus silvestris, den vorherrſchenden oder alleinigen Beſtand bildet, da werden wir in der Regel einen leichteren Boden(Sand, Kies) an⸗ ſtehend finden, denn im Naturwalde gewinnt die Föhre an den trockenen ſandigen und kieſigen Stellen die Oberhand über den ſonſtigen Anflug, und im Kulturwalde beſetzt der Menſch derartige Stellen ebenfalls mit der Föhre, weil er aus Erfahrung weiß, daß dieſer Waldbaum hier beſſer gedeiht, als alle andern.— Bei dieſer Gelegenheit wollen wir auf eine Täuſchung aufmerkſam machen, die leicht begegnen kann. Man findet nämlich zuweilen im ſchieren Sande alte kräftige Eichen und könnte durch dieſe Erſcheinung zu *) Die Mächtigkeit des in der Natur vorkommenden Lehmbodens be⸗ trägt oft weniger als 1 m, ſo daß die tiefwurzelnden Gewächſe den unter dem Lehm anſtehenden Mergel erreichen können. 150 Die Bodenarten. der Meinung kommen, daß die Eiche eine„ſandliebende“ Pflanze ſei. Dem iſt aber nicht ſo. Die Eiche wurzelt in ſolchen Fällen im Lehm oder Lehmmergel, und der Sand, der ihn bedeckt, iſt im Laufe der Jahrzehnte vom Winde darüber geweht worden, den Stamm der Bäume mehr und mehr begrabend. 4. Klaſſe: Schwerer Lehmboden. Enthält mehr Thon, als der gemeine Lehmboden. Gehalt an abſchlämmbarem Thon gegen 50% oder ſogar noch etwas höher. Dadurch wird er in ſeinen Eigenſchaften dem Thonboden ähnlich. Oft Drainage oder Beetkultur erforderlich. Von den Kulturpflanzen ſind Weizen, Spelz und Hafer hier ſicherer, als Roggen und Gerſte. Runkel⸗ und Kohlrüben ſicherer als Kartoffeln. Sehr gut gedeihen die Futtergräſer. Auch die Kleearten, wenn die Lage nicht zu naß. Immerhin iſt Baſtardklee und Rotklee ſicherer als Luzerne und Eſper, und Kleegrasſaat viel ſicherer, als Reinſaat von Klee. Von Unkräutern zeigen ſich auf dem ſchweren Lehmboden in naſſen Jahren oder in feuchten Lagen auf dem Ackerlande beſonders Roggentreſpe, Bromus secalinus, und gemeines Riſpengras, Poa trivialis; auf dem Wieſenlande die Hahnenfußarten, Ranunculus acer u. a. 5. Klaſſe: Naßkalter Lehmboden. Oft eiſenſchüſſig. Untergrund undurchläſſig. Daher Drainage oder Beetkultur notwendig. Sicherſte Frucht der Hafer. Von der Winterung: Spelz ſicherer als Weizen und Roggen. Kartoffeln viel unſicherer, als Runkel⸗ und Kohlrüben. Futtergräſer, wie Timothee, Honiggras und Knaulgras kommen zwar fort, liefern aber ein wenig nahrhaftes Futter. Von Kleearten gedeiht hier nur der Baſtardklee und auch der nicht ſicher. Häufige Unkräuter ſind Schachtelhalm auf dem Ackerlande, und Riedgräſer, Moos, Herbſtzeitloſe auf dem Wieſenlande. Pfanxe ſen Fülle c, iſ in rden, den ten, wem h Kotlle * erer, d boden i beſonders s Po runcul droinage ſcherer ommmen ruch der de, und Thonböden. 151 6. Klaſſe: Sandiger— grandiger— ſteiniger Lehmboden. ᷓ Erheblich magerer, als der gemeine Lehmboden. Gehalt an abſchlämmbarem Thon nur 20— 30%; das übrige iſt Sand, Grand, Kies, Grus oder grobes Gerölle, in dem Sinne, daß entweder nur einer oder mehrere von den zuletzt genannten Gemengteilen vor⸗ kommen. Nähert ſich in ſeinen Eigenſchaften dem lehmigen Sand⸗, oder dem lehmigen Kies⸗, oder dem lehmigen Grusboden. Roggen hier beſte Winterfrucht. Weizen und Spelz unſicherer. Gerſte und Hafer liefern nur mittelmäßige, in trockenen Jahren ſchwache Erträge. Kartoffeln vorzüglich. Auch Zuckerrüben noch leidlich, obwohl nicht ſehr ertragreich. Zur Futtergewinnung Wickhafergemenge ſicherer, als Kleegras⸗ gemenge. Luzerne und Eſper gedeihen nur bei Mergelunterlage. Mähegräſer beſonders in trockenen Jahren viel unſicherer, als Weidegräſer im Gemiſch mit Weißklee angebaut. IV. Hauptgruppe: Thonbodenarten. Durch den hohen Thongehalt, der über 50, meiſt über 60% beträgt, im feuchten Zuſtand klebrig, formbar und zähe, im trockenen Zuſtand hart, feſt und dicht, oft mit Sprüngen oder Riſſen durch⸗ ſetzt. Gleichartig, homogen(vergl. S. 89). Bei der Salzſäureprobe gar nicht, oder nicht ſtark aufbrauſend. Daher kalkarm, aber ſelten kalkfrei. In den Flußthälern und auch im Hügel⸗ und Bergland ziemlich häufig, jedoch ſellener Obergrund, als Untergrund bildend.(Thon⸗ gruben.) Gewiſſe Arten ſehr fruchtbar, andere aber auch unfruchtbar. Das Nähere ergiebt ſich aus der Beſchreibung der einzelnen Klaſſen. 1. Klaſſe: Reicher humoſer Thonboden. Schwarzer, meiſt tiefgründiger Thonboden. Gehalt an Humus zwiſchen 5 und 10%, ſelten höher. In Niederungen und Thal⸗ gründen, am Meeresſtrande, an Flußufern, in ausgetrockneten Meer⸗ und Seebecken. Marſchboden. Schwarzerde. Zuweilen der Über⸗ ſchwemmung ausgeſetzt. 152 Die Bodenarten. Sehr fruchtbar. Düngung oft überflüſſig, wenigſtens für eine lange Reihe von Jahren. Weizen, Raps, Pferdebohnen charakte⸗ riſtiſche Kulturpflanzen.(Weizenboden 1. Klaſſe.) Außerdem liefert dieſer Boden hohe Erträge an Gerſte, Hafer, Mais, Hanf, Lein, Kohl u. a. Gewächſen. Vorzüglich gedeihen auch die Futtergräſer. Manche der ſog. Fettweiden gehören dieſem Boden an. Auch Klee und Luzerne gedeihen bei einigem Kalkgehalt, werden aber leicht von Gras überwuchert, daher Kleegrasgemenge vorzuziehen. In Bezug auf die wildwachſenden Wieſengräſer gilt dasſelbe, was bei dem humoſen Lehmboden hervorgehoben worden iſt; auch der humoſe Thonboden iſt ein ausgezeichneter Wieſenboden. 2. Klaſſe: Kalkhaltiger Thonboden. Bei der Salzſäureprobe deutlich, aber nicht ſtark und nicht an⸗ haltend aufbrauſend. Kalkgehalt 3— 4%. Durch den Kalkgehalt thätiger und weniger zähe, als der gemeine Thonboden. Steigt der Kalkgehalt auf 5% und darüber, ſo geht der kalkhaltige Thonboden über in Thonmergelboden. Bei fleißiger Bearbeitung und guter Düngung trägt er dieſelben Gewächſe, wie die 1. Klaſſe. Von den wildwachſenden Pflanzen iſt für den kalkhaltigen Thon⸗ boden charakteriſtiſch der Huflattich, Tussilago Farfara. 3. Klaſſe: Gemeiner Thonboden. Gehalt an abſchlämmbarem Thon 60— 75%. Weizen und Spelz ſicherer, als Roggen; Hafer ſicherer, als Gerſte. Runkel⸗ und Kohl⸗ rüben viel ſicherer, als Kartoffeln. Futtergräſer ſicherer, als Kleearten; von dieſen Rotklee, Weiß⸗ klee und Baſtardklee ſicherer, als Luzerne und Eſper. Die wildwachſenden Pflanzen, die den gemeinen Thonboden kennzeichnen, ſind, außer den Wieſengräſern, dieſelben Acker⸗ und Wieſenunkräuter, die wir bereits bei dem gemeinen und bei dem ſchweren Lehmboden genannt haben. Die bei dem gemeinen Lehmboden erwähnten Laub⸗ und Nadel⸗ hölzer gehen auch auf den Thonboden über. dasſelbe ſt uch icht an⸗ lgehatt eigt der vnboden Wieſelben onboden er⸗ und bei dem Nadel⸗ Thonböden. 153 4. Klaſſe: Strenger Thonboden. Gehalt an abſchlämmbarem Thon 75— 90%. Deshalb zäher und widerſpenſtiger, als der gemeine Thonboden. Leidet noch leichter von der Näſſe, als dieſer. Iſt oft auch eiſenſchüſſig. Bearbeitung ſehr ſchwierig. Für erfolgreiche Kultur zeitweiſe Brache nötig, 1—2 Pflugfurchen vor Winter und 2—3 Furchen im folgenden Sommer. Futtergräſer, Hafer und Kohlrüben ſind hier die ſicherſten Ge⸗ wächſe. Weizen und Spelz kommen noch fort, werden aber in naſſen Jahren von Treſpe, Schmiele, Riſpengras und Hahnenfuß überwuchert. Wegen der Schwierigkeit der Bearbeitung eignet ſich dieſer Boden bei ſeiner Begünſtigung des Graswuchſes beſſer zum Wieſen⸗, als zum Ackerbau. 5. Klaſſe: Naßkalter Thonboden. Untergrund undurchläſſig. Ober⸗ und Untergrund meiſt eiſen⸗ ſchüſſig. Dem Gefüge und Beſtande nach bald fetter Thon, bald magerer Thon oder Thonletten; der Letten gegen 50% ſtaubförmigen Sand enthaltend. Wenig dankbar. Drainieren! Trägt, als Acker⸗, oder beſſer als Wieſenland benutzt, dieſelben Gewächſe, wenn auch viel unſicherer, wie Klaſſe 3 und 4. 6. Klaſſe: Reiner Thonboden.(Töpferthon.) Gehalt an abſchlämmbarem Thon über 90%. Für die Zwecke des Ackerbaues nicht brauchbar, weil zu zähe, zu ſteif, zu dicht, zu widerſpenſtig; eher noch als Wieſenland zu be⸗ nutzen. Dagegen gutes Material für die Ziegel⸗, Röhren⸗ und Porzellan⸗ fabrikation. V. Hauptgruppe: Mergelbodenarten. In dieſe Gruppe gehören die Böden, die durch einen hohen, aber nicht übermäßigen Kalkgehalt(von 5— 50%) ausgezeichnet ſind. Der Kalk iſt der charakteriſierende Beſtandteil; der zweite weſent⸗ liche und oft überwiegende Beſtandteil iſt der Thon. Als ander⸗ weitige Beſtandteile kommen vor: Steine, Sand, Humus. 154 Die Bodenarten. Jeder Mergel enthält alſo Kalk und Thon, und zwar ſind die Kalk⸗ und Thonteilchen in den eigentlichen Mergelböden ſo gleichmäßig und innig miteinander gemiſcht, daß ſie auf mechaniſchem Wege(durch Schlämmen) nicht von einander getrennt werden können. Man erkennt die eigentlichen Mergelböden daran, daß ſie bei der Salzſäureprobe ſtark und gleichmäßig aufbrauſen. Doch ſtellen wir die Mergelböden, die über 50% Kalk enthalten(Kalkmergel), nicht in die Gruppe der Mergel⸗, ſondern in die Gruppe der Kalkböden. Andererſeits rechnen wir kalkreiche Verwitterungsböden, in denen größere und kleinere Kalkeinſtücke vorkommen und die demnach un⸗ gleichmäßig aufbrauſen, dennoch mit in die Gruppe der Mergel⸗ bodenarten, wenn der Kalkgehalt der Feinerde nicht über 50% beträgt, wenn ſie alſo nach ihrem Geſamtverhalten beſſer hierher paſſen, als in die Gruppe der Kalkböden. Denn für unſere Ein⸗ teilung iſt weniger der geologiſche Urſprung, als die chemiſch⸗ phyſikaliſche Beſchaffenheit der Bodenarten maßgebend. Deshalb erſcheint es uns auch nicht ratſam, die Mergelböden mit den Sand⸗, Lehm⸗ und Thonböden zu vereinigen, weil ſie ſich in ihren chemiſch⸗phyſikaliſchen Eigenſchaften und demgemäß auch in ihrem Verhalten gegen die Pflanzen von den bereits abgehandelten Bodengruppen deutlich unterſcheiden. Daß zwiſchen den entſprechenden Bodenarten, z. B. zwiſchen Thon⸗ und Thonmergel, zwiſchen Lehm und Lehmmergel ꝛc., Übergangs⸗ oder Zwiſchenſtufen vorkommen, iſt kein ſtichhaltiger Einwand gegen unſere Einteilung, denn wenn man dieſem Einwande vollſtändig Rechnung tragen wollte, ſo käme man ſchließlich dahin, alle Bodenarten in eine einzige Gruppe zu⸗ ſammenzufaſſen, und damit ginge der Hauptzweck der Boden⸗ klaſſifikation, der darin beſteht, ſich unter den verſchiedenen Vor⸗ kommniſſen leicht und ſicher zurecht zu finden, ganz oder größten⸗ teils verloren. In der Schweiz und den Nachbarländern ſind die Mergel⸗ böden ſehr verbreitet. Sie bilden hier oft den Ober⸗, oft auch den Untergrund. Ihre Fruchtbarkeit iſt im allgemeinen hoch. Dies beruht zum Teil auf ihrem natürlichen Reichtum an Pflanzennährſtoffen, nicht minder aber auf ihren günſtigen phyſikaliſchen Eigenſchaften. Eine hervortretende Eigenſchaft iſt ihre Thätigkeit, die auf den Kalkgehalt ——„—— Mergelböden. 155 zurückzuführen iſt. Wegen des Kalkgehaltes begünſtigen ſie beſonders das Wachstum der kleeartigen Pflanzen: Rotklee, Luzerne und Eſpar⸗ ſette ꝛc. Und auf dem Kalkgehalt, der in der Regel von Phosphor⸗ ſäure begleitet iſt, ſcheint es auch zu beruhen, daß alle Gewächſe der Mergelböden geſund, ſtoffreich und nahrhaft ſind. Nach der Ertragsfähigkeit kann man die Mergelböden abteilen wie folgt: 1. Klaſſe: Humoſer Thonmergelboden. Der humoſe Thonmergelboden iſt dem humoſen Thon⸗ boden ähnlich, aber bei gleicher Tiefgründigkeit noch günſtiger für das Pflanzenwachstum als dieſer. Die Bearbeitung iſt zwar auch bei ihm ſchwierig, doch zerfällt der humoſe Thonmergel, wie alle Mergelböden, dem Winterfroſt ausgeſetzt, in ſehr vollkommener Weiſe. Er trägt dieſelben Pflanzen, die wir bei dem humoſen Thon⸗ boden erwähnt haben. Kleeartige Gewächſe, beſonders Luzerne, ſind hier jedoch ſicherer als dort. Auch die Qualität der Produkte iſt hier im allgemeinen beſſer. 2. Klaſſe: Gemeiner Thonmergelboden. Er entbehrt des hohen Humusgehaltes, iſt aber trotzdem bei angemeſſener Behandlung und Düngung ein ſehr tragbarer Boden. Er nähert ſich in ſeinen Eigenſchaften dem kalkhaltigen Thonboden, ſteht jedoch in der Ertragsfähigkeit eine Stufe höher als dieſer. Sein Verhalten gegen die Pflanzen läßt ſich kurz mit folgenden Worten kennzeichnen: Vorzüglicher Klee⸗, Luzerne⸗, Weizen⸗ und Rapsboden. 