— L — — — o„„o — erlagsbuchhandlung Paul Parey in Berlin SW., Hedemannstr. 10. aeen aanen. THAER-BIBLIOTHEK„l*n es.29.021 Ackerbau und Düngerwesen. Urbarmachung und Verbesserung des Bodens von Ok.-Rat Dr. R. Buerstenbinder. Praktische Bodenkunde von Dr. A. Nowacki, Proſfessor in Zürich. 2. Auflage. Käufliche Düngestoffe von Dr. A. Rümpler. 4. Auflage. Wolff's Praktische Düngerlehre. 12. Auflags. Wolff's Anleitung zur chem. Untersuchung landw. Stoffe.) 4. Auflage. Pflanzenbau. ◻ Tabaksbau von A. Freiherrn von Babo in Klosterneuburg. 3. Auflage. Wiesen- und Weidenbau von Dr. F. Burgtorf, Direktor in IIerford. 4. Auflage. Feldholzzucht, Korbweidenkultur etc. von R. Fischer in Berlin. Hopfenbau von C. Fruwirth, Professor in Hohenheim. Gekrönte Preisschrift. Anbau der Hülsenfrüchte von C. Fru wirth, Professor in Bohenheim. Braugerste von H. Heine. Gekrönte Preisschrift. Lupinen- und Serradellabau von Kette-Jassen und Koönis-ZSisan. 9. Auflage. Rübenbau von Knauer auf Gröbers bei Hulle a. S. 7. Auflage. Flachsbau und Verarbeitung von R. Kuhnert in Marburg. Landw. Futterbau, von Dr. William Loebe-Leipzig. 3. Auflage. Samen und Saat von Dr. William Loebe-Leipzig. Ernährung der landw. Kulturpflanzen von Dr. Ad. Mayer, PLofessor in Wagemingen. Getreidebau von Dr. A. Nowacki, P'rofessor in Zürich. Gekrönte Preisschrift. 2. Auflage. Risler's Weizenbau. Herausgegeben von Amtsrat Dr. W. Rimpau in Schlanstedt. Kartoffelbau von Geheimrat Dr. H. Werner, Proſessor in Berlin. 3. Auflage. Krankheiten der landw. Nutzpflanzen gon Professor Dr. Wolf. Forstkulturen von Urff, Kgl. Forstmeister in Neuhaus bei Berlinchen. 2. Auflage. Tierzucht und Fütterungslehre. Bienenzucht von A. Baron von Berlepsch. Bearb. von W. Vogel in Lehmannshöfel. 3. Auflage. Zoologie für Landwirte von Dr. J. Ritzema Bos, Professor in Amsterdam. 2. Auflase. Rindviehzucht von Dr V. Punk, Direktor in Zoppot. 4. Auflage. Wirtschaftsfeinde aus dem Tierreich von Dr. G. von Hayek, Professor in Wiey. May' 8 Schweinezucht. Bearbeitet von E. Meyer-Friedrichswerth. 4. Auflage. Bakterienkunde für Landwirte von Dr. W. Migula in Karlsruhe. Geflügelzucht von Dr. Pribyl in Wien. N 3. Auflage. Wolff's Landwirtschaftliche Fütterungslehre. 7. Auflage. Betrieb. Birnbaum's Landw. Taxationslehre. 4 2. Aufage. Landw. Betriebslehre von Geheimrat Dr. Freiherr v. d. Goltz, Professor in l'oppelsdorf. Landw. Buchführung von Geheimrat Dr. Freih. v. d. Goltz, Prof. in Poppelsdorf.*8. Auflage. Langethal's Geschichte d. Landwirtschaft bearb. v. Michelsen u. Nedderich 3. Auflage, Rec htsbeist and des Landwirts von M. Löwenherz, Amts; gerichtsrat in Köln. 2. Auflage. An- und Verkaufs-Genossenschaften von H. v. Mendel, Landesökonomierat in Halle. Das Schriftwerk des Landwirts von C. Petri in Hohenwestedt. 2. Auflage. Wirtschaftsdirektion d. Landgutes von Geh-Rat Dr. A. Thaer, Prof. in Giessen. 3. Auflage. Baukunde. Ziegelei von Zieuelei-Ingenieur O. Bock in Berlin. 2. Auflage. 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Stohman n, Professor an der Universität in Leipzig. Kulturtechnik, Maschinenkunde, Ingenieurwesen. Der Petersensche Wiesenbau von Dr. E. Fuchs in Kappel. Landw. Plan- und Situationszéichnen von H. Kutscker in Hohenwestedi. Behandlung der Lokomobilen von Professor Paul Lazar in Budupest. Perels' Ratgeber bei der Wahl Pandw. Geräte und Maschinen. Schubert's Landw. Rechenwesen. Bearb. von H. Kutscher in Hohenwestedt. Dynamite von Isidor Trauzl, Ingenieur in Wien. Be- und Entwässerung der Acker und Wiesen von Ok.-Rat L. Vincent. Feldmessen und Nivellieren von Dr. A. Wüst, Professor in Halle. Der Landwirt als Kulturingenieur von Fr. Zajicek, Professor in Mödling. Veterinärwesen. Englischer Hufbeschlag von H. Behrens, Lehrschmied in Rostock. Eingeweidewürmer der Haussäugetiere von Dr. J. Dewitz in Berlin. Heilungs- und Tierarzneimittellehre von F. Flemming, Grossh. Tierarzt in Lüb Verlagsbuchhandlung Paul Parey in Berlin SW., Hedemannstr. 10. e een, THAER-BIBLIOTÜHEK e en, 2 2. Auflage. . Auflage. .Auflage. . Auflage. . Auflage. . Auflage. Auflage. Physiologie und Pathologie der Haussäugetiere von P. Flemming, Tierarzt in Lübz. Innere Krankheiten der Idw. Haussäugetiere von P. Grosswendt, KgL Oberressarzt. Gesundheitspflege der landw. Haussäugetiere von Med.-Rat Prof. Dr. Johne in Dresden Landw. Giftlehre von Dr. G. M üller, Professor in Dresden. Der kranke Hund von Dr. G. Müller, Professor in Dresdén. Beschlagkunde von Dr. A. von Rueff in Stuttgart. Aussere Krankheiten der Idw. Haussäugetiere von E. Zorn, RKgl. Korpsrossarz Jagd, Sport und Fischerei. Künstliche Fischzucht von M. von dem Borne auf Berneuchen. Süsswasserfischerei von M. von dem Borne auf Berneuchen. Teichwirtschaft von M von dem Borne auf Berneuchen. Goedde’s Fasanenzucht. Bearbeitet von Fasanenjäger Staffelſin Fürstenwald. Die Jagd und ihr Betrieb von A. Goedde, Herzogl. Jägermeister in Coburg Der gesunde Hund von Dr. G. Müller, Professor in Dresden. 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Auflage. . Auflage. 2. Auflage. . Auflage. Auflage. Aullage. Verlagsbuchhandlung Paul Parey in Berlin SW., Hedemannstr. 10. Landwirtschaftliche Unterrichtsbücher. Ackerbau von Direktor Dr. Droysen-Herford und Direktor Dr. disevius-Dahme, Vierte Auflage. Mit 175 Textabbildungen. Geb., Preis 1 M. 60 Pf. Pflanzenbau von Direktor Dr. Birnbaum. Vierte Auflage, bearbeitet von Direktor . Dr. Gisevius in Dahme. Mit 217 Textabbildungen. Geb., Preis 1 M. 60 Pf. Viehzucht von v. Patzig, Professor in Marienburg. Vierte Auflage. Mit 96 Text- abbildungen.— Geb., Preis 1 M. 60 Pf. Wirtschaftsbetrieb von Dr. P. Gabler, Lehrer in Eldena. Kart., Preis 1 M. 20 Pf. Forstwirtschaft von G. Meyer, Kgl. Forstmeister in Ebstorf. Kart., Preis 1 M. Physik von M. Hollmann, Oberlehrer in Thorn. Dritte Auflage. Mit 152 Textabbildungen. Geb., Preis 1 M. 30 Pf. Betriebslehre von Direktor A. Conradi in Hohenwestedt. Zweite Aufl. Geb., Preis 1 M. Wiesenbau von H. Kutscher, Lehrer in Hohenwestedt. Zweite Auflage. Mit 67 Textabbild. .. Geb., Preis 1 M. 20 Pf. Chemie von P. J. Murzel, Direktor in St. Wendel. Zweite Auflage. Gebe, Preis 1 M. 20 Pf. Selbstverwaltungsümter, vorbereitung für staatliche und kommunale, YVon C. Petri, Lehrer in Hohenwestedt. Zweite Auflage. Geb., Preis 1 M. 20 Pf. Chemie von A. Maas, Lehrer in Wittstock. Mit 10 Textabbild. Geb., Preis 1 M. 60 Pf. Obst- u. Gemüsebau von Otto Nattermüller. Mit 70 Textabbild. Geb., Preis 1 M. 50 Pf. Rechenbuch für niedere u. mittlere landw. Lehranstalten von L. Lemke, Lehrer in Stargard. I. Teil. Zweite Aufl. Geb., Preis 1 M. 40 Pf. II. Teil. Mit 112 Textabb. Geb., Preis 2 M. Lösungen(für beide Teile).. Preis 1 M. Geometrie, Feldmessen u. Nivellieren von H. Kutscher, Lehrer in Hohenwestedt. Zweite Auflage. Mit 172 Textabbildungen. Geb., Preis 1 M. 40 Pf. Rechenbuch für Ackerbauschulen und landw. Winterschulen von P. Knak, Lehrer in Wittstock. Zweite Auflage. Geb., Preis 1 M. 20 Pf. Lösungen.. Preis 1 M. Mineralogie u. Gesteinslehre von V. Uhrmann, Lehrer in Chemnitz. Mit 40 Text- abbildungen. Geb., Preis 1 M. Fütterungslehre von Direktor A. Conradi in Hobenwestedt. Zweite Auflage. Geb., Preis 1 M. 20 Pf. Düngerlehre von Direktor A. Conradi in Hohenwestedt Preis 60 Pf. Wirtschaftslehre von Direktor Dr. V. Funk in Zoppot. Vierte Auflage. Geb., Preis 1 M. Taxationslehre von c. Petri, Lehrer in Hohenwestedt. Geb., Preis 1 M. 60 Pf. Geometrie der Ebene von Prof. L. Bosse in Dahme und Prof. H. Müller in Eldena. Mit 200 Textabbildungen. Geb., Preis 1 M. 20 Pf. Stereometrie für Landwirtschaftssehulen von Prof. L. Bosse in Dahme und Prof. H. Müller in Eldena. Mit 30 Textabbildungen. Preis 50 Pf. Bodenkunde von Dr. W. Lilienthal, Lehrer in Schönberg. Mit 6 Textabbild Geb., Preis 1 M. Deutsche Gedichte, herausgegeben für den Unterricht an Landwirtschaftsschulen von Direktor Dr. R. Schultz in Marggrabowa. Geb., Preis 2 M. Lehrbuch d. Botanik für Landwirtschaftsschulen und andere höhere Lehranstalten von Oberlehrer G. 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Roth, Direktor in Chemnitz. Vierte Auflage. Geb., Preis 1 M. 40 Pf. Feldmess- und Nivellierkunde und Drainieren von Chr. Nielsen, Oberlehrer in Varel. Zweite Auflage. Mit 3 Tafeln und 102 Textabbildungen. Geb., Preis 2 M. Agrikulturchemie von Dr. R. Otto in Proskau. I. Teil. Preis 1 M. 40 Pf. zu bezichen durch jede Buchhandlung — Vierte Auflage, unter beſonderer Berückſichtigung der Sier⸗ und Fleiſcherzeugung vollſtändig neubearbeitet von E. Sabel, Oberſtlieutenant a. D. Mit 39 Textabbildungen. Berlin. Verlagsbuchhandlung Paul Parey. Verlag für Landwirtſchaft, Gartenbau und Forſtweſen. SW., Hedemannſtraße 10. 1899. Alle Rechte vorbehalten. Druck von Fr. Stollberg in Merſeburg. Vorwort. Von Herrn Dr. Parey mit Bearbeitung der vierten Auflage des Thaer⸗Bibliothek⸗Bandes:„Die Geflügelzucht von Dr. Leo E. Pribyl“, deſſen Verfaſſer verſtorben, betraut, habe ich eine vollſtändige Umarbei⸗ tung der hauptſächlichſten Abſchnitte dieſes Werkes vornehmen müſſen, zum die in den einzelnen Abſchnitten vereinigt geweſenen Ernährungs⸗ und Züchtungsvorſchriften für die verſchiedenen Geflügelarten trennen und überſichtlicher geſtalten zu können. Der Abſchnitt Haushuhn, ſowie derjenige, welcher die wichtigen und ausführlichen Geflügel⸗Pflege⸗ und Züchtungs⸗Vorſchriften für jeden Monat des Jahres enthält, ſind ganz, andere zum größten Teile neu. Ich habe dabei vorwiegend den Betrieb der Züchtung unter vorzugsweiſer Berückſichtigung der Eier⸗ und der Schlachtgeflügel⸗Erzeugung ausführlich behandelt, ohne jedoch die Er⸗ züchtung von Raſſegeflügel zu Zuchtzwecken zur Seite zu ſchieben. Zu⸗ gleich bin ich bemüht geweſen, mich möglichſter Überſichtlichkeit, Deutlich⸗ keit und Kürze zu befleißigen und rhetoriſche Phraſen und theoretiſche Betrachtungen auszuſchließen. Und ſo hoffe ich, ein Buch geſchaffen zu haben, welches dem Einzelnen nützlich, im allgemeinen aber imſtande ſein wird, die rationelle Ausbeutung der Geflügelzucht zu fördern. Trier, im November 1898. . Sabel. 1 Inhalt. Seite Einleitung 1 Geſch cht⸗ der eſrügetzucht 5 I. Allgemeines 5 II. Geſchichte der eirzelnen dausgefllgelarten. 6 1. Haushuhn 6 2. Perlhuhn 8 3. Truthuhn.............. 9 6. Hausente............ 12 7. Haustaube...................... 12 enter Abſchnitt. Allgemeines vom Ei und dem Lerüten. 14 Das Ei.. 14 Das Ei als Nahrungsmittel und eine Verwendung in der Tedmit 17 2. Allgemeines über das Brüten. 18 A. Neſtbildung und Brüten auf natürlich em Wege....... 18 B. Das künſtliche Ausbrüten.. 23 C. Einfluß der Gewitter auf die in der Bebrütung befindlichen Eier 31 Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht............ 3 A. De Haushuhn.......... 33 1. Naturgeſchichte und A cſtammung...... 33 2. Haushuhnraſſen.· 35 J. Gine⸗ Landhuhn und durch Areuzung g aus dem Land huhne entſtandene Schläge.. 35 Campiner oder Totleger Gſtfrieſt ſche Moven) 36 Lakenfelderhuhn.... 36 Kühneſen Landhuhn..... 36 Liſe eh Huhhn....... 37 Steiviſches Huhn................ 37 Mechelner Kuckuckshuhn............... 37 Dominikanerhuhn................ 3 Ramelsloher Huhn............... 3 Kaul⸗ oder Kluthuhn...... 38 Dachshuhn(Krüper, Courtes- pattes)......... 38 Nackthalshuhn.....38 Hamburger Huhn................. 39 II. III. IV. V. VI. VII. Phönixhuhn Inhalt. Rotkappenhuhn— Schottiſches drucucshuhn graue Schotten) Dorkinghuhn Italieniſches Huhn⸗ Leghornhuhn Gruppe. Spaniſche Hühnerraſſen Eigentliche oder weißgeſ ſichtige Sbanſer Minorcahuhn Andaluſiſches Huhn Anconahuhn Bergiſche Kräher Schlotterkämme.8. Gruppe. Rieſenhühner Kochinchinahuhn Brahmaputrahuhn Langſhanhuhn Plymouth⸗Rock⸗Huhn Wyandottehuhn. Gruppe. Kampfhühner. Malayenhuhn. Kampfhuhn(Kämpfer) Altengliſches Kampfhuhn Engliſches Kampfhuhn Yokohamahuhn. Gruppe. Hauben⸗ oder Hollenhühner A. Schopfhühner 4 Laflechehuhn 1 Bredahuhn Haubenhühner 1. Houdanhuhn 2. Crève⸗coeurhuhn 3. Paduaner⸗Huhn 4. Brabanter Huhn 5. Sultans⸗ oder Türkenh huhn 6. Holländerhuhn. Gruppe. Seiden⸗, Woll⸗ oder Haar⸗ Hüthner 1. Japaniſches Seidenhuhn Chineſiſches Wollhuhn 2. Siameſiſches Geidenhuhn Strupphuhn Gruppe. Zwerghühner 1. Eigentliche Zwerghühner a) Alteuropäiſches Zwerghuhn b) Japaniſches Zwerghuhn 2. Zwergformen vorhandener dühnerraſſen. a) Eigentliche Bantam Sebright⸗Bantam b) Zwergkochinchinahuhn oder Peling⸗ Bantam Zwerg⸗Malayen, Schotten, Kaulhühner, Strupp⸗ hühner und Kämpfer Inhalt. Negerhuhn Kückenkleid 3. ai ege und Wartung A. Unterbringung 1. Hühnerhäuſer. 2. Laufräume B. Ernährung I. Allgemeines Mehlhaltige Nahrungsſtoff Tieriſche Nährſtoffe Grünfutter II Beſondere Ernährungsvorſchriſten 1 Fütterungsart 2. Futtermenge. III. Ernährung der Kücken und Junghühner 1. Fütterung ganz junger Kücken wührend der erſen vier Wochen ihres Lebens 2. Fütterung der Kücken im Alter von vier Wochen bis zu drei Monaten. 3. Fütterung von über drei Monate alten Junghüh nern Seite 75 .4. Ernährung der zum Schlachten beſtimmten Jung⸗ 3 hühner IV. Mastuna, 1. Geeignetheit zur Mäſtung 2. Mäſtungsverfahren 3. Anwendung und Wert der verſchiedenen Mäftung 8⸗ verfahren 4. Erzeugniſſe der Haush ſuhnerzucht 1. Eier 2. 3 3. 4. Schlachth ühner Federn Exkremente 5. Buch hetrie II. III. Auswahl der Zuchthühner Allgemeine Geſichtspunkte 2. Hauptregeln für Zuſammenſetzung von Zuchtſtämmen 3 3. Auswahl der Hühner zu beſondeten Ziveriei. a) Zur Eierproduktion b) Zur Fleiſchproduktion in Verbindung mit äerproduttin c) Zur Fleiſchproduktion Bildung der Zuch tſtunne Veirie Eierproduktion 1 Eier in Verbindung mit Fl eichproduktion 3 Schlachthühnererzeugung 4. Kückenerzeugung Erforderniſſe zu einem guten Verlauf der Bebrütumg der Eier Gleichzeitiges Setzen mehrerer Brüterinnen Verwendung von Brütmaſchinen Allgemeine Schlußbemerkungen⸗ Inhalt. VII Seite 5. Kückenaufzucht.... 132 Aufzucht von Frühbruttichen 133 Aufzuchtkaſten......... 133 6. Kückenmuſterung behufs Auswahl zu Zuchtzwecke.. 135 7. Marktfähige Herrichtung der Schlachthühner 136 a) Winter⸗ und Frühürutencen... 136 b) Junge Hähnchen.. 136 c) Körnerfette und genräſtete Junghühner..... 136 d) Schlachten.... 136 e) Berupien 137 4) Herrichtenn 1.3837 ) Verpachhhh 138 8. Cierverſendung...... 138 9. Aufbewahrung und Konf ſervierung der ier 140 10. Verſendung lebender Hühner. 141 Kückenverſendung.. 1242 B. Perlhuhn........ 1143 GC. Truthuvnd.......147 Dritter Abſchnitt. Waſſergeſuger und ſeine Züchtuug 154 A. Hausente......... 155 Eier⸗ und Fleiſchproduktion............... 156 Federn und Daunen......... 157 Unterbringung(Entenſtall). 137 Ernährung..... 128 Mäſtuuung........... 58 Brüten........... 158 Ertrag der Schlagtentenerzüchtung..... 159 Aufzucht der Kücke......... 159 Entenſchl dge. 4 160 . Gemeine Hausente............ 160 1 Rouenente.... 1060 3. Aylesburyente.......... 1 4641 4. Italieniſche und Duclairente.............. 16 1 5. Cayugaente............... 661 6. Pekingente........ 1162 77. Smaragdente.......... 1162 8. Haubenente!............ 163 Kaiſerente....... 163 9. Türkiſche, Biſam⸗ oder Moſchusente:.... 163 B. Hausgans...... 164 Grau⸗ oder Wildgans................. 1644 Acker⸗ oder Sgatgaus........... 164 1. Emdener Gans............. 165 2. Pommerſche Gans............. 165 3. Toulouſer Gäaänss....... 1466 4. Lockengans.................. 166 5. Japaniſche Höckergans....... 166 Zuſammenſetzung des Zuchtſtammes......... 167 Sievablegen und Brüten................ 168 Ernährung Kückenaufzucht Mäſtung Vierter Abſchnitt. Taubenzucht I. Gruppe. Feldtauben II. Gruppe. III. Gruppe. Perückentauben IV. Gruppe. Mövchen V. Gruppe. Pfautaube VI. Gruppe. Hühnertaube VII. Gruppe. Kropftaube VIII. Gruppe. Montaubantaube. IX. Gruppe. X. Gruppe. Eierlegen und Brüten Ernährung Mäſtung Auswahl Fünſter Abſchnitt. Sechſter Abſchnitt. Geſtugel⸗Bſtege und Zuchtung⸗ iegeln fur jeden. Nachtaufenthaltsraum Tümmler oder Flugtauben Spaniſche Taube Orientaliſche Tauben a) Bagdetten b) Europäiſche und orientaliſche Brieſtauben c) Cypriſche u Oder volniſche, tirtiſhe Indianertaube Wohnräume Paarung Monat des Jahres Körper- und Geſiederteile des Hausgeflügels Sachregiſter Seite 162, 11. 178, 195, 7 9. 9. zu Zuchtzwecken Geſundheitspflege, Krankheiten Berichtigungen: Zeile von oben lies Bahia ſtatt Bafia. 7 7 Geländes ſtatt Gebäudes. Diphtheritis ſtatt Diphtſſeritis. Einleitung. Unter Geflügelzucht iſt die Züchtung des Hausgeflügels zu ver⸗ ſtehen. Zu dieſem werden im engeren Sinne gerechnet: das Haushuhn, das Trut⸗ und das Perlhuhn, die Hausente und die Hausgans. Manche reihen auch die Haustaube dem Hausgeflügel ein; auch könnte der Pfau noch dazu gezählt werden. Das Halten und Züchten des eigentlichen Hausgeflügels kann bei zweckmäßiger Auswahl der Raſſen und der einzelnen Zuchtvögel und bei ſachgemäßer Behandlung und Pflege der letzteren hohen Nutzen abwerfen, wogegen Verſtöße gegen dieſe Anforderungen leicht bewirken, daß die Unterbringungs⸗, Warte⸗ und Ernährungskoſten mehr betragen als der Wert der Züchtungserzeugniſſe, d. h. der Eier, welche dieſe Vögel ablegen und beſonders die Haushühner reichlich ſpenden, des erzüchteten Junggeflügels, der Federn, welche das Hausgeflügel, zum Teil von großer Güte, herzugeben vermag, und des ſehr brauchbaren Düngers, welchen dieſe kleinen Haustiere in nicht unerheblicher Menge liefern, oder daß wenigſtens dieſer Vögel Produktivität, wenn dieſelben, wie es nur zu häufig geſchieht, ohne Aufſicht ſich ſelbſt überlaſſen oder mangelhaft gepflegt und ernährt werden, weit hinter dem Maße zurück⸗ bleibt, welches bei richtiger Behandlung erlangt werden könnte. Es iſt das dieſelbe Erſcheinung wie bei der Haltung und Züchtung unſerer anderen Haustiere: Ohne ſachgemäße, dem jedesmaligen beſonderen Züchtungszwecke entſprechende Auswahl der Zuchttiere, ohne richtige Unterſtellung, Fütterung und Pflege, ohne rationelle Paarung und ſorgfältige Aufzucht der Jungtiere keine gewinnbringenden Erfolge. Weil bisher bei der Geflügelzucht in der Regel mit ſeltenen Ausnahmen grobe Verſtöße gegen dieſe Grundregeln gemacht wurden, konnten erfreu⸗ liche Erfolge ſich nicht ergeben, konnte die Geflügelzucht ſich nicht die Stelle erwerben, welche ihr in der Tierzucht gebührt. Nur die Gänſe⸗ zucht wurde bisher und wird auch noch in einigen Gegenden Deutſch⸗ lands ſchwunghaft betrieben, diejenige der Hühnervögel aber und der Enten blieb bis heute, ſoweit Eier⸗ und Fleiſcherzeugung in Betracht kommt, einige mißglückte Verſuche zum Hühnerzuchtsgroßbetriebe ausge⸗ nommen, ſehr vernachläſſigt, obſchon eine große Anzahl von Geflügel⸗ zuchtvereinen ſich ſeit 50 Jahren mit der Geflügel⸗, beſonders Hühner⸗ zucht und deren Förderung beſchäftigen. Dieſelben haben aber nur die Erzüchtung von Vögeln der verſchiedenen Raſſen hauptſächlich zu Sport⸗ Pribyl, Geflügelzucht. 4. Auflage. 1 Einleitung. zwecken kultiviert, die Eiererzeugung dagegen wenig beachtet und die höchſt wichtige Fleiſcherzeugung gänzlich von ihrem Zuchtbetriebe aus⸗ geſchloſſen. Solche einſeitige Richtung kann bei keiner Tierart die etwa vorhandenen nützlichen Eigenſchaften voll entwickeln und iſt nicht im— ſtande, dieſe in ausreichendem Maße auszubeuten. In neueſter Zeit tritt allerdings auch bei dieſen Vereinen immer mehr die Neigung hervor, auch der Entwickelung der nützlichen Eigenſchaften des Geflügels Rechnung zu tragen. Viel Erfolg iſt, bei der eben gekennzeichneten Richtung, freilich ſchwerlich zu erwarten. Sie könnten indeſſen der Förderung der Geflügelzucht auch bei Beibehaltung ihrer bisherigen Gepflogenheiten gute Dienſte erweiſen, wenn ſie diejenigen Geflügel⸗ raſſen, welche ſich zur Eier⸗ und Fleiſcherzeugung beſonders eignen, bei ihren Ausſtellungen in gut entwickelten Exemplaren den Landleuten vorführen wollten. Die berufenſten Förderer der Geflügelzucht ſind die landwirtſchaftlichen Vereinigungen und die Lehrer an den landwirtſchaftlichen Lehranſtalten. Leider haben erſtere bisher wenig Verſtändnis für volle Ausbeutung der Geflügél⸗, insbeſondere der Hühnerzucht(neben Eier⸗ auch Fleiſcherzeugung) und deshalb wenig Neigung zur Förderung derſelben gezeigt. Zur fachmänniſchen Aus⸗ bildung der landwirtſchaftlichen Lehrer im Betriebe der Geflügelzucht zum Zwecke der Eier⸗ und Fleiſcherzeugung iſt die Errichtung einer Geflügelzuchtsſchule erwünſcht, in welcher neben dem Geflügelzuchts⸗ betriebe im allgemeinen beſonders die bei uns ſo gut wie unbekannte Erzeugung von Schlachthühnern und deren Mäſtung praktiſch gelehrtwird.— Die hohe Bedeutung des wirtſchaftlichen Geflügel⸗, insbeſondere Hühnerzuchtsbetriebs kann am beſten erkannt werden aus dem Ver⸗ brauche von Geflügelzuchtsprodukten in großen Städten und aus der Einfuhr derſelben ins deutſche Zollgebiet, die uns zugleich zeigt, wie ſehr unzureichend unſere Produktion iſt. In Berlin wurden 1880 durch die Eiſenbahnen eingeführt 10090 740 kg Eier, ausgeführt 671117 kg, ſo daß hier verblieben 9419623 kg= 188,4 Mill. Stück; 1895 betrug dagegen der Unter⸗ ſchied der mittelſt der Eiſenbahnen eingeführten und der wieder aus⸗ geführten Eier 24085 804 kg oder annähernd 481,7 Mill. Stück. An Geflügel konſumierte Berlin 1880 von mittelſt der Eiſen⸗ bahnen angelangten Vögeln: 484 405 Gänſe(die Zufuhr geſchah mittelſt der Niederſchleſiſchen Eiſenbahn in der Höhe von 402 116, der Oſtbahn 162827, der Stettiner Bahn 100 831; wieder ausgeführt wurden 186730 Stück), 2400 Puten(Truthühner) und 1448 102 kg anderes Geflügel. Im Jahre 1895 betrug die Geſamteinfuhr von Geflügel durch Eiſenbahntransport nach Berlin 4081 789 Stück, die Wiederausfuhr 1001 950 Stück, ſo daß hier verbraucht wurden 3079839 Stück. Vorſtehende Zahlen zeigen eine ſehr hohe Verbrauchszunahme in den letzten 15 Jahren vor 1895. Dazu kommen noch die vielen Stück Eier und Geflügel, welche von Landleuten aus der näheren Um⸗ gebung der Stadt auf den Markt gebracht werden. ——,— Einleitung. 3 Ähnliche Verhältniſſe weiſen andere große Städte auf: In den Ver⸗ kaufshallen von Paris kamen 1881 nicht weniger als 15 220 262 Stück Geflügel, einſchließlich Tauben, zum Verkauf. Über die Verzehrslinien Wiens wurden von 1886 bis 1890 durchſchnittlich jährlich eingeführt 1 947000 Hühner und Tauben und 596 000 Stück anderen Geflügels.— Die Ein⸗ und Ausfuhr von Geflügelzuchtsprodukten ins deutſche Zollgebiet veranſchaulicht die folgende Tabelle, welche teils nach dem „Statiſtiſchen Jahrbuche für das Deutſche Reich“, teils nach Angaben des„Preußiſchen Statiſtiſchen Bureaus“ zuſammengeſtellt iſt. Die Zahlen in derſelben bedeuten Tonnen zu 1000 kg: Federvieh Eier und Bettfedern Jahr lebendes totes Eigelb rohe gereinigte Ein⸗ Aus⸗ Ein⸗ Aus⸗ Ein⸗ Aus⸗ Ein⸗ Aus⸗ Ein⸗ Aus⸗ fuhr fuhr fuhr fuhrſ fuhr fuhr ſfuhr fuhr V fuhr fuhr 1885] 7 842 V 324—— 23 656 2097 3878 439 689 809 1890 18 521 300 54 072 823 6160 761 1139 900 2682 132 2858 134 3365 180 1894 23 415 287 1895] 25 449 273 1896 24 503 279 79 609 720 83 585 742 89 030 745 5886 833 894 1019 7238 985 1024 1258 7627 1178 1044 1436 Aus dieſer Tabelle ergiebt ſich eine ſtetige Steigerung der Einfuhr, eine ſtetige Abnahme der Ausfuhr bei Federvieh und Eiern. Nur beim Handel mit Bettfedern ſind ſowohl die Ein- als die Ausfuhr geſtiegen; die Einfuhr aber überwiegt in ſehr bedeutendem Maße, ſelbſt bei den rohen Bettfedern, die Ausfuhr. Dieſe Verhältniſſe zeigen nicht nur Zunahme des Verbrauchs, ſondern auch, in wie hohem Grade un⸗ zureichend die Produktion unſeres landwirtſchaftlichen Geflügelzucht⸗ betriebs iſt. Die Eiereinfuhr betrug 1896 nach Abzug der Ausfuhr immer noch 88 285 Tonnen oder 88 285 000 kg; das bedeutet, das Kilogramm Eier zu 20 Stück veranſchlagt, 1 765,7 Mill. Stück. Es ſoll nicht behauptet werden, daß wir dieſen Bedarf durch Aufbeſſerung unſerer Hühnerzucht binnen kurzer Zeit ſelbſt zu erzeugen imſtande ſein könnten. Aber möglich wäre es dennoch in abſehbarer Zeit, wenn jede Hühner beſitzende Guts⸗ und bäuerliche Wirtſchaft und Haushaltung nur eine kleine Anzahl guter Hühner mehr halten wollte, als ſie jetzt beſitzt, und wenn ſie beſtrebt wäre, den Beſtand ihrer bisherigen Hühner allmählich durch ſolche zu erſetzen, welche durch Eierproduktion hervor⸗ ragen, und dieſelben beſſer zu pflegen und zu überwachen, als es jetzt im großen Ganzen zu geſchehen pflegt. Es könnte allein ſchon durch Berückſichtigung der beiden letzten Bedingungen eine Mehrproduktion von Millionen Eiern erlangt werden. 1* 4 Einleitung. Unter dem eingeführten lebenden Federvieh befinden ſich auch exotiſche Vögel. Daß deren Anzahl im Verhältnis zur Geſamteinfuhr ſehr bedeutend ſein könnte, iſt nicht anzunehmen. Auch bei der Er⸗ zeugung von Junggeflügel können wir nicht ſo billig produzieren, daß wir hoffen könnten, jemals dieſe Einfuhr vollſtändig hemmen zu können. Aber eine nicht geringe Abſchwächung der hohen Einfuhrziffer iſt immerhin möglich, wenn unſere Geflügelbeſitzer mehr, als es bisher der Fall war, ſich die Erbrütung und Erzüchtung von zu Schlachtzwecken geeignetem Junggeflügel angelegen ſein laſſen. Das eingeführte ge⸗ tötete Federvieh aber beſteht ausnahmslos aus Tafelgeflügel, beſonders gemäſteten Hühnern, die hoch im Preiſe ſtehen, und in betreff welcher eine Konkurrenz, wenn ſie unſererſeits verſucht würde, von großem Erfolg ſein müßte. Sehr lehrreich iſt auch die Kenntnis deſſen, aus welchen Ländern die vorſtehend als aus dem Auslande eingeführt bezeichneten Geflügel⸗ zuchtsprodukte herſtammen: Lebendes Geflügel Getötetes Geflügel Eier Länder der ſ1894 1895 1896 1894 1895 1896 1894 1895 1896 Herkunft Tonnen zu 1000 kgTonnen zu 1000 kgTonnen zu 1000 kg Belgien(—— 257 248 300⁄5 85—— Bulgarien—————— 56—— Dänemark————— 46—— Frankreich 163—— 3690 429 487 ß150—— Großbritannien——— 5=—— Italien 2649 2998 2834] 119 135 158 4250 4725 5888 Niederlande 373— 532 10—— 1003 1084 1299 Oſterreich⸗Ungarn 6210 5588 5739 1766 1621 1646/]43234 37754 38867 Rumänien—(—= 864 2 883 Rußland 14008 15927/151666 95 332 652/29435 39039 41008 Schweiz 97-—— 13—— 297=—— Serbien——— 45—— 50—— Türkei————— 19—— Die ſehr hohen Ausfuhrziffern bei Rußland, Oſterreich⸗Ungarn und Italien erklären ſich teils aus der Ausgedehntheit der weiten Land⸗ ſtriche der beiden erſten, teils aus günſtigeren klimatiſchen Verhältniſſen, als ſie in Deutſchland vorhanden ſind. Das paßt zum Teil auch auf Frankreich; hier ſind aber nicht etwa die ſüdlich gelegenen Gegenden die Geflügel und Eier produzierenden, ſondern vorzugsweiſe das nörd⸗ liche Dritteil, welches nicht durchweg durch beſonders günſtiges Klima ausgezeichnet iſt. Noch weniger in dieſer Beziehung begünſtigt ſind Belgien, die Niederlande und Dänemark, welche gleichfalls an der Ein⸗ 8—— Geſchichte der Geflügelzucht. 5 fuhr nach Deutſchland beteiligt ſind. Was dieſe Länder leiſten können, müßte doch wohl auch bei uns zu erreichen ſein. Die beſprochenen Verhältniſſe fordern mächtig zu intenſivem Ge⸗ flügelzuchtsbetrieb heraus. Es iſt aber weniger der Großbetrieb, welcher hierbei in Betracht kommt, obſchon auch er ſehr wohl ausführbar iſt, wie ſpäter gezeigt werden wird, und bei zweckmäßiger Leitung ſehr ein⸗ träglich werden kann, als die mit Eifer richtig ausgeführte Geflügel⸗ zucht ſeitens der Inhaber kleinerer ländlicher Beſitzungen. Zur An⸗ eiferung der letzteren und Hbeſien fühlbarer Vorteile bietet die Bildung von Geflügelzuchtgenoſſenſ chaften ein 85 wirkſames Mittel. Als nachahmenswertes Beiſpiel einer ſolchen ſei deen e in und um Schönecken in der Eifel empfohlen.„Um auch“, ſo lautet ein Bericht aus dieſem Orte,„die Geflügelzucht hierſelbſt veſüe aus⸗ zudehnen, iſt mit der Molkereigenoſſenſchaft eine Geflügelgenoſſenſchaft verbunden, deren Zweck ein dreifacher iſt: Geflügelzucht, Eierverſendung und Geflügelmaſt. In betreff der einzuführenden Hühnerraſſe entſchied man ſich für das italieniſche Huhn und Kreuzung mit Houdans, da erſteres neben ſeinen ſonſtigen Vorzügen gegenüber dem Landhuhn dieſes auch an Gewicht des Eies übertrifft. Bezogen wurde bis jetzt (Anfang März 1898) neben einer Anzahl Houdanhähne 300 zum Teil bereits legereife Hennen der italieniſchen Raſſe. Gegenwärtig werden wöchentlich an 1500 Eier verſendet. Der Verkauf erfolgt nach Gewicht, das Pfund zu 60 und 70 Pfennig.“ Wie im Übrigen der Betrieb eingerichtet werden muß, um möglichſt großen Nutzen abzuwerfen, wird in den folgenden Abſchnitten gezeigt werden.— Geſchichte der Geflügelzucht. I. Allgemeines. Eins der älteſten Haustiere iſt wohl das Haushuhn geweſen. Aber die Gans macht ihm in dieſer Beziehung den Rang ſtreitig: Die vergleichende Eprugeneunde weiſt nach, daß ſchon die Arier, die man als ein älteſtes Stammvolk betrachtet, die Gans beſeſſen haben; auch war dieſe den alten Ägyptern ſchon ſehr früh bekannt, denn in den hieroglyphiſchen Darſtellungen iſt nicht ſelten das Bild der Hausgans angewendet, während in der früheſten Periode ihrer Bildwerke das Haushuhn fehlt. Auch die Taube war ſchon ſehr früh ein vom Menſchen ſohegier und benutzter Vogel: Bekanntlich ließ Noah, wie die bibliſche ythe erzählt, nach der Sintflut eine Taube ausfliegen, welche ihm den Olzweig zurückbrachte. Neueſte Forſchungen haben ergeben, daß 6. Geſchichte der Geflügelzucht. man im Orient ſchon in den älteſten Zeiten den hohen Wert der Haustaube als Bratgeflügel kannte: Im Jahre 3200 v. Chr. wurden in Perſien bei einem Königlichen Gaſtmahle Taubenbraten verwendet. Vom Perlhuhn berichtet die altgrichiſche Sage, daß Latona die durch den Tod Meleagers, des Überwinders des kalydoniſchen Ebers, un⸗ tröſtlichen Schweſtern desſelben in Vögel verwandelt habe, welche un⸗ zählige Thränentropfen auf ihrem Gefieder tragen; es muß alſo auch ſchon ſehr früh aus ſeinem Heimatlande Afrika nach Griechenland ge⸗ kommen ſein. Dasſelbe gilt vom Pfau, da ſich auf ſehr alten griechiſchen Münzen das Bildnis der Göttin Juno mit dem ihr geheiligten Pfau befindet. Nur von der Ente finden ſich keine Angaben, welche ſchließen laſſen, daß auch ſie zu den älteſten Hausgeflügelarten gehört habe. Das jüngſte Mitglied unſeres Hausgeflügels iſt das Truthuhn, welches erſt nach der Entdeckung Amerikas aus dieſem Erdteile, ſeiner Heimat, nach Europa gebracht worden iſt.— II. Geſchichte der einzelnen Hausgeflügelarten. 1. Haushuhn. Wann und durch wen unſer Haushuhn nach Europa gelangt iſt, iſt unbekannt. Es läßt ſich nur aus ſeiner nahen Verwandtſchaft mit den heute noch in Hinterindien, auf Ceylon und den Sundainſeln wild lebenden eigentlichen Hühnern und ſeiner wahrſcheinlichen Abſtammung von einer oder mehreren Arten derſelben folgern, daß das Haushuhn vom ſüdlichen und mittleren Aſien aus nach Kleinaſien, und von da nach Europa verbreitet worden ſei. In Kleinaſien und Ägypten, und auch ſchon in Griechenland muß es zur Zeit Homers und ſeines Zeit⸗ genoſſen, des Dichters Heſiod, ſeit längerer Zeit gezüchtet worden ſein, denn letzterer erwähnt ſchon der verſchnittenen Hähne, der Kapaunen. Auch den Israeliten war das Verſchneiden der Hähne bekannt. Seit wann das in AÄgypten gebräuchliche künſtliche Ausbrüten von Hühner⸗ eiern, welches Herodot beſchrieben hat, ausgeübt worden iſt, iſt nicht zu unſerer Kenntnis gekommen. Dagegen ſteht feſt, daß die Hühner⸗ zucht auch auf den zwiſchen Kleinaſien und Griechenland gelegenen Inſeln ſehr früh blüte. Die Inſeln Delos und Cos, ſowie Jonien und Syrien, waren als hühnerzüchtende) Gebiete im Altertum berühmt, und man ſchrieb die Erfindung des Mäſtens der Hennen den Bewohnern der erſteren zu. Von hier und Griechenland fand die Kunſt der Hühner⸗ züchtung und Mäſtung ihren Weg auch zu den Römern. Es gab bei dieſen keine Villa, die nicht ihren ausgedehnten Geflügelpark beſeſſen hätte. Auch hat eine größere Anzahl geſchätzter griechiſcher und römiſcher Schriftſteller es nicht verſchmäht, Angaben über Züchtung, Pflege und Mäſtung der Hausvögel zu machen. Es ſeien hier nur ge— nannt: Ariſtoteles, der ältere Cato, Varro, der ältere Plinius, Columella. Daß die Völkerſchaften der weſtlich und nördlich von Italien und Griechenland gelegenen Länder Europas das Haushuhn erſt durch Geſchichte der Geflügelzucht. 7 die Berührung mit den Römern kennen gelernt haben, iſt unwahrſcheinlich. Nach der iberiſchen Halbinſel, nach Gallien und Britannien konnte es vorher ſchon auf dem Handelswege gelangt ſein, ebenſo nach der Schweiz, Süddeutſchland und den unteren Donauländern. Den Germanen war das Haushuhn ſchon im 5. Jahrhundert v. Chr. bekannt; es iſt wahr⸗ ſcheinlich, daß das noch früher der Fall war, denn ſie nannten das Sternbild der Plejaden neben anderen Benennungen die Glückshenne, und im Märchen, in welchem Sonne, Mond und Sterne Geſchenke ver⸗ leihen, geben letztere eine Nuß aus der die Henne mit ihren Kücken hervor⸗ geht. Es ſteht feſt, daß die Gallier zur Zeit der römiſchen Herrſchaft eine nicht unbedeutende Hühnerzucht betrieben; ſie ſchrieben ſogar ihren Druiden die Erfindung des Verſchneidens der Hähne zu. Und ſchon zu Cäſars Zeiten wurden von den Belgiern Hahnenkämpfe abgehalten, welche noch heute in Flandern ein ſehr beliebtes Vergnügen der Bevölkerung bilden. Cäſar fand auch in Britannien das Haushuhn bereits vor. Im Mittelalter war das Haushuhn in ganz Deutſchland allgemein verbreitet. Fürſten, Herren und Klöſtern mußten die Hörigen Zehnten von ihren Hühnern und Eiern einliefern, und in ungeheueren Mengen wurden bei feſtlichen Anläſſen Hühner verzehrt, ſo unter anderem bei der Hochzeit Wilhelms von Roſenberg mit Anna Maria von Baden, welche vom 26. Januar bis 1. Februar 1576 gefeiert wurde, 450 junge Hühner und 2656 gemäſtete Hühner und Kapaunen. Die Hühnermäſtung war alſo damals auch in Deutſchland im Gebrauch, i*ſt aber ſeitdem ſehr zurückgegangen, wogegen ſie in England, Frankreich und Belgien blüht. In Frankreich ſpielte das Brathuhn, das Poulet und die Poularde, eine Art geſchichtlicher Rolle von dem bekannten Wunſche Heinrichs IV. an, daß jeder Bauer an Sonn⸗ und Feſttagen ein Huhn auf dem Tiſche haben möge. Es wird erzählt, daß dem Könige Ludwig XIV. jeden Abend zum Gebrauche während der Nacht, ein gebratenes Huhn und eine Flaſche Wein bereit geſtellt worden ſeien, und daß er eines Abends dieſen Imbiß vor verſammeltem Hofe mit dem Dichter Molière geteilt habe; daß Ludwig XVI. großer Poularden⸗ liebhaber geweſen ſei; und daß Napoleon I. bei ſeinen Feldzügen ſtets ein Poulet in der Satteltaſche mitgeführt habe. Von welchen Raſſen die bezeichneten Poulets und Poularden für die höchſten Herrſchaften genommen zu werden pflegten, darüber ſchweigt die Geſchichte. Sie berichtet aber, daß bis zur Zeit Ludwigs XIV. die Raſſe von Le Mans die bevorzugte geweſen ſei, von da an die von La Floche dieſer ge⸗ waltige Konkurrenz gemacht habe; ſpäter habe dieſe Rivalität durch das Auftreten der Breſſe⸗Raſſe nicht geringe Einbuße erlitten. Was in neuerer Zeit an guten Poularden auf den deutſchen Markt kam, ſtammte lange Zeit ausſchließlich aus Frankreich, bis auch Belgien ſich der Hühnermäſtuug und Ausfuhr von Poularden bemächtigte. Hoffentlich findet dieſe Induſtrie bald auch in Deutſchland Nachahmung. Hier lag bis zur Einführung des auffallend großen, aus Aſien nach Europa gebrachten Cochinchinahuhns, die um 1852 ſtattfand, die 1 8 Geſchichte der Geflügelzucht. Züchtung des Haushuhns ſehr darnieder. Das kleine Landhuhn, eifrige Spenderin vieler vortrefflich ſchmeckender, aber recht kleiner Eier, und hervorragend ſowohl durch anmutige Geſtalt und Haltung und prächtige Färbung, als durch Zartheit und guten Geſchmack ſeines weißen, leider nur wenigen Fleiſches, war bis dahin faſt die einzige Hühnerraſſe der Guts⸗ und Bauernhöfe. Dem Cochinchinarieſen ging ein bedeutender Ruf der Vortrefflichkeit in jeder Beziehung vorauf. Geflügelliebhaber und Züchter erwarben ihn und auch Landleute öffneten ihm ihre Höfe, wo dieſes Huhn ſehr bald durch Kreuzung mit dem Landhuhne Blend⸗ linge erzeugte, die zwar größer waren und etwas größere Eier legten, als dieſes, aber wie die dicken ſchweren Knochen, ſo auch die unver⸗ wüſtliche große Brutluſt ererbt hatten, die den Cochinchinahennen kaum Zeit läßt, einige Eier zu legen. AÄhnlich wirkte auch das einige Jahre ſpäter eingeführte, dem Cochinchinahuhne im äußeren und in ſeinen Eigenſchaften naheſtehende Brahmaputrahuhn. Der Einfluß dieſer beiden fremden Hühnerraſſen auf Deutſchlands Hühnerzucht war unverkennbar, aber nur in einer Richtung andauernd. Die Liebhaberei an ſchönen Hühnern blühte aus ihm hervor und die Zucht von Geflügelraſſen aller Art ohne Rückſicht auf deren wirtſchaftlichen Wert. Der Hühnerzuchts⸗ betrieb zum Zwecke der Eier⸗ und Fleiſchproduktion, alſo vornehmlich die landwirtſchaftliche Hühnerzucht, blieb im großen Ganzen ſo, wie ſie vorher geweſen war. Auch die bald nach 1870 bewirkte Einführung des italieniſchen Huhns vermochte, trotz der vorzüglichen Eierproduktion desſelben, bei den durch die Einführung des Cochinchinahuhns entſtan⸗ denen Zuchtrichtung die Hühnerzüchtung nicht in genügendem Maße in andere Bahnen zu lenken. Immer mehr blühte die Sportgeflügel⸗ zucht auf und riß auch häufig die Landleute ſehr zu deren Nachteil in ihre Wege und Ziele; ſtetig wuchs der Bedarf an Eiern und Schlacht⸗ geflügel, ohne daß die inländiſche Produktion ihm gewachſen war, ſtetig ſtieg die Einfuhr derſelben, ſtetig fiel die ohnehin ſehr geringe Ausfuhr. So ſteht es auch heute noch. Die enorm hohe Einfuhrziffer iſt bereits in der Einleitung S. 3 angegeben.— 2. Perlhuhn. Unter„Allgemeines“ iſt bereits aus Anlaß der daſelbſt erzählten Sage erwähnt, daß das Perlhuhn ſchon ſehr früh nach Griechen⸗ land und wohl auch nach den kleinaſiatiſchen Küſtengebieten und den griechiſchen Inſeln Einführung gefunden haben müſſe. Nach dem Zeug⸗ niſſe des griechiſchen Schriftſtellees Athenäus ſollen die Bewohner von AÄtolien die erſten Griechen geweſen ſein, welche ſich mit der Perl⸗ hühnerzucht befaßten. Zur Zeit des Ariſtoteles, des Zeitgenoſſen und Lehrers Alexanders des Großen, war, wie er erzählt, das Perlhuhn in Griechenland häufig, ſo daß ärmere Leute dieſen Vogel den Göttern opferten, während Reiche Stiere und Hirſche als Opfertiere verwendeten. Auch den Römern war das Perlhuhn bekannt, aber man weiß nicht, —————————44———.———+— Geſchichte der Geflügelzucht.. 9 ob es von Griechenland aus oder auf anderem Wege nach Italien gebracht worden iſt. Varro und Plinius erwähnen desſelben. Es war jedoch in dieſem Lande ſelten und ſtand ſehr hoch im Preiſe. Nach anderen europäiſchen Ländern ſcheint im Altertum dieſer Vogel nicht gelangt zu ſein; es iſt allerdings unwahrſcheinlich, daß man ihn auf der iberiſchen Halbinſel nicht gekannt habe. Nördlich von den er⸗ wähnten Ländern ſcheint er keine Verbreitung gefunden zu haben, denn die Schriften des früheren Mittelalters erwähnen ſeiner nicht. Erſt im 15. Jahrhundert taucht er in Weſteuropa auf. Portugieſiſche Seefahrer brachten ihn von der Weſtküſte Afrikas nach Portugal. Wahrſcheinlich iſt er auf dieſelbe Weiſe auch nach den mehr nördlich gelegenen Ländern Europas gelangt. Heute iſt das Perlhuhn in den meiſten europäiſchen Ländern und auch in Nordamerika ein bekanntes, leider nur zu ſelten gezüchtetes Mitglied des Hausgeflügels geworden. Durch die Spanier und Portugieſen wurde es auch auf die weſtindiſchen Inſeln Jamaika und St. Domingo übergeführt, wo es verwilderte und ſich in dem ihm zuſagenden Klima ſehr bald bedeutend vermehrte. 3. Truthuhn. Das Haustruthuhn ſtammt unzweifelhaft von dem im ſüdlichen Nordamerika und in Mittelamerika in Waldungen lebenden Wildtrut⸗ huhn ab. Wahrſcheinlich iſt, daß die europäiſchen Eroberer des mexi⸗ kaniſchen Reichs dieſes Waldhuhn daſelbſt in gezähmtem Zuſtande vor⸗ gefunden haben und es nach Spanien brachten, um das Jahr 1520. Nach England ſoll es ſchon 1524 gekommen ſein. Das Jahr, in welchem es in Deutſchland zuerſt bekannt geworden iſt, ſteht nicht feſt, jedoch werden die Jahre 1530 oder 1533— 34 als Einführungszeit angenommen. Alteren franzöſiſchen Schriftſtellern zufolge lernte man in Frankreich dieſen Vogel um 1540 zuerſt kennen. Wahrſcheinlich geſchah dies noch früher, denn ſchon im Jahre 1546 muß es in der Umgebung von Rouen ziemlich häufig gezüchtet worden ſein, denn es geſchieht ſeiner als Tafelgeflügel bei Beſchreibung eines Gaſtmahls Erwähnung, welches Jean Baptiſte le Chandelier zu Rouen im Dezember 1546 gegeben hat. Auch der franzöſiſche Satyriker Rabelais erwähnt bereits in ſeinem im Jahre 1553 erſchienenen Buche Pantagruel der coqz, poulles et poulletz d' Inde. Im Jahre 1557 wurde zu Venedig ein gegen den überhandnehmenden Luxus gerichtetes Geſetz erlaſſen, welches auch die Verwendung des Truthuhns als Tafelgeflügel regelte, und des Papſtes Pius V.(1566—1572) Koch, Bartholomäus Scappi, giebt in ſeinem hinterlaſſenen Kochbuche auch Anweiſung zur Bereitung des Truthuhnbratens. Heute iſt das Truthuhn über den größten Teil von Europa ver⸗ breitet. Beſonders häufig findet es ſich in Spanien, wo Brehm in einzelnen Gehöften Herden von mehreren hundert Stück unter der Obhut beſonderer Hirten ſah. Auch in Serbien und der öſterreichiſchen 10 Geſchichte der Geflügelzucht. Militärgrenze ſieht man auf den die Ortsgemeinden umgebenden, oft Hunderte von Hektaren umfaſſenden Hutweiden große Truthühnerherden unter der Obhut von Truthühnerhirtinnen. In dieſen Ländern findet man auf dem Lande ſelten ein Haus, das nicht wenigſtens 70 bis 100 Stück Truthühner alljährlich erzüchtete. Auch in Frankreich werden nach A. Espanet Truthühner in kleineren oder größeren Herden viel⸗ fach gehalten und auf die Weide getrieben. Ebenſo iſt das Truthuhn in einigen Gegenden Englands Gegenſtand ausgedehnter Züchtung. In Deutſchland findet man dieſen nützlichen Hausvogel ſeltener; es iſt ſehr zu bedauern, daß er hier nicht zahlreicher gehalten und gezüchtet wird. 4. Pfau. Schon in den älteſten Zeiten beſtand die Vorliebe aſiatiſcher Herrſcher, ſeltene und beſonders ſchöne Vögel des Vergnügens wegen zu halten. Unter dieſe gehörte auch der Pfau, eine der prächtigſten Arten der geſamten Vogelwelt. Als Sinnbild des eitlen Stolzes iſt dieſer der Göttin Juno ge⸗ weihte Vogel der Gegenſtand einer größeren Anzahl von Tierfabeln des Altertums, was auf eine weite Verbreitung hinweiſt. Nach der Sage tötete Hermes den hundertäugigen Argos, deſſen Augen in den Schweif des Pfaues eingeſetzt wurden. Den Griechen wurde dieſer Prachtvogel im 5. Jahrhundert v. Chr. von der Inſel Samos aus bekannt; nach Athen mögen perſiſche Geſandte die erſten Pfauen ge⸗ bracht haben. Dieſe waren zu Alexanders des Großen Zeit noch ſo ſelten, daß man ſie für Geld ſehen ließ. Dieſer König war ein beſon⸗ derer Bewunderer dieſer farbenprächtigen Vögel und ſetzte ſchwere Strafen auf die Beſchädigung oder Tötung eines ſolchen. Von Griechen⸗ land aus kamen ſie zu den Römern. Hier ereilte ſie aber bald das Mißgeſchick, dem überhandnehmenden Luxus zum Opfer zu fallen. Der prächtige Ziervogel wurde zum Schlachtvogel herabgewürdigt. Man mäſtete und verzehrte ihn ſo gut wie das gemeine Haushuhn und prahlte mit Gerichten, welche aus Pfauenzungen beſtanden. Im Mittel⸗ alter war der Pfau in Deutſchland, England und Frankreich bekannt. Auch hier war der Pfaubraten ein ſehr geſchätztes Gericht bei großen Feſten. In China und Japan iſt der Pfau das Wappentier und ſeine Federn kaiſerlicher Schmuck. Bei den Indiern werden dieſe als ein Abzeichen adeliger Abſtammung getragen. Dagegen beſteht in der Normandie und in Burgund das Vorurteil, daß die prächtige Pfauen⸗ feder Unglück bringe, wenn ſie ins Haus gebracht werde. 5. Hausgans. Daß, wo und von wem die Hausgans ſchon in den älteſten Zeiten gekannt geweſen ſei, iſt bereits unter„Allgemeines“ berichtet worden. Es ſcheint aber, daß die von der wild lebenden Graugans abſtammende Hausgans nicht wie das Huhn aus den ſüdöſtlichen Ländern Geſchichte der Geflügelzucht. 11 der alten Welt nach den nördlicher und weſtlicher gelegenen verbreitet worden ſei, ſondern daß das umgekehrte Verhältnis ſtattgefunden habe. Von ihrem Vorkommen in den das Mittelmeer begrenzenden Ländern giebt uns zuerſt Homer Kenntnis, indem er ſowohl in der Ilias, wie in der Odyſſee der Gänſe erwähnt, beſonders in letzterer, in welcher er auf größere Gänſehaltung im Hauſe der Penelope, der Gemahlin des Odyſſeus, hinweiſt. Später iſt es der bekannte griechiſche Philoſoph Ariſtoteles geweſen, welcher von der Gans berichtet. Er und auch andere griechiſche Schriftſteller rühmen ſehr die vortrefflichen Eigen⸗ ſchaften derſelben als Tafelgeflügel, und griechiſche Dichter vergleichen ſchöne Mädchen, ſelbſtverſtändlich nicht in dem bei uns gebräuchlichen Sinne, mit weiß glänzenden Gänſen. Auch bei den Römern ſtand der Gansbraten in hohem Anſehen, und es mögen die feinfühligen römiſchen Patrioten, welche nach der bekannten Rettung des Kapitols durch die Gänſe auf den Genuß von Gänſebraten verzichteten, ob ſolcher Ent⸗ haltung einen ſchweren Stand gehabt haben. Mit der Zeit ſchlief freilich dieſe dankbare Gänſeverehrung ein, ſo daß die italieniſche Gänſe⸗ zucht nicht mehr imſtande war, allein den Bedarf für die Küche zu liefern, und es ſich lohnte, große Gänſeherden aus Gallien und Ger⸗ manien bis nach Rom zu treiben, wie Plinius berichtet. Außer ihm haben nicht wenige römiſche Schriftſteller über die Züchtung dieſer nütz— lichen Vögel geſchrieben: Cato bemerkt, daß man den Gänſen behufs ihrer Mäſtung Teignudeln einſtopfe, und ſelbſt Horaz ſpricht von der Gänſemaſt und vom Hervorbringen großer Ganslebern durch Ver⸗ fütterung von Feigen und Fett: Pinguibus et ficis pastum jecur anseris albi. Auch den Wert der Gänſefedern kannten die Römer; ſie bezogen ſie aus Germanien, um mit ihnen ihre Kiſſen zu ſtopfen, und Plinius klagt, daß man in Rom ſo weichlich geworden ſei, daß ſogar Männer ohne Federkiſſen nicht mehr ſchlafen könnten. Im Mittelalter erfreuten ſich die Gänſe ebenfalls der begehrlichen Aufmerkſamkeit des Menſchen. Auf den Gütern Karls des Großen mußten wenigſtens je 100 Hühner und 30 Gänſe gehalten werden, auf den kleineren Höfen je 50 Hühner und 12 Gänſe. Unter der Regierung der Hohenſtaufen(1138—1254) blühte in Deutſchland Ackerbau und Viehzucht, und Gänſe und Hühner waren allgemein verbreitet; ſie bildeten nebſt Eiern einen Teil der Abgaben (Zehnten). Dieſe pflegten im Spätherbſte, am Martinitag, erhoben zu werden. Gerad zu dieſer Zeit ſind die im Frühjahre zur Welt ge⸗ kommenen Gänſe ausgewachſen und ſchlachtreif. Da mag es an den Tiſchen in den Klöſtern und Edelhöfen recht behaglich hergegangen ſein, und ſchmunzelnd mögen die Mönche und Edelleute die dampfenden, gelbbraunen fetten Gänſebraten bewillkommnet und dem ſaftigen Biſſen manches Glas Zehntenweins nachgegoſſen haben. Aus dieſen Zeiten und von dieſem Brauche her ſtammt die heute noch erhaltene Sitte, 12 Geſchichte der Geflügelzucht. um Martini(11. November) die Martinsgans im Freundes⸗ und Familienkreiſe ſich wohlſchmecken zu laſſen. Auch in Frankreich und Belgien wurde die Gänſezucht ſchon zu der Römer Zeiten betrieben, und blüht auch heute noch im Nord⸗ und Südweſten jenes Landes. In England iſt die Gänſehaltung ſehr unbedeutend, dagegen ragt Rußland in dieſer Beziehung bedeutend hervor. In Deutſchland werden in Bayern viele Gänſe gezüchtet und in Preußen nach der am 1. Dezember 1897 ſtattgefundenen Geflügel⸗ zählung die meiſten in Schleſien und Brandenburg, ungefähr halb ſo viele in Poſen und Sachſen(Provinz) und unerwarteterweiſe in Pommern nur ½¼ der Schleſiſchen oder Brandenburgiſchen Anzahl. Der Geſamt⸗Gänſebeſtand Preußens betrug 3 786144 Stück. 6. Hausente. Der Ente Geſchichte iſt nicht lang. Man weiß nicht, welches Volk zuerſt Wildenten gezähmt oder gezähmte gezüchtet hat. Wahr⸗ ſcheinlich iſt es, daß dies früher in nördlicheren, als in ſüdlicher ge⸗ legenen Landſtrichen geſchah. Zu Ariſtoteles Zeit hatten die Griechen zahme Enten noch nicht(um 350 v. Chr.), und es iſt fraglich, ob die Römer ſie ſchon um das Jahr 100 v. Chr. gezüchtet haben. Im Mittelalter war die Hausente kein in Europa ſehr verbreiteter Vogel. Heute jedoch werden Hausenten faſt überall in Europa, Aſien und Nordamerika gehalten, aber nirgends, mit Ausnahme der Normandie, in größerem Maßſtabe, obgleich die leichte Ernährung und Züchtung, und der große Wert ihres Fleiſches und auch der Eier und Federn ſehr hierzu herausfordern. Nur die Chineſen haben ſchon ſeit den älteſten Zeiten Entenzucht betrieben und thun das heute noch in aus⸗ gedehntem Maße. 7. Haustaube. Seit den älteſten Zeiten iſt die Taube ein beliebter Hausvogel geweſen(ſiehe Allgemeines). Später finden wir ſie in Griechenland und bei den Römern, bei denen die Taubenzucht ſehr beliebt war. Varro erwähnt und beſchreibt Columbarien(Taubentürme), in denen bis zu 5000 Tauben gehalten wurden. Columella beſchreibt das Ver⸗ fahren des Taubenmäſtens. Gebratene gemäſtete Tauben bildeten in der Regel Beſtandteile der prunkvollen Feſtmahle, und Juvenal be⸗ richtet von Verdauungsſtörungen, welche nicht ſelten durch zu reichlichen Genuß von Taubenbraten hervorgerufen worden ſeien. Aber auch die Taubenliebhaberei wurde von den Römern gepflegt, und die Benutzung dieſer Vögel als Sendboten, die beſonders im Oriente häufig vorkam, war bei ihnen zu Columellas Zeiten gebräuchlich. Bei der Belagerung von Mutina(Modeng), 44 v. Chr., verſuchten die Belagerten mit der weiteren Umgebung durch Brieftauben die Ver⸗ bindung aufrecht zu erhalten. Ebenſo war die Taube in Kleinaſien Geſchichte der Geflügelzucht. 13 ein gern gehegter Vogel, und Joſephus berichtet, daß derſelbe in Jeruſalem in Taubentürmen gehalten wurde; im Talmud werden bereits 10 Taubenarten aufgeführt. Zur Zeit Mohameds(um 600 n. Chr.) gab es in Arabien eine große Menge von Haustauben. Die Anhänger des Propheten verehren die Tauben, da ſie nach Mohameds Ausſpruch die Boten des Himmels geweſen wären, die ihm den Willen Gottes geoffenbart hätten. Auch den griechiſch-katholiſchen Völkerſchaften, be⸗ ſonders den Ruſſen, iſt die Taube, infolge ihres Erſcheinens am Himmel bei der Taufe Chriſti durch Johannes ein heiliger Vogel, welcher in Maſſen gehegt und gepflegt wird und nicht getötet werden darf. Sichere Nachrichten über regelmäßige Taubenpoſten, die auch die Römer gehabt haben ſollen, ſtammen erſt aus der Zeit nach 1000 n. Chr. Sultan Nureddin Mahmud(1174) und Kalif Achmed Alkaſer von Bagdad(1225) führten die Brieftaubenpoſt in großartigem Maßſtabe durch, bis zur Zeit der Eroberung dieſer Stadt durch die Mongolen (1285). Auch in Ägypten beſtand eine ſolche Einrichtung. In anderen Ländern iſt dieſelbe nicht nachgeahmt worden. Im Mittelalter machte man vom Dienſte der Tauben zur Nachrichtenvermittelung nur wenig und ziemlich erfolgloſen Gebrauch. In neueſter Zeit haben die guten Dienſte, welche die Brieftauben den bei der Belagerung von Paris 1870—71 Eingeſchloſſenen leiſteten, die Aufmerkſamkeit wieder auf die Nützlichkeit der Brieftaubenverwendung gelenkt, wodurch die Brieſtaubenzucht neu auf⸗ blühte und in den meiſten europäiſchen Ländern ſich ausbreitete.(Siehe Brieftauben.) Seit wann in Deutſchland die Taube als Hausvogel bekannt war und gehalten wurde, iſt unbekannt. Ein Blühen der Taubenzucht war im Mittelalter bei den vielfachen Beſchränkungen des Tauben⸗ haltens durch die Behörden nicht möglich. Im Bereiche einzelner Ge⸗ biete war ſogar das Taubenhalten bei Strafe unterſagt des Schadens wegen, welchen dieſe Vögel auf den Feldern anrichten können. Sind doch heute noch die Anſichten darüber ſehr geteilt, ob der Nutzen, den die Tauben durch Verzehren von Unkräuterſamen, ſpenden, den Schaden überwiegt, den ſie durch Aufpicken von Fruchtkörnern anrichten. Die Züchtung ſcheint ſich auf das Halten von Feldflüchtern beſchränkt zu haben. Der bekannte Naturforſcher Gesner(1555) kennt nur zwei Arten:„Zahme Schlagtauben“ und ruſſiſche Tauben, wogegen der Italiener Aldrovandi(1600) eine ziemlich große Anzahl von Tauben⸗ raſſen aufführt, wobei er auch auf die in Belgien und Holland blühende Taubenzucht hinweiſt. Erſt in neueſter Zeit, beſonders ſeit der Be⸗ endigung des deutſch⸗franzöſiſchen Krieges(1870— 71) hat im Verein mit dem Aufblühen des Brieftaubenſports die Züchtung der ver⸗ ſchiedenen Tauben aus Liebhaberei Aufſchwung genommen und leiſtet nicht Unerhebliches. X Erſter Abſchnitt. Erſter Abſchnitt. Allgemeines vom Ei und dem Brüten. Bevor der Züchter den Betrieb beginnt, dürfte es für ihn von Nutzen ſein, eine allgemeine Kenntnis von der Bildung und der Beſchaffenheit des Eies zu erlangen, desjenigen Geflügelzuchter⸗ zeugniſſes, das bei einigen Geflügelarten(Haushühnern, Perlhühnern und Enten) hohen Gebrauchs⸗ und Marktwert hat, und in dem bei allem Geflügel, wie überhaupt bei jedem Vogel, durch Bebrütetwerden ein junges Lebeweſen ſich bildet und entwickelt, welches nach vollendeter Brützeit das Ei als ausgebildetes Vögelchen verläßt, ſowie vom Brüt⸗ vorgange, der allen Geflügelarten gemeinſam iſt. 1I. Das Ei. Das Geflügel pflanzt ſich, wie alle Vögel, durch hartſchalige Eier fort, welche die Weibchen ablegen und bebrüten, d. h. durch Sitzen auf denſelben erwärmen. Das Ei hat die Form eines Elipſoids;„eiförmig“ iſt ein überall gebräuchlicher Ausdruck für dieſe Geſtaltung mit einem breiteren und einem ſpitzeren Ende in den Endpunkten der Längenachſe. Die Färbung der Geflügeleier iſt verſchieden, je nach der Art und innerhalb dieſer der Raſſe: weiß, rötlich, gelb, bräunlich, grünlich und auch getüpfelt. Die Eier des Haushuhns ſind im Verhältniſſe zur Natur und Größe dieſes Vogels als groß zu bezeichnen; nur einige wenige Raſſen deſſelben, merkwürdiger Weiſe die größten, legen verhältnismäßig kleine Eier. Erſteres gilt auch von einigen Entenſchlägen. Mit Bezug hierauf haben die Beobachtungen von Dr. Baldamus ergeben, daß günſtiges Klima, vorteilhafte Bodenbeſchaffenheit, aufmerkſame Behandlung, be⸗ ſonders aber geeignete gute Ernährung von entſcheidendem Einfluſſe auf die Größe der Eier ſind; treffen dieſe günſtigen Bedingungen zu, ſo werden die Eier größer und ſchwerer, und infolge einer ſorgfältig durchgeführten Zucht und Paarung läßt ſich eine ſolche ſchätzenswerte Eigenſchaft vererben und konſtant erhalten. Jeder Vogel legt ſo ziemlich immer gleichgeſtaltete Eier, und der aufmerkſame Geflügelfreund wird aus eigener Erfahrung wiſſen, daß man bei einiger Übung die von dem Individuum gelegten Eier un⸗ ſchwer erkennen, und von anderen unterſcheiden kann. Ganz unbe⸗ deutende Merkmale, die ſtets wiederkehren, ſei es in Färbung, Struktur der Schale, ſei es in der Form, erleichtern dieſe Unterſcheidung, und berechtigen den auf langjährige Erfahrungen geſtützten Satz auszu⸗ ſprechen:„Jedes Individuum legt in der Regel gleiche, oder vielmehr ähnlich gefärbte, geformte und gezeichnete Eier.“(Baldamus.) ——,—————— Allgemeines vom Ei und dem Brüten. 15 Der von der feſten Eiſchale eingeſchloſſene Eiinhalt beſteht aus dem Eiweiß oder Eierklar(Albumin) und dem in dieſem ſchwebenden, bald heller, bald dunkler gelb gefärbten, kugelförmigen Eidotter. Dieſe beiden koagulieren, d. h. gerinnen zu ziemlich feſter Maſſe, wenn das Ei einige Zeit der Siedehitze ausgeſetzt wird, ſo daß man beim durch⸗ ſchnittenen, hart geſottenen Ei in der Eiſchale die Lage des Eiweißes und des Eidotters, und ihr Größenverhältnis zu einander unterſcheiden kann. Der Gehalt an Dotter beträgt durchſchnittlich 32— 35%, an Eiweiß 50— 55%, an Schale 10— 13%. Zwiſchen Eiweiß und Eiſchale befindet ſich, dieſer dicht anliegend, eine aus zwei dicht aneinander liegenden poröſen Blättern gebildete Umhüllung des Eiinhalts, die Schalenhaut; am ſtumpfen Eiende be⸗ ginnen dieſe beiden Blätter, ſobald das Ei gelegt und mit der atmos⸗ phäriſchen Luft in Berührung gekommen iſt, zur Bildung der ſoge⸗ nannten Luftkammer auseinanderzuweichen. Bei längerer Aufbewahrung des Eies vergrößert ſich dieſe und nimmt bei völliger Eintrocknung des Eiinhalts mehr als ⅞ des Rauminhalts ein. Auch der Dotter iſt von einer Haut, der Dotterhaut, umgeben, welche ſich nach den Eienden hin in Geſtalt je eines zuſammengedrehten Wulſtes, der Hagelſchnur, durch das Eiweiß fortſetzt. Auf der Dotteroberfläche findet ſich unter dem Namen Hahnentritt ein kleiner weißlicher Fleck, die Keimſchicht oder der Bildungsdotter, welcher das Keimbläschen einſchließt. Da die dieſem abgewendete Hälfte des Dotters ſpecifiſch ſchwerer iſt, als die andere, ſo kommt der Hahnentritt, wie auch das Ei gewendet wird, ſtets nach oben, der Brüterin zugekehrt, zu liegen. Aus dem Keimbläschen entwickeln ſich, wenn es befruchtet iſt und bebrütet wird, die erſten Anfänge des Lebens, des Embryo, welcher unter Aufſaugung des Nahrungsdotters und unter Zufuhr von Sauerſtoff aus der atmosphäriſchen Luft, welche die Poroſität der Schalenhaut und der Eiſchale zuläßt, wächſt, und ſich zum Vögelchen ausbildet. Jedes bebrütete Ei nimmt Sauerſtoff auf und giebt dafür Kohlenſäure ab, ganz ſo wie jedes erwachſene Tier. Das Material, aus dem die Eiſchale aufgebaut iſt, beſteht zum größten Teile aus kohlenſaurem Kalk(95— 98%) und etwas phosphor⸗ ſaurem Kalk und Mangneſia. Ihre Oberfläche iſt mehr oder weniger rauh oder auch glatt, grobkörnig oder feinkörnig. Fehlt es den Vögeln an der zur Bildung der Schale erforderlichen Kalkſubſtanz, ſo wird die Schale äußerſt dünn oder fehlt gänzlich, ſo daß ein weichhäutiges Ei abgelegt wird: Flößei. Eier mit ſchwacher Eiſchale oder ohne ſolche, ſind weder zum Verſenden, noch Aufbewahren, noch Bebrütetwerden tauglich; die Anſicht, daß„zur Brut dünnſchalige Eier vorzuziehen“ ſeien, iſt eine irrtümliche, da ſie zerbrechlich ſind und die Eiſchale durch das Bebrütetwerden viel von ihrer urſprünglichen Feſtigkeit verliert und mürb wird; nur hierdurch iſt es dem ausgebildeten Inngen möglich, durch ſeine Bewegungen die Schale zu ſprengen. 16 Erſter Abſchnitt. Die Frage der Entſtehung des Eies nimmt ein beſonderes In⸗ tereſſe in Anſpruch. Bei allen Vögeln findet ſich in Betreff derſelben die gleiche Organiſation und Entwickelung. Das weibliche Tier hat in ſeinem Inneren ein Organ, deſſen Weſen zwar längſt bekannt iſt, über deſſen Thätigkeit jedoch bis jetzt nur Vermutungen herrſchen. Dies iſt der Eierſtock. Er hat eine traubenförmige Geſtalt und beſteht z. B. bei dem Haushuhn aus gegen 600 kleinen Zellen, die durch ihre Entwickelung eine ebenſo große Anzahl von Eiern liefern können, ſomit, da ſie ſich weder vermehren noch erneuern, zugleich auch die höchſte Zahl von Eiern repräſentieren, die ein Huhn zeit ſeines Lebens legen kann. Dieſe kleinen Zellen, Eierchen genannt, werden nun teils von ſelbſt, teils infolge eines äußeren Reizes, der Begattung, ſo bald ſie reif ſind, von dem Eierſtocke losgelöſt, gewöhnlich zu zwei oder drei auf einmal, daher die Legeperioden und Pauſen der Hühner; ſie ver⸗ größern ſich nach und nach in je einer Kapſel, welche mit dem Eier— ſtocke zuſammenhängt, zu reifen Dotterkugeln. Jede derſelben ſenkt ſich, je nach ihrer Reife und Größe, in die ſich erweiternde Offnung des Ei⸗ leiters, den Trichter, wo die Dotterkapſel durch Kontraktion den Dotter ausſtößt. Der Eileiter iſt darmförmig gebaut und beſteht: 1. aus dem eigentlichen Eileiter, 2. aus dem Uterus oder der Gebärmutter, 3. aus der Scheide und 4. aus der Kloake, dem unteren Teile des Darm⸗ kanals. Auf dem Wege zum Ausgange wird der Dotter mit den ver⸗ ſchiedenen Eiweißſchichten umgeben, bis endlich im Uterus die Bildung der Schale beginnt. Schichte um Schichte umhüllt nun der angeſam⸗ melte Kalk das Ei, und hier empfängt es zugleich ſeine bei manchen Raſſen eigentümliche Färbung. Das in ſolcher Weiſe fertige, legereife Ei tritt endlich mit dem unteren, breiteren Ende durch die Kloake aus dem Körper und damit iſt der geſamte Prozeß beendet. Dieſer regelmäßige Vorgang leidet zuweilen Ausnahmen. Eine der intereſſanteſten iſt wohl die, allerdings nur in wenigen Fällen beobachtete Bauchhöhlenſchwangerſchaft, bei welcher das Ei durch äußere Einflüſſe verhindert, aus dem Uterus herauszutreten, im Mutter⸗ leibe ſelbſt in das Stadium der Bebrütung übergeht, wobei ſich ein halb⸗ wegs entwickeltes Tierchen bildet, das freilich niemals lebensfähig wird. Eine öfter vorkommende Abnormität ſind die ſogenannten Wind⸗ oder Spureier, denen der Dotter fehlt, die alſo nur aus Eiweiß be⸗ ſtehen; dieſelben ſind auch viel kleiner als die normal gelegten. Am häufigſten ſchuld an ſolchen Mißbildungen ſind Störungen im Orga⸗ nismus, Überreiz durch die Begattung, und ähnliche Vorfälle, Die Entſtehung der Eier mit zwei Dottern erklärt ſich dadurch, daß zu gleicher Zeit zwei Dotterkugeln in den Eileiter gelangen, die dann mit einer gemeinſamen Hülle von Albumin und Kalk umſchloſſen werden. Dieſelben ſind zur Ausbrütung gänzlich untauglich. Sie ſind in der Regel an ihrer abnormen Größe zu erkennen. Das Ei als Nahrungsmittel. 17 Im Eiweiß, meiſt am Dotter, bemerkt man zuweilen Blutkügelchen, die wahrſcheinlich von zerriſſenen Blutgefäßen der Dotterkapſel her⸗ rühren. Manchmal findet man auch Kalkteilchen im Ei und ſelbſt andere Gegenſtände, die zufällig in den Eileiter gelangt ſind. Die verſchiedenen Abweichungen in der äußeren Form der Eier haben immer nur äußere Einflüſſe, wie Druck auf das weichſchalige Ei, Preſſung beim Legen eꝛc. zur ÜUrſache. Dergleichen Eier ſind im Innern meiſtens ganz normal geſtaltet, ſogar brutfähig, obwohl geraten ſein dürfte, ſie nicht zur Brut zu verwenden. Eine ſelten vorkommende Erſcheinung ſind Eier mit doppelter Schale. Durch bis jetzt noch nicht aufgeklärte Erſcheinungen oder Einflüſſe kann es vorkommen, daß ein normal ausgebrütetes Ei nochmals in den Eileiter zurückgedrängt wird. Der dadurch bewirkte Reiz hat alsbald eine reichliche Ausſcheidung von Albumin zur Folge, das ſich darauf mit einer Kallſchicht umgiebt und ſolchergeſtalt als doppelwandiges Ei zum Legen kommt. Das Gewicht der Eier ſchwankt nach den einzelnen Arten und Raſſen des Geflügels und überdies auch noch innerhalb derſelben bei den einzelnen Individuen. Die Eier der Gans ſind die größten, Taubeneier und jene der Zwerghühner die kleinſten der ver⸗ ſchiedenen Arten des Hausgeflügels. Bei den Hühnern gelten als klein die Eier, wenn 30— 35 auf 1 kg gehen; von mittleren wiegen 20 bis 24 und von den ſchwerſten 14—15 Stück 1 kg. Von Enteneiern gehen 16—18, von denjenigen der größeren Schläge 14 Stück, von Gänſeeiern 5—6 auf 1 kg. Der Unterſchied iſt demnach ſehr bedeu⸗ tend. Über Aufbewahrung, Konſervierung und Verſendung der Eier ſiehe ſpäter. Das Ei als Nahrungsmittel und ſeine Verwendung in der Technik. Es iſt wohl nicht erforderlich, die bekannte Thatſache, daß das Ei ein vortreffliches Nahrungsmittel iſt, näher zu begründen. Der Eiverbrauch zum Zwecke der Ernährung und infolgedeſſen in der Küche iſt ein ſo großer, daß unſere Hausfrauen und Köchinnen, und wir mit ihnen, in die größte Verlegenheit kommen würden, wenn eines Tages das Ei auf unſeren Märkten nicht mehr erſcheinen könnte. Und ſein Verbrauch nimmt infolge der ſehr bedeutenden Bevölkerungszunahme von Jahr zu Jahr zu, eine Thatſache, welche zu vermehrter Eier⸗ produktion auffordert. Freilich iſt es vorzugsweiſe nur das Hühnerei, das zu Ernährungszwecken in Betracht kommt, und in zweiter Linie das Entenei. Aber auch das Ei des Truthuhns hat einen recht an⸗ genehmen Geſchmack, und dasjenige Ei, welches in dieſer Beziehung alle anderen Geflügeleier übertrifft, iſt das des Perlhuhns, welches den Kiebitz⸗ und Möweneiern, die als Delikateſſe geſucht ſind, kaum nachſteht. Aber auch die Technik verwendet eine Unſumme von Eiern, und nur hierdurch iſt die gewaltige Ausdehnung des Eierhandels, von Pribyl, Geflügelzucht. 4. Auflage. 2 18 Erſter Abſchnitt. Allgemeines vom Ei und dem Brüten. welchem in der Einleitung die Rede war, zu erklären. Das Eiweiß findet bei der Kattundruckerei, der Photographie, der Luxuspapier⸗ erzeugung, in Goldleiſtenfabriken und in der Konditorei ausgedehnte Verwendung. Da hierdurch unſtreitig ein bedeutender Nahrungsverluſt ſtattfindet, ſo hat man ſchon längſt nach Erſatzmitteln geforſcht, aber bis jetzt ohne Erfolg. Auch das aus Tierblut künſtlich hergeſtellte Albumin entſpricht nicht vollſtändig den daran geknüpften Erwartungen. Auch der Eidotter wird techniſch verwendet, vorzugsweiſe zur Herſtellung des Glacéhandſchuhleders. 2. Allgemeines über das Brüten. Um aus dem ſcheinbar lebloſen Ei ein lebendes Weſen hervor⸗ zurufen, iſt die Wirkung einer beſtimmten Wärmemenge gewiſſe Zeit hindurch nötig. Der Vorgang, in welchem dies geſchieht, heißt das Brüten; nach der Wärmegquelle, die dabei Verwendung findet, unter⸗ ſcheidet man eine natürliche Ausbrütung, wobei die animaliſche Wärme der Vögel dieſen Prozeß hervorruft, und eine künſtliche, wobei durch thermiſche Mittel die Wärme des brütenden Vogels erſetzt wird. Der Erfolg und die innere Entwickelung im Ei ſind die gleichen, nur der Vorgang iſt ein verſchiedener. Die Wärme, welche erforderlich iſt, um im Ei ein Lebeweſen hervorzubriugen und dieſes bis zum ausgebildeten Vögelchen zu ent⸗ wickeln, beträgt 37— 40°C. Die Ausbildung des letzteren iſt aber nur dann von Erfolg, wenn dieſe Wärme dauernd ohne große Unterbrechung eine gewiſſe Zeit lang auf das Ei einwirkt. Dieſe Zeit, die Brutzeit, iſt je nach der Größe der Eier und der Wärme, welche die Brüterin zu entwickeln vermag, verſchieden lang, ſo daß für jede der Haus⸗ geflügelarten und für die Tauben eine beſtimmte andere Brutzeit ſich er⸗ giebt, deren Dauer zwiſchen 17 und 29— 32 Tagen liegt. A. Neſtbildung und Brüten auf natürlichem Wege. Zur Sammlung ſeiner Eier bildet ſich das Weibchen ein mulden⸗ förmiges rundes Neſt, welches es auch zum Bebrüten ſeiner Eier benutzt, indem es dieſelben mit ſeinem Leibe und ſeinen Federn bedeckt. Unſere ſämtlichen Hausgeflügelarten, die Tauben, wenn man auch ſie zum Hausgeflügel zählen will, ausgenommen, ſind Neſtflüchter, d. h. die Jungen ſchlüpfen mit Flaumkleid verſehen und ſehend aus den Eiern und vermögen bald nach ihrem Erſcheinen ſelbſt ihre Nahrung zu ſuchen und aufzupicken, wozu ſie das Neſt verlaſſen(aus demſelben flüchten). Soll das ohne Gefahr für ſie, da ſie nicht fliegen können, möglich ſein, ſo muß der Niſtort ſich auf ebener Erde befinden. So iſt es bei den eigentlichen Hühnern, zu denen unſer Haushuhn gehört, bei den Trut⸗ und Perl⸗Hühnern und bei den meiſten Enten⸗ und Gänſearten. Dagegen benutzen einige der letzteren, obgleich auch ihre —————„—= Neſtbildung und Brüten auf natürlichem Wege. 19 Jungen zu den Neſtflüchtern gehören, auch oder allein nur mehr oder weniger hoch über dem Erdboden liegende Niſtorte zum Ausbrüten ihrer Eier, ſo daß die Jungen vom Neſt aus nur herabſpringend oder fallend den Erdboden erreichen können. So verfahren unter anderen die Stockente, die Biſamente und die Roſtgans, wogegen die von der erſtgenannten abſtammende Hausente die Neigung zur Benutzung von über dem Erdboden liegenden Niſtorten gänzlich verloren zu haben ſcheint, während die domeſtizierte Biſam⸗(türkiſche) Ente auch jetzt noch mit Vorliebe höher gelegene Niſtorte aufſucht. Die dan Uen natürlichen Erdboden niſtenden Hühner⸗, Gänſe⸗ und Entenarten benutzen zur Neſtbildung verſteckt liegende geringe Bodenvertiefungen, welche ſie erweitern und ausrunden und nur mit wenigem trockenem Material, wie vertrocknetem Gras und ähnlichen Halmen, auskleiden. Erde iſt ein ſchlechter Wärmeleiter, ſie beſitzt alſo die Fähigkeit, wenn ſie durchwärmt iſt, die eingeſogene Wärme nur langſam wieder abzugeben, ſie iſt alſo in dieſer Beziehung ein vor⸗ zügliches Material für ein Brütneſt. Andererſeits nimmt die das Neſt umgebende Erde die Wärme der Neſtwandung nur langſam auf, was nur als vorteilhaft bezeichnet werden kann. Die Neſtbildung auf dem Erdboden ermöglicht zugleich denjenigen Kücken, welche etwas früher als andere den Eiern entſchlüpft ſind und ſich etwa von der Brüterin entfernen, ohne beſondere Hinderniſſe wieder in das Neſt zurückzukehren. Dasſelbe iſt der Fall, wenn die Brüterin, nachdem ſämtliche Junge zur Welt dernnnen mit ihnen das Neſt verlaſſen hat und abends wieder in dasſelbe Einkehr hält. Hiernach würde es angezeigt ſein, die Neſtbildung, wie ſie die genannten Geflügelarten im wilden Zuſtande vornehmen, auch bei unſerem Hausgeflügel zur Anwendung zu bringen; demſelben alſo in geſchloſſenen Räumen einen zur Neſtbildung geeigneten Erd⸗ boden zu bieten oder das Brütneſt in ſolchem Boden künſtlich her⸗ zuſtellen. Dem aber ſtellen ſich in der Natur einiger Geflügelarten liegende Hinderniſſe entgegen, indem nur die Haus⸗ und Truthühner Brütneſter annehmen, welche ſie nicht ſelbſt gewählt haben; Aüdenn iſt nur bei kleinen Betrieben die Bildung von Erdneſtern auch bei dieſen Hühnerarten zweckmäßig, wie in den bezüglichen Abſchnitten von der Züchtung näher begründet werden wird. Der weibliche Vogel beginnt das Bebrüten ſeiner Eier in der Regel dann, wenn das Neſt ſo viel Eier enthält, als nebeneinander in demſelben Platz finden. Sind mehr Eier vorhanden, ſo ereignet es ſich nicht ſelten, daß nicht ſo viele Kücken erbrütet werden, als Eier vorhanden ſind, wenn auch ſämtliche Eier befruchtet waren, weil die Brüterin nicht alle Eier ſtets genügend bedecken und erwärmen kann. Für den Züchter iſt daher die Kenntnis, wie viel Eier er einer Brüterin anvertrauen darf, von größter Wichtigkeit; die bezüglichen Zahlen werden in den Abſchnitten von der Züchtung der einzelnen Geflügel⸗ arten angegeben werden. 0* 2 20 Erſter Abſchnitt. Allgemeines vom Ei und dem Brüten. Im allgemeinen iſt für das Brütgeſchäft ein ruhiger, abgeſonderter Raum erforderlich, worin die Brüterin weder von dem übrigen Geflügel, noch durch Beſuche von Menſchen, Hunden, Katzen, Ratten ꝛc. beun⸗ ruhigt werden kann. Reinlichkeit iſt hier ebenſo Hauptbedingung, wie bei jeder andern Tierwohnung. Halbdunkel, gemäßigte Temperatur (14— 16° C.), die im Winter oder zeitigen Frühjahre womöglich konſtant erhalten werden ſoll, friſche Luft, durch gute Ventilation fort⸗ während erneuert, ſind Erforderniſſe, die erfüllt werden müſſen, um günſtige Erfolge zu erzielen. Reichliche Nahrung und friſches Waſſer, letzteres öfter im Tage gewechſelt, ſollen den Vogel während des Brütens bei Kraft und Geſundheit erhalten, um der oft gefährlichen Entkräftung und Abmagerung vorzubeugen, zumal da auch ſchwache Brüterinnen die ausgeſchlüpften Jungen nicht ſo gut führen und verteidigen können, als in der Vollkraft der Geſundheit befindliche.— Eine große Anzahl von Unterſuchungen der bebrüteten Eier er⸗ möglicht ein Verfolgen des Brutreſultates von Stunde zu Stunde. Am genaueſten haben dieſe Beobachtungen bei den Hühnereiern ſtatt⸗ gefunden, und da nur geringe Abweichungen bezüglich der Dauer der Bebrütung bei dem übrigen Geflügel vorkommen, ſo mag ein Verfolgen des Brütprozeſſes der Hühnereier das Bild für alle andern geben. Nach Verlauf der erſten 24 Stunden der Bebrütung zeigt ſich im Hühnerei eine kennbare Veränderung. Auf der Dotterkugel ent⸗ ſtehen dunkelgefärbte Streifen, rings um den Keim bilden ſich dunkle Punkte, die bald die Form eines kleinen Hofes annehmen. Dieſe Punkte färben ſich nach und nach rot, vermehren ſich im Verlaufe der Bebrütung und vereinigen ſich zu kleinen Äderchen. Die erſten Spuren des Blutumlaufes erſcheinen, raſch entſteht die eine Hälfte des Herzens, die ſich dem Auge als rötliches Pünktchen im Dotter darſtellt. Am 2. Tage geſtaltet ſich eine weiße, gallertartige Maſſe länglich geſtreckt, und zeichnet in Umriſſen den künftigen Embryo. An den folgenden Tagen treten am vierten die Augen ſichtbar hervor; es bilden ſich die Gehirnblaſen, die Flügelanſätze; die Füße laſſen ſich erkennen, ebenſo der Oberſchnabel. Die zarten, noch verſchwommenen Bildungen ſind im ganzen mit einer feinen Haut, dem Amnion, umgeben, in welcher das Küchlein bis zu ſeinem Ausſchlüpfen ſteckt. Deutlicher erkennbar wird die Wirbelſäule. Am 5. Tage kommt die Leber hinzu; es bildet ſich das Rückenmark in zwei Anſätzen, welche der Wirbelſäule entlang laufen und ſchließlich ſich völlig vereinigen. Am 7. Tage beträgt die Größe des Embryo faſt 15 mm. Die Chorionshaut(membrana lucida) umgiebt alsdann das Innere des Eies faſt zur Hälfte, am 14. Tage umſchließt ſie es vollſtändig, die Augenlider ſchließen ſich zur Augen⸗ höhle, und deutlich beginnt der Dotterſack zuſammenzuſchrumpfen. Mit dem 16. Tage iſt meiſt das Eiweiß verſchwunden, das Köpſchen rückt unter den rechten Flügel. Die ſeit dem 9. Tage ſich entwickelnden Muskeln bilden ſich aus, die Krallen bekommen am 14. Tage den horn⸗ artigen Üüberzug, den Zehen entwachſen Nägel. Mit dem 17. und ———— — —,— Neſtbildung und Brüten auf natürlichem Wege. 21 18. Tage iſt beinahe das ganze Ei durch den ausgebildeten Embryo angefüllt. Die Feder⸗, oder beſſer geſagt, die Daunenbekleidung wird immer deutlicher erkennbar, der Embryo macht die erſten Verſuche der Bewegung. Legt man in dieſer Periode der Bebrütung die Eier in lauwarmes Waſſer, ſo iſt an der zitternden Bewegung des ruhigen Waſſerſpiegels leicht das Leben und Bewegen des eingeſchloſſenen Embryo zu erkennen. Durch das Abdomen beginnt der Dotterſack in die Bauchhöhle zurückzutreten, und mit dem 19. oder 20. Tage erfolgt die Befreiung des gefangenen Küchleins. Wie am 5. Tage der Bebrütung das Innere des befruchteten Eies beſchaffen iſt, zeigt Fig. 1, wie am 7. Tage Fig. 2, wenn man das Ei mit der Hand, vom Daumen und Zeigefinger ſeinem größten Umfange nach umſchloſſen und, ſoweit dieſe es nicht völlig umfaßt haben, mit der andern Hand bedeckt, das ſpitze Ende nach unten ge⸗ kehrt, in dunklem Raum zwiſchen das Auge und ein hell leuchtendes Licht hält. Erſcheint bei dieſem Verfahren das Ei hell und ungetrübt, ſo iſt es nicht befruchtet. Nun können aber auch Eier, die ſich bei Fig. 1. Fig. 2. Fig. 3. Fig. 4. Fig. 1—4. Inneres eines befruchteten Eies. dieſer Beſichtigung als befruchtet erweiſen, zur weiteren Entwickelung des entſtandenen Embryo unbrauchbar ſein: das Innere ſolcher Eier hat am 5. bis 7. Tage der Bebrütung das Ausſehen wie Fig. 3 es zeigt. Bietet ſich dasſelbe dem Auge wie in Fig. 4 dargeſtellt, ſo enthält das Ei zwei Dotter; die aus ihnen entwickelten Embryo ſterben ſtets nach einiger Zeit ab. Die Befreiung des ausgebildeten Küchleins vollzieht ſich in folgender Weiſe: Die Natur verſieht es zu dieſem Zwecke mit einem hornartigen Fortſatz an der Schnabelſpitze, der nach zwei Tagen nach dem Ausſchlüpfen wieder abfällt. Trotz des geringen zu Gebote ſtehenden Raumes verſucht das Küchlein durch wiederholtes Picken die Kalkhülle zu durchbrechen. Dieſe iſt durch die lange Bebrütung mürb geworden und giebt endlich den An⸗ ſtrengungen nach. Es entſteht meiſt ein ſternförmiger Bruch oder Sprung, und die erſte freie Luft ſtrömt dem Tierchen zu, das nunmehr erſt zu atmen beginnt. Nach kurzer Zeit wird die Arbeit erneuert; der Sprung erweitert ſich, ſetzt ſich halbkreisförmig durch eine Drehung des Körpers fort; durch abwechſelndes Drehen und Picken wird, unterſtützt 1 22 Erſter Abſchnitt. Allgemeines vom Ei und dem Brüten. durch Anſtemmen des Körpers und der Füße, die Eiſchale in zwei ungleiche Hälften geſprengt und ein lebendes Weſen verläßt die Schale. Während der Befreiungsarbeit trat der Dotterſack gänzlich in den Leib ein, nur der Nabel hängt noch mit den feinen Aderchen, die in der Schale an den Eihäutchen bleiben, mit der Umhüllungshaut leicht zuſammen. Die letzten Anſtrengungen befreien das Tierchen auch von dieſem Anhängſel, und feucht ſchlüpft es nun aus der Schale. Der Befreiungsakt dauert 3—6 Stunden, manchmal ſogar bis zu 24 Stunden, und viele Küchlein gehen dabei zu Grund, beſonders dann, wenn durch Zufall gerad jene Stelle mit einem Gegenſtande bedeckt oder verklebt iſt, an welcher die erſten Verſuche des Durch⸗ brechens der Schale beginnen. Die Feuchtigkeit und Kühle zwingen das Küchlein, alsbald Schutz unter der Glucke zu ſuchen; es wendet ſich daher gegen den Hinterteil derſelben, um in dem warmen, weichen Federkleide Erholung und Wärme zu finden. Die Glucke unterſtützt beim Beginne des Ausſchlüpfens ihrer Jungen dieſelben dadurch, daß ſie ſich etwas auf den Beinen hebt; daher wird es im Neſte dabei etwas kühler. Darin beruht auch ihre ganze helfende Thätigkeit. Jede Unterſtützung, die dem ausſchlüpfenden Tierchen durch das Eingreifen des Züchters gebracht wird, iſt für das⸗ ſelbe mit Gefahr verbunden; eine zugreifende Hilfe durch Zerdrücken der Eiſchale verletzt leicht die feine, mit Aderchen durchzogene Haut, welche das Tier umgiebt, und die geringſte Zerreißung, worauf ein kleiner Blutstropfen ſichtbar wird, führt den Tod des Küchleins unver⸗ meidlich herbei. Darin fehlen häufig die Geflügelfreunde, die in beſter Abſicht die Brut ſchädigen. Je ungeſtörter der Brütprozeß ſeinen geſetzlichen Verlauf nimmt, je weniger der Menſch dabei eingreift, deſto beſſer geſtalten ſich die Erfolge. Nur ſtörende, hindernde Einflüſſe ſind zu entfernen und die Bedingungen des Gedeihens ſo ſicher als möglich herzuſtellen, dann bleiben günſtige Reſultate nicht aus. In den letzten Tagen prüfen manche eifrige Geflügelfreunde die Eier darauf, ob die Jungen darin leben. Als Kennzeichen gelten die ſchon erwähnten leiſen Bewegungen des lauen Waſſers, in welches die Eier gelegt werden. Wenn dieſe ausbleibt, ſo enthalten die Eier tote Küchlein; oft täuſcht man ſich aber darin, und viele Junge gehen durch die Probe verloren; denn das Tierchen iſt manchmal ſchwach, bewegt. ſich deshalb nicht oder blieb in der Entwickelung zurück und würde ſpäter doch ausgeſchlüpft ſein, wenn nicht infolge dieſer Probe das Ei aus dem Neſte genommen worden wäre. Die Brüterin ſchiebt die beim Ausſchlüpfen des Küchleins ent⸗ ſtandenen Eihälften ineinander, um ſo mehr Platz für die Jungen zu bekommen; ſeltener wirft ſie dieſelben aus dem Neſte, wie dies die anderen Vögel thun. Sie wartet nun meiſt geduldig, bis ihre ganze Schar ausgeſchlüpft iſt. Dauert aber dieſer Vorgang zu lang, ſo verläßt ſie endlich mit den Ausgeſchlüpften das Neſt und überläßt die Das künſtliche Ausbrüten. 