— e Verlagsbuchhandlung Paul Parey in Berlin SW., Hedemannstr. 10. Jeder Band EK Preis des Bandes einzeln Käuflich. THA ER-BIBLI 0TH iIn Leinen geb. 2 M. 50 Pf. Ackerbau und Düngerwesen. Urbarmachung und Verbesserung des Bodens von Ok.-Rat Dr. R. Buerstenbinder. Praktische Bodenkunde von Dr. A. Nowacki, Professor in Zürich. 3. Auflage. Käufliche Düngestoffe von Dr. A. Rümpler in Breslau. 4. Auflage. Anwendung künstlicher Düngemittel von Geheimrat Professor Dr. Paul Wagner in Darmstadt. Wolff's Praktische Düngerlehre. 0A.g 13. Aufage. Wolff's Anleitung zur chem. Untersuchung landw. Stoffe. 1 4. Auflage. Pflanzenbau. 8 2 Tabaksbau von A. Freiherrn von Babo in Klosterneuburg. 3 Auflage. Wiesen- und Weidenbau von Dr. F. Burgtorf, Direktor in Herford.. Auflage. Feldholzzucht, Korbweidenkultur etc. von R. Fischer in Berlin. Hopfenbau von C. Ernwirth, Professor in Hohenheim. Gekrönte Preisschriſt. Anbau der Hülsenfrüchte von C. Pruwirth, Professor in Bohenheim. Braugerste von H. Heine. Gekrönte Preisschrift Lupinen- und Serradellabau von Kette-Jassen und König-Zörnigall..Aufage. Rübenbau von Knauer auf Gröbers bei Halle a. S.. Auflage. Flachsbau und Verarbeitung von R. Kuhnert in Marburg. Landw. Futterbau von Dr. William Loebe-Lcipzig. Samen und Saat von Dr. William Loebe-Leipzig. Ernährung der landw. Kulturpflanzen von Dr. Ad. Mayer, Pcof. in Wageningen. 2. Auflage. Getreidebau von Dr. A. Nowacki, Professor in Zürich. Gekrönte Preisschrift. Auflage. Risler's Weizenbau. Herausgegeben von Amtsrat Dr. w. Rimpau in Schlanstedt. Kartoffelbau von Geheimrat Dr. H. Werner, Professor in Berlin. Krankheiten der landw. Nutzpflanzen von professor Dr. Wolf. Forstkulturen von Urff, Kgl. Forstmeister in Neuhaus bei Berlinchen. Auflage. 3 Tierzucht und Fütterungslehre. Berlepsch' Bienenzucht. Bearbeitet von G. Lehzen in Hannover. Auflage. Zoologie für Landwirte von Dr. J. Ritzema Bos, Professor in Amsterdam.. Auflage. Rindviehzucht von Dr. V. Funk, Direktor in Zoppot. 4. 1 Wirtschaftsfeinde aus dem Tierreich von Dr. G. von Hayek, Professor in Wien May's Schweinezucht. Bearbeitet von E. Meyer-Friedrichswerth. Bakterienkunde für Landwirte von Dr. W. Migula in Karlsruhe. Pribyl's Geflügelzucht, neubearbeitet von Oberstleutnant a. D. Sabel in Trier. 4. Auflage. Wolff's Landwirtschaftliche Fütterungslehre. 7. Betrieb. Auflage. . Auflage. Auflage. Auflage. Birnbaum's Landw. Taxationslehre. 2. Auflage. Landw. Betriebslehre von Geheimrat Dr. Freiherr v. d. Goltz, Professor in Poppelsdorf. Landw. Buchführung von Geheimrat Dr. Freih. v. d. Goltz, Prof. in Poppelsdorf. 8. Auflage. Langethal's Geschichte d. Landwirtschaft bearb. v. Michelsen u. Nedderich. 3. Aufage. Rechtsbeistand des Landwirts von M. Löwenherz, Amtsgerichtsrat in Köln. An- und Verkaufs-Genossenschaften von H. v. Mendel, Landesökonomierat in Halle. Das Schriftwerk des Landwirts von C. Petri in Hohenwestedt. 2. Auflage. Wirtschaftsdirektion d. Landgutes von Geh-Rat Dr. A. Thaer, Prof. in Giessen. 3. Auflage. Baukunde. Ziegelei von Zieuelei-Ingenieur O. Bock in Berlin. Kalk-Sand-Pisébau von Baurat F. Engel. Bearbeitet von H. Hotop. Pferdestall(Bau und Einrichtung) von Baurat F. Engel in Berlin. Viehstall(Bau und Einrichtung) vo E. Engel in Berlin. Bauernhof(Anlage und Einrichtung] von G. J aspers, Generalsekretär in Osnabrück. Schubert's I,dw. Baukunde. Neßbist biReg. Baumeister G. Meyer in Buxtehude. 6 Geflügelställe(Bau und Einrichtur von Architekt A. Schubert in Höxter. Kalk-, Gips- und Zementfabrikät Fon H. S te gmann in Braunschweig. Zu beziehen durén jèdé Buchhandlung. 2. Auflage. 4. Auflage. 2. Auflage. 2. Auflage. . Auflage. Auflage. 2. Auflage. ullage. uflage. ufage. nfage. uflage. ufage. uflage. ufage. ufage. ufage. ufage. uflage. uflage. ufage. 3 uflage. uflage. ufagr. ufage. uflage. uffage. ufage. uflage. ufage. ufage. Verlagsbuchhandlung Paul Parey in Berlin SW., Hedemannstr. 10. leder Band— Preis des Bandes elnzeln käufllch. THAER BIBLIOTHEK in Leinen geb. 2 M. 50 Pf. Landwirtschaftliche Gewerbe. Apfelweinbereitung von Dr. Ernst Kramer in Klagenfurt. Bierbrauerei von Dr. C. J. Lintner, Professor in München. 2 Milchwirtschaft von Dr. William Loebe in Leipzig. 2 Anleitung zum Brennereibetrieb von Geh.-Rat Prof. Dr. Maercker in Halle a. S. 2 Die Milch und ihre Produkte von A. Otto in Halle a. S. Stärkefabrikation von Dr. F. Stohmann, Professor an der Universität in Leipzig. Kulturtechnik, Maschinenkunde, Ingenieurwesen. Der Petersensche Wiesenbau von Dr. E. Fuchs in Kappeln. Landw. Plan- und Situationszeichnen von H. Kutscher in Hohenwestedt. Behandlung der Lokomobilen von Professor Paul Lazar in Budapest. Perels' Ratgeber bei der Wahl Landw. Geräte und Maschinen. .Auflage. . Auflage. . Auflage. .Auflage. Schubert's Landw. Rechenwesen. Bearb. von H. Kutscher in Hohenwestedt. 4. Auflage. Dynamite von Isidor Trauzl, Ingenieur in Wien. 3 3 Be- und Entwässerung der Acker und Wiesen von Gk.-Rut L. Vincent. 4. Auflage. Feldmessen und Nivellieren von Dr. A. Wüst, Professor in Halle. 4. Auflage. Der Landwirt als Kulturingenieur von Pr. Zaji Cek, Professor in Mödling. Veterinärwesen. Englischer Hufbeschlag von fl. Behrens, Lehrschmied in Rostock. 2. Auflage. Eingeweidewürmer der Haussäugetiere von Dr. J. Dewitz in Berlin. Heilungs- und Tierarzneimittellehre von F. Plemming, Grossh. Tierarat in Lübz. Physiologie und Pathologie der Haussäugetiere von F. Flemming, Tierarzt in Lübz. Innere Krankheiten der Idw. Haussäugetiere von F. Grosswendt, Kgl. Oberrossarat. Gesundheitspflege der landw. Haussäugetiere von Med.-Rat Prof. Dr. Johne in Dresden. Landw. Giftlehre von Dr. G. Mäller, Professor in Dresden. Der kranke Hund von Dr. G. Müller, Professor in Dresden. Der gesunde Hund von Dr. G. Müller, Professor in Dresden. Beschlagkunde von Dr. A. von Ruoff in Stuttgart.. ussere Krankheiten der Idw. Haussäugetiere von E. Zo rn, Kgl. Korpsrossarzt. Geburtsbilfe von Amtstierarzt Tapken in Varel. 2. Auflage. Jagd, Sport und Fischerei. 8 Künstliche F ischzucht von M. von dem Borne auf Berneuchen. 4. Auflage. Süsswasserfischerei von M. von dem Borne auf Berneuchen. Teichwirtschaft von M. von dem Borne auf Berneuchen. 4. Auflage. Goedde’s Fasanenzucht. Bearbeitet von Fasanenjäger Staffel in Fürstenwald. 3. Auflage. Die Jagd und ihr Betrieb von A. Goedde, Herzogl. Jägermeister in Coburg 2. Auflage. J agd-, Hof- und Schäferhunde von Lieutenant Schlotfeldt in Hannover. Ratgeber beim Pferdekauf von Stallmeister B. Schoenbeck in Höxter. 2. Auflage. Wicdersetzlichkeiten des Pferdes von Stallmeister B. Schoenbeck in Höxrer. Reiten und Fahren von Major R. Schoenbeck in Berlin. 3. Auflage. Gartenbau. 3 Gehölzzucht von J. Hartwig, Grossherzogl. Hofgarteninspektor in Weimar. 2. Auflage. Gewächshäuser von J. Hartwig, Grossherzogl. Hofgarteninspektor in Weimar. 2. Aufage. Weinbau von Ph. Held, Gartenbau-Inspektor in Hohenheim. Meyer'’s Immerwährender Gartenkalender. 3. Auflage. Obstbau von R. Noack, Grossherzogl. Hofgarteninspektor in Darmstadt. 3. Auflage. Gartenblumen(Zucht und Pflege) von Th. Rümpler, General-Sekretär in Prfurt. 2. Auflage. Rümpler's Zimmergärtnerei. Bearbeitet von W. Mönkemeyer in Leipzig. 3. Auflage. Obstbaumkrankheiten von Professor Dr. Paul Sorauer in Proskau. Gärtnerische Veredlungskunst von O. Teichert. Bearbeitet von Fintelmann. 2. Auflge. 2 Gemüsebau ven B. von Uslar in Hannover. 3. Aufiage. Zu beziehen durch jede Buchhandlung. Verlac buchhandlung Pauj Pe in Berlin SW., Hedemannstr. 10. Landwirtschaftliche Unterrichtsbücher. Ackerbau von Direktor Dr. Droysen-Herford und Direktor Dr. Gisevius-Dahme. Vierte Auflage. Mit 175 Textabbildungen. Geb., Preis 1 M. 60 Pf. Ackerbaulehre von H. Biedenkopf, Landw. Lehrer in Chemnitz. Mit 33 Textabbildungen. Geb., Preis 1 M. 40 Pf. Düngerlehre von Direktor 4A. Conradi in Hohenwestedt. Preis 60 Pf. Grundzüge der Agrikulturchemie von Dr. Otto. Mit 44 Textabb. Geb., Preis 4 M. Bodenkunde von Direktor A. Wirtz in Odenkirchen. Preis 50 Pf. Bodenkunde von Dr. W. Lilienthal, Lehrer in Schönberg. Mit 6 Textabbild. Geb., Preis 1 M. Mineralogie n- Gesteinslehre von V. Uhrmann, Direktor der Landw. Schule in Anna- berg i. S. Zweite Auflage. Mit 26 Textabbildungen. Geb., Preis 1 M. Pflanzenbau von Direktor Dr. Birnbaum. Vierte Auflage, bearbeitet von Direhtor Dr. Gisevius in Dahme. Mit 217 Textabbildungen. Geb., Preis 1 M. 60 P Wiesenbau von H. Kutscher. Zweite Auflage. Mit 67 Textabbild. Geb., Preis 1 M. 20 Er Lehrbuch d. Botanik für Landwirtschaftsschulen und andere höhere Lehranstalten von Oberlehrer Dr. G. Heyer in Dahme. Mit 285 Textabbildungen. Geb., Preis 2 M. Leitfaden der Botanik von Dr. G. Meyer, Oberlehrer in Dahme. Mit 248 Textabb. Geb., Preis 1 M. 50 Pf. Viehzucht von Prof. V. Patzig. Vierte Auflage. Mit 107 Textabb. Geb., Preis 10M. 60 Pf. Fütterungslehre von Direktor A. Conradi. Zweite Auflage. Geb., Preis 1 M. 20 Pf. Bau und Leben der landwirtschaftl. Haussäugetiere von Dr. E. Laur in Brugg. Mit 91 Textabbildungen und 5 Tafeln. Zweite Autflage. Geb., Preis 1 M. 20 Pf. Wirtschaftsbetrieb von Dr. P. Gabler, Lehrer in Eldena. Kart., Preis 1 M. 20 Pf. Betriebslehre von Direktor A. Conradi in Hohenwestedt. Zweite Aufl. Geb., Preis 1 M. Wirtschaftslehre von Direktor Dr. V. Funk in Zoppot. Vierte Anflage. Geb., Preis 1 M. Taxationslehre von C. Petri, Lehrer in Hohenwestedt. Geb., Preis 1 M. 60 Pf. Betricbseinrichtung kleinerer Wirtschaften v. Ok.-Rat Dr. Salfeld in Lingen. Preis 60 Pf. Landw. Betriebslehre von Dr. B. Roth in Chemnitz. Vierte Aufl. Geb., Preis 1 M. 40 l f. Landmanns Buchführung von Dr. H. Clausen, Direktor in Heide. Geb., Preis 1 M 20 Pf Selbstrerwaltungsämter, VYorbersitung für staatliche und kommunale. Von(. Petri, Lehrer in Hohenwestedt. Zweite Auflage. Geb., Preis 1 M. 20 Pf Rechenbuch für niedere u. mittlere landw. Lehranstalten von L. Lemke, Lehrer in Stargard I. Teil. Zweite Aufl. Geb., Preis 1 M. 40 Pf. II. Teil. Mit 112 Textabb. Geb., Preis 2 M. Lösungen(für beide Teile). Preis 1 M. Rechenbuch für Ackerbauschulen und landw. Winterschulen von P. Knak, Lehrer in wittstock. Zweite Auflage. Geb., Preis 1 M. 20 Pf. Lösungen. Preis 1 M. Geometrie, Feldmessen u. Nivellieren von H. Kutscher, Lehrer in Hohenwestedt. Zweite Auflage. Mit 164 Textabbildungen. Geb., Preis 1 M. 40 Pf. Geometrie der Ebene von Prof. L. Bosse in Dahme und Prof. H. Müller in Eldena. Mit 200 Textabbildungen. Geb., Preis 1 M. 20 Pf. Stereometrie von Prof. L. Bosse und Prof. H. Müller. Mit 30 Textabbildungen. Preis 50 Pf. Algebra von Prof. L. Bosse in Dahme u. Prof. H. Müller in Eldena. Preis 11M 80 Pf. Feldmess- und Nivellierkunde und Drainieren von Chr. Nielsen, Oberlehrer in Varel. Zweite Auflage. Mit 3 Tafeln und 102 Textabbildungen. Geb., Preis 2 M. Physik von M. Hollmann. Oberlehrer. Dritte Aufl. Mit 152 Textabb. Geb., Preis 1 M. 30 Pf. Lehrbuch der Physik von Dr. Lautenschläger in Samter. Geb., Preis 2 M. 80 Pf. Chemie von P. J. Murzel, Direktor in St. Wendel. Zweite Auflage. Geb., Preis 1 M. 20 Pf. Chemie von A. Maas, Lehrer in Wittstock. Mit 10 Textabbild. Geb., Preis 1 M. 60 Pf. Chemie für Ackerbau- u. landw. Winter-Schulen von W. Wellershaus, Landwirtschaftslehrer. I. Teil: Anorganische Chemie. Preis 50 Pf. II. Teil: Organische Chemie. Preis 50 Pf. Meyer's Forstwirtschaft. Zweite Aufl. bearb. v. Oberförster Berlin. Geb., Preis 1 M. 20 Pf. Obst- u. Gemüsebau von Otto Nattermüller. Mit 70 Textabbild. Geb., Preis 1 M. 50 Pf. Deutsche Gedichte, herausgeg. von Dr. R. Schultz in Marggrabowa. Geb., Preis 2 M. Deutsches Lesebuch für Ackerbauschulen. landw. Winterschulen und ländl Portbildungs- schulen v. W. Hollmann in Thorn u. P. Knak in Wittstock. Zweite Aufl. Geb., Preis 2 M. Lehr- u. Lesebuch für läandl. Portbildungsschulen. Herausgegeben v. Deissmann u. A. Zweite Auflage. Geb. Preis 2. M. Zu beziehen durch jede Buchhandlung. ——— 6 Walter Dix Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüdttumg WM S.„* an der Justus Liebig-Hochschule Giessen, Ludwigstr. 23 7 F 2 3 Zoologie für Landwirte Dr. J. Ritzema Bos, Direktor des phytopathologiſchen Caboratoriums Willie Commelin Scholten in Amſterdam, Prof. an der Univerſität daſelbſt und an der land⸗ und forſtwirtſchaftlichen Hochſchule in Wageningen. Dritte, verbeſlerte Auflage. Mit 194 Textabbildungen. Berlin. Verlagsbuchhandlung Paul Parep. Verlag für Landwirtſchaft, Gartenbau und Forſtweſen. SW., Hedemannſtraße 10. 1900. Üüberſetzungsrecht vorbehalten. Vorwort zur dritten Auflage. Im Jahre 1892 erſchien die erſte Auflage dieſes Leitfadens. Mein Hauptzweck war, den landwirtſchaftlichen Lehranſtalten ein Buch zu bieten, welches eine möglichſt gedrungene Überſicht der Zoologie gab, zugleich aber die dem Ackerbaue, ſowie der Viehzucht ſchädlichen und nützlichen Tiere eingehender behandelte. Ich wollte das Buch aber auch ſo einrichten, daß dasſelbe ſich zum Selbſtſtudium des praktiſchen Landwirts eignete, und namentlich die abgehenden Schüler der land⸗ wirtſchaftlichen Lehranſtalten es im ſpäteren Leben mit Nutzen gebrauchen konnten. ¹1) Darum wurde in der zweiten Auflage(1896) ein alpha⸗ betiſches Regiſter zum Nachſchlagen aufgenommen. Auch wurden in dieſer Auflage, mehrfach ausgeſprochenen Wünſchen zufolge, die ſchäd⸗ lichſten Feinde des geſpeicherten Getreides, der Obſtbäume, der Gemüſe, ſogar einige ſehr bedeutende Schädlinge der Waldbäume behandelt. Weil mehrere Lehrer an Winterſchulen mir mitteilten, für ihren Unter⸗ richt ſei die Behandlung der Kleintiere nach den Kulturgewächſen zweck⸗ mäßiger, während ich andererſeits für Schulen mit längerem Kurſus die Reihenfolge der Schädlinge und Nützlinge nach dem zoologiſchen Syſtem beibehalten mußte, ſo wurde in der zweiten Auflage am Ende des Buches ein kurzes Verzeichnis der Schädlinge nach den Lebensorten geordnet gegeben, mit deſſen Hilfe es dem Lehrer Lacht, wurde, den für ſeinen Unterricht zweckmäßigſten Gang ſelbſt aus⸗ zuſuchen.—„ Weſentliche Änderungen ſind bei der Bearbeitung der dritten Auflage nicht vorgenommen worden; mehrfach ausgeſprochenen Wünſchen zufolge aber ſind einige Abbildungen der inneren Organe verſchiedener Tiergruppen zugefügt. Den verkleinerten Tierabbildungen iſt überall der natürliche Maßſtab beigegeben. Ich hoffe, daß durch oben genannte, ſowie durch einige andere Änderungen der Band ſeinem Zwecke noch mehr als früher entſprechen möge. Amſterdam, Frühling 1900. Prof. J. Ritzema Bos. ¹) Den Landwirt, welcher ausführlichere Belehrung ſucht und über tieriſche Schädlinge des Ackerbaues, der Viehzucht, des Gartenbaues, der Obſt⸗ baumzucht, ſowie der Forſtwirtſchaft ein Nachſchlagebuch haben will, erlaube ich mir auf das folgende, von mir in gleichem Verlage herausgegebene größere Werk hinzuweiſen: Tieriſche Schädlinge und Nützlinge für Ackerbau, Viehzucht, Wald⸗ und Gartenbau. Lebensformen, Vorkommen, Einfluß und die Maß⸗ regeln zu Vertilgung und Schutz. Praktiſches Handbuch von Dr. J. Ritzema Bos. Mit 477 eingedruckten Abbildungen. Preis 18 M., geb. 20 M. Inhalt. Seite Einleitung. I. Einteilung des Tierreichs. 1 II. Überſicht über den Körperbau und die Lebenserſ ſcheinungen der Tiere 2 Erſter Kreis: Wirbeltiere(Vertebrata)............ 16 Klaſſe 1. Säugetiere(Mammalia)............ 21 Ordnung der Raubtiere(Carnivora ee Perae)....... 24 Familie der Katzen(Felida).............. 25 Familie der Hunde(Canina)....... 26 (Haushund, Wolf, Fuchs S. 27.) Familie der Marder(Mustelina).. 27 (Baum⸗ oder Edelmarder, Stein⸗, Haus⸗ oder Dachmarder S. 27; Iltis oder Ratz, Srettchen, Hermelin oder großes Wieſel S. 28; kleines Wieſel S. 29; Nörz S. 30; Fiſchotter, Dachs S. 31). Ordnung der Inſektenfreſſer((Insectivora)........... 31 (Spitzmäuſe S. 32; Maulwurf S. 33; Igel S. 35.) Ordnung der Fledermäuſe(Chiroptera)............. 35 Ordnung der Nagetiere(Glires= Rodentii)......... 36 Familie der Haſen............ 37 (Haſe S. 37; Kaninchen S. 38.) Familie der Mäuſe(Murida).... 38 (Hamſter, Haus⸗ und Wanderratte S. 39; Hausmaus, Waldmaus S. 40; Brandmaus, Zwergmaus S. 41.) Familie der Wühlmäuſe(Arvicolida) 41 (Waldwühlmaus, Wühlratte S. 41; Erdwolf, Ackermaus, unterirdiſche Wühu⸗ maus, Feldmaus S. 42.) Familie der Murmeltiere(ArCtomyida)............. 44 (Alpenmurmeltier, Zieſel S. 44.) Familie der Eichhörnchen(Sciurida)............ 45 Ordnung der Wiederkäuer(Ruminantia)...... 46 Familie der Hirſche(Cervida)......... 46 (Edelhirſch S. 47; Reh, Damwild S. 48.) Ordnung der Vielhufer oder Dickhäuter Araltungülae Pachydermata) 49 (Wildſchwein S. 49.) Ordnung der Ehufer(Solidungula).......... 49 Klaſſe 2. Vögel(Aves)........... 50 Ordnung der Raubvögel(Raptatores)............ 53 Ordnung der Klettervögel(Scansores)............. 55 (Kuckuck S. 55.) Familie der Spechtvögel(Picida)............... 56 (Wendehals S. 56; Spechte S. 57.) Ordnung der Singvögel(Passeres)............. 57 Gruppe der Schwalben(Hirundinida)........... 57 (Schwalben, Segler, Nachtſchwalben S. 58, 59.) Gruppe der Dünnſchnäbler(Tenuirostres)...... 59 (Blauſpecht, Spechtmeiſe, Baumläufer, Wiedehopf S. 59, 60.) Gruppe der Großſchnäbler(Magnirostres)... 60 (Star S. 60; Krähen, Dohle, Rabe S. 61; Elſter, Eichelhäher S. 62.) Gruppe der Kezelſchnäbler ln rostren)... 62 (Meiſen, Lerchen, Ammern, Finken S. 62; Sperlinge S. 63; Bluthänfling, Buchfink S. 64.) Gruppe der Pfriemenſchnäbler(Subulirostres).. 65 (Bachſtelzen, Pierberarten, Heckenbraunelle, Sänger, Nachtigall, Sprroſſer, Rotkehlchen, Rotſchwänzchen, Grasmücken, Laubvögel, Rohrſänger, Gold⸗ hähnchen S. 65; Zaunkönig, Droſſelarten S. 66.) Ordnung der Tauben(Gyrantes).. 66 (Ringel⸗, Holz⸗ oder Kohltaube S. 67; Hohl⸗, Turtel⸗, Feiſentaube S. 6s.) Ordnung der Hühnervögel(Rasores)... 68 Ordnung der Sumpfvögel(Orallatores)............ 69 Ordnung der Schwimmvögel(Natatores)........... 70 53 Inhalt. Familie der Entenvögel(Lamellipostpes) (Schwäne, Gänſe, Enten S. 71, 72.) Familie der Möwenvögel(Longipennes) Vogelſchutz.. Klaſſe 3. Kriechtiere Reptilia) Klaſſe 4. Lurche(Amphibia). Klaſſe 5. Fiſche(Pisces). Zweiter Kreis: Gliedertiere(Arthropoda) Klaſſe 1. Inſekten oder Kerfe(Inseeta) Erſte Ordnung: Käfer(Coleoptera) 4 Familie der Laufkäfer(Carabidae). (u. a. Getreidelaufkäfer S. 90.) Familie der Kurzflügler(Staphylinidae) Familie der Aaskäfer(Silphidae).. Familie der Glanzkäfer(Nitidulae). Familie der Geheimfreſſer(Ciuhtopiagidae) (u. a. Zuckerrübenkäferchen S. Familie der Fächerfühler hen ee nornia). (Maikäfer S. 94; Gartenlaubkäfer, Roggentüferchen 8. 95. Familie der Schnelltäfer(Elateridae). Familie der Rüſſelkäfer(Curculionidae). (Samenkäfer S. 99; Blattrandkäfer, Mauszahnrüßler S. 100; Verborgenrüßler 4 S. 101; Apfelblütenſtecher S. 102; Kornkäfer S. 103; Kieferirüſſelkäfer. 404.) Familie der Borkenkäfer(Scoly tides). (Fichtenborkenkäfer, Waldgärtner S. 106; mimeiſplinikäfer S. 167.) Familie der Bockkäfer(Cerambycidae).. Familie der Blattkäfer(Chrysomelidae).. (Coloradokäfer S. 108; Schildkäfer S. 110; Erdflöhe S. 110— 112.) Familie der Marienkäferchen oder Blattlauskäfer(Coccinellidae). Zweite Ordnung: Geradflügler(Orthoptera)... (Wanderheuſchrecke S. 114; Maulwurfsgrille S. 115.) Dritte Ordnung: Netzflügler(Neuroptera). Vierte Ordnung: Hautflügler ſiymenoptera): Familie der Bienen(Apidae). Familie der Weſpen(Vespidae) Familie der Grabweſpen(Fossores Familie der Ameiſen(Formicidae).. Familie der Schlupfweſpen(Ichneumonidae) 3 Familie der Gallweſpen(Cynipidae)... Familie der Blattweſpen(Tenthredinidae)........... Giübenelautweſwe, Stachelbeerblattweſpe S. 127; Pflaumenblattweſpe, Buſch⸗ hornblattweſpe S. 128.) Familie der Holz⸗ und Halmweſpen(Uroceridae).. Fünfte Ordnung: Schmetterlinge(Lepidoptera). Familie der Tagfalter(Diurna). (Kohlweißling S. 131; Rübenweißling, decke nweißiind 3 133. Familie der Schwärmer(Sphingidae).. Familie der Holzbohrer(Xylotropha) Familie der Spinner(Bombycidae). Familie der Eulen(Noctuidae). (Erdraupen S. 137; Kohleule S. 139; Gemüſeeule S. 140; Erbſen⸗, Gras⸗ wurzel⸗, Quecken und Graseulen S. 141—143; Gammaeule G. 142 Familie der Spanner(Geometridae) 3. Familie der Zünsler(Pyralidae).. (Roggenzünsler S. 145; Hopfenzünsler, Kohlzünsler S. 146; Pfeifer, Wachs⸗ ſchabe S. 147.) Familie der Wickler(Tortricidae) 4 (Erbſenwickler S. 148; Apſelwicke e S. 149.) Familie der Motten oder Schaben(Tineida).. (Kümmelmotte S. 150; Kohlſchabe, Kornmotte S. 151.) Sechſte Ordnung: Halbflügler(lemiptera) Gruppe der Zirpen(Cicadina).. (Sechsfleckige Kleinzirpe S. 153.) Familie der Blattläuſe(Aphidina) (Blutlaus, Reblaus S. 156.) VI Siebente Ordnung: Blaſenfüßer G hasoboda) Achte Ordnung: Zweiflügler(Diptera Familie der Stechmücken(Culicinae). Familie der Gallmücken(Gallicolae) (Heſſenfliege S. 158; kirſchrote Weizengallmücke, citronengelbe Weizengall⸗ .) mücke S. 160 Familie der Schnauzenmücken(Rostratae). Inhalt. ) Familie der Fliegenmücken(Muscaeformès] (Kriebelmücken S. 164) Familie der Bremſen(Tabanidae) Familie der wahren Fliegen(Muscidae) (Raupenfliegen S. 165; Fleiſchfliegen, Gemeinfliegen, Blumenfliegen S. 166; Käſefliege S. 167;— Grünaugen: Halmfüjege S. 168; Frütfliege 6. 170. Familie der Schwebfliegen(Syrphidae). Familie der Stechfliegen(Stomoxydae). Familie der Bremsfliegen(Oestridae (Ochſenbiesfliege S. 174; Schafbiesfliege S. 175; Magen⸗ und Darmbrems⸗ fliegen S. 176.) Familie der Lausfliegen(Pupipara) Neunte Ordnung: Flöhe(Aphaniptera). Zehnte Ordnung: Läuſe(Parasita). Klaſſe 2. Tauſendfüßer(Myriop Klaſſe 3. Spinnentiere(Arachnoidea) Ordnung der milbenartigen Spinnentiere Kearidea) Familie der echten Milben(Acarida) (Krätz⸗ oder Räudemilben S. 181.) Familie der Zecken(IXodida). Familie der Käfermilben(Gamasida). 3 Familie der Laufmilben(Trombidiida). Ellanzenpigne S. 187.) Klaſſe 4. Kruſtentiere(Crustace Dritter Kreis: Würmer(Vermes). Klaſſe der Gliederwürmer(Anne (Regenwürmer S. 189.) Klaſſe der Rundwürmer(Nematelminthes). 0da) a.). lida) Ordnung der Spulwürmer(Nematodes). (Spulwürmer im Darm S. 192.) Familie der Paliſſadenwürmer(Strongylida). Familie der Peitſchenwürmer(Trichotrachelida) (Trichine S. 195.) Familie der Bindegewebswürmer(Filarid. 2) Familie der eigentlichen Spulwürmer(Ascarida) Familie der Älchen(Anguillulida) (Stengelälchen S. 198; Weizenälchen S. 202; Rübennematode S. 203; Wurzel⸗ älchen S. 207.) Klaſſe der Plattwürmer(Plabalminthes). Ordnung der Bandwürmer(Cestoda). Ordnung der Saugwürmer(Tremato (Leberegel S. 214.) da) Vierter Kreis: Weichtiere(Mollusca) Klaſſe der Kopffüßer(Cephalopo Klaſſe der Bauchfüßer oder Schnecken(Gastropoda) (Graue Ackerſchnecke S. 221.) Klaſſe der Muſcheltiere(Lamellibranchiata). Fünfter Kreis: Stachelhäuter(Echinodermata). da) Sechſter Kreis: NAeſſeltiere(Coelenterata) Siebenter Kreis: Artiere(Protozoa) Verzeichnis der Schädlinge, nach den Lebensorten geordnet Seite 157 157 157 158 162 164 164 165 173 173 173 — Seite 157 . 157 . 15 . 158 . 16² . 164 . 164 . 165 6; 0.) .179 173 173 173 178 .1²9 .180 180 . 181 181 ʒ.. 186 .. 187 . 148* .. 188 . 188 . 189 . 191 .101 tzel⸗ 192 195 197 197 198 . 207 207 213 .218 219 22²0 24 222 223 225 t. 26 Einleitung. I. Einteilung des Tierreichs. Es giebt Tiere, die einander ſo ähnlich ſind, daß man ihnen den⸗ ſelben Namen giebt. Man zählt ſolche Tiere zu derſelben Art. Tiere, welche zwar ſo ſehr verſchieden ſind, daß ſie zu verſchiedenen Arten ge⸗ zählt werden müſſen, die jedoch in den meiſten, namentlich in den wichtigſten Merkmalen übereinſtimmen, bringt man in dieſelbe Gattung. Haſe und Kaninchen, Pferd und Eſel bringt man zu verſchiedenen Arten derſelben Gattung. Einander ähnliche Gattungen werden zu einer Familie vereinigt; der Baum⸗ oder Edelmarder und der Hausmarder gehören beide zur Mardergattung, während das kleine Wieſel und das Hermelin verſchiedene Arten der Wieſelgattung ſind, doch ähneln ſich dieſe beiden Gattungen wieder ſo ſehr, daß man ſie zu einer Familie, zu der der Mardertiere, vereinigt.— Familien, welche nahe ver⸗ wandt ſind, bilden zuſammen eine Ordnung. So bildet die Familie der Marder zuſammen mit der der Hunde, der Katzen u. ſ. w. die Ordnung der Raubtiere, welche alle der Hauptſache nach dasſelbe Gebiß, denſelben Bau der Klauen, dieſelbe Lebens⸗ und Nahrungsweiſe haben.— Mehrere ſich aneinander anſchließende Ordnungen vereinigt man in eine Klaſſe. So bilden die Raubtiere, die Wiederkäuer, die Nagetiere u. ſ. w. verſchiedene Ordnungen der Säugetier⸗Klaſſe, während z. B. die Raubvögel, Tauben, Hühner in eine zweite Klaſſe, die der Vögel, gebracht werden. Aber ſowohl die Vögel als die Säuge⸗ tiere haben ein Skelett, deſſen Hauptſtütze die Wirbelſäule iſt; man bringt ſie deshalb in einen Kreis, den der Wirbeltiere; während die Schnecke in den Kreis der Weichtiere, der Tauſendfuß in den der Gliedertiere gebracht wird. Demgemäß teilt man das Tierreich in Kreiſe, die Kreiſe in Klaſſen, die Klaſſen in Ordnungen, die Ordnungen in Familien, die Familien in Gattungen, die Gattungen in Arten ein. Tiere derſelben Art, welche durch mehr oder weniger konſtante Unterſchiede verſchieden ſind, gehören verſchiedenen Raſſen(Kultur⸗ oder geo⸗ graphiſchen Raſſen) an.„ Es giebt zwar viele Tierarten, welche ihrem Außern nach dem Volke genügend bekannt ſind und alſo mit einem beſtimmten deutſchen Namen bezeichnet werden, doch giebt es eine weit größere Zahl von Bos, Zoologie. 3. Auflage. 1 2 Überſicht über den Körperbau und die Lebenserſcheinungen der Tiere. Tierarten, insbeſondere unter den kleineren Tieren, für welche man keinen deutſchen Namen kennt. Man müßte alſo für dieſe Arten einen neuen Namen ausdenken.— Es können aber die deutſchen Namen große Ver⸗ wirrungen verurſachen, denn in verſchiedenen Gegenden werden oft ſehr verſchiedene Tiere mit demſeben Namen, noch öfter aber dasſelbe Tier mit verſchiedenen Namen bezeichnet. Auch werden die aufeinander folgenden Verwandlungszuſtände desſelben Tieres gewöhnlich mit ver⸗ ſchiedenen aparten Namen benannt.„Drahtwürmer“ ſind die Jugend⸗ zuſtände der„Schnellkäſer“ oder„Schmiede“, während man unter„Draht⸗ würmern“ auch eine Abteilung von in Menſchen und Tieren ſchmarotzen⸗ den Würmern verſteht. Eine Verwechſelung wird unmöglich beim Gebrauche der wiſſen⸗ ſchaftlichen Benennungsweiſe von Linné. Die lateiniſchen Namen dieſes Naturforſchers haben den großen Vorzug, daß ſie nicht nur den Namen einer gewiſſen Tierart mit Ausſchluß jeder andern geben, ſondern zu⸗ gleich die Gattung andeuten, zu welcher dieſelbe gebracht wird. Ganz in derſelben Weiſe wie jeder Menſch wenigſtens zwei Namen, einen eigenen und einen Familiennamen, hat, ſo erhält auch jede Tierart zwei Namen. Der Gattungsname geht voran; dieſen beſitzen alſo alle Tiere derſelben Gattung gemeinſchaftlich. Der zweite Name iſt der Artname, welcher ausſchließlich den Tieren derſelben Art zukommt. So bringt man Haſe und Kaninchen beide in die Gattung Lepus. Der lateiniſche Name des erſteren iſt Lepus timidus(= der furchtſame Haſe), der des zweiten Lepus cuniculus(= Kaninchen⸗Haſe). Pferd= Equus caballus, Eſel= Equus asinus. II. Überſicht über den Körperbau und die Lebens— erſcheinungen der Tiere. Als Ausgangspunkt nehme ich den Körper des Menſchen und der Hausſäugetiere, weil derſelbe meinen Leſern am beſten bekannt iſt. Die Gliedmaßen beſtehen, von außen nach innen fortſchreitend, aus: Haut, Fleiſch und Knochen. Dieſelben Beſtandteile laſſen ſich auch am Kopfe, am Halſe und am Rumpfe unterſcheiden; aber in dieſen Körperabteilungen ſchließen ſie eine Höhle ein, die Körp erhöhle, welche wieder verſchiedene Körperteile(„‚Organe“) enthält, die nicht überall an der Körperwand verbunden ſind. Beigegebene Fig. 1 zeigt einen Längs⸗ ſchnitt durch den Rumpf. Die Haut iſt mit einer Linie angedeutet, Fleiſch und innere Häute ſind ſchattiert, während die Knochen ſchwarz ſind. Dieſe Teile bilden zuſammen die Körperwand. Dieſe Wand ſchließt an der Bauchſeite eine Höhle, die Körperhöhle(Kh), ein, welche bei den Säugetieren durch das Zwerchfell wieder in zwei Höhlen (Bruſthöhle= Brh und Bauchhöhle= Bh) eingeteilt iſt. In der Bruſt⸗ höhle befinden ſich die Lungen und das Herz(); auch der Schlund — der obere Teil des Darmes— findet ſich daſelbſt;— die Bauchhöhle N —— A— 80 überſicht über den Körperbau und die Lebenserſcheinungen der Tiere. 3 enthält den Reſt des oft vielfach gewundenen Darmes, der ſich an einer Stelle zum Magen(M) erweitert; auch die mit dem Darme zuſammen⸗ hängenden Teile, z. B. die Leber, weiter die Nieren und die Milz. Bruſt⸗ und Bauchhöhle werden an ihrer Rückenſeite von der aus vielen platten Wirbeln beſtehenden Wirbelſäule begrenzt. Der oberſte Wirbel trägt den Schädel, welcher die Schädelhöhle(Schh) einſchließt, die — 2, W 29 Fig. 2. Ein Wirbel. a= der Wirbel⸗ körper; darauf ſteht der Bogen, der die Wirbelhöhle(W. h.) einſchließt und an welchem der Dornfortſatz(c), die Quer⸗ fortſätze(5), ſowie die Gelenkfortſätze befeſtigt ſind. ſich in die von den Wirbeln um⸗ ſchloſſene Wirbelhöhle(W h) fortſetzt. Schädel⸗ und Wirbel⸗ höhle bilden zuſammen eine ganz von Knochen umſchloſſene zweite Körperhöhle, welche das Gehirn und das Rückenmark enthält. Beſprechen wir jetzt die einzelnen Körperteile, zunächſt das Skelett. Die Achſe des Fkeleits dildetedie Wirbelſäule . ind gſchint KRiückgrat), welche aus platten di. 1. Sthemat lcher danaſchnntt. menich⸗ Knochen, den ſogenannten Wir⸗ beln, zuſammengeſetzt iſt. Die Wirbel(Fig. 2) beſtehen gewöhnlich aus: 1. dem Körper, der die Bauchſeite einnimmt, 2. dem Bogen, an welchem mehrere Fortſätze(Dornfortſatz, Querfortſätze, ſchiefe Fortſätze) befeſtigt ſind und der die Wirbelhöhle(W h) einſchließt. Alle Säugetiere haben ſieben Halswirbel(Fig. 3, 1); die Zahl der übrigen Wirbel kann bei den verſchiedenen Arten wechſeln. Auf die Halswirbel, die den Kopf tragen, folgen die Bruſtwirbel(beim Menſchen 12, Fig. 3, 2), dann die kräftigen Lendenwirbel(beim Menſchen 5, Fig. 3, 3). 1* 2 räddds 4 Überſicht über den Körperbau und die Lebenserſcheinungen der Tiere. Hals⸗, Bruſt⸗ und Lendenwirbel ſind unter ſich beweglich. Auf die letztgenannten aber folgen beim Menſchen fünf unbeweglich miteinander verwachſene Wirbel, welche zuſammen das Kreuzbein bilden, und dann die Schwanzwirbel. Der Menſch hat deren 4, alle wenig entwickelt und miteinander verwachſen(Fig. 3, 5); bei vielen Säuge⸗ tieren giebt es eine große Anzahl beweglich verbundener Wirbel, die einen Schwanz bilden.— An den Bruſtwirbeln ſind die Rippen gegliedert, welche bei den Säugetieren den Bruſtkorb einſchließen. Der Menſch hat 12 Rippen⸗ paare; jede Rippe beſteht aus einem hinteren knöchernen Teile und einem vorderen knorpeligen Teile. Die ſogenannten wahren Rippen(Fig. 3, 14) ſind mit dem Bruſtbeine beweglich verbunden; bei den falſchen Rippen (Fig. 3, 15) iſt dies nicht der Fall. Am Kopfe unterſcheidet man den Schädel und das Geſichts⸗ ſkelett. Erſterer umſchließt die Schädelhöhle, welche das Gehirn ent⸗ hält. Man unterſcheidet: 2 Stirnbeine(beim Menſchen unter ſich ver⸗ wachſen; Fig. 3, 6), 2 Scheitelbeine(7), 2 Schläfenbeine(8), das aus mehreren Stücken zuſammengewachſene Hinterhauptsbein(9) mit dem Hinterhauptsloche und den beiden Gelenkshöckern, das Keilbein und das Siebbein, welche die Schädelbaſis zuſammenſtellen.— Das Geſichts⸗ ſkelett beſteht aus dem Kau⸗ und Gaumenapparat und umſchließt, teil⸗ weiſe in Gemeinſchaft mit einigen Schädelknochen, die Augen⸗ und die Naſenhöhle. Es beſteht aus: dem Oberkieferknochen(Fig. 3, 12), dem Zwiſchenkieferknochen(Fig. 4, 7;— beim Menſchen ſind die 2 Oberkieferknochen und der Zwiſchenkieferknochen zu einem Stücke zuſammengewachſen), den Naſenbeinen, den Thränenbeinen, dem Pflug⸗ ſcharbeine, den Naſenmuſcheln, den Jochbeinen(Fig. 3, 11), den Gaumen⸗ beinen, dem Unterkiefer(Fig. 3, 13).(Letzterer urſprünglich aus zwei gleichen Knochen beſtehend.)— Die vorderen und hinteren Gliedmaßen ſind nach demſelben Typus gebaut und beſtehen demnach aus gleichartigen Teilen.(Vergl. Fig. 3.) Je nachdem die Funktion des einen Gliedmaßenpaares mit der des anderen mehr oder weniger übereinſtimmt, iſt auch die AÄhnlichkeit zwiſchen den beiden Gliedmaßenpaaren eine größere. Beim Rinde ähneln ſie ſich mehr als beim Menſchen, bei den Vögeln dagegen iſt die Ähnlichkeit eine viel geringere. An den beiden Gliedmaßen unter⸗ ſcheiden ſich zunächſt zwei Knochengürtel(Schulter⸗ und Beckengürtel), welche die Verbindung mit dem Rumpffkelette darſtellen, und dann die verſchiedenen Abteilungen der Gliedmaßen ſelbſt. Ich ſtelle die Teile des Armes und des Beines des Menſchen nebeneinander. Arm. Bein. J. Schultergürtel, beſtehend aus: I. Beckengürtel, beſtehend aus: Schulterblatt(Fig. 3, 17), Hüftbein(24), Schlüſſelbein, Schambein, Rabenſchnabelfortſatz. Sitzbein. +˖ ³+—— N — überſicht über den Körperbau und die Lebenserſcheinungen der Tiere. 5 Fig. 3. Das Skelett des Menſchen. 6 Überſicht über den Körperbau und die Lebenserſcheinungen der Tiere. Arm. Bein. II. Oberarm: II. Oberbein: Oberarmknochen(18). Oberſchenkelknochen(25). III. Unterarm: III. Unterbein: Elle(20), Schienbein(26), Speiche(19). Wadenbein(27). IV. Hand: IV. Fuß: 2 Reihen Handwurzel⸗ 2 Reihen Fußwurzel⸗ knochen(21), knochen(28), Mittelhandknochen(22), Mittelfußknochen(29), Finger(23). Zehen(30). Die Unterſchiede zwiſchen Arm und Bein finden ihre Erklärung in ihrem verſchiedenen Gebrauche. Die Knochen der Beine, welche den menſchlichen Körper zu tragen beſtimmt ſind, ſind feſter und dicker, aber weniger beweglich, als die des Armes, der zum Greifen ein⸗ gerichtet iſt. Namentlich iſt die Verbindung des Beckengürtels mit dem Rumpfſkelette eine feſtere als die des Schultergürtels. Die Speiche kann ſich um die Elle drehen, wobei die ganze Hand ſich umdreht; eine ähnliche Drehung des Fußes würde unzweckmäßig ſein, kommt auch nicht vor. Das Bein hat eine Knieſcheibe(Fig. 3, 31), der Arm hat keinen ähnlichen Knochen. Am Fuße ſind die Zehen kurz, die übrigen Teile lang; namentlich iſt einer der Fußwurzelknochen, das Ferſenbein(28*), ſtark entwickelt und nach hinten ausgewachſen. Die Finger an der Hand ſind verhältnismäßig lang; dadurch, daß die Spitze des Daumens mit den Spitzen aller anderen Finger in Berührung gebracht werden kann, ſind ſie zum Greifen ſehr geeignet. Die Zahl der Finger und Zehen iſt höchſtens fünf, kann aber auch eine geringere ſein. Das Pferd hat einen einzigen Finger an jedem Gliedmaß, das Rind zwei und dazu noch zwei ganz unentwickelt bleibende, das Schwein zwei große und zwei kleine; der Hund hat fünf Zehen an den Hinterfüßen, vier an den Vorderfüßen. Der Menſch geht auf der ganzen Sohle ſeines Fußes; andere Tiere gehen bloß auf den Zehen(Hund, Katze), während noch andere auf der Spitze der Zehen gehen(Pferd, Rind, Schwein). In letzterem Falle iſt nicht bloß die Rückenſeite der Zehe von einer Hornſchicht bekleidet (Nagel, Klaue), ſondern die ganze Spitze ſteckt in einem Hornſchuh (Huf.)— Bei mehreren Tieren ſind der Oberſchenkel und der Oberarm in den Rumpf aufgenommen, wodurch die Gliedmaßen ganz anders aus⸗ ſehen als beim Menſchen.— Man vergleiche Fig. 3 mit Fig. 4. Die Knochen ſind gewöhnlich von Fleiſch umgeben. Letzteres be⸗ ſteht aus einer Anzahl verſchiedener Stücke, welche durch eine elaſtiſche, zähe, aus Faden beſtehende Maſſe(dem Bindegewebe) miteinander ver⸗ bunden ſind. Die verſchiedenen Stücke nennt man Muskeln; jeder Muskel beſteht wieder aus einer großen Anzahl von Muskelfaſern, welche alle in der Längsrichtung des Muskels verlaufen. Jede Faſer kann ſich 1 ei 7 überſicht über den Körperbau und die Lebenserſcheinungen der Tiere. Die Kontraktion mit uſammenziehung aller Faſern derſelbe kürzer und dicker. und durch gleichzeitige Z — — 25 — 8 228 O . g S S 8²ℳ .E —— An le N uspauglennagng ds uuavC avaie qun uopag d: uU* ue ee AI ⸗gquv l tueougusboqnd G: S Zavvcusdchg 81 O 110gaſeee gen „ulegsrdnvga 01 urg e ee :21-guaönss 6 29⁷☛ .uao aag e II uacpaug „(uoquaD) uacpaulezuap azun L usauglezuaplag eee ece u pauzuehee I uacpauggee’uanan :u3Lv ee III X 115qrle Jedane:loae e Lcmun 6 II turoquvee 9 tuloqeee e ee p :1121211Idoð I Soequne Soule eeee e :4212 gaezun tuogjeuteg e : uqa ue e e ua tuopauauxvag V ge S ueguane A=eͤeͤ—-O—“ 2 EASBA —— 2— 2—8 2 SG 77.. ———., 832—— 8₰ ‿ 3 8 58 2,8,S 8825 8 8 S.B 8 8 SS 8 S8S 2ES8S —— — 8 ——— 2,8 8 8 ☛Ꝙ 8 55 ‿ 5 2”g B 8. B 8 02 S 558= S S 32 B8585 82⸗ 2 ˙838 2S 8 S·'B S= S Ba E —.S 5S=S 8.S 8 ——2 S 8Sg 85 8 S 23 g E 2”5S 8ES8Sg 8,8 88 = SS 8 Üüberſicht über den Körperbau und die Lebenserſcheinungen der Tiere. ſtanzen, fortbewegt werden. Das Herz z. B. iſt ein großer Hohlmuskel, der zur Fortbewegung des Blutes dient, und die Hohlmuskeln des Darmes bewegen die Speiſen im Darme fort.— Andere Muskeln ſind mit ihren Enden an anderen Körperteilen befeſtigt, welche ſie durch ihre Zu⸗ ſammenziehung in Bewegung bringen. Man unterſcheidet Haut⸗ und Skelettmuskeln, je nachdem ſie mit der Haut oder auch mit einem Ende mit irgend einer Hautbildung(Haaren, Federn, Schuppen) oder mit Skelettteilen verbunden ſind. Natürlich beſitzen die ſkelettloſen Tiere, die ſogenannten Wirbelloſen(das ſind alle Tiere, mit Aus⸗ nahme der Wirbeltiere), keine Skelettmuskeln. Hautmuskeln ſind z. B. diejenigen Muskeln, mit denen ein Vogel ſeine Federn aufrichtet E Fig. 5. Beugung des Armes durch Fig. 6. Schema zur Erklärung der Wirkung der Zuſammenziehung des Armbeugemuskels. Bewegungs⸗ und Empfindungsnerven. a Oberarmknochen; b Elle; c Ellenbogen⸗ gelenk; d Armbeugemuskel; e Urſprung, f Anſatz desſelben. In der Figur an der rechten Seite iſt der Muskel d zuſammen⸗ gezogen; in der linken Figur iſt derſelbe erſchlafft. (Schwanzdeckfedern des Pfaus!), und die, mit denen der Igel ſich zu⸗ ſammenkugelt und die Stacheln aufrichtet.— Ein Skelettmuskel iſt mit ſeinen beiden Enden mit einem Knochen verbunden. Wenn ein ſolcher ſich zuſammenzieht, ſo wird der am beſten bewegliche Knochen in die Richtung des am ſchwerſten beweglichen Knochens bewegt(Fig. 5). Damit die Knochen unter ſich beweglich ſeien, ſind ſie durch Gelenke miteinander verbunden. Je nachdem die Bewegungen der Muskeln unter dem Einfluſſe des Willens ſtehen oder nicht, unterſcheidet man willkürliche und unwillkürliche Bewegungen. Unwillkürlich iſt z. B. die Bewegung des Herzens und diejenige der Muskeln der Darmwände, welche die Speiſen fortbewegen. Um einem Muͤskel das Zuſammenziehungsvermögen zu nehmen, iſt es nicht notwendig, daß man den Muskel ſelbſt verletzt. Jeder R—————/—=—=--õ,——— überſicht über den Körperbau und die Lebenserſcheinungen der Tiere. 9 Muskel ſteht mit einem Nerv in Verbindung, der ſeine feinen Ver⸗ äſtelungen bis an die Faſern ſendet, aus denen der Muskel beſteht. Durchſchneidet man dieſen Nerv, ſo hat der betreffende Muskel ſein Zuſammenziehungsvermögen verloren. Der Nerv aber entſpringt aus den ſogenannten centralen Teilen des Nervenſyſtems, welche bei den Wirbeltieren hauptſächlich aus Gehirn und Rückenmark beſtehen. Der Muskel verliert alſo ſein Bewegungsvermögen, wenn die Ver⸗ bindung mit den centralen Teilen aufgehoben worden iſt. Die eigent⸗ liche Urſache der Bewegung wird in den letztgenannten Teilen geboren. In denſelben entſteht eine gewiſſe, in ihrem Weſen uns unbekannte Umänderung, welche ſich durch den Nerv bis in den Muskel fortbewegt und die Zuſammenziehung desſelben veranlaßt. Die centralen Teile des Nervenſyſtems ſind alſo der Mittelpunkt, das Centrum, von dem der Befehl zum Zuſammenziehen ausgeht; daher alſo der Name. Die Nerven, welche von den centralen Teilen nach den Muskeln verlaufen, heißen Bewegungsnerven. Es giebt aber noch eine zweite Gruppe von Nerven, die Em⸗ pfindungsnerven, welche aus den Sinnesorganen(Haut, Zungen⸗ und Naſenſchleimhaut, Ohr, Auge) entſpringen und den Eindruck, den ſie mit Hilfe dieſer Sinnesorgane von der Außenwelt empfangen, nach den centralen Teilen fortbewegen. In der beigegebenen ſchematiſchen Fig. 6 bedeutet C die centralen Teile des Nervenſyſtems; BN einen Bewegungsnerv, der ſich in dem Muskel M veräſtelt; GN einen Em⸗ pfindungsnerv, der von der unter der Oberhaut(Oh) gelegenen, von Blut durchſtrömten Lederhaut(Lh) nach den centralen Teilen ſich be⸗ giebt.(Pfeile deuten die Richtung an, in welcher die Eindrücke von den betreffenden Nerven fortgeleitet werden.]— Menſchen und Tiere, welche keine Nahrung aufnehmen, büßen an Körpergewicht ein. Dies kommt daher, daß einige Stoffe den Körper entweder als Gaſe(durch die Lungen) oder als Flüſſigkeiten (durch die Nieren und Schweißdrüſen) verlaſſen, ohne daß für dieſe Stoffe Erſatz kommt. Auf die Dauer würde es ein tieriſcher oder menſchlicher Körper ohne Aufnahme von neuen Stoffen nicht aushalten können. Die Stoffe, welche er zu ſich nimmt, nennt man, je nachdem ſie feſt oder flüſſig ſind, Speiſen oder Getränke. Dieſe Speiſen und Getränke, welche mit wenig Ausnahmen(Salze, Waſſer) dem Tier⸗ und Pflanzenreiche entnommen werden, können aber nicht als ſolche die Stelle der allmählich verſchwindenden Körperſubſtanzen einnehmen; denn ſie enthalten zunächſt unbrauchbare Stoffe, welche im Kote aus dem Körper entfernt werden. Allein auch die brauchbaren Subſtanzen finden ſich im Leibe der Pflanzen oder Tiere nicht immer in der Form, in welcher ſie ſogleich benutzt werden können. Um ſie dazu geeignet zu machen und zugleich die unbrauchbaren Subſtanzen abzuſondern, dient die Verdauung, welche bei allen höheren Tiere im Darmkanale vor ſich geht. Die Einwirkung mehrerer, von Drüſen abgeſchiedener Flüſſigkeiten(Speichel, Magenſaft, Galle u. ſ. w.) zieht die brauchbaren 10 Überſicht über den Körperbau und die Lebenserſcheinungen der Tiere. (Nahrungs-⸗) Stoffe aus den Speiſen und Getränken aus und wandelt ſie in eine geeignete Form um. Dieſe Einwirkung kann aber um ſo beſſer geſchehen, in je kleinere Stücke die Speiſen zerteilt ſind. Für die Zerkleinerung der Speiſen dienen den Säugetieren die Zähne, den Vögeln und mehreren wirbelloſen Tieren beſondere, an der Innenſeite mit harten Leiſten verſehene Magen- oder Darmabteilungen. Solange die brauchbaren Nahrungsſtoffe, ſei es ſelbſt in voll— kommen geeigneter Form, im Darmkanale verbleiben, können ſie dem Körper nicht nützen; denn die Abnutzung der Körperſubſtanzen findet in allen Teilen desſelben ſtatt; es iſt deshalb unumgänglich notwendig, daß die Nahrungsſtoffe nach der Verdauung in ein Organſyſtem ge⸗ bracht werden, welches ſie allen Teilen des Körpers zuführt. Dieſes Organſyſtem iſt das Cirkulations⸗ oder Blutumlaufſyſtem. Es ge⸗ langen die Nahrungsſtoffe aus dem Darme entweder direkt oder indirekt in dasſelbe; in letzterem Falle werden ſie ihm durch das Milchgefäß⸗ (Chylusgefäß⸗) Syſtem zugeführt. Das Blut iſt die Flüſſigkeit, in welche die Nahrungsſtoffe auf⸗ genommen werden. Es beſteht aus einer faſt farbloſen Flüſſigkeit, ſo⸗ wie aus einer unzählbaren Anzahl äußerſt kleiner Blutkörperchen. Das Blut durchfließt den Kör⸗ per durch ein Syſtem von Röhren oder Gefäßen, die ſich wiederholt veräſteln und zuletzt in den mikro⸗ ſkopiſchen Haargefäßen ſich auf⸗ löſen. Mit alleiniger Ausnahme der Fig. 7. Schema des Kreislaufs. Oberhaut und der Oberhautbildungen (Haaren, Federn, Schuppen u. ſ. w.) finden ſich dieſe Haargefäße überall im Körper. Sie haben äußerſt dünne Wände, welche dem Durchtritte der im Blute enthaltenen Nahrungsſtoffe kein Hindernis darbieten, ſo daß dieſe in die zwiſchen den Haargefäßen befindlichen Körperteile aufgenommen werden.— Das Centralorgan der Blutbewegung iſt das Herz, ein größerer, von dicken Muskelwänden umſchloſſener Teil des Blutumlauforganſyſtems. Durch Zuſammenziehung der Muskelwände wird das Blut aus dem Herzen (Fig. 7, H) ausgetrieben; es iſt der Austritt des Blutes bloß an einer Seite des Herzens(a) möglich, weil an der anderen Seite(b) ſich eine Klappe findet, welche beim Zuſammenziehen des Herzens ſich ſchließt. Das Gefäß, in dem das aus dem Herzen austretende Blut aufgenommen wird, nennt man die Schlagader(8A). Dieſe teilt ſich in mehrere Aſte, die auch wieder Schlagadern heißen, bis ſich die feinſten Schlag⸗ ——= —-—=—— ——— Z7— — —— r ————— —— — —=—— überſicht über den Körperbau und die Lebenserſcheinungen der Tiere. 11 adern in dünnwandige Haargefäße teilen, welche ſich nachher wieder in Adern vereinigen, die ſtets in größere Adern zuſammenkommen, bis ſchließlich eine oder mehrere(A) in das Herz ausmünden. Weil das Blut auf ſeinem Umlaufe durch den Körper den ver⸗ ſchiedenen Teilen desſelben einen Teil ſeiner Nahrungsſtoffe abgiebt, ſo würde es auf die Dauer für die Ernährung der Körperteile un⸗ brauchbar werden, wenn es nicht aus dem Darme neue Nahrungsſtoffe direkt oder indirekt(durch die Milchſaftgefäße) aufnähme. Aber deſſen⸗ ungeachtet würde das Blut noch in anderer Weiſe, und ſogar ſehr bald, auf die Dauer unbrauchbar werden, wenn es nicht die Lungen, Nieren und Schweißdrüſen durchſtrömte. Es iſt wohl jedem bekannt, daß ein Menſch oder Tier ohne Luft, oder eigentlich ohne eine be⸗ ſtimmte in derſelben enthaltene Gasart, den Sauerſtoff, nicht leben kann. Dieſer Sauerſtoff muß bis in die kleinſten Körperteile eindringen können, und das Blut, in deſſen Blutkörperchen derſelbe enthalten iſt, führt ihn überall hin. In den kleinſten Körperteilen aber findet eine Oxydation(Verbrennung) von Körperſubſtanzen ſtatt, wodurch nicht nur Wärmeentwickelung auftritt, ſondern der Körper auch zur Arbeits⸗ verrichtung fähig wird. Der menſchliche und tieriſche Körper ähnelt in dieſer Hinſicht einer Dampfmaſchine, die auch keine Arbeit leiſten kann, wenn keine Steinkohlen in derſelben verbrannt werden.— Wenn nun aber das Blut aus den Haargefäßen in die Adern zurückkehrt, ſo enthält es zu wenig Sauerſtoff. Hingegen hat es aus den kleinſten Körperteilen mehrere Subſtanzen aufgenommen, welche in dieſen Körper⸗ teilen entſtanden ſind und dem Tiere ſchädlich werden würden, wenn ſie nicht aus dem Körper entfernt würden. Indem nun das Blut die Lungen durchſtrömt, ſcheidet es die ſchädlichen Gaſe aus; indem es die Nieren und die Schweißdrüſen durchſtrömt, ſondert es die ſchädlichen Flüſſigkeiten und feſten Subſtanzen ab. In den Lungen aber nimmt das Blut zugleich neuen Sauerſtoff auf; und indem in dieſer Weiſe die Lungenluft ſauerſtoffarm wird, ſorgen die Atmungsbewegungen für neue Sauerſtoffzufuhr in die Lungen.— Allein nur die höheren Wirbeltiere atmen durch Lungen; Fiſche und mehrere im Waſſer lebende wirbelloſe Tiere atmen durch Kiemen, Inſekten durch Luftröhren.— Die Fig. 7 giebt ſelbſtverſtändlich bloß ein Schema des Blut⸗ kreislaufs, denn die verſchiedenen Schlagaderäſte verbreiten ſich in alle Teile des Körpers und bilden daſelbſt Haargefäße, während in der betreffenden Figur bloß ein einziges Netz von Haargefäßen gezeichnet iſt. In Fig. 8 ſind die Ernährungsorgane des Hundes in ihrem gegenſeitigen Zuſammenhange abgebildet.(Man vergleiche die bei⸗ gegebene Erklärung.) In die Mundhöhle münden mehrere Speichel⸗ drüſen(O8pd, ZSpd), die ſchon während der Zerkleinerung der Speiſen eine Verdauung veranlaſſen. Die Speiſen werden aus der Mundhöhle durch den Schlund(Schl) in den Magen(M) gebracht, wo ſie längere Zeit bleiben und ſich unter Zufügung eines neuen Verdauungsſaftes (des Magenſaftes) in einen Brei umwandeln. Sodann gelangen ſie 12 Überſicht über den Körperbau und die Lebenserſcheinungen der Tiere. in den Zwölffingerdarm(Zwf d), wo neu ⁴ — 2 7 A 9 G & 8 9. F 2— I— 3₰ Fig. 8. Ernährungsorgane des Hundes. Z= Zunge; 0OSp d= Ohrſpeicheldrüſe; Z Sp d= Zungenſpeichel⸗ drüſe(Unterzungendrüſe); Schl= Schlund; M= Magen; P= Pförtner(Übergang des Magens in den Zwölffingerdarm); Zw fd= Zwölffingerdarm; Dd= Dünndarm; Bd.= Blinddarm; DD= Dickdarm; An= After; Lb= Leber; Gb= Gallenblaſe; B Sp d= Bauchſpeicheldrüſe; X= Ausmündungsſtelle der Bauchſpeicheldrüſe in den Zwölffingerdarm; Kd= Kehldeckel; Lr= Luftröhre; LL.= Lungen; r= rechte Hälfte des Herzens; 1= linke Hälfte des Herzens; 1= untere Hohlader; 2= obere Hohlader; 3= Aorta; Pa= Pfortader; BA= Lymphdrüſen, wo die Milchſaft⸗ oder Chylusgefäße(Ch) zuſammen⸗ kommen; Mbg= Milchbruſtgang, der in 2(die linke Schlüſſelbeinader) einmündet; Mz= Milz. e Verdauungsſäfte(Galle und Bauchſpeichel) zugefügt wer⸗ den. Die Galle wird in der Leber(Lb) gebildet, gelangt in die Gallenblaſe (Gb) und ſtrömt bei xXx in den Zwölffingerdarm. Der Bauchſpeichel bildet ſich in der Bauchſpeicheldrüſe(B sp d). Aus dem Zpwölffingerdarm gelangen die Nahrungsſtoffe in den Dünndarm(DD), wo die Verdauung fortgeſetzt wird; desgleichen in den erſten Teil des Dickdarms(Dd), während im letzten Teile desſelben, der Maſtdarm heißt, ſich die un⸗ verdauten Stoffe(Kot) an⸗ häufen, welche durch den After (An) entleert werden. Wo der Dünndarm ſich dem Dick⸗ darm anſchließt, findet ſich der Blinddarm(Bd), der beim Hunde ſehr klein, bei den Pflanzenfreſſern weit größer iſt. Auch tritt namentlich bei den Pflanzenfreſſern der Unter⸗ ſchied zwiſchen eigentlichem Dickdarm(„Grimmdarm“) und Maſtdarm deutlicher hervor. Die Blutgefäße, welche ſich in der Wand des Dünn⸗ darmes, des Blinddarmes ſowie des Dickdarmes ver⸗ äſteln, nehmen aus dieſen Darmabteilungen verdaute Nahrungsſtoffe auf. Es ſind in der Fig. 8 die Schlagadern, welche dem Darme Blut zu⸗ führen, nicht angedeutet, aber wohl die Adern, die das Blut, welches neue Nahrungs⸗ ſtoffe aufgenommen hat, ab⸗ führen. Die(ſchwarz gezeich⸗ neten) Adern vereinigen ſich in die Pfortader(Pa), welche ſich in der Leber veräſtelt. Das Blut, welches daſelbſt nicht zur Gallenbildung er — o ——— — 8NR K Überſicht über den Körperbau und die Lebenserſcheinungen der Tiere. 13 verwendet wird, wird aus der Leber durch die Leberader der unteren Hohlader(1) zugeführt und gelangt alſo in das Herz. Aus dem Dünndarme werden weiter durch die Milchſaft⸗ oder Chylusgefäße (Ch) verdaute Nahrungsſtoffe aufgeſogen, welche in den Lymphdrüſen(BA4 eine ge⸗ wiſſe Umbildung beſtehen und nachher durch den Milchbruſt⸗ gang(Mbg) in das Blut⸗ gefäßſyſtem und zwar in einen Aſt der oberſten Hohlader (bei 2) geführt werden.— In Fig. 8 iſt weiter die Luftröhre durch Lr an⸗ gedeutet, die Lungen durch L, die linke Hälfte des Herzens durch l, die rechte Hälfte des⸗ ſelben Organes durch r, die untere Hohlader durch 1, die obere Hohlader durch 2, die Körperſchlagader(Aorta) durch 3, die Milz(welche in natür⸗ licher Stellung an der linken Seite des Magens, unmittel⸗ bar unter der Körperwand liegt) durch M. In Fig. 9 ſind die Ein⸗ geweide des Hundes in ihrer natürlichen Lage abgebildet. Das Zwerchfell(Zwf) teilt die Körperhöhle in Bruſt⸗ und Bauchhöhle. In der Bruſt⸗ höhle liegen das Herz(H'H) und die Lungen(L), in der Bauchhöhle hauptſächlich die Verdauungsorgane(vgl. die Erklärung). Der Dünndarm iſt aus der Bauchhöhle heraus⸗ gezogen; die Teile desſelben werden durch eine Haut(das Gekröſe) zuſammengehalten. In dem Gekröſe verlaufen die Fig. 9. Ein Hund mit geöffneter Bruſt⸗ und Bauch⸗ höhle, um die darin enthaltenen Organe in ihrer natürlichen Lage zu zeigen. 0 Sp d= Ohrſpeichel⸗ drüſe; Uk Sp d= Unterkieferſpeicheldrüſe; Kk= Kehlkopf; Schl= Schlund; Lr= Luftröhre; R= Rippen; Ao= Aorta; H*= Vorkammer des Herzens; H= Kammer des Herzens; LL“’= Lungen; Zw1= Zwerchfell; Gb= Gallenblaſe; Lb= Leber; M= Magen; D= Zpölffingerdarm und Dünndarm; BSp d= Bauchſpeicheldrüſe; B d= Blinddarm; N= Nieren; Hb= Harnblaſe. Milchſaft⸗ oder Chylusgefäße, ſowie die Blutgefäße.— Während die Ernährung diejenige Lebensverrichtung iſt, welche das Individuum vor dem Abſterben ſchützt, dient die Fortpflanzung 14 Überſicht über den Körperbau und die Lebenserſcheinungen der Tiere. zur Erhaltung der Art.— Im allgemeinen ähneln bekanntlich die Kinder den Eltern. Es iſt aber eine auch den Viehzüchtern allgemein bekannte Thatſache, daß von einem gewiſſen Tiere nicht bloß mehrere ſeiner eigenen Eigenſchaften auf die Kinder übertragen werden, ſondern bisweilen auch verſchiedene Eigenſchaften der Großeltern oder von Tieren aus noch mehr entfernten Geſchlechtern, während dieſe Eigen⸗ ſchaften vom ſich fortpflanzenden Tiere ſelbſt nicht zur Schau getragen wurden.(Rückſchlag⸗Atavismus.)— Unter den Inſekten, ſowie den niederen Tieren giebt es Arten, bei denen ein Rückſchlag regel⸗ N 9 ſ, le; 1 E K8* 8 X AO A 2 8 NX 4 S H⸗ 6 —— X 9 M — I 6 3 M 5 F2 N d, d 8 J V Fig. 10. Die kleinen geflügelten Gallweſpen d(Andricus terminalis) legen ihre Eier einzeln in die Eichenwurzeläſtchen ab. Es entſtehen dann die Eichenwurzelgallen a; innerhalb jeder einzelnen Wurzelgalle entwickelt ſich eine Larve, aus welcher nach einer Verwandlung eine relativ große, flügelloſe Gallweſpe c hervorgeht, welche unter dem Namen Biorhiza aptera bekannt iſt. Dieſe ſticht im erſten Frühjahre die Eichenknoſpen an und legt in deiſelben eine große Anzahl Eier ab; aus einem Teile der Knoſpe entſteht eine große, ſaftige Zweiggalle(b), die mehrere Larven enthält, aus denen im Sommer die kleinen geflügelten Gallweſpen d entſtehen. Die hier dargeſtellte Art kommt alſo in zwei Formen, e und d, vor.(Heterogenie). mäßig auftritt: ſie kommen als erwachſene Tiere nicht in einer Ge⸗ ſtalt, ſondern in zwei oder mehreren Geſtalten vor. Es ähnelt dann regelmäßig das Kind nicht den Eltern, ſondern den Großeltern, den Urgroßeltern oder einem noch früheren Geſchlechte. Die älteren Be⸗ obachter haben die Kinder und die Eltern, reſp. auch die Großeltern, derſelben Tierart in verſchiedene Arten, ſogar in verſchiedene Gattungen oder Familien untergebracht, bis neuere Unterſuchungen über die Fort⸗ pflanzung und Entwickelung der Tiere ſie als einer und derſelben Art angehörig erkennen ließen.(Fig. 10 und Erklärung.)— Die Fort⸗ pflanzungsweiſen, bei welchen die Art in zwei oder mehreren Formen vorkommt, unterſcheidet man in Heterogenie und Metageneſe oder überſicht über den Körperbau und die Lebenserſcheinungen der Tiere. 15 Generationswechſel. Bei der erſteren(Fig. 10) wechſeln geſchlechtlich ſich fortpflanzende Tierformen mit anderen Geſchlechtstieren ab, ſei es, daß dieſe von getrenntem Geſchlechte oder zugleich mit männlichen und weiblichen Organen ausgeſtattet(„hermaphrodit“) ſind. Bei der Metageneſe wechſelt eine geſchlechtliche Generation mit einer oder mit mehreren ungeſchlechtlich ſich fortpflanzenden regelmäßig ab(Fig. 11). 2 19 Fig. 11. Entwickelungsgeſchichte einer Qualle(Aurelia). Die erwachſene Qualle(11) iſt herm⸗ aphrodit; ſie legt Eier, aus denen kleine Larven(1) ausſchlüpfen, die ſich mittelſt kleiner be⸗ weglicher Härchen(Wimpern) durch das Waſſer fortbewegen. Nachher ſetzt ſich die Larve auf ein Felſenſtück oder auf irgend welchen Gegenſtand nieder; es bildet ſich eine Art Anheftungs⸗ ſcheibe, ſowie am oberen Körperrande eine Mundöffnung(2); auch verliert die Larve ihre Wimpern, die ſie gar nicht mehr braucht. Die feſtſitzende Larve wächſt und bildet um die Mundöffnung herum Armchen, die zum Greifen der Nahrung dienen. Dieſe Armchen wachſen allmählich(3, 4, 5, 6). Das inzwiſchen ſtark in die Länge gewachſene Tier ſchnürt ſich nachher ein(7): es entſtehen eine Anzahl aufeinander geſtellte Scheibeu, die jede für ſich an ihrem nach oben gewendeten Rand Ärmchen bekommen(8), ſpäter ſich voneinander loslöſen und ein ſelbſtändiges Leben anfangen(9), d. h. ſie werden junge Quallen(10), die nach einer geringen Formänderung erwachſen werden(11). Die Qualle ſtellt die geſchlechtliche Generation, der feſt⸗ ſitzende„Polyp“(3—8), der ſich teilt, die ungeſchlechtliche Generation vor. Die Qualle Aurelia liefert ein Beiſpiel einer ſich mit Generationswechſel entwickelnden Tierart.(Ich will bei der Fig. 11 noch bemerken, daß die Fig. 1 und 2 ſehr ſtark, die folgenden je weniger vergrößert ſind, während ſogar 11 ſehr ſtark verkleinert iſt.) Generationswechſel kommt bei den im Meere lebenden Quallen vor(vgl. Fig. 11 nebſt Erklärung), aber auch bei mehreren nachher in dieſem Buche zu behandelnden Würmern(Bandwürmer, Leberegeh). Das Tierreich zerfällt(vergl. S. 1) in Kreiſe oder Haupt⸗ abteilungen. Gewöhnlich unterſcheidet man deren ſieben: I. Wirbeltiere, II. Gliedertiere, III. Würmer, IV. Weichtiere, V. Stachelhäuter, VI. Neſſeltiere, VII. Urtiere. 16 Erſter Kreis. Wirbeltiere. Erſter Kreis. Wirbeltiere(Vertebrata). Der Wirbeltierkörper iſt bilateral⸗ſymmetriſch oder zweiſeitig⸗ ſymmetriſch, d. h. er kann von einer Durchſchnittsfläche in zwei Teile zerlegt werden, die einander völlig entſprechen. Für die äußeren Körper⸗ teile iſt die bilaterale Symmetrie, mit alleiniger Ausnahme der Platt⸗ K TnDnn 97 2 . Fig. 12. Schematiſcher Querſchnitt des menſch⸗ lichen Körpers. Der Schnitt iſt ein wenig unter⸗ halb der Linie genommen, welche ſich in Fig. 1 von Brh nach Wh ziehen läßt, und zwar durch das Herz(H). Wh= Wirbelhöhle; Brh= Bruſthöhle; Dk= Darmkanal(hier Schlund); H= Herz. fiſche(Scholle, Flunder u. ſ. w.), ſtreng durchgeführt; für die inneren Organe hingegen iſt ſie mehr oder weniger werwiſcht(Fig. 13). Im Wirbeltierkörper findet ſich als Achſe eine aus Wirbeln beſtehende Wirbel⸗ ſäule(Rückgrat), welche die Wirbel⸗ höhle umſchließt. So wie dieſe Wirbelhöhle im Kopfe zur Schädel⸗ höhle ſich erweitert, ſo wird das im erſteren enthaltene Rückenmark Fig. 13. Querſchnitt durch einen Fiſchkörper. Auf dem hier in der Mitte des Körpers ge⸗ legenen Wirbelkörper(W K) ſteht ein Wirbel⸗ bogen, der die Wirbelhöhle(W h) umſchließt, in welcher das Rückenmark liegt. Dieſer Bogen wird von einem Dornfortſatze(D f) gekrönt. R ſind die Rippen.— Die Körperwand wird außer von der Haut und den obenerwähnten Skelettteilen, von ſymmetriſch angeordneten Muskeln(M) gebildet.— Die Körperhöhle an der Bauchſeite enthält: die Nieren(N), die Schwimmblaſe(S), die Eierſtöcke(E), den Darm, der an mehreren Stellen durch⸗ ſchnitten worden iſt(D), ſowie die Leber(I.). — Rfkiſt ein knochiger Strahl der Rückenfloſſe. in der Schädelhöhle zum Gehirn. Neben der an der Rückenſeite des Tieres gelegenen Höhle, welche die centralen Teile des Nervenſyſtems umſchließt, findet ſich an der Bauch⸗ ſeite eine Höhle, die ſogenannte„Körperhöhle“, welche bei den Säugetieren durch das Zwerchfell in eine Bruſt⸗ und eine Bauch⸗ höhle eingeteilt iſt, und welche hauptſächlich die Organe der Atmung, der Blutbewegung, der Verdauung und der Ausſcheidung enthält (Fig. 1, 12 und 13).— Bei allen anderen Kreiſen des Tierreiches ſind die Centralorgane des Nervenſyſtems in derſelben Körperhöhle gelegen wie die obengenannten Organe. Mit der Wirbelſäule ſind verſchiedene Knochen verbunden, die zur Anheftung von Muskeln dienen. Die Knochen bilden zuſammen das ———- d N K Erſter Kreis. Wirbeltiere. 17 Skelett, welches zu den meiſt kennzeichnenden Merkmalen eines Wirbel⸗ tieres zählt. Die Tiere dieſes Kreiſes haben niemals mehr als vier Gliedmaßen; ihr Blut iſt rot, während dasjenige der meiſten anderen Tiergruppen farblos iſt. Es muß noch die Einrichtung des Herzens bei den verſchiedenen Wirbeltieren erörtert werden. Bei keinem Wirbeltiere iſt dieſes Organ von ſo einfachem Baue, wie das Schema Fig. 7 angiebt; es wären auch mit der dort abgebildeten Einrichtung des Herzens große Schwierigkeiten verbunden. Eine Hauptſchwierigkeit iſt die, daß in der Zeit, während welcher das Blut das Herz bei a(Fig. 7) verläßt, kein neues Blut in dieſes Organ ſtrömen kann, ſo daß der Blutſtrom im Ader⸗ ſyſteme ſtille ſteht. Auch ſchon bei den niederſten Wirbeltieren(den Fiſchen) iſt dieſe Schwierigkeit fortgenommen dadurch, daß an der Stelle, wo die Ader(reſp. die Adern) in das Herz einmündet, eine Aus⸗ dehnung dieſer Ader ſich befindet, wo ſich das Blut anhäufen kann, ſolange die Zuſammenziehung des Herzens dauert. Man rechnet dieſe Ausdehnung auch zum Herzen und nennt ſie die Vorkammer (Fig. 14 VK) des Herzens, während das eigentliche Herz den Namen Herzkammer (CK) erhält. Es verſteht ſich auch, daß eine ziemlich weite Offnung zwiſchen Vorkammer und Herzkammer beſtehen muß, damit gleich nach der Erſchlaffung der Wände der Kammer die Vorkammer ihr Blut in dieſelbe hineinpreſſen kann. Wo aber eine weite Fig. 14. Schema des Herzens Offnung zwiſchen Vorkammer und Kammer bei den Fiſchen. beſteht, da genügt eine einzige Klappe nicht, um während der Zuſammenziehung der Kammerwände dem Blute den Rücktritt in die Vorkammer unmöglich zu machen; es ſind daſelbſt zwei oder drei Klappen(Fig. 14 Kl) vorhanden, welche noch mit Fäden an die Kammerwand befeſtigt ſind. Damit das Blut, welches in die Schlagader(8A) gepreßt iſt, nicht während der Erſchlaffung der Kammerwand in die Kammer zurücktrete, findet ſich auch an der Schlagaderbaſis eine(in der Fig. 14 nicht angedeutete) Klappe. Eine Einrichtung, wie die bisher beſchriebene, findet ſich bei den Fiſchen. Es beſteht hier das Herz aus einer Vorkammer, in welche das Blut, welches den Körper durchſtrömt hat, zurückkehrt, und einer Kammer, welche dasſelbe wieder fortbewegt. Nun iſt aber das Blut während ſeiner Bewegung durch den Körper arm an Sauerſtoff geworden Bos, Zoologie. 3. Auflage. 2 18 Erſter Kreis. Wirbeltiere. und iſt alſo, wenn es ins Herz zurückkehrt, nicht mehr für neue Cir⸗ kulation geeignet; es muß erſt wieder neuen Sauerſtoff aufnehmen. Dies geſchieht bei den Fiſchen in der Weiſe, daß das aus der Kammer austretende ſauerſtoffarme Blut zunächſt durch die Kiemen ſtrömt. Dieſe beſtehen aus einer ſehr großen Anzahl kleiner, dünnwändiger Huaneſtülpnnden welche in regelmäßigen Reihen an den knöchernen iemenbögen feſtſitzen; das ſauerſtoffarme Blut, welches aus der Herz⸗ kammer austritt und durch verſchiedene Schlagaderveräſtelungen die Kiemenblättchen erreicht, nimmt, während es dieſelben durchſtrömt, neuen Sauerſtoff auf aus dem ſauerſtoffhaltigen Waſſer, welches die Kiemen⸗ blättchen fortwährend umſtrömt; zu dieſem Zwecke wird regelmäßig ein Strom reinen Waſſers durch den Mund aufgenommen, und rechts und links durch die Kiemenſpalten wieder ausgelaſſen. Das in den Kiemen ſauerſtoff⸗ reich gewordene Blut iſt von neuem für die Fortbewegung durch den Körper geeignet; es fließt dann auch aus den Haargefäßen der Kiemen in größere Ge⸗ fäße zuſammen, die ſich ſchließlich in ein ein⸗ ziges Gefäß vereinigen, welches das ſauerſtoff⸗ reich gewordene Blut den verſchiedenen Kör⸗ perteilen zuführt.— Fig. 15 giebt eine etwas ſchematiſch gehaltene Darſtellung des Blutumlaufes bei den Fiſchen. Die Blutumlauforgane, welche ſauer⸗ ſtoffarmes Blut enthalten, ſind ſchwarz gezeichnet,— diejenigen, welche mit ſauerſtoffreichem Blut gefüllt ſind, weiß. Das durch die Hohlader (Ha) aus dem Körper in das Herz zurückkehrende Blut iſt ſauerſtoffarm. Es tritt in die Vorkammer(VH) ein, und wird aus dieſer in die Herzenskammer(K) fortbewegt. Aus dieſer tritt es in den Kiemen⸗ ſchlagaderſtiel(K Schl St), der ſich bald in vier Kiemenſchlagader⸗ paare(KSchl) teilt, von denen in der Figur bloß eine ganz abge⸗ bildet iſt. Der Blutumlauf, in den Kiemenblättchen iſt ſchematiſch durch k angedeutet; und durch AÄnderung des ſchwarzen Inhalts in einen weißen iſt die ÄAnderung des ſauerſtoffarmen Blutes in ſauerſtoffreiches (innerhalb der nicht gezeichneten Haargefäße) angegeben. Das ſauer⸗ ſtoffreiche Blut tritt aus den zahlreichen Kiemenblättchen(von denen hier bloß drei angedeutet ſind) in die vier Paare Kiemenadern hinein, welche ſich in ein Gefäß vereinigen(die ſog. Aorta, Ao), welche das Blut allen Teilen des Körpers zuführt. Fig. 15. —9—j X X N 8 — Erſter Kreis. Fig. 16. Schema des Blutumlaufes bei den Säugetieren. Re= rechte Herz⸗ hälfte; Li= linke Herzhälfte, beide aus einer Kammer(K) und einer Vorkammer (VK) beſtehend. Die Blutumlauforgane, welche mit ſauerſtoffreichem Blute gefüllt ſind, ſind weiß gelaſſen, während der Inhalt der mit ſauerſtoffarmem Blute gefüllten Organe ſchwarz geſtrichelt iſt. L bedeutet die Haargefäße der Lungen; Kp bedeuten Haargefäße in den übrigen Körperteilen, und zwar ſowohl in den oberen als in den unteren. Pfeile geben die Richtung des Blutſtromes an. Hal= untere Hohlader; Han= obere Hohlader; Ao= große Körperſchlagader oder Aorta. Wirbeltiere. Fig. 17. Schema des Sängetier⸗ herzens. 1 Rechte, 2 linke Herz⸗ kammer, 3 rechte, 4 linke Vor⸗ kammer, 5 obere, 6 untere Hohlvene, 7 Lungenſchlagader, ſich gabelnd in einen Aſt für die rechte und einen für die linke Lunge, 8 vier Lungen⸗ adern, 9 große Körperſchlagader (Aorta); die Pfeile deuten die Rich⸗ tung des in das Herz, bezw. aus demſelben ausſtrömenden Blutes an. Fig. 18. Schema des Herzens eines Kriech⸗ tieres. Zwiſchen der rechten(r. K.) und linken(l. K.) Herzkammer findet ſich eine durchlöcherte Scheidewand. r. V. K. rechte Vorkammer; 1. V. K. linke Vorkammer. H. v. Hohlader, die das Blut, welches den Körper durchſtrömte, in die rechte Vor⸗ kammer zurückführt; L. art. Lungenſchlag⸗ ader; L. v. Lungenader; Ao große Körper⸗ ſchlagader oder Aorta. 2*¾ 19 20 Erſter Kreis. Wirbeltiere. Es iſt bei der hier beſchriebenen Einrichtung das Herz in der unvorteilhaften Lage, das Blut durch zwei Haargefäßſyſteme fort⸗ bewegen zu müſſen.(Kiemen⸗ und Körperhaargefäße.) Das geht aber nicht leicht, weil das Blut in den Haargefäßen ſehr an den Wänden haftet und alſo in ſeinem Laufe einer Verzögerung unterworfen iſt; die Blutſtrömung der Fiſche iſt demnach eine ſehr langſame; und weil das Blut den Sauerſtoff, den die verſchiedenen Körperteile brauchen, enthält, ſo verläuft die Oxydation im Fiſchkörper langſam: daher die geringe Wärmeentwickelung der Fiſche. Indem dieſe die geringe Wärme, welche ſie produzieren, faſt ſogleich an die Umgebung abgeben, behalten ſie keine eigene Körperwärme: ihre Körpertemperatur wechſelt mit der Temperatur des umgebenden Waſſers. Solche Tiere nennt man kaltblütige. Eine ſchnellere Blutbewegung iſt bei allen andern Wirbeltieren dadurch ermöglicht, daß in der Blutbahn zwiſchen den Atmungsorganen (Lungen) und dem Körper noch ein zweites Herz aufgenommen iſt, und zwar ein ſolches, das E dem andern Herzen in jeder n Kinſicht ähnlich iſt. Das erſte zug Herz(Fig. 16, Re) welches alſo mit dem Fiſchherzen überein⸗ ſtimmt, treibt das Blut durch die Lungenhaargefäße(L); aus dieſen kehrt das Blut in die Vorkammer des zweiten Herzens Fig. 19. Schema des Herzens eines Froſches.(Li) zurück; und wird nachher ie Her iannerte denieaan zwiſchen der von der Kammer dieſes zweiten iſt ganz weggefallen.) Weitere Buchſtaben: vgl. Herzens nach den verſchiedenen Erklärung von Fig. 18. Teilen des Körpers(Kp) fort⸗ bewegt. Nachdem es dieſen Lauf vollzogen, kehrt es in die Vorkammer des erſten Herzens zurück. Obgleich nun die beiden Herzhälften jede für ſich arbeiten, liegen ſie aneinander; ſie bilden zuſammen ein einziges Organ, und man ſpricht alſo nicht von zwei einzelnen Herzen, ſondern von zwei Herzhälften; die erſte Herzhälfte, diejenige, welche das aus dem Körper zurückgekehrte, ſauerſtoffarme Blut aufnimmt, und es nachher in die Lungen führt, liegt rechts, und heißt die rechte Hälfte; die zweite, welche das ſauer⸗ ſtoffreiche Blut aus den Lungen aufnimmt und dasſelbe nachher den verſchiedenen Körperteilen zuführt, die linke Hälfte.(Fig. 16 und 17, und Erklärung.) Bei obenbeſchriebener Einrichtung, welche ſich bei den Säugetieren und Vögeln findet, wird das aus den Lungen zurückkehrende Blut mit —-e neuer Kraft durch den Körper fortgeſtaut; es durchſtrömt alſo den Körper ſehr ſchnell, und die verſchiedenen Teile empfangen in kurzer Zeit ver⸗ hältnismäßig viel Sauerſtoff. Hieraus erklärt ſich, daß die Säugetiere —-——-——— — ſer Klaſſe 1. Säugetiere. 21 und Vögel mehr Wärme entwickeln als die Fiſche. Sie haben eine eigene, konſtante Körperwärme, welche bei den verſchiedenen Arten etwas verſchieden iſt, aber gewöhnlich zwiſchen 370 und 40°C. liegt; man nennt ſie warmblütige Tiere. Bei den Kriechtieren(Fig. 18; Schlangen, Eidechſen u. ſ. w.) ſind die beiden Herzhälften nicht vollkommen geſchieden, indem ſich in der Zwiſchenwand der beiden Kammern eine Offnung befindet. Dadurch miſcht ſich das ſauerſtoffarme Blut der rechten Herzhälfte mit dem ſauerſtoffreichen Blute der linken Hälfte, und zwar in ſtärkerem oder geringerem Grade, je nachdem die Offnung eine größere iſt. Es ſtrömt alſo bei den Kriechtieren kein völlig ſauerſtoffarmes Blut nach den Lungen und ebenſo wenig vollkommen ſauerſtoffreiches Blut nach den anderen Körperteilen. Die Folgen dieſer Einrichtung ſind: 1. daß die Atmung eine ſchwächere iſt, 2. daß auch die Wärmeentwickelung eine ſchwächere als bei den Säugetieren und Vögeln iſt(die Kriechtiere ſind kalt⸗ blütig!) und 3. daß der ganze Stoffwechſel ein langſamerer iſt als bei den warmblütigen Tieren, woraus ſich wieder erklärt, daß die Kriech⸗ tiere in einem beſtimmten Zeitraume weniger Bewegungen vollbringen. Bei den Lurchen oder Amphibien(z. B. Froſch), ſtehen ehenfalls die beiden Herzkammern miteinander in Verbindung; allein die Offnung in der Zwiſchenwand iſt eine größere als bei den Kriechtieren, es fehlt oft ſogar die ganze Zwiſchenwand(Fig. 19). Es verſteht ſich, daß bei den Lurchen die Miſchung des ſauerſtoffarmen Blutes mit dem ſauerſtoff⸗ reichen eine noch vollkommenere iſt, ſo daß auch dieſe Wirbeltiere kalt⸗ blütig ſind.— Der Kreis der Wirbeltiere umfaßt die Klaſſen I. Säugetiere, II. Vögel, III. Kriechtiere, IV. Lurche, V. Fiſche. Klaſſe 1. Säugetiere(Mammalia). Warmblütige Wirbeltiere(S. 20), die gewöhnlich mit Haaren be⸗ deckt ſind und lebendige Junge zur Welt bringen, welche ſie nach der Geburt eine Zeit lang ſäugen, wozu die Weibchen an dem Bauche, an der Bruſt oder an dieſen beiden Körperteilen mit Milchdrüſen verſehen ſind. Der Bau des Skeletts iſt im großen Ganzen derſelbe wie der des Menſchen, der auf S. 3 bis 6 beſchrieben wurde. In Einzelheiten aber finden ſich große Verſchiedenheiten. Der Schädel iſt verhältnis⸗ mäßig viel kleiner, die Geſichts⸗(namentlich die Kiefer⸗) Knochen ſind gewöhnlich viel größer als am Menſchenkopfe. Die Zahl der Hals⸗ wirbel iſt, wie beim Menſchen, bei allen Säugetieren 7; die Zahl der übrigen Wirbelarten wechſelt bei den verſchiedenen Arten ab. Namentlich kann die Zahl der Schwanzwirbel eine ſehr verſchiedene ſein.