3. Klaſſe: Humoſer Lehmmergelboden. 4. Klaſſe: Lößartiger Lehmmergelboden.(Lößmergel.) 5. Klaſſe: Gemeiner Lehmmergelboden. Bei Vergleichung mit den entſprechenden Klaſſen der Lehm⸗ bodengruppe ergiebt ſich die Beurteilung dieſer Mergelböden aus ihrer Benennung. Es iſt kaum nötig, hervorzuheben, daß die Lehmmergelböden mit zu den beſten Bodenarten gehören. Die Sicherheit der Ernten in naſſen wie in trockenen Jahren und die vorzügliche Qualität der Produkte macht ſie beſonders wertvoll. 156 Die Bodenarten. Das Getreide: Weizen, Roggen, Gerſte ꝛc. wird hier dünn⸗ ſchalig und ſchwer im Korn. Lein und Hanf liefern einen vor⸗ trefflichen Baſt. Der Hopfen enthält viel Lupulin. Zuckerrüben ſind zuckerreich. Klee, Luzerne und Futtergräſer zeichnen ſich aus durch Nahrhaftigkeit und Gedeihlichkeit; ebenſo verhält es ſich mit dem Stroh der Halm⸗ und Hülſenfrüchte. Daß dieſe Böden(bei angemeſſener klimatiſcher Lage) auch einen guten Wein, ſowie ſchmack⸗ haftes Obſt und feſtes Holz erzeugen, verſteht ſich von ſelbſt. 6. Klaſſe: Sandiger— grandiger— ſteiniger Mergelboden. Man vergleiche die 6. Klaſſe der Lehmbodenarten und be⸗ rückſichtige wieder, daß wegen des Kalkgehaltes die Kleearten, namentlich Luzerne und Eſper, hier ſicherer ſind als dort. Bei dieſer Bodenklaſſe wird anhaltende Dürre ſchon eher nachteilig, als feuchtes Wetter. Annäherung an mergeligen Sand⸗, Kies⸗ und Grusboden. VI. Hauptgruppe: Kalkbodenarten. Die Kalkböden unterſcheiden ſich von den Mergelböden durch einen höheren Gehalt an Kalk. Der Kalkgehalt beträgt nach unſerer Einteilung bei den Mergelböden unter 50%, bei den Kalkböden über 50%. Ihre Erkennung iſt bei Anwendung von Salzſäure eine ziemlich einfache Sache. Sie zeigen nämlich ein ſehr ſtarkes und lange an⸗ haltendes Aufbrauſen. Oft ſind auch Stücke oder Körner von Kalk⸗ ſtein beigemengt, die ſich natürlich ebenfalls mit Salzſäure leicht er⸗ kennen laſſen. Da nun aber die Mergelböden, beſonders die kalkreichen, bei der Salzſäureprobe gleichfalls ſehr ſtark aufbrauſen, ſo wird die Beſtimmung der Kalkböden noch ſicherer, wenn man eine kleine Bodenprobe in einer Schale oder in einem Gläschen mit einer ge⸗ nügenden Menge Salzſäure behandelt und nun beobachtet, ob der Boden größtenteils verſchwindet, d. h. ſich auflöſt, oder nicht. Löſt er ſich nicht, ſo gehört der Boden in die Gruppe der Mergelböden, löſt er ſich, ſo gehört er in die Gruppe der Kalkböden. Bleibt ein Zweifel, ſo muß man zu der S. 106 beſchriebenen genaueren Kalk⸗ beſtimmung ſeine Zuflucht nehmen. einen dor zuceriie n ſih ur s ſih m Väde ſ vie ſhme lſt ger n udb. Alevuta dr. R ril 6 fis⸗ d öden dud och vier dalköd injeri lunge vm ſb eliiht e⸗ reiben d vid d eine lele teiner ſe tet, o d nicht Li ergelbde Tlelti rren gi ſier ͤün⸗ Kalkböden. 157 Übrigens wird man zwar jede Bodenart ſo genau als möglich zu beſtimmen ſuchen, aber bei den Übergangs⸗ oder Zwiſchen⸗ ſtufen, bei denen die Beſtimmung am ſchwierigſten iſt, hat es ſelbſt⸗ redend keinen großen praktiſchen Nachteil, ob man ſie in die eine oder in die andere der in Frage kommenden Hauptgruppen einreiht. Ein Thonmergelboden iſt z. B. eine andere Bodenart, als ein thoniger Kalkboden. Der Thonmergel enthält nämlich weniger Kalk und mehr Thon, als der thonige Kalk; auch iſt der Kalk in jenem gleichmäßiger und inniger mit dem Thon gemiſcht, als in dieſem; endlich können in dem thonigen Kalk Stücke von Kalkſtein vor⸗ kommen, die im Thonmergel fehlen. Wenn nun aber ein Thonmergel gegen 50% Thon und gegen 50% Kalk, und wenn andererſeits ein thoniger Kalk ebenfalls gegen 50% Kalk und gegen 50% Thon enthält, ſo liegt es auf der Hand, daß der Unterſchied zwiſchen beiden Boden⸗ arten, ohne gänzlich zu verſchwinden, doch nur ein geringer ſein kann. Wenn wir die Grenze zwiſchen Kalk- und Mergelböden bei einem Kalkgehalt von 50% ziehen, ſo iſt das, wie wir bereits zu⸗ gegeben haben, bis zu einem gewiſſen Grade willkürlich. Die Ein⸗ teilung nach dieſem Prinzip läßt auch den geologiſchen Geſichts⸗ punkt zum Teil unbeachtet, denn hiernach wird z. B. der Kalkmergel nicht in die Gruppe der Mergel-, ſondern in die Gruppe der Kalk⸗ böden zu ſtehen kommen. Aber das ſcheint uns vom landwirtſchaft⸗ lichen Geſichtspunkte gerade das Richtige zu ſein, denn alle Böden, die einen ſehr hohen Kalkgehalt aufweiſen, werden, gleichviel ob ſie der Geologe zu den Mergel⸗ oder zu den Kalkgeſteinen rechnet, gleiche oder ſehr ähnliche chemiſche und phyſikaliſche Eigenſchaften beſitzen und ein gleiches oder ſehr ähnliches Verhalten gegen die Pflanzen äußern, und hierauf kommt es in erſter Linie an, wenn man den Boden nicht als Ding an ſich, ſondern als Pflanzen⸗ produktionsmittel betrachtet. Die Böden, die wir in der Gruppe der Kalkbodenarten zu⸗ ſammenſtellen, entfernen ſich von den Mergelböden um ſo mehr, je mehr der Kalkgehalt in ihnen zunimmt. Beträgt er nur 50— 70%, ſo können ſie ſich noch ähnlich günſtig gegen die Pflanzen verhalten, wie gewiſſe Mergelböden; ſteigt er aber auf 80, 90% und darüber, ſo leidet der Boden an übermäßiger Hitzigkeit und Thätigkeit und ſinkt mehr und mehr auf die Stufe der Unfruchtbarkeit herab. 158 Die Bodenarten. Wie die Mergelböden, ſo zeichnen ſich auch die Kalkböden da⸗ durch aus, daß die auf ihnen erwachſenen Pflanzen geſund und nahrhaft ſind. Die Flora der Kalkböden iſt mannigfaltig, aber nicht ſehr ergiebig; der Ertrag wird um ſo geringer, je mehr die übrigen Bodenbeſtandteile gegen den Kalk zurücktreten. Zu den wildwachſenden Pflanzen, die den Kalkboden kenn⸗ zeichnen, zwar auch auf Mergelböden, aber gar nicht oder nur aus⸗ nahmsweiſe auf kalkarmen Böden vorkoammen, gehören folgende: Gemeine Becherblume, Poterium Sanguisorba. Großer roter Bibernell, Pimpinella magna v. rosea. Stengelloſe Eberwurz, Carlina acaulis. Frauenſchuh, Cypripedium Calceolus. Enzian, Gentiana ciliata und G. cruciata. Gelber Wau, Reseda lutea. Frühlings⸗Adonis, Adonis vernalis. Feuerrote Adonis, Adonis flammeus. Pfingſtröschen, Rosa cinnamomea(auch in Gärten). Weinroſe, Rosa rubiginosa. Sichelklee, Medicago falcata. Roter Bergklee, Trifolium rubens. Gelbweißer Klee, Trifolium ochroleucum. Lederbrauner Klee, Trifolium badium. Federgras, Stipa pennata. Blaues Kammgras, Sesleria coerulea. Federzwenke, Brachypodium pinnatum u. a. m. Von den Waldbäumen zieht namentlich die Buche den kalk⸗ reichen Standort dem kalkarmen entſchieden vor. Ebenſo verhält es ſich mit dem Weißdorn. Von den landwirtſchaftlichen Kulturpflanzen befinden ſich die ausdauernden, die durch ihre tiefgehenden Wurzeln befähigt ſind, die Feuchtigkeit aus dem Untergrunde heraufzuholen, auf dem Kalk⸗ boden am wohlſten. Das gilt insbeſondere von den kleeartigen Pflanzen: Eſper, Luzerne, Rotklee und anderen Schmetterlings⸗ blütlern. Jedoch giebt es unter dieſen auch einzelne Arten, denen der Kalkboden zuwider iſt, wie z. B. der gelben Lupine. Von anderen Pflanzenfamilien gedeihen gewiſſe Arten auf dem Kalk⸗ boden wenigſtens nicht ſonderlich. Dahin gehören Kartoffeln und kal⸗ ält es ch die t ſind Kal⸗ artigen rlinge⸗ denen Voan Kal⸗ in und Kalkböden. 159 Topinambur, Kohlrüben und Kohl, Lein und Hanf, Buchweizen und Spörgel. Auch dem Roggen und dem Hafer ſagt der Kalkboden weniger zu, als dem Weizen, dem Spelz, dem Einkorn und der Gerſte Die nähere Beurteilung der Kalkbodenarten ergiebt ſich aus der Klaſſifikation, die wir nun folgen laſſen. 1. Klaſſe: Humoſer Kalkboden. Findet ſich namentlich in Wäldern der Kalkgebirge, wo der durch den Blattabfall ꝛc. entſtandene Humus ſich dem Kallſchutt beimengt und eine Bodendecke von meiſt geringer Mächtigkeit bildet. Als Waldland benutzt, bringt der humoſe Kalkboden Buchen und Eſchen von unübertrefflicher Schönheit hervor. Für dieſen Zweck eignet er ſich in der Regel am beſten. Denn obwohl er, in Ackerland verwandelt, anfänglich reiche Ernten an Eſparſette, Luzerne, Rotklee, Wicken, Erbſen, Bohnen, Weizen, Spelz ꝛc. zu liefern pflegt, ſo nimmt die Fruchtbarkeit mit dem Ver⸗ ſchwinden des Humus doch bald ab, ſo daß ſich, wenn nicht große Düngermaſſen zur Verfügung ſtehen, die Rückkehr zur Waldkultur oder zur Weidenutzung als notwendig erweiſt. 2. Klaſſe: Thoniger Kalkboden. Enthält len dem Kalk 30— 50% Thon, durch den die Hitzigkeit und Thätigkeit gemäßigt wird. Bringt freiwillig viel Kleearten und gute Gräſer hervor, trägt, wie die vorige Klaſſe. ſchöne Buchenwaldungen und eignet ſich, ähnlich wie der gemeine Thonmergelboden, vornehmlich zum Anbau von Luzerne, Klee, Eſper, Kleegrasgemenge, Bohnen, Raps, Weizen, Spelz und Einkorn. Auch für den Rebbau bildet er unter baſfnden klimatiſchen Verhältniſſen eine gute Unterlage. 3. Klaſſe: Lehmiger Kalkboden. Enthält neben dem Kalk, der zum Teil im erdigen, zum Teil im ſteinigen Zuſtande vorkommt, 30— 50% Lehm, d. i. Thon mit Sand gemengt, und wird dadurch zu einem warmen, lockeren und mäßig feuchten Boden. Sein Verhalten gegen die Pflanzen iſt ähnlich, jedoch nicht ganz ſo günſtig, wie das des gemeinen Lehm⸗ mergelbodens, in den er auch übergeht. 160 Die Bodenarten. 4. Klaſſe: Sandiger und grandiger Kalkboden. Enthält neben dem Kalk 15— 20% Quarzgeſtein in feinerem oder gröberem Korn. Hitzig und dürftig. Eignet ſich meiſt nur zur Schafweide oder zur Holzzucht(Föhren und Lärchen). Von landwirtſchaftlichen Kulturpflanzen trägt er allenfalls Eſparſette und Wundklee. 5. Klaſſe: Steiniger Kalkboden. Größere und kleinere Stücke von Kalkſtein bilden den Haupt⸗ beſtand, gegen 80%. Ebenſo ungünſtig für die Pflanzenkultur, wie die vorige Klaſſe. 6. Klaſſe: Reiner Kalk⸗ und Kreideboden. Beſteht faſt ganz aus Kalk. Findet ſich auf Kalk⸗ und Kreide⸗ felſen, ſowie auch in Seebecken und Thalkeſſeln, die noch zum Teil vom Waſſer bedeckt oder mit Torf ausgefüllt ſind, als ſogenannte Seekreide oder Wieſenkalk. In dieſem Falle ſind der erdigen Kalk⸗ maſſe gewöhnlich zahlreiche Schneckengehäuſe(herrührend von Süß⸗ waſſer⸗Conchilien) beigemengt, die der Hauptſache nach gleichfalls aus kohlenſaurem Kalk beſtehen. Fruchtbarkeit des reinen Kalk⸗ und Kreidebodens gering oder ſehr gering. Doch iſt er zur Melioration kalkarmer Böden, Lehm, Thon und Humus, mit Vorteil zu verwenden. Anhang. Gipsboden. Als Verwitterungsprodukt auf Gipsfelſen ſelten vorkommend. Enthält als charakteriſtiſchen Beſtandteil Gips, d. i. ſchwefelſauren Kalk. Bringt im Gegenſatz zu dem gewöhnlichen Kalkboden wenig oder keine Kleearten hervor. Das Wachstum der meiſten Pflanzen, die ſich auf ihm anſiedeln, iſt kümmerlich. Nur eine einzige Pflanzen⸗ gattung, die verſchiedene Arten von Gipsophila umfaßt, zeigt einen freudigen Wuchs. Der Gipsboden gehört mit zu den ſchlechteſten Bodenarten. daupt⸗ zultur, reide⸗ Teil annte Kall⸗ Süß⸗ cfalls oder Lehm, mend. lſauren wenig flanzen. flanzen⸗ üt einen ecteſten Humusböden. 