23 übrigen Eier ihrem Geſchicke. Häufiger kommt dies bei Vögeln vor, die das erſte Mal gebrütet haben, als bei älteren, die hier ihre Er⸗ fahrungen zur Geltung bringen. B. Das künſtliche Ausbrüten. Schon im früheſten Altertume beſtanden Einrichtungen zum Aus⸗ brüten der Eier, künſtliche Brutanſtalten in großartigſtem Maßſtabe, die nach Berichten des Herodot, Ariſtoteles, Plinius ec. ausgezeichnete Erfolge erzielten. Beſonders berühmt waren die ägyptiſchen Brütöfen, zerſtreut im ganzen pharaoniſchen Lande, namentlich zahlreich aber in Berme, in denen auf rein empiriſchem Wege, ohne jeden durch wiſſen⸗ ſchaftliche Hilfsmittel gebotenen Beiſtand, alljährlich Hunderttauſende von Küchlein ausgebrütet wurden. Nur durch höchſt aufmerkſame Be⸗ obachtung der Natur, vorzüglich der Entwickelungsgeſchichte der Vögel, konnte das bewunderungswürdige Kulturvolk der Agypter dieſe glänzenden Reſultate erreichen. Urſprünglich verwendete man die Zer⸗ ſetzung des Düngers als Wärmequelle, erſt ſpäter trat das Feuer an deſſen Stelle. Merkwürdigerweiſe ſtimmen die Berichte neuerer Reiſenden völlig überein mit den erhaltenen dürftigen Beſchreibungen des Alter⸗ tums; Jahrtauſende hindurch wurde mit größtem Erfolge die Natur durch menſchliche Thätigkeit erſetzt und mit Sicherheit der heikle Brüt⸗ prozeß glücklich zu Ende geführt. Die beſte Beſchreibung giebt Hr. von Schubert, welcher 1837 das große Brüthaus in Ghizeh beſuchte. Nach ſeiner Schilderung beſtand dasſelbe aus 24 Kammern oder beſſer backofenförmigen Zellen, die in zwei Reihen einander gegen⸗ über, je zwei übereinander ſo gebaut ſind, daß die obere mit der unteren durch eine Offnung korreſpondiert. Jede Zelle hat eine Offnung auf den Gang hinaus, die ſo eng iſt, daß ein Menſch nur mit Mühe durch⸗ zuſchlüpfen vermag; die erſten 10—12 Tage hindurch bleibt die Offnung geſchloſſen, das Feuer wird außen durch Verbrennung von Kuh⸗ und dameldünger unterhalten. Die nötige Luft tritt in die oberen Kammern durch ein in der Decke angebrachtes Fenſter. Im Verlaufe der Brützeit wird der Verſchluß öfter geöffnet und dabei das Feuer reguliert. Täglich wird nur ein⸗ oder zweimal geheizt. Meiſt wird der Brütofen nur von Februar bis April in Gang erhalten. Nach ungefähr 20 Tagen ſchlüpfen die Jungen aus, und zwar im Verhältnis von 60— 70% der eingelegten Eier. In dieſer Weiſe werden in manchem Jahre 130000 Stuͤck Küchlein ausgebrütet. Die Jungen bleiben 48 Stunden ohne jede Pflege in der Anſtalt und werden dann an die Fellahweiber ab⸗ gegeben, die, aus weiter Ferne zuſtrömend, die fernere Aufzucht der Hühnchen übernehmen. Das geſamte künſtliche Brütgeſchäft wird in ÄAgypten als eine Art Zunftgeheimnis betrachtet. Eiferſüchtig wachen die mit der Ausbrütung Beſchäftigten über die Bewahrung ihrer Ge⸗ heimniſſe und verſchließen die Anſtalt gegen jeden Beſuch. Erblich gehen die Erfahrungen vom Bater auf den Sohn über, und Eide ge⸗ 1 24 Erſter Abſchnitt. Allgemeines vom Ei und dem Brüten. bieten ſtrenge Verſchwiegenheit, ſo daß über das eigentliche Verfahren wenig mehr als Vermutungen bekannt ſind. Staunenswert iſt die Sicherheit, mit welcher die durch fortwährende Übung geſchärften Sinne dieſer Leute aus dem bloßen Gefühle ein brutfähiges von einem ſchlechten Ei zu unterſcheiden verſtehen. Ohne Thermometer, bloß durch die Empfindung, die man beinahe Inſtinkt nennen könnte, regeln ſie die Wärmegrade und erreichen günſtige Erfolge. Die Hühner Agyptens zeigen durchſchnittlich faſt keine Neigung zum Brüten, deshalb mag wohl die Notwendigkeit die alten Agypter, beſonders die Prieſter, in deren Händen dieſer Erwerbszweig lag, gelehrt haben, der Natur zu Hilfe zu kommen. Sie hatten ein Vorbild an dem Strauße, der auch ſeine Eier in dem heißen Wüſtenſande der Sonne zur Ausbrütung überläßt und nur ab und zu des Nachts ſeine Gelege bebrütet; ebenſo am Krokodil, an der Schildkröte und anderen Amphibien. Die Römer brachten die Einrichtung der künſtlichen Brütöfen nach Italien, allein hier fand dieſelbe kein Gedeihen und verfiel bald in Vergeſſenheit. Im Mittelalter machte man wiederholt gelungene Verſuche in Florenz, Neapel, ſpäter unter Franz I. in Amboiſe und Montrichart in Frankreich, allein die genaue Kenntnis des Verfahrens war verloren gegangen, und ſo ſchwand die ganze Sache aus der Erinnerung. Erſt mit Ende des vorigen Jahrhunderts brachte der franzöſiſche Gelehrte Réöaumur die Frage wieder in Anregung und ſtellte mit Erfolg gekrönte Verſuche über künſtliche Ausbrütung an. Er umgab die Eier in einer Holztonne mit Pferdedünger; die durch deſſen Zerſetzung erzeugte Wärme erwies ſich wirkſam, und es gelang ihm, auf dieſe Weiſe lebende Junge aus den Eiern zu erzielen. Nachdem die bezüglichen Experimente wieder aufgenommen worden waren, wurde 1777 die erſte Brütmaſchine von Bonnemain aufgeſtellt; er nannte dieſelbe Eccaleobion und brachte viele damit erzielte Hühner auf den Pariſer Markt. Cantelo ſtellte ſodann das Prinzip auf, die Eier müßten auf künſtlichem Wege, dem Naturvorgange gemäß, von oben bebrütet werden, und ſeinem in einer Maſchine verwirklichten Prinzipe ſind dann auch faſt alle ſpäteren Konſtrukteure von Brütapparaten gefolgt. 1845 entwarf nach dieſen Prinzipien Vallé, Direkter des Geflügelhofes in Jardin des Plantes zu Paris, ſeinen Brütapparat, mit welchem er alle Arten von Eiern ausbrütete, ſogar ein Schild— krötenei glücklich zum Ausſchlüpfen brachte, was ungemeines Aufſehen erregte. Mannigfach verſchiedene Syſteme von Brütapparaten folgten auf die gelungenen Verſuche. Sie zerfallen in zwei Gruppen, nämlich in ſolche, welche die Wärmequelle mit dem eigentlichen Brütraume ver⸗ bunden haben, wie die meiſten älteren und engliſchen, und in ſolche, wo dieſelbe getrennt iſt, welche meiſt größere Räume beanſpruchen, wie der frühere Baumeyer'ſche und der von Oefele konſtruierte Brütapparat. Auf die verſchiedenen Inkubationsſyſteme des näheren hier ein⸗ zugehen, würde zu weit führen, da ein deutliches Verſtändnis nur Das künſtliche Ausbrüten. 25 durch ſehr genaue Abbildungen und hauptſächlich durch eigene An⸗ ſchauung ermöglicht wird. Es genügt eine kurze Anführung der be⸗ kannteſten Arten. Bei Cantelos Inkubator beruht die Einrichtung im weſentlichen darauf, daß ein warmer Luftſtrom über ein durch Guttapercha luft⸗ und waſſerdicht gemachtes Tuch geleitet wird, unter welchem die zu bebrütenden Eier liegen. Die Wärmezufuhr beſorgen Röhren, 15 cm über dem Boden, in denen das heiße Waſſer läuft, welches ſchließlich in den Waſſerkeſſel zurückkehrt. Hier wird durch eine Lampe die Tem⸗ peratur auf 43⁰ C. erhalten. Die Eier liegen in einer Schublade auf einer Lage Flanell, ſo daß die Luftcirkulation ungeſtört iſt; friſche Luft tritt infolge der Niederſtellung der Schubladeſeiten frei herein. Unter der Schublade befindet ſich ein Brett, das, beliebig zum Auf⸗ und Niederſchrauben eingerichtet, den wachſenden Küchlein als Aufenthaltsort dient. Über den Wärmeröhren befindet ſich ein kleiner Raum zum Trocknen der eben ausgeſchlüpften Tierchen. Der urſprüngliche Apparat erfuhr mehrfache Verbeſſerungen, beſonders von Draudt in Wien, und wird noch angewendet. Vallés Brütapparat beſteht aus drei Holzabteilungen. In die mittleren Brütkaſten werden die Eier eingelegt, die obere Abteilung dient als Trockenplatz der Küchlein, während in dem dritten Raume der Fütterungsplatz derſelben ſich befindet, für ſo lange, bis die junge Brut ohne Nachteil ins Freie verſetzt werden kann. In einem Keſſel wird durch zwei Lampen das Waſſer auf 50⁰° C. erwärmt und in mehreren Röhren durch den Brutraum geleitet. Da in der Mitte des⸗ ſelben die größte Wärmekonzentration ſtattfindet, ſo dürfen die Eier nur an den Seiten aufgelegt werden; dieſelben liegen auf einer Heu⸗ unterlage; zwei Thermometer bezeichnen die Temperatur im Waſſerkeſſel und im Innern des Brütraumes, die durch Abdrehen einer Lampe beliebig reguliert werden kann. Die beiden Lampen ſind im Jünern angebracht, und ein Rauchfang befördert die Verbrennung; durch deſſen Abnahme kann die Temperatur erhöht werden. Die beiden beſchriebenen Apparate erfordern eine ununterbrochene Aufmerkſamkeit, um ſtets die enforderliche Temperatur aufrecht zu er⸗ halten, entſprechen daher durchaus nicht den Anforderungen der Praxis in der Jetztzeit. Oefele konſtruierte für kleinere Gelege einen Warmkaſten, worin durch eine Art von Wärmflaſchen die nötige Temperatur erzielt wird; derſelbe fand in der Praxis wenig Anwendung, obgleich er für manche Fälle des Brütprozeſſes von gutem Erfolge ſein könnte. Baldamus führt den Brütapparat von Krantz an, mit deſſen Erfolgen er jedoch nicht zufrieden iſt; es fehlt die ausgiebige Luft⸗ cirkulation, infolgedeſſen erſticken die halbausgebrüteten Küchlein. Der Brütapparat beſteht aus 2 Zinkwaſſerkäſten, welche die 2 hölzernen Brütkäſten umgeben, deren jeder zur Aufnahme von 50 Stück Eiern 26 Erſter Abſchnitt. Allgemeines vom Ei und dem Brüten. eingerichtet iſt. Thermometer im Innern, ſowie in dem umgebenden Waſſer zeigen die genaue Temperatur an. Luftröhren bewirken die nötige Ventilation, und eigene Röhrchen befördern die Feuchtigkeit aus dem Waſſerkaſten in den Brutraum. Die Wärmeguelle iſt eine Petro⸗ leumlampe oder Gasflamme. Bei Beginn der Thätigkeit wird der Apparat mit kochendem Waſſer angefüllt und die Flamme erſt dann angezündet, wenu das Waſſer eine Temperatur von 35° R. erreicht. In jenem Moment werden auch die Eier eingelegt. Fortwährende auf⸗ merkſame Beaufſichtigung iſt erforderlich; trotz der empfehlenden Ein⸗ fachheit haften dieſem Apparate vielfache Mängel an. In England konſtruierte Oberſt Stuart Wortley einen Brüt⸗ apparat; die Wärmequelle beſorgt hier immerwährend kochendes Waſſer von 100⁰°C., welches er durch Röhren in dem Brütraume cirkulieren läßt; die Temperatur wird durch weiteres oder kürzeres Hineinſchieben der Röhren reguliert. Der große Vorteil dieſer Brütmaſchine beruht in der konſtant bleibenden Wärmequelle, und es fehlt nur ein ſelbſt— thätiger Regulator, um dieſer Einrichtung eine Zukunft zu verheißen. Wright rühmt in ſeinem Book of poultry den Brütapparat von Halſted. Als beſonderes Kennzeichen tritt hier das erſte Mal eine Schichte kalten Waſſers auf, worauf die Brüteier in eine zweite Abteilung gelegt werden. Darüber befindet ſich die Warmkammer, welche die Bebrütung von oben bewirkt. Eine ſehr intereſſante Vor⸗ kehrung zur Selbſtregulierung der Temperatur löſt das Problem, an welchem die früher erwähnten Inkubators geſcheitert ſind. Zwei Röhren, mit Alkohol und Queckſilber gefüllt, bewirken, ſobald die Temperatur über einen beſtimmten Punkt ſteigt, durch ihre Ausdehnung, vermöge einer ſinnreichen Hebelvorrichtung, eine Verringerung der Flamme, indem der Docht herabgedrückt wird; infolgedeſſen fällt die Temperatur auf die gewünſchte Höhe. Der Boden im Brütraume beſteht aus Zink⸗ oder galvaniſierten Eiſenſtreifen; dieſelben haben die Form eines um— gekehrten V, etwa wie In den Zwiſchenräumen cirkuliert das kalte Waſſer. Über dieſe Streifen oder Rippen wird eine leichte Wolldecke gebreitet, die entweder in jeden oder in jeden zweiten Zwiſchen⸗ raum ſo eingreift, daß das Waſſer darin 1 cm hoch ſteht und vermöge der Kapillarität das ganze Wollgewebe befeuchtet wird; dadurch er⸗ halten die Brüteier, welche darüber gelegt werden, jederzeit die nötige Feuchtigkeit. Die Luftcirkulation iſt durch in der Seitenwand oberhalb der Kaltwaſſerſchichten angebrachte Löcher ermöglicht. Auch das Thermo⸗ meter iſt abweichend von dem gewöhnlichen, indem es nur die 3 Grade 95, 100 und 1050 F. zeigt. Dieſe etwas komplizierte, im ganzen aber ſehr ſinnreiche Brütmaſchine ſoll glänzende Erfolge erzielt haben. Bei der internationalen Geflügelausſtellung in Wien(1880) er⸗ regte ein von Eugen Bielz vorgeführter Brütapparat bei den Fach⸗ männern Aufmerkſamkeit. Mittelſt einer Petroleumlampe wird Waſſer konſtant erwärmt und durch eine Röhre über eine oberhalb der Brüteier befindliche Glasplatte geleitet, um die im natürlichen Brütprozeſſe vor⸗ Das künſtliche Ausbrüten. 27 gezeichnete Erwärmung von oben herab zu bewirken. Das abfließende Waſſer durchſtrömt in Röhren die mit dem Brütapparat verbundene künſtliche Glucke und gelangt wieder in das Sammelgefäß, von wo es, neuerlich erwärmt, den Kreislauf beginnt. Sinnreich konſtruierte Kork⸗ ventile regulieren ſelbſtthätig die Temperatur und beeinfluſſen überdies die in den Brütraum einfließende Waſſermenge inſoweit, daß ein ziemlich gleichbleibender Wärmegrad hergeſtellt wird. Bielz legt einen ganz beſonderen Wert auf das Wenden der Eier. Er legt die Brüteier auf eine endloſe Rolle Kanevas, welche auf mehreren Walzen läuft. Mittelſt eines Schlüſſels in Bewegung verſetzt, werden alle eingelegten Eier gleichzeitig vermöge des Geſetzes der Trägheit um ihre Achſe gewendet. Durch dieſe einfache Einrichtung wird das bei den übrigen Brüt⸗ apparaten ſo zeitraubende Wenden der Eier während des nötigen Lüftens auf ein Minimum reduziert.— Als Zwiſchenſchichte zwiſchen der Wärme⸗ quelle(das erwärmte Waſſer) und den Brüteiern dient ein mit Waſſer gefülltes Gummipolſter, welches die Temperatur des überſtrömenden Waſſers annimmt. Der Bodenteil des Brütkaſtens beſteht aus einem Flanellrahmen, welcher öfter befeuchtet wird, wodurch im inneren Brüt⸗ raume der erforderliche Feuchtigkeitsgrad erhalten bleibt. Die Kon⸗ ſtruktion dieſes Brütapparates iſt ſehr einfach und ſicher funktionierend, ſo daß Bielz's Brütkaſten recht empfehlenswert erſcheint. Wie oben erwähnt, iſt mit dem Brütapparate nebſt der künſtlichen Glucke ein Aufzuchtkaſten verbunden; die Brüt- und Aufzuchtergebniſſe ſind nach den vorliegenden Erfahrungen ſehr günſtige zu nennen. Abweichend hiervon iſt der von Maly in Hetzendorf bei Wien konſtruierte Inkubator. Hier vertritt heiße Luft die Stelle des ſonſt verwendeten Waſſers, zu welchem Behufe gleichfalls eine Petroleum⸗ lampe als Wärmequelle dient. Durch ein eigentümliches, vermöge eines Metallpendels gleichmäßig reguliertes Triebwerk werden ſämt⸗ liche Brüteier fortwährend gewendet. Ein Verſtäubeapparat ſorgt für die nötige Feuchtigkeit. Die ausgeſchlüpften Kücken kommen in einen Trockenraum, der gut erwärmt iſt, und dann in den Aufzucht⸗ kaſten. Bei der exemplariſchen Sorgfalt, mit welcher Maly die jungen Tiere fütterte und pflegte, ergab ſich in deſſen Anſtalt ein äußerſt günſtiger Prozentſatz, und bewies die kräftige und raſche Entwickelung der Jungen die Richtigkeit der angewandten Grundſätze. Dieſer Brütapparat verdient trotz der großen Achtſamkeit, welche ſeine Bedienung erfordert, immerhin Beachtung. Zu den in jüngſter Zeit weitbekannteſten und mit vielem Erfolge verwendeten Brütapparaten ſind jene von Roullier⸗Arnoult!¹) und ¹) 1. Guide pratique illustré pour l'éclosion et l'élevage artificiels des oiseaux de chasse et de basse-cour par R. Roullier-Arnoult et E. Arnoult. Se vend chez les auteurs à Gambais-lez-Houdan. 1880. 28 Erſter Abſchnitt. Allgemeines vom Ei und dem Brüten. Voitellier!¹) in Frankreich, ſowie die von Grünhaldt, C. Bau⸗ meyer und Satorius in Deutſchland verbreiteten Inkubatoren zu rechnen. Roullier⸗Arnoult erzeugt mit ſeinen Apparaten jährlich über 40 000 Houdans⸗Küchlein. Die Wärmegquelle iſt hier, wie bei Voitellier und Grünhaldt, erwärmtes Waſſer. Die Konſtruktion iſt ſehr einfach, und exrfordert der Brütprozeß bloß einige Aufmerkſamkeit und Sorg⸗ falt, um ſelben durch günſtigen Erfolg gekrönt zu ſehen. Von dieſen Apparaten ſind Hunderte derzeit im Betriebe und bewähren ſtets günſtigen Erfolg, wenn die immerhin nötige Achtſamkeit ſelben ge⸗ widmet wird. In jüngſter Zeit konſtruierte Storbeck einen Brütapparat, welcher als Wärmequelle die Elektricität verwendet. Statt des üblichen er⸗ wärmten Waſſers dient der elektriſche Strom als Brüter. So intereſſant dieſer Verſuch, den auch ganz günſtige Erfolge begleiten, genannt werden muß, ſo wird wenigſtens in der Gegenwart dieſe Art der künſtlichen Bebrütung noch wenig Anwendung in der Praxis finden. Die Grünhaldt'ſchen2) und neueren Baumeyer'ſchen Brüt⸗ apparate dürften gegenwärtig in Deutſchland die verbreitetſten ſein, da deren Anwendung im großen ſehr beachtenswerte Erfolge aufzu⸗ weiſen vermag; hierüber geben die eingehenden Beſchreibungen, die in Buchform erſchienen ſind, erſchöpfende Auskunft. Die Brütapparate von Wenger, Löhr, Papſt u. ſ. w. fanden bisher in der Praxis nur geringe Verwendung, daher läßt ſich ein definitives Urteil über ſelbe nicht fällen. Nach der früher erwähnten Einteilung gehören der zweiten Art von Brüteinrichtungen jene an, in welchen die Wärmequelle von dem eigentlichen Brütapparate getrennt iſt. Oefeles Brütofen iſt ſinnreich konſtruiert, ſcheint aber in der Praxis keine Anwendung gefunden zu haben. Lange Jahre bewährte ſich dagegen der von Baumeyer in Dresden konſtruierte Brütofen, ³) und Hunderttauſende von Küchlein wurden durch denſelben ins Leben geſetzt, da mit einem Male bis zu 1000 Küchlein darin ausſchlüpfen konnten. In einem vom Brütraume geſonderten Lokale befindet ſich die Feuerung, welche das Waſſer er⸗ hitzt, das, in einem großen Rohre erwärmt, in den Brütraum gelangt, woſelbſt es in vielen kleinen Röhrchen, welche durch Kautſchukſchläuche 2. Dasſelbe, überſetzt durch A. Röttiger, Oberſtlieutenant a. D. Göttingen 1880. 3. La culture intensive de l'oeuf et son incubation par Eug. Gayot. Paris. Firmin-Didot et Cie., 1878. ¹) L'incubation artificielle par Voitellier. Mantes. ²) Die künſtliche Geflügelzucht von Otto Grünhaldt, 3. Auflage. Dresden 1885. G. Schönfeld. ³) Das künſtliche Ausbrüten und die Hühnerzucht. Von Hermann Bau⸗ meyer in Dresden. Hamburg, J. J. Richter 1887. Das künſtliche Ausbrüten. 29 miteinander kommunizieren, über den Eiern hindurchgeht. Ein Sammel⸗ rohr führt das ausgekühlte Waſſer in den Keſſel zurück. Ein Selbſt⸗ regulator, auf einem Schwimmer in dem Windkeſſel, reguliert die Feuerklappe durch Schließen oder Offnen derſelben. Die Eier liegen auf gemauerten, 1,25 m hohen Bänken; die Luftcirkulation befördern beliebige Offnungen in der Brütkammer. Muſterhaft ſind die Regeln, die Halſted als Gebrauchsan⸗ weiſung ſeinem Inkubator beilegte, und da dieſelben für jedes künſt⸗ liche Ausbrüten gelten, mögen ſie hier Platz finden. Vor allem iſt ein Brütapparat oder Inkubator, bevor die eigentliche Bebrütung der Eier beginnt, in ſeinen ſämtlichen Teilen auf ein richtiges Funktionieren zu prüfen, und erſt wenn dies vollkommen befriedigt, dürfen die Eier eingelegt werden. Wichtig iſt das richtige Einhalten der beſtimmt an⸗ gegebenen Temperatur. Die Selbſtregulatoren beſchränken die früher ununterbrochen nötige Thätigkeit des Menſchen auf ein Minimum, ob⸗ wohl auch hier noch manche Verbeſſerungen wünſchenswert wären. Nur ganz friſche Eier dürfen zur Ausbrütung genommen werden, ein Verlangen, dem in den enggezogenen Grenzen Halſted's wenigſtens nicht immer entſprochen werden kann, da er nur 3 Tage alte Eier zur Brütung verwendet wiſſen will. Während der erſten 48 Stunden ſollen die Eier mehrmal auf 5 bis 10 Minuten herausgenommen und ge⸗ lüftet werden, wobei die Temperatur der äußeren Luft nicht unter 12 ½° C. ſinken ſoll. Wenn möglich, ſoll dieſe Lüftung alle 6 Stunden ſtattfinden. Die Wärme darf innerhalb der erſten 6 Tage nicht über 103⁰ F.(39,5° C.) ſteigen. Ein geringes Herabſinken iſt weniger ge⸗ fährlich, als das Erhöhen ſelbſt nur um einen Grad Fahrenheit. Bei trokener Wärme im Brutkaſten iſt ein Beſpritzen der Eier mit lauem Waſſer zu empfehlen. Am vierten Tage werden die Eier weniger oft, dafür aber längere Zeit, bis 15 Minuten, ausgekühlt. Vom 5. bis 6. Tage wird nur zweimal des Tages gewendet und gelüftet. Es erfolgt die genaue Unterſuchung der bebrüteten und Ausſcheidung der „lauter“ gebliebenen Eier. In dieſe Tage fällt die heikelſte Periode der ganzen Bebrütung. Die Temperatur muß konſtant auf 103⁰ F. erhalten bleiben; bei 1060 F.(410 C.) geht meiſt die ganze Brut zu Grunde. Vom 7. Tage ſoll im Brütraume eine konſtante Feuchtigkeit herrſchen; das zweimalige Lüften erreicht die Dauer von je 15— 20 Minuten. Eine geringe Temperaturerhöhung auf 40⁰ C. kann nun eintreten, obwohl dies beſſer vom 10. Tage an beginnt. In der letzten Hälfte der Brütperiode genügt ein einmaliges Lüften in der Dauer von 30 Minuten; der Feuchtigkeit iſt große Aufmerkſamkeit zuzuwenden, da dieſelbe zur Entwicklung des Embryo dringend nötig iſt. Sorg⸗ fältig iſt jedes faule oder verdorbene Ei zu entfernen, da die giftigen Zerſetzungsgaſe beſonders in der zweiten Woche vom ſchädlichſten Einfluß auf die ganze Brut ſind; am Ende der Brützeit iſt dies weniger bemerbar. Als Beweis, wie nötig die Feuchtigkeit den Eiern iſt, führt Halſted einen intereſſanten Fall an. Einer ſeiner Bekannten ver⸗ 30 Erſter Abſchnitt. Allgemeines vom Ei und dem Brüten. fuhr bei der Ausbrütung von 500 Eiern anfangs ganz nach ſeiner Vorſchrift. Nach Verlauf einer Woche gab er es auf, die Feuchtigkeit zu erhalten, und brütete nur mit trockener Wärme. Die unterſuchten Eier enthielten bis zum 17. Tage lebende Junge, allein ſchließlich ſchlüpfte aus den 500 Eiern nicht ein Hühnchen aus. Bei einigen vernahm man ein ſchwaches Piepen; es war aber den Tierchen nicht möglich, die pergamentartige Umhüllungshaut zu durchbrechen, und ſie erſtickten. Bei der Bebrütung wurde ſonſt mit peinlicher Sorgfalt die richtige Temperatur erhalten, und nur der Mangel an Feuchtigkeit ver⸗ ſchuldete den Mißerſolg. Dem Wenden der Eier iſt im Brütapparate große Aufmerkſam⸗ keit zu widmen, obwohl manche Züchter dies gänzlich in Abrede ſtellen. Schon Plinius führt bei der Beſchreibung der alten ägyptiſchen Brüt⸗ öfen das Wenden der Eier an. Wright ſtellt die Unterſuchungen Wren's als maßgebend auf, welcher genaue Beobachtungen der Brüt⸗ hennen anſtellte und jedesmal die ſämtlichen Eier im Neſte in geän⸗ derter Lage fand. Wahrſcheinlich geſchieht es, um ihnen friſche Luft zuzuführen und ſie von allen Seiten zu bebrüten. Zur Erhöhung der Sicherheit des Erfolges muß es aber jedenfalls beim künſtlichen Brüten ebenfalls geſchehen; wäre es überflüſſig, ſo würden die Tiere im freien Zuſtande dieſe Operation nicht vornehmen. Häufig wird die Frage aufgeworfen, welches der beſte, empfeh⸗ lenswerteſte Brutapparat ſei. Alle angeführten und nicht angeführten Inkubatoren ſind leider nicht vollkommen; ſelbſt die ſorgfältigſte Beob⸗ achtung kann nicht verhindern, daß Temperaturſchwankungen vor⸗ kommen, und es genügt ein kleines Verſehen, um die durch wochen⸗ lange Arbeit und Aufmerkſamkeit erzielte Brut in einem Augenblick zu zerſtören. Selbſt in den mit den beſten Selbſtregulatoren verſehenen Apparaten fand Wren in einer Nacht an dem Maximalthermometer einen Unterſchied von 6 Grad. Anderſeits können mit den primitivſten Apparaten und Einrichtungen glänzende Reſultate erzielt werden, wie die Agypter und Chineſen durch ihre Brütöfen im großen beweiſen, und ſo kann jeder Apparat bei fortwährend geübter Aufſicht günſtige Erfolge liefern. Aber je weniger Aufſicht erforderlich iſt, deſto weniger Irrtümer kommen vor. Die Regulierung der die Wärme erzeugenden Lampen iſt immer mit Schwierigkeiten verbunden, erfordert die größte Aufmerkſamkeit und häufige Kontrolle. Am einfachſten läßt ſich die Wärme bei den Brütapparaten von Roullier⸗Arnoult regulieren durch Zugießen einer beſtimmten Menge heißen Waſſers zweimal am Tage, morgens und abends. Dieſe Brütmaſchinen ſind daher prak⸗ tiſch und da empfehlenswert, wo häufige Kontrolle nicht ſtets durch⸗ geführt werden kann. Zwiſchen künſtlich und natürlich bebrüteten Eiern beſteht hin⸗ ſichtlich des äußeren Anſehens ein bedeutender Unterſchied. Die unter den Brüterinnen gelegenen Eier nehmen einen fettigen, gleichſam po⸗ lierten Anſtrich an, über deſſen Urſprung die Meinungen geteilt ſind, Einfluß der Gewitter auf die in der Bebrütung befindlichen Eier. 31. während die in den verſchiedenen Brütapparaten bebrüteten Eier un⸗ verändert rein bleiben. Die Urſache dieſer Erſcheinung liegt wahr⸗ ſcheinlich in der öligen Ausſcheidung der Federn, welche dieſen fettigen Glanz hervorbringt. Zu den irrigen Meinungen gehört die oft geäußerte Anſicht, daß künſtlich ausgebrütetes Geflügel unfruchtbar ſei und ſich nicht fort— pflanze; die hunderttauſendfache Erfahrung des Gegenteils, der glück⸗ lichen Zuchten, die allenthalben von künſtlich bebrüteten Eiern erzielt wurden, macht einen Beweis der Unhaltbarkeit dieſer Anſicht überflüſſig. C. Einfluß der Gewitter auf die in der Bebrütung befindlichen Eier. In der Zeitſchrift„Die Geflügel⸗Börſe“ 1893 fand ſich in der Abteilung„Kleine Mitteilungen“ folgender Bericht:„Vor ungefähr vier Wochen, abends gegen 11 Uhr, hatten wir ein furchtbares Gewitter und ſchlug der Blitz in eine ca. 1000 m von meiner Wohnung gelegene Scheuer ein. Ich hatte in einem bewährten Brütofen ca. 60 geſchierte Enten⸗ und Hühnereier, die alle gut bebrütet waren, doch zeigten ſich ſämtliche 60 Kücken, als ich die Eier am anderen Morgen unterſuchte, leider abgeſtorben.“ Der Berichterſtatter ſcheint ſeine Mitteilung als eine Beſtätigung deſſen aufzufaſſen, was A. Espanet in ſeinem vortrefflichen Buche „Die Hühner und Kücken“, aus dem Franzöſiſchen überſetzt von E. Sabel, über den Einfluß der Gewitter auf die bebrüteten Eier ſagt, da er des⸗ ſelben im Zuſammenhange mit jener erwähnt. A. Espanet ſagt:„Wir ſind davon überzeugt, daß dieſe ſchreckliche Naturerſcheinung nicht ohne Einfluß iſt. Es iſt in der That nicht ſelten, daß eine oder mehrere Bruten durch den Einfluß der Elektricität zu Grunde gehen.“ Espanet hat recht und auch nicht recht: Recht inſofern, als die Thatſache feſt⸗ ſteht, daß Bruten durch Gewitter eingehen, aber nicht recht, dieſes dem Einfluſſe der Elektricität zuzuſchreiben. Zu erſterem giebt ja auch obiger Bericht einen neuen Beleg. Aber welches iſt die Urſache des verderblichen Einfluſſes von Gewittern auf bebrütete Eier, wenn es die Elektricität nicht ſein ſoll? Woraus iſt zu ſchließen, daß die Elektricität keinen Einfluß ausübt? Das ſind ſehr intereſſante Fragen, welche uns im folgenden beſchäftigen werden. Gewittern pflegt ſehr hohe Luftwärme vorherzugehen. Außerdem aber wird bei Gewittern ein Teil des Sauerſtoffes der Luft in Ozon umgewandelt, welcher heftig oxydierend wirkt, Pflanzenfaſern bleicht und Fäulnisgeruch und Miasmen zerſtört. Beides übt ſowohl einzeln, wie vereint einen gewiſſen Einfluß aus: So kommt es nicht ſelten vor, daß bei Gewittern die Milch ſauer wird, ein Vorgang, welcher zunächſt der ſchwülen Lufttemperatur, aber wohl auch dem Ozongehalte der Luft zuzuſchreiben iſt. Aber die Luftwärme, welche Gewitter begleitet, iſt bei uns niemals ſo groß, daß ihr eine tödliche Einwirkung auf den im 1 32 Erſter Abſchnitt. Allgemeines vom Ei und dem Brüten. Ei vorhandenen Embryo zugeſchrieben werden kann. Daß der Ozon⸗ gehalt der Gewitterluft den Embryo im Ei töten ſollte, iſt zum mindeſten unwahrſcheinlich, da er wohl die Reſpirationsorgane angreifen könnte, der Embryo aber nicht durch die Luftwege atmet, ſolange er nicht voll⸗ ſtändig ausgebildet iſt. Wollten wir trotzdem einen verderblichen Ein⸗ fluß der Gewitterluft auf den Embryo annehmen, ſo müßte derſelbe ſich nicht nur auf die Brüteier unſeres Hausgeflügels erſtrecken, ſondern auch auf ſämtliche in der Bebrütung befindlichen Eier aller in Freiheit lebenden Vögel. In gewitterreichen Jahren wäre mithin die Fort⸗ pflanzung der letzteren ſehr gefährdet. Gewitterreiche Jahre müßten alſo unter anderen die Bruten der Rebhühner vernichten. Davon aber iſt den Jägern nichts bekannt. Ebenſo müßten, wenn die Elektricität die Urſache des Abſterbens der Embryonen ſein ſollte, dieſer Unfall nicht einzelne Neſter treffen, ſondern ſich auf alle erſtrecken, welche im Bereiche der Gewitterluft liegen; das aber iſt bis jetzt niemals konſtatiert worden. Es müſſen alſo der unbeſtreitbaren Thatſache, daß durch Gewitter einzelne Bruten getötet werden, andere Urſachen zu Grunde liegen. In dieſer Beziehung giebt ein Züchter im Journal„La revue avicole“ beachtenswerte Vorkommniſſe an:„Während der Bebrütung von Gänſeeiern wurden in der Nähe des Raumes, in welchem das Neſt lag, alte Baumſtämme gefällt und in Stücke gehauen und dieſe zuſammen aufgeſchichtet. Groß war unſer Erſtaunen, als am Ende der Brützeit keine Kücken ausliefen, obgleich die Eier normal bebrütet worden waren; keiner der Embryonen war lebend, obgleich alle Eier ſolche enthielten.“„Einige Zeit ſpäter wiederholte ſich dasſelbe in einem Hühnerneſte infolge der Erſchütterungen, welche durch das Schlagen einer neuen Tenne in der Nähe des Niſtortes enſtanden waren.“„öGleiches iſt mehreren unſerer Nachbarn begegnet, und alle Welt weiß in unſerer Gegend, daß der Mißerfolg beim Brüten von Erſchütterungen des Bodens herrührt, auf welchem das Neſt ſich be— findet.“„Ich bin geneigt zu glauben, daß die elektriſchen Entladungen und der Donner denſelben Effekt erzeuge.“ Dieſe Auffaſſung hat viel Wahrſcheinlichkeit für ſich. Man kennt die erſchütternde Wirkung ſchwerer naher Blitzſchläge auf unſere Behauſungen, in denen Thüren und Fenſter klirren. Befinden ſich nun Brütneſter auf künſtlichen Böden, nicht auf dem Erdboden ſelbſt, oder hängen dieſelben an den Wänden, ſo iſt ſehr wohl denkbar, daß ſich den Eiern im Neſte die durch den Luftdruck erzeugte, ſtark erſchütternde vibrierende Bewegung mitteilt und den Embryonen verderblich wird. So erklärt ſich auch das eingangs angeführte Brütergebnis auf natürlichem Wege, denn beim Einſchlagen des Blitzes in die Scheune muß die Erſchütterung des Brütofens an dem nur 1000 m entfernten Brütorte eine große geweſen ſein, und es iſt auch anzunehmen, daß dem einſchlagenden Blitze noch andere ſchwere Schläge vorangegangen oder gefolgt ſind. In demſelben Journal lenkt noch ein Züchter die Aufmerkſamkeit auf das Verhalten der Brüterinnen während ſchwerer Donnerſchläge: —————— 2 Allgemeines vom Ei und dem Brüten. 33 „Da er nur auf künſtlichem Wege Eier ausbrüte und niemals bemerkt habe, daß Gewitter einen ſtörenden Einfluß auf die Eier in ſeinen Brütmaſchinen ausgeübt hätten, ſo wäre es immerhin möglich, daß die durch Blitz und Donner erregten oder eingeſchüchterten Brüthennen die Schuld am Abſterben der Embryonen trügen.“ Das ſcheint ſehr unwahrſcheinlich zu ſein; die Brüthenne müßte denn etwa ſelbſt in Zittern geraten und ihre Zitterbewegung den Eiern mitteilen. Unruhig⸗ werden der Brüthennen und durch unruhige Bewegungen die Eier durcheinander werfen würde ſchwerlich die Embryonen in allen Eiern töten, ſondern nur in einzelnen.— Das Mitgeteilte mahnt zur Vorſicht bei Anlage der Brütneſter. Je weniger das Neſt etwaigen Erſchütterungen ausgeſetzt iſt, deſto ſicherer iſt ein guter Brüterfolg zu erwarten. Am richtigſten liegt das Neſt auf dem Erdboden. Das läßt ſich beim Züchtungsbetriebe aber nicht immer durchführen, wie bereits im Abſchnitte vom Brüten aus⸗ geführt worden iſt.— Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. A. Das Haushuhn. 1. Naturgeſchichte und Abſtammung. Das Haushuhn iſt ein in vielen Raſſen und Spielarten über faſt die ganze Erde verbreiteter Hausvogel. Es iſt gekennzeichnet durch kurzen, kräftigen, an der Spitze gebogenen Schnabel, fleiſchigen Kamm, bei einigen Raſſen auch Federhaube auf dem Kopfe, fleiſchige Kehl⸗ lappen oder Federnbart, kurze Flügel, vierzehnfederigen, mittellangen, dachförmigen, halb aufrecht getragenen Schwanz mit beim Hahne ver⸗ längerten Mittelfedern, ſtarke Läufe, die beim Hahne mit je einem Sporn verſehen ſind, und 4 bis 5 mit Nägeln bewaffnete ziemlich lange Zehen. Der Körper iſt kräftig, die Befiederung reichlich und meiſtens prächtig gefärbt. Des Haushuhns Abſtammung wird abgeleitet von einer oder der anderen Art der in Oſtindien bis zum Himalaja und weiter öſtlich ſowie auf den Sundainſeln wild lebenden, zur Familie der Faſan⸗ vögel gehörenden eigentlichen Hühner. Die Kennzeichen der Haus⸗ hühner ſtimmen im allgemeinen mit denen dieſer Hühner überein. Brehm giebt letztere folgendermaßen an: Pribyl, Geflügelzucht. 4. Auflage. 3 * Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. (0 — „Der Leib iſt kräftig, die Flügel kurz und ſtark gerundet, der Schwanz mittellang, wenig abgeſtumpft und dachförmig, da die 14 Federn, welche ihn bilden, in zwei einander berührenden Ebenen gegen einander ſtehen, der Schnabel iſt mittelmäßig lang, ſtark, ſein Oberkiefer gewölbt und gegen die Spitze herabgebogen, der Fuß ziemlich hoch und beſpornt. Auf dem Kopfe erhebt ſich ein fleiſchiger Kamm; vom Unterſchnabel fallen ſchlaffe, fleiſchige Hautlappen herab. Die Wangengegend iſt nackt, das Gefieder bekleidet in reicher Fülle den Leib; die Bürzel⸗ oder Oberſchwanzdeckfedern verlängern ſich, überdecken die eigentlichen Steuerfedern und fallen, ſichelförmig ſich krümmend, über ſie und den Hinterleib herab. Eine prächtige und glänzende Färbung iſt Gemeingut der bekannten Arten.“ Von dieſen Hühnern giebt es verſchiedene Arten und Abarten. Die verbreitetſte Art iſt das in Oſtindien bis zum Himalaja und weiter öſtlich vorkommende Bankivahuhn. Nach Brehm's Beſchreibung„ſchimmern Kopf⸗, Hals⸗ und die langen her⸗ abfallenden Federn des Nackens goldgelb, die des Rückens ſind purpur⸗ braun, in der Mitte glänzend orangerot, gelbbraun geſäumt. Die herabhängenden Oberdeckfedern des Schwanzes ähneln in der Färbung denen des Kragens; die mittleren Flügeldeckfedern ſind lebhaft kaſtanien⸗ braun, die großen ſchillern ſchwarzgrün, die dunkler ſchwarzen Bruſt⸗ federn goldgrün, die Handſchwingen ſind dunkelſchwarzgrau, die Arm⸗ ſchwingen auf der Außenfahne roſtfarben, auf der inneren ſchwarz. Die Schwanzfedern ſind ſchwarz, die mittleren ſchillernd, die übrigen glanzlos. Das Auge iſt orangerot, der Kopfſchmuck rot, der Schnabel bräunlich, der Fuß ſchieferſchwarz. Die Henne iſt kleiner, mit mehr wagerecht ſtehendem Schwanze, Kamm und Fleiſchlappen ſind nur an⸗ gedeutet, die länglichen Halsfedern ſchwarz, weißlich geſäumt, die des Mantels braunſchwarz geſprenkelt, die der Unterteile iſabellenfarbig, Schwingen und Steuerfedern braunſchwarz.“ Das Fleiſch wird nicht ſehr gerühmt, das des Körpers iſt dunkel, nur das der Schenkel iſt weißlich. Genauere Beobachtungen über das Leben fehlen, und die wenigen Exemplare, die nach Europa in die Tiergärten gebracht wurden, ließen bald eine Abſchwächung des urſprüng⸗ lichen Typus wahrnehmen. Die ſehr ausgedehnten Gebiete ſeiner Verbreitung erzeugten auf natürlichem Wege durch die Einflüſſe des Klimas, der Nahrung und der Bodenbeſchaffenheit eine Anzahl Abarten: die bengaliſche im Norden Oſtindiens, die burmeſiſche im nordweſtlichen Teile Hinterindiens und die malayiſche, welche in Hinterindien, auf dem malayiſchen Archipel und den Sundainſeln vorkommt. Eine andere weit verbreitete Wildhuhnart iſt das Sonnerats⸗ huhn, welches durch die eigentümliche Bildung der Federn ſeines Halskragens ausgezeichnet iſt. Scheitel und Nacken ſind beim Hahn mit ſchmalen, langen, ſchwärzlichgrauen, weiß geſchäfteten Federn bedeckt, deren jede zwei gelbliche Flecke beſitzt. Am Ende iſt jede Feder abge⸗ rundet; gegen die Flügel gehen dieſelben in länglich runde, glänzend Landhuhnraſſen. 35 dunkelbraun gezeichnete Federn über. Die ſichelförmigen Oberſchwanzdeck⸗ federn ſind glänzend purpurrot, die übrigen glänzend ſchwarz, das übrige Gefieder iſt oben und unten ſchwärzlichgrau, die Iris iſt leicht braungelb, der Schnabel gelblich hornfarbig, der Kopfſchmuck rot, die Füße lichtgelb. Die Henne iſt braungeſcheckt, unten ſchwärzlichbraun, die Federn oben mit breitem, lichtem, weißlichem Centrum, unten an den Schwanz⸗ deckfedern dunkelbraun. Der Scheitel und Nacken iſt rötlichbraun, an der Kehle etwas lichter, der Schwanz ſchwarzbraun mit braunen Rändern, die Schwingen dunkelbraun und braun gefleckt. Die Heimat dieſer Hühnerart iſt ganz Oſtindien. Die Hähne zeichnen ſich durch ein eigentümliches Krähen aus; dieſelben ſind ſehr ſchwer zähmbar. Weniger wichtig ſind die meiſt auf Ceylon vorkommende Art der Wildhühner, das Stanleyhuhn und das auf den Sundainſeln heimiſche Gabel- oder Zwerghuhn, von welchen bis jetzt nur ſehr wenige Exemplare nach Europa gelangten. Von welcher dieſer Wildhühnerarten unſer Haushuhn abſtammt, iſt nicht entſchieden. Man neigt im allgemeinen dazu, das Bankiva⸗ huhn als Stammart anzuſehen; einige betrachten als ſolche das Sonneratshuhn; noch andere ſind, geſtützt auf die ſehr große Anzahl und die auffallende Verſchiedenheit der Raſſen des Haushuhns, der Anſicht, daß dieſes nicht von einer einzigen der Wildhuhnarten ab⸗ ſtamme, ſondern daß mehrere derſelben zur Bildung der verſchiedenen Haushuhnraſſen beigetragen hätten. Letzteres ſcheint allerdings ſehr wahrſcheinlich, da die Verſchiedenheit einiger Hühnerraſſen ſo auffallend und groß iſt, daß es kaum möglich erſcheint, daß Klima, Bodenbe⸗ ſchaffenheit und Nahrung, obgleich ſie ſeit Jahrtauſenden ihren Einfluß ausgeübt, ſie hervorgerufen haben könnten. Allerdings kommt noch in Betracht, daß außer dieſen Einflüſſen auch Kreuzung und Zuchtwahl das Ihrige zur Schaffung der Verſchiedenheiten der Raſſen beigetragen haben müſſen; aber ſelbſt dieſe Urſachen können im Verein mit den erſtgenannten ſchwerlich, z. B. aus dem Malayentypus, den man für den urſprünglichen hält, den des gemeinen Landhuhns, wie ihn unter anderen das oſtfrieſiſche Landhuhn repräſentiert, hervorgebracht haben. Die verſchiedenen Haushühner unterſcheiden ſich durch Körper, Form und Größe, Haltung, Kammform, Haubenbildung, Beſchaffenheit und Färbung des Gefieders und der Läufe und Anzahl der Zehen. Hiernach zerfallen die Haushühner in verſchiedene Gruppen, die wieder in Raſſen und Farbenſchläge ſich theilen. 2. Haushuhnraſſen. I. Gruppe. Landhuhn und durch Kreuzung aus dem Landhuhne entſtandene Schläge. Das Landhuhn, d. h. das Huhn, welches bis vor 100 bis 50 Jahren faſt allein den Beſtand unſerer Geflügelhöfe bildete, iſt heute 3*† 36 Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. an vielen Orten durch Kreuzungen verändert oder durch Einführung ausländiſcher Raſſen verdrängt worden. Aber ſelbſt da, wo es noch rein vorhanden iſt, hat es nicht überall denſelben gleichen Typus. Im allgemeinen iſt es von höchſtens mittlerer Größe, wenn man es mit den aſiatiſchen großen Hühnern vergleicht, hat kräftigen breiten Körper, mittellangen Hals, verhältnismäßig langen Schwanz, mittelhohe kräftige, meiſtens graue Läufe mit 4 Zehen und entweder einfachen eingezackten Stehkamm oder Roſenkamm; erſterer iſt beim Hahne nicht ſehr hoch, bei der Henne klein oder auch länger, in welchem Falle er ſich umlegt und nach dem Schnabel zu vornüber fällt. Die Bartlappen ſind nicht lang. Die Färbung iſt verſchieden, jedoch herrſcht beim Hahne die ſchwarze mit in der Regel gelbem Hals⸗ und braunrotem Sattelbehange, ſeltener mit hellgrauem Behange vor. Die Hennen ſind meiſtens dunkelgrau oder rebhuhnfarbig, aber auch anders gefärbt. Das Fleiſch dieſer Hühner iſt weiß, die Haut weiß und zart; das geringe Körper⸗ gewicht macht ſie trotzdem zur Fleiſcherzeugung nicht geeignet. Die Eier werden reichlich abgelegt, ſind aber ihrer Kleinheit wegen nicht imſtande, den dickeren Eiern der italieniſchen Hühner gegenüber den Markt zu behaupten. Unſer Landhuhn eignet ſich daher nicht zur Zucht behufs Eier⸗ und Fleiſcherzeugung. Das iſt ſehr zu bedauern, da wir es bei dieſem Huhne mit einer ſehr anſprechenden Erſcheinung von munterem Charakter und intelligentem Ausdrucke zu thun haben, und da dieſes hübſche Huhn noch die unbezahlbaren guten Eigen⸗ ſchaften beſitzt, abgehärtet gegen klimatiſche Einflüſſe und ſehr fleißig im Futterſuchen zu ſein. Beſonders dieſe beiden letzten Eigenſchaften ſind es, welche das Landhuhn als Unterlage einer Kreuzung mit Hähnen brauchbarer Nutzhuhnraſſen beſonders empfehlen. In einigen Gegenden Deutſchlands haben ſich beſondere Farben⸗ ſchläge mit der Zeit herausgebildet. Einer der anmutigſten iſt das Campiner⸗ oder Totleger⸗Huhn, welches im nordöſtlichen Belgien, Holland, Friesland und Weſtfalen zu Hauſe iſt. Man nennt dieſe Hühner auch Oſtfrieſiſche Möven. Der eingezackte Stehkamm des Hahnes iſt ziemlich hoch; bei der Henne neigt er ſich nach einer Seite über. Das Gefieder iſt ſchwarz quer geſprenkelt auf weißem oder gelbem Grunde, der Halsbehang bei beiden Geſchlechtern weiß oder gelb, der Schwanz bei der Henne ſo geſprenkelt wie die Deckfedern, beim Hahne ſchwarz mit grünem Glanze.— Ein zweites ſchön ge⸗ zeichnetes Landhuhn iſt das Lakenfelder. Hahn und Henne ſind weiß mit ſchwarzen Kopf⸗, Hals⸗ und Schwanzfedern und ebenſo ge⸗ färbtem Sattel⸗ und Schwanzbehang. Der Hahn trägt einen mäßig hohen eingezackten Stehkamm, der der Henne iſt kleiner und ſeitwärts umgelegt.— Wie im Nordweſten Deutſchlands, giebt es auch in Böhmen ein ziemlich häufig vorkommendes Landhuhn beſonderer Färbung, das Böhmiſche Landhuhn. Seine Grundfarbe iſt weiß; dieſe Färbung zeigen auch Kopf und Hals; die übrigen Federn ſind grau quer ge⸗ ſtrichelt oder auch grau beperlt, weshalb es auch Mohnſperber ge⸗ nannt wird. Der Kamm iſt ein einfacher eingezackter Stehkamm.— ...Gʒ—,.§————— Landhuhnraſſen. 37 In Deutſchland giebt es noch einige beſondere Landhuhnſchläge, die aus Kreuzung des Landhuhns mit Hähnen anderer Raſſen hervor⸗ gerufen worden ſind und ihrer größeren Körper wegen zur Fleiſcher⸗ zeugung ſich eignen, alſo wirtſchaftlichen Wert haben: das Elſäſſer⸗, das Sundheimer⸗ und das Pfälzer⸗Huhn. Letzteres iſt von be⸗ deutender Größe. Die Hennen erreichen, wenn gemäſtet, ein Gewicht von 3—4 kg. Das Eigewicht ſchwankt zwiſchen 60— 70 g. Die Ge⸗ fiederfärbung iſt in der Regel gelb oder auch ſchwarz und dunkelbraun; die Läufe ſind fleiſchfarbig.— Auch das Steieriſche Huhn gehört in dieſe Kategorie(es liefert ziemlich ſchwere Brathühner)— und das in Belgien heimiſche, aus Kreuzung des Landhuhns mit Kochinchinahahn entſtandene Mechelner Kuckuckshuhn. Seine Gefiederfärbung iſt dunkel⸗ blau⸗grau, quer gebändert auf bläulichweißem Grunde, es erinnert in Haltung, Größe, Körperbau an die Kochinchinaraſſe. Der Hahn wird 4—5, die Henne 3 kg ſchwer. Der Kamm iſt ein eingezackter Steh⸗ kamm, beim Hahne mittelhoch, bei der Henne niedrig; die Kehllappen ſind lang, Geſicht und Ohrlappen rot. Dies Huhn iſt zur Fleiſch⸗ erzeugung und Mäſtung gut geeignet, wenn auch etwas ſtarkknochig. Es liefert die bekannten Brüſſeler Poularden.— Auch das aus Amerika ſtammende Dominikanerhuhn verdankt wahrſcheinlich ſeine Ent⸗ ſtehung der Kreuzung von Landhuhn und Kochinchina⸗ oder Brahma⸗ putrahuhn. Es hat Landhuhnform, trägt den Roſenkamm und erreicht ein bedeutendes Gewicht: Hahn 3 bis 3 ½, Henne 2 ½ bis 3 kg. Ich möchte es trotzdem nicht als eigentliches Nutzhuhn empfehlen, weil es bei gelben Läufen gelbe Haut hat, alle gelbhäutigen Hühner aber minderwertige Fleiſchhühner ſind. Auch iſt ſeine Eierproduktion nicht gerad zu rühmen. Eigewicht 60 g. Das Gefieder beſteht aus hellgraublauen Federn mit ſchwarzblauer Querwellung.— Beſonderer Beachtung iſt noch das Ramelsloher Huhn wert, ein ſtattliches, entweder weißes oder gelbes Huhn. Die weißen Ramels⸗ loher verdanken ihre jetzige Geſtalt vermutlich einer Kreuzung von Landhuhn mit ſpaniſchem Hahne, die gelben einer ſolchen weißer Ramels⸗ loher mit Cochinchinahahn. Sie haben einfachen gezackten, nicht hohen Kamm, votes Geſicht, weiße Ohrlappen, ziemlich lauge Kinnlappen und kräftige, hohe, blaugraue Läufe und ebenſo gefärbte 4 Zehen mit grau⸗ weißen Nägeln. Die Kopfhöhe beträgt beim Hahne 0,50 m, bei der Henne 0,45 m. Gewicht des Hahnes 2 ½ bis 3 kg, das der Henne etwas weniger. Durchſchnittliches Eigewicht 55 bis 58 g. Zum Brüten ſchickt ſich die gelbe Art leichter an als die weiße. Dieſes Huhn würde ſich ganz gut für die ländliche Geflügelhaltung eignen, wenn das Eigewicht nicht etwas gering wäre. Weithin bekannt iſt das Ramelsloher Huhn durch ſein Produkt, die ſogenannten Hamburger Kücken. Die von Frühbruthennen im Spätherbſte abgelegten Eier läßt man entweder durch dieſe oder auch durch ältere Hennen der gelben Art oder durch Truthennen ausbrüten und erzüchtet die Kücken in der Stube am warmen Kachelofen, bis ſie 5 bis 7 Wochen alt ſind. 38 Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. Das iſt eine in und bei Ramelslohe(bei Hamburg) von der ärmeren Bevölkerung ausgeübte, ziemlich einträgliche Hausinduſtrie. In neueſter Zeit iſt auch die Eibrütung in größerem Maßſtabe durch Brütmaſchinen mit Erfolg verſucht worden. Eine beſondere Abart des Haushuhns, das Thüringer Baus⸗ bäckchen oder Waldhuhn, trägt einen Federbart; eine andere, das Kaul⸗ oder Kluthuhn, iſt ſchwanzlos; eine dritte, das Dachshuhn, auch Krüper genannt, in Frankreich als Courtes-pattes bezeichnet, hat im Verhältniſſe zur Körpergröße ſehr kurze Beine. Auffallend und eigentümlich unterſcheidet ſich von allen Hühnern das in Siebenbürgen heimiſche Nackthalshuhn(Fig. 5), durch unbefiederten und deshalb verhältnismäßig lang erſcheinenden Hals. Ebenſo iſt der Kopf nackt, Fig. 5. Siebenbürger Nackthalshuhn. mit Ausnahme des Scheitels, welcher den Kamm und einen nach hinten hängenden Federſchopf trägt. Der Kamm iſt verſchieden geformt: ent⸗ weder einfacher Steh- oder Roſen- oder Muſchelkamm(zweiteilig und hinten verbunden). Der nicht große Rumpf wird von verhältnismäßig hohen Beinen mit glatten gelben Läufen und 4 Zehen getragen. Das Gefieder iſt hart und dünn und verſchiedenfarbig, der Unterleib faſt nackt. Das Gewicht beträgt 2 bis 3 ½ kg, das Eigewicht 60 bis 70 g. Obgleich dieſes Huhn keine anſprechende, wenn auch eine intereſſante Erſcheinung iſt, empfiehlt ſich deſſen Züchtung dennoch zur Eier⸗ produktion, da es ſehr abgehärtet iſt. Ein bezüglicher Verſuch in Nord⸗ deutſchland hat dies beſtätigt. Unter die Landhühner ſind noch, weil aus dem gemeinen Land⸗ huhne erzüchtet, die edleren Raſſen: Hamburger und Rotkappen, Schottiſche Graue und das Dorkinghuhn einzureihen. Landhuhnraſſen. 39 Das Hamburger Huhn führt ſeinen Namen nicht lüen deshalb, weil es in oder bei Hamburg erzüchtet worden iſt oder überhaupt ge⸗ züchtet wird; es ſtammt aus Engkand. Es gleicht in allen Vohiehuncen einem hübſchen Landhuhne, das einen ſchön ausgebildeten Roſenkamm trägt. Die Ohrlappen ſind weiß, die Kehllappen dünn und gut ge⸗ rundet. Es iſt ausgezeichnet durch hübſch gebogenen Hals mit reichem Federſchmucke, breiten kräftigen Körper, volle Bruſt, etwas nach vorn getragen, breite Flügel, kräftige Schenkel, ziemlich kurze unbefiederte Läufe mit großen ſchlanken Zehen. Der Schwanz iſt mit breiten Sichel⸗ und Schmuckfedern reichlich geziert. Das Gewicht beträgt bei den Hähnen 2 ½— 3, bei den Hennen 2 kg. Dis hauptſächlichſten Farbenſchläge ſind: .Silbergetupfte oder Hamburger Silberlack, silverspan- geld üanHule Der Hahn hat ſilberweiße, an der Wurzel getupfte Halsfedern. Die Rücken⸗, Sattel⸗ und Bugfedern ſind weiß, ſchmal ſchwarz längsgefleckt, die Flügeldeckfedern weiß mit zwei ſchwarzen Tupfen, welche ein doppeltes Band durch die Flügel bilden. Bruſt, Unterleib und Schenkel haben weiße Federn, jede Feder am Ende der Spitze mit einem großen, ſchwarzen Tupfen, ſo daß das Weiße kaum ſichtbar iſt; die Sichelfedern ſind weiß mit ſchwarzer Spitze. Die Henne hat ſilberweiße Halsfedern mit ſchwarzer Spitze. Rücken⸗, Sattel⸗, Schwanzdeck⸗, Unterleib- und Bruſtfedern, wie auch die Schenkelfedern ſind weiß mit großen, runden, ſchwarzen Tupfen an der Spitze. Die zwei Schwingen ſind weiß, mit ſtarken halbmond⸗ förmigen Tupfen endend. Die Zeichnung muß am ganzen Körper gleichmäßig ſein. 2. Goldgetupfte Hamburger„Hamburger Goldlack unter⸗ ſcheiden ſich durch die roten Augen. Das Gefieder iſt beim Hahne goldbraun. Die Hals⸗ und Sattelfedern ſind ſchwarz geſtreift, die Rücken- und Bugfedern mit ſchwarzen Spitzfl ecken, die Flügeldei⸗ federn mit ſtarken, runden, ſchwarzen Tupfen an der Spitze, zwei Quer⸗ bänder bildend, ebenſo die Schwingen. Bruſt⸗, Schenkel⸗ und Unter⸗ teile haben ſtarke, runde, ſchwarze Tupfen; de Schwanz iſt ſchön grün⸗ ſchwarz. Die Henne hat ein ähnliches Gefieder, in der Zeichnung ganz mit den Silbergetupften übereinſtimmend, nur ſchwarz geſtreifte, nicht getupfte Halsfedern und ſchwarzen Schwanz. 3. Die ſilber⸗ und goldgeſprenkelten Hamburger unter⸗ ſcheiden ſich nur in der Grundfarbe des Gefieders; bei erſteren ſilber⸗ weiß, bei letzteren rötlich u oltfcdig, bei den Hennen, rötlichgold⸗ braun bei den Hähnen. Der Schnabel iſt hornfarbig,? Augen hellrot, die Füße dunkel bleigrau. Der Hahn der eten hat weiße Hals⸗, Rücken⸗, Sattel⸗ Schulter⸗ und Bugfedern; die Flügeldeckfedern haben ſchwarze Querſprenkel, die an der Spitze ein Band bilden; die Sch hwingen ſind weiß, die erſten unten ſchwarz, die zweiten haben einen ſchwarzen Q Quer⸗ ſtreifen am Kiele. Bruſt und übriges Gefieder ſind weiß mit ver⸗ 40 Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. einzelten ſchwarzen Punkten, beſonders an der Hinterſeite der Schenkel. Der Schwanz iſt ſchwarz, ebenſo die Sichelfedern, letztere mit weißer Einfaſſung.. Die Henne hat weiße Halsfedern, das übrige Gefieder iſt weiß mit ſchwarzen gleichmäßigen Querbändern, welche regelmäßige Linien um den Leib bilden ſollen. Die goldgeſprenkelten haben dieſelbe Zeichnung, nur tritt an die Stelle des Weiß überall das Goldbraun. 4. Bei den ſchwarzen Hamburgern ſoll das Gefieder ſchön metalliſch grün oder bläulich ſchwarz erſcheinen; grüner Metallglanz wird bevorzugt. Die Hamburger ſind ausgezeichnete Eierleger, dagegen ſehr ſchlechte Brüter; genügſam in der Nahrung, ſehr abgehärtet, wenig empfänglich für Krankheiten. Die Kücken wachſen raſch und beginnen oft ſchon im ſechſten Monate zu legen. Sehr zu bedauern iſt, daß dieſes Huhn trotz dieſer guten Eigenſchaften kein brauchbares Wirtſchaftshuhn iſt, ſeines kleinen Körpers und ſeiner zu leichten Eier wegen. Die Hauptzucht wurde ſeit früheſter Zeit in Lancaſhire im großen getrieben. Sie ſind zu Kreuzungen nicht beſonders empfehlenswert, und ſelbſt bei Reinzucht kommen häufig Rückſchläge vor. Es exiſtieren außer den angeführten Schlägen eine Menge Varietäten unter den verſchiedenſten Namen, die ſich durch veränderte Federzeichnung unterſcheiden; außerdem die Rotkappen, welche ſich durch einen ſehr großen Roſenkamm(0,13 m lang, an breiteſter Stelle 0,9 m meſſend) auszeichnen, im übrigen aber das Hamburger Huhn nur durch unbedeutend größeres Gewicht übertreffen. Das unter der Bezeichnung Schottiſche Graue, graue Schotten oder Schottiſche Kuckuckſperber bekannte Huhn(Fig. 6) iſt ein in Schottland und England heimiſches, bis jetzt bei uns noch ſeltenes, recht brauchbares Wirtſchaftshuhn. Gewicht des Hahns 3 ½, der Henne 2 ½ kg. Das Fleiſchgewicht iſt zu dem der Knochen günſtig, das Fleiſch iſt kurzfaſerig, die Haut weiß. Durchſchnittliches Eigewicht 64 bis 68 g. Die Brütneigung iſt gering. Zudem iſt dies Huhn eine anſprechende ſtattliche Erſcheinung. Das Gefieder hat Sperber⸗ färbung gleichmäßig über den ganzen Körper und den Schwanz aus⸗ gebreitet. Der Kamm iſt einfacher gezackter, nicht auffallend hoher Steh⸗ kamm, das Geſicht rot; die Ohrlappen ſind von derſelben Farbe, die Kehllappen breit und maßig lang. Der Körper ſieht der breiten Stellung der Beine wegen maſſig aus. Das Dorkinghuhn(Fig. 7). Es giebt keine Hühnerraſſe, welche in gleichem Maße wie das Dorkinghuhn nützliche mit Sporteigen⸗ ſchaften verbindet. Es übertrifft in dieſen Beziehungen auch das für eins der nützlichſten und zugleich ſchönſten Hühner gehaltene rein ge⸗ züchtete italieniſche Huhn durch ſeinen Wert als vortreffliches Fleiſch⸗ huhn. Es wäre daher ſchwer zu begreifen, daß dieſes in beiden Richtungen ausgezeichnete Huhn bei uns nur ſehr ſelten gezüchtet wird, Landhuhnraſſen. 41 wenn ihm nicht der Ruf anhaftete, daß es zu ſeinem Gedeihen verlange: „Mildes Klima, trockenen warmen Boden, windgeſchützte Ortlichkeiten“. Aber welche edle Hühnerraſſe verlangt das nicht? Ohne beſondere Fürſorge gedeiht überhaupt keine edle Raſſe. Übrigens iſt es mit der aus vorſtehend ausgeſprochenem Verlangen zu folgernden Weichlichkeit des Dorkinghuhns nicht gar ſo ſchlimm beſtellt. Die genannten üblen Eigenſchaften werden nicht von allen Züchtern dieſer Raſſe anerkannt. Und auch ich habe dieſes Huhn unter den gewöhnlichen Verhältniſſen, die bei der Hühnerhaltung obzuwalten pflegen, ohne Krankheiten be⸗ ſtehen geſehen und erinnere mich ſpeciell eines prächtigen Dorkinghahns, welcher jahrelang auf einem großen Zimmerplatze der bunt zuſammen⸗ gewürfelten Hühnerherde in beſter Kraft vorſtand. Sollten aber dieſe Fig. 6. Schottiſche Kuckuckſperber. Beobachtungen auf Ausnahmen von der Regel beruhen, ſo dürfte der Mangel an Abgehärtetheit doch den Liebhaber ſchöner Hühner nicht abſchrecken. Er wird gewiß bei einiger Fürſorge Freude an den hübſchen kräftigen Vögeln erleben und könnte zugleich ſich hohes Verdienſt er⸗ werben durch die Acclimatiſation dieſer zugleich ſehr nützlichen Raſſe. Mag dieſelbe auch vorläufig noch nicht für alle Verhältniſſe paſſen, ſo kann doch auch jetzt ſchon in geſchützten Lagen aus den nützlichen Eigenſchaften des Dorkinghuhns Vorteil gezogen werden; beſonders zu empfehlen iſt die Kreuzung des Dorkinghahns mit Hennen verſchiedenſter Abſtammung zur Erzeugung guter Fleiſchhühner. Allgemeine Eigenſchaften der Raſſe. Das Dorkinghuhn hat einen niedrig geſtellten„vierſchrötigen“ Rumpf mit flachem breitem Rücken und bei langem Bruſtbein ſehr entwickelte Bruſt. Der dicke Halsbehang läßt den Hals kurz und dick erſcheinen und trägt mit der 42 Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. üppigen Entwickelung der übrigen Befiederung, aus der die Schenkel kaum hervorragen, dazu bei, die ganze Erſcheinung zu einer auffallend maſſigen zu machen. Das Gewicht ausgewachſener Vögel variiert bei den Hähnen zwiſchen 4 ½ und 6 kg, bei den Hennen zwiſchen 3 ½ und Fig. 7. Dunkelgraue Dorking, Hahn. 5 kg. Der verhältnismäßig kleine Kopf trägt entweder einen einfachen, beim Hahne aufrecht ſtehenden, bei der Henne liegenden, gezackten Kamm oder den ſogenannten Roſenkamm mit nach hinten etwas aufſteigender Spitze. Geſicht und Ohrlappen ſind rot, die Kehllappen beim Hahne lang und breit, bei der Henne kurz und abgerundet. Die Läufe ſind kurz, fleiſchfarbig oder weiß mit roſarotem Anflug und tragen dicht Landhuhnraſſen. 43 über der vierten hinteren eine fünfte, etwas aufwärts gerichtete Zehe. Die Flügel ſind groß und der aufrecht getragene Schwanz des Hahnes iſt vollfederig und hat ſehr entwickelte Sichelfedern. Die Knochen ſind dünn, ſo daß bei gut genährten Vögeln ihr Geſamtgewicht nur ⅛ des Geſamtfleiſchgewich ts beträgt.— Die Henne legt fleißig durch ſch nittlich 55 g ſchwere Eier(nach E. Lemoine 120); ſie iſt eine ſehr gute Brüterin und führt die Jungen ausgezeichnet.— Die Kücken ſollen ſehr zart ſein und keinen Regen vertragen, aber dieſer iſt ja bekanntlich allen jungen Kücken verderbenbringend; ſie wachſen aber recht ſchnell. Nach E. Lemoine beträgt das Gewicht des Dorkingkücken am 1. Tage 40 g., am 15. ſchon 140 und am 30. bereits 300 g., ſelbſtverſtändlich nur bei richtiger Pflege und reichlicher Ernährung. Farbenſchläge. Das Dorkinghuhn kommt in allen den ver⸗ ſchiedenen Färbungen vor, wie wir ſie beim Landhuhne und beim italieniſchen Huhne kennen. Man hat wie bei dieſem beſtimmte Farbenſchläge her⸗ ausgezüchtet: einen dunklen, einen hellen, einen kuckuckfarbigen und einen rein weißen, erſtere beiden mit einfachem, letztere beiden mit Roſen⸗ kamm. Bei dem dunklen und dem hellen(ſogenannten ſilbergrauem) Farbenſchlage unterſcheiden ſich die Hähne, welche ſchwarze Bruſt und Unterſeite, ſchwarzen Spiegel und ſchwarzen Schwanz haben(dieſe beiden grün ſchillernd), durch die dunklere oder hellere Färbung der Hals⸗, Rücken⸗ und Sattelfedern; bei der dunklen Varietät ſind die Hals⸗ und Sattelfedern weiß oder ſtrohfarbig mit ſchwarzen Streifen, der Rücken ſchwarz oder grau(ſchwarz und weiß gemiſcht); bei der hellen(ſilber⸗ grauen) Varietät ſind die Hals⸗, Schulterdeck⸗ und Sattelfedern rein weiß oder ſchwach ſchwarz geſtrichelt. Bei den dunklen Dorkings iſt ſtrohgelb im Behang dem weißen vorzuziehen.— Die Hennen der dunklen und der hellen Varietät haben beziehentlich dunkelgraue oder heller graue Rücken-, Flügel⸗, Steiß⸗ und Schwanzfedern, dunklere oder hellere lachsfarbige Bruſt und weiß⸗ oder ſtrohfarbige, ſchwarz geſtreifte oder weiße ſchwach ſchwarz geſtrichelte Halsfedern. Die Färbung der kuckuckfarbigen und der weißen Dorking bedarf einer beſonderen Beſchreibung nicht. Erſtere ſind ſehr ſelten; ſie und der ſilbergraue Schlag beſitzen alle Vorzüge diſtinguierter Sportraſſen. Der kuckuckfarbige Schlag iſt härter als die übrigen; auch ſollen die Eierablegung reichlicher und die Kücken nicht ſo emfindlich ſein, wie bei den anderen Schlägen, Eigenſchaften, welche für die Züchtung gerade dieſes Schlages ſprechen. Der dunkle Schlag iſt in der Regel der größte und ſchwerſte, der weiße der kleinſte. Das ſoll daher rühren, daß zur Züchtung des erſteren Kreuzung des früher vorhandenen kleirant Dorlinghuhns mit Brahmaputrahahn vorgenommen worden ſei.— Bei Gelegenheit der Beſchreibung des Dorkinghuhns erwähnt das Journal „Le Poussin“ die intereſſante Thatſache, daß ſchon die Römer ein Huhn mit fünf Zehen gekannt hätten. Columella habe ein ſolches be⸗ ſchrieben und dabei von der Maſſigkeit und Viereckigkeit des Rumpfes ſo entſchieden geſprochen, daß die Möglichkeit nicht ausgeſchloſſen ſei, 44 Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. daß das ältere Dorkinghuhn ſchon den Römern bekannt geweſen ſei. Damit iſt freilich nicht geſagt, daß das römiſche Italien ſeine Heimat geweſen ſei; wahrſcheinlicher iſt, daß die Römer dieſes ſchwere fünfzehige Huhn aus dem nördlichen Gallien oder aus Brittannien bei ſich einge— führt haben. Dagegen behaupten engliſche Geflügelzuchtsautoritäten, daß die Dorkingraſſe erſt ſeit einem Jahrhundert in England bekannt ſei. Aufzuklären wird es ſchwerlich ſein, welches Land das urſprüng⸗ liche Heimatland der Dorkingraſſe iſt. Von außerhalb Deut⸗ ſchlands vorkommenden Landhühnern, von denen es namentlich in Frank⸗ reich eine ziemliche Anzahl mit guten Eigenſchaften giebt, ſo das Barbézieux- und das Cournay-Huhn, ſei hier nur noch das Italieniſche einer nähe⸗ ren Betrachtung unterzogen, da es für uns wegen ſeiner maſſenhaften Ein⸗ führung von hoher Be⸗ deutung iſt. Es unterſcheidet ſich von unſerem Land⸗ huhne durch etwas größeren Körper und hohen, auf breiter Baſis ruhenden, eingezackten Kamm, der beim Hahne aufrecht ſteht, bei der Henne nach einer Seite umliegt. Das Ge⸗ ſicht iſt vot, die Ohrlappen ſind weiß. Das Gefieder Fig. 8. Weiße Italiener, Hahn. iſt ſehr verſchieden gefärbt. Die Läufe ſind gelb oder auch graublau; es giebt auch grüne Läufe, die vielleicht durch Kreuzung der Hühner mit gelben und ſolcher mit graublauen Läufen entſtanden ſind, möglicherweiſe aber nur eine Abſchattierung des Gelb bilden, da grünliche Läufe nur bei ſchwarzen Hühnern vorzukommen pflegen. Im beſondern verſteht man unter italieniſchem Huhne(Fig. 8) ein ſolches mit gelbem Schnabel, gelber Haut und gelben Läufen; die dunkel⸗ füßigen werden nicht für voll angeſehen, obgleich ihre Eigenſchaften denen der gelbfüßigen nicht nachſtehen. Im Gegenteil verdienen die erſteren den Vorzug wegen ihrer weißen Haut und ihres zarteren Fleiſches bei ebenſo guter Eiererzeugung, wie die gelbfüßige Art ſie ausübt. Zu bedauern iſt es, daß durch vielfache Einführung der gelb⸗ Landhuhnraſſen. 45 füßigen Italiener und Kreuzung unſerer Landhühner mit dieſen Hühner⸗ beſtände hervorgerufen worden ſind, welche zwar durch Eiererzeugung ausgezeichnet ſind, aber zur Erzeugung von Schlachthähnen, beſonders von gemäſteten, ganz ungeeignet ſind, auch das Fleiſch nicht von be⸗ ſonderer Güte und das Huhn zu unruhig iſt. Eine der Eierablegung günſtige Eigenſchaft des italieniſchen Huhns iſt die, daß es nicht brütet. An unſer Klima gewöhnt es ſich leicht und hat im übrigen, beſonders was Ernährung und Futterſuchen betrifft, die guten Eigenſchaften unſerer Landhühner. Die Eier wiegen durchſchnittlich 60 g. Die Jungen wachſen ſchnell heran und befiedern ſich leicht. Junge Hennen legen, wenn ſie das Alter von 7 Monaten erreicht haben, die erſten Eier ab, vorausgeſetzt, daß ſie aus Frühbruten herrühren und dieſes Alter nicht erſt im Winter erreichen. Schon in römiſcher Zeit züchtete man mit beſonderer Sorgfalt die gelbfüßigen Italiener; die dunkelfüßigen waren die gemeinere Art, nur ſie durften als Opfertiere verwendet werden. Später pflanzte ſich die Züchtung der erſteren beſonders im nördlichen Italien fort. Von da kamen ſie auch nach Amerika und von hier in den 60 er Jahren nach England. In beiden Ländern widmete man der Zucht dieſer hübſchen Hühner beſondere Aufmerkſamkeit. Sie erſchienen unter dem Namen Leghorns auch in Deutſchland, wo zugleich über die Schweiz im Jahre 1870 die erſten gelbfüßigen Italieniſchen Hühner ihren Ein⸗ zug hielten. Dieſe hatten gelbes Gefieder mit ſchwarzem Schwanze. Die erſten als Leghorns eingeführten Italiener waren weiß; ihre ſtolze Haltung, ihr hoher Kamm, das rote Geſicht, die langen Kehl⸗ lappen und die gelben Läufe, welche von dem weißen Gefieder prächtig abſtachen, machten dieſe Hühner bald zu Lieblingen der Geflügelfreunde. Kurze Zeit ſpäter geſellte ſich noch der braune oder rebhuhnfarbige Farbenſchlag der Leghorns dem weißen zu. Beim Hahne dieſes Schlages ſind die Bruſt, der Unterleib, die Schenkel und der Schwanz ſchwarz, der Kopf, Hals und die Sattelfedern dunkelrot mit wenigen ſchwarzen Streifen, Schulter⸗, Bug⸗ und Rückenfedern karmoiſinrot, die Flügel⸗ decken ſchwarz mit grünem Glanze, die Schwungfedern kaſtanienbraun und ſchwarz. Die Henne hat Rebhuhnfarbe mit lachsroter Bruſt und dunkelbraune oder ſchwarze Schwung⸗ und Schwanzfedern. Außerdem hat man noch als beſonders diſtinguierte Schläge: einen ſchwarzen, deſſen gelbe Läufe aber nur im erſten Jahre intenſiv gelb ſind, und einen kuckuckfarbigen. In letzter Zeit iſt auch der gelbe wieder zu Ehren gekommen. Als die ſogenannten Leghorns und die gelbfüßigen, direkt aus Italien eingeführten italieniſchen Hühner bei uns Eingang gefunden hatten, beſtritten viele Geflügelfreunde die nahe Verwandtſchaft beider, wenigſtens wurde behauptet, die auf die Federn gezüchteten Leghorns überträfen ihre italieniſchen Vettern in betreff der Eierlegefähigkeit ganz außerordentlich. Bald ſtellte ſich das aber als großer Irrtum heraus. 46 Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. In neueſter Zeit hat die Liebhaberei für auf beſondere Farben⸗ ſchläge gezüchtete Italiener und überhaupt für das Italieniſche Huhn bedeutend nachgelaſſen. Man iſt leider ſehr ſpät zu der Erkenntnis gekommen, daß die maſſenhafte Einbürgerung dieſes Huhns ein Miß⸗ griff war. Nur da, wo es lediglich auf Eierproduktion abgeſehen iſt, verdient es Beachtung. II. Gruppe. Spaniſche Hühnerraſſen. Verwandt mit dem Italieniſchen Huhn durch Geſtalt, Kamm⸗ bildung und allgemeine Eigenſchaften ſind die ſpaniſchen Hühner, welche man bisher in der Regel mit dem gelbfüßigen Italieniſchen Huhn in eine Gruppe: die Mittelmeerraſſen zuſammenfaßte. Der allgemeine Charakter der ſpaniſchen Hühner iſt folgender: Sie haben hohe Geſtalt, ſtolze Haltung und lebhafte Bewegungen, langen Hals, ſtark entwickelte Bruſt, hohe, kräftige, glatte, blaugraue Läufe mit 4 ſchlanken Zehen, ſtarken, ſehr aufrecht getragenen Schwanz, ſehr hohen, tief eingezackten Kamm, beim Hahn aufrecht ſtehend, bei der Henne nach der Seite umliegend, unbefiedertes Geſicht, große weiße Ohrlappen und ſehr lange hängende Kehllappen. Die Färbung des Geſichtes und die Größe der weißen Ohrlappen iſt verſchieden; ſie ſind die hauptſächlichſten Unterſcheidungsmerkmale der verſchiedenen ſpaniſchen Raſſen. Weißes Geſicht und damit zuſammenhängende ſehr große weiße Ohrlappen kennzeichnen die eigentlichen Spanier oder Spanier mit weißem Geſicht, rotes Geſicht und weniger große weiße Ohr⸗ lappen die Spanier mit rotem Geſicht. Die eigentlichen oder weißgeſichtigen Spanier ſind be⸗ ſonders ausgezeichnet dadurch, daß das Geſicht reinweiß iſt und daß die weißen Ohrlappen ſehr entwickelt ſind und mit dem weißen Geſicht zuſammenhängend eine große weiße Wange bilden, welche beim Hahne nicht ſelten bis zum Ende der langen Kehllappen hinabreicht und unter dem prächtigen roten Stehkamm und zwiſchen den lang herabhängenden Kehllappen und dem tiefſchwarzen, grün ſchillernden Halsgefieder einen ſich auffallend abhebenden Gegenſatz bildet. Zu bedauern iſt, daß dieſes ſchöne Huhn nur als Luxusgeflügel, nicht als Nutzgeflügel Wert hat, weil ſeine Kücken ſchwierig aufzuziehen ſind, da ſie ſich nur ſehr langſam befiedern. Dem Liebhaber dieſer Raſſe aber bringt ſie dennoch durch reichliches Ablegen ſchwerer Eier nicht unbeträchtlichen Nutzen. Auch ergiebt der beim Hahne 3—4 kg, bei der Henne 2 ½— 3 kg wiegende Körper mit weißer Haut und zartem Fleiſche nicht zu ver⸗ achtende Schlachtware. Die Kopfhöhe des Hahns ſchwankt zwiſchen 0,55 und 0,66 m, die der Henne zwiſchen 0,45 und 0,50 m. Ganz im Gegenſatz zur Aufzucht der ſpaniſchen Kücken wachſen diejenigen der rotgeſichtigen Spanier, der Minorca⸗, Andaluſier⸗ und Anconahühner ſehr leicht und ſchnell heran. Die jungen Hennen ſind im Alter von 6 Monaten legereif. Dieſe Hühner ſind ausge⸗ Spaniſche Hühnerraſſen. 47 zeichnete Eierleger und eignen ſich auch recht gut zur Fleiſcherzeugung. Beſonders iſt dies bei den Minorca der Fall, deren Körper den der beiden anderen an Größe und Gewicht übertrifft. Das Minorcahuhn iſt dasjenige, welches ſich viel beſſer als das Italieniſche für die wirt⸗ ſchaftliche Zucht eignet, was denn auch in neueſter— Zeit faſt allge— mein anerkannt— worden iſt, nach=ſ dem zuerſt im Ok⸗ tober 1880 Oberſtlieutenant a. D. E. Sabel in den„Blättern für Geflügelzucht“ auf die vortreff— lichen wirtſchaft⸗ lichen Eigenſchaf ten dieſes Huhns aufmerkſam ge⸗ macht und ſeit— dem ununterbro⸗ chen für Aner⸗ kennung derſel⸗ ben gewirkt hatte. Der Minorca Eierproduktion übertrifft noch diejenige der Ita liener. Das Ge⸗ wicht desFleiſches einer 6 Monate alten Henne be⸗ trägt 1,400 kg, das der Knochen 0,165 kg, das Verhältnis des Fleiſchgewichts zu Fig. 9. Andaluſier, Hahn(jung). dem der Knochen, dieſes gleich 1 angenommen, alſo 8,48. Die Hennen brüten nicht. Das Gefieder iſt reinſchwarz, dasjenige der Andaluſier(Fig. 9) ſchieferblau, das der Ancona kuckuckfarbig. Auch dieſe beiden Farbenſchläge verhalten ſich in betreff ihres wirtſchaftlichen Wertes ähnlich wie die Minorca, ihr Gewicht iſt aber etwas geringer. 48 . 5ε ο ℳ Fig. 10. 4 Zweiter Abſchnitt. Kochinchina, Hahn und Henne. Hühnerzucht. In Deutſchland beſitzen wir in den Bergiſchen Hühnern zwei Raſſen, welche in naher Verwandtſchaft zu den eben geſchilderten ſpani⸗ ſchen Raſſen ſtehen und im allgemeinen die guten Eigen⸗ ſchaften derſelben beſitzen: die Bergiſchen Kräher und die Schlotterkämme. III. Gruppe. Rieſenhühner. Schwere große aſiatiſche Hühner, gekennzeichnet durch breiten kurzen Rumpf, nach dem Bürzel zu aufſteigenden Rücken, reichliche lockere Befie⸗ derung, auffallend dicke Schen⸗ kel mit befiederten Läufen und Befiederung einer Zehe, rotes glattes Geſicht und rote Ohr⸗ ſcheiben. Sie legen bräunlich oder gelb oder rötlich gefärbte Eier. Sie unterſcheiden ſich in Raſſen durch Verſchieden⸗ heit der Kammform, der Fär⸗ bung und Befiederung der Läufe und Zehen und der Schwanzbeſchaffenheit. 1. Kochinchinaraſſe (Fig. 10). Hat einfachen mittel⸗ hohen Stehkamm, gelbe Beine, ſehr ſtarke Befiederung des Laufs und der Mittelzehe; der Schwanz des Hahnes hat keine eigentlichen Sichelfedern. 2. Brahmaputraraſſe. Unterſcheidet ſich von der vorigen durch dreireihigen Kamm(Erbſenkamm) und da⸗ durch, daß der Schwanz des Hahnes kurze Sichelfedern hat. 3. Langſhanraſſe. Hat ziemlich hohen einfachen Stehkamm, nur dünn oder Rieſenhühner. 49 auch nicht befiederten ſchieferblauen Lauf und Außenzehe; im Schwanze des Hahnes ſind die Sichelfedern gut entwickelt. Durch Kreuzung oder Bluteinmiſchung ſind vor nicht allzulanger Zeit aus den beiden zuerſt genannten Raſſen Unterraſſen entſtanden. a) Plymouth⸗Rock⸗Raſſe. Dem Kochinchinahuhne nahe ver⸗ wandt, aber nicht ebenſo groß und ſchwer und ohne Laufbefiederung. Der Kamm wie bei den Kochinchinahühnern; der Schwanz des Hahns hat mittellange Sicheln. b) Wyandotte⸗Raſſe. In Form und Haltung den Brahma⸗ putrahühnern ähnlich; hat Roſenkamm und unbefiederte gelbe Läufe. Der Schwanz des Hahns hat halblange Sicheln. Das Kochinchinahuhn erreicht ein Gewicht beim Hahne von 4 ½ bis 6 ½ kg, bei der Henne von 4 bis 5 kg. Die Kopfhöhe des erſteren mißt 0,60 bis 0,70 m. Die Rückenhöhe der Henne beträgt 0,25 bis 0,28 m. Die Knochen ſind im Verhältniſſe zum Fleiſchgewichte ſehr ſchwer. Die Färbung iſt gelb, rebhuhnfarbig, ſchwarz, weiß oder kuckuckſperber. Die rebhuhnartigen gehören zu den prächtigſten Geflügelarten. Der Hahn hat orangerote Kopffedern, rotgelbe bis rotbraune Hals⸗ und Sattelfedern mit breitem, ſchwarzem Streifen in der Mitte jeder Feder. Die Rücken- und Schulterfedern ſind dunkelrot, die Schwingendeckfedern metalliſch grünſchwarz und bilden ein Querband durch die Flügel. Die Flügelfedern ſind rotbraun, unten ſchwarz, die Rückenfedern rotbraun, die Bruſt und die Unterſchenkel, ſowie die Beinbefiederung ſchwarz, ebenſo der Schwanz. Die Henne hat dunkelgelbe Kopf⸗ und Halsfedern mit ſchwarzem Mittelſtreifen, im Ubrigen ein dem Rebhuhn ähnliches Gefieder, bis auf den orangeroten Hals. Das Brahmaputrahuhn iſt etwas größer noch als das Kochinchinahuhn; Hahn und Henne erreichen Gewichte von beziehentlich 5 ½ bis 7 ½ kg und 4 bis 6 ½ kg. Sein Knochengerüſt iſt noch ſchwerer als bei dieſem. Es giebt helle(hell gefärbte) und dunkle Brahmas. Bei den hellen Brahmas iſt Kopf und Hals weiß, bei letzterem jede Feder ſchwarz gezeichnet, ebenſo die Sattelfedern; der Schwanz glänzend grünſchwarz, das übrige Gefieder iſt weiß mit grauem Flaume und mit perlfarbenen Konturfedern. Die erſten Schwingen ſind ſchwarz, die zweiten weiß am unteren und ſchwarz am inneren Rande. Die Laufbefiederung iſt weiß mit etwas ſchwarz geſcheckt. Die Henne iſt im Gefieder dem Hahne gleich, nur noch mehr weiß. Kamm⸗, Ohr⸗ und Kehllappen ſind intenſiv rot, ebenſo die Iris, die Füße orangegelb, der Schnabel reingelb. Die dunklen Brahmas haben dunkler gezeichnete Hals⸗ und Sattelfedern; die Flügel⸗ und Schwingendeckfedern ſind ſchwarz, die Bugfedern ſilberweiß, die erſten Schwingen ſchwarz, die zweiten weiß und unten ſchwarz. Das übrige Gefieder iſt ſchwarz mit weißen Punkten; der Schwanz iſt ſchillernd ſchwarz. Die Henne hat ſilber⸗ weiße Kopf- und Halsfedern wie der Hahn; der Schwanz iſt ſchwarz, Pribyl, Geflügelzucht. 4. Auflage. 