— Weil die meiſten Säugetiere auf vier Beinen gehen, ähneln ſich die Vorder⸗ und Hintergliedmaßen bei ihnen mehr als beim Menſchen. Bei vielen ſind Klaſſe 1. Säugetiere. die Schenkelknochen und Oberarmknochen in den Rumpf aufgenommen (Pferd, Rind, Schwein). Mehr als fünf Finger, reſp. Zehen, haben die Säugetiere nie, es kann aber die Zahl eine geringere ſein. Zunächſt kann der Daumen fehlen(Hinterfuß des Hundes, Vorder⸗ und Hinterfuß des Schweines). Es können bloß drei(Nashorn), zwei(Rind, Schaf) oder ein(Pferd) Finger entwickelt ſein. Neben den zur vollkommenen Entwickelung gelangten Fingern finden ſich bei mehreren Säugetieren noch ſehr kleine, verkümmerte(„Afterzehen“ der Hirſche). Auch hinſichtlich der Art und Weiſe, wie die Füße auf den Boden niedergeſetzt werden, beſtehen große Unterſchiede. Der Menſch und der Bär treten mit der ganzen Sohle auf(„Sohlengänger“); Hund und Katze treten bloß mit der Unterſeite der Zehen, nicht mit den Mittel⸗ handknochen und den Handwurzelknochen auf den Boden(„Zehengänger“). Rind, Schwein, Pferd ꝛc. ruhen beim Gehen nur auf der Zehenſpitze, welche von einem Hufe unkleidet iſt. Fig. 20. Vertikalſchnitt eines Fig. 21. Krone eines Backenzahnes des Mahlzahnes des Menſchen. Rindes. a Zement, b Schmelz, c Zahn⸗ bein, d Schmelz, e Zahnbein. Die Zähne ſind bei den Säugetieren in die Kieferknochen eingekeilt und zwar in eigens dafür dienende Zahnfächer. Der Bau eines Säuge⸗ tierzahnes erhellt aus der beigegebenen Fig. 20. Zunächſt unterſcheidet man eine Zahnhöhle(p), die beim lebenden Tiere mit einer Blutgefäße und Nervenäſte enthaltenden Maſſe ausgefüllt iſt. Dieſe Höhle wird von dem Zahnbeine oder der Dentine(d) umgeben, einem harten Stoffe, der den größten Teil des Zahnes bildet. Der harte Schmelz() bedeckt beim Menſchen ſowie bei vielen Tieren die ganze Krone, während er bei anderen Säugetieren nur auf einem Teile der Zahnkrone vor⸗ kommt. Die Zahnwurzel wird von einer knochenähnlichen Subſtanz, dem Zement(2), bekleidet. Man unterſcheidet bei demſelben Tiere drei Zahnarten, die jedoch nicht alle bei jedem Tiere vorkommen; es ſind die Schneidezähne, die Eck⸗ und die Backenzähne. Die erſten zwei Zahnarten wechſeln; von den Backenzähnen wechſeln nur die vorderen, die ſogenannten falſchen Backenzähne; die hinteren(die wahren) brechen nicht erſt als„Milchzähne“ durch, ſondern zeigen ſich erſt etwas ſpäter, und zwar ſogleich als„bleibende Zähne“. —————— Klaſſe 1. Säugetiere. 23 Der Menſch hat an jeder Seite des Ober⸗ und des Unterkiefers 2 falſche, 3 wahre Backenzähne. Man deutet die Anzahl der verſchiedenen Zahnarten bei den ver⸗ ſchiedenen Säugetierarten durch„Zahnformeln“ an, in denen man gewöhnlich bloß die Hälfte der Zähne angiebt, mit den mittleren Schneidezähnen anfangend. Man zieht eine wagerechte Linie und ſchreibt oberhalb derſelben erſt die Hälfte der Schneidezähne, dann den Eckzahn, nachher die Backenzähne des Oberkiefers, unterhalb der Linie in gleicher Reihenfolge dieſelben Zahnarten des Unterkiefers. Die Zahnformel des Menſchen iſt 2 1 5 3, diejenige des Pferdes iſt..... diejenige des Rindes iſt..... ee diejenige der Katze iſt....... 3 13 Die Zahnformel des Pferdes bedeutet zunächſt: im Ober⸗ und Unter⸗ kiefer befinden ſich an jeder Seite des Flaches, welches den Kopf in zwei gleichen Hälften einteilt, drei Schneidezähne, alſo ſechs in jedem Kiefer. (1) an der Stelle der Eckzähne bedeutet, daß dieſe Zähne zwar vor⸗ kommen können(Hengſt), aber daß ſie auch bisweilen(Weibchen) fehlen oder ſehr klein bleiben.(Ich bemerke hier indeſſen, daß die Pferdezüchter und Tierärzte die äußeren Schneidezähne des Pferdes„Eckzähne“ nennen und die wahren Eckzähne mit dem Namen„Hakenzähne“ an⸗ deuten.] 6 an der Stelle der Backenzähne bedeutet: 6 Backenzähne in jeder Kieferhälfte. Die Zähne ſind bei den verſchiedenen Säugetieren je nach der Nahrung ſehr verſchieden. Der größte Unterſchied findet ſich gewöhn⸗ lich bei den Backenzähnen. Alle Zähne, welche wie diejenigen des Menſchen, auf der ganzen Oberfläche der Krone mit Schmelz bedeckt ſind, nennt man bedeckte Zähne; diejenigen, bei welchen der Schmelz nur in mehr oder weniger tiefen Falten in den Zahn eindringt und die übrigen Teile der Krone unbedeckt läßt, heißen Faltenzähne(Fig. 21.) ISeess eea Die Backenzähne der Fleiſchfreſſer oder Carnivoren(Katze, Fuchs, Igel, Maulwurf, Fledermaus) ſowie diejenigen der ſogenannten Omnivoren, welche ihre Nahrung dem Pflanzenreiche und dem Tier⸗ reiche entnehmen, ſind bedeckt. Die Backenzähne der Pflanzenfreſſer oder Herbivoren ſind Faltenzähne.(Pferd, Rind, Haſe). Weil beim Gebrauche das Zahnbein ſich mehr abnützt als der Schmelz, zeigen die Schmelzfalten ſich als mehr oder weniger erhabene Leiſten an der Kronenfläche. Die Tiere, welche Faltenzähne beſitzen, bewegen ihre Unterkiefer beim Zermalmen der Nahrung nicht auf⸗ und abwärts, ſondern ſeitwärts, hin und wieder. Bei dieſer Bewegung wird die Ordnung der Raubtiere. Pflanzennahrung zwiſchen den Backenzähnen der beiden Kiefer, gleichſam wie zwiſchen Mühlenſteinen, gemalen, ſodaß ſie in ſehr feine Teile verteilt wird. Weil bei den Pflanzen die Nahrungsſtoffe innerhalb der unverdaulichen Zellwände eingeſchloſſen ſind, iſt eine ſo feine Zermalmung unbedingt nötig. Die Nahrung der Fleiſchfreſſer braucht nicht ſo fein zermalmt zu werden; es müſſen jedoch von den letztge⸗ nannten Tieren oft ſehr harte oder zähe Teile(Knochen, Knorpel, Sehnen, Bänder) zerſtückelt werden; ſolches aber geſchieht beſſer mit den mit hartem Schmelz bedeckten Zähnen, als mit Faltenzähnen. Die Zähne der meiſten Säugetiere haben ein begrenztes Wachs⸗ tum; bei anderen Säugetieren aber bleiben ſie fortwährend wachſen, z. B. die Eckenzähne des Schweines, die Schneidezähne der Haſen und des Pferdes. Bei Haſe und Pferd nutzen ſich dieſe Zähne ungefähr ſoviel ab als ſie wachſen; die Eckenzähne des Schweines, ſowie die großen Elephantenzähne nützen ſich nicht ab. Man unterſcheidet unter den Säugetieren die folgenden Ordnungen: I. Menſchen(Bimana), II. Affen(Quadrumana), III. Raubtiere (Carnivora), IV. Inſektenfreſſer(Insectivora), V. Fledermäuſe(Chiroptera), VI. Nagetiere(Rodentia), VII. Wiederkäuer(Ruminantia), VIII. Dick⸗ häuter(Pachydermata), IX. Einhufer(Solidungula), X. Walfiſche (Cetacea), XI. Zahnarme(Edentata), XII. Beuteltiere(Marsupialia), XIII. Schnabeltiere(Monotremata), Ich beſpreche hier nur diejenigen der aufgezählten Ordnungen, welche landwirtſchaftlich von Bedeutung ſind. Ordnung der Raubtiere(Carnivora= Ferae). In jedem der beiden Kiefer ſechs verhältnismäßig kleine Schneide⸗ zähne, und an jeder Seite von den letzteren ein großer, vorſpringender Eckzahn, mit dem die Raubtiere ihrem Schlachtopfer das Fleiſch aus dem Körper losreißen(Fig. 22). Die falſchen und der erſte der wahren Backenzähne(der ſogn. Reißzahn) ſind ſtark komprimiert und haben eine ſchneidende Krone; auch ſind ſie an der Oberfläche ganz mit hartem Schmelze bedeckt. Weil nun der Unterkiefer ſchmäler als der Oberkiefer iſt und ſich ausſchließlich auf und nieder, gar nicht hin und her bewegen kann, ſchneiden die ſcharfen Kronenränder der falſchen Backenzähne, und namentlich der immer großen Reißzähne, längs einander, und alles, was zwiſchen ſie kommt, wird wie mit einer Schere zerſchnitten. Die gewöhnlich noch hinter dem Reißzahne ſtehenden kleineren wahren Zähne(Höckerzähne) haben eine breite, höckerige Ober⸗ fläche. Man deutet die falſchen Backenzähne, den Reißzahn, ſowie die Höckerzähne in der Zahnformel eines Raubtieres gewöhnlich geſondert an und fügt dann alle Backenzähne in Klammern zuſammen. Die Zahnformel der Katze ſchreibt man alſo: Aate 3.1..2.1. 1.. 4) 3+ 1(21 0) 3 Familie der Katzen. 25 und will mit derſelben andeuten: die Katze hat im Oberkiefer 3 Schneide⸗ zähne, einen Eckzahn, zwei falſche Backenzähne, einen Reißzahn und einen Höckerzahn; im Unterkiefer dieſelbe Anzahl von Zähnen, mit der alleinigen Ausnahme, daß ſich daſelbſt kein Höckerzahn findet.— Schläfen⸗(Kau⸗) Muskeln ſind ſtark entwickelt, wodurch der Kopf ge⸗ wöhnlich verhältnismäßig breit wird.— Die Krallen ſind in einigen Familien ſehr ſcharf.— Die Raubtiere ſind kräftig, ſie bewegen ſich ſchnell, riechen und ſehen— ausgezeichnet. Die in Deutſchland wild lebenden Raubtiere gehören der Familie der Katzen, der Hunde und der Marder an. Familie der Katzen (Felida). 1 Typiſche Raubtiere Fig. 22. Schädel der Hauskatze. mit kurzem, rundem Kopfe, ſehr großen Eckzähnen und Reißzähnen, mit zwei falſchen Backenzähnen in jeder Kieferhälfte, mit einem kleinen Höckerzahn im Oberkiefer und keinem im Unterkiefer(Fig. 22.) 3+121+0) — Schnurren am Vorderteil des Kopfes.— Zunge rauh.— Die ſpaltförmige Pu⸗ pille der ziemlich großen Augen vermag ſich der verſchiedenſten Lichtſtärke anzu⸗ paſſen, ſo daß die Katzen ſo⸗ wohl am Tage als wie in hellen Nächten deutlich ſehen können.— Vorder⸗ und Hinter⸗ füße beide fünfzehig. Die Katzen ſind Zehengänger, aber es werden die ſcharfen Krallen beim Gehen nicht ſtumpf, weil das letzte Zehen⸗ glied im Ruhezuſtande aufwärts gebogen iſt. Solches geſchieht,(vergl. Fig. 23) durch ein elaſtiſches Band, welches von der Rückenſeite des letzten Gliedes nach dem zweiten verläuft. Soll die Kralle zum Angriffe vorgeſtreckt werden, ſo zieht ſich der in Fig. 23 angedeutete Beuge⸗ muskel zuſammen und biegt das letzte Glied(3) mit der ſcharfen Spitze 26 Klaſſe 1. Säugetiere. nach unten, während das elaſtiſche Band ſich ausdehnt.— Sehr beugſame, bewegliche Wirbelſäule.— Die Katzen ſind blutgierige nächt⸗ liche Tiere, die ſehr gut klettern und ihre Beute im Sprunge erhaſchen. Es gehören hierher u. a. die Hauskatze, welche von der in Nubien und im Sudan wild lebenden Nubierkatze(Felis maniculata) abſtammt; die Wildkatze(Felis catus), größer wie erſtere, mit dickerem Schwanze, früher in Deutſchland ziemlich allgemein, jetzt bloß noch in einigen wenig bewohnten Gegenden;— der Luchs(Felis Lynx), welcher früher in Deutſchland vorkam, jetzt in den Karpathen und der Schweiz noch lebt, mehr aber in Skandinavien, Dänemark und Rußland. Die Hauskatze, die bekanntlich zum Mäuſefang gehalten wird, kann auf Kornböden zu jenem Zwecke bloß dann benutzt werden, wenn Fig. 24. Der Fuchs(Canis vulpes); ½0 d. n. Gr. man dort Käſten mit Sand aufſtellt, zum Unterbringen des Kots; ſonſt verunreinigt ſie die Kornböden, wo ſie nicht fort kann, zu viel. Wildernde Katzen nützen zwar durch Feldmäuſefang, ſind jedoch zu töten, weil ſie weit mehr ſchaden durch den Fang nützlicher Vögel, ſowie durch das Zerſtören ihrer Eier und Jungen. Familie der Hunde(Canina). Kopf länger als bei den Katzen; Eckzähne und Reißzähne verhält⸗ nismäßig weniger eni wielt In jedem Kiefer auf jeder Seite zwei „„ 3+ 1 1 Höckerzähne. 6“ Klauen weniger ſcharf als die der Katzen, nicht zurückziehbar. Vorderfüße 5, Hinterfüße 4 Zehen. Zunge glatt. ———.,——— Familie der Hunde.— Familie der Marder. 27 Es gehören hierher die verſchiedenen Raſſen der Haushunde;— der Wolf(Canis lupus), der eigentlich in Deutſchland nicht mehr vor⸗ kommt, aber aus Rußland, Galizien, Ungarn, den Alpen und den Ar⸗ dennen ſich bisweilen in die Grenzländer Deutſchlands verbreitet, nament⸗ lich im Winter umherzieht und dann größere Haustiere raubt;— auch der Fuchs(Canis vulpes). Dieſer lebt in einer unterirdiſchen Wohnung, die er entweder ſelbſt ausgräbt oder ſich aus einem verlaſſenen Dachsbaue anfertigt. — Er tötet Rehe, Hirſchkälber, Haſen und Jagdgeflügel; in Gehöften ſtellt er dem Hausgeflügel nach und raubt die Eier. Weil er ſeinen Verſteck zu verraten fürchtet, raubt er niemals in der Nähe ſeines Baues.— Dem erwähnten Schaden ſteht ein wichtiger Nutzen gegen⸗ über, dadurch, daß er viele Kaninchen und in Mäuſejahren eine Un⸗ maſſe von Feldmäuſen fängt. Zwar hat er auf Thonböden ſehr ſelten ſeinen Bau, doch begiebt er ſich zeitweilig, ſolange die Mäuſeplage währt, in ſolche Gegenden um zu ſchmauſen. Auch frißt er öfter Inſekten(z. B Maikäfer), Würmer und Schnecken. Für den Land⸗ und Forſtwirt dürfte der Fuchs gewöhnlich mehr nützen als ſchaden. Familie der Marder(Mustelina). Langgeſtreckt, ſchlank; Beine kurz. Die Marder gehen, wenn ſi ſich in irgend einen Verſteck verſchleichen, auf den Sohlen, wenn ſie ſchnell davon laufen aber auf den Zehen. Kopf klein und platt; Schädel geſtreckt; Zunge glatt. An jedem Fuße 5 Zehen mit ſchmalen, ſcharfen Krallen. Ein Höckerzahn auf jeder Seite in Ober⸗ und Unterkiefer.— Aus Stinkdrüſen am After geben die Marder einen widerlichen Geruch von ſich. Es gehören hierzu: 1. Der Baum⸗ oder Edelmarder(Mustela martes): Rumpf bis 50 cm, Schwanz 25 cem; brauner Pelz mit gelblichen Wollhaaren; gelber Fleck an der Kehle;— in dichten Wäldern, wo er Vögelchen und Eichhörnchen nachſtellt; er tötet auch viel Hausgeflügel und Wild. 2. Der Stein⸗, Haus⸗ oder Dachmarder(Mustela foina, Fig. 25): etwa ſo groß wie vorige Art; graubrauner Pelz mit weißlichen Woll⸗ haaren; weißer Fleck an der Kehle;— meiſt in der unmittelbaren Nähe menſchlicher Wohnungen, in Scheunen, Holzſchichten u. ſ. w.; tötet ſehr viel Hausgeflügel, bisweilen auch wilde Vögelchen, Mäuſe und Wild. 3. Der Iltis oder Ratz(Foetorius putorius): glänzend braun⸗ ſchwarz mit gelben Wollhaaren; etwas kleiner als der Steinmarder; namentlich der Schwanz iſt kürzer und weniger lang behaart als bei den beiden vorigen Arten. Im Sommer lebt er im Freien in Baum⸗ höhlen und in Röhren von Füchſen, Kaninchen, Hamſtern; im Winter ſiedelt er ſich in der Nähe menſchlicher Wohnungen an, wo er ſich in Holz⸗ und Reiſerhaufen, auf Heuböden u. ſ. w. aufhält. Im Sommer —ÿÿõõ — —— 28 Klaſſe 1. Säugetiere. mag er durch das Töten vieler Feldmäuſe, Waſſerratten, Hamſter u. ſ. w. mehr nützen, als der Schaden beträgt, den er durch das Auf⸗ freſſen nützlicher Singvögel verurſacht. Im Winter aber wird er durch ſeine ungewünſchten Beſuche in Hühner⸗ und Taubenſtällen ſehr ſchädlich. Er tötet die Vögel und raubt die Eier, welche er, ohne ſie zu zerbrechen, ausſaugt. Auch richtet er im Winter in Bienenſtöcken großen Schaden an, da er gern Honig frißt. Das Frettchen(Foetorius furo) iſt wohl eine kurzbeinige, meiſt weiße, dann auch rotäugige Spielart des gewöhnlichen Ratzes. Fig. 25. Der Steinmarder(Mustela foina); d. n. Gr. 4. Das Hermelin oder das große Wieſel(Foetorius erminea, Fig. 26), Rumpf 30 cm, Schwanz 9 cm. Schlank; der Rumpf hat kaum mehr Umfang als der Kopf. Schwanz länger als bei der folgenden Art. Sommerpelz oben zimmetbraun, unten weiß. Schwanz zimmetbraun mit ſchwarzer Spitze. Winterpelz ggnz weiß, nur das Schwanzende bleibt ſchwarz.— Am meiſten auf Äckern, wo Anlagen oder Gehölz ſich in der Nähe befindet, und immer in großer Zahl in den Dünen wegen der daſelbſt lebenden Kaninchen. Das Hermelin raubt hauptſächlich bei Nacht; dann beſchleicht es Mäuſe, Ratten, Hamſter, Kaninchen, Haſen, Singvögel; auch wird es bisweilen in Taubenſchlägen und Hühnerſtällen ſehr ſchädlich. Doch läßt ſich ſagen, daß das Hermelin im ganzen mehr nützt als ſchadet. 5. Das kleine Wieſel(Foetorius vulgaris), auch„Heermännchen“ genannt. Kleiner als das Hermelin. Kopf größer und dicker als der * 8 — S SAN 5 —B fA l A n Familie der Marder. 29 äußerſt ſchlanke, faſt ſchlangenförmige Leib; Beine kurz. Das kleine Wieſel iſt ein ſehr geſcheidtes Tierchen, das ſich in Mäuſelöchern mit großer Leichtigkeit fortbewegen kann. Sommer⸗ und Winterpelz gleich: Rücken braun, Bauch weiß. Schwanz weit kürzer als der des Hermelins, nicht mit ſchwarzer Spitze.— Raubt hauptſächlich bei Nacht, läßt ſich aber bisweilen auch am Tage ſehen.— Weil das kleine Wieſel in den meiſten Gegenden in weit größerer Anzahl vor⸗ kommt als das Hermelin, iſt es von größerer Bedeutung. Seine Fig. 26. Hermelin, einen Haſen angreifend; ⅛ d. n. Gr. Nahrung beſteht hauptſächlich aus Feldmäuſen, auch aus Ratten und Waſſerratten, Hamſtern, jungen Haſen und Kaninchen, aus in der Nähe des Bodens brütenden Vögeln, ſowie aus ihren Eiern, die das Wieſel unterm Kinne eingeklemmt in den Bau trägt, gelegentlich auch aus Eidechſen, Blindſchleichen, Schlangen und Fröſchen. In Hühner⸗ ſtällen und Taubenſchlägen richtet es einigen Schaden an, auch für die Jagd iſt es ſchädlich; doch kann alles gar nicht den übergroßen Nutzen aufwiegen, den es hauptſächlich als eifriger Mäuſefänger bringt. Wenn in irgend einer Gegend die Feldmäuſe ſich ſtark vermehrt haben, wandern die Wieſel aus den umherliegenden Gegenden ein. In 30 Klaſſe 1. Säugetiere. Mäuſejahren kommt außer der gewöhnlichen, im Frühlinge ſtatt⸗ findenden Fortpflanzung noch ein zweiter Wurf vor. Die Zahl der Wieſel, welche ſich in einer von Feldmäuſen heimgeſuchten Gegend findet, kann eine ſehr große ſein und jene räumen unter den ſchäd⸗ lichen Nagern in ganz außerordentlicher Weiſe auf. Doch ſind die Wieſel im Winter noch ungleich nützlicher als im Sommer. Sie ver⸗ folgen die auf dem Felde den Winter überſtehenden Mäuſe ſogar unter dem Schnee; und das Töten der Mänuſe in dieſer Zeit kann auf das ſchädliche Auftreten der Nager im folgenden Sommer großen Einfluß —— — —— N8 ————— Fig. 27. Der Dachs(Meles taxus); ½ d. n. Gr. ausüben, weil ein einziges Pärchen, das den Winter auf dem Acker überſteht, bisweilen im Spätſommer 200 Nachkommen aufzuweiſen hat. Die Griechen hielten in ihren Häuſern Wieſel, ſtatt der Katzen, zum Mäuſefang. 6. Der Nörz(Foetorius lutreola), ſo groß wie ein Iltis, ver⸗ mittelt gewiſſermaßen den Übergang von den Iltiſſen zu den Fiſch⸗ ottern. Beine und Ohren kurz. Pelz glatthaarig, auf dem Rücken, ſowie auf dem Bauche braun; Kinn, Lippen und kleiner Fleck am Halſe weiß. Schwanz= 1 des Körpers.— In waſſerreichen Gegenden, am Ufer eines Fluſſes, Sees oder Teiches.— Frißt Waſſerratten, Waſſervögel, Fröſche, Salamander, Fiſche, Krebſe, Waſſerinſekten, Waſſerſchnecken und Muſcheltiere.— Holſtein, Mecklenburg, Pommern, Brandenburg, Schleſien. ———-õ—— — ¶———,— Sie NNN7T8 23) 3 M ————— Ordnung der Inſektenfreſſer. 31 7. Der Fiſchotter(Lutra vulgaris). Körper abgeplattet. Beine kurz; Schwimmhäute zwiſchen den Zehen. Schnauze gerundet. Ohren kurz, durch eine Hautfalte verſchließbar. Schwanz platt, am Ende zugeſpitzt. Rumpflänge 70— 80 cm, Schwanz 35— 40 cm. Pelz glatt⸗ haarig, oben und unten glänzend dunkelbraun.— Fehlt in keiner waſſerreichen Gegend. An den Ufern fiſchreicher Seen, Pfühle, Teiche, Flüſſe, Bäche u. ſ. w. Er fängt Waſſerratten, Enten und Gänſe, ſowie ihre Küchlein, wildes Waſſergeflügel, Fröſche, Fiſche, Krebſe, Waſſerinſekten. Für Fiſch⸗ und Krebszucht ſehr ſchädlich. 8. Der Dachs(Meles taxus, Fig. 27). Körper plump; Rücken breit; Beine kurz, mit der ganzen Sohle auftretend; Zehen mit ſtarken Grabkrallen; Schnauze zugeſpitzt; Eckzähne nicht ſehr groß; dieſe, ſowie die Reißzähne, im Alter ſtark abgenutzt. Höckerzähne ſtark entwickelt. Gebiß und ganzer Körperbau zeigen, daß der Dachs nicht ausſchließlich Fleiſchfreſſer iſt. Rumpflänge 90 cm, Gewicht 10—15 kg. Pelz ziem⸗ lich langhaarig, gelblich weißgrau mit ſchwarz gemiſcht. Kopf mit ſchwarzen und weißen Längsſtreifen; Schwanz kurz, gelbgrau.— Der Bau iſt ſehr groß; mehrere Röhren, deren Ausgänge bis auf 30 m voneinander entfernt ſind, führen nach außen. Nur abends verläßt der Dachs ſeine Wohnung. Er frißt Mäuſe, auf dem Boden brütende Vögelchen, namentlich ihre Eier und Jungen, Schlangen, Fröſche, Engerlinge, Regenwürmer, Inſekten, auch Rüben, Möhren, Eicheln, ſüße Früchte. Obgleich er Schaden und Nutzen verurſacht, mag er gewöhnlich wohl mehr nützen als ſchaden. Das Graben aber kann ihn bisweilen ſehr ſchädlich machen, weil er die Pflanzen und jungen Bäume mit den Wurzeln aus dem Boden hebt.— Der Dachs ſchläft während des Winters oft mehrere Tage hintereinander; doch hat er keinen eigentlichen Winterſchlaf; er zehrt den Winter über von ſeinem Fette. Ordnung der Inſektenfreſſer(Insectivora). Weil ſich die Inſektenfreſſer von kleinen Tierchen(Inſekten, Würmern, Schnecken) nähren, können ſie auch ſelbſt nicht groß ſein. Bloß diejenigen Arten, welche außer Inſekten noch kleine Säugetiere und Vögel oder Pflanzenſubſtanz freſſen(Igel), ſind von mittlerer Größe. Die einheimiſchen Arten leben alle auf oder in dem Boden. Die Naſe iſt rüſſelförmig verlängert und tritt in den Dienſt der Taſt⸗ empfindung. Die Augen ſind gewöhnlich ſehr wenig entwickelt.— Schneidezähne ſcharf; namentlich die ganz mit Schmelz überdeckten Backenzähne haben ſcharfe Spitzen. Die Spitzen der Zähne des Ober⸗ kiefers greifen, wenn der Mund geſchloſſen wird, in den Raum zwiſchen denen des Unterkiefers und umgekehrt. Schließt ſich der Mund, ſo dringen die Spitzen der Backenzähne beider Kiefer in den Körper des im Maule befindlichen Inſekts. Die Backenzähne ſchleifen ſich alſo auch ſelbſt ſcharf.— Die Inſektenfreſſer ſind Sohlengänger 32 Klaſſe 1. Säugetiere. (S. 22).— Es gehören hierzu: die Spitzmäuſe(Sorex), der Maul⸗ wurf(Talpa europaea) und der Igel(Erinaceus europaeus).— Die Spitzmäuſe(Sorex, Fig. 29) ſind kleine, bei oberflächlicher Beobachtung mausähnliche Tiere mit ſchlankem Körper, kleinen Augen, kleinen, verſchließbaren Ohren und ziemlich langem, dichtbehaartem Schwanze. Ihre ſpitze Schnauze, ihr ſammetartiges Fell, ſowie ihr ſchleichender Gang unterſcheidet ſie von den wahren Mäuſen. Die Spitzmäuſe ſind äußerſt gefräßig; ſie brauchen pro Tag mehr als ihr eigenes Gewicht an Nahrung, und zerſtören alſo eine ganz enorme Maſſe im Boden lebenden Ungeziefers. Sie leben in unterirdiſchen Gängen, gewöhnlich nicht in ſelbſt angelegten, ſondern in von Feld⸗ mäuſen gegrabenen.— Sie riechen ſtark nach Moſchus; der riechende Stoff wird von zwei am Hinterteile des Körpers gelegenen Drüſen ausgeſchieden. Die ſchwarzbraune Feld⸗ oder 1 Waldſpitzmaus(Sorex vulgaris), die nur Fig. 28. Schädel des Maulwurfs. 5 cm lange, bräunlich aſchgraue Zwerg⸗ ſpitzmaus(S. pygmaeus), die bräunliche Hausſpitzmaus(S. araneus) und die auf dem Rücken dunkelſchwarz⸗ braune, am Bauche ſcharf abgeſetzt weiße, weißzähnige Feldſpitzmaus —άᷓ(S. leucodon) töten auf den Fruchtfeldern, in den Gärten oder den Wäldern eine Unmaſſe von im Boden befind⸗ lichen ſchädlichen Inſekten und Fig. 29. Die gemeine Spitzmaus(Sorex vulgaris); deren Larven, ein wenig verkleinert. auch Schnecken und Würmer, bisweilen auch Feldmäuſe, und ſind im höchſten Grade nützlich. Bloß die größere(8 ½ cm lange) ſchwarze Waſſerſpitzmaus(Sorex fodiens), obgleich ſie auf dem Lande in gleicher Weiſe wie die oben genannten Arten nützt, wird für den Fiſchfang und die Fiſchzucht ſehr ſchädlich, indem ſie kleine Fiſche auffrißt und größere anbeißt, namentlich ihnen die Augen und das Gehirn ausfrißt. Der Maulwurf(Talpa europaea, Fig. 30). Körper dick, walzen⸗ förmig. Beine kurz; die Vorderbeine breit, ſpatenförmig, mit breiten Grabnägeln. Augen klein, zwiſchen den Haaren des Pelzes kaum ſichtbar. Keine Ohrmuſcheln; die äußere Gehöröffnung kann mittelſt einer Hautfalte ſich gänzlich ſchließen. Pelz glänzend ſchwarz.— Es findet ſich der Maulwurf in jedem von Inſekten und Regenwürmern bewohnten Boden, falls er nicht zu ſteif iſt und doch zuſammenhängend ——-—-——— —— ——— —.——,— gen vi elk in ——— l—S—— —.,— Ordnung der Inſektenfreſſer. 33 genug, um Gänge in demſelben graben zu können, welche nicht ſogleich wieder einſtürzen. An den Haufen, die der Maulwurf aufwirft, erkennt man ſeine Anweſenheit. Das Neſt(Fig. 31) aber findet ſich immer unter einem größeren Erdhaufen, der oftmals unter Baum⸗ Fig. 30. Der Maulwurf(Talpa europaea); etwa ½ d. n. Gr. wurzeln, Mauern u. ſ. w. verborgen iſt, auch wohl frei im Felde liegt. Es beſteht zunächſt aus einer ungefähr kreisrunden, mit Pflanzenſubſtanzen weich ausgepol⸗ ſterten Wohnkammer; dieſe wird von einem Röhrenlabyrinth umgeben. Eine Laufröhre führt vom Neſte zum Jagdfelde des Maulwurfs. Die Wände des Neſtes, ſowie die dasſelbe umgebenden Röhren, auch die Lauf⸗ röhre ſind hart. Aber die weiteren unterirdiſchen Gänge, welche der 3 Maulwurf gräbt, wenn es ihm bloß Fig. 31. Wohnung des Maulwurfs. darum zu thun iſt, Inſekten im Boden zu erhaſchen, mögen ſogleich wieder einſtürzen, und das Tier giebt ſich deshalb auch gar keine Mühe, deren Wände feſtzumachen. Die Laufröhre, in welcher der Maulwurf ſich ſehr ſchnell fortbewegen kann, iſt auf der Bodenoberfläche nicht wie die gewöhnlichen Gänge an einer kleinen Hügel⸗ kette aufgeworfenen Bodens ſichtbar, ſondern geradezu an einer Ein⸗ ſenkung, weil bei ihrer Anfertigung die Bodenmaſſe nicht aufgeworfen, Bos, Zoologie. 3. Auflage. 3 34 Klaſſe 1. Säugetiere. ſondern ſeitlich zuſammengedrückt wird. Die Laufröhre iſt länger oder kürzer, je nachdem das Jagdrevier in der Nähe oder in etwas größerer Entfernung ſich befindet; ſie kann 30 bis 50 m lang ſein. — Der Maulwurf, welcher während der Zeit, die er nicht nach Nahrung ſuchend zubringt, im Neſte ſchläft, geht dreimal pro Tag (morgens in der Frühe, am Mittage und am Abende vor dem Sonnen⸗ untergange) auf die Inſektenjagd. Im unterirdiſchen Jagdfelde ange⸗ langt, ſpürt er mit Hilfe ſeines ſpitzen Rüſſels ſchon in einiger Ent⸗ fernung die im Boden befindlichen Inſektenlarven und Würmer. Er frißt pro Tag mehr, als ſein eigenes Körpergewicht beträgt. Während des Sommers gräbt der Maulwurf ſeine Gänge nahe an der Boden⸗ oberfläche, weil die Larven und Würmer ſich dann in der oberſten Bodenſchicht befinden. Im Winter, wenn ſich die letzteren in die Tiefe — ꝗ-y— ü — 9.— Fig. 32. Der Igel(Erinaceus europaeus); ⅛ d. n. Gr. des Bodens zurückziehen, gräbt er ſeine Röhren weit tiefer; einen Winterſchlaf braucht er nicht. Bisweilen häuft er in ſeinem Bau als Wintervorrat Regenwürmer zuſammen, die er, damit ſie ſich nicht durch den Boden weiterarbeiten und alſo entfliehen können, der vorderen Körperglieder beraubt.— Im Mai, Juni oder Juli werden die Jungen(3 bis 7) geboren.— Der Maulwurf zernagt niemals Pflanzenteile. Er nützt ſehr viel dadurch, daß er viele Drahtwürmer, Engerlinge, Schnakenlarven, Erdraupen, Maulwurfsgrillen und ſonſtige im Boden lebende Inſekten und deren Larven frißt. Regenwürmer frißt er auch gern; dadurch nützt er aber nicht. Er ſchadet ſogar unter gewiſſen Bedingungen. Indem er die Erdhaufen aufwirft, entwurzelt er die Pflanzen; Gras und Getreide leiden daran nicht oder faſt nicht, andere Pflanzen mehr, junge Flachspflanzen aber ſterben ab, wenn ſie mit ihren Wurzeln losgewühlt werden. Auf Heuländern und Getreideäckern ſind die Haufen unangenehm beim Mähen. In der Nähe von Deichen darf man keine Maulwürfe dulden, weil ſie dort — Ordnung der Fledermäuſe. 35 durch ihr Wühlen mittelbar Urſache von Überſchwemmungen werden. Wo man den Maulwurf nicht dulden kann, nützen Fallen. d / 6 8 K Fig. 33. Skelett einer Fledermaus. Der Igel, Schweinigel(Erinaceus europaeus; Fig. 32), allgemein bekannt. Bei drohender Gefahr rollt er ſich zu einer an allen Seiten von Stacheln bedeckten Kugel zu⸗ ſammen und iſt in dieſer Weiſe gegen die Angriffe der meiſten Feinde ſicher. Abends geht der Igel auf die Jagd; am Tage ſchläft er in ſeinem Verſtecke, im Walle eines Grabens, in Hecken, unter Reiſighaufen. Er frißt namentlich Feldmäuſe, bisweilen auch Eier und kleine Vögel(ge⸗ legentlich Küchlein!), Eidechſen, Ringelnattern, Kreuzottern(deren Biſſe ihm nicht ſchaden!), Fröſche, Käfer und Käferlarven, Acker⸗ ſchnecken, Regenwürmer und ſon⸗ ſtige kleine Tiere, dann und wann vom Baume gefallene Früchte und ſaftige Pflanzenwurzeln. Ordnung der Fledermäuſe (Chiroptera). Alle Fledermäuſe, mit allein iger Ausnahme von einigen Fig. 34. Ohrenfledermaus(Plecotus auritus), wenigen tropiſchen Gattungen, ſchlafend; wenig verkleinert. 3* 8 I 36 Klaſſe 1. Säugetiere. freſſen Inſekten und haben ein Gebiß wie die Säugetiere der vorigen Ordnung(S. 31).— Das hervorragende Merkmal iſt die eigentümliche Umbildung der Vordergliedmaßen im Flugapparate. Die Knochen des Unterarms(Fig. 33 u, r), die Mittelhandknochen(mc), ſowie die Finger (mit Ausnahme des mit einer ſcharfen Klaue verſehenen Daumens p) ſind ſehr lang ausgewachſen; und zwiſchen den langen Fingern, zwiſchen den Vorder⸗ und Hintergliedmaßen, zuletzt auch zwiſchen den beiden Hinterbeinen, findet ſich eine elaſtiſche, zum Fliegen ſowie zum Fühlen dienende Haut. Geſicht wenig entwickelt, weil es Nachttiere ſind. Das ſehr feine Taſtgefühl hat ſeinen Sitz nicht nur in der Flughaut, ſondern auch in der Haut der oft ſehr großen Ohren und in den häutigen Lappen, die ſich bei einigen Arten(den„Blattnaſen“) an der Naſe und den Lippen befinden.— Am Tage ſchlafen die Fledermäuſe bekanntlich (Fig. 34); dann haben ſie noch einen Winterſchlaf, den ſie in Schorn⸗ ſteinen, Baumhöhlen, Ruinen und ſonſtigen Verſtecken verbringen.— Sie freſſen hauptſächlich Nachtſchmetterlinge: Eulen und Spinner; und weil ſie ein großes Quantum Nahrung brauchen, nützen ſie deshalb viel, weil die Raupen mehrerer von ihnen vertilgt werdenden Arten forſtlich oder landwirtſchaftlich ſehr ſchädlich ſind.— Es leben in Deutſchland etwa ein Dutzend Arten; es hat aber keinen Zweck, dieſe hier aufzuzählen. Ordnung der Nagetiere(Glires= Rodentia). Zwei lange Schneidezähne(Fig. 35), welche an der Kronenfläche immerfort abgenutzt werden, während ſie ſich am Wurzelende fort⸗ während verlängern. Dieſe Schneidezähne dienen zum Nagen, wobei der Unterkiefer ſchnell vor⸗ und rückwärts bewegt wird. Beim Nagen werden die Schneide⸗ zähne an der Vorderſeite weniger als an der Hinterſeite abgenutzt, weil erſtere von einer ſtarken Schmelzſchicht bedeckt iſt. Die Kronenfläche erhält alſo ein meißelförmiges Anſehen.— Daß das Wachstum der Schneidezähne niemals aufhört, ſieht man deutlich, wenn die gewöhnliche Abnutzung nicht ſtattfinden kann, z. B. wenn der Unterkiefer ſchief unter den Oberkiefer geſtellt iſt, oder wenn in dem einen Kiefer ein Zahn fehlt, wodurch der korreſpondierende Schneidezahn in dem andern Kiefer nicht abgenutzt wird. In ſolchem Falle wachſen die Schneidezähne immer fort und biegen ſich zuletzt nach oben und nach unten, wodurch die ſog.„Elefantenzähne“ ent⸗ ſtehen(Fig. 36).— Die Nagetiere haben keine Eckzähne.— Die Backenzähne ſind bei denjenigen Nagern, welche Speiſen von tieriſchem und von pflanzlichem Urſprung aufnehmen(den„Omnivoren“, z. B. —,—— äche fort⸗ eſe gen, vor⸗ widd. neide⸗ eniger enutzt tarken Die d ein -Daß eutlich, wenn wenn jerende Ordnung der Nagetiere.— Familie der Haſen. 37 Eichhorn, Hausmaus, Wanderratte), an der Kronenfläche gänzlich mit Schmelz bedeckt; bei den rein pflanzenfreſſenden(„herbivoren“) Arten (Haſe, Kaninchen) ſind ſie Faltenzähne(S. 23).— Bei den meiſten Nagern ſind die Hinterfüße länger als die Vorderfüße, wodurch der Gang mehr oder weniger hüpfend wird.— Augen groß.— Viele Nager haben„Backentaſchen“, worin ſie die von ihnen erbeuteten Speiſen einige Zeit lang aufbewahren. Wenn die Taſche gefüllt wird, ſo zieht ſich ein Muskel zuſammen, welcher das Ende der Taſche nach hinten zieht; um dieſelbe zu entleeren, drückt das Tier ſie mit den Vorderfüßen.— Die Nagetiere ſind größtenteils klein, höchſtens mittel⸗ groß(Haſe); die meiſten Arten haben ein ſtarkes Fortpflanzungs⸗ vermögen, wodurch die ſchädlichen bisweilen äußerſt ſchädlich werden. — Die in Deutſchland lebenden landwirtſchaftlich ſchädlichen Arten gehören hauptſächlich zu den Familien der Haſen, Mäuſe, Wühlmäuſe Püee m, Sſccch TW 2 Za Fig. 36. Abnormes Haſengebiß. und Murmeltiere. Der Biber(Castor fiber) kommt nur in einigen Gegenden Deutſchlands ſtellenweiſe vor; das Eichhörnchen(Sciurus vulgaris) ſowie die Schläfer(Myoxus, u. A. Haſelmaus= M. avellanarius) ſind forſtwirtſchaftlich von Bedeutung. Familie der Haſen(Leporida). Schädel länglich. Zwei kleine Schneidezähne hinter den beiden großen des Oberkiefers. Ohren lang, löffelförmig. Oberlippe geſpalten. Backenzähne mit Schmelzfalten.— Es gehören hierher: Haſe(Lepus timidus) und Kaninchen(Lepus cuniculus). Haſe(Lepus timidus). Ohr länger als der Kopf. Auge gelb⸗ braun. Pelz an der Rückenſeite roſtgelb bis grau. Unterhaar weiß. Hinterfüße verhältnismäßig länger als beim Kaninchen.— Die Häſin wirft ihre Jungen in einem offenen Lager; die Jungen werden mit offenen Augen und behaart geboren. Wenn ſie fünf Monate alt ſind, pflanzen ſie ſich fort. Die alten Haſen„ſetzen“ in einem Jahr vier⸗, bisweilen ſogar fünfmal je 2—4 Junge.— Der Haſe 38 Klaſſe 1. Säugetiere. iſt für die Landwirtſchaft ſchädlich; er frißt Kohlpflanzen, Raps, Rüben, Klee, Lupinen, Serradelle, junge Roggenpflanzen und andere Getreidearten, Möhren, Gras, mehrere Unkräuter. Doch ſchadet er weniger als das Kaninchen, weil er den Boden nicht umwühlt. Auch fällt der vom Haſen verurſachte Schaden weniger ins Geſicht, weil das unruhige, wähleriſche Tier ſelten längere Zeit hintereinander auf demſelben Flecke ſeine Aſung ſucht.— Kaninchen(Lepus cuniculus). Ohr kürzer als der Kopf. Auge dunkelbraun. Pelz an der Rückenſeite gelbbräunlich bis graugelb, am Vorderende rötlicher. Unterpelz blaugrau. Geſtalt mehr gedrungen. — Das Kaninchen vermehrt ſich ſtärker als der Haſe. 5—6 mal jährlich ſetzt das Weibchen 4—8 Junge, die nach 6 Monaten ſich wieder fortpflanzen.— Wohnung unterirdiſch. Junge bei der Geburt blind, unbehaart.— Weil das Kaninchen ſeine Wohnungen ausgräbt, iſt es an beſtimmte Gegenden gebunden; es muß nämlich der Boden nicht zu ſteif und feſt ſein, aber auch nicht zu leicht und zu wenig zuſammenhängend.— Das Kaninchen ſchadet ganz in derſelben Weiſe wie der Haſe; der Schaden fällt aber mehr ins Geſicht.(Vergl. oben.) Aber namentlich durch ſein Wühlen ſchadet er ungleich mehr. Sowohl in den Dünen, wie im diluvialen Sandboden ſind die vom Kaninchen angelegten Röhren Urſache des Verwehens des nur durch Dünenhafer und Dünengras zuſammengehaltenen Bodens.— Schießen; in Schlingen fangen; frettieren(S. 28). Haſe und Kaninchen ſchälen in Wäldern, ſowie in Obſtbaum⸗ gärten; letzteres drückt dabei ſeine Zähne tiefer ins Holz, während der Haſe mehr als das Kaninchen die Rinde in Längsſtreifen abreißt. Auch beißen(pſchneiden“) dieſe beiden Nagetiere die Zweige und Knoſpen junger Bäumchen ab.— Anlagen, Baumſchulen und jüngere Kulturen ſchützt man am beſten gegen Beſchädigung von Haſen und Kaninchen durch den Anbau von Liguſter, Weißdorn und Schwarz⸗ dorn, weil ſie dieſen Sträuchern den Vorzug geben. Um angepflanzte Bäume zu bewahren, kann man ſie mit einem Pinſel mit dem in folgender Weiſe gemachten Gemiſche anſtreichen: Man fügt 8 bis 9 1 angefaultes Rindsblut zu ⅛6 kg asa foetida, welche man vorher in warmem Waſſer gelöſt hat, miſche Kuhmiſt hinzu und laſſe dieſes Gemiſch vor dem Gebrauch einen Tag über ſtehen.— Das Schälen geſchieht am meiſten in kalten, ſchneeigen Wintern. Familie der Mäuſe(Murida). Die Mäuſe(die größeren Arten dieſer Familie werden„Ratten“ genannt) ähneln den Vertretern der folgenden Familie ſehr, unter⸗ ſcheiden ſich aber von dieſen(den Wühlmäuſen) durch den ſchlanken Körperbau, längere Beine, den mehr zugeſpitzten Kopf mit längeren, immer deutlich ſichtbaren Ohren und gewöhnlich(mit Ausnahme des Hamſters) durch einen langen, die Rumpflänge erreichenden Schwanz. Familie der Mäuſe. 39 Die Hinterbeine ſind länger als die Vorderbeine, daher die hüpfende Bewegung. Drei Backenzähne in jedem Kiefer und an jeder Seite; ſie haben eine ganz mit Schmelz bedeckte, höckerige Krone. Der Hamſter(Cricetus frumentarius). Der Hamſter(Fig. 37) hat Backentaſchen(S. 37) und einen ſehr kurzen, dicht aber kurz behaarten Schwanz. Er erreicht die Größe der Wanderratte. Hell gelblich braun; Bauchſeite und Beine ſchwarz.— Der Hamſter hält ſich faſt ausſchließlich auf fruchtbarem, dem Ackerbaue gewidmetem Boden auf; ſein Auftreten iſt ein lokales; wo er vorkommt, erſcheint er in mehreren Jahren in großer Anzahl, ſo daß die Hamſter oft bei Zehntauſenden gefangen werden.— Be⸗ liebteſte Nahrung: Weizen, Feldbohnen und Erbſen; dann folgt Roggen und ſonſtiges— Getreide, zuletzt Wurzeln, Rüben, junge Getreide⸗ pflanzen; bis⸗ weilen frißt der Hamſter auch tieriſche Nah⸗ rung: Würmer, Inſekten, Eidech⸗ ſen, kleine Vögel, Eier und Mäuſe. Als Wintervor⸗ rat trägt er ge⸗ wöhnlich nur Getreidekörner, Fig. 37. Der Hamſter(Cricetus frumentarius); ½¼ d. n. Gr. Bohnen und. Erbſen in ſeine Verſtecke; von dieſen oft über ½¼ Hektoliter.— Auf der Oberfläche zeigt ein Häufchen aufgeworfenen Bodens die Stelle an, wo das Neſt ſich befindet. Der Eingang zu demſelben verläuft ſenk⸗ recht in den Boden.— Zweimal pro Jahr 6—12 Junge.— Man kann die Hamſterwohnungen, welche auf Stoppeläckern angelegt werden, leicht auffinden und durch Aufgrabung, namentlich im Frühling und im Spätſommer, wo die Hamſter Junge haben, die Zahl dieſer ſchäd⸗ lichen Nagetiere ſehr vermindern. In Fallen zu fangen. Die Gattung der Mäuſe(Mus) enthält Nager ohne Backentaſchen und mit langem, ſchuppigem, gerin⸗ geltem Schwanze.— Es gehören hierher zunächſt zwei große Arten, ſog.„Ratten“, und zwar: Die Hausratte oder ſchwarze Ratte(M. rattus; Körper 14, Schwanz 15 em lang,, ſeit vorhiſtoriſcher Zeit in Europa einheimiſch, — und die kräftigere, etwas größere — 40 Klaſſe 1. Säugetiere. Wanderratte oder braune Ratte(M. decumanus; Körper bis 20, Schwanz 14 em lang) mit grauweißem Bauche(während die erſt⸗ genannte Art auf dem Bauche nur wenig heller als auf dem ſchwarzen Rücken iſt). Die Wanderratte iſt in der erſten Hälfte des 18. Jahr⸗ hunderts aus Aſien in Rußland eingewandert und etwa in derſelben Zeit auf Schiffen aus Vorderindien in England eingeführt. Später hat ſie ſich überall in Europa, auch in anderen Weltteilen, verbreitet und hat in vielen Gegenden die Hausratte gänzlich verdrängt.— Die beiden Ratten freſſen faſt alles und ſchaden dem Haushalte ſowie der Landwirtſchaft. Sie nähren ſich von Inſekten, Mäuſen, Eiern und Küchlein; erwachſenen Haushühnern und gemäſteten Schweinen freſſen ſie ſogar Stücke aus dem lebenden Körper; ſie freſſen auch junge Gänſe und Enten. Weiter nähren ſie ſich von Getreide, Erbſen, Bohnen, Kartoffeln, Möhren, Rüben,— von Brot, Käſe und ſonſtigem Vorrate. — Vermehrung ſehr ſchnell.— Fortjagen durch Klappermühlen, über⸗ Fig. 38. Die Waldmaus(Mus sylvaticus); etwas verkleinert. haupt durch Lärm.— In Fallen zu fangen.— Auch hat ſich als Gegenmittel die für andere Tiere nicht giftige Meerzwiebel(Scilla maritima), zerrieben und mit Kartoffeln durchknetet, bewährt.— Weiter gehören hierher vier Mäuſe: Die allbekannte Hausmaus(M. musculus): Rücken gelblich⸗grau⸗ ſchwarz, allmählich in die etwas hellere Bauchſeite übergehend. Die Waldmaus(M. sylvaticus, Fig. 38): etwas größer als die Hausmaus; Rücken braun bis gelblich⸗grau; Bauch weiß, ſcharf abgeſetzt; verhältnißmäßig ſehr lange Hinterbeine, daher der hüpfende Gang („Springmaus“). Zwar dringt die Waldmaus ziemlich weit in den Wald hinein, doch kommt ſie auch in Anlagen und Gärten, bisweilen ſogar in baumloſen Gegenden vor. Sie ſchält nicht in Wäldern und nährt ſich hauptſächlich mit Sämereien, auch mit Inſekten und mit den Eiern nützlicher Vögel.— Auf dem Aekerlande kann ſie die Lebensweiſe der Feldmaus(S. 43) annehmen, wird aber, ihrer geringen Fortpflanzung wegen, bei weitem nicht ſo ſchädlich als dieſe. Zieht, grau⸗ ls die geſett, Gang in den zweilen rn und nd vit ſie di eringen /Ziett Familie der Wühlmäuſe. 41 auch, entweder auf kürzere Zeit oder bleibend, in Häuſer, wo ſie die Lebensweiſe der Hausmaus führt. Die Brandmaus(M. agrarius; Körper 10, Schwanz 8 em lang): Rücken braunrot mit ſchwarzem Längsſtreifen. In Flächen öſtlich vom Rheine. Gewöhnlich lokal, dann aber in großer Anzahl. Haupt⸗ ſächlich auf Äckern und Fruchtfeldern; gräbt Löcher in den Boden. Im Herbſt bisweilen in großen Scharen auf dem Felde. Nahrung: Getreidekörner, Bohnen, Erbſen, Kartoffeln, Rüben, Möhren. Im Winter in Korndiemen und in den Wohnhäuſern der Landwirte. Die Zwergmaus(M. minutus), klein(Körper 6 cm, Schwanz von derſelben Länge), hübſch; Rücken gelblich⸗braunrot, Bauch ſcharf abgeſetzt weiß. Im Sommer auf den Kornfeldern; während der Erntezeit in den auf dem Felde aufgeſtellten Stiegen; im Winter in Scheunen und Heuſtöcken, aber auch im Neſte draußen auf dem Felde. Klettert in Gras⸗ und Getreidehalmen, in Stämmchen und Aſtchen anderer Pflanzen und Sträucher; hält ſich dabei nicht bloß mit den Füßen, ſondern auch mit dem Schwanze feſt.— Baut aus Gras⸗ und Getreide⸗ halmen und aus Blättern ein ſchönes, kugelrundes Neſt mit ſeitlichem Eingange.— Raubt Sämereien, hauptſächlich Getreidekörner, am liebſten Hafer. Hinſichtlich der Vertilgung der bisweilen als landwirtſchaftlich ſchädliche Tiere auftretenden Mäuſe(Waldmaus, Brand⸗ und Zwerg⸗ maus) ſei auf das unter„Feldmaus“(S. 43) Erwähnte verwieſen. Familie der Wühlmäuſe(Arvicolida). Auch bei den Wühlmäuſen heißen die größeren Arten„Ratten“, die kleineren„Mäuſe“. Die Wühlmäuſe ähneln den wahren Mäuſen (S. 38) ſehr, unterſcheiden ſich aber von dieſen durch den plumperen, gedrungeneren Körperbau, durch einen dickeren Kopf mit ſtumpfer Schnauze und durch ganz im Pelze verſteckte Ohren, durch einen kürzern, ziemlich behaarten Schwanz, an dem man keine Schuppenringe unterſcheiden kann. An jeder Seite in jedem Kiefer drei Backenzähne, von denen jeder aus zwei Reihen dreiſeitiger, in der Mitte verſchmolzener Prismen zuſammengeſetzt erſcheint; nur die Ränder der Kaufläche ſind mit Schmelz bedeckt.(Vgl. Fig. 39 und 40).— Die einheimiſchen Arten gehören alle der Gattung Arvicola an: die Waldwühlmaus oder Rötelmaus(Arvicola glareolus), die Wühlratte oder Mollmaus (A. amphibius), die Ackermaus(A. agrestis), die unterirdiſche Wühl⸗ maus(A. subterraneus) und die Feldmaus(A. arvalis). Die braunrote Waldwühlmaus(A. glareolus) kommt im Walde vor. Die Wühlratte oder Mollmaus(A. amphibius), 15 cm Rumpf⸗ länge; Schwanz von halber Körperlänge. Pelz einfarbig, an der Bauchſeite heller, varriierend von braungrau bis braunſchwarz auf dem Rücken und von weißlich bis grauſchwarz auf dem Bauche.— An den Ufern von Flüſſen, Bächen, Gräben, Kanälen u. ſ. w., auch 42 Klaſſe 1. Säugetiere. auf feuchten, niedrig gelegenen Wieſen und Äckern.— Gräbt ſtark verzweigte Gänge im Boden; weil dies vielfach in den Deichen geſchieht, werden letztere ſchließlich ganz zerſtört. Auch auf Gras⸗ und Frucht⸗ feldern ſchadet die Wühlratte durch ihr Wühlen in ähnlicher Weiſe wie der Maulwurf(S. 34). Bei ihr ſteht aber dem verurſachten Schaden kein Nutzen gegenüber. Sie frißt zwar auch Inſekten und Würmer; die Hauptnahrung aber beſteht aus Pflanzenteilen; Getreide⸗ körner, Kartoffeln, Rüben, Möhren werden von ihr in großer Quantität aufgefreſſen und namentlich auch in ihre Verſtecke geſchleppt. Auch zerſtört ſie Gras⸗ und Getreidewurzeln. Bäumen und Sträuchern ſchneidet ſie die Wurzeln ab, gewöhnlich in kurzer Entfernung von der Bodenoberfläche. Oft trennt ſie, ſogar bei armdicken Bäumen, den Stamm von der Wurzel, ſo daß die Bäume plötzlich zu welken anfangen und bald ſterben. Dann frißt ſie auch gern Küchlein und Eier von Gänſen und Enten.— Auf trockenem Boden kommt eine kleinere, etwas hellere Varietät mit etwas kürzerem Schwanze vor: Fig. 39. Obere Backenzähne der Wander⸗ Fig. 40. Obere Backenzähne der Waſſer⸗ ratte, von der Kaufläche geſehen. ratte, von der Kaufläche geſehen. der Erdwolf oder Freßwolf(A. amphibius var. terrestris). Übrigens hat dieſe Varietät dieſelbe Lebensweiſe wie die gewöhnliche Wühlratte, allein ſie greift mehr Bäume an. Fallen. Töten mit Feuerwaffen. Vergiften mit ausgehöhlten und mit Phosphor ausgefüllten Sellerieknollen, oder mit Phosphorbrei; auch mit Meerzwiebeln(vgl. S. 40). Die Ackermaus(A. agrestis), etwa ſo groß wie die Feldmaus. Rücken dunkelbraungrau, Bauch grauweiß. Lebensweiſe wie die der Feldmaus, zieht aber feuchte Gegenden den trocknen Ackern vor; kommt im Herbſt auch in die menſchlichen Wohnungen, wo ſie ein Leben wie die Hausmaus führt. Die unterirdiſche Wühlmaus(A. subterranea). Pelz dicht, ſammetartig, Ohren völlig in demſelben verſteckt. Rücken roſtgrau, Bauch weißlich.— Kommt nur nachts an die Oberfläche. In Gemüſe⸗ und Blumengärten, auf feuchten Wieſen und Ackern. Schwächere Vermehrung als bei der Feldmaus, ſonſt dieſelbe Lebensweiſe. Die Feldmaus(A. arvalis, Fig. 41), gelblich⸗grau, Bauch ſchmutzig, roſtweißlich. Körperlänge, ohne Schwanz, 7—12, gewöhnlich 8— 10 cm. ſtark ieht uch⸗ deiſe dten und d⸗ ttät Auch hern der den len und eine vor: Familie der Wühlmäuſe. 43 Schwanz ſehr kurz. Auf bindigem Thon⸗ und Lehmboden; fehlt aber auch auf dem ſeit längerer Zeit in Kultur gebrachten Sandboden nicht. Es überwintern gewöhnlich verhältnismäßig wenig Feldmäuſe; dieſe fangen aber im Frühling an, ſich fortzupflanzen, und werfen zwei bis dreimal 6—10 Junge. Nicht nur gebären alle dieſe Jungen in dem⸗ ſelben Jahre noch zwei⸗ bis dreimal, ſondern es können im Herbſte noch die erſtgeborenen Enkel wieder Junge zur Welt bringen. Die jungen Feldmäuſe aber bringen jedesmal weniger(4—7) Junge zur Welt. Eine 8 Wochen alte Maus iſt ſchon fortpflanzungsfähig. Und ſo kann, falls keine ſtörenden Einflüſſe vorhanden, ein Pärchen Feld⸗ mäuſe, welches den Winter auf dem Acker zubrachte, im nächſten Herbſte 200 und mehr Nachkommen haben. Allein in den meiſten Jahren wird im Anfange des Frühlings durch die plötzlich ein⸗ fallende Kälte eine große Zahl Weibchen und Junge getötet, und dadurch wird der ſtarken Vermehrung im weiteren Verlaufe des Jahres verehennt, Außer⸗ dem töten die zahlreichen. Feinde(Wieſel, Hermeline, F'. 41. Die Aawamneriennern, e arvalis), Iltiſſe, Füchſe, Spitzmäuſe, Igel, Eulen, Buſſarde u. ſ. w.) eine Unzahl von Feldmäuſen. Nament⸗ lich ſind die kleinen Wieſel durch Zerſtörung der überwinternden Mäuſe nützlich.(S. 29.) Die hier aufgezählten Urſachen haben zur Folge, daß es, unge⸗ achtet des ſtarken Fortpflanzungsvermögens der Feldmäuſe, nur in einigen Jahren zu einer koloſſalen Vermehrung, alſo zu einer— Mäuſeplage, kommt. Eine Mäuſeplage Fig. 42. Hohenheimer Mänuſefalle. tritt gewöhnlich nicht vor dem Hochſommer, oft erſt im Spätſommer und Herbſte auf. Dann zerſtören die kleinen Nager alles, was auf dem Felde ſteht: Gras und Getreide, Bohnen, Erbſen, Klee, Kartoffeln, Rüben u. ſ. w. Der Boden iſt ganz und gar wie ein Schwamm durchlöchert; man kann faſt den Fuß nicht niederſetzen, ohne auf eine Maus zu treten. Im Herbſte findet ge⸗ wöhnlich die Mäuſeplage durch Nahrungsmangel, ſowie durch unter den Mäuſen auftretende paraſitäre Krankheiten ihr Ende, ſo daß nur die kräftigſten Exemplare auf dem Felde übrig bleiben und überwintern. Gegenmittel. a) Vorbeugungsmittel: Schutz der natür⸗ lichen Feinde(ſ. oben).— Wegfangen der im Frühjahr nur noch in geringer Anzahl vorhandenen Mäuſe, z. B. mit Hohenheimer Mäuſe⸗ fallen(Fig. 42). b) Vertilgungsmittel, die in dem ganzen Diſtrikte, wo die Plage auftritt, möglichſt allgemein angewandt werden müſſen.— Wenn — 8 44 Klaſſe 1. Säugetiere. ſchon alles auf dem Felde vernichtet oder die Ernte bereits vorüber iſt: 1. Bearbeitung des Bodens mit der Walze(Stachelwalze), 2. teil⸗ weiſe Inundierung der tiefer gelegenen Felder.— Will man die Mäuſe töten und zugleich die Ernte ſchonen, ſo empfiehlt ſich: 1. das Graben eylindriſcher Löcher von ½ Fuß Durchmeſſer und 2 Fuß Tiefe, namentlich an den Rändern der Äcker und in den auf denſelben verlaufenden Rinnen, ſowie— in der Erntezeit— um die auf dem Acker befind⸗ lichen Stiegen herum. Die Mäuſe fallen in die Löcher, können nicht wieder heraus und ſterben vor Hunger. 2. Die Anwendung von Giften.(Vorſicht, damit keine Kinder und Haustiere vergiftet werden!) Am beſten verwendet man Phosphorbrei, an Strohhalmſtückchen in die Löcher geſchoben. Erſt trete man alle Löcher zu und am nächſten Tage bringe man das Gift in diejenigen Löcher, welche wieder geöffnet ſind, denn bloß in dieſen befindet ſich eine Maus.— In neuerer Zeit wurde die Anwendung von kohlenſaurem Baryt mit Mehl zuſammen⸗ gebracht, in bohnengroßen Stücken in die Mäuſelöcher gelegt, empfohlen; dasſelbe verurſacht, ſobald es aufgenommen, Lähmung der Mäuſe.— Namentlich hat man in den letzten Jahren durch das Einbringen von Saccharinſtrychninhafer(von Wasmuth& Co. in Ottenſen) recht gute Erfolge erzielt.— Die von Löffler empfohlene künſtliche Verbreitung des Mäuſe⸗ typhus hat namentlich vor der Anwendung von anderen Giften dieſen Vorteil, daß das Gift ſich von ſelbſt vermehrt, ſo daß man nicht bloß auf den Feldern, wo man das Löffler'ſche Mittel anwendet, Reſultate erzielt, ſondern auch die Feldmäuſe au den angrenzenden ückern in⸗ fiziert. Reinkulturen des Bacillus, der den Mäuſetyhus veranlaßt, ſind im Handel zu haben; man infiziert damit Brotſtücke, welche in die vorher zugetretenen Mäuſelöcher gelegt werden. Man hat mit dieſem Mittel mehrfach glänzende, allein bisweilen gar keine Re⸗ ſultate erzielt. Familie der Murmeltiere(Arctomyida). Kopf breit; Stirn flach; Schnauze ſpitz; Augen groß. Backen⸗ zähne mit Schmelz bedeckt, mit ſtumpfen Höckern auf der Kaufläche. Plumper Körperbau.— Leben unterirdiſch in ſelbſtgegrabenen Höhlen und Felsſpalten.— Es gehört in dieſe Familie das Alpenmurmeltier (Arctomys marmota) und der Zieſel(Spermophilus citillus). Rumpflänge 20 cm, Schwanzlänge 8 cm. Schwanz auf der Endhälfte buſchig behaart. Graubraun mit kleinen weißen Flecken oder Wellen; Bauchſeite lehmgelb; kommt bloß in Schleſien, Böhmen, Oſterreich vor. Bewohnt trockene, baumleere Ebenen, Ackerland und Grasfelder auf Sand⸗ oder Lehmboden; er nährt ſich von Wurzeln, Getreide, Erbſen und Bohnen, Beeren und verſchiedenen Kräutern; Familie der Murmeltiere.— Familie der Eichhörnchen. 45 auch frißt er bisweilen Vögel und Mäuſe. Er hält ſeinen Winter⸗ ſchlaf in ſeinem Bau, deſſen Eingang er im Herbſte verſtopft, nachdem er ſeine Vorräte in demſelben angehäuft hat.— Man fängt ihn mit Fallen, oder man gräbt ihn aus. Familie der Eichhörnchen(Sciurida). Kopf breit, Stirn flach, Ohren und Augen groß; Backenzähne an der Oberfläche ganz mit Schmelz bedeckt, mit ſtumpfen Höckern (gemiſchte Nahrung!). Schwanz lang, zweizeilig behaart.— Bloß eine einzige europäiſche Art: Fig. 43. Das Eichhörnchen(Sciurus vulgaris); ¼ d. n. Gr. das Eichhörnchen(Sciurus vulgaris, Fig. 43). Schwanz ſtark behaart, wenig kürzer als der Körper. Ohren mit einem Haarbüſchel.— Starke Krallen(an den Vorderfüßen 4, an den Hinterfüßen 5), zum Feſthalten an den Baumſtämmen beim Klettern geeignet.— Gewöhnlich rotbraun, an der Bauchſeite weiß, auch wohl am Rücken kaſtanienbraun; eine lokale Varietät dunkel⸗ ſchiefergrau, faſt ſchwarz(Schwarzwald).— Die Hauptnahrung beſteht aus Baumſämereien: Eicheln, Buchenſamen, Nüſſe, Haſelnüſſe, Nadel⸗ holzſamen. Um die letzteren zu bekommen, beißt das Eichhörnchen die Kiefern⸗ und Fichtenzapfen ab und zerbeißt dann die Schuppen. Auch frißt es Inſekten, ſowie die Eier und die Jungen der Vögel. — Im Winter, wenn die gewöhnliche Nahrung fehlt oder wenigſtens 46 Klaſſe 1. Säugetiere. die auf dem Boden liegenden Sämereien vom Schnee bedeckt ſind, beißt es die Zweiglein der Fichte ab und frißt die größern Knoſpen aus; auch ſchält es die oberen Enden der Stämme und die kleineren Äſte verſchiedener Bäume, namentlich der Lärchen und Kiefern. Ordnung der Wiederkäuer(Ruminantia). Die Füße endigen in zwei mit Hufen bekleideten Zehen; außerdem können noch zwei„Afterzehen“(S. 22) vorkommen. Im Oberkiefer fehlen, mit wenigen Ausnahmen, die Schneidezähne. Auch fehlen den meiſten Wiederkäuern die Eckzähne; viele Hirſche aber haben Eckzähne im Oberkiefer. Die Backenzähne der Wiederkäuer ſind Faltenzähne. Der Unterkiefer iſt ſchmäler als der Oberkiefer und führt beim Kauen Seitenbewegungen aus, wobei die Pflanzenteile, welche als Nahrung aufgenommen, zwiſchen den vorragenden Schmelzfalten der oberen und unteren Backenzähne gleichſam zu kleinen Stücken„gemahlen“ werden. „ Der Magen beſteht aus vier Abteilungen, dieſe ſind: erſtens der Wanſt oder Panſen, worin der größte Teil des verſchluckten Futters und des genoſſenen Waſſers ſich anhäuft, zweitens der Netzmagen oder die Haube, drittens der Buchmagen, Pſalter, Löſer oder Blätter⸗ magen, viertens der Labmagen. Letzterer iſt die zweitgrößte Magenabteilung, in welcher dieſelben chemiſchen Umänderungen ſtattfinden, wie im einfachen Magen der nicht wieder⸗ käuenden Säugetiere. Nachdem die Speiſen eine Zeit lang im Panſen verweilt haben, ſteigen ſie durch den Schlund wieder auf; ſie werden zum zweitenmal gekaut, und die dann wieder verſchluckte, weich ge⸗ wordene Maſſe gelangt in den Buchmagen und den Labmagen. Nicht nur die Familien der Schwielenfüßer(Kamele, Lamas) und Giraffen, ſondern auch die artenreiche Familie der Hohlhörner (Cavicornia), wozu u. a. Rind, Schaf und Ziege zählen, können in dieſem Buche übergangen werden. Ich brauche nur zu erwähnen die Familie der Hirſche(Cervida). Die Hirſche haben veräſtelte Hörner, welche zuſammen das Geweih. genannt werden. Mit alleiniger Ausnahme des Renntieres kommen ſie bloß beim männlichen Geſchlechte vor. Es ſind Knochenbildungen, die auf Zapfen der Stirnbeine(„Roſenſtöcke“) aufſitzen. Sie werden Ordnung der Wiederkäuer.— Familie der Hirſche. 47 nach jeder Brunſt abgeworfen; nachher bilden ſich neue Hörner, die anfänglich mit einer zarten Haut bekleidet ſind. Vor der nächſten Brunſt aber ſchmiegt die das Horn bekleidende Lederhaut ſich dem Horne feſt an und verknöchert ſelbſt, während die Oberhaut zuſammen⸗ ſchrumpft; es fallen Stückchen ab, und bald„fegt“ der Hirſch die Reſte fort, indem er ſein Geweih an Baumſtämmen reibt. Wenn die Lebensverhältniſſe(Nahrung, Wetter) günſtig ſind, ſo bekommt der Hirſch, wenigſtens ſolange er noch mit den vermehrten Jahren an Kraft und Größe zunimmt, jedes Jahr einen Seitenaſt mehr an jedem Horn. Der einjährige Hirſch hat alſo ein Geweih ohne Seitenäſte (er heißt„Spießhirſch“), der zweijährige hat einen Seitenaſt an jedem Horn(„Gabelhirſch“), der dreijährige hat drei Äſte, heißt alſo„Sechs⸗ ender“, der vierjährige iſt ein„Achtender“, der fünfjährige ein„Zehn⸗ ender“ u. ſ. w. Beim Reh ſpricht man von„Spießböcken“,„Gabel⸗ böcken“,„Sechsenderböcken“ u. ſ. w.(Fig. 45). In Deutſchland finden ſich zwei urſprünglich einheimiſche Hirſche: der Edelhirſch, das Edel⸗ oder Rotwild(Cervus elaphus) und das Reh(C. capreolus); eine dritte Art, der Damhirſch(C. dama), lebt in Südeuropa und Kleinaſien und wurde gegen Ende des 17. Jahr⸗ hunderts vom Großen Kurfürſten in Brandenburg eingeführt; er kommt jetzt in vielen Gegenden Deutſchlands nicht nur in Tiergärten, ſondern auch in ganz verwildertem Zuſtande als Jagdtier vor. Der Edelhirſch(Cervus elaphus), 6—7 Fuß lang und 4 Fuß hoch. Geweih der ganzen Länge nach rauh und drehrund; es hat in normalem Zuſtande zwei Augenſproſſen, eine Mittelſproſſe und eine Krone. Schwanz klein. Körperfarbe bräunlich, im Sommer in Rot übergehend. Am Schwanze ein lichtbraungelber „Spiegel“.— Männchen ſtärker als die Weibchen; ſie erhalten in der Brunſtzeit(im Herbſte) lange, dunkle Haare am Halſe. Die Jungen („Kälber“) ſind bis zum erſten Haarwechſel im Oktober weißgefleckt.— Im Mai oder im Anfang des Juni ſetzt das Tier ein Kalb, ſelten zwei Kälber.— Der männliche Hirſch wirft das Geweih Ende Februar ab; das neue Geweih iſt dann ſchon im Juli wieder vollkommen aus⸗ gebildet. Solange es noch weich iſt, halten die Hirſche ſich in niedrigen Holzungen auf, und erſt nachdem es vollkommen ausgebildet, ſuchen ſie die Hochwaldungen auf. Letztere werden von ihnen auf längere Zeit nur während der Brunſt verlaſſen; auf kürzere Zeit jedoch, ver⸗ laſſen ſie den Hochwald womöglich jeden Abend, um auf den Ackern Kohl, Erbſen, Bohnen, junges Getreide, Klee, Lupinen, Gras u. ſ. w. zu äſen. Rüben, Möhren und Kartoffeln holen ſie mit den Vorder⸗ läufen aus dem Boden, um dieſe zu freſſen. In dieſer Hinſicht ſchaden die Hirſche gar viel, und zwar nicht nur direkt durch ihre Aſung, ſondern viel mehr durch das Zertreten der Feldfrüchte. Im Herbſte und Winter nähren ſie ſich hauptſächlich von Eicheln, Bucheln, Knoſpen ooooͤͤͤͤ·—·—·—······································rrnn:— Klaſſe 1. Säugetiere. und jungen Schoſſen verſchiedener Bäume. Auch ſchälen ſie die Rinde junger Bäume ab und verurſachen durch das Fegen oftmals Schaden. — Der Landwirtſchaft ſowie dem Waldbaue iſt der Edelhirſch ſchädlich. — Eingattern der zu beſchützenden Acker, Gärten u. ſ. w. Das Reh(Cervus capreolus), bis 3 ½ Fuß lang und etwa 2 Fuß hoch. Geweih(Fig. 45) nur wenig veräſtelt, an der ganzen Oberfläche rauh; die Stangen und Enden ſind drehrund. Das Geweih hat keine Augenſpitzen, gewöhnlich nur drei Enden. Schwanz äußerſt klein und verſteckt. Beine(„Läufe“) hoch und ſchlank. Sommerhaar graubraun mit einem Ubergang zum Rötlichen; das längere Winterhaar bräunlich⸗grau. Am Steiß ein weißlicher Spiegel.— Die Jungen(,Kitzchen“) haben anfangs weiße Flecken auf bräunlichem Grunde. Brunſt im Auguſt. Im Mai oder Juni ſetzt das Weibchen(die „Ricke“) ihre zwei „Kitzchen“.— Das Reh hält ſich vorzugsweiſe im Nieder⸗ und Mittel⸗ walde auf, und zwar an ſolchen Orten, wo gras⸗ und kräuterreiche Blößen, Frucht⸗ und Fig. 45. Entwickelung des Rehgehörns. ¹) Getreidefelder oder Wieſen mit dem Walde abwechſeln. Abends tritt es aus dem Dickicht zur Aſung auf die Felder und Wieſen; gegen Morgen zieht es ſich wieder zurück. Das Reh frißt ſowohl junges als mehr ausgewachſenes, ährentragendes Ge⸗ treide, ferner Hirſekolben, Bohnen, Erbſen, Klee und Lupinen. Kar⸗ toffeln und Rüben ſcheint es nicht zu freſſen. Sehr ſchädlich werden namentlich die Böcke dadurch, daß ſie im Getreidefelde umhertraben. Das Damwild(Cervus dama), etwa 4 Fuß lang und 3 Fuß boch; Geweih nur an der Wurzelhälfte rauh und drehrund mit ziemlich glatter, flacher Endſchaufel. Alte Individuen ſind fahlbraun, das Sommerhaar iſt rötlich und hell gefleckt; Bauch weißlich; um den Schwanz ein weißer Spiegel. Die jungen Stücke haben ſcharf hervortretende helle Flecken.— In der Lebensweiſe ſtimmt dieſe urſprünglich nicht einheimiſche Hirſchart in ¹) Ich will bei dieſer Figur die Bemerkung machen, daß das Gabeln der oberen Spitzen beim Rehbock zu den Ausnahmen gehört. 1 Ordnung der Vielhufer.— Ordnung der Einhufer. 49 Vielem mit dem Edelhirſche überein; allein es wechſelt weniger ſeinen Aufenthaltsort, verläßt aber gern gegen Abend den Wald, um auf Fruchtfeldern ſeine Aſung zu ſuchen. Weil der Damhirſch in großen Rudeln lebt, ſo richtet er durch Zertreten großen Schaden an. Ordnung der Vielhufer oder Dickhäuter (Multungula= Pachydermata). Nicht wiederkäuende Huftiere mit dicker, oft ſchwieliger, nackter oder ſpärlich behaarter, vielfach borſtiger Haut und mit 3 bis 5 Zehen, die zwar nicht alle in gleichem Grade entwickelt, jedoch niemals rudimentär ſind. Die verſchiedenen Arten ſind in Nahrung und Gebiß einander ſehr ungleich.— Es gehören hierzu die als Haustiere gehaltenen Schweine, und als einziges einheimiſches wildes Tier das Wildſchwein(Sus scrofa). An jedem Fuß vier Zehen, von denen die zwei hinteren klein ſind und gewöhnlich den Boden nicht berühren. Das Wildſchwein ſtimmt in der allgemeinen Körperform mit dem gewöhnlichen deutſchen Hausſchweine überein. Im Ober⸗ und Unterkiefer ſechs Schneidezähne; die im Unterkiefer ſind nach vorn gerichtet. Die Eckzähne, welche beim„Keiler“ mehr als beim Mutterſchweine entwickelt ſind, krümmen ſich in beiden Kiefern als„Hauer“ nach außen und oben. In jedem Kiefer auf jeder Seite ſieben höckerige, ganz mit Schmelz bedeckte Backenzähne. Rumpflänge 175 em, Schwanzlänge 50 cm. Farbe: ſchwarz und roſtbraun. Die Jungen(,Friſchlinge“) ſind weiß und dunkelbraun gefleckt und geſtreift.— Das Wildſchwein liebt feuchte, ſumpfige, aber zugleich dicht bewachſene Gegenden, wo es ſich am Tage verborgen hält; erſt wenn es finſter und ganz ſtill geworden iſt, beſucht es Felder und Wieſen. Es frißt dann hauptſächlich Rüben, Möhren und Kartoffeln, die es aus dem Boden herauswühlt; auch nährt es ſich von Hülſenfrüchten und Getreide; es zertritt aber von dieſen Pflanzen weit mehr als es frißt. Ferner nährt es ſich von Eicheln, Bucheln, Haſelnüſſen, auch von Trüffeln.— Einigen Nutzen bringt das Wildſchwein dadurch, daß es auch Schnecken, Würmer, im Boden lebende Inſektenlarven, ſowie im Boden befindliche Puppen ſchädlicher Raupenarten frißt; auch Mäuſe.— Dichte Zäune, um der Beſchädigung des Getreides vorzubeugen. Die Oroͤnung der Einhufer(Solidungula), zu welcher Pferd und Eſel gehören, braucht hier nicht behandelt zu werden; noch weniger die anderen, auf S. 24 aufgezählten Ordnungen. Bos, Zoologie. 3. Auflage. 4 Klaſſe 2. Vögel. Klaſſe 2. Vögel(Aves). Warmblütige Wirbeltiere, die durch Lungen atmen, mit Federn bedeckt ſind, keine Zähne, ſondern einen Hornſchnabel haben und hart⸗ ſchalige Eier legen, welche ſie durch ihre Körperwärme ausbrüten. Sie ſind für die Fortbewegung in der Luft eingerichtet, aber nicht alle gleich gut. Die vor⸗ deren Gliedmaßen ſind zu Flügeln umgebildet, welche aus ähnlichen Teilen wie diejenigen der Säugetiere beſtehen. Man unter⸗ ſcheidet an der Hand zunächſt einen kleinen Daumen, weiter gewöhn⸗ lich einen zweigliederigen Zeigefinger und einen kleinen dritten Finger. An der Elle ſind die kleinen oder Armſchwingen (Fig. 47 BB), an den 2 Mittelhandknochen und ——„ Fingern die großen oder Handſchwingen(A, 1 bis 10) befeſtigt, während der Daumen die Eck⸗ federn(C) trägt. Am letzten Schwanzwirbel ſind die Schwanz⸗ oder Steuerfedern einge⸗ pflanzt.— Der Körper wird Fig. 46. Skelett des Bunehgeſere e d n. Gr von ſteifen, ziemlich lan⸗ 1=in e rbeelett Bend änntnfſir gein, 3= Raben⸗ gen Konturfedern be⸗ ſchlüſſelbein, 4-= Bruſtbein, 5= Schulterblatt, 6= Ober⸗ kleidet, welche die kurzen, zontn hene hand⸗ Shriche, ere eſ⸗ 9- hand uche⸗ weichen Dune n dem Auge Schwanzwirbel, 14= Schienbein, 15= Lauf. entziehen.— Die Knochen ſind hohl und mit Luft gefüllt. Ihre Höhle ſteht in Verbindung mit den im Körper überall verbreiteten Luftſäcken, welche ſich von den Lungen aus mit Luft füllen, wenn der Vogel zu fliegen beginnt. In dieſer Weiſe vermindert er ſein ſpecifiſches Gewicht. Das ſehr ſtark entwickelte Bruſtbein beſitzt einen Kamm zum Anſatz der Flügelmuskeln. Die Bruſt iſt dadurch keilförmig und die Fortbewegung durch die Luft wird alſo eine leichtere. Klaſſe 2. Vögel. 51 Die beiden Schlüſſelbeine ſind zu einem Gabelbeine verwachſen; die Verbindung des Bruſtbeines mit den ſchmalen Schulterblättern wird durch die beiden Rabenſchlüſſelbeine dargeſtellt.(Dieſe letzteren ſind beim d hiſ Menſchen bloß durch ul nn kleine Fortſätze Wan„Rabenſchnabelfort⸗ Me ſätze“(S. 4) ver⸗ h treten.) Der Rumpf e hi iſt ſteif, namentlich n ne deſſen Hinterteil faſt dupetel unbeweglich; hin⸗ unte⸗ gegen kann der aus hun vielen(ſogar bis 22) bene Wirbeln beſtehende puüdi Hals nach vielen derhy Richtungen gedreht aner werden. Die Vögel gr n gehen bloß auf den leinen Zehen; die Mittel⸗ gen fußknochen ſind mit in di einer der Reihen der en und Flügelwurzel⸗ oder en dde Hinterfußknochen zu 4.1 einem Laufe zu⸗ vibren ſammengewachſen. (i⸗ Lauf und Zehen ſind t Au mit Hornſchildern Kcde ſed bekleidet.— Alle d Vögel genießen eine konzentrierte Nah⸗ rung, es ſei denn, daß ſie hauptſächlich Samen oder tieriſche Speiſen eſſen. Der Darm iſt deshalb relativ kurz. Der Magen beſteht aus zwei Abteilungen: einem Verdauungs⸗ magen und einem Fig. 47. Flügel des Buſſard. Muskelmagen, der namentlich bei den körnerfreſſenden Vögeln ſtark entwickelt iſt. Indem die Muskelwände ſich zuſammenziehen, zerſtückeln ſie den Inhalt, ſo daß 4* 52. Klaſſe 2. Vögel. der Muskelmagen gleichſam zum Kauen dient.— Die Vögel haben einen ſehr ſtark entwickelten Geſichtsſinn. Der Geſchmack iſt relativ wenig entwickelt, die Zunge gewöhnlich ſchmal, mit Hornbekleidung. Das Vogelei(Fig. 48) beſteht aus der an der Oberfläche des Dotters befindlichen Keimſcheibe(h), aus der ſich der junge Vogel ent⸗ wickelt,— aus den zur Nahrung des ſich entwickelnden Vogels dienenden Subſtanzen: dem gelben(a) und dem weißen(b) Dotter, ſowie dem Eiweiße(c*), in dem die Hagelſchnüre(d) liegen,— ſchließlich aus den ſchützenden Teilen: der Schalenhaut(e) und der Kalkſchale(f); — g iſt die Luftkammer. Wenn die Jungen dem Ei entſchlüpfen, ſind ſie entweder ſofort imſtande, mehr oder weniger ſelbſtändig aufzutreten, wenigſtens ihre Nahrung aufzuſuchen; dann können ſie ſogleich bei der Geburt ſehen und haben eine Feder⸗ bekleidung(Neſtflüch⸗ ter; z. B. Hühner, Enten, Möven, Kibitze); — oder die Jungen müſſen längere Zeit im Neſt verbleiben, weil ſie anfangs blind und nackt ſind; dann werden ſie von den Alten eine Zeit lang gefüttert (Neſthocker; z. B. Raubvögel, Sperlinge, Nachtigall, Tauben).— In der kalten und der Fig. 48. Das Vogelei. gemäßigten Zone blei⸗ ben die meiſten Vogel⸗ arten nach der Brutzeit nicht in ihrer Heimat; diejenigen, welche im Herbſte nach dem Süden ziehen, nennt man Zugvögel; diejenigen aber, welche in der Gegend, wo ſie gebrütet haben, verbleiben, heißen Standvögel, wenn ſie auch während des Winters in der Nähe ihrer Geburtsſtätte bleiben(Sperling, Eichelhäher, Elſter),— Strichvögel, wenn ſie größere oder kleinere Wanderungen vollbringen, je nachdem Nahrungsmangel oder andere Einflüſſe ſie dazu veranlaſſen(Spechte, Meiſen, Goldhähnchen, Baumhüpfer). Die Wanderungen der Strich⸗ vögel finden nicht, wie diejenigen der Zugvögel, an beſtimmten Zeiten und in beſtimmter Richtung(N⸗—S ſtatt; auch fügen ſich die Strichvögel verſchiedener Arten zum Zwecke der Wanderung zu größeren Scharen zuſammen.— Man unterſcheidet gewöhnlich die folgenden Ordnungen: I. Raub⸗ vögel(Raptatores), II. Klettervögel(Scansores), III. Singvögel(Passeres), IV. Tauben(Gyrantes), V. Hühnervögel(Rasores), VI. Sumpfvögel Ordnung der Raubvögel. (Grallatores), VII. Schwimm⸗ vögel(Natatores), VIII. Lauf⸗ vögel(Cursores). Die Ordnung der Lauf⸗ vögel ſtellt ſich aus den ſtrauß⸗ ähnlichen Vögeln zuſammen und wird hier nicht weiter behandelt. Ordnung der Raubvögel (Raptatores). Oberſchnabel gekrümmt, an der Baſis mit einer Haut(Wachs⸗ haut) bekleidet;— vier kräftig gekrallte, an der Unterſeite mit Saugnäpfchen verſehene Zehen (Fig. 49);— Flügel kräftig.— Die Raubvögel leben in Paaren, brüten einmal jährlich in aus Hölzern und Aſten aufgebauten Neſtern. Sie ſind Neſthocker(S. 52). — Geſicht ſcharf.— Die Raubvögel näh⸗ ren ſich faſt aus⸗ ſchließlich von Wir⸗ beltieren, hauptſäch⸗ lich von Säugetieren und Vögeln. Man kann über ihre Nah⸗ rung ſich ein Urteil bilden durch Unter⸗ ſuchung ihrer„Ge⸗ wölle“, das ſind die aus unverdaulichen Teilen zuſammen⸗ geſetzten rundlichen Ballen, welche 12 bis 20 Stunden nach der Aufnahme des Futters wieder her⸗ ausgewürgt werden. — Man unterſchei⸗ det zwei Gruppen: Fig. 50. Der Steinadler(Aquila fulva); ⁄160 d. n. Gr. Fig. 49. ₰ LS S Kopf und Fuß eines Falken. Klaſſe 2. Vögel. Tagraubvögel und Nachtraubvögel. Die erſteren(Fig. 49, 50) haben einen ſeitlich abgeplatteten Kopf, ſeitwärts blickende Augen, ziemlich ſteifes Gefieder; die Nachtraubvögel(„Eulen“, Fig. 51, 52) haben einen vorn abgeplatteten, großen Kopf mit nach vorn ſchauenden großen Augen, ein weiches Gefieder und haarähnliche Federn auf dem Laufe und den Zehen, deren zwei nach vorn, eine nach hinten, eine nach außen gerichtet iſt. Die radiär um die Augen herum geſtellten Federchen bilden einen ſog.„Schleier“. . d N dX * Fig. 51. Die Schleiereule(Strix Fig. 52. Der Uhu(Otus bubo s. Bubo maximus); flammea); ⅛ d. n. Gr. 1 d. n. Gr. Die Eulen können in der Morgen- und Abenddämmerung, ſowie in der Nacht, wenn es nicht ganz finſter iſt, ſehr gut ſehen; am Tage iſt ihnen das Licht gewöhnlich zu hell. Deshalb fliegen ſie bei Nacht.— Vorwiegend ſchädlich(durch das Töten entweder von Hausſäuge⸗ tieren und Hausgeflügel, oder von nützlichen inſektenfreſſenden Vögeln) ſind die folgenden deutſchen Arten: Seeadler(Haliaétus albicilla), Steinadler(Aquila chrysaëtos), Königsadler(A. imperialis), Schrei⸗ adler(A. naevia), Wanderfalk(Falco peregrinus), Lerchenfalk(F. sub- Ordnung der Klettervögel. 55 buteo), Zwergfalk(F. aesalon), roter Milan(Milvus regalis), Habicht (Astur palumbarius), Sperber(A. nisus), die Weihen(Circus cyaneus und C. cinerascens), der Weſpenbuſſard(Pernis apivorus), letztgenannter durch das Wegfangen von Honigbienen. Vorwiegend nützlich, als Vertilger von Feldmäuſen, ſind: der Turmfalk oder Rüttelfalk(Falco tinnunculus), der Mänſebuſſard(Buteo vulgaris), die Schleiereule(Strix flammea), der Waldkauz(S. aluco), der Steinkanz(S. noctua), die Sumpfohreule(Otus brachyotus), die Waldohreule(O. vulgaris). Übrigens kann man nicht ohne weiteres eine Raubvogelart für ſchädlich oder nützlich erklären; jede vorwiegend ſchädliche Art fängt auch wohl mal eine Feldmaus oder einen ſchädlichen Vogel, und jede nützliche Art vergreift ſich wohl mal an unſerem Hausgeflügel. Der Jagd ſchaden faſt alle einheimiſchen Tagraubvögel; unter den Nacht⸗ raubvögeln eigentlich nur der Uhn(Otus bubo, Fig. 52). Ordnung der Klettervögel(Scansores). Neſthocker mit zwei nach vorn und zwei nach hinten gerichteten Zehen. Es gehören hierzu Tukane, Papageien, Kuckucke und Specht⸗ vögel. Die erſten zwei Gruppen kommen bloß in den Tropen vor. Ich beſpreche zunächſt den Kuckuck(Cuculus canorus), (Fig. 53), 35 cm lang, Schwanz 20 em; der gelbliche Schnabel iſt leicht gebogen; Füße gelb. Rücken bei Alten blaugrau, bei Jungen bräunlich. Bauch weiß mit dunklen Querlinien. 10 Steuerfedern, weißgefleckt. Scheu; fliegt wie ein Raubvogel.