161 VII. Hauptgruppe: Humusbodenarten. Nach der S. 139 gegebenen überſicht ſtellen wir in die VII. Hauptgruppe die Bodenarten, bei denen der Gehalt an Humus über 20% beträgt. Dieſe 20% ſind Gewichts⸗ prozente. Da aber das ſpezifiſche Gewicht des Humus zu dem der mineraliſchen Bodenbeſtandteile ſich etwa verhält wie 1:2,5, ſo entſprechen obige 20 Gewichtsprozente ungefähr 50 Volumprozenten, d. h. bei den Humusböden fällt mindeſtens die Hälfte des Raumes, den die Bodenmaſſe einnimmt, der Humusſubſtanz zu. Der übrigbleibende Raum iſt zum Teil mit Waſſer oder Luft, zum Teil mit Sand, Thon oder Kalk, ſeltener mit Steinbrocken oder größeren Geröllen in verſchiedenen Mengeverhältniſſen ausgefüllt. Während ein Humusgehalt von 5— 20% für alle Bodenarten (Stein⸗, Sand⸗, Lehm⸗, Thon⸗, Mergel⸗ und Kalkböden) günſtig iſt, wird ein Humusgehalt von 20% und darüber, wie er in den Humusböden vorkommt, mehr und mehr vom Übel. Namentlich geſtalten ſich dann die phyſikaliſchen Eigenſchaften des Bodens derart, daß ſie den Anforderungen der Kulturpflanzen nicht ge⸗ nügen. In chemiſcher Beziehung ſind die Humusböden gewöhnlich reich an feſter gebundenem, aber doch aufſchließbarem Stickſtoff, arm dagegen an Phosphorſäure und anderen mineraliſchen Pflanzennähr⸗ ſtoffen. Jedoch iſt die Fruchtbarkeit auch in dieſer Gruppe ſehr verſchieden, was am kürzeſten und überſichtlichſten in der Klaſſifi⸗ kation der Humusbodenarten beſprochen wird. 1. Klaſſe: Acker⸗ und Gartenhumus. Jeder Boden, auf und in dem Pflanzen und Tiere leben und ſterben, erhält eine Beimengung von vegetabiliſch⸗animaliſchem Moder. Das iſt namentlich der Fall, wenn der Menſch gezähmte Tiere herdenweiſe auf dem Lande weidet, Nutzpflanzen anbaut, die Wurzeln und Stoppeln ꝛc. dem Kulturlande beläßt und überdies noch vege⸗ tabiliſch-animaliſchen Stalldünger ꝛc. hinzufügt. Kann ſich das organiſche Material, unter Bedingungen, wie ſie in den oberen, bearbeiteten Schichten des Bodens in unſerem Klima gewöhnlich gegeben ſind, bei genügendem Luftzutritt, hin⸗ reichender Feuchtigkeit und mäßiger Wärme langſam und allmählich zerſetzen, ſo entſteht der Acker⸗ oder Gartenhumus, der eine Nowacki, Bodenkunde. 3. Auflage. 11 162 Die Bodenarten. milde Beſchaffenheit beſitzt und das mineraliſche Erdreich in dem Maße fruchtbarer macht, als er reichlicher beigemengt wird. Sein Vorhandenſein erkennt man an der mehr oder weniger dunklen Farbe des Obergrundes.(Ackerkrume, Muttererde.) Indeſſen beträgt die Menge dieſes vegetabiliſch-animaliſchen Humus, der dem„rohen“ und„toten“ Untergrunde fehlt, auch in dem Obergrunde in der Regel nur einige, meiſt unter, ſelten über 5% von dem Gewicht des Bodens, ſo daß auf dem angedeuteten Wege zwar humushaltige, unter günſtigen Verhältniſſen auch humoſe Bodenarten gebildet werden, ſelten oder niemals aber eigentliche Humusböden mit einem Humusgehalt von 20% und darüber. Nichtsdeſtoweniger iſt das Vorkommen dieſer Art von Humus landwirtſchaftlich ſo wichtig, daß ſie eine beſondere Erwähnung und Beachtung verdient. Der milde Acker⸗ und Gartenhumus kann durch die Kultur, namentlich durch reiche Stallmiſtdüngung faſt auf allen Bodenarten der Stein⸗, Sand⸗, Lehm⸗, Thon⸗, Mergel⸗ und Kalk⸗ bodengruppe entſtehen. Da wir hierauf bei Beſprechung dieſer Gruppen keine Rückſicht genommen haben, um die Bodenklaſſen nicht allzuſehr zu vermehren, ſo war es um ſo notwendiger, auf das Vorkommen dieſer Humusart an dieſer Stelle ausdrücklich hin⸗ zuweiſen. Wir bemerken noch, daß man den Gehalt des Acker⸗ und Gartenlandes an mildem Humus am einfachſten auf die Weiſe be⸗ urteilt, daß man die Tiefe der Ackerkrume mißt und außerdem mit Lackmuspapier feſtſtellt, daß der Boden frei von Säure iſt.(Vergl. S. 115.) Auch der normale und üppige Stand der Kulturpflanzen iſt ein guter Maßſtab zur Beurteilung des Bodens in der ange⸗ regten Beziehung. 2. Klaſſe: Grashumus. In reichlicherer Entwicklung, als in dem Acker⸗ und Garten⸗ lande, treffen wir den Humus in den gedüngten Grasländereien oder Matten, wie wir ſie in der Schweiz in großer Ausdehnung beſitzen, weil das Grasland vom Pfluge verſchont und demzufolge die Zerſetzung und Oxydation des Humus in der dichtgeſchloſſenen und ſich fort und fort neu verjüngenden Raſennarbe mehr auf⸗ ——————õ—,—-— ————„———, n dem Sein unklen liſchen uch in wüber uteten auch aber » und dumus z und durch allen Kalk⸗ dieſer klaſſen r, auf he ² und jje be⸗ m nit Vergl. lanzen ange⸗ zarten⸗ dereien ehnung zrjolge oſſenen r alhf Humusböden. 163 gehalten wird, als in dem oft gelockerten, dem Zutritt der Luft geöffneten Acker⸗ und Gartenlande. Demgemäß erreicht die Krume auf unſeren Güllewieſen gar nicht ſelten die Mächtigkeit von 30— 50 cm. Aber auch hier beſteht die dunkelgefärbte obere Schicht, meiſt allmählich und verwaſchen übergehend in den heller⸗ gefärbten Untergrund, für gewöhnlich nicht aus eigentlichem Humus⸗ boden, ſondern aus humushaltigem oder humoſem Mineral⸗ boden, deſſen Gehalt an Humus, von oben nach unten abnehmend, wohl nur ſelten auf 10% anſteigt. Der Qualität nach ſteht dieſe Humusart dem Acker⸗ und Gartenhumus nahe; wir nennen ſie, weil ſie auf dem Grasland vorkommt, Grashumus. Als ſelbſtändige Bodenart. finden wir den Grashumus namentlich in den breiten und flachen Flußthälern der Ebene, wo⸗ ſelbſt die feuchte, aber nicht ſumpfige Lage ein üppiges Wachstum vornehmlich von Süßgräſern hervorruft, die abſterbend und ver⸗ modernd und immer von neuem entſtehend zur Bildung des Gras⸗ humus Veranlaſſung werden. Überdeckt dabei das Waſſer, indem es bei ſtarken Regengüſſen von den benachbarten Hängen herabſtürzt oder bei Hochfluten über die Ufer des Fluſſes tritt, die Thalfläche mit Schlamm oder Schlick, der, eine Vegetation nach der andern begrabend, ſich dem Pflanzen⸗ moder beimengt, ſo kommt im Laufe der Jahrhunderte die Ab⸗ lagerung eines bald ſandigen, bald lehmigen, bald thonigen, bald mergeligen oder kalkigen Humusbodens zu ſtande. Bei dieſem Prozeſſe, der ſich ſehr verſchiedenartig geſtalten kann, werden Über⸗ gänge zu anderen Bodenarten vorkommen, z. B. zu humoſem Sand⸗, zu humoſem Lehm⸗, zu humoſem Thonboden u. ſ. f., von denen in den abgehandelten Hauptgruppen bereits die Rede geweſen iſt. Zugleich erhellt, daß die Bodenart, mit der wir es jetzt zu thun haben, der Grashumusboden. je nach den mineraliſchen Beimengungen zahlreiche Schattierungen oder Abſtufungen in der Zuſammenſetzung aufweiſen wird, die wir der Überſichtlichkeit und Kürze wegen im einzelnen hier nicht näher berückſichtigen. Eine zu weit gehende Spezialiſierung iſt hier um ſo weniger nötig, als alle hierher gehörigen Bodenvarietäten das Gemeinſame haben, daß ſie ihres hohen Humusgehaltes und ihrer feuchten Lage wegen ſich vorzüglich zur Gras⸗ oder Wieſennutzung eignen. 44* 164 Die Bodenarten. Es giebt Naturwieſen auf dem milden Grashumusboden, die ſeit Menſchengedenken reiche Erträge geliefert haben und noch immer liefern, ohne daß jemals eine Düngung eintrat. Das Waſſer, das von Zeit zu Zeit, meiſt ohne Zuthun des Menſchen, die Wieſen überflutet, macht die Düngung überflüſſig. Nur dort, wo im Inter⸗ eſſe der Schiffahrt und oft zum Schaden der Landwirtſchaft die Flüſſe korrigiert, d. h. gerade gelegt werden, da nimmt mit dem Nachlaſſen der Üüberflutungen auch der Ertrag der Wieſen ab. Soll die Land⸗ wirtſchaft hierbei nicht zu kurz kommen, ſo muß bei der Fluß⸗ korrektion, die gleichbedeutend iſt mit Entwäſſerung, auf künſtliche Bewäſſerung Bedacht genommen werden. Das Futter, das auf derartigen Thalwieſen wächſt, hat aller⸗ dings nicht die feine und würzige Beſchaffenheit, wie das Heu unſerer Bergwieſen. Es fehlen ihm die aromatiſchen Kräuter und gewöhnlich auch die Kleearten, während die Süßgräſer, ſtellen⸗ weiſe gemengt mit Sauergräſern, den Hauptbeſtand ausmachen. Trotz⸗ dem wird es im grünen wie im getrockneten Zuſtande, namentlich von Pferden und Rindvieh, gern gefreſſen. Das daran gewöhnte Niederungsvieh findet es lecker und ſchmackhaft. Unſere verwöhnten Bergraſſen dürften es anfänglich vielleicht für Riedſtreu halten und verſchmähen, bis die nähere Bekanntſchaft ſie belehren würde, daß dieſes grobe Futter doch erheblich beſſer iſt, als es auf den erſten Anblick erſcheint. Ein Hauptgras, das an feuchten und fetten Stellen oft den alleinigen Beſtand bildet und mit fingerbreiten Blättern beſetzt nicht ſelten mannshoch aufſchießt, iſt auf jenen guten Niederungswieſen das Rohr⸗Glanzgras, Phalaris arundinacea. Dasſelbe gilt von dem anſehnlichen Süßg ras, Glyceria spectabilis. An anderen Stellen findet ſich, ebenfalls oft in geſelligen Beſtänden, der Wieſenfuchsſchwanz, Alopecurus pratensis. Daneben die Riſpengräſer, Poa pratensis und Poa trivialis— der Wieſen⸗ ſchwingel, Festuca pratensis— das Honiggras, Holcus lanatus— der gekniete Fuchsſchwanz Alopecurus genicu- latus u. a. Den Anſchauungen der Landwirte entſprechend rechnen wir den Grashumus ebenfalls zu den milden Humusarten, obwohl er nicht immer frei von Säure iſt. Das Entſcheidende für unſere Ein⸗ u, die inmer er, das Wieſen Inter⸗ Flüſſ chaſſen eLand⸗ N⸗ inſtlice t aller⸗ s Hel er und ſtellen⸗ Trot⸗ nentlich ewöhnte vöhnten halten würde en erſte oft de eßt nict gswieſe gitt von anderen den, der ben di Vieſer⸗ Holcus genict⸗ wir den bwohl a njerr Gi⸗ Humusböden. 165 teilung iſt in dieſem wie in anderen Fällen das Verhalten des Bodens gegen die Pflanzen. Herrſchen in dem Pflanzenbeſtande die Süßgräſer vor, ſo werden wir die Bodenart als(milden) Gras⸗ humus, herrſchen dagegen die Sauer⸗ oder Riedgräſer vor, ſo werden wir die Bodenart als(ſauren) Riedhumus anſprechen. Dieſe Einteilung iſt auch inſofern berechtigt, als der Riedhumus (bei der Prüfung mit Lackmuspapier) viel ſtärker ſauer reagiert, als der Grashumus, der namentlich in der oberen Schicht nur wenig, oft gar keine freie Humusſäure enthält. Den Grashumus ſeiner natürlichen Beſtimmung zu ent⸗ fremden und dem Ackerbau zu überweiſen, wird bei der gegen⸗ wärtigen Nachfrage nach Vieh und Viehzuchtprodukten nur ſelten rentabel ſein, obwohl er, gegen Überſchwemmung geſichert und ſonſt angemeſſen behandelt, reiche Ernten, insbeſondere von Hafer, Raps, Lein, Kohl, Kohlrüben und Kartoffeln einzubringen vermag. Eher kann es gerechtfertigt ſein, ihn in waſſergefährlichen Lagen zur Korbweidenzucht zu verwenden. Wird anderweitige Holz⸗ kultur bezweckt, die ſich ja bis zu einem gewiſſen Grade mit der Grasnutzung verbinden läßt, ſo kann nur Weichholz in Frage kommen, weil der lockere ſchwammige Humusboden, auch bei milder Beſchaffenheit, für die Produktion von Hartholz ſich nicht eignet, indem die Bäume zu ſchwelgeriſch wachſen und leicht rotfaul werden. Auch für die Wurzeln der Obſtbäume bildet er keinen geeigneten Standort. 3. Klaſſe: Waldhumus. Im Walde der tieferen und mittleren Lagen beſteht der Ober⸗ grund gewöhnlich nicht aus eigentlichem Humusboden, ſondern, ähnlich wie auf dem Acker⸗ und Mattlande, aus humushaltigem oder humoſem Mineralboden; doch pflegt ſich in feucht und kühl ge⸗ legenen Laubwäldern, namentlich aber in alten Nadelholzbeſtänden des Hochgebirges eine Schicht von Humus anzuſammeln. Das Material hierzu liefern die abfallenden Blätter und Nadeln, die abgeſtorbenen Stämme, Stöcke, Zweige zuſammen mit dem Moos und den anderen im Schatten der Bäume wachſenden und vermodernden Pflanzen. In der niederen Laubwaldregion hat der Waldhumus, ſofern der Boden nicht an Verſumpfung leidet, eine milde Beſchaffenheit, ähnlich wie der Acker- und der Grashumus. In der höheren 166 Die Bodenarten. Nadelholzregion iſt er reicher an Säure, ähnlich wie der Ried⸗ und der Mooshumus(Klaſſe 4 und 5); ferner enthält der Humus des Nadelwaldes in höheren und ke n Lagen viele Harzteile und nähert ſich dadurch dem Heidehumus(Klaſſe 6 der Humusböden). Je nach den Verhältniſſen kommen im Walde auch Ablagerungen von wirklichem Ried⸗, Moos⸗ oder Heidehumus vor, die jedoch durch den Laubabfall ec. ſtets eine größere oder geringere Bei⸗ mengung von Waldhumus erhalten. Abgeſehen von dieſen beſonderen Vorkommniſſen iſt die in der Regel nur ſchwache Humusdecke für den Wald von höchſtem Nutzen, denn ſie konſerviert die Feuchtigkeit, erhält die Oberfläche des Bodens locker, zugänglich für die Luft, erſetzt hierdurch bis zum ge⸗ wiſſen Grade die Beackerung, und ſie bildet zugleich eine Nahrungs⸗ quelle für die Wurzeln der Waldbäume, die namentlich ihren Be⸗ darf an Stickſtoff direkt oder indirekt aus dem Humus beziehen. Die Fruchtbarkeit des Waldhumus zeigt ſich bei der Um⸗ wandlung des Waldlandes in Ackerland ſehr deutlich, aber ebenſo zeigt ſich ihre Vergänglichkeit, denn ſchon nach wenigen Jahren nimmt die Ergiebigkeit der Ernten ab, und dann heißt es hier wie anderwärts: Düngen und wieder Düngen. Dieſe Erfahrung macht man bei uns, wie in den Urwäldern Nordamerikas. Die Natur⸗ geſetze ſind auf der ganzen Welt dieſelben. 