4 50 Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. das übrige Gefieder iſt licht⸗ bis dunkelgrau mit ſchwarzer oder ſchwarz⸗ grauer, regelmäßiger, halbmondförmiger Zeichnung. Der Schnabel iſt bei beiden Geſchlechtern gelb mit dunklen Streifen, Kamm und Geſicht wie bei den hellen Arten. Das Langſhanhuhn hat die Größe des Kochinchinahuhns, jedoch der dünneren Knochen wegen etwas geringeres Gewicht. Die Färbung iſt ſchwarz mit Metallglanz. Das Plymouth⸗Rock⸗Huhn iſt ſo hoch wie das Brahma⸗ putrahuhn, aber leichter: Hahn wiegt 3 ½ bis 4 ½ kg, Henne 2 ¼ bis 3 ½ kg. Die Beine ſind höher als beim Kochinchinahuhn, die nackten Läufe lang und ſtarkknochig. Das Gefieder iſt anliegend. Färbung der Federn aſchgrau, ſchwarzgrau quergebändert(Sperber⸗ zeichnung); auch kommt ſie ſchwarz vor. Das Wyandotte⸗Huhn iſt leichter als das Brahmaputrahuhn; Gewicht 3 bis faſt 4 kg beim Hahn, 21 ½ bis 3 kg bei der Henne. Die Beine ſind von mittlerer Länge und ziemlich feinknochig. Das Gefieder iſt derber und knapper als beim Brahmaputrahuhn. Man unterſcheidet Silber- und Gold⸗ und weiße Wyandottehühner. Bei den erſteren Färbungen iſt die Grundfarbe beziehentlich weiß oder gold⸗ braun. Die einzelnen Federn ſind auf weißem oder braunem Grunde breit und glänzend grünlich ſchwarz geſäumt. Die Flügel haben zwei ſchwarze Querbänder, der Rücken iſt beim Hahne ſilbergrau. Kopf und Schultern des Hahnes ſind weiß oder goldbraun, Hals⸗ und Sattel⸗ behang mit breitem ſchwarzem Mittelſtreich. Der Schwanz iſt grün⸗ glänzend ſchwarz. Die Henne iſt ähnlich wie der Hahn gefärbt. Dieſe ſchönen großen Hühner leiden ſämtlich an dem Fehler, daß ihre Eierproduktion, da ſie häufig brütig werden, keine ausgezeichnete iſt. Ihre Ernährung koſtet viel mehr, als ihre Eier wert ſind. Auch ſind ſie mit Ausnahme des Langſhanhuhns als Fleiſch produzierende Hühner nicht verwendbar, da ſie gelbe Haut und wenig Bruſtfleiſch und überhaupt wenig Fleiſch im Verhältniſſe zu dem Knochenge⸗ rüſte haben. Dagegen ſind ſie als gute Brüthennen wertvoll. Die Langſhanraſſe eignet ſich ihrer weißen Haut und dünneren Knochen wegen zur Fleiſcherzeugung und zur Kreuzung mit anderen Hühnerraſſen, behufs Hervorbringung von zu Schlachtzwecken geeigneten Junghühnern. IV. Gruppe. Kampfhühner. Die Kampfhühner ſind kräftige, meiſt ſtarkknochige Hühner mit hohen Beinen und unbefiederten Läufen, kräftigem Schnabel, langem Halſe, breitem, nach dem Schwanze zu ſich verjüngendem Rumpfe, gut entwickeltem Schwanze, kurzen Flügeln, herausfordernder Haltung und meiſt durch große Kampfluſt ausgezeichnet. Zu wirtſchaftlichen Zwecken ſind ſie nicht geeignet. Zu ihnen gehören außer dem eigentlichen Kampfhuhne das Malayen- und das Yokohamahuhn. Kampfhühner. 51 1. Das Malayenhuhn iſt eine der intereſſanteſten, von allen anderen Hühnern, ſelbſt den durch Malayenblut beeinflußten Kampf⸗ hühnern und dem ihm verwandten Yokohamahuhne durch Figur, Haltung, Gefieder und Eigenſchaften ſcharf unterſchiedene Hühnerraſſe, zugleich die größte, wenn man bei aufgerichteter Haltung die Höhe vom Boden, auf dem das Huhn ſteht, bis zum Oberkopfe mißt; dieſelbe beträgt beim Hahne 0,75 m, während ſie bei dem anſcheinend größten aller Hähne, dem Kochinchinahahn, nur 0,60 m bis höchſtens 0,70 m ausmacht. Der mit außerordentlich ſtarkem, kurzem, koniſchem, oben ge⸗ wölbtem Schnabel ausgerüſtete Kopf iſt kurz, oben platt und zwiſchen den Augen auffallend breit, von niedrigem, breitem, über der Schnabel⸗ wurzel dickem, nach hinten dünner werdendem Kamm, der auf der Mitte des Kopfes endet, nur wenig überragt; die Kehllappen ſind kurz; das ziemlich ausgedehnte Geſicht iſt nackt und rot mit kleinen roten Ohrlappen. Das durch Vorſpringen der Augenbogen tiefliegende große Auge hat einen finſtern, wilden, drohenden Ausdruck. Der Hals iſt lang und dünn, der Rumpf dagegen zwiſchen den Schultern breit; letzterer verjüngt ſich ſcharf nach hinten und hat einen ziemlich ſtark gewölbten Rücken; er wird ſo aufgerichtet gehalten, daß der Rücken mit der horizontalen Linie einen Winkel von 45 Grad bildet. Die Flügel werden ſehr hoch getragen, an den Flanken aber feſt anliegend, was die Schulterbreite noch größer erſcheinen läßt. Bruſt und Flügelanſätze ſind ſehr gut entwickelt und muskulös. Die Schenkel ſind lang und kräftig, die Läufe ſehr lang und ſtark, die langen kräftigen Zehen mit ſtarken Nägeln verſehen. Das Gefieder iſt hart, kurz und liegt feſt am Körper an, ſo daß es bei der koniſchen Geſtalt des Rumpfes ſchwierig iſt, den umfaßten Vogel in den Händen zu behalten, denen er bei der gerinſten Be⸗ wegung entſchlüpft, ſo daß ferner der ſtarke muskulöſe Körper viel leichter zu ſein ſcheint, als er iſt. Ein gut entwickelter, kräftiger, in gutem Nährzuſtande ſtehender Hahn erreicht das bedeutende Gewicht von 5 kg. Der Schwanz iſt dünn und kurz mit zugeſpitzten Federn und wird vom Hahne horizontal, von der Henne etwas höher getragen. Der Malayenhahn trägt den Kopf hoch und den breiten, durch den dünnen, ſenkrecht gehaltenen Hals noch breitſchulteriger als er iſt erſcheinenden Rumpf auf den hohen kräftigen Läufen ſehr aufgerichtet. Er macht in dieſer Haltung ſtets den Eindruck der Bereitſchaft zum Kampfe, der noch erhöht wird durch die vorſtehenden Bugſpitzen. Die nicht viel kleinere Henne hat eine derjenigen des Hahnes ähnliche Haltung; das Gefieder iſt ebenſo knapp und anliegend, ſie hat denſelben wilden Blick und ebenſo tiefliegende große Augen wie er. Sie wiegt 3 bis 3 ½ kg, legt gelbliche, ſehr hartſchalige Eier in mäßiger Anzahl, brütet aber gut und führt und ſchützt ihre Kücken vorzüglich. Die Gefiederfärbung iſt vorherrſchend braun(dunkel oder hell), aber auch geſperbert, weiß und dunkelfarbig geſcheckt, ſchwarz oder ganz weiß. Die ganz weißen Malayen nennt man auch Napoleon⸗ oder Pariſer⸗Hühner. 4* Gt 1 Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. Das Auge iſt mattgelb oder perlgrau, der Schnabel gelblich, die Läufe glänzend hellgelb. Der Hahn des dunkelbraunen Schlages iſt auf der Oberſeite im allgemeinen braun, auf der Unterſeite(Vorderhals, Bruſt, Bauch und Schenkel) mattſchwarz; der Schwanz und ein mittlerer Querſtreif auf dem Flügel ſind ſchwarz mit grünem Schiller; bie braune Färbung der Oberſeite ſetzt ſich zuſammen aus dunkelbraunen, an den Spitzen roten Kopf⸗, Hals⸗ und Sattelfedern, rein tiefdunkelbraunen, blau und grün ſchillernden Rücken-, Schulter- und Bugfedern und ſchwarzen, braun geſäumten Schwingen. Das Gefieder der Henne iſt dunkelbraun (die einzelnen Federn ſchwarz geſäumt) mit ſchwarzen Kopf⸗, Hals⸗ und Schwanzfedern; die Rückenbefiederung mit grünem Schimmer. Bei der hellbraunen Varietät iſt der Hahn im allgemeinen der Vorigen ähnlich gezeichnet, jedoch ſtatt braun braunrot bis rot, die Henne heller oder dunkler zimmetrot mit ſchwarz geſtreiften Halsfedern. Unter geſcheckten Malayen verſteht man ſolche, welche vorherrſchend weiß befiedert ſind, mit beim Hahne roten Hals-, Rücken⸗, Flügeldeck⸗ und Sattelfedern, bei der Henne rotbrauner Fleckung. Mit mehr Recht könnte man die ſogenannten porzellanfarbigen Malayen geſcheckte nennen, deren Zeichnung durch rotbraune, ſchwarze und weiße Färbung hervorgebracht iſt. Nur Hals⸗ und Sattelbehang des Hahnes ſind einfarbig gelbrot, die Schwingen weiß, der Schwanz grünglänzend ſchwarz. Die Sperberſärbung bedarf wie die ſchwarze und weiße einer beſondern Beſchreibung nicht. Erſtere iſt ſelten und dürfte zu verwerfen ſein, da ſie wahrſcheinlich durch Bluteinmiſchung hervorgebracht iſt. Ebenſowenig iſt die ſogenannte porzellanfarbige Färbung zu empfehlen. Den wahren Züchter wird die prächtige dunkelbraune Färbung am meiſten anziehen; ſie iſt beſonders empfehlenswert. Die Züchtung mit Malayen iſt nicht ſchwierig, jedoch müſſen ſie ihrer Streitſüchtigkeit und Kraft wegen von anderem Geflügel ab⸗ geſondert gehalten und es muß den Kücken, die ein wenig weichlich ſind, beſondere Sorgfalt gewidmet werden. Man laſſe nicht zu früh brüten, damit die zarten kleinen Vögelchen bei genügender äußerer Luftwärme aufwachſen können. Ausgewachſene Malayen ſind harte dauerhafte Vögel und gewähren durch ihre nicht ſcheue, ſtolze, heraus⸗ fordernde, eigenartige Haltung und den prächtigen Gefiederglanz einen herrlichen Anblick. 2. Das Kampfhuhn, auch Kämpfer genannt, iſt eine zum Zwecke des Hahnenkampfes beſonders erzüchtete Haushuhnraſſe mit ſehr aufgerichteter Körperhaltung, ſtraffen kräftigen Muskeln, nach hinten ſchmäler werdendem, breitem Rumpfe, eng anliegendem Gefieder, kräftigem Schnabel und hohen ſtarken, gut beſpornten Beinen. Es giebt ſechs Varietäten: die altengliſche, die engliſche, die belgiſche, die cornwalliſch⸗indiſche, das Sumatra⸗Kampf⸗ huhn und Kämpfer mit mehreren Spornen an jedem Laufe. Kampfhühner. 53 a) Das altengliſche oder wie, es häufiger bezeichnet wird, das altmodiſche engliſche Kampfhuhn iſt die Stammform des neueren engliſchen. Es ſoll nach Darwin dem wild lebenden Bankivahuhn von allen Haushühnern am nächſten ſtehen, und iſt vielleicht von der⸗ ſelben Raſſe oder ihr nahe verwandt, welche bereits von den alten Griechen zu Hahnenkämpfen benutzt wurde und aus Aſien ſtammte. Columella berichtet, daß die Griechen den Raſſen von Tanagra(in Böotien) und Rhodus die Hähne von der chalcidiſchen Halbinſel, be⸗ ſonders aber die Mediſchen, zum Zwecke des Hahnenkampfes vorge⸗ zogen hätten. Griechenland hatte im Altertum nicht allein die Ehre, daß ſeine Bewohner ſich an Hahnenkämpfen ergötzten; auch in Flandern(Gallia belgica) exiſtierte dieſer Sport bereits zur Zeit der römiſchen Occupation. Er hat ſich hier bis in die neueſte Zeit hinein erhalten. Das belgiſche Kampfhuhn ſtammt alſo wahrſcheinlich, obgleich in neuerer Zeit ſehr ſtark durch Malayenblut beeinflußt, von jenen alten Kämpfern ab, die wohl auch bei der großen Nähe von Großbrittannien ſchon zu römiſchen Zeiten hier bekannt geweſen ſein mögen. Jedenfalls haben wir es beim altenglichen Kampfhuhne mit einer ſehr alten Raſſe zu thun. Das altengliſche Kampfhuhn hat, obgleich ſeine Geſtalt und Haltung den übrigen Kampfhuhnſchlägen ähnlich ſind, durch ſeinen etwas kürzeren Kopf, als dieſe ihn haben, mit ziemlich großem, ein⸗ fachem, gezacktem, aufrechtſtehendem Kamm, durch den ſtärkeren und längeren Halsbehang als bei dieſen, durch die nur mittellangen, kräftigen Schenkel und Läufe und durch den langen, vollen, nahezu aufrecht getragenen Schwanz mit reichlichen breiten Sichelfedern beim Hahne etwas Landhuhnähnliches, während die anderen Kampfhuhnſchläge, mit Ausnahme des Sumatra⸗Kämpfers, entſchieden an das Malayen⸗ huhn erinnern. In der That ſind das engliſche wie das jetzige belgiſche und flanderiſche Kampfhuhn durch Einmiſchung von Malayenblut aus der älteren Form entſtanden und wahrſcheinlich auch das cornwalliſch⸗ indiſche. In den Sumatra⸗Kämpfern aber könnte Yokohamablut ſtecken, zu welcher Anſicht die mehr wagerechte Körperhaltung und der ſehr volle, üppig entwickelte, lange, wagerecht getragene Schwanz einige Berechtigung giebt. Alle anderen Kampfhuhnſchläge außer dieſem und dem zuerſt genannten haben nur mittellangen, ſchmalfederigen, faſt wagerecht gehaltenen, dünnen Schwanz. Es iſt nicht die Abſicht, dieſe ſämtlich hier genau zu beſchreiben; nur mit dem edelſten und ſchönſten Schlage, dem engliſchen, wollen wir uns näher beſchäftigen. Von den anderen ſeien hier nur noch einige Unterſcheidungsmerkmale außer den ſchon genannten erwähnt. Dieſelben betreffen vorzugsweiſe Kopf, Kamm und Gewicht.(Siehe Tabelle Seite 54.) b) Das engliſche Kampfhuhn(Fig. 11.) Was eingangs als Charakteriſtik für ſämtliche Kampfhuhnſchläge bezeichnet worden iſt, gilt ganz beſonders von dem engliſchen Kämpfer. Er iſt dabei unbedingt das eleganteſte von ſämtlichen übrigen Kampfhühnern. Der feine Kopf 54 Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. mit dem langen und doch kräftigen, wenig gebogenen Schnabel, das große kühne Auge, das nackte hoch- oder dunkelrote Geſicht, der lange, dünn behangene, leicht gebogene Hals, der kurze, an den Schultern breite, nach hinten ſich verjüngende, muskulöſe Rumpf, das glatte an⸗ liegende Gefieder mit den hoch getragenen Flügeln und mit dünnem, mittellangem, etwas über horizontal gehaltenem Schwanze und die geſtreckten und dennoch kräftigen Schenkel und Läufe mit den ſtarken Spornen und tief angeſetzten hinteren Zehen geben bei aufgerichteter Haltung durch ihr elegantes Ebenmaß etwas ſehr Vornehmes, Feines, zugleich aber auch Gebieteriſches; man ſieht ſolchem Hahne das Selbſtbewußtſein ſeiner Kraftleiſtungsfähigkeit im Kampfe an. Er wäre eine anſprechende Erſcheinung, ſelbſt wenn er nur ein ganz unſcheinbares Kleid trüge; im Gegenteil aber iſt er durch ſehr ſchöne Gefieder⸗Färbung und ⸗Zeichnung ausgezeichnet, abgeſehen von den wenigen geſperberten, ganz ſchwarzen oder weißen Kampfhühnern.— Die hauptſächlichſten Färbungen ſind im allgemeinen: rot mit ſchwarzer oder mit brauner Bruſt, ſilbergrau und gelb⸗und rotgeſcheckt. Dabei tritt eine ſehr merkwürdige Erſcheinung zu Tage, die man bei anderen Hühnerraſſen nicht kennt, daß bei den verſchiedenen Färbungen auch die Läufe verſchieden gefärbt ſind. Kampf⸗ alteng⸗ cormoal⸗ mehr⸗ p g r- S engliſches belgiſches liſch⸗ KSumatra: huhn. liſches indiſches ſporniges Kopf mittellang lang und deſe ura. pem klein ſchmal dünn ſchädelig ſchädelig einfach ge⸗ Anfh⸗ ziit, aiſ niedrige drei⸗ drei⸗ brrfreifi Kanun Virdech ſechend, Preit beilig⸗ reihig Erbſen⸗ hoch dünn und Wulſt niedrig kamm niedrig Gewicht.. de. ane he aun ue. e bi] us bi⸗ Hahns 5 kg 4 ½ kg Die roten Kämpfer mit ſchwarzer Bruſt bezeichnet man gewöhnlich als ſchwarzbrüſtige Rote oder Goldhalſige. Man könnte ſie auch, da ihre Färbung ſehr ähnlich derjenigen der rebhuhnfarbigen Italiener iſt, als rebhuhnfarbige bezeichnen. Der Schnabel iſt horn⸗ farbig, Kamm, Geſicht und Kehllappen ſind glänzend hochrot, die Augen rot, die Läufe grünlich. Der Hahn hat lebhaft orangeroten Kopf, Hals⸗ und Sattelbehang und violettroten Rücken, Schultern und oberen Kampfhühner. 55 Teil der Flügel; der Flügel hat ein grün und blau ſchimmerndes ſchwarzes Band, im übrigen iſt er kaſtanienbraun mit ſchwarzem Rande, dadurch gebildet, daß die kleinen Schwingen bei kaſtanienbrauner Außen⸗- und ſchwarzer Innen⸗Fahne eine ſchwarze Spitze haben; die großen Schwingen ſind dagegen ſchwarz mit kaſtanienbraun geſäumter Außenfahne. Die Bruſt iſt blauſchwarz, der Bauch und die Schenkel ſind dunkelſchwarz, der Schwanz ſchwarz mit grünem und violettem Schimmer. Die Henne iſt auf der Oberſeite rebhuhnfarbig, die Halsfedern aber ſind goldgelb mit ſchwarzen Streifen, die Bruſt iſt Fig. 11. Engliſches Kampfhuhn. lachsfarbig, der Unterleib und die Schenkel aſchgrau, der Schwanz ſchwarzbraun. Die rote Varietät mit brauner Bruſt, braunbrüſtige Rote, hat dunklen Schnabel, dunkelviolettroten Kamm, Kehllappen, Geſicht und Ohrlappen, ſchwarzbraunes Auge und dunkelgelbe oder auch broncegrüne Läufe. Beim Hahne ſind die Kopf⸗ und Halsfedern orangerot mit ſchwarzen Streifen, Rücken und Schultern dunkelorangerot, die Flügel ſchwarz, der Sattelbehang goldgelb mit dunklen Streifen. Die Bruſtfedern ſind beinahe ſchwarz mit kaſtanienbraunem Saume und ebenſolchem Striche in der Mitte. Schenkel und Schwanz ſind ſchwarz. Die Henne iſt grauſchwarz oder dunkelbraun; ihre Hals⸗ federn ſind goldglänzend mit dunklen Streifen. 56 Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. Die ſilbergrauen Kämpfer werden auch ſilbergraue mit Enten⸗ flügeln oder ſchlechtweg ſilbergraue Entenflügel genannt. Sie haben ſcharlachrote Nacktteile des Kopfes, hornfarbigen Schnabel, tief⸗ rotes Auge und dunkelweidengrüne Läufe. Beim Hahne iſt der Hals⸗ behang ſilberweiß, der Rücken, die Schultern und der Sattel reinweiß. Auf den weißen Flügeln befindet ſich ein ſtahlblauer Querſtreifen und am Ende jeder Schwungfeder eine blauſchwarze Spitze mit ſchwarzem Rande. Die Bruſt iſt blauſchwarz, die übrige Unterſeite, ſowie die Schenkel und der Schwanz reinſchwarz. Die Henne hat im ſilbergrauen Halsbehang ſchwarze Streifen, hervorgebracht durch ſchwarzen Mittel⸗ ſtrich der Federn; die Bruſtfedern ſind dunkelgrau mit hellgrauem Saume. Alle übrigen Federn ſind graugeſäumt ſchwarz. Es iſt zu bedauern, daß gerade dieſer diſtinguierte Farbenſchlag ſehr ſelten ge⸗ züchtet und ausgeſtellt wird. Die gelben Kampfhühner mit Entenflügeln unterſcheiden ſich von den ſilbergrauen bei den Hähnen durch ſtrohgelben Hals⸗ und dunkelgelben Sattelbehang, kaſtanienbraunen Rücken, orangegelbe Schultern und tiefſchwarze Bruſt, Bauch, Schenkel und Schwanz. Der Henne Gefieder iſt im allgemeinen grau, die Bruſt rehfarbig. Dieſe Varietät hat gelbe Haut und graugelbe Läufe. Sie iſt nicht ſo ſchön und empfehlenswert, als die anderen geſchilderten Farbenſchläge. Bei dem Rotſchecken genannten Farbenſchlage ſind die Kopf⸗ nacktteile glänzend karminrot, das Auge lebhaft rot, der Schnabel und die Füße hellgelb, letztere auch weiß. Des Hahns Unterſeite iſt weiß mit weißem Schwanze. Der Halsbehang iſt orangerot, der Rücken ebenſo mit einer Schattierung von kaſtanienbraun oder karminrot (violettrot), ebenſo die Schultern und der Flügelbug, Sattelbehang orangerot. Die großen Schwingen ſind weiß, die kleinen auf der Außen⸗ fahne matt braunrot, auf der Innenfahne und der Spitze weiß, auf dem Flügel eine weiße Binde. Die Henne iſt weiß mit hellkaſtanien⸗ braunen, in der Mitte weiß gezeichneten Halsfedern und lachsfarbiger Bruſt; zuweilen kommt eine rote Zeichnung auf den Schultern vor.— Das ſind die hauptſächlichſten der vorkommendeu Färbungen. Es giebt deren noch eine große Menge anderer. Ottel ſagt, daß man in England 17 beſtimmte Varietäten und 27 Subvarietäten, folglich 44 Sorten unterſcheide, deren umfaſſende Beſchreibung keinen weſentlichen Nutzen haben würde Früher, als noch die Hahnenkämpfe öffentlich ſtattfinden durften, wurden den jungen Hähnen gegen Weihnachten die Kämme, Kehl- und Ohrlappen mit einer ſcharfen Schere„recht ſäuberlich“ abgeſchnitten. Auch jetzt noch erſcheinen die Kampfhähne auf den Ausſtellungen ohne dieſe Zierden. Ihr Fehlen giebt den Kämpfern allerdings einen ſehr charakteriſtiſchen Kampfausdruck, aber die mit dem Abſchneiden ver⸗ bundene Quälerei ſollte man, wenn die Hähne nicht zum Kampfe, ſondern lediglich als elegantes Sportgeflügel gezüchtet werden, unter⸗ laſſen. Nutzgeflügel ſind die Kampfhühner nicht, obgleich das Fleiſch Kampfhühner. 57 der altmodiſchen engliſchen ausgezeichnet ſchmecken ſoll und die Hennen bei freiem Auslauf ziemlich fleißig Eier legen, gut brüten und ihre Kücken ausgezeichnet führen und verteidigen. Mit anderem Geflügel kann man die Kampfhühner ihrer Streitſucht wegen nicht in derſelben Abteilung halten. Trotzdem kann demjenigen, welcher an ſchönen be⸗ ſonders gearteten Hühnern Freude hat, ihre Züchtung nur warm em⸗ pfohlen werden. 3. Das Yokohamahuhn. Was das Yokohamahuhn vor allen anderen Hühnerraſſen, außer dem Phönixhuhne, auszeichnet, iſt ſein prächtiger, wagerecht getragener, langer, voller Schwanz, deſſen Sichel⸗ federn beim Hahne bis zu 1 m lang ſind und mit ihren Spitzen den Boden berühren. Dazu geſellen ſich bei mittlerer Größe elegante Körperform, faſanenähnliche Haltung und ein kühner Ausdruck des auf langem, anmutig gehaltenem und beim Gange Cgant hoch getragenem Halſe ſitzenden Kopfes mit großem lebhaftem Auge. Als beſondere Eigentümlichkeit iſt hierbei Saeesnheben daß der Hals beim Laufen nahezu wagerecht vorgeſtreckt wird. Der Rücken des walzenförmigen, nach hinten ſchmäler werdenden, auf ziemlich hohen Beinen ſtehenden Rumpfes wird beinahe wagerecht gehalten, nur ſehr wenig nach hinten abfallend. Die Flügel werden anliegend getragen. Der Sattelbehang iſt voll und lang. Der gut, aber nicht übermäßig voll befiederte Hals iſt an der Kehle nackt. Das einzige, was die untadelhafte Eleganz aller dieſer Körperteile beeinträchtigt, iſt das Fehlen einer zu derſelben paſſenden Kammform; der Kamm beſteht nur aus einer niedrigen, breiten und flachen Wulſt; die Kehllappen ſind verkümmert. Kamm und Kehl⸗ lappen anmutiger zu geſtalten, müßte das Beſtreben der Yokohama⸗ züchter ſein, eine Aufgabe, die allerdings nicht ohne Bluteinmiſchung und alle damit verbundenen Mühen und Sorgen der Auswahl zu löſen ſein dürfte; ob, wie bereits verſucht worden, durch Phönixblut, er⸗ ſcheint fraglich. Die Gefiederfärbung iſt weiß, beim Hahne mit braunroten Schulter⸗, Rücken⸗ und Flügeldeck⸗Federn(braunrot geſattelt) und rot⸗ getupfter Unterſeite, bei der Henne mit rotgelbem, zuweilen weiß⸗ getupftem Rumpfe, ſo daß außer Kopf, Halsbehang und Schwanz die Schwnnafedern weiß ſind. Auch bei den Hähnen iſt der Sattel nicht ſelten rotgelb, und es giebt auch ſolche, welche die eben gekennzeichnete Färbung der Hennen haben. Das Beſtreben des Züchters muß dahin gehen, die Sattelung begrenzt und in blutroter Färbung zu geſtalten. Auch die ganze weiße Färbung iſt bei dem Yokohamahuhne nicht ſelten(ganz weiße Yokohama hühner auf grüner Wieſe bieten einen aus⸗ gezeichnet ſchönen Anblick); in ſeiner Heimat, Japan, ſoll dies Huhn auch in einfarbig braun und ſchwarz vorkommen. Schnabel und Länfe ſind gelb(erſterer auch manchmal braun, gelb iſt vorzuziehen). Das Geſicht und die kleinen Ohrlappen ſind rot, das Auge rotgelb oder perlgrau. 58 Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. Die Henne legt wenige und kleine Eier, brütet aber gut. Die Aufzucht der Jungen iſt ziemlich ſchwierig. Das Yokohamahuhn iſt kein Nutz⸗, ſondern ein Zierhuhn erſten Ranges und ſei daher den Geflügelliebhabern beſtens empfohlen. Die Schwierigkeit der Aufzucht ſollte den wahren Geflügelfreund nicht abſchrecken. V. Gruppe. Hauben⸗ oder Hollen⸗Hühner. Unter Hauben⸗ oder Hollen⸗Hühnern verſteht man Hühner, welche auf dem Kopfe eine aus Federn gebildete Haube oder Holle(oder Schopf) tragen und deren Vorderſchädel eine mehr oder weniger ſtarke Auftreibung, Protuberanz, hat. Bei einigen Raſſen iſt dieſe kaum hervortretend, bei anderen ſehr ſtark, wie Fig. 12 veranſchaulicht. Die meiſten Haubenhühner haben auch ſtarke Federnbärte. Durch die ſtarke Hauben⸗ und Bartentwicke⸗ lung iſt diejenige des Kamms und der Kehllappen zurückgeblieben, ſo daß dieſe bei einigen Raſſen nur rudimentär vorhanden ſind. Hiernach zer⸗ fallen die Hau⸗ 3 8 ihühner in fol⸗ Fig. 12. Schädel des Haubenhuhns mit der Protuberanz nach Wright. beai Nin ſ lungen: A. Schopfhühner mit kleinem, nach hinten gerichtetem Federnſchopfe und ohne Federnbart: Lafleche⸗ und Breda⸗Huhn. B. Haubenhühner: 1. ohne ſtarke Schädelerhöhung mit ziemlich voller Federnhaube und ſtarkem Federnbart: Houdan⸗ und Crève⸗coeur⸗Huhn; 2. mit ſtarker Schädelerhöhung und Vollhaube; a) it Fedewnbart⸗ Paduaner⸗, Brabanter⸗ und Seltans⸗ Huhn, b) ohne Federnbart: Holländerhuhn. A. Schopfhühner. 1. Das Lafleche⸗Huhn(Fig. 13) iſt die größte aller fran⸗ zöſiſchen Hühnerraſſen. Die Rückenhöhe des Hahns beträgt 0,42 m, die Kopfhöhe bei aufgerichteter Stellung 0,65 m; die Henne iſt nur wenig kleiner, 0,36 m Rückenhöhe. Das Gevicht des erſteren erreicht 3 ½ bis 4 ½ kg, das der letzteren 3 bis 4 kg. Das ſchwarze Ge⸗ Schopfhühner. 59 fieder liegt knapp am Leibe an und läßt die kräftigen Schenkel frei hervortreten; die mittellangen ſtarken Läufe und die 4 Zehen ſind dunkelſchieferfarbig. Das ſchwarze Gefieder, nicht nur des Hahnes, ſondern auch das der Henne, ſchillert blau oder violett und grün. Hochintereſſant iſt das eigentümliche Ausſehen des Kopfes des Hahnes: Fig. 13. Lafleche⸗Hahn. Der hochrote Kamm iſt zweiteilig und beſteht aus zwei aufrecht⸗ ſtehenden, zuweilen auch etwas nach vorn gebogenen, durchſchnittlich 4 cm langen, ſtarken, mehr cylinderiſchen als koniſchen Spitzen(Hörnern), zwiſchen denen eine niedrige Wulſt beginnt, die ſich bis zu den Naſen⸗ löchern erſtreckt, über welchen ſie eine erbſengroße, runde Erhöhung bildet. Letztere ſind auffallend ſtark aufgebogen. Der kräftige Schnabel 60 Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. iſt hornfarbig. Unter demſelben hängen zwei breite, 0,06 bis 0,08 m lange Kehllappen, welche an den Seiten begrenzt werden durch breite und ſehr lange, milchweiße Ohrlappen, an welche ſich aufwärts das rote Geſicht anſchließt. Bei der Henne ſind die Kehllappen kürzer und rund. Das lebhafte Auge iſt rot. Hinter dem Kamm befindet ſich eine Art dünnen Schopfes, gebildet aus kurzen, ſchmalen, mehr oder weniger aufgerichteten Federn. Die Hals⸗ und Sattelfedern des Hahnes ſind lang, fein, reich vorhanden und glänzen grün und violett; der Schwanz wird nahezu aufrecht getragen, iſt lang und voll mit präch⸗ tigen violettſchwarzen, grünglänzenden Seiten⸗ und Sichelfedern. Die Flanken und der Bauch ſind grauſchwarz. Die Haltung des Hahnes iſt aufgerichtet, ſtolz und heraus⸗ fordernd. Seine Bewegungen ſind wuchtig. Sein rotes Geſicht und die langen, roten, durch häufige Kopfbewegungen hin⸗ und herſchwenkenden Kehllappen bilden mit den großen weißen Ohrlappen einen auffallenden Gegenſatz zu dem tiefſchwarzen, violett und grün glänzenden reichen Gefieder, ſo daß man hellere oder buntere Färbung nicht vermißt; im Gegenteil würde durch letztere der eben geſchilderte anziehende Kontraſt abgeſchwächt werden. Das Lafleche⸗Huhn iſt hart und ausdauernd und acclimatiſiert, ſich leicht, vorausgeſetzt, daß ihm in der erſten Zeit nach ſeiner Ver⸗ ſetzung aus der Heimat dieſelbe Behandlung zu teil wird, die es in dieſer gewöhnt war. Zur Erhaltung ſeiner Eigentümlichkeiten iſt zu empfehlen, bei uns erzüchteten Lafleche⸗Hühnern zur Verhütung von Degenerierung von Zeit zu Zeit friſches Blut durch Original⸗Hähne der Umgebung von Lafleche zuzuführen. Das Lafleche⸗Huhn zeichnet ſich, was ſeinen Nutzungswert be⸗ trifft, durch reichliches Gewicht des ſehr feinen weißen Fleiſches aus, welches beim gemäſteten Huhne dasjenige der Knochen achtmal über⸗ trifft. Die Henne legt fleißig und frühzeitig durchſchnittlich 62 g ſchwere Eier, aber brütet nicht. Die Jungen ſind leicht aufzuziehen, aber nicht ſchnellwüchſig. Die jungen Hähne ſind erſt im Alter von 9 bis 11 Monaten völlig ausgewachſen. Aber gerade dieſer Umſtand wird von den franzöſiſchen Züchtern als vorteilhaft bezeichnet und ausgenutzt. Denn er bewirkt, daß die jungen Hähne auch ſpät geſchlechtsreif werden, ſich deshalb vorzüglich entwickeln und im Alter von 7 bis 9 Monaten ohne Schwierigkeit mäſtbar ſind, beſonders dann, wenn ſie vorher von den Hennen getrennt gehalten worden waren. Dieſe jungen Lafleche⸗ Hähne ſind es vorzugsweiſe, welche im Winter gegen das Frühjahr hin, wenn anderes gutes Geflügel ſelten wird, köſtliche ſchwere Maſt⸗ hühner(coqs vierges) liefern, welche enorm hoch bezahlt werden. Auch die Henne giebt ſchwere und ausgezeichnete Poularden. Als eine Abart des Lafleche⸗Huhns iſt das Manshuhn zu betrachten. Es iſt demſelben in Geſtalt und Gefieder gleich, faſt ebenſo ſchwer und unterſcheidet ſich nur durch den Kamm; derſelbe iſt ein nach hinten ſpitz zulaufender Roſenkamm. Dieſes Huhn iſt ebenfalls ein Haubenhühner. 61 vortreffliches Fleiſchhuhn und ſein Wert als Wirtſchaftshuhn dem des Lafleche⸗Huhns Phar überlegen als nicht, da ſeine Kücken ſchneller aufwachſen. Noch ein ſehr dutes Fleiſchhuhn, das Breſſe— Huhn ſei, obgleich es einen Schopf nicht hat, hier urgreih weil es in Geſtalt und Körperbau ſehr an das Lafleche⸗ Huhn erinnert. Es iſt von mittlerer Größe, hat einfachen Stehkamm, bei der Henne liegend, lange Kehllappen und bei rotem Geſicht ſehr große Ohrlappen. Das Gewicht des Hahnes beträgt 2 ½ bis 3 ½ kg, das der Henne 2 bis 3 kg. Das Gefieder iſt knapp an liegend und entweder ſchwarz oder weiß mit ſpärlichen ſchwarzen Tupfen. Das Eigewicht beträgt 60 g. Die Kücken befiedern ſich leicht und ſind früh reif. Die Maſtfähigkeit iſt ſehr gut. 2. Das Bredahuhn iſt ſeiner Heimat nach eine belgiſch⸗ holländiſche Raſſe(Gelderländer), aber wegen ſeiner großen Ähnlichkeit mit dem Laflechehuhne kann es zu den franzöſiſchen Raſſen gezählt werden; es iſt aller Wahrſcheinlichkeit nach aus einer Krenzung des Laſlechehunes und der Ländefüübner hervorgegangen. Beſonders eigen⸗ tümlich iſt das Fehlen des Kamms, der durch eine Vertiefung erſetzt iſt, welche mit einer hornartigen, feſten, roten Haut überzogen iſt, ſo daß deutlich die Naſenlöcher hervortreten. Den Kopf ſchmückt ein kleiner nach rückwärts flach gelegter Schopf. Geſicht und die langen Kinnlappen ſind rot, die herabhängenden Ohrlappen weiß; der Rumpf iſt breit, die Bruſt voll, die Schenkel haben Stulpen, die ſchwarzen Läufe ſind dünn befiedert. Der gebogene, kräftige Schnabel iſt dunkel⸗ hornfarbig. Das Gefieder iſt ſchwarz, blau oder kuckuckſperberartig. Die kuckuckſperberartigen ſind unter dem Namen Geldernſche Hühner bekannt, wenn die Grundfarbe ſtatt weiß goldgelb iſt. Die blaugrauen heißen Holländiſche Kuckuckſperber. Die Bredahühner legen ſehr große Eier, aber nicht beſonders eifrig; als Brüterinnen ſind dieſelben nicht beſonders hervorzuheben, wohl aber als gute Fleiſchproduzenten. Sie ſind ſehr abgehärtet, dauerhaft und maſtfähig. B. Haubenhühner. Stark behaubte Hühner ſind— möge auch ihre Eiererzeugung eine gute ſein, wie dies bei den Paduanern und den Holländern der Fall iſt, oder mögen ſie ſich, wie die Crève-coeur und Houdan, durch kaum übertroffene Geeignetheit zu Maſttieren auszeichnen— zu wirt⸗ ſchaftlichen Zwecken nicht unbedingt zu empfehlen. Und es iſt als ein das Aufblühen der Geflügelzucht ſchäͤdigendes Beginnen zu betrachten, wenn Züchter beſtrebt ſind, bei wirtſchaftlich wertvollen Raſſen die Größe der Haube ſoviel als möglich zu entwickeln, wenn Zeitſchriften bemüht ſind, den Sport treibenden Liebhabern zu Gefallen dieſem Be⸗ ginnen und überhaupt der Zucht auf die Feder bei eigentlichen Nutz⸗ hühnern das Wort zu reden, wenn Preisrichter bei Beurteilung der beiden zuletzt genannten Raſſen ihr Urteil durch reichliche Entwickelung 62 Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. und tadelloſen Fall der Haube beeinfluſſen laſſen. Ich habe es früher ſchon ausgeſprochen und kann trotz wiederholten Meinungsſtreits es nur wiederholen, daß im beſondern das Houdanhuhn nur unter der einen Bedingung ein wahrhaft nützliches Huhn werden kann, daß ſeine Fig. 14. Houdan⸗Hahn. Neigung zum Erzeugen von Halbhauben durch entſprechende Zuchtwahl dahin ausgebeutet wird, die Größe der Haube zu verringern und letztere ſo zu geſtalten, daß ſie die Hühner an freier ÜUmſicht nicht hindert. Das Houdanhuhn(Fig. 14). Das Houdanhuhn iſt dasjenige der franzöſiſchen Hühner, dem vor etwas mehr als zehn Jahren bei uns eine bedeutende Zukunft zu lächeln ſchien. Der Eifer für ſeine Ein⸗ Haubenhühner. 63 führung und Verwendung ließ aber bald nach, meiner Anſicht nach mit Unrecht. Es würde zu weit führen, alle Urſachen ſeiner Vernach⸗ läſſigung hier zu erörtern. Ich beſchränke mich darauf, eine möglichſt getreue und unbefangene Beſchreibung dieſes Huhnes und ſeiner Eigen⸗ ſchaften zu geben. Das Houdanhuhn iſt ein weiß⸗ und ſchwarzgeſchecktes Hauben⸗ huhn von anſehnlicher Größe und breitem kräftigem Körper mit zwei⸗ teiligem Kamme, ſtarken mittellangen Schenkeln und Läufen und 5 Zehen. Charakteriſtiſch ſind die ſtarke Biegung des Schnabelwinkels nach unten und der auffallend ſtarke Federnbart. Die fünfte Zehe iſt über der vierten(hinteren), von ihr durch geringen Zwiſchenraum ge⸗ trennt, angeſetzt und fußt in der Regel nicht auf. Das Gefieder iſt zuſammengeſetzt aus weißen, ſchwarzen und ſchwarzen an der Spitze weiß, und weißen an der Spitze ſchwarz gefärbten Federn; daraus ergiebt ſich, daß dasſelbe eine gleichmäßig über den Körper verteilte weiße oder ſchwarze Welupfuung oder weiße und ſchwarze Sprenkelung nicht haben kann; ziemlich gleichmäßig verteilt ſind beide Farben nur im Halsbehang und auf der Bruſt und Unterſeite; auf dem Rücken und den Flügeldecken dagegen herrſcht die ſchwarze Färbung vor und kommt hier in der Regel als unregelmäßig verteilte größere Fleckung vor. Hieraus folgt, daß, wenn Houdanhühner eine recht gleichmäßige ſchwarz und weiße Zeichnung haben, gleich gültig ob ſchwarz oder weiß vorherrſcht, zu befürchten iſt, daß dies durch Gnfühtung von Silber⸗ paduanerblut bewirkt ſei, alſo Mif ztrauen gegen die Echtheit der be⸗ treffenden Hühner hervorrufen na Die Schwungfedern ſind weiß, oft mit großen unregelmäßigen ſchwarzen Flecken, manchmal aber ganz weiß(letzteres iſt vorzuziehen)! Die Schwanzfedern teils ſchwarz, teils weiß, teils ſchwarz mit weiß und umgekehrt, die Sichelfedern des Hahnes ſchwarz mit grünem Schimmer, zuweilen mit weißen Flecken. Die Haube iſt aus ſchwarzen und weißen Federn unregelmäßig ge⸗ miſcht. Im Gefieder der echten Houdanhähne kommen auch gelbe Federn vor, ſo im Halsbehang und an den Schultern, deren Federn ſtrohgelb mit weißen Flecken zeigen; aber ein ſolcher echter Houdan⸗ hahn würde auf Ausſtellungen ſicher keinen Preis erringen; dieſer iſt ſolchen Hähnen vorbehalten, welche nach Wegzüchtung der gelben Federn, und ſolchen Hennen, welche durch Anzüchtung von regelmäßiger Betnpfung keinen Anſpruch mehr auf echte reine Raſſe machen können. Daß dadurch auch die Gebrauchs seigenſchaften der Houdanhühner ge⸗ litten haben⸗ kann kaum zweifelhaft ſein. Der Hahn hat einen aus zwei ungefähr 6 cm großen gezackten Blättern mit zwiſchenliegender länglich runder Erhöhung gebildeten Kamm, den ein franzöſiſcher Züchter nicht unzutreffend mit dem Aus⸗ ſehen einer geöffneten Flußmuſchel verglichen hat, deren Schalenhälften eingezackt worden ſind, und eine erbſengroße Fleiſch hwarze zwiſchen den Naſenlöchern. Die Kehllappen haben eine Länge von 4 bis 6 cm. Dieſe und der Kamm ſind bei der Henne kaum bemerkbar. Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. Die Haube iſt beim Hahne eine nicht geſchloſſene Halbhaube, bei der Henne zuweilen Halbhaube, zuweilen Vollhaube. Bei Ge⸗ brauchshühnern iſt erſtere, bei Sporthühnern letztere vorzuziehen. Da das Houdanhuhn ſich weniger zu Sport⸗ als zu Gebrauchszwecken eignet, ſo empfiehlt es ſich, bei der Auswahl der Zuchtvögel ſolche mit Halbhaube zu wählen. Der Federnbart iſt üppig entwickelt und beim Hahne unter dem Schnabel 6 bis 7 em lang, unten breiter als oben, bei der Henne etwas kürzer. Die Größe und das Gewicht ſind bedeutend. Beim Hahne beträgt die Kopfhöhe in gewöhnlicher Stellung 0,50 m, bei aufge⸗ richteter 0,60 m, die Rückenhöhe 0,38 m; bei der Henne die letztere 0,30 m, die Kopfhöhe in der Ruhe 0,40 m. Der ausgewachſene Hahn wiegt 3 bis 3 ½ kg, die Henne 2 ½ bis 3 kg. Fleiſch iſt ſehr reichlich vorhanden; das Gewicht der Knochen verhält ſich zu dem des Fleiſches wie 1 zu 8. Die Henne legt ſehr fleißig, durchſchnittlich 62 g ſchwere Eier; ſie brütet nicht oder, wenn ſie brütet, ſchlecht. Die Aufzucht der Kücken geht leicht von ſtatten; letztere ſind ſehr ſchnellwüchſig; junge Hennen beginnen mit dem Eierablegen, ſobald ſie 4 ½ Monate alt geworden ſind, und übertreffen hierin das als Lege⸗ huhn ſo viel gerühmte Italieniſche Huhn, das wenigſtens 6 Monate alt ſein muß, wenn es die erſten Eier ablegt. Das Temperament iſt ein ruhiges. Dieſe Eigenſchaft erhöht die der Mäſtbarkeit. Zur Poulardenerzeugung, d. h. zur Erzeugung junger gemäſteter Hähne und Hennen, wird das Houdanhuhn nur von dem Créve⸗coeur⸗Huhn übertroffen. Sein Fleiſch iſt faſt ebenſo gut als das des letzteren. Das Houdanhuhn iſt alſo ein ausgezeichnetes Nutzhuhn, wenn es auch ſeiner Haube und Farbe wegen nicht in alle Verhältniſſe paßt. Für geſchloſſene größere Zuchträume ſowie für größere geſchloſſene Höfe iſt es ſehr zu empfehlen. Auch aus der Kreuzung von Houdanhähnen mit Landhuhnhennen gehen ſehr brauchbare Hühner hervor, bei deren Auswahl zu Zuchtzwecken hauptſächlich auf geringe Haube und auf Körpergröße zu rückſichtigen ſein würde. 2. Das Créève⸗coeur⸗Huhn(Fig. 15). Das Crsve⸗coeur⸗ Huhn iſt ein Haubenhuhn von ganz ſchwarzer, zuweilen auch aſchgrauer oder weißer Farbe. Es hat einen kurzen, breiten, gedrungenen, niedrig geſtellten Körper, ſtark entwickelte Bruſtmuskeln, kräftig entwickelte, ziemlich kurze Schenkel, welche in dem reichlich vorhandenen dichten Gefieder faſt ganz verborgen ſind, kurze, ſtarke, ſchieferfarbige Läufe und vier ziemlich lange, kräftige Zehen; der Hals iſt mittellang, der Kopf groß, der Schnabel kurz und ſtark mit weit ausgebogenen Naſen⸗ löchern; der Kamm beſteht aus zwei hörnerartigen, koniſchen, nach den Seiten divergierenden Spitzen; die Kehllappen ſind kurz und abgerundet. An die voll entwickelte Haube ſchließt ſich ein dichter, die weißlichen kleinen Ohrlappen verdeckender Federnbart an, der in kurzen Federchen ————x, Hauben⸗ oder Hollen⸗Hühner. 65 auch an den Seiten der Kehllappen und zwiſchen denſelben ſitzt und nach unten ziemlich weit und ſehr bemerkbar bis unter dieſelben ſich verbreitet. Der Rücken wird beinahe horizontal, der Hals aufrecht, der Schwanz hoch getragen. Hahn und Henne haben gleiche Rückenhöhe Fig. 15. Credve⸗coeur⸗Hahn. dieſelbe beträgt 0,32— 0,35 m. Die Knochen ſind im Verhältniſſe zur Schwere des Körpers dünn, leicht, ihr Gewicht beträgt ungefähr nur ein Achtel des Fleiſchgewichtes bei gut genährten, aber nicht gemäſteten Créve⸗coeur⸗Hühnern. Der Hak zeigt eine ſtolze, aber gemeſſene Haltung bei gravitä— tiſchem Gang.“ Die Kopfhöhe beträgt bei aufgerichteter Stellung 0,50 Pribyl, Geflugelzucht. 4. Auflage. 5 66 Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. bis 0,55 m. Das Gewicht ausgewachſener gut genährter Hähne beläuft ſich auf 3 ½— 4 kg. Die Kammſpitzen ſind 0,05— 0,08 m lang, an der Baſis ſtark und nicht ſelten nach innen mit kleinen Zacken ver⸗ ſehen, die freilich, obſchon ſie bei den beſten Hähnen vorkommen, vor den Augen der Preisrichter keine Gnade finden. Die Kehllappen ſind bei reinblütigen echten Creve⸗coeur⸗Hähnen kurz und rund, müſſen aber nach engliſchem Geſchmacke lang ſein, aber das paßt nicht recht zu dem dichten Federbart, welcher nach unten hin unter den Kehllappen ſichtbar ſein muß; dieſer Federbart i*ſt ſehr entwickelt und ſetzt ſich nach oben bis zur Haube hin in einem vollen Backenbarte fort. Die Haube be— ſteht aus feinen lanzettförmigen Federn, welche nur in der Mitte und vorn aufrecht ſtehen, im übrigen ſeitwärts und zum größten Teile hinten überfallen. Das Gefieder iſt ſehr reichlich entwickelt, Hals⸗ und Sattelbe⸗ hang dicht und lang, die Schwanzdeck⸗ und die Sichelfedern ſehr lang. Die Farbe iſt ein tiefes glänzendes Schwarz, welches am Halſe, auf den Flügeln, dem Sattelbehang, den Schwanzdeck⸗ und den Sichelfedern bläulich und grün ſchillert, und welches von der Bruſt ab über den Bauch hin in braunſchwarz übergeht. Zuweilen ſind die Flügeldeck⸗ federn glänzend bronzefarbig; das iſt meiner Meinung nach kein Fehler, da von Hähnen mit dieſer recht ſchönen Färbung rein ſchwarze Kücken fallen. Der Henne Kammſpitzen und Kehllappen ſind ſehr kurz, da⸗ gegen Haube und Federn⸗Backen⸗ und Kinnbart vollkommen. Erſtere beſteht aus breiten Federn, iſt oft ſo ſehr entwickelt, daß die Augen ſchwer zu ſehen ſind; freilich giebt es auch echte Crève⸗coeur⸗Hennen, bei denen die Haubenfedern das Geſicht weniger verdecken und mehr hintenüber ſtehen. Selten iſt die Haube oben ſo rund und geſchloſſen, wie bei Paduanerhennen. Die Federn des Bauchs ſind lang, dick und weich. Die Färbung iſt rein ſchwarz; jedoch ſtellen ſich nach der erſten Mauſer nicht ſelten einzelne weiße Haubenfedern ein; bei Prämiierungen ſolche Hennen als minderwertig zu beurteilen, wäre fehlerhaft. Die Henne wiegt durchſchnittlich 3 kg, einzelne erreichen im Alter von zwei Jahren das bedeutende Gewicht von 4 kg. Sie legt ver⸗ hältnismäßig große, weißſchalige Eier den ganzen Sommer über bis zum Beginn der Mauſer; ſie brütet nicht. Die Kücken wachſen außerordentlich ſchnell und befiedern ſich. früh und leicht. Im Alter von zwei bis drei Monaten ſind ſie ſchon ſo entwickelt, daß ſie der Mäſtung unterworfen werden können; mit fünf Monaten erreichen ſie beinahe die Größe und Schwere der älteren Vögel. Im Alter von 5—6 Monaten legen ſie die erſten Eier ab. Das Ersve⸗coeur⸗Huhn liefert die feinſten und geſuchteſten Pou⸗ larden. Sein Fleiſch iſt noch feiner, zarter und weißzr als das des Houdanhuhns. Die Mäſtung vollzieht ſich außergewöhnglich leicht. Hauben⸗ oder Hollen⸗Hühner. 67 Somit hätten wir im Créve⸗coeur⸗Huhn dasjenige Huhn, welches den Anforderungen an ein gutes Wirtſchaftshuhn am nächſten ſtände von allen bekannten Hühnerraſſen, wenn ſeine große Haube nicht Veranlaſſung gäbe, daß es ſich, wenn dieſelbe bei naßkaltem Wetter kalte Näſſe aufnimmt, leichter erkältet, als unbehaubte Hühner. Trotzdem kann ich aus jahrelanger Erfahrung dieſes Huhn als Wirtſchaftshuhn für ſolche Verhältniſſe empfehlen, welche ſorgfältige Aufſicht und folgende Ein⸗ richtung geſtatten: Vor dem Hühnerhauſe liege ein überdachter, mit Gitter umfriedigter Raum, in welchem die Hühner an Regen- und Schneetagen eingeſperrt bleiben, und den ſie nur verlaſſen dürfen, wenn anhaltender Regen⸗ oder Schneefall nicht droht. Selbſtverſtänd⸗ lich muß dieſer Raum an einer oder zwei Seiten durch dichte Wände gegen kalte Winde geſchützt und darf nicht zu klein ſein. Vortrefflich gedeihen die Créève⸗-coeur⸗Hühner, wenn ihnen Auslauf auf eine Wieſe geſtattet werden kann, was übrigens auch anderen Hühnerraſſen außer⸗ ordentlich gut bekömmt. Gegen trockene Kälte ſind ſie nicht empfindlich. Sehr gute Dienſte leiſten die Créve⸗coeur⸗Hähne, wenn ſie zur Kreuzung mit Landhühnern verwendet werden. Bei den Nachkommen aus dieſer Verbindung wird nicht nur der Körper voller und kräftiger, ſondern auch die Eigröße ſehr günſtig beeinflußt. Auch die Nach⸗ kommen aus Kreuzungen der Créve⸗coeur⸗Hähne mit anderen Hühner⸗ raſſen zeigen ähnliche vorteilhafte Eigenſchaften. Demjenigen Züchter, welcher die Hühnerzucht richtig ausbeuten will, alſo den Hauptaccent auf Fleiſcherzeugung legt, kann die Einführung von Créve⸗coeur⸗Hühner⸗ Blut in ſeine Hühnerbeſtände nur empfohlen werden. . Das Paduaner⸗Huhn. Unter dieſer Bezeichnung werden nach Ottel— gemäß einem von einer im Jahre 1869 zu Dresden abgehaltenen Verſammlung deutſcher Geflügelzüchter in Übereinſtimmung mit der Société d'acclimatation zu Paris gefaßtem Beſchluſſe— Hühner vorſtanden, welche, unbeſchadet der Farbe, große volle runde Hauben, Federnbärte und glatte Füße haben. Ch. Jaque nennt ſie auch polniſche Hühner und L. Wright Polands und auch polniſche. Obgleich dieſe verſchiedenen Namen auf den Urſprung dieſer Raſſe hin⸗ zudeuten ſcheinen, iſt dieſer unbekannt, ebenſo wie das Alter ihres Beſtehens. Das Paduaner⸗Huhn iſt von mittlerer Größe, ſeine Geſtalt ge— drungen, die Bruſt rund und voll und beſonders bei der Henne nach vorwärts gebogen erſcheinend, die Haltung des Hahns aufrecht, die der Henne kokett und zierlich. Auffallend reichlich und voll ſind beim Hahn die Halsfedern vorhanden; der Schwanz wird aufrecht getragen; das Auge iſt ſehr groß; der dunkelfarbige Schnabel ſieht der großen Haube und des Barts wegen kurz aus; die Läufe ſind fein, glatt, blaugrau und ziemlich kurz, die Zehen mittellang und dünn. Drei weſentliche Punkte aber kennzeichnen ganz beſonders dieſes ſchöne Zier⸗ huhn: die Haube nebſt Bart, das Gefieder und der Mangel entwickelter Kammteile. 5* 68 Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. Die außerordentlich große Haube iſt bei Hahn und Henne ver⸗ ſchieden gebildet. Bei erſterem beſteht ſie aus ſchmalen, lanzettförmigen, gleich einem Sonnenſchirm(wie Ch. Jaque treffend bemerkt) den Kopf überdeckenden, langen, vorn an der Stirn etwas aufrecht ſtehenden, weit nach den Seiten und nach hinten überfallenden Federn. Bei der Henne dagegen ſind die einzelnen Federn kürzer und breiter und bilden eine feſt geſchloſſene, wohlgerundete Haube, welche vorn über dem Schnabel durch eine kurze, nach oben und hinten ſich verlierende Rinne in zwei Teile geſchieden erſcheint. Größe und Geſtalt der Haube wird bedingt durch eine Erhöhung. am Vorderſchädel, die ſich äußerlich als fleiſchige Maſſe kennzeichnet, welcher eine Aufweitung der Hirnſchale zu Grund liegt.(Siehe Fig. 12.) Dieſe Erhöhung, der Haubenfederboden, muß bei Tieren reinen Bluts ſehr entwickelt erſcheinen; ſie iſt das Kennzeichen für die Geeignetheit zu Züchtungszwecken: mangelhaft entwickelter Haubenfederboden würde Nachkommen mit mangelhafter Haube zur Folge haben. Die ſo ſehr ausgebildete Haube, jene Hauptzierde der Paduaner, macht aber dieſe ſchöne Hühnerraſſe, obgleich ſie ihrer Eiererzeugung nach nicht zu den unergiebigen gehört, obgleich ihr Fleiſch von gutem Geſchmack und ihre Mäſtungsfähigkeit eine gute iſt— zu Nutzhühnern untauglich. Nicht nur daß die große Haube ſie an freier Umſicht hindert und deshalb bei freiem Lauf großen Gefahren ausſetzt, wird dieſe bei heiterem Wetter ſo ſchöne und reich entwickelte Zierde durch den Regen zu einer in undurchſichtigen Strähnen ihnen vor den Augen hängenden Maske, die zu Erkältungen und Augen⸗ krankheiten Veranlaſſung giebt. Paduaner gedeihen daher auch nur dann gut, wenn ihnen ausreichender Schutz vor Nebel und Regen und vor dem Einnäſſen der vorderen Haubenteile beim Waſſertrinken und vor dem Beſchmutzen derſelben beim Picken auf aufgeweichtem Boden gewährt werden kann. Durchlaſſender Sandboden, tägliche Reinigung desſelben, ſtets ziemlich kurz gehaltener Raſen und überdeckter geräumiger Schutzraum ſind daher die unerläßlichen Grundbedingungen zu gedeihlicher Züchtung dieſer ſtark behaubten Zierhühner. Die Färbung iſt eine ſehr verſchiedene. Es giebt Schwarze, Blaugraue, Kuckuckſperber, Weiße und Hermelinfarbige, außerdem aber ſogenannte Silber⸗, Gold⸗ und Chamoislack. Die letzteren drei Farben⸗ ſchläge bieten in ihrem Gefieder eine Regelmäßigkeit der Farbenan⸗ ordnung, wie ſie nur noch bei Bantams und Hamburgern zu finden iſt. Bei den meiſten Raſſen der eigentlichen Zierhühner hat die Henne eine reicher, regelmäßiger und charakteriſtiſcher gezeichnete Be⸗ fiederung als der Hahn; ſo auch bei den letztgenannten drei Farben⸗ ſchlägen. Ich verſuche daher, eine Schilderung der Befiederung der Henne zu geben, und werde die Unterſchiede der Zeichnung des Hahns dieſer anſchließen. Bei den Silberlack⸗Paduanern iſt die Grundfarbe weiß, bei den Goldlack gelbbraun, bei den Chamoislack ledergelb oder gelbbraun, die Hauben⸗ oder Hollen⸗Hühner. 69 Zeichnung bei den beiden erſten ſchwarz, bei den letzten in demſelben Farbenton heller, als die Grundfarbe bis zum Weißen. Ich gebe bloß die Zeichnung für die Silberlack an, da ſich die— jenige der Gold⸗ und Chamoislack nur durch die Grundfarbe, bzl. auch durch die hellere Betupfung von jener unterſcheidet. Bei den Hauben- und Kragenfedern zeigt die Mitte die weiße Grundfarbe, von einer ſchwarzen Binde umgeben, und dieſe wiederum von einem weißen Saum eingefaßt. Die Kragenfedern ſind ſchmäler und ſpitzer als die Haubenfedern. Jede Feder der Bruſt und des Rückens iſt weiß und an ihrem Ende ziemlich breit halbmondförmig getupft. Die Schulter⸗ und die Flügeldeckfedern ſind mit breitem, ſchwarzem Saum rings umgeben, der an der Spitze breiter iſt als an den Seiten und auf jedem Flügel zwei Querbinden bildet; die Schwanzdeck⸗ und Schwanzfedern, ſowie die Schwingen ſind ebenfalls in derſelben Anordnung, jedoch ſchmäler ſchwarz geſäumt, letztere nur ganz unbe⸗ deutend; Bauch und Hinterteil ſind mit weichen, grau untermiſchten Federn beſetzt. Infolge dieſer Färbung der einzelnen Federn erſcheinen Bruſt und Rücken ſehr regelmäßig ſchwarz und weiß geſchuppt, von welcher Färbung der Kragen, die helleren Schwingen und die weißen, ſchwarz umſäumten, an den Enden breiter ſchwarz gezeichneten Schwanzfedern vorteilhaft abſtechen. Der ganzen Erſcheinung geben die große, volle, runde, ebenfalls ſchwarz und weiße, bei älteren Tieren mehr weiße Haube und im Gegenſatz hierzu der zwar auch ſchwarz und weiß gemuſterte, aber ſehr dunkle Bart den eigenartigen Charakter. Das Gefieder des Hahns gleicht an der Bruſt, auch auf dem Rücken, und in betreff der Schwingen und der Bauchbekleidung im allgemeinen dem der Henne. Haube, Hals⸗ und Schulterfedern ſind weiß mit ſchwarzen Flecken an den Spitzen; der Bart iſt ſchwarz; die Sattelfedern ſind unten ſchwarz, im übrigen weiß mit ſchwarzen Tupfen, die Schwanzfedern weiß oder grau mit ſchwarzen Flecken nach der Spitze zu; die Schwanzdeckfedern zeigen bei grau in der Mitte eine ſchwarze, grünglänzende Einfaſſung; die längeren derſelben werden nach Maßgabe der Länge immer mehr weiß, bis endlich die großen Sichel⸗ federn faſt ganz weiß und nur noch an den Endſpitzen ſchwarz erſcheinen. Noch iſt die Hermelinfärbung zu betrachten. Man verſteht unter hermelinfarbigen Paduanern ſolche ganz weiße Tiere, deren Hals⸗ und Schwanzfedern an den Enden ſchwarze Tupfen zeigen. 4. Das Brabanter Huhn iſt oder war eine Abart des Padu⸗ auerhuhns, von dieſem unterſchieden durch die Formgröße ſeiner Haube. Dieſe iſt weniger umfangreich als diejenige der übrigen Haubenhühner, ſteht, einen auffallenden Gegenſatz zu den Hauben dieſer bildend, auf⸗ recht und läuft nach oben und nach vorn ſich verjüngend zu; bei der Henne iſt ſie etwas breiter als beim Hahne. Dieſer aufrecht ſtehende, nach vorn geneigte Federbuſch verleiht den Tieren, beſonders dem Hahn, bei ſehr aufrechter Haltung und 70 Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. kräftigem, breitbrüſtigem Körperbau etwas außergewöhnlich Stolzes und Kühnes. Denkt man ſich hierzu ein ſchön gefärbtes Gefieder, Silber⸗ oder Gold⸗ oder auch wohl Chamois⸗Lack(ähnlich der Zeichnung der Paduaner) und einen dunklen, ſtarken, in der Richtung der Kehle geteilten Federbart, der ſich von dem hellen Kragen auffallend abhebt, ſo verdient das Brabanter Huhn, auch abgeſehen von ſeinen wirt⸗ ſchaftlich guten Eigenſchaften, nicht die letzte Stelle unter den Hühnern gefälliger und anmutiger Erſcheinung. Ober⸗ und Unterkamm ſind nur ſehr ſchwach entwickelt. Die Läufe ſind glatt und meiſtens dunkel gefärbt. Das Brabanter Huhn legt fleißig; Eigewicht 60 g. Es brütet in der Regel nicht; wenn es ſich aber zum Brüten anſchickt, beſorgt es dies Geſchäft gut. Nach R. Ottel werden die Brabanter in der ſächſiſchen Ober⸗ lauſitz in reinen Stämmen gezüchtet und als ganz nützliche Hühner betrachtet. Ob dieſelben hier auch heute noch rein gezüchtet werden, iſt fraglich. Auch ob ſie in Holland, wohin ſie vor bereits zweihundert Jahren aus Perſien eingeführt worden ſein ſollen, im beſonderen in Brabant, jetzt noch rein vorkommen, iſt in Zweifel zu ziehen. Das iſt eine Folge des in der Einleitung zu den Haubenhühnern gekenn⸗ zeichneten Beſtrebens, Hühner mit mäßigen Hauben in ſolche mit Voll⸗ hauben umzugeſtalten. 5. Das Seltanshuhn oder Türkenhuhn iſt im Grunde genommen nichts anderes als ein beſonderer Schlag des Paduaner⸗ huhns mit denſelben Eigenſchaften und der Ausnahme, daß die Läufe befiedert und meiſtens 5 Zehen vorhanden ſind. Es iſt in der Regel ganz weiß. Es iſt ziemlich weichlich und ſchwer aufzuziehen, legt wenig und brütet nicht.. 6. Das Holländerhuhn(Fig. 16). Mit dem Namen Hol⸗ länder bezeichnet man Hühner mittlerer Größe, welche bei ähnlicher Geſtalt und Haltung auch in ähnlicher Weiſe behaubt ſind wie die Paduaner; nur iſt ihre Haube nicht ganz ſo umfangreich als bei dieſen, und das hauptſächlichſte Unterſcheidungsmerkmal beſteht in dem Fehlen des Barts und dem Vorhandenſein eines gut entwickelten Unterkamms. Die Haube iſt bei der Henne weniger geſchloſſen als bei den Paduanern, beim Hahne aber in ähnlicher Weiſe gebildet wie bei dieſen, nur erreichen die einzelnen Federn nicht dieſelbe Länge und fallen häufig auch nach vorn über. Ein Oberkamm iſt nicht ſichtbar, dagegen der Unterkamm bei Hahn und Henne wohl zu ſehen, weil gut entwickelt. Der engliſche Geſchmack verlangt, daß die Bartlappen lang, dünn und hängend ſeien; Ch. Jaque bezeichnet dieſelben als außergewöhnlich groß und hängend, E. Lemoine als rund und kurz, R. Ottel als nicht groß. Darin liegen Widerſprüche, auf die näher einzugehen nicht ganz ohne Intereſſe ſein dürfte. Man begegnet ſolchen Widerſprüchen öfter. * Hauben⸗ oder Hollen⸗Hühner. 71 Voller, langer, hängender Unterkamm wird häufig, man könnte faſt behaupten, meiſtens für eine größere Zierde angeſehen als ein kurzer; daher mag es denn kommen, daß die Züchter vielfach beſtrebt ſind, den Unterkamm nach Möglichkeit zu entwickeln, wie ſie auch die ☛ — — k. Fig. 16. Blaue Holländer, Hahn. Haube in ſchöne Form und oft in übertriebene Größe umzugeſtalten ſuchen. Solche unnormale Entwickelungen aber benehmen dem Tiere den der Raſſe eigenthümlichen Charakter; denn ob die Bartlappen lang und dünn oder kurz und rund ſind, gehört ebenſo wie größere oder kleinere Höhe des Oberkamms zu den typiſchen Merkmalen. Der Um⸗ bildung und Verbildung typiſcher Raſſenmerkmale ſollten ſich die Züchter 72 Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. enthalten. Beim Holländer-Hahn ſind kurze Bartlappen, ähnlich denen des Crèéve⸗coeur⸗Hahnes, die allein regelrechten, mag auch die gerade herrſchende Mode und damit zuſammenhängend der Geſchmack der Züchter größere Länge oder vollkommenere Entwickelung für ſchöner halten. Der dunkle Schnabel iſt ziemlich ſtark und ſieht des fehlenden Barts wegen etwas länger aus, als der der Paduaner. Die glatten Läufe ſind wie bei dieſen fein und ſchiefergrau gefärbt. Was die Farbe des Gefieders anbetrifft, ſo verſteht man in der Regel, wenn ſchlechtweg von Holländer⸗Hühnern die Rede iſt, unter dieſer Bezeichnung ſchwarze Hühner mit weißer Haube. Die Haube iſt jedoch niemals ganz weiß, ſondern vorn über dem Schnabel und auch wohl an den Seiten ſchwarz; in der Mitte der Haube dürfen ſchwarze Federn nicht vorkommen. Der auffallende Gegenſatz, den das Weiß der Haube zu der durchweg ſchwarzen Färbung des übrigen Gefieders bildet, wird für beſonders ſchön gehalten. Schwarze, weißgehaubte Holländer⸗Hühner ſind daher als Zierhühner vielfach beliebt und geſucht. Es giebt auch blaue Holländerhühner. VI. Gruppe. Seiden⸗, Woll⸗ oder Haar⸗Hühner. Die Federn dieſer Hühner haben ſehr ſchwache weiche Schäfte und nicht zuſammenhängende woll- oder haarähnliche Fahnen. Dieſe Gefiederbeſchaffenheit läßt dieſe Vögel größer und ſchwerer erſcheinen, als ſie ſind; ſie haben die Größe kleiner Landhühner. Man kennt zwei Hauptraſſen: das Japaniſche und das Siameſiſche Seidenhuhn; beide unterſcheiden ſich hauptſächlich durch die Färbung der Kammteile und der Haut und Knochenhaut. 1. Das Japaniſche Seidenhuhn hat dunkelviolette Haut und ebenſo gefärbte Knochenhaut. Der Kamm iſt ein kurzer dicker Doppel⸗ kamm von dunkelvioletter Färbung; die ebenſo gefärbten Kehllappen ſind beim Hahne kurz(nach Wright und Dürigen lang). Das Geſicht iſt nackt und purpurrot; die Ohrlappen ſind bläulich; die Läufe ſind kurz, blau und ſchwach befiedert; die Füße haben 5 Zehen. Der Kopf des Hahnes trägt einen nach hinten fallenden Federbuſch, der bei der Henne mehr rund aufrecht ſtehend und voller iſt. Der Sattel ſteigt nach dem Schwanze zu etwas an, dieſer iſt dem des Kochinchinahuhnes ähnlich. Das Gefieder iſt weiß. Das Gewicht beträgt 1 bis 2 kg. Die Eier ſind klein und gelblich-weiß. Die Henne brütet und führt vortrefflich und leiſtet zum Ausbrüten von Wachtel-, Rebhuhn- und Faſaneneiern ausgezeichnetes. Nahe verwandt mit dieſem Huhne iſt das Chineſiſche Woll— huhn, das ein mehr wollartiges Gefieder und etwas größeren Körper hat. 2. Das Siameſiſche Seidenhuhn unterſcheidet ſich vom Ja⸗ paniſchen dadurch, daß ſein Kamm einfach und ſtehend und ebenſo wie der Unterkamm rot iſt und die Haut und die Läufe gelb ſind. Es giebt einige Abarten der Seidenhühner, die aber zu geringe Bedeutung haben, um hier noch beſchrieben zu werden. Seiden⸗, Woll⸗ oder Haar⸗Hühner. Zwerghühner. 73 Dagegen reihe ich hier noch das Strupphuhn ein, abſchon ſein Körperbau dem der Seiden⸗ oder Wollhühner nicht entſpricht, weil auch ſeine Federnbildung eine von der gewöhnlichen abweichende iſt und das jetzige Strupphuhn mit heller Haut aus einem ſolchen mit roter Haut durch Klima⸗ oder Bluteinmiſchungs⸗Einfluß hervorgegangen ſein könnte. Dieſes Huhn hat Landhuhnform mit einfachem Steh⸗ oder Doppelkamm und Landhuhngröße. Sein Gefieder iſt weich und die einzelnen Deckfedern ſind an der Spitze nach außen umgebogen und ein- oder mehrfach gedreht, ſo daß das Gefieder kraus oder lockig ausſieht. Die Färbung des Gefieders iſt verſchieden. Das Strupp⸗ huhn iſt ein ziemlich brauchbares Nutzhuhn. Gewicht des Hahnes 2 bis 3 kg, das der Henne 1 ½— 2 ½ kg. Eigewicht bis zu 70 g. Eier⸗ produktion reichlich. Brütluſt gering, wenn die Strupphenne aber brütet, beſorgt ſie dies gut. VII. Gruppe. Zwerghühner. Unter Zwerghühnern verſteht man Hühner, deren Größenver⸗ hältniſſe dasjenige Maß nicht erreichen, welches für kleinere Landhuhn⸗ raſſen das durchſchnittliche iſt. Sie zerfallen in zwei Untergruppen: eigentliche Zwerghühner mit nur ihnen eigentünlicher Geſtalt, Haltung und einigen anderen beſonderen Merkmalen, und Zwerge einiger bekannten Hühnerraſſen, von dieſen nur in Größe verſchieden, in England Bantam genannt, ein Name, der auch bei uns ſich einge⸗ bürgert hat. 1. Eigentliche Zwerghühner. a) Alteuropäiſches Zwerghuhn.(Meiſtens, wenn auch mit Unrecht, engliſches genannt.) Charakteriſtiſch ſind das aufrechte Tragen der Bruſt und des Halſes, die hängend, faſt ſchleppend ge⸗ tragenen Flügel, die weich befiederten Schenkel, lange, den Boden ſtreifende, ſteiffederige Stulpen(Geierferſen), mit langen Federn, bis auf die Zehen befiederte Läufe und beim Hahne noch ſehr entwickelter, langer, ziemlich hoch getragener Schwanz. Der Kamm iſt einfach und ſtehend. Es giebt 4 Farbenſchläge: rebhuhnfarbige(beim Hahne Halsbehang goldgelb, Rücken⸗ und Sattelbehang rot und goldbraun, alles übrige ſchwarz), porzellanfarbige mit gelber Grundfarbe und weiß und ſchwarzer Zeichnung auf jeder Feder, bunte und weiße. Der franzöſiſche Geflügel⸗Kenner und ⸗Züchter E. Lemoine führt in ſeinem Buche als engliſches Zwerghuhn ein dem eben beſchriebenen rebhuhnfarbigen gleichendes auf mit dem Unterſchiede, daß der Kamm ein Roſenkamm iſt und die Läufe keine Befiederung tragen. b) Japaniſches Zwerghuhn(Chabo). Das kleinſte Zwerghuhn (Hahn ungefähr 0,25 m Kopfhöhe) von ganz abſonderlicher Geſtalt und Haltung. Klein, niedrig(Schenkel ſehr kurz, Läufe kaum 0,04 m hoch), gedrungen, die Flügel berühren mit den Spitzen den Boden, der breite Schwanz iſt beim Hahne ſo ſteil geſtellt, daß die Federn bei auf⸗ —ᷣ————— G 74 Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. gereckter Halsſtellung den Hinterkopf berühren. Auf dem Kopfe dieſer putzigen Zwerghuhngeſtalt trägt das Hähnchen einen verhältnismäßig. hohen, weit nach hinten reichenden, gezackten Stehkamm und unter dem⸗ ſelben recht große abgerundete Bartlappen. Die Ohrlappen ſind rot, die nackten Läufe bei hellfarbigen gelb, bei dunkelfarbigen dunkler bis zu blaugrau. Die Chabo ſtammen aus Japan und kamen von dort unter ihren verſchiedenen Färbungen entſprechenden Japaniſchen Bezeich⸗ nungen nach Europa, ſo unter andern die weißen, ſchwarz geſchwänzten als Siro-Chabo, die houdanfarbigen als Butchi-Chabo, die goldbunten als Aka- Chabo u. ſ. w.; es giebt noch mehr Färbungen dieſer Nippeshühnchen. 2. Zwergformen vorhandener Hühnerraſſen(Bantam). a) Eigentliche Bantam, Hamburger in Zwergform mit Roſen⸗ kamm. Es giebt ziemlich viele Färbungen; ſie kommen am häufigſten in Schwarz vor. Ein beſonderer Bantamſchlag ſind die Sebright⸗Bantam, welche ſich hauptſächlich durch die Übereinſtimmung der Schwänze beider Geſchlechter(Hennenſchwanz beim Hahne), aber auch durch ihre Färbung von den übrigen Bantam unterſcheiden. Jede Feder iſt auf weißem oder gelbem Grunde glänzend ſchwarz gerändert, die Ohrlappen ſind bläulich⸗weiß. b) Von den Zwergformen giebt es als konſtant zu betrachtende Raſſen noch: das Zwergcochinchina⸗ oder Peking⸗Bantam⸗Huhn, gelben Cochinchina⸗Hühnern entſprechend gebaut und gefärbt, Zwerg⸗ Malayen, ⸗Schotten, Kaulhühner, Strupphühner und Zwergkämpfer. Auf dieſe letzten ſei beſonders aufmerkſam gemacht als äußerſt zierliche, in Bauart, Haltung und Färbung ganz dem engliſchen Kampfhuhne entſprechende Hühnchen. Kopfhöhe des Hähnchens ungefähr 0,30 m. Noch ſind zwei Hühnerraſſen der Erwähnung und Beſchreibung wert, welche ſich in die vorſtehende Einteilung nicht haben einreihen laſſen: das Phönixhuhn und das Negerhuhn. Das Phönixhuhn. Was dieſes Huhn von allen anderen Hühnern unterſcheidet, iſt die außerordentlich üppige Entwickelung der Behang⸗ und Schwanz⸗ federn beim Hahne; von den Sattelbehangfedern reichen die kürzeren bis an das Ferſengelenk, die längſten ſtreifen den Boden; letztere ſind außerordentlich lang und erreichen Längen bis zu 2 m und darüber; auch die Halsfedern ſind durch ihre bis auf die Rücken⸗ mitte reichende Länge ſehr auffallend. Eine umfaſſende Beſchreibung dieſer Federnzierde giebt Bruno Dürigen in ſeinem Werke: die Geflügelzucht. Auch die Hennen zeichnen ſich vor denjenigen anderer Raſſen durch reichere Befiederung von größerer Länge aus, die Schwanzfedern an den Spitzen abwärts gebogen. Die Gefiederfärbung iſt bei den aus Japan eingeführten Phönixhühnern ſehr verſchieden; in betreff des Behanges werden ſilberhalſige und goldhalſige unter⸗ ſchieden. Im allgemeinen gleicht die Geſtalt des Phönixhuhnes der eines ———-—,— Zwerghühner. 75 größeren Landhuhns. Im übrigen iſt es gekennzeichnet durch einfachen, beim Hahne großen, eingezackten Stehkamm, lange Warappen. rotes Geſicht, meiße oder rötlich⸗weiße Ohrlappen und mittelhohe glatte blaugraue Läufe. Die erſte Einführung dieſer Hühner nach Europa geſchah 1878 durch H. N. D. Wichmann sen. zu Hamburg: zwei Paar, von denen jedoch bald ein Hahn einging und die Hennen ſich als unreine Raſſe erwieſen. Kreuzungen des überlebenden Hahnes mit Kämpfer⸗ oder Yokohamahennen führten zur Erlangung von Blendlingen, welche dem Phönixhahne ſehr ähnlich waren. Von 1881 an kamen wieder neue Phönixhühner aus Japan an; bis 1884 betrug die Einfuhr über 9. Paare, wovon 4 nach Deutſchland gelangten. Phönixhühner zu halten bedarf ganz beſonderer Sorgfalt zur Erhaltung ihrer Hauptzierde, des koloſſalen und prächtigen Hahnen⸗ ſchwanzes. Bei Benutzung entſprechend hoch und von den Wänden des Käfigs oder Stallraums weit genug ab angebrachter Sitzſtange; bei größter Reinlichkeit des Bodens, den der Hahn betreten muß, und bei Auslauf nur auf dichten Raſen mag es möglich ſein, die auf dem Boden ſchleppenden längeren Schwanzfedern rein und unverſehrt zu erhalten. Das Negerhuhn. Es hat als charakteriſtiſche Merkmale ſchwarze Ober⸗ und Knochen⸗ Haut, dunkelviolette Kammteile und Ohrlappen, ebenſo gefärbte Läufe und dazu glänzend ſchwarzes Gefieder. Nur das Auge iſt rot. Dieſes Huhn hat die Größe und die Federngeſtaltung des Landhuhns. Der Kamm iſt einfach und ſtehend oder Doppelkamm. Das Huhn hat nur den Wert der Sonderbarbeit. Das Kückenkleid. Die Hühnerkücken ſind, wenn ſie dem Ei entſchlüpfen, mit einem weichen Flaumkleid verſehen. Die Färbung desſelben iſt je nach der Farbe des Gefieders der Elterntiere verſchieden, ſtimmt aber meiſtens nicht oder nicht am ganzen Körper mit dieſer überein, d. h. mit der Farbe der Henne. Bei grauem, braunem oder rebhuhnfarbigem Gefieder der Henne fallen die Kücken ganz ähnlich, aber einfach gefärbt: hell oder dunkel, grau oder braun, bei gelbem Hennengefieder hellgelb. Auffallend iſt, daß bei denjenigen ganz ſchwarzen Hühnern, bei welchen Schwarz die ausſchließliche oder doch gewöhnliche Farbe der Raſſe iſt, niemals das erſte Kückenkleid ganz ſchwarz iſt. Meiſtens iſt der Bauch gelb oder weiß; gelb bei den Spaniern mit weißem Geſicht, den ſchwarzen Breſſe⸗ und den Créève⸗coeur⸗Kücken, weiß bei denen der Lafleche⸗ und der Holländer⸗Raſſe, gelblich⸗weiß bei den Langſhankücken. Ganz ſchwarze Kücken giebt es nur bei ſchwarzen Farbenſchlägen von Hühner⸗ raſſen, welche gewöhnlich hellere Färbung tragen. 3. Pflege und Wartung. Zum Gedeihen der Hühner ſind erforderlich: geſunder Aufent⸗ haltsraum bei Tag und während der Nacht, ausreichende Bewegung und bekömmliche Ernährung. 76 Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. A. Unterbringung. 1. Hühnerhäuſer. In der Regel läßt da, wo die Hühner freien Lauf im Hofe oder auf dem Düngerhaufen oder ins Freie haben, der Aufenthalt außerhalb des Hühnerhauſes kaum etwas zu wünſchen übrig, um ſo mehr, als bei ländlichen Beſitzungen auch genügender Schutz gegen an⸗ haltenden Regen oder Schnee durch ſelten fehlende offene Schuppen oder durch Zutritt zum Viehſtalle gewährt zu ſein pflegt. Dagegen ſind die Räume, in denen die Hühner die Nacht zu⸗ bringen müſſen, die Hühnerſtälle, in der Regel nicht dementſprechend, was als geſunder, wenigſtens nicht ſchädlicher Aufenthaltsraum bezeichnet werden kann. Weder die Unterbringung hoch oben im Kuhſtalle, noch die in irgend einem niederen und engen Raum, gewährt ſolche Luft⸗ beſchaffenheit, daß ſie auf die Dauer nicht geſundheitsſchädlich wirken müßte. Den Hühnerſtall in einen Rindvieh⸗ oder Pferdeſtall ſo zu legen, daß die Hühner nicht oben unter der Decke die dort faſt er⸗ ſtickende Luft einatmen müſſen, ſondern tiefer ſitzen, iſt inſofern ganz zweckmäßig, als ſolche Ställe warme Aufenthaltsräume, beſonders während der Winterzeit, bieten. Dieſe Rückſicht bedingt auch, daß der Hühnerſtall, falls er, wie das ſehr häufig geſchieht, an eine Wand eines bereits ſtehenden Gebäudes angebaut werden ſoll, niemals auf der Nordſeite desſelben liegen darf; am zweckmäßigſten iſt hierzu die Oſt⸗ oder Südoſtſeite. Dasſelbe gilt von der Lage der Thür⸗ und Fenſteröffnungen. Wird das Hühnerhaus außerhalb bereits bedeckter und von Wänden eingeſchloſſener Räumlichkeit erbaut, ſo laſſen ſich zwei Kon⸗ ſtruktionen als zweckmäßig bezeichnen: entweder liegt der Boden des Hauſes auf ebener Erde oder erhöht. Im erſten Falle können die Wände in der Art ausgeführt werden, wie bei anderen Gebäuden; je dicker ſie ſind, deſto wärmer halten ſie im Winter, deſto mehr Kühle geben ſie im Sommer; aus beiden Gründen muß zwiſchen Dach und innerem Raume ein Zwiſchenboden ſich befinden. Die Wände ſind im Innern glatt zu verputzen und mit Kalkanſtrich zu verſehen. Um im Innern genügende Hellung zu haben, ſind kleine Fenſteröffnungen er⸗ forderlich, die zweckmäßig auf beiden Seiten der Eingangsthür ſich be⸗ finden; ſie müſſen nach innen durch Drahtgitter verſchloſſen werden und auf der Außenſeite Glasfenſter erhalten, welche nach außen auf— ſchlagen, ſo daß die Lüftung von hier aus geſchehen kann. Die Ein⸗ gangsthür braucht die Breite von 0,65 m nicht zu überſteigen, ſie muß ſo hoch ſein, daß ein Mann mittlerer Größe ſie benutzen kann, ohne ſich bücken zu müſſen. Den Ein- und Ausgang der Hühner ver⸗ mitteln Offnungen von 0,18 bis 0,20 m Breite und 0,25 bis 0,30 m Höhe, welche auf der Außenſeite durch Schieber von Zinkblech, die in Falzen aus demſelben Material ſich auf und ab ſchieben laſſen, verſchloſſen werden können. Dieſe Offnungen können Pflege und Wartung. 757 dicht über dem Fußboden(eine Hand breit höher als dieſer) liegen oder auch ſo hoch, daß die Hühner beim Eingehen direkt auf die Sitzſtangen kommen; erſtere Lage iſt letzterer vorzuziehen. Dieſe Offnungen legt man entweder neben die Eingangsthür oder in dieſelbe oder auch in eine Seitenwand. Den Fußboden legt man etmas höher, als der um⸗ gebende Erdboden iſt. Er kann aus einer ſtarken Holzdielung beſtehen oder aus Cement oder Asphalt; letztere beiden Materialien ſind der Dielung vorzuziehen. Den Boden zu pflaſtern oder nur aus feſtge⸗ ſchlagenem Lehm und dergleichen zu bilden, iſt deshalb unzweckmäßig, weil er übelriechende Feuchtigkeit aus den Exkrementen aufnimmt und dadurch zur Quelle ungeſunder Ausdünſtungen wird. Behufs Abzugs der Ausdünſtungen der Hühner und ihrer Exkremente kann man ein oder mehrere Dunſtröhren von der Decke aus durchs Dach führen oder in der Decke und über dieſer in den Giebelwänden Offnungen anbringen. Dunſtröhren haben den Nachteil, daß die Feuchtig— keit an ihren Wänden an⸗ ſchlägt und an denſelben abwärts tropft; ſie ſind daher nur dann anzu bringen, wenn das Hühnerhaus Giebelwände nicht hat. Die innere Höhe des Hauſes ſei wenigſtens G ſo groß, daß ein größerer Mann in demnſelben ſich aufrechtgehend frei bewegen kann. Der Flächeninhalt des Hühnerhausbodens muß ſo groß bemeſſen werden, daß er die folgende, in der beigegebenen Zeichnung(Fig. 17) mit Buchſtaben an⸗ gegebene Einrichtung zuläßt. Auf einer Seite der Eingangsthüre(A) befinden ſich die Sitz⸗ ſtangen(B) für die Hühner, in einer gegenüberliegenden Ecke(C) liegt Stroh, in welchem diejenigen Hühner, welche nicht aufbäumen, die Nacht zubringen, andere bei kaltem Wetter ſich warm niederſetzen können, andere auch wohl ihre Eier ablegen. Bei D ſind an den Wänden die Legeneſter angebracht, entweder in gleicher Höhe wie die Sitzſtangen, an den Wänden hängend(Neſter aus Drahtgeflecht) oder auch auf dem Boden ſtehend(viereckige Körbe oder 0,15 bis 0,20 m hohe Holzkäſten, die keinen Boden zu haben brauchen); ſtatt der einzelnen Kaſten kann man auch einen langen Kaſten aufſtellen, der durch Querbretter in eine Anzahl Neſter eingeteilt iſt. Über den Neſtern her läuft ein von der Wand nach dem Innern ſchräg ab⸗ fallendes Brett, welches die Hühner daran hindert, den Neſtrand zum Fig. 17. Stallraum nach Ch. Jacque. 78 Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. Nachtaufenthalt zu wählen. Die Sitzſtangen müſſen alle in gleicher Höhe liegen, ungefähr 0,70 bis 1,00 m hoch,(für Kücken ſind ſie dem Alter angemeſſen niedriger anzubringen). Jede einzelne Stange muß mühelos aufgenommen werden können; deshalb legt man ſie in an den Wänden anzubringende, oben nicht geſchloſſene, eiſerne Oſen ein; bei breitem Stallraum werden ſie durch einen ſenkrecht zu demſelben unter der Mitte aufzuſtellenden Ständer oder durch mehrere unterſtützt. Zu Sitzſtangen verwendet man 0,07m breite tannene Latten, deren breite Seite horizontal liegt und deren obere Kanten etwas abgerundet werden; das ſchließt die Verwendung anderer Hölzer(Rundholz) nicht aus; ihre Stärke darf aber nicht hinter der angegebenen zurückbleiben. Der Zwiſchenraum zwiſchen den Sitzſtangen muß wenig⸗ ſtens 0,40 m, der zwiſchen der letzten Stange und der Wand wenig— ſtens 0,30 m betragen. Zum be⸗ quemen Sitzen auf der Stange bedarf jedes Huhn durchſchnittlich 0,15 m bis 0,20 m, ſo daß eine Stange für 10 Hühner 1,50 m bis 2,00 m lang ſein muß. Es iſt zweck⸗ mäßig, wenn die Anzahl der Sitz⸗ ſtangen ſo bemeſſen wird, daß nicht alle voll beſetzt ſein müſſen, nachdem alle Hühner aufgebäumt haben. Dieſe Art Hühnerhaus paßt, entſprechend groß bemeſſen oder verkleinert, für jede Hühnerzahl, wo⸗ bei vorgreifend ſchon jetzt bemerkt ſei, daß es ganz unvorteilhaft iſt, Fig. 18. eine große Hühneranzahl in ein und Freiſtehendes Hühnerhaus nach E. Lémoine. demſelben Nachtaufenthaltsraume unterzubringen; die Anhäufung vieler Tiere derſelben Art in denſelben Räumen iſt ſehr leicht ein Krankheits⸗ erreger, ſicher aber ein Krankheitsverbreiter. Ich halte es daher für nicht gut, mehr als höchſtens 50 Hühner, beſſer nur 25 denſelben Stallraum bewohnen zu laſſen. Die zweite Art von Hühnerhaus, von der weiter oben die Rede war, das Hühnerhaus mit erhöhtem Boden, iſt beſonders da ver⸗ wendbar, wo es ſich um größeren Hühnerzuchtsbetrieb handelt und in⸗ folgedeſſen eine ganze Anzahl ſolcher Häuſer dann gebraucht wird, wenn man nicht die ſämtlichen alten und jungen Hühner unter demſelben Dache, wenn auch in verſchiedenen Räumen, unterbringen will. De⸗ centraliſation iſt bei keiner Tierzüchtung notwendiger, als bei der Hühnerzucht, wenn man großen Verluſten vorbeugen will. Dieſe Art Hühnerhäuſer beſteht aus einem großen, auf 4 bis 6 ſtarken Pflege und Wartung. 79 Ständern aus Holz ruhenden Kaſten, der mit einem Dache bedeckt iſt(Fig. 18). Sehr praktiſch iſt es, dieſes Haus mit Stroh zu decken. Die Wände können aus Fachwerk oder auch durch Bretter gebildet werden. Fachwerk iſt vorzuziehen, weil es im Innern glatt verputzt werden kann. Erhält dieſes Haus eine Breite von 2,20 m, eine Tiefe von 1,80 m, ſo können in demſelben 22 Hühner Unterkommen finden. Ein ſolches Haus kann auch für zwei Hühnerabteilungen herge⸗ ſtellt werden, indem man es in der Mitte durchteilt und jede Ab⸗ teilung mit einer Thüre und einer Einſchlupföffnung verſieht(Fig. 19). Der freie Raum unter dem 3 Hauſe muß ebenfalls in der Mitte eine Trennungs⸗ wand erhalten. Der Hühnerhaus⸗ boden liegt bei den kleineren Häuſern(Fig. 18) auf 1,00 m, bei den größeren auf 1 bis 1,50 m Höhe. Die Verwendung ſolcher Hühnerhäuſer er⸗ fordert, daß ſie frei in irgend welcher Umzäunung ſtehen, wie Fig. 20 das veranſchaulicht. Bei dem Doppelhauſe muß ſelbſtver⸗ ſtändlich ein Trennungs⸗ gitter in der Verlängerung der mittleren Trennungs⸗ wand liegen. Bei dem zuerſt be⸗ ſchriebenen maſſiven Fig. 19. Freiſtehendes Hühnerhaus nach E. Lémoine. Hühnerhauſe mit auf ebener Erde liegendem Boden iſt an der dem Nord⸗ und Nordweſtwinde nicht ausgeſetzten Seite eine Dachverlängerung von großem Nutzen, um den Hühnern Schutz gegen Witterungsunbilden zu gewähren, ohne daß ſie gezwungen ſind, ins Innere des Hauſes ſich zu begeben. Unter dieſem Dache wird es ſtets trocken ſein. Der von ihm überdeckte Raum kann alſo auch als Futterplatz dienen. Bei der zweiten Art von Hühnerhäuſern finden die Hühner Schutz unter dem Hauſe, wenn dafür geſorgt wird, daß bei jedem ſolchen Hauſe ein bis zwei beſondere Bretterwände vorhanden ſind, welche an einer oder zwei Seiten ſo an eine oder zwei aneinanderſtoßende Wände angelehnt werden können, daß ſie den freien Raum unter dem Hauſe vor Wind ſchützen. Auch gegen heiße Sonnenſtrahlen ſchützt ſolche tragbare Vor⸗ ſtellwand, wenn ſie auf der Süd⸗ oder Südweſtſeite des Hauſes Auf⸗ 80 Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. ſtellung findet. Statt Brettervorſtellern laſſen ſich mit Vorteil Stroh⸗ matten in Holzrahmen verwenden. Bei Regen⸗ oder Schneewetter kann die Fütterung unter dem Hauſe ſtattfinden. Will man verſchiedene Hühnerraſſen und ſelbſt auch anderes Geflügel in demſelben Gebäude vereinigen, ſo dürfte, wenn der Bauplatz nicht andere Anordnung des Grundriſſes bedingt, das von Ottel nach franzöſiſchem Muſter konſtruierte Geflügelhaus allen An⸗ forderungen an ein ſolches am beſten entſprechen.(Fig. 21.) Eine Vergrößerung der Laufräume iſt bei demſelben ohne Schwierigkeit aus⸗ führbar. Bei großen Hühnerbeſtänden, die eine Vermehrung der Ställe S — — e X Fig. 20. Hühnerparke mit freiſtehenden Hühnerhäuſern. und Laufräume bedingen, erſcheint es zweckmäßig, den die Hühnerſtälle begrenzenden, im Halbkreiſe geführten Grundlinien eine ovale Form zu geben. Andere geeignete Stallformen oder auch Pläne für Aufführung der Gebäude nebſt architektoniſchen Verzierungen derſelben hier aufzu⸗ zeichnen würde zu weit abführen vom eigentlichen Zwecke dieſes Buches. Demjenigen, der ſich hierüber Rat holen will, ſei das Werk von Alfred Schubert, Die Geflügelſtälle(Thaerbibliothek), Verlagsbuchhandlung Paul Parey in Berlin, 1890, empfohlen. Pflege und Wartung. 