— Das Weibchen legt die Eier in Zwiſchenräumen von etwa 14 Tagen, kann dieſelben alſo nicht ausbrüten. Sie legt gewöhnlich das Ei auf den Boden und bringt es nachher mit dem Schnabel in das Neſt eines Vögelchens, welches ſeine Jungen mit Inſekten nährt(Bachſtelze, Grasmücke, Nachtigall, Rotkelchen, Spottvogel, Zaunkönig, Lerche, u. ſ. w.). Jeder einzelne Kuckuck bringt, mit ſeltenen Ausnahmen, alle ſeine Eier in Neſter derſelben Vogelart unter; und ſogar legen alle Kuckucke der⸗ ſelben Gegend gewöhnlich ihre Eier in die Neſter derſelben Art von Pflegevögeln. Das Ei des Kuckucks ſtimmt gewöhnlich in der Farbe mit denen der Pflegeeltern überein. Das Kuckucksei wird von den Pflegeeltern mit ausgebrütet; es kommen dann aber oft die eigenen Jungen nicht aus dem Ei hervor, denn das Kuckucksjunge ſchlüpft zuerſt aus und wächſt ſchnell heran, und die Pflegeeltern, die es nähren müſſen, liefern ihren eigenen Eiern nicht Wärme genug. Sobald die letzteren zum Bebrüten nicht mehr tauglich ſind, werden ſie aus dem Neſte entfernt. Jeder Kuckuck ſchadet alſo dadurch, daß er immer mehreren inſektenfreſſenden Vögeln das Leben gekoſtet hat. Aber durch das Töten vieler Inſekten nützt er weit mehr. Namentlich 56 Klaſſe 2. Vögel. nützt er der Obſtbaumzucht und Forſtwirtſchaft, indem er eine Unmaſſe Raupen frißt(Prozeſſionsraupe, Raupe des Schwammſpinners, der Nonne, des Goldafters, des Ringelſpinners), und zwar namentlich ſtark behaarte Raupen, die von faſt keinem anderen Vogel gefreſſen werden; aber im Spätſommer begiebt er ſich öfter aus dem Walde ins Feld und frißt dann Kohlraupen, Erdraupen, Raupen der Gammaeule und der Kohleule und Rübenafterraupen. Auch frißt er Maulwurfsgrillen und im Frühjahr Maikäfer. Fig. 53. Der Kuckuck(Cuculus canorus); ¼ d. n. Gr. Die Familie der Spechtvögel(Picida). Die Spechtvögel beſitzen alle einen kräftigen, geraden, oft ziemlich langen, ſtark zugeſpitzten Schnabel. Die lange, dünne, vorn ſpitze Zunge kann weit hinausgeworfen und ſchnell wieder eingezogen werden. Sie dient dabei zum Aufſpießen der Nahrung(Spechte) oder zum Aufkleben derſelben mittelſt des zähen Speichels(Wendehals). Die Spechtvögel hüpfen an Baumſtämmen empor; bei den wahren Spechten dienen die feſten, elaſtiſchen Schwanzfedern dabei zur Stütze und werden demzufolge ſtark abgenutzt. Die Spechtvögel brüten in Baumhöhlen, entweder in kernfaulen Bäumen oder in Höhlen, die ſie ſelbſt mit dem Schnabel aushacken. Der Wendehals(Vunx torquilla) iſt Zugvogel, niſtet in kernfaulen Bäumen und nährt ſich hauptſächlich von Ameiſen, auch von Raupen und Käferlarven. ———ü—/—————— ——ͤͤ —r— Ordnung der Singvögel. 57 Die Spechte(Picus) ſind Strichvögel, die in Baumhöhlen brüten, welche ſie oft in vollkommen geſunden Bäumen anlegen, wodurch ſie dem Obſtbau ſowie der Forſtwirtſchaft viel ſchaden können. Durch das Freſſen von im Holze ſowie unter der Rinde lebenden Bauminſekten (Holzraupen, Bockkäfer⸗ und Holzweſpenlarven, dann und wann auch Rüſſel⸗ und Borkenkäfer, ſowie ihre Larven) nützen ſie; der Grünſpecht (Picus viridis) aber ſetzt ſich oft auf ein Neſt der Waldameiſe und frißt Hunderte dieſer nützlichen Inſekten. Der große Buntſpecht(Picus major, Fig. 54), der ſich hauptſächlich in Kiefernwäldern aufhält, nährt ſich auch von Waldſämereien. Wenn er einen hartſchaligen Samenkern aufhacken will, ſo bricht er ihn zuerſt vom Aſte los und ſetzt ihn dann in eine natür⸗ liche Borkenritze, zwiſchen eine enge Gabel oder in eine vorher ausgemeißelte Rindenſtelle. Er preßt ihn ſo feſt hinein, daß man ihn oft nicht anders als mit einem Meſſer wieder heraus⸗ bringen kann. Er verfährt in dieſer Weiſe am meiſten mit Kiefernzapfen. Dann hackt der Specht mit dem Schnabel darauf los, und wenn er faſt alle Samen aus dem Zapfen auf⸗ gefreſſen hat, ſo wirft er die Überreſte hinaus und ſetzt einen neuen Zapfen an die Stelle des früheren. Zwar kann man nicht ſagen, daß der Bunt⸗ ſpecht in dieſer Weiſe viel ſchadet, aber es erhellt jedenfalls daraus, daß er nicht ausſchließlich Inſektenfreſſer iſt. Ordnung der Singvögel(Passeres). Dieſe Ordnung enthält ungefähr Fig. 54. Der große Buntſpocht r. alle Neſthocker(S. 52), die in den(Pieus major); d. n. beiden vorhergehenden Ordnungen und in der nächſtfolgenden keinen Platz finden können. Schnabel ohne Wachshaut. Drei Zehen nach vorn, eine nach hinten. Gruppe der Schwalben(Hirundinida), mit kurzem, plattem, an der Wurzel breitem, weit nach hinten geſpaltenem Schnabel, der, von oben geſehen, die Form eines Dreiecks hat. Im Fluge wird der Schnabel ſo weit wie möglich geöffnet, er dient dann zum Inſektenfang. Flügel lang und ſpitz. Füße kurz und ſchwach, zum Gehen ganz oder ziemlich unbrauchbar; ſie dienen den Schwalben 58 Klaſſe 2. Vögel. hauptſächlich nur, um ſich an den Gegenſtänden feſtzuhalten, woran ſie ſich feſtgreifen. Sie fliegen ſchnell und fangen die Inſekten im Fluge. Im allgemeinen fangen ſie wohl Inſekten, die der Land⸗ und Forſtwirtſchaft ziemlich gleichgültig ſind, doch können ſie auch nützen, indem ſie Erdſchnaken(Tipula) und Halmfliegen(Chlorops) fangen, die oft in ganz enormen Scharen auf unſeren Äckern umherfliegen, um daſelbſt ihre Eier abzulegen.— Alle Schwalben ſind Zugvögel. — Es gehören hierzu: 1. Eigentliche Schwalben(Hirundo), mit gablich ausgeſchnittenem Schwanze; drei Zehen nach vorn, eine nach hinten gerichtet. Hierzu zählen: Rauchſchwalbe oder Dorfſchwalbe(H. rustica; brütet immer an 3 kdeeende deln Fig. 55. Hausſchwalbe(Hirundo urbica); ½ d. n. Gr. geſchützten Stellen, z. B. innerhalb eines Stalles, eines Sommerhauſes, einer Veranda);— Hausſchwalbe(H. urbica; brütet außen an Ge⸗ bäuden, z. B. unter Waſſerleiſten);— Uferſchwalbe(H. riparia; brütet in der Nähe von Gewäſſern und zwar in ſenkrechten, aus lehmigem oder bindigem Sandboden beſtehenden Anhöhen, wo ſie ihr Neſt am Ende eines 1 m langen Ganges anfertigt).— Die Hausſchwalbe iſt am Rücken glänzend ſchwarz, ganze Bauchſeite und Bürzel weiß.— Die Rauchſchwalbe hat auch einen glänzend ſchwarzen Rücken und zwar ohne weißen Bürzel. Stirn und Kehle ſind rotbraun, der vordere Teil der Bruſt metalliſch glänzend ſchwarz, der hintere Teil der Bauchſeite gelb⸗ lich oder rötlich⸗weiß.— Die Uferſchwalbe iſt am Rücken bräunlich⸗grau, Bauchſeite weiß mit braungrauem Bande auf der Bruſt.— 2. Segler(Cypselus), mit gablich ausgeſchnittenem Schwanze und mit vier nach vorn gerichteten, gekrümmten, ſtarken Klauen. Es Ordnung der Singvögel. 59 gehört hierzu bloß eine deutſche Art: die Turmſchwalbe oder der Mauer⸗ ſegler(Cypselus apus), 26 cm lang, ganz braunſchwarz, mit ſehr langen, gebogenen Flügeln.— 3. Nachtſchwalben(Caprimulgus), mit nicht gablig ausgeſchnittenem Schwanze, weichem Gefieder, großem Kopfe und großen Augen; ſie fliegen nachts.— Es gehört hierzu eine Art: der Ziegenmelker(Capri- mulgus europaeus, Fig. 56), 30 cm lang, an der Oberſeite grau, ſchwarzbraun und roſtgelb punktiert, an der Unterſeite gelblich⸗weiß⸗ grau mit dunklen Wellenlinien. Am Tage fliegt er unbeholfen und ſchwer, hält ſich gewöhnlich im Dickicht auf; bei Nacht fliegt er ſchnell und kühn und zwar an kahlen Wald⸗ ſtellen oder in Gärten und auf Feldern. Er ſtreift beſonders gern in der Nähe der Schafſtälle und des Viehes 24 auf den Wieſen Fig. 56. Der Ziegenmelker(Caprimulgus europaeus); ¼ d. n. Gr. umher, weil ſich daſelbſt immer Fliegen und Mücken befinden. Auch fängt er Maikäfer, mehrere Nachtſchmetterlinge(hauptſächlich Spinner), Blattroller und Motten. Gruppe der Dünnſchnäbler(Tenuirostres), mit dünnem, langem, oft etwas gebogenem Schnabel. Die einheimiſchen Arten ſind alle als ausſchließliche Inſektenfreſſer höchſt nützlich. Blauſpecht, Spechtmeiſe oder Kleiber(Sitta caesia), von Sper⸗ lingsgröße, mit geradem, ziemlich ſtarkem Schnabel. Rücken blaugrau, Unterſeite roſtgelb. Der kurze Schwanz iſt ſchwarz. Der ganze Ha⸗ bitus iſt ſpechtähnlich; auch läuft er, aber ohne ſich auf die Schwanz⸗ federn zu ſtützen, an den Stämmen auf und nieder. Oft ſitzt er da⸗ ſelbſt, den Kopf nach unten gekehrt. Er kommt nur, wo ſtarke Bäume ſtehen, vor. Er iſt Strichvogel. Er brütet in einer Baumhöhle und zwar oft in einem verlaſſenen Neſte eines Spechtes. Namentlich im Winter nützt er viel, indem er Schmetterlingseier, ſowie andere In⸗ ſekten, deren Larven und Puppen aus den Riſſen der Borke aufſucht. Der Baumläufer(Certhia familiaris, Fig. 57) iſt etwas kleiner als die vorige Art, hat einen dünnen, ſchwach gebogenen Schnabel von mehr als Kopflänge. Die Schwanzfedern ſind ſteif und unter⸗ ſtützen den Vogel beim Klettern an den Baumäſten; ſie werden, wie 60 Klaſſe 2. Vögel. bei den Spechten, abgenutzt. Die Rückenſeite des Baumläufers zeigt mehrere durcheinander gemiſchte Farben: braun, roſtfarbig, ſchwarz und weiß. Die Bauchſeite iſt ſchmutzig⸗weiß.— Der Baumläufer iſt ein Strichvogel, der ſich im Sommer ſowie im Winter mit Inſekten nährt und namentlich im Winter mit ſeinem dünnen Schnäbelchen verſchiedene Inſekten, anch viele Schmetterlingseier, aus den Riſſen der Baumrinde zu ſich nimmt. Der Wiede⸗ hopf(Upupa epops) iſt von Droſſelgröße, roſtgelb, mit GNN einem großen Fe⸗ Kdderbuſch auf dem X Kopfe verſehen. Er iſt ein Zug⸗ vogel, der in Baumhöhlen brütet und In⸗ ſekten und Wür⸗ mer aus dem Boden ſowie am Düngerhaufen aufſucht. Gruppe der Großſchnäb⸗ ler(Magnirost- res). Schnabel ſtark, dick, manchmal vor der Spitze mit einer Ein⸗ kerbung verſehen. 7 3 Dieſe Vögel Fig. 57. Der Baumläufer(Certhia familiaris); d. n. Gr. freſſen faſt alles Genießbare, pflanzliche ſowohl als tieriſche Nahrung. Es gehören hierzu: Stare und Rabenvögel(Krähen, Elſter, Eichelhäher). Der Star(Sturnus vulgaris). Das Gefieder iſt ſchwarz, ſchillert in violett. Die Spitzen der Deckfedern aber ſind weiß oder hellgelblich. Dieſe weißen Flecken treten bei der Herbſtmauſer ſo ſtark auf, daß ſie die metalliſch glänzende ſchwarze Farbe der Federn faſt gänzlich verdecken. Allmählich werden rden Ordnung der Singvögel. 61 ſie kleiner, im nächſten Frühling ſind ſie ganz oder faſt ganz verloren. — Zugvogel, zieht erſt ſpät(Okt., Nov.) fort und kehrt früh(Februar) zurück. Er brütet zweimal.— Sehr nützlich. Frißt, namentlich im Herbſte, viele Ackerſchnecken, weiter Engerlinge, Drahtwürmer, Gras⸗ raupen, Heuſchrecken, Blattläuſe, auch viele ſchädlichen Forſt⸗ und Obſtbauminſekten. Der Star kann aber in Obſtbaumgärten bedeutend ſchaden, indem er Kirſchen, Johannisbeeren, zuweilen ſogar Birnen frißt. — Oft ſetzen ſich die Stare den Schafen und Kühen auf den Rücken, um ihnen das Ungeziefer abzuleſen.— Die Gattung der Krähen(Corvus). Hierzu gehören: 1. Dohle(C. monedula), mit verhältnismäßig kurzem Schnabel und langem Laufe. Schwarz; Kopfſeiten und Hals aſchgrau. Brütet in Baumhöhlen, Schornſteinen, Ruinen, auf Tür⸗ men.— 2. Nebel⸗ krühe(C. cornix), hellgrau; ſchwarz aber ſind Kopf, Kehle, Flügel, Schwanz. Brütet u. a. in Oſteuropa öſtlich von der Elbe; in den weſt⸗ licheren Ländern als Strichvogel Fig. 58. Kopf der Saatkrähe(Corvus frugilegus). im Winter.— 3. Rabenkrähe(C. corone), ſchwarz, Schnabel dick, an der Spitze ſtark gekrümmt. Brütet in Bäumen, aber niemals(wie die Saatkrähen) in großer Anzahl bei einander.— 4. Saatkrähe(C. frugilegus, Fig. 58), ſchwarz, Schnabel länglicher; bei ausgewachſenen Exemplaren iſt das Kopf⸗ gefieder an der Schnabelbaſis gänzlich abgenutzt.— 5. Rabe(C. corax), viel größer als die anderen Arten; ſchwarz, Schnabel ſehr ſtark, an der ganzen Oberſeite gekrümmt. Nirgendwo in großer Anzahl.— Nahrung, Nutzen und Schaden. Raben, bisweilen ſogar Saatkrähen, greifen Lämmer und kranke Schafe an, auch Enten, Gänſe, Hühner und Tauben. Rabenkrähe und Nebelkrähe vergreifen ſich nur ſelten an unſeren Haustieren. Alle Krähen aber ſtehlen die Eier unſeres Hausgeflügels.— Auch ſchaden ſie der Jagd, denn ſie töten Haſen und Kaninchen, junge Rehkitzchen, junge Rebhühner, Wachteln, Faſane u. ſ. w.— Sie nützen zwar ein wenig dadurch, daß ſie Feld⸗ mäuſe freſſen, doch fangen ſie gewöhnlich nur die kränklichen, welche ſich nicht ſchnell bewegen. Sie ſchaden durch das Töten nützlicher 62 Klaſſe 2. Vögel. inſektenfreſſender Vögel; auch freſſen ſie deren Eier und Junge.— Als Inſektenfreſſer aber nützen ſie ſehr viel; ſie freſſen Maikäfer und Engerlinge, Drahtwürmer, Schmetterlinge, Erdraupen, Erdſchnaken und deren Larven, Ackerſchnecken, auch viele Regenwürmer.— Was die Pflanzennahrung betrifft, ſo freſſen ſie in erſter Reihe die keimenden Samen: Getreidekörner, Erbſen, Bohnen. Auch holen ſie die reifen, insbeſondere aber die erſt milchreifen Körner aus den Ähren; dabei ziehen ſie die letzteren herunter, knicken die Halme und richten dadurch größeren Schaden an als durch das, was ſie auffreſſen. Auch die reifenden Erbſen plündern ſie. Weiter freſſen ſie Kirſchen, Pflaumen, Aprikoſen und ſonſtige ſaftreiche Früchte, ſogar Kartoffeln und Rüben. — Alle Krähen ſchaden und nützen, nur der Rabe(der faſt keine Inſekten frißt) iſt als immer ſchädlich zu bezeichnen.— Um Krähen von Äckern, wo man geſäet hat, abzuhalten, ſcheint das beſte Mittel zu ſein, daſelbſt tote Krähen aufzuhängen; man muß dieſelben aber je nach ca. 14 Tagen fortnehmen und neue aufhängen. Die Elſter(Pica caudata) und der Eichelhäher(Garrulus glandarius) ſind den Krähen naheverwandte Standvögel. Erſtere wählt offene Landſtriche(Äcker, Wieſen, Gärten) in der Nähe von ſtarken Bäumen; letzterer iſt ein Waldvogel. Beide Vögel freſſen alles Genießbare: Getreidekörner, Eicheln, Bucheln, Kirſchen, Beeren,— Engerlinge, Drahtwürmer und ſonſtige Inſekten,— die Eier und die Jungen der nützlichen inſektenfreſſenden Singvögel(Meiſen!), auch dieſe kleinen Vögelchen ſelbſt, junge Enten und Küchlein, junge Rebhühner, Wachteln, Faſane,— dann und wann eine Feldmaus. Mehr ſchädlich als nützlich. Gruppe der Kegelſchnäbler(Conirostres). Schnabel kegelförmig, dicker und kürzer als bei den Arten der folgenden Gruppe. Sie freſſen Inſekten und Samen, einige Arten ausſchließlich Samen.— Es gehören hierzu zunächſt die Meiſen(Parus), welche für die Obſtbaumzucht ſowie für den Waldbau äußerſt nützliche Strichvögel ſind.— Sie haben eine große Geſchicklichkeit im Klettern und reinigen im Winter die kleineren Zweiglein ſowie die Knoſpen der Bäume von an denſelben haftenden Eiern verſchiedener Schmetter⸗ linge, insbeſondere von denen der ſehr ſchädlichen Froſtſpanner. Ihre außerordentliche Fruchtbarkeit(ſie legen das erſte Mal 12—15, das zweite Mal 8 bis 10 Eierh) iſt Urſache, daß ſie auch im Sommer, hauptſächlich als Nahrung für ſihre Jungen, viele Bauminſekten ver⸗ tilgen. Die am meiſten vorkommenden Meiſen ſind die Kohlmeiſe (Parus major, Fig. 59), die Blaumeiſe(P. coeruleus) und die Sumpf⸗ meiſe P.(palustris).— Weiter gehören zu den Kegelſchnäblern die Lerchen(Feldlerche= Alauda arvensis, Zugvogel,— Haubenlerche= Alauda cristata, Standvogel), die ſich auf dem Boden aufhalten und Inſekten, Samen, im Winter ſogar Blattteile freſſen; die Jungen aber ernähren ſie mit Inſekten. Sie können ſchaden und nützen, doch dürfte iiſe pf⸗ die aber irfte Ordnung der Singvögel. 63 der Nutzen den Schaden meiſtens übertreffen. Im Spätſommer und Herbſte vereinigen ſich die Feldlerchen in Scharen, die eine Zeit lang hin⸗ und herſtreichen, ehe ſie nach dem Süden wandern; dann werden viele gefangen und gegeſſen. Das Männchen der Feldlerche ſingt ſchön und ſteigt dabei hoch in die Luft.— Die Ammern(Emberiza) haben einen eigentümlich komprimierten und zugeſpitzten Schnabel; ſie ſuchen auf Feldern, Wei⸗ den und Wegen ihre Nahrung auf dem Boden. Dieſe be⸗ ſteht aus Körnern und Inſekten; weil ſie niemals die Ge⸗ treidekörner aus den AÄhren holen, ſcha⸗ den ſie nur, wenn ſie die ausgeſäeten Körner aufpicken. Sie nähren ihre Jungen mit Inſek⸗ ten. Gewöhnlich iſt der Schaden unbe⸗ deutend, aber auch der Nutzen bedeutet nicht ſehr viel.(Gold⸗ Fig. 59. Die Kohlmeiſe(Parus major); ½ d. n. Gr. ammer= E. citri- nella: gelber Standvogel; Grauammer= E. miliaria: grauer Zug⸗ vogel u. ſ. w.).— Zur Gattung der Finken(Fringilla) rechnet man mehrere Arten, welche für den Ackerbau von geringer Bedeutung ſind, z. B. den Gimpel (F. pyrrhula), den Diſtelfink(F. carduelis), den Zeiſig(F. spinus, Fig. 60), den Leinzeiſig (F. linaria), den Grünfink(F. chloris). Einige Arten aber muß ich ausführlicher beſprechen, zunächſt Fig. 60. Kopf des Zeiſigs. die beiden Sperlinge, d. h. den Hausſperling(F. domestica) und den Baum⸗ oder Feldſperling (. montana).— Hausſperling, Spatz: Ohrgegend hellgrau. Hinter dem Auge ein roſtfarbiger oder gelblicher Strich. Beim Männchen die ganze Kehle ſchwarz. Flügel mit einer gelblich⸗weißen Querbinde.— Feldſperling: Ohrgegend ſchwarz. Hinter dem Auge ein ſchwarzer Strich. Um den Hals eine weiße Binde. An der Kehle ein ſchwarzer Fleck. Flügel mit zwei weißen Querbinden.— In der Lebensweiſe ähneln ſich die beiden Sperlinge ſehr, es kommt aber der Hausſperling mehr in der Nähe menſchlicher Wohnungen vor, ſogar 64 Klaſſe 2. Vögel. in großen Städten.— Die beiden Sperlinge ſind überwiegend ſchäd⸗ lich; wo Körner(namentlich ſtärkehaltige, z. B. Getreidekörner) ihnen zugänglich ſind, ziehen ſie dieſe Nahrung jeder anderen vor, auch bei der Atzung der Jungen, welche hauptſächlich aus milchreifen Körnern beſteht. Die Sperlinge freſſen die ausgeſäeten, keimenden Körner, ſie heben aber auch die Körner aus den Ähren; dabei ſchaden ſie zugleich durch das Knicken der Halme und das damit verbundene Ausfallen der Körner. Sie freſſen die jungen Erbſen aus den Hülſen, freſſen auch mehrere ſaftige Baumfrüchte, z. B. Kirſchen, und Trauben, ver⸗ nichten junge Keimpflanzen in den Gärten(z. B. von Salat, Spinat, Gartenblumen). Der Hausſperling frißt mehr Inſekten als der Baum⸗ ſperling(unter dieſen: Froſtſpannerraupen, ſchädliche Wicklerraupen), aber die meiſten ſchädlichen Arten läßt er doch unberührt.— Die beiden Sperlinge freſſen aber viele Blattläuſe.— Sie ſind Standvögel, ſchwärmen aber im Herbſt und Winter oft in großen Scharen umher. Der Bluthänfling, der Leinfink, die Grauartſche(F. cannabina), mit graubraunem, dunkelgeflecktem Rücken. Bauch weißlich. Schwanz ſchwarz mit breiten, weißen Rändern. Beim Männchen iſt im Sommer die Oberſeite des Kopfes ſowie die Bruſt ſchön rot.— Zugvogel, vom März bis Oktober hier. Im September finden die Bluthänflinge ſich oft in Schwärmen zuſammen, dann fallen ſie öfter in die Buchweizen⸗ felder. Im Frühling und im Sommer verſpeiſen ſie hauptſächlich öl⸗ haltige Samenkörner, können durch das Freſſen der Körner des Acker⸗ ſenfs ſogar nützen, ſchaden aber gewöhnlich weit mehr durch das Freſſen von Raps⸗, Leindotter⸗, Lein⸗ und Hanfſamen. Der Buch⸗, Edel⸗ oder Blutfink(F. coelebs). Auf den beiden äußeren und auf den nächſtfolgenden Schwanz⸗ federn findet ſich ein weißer Fleck. Flügel mit einer weißen und einer gelblichen Querbinde.— Männchen: Oberſeite des Kopfes und Nackens blaugrau, Rücken braun, Bruſt rotbraun. Weibchen: Rücken graubraun, Bauch weißlich, Bruſt aſchgrau.— Der Buchfink bewohnt den Laub⸗ wald ſowie den Nadelwald, niſtet auch in Gärten und Anlagen. An⸗ fang September trennen ſich die Männchen von den Weibchen; die erſteren und die letzteren vereinigen ſich zu großen Haufen, welche Gärten, Alleen, Gebüſche beſuchen. In nicht ſehr ſtrengen Wintern bleiben ſie hier und ſtreichen umher; bei größerer Kälte ziehen ſie fort. — Der Böchfinnk frißt am liebſten ölhaltige Samen, jedoch auch ſtärke⸗ haltige; er ſucht ſeine Nahrung auf dem Boden. Auf Getreidefeldern ſchadet er ſehr, indem er die ausgeſäeten Samen aus dem Boden hervorſucht; er holt aber die Körner nicht aus den Ähren. Auch junge Keimpflanzen frißt er.— Dieſem Schaden ſteht ein großer Nutzen gegenüber. Während die Finken im Herbſte in Scharen auf den Äckern umherfliegen, freſſen ſie eine große Anzahl von Unkraut⸗ ————— — — Ordnung der Singvögel. 65 ſamen. Die Jungen werden hauptſächlich mit Inſekten gefüttert, namentlich mit Raupen. Im Frühling, wenn die ausgeſäeten Samen gekeimt haben und das neue Getreide noch nicht reif iſt, nährt auch der Fink ſelbſt ſich von Inſekten. Gruppe der Pfriemenſchnäbler(Subulirostres). Schnabel fein, pfriemenförmig, auf ſenkrechtem Durchſchnitt rund. Ein vollkommen entwickeltes Stimmorgan.— Freſſen ausſchließlich In⸗ ſekten; es giebt nur ſehr wenige Arten, die ausnahmsweiſe Samen freſſen. Aber es rauben einige von ihnen bisweilen ſaftreiche Früchte (Kirſchen, Vogelbeeren, Hollunder⸗, Wachholderbeeren, Trauben). Alle Pfriemenſchnäbler ernähren die Jungen ausnahmslos mit Inſekten. Sie nützen; auch die⸗ jenigen Arten, welche ausnahmsweiſe ſchaden, ſind doch vorherrſchend nützlich. Es gehören zu den Pfriemenſchnäblern: Die Bachſtelzen (Motacilla), z. B. die weiße und die gelbe Bachſtelze(M. alba und M. flava), welche ſich gewöhnlich in der Nähe des Waſſers aufhalten und ihre Inſektennah⸗ rung auf dem Acker (oft hinter dem Pfluge), Fig. 61. Die Nachtigall(Sylvia luscinia); ²½ d. n. Gr. auf Weiden und Wie⸗ ſen, ſowie in Gärten ſuchen. Die lerchenfarbigen Pieperarten(Anthus). Die Heckenbraunelle oder der Flüevogel(Accentor modularis), in Gärten, Hecken, Gehölz; ernährt ſich zeitweiſe von Samen. Die Sünger(Sylvia), z. B. die durch ihren lieblichen Geſang allgemein bekannte Nachtigall(S. luscinia, Fig. 61), der Sproſſer (S. philomela, bloß in Oſteuropa), das Rotkelchen(S. rubecula), die beiden Rotſchwänzchen(8. phoenicurus und S. tithys), die Grasmücken (S. curruca, S. cinerea, S. hortensis), die Laubvögel(S. hypolais, S. trochilus, S. rufa), die Rohrſänger(S. arundinacea, S. phragmitis) u. ſ. w. Die letztgenannten halten ſich im Schilf und im Rohre an den Ufern der ſüßen Gewäſſer auf und freſſen bloß für die Land⸗ und Forſtwirtſchaft gleichgültige Inſekten; alle anderen Sänger ſind ſehr nützlich. Auch gehören zu den Pfriemenſchnäblern die Goldhähnchen (Regulus cristatus und ignicapillus). Dieſe ſind Strichvögel, wie die Bos, Zoologie. 3. Auflage. 5 66 Klaſſe 2. Vögel. Meiſen, und ſuchen, wie dieſe, im Winter die Inſekteneier von den kleinen Zweigen und den Knoſpen ab. Sie bauen ihr Neſt aus Moos, an den äußerſten Zweigen der Fichten und Kiefern.— Der Zaunkönig (Troglodytes parvulus) hält ſich gern in Hecken, in Sträuchern und im Gebüſch auf, hüpft auch in den unteren Zweigen der größeren Bäume und nährt ſich dort von Inſekten und Spinnen. Er iſt ein Standvogel und baut ein Neſt aus Moos; auch im Winter bauen die Zaunkönige Neſter, die aber unvollkommen ſind und zum Schlafen dienen. Die meiſten der einheimiſchen Droſſelarten(Turdus), z. B. die ſchwarze Amſel(T. merula), die Miſteldroſſel(T. viscivorus), der Ziemer oder Krammetsvogel(T. pilaris), die Rotdroſſel(T. iliacus), die Sing⸗ droſſel(T. musicus), nützen dem Landwirt dadurch, daß ſie ſchädliche Inſekten und Schnecken freſſen; mehrere von ihnen können aber zeit⸗ weilig dadurch ſchaden, daß ſie Kirſchen, Trauben, Johannisbeeren u. ſ. w. rauben. Einige(z. B. die Singdroſſel und Amſel) brüten faſt überall in Deutſchland, andere kommen bloß entweder im Herbſte oder im Winter hierher. Ordnung der Tauben(Gyrantes). Körperbau kräftig, etwas gedrungen⸗ Flügel lang und ſpitz. Schnabel ſchwach, an der Baſis mit einer Wachshaut bedeckt; Naſen⸗ löcher von Knorpel⸗ ſchuppen bedeckt.— Zehen: drei nach vorn, eine nach hin⸗ ten gerichtet, frei, d. h. ohne Binde⸗ haut wie bei den Hühnervögeln. Die Jungen anfänglich blind und nackt; ſie werden während der erſten Tage mit einem käſigen Sekret der Kopfdrüſen, ſpä⸗ ter mit in dem Kropfe aufgeweich⸗ ten Sämereien er⸗ nährt.— Die Tau⸗ ben leben immer in Paaren. Neſter kunſtlos, platt, aus Fig. 62. Die Ringeltaube(Columba palumbus); ¹ d. n. Gr. Zweigen nur loſe zuſammengefügt; ſie finden ſich auf Baumäſten, an Felſen und großen Gebäuden. Die Tauben legen alljährlich 2⸗ bis 3 mal zwei längliche, glänzend weiße Eier. Ordnung der Tauben. 67 Ur rünglich in Deutſchland wildlebende Tauben: 1. Ringel⸗, große Holz⸗, Kohltaube(Columba palumbus, Fig. 62), vom April bis September überall im Walde; ſtreicht nach der Brutzeit in Scharen umher; zieht im Winter weiter nach dem Süden, doch bleiben auch viele Exemplare hier;— niſtet auf horizontalen Äſten; ſucht Sämereien, z. B. Kiefern⸗ und Fichtenſamen, Eicheln, Bucheln, Fig. 63. Auerhahn und Auerhenne(Tetrao Urogallus); ½1 2 reſp. ½160 d. n. Gr. auch Getreidekörner, Erbſen, Wicken, Rapsſamen,— jedoch auch viele Unkrautſamen(z. B. die des Ackerſenfs, der Platterbſen, der Zitter⸗ linſe, der Knöteriche, des Klebkrauts) auf dem Boden; wenn dieſer mit Schnee bedeckt iſt, frißt ſie öfter Kohl und die Blätter des Winter⸗ rapſes. Schädlich, nützt aber auch. 2. Hohltaube(C. oenas), brütet in Baumhöhlen. Zugvogel; ſehr lokales Vorkommen. Lebensweiſe: vgl. vorige Art. 68 Klaſſe 2. Vögel. 3. Turteltaube(C. turtur), an Waldrändern, beſonders im Nadel⸗ holze. Das Neſt ſteht im Gehölze. Nahrung, Nutzen und Schaden: vgl. Ringeltaube. Raubt die Buchweizenkörner vom Felde.—8 Die Felſentaube(C. livia) iſt die Stammart unſerer Haustauben⸗ raſſen; ſie niſtet als Standvogel in den Mittelmeerländern, als Zug⸗ vogel an den Felſenküſten Großbritanniens, der Orkney⸗ und Faröer⸗ inſeln und Rügens.— Die in Deutſchland vorkommenden ,Feldflüchter“ ſind verwilderte Haustauben. Sie brüten, wie ihre Stammmütter, vorzugsweiſe auf Felſen, auch auf Türmen, Ruinen und anderen Gebäuden. Suchen ihre Nahrung auf den Feldern(Getreidekörner, Rapsſamen, auch Unkrautſamen). . 8 B M 1 Fig. 64. Gemeiner Faſan(Phasianus colchicus); d. n. Gr. Ordnung der Hühnervögel(Rasores). Körper kräftig, gedrungen. Kopf klein, oft mit nackten, hell ge⸗ färbten Flecken, mit fleiſchigen Kämmen oder mit einer Federhaube ver⸗ ſehen. Vorderende des Oberſchnabels greift über den Unterſchnabel. Wachshaut fehlt(vgl. Tauben). Flügel kurz, abgerundet, Flug ſchwer⸗ fällig.— Füße ſtark. Hinterzehe gewöhnlich höher am Laufe einge⸗ pflanzt als die Vorderzehen; ſie iſt klein. Klauen ſtumpf. An der Baſis der Zehen eine kleine Haut. Die Männchen mehrerer Arten tragen am Laufe einen Sporn.— Die Hühnervögel halten ſich gewöhnlich auf dem Erdboden auf, wo ſie, denſelben aufſcharrend, ihre Nahrung ſuchen, die aus Sämereien, Beeren, grünen Pflanzenteilen, Inſekten, Würmern und Schnecken beſteht. Sie ſind Neſtflüchter (S. 52).— Es gehören zu den Hühnervögeln mehrere Hausvögel: Faſanen, Hühnerraſſen, Pfau, Perlhuhn, Truthuhn. — Ordnung der Hühnervögel.— Ordnung der Sumpfvögel. 69 Die in Deutſchland wildlebenden Arten werden als Wild gejagt; es ſind: Auerwild(Tetrao Urogallus, Fig. 63), Birkhuhn(T. tetrix), Haſelhuhn(T. Bonasia), Rebhuhn oder Feldhuhn(Perdix cinerea), Wachtel(P. coturnix); keine derſelben iſt für den Ackerbau erheblich nützlich oder ſchädlich. 1 Der gemeine Faſan(Phasianus colchicus, Fig. 64) lebt urſprünglich in der Nähe des Kaukaſus, der Ufer des Kaspiſchen Meeres und des Aralſees; in Mitteleuropa in verwildertem Zuſtande. Die Faſanen ſchaden dem Landwirt ſowohl durch das Verzehren der Ausſaat, als auch durch das Scharren auf den Feldern. Ordnung der Sumpfvögel(Grallatores). Die hierzu zählenden Arten ſind unter ſich ſehr verſchieden; alle ſuchen aber ihre faſt ausnahmslos tieriſche Nahrung an den Ufern der Gewäſſer(Flüſſe, Bäche, Seen, Grä⸗ ben, Kanäle, Meeres⸗ ſtrand) oder in feuchten Gegenden (feuchten Wieſen und Fruchtfeldern, Mooren, Sümpfen), ſind alſo aufs Wa⸗ ten eingerichtet, und zwar dadurch, daß der Lauf lang und unbefiedert iſt, wäh⸗ rend gewöhnlich auch die untere Hälfte des langen Schien⸗ beins ganz kahl und uueen mit Horntafeln be⸗ Fig. 65. Die Waldſchnepfe(Scolopax rusticola); ¼ d. n. Gr. deckt iſt.— Im Fluge ziehen die Sumpfvögel die Beine nicht an den Leib, wie die früher beſprochenen Vögel, ſondern ſie ſtrecken ſie der ganzen Länge nach hinterwärts.— Leben in Monogamie. Neſtflüchter(S. 52), mit Ausnahme der Störche und Reiherarten, die Neſthocker ſind.— Die Strandbewohner freſſen Fiſche, Muſcheltiere u. ſ. w.; nur diejenigen Arten, die auf feuchten Wieſen und Fruchtfeldern von Inſekten, Schnecken und Würmern leben, nützen der Landwirtſchaft. Es ſind dieſe in der folgenden Aufzählung der allgemeinſten einheimiſchen Sumpfvogelarten mit n angedeutet: Trappen(Otis tarda und tetrax);— Kranich(Grus cinerea); — Waſſerhuhn(Fulica atra);— Teichhuhn(Gallinula chloropus);— Rohrhuhn(Ortygometra porzana);— Schnarre oder Wachtelkönig(Crex 70 Klaſſe 2. Vögel. pratensis, n);— Triel oder Brachvogel(Oedicnemus crepitans);— die Regenpfeiferarten(Charadrius, n);— Kiebitz(Vanellus cristatus, n); — die Schnepfenarten(Scolopax);— die Brachvögel(Numenius, n); — der Kampfhahn(Machetes, n);— die Strandläufer(Tringa);— die Pfuhlſchnepfe(Limosa aegocephala, n);— die Waſſerläufer (Totanus, n);— der Storch(Ciconia alba);— der gemeine Fiſchreiher (Ardea cinerea);— die Rohrdommelarten(Ardea stellaris, A. minuta, A. nycticorax). Fig. 66. Hauben⸗ und Zwergtaucher(Podiceps cristatus u. minor); d. n. Gr. Ordnung der Schwimmvögel(Natatores). Die Schwimmvögel zeichnen ſich durch Schwimmvermögen und dementſprechende Organiſation aus. Beine gewöhnlich weit nach hinten gerückt, kürzer als der Rumpf. Namentlich ſind die Füße zum Schwimmen eingerichtet. Es giebt Schwimmvögel, bei denen jede der drei nach vorn gerichteten Zehen von einem Hautſaum umgeben iſt Ordnung der Schwimmvögel. 71 („Spaltſchwimmfüße“, Fig. 66), andere, bei denen die drei vorderen Zehen miteinander durch eine Haut verbunden ſind(Fig. 67), während die nach hinten gerichtete Zehe entweder klein iſt oder fehlt(„Schwimm⸗ füße“), ſchließlich ſolche, bei welchen alle Zehen nach vorn gerichtet und durch eine Schwimmhaut miteinander verbunden ſind(„Ruder⸗ füße“). Die Schwimmvögel haben ein dicht anliegendes, durch den Ausſcheidungsſaft der Steißdrüſe immer fett gehaltenes Federkleid.— Ich beſpreche bloß zwei Familien. Familie der Entenvögel(Lamellirostres). Schnabel auf der inneren Fläche mit einer in Querleiſten gefalteten oder gezähnelten Haut bedeckt. Schwimmfüße(Fig. 67). Ziemlich lange Fig. 67. Graugans(Anser cinereus); ½¼2 d. n. Gr. Flügel; ausgezeichnetes Flugvermögen. Gefieder weich.— Die meiſten Entenvögel bewohnen die ſeichten ſüßen Gewäſſer, in denen ſie ihre Nahrung durch Gründeln ſuchen, wobei die weiche Schnabelhaut als Taſtorgan wirkt. Polygamie. Neſtflüchter(S. 52). Es gehören hierzu: die langhalſigen Schwäne(Cygnus) und die dick⸗ und kurzhalſigen Gänſe(Anser), bei denen der Schnabel an der Wurzel mehr hoch als breit iſt; die Schwimmenten(Anas) mit breiterem Schnabel, die Tauchenten(Fuligula) und Säger(Mergus) mit breitem, herabhängendem Hautſaume an der Hinterzehe.— Nützlich iſt keiner der Entenvögel, ſchädlich ſind die wilden Gänſe und Enten. Drei Arten von wilden Gänſen(Graugans= Anser cinereus, Saatgans= A. segetum, Bleſſengans= A. albifrons) brüten größten⸗ teils im öſtlichen oder nördlichen Teile Europas und kommen nach den meiſten Teilen Deutſchlands bloß im Herbſte oder im Winter, wo 72 Klaſſe 2. Vögel. ſie in Scharen umherfliegen. Auf niedrigen Wieſen freſſen ſie Gras, ziehen dasſelbe ſogar mit den Wurzeln aus dem Boden hervor; auf den AÄckern freſſen ſie Wintergetreide und Winterraps. Sie zertreten mit ihren plumpen Füßen noch mehr, als ſie auffreſſen. Auch werden ſie durch ihren oft in großer Maſſe an einer beſtimmten Stelle abge⸗ ſetzten, ſtark ätzenden Kot dem Pflanzenwuchſe ſchädlich. In den Gegenden, wo ſie brüten, freſſen ſie auch reifes und unreifes Getreide. Wo ſie ſich bloß im Herbſte finden, ſcharren ſie Kartoffeln, Rüben, Möhren aus dem Boden hervor, um dieſelben zu freſſen.— Die Trupps fliegen in einer ſchrägen Linie oder in Pflugſcharform. Aus der Gattung der Schwimmenten ſchadet bloß die Stock⸗ ente oder wilde Ente(Anas boschas). Sie brütet überall, wo es nur Fig. 68. Silbermöwe(Larus argentatus); ½1 d. n. Gr. ſüße Gewäſſer giebt. Neſt zwiſchen Gräſern oder Sumpfpflanzen, oder in einem Baume. Die wilden Enten kommen im März hierher; wenn die Gewäſſer nicht zufrieren, bleiben ſie auch den ganzen Winter, ſonſt ziehen ſie auf kurze Zeit nach dem Süden. Nahrung: Stengelſpitzen, Knoſpen, Blättchen verſchiedener Waſſerpflanzen, auch Gerſte, Hafer und anderes Getreide; Waſſerinſekten, Fiſche und Fiſchlaich. In Getreidefeldern ſchadet dieſe Ente auch dadurch, daß ſie die Pflanzen niedertritt und zerknickt. Familie der Möwenvögel(Longipennes). Gewöhnliche Schwimmfüße. Beine ziemlich lang, zum Waten geeignet(Fig. 68). Flügel lang, ſpitz. Schnabel ſeitlich zuſammen⸗ gedrückt. Neſthocker(S. 52). Sie brüten in größeren oder kleineren Scharen gewöhnlich an der Küſte, ausnahmsweiſe an den Ufern der n, Vogelſchutz. 73 ſüßen Gewäſſer. Sie nähren ſich hauptſächlich von Fiſchen, Würmern, Weich⸗ und Kruſtentieren, einige Arten gelegentlich von jungen Vögeln und Eiern, von Mäuſen und anderen kleinen Säugetieren.— Im allgemeinen ſind die Möwen der Landwirtſchaft vollkommen gleichgültig; die an Landſeen und Flußufern brütende Lachmöwe(Larus ridibundus) aber frißt viele Maikäfer und andere ſchädliche Inſekten. Die Silber⸗ möwe, die dreizehige Möwe(Larus argentatus und L. tritactylus) und einige andere Arten, welche am Meeresſtrande brüten, zeigen ſich dann und wann im Binnenlande, beſonders bei Sturmwetter; dann ſtellen ſie Feldmäuſen nach und fangen manch ſchädliches Inſekt. Außer den eigentlichen Möwen(Larus) nenne ich nur noch die Seeſchwalben(Sterna), mit gabelförmig ausgeſchnittenem Schwanze. Vogelſchutz. Aus den oben gemachten Angaben erhellt, daß es unter den Vögeln eine große Anzahl ausſchließlich oder vorherrſchend nützlicher Arten giebt. Nun ſind aber die nützlichen Vögel durch ihre Lebens⸗ weiſe weit mehr als die im Verborgenen lebenden nützlichen Säugetiere der Gefahr ausgeſetzt, von in Müßiggang ſich herumtreibenden Leuten, ſowie von unverſtändigen Bauern getötet zu werden. Es iſt ja eine leichte Sache, eine große Anzahl von Vögeln zu töten oder zu fangen, ſowie die Neſter zu zerſtören. Es beſtehen deshalb jetzt in den meiſten Kulturſtaaten Vogelſchutzgeſetze. Allein dieſe nützen leider noch nicht genug, ſolange es noch Länder giebt, wo die nützlichen Vögel während des Zuges in Maſſen gefangen werden. Die Vogelſchutzfrage ſollte deshalb international geregelt werden. Es giebt bis jetzt eine inter⸗ nationale Konvention für das Deutſche Reich, Oſterreich und Italien; es wäre von höchſtem Intereſſe, daß auch die Regierungen der übrigen Länder Europas zutreten, und daß die Beſtimmungen einer ſolchen Konvention überall ſtreng gehalten würden. Es verſteht ſich, daß bloß diejenigen Arten international geſchützt werden dürfen, die in allen betreffenden Ländern ausſchließlich oder faſt ausnahmsweiſe nützlich ſind, während es jedem einzelnen Lande freiſtehen muß, in Ausnahmefällen, namentlich in obſt⸗ und weinbauenden Gegenden, den Fang ſolcher Vögel zu erlauben, die zwar gewöhnlich nützen, aber zeitweilig ſchaden(Star, Droſſelarten in obſt⸗ und weinbauenden Gegenden u. ſ. w.). Ein geſetzlicher Schutz der nützlichen Vögel iſt um ſo mehr not⸗ wendig, als es hier gewöhnlich keine Vermehrung dieſer Tiere gilt, ſondern eine Vorbeugung von der Abnahme ihrer Anzahl; denn in ſolchen Gegenden, wo der Boden immer mehr in Kultur gebracht wird, nimmt die Zahl der inſektenfreſſenden Vögel gewöhnlich ab, weil ja die Gelegenheit zum Brüten für ſie, durch Ausrodung der Wälder, ſowie durch Trockenlegen der Sümpfe und Moore, ſtets ſeltener wird. 74 Klaſſe 2. Vögel. An allen Orten, wo viele ſchädliche Inſekten vorkommen, da erſcheinen— wenn ſie nicht verjagt oder getötet werden— die inſekten⸗ freſſenden Vögel von ſelbſt, wenn man ihnen nur künſtliche Brut⸗ plätze giebt, falls die natürliche Gelegenheit zum Brüten fehlt. Man hat zu dieſem Zwecke ſog.„Niſtkäſtchen“ angefertigt. Es ſollen dieſe die Höhlen in Bäumen und Mauern vertreten, wo die Vögel gern brüten. Man hängt die Niſtkäſtchen überall, wo man die Vögel gern brüten ſieht, in Gärten, Anlagen, Wäldern, Alleebäumen u. ſ. w. auf Jede Höhlung, die ſich zum Brüten eignet, iſt brauchbar; es läßt ſich eine ſolche aus einem Blumentopfe ſowohl wie aus einem alten Holz⸗ ſchuhe anfertigen. Es ſind viele hübſche Niſtkäſtchen(Fig. 69) im Handel. Sie beſtehen gewöhnlich aus aneinander ge⸗ leimten oder genagelten Brettchen, welche nachher mit einer dunkeln Olfarbe an⸗ geſtrichen werden, auf welche man Moos oder Flechten ſtreuen kann, welche an dem Ol feſtkleben. An der Vorderſeite iſt ein Schieber, welcher ſich abnehmen läßt, um das Neſt zu reinigen. In dieſem findet ſich das Flugloch und unter demſelben ein nach außen und nach innen vorſtehendes Stäbchen, worauf der Vogel ſich ſetzen kann. Zierlicher aber als die aus Brettchen zuſammengeſtellten Niſtkäſtchen ſind die aus Baumrinde angefertigten. Auch hat man hübſche, wie Baumäſte aus⸗ ſehende Käſtchen aus gebackener Thonerde. Die Größe des Neſtes, ins⸗ beſondere die Größe des Flugloches, Fig. 69. Niſtkäſtchen. richtet ſich nach der Vogelart, welche man heranlocken will. Kleine Vögel, welche ein Käſtchen mit großem Flugloche beziehen, werden oft von größeren Vögeln vertrieben. Für das Locken von Meiſen nehme man Käſtchen mit ſehr kleinem Flugloche; nimmt man das Flugloch zu groß, ſo lockt man Sperlinge, die man gewöhnlich wohl nicht zu locken braucht. Es ſollen die Niſtkäſtchen womöglich mit dem Flugloche nach Oſten gerichtet ſein, damit ſie möglichſt wenig einregnen; und es ſollen die auf allein ſtehenden Bäumen befindlichen vor dem Angriffe von Katzen geſchützt werden dadurch, daß man die Stämme bis auf eine Höhe von 11½ m mit einem Kranze dorniger Akazien⸗, Schlehen⸗ oder Weißdornäſte umgiebt. Beim Heranlocken der verſchiedenen Vogelarten merke man ſich folgendes. Für Stare hängt man mehrere Käſtchen in denſelben Baum, weil dieſe geſellig lebenden Vögel gern in einanders unmittelbarer Klaſſe 3. Kriechtiere.—75 Nähe brüten. Für andere Vögel hängt man die Käſtchen in weiterer Entfernung voneinander.— Meiſen brüten gern an bedeckten Stellen; man hängt alſo die für dieſe Vögel beſtimmten Käſtchen in Wäldern und Anlagen, an Kiefern- und Fichtenbäumen auf, in Gärten womöglich zwiſchen Epheu. Allein die künſtlichen Neſter der Stare, Rotſchwänzchen, Fliegenfänger hänge man niemals an bedeckten Stellen auf, weil dieſe Vögel gern viel Licht und genügenden Raum zum Ausfliegen mögen.— Klaſſe 3. Kriechtiere(Reptilia). Kaltblütige Wirbeltiere(S. 20). Das Herz hat denſelben Bau wie dasjenige der Säugetiere und Vögel, aber die linke und rechte Herzkammer ſind nur unvollſtändig voneinander geſchieden(S. 21). Der Körper iſt mit Hornſchuppen oder mit von einer Hornſchicht über⸗ zogenen Knochenplatten bedeckt.— In ihrem Ausſehen ſind die Kriech⸗ tiere von den Vögeln ſehr verſchieden, doch bietet ihr Skelett viele weſentliche Ähnlichkeiten mit dem der Vögel; ja es haben in früheren geologiſchen Perioden Übergangsbildungen zwiſchen den beiden Klaſſen gelebt.— Auch iſt der Bau des Reptilieneies derſelbe wie der des Vogeleies, nur hat erſteres keine Kalkſalze in der Schale abgeſetzt. Das Ei wird nicht vom Tiere ſelbſt ausgebrütet, ſondern der Sonnenhitze ausgeſetzt oder der Einwirkung der in modernder Pflanzenmaſſe ſich entwickelnden Wärme. Mehrere Reptilien(z. B. Kreuzotter) behalten die Eier in ihrem Körper, bis die Jungen ausſchlüpfen.— Die Kriech⸗ tiere haben entweder keine Beine(Schlangen, einige Eidechſen) oder die Beine ſind wenigſtens nicht ſtark entwickelt und ſo geſtellt, daß der Körper nicht von denſelben getragen wird, ſondern zwiſchen den⸗ ſelben hängt. Es gehören zu den Kriechtieren die Ordnungen der Krokodile (Crocodilia), Schildkröten(Chelonia), Eidechſen(Saurii, Fig. 70), Schlangen (Serpentes). Die einheimiſchen Reptilien ſind ohne große landwirtſchaftliche Bedeutung. Jedoch will ich kurz der Kreuzotter(Pelias berus) Er⸗ wähnung thun, weil ſie dem Menſchen gefährlich iſt(Fig. 71). Kopf breit. Schwanz weit ſchmäler als das Hinterende des Körpers. Färbung grüngrau oder bräunlich. Über den Rücken verläuft ein ſchwarzes Zackenband. Länge 0,5 m. Die beiden hakenförmigen Gift⸗ zähne finden ſich vorn im Kiefer; beim Aufſperren des Rachens richten ſie ſich auf. Sie ſind vom Giſtkanale durchbohrt, ſo daß das Gift unmittelbar in die beiden unblutigen Wunden fließt.— Die Kreuzotter lebt in Wäldern und an Bergabhängen, wo ſie Mäuſe frißt.— Das Gift wirkt blutzerſetzend; es zeigen ſich Fieber und Anſchwellung des gebiſſenen Körperteiles, ſowie bisweilen der angrenzenden Teile. Der Biß kann tödlich ſein. Als Gegenmittel wird Alkohol gerühmt.— 76 Klaſſe 3. Kriechtiere. Die einheimiſche Ringelnatter(Tropidonotus natrix, Fig. 72), iſt bräunlich mit ſchwarz und weiß geflecktem Bauche, hat Fig. 70. Gemeine Eidechſe(Lacerta agilis); Fig. 71. Die Kreuzotter(Pelias berus); ½ d. n. Gr. am Halſe ein gelbes und ein ſchwarzes Band. Sie geht gern ins Waſſer und frißt Fröſche, Lurche, Inſekten.— Die glatte Natter(Coronella Klaſſe 3. Kriechtiere. 77 laevis), 0,6 m lang, braun mit ſchwarzen Flecken auf dem Rücken, die aber kein zuſammenhängendes Band bilden. Kopf tief ſammetartig Fig. 72. Ringelnatter(Tropidonotus natrix); ½ d. u. Gr. ſchwarz. Frißt Eidechſen und Blindſchleichen.— Die Blindſchleiche (Anguis fragilis) iſt zwar ſchlangen⸗ oder vielmehr wurmähnlich . Fig. 73. Blindſchleiche(Anguis fragilis); G d. n. Gr. (Fig. 73), ſie gehört aber zu den Eidechſen, mit denen ihr innerer Bau übereinſtimmt. 78 Klaſſe 4. Lurche. Klaſſe 4. Lurche(Amphibia). Kaltblütige Wirbeltiere(S. 20). Das Herz hat nur eine Herz⸗ kammer und zwei Vorkammern(vgl. S. 21). Die Haut iſt nackt, feucht, gewöhnlich ſchlüpf⸗ rig und glatt; ſie tritt in den Dienſt der Atmung. Zwar ähneln mehrere Lurche verſchiedenen Reptilienarten in ihrem Ausſehen(Ei⸗ dechſen und Sala⸗ mander, Fig. 70 und 75), aber der Skelettbau iſt gänz⸗ lich verſchieden. Überhaupt ſchließen ſich die Lurche mehr den Fiſchen an, auch dadurch, daß ſie in der Jugend Kiemen⸗ atmung haben. Sie beſtehen eine Meta⸗ morphoſe.(Vgl. Fig. 74 und die Schwanze; g⸗= junger Krötenfroſch. Erklärung). Die AE————— Fig. 75. Großer Waſſermolch(Triton eristatus), oben Männchen, unten Weibchen; n. Gr. jugendlichen Tiere, welche kaum dem Ei entſchlüft ſind, ſaugen ſich zunächſt an die Gallerte des Laiches oder an Waſſerpflanzen feſt; ſie haben äußere Kiemen. Bald entwickelt ſich ein ſtarker Hautſaum, Klaſſe 4. Lurche. 79 namentlich um den Schwanz herum, ſo daß ein wahrer Ruderſchwanz 3 gebildet wird. Inzwiſchen bilden ſich innere Kiemen und die äußeren t. verſchwinden. Die Larven ſind dann fiſchförmig(„Kaulquappen“). Bald in Fig. 76. Grasfroſch(Rana fusca); etwas verkleinert. i entſtehen auch die Gliedmaßen. Inzwiſchen bilden ſich die Lungen; bei it den Fröſchen ſchrumpft auch der Schwanz zuſammen, und die Tiere ver⸗ Fig. 77. Kreuzkröte(Bufo calamita); n. Gr. laſſen das Waſſer. Doch leben ſie auch ſpäter nur in feuchter Umgebung. — Im ausgewachſenen Zuſtande nähren ſich die Lurche von Inſekten, Würmern und Schnecken; mehrere Arten nützen dadurch in gewiſſem Grade. Es teilen ſich die Lurche in zwei Ordnungen, die der Molche m,(Salamandrina) und der Froſchlurche(Anura), ein. Zu erſteren ge⸗ 80 Klaſſe 5. Fiſche. hören der ſchwarze Alpenſalamander(Salamandra atra), der gelb⸗ und ſchwarzgefleckte Erdſalamander(S. maculosa), der große und der kleine Waſſermolch(Triton cristatus(Fig. 75] und T. taeniatus). Zu den Froſchlurchen zählen u. a. der Laubfroſch(Hyla arborea), der grüne Waſſerfroſch(Rana esculenta), der braune Grasfroſch(R. fusca, Fig. 76), der Krötenfroſch(Pelöopates fuscus), die Unke(Bombinator igneus), die gemeine Kröte(Bufo vulgaris), die Kreuzkröte(Bufo calamita, Fig. 77). Die Fröſche ſowie die Kröten nützen dadurch, daß ſie viele ſchäd⸗ liche Inſekten und namentlich Schnecken freſſen. In England werden zu dieſem Zwecke vielfach Kröten in Gewächshäuſern gehalten, und im Verſuchsgarten des entomologiſchen Laboratoriums in Rouen hat man im Verlaufe des Jahres 1891 die Schnecken dadurch gänzlich ausgerottet, daß man in denſelben 100 Kröten und 90 Fröſche brachte. Klaſſe 5. Fiſche(Pisees). Kaltblütige Wirbeltiere(S. 20), welche während ihres ganzen Lebens durch Kiemen atmen. Das Herz beſteht nur aus einer einzigen Fig. 78. Der Flußbarſch(Perca fluviatilis); ½ d. n. Gr. Kammer und einer einzigen Vorkammer(S. 18). Der Kopf ſchließt ſich unmittelbar an den Rumpf an, ſo daß ein Hals fehlt. Die Fiſche bewegen ſich hauptſächlich mittelſt des Schwanzes, an deſſen Hinterende ſich die Schwanzfloſſe befindet. Dieſe letztgenannte liegt mit der Rücken⸗ floſſe und der Afterfloſſe in der Durchſchnittsfläche des Fiſches, während die am Schädel befeſtigten Bruſtfloſſen, ſowie die Bauchfloſſen paarige Gebilde ſind und ſich mehr oder weniger mit den Vorder⸗ und Hinter⸗ en ieft iche ende ken⸗ rend wige nter⸗ Zweiter Kreis. Gliedertiere. 81 beinen der höheren Wirbeltiere vergleichen laſſen.— Das Skelett der meiſten Fiſche(Hecht, Barſch(Fig. 78], Karpfen, Aal, Scholle) iſt knöchern, bei einigen Fiſchabteilungen aber(Haie, Rochen, Störe, Neun⸗ augen) iſt es knorpelig. Gewöhnlich iſt die Haut mit dünnen, durch⸗ ſcheinenden Schuppen bedeckt; doch giebt es auch Fiſche mit glatter Haut (Neunaugen), mit ſtachelartigen Hautverknöcherungen(Haie) und mit rautenförmigen Knochenplatten(Störe). Weil die Fiſche ausnahmslos Waſſerbewohner ſind, brauche ich ſie hier nicht ausführlicher zu behandeln. Sweiter Kreis. Gliedertiere(Arthropoda). Der Gliedertierkörper iſt bilateral⸗ſymmetriſch(vgl. S. 16) und beſteht aus einer nicht bei allen Vertretern dieſes Kreiſes gleich großen Fig. 79. Die große Bandaſſel(Scolopendra morsitans); n. Gr. Gliederzahl(Fig. 79). Die hintereinander liegenden Glieder oder Segmente ſind zwar urſprünglich einander gleich, allein indem ſie im Verlaufe der Weiterentwickelung ſich verſchiedenen Funktionen anpaſſen, wird der Unterſchied bei ihnen größer. Man vgl. die in Fig. 80, 2 abgebildete Holzweſpe mit der Jugendform desſelben Tieres(Fig. 80, 1). Oftmals verwachſen die Glieder miteinander und es tritt dann eine Zuſammenſchmelzung zu wenigen Körperabteilungen ein, oder es ver⸗ wachſen ſogar alle Glieder miteinander(Milben). In letzterem Falle iſt der Charakter eines Gliedertieres nur an der Gliederung der Glied⸗ maßen ſichtbar.— Es giebt zwar auch unter den Würmern(3. Kreis des Tierreiches) gegliederte Tiere(z. B. den gemeinen Regenwurm), aber dieſe Würmer haben entweder gar keine oder nur kleine unge⸗ gliederte Fußſtummel, niemals gegliederte Gliedmaßen, wie die wahren Gliedertiere. Letztere können nur im Jugendzuſtande fußlos oder im Beſitze ungegliederter Fußſtummel ſein; im vollendeten Zuſtande haben ſie ohne Ausnahme gegliederte Beine.— Der Kopf der Gliedertiere trägt mehrere aufeinanderfolgende Kieferpaare, die ſich hin und her, von der rechten zur linken Seite, bewegen.— Die Körperbedeckung beſteht bei den vollendeten Gliedertieren aus harten Panzerteilen; nur Bos, Zoologie. 3. Auflage. 6 Zweiter Kreis. Gliedertiere. in den Jugendzuſtänden iſt die Haut mehrerer Arten weich.— Die Gliedertiere haben kein inneres Skelett, die Muskeln ſind mit der äußeren AD 2 Fig. 80. Holzweſpe(Sirex). 1 Larve, 2 vollendetes Inſekt. Fig. 81. Laufkäfer mit weiß eingezeichnetem Nervenſyſtem. Haut verbunden. Die centralen Teile des Nervenſyſtems(S. 9), welche bei den Wirbeltieren aus Gehirn und Rückenmark beſtehen, liegen bei den Gliedertieren faſt alle an der Bauchſeite. Im Kopfe liegt der Gehirn⸗ knoten; dieſer iſt eine grö⸗ ßere, auf dem Schlunde liegende Nervenmaſſe, welche Nerven nach den Augen und den Fühlern ausſendet. Ferner findet ſich an der Bauchſeite des Tieres das ſog. Bauch⸗ mark, welches unter dem Darmkanale verläuft und Fig. 82. Schema eines Querſchnitts durch den Körper aus mehreren Paaren von eines Inſekts. 1. G= Atmungsöffnungen(Anfang der Nervenknoten beſteht, die deeeie, ze darg den dathen nher Bnd euann durch Nervenſüden mitein⸗ N⸗Nervenknoten. ander verbunden ſind. Die Nervenknoten des Bauch⸗ markes ſenden ihre Nerven zu den Kiefern, Beinen, Flügelmuskeln, Eingeweiden u. ſ. w. Der Gehirnknoten iſt mit dem erſten Bauch⸗ knoten durch einen Schlundring verbunden.— Die Atmungsorgane en Klaſſe 1. Inſekten oder Kerfe. 83 ſind bei einigen Gliedertieren(den Kruſtentieren, z. B. Krebſen, Krabben) Kiemen; die Inſekten und Tauſendfüßer atmen durch Luft⸗ gefäße oder Tracheen, während die Atmungsorgane der Spinnentiere, inſoweit dieſe nicht bloß durch die Haut atmen, mehr oder weniger ſtark modifizierte Luftgefäße ſind. Der Hauptſache nach iſt der Bau des Tracheenſyſtems folgender: An jeder Seite des Körpers findet ſich eine Reihe von Atemlöchern oder Stigmen, durch welche die Luft in dieſe Luftgefäße aufgenommen wird; letztere verzweigen ſich außer⸗ ordentlich ſtark, ſo daß ſie ſchließlich zu ſehr feinen Äſten werden, welche die Organe umſpinnen(Fig. 82). Dieſe erhalten auf dieſem Wege den nötigen Sauerſtoff. In Fig. 86(S. 85) ſind die in einer Längsſeite liegenden Atemlöcher einer Raupe, in Fig. 87(S. 87) die einer Hor⸗ niſſenlarve deutlich ſichtbar.— Zu dieſem Kreiſe gehören vier Klaſſen: Inſekten(Insecta), Tauſendfüßer(Myriapoda), Spinnentiere(Arachnoidea), Kruſtentiere (Crustacea). Klaſſe 1. Inſekten oder Kerfe(Insecta). Atmung durch Luftgefäße(vgl. oben). Die Glieder ſind zu drei Körperabteilungen verwachſen(Fig. 83). Es ſind dieſe: 1. der Kopf, an dem ſich die ein⸗ zelnen Glieder nicht mehr unterſcheiden laſſen; dieſer trägt die Augen, die Fühler und die Kiefer;— 2. der Mittelleib oder das Bruſtſtück, aus drei Gliedern zuſammenge⸗ ſetzt, von denen das erſte(die Vorderbruſt) ein Paar Beine, das zweite(die Mittelbruſt), ſowie das dritte(die Hinterbruſt) nicht bloß je ein Paar Beine trägt, ſondern auch je ein Paar Flügel tragen kann;— 3. der Hin⸗ terleib, der keine Gliedmaßen hat und deſſen Gliederzahl nicht .. 22 7 Fig. 83. Eine Heuſchrecke nach den Körperabteilungen immer dieſelbe iſt. Die anbein audergenwumene i Kopf: Eruſtſtück: I Vorder⸗ oj bruſt, II Mittelbruſt, III Hinterbruſt; interleib.— oben genannten drei a Fühler; b Augen; ode Beine; fg Flügel; p Schiene; Körperabteilungen q Fuß. 6* 84 Klaſſe 1. Inſekten oder Kerfe. dienen verſchiedener Funktion: Der Kopf dient zur Empfindung und zur Nahrungsaufnahme, der Mittelleib dient zur Bewegung, während der Hinterleib die Organe der Verdauung und der Fortpflanzung ent⸗ hält.— Ich will jetzt die verſchiedenen Körperabteilungen eines In⸗ ſekts noch etwas näher ins Auge faſſen. Kopf. Faſt alle Inſekten haben im vollendeten Zuſtande an jeder Seite des Kopfes ein zuſammengeſetztes Auge, d. h. ein Auge, welches aus einer großen Anzahl(bis 10 000) kleiner Augen zuſammengeſetzt Fig. 84. Kopf und Heuwerkzeuge eines Laufkäfers, vielfach vergrößert. A von oben, B von unten geſehen. a Oberlippe; b Oberkiefer; f Unterkiefer mit Taſter g; c Unterlippe mit Taſter e⸗ iſt. Daneben finden ſich bei mehreren Inſekten auf dem Scheitel noch einzelne einfache Augen.— Die Fühler ſind bei den verſchiedenen Inſekten ſehr ungleich; ſie dienen dem Taſtgefühle, vielleicht können ſie auch in den Dienſt eines andern Sinnes treten. — Die Mundteile beſtehen aus drei Paar Kiefern, Fig. 85. Bein eines Laufkäfers, zweifach vergrößert. von denen das erſte(die Oberkiefer) und das zweite Paar(die Unterkiefer) frei hin und her beweglich ſind, das dritte jedoch aus zwei unbeweglich miteinander verwachſenen Kiefern beſteht(die „Unterlippe“). Eine Verlängerung, ein Umſchlag der Kopfhaut(die „Oberlippe“) überwölbt die drei Kieferpaare(Fig. 84). Bei den Inſekten, welche feſte Nahrung aufnehmen, dieſelbe zerreißen oder kauen, ſind die Kiefer kurz und ſcharfrandig(kauende Mundteile); bei denen, welche flüſſiges Futter(Blut, Pflanzenſäfte u. ſ. w.) aufnehmen, ſind ſie in die Länge gewachſen und entweder zum Lecken, zum Saugen oder zum Stechen geeignet. Rumpf. Die Namen der Teile der Beine ſind größtenteils denen der Säugetiergliedmaßen nachgebildet, doch iſt die Ähnlichkeit it Klaſſe 1. Inſekten oder Kerfe. 85 zwiſchen Säugetierbeinen und Inſektenbeinen eine nur ganz oberflächliche. Man unterſcheidet an den Gliedmaßen eines Inſekts die folgenden Teile: 1. das gewöhnlich kugelige Hüftglied(Fig. 85 a); 2. den ſehr kurzen Schenkelring(b); 3. den langgeſtreckten Schenkel(c); 4. die an der Spitze mit beweglichen Dornen verſehene Schiene(d); 5. den aus 3 bis 5 Gliedern beſtehenden Fuß(e), deſſen letztes Glied mit Klauen(f), oftmals auch mit lappenförmigen Anhängen endigt. — Die Flügel ſind eigentlich Hautausbreitungen, welche aus zwei Schichten beſtehen. Zwiſchen der oberen und der unteren Lamelle finden ſich Luftgefäße(Fig. 82). Anfangs(bei den Puppen) ſind die Flügel zuſammengefaltet; allein durch Einpreſſen von Luft in die Luftgefäße entfalten ſie ſich in kurzer Zeit. Dann ſetzt ſich eine feſte Subſtanz um die größten Tracheen ab; in dieſer Weiſe werden die letzteren zu Adern oder Rippen, welche den Flügeln Feſtigkeit verleihen. Bei den K — 8 Fig. 86. Seidenſpinner(Bombyx Mori); n. Gr. Weiblicher Schmetterling, Raupe, Puppe und Geſpinſt. Käfern ſind die Vorderflügel ganz und gar hornartig und mehr zum Schutze der Hinterflügel und des weichen Rückens als zum Fliegen be⸗ ſtimmt; man nennt ſie dann„Flügeldecken“. Bei vielen Inſekten ſind die Flügel, entweder die Vorderflügel(Weſpen) oder die Hinterflügel (Käfer, Heuſchrecken), im Ruhezuſtande zuſammengefaltet. Der Hinterleib trägt nur bei den Raupen(Fig. 86) und bei einigen anderen Inſekten im Jugendzuſtande Bewegungsorgane, welche jedoch nicht wie die wahren Beine oder„Bruſtfüße“ gegliedert ſind, aber ungegliederte„Bauchfüße“ darſtellen. Bei den vollendeten In⸗ ſekten kann der Hinterleib fadenförmige(Maulwurfsgrille) oder zangen⸗ ähnliche(Ohrwurm) Anhänge haben; auch Gliedmaßen, die zum Eier⸗ ablegen dienen(Legeröhre, z. B. Laubheuſchrecke.) Die meiſten Inſekten haben ein ſtarkes Fortpflanzungsvermögen. Einige bringen lebende Junge zur Welt; die meiſten Inſekten aber legen Eier. Aus dieſen Eiern kommen nur in wenigen Fällen(z. B. 86 Klaſſe 1. Inſekten oder Kerfe. Läuſe) Tiere hervor, welche ihren Eltern ſchon ganz gleichen; bei weitem die meiſten Inſekten entwickeln ſich vermittelſt einer Verwandlung oder Metamorphoſe. Man unterſcheidet eine vollkommene und eine un⸗ Fig. 87. Die Horniſſe(Vespa Crapro) mit Larve und Puppe; n. Gr. vollkommene Metamorphoſe. Vollkommen wird ſie genannt, wenn das Inſekt einen Zuſtand durchlebt, in welchem es keine Nahrung aufnimmt und ſich in der Regel nur wenig bewegt. In dieſer Periode Weibchen. der faſt vollſtändigen Ruhe heißt das Inſekt„Puppe“(Fig. 86, 87, 89). Die Verwandlung wird eine unvollkommene genannt, wenn das Inſekt kein Puppenſtadium durchlebt, alſo in allen ſeinen Entwickelungs⸗ perioden Nahrung zu ſich nimmt, ſich bewegt und nur bei den ver⸗ ſchiedenen Häutungen ſeine Form etwas ändert(Fig. 88). Klaſſe 1. Inſekten oder Kerfe. 87 Das Wort Häutung muß hier noch eine Erklärung finden. Die Hautbedeckung der Gliedertiere beſteht aus harten Stücken, welche keine Ausdehnung geſtatten. Am Ende eines beſtimmten Zeitraumes wird die feſte Hautbedeckung abgeſtreift und durch eine neue, anfangs weiche, ſpäter allmählich erhärtende Haut erſetzt. In dieſer Weiſe kann das Wachstum des Tieres ungeachtet der harten Hautbedeckung zuſtande kommen. Jedermann hat wohl einmal die Häutung der Raupen beobachtet. Bei den Inſekten mit unvollkommener Verwandlung ändert ſich die Form des Tieres bei jeder Häutung ein wenig und nähert ſich ſtets mehr und mehr der des vollendeten Inſektes; bei der vorletzten Häutung kommen kleine Flügelſcheiden zum Vorſchein(Fig. 88, oben), allein erſt nach der letzten Häutung zeigen ſich die Flügel, die ſich innerhalb der⸗ 6= YwWe, A S(— ——* 1 1 59 4 i Fig. 89. Der gemeine Maikäfer(Melolontha vulgaris); n. Gr. Larve, Puppe, fliegendes Weibchen und aus der Erde hervorkriechendes Männchen. ſelben gebildet haben. Die Legeröhre der weiblichen Inſekten mit un⸗ vollkommener Verwandlung erſcheint als vollkommen entwickeltes Or⸗ gan erſt im vollendeten Zuſtande des Tieres; in dem unmittelbar vorhergehenden Stadium beginnt erſt die Entwickelung dieſes Organs. Schon in den erſten Entwickelungsſtadien der unvollkommenen Ver⸗ wandlung zeigt das junge Inſekt(die„Larve“) in der Form große Ähnlichkeit mit dem vollendeten Tiere. Bei den Inſekten mit voll⸗ kommener Verwandlung iſt der Unterſchied zwiſchen Larve und vollendetem Inſekt(Imago) weit größer(Fig. 86, 87, 89). Die Zeit, welche ein Inſekt mit vollkommener Verwandlung im Puppenzuſtande zubringt, iſt bei weitem nicht immer eine gleich lange. Vom großen Kohlweißling z. B. treten jährlich zwei Generationen auf; die eine durchlebt den Winter im Puppenzuſtande, von der anderen findet man die Puppen im Sommer. Während nun das Inſekt der Wintergeneration ungefähr ein halbes Jahr in der Puppenruhe ver⸗ lebt, dauert dieſer Zuſtand bei der Sommergeneration noch keinen Monat. Höhere Temperatur beſchleunigt die Entwickelung. 88 Klaſſe 1. Inſekten oder Kerfe. Obgleich das Inſekt im Puppenzuſtande keine Nahrung aufnimmt, ſo atmet es doch und verbraucht alſo fortwährend Körperſubſtanz. Dieſer Verbrauch iſt jedoch nur ein geringer, weil ſich das Tier nur wenig bewegt. Woher bekommt nun aber die Puppe ihre Nahrung, damit ſie den Verluſt an Körperſubſtanz decke? Im Larvenzuſtande nimmt das Inſekt weit mehr Nahrung auf, als es für ſeine Körperentwickelung braucht. Aus dieſem Überſchuß bilden ſich Reſerveſtoffe, die in dem ſog.„Fett⸗ körper“ der Larve deponiert werden. Dieſe Reſerveſtoffe werden im Puppenzuſtande reſorbiert und dienen zum Unterhalte der Atmung. Darum wiegt eine Puppe unmittelbar nach ihrem Entſtehen aus der Raupe mehr als eine andere, die im nächſten Augenblicke ſich zum Schmetterlinge entfalten wird. Die Larven und Puppen der verſchiedenen Inſektenarten mit vollkommener Verwandlung haben nicht dieſelbe Körperform. Man unterſcheidet unter den Larven: Raupen, wahre Larven und Maden. Die Raupen(Fig. 86) haben einen deutlich geſonderten Kopf mit Fig. 90. Spannerraupe. Fig. 91. Afterraupe. harter Hautbekleidung, drei Paar gegliederte Bruſtfüße und eine ver⸗ ſchiedene Zahl ungegliederter Bauchfüße. Gewöhnlich ſind ſie bunt oder grün gefärbt. Man unterſcheidet noch die wahren Raupen (Fig. 86, 90) und die Afterraupen(Fig. 91). Die erſteren verwandeln ſich nach der Puppenruhe in Schmetterlinge, die letzteren in Blatt⸗ weſpen. Die wahren Raupen haben 2 bis 5 Paar Bauchfüße, die Afterraupen 6 bis 8 Paar. Die Bruſtfüße mitgerechnet, beträgt alſo die ganze Zahl der Beine bei den wahren Raupen 5 bis 8, bei den Afterraupen 9 bis 11 Paar. Der Kopf der Afterraupen iſt mehr kugelig, während der der wahren Raupen mehr abgeplattet iſt. Die Gangart der Raupen iſt durch die Zahl ihrer Gliedmaßen bedingt. Iſt dieſe Zahl eine ziemlich große, und ſind alſo die meiſten Körper⸗ glieder mit Beinen verſehen, ſo bleibt der ganze Körper während der Bewegung ziemlich geſtreckt. Wenn aber die Zahl eine geringe iſt— wie bei den Spannern, bei welchen ſich am vorderen Körperende 3 Paar Bruſtfüße, am Hinterende nur das letzte Paar Bauchfüße(die ſog. „Nachſchieber“) ſowie ein vorletztes Paar Bauchfüße befinden,— ſo iſt der ganze Mittelkörper fußlos, und die Fortbewegung erfolgt mit ſtarker Krümmung dieſes fußloſen Körperteiles(Fig. 90). Daher der ————— ————— ——— — 9 — Klaſſe 1. Inſekten oder Kerfe. 89 Name„Spanner“.— Die Afterraupen beugen oftmals ihren Körper in eigentümlicher Weiſe. Im Ruhezuſtande wird gewöhnlich der Hinter⸗ körper ſpiralig gekrümmt; einige Arten werfen, ſobald ſie aufgeſchreckt, werden, plötzlich den Hinterleib in die Höhe und vorwärts, ſogar über den Kopf hinaus.— Die wahren Larven(Fig. 92, 95 links) haben zwar, wie die Raupen, einen deutlich ſichtbaren, harten Kopf, aber keine eigentlichen Bauchfüße, höchſtens am Hinterende des Körpers ein Paar„Nachſchieber“(Drahtwürmer). Bruſtfüße ſind bei mehreren Larven(bei Engerlingen[Fig. 89], Drahtwürmern, Larven der Blattkäfer) vorhanden, bei anderen(Larven der Rüſſelkäfer, Larve des Flohs) fehlen ſie gänzlich. (Fig. 92).— Maden nennt man diejenigen ganz fußloſen Inſektenlarven, welche nicht einen vom übrigen Körper deutlich geſonderten Kopf haben, deren Kopfende nur durch das Vorhandenſein der Mundöffnung und der Mundteile wahrzunehmen iſt(Fig. 93).— Fig. 92. Larve eines Rüſſelkäfers. Die Puppen ſind entweder von einer Hülle um⸗ geben, welche nur die Umriſſe der verſchiedenen Teile des vollendeten Inſekts ſchwach andeutet, oder ſie haben eine Hülle, die jeden Körper⸗ teil, auch die Flügel, Beine, Fühlhörner, ja ſogar die Mundteile und die Augen, apart umgiebt. Dieerſteren Puppen heißen maskierte (Fig. 86), die anderen gemei⸗ ßelte Puppen(Fig. 87, 89). Viele Puppen ſind nackt, andere ſind von einem von der Larve angefertigten Geſpinſte (Kokon) umgeben; letztere nennt man umſponnene Puppen (Fig. 86). Dann giebt es noch Tönnchen, welche dadurch ent⸗ ſtehen, daß das Inſekt, wenn es ſei V ig. 93. Schwebfliege(Syr- die Madenzeit durchlebt hat, ſeine Fiis Byrasthihe is Aahge, Haut nicht abſtreift, ſondern 1' Made und Puppenhülle. innerhalb der zuſammenſchrum⸗ N pfenden Madenhaut die Ver⸗ wandlung zur Puppe durchmacht, ſo daß ſpäter das vollendete Inſekt aus der vertrockneten Madenhaut hervorbricht(Fig. 93).— Die Klaſſe der Inſekten kann in 11 Ordnungen eingeteilt werden: 1. Käfer(Coleoptera), 2. Geradflügler(Orthoptera), 3. Netz⸗ flügler(Neuroptera), 4. Hautflügler(Hymenoptera), 5. Schmetterlinge (Lepidoptera), 6. Schnabelkerfe(Rhynchota), 7. Blaſenfüßer(Physopoda), 8. Zweiflügler(Diptera), 9. Flöhe(Aphaniptera), 10. Läuſe(Pedi- culina), 11. Spring⸗ und Borſtenſchwänze(Collembola). Klaſſe 1. Inſekten oder Kerfe. Erſte Ordnung: Käfer(Coleoptera). Die Käfer(Fig. 89) ſind Inſekten mit kauenden Mundteilen und mit ſtark entwickeltem Vorderbruſtſtück, das mit dem Mittelbruſtſtück frei beweglich verbunden iſt. Die Vorderflügel ſind zu harten Decken um⸗ geſtaltet, die bloß den Kopf, den Halsſchild(d. h. die Rückenſeite der Vorderbruſt), ein dreieckiges Stückchen der Mittelbruſt(das ſogen. Schildchen), ſowie bisweilen die Spitze des Hinterleibes unbedeckt laſſen. Bloß die Hinterflügel dienen zum Fliegen; ſie ſind im Ruhezuſtande unter die Flügeldecken zurückgezogen.— Die Verwandlung iſt eine voll⸗ kommene; die fußloſen oder nur mit Bruſtfüßen verſehenen Larven haben einen harten Kopf mit kauenden Mundteilen; ſie ändern ſich in ge⸗ meißelte Puppen(S. 89) um. Familie der Laufkäfer(Carabidae). Gewöhnlich länglich, ſchlank, mit langen, ſchlanken Beinen, fünf⸗ gliedrigen Füßen,— elfgliedrigen, fadenförmigen Fühlern,— ſtarken, Fig. 95. Der Getreidelaufkäfer nitens); n. Gr.(Zabrus gibbus), nebſt Larve; vergr. Fig. 94. Laufkäfer(Carabus auro- kräftigen Kiefern(Fig. 94, 95). Laufen ſchnell, halten ſich gewöhnlich am Erdboden auf, leben am Tage verſteckt, ſind nachts ſehr lebhaft, freſſen mit ſehr wenigen Ausnahmen ausſchließlich andere Inſekten, ſpritzen bei Berührung aus dem Hinterleibe eine ſcharfe, ſtinkende Flüſſigkeit hervor.— Larven: länglich, ſechsbeinig, mit kurzen Fühlern und ſcharfen Kiefern; freſſen mit wenigen Ausnahmen ausſchließlich andere Inſekten und niedere Tiere. Mehrere Arten nützen, im vollendeten ſowie im Larvenzuſtande, als Vertilger ſchädlicher Inſekten, z. B. Erdraupen, Drahtwürmer, Enger⸗ linge, Kohlſchnakenlarven. Nützlich ſind auf den Fruchtfeldern: Gold⸗ henne(Carabus auratus), Gartenlaufkäfer(C. hortensis), gekörnelter Laufkäfer(C. granulatus), Körnerwarze(C. cancellatus), Hainlaufkäfer (C. nemoralis), Großkopf(Cephalotes vulgaris), Harpalus- und Ptero- stichus⸗Arten u. ſ. w. Schädlich iſt bloß der Getreidelaufkäfer(Zabrus gibbus, Fig. 95): kurz, gedrungen, Rücken ſchwarz, Bauch, Beine und Fühler dunkelbraun. Larve walzenförmig, ſchwach behaart, braun mit gelblich⸗weißem Bauche; Erſte Ordnung. Käfer. 91 Kopf breit und abgeplattet, ſchwarz.— Dieſe Art, die außer Inſekten auch vielfach Pflanzennahrung zu ſich nimmt, kommt zwar auch in Weſt⸗Deutſchland vor, tritt aber hauptſächlich in Oſt⸗Deutſchland, in Sſterreich und Rußland in großer Anzahl und verheerend auf. Die Käfer(Juni, Juli) halten ſich gewöhnlich am Tage am Boden verborgen, klettern am Abend und bei trübem Wetter auch am Tage an den Halmen von Gerſte, Weizen und Roggen empor und freſſen die Körner aus den Ähren. Die Larven halten ſich am Tage in von ihnen gegrabenen, ſenkrechten Löchern auf; nachts und bei trübem Wetter freſſen ſie die oberirdiſchen Teile der obengenannten Getreidearten, namentlich das Herz der jungen Pflanzen; ſie zerkneten die jungen Blätter mit ihren Kiefern. Sie ſchaden ſowohl im Herbſte wie im Frühjahr an Winter⸗ und Sommer⸗ getreide. Die Larven leben drei Jahre als ſolche, dann verpuppen ſie ſich im Juni.— Schädliches Auftreten auf einzelne Jahre beſchränkt. — Gegenmittel: Auf den von den Larven oder Käfern bewohnten Äckern ſäe man Hafer, Erbſen, Wicken oder man pflanze Kartoffeln, baue jedenfalls keinen Roggen, Weizen, Gerſte.— Sammelnlaſſen der Abends an den Ähren ſitzenden Käfer. Familie der Kurzflügler(Staphylinidae). Gewöhnlich langgeſtreckt, ſchmal(Fig. 960. ◻£* Die kurzen, abgeſtutzten Deckflügel laſſen den Fig. 96. Staphylinus ganzen Hinterleib unbedeckt. Die Kurzflügler erythropterus; n. Gr. ähneln den Ohrwürmern durch ihren Habitus und dadurch, daß ſie oft den Hinterteil des Körpers emporheben und nach vorn richten. Füße fünfgliederig. Kiefer ſtark entwickelt.— Die ſechsbeinigen Larven ähneln denen der Laufkäfer, haben einen relativ großen Kopf.— Die Käfer überwintern, die Verwandlung findet im Herbſt ſtatt. Leben am Boden unter abgefallenem Laube, unter Baͤum⸗ rinde, auf Tierleichen. Einige freſſen hauptſächlich im Boden lebende (auch ſchädliche) Inſekten, andere Dünger und verweſende Stoffe. (Staphylinus-, Ocypus⸗Arten). Mehrere nützen. Einige freſſen Pflanzen⸗ teile.— Anthobium torquatum, in großer Anzahl in den Blüten des Rapſes, die Kronenblätter, Staubfäden und den Pollen auffreſſend. Familie der Aaskäfer(Silphidae). Die Fühler verdicken ſich entweder allmählich oder haben nur die Endglieder größer; Körper flach, Kopf vorſtehend, Füße fünfgliederig.— Die Aaskäfer ſowie ihre Larven nähren ſich von toten Tieren. Einige (Totengräber= Necrophorus) graben die toten Tiere zum Zwecke der Eierablage in die Erde. Fehlt Aas, ſo können einige mit Pflanzen⸗ teilen ihr Leben friſten; dieſe werden bisweilen ſchädlich. Andere Arten freſſen lieber lebende Inſekten und Schnecken. Im Naturhaushalte nützlich durch das Fortſchaffen ſtinkender Tierleichen.— Schädlich bis⸗ weilen: Silpha atrata(Fig. 97), deren Larven öfter große Zerſtörungen 92 Klaſſe 1. Inſekten oder Kerfe. auf Runkelrüben⸗ und Zuckerrübenfeldern verurſachen; Silpha opaca und S. reticulata, die als vollendetes Tier bisweilen an mehreren Gewächſen ſchädlich auftreten. Weil nur ausnahmsweiſe eine ſo große Vermehrung ſtattfindet, daß nicht genug Aas vorhanden iſt, ſo daß Pflanzen angegriffen werden, kann von Vorbeugungsmitteln wohl nicht die Rede ſein. Als Vertilgungsmittel könnte man Fangſchüſſeln mit Fleiſchabfällen, 4 Gedärmen u. ſ. w. ausſtellen, die man mit 1 Stroh zudeckt. Hier ſammeln ſich die Tiere, NM welche dann zu Tauſenden vernichtet werden Fig. 97. Der ſchwarze Aas⸗ können.— Auch wird eine Beſpritzung mit einer käfer(Silpha atrata) nebſt 2. 5 iLalwe; n. Gr. Löſung von Schweinfurter Grün empfohlen. Familie der Glanzkäfer(Nitidulae). Klein. Fühler keulenförmig, elfgliederig. Füße fünfgliederig. Einige Arten leben an Aas und in Pilzen, andere unter Baumrinde, einige in Blüten. Zu den letztgenannten gehört der Rapsglanzkäfer (Meligethes aeneus), etwas gewölbt, länglich⸗eirund, glänzend metalliſch grünſchwarz, fein punktiert. Auf den Blüteuſtänden des Rapſes und anderer Kohlarten, aber auch in den Blüten von Senf, Ackerſenf und ſonſtigen Kreuzblütlern, in denen von Hahnenfuß⸗(Ranunculus-) Arten und anderen Pflanzen.— Der Rapsglanzkäfer bohrt ſich im Anfange des Frühlings in die Knoſpen des Rapſes hinein, zerſtört ſpäter die Blüten. Er durchlöchert die Kronenblätter und frißt die Staubfäden, den Pollen, zuletzt auch den Stempel. Die angegriffenen Blüten ſchrumpfen zuſammen. Man findet oft 3 bis 4 Käferchen in einer Blüte.— Bald legt das Weibchen die Eier einzeln an den Frucht⸗ knoten der Blumen. Ein bis zwei Wochen nachher findet man die Larven in den Blüten und zwar in jeder derſelben eine oder mehrere. — Dieſe Larven, anfänglich ½ mm lang, ſind im verpuppungsfähigen Zuſtande 4 ½ mm lang, walzenförmig, gelblich⸗weiß mit ſchwarzbraunem Kopfe; ſie haben drei Paare kurzer Bruſtfüße, ſowie ein Paar Nach⸗ ſchieber. Jedes Körperglied hat auf der Rückenſeite zwei dunkle Fleckchen. — Durchſchnittlich erreichen die Larven ihre volle Körpergröße in 4 bis 5 Wochen. Zunächſt finden ſie ſich auf dem Boden der Blume, wo ſie die Staubfäden und den Fruchtknoten zernagen. Dann wandern ſie bis zu ihrer Vollendung von Blume zu Blume. Giebt es keine Blume mehr in der Nähe, ſo greifen ſie die ſich entwickelnden Schoten an, nagen zunächſt an der grünen Hülle, bohren ſich nachher ein und zerſtören die jungen Samen reſp. die Samenknoſpen.— Verpuppung im Boden.— Nach 14tägiger Puppenruhe kommt der Käfer heraus.— Wenigſtens zwei, gewöhnlich drei, vielleicht auch vier Generationen.— Gegenmittel: Ausrottung des Ackerſenfs und der Hahnenfußarten.— Man wähle ſtark wachſende, möglichſt ſpät blühende(deshalb ſchnell abblühende) Varietäten von Raps und Rübſen.— Drillkultur!— —————·———— .— 2 Erſte Ordnung. Käfer. 93 Familie der Geheimfreſſer(Cryptophagidae). Sehr winzig. Fühler aus elf Gliedern zuſammengeſetzt, von denen die drei letzten eine Keule bilden. Beine weit auseinander ſtehend; Füße fünfgliederig.