4. Klaſſe: Riedhumus. Der Riedhumus und der Grashumus wird von den Geologen unter der Bezeichnung Wieſenmoor, Grünlandsmoor oder Raſenmoor zuſammengefaßt. Wir müſſen dieſe beiden Humusarten, obwohl ſie ineinander übergehen, aus den S. 165 angegebenen Gründen von einander trennen, und wir müſſen auch, um Ver⸗ wechslungen vorzubeugen, die Ausdrücke Torf, Bruch, Moor, Moos ꝛc. in der Bodenklaſſifikation vermeiden. Die Benennung Riedhumus iſt in zweifacher Beziehung zutreffend, denn die Pflanzen, denen dieſe Humusart das Daſein verdankt und denen ſie andererſeits das Daſein verleiht, ſind vorzugsweiſe die Riedgräſer. Üüberdies hat ſich das Wort Ried in der Volksſprache eingebürgert, und in der That beſtehen viele, aber doch nicht alle ſog. Riede aus Ried⸗ humus. Nied⸗ Hunus ile und böden, rungen jedocj e Vei⸗ in de Nutzen he dos um e⸗ rungs⸗ en Ve⸗ en. Un⸗ ebenſo Jahren jer wie mact Natur⸗ on den or oder usarten, gebenen m Ver⸗ Moos-. humus denen eits dos dies hi —in der Ried⸗ Humusböden. 167 Der Riedhumus bildet ſich in ſtehendem oder ſtockendem Waſſer, in mulden⸗ oder keſſelförmigen Vertiefungen, in zuwachſenden Seen und Teichen, oder an Bächen und Flüſſen, die wegen ihres trägen Laufes das angrenzende flachliegende Gelände fortwährend naß erhalten und oft überſchwemmen. Unter dieſen Verhältniſſen entwickelt ſich eine üppige Vegetation von Sumpfgewächſen, deren abgeſtorbene Teile unter Waſſer bei behindertem Luft⸗ zutritt in eigentümlicher Weiſe vermodern oder vertorfen. Das Produkt iſt ein ſaurer Humus. Das Waſſer, in dem der Riedhumus entſteht, iſt gewöhnlich hart, d. h. kalkhaltig. Oft finden wir daher unter dem Riedtorf einen Niederſchlag von„Seekreide“ oder„Wieſenkalk“. Die Pflanzen, die auf dieſer Humusart freiwillig wachſen, liefern abgemäht und getrocknet eine Art Heu, das von den Haus⸗ tieren in der Not zwar gefreſſen, aber in Gegenden, wo man aus⸗ reichend beſſeres Futter hat, wie in der Schweiz, nur als Streu⸗ material verwendet wird. In der„Riedſtreu“ finden wir die Flora des Riedhumus⸗ bodens. Sie beſteht aus folgenden Pflanzen, die jedoch der Zahl und den Arten nach auf verſchiedenen Rieden mannigfach wechſeln. Riedgräſer, Carex in verſchiedenen Arten. Binſen und Simſen, Juncus und Scirpus i. v. A. Gemeines Schilfrohr, Phragmites communis. Rohrglanzgras, Phalaris arundinacea. Anſehnliches Süßgras, Glyceria spectabilis. Blaues Pfeifengras, Molinia coerulea. Sumpf⸗Spierſtaude, Spiraea Ulmaria. Dreiblättriger Fieberklee, Menyanthes trifoliata. Gemeiner Weiderich, Lythrum Salicaria. Orchis, Orchis in verſchiedenen Arten. Hahnenfuß, Ranunculus i. v. A. Sumpf⸗Läuſekraut, Pedicularis palustris(ſchädlich!) ꝛc. Dazu kommen niedrig wachſende Pflanzen, die in die Riedſtreu nicht hineingelangen, weil ſie von der Senſe nicht gefaßt werden, die aber in vielen Fällen zur Entſtehung des Riedhumus weſentlich beitragen, wir meinen die Moos⸗ oder Hypnum-Arten, die in Ge⸗ ſtalt von mehr oder minder ausgedehnten Raſenpolſtern(Bülten) 168 Die Bodenarten. eine unſichere Brücke auf dem Sumpfwaſſer bilden, unterſinkend ver⸗ modern oder vertorfen und den Standort für die vorhin aufgezählten Riedpflanzen vorbereiten. Die Hypnum-Arten dürfen nicht mit den Sphagnum-Arten verwechſelt werden, denn dieſe fehlen in kalk⸗ haltigem Waſſer gänzlich, ſind alſo an der Bildung des Ried⸗ humus in keiner Weiſe beteiligt. 3 Was die Baumflora betrifft, ſo finden wir große Flächen von Riedhumus(Riedtorf, Riedmoor), die ganz frei von Bäumen ſind. Doch ſiedeln ſich Weiden und Erlen häufig auf dieſer Bodenart an; daneben auch Föhren und Birken. Die Pyramidenpappeln, die da und dort aus den Rieden emporragen, ſind gewöhnlich an⸗ gepflanzt worden. Die landwirtſchaftlichen Kulturpflanzen gedeihen auf dem Ried⸗ humus gewöhnlich nicht, um ſo weniger, je naſſer er liegt und je mehr die Humusſubſtanz vorherrſcht vor der Mineralſubſtanz. Wird jedoch der Boden trocken gelegt und durch Zufuhr von Sand, Mergel und Mineraldünger verbeſſert(vergl. S. 127), ſo läßt er ſich zum Anbau der Futtergewächſe, namentlich der Gräſer, ſehr wohl benutzen, trägt dann auch Hafer, Roggen, Raps und Rübſen, Lein, Kohl, Kohlrüben, Kartoffeln ꝛc. 5. Klaſſe: Mooshumus. Unter der Benennung Mooshumus verſtehen wir die Boden⸗ bildung, die ſonſt gewöhnlich als Hochmoor bezeichnet wird. Daneben ſind die Ausdrücke: Moos und Torf im Gebrauche, ſo daß der Riedhumus mit dem Mooshumus zuſammengeworfen wird. Dieſe Verwirrung und Verwechslung iſt zu entſchuldigen, weil Ried⸗ und Mooshumus ſehr oft in demſelben Moore vorkommen und die Bedingungen für die Entſtehung der einen oder der anderen Humusart erſt in der neueren Zeit näher und beſtimmter erkannt worden ſind.*) Der Mooshumus bildet ſich nämlich ſehr häufig, vielleicht immer auf einer Unterlage von einer anderen Humusart. Dieſe *) J. J. Früh, üÜber Torf⸗ und Dopplerit, Zürich 1883.— A. Nowacki, die Streunot und die Mittel zu ihrer Abhülfe, mit be⸗ ſonderer Berückſichtigung der Ried- und Moosſtreu, Aarau 1887. erſinkend de⸗ alffezähte richt mih glen in h Jläche m von Vume ſer vodern apoppeln wöhnlih e f den i liegt wi ſtenz Wh don Em „ſo bite er ſettwet kübſen Li dee ͤe⸗ d Duah ſo di w orfen vid digen, ni vornnen moder R beſtinmet g, willeit art. Dä M- fe, nit b⸗ 887. Humusböden. 169 Unterlage beſteht gewöhnlich aus Riedhumus, in anderen Fällen aus Waldhumus. Bedingung für die Entſtehung des Mooshumus iſt weiches d. h. kalkarmes Waſſer. So lange alſo ein Torfmoor von kalkhaltigem Waſſer benetzt wird, iſt die Entſtehung des Moos⸗ humus ausgeſchloſſen; ſobald aber das Torfmoor ſich ſo weit erhöht hat, daß die oberſte Schicht von dem kalkhaltigen Waſſer nicht mehr erreicht, ſondern nur noch von weichem Waſſer angefeuchtet wird, das durch Kapillarität aufſteigt, oder als Regen niederfällt, dann ſiedeln ſich auf der Oberfläche des Riedhumus die Torfmoos⸗ oder Sphagnum-Arten an, die unten abſterbend und oben weiter wuchernd höher und höher wachſen und, durch das aufſteigende Waſſer ſtetsfort feucht gehalten, vertorfen und ſo die Ablagerung des ſauren Mooshumus zu ſtande bringen. Schneiden wir ein derartiges Moos beim Torſſtechen an, ſo zeigt uns das Profil zwei verſchiedene Bodenbildungen oder Schichten, nämlich zu unterſt eine Schicht von Riedhumus und darüber eine Schicht von Moos⸗ humus. Auf ähnliche Weiſe bildet ſich der Mooshumus durch die Wucherung der Sphagnum-Arten auf einer Unterlage von Wald⸗ humus, jedoch iſt dieſe Unterlage in der Regel ſo ſchwach, daß ſie oft überſehen wird. Die Mächtigkeit der Ablagerung iſt im allgemeinen bei dem Mooshumus größer, als bei dem Riedhumus. Sie beträgt bei dem Mooshumus nicht ſelten über 5 m, bei dem Riedhumus da⸗ gegen meiſt weniger als 2 m. Ferner unterſcheiden ſich Moos⸗ und Riedhumus durch die Ge⸗ ſtalt der Oberfläche. Die Oberfläche iſt nämlich bei dem Moos⸗ humus gewölbt, ſo daß die Mitte eines Moosmoores oft 4 m höher liegt als der Rand; bei dem Riedhumus dagegen iſt die Oberfläche eben oder in der Mitte vertieft. Zur Unterſcheidung dient auch die Struktur oder das Gefüge. Der Mooshumus iſt nänlich, beſonders in den oberen Schichten, locker und feinfaſerig oder verfilzt, der Riedhnmus da⸗ gegen dichter und dabei er dig oder moorig, nur mit wenigen groben Pflanzenfaſern durchſetzt. Ausgetrocknet(als Brenntorf) erſcheint der Mooshumus locker, leicht und ſchwammig, der Riedhumus im Ver⸗ 170 Die Bodenarten. gleich dazu feſt, hart und ſchwer. Indeſſen wechſelt die Struktur des Mooshumus ſchichtenweiſe ſehr, ſo daß wir oft in demſelben Torfſtück eine lockere und eine dichte Schicht übereinander haben, in jener ſind die Moosfaſern noch deutlich erkennbar, in dieſer ſind ſie umgewandelt in ſteinharten Torf. Die Farbe des trockenen Materials iſt bei dem Mooshumus gelbbraun, dunkelbraun oder weißlich grau, bei dem Riedhumus ſchwarzbraun oder ſchwarz. Wichtiger für uns iſt der Unterſchied in der Flora. Wir finden auf dem Mooshumus als charakteriſtiſch folgende Pflanzen: Torf⸗ oder Sumpfmoos, Sphagnum acutifolium, S. cymbi- folium. Wollgras, Eriophorum vaginatum u. a. A. Sumpfheidelbeere, Vaccinium uliginosum. Gemeine Gränke, Andromeda polifolia u. a. Weniger charakteriſtiſch ſind die Baumarten, denn wir finden auch auf dem Mooshumus: Weiden, Birken(Zwergbirke), Föhren Sumpfföhre) und Erlen. Für den Anbau landwirtſchaftlicher Kulturpflanzen iſt der Moos⸗ humus wegen ſeiner Näſſe(und Säure), wegen ſeiner ſchwammigen Beſchaffenheit und wegen ſeines geringen Gehaltes an mineraliſchen Nährſtoffen und an Stickſtoff noch weniger geeignet, als der Ried⸗ humus. Sich ſelbſt überlaſſen erzeugt er weder Heu noch Streu in befriedigender Menge und Güte. Soll er melioriert und für den Pflanzenbau geſchickt gemacht werden, ſo bleibt hier nach der Ent⸗ wäſſerung faſt nichts anderes übrig, als die Brandkultur, durch die Jahr für Jahr oder doch von Zeit zu Zeit eine gewiſſe Schicht der Humusſubſtanz in Aſche verwandelt wird. In der Mehrzahl der Fälle wird es jedoch vorzuziehen ſein, den Torf auszuſtechen und als Brennmaterial zu verwerten. Über die weitere Behandlung und Benutzung, die nach dem Austorfen ähnlich iſt wie bei dem Ried⸗ humus, haben wir ſchon früher(S. 127) geſprochen. 6. Klaſſe: Heidehumus. Der Heidehumus gehört mit dem Ried⸗ und Mooshumus zuſammen zu den ſauren Humuzarten, er iſt aber in phyſikaliſcher Beziehung durch größere Trockenheit und in chemiſcher Beziehung durch einen höheren Gehalt an Harz und Wachs ausgezeichnet. Die —— Stra demſelb er hoben dieſerin trodene raun dde durh dirfnde zen à cdi vir fidd 2 Jühre er Noo⸗ wonniher nermlſce der Ri. Stran zoh 1 thechen d Bodenſammlung. 171 Struktur iſt locker, krümelig oder ſtaubig; die Farbe im trocknen Zuſtand braun, ſchwarzbraun oder ſchwärzlich grau, im feuchten Zu⸗ ſtand ſchwarz. Wir finden ihn zuweilen als obere Decke auf dem Ried⸗ und auf dem Mooshumus, in großer Ausdehnung aber namentlich in Sandgegenden, unmittelbar auf dem Sande auflagernd. Hier wie dort entſteht er hauptſächlich aus dem geſellig wachſenden Heidekraut, Calluna vulgaris. Daher ſein Name: Heidehumus. Das Heidekraut iſt die Charakterpflanze des Heidehumus. Auch das Borſtengras, Nardus stricta, iſt ihm eigentümlich. Andere Pflanzen, wie Vaccinium uliginosum, Andromeda polifolia, Molinia coerulea ſind weniger charakteriſtiſch, weil ſie auch auf anderen Humusbodenarten vorkommen. Dasſelbe gilt von Föhren und Birken, die im Gemiſch mit Eſpen und Wacholdern oft den Waldbeſtand auf dem Heidehumus bilden, oft aber auch von dem Heidekraut unterdrückt und gänzlich verdrängt werden, ſo daß das Auge weit und breit keine andere Pflanze erblickt, als die„Heide“. Die Mächtigkeit des Heidehumus beträgt meiſt nur 10 bis bis 20 cm. In mulden⸗ oder keſſelförmigen Vertiefungen, wo er vom Waſſer zuſammengeſchwemmt wird, erreicht die Mächtigkeit auch wohl 1 m. Die Fruchtbarkeit dieſer Humusart für die landwirtſchaftlichen Kulturgewächſe iſt ſehr gering. Man hat durch die Brandkultur den Anbau von Buchweizen, Roggen, Hafer, Lein und Kartoffeln erzielt, bei der geringen Mächtigkeit der Humusſchicht läßt ſich das Brennen aber nicht oft wiederholen; die Verbeſſerung des Bodens muß daher durch Zufuhr von Mergel, Kalk, Holzaſche, Stallmiſt ꝛc. bewirkt werden. Meiſt wird es indeſſen vorzuziehen ſein, den Heidehumus nicht landwirtſchaftlich, ſondern forſtwirtſchaftlich zu benutzen durch Anpflanzen von Föhren, Birken und Eſpen. 