81 2. Laufräume. Unter Laufraum iſt ein umzäuntes Stück Land zu verſtehen, das einer Anzahl von Hühnern zum Aufenthalte angewieſen iſt, und welches mit einem Hühnerhauſe derart zuſammenhängt, daß die Hühner, wenn ſie letzteres verlaſſen, unmittelbar in dieſen Raum und aus dem⸗ ſelben wieder ins Hühnerhaus gelangen können. Je größer er iſt, deſto beſſer; dagegen iſt als geringſte Ausdehnung ſelbſt für nur ein Paar Hühner die von 12 am erforderlich, wenn dieſe Vögel dauernd in guter Verfaſſung bleiben ſollen. Dieſe Größe genügt aber auch für bis zu 6 Bewohner. Das hängt zunächſt von der Raſſe ab. So ge⸗ brauchen Hühner leb⸗ haften Temperaments viel mehr Lauf⸗ und Scharrraum, als z. B. Kochinchinahühner, die bei wenigen Quadrat⸗ metern ſich wohl befin⸗ den; ferner von der Form des Laufraum⸗ grundriſſes: Eine qua⸗ dratiſche Fläche kann nicht ſo viel Hühnern als Laufraum dienen, als Brae-der. wenn derſelbe Raum Qeaseun Sen daes eine größere Längen⸗—— als Breitenausdehnung. hat. Die Größe des a‿ese Snken Laufraums wird auch Roß bedingt durch die yn² Bodenbeſchaffenheit. Gᷣlnsenf 722— Bei durchläſſigem leich⸗ 6 5 Af tem Sandboden darf er e c.— viel kleiner ſein, als di. 1. Geſtügelgans mach Hitel. wenn der Boden das Waſſer nur ſchwer oder nicht durchläßt oder nur ſchwer trocknet, wie es bei Lehmboden der Fall iſt. In letzterem Falle kann man bei kleineren Laufräumen dadurch Abhilfe ſchaffen, daß der eine Teil des Bodens Fall nach einer Seite hin erhält und dann mit einer nicht zu dünnen Sandſchicht bedeckt wird. Liegen mehrere Laufräume neben⸗ einander, ſo iſt es zweckmäßig, die Entwäſſerung von je 2 derſelben durch Neigung des Bodens nach der gemeinſchaftlichen Grenze, wo erforderlichenfalls eine Abzugsrinne gelegt werden muß, zu bewirken. Bei größeren Laufräumen beſame man einen Teil des Bodens mit Gras; je nach der Zahl der Hühner und der Größe des Grasplatzes überläßt man ihnen denſelben entweder ſtets oder man trifft Vor⸗ richtungen zu zeitweiſer Abſperrung oder Zulaſſung. Pribyl, Geflügelzucht. 4. Auflage. 6 82 Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. Der Laufraum enthalte im Sommer ſchattige Stellen durch Strauchwerk oder Nadelhölzer; letztere ſind vorzuziehen, weil ſie auch Schutz gegen Regen und Schnee bieten. Die Umfriedigung der Laufräume bewirkt man, wo ſie nicht an Mauerwerk anlehnen, am zweckmäßigſten durch Drahtgeflecht, deſſen unterſter Teil auf 1,00 m Höhe engmaſchig ſein muß, wenn auch Kücken den Laufraum bevölkern ſollen, deſſen oberer weitmaſchig ſein kann. Die Höhe des Umzäunungsgitters muß 2 bis 2,50 m groß ſein. B. Ernährung. Die Ernährung des Geflügels iſt neben naturgemäßer, der Eigen⸗ tümlichkeit der Geflügelarten entſprechender Unterbringung desſelben (Ställe, Laufräume, Schwimmgelegenheit) der wichtigſte Teil der Geflügelzüchtung. Von ihr hängt nicht nur das Gedeihen der älteren und jungen Tiere ab, worin die Vermeidung von Krankheiten inbegriffen iſt, ſondern auch deren Ergiebigkeit, mithin auch der aus der Geflügel⸗ zucht ziehbare Gewinn. Sie iſt der Stein des Anſtoßes, an welchem ſo manche mit den beſten Ausſichten und Hoffnungen unternommene Geflügelzüchtung geſcheitert iſt, ſei es durch ungenügende Produktion bei mangelhafter oder verkehrter Ernährung oder durch Krankheiten, auf welche die Ernährungsart von großem Einfluſſe iſt. Vor allem kommt es darauf an, jeder Geflügelart die derſelben eigentümlichen Nahrungsmittel zu reichen. Das allein genügt aber nicht: die Menge der Nährmittel iſt feſtzuſtellen; ferner aber die Zweck⸗ mäßigkeit der Nährmittel für Vögel verſchiedener Beſtimmung und verſchiedenen Alters. Es iſt einleuchtend, daß, wollte man Vögel mit Futter mäſten, welches ſeiner Beſchaffenheit und Menge nach für nicht zu mäſtendes Geflügel eben ausreicht, man ſchwerlich dazu kommen würde, fette Tiere zu erhalten, und daß umgekehrt eine Ernährung, wie ſie für Maſtgeflügel paßt, dem übrigen Geflügel nicht zuträglich und beiſpielsweiſe die Eiererzeugung beeinträchtigen, alſo dem Züchter doppelten Schaden bringen würde: Verminderung der Eieranzahl bei Vermehrung der Koſten. Ebenſo bedarf das junge Geflügel einer anderen Ernährung als das ältere, die jungen Tiere aber wieder, je nach ihrem Alter, verſchiedener Nahrungsmittel und Nahrungsmengen. Wenn und wo junges und älteres Geflügel in Gemeinſchaft gefüttert werden, leidet das eine oder das andere, oder es wird das Futter nicht in richtiger Weiſe ausgenutzt, es leidet alſo in dieſem Falle der Geldbeutel des Züchters. Die Anweiſung zu richtiger Ernährung hat ſich alſo nicht nur zu erſtrecken auf die Beſprechung derjenigen Nahrungsmittel, welche den Haushühnern, welche den Truthühnern, welche den Gänſen, welche den Enten eigentümlich und zuträglich ſind, ſondern muß auch unterſcheiden zwiſchen der Ernährung älterer Tiere zum Zwecke ihrer Erhaltung oder zur Förderung ihrer Eier⸗ und Fleiſchproduktion und der das Wachstum fördernden Ernährung jüngerer und ganz junger Tiere, Pflege und Wartung. 83 den zum Mäſten dienlichen Nährmitteln und denjenigen Nährſtoffen, welche den brütenden Weibchen zu verabfolgen ſind. I. Allgemeines. Das Haushuhn verzehrt, ſich ſelbſt überlaſſen, nicht nur ver⸗ ſchiedene Samenkörner, ſowohl mehl⸗- als ölhaltige, ſondern auch zarte Pflanzenteile und Würmer, Inſekten und deren Raupen, Larven und Puppen; außerdem nimmt es kleine Kalk⸗ und Kieſelſteinchen auf. Dem ſeiner Freiheit beraubten Huhne müſſen alſo dieſe verſchiedenen Nahrungs⸗ mittel oder angemeſſener Erſatz für dieſelben verabfolgt werden, wenn es dauernd geſund und kräftig erhalten werden ſoll. Das ausſchließ⸗ liche Verzehren von mehl- und ölhaltigen Samen würde vorzugsweiſe auf Fettbildung wirken und mit der Zeit Verſtopfung veranlaſſen; das Gegenteil würde die Folge von ausſchließlicher Verfütterung von Würmern und Inſekten, alſo von animaliſcher Nahrung ſein; Grünzeug enthält zu wenig Nahrungsſtoffe, um durch deſſen alleinige Verabfolgung die Hühner bei Kraft und Geſundheit zu erhalten. Mehl- und ölhaltige Samen oder Produkte derſelben, Grünzeug und animaliſche Nähr⸗ mittel müſſen ſich alſo ergänzen, wenn Hühner geſund und kräftig er⸗ halten werden ſollen. Nur für beſtimmte Nährzwecke darf auf kurze Zeit von dieſer Regel abgewicheu werden, z. B. zum Zwecke der Mäſtung. Es fragt ſich, in welchem Verhältniſſe müſſen die mehl⸗ und ölhaltigen und tieriſchen Nährſtoffe, ſowie das Grünzeug zu einander ſtehen? Die Entſcheidung dieſer Frage iſt aus den Lebens⸗ gewohnheiten frei umherſchweifender Hühner nicht abzuleiten, weil ſich bei denſelben nicht feſtſtellen läßt, wie viel von dem einen oder anderen Nahrungsmittel ſie aufnehmen; nur das läßt ſich erſehen, daß ſie die beſten Samenkörner verſchmähen, ſobald ihnen ein Wurm, ein Käfer in den Weg kommt. Dasſelbe können wir bei in Einfriedigungen ge⸗ haltenen Hühnern wahrnehmen: Einige Regenwürmer den mit Eifer mit dem Aufpicken der ſchönſten Gerſten⸗, Weizen⸗ oder Maiskörner Beſchäftigten vorgeworfen, veranlaßt ſie ſofort über erſtere herzufallen. Einige Zeit eingeſchloſſene Hühner, denen Grünfutter nicht zugänglich war, greifen, in Freiheit geſetzt, ſofort letzteres gierig an und ſind im⸗ ſtande, Raſenplätze förmlich abzuweiden, indem ſie die jungen Gras⸗ ſpitzen flink abpicken. Man würde alſo ſchwerlich fehlgreifen, wenn man Samenkörner, tieriſche Stoffe und grüne Pflanzenteile in gleichen Mengen verfütterte, wenn nicht zwei für den Züchter ſehr wichtige Umſtände zu berückſichtigen wären, welche eine Abänderung, wenigſtens für gewiſſe Zeiten, verlangten: zunächſt die Thatſache, daß der Geſchmack des Fleiſches und der Eier beeinflußt wird durch die Art des Futters, und ferner die Schwierigkeit, in allen Jahreszeiten größere Mengen von zuträglichen tieriſchen Stoffen und von grünen Pflanzen zu be⸗ ſchaffen. Erfahrungsmäßig ſteht feſt, daß das Fleiſch und die Eier derjenigen Hühner am beſten ſchmecken, welche ausſchließlich durch mehl⸗ haltige Stoffe genährt worden ſind. 6* Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. Aus dieſen Erörterungen ergeben ſich folgende allgemeine Er⸗ nährungsregeln: 1. Solche Hühner, welche freien Auslauf haben, füttere man ausſchließ⸗ lich mit mehlhaltigen Stoffen, vorzugsweiſe durch Fruchtkörner. 2. Hühner, welche in Einfriedigungen gehalten werden, ernähre man: a) wenn es auf Eierproduktion zum Zwecke des Konſums ab⸗ geſehen iſt, hauptſächlich durch mehlhaltige Nährſtoffe unter reichlicher Beigabe grüner Pflanzenteile; tieriſche Stoffe ſind nur in ganz geringer Menge zuzuſetzen, aber der Geſunderhal⸗ tung wegen nicht ganz auszuſchließen; b) wenn die Eier ausſchließlich oder vorzugsweiſe zum Bebrütet⸗ werden dienen ſollen, in derſelben Weiſe aber unter Vermehrung der tieriſchen Nährmittel. 3. Jungen Tieren, welche wachſen und ſich kräftig entwickeln ſollen, darf es an reichlicher Beigabe tieriſcher Nährſtoffe zu den mehl⸗ haltigen und zu grünen Pflanzenteilen nicht fehlen. 4. Maſthühnern ſind ausſchließlich mehlhaltige Stoffe unter geringem Zuſatze von ölhaltigen dienlich. 5. Im Winter muß für alle Hühner eine Erhöhung der Menge der tieriſchen Nährſtoffe ſtattfinden wegen der größeren Wärmeerzeugung durch letztere; Grünfutter darf nicht fehlen. Mehlhaltige Nahrungsſtoffe, welche den Hühnern zuſagen und gut bekommen, ſind in erſter Linie Fruchtkörner, darunter vorzugsweiſe Gerſte und Buchweizen(Heidekorn), ferner Weizen, Mais und Hafer, Reis, Hirſe und andere; Weizen und Mais verurſachen leicht zu ſchnelle und große Fettbildung; Hafer wirkt erhitzend und iſt zudem nicht immer in ſchwerer Ware zu haben, die Hühner aber verſchmähen die leichteren Körner desſelben; Reis iſt nur in aufgequelltem oder gekochtem Zuſtande verwendbar, die übrigen Körner in aufgequelltem oder rohem; Hirſe wird vorzugsweiſe als Kückenfutter benutzt. Außerdem ſind die Produkte jener Körner: Schrot, Mehl, Kleien und Brot brauchbar, Mehl mit Waſſer oder Milch ange⸗ rührt oder gekocht, Kleien mit heißem Waſſer überbrüht; nur hüte man ſich vor nur aus Schalen beſtehenden Kleien, welche ſo gut wie keinen Nahrungsgehalt haben. Auch iſt die Kartoffel zu den mehlhaltigen Nahrungsmitteln zu zählen, ihr Nährwert aber ein geringer; trotzdem iſt ſie in gekochtem oder gequelltem Zuſtande eine recht brauchbare Beigabe. Ein vorzügliches Futter, welches mit mehlhaltigem Inhalte Grünzeug verbindet, geben Fruchtkörner ab, welche ſo weit gekeimt haben, daß kurze Triebe an denſelben ſich befinden, worauf weiter unten zurückgekommen werden wird. Tieriſche Nährſtoffe. Die natürlichen tieriſchen Nahrungsmittel für Hühner ſind die bereits genannten: Regen⸗ und andere Arten Würmer, kleine Schnecken, Pflege und Wartung. 85 Inſekten und deren Larven und Puppen. Den in Einfriedigungen gehaltenen Hühnern dieſe in genügendem Maße zu verſchaffen, wird nicht immer möglich ſein. Erſatz bieten kleingehackte Fleiſchabfälle; Fleiſchreſte, welche an Knochen verblieben ſind, die vom Tiſche fortgeräumt werden, picken die Hühner vollſtändig ab. Fleiſchmehl unter feuchtes breiartiges Futter gemiſcht, z. B. unter Kleien, iſt in kleinen Mengen zuträglich, wenn es nicht ſtinkend oder ſchimmlig geworden iſt; in größeren Mengen verurſacht es Abführen. Getrocknetes Blut iſt der beſte Erſatz für die oben genannten natürlichen tieriſchen Nährſtoffe, darf aber auch nicht in großer Menge gefüttert werden. Gartenbeſitzern iſt es leicht, letztere zu ſammeln und dadurch zwei Fliegen mit einer Klappe zu treffen, indem die Pflanzen von Schädlingen befreit, andererſeits den Hühnern ein nichts koſtendes und ſehr zuträgliches Futter verſchafft wird. Beim Graben der Beete zum Vorſchein kommende Regenwürmer und Engerlinge laſſe man ſorgfältig für die Hühner ſammeln; alle von Pflanzen abgeleſene Raupen und Schnecken werfe man den Hühnern vor; an lauwarmen und regneriſchen Abenden laſſe man mit Laternen die Beete nach Regenwürmern abſuchen; zu anderen Zeiten treibe man dieſe Erdbewohner aus dem Boden an die Oberfläche behufs Sammelns derſelben, indem man mit Stöcken in den Boden einſticht und letzteren durch Hin⸗ und Herwenden der erſteren erzittern macht. Ameiſenhaufen hebe man ſorg⸗ fältig mit den Puppen aus. A. Espannt giebt zur Erlangung von Regenwürmern folgendes praktiſche Verfahren an:„An der am meiſten beſchatteten und feuchten Stelle des Hühnerparks läßt man einen halben Meter tief die Erde umgraben und dabei auf einen Quadratmeter 5 Kilo Stroh ſenkrecht einſenken. Die Oberfläche des ſo hergerichteten Stückes muß öfter be⸗ goſſen und dann mit alten Brettern oder platten Steinen belegt werden; während des Winters bedeckt man ſie zehn Centimeter hoch mit Stroh oder Miſt; auch iſt es nicht übel, die Anlage mit altem Reiſig zu überdecken; alles das, um den Boden im Sommer feucht, im Winter warm zu erhalten und dadurch viele Würmer dorthin zu ziehen. Ein ſo vorbereiteter Boden kann in zwei Quadratmetern eine Mahlzeit für hundertundfünfzig Hühner liefern. Man gräbt denſelben um, wirft die Erde mit dem Stroh aus, ſo daß die Hühner dieſelbe durchſcharren und die Würmer, welche ſie enthält, freſſen können. Nachdem dies geſchehen, zieht man die verſcharrte Erde wieder an denſelben Ort zurück, indem man von neuem etwas Stroh dazwiſchen einſenkt. Am folgenden Tage thut man dasſelbe mit weiteren zwei Quadratmetern und fährt ſo fort, bis man nach Verlauf von dreißig Tagen zu dem zuerſt aufgegrabenen Stück zurückkommt, welches dann von neuem voll von Würmern iſt. Sechzig Quadratmeter ſo vorbe⸗ reiteten Erdbodens haben uns während achtzehn Monaten eine tägliche Mahlzeit für hundert Hühner geliefert.“ 86 Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. Mit großer Vorliebe verzehren die Haushühner die Larven der Maikäfer, die Engerlinge. Nur ſtellt ſich einem größeren Konſum derſelben die Schwierigkeit des Einſammelns dieſer Erdbewohner ent⸗ gegen; doch verdient ein Vorſchlag des Okonomierates Richard Glaß, der in der„Allgem. landwirtſchaftlichen Zeitung“ Nr. 46, 1859 erſchien, volle Beachtung. „Die Maikäfer legen ihre Eier am liebſten in recht lockere Erde oder in Haufen von halbverweſten Blättern. Um ſeinen Teil zur Verminderung dieſer Landplage beizutragen, lege man auf Feldern und im Garten Ende Mai oder Anfang Juni Kompoſthaufen aus Kehricht, Laub, halbverweſtem Miſt u. ſ. w. an. Dieſe Kompoſthaufen werden von den für ihre Nachkommenſchaft ſorgenden Maikäfern aufgeſucht und mit ihrer Brut beſetzt. Ende Juni oder anfangs Juli ſchlüpfen die Engerlinge aus. In den letzten 14 Tagen des Auguſt verlaſſen die jungen Engerlinge das Neſt, jeder ſchlägt ſeinen Weg für ſich ein. Sie nähern ſich der Oberfläche und fangen an die feinſten und ſaftigſten Wurzeln abzunagen, die ſie auf ihrem unterirdiſchen Wege treffen. Im Monat November hat der Engerling ſchon eine Länge von 13 mm erreicht, und es iſt Zeit, ſich der Brut zu bemächtigen, ehe ſie ſich zer⸗ ſtreut. Die Kompoſthaufen werden zerſtreut und den Hühnern preis⸗ gegeben, welche die Larven gierig freſſen und nach wenigen Tagen die ganze hier verſammelt geweſene Brut vertilgen. In den erwähnten Kompoſthaufen hat man die einfachſte und natürlichſte Würmerei und ſorgt zugleich für die Verminderung der kleinen Ungetüme, welche ſchon manchem Landmanne ſeine Hoffnungen, manchem Gärtner ſeine Freude zu Waſſer gemacht haben.“ Grünfutter. Im Frühjahre, Sommer und Herbſte iſt es nicht ſchwer, den in Einfriedigung untergebrachten Hühnern das erforderliche Grünfutter zu verſchaffen. Gemüſe⸗ und Salatabfälle werden gern angenommen, ebenſo Reſte gekochten Gemüſes, auch Grasſpitzen. Aber auch Unkräuter, wie Kreuzkraut, Gauchheil, Gänſediſtel, Löwenzahn und Brenneſſeln ver⸗ ehren ſie gern, ſolange die Pflanzen noch jung ſind. Gartenbeſitzern iſt daher zu empfehlen, ausgejätete Unkräuter den Hühnern vorwerfen zu laſſen, vorausgeſetzt, daß keine giftigen Kräuter ſich darunter be⸗ finden. Bei großen Beſtänden an Hühnern iſt eine empfehlenswerte Beſchaffung von Grünfutter die, daß man Erbſen oder Wicken ſäet und dieſe, ſobald die jungen Triebe erſcheinen, mit dieſen wieder ausgräbt und mit anhaftender Erde den Hühnern überläßt. Das geſchieht zweckmäßig im Hühnerparke ſelbſt, vorausgeſetzt, daß er den nötigen Raum bietet und der beſäete Teil bis zum geeigneten Zeitpunkte den Hühnern nicht zugänglich iſt, indem man ihn durch ſtehende oder auf denſelben aufgelegte Drahtgitter ſchützt. Auch andere Samen, beſonders Salatſamen, oder auch Getreidekörner eignen ſich zu ſchneller und aus⸗ giebiger Grünfuttererzeugung. Pflege und Wartung. 87 II. Beſondere Ernährungsvorſchriften. 1. Fütterungsart. Nicht nur in dem, was man füttert, ſondern auch darin, wie man füttert, iſt das Gedeihen der Tiere begründet und ihre Ergiebigkeit, alſo der Vorteil und Nutzen des Züchters. Es gelten hierfür die folgenden Regeln: a) Man verabfolge gerad genug Futter, daß der Hunger geſtillt wird, aber nicht ſo viel, daß die Tiere überſatt werden. Übermäßige Fütterung erzeugt Krankheiten oder Fettbildung und beeinträchtigt das Eierablegen. Auch iſt, was von den überſättigten Hühnern liegen gelaſſen wird, in der Regel verloren, denn es verdirbt oder wird von Mäuſen und Vögeln verzehrt. Zudem kann ſolches Futter, wenn es aus mit Waſſer oder Milch zubereiteten Stoffen beſteht, Weichfutter, leicht durch Säureentwickelung oder Schimmel⸗ bildung oder Verunreinigung durch Exkremente der Geſundheit der Hühner nachteilig werden. Daraus folgt: Das Futter werde zu beſtimmten Tageszeiten in für eine Mahlzeit gerad ausreichender Menge verabfolgt, nicht aber nur einmal am Tage für den ganzen Tag oder gar für längere Zeit den Hühnern zur Benutzung überlaſſen. Hühner, welche freien Lauf in den Hof und auf den Dünger oder ins freie Feld haben, bedürfen nur einer Fütterung am Tage, ſolange noch kein Froſtwetter eingetreten iſt, und zwar morgens beim Offnen des Hühnerhauſes, im Winter aber zweier Mahlzeiten, morgens und abends. Die Morgenfütterung iſt der am Abend vorzuziehen, damit die Hennen nicht genötigt ſind, ſich ſofort ins freie Feld zu begeben, um ihren Hunger zu ſtillen, wodurch ſie leicht dazu kommen, ihre Eier draußen, ſtatt im Hühnerhauſe abzulegen. In Umfriedigung gehaltene Hühner bedürfen einer ausgiebigeren Fütterung als ſolche, die freien Auslauf haben. Man füttere ſie daher im Frühjahre, Sommer und Herbſte dreimal am Tage, früh morgens, mittags und abends, im Winter zweimal, morgens und abends. Die Fütterungsſtunden ſeien tagtäglich dieſelben. .Das Futter werde an beſtimmten, zur Futtergabe beſonders vor⸗ bereiteten Stellen verabfolgt oder in beſonderen Futtergefäßen, und dieſe Stellen ſowie die Gefäße nach und vor jeder Futter⸗ verabreichung gereinigt. Der Boden des Futterplatzes ſei feſt, (Lehmtenne, Cement⸗ oder Steinplattenbelag oder Holzdielung), überdacht und den Hühnern außer zur Futterzeit nicht zugänglich. Es iſt dies freilich nur bei größerer Anzahl von Hühnern erforder⸗ lich, bei geringer aber nicht unvorteilhaft. Hier kann das Körner⸗ futter weitläufig auf dem Boden ausgeſtreut, nicht zu weiches Weichfutter in einzelnen Häufchen auf demſelben verteilt werden, ſo daß alle Hühner bequem zu demſelben gelangen können. Auch im Winter iſt ein ſo eingerichteter Futterplatz benutzbar. Und — d) Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. ſelbſt dann, wenn man den Hühnern das Futter in Futtergefäßen vorſetzt, iſt ein ſolcher Fütterungsplatz nützlich, weil nur bei feſtem, ſtets trockenem Boden das beim Freſſen und durch die Füße der Hühner aus den Gefäßen unvermeidlich herausfallende Futter nicht verloren geht und nicht die unter a hervorgehobenen Nachteile bringt. Die Futtergefäße müſſen eine ſolche Form haben, daß die Hühner nicht im Futter mit den Füßen ſtehen können, wenn ſie freſſen. Das iſt nur zu erlangen möglich, wenn das Futtergefäß umgittert und oben bedeckt iſt, ſo daß die Hühner den Kopf durch das Gitter ſtecken müſſen, wenn ſie das Futter erreichen wollen. Solche Gefäße ſind aber ſchwer zu reinigen. Nach meinen Er⸗ fahrungen ſind einfache Holzgefäße vorzuziehen. Eine aus zwei längeren Brettern durch Nageln gebildete Rinne erhält entweder an den Hirnenden zwei Wände durch Vornageln zweier gleich großer Bretter, die zugleich als Füße dienen, oder man befeſtigt unter denſelben zwei Füße, aus zwei Brettern gebildet, in welchen oben ein Dreieck ausgeſchnitten iſt, in welches die Rinne hineinpaßt; die Hirnenden bleiben offen. Erſtere Gefäßform iſt zur Fütterung von Körnern geeignet, kann aber auch für Weichfutter dienen, iſt aber alsdann ſchwieriger zu reinigen als die zweite Gefäßform, deren Reinigung ſehr leicht und gründlich ausführbar iſt; iſt die Rinne nicht zu kurz, ſo eignet ſie ſich ebenfalls zur Verfütterung von Körnern. Die Hühner lernen es bald von ſelbſt, ſich neben⸗ einander längs der Rinne hinzuſtellen und ruhig zu freſſen; wenn auch einzelne ſich auf den Rand ſtellen, ſo hat das nichts zu be— deuten: eine Verunreinigung des Futters findet ſelten ſtatt. Haben die Hühner das Futter verzehrt, ſo kann die Rinne ohne Mühe ſpäteren Verunreinigungen durch ſich auf die Ränder derſelben ſetzende Hühner entzogen werden, wenn man ſie mit einem der Enden ſo an die Wand ſtellt, daß die offene Seite der Rinne dieſer zugekehrt iſt.— Bei der Verabfolgung des Futters an ganz junge Kücken bediene man ſich eines quadratiſchen Brettes, auf welches man das Futter ausſtreut. Dasſelbe werde nach jeder Fütterung gereinigt und aufrecht zur Seite geſtellt.— So nachteilig es für die Hühner wie für den Züchter ſein würde, das Futter den Tieren in Menge zum Freſſen nach Belieben ſtets vorgeſetzt zu laſſen, ſo verkehrt wäre es, dieſes Verfahren auch auf die Verabfolgung des Trinkwaſſers auszudehnen. Wann das Huhn Hunger haben wird, können wir aus Erfahrung leicht be⸗ urteilen, nicht ſo, ob und wann Durft ſich einſtellt, welcher nicht durch Kropf⸗ und Magenleere hervorgerufen wird, wie der Hunger, ſondern anderen Urſachen ſeine Entſtehung verdankt: trockenem oder gewürzigem Futter, Mangel an Grünfutter, Trockenheit der Luft oder Hitze und anderem. Das Huhn muß alſo dann trinken können, wenn es Durſt fühlt, mithin immer Waſſer zur Verfügung haben. Aufſtellen von Waſſer in der Nähe des Hühnerhauſes Pflege und Wartung. 89 oder in dem dieſem vorliegenden Laufraume iſt nur dann nicht erforderlich, wenn die Hühner freien Auslauf haben auf einen Hof, auf welchem ein Waſſerbehälter vorhanden iſt, deſſen Waſſer öfter erneut wird, oder ins Feld, durch das ein zugänglicher Bach u. ſ. w. fließt, oder auf welchem ein ddurch ſtelen Zufluß geſpeiſter Weiher oder Teich liegt. Stehendes Waſſer, das nicht ſtets friſchen Zufluß hat, iſt den Hühnern nicht weniger ſchädlich, als anderen Tieren. Deshalb werde auch das Waſſer, welches in Gefäßen für die Hühner bereit geſtellt wird, wenioſider eitenan an jedem Tage durch friſches erſetzt. Man verſäume nicht, bei dieſer Gelegenheit das Waſſergefäß gründlich zu reinigen. Sind die Hühner in einem unfriedigten Laufraume ein⸗ geſchloſſen, ſo werden ſie, wenn Waſſer in flachen offenen Gefäßen bereit ſtände, dasſelbe bald verunreinigen. Dem vorzubeugen be⸗ dient man ſich entweder ſogenannter pneumatiſcher Trinkgefäße oder man überdeckt die Waſſerſchüſſel mit einem Gitter, welches das Durchſtecken des Kopfes und Halſes geſtattet und oben ein Dach hat. Die Waſſerſchüſſel ſelbſt ſei möglichſt groß, flach und im Innern mit Gl Laſur verſehen, damit ſie gut gereinigt werden kann. Pneumatiſche Trinkgefäße ſind nur dann brauchbar, wenn ſie ſo groß und ſchwer ſind oder ſo aufgeſtellt werden, daß ſie nicht um⸗ geworfen werden können, weil ſie ſich in dieſem Falle ſchnell ent⸗ leeren. Sie ſind deshalb unpraktiſche Geräte. Zur Überdeckung der Waſſerſchüſſel kann man ſich als Gitter eines umgeſtülpten Hühnerverſandkorbes bedienen, deſſen Stäbe vom Flechtwerk befreit ſind, und den man durch Steine beſchwert. Kann man übrigens die Erneuerung des Waſſers öfter am Tage vornehmen laſſen, ſo iſt eine Umgitterung des Waſſergefäßes nicht einmal erforderlich, vorausgeſetzt, daß die Waſſerſchüſſel ſo niedrig, ſo groß und ſo ſchwer iſt, daß ſie dadurch, daß Hühner auf den Rand derſelben treten, nicht umfallen oder nach einer Seite aufſchnappen kann. Verſchiedene Futterarten verabfolge man niemals gleichzeitig. Das Gegenteil würde ein ſchnelles Aufpicken der wohlſchmeckenderen Nahrungsmittel veranlaſſen und ein Liegenlaſſen und Vergeuden oder Verderben der anderen. Man füttere alſo zu einer Zeit Fruchtkörner, zu einer anderen Weichfutter, und dieſes wieder je nach Beſchaffenheit allein, alſo z. B. Kleien mit Grünzeug oder ein andermal Karoffeln u. ſ. w. Grünfutter werde, falls es nicht mit anderen Nährſtoffen vermengt dargereicht wird, nach den Haupt⸗ mahlzeiten oder in den Zwiſchenzeiten vorgeworfen. Ob man die Fruchtkörnerverabfolgung morgens oder abends vornehmen ſoll, iſt nicht feſtſtehend. Praktiſch ſcheint es zu ſein, die Fruchtkörner abends zu füttern, weil die nach dem Abendfutter eintretende Ruhe eine beſſere Verdauung, alſo beſſere Ausnutzung der Körner zuläßt, als die nach dem Morgenfutter ſtattfindende größere Be⸗ wegung, und weil die Verdauung von Körnern langſamer vor ſich geht, als die von Weichfutter. Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. 2. Futtermenge. Wie viel Futter ein Huhn täglich und bei jeder Mahlzeit be⸗ darf, läßt ſich im allgemeinen nicht beſtimmt angeben, weil die ver⸗ ſchiedenen Hühnerraſſen ſehr verſchieden ſind, nicht nur an Größe, ſondern auch an Knochenmaſſe und Fleiſch-, d. h. Muskelmaſſe, und verſchieden an Gefräßigkeit. Im allgemeinen genügt zur täglichen Ernährung eines mittelgroßen Huhns eine Nahrungsmittelmenge, welche dem Nähr⸗ werte entſpricht, den 60— 70 g Gerſtenkörner haben. Es iſt das aber nicht ſo zu verſtehen, daß ein mittelgroßes Huhn einzig nur durch Vorwerfen von 60—70 g Gerſte täglich, wenn es in kleinerem Lauf⸗ raume gehalten wird, in gutem Zuſtande erhalten werden könne; ſehr nahrhafte Nahrungsmittel, in geringerer Menge gereicht, thun nicht dieſelben Dienſte, als wenn dieſelbe Nährſtoffmenge in größerer Futter⸗ menge gereicht wird. Das tägliche Futter für ein mittelgroßes Huhn beſtehe alſo nicht in 60— 70 g Fruchtkörnern, ſondern in ſo großer, aus mehlhaltigen und tieriſchen Nahrungsmitteln und Grünzeug zuſammen⸗ geſetzter Futtermenge, daß das Ganze einen Nährwert repräſentiert, welchen 60—70 g Gerſtenkörner enthalten. Größere Hühner bedürfen natürlich mehr Futter als mittelgroße, dieſe mehr als kleine. Zum Anhalte bei der Fütterung von Hühnern, welche keinen freien Auslauf ins Feld haben, diene folgende Zuſammenſtellung der Nahrungsgewichtsmenge für die tägliche Fütterung, welche der Züchter E. Lemoine aufgeſtellt hat, vorausgeſetzt, daß dieſe Nahrungsmenge aus den drei Hauptnährſtoffen, von denen bei Beſprechung der Nahrungs⸗ mittel die Rede war, zuſammengeſetzt iſt. Danach bedürfen an täglichem Futter: Das Bantam⸗Huhn und die ihm in Größe gleichkommen⸗ den anderen kleinſten Raſſen 80— 82 g „ Paduaner⸗Huhn... 115„ 150„ „ Hamburger Huhn......... Holländiſche Huhn mit weißer Haube....... 155„ Leghorn⸗Huhn.... 168„ Andaluſier⸗- und Minorka⸗Huhn... 194„ Spanier-, Dorking⸗, Houdan⸗ und Lafleche-Huhn je 195„ Créve-coer⸗ und Langſhan⸗Huhn je....... 200„ Brahmaputra⸗Huhn 2475 w Kochinchiua⸗Huhn......300„ Aus dieſer Zuſammenſtellung ergiebt ſich auch, wie unvorteilhaft es ſein würde, Hühner verſchiedener Größe in demſelben Raume ver⸗ einigt zu halten. Die kleineren würden zu viel, die großen zu wenig Nahrung erhalten.. Ferner iſt dieſe Zuſammenſtellung von der größten Bedeutung bei der Beurteilung der Nützlichkeit der verſchiedenen Hühnerraſſen. Denn nicht nur die Anzahl und Schwere der Eier, oder die Fleiſchmenge und Knochenmaſſe können allein einen richtigen Anhalt geben, vielmehr iſt Pflege und Wartung. 91 es von der höchſten Bedeutung, wie hoch hiergegen die Futterkoſten ſich belaufen. Es wird ſpäter Gelegenheit ſich bieten, hierauf zurück⸗ zukommen. III. Ernährung der Kücken und Junghühner. Bereits in der Einleitung zum Abſchnitte Ernährung iſt dar⸗ gelegt worden, daß junges Geflügel einer anderen Ernährungsweiſe bedarf, als altes ausgewachſenes, jenes aber wieder je nach dem Alter und nach dem Zwecke, zu welchem es erzüchtet werden foll, von einander verſchiedener Nahrungsmittel und Nahrungsmengen. Hiernach zerfällt die Ernährung der Kücken in folgende Abſchnitte, welche mit den Zeit⸗ räumen übereinſtimmen, in welchen eine andere Fütterung eintreten muß: Ernährung der ganz jungen Kücken bis zum Alter von vier Wochen, der älteren Kücken bis zur Schlachtreife, d. h. bis ſie zehn bis zwölf Wochen alt ſind, der über zwölf Wochen alten Kücken bis zur Zeit der Einſtellung in Zuchtſtämme oder der Mäſtung. 1. Fütterung ganz junger Kücken während der erſten vier Wochen ihres Lebens. Über die Nahrungsmittel, welche ſolchen Kücken zu verabfolgen ſeien, die erſt vor kurzem ausgeſchlüpft ſind, ſind die Meinungen in manchen Beziehungen verſchieden und oft weit auseinandergehend. Beſonders iſt d dies in Bezug auf die Verfütterung von klein zerhacktem, hart gekochtem Ei der Fall. Auch über den Zeitpunkt, von welchem an Grünzeug gegeben werden dürfe, iſt keine Einigkeit vorhanden. In jüngſter Zeit iſt ſogar die Frage, ob die kleinen Geſchöpfchen Waſſer trinken dürfen oder durſten ſollen, dahin zu entſcheiden verſucht worden, daß ſie durſtend ſich beſſer befänden und beſſer entwickelten, als wenn ſie Gelegenheit hätten, ihren Durſt zu löſchen. Eine andere, auch neuer⸗ dings geäußerte Anſicht hält es zwar für zweckmäßig, daß die Tierchen trinken, aber nicht Waſſer, ſondern Milch. Welche Nahrungsmittel den jüngſten und den jungen Kücken zu— träglich ſein werden, dürfte ſich am beſten ermitteln laſſen, wenn man erwägt, was dieſe Kücken, wenn ſie nicht in engem geſchloſſenem Lauf⸗ raume oder im Aufzuchtskaſten erzogen, ſondern im freien Felde oder in einem mit Buſchwerk und Bäumen beſtandenen Parke lediglich der Führung der Henne überlaſſen wären, finden würden und ſich aneignen könnten, oder welche Nahrungsmittel die Kücken der nächſten Verwandten unſeres Haushuhns, der Faſanen, oder die der Rebhühner im zarteſten Alter zu verzehren imſtande ſind. Wer im Freien unter der Führung der Henne ſich bewegende und Nahrung ſuchende ganz junge Hühnerkücken beobachtet, wird finden, daß vor allem anderen kleine, auf und in der Erde oder an Pflanzen ſich befindende Inſekten von ihren ſcharfen Augen erſpäht und erhaſcht werden oder kleine Würmchen und Larven. Ganz ſo verhalten ſich 92 Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. auch Faſanenkücken; für Rebhuhnkücken dürfte die erſte Nahrung ſchwerlich eine andere ſein. Feine Samen mögen auch ſehr bald aufgepickt werden. Es iſt alſo angezeigt, den Kücken als erſte Nahrung dasſelbe zu reichen oder geeigneten Erſatz. Als ſolcher könnte hart gekochtes Ei, welches in der Regel das erſte Kückenfutter bildet, dienen, wenn es nicht die üblen Eigenſchaften hätte, ſchwer verdaulich zu ſein, und daß nach meiner Erfahrung ſeine Verfütterung die Urſache näſſender Verſtopfung abgiebt.“) Eher noch kann gut ausgedrückter friſcher weißer Käſe dienen oder ſogenannter Eierkäſe, den man herſtellt, indem man Eier roh verrührt und dazu unter ſtetem Umrühren Milch gießt, dann das Gemenge warm ſtellt, bis es zu feſter Maſſe geworden iſt. 3 Eier auf 1 Liter Milch. Dem natürlichen Bedürfniſſe am beſten aber entſprechen friſche Puppen der kleinen roten oder auch ſchwarzen Gartenameiſe oder auch getrocknete und angefeuchtete; ebenſo gut ſind getrocknete und zer⸗ kleinerte Eintagsfliegen. In den erſten zwei Tagen bedürfen die Kücken kaum der Nahrung — Wärme iſt ihr Hauptbedürfnis. Sodann reicht man ihnen als erſtes Futter von den eben berührten animaliſchen Nährmitteln und gehe im Falle, daß dieſelben nicht zu beſchaffen ſind, zu Eierkäſe oder zu ſehr mäßiger Verabfolgung von Ei über; hierauf kann auch fein gekrümeltes, altbackenes, nicht geſäuertes Brot und in Waſſer gekochter Reis oder in Waſſer aufgeweichtes, ſodann aber gut ausgedrücktes Brot abwechſelnd unter ſich und mit jenen animaliſchen Nährſtoffen gereicht werden. Iſt man genötigt, in den erſten Tagen zur Verfütterung von Ei zu greifen, ſo laſſe man dasſelbe möglichſt bald wieder weg, jedenfalls füttere man es nur ſehr ſpärlich. Schon nach wenigen Tagen kann zur Verfütterung von geſchälter Hirſe, die in Waſſer eingeweicht war, geſchritten werden; nach ſechs Tagen und ſelbſt ſchon etwas früher ſtreue man geſchälte⸗Hirſe als erſtes Körnerfutter in mäßiger Gabe den Kücken vor. Von nun an können Regenwürmer, in Stücke gehackt, Mehlwürmer gder zerkleinerte Fleiſchſtücke als animaliſche Futterſtoffe dienen. Den Übergang zu größeren Fruchtkörnern bewirkt man allmählich, indem man die Hirſekörner erſetzt durch Hafergrütze, geſchrotene Gerſte, Buchweizen oder Weizen. An grünem Futter darf es den Kücken, welche keinen freien Auslauf haben, nach der erſten Woche ihres Lebens niemals fehlen; als ſolches dienen zuerſt Salat, recht klein zerſchnitten, ſpäter in ganzen Köpfen vorgeworfen, oder gekochte Gemüſeteile aller Art und auch kurz geſchnittene Grasſpitzen. Noch iſt eines ſehr nahrhaften Kückenfutters zu erwähnen: Teig, hergeſtellt aus Gerſtenmehl und Eiern oder auch nur aus Mehl und 1) Louis Reißert ſagt hierüber in ſeinem vortrefflichen Buche„Die landwirtſchaftliche Geflügelzucht.“ Breslau, Wilh. Gottl. Korn:„Viele durch Ei ernährten Kücken erkrankten, hatten übelriechende Ausleerungen und magerten ab. Nach ihrer Tötung zeigte die Sektion allgemeine Gelbſucht. Die Gallen⸗ blaſe war überfüllt.“ Pflege und Wartung. 93 Waſſer, welcher gut ausgetrocknet zu Krümeln gerieben wird, welche die Kücken ſehr gern nehmen. Mit dem Verfüttern der verſchiedenen genannten Futtermittel wechſele man in der Art ab, daß die animaliſchen Nahrungsmittel nicht zugleich mit den mehlhaltigen verabfolgt werden, und von dieſen das Weichfutter nicht zugleich mit dem Hartfutter, oder man gebe nach jeder Mahlzeit eine kleine Beigabe animaliſcher Nährſtoffe. Man füttere in den erſten Tagen alle zwei Stunden, hierauf fünfmal am Tage, und wechſele dabei mit dem Futter ſo ab, daß als erſtes früh morgens Weichfutter, mittags Körnerfutter und dazwiſchen abwechſelnd animaliſches, Weich⸗ oder Körnerfutter oder das animaliſche nach jeder Mahlzeit gereicht wird, je nach dem Alter der Kücken. Grün⸗ futter werde zwiſchen den Mahlzeiten zur Verfügung geſtellt. Sind die Kücken drei Wochen alt, ſo iſt es zweckmäßig, denſelben das Hartfutter vorzugsweiſe des Abends zu füttern. Die Futterzeiten können von jetzt ab auf vier eingeſchränkt werden. Bei dem Füttern iſt zu beachten, daß die Kücken bei keiner Mahlzeit überfüttert, wohl aber geſättigt werden. Überfütterung bringt Krankheiten hervor; zudem bleibt Futter liegen und verdirbt. Aus den⸗ ſelben Gründen iſt es unvorteilhaft, den Kücken das Futter zu beliebiger Benutzung ſtets bereitgeſtellt zu überlaſſen. Nicht minder wichtig als geeignetes Futter und angemeſſene Fütterungsart ſind, weil zum Gedeihen der Tierchen durchaus erforder⸗ lich, reichliche Bewegung, von der im Abſchnitte von der Aufzucht noch die Rede ſein wird, und die Bereitſtellung feinen Flußſandes und leicht aufpickbarer Kalkteilchen, wozu ſich fein zerkleinerte Eierſchalen ganz beſonders eignen; letztere können in dieſer Form auch dem Weichfutter beigemengt werden. Das Bedürfnis zum Trinken müſſen die Kücken ſtets befriedigen können. Waſſer ſtehe alſo in ganz flachen Schalen bereit, wozu ſich im Innern glaſierte Blumentopfunterſchalen beſonders eignen. Dieſelben müſſen vor oder während jeder Fütterung gereinigt werden; ein Über⸗ decken derſelben durch ein Gitter iſt unzweckmäßig. 2. Fütterung der Kücken im Alter von vier Wochen bis zu drei Monaten. Man vermehre allmählich das Körnerfutter, indem man dasſelbe bei Beibehaltung von vier Mahlzeiten außer des Abends auch beim zweiten Tagesfüttern verabreicht, und gehe nach und nach vom Füttern zerkleinerter Fruchtkörner(Schrot) zu dem ganzer Körner über. Zur Bereitung des Weichfutters können vom Beginn des Alters von ſechs Wochen an abgebrühte Weizenkleien ſtatt des Mehles Verwendung finden; auch iſt mäßige Verfütterung von Kartoffeln nicht ausgeſchloſſen. Im Übrigen behalte man die Verfütterung von Ameiſenpuppen oder Regen⸗ oder Mehlwümern und in Ermangelung derſelben von weißem 94 Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. Käſe bei oder laſſe man es an klein zerhackten Fleiſchteilen nicht fehlen. Dem Weichfutter geringe Mengen Knochenmehl beizumiſchen, welches empfohlen wird, erſcheint nicht erforderlich, weil in den Fruchtkörnern und den Kleien genügende Stoffe zur Knochenbildung enthalten ſind. 3. Fütterung von über drei Monate alten Junghühnern. Für junge Hühner, welche das Alter von drei Monaten über⸗ ſchritten haben, kann im allgemeinen die Fütterung eintreten, welche für ältere Hühner angegeben worden iſt, und man könnte ſie infolge⸗ deſſen mit älteren Hühnern gemeinſchaftlich füttern, wenn nicht zu be⸗ fürchten wäre, daß ſie von denſelben vom Futter fortgebiſſen würden und weniger Nahrungsſtoff erhielten, als ſie bedürfen. Deshalb iſt Trennung und abgeſonderte Verpflegung nötig. Wo das nicht aus⸗ führbar iſt, gebe man den Jungen allein in einem Raume, von dem die alten ferngehalten werden können, täglich eine beſondere Zulage an Körnern. Beſſer iſt permanente Abſonderung mit dreimaliger Fütterung durch kräftige, aber nicht Fett bildende Stoffe: Fruchtkörner mit Ausſchluß von Mais, auf der Mühle grob zerriſſene Erbſen(wurm⸗ ſtichige können hierzu vorteilhafte Verwendung finden), aufgequellte und gequetſchte Bohnen, Weizenkleien mit Fleiſchfuttermehl und Fleiſchabfällen, Würmer, Maden und dergleichen. 4. Ernährung der zum Schlachten beſtimmten Junghühner. Die Mäſtung beſchränkt ſich auf diejenigen jungen Hühner, welche das Alter von ſechs Monaten nicht überſchritten haben; nur ausnahmsweiſe kann dieſer Zeitraum bis zum Alter von acht Monaten ausgedehnt werden. Sie zerfällt in die Mäſtung junger Hähnchen, welche zehn bis zwölf Wochen alt geſchlachtet reſp. verkauft werden ſollen, und diejenige von vier bis ſechs Monate alter Hennen und auch Hähnen zum Verkaufe. Erſteren wird, wenn ſie das Alter von ſieben reſp. neun Wochen erreicht haben, die gewohnte größere Bewegungsfreiheit entzogen, indem man ſie in engerem Laufraume vereinigt und hier vorzugsweiſe mit Mehlteigkrümeln und Gerſten⸗ oder aufgequellten Maiskörnern füttert unter Entziehung von Fleiſchnahrung, aber Zuſatz von abgequellten zerdrückten Kartoffeln. In der letzten Woche entzieht man den zu Mäſtenden den Aufenthalt in freier Luft, indem man ſie in geringer Anzahl in Latten⸗ verſchlägen vereinigt, welche in dunklem Raume angelegt ſind, und hier dreimal am Tage, nach Offnung der Fenſterläden, durch Vorſetzen von Futter in Gefäßen ſo viel Nahrung zu ſich nehmen läßt als möglich. In der Regel wird man nicht nötig haben, zu letzterer Maß⸗ regel überzugehen, um recht gut genährte, feiſte Körper zu erzielen. Die Mäſtung älterer Kücken iſt, wenn man nicht nur fleiſchige, ſondern auch fette Körper erzeugen will, eine beſondere Sorgfalt und Arbeitslaſt erheiſchende und daher nicht Jedermanns Sache. Für den Mäſtung.„ 95 Züchter, welcher die Geflügelzucht nicht durch Fleiſchproduktion ausbeuten will oder kann, genügt das oben angegebene Verfahren auch zur Mäſtung von vier bis ſechs Monate alten Hühnern, welche nicht zu anderen Zwecken verwendbar ſind. Das Mäſtungsverfahren zum Fettmachen wird nachſtehend gegeben. Welche junge Hühner aus der vorhandenen Kückenzahl auszu⸗ ſcheiden und durch Mäſten, Schlachten oder Verkauf zu verwerten ſind, wird im nächſtfolgenden Abſchnitte, der von der Aufzucht und Auswahl handeln wird, beſprochen werden. IV. Mäſtung. 1. Geeignetheit zur Mäſtung. Unter Mäſtung eines Tieres verſteht man, letzteres in einen körperlichen Zuſtand zu bringen, in welchem es die größte Menge von Fleiſch und Fett erlangt hat, die es bei ſeiner Größe und unbeſchadet ſeines körperlichen Wohlbefindens erreichen kann. Die größere Menge von Fleiſch und Fett, die ein Tier erlangen kann, kann es nur dann erreichen, wenn die ihm zugeführten Nährſtoffe nicht mehr zur Knochenbildung und Muskelentwickelung verwendet werden; eine vollkommene Mäſtung iſt alſo nur bei ausgewachſenen Tieren möglich. Aber auch bei dieſen iſt zu unterſcheiden zwiſchen ſolchen Tieren, deren Muskeln kräftig entwickelt ſind, und ſolchen, welche aus Mangel an geeigneter oder genügender Nahrung und an genügender, die Muskeln entwickelnder Bewegung muslelſchwach ſind, alſo geringen Fleiſch⸗ anſatz haben. Unterwirft man erſtere einem geeigneten Mäſtungsverfahren, ſo erhält man Körper mit der größtmöglichen Fleiſchmenge und mit Fett; mäſtet man letztere, ſo bleibt die Fleiſchmenge ungenügend bei viel Fettbildung. Beides hat Einfluß auf das kompakte Ausſehen, ſowie auf das Gewicht der Gemäſteten. Es liegt alſo im Intereſſe des Mäſters, nur ſolche Tiere der Mäſtung zu unterwerfen, welche aus⸗ gewachſen und möglichſt muskelkräſtig ſind. Um ſolche zur Mäſtung geeignete Hühner zu erzüchten, iſt erforderlich, daß die jungen Tiere nicht nur kräftig und ihrem Alter entſprechend genährt werden, wie es vorſtehend angegeben iſt, ſondern auch, daß dieſelben ihre Muskeln durch angemeſſene Bewegung gehörig entwickeln können. Daß ältere Tiere ſich nicht zur Mäſtung eignen, obſchon ſie leicht fett werden, hat ſeinen Grund darin, daß das Fleiſch älterer Tiere, ungeachtet des Bratens oder Kochens, zäh und hart zu bleiben pflegt. Zur Mäſtung geeignet iſt alſo nur ſolches junges Geflügel, welches die Körpergröße des gleichartigen alten erlangt hat, und deſſen Muskeln kräftig entwickelt ſind. Bei ſolchem jungen ausgewachſenen Geflügel kommt aber noch ein Umſtand in Betracht, der von hoher Bedeutung iſt: die Ent⸗ 96 Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. wickelung des Geſchlechtstriebs. Sobald bei den Männchen der Ge⸗ ſchlechtstrieb erwacht und beſonders wenn die Begattung ſchon aus⸗ geführt wird, iſt es mit dem Gelingen einer ausgiebigen Mäſtung vorbei. Ähnlich, wenn auch nicht ganz ſo ſchlimm, verhält es ſich mit den Weibchen, welche begonnen haben Eier abzulegen. Dagegen ſind die Körper ſolcher jungen Weibchen, welche bereits Eier gelegt, aber mit dem Eierlegen wieder aufgehört haben, in der Regel mehr entwickelt, als diejenigen ſolcher Weibchen, die noch nicht Mütter geworden ſind. Daraus folgt: a) Bei den Haushühnern ſind junge ausgewachſene Hennen, bevor ſie mit dem Eierablegen beginnen, oder nachdem ſie die geringe Anzahl erſter Eier im Herbſte abgelegt haben, die zur Mäſtung geeignetſten Vögel, alſo junge Hennen im Alter von vier bis ſechs und ſelbſt acht Monaten, je nachdem ſie früh oder ſpäter reifenden Raſſen angehören. b) Haushuhnhähne ſind nur dann zur Mäſtung brauchbar, wenn ſie noch nicht gedeckt haben, entweder ſpät reifenden Raſſen angehören oder ſorgfältig vor der Berührung mit Hennen durch zeitgerechte Abſonderung bewahrt geblieben ſind. c) Muß man aus Mangel an geeigneten Abſonderungsräumen, oder weil es an ſpät mannbar werdender Raſſe fehlt, zur Mäſtung männlicher Vögel der Haushuhnart greifen, ſo bietet ſich im Verſchneiden derſelben ein Mittel, das ſie zur Mäſtung ſehr geeignet macht. Daß aber durch dieſe Operation der Vorteil des Züchters gewahrt werde, iſt nicht zutreffend. Denn es gehen in⸗ folge des Verſchneidens ſo viele junge Kapaunen ein, daß der Erlös aus den gemäſteten Überlebenden ſelten den Verluſt erſetzen kann, wenn man berechnet, was die jungen Hähne eingebracht hätten, wenn ſie im Alter von acht bis zehn Wochen verkauft worden wären und wie viel Futter alsdann hätte erſpart werden können. Auch giebt der Kapaun einen ſehr teueren Braten, da er mindeſtens 1 Jahr alt wird, ehe er geſchlachtet zu werden pflegt, alſo große Futterkoſten verurſacht. Zudem iſt das Kapaunieren als tierquäleriſch, weil nicht wenig ſchmerzhaft und häufig den Tod zur Folge habend, zu verwerfen. Die Mäſtung gelingt aber bei jungem Geflügel, welches die eben beſprochenen Eigenſchaften hat, nicht oder nur unvollkommen, wenn die zu Mäſtenden unruhigen Temperaments ſind, wildes Benehmen haben oder ſcheue Tiere ſind. Denn dieſe Eigenſchaften machen den Körper auch bei der reichlichſten Nahrung weder zu vermehrtem Fleiſchanſatze, noch zur Fettbildung geeignet.. Ferner iſt bei Auswahl der Maſttiere von Bedeutung: die Mäſtung von Vögeln mit kleinen Körpern erfordert dieſelbe Zeit und verurſacht dieſelbe Mäſt⸗Sorgfalt, wie diejenige von Vögeln, deren Körper groß und ſchwer ſind; letztere ſind auch eine geſuchtere Markt⸗ ware, als erſtere. Und je dünner und leichter die Knochen im Ver⸗ ——— —— —— Mäſtung. 97 hältniſſe zum Fleiſche des Körpers ſind, deſto mehr Wert hat für den Konſumenten wie für den Händler der gemäſtete Vogel. Das Fleiſch ſelbſt aber muß nach der Zubereitung durch Braten oder Kochen zart und wohlſchmeckend ſein, eine Eigenſchaft, deren Vorhandenſein in größerem und geringerem Grade für die verſchiedenen Geflügelraſſen durch Erfahrung feſtgeſtellt iſt. Betrachten wir die bekannteren Hühnerraſſen auf dieſe Erforderniſſe hin, ſo ergiebt ſich: a) Zur Mäſtung nicht geeignet ſind: das Landhuhn, das Hamburger Huhn, das italieniſche Huhn und das ſpaniſche Huhn mit weißem Geſicht, teils wegen zu geringer Körpergröße, teils wegen zu leb⸗ haften Temperaments, wozu bei den Italienern noch geringere Güte des Fleiſches hinzukommt und bei dem ſpaniſchen Huhne mit weißem Geſicht die langſame Entwickelung der Kücken. b) Zur Mäſtung ungeeignet ſind ferner das Kochinchina⸗ und das Brahmaputrahuhn wegen geringer Fleiſchqualität, hauptſächlich aber wegen zu großer Knochenmaſſe im Verhältniſſe zur Fleiſch⸗ menge. Das Gewicht der Knochen bei beiden Raſſen beträgt durchſchnittlich 405 reſp. 310 g auf 2,070 reſp. 2,100 kg Fleiſch, während dieſes Verhältnis ſich ſtellt beim Dorkinghuhne auf 210 g Knochen zu 2,40 kg Fleiſch. Die zur Mäſtung geeignetſten Raſſen ſind das Dorkinghuhn und die Hühner der franzöſiſchen Raſſen, erſteres wegen der großen Fleiſchmenge, Vortrefflichkeit der letzteren und ſehr leichter Mäſt⸗ barkeit, letztere wegen ſchneller Entwickelung, alſo frühzeitiger Ver⸗ wertung, geringen Knochengewichts, ſehr guter Fleiſchqualität und leichter Mäſtbarkeit. Das Verhältnis des Fleiſchgewichtes zu dem der Knochen ſtellt ſich wie folgt: — C beim Breſſe⸗Huhne 1565:145 oder 10,79:1 Gramm „ Crreve⸗coeur⸗Huhne 2075:225„ 9,13:1 9, „ Le Manshuhne 1990.220„ 9,00:1„ „ Houdanhuhne 1750:200„ 8,75:1„ „ Laflechehuhne 1528:180„ 8,34:1 9 Die vorſtehenden günſtigen Verhältniszahlen ſind nicht etwa in der Abſicht gegeben, die franzöſiſchen Hühnerraſſen und das Dorking⸗ huhn als allein nur zur Züchtung behufs Fleiſcherzeugung zu empfehlen. Welche Hühnerraſſen ſich außerdem zur Fleiſcherzeugung eignen, wolle man unter„Auswahl der Zuchthühner(zur Fleiſchproduktion)“ nachleſen. 2. Mäſtungsverfahren. . Ein Tier mäſten heißt, dasſelbe in einen ſolchen Körperzuſtand bringen, daß es die größte Menge Fleiſch und Fett erlangt, die es bei Pribyl, Geflügelzucht. 4. Auflage. 7 98 Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. ſeiner Größe und ſeinem Körperbau unbeſchadet ſeines körperlichen Wohlbefindens erreichen kann. Ein ſolcher Maſtzuſtand läßt ſich allein dadurch, daß man die zu mäſtenden Vögel mit ſehr nahrhaften Stoffen füttert und ihnen davon ſo viel zu freſſen giebt, als ſie freſſen wollen, nicht erreichen, ſelbſt dann nicht, wenn man ihnen dabei die gewohnte größere Be⸗ wegungsfreiheit beſchränkt. Durch Bewegungsentziehung und Überfluß an gutem Futter läßt ſich allerdings ein annähernd guter Maſtzuſtand ſchaffen, aber kein vollkommener. Dieſer iſt nur dadurch erreichbar, daß der zu mäſtende Vogel gezwungen wird, mehr Nahrung zu ſich zu nehmen, als er freiwillig aufnehmen würde. Hiernach giebt es zweierlei Mäſtungsverfahren: Mäſtung durch freiwillige Nahrungsaufnahme und Mäſtung durch erzwungene Nahrungseinführung in den Körper, bei beiden unter gänzlicher Ent⸗ ziehung der Bewegungsfreiheit. Beiden Verfahren muß, wenn ſie von Erfolg ſein ſollen, eine dritte Art von Mäſtung, die Vormaſt, vorhergehen. Reichliche Fütterung bei Verminderung der Bewegungsfreiheit, aber nicht gänzlicher Ent⸗ ziehung derſelben. Man bezeichnet die hierdurch gemäſteten Vögel als körnerfett, d. h. die Tiere ſind ſehr wohlgenährt mit viel Fleiſch⸗ anſatz, ohne ſchon fett zu ſein. Das Futte beſtehe zur Erreichung dieſes Zweckes vorzugsweiſe aus Gerſtenkörnern, die abwechſelnd zu reichen ſind mit Kartoffeln. Reichliche Fütterung drei⸗ bis viermal täglich. Sind die zu mäſtenden Vögel körnerfett gemacht, wozu ſie in vierzehn Tagen bis drei Wochen bei reichlicher Ernährung zu bringen ſind, ſo ſetzt man ſie in halbdunklem Raume in Maſtkäfige, d. h. kleine Behälter, deren Böden aus Latten beſtehen, ſo daß die Ent— leerungen durchfallen können, deren eine Seite ſo vergittert iſt, daß die Vögel den Kopf und Hals bequem durchſtecken können, und deren Decke aus einem aufhebbaren Deckel beſteht. Am billigſten werden ſie ſo hergeſtellt, daß eine Anzahl durch Scheidewände getrennte Abteilungen in demſelben Behälter neben einander liegen. In dieſe Abteilungen bringt man je ein Huhn, je nachdem für dieſe Tiere in der letzten Woche der Vormaſt die Bewegungsfreiheit dadurch auf ein ſehr Geringes gebracht worden war, daß man ſie in kleinem halbdunklen Raume untergebracht hatte unter Fortſetzung der Verabfolgung der zum Körner⸗ fettmachen erforderlichen Nahrungsmittel. Die Fütterung der ſo eingeſetzten Vögel geſchieht entweder durch Vorſetzen der Nahrungsmittel in paſſenden Freßtrögen oder durch zwangsweiſe Eingabe derſelben. In beiden Fällen darf es den feſt⸗ geſetzten Maſtkandidaten nie an Waſſer fehlen, das in einem Troge vor dem Gitter ihnen erreichbar ſei. Bei erſterem Verfahren beſteht das Futter aus den zur Körner⸗ fettmachung dienlichen Stoffen: Gerſten- und Maiskörnern oder Teig Mäſtung. 99 aus Buchweizen⸗, Gerſten⸗ oder Mais⸗Mehl, mit halb Milch, halb Waſſer angerührt und geknetet, in gekrümeltem Zuſtande oder dicker Suppe aus ſolchem Mehl und Waſſer und Milch bereitet und gekochten Kartoffeln in mäßiger Gabe. Abwechſelung bei Verabfolgung dieſer verſchiedenen Nahrungsmittel erhöht die Freßluſt. Tägliche Reinigung der Freßtröge, beſonders wenn eine andere Futterart vorgeſetzt wird, iſt unumgänglich nötig. Sehr bald tritt bei dieſer Mäſtungsart der Zeitpunkt ein, daß die zu Mäſtenden überſättigt ſind, was bei einiger Aufmerkſamkeit leicht an dem geringeren Futterverbrauche zu bemerken iſt. Läßt man dieſen Zeitpunkt unbeachtet vorübergehen, ſo nimmt die Wohlbeleibtheit ſchnell ab, ſtatt zuzunehmen. Die Gemäſteten ſind alſo, bevor noch dieſer Zeitpunkt eintritt, oder ſobald er ſich zeigt, entweder für den Markt reif oder zur Fortſetzung der Mäſtung durch Eingeben der Nahrung durch die Hand des Wärters. Waren die zu Mäſtenden in gutem körnerfetten, Zuſtande, als das Einſetzen erfolgte, ſo kommt der Zeit⸗ punkt des Überſättigtſeins ſelten ſpäter als nach acht Tagen. Will man die Mäſtung auf einen höheren Grad bringen, als bei freiwilliger Futteraufnahme erreicht werden kann, ſo geht man zur Einſtopfung des Futters über, ein Verfahren, das man auch ſchon vom Einſetzen in die Maſtkäfige an eintreten laſſen kann, je nachdem der körnerfette Zuſtand ein vorgeſchrittener iſt und je nach den zur Verfügung ſtehenden Arbeitskräften. Behufs Eingabe des Maſtfutters formt man aus dem zur Mäſtung dienlichen Teige(ſiehe vorſtehend) Nudeln, welche die Größe einer dicken Haſelnuß haben. In der Umgebung von La Fleche und Le Mans, wo die Induſtrie der Hühnermäſtung blüht, wird der Tei zur Herſtellung der Nudeln gewonnen aus ½ Weizen⸗, ⅛ Gerſten⸗, 1¼ Hafermehl und ſüßer oder dicker(Sauer⸗) Milch; die Nudeln werden 0,015 m dick und 0,06 m lang geformt— diürfen nicht hart ſein. Frau Millet⸗Robinet giebt in ihrem Buche: Traité sur les oiseaux de basse-cour folgendes Bereitungsverfahren für die Mehl⸗ nudeln an: Feines Buchweizenmehl wird mit ſüßer Milch zu Teig geknetet. Dieſer wird in Stücke von der Größe zweier Eier geteilt, dieſe in der Stärke eines Fingers ausgewalzt und in 0,06 m lange Stücke(Nudeln) geteilt. Beim Einſchieben dieſer langen Teigſtücke in den Schlund und Kropf iſt beſondere Geſchicklichkeit und Vorſicht nötig. Kleinere Nudeln ſind deshalb vorzuziehen, obſchon ſie die Arbeit ver⸗ langſamen. Die das Füttern beſorgende Perſon nimmt zwei Hühner aus ihren Behältern, wickelt ſie in ein Tuch ſo, daß Köpfe und Hälſe frei bleiben, nimmt ſie auf die Kniee, ergreift einen Kopf nach dem andern mit der linken Hand, öffnet den Schnabel, nimmt mit der rechten eine Nudel, taucht dieſelbe in Waſſer und ſchiebt ſie in den Schnabel, mit dem Zeigefinger ſo weit nachfahrend, daß der Vogel zu ſchlucken gezwungen iſt. Wenn dem einen Huhne drei Nudeln gegeben 100 Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. ſind, giebt man dem anderen ebenſoviele und nimmt dann das erſte wieder vor, ſo abwechſelnd, bis der Kropf gefüllt iſt. Aber ein über⸗ mäßiges Anfüllen desſelben iſt ſchädlich, weil es leicht Verdauungs⸗ ſtörung hervorruft. Beſonders in den erſten Tagen der Mäſtung füttere man nur mäßig. Das Nudelneingeben nehme man nur zweimal an jedem Tage vor, frühmorgens und abends. Sollte zu einer dieſer Futterzeiten der Kropf eines Vogels noch teilweiſe angefüllt ſein, ſo wird er vom Füttern ausgeſchloſſen. Statt des Mehlteigs kann man mit Vorteil auch in Waſſer auf⸗ gequellte Maiskörner verwenden. Die ganze Mäſtungsdauer beträgt, vom erſten Einſetzen der körnerfetten Vögel an gerechnet, vierzehn Tage bis drei Wochen. In der letzten Woche thut man gut, außer dem Nudelfutter Fett einzugeben, einen Löffel voll Ol bei jeder Fütterung oder ein Stück Talg oder Schmalz von Nudelgröße. Auch kann man den Maſtvögeln ein beſonderes Parfum bei⸗ bringen, indem man während der letzten Woche der Maſtzeit den Nudeln Gewürze in Pulver⸗ oder auch Körnerform beimiſcht: Koriander, Engelwurzel, Wacholder, Fenchel, Anis, Zimmet und andere. Aber man hüte ſich in dieſer Beziehung vor zu viel. Espanet giebt 10 bis 15 Centigramm Zimmet oder 25 bis 30 Centigramm Wacholder für das Huhn bei jeder Fütterung(morgens und abends) als aus⸗ reichend an, und fährt dann fort:„Der Geſchmack iſt um ſo feiner, je weniger ſtark er bemerkbar iſt.“ Bei dieſem Mäſtungsverfahren muß ſtets dieſelbe Reihenfolge bei Ergreifung der zu fütternden Hühner innegehalten werden; es iſt daher zweckmäßig, die Maſtkäfige zu numerieren. Statt dieſer Maſtkäfige kann man ſich auch zur Aufnahme der zu Mäſtenden tragbarer Behälter bedienen, welche aus Holzſtäben her⸗ geſtellt und ſo groß ſind, daß 5— 10 Hühner ziemlich gedrängt auf dem Boden ſitzen können. Dieſen belegt man dick mit reinem Stroh. Beim Füttern ſteht ein leerer ſolcher Behälter neben dem mit Hühnern beſetzten bereit. Die die Nudeln eingebende Perſon nimmt aus letzterem zunächſt zwei Hühner, nudelt ſie und ſetzt ſie in den leeren Behälter, als⸗ dann verfährt ſie mit den noch zurückgebliebenen Hühnern ebenſo. Iſt der eine Behälter entleert und der zweite beſetzt, ſo iſt die Überzeugung gewonnen, daß kein Huhn beim Nudeln überſchlagen worden iſt. Statt des Nudelns empfiehlt Ch. Jacque das Einflößen flüſſigen Mehlbreis durch einen Trichter, deſſen Tülle durch den Schlund bis in den Kropf geſteckt wird. Der koniſche Teil dieſes Inſtruments faßt ſo viel Mehlbrei, als ein größeres Huhn in den Kropf aufnehmen kann, und muß zu dieſem Zwecke einen oberen Durchmeſſer von 0,10 m und eine Tiefe von 0,06 m haben; die Tülle iſt 0,09 m lang, am oberen Ende 0,025 m ſtark, am unteren 0,015 m; die Tülle iſt unten ſchräg abgeſchnitten, ſelbſtverſtändlich darf die Schnittkante nicht ſcharf ſein ¹ Mäſtung. 101 (Fig. 22). Es iſt nicht leicht, mit dieſem Trichter zu operieren. Die linke Hand muß, wenn die Tülle in den Kropf eingeführt iſt, neben dem Halſe und Kopfe des Huhns auch den Trichter mit Daumen und Zeigefinger faſſen, damit die rechte Hand, welche den Trichter eingeführt hat, frei wird, um mit einem Löffel aus einer Schüſſel den Mehlbrei in den Trichter einfüllen zu können. Beim Einführen der Tülle in den Schlund iſt zu beachten, daß die rechte Hand den Trichter durch Durchſtecken des Zeigefingers durch die Trichteröſe erfaßt und ſo ein⸗ führt, daß die Schrägſchnittöffnung nicht nach dem Gaumen des Huhns gekehrt iſt. Die Tülle wird ihrer ganzen Länge nach in den Hals geſteckt. Iſt der Trichter gefüllt, ſo muß der Hals des Huhns in die Höhe gereckt werden, damit der Brei in den Kropf eindringen kann. Der Mehlbrei muß ziemlich dünn⸗ flüſſig ſein; es ſoll nach Jacque's Vorſchrift nicht Milch allein, ſon⸗ dern ſtets halb Milch, halb Waſſer zur Herſtellung desſelben verwendet werden, weil die Verwendung der erſteren in unvermiſchtem Zuſtande zur Folge habe, daß das Fettwerden nach Verlauf einiger Tage aufhöre und die ſo behandelten Hühner eingängen. Die Menge Brei für jede Mahlzeit beträgt ungefähr ¼ Liter, in den erſten Tagen der Mäſtung aber nur die Hälfte hier⸗ von; vom dritten Tage an kann Fig. 22. Jacque's Futtertrichter. ſchon die ganze Ration eingegeben werden. Da die Bekömmlichkeit und die gute Wirkung der Mohlbrei⸗ eintrichterung ſich bewährte, konſtruierte Odile Martin zu Paris eine Maſchine, Gaveuſe genannt, zur Erſetzung des Jacque'ſchen Trichters (Fig. 23). In einem von einem Geſtell, welches auf Rollen bewegbar iſt, getragenen Hohleylinder A wird der Mehlbrei durch eine mit dem Gewichte B durch eine Stange verbundene Scheibe ſo gedrückt, daß er in den Schlauch C tritt, welcher in ein nach unten gebogenes Mundſtück endet(Fig. 24), das durch einen Hahn geſchloſſen iſt, welcher durch Druck der Hand, die es gefaßt hat, geöffnet und geſchloſſen werden kann. Das abwärts zeigende Ende des Mundſtücks wird dem zu mäſtenden Huhn durch den Rachen bis in den Kropf geſteckt. Ein Druck auf den Hahn läßt Mehlbrei in den Kropf fließen. Ein über dem Geſtell der Gaveuſe angebrachter, durch das Gewicht drehbarer Zeiger giebt auf einem Zifferblatte die Anzahl der dem Vogel ein⸗ getrichterten Centiliter Futterſtoffe an. 102 Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. 42 4 ———— Fig. 23. Epinette tournante und Gaveuſe nach Odile Martin. Fig. 24. Mundſtück der Gaveuſe. Erzeugniſſe der Haushühnerzucht. 103 Dieſe Gaveuſe vereinfacht die Mäſtung nur dann erfolgreich, wenn die zu mäſtenden Vögel auf einem drehbaren karuſſellartigen Geſtell nach und nach vor die Perſon gebracht werden können, welche die Ga⸗ veuſe handhabt. Das von Odile Martin konſtruierte Maſtkäfiggeſtell iſt durch ein Tretwerk durch die mäſtende Perſon leicht drehbar(Epinette tournante). Es enthält eine oder zwei Etagen mit je 30 Einzelkäfigen, in welchen je ein Huhn eingeſetzt und am Fuße durch ein Kettchen mit Ring feſtgehalten wird. Die Gaveuſe läßt ſich auch bei geradlinig kon⸗ ſtruiertem Maſtkäfiggeſtell verwenden; nur muß ſie alsdann an demſelben vorbeigeſchoben werden können, ſobald die Schlauchlänge nicht mehr ausreicht. Mittelſt der Gaveuſe und der Epinette tournante kann eine geübte Perſon in einer Stunde 200. Stück Geflügel füttern. 3. Anwendung und Wert der verſchiedenen Mäſtungs⸗ 9 ſch 9 verfahren. Für den Großgrundbeſitzer, ſowie für den nicht ganz unbegüterten Landmann dürfte es, wenn er Vorteil aus ſeiner Geflügelzucht ziehen will, ſelten zweckmäßig ſein, Geflügel in Einzelmaſt zu ſetzen, da die Fütterung ſehr viel Zeit in Anſpruch nimmt, es ſei denn, daß die Zeit durch Maſchinen verkürzt werde. Dagegen kann der Verkauf von körnerfett gemachtem Geflügel viel Geld einbringen. Es iſt hierbei vorausgeſetzt, daß einzelne Geflügelarten in großem Maßſtabe gezüchtet werden. Die Einzelmaſtausführung eignet ſich vorzüglich für kleinere Leute, bei denen ältere Perſonen, welche nicht mehr ſehr arbeitsfähig ſind, das Nudeln beſorgen können. So wird Gänſemäſtung in manchen Gegenden in der Weiſe betrieben, daß junge Gänſe bei den Züchtern behufs Mäſtung angekauft werden, ſo bei Straßburg i. Elſaß und bei Rinteln in Heſſen. Leider erſtreckt ſich dieſer Hausinduſtriezweig bei uns noch nicht auf Hühner, wie es in Frankreich der Fall iſt. Die Anregung dazu müßte von den landwirtſchaftlichen Vereinen ausgehen, aber auch Gutsbeſitzer könnten dies in die Wege leiten, wenn ſie geeignete Hühner produzieren und an geeignete und willige Dorfbewohner abgeben und den Abſatz der gemäſteten Hühner vermitteln wollten.— 4. Erzeugniſſe der Haushühnerzucht. 1. Das Haupterzeugnis der Hühnerzucht bilden die Eier. In ungezählten Millionen werden alljährlich ungeheure Quan⸗ titäten dieſes Nahrungsſtoffes konſumiert, dem mit Recht die Wiſſen⸗ ſchaft einen der erſten Plätze in der wichtigen Frage der Ernährung eingeräumt hat. Wie die chemiſche Analyſe lehrt, enthält das Vogelei alle jene Nährſtoffe in möglichſt günſtiger Verbindung, die zum Aufbau des tieriſchen Körpers dringend erforderlich erſcheinen. Seit dem 104 Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. früheſten Altertume wandte ſich die Aufmerkſamkeit aller Forſcher und Praktiker dieſem unſcheinbaren Produkte zu, dem erſt in neueſter Zeit vorbehalten blieb, eine wichtige Rolle im Weltverkehr zu ſpielen. Nähere Angaben hierüber ſind in der Einleitung gegeben. 2. Schlachthühner. Neben der Eiererzeugung iſt diejenige von Fleiſch eine ſehr beachtenswerte. Wird die Züchtung in richtiger Weiſe betrieben, ſo erzeugt ſie zu allen Jahreszeiten Schlachthühner, die überall zu jeder Zeit geſucht ſind. Es giebt da zu Anfang des Frühjahrs im Winter erzüchtete Schlachtkücken, im Laufe des Sommers junge ſchlacht⸗ bare Hähnchen und von dem Zeitpunkte an, daß die im Frühjahre erbrüteten Kücken 4 bis 6 Monate alt ſind, körnerfette und gemäſtete Junghühner, worunter hauptſächlich Hennen zu verſtehen ſind, aber auch junge Hähne, die frühzeitig von dieſen getrennt worden und in beſonderem Gehege herangewachſen ſind. Dieſe Junghühner ſind, wenn gemäſtet, getötet und zugerichtet, das, was man in Frankreich unter Poularden verſteht, eine Schlachtgeflügelart, welche wir bisher faſt ausſchließlich aus Frankreich und auch aus Belgien für viel Geld be⸗ zogen(vergleiche die bezüglichen Angaben in der Einleitung, Seite 3), die wir aber ſelbſt erzüchten und herſtellen könnten. Daß die Poularden gemäſtete Hennen ſeien, die verſchnitten (kaſtriert) worden ſind, iſt eine irrige Anſicht. Man hat das wohl früher gethan, aber in der Regel ohne Erfolg und unter großen Ver⸗ luſten. Heute fällt es den Mäſtern nicht mehr ein, Hennen kaſtrieren zu wollen, um ſo mehr, als dieſelben, falls ſie Raſſen mit ruhigem Temperamente angehören, auch ohne dieſe ſchmerzhafte Operation durch⸗ lebt zu haben, binnen kurzer Zeit bei richtigem Mäſtungsverfahren wohlbeleibt und fett werden. Auch bei jungen Hähnen, die die Süßigkeiten der Liebe noch nicht gekoſtet haben, gelingt die Mäſtung faſt ebenſo leicht. Deshalb kommt man auch immer mehr davon zurück, junge Hähne zu verſchneiden, zu Kapaunen zu machen, um ſo mehr, als der Kapaun keinen ſo ſaftigen Braten abgiebt als ein gemäſteter Junghahn, als er viel mehr Ernährungskoſten verurſacht als dieſer, weil er erſt im zweiten Lebensalter ſchlachtreif iſt, und als durch das Verſchneiden ſtets eine Anzahl Verſchnittener bald nach der Operation eingeht. Auffallend und merkwürdig iſt es, wie wenig man bei uns auf Wohlbeleibtheit von jungen Schlachthühnern hält. Unſere Hausfrauen würden gewiß vor der Zumutung zurückſchrecken, eine Gans oder eine Ente in ſo magerem Zuſtande der Bratpfanne zu überliefern und auf den Tiſch zu ſetzen, wie ſie es mit Hähnen gewöhnt ſind, deren haupt⸗ ſächlichſte Reizmittel der Eßluſt das hoch aufragende fleiſchloſe Bruſtbein und die mageren Schenkel ſind. Denn ſie wiſſen ſehr wohl, daß bei jenen fetten Braten Vorteil für die Küche ſich mit Wohlgeſchmack ver⸗ Erzeugniſſe der Haushühnerzucht. 105 einigt; ſie ſcheinen aber leider nicht zu beachten, daß bei einem gut gemäſteten fetten jungen Huhne das Gleiche der Fall iſt. Es verhält ſich hiermit wie mit jedem anderen Fleiſche: Fettes, rühre es vom Ochſen, vom Hammel, vom Kalbe oder vom Geflügel her, verbindet mit Vorteil für die Küche in Bezug auf Fett⸗ und Heizungsmaterialien⸗ Verbrauch Zartheit und Wohlgeſchmack, mageres iſt wegen des fehlenden Fettgehalts unvorteilhaft für erſtere und bleibt ſtets, ſelbſt bei ſorg⸗ ſamſter Zubereitung, eine ſaftloſe Speiſe. Fleiſch von gemäſteten Tieren giebt aber auch eine kräftigere und nahrhaftere Speiſe ab, als mageres: Das Fleiſch vom fetten Ochſen enthält 21 Prozent mehr feſte Nahrungsſtoffe, als das Fleiſch des ungemäſteten Tieres. Ein ähnliches Verhältnis findet auch bei den übrigen, dem Geſchlechte der Säugetiere angehörenden Schlachttieren ſtatt. Es iſt daher mindeſtens ſehr unwahrſcheinlich, daß nicht auch das Fleiſch dewäſteten Geflügels in ähnlichen Prozentverhältniſſen nahr⸗ hafter ſein ſoll, als das von magerem herrührende. Denn bei guter Ernährung nehmen bei allen Tieren der Waſſergehalt des Fleiſches ab und die feſten Nahrungsſtoffe desſelben zu. Auch ſcheinen noch vielfach unrichtige Anſichten zu herrſchen über die Menge des Fleiſches, welche der Körper eines gemäſteten Huhns einer nicht zu ſtarkknochigen Raſſe zu liefern imſtande iſt. Bei einer guten Fleiſchhuhnraſſe, beiſpiels sweiſe beim Houdanhuhne, ſowie bei den meiſten Hühnerraſſen, welche einen nicht beſonders ſtarken Knochenbau haben, beträgt das Gewicht der Knochen weniger und ſelten mehr als ein Achtel des Fleiſchgewichts. Metzgerfleiſch enthält, ſei es im Fleiſche, ſei es als Zugabe, in der Regel bis zu ein Viertel des Fleiſchgewichts an Knochen. Erläutern wir die übrigen Gewichtsverhältniſſe der Körper⸗ teile eines Huhns an denen einer vier Monate alten Houdanhenne in gemäſtetem Zuſtande: Nach Ch. Jacque wiegt eine ſolche, nachdem ſie, bevor ſie geſchlachtet wird, längerc Zeit gefaſtet, alſo zieml ich leere Eingeweide hat und beim Schlachten blutleer geworden iſt, durch⸗ ſchnittlich..... 2,200 kg. Ziehen wir hiervon ab das Gewicht der leeren Ein⸗ geweide.... 100 9 der Federn und des Sandes im Kropfe. 50„ der Knochen........... 230„ des Kropfes... 400„ 0,500„ ſo bleibt Gewicht des eßboren Fleiſches... 1,700 kg. Rechnen wir aber ſelbſt noch ab für Leber, Herz, Lungen, Fleiſch am Halſe, am Kopfe und an den Läufen 0,200 kg, g f ſo bleibt immer noch ein Gervicht komnpalten Fleiſches übrig von......... 1,500 kg. Noch vorteilhafter würde ſch die Berechnung bei einer ebenſo alten Créève⸗coeur⸗Henne ſtellen, da bei dieſer Raſſe die Schwere der Knochen noch geringer iſt, als bei der Houdanraſſe; auch bei den 106 Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. meiſten unſerer Landhuhnſchläge dürfte ſich ein ähnliches Verhältnis ergeben. Je ſtarkknochiger dagegen die Raſſe und je weniger entwickelt die Bruſt im Verhältniſſe zu den übrigen Körperteilen iſt, Eigenſchaften, wie ſie in hervorragendem Maße die Cochinraſſe zeigt, deſto ungünſtiger ſtellt ſich das Gewicht des kompakten Fleiſches zu demjenigen der als Nahrungsmittel unbenutzbaren Teile. Selbſt aber wenn das Minder⸗ gewicht an Bruſtfleiſch durch Mehrgewicht an Schenkelfleiſch erſetzt werden ſollte, ſind Tiere mit im Verhältniſſe zur Menge des Schenkel⸗ fleiſches bedeutendem Fleiſchanſatze an der Bruſt als Schlachttiere vor⸗ teilhafter, als wenn das umgekehrte Verhältnis ſtattfindet, da das Schenkelfleiſch zwar ſaftig und wohlſchmeckend, aber ſehnig und wenig zart iſt. Möglichſt große Entwickelung beider Teile wäre allerdings das Vorteilhafteſte. 3. Die Federn der Hühner werden meiſtens als wertlos betrachtet. Sie ſind es aber keineswegs. Die kleineren Deckfedern können ſehr wohl und werden als Bettfedern verwendet, die größeren ſind, wenn ſie wie die der Gänſe durch Schleißen, d. h. durch Abziehen der Fahnen von den ſtarken Rippen hergerichtet werden, in derſelben Weiſe gebrauchsfähig, wie dieſe. Es iſt daher unvorteilhaft, Schlachthühner in den Federn, alſo lebend, zu verkaufen. Die Hals— und Sattel-, ſowie die Schwanzfedern der Hähne ſind als Schmuckfedern geſuchte Ware. Letztere können den Hähnen bei Beginn der Mauſer ohne Nachteil für ſie ausgezogen werden. 4. Die Exkremente der Hühner bilden ein ſehr wertvolles Düngungsmaterial. Schon bei den Römern war das Augenmerk der Geflügelhalter auch auf die Gewinnung dieſes Düngers gerichtet, deſſen vorzügliche Eigenſchaften vollſte Anerkennung fanden. Man kannte genau die Wirkungen des Vogeldungs und verwandte denſelben meiſt als Kopfdüngung mit aus⸗ gezeichnetem Erfolge. Die Arten des Vogeldunges wurden genau getrennt. Tauben⸗ und Hühnerdünger ſtanden mit Recht am höchſten. Varro rühmt die günſtige Wirkung des Vogeldüngers auf das Viehfutter, indem durch denſelben erzeugtes Futter das damit genährte Vieh raſch fett mache. Palladius empfiehlt, auf Grasland den Dünger im friſchen Zuſtande zu verwenden. Die hohe Bedeutung des Geflügels als Düngerproduzent verlor ſich mit dem Verfalle der römiſchen Weltherrſchaft. In den wenigſten landwirtſchaftlichen Schriften des Mittelalters finden ſich Erwähnungen der vorzüglichen Eigenſchaften des Vogeldüngers als Rückerinnerungen an die hohe Blüte der Geflügelzucht bei den Römern. Erſt in der Neuzeit, in welcher die Erſchöpfung der Felder gebieteriſch Hilfsmittel verlangte, richteten ſich die Blicke wieder auf den nährſtoffreichen Vogel⸗ dung; nur war es diesmal der Guano, der aus den mächtigen Lagern Erzeugniſſe der Haushühnerzucht. 107 der regenloſen Zone mit großen Koſten hergeſchafft wurde, bis endlich die Chemie der Landwirtſchaft Mittel und Wege angab, auf andere Art der Bodenerſchöpfung entgegen zu wirken. Und doch könnten bei einiger Sorgfalt und Aufmerkſamkeit die Hühnervögel einen reichlichen Zuſchuß an Dünger liefern, der dem beſten Guano gleichkommt. Leider iſt die Er⸗ nährungsart der Hühner in den meiſten Fällen darauf geſtützt, denſelben freien Auslauf auf den Hof, das Feld zu gewähren, wobei ein großer Teil der Exkremente verloren gehen muß, und die ganze Ausbeute ſich auf das beſchränkt, was während der Nacht in den Stallräumen ſich anſammelt; allein auch ſelbſt dieſe Menge geht zumeiſt unbenützt verloren, höchſtens daß dieſelbe auf die Dungſtätte geſchafft wird, während ein eifriges Sammeln und zweckentſprechendes Verwerten die geringe Mühe reichlich lohnen würde. Werden die Hühnerſtälle mit Torfſtreu geſtreut und jede Woche einmal ausgemiſtet, wird der ſo gewonnene Miſt abgeſondert von dem großen Düngerhaufen aufgeſchichtet, ſo erhält man einen ganz vorzüglichen Dünger. Auch kann man trockene Erde auf dem Boden des Nachtaufenthaltsraumes der Hühner ausſtreuen oder auch durchgeſiebte Steinkohlenaſche, oder auch kurz zerhacktes Stroh. Die chemiſche Zuſammenſetzung reiht den Vogeldung unter die wertvollſten Dungſtoffe. Nach den Unterſuchungen des Profeſſors E. Wolff enthalten 1000 Teile friſchen Miſtes von 3 3— 4 ⸗ 2=SS e e 3 3= 5 Tauben... ſFl9 308 173 17,6/10,0 0,7 16,0 5,0 17,8 333 20,2 Hühnern....560 255 185 16,3 8,5 1,0 24,0 74 15,4 4,5 35,2 Gänſen... 771 134 95 5,5 9,5 1,3 8,4 2,0 5,4 1,4 14,0 Enten.....566 262 172 V 10,0 6,2 0,5 17,0 3,5 14,0 3,5 28,0 Friſcher Stallmiſt.710 246 44,1 4,5 5,2 1,5 5,7 1,4 2,0 1,2 12,5 Peru⸗Guano... 148 514 338 139,0 24,0 14,0 110,0 12,0 130,0 10,0 17,0 Baker⸗Guano..ſ100 90 810 5,0 2,0 12,0415,0/15,0 348,0/ 15,0 8,0 Zur Vergleichung ſind die Analyſen des friſchen Stallmiſtes, welcher in jeder Beziehung dem Vogeldünger nachſteht, und die von Peru⸗ und Baker⸗Guano beigefügt. Wird der hohe Waſſergehalt von 51— 77% des friſchen Hühnerdungs berückſichtigt, ſo ſtellt ſich die Zuſammenſetzung desſelben ganz ähnlich der des beſten Peru⸗Guano, für welchen jährlich Millionen Mark ausgegeben werden, während der ebenſo wertvolle Hühnerdünger faſt unbeachtet bleibt. Bei etwas größerer Sorgfalt könnte hier manche unbenützte Summe dem Geflügel⸗ halter zukommen, wenn mehr Aufmerkſamkeit auf das Sammeln des Geflügeldüngers verwendet würde. Die intenſive Nährkraft des Vogel⸗ düngers gebietet bei der Anwendung als Düngemittel große Vorſicht; ſchon die Römer verwendeten denſelben nur als Kopfdüngung; am 108 Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. beſten iſt es jedenfalls, den geſammelten Vogeldünger zu kompoſtieren und dann erſt der Verwertung zuzuführen, oder ihn bei Regenwetter in Waſſer aufgelöſt zu gebrauchen. Nach den Ermittelungen von E. Lemoine giebt ein ziemlich ſchweres reichlich genährtes Huhn in 24 Stunden 342& Exkremente von ſich. Den Nachtmiſt kann man in Anbetracht der längeren Winternächte auf die Hälfte veranſchlagen(171 g). Nehmen wir aber auch nur 150 g an, ſelbſt nur 100, ſo würde ein mittelſchweres Huhn im Jahre an friſchen Exkrementen liefern 54,750 kg, wenigſtens 36,500 kg, was bei größerem Hühnerbeſtande eine recht anſehnliche Menge anſammelt. 5. Zuchtbetrieb. Bei den meiſten Leuten, welche Hühner halten, beſchränkt ſich der Zuchtbetrieb in der Regel darauf, dieſen Vögeln ein leidliches, freilich oft ſehr klägliches Unterkommen für die Nacht zu bieten und ſie kümmerlich zu ernähren. Finden doch dieſe Tiere bei ihrem freien Auslauf im Hofe, auf den Düngerhaufen und ins freie Feld ſo viel Nahrung, daß ein geringer Futterzuſatz am Abend genügt, um ſie in guter Verfaſſung zu halten, ſo glaubt man. Das mag richtig ſein, aber damit fördert man weder die Eierproduktion, noch den Fleiſch⸗ anſatz; zur Entwickelung dieſer beiden wichtigen Funktionen bedarf das Huhn einer ausreichenderen Ernährung, als durch die eben geſchilderte Behandlung gewährt wird— eine, wie ſie im Kapitel von der Er⸗ nährung erörtert worden iſt. Nur bei Hühnerfreunden, welche dieſe Vögel aus Liebhaberei halten, pflegen die Unterbringung und die Nahrungsmittelverabfolgung beſſere zu ſein. Sie züchten faſt aus⸗ nahmslos nur zum Zwecke der Hervorbringung von möglichſt reinraſſigen Zuchtvögeln. Für die landwirtſchaftliche Geflügelhaltung kommt dieſer Zweck aber erſt in zweiter Linie zur Geltung. Ihr Zweck beſteht vorzugsweiſe in Eier⸗ oder Fleiſcherzeugung. Hiernach kann der Betrieb ſich erſtrecken auf: 1. Eiererzeugung, 2. Eiererzeugung mit Fleiſchproduktion d. h. mit Erzüchtung von Schlachthühnern, 3. Erzeugung von Schlachthühnern, 4. Erzüchtung reinraſſiger Zuchthühner. Soll der Betrieb ſich lohnen, ſo müſſen die Geſichtspunkte, welche bereits in der Einleitung hervorgehoben worden ſind, volle Beachtung finden: Wie bei keiner anderen Tierzüchtung ohne verſtändige Auswahl der Zuchttiere, ohne richtige Paarung, ohne rationelle Aufzucht der Jungtiere und ohne ſachgemäße Pflege gute Züchtungsreſultate verlangt werden können, ſo kann auch die Hühnerzucht ohne dieſe Beachtungen niemals eine einträgliche Züchtung ſein. Was in dieſen Beziehungen bei der Hühnerzucht maßgebend und zu beachten iſt, wird im folgenden gezeigt werden. Zuchtbetrieb. 109 I. Auswahl der Zuchthühner. 