— Leben in Blumen, Pilzen, toten Pflanzen⸗ teilen, unter Baumrinde, im Boden in Hummel⸗ und Ameeiſenneſtern u. ſ. w. Schädlich iſt das Zuckerrübenkäferchen(Atomaria linearis): länglich, eiförmig, mäßig gewölbt; Halsſchild ſo lang wie breit. Braun⸗ ſchwarz oder dunkelbraun. Auf ſolchen Ackern, wo man mehrere Jahre hintereinander Zuckerrüben baut, vermehren ſich die Käferchen oft in ungeheurer Weiſe. Sie greifen die Keimpflanzen an und befreſſen die Baſis des Stengels unmittelbar unter der Bodenoberfläche; bisweilen beißen ſie denſelben bis auf die Hälfte durch. Die angegriffenen Pflänz⸗ chen ſterben oft ſchon, bevor die Samenlappen ſich an der Bodenober⸗ fläche zeigen. Alſo ſieht man im Frühjahre auf den vom Rübenkäfer⸗ chen heimgeſuchten Feldern an einigen Stellen die Keimpflanzen ganz normal aufwachſen; an anderen Stellen finden ſich gar keine Pflanzen; an vielen Stellen zeigen ſich zwar die kleinen, nur noch Samenlappen tragenden Zuckerrübenpflanzen, allein ſie ſind ſchon ſehr frühzeitig an⸗ gewelkt und von gelber Farbe; man kann ſie nicht aus dem Boden ziehen, ohne ſie an der Stelle, wo das Käferchen fraß, zu zerreißen. Oft muß man zwei⸗ bis dreimal nacheinander ſäen, weil das junge Gewächs immer wieder zerſtört wird.— Die Larve des Rübenkäferchens entwickelt ſich auf den Rübenäckern, ſchadet jedoch kaum.— Gegen⸗ mittel: Rationeller Fruchtwechſel. Wo die Verhältniſſe dieſen nicht erlauben, muß man die Saat dicht ſäen, damit man möglichſt viele Pflänzchen auf dem Acker geſund erhalte, wenn die Käferchen im Früh⸗ jahre ihre zerſtörende Wirkung ausüben. Auch kann, da nur die jungen Keimpflanzen von den Zuckerrübenkäferchen getötet werden, unter Umſtänden Pflanzen ſtatt Säen empfohlen werden. Familie der Fächerfühler(Lamellicornia). Körper kräftig, plump(Fig. 89). Die erſten Fühlerglieder haben die gewöhnliche Form, die 3 bis 7 letzten ſind ſehr kurz, ſind jedoch nach der Innenſeite zu blattförmigen Anhängen ausgewachſen, ſo daß der Endteil des Fühlers die Form eines Fächers hat(Fig. 98). Die Blättchen werden im Ruhezuſtande zu einem keulenförmig verdickten Ende zuſammengelegt; im Fluge und wenn die Aufmerkſamkeit des Käfers angeregt iſt, werden ſie fächerförmig ausgebreitet. Beine kräftig, Füße fünfgliederig. Flug ſchnell, etwas ungeſchickt.— Larven(„Enger⸗ linge“) dick; Körper walzenförmig, aber gekrümmt; Kopf hart, braun; der Reſt des Körpers dünnhäutig, gelblich⸗weiß. Die erſten drei Körper⸗ glieder tragen Beine. Die krummen Larven können ſich wohl im Boden, nicht aber an der Oberfläche fortbewegen.— Die Käfer und Larven eeſſen Pflanzenſubſtanz; nur verhältnismäßig wenige Arten freſſen ünger. 94 Klaſſe 1. Inſekten oder Kerfe. Der gemeine Maikäfer(Melolontha vulgaris) kann als Typus der Familie der Fächerfühler gelten(Fig. 89). Das letzte Hinterleibs⸗ glied bildet einen„Aftergriffel“, der ſich allmählich verſchmälert. Fühler⸗ keule bei den Männchen mit 7 großen, bei den Weibchen mit é kleineren Blättchen(Fig. 98). Kopf, Halsſchild, ganze Bauchſeite und Beine ſchwarz, allein es können dieſe Teile, mit alleiniger Ausnahme des Kopfes, auch rotbraun ſein. Flügeldecken und Aftergriffel braun, Fühler rot⸗ braun. Mehrere Exemplare ſind mit vielen weißen Haaren dicht be⸗ kleidet, andere ſind faſt unbehaart. Die Käfer erſcheinen gewöhnlich im Mai, in einigen Jahren ſchon Mitte April, in anderen Anfang Juni. Am Abend verlaſſen ſie den Boden und ſuchen die benachbarten Bäume auf. Sie freſſen die Blätter reſp. die Knoſpen von Eichen, Roßkaſtanien, Buchen, Pappeln, Weiden, Pflaumen, Maikirſchen und anderen Laubholz⸗ und Obſtbäumen, ſchonen die Linden und gewöhn⸗ lich die Morellenbäume. Von den Nadelhölzern freſſen ſie nur die .. Nadeln der Lärche, ſowie die der jungen Triebe von ( Fichten. Von krautartigen Pflanzen freſſen ſie nur ge⸗ V legentlich Raps.— In den ſogen.„Käferjahren“ werden die Maikäfer eine wirkliche Landplage.— Um die Eier⸗ (etwa 40) abzulegen, wählen die Weibchen am liebſten einen fruchtbaren, humusreichen Boden; ſie nehmen N aber auch mit einem trocknen Sandboden fürlieb. 1 Die Engerlinge freſſen auf den Wieſen die Wurzeln von Gras und Klee, auf den Fruchtfeldern die von 1, Getreidearten, Erbſen und Bohnen, Raps, Kohl⸗ Fig. en icheühle des arten, auch Rüben und Kartoffeln, in Gärten die weiblichen Maikäfers; Wurzeln mehrerer Gemüſearten und Blumen, nament⸗ dergr⸗ lich auch die unterirdiſchen Teile der Erdbeerpflanzen. Wenn ſie auf armem Sandboden nichts anderes bekommen können, freſſen ſie die Rinde von Eichen und Kiefern.— Die Maikäfer haben eine 3⸗ oder 4⸗jährige Entwickelungsdauer, in Nord⸗ und Mittel⸗ deutſchland eine vierjährige,— in Südfrankreich, der Schweiz und den Rheinländern, auch in Holland, eine dreijährige. In matkäferreichen Gegenden folgt nach je drei oder vier Jahren ein„Flugjahr“ oder „Käferjahr“, wo die Maikäfer in Millionen ſich zeigen, während in den„Zwiſchenjahren“ kaum ein Maikäfer angetroffen wird. In den weniger von Maikäfern heimgeſuchten Gegenden iſt der Unterſchied in den verſchiedenen Jahren nicht groß.— Aus dem Mitgeteilten erhellt, daß die Käfer ſowie die Engerlinge zu den ſchädlichſten Inſekten zählen; es iſt aber ihr Vorkommen ein lokales.— Natürliche Feinde: Maulwürfe, Spitzmäuſe, Fledermäuſe, Füchſe, Krähenarten, Stare, Sperlinge, Eulen, die großen Laufkäferarten. Überſchwemmungen während des Winters, wo die Engerlinge tief im Boden ruhen und keine Nahrung zu ſich nehmen, ſind für dieſe ganz unſchädlich, nicht aber Überſchwemmungen während des Sommers, wo die Engerlinge ganz nahe an der Bodenoberfläche die Pflanzenwurzeln abfreſſen.— — ͤ———,—,— Erſte Ordnung. Käfer. 95 Gegenmittel: Aufleſenlaſſen der Engerlinge, die beim Pflügen an die Oberfläche gelangen. Fangenlaſſen der Käfer; dies iſt zwar ſehr koſtſpielig, weil man, auch wenn die meiſten Käfer ſchon fort ſind, mit dem Fange energiſch fortfahren muß; aber durch Bereitung von Dünger aus den gefangenen Käfern kann man einen Teil der Koſten zurück⸗ erhalten.— Man fand in Frankreich auf einem erſt von Engerlingen heimgeſuchten Acker einige Zeit ſpäter faſt alle Engerlinge tot. Als Urſache der aufgetretenen Seuche ergab ſich der Pilz Botrytis tenella. Es wurde dieſer Pilz künſtlich gezüchtet, und dann vorgeſchlagen, mit deſſen Sporen eingefangene, geſunde Engerlinge zu infizieren und dieſe letzteren nachher an verſchiedenen Stellen der von den Maikäfer⸗ larven heimgeſuchten AÄcker auszupflanzen, damit ſie als Infektions⸗ centra die Seuche unter den bis jetzt geſunden Engerlingen verbreiteten. So ſchön aber die Sache ſcheint, das Mittel hat ſich im großen gar nicht bewährt.— Beſſere Reſultate hat man erzielt mit dem Ein⸗ ſpritzen von Benzin in den von Engerlingen bewohnten Boden. Man braucht dazu eine Injektionsſpritze, z. B. den „Pal injecteur“ von Gonin Ainé, St. Etienne.— Der Roßkaſtanien⸗Maikäfer(Melolontha Hippocastani) hat einen kurzen, feinen, an der Spitze etwas breiteren Griffel(Fig. 99). In der Lebensweiſe unterſcheidet er ſich kaum von der vorigen Art.— Der Gartenlaubkäfer(Phyllopertha horti- cola), 8 bis 10 mm lang, ohne Aftergriffel. 1 Glänzend ſchwarzgrün mit gelbbraunen Flügel⸗ Fig deen,* Hinterleih des decken. Es giebt aber auch dunkle Exemplare. kaſtanien⸗Maikäfers: Die Käfer erſcheinen im Juni, in einigen Jahren natürl. Gr. in großer Anzahl, wie die Maikäfer. Lebensweiſe der Käfer ſowie der kleinen Engerlinge von der des Maikäfers nicht merklich verſchieden.— Das Roggenkäferchen(Anisoplia fruticola), etwas größer als der Gartenlaubkäfer, ſonſt ihm ſehr ähnlich, aber mit rüſſelförmiger Aus⸗ breitung der verdickten Kopfhaut. Bronzefarbig⸗dunkelgrün, an der Bauchſeite weißlich. Flügeldecken gelbbraun.— Auf armem Sand⸗ boden an den blühenden Ahren des Roggens. Die Käfer nagen die üten ab. Familie der Schnellkäfer(Elaterida). Die Schnellkäfer(„Schmiede“, Fig. 100) ſind länglich, gleich⸗ mäßig breit. Halsſchild ſtark entwickelt. Fühler„geſägt“, aus drei⸗ eckigen Gliedern beſtehend. Füße fünfgliederig. Bei Betrachtung der Bauchſeite bemerkt man am Hinterrande der Vorderbruſt einen Dorn (Fig. 101 b) und an der Mittelbruſt(c) eine Furche, welche dieſen Dorn bei geſtrecktem Körper aufnimmt; jener Dorn wird aber hinaus⸗ gebogen, wenn Vorderbruſt und Mittelbruſt ſich von der Unterlage emporheben(Fig. 101). Ein auf den Rücken gefallener Schnellkäfer 96 Klaſſe 1. Inſekten oder Kerfe. zieht zunächſt die Fühler und Beine dicht an den Leib und beugt dieſen dann derart, daß der Kopf mit der Vorderbruſt aufwärts, die Mittel⸗ und Hinterbruſt ſowie der Hinterleib niederwärts gebogen werden, wo⸗ bei die Verbindungsſtelle der Vorder⸗ und Mittelbruſt in die Höhe und der Dorn ſoweit wie möglich aus der Furche herausgebogen wird. Sobald der Käfer dieſe Lage eingenommen hat, federt er in ſeine ge⸗ wöhnliche Haltung zurück, indem das Vorderende und das Hinterende des Körpers aufgehoben werden und der Dorn kräftig in die Furche hineingedrückt wird. Dadurch ſchnellt der Käfer mit einem ſo kräftigen Stoß gegen die Unterlage, daß er durch ſeine Elaſticität wieder in die Höhe ſpringt. In der Luft dreht er ſich um und fällt in der Bauchlage nieder.— Die Larven(„Drahtwürmer“, Fig. 100, 1) ſind mehlwurmähnlich, lang⸗ geſtreckt, jedenfalls an der Bauch⸗ ſeite, oft auch an der Rückenſeite etwas abgeplattet. Der Kopf iſt dunkelbraun, die zwölf übrigen Körperglieder gelb bis gelb⸗ braun; die erſten drei Körper⸗ glieder tragen drei Paare ſehr Fig. 100. Der Saatſchnellkäfer(Agriotes linea- Fig. 101. Ein Schnellkäfer auf dem tus). 1 Vergrößerte Larve, darunter die Unter⸗ Ruͤcken liegend und im Begriff, ſich em⸗ ſeite des Hinterleibsendes, ſowie die Larve in porzuſchnellen. a Kopf; b Stachel der natürlicher Größe; 2 der Käfer; 3 Unterſeite des Vorderbruſt; c Mittelbruſt; d Hinter⸗ ſtark vergrößerten Kopfes der Larve: a Unter⸗ bruſt; e Hinterleib. kiefer, b Unterlippe, d Lippentaſter, ek innere, g äußere Kiefertaſter, f Fühler. kleine Beine, das letzte Körperglied hat einen ſog.„Nachſchieber“. Mehrere Schnellkäferarten ſind vollkommen unſchädlich, weil ſie bloß modernde Pflanzenſubſtanz, entweder im Humusboden oder im modernden Holze abſterbender Bäume, freſſen. Es giebt jedoch auch Arten, deren Larven lebende Pflanzenwurzeln genießen. Die ziemlich dicken, an der Hinterleibsſpitze abgeplatteten Drahtwürmer von Lacon murinus freſſen an den Wurzeln von Obſtbäumen, Roſenſtöcken, ver⸗ ſchiedenen Gemüſen(Salat, Kohl, Zwiebeln, Möhren) und Blumen; überhaupt halten ſie ſich in humusreichem Gartenboden auf. Die ver⸗ hältnismäßig kleinen, unbehaarten Drahtwürmer, welche namentlich den Getreidepflanzen, aber auch den Kartoffeln, den Möhren, den Rüben, dem Raps und Hopfen und faſt allen Gewächſen unſerer Fruchtfelder großen Schaden zufügen, gehören dem Agriotes lineatus oder A. obscurus an; die auf den Fruchtfeldern ſchädlichen, größeren, mehr behaarten Erſte Ordnung. Käfer. 97 eſen Drahtwürmer gehören meiſt alle dem Athous haemorrhoidalis oder einer tel⸗ verwandten Art an. Die obenerwähnten Arten ſchaden auch auf den w Wieſen und Grasländern ſehr. Die Acker, welche im letzten Jahre öhe Gras⸗ oder Kleeland waren, werden am meiſten heimgeſucht. Gewöhn⸗ ird. lich ſchaden die Drahtwürmer mehr in trockenen, als in feuchten Jahren. ge⸗ Zwar freſſen ſie alle unterirdiſchen Pflanzenteile, vor allem aber lieben nde ſie die fleiſchigen, unterirdiſchen Organe(Kartoffeln, Rüben), ſowie die che unterirdiſchen Stengelteile der Getreidepflanzen; aus dem Boden heraus gen begeben ſie ſich in das Innere des unteren Halmteiles, wo ſie die in Baſis der Pflanze zernagen und dieſe zu Grunde richten. Auch zerſtören der ſie oft bei jungen Getreidepflanzen den unterirdiſchen Stengelteil, der ſich 1) von den Samenreſten der keimenden Pflanzen bis zu der Bodenoberfläche g⸗ erſtreckt(Fig. 102 links). In beiden Fällen werden die Pflanzen von j⸗ den Drahtwürmern getötet; das Freſſen an den Wurzeln iſt weniger te gefährlich.— Es verſteht ſich, daß bei untiefer Ausſaat nur ein kleiner, f bei tiefer ein weit längerer unterirdiſcher Stengelteil der jungen Getreide⸗ en pflanzen den Angriffen der Drahtwürmer ausgeſetzt iſt; auch bildet ſich bei b⸗ einer untief geſäeten Pflanze früher ein kräftigeres Wurzelnetz, ſo daß er⸗ ſie während ihrer Jugendzeit den ſchädlichen Einflüſſen beſſer Widerſtand ur leiſten kann.— Weil die Drahtwürmer 4 oder 5 Jahre zu ihrer Ent⸗ wickelung brauchen, ſo wird immer derſelbe Acker jahrelang von ihnen heimgeſucht. Sehr großen Schaden bringen ſie an Zucker⸗ und Futter⸗ 4 rüben und zwar nach Klee. Man vermeide alſo den Anbau von Rüben nahe hinter Klee. Nicht weniger großen Nachteil bringen ſie im Frühling und im Herbſte dem jungen Getreide. Haben ſich die Drahtwürmer in den — unteren Teil des Halmes hineingenagt, ſo werden zunächſt die unteren Blätter gelb; bald folgt der Tod der ganzen Pflanze.— Gegenmittel: Von Drahtwürmern bewohnte Acker pflüge man wiederholt, damit die Krähen, Stare, Bachſtelzen, Möwen u. ſ. w. das Ungeziefer aufleſen. Es werden aber auch durch wiederholtes Bearbeiten des Bodens viele Drahtwürmer von den Sonnenſtrahlen getötet. Auf Feldern, wo man im vorigen Jahre von Drahtwürmern großen Schaden hatte, während dieſelben im nächſten Jahre noch nicht zur Verpuppung reif ſind, baue nei man in dieſem Jahre frühe Sommererbſen, Winterraps oder irgend rin ein Gewächs, das früh im Sommer geerntet wird, damit man ſchon nicj im Hochſommer das Land pflügen und wiederholentlich eggen kann, nlich wodurch die Drahtwürmer den heißen Sonnenſtrahlen ausgeſetzt und zenn alſo getötet werden.— Weil der Boden beim Flachsbau ſehr viel ver⸗ bearbeitet wird, vermindert dieſe Kultur den Drahtwürmerſchaden und nen, zwar obgleich auch der Flachs von dieſen Larven heimgeſucht wird.— der⸗ Möglichſt untiefes Ausſäen des Getreides auf den von Drahtwürmern den heimgeſuchten Ackern. Kartoffeln laſſen ſich als Ködermittel gebrauchen. —„Starkes Walzen wird ebenfalls empfohlen. Sobald man im Frühling ün den Drahtwürmerfraß bemerkt, dünge man die Pflanzen mit Chili⸗ duns ſalpeter, um ein ſchnelleres Wachſen zu verurſachen. arten Bos, Zoologie. 3. Auflage. 7 98 Klaſſe 1. Inſekten oder Kerfe. Familie der Rüſſelkäfer(Curculionidae). Die meiſten Arten ſind klein. Kopf rüſſelförmig verlängert (Fig. 105, 3); am Vorderende des Rüſſels finden ſich die Kiefer, an Fig. 102. Tief und untief geſäete Getreidepflanze, die erſtere in ihrem unterirdiſchen Stengel⸗ teile von einer Schnellkäferlarve angefreſſen. der Baſis deſſelben die Augen. Die Fühler, welche bei den meiſten Arten knieförmig gebogen, bei allen an der Spitze verdickt ſind, ſind mgert an Erſte Ordnung. Käfer. 99 entweder an dem Vorderende, in der Mitte oder am Hinterende des Rüſſels eingefügt. Die Flügeldecken erſtrecken ſich gewöhnlich bis an das Hinterleibsende und umfaſſen dasſelbe bei mehreren Arten. Füße viergliederig.— Die Rüſſelkäfer ſind meiſt träge; mehrere Arten fliegen gar nicht, andere nur zur Fortpflanzungszeit. Wenn ſie beunruhigt werden, laſſen ſie ſich wie tot zu Boden fallen. Die Weibchen legen die Eier faſt ausnahmslos in Pflanzenteile, in die ſie mit dem Rüſſel eine Offnung bohren und das Ei hineinſchieben.— Larven(Fig. 92) meht oder weniger gebogen, fußlos, weißlich, mit härterem, bräunlichem opfe.— Die Samenkäfer(Bruchus) haben einen ſehr kurzen Rüſſel. Körper kurz, gedrungen, faſt viereckig. Die Flügeldecken laſſen den Hinterteil des Leibes unbedeckt. Das Weibchen legt die Eier in den Samen von ſchmetterlingsblütigen Pflanzen. Die Larve höhlt einen oder ſelten(und bloß bei einigen Arten) mehrere Samenkörner aus; Fig. 103. Der Bohnenkäfer(Bruchus rufimanus) und von dieſem angefreſſene Bohnen. ſie verpuppt ſich in dem von ihr zuletzt bewohnten Korn.— Es ge⸗ hören hierzu der Erbſenkäfer(B. Pisi), die beiden Bohnenkäfer(B. rufimanus[Fig. 103] und B. granarius, von denen der letztgenannte auch in Wicken und Platterbſen lebt), der Linſenkäfer(B. lentis).— Der Erbſenkäfer(B. Pisi), ſchwarz mit braunen, weißfleckigen Be⸗ haarungen, verpuppt ſich wie alle andern Samenkäferarten innerhalb der von der Larve bewohnten Erbſe, und ſchon im Herbſte verwandelt ſich die Puppe in einen Käfer. Man erkennt die von einem ſolchen Inſekt bewohnten Erbſen an einem ſchwarz durchſcheinenden Flecke, denn der Käfer hat ſich unmittelbar unterhalb der Samenhaut verpuppt. Erſt tief im nächſten Frühlinge kriecht der Käfer heraus. Weil ge⸗ wöhnlich beim Ausſäen die Käfer noch in den Erbſen ſitzen, ſo bringt man das Inſekt mit dieſen auf den Acker. Die auskriechenden Käfer legen ſpäter ihre Eier an den Fruchtknoten der Blüten der inzwiſchen entwickelten Erbſenpflanzen ab. Deshalb als Gegenmittel: Spätes Ausſäen der Erbſen oder Töten der Käfer in denſelben, entweder durch Anwendung(während 2 Minuten) von einer Temperatur von 500 C. oder von Schwefelkohlenſtoffdampf in geſchloſſenen Räumen während . 4 100 Klaſſe 1. Inſekten oder Kerfe. 10 Minuten.— Die übrigen drei Bruchus-Arten haben dieſelbe Lebens⸗ weiſe wie die der Erbſenkäfer; das Inſekt kriecht aber oft früher heraus, ſo daß dann von Behandlung der Samen die Rede nicht zu ſein braucht.— Der Blattrandkäfer(Sitones lineatus), länglich, mit grauen Schüppchen auf ſchwarzer Grundfarbe. Halsſchild mit drei Längs⸗ ſtreifen, Flügeldecken mit Punktſtreifen.— Dieſe Rüſſelkäfer zeigen ſich im erſten Anfange des Frühlings auf Erbſen⸗, Feld⸗ und Garten⸗ bohnen, Klee, Wicken. Sie nagen am Blattrande der noch ſehr jungen Pflanzen, und zwar immer derart, daß dieſer Rand ausgezahnt er⸗ ſcheint(Fig. 104); es kommt öſter vor, daß man auf einem großen Acker kaum ein einziges Erbſenblatt mit unverſehrtem Rande findet. Wenn die Erbſenpflanzen etwas gewachſen ſind, hat der von den Fig. 105. Der Rapsmauszahn⸗ rüßler(Baridius chloris). 1 Larve, links deren natürliche Größe, darüber der vergrößerte 5 C Kopf; 2 Puppe, vergr.; 3 Käfer, darüber derſelbe in natürlicher Größe: a Auge, g Fühlerfurche Fig. 104. Fraß des Blattrandkäfers. a, b an Erbſen⸗ mit nicht zurückgezogenem blättern, c an einem Bohnenblättchen. Fühler. Käferchen verübte Schaden nicht mehr viel zu bedeuten; aber wenn die Pflanzen noch ſehr jung ſind und dazu infolge rauhen, kalten Wetters oder ungünſtiger Bodenverhältniſſe nicht ſchnell wachſen, während die Käfer immer fortfreſſen, ſo vernichten dieſe die wenigen Blätter ganz und gar, und die Pflanzen ſterben ab.— Die Larve benagt die Wurzeln der nämlichen Pflanzen, auf welchen der Käfer ſich aufhält.— Gegenmittel: Rationeller Fruchtwechſel.— Die Mauszahnrüßler(Baris= Baridius). Kleine, ziemlich läng⸗ liche Rüſſelkäferchen mit ziemlich langem Halsſchilde(Fig. 105). Ent⸗ wickeln ſich in kreuzblütigen Pflanzen.— Der Rapsmauszahnrüßler (B. chloris), glänzend grün, verläßt im Frühling ſein Verſteck im Boden; das Weibchen legt dann die Eier in die Blattachſeln oder in den Stengel des Rapſes oder Rübſens. Die Larve frißt Gänge in den Stengel und die Seitenäſte; im Juli verpuppt ſie ſich im Innern des Stengels; im Spätſommer erſcheint der Käfer, der ſich bald in den Boden verkriecht.— Gegenmittel: Ausziehen und Verbrennen umgebende Teil des Stengels reſp. der Wurzel Erſte Ordnung. Käfer. 101 der Raps⸗ und Rübſenſtoppeln, welche den Käfer beherbergen.— Der pechſchwarze Mauszahnrüßler(B. picina), 4 mm lang, glänzend ſchwarz. Ähnliche Lebensweiſe wie die vorige Art, lebt aber ausſchließlich im Kopf⸗ und Blumenkohl, wohl niemals in Raps und Rübſen.— Der Kreſſenmauszahnrüßler(B. Lepidii), ſchwarz mit blauem oder grünlich⸗ blauem Rücken, 3 ½ mm lang, lebt in den Stengeln des Blumenkohls und der Gartenkreſſe.— e Die Verborgenrüßler(Ceutorhynchus) ſind ſehr kleine Käferchen von gedrungenem Körperbau, welche im Ruhezuſtande den Rüſſel in eine an der Bauchſeite, zwiſchen den Vorderhüften gelegene Furche zurückſchlagen. Sie ſind ſchwarz, mit grauen Haaren dicht bedeckt. Sie halten ſich auf Kreuzblütlern auf.— Der gefurchthalſige Verborgenrüßler (Ceutorhynchus sulcicollis), 3 mm lang, matt⸗ ſchwarz, an der Bauchſeite mit vielen, an der L Rückenſeite mit wenigen grauen Haaren. Der tiefpunktierte Halsſchild hat in der Mitte eine tiefe Längsfurche. Flügeldecken tief geſtreift. — Das Käferchen erſcheint im April, nagt an den Blüten und Schoten, wird jedoch 7 kaum ſchädlich. Im Spätſommer oder Herbſte, nach dem Keimen des Winterrapſes, bohrt das Weibchen unmittelbar unter der Boden⸗ 8 oberfläche im oberen Teil der Wurzel oder im untern Teil des Stengels ein Loch, in welches es 1 oder 2 Eier legt. Während ſich die Larve zu entwickeln anfängt, wächſt der ſie zu einer gallenartigen Anſchwellung heran (Fig. 106). Zu Anfang des Frühlings kriecht die ausgewachſene Larve aus und verpuppt ſich im Boden; im April erſcheint das Käfer⸗ chen. Wenn die Ceutorhynchus-Gallen nur 3 in geringer Anzahl vorkommen, ſchaden ſie Figi 106, adewurdel mmit den Rapspflanzeu nur wenig, allein wenn sulcicollis. deren 10 bis 12 an einer Pflanze ſich befinden, wächſt die Wurzel krumm und bleibt kurz, ſo daß auch das Wachstum der oberirdiſchen Teile ſehr beeinträchtigt wird. Die Ceutorhynchus- Gallen finden ſich nicht bloß am Rapſe, ſondern auch an den Kohl⸗ arten, ſowie an den Kohlrüben; an letztern oft in ſo großer Anzahl, daß die Rübe gar nicht zur Entwickelung kommt und auch die ober⸗ irdiſchen Teile klein bleiben.— Der ähnliche Verborgenrüßler(C. assimilis), ſo groß wie die vorige Art, etwas ſchlanker und wegen ſtärkerer Behaarung etwas mehr grau. Erſcheint im Frühling auf 102 Klaſſe 1. Inſekten oder Kerfe. blühendem Raps und mehreren Kohlarten, ſowie auf ſonſtigen kreuz⸗ blütigen Pflanzen. Er ſchadet dadurch, daß der Käfer die Knoſpen und Blüten zernagt, ſowie dadurch, daß die Larve ſich von den in den Schoten befindlichen Samen ernährt. Die angegriffenen Schoten reifen frühzeitig und öffnen ſich, ſo daß die Larve zu Boden fällt, wo ſie ſich verpuppt. Gewöhnlich befindet ſich nur eine einzige Larve in einer Schote.— Der Napsverborgenrüßler(C. Napi), etwas größer als die beiden vorigen Arten, hat einen vorn ſtark kragenartig auf⸗ gerichteten, in der Mitte längsfurchigen Halsſchild. Er iſt mit gelb⸗ grauen Haaren bedeckt. Zeigt ſich zur Blütezeit des Rapſes auf den Blüten. Das Weibchen legt die Eier einzeln in ein von ihm vorher mit dem Rüſſel in den Stengel gebohrtes Loch; die Larve frißt im Frühling oder im Anfang des Sommers den Stengel aus, der innen braun wird und erkrankt oder ſogar abſtirbt.— Zu den Rüſſelkäfern gehört auch der als Obſtbaumſchädling be⸗ kannte Apfelblütenſtecher oder Brenner(Anthonomus pomorum), ohne Rüſſel 3,5 mm lang, von hellbrauner Farbe, mit einer hellen Vförmigen Figur auf den Flügeldecken.— Er erſcheint April oder Mai auf den Knoſpen der Apfelbäume(weniger der Birnbäume). Das Weibchen, welches im ganzen bis 30 Eier legt, nagt mit dem Rüſſel Löcher durch die Schuppen der Knoſpen, wenn dieſe ſich zu regen anfangen, oft ſehr viele, bis es ihm gelingt, mit dem Rüſſel durch die Kronenblätter einer Blütenknoſpe hindurch deren Inneres zu erreichen. Man ſieht die Spuren dieſes Einbohrens(vgl. Fig. 110) oft während des ganzen Jahres an den kleinen Löchern in den erſten Blättern des Zweiges. Das Käferchen ſchiebt dann das auf das Loch gelegte Ei mitten unter die Staubfäden. Falls das Tierchen ſich im Frühling in großer An⸗ zahl in den Obſtgärten vorfindet, kann ſogar die Hälfte aller Knoſpen mit einem Ei beſetzt werden. Die gelblich⸗weiße Larve(Fig. 108) frißt die Staubfäden, ſowie den Fruchtknoten auf, während die Kronen⸗ blätter vertrocknen, braun werden. Die Larve lebt nur 14 Tage und erreicht in dieſer Zeit eine Länge von etwa 5 mm, dann verpuppt ſie ſich innerhalb der geſchloſſen gebliebenen Blütenknoſpe. Die Puppe (Fig. 109) iſt blaßgelb; nach acht Tagen kommt der Käfer(Fig. 107) heraus, der bis zum Herbſte ſich umhertreibt, ohne merklichen Schaden zu verur⸗ ſachen. Sobald das Wetter kalt zu werden anfängt, verkriecht ſich der Käfer unter Rindenſchuppen und Moos, wo er den Winter verbleibt. Es iſt deshalb gut, während des Winters das Moos, womöglich auch die rauhe Borke der Bäume, abzukratzen und zu verbrennen, damit die überwinternden Käfer mit entfernt werden. Weiter kann bei Spalierbäumen nur das Entfernen und Verbrennen der angegriffenen Blüten empfohlen werden. In Gegenden, wo das Übel vielfach um ſich greift(namentlich in geſchützter Lage), kultiviere man ſolche Apfel⸗ ſorten, welche im Frühling ſpät, aber dann ſchnell ſich entwickeln. Dieſe werden weniger angegriffen.— Erſte Ordnung. Käfer. 103 Es giebt unter den Rüſſelkäfern eine Art, die in geſpeichertem Getreide großen Schaden ſtiftet: der Klander, Kornkäfer oder ſchwarze Kornwurm(Calandra granaria, vgl. Fig. 111), 4 mm lang, mit ſehr ſtark ausgewachſenem Vorderbruſtſtück, dunkelbraun oder ſchwarz gefärbt. Die Flügeldecken, ſowie die ganze Körperhaut ſind außerordentlich hart. Fig. 107. Der Apfelblütenſtecher (Anthonomus pomorum), ver⸗ größert. Fig. 108. Larve des Apfelblüten⸗ ſtechers, vergrößert. Fig. 109. Puppe des Apfelblüten⸗ N ſtechers, vergrößert. Fig. 110. Vom Apfelblütenſtecher heimgeſuchte Apfelblüten. Der Kornkäfer findet ſich in größter Anzahl in ſolchen Korn⸗ ſpeichern, wo feuchte Wärme herrſcht, niemals an der Oberfläche des Getreidehaufens, ſondern im Innern desſelben, weil es daſelbſt wärmer —— Fig. 111. Der Kornkäfer(Calandra granaria). Links Puppe, gleichwie der in der Mitte ab⸗ gebildete Käfer ſtark vergrößert; rechts Larve und Käfer an Gerſtenkörnern, kaum vergrößert. — iſt, deshalb auch mehr an der Südſeite als an der Nordſeite des Speichers. Beim Eintritt der kalten Jahreszeit verkriechen ſich die Käferchen an den wärmſten Stellen; wenn kein Getreide vorhanden iſt, in Bodenritzen oder Stroh. Im Frühling fängt die Fortpflanzung an. Das Weibchen ſucht gewöhnlich die zarteſte Stelle eines Getreide⸗ kornes auf, alſo die Stelle, wo ſich der Keimling befindet, und bohrt daſelbſt mit dem Rüſſel ein Loch bis tief in das Sameneiweiß; dann 104 Klaſſe 1. Inſekten oder Kerfe. ſchiebt es ein Ei hinein. Die weiße, fußloſe Larve frißt das Korn aus; in demſelben Korn verpuppt ſie ſich. Niemals wandert die Larve aus dem einen Korn in das andere. Im Juli erſcheinen die Käfer, welche bald wieder Eier ablegen; die zweite Generation erſcheint als vollkommenes Inſekt im September. Die Überwinterung geſchieht im Käferzuſtande. Weil übrigens derſelbe Käfer nicht alle Eier an dem⸗ ſelben Tage ablegt und weil das Wachstum nicht bei allen Käfern gleich ſchnell von ſtatten geht, ſo ſieht man während des größten Teiles des Jahres Lar⸗ ven, Puppen und Käfer zugleich, bloß im Winter Käfer allein.— Vor⸗ beugungsmittel: Hohe, luftige Lage der Ge⸗ treideſpeicher, die mög⸗ lichſt kalt und trocken ſein ſollen.— Weitere Gegenmittel: Man ver⸗ ſtreiche alle Fugen und Ritzen, in denen der Käfer ſich verſtecken könnte. Ofteres Um⸗ ſchaufeln und Werfen des aufgeſpeicherten Ge⸗ treides, beſonders im Frühling und im Juli, weil hauptſächlich dann die Vermehrung ſtatt⸗ Fig. 112. a Großer Kiefernrüſſelkäfer(Hylobius abietis), findet. Wenn man an einem Kiefernſtämmchen freſſend; b Larve dieſes 3* Käfers; c Larvengänge; d und e Cleonus tubatus oder neues Getreide in die weißer Kiefernrüſſelkäfer. Scheunen bringt, laſſe man niemals altes liegen; alles muß ganz und gar gereinigt werden.— Unter den ſchlimmſten Feinden des Waldes aus der Familie der Rüſſelkäfer nenne ich den großen oder braunen Kiefernrüſſelkäfer (Hylobius abietis, Fig. 112), ſowie den kleinen ſcheckigen Kiefernrüſſel⸗ käfer(Pissodes notatus). Hylobius abietis hat die Fühler am Vorderende des Rüſſels eingepflanzt; er iſt 10 bis 12 mm lang, tiefrotbraun bis ſchwarzbraun; auf den Flügeldecken finden ſich mehrere eigentümlich zuſammengefügte Erſte Ordnung. Käfer. 105 gelbliche Fleckchen.— Im Frühling verläßt dieſer Käfer ſeine Verſtecke; dann fängt er zu ſchwärmen an, und findet er ſich nicht bloß in Kiefernwäldern, ſondern auch im Laubholzwalde, auf Wegen, ſogar in Häuſern. Nachher ſuchen die Käfer kränkelnde Kiefern, abgehauene Aeſte, namentlich aber im Boden hinterlaſſene Baumſtümpfe auf. Nachdem ſie dort die Eier abgelegt haben, begeben ſich die Käfer in die angrenzenden Wälder, aber ohne zu fliegen; nach der Schwärmzeit benutzen ſie ihre Flügel nicht mehr. Dann greifen ſie junge Kiefern an, deren Rinde ſie abfreſſen; ſie verurſachen ſtarken Harzfluß und Kränkeln der angegriffenen Kiefern. Sehr junge Kiefern werden von den Käfern ſogar gänzlich zerſtört.— Weil ſich die Larven meiſt unter der Rinde abgehauener Zweige und namentlich unter der Rinde von Baumſtümpfen entwickeln, ſchadet das Inſekt im Larvenzuſtande nicht viel. Um ſo mehr ſchaden die Käfer. Dieſe laſſen ſich fangen in Fang⸗ gräben, mittelſt welchen man die zu ſchützenden jungen Kiefernwälder von den Schlagflächen trennt, ſo daß die von den letzteren nach den erſteren ziehenden Rüſſelkäfer hineinſtürzen. Auch kann man ſie fangen durch das Niederlegen von friſchen Reiſerbündeln, welche die Rüſſel⸗ käfer durch ihren Harzduft zu ſich ziehen und in welchen ſie ſich ver⸗ breiten, ſo daß man durch Ausklopfen in den frühen Morgen⸗ und den ſpäten Nachmittagsſtunden viele Käfer fangen kann.— Während Hylobius abietis als Käfer ſehr ſchädlich iſt, als Larve oft nicht ſchadet, iſt bei Pissodes notatus die Larve ſehr nachteilig, und der Käfer hat nur geringe Bedeutung für den Waldbau. Die Weib⸗ chen von Pissodes notatus legen ihre Eier an den Stämmen der lebenden Bäume ab, und die Larven freſſen einen geſchlängelten, mit Sägemehl gefüllten Gang unter der Rinde aus. Es werden haupt⸗ ſächlich Kiefern von 4 bis 15 Jahren angegriffen. Schon im Anfange des Juni zeigen die von zahlreichen Larven bewohnten Bäume durch das Rotwerden der Nadeln deutlich ihre Erkrankung. Im Auguſt und September bohren ſich die aus den Larven nach der Verpuppung ent⸗ ſtandenen Käfer heraus.— Ausgraben und Verbrennen der ange⸗ griffenen Stämme im Juli! Familie der Borkenkäfer(Scolytides). Füße 4 gliederig wie bei den Rüſſelkäfern, denen ſie ſich an⸗ ſchließen. Körpergröße gering; Körper walzenförmig, Kopf groß, aber unter der Vorderbruſt verborgen. Die Fühler endigen in einen Knopf. Beine kurz.— Die Larven ähneln denen der Rüſſelkäfer.— Die Lebensweiſe iſt im allgemeinen die folgende: Die Käfer er⸗ ſcheinen in der warmen Jahreszeit, ſei es, daß ſie dann aus der Puppe ſich entwickeln, oder daß ſie dann aus den Winterverſtecken herauskriechen. Das Weibchen nagt ſich bald ein Bohrloch, welches ſo groß iſt, daß es hineinkriechen kann, und welches ſich gewöhnlich bis an den Splint erſtreckt. Nachdem die Paarung ſtattgefunden, gräbt 106 Klaſſe 1. Inſekten oder Kerfe. es teilweiſe aus dem Baſt, teilweiſe aus dem Splint entweder einen einzigen Muttergang oder zwei bis mehrere Muttergänge aus, welche aus einer kleinen Kammer ihren Urſprung nehmen. Die Wände der Muttergänge werden in gleichen Zwiſchenräumen mit Eiern belegt, und bald nachher graben die ausſchlüpfenden Larven ihre„Larvengänge“ (Fig. 113), die ſchmal anfangen, weil die Larven ja anfangs klein ſind, und je nachdem dieſe wachſen, ſtets in Breite zunehmen. Wenn die Larven als ſolche erwachſen ſind, ver⸗ puppen ſie ſich im etwas tiefer ausgegrabenen Ende des Lar⸗ venganges; ſpäter kommen die Käfer heraus, indem ſie ſich Bohrlöcher graben.— Es verſteht ſich, daß die von Borkenkäfern angegriffenen Bäume zu kränkeln anfangen oder auch bald abſterben; denn die Zerſtörung der lebenden Teile der Rinde, ſowie des Kambiums und des Splints macht ja das Wachs⸗ tum ſowie eine normale Er⸗ nährung des Baumes un⸗ möglich. Der ſog.„Buchdrucker“ oder achtzähnige Fichtenborken⸗ käfer(Bostrichus typogra- phus) greift Fichten von mehr als 50 jährigem Alter an und hat in mehreren Wäldern deren Tauſende, ja Hundert⸗ tauſende getötet. Fig. 113. Gänge des Waldgärtners(Hylesinus Der Waldgärtner(Hy. piniperda), etwas verkleinert. lesinus piniperda) entwickelt . ſich als Larve zwar ge⸗ wöhnlich unter der Rinde umgehauener oder umgewehter Stämme und ſchadet dann keineswegs, aber die im Juli auskriechenden jungen Käferchen bohren ſich in die jungen Triebe der Kiefern ein und höhlen dieſelben aus. Im Spätſommer oder im Herbſte fallen dieſe ausge⸗ höhlten Triebe zu Hunderttauſenden auf den Boden. Indem die Ge⸗ ſchichte ſich jedes Jahr wiederholt und die Bäume jedes Jahr ihrer jungen Triebe beraubt werden, wird das Wachstum ſehr gering, ja es hört ſogar gänzlich auf, und der Baum ſieht aus, als wenn er all⸗ Erſte Ordnung. Käfer. 107 jährlich geſchoren würde, wie die Juniperus⸗, Taxus⸗Arten u. ſ. w. in den ſogen. franzöſiſchen Gärten.— Zuletzt erwähne ich noch den Ulmenſplintkäfer(Eccoptogaster Scolytus), der ſeine vertikalen Muttergänge an Ulmen zwiſchen Rinde und Splint anfertigt, während die Larven in den Larvengängen über⸗ wintern. Der Ulmenſplintkäfer zerſtört ſehr viele Ulmen an Alleen und Straßen innerhalb der Städte.— Mehrere Borkenkäferarten geben für ihren Angriff den etwas kränkelnden Bäumen vor den vollkommen geſunden und kräftigen den Vorzug. Deshalb legen ſie auch ſehr gern ihre Eier in kürzlich um⸗ gehauenen Bäumen oder in abgewehten Zweigen ab. Deshalb laſſe man niemals die vom Winde niedergeſchlagenen Stämme und die abgeriſſenen Zweige lange liegen, und man entferne die umgehauenen Stämme, damit ſie nicht als Brutmaterial dienen. Hingegen kann man ſolches gefälltes und ab- und umgewehtes Material als „Fangbäume“ verwenden, wenn man es vor dem Herauskriechen der jungen Brut entrindet, oder noch lieber ganz aus dem Walde entfernt. Man ladet alſo die Borkenkäfer zum Einbohren ein und tötet die Jungen. Allein es iſt beſſer, abſichtlich Bäume zum erwähnten Zwecke zu fällen; man thut dies etwa 4 Wochen vor der Flugzeit der be⸗ treffenden Käferart.— Fangbäume ſind das gewöhnliche Mittel zur Bekämpfung des Buchdruckers ſowie des Waldgärtners. Familie der Bockkäfer(Cerambycidae). Viergliederige Füße. Fühler elf⸗ gliederig, ſchlank aber kräftig, ge⸗ wöhnlich ſehr lang. Körper länglich, kräftig. Beine lang, ſeitlich weit hervor⸗ ragend. Die Larven ſind weichhäutig, länglich, fußlos, bloß an der Bauchſeite der Körperglieder mit kleinen Hervor⸗ ragungen(Saugnäpfen) verſehen, welche zum Fortbewegen dienen. Der Kopf hat ſtarke Kiefer, ragt aber nur wenig aus der breiten Vorderbruſt hervor. Die Käfer finden ſich bloß in der warmen Jahreszeit; ſie legen ihre Eier unterhalb der Rinde ab. Die Larven freſſen ſich Gänge im Holze verſchiedener Baumarten. Es werden beſonders ſchädlich der große Eichenbockkäfer(Cerambyx heros), der in Weiden lebende Moſchusbockkäfer(Aromia ſoiger u Dor Lrohen ahhelboe moschata), der große und der kleine Pappel⸗ deſſen Larve, in natürlicher Größe. bock(Saperda carcharias und populnea). Klaſſe 1. Inſekten oder Kerfe. Familie der Blattkäfer(Chrysomelidae). Kleine, gewöhnlich gedrungene, an der Rückenſeite gewölbte Käfer mit elfgliederigen, nach der Spitze zu ſich allmählich etwas verdickenden Fühlern und viergliederigen Füßen, von denen die erſten drei Glieder an ihrer unteren Oberfläche filzig behaart ſind(Fig. 115).— Die Larven(Fig. 116) haben drei Paar Bruſtfüße, dazu bei den meiſten Arten noch ein Paar ungegliederte Füße, ſogen.„Nachſchieber“. Die innerhalb der Pflanzenteile(Stengel, Blätter) lebenden Larven ſind gewöhnlich länglich und gelbweiß; diejenigen, welche auf den Pflanzen ſich aufhalten, ſind mehr gewölbt, kürzer und dicker, mehr oder weniger behaart, öfters von auffallender Farbe, immer mit dunkeln Flecken.— Die Käfer freſſen Blätter; die Larven nähren ſich von Teilen derſelben Pflanzen, auf denen ſich die Käfer aufhalten, ſei es, daß ſie außen auf den Blättern leben oder im Innern eines Blattes oder des Stengels ihre Gänge graben. Die meiſten Blattkäfer legen viele Eier; dazu kommt, daß bei vielen Arten alljährlich mehrere Generationen auftreten. Die von ihnen befallenen Pflanzen werden oft ganz kahl gefreſſen. Es gehören hierzu der blaue Erlenblattkäfer(Galeruca Alni), die Pappelhähnchen(Chrysomela Populi und C. tre- mulae), die Spargelhähnchen(Crioceris merdigera und C. duodecempunctata), u. ſ. w. Von landwirtſchaftlich ſchädlichen Arten er⸗ wähne ich zunächſt den Coloradokäfer oder Kartoffel⸗ Nteneranet ar⸗ käfer(Chrysomela decemlineata). Dieſer Käfer en lineata), n. Gr. lebte früher im Weſten der Vereinigten Staaten Amerikas auf wildwachſenden Solaneen; ſobald aber der Kartoffelbau ſich bis in die weſtlichen Staaten ausdehnte, griff der Käfer auch Kartoffelpflanzen an. Nachdem die Inſekten ſich auf einer Kulturpflanze verbreitet hatten, konnten ſie in ſo großer Anzahl auftreten, als ihr ſtarkes Fortpflanzungsvermögen es mit ſich brachte, und bald verbreiteten ſie ſich von einem Kartoffelacker auf den andern, immer weiter nach Oſten. 1859 war das erſte Jahr, wo ſie als Schädlinge berüchtigt wurden, und weil ſie als ſolche zuerſt im Staate Colorado auftraten, empfing das Inſekt den Namen„Colorado⸗ käfer“. In kurzer Zeit verbreiteten ſich die Käfer nach Oſten, überall hin, wo Kartoffelkultur betrieben wurde; 1865 überſchritten ſie den Miſſiſſippi, ſchon 1870 waren ſie über die Staaten Indiana, Ohio, Pennſylvanien, Maſſachuſetts und New⸗York verbreitet. Bald fanden ſie ſich überall in den öſtlichen Staaten, und fingen die europäiſchen Landwirte ſich zu fürchten an. Es wurden in den meiſten Ländern Europas Polizeimaßregeln verordnet, wodurch man die Einfuhr der unberufenen Gäſte womöglich zu verhindern ſuchte. Zwar wurden mehreremal Coloradokäfer auch in Deutſchland mit Schiffen eingeführt, aber es wurden faſt jedesmal die eingeſchleppten Schädlinge erkannt den Dhio, inden ſchen ndern r der urden führt, kannt Erſte Ordnung. Käfer. 109 und eingefangen. 1877 kam es zweimal(Mühlheim, Schildau) zu einer Vermehrung, neuerdings wieder einmal(Torgau), aber durch energiſches Eingreifen der Behörde wurden die Käfer bald wieder vernichtet. Käfer(Fig. 115) 10 mm lang, ſchmutzig⸗gelb mit 5 ſchwarzen Längsſtreifen auf jeder Flügeldecke und ſchwarzen Zeichnungen auf dem Halsſchilde.— Larve(Fig. 116) 12 mm lang, dick, fleiſchig; Beine kurz und ſchwach. Orangegelb mit glänzendſchwarzem Kopfe und mit ſchwarzen Flecken auf den Körpergliedern. Die jugendlichen Larven ſind dunkler, faſt blutrot.— Wenn die jungen Kartoffelpflanzen auf dem Acker ſtehen, kriecht der überwinternde Käfer aus dem Boden und befrißt die jungen Blätter an den Rändern. Das Weibchen legt ihre (700 bis 1200) gelben Eier in Häufchen an den Blättern ab(Fig. 116 a). Nach einer Woche erſcheinen die Larven, welche die Arbeit der Käfer Fig. 116. Coloradokäfer(Chrysomela decemlineata). a Eier: b ed jüngere ſowie ältere Larven; e Puppen, von der Bauchſeite und von der Rückenſeite geſehen. fortſetzen. In 17 bis 20 Tagen ausgewachſen, verpuppen ſie ſich im Boden, und die Käfer der zweiten Generation kommen Mitte Juni zum Vorſchein. Es kann noch eine dritte Generation in demſelben Jahre auftreten. Weil ſich ein großer Zeitraum zwiſchen dem Legen der erſten und letzten Eier eines Weibchens befindet, ſo ſieht man ge⸗ wöhnlich gleichzeitig Eier, Larven, Puppen und Käfer.— Ganze Kartoffelfelder werden von den Käfern und ihren Larven kahl gefreſſen, und unterbleibt die Bildung der Knollen gänzlich.— Gegenmittel: Beim erſten Auftreten in einer Gegend iſt ſogleich energiſch zu ver⸗ fahren. Man ſammele womöglich alle Käfer und Larven ein, grabe die Kartoffeln ſamt Stengeln und Laub aus und vernichte dieſelben mit den etwa daran klebenden Käfern, Puppen, Larven und Eiern. Sodann begieße man das ganze Feld mit Petroleum und zünde das⸗ ſelbe an, damit auch die eventuell im Boden verborgenen Tiere ver⸗ nichtet werden.— Aufſpritzen von Schweinfurter Grün auf die be⸗ fallenen Pflanzen.— 110 Klaſſe 1. Inſekten oder Kerfe. Das Getreidehähnchen(Lema melanopa L.) iſt ein mehr läng⸗ liches, 5 ½ mm langes, blaues oder blaugrünes Käferchen mit ſchwarzem Kopfe, ſchwarzen Fühlern und Füßen, mit rotem Halsſchilde und roten Schenkeln und Schienen, welches ſich auf allen Getreidearten aufhält, und deren ſchmierige, dicke, dunkel gefärbte Larven die Blätter K— dieſer Pflanzen in der Art benagen, daß weiß⸗ liche oder gelbliche, bloß aus der Oberhaut be⸗ ſtehende Streifen übrig bleiben.— Der neblige Schildkäfer(Cassida nebulosa, Fig. 117), 5 bis 7 mm lang, 3 bis 5 mm breit; der breite Halsſchild überragt nach vorn den kleinen Kopf. Auch die Flügeldecken ſind weit . Se 3 breiter aieder Aorrer deß Teera ſie ſind längs⸗ Sid, te Der neolige vippig. ückenſeite rötlich⸗-braun, bei jungen Schildtäſenaſ dernn.) Tieren grünlich; immer mit ſchwarzen Fleckchen. Bauchſeite ſchwarz.— Larve länglich⸗oval, gelb⸗ grün. Körperſeiten mit feinen, Seitenäſtchen tragenden Dornen beſetzt; das vorletzte Glied beſitzt eine„Schwanzgabel“, welche die Larve ge⸗ wöhnlich über dem Rücken gebogen trägt und auf welcher ſie ihren Kot anhäuft.— Die überwinterten Käfer greifen im Frühling gewöhnlich nur die wild⸗ wachſenden Gänſefuß⸗ und Meldepflanzen an, auf denen ſie ihre Eihäufchen ablegen. Bald findet man die Larven, welche im Anfang hauptſächlich an der Blattunterſeite ſich auf⸗ halten. Die trägen Larven wachſen ſchnell und freſſen die Blattſubſtanz auf; wenn ſie erwachſen ſind, ſo kleben ſie ſich an ein Blatt feſt und verpuppen ſich. Juni erſcheinen die Käfer der zweiten Generation, welche wieder ihre Eier an den Blättern ablegen. Bei günſtigem Wetter kann es ſogar zu einer dritten Generation kommen. In manchen Jahren kommt es vor, daß die Käfer der zweiten Generation auf Zucker⸗ oder Futter⸗ 1ls Ter Rarzerdien rüben überſiedeln, dieſe ſogar in ſtarkem Grade dig..H drerdenh eh beſchädigen.— Gegenmittel: Vernichtung (i) und deren Kopf; vergr. der Melde⸗ und Gänſefußarten.— Die Erdflöhe oder Flohkäfer ſind ſämmt⸗ lich kleine Blattkäfer mit Springvermögen und deshalb mit dicken Schenkeln ausgeſtattet. Es zählt hierzu: Der Rapserdfloh(Psylliodes chrysocephalus, Fig. 118). Eiförmig. Füße der Hinterbeine nicht an der Spitze der Schienen eingefügt, ſondern höher. Erſtes Fußglied ſo lang als die anderen zuſammen; der übrige Teil des Hinterfußes gegen das erſte, lange Glied geknickt. Glänzend ſchwarzbraun oder ſchwarzgrün, ausnahmsweiſe bräunlich. Erſte Ordnung. Käfer. 111 Larve 5—6 mm, ſchmutzig⸗weiß; Kopf, Halsſchild und Endglied des Körpers ſchwarzbraun.— Im Frühling und während des ganzen Sommers finden ſich die Erdflöhe auf den Winterrapspflanzen. Zwar benagen ſie die Blätter und die unreifen Schoten, dennoch iſt der von ihnen verurſachte Schaden nur gering. Im Spätſommer oder Herbſte legen die weiblichen Käfer die Eier einzeln an der Baſis der Blatt⸗ ſtiele der jungen Winterrapspflanzen ab. Die ausſchlüpfende Larve bohrt ſich in den Blattſtiel ein und frißt während des Herbſtes, Winters und Frühlings denſelben vollſtändig aus, ſo daß das Blatt abſtirbt. Weil die Eier einzeln abgelegt ſind, ſo ſind im Frühjahr nicht alle Larven zugleich vollkommen ausgewachſen.— Im Frühling freſſen mehrere Larven ſich aus den Blattſtielen in den noch ſehr kurzen Stengel hinein, der infolgedeſſen nicht weiter wächſt. Oft ſind bei weitem die meiſten Rapspflanzen eines Feldes, ſogar alle, ganz welk; dann muß auf armem Boden alles ſogleich umgepflügt werden; auf fruchtbarem Boden entwickeln ſich die Pflanzen oft noch weit beſſer, als man glauben möchte. Bei Pflanzen, deren noch kurzer Stengel im Winter geſtorben, entwickeln ſich aus den an ſeinem Fuße befind⸗ lichen Knoſpen oft einige(3— 5) Äſte, die aber gewöhnlich klein bleiben und keinen großen Ertrag liefern können.— Die im Frühling er⸗ ſcheinenden Käfer legen ihre Eier wieder an die unteren Blattſtiele des Rapſes ab, entweder des alten, auf dem Acker befindlichen Winter⸗ rapſes oder des neuen, noch jungen Sommerrapſes. Im zweiten Falle wird der Sommerraps ganz in derſelben Weiſe beſchädigt, wie der Winterraps im vorigen Winter. Im erſten Falle freſſen die Larven auch unten die Blattſtiele des indeſſen ſchon emporgewachſenen Winter⸗ rapſes aus und gelangen nachher ins Innere der Stengel, welche als⸗ bald an einer beſtimmten Stelle von ihnen ausgehöhlt werden, ſo daß dieſe nicht mehr imſtande ſind, ſich aufrecht zu erhalten, insbeſondere wenn die Schoten wachſen und die Samen ſich bilden. Die Stengel biegen und knicken öfters und bisweilen in ſo ſtarkem Grade, daß das Rapsfeld ausſieht, als wären Menſchen oder Vieh in demſelben nach allen Richtungen hin⸗ und hergelaufen und hätten alles zertreten. Inzwiſchen bohren ſich die Larven aus dem Stengel heraus und ver⸗ puppen ſich im Boden. Im Spätſommer erſcheinen die Käfer, welche wieder ihre Eier an die Blattſtiele des Winterrapſes ablegen.— Alſo zwei Generationen jährlich.— Gegenmittel: Anſtatt des von den Erdflöhen vernichteten und untergepflügten Winterrapſes ſäe man nie⸗ mals Sommerraps! Zeitweilige Einſchränkung der Rapskultur!— Der Kohlerdfloh(Haltica oleracea), 4 bis 5 mm lang, länglich⸗ eiförmig, dunkelgrün, metallglänzend. Die Hinterbeine haben nicht die Eigentümlichkeiten des Rapserdflohs(S. 110). Larve 5 bis 7 mm. lang, grauſchwarz, borſtig behaart, mit zwei Reihen von glänzend ſchwarzen Warzen.— Die Käfer befallen im Frühling vorzugsweiſe Kohl, Raps, Leindotter, Radispflänzchen, Rettich, ſchonen aber auch andere Gewächſe(z. B. Erbſen und Zuckerrüben) nicht. Vorzugsweiſe greifen 112 Klaſſe 1. Inſekten oder Kerfe. ſie Keimpflanzen an, freſſen jedenfalls nur junge Pflanzen. Dadurch, daß ſie die Samenlappen ſowie die Endknoſpe verzehren, ſchaden ſie ſehr, namentlich bei anhaltend trockener Witterung. Oft müſſen die Käfer zum Zwecke der Eiablage auswandern und andere Pflanzenarten aufſuchen, ſo daß man die Larven nur ausnahmsweiſe auf Kohlarten findet. Dieſe Larven ſind weit weniger gefährlich als die Käfer, denn ſie befreſſen gewöhnlich ausgewachſene Pflanzen. In erſter Jugend weiden ſie gruppenweiſe die Blätter ab, denn die Eier ſind in Häufchen abgelegt; ſpäter gehen ſie auseinander. Bei günſtigem Wetter ſind ſie in 6 Wochen ausgewachſen, und es können jährlich mehrere Generationen aufeinander folgen.— Gegenmittel: Zerſtörung der Unkräuter, welche Erdflöhe anlocken(Ackerſenf, Hirtentäſchel, Rautenſenf, Schoten⸗ dotter u. ſ. w.).— Gute Bodenbeſtellung, zweckmäßige Düngung und Drillkultur, weil ſie ein ſchnelleres Wachstum der Pflanzen verur⸗ ſachen.— Dicht ſäen(nur nicht zu dicht!), damit auch nach der Zer⸗ ſtörung vieler Keimpflanzen eine genügende Anzahl übrig bleibe.— Befeuchtung der Äcker mit Waſſerwagen oder Spritzen.— Auf Garten⸗ beete lege man Reiſig nieder, wodurch die Samen gegen Vögel, die Keimpflanzen gegen Erdflöhe geſchützt werden.—„Erdflohmaſchinen“, die aus einem mit Teer beſtrichenen Brette beſtehen, welches quer über das Feld hingezogen wird, ſo daß die aufgeſcheuchten Erdflöhe auf⸗ ſpringen und in der klebrigen Subſtanz hängen bleiben.— Man be⸗ ſtreue nach Regen, oder wenn der Tau noch an den Pflanzen hängt, dieſe mit zerriebenem Hühner⸗, Tauben⸗ oder Pferdemiſt, Holzaſche, Chauſſeeſtaub, Kalkpulver oder Steinkohlenaſche,— oder man beſpritze ſie mit dem Wundramſchen Mittel, d. h. mit einem Wermutabſud. Im kleinen iſt mir ſehr gut gefallen das Beſtreuen der Acker, auf denen die Erdflöhe die jungen Pflanzen beläſtigen, mit Sand, dem ſeines Volumens an Petroleum bei guter Durchmiſchung zugefügt wurde.— In Gärten wird auch das Beſtreuen der Beete mit Säge⸗ ſpänen, welche man feucht hält, empfohlen.— Der gelbgeſtreifte Erdfloh(Haltica nemorum), 2 ½— 3 mm lang, eiförmig, ſchwarz mit ſchwefelgelbem Längsſtreif auf den dicht punktierten Flügeldecken.— Larve 5 mm, gelblich⸗weiß mit dunkelbraunem Kopfe, Halsſchilde und letztem Körpergliede. Die vollendeten Käfer haben dieſelbe Lebensweiſe wie die der vorigen Art, auch ſchaden ſie in der⸗ ſelben Weiſe und greifen dieſelben Pflanzen, namentlich auch Keim⸗ pflanzen, an. Die Weibchen aber legen ihre Eier nicht in Häufchen, ſondern einzeln an den Blättern ab, immer an der Unterſeite des Blattes. Die Larve bohrt ſich in das Blatt hinein und gräbt ſich einen Gang aus, der in Üübereinſtimmung mit dem Wachstum der Bewohnerin ſchmal anfängt und regelmäßig breiter wird. Die Larve iſt bei ſchönem Wetter in einer Woche ausgewachſen; dann durchbohrt ſie die untere Blattoberhaut, fällt zu Boden und verpuppt ſich. Es können bei günſtigem(trockenem) Wetter jährlich mehrere Generationen auftreten. Dieſe Art ſchadet ganz wie die vorige, hauptſächlich im vollendeten Zuſtande.— Gegenmittel: Vgl. die vorige Art. ———. —————————— Zweite Ordnung. Geradflügler. 113 Familie der Marienkäferchen oder Blattlauskäfer (Coccinellidae). Halbkugelig, Rücken gewölbt, Bauch abgeplattet. Kopf klein, ein⸗ ziehbar. Fühler elfgliederig, an der Spitze ſich verdickend. Beine kurz; Füße ſcheinbar dreigliederig, wirklich viergliederig, aber das zweite Glied iſt ſehr klein. Farbe gewöhnlich bunt; viele Arten ſchwarz mit roten oder rot mit ſchwarzen Flecken. Beim Angreifen laſſen ſie aus dem Hinterleibe eine gelbliche, übelriechende Flüſſigkeit ausfließen. — Die ſtumpf viereckigen, gewöhnlich auch bunten Puppen hängen an den Blättern.— Die ausgewachſenen Larven ſind länger als die Käfer; ſie ähneln denen der Blattkäfer, ſind jedoch weniger gedrungen, und die längeren Beine ragen mehr ſeitlich hervor. Sie ſind mit Warzen und Dörnchen bedeckt(Fig. 119).— Die Larven und Käfer der meiſten Arten nähren ſich hauptſächlich von Blatt⸗ und Schild⸗ läuſen; ſie nützen alſo, die ſehr gefräßigen Larven aber mehr als die Käfer. Insbeſondere werden die Larven des ſiebenmal punktierten und Fig. 119. Das ſiebenmal punktierte Marienkäferchen(Coccinella septempunctata). Larven, Puppen, Käfer, alle in natürlicher Größe. des zweimal punktierten Marienkäferchens(Coccinella septempunctata. und C. bipunctata) in Blattlauskolonien in ſehr großer Anzahl an⸗ getroffen. Die gelben Eier werden in Häufchen abgelegt.— Zweite Ordnung: Geradflügler(Orthoptera). Inſekten mit kauenden Mundteilen und unvollkommener Ver⸗ wandlung(S. 86). Vier Flügel, von denen die vorderen gewöhnlich härter als die hinteren ſind; die Hinterflügel ſind häutig, breiter als die Vorderflügel und fächerartig zuſammenfaltbar(Fig. 120). Die Geradflügler ſind zum kleinſten Teile ausſchließlich, zum größten Teile hauptſächlich Pflanzenfreſſer.— Es gehören zu dieſer Ordnung: die Ohrwürmer(Forficulariae), welche an ſüßen Früchten und Blumen bisweilen ſehr ſchädlich werden, die aber auch durch Vertilgung von Blattläuſen nützen;— die Schaben(Blattariae), welche an Vorräten in Küchen, auf Speichern und auf Schiffen ſehr ſchaden;— die Feld⸗ heuſchrecken(Acrydites), zu denen außer der bisweilen ſehr ſchädlichen Wanderheuſchrecke(Acrydium migratorium, Fig. 88) verſchiedene Arten unſerer Wieſen⸗H. gehören, welche ganz unſchädlich ſind;— die Laub⸗ Bos, Zoologie. 3. Auflage. 8 114 Klaſſe 1. Inſekten oder Kerfe. heuſchrecken(Locustidae), zu denen das bekannte grüne Heupferd(Lo- custa viridissima) gehört;— die Grillen oder Grabheuſchrecken(Gryl- lidae), zu denen u. a. die Hausgrille oder das Heimchen(Gryllus do- mesticus), die unſchädliche ſchwarze Feldgrille(Gryllus campestris), ſo⸗ wie die Maulwurfsgrille oder Werre(Gryllotalpa vulgaris) gehören. Die Wanderheuſchrecke(Acrydium migratorium), 40— 65 mm lang, Flügelſpannung durchſchnittlich 1 dm. Grünlich⸗ grau. Bauchſeite fleiſchrot. Flügeldecken bräunlich, dunkelgefleckt. Wechſelt ſehr in der Farbe.(Fig. 88.)— Maſſenhafte Vermehrung und Wanderungen dieſer Heuſchrecken kommen in Südrußland und der Türkei vor, ſie können aber auch in Mitteleuropa auftreten; es waren z. B. in Norddeutſchland die folgenden Jahre des 19. Jahrhunderts „Heuſchreckenjahre“: 1803, 1825— 27, 1853, 1875— 76. Zwar ver⸗ dankte man mehreremal das Auftreten von Heuſchreckenſchwärmen in Mitteleuropa den Einwanderungen aus Rußland und Ungarn, doch kam es auch öfter vor, daß die Inſekten, welche in ſo großen Scharen ſich zeigten, ſich an Ort und Stelle entwickelt hatten. Weil die weib⸗ liche Heuſchrecke durchſchnittlich 150 Eier legt, ſo kann eine Maſſen⸗ vermehrung überall, wo ſie einheimiſch iſt(alſo im ganzen Mittel⸗ europa), ſtattfinden. Es ſcheint aber, daß gewöhnlich die natürlichen Feinde, Kälte und feuchte Witterung, eine große Anzahl von Heu⸗ ſchrecken töten. In beſonders günſtigen Jahren aber kann es zur Maſſenvermehrung kommen; und weil die flugunfähigen Larven alles Genießbare auffreſſen, müſſen nachher die ausgewachſenen Inſekten aus⸗ wandern. Wo ſie ſich niederlaſſen, zerſtören ſie alles auf den Äckern befindliche.— Gegenmittel: Zerſtörung der länglichen Eier, welche in Häufchen in den Boden von Brachfeldern und Wieſen abgelegt werden. Überall wo tote Heuſchrecken maſſenhaft auf dem Boden liegen, finden ſich auch viele Eier, denn die Inſekten legen ſo lange, bis ſie tot niederſinken an der Stelle, wo ſie das letzte Eihäufchen ab⸗ legten. An ſolchen Stellen laſſe man graben oder pflügen und die zu Tauſenden hervorkommenden Eier ſammeln, oder von eingetriebenen Schweinen, Enten, Gänſen, Hühnern aufſuchen.— Vertilgung der jungen flugunfähigen Stücke. Auch Bearbeitung des Bodens mit Eggen, Walzen und Bodenwühlern kann hier gute Dienſte leiſten.— Die vollendeten Heuſchrecken müſſen hauptſächlich mit Feuer vertilgt werden.(Stroh⸗ und Reiſighaufen werden mit Petroleum übergoſſen und dann angezündet.)— Die Werre, Maulwurfsgrille oder der Schrotwurm (Gryllotalpa vulgaris, Fig. 120). Abgeplattete, plumpe Körperform. Fühler, Taſter und Schwanz⸗ fäden ſehr lang. Vorderbeine breit, zu wahren„Grabbeinen“ umge⸗ ſtaltet; ſie ſehen oberflächlich wie Maulwurfsfüße aus. Vorderflügel 6 Zweite Ordnung. Geradflügler. 115 breit, aber kurz, lederartig. Hinterflügel liegen im Ruhezuſtande in der Form von zwei Schwänzen auf dem Rücken. Farbe der Maul⸗ wurfsgrille dunkelbraun.— Hauptſächlich auf mit Sand oder Thon gemiſchten Moorböden, auch auf allen Bodenarten, welche durch viel Fig. 120. a Die Maulwurfsgrille(Gryllotalpa vulgaris); b deren Larve, unmittelbar vor der letzten Häutung; n. Gr. Dünger in einen bindigen Zuſtand geraten ſind. Ihr Vorkommen iſt alſo ein lokales. Sehr früh im Jahre verläßt die Maulwurfsgrille ihren Winterverſteck und beginnt ihre Gänge in der Nähe der Boden⸗ oberfläche anzulegen. Wo das Weibchen ihr Neſt baut, wendet ſich der Gang ein wenig nach unten. Die Wände des ovalen, 4 cm im 8* 116 Klaſſe 1. Inſekten oder Kerfe. Durchmeſſer großen Neſtes werden durch Drücken mit dem harten Rumpfe gehärtet. Die Eierzahl beläuft ſich auf 200 bis 250 Stück; ſie werden mit einigen Zwiſchenräumen in verſchiedenen Partien gelegt. Die noch im Frühlinge auskriechenden Jungen ſind natürlich flügellos; auch ſind ſie anfänglich weiß, werden aber bald braun. Die Mutter überwacht ihre Jungen ſehr ſorgfältig. Die ziemlich ſchnell heran⸗ wachſenden Jungen fangen erſt nach der zweiten Häutung ihr ſelbſt⸗ ſtändiges Leben an. Im Oktober oder November häuten ſie ſich zum dritten Male; dann verkriechen ſie ſich, noch in ungeflügeltem Zuſtande, und häuten ſich erſt wieder im April oder Mai, wobei dann die Flügel⸗ ſcheiden erſcheinen, während nach der fünften Häutung(Mai, Juni) die Maulwurfsgrille zu einem vollendeten fortpflanzungsfähigen Inſekt ge⸗ worden iſt.— Dieſes Inſekt hält ſich auf Fruchtfeldern, in Gärten, auf Gras⸗ und Wieſenland, auch in Baumgärten und Wäldern auf, und benagt die Wurzeln der verſchirdenſten Pflanzen; der dadurch von ihm verübte Schaden iſt oft ein ſehr großer. Auch ſchadet die Werre durch ihre Gänge, die ſie hart an der Bodenoberfläche gräbt; ſie hebt dabei junge Pflanzen aus dem Boden, ſchnei⸗ det aber gewöhnlich die Wurzeln zwiſchen den ſcharfen Rändern der Schenkel und der Schienen der Vorderbeine ab. Man kann die flunaen oft an den hten 8. 2 aus dem Boden herausheben. Fid. 141. Neſt don Mawamcſele(Gryno. To ſich das Neſt befindel, da welken alle Pflanzen.— Trockene, kalte Winter ſollen faſt alle Maulwurfsgrillen töten; ſtarke Trocken⸗ heit während des Sommers, ebenſo wie fortwährende Feuchtigkeit iſt ihnen aber auch ſehr unangenehm.— Feinde: Maulwürfe, Krähen, Dorndreher, Wiedehopfe, Stare, die größeren Laufkäfer.— Gegen⸗ mittel: Zerſtören der Neſter; im Juni anzufangen, aber auch ſpäter fortzuſetzen. Man fühle an den Stellen des Feldes, wo die Pflanzen in großem Kreiſe(bis 1 m Durchmeſſer) gelb oder welk ſind, mit dem Finger nach dem Neſte, und nehme es vorſichtig auf, ſo daß die Eier nicht herausfallen. Man kann die Werren irgend welcher Äcker oder Felder dazu bringen, an einer beſtimmten Stelle ihre Neſter anzulegen, indem man dort Möhren ausſäet.— Es laſſen ſich die Maulwurfs⸗ grillen auch in Töpfen fangen. Man verſchließe die im Boden be⸗ findliche Offnung mit einem Kork und ſetze die Blumentöpfe ſo ein, daß ſie mit der Offnung in die Höhe der Werrengänge zu ſtehen kommen. Die Blumentöpfe werden zu Fallgruben für die Inſekten, aus denen ſie nicht wieder heraus können.— Wenn man während des Winters ſtellenweiſe Pferdedünger in Häufchen niederlegt, ſo ver⸗ Dritte Ordnung. Netzklügler. 117 kriechen ſie ſich gern darin, weil es dort warm iſt; man kann ſie alſo ſammeln und töten. Dritte Ordnung: Netzflügler(Neuroptera). Inſekten mit kauenden Mundteilen und vier häutigen, einander gewöhnlich gleichen, reichlich und netzförmig geaderten Flügeln. Die Verwandlung iſt entweder eine unvollkommene(S. 86: Waſſer⸗ jungfern, Eintagsfliegen, Holzläuſe) oder eine vollkommene(Ameiſen⸗ löwen, Florfliegen, Kameelhalsfliegen, Skorpionfliegen, Köcherjungfern). — Die einheimiſchen Netzflügler nähren ſich mit alleiniger Ausnahme der Holzläuſe von tieriſcher Nahrung, in der Regel von den Körper⸗ ſäften anderer Inſekten; mehrere von ihnen nützen in dieſer Hinſicht einigermaßen. Die Waſſerjungfern(Libellulina) fangen, während ſie an hellen, warmen Tagen unaufhörlich hin⸗ und herfliegen, eine große Anzahl Inſekten, namentlich Schmetterlinge und Fliegen, unter denen auch viele Schädlinge. Die Larven leben im Waſſer und nähren ſich von Inſekten und ſonſtigen kleinen Tieren, welche aber für die Land⸗ und Forſtwirt⸗ ſchaft gänzlich gleichgiltig ſind; da ſie auch von Fiſchbrut leben, können ſie ſogar ſchaden.— Die Florfliegen(Hemerobidae) haben unter ſich ungefähr gleiche, glashelle, fein geaderte Vorder⸗ und Hinterflügel, welche in der Ruhe Fig. 122. Die gemeine Florfliege(Chrysopa vulgaris). à Eier; b die Larve; c Puppen⸗ geſpinſt; d die in demſelben enthaltene Puppe; e geöffnetes Puppengeſpinſt; f vollendetes In⸗ ſekt; a, c, e n. Gr., d vergrößert und n. Gr., b und f vergrößert. ſich dachförmig bedecken. Kopf ziemlich groß, Augen groß, Hinterleib länglich, dünn.— Die ſehr räuberiſchen Larven(Fig. 122 b) nähren ſich von dem Körperſafte anderer Inſekten, die ſie mittelſt eines jeder⸗ ſeits am Kopfe ſitzenden zangenförmigen Organes ausſaugen. Die beiden Zangen ſind durchbohrt, und die Röhren münden jederſeits in den Schlund aus; die Körperſäfte des angegriffenen Inſekts fließen ſo in den Darm der Florfliegenlarve. Die letztere iſt kräftig gebaut und immer weit dicker und größer als das vollendete Inſekt. Die Ver⸗ wandlung iſt eine vollkommene.— Es gehören zu den Florfliegen drei Gattungen: 118 Klaſſe 1. Inſekten oder Kerfe. 1. die zierlichen, grünlichen oder grünlich⸗gelben, goldäugigen, übelriechenden Goldaugen(Chrysopa), deren Larven ſich hauptſächlich von Blattläuſen(einige Arten auch von Raupen und anderen kleinen Inſektenlarven) ernähren; 2. die Blattlauslöwen(Hemerobius: H. hirtus mit behaartem Geäder der Vorderflügel; H. dipterus mit faſt völlig fehlenden Hinter⸗ flügeln), deren Larven auch Blattläuſe freſſen und ſich aus deren aus⸗ geſogenen Häuten eine Hülle anfertigen; 3. die Ameiſenjungfern(Myrmeleon), deren plumpe, gedrungene Larven mit großem Kopfe und ſtarken Greifzangen(„Ameiſenlöwen“) trichterförmige Höhlungen im Sande ausgraben, auf deren Boden ſie ſich verbergen, um Ameiſen und ſonſtigen Inſekten aufzulauern, welche zugleich mit herabrollenden Sandkörnern hineinfallen.— Die Arten der erſten zwei Gattungen nützen als Blattlausvertilger; die Ameiſen⸗ löwen ſind indifferent.— Die Schnabelfliegen(Panorpatae) haben am Kopfe eine Art Rüſſel, deſſen Rückenſeite von einer Fortſetzung der Stirn gebildet wird, auf deren Spitze die kleine Oberlippe und die Oberkiefern eingelenkt ſind, während die Unterſeite des Rüſſels aus den ſtark verlängerten Unterkiefern und der Unterlippe beſteht. Es gehört hierzu die ſchlanke, dünnleibige Skorpionfliege(Panorpa communis), ein im Mai, dann wieder im Juli oder Auguſt im Sonnenſchein auf den Blättern des Schälholzes und der Sträucher befindliches Inſekt. Während der Hinterleib des Weibchens in eine Legeröhre endigt, krümmt ſich beim Männchen der letzte Teil des Hinterleibes nach oben und endigt in einem zangenförmigen Organ; deshalb der Name„Skorpionfliege“. Flügel braungefleckt. Die Skorpionfliegen fangen im Fluge eine ſehr große Anzahl von Schmetterlingen, nützen alſo etwas.— Vierte Ordnung: Hautflügler(Hymenoptera). Oberlippe und Oberkiefer kurz, letztere zum Beißen eingerichtet. Unterkiefer frei eingelenkt, ſo daß ſie bedeutend geſtreckt werden können; bei den Blumenſäfte leckenden Hautflüglern verlängert. Noch mehr verlängert iſt bei den letztgenannten Hautflüglern die Unterlippe, welche ſogar zungen⸗ oder rüſſelförmig vergrößert ſein und ſeitliche Anhangs⸗ gebilde(„Nebenzungen“) tragen kann.(Fig. 123.)— Flügel: 4, alle häutig, mit relativ wenigen Nerven(Fig. 87, 126).— Verwandlung: vollkommen; Larven ſehr verſchieden; Puppen gemeißelt(S. 89).— Gewöhnlich beſitzt das Weibchen eine Legeröhre, die von ſehr verſchiedenem Baue ſein kann und bei mehreren Arten nicht nur zur Eiablage, ſondern zugleich zur Verteidigung(Grabweſpen), bei andern ausſchließlich zum Angriffe oder zur Abwehr dient(„Stachel“ der Bienen und Weſpen), während der Eiablage dieſelbe Offnung dient, welche die Entleerung des Kots zur Aufgabe hat. Die im Hinterleibe befindlichen Drüſen, welche eine zum Anheften der Eier dienende klebrige Subſtanz aus⸗ ugigen, ſichli kleinen dartem Hinter⸗ n aus⸗ ingene wen“) en ſie welche Arten eiſen⸗ Art wird, elenkt erten anke, dann des der beim t in ege“. ſehr richet. ounen; mehr welche hangs⸗ häutig, mmen, 1 Baue ſondern ich zun geſpen) leerung Drüſen, z als⸗ Vierte Ordnung. Hautflügler. 119 ſcheiden, ſind bei den einen Stachel beſitzenden Hautflüglern in Gift⸗ drüſen umgebildet. Bei denjenigen, welche eine nicht in einen Gift⸗ ſtachel umgewandelte Legeröhre beſitzen, iſt dieſelbe entweder zum Stechen (z. B. Schlupfwespen), reſp. zum Bohren oder zum Sägen eingerichtet. Die Hautflügler mit ſägeförmiger Legeröhre(Blatt⸗ und Holzweſpen) machen zunächſt mit Hilfe der Sägezähne, die am Rande der Legeröhre ſtehen, eine Offnung in irgend einem Pflanzenteile und legen dann in dieſes Loch ein Ei. Viele Hautflügler(alle Grab⸗ und Goldweſpen, Schlupf⸗ und Gallweſpen, Blatt- und Holzweſpen,— mehrere Bienen⸗ und Weſpen⸗ arten) leben allein oder in Paaren; andere bilden oft aus mehreren Tauſenden beſtehende Staaten, in denen immer inſoweit eine Arbeits⸗ teilung ſtattfindet, als es daſelbſt ſtets Fortpflanzungsindividuen und Arbeiter oder, beſſer geſagt,„Arbeiterinnen“ giebt. Die Fortpflanzungsindividuen(Männchen und Weibchen; im Bienenſtaate: „Drohnen“ und„Königin“) werden in einem Staate immer in ver⸗ hältnismäßig geringer Anzahl gefunden; ſie leben nur der Erhaltung der Art; höchſtens ſuchen die Männchen ihre eigene Nahrung, während meiſtens die Weibchen von den ſogen.„Arbeitern“ gefüttert werden. Dieſe dahingegen ſind Individuen, bei denen die(weiblichen) Fort⸗ pflanzungsorgane auf niedriger Entwickelungsſtufe ſtehen geblieben ſind, ſo daß ſie unfruchtbar ſind; ſie ſuchen die Nahrung für die Larven, ſowie gewöhnlich auch für die vollendeten Fortpflanzungs⸗ individuen; auch führen ſie gegen fremde Eindringlinge Krieg.— Familie der Bienen(Apidae). Die Bienen nehmen mit ihren ſtark verlängerten Mundteilen (Unterkiefer und Unterlippe oder„Zunge“) Honig aus den verſchiedenſten Blüten auf. Körper ziemlich ſchwerfällig, gewöhnlich behaart. Die Vorderflügel werden nicht wie bei den Weſpen im Ruhezuſtande der Länge nach zuſammengeſchlagen. Augen rund.— Die fußloſen, faſt madenförmigen Larven werden mit Blütenſtaub oder mit einer Miſchung von Blütenſtaub und Honig gefüttert. Die meiſten Bienenarten bilden Staaten, und bei dieſen findet man, außer den Fortpflanzungsindividuen, die ſogen.„Arbeiterinnen“, welche die Neſter anfertigen, die hauptſächlich aus„Zellen“ aufgebaut ſind, zu deren Aufbau ſie je nach der Art die verſchiedenſten Subſtanzen benutzen: Wachs, Sandkörner, zerkautes Holz, Blätterteilchen. In jedem Neſte kommt zugleich nur eine Königin vor, welche die Eier in den Zellen ablegt; die Entwickelung der Larven findet alſo in dieſen Zellen ſtatt; andere Zellen dienen zur Aufbewahrung von Blütenſtaub oder Honig. Bei den Bienenarten, die keine Staaten bilden, kommen keine Arbeiterinnen vor; bei einigen dieſer Arten(Paraſithummeln, Kuckucksbienen) legt das Weibchen die Eier in die Zellen anderer Bienenarten, welche als Pflegeeltern die Verſorgung der fremden Larven auf ſich nehmen. Dieſen Arten fehlt natürlich der Apparat 120 Klaſſe 1. Inſekten oder Kerfe. zum Feſthalten und Einbringen des Blütenſtaubs. Für dieſen Zweck aber dienen bei mehreren Bienen(Honigbiene, Hummeln) die ſtark verbreiterten Hinterſchienen und das erſte ſehr große Glied des Fußes der Hinterbeine; andere Bienen(Megachile) tragen ihren Blütenſtaub an der Unterſeite des Hinterleibes heim.— Bei der Beſtäubung mehrerer Kultur⸗ gewächſe ſpielen die Bienen eine ſehr wich⸗ tige Rolle. Die Honigbiene(Apis mellifica) braucht hier nicht beſprochen zu werden; es ſei auf die Bücher über Bienenzucht verwieſen. Die Hummeln(Bombus) ſind ziemlich groß, plump, gedrungen, behaart. Sie bauen unter der Bodenoberfläche, oft im Mooſe, Neſter aus ovalen oder unregelmäßigen Wachs⸗ zellen von Haſelnußgröße. Sie fliegen ſchnell, immer ſummend. Mehrere Arten ſind ſchwarz mit gelben und weißen oder mit roten Quer⸗ binden. — 2 11 Horige Ponigsſmnde a wenaufte Blumen⸗ ig. 123. Kopf der Honigbiene. krone ſo lang iſt, daß der Rüſſel ſogar der 3 antannene dn Sühee Huunwem nit bis zum Vrden der Blne⸗ Z Zunge(Unterlippe); b Lippen⸗ wo der Honig verborgen iſt, reichen kann kafter: die Lueinge ehwie de(Tabak, Feld⸗ und Gartenbohnen), werden Oberlippe ſind kurz geblieben. am unteren Ende von den Hummeln mit ihren ſcharfen Oberkiefern benagt, ſo daß ein Loch in den Kelch⸗ und Kronenteilen entſteht, wo die Zunge hinein⸗ gebracht wird. Es wird dabei dann und wann auch der Fruchtknoten verwundet und dadurch die normale Fruchtbildung unmöglich gemacht. Bisweilen entſteht in dieſer Weiſe ein gewiſſer, allerdings geringer Schaden. Familie der Weſpen(Vespidae). Mundteile wie die der Bienen.— Auch angeltragend.— Schlank, wenig oder nicht behaart.— Augen nierenförmig.— Vorderflügel in der Ruhe der Länge nach zuſammengefalten(Fig. 87 u. 124). Man unterſcheidet einſam lebende und ſtaatenbildende Weſpen, letztere mit Männchen, Weibchen und„Arbeiterinnen“.— Bloß die befruchteten Königinnen überwintern. Im Frühling beginnt jede dieſer Königinnen mit dem Bauen des Neſtes(Fig. 124). In den Neſtern der Weſpen iſt jede Wabe nur aus einer einzigen Schicht von Zellen aufgebaut, welche mit ihren Offnungen nach unten gerichtet ſind. In einem Neſte finden ſich gewöhnlich einige dieſer wagerecht geſtellten Waben übereinander und mittelſt ſenkrecht geſtellter Säulchen anein⸗ ander verbunden. Einige Neſter werden in Baumhöhlen, andere in Bodenlöchern gebaut; wieder andere werden frei in Bäumen aufgehängt, 75 à — GAE=ge Vierte Ordnung. Hautflügler. 121 dann werden ſie aber von mehreren Schichten einer papierähnlichen Subſtanz umgeben. Auch die Waben reſp. die Zellen ſind aus Papier aufgebaut; um dasſelbe anzufertigen, benagen und zermalmen ſie mit den Oberkiefern faulendes Holz und insbeſondere Baumrinde; ſie ver⸗ miſchen die zermalmte Subſtanz mit Speichel, und ſo entſteht ein Brei, den ſie zum Aufbau des Neſtes benutzen und der ſpäter als Papier auftrocknet. Das Flugloch befindet ſich unten am Neſte(Fig. 124). Während des Frühlings und des Sommers legt die Königin oder„Weſpenmutter“ ausſchließlich Eier, aus denen Arbeiterinnen entſtehen, die bald den Neſtbau und die Nahrung der Larven über⸗ nehmen, ſo daß die Königin ſich ſpäter ausſchließlich dem Fortpflanzungs⸗ Fc,äii, N 8⁸ Fig. 124. Die gemeine Weſpe(Vespa vulgaris), n. Gr., und ihr Neſt. geſchäft widmen kann. Gegen den Herbſt werden auch Männchen und befruchtungsfähige Weibchen geboren; die letztgenannten überwintern nachher in befruchtetem Zuſtande. Die Larven werden während des Sommers von den Arbeiterinnen mit fein gekauten Inſekten oder auch mit Honig gefüttert. Sie ſaugen aber keinen Honig aus den Blüten, ſondern rauben denſelben mehreren Bienenarten, oder ſie bilden ihn in ihrem Magen aus zuckerhaltigen Stoffen, welche ſie aus ſüßen Früchten aufnehmen. In dreifacher Hinſicht ſind die Weſpen ſchädlich oder läſtig: 1. durch das Abnagen von Baumrinde, 2. durch das Benagen ſüßer Früchte, 3. durch die ſchmerzhaften Stiche, welche ſie erteilen. An heißen Sommertagen ſind dieſe am gefährlichſten. Wenn ein im Boden befindliches Neſt beim Pflügen zerſtört wird, ſo fallen die aufgeſchreckten 122 Klaſſe 1. Inſekten oder Kerfe. Weſpen ſowohl über den Menſchen, als über die Pferde her, und es kommen Fälle tödlicher Wirkung ihrer Stiche vor.— Der Schmerz rührt hauptſächlich von dem in die Wunde gebrachten Gifte her. Des⸗ halb muß man, wenn der Stachel in der Haut ſitzen bleibt, dieſen nicht unbeholfen mit den Fingern, ſondern vorſichtig mit dem Nagel heraus⸗ ziehen, damit man nicht das am Stachel feſtſitzende Giftbläschen zer⸗ drückt und ſo noch mehr Gift in die Wunde bringt. Gegenmittel: Abkühlende Stoffe, z. B. zerriebene Möhren, Äpfel oder Birnen, Kraut⸗ blätter, feuchter Sand. Einreiben mit Salmiak. Bei heftiger Ent⸗ zündung eine Kompreſſe mit Bleieſſig. Familie der Grabweſpen(Eossores). Mehrere Arten dieſer Gruppe ähneln den Weſpen durch ihren Habitus, ſowie durch ihren ſchwarz und gelbgeringelten Hinterleib; ſie unterſcheiden ſich aber immer von dieſen durch ihre im Ruhezuſtande nicht zuſammengefaltenen Vorderflügel und durch ihre nicht nieren⸗ förmig ausgeſchnittenen Augen. Die Schienen und Füße beſitzen zum Fig. 125. Die gemeine Sandweſpe(Ammophila sabulosa); n. Gr. Graben nützliche Dorne. Der Stachel der Weibchen hat keine Wider⸗ häkchen, ſo daß er beim Stich nicht in der Wunde zurückbleibt und abreißt.