2. Anlegung einer Bodenſammlung. Wer die Bodenarten kennen lernen will, der kann nichts Beſſeres thun, als ſich eine Bodenſammlung anzulegen. Eine Sammlung von Bodenarten gewährt in ihrer Weiſe denſelben Nutzen, wie eine Sammlung von Mineralien, von Pflanzen, von Käfern oder 172 Bodenſammlung. Schmetterlingen ꝛc. Soll der Zweck aber erreicht werden, ſo iſt es unerläßlich, daß man ſich die Gegenſtände ſelbſt ſammelt. Eine gekaufte Sammlung hat nur den halben, oft gar keinen Wert. Nur der, der ſich die Mühe nicht verdrießen läßt, die Bodenproben von ihrer natürlichen Lagerſtätte ſelbſt zu entnehmen, bei jeder Probe die Bodenart ſelbſt zu beſtimmen, das Trocknen, Einfüllen, Ord⸗ nen ꝛc. ꝛc. ſelbſt zu beſorgen, nur der wird dahin gelangen, die Bodenarten raſch und ſicher zu erkennen und zu unterſcheiden. Kommen dabei im Anfange auch Fehler und Irrtümer vor, ſo darf man an dem Erfolg nicht gleich verzweifeln, denn ein altes Sprüch⸗ lein ſagt: Durch Fehler lernen wir, und ein anderes heißt: Übung macht den Meiſter. Bei der Anlegung einer Bodenſammlung wird man ſich an der Hand der vorliegenden Anleitung zur Bodenunterſuchung und be⸗ ſonders mit Hülfe der beigefügten Einteilung und Beſchreibung der Bodenarten leicht zurechtfinden. Dieſe wird namentlich das Be⸗ ſtimmen der Bodenarten und das Ordnen der Sammlung weſent⸗ lich erleichtern. Der Bequemlichkeit wegen ſtellen wir die Haupt⸗ gruppen der Bodenarten mit den zugehörigen Klaſſen hier noch einmal überſichtlich zuſammen. I. Steinbodenarten. A. Grusböden. B. Kiesböden. 1. Humoſer Grusboden. 4. Lehmiger oder mergeliger Kies⸗ 2. Lehmiger oder mergeliger Grus⸗ boden. boden. 5. Reiner Kiesboden. 3. Reiner Grusboden. 6. Grandboden. II. Sandbodenarten. 1. Milder humoſer Sandboden. 4. Gemeiner Sandboden. 2. Mergeliger Sandboden. 5. Naßkalter„ 3. Lehmiger„ 6. Loſer„ III. Lehmbodenarten. 1. Milder humoſer Lehmboden. 4. Schwerer Lehmboden. 2. Lößartiger„ 5. Naßkalter„ 3. Gemeiner„ 6. Sandiger, grandiger, ſteiniger Lehmboden. pit s t. Ei ert Nn wben un er Pube len, Du⸗ ngen de erſheden v ſo dr 3 Shrig ds ſeit ſch m L Pbong do Ne ng veſr ie Hrur⸗ hier mi ſrinige Bodenſammlung. 173 IV. Thonbodenarten. 1. Reicher humoſer Thonboden. 4. Strenger Thonboden. 2. Kalkhaltiger Thonboden. 5. Naßkalter„ 3. Gemeiner„ 6. Reiner„ V. Mergelbodenarten. 1. Humoſer Thonmergelboden. 4. Lößartiger Lehmmergelboden. 2. Gemeiner„ 5. Gemeiner„ 3. Humoſer Lehmmergelboden. 6. Sandiger, grandiger, ſteiniger Mergelboden. VI. Kalkbodenarten. 1. Humoſer Kalkboden. 4. Sandiger oder grandiger Kalk⸗ 2. Thoniger„ boden. 3. Lehmiger„ 5. Steiniger Kalkboden. 6. Reiner 9 Anhang. Gipsboden. VII. Humusbodenarten. 1. Acker⸗ und Gartenhumus. 4. Riedhumusboden. 2. Grashumusboden. 5. Mooshumusboden. 3. Waldhumusboden. 6. Heidehumusboden. Die Art und Weiſe, wie dieſe Tabelle zu benutzen, ergiebt ſich bei der Arbeit von ſelbſt. Hat man irgend eine Bodenprobe aus dem Ober⸗ oder Untergrund entnommen, ſo ſtellt man zunächſt feſt, in welche von den ſieben Hauptgruppen ſie hineingehört, und dann ſucht man innerhalb der betreffenden Gruppe die Klaſſe auf, mit der die Bodenprobe am beſten übereinſtimmt. Der Wunſch, ſämtliche Bodenarten, die in der vorſtehenden Üüberſicht aufgeführt ſind, in der Sammlung zu beſitzen, iſt gewöhnlich nicht zu verwirklichen, weil in einem gewiſſen Gebiete nur gewiſſe Bodenarten vorkommen, ſo daß bei Befolgung des Grundſatzes, jede Bodenart eigenhändig zu entnehmen, mehrfache Reiſen in ferne Länder nötig werden, wozu den meiſten Sterblichen Zeit, Geld und Gelegenheit fehlt. Es iſt aber auch gar nicht unumgänglich notwendig, daß eine Bodenſammlung ſämtliche Bodenarten der Welt umfaſſe. Die Ver⸗ wirklichung dieſes Ideals mag den landwirtſchaftlichen Hochſchulen und reichen Privatleuten vorbehalten bleiben, die hochherzig genug 174 Bodenſammlung. ſind, die Stätten der Lehre und Forſchung durch Zuwendung von Dotationen zu erfreuen. Die Mehrzahl der Sammler wird ſich auf die Bodenarten ihres Wohnortes und der Umgebung beſchränken, und das genügt auch. Denn der Hauptzweck einer Bodenſammlung beſteht weniger darin, möglichſt viele Bodenarten zuſammenzutragen, als vielmehr darin, eine gewiſſe Fertigkeit im Unterſcheiden und Beſtimmen der Bodenarten ſich anzueignen. Auf dieſen Standpunkt wird ſich namentlich auch der Landwirt ſtellen, der das größte Intereſſe daran hat, den Grund und Boden ſeines Bezirkes genauer kennen zu lernen. Jeder Landwirt, der beim Betriebe ſeines Gewerbes nicht im Finſtern tappen will, muß vor allen Dingen über die Beſchaffenheit ſeiner Ländereien im klaren ſein. Das beſte Mittel hierzu iſt die Unterſuchung des Bodens in Verbindung mit der Anlegung einer Sammlung, in der ſämtliche Bodenarten des Ober⸗ und Untergrundes bis auf eine Tiefe von 1— 2 m vertreten ſind. Auf die Art und den Gang der Bodenunterſuchung brauchen wir hier nicht von neuem zurückzukommen. Wir wollen nur noch einmal daran erinnern, daß man ſich möglichſt mit der einfachen Unterſuchung behilft, die an Ort und Stelle vorgenommen, ſich auf den Gebrauch der Sinne, auf die Salzſäureprobe und auf die Natur⸗ und Kulturflora ſtützt, und daß man nur ausnahmsweiſe zu den feineren Unterſuchungsmethoden ſeine Zuflucht nimmt, die den Zweck haben, den Gehalt des Bodeus an Stein, Sand, Thon, Kalk, Humus dem Gewichte nach genauer zu ermitteln. Bei dem Entnehmen der Proben hat man zu beachten, daß die Oberfläche an Böſchungen und ſelbſt an den ſenkrechten Wänden der Probegruben durch Herabſchwimmen des Erdreichs ꝛc. in der Regel verunreinigt iſt. Künſtlich hergeſtellte Böſchungen werden ſehr häufig auch mit einer Lage herbeigeführter Erde überdeckt. Will man alſo eine reine Probe von der wirklich anſtehenden Schicht entnehmen, ſo muß dieſe vorher freigelegt werden. Das Maß der einzelnen Bodenproben kann für Schulſammlungen ½— 1 Liter betragen; für Privatſammlungen genügt ⅛ Liter. Da die Proben oft weit getragen werden müſſen, ſo beſchränkt man ſich auf das Minimum. Soll eine Probe der genaueren Unterſuchung don arten enügt niger mehr der wirt oden der muß laren s in kliche von uchen noch ichen uj datur⸗ 1 den Zweck umus daß änden n der ſehr Vill enden lungen r. Da mn ſch uchung Bodenkarten. 175 unterworfen werden, ſo nimmt man entſprechend mehr(vergl. S. 94). Zum Faſſen der Proben bedient man ſich zweckmäßig einer kleinen Hohlſchaufel und zum Transport eines dichten Leinwand⸗ oder Drillichſäckchens. In jedes gefüllte Säckchen kommt ein Zettel mit der betreffenden Nummer ꝛc. Vollſtändigere Notizen über den Fundort ꝛc. kommen in das Notizbuch. Zu Hauſe werden die Proben in der Sonne, in der Ofen⸗ röhre oder am ſchnellſten im Bratofen getrocknet und dann erſt der Sammlung eingereiht, weil feuchte Erde verſchimmelt und unan⸗ ſehnlich oder gar unkenntlich wird. Zum Aufbewahren eignen ſich gleichförmig cylindriſche Flaſchen mit eingeſchliffenem Glasſtopfen am beſten. Es erfüllen aber auch Flaſchen mit Korkſtopfen den Zweck, wenn ihr Hals genügend weit iſt. Allenfalls ſind auch Kartonſchachteln mit gut ſchließendem Deckel zu brauchen. Die Größe der Gefäße richtet ſich nach der Größe der Boden⸗ proben. Für Schulſammlungen empfehlen wir Cylinderflaſchen mit Glasſtopfen von 15 cm Höhe und 6 cm Weite; für kleinere Privat⸗ ſammlungen ordinäre Flaſchen mit Korkſtopfen von 10 cm Höhe, 4 cm Gefäß⸗ und 3 cm Halsweite. Jedes Gefäß wird ſelbſtredend mit einer Etikette verſehen, auf der die laufende Nummer, die Bodenart, der Fundort nebſt Tiefe verzeichnet iſt. In dem Büchlein oder Regiſter, das dazu gehört, kann jeder nach Belieben kürzere oder ausführlichere Be⸗ ſchreibungen der einzelnen Bodenarten beifügen. Eine Sammlung von Bodenarten beſticht allerdings nicht durch die Pracht und den Glanz der Farben; aber wer wollte in Abrede ſtellen, daß ſie mehr Vergnügen und Nutzen gewährt, als eine Sammlung von Edelſteinen. 3. Vodenkarten. Die Unterſuchung des Bodens findet ihren Abſchluß in der Fixierung und Darſtellung der Reſultate durch Zeichnen von Boden⸗ karten. Es wird daher am Paatze ſein, auch hierüber einige Be⸗ merkungen zu machen. 176 Bodenkarten. Wie wir geſehen haben, kommen bei der Unterſuchung des Bodens vornehmlich in Betracht: 1. die Geſtalt der Oberfläche, 2. die Lagerungsverhältniſſe, 3. die Bodenbeſtandteile und Bodenarten. Soll daher eine Bodenkarte die Reſultate der Unterſuchung bildlich zur Anſchauung bringen, ſo muß ſie nach den angedeuteten drei Richtungen ihren Zweck erfüllen. Wie das geſchehen kann, ergiebt ſich aus dem Gange der Unterſuchung von ſelbſt. 1. Die Geſtalt der Oberfläche des Bodens tritt am richtigſten und deutlichſten entgegen aus den Horizontallinien, die alle Orte gleicher Höhe miteinander verbinden. Auf einer Boden⸗ karte dürfen daher die Horizontalkurven nicht fehlen. 2. Die Lagerungsverhältn iſſe laſſen ſich einzig und allein aus dem ſenkrechten Schnitt oder dem Profil des Bodens richtig beurteilen. Eine Bodenkarte muß daher eine genügend große An⸗ zahl von Bodenprofilen aufweiſen. 3. Was die Bodenbeſtandteile und Bodenarten betrifft, ſo genügt es, die Bodenarten auf der Karte einzuzeichnen, weil ja die Beſtimmung, Benennung und Einteilung des Bodens ſich ſtützt auf die Ermittelung oder Schätzung ſeiner vorwaltenden oder cha⸗ rakteriſtiſchen Beſtandteile. Eine Bodenkarte muß alſo ein deut⸗ liches und überſichtliches Bild der in dem betreffenden Gebiete vor⸗ kommenden Bodenarten gewähren. Die natürliche Grundlage für eine Bodenkarte beſteht in einer Flurkarte, die neben den geometriſchen namentlich auch die topographiſchen Verhältniſſe richtig wiedergiebt. Auf einer guten Flurkarte ſind die Grundſtücke im ganzen und im einzelnen nebſt Gebäuden, Grenzen, Wegen und Gewäſſern aufgenommen. Ferner ſind die Höhenkurven eingetragen und überdies auch die Hauptkulturarten nach Acker⸗, Wieſen⸗, Reb⸗, Waldland ꝛc. unter⸗ ſchieden. Wo derartige Flurkarten bereits vorliegen— und wo dies nicht der Fall iſt, da wird man an die Herſtellung von Boden⸗ karten vorläufig überhaupt nicht herantreten—, da beſchränkt ſich die Arbeit demnach im weſentlichen auf das Aufnehmen und Ein⸗ zeichnen der Bodenarten und der Bodenprofile. Immerhin erfordern die Flurkarten, wenn ſie zu Bodenkarten erlchun edeubetn en him trit u inien, i r Woe⸗ und alln ns vihih uuje d n berrft wel ſch tt dder e en dar⸗ cbiete w⸗ t in ene auch 1 Aif in einzebun genonna. Jauc d v. Uuthl d wäs n Bode⸗ hrint i un Sr odentrtte Bodenkarten. 122 werden ſollen, einige Abänderungen und oft auch Ergänzungen und Berichtigungen. Vor allem iſt es wichtig, daß der Maßſtab nicht zu klein genommen wird; ſonſt aber wird es mehr nützen als ſchaden, wenn man im Hinblick auf die Verſchiedenartigkeit der lokalen Verhält⸗ niſſe einen gewiſſen Spielraum geſtattet. Im Anſchluß an den Maß⸗ ſtab der topographiſchen Karte 1:25 000 möchten wir für die Flur⸗, ſowie für die Bodenkarten 1:2500 als Normalmaßſtab em⸗ pfehlen. Daneben kann der Maßſtab 1:5000, 1:2000 und 1:1000 gewählt oder beibehalten werden, je nachdem die Bodenverhältniſſe einfach oder verwickelt ſind. Der Privatmann, der eine Aufnahme von ſeinem Gutsareal in einem noch größeren Maßſtabe, z. B. 1:500, beſitzt, wird ihn beibehalten. Der Höhenabſtand oder die Aquidiſtanz der Horizontal⸗ kurven iſt auf den vorhandenen Flurkarten verſchieden; es iſt aber wünſchenswert, für die Flurkarten ſowohl wie für die Bodenkarten ein einheitliches Maß zu haben. Auf der topographiſchen Karte der Schweiz beträgt die Aquidiſtanz 10 m. Dieſes Maß ſollte man für die Flur⸗ und für die Bodenkarten als Grundlage annehmen. Wir empfehlen für die 100 m Kurven unterbrochene Linien, für die 10 m Kurven ausgezogene Linien. Wo das Terrain ſtark ge⸗ neigt iſt, kann man es bei den 10 m Kurven bewenden laſſen. Überall aber, wo ſanftere Neigungen auftreten, ſind 1 m Kurven mit ausgezogenen Linien einzuſchalten. Bei allen Horizontal⸗ kurven wird mit der betreffenden Ziffer die Höhenquote eingeſchrieben, ſo daß man aus der Karte zugleich erſieht, wieviel Meter über Meer die Gegend liegt.