1. Allgemeine Geſichtspunkte. Wer Geflügelzucht betreiben will, ſei es im kleinen, ſei es im großen, muß vor allem ſich darüber klar machen, was er will, was er bezweckt. Denn nicht jede Geflügelraſſe taugt zu jeglichem Zwecke. Kommt es nur darauf an, ſchöne Tiere auf dem Hofe oder zur Be⸗ lebung eines Parkes ſich zu beſchaffen oder einen kleinen Stamm in kleinem Raume nur zum Vergnügen zu halten, ſo iſt lediglich das Gefallen an den Eigentünlichkeiten dieſer oder jener Raſſe ausſchlag⸗ gebend. Wer auf Ausſtellungen glänzen will, muß die gerade herr⸗ ſchende Vorliebe des Publikums für die eine oder die andere Raſſe, die Mode, berückſichtigen. Ein Gleiches gilt für den, welcher Züchter⸗ beruf genug zu beſitzen wähnt, um Geflügelſtämme für den Verkauf zu erzüchten. Wer nebenbei auch, ſei es für ſeine Küche, ſei es für den Verkauf, Kücken, junge erwachſene Vögel und Eier verwenden möchte, muß eine ganz andere Auswahl der Zuchttiere treffen, als jene, welchen Junggeflügel nur zu Zuchtzwecken erwachſen ſoll, und bei welchen nur die nicht zu Brutzwecken verwendbaren wenigen Eier in der Haushaltung gebraucht werden. Wer aber nur zur Erzüchtung von zu Schlachtzwecken zu verkaufendem Junggeflügel oder nur zur Eier⸗ produktion Geflügelzucht betreibt, für den kann und darf die äußere Form, die Schönheit und Eleganz nicht berückſichtigenswert ſein; für ihn ſind Maſſigkeit des Körpers oder Fruchtbarkeit, ſchnelles Wachstum und Mäſtbarkeit allein maßgebend. Für die bei weitem größte Anzahl der Geflügelfreunde aber giebt es zwei Geſichtspunkte, denen zugleich zu genügen kaum ausführbar, wenigſtens ſehr ſchwierig iſt: Sie möchten ſchöne elegante Vögel beſitzen und dennoch großen Nutzen aus denſelben ziehen; ihre Liebhaberei ſoll nicht nur nichts koſten, ſondern Gewinn bringen, je mehr, deſto beſſer. Das iſt eine ſchwer erfüllbare An⸗ forderung, aber immerhin keine unmögliche. 2. Hauptregeln für Zuſammenſetzung von Zuchtſtämmen. A. Der männliche Vogel ſei mit den zugehörigen Weibchen nicht bluts⸗ verwandt, wol bei der Verbindung naher Blutsverwandten Mängel der Voreltern in erhöhtem Maße bei den Nachkommen hervorzu⸗ treten pflegen und die aus der Verbindung Blutsverwandter her⸗ vorgehenden Nachkommen häufig an fehlerhaften Eigenſchaften ddür Schwäche leiden. Hieraus folgt: a) Man wähle den Zuchtſtamm niemals aus den direkten Nach⸗ kommen ein und desſelben Stammes, denn letztere ſind mindeſtens Halbgeſchwiſter. Man beſchaffe alſo zu den jungen Weibchen ein männliches Tier aus anderem Stamme, oder umgekehrt zum ſchönen reinen tadelloſen männlichen Vogel junge weibliche aus fremdem Stamme, beſſer aus mehreren fremden Stämmen. Daraus Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. folgt die Notwendigkeit, daß man beim Ankaufe ganzer Zucht⸗ ſtämme ſich überzeugen muß, daß Männchen und Weibchen nicht demſelben Stamme entſproſſen ſind; der Ankauf des männlichen Vogels aus der einen, derjenige der weiblichen Vögel aus anderen Quellen giebt gegen Blutsverwandtſchaft die beſte Bürgſchaft. p) Man kaufe Zuchtſtämme nur ausnahmsweiſe auf Ausſtellungen, weil man hier nur allzu häufig Geſchwiſter oder andere nahe Blutsverwandte in denſelben Stämmen vorfindet, und weil die zu Ausſtellungen zu ſendenden Vögel in der Regel kurz vor dem Abſenden einer Art Mäſtung unterworfen werden, um ihr Aus⸗ ſehen zu verbeſſern, fett gemachte Tiere aber in der Regel nicht mehr in demſelben Maße zu Zuchttieren taugen, wie ſolche, welche Fett nicht angeſetzt haben oder hatten. Wer bei der Nachzucht nicht durch Rückſchläge in die Art der Vor⸗ eltern enttäuſcht werden will, gebe ſich mit der Züchtung neuer, aus Kreuzungen hervorgegangener Raſſen nicht ab, ſo ſchön ſie auch ſeien, ſo ſehr ſie auch angeprieſen werden mögen. Der männliche Vogel entſpreche in jeder Beziehung den Raſſe⸗ merkmalen und ſei von lebhaftem Temperamente. Er drückt ſämt⸗ lichen Nachkommen eines Stammes ſeinen Stempel auf. Bei den weiblichen Vögeln dürfen eher kleine Abweichungen von den Raſſe⸗ merkmalen vorkommen, obſchon auch bei ihnen vollkommene Reinheit vorzuziehen iſt. Anders iſt es, wenn es ſich um Erzüchtung korrekter Färbung und Zeichnung handelt, dabei darf das Gefieder der Henne keine Fehler zeigen. Weibliche Vögel, welche noch nicht ein ganzes Jahr gelebt haben, ſchließe man aus dem Zuchtſtamme aus, weil deren Eier noch nicht die normale Größe zu erreichen pflegen, größere Eier aber größere Kücken ausbilden. Weibliche Vögel, welche im zweiten, und ſolche, weͤlche im dritten Jahre ihres Lebens ſtehen, ſind als Mitglieder von Zuchtſtämmen jüngeren ſowie älteren vorzuziehen, weil ſie in den kräftigſten Lebensjahren ſich befinden.* Dagegen dürfen bei den Hühnern auch Hähne, welche das erſte Lebensjahr noch nicht vollendet haben, wenn ſie frühreifen Raſſen angehören, wie der italieniſchen, Minorca⸗, Crève⸗coeur⸗, Houdan⸗ Raſſe als Zuchthähne Verwendung finden. Beſſer aber bleibt ihre Einſtellung als Zuchthähne ausgeſchloſſen. Älter als vier Jahre laſſe man den Zuchthahn nicht werden. Die Anzahl der einem männlichen Vogel beizugeſellenden Weibchen beſchränke man ſo viel als möglich, damit erſterer genügende Zeugungs⸗ kraft behalte, um allen ſeinen Nachkommen möglichſt gleichmäßig ſeine Eigenſchaften zu vererben. 1— Hähne befruchten wohl noch bei zehn und mehr Hennen die Eier, aber wenn man ſicher gehen will, beſchränke man die Hennen⸗ anzahl auf 5 bis 6. Zuchtbetrieb. 111 Wer Hühnerzucht nur auf Eierproduktion betreibt, kann eine größere Hennenherde bei nur einem Hahne halten, weil es nicht auf Eierbefruchtung, ſondern nur auf Anreizung des Geſchlechts— triebs und allgemeine Führung der Hennen ankommt. Nur benutze man Eier dieſer Herde nicht zu Brützwecken. Mehr als höchſtens 50 Hennen einem führenden Hahne beizugeben, überhaupt mehr als dieſe Anzahl Hühner denſelben Nachtaufenthaltsraum teilen zu laſſen, iſt nicht rätlich, denn mit der Kopfzahl wächſt die Gefahr der Entwickelung und Fortpflanzung von Krankheiten und die Ver⸗ mehrung des Ungeziefers. Ich halte es für am beſten, beim Be⸗ triebe auf Eierproduktion die einzelnen Zuchtſtämme nicht ſtärker als 25 Köpfe werden zu laſſen. Zwei oder mehr Hähne einer Hühnerherde beizugeſellen, iſt ganz unzweckmäßig; ſie hindern ſich gegenſeitig beim Begattungsakte und unbefruchtete Eier ſind die Folge des Haltens dieſer unnützen Freſſer. „Im allgemeinen wird der Züchter das Beſtreben haben, ſolches Junggeflügel zu erzüchten, welches mindeſtens die Größe der Eltern erreicht, womöglich dieſelbe übertrifft. Es kommt in dieſem Falle vornehmlich darauf an, daß die weiblichen Vögel des Stammes an Größe mindeſtens normal, womöglich größer ſind, und daß ſie die Eigenſchaft beſitzen, verhältnismäßig zur durchſchnittlichen Eiergröße der Raſſe große Eier zu legen. Das umgekehrte Verfahren iſt zu beachten, wenn es darauf ankommt, daß die Nachkommen an Größe die Eltern nicht über⸗ ragen, ſondern womöglich nicht erreichen.(Zwergraſſen.) Bei Zuſammenſetzung von Stämmen zu Kreuzungszwecken iſt ein Unterſchied zu machen zwiſchen Kreuzungen zum Hervorrufen be⸗ ſonderer Schläge oder gar Raſſen und ſolchen, welche zu wirtſchaft— lichen Zwecken unternommen werden. a) Zu Kreuzungen verwende man nur reinblütige Vögel beſtimmter Raſſen, nicht aber ſolche, welche ſelbſt ſchon aus Kreuzung ent⸗ ſtanden ſind, damit nicht Rückſchläge den Zweck der Kreuzung durchkreuzen. Kreuzung von Vögeln ſehr voneinander abweichender Bauart bringt ſelten Nachkommen hervor, welche ſchöne Formen haben; beſonders die Bauart des Kammes ſei nicht allzu verſchieden, weil, wenn dies nicht der Fall, ſich leicht unſchöne Abnormitäten bilden, z. B. aus zweiteiligem Hörnerkamme und einteiligem großem Kamme unſchöne große Becherkämme; auch auf den Beinen hoch geſtellte und andererſeits niedrig geſtellte Vögel bringen ſelten ſolche mit zum Körper proportionierter Beinlänge hervor; je näher ſich Männchen und Weibchen verſchiedener Raſſen in Bezug auf Bauart ſtehen, um ſo eher iſt ein günſtiges Kreuzungsreſultat zu erwarten. b) 112 Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. c) Bei Auswahl von Zuchtvögeln zum Zwecke der Hervorbringung brauchbaren Schlachtgeflügels berückſichtige man die größere oder geringere Körperbreite, den zum Fleiſchanſatze geeigneten breiten Bruſtbau, die Qualität des Fleiſches, die Zartheit und Weiße der Haut, ſchnelles Aufwachſen, ruhiges Temperament und Ge⸗ neigtheit zum Fettwerden. Dabei beachte man das unter G vom Einfluſſe des Weibchens auf die Nachkommen Geſagte; es habe alſo das weibliche Zuchttier vorzugsweiſe die eben berührten Körpereigenſchaften. d) Der männliche Vogel, gepaart mit Vögeln aus Raſſen, welche minder gute Eierproduzenten ſind, kann ſeinen Nachkommen die Eigenſchaft ſeiner Raſſe, große und viele Eier zu legen, vererben. Dasſelbe iſt beim weiblichen Vogel der Fall, aber aus nahe liegenden Gründen für den Züchter nicht vorteilhaft. e) Kreuzt man zur Hervorbringung von Schlägen, welche ſelbſt wieder brauchbares Schlachtgeflügel oder hervorragende Eier⸗ legerinnen erzeugen ſollen, ſo wird man ſchwerlich ein günſtiges Reſultat erzielen, der unvermeidlichen Rückſchläge wegen, wenn nicht die weiblichen Kreuzungsprodukte wieder gepaart werden mit Männchen der einen oder der anderen urſprünglich verwen⸗ deten Raſſe. 3. Auswahl der Hühner zu beſonderen Zwecken. a) Zur Eierproduktion. Nur ſolche Raſſen, deren Hennen nicht brüten, ſind mit Vorteil hierzu verwendbar. Nur mit dieſer Eigenſchaft ausgeſtattete Hennen ſind befähigt, die höchſte Eieranzahl(150 und mehr) im Laufe eines Jahres abzulegen. Das Eigewicht muß durchſchnittlich 60 g betragen, weil leichtere Eier nicht gern gekauft werden. Zugleich dürfen dieſe Hühner nicht ſehr empfindlich gegen klimatiſche Einflüſſe ſein und nicht zu viel Futter bedürfen, alſo mittlerer Größe ſein. Auch Schnellwüchſig⸗ keit und Frühreife ſind erforderlich, damit die früh im Frühjahre er⸗ brüteten jungen Hennen ſchon während der Mauſer der älteren Hennen und auch nachher bis zum Froſteintritte Eier liefern können. Junge Hennen ſchnellwüchſiger Raſſen legen nämlich, wenn ſie das Alter von 5, andere von 6 und 7 Monaten erreicht haben, die erſten Eier ab. Hühnerraſſen, welche dieſe Eigenſchaften beſitzen, ſind die Italieniſche und die Minorca- oder auch die Andaluſiſche(auch Ancona⸗) Raſſe. Die jungen Hennen derſelben fangen im Alter von 6 bis 7 Monaten zu legen an. Wenn der Züchter den Erſatz älterer oder ſonſtwie abgängiger Hennen nicht durch Ankauf decken, ſondern ſelbſt erbrüten laſſen und erzüchten will, alſo auch die überzähligen jungen Hähnchen und vielleicht auch zu viel erbrütete Junghennen als Schlachtgeflügel verwerten muß oder möchte, ſo iſt die Minorca⸗(Andaluſiſche) Raſſe der italieniſchen vorzuziehen, weil letztere recht minderwertiges Schlachtgeflügel liefert. Zuchtbetrieb. 113 Auch das graue(geſperberte) Schottenhuhn legt vortrefflich bei ſeltener Brutneigung, iſt aber dennoch nur bedingungsweiſe verwendbar, da es viel Futter bedarf und die Junghennen nicht vor dem neunten Lebensmonate mit dem Legen beginnen.— Andere nicht brütende Raſſen ſind allein nur dieſes Nichtbrütens wegen zur Verwendung zur Eierproduktion nicht geeignet, auch wenn ſie Eier von 60 g Schwere legen, da ſie die oben genannten Raſſen an Jahresanzahl der Eier nicht erreichen. Übrigens kann ich nur davor warnen, die Eierlegefähigkeit der Hühner zu überſchätzen. Bedenkt man, daß die meiſten Hühner vom Beginne der Mauſer, Mitte Auguſt, an bis 15. Februar, alſo 6 Monate lang nicht legen, ſo iſt es unmöglich, daß ein Huhn in 6 Monaten 200 Eier legt, aber auch ſehr unwahrſcheinlich, daß es 150 hervorbringt (monatlich 25). Nur wenn man Junghennen in Betracht zieht, die von Ende Auguſt oder Anfang September an bis zum Froſteintritte legen und ſpäter von Mitte Februar bis Mitte oder Ende Auguſt, iſt es glaublich, daß ſie 150 Eier im Jahre hervorbringen können. Die Aus⸗ nahme, daß die Hühner den Winter über in warmen Räumen leben und deshalb ausnahmsweiſe legen, kann nicht zur Regel erhoben werden. Im Durchſchnitte kann bei der Eierproduktion, da ja nicht alle Hennen im 2. Lebensalter ſtehen können, ſo daß ihre erſte Jahreseier⸗ produktion ins erſte Lebensjahr zurück greift, nicht mehr als 100, aber auch nicht weniger, im günſtigſten Falle auf 120 Eier gerechnet werden. Das genügt aber vollkommen, um ſelbſt für den Fall, daß das ganze Jahresfutter angekauft werden müßte, aus der Eierproduktion einen namhaften Reingewinn zu erzielen. Es ſoll durch vorſtehende Angaben nicht behauptet werden, daß man nicht auch mit anderen als den bezeichneten Raſſen vorteilhaft Eierproduktion betreiben könne, ſelbſt mit Hennen, welche mit Sommers⸗ beginn brütig zu werden pflegen; aber der Erfolg iſt eben dieſer Brüt⸗ luſtigkeit wegen zweifelhaft, obſchon man den Hennen die Brütluſt ſchnell legen kann, indem man ſie einzeln 48 Stunden ohne Futter unter einem umgekehrten Korbe auf kühle Steinplatten oder auf Holzlattenboden ſetzt und die Stelle, auf der ſie ſitzen, von Zeit zu Zeit wechſelt. b) Zur Fleiſchproduktion in Verbindung mit Eierproduktion. In Nr. 2, 1898, der Deutſchen landwirtſchaftlichen Preſſe habe ich die Auswahl der Hühner zu dieſen Zwecken eingehend be⸗ ſprochen und gebe das dort Geſagte hier wieder: Wird bei der Eiererzeugung auch die Erzüchtung von Schlachthühnern beabſichtigt, ſo muß das italieniſche gelbbeinige Huhn, wie überhaupt jede Hühnerraſſe mit gelben Läufen und gelblicher Haut, von der Zucht ausgeſchloſſen werden. Es giebt keine zur Ver⸗ wendung als Tafelgeflügel ungeeigneteren Hühner als dieſe. Auch die aus Kreuzung von Hähnen der italieniſchen oder der Minorca⸗Raſſe Pribyl, Geflügelzucht. 4. Auflage. 8 114 Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. mit kleinen Landhuhnhennen hervorgegangenen Blendlinge ſind ihrer kleinen Körper wegen ungeeignet. Am vorteilhafteſten verwendet man die Minorca⸗ oder die andaluſiſche Raſſe. Beide verbinden mit vorzüglicher Eierproduktion die Geeignetheit zur Verwendung als brauch⸗ bare Tafelhühner von mittelgroßen Körpern. Wenn es darauf ankommt, auch ſchwerere Tafelhühner zu züchten, ſo ſtelle man einige Hennen des grauen Schottenhuhns oder Langſhanhennen in den Zuchtſtamm ein oder auch Mechelner Kuckuckshuhnhennen, von denen beide letztere zugleich den Vorteil gewähren, als gute Brüterinnen dienen zu können. Da ſie aber durch Eiererzeugung wenig hervorragen, empfiehlt ſich da, wo die Hühner freien Auslauf ins Feld nicht haben, die Ein⸗ ſtellung des mit Haube behafteten franzöſiſchen Houdanhuhns, das ſowohl zur Eier⸗ wie zur Fleiſchproduktion vortrefflich geeignet iſt. Die Langſhanhennen kann man unbedenklſch mit Hennen der andern genannten Raſſen vereinigt einem Hahn beigeſellen, weil ihre rötlich angehauchten Eier von den weißen der andern Hennen ſich unterſcheiden; will man aber die weißen Eier der etwa im Zuchtſtamme befindlichen Hennen vom Schottiſchen oder vom Mechelner Kuckuckshahn oder der Houdanraſſe zur Verwendung als Brüteier erkennen, ſo muß man dieſe Hennen in beſonderen Gehegen mit je einem Hahn unterbringen. Es ſei noch auf eine vortreffliche Eigenſchaft der Houdanraſſe aufmerkſam gemacht, nämlich die, daß die Kücken ſehr ſchnell heran⸗ wachſen, ſo daß die jungen Hennen ſchon im Alter von 4 ½ Monaten, viel früher als diejenigen der italieniſchen und der Minorka⸗Raſſe, mit dem Ablegen der erſten Eier beginnen. c) Zur Fleiſchproduktion. Wird beim Betriebe der Hühnerzucht der Hauptwert auf Fleiſch⸗ produktion, alſo auf Erzüchtung von Junghühnern zu Schlachtzwecken gelegt, ſo iſt als erſte Anforderung an die Mitglieder des Zuchtſtammes die zu ſtellen, daß dieſelben ſchwere fleiſchige Körper mit breiter Bruſt und zarter weißer Haut haben, und daß ſie ſo ruhigen Temperaments ſind, daß ihre Mäſtung leicht und ſchnell von ſtatten geht. Wiederholt muß vor der Verwendung gelbbeiniger Hühner mit gelblicher Haut gewarnt werden, weil deren Fleiſch nicht ſo zart und ſaftig iſt, als das der weißhäutigen Hühner mit dunklen oder fleiſchfarbigen Läufen. Auch ſind die meiſten gelbbeinigen Hühnerraſſen ſtarkknochig; das wahre Fleiſchhuhn muß dagegen im Verhältniſſe zu ſeinem Fleiſchgewichte leichtknochig ſein. Noch eine Eigenſchaft iſt von der größten Wichtigkeit: leichte Aufzucht und ſchnelles Heranwachſen der Kücken. Auch darf die Eierproduktion der zu verwendenden Hühner keine minderwertige ſein. Leider laſſen ſich diejenigen Hühnerraſſen, welche alle dieſe Eigen⸗ ſchaften in hohem Grade beſitzen, in unſerm Klima nicht oder nur bedingungsweiſe verwenden; es ſind dies die franzöſiſchen Fleiſch— huhnraſſen: Creève⸗coeur, Lafleche und Houdan. Die erſte iſt Zuchtbetrieb. 115 zu weichlich, Laflechehühner ſind auch leichter wie andre zu Erkältungs⸗ krankheiten geneigt, dagegen iſt das Houdanhuhn auch bei uns ſehr brauchbar, obgleich die Hennen Vollhauben haben, welche die freie Umſicht hindern und bei anhaltender Durchnäſſung leicht Augenkrank⸗ heiten hervorrufen; dem kann der Züchter aber durch geeigneten Aufent⸗ haltsraum leicht abhelfen. Auch das franzöſiſche Le Manshuhn hat als Fleiſchhuhn ausgezeichnete Eigenſchaften; ob es das nördliche Klima verträgt, oder leicht ſich acclimatiſiert, iſt noch nicht ermittelt. Ein andres vorzügliches Fleiſchhuhn, das Engliſche Dorkinghuhn, iſt leider auch nicht für unſre Verhältniſſe unbedingt geeignet, da es mildes Klima, trockenen Boden und windgeſchützte Ortlichkeiten verlangt. Da⸗ gegen können das Schottiſche und das Mechelner Kuckuckshuhn, von denen erſteres 3 bis 4 kg, letzteres noch etwas ſchwerer wird, zur Verwendung empfohlen werden, obgleich ihnen die wertvollen Eigen⸗ ſchaften vorzüglichen Eierlegens und Nichtbrütens abgehen. Auch das Langſhanhuhn iſt ſehr brauchbar, obgleich ſein Bruſtfleiſch nicht ſo reichlich vorhanden iſt, wie bei den ſchon genannten Raſſen, und obgleich ſein Fleiſchgewicht zum Knochengewichte nicht in ſehr günſtigem Verhältniſſe ſteht. Dem kann jedoch dadurch in etwas abgeholfen werden, daß man die Langſhanraſſe im Zuchtſtamm nicht rein ver⸗ wendet, ſondern den Langſhanhennen einen Hahn einer guten Fleiſch⸗ huhnraſſe beigiebt; man erzielt hierdurch ſehr ſchwere Junghühner, die ſich leicht mäſten laſſen. In letzter Linie kann auch das Minorca⸗ huhn bei dem Betriebe zur Fleiſcherzeugung Verwendung finden, aber nur dann, wenn leichtere Schlachthühner marktgängiger ſind, als ſchwere, und wenn die Abſicht beſteht, frühreife junge Kücken(Hähnchen und Hennchen) auf den Markt zu bringen. Das Minorcahuhn bietet noch den Vorteil, daß es nicht brütet, eine gute Eigenſchaft, die es mit dem Houdanhuhn teilt. II. Bildung der Zuchtſtämme. 1. Beim Betriebe, der lediglich Eierproduktion bezweckt, kann der Zuchtſtamm aus einer größeren Hennenanzahl mit einem Hahne beſtehen.(UÜber dieſe Anzahl ſ. S. 111 unter F.) Dieſelben brauchen auch nicht ein und derſelben Raſſe anzugehören. Will der Züchter den Herbſterſatz ſelbſt erzüchten, ſo iſt im Anfange des Frühjahrs ein kleiner Stamm von 1 Hahn und einigen Hennen abgeſondert unterzubringen. Nur die Eier dieſes Stammes dürfen bebrütet werden. 2. Wird bei der Eierproduktion auch Erzüchtung von Schlacht⸗ hühnern beabſichtigt, ſo iſt der abgeſonderte Stamm durch angemeſſene Vermehrung der Hennen zu vergrößern, deren Anzahl 10 nicht über⸗ ſteigen darf. 3. Soll lediglich Schlachthühnererzeugung betrieben werden, ſo muß je 10 Hennen ein Hahn in abgeſondertem Raume beigegeben werden; je geringer die Hennenanzahl, deſto ſicherer kann man darauf rechnen, daß alle Eier befruchtet ſein werden. 8* 116 Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. III. Betrieb. 1. Eierproduktion. Um die Hennen zu frühzeitigem Legen zu veranlaſſen, verſtärke man von Weihnachten an die tägliche Ration derſelben, insbeſondere den animaliſchen Teil, deſſen Verminderung von Mitte Januar ab wieder geboten iſt, weil animaliſche Nahrungsſtoffe leicht den Eiern unangenehmen Geruch und Geſchmack verleihen. Während der Haupt⸗ legezeit beſtehe die Nahrung nur aus mehlhaltigen Stoffen, beſonders Fruchtkörnern, aber auch grüne Pflanzenteile nicht zu vergeſſen. Das Einſammeln der Eier geſchehe täglich nachmittags oder gegen Abend, niemals vormittags, um das Legegeſchäft nicht zu ſtören. Um das Alter der Eier zu kennen, kann man auf jedes das Datum ſchreiben; praktiſcher iſt es, eine Anzahl flache Körbe oder niedrige leichte Käſten mit irgend einer weichen Einlage(Häckſel, Kleien, kein Sägemehl, weil es ſtarken Geruch hat) bereit zu haben, welche mit dem Datum beſchrieben werden, ſo daß Verwechſelung alter und neuer Eier vermieden werden kann. Bei gutem Abſatz, für den der vorſichtige Züchter ſorgen wird, dürfen die eingeſammelten Eier nicht alt werden. Beim Beginne des Nachlaſſens des Eierlegens nehme man Be⸗ dacht, ½ der Hennen, d. h. den älteſten Jahrgang, nach kurzer In⸗ haftierung und reichlicher Fütterung auf den Markt zu bringen. Man ſpart dadurch viel Futter, mehr als die wenigen Eier wert ſind, welche dieſe älteren Hennen vor der Mauſer noch ablegen könnten. Man ſorge dafür, den richtigen Erſatz für dieſe Hennen Ende Juli oder anfangs Auguſt bereit zu haben, 5 bis 7 Monate alte Junghennen frühreifer Raſſen, um während und nach der Mauſer der älteren Hennen Eier zu erhalten. Dieſen Erſatz ſtets rechtzeitig durch Ankauf zu decken, iſt ſchwierig und dürfte nicht immer gelingen. Daher i*ſt es vorzuziehen, ihn aus den erſten im Januar und Februar gelegten Eiern eines von der großen Hühnermenge abgeſonderten Stammes von 1 Hahn und einigen Hennen durch Truthennen, die ſich leicht zum Brüten bequemen, erbrüten zu laſſen. 2. Eier⸗ in Verbindung mit Fleiſchproduktion. Das Erbrütenlaſſen und Züchten des Herbſterſatzes für aus⸗ geſchiedene Hennen, von dem vorſtehend abgehandelt worden, führt naturgemäß zur Verbindung beider Produktionsarten. Die neben den Hennchen erbrüteten Hähnchen, ſowie etwa zu viel erzüchtete Junghennen müſſen Verwertung finden. Erſtere werden am beſten im Kückenalter abgeſetzt, letztere entweder als Kücken ſchon verkauft oder der Mäſtung. unterworfen, nachdem ſie ihre erſten Eier abgelegt haben, d. h. vom Froſtbeginn an. Hat ſich der Züchter aber einmal auf das Brütenlaſſen, auf die Aufzucht und die Mäſtung einer kleineren Anzahl von Hühnern eingerichtet, ſo iſt die Vergrößerung dieſer Betriebsteile meiſt wohl unſchwer zu bewirken möglich. Sie bietet bedeutende Vorteile: Von Zuchtbetrieb. 117 Mitte Mai an bewegt ſich der Eierpreis meiſtens auf recht niedriger Stufe. Die Eier können alsdann viel vorteilhafter verwertet werden als durch Verkauf, wenn ſie in Fleiſch umgeſetzt werden. Man laſſe alſo von Mitte Mai an bis kurz vor dem Beginne der Mauſer alle oder einen Teil der verfügbaren Eier, ſoweit die Räumlichkeiten für die Aufzucht es geſtatten, bebrüten und verwerte dieſe Kücken im Alter von 4 bis 6 Monaten als gemäſtete Junghühuer(ſiehe nachſtehend unter 3). Die in dieſer Weiſe betriebene Hühnerzucht liefert: Eier dann, wenn ſie am teuerſten ſind(Frühlingsanfang und Herbſt), junge Hähnchen ſehr früh zu guten Preiſen und gemäſtete Schlachthühner in der Zeit der geſelligen Vergnügungen. Selbſtverſtändlich muß dafür geſorgt ſein, daß die zum Brüten zu verwendenden Sommereier durch rechtzeitige Teilung des Hühner⸗ beſtandes in kleinere Abteilungen mit je einem Hahne befruchtet werden. 3. Schlachthühnererzeugung. Bei dieſer Betriebsart werden möglichſt alle Eier in Kücken ver⸗ wandelt und dieſe teils halbwüchſig verkauft(junge Hähnchen), teils in erwachſenem Zuſtande, 4 bis 6 Monate alt, gemäſtet. Es muß alſo die Größe des oder der Zuchtſtämme die Wahrſcheinlichkeit bieten, daß möglichſt alle Eier befruchtet ſind. Neben den ausgedehnten, für die Kückenaufzucht erforderlichen getrennten Stall⸗ und Laufräumen muß ein oder müſſen mehrere angemeſſen liegende und eingerichtete Brüt⸗ räume(ſ. S. 124) und ein oder mehrere Maſträume vorhanden ſein. (UÜber das Mäſtungsverfahren ſiehe Seite 97.) Betrachten wir nunmehr die Verhältniſſe, wie ein nur kleiner Betrieb, wie ihn jede Bauersfrau, ſelbſt die Frau eines an⸗ geſeſſenen Arbeiters unternehmen könnte, ſich geſtalten würde: Geſetzt, die Frau will an Poularden verkaufen in jedem der vier Monate Oktober, November, Dezember, Januar 8, zuſammen alſo 32 Stück. Zu dieſem Behufe müßte ſie in jedem der Monate September, Oktober, November und Dezember 8 Junghennen oder junge Hähne mäſten. Dieſelben müßten, um beim Beginn der Mäſtung ein Alter von vier Monaten zu haben, ausgeſchlüpft ſein anfangs Mai, anfangs Juni, anfangs Juli, anfangs Auguſt. Die Bebrütung müßte alſo ſtattfinden im April, Mai, Juni und Juli, und zwar würden zu bebrüten ſein jedesmal 12 Eier. Nur 2 Hennen mit 1 Hahn würden zur Beſchaffung der Bruteier genügen; da es dabei aber an einer genügenden Anzahl von Bruthennen fehlen würde, ſo ſind mindeſtens 4 Hennen einer Raſſe erforderlich, welche leicht und gut brüten, und als früheſte Brüterin, im April, eine, die im Mai Kücken führt, im Juni wieder brüten muß. 1 Hahn, 4 Hennen und 1 Truthenne würden alſo als Stamm zur Eierveſchaffung und zum Brüten genügen. Zweck⸗ mäßig zuſammengeſetzt wäre der Hühnerſtamm aus 1 Minorca⸗, Dorking⸗ oder Houdanhahne und 4 Langſhanhennen oder auch 4 Dorkinghennen. Die einzige Schwiorigleit des Betriebes bietet die Aufzucht der Jungen 118 Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. und der Umſtand, daß im letzten Monate vor Beginn der erſten Mäſtung mindeſtens 32 größere und kleinere Kücken vorhanden ſein würden, deren Zahl aber mit jedem Monate geringer wird. Es verſteht ſich von ſelbſt, daß die nicht zum Bebrüten erforder⸗ lichen Eier durch Verkauf oder Verbrauch verwertet und daß, falls die Bebrütung ſehr günſtig verläuft und mehr Kücken erwachſen, als man zur Mäſtung verwenden will, die überzähligen jungen Hähnchen zeit— gerecht als Schlachthähnchen verkauft werden.— Über die Mäſtung ſiehe Seite 97, über das Schlachten, Berupfen und Herrichten der Poularden folgt Näheres auf Seite 136. Das eben gegebene Betriebsſchema gilt für jeden, ſelbſt auch für den größten Betrieb mit der Maßgabe, daß bei demſelben die Zuſammen⸗ ſetzung des Betriebsſtammes eine andere ſein muß, um auch die Eier⸗ produktion und die Erzüchtung reinraſſiger Zuchtſtämme neben der Fleiſchproduktion ausnutzen zu können. Bei größerem Betriebe als dem geſchilderten ſetze man den Betriebs⸗Zuchtſtamm zuſammen aus 1 Hahn und einigen Hennen ein und derſelben zur Eier⸗ und Fleiſchproduktion gleichmäßig geeigneten Raſſe und füge dem Stamme noch ſoviele Langſhanhennen als Brut⸗ hennen bei, daß die Geſamtzahl der Hennen 10 nicht überſteigt; außer⸗ dem halte man eine Anzahl Truthennen und Langſhanhennen ebenfalls zum Brüten oder eine gute Brütmaſchine. Vom einem Stamme von 1 Hahn und 10 Hennen bekommt man ſoviel Eier, daß es ohne Zuhilfenahme einer Brütmaſchine ſehr ſchwer hält, dieſelben ſämtlich bebrüten zu laſſen. Das zu thun wäre auch nur dann rätlich, wenn die alsdann erforderlich werdenden großen Räumlichkeiten zur zweckmäßigen Unterbringung der vielen Kücken be⸗ ſchafft werden könnten, d. h. zur Unterbringung in verſchiedenen, nicht zu großen Abteilungen, und wenn gute Gelegenheit geboten iſt, die jungen Kücken, welche der Mäſtung nicht unterworfen werden können oder ſollen, als halbwüchſige Schlachtkücken zu verkaufen. Auch hat die Anzahl der zu mäſtenden Junghühner ihre Grenzen: Bei größerer Anzahl derſelben iſt die Mäſtung mit der Hand(das ſogenannte Nudeln) nur mit großen Arbeitskräften zu bewältigen; es müßte Erſatz der letzteren durch eine Mäſtmaſchine vorhanden ſein. Zur Feſtſtellung der Größe des Betriebszuchtſtammes und der Anzahl der nebenbei erforderlichen Bruthennen(Langſhan⸗ und Trut⸗ hennen) verfahre man ſo, wie dies vorſtehend bei ganz kleinem Betriebe geſchehen iſt, daß man zuerſt feſtſtellt, wieviel Junghühner man zu gleicher Zeit oder nacheinander in den verſchiedenen, den Verkaufs⸗ monaten vorhergehenden Monaten mäſten kann, unter Berückſichtigung deſſen, ob die vorhandenen Räumlichkeiten für die Kückenaufzucht aus⸗ reichen oder in genügender Anzahl und Größe beſchafft werden können. Iſt unter Berückſichtigung des letzteren die Anzahl der jedesmal im Lauſe eines Monats zu mäſtenden Junghühner beſtimmt, ſo ergiebt ſich leicht die Anzahl der erforderlichen Brüteier, alſo auch die Größe des Zuchtbetrieb. 119 Betriebszuchtſtammes, die Zahl der Brüthennen und die Zeit des Brütenlaſſens. Der zum Zwecke der Maſthühnererzeugung nach vorſtehendem ſich ergebenden erſten Bebrütung kann man mit Vorteil noch eine oder mehrere vorhergehen laſſen. Wenn man im März bereits reinraſſige Eier hat und dieſelben ausbrüten läßt, ſo erhält man Kücken, welche, je nachdem die Bebrütung früher oder ſpäter fällt, Ende Juli bis Ende Auguſt im Alter von 4 bis 5 Monaten ſtehen und von da an die erſten Eier ablegen, welche um dieſe Zeit hoch im Preiſe ſtehen. Dieſe Eierablegung beutet man ſo lange als möglich aus. Hören die jungen Hennen im Anfange des Winters mit dem Legen auf, ſo werden auch ſie der Mäſtung unterworfen und als Poularden verkauft. In Rückſicht auf ihr Vorhandenſein kann eine gleiche Anzahl Kücken, die nur als Poularden Verwertung finden würden, weniger erbrütet werden. Es iſt durch vorſtehende Angaben nicht ausgeſchloſſen, daß auch in anderen als den angegebenen Monaten Maſtbetrieb ſtattfinden kann, wenn Abſatz geſichert iſt. Selbſt Ungünſtigkeit der Jahreszeit ſollte kein Hindernis abgeben. Die bei Ramelslohe betriebene Winterkücken⸗ aufzucht(Hamburger Kücken) giebt Anregung dazu. Siehe unter„das Ramelsloher Huhn“ Seite 37. Hühnermäſtung könnte übrigens auch durch Perſonen zur Aus⸗ führung kommen, welche nicht ſelbſt züchten. Manche arme Frau könnte durch dieſes Geſchäft ein hübſches Stück Geld ver⸗ dienen. Allerdings müßte ihr Gelegenheit geboten ſein, zur Mäſtung geeignete junge Hennen kaufen zu können. Die Hühner, welche bis jetzt meiſtens gehalten werden, taugen leider nur ausnahmsweiſe zur Mäſtung, wie früher bereits ausgeführt worden iſt. Geflügelzucht⸗ und landwirtſchaftliche Vereine könnten die Hühnermaſt als Haus⸗ induſtrie recht wohl einführen, wenn die Mitglieder ſich dazu entſchließen könnten, überzählige junge Hennen geeigneter Raſſen billig an ſolche Frauen zu überlaſſen, die ſich mit der Mäſtung befaſſen wollen, und wenn ſie die zur Mäſtung erforderliche Anleitung geben und Abſatz⸗ quellen beſorgen wollten. Iſt erſt irgendwo hierdurch die Hühner⸗ mäſtung eingebürgert, ſo werden ſich auch die Landleute dazu entſchließen, zur Mäſtung geeignete Hühner zu halten, und manche Bauersfrau wird angeregt werden, auch ſelbſt es mit der Mäſtung zu verſuchen. Größere Mäſtungsanſtalten ohne eigene Erzüchtung der Mäſtungshühner wären lukrative Unternehmen, wenn zur Mäſtung geeignete Hühner in genügenden Mengen zu beſchaffen wären. So⸗ lange unſere Landleute nur das italieniſche Huhn und die aus ſeiner Paarung mit dem Landhuhn hervorgegangenen Kreuzungsprodukte halten, ſind ſolche Unternehmungen eine Unmöglichkeit. 4. Kückenerzeugung. Das Kühnerkücken geht durch Bebrüten des befruchteten Eies aus dieſem hervor. Wie das Ei beſchaffen iſt, daß die Bebrütung der 120 Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. Eier auf natürlichem Wege durch Hühner oder auf künſtlichem in Brüt⸗ maſchinen bewirkt werden kann und welche Wärmegrade erforderlich ſind, um im Ei Leben hervorzurufen und den Embryo zum ausgebildeten Hühnchen heranreifen zu laſſen, iſt bereits im I. Abſchnitte im allge⸗ meinen auseinandergeſetzt worden. Um im Hühnerei den Embryo zur Reife und das Kücken zum Ausſchlüpfen zu bringen, ſind durchſchnittlich 21 Tage der Bebrütung erforderlich. Das Kücken kann aber auch etwas früher zum Aus⸗ ſchlüpfen reif werden oder auch ſelbſt 24 bis 48 Stunden ſpäter. Das hängt davon ab, wie alt beim Brütbeginn das Ei geweſen iſt, welche Wärme die Brüterin zu entwickeln vermochte und ob das Ei ſtets gleich⸗ mäßig erwärmt geweſen iſt oder nicht. Altere Eier laufen nicht ſo ſchnell aus, als jüngere. Dasſelbe iſt bei Eiern der Fall, welche nicht während des ganzen Verlaufs der Bebrütung gleichmäßig erwärmt worden ſind. Die Erforderniſſe zu einem guten Verlauf der Be⸗ brütung der Eier ſind folgende: a) Der Brütort liege fern von beunruhigendem Verkehre oder Lärm; das Neſt ſelbſt verſteckt hinter vorliegenden Gegenſtänden oder Winden; beide an luftiger und weder zu trockener, noch zu feuchter Stelle. In letzterer Beziehung hat ein bedeutender bekannter Züchter, Herr E. Lemoine zu Crosne in Frankreich, belehrende Verſuche gemacht, welche den Leſern von Intereſſe und Nutzen ſein dürften. Er ſchreibt darüber folgendes: „Im erſten Jahre ſetzte ich meine Brüterinnen in einen Raum, der neben einem großen Hühnerhauſe lag, aber der Erfolg war kein befriedigender. Ich fand teils zerbrochene, teils ſchlecht bedeckte Eier. Ich ſtellte Beobachtungen an und einige Tage ſpäter war ich überzeugt, daß das Krähen der Hähne und das Gegacker der legenden Hennen daran ſchuld waren.“ „Auf Grund der Beobachtung, daß bei den Landleuten die ſchönſten Bruten durch Hühner herbeigeführt werden, welche im Kuh— oder Pferdeſtalle brüten, ſchrieb ich dieſen guten Erfolg der milden Temperatur, der feuchten Wärme zu, welche der Entwickelung des Embryo günſtig ſind.“ „In Rückſicht auf die große Anzahl meiner Brüterinnen konnte ich mich meines Kuhſtalles ſelbſt nicht bedienen; deshalb brachte ich in demſelben einen Zwiſchenboden an, indem ich auf die Balken Bretter legte, welche je einen halben Centimeter Zwiſchenraum zwiſchen ſich hatten. Auf dieſen Bodenraum brachte ich meine Brüterinnen.“ „Aber die feuchte Wärme, auf welche ich ſo große Hoffnung geſetzt hatte, war zu reichlich vorhanden, ſo daß die Luft unatembar war. Ich ließ ſofort zur Ventilation eine Abzugsröhre anbringen. Alles ging nun gut bis zum neunzehnten Tage. Aber— im Momente, in welchem die Kücken ausſchlüpfen ſollten, hatten ſie nicht Kraft genug — Zuchtbetrieb. 121 zum Durchbrechen der Schale und ſtarben zum großen Teile, ohne das Licht der Welt erblickt zu haben. Ich erhielt kaum ſechs Kücken von 13 Eiern; die übrigen waren durch die Kuhſtallluft zu Grunde gegangen.“ „Ich machte einen anderen Verſuch: Auf fünfzig Meter Ent⸗ fernung von meinen großen Hühnerhäuſern beſitze ich an der Straße von Crosne nach Montgeron ein kleines Wächterhaus, das momentan unbewohnt war. Ich brachte meine Brüterinnen in demſelben in einem Zimmer des Erdgeſchoſſes unter, in welchem ein Kamin ſich befindet. Dieſes Mal war der Erfolg ein ausgezeichneter. Aus 72 Eiern erhielt ich 67 Kücken, welche kräftig heranwuchſen. Wegen Mangels an Raum hatte ich 3 Brüterinnen über dem Kuhſtalle belaſſen müſſen; aus 41 Eiern erhielt ich hier nur 15 Kücken.“ „Die Unterbringung der Brüterinnen im Wächterhauſe hatte ſich alſo bewährt. Aber ich konnte es nicht weiter als Brüthaus benützen, und ſo entſchloß ich mich zur Konſtruktion eines beſonderen Brüthauſes, das möglichſt den natürlichen Verhältniſſen entſprach.“ Die Einrichtung dieſes Hauſes iſt weiter unten durch Zeichnung (Seite 123) und Beſchreibung(Seite 124) erläutert. b) Des Neſtes Form muß ein Aneinanderliegenbleiben der Eier begünſtigen, alſo eine mäßige runde Vertiefung bilden und dem brütenden Vogel das Beſteigen desſelben geſtatten, ohne daß dadurch das Neſt in Bewegung geraten, und ſo, daß die Brüterin neben den Eiern auf⸗ fußen und von hier aus ihre Füße unter und zwiſchen dieſelben ſchieben kann. Im allgemeinen ſind niedrige breite Holzkaſten oder Körbe, mit Stroh und Heu gefüllt, zur Neſtbildung geeignet. c) Das Neſtmaterial ſei ein ſchlechter Wärmeleiter, wie Stroh, Heu, damit eine möglichſt gleichmäßige Wärme darin erhalten werden kann und auch dann keine bedeutende Abkühlung ſtattfindet, wenn die Brüterin auf einige Zeit das Neſt verlaſſen hat. d) Die Eier müſſen gleiche Größe und gleiches, wenigſtens nicht ſehr verſchiedenes Alter haben. Ungleiche Größe iſt die Veranlaſſung, daß Eier zerbrechen. Die Folgen ungleichen Alters ſind bereits vor⸗ ſtehend angegeben. Über vierzehn Tage alt ſollten überhaupt die Eier beim Beginne der Bebrütung nicht ſein, denn ältere Eier ſind nicht mehr durchweg fähig, Kücken zu entwickeln, obſchon drei bis vier Wochen alte Eier zuweilen noch brütfähig ſind. Eier mit geſprungener oder weicher oder dünner Schale ſind zu Brützwecken unbrauchbar. Die Brüteier ſeien verhältnismäßig möglichſt groß; je größer das Ei, deſto kräftiger und größer das Kücken; nur wenn Verringerung der Größe der Nachkommen erwünſcht iſt, wähle man die kleinſten aus. e) Anzahl und Größe der Eier ſtehe in ſolchem Verhältniſſe zur Größe der Brüterin, daß dieſe die ſämtlichen neben-, nicht übereinander liegenden Eier mit ihren Bruſt⸗- und Bauchfedern umfaſſen und bedecken kann. Man thut gut, die Eieranzahl möglichſt zu beſchränken. Bei zu großer Eierzahl werden die am Rande des Neſtes liegenden oder 122 Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. ein Teil derſelben nicht genügend erwärmt. Wenn auch die Brüterin beim Verlaſſen und Wiederbeſteigen des Neſtes die Lage der Eier ver⸗ ſchiebt, ſo kann es doch vorkommen, daß einige der am Neſtrande be⸗ findlichen Eier niemals in die Neſtmitte gelangen, kalt bleiben und keine Frucht bilden können. Anderſeits erkalten ſolche Eier, welche bereits den Embryo gebildet haben und aus der Neſtmitte nach dem Rande verſchoben werden. Nun können allerdings die Embryo bei der Erkaltung der Eier mehrere Tage lebensfähig bleiben; ſolche erkaltet geweſene Eier laufen aber ſpäter aus, als die normal bebrüteten. Bei den Haushühnern gilt gewöhnlich als Regel, daß die Henne zwölf bis fünfzehn ihrer eigenen Eier bedecken könne. Dieſe Regel iſt unhaltbar, weil verſchiedene ziemlich gleich große Hühnerraſſen Eier ſehr ver⸗ ſchiedener Größe hervorbringen. Wenn eine Landhuhnhenne oder eine ſolche der Hamburger Raſſe dreizehn ihrer eigenen Eier bedecken und bebrüten kann, ſo würde das einer Henne der italieniſchen Raſſe, wenn ſie nicht größer iſt als jene, unmöglich ſein. Für eine Kochinchinahenne wären dreizehn bis fünfzehn Eier der Créve⸗coeur⸗Raſſe zu viel, nicht aber ebenſoviele ihrer eigenen Eier. Solcher großen und ſchweren Eier, wie die von Creéve⸗coeur⸗Hennen gelegten, vertraue man ſelbſt einer Kochinchinahenne nicht mehr als acht bis zehn an, wogegen eine Truthenne deren fünfzehn bis zwanzig bebrüten kann. Es ergiebt ſich aus vorſtehendem, daß ſich feſte Regeln über die Eieranzahl beim Brüten nicht feſtſtellen laſſen und der Einſicht des Züchters überlaſſen werden muß, dieſe Anzahl je nach Eigröße mit der Größe der Brüterin in richtiges Verhältnis zu bringen. f) Die Brüterin muß eine feſt und regelmäßig ſitzende, von ruhigem und zutraulichem Temperamente ſein, welche nicht durch An⸗ näherung eines Menſchen an das Neſt beunruhigt wird, und auch die Kücken ruhig führt, ohne leicht in große Aufregung zu geraten, wie das beſonders bei Landhuhnhennen der Fall zu ſein pflegt. Die beſten Brüterinnen und Führerinnen ſind Truthennen und Hennen der aſiatiſchen Raſſen und ihrer durch Kreuzung entſtandenen Schläge; aber Brahmahennen ſind auszunehmen, weil ſie leicht Eier zerbrechen, unſanfte Mütter ſind und gegen Kücken, deren Färbung von denen der Mehrzahl abſticht, oft grauſam ſich benehmen. Es empfiehlt ſich, jede brütige Henne in betreff ihrer Brütbefähigung zu prüfen, bevor man ihr wertvolle Eier anvertraut. Man ſetze ſie zuerſt auf wertloſe Eier und beobachte ſie jeden Tag. Erſt dann, wenn ſie bei Annäherung des Züchters oder Wärters(Wärterin), indem ſie die Flügel hebt, gluckſt, ohne ſich im übrigen zu bewegen, erſetze man die Eier durch gute Brüteier. Unruhige, bei der Annäherung aufbrauſende Hennen ſind zu Brüterinnen untauglich. 3 g) Die Eier müſſen rechtzeitig in betreff des Befruchtetſeins unterſucht werden. Wann und wie das geſchieht, iſt im I. Abſchnitte Seitte 21 angegeben. Die nicht befruchteten Eier entferne man aus dem Neſte(ſie ſind noch zu Küchenzwecken brauchbar), ebenſo ſolche Eier, welche Doppeltdotter enthalten. Zuchtbetrieb. 123 h) Zu gedeihlicher Durchführung der Bebrütung gehört noch eine richtige Behandlung der Brüterin, des Neſtes und der Eier während der Brützeit. Sich ſelbſt überlaſſen verläßt die brütende Henne das Neſt und die Eier alle 24 Stunden einmal auf kurze Zeit, um ſich zu entleeren, zu freſſen und zu trinken und ſich im Sandbade zu federn. Daraus folgt, daß derſelben für dieſe Zeit Futter, Waſſer und trockene loſe Erde oder feiner Sand zur Verfügung ſtehen müſſen. Das Futter beſtehe aus einer reichlich be⸗ meſſenen Menge von Frucht⸗ körnern; etwas weniger Grün⸗ futter nehmen dabei die meiſten Brüterinnen gern an. Iſt nur eine oder ſind nur einige Brüterinnen zu pflegen, ſo vollzieht ſich die Wartung leicht dadurch, daß man dafür ſorgt, daß von frühmorgens an das Brüt⸗ gelaß geöffnet ſei und das erforderliche Futter und Waſſer bereit ſtehe, oder daß beide A[A A binnen kürzeſter Zeit bereit⸗ geſtellt werden können, ſobald man wahrnimmt, daß eine Brüterin das Neſt verlaſſen hat. Im erſteren Falle iſt Futterverluſt durch Mäuſe, Vögel u. ſ. w. unvermeidlich, 1 1 im zweiten ein öfteres Verab⸗ 8 ſäumen des Fütterns nicht—— unwahrſcheinlich. Man wähle N 17 den kleineren dieſer beiden£ 42 Übelſtände und ſtelle das Fig. 25. Brüthaus von E. Lemoine. Futter zeitgerecht bereit. Es empfiehlt ſich als zweckmäßig und ſehr vorteilhaft, die brütende Henne jeden Morgen vom Neſte zu heben, dieſelbe freſſen u. ſ. w. zu laſſen und nach 20 Minuten wieder auf das Neſt zu ſetzen. Das iſt aller⸗ dings nur möglich, wenn die Henne die Eigenſchaften hat, welche vor⸗ ſtehend unter f aufgeführt ſind. Durchaus unentbehrlich iſt dieſes Verfahren, wenn mehrere oder viele Hennen in demſelben Raume brüten, um Verwechſelung der Neſter ſeitens der Hennen und damit Unzuträglichkeiten und Schäden zu vermeiden, welche dadurch entſtehen können, daß einzelne Hennen Neſter beſteigen, die ihnen nicht gehören, in Streit mit anderen Hennen geraten, Eier zerbrechen oder einzelne Neſter unbeſtiegen und die Eier kalt werden laſſen und dergleichen. 2OOOOO9OOQO 3-2OO3Q QQ, ) 1244 Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. Als Brütraum bei Hühnerzuchtbetrieb in größerem Maßſtabe iſt das von E. Lemoine) angegebene Brüthaus(Fig. 25) empfehlenswert, ſowie auch ſein bei Behandlung der Brüthennen beobachtetes Verfahren. Lemoine beſchreibt beide wie folgt:„Ich ließ einen Raum herſtellen von 5 Meter Länge und 2 Meter Breeite, deſſen Boden und deſſen Wände aus Portland⸗Cement beſtehen. Das Dach beſteht aus Ziegeln. Die Zwiſchenräume zwiſchen den Dachſparren ſind nicht ausgefüllt“(das Dach iſt alſo nicht verſchalt),„um viele Luft durchdringen zu laſſen. Im Innern liegen auf Ständern lange Bretter, auf welchen die Körbe ſtehen, die gewöhnlich je 13 Eier ent⸗ halten, welche meinen beſten Brüterinnen anvertraut werden.“ „Unter einem Dachvorſprunge ſind an der Seite des Brütraumes Käfige aufgeſtellt. Holzkaſten, die auf einer Seite ein Gitter haben. Jeder Kaſten iſt mit einem Deckel verſehen und kann von oben geöffnet werden. Vor dem Gitter ſteht das Futter in Näpfen. Jeden Tag, genau um dieſelbe Zeit, Schlag 10 Uhr, hebe ich die Brüterinnen recht behutſam von ihren Eiern und bringe ſie in die den betreffenden Brütkörben entſprechenden Käfige, wo ſie Körnerfutter, Waſſer und Sand, in welchem ſie ſich federn und reinigen können, vorfinden. Große Pünktlichkeit iſt hierbei unerläßlich, denn wenn man die gewohnheits⸗ gemäße Zeit vergehen laſſen würde, könnte man infolge der Ungeduld der Brüterinnen zerbrochene Eier finden.“ „Jeder Korb trägt eine Nummer, und ich achte genau darauf, daß jede Brüterin in denjenigen Käfig gebracht werde, welcher dieſelbe Nummer hat, wie der Korb, in welchem ſie brütet. Das iſt ſehr wichtig, denn wären die Körbe und Käfige nicht numeriert, ſo könnte es ſich ereignen, daß ich eine Henne, welche ſeit 14 Tagen brütet, beim Zurückbringen in den Brütkorb auf Eier ſetzte, welche erſt ſeit drei Tagen bebrütet ſind.“ „Ich bringe die Hennen erſt nach Verlauf von 20 Minuten in ihren Korb zurück. So viel Zeit iſt beſonders in der erſten Periode des Brütens nötig, um den Eiern genügend Luft zu geben und damit die Hennen trinken, freſſen, ſich federn und entleeren können; letzteres iſt unerläßlich und ſowohl für die Henne wie für die Eier von Be⸗ deutung.“ „Bevor die Hennen zu ihren Neſtern zurückgebracht werden, muß man ſich verſichern, ob dieſelben ganz rein ſind; wenn erforderlich, werden ihre Beine und Federn gereinigt. Ebenſo müſſen die Neſter während der Brütpauſe unterſucht und ſie ſelbſt und die Eier erforder⸗ lichenfalls gereinigt reſp. mit lauwarmem Waſſer abgewaſchen werden.“ Ch. Jacque²) wählt als Brütraum(Fig. 26) irgend eine ruhig gelegene, gut lüftbare Stube ebener Erde.„Ein kleines Kabinet,“ ſagt er,„genügt für einige Brüterinnen, um aber drei⸗ bis vierhundert ¹) Elevage des animaux de basse-cour par E. Lemoine. 2²) Le poulailler par Ch. Jacque. Zuchtbetrieb. 125 Kücken erbrüten zu laſſen, bedarf es eines Raums, deſſen Seiten 4 m lang ſind. Er ſei ſo gelegen, daß die Temperatur eine möglichſt gleich⸗ mäßige und nicht hohe bleibt. Die Fenſter werden verhangen, um nur mäßiges Licht dändüngen zu laſſen. Man trage Sorge, jeden er⸗— ſchreckenden Lärm abzuhalten; man darf nur vorſichtig und ohne viel Geräuſch eintreten.“ An den Wänden ſind auf 0,30 m Höhe 0,45 m breite Bretter horizontal befeſtigt, ſo daß ſie eine ertanende Bank bilden, auf welche die Brütkörbe mdenenande geſtellt werden. Im Bedürfnisfall kann über den Körben in angemeſſener Höhe noch eine ſolche Bretterbank Fig. 26. Inneres des Brütraumes nach Ch. Jacque. angebracht werden; ſie ſei jedoch, meint Jacque, eher hinderlich als förderlich; man ſollte nur im Notfalle davon Gebrauch machen. In der Mitte des Raums ſoll ein niedriger, freiſtehender Tiſch mit Schub⸗ lade vorhanden ſein, um auf demſelben Käſten mit Brüteiern nieder⸗ ſtellen zu können. In der Schublade ſind unterzubringen: Papier und Schreibzeug, dünner Bindfaden, eine Schere, ein Meſſer und einige alte Lappen. In Körben unter dem Tiſche ſind unterzubringen: Grobe Putztücher zum Reinigen der Füße der Brüthennen, Niſtſtroh oder 65 zum Erſatz beſchmutzter Neſter. Als Brütkörbe zieht Jacque die runden den viereckigen vor; letztere nehmen aber weniger Raum auf der Brütbank ein, als erſtere. Sie haben 0,26 m lichte Höhe und in der Mitte der letzteren eine 126 Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. Länge von 0,34 m, eine Breite von 0,27 m, und einen Deckel; die meüd Körbe ſollen 0,33 m hoch ſein, als mittlerer Durchmeſſer genügen „27 m. Die Käfige, in welche die von den Neſtern gehobenen Brüterinnen für einige Zeit gebracht werden, ſind im Hofe unter einem Schutzdache aufgeſtellt. Im übrigen verfährt Jacque wie Lemoine. Gleichzeitiges Setzen mehrerer Brüterinnen. Wenn es darauf ankommt, möglichſt viele Kücken auf natürlichem Wege erbrüten zu laſſen, ſetzt man ſoviel Brüterinnen als möglich an ein und demſelben Tage. Brütluſtige Hennen läßt man, um hierzu zu gelangen, kurze Zeit auf nur wenigen oder wertloſen Eiern brüten, bis die gewünſchte Anzahl Brüterinnen zur Verfügung ſteht. Das hat folgende Vorteile: Wenn Eier zerbrechen oder bei näherer Unterſuchung ſich als unbefruchtet erweiſen, kann der Erſatz dieſer Eier aus einem Brütneſte entnommen und das dadurch leer werdende Neſt mit friſchen Eiern neu gefüllt, die Brütluſt der ſo beraubten Henne alſo auch weiter benutzt werden. Schlüpfen die Kücken aus, ſo kann man bei einer größeren Henne deren 15 vereinigen. Man wird alſo einzelne Hennen zum zweiten Male brüten laſſen können. Dies iſt beſonders bei Truthuhnhennen von Bedeutung, wenn ſie Haushuhneier bebrüten. Da die Truthuhn⸗ henne auf ihren eigenen Eiern länger brütet, als auf Haushuhneiern, kann ſie unbeſchadet ihrer Geſundheit zwei Bebrütungen ohne Unter⸗ brechung beſſer aushalten, als das Haushuhn. Läßt man die Truthuhn⸗ henne Hühnerkücken führen, ſo kann man ihr mindeſtens 20, ſelbſt bis zu 30 anvertrauen. Verwendung von Brütmaſchinen. Bei Betrieb im großen können Brütmaſchinen ſehr gute Dienſte leiſten. Wenn man mit einer größeren Anzahl von Brüterinnen eine Brütmaſchine in Gang ſetzt, kann man nach Beendigung der Brützeit die Anzahl der von den Brüterinnen ausgebrüteten Kücken um ſo viele aus der Brütmaſchine ergänzen, daß jede Brüterin ſo viele Kücken zum Führen erhält, als ſie noch genügend bedecken und warm halten kann. Eine Aufzucht von durch Maſchinen erbrüteten Kücken ohne lebende Führerinnen iſt im allgemeinen für Entwickelung zu kräftigen Tieren nicht geeignet und nur dann vorteilhaft, wenn es ſich um Aufzucht zu beſonderen Zwecken, z. B. Hervorbringung großer Mengen von jungen Schlachttieren handelt. Im Abſchnitte, der von der Aufzucht redet, wird Gelegenheit ſich bieten, ſpecieller hierauf einzugehen.— Zuchtbetrieb. 12/ Allgemeine Schlußbemerkungen. Wird die Bebrütung in der vorſtehend beſprochenen Weiſe geleitet, ſo werden kaum Mißerfolge eintreten. Es wird wohl auch empfohlen, die Eier, nachdem die Henne das Brütneſt verlaſſen hat, durch mäßiges Überſpritzen mit lauwarmem Waſſer anzufeuchten. Das iſt unnötig, da die Ausdünſtung der Brüterin die Eier in genügendem Maße be⸗ feuchtet; nur beim Brüten in Brütmaſchinen iſt künſtliche Feuchtigkeits⸗ zufuhr erforderlich.. In der Zeit von einem Abheben der Henne vom Neſte bis zum folgenden laſſe man die Brüterin völlig in Ruhe; nur in den erſten Tagen des Sitzens überzeuge man ſich einigemal, beſonders gegen Abend, ob die Brüterin auf den Eiern ſitzt, da es vorkoumt, daß anſcheinend brütige Hennen das Brüten wieder aufgeben. Sitzt die Henne mehrere Tage feſt, ſo iſt dies nicht mehr zu befürchten. Sollte aber eine Brüterin die Eier verlaſſen, nachdem ſie einige Zeit gebrütet hat, vielleicht wegen Krankſeins oder wegen Ungeziefers, ſo betrachte man nicht gleich die Eier als verloren, ſelbſt wenn man ſie erkaltet finden ſollte. Es iſt erſtaunlich, wie lang das Leben des Embryo in angebrüteteu Eiern vorhält. Man vertraut ſolche Eier möglichſt bald einer anderen brütigen Henne an(oder der Brütmaſchine) oder verteilt die Eier unter die anderen gleichzeitig brütenden Hennen, bis eine neue Brüthenne gefunden iſt. Selbſtverſtändlich müſſen hierbei die verlaſſenen Eier durch eine deutliche Bezeichnung(Bleiſtiftzeichen) kenntlich gemacht werden. Noch ſei eines Fehlers erwähnt, in den unerfahrene Geflügel⸗ liebhaber gar zu leicht verfallen: Gegen Ende der Brützeit ungeduldig auf das Erſcheinen der Kücken zu werden und infolge deſſen öfter zu unterſuchen, ob ſchon ein oder das andere Kücken ausgeſchlüpft ſei. Das unterlaſſe man, weil ſolche Störung der Brüthenne leicht zu Miß⸗ erfolgen(Abſterben der Kücken) führt. Die kleinen Jungen melden ſich ſchon von ſelbſt, wenn ſie ausgekrochen und trocken geworden ſind. Das Nachſehen und Unterſuchen des Neſtes iſt auch nicht notwendig, wenn genau der Tag und die Stunde notiert worden ſind, an welchen die Bebrütung begonnen hat, und wenn zu dieſer Zeit die Eier gleichalterig waren und gleich groß ſind. Alsdann pflegen die Kücken ziemlich gleichzeitig zu erſcheinen. Und wenn auch zwölf und mehr Stunden ſeit dem Ausſchlüpfen vergehen ſollten, ehe man die Kücken bemerkt, ſo hat das nichts zu ſagen. Für ſie iſt in der erſten Zeit Wärme, die das Neſt und die Brüthenne gewähren, die beſte Nahrung.— 5. Kückenaufzucht. Für den Züchter iſt die Kückenaufzucht das wichtigſte, wenn auch in vielen Fällen ein läſtiges Geſchäft der Züchtung, denn von ihrem 128 Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. Einſchlagen hängt ſein Geſchäftserfolg ab. Für den Geflügelfreund iſt gedeihliche Entwickelung der jungen Vögel nicht minder von Be⸗ deutung, denn auch er möchte ſeine Bemühungen mit möglichſt gutem Erfolge gekrönt ſehen und Freude erleben an ſeinen ſelbſtgezüchteten Vögeln. Mühelos iſt die Aufzucht nicht. Aber dem wahren Geflügel⸗ freunde macht ſie Vergnügen, und was man gern thut, wird Einem nicht leicht zu ſchwer. Soweit wären die erſten Bedingungen für rechtes Gedeihen der kleinen Pfleglinge erfüllt. Und dennoch ergeben ſich ſo manche Mißerfolge. Beim Bebrüten von Hühnereiern iſt der 18. Tag nach dem Setzen der Brüterin angebrochen. Ob wohl ſchon Junge da ſind? Man geht und horcht. Nichts zu hören, ſonſt alles in Ordnung. Die Henne wird wie gewöhnlich vom Neſte gehoben— an den Eiern noch nichts zu ſehen. Auch am Abende noch nichts von Kücken zu bemerken. Man möchte doch wiſſen, wie es unter der Brüterin ausſieht. Die Hand wird behutſam unter ſie geführt. Die Glucke erhebt ſich und wird unruhig. Wahrhaftig ein noch naſſes Kücken! Nun werden wohl am nächſten Morgen die Kücken da ſein. Richtig, man hört ſchwaches Piepſen. Es wird wieder viſitiert. Noch ſind neben einigen Kücken Eier vorhanden. Erſtere werden aus dem Neſte genommen und in einem Körbchen mit Watte hinter den Ofen geſtellt. Das Nachſehen und Viſitieren hat noch keine Ende. Reſultat am 21. Tage: Es ſind vorhanden: von den 4 fortgenommenen Kücken nur noch 3; unter der Brüterin 4 lebende, 2 totgedrückte Kücken und 2 nicht ausgelaufene Eier. In letzteren befinden ſich bei der Unterſuchung ausgebildete, aber abgeſtorbene Kücken. Schlußerfolg: 7 lebende Kücken von 12 am 6. Tage der Bebrütung als befruchtet erkannten Eiern. Urſache: Lediglich die in den letzten Tagen aus Neugierde und unangebrachter verkehrter Sorgſamkeit öfter hervorgerufene Beunruhigung der Bruthenne und die Wegnahme der erſten Kücken. Ähnlich ſind die Brüterfolge noch einiger anderen Brüthennen auf Grund derſelben Behandlung. Dagegen führt in denſelben Tagen eine Landhuhnhenne desſelben Be⸗ ſitzers, um die ſich, als zum großen Haufen des auf dem Hofe bunt gemiſchten Hühnervolkes gehörend, niemand gekümmert hatte, unerwartet 15 muntere Kücken aus dem der Holzaufbewahrung dienenden Raume hervor. Sie hatte in den letzten Tagen der Bebrütung ſich auf dem Futterplatze nicht mehr eingefunden, ſie war während derſelben durch nichts geſtört worden. Schlußfolgerung: Man laſſe die Brüthenne in den letzten drei Tagen der Bebrütung möglichſt unbehelligt ſitzen. Jede Störung kann zu Mißerfolgen führen. Auch das Entfernen der zuerſt ausgeſchlüpften Kücken aus dem Neſte iſt vom Übel; die Kleinen ſind nirgends beſſer aufgehoben als unter dem wärmenden Federkleide der Glucke und bedürfen in den erſten 12, ſelbſt 24 Stunden ihres Lebens keiner Nahrung. Daß einzelne Eier 12 bis 24 Stunden früher aus⸗ laufen, als andere desſelben Neſtes, kommt bei richtigem Verfahren bei der Eierauswahl nicht leicht vor. Gleichalterige und gleich große Eier Zuchtbetrieb. 129 reifen durch die Bebrütung ziemlich gleichzeitig, vorausgeſetzt, daß der brütenden Henne nur ſoviel Eier untergelegt werden, als ſie gut be⸗ decken und warm halten kann. Sollte nach Erſcheinen einer größeren Zahl Kücken die Brüterin noch ruhig ſitzen bleiben, ſo kann man für die Kleinen etwas klein gehacktes Ei auf den Neſtrand ſtreuen und ſo ſich überzeugen, wie viele lebenskräftige Vögelchen vorhanden ſind; das Locken der Mutter bringt ſie ſämtlich zum Vorſcheine. Sind nur noch ein oder zwei Eier nicht ausgelaufen, ſo nehme man dieſe unter der Henne fort, weil nur ſie es ſind, welche letztere zum Sitzenbleiben veranlaſſen. Man thue dies des Abends, damit die Henne das Neſt nicht verläßt, damit man, nachdem man ſich die Überzeugung verſchafft hat, ob in den Eiern lebende Kücken vorhanden ſind oder tote, im erſteren Falle die Eier der Henne wieder unterlegen kann. Dieſe Überzeugung verſchafft man ſich dadurch, daß man die Eier einzeln in lauwarmes Waſſer legt oder auf einem flachen Siebe oder auch Löffel über heißes Waſſer hält. Bewegt ſich das Ei nach Einwirkung der Hitze, ſo lebt das Kücken, wenn nicht, ſo iſt es tot oder der Eiinhalt faul. In ſolchem Falle das lebende Ei zu öffnen, iſt nicht rätlich, meiſtens mißlingt die Be⸗ freiung; nur wenn nach Verlauf der folgenden Nacht das Kücken noch nicht erſchienen ſein ſollte, kann man zu dieſem Mittel ſchreiten; man entferne die Schale nur da, wo ſie angepickt iſt(vergl. Seite 91). Mit dem Brütverlaufe ſind die Mühen und Leiden der Kücken⸗ aufzucht noch lange nicht erſchöpft, aber auch die Freuden an der munteren Geſellſchaft und deren Entwickelung groß, wenn die Behand⸗ lung des Völkchens eine richtige iſt. Beſchäftigen wir uns vorläufig nicht mit der Aufzucht von Frühbrutkücken; nehmen wir an, das Aus⸗ ſchlüpfen der Kücken habe Mitte Mai ſtattgefunden und heiterer Himmel lächele über dem Hühnerparke. Die Glucke führt die kleine Schar vom Neſte. Erſte Fütterung im Brütraume mit zerkleinertem hart⸗ geſottenem Ei. Die Mutter lockt die Kleinen; ſie legt ihnen mit dem Schnabel einzelne Biſſen vor. Die Vögelchen fangen an zu picken und wohl auch einzelne Biſſen herunterzuſchlucken; aber der Mutter ſagt das köſtliche Futter auch zu und ſie giebt ſich ſelbſt aufs eifrigſte ans Freſſen. Nach einigen Stunden dieſelbe Fütterungsart: die Kücken ſind ins Freie gelockt und freſſen ſchon beſſer, aber die unnatürliche Mutter nicht minder. So kann das nicht weiter gehen. Man ſtülpt der Henne ein oben geſchloſſenes, aus Weidenſtöcken hergeſtelltes Gitter über, zwiſchen denen die Kücken ein⸗ und auslaufen können. Vortrefflich: die Kücken können nun ſelbſt ihr Futter verzehren, der Glucke wird im Gitter Gerſte vorgeworfen und vor demſelben ein Gefäß mit Waſſer hingeſtellt, ſo daß ſie durch das Gitter hindurch ſaufen kann. Den Kücken ſind außerhalb des Gitters flache Schalen mit Waſſer zugänglich. So gehts am erſten und auch am zweiten Tage ganz prächtig. Die Kleinen laufen aus und ein und ſchlüpfen Wärme ſuchend in das Federkleid der Alten. Am dritten Tage fehlt bei der zweiten Tages⸗ fütterung ein Kücken: Es liegt ertrunken im Trinkgefäße der Alten. Pribyl, Geflügelzucht. 4. Auflage. 9 130 Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. Das Waſſergefäß wird durch ein pneumatiſches oder durch eine flache Schale erſetzt. Trotzdem fehlt beim Abendfutter wieder ein Kücken. Eifrigſtes Suchen läßt es nicht auffinden. Man hat die Katze in der Nähe geſehen; die muß es gefreſſen haben, trotzdem ein zwei Meter hohes Gitter den Hühnerpark umgiebt. Und ſo wird es ſein; dieſe Katzen überklettern alles. Nun erſt wird das Richtige ergriffen: Be⸗ freiung der Glucke aus ihrem Gitter, Fütterung der Kücken in dieſem, ſtatt außerhalb desſelben. Von da an ſcheint alles gut zu gehen. Dem Eifutter ſind nach und nach Brotkrumen zugeſetzt worden und klein geſchnittener Salat; man iſt dann zum Verfüttern von eingeweichter, dann von trockener Hirſe übergegangen; Ei aber iſt beibehalten worden. Einige Kücken haben näſſende Ausleerung; der Flaum um den After klebt zuſammen, er wird durch Aufweichen und Abſchneiden entfernt— aber es iſt zu ſpät: ein und das andere dieſer Kücken ſtirbt dahin. Damit aber ſind die Verdrießlichkeiten noch nicht beendet. Reichliche mehlhaltige Nahrung hat der Kücken Wachstum ſehr gefördert; ſie ſind rund und fett, aber nicht mehr ſo beweglich wie früher; einzelne liegen häufig auf dem Bauche— bald können ſie nicht mehr recht laufen, ſie leiden bei Fettleibigkeit an Beinſchwäche; ſie müſſen ſchließlich vor der Zeit der Küche überliefert werden. Dazu können noch andere Krankheiten ſich geſellen, wie Pips und Darre, von Diphtherie gar nicht zu reden. Und ſchließlich holt die Katze, nachdem die Tierchen ſchon befiedert ſind, gerad das kräftigſte der letzten drei noch am Leben befindlichen Kücken. Aus dieſer Darſtellung der Aufzuchtsleiden ergeben ſich für die Aufzucht der Hühnerkücken folgende Lehren: a) Man belaſſe die zuerſt ausgeſchlüpften Kücken der Henne; man beunruhige dieſelbe in keiner Weiſe. b) Man forſche erſt dann nach der Kückenanzahl, wenn anzunehmen iſt, daß, wenn noch Eier vorhanden, dieſe nicht mehr auslaufen. (Unterſuchung der Eier; Entfernung der verdorbenen.) 6) Verläßt die Henne, nachdem die erſten Kücken ſich gezeigt haben, das Neſt binnen 24 Stunden nicht, ſo füttere man die Kücken auf dem Neſtrande. d) Die Henne verläßt das Neſt, ſobald keine Eier mehr vorhanden ſind. Man füttere zuerſt ſie reichlich; darauf füttere man die Kücken im Beiſein der Henne. e) Hat die Henne in einem Korbe gebrütet, deſſen oberer Rand ſo hoch über dem Neſte liegt, daß die Kücken denſelben nicht über⸗ klettern können, ſo muß man die Henne behutſam aus dem Neſte heben und darauf auch die Kücken. f) Man laſſe die Kücken mit der Henne bei ſchlechtem Wetter in einem geſchloſſenen Raume, bei gutem im Freien, aber in ab⸗ geſchloſſenem Laufraume, welcher gegen Regen ſchützende Unter⸗ kunftsgelegenheit bietet, umherlaufen. g) — — — Zuchtbetrieb. 131 Man gewöhne die Kücken in umgittertem Raume, zu welchem die Henne keinen Zutritt hat, gefüttert zu werden. Statt des bereits erwähnten korbartigen Gitters kann man ſich jedes beliebigen Holzkaſtens bedienen, deſſen eine oder zwei Seitenwände durch höchſtens 0,07 m von⸗ einander entfernte Holzſtäbe gebildet ſind, oder des von Ottel konſtruier ten Kückenfütterungs⸗ kaſtens(Fig. 27), oder auch irgend einer ele ganteren und teureren Konſtruktion(Fig. 28). Als Trinkgefäße ver wende man ganzflache Schalen, z. B. Blu⸗ mentopf-Unterſchalen. Man ſorge für gut geſchloſſenen und geſchützten Nachtaufenthalts⸗ raum, in welchem der Boden mit zur Neſtbildung geeignetem Material belegt ſein muß. Die Fütte⸗ rung der Kücken ge⸗ 3 ſchehe häu⸗— fig, in den erſten Tagen mindeſtens alle zwei Stunden; nach einigen Tagen be⸗ ſchränke man das Füttern auf E—„ fünfmal am=—— Tage. Den Fig. 28. Futterhäuschen für Kücken nach Düringen. Kücken größere Futtermengen zu beliebiger Entnahme vorzuſetzen, iſt nicht rätlich, weil ſie entweder zu viel freſſen oder einen Teil des Futters verderben könnten. Trennung der Verabfolgung mehlhaltiger und animaliſcher Nähr⸗ mittel und von Grünzeug ſo, daß bei einer Mahlzeit nur die eine oder die andere Art verabfolgt werde, iſt bei jungen Kücken nicht 9* 1phiſp Fig. 27. Futterkaſten für Kücken nach Ottel. 132 Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. rätlich. Man füge bei jeder Mahlzeit, nachdem die mehlhaltige Koſt verzehrt iſt, etwas animaliſche Koſt bei und darauf Grün⸗ zeug, oder man vermiſche dieſes mit den mehlhaltigen Stoffen. Mit welchen Nahrungsmitteln die Kücken gefüttert werden müſſen, wolle man unter„Ernährung der Kücken“ Seite 91 nachleſen. m) Sobald die Befiederung gebildet iſt, können die Kücken ohne Nach⸗ teil an der Koſt der älteren Hühner teilnehmen. Da ſie aber noch im Wachſen begriffen ſind, bedürfen ſie der zuſätzlichen Nahrung, die zwiſchen den Hauptfutterzeiten gereicht werden muß. Sobald die Kücken ſo alt geworden ſind, daß ſie aufbäumen und von der Henne abgewieſen oder verlaſſen werden, vereinige man, wenn die Lokalität es zuläßt, alle gleichalterigen in demſelben Lauf- und demſelben Nachtaufenthaltsraume, die beide nicht zu⸗ gleich auch älteren Hühnern dienen. Das wird freilich nicht immer ausführbar ſein, iſt aber ſehr zweckmäßig, weil die Kücken, beſonders im Schlafraume, von älteren Hühnern nicht gerad liebenswürdig behandelt werden. Iſt eine ſolche Trennung nicht möglich, ſo ſcheide man wenigſtens die jungen Hähnchen, ſobald man merkt, daß der Begattungstrieb ſich entwickelt, von den weiblichen Kücken und womöglich auch von den älteren Hennen. Denn erſteren iſt die Begattungsausführung in ihrer körperlichen Entwickelung hinderlich, die jungen weiblichen Kücken aber leiden zuweilen unter der Liebe ihrer männlichen Geſchwiſter ſehr. Wer kräftige Zuchtvögel erzüchten will, darf dieſe Trennung nicht unterlaſſen. Dieſe Regeln erſchöpfen das Ganze der Kückenaufzucht noch nicht. Es giebt da noch einiges zu beachten, wenn Schaden abgewendet bleiben ſoll. Dazu iſt zuerſt zu rechnen, daß man vermeide, zwei oder mehrere führende Hennen in demſelben Raume zu laſſen. Entweder bekämpfen ſie ſich, oder ſie beißen unbarmherzig die Kücken der anderen Hennen. Man kann dies meiſtens vermeiden dadurch, daß man die gleichalterigen Kücken mehrerer gleichzeitig brütenden Hennen unter einer vereint. Das beſorgt man in der Weiſe, daß man der zum Führen beſtimmten Henne des Abends die Stiefkücken unterſteckt. Die⸗ ſelben müſſen aber derſelben Hühnerraſſe angehören wie diejenigen der Führerin. Aucch muß man vermeiden, verſchiedenfarbige Kücken derſelben Henne zum Führen anzuvertrauen, alſo auch nicht Eier verſchiedenfarbiger Hühner oder gar Hühnerraſſen unter ein und dieſelbe Brüterin zu legen. Ich habe es geſehen, daß eine Brahmahenne ſchwarze Kücken, welche ſie neben hellfarbigen erbrütet hatte und führen ſollte, biß und ſie nicht in ihrer Nähe duldete. So kann man auch mit den Kücken einer Henne, welche ſchon einige Tage von dieſer geführt ſind, andere Kücken nicht mehr vereinigen, ohne daß dieſe Gefahr liefen, ſtets ab⸗ gebiſſen zu werden. n — ₰½ Zuchtbetrieb. 133 Aufzucht von Frühbrutkücken. Schlüpfen Kücken bereits im März oder gar Mitte Februar ſchon aus, ſo ſind ſie in warm gelegenem, hellem, geſchloſſenem Raume zu halten; trotzdem iſt, ſelbſt wenn der Raum geheizt ſein ſollte, der ſtete Aufenthalt auf dem Fußboden den Kücken nicht zuträglich, da die dicht über dem Fußboden liegende Luftſchicht ſtets die am wenigſten erwärmte iſt. Deshalb iſt es notwendig, die Eingangsöffnung vom Fußboden aus nach oben innerhalb der nach außen ſich öffnenden Thüre ungefähr 0,30 m hoch zugfrei abzuſchließen. Vortrefflich bewährt ſich die Unter⸗ bringung ganz kleiner Kücken auch innerhalb des größeren Aufenthalts⸗ raums in einem Aufzuchtskaſten, deſſen Beſchreibung nebſt erläuternder Zeichnung weiter unten folgt. Iſt die Zahl der Frühbrutkücken eine größere, ſo empfiehlt es ſich, in geſchloſſenem Raume einen Bretterboden an den Wänden, oder beſſer noch mitten im Raume freiliegend, in Bruſthöhe einer davor ſtehenden Perſon anzubringen, dieſen Bretterboden mit einem niedrigen Brettrande zu umgeben und über letzterem durch engmaſchiges Draht⸗ geflecht einzuſchließen, ſo daß eine Art großen Käfigs entſteht, in welchem die Kücken mit der führenden Henne Raum finden. In ſolchem Raume iſt leicht eine mittlere Wärme von ungefähr 16 R., nie mehr, zu erhalten. Damit man die Henne und die Kücken nach Belieben in einen anderen Raum verſetzen oder denſelben an einzelnen Tagen den Aufenthalt im Freien zuwenden kann, ſtelle man in jedem ſolchen Käfig— raume einen transportablen Aufzuchtskaſten auf, in welchem Henne und Kücken übernachten und welcher abgeſchloſſen werden kann. Die führende Henne iſt bei dieſer Aufzuchtsweiſe nicht länger als höchſtens 14 Tage zur Kückenführung erforderlich, kann ſogar, wenn die Heiz⸗ vorrichtung eine gleichmäßige iſt, ſchon früher entfernt werden. Erſatz derſelben durch eine künſtliche Mutter iſt nur dann erforderlich, wenn es nicht möglich ſein ſollte, auch während der Nacht die oben angegebene Wärme zu unterhalten.— Hat eine Truthenne die Kücken erbrütet, ſo iſt ihr Einſetzen in ſolchen, wenn auch großen Aufzuchtskäfig nicht ausführbar. Die Kücken müſſen alsdann ſchon mit der Bruthenne auf dem unteren Fußboden des Aufenthaltsraums belaſſen werden. Für Aufzucht im großen giebt es allerdings ein Mittel, auch den Fußboden des Aufzuchtsraumes zu erwärmen, indem man unter dem⸗ ſelben her Röhren führt, welche entweder durch warme Luft oder durch warmes Waſſer geſpeiſt werden. Ob aber der Erfolg der Aufzucht von Frühbrutkücken ſolche teure Anlagen lohnt, iſt denn doch fraglich. Es müßte ein bedeutender ſchneller Abſatz der erzüchteten Kücken voll⸗ kommen geſichert ſein, wenn unter dieſen Umſtänden ein erheblicher Reingewinn ſich ergeben ſoll.— Aufzuchtkaſten. Viele Geflügelhalter wenden mit Vorteil den Gerard'ſchen oder Jacque'ſchen Aufzuchtkaſten an. Beide beſtehen dem Prinzipe nach 134 Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. in der Abſperrung des Muttertieres von dem Futter⸗ und Tummelplatz der Jungen, denen aber jederzeit der Zugang zu dem Muttertiere gewahrt bleibt, um ſich unter dem warmen Federkleide desſelben zu erwärmen und auszuruhen. Der Zuchtkaſten nach Gerard beſteht aus dem geſchloſſenen Raume für die Mutter, der durch ein Gitterwerk von dem größeren Laufplatze der Jungen geſchieden iſt; die Stangen des Gitters ſind ſoweit voneinander entfernt, daß dieſelben ein bequemes Durchſchlüpfen der Jungen geſtatten. In dem gänzlich geſchloſſenen Laufraume werden die Jungen gefüttert, ſo daß das für ſie beſtimmte Futter nur ihnen allein zukommen kann, während das Muttertier eigenes, für dasſelbe geeignetes Futter erhält. Auf dieſe Art wird nichts den Jungen entzogen, wie dies oft bei den durch das längere Brutgeſchäft ausgehungerten und ermatteten Müttern beobachtet werden kann, wo ſie ſich heißhungrig über die den Jungen beſtimmte Nahrung ſtürzen, ſelbſt auch mit Schnabelhieben dieſelben wegtreiben. Der Laufraum iſt mit einem auf- und abzuklappenden Dache verſehen, ſo daß nach Belieben den Jungen friſche Luft und Sonnenſchein zu⸗ geführt werden kann. Meiſtens ſind in die Dachdeckel Gläſer ein⸗ geſchnitten, ſo daß bei ſchlechtem Wetter genügend Licht eindringt. Der Ort für die Mutter iſt ganz abgeſchloſſen; durch eine bewegliche Klappe kann Futter und Trank gegeben und die nötige Reinigung des Käfigs beſorgt werden. Jacque's Zuchtkaſten unterſcheidet ſich nur unweſentlich von dem oben angeführten; zwei beinahe gleiche Räume dienen der Glucke und den Küchlein zum Aufenthaltsorte. Gitterſtäbe trennen beide Räum⸗ lichkeiten und ermöglichen ein freies Durchgehen der Jungen; in dem geſchloſſenen Raume erhalten die Küchlein das Futter und werden auch bei ſchlechtem Wetter darin eingeſchloſſen gehalten. Bei günſtiger Witterung ſteht denſelben der Austritt ins Freie zu Gebote; deshalb iſt eine der Seiten durch ein zweites Gitterwerk durchbrochen, welches das freie Bewegen der Küchlein nicht hindert. Abends wird durch ein vorgelegtes Brett der Ausgang geſperrt und zugleich dadurch die Temperaturerniedrigung in den kühlen Nächten hintangehalten. Durch früheres oder ſpäteres Offnen der Offnung iſt eine Temperatur⸗ regulierung ermöglicht. Auf die einfachſte Art kann jeder Geflügelhalter eine dem Jacque'ſchen Zuchtkaſten(Fig. 29) gleichende Einrichtung herſtellen. Zu dem Behufe wird eine geräumige Kiſte durch einige Gitterſtäbe in zwei Teile räumlich geteilt, einer für das Muttertier, der andere für die Jungen. Die Hälfte einer Langſeite wird ausgeſchnitten und eben⸗ falls durch einige Stäbe oder Stangen abgeſchloſſen, die den Jungen den freien Durchgang geſtatten. Der Kiſtendeckel kann, mit einem Glasfenſter verſehen, als Klappe dienen, und der Zuchtkaſten iſt ſomit fertig. Der Boden wird mit einer Schicht Sand und Aſche beſtreut und dann die Tiere in den Raum gebracht.. Zuchtbetrieb. 135 Liebhaber errichten den jungen Tieren oft reizende Wohnſtätten aus Glas⸗ und Eiſenkonſtruktion, wie dies z. B. Ottel beſchreibt; doch meiſt wird das Gerard'ſche Prinzip in Anwendung gebracht. ————„.—— Fig. 29. Geflügelzuchtkaſten von Jaque. Die Zuchtkaſten werden unter einen offenen Schuppen geſtellt; in Ermangelung eines ſolchen bilden ein paar Bretter oberhalb desſelben ein proviſoriſches Dach, um ſo den Jungen Schutz vor der Sonne und dem Regen zu gewähren. In der Nacht werden die Offnungen durch Bretter oder Schieber wohl verwahrt, um unberufene Gäſte abzuhalten. 6. Kückenmuſterung behufs Auswahl zu Zuchtzwecken. Möglichſt frühzeitiges Ausmerzen ſolcher Kücken, welche nicht zu der Hoffnung berechtigen, daß ſie zu kräftigen Vögeln auswachſen, liegt ſehr im Vorteile des Züchters. Solche Hühnerkücken, aus denen nichts recht brauchbares werden kann, lange zu füttern, wäre Ver⸗ ſchwendung. Der Züchter, welchen Zweig der Hühnerzucht er auch betreibe, unterwerfe daher ſeine Kücken und Junghühner von Zeit zu Zeit einer gründlichen Muſterung, die ſich am leichteſten und beſten ausführen läßt zur Zeit der Fütterung. Solange die Kücken noch unbefiedert ſind, laſſen ſich körperliche Fehler leichter entdecken, als nach völliger Befiederung. Trotzdem werde, ſobald die Befiederung vollendet iſt, eine zweite Muſterung vorgenommen. ——— 1 136 Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. Von da an finde ſie jeden Monat einmal ſtatt. Für den Züchter reinraſſiger Zuchtvögel handelt es ſich um Reinheit und Vollſtändigkeit der Raſſekennzeichen und um vollkommene Zeichnung und Färbung des Gefieders, die allerdings meiſt erſt in den ſpäteren Stadien voll hervor⸗ treten. Er eliminiere alle Individuen, welche ſich dem richtigen Raſſe⸗ typus nicht entſprechend erweiſen. Für diejenigen Züchter, welche die Erzüchtung von Schlachtgeflügel betreiben, iſt das umgekehrte Verfahren angezeigt: Auswahl der Junghühner, welche beſonders gut entwickelte Raſſekennzeichen nebſt Zeichnung und Färbung haben, und Abſonderung derſelben vom großen Haufen, um ſpäter aus ihnen reinraſſige und gut gezeichnete und gefärbte Zuchtſtämme zuſammenſtellen zu können. 7. Marktfähige Herrichtung der Schlachthühner. a) Winter⸗ und Frühbrutkücken, ſogenannte Hamburger Kücken, werden geſchlachtet und ſauber berupft verſendet. b) Junge Hähnchen bringt man in der Regel lebendig auf den Markt; hat man Gelegenheit, dieſelben an Delikateſſenhändler ab⸗ zuſetzen, ſo empfiehlt es ſich ebenfalls, dieſelben zu ſchlachten und zu berupfen. Der Transport und die Verſendung geſtalten ſich dadurch viel einfacher, als wenn ſie lebend transportiert werden ſollen. c) Körnerfette und gemäſtete Junghühner(Poularden) pflegen geſchlachtet und berupft den Handlungen abgeliefert zu werden. Nur wenn der gemäſtete Körper frei von den bedeckenden Federn zum Verkaufe ausgelegt wird, kann der Käufer beurteilen, ob er ein gut gemäſtetes Huhn vor ſich hat. d) Das Schlachten. In der Regel beſteht die Gewohnheit, den Hühnern, um ſie zu töten, eine oder beide Schlagadern des Halſes durchzuſchneiden und die Tiere ſich verbluten zu laſſen. Geſchieht das Durchſchneiden der Schlagadern mittelſt eines recht ſcharfen Meſſers durch einen ſchnellen Schnitt, ſo iſt es ſchwerlich ſchmerzhaft für das betroffene Huhn. Dieſe Schlachtart hat aber den Nachteil, daß, wenn das geſchlachtete Huhn auf dem Markte feilgeboten werden ſoll, die klaffende Halswunde ſehr entſtellend ausſieht. Man wendet deshalb auch bei Verkaufshühnern eine andere Schlachtmethode an: Mit der ſcharfen Spitze eines zweiſchneidigen Meſſers durchſticht man den Gaumen ſo weit, daß die Spitze ins Gehirn eindringt, und hängt darauf das Tier an den Beinen auf, ſo daß, es den Kopf nach unten, ausbluten kann. Ob der Körper hierdurch genügend blutleer wird, iſt fraglich. Ich glaube, daß trotz des unſchönen Anblicks der Halswunde erſtere Schlachtmethode vorzuziehen iſt. Sofort nach dem Schlachten muß die Halswunde beziehentlich der Rachen aus⸗ gewaſchen werden. Bevor die Hühner geſchlachtet werden, müſſen der Kropf leer und die Eingeweide nicht mehr völlig gefüllt(möglichſt leer) ſein. Das zu ſchlachtende Huhn darf daher in den letzten 24, mindeſtens 12 Stunden Zuchtbetrieb. 