— Die Grabweſpen bilden keine Staaten. Sie ſind lebhaft, beweglich; im Sommer fliegen oft die Weibchen in der Nähe des Bodens emſig hin und her, um eine Stelle zum Unterbringen der Brut zu ſuchen. Sie graben eine Höhle in den Erdboden, in welcher ſie ein Ei ablegen. Daneben begraben ſie ein Inſekt, welches der ausſchlüpfen⸗ den Larve zur Nahrung dient. Damit das zu begrabende Inſekt nicht in Fäulnis übergehe, auf der andern Seite aber ein lebendes Tier ſich nicht ohne Widerſtreben begraben laſſen würde, ſo bringen die Grabweſpen zunächſt das Inſekt in einen Zuſtand, in dem es keine willkürlichen Bewegungen ausführen kann. Die meiſten Arten ſtechen dabei das gefangene Kerftier mehreremal mit dem Stachel in den Körper und verletzen dabei öfter die an der Bauchſeite gelegenen Nervenknoten(S. 82); durch dieſe Behandlung wird das Inſekt zwar nicht getötet, aber gleichſam in einen Zuſtand des Scheintodes verſetzt. — Weil die meiſten Grabweſpen hauptſächlich ſchädliche Inſektenarten begraben, ſo nützen ſie.— Der Raupentöter oder die gemeine Sand⸗ weſpe(Ammophila sabulosa, Fig. 125) begräbt Raupen, die Wegweſpe —— — ——— ——==-—ͤ ½= 8 — 98 aider⸗ und bhaft, odens ut zu je ein üpfen⸗ nicht Tier en die keine ſtechen n den legenen t zwar verſett. enarten Sand⸗ egweſbe Vierte Ordnung. Hautflügler. 123 (Pompilius viaticus) Spinnen, der Rüſſelkäfertöter(Cerceris arenaria) und der Fliegentöter(Mellinus arvensis) begraben Rüſſelkäfer reſp. Fliegen. Familie der Ameiſen(Formicidae). Große, kräftige, zum Beißen eingerichtete Oberkiefer; Unterkiefer und Unterlippe nicht rüſſelförmig verlängert. Arbeiter flügellos; die Männchen und fortpflanzungsfähigen Weibchen haben ſchwach geaderte Flügel; in Übereinſtimmung mit dieſer Thatſache iſt bei den letztge⸗ nannten die die größten Flügel tragende Mittelbruſt, bei den Arbeitern aber die Vorderbruſt am ſtärkſten entwickelt. Hinterleib mit dem Bruſt⸗ ſtücke durch ein ein⸗(Formica) oder zweigliederiges(Myrmica) Stiel⸗ chen verbunden. Alle weiblichen Ameiſen, natürlich auch die Arbeiter, beſitzen Giftdrüſen, deren Produkt ſich in einer Giftblaſe anſammelt; es fehlt aber der Stachel allen Formica-Arten. Die ſtachelloſen Ameiſen (z. B. die rote Waldameiſe, F. rufa) beißen mit ihren ſtarken Ober⸗ kiefern eine Wunde, krümmen dann den Hinterleib unter dem Bruſt⸗ ſtücke nach vorn und ſpritzen den Inhalt ihrer Giftblaſe in dieſe Wunde. — Alle Ameiſenarten bilden große Staaten mit Fortpflanzungsindividuen und unfruchtbaren Tieren.— Ihre Nahrung entnehmen ſie aus dem Tierreiche und dem Pflanzenreiche, obgleich die meiſten wohl haupt⸗ ſächlich von Inſekten und ſonſtigen kleineren Tieren ſich nähren. Sie freſſen hauptſächlich Raupen, auch tote oder verwundete Käfer(z. B. Maikäfer), Säugetiere, Vögel und Kriechtiere. Als Raupenfreſſer nützen ſie: die im Walde lebenden wohl mehr als die in Fruchtfeldern und Wieſen ſich aufhaltenden. Die Ameiſen lieben alle ſüßen Sub⸗ ſtanzen; wenn ſie in Häuſer gelangen, ſo iſt das Zuckergefäß ſehr oft das Endziel ihrer Beſtrebungen. Namentlich lecken ſie gern den ſüßen Saft auf, den die Blattläuſe aus dem Hinterleib abſondern. Auf den mit Blattläuſen beſetzten Pflanzen finden ſich gewöhnlich viele Ameiſen, welche begierig jeden Tropfen, den die Blattläuſe am Hinterleibe hängen haben, aufſchlürfen; ſie befördern ſogar die Ausſcheidung des Saftes, indem ſie mit den Fühlern den Hinterleib der Tierchen ſtreicheln. Ja es giebt Ameiſenarten, welche die Blattläuſe nach ſolchen Pflanzenteilen transportieren, wo dieſe am beſten gedeihen, und jedesmal, wenn dieſe Pflanzenteile ausgeſogen ſind, ſie nach noch unverſehrten hinübertragen. Bisweilen werden die Blattläuſe von den Ameiſen in ober⸗ oder unter⸗ irdiſchen Neſtern gehalten. Die gewöhnlichen gelben Wieſenameiſen bergen in ihrem unterirdiſchen Neſte Blattläuſe, welche an den Wurzeln von Gräſern und andern Pflanzen leben. Damit dieſes„Milchvieh“, wo es nötig iſt, neue Nahrung bekomme, vergrößern ſie bisweilen das Neſt, wobei ſie neue Pflanzenwurzeln aus dem Erdboden hervorwühlen und die Blattläuſe auf jene tragen. Während des größten Teiles des Jahres finden ſich in einem Ameiſenneſte bloß Arbeiter, Larven und Puppen; die Fortpflanzungs⸗ tiere erſcheinen im Sommer und ſind vor dem Eintritte der kalten 124 Klaſſe 1. Inſekten oder Kerfe. Jahreszeit verſchwunden. Sobald ein ſonniger Tag kommt, fliegen ſie aus, gewöhnlich in großer Anzahl. Nach der Paarung laſſen ſich die Weibchen zu Boden fallen; dann reißen ſie ſich ſelbſt die Flügel aus, oder dieſe werde ihnen ausgezogen von den Arbeitern, welche ſie aufſuchen und mit ſich nach ihrem Neſte nehmen, wo bald das Eier⸗ legen beginnt. Die fußloſen Larven haben wenig entwickelte Mund⸗ teile und werden von den Arbeitern genährt mit Nahrung, welche dieſe ausbrechen. Die Puppen ſind verſchiedenartig; bei den ſtachel⸗ tragenden Ameiſen(Myrmica) ſind ſie nackt, bei den ſtachelloſen(Formica) hingegen von einem Kokon eingehüllt. Die letztgenannten Puppen, unter dem falſchen Namen„Ameiſeneier“ bekannt, werden geſammelt und als Futter für inſektenfreſſende Vögel benutzt.— Die Neſter ſtellen ſie entweder aus angehäuften Kiefernnadeln und kleinen ÄAſten zuſammen(rote Waldameiſe= Formica rufa), oder ſie freſſen Gänge und zellenähnliche Räume in geſunden Baumſtämmen(größere Holz⸗ ameiſen, z. B. F. herculeana und F. ligniperda) oder in morſchen Baumſtämmen(kleine Holzameiſe= F. fuliginosa) aus; andere(gelbe Wieſenameiſe= F. flava u. ſ. w.) machen Gänge und Höhlen im Boden, wobei ſie die Erde in Hügelchen aufwerfen.— Schaden: Mehrere Arten ſchaden durch das Aufwühlen des Bodens, entweder in Wieſen und Fruchtfeldern, wodurch ſie Pflanzen töten, auch das Mähen ſchwierig machen, oder unter dem Boden von Gartenhäuſern und Wohnzimmern. Andere zerſtören Baumſtämme. Indirekt ſchaden ſie durch die Sorge, welche ſie für die Blattläuſe haben; denn dadurch vermehren ſich dieſe letztgenannten Schädlinge mehr, als es ſonſt der Fall wäre.— Gegen⸗ mittel: Wenn Ameiſen in ein Zimmer gedrungen ſind, ſo muß man verſuchen, das Neſt zu finden und die darin befindlichen Tiere mit Petroleum oder kochendem Waſſer vernichten. Wenn die Auffindung und Zerſtörung des Neſtes zu ſchwierig iſt, ſo muß man alle Offnungen, durch welche die Ameiſen hineingelangen können, mit Kalk, dem etwas Koloquintabſud zugefügt wurde, verſchließen. Auch die in Gärten und Feldern befindlichen Neſter kann man zerſtören, indem man ſie plötzlich aufgräbt und mit Petroleum begießt, das man anzündet; auch iſt es gut, die aufgeworfenen Haufen öfter zu zertreten oder zu walzen, wodurch die Ameiſen ſchließlich vertrieben werden.— Nutzen bringen die Ameiſen für den Waldbau; dem Ackerbau nützen ſie kaum. Familie der Schlupfweſpen(Ichneumonidae). Die Schlupfweſpenarten weichen zwar in mancher Hinſicht von⸗ einander ab, ſie haben aber alle dieſelbe Lebensweiſe und ſpielen im Naturhaushalte alle eine ähnliche Rolle. Sie haben alle eine längere oder kürzere, immer von zwei Klappen umſchloſſene Legeröhre, die ſie zur Eiablage in andere Tiere, hauptſächlich in Inſektenlarven, benutzen. Solche, welche dieſe Tiere draußen, auf Aſten und Blättern ſuchen, be⸗ ſitzen gewöhnlich eine ſehr kurze Legeröhre, welche bei oberflächlicher Wahrnehmung nicht einmal in die Augen fällt; diejenigen, welche ihre ——J G.— G⅓— ——⁸ ieſen ierig nern. orge, dieſe gen⸗ man e mit ndung ungen, etwas Härten an ſie ; duch valzen, ringen t von⸗ len in längere die ſi enuhen. hen, be⸗ ichlicer ſche ir —— Vierte Ordnung. Hautflügler. 125 Eier in die in Verſtecken lebenden Tiere, z. B. in Holzinſekten, legen, brauchen eine längere Legeröhre.— Keine Staatenbildung, alſo keine „Arbeiter“.— Gewöhnlich legt das Schlupfweſpenweibchen die Eier in den Körper einer Inſektenlarve; die aus dieſen Eiern ſich entwickelnden Schlupfweſpenlarven leben dann in demſelben und nähren ſich vom Fettkörper, d. h. von der daſelbſt aufgeſpeicherten Reſerveſubſtanz(S. 88). Raupen werden am meiſten von Schlupfweſpen heimgeſucht; dann folgen die„Afterraupen“(S. 88 u. 126), darauf die Larven der Rüſſel⸗ und Blattkäfer. Auch in Puppen und ſogar in Schmetterlingseiern werden von einigen Schlupfweſpenarten die Eier abgelegt. Immer wählen ſie alſo zur Eiablage die Inſekten mit Reſerveſtoff aus.— Die großen Schlupfweſpenarten legen in einen Wirt, insbeſondere wenn derſelbe nicht groß iſt, bloß ein einzelnes Ei; viele der kleineren Schlupfweſpen⸗ arten hingegen legen in einen einzelnen Wirt viele Eier(Fig. 126), ſogar bis hundert und mehr.— Eine von einer Schlupfweſpe mit Fig. 126. Die gelbbeinige Schlupfweſpe der Kohlraupe(Microgaster glomeratus). Links: vollendetes Inſekt. Rechts: Larve.(Dieſe beiden Figuren vergrößert.) In der Mitte: Kohl⸗ raupe mit Puppengehäuſen von Microgaster; n. Gr. 1 Eiern belegte Raupe unterſcheidet ſich anfänglich durch nichts von anderen Raupen; es deuten aber gewöhnlich dunkle Pünktchen oder Fleckchen die Stelle an, wo die Schlupfweſpe ihre Legeröhre einbohrte. Die Atmung der in dem Wirt ſchmarotzenden Schlupfweſpen findet in der Weiſe ſtatt, daß dieſe das Hinterleibsende, wo die Hauptſtämme des Luftröhrenſyſtems ausmünden, in Verbindung bringen mit einem Luftloche des Wirts. Da die Larven ausſchließlich von ganz verdau⸗ lichen Subſtanzen ſich nähren, ſo iſt ein After ganz überflüſſig und fehlt.— Mehrere Schlupfweſpenlarven ſind verpuppungsfähig, wenn der Wirt ſich zu verpuppen im Begriff ſteht; dann bohrt die Larve ſich eine Offnung durch die Haut des letzteren, der bald nachher ſtirbt. Andere Arten greifen nicht ſo früh die Organe des Wirts an; ſie laſſen dieſen ruhig ſich verpuppen und verpuppen ſich ſelbſt nachher innerhalb dieſer Puppe; anſtatt des Schmetterlings kommen dann ſpäter aus der Schmetterlingspuppe eine oder mehrere Schlupfweſpen hervor.— Es verſteht ſich, daß die Schlupfweſpen dadurch, daß ſie eine große Anzahl von ſchädlichen Inſekten zu Grunde richten, ſehr nützlich ſind. Zwar können ſie der Vermehrung irgend welchen ſchädlichen Inſekts nicht vorbeugen, aber wenn dieſe ſtattgefunden hat, ſo ver⸗ 126 Klaſſe 1. Inſekten oder Kerfe. mehren ſich die Schlupfweſpen noch ſtärker und treten endlich in ſo großer Anzahl auf, daß ſie der Inſektenkalamität ein Ende machen. Ich brauche hier wohl nicht die verſchiedenen landwirtſchaftlich nützlichen Schlupfweſpenarten aufzuzählen; ich will bloß die in Fig. 126 abgebildete kleine Kohlraupenſchlupfweſpe(Microgaster. glomeratus) nennen, welche ganz wie ihr Wirt(der große Kohlweißling) in zwei Generationen vorkommt. Die Larven dieſer Schlupfweſpe leben in großer Anzahl in der großen Kohlraupe und bekommen bei ihrer letzten Häutung kleine Zähne, mit welchen ſie die Haut ihres Wirts durch⸗ beißen; dann verlaſſen ſie dieſen, während er ſelbſt ſtirbt, und um— hüllen ſich unmittelbar neben ſeiner Leiche mit einem Kokon. Es giebt ſowohl einige kleinere, als auch größere Schlupfweſpenarten, welche ihre Eier in die Puppen der Kohlweißlinge legen, ſo daß z. B. im Winter mehrere der an den Baumſtämmen und Hecken befindlichen eckigen Puppen inwendig mit vielen kleineren oder wenigen größeren weißen Schlupfweſpenlarven gefüllt ſind. Familie der Gallweſpen(Cynipidae). Die Gallweſpen ſind klein, mit kurzem, ſeitlich zuſammengedrücktem Hinterleibe und mit wenig entwickelten Flügeladern. Mit ihrem Lege⸗ ſtachel legen die Weibchen ihre Eier in Blättern oder ſonſtigen Pflanzen⸗ teilen ab; die ſich innerhalb derſelben entwickelnden Larven ſcheiden einen Stoff ab, der eine ſtarke Zellenvermehrung des betreffenden Pflanzenteiles veranlaßt, wodurch ſich eine ſogen.„Galle“ bildet. Die meiſten Gallen bilden ſich auf der Eiche, ſie ſind aber faſt alle un⸗ ſchädlich. Familie der Blattweſpen(Tenthredinidae). Körper gedrungen. Hinterleib niemals ſehr lang. Dieſer ſchließt ſich mit breiter Baſis dem Bruſtſtücke an(Fig. 127). Sägeförmige C217 N 2 Fig. 127. Die Kohl⸗ oder Rübenblattweſpe(Athalia spinarum). Weibliche Blattweſpe nebſt zwei Afterraupen. Legeröhre, die im Ruhezuſtande eingezogen iſt und nur beim Eier⸗ legen vortritt. Oberkiefer kräftig, übrige Mundteile weniger entwickelt. — Die Larven ſind ſog.„Afterraupen“(S. 88); ſie ſind gewöhnlich ſchon an ihrer eigentümlichen Haltung kenntlich, denn viele beugen, insbeſondere wenn ſie aufgeſchreckt werden, den Hinterleib ſehr weit nach oben und nach vorn, während ſie in der Ruhe den hinteren =z gS Sdͤ S dAͤ S g= ά₰—, g ——— 2— —2 8.———— ==. ä== Vierte Ordnung. Hautflügler. 127 Körperteil ſpiralig zuſammenwickeln(Fig. 127). Die Afterraupen ſpinnen im ausgewachſenen Zuſtande einen ziemlich feſten Kokon, in welchem ſie gewöhnlich noch lange Zeit, ſogar den ganzen Winter über, als Larve verbleiben. Erſt 14 Tage bis 3 Wochen vor dem Ausſchlüpfen des vollendeten Inſekts verpuppt ſich die Afterraupe.— Landwirt⸗ ſchaftlich ſchädlich iſt die Rübenblattweſpe(Athalia spinarum, Fig. 127). Weſpe im weiblichen Geſchlechte 8 mm lang, Flügelſpannung 17 mm; im männlichen Geſchlechte etwas kleiner. Hellorange oder rötlich⸗dottergelb. Kopf ſchwarz, Bruſtſtück und Beine mit ſchwarzen Zeichnungen. Flügel groß.— Larve: Länge bis 17 mm. Die kaum dem Ei entſchlüpften Afterraupen ſind faſt farblos; bald wird die Haut hellgrün, nach der erſten Häutung dunkelgrün bis ſchwarz. Bauchſeite ſchiefergrau. Kopf glänzend ſchwarz. 12 weitere Körperglieder, auf jedem derſelben viele Hautrunzeln. Die träge Weſpe ſitzt mit zuſammengeſchlagenen Flügeln im Mai oder Auguſt auf Kohl⸗ und Waſſerrüben, auf Senf und Akkerſenf. Das Weibchen ſägt mit der Legeröhre in den Blattrand, und zwar an der Blattunterſeite, kleine Löcher, in die ſie ihre Eier legt. Nach 4 bis 6 Tagen kommen die Afterraupen aus, die ſich viermal häuten. An den am Blatte feſtgeklebt bleibenden Häuten erkennt man die An⸗ weſenheit der Afterraupen, auch wenn man die Tiere ſelbſt, die ſich oft zuſammengerollt an der Unterſeite der Blätter befinden, nicht ſieht. Auch am Fraße erkennt man den Feind: die Afterraupen ſtellen ſich auf die Blattfläche(Ober⸗ und Unterſeite) und freſſen daſelbſt längliche Löcher. Sobald dieſe eine gewiſſe Größe erreicht haben, wählen ſie einen anderen Teil des Blattes, ſogar ein anderes Blatt. Giebt es nun viele Afterraupen, ſo vergrößern ſie immer wieder die Zahl der Löcher und fahren damit fort, bis nur die Blattnerven übrig bleiben. Die ausgewachſenen Afterraupen verkriechen ſich auf 1—2 em Tiefe im Boden und ſpinnen ſich einen kleinen Kokon. Es kommt entweder ſchon in demſelben oder erſt im folgenden Jahre die Blattweſpe aus. Es können alſo Weſpen im Mai und im Auguſt erſcheinen; man ſieht ſie aber in vielen Jahren entweder nur im Mai oder im Auguſt, und es werden alſo je nach der Erſcheinungszeit entweder die Sommer⸗ oder die Herbſtrüben angegriffen.— Gegenmittel: Hühner und Enten freſſen die Afterraupen gern; man könnte ſie alſo, falls ſie übrigens nicht ſchaden, zum Ableſen derſelben in das Feld oder den Garten bringen. Beſtreuen mit Ruß läßt ſich mit gutem Erfolge ausführen. Auf jungen Pflanzen kann das Ableſen der Afterraupen ſich lohnen.— Weiter erwähne ich die gelbe Stachelbeer⸗ oder Johannisbeerblatt⸗ weſpe(Nematus ventricosus), lang 7 mm, mit ſchwarzem Bruſtſtück und größtenteils gelbem Hinterleibe.— Die ausgewachſene Afterraupe iſt 16 mm lang, graugrün, mit Ausnahme des erſten und des vorletzten Körpergliedes, die gelblich oder orange ſind, während der Kopf glänzend 128 Klaſſe 1. Inſekten oder Kerfe. ſchwarz iſt. Der ganze Körper iſt ſchwarz punktiert.— Die Afterraupen finden ſich bisweilen in ſehr großer Anzahl an den Blättern der Jo⸗ hannis⸗ und Stachelbeeren, die ſie mit Ausnahme der Hauptnerven gänzlich auffreſſen. Es treten wenigſtens zwei Generationen auf; die Afterraupen der erſten Generation finden ſich im April und Mai und verhindern die Fruchtbildung, weil ſie die Blätter, ſogar die Knoſpen auffreſſen; die der zweiten Generation entblättern die Sträucher im Juli und Auguſt, und ſchaden dadurch, daß ſie den Beeren den Schatten berauben. Es kann noch eine dritte Generation auftreten(im Spät⸗ ſommer und Herbſt), die weniger ſchadet.— Gegenmittel: Abklopfen der Afterraupen und Auffangen derſelben durch untergelegte Tücher. Beſtreuen der von den Afterraupen heimgeſuchten Sträucher mit Tabaks⸗ pulver, Holzaſche oder Ruß, und zwar entweder im Morgentaue oder nachdem die Sträucher mit Waſſer beſprüht ſind.— Die gelblich⸗weiße Afterraupe der Pflaumenblattweſpe(Selandria fulvicornis) lebt innerhalb der Pflaumen, die dann, wenn ſie noch ſehr klein ſind, abfallen.— S——— Fig. 128. Die gemeine Kiefernblattweſpe(Lophyrus Pini). Auf dem Kiefernaſte finden ſich zwei Afterraupen, ein Puppengeſpinſt und eine männliche Weſpe lalles in natürlicher Größe). Rechts eine weibliche Blattweſpe, etwas vergrößert. Die ſchneckenförmige Afterraupe iſt grüngelb, aber mit einer ſchwarzen, ſchleimigen Subſtanz bedeckt, wodurch ſie wie eine kleine Schnecke ausſieht. Sie entwickelt ſich aus den Eiern der glänzend ſchwarzen, 6 mm langen Blattweſpe Selandria adumbrata und ſkelettiert die Blätter der Kirſchen⸗, Birn⸗ und Apfelbäume, ſowie der Aprikoſen.— Die Buſchhornblattweſpen(mehrere Arten von Lophyrus, Fig. 128) haben im männlichen Geſchlechte zierlich gekämmte, im weiblichen Ge⸗ ſchlechte geſägte Fühler. Die Afterraupen freſſen Kiefernnadeln, ſchaden aber, hauptſächlich weil ſie gewöhnlich die Nadeln des letzten Jahres nicht zerſtören, weniger als die Raupen der Nonne, des Kiefernſpinners und der Kieferneule. Familie der Holz⸗ und Halmweſpen(Uroceridae). Die Arten dieſer Familie beſitzen wie die Blattweſpen eine ſäge⸗ förmige Legeröhre; auch ſchließt ſich der Hinterleib mit breitem Vorder⸗ gliede dem Bruſtſtücke an. Allein das Vorderbruſtſtück iſt zu einem Halſe verengt und die Legeröhre ragt aus dem Hinterleibe hervor. ———————————— bed ſich öße). iner eine zend tiert .— 128) ge⸗ aden ahres mers ſige⸗ rder⸗ einem r. Fünfte Ordnung. Schmetterlinge. 129 Die gemeine Halmweſpe(Cephus pygmaeus) hat einen dicken Kopf, einen ſchmalen, ſchmächtigen, glänzend ſchwarzen, mit wenigen pechbraunen Zeichnungen verſehenen Körper; Länge 7 mm. Flügel lang, ſchmal, glasartig.— Es findet ſich die träge Weſpe im Früh⸗ ling oder im Anfange des Sommers an den ÄAhren der Getreidearten ſowie der Gräſer. Sie legt in den oberen Knoten von Roggen⸗ und Weizenhalmen ein Eichen ab. Die fleiſchige, gelblich⸗weiße Larve dringt dann bis ins Innere des Halmes; durch ihren Fraß wird die be⸗ treffende Ahre taub und weiß. Zur Erntezeit iſt die Larve gewöhn⸗ lich in dem unteren Halmteile angelangt, ſo daß ſie beim Abmähen in den Stoppeln zurückbleibt, wo ſie überwintert. Deshalb Bekämpfung durch frühzeitiges Abmähen, wobei man die Stoppeln ſo kurz wie möglich ſtehen läßt.— Die Holzweſpen(Sirex) leben als Larven in alten Nadelholz⸗ bäumen; es bohrt ſich die Weſpe oft erſt aus dem ſchon zum Bauen benutzten Holze heraus.— Fünfte Ordnung: Schmetterlinge(Lepidoptera). Mundteile ſaugend; ſie bilden eine ſogen.„Rollzunge“, welche aus zwei ſtark in die Länge gewachſenen Unterkiefern entſtanden iſt, Fig. 129. Schmetterlingskopf. Fig. 130. Schuppen von Schmetterlingsflügeln A Augen; Fh Fühlhörner;(ſtark vergrößert). Z Zunge. zum Aufſaugen des Honigs dient und unter dem Kopfe ſpiralig ein⸗ gerollt getragen wird(Fig. 129). Es giebt Schmetterlinge, die im vollendeten Zuſtande gar keine Nahrung aufnehmen; bei dieſen iſt die Rollzunge kurz, während ſie bei einigen Arten der ſogen. Schwärmer ſogar länger als der Körper iſt. Die Schmetterlingslarven(„Raupen“) haben kauende Mundteile.— Der Körper der Schmetterlinge iſt mit haarförmigen Hautſchüppchen bedeckt; auf den Flügeln ſind dieſe breiter, ſie haben daſelbſt eine eigentümliche Schuppenform(Fig. 130) und bedecken ſich gegenſeitig teilweiſe. Die Schüppchen verleihen den ver⸗ Bos, Zoologie. 3. Auſlage. 9 130 Klaſſe 1. Inſekten oder Kerfe. ſchiedenen Teilen der Flügeloberfläche ihre Farben. Sie können leicht weggewiſcht werden; wenn ſolches geſchieht, werden die betreffenden Flügelteile durchſichtig, glashell.— Bei mehreren Arten(alle Schwärmer, mehrere Eulen) findet ſich ein Flügelhäkchen. Der Hinterflügel hat nämlich an ſeiner Unterſeite einen Dorn oder eine dicke Borſte, die in ein Bändchen des Vorderflügels eingreift. In dieſer Weiſe werden die beiden Flügelpaare zuſammengehalten.— Die Weibchen einiger Spinner⸗ und Spannerarten ſind ungeflügelt oder doch nur mit kurzen, zum Fliegen unbrauchbaren Flügellappen verſehen.— Die Verwand⸗ lung iſt eine vollkommene(S. 86); die Larven ſind wahre Raupen; die Puppen ſind maskierte(S. 89).— Mehrere Raupenarten ver⸗ kriechen ſich zur Verpuppung im Boden und ſpinnen ſich gar keine Hülle(z. B. Schwärmer). Andere fertigen ſich ein Geſpinſt an; letz⸗ teres kann aus loſe zuſammengeſponnenen Fäden beſtehen oder auch eine dichte Hülle(Kokon) bilden(Fig. 86). Dieſe Hülle beſteht haupt⸗ ſächlich aus Seide, einem in den Spinndrüſen gebildeten, an der Unter⸗ lippe heraustretenden, erſt flüſſigen, aber außerhalb des Körpers feſt werdenden Stoffe; es können aber auch feinſte Sand⸗ und Boden⸗ teilchen, ſowie durch das Nagen der Raupe ſelbſt zermalmte Holzteilchen in der Hülle feſtgeklebt werden. Die Puppen der Tagfalter ſind nackt, ohne Kokon, ſie ſind aber mit Fäden an Blättern, Baumſtämmen, Mauern, Hecken u. ſ. w. angeheftet; man unterſcheidet Gürtel⸗ und Stürzpuppen; die erſteren ſind mit einem Gürtelfaden umſchlungen, auch iſt das Kopfende bei ihnen immer nach oben gerichtet(Fig. 132). Die Stürzpuppen hängen ſich mit dem Hinterleibsende nach oben auf (Fig. 131).— Nicht alle Schmetterlingspuppen brauchen dieſelbe Zeit für die Entwickelung des vollendeten Inſekts. Dieſe Zeit hängt nicht nur von der Schmetterlingsart, ſondern auch von der Jahreszeit ab. Der große Kohlweißling verbringt in der Sommergeneration kaum 14 Tage, in der Wintergeneration 8 Monate im Puppenzuſtande. Familie der Tagfalter(Diurna). Körper verhältnismäßig ſchwach und dünn; Flügel ſehr breit, verhältnismäßig nicht ſehr lang. Flügelhäkchen fehlt. Flügel im Ruhe⸗ zuſtande nach oben zuſammengeſchlagen, ſo daß ihre Rückenflächen ſich berühren(Fig. 135). Fühler an der Spitze keulenförmig verdickt.— Die Raupen tragen 5 Paar Bauchfüße; ſie ſind gewöhnlich faſt un⸗ behaart. Es giebt aber einige(z. B. die Raupen des Tagpfauenauges — Fig. 131), die harte, dornähnliche, oft verzweigte Borſten beſitzen.— Die nackten Puppen ſind ſcharfeckig; ſie laſſen ſich in Gürtel⸗ und Stürzpuppen einteilen. Zu den Tagfaltern, deren Raupen ſich in Stürzpuppen um⸗ wandeln, zählen der Admiral(Vanessa Atalanta), das Tagpfauenauge (Vanessa lo, Fig. 131), die Perlmutterfalter(Argynnis), die Grasfalter (Hipparchia) u. ſ. w. Zu denen, deren Raupen in Gürtelpuppen ſich 2— Fünfte Ordnung. Schmetterlinge. 131 umändern, zählen der Schwalbenſchwanz(Papilio Machaon), die Weiß⸗ linge(Pieris) u. ſ. w. Der große Kohlweißling(Pieris Brassicae). Schmetterling(Fig. 132). Länge 26 mm, Flügelſpannung 64 mm. Vorder⸗ und Hinterflügel milchweiß; die erſteren an der — XN 8 5 s Fig. 131. Das Pfauenauge(Vanessa 10) nebſt Puppe und zur Verpuppung aufgehängter Raupe; n. Gr. Wurzel, am Vorderrande und der Außenecke ſchwarz; auch ein ſchwarzer Fleck am Innenrande der Vorderflügel, auf den Vorderrand der Hinter⸗ .XN NAX Fig. 132. Der große Kohlweißling(Pieris Brassicae). Eierlegendes Weibchen, Raupe und Puppe; n. Gr. I 3 4 I N 3 d flügel übergehend. Beim Weibchen überdies noch zwei runde, ſchwarze Flecken auf der Mitte der Vorderflügel. Unterſeite der Vorderflügel 9* 132 Klaſſe 1. Inſekten oder Kerfe. milchweiß, an der Spitze gelb, an der Wurzel ſchwärzlich; Unterſeite der Hinterflügel gelb, ſchwarz beſtäubt.— Raupe(Fig. 132) bis 33 mm lang; grün⸗ oder ſchwefelgelb, mit ſchwarzen Pünktchen beſtreut. Kopf und Rückenſeite des letzten Körpergliedes grau mit ſchwarzen Punkten. — Junge Exemplare ſind ſehr hellgrün mit dicht zuſammengedrängten ſchwarzen Wärzchen.— Aus der überwinterten Puppe ſchlüpft im Mai der Schmetterling aus, der die goldgelben Eier in Häufchen an der Unterſeite der Blätter von Raps, Senf, Kreſſe, auch von Ackerſenf und ſonſtigen wildwachſen⸗ den Kreuzblütlern ablegt. Die nach 14 Tagen ausſchlüpfenden Räup⸗ chen dieſer erſten Generation ſchaden nur ſelten, weil ſie immer nur in geringer Anzahl vorkommen; ſie entwickeln ſich ſchnell und verpuppen ſich ſchon in den letzten Tagen des Juni an den Äſten und Blättern der Pflanzen, auf welchen ſie lebten; die Schmetterlinge erſcheinen im Juli. Infolge der ſchnellen Entwickelung ſind die Raupen, ſowie die Puppen dieſer erſten Generation den Angriffen von feindlichen Tieren (Schlupfweſpen, Vögel u. ſ. w.) nur wenig ausgeſetzt. Es ſterben alſo nur wenige von ihnen, weil die Witterung günſtig iſt. Aus dieſem Grunde ſind die im Juli fliegenden Kohlweißlinge und deshalb die von ihnen abgelegten Eier gewöhnlich verhältnismäßig zahlreich, weshalb auch die Zahl der im Spätſommer erſcheinenden Raupen eine ſehr große ſein kann. Dieſe Raupen leben aber faſt ausſchließlich auf Kohlarten und Kohlrüben. Es iſt dieſe zweite Generation diejenige, welche in manchen Jahren ſo ſchädlich auftritt. Im Anfange des Herbſtes ſind die Raupen zur Verpuppung reif; zu dieſem Zwecke ſuchen ſie Baum⸗ ſtämme, Hecken, Mauern u. ſ. w. auf. Die im Anfange des Herbſtes entſtandenen Puppen überwintern als ſolche. Im Winter aber ſind die Puppen vielen Gefahren ausgeſetzt(feuchte Kälte, plötzliche Ab⸗ wechslung zwiſchen ſehr niederen und höheren Temperaturen; Schlupf⸗ weſpen, Vögel) und es gehen immer bei weitem die meiſten Weißlings⸗ puppen ein, ſo daß im nächſten Frühling nur wenige Schmetterlinge auskommen, die wieder nur eine geringe Anzahl Eier legen. Es ver⸗ ſteht ſich, daß alſo die erſte Generation von Raupen(Mai, Juni) weit weniger zahlreich iſt, als die zweite im Spätſommer bis Herbſt. Unter außergewöhnlich günſtigen Bedingungen kann ſogar eine dritte Generation auftreten, indem die Raupen der zweiten Generation ſchon Anfang Auguſt verpuppungsfähig ſind und die Puppen bei warmem Wetter, anſtatt als ſolche zu überwintern, noch im Auguſt den Schmetterling ausſchlüpfen laſſen, der wieder Eier legt, aus denen die Raupen der dritten Generation entſtehen, die aber nicht immer vor dem Anfange der kalten Jahreszeit ausgewachſen ſind und, wenn dies nicht der Fall iſt, ſterben müſſen. Es verſteht ſich aber, daß auf die Puppen der zweiten Generation, welche nicht überwintern, ſondern ſchon nach 14 tägiger Ruhe im Auguſt zu Schmetterlingen ſich ent⸗ wickeln, die ſchädlichen Einflüſſe entweder gar nicht(ungünſtige Witterung) oder nur in geringem Grade(Schlupfweſpen, Vögel) einwirken, ſo ——„—— —,——... Fünfte Ordnung. Schmetterlinge. 133 daß die Weißlinge im Auguſt in Scharen erſcheinen, die— weil ſie ſelbſt im Raupenzuſtande die Kohl⸗ und Rübenpflanzen kahl fraßen— in andere Gegenden wandern.— Über den Fraß der Raupe ſei noch bemerkt, daß dieſelbe immer nur die Hauptnerven der Kohlblätter übrig läßt, auch den Blattrand keineswegs ſpart.— Gegenmittel: Abſuchen der gelben Eihäufchen, ſowie der in kleinen Herden beiſammen lebenden, ſchwärzlich ausſehenden, jungen Räupchen.— Abſchütteln des Kohls und Eintreiben des Hausgeflügels. Abſuchen der Puppen an Häuſern, Bäumen, Hecken u. ſ. w. Der kleine Kohlweißling oder Rübenweißling(Pieris Rapae). Spitzen der Vorderflügel weniger tief ſchwarz; der ſchwarze Fleck am Innenrande der Vorderflügel fehlt gewöhnlich dem Weibchen. Es hat jedoch das Männchen ſehr oft einen ſchwarzen Fleck an der Oberſeite der Vorderflügel.— Raupe: 26 mm. Fig. 133. Der Rübenweißling(Pieris Fig. 134. Der Rübenweißling(Pieris Rapae), Rapae), Männchen; n. Gr. Weibchen nebſt Raupe; n. Gr. lang, mattgrün, mit ſammetähnlicher Oberfläche; auf dem Rücken eine gelbe Längslinie; die ſchwarzen Luftlöcher ſind gleichfalls durch eine gelbe Linie verbunden.— Lebensweiſe wie die der vorigen Art; das Weibchen legt aber die gelben Eier nicht in Häufchen, ſondern einzeln, und die zweite Generation der Raupen verpuppt ſich gewöhnlich etwas ſpäter im Jahre.— Das Abſuchen iſt ſchwieriger als bei der vorigen Art, weil die Raupen ſchon in der Jugend vereinzelt leben und ihre Farbe ſie auf den grünen Kohlblättern ſchwer erkennen läßt. Der Rübſaat⸗ oder Heckenweißling(Pieris Napi). Schmetterling(Fig. 135). So groß wie die vorige Art oder etwas kleiner. Flügel an der Oberſeite milchweiß, die vorderen am Vorderrande, der Spitze und den Rippenenden ſchwarz beſtäubt. Beim Weibchen mitten auf den Vorderflügeln zwei Flecken, beim Männchen einer oder keiner. Hinterflügel an der Unterſeite gelb, Unterſeite der 134 Klaſſe 1. Inſekten oder Kerfe. Nerven grünlich⸗grau beſtäubt.— Raupe: 26 mm, bläulich⸗mattgrün, oben mit ſchwarzen, unten mit weißlichen Punktwärzchen. An jeder Seite eine gelbe Längslinie, welche die ſchwar⸗ zen, rötlich⸗gelb umſäumten Luftlöcher ver⸗ bindet. Der vorigen Art im Raupenzuſtande ſehr ähnlich.— Lebensweiſe wie die der vorigen Art, aber ſeltener. Familie der Schwärmer(Sphingidae). L WNAN Körper kräftig, Hinterleib lang, kegel⸗ 7 förmig, Flügel ſchmal aber kräftig und lang, e mit Flügelhäkchen. Fühler dick, an der Spitze Ti. 135. Der Heceenweiling ſich verſchmälernd.—Die Schwärmer fliegen Fir.ieris a drc* pfeilſchnell, die meiſten in der Dämmerung. — Die Schwärmerraupen ſind kräftig gebaut, nackt, mit fünf Paar Bauchfüßen; die meiſten haben am Hinterleibsende ein Horn. Zur Verpuppung verkriechen ſie ſich im Boden; ſie fertigen N NAN 71. Fig. 136. Der Kiefernſchwärmer(Sphinx pinastri) nebſt Raupe; n. Gr. kein Geſpinſt an.— Obgleich die Schwärmerraupen große Quantitäten Nahrung brauchen, ſo iſt aber gewöhnlich der von ihnen verurſachte Schaden von wenig Bedeutung, weil die Fortpflanzung der Schmetter⸗ linge eine nicht ſtarke iſt.— Ich nenne bloß den Totenkopf(Acherontia ————— ———,,— rün, jeder war⸗ ver⸗ ande der ae. gel⸗ ang, itz gen ng. aut, nde gen titäten rrſache metter⸗ erontid Fünfte Ordnung. Schmetterlinge. 135 atropos), deſſen 1 dm lange grünlich-⸗gelbe Raupe auf Kartoffelfelderu vorkommt, ſowie den Kiefernſchwärmer(Sphinx pinastri), der bisweilen in den Kiefernwäldern als Raupe ſchädlich iſt(Fig. 136). Familie der Holzbohrer(Xylotropha). Die Raupen der Vertreter dieſer Familie ſind unbehaart und leben im Holze. Weil ſie daſelbſt dem Wechſel der Jahreszeit wenig ausgeſetzt ſind, und ſie in jeder Zeit des Jahres Nahrung haben, ſo verbleiben die meiſten Arten mehrere Jahre lang im Raupenzuſtande. Kurze Zeit vor der Verpuppung arbeiten ſie ſich dicht an die Ober⸗ fläche, wo ſie ſich einen Holzſtückchen enthaltenden Kokon anfertigen.— Die verſchiedenen Gattungen dieſer Familie ſehen im vollendeten Zu⸗ ſtande ſehr verſchieden aus. Es gehört hierher die rote Holzraupe (Cossus ligniperda), bis 90 mm lang, welche im Holze von Weiden, Pappeln, Eichen, Birken und ſonſtigen Laubhölzern, auch von Obſt⸗ bäumen, ihre Gänge gräbt und dadurch den Bäumen ſehr ſchädlich wird, auch veranlaſſen kann, daß ſie leicht vom Winde geworfen werden.— Der Schmetterling iſt 40 mm lang und hat eine Flügel⸗ ſpannung von 85 bis 90 mm. Die Fühler ſind gekämmt, namentlich beim Männchen. Flügel, ſowie der ganze Körper, braungrau mit ſchwarzen und weißen Zeichnungen.. Familie der Spinner(Bombycidae). Dicht behaarte, meiſt ſchwerfällig gebaute Schmetterlinge. Fühler mittellang, beim Männchen immer ſtark und deutlich, beim Weibchen weniger ſtark oder faſt gar nicht gekämmt. Die Flügel ſind gewöhnlich breit; bei den Weibchen einiger Arten aber ſind ſie wenig entwickelt oder fehlen ſie ſogar gänzlich. Während die Männchen gut und ziem⸗ lich viel fliegen, bleiben die ſchwerfälligen Weibchen, welche in dem ſtarken Hinterleibe viele Hunderte von Eiern enthalten, am liebſten an Hecken oder Baumſtämmen ſitzen. Weil das Weibchen niemals große Strecken zurücklegt, legt es ſeine Eier in Haufen an Baumſtämmen, in Rindenriſſen, an Zweigen oder Blättern ab. Die znahe bei einander auskriechenden Raupen leben gewöhnlich, ſei es während der Jugend, ſei es während ihres ganzen Lebens, in Neſtern beiſammen; allein nicht alle Spinnerarten thun dies. Die Raupen vieler Arten ſind ſtark behaart, jedoch nicht alle. Ihren Namen entnehmen ſie der Eigen⸗ tümlichkeit, daß ſie zum Zwecke der Verpuppung ein Geſpinſt an⸗ fertigen, ſei es eine dichte Hülle(Kokon), ſei es eine Zuſammenfügung einiger weniger Fäden.— Keine einzige Spinnerart ſchadet dem Ackerbau, aber mehrere ſchaden der Forſtwirtſchaft und dem Obſtbau. Es gehört in dieſe Familie auch die Seidenraupe(Bombyx Mori), urſprünglich wahrſchein⸗ lich in Süd⸗Aſien einheimiſch, jetzt als Haustier hauptſächlich in China und Süd⸗Europa gezüchtet, woſelbſt ſie mit Maulbeerblättern ernährt wird. 136 Klaſſe 1. Inſekten oder Kerfe. Der Ringelſpinner(Gastropacha neustria, Fig. 137), 18 mm. lang, ganz hellockergelb bis dunkelrotbraun, mit zwei roten Querbändern auf den Vorderflügeln. Fliegt im Juli. Das Weibchen legt die Eier an die jungen Zweige von Öbſtbäumen, Eichen und ſonſtigen Laub⸗ hölzern feſt aneinander geleimt, ſo daß ſie einen Ring bilden. Im nächſten Frühling ſchlüpfen die Raupen aus, die anfangs innerhalb Mh, N dJ AAA AAN N A— „AANXAS N W- XL h,, 16n, Se 4 Fig. 137. Der Ringelſpinner(Gastropacha neustria) mit Eiern, Raupe und Puppe; n. Gr. P zuſammengeſponnener Fäden in„Neſtern“ bei einander leben, nachher ſich in alle Richtungen verbreiten. Die ausgewachſene Raupe,„Livrer⸗ raupe“ genannt, iſt 50 mm lang, hat einen blaugrauen Kopf, einen weißen, in der Längsrichtung auf dem Körper verlaufenden Mittelſtreif à 8 2 N Fig. 138. Die Nonne(Liparis monacha). a Männchen, ſitzend; b Weibchen, fliegend; n. Gr. und mit dieſem parallel verlaufende rotbraune und bläulich⸗graue Längs⸗ ſtreifen.— Gegenmittel: Vernichten der Eiringe, ſowie der in Ge⸗ ſellſchaften befindlichen Raupen.— Verwandt, aber viel größer iſt der Kiefernſpinner(Gastropacha Pini), in Oſt⸗Deutſchland eines der meiſt berüchtigten Kieferninſekten. Der Prozeſſionsſpinner(Cnethocampa processionea) iſt ein+ 10 bis 12 mm langer, bräunlich⸗grauer Spinner, der Ende Auguſt oder Anfang September ſeine 180 bis 200 Eier an der Rinde der Eichen⸗ —— Fünfte Ordnung. Schmetterlinge. 137 ſtämme abſetzt, woſelbſt ſie überwintern. Die Räupchen zeigen ſich erſt im Mai. Dieſelben halten ſich während ihres ganzen Lebens in einem Neſte am Baumſtamme auf; am Abend ziehen ſie in geordneten Scharen in die Blätterkrone, um zu freſſen, während ſie in den frühen Morgen⸗ ſtunden in das Neſt zurückkehren. Nicht bloß ſchädlich, ſondern auch gefährlich für Menſchen und Tiere durch die ſpröden, widerhakigen Haare, welche maſſenhaft in der Luft umherfliegen und in der Haut heftige Entzündungen hervorrufen. Zu den Wollſpinnern(Liparis) gehören die namentlich im Nadel⸗ holze ſo ſchädliche Nonne(L. monacha, Fig. 138), der Schwamm⸗ ſpinner(L. dispar), der Goldafter(L. chrysorrhoea) und der Schwan (L. auriflua), deren Raupen die Blätter der Obſtbäume, ſowie mehrerer Laubholzarten freſſen, u. ſ. w. Die Raupen des Goldafters überwintern in halb ausgewachſenem Zuſtande in ihren Neſtern, die im Winter ſehr ins Geſicht fallen und mit der Raupenſchere leicht entfernt werden önnen. Familie der Eulen(Noctuidae). Mittelgroße, meiſt düſter gefärbte Nachtſchmetterlinge mit glatt⸗ behaartem Körper. Fühler lang und dünn, fadenförmig, nur bei den Männchen einiger Arten gekämmt. Rollzunge gut entwickelt. Flügel kräftig, liegen in der Ruhe dachförmig auf; faſt immer ein Flügel⸗ häkchen.— Raupen gewöhnlich unbehaart; die meiſten mit 5 Paar Bauchfüßen, einige mit 4 und mit 3 Paar.— Die Eulen paaren nachts; ſonſt fliegen ſie auch am Tage, ſogar in hellem Sonnenſchein, umher. Sie fliegen ſchnell und gewandt, aber immer ſtoßweiße. Faſt alle Arten legen die Eier einzeln und an Kräutern ab, nur wenige Arten an Bäumen(z. B. die ſehr ſchädliche Forleule, Trachea pini- perda). Die Eulenraupen leben ſehr verbreitet, und der von ihnen verurſachte Schaden wird faſt niemals nur ſtellenweiſe bedeutend, vielmehr dehnt er ſich bei ſtarker Vermehrung immer über eine größere Oberfläche aus. Mehrere Arten ſind landwirtſchaftlich ſchädlich. Die Erdraupen(Agrotis-Arten) ſind dicke, 30— 50 mm lange Raupen mit 5 Paar Bauchfüßen und glänzender, durchſcheinender Oberhaut. Sie halten ſich am Tage im Boden auf, freſſen aber nachts und bei ſehr bewölktem Himmel auch am Tage, auch oberirdiſch. Bei Berührung beugen ſie ſich gern Cförmig zuſammen.— Es finden ſich in Deutſchland mehrere Arten von Erd⸗ raupen, welche alle der Hauptſache nach dieſelbe Lebensweiſe haben; ich will hier vorläufig nur die allgemeinſte Art anführen: die Winter⸗ ſaateule(Agrotis segetum= A. clavis, Fig. 139). Schmetterling: Länge faſt 20 mm. Flügelſpannung etwa 45 mm. Vorderkörper ſchmal, aſchgrau oder bräunlich mit vielen dunkeln Flecken und ſonſtigen Zeichnungen. Hinterflügel beim Männchen hellgrau bis ſchneeweiß, beim Weibchen bräunlich⸗grau.— Raupe bis 50 mm, erdfarbig grau, 138 Klaſſe 1. Inſekten oder Kerfe. bisweilen etwas grünlich. Kopf und Vorderbruſt dunkler.— Die Zeit, welche die Raupe für ihre Entwickelung braucht, iſt je nach dem befallenen Gewächſe eine verſchiedene, und ſo erklärt es ſich auch ohne die unwahrſcheinliche Annahme einer doppelten Generation, daß man die vollendeten Eulen von der erſten Hälfte des Mai bis in den Herbſt fliegen ſieht. Die Eier werden alſo zu ſehr verſchiedenen Zeiten abgelegt, und zwar immer einzeln im Boden in der Nähe von Pflanzen⸗ wurzeln, oder an niederliegenden Blättern und Stengeln verſchiedener Kräuter. Die ausſchlüpfenden Raupen werden je nach der Zeit der Eiablage früher oder ſpäter ſchädlich. Im Winter ſind die meiſteu Exemplare halb erwachſen; dieſe ſetzen dann im nächſten Frühling ihre ſchädliche Wirkung fort. Sie freſſen im Herbſt an den Wurzeln des Wintergetreides(des Roggens und des Weizens), an denen des Rapſes und der Kohl⸗ arten; auch bohren ſie ſich gern in Futter⸗, Kohl⸗ und Waſſerrüben, ſowie in Kar⸗ toffeln ein. Im Frühlinge, nach der Winterruhe, freſſen ſie weiter, entweder wieder an den Wurzeln des Winter⸗ getreides, des Winterrapſes u. ſ. w., oder in den inzwiſchen geernteten fleiſchigen unter⸗ irdiſchen Pflanzenteilen (Rüben, Kartoffeln), oder an den Wurzeln der Sommer⸗ gewächſe(Sommergetreide⸗ arten, Buchweizen, Sommer⸗ raps, Gemüſearten u. ſ. w.). Manchmal kommen ſie in großer Anzahl in der Narbe der Wieſen vor.— Die Erdraupen bleiben an hellen Tagen immer im Boden verborgen; ſolche, die ſich in ſaftige, unterirdiſche Pflanzenteile(Rüben, Kartoffeln) eingebohrt haben, verlaſſen ihren Wohnort auch am Tage nicht; die andern aber freſſen während der Nacht, ſowie an trüben Tagen oberirdiſch die Blätter und Stengelteile junger Pflanzen. Die Raupe klettert ſelbſt an Weinſtöcken empor und beißt die Knoſpen aus.— Ausnahmsweiſe iſt die Erdraupe ſchon zu Anfang des Winters erwachſen; dann über⸗ wintert ſie als braune Puppe im Boden. Natürlich ſchlüpft aus dieſer im nächſten Jahre der Schmetterling früher aus, als aus den andern. Den meiſten Schaden bringen die Erdraupen der Agrotis segetuin gewöhnlich im Herbſte den Winterſaaten, deshalb nennt man dais Inſekt oft„die Winterſaateule“.— Die Erdraupen wandern oft umd verderben ſehr viel; bei vielen Gewächſen durchfreſſen ſie die Haupt⸗ Fig. 139. Die Winterſaateule(Agrotis segetum) nebſt Raupe; n. Gr. 1 —,ͤ——————, Die ˖dem ohne man den geiten nzen⸗ dener t der jeeſſten Fihre des ggens eenen dohl⸗ ſcch und Kar⸗ glinge, freſſen der an VLinter⸗ rrapſes wiſchen unter⸗ eilen der an ommel⸗ getrede⸗ ommer⸗ r ſ. w. ſie in draupen die ſih ngebohrt ern aler diſch de 4 ſelbt zmsweit Fünfte Ordnung. Schmetterlinge. 139 wurzel, töten alſo die angegriffene Pflanze in kurzer Zeit und greifen ſogleich eine neue Pflanze an.— Gegenmittel: Wenn die Erdraupen im Spätſommer in ſtarkem Grade geſchadet haben, ſo empfiehlt es ſich, das Feld bis zum Oktober liegen zu laſſen, es dann umzupflügen und nachher das Wintergetreide zu ſäen. Bei ſo verſpätetem Säen haben die Raupen in der Zeit der Keimung der Getreidekörner ihre Beweg⸗ lichkeit verloren und werden alſo im Herbſt an der Winterſaat nicht mehr ſchädlich; auch kommen beim vorhergehenden Pflügen des Bodens viele Raupen an die Oberfläche und werden die Beute von Vögeln; wenn nicht, ſo laſſe man ſie aufſuchen.— Warme, namentlich mit Pferdemiſt gedüngte Böden werden am meiſten von Erdraupen heim⸗ geſucht; alſo vermeide man in Gegenden, die viel von dieſen Inſekten zu leiden haben, den Gebrauch warmer Düngerarten.— Wo alles zerſtört iſt, ſcheint dieſes Umpflügen am Platze. Man kann auch im Herbſt Schweine eintreiben, welche die Raupen aus dem Boden wühlen und ſie freſſen. In dieſem Falle ſäe man im nächſten Frühling. In Blumen⸗ und Gemüſegärten lohnt es ſich, die nachts oberirdiſch freſſenden Raupen in der Finſternis beim Laternenſcheine abzuſammeln. Andere Erdraupen, welche der Hauptſache nach dieſelbe Lebens⸗ weiſe wie die der Winterſaateule haben, ſind die der Ausrufezeicheneule (Agrotis exclamationis), die der Weizeneule(A. Tritici), die dicke Erd⸗ raupe(A. ravida= A. crassa). Die Kohleule, der Herzwurm(Mamestra Brassicae). Schmetterling(Fig. 140): 22 mm lang, Flügelſpannung 40 mm. Vorderflügel glänzend braun, gelblich und ſchwarz marmoriert; alle Fleckchen auf den Vorderflügeln ſchwarz umſäumt; am Außenrande eine gelblichweiße Zackenlinie. Hinterflügel glänzend gelblich⸗graubraun. Ein ſtark entwickelter Schopf auf der Mittellinie des Bruſtſtücks.— Raupe(Fig. 140) 40 mm, walzenförmig. Hell⸗ oder dunkelgrün, bräunlich⸗grün oder grünlich⸗braun. Auf dem Rücken eine dunkle Längslinie, die von einer ſchmalen weißen Längslinie in zwei Hälften geteilt wird. An den Seiten zwei weißliche Längslinien; zwiſchen dieſen und der Rückenlinie auf jedem Körpergliede ein ſchwärzlicher Querſtrich.— Die braune Puppe(Fig. 140) überwintert im Boden ohne Kokon. Die Eule erſcheint im Mai; ſie ſitzt am Tage an Fenſtern, in Scheunen u. ſ. w. Die grüngelblichen Eier werden jedes für ſich an den Blättern der Kohlarten(bisweilen auch des Kopflattichs und der Futterrüben) abgelegt. Die Räupchen, die nach 14 Tagen ſich zeigen, verkriechen ſich gern zwiſchen den Blättern. Innerhalb eines Monats ſind ſie ausgewachſen und verpuppen ſich im Boden. Ende Juli und Auguſt erſcheint die Sommergeneration der Eulen. Aus den von dieſen abgelegten Eiern entſtehen die Raupen der zweiten Generation, welche immer weit zahlreicher ſind als die der erſten. Auguſt bis Oktober findet man ſie an den verſchiedenſten Kohlarten, am meiſten am Wirſing⸗, Kopf⸗ und Blumenkohl. Zunächſt freſſen 140 Klaſſe 1. Inſekten oder Kerfe. ſie Löcher in die Kohlblätter und laſſen dabei nicht nur die Haupt⸗ nerven, ſondern auch womöglich den Blattrand übrig. Später freſſen ſie ſich in den Kohlkopf ſelbſt hinein, bis in das Herz. Die Gänge füllen ſich mit Kot, und der durchlöcherte Kohl fängt im Innern zu faulen an. Die ausgewachſenen Raupen kriechen hinaus und verpuppen ſich im Boden.— Gegenmittel: Abſuchen, ſo⸗ lange die Raupen außen an den Blättern leben, frühzeitig im September. Bei ſtarkem Befallen im Herbſte oder im erſten Frühlinge umpflügen, zur Zerſtörung der Puppen. Die Gemüſeeule oder Kopflatticheule Fig. 140. Die Kohleule(Mamestra Brassicae)(Mamestra oleracea) nebſt Raupe und Puppe; n. Gr. Schmetterling: 18 mm lang; Flügelſpannung 38 mm. Vorderflügel dunkel roſtfarbig⸗braun, auf den Nerven dunkler, weiß beſtäubt. Hinterflügel rötlich⸗weiß. Kopf und Bruſtſtück wie die Vorderflügel, Hinterleib wie die Hinter⸗ flügel.— Raupe bis 40 mm; ſchmutzig grüngrau oder olivengrün, mit ſchmutzig weißen Pünktchen unregelmäßig beſtreut.— Raupen an Kohlarten, Salat, Spargel und anderen Gewächſen. Die der erſten Generation(Juni und Juli) höhlen die Salatſtengel aus, bevor die Kopfbildung erfolgt; die der zweiten Generation(Auguſt und Sep⸗ tember) nähren ſich mit Kohl oder Spargellaub. Die erſte Generation der Eulen fliegt im Mai, die zweite in der erſten Hälfte des Auguſt. Die Erbſeneule(Mamestra Pisi). Schmetterling: 14 mm lang; Flügelſpannung 38 mm. Vorder⸗ flügel hellrotbraun mit bläulich⸗grauen Zeichnungen und einem gelb⸗ lichen Längsſtrich. Hinterflügel rötlich⸗grau.— Raupe 45 mm, walzenförmig, ſchlank. Rücken dunkelgrünlich oder braunrot, dicht und ziemlich regelmäßig mit dunkleren Linien geadert, und mit zwei ſchwefel⸗ gelben Längsſtreifen auf dem Rücken und einem an jeder Seite. Kopf, Bauch, Füße fleiſchfarbig⸗rot. Wenn man die Raupe berührt, ſchlägt ſie zunächſt den Vorderkörper hin und her und läßt ſich dann herunter⸗ fallen.— Die Eule fliegt im Mai und Juni; die Raupen findet man Juni bis September an Erbſen, Wicken, Bohnen, Klee, Lupinen, Ampfer, Melde, Heide, Weiden, Birken und noch anderen Pflanzen. Selten merklich ſchädlich. 8 mm raun, weiß. inter⸗ grün, en an erſten or die Sey⸗ ration Augut Vorder⸗ n gell⸗ 5 mn, ct 4 hwefel⸗ Koyf ſchlin erunter⸗ det man Lupinen, pflanzen. Fünfte Ordnung. Schmetterlinge. 141 Die Graswurzeleule(Hadena monoglypha= H. polyodon). Schmetterling: 21— 22 mm lang; Flügelſpannung 45 mm. Vorderflügel länglich, gelbbraun mit Dunkelbraun und Weiß durch⸗ miſcht; die Spitzen ſind am hellſten gefärbt. Drei ſchwarze Strahlen auf den Vorderflügeln. Hinterflügel braungrau.— Raupe 43 mm. lang, 8—9 mm breit, 16 füßig. Grau oder rötlich⸗weiß, mehr oder weniger glänzend. Kopf, Vorderbruſt, letztes Körperglied und Warzen ſchwarz.— Das Weibchen legt Ende Juli und im Auguſt die Eier einzeln an der Baſis der Grashalme und Blätter gb. Ende Auguſt kriechen die Raupen aus, die namentlich nach ihrer Überwinterung(im April und Mai) die Wieſengräſer angreifen, Blätter und Halme an der Baſis, unmittelbar oberhalb der Bodenoberfläche, zerbeißen und ſich alſo gleichſam Gänge durch das Gras freſſen. Die rotbraune Puppe ruht im Boden.— Gegenmittel: Womöglich Eggen der Weide, um die Raupen wenigſtens teilweiſe zu töten und die anderen den Vögeln leichter zugänglich zu machen. Anwendung fahrbarer Hühnerſtälle. Die Queckeneule(Hadena basilinea). Schmetterling: 19 mm lang; Flügelſpannung 40 mm. Kopf und Rücken roſtfarbig oder rötlich⸗grau, beim Männchen mit einem großen Haarbüſchel. Vorderflügel gefärbt wie der Rücken, in der Mitte mit zwei Querlinien, ſonſt mit helleren und dunkleren Figuren. Hinter⸗ flügel hellbraun, ſchwach goldig ſchillernd, mit gelblichen Franſen.— Raupe 30—36 mm, 16 füßig, bläulich⸗grau, etwas bräunlich, mit ſchmutzig⸗weißen Längslinien, grünlichem Bauche und großem, hell⸗ braunem Kopfe.— Die Eule legt die Eier in Häufchen an Stengeln und Blättern der Graspflanzen ab. Der Schaden, den die Raupen an den Wieſengräſern verurſachen, hat nicht viel zu bedeuten; ſie kommen aber bisweilen in größerer Zahl an Getreidepflanzen vor und werden dann ſehr ſchädlich. Namentlich in höheren, trocknen Ländern kommt die Queckenraupe vor und ſchaden die Raupen am meiſten. In Oſtgalizien und der Bukowina nagen ſie ſich, ſolange die Körner noch milchig ſind, in den Maiskolben Gänge aus; in Frankreich und Naſſau wurden ſie dem Weizen, in Schleſien und Böhmen dem Roggen da⸗ durch ſchädlich, daß ſie ſich in die noch weichen Körner einbohrten und den Inhalt auffraßen. Auch nähren ſie ſich ſpäter von den ganz reif und hart gewordenen Körnern und werden bei der Ernte maſſenhaft eingefahren. Im Freien nähren ſie ſich nach der überwinterung von Gras oder den Blättern und Stengeln junger Getreidepflanzen und ändern ſich im Boden in eine kokonfreie, gedrungene, gelbbraune, glatte Puppe um.— Gegenmittel: Üübertreiben von Schafen über den lockeren Acker. Falls die Raupen bei der Ernte eingefahren ſind, empfiehlt ſich möglichſt ſchnelles Ausdreſchen, denn ſonſt würden ſie nach der Überwinterung ihren Fraß an den Körnern in den Scheunen fortſetzen. 142 Klaſſe 1. Inſekten oder Kerfe. Die Gras⸗ oder Weizenhalmeule(Luperina didyma). Schmetterling: Flügelſpannung 30 mm. Die verſchiedenen Exemplare ſind einander ſehr ungleich, bräunlich, graugelb bis ocker⸗ gelb, mit verſchiedenen dunkleren und helleren Figuren.— Raupe 16 füßig, im ausgewachſenen Zuſtande(Mai) 26 mm lang, dünn, ſpul⸗ förmig, ſteif, glänzend hellgrün, am Rücken mit zwei breiten, dunkel⸗ roten Linien.— Die Raupe lebt in den Halmen von Weizenpflanzen und anderen grasartigen Gewächſen, welche ſie aushöhlt; ſie überwintert im jugendlichen Zuſtande. Im Frühling fährt ſie mit der Aushöhlung der Weizenpflanzen fort: dann geht ſie von einem Stengel zum andern; die angegriffenen Pflanzen bekommen bald roſtfarbige Blätter, kränkeln oder ſterben ſogar ab. Die Graseule(Charaeas graminis, Fig. 141). Schmetterling: Länge 15 mm, Flügelſpannung 32 mm. Fühler beim Männchen gekämmt. Vorderflügel ſtumpf, von braunroter, oliven⸗ — Fig. 141. Die Graseule und die Grasraupe(Charaeas graminis); n. Gr. brauner oder ſchmutzig olivengrüner Grundfarbe, mit drei weißlichen Fleckchen und dunkleren Figuren auf denſelben. Hinterflügel gelblich⸗ grau, an der Wurzel heller.— Raupe 16 füßig, 45 mm lang, bronze⸗ farbig⸗grau, Rücken mehr bronzefarbig⸗braun, mit drei ſchmalen, hellen Längslinien; Kopf ockergelb.— Die Eule legt ihre(etwa 200) Eier im Juli in Häufchen an den Wurzeln der Grashalme und an den Blättern ab. Die Räupchen verſtecken ſich am Tage und freſſen nachts, ſind ſchon im Herbſte ſehr nachteilig, ſind aber im folgenden Frühling un⸗ erſättlich und freſſen ſtets die unterſten Halm- und Blätterſtücke, ſo daß die oberen Teile abſterben. In großen Scharen wandern ſie von dem einen Graslande zum andern. Im Juni verpuppen ſie ſich; die glänzend rotbraune Puppe findet ſich unter der Bodenoberfläche oder einem Raſen.— Feinde: Schweine, Maulwürfe, Spitzmäuſe; Krähen, Bachſtelzen, Enten, Hühner. Gegenmittel: Walzen, Eggen(S. 141). Schnelles Trocknen der zeitig gemähten Gräſer, und nachher Eintrieb von Schweinen oder Anwendung fahrbarer Hühnerſtälle. Die Lolcheule, Futtergraseule(Neuronia popularis). Schmetterling: Länge 18 mm, Flügelſpannung 32 mm. Sehr bunt, ſchön. Vorderflügel rötlich⸗braun, oft mit pfirſichblütenfarbiger ßlichen elblich⸗ brorze⸗ hellen Fier in Zlätter 8, ſind ing un⸗ ücke, ſo ſie von ſch; di ce oder Krähen, 5. 141 Eintriet nfarbige n. Sehr Fünfte Ordnung. Schmetterlinge. 143 Glut; alle Nerven und mehrere Figuren auf denſelben ſind gelblich⸗ weiß, ſie zeigen aber auch dunkle Figuren. Hinterflügel gelblich und Hinterleib weiß. Kopf und Bruſtſtück braun und gelbweiß gemiſcht. Raupe 52 mm lang, 7—8 mm dick; 16füßig; verſchmälert ſich nach beiden Enden zu. Fettig glänzend. Rückenſeite bronzefarbig⸗braun, durch eine gelbliche Linie ſcharf von der hellbraungrauen Bauchſeite abgegrenzt und von drei hellbraunen, bei jungen Exemplaren faſt weißen Längslinien durchzogen.— Lebensweiſe, der Hauptſache nach, dieſelbe als die der vorigen Art.— Die Gamma⸗, Ypfilon⸗ oder Zuckererbſeneule(Plusia gamma). Schmetterling: 21 mm lang; Flügelſpannung 42 mm. Dunkel⸗ grau, mit rötlich gemiſcht, heller und dunkler marmoriert. Etwa in der Fig. 142. Die Gammaeule(Plusia gamma), Raupe und Puppe; n. Gr. von Haaren gebildete Haube.— Raupe 12 füßig, beugt den Körper ſpannerähnlich(Fig. 142). Länge 25— 30 mm. Grundfarbe grün; es giebt aber auch dunkle, ſchmutzig⸗grüne bis bräunliche Abänderungen. Sechs feine Längslinien auf dem Rücken, eine gelbliche Linie oberhalb der Füße. Raupe faſt nackt, nur mit wenigen, kleinen, einzeln ſtehenden Borſtenhaaren bekleidet.— Lebensweiſe: Wenigſtens zwei Gene⸗ rationen, bisweilen ſogar fünf Generationen innerhalb zweier Jahre. Die Gammaeule überwintert gewöhnlich als halbausgewachſene Raupe, ſie kann aber auch als Puppe oder Eule überwintern. Man kann alſo die Raupen während des ganzen Jahres antreffen; ſie finden ſich aber Ende Juni bis Mitte Auguſt gewöhnlich in größter Anzahl; dann können ſie unter günſtigen Bedingungen ſogar zur wahren Landplage werden. Sie freſſen die Blätter faſt aller möglichen wildwachſenden und Kulturpflanzen, mit Ausnahme der Gräſer und Getreidearten, ſowie der Bäume; ſie lieben insbeſondere die Blätter der ſchmetter⸗ lingsblütigen Gewächſe(Erbſen, Wicken, Klee), des Flachſes, der Zucker⸗ rüben, des Rapſes und Rübſens, der Kohlarten, ſowie des Buch⸗ weizens. Die Eulen fliegen hauptſächlich im Mai, ferner im Juli und im Spätſommer, und zwar öfter am hellen Tage. Die Weibchen 144 Klaſſe 1. Inſekten oder Kerfe. legen ihre zahlreichen hellgrünen Eier, etwa zuſammen 400, einzeln an den Blättern der obengenannten Pflanzen ab. Die Raupen fallen infolge ihrer grünlichen Farbe nicht immer leicht ins Auge; ſie können unter günſtigen Bedingungen in ſechs bis ſieben Wochen ihre ganze Entwickelung bis zur Eule durchgemacht haben. In einigen Jahren zeigen ſie ſich in ſo großer Anzahl, daß ſie faſt alle auf dem Felde befindlichen Kulturpflanzen, mit Ausnahme der Getreidearten, in einer Gegend gänzlich zerſtören.— Natürliche Feinde: Stare,— alle ſpitzſchnäbligen Sänger, inſofern ſie unſere Äcker beſuchen,— Sper⸗ linge;— Laufkäfer, Kurzflügler, ſowie die Larven dieſer beiden Käfer⸗ familien,— mehrere Schlupfweſpen und Raupenfliegen;— paraſitiſche Pilze.— Gegenmittel: Hühnereintrieb, wo möglich;— Einſammeln, z. B. mit Hilfe der Maſchine von L. Dehoff auf Gutenberg bei Halle.„Mehrere Tröge mit ſteilen Innenwänden werden in der Ent⸗ fernung zweier Furchen voneinander durch Latten verbunden; an dieſen Latten ſind Beſen angebracht. Indem dieſe Tröge nun wie Schlitten von einem vorgeſpannten Zugtiere, das in der Furche geht, fortgezogen werden, fegen die Beſen die Raupen in die Tröge, aus welchen ſie am Ende der Furche in Säcke geſammelt werden. Mit dieſer billigen Maſchine laſſen ſich ca. 20 Morgen an einem Tage reinigen.“(Taſchenberg.) Familie der Spanner(Geometridae). Den Namen verdankt dieſe Familie dem eigentümlichen Gange (S. 88, Fig. 90) der Raupen, der von dem Beſitze von nur zwei Paar .reN W NN L 8 )hs — 7 D 3 — Bauchfüßen am Hinterende des Körpers herrührt.— Schmetterlinge meiſt dünn und ſchlank, namentlich die Männchen. Flügel groß. Fühler fadenförmig, bei dem Männchen einiger Arten gekämmt.— Die meiſten Arten ſind Nacht⸗ oder Dämmerungsſchmetterlinge. Sie ſind träge und fliegen weder hoch noch ſchnell. Die Weibchen entfernen ſich wohl niemals weit von ihrem Geburtsort, am wenigſten die der⸗ jenigen Arten, welche im weiblichen Geſchlechte flügellos ſind oder nur ſehr kleine Flügel beſitzen(Froſtſpanner, Fig. 144). Ich erwähne aus dieſer Familie den Kiefernſpanner(Fidonia piniaria),— den ſchwarz⸗weißgelb gefärbten Stachel⸗ und Johannis⸗ Gr. terlinge I groß⸗ umt.— he Sie ntfernen die der⸗ der nur Gidom ohanni⸗ grau, Hinterflügel heller als die Vorderflügel. Fünfte Ordnung. Schmetterlinge. 145 beerſpanner oder Harlekin(Zerene grossulariata) mit ähnlich gefärbter Raupe,— namentlich die Froſtſpannerarten, deren flugunfähige Weib⸗ chen in der kalten Jahreszeit an Stämmen von Obſtbäumen und Laub⸗ hölzern emporklettern, um an den Knoſpen die Eier abzulegen. Die Raupen zerſtören im erſten Frühling die kaum ſich zu entwickeln be⸗ ginnenden Knoſpen; nachher freſſen ſie die Blätter ſowie die jungen Früchte. Wenn ſie erwachſen ſind, ſo laſſen ſie ſich an einem Faden herunterſinken und verpuppen ſich im Boden. — Ich nenne hier bloß eine, die für die Zucht des Obſtes, namentlich der Kirſchen, ſchädlichſte Art, den gewöhnlichen oder kleinen Froſtſpanner(Acidalia brumata, Fig. 144). Raupe 28 mm, gelblich⸗grün mit Längslinien. Der männliche Schmetterling hat eine Flügel⸗ ſpannung von 26 mm; Farbe ſchmutzig braun⸗ Das braungraue Weibchen hat bloß kleine Flügellappen.— Die Schmetterlinge zeigen ſich November und Dezember. Man hält die emporkletternden 6 ven ed Anoſpen und Zweiglein, woſelbſt ſie ihre Eier ab- 1 legen, entfernt und fängt die umherflattern⸗ Betochen Cehananl 1e den Männchen mit Klebgürteln, die man aus ſpanners(Acidalia brumata); irgend welcher Leimart anfertigt; ein ſehr wenig vergrößert. brauchbarer Leim iſt der„Brumataleim“ (5 Teile Rüböl, 1 Teil Schweinefett, 1 Teil dicker Terpentin, 1 Teil Kolophonium; erſtere beiden tüchtig eingekocht, letztere zuſammen⸗ geſchmolzen und dann unter Umrühren zugeſetzt). Familie der Zünsler(Pyralidae). Kleinſchmetterlinge mit fadenförmigen, bei den Männchen einiger Arten gekämmten Fühlern, mit ziemlich großen Augen und ſehr großen, oft ſchnabelförmig nach vorn ſich ausſtreckenden Unterlippentaſtern (Fig. 145). Vorderflügel länglich⸗dreieckig. Flügelhäkchen. Beine ziemlich lang.— Raupen ſchwach behaart, mit vier oder fünf Paar Bauchfüßen.— Der Roggenzünsler(Pyralis secalis). Schmetterling 15 mm lang; Flügelſpannung 30 mm. Flügel länglich, weißlich⸗grau mit Aförmigem Fleck auf den Vorderflügeln.— Raupe 11 mm lang, grün, braungeſtreift, 16 füßig, mit braunem Kopfe; verſchmälert ſich nach vorn und hinten.— Lebensweiſe: Die Raupe lebt im Juni in den Roggenhalmen, welche ſie inwendig leerfrißt. Dem⸗ zufolge bleiben die Ähren vielfach zwiſchen den Blättern und Blatt⸗ ſcheiden verborgen, und es kommen öfter nur die Spitzen der Grannen Bos, Zoologie. 3. Auflage. 10 146 Klaſſe 1. Inſekten oder Kerfe. zum Vorſchein. Es bilden ſich keine Körner; die Ähren werden trocken, weiß und fallen ab. Der Hopfenzünsler, die Springraupe(Hypena rostralis). Schmetterling(Fig. 145): Länge 14 mm; Flügelſpannung 30 bis 32 mm. Vorderflügel gewöhnlich bräunlich, am Franſenrande gegen die Spitze etwas ausgeſchnitten; in der Nähe der Baſis mit einer zickzackförmigen ſchwarzen Linie; mitten auf den Vorderflügeln, in der Nähe des Vorderrandes, ein von einem weißen Rande um⸗ gebener Fleck, hinter dieſem ein dunkler Längsſtrich. Hinterflügel matt⸗ grau, ſeidenglänzend.— Raupe höchſtens 25 mm. lang, 14 füßig, ſehr dünn, grün mit dunkler Mittellinie und zwei weißen Seitenlinien. Sehr beweglich, ſpringt und ſchlägt, auf dem Boden liegend, mit dem Körper hin und her wie ein Aal.— Lebensweiſe: Der Falter fliegt Anfang Auguſt, die zweite Generation im Herbſte; dieſe überwintert in Gebäuden, Scheunen, Gartenhäuſern u. ſ. w. Die Eier erden d wilden mund kutiinetemn Houfen . ,⸗ owie an Brenneſſeln abgelegt. Namentli ſitwans wer addis u der im Juni finden ſich die Räupchen an den Hopfenpflanzen; ſie freſſen bisweilen die Blätter bis auf die Nerven ab. Juli verpuppen ſie ſich zwiſchen den Blättern oder am Boden, in einem grauen Geſpinſte. Anfang Auguſt erſcheinen die Schmetterlinge, die im Herbſte noch eine zweite Raupengeneration lifam aus der nach Verpuppung die überwinternden Schmetterlinge entſtehen. Der Kohl⸗ oder Meerrettichzünsler(Botys forficalis). Schmetterling: Länge 11—12 mm; Flügelſpannung 26 mm. Vorderflügel am Vorderrande vor der ſcharfen Spitze ſtark gebogen. Vorderflügel roſtfarbig⸗gelb, auf den Nerven etwas dunkler, mit roſt⸗ braunem Querſtreifen von der äußerſten Spitze des Flügels nach der Mitte des Hinterrandes deſſelben und mit ſonſtigen rotbraunen Zeich⸗ nungen. Hinterflügel und Körper glänzend ſtrohgelb.— Raupe 20 mm lang, 16 füßig, nach vorn und nach hinten ſich verſchmälernd. Gelbgrün mit undeutlichen Längslinien und hellbraunem Kopfe. Wenige gelb⸗ grüne Härchen.— Lebensweiſe: Die erſte Generation fliegt in ge⸗ ringer Anzahl im Mai. Die aus den Eiern derſelben entſtehenden Raupen leben(Mai und Juni) an den Blättern von Kohlarten und wildwachſenden Kreuzblütlern. Sie verbergen ſich ſtets zwiſchen den Blättern und ſpinnen am Eingange ihres Aufenthaltsortes einige dünne Fäden. Die Raupe verkriecht ſich flach unter der Erde und verpuppt ſich dort innerhalb eines Kokons. Die Schmetterlinge der zweiten Generation erſcheinen im Auguſt; im Herbſte werden die aus den Eiern dieſer Generation ausſchlüpfenden Raupen an den Kohlpflanzen ung mde mit geln, um⸗ aatt⸗ ſehr en. dem her llter tion den, Eier pfen, ntlich den lätter ittern einen ration rlinge 6 m. bogen. troſ⸗ ich der heic⸗ 20 mn lbgrün gelb⸗ in ge⸗ henden en und en den dünne erpuppt zweiten us den fllanzen Fünfte Ordnung. Schmetterlinge. 147 ſchädlich, oft ſogar in großer Anzahl. Oktober verkriechen ſie ſich im Boden, wo ſie überwintern.— Gegenmittel: Tiefes Umgraben reſp. Umpflügen nach der Ernte, wodurch man die eingeſponnenen Raupen in die Tiefe bringt und dadurch größtenteils tötet. Der Pfeifer, Rübſaatpfeifer(Botys margaritalis= B. extimalis). Schmetterling(Fig. 146): Länge 14 mm; Flügelſpannung 31 mm. Vorderflügel hellſchwefelgelb mit großen roſtfarbigen Flecken und zwei roſtgelben Querlinien. Hinterflügel glänzend ſtrohgelb; die vier Flügel mit Perlmutterglanz.— Raupe(Fig. 146) 20 mm, 16 füßig. Gelblich, Kopf und Halsſchild ſchwarz. Körper mit einem breiten, grauen Längsſtreifen auf jeder Seite. 4 Längsreihen ſchwarzbrauner Warzen.— Lebensweiſe: Der Schmetterling fliegt im Juni und Juli und legt die länglich⸗ovalen Eier an kreuzblütigen Pflanzen (Raps, Rübſen, Radies, Rettich, mehrere wild⸗ wachſende Cruciferen) ab. Die Raupe lebt in einem weißen Ge⸗ ſpinſte verborgen, frißt Löcher in die Schoten und kriecht mit dem Vorderteil des Körpers hinein, um die noch grünen Samen aufzu⸗ freſſen. Die ange⸗ griffenen Schoten haben 4. Fig. 146. Der Rübſaatpfeifer(Botys margaritalis) nebſt durch die Anweſenheit 4 Raupe(1) und Fraß; n. Gr. der runden Löcher einige Ähnlichkeit mit einer Flöte oder Pfeife, deshalb heißt das Inſekt„Rüb⸗ ſaatpfeifer“. Die ausgewachſene Raupe verkriecht ſich im Boden, wo ſie in einem zarten Geſpinſte überwintert.— Gegenmittel: Vergl. die vorige Art. Die Wachsſchabe, Bienenmotte(Galleria cerella) hält ſich als dicke, bis 3 cm lange Raupe in den Wachsſchaben der Honigbienen auf und frißt in denſelben Gänge, die ſie mit einem Geſpinſt und mit ihrem Kot anfüllt. Der Schmetterling iſt grau, im weiblichen Geſchlechte gewöhnlich weit größer als im männlichen. Es findet ſich derſelbe in der warmen Jahreszeit, Mai bis September. Die Raupe fertigt ſich in der Ecke einer Wabe oder in einer Zelle des Bienenſtocks ein weißes, längliches Geſpinſt an. Das beſte Vor⸗ beugungsmittel beſteht wohl darin, daß man alle Fugen und Ritzen der leeren Körbe, in die man einen neuen Schwarm auffangen will, verſtreicht. 10* 148 Klaſſe 1. Inſekten oder Kerfe. Familie der Wickler(Tortricidae). Kleinſchmetterlinge von gedrungenem Körperbau(Fig. 147). Sie haben kleinere Taſter als die Zünsler. Vorderflügel an der Wurzel breit, Außenrand derſelben gerade oder etwas bogenförmig. Hinter⸗ flügel ſo breit wie die Vorderflügel oder noch breiter. In der Ruhe liegen die Vorderflügel dachförmig auf. Vorderflügel gewöhnlich mit vielen charakteriſtiſchen Zeichnungen. Hinterflügel gräulich, ohne Zeich⸗ nungen. Fühler fadenförmig.— Raupen nicht oder wenig behaart, 16 füßig; diejenigen vieler Arten leben in von ihnen ſelbſt zuſammen⸗ gewickelten Blättern; andere leben in Zweigen, Knoſpen und Früchten, welche ſie aushöhlen. Der rehbraune Erbſenwickler(Grapholita nebritana= G. pisana). Schmetterling(Fig. 147): Länge 6 mm; Flügelſpannung 15— 16 mm. Vorderflügel rehfarbig, metallglänzend; am Vorderrande abwechſelnd kurze, weiße und dunkle Quer⸗ linien. Hinterflügel ſchwarz mit bronze⸗ farbigem Glanze und weißen Franſen.— Raupe 8—9 mm lang, 16füßig, bleich⸗ grün mit braunem oder ſchwarzem Kopfe, Prlöſchide und ledten Kürderglürde auch Jia. 1 Erbſen- die Bruſtfüße ſind ſchwarz. Auf jedem Nrardenofiſener fanlahn Körpergliede dunkle Warzen.— Lebens⸗ vergr. weiſe: Vergl. die nächſtfolgende Art. Der mondfleckige Erbſenwickler(Grapholita dorsana). Schmetterling etwas größer als vorige Art. Vorderflügel olivenbraun, am Vorderrande mit vielen kurzen, ſchmalen, weißen Linien. Auf der Mitte des Hinterrandes ſieht man ein gelblich⸗weißes, halbmondförmiges Fleckchen. Hinterflügel bräunlich.— Raupe 14 mm lang, 16 füßig, orangegelb mit braunem oder ſchwarzem Kopfe, Hals⸗ ſchilde und letztem Körpergliede; auch die Bruſtfüße ſind ſchwarz. Mit braungelben Warzen bedeckt.— Lebensweiſe: Die Schmetterlinge fliegen, oft in großer Anzahl und immer kurze Zeit nach Sonnen⸗ untergang, an den Blüten der Erbſenpflanzen herum. Die Weibchen legen 1, 2, höchſtens 3 Eier an je eine noch ſehr junge Hülſe oder an einen Fruchtknoten. Nach 14 Tagen ſchlüpfen die Räupchen aus, die ſich in die Hülſe einbohren und dann die Erbſen angreifen. Die im Rande der Hülſe gemachte Offnung verwächſt bald wieder. Ge⸗ wöhnlich iſt die Hülſe früh reif; ſie öffnet ſich, und die erwachſene Raupe kriecht hinaus und verpuppt ſich innerhalb eines Geſpinſtes im Boden, wo die Puppe überwintert.— Die vom Wickler zerſtörten Erbſen ſind innerhalb der Hülſen immer mit grobkörnigem Raupen⸗ kote bedeckt; auch ſind öfter 2—3 aneinander geſponnen.— Gegen⸗ mittel: Tiefes Umgraben des Bodens noch vor dem Winter, oder —- ¹———.—y——-h9———,— —, — — lügel eißen eißes, 4 um alz⸗ ban rlinge nnen⸗ ibchen oder maus, die ge⸗ ihſene tes im ſtörten zupen⸗ egel⸗ dder Fünfte Ordnung. Schmetterlinge. 149 noch beſſer tiefes Umhacken desſelben, ſobald die Erbſen geerntet. In dirſe Weiſe werden viele im Boden verborgene Raupen oder Puppen zerſtört. Der Apfelwickler, die Obſtmade(Carpocapsa pomonana, Fig. 148). Länge des Falters 10 mm, Flügelſpannung 20 mm. Vorder⸗ flügel grau, quergeſtreift, am Rande mit einem ovalen, ſamtſchwarzen Flecke, in deſſen Mitte ein kupferrotes Auge.— Das vollkommene Inſekt legt im Juni oder Juli die Eier einzeln an den unreifen Aepfeln und Birnen ab. Das hellgelbe oder hellrote, im ausgewachſenen Zuſtande 10 mm lange Räupchen bohrt ſich hinein bis in das Kern⸗ haus, wo es die Samen zerſtört. Später gräbt es einen Gang nach außen. Seine Gänge ſind mit körnigem Kote gefüllt. Die angegriffene Fig. 148. Die Obſtmade nebſt Schmetterling(Carpocapsa pomonana) und Puppe.(Die letzten etwas vergrößert.) Im erſteren Falle verkriecht ſie ſich in einen Rindenriß des Baumes, wo ſie ſich einſpinnt; im zweiten Falle kriecht ſie auch zum ſelben Zwecke an Stämmen und Pfählen empor. Gegenmittel: Abkratzen der losgelöſten Borkenſtücke; Beſtreichen der Stämme mit Kalk oder beſſer mit einem Gemiſch von Thon und Kalk. Beſſer noch iſt die Befeſtigung von aus Holzwolle beſtehenden, mit Papier bedeckten Ringen um Stämme, Pfähle u. ſ. w., unter welchen die Raupen ſich im Sommer verkriechen; im Winter Abnehmen und Verbrennen der Ringe von Holzwolle, in denen ſehr viele Räupchen ſich verſteckt haben, und Ab⸗ kratzen der darunter befindlichen Borke, inſofern andere Räupchen ſich daſelbſt ein Winterquartier angelegt hatten.— Fleißiges Sammeln des frühzeitig abgefallenen Obſtes und Verfüttern deſſelben an Schweine. Unter dem geernteten Obſte finden ſich aber auch noch viele Stücke, die wurmſtichig ſind, denen man es jedoch äußerlich nicht anſieht. Die Raupen verlaſſen dieſelben in den Obſtkammern und verkriechen ſich in daſelbſt hingelegten alten Kleiderſtücken von Baumwolle und Lein⸗ wand, wo ſie ſich einſpinnen.— Der Pflaumenwickler, die Pflaumenmade(Carpocapsa funebrana) macht als Raupe die Pflaumen„wurmſtichig“. 150 Klaſſe 1. Inſekten oder Kerfe. Der Flachsknotenwickler(Conchylis epilinana) lebt als Raupe in den Samenkapſeln des Leins. Die Raupe des Kieferntriebwicklers(Retinia buoliana) frißt im Frühling einen ſich entwickelnden Maitrieb der Kiefern aus. Mehrere Wicklerarten ſchaden der Rebe, ſei es den Knoſpen und Blättern oder den Beeren. Familie der Motten oder Schaben(Tineida). Die Motten ſind die kleinſten„Kleinſchmetterlinge“. Sie haben wie die Zünsler ſtark entwickelte Unterlippentaſter, unterſcheiden ſich aber von ihnen durch die ſchmalen Flügel; namentlich ſind die Hinterflügel ſchmal mit ſcharfer Spitze. Die Flügel⸗ oberfläche verbreitert ſich durch einen ſtarken Franſenſaum. In der Ruhe liegen die Flügel dachförmig auf, wäh⸗ rend der Saum an ihrer Spitze oft nach oben gebogen iſt. Fühler faden⸗ förmig, ziemlich lang; bei den Männ⸗ Fig. 149. Die Lärchenmotte(Coleo- chen einiger Arten ſogar ſehr lang.— phora, Jaricella); vergrößert. Raupen wenig behaart, mit 5 Paar, ausnahmsweiſe 4 Paar Bauchfüßen.— Zu dieſer Familie gehören die allgemein bekannten Kleidermotten, die in aufgeſpeichertem Getreide lebende Kornmotte, auch die Kümmelmotte, der Pfeifer im Kümmel(Depressaria nervosa). Schmetterling: Länge 10 mm, Flügelſpannung 21 mm. Vorder⸗ flügel rötlich⸗graubraun, auf den Nerven ſchwärzlich, ſtellenweiſe weiß⸗ lich gezeichnet. Hinterflügel mehr graubraun. Bruſtſtück und Hinter⸗ leib glänzen ſehr und ſind etwas heller als die Flügel.— Raupe 14 mm lang, namentlich in der Körpermitte ziemlich dick, bunt. Kopf, Bruſtſtück und hinterſtes Körperglied glänzend ſchwarz, die letztgenannten zwei Glieder mit rotgelbem Saume, das Bruſtſtück außerdem von einer gelben Längslinie in zwei Hälften geteilt. Übrigens iſt der Körper olivengrün; eine breite orangefarbige Linie teilt ihn in eine dunklere Rücken⸗ und eine hellere Bauchſeite ein. Auf dem Rücken viele glänzend ſchwarze, weiß gerandete Warzen.— Lebensweiſe: März und April kommen die überwinterten Kümmelmotten aus ihren Verſtecken; ſie fliegen nachts. Die Eier werden einzeln an wilden Schirmblütlern oder an Kümmel⸗ oder Möhrenpflanzen abgelegt. Man ſieht die Raupen erſt wenn die Pflanzen blühen; ſie ſitzen dann an den Achſen der Blütenſtände, welche ſie mittelſt einiger Fäden zuſammenziehen; ſie freſſen die Blüten, ſowie die jungen Früchte, bisweilen ſogar die Achſen der Blütenſtände. Die ſehr beweglichen Räupchen laſſen ſich, wenn ſie beunruhigt werden, an einem Fädchen nieder. Gewöhnlich ſind ſie haben n ſch malen flüge lügel einen Ruhe wäh⸗ ze dſ faden⸗ Nänn⸗ g.