(Vergl. Tafel 1.) Damit die Höhenkurven deutlich hervortreten, ſind ſie mit einer leuchtenden Farbe(rotgelb) zu zeichnen. Dagegen wird alles übrige, was ſich auf die Topographie bezieht, in ſchwarzer Farbe angelegt mit einziger Ausnahme der Gewäſſer(Seen, Teiche, Weiher, Flüſſe, Bäche, Kanäle, Gräben), für die die blaue Farbe reſerviert wird. Speziell werden alſo mit Schwarz gezeichnet: Gebäude, Grenzen, Straßen, Wege, Eiſenbahnen ꝛc. Ebenſo ſind die Kulturarten durch verſchiedene Zeichen in ſchwarzer Farbe kenntlich zu machen, wobei das Ackerland ohne Zeichen gelaſſen werden kann. Nowacki, Bodenkunde. 3. Auflage⸗ 12 178 Bodenkarten. Die ziemlich allgemein angenommenen Zeichen für die Gebäude, Grenzen, Straßen, Wege, Eiſenbahnen ꝛc., ſowie für die Kultur⸗ arten: Ackerland(ohne Zeichen), Wieſe(Matte), Weide, Ried(Moos, Moor, Torf, Sumpf), Gemüſeland, Ziergarten, Rebland, Hopfen⸗ land, Obſtbäume, Laubwald, Nadelwald können beibehalten werden, jedoch iſt Sorge dafür zu tragen, daß der Grund der Karte mit den Zeichen für die Kulturarten nicht zu ſehr gefüllt und daß ins⸗ beſondere das Wieſen⸗ und das Weideland, weil es oft mit Obſt⸗ bäumen beſetzt iſt, alſo auf der Karte mit zwei Zeichen verſehen werden muß, mit einer ſehr zarten Zeichnung unterſchieden wird. Der Grund der Karte iſt nämlich für die Eintragung der Bodenarten beſtimmt, was unſtreitig am deutlichſten und über⸗ ſichtlichſten durch verſchiedene Farbentöne und Zeichen geſchieht. Es ſteht außer Zweifel, daß dieſe bei geologiſchen Karten allgemein übliche und erprobte Manier der Zeichnung ſich auch bei den Bodenkarten bewähren und einbürgern wird. Sonſt aber muß hier nicht der geologiſche, ſondern der agronomiſche Geſichtspunkt maß⸗ gebend ſein. Beide Geſichtspunkte laſſen ſich nicht miteinander ver⸗ einigen, und es iſt ein Ding der Unmöglichkeit, das Geologiſche und das Agronomiſche auf einem und demſelben Kartenbilde gleichmäßig zur Anſchauung und zur Geltung zu bringen. Im Intereſſe der Einfachheit, Deutlichkeit und Üüberſichtlichkeit halten wir es für angezeigt, nicht für jede einzelne Bodenklaſſe, ſondern nur für jede Hauptgruppe der Bodenarten ein Farbenzeichen zu wählen, ſo daß wir bei 7 Hauptgruppen von Bodenarten nur weniger Farbenzeichen bedürfen. Dabei ſoll das Farbenzeichen, das in die Fläche der Karte eingetragen wird, ausſchließlich für die Bodenart der oberſten, zu Tage gehenden Schicht(Obergrund, Ackerkrume) gelten in der Meinung, daß der Untergrund nur durch die Bovenprofile, die am Fuße oder am Rande der Karte ihren Platz finden, zur An⸗ ſchauung gebracht wird. Die Abgrenzung der Hauptgruppen der Bodenarten geſchieht mit einer feinen punktierten Linie in blauer Farbe. Demnach empfehlen wir für die 7 Hauptgruppen der Boden⸗ arten folgende Farbentöne und Zeichen.(Vergl. Tafel 1.) 1. Steinbodenarten. a) Grusboden: Weiß mit rauchgrauen Kreuzen. b) Kiesboden: Weiß mit hellroten Punkten. äude, ltur⸗ Noos pfen⸗ rden, e mit ins⸗ Ohſt⸗ ſehen d. eund mäßig ichkeit ndern ichen nur das in denart gelten roflle r An⸗ i der Jaube Zoden⸗ Bodenkarten. 179 2. Sandbodenarten: Hellgelb. 3. Lehmbodenarten: Hellgelb mit hellroter Schraffierung von links oben nach rechts nnten. 4. Thonbodenarten: Hellrot. 5. Mergelbodenarten: Grünlichblau mit hellroter Schraffierung von rechts oben nach links unten. Kalkbodenarten: Grünlichblau. Humusbodenarten: Rauchgrau. Wie man erſieht, haben wir die Farbentöne und Zeichen ſo ge⸗ wählt, daß außer dem Schwarz nur 6 Farbentöne erforderlich ſind. Der eine Ton(vcotgelb) dient für die Horizontalkurven, der zweite (blau) für die Gewäſſer, die übrigen vier(hellgelb, hellrot, grünlich⸗ blau und rauchgrau) für die Bodenarten. Einfachheit bedingt hier nicht allein eine erhebliche Koſtenerſparnis, ſondern auch eine ſaubere und klare Ausführung bei dem Zeichnen und Drucken des Kartenbildes. Die Bezeichnung der einzelnen Bodenklaſſen geſchieht durch Einſchreiben von Buchſtaben in ſchwarzer Schrift. Wir em⸗ pfehlen hierfür folgende Abkürzungen der wiſſenſchaftlichen Be⸗ nennungen.(Dieſe, aus der lateiniſchen Sprache entlehnt, werden dort, wo die Landesſprache romaniſch, italieniſch oder franzöſiſch iſt, ohne weiteres verſtändlich ſein, und ihre Einführung wird auch im deutſchen Sprachgebiet nicht auf große Schwierigkeiten ſtoßen, weil in den deutſchen Schulen neben der Mutterſprache lateiniſch und franzöſiſch gelehrt und gelernt wird. Überdies muß ja jeder Karte eine Erklärung der Zeichen und Abkürzungen beigegeben werden. S P= petra, Stein. L= loesseus, lößartig. p= petraeus, ſteinig. Lo= lutum, Letten. R= rudus, zerbröck. Geſtein, Grus. 1,= utosus; lettig. r= rudectus, grusartig. A= axgilla, Thon. G= glarea, Kies. a= argillosus, thonig. g= glareosus, kiesartig. M= marga, Mergel. G.= grando, Grand. m= margillosus, mergelig. gi= grandinosus, grandig. C= calx, Kalk. S= sabulo, Sand. e= calcarius, kalkig. s= Ssabulosus, ſandig. Gi= gips, Gips. L= limus, Lehm. gi= gipsigenus, aus Gips ent⸗ 1= limosus, lehmig. ſtanden;(terra gipsigena, Lu= loessa, Löß. 3 Gipsboden). 12* 180 Bodenkarten. H= humus, Humus. ag= agrestis, Acker⸗;(humus h= humosus, humos. ggrestis, Ackerhumus). V= vulgaris, gemein. grm= graminosus, Gras⸗;(humus e= errans, loſe, wandernd;(sa-— graminosa, Grashumus). bulo errans, Flugſand). n= nemoralis, Wald⸗;(humus t= tenax, ſchwer, ſtreng, zähe, nemoralis, Waldhumus). anklebend. ey= cyperosus, Ried⸗-;(humus 0= opimus, reich, fett. cLyperosa, Riedhumus). d= dulcis, mild. sph= sphagnosus, Moos⸗;(humus ae= acidus, ſauer. phagnosa, Mooshumus). u-f= uvido-frigidus, naßkalt. eall= callunosus, Heide⸗;(humus fe= ʒferrugineus, eiſenſchüſſig. callunosa, Heidehumus.) Es iſt ein glücklicher Umſtand, daß die Wörter für die Haupt⸗ gruppen der Bodenarten in der lateiniſchen Sprache ſämtlich mit verſchiedenen Buchſtaben anfangen, ſo daß zur Abkürzung der An⸗ fangsbuchſtabe ausreicht. Dasſelbe gilt für die Bodenklaſſen, die in der Mehrzahl der Fälle mit Beiwörtern bezeichnet werden, die von jenen Hauptwörtern abſtammen. Auch bei den ſonſtigen Beiwörtern iſt es meiſt möglich, ſolche mit verſchiedenen Anfangsbuchſtaben zu wählen. Es bleibt alſo nur eine kleine Zahl von Beiwörtern übrig, bei denen die Abkürzung mehr als einen Buchſtaben erfordert, und in den wenigen Fällen, wo dies nötig iſt, werden die ſprach⸗ lich zuſammengehörenden Buchſtaben näher aneinander gerückt und überdies durch Unterſtreichen kenntlich gemacht. Man könnte nun bei dem Einſchreiben der Buchſtaben für die Bodenklaſſen den Buchſtaben für die Hauptgruppe ganz fortlaſſen, weil dieſe bereits durch ein beſtimmtes Farbenzeichen auf der Karte unterſchieden iſt, ſo daß z. B. durch ein 1 auf hellgelbem Grunde Sabulo limosa oder lehmiger Sand bezeichnet würde; trotz der hierdurch bedingten Vereinfachung ziehen wir es, um Irrtümer zu vermeiden, vor, den Buchſtaben für die Hauptgruppe mit hinzu⸗ zufügen. Das Zeichen für lehmigen Sand iſt alſo S1, für humoſen Lehm Lh, für reichen humoſen Thon A ho, für gemeinen Lehm⸗ mergel MIv, für naßkalten Sand Sucf, für eiſenſchüſſigen Thon A fe, für Riedhumus Hey, u. ſ. f. In dem Anhang haben wir eine Überſicht der Bodenarten(Genera et species terrarum) ge⸗ geben und bei jeder Klaſſe die für die Kartierung beſtimmte Ab⸗ kürzung beigefügt. Es iſt ein weſentlicher Vorzug der von uns ——— ;(bumn mnu) de(un öhunuh w; uns ddunu d. lam un. 3⸗lnn döhumuh d⸗; tuun ehuunus de Hm⸗ entäch n g db. ſen, di en, di u Veiwüren cſtaben; Veiwöte erfodde die put gerütt n ben fit fortüſe der Kat em Gran e, un n Bodenkarten. de empfohlenen Benennungen, daß das Hauptwort in der lateiniſchen Sprache voranſteht, und da das Hauptwort überdies durch einen großen Buchſtaben unterſchieden und hervorgehoben iſt, ſo ſind Ver⸗ wechslungen ausgeſchloſſen. Anlangend nun die Profile, die ein unentbehrlicher Beſtand⸗ teil einer Bodenkarte ſind, ſo finden ſie zweckmäßig ihren Platz am Fuße und nötigenfalls auch am Rande zu beiden Seiten der Karte, während in der Karte ſelbſt nur die betreffende Nummer mit einer arabiſchen Ziffer eingeſchrieben wird, und zwar an der Stelle, wo das Profil wirklich aufgenommen worden iſt. Da die arabiſchen Ziffern noch zu anderweitigen Bezeichnungen dienen, ſo empfiehlt es ſich, die Profilnummern im Innern der Karte mit einer viereckigen Linie zu umgeben, was zugleich den Vorteil gewährt, daß die Stellen der Profile und Probegruben beſſer hervortreten. Als Maßſtab für die Höhen wird bei den Bodenprofilen 1: 100 genügen. Die Breite des Profils, das wir als ein verkleinertes Bild der Wand einer Probegrube betrachten können, braucht in der Zeichnung nicht mehr als 4 mm zu betragen. Die Bodenarten der einzelnen Schichten werden ſelbſtredend auch bei den Profilen mit den betreffenden Farbentönen gezeichnet; außerdem werden die Benennungen der Bodenarten oder Klaſſen mit den angegebenen Abkürzungen rechts neben das Profil geſchrieben. Den Stand des Grundwaſſers anzudeuten, iſt nicht ratſam, weil er wechſelt und ſich durch die Melioration der Entwäſſerung verändert. Um neben den agronomiſchen auch den geologiſchen An⸗ forderungen ſoweit als möglich und nötig Rechnung zu tragen, kann der Name des Grundgeſteins(ohne ſymboliſche Abkürzung) unter den Fuß des Bodenprofils geſetzt werden; und zwar wird der Name in dem Falle ſchwarz unterſtrichen, wenn das Grundgeſtein un⸗ zweifelhaft das Muttergeſtein des auflagernden Bodens, dieſer alſo durch Verwitterung aus jenem entſtanden iſt; im anderen Falle bleibt der Strich fort.— Wenn das Grundgeſtein ſo tief ſteht, daß es durch die Probegruben oder Bohrlöcher nicht erreicht wird, dann wird der Name ganz fortgelaſſen, oder er wird durch einige Punkte in der Verlängerung der Profilgrenzen von dem Bodenprofil ge⸗ trennt und mit einem Fragezeichen verſehen. Dieſe theoretiſche Er⸗ gänzung des Proofils iſt jedoch nur dann zuläſſig und von Wert, 182 Bodenkarten. wenn das betreffende Gebiet geologiſch genau durchforſcht iſt. Denn in der Karte ſollen grundſätzlich nur die thatſächlichen Verhält⸗ niſſe zur Darſtellung gelangen. Der Vollſtändigkeit wegen ſei ſchließlich noch bemerkt, daß jede Karte mit einer ausführlichen Zeichenerklärung verſehen ſein muß, damit ſie auch ohne den erläuternden, in einem beſonderen Büchlein beigegebenen Text verſtändlich iſt. An der Hand von Tafel 1 wird man ſich eine Vorſtellung davon machen können, wie eine derartige Flur⸗ und Bodenkarte ausſieht. Bei dem vorgeſchriebenen Format und dem feſtſtehenden Preis der Thaerbibliothekbände mußten wir leider einen ſehr kleinen Maßſtab und ein ſehr einfaches Beiſpiel wählen. Der Maßſtab iſt 1:10 000, anſtatt daß er wenigſtens 1:2500 ſein ſollte. Hätten wir das Kärtchen viermal ſo groß darſtellen können, ſo wäre alles in richtigerem Verhältnis herausgekommen. Jetzt ſind z. B. die kleinen Vierecke im Innern der Karte, die die Stellen der Probegruben 1, 2 und 3 bezeichnen, breiter als die Feldwege, ja, ſie ſind ſogar ſo breit, wie die ſchmalſten Landparzellen. Trotzdem wird das Kärtchen ſeinen Zweck erfüllen. Von der Bedeutung der Horizontalkurven und der Lage der Wege und Gräben iſt ſchon S. 25—28 die Rede geweſen. Der Boden iſt in der ganzen Fläche Riedhumus, Humus cyperosa, Hey. Seine Mächtigkeit iſt aus den Bodenprofilen zu entnehmen, die in dem Maßſtab 1: 100 dargeſtellt ſind. Greifen wir z. B. bei Profil 2 das Maß von Hey mit dem Zirkel ab und halten den Zirkel auf einen gewöhnlichen Millimeter⸗Maßſtab, ſo ergiebt ſich die Mächtigkeit von nicht ganz 1,30 m u. ſ. w. Unter dem Riedhumus lagert überall Seekreide, d. h. Kalk, Calx, C und unter dem Kalk folgt eiſenſchüſſiger Thon, Argilla ferruginea, A fe. Man wird ſich, wie ich hoffe, durch die Betrachtung des Kärtchens überzeugen, daß die Bezeichnung der Bodenarten mit den Anfangs⸗ buchſtaben der lateiniſchen Benennungen ebenſo einfach wie verſtänd⸗ lich iſt. Damit haben wir unſere Anſichten und Grundſütze in betreff der Technik der Bodenkartierung dargelegt, und es erübrigt nur noch, einige Andeutungen darüber zu machen, ob und wie die Auf⸗ nahme von Bodenkarten in der Schweiz praktiſch durchgeführt werden —— t. D z Ner di ja ſen mi Jüchln ofſelln enkart ſteherde hr llena aßſtob i ätten di alls u dieleina graben! ·ſogrr JKütthe Lage d 3 „ HMnS ryfien i Grrjer el db w fßſtb, 5 v. lute k, Cm res, A6 Kärthe⸗ Arfong⸗ rerfö⸗ in betij brigt n die n rtwedd Bodenkarten. 