137 nichts mehr gefreſſen haben. Soll das Schlachten morgens ſtattfinden, ſo erhält das Huhn am Abend vorher kein Futter mehr, muß alſo, wenn es freien Lauf genießt, vor dem Abendfüttern abgefangen werden. Fängt man es erſt nach dem Abendfüttern, ſo darf es am nächſten Morgen und den folgenden Mittag keine Nahrung erhalten und iſt Nachmittags ſchlachtreif. Bei einzeln eingeſetzten Hühnern läßt man zeitgerecht das Füttern ausfallen. e) Das Berupfen. Sobald das Huhn leblos geworden iſt, muß der Körper, noch bevor er kalt geworden, berupft werden; läßt man ihn vorher erkalten, ſo ziehen ſich die Federn ſchwieriger aus und veranlaſſen Hautabziehungen. Die Haut muß unverletzt bleiben. Deshalb iſt auch darauf zu halten, daß nur wenige Federn zuſammen ausgezogen werden; ergreift man deren einen ganzen Büſchel, ſo iſt Hautverletzung unvermeidlich. Je ſorgfältiger das Ausziehen der Federn ſtattfindet, ſo daß keine Hautverletzungen vorkommen und auch ſämtliche kleinen Flaumfederchen entfernt ſind, deſto anſehnlicher, alſo auch deſto verkäuflicher iſt die Ware. Den Kopf und den oberen Teil des Halſes läßt man unberupft, weil das Federnausziehen aus dieſen Teilen ſehr mühſam iſt, aber auch damit der Käufer beſſer als bei kahlem Kopfe die Raſſe erkennen kann und um die häßliche Schnittwunde am Halſe möglichſt zu verdecken. f) Das Herrichten. Können die berupften Hühner bereits am Tage nach dem Schlachten auf den Markt gebracht werden und iſt mit einiger Sicherheit darauf zu rechnen, daß ſie hier verkauft werden können, ſo iſt ein Ausnehmen der Gedärme nicht erforderlich. Iſt aber auf ſolchen ſchnellen Abſatz nicht zu rechnen oder ſollen die Körper verpackt und verſchickt werden, ſo muß das Ausnehmen ſofort nach dem Schlachten ſtattfinden, kann aber auch erſt nach der Berupfung vor⸗ genommen werden; letzteres iſt das praktiſchere Verfahren. Völlig blutleere und ſorgfältig ausgenommene Körper halten ſich lange in genießbarem Zuſtande; bei nicht ausgenommenen gehen die Gedärme ſchnell in Verweſung über und teilen dem Fleiſche einen abſcheulichen Geruch und Geſchmack mit. Bei nicht ausgenommenen Brüſſeler Pou⸗ larden bin ich in dieſer Beziehung ſchon gründlich hineingefallen. Das Ausnehmen der Eingeweide kann auf zweierlei Weiſe ge⸗ ſchehen, entweder indem man zur Entfernung derſelben den Bauch von der Kloake, d. h. von der Offnung aus, durch welche das Huhn ſeine Exkremente von ſich giebt, ein wenig aufſchneidet, oder indem man die Gedärme ohne Bauchaufſchneiden durch die Kloake herauszieht. Erſteres Verfahren bedarf einer näheren Beſchreibung nicht, bei letzterem ver⸗ fährt man wie folgt: Man fährt mit dem Finger durch die Kloake in den Maſtdarm, zieht dieſen nach außen und durchſchneidet denſelben um den Finger herum, muß dabei aber das Ende des abgeſchnittenen Darmes feſthalten, damit es nicht ins Innere entſchlüpft. Nun zieht man langſam und vorſichtig den Darm nach außen, wonach die übrigen Gedärme allmählich folgen; iſt das Herauskommen der Gedärme ſoweit 138 Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. vollführt, daß nunmehr der Kropf und die Leber folgen müßten, ſo ſchneidet man den Darm ab. Letztere bleiben im Körper. Dieſe Art des Ausnehmens iſt der zuerſt erwähnten vorzuziehen, weil ſie das gute Ausſehen der Ware erhöht und weil bei erſterem Verfahren der Bauchſchnitt zugenäht werden müßte. Um ein Einſinken der Bauch⸗ wand zu verhindern, alſo das Ausſehen in natürlicher Weiſe zu er⸗ halten, führt man zuſammengekniffenes reines Papier in die Bauch⸗ höhle ein. Der Körper wird nun abgewaſchen, abgetrocknet und in diejenige Form gebracht, welche er als Verkaufsware haben ſoll. Entweder wickelt man ihn, die Läufe dicht an den Körper gedrückt, feſt in ein Tuch ein, wodurch er eine längliche, im Querſchnitt runde Form er⸗ hält, wie das bei den Poulardes de Breſſe zu ſein pflegt, oder man giebt ihm ein breites Ausſehen dadurch, daß man die Bruſt eindrückt, die Läufe aber am Körper vermittelſt Bindfadens feſtbindet, bis ſie nach eingetretener Starre dieſe Lage von ſelbſt behalten, wonach die Schnur entfernt wird. Hals und Kopf können entweder in ihrer nafürlichen Lage verbleiben oder werden unter einem Flügel durchgeſteckt. g) Verpacken. Sollen die Körper verſchickt, alſo verpackt werden, ſo geſchieht dies in dichten Holzkaſten, nachdem jeder Körper in einen Bogen reinen Papiers eingeſchlagen worden iſt. Verpackt man in Körbe, ſo haben Schmeißfliegen leichter Zutritt und können durch Eierlegen die ganze Ware verderben. Auch ſind in Körben die Einflüſſe der Luft unvermeidlich, ſo daß die Körper früher verderben, als bei Abſchluß derſelben. 8. Eierverſendung. Bei einem Hühnerzuchtsbetrieb, der mehr Eier erzeugt, als daß dieſelben durch Hintragen auf die Wochenmärkte abgeſetzt werden könnten, wird ſich das Bedürfnis ergeben, größere Mengen von Eiern zu verſenden. Aber auch diejenigen Eier, welche zu Brützwecken abgegeben werden, werden in der Regel verſendet werden müſſen. Bei der erſten Art der Verſendung kommt es nur darauf an, die Eier ſo zu verpacken, daß die Eiſchale unzerbrochen bleibt; bei letzterer auch darauf, daß die Keimfähigkeit erhalten bleibt, daß alſo der Eiinhalt nicht oder möglichſt wenig durch Erſchütterung leidet. Daß in beiden Fällen nur friſche Eier zur Verſendung gelangen, liegt im wohlverſtandenen Intereſſe des Züchters; dasſelbe gilt vom Aus⸗ ſchluß von Eiern mit geſprungener oder zu dünner Schale. Die Konſumeier werden in Fäſſer oder Käſten vermittelſt Stroh, Heu, Seegras, Holzwolle(feine Hobelſpäne) ſchichtenweiſe feſt verpackt, ſo daß ſich die Eier nicht berühren. Es kommt darauf an, ſo zu packen, daß die Eier auch während des Transports nicht aus ihrer Lage kommen können. Häckſel, Spreu und ähnliche durch Rütteln leicht ihre Lage ändernde Materialien ſind nicht verwendbar, es ſei denn, um Zwiſchenräume im anderen Packmaterial auszufüllen. Zuchtbetrieb. 139 Sehr praktiſch erweiſen ſich Kiſten mit Einſatzkaſten aus feſter Holzpappe, deren jeder zur Aufnahme einer Schicht Eier beſtimmt iſt; die einzelnen Kaſten werden durch ein Stück Pappe bedeckt und hierauf der folgende Kaſten aufgeſetzt. In neueſter Zeit hat man dieſe Einſatzkaſten auch in Fächer für je ein Ei geteilt(Fig. 30). Jedes Ei wird durch das Einhüllungs⸗ blatt(2) umhüllt und mit dieſem die Eiſpitze nach unten in ein Fach des Einſatzes(1) geſteckt und dieſer in die Verpackungsſchachtel(4) ein⸗ geſetzt, nachdem der Zwiſchenboden(Zwiſchendeckeh)(3) auf den bereits eingeſetzten Einſatz gelegt worden iſt. Auf den oberſten Einſatz kommt eben⸗ falls ein Zwiſchen⸗ deckel zu liegen, worauf die Schachtel durch den Deckel(4) geſchloſſen wird. Sollten die Eier ſo wenig Querdurch⸗ meſſer haben, daß ſie nach dem Einſetzen loſe ſitzen, ſo kann dem leicht durch Einführen eines Pa⸗ pierſtöpſels in eine oder mehrere Ecken abgeholfen werden. Sind die Eier ſo dick, daß ſie mit der Umhüllung nicht eingeſetzt werden können, ſo ſchneidet man von dieſer ein proportionales Stück Fig. 30. Eierverſendungsſchachtel aus Holzpappe für 60 Eier. ab. Jeder Einſatz enthält 20 Eier, die Schachtel 3 Einſätze, alſo 60 Eier. Dieſe Eierverſendungsſchachtel iſt vorzugsweiſe bei Verſendungen an Private ſehr brauchbar. Eine ſolche Schachtel mit 60 Eiern erreicht nicht ganz das Gewicht eines Poſtpakets(5 kg), 4 leere Schachteln haben zuſammen dasſelbe Gewicht, können alſo ebenfalls als Poſtpacket zurückgeſendet werden. Auch zur Brüteierverſendung eignen ſich ſolche Schachteln, wenn ſie, da wohl nur in ſeltenen Fällen 60 Brüteier an ein und denſelben Geflügelfreund zur Verſendung kommen dürften, für eine geringere Eieranzahl konſtruiert werden. 140 Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. Als Bezugsquelle nenne ich F. Zerred in Neuſtrelitz(Mecklen⸗ burg). Übrigens behalten auch Brüteier, welche in kleineren Kaſten oder Körben in Heu oder Moos oder Seegras feſt verpackt verſendet werden, dann ihre Keimfähigkeit, wenn die Poſt⸗ oder Bahnbeamten, welche den Transport zu beſorgen haben, die Bezeichnung„Brüteier“ beachten und ſolche Behälter aus den Poſtwagen oder Eiſenbahnwagen nicht auf den Boden werfen, wie es mit anderen Paketen nicht eben ſelten zu geſchehen pflegt. Brüteierverſendungsbehälter, welche wieder in größere Behälter eingeſetzt und hier durch Federn in der Schwebe gehalten werden, oder von weichem Packmaterial umgeben ſind, vermehren eher die Transport⸗ erſchütterungen, als daß ſie dieſelben lindern.— 9. Aufbewahrung und Konſervierung der Eier. Bei richtig geleitetem Betriebe können die Eier und dürfen nicht alt werden. Der Ruf des Züchters würde leiden, wenn Konſumenten Eier erhalten würden, die mehr als 8 Tage alt ſind. Auch zur Ver⸗ wendung als Brüteier, ſei es zum Verſenden, ſei es zu Brützwecken im eigenen Betrieb, laſſe man die Eier ein höheres Alter nicht erreichen. Wenn irgend möglich, beſorge man die Verſendung in den erſten Tagen, nachdem die Eier eingeſammelt ſind. Die Aufbewahrung kann ſich alſo beim Züchter nur auf einige, höchſtens auf 8 Tage erſtrecken. Man laſſe ſich flache, niedrige Holzkaſten anfertigen; deren Böden beſtreue man dicht mit Spreu oder Kleie oder auch ganz trockenem Sägemehl von Buchen⸗ holz, das keinen Geruch von ſich giebt(Nadelholz⸗ oder Eichenholz⸗ Sägemehl riecht immer). Darin legt man die an einem Tage geſammelten Eier und ſtellt dieſe Behälter an trockenem, kühlem Orte übereinander oder in einem Schranke mit Fächern auf. In jeden derſelben legt man einen Zettel, auf welchem der Sammeltag vermerkt iſt. Vielleicht praktiſcher iſt es, das Datum mit weißer Kreide auf einer Kaſtenſeite aufzuſchreiben, die wenn möglich ſchwarz zu färben iſt. Bei der Ver⸗ packung behufs Verſendung werden ſelbſtverſtändlich die Behälter, welche das älteſte Datum tragen, zuerſt geleert. Längere Aufbewahrung und Konſervierung der Eier zu Gebrauchszwecken iſt, genau genommen, nicht Sache des Züchters, ſondern derjenigen, welche im Sommer abgelegte Eier für den Konſum während des Winters leidlich friſch erhalten wollen, alſo eigentlich auch nicht Gegenſtand der Lehre in einem die Geflügelzucht behandelnden Buche. Da aber auch Hühnerhalter ein Intereſſe daran haben könnten, billig Spätſommereier zu konſervieren, um ſie im Spätherbſte und während des Winters zu höherem Preiſe abzuſetzen, ſeien hier kurz einige Konſervierungsmethoden beſprochen: Das Ideal der Konſervierung würde die Erhaltung des Eiinhalts in ſolchem Zuſtande ſein, daß es nach Monaten vom friſch gelegten Ei nicht unterſchieden werden kann. Möglich wäre das durch völligen Abſchluß der atmoſphäriſchen Luft Zuchtbetrieb. 141 vom Ei, ſo daß Fäulniserreger nicht durch die Eiſchale eindringen können, und durch Verhinderung der Verdunſtung des Waſſergehalts durch die Schale, aber nur dann vollſtändig, wenn dieſe Verhinderungen ſofort nach dem Abgelegtſein des Eies eintreten. Die luftdichte Ein⸗ hüllung des Eies kann durch verſchiedene Mittel bewirkt werden, aber nur diejenigen ſind brauchbar, welche nicht nur die Luftabſperrung, ſondern auch diejenige der Feuchtigkeit bewirken und geruchlos ſind. Man hat das Beſtreichen der Eiſchale mit Gummi-arabikum⸗Löſung oder Kollodium empfohlen(ich fand eben dieſe Empfehlung auch in einem erſt kürzlich in 3. Auflage erſchienenen, rationelle Geflügelzucht betitelten Buche), aber alle ſolche feucht aufgetragenen Überzüge zeigen nach dem Trocknen Riſſe, ſind alſo nicht luftdicht; nur durch Fettüberzug i*ſt luftdichter Abſchluß erzielbar; Fett darf aber nicht ranzig werden; das iſt nur bei Verwendung von Vaſeline erreichbar. Die Eier werden entweder einzeln mit Vaſeline gut eingerieben(zwiſchen beiden innerhalb mit Vaſeline beſtrichenen Händen) oder in Vaſeline eingebettet. Letztere Methode wäre eine ganz vorzügliche, wenn nicht zu befürchten, daß ſie zu teuer zu ſtehen kommt, obſchon man Vaſeline mehrere Jahre aufbewahren und wiederholt verwenden kann. Aber die Eier müſſen ganz friſch gelegt ſein, wenn ſie ſich nach mehreren Monaten noch voll— kommen gut erweiſen ſollen. Auch dünnflüſſige Mittel können zur Eiererhaltung benutzt werden, wenn ſie nicht geſundheitsſchädlich ſind, nicht faulen und nicht den Eiern Geruch mitteilen. Wegen dieſer letzten Eigenſchaft iſt Spiritus, ſonſt ein vorzüglicher Erhalter animaliſcher Subſtanzen, nicht geeignet, dagegen viel beſſer Kochſalzlöſung, welche allerdings den Eiern ſalzigen Geſchmack giebt; am gebräuchlichſten iſt mangels beſſerem und billigerem Kalkwaſſer, obſchon die in demſelben eingelegten Eier einen widerlichen Geruch und Geſchmack annehmen. Baldamus empfiehlt ſehr das Einlegen in fünfprozentige Salicylſäure während 2 bis 3 Minuten und darauf trocknen laſſen. Solche Eier ſollen ſich nach ſeiner Behauptung monate⸗ lang vorzüglich erhalten. Das auch empfohlene ſchichtweiſe Einlegen der Eier in Salz erhält die Eiſubſtanz geruchlos und genießbar, trocknet aber den Eiinhalt ein, indem das hygroſkopiſche Salz begierig die Ausdünſtung des Eies aufnimmt. Ähnlich verhält ſich gepulverte Holzkohle. Das Einlegen der Eier in Getreidekörner iſt recht brauchbar zu guter Konſervierung wegen der Gleichmäßigkeit kühler Temperatur. Es erhält die Eier aber kaum viel länger brauchbar, als wenn dieſe in einer gut geſchloſſenen Stube, in welcher die Temperatur eine gleich⸗ mäßig niedrige iſt und in welche die atmoſphäriſche Feuchtigkeit nur mäßig eindringen kann, aufbewahrt werden.— 10. Verſendung lebender Hühner. Bei Verſendung lebender Hühner iſt vor allem zu beachten, daß der Behälter, in welchem die Verſendung ſtattfindet, den in demſelben 142 Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. untergebrachten Vögeln genügende Luftzufuhr geſtattet. Deshalb ver⸗ wendet man am zweckmäßigſten Körbe, deren Wände aus Holz⸗ oder Weidenſtäben beſtehen, mit Deckel aus demſelben Material. Der Boden wird am beſten aus Weidengeflecht gebildet. Der innere Raum ſei ſo groß, daß die Hühner bequem nebeneinander ſtehen oder ſich ſetzen können; die Höhe ſei ſo groß, daß den Eingeſperrten das Stehen in aufgerichteter Stellung möglich iſt. Mehr als 5 bis 6 große, 10 kleinere Hühner ſetze man nicht in einen Korb zuſammen. Den Boden belege man ziemlich dicht mit Wirrſtroh. Soll die Verſendung bei kühler oder kalter Witterung ſtattfinden, ſo umhüllt man die Korbwand mit ziemlich loſe gewebter Packleinwand, laſſe aber den Deckel unbedeckt. Will man, wenn der Transport auf offenem Wagen vor ſich gehen muß, den Deckel ebenfalls mit Packleinwand bedecken, ſo muß die Wand⸗ umhüllung längs dem oberen Korbrande eine Hand breit fortfallen, damit genügend friſche Luft in den Korb eindringen kann. Es iſt auch deshalb rätlich, den Behälter nicht ganz zu umhüllen, damit die mit dem Transport Betrauten die Hühner ſehen und ſich für ihr Wohlergehn intereſſieren können. Bei Transporten, welche nicht länger als 48 Stunden dauern, gebe man kein Futter mit. Aus ihren Gewohnheiten herausgeriſſene und eingeſperrte Hühner freſſen in der Regel nicht, wenn ſie auch Futter haben. Selbſt 36 Stunden lang können ſie, ohne Schaden zu nehmen, faſten. Waſſer mitzugeben, iſt vom Übel, weil es meiſtens, auch wenn der Waſſerbehälter an den Wänden befeſtigt iſt, durch die Handhabung der Körbe verſchüttet wird und die Lagerunterlage durchnäßt. Ehe man die Hühner in den Transportbehälter einſetzt, füttere man ſie reichlich mit Fruchtkörnern und beobachte, daß ſie dazu auch Waſſer zu ſich nehmen; aber man thue darin nicht zu viel, nur um weniges darf man die gewohnte Ration verſtärken. Giebt man den Hühnern mehr zu freſſen, ſo riskiert man, daß einzelne ſich überfreſſen. Ich bekam bei einer Sendung von Laflechehühnern aus Frankreich unter anderen einen jungen prachtvollen Hahn, der kurze Zeit nach ſeiner Ankunft einging, weil er ſich vor der Abſendung den Kropf ſo voll Buchweizen gefreſſen hatte, daß dieſer bei der Ankunft noch ganz voll war und ganz hart ſich anfühlte. Alle meine Vornahmen zur Ent⸗ leerung des harten Kropfes waren vergebens: der Prachtkerl ſtarb. Soll die Reiſe länger als 36 Stunden dauern, ſo müſſen geeignete Abmachungen mit den Transportbehörden getroffen werden, daß die Tiere an einzelnen Stationen Futter und Waſſer erhalten. Am beſten eignet ſich in Waſſer eingeweichtes, dann aber ausgedrücktes Brot. Die Verabreichung von Waſſer iſt in dieſem Falle unnötig, ſelbſt ſchädlich. Auch ganz junge Kücken kann man ziemlich weithin verſenden. Die Brütanſtalt von Rouillet-Arnoult und Arnoult in Gambais bei Houdan verſendet 48 Stunden alte Kücken. Ich habe ſelbſt dorther welche bezogen, welche wohlbehalten in Trier eintrafen. Sie verwendet einen kleinen Holzkaſten, deſſen eine Seite eine Schiebethüre hat, welche Perlhuhn. 143 aus einem Holzrahmen mit ſehr engmaſchigem, feinem Drahtgitter beſteht und ſich auf- und abſchieben läßt. Im Innern liegt in der halben Höhe auch ein Holzrahmen, an dem ein Stück Flanell ſo aufgeſpannt iſt, daß es nach unten loſe bauchig herabhängt und dadurch eine weiche nachgebende Decke bildet, unter welche die Kücken, um ſich zu erwärmen, unterſchlüpfen können. Der Kaſten ſteht ſo in einem zweiten oben offenen, daß die Kücken, wenn man den Schieber hebt, in einen kleinen Vor⸗ oder Lauf⸗ und Futter⸗Raum gelangen können. Selbſtverſtändlich darf ſolcher Kückentransportkaſten weder geworfen, noch ſchief aufgeſtellt oder gar umgekehrt werden. B. Das Perlhuhn. Das Perlhuhn wird in Deutſchland meiſtens als Ziergeflügel be⸗ trachtet und deshalb nur ſelten gehalten, während man in Frankreich und, wie es nach folgendem ſcheint, auch in einigen Teilen Oſterreich⸗ Ungarns die nützlichen Eigenſchaften dieſes eigentümlichen Huhns beſſer zu würdigen verſteht. In Wien gelten junge Perlhühner als ein be— ſonderer Leckerbiſſen; alljährlich kommen hier einige Tauſend auf den Markt und es herrſcht ſtets Nachfrage nach dieſen„delikaten Braten“. In der That iſt das Fleiſch ganz junger Perlhühner bei weitem dem⸗ jenigen junger Haushuhnhähnchen vorzuziehen, indem ſein Geſchmack demjenigen junger Rebhühner ſehr nahe ſteht; dasjenige älterer, vier bis ſechs Monate alter Perlhühner hat einen ſehr angenehmen Wild⸗ geſchmack, welcher an den des Faſans erinnert. Das Perlhuhn ver⸗ mag deshalb nach Schluß der Jagd einen wertvollen Erſatz der alsdann auf den Märkten fehlenden Rebhühner und Faſanen zu liefern. In Frankreich fehlt daher das Perlhuhn faſt nie auf einem größeren Geflügelhofe. Die Vorzüglichkeit des Fleiſches junger Perlhühner bildet aber nicht den alleinigen wirtſchaftlichen Wert dieſes Vogels. Seine Eier haben einen ſehr hervorragenden guten Geſchmack, welcher den der Haushühnereier weit übertrifft und kaum demjenigen der Möwen⸗ und Kiebitzeier nachſteht. Die Eier ſind allerdings klein; ſie wiegen durchſchnittlich 45 g. Die Henne, welche bei uns nicht vor April mit dem Legen beginnt, produziert den Sommer über, wenn man ihr die Eier öfter bis auf 1 fortnimmt, bis zu 100 Stück. Sie brütet auch gut und führt die Kücken zur Zufriedenheit. Das ſind Eigenſchaften, welche davon abſehen laſſen, daß dieſe Hühner einige unbequeme Eigenſchaften haben. Sie bedürfen ihres un⸗ ſteten Weſens wegen eines großen Laufraums, ſie haben nicht gerad eine angenehme Stimme, die der Hahn ſowie die Henne laut und häufig ertönen laſſen, erſterer mit tſchetereck, tſchetereck⸗reck, eck, eck, letztere mit klock acht, klock acht! In Gärten richten ſie großen Schaden an, da ſie auf Grünfutter ſehr verſeſſen ſind. Mit anderem Geflügel, beſonders mit Truthühnern, leben ſie nicht immer in gutem Einver⸗ 144 Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. nehmen; ihren Nachtaufenthalt mit dem anderen Geflügels teilen zu laſſen, iſt nicht rätlich. Sie bedürfen noch mehr Schutz gegen naſſe Winde und Regen und Schnee, als irgend eine andere Geflügelart. Die Kücken ſind ſehr weichlich und bedürfen ganz beſonders guter Auf⸗ ſicht und Pflege; am beſten gedeihen ſie, wenn Truthennen ſie erbrüten und führen. Alle dieſe Nachteile aber ſind mit einiger Umſicht unſchädlich zu machen und unſchwer zu tragen, wenn man die beſprochenen nützlichen Seiten der Perlhühnerzucht in Erwägung zieht. Dieſe Zucht kann für Verhältniſſe, wie ſie auf Gutshöfen ſtattzufinden pflegen, nur empfohlen werden, wenn die Eier⸗ und Fleiſchproduktion bei dieſen Vögeln mög⸗ lichſt ausgebeutet wird. Wenn die Perlhühner es auch lieben, recht hoch ſitzend zu nächtigen, unter anderem auf Bäumen, ſo gewöhnen ſie ſich doch unſchwer an einen beſtimmten geräumigen, hellen, mit ſtarken Sitzſtangen verſehenen Stall⸗ raum. Die Hennen zu gewöhnen, hier auch ihre Eier abzulegen, iſt ſehr ſchwierig; meiſtens ſuchen ſie als Niſtorte verſteckte Plätze außer⸗ halb des Stalles auf. Hier wollen ſie auch brüten, was des Raub⸗ zeugs wegen in der Regel nicht angänglich iſt. Von Truthennenbenutzung als Brüterinnen auf Perlhuhneiern war oben ſchon die Rede. Das Perlhuhn nährt ſich, wie unſer Haushuhn, von Früchten, Kräutern, Würmern und Inſekten. Seine Fütterung beſteht alſo aus denſelben Nährſtoffen, welche unſeren Haushühnern gereicht zu werden pflegen; nur ſorge man für noch mehr Grünfutter als bei dieſen. Auch die Ernährung der Kücken weicht von der für Haushuhnkücken angegebenen nicht ab. Kann den Perlhühnern der Auslauf ins freie Feld geſtattet werden, ſo ſchweifen ſie weit umher, kommen aber ſicher gegen Abend zurück. Sie ernähren ſich dabei ſelbſtändig. Es iſt jedoch zweckmäßig, abends etwas Körnerfrucht zu reichen, beſonders während der Eierlegeperiode. Das Perlhuhn lebt in der Freiheit wahrſcheinlich monogamiſch. Unſer Perlhuhnhahn begattet nichtsdeſtoweniger auch mehrere ihm beigegebene Hennen. Man kann ihm bis zu 10 Hennen zugeſellen. Sollen die Eier jedoch zu Brützwecken verwendet werden, ſo iſt es vorſichtig, dieſe Hennenanzahl zu verringern. Die Brützeit dauert 25 bis 26 Tage.. Die ganz jungen Kücken ſind braun mit gelben Streifen und Punkten auf dem Rücken; die Unterſeite iſt weiß; Schnabel und Läufe ſind rot. Sie ähneln alſo den Rebhuhnkücken. Die erſten Federn ſind braun, fuchsrot und gelbrot gerändert. Viel Wärme und Schutz vor Feuchtigkeit iſt zum Gedeihen der Kücken unbedingt nötig, bis ſie zwei Monate alt ſind. Deshalb laſſe man nicht früher brüten, als daß die Kücken früheſtens Mitte Mai auslaufen. Gegen Ende des zweiten Lebensmonats ſproſſen die Federn hervor; etwas ſpäter beginnen die häutigen Auswüchſe am Kopfe und die Bartlappen ſich zu zeigen. Dieſe Perlhuhn. 145 Vorgänge greifen die Kücken etwas an, und es iſt daher geraten, gerad in dieſer Zeit recht vorſichtige Behandlung eintreten zu laſſen. Iſt dieſe Kriſis glücklich überſtanden, ſo ſind die Kücken ziemlich wetterfeſt. „Unter den Hühnervögeln iſt das Perlhuhn“(Fig. 31), ſchreibt E. Sabel, ¹)„eine durch Geſtalt, Befiederung und Färbung, Haltung und Benehmen unterſchiedene hervorragende hübſche Erſcheinung. Es hat die Größe eines 3 großen Haushuhns,„ die Körperform und W Haltung des Reb⸗“ huhns, wobei die 12 3 vom Halsanſatze bis zum abwärts gerich⸗ teten Schwanze in gefälligem Bogen gewölbte Rückenlinie und die Lockerheit des weichen und reichlichen Gefieders charakteriſtiſch her⸗ vortreten, dagegen mit dem Truthuhne die Nacktheit des Kopfes und des oberen Halſes und N das Vorhandenſein häutiger Auswüchſe an dieſem gemein. Es giebt verſchiedene Arten, die ſich durch—=—— Federbuſch, Holle,— Krauſe oder Haut⸗—— auswüchſe am Kopfe unterſcheiden. Bei Fig. 31. Das Perlhuhn. allen iſt der Körper kräftig, die Flügel ſind kurz, der Schwanz mittellang, die Schwanzdeck⸗ federn verlängert, die Beine mittelhoch, kurzzehig und meiſtens nicht beſpornt. Die Färbung des Gefieders zeigt auf dunklem Grunde leichte Perlfleckung und iſt bei beiden Geſchlechtern gleich.“ „Des Perlhuhns Lebensgewohnheiten ſtimmen in den meiſten Beziehungen mit denen des Rebhuhns überein. Nachdem die Jungen herangewachſen ſind, bildet es Ketten(Geſperre, Völker). Zerſtreute ¹) Naturgeſchichte und Anweiſung zur Züchtung von Perlhuhn, Trut⸗ huhn und Pfau von E. Sabel, Oberſtlieutenant a. D., Leipzig. Expedition der Geflügelbörſe. Pribyl, Geflügelzucht. 4. Auflage. 10 146 Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. Völker ruft der Hahn durch Locken wieder zuſammen, wie es der Reb⸗ huhnhahn thut. Dagegen teilt es mit dem Truthuhne die Gewohnheit des Aufbäumens auf Bäume oder unzugängliche Felsgrade, um zu nächtigen.“ Des Perlhuhns Heimat iſt Afrika, beſonders der weſtliche, aber auch der öſtliche und ſüdöſtliche Teil dieſes Erdteils. Unſer gemeines Perlhuhn ſtammt aus dem nördlichen Weſtafrika. Seiner Verbreitung von hier aus nach Europa und Amerika iſt bereits unter„Geſchicht⸗ liches“ auf den Seiten 6 und 8 gedacht. Das gemeine Perlhuhn hat nach Brehm Nacken und Ober⸗ bruſt lilafarbig, Rücken und Bürzel auf grauem Grunde mit kleinen, weißen, dunkel umrandeten Perlflecken beſetzt, die auf den Oberflügel⸗ deckfedern größer werden, teilweiſe auch zuſammenfließen und ſich auf den Außenfahnen der Armſchwingen in ſchmale Querbänder umwandeln; die Schwingen bräunlich, weiß gebändert außen, innen unregelmäßig getupft; die roten Lappen breit und lang. Das Auge iſt dunkelbraun, die Wangengegend bläulich-weiß, der Helm hornfarbig, der Schnabel rötlich⸗gelb, die wachshautartige Wulſt am Schnabelgrunde rot, der Fuß ſchmutzig-ſchiefergrau, oberhalb der Einlenkung der Zehen fleiſch⸗ farbig. Der Kopf iſt mit einigen langen ſchwarzen Haaren geſchmückt. Der Hahn hat häufig einen mehr roten, die Henne einen mehr blauen Bartlappen. Es kommen außer der gewöhnlichen grauen Färbung ſowohl bei den wilden als bei den domeſtizierten Arten noch folgende vor: blaugrau, bräunlich mit und ohne Zeichnung, hellgrau mit verſchiedener Zeichnung, die bald mehr geperlt, bald mehr getupft iſt, endlich rein weiß, wobei die Perlzeichnung durch glänzendes Weiß erſetzt iſt. Außer dieſem allgemein verbreiteten gemeinen Perlhuhn iſt noch das Haubenperlhuhn, von den Bewohnern Sanſibars Khanga genannt, als bereits domeſtiziert bekannt. Es trägt eine ſammetſchwarze Federnhaube. Sein Gefieder iſt blauſchwarz mit ſehr kleinen helleren Flecken überſät; auf den Flügeln zeigt ſich ein deutlicher weißer Spiegel; es hat keine Kehllappen; die nackten Teile des Kopfes und des Vorder⸗ halſes ſind lackrot, der faltige Hinterhals dunkelgrau⸗violett, der Schnabel horngelb, der Fuß dunkelgrau, faſt ſchwarz. Brehm erwähnt noch als beſonders hervorragende Arten des Pinſelperlhuhns, welches Nordoſtafrika, und des Geierperlhuhns, welches das ſüdliche Oſtafrika bewohnt. Demſelben fehlt der Helm und die Befiederung des Kopfes; der Schwanz iſt lang, die Läufe bedeutend länger als bei den übrigen Arten; der Hals iſt mit einzelnen, langen, ſchwarzen Haaren beſetzt; die Federn des Unterhalſes ſind lanzettförmig und ſchön gezeichnet.„Das Geierperlhuhn“, ſagt Brehm,„unterſcheidet ſich... ſehr zu ſeinem Vorteile von den übrigen: Es trägt ſich zier⸗ licher, erſcheint ſchlanker, weil es den Kopf erhebt, und nimmt ſelten die eckige Geſtalt an, welche ſeine Familienverwandten kennzeichnet. . Gerade das Geierperlhuhn würde unſeren Hühnerhöfen zur größten Truthuhn. 147 Zierde gereichen.“ Bis jetzt iſt dieſe Art nur in zoologiſchen Gärten anzutreffen. Das Geſchlecht iſt bei den Perlhühnern kaum zu unterſcheiden, und all die Kennzeichen, welche von den Autoren angegeben werden, haben meiſt nur relativen Wert. Am ſicherſten können Hennen und Hähne durch ihren Ruf unterſchieden werden. Mit Erfolg verwendet man die Perlhühner zu Kreuzungen mit Haushühnern, Truthühnern und Pfauen, allein die Nachkommen haben ſich als unfruchtbar erwieſen. C. Das Truthuhn wurde im Mittelalter ſehr oft mit dem Perlhuhne verwechſelt, und ſo erklären ſich die Berichte der mittelalterlichen Schriftſteller, die dasſelbe als eine bekannte Art anführen. Die erſten authentiſchen Nachrichten über dieſen Bewohner der neuentdeckten Welt dürften in Gonzalo Hermandez de Oviedo's Werk, das 1525 erſchien, enthalten ſein. Er beſchreibt darin eine Art Pfauen, die von den Mexikanern dome⸗ ſtiziert wurden und viel ſchmackhafteres Fleiſch boten, als die in Kaſtilien gezogenen. Wahrſcheinlich kamen zu dieſer Zeit die erſten Exemplare nach Europa, die bald die weiteſte Verbreitung fanden. Im Anfange wurden dieſe Rieſenvögel mit einer Art Scheu betrachtet. Über die Zeit ihrer Einführung in die verſchiedenen Länder Europas iſt unter Geſchichte der Geflügelzucht Seite 9 Näheres bereits gegeben. Mannigfach ſind die Namen, unter welchen dieſe neue Errungenſchaft der Entdeckung Amerikas ihre Verbreitung fand: Kalikutiſcher, indiſcher, wälſcher, türkiſcher Hahn, Puter, Truthahn im Deutſchen, Dindon, Coq d'’Inde im Franzöſiſchen, Turkey im Engliſchen; dieſe Namen deuten alle auf den orientaliſchen Urſprung, der ſich dadurch erklären läßt, daß die erſten Exemplare aus dem Süden, von Häfen der damals meergebietenden Staaten kamen, und daß man die Gewohnheit hatte, alles Neue, Unbekannte dem Oriente zuzuſchreiben. Die Nachrichten über das Vorkommen des Truthuhns im Norden Amerikas datieren aus ſpäterer Zeit; ſo fand man es erſt 1564 in Virginen; ſpäterhin fanden Forſcher und Reiſende ungeheuere Herden in Pennſylvanien und in den unbekannten Ländern weſtlich von Vir⸗ ginen. Auch ſpäterhin waren die Staaten Nordamerikas reich an wilden Truthühnern, bis in neuerer Zeit der fortſchreitende Ackerbau und die fortgeſetzte Lichtung der Wälder das Stammgeſchlecht der zahmen Truthühner immer weiter nach Weſten drängte, ſo daß ſich in den Wäldern vieler Staaten Nordamerikas oder Kanadas keine Truthühner mehr finden. Die Art des gemeinen wilden Truthuhnes ſcheint noch eine Unterabteilung zu haben, wie wenigſtens von manchen Forſchern angenommen wird, indem die erſtere nur im Norden, letztere haupt⸗ ſächlich in Mexiko und den angrenzenden Ländern ihren Verbreitungs⸗ 10* 148 Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. bezirk hat. Verſchieden von dieſer Art iſt das durch prachtvolles Ge⸗ fieder ausgezeichnete Pfauentruthuhn, auch Hondurastruthuhn genannt, welches in Centralamerika und Yukatan vorkommt. Das Leben der Wildputer wurde öfter in meiſterhafter Art be⸗ ſchrieben: von Audubon, Wilſon, Prinz von Wied, Allen ec., ſo daß die Einzelheiten des Lebens dieſes Lieblingjagdvogels ziemlich bekannt ſind. Die Jagd auf denſelben vertritt die bei uns übliche Auerhahnbalz, die des Aufregenden genügend bietet. „Das Truthuhn iſt ein Standvogel, der im Herbſte ſich in größeren Trupps zuſammenfindet und dann oft Herden von 60— 100 Stück bildet. Der Nahrung nachgehend, durchſtreifen ſie den Wald und die einzelnen Blößen, bis ein Fluß ihrer Wanderung ein Ziel ſetzt, welcher immer erſt nach längerer Beratung überſetzt wird, und wo häufig die jüngeren, als rüſtige Schwimmer, ſich zu helfen wiſſen, wenn die Flug⸗ kraft nicht ausreicht. Im Winter vermiſchen ſie ſich häufig mit dem zahmen Geflügel der Farmer, wenn der Hunger ſie in die Nähe menſchlicher Wohnungen treibt, und übernachten ſogar in den Ställen. Die Balzzeit beginnt Ende Februar, die Hennen trennen ſich von den Hähnen, es erfolgen erbitterte Kämpfe zwiſchen den einzelnen Hähnen, die häufig mit dem Tode des Nebenbuhlers enden. Mitte April be⸗ ginnt die Henne den einfachen Neſtbau; das Neſt wird an einer trockenen, ſehr verſteckten Stelle angelegt, da der Hahn die Henne nicht brüten läßt und die Eier zerſtört. Die Henne brütet mit großem Eifer und bedeckt, wenn ſie das Neſt verlaſſen muß, ſorgſam die Eier mit trockenen Blättern, ſo daß es ſchwer iſt, dasſelbe zu entdecken.“ Die gelbbraun gefleckten Eier ähneln denen der zahmen Puter, nur haben letztere mehr eine rötliche Färbung. Die Henne legt zwiſchen 15 bis 18 Eier, meiſt einen Tag um den andern, und beginnt mit der Bebrütung, ſobald die angegebene Zahl erreicht iſt. Selten kommt eine zweite Brut zu ſtande, gewöhnlich nur, wenn die erſte verunglückt iſt. Auch daß mehrere Hennen gemeinſchaftlich in ein Neſt ihre Eier legen und bebrüten, wurde von Audubon beobachtet. Er fand einſt ein Neſt mit 42 Eiern, worin drei Hennen brüteten, und immer blieb eine als Wächterin beim Neſte zurück. Die ausgeſchlüpften Jungen können bald fliegen und bäumen dann jede Nacht auf, wo ſie unter den ſchützenden Flügeln der Mutter die Nacht zubringen. Im Auguſt ſind ſie ſchon ſo weit gediehen, daß ſie in die höchſten Bäume flüchten können. Die Nahrung der ge⸗ fräßigen, raſch wachſenden Jungen bilden Beeren, Inſekten, Würmer, beſonders Heuſchreckenarten; die Alten nehmen alle im Walde vor⸗ kommenden Beeren und Früchte, Blätter, Sproſſen, Gräſer und alles Inſektenvolk, ſelbſt Lurche als Nahrung auf, erreichen dabei ein ſehr hohes Fleiſchgewicht und ſind namentlich im Herbſte ſehr fett. Der nördliche Schlag iſt ſchwerer als der mexikaniſche; bei erſterem ſollen die Hähne ein Gewicht von 30 kg erlangen, bei letzterem 9—10, ſehr ſtarke 14 kg ſchwer werden; die Hennen ſind bedeutend leichter. Truthuhn. 149 Das Gefieder des Wildtruthahns iſt nach Brehm auf der Ober⸗ ſeite bräunlich⸗gelb, bronzefarbig, prachtvoll metalliſch glänzend, jede Feder ſammetſchwarz geſäumt, auf den Unterrücken- und Schwanz⸗ deckfedern tief nußbraun, grün und ſchwarz gebändert, auf der Bruſt gelblich-braun; die Schenkel ſind bräunlich-grau, am Hinterteile mehr ſchwärzlich, die Handſchwingen grauweiß; die Steuerfedern auf gleich⸗ farbigem Grunde ſchwarz gewellt und fein geſprenkelt, die nackten Kopf⸗ und Halsteile himmelblau, unter dem Auge ultramarinblau, die zahlreichen Warzen lackrot. Von dem Oberſchnabelende hängt Fig. 32. Das Truthuhn. eine zapfenförmige, ausdehnbare Fleiſchklunker, von der Gurgel eine ſchlaffe Haut herab. Der Schnabel iſt kurz, kräftig und gebogen, der Fuß hoch und langzehig, blaß fleiſchfarbig bis ſchwarz. An der Vorderbruſt hängen einzelne borſtenartig gebildete Federn wie eine Quaſte herab. Der Schwanz beſteht aus 18 aufrichtbaren, breiten Federn. Die Henne gleicht dem Hahne, nur ſind die Farben nicht ſo prächtig glänzend und ſtatt der ſchwarzen Federſäume treten hellere, meiſt lederfarbige Schattierungen an deren Stelle. Die Fleiſchklunker an dem Schnabelende fehlt. Die in Europa von dieſem wilden Truthuhne abſtammenden Puter(Fig. 32) haben zum größten Teil ihr Gefieder ſtark verändert; 150 Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. es iſt eine bekannte Thatſache, daß von den Wildputern abſtammende Zuchten meiſt ſchon in der dritten Generation weiße Federn ſtatt der ſchönen bronzefarbigen erhalten, die ſchließlich das ganze Gefieder in jenes grauweiße, braungeſprenkelte oder grauſchwarze, hie und da braune Gefieder umgeſtalten; auch ganz weiße und ſchwarze Varietäten kommen vor. Am eigentümlichſten iſt das Gefieder der in den Grafſchaften Norfolk und Cambridge gezüchteten Truthühner; das der erſteren iſt ſchwarz mit einigen weißen Flecken an den Flügeln, das der letzteren bronzegrau. Die Füße ſind länger, dickknochiger und das erzielte Fleiſchgewicht der Tiere ein bedeutendes(25 kg wurden bei Hähnen erreicht). Die weiße Varietät, die beſonders im ſüdlichen Frankreich der Federn wegen gezüchtet wird, liefert in großer Menge die falſchen Marabutfedern, zu denen der feine Flaum zwiſchen den Schenkeln und vom Bauche verwendet wird. Die Hähne werden zweimal jährlich gerupft und der Erlös beträgt 15—32 Franks per Stück. Das große Fleiſchgewicht der Tiere hat von jeher zur Zucht der Truthühner angeeifert, und mit größtem Erfolge haben ſich ſeit der Einführung derſelben die wärmeren Gegenden Europas mit der Züchtung dieſer dankbaren Vögel befaßt(vergleiche Seite 9). In den nördlichen Gegenden iſt die Zucht weniger ſicher, da die Jungen in den erſten Lebensmonaten ziemlich empfindlich ſind. Kälte, Näſſe und Feuchtigkeit, ſowie allzu große Sonnenhitze ſind denſelben abſolut ſchädlich. In Frankreich und ſüdlichem Deutſchland werden zur Fortzucht völlig erwachſene Tiere verwendet, die Hähne im dritten, die Hennen im zweiten Lebensjahre; 1 Hahn genügt für 4 bis höchſtens 6 Hennen; in einzelnen Gegenden wird dieſe Zahl auf 10—12 Stück gebracht, was aber zuviel ſcheint, da die Eier nicht vollzählig befruchtet werden. In einigen Teilen Frankreichs und Englands halten die kleinen Züchter keinen Hahn; ſie entlehnen einen ſolchen von anderen gegen Entgelt für die Befruchtung ihrer Hennen. Die Legezeit beginnt bei uns Ende Februar oder Anfang März. Die Henne legt ſelten mehr als 20— 25 wohlſchmeckende, an einem Ende halbkreisförmig abgerundete, am anderen ſtark zugeſpitzte, gelblich— graue, rotpunktierte Eier. Dieſelbe hat von ihren Stammeltern die Gewohnheit behalten, ihr Neſt verborgen anzulegen. Ofters legen die Truthennen ihre Eier im Freien, verborgen in einem Buſche, und kehren erſt mit der Schar der Jungen in den Hof zurück. Doch gelingt es leicht, die Hennen zum Legen und Brüten in den für ſie beſtimmten Räumen zu gewöhnen, wenn man ihnen mit Stroh verſehene Körbe bietet, welche verſteckt hinter und zwiſchen Reiſig⸗ oder Strohbündeln ſtehen. Die Truthennen gehören, wie ſchon früher erwähnt, zu den beſten und aufopferungsfähigſten Brüterinnen, und ſehr oft wird dieſer Bruttrieb auch zum Ausbrüten anderer Eier mit beſten Erfolge benutzt. So ausdauernd die Hennen ſich dem Brutgeſchäfte widmen, ſo iſt doch vor allem nötig, für Ruhe und Ungeſtörtheit der Brüterinnen zu ſorgen. Fremde Perſonen, Tiere, kurz jede Beunruhigung ſind von dem Brüt⸗ Truthuhn. 151 raume entfernt zu halten. Von gutem Erfolge iſt es, jeder Brüterin einen eigenen Zugang zum Neſte zu ſchaffen, da die brüteifrigen Vögel nicht ſelten in das erſte beſte Neſt mit Eiern ſich ſetzen und in dem heftigen, erbitterten Kampfe mit der wiederkehrenden wirklichen Mutter oft das ganze Gelege Feriläe wird. Es iſt ſehr zweckmäßig, jede brütende Truthenne dies Geſchäft in einem im Freien ſtehenden, wie eine Hundehütte geformten Hauschen beſorgen zu laſſen, das ſelbſt⸗ verſtändlich des Abends durch ein ſchützendes Gitter verſchloſſen werden muß. Es empfiehlt ſich, jedem Gelege am 6. oder 7. Tage der Be⸗ brütung einige friſche Hühnereier beizufügen, damit die dann zugleich ausſchlüpfenden Hühnchen den unbehilflichen Putchen mit gutem Beiſpiele beim Freſſen vorangehen. Die Brützeit der Truthühner dauert nämlich 27 bis 29 Tage. Eine Truthenne kann 15 ihrer Eier, 20 bis 25 Eier des Haushuhns bedecken. Häufig machen die Truthennen im Juli und Auguſt ein zweites Gelege. Dieſe Eier laſſe man ausbrüten. Die Kücken ſind in der zweiten Hälfte des September und der erſten des Oktober nicht ſchwieriger zu erzüchten, als im Frühſommer, und liefern als Schlacht⸗ geflügel um die Weihnachtszeit ſehr geſuchte 3 bis 4 Monate alte gemäſtete Junghühner. Das Aufbringen der ausgeſchlüpften Jungen iſt der mühevollſte Abſchnitt der ganzen Zucht, was auch vielfach der allgemeineren Ver⸗ breitung hinderlich iſt; viel Arbeit und Mühe erfordert es, bis ein Truthuhn über die erſten prekären Wochen hinüber gebracht iſt. Die ausgeſchlüpften, unter der Mutter getrockneten Jungen verlangen bei Frühbruten einen warmen, wohl temperierten Raum(200° C.) und ſind in der erſten Zeit ſchwer an das Freſſen zu gewöhnen. In dieſem Falle leiſten die mitausgeſchlüpften Hühnekücken gute Dienſte, indem, ihrem Beiſpiele folgend, die jungen Putchen auch zu freſſen beginnen. Die erſte Nahrung beſteht aus Inſektenlarven, Ameiſenpuppen, Maden, klein⸗ gewiegtem Fleiſche, Mehlwürmern und zerhackten Regenwürmern. Erſatz dafür bietet Eierkäſe undd gut ausgedrückter friſcher weißer Käſe. Klein zerſchnittenes Grünfutter, am beſten Salat, darf nicht fehlen. Im all— gemeinen reicht man dieſelbe Kückennahrung, wie ſie für Haushuhnkücken angegeben worden iſt. Das Futter iſt in kleinen Zwiſchenpauſen zu reichen, ZJede halbe oder ganze Stunde. Die Jungen ſind empfindlich gegen Näſſe und Kälte und dürfen nicht früher aus dem Stalle entlaſſen werden, als bis der Tau von den Feldern verſchwunden iſt. Andererſeits ſchadet große Hitze, beſonders die direkte Sonnenwirkung, ebenfalls den zarten Geſchöpfen. Man braucht dabei übrigens nicht gar zu ängſtlich zu ſein, da die führende Truthenne ihre Kücken ſtets rechtzeitig unter Wach und Fach führt. Im Alter von 8 Wochen können die Jungen mit den Alten die Sitzſtangen des Abends aufſuchen. Das Alter von 8 bis 10 Wochen iſt die gefährlichſte Zeit für die heranwachſenden Jungen, indem in dieſer Periode die Warzenhaut ſich rot zu färben beginnt, was meiſtens J 152 Zweiter Abſchnitt. Hühnerzucht. eine leichte Kränklichkeit zur Folge hat. Munteres Benehmen, ſchöne rote Färbung des Kopfes ſind ein Zeichen von Geſundheit, während ſtruppiges Gefieder, bleichrote Geſichtsteile und Kehllappen, unruhiges Benehmen, Zuſammenkauern ec. ſchlechte Anzeichen ſind. Häufig giebt man den Patienten einige Pfefferkörner ein und ſchmiert ihnen mit friſcher Butter die nackten Kopf⸗ und Halsteile, was beides nichts hilft, alſo unnötig iſt. Die Hauptſache iſt, dafür zu ſorgen, daß den Jungen in dieſer Zeit ein gut geſchützter Aufenthaltsraum geboten wird, daß ſie nicht durchnäßt und daß ſie gut und reichlich genährt werden. Im ausgewachſenen Zuſtande ſind ſie ſehr hart gegen Witterungs⸗ einflüſſe, Kälte ſchadet ihnen nichts, und bis im Winter bäumen ſie des Nachts gern in der Nähe des Hofes im Freien auf. Sie freſſen Körner, Beeren, alle Arten Grünes, ziehen aber animaliſche Nahrung vor, wobei oft mehrere zuſammen helfen, einem größeren Lurche, einer Schlange oder Ratte den Garaus zu machen. Sie laſſen ſich unſchwer, in Herden vereinigt, auf die Weide treiben. Auf Stoppelfeldern finden ſie die ihnen zuſagende Nahrung in Körnern, Kräutern und Ungeziefer, von dem ſie die Felder gründlich reinigen. Auch der Eintrieb in Laubwald im Herbſte bekommt ihnen vortrefflich, da ſie Eicheln und Bucheckern gern freſſen und im Schatten der Bäume und Sträucher nicht von den Sonnenſtrahlen beläſtigt werden. Über die Mäſtung, zugleich die höchſte Verwertung des Fleiſches, wurde ſchon auf Seite 95 das Allgemeine erwähnt; dieſelben Regeln gelten auch für die Truthühner. Junge Truthühner geben außerordentlich ſchmackhafte Braten; ſind ſie älter als 1 Jahr, ſo ſind ſie zu Schlacht⸗ zwecken nicht mehr gut verwendbar. Sie werden ſehr ſchnell körnerfett, wenn ihnen das Umherlaufen entzogen wird. Nur hüte man ſich, als fettmachendes Futter Möhren zu verwenden, wie das in einigen öſtlichen Gegenden Deutſchlands zu geſchehen pflegt. Der ganze Braten riecht und ſchmeckt alsdann intenſiv nach Möhren. Man verwende Maiskörner oder Gerſte und gekochte Kartoffeln und Kleien mit dicker Milch an— gerührt. Beimiſchung von würzigen Körnern und Blättern, wie von Korinthen, Thymian, Lauch u. ſ. w. erhöht den Fleiſchwohlgeſchmack. Die Mäſtungsart möge hier noch Platz finden, die in Frankreich meiſtens angewandt wird. 200 g Hirſemehl und 30 g Butter werden mit Milch zu einem Teig geknetet und in 3 Mahlzeiten des Tages in Nudelform gefüttert; dazu kommen bei jedem Stopfen 400 g kuhwarme Milch, was binnen 24 Tagen die Puter völlig ausmäſtet. Die in einzelnen Gegenden beliebte Stopfmethode mit wälſchen Nüſſen verleiht dem Fleiſche einen feinen, oft auch etwas öligen Geſchmack. Das Gewicht, welches die gemäſteten Truthühner erreichen, iſt ſehr bedeutend. Ein von Simpſon, dem berühmten Truthahnzüchter, bezogener 6 Monate alter Hahn (Bronzehahn mit Cambridgehenne) erreichte das koloſſale Gewicht von 14 kg. Die Truthühner ſollen abgeſondert vom übrigen Geflügel ihre Stallungen und Bruträume haben, da die Hähne nicht beſonders ver⸗ träglich ſind und oft den ganzen Geflügelhof tyranniſieren. Pfau. 153 In den letzten Jahren wurden an verſchiedenen Orten Verſuche gemacht, die bronzefarbenen Truthühner, die Wildputer, als Jagdwild einzubürgern. Dieſe Bemühungen waren erfolgreich. Graf Breuner hat auf ſeiner Domäne Grafenegg bei Krems in den Donau⸗Auen derzeit einen Beſtand von mehr als 400 Wildputer, die zu ſchönen Jagden Anlaß geben. In den Gehegen des Kaiſerhauſes finden ſich ebenfalls gut beſetzte Reviere mit Wildputer. In Deutſchland(Rügen), Ungarn ꝛc. beſitzen mehrere Großgrundbeſitzer bemerkenswerte Wildputer⸗ zuchten, die nun ein ſehr dankbares Jagdwild abgeben. D. Der Pfau. In den Geflügelparks, in den großen Geflügelhöfen finden ſich oft Vertreter der Vogelwelt, die nicht des wirtſchaftlichen Nutzens wegen gehalten werden, ſondern nur, um durch ihr ſchönes Gefieder, ihre auffallende Geſtalt eine erwünſchte Abwechſelung herbeizuführen. Manche von ihnen ſind im Laufe der Zeit allgemeiner geworden, wie die Pfauen, und fehlen nun faſt in keinem größeren Geflügelhofe; andere, deren wirtſchaftliche Eigenſchaften durch die längere Zeit hin⸗ durch fortgeſetzte Züchtung zur Geltung kamen, traten in die Reihe der nutzbringenden Haustiere ein, wie das Trut-⸗ und das Perlhuhn, obgleich letzteres von manchen noch immer zum Ziergeflügel gerechnet wird. Den erſten Platz unter dem heutigen Ziergeflügel nimmt unbe⸗ ſtritten der Pfau ein. Er gehört zu den prächtigſten Tieren der ge⸗ ſamten Vogelwelt. Der Pfauhahn iſt, nach Brehm, auf dem ſehr kleinen Kopfe, Halſe und der Vorderbruſt dunkelblau mit goldenem und grünem Schimmer, auf dem Rücken grün, jede Feder kupferfarbig gerändert und muſchelartig gezeichnet; auf den Flügeln weiß, ſchwarz quergeſtreift, auf der Rückenmitte aber tiefblau, auf der Unterſeite ſchwarz. Schwingen und Schwanzfedern ſind leicht nußbraun, die Federn, welche die Schleppe bilden, grün, durch Augenflecken prächtig geziert; die Haubenfedern, 20 bis 21 an der Zahl, tragen an der Spitze Bärte mit grünen, gold⸗ glänzenden Äuglein. Das Auge iſt dunkelbraun, der nackte Ring um dasſelbe weißlich, der Schnabel hornbraun, von mäßiger Größe und ſchwach gebogen. Die blaugrauen oder braunen nackten Füße ſind mit ſtarken Spornen bewehrt. Die ſehr verlängerten Schwanzfedern, deren beide mittelſten oft eine Länge von 1 ½ m erreichen, können fächerförmig aufgerichtet werden, wobei die eigentlichen kurzen, ſteifen Schwanzfedern den Schweiffedern als Stütze dienen. Die Federſchäfte ſind weiß. Der Pfau iſt kräftig, hoch und langgeſtreckt gebaut. Die kleinere Henne iſt oben vorherrſchend braun, unten weißlich gefärbt, die Kopffedern ſind kürzer, der prächtige Schweif fehlt. Es giebt auch ganz weiße und geſcheckte Varietäten, von denen letztere ſehr geſchätzt ſind. Die größte Schönheit erreicht der Pfau im dritten Jahre. 154 Dritter Abſchnitt. Waſſergeflügel und ſeine Züchtung. In Oſtindien wild lebend, hat der Pfau ſich an das rauhere Klima bei uns gewöhnt und iſt völlig abgehärtet ſelbſt gegen empfind⸗ liche Kälte, indem er oft auf ſeinen hochgelegenen Schlafplätzen— Bäumen, Dachfirſten, Zäunen— ſich trotz der warmen Stallungen, die ihm geboten werden, der Winterkälte ausſetzt und ſich ein⸗ ſchneien läßt. Als Nachtſitz pflegt man für die Pfauen eine hohe Stange im Freien aufzuſtellen, welche hoch oben Querſproſſen und da⸗ rüber ein ſchützendes Dach trägt. Die Pfauhenne legt 5—6, wenn man ihr die erſten bis auf 1 Neſtei fortnimmt, bis zu 12 Eier, am liebſten in einem verborgenen Gebüſche, welche ſie in 30 Tagen ausbrütet. Die Jungen ſind ſehr zärtlich und empfindlich gegen Kälte und Näſſe, ſo daß ihre Aufzucht dieſelbe Sorgfalt erheiſcht, wie die der jungen Perl- und Truthühner. Mehlwürmer, Larven von Inſekten, Eierkäſe, ſpäter Quark und alles, was den Haushuhnkücken zuträglich iſt(ſiehe Seite 91) bilden die erſte Nahrung; daneben ſind Beigaben von friſchem Grünfutter unent⸗ behrlich. Die älteren Pfauen freſſen dasſelbe wie die Hühner: Körner, Knollen, Wurzeln, Fleiſch und andere Abfälle; ſie greifen auch Eidechſen, Schlangen, Fröſche ꝛc. mit Erfolg an und verzehren dieſelben ſehr gern. Die Pfauen richten oft Schaden in den Gärten und grünen Feldern und an Dachfirſten an und ſind unverträglich gegen das andere Geflügel, das von ihren ſcharfen Schnabelhieben viel zu leiden hat. Die häßliche Stimme, die ſie nach der Meinung Vieler beſonders vor bevorſtehendem Regen ertönen laſſen, ſchafft ihnen wenig Freunde. Das Fleiſch der Jungen iſt ſehr wohlſchmeckend; die Federn finden guten Abſatz in den Federſchmuckfabriken. Der Pfau iſt alſo doch nicht ein ganz unnützlicher Vogel, wenn man für ſorgfältigen Schutz der Kücken ſachgemäße Sorge trägt. Ganz ähnlich dem gewöhnlichen Pfau iſt der erſt ſeit wenigen Jahren in einigen zoologiſchen Gärten eingeführte javaniſche Pfau, nur iſt ſeine Kopfzierde länger und die Kiele ſind mit kleinen Fahnen geſchmückt. Die Färbung des Hahnes iſt etwas dunkler, die der Henne heller, als jene des gemeinen Pfaues. Die Heimat dieſer Art iſt Java und Sumatra. Dritter Abſchnitt. Waſſergeflügel und ſeine Züchtung. Von unſeren Hausgeflügelarten werden unter Waſſergeflügel die zu den Schwimmvögeln gehörenden Enten und Gänſe verſtanden; beide bedürfen zu ihrem Gedeihen des Waſſers in größerem Maße, als das Hausente. 155 andere Hausgeflügel, da ſie dasſelbe nicht nur bei der Nahrungsauf⸗ nahme benötigen, ſondern auch auf demſelben ſchwimmen und ſchwimmend oder tauchend oder gründelnd zu ihrer Ernährung verwendbare Stoffe im Waſſer ſuchen und finden. A. Die Hausente. Die Herleitung der Abſtammung der Hausente bereitet den Forſchern die geringſten Schwierigkeiten; faſt unverändert findet ſich in den Hausenten der Typus der allgemein zahlreich vorkommenden Stock⸗ ente(Anas boschas). Die gleiche Zeichnung des Gefieders, dieſelbe Haltung des Körpers, die gleichen Lebensgewohnheiten ſß ſich ſowohl bei dieſen Wildenten wie bei den zahmen beobachten, ſo daß häufig Verwechſelungen bei Jagden vorkommen können, wenn ſich Hausenten unter die Wildenten mengen. Die ganze nördliche Halbkugel gehört zum Wohn⸗ und Brutgebiete der Wildenten, deren Wanderungen ſich im Winter bis tief nach dem Süden ausdehnen, wo dieſelben dann auf den griechiſchen, italieniſchen oder nordafrikaniſchen Seen zu Hundert⸗ tauſenden angetroffen werden und als willkommene Jagdbeute dienen. Bei den erſten Frühlingslüften geht die ungeheuere Wanderung wieder zurück nach Norden, wo waſſerreiche Gegenden, Seen, Flüſſe, Teiche, Moräſte, mit von Schilf, Weiden oder Geſträuch umrandeten Ufern die Aufenthaltsorte der Wildenten bilden. An Zeſchüzten Orten, oft in alten hohlen Weidenbäumen oder verlaſſenen Raubvogelneſtern wird der Brutplatz aufgeſchlagen, das kunſtloſe Neſt errichtet, mit weichen Daunen ausgefüttert und meiſt im März mit d Brut begonnen. Die 9— 15 dunkelbräunlichen oder olivengrünen Eier zeichnen ſich durch einen öl⸗ artigen Glanz aus, ſind meiſt bis Ende April vollzählig gelegt und werden binnen 26 bis 28 Tagen ausgebrütet. Die Jungen folgen der Mutter aufs Waſſer, welcher nun die ganze Sorge der Aufzucht und Ernährung überlaſſen bleibt, da das Männchen während der Brützeit das Weibchen verläßt und erſt im Herbſte ſich mit der herangewachſenen Schar wieder vereinigt. Das Gefieder des Männchens iſt ſehr ſchön und farbenreich: Kopf und Hals ſind dunkelgrün, durch einen weißen, auf dem Hinterhalſe nicht geſchloſſenen Ring getrennt von der kaſtanienbraunen Vorderbruſt. Der Oberrücken iſt graunbraun, auf den Schultern grauweiß, braun und ſchwärzlich gewäſſert, der Unterrücken ſchwarzgrün mit Metallglanz; die geringelten 2 Schwanzfedern ſind dunkelgrün, die Oberflügel graubraun, der prachtvoll leuchtende Spiegel blau, beiderſeitig weiß geſäumt, die Schwingen dunkelgrau und braun. Die Unterteile ſind auf grauweißem Untergrunde zart ſchwärzlich gewäſſert; der Bürzel iſt grünſchwarz, das Auge hellbraun, der Schnabel grüngelb; die Füße ſind orangefarbig. Die weibliche Ente hat einen braunen Kopf, den an beiden Seiten zwei ſchwarze Streifen zieren; die Bruſt iſt braun mit dunkel⸗ brauner Zeichnung, der Rücken braun mit ſchwarzer Zeichnung. Die 156 Dritter Abſchnitt. Waſſergeflügel und ſeine Züchtung. Flügel haben die Spiegel des Erpels, das übrige Gefieder iſt braun und grau. Nach der erſten Mauſer, die in unſerer Gegend meiſt im April eintritt, gleicht das Männchen ganz der Ente, nur ſind die Farben etwas heller; ebenſo auch in den erſten Lebensmonaten. Im Herbſte, bei der zweiten Mauſer, bei welcher nur wenige Federn ausfallen, und die im Oktober beendet iſt, erreicht das Gefieder des Männchens ſeine ſchöne Färbung, welche zur Paarungszeit den höchſten Glanz erhält. Von eigentlichen Raſſen kann man bei den Hausenten nicht ſprechen, ſondern nur von Schlägen, die infolge längerer Züchtung ſich gebildet haben und ſich durch Größe und Färbung unterſcheiden. Es kommen häufig Rückſchläge auf die Färbung der Stockenten vor, wie überhaupt ſehr oft Kreuzungen zwiſchen wilden und zahmen Enten ſtattfinden. Das Männchen(Enterich, Erpel) der ſämtlichen Haus⸗ entenſchläge unterſcheidet ſich von der weiblichen Ente bei der ſtock⸗ entenähnlichen Färbung durch die nur dem Männchen eigene, im übrigen durch ſeine Federnlocke auf dem Bürzel und ſeine Stimme, ein heißeres Quäk, wogegen die Ente ein lautes Quak hören läßt; auch iſt der Erpel größer als dieſe. Obſchon die Wildenten monogoniſch leben, kann man einem Erpel der Hausente bis zu 6 Enten zuteilen, aber nicht mehr, wenn man ſicher gehen will, daß alle Eier befruchtet ſein werden. Die Eier der gemeinen Hausente wiegen 58 bis 64 g und ſind grünlich- oder bläulich⸗weiß gefärbt. Auffallend iſt, daß ſchwarze Enten dunklere bis ſchwarze Eier legen, was beſonders für die zuerſt ab⸗ gelegten gilt, indem die ſpäter gelegten heller ausſehen. Die ſchwereren Entenſchläge, von denen die Rede ſein wird, legen bedeutend größere und ſchwerere Eier. Die Ente, welche bei einigen Schlägen ſchon im Februar, bei anderen im März mit dem Eierlegen beginnt, legt in der Regel drei bis vier Monate lang täglich ein Ei mit wenigen Unterbrechungen, wenn man die Eier im Neſte ſich nicht anſammeln läßt. Hierauf wird ſie brütig. Hindert man ſie hieran, ſo fängt ſie nach vier bis ſechs Wochen wieder zu legen an und legt alsdann noch 14 Tage bis 4 Wochen lang. So kann die Ente bis zu 90 Eier hervorbringen, unter günſtigen Umſtänden auch mehr. Der hauptſächlichſte Nutzen, den die Entenzucht gewährt, liegt aber nicht in der Eiererzeugung, ſondern in der Fleiſchproduktion, beſonders bei den ſchwereren Schlägen. Die Kücken ſind ſehr leicht aufzuziehen und wachſen ſehr ſchnell heran, ſo daß ſie im Alter von 6 bis 8 Wochen ſchlachtreif und, wenn ſie 2 ½ bis 3 Monate alt geworden, befiedert ſind und von da an der Mäſtung unterworfen werden können. Solche Jungenten ſind zu allen Zeiten zur Verwendung als Tafelgeflügel ſehr geſchätzt und geſucht, ganz beſonders im Monate Februar nach Schluß der Jagd, worauf ich bei Behandlung des Brütens und der Aufzucht zurückkommen werde. Hausente. 157 Außer den genannten Produkten wirft die Entenzucht noch einigen Gewinn ab durch die vortrefflichen Federn und Daunen, welche nicht nur den geſchlachteten, ſondern bei beginnender Frühjahrsmauſer auch den lebenden Enten entnommen werden können. Ein Berupfen der Enten zu anderen Zeiten iſt ihrem Gedeihen hinderlich. Ein weiterer, nicht gering anzuſchlagender Vorzug der Entenzucht iſt der geringe Futteraufwand, den dieſe Vögel dann verurſachen, wenn ſie freien Auslauf nach ſtehenden Gewäſſern oder Waſſergräben haben. Noch wird von den Enten gerühmt, daß ſie in Gärten vor⸗ treffliche Vertilger von Schnecken, Kohlraupen und anderem Gewürm ſeien. Das iſt zwar richtig, aber ſie vertilgen zugleich auch zarte Pflanzenblätter und Beerenobſt und treten friſch gegrabene und beſamte Beete ziemlich feſt nieder. Der Schaden iſt in den meiſten Fällen größer als der Nutzen; nur im Frühjahre, wenn gegraben wird, laſſe man die Enten zu, weil ſie die Regenwürmer, Engerlinge und Inſekten fleißig aufleſen. Unterbringung(Entenſtall). Als Entenſtall kann man in irgend einem größeren Gelaß einen Raum durch Drahtgitter oder Holzlatten abgrenzen, der nur ſo groß zu ſein braucht, daß die Enten bequem dicht nebeneinander auf dem Boden lagern können. Letzterer muß mit Stroh oder Torfſtreu bedeckt ſein. Ofteres Ausmiſten erforderlich. In ſolchem Stalle aber kann keine Neſtbildung ſtattfinden. Will man dieſe begünſtigen, ſo muß der Stallraum ſo groß ſein, daß er neben dem Lagerplatze noch Raum bietet zur Aufſtellung von Bieſenbüſchen oder Strohgarben oder Reiſig⸗ bündeln, wodurch verſteckte Stellen gebildet werden, welche die Enten zur Neſtbildung benutzen. Haben ſich die Enten ſelbſt hier Neſter ge⸗ bildet, ſo braucht man nicht zu befürchten, daß ſie ihre Eier auswärts ablegen. Iſt dagegen ſolche Neſtbildungsgelegenheit im Entenſtalle nicht vorhanden, ſo legen die Enten ihre Eier auswärts, wenn man ſie nicht vormittags eingeſperrt hält. Das iſt der Geſundheit der Tiere aber nicht zuträglich. Will man ihnen trotzdem einen größeren Stallraum nicht bieten, ſo kann man die Enten auch früher aus dem Stalle auslaufen laſſen, wenn man jede einzelne befühlt, ob ſie ein Ei bei ſich hat, und nur diejenigen ins Freie läßt, die keins haben. Den Stall kann man ſelbſtverſtändlich auch als ſelbſtändiges kleines Gebäude ausführen. Er muß alsdann im Innern ſo hoch ſein, daß die Perſon, welche die Reinigung beſorgt, dies bequem bewirken kann; er muß ferner gute Ventilation auch während der Nacht zulaſſen; ſehr dienlich iſt es, wenn der Boden cementiert oder asphaltiert iſt und einiges Gefälle hat. Das verſteht ſich ſelbſtverſtändlich nur für das Halten einer ziemlich großen Entenanzahl. Für nur einen kleinen Stamm kann jede kleine Holzhütte den Nachtaufenthaltsraum abgeben, wenn ſie genügende Zufuhr friſcher Luft ins Innere zuläßt. 3 158 Dritter Abſchnitt. Waſſergeflügel und ſeine Züchtung. Ernährung. Die Enten gehören zu den Omnivora, ziehen aber animaliſche Nahrung vor; ſie leiden an einer wahren Freßgier und hören kaum zur Nachtruhe mit dem Freſſen auf. Blätter, Gräſer, alle Sämereien Würmer und Inſekten, Froſch⸗ und Fiſchlaich, ſelbſt Lurche und Fiſche, Fleiſch und Gedärme werden mit Heißhunger von den gefräßigen Tieren verſchlungen. Die Enten ſind gefährliche Feinde der Fiſchzucht, ſo daß ſie von den Brutteichen ferngehalten werden müſſen. Vor⸗ züglich ſagen ihnen kleine Tümpel oder Gräben zu, in denen ein dichtes Netz von Teichlinſen die Oberfläche bedeckt, worin es dann von allerlei tieriſchem Leben wimmelt; ſie mäſten ſich zuſehends in kürzeſter Zeit bei ſolchem Futter; wo auf Gütern im Verlaufe irgend eines kleinen Rinnſals eine Anzahl Tümpel gegraben werden können, die ſich mit Waſſer füllen und gefüllt erhalten, kann bei günſtiger Jahres⸗ zeit eine ganze Entenherde ihre vollſtändige Nahrung finden. Aber es können die Enten auch mit weniger Waſſer ſich begnügen, mit einem bei der Pumpe ſtehenden, ſtets gefüllten Troge oder einer in die Erde ein⸗ gegrabenen Bütte mit Waſſer, ohne daß dadurch die Ertragsfähigkeit ihrer Zucht leidet. Sie müſſen in dieſem Falle ſelbſtverſtändlich ſtärker gefüttert werden. Als Futter verwende man morgens abgekochte Kartoffeln mit Kleien vermengt, abends Körner(Hafer oder Gerſte), mittags Grünzeug und Regenwürmer oder etwas zerhacktes Fleiſch; ſtatt des letzteren kann dem Weichfutter Fleiſchmehl beigemengt werden; als Grünfutter dienen Salat und Blätter der weicheren Gemüſearten oder auch in kleine dünne Scheiben zerſchnittene Runkelrüben oder andere Wurzelgewächſe. Mäſtung geſchieht in ähnlicher Weiſe wie bei Haushühnern(Seite 97). Ent⸗ ziehung des freien Auslaufens und Fütterung mit gekochten und zer⸗ drückten Kartoffeln, mit Weizenkleien, die mit dicker Milch zu einem ſteifen Breie angerührt ſind, und Fruchtkörnern(Hafer, Gerſte oder Maisſchrot oder abgequellte Maiskörner). Einen höheren Grad der Mäſtung erreicht man durch dieſelbe Fütterung nur dann, wenn den Enten, nachdem ſie acht bis vierzehn Tage, wie vorſtehend angegeben, behandelt ſind, die freie Bewegung völlig entzogen wird, indem man ſie einzeln oder auch zu mehreren in enge Behälter ſetzt. Zu vollkommener Mäſtung aber iſt die zwangsweiſe Eingabe der Nährmittel erforderlich, indem man Teignudeln in den Kropf einführt, ſo wie es bei den Haushühnern beſchrieben worden iſt. Man vergeſſe nie, den Enten dabei Waſſer bereit zu ſtellen. Brüten. Von der Enteneierproduktion iſt bereits die Rede geweſen. Läßt man ſämtliche Eier in dem von der Ente ſelbſt gewählten Neſte vom Hausente. 159 Beginn der Eierablegung an liegen, ſo wird die Ente, wenn 12 bis 20 Eier vorhanden, oft ſchon früher, brütig; ſie brütet gut(Brützeit 26 bis 28 Tage), aber man darf ſie nicht beunruhigen oder vom Neſte abheben wollen, wie es bei den Haushühnern behufs Fütterung derſelben zweckmäßig iſt. Verläßt dieſelbe das Neſt, ſo bedeckt ſie die Eier mit Flaumfedern. Man ſorge, daß der brütenden Ente Futter zugänglich iſt; in der Regel kommt ſie zur Fütterung der übrigen Enten herbei. Die Ente ſo früh brüten zu laſſen, iſt unzweckmäßig, weil mit dem Brütbeginn die Eierablegung aufhört. Man benütze alſo zur Bebrütung der erſten Enteneier große Haushuhn⸗ oder Truthennen. Erſt wenn die Ente im Juni oder Juli brüten will, kann man ſie dazu benutzen. Je früher man Enteneier bebrüten laſſen kann, deſto vorteilhafter ge⸗ ſtaltet ſich die Zucht. Man erhält alsdann frühreife 6 bis 8 Wochen alte Schlachtentchen, welche leicht verkäuflich ſind. Man laſſe überhaupt möglichſt viele Enteneier bebrüten den ganzen Sommer über. Aber auch die Spätherbſteier der Jungenten benutze man zu demſelben Zwecke. Vom Vorteil dieſer Bebrütung war bereits die Rede. Ertrag der Schlachtentenerzüchtung. Der Ertrag der Schlachtentenerzüchtung beſteht alſo aus dem Erlöſe von: 1. Frühbrutenten, die 6 bis 8 Wochen alt verkauft werden, 2. einer zweiten oder dritten Serie ſolcher jungen Entchen, 3. gemäſteten Jungenten, welche 3 bis 6 Monate alt ſind und beſonders im Herbſte und Winter zur Zeit der geſelligen Vergnügungen geſuchte Ware ſind, 4. Spätbrutenten, welche im Alter von 2 ½ bis 3 Monaten von Anfang Februar an den Feinſchmeckern willkommen ſind. Aufzucht der Kücken. Die Aufzucht der Entenkücken bietet keine Schwierigkeiten. Keine Geflügelaufzucht geht leichter und gefahrloſer von ſtatten, als die von Entenkücken, wenn man dem Rechnung trägt, daß das Lebenselement der Enten das Waſſer iſt. Man findet wohl in Büchern die Anweiſung, Entenkücken nicht auf das Waſſer ſich begeben zu laſſen, wenn ſie noch nicht vierzehn oder wenigſtens doch acht Tage alt ſind, aber das wider⸗ ſtreitet zu ſehr dem natürlichen Zuſtande, als daß es gut ſein könnte. Die Wildenten führen ihre Jungen ſehr bald, nachdem ſie den Eiern entſchlüpft ſind, dem Waſſer zu. So müſſen wir es auch mit unſeren Entenkücken machen, d. h. die alte Ente nicht hindern, wenn ſie ihre Kleinen aufs Waſſer führt. Hat aber eine Haushuhn⸗ oder eine Trut⸗ henne die Enteneier ausgebrütet, ſo treibe man ſie am zweiten Tage nach dem Ausſchlüpfen dem Waſſer zu, auf das die Kücken auch ohne Führerin ſich begeben und auf dem ſie ſofort ſich zu Hauſe fühlen und Nahrung aufnehmend umherſchwimmen. Sollte ſtatt eines Teiches oder 160 Dritter Abſchnitt. Waſſergeflügel und ſeine Züchtung. größeren Tümpels nur ein kleinerer Waſſerbehälter zu Gebote ſtehen, ſo ſorge man dafür, daß das Waſſer in dieſem nicht verunreinigt, aber auch nicht zu friſch eingefüllt, alſo nicht zu kalt iſt. Die erſte Nahrung für Entenkücken iſt dieſelbe, wie ſie für Hühner⸗ kücken angegeben worden iſt. Harte Hirſekörner können ſie nicht gut freſſen. Überhaupt vermeide man in der erſten Zeit die Verabfolgung von Körnerfrüchten. Dagegen lieben ſie ſehr— und gedeihen dabei vortrefflich— mit ausgedrücktem weißen Käſe gemiſchte angebrühte Weizenkleie; der Käſe kann ſpäter durch dicke(ſaure) Milch erſetzt werden. Regenwürmer, ſpäter Schnecken, dürfen nicht fehlen, wenn den Kücken keine Gelegenheit geboten ſein ſollte, im Freien umherlaufen und im Waſſer gründeln zu können, und Grünes ebenſo wenig, Salat vor allem, aber auch kleingeſchnittene Runkelrübenblätter; auch junge Blätter der Schwarzwurzel(Skorzonere) werden von Enten ſehr gern gefreſſen. Wenn die Befiederung beginnt und ſpäter ſetze man Hafer als Futter zu, zuerſt in Form von eingeweichtem, ſpäter trockenem Schrot, zuletzt von unzerkleinerten Körnern. Entenſchläge. 1. Die gemeine Hausente. Sie gleicht im Gefieder und deſſen Färbung im allgemeinen der Stockente, nur iſt die Farbe etwas blaſſer, beſonders beim Erpel. An Größe übertrifft ſie dieſe Ente ein wenig. Infolge der Domeſtizierung ſind andere Farbenſchläge entſtanden: braun, grau, ſchwarz, geſcheckt und weiß. Unter den gemeinen Hausenten giebt es in einzelnen Gegenden ſolche, die durch größere Körper hervorragen und zuweilen auch durch beſondere Färbung. Es ſei hier nur die Schwediſche Ente erwähnt. Ihre Färbung iſt ein zartes Aſchgrau oder Tauben⸗ blau in verſchiedenen Abſtufungen. Auch giebt es gelbe, bei denen der Enterich kaffeebraun iſt mit ſchmalem weißem Ringe um den Hals und dunklerem Kopfe und die Ente blaßockergelbe Bruſt und ebenſo gefärbten Steiß hat.— Sehr kleine Hausenten nennt man Lockenten. Sie haben in der Regel Stockentenfärbung oder ſind weiß mit rotem Schnabel und roten Läufen. Sehr niedliche Erſcheinung. 2. Die Rouenente. Die Färbung des Gefieders ſoll völlig dem der Stockente gleichen. Aus der zierlichen Geſtalt der Stockente entwickelte ſich ein enormer Fleiſchklumpen, der ſehr zum Fettwerden neigt; ſie wird 4 ½ mal ſchwerer als die Stammeltern. Während bei den Stockenten das Männchen höchſtens 1 ½, das Weibchen 1 kg erreicht, ſtellte Hewitt in Birmingham einen Stamm Rouenenten aus, welcher 16 ⅞ kg wog. Für gewöhnlich wiegen dieſe Enten 3— 4 kg, doch kann durch Mäſtung leicht höheres Gewicht erzielt werden. Zur Zucht verwendet man am 1 Hausente. 161 beſten 1 ½ jährige Erpel und 2⸗ oder mehrjährige Enten; die Jungen ſind hart, werden aber nicht ſo früh reif wie andere Schläge. Dieſe Ente beginnt oft ſchon im Januar mit dem Legen. Sie iſt ſowohl zur Fleichproduktian wie auch zur Kreuzung mit der gemeinen Hausente zu empfehlen. 3. Die Aylesbury⸗Ente wird vornehmlich in der Umgebung dieſer Stadt, ſowie in Buckingham⸗ ſhire gezogen. Man rühmt ihr mit Recht große Abhärtung, enorme Größe, Frühreife und leichte Acclimatiſierungsfähigkeit nach. Die Färbung des Gefieders iſt rein weiß, der Schnabel blaß fleiſchfarben (eſo roſig wie der Fingernagel einer Lady“). Die Einwirkung der Sonne oder trübes, ſchlammiges Waſſer verändern leicht die Farbe desſelbeu in gelb, was als Fehler gilt. Die Füße ſind orange⸗ farbig. Das Gewicht beträgt 4 bis 5 kg beim Erpel, 3 bis 4 ½ kg bei der Ente. Hauptbedingung zur Zucht in ihrer ganzen Schönheit iſt friſches, reines Waſſer mit kieſigem oder grobſandigem Untergrunde. Die Eier variieren in der Färbung von rein weiß bis grünlich oder gelblich-weiß, ſie werden bei günſtiger Witterung ſchon im Januar, ſelbſt früher abgelegt. Die Jungen wachſen ſehr ſchnell heran. Im Alter von 7 bis 8 Wochen erreichen ſie ein Gewicht von 1 ½ kg, mit 8 Wochen ſogar 2 kg und werden am Londoner Markt im März das Paar ſelbſt mit 17 bis 19 Schillingen bezahlt, ſo daß ſich die Früh⸗ bruten außerordentlich rentieren. Tauſende beſchäftigen ſich dort mit der Entenzucht, die zum größten Teil in den Händen der Kleinwirte liegt, während den Handel damit einige Großhändler treiben. Auch dieſe Ente iſt ſowohl zur Fleiſchproduktion als auch zur Kreuzung mit der gemeinen Hausente, aber auch als Zierente ſehr em⸗ pfehlenswert. 4. Die Italieniſche und die Duclair⸗Ente gehören auch zu den großen Entenſchlägen und haben faſt gleiche Eigen⸗ ſchaften mit denſelben, ſo daß ſie zu wirtſchaftlichen Zwecken jenen nur wenig nachſtehen. Sie ſind aber keine reingezüchteten Schläge und in dieſer Beziehung minderwertig. Der Liebhaber konſtanter Färbung er⸗ lebt bei der Aufzucht der Jungen manche Täuſchung. 5. Die Cayugaente. Sie iſt in Figur und Haltung der Aylesbury⸗Ente ſehr ähnlich. Kopf, Hals und Rücken zeigen prächtigen grünen Metallglanz. Der kurze und breite Schnabel iſt blauſchwarz, Lauf und Ruder braunſchwarz. Einjährige wiegen 6 bis 7 Pfund. Dieſe Ente iſt ſehr hart und ver⸗ trägt jedes Klima. Sie ſtammt aus Nordamerika. Pribyl, Geflügelzucht. 4. Auflage. 11 162 Dritter Abſchnitt. Waſſergeflügel und ſeine Züchtung. 6. Die Pekingente.(Fig. 33.) Sie gehört ebenfalls zu den größten Hausenten, ſie iſt jedoch nicht ſo ſchwer als die beiden zuerſt erwähnten Schläge, obgleich ſie ihres lockeren Gefieders und ihrer charakteriſtiſchen, ziemlich aufgerichteten Haltung wegen größer erſcheint als ſie. Der Kopf iſt lang, der Schnabel mittellang, breit. Letzterer, ſowie die Läufe⸗ und Ruder ſind orangefarbig. Das Gefieder iſt weiß, ins gelbliche ſpielend. Auch dieſe Ente kann zur Zucht empfohlen werden. 5 7. Die Smaragdente. Eine glanzprächtige Erſcheinung iſt die kleine, am ganzen Körper ſchwarze Smaragd⸗oder B afia⸗Ente, in Frankreich Labrador⸗Ente, Fig. 33. Die Pekingente. in England Schwarze Oſtindiſche oder Buenos⸗Ayres Ente ge⸗ nannt. Sie hat die Größe der gemeinen Hausente, muß aber, wenn ſie auf Ausſtellungen Preiſe erhalten ſoll, kleiner ſein als dieſe. Die Obenſeite zeigt beim Erpel einen prachtvollen ſmaragdgrünen Glanz und einen tiefgrün⸗glänzenden Spiegel. Das Gefieder der weiblichen Ente iſt bräunlich⸗ſchwarz mit Anflug von grünem Glanze auf Rücken und Flügeln. Der Schnabel iſt beim Erpel grünlich⸗ſchwarz, bei der Ente tiefſchwarz mit ſchieferfarbiger Spitze. Läufe und Ruder ſind bei jüngeren Vögeln ſchwarz, bei älteren heller, ins Gelbrote fallend. Rotbraune Federn der Bruſt ſind fehlerhaft, einzelne weiße Federn im Gefieder der Ente vererben ſich nicht. Auch das erſte Federkleid der grauſchwarzen Kücken zeigt bereits grünen Metallglanz.— Dieſe Ente fliegt gern Hausente. 163 und gewöhnt ſich ſchwer in neue Verhältniſſe ein— daher bei Neube⸗ ſchaffung Vorſicht geboten.— Ihr wirtſchaftlicher Wert iſt weniger groß als ihr Sportwert. 8. Haubenenten. Die Enten haben zuweilen auch Hauben. Dieſe vererben ſich aber nicht konſtant, ſo daß man von einer Haubenente als beſondere Raſſe abſehen muß. Oft auch ſitzt die Haube nicht mitten auf dem Kopfe, ſon⸗ dern mehr ſeit⸗ wärts. Einer gelben Ente mit weißer Haube hat man den Namen Kaiſerente bei⸗ gelegt. Die rein gelbe Färbung hat nur die weib⸗ liche Ente; der Erpel hat licht⸗ grauen Kopf; Hals und Bruſt ſind rötlich⸗ braun; das übri⸗ ge Gefieder iſt gelblich, nach hin⸗ ten ins weißliche verlaufend; auf den Flügeln zeigt ſich ein lichtgrau⸗ Fig. 34. Die Moſchusente. er Spiegel.— 9. Die Türkiſche, Biſam⸗ oder Moſchusente(Fig. 34) Noch eine Ente, welche häufig gehalten wird, muß erwähnt werden, obgleich ſie nicht von der Stockente abſtammt und daher nicht zu den Hausenten gezählt werden kann: die Türkiſche, Biſam⸗ oder Mo⸗ ſchusente Dieſelbe ſtammt aus den Urwäldern Südamerikas. Sie iſt ſchwarz mit metalliſchem Glanze und weißen Flügeldeckfedern, der Schnabel ſchwarz mit blauweißer Querbinde, an der Spitze blaßrot mit breitem, ſchwarzem Nagel. Eine nackte, rote, warzige Haut bedeckt die Backen bis hinter die Augen und bildet auf der Wurzel des Schnabels eine rote, höckerförmige, große Wulſt. Dem Weibchen fehlt dieſe Warze. 41* 164 Dritter Abſchnitt. Waſſergeflügel und ſeine Züchtung. Die Füße ſind kurz. Die domeſtizierte Biſamente iſt ſelten ebenſo ge⸗ färbt, als die geſchilderte Färbung der wilden. In der Regel iſt das Schwarz mit weiß gemiſcht. Häufig trifft man auch ganz weiße Biſam⸗ enten an. Die Biſamente iſt größer als die Hausente. Ihr Fleiſch hat einen ſtarken Moſchusgeruch, wenn nicht gleich nach dem Schlachten der Kopf und Bürzel entfernt werden.— Dieſe Ente iſt deshalb für den Entenzüchter wertvoll, weil die Baſtarde aus der Kreuzung großer Hausenten, beſonders Rouenenten, mit Biſamentenerpel vorzügliche Schlachtenten erzeugt, welche durch Schnellwüchſigkeit, große Körper und beſonderen Wohlgeſchmack hervorragen. Die weibliche Biſamente paart ſich nicht mit dem Hausentenerpel. Baſtarde zwiſchen Haus⸗ und Biſamenten ſollen nicht fruchtbar ſein. B. Die Hausgans. Als Stammart der Hausgans wird gewöhnlich die Grau⸗ oder Wildgans(Anas anser, Anser cinereus vel serus) angenommen. Zahl⸗ reiche Schwärme dieſer häufig vorkommenden Art beleben die Fluß⸗ und Teichniederungen des nördlichen Europas, und oft können Paarungen zwiſchen der Wild- und gemeinen Hausgans beobachtet werden, während es nur äußerſt ſelten gelungen iſt, dies von der dem äußeren Anſcheine nach am nächſten ſtehenden Acker⸗ oder Saatgans(anser segetum) nach⸗ zuweiſen. Die Wildgänſe bewohnen den gemäßigten Norden Europas, und dürfte der 44.— 45. Breitengrad die ſüdlichſte Brütgrenze bilden. Die Winterwanderungen erſtrecken ſich bis tief nach Centralaſien und Afrika. Die Wildgans hat nach Brehm einen gedrungenen Körper, kurzen Hals, großen Kopf, kräftigen, wachsgelben Schnabel, oben gewölbt, unten flach, an der Wurzel hoch, der ſeitlich mit harten Zähnen beſetzt und deſſen Spitze in einen breitgewölbten, ſcharfſchneidigen Nagel ausgezogen iſt. Der Rücken iſt bräunlich⸗grau, die Unterſeite gelblich⸗grau; die Federn der Oberſeite ſind weißlich, die der Unterſeite dunkel gerändert. Die Flügel ſind aſchgrau, Schwingen und Steuerfedern ſchwarzgrau, weiß geſchäftet. Am Steiß iſt die Färbung weiß. Die mittellangen Füße ſind blaßrot. Die Acker⸗ oder Saatgans iſt ſchlanker gebaut, hellaſchgrau gefärbt, durch einen ſchwarz geränderten, orangegelben Schnabel, ſowie durch die Stimme, welche bei der Wildgans völlig jener der Hausgans gleicht, von der erſteren unterſchieden. Die Wildgänſe leben geſellig an ſtillen, unzugänglichen Sumpf⸗ und Waſſerſtrecken, wo die verborgenſten und geſchützteſten Stellen als Brütplätze benützt werden. Im März wird mit dem Neſtbau begonnen; oft ſind mehrere Neſter nahe beiſammen und mit 5 bis 14 Eiern beſetzt. Die Eier gleichen völlig denen der Hausgänſe. Dieſelben ſind groß, länglich-oval, ſehr ſchwer, reinweiß mit einem bläulichen Schimmer. Die Eier werden in dem kunſtloſen Neſte mit Hausgans. 