— Panr, en.— en, di 8a) zorder⸗ weif⸗ Hinter⸗ Raupt Koyf, annten neiner Körper unklere länzend Älrl ten, ſt blütlern eht di Achſen hen 1 ſt Achfen . wena ſind ſt Fünfte Ordnung. Schmetterlinge⸗ 151 in fünf Wochen vollkommen ausgewachſen; dann bohren ſie ſich in den Stengel der Pflanze hinein, wo ſie ſich verpuppen. Im Juli er⸗ ſcheinen die Motten, welche im erwachſenen Zuſtande überwintern. Die Kohlſchabe(Plutella cruciferarum= Tinea xy!lostella). Schmetterling 7 mm lang; Flügelſpannung 15 mm. Vorder⸗ flügel ſchmal, lanzettförmig, mit langen Franſen. Grundfarbe gelb⸗ bräunlich, dunkel beſtäubt. Hinterflügel braungräulich, ſchmal, ſtark befranſt. In der Ruhe bilden die langen Franſen nach hinten einen emporſtehenden ſcharfen Kamm; die Fühler werden dabei aneinander gedrückt und gerade nach vorn gebogen.— Raupe 7 mm, nach vorn und nach hinten ſich verſchmälernd. Schön grün mit ſchwarzem Kopfe. Lebt unter einem ſehr dünnen Geſpinſte oder unter wenigen Fädchen verborgen. An der Unterſeite der Blätter des Kohls, des Rapſes und anderer Kreuzblütler.— Lebensweiſe: Die Puppe überwintert; der Schmetterling ſchlüpft im Mai aus, fliegt am Abend. Zwei Gene⸗ rationen; erſte Generation der Raupen in der erſten Hälfte des Juli, zweite im Spätſommer. Namentlich die zweite Generation ſchadet ſehr oft am Kohl. Puppen in dichtem Geſpinſte an den Blättern der Nahrungspflanzen. Die Kornmotte, der weiße Kornwurm(Tinea granella, Fig. 150) lebt als 7— 10 mm langes, gelblich⸗weißes, braunköpfiges Räupchen während des Sommers im geſpeicherten Getreide. Die Motte ſelbſt iſt 6 mm lang und hat eine Flügelſpannung von 15 mm. Die Vorderflügel ſind ſilberfarbig mit dunkelbraunen oder ſchwarzen Figuren. Hinter⸗ flügel weißlich⸗grau. In der Ruhe bilden die dachförmig aufliegenden Flügel mit ihrem Fran⸗ ſenſaum einen aufſtehenden Kamm. Mai und Juni finden ſich die Motten auf Kornſpeichern, an Mauern, Thüren, Fenſtern u. ſ. w.; abends fliegen ſie. Das Weibchen legt. ſeine Eier einzeln an jede Art von geſpeichertem Fidd50„ii, Narnmofte Getreide(Weizen, Gerſte, Roggen, Hafer) ab. Das Raupe, Puppe und von junge Räupchen frißt ſich in ein Korn ein, ver⸗ ſpannenen Rrubn. R.Gr⸗ läßt es, ſobald es leergefreſſen, und ſpinnt dann das neu von ihm zu bewohnende Korn an das leergefreſſene feſt. So fährt es fort, bis es 20— 30 Körner mittelſt Fäden verſponnen hat, zwiſchen denen Kotkörner in großer Anzahl feſtkleben(Fig. 150). Die von dem Klander leergefreſſenen Körner ſind nicht aneinander verſponnen und es finden ſich an ihnen keine großen Kotklümpchen(Fig. 111). Wenn die Raupe der Kornmotte erwachſen iſt(Auguſt, September), ſo verläßt ſie das von ihr bewohnte, aus leeren Schalen beſtehende, von Kotteilchen verunreinigte Körnerhäuschen und läuft an der Oberfläche des 152 Klaſſe 1. Inſekten oder Kerfe. Getreidehaufens unruhig umher, wobei ſie fortwährend einen Geſpinſt⸗ faden austreten läßt, ſo daß ſich die ganze Oberfläche des Haufens mit einem dichten Geſpinſte bedeckt. Dann verkriecht ſich das Räupchen zum Zwecke der Verpuppung in Ritzen der Balken, Bretter und Mauern, wo es ſich ein weißes Kokon ſpinnt; oft finden ſich mehrere Kokons nebeneinander.— Gegenmittel: Man muß die Ritzen an den Balken, in den Bretterböden und den Mauern im Winter auskratzen, wobei man die ausfallenden Kokons auffängt und verbrennt. Nachher ver⸗ ſtreicht man dieſe Ritzen beſſer mit Kalk oder Teer, um die Gelegen⸗ heit zur Verpuppung möglichſt fortzunehmen.— Fleißiges Wenden des Getreides vom Mai bis Juni(der Flugzeit der Motte). Wenn ſich dann an den Speicherwänden u. ſ. w. keine Getreidemotten befinden, ſo halte man im Mai und Juni die Speicher geſchloſſen; wenn aber viele da ſind, ſo öffne man Fenſter u. ſ. w. beim Umſchaufeln. Wo⸗ möglich iſt die Entfernung ſämtlichen Getreides während der Flugzeit anzuraten. Natürlich muß man möglichſt alle ins Geſicht fallenden Motten töten; um dieſelben beſſer zu ſehen, laſſe man Mauern, Balken u. ſ. w. weiß tünchen.— Sechſte Ordnung: Balbflügler(Hemiptera). Die Mundteile haben ſich in einen Saug- und Stechſchnabel umgebildet. Kopf klein. Beine gewöhnlich ſchlank, mit 2⸗ oder 3⸗gliederigen Füßen. Flügel fehlen mehreren G Krien 6. B. aiianzehs dbkizse ner elbhe hun =ſ(z. B. Beerenwanze) ſind die Vorderflügel ha von lederartiger, halb von häutiger Beſchaffen⸗ Fig. 151. Linkes Flüget⸗ heit(Fig. 151); bei andern ſind die vier Flügel paar einer Wanze. alle häutig(geflügelte Blattläuſe), oder die Vor⸗ derflügel ſind etwas härter als die Hinterflügel (Schaumzirpen).— Unvollkommene Verwandlung(S. 86). Es laſſen ſich die Halbflügler in folgende Gruppen einteilen: 1. Solche mit halb harten, halb häutigen Vorderflügeln(Wanzen). A. Waſſerwanzen, z. B. Waſſerſkorpione(Nepa), Rückenſchwimmer (Notonecta). B. Landwanzen, z. B. Beerenwanze(Pentatoma baccarum), die ungeflügelte Bettwanze(Acanthia lectularia). 2. Solche mit ganz häutigen Vorderflügeln. A. Zirpen. B. Pflanzenläuſe. Zur Gruppe der Zirpen(Cicadina), mit großem, ſtumpf dreieckigem Kopfe und großen, auseinanderliegenden Augen, mit langen, nicht ganz durchſichtigen Vorder⸗ und ganz durch⸗ ſichtigen Hinterflügeln, die in der Ruhe dachförmig aufliegen, gehört ugßeit enden Zalken anzenh. vimmer ) de egenden durt⸗ gehött Sechſte Ordnung. Halbflügler.“ 153 die ſechsfleckige Kleinzirpe(Jassus sexnotatus). Länge 4 mm; Kopf breit, mit ziemlich großen Augen. Farbe: Kopf, Vorderrücken und Beine citronengelb, Hinterleib ſchwarz mit ſchmalen gelblichen Rändern der Ringe. Vorderflügel bräunlich⸗gelb, Unterflügel milchweiß.— Dieſe Art trat in den letzten Jahren mehr als früher in verſchiedenen Gegenden Deutſchlands ſchädlich auf, indem ſie die Blätter mehrerer Kulturpflanzen, insbeſondere von Getreidearten, ausſog. Die befallenen Stellen färben ſich rot oder gelb und vertrocknen. Zu den Pflanzenläuſen zählen die Blattflöhe, die Blattläuſe und die Schildläuſe. Ich beſchränke mich auf die Beſprechung der Familie der Blattläuſe(Aphidina). Dieſe haben lange, 5⸗ bis 7gliederige Fühler, lange, dünne Beine, kein Springvermögen, wie die Blattflöhe. Saugſchnabel lang und dünn. Es giebt in derſelben Art geflügelte und ungeflügelte Blattläuſe; die meiſten aber ſind ungeflügelt. Im Herbſt finden ſich männliche und weibliche Tiere; die letzteren legen nach der Paarung ihre Eier ab, welche zu überwintern beſtimmt ſind. Die im nächſten Frühling aus den⸗ ſelben ausſchlüpfenden Blattläuſe ſind alle Weibchen, unterſcheiden ſich aber von denen des vorigen Herbſtes u. a. dadurch, daß ſie lebendige Junge gebären, welche gleich nach der Geburt ſchon wieder die Keime einer neuen Generation in ſich haben. Die Zahl der von einem Weibchen ge⸗ borenen Jungen, ſowie die Zahl der in einem einzelnen Jahre auftretenden Gene⸗ rationen iſt je nach der Blattlausart ver⸗ ſchieden. Es giebt Arten, von denen jedes Weibchen 80 bis 100 Junge ge⸗ bärt, während pro Jahr 9 bis 12 Gene⸗ Fis, 132. Die Mohublattlaus rationen einander ſolgen. Im Herbſt khiopebaferenn) Werorene finden ſich wieder Männchen und eier⸗ legende Weibchen. Es ſcheint alſo die Überwinterung der Eier Regel zu ſein, doch kommt es auch wohl vor, daß die Tiere ſelbſt über⸗ wintern.— Ich muß hinzufügen, daß bei mehreren Arten innerhalb der Grenzen der Art auch konſtante Unterſchiede, je nach dem Aufent⸗ haltsort, vorkommen, und zwar bei den Arten, die regelmäßig entweder von der einen Pflanzenart zur andern, oder von den Blättern zu den Wurzeln wandern. Weil aber dieſes Wandern bei den dem Ackerbau ſchädlichen Arten nicht vorkommt, brauche ich hier darüber nicht weiter zu ſprechen.— Weil die Blattläuſe während ihres ganzen Lebens 154 Klaſſe 1. Inſekten oder Kerfe. Pflanzenſäfte ſaugen, ſo werden ſie, infolge ihres übergroßen Fort⸗ pflanzungsvermögens, ſehr ſchädlich. Während ſie die Säfte aus Stengeln und Blättern aufſaugen, welche ſonſt von den Gewächſen ſelbſt zum Wachstum oder zur Blüten⸗ und Fruchtbildung gebraucht werden, gebären ſie die Jungen, welche ganz in der Nähe ihrer Mutter den Schnabel in denſelben Pflanzenteil einbohren und bald wieder ſich fortzupflanzen anfangen. In dieſer Weiſe entſtehen bald förmliche, aus hundert oder mehr Stück beſtehende Blattlauskolonieen (z. B. auf Erbſen, Bohnen, Roſen). Ein in der Weiſe angegriffener Pflanzenteil ſchrumpft infolge Nahrungsmangel zuſammen; es müßten dann aber auch die darauf befindlichen Blattläuſe ſterben, würden ſie nicht auswandern. Die dritte Generation beſteht gewöhnlich nicht nur aus ungeflügelten Blattläuſen, ſondern ſie enthält auch mehrere Stücke, die nach beſtandenen Häutungen fortfliegen und an einer andern Pflanze eine neue Kolonie gründen.— Dadurch, daß die Blattläuſe viele Feinde(Stare, Sperlinge, Grasmücken u. ſ. w., Marienkäferchen und deren Larven, Schwebfliegenlarven, Florfliegenlarven) haben, nament⸗ lich aber, weil ſie vom Wind und Regen oft in Scharen getötet werden, ſo kommen ſie nur dann und wann, beſonders in trockenen Sommern, in ſo großen Scharen vor, daß ſie die Ernte der von ihnen bewohnten Gewächſe gänzlich oder größtenteils vernichten.— Nicht bloß durch Nahrungsentziehung ſchaden ſie den Pflanzen; es kommt als zweites ſchädliches Moment noch die Abſonderung einer zuckerhaltigen, klebrigen Flüſſigkeit aus dem After hinzu. Wenn nun die feinen Tröpfchen aus den oberen, von Blattläuſen bewohnten Teilen einer Pflanze auf die unteren(Garten⸗ und Feldbohne) oder von den von Blattläuſen be⸗ wohnten Blättern eines Baumes auf die an ſeinem Fuße wachſenden Kräuter niederfallen, ſogar vom Winde auf entferntere Gewächſe ver⸗ breitet werden, ſo können ſie großen Schaden verurſachen. Die Flüſſig⸗ keit verdunſtet und hinterläßt eine glänzende, klebrige Subſtanz, welche die Spaltöffnungen der Blätter verſchließt und den Gaswechſel(Aſſimi⸗ lation und Atmung) ſtellenweiſe unmöglich macht. Die vom Winde fortbewegten Staub⸗, Sand⸗, Kohlrauchteilchen u. ſ. w., ſowie die abgeſtreiften Blattlaushäutchen kleben auf der Blattoberfläche feſt und machen den Gaswechſel noch beſchwerlicher. Die Blätter bekommen braune, ſchmutzige Flecken und ſterben ab. Auch kleben an den mit der ſüßen Flüſſigkeit bedeckten Stellen ſehr leicht die vom Winde fort⸗ bewegten Sporen Krankheit erregender Pilze feſt, und dieſe Sporen keimen in der zuckerhaltigen Flüſſigkeit ſehr leicht. So können die Blattläuſe mehrere Pflanzenkrankheiten indirekt verurſachen(z. B. den Rußtau). Es werden alſo dieſe Inſekten auch noch für andere als die von ihnen bewohnten Pflanzen ſchädlich.— Mittel gegen Blatt⸗ läuſe: Beſpritzen mit irgend einer die Blattläuſe tötenden Flüſſigkeit: Seifenwaſſer,— einer Abkochung von Quaſſiaholz,— nicht zu ſehr kon⸗ zentriertem Tabakwaſſer,— Neßlers Flüſſigkeit(40 g grüne Seife, 60 g Tabakmiſchung, 50 g Fuſelalkohol, 2/10 1 gewöhnlicher Alkohol, —— —, — —́ᷓc——eͤ——— ⁴-——==S—ü—-—,, 1 7080 75—2 Set ächſen raudt ihrer bah bal onieen fffener nüßten den ſe ht nar Stück, lan e viele n und ament⸗ verden, nmern, ohnten durch zweite ebrigen zen dus⸗ auf de ſen be⸗ Hſenden jſe we Fliſi⸗ „welch (Affwi⸗ Pind wie die cfeſt und kommen den ·t de for⸗ Sporen nen di B. den alz de Blatt⸗ üſſigket ehr h⸗ e Seife, Alkchol Sechſte Ordnung. Halbflügler. 155 verdünnt mit Regenwaſſer bis auf 1 1;— beim Gebrauche miſche man von dieſer Flüſſigkeit aufs neue 5 1 mit 11 Regenwaſſer),— Kochs Flüſſigkeit(1 kg grüne Seife wird in 5 kg heißem Waſſer aufgelöſt; — 1 kg Späne von Quaſſiaholz wird während 12 Stunden in 5 1 Regenwaſſer extrahiert, die alſo erhaltene Flüſſigkeit gekocht und filtriert. Dann wird dieſelbe dem oben erwähnten Seifenwaſſer zugefügt und das Ganze durch Zufügung von Regenwaſſer auf 40 1 gebracht).— Das Beſpritzen mit einer der obengenannten Flüſſigkeiten muß in kurzem Zwiſchenraume wiederholt werden, damit die Blattläuſe wo⸗ möglich alle berührt werden; denn bleiben auch nur wenige übrig, ſo iſt nach kurzer Zeit ſchon wieder eine große Anzahl da. Für das Beſpritzen eignet ſich am beſten ein warmer Abend.— Auch kann man die von Blattläuſen bewohnten Pflanzen mit fein pulveriſierten Stoffen beſtreuen oder man kann dieſelben mit Hilfe eines kleinen Blaſebalges aufblaſen. Weil ſie ſo lange wie möglich feſtkleben müſſen, ſo wende man ſie nach Regen an oder morgens in der Frühe, wenn der Tau noch die Blätter bedeckt. Ich nenne unter den fein pulveriſierten Stoffen, mit denen man die Blattläuſe bekämpft: Gips⸗, Kalk⸗, Tabak⸗ pulver, Holzaſche, Inſektenpulver(aus den Blütenköpfen perſiſcher Chryſanthemum⸗Arten bereitet).— Noch will ich darauf hinweiſen, daß man jedes Blattlausmittel anwenden muß, ſobald die Inſekten irgendwo in einer erheblichen Zahl ſich zu zeigen anfangen; man zögere nicht bis eine Maſſenvermehrung ſchon eingetreten iſt, weil es dann viel ſchwieriger iſt, einen wirklichen Erfolg zu erzielen.— In einigen Fällen ſcheint es geboten, die ſtark von Blattläuſen heim⸗ geſuchten Pflanzenteile, oder vielmehr diejenigen Pflanzenteile, auf denen ſich dieſe Inſekten erſt zu vermehren anfangen, abzuſchneiden und zu verbrennen oder in irgend welcher Weiſe zu vernichten.(Zeitiges Abſchneiden der Stengelſpitzen der Acker⸗ und Gartenbohnen!)— Die am meiſten an Feldgewächſen vorkommenden Blattlausarten ſind: Die Bohnenblattlaus(Aphis Papaveris), 2 mm, ſchwarz; in den Stengelſpitzen von Feld⸗ und Puffbohnen, auch auf Mohn, Rüben, Salat, ſowie auf mehreren wildwachſenden Kompoſiten und Umbelliferen. — Die Erbſenblattlaus(Aphis Ulmariae), 3— 4 mm, grün; Juli bis Sep⸗ tember auf Erbſen, Platterbſen und mehreren wildwachſenden Schmetter⸗ lingsblütlern; ſehr ſchädlich.— Die Getreideblattlaus(Aphis cerealis), 2 mm, grün oder rötlich⸗braun, auch rotbraun mit grünem Hinterleib; Juni bis Auguſt auf Roggen, Gerſte, Hafer und mehreren Gräſern; ſaugt an der Achſe der Ähre und an den Blütenſtielen; weil die (ſchwarzen) Eier an den Stoppeln überwintern, empfiehlt ſich tiefes Umpflügen der letzteren gleich nach der Ernte.— Die Haferblattlaus (Aphis Avenae), 2 mm, dunkel⸗grgsgrün, weiß beſtäubt; auf Hafer und Gerſte, wohl niemals an den Ähren, ſondern an den Blattſcheiden und an der Oberſeite der zuſammengerollten Blätter.— Die Hopfen⸗ blattlaus(Aphis Humuli), 2 mm, grün; an der Unterſeite der Hopfen⸗ blätter, bei ſtarker Vermehrung an den Schuppen der Früchte.— Die 156 Klaſſe 1. Inſekten oder Kerfe. Kohlblattlaus(Aphis Brassicae), 2 mm, dunkelgrün, grau beſtäubt; vom Mai bis September an den verſchiedenſten Kohlarten, ſowie an andern Kreuzblütlern. Es giebt mehrere Arten, die der Obſtbaumzucht ſchaden. Ich er⸗ wähne bloß einen der ſchlimmſten Feinde des Apfelbaumes, die Blutlaus(Schizoneura lanigera), im ungeflügelten Zuſtande 1 ½ mm lang, bräunlich⸗gelb oder braunrot, im geflügelten Zuſtande mehr länglich, glänzend ſchwarz mit choko⸗ ladenfarbigem Hinterleibe; in beiden Zuſtänden mit weißer, wolliger Wachs⸗ maſſe bedeckt.— Es finden ſich die Blutläuſe in Häufchen oder in langen Reihen am Stamme und den AÄſten der Apfelbäume und zwar an der Schattenſeite der Rinde. Beim Zerdrücken hinterlaſſen ſie einen blutigroten Fleck, daher der Name. Die Blutläuſe vermehren ſich ziem⸗ lich ſtark, aber die Tierchen entziehen ſich gewöhnlich dem Auge ſowohl durch die wollige Bekleidung, als durch die abgeſtreiften Larvenhäutchen und die gelblichen oder rötlichen Kotteilchen.— Die Blutläuſe ver⸗ urſachen ein Kränkeln der angegriffenen Bäume, nicht bloß dadurch, daß ſie ihnen viel Nahrungsſaft entziehen, ſondern auch durch die An⸗ ſchwellungen, welche durch ihren Stich auf den beiden Seiten der Stelle, wo ſie ſitzen, entſtehen. Durch ſie wird das Wachstum des Baumes ſehr beeinträchtigt.— Es läßt ſich die Blutlaus höchſt ſchwer bekämpfen, weil bei Anwendung der verſchiedenſten an ſich recht tüchtigen Mittel(ſtarkes Seifenwaſſer oder Seife in Spiritus gelöſt, Kreolin⸗Emulſion u. ſ. w.) immer einzelne Individuen in der Tiefe der Borkenriſſe zurückbleiben. Weil die angegriffenen Bäume das Übel auf andere übertragen, ſo grabe man, wenn die angewandten Mittel nicht vollkommen helfen, ſie lieber aus, verbrenne ſie und pflanze an die Stelle des ausgegrabenen Apfel⸗ baumes einen andern Obſtbaum.— Unter den Blattläuſen ſei noch erwähnt die Reblaus(Phylloxera vastatrix), die in vielen Weinbaugegenden Europas ganz enormen Schaden ver⸗ anlaßt. Allein der Raum geſtattet uns nicht, das Tier hier zu be⸗ ſprechen. Siebente Ordnung: Blaſenfüßer(Physopoda). Sehr winzige Inſekten mit eigentümlich gebautem Kieferapparat, mit dem ſie die Oberhaut der Blätter oder Blütenteile verwunden und dieſe Teile ausſaugen.— Die vier ſchmalen Flügel haben lange Franſen an den Rändern; die Vorderflügel ſind ziemlich hart. Die Fußenden beſitzen keine Klauen, ſondern kleine Bläschen oder Saugnäpfe. Die Verwandlung iſt eine unvollkommene.— In einigen Jahren vermehrt ſich oft die eine oder andere Art ſehr ſtark; dann fliegen die winzigen Inſekten, namentlich an ſehr heißen Tagen, in großer Anzahl in —— ————- ͤ zwar einen zien⸗ owohl utchen ver⸗ Siebente Ordnung. Blaſenfüßer.— Achte Ordnung. Zweiflügler. 157 Schwärmen umher; auch wandern ſie in großen Scharen. Setzen ſie ſich auf das Geſicht und die Hände der Menſchen nieder, ſo verurſachen ſie ein unangenehmes, läſtiges Jucken, indem ſie beſtändig hin⸗ und herſpazieren.— Der Getreideblaſenfuß(Thrips cerealium), 2 mm. Dunkelbraun bis ſchwarz. Männchen ungeflügelt. Weibchen mit ſchmalen, an den Spitzen nach außen ſich biegenden Flügeln (Fig. 153); Vorderflügel hornig, Hinterflügel häutig.— Larve orangegelb; Kopf, Vorderbruſt und Hinterleibsſpitze ſchwarz. Nach der vorletz⸗ ten Häutung wird ſie gelblich⸗weiß und erhält Flügelſchuppen.— Überwintert im vollendeten Zuſtande; legt die Eier an verſchiedenen Gräſern ab, auch an Getreidearten, ſowie an Erbſenpflan⸗ zen. Die Larven, ſpäter die vollendeten Inſekten, finden ſich in großer Anzahl an blühenden Ge⸗ treidearten(Weizen, Roggen, Gerſte), an den Fruchtknoten ſaugend; dadurch kommen die Ahren nicht zu voller Entwickelung und welken ab.— MAMN Gegenmittel: Tiefes Umpflügen der Stoppelnl,. wodurch die überwinternden Blaſenfüße vernichtet Fige nhi(er Getreide⸗ werden. lium); ſtark vergr. Der Holunderblaſenfuß(Thrips Sambuci) lebt auf Holunder, vermehrt ſich bisweilen auch auf ſehr jungen Feld⸗ bohnen, deren Blätter ſich ſchwärzen und zuſammenſchrumpfen.— Der Flachsblaſenfuß(Thrips Lini) ſchadet öfter dem Flachs.— XNS—, A A — So⸗ — 5— 44 —— 5= ‿˖Ʒ Achte Ordnung: Zweiflügler(Diptera). Mundteile in die Länge gewachſen, zum Saugen oder zum Stechen eingerichtet. Vorderflügel ausgewachſen, nur ſelten fehlend. Hinterflügel fehlend, in geſtielte, oft von Schüppchen bedeckte Knöpfchen(„Schwing⸗ kolben“) verändert.— Verwandlung vollkommen. Larven immer fußlos; viele haben keinen deutlich ſichtbaren Kopf(Maden) und ſaugende Mundteile; die Zweiflüglerlarven mit deutlichem Kopfe haben kauende Mundteile. Die Puppe iſt eine gemeißelte(S. 89); bei vielen Arten dnner ſie ſich innerhalb der zuſammengeſchrumpften Larvenhaut(„Tönn⸗ en“, S. 89). Familie der Stechmücken(Culicinae). Schlank gebaut, mit langen, dünnen Beinen. Bei den Weibchen ein langer Stechrüſſel, bei den Männchen wenig entwickelte Mundteile. Letztere haben federbuſchige Fühler. Beide Geſchlechter ſaugen Waſſer und Pflanzenſäfte, die Weibchen dazu auch Blut; alſo ſtechen bloß die letzteren, namentlich nachts. Sie überwintern in vollendetem Zuſtande in Kellern, Scheunen u. ſ. w. Die Weibchen legen 250— 300 Eier an irgend einem ſchwimmenden Gegenſtande in ſtillſtehendem Waſſer(Pfühle, 158 Klaſſe 1. Inſekten oder Kerfe. Gräben, Waſſergefäße) ab. Die Larven(mit großem Kopfe und ſtark entwickelter Vorderbruſt, ſowie mit einer Atmungsröhre am Hinterleibe) leben im Waſſer; auch die Puppen. Mehrere Generationen alljährlich, namentlich in feuchten Sommern und in Gegenden, wo die Entwäſſerung des Bodens viel zu wünſchen übrig läßt.— Obgleich die Kriebelmücken (S. 164) mehr als die Stechmücken unſern Haustieren das Leben ſauer machen, können auch dieſe ihnen ſehr läſtig werden. Sowie jene ſtechen ſie vorzugsweiſe an den weniger behaarten Körperteilen(Innenſeite der Ohren. Naſe, Mund, Augenwinkel, After, Geſchlechtsteile).— Gegen⸗ mittel: Tüchtige Entwäſſerung des Bodens.— Waſchung der zu be⸗ ſchützenden Haustiere mit Eſſigextrakt von Nußblättern;— Einreibung mit Nußblättern.— Wo es geht, bedecke man etwaige Wunden der Tiere, weil dieſelben Stech⸗ und Kriebelmücken ſowie Fliegen anziehen; oder man beſtreiche ihre Umgebung mit Terpentinöl oder ſehr verdünnter Karbolſäure. Dieſes iſt um ſo unerläßlicher, weil mehrere Fliegenarten gern ihre Eier in die Wunden der Haustiere legen(S. 166). Familie der Gallmücken(Gallicolae). Kleine Mücken mit großen, breiten, gegen die Wurzel ſtark ver⸗ ſchmälerten, an der Spitze abgerundeten, gewöhnlich rauh behaarten Flügeln, mit aus einer großen Anzahl kugel⸗ oder walzenförmiger Glieder beſtehenden, ſperrig behaarten Fühlern, mit kurzem Rüſſel und langen Beinen. Das Weibchen hat eine Legeröhre, mit welcher es die Eier irgend einem Pflanzenteile einimpft. An dieſer Stelle entſteht ſpäter gewöhnlich eine Wucherung der Pflanzengewebe, die von größerem oder geringerem Umfange wird, ſogar eine förmliche Galle bilden kann. (Buchengallmücke, Cecidomyia Fagi). Die Gallmückenarten ſind ge⸗ wöhnlich lebhaft gefärbt, oft rot oder gelb; dieſe Farben gehen jedoch beim Trocknen des Inſekts verloren.— Die Larven ſind ſpindelförmig, gelblich⸗weiß, gelb oder rot; ſie verpuppen ſich entweder im Boden oder innerhalb des von ihnen bewohnten Pflanzenteiles.— Mehrere Arten ſchaden der Obſtbaumkultur oder der Forſtwirtſchaft; ich er⸗ wähne hier bloß die ſchädlichſten derjenigen Arten, welche die Acker⸗ gewächſe angreifen. Die Heſſenfliege(Cecidomyia destructor). Weibchen etwa 3 mm, Männchen etwas kleiner. Erſteres ſamt⸗ ſchwarz, ſchwarz behaart, mit rotem Bauche und roten Zeichnungen; Flügel gräulich; Fühler ⅛ der Körperlänge.— Männchen ſchwarz, rotgelb behaart, mit ſchmutzig⸗rotem Bauche und roten Zeichnungen.— „Heſſenfliege“, weil man im vorigen Jahrhundert in Nordamerika meinte, ſie ſei im Jahre 1788 von heſſiſchen Soldaten mit ihrem Bett⸗ ſtroh aus Deutſchland eingeſchleppt. Auch noch jetzt ſehr ſchädlich in Nordamerika, aber auch in Deutſchland, Rußland, England und Schott⸗ land.— Lebensweiſe: April oder Mai, an windſtillen, warmen — — ———-9— — —= Sͤ=rnͤͤ—S Sͤͤ ͤ—— SNS ee ſtart rleibe hrit, ſerunn mücken ſauer ſteche nenſeit heger⸗ zu be reibung den der ziehen, dünnter enarten nn ve⸗ haarten örmige ſſel und re entſtet rößeren en kann. ſind ge n jdoc eförwig Voden Mehrer ich e⸗ ie Ace⸗ es ſoni hnungen, ſchwa ngen.- damert ten Bet⸗ ädlich in dScot⸗ warnen Achte Ordnung. Zweiflügler. 159 Abenden, legt das Weibchen ihre 80 bis 90 Eier einzeln oder zu je zwei an den unterſten Blättern des noch ſehr kurzen Halms von Roggen⸗, Weizen⸗ und Gerſtenpflanzen ab. Durchſchnittlich acht Tage nach der Eiablage ſchlüpft die anfänglich länglich⸗runde, rotgelblich gefleckte Made aus und gleitet hinunter in die Blattſcheide, wo ſie an dem Halme zu ſaugen anfängt. Allmählich ändert ſie ihre Form; ſie wird eiförmig, glasartig durchſcheinend, mit Ausnahme des großen, gelblich⸗weißen, ganz undurchſcheinenden Fettkörpers. Bald verpuppt ſie ſich; die Puppe(Fig. 154 a) ſieht leinſamenähnlich aus; ſi findet ſich im Sommer am Halme des reifenden Getreides.— Der Aufenthalt und die Nahrungs⸗ aufnahme der Larven verurſacht große und nachteilige Verunſtal⸗ tungen der Pflanzen, welche ſich namentlich in der Blütezeit und kurze Zeit nachher zeigen. Der Halm welkt und ſchrumpft zu⸗ ſammen an der Stelle, wo ſich die Larven befinden, alſo un⸗ mittelbar oberhalb des letzten reſp. vorletzten Knotens. In der Zeit, wo die Halme gelb zu werden anfangen, alſo während das Getreide zu reifen beginnt, verpuppen ſich die Larven; die Halme zerbrechen dann leicht an den angegriffenen Stellen; ein kräftiger Wind oder ein ſtarker Regen wirft ſie zu Boden. Deshalb kann ein ſtark heim⸗ geſuchtes Feld ausſehen, als ob Fig. 154. Von der Heſſenfliege angegriffene eine Viehherde eingebrochen wäre Gerſtenpflanze. Bei a die Puppen. und alles zertreten, oder als ob der Hagelſchlag das Getreide verwüſtet hätte. Nur wenige Halme tragen Ähren mit normal entwickelten Körnern.— Aus den Puppen entſchlüpfen im Auguſt und September die Mücken. Die Weibchen ſuchen bald nachher das Wintergetreide auf und legen ihre Eier, einzeln oder zu je zwei beiſammen, an den Blättern der noch jungen Pflanzen ab. Die Larve kriecht zwiſchen die Blattſcheide und den noch ganz unentwickelten Halm; es häufen ſich auch ſchon im Herbſte mehrere Larven am kleinen Halme in der unmittelbaren Nähe der Wurzeln an; ſie verurſachen daſelbſt eine Anſchwellung. Das Pflänzchen ſtirbt, wenn es in ſeinem unteren Teile von mehreren Larven bewohnt wird, vielfach ab. Die Larven, welche ſchon vor dem 160 Klaſſe 1. Inſekten oder Kerfe. Winter ausgewachſen ſind, verlaſſen die Pflanzen und verkriechen ſich im Boden, wo ſie erſt im nächſten Frühling ſich verpuppen, um 14 Tage ſpäter als vollendete Gallmücken zu erſcheinen. Alſo zwei Generationen jährlich.— Die Verbreitung der Heſſenfliege in Gegenden, wo ſie früher unbekannt war, kann geſchehen: a) mit dem Stroh, welches die leinſamenähnlichen Puppen enthält(Stroh für Papierfabriken, zum Einpacken u. ſ. w.), und welches ſpäter in den Dünger gelangt, nach⸗ her mit demſelben auf den Acker gebracht wird; b) mit dem Getreide, weil in demſelben ſich öfter Puppen befinden, die beim Dreſchen aus den Halmen ſich loslöſen und ſich den Getreidekörnern beifügen.— Gegenmittel: 1. Man ſäe das Wintergetreide ſo ſpät wie möglich, damit die Weibchen der Sommergeneration, wenn ſie die Eier ablegen wollen, kurz nach dem Ausſchlüpfen zu dieſem Zwecke noch keine Wintergetreidepflanzen finden können; 2. man pflüge die Stoppeln bald nach der Ernte unter oder verbrenne dieſelben, damit die ober⸗ halb des letzten oder vorletzten Halmknotens befindlichen Puppen ent⸗ weder tief im Boden begraben oder verbrannt werden. Die kirſchrote Weizengallmücke(Cecidomyia equestris). Weibchen 3— 3 ½ mm, Männchen 2— 2 ½ mm; kirſchrot, gelb be⸗ haart; Bruſtſtück am Rücken ſchwarzbraun. Fühler beim Weibchen von halber, beim Männchen von ganzer Körperlänge.— Fliegt Mai bis Juni; legt die Eier an den Blättern der Getreidepflanzen ab, am liebſten an der Baſis des oberen Blattes. Die auskriechenden blutroten Larven laſſen ſich hinuntergleiten und gelangen zwiſchen Blattſcheide und Halm. Hier arbeiten ſie ſich in den Halm hinein, wo ſie eine Längsrinne bilden, deren Wände mehr oder weniger anſchwellen, und deren Enden durch eine ſehr in die Augen fallende Querverdickung angedeutet werden. Die Blattſcheiden, unter denen der angegriffene Halmteil verborgen iſt, ſind gewöhnlich mehr oder weniger aufgedunſen. Dieſe gallenartigen Aus⸗ wüchſe nehmen viele Ernährungsſtoffe in Anſpruch, nicht nur aus dem betreffenden Halm, ſondern aus der ganzen Pflanze, ſo daß auch die nicht direkt angegriffenen Teile derſelben Pflanze in ihrer Entwickelung zurückbleiben. In der Erntezeit ſind die Larven ausgewachſen; dann verlaſſen ſie ihren Verſteck und laſſen ſich zu Boden fallen, wo ſie erſt im nächſten Frühling ſich in Puppen verändern, die nach kurzer Zeit die Mücken ausſchlüpfen laſſen.— Gegenmittel: Nach einem Jahre, in dem das Inſekt großen Schaden verurſachte, muß man die Acker tief umpflügen, um die überwinternden Larven zu töten.— Die citronengelbe Weizengallmücke(Cecidomyia Tritici). Männchen 1 mm; Weibchen(Fig. 155) 1 ½ mm, hat jedoch eine im ausgeſchobenen Zuſtande faſt doppelt ſo lange Legeröhre. Citronen⸗ gelb, ſchwach behaart; Fühler ſchwärzlich, Augen ſchwarz, Beine ſchmutzig⸗ gelb.— Im Frühjahr oder in der erſten Hälfte des Sommers kriecht ö Tahe conen d ſfe 8 die zum nach⸗ reide, uls n.— gich legen heine ppeln bber⸗ Nent⸗ lb be⸗ en von ai bi iebſten Larven Haln. bidden, durch . Di ſt, ſind n Alk⸗ us den uch de icelung ; damn wo ſie kurzer einen ie Acer ich eine tronen⸗ jmuutzi⸗ kriect Achte Ordnung. Zweiflügler. 161 die Mücke aus dem Boden hervor, und zwar auf ſolchen Ackern, wo im vorigen Jahre Weizen angebaut wurde. Nach der Paarung wandern die Weibchen nach ſolchen Ackern, 8 wo zur Zeit Weizen, ausnahms⸗ weiſe auch wo Roggen wächſt. Der Angriff der Gallmücken fängt an, ſobald die ÄAhren aus den Blattſcheiden herauskommen, und wird, ſolange die Blütezeit des Weizens dauert, fortgeſetzt. Nachts durchbohrt das Weibchen mit der Legeröhre die Spelzen und legt in jede Blüte 3—10 glashelle Eichen. Jede Mücke belegt in dieſer Weiſe mehrere Blüten mit Fig. 155. Die Weizengallmücke(Cecidomyia ihren Eichen, doch kommt es Tritici), Weibchen; vergrößert. vor, daß dieſelbe Blüte von zwei oder mehr Mücken zur Eiablage benutzt wird; und ſo kann man in einer einzigen Blüte bis 30 Maden finden(Fig. 156). Dieſe Maden, welche nach einer Woche aus den Eiern ausſchlüpfen, kriechen hinunter Fig. 156. Die Weizengallmücke(Cecidomyia Tritici): L. Larve im zuſammengezogenen, LII dieſelbe im geſtreckten Zuſtande. B Eine Weizenblume: ag äußere, a innere Spelze, b Staubgefäße, C die pinſelförmigen Narben des Fruchtknotens d. 1 Larven der Weizengall⸗ mücke. LI und LII ſtark, B weniger vergrößert. bis an den Fruchtknoten, an dem ſie ſaugen. Wenn viele Maden in einer Blüte leben, ſo ſtirbt dieſe gewiß; giebt es nur ſehr wenige in einer Blüte, ſo kann ſich ein Samenkorn bilden, wenn auch nur ein Bos, Zoologie. 3. Auflage. 11 162 Klaſſe 1. Inſekten oder Kerfe. kleines. Die von den Maden ſtark heimgeſuchten Ähren bekommen ſpäter gelbe Flecken; viele Ahren bleiben ganz leer und ſind deshalb dünn und aufgerichtet.— Ausgewachſene Made 3 mm, ſtrohgelb bis chromatgelb, in erſter Jugend glashell. Schon nach drei Wochen iſt ſie ausgewachſen; dann läßt ſie ſich zu Boden fallen(Juli oder Auguſt). Erſt im nächſten Frühling verpuppt ſie ſich daſelbſt; 14 Tage ſpäter ſchlüpft die Mücke aus. Familie der Schnauzenmücken(Rostratae). Man nennt ſie auch„Pferdemücken“ und„Schnaken“. Die ſehr langbeinigen Mücken(Fig. 157) leben von Pflanzenſäften; ſie ſtechen nicht. Die Larven ſind beinlos, ohne deutlichen, harten Kopf; 7 Die Kohlſchnake(Pipula oleracea). Links: das Männchen und die Made; rechts: das Weibchen und die Puppe; n. Gr. Fig. 157. diejenigen der meiſten Arten leben in modernden Pflanzenteilen(z. B. in moderndem Holze) oder im vergehenden Dünger unſerer Acker und Wieſen. Es können aber einige Arten durch das Zerſtören von Wurzeln und ſonſtigen Teilen von Kulturgewächſen ſehr ſchädlich werden. Man kennt aber noch nicht alle ſchädlichen Arten, auch nicht im Larven⸗ zuſtande. Man weiß, daß auf ſandigen Böden hauptſächlich die Larven der ſchwarzfleckig⸗gelben Tipula maculosa ſchädlich werden, während auf mehr bindigem Thonboden und in fruchtbarer Gartenerde haupt⸗ ſächlich diejenigen der Tipula oleracea(Fig. 157), auf feuchten Wieſen die der Tipula paludosa ſchaden. Die beiden letztgenannten Arten ſind einander ſehr ähnlich, grau oder graubraun mit hellbräunlichen Flügeln mit dunklem Vorderrande.— Hinſichtlich der Lebensweiſe der„Erd⸗ ſchnaken“ iſt noch vieles unbekannt; meine Mitteilungen beziehen ſich —— Se—B— =——s „ rechss: .B. in er und zurzeln Man aarben⸗ Achte Ordnung. Zweiflügler. 163 auf die gelbgefleckte Schnauzenmücke(Tipula maculosa). Die Mücken fliegen im Sommer, gewöhnlich ſchon Anfang Juni, in großen Schwärmen auf den Feldern, wo die Laryen im Frühling lebten. Sie legen ihre Eier entweder auf denſelben AÄckern oder(gewöhnlich) auf anderen ab, laſſen ſich auch wohl vom Winde bis in weite Entfernung mitführen. Wo die Mücken niederſtreichen, legen ſie jedesmal 2 bis 3 ſchwarze, länglich runde, ſichelförmig gebogene Eier ab, um dasſelbe Geſchäft an einer anderen Stelle zu wiederholen, bis alle 200 bis 250 Stück abgelegt worden ſind. Gerade diejenigen Acker, welche zuvor Grasland waren, werden am meiſten von den Erdſchnaken heimgeſucht; die kopfloſen, grauen bis bleifarbigen, mit kleinen Stacheln am Hinterende des Leibes verſehenen Larven zeigen ſich zuerſt in größter Anzahl unter den auf ſolchem Acker zurückgebliebenen Raſenſtücken, welche gleichſam die Ver⸗ breitungscentren werden, von welchen aus die Zerſtörung des auf dem Acker ſtehenden Getreides beginnt. Die Larven ſchlüpfen im Sommer aus, freſſen im Spätſommer und im Herbſte Pflanzenwurzeln, überwintern und freſſen im nächſten Frühling wieder unterirdiſche Pflanzenteile. Sie nehmen am liebſten die Wurzeln von Gras⸗ und Getreidepflanzen, freſſen aber auch die Wurzeln von Klee, Raps und von mehreren anderen Gewächſen, auch von Gewächſen des Blumen⸗ und Gemüſegartens. Je nach den auf dem betreffenden Bodenſtücke kultivierten Gewächſen ſchaden ſie entweder hauptſächlich im Herbſte oder mehr im Frühling. Junge Getreidepflanzen werden von ihnen zum Abſterben gebracht; ältere ge⸗ wöhnlich nicht. Auf den Feldern, wo Wintergetreide wächſt, ſchaden ſie alſo im Herbſte, auf denen, wo Sommergetreide gebaut wird, im Frühling am meiſten. Weil ſie auch von im Boden zurückgebliebenen Wurzeln ſich nähren können, ſo ſind ſie zeitweilig auch unſchädlich. Die Larven freſſen nicht ausſchließlich unterirdiſch; abends und bei dunkler, feuchter Witterung auch am Tage, freſſen ſie Teile der erſten Blätter ſehr junger Getreidepflanzen ab, doch hat der in dieſer Weiſe von ihnen verurſachte Schaden oft nicht viel zu bedeuten.— Im Mai ſchreiten die Larven zur Verpuppung; ſie nähern ſich dann der Oberfläche und wandeln ſich da in eine braune, an den Hinterleibsringen kleine Dörnchen tragende Puppe um. Nach einer 14—17tägigen Ruhe bewegen ſich dieſe Puppen nach oben, bis ſie mit der Oberhälfte des Körpers aus dem Boden hervorkommen. Dann ſchlüpft die Mücke aus.— Feinde: Maulwurf, Spitzmäuſe, Bachſtelze, Wiedehopf, Saatkrähe, Möwen.— Gegen⸗ mittel: In Gärten kann man die Maden an den Stellen, wo ſie ſehr ſchädlich werden, ſammeln laſſen, am beſten an regneriſchen Tagen, weil ſie dann am Tage den Boden verlaſſen. Bei ſchädlichem Auftreten am Sommergetreide kann man im April die Äcker walzen laſſen(entweder mit der gewöhnlichen oder der Stachelwalze), um die Larven zu töten. Zur Zeit, wo die Schnaken in Scharen auf Ackern und Wieſen umher⸗ ſchwärmen(Juni), kann man ſehr leicht Tauſende Exemplare mit dem Fanghamen einfangen. 11* 164 Klaſſe 1. Inſekten oder Kerfe. Familie der Fliegenmücken(Muscaeformes). Mücken mit verhältnismäßig kurzen Beinen und Fühlern, die jedenfalls kürzer als der Körper, gewöhnlich ſogar kurz, walzenförmig ſind, jedoch ſechs oder mehr Glieder zählen,— während die eigentlicheu Fliegen gewöhnlich bloß drei Fühlerglieder haben. Die Fliegenmücken bilden gleichſam den Übergang zwiſchen den langfüßigen und lang⸗ fühlerigen, ſchlanken Mücken und den mehr gedrungenen, kurzfüßigen und kurzfühlerigen Fliegen.— Es zählen hierzu die Gattungen der Trauermücken(Sciara, z. B. die Thomastrauermücke, Sciara Thomae, deren Larven oft in Scharen wandern und den ſogenannten Heerwurm oder Wurmdrachen bilden), der Kriebelmücken(Simulia) und der Haar⸗ mücken(Bibio, z. B. die Gartenhaarmücke, Bibio hortulanus, deren Larve namentlich im humoſen Gartenboden an den Wurzeln mehrerer Gewächſe nagt). Die Kriebelmücken,„Griebeln“ oder„Gnitzen“(Simulia) haben einen gedrungenen Körperbau, kurze Beine und kurze 9⸗ bis 10 gliederige Fühler; ſie ſind 1—5 mm lang und haben einen kurzen, aber ſcharfen Rüſſel, mit dem ſie Blumenſäfte, welche ihre Hauptnahrung bilden, aufſaugen. Es ſaugen aber die Weibchen dazu noch das Blut von Menſchen und Tieren, wodurch ſie höchſt läſtig werden. Ihren Larvenzuſtand durchleben ſie in ſtillſtehenden Gewäſſern; ihr Vorkommen iſt alſo ein lokales und namentlich durch feuchte Sommer unterſtützt. Man findet die vollendeten Kriebelmücken ſchon im Anfange des Früh⸗ lings und weiter während des ganzen Sommers; mehrere Generationen folgen ſich in einem Jahre. Es erſcheinen die Kriebelmücken öfter in Schwärmen von Tauſenden Exemplaren. Da die Weibchen den Pferden und Rindern gern in die Ohren, die Naſe und die Augen⸗ winkel kriechen, werden ſie unangenehm oder ſogar gefährlich. Ihr Stich verurſacht ein ſchmerzliches Gefühl; die Haut kann förmliche Beulen bilden. Wenn ein großer Schwarm von Kriebelmücken ſich auf eine Rinderherde oder auf einige Pferde niederſtürzt, ſo werden dieſe Tiere wütend und raſend; ſie traben oft ſo lange wild umher, bis ſie tot niederſtürzen.— In Deutſchland ſind die 3—3 ½ mm lange Simulia ornata, ſowie die 2—3 mm lange S. reptans in gewiſſen Gegenden ſehr allgemein; in den Donaugegenden tritt öfter die Colum⸗ baczer Mücke(S. maculata, nur 1—2 mm lang) ſehr ſchädlich auf. Gegenmittel: Vgl. das auf S. 158 bei den Stechmücken Geſagte. Durch Ohrenklappen kann man gewöhnlich die Kriebelmücken von den Ohren der Pferde abhalten. Familie der Bremſen oder Bremen(Tabanidae). Es gehören hierzu große oder mittelgroße Fliegen mit kräftig gebautem Körper, großem, breitem Kopfe, plattem Hinterleibe und ſtarken Beinen. Der Rüſſel iſt bei den Männchen, die nur Pflanzenſäfte ſaugen, ==s— die rmig ichen ücken ang⸗ igen der Wäe, durm Zacr⸗ deren rerer bis xrzen hrung Buut Joren umen ſtütz. Jrij⸗ ionen öfter 1 den ugen⸗ Für mliche h uuf dieſe 7, bis lange wiſſen olum⸗ h auf. eſagte i den kräfti tarken augen, Achte Ordnung. Zweiflügler. 165 fliegen ſieht(Rinderbremſe= T. bovinus; Pferdebremſe= T. autumnalis); 2. die Regenbremſen(Haematopota), kleiner und ſchlanker, mit grauen Flügeln; ſtechen na⸗ mentlich vor einem Gewitter und an ſchwülen, heißen Tagen(Fig. 158); 3. die Blindbremſen(Chrysops), von der Größe . BN der Regenbremſen, aber breiter, mit gold⸗ Fig. 158. Die Regenbremſe grün glänzenden Augen und ſchwarz ge⸗(Raematopota Pluvialis), vergrößert. zeichneten Flügeln.— Gegenmittel: Vergl. unter Stech⸗ und Kriebelmücken(S. 158 u. 164); Trocken⸗ legung des Bodens hilft hier jedoch nichts. Familie der wahren Fliegen(Muscidae). Es gehören hierzu Fliegen mit dreigliederigen Fühlern, welche ganz nach dem Typus der gemeinen Stubenfliege gebaut ſind.— Ich erwähne hier die Raupenfliegen(Tachina), die Fleiſchfliegen(Sarcophaga), die Gemeinfliegen(Musca), die Blumenfliegen(Anthomyia), die Grün⸗ augen(Chlorops).— Die Raupenfliegen(Tachina, Fig. 159) ſind ſchwarze, graue oder rotgelbliche Fliegen, die durch ihren Habitus an die gewöhnliche Stubenfliege oder an die Brummfliege erinnern. Sie ſpielen im Naturhaushalt dieſelbe Rolle wie die Schlupfweſpen(S. 125), legen aber immer ihre Eier außen an der Haut des Wirts ab; es können deshalb ihre Larven niemals in Inſekten⸗ larven leben, die ſich in Pflanzengeweben oder im Boden aufhalten. Die Fleiſchfliegen(Sarcophaga) Wlrthda ſupenülioge haben einen länglichen Hinterleib mit großen Borſten am Hinterrande der Ringe. Bruſtſtück mit drei Längsſtreifen. Die Fliegen ſaugen Schweiß, ſtechen aber nicht. Die Eier entwickeln ſich ſchon im Mutterleibe; die Fliege legt die jungen Lärvchen in totem Fleiſche ab; ſie thut dies aber auch wohl in nicht rein gehaltenen Wunden 166 Klaſſe 1. Inſekten oder Kerfe. von Menſchen und Tieren, bisweilen auch in der Geſchlechtsöffnung von Pferden, Rindern und Schweinen; es leben dann die Maden als wahre Paraſiten in der Scheide und der Gebärmutter, wo ſie Urſache einer Abſonderung von Schleim werden, mit dem ſie ſich ernähren. Zwei bis drei Generationen im Jahr; jedesmal 50— 80 Maden.— Gegenmittel: Um die Fliegen vom Vieh abzuhalten, vergl. S. 158, um ſie vom aufbewahrten Fleiſche fern zu halten: Fliegenkaſten; ein „Hut“ von Gaze.— Graue Fleiſchfliege(8. carnaria) mit ſchwarz ge⸗ würfeltem Hinterleibe. Die Gemeinfliegen(Musca) ſind dunkel gefärbt oder grün glänzend. Die kopfloſen, weißen Maden leben im Kote(Stubenfliege= Musca domestica), in friſchem oder in faulendem Fleiſche(Schmeißfliege= M. vomitoria), ausnahmsweiſe in unrein gehaltenen Wunden oder in der Scheide mehrerer Haustiere. (Schmeißfliege). Gegenmittel: Vergl. oben(GFleiſchfliege). Die Blumenfliegen(Anthomyia). Sie ähneln manchen Gemeinfliegen im Habitus und in den Farben. Die kopfloſen weißen Maden leben im Dünger, in faulenden oder lebenden Pflanzenteilen; es können einige Arten bisweilen in der erſten, ein anderes Mal in der zweitgenannten Subſtanz ſich entwickeln.— Die Ge⸗ 6 witterfliege(Anthomyia meteorica) um⸗ ſchwärmt den Kopf der Haustiere und A kann ſogar Augen⸗ und Ohrenentzün⸗ dungen hervorrufen.— Die ſchmale Blumenfliege(A. coarctata, 6—7 mm. lang, gelblich⸗grau, ſchwarz behaart) lebt im Winter und im Frühling als Larve im Herzen der Roggen⸗ und Weizenpflanzen, infolgedeſſen die Blätter gelb werden. April, Anfang Mai ver⸗ laſſen die Maden die Pflanzen und verpuppen ſich im Boden. Die zweite Generation kann in ähnlicher Weiſe in Sommergetreidearten leben.— Die 5 Lupinenfliege(A. funesta)— 4 ½ mm. 2 6 Fig. 160. Von der Kohlfliege heim⸗- lang, bräunlich⸗grau(Männchen) oder geſuchte Waſſorrüübes a Anſchwellungen, weißlich⸗grau(Weibchen), mit ſchwarzen de⸗ Beinen— gräbt als Larve Gänge in der Wurzel, dem Stengel und den Keimblättern der jungen Lupinen, infolgedeſſen die Wurzel und der Stengel ſchwarz und die Keimblätter weich werden.— Vorbeugungsmittel: Frühzeitiges Ausſäen der den lenden önnen erſten, mnten te Gt⸗ ) un⸗ e und ntzün⸗ cmale 7 un haart ng als . und Blätter ai ber⸗ n und zweit eiſe in Di 5 m ) oder warzen nge in pinen, blätter en der Achte Ordnung. Zweiflügler. 167 Lupinen.— Die Rübenfliege(A. conformis),— 6 mm lang, gelbgrau, — belegt die noch jungen Blättchen der Zucker⸗ und Futterrüben mit je 5—8 Eichen. Die Maden freſſen die grüne Blattſubſtanz zwiſchen den beiden Oberhäuten auf, ſo daß die Blätter zu Grunde gehen. Schon im Juni kriechen die Maden aus den Blättern; ſie verpuppen ſich im Boden; bald ſchlüpfen die Fliegen aus, und es folgen jährlich 2— 3 Generationen aufeinander. Weil aber die Blätter inzwiſchen größer geworden ſind, verurſachen die ſpäteren Generationen nur ge⸗ ringen Schaden.— Vorbeugungsmittel: Dichtes Ausſäen der Rüben, ſo daß auch bei ſtarkem Abſterben doch noch genug Pflänzchen auf dem Acker zurückbleiben.— Die Wurzelfliege(A. radicum) und die Radiesfliege(A. floralis) leben als fleiſchige, runzelige, ſchmutzig⸗ weiße, ſchwarz gekörnte Maden während des ganzen Jahres in den unterirdiſchen Teilen von Kohl⸗ und Waſſerrüben, Kohlarten, Rettich, Radieschen u. ſ. w. Sie führen im ganzen die Lebensweiſe der Kohl⸗ fliege(A. Brassicae), die ſich als walzenförmige, glatte, gelblich⸗weiße Made in den unterirdiſchen Teilen der Kohl⸗ und Rübenarten ſowie der Rapspflanzen aufhält. Die von den Maden befallenen Wurzeln und Rüben ſchwellen bisweilen ſtellenweiſe etwas an(Fig. 160) und wachſen jedenfalls nur wenig; die Blätter der heimgeſuchten Pflanzen werden zunächſt matt⸗bleifarbig, ſpäter welken ſie. Oft werden ganze Kohl⸗, Raps⸗ oder Kohlrübenfelder von den Maden der Kohl⸗ fliege zu Grunde gerichtet. Das Inſekt überwintert als Puppe; die Fliegen zeigen ſich ſehr früh im Frühlinge und ſpäter gewöhnlich noch zweimal. Es iſt alſo ganz unerläßlich, die angegriffenen Pflanzen ſobald wie möglich auszuziehen und zu verbrennen. Weiter ſei natür⸗ lich ein rationeller Fruchtwechſel empfohlen.— Die graue Zwiebelfliege (A. antiqua) entwickelt ſich als Larve in den Hauszwiebeln. Die Käſefliege(Piophila casei), 4—5 mm lang, ſchlank, metalliſch glänzend, faſt unbehaart, ſchwarz mit ſchmutzig⸗gelben Beinen und glashellen Flügeln. Es findet ſich dieſe kleine Fliege ſehr viel vor den Fenſtern der Lokalitäten, wo Käſe aufbewahrt wird; im Sommer und Herbſte leben die gewöhnlich 8 mm langen, glänzend weißen, walzenförmigen, am Ende ſich verdünnenden Maden in großer Anzahl in altem Käſe, den ſie gänzlich durchnagen und ſchmutzig machen. Dann und wann biegen ſie ihren Körper kreis⸗ förmig und ſtrecken ſich dann plötzlich, wobei ſie fortſpringen. Ver⸗ puppung: an den Wänden oder im Stroh in der Nähe von Käſe, aus dem die Larven hervorkriechen.— Gegenmittel: Reinhalten der Käſe; mechaniſche Abſchließung(Gazevorſetzfenſter, Verſchluß der Kiſten). Die Gattung der Grünangen(Chlorops) umfaßt eine Anzahl kleiner, nicht mehr als 3—4 mm. langer Fliegen mit kugeligem Kopfe, rundlichen grünlichen Augen, mit ſtark gewölbter 168 Klaſſe 1. Inſekten oder Kerfe. Rückenſeite des Bruſtſtücks und kurz eiförmigem Hinterleibe, der beim Weibchen zugeſpitzt, beim Männchen abgeſtumpft erſcheint.— Die kopf⸗ loſen Larven leben in den Halmen von Gräſern und Getreidearten; von wenigen iſt die Lebensweiſe genügend bekannt. Einige werden ſchädlich, um ſo mehr, als ſie jährlich in zwei oder drei Generationen auftreten. Die Spätſommergeneration erſcheint oft in ſehr großer Anzahl und zwar in förmlichen Schwärmen.— Da keine Art aus⸗ ſchließlich das Getreide bewohnt, ſo iſt es unmöglich, ihnen auf längere Zeit Herr zu werden.— Ich beſpreche nur zwei Arten. Die gelbe Halmfliege oder Kornfliege(Chlorops taeniopus), 3— 4 mm lang, glänzend gelb; ſchwarz ſind die Fühler, drei Längs⸗ ſtriemen auf der Rückenſeite des Bruſtſtücks, vier Querbinden auf dem Hinterleibe; letztgenannter Teil iſt faſt nicht länger als das Bruſtſtück. — Mitte Mai fliegt das Inſekt(Fig. 161) auf den Getreideäckern. Es legt die Eier einzeln an den oberen Blättern der verſchiedenen Weizenarten, des Roggens und der Gerſte ab und zwar an der Oberſeite der Blattſcheibe, nicht weit von der Blattſcheide. Bloß diejenigen Pflanzen werden für die Eiablage ausgewählt, bei welchen die ÄAhre noch tief unten zwiſchen den Blattſcheiden verborgen iſt. uohli wählt die Füiene 38 ig. 161. Di 1 llorops zenpflanzen aus. Die ausſchlüpfende 8 164 Siechgli iedeßde orobs Made begiebt ſich zwiſchen Blattſcheide und Halm und greift dann den letzteren an. Sie iſt gelblich⸗weiß, hell durchſcheinend, im ausgewachſenen Zu⸗ ſtande 6—7 mm lang. Nachdem ſie in jugendlichem Zuſtande bis an den Halm vorgedrungen, greift ſie die ſich entwickelnde Ahre an ihrem unteren Teile oder erſt den unmittelbar daran grenzenden oberen Teil des Halmes an; ſie begiebt ſich, ſtets langſam ſaugend, allmählich nach unten fort bis an oder faſt bis an den erſten Halmknoten. So ent⸗ ſteht längs der Oberfläche des oberen Halmteiles, öfter auch längs der des unteren Teiles der Ähre, eine 60— 90 mm lange Furche (Fig. 162 C und D). Der angegriffene Teil des Halmes ſchwillt in der Quere an, und öfter bleibt auch der unter dem Fraße gelegene Teil des Halmes kurz, ſo daß die Ähre nicht einmal aus der Blattſcheide hervorkommen kann; jedenfalls aber bilden ſich nur kleine, wertloſe Körner. Die Furche iſt an dem Unterende immer weit tiefer als am Anfange. Es bildet ſich an ihren Rändern eine Verdickung infolge der Anſchwellung des Halmgewebes. Ende Juni oder im Juli verpuppt ſich die Made im Unterende der Furche. Die gelbbraune, 5 mm lange Puppe(Fig. 162 B) bleibt als ſolche während drei Wochen in der Furche ſitzen; im Auguſt ſchlüpft die Fliege aus.— Der Schaden, den die hier in ihrer Lebensweiſe beſchriebene erſte Generation verurſachen kann, r bein ſe by ealten, werden dtionen großer t aur⸗ längen Länge auf der ruſttttt deücken. hiedenen mnd de Dberſet von da Pfaanzen gewäht, ef unee erborgen ege We⸗ lüpferde ötſſchde letzeren enen— e bis un nn ihren eren dil lich mit So en⸗ ch länge e Fun hwilt in gene di lattſhede werioi r als ul nfolge di verpupdt um lange der Furce en die li hen kann,. Fig. 162. Die Halmfliege(Chlorops taeniopus): Larve(A) und Puppe(B), vergr. Links: Teil eines Weizenhalmes und einer Ähre(C) mit von der Larve ausgegrabener Furche; man ſieht die Puppe(p) am Boden dieſer Furche. Rechts: Teil eines Weizenhalmes mit Furche(D) und einliegender Larve(r). Fig. 163. Von der Wintergeneration der Halmfliege verunſtaltete Weizenpflanze. — 170 Klaſſe 1. Inſekten oder Kerfe. iſt ein beträchtlicher. Im Jahre 1869 blieb in Schleſien auf manchen Aeckern der ⅛ bis% Teil aller Getreideähren in der Blattſcheide ver⸗ borgen und demnach gaben dieſe gar keinen Ertrag.— In der oben beſchriebenen Weiſe kann die erſte Generation der Halmfliege ſich auch in den Halmen mehrerer Gräſer entwickeln, z. B. in den Arten der Gattungen Poa und Holcus. Die im Spätſommer ausſchlüpfenden Fliegen legen ihre Eier, auch wieder einzeln, an den Blättern von Gras⸗ oder Getreidepflanzen ab. Womöglich beſuchen ſie zu dieſem Zwecke die auf den Feldern befindlichen Winterweizenpflanzen, begnügen ſich aber auch mit Roggen oder ſogar mit wildwachſenden oder Weidegräſern; mit Gräſern müſſen ſie für⸗ lieb nehmen, wenn in der Zeit der Eiablage noch kein Wintergetreide auf den Ackern ſich befindet. Die ausſchlüpfende Made bewegt ſich bis an die Innenſeite der Blattſcheide und weiter bis an den Gipfel des noch ſehr kleinen Halmes fort; hier bleibt ſie, um zu überwintern. Der Schaden zeigt ſich erſt im nächſten Frühjahre. Das Längenwachstum des betreffenden Halms bleibt dann äußerſt gering, während das Dickenwachstum ſich abnorm ſteigert. Faſt alle Blätter umſchließen beſtändig den Halm; dieſer ſchwillt mit den ihn umſchließenden Blattſcheiden, die viel breiter als gewöhnlich werden, ſtark an (Fig. 163). Die nicht angegriffenen Pflanzen werden natürlich viel länger als die kranken und entziehen den letzteren Luft und Licht, ſo daß dieſe, von den umherſtehenden geſunden Halmen und teilweiſe auch von ihren eigenen Nebenhalmen überwuchert, eingehen. Es kann der alſo verurſachte Schaden, beſonders an den Feldrändern, ziemlich be⸗ deutend werden.— Es können zwar in einer und derſelben Gegend die Sommer⸗ und die Wintergeneration der Halmfliege beide ſchädlich werden, doch kommt es öfter vor, daß nur entweder die erſtere oder die letztere in einer Gegend von ſich reden macht. Das iſt natürlich, denn die Fliegen, welche im Mai, dann wieder im Auguſt, September oder Oktober auf den Äckern umherfliegen, finden nicht immer Getreide⸗ pflanzen, die gerade in der Flugzeit der Fliegen in derjenigen Ent⸗ wickelungsphaſe ſind, welche für die Eiablage nötig iſt. In ſolchen Fällen werden Gräſer benutzt.— Gegenmittel: Möglichſt frühzeitiges Ausſäen des Sommergetreides, damit dasſelbe beim Ausſchlüpfen der Fliegen ſchon ſo weit entwickelt iſt, daß ſie ihre Eier nicht mehr daran ablegen können. Die Winterſaat aber ſäe man möglichſt ſpät, damit die Fliegen der zweiten Generation noch keine zur Eiablage geeigneten Wintergetreidepflanzen finden.— Man ſäe lieber beſpelzte als nackte Weizenvarietäten und überhaupt die ſtärkſten Spielarten.— Gute Beſtellung und zweckmäßige Düngung, damit man ſchnell wachſende, kräftige Pflanzen bekomme.— Die Fritfliege(Clorops s. Oscinis frit) (Fig. 164 C), 2—3 mm lang, glänzend ſchwarz, metalliſch glänzend. Beine ſchwarz, Füße gelb. Made(Fig. 164 A) gelblich⸗weiß, 3— 4 mm Fig. trei Fig. 164. Achte Ordnung. Zweiflügler. 3 Die Fritfliege(Chlorops frit): A Larve, B Puppe, C Fliege. treidepflanze, wie ſie im Frühjahre ſich zeigt; man ſieht die Larven und Puppen in natürlicher Größe im unteren Teile der Pflanze. 171 D Eine kranke Ge⸗ 172 Klaſſe 1. Inſekten oder Kerfe. lang, walzenförmig, nach vorn ſich verſchmälernd.— Gewöhnlich drei Generationen.— 1. Die Maden der erſten Generation finden ſich im Mai in dem unteren Teile des Halmes des Sommergetreides(beſonders des Hafers und der Gerſte); die angegriffenen Pflanzen ſterben ent⸗ weder gänzlich ab, oder es kommen zwar einige wenige Halme zu weiterer Entwickelung, bleiben aber dennoch gewöhnlich klein und liefern nur wenige, leichte Körner; die Halmbaſis verdickt ſich abnorm, das Längenwachstum iſt immer nur ein geringes, und auch die Blätter wachſen ſchlecht, werden erſt an der Spitze gelblich, nachher ganz gelb oder rötlich. Je nachdem wenige oder viele(ſogar bis 10) Maden die Baſis einer Pflanze bewohnen, ſind die Krankheitsſymptome weniger oder mehr deutlich. Die glänzend braunen Puppen(Fig. 164 B) findet man im unteren Teile des Halmes oder zwiſchen den Blattſcheiden und dem Halme(Fig. 164 D) in den letzten Tagen des Mai, ſowie im Juni. Juni fliegt auch das vollkommene Inſekt.— Die erſte Generation kommt öfter in wildwachſenden oder Wieſengräſern vor, im Sommergetreide hauptſächlich nur, wenn es ſpät geſäet iſt oder ſich ſehr langſam entwickelt.— 2. Die Maden der zweiten Generation finden ſich durchſchnittlich im Juli an den noch nicht ganz reifen Körnern des ſpäten Sommergetreides, vorzüglich an denen des Hafers und der Gerſte, öfter aber in Halmen von Gräſern. Sie halten ſich zwiſchen den Spelzen auf und ſaugen Säfte aus den ſich entwickelnden, noch weichen Körnern, die ſich nicht entwickeln können, jedenfalls ſehr leicht bleiben. Die Maden der zweiten Generation entwickeln ſich raſcher als die der erſten und der dritten, ſchon in drei Wochen. Die Puppen⸗ ruhe iſt nur ſehr kurz, und die Fliegen erſcheinen im Auguſt, Sep⸗ tember oder Oktober. Dieſe legen ihre Eier an die Blätter des Winter⸗ getreides oder der Wintergräſer, und aus dieſen Eiern entſtehen 3. die Maden der dritten Generation, welche im September und Oktober im Herzen des Wintergetreides und der Gräſer ſich finden und die Pflanzen in ganz derſelben Weiſe zerſtören, wie die Maden der erſten Generation das Sommergetreide. Das Inſekt überwintert in den Wintergetreidepflanzen, reſp. in Gräſern, als Puppe.— Wohl niemals leben in irgend einer Gegend die drei Generationen im Getreide; ge⸗ wöhnlich iſt dies entweder bloß mit der erſten, zweiten oder der dritten, oder mit der erſten und dritten Generation der Fall; die weiteren Generationen leben dann in Gräſern.— Gegenmittel: Vernichtung des Inſekts unmöglich, weil es immer wieder von Gräſern auf die Getreidepflanzen überſiedeln kann. Hafer und Gerſte werden im Frühling faſt immer angegriffen, wenn in der nächſten Umgebung ſich Winterroggen befindet, der von den Maden der Fritfliege bewohnt wurde; die ſich entwickelnden Fliegen ſuchen im nächſten Frühjahr das Sommergetreide auf. Man könnte ihnen dieſes unmöglich oder wenigſtens beſchwerlich machen, wenn man zwiſchen einem Acker mit Wintergetreide und einem Acker mit Hafer, Gerſte oder einem ſonſtigen ſpäter geſäeten Sommergetreide einen Acker mit Erbſen, Klee, Lupinen, Raps oder d dri ch in nders ent⸗ ne zl und norm, läter Rb ſaden eniget findet in den iemals de; ge⸗ dritten, veiteren ichtung auf die den in ung ſic dewohnt ähr das nigſtens getreid geſäeten s oder Achte Ordnung. Zweiflügler. 173 einem andern, nicht zu den Gräſern zählenden Gewächſe beſäete.— Möglichſt frühzeitiges Ausſäen des Sommergetreides(namentlich der Gerſte und des Hafers).— Verſchließen der Fenſter nach eingeheimſter Ernte und Vernichtung der innerhalb der Fenſter ſich zu Tauſenden anſammelnden Fliegen. Familie der Schwebfliegen(Syrphidae). Größtenteils lebendig gefärbte, mit gelben oder rötlichen und ſchwarzen Binden oder Flecken gezeichnete Fliegen(Fig. 93), die während ihres ſchnellen Fluges ein ſummendes Geräuſch hören laſſen. Sie können ſich an einem beſtimmten Orte in der Luft ſchwebend erhalten(daher der Name), wobei ſie mit großer Schnelligkeit die Flügel auf und nieder bewegen. Einige ähneln durch ihre dichte Behaarung den Hummeln, andere durch ihren gelb und ſchwarz gefarbten Hinterleib den Weſpen (Schwirrfliegen= Syrphus). Der Rüſſel iſt zum Saugen, nicht aber zum Stechen eingerichtet; die Schwebfliegen ſaugen ihre Nahrung aus Blumen. Sie ſchweben gern an ſonnigen Stellen in der Luft.— Die fußloſen Larven ſind je nach der Art in der Lebensweiſe und infolge⸗ deſſen auch im Körperbau verſchieden. Einige(die der Schlammfliegen = Pristalis) leben in ſtillſtehendem Waſſer; andere(z. B. die der Zwiebelmondfliege= Eumerus lunulatus) leben in Zwiebeln, die ſie aushöhlen; auch entwickeln ſich einige in morſchem Holze u. ſ. w. Die Maden der eigentlichen Schweb⸗ oder Schwirrfliegen(Syrphus) nähren ſich aber von Inſekten, hauptſächlich von Blattläuſen, die ſie leerſaugen. Sie ſind länglich, vorn ſpitz, hinten dick, bewegen ſich blutegelähnlich und ſind je nach der Art in der Farbe verſchieden(grün, gelb, braun, gefleckt). Weil ſie ſchnell wachſen und alſo jährlich in mehr als einer Generation vorkommen, auch ſehr gefräßig ſind, muß man ſie als kräftige Mithelfer im Kampfe gegen die Blattläuſe anſehen. Familie der Stechfliegen(Stomoxydae). Die Stechfliegen ähneln in vielem den Gemeinfliegen, haben jedoch zum Stechen eingerichtete Mundteile. Durch ihre ſchmerzhaften Stiche ſind ſie als Plage für Menſchen und Vieh jedem bekannt.— Es ge⸗ hört hierzu die oft mit der gewöhnlichen Stubenfliege verwechſelte gemeine Stechfliege oder der Wadenſtecher(Stomoxys calcitrans), welche ſich von der erſtgenannten durch einen wagerecht abſtehenden, ſpitzen Rüſſel unterſcheidet; auch iſt der Hinterleib mehr gelblich⸗grau. Die Maden leben gewöhnlich im Dünger. Zwei Generationen im Jahr; die erſte fliegt im Mai, die zweite(weit zahlreichere) im Auguſt und September.— Gegenmittel: Vergl. S. 158. Familie der Bremsfliegen(Oestridae). Mittelgroße oder große Fliegen(Fig. 165) mit halbkugelförmigem, dickem Kopfe und nicht ſtark entwickelten Mundteilen. Fühler in tiefe 174 Klaſſe 1. Inſekten oder Kerfe. Gruben zurückziehbar. Die Bremſen ſummen im Fluge.— Die kopf⸗ loſen, zwölfgliederigen Maden leben im Körper verſchiedener Säuge⸗ tiere. Ihre Körperhaut zeigt zahlreiche warzenförmige Ausſtülpungen oder im Kreiſe geſtellte Stacheln. In erſter Jugend ſind die Maden walzenförmig, länglich; dann beſitzen ſie einen Mundhaken, der bei ſpäteren Häutungen verſchwindet. Sobald die Maden vollkommen aus⸗ gewachſen ſind, verlaſſen ſie den Tierkörper, den ſie bewohnten, und laſſen ſich zu Boden fallen, wo ſie innerhalb der zuſammengeſchrumpften Haut ſich verpuppen. Man unterſcheidet nach dem Aufenthaltsorte und dem Körperbaue: Hautdaſſelfliegen oder Hautbiesfliegen(Hypoderma), Naſendaſſelfliegen oder Naſenbiesfliegen(Oestrus) und Darm⸗ und Magenbremsfliegen (Gastrus= Gastrophilus).— Zur erſtgenannten Gattung gehört die Ochſen⸗ oder Rinderbiesfliege(Hypoderma Bovis), 15 mm lang, ſchwarz. Behaarung: auf dem Kopfe weißlich⸗gelb; auf dem Vorderteile des Bruſtſtücks rötlich⸗gelb, auf dem Hinterteile ſchwarz; auf dem Hinterleibe vorn grau, in der Mitte ſchwarz, hinten rötlich⸗gelb. Beine ſchwarz. Flügel bräunlich, nicht ganz hell.— Flugzeit: Sommer(Juni bis September). Sobald die Rinder die Fliegen ſummend umherfliegen hören(insbeſondere an heißen Tagen), werden ſie ſehr unruhig, traben wie toll umher, ja ſtürzen ſich ſelbſt in Abgründe hinein. Junge Rinder werden zur Eiablage ausgewählt; das längliche, weiße Ei wird einzeln an ein Haar feſtgeklebt. Die aus⸗ ſchlüpfende, im Anfange längliche Made gelangt in das Unterhautbinde⸗ gewebe(man weiß noch nicht ganz ſicher, in welcher Weiſe), wo ſie ge⸗ wöhnlich nicht ſogleich einen beſtimmten Platz behauptet, ſondern in dem⸗ ſelben hin und her wandert; ja ſie kann zeitlich in das Fleiſch, ſogar in die Rückenmarkhöhle gelangen. Jedenfalls aber wandert ſie ſpäter in das Unterhautbindegewebe zurück, wo ſie im Winter oder im nächſten Frühling die Entſtehung der bekannten„Daſſelbeulen“ verurſacht. Nachdem ſie ihren beſtimmten Platz eingenommen hat, häutet ſie ſich und wird breiter, gelblich⸗weiß. Die Made verurſacht zunächſt eine geſteigerte Blutzu⸗ ſtrömung, bald Entzündung. So entſteht eine mit Eiter gefüllte Höhlung, die allmählich von einem bindegewebeartigen Sacke umgeben wird und durch ein Kanälchen mit der Außenwelt in Verbindung ſteht. Im Frühjahre oder im Anfange des Sommers hat die an der Hautoberfläche ſichtbare Beule den Umfang eines Taubeneies erreicht; dann iſt die Made zunächſt graugelb geworden; ſpäter hat ſie braune Flecken be⸗ kommen und endlich iſt ſie ſchwarzbraun geworden und 25— 28 mm. lang, etwas buckelig. Dann iſt ſie verpuppungsfähig, kriecht hinaus und läßt ſich zu Boden fallen, wo ſie in eine 20 mm lange, ſchwarze Puppe(„Tönnchen“ S. 89) ſich verwandelt, aus welcher etwa 4 Wochen ſpäter die Fliege herauskriecht.— Schaden: Wenn die Daſſelbeulen auf einem Rinde in nur geringer Anzahl vorkommen, beeinträchtigen ſie deſſen Geſundheit nicht bedeutend; doch muß dieſes der Fall ſein, 3 mn ſinaus warze vochen beulen htigen lſein, Achte Ordnung. Zweiflügler. 175 wenn ſich viele, bis 50, ja ſogar bis 100 Stück auf einem Tiere finden. Dann wird auch der Miltchertrag erheblich vermindert. Auch die Häute bekommen Löcher, die zwar ſpäter, wenn das Rind länger am Leben bleibt, ſich wieder ſchließen können, aber gewöhnlich jedenfalls eine dünne Stelle hinterlaſſen. Die Fleiſchoberfläche eines von Daſſelbeulen heimgeſuchten Rindes iſt ſchmutzig⸗gelb, ſchlaff, ſogar weich, gallert⸗ artig; ſie muß abgekratzt werden.— Feinde: Stare ſetzen ſich im Frühling auf den Rücken der heimgeſuchten Rinder und erfaſſen die Paraſiten mit dem Schnabel. Stare, Krähen, Bachſtelzen freſſen die am Boden liegenden verpuppungsfähigen Maden.— Gegenmittel: Waſchen des Rückens, der Schultern und des Kreuzes während des Sommers mit Eſſigextrakt, um die Biesfliegen abzuhalten.— Im Frühlinge: Ausdrücken der Maden aus den Beulen, die man— falls nötig— mit einem Meſſerchen geöffnet hat.— Wenn die Beule „gereift“ iſt, d. h. wenn ſie ſich ſo weit geöffnet hat, daß der ſchwarze Hinterteil der Made ſich zeigt, kann man die Offnung mit Fett oder Wagenſchmiere verſchließen, wodurch die Made an Ort und Stelle getötet wird. Die Schaf⸗ oder Naſenbiesfliege(Oestrus Ovis), 10— 13 mm lang, gelbgrau, faſt unbehaart; Kopf groß, rund, rötlich; Bruſtſtück grau mit ſchwarzen Wärzchen; Hinterleib gelblich⸗weiß; Beine kurz, hellrot; Flügel glashell.— Die Fliege hält ſich(im Sep⸗ tember) an Mauern der Schafſtälle, auch im Gehölze, wo Schafe in der Nähe ſind, auf. An ſonnigen Tagen umfliegen die Weibchen die Schafe, um an dieſen ihre Brut abzulegen. Die bedrohten Schafe drücken die Naſenlöcher an den Boden; doch hilft es ihnen nicht viel. — Die Maden entſchlüpfen dem Ei ſchon im Mutterleibe der Fliege; letztere legt alſo die junge Brut an den Rändern der Naſenlöcher ab. Die kleinen Maden kriechen auf der Naſenſchleimheit umher und ver⸗ urſachen ein unerträgliches Jucken. Die Schafe verſuchen durch Kopf⸗ ſchütteln, ſowie durch Reiben der Naſe auf dem Boden, die Eindring⸗ linge wieder los zu werden. Die Maden aber kriechen weiter bis in die innere Naſenhöhle, in die Höhle des Stirnbeines, des Oberkiefers und eventuell der Hörner. Hier nähren ſie ſich von Flüſſigkeiten, welche die Schleimhaut beim Vorhandenſein der Maden in großer Quantität ausſcheidet.— Die Maden brauchen 9 Monate und ändern in dieſer Zeit vielfach ihre Geſtalt. Die eben ausſchlüpfenden ſind weiß, 1 mm lang; die 10 mm langen Exemplare ſind gelblich⸗weiß. Die verpuppungsreifen Exemplare ſind 22— 28 mm lang, gelblich⸗braun mit dunklen Querſtreifen; ſie wandern wieder in die Naſenhöhle und dann nach außen; vielfach werden ſie durch Nieſen entfernt. In dem Boden wandeln ſie ſich in eine erſt braune, nachher ſchwarze Tönnchen⸗ puppe(S. 89) um; nach 6—7 Wochen erſcheint die Fliege. Die ver⸗ ſchiedenen Maden entwickeln ſich ſehr verſchieden ſchnell, je nach der Höhle, wo ſie ſich befinden. 3 176 Klaſſe 1. Inſekten oder Kerfe. Die Maden verurſachen die ſog.„Schleuderkrankheit“,„Horn⸗ wurmkrankheit“,„falſche Drehkrankheit“ oder den„Bremſenſchwindel“, der ſich am deutlichſten in den Monaten März bis Mai zeigt, denn in dieſer Zeit ſind die Schmarotzer ziemlich ausgewachſen. Sie reizen die Schleimhäute der von ihnen bewohnten Kopfhöhlen und verurſachen dadurch eine außergewöhnlich große Blutzufuhr nach dieſen Teilen, infolgedeſſen die Schleimabſonderung aus der Naſe ſtark zunimmt (Nieſen, Schnauben!) und das Gehirn abnormal zu wirken anfängt (Biegen des Kopfes, hohes Aufheben der Beine,— in ſchlimmeren Fällen Augenverdrehen, Zähneknirſchen, Schaumkauen!). Auch haben die Schafe ein ſtarkes Naſenjucken, infolgedeſſen ſie die Naſe an dem Boden, an Pfählen oder den Beinen reiben; weiter Entzündung der Augenlider, vermehrte Thränenabſonderung. Auch können ſie ſtark ab⸗ magern. Die Krankheit kommt öfter bei jungen als bei älteren Schafen vor; auch ſind die Symptome bei den erſteren heftiger. Es kann der Tod von der Schleuderkrankheit herbeigeführt werden; ſonſt tritt nach dem Auskriechen der Maden Geneſung ein.— Vorbeugungsmittel: Fernhalten der Schafe von Waldrändern, Alleen u. ſ. w., wo die Biesfliegen ſich gern aufhalten.— Wo Schafe geſchlachtet werden, ſammle und töte man die aus dem Kopfe herauskommenden Maden.— Beſtreichen der Ränder der Naſenlöcher mit Teer oder Einreiben der⸗ ſelben mit Walnußblättern, morgens vor dem Weidegange.— Gegen⸗ mittel: Den Schafen, die im Spätſommer die Naſe an Baum⸗ ſtämmen, Mauern, Hecken oder an den Beinen hin und her reiben, reiche man ein Nieſemittel, z. B. billigen Schnupftabak, den man am beſten mit einer Federpoſe in die Naſe bringt. Später, wenn die Maden ſchon aus der Naſenhöhle bis in die Stirnhöhle u. ſ. w. ge⸗ wandert ſind, hilft das Nieſen nichts mehr. Operationen reichen ſelten aus, um alle Maden zu entfernen. Die Magen⸗ und Darmbremsfliegen(Gastrus= Gastrophilus) leben in den verſchiedenen Abteilungen des Darmes. Ich gebe zunächſt eine gedrängte Überſicht des Körperbaues und der Lebenseigentümlich⸗ keiten der vier deutſchen Arten. (Siehe Tabelle S. 177.) Die von den Darm⸗ und Magenbremſen verurſachten Krankheiten. Die Maden bohren ſich in die Magen⸗ oder Darm⸗ wand hinein, bis ſie in diejenigen Schichten der Wand gelangen, wo ſich Blut⸗, Chylus⸗ und Lymphgefäße veräſteln; dann ſaugen ſie die ſich in dieſen Gefäßen befindlichen Säfte, ſowie ſeröſe Flüſſigkeiten auf. In geringer Anzahl oft faſt unſchädlich, beeinträchtigen die in größerer Anzahl vorhandenen Maden die Ausſcheidung der Verdauungsſäfte. Sie können auch Entzündungen der Darmwand herbeiführen und beim Durchbohren einer Schlagaderwand durch innere Verblutung den Tod verurſachen. Bei Füllen durchbohren ſie öfter die ganze Darmwand, — Zweiflügler. Achte Ordnung. -u2b ves un dun gunjce „ 10 gg ulo 1 e en Bunullg uSve a5 e ee ee ⸗-uunC S- ee eee e G1Aκρρ α2ε Inv aqunjco ut Guv] eg e e ua w S uthpusnſh hee e e unvg— 1uarpnv b e 2424 ut Gpoh eh e e wee iene wee u15 v2Cs un e i ene aeee 12 ee— unaönvig agpon Jo UGpung 1901195„1al a02125 i e 136 1115 quaahya Gau lo e enae p2s ee ei e u* Gpsöunddndaaa u ee e ee ie i 1129 35 1916 weee iee ie e Gppung— Jaaznjg aodpv“nvaö5go ppung a0u aad gun aulac acaog 12 nag JGvenj 19 0 Sag 9 angeab u e e ee ueSve e„a uhp⸗ 12 a — unvaqglos unvq Joa Sgeete eene üee— 191& 2 18 EBESSEEBSEEZSESESSlS „3C41 a2- geee uaoqupae ueg wee uaddi uod u—:g1 „G421S 12 a00pg. ⸗uve aog ueg e üda uog u— Lava Su 59 e 211eq uhvugnv: zaſ uoSnegc eee ee 31C l e e ualeadags uae! ⸗ue— av „2-aalch a2g an Cu log duneen ui„S1 JounlL Javvhod e unvaqeavap! duaeupjs puna eina 7g1ababuvac Lavancp! gea e aeae uaLav! un i ihe en e w zpm zung„zachag en ee ee ee 99 e eee auho) aaqvas unvaqeavap esd 105L 135buvac egd 7913ar =pgos uaag: Sunavvdag Lavauſp! 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Inſekten oder Kerfe. und bewegen ſich bis in die Bauchhöhle, wo ſie Bauchfell⸗ oder Darm⸗ gekröſeentzündungen veranlaſſen. 100 bis 200 Maden können ſich im Magen oder Darm befinden, und dann verurſachen ſie wenigſtens zeit⸗ weilig Verdauungsſtörungen und Kolik.— Wenn ſich die Bremſen⸗ maden(G. nasalis) in der Kehle(auch im Kehlkopfe!) befinden, treten Atmungsſtörungen auf; wenn ſie ſich im Schlunde befinden, Störungen im Schlingen; beide Störungen können den Tod herbeiführen(Winter, Anfang des Frühlings).— Gegenmittel: Totſchlagen der eierlegenden Fliegen, Entfernung der abgelegten Eier durch Putzen, Kämmen und AN Fig. 165. Pferdemagenbremsfliege(Gastrus Equi): a Ei an einem Haare, ſtark vergrößert; c jüngere(vergr.) und b ältere Larve; d geöffnetes Puppengehäuſe; e Fliege. b, d, e n. Gr. Waſchen, letzteres am beſten mit warmem Waſſer, dem etwas Ätzkali zugefügt wurde. Einreiben der Lippen und Naſenlöcher, des Halſes, der Bruſt und der Vorderbeine mit Walnußblättern.— Familie der Lausfliegen(Pupipara). Körper platt, breit; Haut lederartig, zäh. Krumm gebogene, zum Klettern in den Haaren geeignete Vorderbeine. Einige(z. B. die Pferdelausfliege) haben ein Paar Flügel, andere(die Schaflausfliege) ſind flügellos. Sie bringen lebendige Maden zur Welt, und zwar jedes⸗ mal bloß eine einzige, welche bei der Geburt ſchon verpuppungsfähig iſt. Die Fortpflanzung wiederholt ſich mehreremal.— Es gehören hierzu: 1. die Pferdelausfliege(Hippobosca equina), 7—9 mm, mit breitem Hinterleibe, braun; zwei breite ſtumpfe Flügel. Im Sommer und Be⸗ ginn des Herbſtes hauptſächlich auf Pferden, namentlich in der Um⸗ gebung des Afters, am Bauche und an den Körperſeiten. Sie ſaugt Blut und juckt durch ihr Hin⸗ und Herlaufen. Fliegt ſelten.— 2. die Schaflausfliege, fälſchlich„Schaflaus“ und„Schafzecke“ genannt (Melophagus ovinus), 4—6 mm, ungeflügelt, roſtgelb mit braunem Hinterleibe, ſtark behaart. Zwiſchen den Wollhaaren der Schafe, wo die Schaflausfliegen ſich langſam kletternd fortbewegen und Blut ſaugen. Ihr Kot kann die Wolle grün färben.— Namentlich Lämmer werden von der Schaflausfliege in ihrem Wachstume ſehr gehindert. Auch wird die Wolle verdorben, indem die Tiere durch das Jucken gezwungen werden, ſich zu reiben und die Wolle zu zupfen.— Man findet die Schaflausfliegen am meiſten bei den auf der Weide befindlichen Schafen; im Winter verhältnismäßig wenig. Zum Zwecke der Fortpflanzung —,ͥᷣůoO9⸗— ößert; . Gr. ungen det die hafen; nzung Rüſſel, der aus⸗ und eingeſtülpt werden kann Neunte Ordnung. Flöhe.— Zehnte Ordnung. Läuſe. 