183 kann. Wegen der Mannigfaltigkeit der Terraingeſtaltung und der Beſitzverhältniſſe wird dieſes Beiſpiel auch für andere Länder von Intereſſe ſein. Da iſt denn zunächſt hervorzuheben, daß die Herſtellung einer Bodenkarte, die die ganze Schweiz umfaßt, kaum in Frage kommen wird, weil der pedologiſchen Bearbeitung des eigentlichen Gebirgs⸗ landes zu große Schwierigkeiten entgegenſtehen. Überdies hat eine Bodenkarte der Hochgebirge und der Alpen nur eine untergeordnete praktiſche Bedeutung, weil das betreffende Land, ſofern es überhaupt benutzbar iſt, in der Hauptſache nur der Wald⸗ und Weidenutzung dient. Wir ſchließen alſo das eigentliche Gebirgsland aus und be⸗ ſchränken die Aufgabe auf die flacher und tiefer gelegenen, dem Ver⸗ kehr und der Kultur leichter zugänglichen Gebiete. Zu dieſen rechnen wir, abgeſehen von anderen kleineren Bezirken, namentlich die breiten Thäler der Rhone und des Rheins, vor allem aber das große ſchweizeriſche Flachland, d. h. das Hochplateau zwiſchen Jura und Alpen, Bodenſee und Genferſee. In dieſem Teile der Schweiz, deſſen Begrenzung wir abſichtlich nur ganz im allgemeinen angeben, halten wir die Aufnahme von Bodenkarten für lohnend und durchführbar. Der Weg, auf dem man vorzugehen hat, um langſam, aber ſicher zum Ziele zu gelangen, ſcheint uns der zu ſein, daß man die Angelegenheit in finanzieller Beziehung den Privaten und den Ge⸗ meinden überläßt und die Mitwirkung von ſeiten des Bundes und der Kantone auf die Anſtellung von Technikern und auf die Er⸗ teilung von Prämien beſchränkt. Nichts fördert eine gute Sache mehr, als Vertrauen auf die eigene Kraft. Zur Zeit iſt das Ver⸗ trauen freilich nicht groß; aber nach den mageren Jahren kommen auch wieder fette. Demgemäß ſtellen wir zunächſt ab auf die Aufnahme von Spezial- oder Gemeinde⸗Bodenkarten, wobei wir die Benutzung der vorhandenen Güter⸗, Flur⸗ und Kataſter⸗Karten, ſowie der topo⸗ graphiſchen und der geologiſchen Karten vorausſetzen. Ob und in⸗ wieweit es möglich ſein wird, dieſe Spezial⸗ oder Gemeinde⸗Boden⸗ karten zu Überſichts⸗(Bezirks⸗ und Kantons⸗) Bodenkarten zuſammen⸗ zufaſſen, läßt ſich erſt dann mit Sicherheit überblicken, wenn eine größere Zahl von Spezial⸗ oder Gemeindekarten fertig vorliegt. Es 184 Bodenkarten. mag indeſſen ſchon jetzt darauf hingewieſen werden, daß die Her⸗ ſtellung von Überſichts⸗Bodenkarten zwar ſehr wünſchenswert, aber inſofern fraglich iſt, als der für ſie erforderliche kleine Maßſtab vorausſichtlich nicht überall ausreicht, um den Wechſel und die Mannigfaltigkeit der Bodenarten zur Anſchauung zu bringen. Man wird auch hier lokaliſieren müſſen und, je nachdem die Bodenverhält⸗ niſſe einfach oder verwickelt ſind, ſich für oder gegen die Herſtellung von Überſichts⸗Bodenkarten entſcheiden. In erſter Linie ſind jeden⸗ falls die Spezial⸗ oder Gemeinde⸗Bodenkarten in Angriff zu nehmen. Jetzt fragt ſich nur noch, wer den techniſchen Teil der Arbeit übernehmen ſoll. Die Antwort hierauf ergiebt ſich aus der Natur der Sache von ſelbſt. Die Aufnahme von Bodenkarten erfordert: 1. Fertigkeit im Beſtimmen der Bodenarten, 2. Fertigkeit im Zeichnen. Sind beide Fertigkeiten in einer Perſon vereinigt, ſo ſteht nichts im Wege, ihr die ganze Arbeit zu übertragen oder zu überlaſſen. Es hat ſogar ſeine weſentlichen Vorteile, wenn der, der den Boden unterſucht, auch die Reſultate der Unterſuchung in die Karte ein⸗ zeichnet. Der Fachmann, bei dem wir die Fähigkeit hierzu erwarten dürfen, iſt der Kulturingenieur; aber ſeine theoretiſche und praktiſche Ausbildung darf ſich nicht auf die Ingenieurwiſſenſchaften im engeren Sinne des Wortes beſchränken, ſondern ſie muß ſich namentlich auch auf Geologie, Boden⸗ und Pflanzenkunde und allgemeine Landbau⸗ wiſſenſchaft erſtrecken. Die Gelegenheit zur Ausbildung von Kultur⸗ ingenieuren iſt nun am eidgenöſſiſchen Polytechnikum in vollem Umfange gegeben, wenn neben den Vorleſungen und Übungen der Kulturingenieurſchule auch der Unterricht der landwirtſchaftlichen Schule benutzt wird. Außer den Kulturingenieuren, deren Berufs⸗ bildung Fertigkeit im Kartenzeichnen, ſowie im Beſtimmen der Bodenarten verlangt, wird es immer auch einzelne Land⸗ und Forſtwirte, Geologen und andere Naturforſcher geben, die die Arbeit der Bodenkartierung ſelbſtändig zu übernehmen im ſtande ſind. Insbeſondere gilt dies von den Forſtwirten, die zugleich Geometer ſind, vorausgeſetzt, daß ſie auch in den landwirtſchaftlichen Dingen die erforderliche Kenntnis und Erfahrung beſitzen. Indeſſen läßt ſich die Arbeit auch teilen in der Weiſe, daß die Bodenunterſuchung den bodenkundigen Land⸗ und Forſtwirten, Geo⸗ —„ ————, ie Her⸗ t aber Rrüſnt nd de . M perſil⸗ telung djeder nehwen „Abei t Nau ſeit in ht rich erlaſen Beda re är⸗ V rrwatte wliche engeren lich ut ondbor Kultu⸗ vollm nen dr ſaftlche Beruf⸗ men der nd⸗ und die d n ftnde zaglit eftichn daß di en, Ger— Bodenkarten. 185 logen u. a., das Kartenzeichnen dagegen den zeichnenkundigen Geo⸗ metern, Ingenieuren, Architekten u. a. überlaſſen oder übertragen wird. Auf dieſem Wege gelangen wir vorausſichtlich ſchneller zum Ziel, denn die Arbeitsteilung gewährt hier wie in anderen Fällen den Vorteil, daß die Arbeit auf vielen Punkten(auf verſchiedenen Gütern, in verſchiedenen Gemeindefluren) gleichzeitig in Angriff ge⸗ nommen, alſo im ganzen mehr gefördert werden kann. Es verſteht ſich von ſelbſt, daß der Landwirt, der die nötige Gewandtheit im Beſtimmen, d. h. im Erkennen und Benennen der Bodenarten, beſitzt, auf ſeinem eigenen Gute die Bodenunterſuchung ſelbſt vornehmen wird. Er bezeichnet dann einfach auf ſeiner Guts⸗ karte die Stellen der Probegruben und die Grenzen der Bodenarten, ſkizziert den Befund der Probegruben in dem Notizbuch und übergiebt das geſammelte Material einem Geometer, der nötigenfalls noch die Höhenkurven aufnimmt und als geübter Zeichner die Gutskarte zu einer Bodenkarte vervollſtändigt. Bei ſehr zerſtückeltem Beſitz wird es ſich in der Regel empfehlen, gemeindeweiſe oder genoſſenſchaftlich vorzugehen in dem Sinne, daß alle oder mehrere Mitglieder ein und derſelben oder zweier benach⸗ barten Gemeinden ſich zuſammenthun, um von ihrem Areal auf ge⸗ meinſchaftliche Koſten eine Bodenkarte anfertigen zu laſſen. Bei gut arrondierten Gütern, wenn ſie auch nur eine Fläche von je 3—5 ha umfaſſen, kann jeder Beſitzer auf eigene Fauſt verfügen und handeln. Dies hat viel für ſich, denn es hält bekanntlich immer ſchwer, viele Köpfe unter einen Hut zu bringen. Der Hauptwert der Bodenkartierung beſteht darin, daß ſie uns veranlaßt, den Grund und Boden genau zu unterſuchen, und da dieſe Unterſuchung ohnehin ſtattfinden muß, um das Land richtig zu beurteilen, angemeſſen zu behandeln und vollkommen auszunutzen, ſo dürfen wir dem Konto der Bodenkartierung nur den kleinen Be⸗ trag für die Arbeit des Zeichnens„Zur Laſt“, müſſen ihm dagegen den großen und ſchwerwiegenden Betrag für die Arbeit der Boden⸗ unterſuchung„Gut“ ſchreiben. Mit anderen Worten, die Boden⸗ kartierung iſt nicht umſonſt, aber ſie rentiert ſich; denn ſie iſt ein ſehr wirkſames Mittel, die Kenntnis des Bodens zu verbreiten, und die Kenntnis des Bodens iſt das Fundament der Land⸗ wirtſchaft. Anhang. Wiſfenſchaftliche Benennung der Bodenarten. Es wird hier zum erſtenmal der Verſuch gemacht, in die Boden⸗ kunde wiſſenſchaftliche, aus der lateiniſchen Sprache entlehnte Be⸗ nennungen für die Bodenarten einzuführen, wie das in der Botanik und Zoologie bei der Benennung der Pflanzen⸗ und Tierarten längſt geſchehen iſt. Nur auf dieſem Wege ſcheint es mir möglich, die Unbeſtimmtheit und Verwirrung, die in der Benennung der Boden⸗ arten beſteht, nach und nach zu beſeitigen und die ſpezielle Boden⸗ kunde als Wiſſenſchaft mehr und mehr zum Gemeingut der Kultur⸗ völker zu machen. Ich laſſe dahingeſtellt, ob es mir gelungen iſt, überall den treffenden Ausdruck zu wählen und da, wo neue Wörter zu bilden waren, ſie überall ſo zu bilden, daß das Denken und das Sprachgefühl befriedigt wird; doch kann ich nicht umhin zu be⸗ merken, daß die Gruppierung und Einteilung der Bodenarten in melhrfacher Beziehung eine Änderung erfuhr, als ich mich in die Notwendigkeit verſetzt ſah, lateiniſche Benennungen für die Boden⸗ arten zu finden, und ich darf behaupten, daß die agronomiſche Klaſſifikation der Bodenarten durch die Einführung der wiſſen⸗ ſchaftlichen Sprache erheblich gewonnen hat. Indem ich auf das in dem Abſchnitt„Bodenkarten“ S. 175 u. f. Geſagte, ſowie auf die S. 139 u. f. gegebene Einteilung und Be⸗ ſchreibung der Bodenarten verweiſe, laſſe ich nun die wiſſenſchaft⸗ liche Klaſſifikation der Bodenarten folgen. Bei jeder Klaſſe iſt die Abkürzung beigeſetzt, die zunächſt für die Bodenkartierung beſtimmt iſt, die aber ſelbſtredend auch ſonſt benutzt werden kann, z. B. bei der Bonitierung des Bodens, bei der Gütertaxation, bei der land⸗ wirtſchaftlichen Buchführung, bei der Etikettierung einer Boden⸗ ſammlung ꝛc. ꝛc. Rghoy⸗ Voder⸗ Foder Kulwr⸗ ge ſt Päre d de u be ren in in w Boder⸗ wmiſte wiſer⸗ Frf d de⸗ eico⸗ ſt d eſtimm d. bi r lnnd⸗ Boden⸗ Genera et species terrarum. Gattungen und Arten des Bodens. Tabula generum. überſicht der Gattungen. Numerus et nomen Sustantiae propriae(Charakt. Beſtandteile) Zahl und Benennung Petra Sabulo Argilla Calx Humus Stein Sand Thon Kalk Humus %%% b 5% 9/% Minimum Minimum Minimum Minimum Minimum (circa)(circa)(circa)(circa)(cirea) 1. Terrae petraeae 80—-——— Steinbodenarten 2. Terrae sabulosae— 80—— Sandbodenarten 3. Terrae limosae— 50. 20—— Lehmbodenarten 4. Terrae argillosae—— 50—— Thonbodenarten 5. Terrae margillosaef—— 20 5— Mergelbodenarten 6. Terrae calcariae——— 50— Kalkbodenarten 7. Terrae humosae———— 20 Humusbodenarten Tabula specierum. Üüberſicht der Arten oder Klaſſen. I. Terrae petraeae. Steinbodenarten. A. Terrae rudectae. Grusböden. Abbreviatura Abkürzung 1. Terra rudecta humosa. Rh Humoſer Grusboden. 188 Wiſſenſchaftliche Benennung der Bodenarten. Abbreviatura. Abkürzung 2. Terra rudecta limosa aut margillosa....... Rl; Rm Lehmiger oder mergeliger Grusboden. 3. Terra rudecta pura............. R Reiner Grusboden. B. Terrae glareosae. Kiesböden. 4. Terra glareosa limosa aut margillosa....... GI; Gm Lehmiger oder mergeliger Kiesboden. 5. Terra glareosa pura.............. 6 Reiner Kiesboden. 6. Terra grandinosa.............. 61 Grandboden. II. Terrae sabulosae. Sandbodenarten. 1. Terra sabulosa humosa dulceis........ Sh d Milder humoſer Sandboden. 2. Terra sabulosa margillosa........... Sm Mergeliger Sandboden. 3. Terra sabulosa limosa............ 81 Lehmiger Sandboden. 4. Terra Sabulosa vulgaris............ SV Gemeiner Sandboden. 5. Terra sabulosa uvido-frigida Were ferruginea)... Su-f†(fe) Naßkalter Sandboden dſe eiſen michüſſg) 6. Terra sabulosa errans...... Se Loſer Sandboden. III. Terrae limosae. Lehmbodenarten. 1. Terra limosa humosa dulois.......... Lh d Milder humoſer Lehmboden. 2. Terra limosa loessea........... L II Lößartiger Lehmboden. 3. Terra limosa vulgaris............ L V V Gemeiner Lehmboden. 4. Terra limosa tonax............. Lt Schwerer Lehmboden.