165 den Bruſt⸗ und Bauchflaumfedern bedeckt, welche ſich die ſorgſamen Brüterinnen ausraufen. Die Brützeit dauert 28—30 Tage. Die aus⸗ geſchlüpften Jungen kommen nach wenigen Stunden auf das Waſſer, wo die Alten in zärtlicher Sorge ſie umgeben. Die rein vegetabiliſche Nahrung beſteht aus Blättern und Gräſern, die ſie teils auf den Wieſen, teils auf den AÄckern oder in den Waſſerpflanzen zu finden wiſſen; ebenſo wenig verſchmähen ſie ſaftige Wurzeln und Knollen der Rübenarten; von reifen Körnern ziehen ſie Hafer und Gerſte allen anderen vor, nur die Wicken ſcheinen ihnen ſchädlich zu ſein. Zur Beförderung der Verdauung nehmen ſie häufig Sand und feinen Kies zu ſich. Die Wildgänſe ſind ein Bild der Wachſamkeit und Klugheit; ſelten gelingt es dem Jäger, einen glücklichen Schuß anzubringen. Im Herbſte ziehen ſie in der bekannten Dreiecksform, in der abwechſelnd ein anderes Individuum, meiſtens ein Männchen, die Spitze einnimmt. Werden die Eier der Wildgänſe von zahmen Gänſen ausge⸗ brütet, ſo domeſtizieren ſich die Jungen ſehr leicht; nur im Herbſte beginnt ſich der Wandertrieb zu regen, wobei alle Aufmerkſamkeit an⸗ zuwenden iſt, um ſie am Fortziehen zu hindern. Auch die jung ge— fangenen laſſen ſich leicht zähmen. Durch Kreuzung mit den zahmen Hausgänſen erhält man einen recht dauerhaften Schlag. Die Zucht der Hausgans iſt über die ganze Welt verbreitet; in manchen Ländern wird ſie ſeit dem Altertume in großartigſtem Maße betrieben und bietet eine Quelle reichlichen Einkommens. Wenig Ge⸗ flügelarten haben ihren allgemeinen Typus ſo genau bewahrt, wie die Gans; es giebt wenig Unterſchiede, und nur wo längere Zeit hindurch nach beſtimmten Prinzipien gezüchtet wurde, haben ſich charakteriſtiſche Schläge entwickelt. Die bekannteſten ſind neben der gemeinen Haus— gans die folgenden: 1. Die Emdener Gans iſt reinweiß mit dunkelrotem Schnabel, hellblauer Iris und dunkelorangegelben Läufen. Der Hals iſt lang, aufrecht und leicht gebogen, der Rücken lang und breit, die Bruſt voll und rund. Die ſtarken Beine ſind kurz, die Flügel lang. Das reiche und volle Gefieder iſt bei den Kücken blaugrau, ſpäter grau und weiß geſcheckt oder völlig grau; vom zweiten Lebensjahre an ſind die Gänſe ausgefärbt und reinweiß. Dieſe Gans beginnt das Eierablegen ſehr frühzeitig(Eigewicht 180— 200 g) und das Brüten in der Regel ſchon im Januar. Die Jungen wachſen ſehr ſchnell heran. Ausgewachſen wiegen ſie 7 bis 10 kg; durch Mäſtung kann ein Gewicht von 10 bis 15 kg erreicht werden. 2. Die Pommernſchen Gänſe ſind höher und länger geſtreckt gebaut als die gemeine Hausgans; die Färbung iſt ganz weiß, weiß mit grauem Scheitel, graugefleckt oder ganz grau, der gemeinen Haus⸗ gans gleichend. Dieſelben erreichen in gemäſtetem Zuſtande ein Gewicht bis zu 10 kg. Wahrſcheinlich trägt viel zur Erreichung dieſes hohen Gewichtes bei, daß dieſelben nie gerupft werden. Verſuche ergaben, daß, ſobald bei pommernſchen Gänſen das Federrupfen in Anwendung 166 Dritter Abſchnitt. Waſſergeflügel und ſeine Züchtung. kam, das Gewicht bedeutend zurückging und dem der gewöhnlichen Gänſe gleichkam. l übrigens wird ſdieſe Gans in,Pommern nicht allgemein und nicht in großer Anzahl gezüchtet. Die Geflügelzählung vom 13. De⸗ zember 1897 bezifferte die Gänſezahl in Pommern auf ¼ der in Brandenburg oder Schleſien ermittelten. Zu der in Pommern üblichen Gänſemäſtung in großem Maßſtabe werden ſehr viele Gänſe verwendet, melche von anderswoher dorthin getrieben werden.— 3. Die Toulouſer Gans(Fig. 35). Der maſſige, kompakte Körper ruht auf kurzen Füßen, der herabhängende Bauch berührt faſt den Boden. Der Kopf iſt mittelgroß, der Schnabel dunkel fleiſchfarbig, die Füße orangegelb; das Obergefieder iſt dunkel⸗ grau; Flügel, Bruſt und Bauch ſind hellgrau, gegen den After ins Weiße über⸗ gehend; die Flügeldeck⸗ federn ſind heller gerän⸗ dert. Die ganze Geſtalt deutet auf leichte Maſt⸗ fähigkeit, die auch in hohem Grade vorhanden iſt., So wog ein Paar Gänſe eines gewiſſen Fowler 30 kg, die 2 Jungen dieſes Paares 24 kg. Ein Gewicht von 10 kg iſt leicht zu er⸗ reichen. Die Jungen er⸗ 4 5 halten ſchon im Alter von Die Toulouſer Gaus. 8 Monaten eine Fettge⸗ ſchwulſt am Bauche. 4. Die hie und da vorkommenden Lockengänſe haben den Namen von der eigentümlichen Form der Federn. Dieſelben ſind ge⸗ kräuſelt, ähnlich denjenigen der Strupphühner. Das Gefieder iſt meiſt weiß; im übrigen gleichen ſie ganz den gewöhnlichen Gänſen. 5. Die japaniſche Höckergans ſei hier noch eingereiht. Sie erweiſt ſich in zwei Beziehungen als züchtungswert: Sie kann ſowohl zum Nutzgeflügel, wie zum Ziergeflügel gerechnet werden. Sie zeichnet ſich aus durch ſchlanke Geſtalt, langen, ſchwanenartig getragenen Hals, der mit einer wammenartig herabhängenden befiederten Hautfalte ver⸗ ſehen iſt, einen auf der Oberſchnabelwurzel ſitzenden eiförmigen Höcker und kurzen, meiſt aufwärts gerichteten Schwanz. Es giebt zwei Farben⸗ Fig. 35. Hausgans. 167 ſchläge, einen graubraunen und einen weißen. Erſterer hat ſchwarzen Schnabel und ſchwarzen Höcker, an der Wurzel weiß geſäumt, weißen Vorder⸗, braunen Hinterhals, graubraunen Rücken und ebenſo gefärbte Flügel, bräunlich-⸗weißen Kropf und Bruſt, weißen Unterleib und gelb⸗ rote Läufe und Ruder. Bei dem weißen Schlage ſind der Schnabel und die Läufe und Ruder rotgelb. Dieſe Gans kann hohe Kältegrade ertragen, bedarf alſo keiner beſonderen Pflege im Winter. Die Eierproduktion iſt reichlich; ſie legt frühzeitig, oft ſchon um Weihnachten. Das Fleiſch iſt wohlſchmeckend; ihre Federn ſind weich und reichlich vorhanden. Ausgewachſene Junge ſind 6 bis 7 kg ſchwer. 6. Die zahlreichen Arten, welche im hohen Norden oder Süden wildlebend vorkommen, und deren Vertreter häufig in den Tiergärten angetroffen werden, haben für die Zucht als Hausgeflügel bis jetzt noch geringe Bedeutung. Einige zeichnen ſich durch ſchön gefärbtes Gefieder, wie die Nilgans, andere durch kleine, zierliche Geſtalt aus, wie die Roſtgans, die Bernikelgans, noch andere werden als Wildbraten hochgeſchätzt, wie die Kanadiſche, Schneegans ec.] Zuſammenſetzung des Zuchtſtammes. Die Geſchlechter unterſcheiden ſich bei den Gänſen nur wenig von⸗ einander. Der Ganſer(Gänſerich, Ganauſer, Wuſel) hat einen längeren Hals, eine ſtärkere, tiefere Stimme und meiſt auch einen kräftiger ent⸗ wickelten Körper. Ein charakteriſtiſches Kennzeichen, beſonders der älteren Gänſe, iſt der Legebauch, eine wulſtartige Hautfalte am Hinter⸗ teile des Bauches, welche namentlich bei herannahender Legezeit ſtark hervortritt. Während der Paarungszeit giebt es oft erbitterte Kämpfe zwiſchen den ſtreitluſtigen Männchen. Zur Zucht wählt man kräftige, kampfluſtige Ganſer und große, gut genährte, aber nicht fette Gänſe; gewöhnlich werden weiße Ganſer und graue Gänſe bevorzugt, wo nicht auf die Feder gezüchtet wird. Hewitt, ein bewährter Gänſezüchter, empfiehlt zur Erzielung ausgezeichneter Schlachtgänſe— nicht zur Nach⸗ zucht— die Kreuzung zwiſchen Toulouſer Ganſern und Emdener Gänſen. Die Kreuzungsprodukte erreichen ein hohes Gewicht: Zu Weihnachten wogen Junge dieſer Zucht 11 bis 13 kg. Zu Kreuzungen mit gemeinen Hausgänſen ſind beſonders zu empfehlen Ganſer des Toulouſer und des Emdener Schlages. Um eine ſichere Befruchtung der Eier zu erzielen, dürfen einem Männchen nur 4 bis 6 Gänſe zugewieſen werden. Das Männchen iſt mit 2 bis 3 Jahren völlig ausgewachſen und dann zur Zucht am taug⸗ lichſten; die Gans kann älter ſein, doch über 10 Jahre alte ſollte man nicht zur Zucht verwenden. Die Gänſe können ein hohes Alter erreichen. Willughby erwähnt einer 80 Jahre alten Gans, die bloß wegen ihrer Unverträglichkeit geſchlachtet werden mußte. Lenz erzählt von einer 34 jährigen, die bis dahin alljährlich 8 bis 10 Eier gelegt und aus⸗ gebrütet hatte. 168 Dritter Abſchnitt. Waſſergeflügel und ſeine Züchtung. Eierablegen und Brüten, Die Gänſe beginnen das Eierablegen je nach der Witterung im Januar oder Februar. Läßt man die Eier im Neſte liegen, ſo macht die Gans ein Gelege von 10 bis 20 Eiern, je nach ihrem Alter. Nimmt man die Eier bis auf eins weg, ſo ſteigt die Eieranzahl bis auf 30 bis 40. Die Eier werden jeden 2ten Tag abgelegt. Die Gans wird, wenn die Eier nicht weggenommen werden, brütig, wenn ſie das zuerſt erwähnte Gelege gemacht hat. Ob ſie brüten will, erſieht man daraus, daß ſie das Neſt nicht wie gewöhnlich verläßt. Man legt ihr alsdann 12 bis 15 Eier unter und grenzt das Neſt ſo ab, daß ſie nicht durch die anderen Gänſe geſtört wird und um das Neſt ein freier Raum von mindeſtens 1m vom Neſte verbleibt. Hier ſtellt man ihr Waſſer und Futter(Fruchtkörner), ſo weit wie möglich vom Neſte entfernt, bereit. Veranlaßt man durch Eierwegnahme die Gans, längere Zeit hindurch zu legen, ſo verwendet man große Haus⸗ huhnhennen, denen man 3 bis 4 Eier anvertraut, oder Truthennen, welche gut 10 bis 12 Eier bedecken können. Die Brützeit dauert 28 bis 30 Tage. Die ausgeſchlüpften Jungen bleiben unter der Mutter und kommen mit dieſer an einen warmen Ort, bis ſie nach einigen Tagen an die Luft gelaſſen werden. Schädlich iſt in dieſer erſten Lebensperiode das Naßwerden des Flaumgefieders durch Tau oder Regen, welches Krankheiten, Durchfall ꝛc. verurſacht; heftige Sonnenhitze kann ebenfalls ſchaden, ſelbſt tödlich wirken. Mit dem Alter von 8 bis 9 Wochen iſt die erſte Mauſer vorüber, von wo an die Jungen ziemlich hart gegen Witterungseinflüſſe ſind. Nachtaufenthaltsraum. Für den Nachtaufenthalt der Gänſe ſind leicht geeignete Räumlichkeiten in bereits beſtehenden Schuppen u. ſ. w. herzurichten oder auch durch Aufführung eines beſonderen Hauſes. Gut iſt es, wenn der Boden cementiert iſt. Man belegt ihn mit Stroh oder Torfſtreu. Der Raum muß zu ebener Erde liegen und Platz bieten für die neben⸗ einander ſich lagernden Vögel(2 bis 2 ½ Quadratfuß fürs Stück) und für die Aufſtellung von Binſenbüſchen oder Strohgarben oder Reiſig⸗ bündeln, um dadurch verſteckte Winkel zu bilden, in welchen die Neſt⸗ bildung und das Brüten vor ſich gehen können. Für gute Ventilation muß geſorgt werden. Die Höhe des Raums ſei wegen letzterer und behufs Einſammelns der Eier und Ausmiſtens mindeſtens ſo hoch, daß die dieſe Geſchäfte beſorgende Perſon aufrecht ſtehen kann. Ernährung. Die Gänſe leben nur von Pflanzennahrung: Gras, Klee und Kräutern, welche auf Wieſen und AÄckern wachſen, deren Samen und Getreidekörnern, beſonders Hafer; aber auch andere Fruchtkörner, Mais und Erbſen ſind ihnen zuträglich. Auch Runkel⸗ oder weiße Rübenſtücke nebſt den noch friſchen Runkelrübenblättern freſſen ſie gern. Hausgans. 169 Hieraus ergiebt ſich, daß Gänſe, auch wenn ſie nicht auf die Weide getrieben werden können, billig zu ernähren ſind, indem man ſie mit Grünfutter, zerkleinerten Rüben aller Art, abgekochten Kartoffeln, abgebrühtem Heuhäckſel und abgebrühten Kleien füttert und nur dann zur Fütterung mit Getreide, Mais oder Erbſen neben dem Grünfutter ſchreitet, wenn die Zeit des Eierlegens herannaht und während derſelben; für eine Gans genügen alsdann 150 g der genannten Fruchtkörner. Sehr vorteilhaft aber geſtaltet ſich die Ernährung der Gänſe, wenn ſie auf die Weide getrieben werden können, zu welchem Zwecke in den Gänſezucht betreibenden Ortſchaften die ſämtlichen Gänſe zu einer Herde vereinigt zu werden pflegen; ſie kehren abends nach Rück⸗ kunft der Herde von ſelbſt wieder in ihren Heimatshof zurück. Man treibt die Herde auf Grasflächen, welche einem Waſſer anliegen und welche nicht als Viehweide benutzt werden, auf Brachfelder, auf denen ſie die zarten jungen Unkräuter abfreſſen, und im Spätſommer auf die Stoppelfelder, auf denen ſie Nachleſe von Ähren und Körnern halten und die Felder von Unkräutern ſäubern. In dieſer Zeit iſt ein Füttern der Gänſe nicht erforderlich; bei allen anderen Arten des Weideganges thut man gut, den abends zurückkehrenden Tieren noch etwas Nahrung zu reichen, beſtehend in Rüben oder abgekochten Kartoffeln oder auch Fruchtkörnern, obſchon das nicht durchaus erforderlich iſt. Unter allen Umſtänden muß den Gänſen reichlich friſches Trinkwaſſer zur Verfügung ſtehen, wenn denſelben kein Waſſerlauf zugänglich ſein ſollte. Den jungen Gänſekücken verabfolge man klein gehacktes hart gekochtes Ei, eingeweichte Brotkrumen und Grünzeug: Salat oder Gartenkerbel, fein geſchnitten. Nach einigen Tagen erſetzt man das Ei durch gut ausgedrückten friſchen weißen Käſe und geht zu in Milch gekochter Hafergrütze über, wobei Grünzeug nicht fehlen darf. Wenn die Kücken zehn Tage alt geworden ſind, iſt abgebrühte Weizenkleie vermiſcht mit weißem Käſe oder auch mit abgekochten Kartoffeln ein zuſagendes Futter. Zugleich läßt man die junge Geſellſchaft auf eine trockene Grasweide. Vor betautem oder durch Regen naß gewordenem Graſe, wie vor Regen müſſen ſie bewahrt bleiben, bis ſie Federn haben. Wenn die Federn hervorwachſen, bedürfen ſie beſonders kräftiger Nahrung. Man ſetze den Kleien und Kartoffeln dicke Milch zu und laſſe dieſes Nahrungsmittel abwechſeln mit abgebrühtem Schrot von Hafer oder einer Miſchung von Hafer, Erbſen und Mais. Bei dieſer Art Fütterung wachſen die jungen Tiere ſchnell und kräftig heran. Wenn die Befie⸗ derung vollendet iſt, was im Alter von zwei Monaten einzutreten pflegt, bedürfen junge Gänſe keiner anderen Ernährung mehr, als die Alten. Mäſtung, Will man die jungen ausgewachſenen Gänſe zu gutem Fleiſch⸗ anſatze bringen, ſo geſchieht dies dadurch, daß man ſie bei Einſperrung 170 Dritter Abſchnitt. Waſſergeflügel und ſeine Züchtung. in engem Laufraume täglich dreimal reichlich mit abgebrühtem Schrot von Hafer oder mit aufgequellten Gerſten⸗ oder Maiskörnern füttert und dieſes Futter abwechſelnd reicht mit einer Miſchung von Weizenkleien und abgekochten Kartoffeln und klein geſchnittenen Runkelrüben oder Möhren und mit Leinſamen. Fett werden die Gänſe bei dieſer Fütterung aber nicht. Zur völligen Mäſtung iſt die erzwungene Nahrungs⸗ aufnahme und vollſtändige körperliche Ruhe erforderlich. Man ſtopft die Gänſe mit Teignudeln, welche aus Maisſchrot und dem 4. Teile Roggenmehl mit warmem Waſſer zu einem ſteifen Teige geknetet werden, aus dem man fingerdicke, 5 cm lange Nudeln formt. Futtergabe fünf⸗ mal täglich. Zahl der Nudeln zuerſt 8, darauf an jedem Tage bei jeder Stopfung 2 mehr, ſo daß am ſiebenten Tage 100 Nudeln ver⸗ braucht werden. Eine Gans verzehrt in jeder Woche 12 kg Schrot. Bei Straßburg i. Elſaß beſteht das einzuſtopfende Maſtfutter in aufgequellten Maiskörnern. Man gebraucht davon in drei Wochen 30 1 auf jede Gans. Das Stopfen geſchieht dreimal täglich. Eine Frau kann täglich 30 Gänſe mäſten. Den Maiskörnern fügt man täglich eine große Meſſerſpitze von Spießglanzpulver zu, was auf die Ver⸗ größerung der Leber hinwirkt; die Leber wird 1 bis 1 ½ kg ſchwer (Preis 10 Mark). Eine gemäſtete Elſaßer Gans wiegt 8 bis 10 kg. Auch in und bei Berlin wird Gänſemäſtung in größtem Maß⸗ ſtabe betrieben. Man verwendet dazu ausländiſche Magergänſe, welche zu vielen Tauſenden auf dem großen Gänſemarkte zu Rummelsburg bei Berlin gehandelt werden. Nach Maſtbeendigung wird die Gans geſchlachtet, ſauber berupft und ausgenommen. Frankreich, Norddeutſchland, Böhmen, Mähren, einige Teile Ungarns und Südrußlands treiben einen ſchwungvollen Gänſehandel, teils mit lebenden Vögeln, teils mit den Produkten aus geſchlachteten, worunter beſonders die geräucherten Gänſebrüſte und die Federn. Um Straßburg blüht die Gänſehaltung vornehmlich zur Gewinnung großer Lebern, die in Gänſeleberpaſteten die Feinſchmecker der ganzen Welt erfreuen. Zur Gänſehaltung iſt reichliches Waſſer nötig, wenn auch an vielen Orten ohne fließendes oder ſtehendes Gewäſſer Gänſezucht be⸗ trieben wird. Die Gans liebt es, ſich mehrmal des Tages zu baden; in Ermangelung von reichlichem, friſchem Trink- und Badewaſſer ver⸗ kümmern die Gänſe. In vielen Gegenden werden die Gänſe mehrmal im Sommer eines Teiles ihrer Bauch- und Bruſtfedern beraubt, und bildet der Erlös aus den Federn eine ſchöne Nebeneinnahme. Vier Wochen nach Beendigung des Brütens kann man die älteren Gänſe rupfen und das von acht zu acht Wochen wiederholen. Man erhält von 5 Gänſen zuſammen jedesmal ½ kg Federn. Die jungen Gänſe durfen jedoch im erſten Sommer ihres Lebens nicht gerupft werden. Man kann dieſe Vierter Abſchnitt. Taubenzucht. 171 Operation aber 4 Wochen vor dem Einſetzen in die Maſtkäfige vor⸗ nehmen. Man erhält dann von einer Emdener oder einer pommernſchen Gans für 1 ½ Mark, von der geſchlachteten für 3 Mark Federn. So nützlich die Gänſe durch den reichen Fleiſch⸗-, Fett⸗ und Federngewinn auch ſein mögen, ſo ſchädlich wirtſchaftet eine Herde Gänſe in den jungen Saaten und Gärten, wo die gefräßigen Tiere alle Pflanzen abbeißen, ja ſelbſt mit der Wurzel herausreißen. Die ſcharfen, ätzenden Exkremente verderben die Weide für die übrigen Tiere, ſo daß eigene Gänſeanger nötig ſind. Seit der Aufteilung der Gemeindeweiden hat die Gänſezucht gegen früher bedeutend ab⸗ genommen.— Vierter Abſchnitt. Taubenzucht. Bei keiner Vogelart giebt es, ſelbſt das Haushuhn nicht aus⸗ genommen, ſo viele durch die merkwürdigſten Körper⸗ und Gefieder⸗ bildungen ſich unterſcheidende Raſſen, wie bei der Haustaube, ſo daß es ſchwer hält, anzunehmen, daß alle dieſe verſchiedenen Raſſen von ein und derſelben Art, der Felſentaube(Columba livia), abſtammen. Die gebräuchliche Einteilung derſelben iſt im Jahre 1869 durch eine Verſammlung erfahrener Tauben⸗Kenner und ⸗Züchter zu Dresden feſtgeſtellt worden. I. Gruppe. Feldtaube. Hierunter ſollen nicht nur die einfachen Feldtauben, ſondern auch die veredelten Schläge, die ſogenannten Farbentauben, gerechnet werden, gleichviel ob dieſelben glattköpfig, querhäubig oder doppelkuppig ſind; ferner die Trommeltauben mit ihren Unterarten, ſowie die Locken- und Gimpeltauben. Die Feldtaube oder der Feldflüchter(Columba livia domestica) als die Stammmutter der Haustauben, hat einen ſchwärz⸗ lichen, an der Naſenhaut bläulichen Schnabel, blaurote Füße, grau⸗ blauen Kopf, mohnblauen Rücken und Flügel, die durch zwei ſchwärz⸗ liche Querbinden ausgezeichnet ſind, und graublaues übriges Gefieder. Der Schwanz iſt vorne ſchwarz, an den Seiten weiß geſäumt. Hals und Bruſt haben einen blaugrünen, unten roten Metallglanz. Das Auge iſt hellgelb. Von dieſer Stammart ſind die zahlreichen Farben⸗ ſchläge herzuleiten, welche die Taubenhäuſer bevölkern und durch ihr verſchiedenartiges Gefieder— weiß, ſchwarz, rot, gelb und gemiſcht— 172 Vierter Abſchnitt. Taubenzucht. ſehr zur Belebung des Hofes dienen. Die Liebhaberei beſchäftigt ſich mit der Züchtung der einzelnen beſonderen Varitäten, ſo daß oft recht hübſch gezeichnete Exemplare vorkommen. G. Prutz führt in ſeinen„Arten der Haustaube“ noch folgende Farbentauben an, die jedoch hier nur dem Namen nach angeführt werden können: Die Flechttaube in Weſtfalen; der Hohlflügel, einfarbig hellblau ohne Flügelbinden; die hohlblaue Taube; die wilde Hohl— taube(columba oenas), in der Färbung ſehr ähnlich; die Eis⸗, Mehl⸗, Porzellan-(in Wien Laxenburger) oder Laſurtaube, vorzüglich in Schleſien heimiſch; der Starenhals, beſonders durch ſeine Zärtlichkeit auch gegen fremde Junge ausgezeichnet; die Schweizertaube; die weiß⸗ bläſſige Taube(gemeine, weißbindige, weißſchuppige und kupferflüglige Bläßchen); die Pfaffentaube mit den Unterarten: der Mönch, die weißlatſchige, weißbindige, weißſpießige, geſtarte und ſilberſchuppige Pfaffentaube; dieſe Arten haben eine Kronen⸗ oder Muſchelhaube und verſchieden, meiſt weiß gefärbten Kopf; die Mönchtaube, der erſteren ſehr ähnlich, nur mit weiß gefärbten Schwingen und Schwanz; die Masken⸗ oder farbenſchnippige Taube; die Storch⸗ oder Schwerttaube; die Schwalben⸗, Feen⸗ oder Flügeltaube(ſchleſiſche und Nürnberger, glatte und Schuppflügel); der Mohrenkopf oder die farbenköpfige Taube; die Helm⸗ oder Latztaube(col. galeata) mit bis zum Halſe herabgehender Muſchel oder Helm; die farbenbrüſtige oder Bruſttaube(Brüſter); die Schild- oder Deckeltaube(col. clypteata); die Gimpel⸗ oder illyriſche Taube; die Feuertaube mit ſtarkem Metallglanze; die Luchstaube (Krakau) ꝛc. Die Trommeltaube(col. tympanizans vel dasypus, trumpeter pigeon) iſt größer als die Feldtauben, hat längeren Schnabel, eine Hohlhaube, einen nach vorn gerichteten Schopf auf dem Haupte und ſtark befiederte Füße(Latſchen). Beim Ruckſen läßt dieſe Art einen eigentümlichen trommelartigen Ton hören. Sie iſt in England ſehr geſchätzt. Die beſten Exemplare werden aus Rußland eingeführt. Man unterſcheidet ruſſiſche, buchariſche und Altenburger oder glattköpfige Trommeltauben. Die Klatſchtaube, Ringſchläger, Drehtaube(columba percussor), hat eine Spitzhaube, glatte Beine, großen, kräftigen Körper; Kopf, Unterrücken, Schwanz, Unterleib und Schenkel ſind weiß, das andere Gefieder lichtblau oder auch anders gefärbt. Das Weiße des Kopfes verläuft in zwei ſtrohhalmbreiten, ſcharf abgegrenzten Streifen unterhalb des Auges und Kinns. Eigentümlich iſt die Flugart. Die Klatſchtauben fliegen nicht weit, ſchlagen aber bei jedem Flügelſchlage mit einem klatſchenden Geräuſche die Flügel an den Leib, ſo daß es weithin ſchallt.— Die Locken⸗ oder Perltaube(col. crispa vel hispida) hat eine aus zierlichen, kleinen Löckchen beſtehende Muſchelhaube und weißes Gefieder; alle Federn der oberen Körperfläche ſind an den Spitzen zu⸗ ſammengedreht, aufgerichtet und nach vorne zurückgebogen, auch wohl Feldtaube, Tümmler oder Flugtaube, Perückentaube. 173 in Locken gedreht. Beſonders ſchöne Exemplare kommen in den Nieder⸗ landen vor. Die Seidenhaartaube(col. saetacea) hat ein ganz zerſchliſſenes, ſeidenartiges Gefieder, wobei die größeren Federn wie Franſen um den Körper herumhängen. Dieſe Eigenſchaft der Federn hindert ſie am Fliegen, ſo daß ſie rein an den Schlag angewieſen iſt. Die Färbung iſt faſt immer weiß. II. Gruppe. Tümmler oder Flugtaube mit kurzen und langen Schnäbeln, mit und ohne Kuppen, glatt und rauhfüßig; insbeſondere wurde feſtgeſtellt, daß die Nonnen zu den Tümmlern gehören und dieſer Gruppe beizuzählen ſind. Die Tümmler, Purzel⸗ oder Pantomimentaube(col. domes. gyratrix) iſt kleiner als die Feldtaube, hat meiſt einen kurzen Schnabel, rote, nackte Augenlider und verſchieden gefärbtes und ge⸗ zeichnetes Gefieder. Der Flug iſt hoch und reißend ſchnell. Der Name rührt von der Eigentümlichkeit, ſich mehrmals im Fluge zu über⸗ ſchlagen; je öfter und ſchneller dies geſchieht, deſto höher ſtehen ſie im Werte. Von den Züchtern dieſer Art wird ein eigener Sport, das ſogenannte Jagen, mit Vorliebe getrieben. Gewöhnlich werden 10 Stück dieſer Tauben als ein ſogenannter Stich fliegen gelaſſen, die nun in weiten Kreiſen ſich in der Luft herumtreiben, oft durch das Schwenken einer weißen Fahne genau die beſtimmten Evolutionen befolgend, die der Beſitzer wünſcht. So wird das Spiel mit den übrigen fortgeſetzt, oft dreimal des Tages, morgens, mittags und abends wiederholt, bis die Tauben nach einiger Zeit in den Jagdſchlag zurückkehren. Nach der Farbe des Gefieders unterſcheidet man rote, gelbe, ſchwarze und blaue einfarbige, Weißſchwänze, Tümmler mit weißen Flügelſpitzen und weißem Barte, Nönnchen, bei weißer Grundfarbe mit roten, gelben und ſchwarzen Plättchen und Schlägen, Buntknöpfe oder Berliner, eigentliche Plättchen mit farbigen Köpfen und Schwänzen, Elſtern, Prager Schimmeln, Wiener Ganſeln, Danziger Wolkenſtecher, die engliſchen Almondtümmler, geſcheckte Tümmler(Mottels), Bart⸗ tümmler(Beards), weißköpfige(Baldheads) und geierfarbige Tümmler, indiſche Tümmler(Lahore) und Purzler(Goolees, Lowtans, Mukis ec.). III. Gruppe. Perückentaube, wozu auch die krauſen Mohrenköpfe(Schmalkaldner) gehören. Die Perückentaube(Jakobiner⸗, Kragen⸗, Schleier⸗, Venus⸗, Zopf⸗ taube, the Jack, columba cucullata) iſt größer als die Haustaube, hat einen kurzen, gedrungenen Schnabel, ſtark gewölbten Kopf und zeichnet ſich beſonders durch eine Reihe verlängerter, geſträubter Federn am Hinterhalſe aus, welche teils uag vorne, teils nach rückwärts gebogen ſind und eine förmliche Perücke bilden; je geſchloſſener ſich dieſer rden um den glatten Kopf legt, für deſto wertvoller gelten ſie. Die Füße ſind meiſt ganz befiedert; die Färbung iſt verſchieden, 174 Vierter Abſchnitt. Taubenzucht. rot, gelb, blau, ſchwarz und ganz weiß; Kopf und Schwanz müſſen immer weiß ſein, der Augenring iſt bald rot, bald weißlich. Die Schmalkaldner, früher Mähnentaube(col. jubata) genannt, hat keine ſo regelmäßige Muſchelhaube, wie die Jakobiner; die Federn fallen mehr wallend nach dem Halſe ab, mähnenartig, der ſchwarze Kopf ragt frei heraus, die Farben müſſen genau voneinander abgegrenzt ſei in Thüringen und ſächſiſchem Erzgebirge kommt ſie hauptſäch⸗ ich vor. IV. Gruppe. Das Mövchen, Kreuz-⸗, Halskrauſen⸗, Kretiſche Taube(Turbits, col. Buho nominata), gehört zu den kleinſten Taubenarten. Der Schnabel iſt ſehr klein, die Naſenhaut dick, der Kopf groß, die Stirne beſonders hoch und eckig, bei den meiſten Varietäten mit einer Spitzhaube, ſeltener mit einer Hohlhaube geziert. Den Vorderhals ſchmückt ein Streifen langer, nach auswärts geſträubter, gekräuſelter Federn, oft auch eine Krauſe. Die Färbung iſt bei den Möwchen weiß mit farbigem Schilde auf den Flügeln, rot, gelb, blau und ſchwarz oder ganz weißz außerdem kommen auch Miſchfarben vor. Dieſe kleinen, zierlichen Tauben haben von jeher viele Liebhaber gefunden, ſo daß ſich die große Menge Spiel⸗ arten erklärt. Man unterſcheidet deutſche, engliſche, italieniſche, chineſiſche, ägyptiſche ꝛec. Möwchen. Dazu gehören auch die Eulentauben(owls), welche ſich von den Möwchen durch das Fehlen des Schopfes und gleich— mäßig gefärbtes Gefieder unterſcheiden. Dieſe Gruppe zeichnet ſich durch ſehr raſchen Flug aus, ſo daß dieſelben als Brieftauben Verwendung finden können. V. Gruppe. Pfautaube (Schüttel⸗, Zitter⸗, Hühnertaube, Col. dom. laticaudata) iſt von ver⸗ ſchiedener Farbe und Größe und zeichnet ſich durch größeren Reich⸗ tum an Schwanzfedern aus, die von 16 bis 40 variieren und auf⸗ richtbar ſind, ſo daß die Taube, ähnlich dem Pfaue, ein förmliches Rad ſchlagen kann. Den Namen Zittertaube führt dieſe Art von der zitternden Bewegung des Kopfes, wenn ſie in der Ruhe den Schwanz vorwärts und den Kopf zurückzieht, ſo daß ſich beide faſt berühren. Manche unterſcheiden pfauenartige und hühnerartige, welcher Unterſchied ſich auf das Tragen und Entfalten des Schwanzes bezieht. Beſonders geſchätzt ſind die Arten, von melcheü die Flügel unter dem Schwanze ge⸗ tragen werden. Die Färbung iſt verſchieden. Während beim Pfau ſich die Schwanzdeckfedern aufrichten, erfüllen dieſe Aufgabe hier die eigent⸗ lichen Schwanzfedern. Merkwürdigerweiſe fehlt dieſer Taubenart die Ol⸗(nicht Fett⸗) Drüſe. VI. Gruppe. Hühnertauben(col. brevicauda) umfaſſen die Hühnerſchecken, Florentiner, Modeneſer und Malteſer. Die unter dieſen Namen zuſammengefaßten Tauben haben die Größe kleiner Mövchen, Pfau⸗, Hühner⸗ und Kropftaube. 175 engliſcher Zwerghühner, glatten Kopf, hohe Beine und kurzen, gerade in die Höhe ſtehenden Schwanz. Fulton nennt dieſe Arten, beſonders die Florentiner,„von beſonderer Häßlichkeit“. Dieſelben machen einen eigentümlichen Eindruck, namentlich durch ihren Gang, der an den der Ente erinnert. Der zurückgebogene Kopf und der vorwärts geneigte Schwanz ſtoßen oft zuſammen, wie dies auch bei den Pfauentauben der Fall iſt. Die Färbung des Gefieders iſt verſchieden, in allen Schattierungen vorkommend. Beſonders hierher gehörig werden aufgeführt: die Mal⸗ teſer, die Rebhuhn⸗, die Florentiner oder Hinkeltaube, die Hühnerſchecke, die Handeltaube und der Monteneur. Dieſelben ſind beſonders als Nutztiere für Fleiſchproduktion zu empfehlen. Dazu gehören auch die Olmützer Straßer, die in Mähren, Ober⸗ und Niederöſterreich ver⸗ breitet ſind. VII. Gruppe. Kropftaube(col. guttorosa) (Kröpfer, Bläſer, holländiſche Taube, Pouter) umfaßt die zahlreichen Arten, welche die Fähigkeit haben, den Schlund bis zur höchſten Potenz aufzublaſen. Die Geſtalt iſt meiſt ſchlank, die Größe ziemlich bedeutend, der Schnabel mittelmäßig lang, die Stirne hoch, die Füße ſind oft ſehr lang, häufig vollſtändig befiedert und bei guten Schlägen ſehr enge geſtellt. Die Flügel ſind ſehr ſchmal und lang, ebenſo der Schwanz; die vorderen Schwanzfedern meiſt weiß, bei allen den verſchiedenen Farben⸗ varietäten. Der Kropf kann zu unglaublichen Dimenſionen aufgeblaſen werden; gewöhnlich äußert ſich dieſes Aufblaſen bei geſchlechtlicher Er⸗ regung und bildet zu dem ſchlanken, hohen Körper einen eigentümlichen Gegenſatz. Die Kropftauben ſind abgeſondert von den übrigen zu halten, da dieſelben, wenn der Kropf aufgeblaſen iſt, ſehr unbehilflich und den Angriffen der anderen Tauben faſt wehrlos ausgeſetzt ſind. Die Vor⸗ liebe für dieſe Taubenart war früher bedeutend größer, da nach Latham's Angabe zu Ende des vorigen Jahrhunderts in England ein Paar oft mit 20 Guineen(400 Mark) bezahlt wurde. Die Hauptarteu ſind: a) der deutſche, kurz⸗ und glattbeinige Kröpfer; die Flügel überragen das Schwanzende um 5 cm; eine Abart hiervon iſt der ungariſche Kropfer und der öſterreichiſche Klätſcher; b) der franzöſiſche, lang⸗ und glattbeinige Kröpfer, meiſt einfarbig vorkommend; c) der engliſche, lang⸗ und rauhbeinige Kröpfer, inkluſive des ſehr ähnlichen pommernſchen Kröpfers; die Farben ſind blaugelb, rot⸗ braun und ſchwarz mit weißen Abzeichen; d) die ſächſiſche Kropftaube, kleiner als die deutſche und ſchlanker gebaut; e) die kleinen Kropftauben, unter dem Namen Brünner und Prager Kröpfer bekannt, gehören zu den kleinſten Haustauben; f) die holländiſche Ballonkropftaube, mit runder Geſtalt und immer zurückgebogenem Halſe, wie die Pfauentauben. 176 Vierter Abſchnitt. Taubenzucht. VIII. Gruppe. Montaubantaube, mit oder ohne große Muſchelhaube, ſtammt aus der ſüdfranzöſiſchen Stadt Montauban und gehört zu den größten Taubenarten. Der ſchwere Flug und die große Ungeſchicklichkeit beim Brüten, wo ſie oft die Eier und die Jungen zertreten, macht ſie nicht ſehr beliebt. Eigentümlich iſt die Muſchelhaube, welche ſehr breit iſt und niedergedrückt bis an die Ohrlöcher reicht, wovon auch dieſe Taubenart den Namen Muſcheltaube erhalten hat. Dieſelbe eignet ſich beſonders zur Maſt, da ſie ein ſehr erhebliches Gewicht zu erreichen vermag. IX. Gruppe. Die ſpaniſche Taube(columba hispanica) und römiſche Taube gehören zu den größten und ſchwerſten Tauben⸗ arten. Die Geſtalt iſt maſſig, und ein Gewicht von 1—1 ½ kg iſt nicht ſelten; die Fruchtbarkeit iſt ſehr groß, ſo daß manches Paar oft jeden Monat brütet, woher auch der Name Monatstauben. Der Schnabel iſt kurz, gebogen und mit einer dicken, breiten Naſenhaut zum Teile be⸗ deckt. Die Augenringe ſind rot, ebenſo die Augenlider. Das Gefieder iſt in allen Schattierungen zu finden, ſchöne Zeichnungen ſind ſehr ge⸗ ſchätzt. Der Flug iſt ſchwerfällig, ſo daß ſie leicht eine Beute der Raub⸗ vögel werden. Dieſe nützliche Raſſe iſt zur Zucht für Fleiſchgewinnung ſehr zu empfehlen. Die Jungen wachſen raſch, und deren Fleiſch iſt von den Feinſchmeckern ſehr geſucht. Die große Zahl von Varietäten und Spielarten erſchwert die ge⸗ naue Einteilung. Zu erwähnen iſt die ſpaniſche Razataube, welche viel⸗ fach zu Wettkämpfen verwendet wird, die darin beſtehen, daß die unge⸗ paarten Tauben oder Tauber in einen fremden Schlag gelockt werden. X. Gruppe. Orientaliſche Tauben. a) Bagdette(Columba curvirostra):) franzöſiſche,„) Nürn⸗ berger, y) engliſche Bagdette oder Karrier hat ihren Namen wahr⸗ ſcheinlich von der Stadt Bagdad. Gayot in ſeinem Werke„le pigeon“ leitet den Namen von der ſpaniſchen Stadt Baga ab. Ihr Urſprung reicht weit in das Altertum zurück und iſt unbedingt auf den Orient zurückzuführen. In Nürnberg, wo ſie am beſten vorkommt, wurde ſie vor Jahrhunderten aus der Levante eingeführt. Dieſe in wirtſchaft⸗ licher Hinſicht wenig wertvollen Vögel— ſie brüten wenig und bringen meiſt nur ein Junges auf— bilden ein Beiſpiel, wohin Verirrung des menſchlichen Geſchmackes bei der Zucht der Haustiere führen kann. Die beſondere Auszeichnung dieſer Art iſt eine unförmige Wucherung der Naſenhaut, die in trüffelförmiger, höckeriger Geſtalt am Schnabelende aufſitzt, oft Walnußgröße erreicht und die Tauben am Sehen hindert, ſo daß beſondere Rückſicht bei der Fütterung darauf genommen werden muß, daß nur größere, leichter zu findende Körner gereicht werden; es empfiehlt ſich daher auch, dieſe Tauben abgeſondert von den anderen zu halten und zu füttern. Die Meinungen über die Entſtehung dieſer Montaubantaube, ſpaniſche und orientaliſche Tauben. 177 Naſenhautwucherung ſind geteilt; falſch ſcheint die Anſicht zu ſein, die— ſelbe ſyphilitiſchen Nachwirkungen zuzuſchreiben. Der häßliche Naſen⸗ höcker iſt weißlich-grau; die Augenringe zeigen ebenfalls eine ſolche Wucherung, ſind ſehr breit und haben eine weißlich⸗graue bis blaß fleiſch⸗ rote Färbung. Die Geſtalt der Bagdetten iſt ſchlank und langgeſtreckt und ziemlich hoch gebaut. Kopf und Füße ſind glatt, Schwingen und Schwanz ſchmal und lang. Die Färbung des Gefieders iſt meiſt ein⸗ farbig weiß, ſchwarz, blau, braun, rot und erbſengelb, oft auch gemiſcht. Der Flug iſt ausgezeichnet raſch und ausdauernd. Die aus Agypten ſtammenden engliſchen Bagdetten(Karriers) werden mit Vorliebe ge⸗ züchtet und gute Exemplare mit enormen Preiſen bezahlt. Beliebt iſt auch eine Kreuzung mit den Tümmlern, deren Produkte unter dem Namen Drachentaube(Dragon carrier) bekannt iſt. b) Europäiſche und orientaliſche Brieftauben(Col. dom. tabellaria) ſind, wie früher erwähnt, ſeit den älteſten Zeiten mit Vor⸗ liebe gezüchtet worden. Von einer eigentlichen Raſſe kann kaum bei den orientaliſchen Brieftauben die Rede ſein, da die zur Briefbeförde⸗ rung verwendeten Tauben aus einer Kreuzung verſchiedener ſchneller Tauben gezogen wurden. Erſt in neuerer Zeit entwickelte ſich ein mehr charakteriſtiſcher Schlag. Die jetzt vorhandenen eigentlichen Brief⸗ tauben ſind ſorgfältig gezüchtete Miſchlingsraſſen aus Karrier, Feld⸗ taube, Mövchen und Tümmler: die langſchnäblige oder Antwer⸗ pener, die kurzſchnäblige oder Lütticher Brieftaube. In letzter Zeit wird in Deutſchlande in Kreuzungsproduckt aus dieſen beiden vor⸗ zugsweiſe gezüchtet und verwendet. Eine reiche Litteratur beſchäftigt ſich ſpeciell mit dieſem Zweige der Taubenzucht, der ſeit dem Kriege 1870— 71 erhöhtes Intereſſe allgemein in Anſpruch nahm. Die intereſſante Dar⸗ ſtellung und Zucht der Brieftaube würde hier zu weit führen, es ſei hier auf das treffliche Werk von Chapuis(„le pigeon voyageur de Belge“) über die belgiſchen Brieftauben verwieſen, worin ausführlich und eingehend das Nähere darüber angegeben iſt. Kürzere Anleitungen geben: Hörter, Der Brieftaubenſport, Leipzig 1890; Röder, Die Brieftaube und die Art ihrer Verwendung zum Nachrichtendienſte, 2. Ausg. Heidelberg 1895, und eine ziemlich große Anzahl anderer, die alle aufzuzählen zu weit führen würde. Die Brieftauben haben einen ſchlanken kräftigen Körper, ähnliche Wucherungen, wie die Bagdetten über der Naſe und um die Ohren, rote, öfter auch befiederte Füße, kräftige, lange Flügel und einen ausnehmend raſchen, pfeilſchnellen Flug. Die ſtaunenswerte Genauig⸗ keit, mit welcher ſich dieſe Tauben zu orientieren und aus weiten Ent⸗ fernungen ihre Heimat wieder zu erreichen vermögen, war lange Zeit ein ungelöſtes Rätſel und wird ſelbſt heute noch von manchen dafür gehalten, obgleich das Verhalten dieſer Tauben ſich aus ihren Eigen⸗ ſchaften unſchwer erklären läßt. Die Taube hat eine ausgeprägte An⸗ hänglichkeit an ihren Niſt- und Heimatsort und ſucht, irgendwo anders hin gebracht, dieſen hartnäckig wieder auf. Sie findet ihn aber nur Pribyl, Geflügelzucht. 4. Auflage. 12 178 Vierter Abſchnitt. Taubenzucht. dann wieder, wenn ſie, nachdem ſie ſich hoch in die Luft erhoben, die Gegend, in welcher er liegt, erkennen kann. Kann ſie vom Auflaßorte aus dieſe Gegend nicht erkennen, ſo findet ſie die Heimat nicht wieder. Die Brieftaube muß daher, wenn ſie größere Reiſen machen ſoll, etappenweiſe eingeübt werden. Dabei kommt ihr vortrefflicher Ortsſinn und ihr Orientierungsvermögen zur Geltung, ſo daß ſie die einzelnen Gegenden, von welchen aus ſie ſchon früher ihren Heimflug angetreten hatte, wieder zu erkennen vermag. Selbſtverſtändlich ſpielt dabei die Beſchaffenheit des Gebäudes eine große Rolle, ſo daß die einzelnen Etappen in offener Gegend weiter auseinander liegen können, als in bergiger. Trotzdem iſt es ſtaunenerregend, daß Brieftauben aus 1000 und mehr Kilometer Entfernung mit Hilfe ihrer Etappen den Rückweg und ihre Heimat wieder erreichen können. Die Fluggeſchwindigkeit beträgt bis zu 100 km in der Stunde; die Flughöhe liegt bei ungünſtigem Wetter zwiſchen 100 und 130, bei günſtigem zwiſchen 250 und 300 m. Der Brieftaubenſport hatte ſeinen Hauptſitz früher in Belgien und Fankreich, wo alljährlich eine große Zahl von Wett⸗ und Preis⸗ flügen veranſtaltet ward, und wo oft hohe Gewinne dem glücklichen Sieger zufielen. Die Brieftaubenzucht, von der Regierung aus mili⸗ täriſchen Rückſichten gefördert, nahm in Deutſchland ſeit dem Anfang der 70 er Jahre einen ungeahnten Aufſchwung und konkurriert eben⸗ bürtig mit den Nachbarländern. Im Jahre 1894 traten zu Köln die Brieftaubenzüchter⸗Vereine zum Verbande deutſcher Brieftaubenliebhaber⸗ Vereine zuſammen, deſſen Protektor der deutſche Kaiſer iſt. Derſelbe um⸗ faßte 1896 nicht weniger als 432 Vereine mit 5666 Mitgliedern und 157323 Tauben; der Verband bayeriſcher Vereine zählte damals 23 Vereine mit 177 Mitgliedern und 5868 Tauben; 1897 ſind 58 Ver⸗ eine neu hinzugetreten.— In vielen Feſtungen Frankreichs, Deutſchlands, Oſterreichs, Spaniens, Italiens und Rußlands werden jetzt ebenfalls Brieftauben gezüchtet, um ſich ihrer Dienſte im Kriegsfalle bedienen zu können. Die „Blätter für Geflügelzucht“ brachten ausführliche Berichte über dieſen Zweig der Taubenzucht. c) Die cypriſche oder polniſche, türkiſche, Indianer— taube(Col. barbaria) ſcheidet ſich in die größere franzöſiſche(pigeon polonais) und kleinere ſächſiſche Art. Sie iſt die kleinſte orientaliſche Taubenart, kleiner, aber geſtreckter als die Feldtaube, meiſt mit glattem Kopfe, hat einen überaus kurzen Schnabel; die Naſenhaut iſt wulſtig erhöht, die Augenringe breit, rot, im Alter weißkruſtig; die Füße ſind ſehr niedrig. Die Färbung iſt dunkel, doch kommen alle Farbenvarietäten vor. Dieſe Taubenart wird ebenfalls zu Briefpoſten verwendet. Im Bergiſchen hält man eine Abart der Indianertaube unter dem Namen türkiſche Taube; die wulſtige Erhöhung am Schnabelende iſt größer und warziger, um die Augenränder bilden ſich breite Ringe von blaßroter Farbe und warziger Beſchaffenheit, ſogenanntes totes Wohnräume. 179 Fleiſch. Das Gefieder iſt dunkel, doch kommen alle Farbenmiſchungen vor; die rotbraune iſt die geſchätzteſte. Dieſe Taubenart wird ſehr ſchwer, iſt leicht mäſtbar und ſehr fruchtbar.— Wohnräume. Abweichend von den Stallungen des Geflügels ſind die Wohn⸗ räume der Tauben. In der größeren Mehrzahl der Taubenhaltung begnügt ſich der Züchter, denſelben unter dem Dachfirſt einige ganz primitive Verſchläge aufzurichten, in welchen ſie zur Not ihr Unter⸗ kommen finden. Etwas weiter geht die Sorge, wo denſelben im Hofe ein eigener Taubenſchlag oder Taubenrad in der bekannten Form auf⸗ geſtellt wird, und wo doch nur wenig Sorge den Tieren gewidmet wird, die zumeiſt darauf angewieſen ſind, von fremden Feldern und einigen Gnadenbrocken zu leben. Anders geſtalten ſich die Verhältniſſe, 3— 1¹. 5 11 3 12e Fig. 36. Neſtkäſtchen für Taubeu nach Fulton. wo Liebhaberei alles Mögliche anwendet, um die Taubenwohnung ſo rationell und wohnlich als möglich herzurichten, wie dies beſonders Fulton durch zahlreiche Entwürfe und Pläne beweiſt. Die von dem übrigen Geflügel abweichende Art der Tauben, ihre Jungen ſelbſt aufzuziehen, indem mit rührender Sorgfalt das Taubenpaar mit der im Kropf zubereiteten Nahrung die Jungen azt, brachte es mit Notwendigkeit dahin, die größte Sorge auf richtig und läſſigten Jungen aus den Neſtern kriechen, in welche ſie dann nicht zurückkehren können, um bei der brütenden Täubin Nahrung und Wärme zu finden. In ihrem hilfloſen Zuſtande fallen ſie leicht der Kälte zum Opfer. Von dieſen Erwägungen geleitet, konſtruierte Fulton die oben⸗ ſtehenden Taubenneſter(Fig. 36). Jedes derſelben beſteht aus zwei Abteilungen, die durch eine Scheidewand getrennt ſind, deren Höhe ſo 12 180 Vierter Abſchnitt. Taubenzucht. bemeſſen iſt, daß ein Hinüberblicken von einem Raume zum anderen verhindert wird. In jeder der beiden Kammern befindet ſich eine flache, gut gebrannte und glaſierte Thonſchüſſel, welche als Neſt dient; etwas Stroh oder Sägeſpäne bilden die Unterlage für die Eier. Der Boden iſt gleichfalls mit Sägeſpänen, etwa 15 mm hoch bedeckt, damit die Jungen beim Herauskriechen ſich nicht beſchädigen. Zugleich iſt dieſe Sägeſpänebedeckung das beſte Mittel, um Ungeziefer von den Tauben entfernt zu halten. Die 6— 8 em hohe Scheidewand hindert die Jungen, die etwa wieder brütende Täubin zu ſehen; ſie bleiben ruhig im Neſte hocken, bis ſie flügge geworden; der Tauber beſorgt I Fuſs Fig. 37. Fulton's Neſter für Flugtauben. unterdeſſen die Ernährung. Der Deckel erleichtert die leichte Reinigung des Innern. Das Flugloch iſt in gleicher Höhe mit der trennenden Scheidewand angebracht; vor demſelben iſt ein kleines Brettchen zum Ausruhen befeſtigt. Die einzelnen Ausmaße richten ſich nach der Größe der Taubenart; doch muß immer darauf Rückſicht genommen werden, daß die Wohnung den Tieren genügend Raum bietet. Für Flugtauben empfiehlt ſich die zweite Art von Neſtern(Fig. 37), wo zwiſchen je zwei derſelben noch ein Zwiſchenraum eingeſchoben iſt. Die Scheidewände müſſen mindeſtens 12— 15 cm. hoch ſein, um ein Herausfallen der Jungen zu hindern. Üüberhaupt iſt es gut, die Brut⸗ neſter ſo nahe als möglich dem Boden aufzuſtellen, um eben die häufigen Verluſte, welche das Herausfallen der Jungen aus den Neſtern ver⸗ Wohnräume. 181 anlaßt, zu vermeiden. Zugleich iſt damit der Vorteil verbunden, daß die brütende Täubin nicht ſo weit zum Futter hat, was bei der oft geſchwächten Kraft derſelben, beſonders bei oftmaligem Brüten, von nicht zu unterſchätzender Wichtigkeit iſt, da dadurch die Verluſte durch Verkühlen der Eier vermieden werden. Die niederen Neſter ermöglichen auch den halbflüggen oder herausgekrochenen Jungen, ſich leicht in Fig. 38. Taubenſchlag nach Fulton'’s Entwurf. dieſelben zurückzuziehen, um den Schnabelhieben der übrigen Tauben zu entgehen. Das Bild einer größeren Taubenbehauſung gewährt die Skizze Fig. 38, die allen Anforderungen eines Taubenhauſes entſprechen dürfte. Das geräumige Innere beſteht aus den am Boden befindlichen, früher beſchriebenen Brutneſtern, über welche ſich mehrere Reihen Sitzſtangen hinziehen. Dieſelben beſtehen aus etwa 7—10 cm langen und 4 bis 5 cm breiten, vorne abgerundeten Brettchen, damit durch Anfliegen oder Stoßen keine Verletzungen hervorgerufen werden; dieſelben ſind 182 Vierter Abſchnitt. Taubenzucht. mindeſtens 25 em voneinander entfernt, um eine gegenſeitige Beun⸗ ruhigung nebeneinander befindlicher Tiere zu vermeiden. Unterhalb derſelben iſt ein vorſtehendes, ſchräges Brett angebracht, um die übrigen Sitzreihen von den herunterfallenden Exkrementen zu ſchützen. Auf der einen Seite über den Neſtern befinden ſich Drahtkäfige, in welchen die zu paarenden Tauben eingeſchloſſen werden, oder um, aus welchem Grunde immer, einen Inſaſſen des Taubenhauſes zu iſolieren. Der Boden iſt 2 cm hoch mit Sägeſpänen(Torfmulh) bedeckt, gleichwie in den Brutneſtern, wodurch eine leichte Reinigung ermöglicht wird; zu⸗ gleich iſt dies das beſte Mittel gegen Ungeziefer, da ſich in den Säge⸗ ſpänen oder Torfmull keine Schlupfwinkel für dasſelbe vorfinden können. In deren Ermangelung kann auch guter trockener Sand, der häufig erneuert und täglich mittelſt eines ſcharfen Rechens von dem Tauben⸗ miſte und anderen Verunreinigungen geſäubert wird, Verwendung finden. Boden und Wände ſind auf jeden Fall gut und glatt zu ver⸗ putzen und mit weißem Kalk öfters zu übertünchen, da die Tauben gerne an dem Kalküberzuge picken. Früher erwähnte Eß⸗ und Trink⸗ geſchirre, ſowie Badevorrichtung, nehmen die Mitte des Bodens ein. Die Größenverhältniſſe der ganzen Wohnung beſtimmt die Anzahl der zu haltenden Tauben. Genügende Fenſteröffnungen und ausgiebige Ventilation ſorgen für Licht und friſche Luft. Taubenfreunde erbauen oft reizende Behauſungen für ihre Lieb⸗ linge, die dann förmlich Volieren gleichen. Für Feld⸗ und Flugtauben empfehlen ſich ähnliche Einrichtungen, wie die nebenſtehende Zeichnung darſtellt(Fig. 39). Die ſcheuen Tiere vermeiden bei ihrem Niſten im Freien alle Orte, wo Geräuſch, Menſchen⸗ verkehr oder Tierleben ſie in ihrer Ruhe ſtören könnten, und ziehen ſelbſt ein unſcheinbares Mauerloch den beſten Wohnräumen vor, wenn nicht genügend für ihre Ruhe und Ungeſtörtheit Sorge getragen wird. Deshalb ſollen dieſe Taubenhäuſer oder Taubentürme iſoliert ſtehen, nicht im Geflügelhofe, obgleich die Tauben dadurch den Angriffen der Raubvögel vielmehr ausgeſetzt ſind. Früher beſchriebene Neſter erfüllen rings umher das Innere eines ſolchen Taubenſchlages, deſſen dicht ver⸗ wahrte Wände gegen das Eindringen vierfüßiger Räuber beſondere Sorgfalt erheiſchen. Vorzüglich iſt auch hier, wie bei den übrigen Taubenwohnungen, ſtrenge Reinlichkeit und Vermeidung jeglichen Zuges, gegen welchen die Tauben ſehr empfindlich ſind, nötig. Die durch⸗ brochene Decke dient als Ausgangspunkt, als Flugloch, und ſoll gegen das Eindringen der Raubvögel geſchützt werden. Dies erreicht am beſten die aus der Zeichnung erſichtliche, ſogenannte Platte(Area), die einem Drahtkäfige ähnlich iſt; mehrere durch eine in Rollen gehende Schnur leicht ſchließbare Fallgatter oder Fallbrettchen ermöglichen den Ein- und Ausflug; iſt nur eine Offnung vorhanden, ſo hindert oft ein ſtreitfüchtiger Tauber durch hartnäckiges Beſetzen des Einganges die übrigen Tiere beim Ein- und Ausfliegen. Eine bequeme Leiter im Innern ermöglicht die genaue Unterſuchung der Neſter. Der Boden⸗ Wohnräume. 183 raum iſt bedeutend kleiner als in den Wohnräumen der Haustauben, da dieſe Taubenarten die meiſte Zeit im Freien zuzubringen pflegen. Fig. 39. Einzelnſtehender Taubenſchlag für Feldtauben. Doch muß für den Fall ſchlechter Witterung genügend Raum zur Sen 4 Hellle m i dr Fütterung und Tränke vorhanden ſein. Wo dieſe Taubenhäuſer in der bekannten Taubenſchlagform aufgeſtellt werden, leiſtet im Innern 184 Vierter Abſchnitt. Taubenzucht. eine Drehleiter vorzügliche Dienſte, indem durch dieſelbe die häufige Unterſuchung der Neſter weſentlich erleichtert wird. Ruht der Tauben⸗ ſchlag auf einer oder mehreren Säulen, ſo iſt zweckmäßig, dieſelben in der Höhe von etwa 1,5 m mit Eiſenblech zu beſchlagen, um das Hinauf⸗ klettern der Ratten, Marder, Katzen ꝛc. zu verhindern. Auch die Flug⸗ löcher müſſen ſo weit von Bäumen und Gebäuden entfernt ſein, daß ein Sprung eines dieſer ungebetenen Gäſte unmöglich wird; bei Außer⸗ achtlaſſen dieſer Vorſicht kann es leicht geſchehen, daß des Morgens die ganzen Bewohner des Taubenſchlages unter den mordgierigen Zähnen eines Marders oder Iltiſſes geendet haben. Bei gemauerten Taubenhäuſern müſſen die Grundmauer und der Boden aus feſtgefügten Steinen angelegt werden, um ein Durchgraben oder Wühlen zu ver⸗ hindern. Ein Verputz von Lehm oder Kalk mit geſtoßenen Glasſcherben wirkt ebenfalls abwehrend. Empfehlenswert iſt es, den Taubentürmen auch von außen einen hellen Anſtrich zu geben, weil dadurch leicht den herumſchweifenden Tauben ein Vereinigungspunkt geboten wird. In Belgien, wo die Taubenzucht in viel größerem Maßſtabe betrieben wird, als in Deutſchland und Oſterreich, werden dieſe Taubentürme oft mitten in den Feldern erbaut und dadurch am beſten die weit ver⸗ breitete Anſicht der Schädlichkeit der Taubenhaltung für die Landwirtſchaft widerlegt. In den orientaliſchen Ländern, beſonders in Agypten, werden den zahlreichen Taubenſchwärmen ganz primitive Wohnräume durch Aufbau von Türmen hergeſtellt, in deren Seitenwänden topfartige Thongebilde eingemauert werden, worin die Tauben niſten; eine weitere Sorge kennt man nicht, und nur das Herausnehmen der Jungen er⸗ innert den indolenten Beſitzer an ſeine Pfleglinge. Paarung. Die Taubenzucht, wenn nicht bloße Liebhaberei im Spiele iſt, die ſich nur auf Züchtung ganz beſtimmter Arten beſchränkt, liegt meiſt in den Händen der Kleinwirte, welche am Lande gerne eine Boden⸗ luke oder unter dem Dache einige Verſchläge den Tauben einräumen, wenig füttern und ſich meiſt nur dann um ihre Tauben kümmern, wenn ein Braten auf den Tiſch oder einige junge Paare zum Markte gebracht werden ſollen. Höchſtens im Winter wird etwas Hintergetreide oder Küchenabfälle denſelben im Vereine mit dem übrigen Geflügel vorgeworfen. Und doch iſt die Zucht der munteren Vögel bei einiger Sorgfalt und Aufmerkſamkeit recht lohnend. Vor allem iſt darauf zu ſehen, daß in einem Schlage jederzeit gleichviel männliche und weibliche Tauben ſich vorfinden. Die Tauben leben in Mono⸗ gamie, der geſchloſſene Bund dauert gewöhnlich fürs Leben, und nur bei Verluſt des einen Teils ſucht der andere einen neuen Lebens⸗ gefährten. Eher könnten noch einige Taubenhennen mehr gehalten werden. Die Paarung geſchieht am beſten, wenn man das zu paarende Paar durch einige Tage in einen Drahtkäfig ſperrt, ſo daß ſich dieſelben an einander gewöhnen können; dies gilt natürlich nur für das erſte Eierablegen und Brüten. Ernährung. 185 Mal, da im weiteren Verlaufe die beiden in treuer Gemeinſchaft einander angehören. Manche Arten paaren ſich nur im Freien. Eierlegen und Brüten. Die Taube beginnt mit dem Eierlegen und Brüten ſchon im zeitlichſten Frühjahre und hört bei manchen Raſſen im Winter nicht auf. Die Taube legt meiſt nur 2 Eier, ſelten mehr, die durch die abwechſelnde Sorge der beiden Eltern ausgebrütet werden, indem die Taube von 3 Uhr nachmittags bis 9 Uhr früh und die übrige Zeit der Tauber brütet. Die Brutzeit dauert 16—18 Tage. Die Jungen werden in der erſten Zeit von den Eltern mit der ſogenannten Tauben⸗ milch, einer breiartigen Subſtanz, die ſich während der letzten Tage des Brutprozeſſes im Kropfe bildet, geazt. Späterhin erhalten ſie das gewöhnliche Futter der Alten, am beſten etwas aufgequellt. Stets friſches Trinkwaſſer und große Reinlichkeit ſind dringend erforderlich, will man Erfolge in ſeiner Zucht aufweiſen. Gegen das Ungeziefer, dem die Tauben ſehr ausgeſetzt ſind, hilft am beſten Reinlichkeit; empfehlenswert iſt ein Beſtreichen der Neſtwände mit Anisöl, deſſen Geruch den Tauben nicht unangenehm iſt. Ernährung. Unter den eigentlichen Körner freſſenden Vögeln nehmen die ver⸗ ſchiedenen Arten der Tauben eine beſondere Stelle ein. Wenige Ge⸗ flügelarten machen bezüglich der Auswahl der Futterſtoffe ſo geringe Anſprüche an den Züchter, wie eben die Tauben. Zugleich überheben ſie durch ihre eigene Thätigkeit bei der Ernährung der Jungen den Taubenfreund mancher Sorge. In dem großen Kropfe bereitet das Elternpaar jene breiartige Maſſe vor, welche durch Hervorwürgen, Kröpfen, den jungen Tauben in der erſten Zeit als ausſchließliche Nahrung dient. Während dieſer Periode beſchränkt ſich die Sorge des Züchters nur auf eine verſtändige Fütterung der Elterntiere, um durch kräftige, protéin⸗ reiche Stoffe denſelben die Arbeit der Ernährung des Nachwuchſes zu erleichtern. Alle Körnerarten, namentlich aber Erbſen, Wicken und Bohnen, ſind den Tauben die erwünſchteſte Nahrung⸗ Daneben bilden die Säme⸗ reien der Unkräuter, Beeren(Wacholder⸗, Preißelbeeren ꝛc.) und Grünes, letzteres nur im geringen Grade, die Beikoſt. An manchen Orten gebieten die Geſetze, die Tauben während der Saatzeit einzuſperren, da dieſelben emſig die Saatfelder abſuchen und dadurch beträchtlichen Schaden verurſachen, ſo daß die Meinungen der Landwirte meiſt ſich zu ungunſten der Taubenhaltung ausſprechen. In Belgien, wo die Taubenzucht im großen betrieben wird, iſt man anderer Anſicht und hält dieſelben wegen der maſſenhaften Vertilgung von Unkrautſämereien für ſehr nützliche Gehilfen des Landwirtes, der ihnen gern den Verluſt einiger Saatkörner verzeiht. Die Taube iſt ein echter Bewohner der Lüfte, der Gefangenſchaft und Einſperrung nur ſehr ſchwer verträgt, ſo daß ein freies Herumſtreifen zu deren Gedeihen 186 Vierter Abſchnitt. Taubenzucht. und Wohlbefinden dringend nötig iſt; zugleich ſorgt die Taube bei ihren Streifereien für einen großen Teil der Nahrung, ſo daß dem Züchter meiſt nur die Regulierung derſelben durch reichliche Früh⸗ und Abend⸗ mahlzeiten übrig bleibt. Dies gilt vorzüglich von den Feldtauben, während die Schlagtauben größere Anſprüche an das Futter ſtellen. Das liebſte Futter ſind ihnen Wicken, die aber, im friſchen Zuſtande gegeben, leicht Durchfall, ſelbſt mit tödlichem Ausgange, verurſachen, ſo daß es ſich empfiehlt, mindeſtens ein Jahr alte Wicken zu verfüttern. Ebenſo gerne nehmen ſie Erbſen, Ackerbohnen, Buchweizen, Mais ꝛc. Weizen ſagt den Tauben weniger gut zu, als Gerſte; Hafer nehmen ſie erſt nach längerer Angewöhnung. Die Haustauben verſchmähen ſelbſt Küchenabfälle, Brotkrumen ꝛc. nicht. Hanfgaben dienen zur Anreizung, wenn ſie träge geworden und das Eierlegen verſäumen. In Wein⸗ gegenden ſind die getrockneten Traubenkerne ein gutes und beliebtes Futtermittel, wobei die Tiere vorzüglich gedeihen. Körnergemenge zu lebene iſt nicht ratſam, da die Tauben zumeiſt nur die ihnen zuſagenden dörner herausklauben und das Übrige verwüſtet wird. Kartoffelnahrung wurde erfolgreich verſucht; die Kartoffeln werden weich gekocht, zerdrückt, mit Körnern untermiſcht, oder in kleine Würfel geſchnitten, auf dem Ofen getrocknet und wie Getreidekörner vorgeworfen. Es gilt auch hier die Regel, immer nur die beſten Futterſtoffe, ſelbſt wenn ſie anſcheinend teurer kommen, zu verwenden. Wurmige Erbſen, ſchlechte oder ver⸗ ſchimmelte Bohnen, Wicken ꝛc. ſchaden den Tieren; im erhöhten Maße iſt dies der Fall, wenn die Tauben für die Ernährung ihrer Jungen ſorgen müſſen, da häufig, wenn auch die abgehärteteren Elterntiere keinen Schaden erleiden, die Jungen an den ſchlechten Futterſtoffen zu Grunde gehen müſſen. Für die Brutperiode empfiehlt Fulton ein Ge⸗ menge von guten grauen Erbſen, Wicken und kleinen Maiskörnern zu gleichen Teilen. Die erſte Ernährung muß immer durch die Alten geſchehen, ſpäter können die Jungen durch Einführen von gequellten Erbſen, ge⸗ weichten Brotkrumen, gekochter Hirſe erhalten werden, bis ſie ſich an das Futter der erwachſenen gewöhnen. Derſelbe Schriftſteller beſchreibt auch folgendermaßen die Bereitung der Erſatznahrung in dem Falle, daß die Elterntiere nicht genügend oder gar kein Futter liefern:„In einer kleinen Kaffeemühle werden kleinkörniger Mais, Erbſen und Wicken zu gleichen Teilen gemahlen, die zerriebene Maſſe mit kochender Milch übergoſſen, durcheinander gerührt und über Nacht einweichen gelaſſen. Sind die Tiere mindeſtens 14 Tage alt, ſo wird in den erſten 8 bis 10 Tagen dies Futter gewärmt gereicht; am beſten erfolgt dies durch eine kleine Kautſchukſpritze mit einem elfenbeinernen Mundſtücke. Selbes wird in den Schlund eingeführt und die Maſſe dem Tiere eingeſpritzt. Verlieren die Jungen die Eltern in den erſten Tagen, ſo muß man trachten, dieſelben anderen Tauben zuzuteilen, welche eben ihre Jungen füttern.“ Ernährung. 187 Von Grünem ziehen die Tauben kleine Stückchen Sauerampfer am meiſten vor und nehmen gerne hie und da etwas zu ſich, gleichſam als diätetiſches Mittel. Faſt jeder Taubenliebhaber hat ſeine eigenen ſogenannten Tauben⸗ beizen, die er den Tieren in ihren Schlag legt, um ihnen den Aufent⸗ halt angenehm zu machen. Die Tauben lieben nämlich ſehr den Salz⸗ genuß, und, um eben dieſem Wunſche zu genügen, werden dieſe Tauben⸗ beizen gemacht. Ein Rezept für die oft als Geheimnis behandelte Zu⸗ ſammenſetzung einer Taubenbeize führt Hamm in ſeinem Werkchen über die Taubenzucht wie folgt an:„Man nimmt friſchen Lehm, den man mit Waſſer, in welchem etwa 1 kg Kochſalz aufgelöſt iſt, hinreichend befeuchtet, und knetet denſelben mit 5 kg Wicken⸗-, Hanfſamen oder anderen den Tauben genehmen Körnern und außerdem mit 1 kg Kümmel oder Anis zuſammen. Wenn dieſe Maſſe gut vermengt und durchge⸗ arbeitet iſt, ſo formt man daraus mehrere Brote von hoher, kegelförmiger Geſtalt, die man entweder in der Sonne trocknet oder im Backofen, ſo⸗ bald das Brot herausgenommen worden iſt. Man hebt dieſe Lehmbrote an einem trockenen Orte zu ſpäterem Gebrauche auf; immer aber ſollen deren eines oder mehrere im Taubenturme oder Schlage aufgeſtellt werden, weil die Tauben außerordentlich gern daran picken und dies ihrer Geſundheit ſehr zuträglich iſt.“ Was die Fütterungsart anbelangt, iſt es jedenfalls am zweck⸗ mäßigſten, im Taubenſchlage ſelbſt zu füttern, da am wenigſten Futter verloren gehen kann. Wenn dies nicht möglich iſt, muß ein freier, reiner Platz in deſſen nächſter Nähe gewählt werden, wo im weiten Bogen das Futter geſtreut wird, ſo daß kein Gedränge der hungrigen Tauben entſteht. Freilich kann dabei nicht vermieden werden, daß ſich viele unberufene Gäſte zu dieſen Mahlzeiten einſtellen, indem fremde Tauben, Sperlinge, Hühner ꝛc. mit Vergnügen die Gelegenheit ergreifen, ihren allzeit bewährten Hunger zu ſtillen. Die Tauben benötigen friſches, reines Quell⸗ oder Bachwaſſer zum Trinken und dehnen oft ihre Flüge zu ſtundenweiter Entfernung aus, um ſich dies zu verſchaffen. In den Taubenſchlägen muß daher häufig das Trinkwaſſer erneuert werden; beſonders günſtige Erfolge hat ein ſchwach eiſenhaltiges Trinkwaſſer; ſelbſt das Darreichen in eiſernen Trinkgefäßen übt günſtige Wirkung auf den Geſundheitszuſtand der Tauben aus; ſehr ſchädlich iſt Pumpwaſſer mit mineraliſchen, namentlich aber mit Schwefelbeſtandteilen. Die Tauben laſſen ſich ziemlich leicht gewöhnen, auf einen be— ſtimmten Ruf oder Pfiff zur Fütterung herbeizufliegen, was ſtets ein hübſches Schauſpiel bleibt. Sie merken ſich übrigens genau die Fütterungsſtunde und warten auf das Zeichen; ſo fliegen z. B. mit dem beſtimmten Glockenſchlage Hunderte halb wilder Tauben auf den Markusplatz in Venedig, um dort das ihnen kraft einer alten Stiftung verabreichte Futter zu erhalten, ein Schauſpiel, dem regelmäßig Hunderte von Leuten mit Intereſſe und Vergnügen zuſehen. 188 Vierter Abſchnitt. Taubenzucht. Die Fütterungszeit richtet ſich nach dem Wetter und der Jahreszeit. Im Sommer, wo die AÄcker und Felder manches Korn den Tauben bieten, genügt eine zweimalige, nicht allzu reichliche Fütterung des Morgens und Abends. Tritt Regenwetter ein, bei welchem die Tauben nicht aus ihren Behauſungen gehen, iſt eine reichlichere, am beſten in drei Zeiträumen gebotene Ernährung am Platze; im erhöhten Grade gilt dies von der ſtrengen Winterszeit, obwohl auch hier, be⸗ ſonders gegen das Ende derſelben, vor allzu reichlicher Ernährung ge⸗ warnt werden muß, da die Tauben dann leicht zu zeitlich dem Brut⸗ geſchäfte ſich hingeben und die zarten Jungen den wiederkehrenden Fröſten zum Opfer fallen. Mäſtung. Im Altertume verwandte man nach den auf die Jetztzeit ge⸗ langten Berichten große Sorgfalt auf die Mäſtung der Tauben, die heutzutage nur ſelten ſchwunghaft betrieben wird. Mit unnötiger Grau⸗ ſamkeit wurden den Tieren Füße und Flügel gebrochen, um durch die gezwungene Bewegungsloſigkeit ja recht fette Exemplare zu erzielen. Zur Fettmäſtung werden 3 bis 4 Wochen alte Junge gewählt, welche in völliger Ruhe und Dunkelheit mit gequelltem Mais oder Erbſen ge⸗ ſtopft werden; günſtigere Reſultate liefert gekochter Mais, von welchem bei dem zweimaligen Füttern 50— 100 Körner eingeſtopft werden; durch das Kochen wird der Mais verdaulicher. Nach 14 Tagen ſind die jungen Tauben ausgezeichnet fett und ſchwer, die dann leicht den doppelten Preis am Markte erzielen. Auch bei älteren Tieren wird, obgleich ſelten, dieſe Maſtmethode angewendet.— Auswahl zu Zuchtzwecken. In betreff der Auswahl der Taubenraſſen ſchreibt Bruno Dürigen:„Der Taubenzüchter auf dem Lande und in kleineren Städten, welcher ſeinen Pfleglingen hinſichtlich des Raumes und des Ausfluges keinen Zwang aufzulegen braucht, kann Feld⸗, Brief⸗, Mövchen⸗, leicht⸗ fliegende Kropf⸗, Fliegetauben ꝛc. halten; ihm ſteht die größte Aus⸗ wahl zu Gebot. Der Liebhaber in großen Städten, welcher nur über einen vier oder fünf Stockwerke hoch gelegenen Boden verfügen darf, wird zu Fliege⸗ oder Brieftauben greifen. Der Taubenfreund, welcher ſeinen Tauben keinen freien Ausflug geſtatten kann oder will, entſcheidet ſich für ſchwere Kröpfer, Karrier, feine Mövchen, Indianer, Römer u. a. mehr oder minder wertvolle Raſſen.“ Zur Zucht kauft man möglichſt junge Tauben. Solange die⸗ ſelben noch das Neſtkleid beſitzen, ſind ſie an der matten Färbung des⸗ ſelben und der Augen und Füße, an dem weichen Schnabel und der piependen Stimme leicht zu erkennen. Die Taubenſchläge ſind gut zu verwahren, beſonders des Nachts, da den Taubenbraten Marder, Iltiſſe, Katzen ꝛc. ſehr lieben; jede Nacht ſollen die Fluglöcher geſchloſſen werden, um ſo den ungebetenen Gäſten den Zugang zu wehren.— Fünfter Abſchnitt. Geſundheitspflege, Krankheiten. 189 Die zahlreichen Bruten, das raſche Wachstum der Jungen, die nach wenigen Wochen ſchon flügge ſind, macht die Taubenzucht recht lohnend, wo guter Abſatz für den Verkauf der Tauben zu finden iſt; junge Tauben werden übrigens überall gerne gegeſſen und gekauft; der Gewinn erhöht ſich, wo Taubenzucht im großen betrieben wird, die dann alle die Sorgfalt erfordert, wie jede andere Tierhaltung; dann geben auch die meiſt unbeachteten Nebenprodukte bedeutenden Erlös; der ſeit dem Altertume hochgeſchätzte Taubendünger findet willige Käufer, und ſelbſt die Federn bringen manchen Groſchen ins Haus.— Fünfter Abſchnitt. Geſundheitspflege, Krankheiten. Zu den wichtigſten Sorgen des Geflügelzüchters gehört jene für die Geſundheit ſeiner Pfleglinge. Nur zu häufig ſind ſelbſt geringen Verſtößen gegen die Vorſchriften der Geſundheitspflege die empfind⸗ lichſten Verluſte gefolgt und blühende Geflügelhöfe infolgedeſſen entvölkert worden. Bei der geringſten Vernachläſſigung der Auf⸗ merkſamkeit können ſich, namentlich bei größeren Mengen von Geflügel, jene ſeuchenartigen Krankheiten entwickeln, welche binnen wenigen Tagen die Erfolge jahrelanger Arbeit vernichten. Mannigfach ſind die Vorſchriften, die zur Heilung der verſchiedenſten Krankheiten an⸗ gegeben werden, allein nicht immer iſt es möglich, auf den erſten Blick die Krankheit zu beſtimmen, und nur zu leicht werden, beſonders bei wertvollen Exemplaren, alle möglichen Mittel angewendet, um das Tier zu retten, wo eben in Verkennung der eigentlichen Krankheits⸗ urſache keine Rettung mehr möglich und nur eine Gefährdung der übrigen Individuen dadurch eintritt.„Principiis obsta!“ iſt eine tauſendjährige bewährte Regel, die das ſicherſte Mittel zur Vermeidung der früher erwähnten Folgen ausſpricht. Selbſt das ſchleunige Opfer eines erkrankten Tieres, ſo ſchmerzlich es oft erſcheint, iſt beſſer, als das lange Herumkurieren, das in den ſeltenſten Fällen zum Ziele führt. Es erfordert jedenfalls viele Beobachtungen, ein langjähriges, ein⸗ gehendes Studium des Lebens der Tiere, um erfolgreiche Hilfe leiſten zu können, und all' die wohlgemeinten Aufzählungen der Krankheiten und ihrer Gegenmittel helfen nichts, wenn die ſichere Erkenntnis des Sitzes des Übels fehlt. Die wichtigſte Regel iſt jedenfalls die Sorge für die peinlichſte Reinlichkeit ſowohl in den Wohnräumen, als auch in den gereichten Nahrungsmitteln und Getränken. Nicht oft genug kann dieſer wichtige 190 Fünfter Abſchnitt. Geſundheitspflege, Krankheiten. Satz wiederholt werden. Bei der Ernährung des Geflügels wurde darauf hingewieſen, wie gewinnbringend es iſt, immer das beſte, ſelbſt teuerſte Futter anzuwenden. Dasſelbe muß auch zugleich das richtige ſein, da gewöhnlich aus Diäätfehlern die gefährlichſten Krankheiten entſpringen. Genaue Einhaltung der Fütterungszeiten, die der natur⸗ gemäßen Ernährung und Verdauung der Tiere entſprechen, ſoll eine Regel ſein, von welcher nicht abgewichen werde. Die ſtrengſte Rein⸗ lichkeit muß in den Wohnräumen des Geflügels herrſchen, und gerade dagegen wird am meiſten gefehlt. Wenn möglich, ſollen täglich alle vom Geflügel benutzten Räume und Gerätſchaften geſäubert werden; bei den Futtergeräten iſt dies beſonders wichtig, weil ſehr leicht verdorbene Reſte das friſche Futter infizieren und ſo vergiftend wirken. In den Stallungen iſt täglich Reinigung dringend nötig, da die maſſenhaften Exkremente ſchädliche Dünſte durch ihren Zerſetzungsprozeß hervorrufen und nur zu leicht die Überhandnahme des Ungeziefers, jener läſtigen Plage des Federviehs, befördern. Die Stallräume müſſen geſund, luftig und rein ſein, in kurzen Zeiträumen friſch geweißt werden, dicht gefugt, um den ſchädlichen Zug zu vermeiden, und gut ventiliert, nicht zu warm im Sommer, nicht zu kühl im Winter. Der Boden ſoll mit einer guten Lage trockener Erde, Torfmull oder Sand beſtreut werden, damit die Exkremente leicht entfernt werden können. Die Sitz⸗ ſtangen ſind häufig von allem anhaftenden Schmutze zu reinigen, die Legeneſter bezüglich ihres Inhaltes öfter zu erneuern. Die plötzlichen Temperaturübergänge ſind, wie bei allen Tieren, auch dem Geflügel ſchädlich, und viele Arten leiden durch das plötzliche Naßwerden oder den ſengenden Sonnenſchein, wie z. B. die Truthühner, von denen oft ganze Bruten infolge dieſer Temperaturunterſchiede zu Grunde gehen. Jedes Übermaß in einem Nahrungsſtoffe bringt meiſt Krankheitserſcheinungen mit ſich. Allzu reichliches Körnerfutter, beſonders während der Ernte, wo das herunmſtreifende Geflügel in den reichlich verſtreuten Körnern förmlich ſchwelgt, iſt ſchädlich, ebenſo Grünfutter in den heißen Sommermonaten im Übermaße gereicht, welches leicht der Grund von ruhrartigen Krankheiten werden kann. Wo Fleiſch und Maden nicht mit gehörigem Verſtändniſſe gereicht werden, treten oft Krankheitsformen auf, an denen alle Kunſt und Erfahrungen ſcheitern. Die Natur giebt mancherlei Kennzeichen an die Hand, um den Geſundheitszuſtand des Geflügels beobachten zu können. Solange das Gefieder glänzend und dicht gefügt, in den natürlichen Farben erſcheint, die Tiere munter das gereichte Futter verzehren, fröhlich mit den übrigen im Hofe ſich herumtreiben, kann man mit Sicherheit auf deren Wohlbefinden ſchließen. Sind aber die Exkremente zu weich oder flüſſig, oder ſucht das Tier mit Anſtrengung mehrmals vergebens durch deren Ausſcheidung ſich zu erleichtern, wird der Kamm bei den Hühnern mißfarbig oder weiß, trennen ſich die Einzelnen von der Geſamtheit und ſuchen einſame, verſteckte Orte auf, wird das Gefieder glanzlos und ſtruppig, ſo ſind dies Zeichen einer Krankheit, deren Fünfter Abſchnitt. Geſundheitspflege, Krankheiten. 191 Grunde eifrig nachgeforſcht und, wenn möglich, behoben werden ſoll. Ofters trägt das ſchlechte, ungeſunde Trinkwaſſer die Schuld an dieſen Erſcheinungen, denen man leicht durch ſtete Erneuerung und Einlegen einiger Eiſenſtücke in dasſelbe abhelfen kann. Das Friſchwaſſer der Schmiede leiſtet als Getränk ebenfalls gute Dienſte. Ebenſo iſt die Entziehung der Grünfutter⸗ und Fleiſchnahrung bei Durchfall geboten, während bei Verſtopfung reichlichere Gaben desſelben am Platze ſind; überhaupt iſt Abwechslung in der gewohnten Fütterung ein großer Faktor der Geſundheit. Jedenfalls iſt es aber zu empfehlen, ein krankes Stück Geflügel von den übrigen ſofort abzuſondern und in einem eigenen Raume, einem Krankenſtalle zu beobachten. Dieſer Krankenraum ſoll in keiner größeren Geflügelhaltung fehlen, damit dort die Verſuche der Heilung vor ſich gehen können, ohne vom übrigen Geflügel geſtört zu werden. Freund⸗ liche, trockene, warme und luftige Räume ſind zu dieſem Zwecke nötig. Oft genügt ein mehrtägiger Aufenthalt bei ſtrenger beaufſichtigter Ernährung und Diät, um der gefürchteten Krankheit zu entgehen. Häufig iſt nur allzu reichliche Fettablagerung der Grund der beſorgnis⸗ erregenden Symptome, die dann bald verſchwinden. Jedenfalls iſt aber in eine längere Kur und Behandlung nur bei wertvollen Individuen einzugehen, da bei den meiſten ein Abſchlachten am Platze iſt und oft noch durch rechtzeitiges Töten ein Gewinn von erkranktem oder ver⸗ dächtigem Geflügel erzielt werden kann. Auch die ſchwächlichen, in der Entwickelung zurückgebliebenen Individuen iſt es vorteilhafter aus⸗ zumerzen, als mit deren mühſamer Aufzucht und ſelten lohnender Verwertung Arbeit und Koſten zu verſchwenden. Zu den gefährlichſten Feinden des Geflügels, deren Auftreten den Geſundheitszuſtand immer gefährdet, gehören die zahlreichen Paraſiten, gegen welche nur exemplariſche Reinlichkeit helfen kann. Bei nicht ge⸗ höriger Aufſicht kommt es leicht vor, daß die Tiere von„Läuſen“, eigentlich Federlingen, zu leiden haben, deren überhandnehmende Zahl bald einen ſehr ungünſtigen Einfluß auf den Ernährungszuſtand des Tieres zu äußern beginnt. Das Tier magert ab, es iſt von einer quälenden Unruhe beſeelt, das Gefieder iſt ſtruppig, und bald iſt von dieſem Opfer die„Läuſekrankheit“ auf die übrigen übergegangen. Das richtigſte Mittel zur Vermeidung dieſer Plage ſind reichliche Staub⸗, Sand⸗ und Aſchenbäder, die den Tieren jederzeit zu Gebote ſtehen ſollen; vorzüglich die Hühner genießen mit großem Vergnügen dieſe Sandbäder, weshalb im Stallraume immer ein Verſchlag mit dieſen leicht zu beſchaffenden Materialien angefüllt ſein ſoll. Überdies kann nach Wright's Anraten der Stall oder das Neſt, ſelbſt auch die Staubbäder, mit Karboldesinfektionspulver beſtreut werden. Durch den reichlichen Staub werden die Läuſe beſſer vertrieben, als durch alle angeratenen Mittel, wie Beſtreichen mit Fiſchthran, Anisöl, Queckſilber⸗ ſalbe; letztere wirkt wohl äußerſt ſicher, allein iſt in der Anwendung wegen ihrer giftigen Eigenſchaft nicht leicht zu empfehlen. Wird ſie 192 Fünfter Abſchnitt. Geſundheitspflege, Krankheiten. doch angewendet, ſo iſt es ratſam, das damit beſtrichene Tier in ein Tuch einzuſchlagen, ſo daß nur der Kopf frei bleibt, und über Nacht einzuſperren. Des Morgens haben alle Läuſe das Tier verlaſſen, das Tuch wird ſorgſam entfernt und das Tier im lauen Waſſer mit Seife abgewaſchen. Faſt jede Vogelart hat eigene Lausarten; die Federlinge, fälſch⸗ Läuſe genannt, zerfallen nach Giebel in zwei Unterfamilien: in die Philopteriden, welche weitaus die verbreitetſten ſind, und in die Lio⸗ theen. Die erſteren haben fadenförmige, die letzteren keulenförmige Fühler. Die Philopteren bewegen ſich ſehr langſam und bleiben nach dem Tode ihres Wirtes auf dem Leichname und ſterben dann in zwei bis drei Tagen; dagegen verlaſſen die Liotheen ſofort den Kadaver und ſuchen eine neue Heimſtätte; ſelbe ſind ſehr beweglich. Die Philop⸗ teren zerfallen in die Unterabteilungen Docophorus, Nirmus gonoicotes, Gonoides und Lipeurus. Von den Liotheen ſuchen das Hausgeflügel beſonders die Gattungen Trinotum, Colpocephalum und Menopon heim. Die Lausarten haften entweder am Körper in der Haut oder in den Federn, die ſie zernagen. Frühjahrsbruten ſind denſelben mehr aus⸗ geſetzt, als die im Sommer oder Herbſt ausgeſchlüpften Jungen. Flöhe und Wanzen beläſtigen ebenfalls oft in großer Zahl das Geflügel; erſtere ſuchen gern die Tauben heim; auch hier hilft nur Reinlichkeit und öfteres Säubern der Stallräume. Zeigt ſich in einem Geflügelſtalle Ungeziefer, ſo muß jede Fuge genau gereinigt und dann verputzt werden. Die Wände werden mit friſchem Kalke beſtrichen, Sitzſtangen und Bretter mit ſiedendem Waſſer, dem etwas Karbol zugeſetzt iſt, abgebrüht, Stroh und Heu aus den Legeneſtern verbrannt und dieſelben ebenfalls gründlich gereinigt, der Boden mit ſiedendem Karbolwaſſer begoſſen und dann tüchtig geſcheuert und endlich eine dichte Lage trockenen Sandes aufgeſtreut. Wo die Stallungen dicht ſchließen, hilft Verdampfen von Schwefelkohlenſtoff, der durch ſein Eindringen in die kleinſten Riſſe und Spalten das Ungeziefer gründlich zerſtört. Sehr wirkſam iſt auch ein Anſtrich des Holzwerkes mit Karbo⸗ lineum, deſſen Geruch das Ungeziefer flieht. Als ſehr empfehlenswertes Mittel wird vielfach empfohlen, Kalkſtaub, wie ſelbiger von den Kalk⸗ brennereien zu erhalten iſt, reichlich in den Geflügelſtällen zu verwenden; derſelbe dringt in die kleinſten Ritzen und tötet das animaliſche Leben. Der zu Boden fallende wird mit der Reinigung entfernt. Andere Paraſitenarten greifen das Geflügel im Innern des Körpers an: Das Hausgeflügel leidet häufig an Schmarotzern, die im Innern des Tieres leben. Die neueren Forſchungen von Paſteur, Mégnin, Dujardin, Molin, Krabbe, Friedeberg, Zürn ꝛc. warfen erwünſchtes Licht auf dieſe hierdurch erregten Krankheitserſcheinungen. Allein trotz dieſer trefflichen Arbeiten iſt noch keineswegs volle Klarheit in dies wichtige Gebiet gebracht; wir ſtehen eben erſt am Beginne der Forſchung, die noch manches Rätſel zu löſen hat. Fünfter Abſchnitt. Geſundheitspflege, Krankheiten. 193 Die Geflügelarten leiden vielfach an Bandwürmern, Taenien, von welchen verſchiedene Gattungen bisher beobachtet wurden; nach den vorliegenden Erfahrungen leidet das Waſſergeflügel weniger hieran, als die Hühnervögel und Tauben. Die Bandwürmer erzeugen Darm⸗ katarrh ähnliche Zuſtände, bewirken ein Abzehren des Geflügels, nicht ſelten den Tod der befallenen Individuen. Gepulverte Arekanuß, mit Butter zu Pillen angemacht, Kürbiskerne gelten vielfach als Gegenmittel. Sehr ſchädlich wirken die Saugwürmer oder Trematoden, wozu beſonders die Distoma und Monostoma zu rechnen ſind. Dieſelben bewohnen die Därme des Geflügels, allein auch in der Speiſeröhre, insbeſondere in der Luftröhre, kommen dieſe Paraſiten vor. Die Spul⸗ würmer, Filarien, Rundwürmer, die Strongolyden, Alchen, Haarwürmer oder Trichinen, Acantocephalen ec. ſuchen nicht ſelten das Hausgeflügel heim. In Hühnerhaltungen macht ſich insbeſondere der Syngamus trachealis unliebſam bemerkbar. Der letztere bildet den häufig genannten Paraſiten der Luftröhre. Auffallend iſt es, daß bei künſtlich aus⸗ gebrüteten Kücken dieſe Würmer nicht beobachtet wurden. Die davon befallenen Tiere äußern ihr Unbehagen durch häufiges Luftſchnappen und Kopfſchleudern, magern auffallend ab und erſticken endlich. Vielerlei Mittel werden dagegen angegeben. Wright führt an, daß Halſted ſeit Jahren mit einer Salbe erfolgreich behandelt, die, aus Queckſilberſalbe mit Speck oder Fett ver⸗ miſcht, etwas Schwefelblumen und ungereinigtem Petroleum beſtehend, in halbflüſſigem Zuſtande auf den Kopf der Kücken geſtrichen wird. Unſchädlicher ſcheint jedenfalls das Mittel, die Luftröhre der Kranken mit Terpentineſſenz zu beſtreichen, was mittelſt einer Feder oder eines feinen Pinſels leicht geſchehen kann. Den Folgen der Krankheit, ſowie der Vermehrung der Würmer kann oft durch Kampfer, Kalk oder kohlenſaures Natron, welche dem Trinkwaſſer beigemiſcht werden, Ein⸗ halt gethan werden. Die von tieriſchen Paraſiten, Eingeweidewürmern, befallenen Tiere zeigen gewöhnlich ein trauriges Ausſehen und äußern in allem und jedem ihr Unbehagen. Geſchnittener Knoblauch, Schwefelblumen, ein Abguß von Sennesblättern oder von Farnkrauttinktur helfen in vielen Fällen. Einatmen von Dämpfen, die durch Umrühren von 2 prozent. kreoſothaltigen Waſſer mit einem glühend gemachten Eiſen⸗ ſtabe erzeugt werden, wäre gleichfalls anzuraten, da es ſich in anderen Fällen gut bewährt hat. Ungleich gefährlicher als die bisher genannten Paraſiten ſind jene mikroſkopiſchen Weſen, die unter dem Namen Bacillen, Bakterien, Spaltpilze das Leben nicht bloß der Haustiere, ſondern auch des Menſchen bedrohen. Die unermeßliche Menge, zu welcher ſich ſelbige bis zu kürzeſter Zeit zu entwickeln vermögen, die verſchwindende Klein⸗ heit dieſer Schädlinge macht ſelbige zu furchtbaren Feinden jedes lebenden Weſens. Jene verderbüichen Seuchen, die innerhalb weniger Tage die Pribyl, Geflügelzucht. 