179 verläßt der Schmarotzer den Körper des Wirts und legt ſeine ſchon bei der Geburt 4 mm lange Made unter Bodenteilchen und Kothäufchen ab. Bei den im Stalle gehaltenen Schafen kann man deshalb auch niemals einen dauernden Erfolg von der Anwendung irgend welchen Mittels erwarten, wenn nicht der Stall zugleich mit allen darin ent⸗ haltenen Dingen gereinigt iſt. Man reinige die Mauern und übertünche ſie mit Ätzkalk, dem Karbolſäure beigefügt iſt.— Waſchmittel: Ab⸗ kochung von Nußblättern mit Eſſig; Terpentin, Seifenwaſſer, Tabaks⸗ abkochung. Mit Arſenikſäure enthaltenden Waſchmitteln(z. B. Bigg's improved Sheep and Lamb dipping composition) ſei man vorſichtig; man füge unangenehm ſchmeckende Subſtanzen hinzu, damit die Schafe ſich nicht belecken; oder man wende das Maulband an. Man laſſe immer der Anwendung des Waſchmittels eine Schur der Schafe vor⸗ angehen. Meunte Ordnung: Flöhe(Aphaniptera). Körper ſtark ſeitlich zuſammengedrückt. Kopf klein. Mundteile zum Saugen und Stechen eingerichtet. Lange Beine, insbeſondere das letzte Paar. Springvermögen. Keine Flügel.— Metamorphoſe voll⸗ kommen. Larven wurmförmig, beinlos, hartköpfig.— Der Hundefloh (Pulex serraticeps) wandert nur zeitweilig auf den Menſchen über, lebt auf Hund und Katze.— Gegenmittel: Beſtreuen der angefeuchteten Bnner mit perſiſchem Inſektenpulver oder mit Pulver von Peterſilien⸗ amen. Zehnte Ordnung: Läuſe(Parasita). Körper abgeplattet. Beine zum Klettern in Haaren und Federn geeignet, da das letzte, hakenförmige Endglied des Fußes gegen das vor⸗ letzte zurückgeſchlagen werden kann; zwiſchen dieſen beiden Gliedern hält dann die Laus das Haar feſt. Augen entweder fehlend oder wenig entwickelt(einfach). Flügellos. Die Eier(„Niſſe“) werden von der Mutterlaus an den Haaren des Wirts feſtgeklebt; die jungen Läuſe ähneln den alten faſt in allen Stücken; eine eigentliche Metamorphoſe beſteht nicht.— Alle Läuſe haben eine Art von und an dem die andern Mundteile feſtſitzen, welche den Rüſſel entweder zum Saugen oder uun Beißen weider machen. Nach dieſer inrichtung unterſcheidet man wahre oder blut⸗. ſaugende Läuſe, und Haarläuſe oder Pelzfreſſer, Fiiroroans Pſardelananlla) welche kleine Hautſchüppchen oder Stückchen zehnmal vergrößert. von Haaren und Federn freſſen.— Die Läuſe vermehren ſich am ſtärkſten auf dem ungenügend gereinigten Körper von Menſchen und Tieren, und unter ſonſt gleichen Bedingungen 12* 180 Klaſſe 2. Tauſendfüßer.— Klaſſe 3. Spinnentiere. mehr bei kranken und ſchlecht genährten, als bei geſunden und gut genährten Individuen. Es verſteht ſich, daß die wahren blutſaugen⸗ den Läuſe gewöhnlich ihrem Wirte mehr ſchaden als die Pelzfreſſer; es können jedoch auch dieſe, falls ſie in ſehr großer Anzahl da find, durch ihr fortwährendes Hin⸗ und Herlaufen ein höchſt unangenehmes und ſchädliches Jucken verurſachen.— Vorbeugungsmittel: Zweck⸗ mäßige Ernährung und Behandlung. Gute Hautpflege. Vertilgungs⸗ mittel: Wiederholtes Kämmen mit einem Kamme, den man in eine Soda⸗ oder Aſchenſalzlöſung eintaucht. Einreiben der ſtark beſetzten Stellen mit grüner Seife und Lauge; Abwaſchen nach 24 Stunden. Weitere Waſchmittel u. a. 6 Teile grüne Seife, 1 Teil Benzin, 10 bis 15 Teile Waſſer;— oder Tabakswaſſer: 1 Teil ſchlechter Tabak in 20— 25 Teilen Waſſer;— Arſenikſäure in verſchiedenen Miſchungen, z. B. in Bigg's Composition. Dann aber Maulband!(S. 179). Klaſſe 2. Tauſendfüßzer(Myriopoda). Atmen, wie die Inſekten, durch Luftröhren. Der Körper beſteht aus einem Kopf und einer großen Anzahl unter ſich faſt gleicher Glieder, deren jedes im Beſitze von Glied⸗ maßen iſt. Ein Paar Fühler. Es gehören zu dieſer Klaſſe zwei Ordnungen: 1. die der Bandaſſeln(Chilopoda), mit zum Raube eingerichteten Mundteilen und einem Beinpaare an jedem Körpergliede; 2. die der Doppel⸗ füßer(Chilognatha), zum Freſſen vun uunfihen Luuſtanzen, — auch von anzenteilen, einge⸗ dig Iee isderdes hnuraſſeneulns richtet und mit zwei Beinpaaren an jedem Körpergliede. Zur letztgenannten Ordnung gehören u. a. die Schnuraſſeln(Julus)— Fig. 167—, von denen mehrere Arten keimende Samen(Erbſen, Bohnen, Runkel⸗ und Zuckerrüben) leerfreſſen, auch ſaftige Pflanzen⸗ teile(Kartoffeln, Rüben, Waſſerrüben, Möhren) angreifen.— Schutz der Keimlinge dadurch, daß man Kartoffeln als Ködermittel gebraucht. Klaſſe 3. Spinnentiere(Arachnoidea). Luftatmung(durch gewöhnliche oder modifizierte Luftröhren; die niederen Spinnentiere atmen durch die Haut). Der Körper ſetzt ſich aus höchſtens zwei Hauptabſchnitten zuſammen, da der Kopf und das beſteht zliedee Glid- Fühlet. Klaſe je der it zun nteilen jeden Doypte Freſen ſtanzen, eing-⸗ parta zu uS)— Erbſen. lanxen⸗ Schut brauch. Ordnung der milbenartigen Spinnentiere. 181 Bruſtſtück immer miteinander verwachſen ſind und zuſammen das Kopfbruſtſtück bilden(Fig. 168); es kann aber auch dieſer Körperteil mit dem immer ungegliederten Hinterleibe zu einem einzigen Stücke zuſammengewachſen ſein (Fig. 171). Letzteres iſt bei den Milben der Fall, bei welchen man alſo den Charakter des Gliedertieres nur an den gegliederten Beinen erkennt; bei den wahren Spinnen(Fig. 168) ſetzt ſich der Körper aus Kopfbruſtſtück und Hinterleib zuſammen. Die Spinnentiere haben immer vier Paar Beine, die bei den wahren Spinnen am Kopfbruſtſtücke, bei den Milben am Vorderteile des ungeteilten Kör⸗ pers becſiee ſinde den S s gehören zu den Spinnentieren u. a. ar 3 Laſt die folgenden Ordnungen: 1. die wahren 1 1a3 ushindegeſarti Ais Spinnen(Araneida), 2. die Skorpione(Scor- pionida), 3. die Afterſpinnen oder Weberknechte(Opilionida), 4. die milbenartigen Spinnentiere(Acaridea). Bloß die letztere enthält land⸗ wirtſchaftlich wichtige Arten. Ordnung der milbenartigen Spinnentiere(Acaridea). Kleine Spinnentiere, bei welchen das Kopfbruſtſtück mit dem Hinter⸗ leibe zu einem Stücke zuſammengewachſen iſt(Fig. 171). Die eben aus dem Ei geſchlüpften Jungen haben drei Paar Beine, die ausgewachſenen natürlich vier. Familie der echten Milben(Acarida). Weiche Haut. Keine Luftröhren, keine Augen. Beine kurz, oft mit einer Haftſcheibe an ihrem Ende.— Hierzu gehören die Käſemilbe(Acarus siro), die Mehlmilbe(Tyroglyphus farinae) und mehrere andere in toten organiſchen Subſtanzen lebende Arten; weiter die Krätz⸗ oder Räudemilben. Dieſe leben als Schmarotzer an oder in der Oberhaut und ver⸗ urſachen die Krätze oder Räude beim Menſchen, ſowie bei mehreren Haustieren.— Man unterſcheidet ſowohl nach dem Körperbau als nach der Lebensweiſe drei Gattungen: 1. die in der Haut grabenden, blutſaugenden Räudemilben (Sarcoptes); 2. die an der Oberfläche lebenden, blutſaugenden Räudemilben (Dermatocoptes); 3. die Hautſchüppchen freſſenden Räudemilben(Dermatophagus). Es verſteht ſich, daß die Sarcoptes-Räude bei demſelben Wirte nicht ſo leicht beſeitigt wird wie die Dermatocoptes-Räude, weil die 182 Klaſſe 3. Spinnentiere. Milben, welche erſtere verurſachen, ihre Gänge im Innern der Ober⸗ haut graben, während die Dermatocoptes-Milben wenigſtens an der Oberfläche bleiben. Am leichteſten beſeitigt man die Dermatophagus- Räude, weil die Tierchen, welche dieſelbe verurſachen, nicht nur an der Hautoberfläche bleiben, ſondern auch, ſtatt ſich feſtzuſaugen, ſich hin und her bewegen; es iſt leicht begreiflich, daß man unter dieſen Be⸗ dingungen oft die Dermatophagus-Räude durch einfaches Abbürſten beſeitigen kann. Die Krätze oder Räude entſteht durch den Reiz, den die Räude⸗ milben fortwährend auf die Haut ausüben. In je wärmerer Umgebung der Wirt gehalten wird, deſto beweglicher ſind die Milben, deſto ſchmerzlicher iſt die Haut⸗ krankheit.(Die Krätzmilben werden z. B. dem Menſchen am läſtigſten, wenn er zu Bett liegt; die räudigen Schafe leiden am meiſten in einem warmen Stalle). Aus der enorm ſtarken Vermehrung der Räudemilben erklärt ſich leicht, daß eine einzige be⸗ fruchtete Milbe, welche durch Berührung mit einem räude⸗ kranken Tiere auf einen neuen Wirt überſiedelte, imſtande iſt, in kurzer Zeit große Haut⸗ ſtellen räudig zu machen.— Der Verlauf der Krankheit iſt im allgemeinen der folgende. Bald nach der Infektion bilden ſich kleine Knötchen, welche ſich in Bläschen von der Größe eines h Fig. 169. Männliche Räudemilbe des Schweines Stectnadelenopfes umbilden (Sarcoptes scabiei var. suis), von der Bauch⸗ Dieſe platzen und bald be⸗ ſeite geſehen. 200 mal vergrößert. decken ſich die angegriffenen Hautſtellen mit einer Kruſte, die aus zuſammengeſchrumpften Hautſtückchen und ausgetrockneter Flüſſig⸗ keit beſteht. Oft ſind die angegriffenen Hautſtellen feucht, namentlich weil der Wirt, infolge des heftigen Juckens, ſich ſelbſt reibt oder ſtößt. Die Haare kleben infolge der Flüſſigkeitsausſcheidung zuſammen und fallen ſpäter aus. Die Haut verdickt ſich, bildet Kruſten und legt ſich in Falten, zwiſchen denen ſich tiefe Riſſe bilden. Das Schaf iſt wohl unter den Haustieren dasjenige, welches von der Räude(Dermatocoptes) am meiſten zu leiden hat, namentlich weil die Krankheit unter dem erwärmenden, ſchützenden Vließe ſich ſchnell verbreitet und auch die W ſtel die ihr bürſte Räud⸗ gedung , deſto Nilben, eHaut⸗ zwilben tenſhen er zu Schafe einen us der nehrung ärt ſch ige b⸗ ſe durh rände⸗ nrneuen ande it e Haut⸗ — der tiſ in de. Bald den ſch je ſch in ße eines moidden ald be grifenan Krruſte Flüffi⸗ mentic er ſtöſt. nen und legt ic it wul oeoptes ter dem auch die Ordnung der milbenartigen Spinnentiere. 183 Wollbekleidung ihrer Beſeitigung die größten Schwierigkeiten entgegen⸗ ſtellt. Die Wolle wird an den räudigen Stellen trocken und ſpröde; die Haare löſen ſich los; ſie bleiben aber noch kurze Zeit ſitzen, weil ihre Spitzen aneinander kleben durch die klebrige Subſtanz, welche von Fig. 170. Weibliche Räudemilbe des Schweines(Sarcoptes scabiei var. suis), von der Rückenfläche geſehen. 200 mal vergrößert. den Hautknötchen ausgeſchieden wird. Allmählich aber fallen ſie aus, und anſtatt derſelben bedeckt ſich die Haut mit dicken, bräunlichen, wie mit Ol getränkten Kruſten. Die in ſtarkem Grade heimgeſuchten Schafe magern ab und können ſogar ſterben. Gewöhnlich iſt dies jedoch nicht der Fall, aber es beſteht der Nachteil hauptſächlich in ſtarkem Zurück⸗ gehen der Wolle in der Quantität ſowie der Qualität. 184 Klaſſe 3. Spinnentiere. Hinſichtlich des Vorkommens der Räudekrankheiten beim Menſchen und den Haustieren, ſowie der Übertragung dieſer Krankheiten von einem Wirte auf den anderen erwähne ich folgendes. Die Krätze des Menſchen(Sarcoptes) wird auf den Hund, aber auf kein anderes Haustier übertragen. Räude des Pferdes. Die Sarcoptes-Räude dieſes Tieres iſt durch körper⸗ liche Berührung für Menſchen und Rinder anſteckend, nicht für andere Haus⸗ tiere.— Die Dermatocoptes-Räude(namentlich an der Innenfläche der Schenkel, an den Geſchlechtsorganen, dem Schwanze und der Mähne) verbreitet ſich nicht auf den Menſchen, auch nicht auf andere Haustiere.— Die Dermatophagus- Räude des Pferdes(am Kötengelenke und den angrenzenden Teilen des Beines) ebenſowenig. Räude des Rindes. Die Dermatocoptes-Räude des Rindes(hauptſäch⸗ lich an den Seiten des Halſes und an der Schwanzwurzel) verbreitet ſich auf den Menſchen und das Pferd, geht aber auch auf das Schaf über.— Die Dermatophagus-Räude des Rindes(hauptſächlich an der Schwanzwurzel und in der Umgebung des Afters) ſcheint nicht auf Menſch, Pferd, Schwein und Hund überzugehen. Räude des Schafes. Die Dermatocoptes-Räude des Schafes ſiedelt dauernd weder auf den Menſchen, noch auf irgend ein anderes Haustier(mit Ausnahme der Ziege) über— Die Sarcoptes-Räude des Schafes(hauptſäch⸗ lich am Kopfe) verurſacht beim Menſchen die Krätze. Die Räude des Schweines(Sarcoptes) ſiedelt auf den Hund über, ver⸗ urſacht auch beim Menſchen einen Hautausſchlag. Die Räude des Hundes(Sarcoptes) kann auf Menſch, Schwein und Pferd überwandern. Die Räude der Katze(Sarcoptes) geht auf Menſch, Pferd, Rind, Hund und Kaninchen über. Die Räude des Kaninchens(Sarcoptes) iſt anſteckend für den Menſchen; dem iſt nicht ſo mit der Dermatocoptes-Räude, welche im äußeren Gehörgang des Kaninchens wuchert. Die Räude der Hühner(Sarcoptes), welche am Laufe der Hühner ſchmarotzt und die ſogenannten„Kalkbeine“ verurſacht, kann die Pferde anſtecken.(Hühnerſtälle ſollen nicht in Pferdeſtälle gebaut werden!) „Gegenmittel: Aus den vorhergehenden Mitteilungen hinſichtlich der Übertragung der Räude von einem Wirte auf den andern ergeben ſich von ſelbſt die Vorbeugungsmittel; man laſſe ein räudiges Tier weder mit einem Tiere derſelben Art, noch mit einem andern Tiere, auf welches die betreffende Räude übertragen werden kann, in Be⸗ rührung kommen. Wenn die Räude bei einigen Stücken einer Herde ſich zeigt, ſo iſt es unerläßlich, die geſunden Stücke von den kranken zu ſondern; auch laſſe man Ställe, in denen räudige Tiere ſich auf⸗ gehalten haben, ſowie Werkzeuge und Maſchinen, welche von ihnen berührt ſind, gut reinigen und desinfizieren, bevor man geſunde Tiere in die Nähe dieſer Dinge bringen läßt. Reinigen des Stalles mit heißem Waſſer, nachher ſechs Wochen langes Unbenutztlaſſen desſelben! — Reinigen infizierter Werkzeuge mit heißem Sodawaſſer.— Zu⸗ nächſt iſt es Hauptſache, zu konſtatieren, ob ein krankes Tier, welches die äußeren Symptome der Räude hat, wirklich räudig iſt; um dies Maſt ſeiten w her dujin urch ümr⸗ der dur er Schent. tt ſchit atopbamu des Beins (Gauvfit, tet ſich wi r.- A wurzel m cwein u afes ſedet nustier ii hauufit⸗ düber dr chwein ud Nind dud Merſcken. Gehätgen unde dur talles ſi desfebar r uis Ordnung der milbenartigen Spinnentiere. 185 feſtzuſtellen, muß man die Räudemilben auffinden. Sucht man bei dem betr. Tiere vergeblich nach den Milben, ſo ſtelle man es in einen warmen Stall und bringe es unter eine Decke; namentlich erwärme man die Stellen, wo die Haut am ſchlimmſten angegriffen iſt; die Wärme macht die Milben beweglicher und läßt ſie nach der Oberfläche wandern. An ſchwerſten findet man die Sarcoptes-Milben.— Hin⸗ ſichtlich der Behandlung rändiger Tiere will ich mich kurz faſſen, weil man gewöhnlich lieber den Rat eines Tierarztes einholen muß. Natür⸗ lich müſſen äußere Mittel angewendet werden. Aus Vogel's Unter⸗ ſuchungen geht hervor, daß Sublimat und Arſenik weniger ſchnell und alſo auch weniger ſicher die Räudemilben töten als Kreoſot, Kar⸗ bolſäure, Benzin, Teer, Kalilauge und Tabak, ja ſogar als grüne Seife. Zürn rät, die infizierten Haustiere an den erkrankten Stellen gut mit grüner Seife einzuſchmieren. Man laſſe dieſe Seife einige Stunden lang, ſogar einen ganzen Tag, an der betreffenden Haut⸗ ſtelle bleiben; dann reibe man die eingeſchmierten Stellen mit warmem Waſſer und bürſte ſie, damit womöglich die Hautkruſten verſchwinden. Erſt nachher können andere Mittel in Anwendung kommen. Als ſolche nennt Zürn Kreoſot mit Spiritus oder Ol verdünnt(1:25). Auch werden empfohlen u. a.: Benzin mit Waſſer geſchüttelt(1:5— 10) oder eine Löſung von 1 Teil ÄAtzkali in 30— 40 Teilen Waſſer.— Die oben erwähnten und mehrere andere Gegenmittel können mit gutem Erfolge zur Bekämpfung der Räude bei den meiſten unſerer Haustiere gebraucht werden. Dies geht aber bei den Schafen ſchwerer als bei anderen Tieren, weil das Wollvließ ein Hindernis für die gute Wirkung des Waſchmittels iſt. Solange die Schafe nicht geſchoren ſind, iſt es nicht möglich, ſie ganz geſund zu machen. Bis dahin ſei das Streben darauf gerichtet, der Verbreitung der Räude vorzubeugen. Dies erreicht man in folgender Weiſe. Man kratzt an den angegriffenen Stellen die Kruſte ab, nachdem man die überdies nicht mehr feſtſitzende Wolle fortgenommen hat. Sodann reibt man die räudige Stelle mit einer Abkochung von Tabaksblättern mit Karbolſäure(1 Teil Karbol⸗ ſäure auf 15 Teile Spiritus und 60 Teile Waſſer) oder mit einem andern der oben genannten Mittel ein. Sind die Schafe geſchoren, dann tauche man ſie zunächſt in eine Löſung(2 Teile Aſchenſalz, 1 Teil Kalk und 50 Teile Waſſer), in welcher die Hautkruſten auf den angegriffenen Stellen aufgeweicht werden; 24 Stunden ſpäter taucht man ſie in eine Löſung, welche die Milben töten muß. Dazu kann man eine Tabaksabkochung(1 Teil Tabak mit 12 Teilen Waſſer) nehmen; für jedes Schaf braucht man von dieſer Flüſſigkeit durch⸗ ſchnittlich 1 1, wozu man 25 g Karbolſäure und 25 g Alkohol fügt. Es muß der erſten Abwaſchung eine zweite folgen, weil ſonſt bloß die Milben, nicht aber die Eier durch die benutzte Flüſſigkeit getötet werden. Weil aus den Eiern innerhalb 3—7 Tagen die jungen Milben ausſchlüpfen, ſo muß man 7 Tage nach dem Eintauchen die Kur noch⸗ mals wiederholen.. 186 Klaſſe 3. Spinnentiere. Familie der Zecken(Ixodida). Die Zecken ſind im allgemeinen etwas größer als die Milben der vorigen Familie. Die Haut iſt zäh wie Leder. Der vordere Körperteil wird auf dem Rücken von einem harten Schilde bedeckt; die Haut des hinteren Teiles iſt zwar zäh, aber ſehr ausdehnbar. Das Vorderende trägt einen aus ſpitzen Kiefern zuſammengeſetzten Saug⸗ apparat, mit dem die Zecke ſich in die Haut von Tieren oder Menſchen einbohrt und dort feſtſaugt.— Die Zecken halten ſich am meiſten auf Sandböden, zwiſchen Gehölz und Sträuchern oder zwiſchen Kräutern auf. Solange ſie auf dem Boden leben, ſind ſie ziemlich klein(2— 3 mm) und ſehr beweglich. Sie kriechen an Halmen und Aſten empor und bleiben an einer geeigneten Stelle ruhig ſitzen, bis ein Säugetier oder Vogel vorüberkommt; dann halten ſie ſich an den Haaren oder an dem Gefieder jener mit den Beinen feſt und bohren ſich mit den ſpitzen Mundteilen in die Haut. Nachden ſtie ſich feſtgeſogen, ſchlürfen ſie das Blut ihres zeitweiligen Wirtes ein. Die Wände ihres Magens und Darmes ſind ſehr elaſtiſch, und das früher etwa 2 ½ mm lange, 1 ½ mm breite Tierchen wird ſo groß wie eine Erbſe, ja ſogar wie eine Gartenbohne. Hat die Zecke ſich möglichſt vollgeſogen, ſo zieht ſie die Mundteile wieder aus der Haut ihres zeit⸗ weiligen Wirts zurück und läßt ſich auf den Boden fallen, 5 ſie aden bleibt und in vielen Fig. 171. Di zece Wochen gar keine Nahrung zu ſich nimmt. B ri eneh dere Die kleinen, zarten Beinchen der Zecke ſind nicht imſtande, den ſchwerfälligen, vollgeſogenen Körper fortzubewegen; die Beweglichkeit kommt erſt nach längerer Zeit zurück, wenn die größte Quantität des eingeſogenen Blutes verdaut und die Zecke wieder zu ihrem normalen Umfange zuſammengeſchrumpft iſt.— Das hier von der Lebensweiſe Geſagte gilt nur von dem Weib⸗ chen; das viel kleinere Männchen ſcheint ſich niemals in ein Säugetier einzubohren; man weiß auch noch gar nicht, wovon es ſich denn eigent⸗ lich nährt. Man findet es in Paarung an der Bauchſeite des Weibchens feſtgeklebt, wo es mehrere Tage ſitzen bleibt, auch wenn das Weibchen ſich an ein Tier feſtſaugt. Die Eiablage geſchieht immer erſt, nachdem letzteres den Wirt verlaſſen hat.— Da die Zecken ihrem Wirte Blut entziehen, ſo ſind ſie, obgleich ſie ſich nur während verhältnismäßig kurzer Zeit auf ihm aufhalten, doch gar nicht gleichgültig für ihn, namentlich wenn eine große Zahl ſich an einem Tiere angeſogen hat. Schafe und Rinder, die täglich auf der Wieſe von vielen Zecken heim⸗ geſucht werden, magern ab. Das Einbohren verurſacht ein ſtechendes Gefühl; auch ſpäter noch jucken die Stellen, wo ſich die Zecke befindet. Man muß niemals die angeſogene Zecke anfaſſen und ausreißen; denn ihre Mundteile ſind ſo tief in die Haut eingedrungen, daß es un⸗ möglich iſt, ſie gewaltſam heraus zu holen; man würde beim Verſuche den Körper von den in der Haut ſteckenbleibenden Mundteilen abreißen. Nilben vordere ct. de Do Sau⸗ euſchen ten auf räutern 3 I ot und tet oder der an iit den hlütfen Nagens lange vie eine . dnt zieht ſe es zei⸗ ruf den nvielen nimm. ke ſind ſogenen längeret verdaut hrunpft nWei⸗⸗ äugeter reigen⸗ eibchens Weibchen nachdem te Buu ismäßig ür ihn, gen hal. en leim⸗ echendes befindet. n; denn un⸗ Verſuch breißen. Ordnung der milbenartigen Spinnentiere. 187 Man bringe lieber einen Tropfen Ol oder Tabakswaſſer, beſſer noch Benzin, auf die Zecke, dann löſt ſie ſich von ſelbſt los.— Man unter⸗ ſcheidet die Hundezecke(Yxodes ricinus, Fig. 171), die Schafzecke(I. reduvius) und die Rinderzecke(I. reticulatus), welche jedoch nicht aus⸗ ſchließlich auf den Tieren vorkommen, denen ſie ihren Namen ent⸗ nehmen; erſtere ſaugt ſich zwar am meiſten an die Haut von Hunden feſt, befällt aber auch den Menſchen, wenn er das Gebüſch durchſtreift (Jäger), und greift desgleichen Schafe und Rinder an. Die beiden letztgenannten Arten befallen hauptſächlich, aber nicht ausſchließlich, Schafe und Rinder. Familie der Käfermilben(Gamasida). Die Käfermilben ſind zeitliche Schmarotzer auf Inſekten, Reptilien und Vögeln. Sie haben keine Augen, ſcherenförmige Kiefer und ziem⸗ lich lange, behaarte Beine. Die Käferlaus(Gamasus coleoptratorum) lebt auf Dungkäfern, Totengräbern u. ſ. w. Die Hühnermilbe(Dermanyssus gallinae), von Sandkorngröße, blutrot oder rotbraun, fällt nachts in großer Anzahl über die Hühner her; am Tage verſtecken die Tierchen ſich an den Sitzſtangen, im Neſte, namentlich in Riſſen und Verſtecken in der Wandung des Hühnerſtalles, ſowie im Miſte. Sie entnehmen den Hühnern viel Blut und ſtören ihren Schlaf durch fortwährendes Jucken, ſo daß dieſe ſtark abmagern.— Gegenmittel: Man weiße die Hühnerſtälle jährlich(Herbſt und Früh⸗ ling) zweimal, und zwar mit Kalk, dem 5% Karbolſäure zugeſetzt iſt. Die hölzernen Teile brühe man mit kochendem Waſſer und weiße ſie nachher. Familie der Laufmilben(Trombidiida). Körperform viereckig oder länglich⸗rund. Beine ziemlich lang, behaart. Kiefer klauen⸗ oder nadelförmig. Hautoberfläche ſammetartig. Farbe rötlich oder gelblich.— Sie laufen mit großer Schnelligkeit auf dem Boden, an Baumſtämmen, Blättern u. ſ. w. hin und her. Die meiſten Arten nähren ſich von Säften, die ſie Inſekten, ſowie anderen Spinnentieren ausſaugen. Die Pflanzenſpinne oder Pflanzenmilbe(Tetranychus telarius), oval, höchſtens ½ mm, rötlich(auch gelblich oder bräunlich), mit einem dunkeln Punkte auf jeder Schulter. Es findet ſich die Pflanzenſpinne oft während des Sommers in ſehr großer Anzahl, namentlich an der Unterſeite der Blätter niederer Gewächſe; an Gartenbohnen, Rüben und Hopfen, an mehreren Ziergewächſen, an Gräſern und verſchiedenen Un⸗ kräutern, an Roſen, Linden, Kaſtanienbäumen, Ulmen, Weiden und Obſtbäumen. In einigen beſonders trockenen Sommern vermehrt ſich die Pflanzenſpinne derartig, daß ſie großen Schaden ſtiftet. An der Oberfläche der von ihr bewohnten Blätter ſieht man außer den aus⸗ 188 Klaſſe 4. Kruſtentiere. gebildeten und jungen kleinen„Spinnen“ eine weißliche, mehlige Sub⸗ ſtanz, aus den abgeſtreiften Häutchen und den weißlichen Eiern beſtehend. Von den Milben ſelbſt laufen viele hin und her, es haben aber die meiſten ſich feſtgeſogen. Alles wird von einem zarten Geſpinſt bedeckt, welches von den Tierchen ausgeſchieden wird.— Die angegriffenen Blätter werden welk und ſchrumpfen zuſammen, ſterben und fallen ab („Blattdürre“). Bei den zweiſamenlappigen Pflanzen fängt das Welken der Blätter gewöhnlich in den Achſeln der Blattnerven an. Oft ſterben die angegriffenen Pflanzen allmählich ab; es kann aber das Abſterben auch mit großer Schnelligkeit geſchehen. Ofter kommt es vor, daß ein⸗ jährige Pflanzen infolge des Angriffs der Milben abſterben.— Die Pflanzenſpinne überwintert im Boden, unter abgefallenen Blättern, unnter Baumrinde u. ſ. w. Klaſſe 4. Kruſtentiere(Crustacea). Die Kruſtentiere atmen durch Kiemen, eignen ſich alſo zum Waſſer⸗ aufenthalt. Es halten jedoch einige Arten ſich in feuchter Erde und an Stellen, wo die Luft feucht iſt, auf(Landaſſeln). Die Kruſtentiere haben zwei Paar Fühler und eine große Anzahl bei den verſchiedenen Gruppen ſehr verſchieden geſtalteter, eigentümlich eingerichteter Glied⸗ maßen. Haut gewöhnlich hart und dick.— Hummer und Flußkrebs, Krabben, AÄſſeln, die kleinen Krebsflöhe und Gabelflöhe u. ſ. w. gehören zu den Kruſtentieren. Landwirtſchaftlich ſchädlich iſt kein einziges Kruſtentier. Dritter Kreis. Würmer(Vermes). Würmer“) ſind bilaterial⸗ſymmetriſche, in einem„Hautmuskel⸗ ſchlauch“ eingeſchloſſene Tiere. Es findet ſich unter der gewöhnlich zarten Oberhaut eine Schicht, welche nicht, wie bei den höheren Tieren, ausſchließlich aus der Lederhaut beſteht, und an deren Zuſammenſetzung ſtets Muskelfaſern mit teilnehmen, welche an der Innenſeite eine ge⸗ ſonderte Schicht bilden(Fig. 172). Durch Zuſammenziehung der ver⸗ ſchiedenen Abteilungen des ſo gebildeten Hautmuskelſchlauches können 1) Unter„Würmern“ verſteht man im täglichen Leben immer längliche, walzenförmig⸗runde Tiere; mehrere Inſektenlarven(z. B.„Drahtwürmer“, S. 96) werden mit dem Namen„Würmer“ belegt. Für den Zoologen aber ſind nicht alle„wurmförmigen“ Tiere wirkliche Würmer, ebenſowenig haben alle Würmer eine längliche Walzenform(Leberegel).. Sul⸗ hend. er de edeck, fenen en db Gelken terben terben Wei⸗ — A üten, Vaſe⸗ de und tentier iedenen Glid⸗ ntrebs geböre enziges nuske⸗ vöhnlich Tieren, nſezung eine g⸗ der ber⸗ können länglice, ürmer“, gen aber ig haben Klaſſe der Gliederwürmer. 189 die Würmer ſich fortbewegen. Bei einigen Würmern helfen dabei Glied⸗ maßen mit, bei andern gar nicht; jedenfalls aber ſpielen dieſelben da⸗ bei eine verhältnismäßig unbedeutende Rolle. Dieſe Gliedmaßen, welche nur bei den Borſtenwürmern vorkommen, ſind kleine, ſtets ungegliederte Fußſtummel, die borſtenförmige Haare tragen. Blutegel und einige andere Würmer beſitzen Saugnäpfe, mit denen ſie ſich feſtſaugen und, den Körper zuſammenziehend und biegend, ſich fortbewegen. Es giebt gegliederte und ungegliederte(Spulwürmer, Leberegel) Würmer; auch iſt der Grad der Gliederung ein ſehr verſchiedener. Bei vielen Bandwürmern kann jedes Glied für ſich als apartes Tier an⸗ geſehen werden. Andere Würmer ſind zwar gegliedert, doch ſondern ſich die einzelnen Glieder niemals ab, um, wie bei den Bandwürmern, ſelbſtändig weiter zu leben(Regenwürmer).— Das Nervenſyſtem fehlt den niederſten Würmern; bei höheren Würmern finden ſich als Central⸗ teile immer Nervenknoten, welche bei den Blutegeln und Ringwürmern zu je einem Paare an der Bauchſeite gelegen und durch Nervenfäden zu einem Bauchſtrange vereinigt ſind; bei vielen Würmern(z. B. Band⸗ und Saugwürmern) iſt das Nervenſyſtem von weit einfacherem Baue.— Der Kreis der Würmer iſt ein ſehr formreicher; ich brauche hier nur Vertreter aus den folgenden drei Klaſſen zu erwähnen: Gliederwürmer (Annelida), Rundwürmer(Nematelminthes), Plattwürmer(Platel- minthes). Klaſſe der Gliederwürmer(Annelida). Gegliederte Würmer mit walzenförmigem(Regenwurm) oder ab⸗ geplattetem(Blutegel) Körper, mit Mund und After.— Sie zerfallen in zwei Unterklaſſen: I. Blutegel(Discophori), II. Borſtenwürmer (Chaetopoda). Erſtere beſitzen als Bewegungsorgane Saugnäpfe, letztere Fußſtummel, welche längere oder kürzere Borſten tragen; es können aber auch dieſe Fußſtummel fehlen, und dann ſitzen die Borſtenbündel in Gruben. Letzteres iſt der Fall bei den einzigen, uns hier inter⸗ eſſierenden Vertretern der Klaſſe: den Regenwürmern. Die Regenwürmer(Lumbricus). Es kommen in dieſer Gattung mehrere Arten vor; ſie ſtimmen aber alle in ihrer Lebensweiſe miteinander überein. Der Körper der Regenwürmer iſt walzenförmig, dünn, nach vorn ſich verjüngend, nach hinten etwas abgeplattet. An der Bauchſeite des zweiten Körpergliedes befindet ſich die Mundöffnung; Augen fehlen, obgleich die Regenwürmer für Lichteindrücke nicht unempfindlich ſind. Der Regenwurm iſt herma⸗ phrodit(S. 15); wenn zwei Individuen ſich paaren, ſo befruchten ſie ſich gegenſeitig. An einem warmen Sommerabende kriechen zwei be⸗ nachbarte Regenwürmer jeder halb oder zum größten Teile aus ſeinem 190 Klaſſe der Gliederwürmer. Gange hervor; ſie drücken die Vorderkörper aneinander, und zwar jenen rötlichen, angeſchwollenen Teil, der ſich auf der Mitte der vorderen Körperhälfte befindet. An dieſer Stelle ſind die Hautdrüſen ſehr ſtark entwickelt; ſie ſcheiden einen Stoff ab, der als eine Kapſel die Eier nach dem Ablegen einhüllt.— Hauptſächlich in feuchtem Humusboden kommen die Regenwürmer vor, wenigſtens nicht in äußerſt armem Sandboden und in Lehm. Dann und wann gelangen ſie mit ihren Gängen bis an die Oberfläche, um die Stoffe, welche unverdaut aus der aufge⸗ nommenen Bodenmaſſe und den aufgenommenen Pflanzenteilen übrig ge⸗ blieben ſind, in der Form von eigentümlichen Häufchen wieder abzugeben. Die Gänge verlaufen meiſt ſchief, ausnahmsweiſe ſenkrecht in die Tiefe, bis 2 ½ m und mehr; ſie endigen in einer Verbreiterung, wo der Wurm zuſammengeknäuelt den Winter verbringt, nachdem er die Mündung des Ganges mit einem Pfropf aus Blättern, Äſtchen, Papier, Stroh u. ſ. w. zugeſtopft hat.— Zwar nährt ſich der Regenwurm hauptſächlich mit den ſich in humusreicher Erde befindenden organiſchen Stoffen, er frißt aber auch Blätter von Kohl, Zwiebeln und anderen Pflanzen, namentlich aber Keimpflanzen(beſonders von Zuckerrüben). Er zieht dieſe Pflanzenteile etwa 5 em tief in ſeine Gänge und befeuchtet ſie dort mit einer ſauren, von ihm ausgeſchiedenen Flüſſigkeit, die auf ſie einwirkt, bevor ſie auf⸗ genommen werden. Durch das Zerſtören von Keimpflanzen können die Regenwürmer, beſonders auf feuchten Ackern, erheblich ſchaden, doch iſt der Schaden immer ein lokaler.— Denſelben ſteht ein nicht geringer Nutzen gegenüber. Die Gänge, welche die Regenwürmer graben, ſind die Urſache, daß die Luft weit beſſer als ſonſt in den Boden eindringen kann, was bekanntlich für das Pflanzenleben von höchſter Witigkeit iſt. Namentlich durch ihre große Anzahl ſind die Regenwürmer im Boden von äußerſt großer Wichtigkeit, und zwar noch in anderer Weiſe. Darwin hat gezeigt, daß in vielen Gegenden Englands alljährlich auf jedem Hektar ein Gewicht von 25000 kg Erde den Körper der Regenwürmer paſſiert und an die Oberfläche gebracht wird, ſo daß die ganze an der Oberfläche liegende humusenthaltende Schicht in wenigen Jahren ihren Darm paſſiert hat. Sie präparieren alſo in ausgezeichneter Weiſe den Boden für das Pflanzenwachstum, indem ſie ihn fortwährend der Luft ausſetzen. Sie bringen alle Steinchen nach unten, denn ſie ſchaffen die von ihnen aufgeworfene Erde nach oben; und letztere enthält natür⸗ lich bloß Steinchen, die ſo klein ſind, daß ſie den Darm des Regen⸗ wurms paſſieren können. Sie miſchen, wie die Gärtner, die Bodenteile gut durcheinander und begraben in geringerer Zeit, als man vermuten könnte, die auf der Bodenoberfläche befindlichen Gegenſtände(Knochen, Muſcheln, tote Tiere, Blätter) unter dem von ihnen angehäuften Humus. Aus dieſen begrabenen Gegenſtänden entſteht bald wieder Pflanzennahrung.— Es ſpielen alſo die Regenwürmer im Naturhaus⸗ halt eine höchſt wichtige Rolle; ja manche Gegend, wo jetzt üppige Weiden oder fruchtbare Getreideäcker ſich befinden, würde ohne Regen⸗ würmer eine Wüſte ſein.— Wo ſie aber an feuchten Stellen den Keim⸗ dr enen ſordern eringe ſind de dringen ketůt Voden arwin fidden würmer an der Nihren eie de er Lüf ſchefen natür⸗ Rege⸗ dentei rmnten noche häuften wieder rhaui⸗ üppige Regen⸗ Kein⸗ Ordnung der Spulwürmer. 191 pflanzen ſchaden, kann man ſie ſammeln: am Tage nach einem warmen Regen oder abends, weil ſie dann mit dem halben Körper aus ihrem Loche liegen. Wenn man eine Abkochung von Nußblättern in ihre Löcher gießt, ſo kriechen ſie hinaus.— Feinde: Maulwurf, Spitzmäuſe, Igel, Kröten und Fröſche, Laufkäfer, Kurzflügler, Maulwurfsgrille, Tauſendfüße u. ſ. w. Klaſſe der Rundwürmer(Nematelminthes). Körper walzenförmig, ungegliedert. Körperwand zäh; es können Häkchen oder Stacheln auf der Körperwand vorhanden ſein, doch fehlen ſtets tiefer eingepflanzte Borſten. Der Darm kann fehlen (Kratzer), jedoch nur ausnahmsweiſe. Beſondere Organe für Cirkulation und Atmung fehlen. Bei weitem die meiſten Fadenwürmer ſind ge⸗ trennten Geſchlechts.— Ich behandle nur eine der hierher gehörigen Ordnungen: Ordnung der Spulwürmer(Nematodes). Länglich, faden⸗ oder ſpulförmig, ungegliedert. Ein Darm iſt vorhanden mit an der Bauchſeite gelegener Afteröffnung. AÄußere Haut⸗ bekleidung glatt, oft ſchwach geringelt oder geſtreift. Der unter der eigent⸗ lichen Haut gelegene Muskelſchlauch er⸗ ſcheint an beſtimm⸗ ten Stellen, wo die Haut ſelbſt ſich wei⸗ ter nach innen er⸗ ſtreckt, abgebrochen. So entſtehen die „Seitenlinien“ oder„Seitenfel⸗ der“(Fig. 172 a), welche ſich vom —. Fig. 172. Schematiſcher Querſchnitt durch den Körper eines Spul⸗ Vorder bis zum wurmes: p Hautſchicht, q Muskelſchicht, a Seitenfelder, b Rücken⸗ Hinterende in der und Bauchlinien. ganzen Länge des Wurms hinziehen, den Körper in eine Rücken⸗ und eine Bauchhälfte einteilend. Oft kommen zu dieſen„Seitenlinien“ noch zwei ebenſolche ſchmälere„Linien“ an der Rücken⸗ und Bauchſeite; man bezeichnet dieſe als„Rücken⸗“ und„Bauchlinie“(Fig. 172 b).— Mundöffnung gewöhnlich von lippenähnlichen Lappen umgeben; es können aber auch 192 Klaſſe der Rundwürmer. mehr oder weniger deutliche Kiefer vorhanden ſein. Der After liegt entweder an der hinteren Spitze des Körpers(Trichine) oder mehr nach vorn, immer an der Bauchſeite.— Zu den Spulwürmern zählen mehrere frei im Boden lebende, an Pflanzenteilen ſaugende, verhältnis⸗ mäßig kleine Arten; andere den frei lebenden ziemlich nahe verwandte Spulwürmer leben paraſitiſch in Pflanzen und veranlaſſen oft ſehr wichtige Pflanzenkrankheiten(z. B. Rübennematode!); eine größere Artenzahl lebt paraſitiſch in Tieren. Die frei im Boden lebenden, ſowie die Pflanzenſchmarotzer legen relativ wenige, aber ſehr große Eier; doch iſt bei mehreren Arten die Vermehrung dadurch eine ſtarke, daß viele Generationen einander jährlich folgen. Die in Tieren ſchmarotzenden Spulwürmer legen ſehr viele Eier, ſogar mehrere Millionen.— Schädliche Arten kennen wir aus den folgenden Familien: 1. Paliſſadenwürmer(Strongylida), 2. Peitſchenwürmer(Trichotrachelida), 3. Bindegewebswürmer(Filarida), 4. eigentliche Spulwürmer(Ascarida), 5. AÄlchen(Anguillulida). Ich will die ſchädlichen Spulwürmer der Reihe nach abhandeln; weil aber ſehr viele Arten aus verſchiedenen Familien im Darme ver⸗ ſchiedener Haustiere ſich aufhalten, und weil dieſe im allgemeinen ähnliche Krankheitsſymptome verurſachen und in ähnlicher Weiſe, ver⸗ Kieben werden müſſen, ſo gebe ich hier zunächſt die folgende Über⸗ icht.— Spulwürmer im Darm(mehr bei jungen Tieren als bei erwach⸗ ſenen Individuen) verurſachen die folgenden Symptome: 1. Nahrungs⸗ weiſe unregelmäßig, manchmal viel, ein anderes Mal wenig. 2. Ganze Ernährung geſtört, auch wenn normale Quantitäten aufgenommen werden. Verſtopfung oder Durchfall. Bauch ſtark eingezogen oder aufgeblaſen. Das Tier ſelbſt mager. Neigung zum Erbrechen. 3. Ein Jucken im ganzen Körper, beſonders an der Naſe und am After. Das Tier reibt ſich und beißt ſich in die Seiten des Körpers. 4. Zunge mit einem dicken, weichen, gelblichen Stoffe bedeckt. Ein ſüßer Geruch aus dem Munde. 5. Der Haut fehlt die gewöhnliche Elaſticität; ſie iſt hart. 6. Das Tier leidet an Krämpfen und 7. an Störungen im Nervenleben(heulen oder ſchreien; ausgelaſſen oder mürriſch).— Gegenmittel: Man gebe den von Spulwürmern heimgeſuchten Pferden und Kühen zerhackte Möhren, Zucker⸗ und Futterrüben, die man vorher mit Zucker oder zerkleinertem Kandel beſtreut hat. Auch geröſteter Hafer iſt gut.— Schafen reiche man ſtets fein geſtampftes Glas mit Brot zu Pillen zuſammengeknetet. Scharfkörniger Sand in der Nahrung kann auch gut ſein.— Schweinen gebe man ſaure Milch, Eicheln, Sauerkraut, unreifes Obſt, Rettich.— Hunden: Wurſt mit Knoblauch, möglichſt viel Fleiſchnahrung, ſtark geſalzene Speiſen, mit Knoblauch gekochte Milch.— Für Medikamente(Reinfarnkraut, Wurmfarnwurzel, Brecpueänſtein. arſenige Säure u. ſ. w.) ſei der Rat des Tierarztes eingeholt. — tlin wach zühlen iltnis⸗ vandte t ſehr rößere enden, groſe ſtarke Tieren ehrer ilien. lida) rida), deln; ver⸗ inen ver⸗ ber⸗ ich⸗ gs⸗ nze men oder Ein Das unge eruch ſie mgen * erden orher ſſteter 3 nit hrung iceln, lauch blauch vurzel rarztes Pferdes aufge⸗ Ordnung der Spulwürmer. 193 Familie der Paliſſadenwürmer(Strongylida). Spulförmig. After an der Hinterleibsſpitze; bei allen Spulwürmern endigen der Maſtdarm und die männliche Geſchlechtsöffnung in eine Kloakenöffnung, welche bei den Paliſſadenwürmern von einem durch muskulöſe Rippen ausgeſpannten ſchirm⸗ oder napfförmigen Apparat umgeben wird(Fig. 173). Es gehören hierher: Der Rieſenpaliſſadenwurm(Eustrongylus gigas). Weibchen 30 cm bis 1 m lang, bis 1 em dick. Männchen 15— 40 cm lang. Rötlich. Lebt im Nierenbecken von Pferden, Rindern, Hun⸗ den, Menſchen; verurſacht Rück⸗ bildung der Niere mit Blut⸗ harnen, Nerven⸗ krankheiten, Stö⸗ rungen des Be⸗ wußtſeins. Der be⸗ waffnete Paliſſa⸗ denwurm(Stron- gylus armatus), 2— 5 em lang, 1— 2 mm dick, rotbräunlich. Als kleine, junge Würmchen mit Trinkwaſſer in den Darm des nommen, bohren ſie ſich bald durch die Wand dieſes Organes bis in die daſelbſt ſich verzweigenden Blutgefäße, bohren ſich ſpäter in die Wand der größern Schlagadern des hintern Körperteils hinein, nament⸗ lich derjenigen Blutgefäße, welche der Darmwand Blut zuführen. An der Stelle der Schlagaderwand, wo ſie ſich maſſenhaft beiſammen finden, verurſachen ſie Anſchwellungen von Erbſen⸗ bis Hühnereigröße. Oft bildet ſich ganz in der Nähe der Anſchwellung eine Einſchnürung, und im Innern der Schlagader entſteht ein Fibrinpfropfen, wodurch der Blutſtrömung nach der Darmwand ein großes Hindernis zugefügt wird. Dadurch verſagen die Drüſen und Muskeln der Darmwand Bos, Zoologie. 3. Auflage. 13 Fig. 173. Schwanz des Männchens von Strongylus armatus, ſtark vergrößert. 194 Klaſſe der Rundwürmer. ihren Dienſt, und demzufolge kann eine regelmäßige Verdauung und Fortbewegung der Speiſen nicht ſtattfinden. So entſteht Kolik.— Sobald die Strongylus-Larven zu vollkommenen Tieren geworden ſind, wandern ſie aus der Wand in die Höhlung der Schlagader, laſſen ſich mit dem Blutſtrome nach der Darmwand transportieren, die ſie durch⸗ bohren, um ins Innere des Darmes zu gelangen, wo(Dick⸗ und Blinddarm) ſie ſich paaren und das Weibchen Eier legt, die mit dem Kote nach außen gelangen. Die bald ausſchlüpfenden Jungen ſuchen Waſſer, Schlamm oder feuchten Boden zu erreichen, wo ſie weiter leben, bis ſie in irgend welcher Weiſe(z. B. mit dem Trinkwaſſer) in den Darm eines Pferdes gelangen.— Vorbeugungsmittel: Man laſſe die Pferde kein ſtillſtehendes Waſſer trinken. Der Magenpaliſſadenwurm des Schafes(Strongylus contortus). Männchen 10—16 mm, Weibchen 18—20 mm, weißlich oder rötlich, an beiden Spitzen etwas gedreht.— Die Magenkrankheit, welche die Lämmer gewöhnlich im Frühjahr durch den maſſenhaften Aufenthalt dieſer Würmer im Labmagen bekommen, läßt die Tiere abmagern und an Ermattung und Blutarmut leiden. Entwickelung unbekannt.— Kräftige Nahrung läßt die nicht ſtark heimgeſuchten Lämmer geneſen, führt aber den Tod der ſtark heimgeſuchten um ſo ſchneller herbei. Der Luftröhrenpaliſſadenwurm der Lämmer(Strongylus filaria), im männlichen Geſchlecht 25 mm, im weiblichen Geſchlecht bis 85 mm, fadenförmig, weiß oder gelblich. Es ſcheint, daß die noch jungen Würmchen mit Trinkwaſſer in den Magen eines Lammes(oder Schafes) aufgenommen werden; man findet ſie daſelbſt Mai, Juni, Juli. Bald ſteigen ſie wieder hinauf bis in die Rachenhöhle und wandern dann in die Luftröhre und ihre Äſte. Daſelbſt laſſen ſie ſich in der Schleimhaut nieder, wo ſie anfänglich in kleinen Knötchen eingebettet erſcheinen, bis ſie in geſchlechtsreife Würmchen umgewandelt ſind, welche zu Ende des Winters oder im Anfange des nächſten Frühlings ihren Wirt verlaſſen, falls dieſer nicht ſchon geſtorben iſt. Das Weibchen gebärt lebendige Junge, welche man als ſehr kleine Würmchen zu Hunderten im Schleime antrifft, welcher die Innenfläche der Luftröhre und ihrer AÄſte bedeckt. Ein direkter Übergang des Schmarotzers aus dem einen Schaf ins andere kommt nie vor, weil die im Schleime der Luftröhrenwandung geborenen Jungen erſt eine Zeit lang im Waſſer oder im Schlamme leben und weiter wachſen müſſen, bevor ſie im Körper eines Schafes oder Lammes zu weiterer Entwickelung gelangen können. Übrigens iſt das Schickſal der mit dem Schleime nach außen gelangenden Jungen noch nicht genügend bekannt.— Krankheitsſymptome: Ausfließen von Schleim aus der Naſe, Atmungsbeſchwerden, Huſten, Abmagerung, Blut⸗ armut. Nach 2—4 Monaten erfolgt der Tod. Heilung nur bei ſehr ſtarken Individuen und bei ſolchen, welche nur verhältnismäßig wenig Paraſiten haben, die ſie größtenteils aushuſten.— Vorbeugungs⸗ mittel: In den Gegenden, wo das Übel vielfach vorkommt, laſſe man die jungen Schafe nicht zur Weide gehen. Iſt es unmöglich, ſie im Ordnung der Spulwürmer. 195 Stall zu halten, ſo reiche man ihnen am Morgen vor dem Weidegange ein wenig Nahrung und gebe ihnen zugleich Waſſer zum Trinken. Es wird dadurch die Gefahr der Infektion etwas vermindert, weil dann die Wahrſcheinlichkeit geringer iſt, daß die zur Weide getriebenen Tiere ſogleich nach Pfuhlen und Gräben ſich begeben, um ihren Durſt zu ſtillen.— Da während der Monate Mai bis Juli die jungen(höchſt⸗ wahrſcheinlich mit Trinkwaſſer) aufgenommenen Würmchen ſich im Magen befinden, ſo iſt es gut, den Lämmern und Schafen während dieſer Zeit wurmtreibende Mittel zu verabreichen.— Für Gegenmittel ſei auf den Tierarzt verwieſen. Der kleinſchwänzige Paliſſadenwurm(Strongylus micrurus), faden⸗ förmig, Männchen 34 mm, Weibchen 60—70 mm, lebt bei Rindern (beſonders Kälbern) in Schlagaderanſchwellungen und in der Luftröhre und deren Veräſtelungen. Heftige Luftröhrenentzündung. Familie der Peitſchenwürmer(Trichotrachelida). Lange, dünne, kleine Würmchen mit dem After und der männ⸗ lichen Geſchlechtsöffnung am Hinterende des Körpers; es wird aber die letztere nicht— wie bei den Paliſſadenwürmern— von einem ſchirm⸗ oder napfförmigen Apparate umgeben. Es gehört hierzu: Die Trichine(Trichina spiralis). Dieſe bewohnt in geſchlechtsreifem Zuſtande als kleines Würmchen (Männchen 1,5 mm, Weibchen 3— 4 mm), als ſogen.„Darmtrichine“, den Darm des Menſchen und fleiſchfreſſender Säugetiere. Das Weib⸗ chen bringt daſelbſt lebendige Junge(etwa 1500 Stück) zur Welt, und die Fortpflanzung wird noch um ſo ſtärker, als unter den oft zahlreichen, im Darme befindlichen Trichinen durchſchnittlich auf je zwölf Weibchen ein Männchen kommt. Die jungen Trichinen durchbohren die Darm⸗ wand, und gelangen, vom Blutſtrome getragen, in die Muskeln. An⸗ fangs ſtrecken ſich die kleinen Würmchen je im Innern einer Muskel⸗ faſer der Länge nach aus, krümmen ſich aber beim Größerwerden und winden ſich ſpiralig ein, wobei die Fleiſchſcheide ſich mehr und mehr auswärts biegt. Das Wachstum der jungen Trichinen geſchieht ſchnell; im Darme nur 0,1 mm lang, wachſen ſie ſo ſchnell, daß ſie in 14 Tagen etwa 1 mm lang geworden ſind. Dann wachſen ſie nicht mehr; die Fleiſchſcheide aber verdickt ſich allmählich und bildet eine ſogenannte Kapſel. Innerhalb einer ſolchen Kapſel ſetzt ſich ſpäter Kalk ab, aber erſt etwa ein Jahr nach der Einwanderung in die Muskel. Mehrere Jahre bleiben die„Muskeltrichinen“(Fig. 174) lebensfähig. Wird nun der Wirt dieſer Muskeltrichinen von irgend welchem Säugetiere aufgegeſſen, ſo wird im Magen des letztgenannten Tieres die Kapſel verdaut und die wieder auflebenden Würmchen werden in wenigen Tagen geſchlechtsreife„Darmtrichinen“(Fig. 175). Das Schwein iſt der eigentliche Wirt der Trichinen; dieſelben können(auch ohne irgend 13 † 196 Klaſſe der Rundwürmer. welchen anderen Wirt) dauernd in dieſem Haustiere ſchmarotzen, denn Schweine freſſen öfter Schweinefleiſch. Es werden, namentlich in den größeren Schlachthäuſern, öfter die Schweine mit den Abfällen ihrer eigenen Genoſſen gefüttert. Auch freſſen die Schweine öfter Kot, der— falls er von trichinöſen Menſchen oder Tieren ſtammt— lebendige erwachſene Darmtrichinen oder junge Trichinen ent⸗ halten kann.— Es wandern die Trichinen auch in jedes lebende Weſen, welches trichinöſes Schweine⸗ fleiſch genießt(Menſch, Ratte u. ſ. w.). Die ein⸗ gewanderten Trichinen verurſachen bei dem Menſchen, SE. Fig. 174. Verkapſelte Muskeltrichinen im Fleiſche, ſtark vergrößert. der ſie aufgenommen hat, eine gefährliche Krankheit, die Trichinoſe, welche ſogar tödtlich ſein kann. Der Umfang dieſes Büchleins erlaubt mir nicht, die Symptome dieſer Krankheit beim Menſchen zu be⸗ ſchreiben. Die Schweine leiden viel weniger von den Paraſiten; ſie können ſogar eine ganz außer⸗ 24 ordentliche Anzahl von Trichinen in ihren Muskeln gig. 175. Männliche enthalten, ohne merkbar krank zu werden. Doch Darmtrichine, ſtark zeigen ſich auch beim Schweine öfter Krankheits⸗ verdrößert. ſymptome mehr oder minder deutlich: kurze Zeit nach der Aufnahme des trichinenhaltigen Fleiſches zeigen die Schweine ſchlechten Appetit; ——— denn den Ordnung der Spulwürmer. 197 ſie ſcheinen traurig; der Ringel am Schwanze verſchwindet; die Schweine ſtehen oft mit krummen Beinen und gekrümmtem Rücken. Bisweilen kommen Bauchſchmerzen, Durchfall und Fieber hinzu. Später, wenn die Trichinen ihren Platz in den Muskeln eingenommen haben, leiden die befallenen Schweine an Steifheit der Beine und Strammheit im Kreuze; oft ſchreien ſie vor Schmerz. Doch kehren nachher Geſundheit und Appetit zurück, und die Schweine laſſen ſich fett mäſten. Es werden alſo gewöhnlich die trichinöſen Schweine als geſund angeſehen und ge⸗ ſchlachtet.— Man findet die Trichinen beim Schweine am zahlreichſten im Zwerchfell, in den Kau⸗ und Augenmuskeln und den weiteren Mus⸗ keln des Kopfes, in denen des Halſes und des Kehlkopfes, auch in den Bauch⸗ und Lendenmuskeln. Es wird mehr der Vorder⸗ als der Hinter⸗ körper von Trichinen bewohnt; bei hochgradiger Trichinoſe aber findet man die Schmarotzer faſt überall, auch in den Schinken.— Gegen⸗ mittel: 1. Man behüte die Schweine möglichſt vor Trichinenaufnahme dadurch, daß man ihnen niemals den Abfall anderer geſchlachteten Schweine verabreicht. Auch vergrabe man das Fleiſch trichinöſer Schweine nicht, damit keine Hunde oder andere Tiere dasſelbe aufnehmen und die Trichinoſe verbreiten; man verbrenne ſolches Fleiſch. 2. Man ſorge dafür, daß kein trichinöſes Schweinefleiſch von den Menſchen gegeſſen werde.(Mikroſkopiſche Unterſuchung; Fleiſchbeſchau!) Jedenfalls genieße man das Schweinefleiſch(auch Wurſt) niemals roh oder halb roh! Bei 60—700 ſterben die Trichinen. Auch das Innere der Fleiſch⸗ ſtücke muß dieſer Temperatur ausgeſetzt geweſen ſein. Familie der Bindegewebswürmer(Pilarida). Lang, fadenförmig. Runde Mundöffnung. Sie halten ſich nicht im Darm oder in ſonſtigen Höhlen auf, ſondern in den Geweben des Körpers, hauptſächlich im Bindegewebe. Es brauchen hier keine Arten behandelt zu werden. Familie der eigentlichen Spulwürmer(Ascarida). Verhältnismäßig kürzer als die Würmer der vorigen Familie. Mundöffnung dreieckig, von drei zitzenförmigen Lippen umgeben. Beim Männchen iſt die Hinterleibsſpitze gewöhnlich hakenförmig gebogen. Der After liegt nicht am Hinterende des Körpers. Alle Arten halten ſich im Darme auf(vergl. S. 192). Pferdeſpulwurm(Ascaris megalocephala); Männchen 15—20 cm, Weibchen 30— 40 cm lang; bisweilen in großen Knäueln, die Ver⸗ ſtopfung verurſachen. Katzenſpulwurm(Ascaris mystax); Männchen 50— 60 mm, Weib⸗ chen 120— 130 mm; im Darme der Katze und des Hundes. Krummer Pfriemenſchwanz(Oxyuris curvula); Männchen 6 bis 8 mm, Weibchen 4 ½ cm. Im Maſtdarm des Pferdes. Verurſacht anhaltendes Jucken. 198 Klaſſe der Rundwürmer. Familie der Alchen(Anguillulida). Nur wenige Millimeter lang, dünnhäutig; legen relativ nur wenige, aber große Eier, die ſich ſehr ſchnell entwickeln. Mit wenigen Ausnahmen entweder„Humusälchen“(d. h. Alchen, die in faulenden organiſchen Subſtanzen oder in humoſem Boden ſich aufhalten) oder Pflanzenſchmarotzer und als ſolche oft die Urſache eigentümlicher Krankheiten von wilden und Kulturgewächſen. Alle in Pflanzen ſmaroenden Arten haben einen ſogenannten„Mundſtachel“. Dieſer in der Kehlhöhle befindliche Stachel iſt vorn ſehr ſcharf und ſpitz und kann zum Einbohren in die Zellwände von Pflanzen hervor⸗ und zurück⸗ gezogen werden. Die Pflanzenſäfte dringen in die Höhle des Stachels und werden alſo in den Schlund eingeſogen.— Es findet ſich ein Mundſtachel nicht bloß bei den Arten, welche in Pflanzengeweben ſchmarotzen(mehrere Tylenchus- und Aphelenchus-Arten, ſowie alle bekannten Heterodera-Arten), ſondern auch bei den frei im Boden lebenden, welche äußerlich die Pflanzenwurzeln anbohren(die übrigen Tylenchus- und Aphelenchus-Arten, Dorylaimus u. ſ. w.). Jedenfalls iſt ein ſtachelloſes Alchen kein Pflanzenſchmarotzer.— Ich beſpreche nur die pflanzenparaſitiſchen ÄAlchen, welche allgemein bekannte und ſchädliche Krankheiten von Kulturpflanzen verurſachen. Sie gehören den Gattungen Tylenchus und Heterodera an. Erſtere bleiben während ihres ganzen Lebens aalförmig, letztere ſchwellen im Zuſtande erwachſener Weibchen ſtark an und werden citronen⸗ oder birnförmig. Das Stengelälchen(Tylenchus devastatrix). Länge 0,9— 1,7 mm, gewöhnlich 1,2— 1,5 mm; die beiden Ge⸗ ſchlechter durchſchnittlich gleich lang.— Leben und vermehren ſich in verſchiedenen Kulturpflanzen(z. B. Roggen, Hafer, Hauszwiebeln, Hyacinthen, Buchweizen, Kartoffel, Klee, Weberkarde) und wildwachſen⸗ den Gewächſen(z. B. Poa annua, Anthoxanthum odoratum, Dipsacus silvestris, Polygonum Persicaria), nicht aber in allen gleich ſtark. Es muß noch dabei die Bemerkung gemacht werden, daß Stengelälchen, deren Urahnen ſeit ſehr vielen Generationen in einer gewiſſen Pflanze ſich entwickelt haben, nicht leicht in eine andere Pflanzenart überſiedeln, ſich daſelbſt wenigſtens nicht ſtark vermehren. Stengelälchen, deren Ahnen ſeit vielen Jahren ausſchließlich in Roggen oder abwechſelnd in Roggen und Buchweizen lebten, wandern nicht leicht in Zwiebel⸗ keimpflanzen ein und vermehren ſich daſelbſt anfänglich nur wenig.— Die Stengelälchen leben immer nur in Stengeln und AÄſten, ſowie in Blättern, niemals in Wurzeln. Sie verurſachen an den Stellen, wo ſie in die Pflanzengewebe eingedrungen ſind, ein abnormes Dickenwachs⸗ tum des betreffenden Organs, während das Längenwachstum entweder ſtark unterdrückt wird oder ſogar gänzlich ſtille ſteht. Auch ſchwindet früher oder ſpäter das Blattgrün in den angegriffenen Stellen und nachher folgt gewöhnlich ein ſchnelles Abſterben. Weil bloß diejenigen ——y-qꝗ(g(-—-——““——“ ——.I—. Ordnung der Spulwürmer. 199 Stellen eines Organes, welche von vielen Alchen bewohnt ſind, ſtark anſchwellen, ſo verſteht es ſich, daß oft Riſſe in den betreffenden Stengeln und Blättern entſtehen. Ubrigens ſieht man leicht ein, daß die Art und Beſchaffenheit der heimgeſuchten Pflanzenarten von größtem Einfluß auf das Vorkommen der von Stengelälchen verurſachten Krankheit iſt. Weil aber in demſelben Jahre mehrere Generationen dieſer Schmarotzer aufeinander folgen, ſo ſind die von ihnen verurſachten Pflanzenmiß⸗ bildungen gewöhnlich ſehr bedeutende. Die vom Stengelälchen verurſachte Krankheit heißt beim Roggen, dem Hafer, dem Buchweizen und dem Klee„Stockkrankheit“, bei den Hyacinthen„Ringelkrankheit“, bei den Hauszwiebeln„Krüppelkrank⸗ heit“, bei der Weberkarde und der Kartoffel„Fäule“.— Ich beſpreche etwas ausführlicher die Stockkrankheit des Roggens, welche in ſtarkem Grade in Weſtfalen und der Rheinprovinz herrſcht und ſchon im An⸗ fange dieſes Jahrhunderts wenigſtens in letztgenannter Provinz vorkam. Die die Stockkrankheit(„Rüb⸗“,„Knopf⸗“,„Knotenkrankheit“) verurſachenden ÄAlchen wandern bei der Reifung reſp. dem Abſterben des Getreides in den Boden hinein und ſpäter wieder in die neuen jungen Roggenpflanzen reſp. in andere Pflanzenarten, in denen ſie leben können. Es verſteht ſich alſo: 1. daß beim Herrſchen der Stockkrankheit zeitweilig der Boden infiziert iſt, und 2. daß die Stockkrankheit des Roggens hauptſächlich ſich in den Gegenden zeigt, wo die Roggen⸗ kultur ſtark übertrieben wird. Die Keimung des Roggenſamens ver⸗ läuft auf infizierten Äckern ganz normal, und beim Winterroggen ſieht man nur ausnahmsweiſe im Herbſte und im Winter den jungen Pflänz⸗ chen etwas Beſonderes an. Im Anfange des Frühlings erſcheint die Krankheit. Einige Pflanzen werden ſehr bald gelb und ſterben ab, während andere ſich recht üppig zu entwickeln ſcheinen; ſie haben eine ſchöne bläulich⸗grüne Farbe und ſcheinen ſehr geſund; ferner haben ſie eine überaus ſtarke Beſtockung(„Stockkrankheit“) und jede einzelne Pflanze bedeckt einen relativ großen Teil des Bodens. Es ſchwillt bald die Stengelbaſis in abnormer Weiſe an, ſo daß die Pflanzen aus⸗ ſehen, als trügen ſie an der Baſis eine größtenteils oberirdiſche Zwiebel („Rüb“). Letztere entſteht dadurch, daß die unteren Halmglieder ſehr kurz bleiben und ſich ſtark verdicken, wobei auch die Blattſcheiden, welche die Stengelbaſis einhüllen, dicker und breiter als gewöhnlich werden. Charakteriſtiſch iſt auch die ſchwache Bewurzelung. Die Blätter bleiben gewöhnlich kurz, werden aber ſehr dick; oft biegen ſie ſich wellenförmig hin und her, können ſogar ganz gekräuſelt erſcheinen. Es kräuſeln ſich aber nicht alle Blätter; einige bleiben vollkommen normal, andere werden ſogar ſchmal, grasartig, aber dick(Fig. 176). Bei ſpäterer Entwickelung kommt oft der Gipfel des Halms mit der Ähre nicht aus den Blattſcheiden hervor;— bei anderen Pflanzen kommt zwar noch eine Ähre heraus, ſie bleibt aber klein und ver⸗ krüppelt, ſowie ſchließlich der ganze Halm; die ſich bildenden Körner bleiben klein. Es können aber auch mehrere Schoſſe zu normaler 200 ad nak del Fig. 176. Stockkranke Roggenpflanze im ſpäteren Verlaufe der Krankheit. —:;—:—₰———⸗⸗⸗⸗⸗⸗—⸗⸗⸗⸗⸗Y—ꝛꝛꝛℳÿp ELZ.é.ͤGqäänn Ordnung der Spulwürmer. 201 Entwickelung kommen und Frucht tragen.— Die ſtark heimgeſuchten Pflanzen ſterben bald ab, einige ſchon im erſten Anfange des Frühlings, andere erſt ſpäter. Wo der„Stock“ in ſtarkem Grade auftritt, erkennt man dieſe Krankheit leicht an ihrer eigentümlichen Verbreitung. Im Frühlinge bemerkt man mehrere Kahlſtellen auf den infizierten Feldern; um dieſe Stellen herum finden ſich noch lebende, aber ſtark erkrankte Pflanzen, und je weiter man ſich von den kahlen Stellen entfernt, deſto undeut⸗ licher werden die Krankheitsſymptome.. Beim Abſterben der Roggenpflanze wandern die Alchen größten⸗ teils in den Boden zurück; es bleiben aber auch mehrere Eier und Larven in den trocknenden Pflanzenteilen. Das Roggenſtroh eines infizierten Feldes kann, nachdem es in den Dünger gelangt und mit dieſem wieder auf einen Acker gebracht iſt, die Krankheit weiter verbreiten; denn die Stengelälchen ſterben(wenigſtens im Larven⸗ und Eizuſtande) weder durch Eintrocknen, noch durch die Einwirkung von Jauche und anderen modernden Subſtanzen. Die ſtark infizierten Stellen(Kahlſtellen) eines vom Stock heimgeſuchten Ackers ſind gewöhnlich diejenigen Stellen, wo längere Zeit infiziertes Roggenſtroh enthaltender Dünger lag. Von ſolchen Centren aus findet die Verbreitung der Alchen ſtatt: 1. aktiv durch Wanderung der Alchen, 2. paſſiv durch den Regen, durch die Füße der Arbeiter, die Hufe der Pferde, die Ackergeräte u. ſ. w.; auch(auf wenig zuſammen⸗ hängendem Sandboden) durch den Wind, der Fig. 17 2 —— 1„ 9 g. 177. Stockkranke Hafer⸗ nicht nur die Bodenteilchen, ſondern auch die I u pilanze ſtets an der Bodenoberfläche verweilenden, ausgetrockneten ÄAlchenlarven fortweht.— Weil die Stengelälchen ſich, ſolange ſie ſich in den Pflanzen befinden, ſehr ſtark fortpflanzen, dazu der Verbreitungsmittel ſehr viele ſind, ſo breitet ſich der Stock ſchnell aus. Gegenmittel: Rationeller Fruchtwechſel; Einſchränkung der Roggenkultur, anſtatt deſſen: Kultur von Möhren, Rüben, Lupinen, Serradella; es dürfen auch dann und wann(nur nicht zu oft!) Kar⸗ toffeln, Buchweizen, Klee und Hafer auf den betreffenden Ackern gebaut werden, wenigſtens beſſer, als immer wieder Roggen. Reichliche Düngung, namentlich auch mit Sulphaten von Kali, Ammoniak und Eiſen. Tiefe Beſtellung des Bodens, weil die Alchen in den tieferen, feuchteren Boden⸗ ſchichten keine Nahrung finden und auch nicht austrocknen können, alſo ſterben müſſen.— Der Hafer leidet in ganz ähnlicher Weiſe wie der Roggen am „Stock“(Fig. 177; nach einer Abbildung von Miß Ormerod). 202 Klaſſe der Rundwürmer. Die Stockkrankheit des Klees iſt charakteriſiert durch kurze, ver⸗ kümmerte Triebe, durch weißliche, rundliche Knoſpen, welche oft ge⸗ ſchloſſen bleiben, durch weißliche Farbe und abnorme Verdickung der Triebe und Knoſpen.— Die Wurmfüäule der Kartoffeln. Krauswerden und geringe Ent⸗ wickelung der oberirdiſchen Teile. Es bilden ſich oft gar keine, auch wohl nur kleine, ſtärkearme Kartoffeln; doch können dieſe auch ziemlich groß werden. Auf der Oberfläche der Knollen, niemals tief ins Innere ſich erſtreckend, finden ſich mißfarbige, faulende Stellen, hauptſächlich (aber nicht immer) am Nabelende. Dieſe dunkeln Flecke enthalten die Alchen.— Der Stock des Buchweizens. Stengelglieder größtenteils ſtark verdickt, abnorm kurz. Oft ſehr ſtarke Veräſtelung am unteren Teile des Stengels, gewöhnlich an einer Stelle, wo der Stengel eine knotenartige Anſchwellung trägt. Äſte gewöhnlich kurz. Es können Krümmungen und Biegungen der Stengel und Äſte vorkommen. Es bleibt die Blüten⸗ und Fruchtbildung oft, aber nicht immer, unterwegs. Die perdickten Stengelteile ſind mürbe; ſie enthalten in ihrem Innern die Alchen. Das Weizenälchen(Tylenchus scandens= T. Tritici). Länge des Männchens 2—2,3 mm, des Weibchens 2,5— 5 mm (je nach der Größe der Gallen, in denen ſich die AÄlchen entwickeln). — Das Weizenälchen iſt Urſache der „Gicht- oder Radekrankheit“, auch „Kaulbrand“ genannt. Es finden ſich an mehreren Stellen der Ähren, ſtatt geſunder Körner, kurzgedrungene dunkel⸗ Sa ns Alhemalen des gtaltens braune Gallen Eic 1nch wel den g. 178.i Alchengallen des Weizeus Samenkörnern der Radepflanze ähnli Gerar)e ittte de Wiennrdane c. ſehen. Innerhalb der dicken, braunen Schale befindet ſich eine gelblich⸗weiße Maſſe, welche Hunderte, oft ſogar Tauſende von Alchenlarven(0,8 bis 0,9 mu) enthält; dieſe ſind völlig ſtarr; bei Befeuchtung leben ſie allmählich wieder auf und wenn die ſchwarzen Gallen bis 20 Jahre in ausgetrocknetem Zuſtande verweilten.— Es werden zur Zeit der Reife des Weizens auch die ſchwarzwandigen Gallen mitgeerntet; ſie werden alſo in vielen Fällen auch wieder mit den geſunden Körnern ausgeſäet. Es geht dann die braune Wand in Fäulnis über und die Alchenlarven verlaſſen die Galle. Sie wandern in das nächſtwachſende junge Weizenpflänzchen ein, wo ſie zwiſchen den Blattſcheiden und dem Halme leben, auch in die Endknoſpe hineindringen. Der Halm der von vielen Alchen bewohnten Weizenpflanzen bleibt verhältnismäßig kurz; die Blätter ſehen oft wie geknickt aus und haben wellenförmig gebogene Ränder. Die von Weizenälchen bewohnten Weizenpflanzen ſehen den ſtockkranken Roggenpflanzen in den Hauptſachen ähnlich, nur Ordnung der Spulwürmer. 203 zeigen ſie die Abnormitäten in weit geringerem Grade; letzteres kommt wohl daher, daß die Weizenälchen ſich nicht fortpflanzen, bevor ſie die Ähre erreicht haben,— alſo nur eine Generation pro Jahr liefern, während vom Stengelälchen mehrere Generationen einander in der⸗ ſelben Roggenpflanze folgen. Bald wandern die AÄlchen aus den andern Teilen der Pflanze in die Ähre hinein und begeben ſich in mehrere der Blütenanlagen dieſer Ähre; dieſe Blütenanlagen erweitern ſich blaſen⸗ artig und werden dunkelgrün⸗, ſpäter dunkelbraun⸗wandig. In jeder der unteren Blüten der Ähre finden ſich 16—20, in den höheren(alſo kleineren) 10—12, in den höchſten(kleinſten) 4—6 Alchenlarven. Bald nach der Einwanderung in die Blüten werden die Alchen geſchlechtsreif; ſie legen dann ihre Eier(600— 1600), aus denen die Larven entſtehen, welche die ſpäteren radekornförmigen Gallen bewohnen. In mehreren Gegenden Deutſchlands(auch in England, Frankreich, Italien) kommt die Radekrankheit vor, namentlich in Sachſen, wo ſie bisweilen ½¼ der Weizenernte erreicht.— Gegenmittel:„Im Saatgute dürfen keine radekranken Körner ſich befinden, oder die Älchenlarven müſſen in den⸗ ſelben getötet ſein. Alſo muß man das unreine Saatgut entweder ab⸗ ſieben, oder man muß es während 24 Stunden in einer Löſung von 1 kg engl. Schwefelſäure(66° B.) in 150 1 Waſſer untergetaucht laſſen, wobei viele Gallen ſchwimmen und abgeſchöpft werden können, während in den ſinkenden die Alchenlarven getötet werden. Der Rübennematode, das Rübenälchen(Heterodera Schachtii), die Urſache der ſogenannten„Rübenmüdigkeit“ des Bodens. Der Ver⸗ lauf dieſer Krankheit iſt folgender. Ende Juli finden ſich zwiſchen den bis dahin normal entwickelten Rüben heller gefärbte Stellen. Die Blätter ſind matt, ſchlaff, namentlich die äußeren Blätter werden gelb⸗ lich, fleckig und ſterben ab. Es können ſpäter auch die inneren Blätter abſterben; der Kopf der Rüben wird dann ſchwarz, und allmählich geht die ganze Rübe in Fäulnis über. Bei weniger intenſivem Auf⸗ treten der Krankheit erholen ſich die Rüben gegen den Herbſt hin und bilden ſie neue Herzblätter, aber die Rüben bleiben klein und der Er⸗ trag iſt immer ein geringer; er beläuft ſich oft auf nur ë½ der normalen Ernte.— Kühn hat durch Infektionsverſuche feſtgeſtellt, daß die alleinige Urſache der„Rübenmüdigkeit“ dem Vorhandenſein eines Nematoden zuzuſchreiben iſt, deſſen Lebensweiſe die folgende iſt. Es findet ſich das Weibchen an den Wurzeläſten feſtſitzend; es iſt citronenförmig, etwa 1 mm lang(Fig. 179, 1 und 10) und enthält durchſchnittlich 350 Eier, von denen zwar einige wenige mit einer gallertartigen Subſtanz, welche den ſog.„Eierſack“ bildet, nach außen treten können, deren bei weitem größere Anzahl ſich aber innerhalb des Körpers des Weibchens zu Larven entwickelt. Schließlich wird der ganze Körper der inzwiſchen geſtorbenen Mutter nur gleichſam ein Sack, der die aalförmigen Larven einſchließt. Die ausſchlüpfende Larve(Fig. 179, 4) ſucht eine Wurzel(+ 1 mm Dicke) auf und bohrt ſich hinein. Hier lebt ſie paraſitiſch und verurſacht alſo Fig. 179. Das Rübenälchen(Heterodera Schachtii): 1. eine Rübenwurzel mit an⸗ hängenden vollendeten Weibchen in n. Gr.; 2. Rübenſeitenwurzel mit eindringenden Alchenlarven(a); 3 Rübenſeitenwurzel mit Anſchwellungen(a) der Oberhaut infolge der ſtarken Entwickelung der früher eingedrun⸗ genen Larven, welche jetzt zu faſt vollendeten Weibchen geworden ſind(2 und 3 vergr.); 4 eben ans dem Ei ausgeſchlüpfte Larve; 5 in die Wurzel eingedrungene, keulenförmig angeſchwollene Larve; 6, 7, 8 Bildung des Männchens; 9 nicht ganz vollendetes, 10 ganz voll⸗ — ——ſ„—O——.,——. ——y 88 Ordnung der Spulwürmer. 205 die Krankheit der befallenen Rübenpflanze. Bald ſtreift die Larve die alte Haut ab, und das Tier ſchwillt zu einer plumpen Form an(Fig. 179, 5), welche ſich nicht mehr bewegt und die Oberhaut der Wurzel allmählich nach außen vorwölbt(Fig. 179, 3 a).— Bald tritt ein Unterſchied zwiſchen Männchen und Weibchen hervor.— Bei den dicken, bewegungs⸗ loſen Larven, die zu Männchen ſich umbilden, ſtellt die Nahrungsauf⸗ nahme ſich zeitweilig ein; der Körperinhalt zieht ſich von der Haut zurück, nachdem er ſich eine neue dünne Haut gebildet. Allmählich nimmt das im Innern liegende Gebilde die Form eines langen, aal⸗ förmigen Wurms an(Fig. 179, 6, 7, 8), der ſich in das vollendete Männchen(bei 8) umbildet. In dem Stadium der Fig. 179, S8 liegt das Tier noch unter der Wurzeloberhaut, die bei der Entwickelung des Männchens niemals zum Platzen kommt; das ausgewachſene Männchen aber bohrt ſich aus der Larvenhülle und aus der Pflanzenwurzel hinaus und gelangt in die Erde, wo es das inzwiſchen ebenfalls aus⸗ gewachſene, an den Wurzelfaſern ſitzende Weibchen aufſucht und be⸗ gattet.— Die Entwickelung des Weibchens iſt eine einfachere. Es findet keine Neubildung, bloß ſtarke Anſchwellung und Verwachſung des Tieres ſtatt, während ſich die weiblichen Geſchlechtsorgane bilden. Indem das Tier allmählich vom Stadium der Fig. 179, 5 in das der Fig. 179, 9 übergeht und ſpäter in den erwachſenen Wurm 10 ſich umändert, platzt die Oberhaut des Pflanzenwürzelchens und das Weibchen tritt aus dem Pflanzengewebe heraus, bleibt aber an der Wurzel feſt ſitzen(Fig. 179, 1).— Die ganze Entwickelung vom Ei bis zum geſchlechtsreifen Tiere verläuft in etwa 4—5 Wochen, und es können 6—7 Generationen aufeinander folgen; die Vermehrung iſt alſo eine außerordentlich ſtarke. Es verſteht ſich alſo, daß die„Rübenmüdigkeit“ des Bodens be⸗ ſonders auf den Feldern auftritt, wo der Rübenbau ſtark übertrieben wird. Es tritt aber dieſe Erſcheinung auch wohl plötzlich auf früher „rübenſicheren“ AÄckern auf, und in vielen Fällen war die Urſache zu ſuchen in einer Düngung mit Fabrikkompoſt, der reich an Abputz rübenmüder Felder war. Doch tritt die Rübenmüdigkeit auch oft auf ſolchen ÄAckern auf, wo noch niemals Rüben kultiviert wurden, aber wo ſeit Jahren Kohl wuchs. Es hat ſich, namentlich aus Kühn's Verſuchen und Beobachtungen, ergeben, daß der Rübennematode in vielen Pflanzenarten, Kulturgewächſen und wildwachſenden Pflanzen leben kann; unter den erſteren erwähne ich: Kohl, Raps, Rübſen, die Senfarten, Gartenkreſſe, Platterbſe, Runkelrübe, Hafer; unter den Unkräutern: Ackerſenf, Rade, Knöterich. Dieſe Erfahrungen ſind zur endetes Weibchen.— Für Fig. 4—10 gültige Bezeichnungen: a Mundſtachel; b Saugmagen; cd Darm; ef Maſtdarm; † After; g Exkretionsorgan; h(in Fig. 4—7) Anlage der Geſchlechts⸗ organe bei der unausgewachſenen Larve: h(in Fig. 8) Hoden; i(in Fig. 7 u. 8) Stäbchen (spicula) des Männchens; k(Fig. 9 u. 10) Eierſtöcke; 1(Fig. 9 u. 10) weibliche Geſchlechts⸗ öffnung;— m Nervenring; w.(Fig. 6, 7, 8) Haut der Larve; we(Fig. 6, 7, 8) Haut des inner⸗ Lu der Larvenhaut ſich bildenden Männchens.— Fig. 4 u. 5 ſind ſtärker vergrößert als 8 ig. 6— 10. 206 Klaſſe der Rundwürmer. Kenntnis der Verbreitung ſowie der Bekämpfung der Rübenmüdigkeit von größter Wichtigkeit. Vorbeugungsmittel: Man unterlaſſe die Anwendung von Fabrikkompoſt auf Rübenäckern.— Man miſche allen Abfall nematoden⸗ haltiger Rüben, wenn er auf irgend welchem Acker verwendet werden ſoll, mit Atzkalk(6:1).— Man reinige die Fußbekleidungen der Ar⸗ beiter, die Hufe und Klauen der Zugtiere, ſowie die Ackergeräte, welche auf rübenmüdem Lande benutzt wurden, damit keine Verſchleppung der infizierten Erde auf andere ÄAcker ſtattfinde.— Vertilgungsmittel: Als Vertilgungsmittel hat Kühn die Anwendung von Fangpflanzen empfohlen. Er ſäet auf rübenmüdem Boden ſolche ſchnellkeimende Pflanzen aus, in welche die Nematoden gern einwandern; ſodann läßt er dieſelben ausjäten, nachdem die Schmarotzer in dieſelben gewandert ſind, aber vor dem Erwachſen derſelben, alſo bevor ſie wieder aus den Wurzeln herauskommen. Er lockt alſo die Nematoden in die auf dem Acker kultivierten Pflanzen und tötet ſie nachher ſamt dieſen Pflanzen. Man muß ſolche Fangpflanzen ſehr dick ſäen, damit ſie eine möglichſt große Anzahl feiner Würzelchen in den Boden hineinſenden; und nachdem man ſie ausgegraben hat, muß man gleich wieder ein zweites Gewächs von Fangpflanzen bauen; denn gewiß ſind nicht alle Nema⸗ toden gleich in die erſten Fangpflanzen eingewandert, ja ſogar iſt es zweckmäßig, noch ein drittes Gewächs folgen zu laſſen. Als Fang⸗ pflanzen benutzte Kühn die verſchiedenen Varietäten von Kohl, auch Sommerraps, beſonders aber Sommerrübſen; denn dieſe Pflanzen beſitzen eine große Anziehungskraft für die Rübennematoden und können viele dieſer Tierchen in ihren vielen, feinverzweigten Wurzel⸗ zweigen enthalten. Ich kann hier Kühn's Verſuche nicht alle er⸗ wähnen und teile nur folgendes mit. Von einem rübenmüden Felde wurde ein Teil im Verlaufe des Jahres 1880 dreimal hintereinander mit Fangpflanzen bebaut, welche jedesmal 30— 40 Tage nach dem Ausſäen ausgegraben wurden. Im Herbſte wurde der Acker umge⸗ pflügt, im nächſten Frühling in zweckmäßiger Weiſe gedüngt, dann wurden Mitte April die Rüben ausgeſäet. Mit dem zweiten Teile des Bodenſtückes wurde ganz in derſelben Weiſe verfahren, allein es wurden daſelbſt im vorigen Jahre keine Fangpflanzen angebaut. Schon früh⸗ zeitig beobachtete man einen Unterſchied zwiſchen den beiden Bodenſtücken und zur Erntezeit war der Unterſchied ſehr groß: auf dem erſten Boden⸗ ſtücke wuchſen überall prachtvolle Pflanzen, auf dem zweiten Stücke waren an vielen Stellen die Pflanzen abgeſtorben oder klein und kümmerlich. Der Ertrag des Feldes war nach dem Anbau der Fang⸗ pflanzen dreimal ſo groß wie früher und ſtand dem Ertrage eines rübenſichern Ackers faſt vollkommen gleich.— Später hat Kühn noch eine wichtige Erfahrung gemacht. Er ſtellte feſt, daß die Larve des Rübennematoden im dicken unbeweglichen Stadium der Fig. 179, 5 noch einer nicht geringen Stoffaufnahme braucht, um am Leben zu bleiben und ihre ganze weitere Umwandlung zu beſtehen. Wird in ——— x⏑*—*—ͤdA Ordnung der Bandwürmer. 207 dieſem Stadium die Pflanze vernichtet, ſo daß die Würzelchen, in denen die dicken Larven der Fig. 179, 5 ſich befinden, abſterben, ſo iſt eine normale Weiterentwickelung der letztgenannten unmöglich ge⸗ worden. Kühn ließ ein geeignetes Pferdeinſtrument konſtruieren, um die Fangpflanzen ſchnell auf dem Felde zu vernichten. Für weitere darauf bezügliche Details ſei auf Kühn's Mitteilung ſelbſt verwieſen. — In mehreren Gegenden, z. B. in Holland, verurſacht das Rüben⸗ älchen eine ſehr gefährliche Krankheit des Hafers. Das Wurzelälchen(Heterodera radicicola). Dieſe zweite Art der Gattung Heterodera entwickelt ſich in ähn⸗ licher Weiſe wie der Rübennematode; ſie lebt auch in Pflanzenwurzeln, jedoch mehr im Innern derſelben, ſo daß das Weibchen, welches zu einem birn⸗ oder flaſchenförmigen Gebilde anſchwillt, die äußern Teile der von ihr bewohnten Pflanzenwurzel nicht aufſpringen läßt, alſo auch der Körper des Weibchens niemals nach außen kommt. Wo die Wurzelälchen ſich anhäufen, bilden ſich Gallen. Dieſe faulen ſpäter ab und dann wandern die aalförmigen Larven in den Boden, bald nachher jedoch in die feinen Wurzelenden hinein. Die ſich bildenden Gallen erſcheinen als Ver⸗ dickungen des Wurzelkörpers ſelbſt, niemals als ſeitliche Anhänge der Wurzel, wie dies z. B. mit den bekannten„Wurzelknöllchen“ der Papilionaceen(z. B. des Klees, der Erbſenpflanze) der Fall iſt.