— er Rn 6n 4 Wiſſenſchaftliche Benennung der Bodenarten. 189 Abbreviatura Abkürzung 5. Terra limosa uvido-frigida(saepe ferruginea).... L. u-f(fe) Naßkalter Lehmboden(oft eiſenſchüſſig). 6. Terra limosa sabulosa, grandinosa, petraea..... Ls; Lgi; Lp Sandiger, grandiger, ſteiniger Lehmboden. IV. Terrae argillosae. Thonbodenarten. 1. Terra argillosa humosa opima......... A h Reicher humoſer Thonboden. 2. Terra argillosa calcaria............ Ae Kalkhaltiger Thonboden. 3. Terra argillosa vulgaris............ AV Gemeiner Thonboden. 4. Terra argillosa tenacissima.......... At Strenger Thonboden. 5. Terra argillosa uvido-frigida, lutosa(ferruginea)... A u-f; L;(fe) Naßkalter Thonboden, Lettenboden(oft eiſenſchüſſig). 6. Terra argillosa pura............. A Reiner Thonboden. V. Terrae margillosae. Mergelbodenarten. 1. Terra margillosa argillosa humosa........ Mah Humoſer Thonmergelboden. 2. Terra margillosa argillosa vulgaris........ Mav Gemeiner Thonmergelboden. 3. Terra margillosa limosa humosa......... MIh Humoſer Lehmmergelboden. 4. Terra margillosa limosa loessea......... MII, Lößartiger Lehmmergelboden. 5. Terra margillosa limosa vulgaris........ MIV. Gemeiner Lehmmergelboden. 6. Terra margillosa sabulosa, grandinosa, petraea.... Ms; Mg.; Mp Sandiger, grandiger, ſteiniger Mergelboden. VI. Terrae cealeariae. Kalkbodenarten. 1. Terra calcaria humosa............ Ch Humoſer Kalkboden. 190 Wiſſenſchaftliche Benennung der Bodenarten. Ahbreviatura Abkürzung 2. Terra calcaria argillosa............ Ca Thoniger Kalkboden. 3. Terra calcaria limosa......... CI Lehmiger Kalkboden. 4. Terra calcaria sabulosa, grandinosa!........ Cs; Cg. Sandiger, grandiger Kalkboden. 5. Terra calcaria potraea........... C p Steiniger Kalkboden. 6. Terra calcaria et orctosa pura......... C Reiner Kalk⸗ und Kreideboden. Appendix. Anhang. Terra gipsigena............... Gi Gipsboden. VII. Terrae humosae. Humusbodenarten. 1.[Terra humosa agrestis et hortensis].......[Hag [Acker⸗ und Gartenhumus.] 2. Terra humosa graminosa........... Ugrm Gras⸗Humusboden. 3. Terra humosa nemoralis.......... Hn Wald⸗Humusboden. 4. Terra humosa cyperosa........... Hey Ried⸗Humusboden. 5. Terra humosa sphagnosa........... Isph Moos⸗Humusboden. 6. Terra humosa callunosa.......... MI gall Heide⸗Humusboden. Druck von Hermann Beyer& Söhne in Langenſalza. I tura ng 1 Nowacki, Bodenkunde. 3. Aufl. Ta] I. 3 4Tl 1 (ff— ᷣᷓ nlſuue V Hæ—j M& 420— 6 Ate 2. Hgx& 7 Ate 3. 1 cec A ʃ½ 6 Flur- und Bodenkarte Boden- mit Horizontalcurven. Ppofile. 1: 10000. 1:100. Horizontalcurven mit 1 dequidistanz. mege/ Grdben/ Pro begruben Mesland Hey= HFunads ꝙꝙperosa/= Riedhuus C= CGala= Kalk As- Argilla ferruguen eisenschssiger Thom. Tælagsoeueedueeg E d re ui Berkn S. W. Sedenanst. D. “ Verlag wiss Pr Mii 99, I A0 Mit: II Pfl Mit 25 mi 8c Anklan übende funden schatti E forder Geh. B Verlagsbuchhandlung Paul Parey in Berlin SW., Hedemannstr. 10. Lehrbuch der Landwirtschaft aul wissenschaftlicher und praktischer Grundlage. von Dr. Guido Krafft, Professor der Landwirtschaft an der k. k. technischen Hochschule in Wien. Mat Textabbildungen und 2i Farbendrucktateln. Gebunden, Preis 20 M. Daraus einzeln: I. Ackerbaulehre. Siebente Aufiage. III. Tierzuchtlehre. Sechste Aufage. Mit 285 Textabbildungen und einer Mit 269 Textabbildungen und 13 Tafeln farbigen Tafel. mit 38 farbigen Rassebildern. Gebunden, Preis 5 M. Gebunden, Preis 5 M. II. Pflanzenbaulehre. Sechste Aufage. IV. Betriebslehre. Sechste Aufage. Mit 259 Textabbildungen und 4 Tafeln Mit 24 Textabbildungen und 3 Tafeln mit mit 78 jarbigen Insektenbildern. farbigen Bodenkarten. Gebunden, Preis 5 M. Gebunden, Preis 5 M. Schwerlich dürfte ein anderes landwirtschaftliches Lehrbuch gleichen Anklang und gleiche Verbreitung in den Kreisen der lernenden wie aus- übenden, der akademisch wie nichtakademisch vorgebildeten Landwirte ge- funden haben, wie Guido Krafft's„Lehrbuch der Landwirtschaft auf wissen- schaftlicher und praktischer Grundlage“. Es entspricht in seiner umgearbeiteten neuesten Auflage allen An- forderungen an ein zeitgemäſses Handbuch der gesamten Landwirtschaft. Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe. Praktisches Handbuch VO Dr. J. König, Geh. Reg.-Rat, o. Hon.-Prof. der Kgl. Akademie und Vorsteher der landwirtschaftlichen Versuchs-Station in Münster i. W. Zweite, neubearbeitete Auflage. Mit 248 Textabbildangen und einer farbigen Tafel. Gebunden, Preis 25 IM. Die zweite Auflage des vorliegenden Werkes hat gegen die erste in vielen Kapiteln eine Umänderung erfahren; sie ist auch äuſserlich in ein noch vorteilhafteres Gewand gekleidet, und die zahlreichen Abbildungen sind vorzüglich ausgeführt und sehr instruktiv. Die Darstellung der Unter- suchungen landwirtschaftlicher Stoffe nimmt in dem 824 Seiten umfassenden Werke den gröſseren Teil des Raumes ein und enthält vieles, was nicht nur für den Theoretiker, sondern auch für den gebildeten Landwirt wissens- wert ist und praktisch verwertet werden kann. Zu beziehen durch jede Buchhandlung. Verlagsbuchhandlung Paul Parey in Berlin SW., Hedemannstr. 10. Laddwirtsehaffliehss Ghomit. Lehrhuch zum Gebrauche für landwirtschaſtliche Lehranstaten und zum Selbstunterricht. Von Dr. N. Wender, Professor an der landw. Landes-Mittelschule zu Czernowitz. Mit 33 Textabbildungen und 3 Tafeln. Gebunden, Preis 5 M. Anleitung zur NIsselsehaltli elel Bodeuun zesuehung. Dr. Felix Wahnschaffe, Königl. Landesgeologe und Privatdozent in Berlin. Mit 47 Textabbildungen. Gehnnaen. Led2s 2 M. Grondriss Gl Gssieins- Und Bodenbande zum Gebrauch an landwirtschaftl. und technischen Hochschulen. Von Dr. H. Gruner, Professor an der Kgl. landw. Hochschule zu Berlin. Gebunden, Preis I12 M. tadagse Mgronom. Bodenkarie Von Prölöößl und den Thäüringischen Staaten. Herausgegeben von der Kgl. Preuss. geolog. Landesanstalt und Bergakademie. (Maſsstab I: 25 000. Blattgröſse 57: 60 cm.) Nebst erläuterndem Text zu jedem Blatt. Ausführliche Prospekte stehen auf Verlangen zur Verfüugung. Zu beziehen durch jedle Buchhandlung. ügung. Landwirtschaft auf Grund der neuesten Erfahrungen in besonders ver- ständlicher Schreibweise behandelt, dem darf das bewährte Werk von Venuesbucllandlung Paul Parey in Fürin SW., Hedemannstr. 10. Schlipf 8 pyulites Nandbuch der Landvirtschaft. Gekrönte Preisschrift. dreieehnte vollständig neubearbeitete Auflage. ANMitt 17 Farbendrucktafeln und 415 in den Text gedruckten Abbildungen. In ganzleinen gebenoen, Preis 7 Hart. Wem es um ein Handbuch zu thun ist, welches alle Zweige der Schlipf unbedingt empfohlen werden. Der Umstand, dass das Buch nicht nur bei den praktischen Landd 3 wirten seit langem eingebürgert ist, sondern dass dasselbe auch an sehr vielen landwirtschaftlichen Schulen als Lehrbuch gebraucht wird, er- forderte eine Vervollständigung mehrerer Abschnitte, ohne dass jedoch die Tendenz des Buches, ein Ratgeber für den praktischen Landwirt zu sein, darunter leiden durfte. Es wurde daher auch bei den mannig- fachen Einschaltungen stets die klare und verständliche Sprache, durch welche das Buch sich gerade bei den mittleren und kleineren Land- „ wirten sowie in den Schulen einer 80 Brossen. Beliebtheit erfreut, sorg fältig beibehalten. Eiine besondere Bereicherung hat diese neue 13. Auflage dadurch erfahrem dass die wichtigsten Schläge von Rind, Schaf, Schwein und 8““ Pferd und die dem Pflanzenbau schädlichsten Insekten auf 17 Tateln adgebildet wurden, und zwar naturgetreu in Farben. Selbst die besten schwarzen Abbildungen im Text vermögen Farben- Gruchtateln nicht zu ersetzen, und der Schlipf wird dadurch noch wieder mehr Freunde gewinnen. Trotz dieser 17 Farbendrucktafeln, vielfacher Frweiterungen und „. Einschaltungen in Text und Abbildungen wurde der Preis des gut ge- bundenen, in grosser Schrift gedruckten, 586 Seiten grossen Formats 4 umfassenden, mit 415 Textabbildungen versehenen Buches auf nur 7 Mark festgesetat, so dass man behaupten kann, in Anbetracht des Gebotenen ist der»Schlipfe das billigste landwirtschaftliche Buch. Zu beziehen durch jede Buchhandlung. Vellagsbuchhandlung Faul Parey in Berlin 1— EM amnien nn en ausir Leichtverständlicher Ratgeber, khrnie Rinder, Schafe Schweine. Hunde und Gellge Lu schützen und zu heilen. AAus der Praxis für die Praxis bearbeitet von Dr. L. Steuert, Professor an der landw. Akädemie in Weihenstephan. Mit 300 Tautabbildungen. Gebunden, Pyeis 5 M. In der übersichtlichsten, zuverlässigsten Weise behandelt der langjähriger Bezirkstierarzt praktisch erfahrene und bewährte Verfasser für jedes einzelne Haustier die inneren und äusseren Krankheiten, giebt die Behandlungsweise und Heilmittel an, belehrt über die Anzeigepflicht bei ausbrechenden Seuchen und giebt Anweisung zur Zusammenstellur einer Hausapotheke. Winke über Viebkauf und Verkauf, Ratschläge für Viehtransport, Viehversicherung und für die spezielle Pflege der zu Schauf bestimmten Tiere etc. etc, das alles macht den Inhalt dieses vortreſſilehen für jeden Viehbesitzer unentbehrlichen Buches aus. Der Guts- Sekretar. Praktische, durch Beispiele erläuterte Anleitung zur Aofaseung aller schriftlichen Arbeiten des andwi in Beruf und Verwaltung. 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Erscheint Mittwochs und Sonnabends. NWochentlich eine Handeſsbeiſage. Monat/ich eine farbendruecktafe. Durch jedes deutsche Postamt bezogen, Preis wierteljährlich 5 M. Die»Deutsche Landwirtschaftliche Presse« ist nach Inhalt und Ausstattung eine Fachzeitung grossen Stils und hat eine zweitache Aufgabe: sie dient einerseits der Förderung der agrarischen interessen in der Wirtschaftspolitik und andererseits dem Fortschritte der Wissenschaft und Praxis von Ackerbau, Viehzucht und den landwirtschaftlichen Ge- werben. Die»Deutsche Landwirtschaftliche Presse« enthält beste fach- männische Artikel über rationelle Technik und Betriebsweise der Land- Wirtschaft, welche durch reiche und künstlerische Textabbildungen und 1 arbendruckbeilagen illustriert sind. WMegen der grossen Verbreitung bestes Blatt für alle landhrirtsch. Anzeigen. Die Einheitszeile oder deren Raum 35 Pf. Probenummern mit Handelsbeilage umsonst und postfrei. lentzel und von Lengerkes Lunirteatſae Hülfs- und Schreib- Kalender — 52. Jahrgang. Lierausgeg. von Dr. H. Thiel, Ministerialdirektor im Ministerium für Landwirtschaft ete. I. Teil(Taschenbuch) gebunden.— II. Teil(Jahrbuch) geheftet. Ausgabe mit ½ Seite weiss Papier pro Tag. In Leinen geb. 2,50 M., in Leder geb. 3 M. Ausgabe mit ½1 Seite weiss Papier pro Tag. In Leinen geb. 3 M., in Leder geb. 4 M. Der Mentzel und von Lengerke'sche Kalender folgt mit seinem ganzen Inhalt den modernen Bedürfnissen der Landwirtschaft, und nach wie vor wird er sich be- währen als ein Freund des Landwirts, wie man ihn oft lobend bezeichnet. 3 Der I. Teil, das gebundene Taschenbuch, dessen Formulare für wirtschaftliche Eintragungen der verschiedensten Art von über 35 Tausend Landwirten jahraus jahrein benutzt werden, enthält ausserdem Tabellen für Berechnungen, wie sie sich täglich im praktischem Betriebe aufwerfen, Tabellen, welche absolut unentbehrlich sind, und es erklärlich machen, dass der»Mentzel« in der Rocktasche jedes Landwirts zu finden ist. Der II. Teil, das Jahrbuch, enthält alljährlich auf das Peinlichste revidierte Zu- sammenstellungen über die landw. Behörden, es sind ferner die landw. Berufsgenossen- schaſten, die landw. Genossenschafts-Vorstände, die Landwirtschaftskammern, die Zuchtgenossenschaften, die landw. Vereine, ebenso wie die landw. Unterrichtsanstalten und Versuchsstationen aufgeführt. Ferner enthält dieser Teil alljährlich einen für praktische Landwirte lehrreichen Artikel. Zu beziehen durch jede Buchhandlung. “ v“ 35 “ 1 eeen. 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