— Das Wurzelälchen lebt in den Wurzeln von mehr als 50 Pflanzenarten der verſchiedenſten Teile der Welt, in Unkräutern ſowohl wie in Kultur⸗ pflanzen. Beſonders ſchädlich wird es an Klee und Luzerne, weil nicht bloß die Gallen, ſondern auch alle unterhalb der Gallen ſich ausbreiten⸗ den Teile der Wurzel abſterben. Klaſſe der Plattwürmer(Platelminthes). Die Plattwürmer haben einen platten, gewöhnlich blattförmigen Körper und gewöhnlich keine Leibeshöhle; der Zwiſchenraum zwiſchen den inneren Organen und dem Hautmuskelſchlauche wird durch Binde⸗ gewebe ausgefüllt. Ich beſpreche bloß die Ordnungen der Bandwürmer(Cestoda) und der Saugwürmer(Trematoda). Ordnung der Bandwürmer(Cestoda). Der Körperbau eines gewöhnlichen Bandwurms iſt aus Fig. 180 und 181 erſichtlich. Man unterſcheidet einen ſehr kleinen„Kopf“, der ſich nach hinten in einen ſchmälern„Hals“ fortſetzt, und eine ſehr große Zahl von Gliedern, von denen die erſteren ſehr ſchmal und kurz, die folgenden deſto größer ſind, je weiter ſie ſich vom Kopfe entfernen.— Anfänglich beſteht der Bandwurm bloß aus einem Kopfe, der ſich mit Saugnäpfen oder dergleichen Bildungen an der Innenſeite des Darmes feſthält. Später wächſt der Hinterteil des Kopfes in die Länge und 208 Klaſſe der Plattwürmer. bildet den ſogen.„Hals“; bald aber bildet ſich in einer kurzen Strecke vor dem Hinterende dieſes Halſes eine Querwand. Bei dieſer Teilung eIIIII EE ſſſſſſſ“““ 4 1 Fig. 180. Taenia saginata. Kopf und mehrere Glieder in natürlicher Größe. entſteht alſo das erſte Glied, welches zwar ſogleich ziemlich ſelbſtändig wird, aber doch am Halſe des Bandwurm⸗ kopfes feſtgeheftet bleibt, bis von dieſem Halſe wieder ein neues Glied, unmittel⸗ bar vor dem erſt gebildeten, ſich ab⸗ ſondert. In gleicher Weiſe bildet ſich jedes neue Glied immer wieder durch Abſchnürung des hinteren Halsteiles. Jedes Glied beſitzt ſeine eigenen Fort⸗ pflanzungsorgane und zwar männliche und weibliche; es wird für ſich geſchlechts⸗ reif, löſt ſich los, kriecht fort, ſogar über weite Strecken, und platzt ſpäter, ſo daß die zahlreichen Eier frei werden. Jedes Glied muß alſo für ein eigenes Indi⸗ viduum gehalten werden; doch beſitzt auch der ganze Bandwurm eine gewiſſe Individualität.— Der Bandwurm iſt eine in zwei Formen vorkommende Tierart. Die eine Form iſt das geſchlechtlich ſich fortpflanzende Glied, welches den urſprünglichen Wirt verläßt und aus deſſen Eiern Larven Ordnung der Bandwürmer. 209 auskommen, die in einem andern Wirt zu Blaſenwürmern oder Finnen werden, aus denen der Kopf ſich bildet. Letztgenannter iſt die zweite, ungeſchlechtliche Erſcheinungsform des Bandwurms. Die Bandwürmer pflanzen ſich mithin durch Metageneſe(S. 14) fort.— Der Kopf kann, wie aus dem oben Geſagten hervorgeht, mit dem Kopfe eines andern Tieres gar nicht verglichen werden; er hat weder Mund⸗ öffnung noch Kiefer, denn der Bandwurm iſt darmlos. Der Kopf und die Glieder nehmen die im Darme des Wirts befindlichen Nährſtoffe durch ihre Körperwand osmotiſch auf. Am Gipfel des Kopfes finden ſich zum Feſtheften an der Darmwand Saugnäpfe und bei mehreren Arten ein Hakenkranz(Fig. 181 a).— Die Zahl der von einem einzigen Gliede produzierten Eier kann Tauſende, ſogar Zehntauſende betragen. Wenn dieſe Eier zu reifen anfangen, oft ſchon früher, ſondert ſich das Glied ab; bei einigen Arten werden einige noch aneinander feſtſitzende Glieder zugleich abgeſchnürt. Die Bandwurnmglieder verlaſſen den Darm ihres Wirts ſelbſtändig oder mit dem Kote. Gewöhnlich kriechen ſie, nachdem ſie zu Boden gefallen, wie Schnecken weiter und heften ſich an verſchiedenen Pflanzen feſt. Es verſteht ſich, daß leicht ent⸗ weder ein Bandwurmglied oder mehrere der von dieſem produzierten Eier von einem graſenden Tiere aufgenommen werden können. Nur wenn ein Glied reſp. die Eier inet urſtͤmmien Bundwuruude in den Darm eines beſtimmten Tieres gelangen,.. können die Eier ſich weiter entwickeln. Es iſt richtig, de Sam Pnnrnr⸗ daß von den von einem Bandwurm produzierten lium)) ſehr vergrößert. Eiern gewöhnlich bloß eine relativ geringe Anzahl zu weiterer Entwickelung kommt, aber die ſtarke Fortpflanzung iſt Urſache, daß jedenfalls die Art nicht ausſtirbt.— Falls nun entweder ein Glied oder Eier eines Gliedes in den Darm eines paſſenden Wirts aufgenommen werden, ſo wird das Glied und die Wand der Eier, reſp. die Eiwand allein, im Magen oder im Darme verdaut und die Larven kommen heraus. Dieſe(Fig. 182) ſind kugelförmig, glasartig, natürlich mikroſkopiſch klein und tragen drei Paar Häkchen, mit denen ſie bald die Darmwand durchbohren und ſich weiter einen Weg durch die Ge⸗ webe des Wirts bahnen; auch können ſie zeitweilig mit dem Blutſtrom weitergeführt werden. Die Larve jeder verſchiedenen Art behauptet zuletzt ihren Platz nicht bloß in einem beſtimmten Tiere, ſondern ge⸗ wöhnlich auch in einem beſtimmten Organe oder Gewebe. Dort ver⸗ liert ſie ihre Haken und ändert ſich bald in einen innen hohlen Blaſenwurm(Finne) um, der wächſt, bis er eine für jede Art be⸗ ſtimmte Größe erreicht hat. Inzwiſchen bildet ſich allmählich entweder (Cysticercus) eine oder es bilden ſich(Coenurus) viele Einſtülpungen, oder(Echinococcus) es bilden ſich an der Innenſeite des Blaſenwurms neue Blaſen, von denen die meiſten wieder Einſtülpungen entſtehen laſſen, ganz wie die erſterwähnten Blaſenwürmer(Fig. 183). Immer ähneln ſich die Einſtülpungen in jeder Hinſicht einem Bandwurmkopfe; Bos, Zoologie. 3. Auflage. 14 210 Klaſſe der Plattwürmer. ſie haben Saugnäpfe, event. auch einen Hakenkranz, aber an der Innen⸗, nicht an der Außenſeite. Später— entweder ſchon in dem ur⸗ ſprünglich vom Blaſenwurm bewohnten Tiere oder nachdem der Blaſen⸗ wurm mit deſſen Fleiſch in den Darm irgend welchen Fleiſchfreſſers übergegangen— zieht ſich der Blaſenwurm zuſammen; die Blaſe kann 6 z C(ysłioercas Coenauras.— Echinococcus Fig. 183. Die drei Blaſenwurmtypen, ſchematiſch dargeſtellt. 6 alſo nicht mehr die vorhandene Flüſſigkeit enthalten, und es wird die Einſtülſpung nach außen umgebogen, wobei die Saugnäpfe auf die Außenſeite kommen. Dann hat ſich der Kopf des Bandwurms gebildet, 1 an dem bloß noch am Hinterende die Blaſe befeſtigt iſt(Fig. 184).— 1 in ei 1 M F ge K Fig. 184. Finne von: T. solium mit ausge⸗— ni ſtülptem Kopfe(6 mal Fig. 185. Finnen im Fleiſche; der weiße Punkt iſt der Kopf. lic vergrößert). Natürliche Größe. R Wird ein von Blaſenwürmern bewohnter Wirt nicht von einem anderen 3 Tiere gefreſſen, ſo bleiben die Blaſenwürmer, nachdem ſie die Grenze 1 ihrer Größenzunahme erreicht haben, während langer Zeit auf derſelben 3) Entwickelungsſtufe, ohne daß ſie die Fähigkeit zu weiterer Entwickelung 1 einbüßen. Wird aber der Wirt von einem anderen Tiere gefreſſen, ſo gelangen die in erſterem enthaltenen Blaſenwürmer in deſſen Magen und Darm, wo die Blaſe verdaut wird, der Bandwurmkopf aber un⸗ ſt ren nye ben ung ſen, Ordnung der Bandwürmer. 211 verſehrt bleibt. Dieſer ſtülpt die Saugnäpfe aus und ſaugt ſich mit dieſen an die Wand des Darmes feſt; bald nachher fängt die oben beſchriebene Abſchnürung der Glieder an. Als für den Viehhalter bedeutende Bandwürmer ſeien die folgen⸗ den kurz behandelt. Der bewaffnete oder hakentragende Menſchenbandwurm(Taenia solium), 2—3 m lang, 700— 800 gliederig, mit einem Hakenkranze(Fig. 181), lebt im Darme des Menſchen; ſeine Glieder ſchnüren ſich in geſchlechts⸗ reifem Zuſtande oft zu mehreren zugleich ab; werden ſolche auf dem Felde oder dem Düngerhaufen von einem Schweine aufgenommen, ſo entwickeln ſich die in dieſen Gliedern enthaltenen Eier zu„Schweins⸗ finnen“(Cysticercus, Fig. 185), welche ſich namentlich im Bindegewebe zwiſchen den Muskeln befinden und das Fleiſch„finnig“ machen, aber auch im Bindegewebe anderer Teile(Speck, Gehirn, Rückenmark) vor⸗ kommen können. Junge, höchſtens ½ Jahr alte Schweine ſind am meiſten der Gefahr, finnig zu werden, ausgeſetzt. Sie können im Fleiſche eine ziemlich große Quantität Finnen ſehr gut ertragen; ſind dieſe aber in großer Anzahl vorhanden, ſo verurſachen ſie Abmagerung, Schwäche, Lähmung, Bleichſucht. Das Fleiſch eines von Finnen ſtark heimgeſuchten Tieres kann bleich, wäſſerig, ſogar ſchmierig ſein; das⸗ ſelbe eines weniger„finnigen“ Schweines erſcheint vollkommen normal, iſt aber ungenießbar, weil der Genuß desſelben in ungenügend ge⸗ kochtem Zuſtande dem Menſchen Bandwürmer geben würde. Am zahl⸗ reichſten findet man die Finnen in den Bruſt⸗ und Halsmuskeln, dann in den Schinken und Schultern. Es ſollen an 12—20000 Stück in einem Schweine vorkommen können. Der hakenloſe Menſchenbandwurm(Taenia saginata), ohne Hakenkranz, 4— 6 m lang, bis 1000 gliederig(Fig. 180), lebt im Menſchendarm und als Blaſenwurm(Cysticercus) im Bindegewebe des Fleiſches vom Rinde(namentlich vom Kalbe). Die Glieder verlaſſen gewöhnlich einzeln den Darm des Wirts; ſie kriechen an Gras und Kräutern hinauf, und es werden dort durch Platzen des Gliedes die Eier frei, die alſo weit verbreitet werden. Das Rind nimmt wohl niemals mehrere Glieder zugleich, alſo von Taenia saginata gewöhn⸗ lich nur eine gewiſſe Anzahl von Eiern auf. Deshalb kommt im Rindfleiſche niemals eine ſo große Anzahl von Finnen vor, wie im Fleiſche eines Schweines. Es kann alſo von einer eigentlichen„Finnen⸗ krankheit“ beim Rinde keine Rede ſein; da aber die Eier der T. saginata mehr verbreitet werden, ſo giebt es mehr Kälber und Rinder als Schweine, die mit Finnen infiziert ſind. Der Coenurus-Bandwurm des Hundes(Taenia Coenurus) iſt Urſache des Blaſenwurmes des drehkranken Schafes(Coenurus cere- bralis). Dieſer Bandwurm— es leben noch andere Arten im Darme 14* 212 Klaſſe der Plattwürmer. des Hundes— hat einen Hakenkranz; er iſt 35— 40 cm lang und beſteht aus ungefähr 200, Gliedern. Er lebt gewöhnlich im Darme des Schäferhundes in Übereinſtimmung mit dem Aufenthalte des Blaſenwurms(im Gehirn junger Schafe). Wenn ein Schäferhund Taenia Coenurus in ſeinem Darme beherbergt, können die Schafe ſehr leicht ein Glied dieſes Bandwurms mit Gras⸗ oder Heidekräutern auf⸗ nehmen. Im Schafdarme wird das Glied verdaut und die Lärvchen entſchlüpfen dem Ei. Sie durchbohren die Darmwand des Schafes, gelangen in die Blutbahn und werden mit dem Blutſtrome nach ver⸗ ſchiedenen Körperteilen geführt; es eignet ſich jedoch nur das Gehirn (und das Rückenmark) zur Weiterentwickelung. Nachdem die kleinen Larven mit dem Blutſtrome in die Gehirnhöhle gelangt ſind, bewegen ſie ſich an der Gehirnoberfläche fort und graben ſich dort Gänge aus, bis ſie einen geeigneten Platz für ihre Weiterentwickelung gefunden haben. Dann ändert ſich die Larve in einen Blaſenwurm um, der allmählich wächſt, endlich die Größe einer Nuß bis eines Hühnereies erreicht. Er bildet mehrere Bandwurmköpfe, ſogar 300— 400. Wenn ein Schaf infolge der Wirkung des Schmarotzers ſtirbt und deſſen Kopf von einem Hunde oder Fuchſe gefreſſen wird, ſo bekommt dieſer Bandwürmer. Die von dem Gehirnblaſenwurm verurſachte Krankheit heißt „Drehkrankheit“. Man kann in derſelben zwei Perioden unter⸗ ſcheiden. Während der erſten Periode werden die Krankheitserſcheinungen hauptſächlich durch die Wunden veranlaßt, welche die Larven an der Gehirnoberfläche verurſachen, und durch die dadurch auftretende Ent⸗ zündung der Gehirnhäute. Schon in dieſer erſten Periode kann die Krankheit tödlich werden; ſobald aber die Larve ſich fortzubewegen aufhört, hören die Krankheitserſcheinungen auf, denn der Blaſenwurm kann nachher nicht mehr ſchaden als durch den von ihm auf das Gehirn ausgeübten Druck, und dieſer iſt anfangs klein, wird aber all⸗ mählich größer. Die erſte Periode der Drehkrankheit fällt in den Spätſommer, die zweite— je nach der langſameren oder ſchnelleren Entwickelung des Blaſenwurms— in den Spätherbſt, den Winter oder das Frühjahr. Die Krankheitsſymptome der erſten Periode ſind die Folgen des vermehrten Blutandrangs nach dem Gehirn und dem ganzen Kopfe, infolge des Reizes, den die Larven ausüben.(Kopf ſtark erhitzt. Augen blutig⸗rot. Die Schafe ſind träge, aber unruhig; ſie tragen den Kopf in fremdartiger Weiſe, zur linken oder rechten Seite, nach hinten gebogen oder aufgerichtet; ſie drehen ſich oft in einem großen Kreiſe herum. Zähneknirſchen, Schaum auf dem Maule, Schiefſtellung der Augenäpfel, Muskelzuckungen, Bewußtloſigkeit können ſich zeigen.)— Die Krankheitsſymptome der zweiten Periode ſind die Folgen eines Druckes auf das Gehirn ſowie auf die Schlagadern eines Teiles des Gehirnes und des Schädels.(Die befallenen Schafe ſondern ſich ab; ſie laſſen meiſt den Kopf ſinken. Blick ſtier. Zeitweilige Bewußtloſigkeit. Sonderbare Bewegungen: im Kreiſe herumlaufen —— — 2o——————— — —— Ordnung der Saugwürmer. 213 oder herumdrehen, entweder nach rechts oder nach links. Oft wankt das Schaf und fällt zu Boden. Die Schädelknochen werden auf der Stelle, unter der ſich die Blaſe befindet, dünner, oft ſo dünn wie Papier.) Gegenmittel: Trepanation, wenn die Blaſe unmittelbar unter dem Schädeldache liegt.— Vorbeugung: durch Verminderung der Anzahl der Schäferhunde;— durch eine Bandwurmkur, welche man die Schäferhunde im Frühling und im Sommer durchmachen läßt;— durch ein Mittel, welches man den einjährigen Schafen im Juli und Auguſt reicht, zum Zwecke des Abtreibens der im Schafdarme etwa befindlichen Bandwurmlarven;— durch Verbrennen(ſtatt Begraben) der Köpfe drehkranker geſtorbener oder abgeſchlachteter Schafe.— Nur ausnahmsweiſe ſterben alle an der Gehirnoberfläche befindlichen Larven zwiſchen der erſten und zweiten Drehkrankheitsperiode; ein von der Krankheit angegriffenes Schaf iſt alſo faſt ausnahmslos dem Tode geweiht; man ſchlachte es ſobald wie möglich.— Vergl. falſche Dreh⸗ krankheit S. 176. Der kleinſte Hundebandwurm(Taenia Echinococcus), ſelbſt höchſtens 4 mm lang, aus nur 3—4 Gliedern beſtehend, lebt oft in größerer Anzahl im Hundedarm, ohne ſeinem Wirt zu ſchaden, ver⸗ urſacht aber in der Leber, den Lungen, ſowie in anderen Organen des Menſchen, des Schweines und der Wiederkäuer ſehr große Blaſen(von Taubenei⸗ bis Kinderkopfgröße) vom Typus der Fig. 183 rechts. Durch den auf die von den Blaſenwürmern bewohnten Organce, ſowie auf die in letzteren enthaltenen Gefäße ausgeübten Druck können ſie tödlich werden. Beim Hunde kommt noch vor der geſägte Hundebandwurm(Taenia serrata), gewöhnlich etwa ½ m lang, der als erbſenförmiger Blaſenwurm in der Leber, den Lungen, dem Netze und anderen Teilen von Haſen und Kaninchen lebt, ſowie der Bandwurm mit kürbisſamenförmigen Gliedern(Taenia cucumerina), der als Blaſenwurm in Hundeläuſen lebt. Der ausgebreitete Bandwurm(Taenia expansa) lebt im Darme des Rindes und wird dort bis 60 m lang, während er im Darme des Lammes höchſtens ½ m Länge erreicht. Bei Lämmern kommt er bisweilen in ſehr großer Anzahl vor; dann verurſacht er Verdauungsbeſchwerden, infolge derſelben Abmagerung, Bleichſucht, in einigen Fällen ſogar den Tod.— Blaſenwurm noch unbekannt. Ordnung der Saugwürmer(Trematoda). Auf oder in einem Wirte lebende, abgeplattete(zungen⸗ bis blatt⸗ förmige), an der Bauchſeite mit 1, 2 oder mehreren Saugnäpfen ver⸗ 214 Klaſſe der Plattwürmer. ſehene Würmer, deren Darmkanal ſich gleich hinter dem Schlunde in zwei Aſte teilt, welche ſich bei einigen Arten(z. B. dem großen Leber⸗ egel) wiederholentlich(baumförmig) verzweigen. After fehlt, das Blut⸗ gefäßſyſtem auch. Faſt alle Saugwürmer ſind hermaphrodit; ſie be⸗ fruchten ſich ſelbſt.— Alle in ihrem Wirte lebende(ſog. entoparaſitiſche) Saugwürmer legen eine große Anzahl kleiner Eier, aus denen Larven entſtehen, die ſich in ungeſchlechtlich ſich fortpflanzende Tiere umändern. Erſt dieſe oder ihre Nachkommen bringen wieder das Geſchlechtstier zur Welt. Die Entwickelung geſchieht alſo mit Metageneſe(S. 14), zugleich aber mit Wirtswechſel.— Ich brauche hier bloß die beiden Leberegel zu beſprechen, die namentlich den Schafen gefährlich werden. Der große Leberegel(Distoma hepaticum), Fig. 186; platt, in der Mitte aufgeblaſen, wenn er mit einer großen Anzahl von Eiern gefüllt iſt; nur die Ränder bleiben flach. Letztere ſind ſchmutzig⸗braun, während die Mitte des . Körpers graugelb iſt. Am Vorderende dehnt ſich der Körper dreieckig nach vorn aus; ein Saug⸗ napf an der Vorderſpitze und einer am Hinter⸗ ende des Dreiecks. Körperoberfläche mit mikro⸗ ſkopiſch kleinen, nach hinten gerichteten Stacheln 8 bedeckt, welche dem Vorwärtskriechen in den Gallengängen kein Hindernis in den Weg ſtellen, das Zurückkriechen reſp. Zurückgleiten aber un⸗ möglich machen. Eier 0,14 mm lang, mit roter, grünlich ſchimmernder Schale. Sie kommen nur zur tr 180 4 Entwickelung, wenn ſie ins Waſſer gelangen, di m Der eharegf! wozu in feuchten Jahren und auf niedrig ge⸗ n. Gr. legenen Wieſen die Gelegenheit ſehr günſtig iſt, weil unter ſolchen Bedingungen der Schafkot mit den darin enthaltenen Leberegeleiern in Waſſerpfühle fällt. Aber auch in weniger feuchten Jahren und auf nicht ſehr feuchten Wieſen können ſich viele der Eier entwickeln, wenn ſie in irgend welcher Weiſe (durch den Regen oder an den Füßen der Schafe) in einen Graben gelangen.— Die Larve, welche aus dem Leberegelei entſchlüpft, iſt S mm lang, länglich und ſchwimmt mittelſt einer Wimperbekleidung frei im Waſſer umher(Fig. 187 a). Bald wandert ſie in die Atem⸗ höhle einer kleinen Schlammſchnecke(Lymnaeus minutus)— Fig. 1871— ein, verliert die Wimperbekleidung, wird breiter, ſogar faſt kugelrund. Schon bei der frei umherſchwimmenden Larve findet ſich im Hinterteile des Körpers eine Keimzellenanhäufung; ſpäter teilen ſich dieſe Keim⸗ zellen wiederholentlich und bilden alſo Keimzellhaufen, welche ſpäter neue Tiere bilden. Die frühere Larve iſt alſo zum erwachſenen Tiere geworden und heißt jetzt Sporocyste(Fig. 187 b, c). Die in derſelben auf ungeſchlechtlichem Wege aus den Keimzellhaufen ſich bildenden Tiere Ordnung der Saugwürmer. 215 Fig. 187. a Frei umherſchwimmende Leberegellarve, mit Flimmer⸗ haaren bedeckt; b junge Sporocyste des Leberegels, einige Tage nach der Einwanderung in die Schnecke; c Sporocyste mit Redien in verſchiedenen Entwickelungszuſtänden; d Redie mit Keimballen; e reife Redie mit Cercarienbrut; f ausgeſchlüpfte Cercarie des Leberegels; g eben eingekapſelte Cercarie; h junger Leberegel, bald nach der Einwanderung in das Schaf; i Gehäuſe der Schlamm⸗ ſchnecke Lymnaeus minutus. a, b, c, d 200 mal vergrößert; e 150 mal, f 300 mal, g 150 mal, h 25 mal vergrößert; i n. Gr. und 3 ½ mal vergrößert. 216 Klaſſe der Plattwürmer. unterſcheiden ſich von der Sporocyste durch eine andere Körperform und durch den Beſitz eines Darmes(mit Mundöffnung, Kropf und Verdauungsdarm, aber ohne After), der der erſtgenannten fehlt. Man nennt ſie„Redien“(Fig. 187 d). In einer Sporocyste bilden ſich deren gewöhnlich 5—8. In der Redie entſtehen wieder Keimzellen, die ſich zu Keimzellhaufen ausbilden, aus denen in der kalten Jahres⸗ zeit neue Redien entſtehen, welche, ganz wie die alten, in der Atmungs⸗ höhle der Schnecke leben, während im Sommer aus den Keimzellhaufen der Redie ſich ſogenannte Cercarien(Fig. 187f) bilden, und zwar 15— 20 Stück innerhalb einer Redie(Fig. 187 e). Dieſe Cercarien haben einen langen Schwanz, mit dem ſie— nachdem ſie die Mutter⸗ redie und zugleich die Schnecke verlaſſen haben— im Waſſer umher⸗ rudern. Sie haben zwei Saugnäpfe und einen zweiäſtigen, afterloſen Darm. Nachdem die Cercarien eine Zeit lang ſich im Waſſer umher⸗ bewegt haben, befeſtigen ſie ſich mit Hilfe ihrer Saugnäpfe an ver⸗ ſchiedenen im Waſſer wachſenden Pflanzen. Nachher verſchwindet der jetzt überflüſſig gewordene Schwanz, die Cercarie wird kugelrund und ſchrumpft innerhalb einer ſich bildenden Hülle zuſammen(Fig. 187 9). Wenn ſpäter die Pfühle, in denn die Cercarien lebten, austrocknen, kommen die früher untergetauchten Pflanzen aufs Trockne und können von Schafen gegeſſen werden, welche alſo mit den Pflanzen auch die an denſelben befindlichen, kugelig zuſammengeſchrumpften Cercarien in ſich aufnehmen. Im Darme des Schafes wird die Hülle der Cercarie gelöſt; die letztgenannte ändert ſich allmählich in den jungen Leberegel um, der erſt oval iſt und ſehr klein(Fig. 187 h), deſſen vorderer Drit⸗ teil ſpäter zum ſpitzen vorderen Dreieck des erwachſenen Leberegels wird, während der Hinterteil des Körpers ſtark wächſt. Schon vor⸗ her ſind die jungen Leberegel aus dem Darme in die Gallengänge des Schafes hineingewandert. Es ſcheint, daß das völlige Wachstum der eingewanderten Leberegel in wenigen Wochen ſtattfindet. Die In⸗ fektion der Schafe fällt wohl immer in den Sommer oder in den Herbſt. — Die Fortpflanzung des Leberegels findet alſo mit Wirtswechſel und Metageneſe(S. 14) ſtatt. Aus dem Ei dieſes geſchlechtlichen Wurms entſteht eine Larve, welche frei umherſchwimmt, nachher in der Schnecke ſich in eine ungeſchlechtliche Sporocyste umbildet, welche wieder un⸗ geſchlechtliche Redien zur Welt bringt. In der Redie entſtehen auf ungeſchlechtlichem Wege Cercarien, welche die Schnecke verlaſſen, ins Waſſer wandern, nachher an Pflanzen ſich heften und ſpäter mit dieſen in den Darm des Schafes gelangen. Die Cercarien ſind die Larven des Leberegels und ändern ſich nach Metamorphoſe in dieſe um. Es erklärt ſich leicht, warum die vom Leberegel verurſachte „Egelkrankheit“ oder„Leberfäule“ der Schafe in einer Gegend viel häufiger als in der andern vorkommt. Zunächſt eignen ſich niedrig gelegene, dann und wann überſchwemmte Wieſen für die Entſtehung der Krankheit, weil die Leberegeleier dort beſſer zur Entwickelung gelangen, auch weil es dort zu gewiſſen Zeiten mehr untergetauchte “ Ordnung der Saugwürmer. 217 Pflanzen giebt, die ſpäter aufs Trockene gelangen, und mit welchen dann Cercarien aufgenommen werden. Es ſcheint, daß hauptſächlich beſtimmte Pflanzenarten zur Anheftung der Cercarien dienen; daher das lokale Vorkommen der Krankheit an gewiſſen Stellen. Auch iſt die Krankheit natürlich an das Vorkommen des Lymnaeus minutus (Fig. 187 i) gebunden.— Gewöhnlich zeigt ſich die Leberegelkrankheit der Schafe erſt 1—2 Monate nach der Infektion. Wenn das Schaf nicht ſtirbt, ſo bleiben die Schmarotzer oft bis zum nächſten Frühling in der Leber. Dieſes Organ kann bei einem Schafe 200— 250 Stück enthalten. Sie be⸗ wohnen die verſchiedenen Gallengänge. Durch den von ihnen aus⸗ geübten Reiz wird zunächſt mehr als die normale Quantität Blut der Leber zugeführt, infolgedeſſen Entzündungen und innere Blutungen entſtehen können. Gallenſteine werden in den verdickten Wänden der Gallenwände abgelagert. Die Ausfuhr der Galle wird beſchwerlich oder unmöglich gemacht. Später entziehen die Schmarotzer der Leber ſo viel Blut, daß die Leber ſehr ungenügend ernährt wird, ſo daß ſich keine Galle mehr bildet und die Leberſubſtanz zuſammenſchrumpft.— Infolge der dadurch verurſachten unvollkommenen Verdauung wird der ganze Körper des Schafes ſehr ungenügend ernährt. Demzufolge ſind die kranken Schafe träge und abgemattet; ſie freſſen wenig, trinken viel; leiden an Bleichſucht; die Wolle wird trocken, hält nicht zuſammen; die Schafe magern zuletzt ab; auch treten Waſſerſucht und Durchfall ein. Oftmals zeigt ſich Gelbſucht.— Wenn ein Schaf von einer ziemlich großen Anzahl Egel bewohnt wird, tritt wohl immer zuletzt der Tod ein.— „Das beſte Vorbeugungsmittel iſt ein tüchtiger, umſichtiger Schäfer“(Spinola), der die Schafe nicht an ſolchen Stellen weiden läßt, an denen ſie nach früherer Erfahrung in feuchten Sommern gewöhnlich die Leberegelſeuche bekommen.— Weiter töte man die von der Krankheit in ſtarkem Grade befallenen Schafe ſobald wie möglich, damit die in ihnen enthaltenen Egel nicht zur Eiablage gelangen.— Man reiche den kranken Schafen kräftiges Futter(Wieſen⸗, Klee⸗, Lupinenheu, Hafer, dazu Kochſalz), damit die jungen und von wenigen Egeln bewohnten Tiere bald ihre Kräfte zurückbekommen; die ſchwer⸗ kranken Schafe aber ſterben bei ſehr kräftiger Nahrung ſchneller.— Auch bei Rindern kommt in vielen Gegenden die Egelſeuche vielfach vor; bei andern Tieren weniger, obgleich der große Leberegel 38 in vielen anderen Tieren(z. B. Schweinen, Pferden, Kaninchen) eben kann.— Der lanzettförmige oder kleine Leberegel(Distoma lanceolatum). 9 mm lang, 2 ½ mm breit, dünn lanzettförmig. Lebt auch in der Schafsleber. Entwickelung unbekannt. b0 — 82 Vierter Kreis. Weichtiere. Vierter Mreis. Weichtiere(Nollusca.) Dieſer Kreis, zu dem Auſtern, Schnecken, Tintenfiſche u. ſ. w. gehören, wird von ungegliederten Tieren ohne Skelett gebildet, deren Körper zwar der Anlage nach bilateral⸗ſymmetriſch(S. 16), bei den vollendeten Tieren jedoch teilweiſe in ſtarkem Grade umgebildet iſt, namentlich bei den in einem ſpiraligen Gehäuſe eingeſchloſſenen Schnecken, wo auch der Körper teilweiſe ſpiralig gewunden erſcheint. Die Hautbekleidung der Weichtiere iſt eine eigentümliche und ſehr 2 WE X☚‿᷑ Fig. 188. Schema zur Erklärung des Baues der Weichtiere. Links ein Muſcheltier, rechts eine Schnecke.(Querſchnitte.) In beiden: K Körper, F Fuß, S Schale, m Mantel, kk Kiemen. charakteriſtiſche. An einer beſtimmten Körperſtelle bildet ſich ein größerer oder kleinerer Hautlappen(„Mantel“), welcher einen gewiſſen Raum, die„Mantelhöhle“, nach der Funktion auch„Atmungshöhle“ genannt, einſchließt. Dieſer Mantel ſondert bei den meiſten Weich⸗ tieren eine Kalkmaſſe ab, an der Außen⸗ oder der Innenſeite. Gewöhn⸗ lich iſt das erſtere der Fall und es entſteht dann eine„Schale“ (Fig. 188 links, 8). So iſt es u. a. bei den beſchalten Schnecken, z. B. der Weinbergsſchnecke und der Schnirkelſchnecke, auch bei den Muſcheltieren. In anderen Fällen bildet ſich die Schale an der Innen⸗ ſeite des Mantels(Tintenfiſche); ſie wird jedoch dann öfter durch eine Anhäufung von Kalkkörnern vertreten(mehrere gehäuſeloſe Acker⸗ und Wegſchnecken).— Bei den meiſten Weichtieren bildet der ſog.„Fuß“ (Fig. 188 rechts u. links, F) das Hauptbewegungsorgan. Es iſt dies ein aus einer ſtark entwickelten Muskelmaſſe beſtehender, mit Haut überdeckter Körperteil, der entweder zum Kriechen(Schnecken) oder zum Fortgraben im Sande, ſogar zum Springen(Muſcheltiere) dient und br 2——— =üüäͤ X—— Bo ———.‿ꝗMQ Klaſſe der Kopffüßer.— Klaſſe der Bauchfüßer oder Schnecken. 219 je nach ſeiner Funktion eine verſchiedene Einrichtung zeigt.— Ich erwähne drei Klaſſen: die der Kopffüßer(Cephalopoda), der Bauch⸗ füßer oder Schnecken(Gastropoda) und der Muſcheltiere(Lamelli- branchiata). Klaſſe der Kopffüßer(Cephalopoda). Der Kopf iſt vom übrigen Körper ſcharf abgeſetzt und trägt im Kreiſe die Mundöffnung umgebende, mit Saugnäpfen oder krallen⸗ förmigen Haken beſetzte Arme. Der Fuß iſt trichterförmig, durchbohrt und ſtellt die Mantelhöhle mit der Außenwelt in Verbindung; indem das Atmungswaſſer plötzlich zum Trichter hinausgepreßt wird, bewegt ſich das Tier in entgegengeſetzter Richtung. Eine Drüſe, der ſog.„Tintenbeutel“, bildet einen braunen Saft, und durch Hinauspreſſen desſelben ſchützt ſich das Tier vor Angriffen(„Tintenfiſche“). Alle Kopffüßer ſind Meeres⸗ bewohner; ich brauche alſo, weil ſie dem Landwirte gleichgiltig ſind, auf deren Bau und Lebensweiſe nicht einzugehen, und erwähne bloß: Nautilus mit einer zierlichen, äußeren Schale und mit vielen Armen, Papiernautilus(Argonauta Argo) mit einer ſehr dünnen, kahn⸗ förmigen Schale und mit acht Armen, Krake(Octopus), ohne äußere Schale, mit acht Armen, Tintenfiſche(Sepia, Loligo), auch ohne äußere Schale, mit zehn Armen. Klaſſe der Bauchfüßer oder Sehnecken (Gastropoda). Die Schnecken haben einen Kopf, der ungegliederte Fühler, ſowie die Augen trägt; die letzteren ſtehen bei vielen Schnecken auf der Fühler⸗ ſpitze. Der Fuß dient zum Kriechen(„Kriechſohle“) und iſt an der Unterſeite abgeplattet. Der Mantel iſt gewöhnlich klein und bedeckt nur die Rückenſeite des Tieres. Es umhüllt alſo auch die gewöhnlich ſpiralig gewundene Schale(„das Gehäuſe“) bloß einen Teil des Körpers; es kann aber auch der übrige Teil ſich ganz oder faſt ganz in das Ge⸗ häuſe zurückziehen. Die Schnecken haben zwar Kiefer; es iſt aber das Hauptorgan für die Zermalmung der angegriffenen Pflanzenteile die wulſtige Zunge, welche von einer Reibplatte bedeckt iſt, deren oberſte Oberfläche aus zahlreichen, in regelmäßigen Reihen geſtellten Zähnen beſteht; die Unterſeite der Zunge iſt aus einer muskulöſen Maſſe zu⸗ ſammengeſtellt; auch befinden ſich in ihr ein paar Knorpelſtückchen. Wenn die Zunge ausgeſtreckt wird, ſo richten die Zähnchen ſich auf. So bildet ſich eine Raſpel, mit welcher die Speiſe durch Vor⸗ und Zurückſchieben zerkleinert wird. Die im Meere lebenden Schnecken 220 Klaſſe der Bauchfüßer oder Schnecken. atmen durch Kiemen, welche ſich in der Mantelhöhle befinden; die meiſten der im ſüßen Waſſer lebenden Arten, ſowie alle Landſchnecken, ſind ſogenannte„Lungenſchnecken“, bei denen die innere Wand der Mantelhöhle ſelbſt als Atmungsorgan fungiert.— Es giebt Schnecken, die Zwitter ſind; andere ſind getrennten Geſchlechts; erſteres iſt bei allen Landſchnecken der Fall. Es paaren jedoch zwei Schnecken mit⸗ einander; ſie befruchten ſich dabei gegenſeitig. Zur Selbſtbefruchtung ſind ſie unfähig.— Bloß unter den Landſchnecken finden ſich ſchädliche Arten. Die Schnirkelſchnecken(Helix), z. B. die Weinbergsſchnecke(H. pomatia) und die Hainſchnirkelſchnecke(H. nemoralis), können dem Obſt⸗ bau ſchädlich werden; der Landwirtſchaft ſchaden bloß die Nacktſchnecken (Limax und Arion; bei Limax findet ſich die Atmungsöffnung hinter der Mitte des rechten Randes des Mantels, während die Geſchlechts⸗ öffnung hinter dem rechten Fühler liegt;— bei Arion liegt die Atmungsöffnung am Vorderrande des Mantels; die Geſchlechtsöffnung liegt unmittelbar vor dieſer).— Schädlich kann jede Art von Nackt⸗ ſchnecken werden, namentlich wenn ſie junge Gewächſe angreift. Es leben aber einige Arten hauptſächlich in Wäldern, wo ſie ſich von Fig. 189. Die graue Ackerſchnecke(Limax agrestis). Hutpilzen und Kot, bisweilen auch von Baumrinde und Unkräutern (Löwenzahn), nähren. Dies gilt beſonders von den größeren Arten; es können aber auch dieſe, bei ſtarker Vermehrung, in Gärten und Feldern ſehr viel ſchaden. Die allgemeinſten Nacktſchnecken ſind: die gewöhnliche ſchwarze oder rote Nacktſchnecke(Arion rufus), 3 1 dem, rot oder orange, oder ſchwarz mit rotem, quergeſtreiftem ande;— die Gartennacktſchnecke(Arion fuscus), 3 ecm, fahlbunt, dunkelgrau ſchattiert, auch ſchieferfarbig, rötlich oder braun;— die graue Ackerſchnecke(Limax agrestis, Fig. 189), 5 cm, ſchmal und glatt, mit dunkeln Fühlern, grauem Rücken, oft rötlichem Scheine, und hellgrauer oder weißer Bauchſeite;— die bunte Nacktſchnecke(Limax variegatus), 1 dem, ziemlich breit, ſchmutzig gelblich, mit weißlichen oder ſchwärzlichen, oft zu netzförmigen Figuren zuſammenfließenden Flecken;— die große Nacktſchnecke(Limax maximus), bis 1 ½ dem, mit ſchwarzen Flecken auf dem buckligen Mantel und ſchwarzen Streifen auf den übrigen Körperteilen. In beiweitem den meiſten Fällen, wo Nacktſchnecken ſchädlich auftreten, iſt die graue Ackerſchnecke die Miſſethäterin; deshalb be⸗ ſpreche ich dieſe ausführlicher; übrigens gilt das hier von dieſer —— Klaſſe der Bauchfüßer oder Schnecken. 221 kleinen Art Geſagte für alle anderen Arten, falls ſie ſchädlich auf⸗ treten ſollten. Die graue Ackerſchnecke(Limax agrestis). Das Leben der grauen Ackerſchnecke iſt ſehr von der Feuchtigkeit abhängig; bei trockenem Wetter rollt ſie ſich ein und verkriecht ſich in der Erde, unter einem Steine oder an einem ſonſtigen Orte, wo ſie möglichſt vor völliger Austrocknung geſchützt iſt; ſie kommt in trockenen Zeiten nur nachts, in feuchten Zeiten jedoch auch am Tage an die Oberfläche, um zu freſſen. Die Ackerſchnecke wird in Feldern und Gärten ſehr ſchädlich, aber nur in ſolchen Jahren, die durch große Näſſe für ihr Fortbeſtehen und ihre Fortpflanzung am geeignetſten ſind.— Die glashellen Eier werden in Häufchen von 6—15 Stück an feuchten, verſteckten Stellen(im Boden, unterm Mooſe, Graſe u. ſ. w.) im Auguſt, September, ſogar im Oktober abgelegt; jede Schnecke kanu bis 400 Stück legen. Die Eier können der größten Kälte ſowie der größten Trockenheit Widerſtand leiſten; Feuchtigkeit läßt die zuſammen⸗ geſchrumpften Eier wieder anſchwellen. Bei feuchtem, warmem Wetter ſchlüpfen die jungen(im zuſammengezogenen Zuſtande 2 mm, im aus⸗ gedehnten Zuſtande 10 mm langen) Schneckchen nach 3—4 Wochen aus; kaltes Wetter verzögert das Ausſchlüpfen. Wenn das Wetter günſtig iſt und die geeignete Nahrung nicht fehlt, ſo ſind ſie oft nach ſechs Wochen ſchon beinahe erwachſen.— Aus dem oben Geſagten erhellt, daß in feuchten Jahren, namentlich im Herbſte, die Schnecken in ſehr großer Anzahl auftreten können; es kommt aber bisweilen auch vor, daß die meiſten jungen Schneckchen erſt im nächſten Frühling ausſchlüpfen, ſo daß erſt dann der größte Schneckenfraß einfällt.— Eine Schnecke kann mehrere Jahre alt werden; die trockenen Tage, ſowie die ganze kalte Jahreszeit verbringt ſie im Boden oder an irgend welcher geſchützten Stelle.— Womöglich freſſen die Schnecken die zarten Blättchen und Stengelchen; junges. Getreide, junge Kleepflanzen, Blätter von Raps, Kohl, Rüben, Salat, bilden ihre Lieblingsſpeiſen; ebenſo abgefallenes Obſt, Erdbeeren, Gurken, Kürbiſſe.— Vorbeugungsmittel: Schutz der natürlichen Feinde: Schweine, Maulwürfe, Spitzmäuſe, Enten, Hühner, Tauben, Krähen, Stare, Kröten.— Trockenlegung des Bodens, weil die Schnecken in der Feuchtigkeit am beſten gedeihen.— Möglichſt frühzeitiges Ausſäen des Wintergetreides, weil dann die jungen Pflanzen ſchon etwas größer ſind, wenn die Schnecken maſſenhaft auftreten.— Vertilgungsmittel: Einſammeln. An niedergelegten Kürbis⸗ oder Möhrenſtücken ſammeln ſich die Schnecken gern; ſie können daſelbſt leicht eingeſammelt reſp. durch Beſtreuung mit Kalkpulver getötet werden. — Alle Stoffe, die ſchnell Waſſer anziehen, töten die Schnecken, denn ſie entziehen ihnen das Waſſer, welches für ihr Leben unerläßlich iſt. Man kann zu dieſem Zwecke Kochſalz, ungelöſchten und gelöſchten Kalk nehmen. Am zweckmäßigſten ſcheint mir die Anwendung friſch gelöſchten Kalkes; man ſtreue von dieſem Stoffe 9— 11 hl per Hektar. Weil der 222 Klaſſe der Muſcheltiere.— Fünfter Kreis. Stachelhäuter. Kalk die Schnecken nur dann töten kann, wenn er die Haut berührt, ſo ſtreue man dieſen Stoff immer morgens in der Frühe, in der Zeit, wo die Schnecken kriechen, nicht ſpäter als 8 Uhr morgens und nur bei trockenem Wetter. Sobald die Schnecken von dem Kalke berührt werden, fangen ſie viel Schleim abzuſondern an, und viele, nämlich die jüngeren Schnecken, ſterben und werden ſchwarz. Von den alten Schnecken aber entgehen ſehr viele dem Tode, und zwar dadurch, daß der klebrige Schleim, den ſie bei der Berührung mit Kalk ausſcheiden, eine zuſammenhängende Hülle, gleichſam einen Kokon, bildet, aus welcher die weit waſſerärmer gewordene Schnecke herauskriecht. Deshalb iſt es gut, das von Schnecken heimgeſuchte Feld zweimal hintereinander mit pulveriſiertem Kalk zu beſtreuen, und zwar in einem Zwiſchenraume von 10—15 Minuten. Es werden dann beim zweiten Streuen die kaum aus ihrer Schleimhülle gekrochenen, waſſerarm gewordenen Schnecken wieder von Kalkpulver berührt; ſie ſind dann aber unfähig, ſogleich die Ausſcheidung einer Schleimhülle zu wiederholen, welche ſie das erſte Mal rettete, und alle Schnecken, welche zum zweitenmal nur vom geringſten Kalkteilchen berührt werden, ſchrumpfen ſogleich zuſammen und ſind gänzlich vernichtet. Wird das zweimalige Kalkſtreuen in früheſter Morgenſtunde am folgenden Tage wiederholt, ſo bleibt keine lebendige Schnecke auf dem behandelten Felde übrig. Klaſſe der Muſcheltiere(Lamellibranchiata). Kopflos; der Mantel beſteht aus zwei Lappen, welche zwei an der Rückenſeite des Tieres beweglich verbundene Schalen abſcheiden (Fig. 188, links). Der Fuß iſt gewöhnlich keilförmig. Die Atmung geſchieht durch in der Mantelhöhle gelegene Kiemen; entweder die ge⸗ wöhnliche Atmungsöffnung oder eine Atmungsröhre giebt zu dieſer Höhle den Zugang.— Die meiſten Muſcheltiere leben im Meere, einige im ſüßen Waſſer. Keine einzige Art iſt für die Landwirtſchaft wichtig. — Zu dieſer Klaſſe gehören: die Auſter(Ostrea edulis), die Miesmuſchel (Mytilus edulis), die tropiſche Perlmuſchel(Meleagrina margaritifera), die in ſüßen Gewäſſern lebende Entenmuſchel(Anodonta cygnea), der ſehr berüchtigte Schiffsbohrwurm(Teredo navalis) u. ſ. w. Fünfter Kreis. Stachelhäuter(Echinodermata). Die Stachelhäuter ſind radiär⸗ſymmetriſch gebaut, d. h. es liegen um eine Achſe herum die untereinander gleichen Körperteile, welche zu⸗ ſamm Tiere Unter Symn eine Haut Oder oft te Stach einen werd hüng gepre dtrge fünf dder in) deun bisw mer jegen e zl⸗ —— Sechſter Kreis. Neſſſeltiere. 223 ſammen den Körper bilden(Fig. 190). Gewöhnlich iſt der Bau der Tiere dieſer Abteilung ein fünfſtrahliger. Die Mundöffnung liegt am Unterende der Körperachſe. Bei einigen Stachelhäutern iſt die radiäre Symmetrie verwiſcht und undeutlich geworden, und zugleich zeigt ſich eine mehr oder weniger deutliche bilaterale Symmetrie(S. 16). Die Haut beſitzt entweder zahlreiche mikroſkopiſch kleine Kalkeinlagerungen oder der Kalk bildet feſtere Platten, die ein Hautſkelett bilden; ſehr oft trägt die Haut Stacheln, daher der Name Stachelhäuter.— Die Stachelhäuter bewegen ſich mit in Reihen geſtellten Füßchen, die mit einem Waſſergefäßſyſteme in Verbindung ſtehen und dadurch ausgeſtülpt werden, daß Blaſen, welche auch mit den Waſſergefäßen zuſammen⸗ hängen, ſich einziehen, wodurch das Waſſer in die Füßchen hinauf⸗ gepreßt wird.— Die allgemeine Leibesform iſt apfel⸗ bis kugelförmig Fig. 190. Der gemeine Seeſtern(Aserias dene) rechis von oben, links von unten geſehen; ½ n. (regelmäßige Seeigel), ſchild⸗ oder herzförmig(unregelmäßige Seeigel), fünfeckig bis ſternförmig, mit kürzeren oder längeren Armen(Seeſterne), oder walzen⸗ bis wurmförmig(Seewalzen).— Alle Stachelhäuter leben im Meere; es iſt alſo keine einzige Art von landwirtſchaftlicher Be⸗ deutung; die gefangenen Seeſterne aber werden in den Küſtenländern bisweilen zur Düngung benutzt. Sechſter Kreis. Meſſeltiere(Coelenterata). Auch die Neſſeltiere ſind mit wenigen Ausnahmen radiär⸗ſym⸗ metriſch(S. 222) gebaut, und zwar vier⸗, ſechs⸗, acht⸗ oder vielſtrahlig, 224 Sechſter Kreis. Neſſeltiere. Sie beſtehen aus einer Körperwand, welche eine Leibeshöhle einſchließt, die bei den einfachſt gebauten Neſſeltieren ſackförmig(Fig. 191), bei den höheren in mehrere Abteilungen eingeteilt iſt und nicht bloß für die Aufnahme und Verdauung, ſondern auch für die Cirkulation der Fig. 192. Leuchtqualle(Pelagia noctiluca), 1½ n. Gv. 5— A— 191. Süßwaſſerpolyp(Hydra) mit Fig. 193. Seeanemone(Sagartia nivea), Fig. zwei verſchiedenalterigen Knoſpen. Stark etwas verkleinert. vergrößert. verdauten Nahrungsſtoffe dient.— Mehrere Neſſeeltiere ſetzen in ihrer Körperwand Hartteile ab, welche auch nach dem Tode übrig bleiben; aus ſolchen beſtehen die rote Koralle, welche zu Schmuckgegenſtänden verwendet wird, und die Polypen, welche die Koralleninſeln bilden.— Die Neſſeltiere beſitzen(mit alleiniger Ausnahme der Schwämme, welche gewöhnlich dieſer Hauptabteilung zugerechnet werden) ſogen.„Neſſel⸗ Sechſter Kreis. Neſſeltiere.— Siebenter Kreis. Urtiere. 225 organe“, mit denen ſie die von ihnen erbeuteten Tierchen töten und welche ſie vor jedem Angriffe ſchützen.— Sie pflanzen ſich durch Eier fort, die meiſten aber auch durch Knoſpung(Fig. 191). Bei vielen Arten kommt es vor, daß die Knoſpen ſich nicht wie beim Süßwaſſer⸗ polyp(Hydra) loslöſen, ſondern während ihres ganzen Lebens feſt⸗ ſitzen bleiben; dann bilden ſie einen ſogenannten„Polypenſtock“. Es giebt auch frei umherſchwimmende Neſſeltiere, die ſogenannten Quallen(Fig. 192). Mehrere von dieſen legen Eier, aus welchen nicht wieder Quallen, ſondern polypenförmige Tiere entſtehen, die ſich durch Knoſpung oder durch Teilung vermehren und oft förmliche Polypen⸗ ſtöcke bilden, welche aber unter ihren Knoſpen auch wieder Quallen bilden, ſo daß ein Generations⸗ wechſel(S. 15) zwiſchen den Quallen (Geſchlechtstieren) und den Polypen (ungeſchlechtlichen Tieren) beſteht. Faſt alle Neſſeltiere leben im Meere, einige wenige im ſüßen Waſſer; keine von allen hat irgend welche landwirtſchaftliche Bedeutung. Es gehören zu dieſem Kreiſe: 1. die Quallenpolypen(Hydromedusae), zu denen mehrere Quallen der Nordſee gehören, von denen viele mit Poly⸗ pen⸗Arten in Generationswechſel ſtehen. Die zu dieſer Abteilung auch gehörenden gemeinen Süßwaſſerpo⸗ lypen(Hydra viridis, fusca u. ſ. w.) aber bilden keine Quallen. 2. Die Blumenpolypen(Anthozoa), zu denen die Seeanemonen(Actinia, Fig. 193),. die Sdelrorale KErllün Tanndd) N. 188, Ser rten ven Wechſetnerchen ie Bildner der Koralleninſeln(Amoeba); die eine ſtreckt lange, ſtark ver⸗ (Astraea, Maeandrina u. ſ. w.) ge⸗ Küeltee dir en derr nrde ertopdeeſour⸗ hören. 3. Rechnet man auch die Schwämme gewöhnlich zu den Neſſeltieren, obgleich ſie keine Neſſelorgane beſitzen.(Süßwaſſerſchwamm= Spongilla, Badeſchwamm= Euspongia officinalis). Siebenter Kreis. Urtiere(Protozoa). Dieſer Kreis umfaßt meiſt mikroſkopiſche, jedenfalls ſehr kleine, im Meere, im ſüßen Waſſer oder wenigſtens an feuchten Stellen lebende einzellige Tiere, die aus einer weichen, zähflüſſigen, kontraktilen, Bos, Zoologie. 3. Auflage. 15 226 Verzeichnis der Schädlinge nach den Lebensorten geordnet. alſo formveränderlichen Subſtanz(Protoplasma= Sarcode) beſtehen. Sie haben entweder eine Wand oder nicht. Mehrere ſondern kieſelige Gerüſte oder Kalkſchalen ab.— Sie haben keine landwirtſchaftliche Bedeutung.— Es gehören hierzu: Infuſorien und Wurzelfüßler (Rhizopoda). Verzeichnis der Schädlinge nach den Lebensorten geordnet. A. Schädlinge der Haustiere. Bienenſtöcke. Wachsſchabe S. 147. Hund. Krätzmilbe S. 184, Hundezecke S. 186, Bandwürmer S. 211, 213. Pferd. Stechmücken S. 157, Kriebelmücken S. 164, Bremſen S. 164, Magen⸗ und Darmbremsfliegen S. 176, Pferdelausfliege S. 178, Krätzmilben S. 184, Spulwürmer S. 192, 193, Bandwürmer S. 207. Rind. Stechmücken S. 157, Kriebelmücken S. 164, Bremſen S. 164, Ochſenbiesfliege S. 174, Läuſe S. 179, Krätz⸗ oder Räude⸗ milben S. 184, Spulwürmer S. 192 und S. 195, Band⸗ und Blaſen⸗ würmer S. 211 und 213, Leberegel S. 214. Schaf. Stechmücken S. 157, Kriebelmücken S. 164, Bremſen S. 164, Schafbiesfliege S. 175, Schaflausfliege S. 178, Läuſe und Haarlinge S. 179, Räudemilben S. 184, Schafzecke S. 186, Paliſſaden⸗ würmer S. 194, Blaſenwurm der Drehkrankheit S. 211, Bandwürmer S. 213, Leberegel S. 214. Schwein. Räudemilben S. 184, Spulwürmer S. 192, Trichine S. 195, Schweinefinne S. 210, Echinococcusblaſenwurm S. 213, Leberegel S. 214. B. Schädlinge der Pflanzen. Ackerbohne. Ausgeſäete Samen: Drahtwürmer S. 96, Julus S. 180, Sperlinge S. 63, Finken S. 64, Krähen S. 61, Tauben S. 66. Wurzeln: Drahtwürmer S. 96, Engerlinge S. 94, Erd⸗ raupen S. 137, Maulwurfsgrille S. 114, Gartenhaarmücke S. 164. Blätter: Blattrandkäfer S. 100, Raupen 138, 140, 142, Blaſenfüße S. 156, Blattläuſe S. 155. Früchte: Bohnenkäfer S. 99. Buchweizen. Wurzeln: Drahtwürmer S. 96, Engerlinge S. 94, Erd⸗ raupen S. 137, Maulwurfsgrille S. 114. ta —— —“⸗“ß Verzeichnis der Schädlinge nach den Lebensorten geordnet. 227 Oberirdiſche Teile: Gammaeule S. 143, Weizeneule S. 139, Stengelälchen S. 202. Erbſe. Ausgeſäete Samen:(vergl. Ackerbohne). Wurzeln:(vergl. Ackerbohne). Blätter: Blattrandkäfer S. 100, Erdflöhe S. 110, Raupen S. 138, 140, 142, Blattläuſe S. 153, Pflanzenſpinne S. 187. Samen in den Schoten: Raupen der Erbſenwickler S. 148, Erbſenkäfer 99. Flachs. Wurzeln: Erdraupen S. 137, Maulwurfsgrille S. 114, Drahtwürmer S. 96, Engerlinge S. 94. Blätter und Stengel: Erdflöhe S. 110, Gammaraupe S. 143, Blaſenfüße S. 156. Samenkapſel: Flachsknotenwickler S. 150. Futtergräſer. Wurzeln: Drahtwürmer S. 96, Engerlinge S. 94, Erd⸗ raupen S. 137, Graswurzeleule S. 141, Maulwurfsgrille S. 114, Larven der Schnauzenmücken S. 162. Oberirdiſche Teile: Grasraupen S. 141—142, Schnecken S. 220. Getreide. Wurzeln: Drahtwürmer S. 96, Engerlinge S. 94, Erd⸗ raupen S. 137, Maulwurfsgrille S. 114, Larven von Schnauzen⸗ mücken S. 162, Rübennematode(Hafer) S. 203, 207. Junge Pflanzen: Getreidelaufkäferlarve S. 90, Stengel⸗ älchen(Roggen und Hafer) S. 198, Schnecken S. 220. Schoſſe und Blätter: Getreidehähnchen S. 110, Halm⸗ weſpe S. 128, Raupen S. 140— 142, Blattläuſe S. 153, Heſſenfliege S. 158, Halmfliege S. 168, Fritfliege S. 170, Schnecken S. 220. Blüten und in den Ahren befindliches Getreide: Sperlinge S. 63, Krähen S. 61, Getreidelaufkäfer S. 90, Halm⸗ fliege S. 168, Fritfliege S. 170, Getreideblaſenfuß S. 156, Weizen⸗ älchen S. 202. 2 Aufgeſpeichertes Getreide: Klander S. 96, Getreidemotte . 151. Johannisbeere und Stachelbeere. Afterraupen S. 127, Raupe des Harlekins S. 144. Kartoffel. Knollen: Krähen S. 61, Wühlratte S. 41, Feldmäuſe S. 43, Hamſter S. 39, Kaninchen S. 38, Wildſchweine S. 49, Engerlinge S. 94, Drahtwürmer S. 96, Erdraupen S. 137, Julus S. 180, Stengelälchen S. 198. Oberirdiſche Teile: Kartoffelkäfer S. 108, Raupen S. 134, 138, 142, Julus S. 180, Schnecken S. 220. 15* 228 Verzeichnis der Schädlinge nach den Lebensorten geordnet. Klee. Wurzel: Engerlinge S. 94, Drahtwürmer S. 96, Larven vom Blattrandkäfer S. 100, Maulwurfsgrille S. 114, Larven der Schnauzenmücken S. 162, Wurzelälchen S. 207. Oberirdiſche Teile: Blattrandkäfer S. 100, Gammaeule S. 143, Gemüſeeule S. 140 und andere Raupen, Stengelälchen S. 198, Schnecken S. 220. Kohl. Wurzeln: Engerlinge S. 94, Drahtwürmer S. 96, Ceuto- rhynchus sulcicollis S. 101, Maulwurfsgrille S. 114, Kohlfliege S. 166, Rübenälchen S. 203. Stengel und Blätter: Mauszahnrüßler S. 100, Erdflöhe S. 110, Kohlweißling S. 131, Herzwurm S. 139, Erdraupen S. 137, Gammaraupe S. 143, Gemüſeeule 140, Schnecken 220. Blütenſtände und Schoten: Rapsglanzkäfer S. 85, Ceuto- rhynchus S. 101, Rübſaatpfeifer S. 147, Kohlblattlaus S. 152. Laubhölzer. Von den auf dieſen lebenden Kleintieren ſind nur wenige behandelt worden: Ulmenſplintkäfer S. 107, Bockkäfer S. 107, Gallweſpen S. 117, rote Holzraupe S. 135, Ringelſpinner S. 136, Prozeſſionsſpinner S. 136, Schwammſpinner S. 137, Gold⸗ after und Schwan S. 137. Nadelhölzer. Auch von den vielen auf Nadelhölzern lebenden Inſekten ſind nur wenige behandelt: brauner Kiefernrüſſelkäfer S. 104, ſcheckiger Kiefernrüſſelkäfer S. 105, Fichtenborkenkäfer S. 106, Wald⸗ gärtner S. 106, Buſchhornblattweſpen S. 128, Holzweſpen S. 129, Kiefernſchwärmer S. 135, Kiefernſpinner S. 136, Nonne S. 137, Forleule S. 137, Kieferntriebwickler S. 150. Obſtbäume und Sträucher. Apfelblütenſtecher S. 102, Jo⸗ hannisbeer⸗(Stachelbeer⸗) blattweſpe S. 127, Pflaumenblattweſpe S. 121, ſchneckenförmige Afterraupe S. 128, kleiner Froſtſpanner S. 145, Johannisbeerſpanner S. 144, Apfelwickler S. 149, Pflaumenwickler S. 149, Blutlaus S. 147. Raps. Vergl. Kohl. Rübe. Vergl. Kohl. Runkelrübe und Zuckerrübe. Wurzeln: Feldmäuſe S. 43, Wühlratte S. 41, Wildſchweine S. 49, Krähen S. 61, Gänſe S. 71, Drahtwürmer S. 96, Erdraupen S. 137, Julus S. 180, Rübennematode S. 203. Oberirdiſche Teile: Runkelrübenkäferchen S. 93, Aaskäfer S. 91, Erdflöhe S. 110, Schildkäfer S. 110, Kohleule S. 139, Erd⸗ enpen S. 137, Gammaeule S. 143, Rübenfliege S. 167, Schnecken . 220. Senf. Vergl. Raps. Zuckerrübe. Vergl. Runkelrübe. Aaske Leari- Accen Achel Leida Ackern Acerſe deryd 114 Nler Aierr nig 4grot and Aicher Amei Aeij Aum Amnm Amph Amſel Aas Andr- Angu Angu Aüisc Aune Ause Anth AAnth 10 anth Anur Apfel Apfel Apha Apli Arbi Apid Sachregiſter. (Die Ziffern bedeuten die Seitenzahlen.) Aaskäfer 91. Acarida 181. Accentor modularis 65. Acherontia atropos 134. Acidalia brumata 145. Ackermaus 42. Ackerſchnecke 220. Acrydium migratorium 114. Adler 54. Afterraupe(ſchneckenför⸗ mige) 128. Agrotis 137. Alauda 62. Alchen 198. Ameiſen 123. Ameiſenjungfer 118. Ammern 63. Ammophila 122. Amphibia 78. Amſel 66. Anas 72. Andricus terminalis 14. Anguillulida 198. Anguis fragilis 77. Anisoplia fruticola 95. Annelida 189. Anser 71. Anthomyia 166. Anthonomus pomorum 102. Anthus 65. Anura 79. Apfelblütenſtecher 102. Apfelwickler 149. Aphaniptera 179. Aphidina 155. Aphis 155. Apidae 119. Apis 120. Arachnoidea 180. Arctomyida 44. Arctomys marmota 44. Ardea 70. Argynnis 130. Arion 220. Aromia moschata 107. Arthropoda 81. Arvicola 41. Ascarida 197. Ascaris 197. Astur nisus 55. Astur palumbarius 55. Athalia spinarum 127. Atomaria linearis 93. Auerwild 69. Aurelia 15. Aves 50. Bachſtelze 65. Bandwürmer 207. Baris 100. Bauchfüßer 219. Baumläufer 60. Baummarder 27. Baumſperling 63. Bibio 164. Bienen 119. Bienenmotte 147. Biesfliege(Rinder⸗) 174. Bindegewebswürmer 197. Biorhiza aptera 14. Birkhuhn 69. Blaſenfüßer 156. Blaſenwürmer 210. Blattariae 113. Blattkäfer 108. Blattläuſe 153. Blattlauskäfer 113. Blattlauslöwen 118. Blattrandkäfer 100. Blattweſpen 126. Blauſpecht 59. Blindſchleiche 77. Blumenfliegen 166 Blutfink 64. Bluthänfling 64. Blutlaus 156. Bockkäfer 107. Bohnenkäfer 99. Bombinator 80. Bombus 120. Bombycidae 135. Bombyx Mori 135. Borkenkäfer 105. Bostrichus typographus 106. Botys 146, 147. Brachvogel 70. Brandmaus 41. Bremen 164. Bremſen 164. Bremsfliegen 173. Brenner 102. Bruchus 99. Buchdrucker 106. Buchfink 64. Bufo 80. Buntſpecht 57. Buſchhornblattweſpe 128. Buſſard 55. Buteo 55. Calandra granaria 103. Canina 26. Canis lupus 27. Canis vulpes 27. 230 Caprimulgus europaeus 59. Carabidae 90. Carabus 90. Carnivora 24. Carpocapsa 149. Cassida nebulosa 110. Cecidomyia 158, 160, 161. Cephalopoda 219. Cephus pygmaeus 129. Cerambycidae 107. Cerambyx heros 107. Cerceris 123. Certhia familaris 57. Cervida 46. Cervus capreolus 48. Cervus dama 48. Cervus elaphus 47. Cestoda 207. Ceutorhynchus 101. Charadrius 70. Charaeas graminis 142. Chiroptera 35. Chlorops 167—173. Chrysomela 108. Chrysomelidae 108. Chrysopa 118. Chrysops 165. Cicadina 152. Ciconia alba 70. Circus 55. Cnethocampa proces- sionea 136. Coccinella 113. Coccinellidae 113. Coelenterata 223. Coenurus 209. Coleoptera 90. Coloradokäfer 108. Columba 67. Conchylis epilinana 149. Conirostres 62. 8 Coronella laevis 76. Cossus ligniperda 135. Corvus 61. Crex pratensis 69. Cricetus frumentarius 39. Crioceris 108. Crustacea 188. Cryptophagidae 93. Cuculus canorus 55. Sachregiſter. Culex 158. Culicinae 157. Cucurlionidae 98. Cygnus 71. Oynipidae 126. Cypselus apus 58. Cysticercus 209. Dachmarder 27. Dachs 31. Damwild 48. Darmbremsfliegen 176. Depressaria nervosa 150. Dermatocoptes 181. Dermatophagus 181. Dickhäuter 49. Diptera 157. Diſtelfink 63. Distoma 214, 217. Diurna 130. Dohle 61. Dorfſchwalbe 58. Drroſſel 66. Dünnſchnäbler 59. Eccoptogaster Scolytus 107. Echinococcus 210. Echinodermata 222. Edelfink 64. Edelhirſch 47. Edelmarder 27. Elſter 62. Entenvögel 71. Eichelhäher 62. Eichenbockkäfer 107. Eichhörnchen 45. Eidechſen 75. Einhufer 49. Elaterida 95. Emberiza 63. Erbſeneule 140. Erbſenkäfer 99. Erbſenwickler 148. Erdflöhe 110—112. Erdraupen 137. Erdwolf 42. Erinaceus europaeus 35. Erlenblattkäfer 108. Eulen(Vögel) 55. Eulen(Schmetterlinge) 137. Fächerfühler 93. Falco 54, 55. Falken 54, 55. Faſan 69. Feldhuhn 69. Feldmaus 42. Feldſperling 63. Felida 25. Felis catus 26. Felis Lynx 26. Felis maniculata 26. Ferae 24. Fichtenborkenkäfer 106. Fidonia 144. Filarida 197. Finken 64. Finnen 209. Fiſche 80. Fiſchotter 31. Flachsknotenwickler 150. Fledermäuſe 35. Fleiſchfliegen 165. Fliegen 165. Fliegenmücken 164. Floh 179. Florfliegen 117. Flüevogel 65. Foetorius erminea 28. Foetorius furo 28. Foetorius lutreola 30. Foetorius putorius 27. Foetorius vulgaris 28. Forficulariae 113. Forleule 137. Formica 124. Formicidae 123. Fossores 122. Freßwolf 42. Frrettchen 28. Fringilla 64. Fritfliege 170. Fröſche 80. Froſtſpanner 144. Fuchs 27. Fulica atra 69. Fuligula 71. Galeruca 108. Galleria cerella 147. Gallicolae 158. Gallinula chloropus 69. Gallmücken 158. NhHausi Gall Gam. Gam Gänſ Gart Garr Gast. Gasti Gast. Gast hehei Geom bemit Gerad hetre getre Gimp Glanz Glied Glied Glires holde Gohde Goht Grabe Gralle Gnpl Grass Gras Grast Graue Großß Grün Grün Grün Grus Gryll Gryll Gyra Haar Hebic ade Haem Halbſ Halm hdalm. Halti- damſ Haſe Ogſel Hauss 5 69. Gallweſpen 126. Gamasida 187. Gammaeule 143. Gänſe 71. Gartenlaubkäfer 95. Garrulus glandarius 62. Gastropacha 136. Gastrophilus 176. Gastropoda 219. Gastrus 176. Geheimfreſſer 93. Geometridae 144. Gemüſeeule 140. Geradflügler 113. Getreidehähnchen 110. Getreidelaufkäfer 90. Gimpel 63. Glanzkäfer 92. Gliedertiere 81. Gliederwürmer 189. Glires 36. Goldafter 137. Goldaugen 118. Goldhähnchen 65. Grabweſpen 122. Grallatores 69. Grapholita 148. Graseulen 141, 142. Grasmücken 65. Grasraupen 141, 142. Grauartſche 64. Großſchnäbler 60. Grünaugen 167. Grünfink 63. Grünſpecht 57. Grus cinerea 69. Gryllotalpa 114. Gryllus 114. Gyrantes 66. Haarmücken 164. Habicht 55. Hadena 141. Haematopota 165. Halbflügler 152. Halmfliege 168. Halmweſpe 129. Haltica 111, 112. Hamſter 39. Haſe 37. Haſelhuhn 69. Haushund 27. Hauskatze 26. Seckenweißling 133. Helix 220. Hermelin 28. Herzwurm 139. Heterod. radicicola 207. Seeauſchrecken 114. Hipparchia 130. Hirſche 46. Hirundinida 57. Holzbohrer 135. Holzweſpen 129. Hylobius abietis 104. Insecta 83. IXodida 186. Sachregiſter. Hausmarder 27. Hausmaus 40. Hausratte 39. Hausſchwalbe 58. Hausſperling 63. Hautflügler 118. Heckenbraunelle 65. Hemerobius 118. Hemiptera 152. Heſſenfliege 158. Heterod. Schachtii 203. Hippobosca equina 178. Hohltaube 66. Holztaube 66. Honigbiene 120. Hirundo 58. Holzraupe 135. Hopfenzünsler 146. Hühnermilben 187. Hyla 80. Hylesinus piniperda 106. Hymenoptera 118. Hypena rostralis 146. Hypoderma Bovis 174. Käfer 90. Käfermilben 187. Kampfhahn 70. Kartoffelkäfer 108. Käſefliege 167. Katzen 25 Kegelſchnäbler 62. Kerfe 83. Kiebitz 70. Kiefernblattwefpe 128. Kieferneule 137. Kiefernrüſſelkäf.(brauner, großer) 104. Kiefernrüſſelkäfer(kleiner, ſcheckiger) 104, 105. Kiefernſchwärmer 135. Kiefernſpanner 144. Kiefernſpinner 136. Kieferntriebwickler 150. Klander 103. Kleiber 59. Klettervögel 55. Kohleule 139. Kohlfliege 167. Kohlſchabe 151. Kohltaube 67. Kohlweißlinge 131—134. Kohlzünsler 146. Kopffüßer 219. Kornfliege 168. Kornkäfer 103. Kornmotte 151. Kornwurm(ſchwarzer) 103. Kornwurm(weißer) 151. Krähen 61. Krammetsvögel 66. Kranich 69. Krätzmilben 181. Kreuzotter 75. Ichneumonidae 124. Igel 35. Iltis 27. Insectivora 31. Inſekten 83. Inſektenfreſſer 31. Jassus sexnotatus 153. Johannisbeerblattweſpe 127. Johannisbeerſpanner 144. Kriebelmücken 164. Kriechtiere 75. Kröte 80. Kriötenfroſch 80. Krruſtentiere 188. Kuckuck 55. Kümmelmotte 150. Kurzflügler 91. Lamellibranchiata 222. Lamellicornia 93. Lamellirostres 71. Larus 73. Laubvögel 65. Laufkäfer 90. Laufmilben 187. Läuſe 179. Lausfliegen 178. Leberegel 214. Leinfink 64. Leinzeiſig 63. Lema melanopa 110. Lepidoptera 129. Leporida 37. Lepus cuniculus 38. Lepus timidus 37. Lerchen 62. Libellulina 117. Limax 220, 221. Limosa aegocephala 70. Liparis 137. Livreeraupe 136. Longipennes 72. Lophyrus 128. Luchs 26. Lumbricus 189. Luperina 142. Lupinenfliege 166. Lurche 78. Lutra vulgaris 31. Machetes 70. Magenbremsfliegen 176. Magnirostres 60. Maikäfer 94. Mamestra 139, 140. Mammalia 21. Marder 27. Marienkäferchen 113. Mauerſegler 59. Maulwurf 32. Maulwurfsgrille 114. Mäuſe 39, 40. Mauszahnrüßler 100. Meiſen 62. Meles taxus 31. Meligethes aeneus 92. Melinus 123. Melolontha 94, 95. Melophagus ovinus 178. Mergus 71. Microgaster 125, 126. Milan 55. Milben 181. Sachregiſter. Milvus 55. Molche 79. Mollmaus 41. Mollusca 218. Moſchusbockkäfer 107. Motacilla 65. Motten 150. Möwenvögel 72. Multungula 49. Murida 38. Murmeltiere 44. Mus 39, 40. Musca 166. Muſcheltiere 222. Muscidae 165. Mustela foina 27. Mustela martes 27. Mustelina 27. Myriopoda 180. Myrmeleon 118. Nachtigall 65. Nachtſchwalbe 59. Nagetiere 36. Naſenbiesfliege 175. Natatores 70. Natter(glatte) 76. Nebelkrähe 61. Necrophorus 91. Nematelminthes 191. Nematode(Rüben⸗) 203. Nematodes 191. Nematus ventricosus 127. Netzflügler 117. Neuroptera 117. Nitidulae 92. Noctuidae 137. Nonne 137. Nörz 30. Numenius 70. Obſtmade 149. Oedicnemus crepitans 70. Oestridae 173. Oestrus Ovis 175. Orthoptera 113. Orthygometra porz. 69. Otis 69. Oscinis 170. Pachydermata 49. Paliſſadenwürmer 193. Panorpa 118. Panorpatae 118. Papilio Machaon 131. Pappelbockkäfer 107. Pappelhähnchen 108. Parasita 179. Parus 62. Passeres 57. Peitſchenwürmer 195. Pelobates fuscus 80. Pelias berus 75. Perdix 69. Pflanzenmilbe 187. Pflanzenſpinne 187. Pflaumenblattweſpe 128. Pflaumenmade 149. Pflaumenwickler 149. Pfeifer 147, 150. Pferdelausfliege 178. Pferdemagenbremsfliegen 176— 178. Pfriemenſchnäbler 65. Pfuhlſchnepfe 70. Phasianus 69. Phyllopertha hortic. 95. Phylloxera 156. Physopoda 157. Pica caudata 62. Picida 56. Picus 57. Pieper 65. Pieris Brassicae 131. Pieris Napi 133. Pieris Rapae 133. Piophila casei 167. Pisces 80. Pissodes notatus 104. Platelminthes 207. Plattwürmer 207. Plusia gamma 143. Plutella cruciferarum 151. Pompilius 123. Prozeſſionsſpinner 136. Protozoa 225. Psylliodes chrysocepha- lus 110. Pupipara 178. Pyralidae 145. Pyralis 145. Quallen 15, 224. Quallenpolypen 224. le. 95. Rabe 61. Rabenkrähe 61. Radiesfliege 167. Rana 80. Rapserdfloh 110. Rapsglanzkäfer 92. Raptatores 53. Rasores 68. Ratte 39, 40, 41. Ratz 27. Raubtiere 24. Raubvögel 53. Rauchſchwalbe 58. Räudemilben 181. Raupenfliegen 165. Rebhuhn 69. Reblaus 156. Regenpfeifer 70. Regenwürmer 189. Regulus 65. Reh 48. Reiher 70. Reptilien 75. Rinderbiesfliege 174. Ringelnatter 76. Ringelſpinner 136. Ringeltaube 67. Rodentia 36. Roggenkäferchen 95. Roggenzünsler 145. Rohrdommel 70. Rohrhuhn 70. Rohrſänger 65. Rotkehlchen 65. Rotſchwänzchen 65. Rübenälchen 203. Rübenblattweſpe 127. Rübenfliege 167. Rübenmüdigkeit 203. Rübennematode 203. Rübſaatpfeifer 147. Ruminantia 46. Rundwürmer 191. Rüſſelkäfer 98. Saatkrähe 61. Säger 71. Salamander 80. Salamandrina 79. Samenkäfer 99. Sänger 65. Saperda 107. Sachregiſter. Sarcophaga 165. Sarcoptes 181. Säugetiere 21. Scansores 55. Schaben 113, 150. Schafbiesfliege 174. Schaflausefliege) 178. Schildkäfer 110. Schizoneura lanigera156. Schlangen 75—77. Schlupfweſpen 124. Schmetterlinge 129. Schnabelfliegen 118. Schnaken 162. Schnarre 70. Schnauzenmücken 162. Schnecken 219. Schnellkäfer 95. Schnepfen 70. Schrotwurm 114. Schwalben 57. Schwalbenſchwanz 131. Schwammſpinner 137. Schwan(Schmetterling) 137. Schwäne(Vögel) 71. Schwärmer 134. Schwebfliegen 173. Schweinigel 35. Schwimmenten 71. Schwimmvögel 70. Sciara 164. Sciurida 45. Sciurus vulgaris 45. Scolopax 70. Scolytides 105. Seeſchwalben 73. Segler 58. Seidenraupe 135. Selandria adumbrata 128. Selandria fulvicornis 128. Serpentes 75, 76, 77. Silpha 92. Silphidae 91. Simulia 164. Singvögel 57. Sitones lineatus 100. Sitta caesia 59. Sirex 129. Skorpionfliege 118. Solidungula 49. Sorex 32. 233 Spanner 144. Spargelhähnchen 108. Spechte 56. Spechtmeiſe 59. Spechtvögel 56. Sperber 55. Sperlinge 63. Spermophilus citillus 44. Sphingidae 134. Sphinx pinastri 135. Spinnentiere 181. Spinner 135. Spitzmäuſe 32. Sproſſer 65. Spulwürmer 191. Stachelbeerblattweſpe 127. Stachelbeerſpanner 144. Stachelhäuter 222. Staphylidae 91. Star 60. Stechfliegen 173. Stechmücken 157. Steinmarder 27. Stengelälchen 198—201. Sterna 73. Stock 198—202. Stomoxydae 157. Storch 70. Strandläufer 70. Strongylidae 193. Strongylus 193— 195. Sturnus vulgaris 60. Subulirostres 65. Sumpfvögel 69. Sus scrofa 49. Sylvia 65. Syrphidae 173. Tabanidae 164. Tabanus 165. Tachina 165. Taenia 207— 213. Tagfalter 130. Talpa europaea 32. Tauben 66. Tauchenten 71. Tauſendfüßer 180. Teichhuhn 69. Tenuirostres 59. Tenthredinidae 126. Tetrao 69. Tetranychustelarius 187. 234 Thrips 157. Tinea granella 151. Tineida 150. Tipula 162. Tortricidae 148. Totanus 70. Totengräber 91. Totenkopf 134. Trachea piniperda 137. Trappen 70. Trauermücke 164. Trematoda 213. Trichina spiralis 195. Trichine 195. Trichotrachilida 195. Triel 70. Tringa 70. Troglodytes 66. Trombiidida 187. Tropidonotus natrix 76. Turdus 66. Turmſchwalbe 59. Turteltaube 67. Tylenchus devastatrix 198— 202. Tylenchus scandens 202, 203. Uferſchwalbe 58. Ulmenſplintkäfer 107. Unke 80. Upupa epops 60. Sachregiſter. Uroceridae 128. Urtiere 224. Vanellus 70. Vanessa 130. Verborgenrüßler 101. Vermes 188. Vertebrata 16. Vespa 120— 122. Vespidae 120— 122. Vielhufer 49. Vögel 50. Vogelſchutz 73—75. Wachsſchabe 147. Wachtel 69. Wachtelkönig 69. Waldgärtner 106. Waldmaus 40. Waldwühlmaus 41. Wanderheuſchrecke 114. Wanderratte 40. Wanzen 152. Waſſerhuhn 69. Waſſerjungfern 117. Waſſerläufer 70. Weihen 55. Weizenälchen 202. Weizengallmücken 160. Weizenhalmeule 142. Wendehals 56. Werre 114. Weſpen 120. Wickler 148. Wiedehopf 60. Wiederkäuer 46. Wieſel 28, 29. Wildkatze 26. Wildſchwein 49. Wirbeltiere 16. Wühlmäuſe 41—44. Wühlratte 41. Xylotropha 135. Bpſiloneule 143. Nunx torquilla 56. Zabrus gibbus 90. Zaunkönig 66. Zecken 186. Zeiſig 63. Zerene grossulariata 145. Ziegenmelker 59. Ziemer 66. Zieſel 44. Zirpe 152. Zuckererbſeneule 143. Zuckerrübenkäferchen 93 Zünsler 145. Zweiflügler 157. Zwergmaus 41. Zwiebelfliege 167. Von demselben Verfasser erschien in demselben Verlage: Tierische Schädlinge und Nützlinge für Ackerbau, Viehzucht, Wald- und Gartenbau. Lebensformen, Vorkommen, Einfluss und die Massregeln zu Vertilgung und Schutz. Mit 477 eingedruckten Abbildungen. Preis I18 M. Gebunden 20 M. Druck von Fr. Stollberg, Merſeburg 2 145. hpopuläres Nandbuch der Landwirischaft. abgebildet wurden, und zwar Gebotenen ist der»Schlipe Verlagsbuchhandlung Paul Parey in Berlin SW., Hedemannstr. 10. Sehlipf'’s Gekrönte Preisschrift. prreiꝛehnte, vollständig neu bearbeitete Auflage. Mit 17 Farbendrucktafeln und 415 in den Text gedruckten Abbildungen. In Ganzleinen gebunden, Preis 7 Mark. Wem es um ein Handbuch zu thun ist, welches alle Zweige der Landwirtschaft auf Grund der neuesten Erfahrungen in besonders ver- ständlicher Schreibweise behandelt, dem darf das bewährte Werk von Schlipf unbedingt empfohlen werden. Der Umstand, dass das Buch nicht nur bei den praktischen Land- wirten seit langem eingebürgert ist, sondern dass dasselbe auch an sehr vielen landwirtschaftlichen Schulen als Lehrbuch gebraucht wird, er- forderte eine Vervollständigung mehrerer Abschnitte, ohne dass jedoch die Tendenz des Buches, ein Ratgeber für den praktischen Landwirt zu sein, darunter leiden durfte. Es wurde daher auch bei den mannig fachen Einschaltungen stets die klare und verständliche Sprache, Hdurch welche das Buch sich gerade bei den mittleren und kleineren Land- wirten sowie in den Schulen einer so grossen Beliebtheit erfreut, sorg. fältig beibehalten. Eine besondere Bereicherung hat diese neue 13. Auflage dadurch erfahren, dass die wichtigsten Schläge von Rind, Schaf, Schwein und Pferd und die dem Pflanzenbau schädlichsten Insekten auf 17 Tafeln naturgetreu in Farben. Selbst die besten schwarzen Abbildungen im Text vermögen Farben- 3 Grucktafeln nicht zu ersetzen, und der Schlipf wird dadurch noch wieder mehr Freunde gewinnen. Trotz dieser 17 Farbendrucktafeln, vielfacher Erweiterungen und Einschaltungen in Text und Abbildungen wurde der Preis des gut ge- 4 bundenen, in grosser Schrift gedruckten, 586 Seiten grossen Formats umfassenden, mit 415 Textabbildungen versehenen Buches auf nur 7 Mark festgesetzt, so dass man behaupten kann, in Anbetracht des das billigste landwirtschaftliche Buch. 3 Zu beziehen durch jede Buchhandlung. Illustriertes Landwirtſchakts⸗ Lexikon. Dritte, neubearbeitete Auflage. Unter Mitwirkung von Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Frank-Berlin, Oberforstrat Dr. Fürst Aschaffenburg, Prof. Dr. Gisevius-Königsberg, Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Frh. v. d. Goltz- Poppelsdorf, Landw.-Lehrer Kutscher-Hohenwestedt. Hofgärtner Lebl- Langenburg, Prof. Dr. Lehmann-Göttingen, Prof. Dr. Lintner-München, Amtsgerichts-Rat Löwenherz- Köln, Regierungs-Baumeister Meyer-Buxtehude, Dr. S. von Nathusius-Breslau, Prof. Dr. Ramm- Poppelsdorf, Geh. Med.-Rat Prof. Dr. Siedamgrotzky-Dresden. Prof. Dr. Strecker-Leipzig, Prof. Dr. Stutzer-Breslau, herausgegeben von Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Werner-Berlinu. Mit I26 Textabbildungen. In Halbjuchten gebunden, Preis 23 M. Unsere landwirtschaftliche Litteratur weist eine Reihe der besten Werke auf über alle einzelnen Gebiete des Ackerbaus, der Viehzucht, der landwirtschaftlichen Gewerbe etc., und auch an vielbändigen Sammelwerken ist kein Mangel; aber es fehlte lange ein handliches, trotz möglichster Vollständigkeit kurzgefasstes, für das rein praktische Bedürfnis bearbeitetes und mit den nötigen Abbildungen aus- gestattetes Landwirtschafts-Lexikon. So mancher praktische Landwirt hat vielfach nicht die Zeit und häufig auch keine so grosse Bibliothek, um durch Nachlesen in Specialwerken Belehrung zu suchen; für ihn handelt es sich meist darum, so- fort und ohne vieles Suchen eine Auskunft zu finden. Diesem Bedürfnis des praktischen Landwirts entspricht das IIlustrierte Landwirtschafts-Lexikon. Im letzten Jahrzehnt hat die Landwirtschaft auf allen Gebieten wieder so grosse Fortschritte gemacht, dass eine einfache Durchsicht des Lexikons nicht genügte, sondern es hat eine vollständige Neubearbeitung stattgefunden und zwar durch eine Reihe erster Fachmänner, deren Namen auf dem Titel ver- zeichnet sind; alle Mitarbeiter haben darin gewetteifert, die einzelnen Artikel zuverlässig, knapp und doch verständlich abzufassen. In dieser Weise enthält das Landwirtschafts-Lexikon Tausende einzelner rtike/— und giebt— aufgeschlagen an der öetreffenden Stelle does Aphabets— eine augenbliekliche, Klare und bündige Antwort auf alle Fragen, wie sie sich tag ios Iim ſandwirtschaftlichen Setriebe aufwerfen. Wo immer schnellerem Verständnis dadurch zu Hilfe gekommen verden konnte, ist dem Text eine Abbildung beigegeben, auch sind in dieser dritten Auflage ganze Reihen von Abbildungen durch neue, noch bessere ersetzt worden,— wie z. B. alle Rassebilder u. s. w. Das Werk umfasst 1874 Spalten grössten Lexikonformats, also den Inhalt von mehreren gewöhnlichen Bänden. Der niedrige Preis für ein Werk dieses Inhalts und Umfangs konnte nur gestellt werden im Vertrauen auf einen grossen Absatz auch dieser neuen Auflage, sowie in der Uberzcugung, dass das Land- wirtschafts-Lexikon immer mehr sich auf jedem Gut als unentbehrliches Haus- buch einbürgern muss. Zu beziehen durch jede Buchhandlung. Verlagsbuchhandlung Paul Parey in Berlin SW., 10o0. 1 4 Verlagsbuchhandlung Paul Parey in Berün SW., Hedemannstr. 10. Denftſche 1 Begründet 1874. Erscheint Mittwochs und Sonnabends. Wöchentfich eine Handeſsbeifage. Monatich eine farbendruektafe!. Durch jedes deutsche Postamt bezogen, Preis wierteljährlich 5 M. Die»Deutsche Landwirtschaftliche Presse« ist nach Inhalt und Ausstattung eine Fachzeitung grossen Stils und hat eine zweifache Aufgabe: sie dient einerseits der Förderung der agrarischen Interessen in der Wirtschaftspolitik und anderseits dem Fortschritte der Wissenschaft und Praxis von Ackerbau, Viehzucht und den landwirtschaftlichen Ge- werben. Die»Deutsche Landwirtschaſtliche Presse« enthält beste fach- männische Artikel über rationelle Technik und Betriebsweise der Land- wirtschaft, welche durch reiche und künstlerische Textabbildungen und Farbendruckbeilagen illustriert sind. Wegen der grossen Verbreitung bestes Blatt für alle landwirtsch. Anzeigen. Die Einheitszeile oder deren Raum 35 Pf. Erobonnrrern mit Handelsbeilage umsonst und postfrei. Mentzel und von Lengerkes lantrirtehafllche Hülfs- und Schreib-Kalender. 53. Jahrgang. Herausgeg. von Dr. H. Thiel, Ministerialdirektor im Ministerium für Landwirtschaft etc. I. Teil(Taschenbuch) gebunden.— II. Teil(Jahrbuch) geheftet. Ausgabe mit ½ Seite weiss Papier pro Tag. In Leinen geb. 2,50 M., in Leder geb. 3 M. Ausgabe mit ⁄½1 Seite weiss Papier pro Tag. In Leinen geb. 3 M., in Leder geb. 4 M. Der Mentzel und von Lengerke'sche Kalender folgt mit seinem ganzen Inhalt den modernen Bedürfnissen der Landwirtschaft, und nach wie vor wird er sich be- wFähren als ein Freund des Landwirts, wie man ihn oft lobend bezeichnet. Der I. Teil, das gebundene Taschenbuch, dessen Formulare für wirtschaftliche Eintragungen der verschiedensten Art von über 35 Tausend Landwirten jahraus jahrein benutzt werden, enthält ausserdem Tabellen für Berechnungen, wie sie sich täglich im praktischen Betriebe aufwerfen, Tabellen, welche absolut unentbehrlich sind, und es erklärlich machen, dass der»Mentzel« in der Rocktasche jedes Landwirts zu finden ist. Der II. Teil, das Jahrbuch, enthält alljährlich auf das Peinlichste revidierte Zu- sammenstellungen über die landw. Behörden, es sind ferner die landw. Berufsgenossen- schaften, die landw. Genossenschafts-Vorstände, die Landwirtschaftskammern, die Zuchtgenossenschaften, die landw. Vereine, ebenso wie die landw. Unterrichtsanstalten und Versuchsstationen aufgeführt. Ferner enthält dieser Teil alljährlich einen für praktische Landwirte lehrreichen Artikel. Zu beziehen durch jede Buchhandlung. 6 twae aegeaaagkghagäagedenkengang Oem 1 2 3 3 5 6 7 8 9 10 11 12 X HG “ 4 AA S AIL BU