4. Auflage. 13 194 Fünfter Abſchnitt. Geſundheitspflege, Krankheiten. größten Geflügelhöfe entvölkern, haben nach den neueren Forſchungen ihren Grund in dem Vorhandenſein dieſer mikroſkopiſchen Gebilde. Nachgewieſen ſind ſelbige die Urſache des Hühnertyphoides(Geflügel⸗ cholera), der diphtheritiſch⸗kruppöſen Krankheitserſcheinungen, des Milz⸗ brandes beim Hausgeflügel, Anthrax, der Wutkrankheit ꝛc. Die mit deu natürlichen Erkrankungen des Geflügels vielfach übereinſtimmenden Symptome und Krankheitserſcheinungen erſchweren leider ſehr das ſchnelle und richtige Erkennen der Krankheitsurſache. Erſt der rapide Verlauf, zumeiſt mit dem Tode endend, weiſt auf den richtigen Grund der Krankheit hin, und dann iſt jede Hilfe vergebens, und die Sorge des Züchters kann ſich nur darauf beſchränken, das Vorhandene— wenn möglich— zu retten. Unbedingt ſind die Kadaver der an ſolchen Krankheiten eingegangenen Geflügelſtücke ſofort zu verbrennen, oder mindeſtens ½ m tief, mit ungelöſchtem Kalk dick überſtreut, einzugraben, die Geflügelſtallungen ſämtlich gründlich zu desinfizieren und zu ver⸗ ſuchen, mittelſt Sublimatlöſung oder Salicylſäure im Trinkwaſſer oder Futter gegen weiteres Umſichgreifen der Krankheit anzukämpfen. Schleu⸗ nigſte Separation des erkrankten Stückes und Vertilgung desſelben iſt dringend geboten. Eine der Mauſer ähnliche Erſcheinung beobachtet man beim Auf⸗ treten verſchiedener Krätzmilbenarten; die Federn fallen an den be⸗ treffenden Stellen aus, die Haut bedeckt ſich mit einer weißlichen Maſſe, deren Rändchen rötliche oder gelbliche Konturen aufweiſen. Die ſo⸗ fortige Trennung des damit befallenen Tieres von dem übrigen Ge⸗ flügel iſt dringend geboten, da dieſe Krankheit ſehr anſteckend iſt. Die Behandlung mit Schwefelblüte, Kalomel, oder die Anwendung grauer Queckſilberſalbe führen bald zur Vertreibung dieſer läſtigen Paraſiten. Mehrere Milbenarten haben ihren Sitz in dem Federkleide des Ge⸗ flügels; ſie zernagen die Federſpulen oder die Federn ſelbſt und äußern ihre verderbliche Anweſenheit durch Ausfallen der Federn, kahle Stellen ꝛc. Die eigentlichen Krankheiten¹) des Geflügels haben ihre Ur⸗ ſache zumeiſt in Fehlern der Ernährung oder Nachteilen in den Wohn⸗ räumen, oder endlich in klimatiſchen Verhältniſſen; ſeltener treten äußere Verletzungen, wie Verwundungen, Knochenbrüche ꝛc., auf. In den meiſten Werken über Geflügelzucht werden ſo mannigfache Krankheits⸗ formen angeführt, mitunter auch ſo ſelten auftretende, daß es ein ge⸗ naues Studium bedarf, um zu erkennen, an welcher Krankheit das Tier leidet; zudem haben viele Krankheitserſcheinungen ſehr ähnliche Symptome, ſo daß es häufig ſchwierig iſt, das richtige Gegenmittel anzuwenden. In den nachfolgenden Zeilen ſind nur die wichtigſten, häufig vorkommenden Krankheiten beſprochen und die eventuellen Gegen⸗ mittel angeführt, die bis jetzt mit Erfolg angewendet wurden. Nochmal ſei hier wiederholt, daß, wenn nicht beſonders wichtige Gründe für die ¹) Die Krankheiten des Hausgeflügels von Dr. Friedr. Zürn Weimar(B. F. Voigt); ein ſehr empfehlenswertes Werk. = ———=—ᷓ Fünfter Abſchnitt. Geſundheitspflege, Krankheiten. 195 Erhaltung eines Stückes ſprechen, deſſen Krankheit nicht leicht erkennbar und heilbar iſt, die ſofortige Tötung jeder längeren verſuchsweiſen Kur unbedingt vorzuziehen iſt. Die Krankheiten teilt man mit Recht nach den verſchiedenen damit behafteten Organen ein. Die erſte Gruppe umfaßt die Erkrankung der Reſpirationsorgane. Die häufige Krankheitsform zeigt ſich bei der Erkältung im ſchwächeren Grade als Schnupfen oder Naſen⸗ ſchleimhautkatarrh, in akuterer Art als Rupp oder Croup oder als Diphtſſeritis auftretend. Sehr häufig bewirken Spaltpilzarten ganz ähnliche Erſcheinungen, wie vorher erwähnt, und rührt insbeſondere von dieſen die große Anſteckungsfähigkeit bei dieſer Krankheitserſchei⸗ nung her. Ausflüſſe an den Augen und Naſenlöchern, in ſchwereren Fällen in einer dicken, eiterigen, übelriechenden Maſſe beſtehend, welche fortwährend anwächſt, über das ganze Geſicht ſich ausbreitet, zuſammen⸗ fließt und eine käſige Menge, oft von der Größe einer Walnuß bildet, Fieber, Abmagerung ſind die charakteriſtiſchen Merkmale; binnen wenigen Tagen tritt der Tod ein. Die Krankheit iſt ſehr anſteckend und entvöl⸗ kerte in früherer Zeit ganze Gegenden, bis eben in der Jetztzeit die rationellere Geflügelhaltung ſie zu den Seltenheiten machte. Häufige Auf⸗ weichung des Eiters mit lauem Waſſer oder Fenchelabguß und Entfernung desſelben bringt Linderung; Auswaſchen der angegriffenen Teile mit Sali⸗ cylſäure⸗Löſung, ſelbſt Einſpritzungen der reinen Löſung in die Naſen⸗ löcher und Rachenhöhle, ſowie Gaben von Ricinusöl helfen, wenn die Krankheitnoch nicht weit vorgeſchritten iſt. In ſehr ſchweren Fällen tritt die Sekretion dieſer krankhaften Stoffe ſo ſtark auf, daß die ganze Luft⸗ röhre damit erfüllt iſt und die Tiere daran erſticken. Nach Dr. Kunze in New⸗York hilft ein Bepinſeln mit unverdünnter Chlorſodalöſung, welche dieſe Sekretionen auflöſen ſoll. In leichteren Fällen, wenn nur ſchwache Schleimausflüſſe auftreten, genügen geringe Gaben von Tannin, Salicyl⸗ ſäure oder Eiſenvitriol, in das Trinkwaſſer vermiſcht. Schlecht venti⸗ lierte, feuchte und kalte Stallungen, plötzlicher Temperaturwechſel, kalte Näſſe, ſowie ÜUbermaß an Körnernahrung, Unreinigkeit, ſchlechtes Trenk— waſſer werden als Urſachen dieſer bösartigen Krankheit angenommien. Sofortige Überführung der Kranken in warme, trockene Räume, weiches Futter, Sauerkraut, in Wein geweichtes Brot, ſtrenge Diät ſind geboten. Alle benutzten Futter⸗ und Trinkgefäße ſind gründlich zu reinigen und zu desinfizieren, da ſich beſonders durch verdorbenes Trinkwaſſer die Krank⸗ heit leicht weiter verbreitet. Desgleichen iſt darauf ſtreng zu ſehen, daß ſtark infizierte Stücke getötet werden; insbeſondere müſſen die Ex⸗ kremente ſorgfältig entfernt, am beſten verbrannt werden. Bronchitis, Luftröhrenentzündung iſt eine ſeltenere Krank⸗ heitserſcheinung; es iſt dies eine durch Erkältung hervorgerufene Affek⸗ tion der Luftröhre, die ſich durch Huſten und ſchleimigen Ausfluß kenn⸗ zeichnet. Häufig ſind die Luftröhrenwürmer Urſache ähnlicher Symp⸗ tome. Kopf und Augen ſchwellen an, das Tier hat eine heiſere oder röhrende Stimme; trockene Wärme, löſende Mittel, wie Honig, ein mit 13* 196 Fünfter Abſchnitt. Geſundheitspflege, Krankheiten. Schwefelſäure und Zucker leicht verſetztes Trinkwaſſer, ſo daß ſelbiges ſchwach ſauer ſchmeckt, Gaben von Cayennepfeffer oder Ingwer ins Futter helfen bald zur völligen Geneſung. Pips oder Zips iſt ebenfalls eine Affektion der Luftröhre, die ſich durch einen pfeifenden Ton beim Atmen, ſowie durch ein Weißwerden und Verhärten der Zungenſpitze zu erkennen giebt. Urſache dieſer Krankheit ſind ſchnell wechſelnde Witterung, beſonders kalte Winde, Fütterung mit nicht abgekühlten Futterſtoffen, Mangel an grüner und Inſekten⸗Nahrung, ſowie verdorbenes Trinkwaſſer, beſonders in hölzernen Trinkgefäßen. Meiſtens wird unverſtändigerweiſe die verhärtete Zungen⸗ ſpitze mit einem Meſſer abgelöſt, etwas geſalzene Butter eingegeben und das Tier laufen gelaſſen. Dieſe unnütze Quälerei hat keinen Zweck und hindert das Tier nur in ſeiner Ernährung. Abführmittel, ſowie weiche Nahrung, mehrmal ein Theelöffel von Leberthran, oder einige Streu⸗ kügelchen von Spongia(nach Oettel) in fünfter Verdünnung gegeben, helfen in kurzer Zeit. Wright ſieht dieſe Verhärtung der Zunge für keine beſondere Krankheit an und erklärt die Erſcheinung daraus, daß die Tiere durch das Verſtopfen der Naſenlöcher gezwungen ſind, durch den Mund zu atmen, wodurch die Zunge ausgetrocknet wird. Hie und da wird auch noch den Tieren nach der angegebenen Operation un⸗ nötigerweiſe eine Feder durch die Naſenlöcher gezogen. 2. Die rheumatiſchen Krankheitsformen zeigen ſich an den Extremitäten des Geflügels, beſonders an den Füßen, am Halſe und Kopfe. Zugige Stallungen, naßkalter Boden, ſchlechtes oder verändertes Waſſer, dumpfiges Futter ſind zumeiſt die Urſachen dieſer Krankheits⸗ erſcheinungen. Beſonders bei den ſchweren aſiatiſchen und anderen hochfüßigen Raſſen, ſelbſt auch beim Haushuhne kommt eine Art der⸗ ſelben, die Gicht oder Podagra, nicht ſelten vor. Die Beine und Zehen ſchwellen an, zeigen deutlich fühlbare Hitze, die Zehen werden ganz ſteif, ſo daß ſich die Tiere nicht mehr auf den Sitzſtangen halten önnen. Trockene Wärme, Einreibungen der Zehen und des Laufes mit Olivenöl oder Butter, Franzbranntwein mit Salz helfen oder lindern wenigſtens die Krankheit. Krampf und Rheumatismus ſind einander in den Symptomen ſehr verwandt und beſonders bei älteren Tieren nicht zu unterſcheiden. Die erſtere Krankheit tritt vornehmlich bei jüngeren Tieren auf infolge von kalter und naſſer Witterung; der Gang wird unſicher, die Zehen ziehen ſich zuſammen, die ſchmerzhaften Bewegungsverſuche geſchehen auf der Oberſeite der Zehen, und ſie ſitzen auf den Ferſen; bei älteren Tieren kommt noch eine ſichtbare Schwäche der Läufe, Steifheit der Ge— lenke hinzu. Gewöhnlich hilft der Aufenthalt in warmen, trockenen und gedielten Räumen, die gehörig mit reinem Sand beſtreut ſind. Die Kücken kommen in einen trockenen Verſchlag in die Nähe des Ofens und des Nachts unter das Muttertier; Fußbäder in warmem Waſſer, wo die Füße behutſam geſtreckt und ausgedehnt werden, ſowie ſorgſames Abreiben und Abtrocknen nach dem Bade helfen meiſt bald. Gutes, Fünfter Abſchnitt. Geſundheitspflege, Krankheiten. 197 mit etwas Toniſchem gemiſchtes Futter, täglich etwas gekochtes Fleiſch, ſelbſt ein wenig Senföl ſind dringend anzuempfehlen. Nach Oettel iſt unter die rheumatiſchen Affektionen auch der Krampf im Halſe zu rechnen. Die krankhafte Kontraktion der Halsmuskeln zieht den Kopf in verkehrter Richtung nach dem Rücken, das Freſſen geſchieht mit Anſtrengung, da das kranke Tier nach jedem Biſſen den Kopf wieder zurückſchleudert. Ignatia in homöopathiſcher Doſis iſt von beſter Wirkung. Die Augenkrankheit beſteht in einem Erblaſſen der Augen⸗ lider, aus denen eine leicht ſchaumige Maſſe, hauptſächlich aus den Augenwinkeln, hervordringt, ſich ſtets erneuert, bald das ganze Auge umſchließt und ſchließlich in Eiterabſonderung übergeht. Der Kamm erblaßt, das Huhn magert ab, verliert die Freßluſt und geht ſchließlich drauf. Die eiterartige Maſſe verſchließt das Auge ſo, daß das Tier taumelnd gegen alle Gegenſtände anrennt. Die Krankheit ergreift das übrige Geflügel ſo, daß binnen kurzer Zeit große Hühner⸗ höfe entvölkert wurden. Hier dürften mikroſkopiſche Paraſiten die Krankheitserreger(Gregarinen ec.) ſein, woraus ſich auch die große An⸗ ſteckungsfähigkeit erklärt. Aufweichen des Eiters durch laues Waſſer, Ab⸗ waſchen desſelben, Einpinſeln mit einer Löſung von Schwefelkupfer, cupri sulfurici(0,05) in deſtilliertem Waſſer(25,0), Einreibungen mit weißer Zinkſalbe oder ganz ſchwacher Löſung von Zinkvitriol oder Höllenſtein(0,06 Argent. nitr. 30 Aqua dest.), ſowie Gaben von Akonit werden dagegen empfohlen. Strenge Abſonderung, warme Stallungen, friſche Luft und Reinlichkeit ſind zur Heilung unumgänglich nötig. Nach Oettel empfiehlt ein renommierter Taubenzüchter jeden zweiten Tag einen Löffel Heringslake zu geben, was bei ſeinen Tieren von beſtem Erfolge begleitet geweſen ſein ſoll. 3. Krankheiten der Ernährungsorgane. Hier wirken meiſtens jene Verſtöße ein, die man unter dem Namen Diütfehler zuſammenfaſſen kann; oft kommen noch Erkältungen hinzu, ſind aber meiſt nebenſächlicher Bedeutung. Vor allem ſind jene Erſcheinungen ins Auge zu faſſen, welche von einſeitiger ausſchließlicher Nahrung herrühren; unbedingt iſt ein Verhältnis zwiſchen proteinreicher und kohlenhydratereicher Nahrung herzuſtellen; denn die einſeitige Verabfolgung einer beſtimmten Nähr⸗ ſtoffgruppe wirkt meiſt ſchädlich, daher wechſelndes Futter. Namentlich zahlreich ſind die Folgen der Unverdaulichkeit, die eben in Fehlern erwähnter Art ihren Grund hat. Der harte, Hänge⸗ und Luftkropf. Infolge reichlicher trockener Körnernahrung entſteht durch das Aufquellen der Körner in dem Kropfe bei größerem Waſſergenuß oder ſtärkerer Speichelabſonderung eine übermäßige Ausdehnung desſelben, ſo daß der Ausgangskanal in den Magen verſtopft wird, indem ſich der volle Kropf ſetzt; gegen dieſe Auftreibung des Kropfes hilft meiſt ſanftes Kneten und Drücken des⸗ ſelben, Begießen mit lauem Waſſer, worauf die beängſtigende Härte und Spannung weicht. Gaben von Fett oder Ricinusöl bewirken dann 198 Fünfter Abſchnitt. Geſundheitspflege, Krankheiten. die ſchnellere Entleerung, worauf abwechſelndes Futter, namentlich weiche Stoffe, bald die gänzliche Herſtellung herbeiführen. In Fällen, in denen dieſe Behandlung erfolglos blieb, muß zu einer nicht ſehr ge⸗ fährlichen Operation geſchritten werden. Die Federn werden entfernt und nahe am oberen Ende des Kropfes wird ein genügend großer Einſchnitt gemacht, ohne ſtärkere Blutgefäße zu berlehee um mit Hilfe eines kleinen Kaffeelöffels den unverdaulichen Inhalt entfernen zu können. In dieſem Falle iſt es ratſam, auch die Eingangsöffnung, die zum Magen führt, zu unterſuchen, ob nicht ein unverdaulicher Gegenſtand, wie Knochenteile, Kerne ꝛc., dieſelbe verlegt hat, welches Hindernis natürlich entfernt werden muß. Die beiden Häute werden mittelſt Pferdehaar durch ein paar Stiche ſo zuſammengenäht, daß jede Haut für ſich bleibt. Das Zuſammenheften der beiden Häute, der inneren mit der äußeren, bringt den Tod des Tieres nach ſich; die Wunde wird mit Kollodium eingeſchmiert oder beſſer: antiſeptiſch behandelt und das Tier einige Tage hindurch mit ſchwach geweichtem Brote, gehacktem Grünen ec. gefüttert und das Trinkwaſſer während vierundzwanzig Stun⸗ den entzogen. Die Kennzeichen dieſer Krankheit ſind geſträubtes Ge⸗ fieder, Traurigkeit, beſonders Anſchwellen des Kropfes, ein ſauerer, übelriechender Geruch aus dem Schnabel, vergebliche Verſuche des Tieres, durch ſtarkes Schütteln des Kopfes ſich der unbequemen Laſt zu entledigen. Bei vorwaltender Fütterung mit trockenem Mais ereignet es ſich manchmal, daß durch das Aufquellen der Körner die inneren Häute des Kropfes platzen und die Körner zwiſchen die innere und äußere Membrane hinaustreten und ſo einen hin und her ſchwankenden Sack bilden. Weniger gefährlich, als der Ernährung nachteilig, erſchwert dieſer Zuſtand die Operation ungemein, indem mit großer Sorgfalt jedes einzelne Korn zwiſchen der Netzhaut und der äußeren Haut heraus⸗ eſucht werden muß. Dieſelben Vorſichtsmaßregeln, die beim harten dropfe angewendet wurden, gelten auch hier beim Hängekropf; doch iſt es beſſer, wo nicht beſondere Gründe für die Erhaltung eines ſehr wertvollen Zuchttieres ſprechen, ſo einen Kranken durch raſches Schlachten von allen Schmerzen zu erlöſen. Bei großer Hitze oder ſonſtiger Erregung kommt es vor, daß die Tiere durch übermäßigen Waſſergenuß ihren quälenden Durſt zu ſtillen ſuchen. So geſchieht es, daß der mit flüſſigem oder weichem Inhalte gefüllte Kropf ſich nicht weiter zuſammenziehen kann, da die inneren Häute ihre Spannkraft verloren haben, trotzdem die Füllung des Kropfes nur aus Gaſen beſteht. Kleingeſchnittene Zwiebeln, Knoblauch, ſtrengeres Faſten, leicht mit Salzſäure verſetztes Waſſer als Getränk, ein halber Theelöffel flüchtigen Salzes in der doppelten Menge Waſſers gegeben (Wright), helfen meiſtens, wenn beizeiten gegen das Übel ange⸗ kämpft wird. 3 Schlechtes, ungeeignetes Futter bewirkt oft verſchiedene Leiden, die ſich auf die Unverdaulichkeit des Futters zurückführen laſſen. Fünfter Abſchnitt. Geſundheitspflege, Krankheiten. 199 Magen, Leber, das ganze Verdauungsſyſtem geraten in eine krankhafte Affektion, die Freßluſt ſchwindet, die Sekretionen werden unregelmäßig, ſehr gering und von krankh aftem Aus zſeh en. Etwas Rhabarber jeden Tag Vaferung Bei Vernachläfſigung ſteigern ſich die früher erwähnten Krankheitsſymptome; Kopf und Kamm erſcheinen kränklich gelblich, die Leber iſt ſtark ausgedehnt und affiziert. Vornehmlich tritt dieſe Krank⸗ heit bei jungen Tieren auf; Wright bezeichnet ſie beſonders als Folge der Ernährung mit nicht ſtets friſch bereitetem Eierkäſe. Wird nicht bald geholfen, ſo gehen die Kranken in den meiſten Fällen zu Grunde. Die gewöhnlichſte Folge fehlerhafter oder allzu reichlicher Er⸗ nährung mit Fleiſch und Maden, der Verfütterung ganz friſch geernteter Körnerarten bei den Tauben, der Gilältungen oder des plötzlichen Witterungswechſels iſt der Durchfall oder Diarrhöe. Die Tiere ſcheiden in großer Menge flüſſige, übelriechende Stoffe aus, manchmal tritt überdies eine wäſſerige Subſtanz aus dem Schnabel. Im Anfange der Krankheit genügt als Gegenmittel gekochter Reis mit Kreide oder Magneſia beſtreut. Geröſteter Hafer, Gerſte und kleingeſchnittenes Grün wirken ebenfalls heilend; in akuteren Fällen helfen 0,03 g Opium mit je 0,3 g Kreide und Rhabarber und 0,18 g Cayenne⸗ pfeffer zu Pillen angemacht. Ebenſo gilt als Präſervativmittel feines Knochenmehl unter das Futter gemengt. Das Trinkwaſſer mit Eiſen verſetzt, hilft raſch, eine günſtige Blutmiſchung herbeizuführen. Wegener empfiehlt die Verabreichung von Wacholder⸗ und Ebereſchenbeeren. Heftiger auftretender Durchfall ſteigert ſich öfters zur Ruhr oder Dyſenterie; hier erſcheinen die Exkremente mit Blut untermiſcht, wo dann nur ſelten Heilung möglich iſt, namentlich wenn dieſe Krankheitsform epidemiſch auftritt. Weißer Pfeffer, geſtoßen mit Butter vermengt und eingegeben, wirkt belebend auf die Verdauungs-Organe. Nux vomica nach Oettel dürft e nicht immer die gewünſchte Wirkung haben, wenn nicht gleich bei Beginn der Krankheitsſymptome dagegen einge⸗ ſchritten wird. Der Tod tritt meiſt ſehr ſchnell ein. Eine ähnliche, aber weniger bekannte Form iſt die ſogenannte Hühner⸗Cholera oder Geflügel-Peſt. Die Urſachen dieſer furchtbaren Krankheit ſind trotz der eingehenden Unterſuchungen Paſteur’s noch nicht genau erforſcht. Die Erzeuger diſer Krankheit ſind wohl unzweifelhaft mikroſkopiſche Gebilde, Spaltpilze; allein darüber, warum ſelbige plötzlich ſo zahlreich auftreten, iſt noch ebenſo⸗ wenig Gewißheit vorhanden, wie über die etwa anzuwendenden Gegen⸗ mittel, da für letztere der ungemein ſchnelle Verlauf der Krankheit nur ſelten genügend Zeit läßt. Ob ſchädliche Miasmen der Luft, ob große Sonnenhitze ohne wirkſamen Schatten und das Warmwerden des Trinkwaſſers, oder ob ſchlechte Nahrung überhaupt die aus— ſchließlichen Urſachen dieſer Seuche ſind, oder ob mehrere, vielleicht noch unbekannte Einflüſſe einwirken, läßt ſich nach den bisherigen Erfahrungen nicht beſtimmen. Auch die Symptome ſind nach den 200 Fünfter Abſchnitt. Geſundheitspflege, Krankheiten. bisherigen Beobachtungen nicht übereinſtimmend. Meiſtens tritt nach Wright's Beſchreibung ein heftiger Durſt in Verbindung mit Durch⸗ fall ein; die Exkremente ſind zuerſt grünlich, werden dann dünnflüſſig und weißlich, wie die bekannten„Reiswaſſerexkremente“ cholerakranker Menſchen. Das Tier wird zuſehends ſchwächer, fällt um, oft in der Nähe des Trinkwaſſers, manchmal treten heftige Krämpfe und Zuckungen ein, und bald endet der Tod die ſichtlichen Schmerzen. Nach Wegener'’s Erfahrungen zeigt ſich die Haut in den Aftergegenden ſtark gerötet mit ſchwärzlichen Flecken; er meint, die Krankheit habe einen milzbrand⸗ artigen Charakter. Nach Oettel iſt der Kropf mit Waſſer und einigen unverdauten Körnern angeſchwellt, ſo daß, wenn das Tier bei den Füßen in die Höhe gehalten wird, ſich aus dem nach unten gerichteten Kropfe eine ſtark übelriechende Flüſſigkeit entleert. Letzterer wendete Nux vomica in dritter Verdünnung mit Erfolg in den erſten Stadien an. Der Erfolg iſt aber meiſt ſehr problematiſch, da der ganze Verlauf der Krankheit bis zum Tode nur wenige Stunden währt. Wright empfiehlt mit Recht mehr prophylaktiſche Mittel, wie reichlichen Schatten und Schutz vor den ſengenden Sonnenſtrahlen, ſtets friſches, kühles Trinkwaſſer und reichliche Gaben gehackten friſchen Grüns; zu je einem Liter Trinkwaſſer werden 4 bis 6 Tropfen Salicyllöſung hinzugefügt. Daß bei einer ſo anſteckenden Krankheit eine ſtrenge Abſonderung der kranken und verdächtigen Individuen ſofort eintreten muß, iſt ſelbſtver⸗ ſtändlich. Am beſten iſt es, erkrankte Vögel zu töten und ihre Körper unſchädlich zu machen, wie es Seite 194 angegeben worden iſt. Als Folge vieler Krankheiten tritt eine völlige Erſchöpfung des tieriſchen Körpers ein, die oft in ein völliges Schwinden der Kräfte übergeht und mit dem Namen Abzehrung bezeichnet wird. Dagegen giebt es meiſt kein Mittel. Die Tiere magern entſetzlich ab, verlieren ſchließlich ihre große Freßluſt und gehen drauf. Am beſten iſt jedenfalls, die Leiden eines von dieſer Krankheit befallenen Tieres durch Schlachten zu verkürzen. In weniger ausgeſprochenen Fällen, oft infolge einer Über⸗ reizung des Nervenſyſtems durch Schrecken, längere und häufige Aus⸗ ſtellungen oder ſchlechter Haltung, wo Kälte, Näſſe und ungenügende verdorbene Nahrung zuſammenwirkeu, oder endlich bei einer ſchwachen Konſtitution von Hauſe aus, tritt eine allgemeine Erſchlaffung und Schwäche ein, die ſich durch Mangel an AÄppetit, Abmagerung, im traurigen Benehmen ꝛc. äußert und die unter dem Namen Schwäche bekannt iſt. Behebung der angeführten Mängel, reichliche Fütterung, bei hochgradigeren Stadien Einflößen von 3 bis 4 friſchen Eiern durch mehrere Tage, Chinineiſen⸗Gaben, ſowie eiſenhaltiges Trinkwaſſer bringen in den meiſten Fällen Beſſerung, allein die völlige Herſtellung iſt lang⸗ wierig und koſtſpielig. Entgegengeſetzt den bisher beſprochenen Krankheiten iſt eine Form des Unwohlſeins, die man unter dem Namen Verſtopfung be⸗ greift. Erhitzende Nährſtoffe, wie Hanfſamen, Roggen ꝛc., im Über⸗ maße, beſonders bei heißer Witterung gereicht, bringen dieſe Störung Fünfter Abſchnitt. Geſundheitspflege, Krankheiten. 201 der Verdauung hervor. Das Tier macht vergebliche Verſuche, ſich zu erleichtern, es geht unruhig und traurig umher und zeigt deutlich aus⸗ geſprochenes Unbehagen. Strenge Ditt, leicht lösliche Futterſtoffe, reich⸗ liche Gaben an Grünfutter, Sauerkraut ꝛc., ſowie etwas Safran im Waſſer wirken erleichternd. In hartnäckigen Fällen thun Ricinusöl oder Klyſtiere von überſchlagenem kaltem Waſſer oder ſelbſt von Ol gute Dienſte. Treten Entzündungen am Unterleibe ein, ſo helfen die bereits beſprochenen Mittel meiſt in kurzer Zeit. Oefele empfiehlt bei leich⸗ teren Fällen Tamarindentinktur, bei hartnäckigerem Auftreten Nux vomica. Schwindel und Schlagfluß ſind Krankheitserſcheinungen, die durch ungewöhnlichen Blutandrang gegen das Gehirn infolge von Hitze oder anderen phyſiologiſchen Einflüſſen hervorgerufen werden. Die Tiere taumeln wie trunken, laufen im Kreiſe herum, fallen nach einigen Minuten wie leblos hin, um, wenn ſie ſich erholt haben, dasſelbe Treiben nach kurzer Zeit wieder zu beginnen. Ein kühler Waſſerſtrahl auf den Kopf gerichtet, ſchafft bei Schwindel faſt augenblickliche Erleichterung. Magere Düäät, ſowie Gaben von Ricinusöl oder 15 Gran Jalappa mit einem Gran Kalomel beſeitigen dieſe oft beunruhigenden Erſcheinungen. Bei Nichtbeachtung der Krankheitsurſachen, oder infolge heftiger Auf⸗ regung oder körperlicher Überanſtrengung, wie Schrecken, Kampf mit einem Nebenbuhler, bei den aſiatiſchen Hühnerraſſen auch beim Eierlegen, erfolgt durch den plötzlichen Blutandrang oft augenblicklicher Tod durch Schlagfluß; häufig iſt auch da allzu reichliche Ernährung allein ſchuld, und es iſt dann dringend geboten, auf das übrige Geflügel ſtrenge Acht zu geben, leicht verdauliches Futter zu reichen, die Diät herabzuſetzen, um ſich vor weiteren Verluſten zu bewahren. In manchen Fällen bringt ein rechtzeitiger Aderlaß, unter dem rechten Flügel angebracht, Hilfe, wo dann nach wiedererlangtem Bewußtſein der Blutfluß gehemmt und durch irgend ein Mittel eine freiwillige Blutung verhindert wird; über⸗ haupt muß man bei allen dieſen Operationen darauf achten, daß das Geflügel nicht ſelbſt die Wunden durch Aufpicken öffne und ſich da⸗ ran verblute. Unter Darre oder Schwär verſteht man eine Krankheit der Verdauungsorgane, die ſich in der mangelhaften Fettabſonderung äußert, infolge welcher dann die am Rücken befindliche Fettdrüſe ſich entzündet und verhärtet, häufig in Eiterung übergeht und meiſt die Abzehrung zur Folge hat, die mit dem unvermeidlichen Tode ſchließt. Die Tiere preſſen im geſunden Zuſtande aus dieſer Fettdrüſe durch Drücken mit dem Schnabel einige Fettteile heraus, welche dann, zum Putzen und Beſtreichen des Gefieders verwendet, das glänzende, friſche Ausſehen eines geſunden Tieres bewirken. Die kranken Tiere ſehen ſtruppig aus, ſitzen traurig herum, magern trotz der Freßluſt ab und gehen, wenn nicht Hilfe gebracht wird, zu Grunde. Zu ſtark nährendes Futter, ohne Beigaben von Grünem, Mangel an Bewegung, Unreinlichkeit dürften die Urſache der Darre oder Darrſucht ſein. Die wirkſamſte Hilfe iſt 202 Fünfter Abſchnitt. Geſundheitspflege, Krankheiten. eine Anderung der Nahrung, reichliche Grünfütterung, kurz Abſtellung der Übelſtände. Daneben werden erweichende Salben, Fetteinreibungen an der verhärteten Drüſe angewendet, die in Eiterung übergeht und, wenn ſchließlich ausgereift, durch ſanfte Auspreſſung vom Inhalte be⸗ freit, und mit Fetteinreibungen, die mit Antiſeptika vermiſcht ſind(z. B. Jodoform, Borſäurelöſung ec.), bis zur Heilung behandelt wird. Wegener empfiehlt auch die Anwendung von Kollodium, indem der harte Drüſenkörper mehrmal des Tages mit dieſer Flüſſigkeit über⸗ ſtrichen wird, was das ſchnelle Reifen der Entzündung bewirken ſoll. Es bleibt regelmäßig eine Schwäche oder Neigung zur Wiederkehr dieſes Übels, beſonders nach der Mauſer zurück, ſo daß es jedenfalls am beſten iſt, einen ſolchen Patienten zu mäſten und zu ſchlachten. 4. Ausſchlagartige Krankheiten. Eine der gefährlichſten derſelben ſind die Blattern und Pocken. Es ſind dies kleine Ge⸗ ſchwüre in der Größe einer Erbſe unter den Flügeln, am Bauche und an der inneren Seite der Schenkel, ähnlich der gefürchteten Krankheit, welcher bei den Menſchen alljährlich trotz der Impfung ſo viele zum Opfer fallen. Die Krankheit iſt anſteckend und entſteht nach Wegener durch zu ſtarke Fütterung mit hitzigen Sämereien in der heißen Jahres⸗ zeit. Ohne Zweifel ſind auch hier die mikroſkopiſchen Schmarotzer die Träger des Krankheitsſtoffes. Strenge Diät, reichliches Grünfutter, kühle, aber trockene Stallräume, ſtets friſches Waſſer ſind in den meiſten Fällen als Vorbeuge zu empfehlen. Weißer, ſchwarzer Kamm, Schwarzfäule ſind Krankheiten, die, wie der Name andeutet, zumeiſt den Kamm ergreifen und bis jetzt am häufigſten bei den Kochinchinas, letztere auch bei den Spaniern beobachtet wurden. Der weiße Kamm ſſt ein weißlicher, ſchorfiger Ausſchlag, der den ganzen Kamm wie mit weißem Staub überzieht und ſich über den Hals herab verbreitet, infolgedeſſen dann die Federn ausfallen. Oft genügt ein Beſtreichen mit Olivenöl, um dieſen Aus⸗ ſchlag zu vertreiben, öfter aber muß Schwefel⸗ oder Curcumaſalbe(eine Unze Kokusnußöl, ½¼ Unze gepulverte Gelbwurz) angewendet werden. Löſungen von übermanganſaurem Kali dürften gleichfalls von Wirkung ſein. Die Urſachen ſind niedere Organismen, Pilze(vergl. Zürn., 1. c.). Die bis jetzt nur in England an den Kämmen der Spanierhühner beob⸗ achtete Schwarzfäule oder ſchwarzer Kamm beginnt mit dem Schwarz⸗ werden des Kammes, dem dann ein Anſchwellen der Füße, gänzliche Abmagerung und baldiger Tod folgt. Nur im Beginne iſt Heilung möglich, die durch Kalomel, Ricinusöl, Futterwechſel, ſowie durch thoniſche Beigaben znu kräftigem Futter angeſtrebt wird. Der Krebs iſt eine Krankheitsform, die im Beginne viele Ähn⸗ lichkeit mit der Augenkrankheit und Rup hat, nur ſind anfangs die Naſenlöcher von dem wäſſerigen, übelriechenden Ausfluſſe verſchont. Hauptſächlich iſt der Kopf der Sitz dieſes Übels, das ſich dann längs der Kehle in vielen Geſchwüren äußert, den hinteren Teil der Zunge bedeckt und ſchließlich den Kehlkopf und Kehlſpalt ergreift, wo die krank— Fünfter Abſchnitt. Geſundheitspflege, Krankheiten. 203 haften, eiterigen Ausſcheidungen das Tier häufig durch Erſtickung töten; auch die anderen Schleimhäute ſind dieſer Entzündung ausgeſetzt. Waſchungen mit Chlorin⸗Sodalöſung(4 Teile Waſſer auf 1 Teil Chlorin⸗Soda) und Beſtreichen der angegriffenen Teile mit reiner Chlorin⸗Soda, dreimal des Tages angewendet, ebenſo mit Löſungen von übermanganſaurem Kali, Gaben von Schwefelblumen unter das Futter, ſowie Anwendung von Fluid carbolate helfen dagegen; beſonders letzteres iſt durch ſeine desinfizierenden und heilenden Eigenſchaften bei allen krankhaften Abſonderungen von beſter Wirkung. Geſchwüre und Abſceſſe treten an allen Teilen des Körpers beim Geflügel auf. Unreinlichkeit, ungeſunde Nahrung, oft auch äußere Verl etzungen ſind die Urſachen, welche dieſe Krankheitsformen veran⸗ laſſen. Die Hauptſorge geht dahin, durch rechtzeitiges Eingreifen einer Verhärtung vorzubeugen. Wright führt unter anderen zwei Arten von Abſceſſen auf, die ſich hauptſächlich bei den Dorkings zeigen, und die er unter dem Namen Bumble foot zuſammenfaßt, und die vor⸗ züglich an der Fußſohle vorkommen. In vielen Fällen picken ſich die Hühner ſolche Geſchwüre ſelbſt auf, in anderen muß durch einen kräftigen Schnitt der Eiterſtock freigelegt, der Eiter durch Drücken entfernt, die Wunde mit lauem Waſſer gereinigt und antiſeptiſch behandelt, der baldigen Heilung überlaſſen bleiben. Von guter Wirkung iſt auch das Betupfen mit Lapis(ſalpeterſaurerem Silberoxyd). 5. Krankheiten der Genital⸗Organe treten meiſt bei den Weibchen infolge des Legeprozeſſes ein, während die Männchen mehr verſchont bleiben oder die diesbezüglichen Beobachtungen fehlen. Doch ſind auch hier einige Krankheitserſcheinungen bekannt, die meiſt durch ſexuelle Ausſchreitungen hervorgerufen werden. Selbſt Übel gefähr⸗ lichſter Art glaubte man irrtümlich in früherer Zeit gefunden zu haben, indem z. B. ein Hofdekret aus der Zeit Kaiſer Joſef II. zu Ende des vorigen Jahrhunderts den Verkauf von Tauben nur mit großer Be⸗ ſchränkung deſiattete weil viele dieſer Tiere von Syphilis befallen wären und ſo natürlich durch den Genuß den Menſchen ſchaden müßten(!. Der Geſchlechtstrieb iſt beim Geflügel ſehr ſtark entwickelt, ſo daß die Verhinderung der Befriedigung desſelben oft üble Folgen nach ſich zieht. Frühzeitig ſollen die Geſchlechter getrennt werden, um ein zu frühes Erwachen des Geſchlechtstriebes zu hindern. Nur zu leicht wird bei Nichtbefolgung dieſer Vorſchrift ein Schwächen beider Teile hervor⸗ gerufen, das dann in kümmerlichen Nachkommen ſeine traurigen Wirkungen äußert. Die Begierde mancher Männchen geht oft ſo weit, auch ganz verſchiedene Arten des Geflügels, wie Schwimmvögel und umgekehrt, zur Befriedigung ihrer Gelüſte zu gebrauchen. So beobachtete man dei vielen Hähnen einen krankhaften Zuſtand, Geil⸗ oder Liebes⸗ fieber, der aus der Nichtbefriedigung oder allzu reichlicher Befriedigung entſteht. Die Gegenmittel bieten die angeführten Urſachen von ſelbſt dar; dazu iſt noch eine ſtrengere Diät, nebſt leichten, auflöſenden Futterſtoffen, wie Grünes ꝛc., Waſchungen des Afters mit Weineſſig ꝛc. 204 Fünfter Abſchnitt. Geſundheitspflege, Krankheiten. zu empfehlen. Das Übermaß in der Befriedigung des Geſchlechtstriebes bringt eine Zerrüttung des Nervenſyſtems mit ſich, die häufig in epilep⸗ tiſchen Krämpfen ſich äußert und kaum zu heilen iſt; damit befallene Individuen ſind zur Fortzucht untauglich. Auch bei den Weibchen er⸗ zeugen dieſe fortwährenden Beunruhigungen Geſundheitsſtörungen, die ſich in ſichtlichem Abmagern, Unluſt zur Nahrung ꝛc. äußern. Die Krankheiten und Fehler der Weibchen ſind beſſer bekannt, da ſie einen wichtigen Zweig der Geflügelnutzung, das Eierlegen, betreffen. So iſt von beſonders ſchädlichem Einfluſſe auf die ganze Körperkonſtitution das Frühzeitiglegen oder Abortion; gewöhnlich infolge plötzlichen Erſchreckens verliert das Tier ein noch nicht völlig ausgebildetes Ei, worauf dann ein mehrtägiges Unwohlſein folgt. Spärlich gegebenes Weichfutter, Abſonderung und Ruhe, nebenbei ein weiches Neſt zur Nachtruhe, beſeitigen bald die Folgen. Ofter findet der Geflügelhalter zu ſeiner geringen Freude ſchalen⸗ loſe Eier im Neſte, die dann leicht zerdrückt oder auch von den Näſchern der geflügelten Welt mit größtem Vergnügen verzehrt werden. Die Urſachen können in allzu reichlicher Fettbildung als Folge von Überfütterung oder in Störungen liegen, die teils durch Überreiz, teils durch Krankheiten oder organiſche Fehler des Eierſtockes, Eileiters ꝛc. hervorgerufen werden oder ſchließlich in dem Mangel an kalkhaltigen Stoffen ihren Grund haben, die in der Nahrung zugeführt werden müſſen, um die Kalkumhüllung des Eies aufbauen zu können. Nach den Krankheitsurſachen richten ſich die Gegenmittel. Tritt jedoch noch eine Steigerung dieſes krankhaften Zuſtandes ein, nämlich das Flöſſen der Eier, wo ſogar die äußere Umhüllungshaut fehlt oder wo der Dotter allein austropft, ſo muß ärztliche Behandlung eintreten, um das Eierlegen, wenn möglich, ganz zu hindern. Wright empfiehlt für dieſe Fälle vierſtündlich eine Pille aus 0,06 g Kalomel, 0,005 g Brechweinſtein und 0,015 g Opium, daneben weiches Futter in kleinen Portionen, wie gekochte Kartoffeln, und außerdem wären noch Gaben von feingepulvertem Knochenmehl am Platze. Oettel empfiehlt das nach ſeinem eigenen Urteil durch nichts begründete Mittel,„die Hennen einigemal bei den Füßen hin und her zu ſchwenken“; wie es zugeht, weiß er nicht, allein in mehreren Fällen ſoll dies erwieſenen Erfolg gehabt haben(). Bei dem entgegengeſetzten Falle, der Schwergeburt, oder dem Zurückhalten der Eier leiden die Tiere augenſcheinlich mehr, als bei dem obenerwähnten. Die Schwergeburt kommt nicht nur bei un⸗ gewöhnlich großen, ſondern auch bei normalen, ſelbſt ſchalenloſen Eiern vor. Die Tiere gehen unruhig, traurig und mit ſichtlichen Zeichen von Schmerzen umher, verſuchen mehrmals ſich der Bürde zu entledigen, bleiben längere Zeit auf dem Neſte ſitzen, bis endlich das Ei gelegt iſt. Gaben von Ricinusöl oder eine Hand voll Kreuzkraut helfen im Durch⸗ ſchnitte in kurzer Zeit. Manchmal kann auch durch Einſpritzen von Olivenöl— indem man eine kleine Spritze mit weicher, beweglicher Fünfter Abſchnitt. Geſundheitspflege, Krankheiten. 205 Spitze in den Ovidukt einführt— oder mittelſt einer ölgetränkten Feder Abhilfe geſchaffen werden. Dr. Baldamus führt mit Recht als das beſte Mittel an, den Patienten heißen Waſſerdämpfen auszuſetzen.„Ein ſogenannter Durchſchlag wird in einen mit heißem, dampfendem Waſſer zur Hälfte gefüllten Topf gehängt, ſo daß der Boden des Durchſchlages noch einige Centimeter von dem heißen Waſſer entfernt bleibt; über denſelben wird ganz locker ein ziemlich engmaſchiges Netzchen geſpannt, das bis nahe an den Boden des Durchſchlages hinabgedrückt wird, und darüber wieder ein ähnliches ſtraff angezogen. Zwiſchen beide Netze wird der Patient geſetzt, der Topfrand und das Neſt bis auf eine kleine Offnung, welche jener zum Atmen braucht und aufſucht, mit einem Tuche bedeckt, und ſo der Vogel ſich ſelbſt überlaſſen. Würde das Ei bis abends nicht gelegt, ſo wird der Topf in eine nicht zu warme Ofenröhre auf den Ofen oder ſonſt wo warm geſtellt und mit ſehr ſeltenen Ausnahmen iſt der halbtot eingeſetzte Vogel am Morgen friſch und munter, während das gelegte Ei unverletzt auf dem Boden des Durchſchlages ſich befindet.“ Dieſe günſtigen Reſultate wurden mit Stubenvögeln erzielt, aber ſicherlich ließen ſie ſich auch mit gleichem Erfolge bei dem übrigen Geflügel anwenden. In beſonders ſchwierigen Fällen bleibt, wenn alle angegebenen Mittel nichts helfen, nur das gewaltſame Entfernen des Eies übrig. Das Ei wird angebohrt, der Inhalt auslaufen gelaſſen, worauf die Schale bald von ſelbſt nachfolgen wird. Auch das Heraus⸗ ziehen des Eies mittelſt eines kleinen, ſpitzigen Drahthäkchens kann von Erfolg ſein. Die Folgen ſolcher Schwergeburten, beſonders bei ſehr großen oder doppeldotterigen Eiern, iſt gewöhnlich das Heraus⸗ treten des Legedarms, der Kloake. Die Kontraktionsmuskeln verſagen ihre Thätigkeit, und meiſtens bleibt eine Schwäche zurück, die nicht heilbar iſt. Dann hilft ein ſchleuniges Abſchlachten über alle Verlegenheit. Abſonderung des erkrankten Tieres iſt dringend geboten, da die übrigen Tiere mit Vorliebe an dem herausgetretenen Darme picken, indem ſie denſelben für rohes Fleiſch anſehen, worauf infolge der Verletzungen Krebs oder Brand eintreten, wo dann jede Hilfe vergebens wäre. Die herausgetretene Kloake wird mit lauem Waſſer ſorgfältig abgewaſchen, ebenſo die ganze Aftergegend; dann drückt man behutſam mit dem Daumen den Legedarm zurück, nachdem man denſelben gut mit Ol beſtrichen, was ſo oft wiederholt wird, als ſich der Vorfall erneuert, wozu längere Zeit Neigung vorhanden iſt. Entziehung jedes reizenden Futters, knappe Diät und Ruhe bringen das Tier bald wieder in normalen Zuſtand. Bei älteren Tieren etwickelt ſich häufig infolge der Eierproduktion ein Hängebauch, beſonders bei Hennen und Gänſen. Gefährlich iſt dieſer Zuſtand nicht und zumeiſt nur ein Schönheitsfehler; allein gewöhnlich ſind damit Störungen des Organismus verbunden, indem die Muskeln, welche den Magen in ſeiner Lage zu halten haben, erſchlaffen, ſo daß er in den Unterleib ſinkt und dieſen Hängebauch veranlaßt. Die Folgen davon ſind Unregelmäßigkeit in der Verdauung, 206 Fünfter Abſchnitt. Geſundheitspflege, Krankheiten. Entzündungen in den Eingeweiden und Störungen in den Funktionen der Geburtswege, die manchmal den Tod des Tieres herbeiführen. Die Abnormitäten in der Bildung des Eies, die doch auch in krankhaften Störungen der Genitalorgane ihren Grund haben, wie Eier mit Doppeldotter, mit doppelter Schale, Wind⸗ und Spureier ec., ſind ſchon früher erwähnt, und nur nochmals möge hier dringend darauf hingewieſen werden, den Tieren zur Vermeidung dieſer Erſcheinungen reichliche Kalkgaben im Futter oder auch in freien Gaben dieſer Stoffe zu geben, wie Knochenmehl, Mörtel, gebrannte Auſternſchalen, Eiſchalen ꝛc. 6. Außere Verletzungen und Vergiftungen. Bei erſteren, die durch freies Herumſtreichen leicht entſtehen können, wie Verletzungen durch die Dornen an den fleiſchigen Teilen, Kämmen oder Augen, durch Steinwürfe oder ſonſt durch irgend eine Art, müſſen die ver⸗ letzten Teile gut ausgewaſchen und dann mit geſalzener Butter oder Kollodium oder antiſeptiſch behandelt werden. Sind die Wunden bedeutend, ſo können auch kalte Umſchläge von guter Wirkung ſein. Bei den Hühnern mit Federhaube leiden öfters die Augen durch die herabhängenden Federn, wo dann kühlende Umſchläge, Waſchungen mit Fenchelwaſſer, Talgpflaſter am Platze ſind. In dieſem ſpeciellen Falle iſt am beſten ein Verkürzen der Federkrone. Häufig kommen auch Quetſchungen vor, wo dann Arnikatinktur die beſten Dienſte leiſtet. In den zahlreichen Fällen, wo Brüche der Beine oder Flügel zu behandeln ſind, helfen im erſteren Falle feſte Schienen, die durch Umwickelung des verletzten Teiles mit braunem Löſchpapiere, das mit Eiweiß getränkt wird und beim Trocknen erhärtet, oder auch Schienen aus Holz, in die man auf möglichſt beſte Art das verletzte Glied feſt macht. Bei Verletzungen der Flügelknochen iſt ein feſtes, dichtes Zuſammenbinden der in gehörige Ordnung gebrachten Schwungfedern, etwa 2 bis 3 cm von ihrer Spitze, und eine breite Bandage über beide Flügel zu empfehlen. Die Beinbrüche heilen meiſt in kürzeſter Zeit, während Fleiſch⸗ wunden oder Quetſchungen eine längere Behandlung erfordern. Bei ſtarken Blutungen müſſen blutſtillende Mittel angewendet werden, z. B. blutſtillende Watte(Eiſenchlorürlöſung), Zunder, Schwamm, ſchwefelſaures Eiſen, Aſche ꝛc. Tritt ſogenanntes wildes Fleiſch auf, ſo muß es durch Betupfen mit Höllenſtein entfernt werden. Notwendig iſt es, die Verwundeten vom übrigen Geflügel zu trennen, da letzteres in ſeiner Gier nach animaliſcher Nahrung an den Wunden pickt und ſo die Heilung erſchwert. Gefährlich für das Geflügel iſt der Eintritt hoher Kältegrade, indem ſehr leicht ein Erfrieren der Extremitäten, namentlich der Kämme und Kinnlappen bei den Hühnern, eintreten kann. Tüchtiges Reiben der erfrorenen Teile mit Schnee, Baden im kalten Waſſer, Einreibungen der empfindlichen Teile mit Ol, ſo daß ſich beim Trinken kein Waſſer anſetzen kann, ſind gute Vorbeugemittel. In vielen Fällen gehen die Fünfter Abſchnitt. Geſundheitspflege, Krankheiten. 207 erfrorenen Extremitäten in Eiterung über, ſo daß ſorgſame Pflege dringend geboten iſt. Durch äußere Verletzungen kann auch die innere Organiſation Schaden leiden, indem durch Quetſchungen oder heftigen Stoß die inneren Organe verletzt werden, ſo daß ebenfalls aufmerkſame Behand⸗ lung dringend geboten iſt. Das Geflügel, dem ein freies Herumſtreifen möglich iſt, fällt oft jenen verderblichen Stoffen zum Opfer, welche zur Vertilgung ſchäd⸗ licher Tiere angewendet werden, oder geht infolge des Genuſſes von Giftpflanzen zu Grunde, einer der wenigen Fälle, in welchen der In⸗ ſtinkt die Tiere vor Gefahr nicht zu ſchützen vermag. So ging eine ganze Herde Truthühner an dem Genuſſe von mit Merkurialſalbe ver⸗ triebenen Schafzecken drauf. Vergiftete Mäuſe und Ratten wurden häufig die Urſache vieler Verluſte. Es iſt daher ratſam, alle durch Gift umgekommenen Tiere aus dem Bereiche des Geflügelhofes ſtrenge zu entfernen. Große Vorſicht iſt überhaupt nötig, wenn Gifte zur Ver⸗ treibung der läſtigen Schmarotzer angewendet werden, da nur zu leicht infolge einer Unvorſichtigkeit die Opfer größer ſein können, als der eventuell damit erzielte Nutzen. Giftpflanzen ſollen aus den Grasplätzen oder Geflügelhöfen unbedingt entfernt werden, da doch leicht eines der Tiere davon genießen könnte. Auf jede einzelne Vergiftungsart hier einzugehen, dürfte zu weit führen. In den meiſten Fällen iſt auch jede Hilfe vergebens. Hat man aber die Erkrankung rechtzeitig bemerkt, ſo iſt für die weitaus größte Zahl der Fälle eine reichliche Gabe von friſcher Milch das beſte Gegenmittel, ebenſo auch ſchleimige Abkochungen, Eiweiß ꝛc. Dies gilt für die mineraliſchen Giftſtoffe. Bei Alkohol⸗ vergiftungen wirken ſchwarzer Kaffee oder kalte Begießungen ſehr er⸗ leichternd. Gegen narkotiſche und ſcharfe Pflanzengifte werden mit Vorteil verdünnter Eſſig, Leinſamenſchleim, ſchwarzer Kaffee, Opium ꝛc. angewendet. Bei Inſektenſtichen ſind Eſſigwaſchungen, Chlorwaſſer, Sal⸗ miakgeiſt(verdünnter Ammoniak), Bedeckung mit feuchter Erde am Platze. Außer den eigentlichen Krankheits⸗Erſcheinungen kommen beim Geflügel periodiſch wiederkehrende, krankhafte Affektionen vor, welche, wenn auch nicht gefährlich, doch die Aufmerkſamkeit des Züchters in Anſpruch nehmen. Vornehmlich iſt dies der Fall bei der jährlich wiederkehrenden Erneuerung des Federkleides, gemeinhin Mauſer ge— nannt. Meiſt im Frühjahr oder Herbſt beginnt das Geflügel ſein Ge— fieder zu verlieren, welches dann durch die nachwachſenden Federn in ſchönerer Farbenpracht erſetzt wird, ſo daß mit Beginn der Paarungs⸗ zeit die Männchen im vollſten Schmucke prangen und im wahren Sinne ihr Hochzeitskleid anhaben. Manche Gattungen wechſeln ſogar zweimal ihr Federkleid, wie z. B. die Enten. Gewöhnlich nimmt dieſer Feder⸗ wechſel ſeinen naturgemäßen, allmählichen Verlauf. Bei Flugvögeln, wie Tauben und Enten, geht der Wechſel ſo allmählich vor ſich, daß nicht einmal dadurch die Flugfähigkeit erheblich leidet, indem die Federn nach und nach ausfallen, ſo daß die eine ſchon halb erſetzt iſt, bevor 208 Sechſter Abſchnitt. Geflügel⸗Pflege⸗ und Züchtungsregeln. der Verluſt der anderen eintritt. Hier und da kommt, namentlich bei Hühnern, ein plötzliches Verlieren aller Federn zugleich vor, wo dann der halbnackte Körper gegen Temperatureinflüſſe ſehr empfindlich iſt und ſorgſam gehegt werden muß. Die durch ſtarke Eierproduktion ſich aus⸗ zeichnenden Individuen haben überdies mehr durch die Mauſer zu leiden. Die Tiere müſſen warm gehalten und beſonders vor Näſſe geſchützt werden. Die ganze Thätigkeit des Körpers konzentriert ſich auf den Erſatz des Federkleides, ſo daß alle übrigen Funktionen, wie Eierlegen, Mäſtung ꝛc., ruhen. Bei den Tauben unterbricht die Er⸗ nährungsſorge für die zu Beginn jener Zeit ausgeſchlüpften Jungen die Mauſer auf 3—4 Wochen, die dann einen langſameren und der Geſundheit nicht zuträglichen Verlauf nimmt und oft bis ins Frühjahr hinein dauert. Kräftige, proteinreiche Nahrung, in Bier geweichtes Brot, Fleiſch⸗ fütterung, ſtahl⸗ oder eiſenhaltiges Trinkwaſſer, ſowie warme, trockene Stallungen erleichtern den Tieren den Federwechſel. Tritt die Mauſer zu heftig auf, ſo kann eine völlige Erſchöpfung des Tieres vorkommen, die ſelbſt den Tod nach ſich führen kann und der man durch Einflößen von ſtärkenden Futterſtoffen vorbeugen muß. Auch bei den Kücken und übrigen Jungen iſt das Hervorkommen des Federkleides an Stelle der Dunen eine gefährliche Periode, die ſich durch Schwäche, Unbehagen ꝛc. äußert und viele Opfer erfordert, da in dem leidenden Zuſtande die Tiere für Krankheiten ſehr empfänglich ſind; deshalb iſt große Achtſamkeit in dieſer Zeit dringend geboten; gute Nahrung und Pflege helfen bald über dieſen heiklen Zuſtand. Bei den jungen Truthühnern tritt außerdem ein Zeitpunkt ein, wegehen den Züchter meiſt mit Beſorgnis erfüllt. Im Alter von etwa 3 Monaten beginnen ſich Kopf und Hals zu röten, die weiße Warzen⸗ haut erhält ihr dunkles Rot, das Tier wird mannbar. Der ganze Körper iſt von dieſer Entwickelung angegriffen, und ängſtliche Sorge für die richtige Ernährung und ausreichendſter Schutz vor allen Tem⸗ peratureinflüſſen ſind während dieſer Zeit unbedingt nötig. Sechſter Abſchnitt. Geflügel⸗Pflege· und Züchtungs⸗Regeln für jeden Monat des Jahres. Die nachſtehend gegebenen Pflege⸗ und Züchtungsregeln ſind von mir vor einigen Jahren in der ſehr empfehlenswerten, zu Leipzig er⸗ ———„———— Februar. 209 ſcheinenden Zeitſchrift:„Die Geflügelbörſe“ veröffentlicht worden. Ich gebe ſie hier faſt unverändert wieder. Es finden ſich in denſelben manche beachtenswerte Winke und Züchtungsratſchläge, welche in den die Pflege und Züchtung behandelnden Abſchnitten nicht Aufnahme finden konnten. Sie ſeien daher den Züchtern zu beſonderer Be⸗ achtung empfohlen. Das Züchtungsjahr könnte begonnen und abgeſchloſſen werden mit der Einſtellung junger Zuchtvögel in die Zuchtſtämme, nachdem eine Anzahl der älteren Zuchtvögel ausgeſchieden iſt. Das würde bei den Hühnervögeln der Zeitpunkt der beginnenden Mauſer ſein. Dieſe Zeit paßt aber nicht auf das Waſſergeflügel. Deshalb iſt es praktiſcher, das Züchtungsjahr mit dem Ablegen der erſten Eier nach vollendeter Winter⸗ ruhe beginnen zu laſſen, alſo mit dem Monate Februar. Es mögen ja einzelne Vögel unſerer Geflügelbeſtände ſchon früher als in dieſem Monate einige Eier ablegen, das fällt aber als Ausnahme wenig und nur inſofern ins Gewicht, als es dadurch ermöglicht wird, eine An⸗ zahl Eier ſchon vom Anfange des Februar an, vielleicht ſogar ſchon Ende Januar bebrüten zu laſſen. Ein eigentlicher Züchtungsmonat iſt der Januar nicht, wohl aber der Februar. Pribyl, Geflügelzucht. 4. Auflage. 14 210 Sechſter Abſchnitt. Geflügel⸗Pflege⸗ und Züchtungsregeln. Noch iſt es Zeit, die Zuchtſtämme zuſammenzuſetzen oder ihre Zuſammenſetzung zu verbeſſern; nur bei Enten der größeren edlen Schläge iſt es dazu bereits zu ſpät. Beſondere Aufmerkſamkeit richte man auf die Tauglichkeit der männlichen Vögel, da von ihrer Kraft und ihrem Temperamente die Befruchtung der Eier abhängt und ihre Bauart die geſamte Nachkommenſchaft beeinflußt. Sehr wichtig iſt die Verhältniszahl der weiblichen Vögel zum männlichen: Bei der noch kälteren Witterung gebe man einem Hahne bis höchſtens 8 Hennen bei, einem Dorkinghahne aber höchſtens 6, einem Kochinchina⸗ oder Brahma⸗ putrahahne nur 4, einem Truthahne 3— 6, dem Perlhuhnhahne höchſtens 6, dem Pfau bis zu 5, dem Gänſerich 4—5, dem Erpel 4, höchſtens 6. Das Haushuhn iſt bereit, Eier zu legen(einzelne Hennen haben ſchon im Januar damit begonnen). Es iſt notwendig, die Eierlege⸗ thätigkeit anzuregen durch Unterdrückung fettbildender, alſo mehl⸗ haltiger Nahrungsſtoffe, beſonders der Kartoffeln; man füttere aus⸗ ſchließlich Fruchtkörner, beſonders Hafer, ohne Grünfutter und hier und da etwas Fleiſch auszuſchließen. Die Februareier ſind von beſonderem Werte zur Erlangung von Frühbruten behufs Erzüchtung von Junghennen, die von Ende Auguſt an mit dem Eierablegen beginnen, von kräftigen Zuchtvögeln oder von Schlachtgeflügel, namentlich Schlachtkücken, die im Frühjahre beſonders hoch bezahlt werden. Alſo: Alle Eier bebrüten laſſen durch — Truthennen oder auch andere Hennen, wenn zufällig brütig. Auf⸗ zucht der Kücken in geſchloſſenen, nur bei kaltem Regen⸗ oder Froſt⸗ wetter zu heizenden, ſtets gut ventilierten hellen Räumen; jeder Sonnen⸗ ſtrahl iſt zu kurzem Aufenthalte im Freien auszunutzen. Bei den Truthühnern beginnen die Hähne den Hennen den Hof zu machen, aber auch untereinander ſich Kämpfe zu liefern; es iſt gut, letzteres zu hindern, um größere Beſchädigungen zu vermeiden. Die Nahrung ſei die gewöhnte. Die Hennen können bis Mitte Februar noch zum zwangsweiſen Brüten auf Hühnereiern benutzt werden; ſie ſind in dieſer Beziehung unbezahlbar. Perlhühner und Pfauen legen nicht vor April. Die Gänſe beginnen ſich zu paaren. Man ſorge, daß denſelben, wenn irgend möglich, ſo tiefes Waſſer zugänglich ſei, daß die Begattung auf demſelben erfolgen kann wegen guter Eibefruchtung. Neſtbildung durch auf der hohen Kante ſtehende Bretter, von denen das vorderſte nur niedrig ſein darf; als Neſtmaterial benutzt man einen Strohkranz und weiches Stroh, auch Spreu. Enten der größeren veredelten Schläge, beſonders die Rouen⸗ Enten, beginnen nicht ſelten ſchon Ende Januar oder im Februar Eier zu legen; unſere gemeine Hausente in der Regel erſt im März. Enten⸗ frühbruten ſind ſehr koſtbar, teils zur Erlangung frühreifer junger Schlachtenten, teils zur Erzeugung von Enten, welche im Herbſte Eier ablegen. Vorteilhaft iſt es daher, alle vorhandenen Enteneier im Fe⸗ bruar durch Haushuhn⸗ oder Truthuhn⸗Hennen ausbrüten zu laſſen. März. 211 März. Trockenheit und Wärme ſind unerläßliche Bedingungen zu gutem Gedeihen des ganzen Hühnergeſchlechtes, aber auch der Kücken des Waſſergeflügels. Da nun im Monat März gewöhnlich erſtere vor⸗ herrſcht— es giebt freilich auch Ausnahmen— und bei heiterem Himmel freundliche Sonnenblicke oft recht angenehm ſich fühlbar machen, ſo ſollte man annehmen, daß der März der erſte Wonnemonat des Geflügelzüchters ſei. Das wäre er gewiß, wenn die herrſchenden Winde nicht oft gar zu rauh wären, wenn unwandelbare Wetterbeſtändigkeit ſtets dieſen Monat zierte, wenn nicht der Nordoſtwind und die Wetter⸗ unbeſtändigkeit dem Züchter eine mühevolle Sorge für den Schutz der zarten Vögelchen, welche von Ende Februar an aus den Eiern ſchlüpfen, auferlegte und wenn immer die erforderliche Anzahl guter Brüterinnen leicht zu beſchaffen wäre, um die vielen ſchönen Eier, welche Hühner und Enten reichlich ſpenden, in lebende Weſen umzuwandeln. Mühen und Sorgen alſo giebt es im März für den Züchter eine Menge, aber der Züchterfreuden auch nicht wenige: Herrichten guter Neſter, Einſammeln der Eier, Auswahl und Setzen der Brüterinnen und deren Wartung und herzerquickende Freude an dem jungen Nachwuchſe und ſeiner Pflege, beſonders dann, wenn in irgend einer vor dem Winde wohlgeſchützten Ecke des Kückenlaufraumes in der warm hernieder⸗ ſcheinenden Sonne ein munteres Kückenvolk behend ſich tummelt und berechtigte Hoffnung erweckt auf recht günſtigen Zuchterfolg. Als Brüterinnen ſind die ſonſt allezeit willigen Truthennen nicht mehr verwendbar, da ſie Ende Februar oder Anfang März zu legen beginnen; ſie ſtehen aber von Ende dieſes Monats oder dem Anfange des April an wieder zur Verfügung. Bis dahin müſſen Haushuhnhennen früh brütig werdender Raſſen die Bebrütung der Eier übernehmen und bei größerem Betriebe Brütmaſchinen. Dorking⸗, Langſhan⸗, Kochinchina⸗ und Brahmaputra⸗Hennen wollen nicht ſelten ſchon im März brüten, ebenſo einige Zwerghühnerraſſen. Der Nutzen der Brutmaſchinen wird nicht genug anerkannt und gewürdigt, wohl deshalb, weil nur wenige Züchter in größerem Maßſtabe die Züchtung betreiben, aber auch weil dieſe Apparate für zu viele Eier konſtruiert zu ſein pflegen; kleinere Maſchinen für 50 bis 100 Eier würden für die bei weitem meiſten Züchter genügen. Haushühner ſind vollſtändig im Legen begriffen. Man ver⸗ ſäume nicht, jedes aufgenommene Ei mit Datum zu beſchreiben, oder die an demſelben Tage geſammelten Eier in Eierkäſten aufzubewahren, welche das Datum des Einſammlungstages tragen. Der Eiervorrat wird leicht zu groß. Brüten laſſen, ſo viel als irgend möglich, ſollte für dieſen Monat das Hauptgeſchäft ſein. Früh erbrütete Hühner ſind gleich wertvoll für den Raſſegeflügelzüchter, wie für den, welcher die Hühnerzucht durch Eier oder Fleiſcherzeugung ausnutzen will. Beide finden im April und Mai die für gedeihliche Aufzucht geeignetſten 14* 212 Sechſter Abſchnitt. Geflügel⸗Pflege⸗ und Züchtungsregeln. Monate, erſtere zur Erzüchtung prächtiger Zucht⸗, Verkaufs⸗ und Aus⸗ ſtellungs⸗Vögel, letztere zur Erlangung von bereits Ende Auguſt lege⸗ reif werdenden oder als Maſthühner vom Herbſte an brauchbaren Junghühnern.¹) In betreff der Fütterung der Hühner gilt dasſelbe, was unter Februar angegeben worden iſt. Die Pflege der Kücken muß als bekannt vorausgeſetzt werden. Dennoch ſeien als erſte Nährmittel empfohlen: Trockenes, nicht ge⸗ ſäuertes, in friſcher Milch erweichtes, fein zerhacktes Brot; ſogenannter Eierkäſe und klein geſchnittene Brunnenkreſſe vermiſcht mit Brot oder auch hartes, mit der Schale fein zerhacktes Ei, gemiſcht mit Brot, aber nur als Ausnahmefutter(man ſiehe hierüber das im Abſchnitte von der Ernährung Geſagte Seite 92). Fütterung viermal regelmäßig und mit den angegebenen Futtermitteln abwechſelnd. Alles ſtets täglich friſch bereitet. Truthühner. März iſt die Haupteierlegezeit. Man nehme die Eier täglich aus den Neſtern, ſchreibe das Datum darauf und laſſe ſtets eins, welches man mit einem Bleiſtiftſtriche quer umzieht, liegen, das man aber am folgenden Tage durch ein neu bezeichnetes erſetzt. Auch den Truthühnern vermehre man während der Legezeit die Körner⸗ration. Gänſe. Das Eierablegen beginnt oder hat begonnen. Bei Ent⸗ nahme der Eier aus den Neſtern verfahre man, wie es vorſtehend für Truthuhneier angegeben worden iſt. Man ſorge, daß der Gans, welche ihr Neſt ſelbſt zu vervollkommnen pflegt, die dazu geeigneten Materia⸗ lien: Stroh⸗ oder Grashalme, trockene Blätter, Moos u. dergl., zugäng⸗ lich ſind. Im übrigen wie im Februar. Enten. Man laſſe aus den unter Februar angegebenen Gründen möglichſt viele Enteneier durch Hühner oder Brütmaſchinen ausbrüten. Auch zur Erzüchtung möglichſt kräftiger Zuchtenten ſind Frühbruten empfehlenswert. Man ſorge, daß den Entenkücken Waſſer zugänglich iſt, welches durch Zugießen heißen Waſſers etwas angewärmt iſt, wenn nicht Sonnenwärme dies beſorgt und den Zugang zu natürlichem Waſſerlauf uläßt. Entenkücken aufzuziehen, ohne daß ſie aufs Waſſer kommen, iſt inſofern ſchädlich, als ihre wollartige Bekleidung ſchmutzig wird und dem Körper ankleben könnte, was zu Erkältungskrankheiten führen würde. Neben den für Hühnerkücken angegebenen Nahrungsmitteln, exkl. Brunnen⸗ kreſſe, die durch Salat zu erſetzen iſt, füttere man Regenwürmer oder klein zerhacktes Fleiſch in geringen Gaben und ſpäter als deſſen Erſatz ausgedrückten weißen Käſe mit angefeuchtetem ungeſäuertem Brot oder auch Weizenkleie vermiſcht. ¹) Für denjenigen, der Hühnerzucht nur durch Eier⸗ und Fleiſchproduktion ausnutzen will, ohne Erzüchtung von Zuchtſtämmen zu betreiben, iſt es vorteil⸗ hafter, die Eier im März bis in den Mai hinein, ſo lange als ſie teuer ſind, zu verkaufen, als ſie bebrüten zu laſſen, mit Ausnahme der wenigen, welche durch Bebrütetwerden den Herbſterſatz in Zuchtſtamme liefern ſollen. April. 213 April. Der wetterwendiſche April wird ſchwerlich ſo viele ſonnenſchein⸗ reiche Tage liefern, als wir bereits im März gehabt haben, und es gilt, die Kücken, überhaupt das Geflügel exkl. Gänſen und Enten vor dem zu erwartenden häufigen Regen zu ſchützen. Möge derſelbe nicht kalt, ſondern recht mild ſein zum Heile des Gedeihens unſerer Pflanzen und unſerer lieben Pfleglinge! Haushühner. Es iſt höchſte Zeit, das nachzuholen, was im März in betreff des Eierausbrütens verſäumt worden iſt. Jetzt gilt nicht mehr die Entſchuldigung vor dem eigenen Gewiſſen, daß Brüte⸗ rinnen nicht mehr zu beſchaffen ſeien. Brütige Haushühner ſind nicht mehr ſelten und Truthühner brüten jetzt ungezwungen. Man verſäume nicht, während der allergünſtigſten Aufzuchtszeit des Jahres, von Mitte April bis Ende Mai, eine genügende Kückenanzahl in Pflege zu haben. Truthennen können zweimal hintereinander auf Haushuhneiern brüten; ihre erſten Kücken laſſe man durch gleichzeitig geſetzte Haushuhn⸗ oder Truthuhn⸗Hennen führen; eine Truthuhn⸗Henne kann bis 50, eine große Haushuhn⸗Henne bis 25 Haushuhnkücken führen, jedoch muß hierbei für gut geſchützten, warm gelegenen Nachtaufenthaltsraum geſorgt werden.— Hühnern, die keinen Auslauf ins Feld haben, laſſe man es an Grün⸗ futter nicht fehlen und verabfolge ihnen zuweilen, als Erſatz von Würmern und Inſekten, etwas Fleiſch oder friſchen Käſe, aber den⸗ jenigen Hennen, deren Eier verzehrt werden ſollen, nur in mäßigſter Gabe, damit die Eier keinen unangenehmen Geſchmack erhalten. Truthühner ſind von Ende März oder Anfang April an brüt⸗ luſtig und laſſen ſich ſehr willig benutzen. Man hebe ſie täglich zu derſelben Zeit vom Neſte und wieder auf dasſelbe oder überwache das Beſteigen desſelben beſonders dann, wenn mehrere Truthennen in dem⸗ ſelben Raume brüten ſollten. Es iſt aber beſſer, dieſes zu vermeiden, weil, wenn eine Truthenne aus irgend einem Grunde ihr Neſt verläßt und eine zweite brütende die unbedeckten Eier ſehen ſollte, dieſe nicht ſäumt, ſich auf dieſelben zu begeben, wodurch bei Rückkehr der im Korbe berechtigten Henne Streit und Eierbruch entſteht. Wer nur zwei oder drei Truthennen gleichzeitig brüten läßt, wird ſie leicht in verſchiedenen Räumen unterbringen können, wenn nicht, ſo verſchließe er die Brutkörbe durch weitläufig geflochtene Weidendeckel.— Die Aufzucht der Trut⸗ huhnkücken iſt als ſchwierig verſchrieen. Es iſt damit bei richtiger Behandlung nicht ſo ſchlimm beſtellt. Sie freſſen nicht ſo bald wie Haushuhnkücken, aber richtiges Futter, kein Brot, ſondern Ameiſenpuppen oder kleine Regenwürmer oder Regenwürmerteile nehmen ſie unſchwer an und lernen auch bald die übrigen für Kücken gebräuchlichen Auf— zuchtsnährmittel genießen. Das gebräuchliche Eingeben von Pfeffer⸗ körnern iſt ſchädlich und kann ſogar tödlich wirken. Perlhühner und Pfauen legen. Man benutze Truthennen zum Ausbrüten der Eier. 214 Sechſter Abſchnitt. Geflügel⸗Pflege⸗ und Züchtungsregeln. Gänſe brüten bereits oder werden erſt brütig, je nachdem ſie früher oder ſpäter mit dem Eierlegen begonnen haben; daher giebt es denn auch wohl Gänſekücken im April, nachdem die Gans 28 bis 30 Tage gebrütet hat. Dieſelben müſſen je nach dem Ausſchlüpfen weggenommen werden, damit die Gans nicht mit wenigen Kücken das Neſt und den Reſt der Eier verläßt. Die Kücken ſind an warmem Orte in einem Korbe auf Heu zu betten und loſe zu bedecken, bis alle Eier aus— gelaufen ſind und erſtere der Gans zurückgegeben werden können. Erſtes Kückenfutter: gehacktes Ei mit Brotkrumen und fein zerſchnittene Salatblätter oder Kerbel. Die jungen Gänschen ſind gegen kalte und naſſe Witterung emfindlich; man laſſe ſie nur an warmen Tagen ins Freie auf eine trockene Wieſe, hüte ſie aber vor Regen. Bald kann man in Milch gekochte Hafergrütze verfüttern, ſpäter Weizenkleie mit Kartoffeln, dann geſchroteten Hafer, Gerſte oder Mais. Weißer Klee iſt beſonders dienlich. Enten. Einzelne Enten werden brütig. Es iſt für die Aufzucht vorteilhaft, die Jungen von Enten führen zu laſſen. Über die Er⸗ nährung derſelben ſiehe März. Mai. Schwerlich wird die Mehrzahl der Geflügelfreunde im April viele Freude an der Kückenaufzucht erlebt haben, denn es giebt nur ſehr wenige Geflügelbeſitzer, welche ihre Liebhaberei ſo weit treiben, daß ſie ſchon im März oder gar im Februar brüten laſſen und ſich von Mitte März an mit ſchwieriger Kückenaufzucht plagen möchten; und ob die Frühbruten zur Erzeugung von Junggeflügel zu kulinariſchen Zwecken bereits irgendwo bei uns in größerem Maßſtabe angewendet und aus⸗ gebeutet werden, erſcheint fraglich; neue Einführungen wollen Zeit haben. Und ſo nehmen wir unſere Zuflucht zur Hoffnung, die, wie überall, ſo auch im Leben des Züchters eine große Rolle ſpielt; hoffen auf herr⸗ liches Aufzuchtswetter im wunderſchönen Monat Mai und wünſchen, daß er wenigſtens nicht ganz nach der Bauernregel ausfalle, die da behauptet: Mai kühl und naß, Füllt Scheun' und Faß, ſondern daß er recht ſchön trocken und warm werden und ſo die Kücken— aufzucht in hohem Grade fördern möge. Wem noch nicht die erwünſchte Anzahl Kücken Züchterfreude bereitet, ſetze immerzu noch Brüterinnen. Selbſt erſt Mitte Juni auslaufende Kücken können noch zu kräftigen Zuchtvögeln fürs nächſte Jahr emporwachſen. Haushühner pflege man, wie gewohnt. Verfütterung von Regenwürmern und Grünem, beſonders Salat, wo freier Auslauf nicht geſtattet werden kann. Bei vorſchreitender Lufttemperatur öftere Trink⸗ waſſererneuerung und Lüftung des Stalles auch während der Nächte. In betreff der Truthühner gilt das im April Geſagte. Perlhuhn. Von Mitte Mai an ſind Kücken zu erwarten. Die ſehr weichlichen, kleinen Vögelchen bedürfen viel Wärme und Schutz vor Mai. Juni. 215 Feuchtigkeit(auch vor gegen Abend eintretendem Nebel und Tau). Die Ernährung iſt dieſelbe wie die der Haushuhnkücken, jedoch iſt öftere Fütterung als bei dieſen, etwa 6 mal am Tage, erforderlich. Pfauen beginnen von Mitte oder Ende des Monats an zu brüten. Man kann Pfaueneier auch durch Truthennen ausbrüten und durch dieſe die Jungen führen laſſen. Brütet eine Pfauhenne, ſo muß ſie vor dem Zutritte des Pfauhahns geſichert werden, welcher das Zerbrechen von Eiern veranlaſſen würde. Futter und Waſſer müſſen der Henne nach Belieben zugänglich ſein. Zur Aufzucht der Gänſekücken(ſiehe April) ſei bemerkt, daß ſie einer beſonders kräftigen Ernöhrung und aufmerkſamen Pflege, beſonders Schutz vor Naßwerden(Schwimmen ausgenommen) bedürfen, ſobald das Hervorſprießen der Federn beginnt, was im Alter von vier bis ſechs Wochen der Fall zu ſein pflegt. Enten. Es iſt vorteilhaft, auch noch in dieſem Monate Enteneier bebrüten zu laſſen; giebt es brütige Enten, ſo ſetze man, wenn man eine größere Kückenanzahl zu erhalten wünſcht, Haus⸗ oder Truthuhn⸗ hennen gleichzeitig, damit man die Kücken ſämtlich von den Enten führen laſſen kann. Juni. Wenn Jemand über Füchtungsadsſüchten und Züchtungserfolge, ſoweit das Wetter ſie beeinflußt, wahrſcheinliche Mutmaßungen auf⸗ ſtellt, ſo kann er in der Regel nur für gewiſſe begrenzte Bezirke das Richtige treffen, da im Norden und im Süden, im Oſten und im Weſten größere Witterungsunterſchiede ſich geltend zu machen pflegen und nur äußerſt ſelten dieſelbe Wetterlage von Metz bis zur ruſſiſchen Grenze, vom Boden⸗ bis zur Nord⸗ und Oſtſee die deutſchen Züchter gleichmäßig erfreut oder bekümmert und ärgert. Der Juni mag ausfallen wie er will, er iſt überall der Aufzucht ſelten ungünſtig, ſelbſt wenn er regneriſch werden ſollte. Was beim Brüten, was bei der Aufzucht zu beobachten, iſt im a llgemeinen dasſelbe, wie in den vorhergehenden Monaten, nur beobachte man, daß für vermehrte Lüftung der Ställe und Aufzuchts⸗ räume und ſtets friſches kühles Trinkwaſſer geſorgt werde, daß bei ein⸗ tretender Hitze Schatten ſpendende Schutzräume dem Geflügel, beſonders dem jungen Nachwuchſe, zur Verfügung ſtehen und daß letzterer möglichſt uneingeſchränkte Bewegung ſich machen kann, ohne welche kräftige Muskelausbildung und gedeihliches Wachſen nicht in genügendem Maße möglich ſind. 1 Bei den Haushühnern pf flegt ſich vermehrte Brütluſt der Hennen einzuſtellen; wie früher Mangel, ſo giebt es jetzt bald Überfluß an Bräterinnen. Ich möchte hier ein Wort dafür einlegen, daß man keine quälenden Mittel anwende, den Hennen die Brütluſt zu nehmen, wie Eintauchen in kaltes Waſſer und gar Aufbinden eines Strohbündels auf den Rücken. Entzieht man der brütluſtigen Henne jede Gelegenheit zur Neſtbildung und ſetzt man ſie mit übergeſtülptem vorbe auf kühle 216 Sechſter Abſchnitt. Geflügel⸗Pflege⸗ und Züchtungsregeln. Steinplatten und Pflaſter, ſo hört binnen ſehr kurzer Zeit, meiſt nach einigen Tagen, die Brütluſt auf. Es giebt jetzt wohl bereits befiederte Kücken verſchiedenen Alters. Viel Bewegung und hauptſächlich Fruchtkörnernahrung befördern das Wachstum; man vermeide fettbildende Nahrungsmittel, beſonders Kartoffeln. Sehr bald beginnen die jungen Hähnchen den jungen Hennen ſich liebend zu nahen; es iſt das für dieſe und nicht minder für jene ſchädlich; Trennung der Geſchlechter iſt angezeigt oder, falls man keine Hähne erzüchten will, baldiges Schlachten der männlichen Kücken. Das Verſchneiden(Kapaunieren) der letzteren kann nicht befürwortet werden; es iſt das eine grauſame Tierquälerei und zudem keine vorteilhafte, weil ſtets einige Kapaunierte eingehen und jeder Kapaun bis zu dem Momente, daß er geſchlachtet werden kann, unverhältnismäßig viel Nahrung bedarf, alſo einen ſehr teueren Braten abgiebt. Können die Hähne von den Hennen getrennt erzüchtet werden, ſo giebt ein 4 bis 6 Monate alter Jungfernhahn einen mindeſtens ebenſo guten Braten, wenn nicht beſſeren, als der Kapaun; auch bietet eine ebenſo alte ge⸗ mäſtete Junghenne vorzüglichen Erſatz für dieſen. Um nicht unnütze Freſſer ernähren zu müſſen, nehme man nach der Befiederung der Kücken von Zeit zu Zeit Ausleſe vor, um die⸗ jenigen zu beſeitigen, welche mit Fehlern irgend welcher Art behaftet ſind. Für Züchter, welche Fleiſchproduktion bezwecken, iſt der Juni noch vollauf als Brütmonat auszunutzen, um von Anfang November an mäſtbare Junghähne und Junghennen zur Erzeugung von Poularden zur Verfügung zu haben. Die jungen Truthühnchen bedürfen zum Gedeihen viel Bewegung und befinden ſich beſonders wohl, wenn ſie zwiſchen Sträuchern und im Graſe auf Inſekten Jagd machen dürfen. Man hüte ſie vor direkter Einwirkung heißer Sonnenſtrahlen; daher empfiehlt es ſich, ſie von vor⸗ mittags 10 Uhr an bis nachmittags 4 Uhr unter irgend einer Schatten ſpendenden Bedachung in Luft zulaſſender Vergitterung eingeſchloſſen zu halten. Bei ſtarkem Tau und bei Regen dürfen ſie nicht ins Freie gelaſſen werden. Über die Aufzucht der Perlhuhnkücken in ihrer erſten Lebenszeit ſiehe unter Mai. Die Pfaukücken ſind wie dieſe zu behandeln. Wenn dieſelben von einer Pfauhenne geführt werden, ſo bringe man ſie zum Nacht⸗ aufenthalt in einen Raum, der keine Sitzſtangen hat, weil es vorkommt, daß die Pfauhenne ihre Jungen, bevor dieſelben noch nicht befiedert ſind, des Abends verläßt, um einen erhöhten Sitz einzunehmen. Enteneier kann man noch bebrüten laſſen, um im Spätherbſte ſchlachtreife Jungenten zu erhalten. Juli. Groß iſt die Freude, groß der Genuß und nicht geringer die Ge⸗ nugthuung für den züchtenden Geflügelfreund, die Schar des nunmehr Juli. 217 ziemlich erwachſenen Junggeflügels in Erwartung der Futterſpende ſeiner freigebigen Hand vor und um ſich zu ſehen. Vergeſſen iſt alle aufgewendete Mühe, verſchmerzt ſo mancher herbe Verluſt, begraben ſo mancher Arger. Und er überzählt ſeine Lieben und ſiehe, es fehlt kein teures Haupt. Und im Geiſte erträumt er ſchon den höchſten Lohn für ſeine Züchtermühen, den I. Preis auf der erſten Junggeflügelausſtellung und noch manchen anderen, der ihm ſpäter für hochfeine Ausſtellungs⸗ vögel winken und zufliegen könnte. Aber noch ſind wir nicht über alle Berge: ein naſſer kalter Juli könnte noch viel verderben, ein recht heißer erſt recht durch Hervorbrechen gefürchtetſter Infektionskrankheiten. Vorſicht iſt in beiden Fällen geboten durch Schaffung ausreichender Schutzräume gegen Regen oder Sonnenſchein, ſoweit die vorhandenen für die vergrößerten Beſtände nicht ausreichen und Desinfizierung der Ställe und Laufräume durch Anſtrich des Innern der erſteren mit Kalkbrühe oder roher Karbolſäure beziehentlich durch Umgraben der Laufräume mit dem Spaten ſo, daß die oberſte Bodenſchicht völlig untergegraben wird. Bei Regenwetter bringt man eine Sandſchicht auf die Erde. Das Desinfizieren der Ställe tritt zugleich dem läſtigen Ungeziefer wirkſam entgegen. Freß⸗ und Trinkgefäße ſind täglich ſorg⸗ ſamſt zu reinigen und von Zeit zu Zeit durch Karbolwaſſer zu desinfizieren. Dieſe Maßregeln allein ſchaffen aber noch lange nicht kräftige und tadelloſe Zuchtſtämme, Ausſtellungsvögel. Kräftige, aber nicht Fett bildende Nahrung bei tüchtiger Bewegung und richtige Auswahl ſind die erſprießlichen Mittel. Auch für den Züchter von Schlachtgeflügel gilt letzteres, denn je kräftiger die Muskelentwickelung geworden iſt, deſto ſchwerer und größer iſt der Körper und deſto beſſer und ſchneller vollzieht ſich bei allmählicher Entziehung größerer Freiheit die Mäſtung. Nach Aufſtellung dieſer allgemein für alles Geflügel gültigen Züchtungsregeln könnte es ſcheinen, als ob damit beſondere Vorſchriften für die einzelnen Geflügelarten nicht mehr erforderlich ſeien. Das Folgende wird von dem Gegenteile überzeugen. Haushuhn. Man laſſe nicht mehr brüten, es ſei denn zur Erzüchtung von Ende November ſchlachtreif werdenden Junghühnern. Einſtellung von 4 bis 5 Monate alten Hennen frühreifer fruchtbarer Raſſen in den zur Eierproduktion beſtimmten Hennenbeſtand behufs Erlangung von Eiern von Mitte Auguſt an. Abſchaffung der älteſten Hennen behufs Futtererſparnis, da ſie kaum noch Eier legen. Truthuhn. Im Alter von 2 Monaten(Ende Juni oder Anfang Juli) pflegen ſich bei den Kücken die roten Fleiſchknötchen an Kopf und Hals zu entwickeln. Gutes reichliches Füttern, Schutz vor Näſſe und direkter heißer Sonnenbeſtrablung und wärmender Stallaufenthalt helfen in der Regel die Kriſis ohne Schaden überwinden. Nach derſelben iſt Weidegang das beſte und ſparſamſte Erzüchtungsmittel. Pfauen und Perlhühner ſiehe Juni. Gänſe. Die Jungen ſind befiedert und es beginnt ihre Verwend⸗ barkeit als Schlachtgeflügel. Von 9 bis 10 Wochen alten Gänſekücken 218. Sechſter Abſchnitt. Geflügel⸗Pflege⸗ und Züchtungsregeln. erhält man delikate Braten; vorteilhafter aber iſt es und auch gebräuch⸗ licher, ſie älter werden und ihre Muskulatur behufs Fleiſchbildung erſtarken zu laſſen, bis ſie um Martini als Martinsgänſe gewürdigt werden können; für jetzt iſt daher Weidegang auf Triften, ſpäter auf Stoppelfelder angezeigt, auch für künftige Zuchtgänſe ſehr erſprießlich, aber leider nicht ſtets und überall ausführbar. Enten. Mit kräftigen Nahrungsmitteln genährte Entenkücken, 6 bis 8 Wochen alt, ſind geſuchte Ware. Friſche junge Erbſen mit gebratenen jungen Entchen iſt ein bekanntes, ſehr geſchätztes Gericht; und Braten, hergeſtellt aus 4 bis 5 Monate alten gemäſteten Jungenten, ſind nicht weniger ausgezeichnet und ſolche Tiere leicht verkäuflich. Zur Ernährung dienen im Juli geſchrotete und aufgequellte Fruchtkörner und mit dicker Milch eingerührte Kleien; Fleiſchzuſatz oder Würmer und grüne Pflanzen dürfen, wo kein natürliches Waſſer verfügbar iſt, nicht fehlen. Dieſelbe Behandlung iſt ſolchen Jungenten zu geben, welche zu Zuchtzwecken Verwendung finden ſollen. Auguſt. Noch iſt die heiße Jahreszeit nicht vorüber, wenn auch allmählich infolge der kühleren Nächte die Tageswärme ſich mildert. Deshalb ſind alle unter„Juli“ empfohleneu Schutz- und Vorſichtsmaßregeln gegen die Einwirkungen großer Hitze und gegen andere Krankheitserreger nicht zu vernachläſſigen. Reinlichkeit in den Ställen und Laufräumen und Lüftung der erſteren, dieſe erſten Grundbedingungen des Gedeihens allen Geflügels, der Jahreszeit entſprechende Modifikation der Nahrung(viel Grünfutter bei Mangel an freiem Auslauf) und Verſorgung mit möglichſt kühlem, reinem und häufig erneutem Trinkwaſſer belohnen des Züchters Fürſorge. Sollten aber trotzdem Krankheiten ſich einſtellen, ſo iſt es nur in den ſeltenſten Fällen, d. h. bei ſehr wertvollen Vögeln oder leichten, nicht anſteckenden Krankheiten geraten, Heilungsverſuche zu machen: die Kranken abſondern und mit entſprechenden Heilmitteln zu behandeln. Im allgemeinen iſt es beſſer, einige erkrankte Vögel zu opfern, als langwierige, nur ſelten von Erfolg gekrönte, mediziniſche Behandlung eintreten zu laſſen. Aufmerkſame Beobachtung der Geflügel⸗ beſtände, Einfangen und Unterſuchung nur im geringſten Verdächtiger, Abſonderung derſelben zu fernerer Beobachtung und ſchnelle Beſeitigung im Falle, daß anſteckende Krankheit auch nur vermutet wird, ſind die anzuratenden Schutzmittel, die übrigens, wenn die eingangs empfohlene Pflege gehandhabt wird, ſchwerlich ſich als notwendig erweiſen werden. Das Volk der Haushühner tritt im allgemeinen um die Mitte des Auguſt(je nach der Witterung früher oder ſpäter) in die Mauſer ein. Der Verluſt ihrer Bekleidung und der Erſatz derſelben erzeugt eine Art Unpäßlichkeit. Man vermindere die Körnerration und erſetze ſie zum Teil durch kräftiges Weichfutter und animaliſche Nährmittel. Tritt kühle, beſonders regneriſche Witterung ein, ſo ſchütze man die teilweiſe ihres Kleides Beraubten ſo viel als möglich vor deren dirokter Auguſt. 219 Einwirkung; ferner ſei man auf größte Reinlichkeit bedacht. Zu dieſer gehört auch das tägliche Einſammeln der dügeneifeden diten ſie geben dem Hühnerhofe und Stalle ein vernachläſſigtes Ausſehen; ihr Einſammeln gewährt aber nebenbei durch ihre Verwertung eine wünſchenswerte Einnahme. Schon einige Zeit vor dem Beginn der Mauſer laſſen die Hennen mit dem Eierlegen, die Hähne mit ihren Liebesbezeugungen nach. Die Eier ſind meiſtens unbefruchtet und eignen ſich daher vor⸗ zugsweiſe zur Aufbewahrung, weil unbefruchtete Eier ſich länger friſch erhalten als befruchtete. Sie taugen natürlich nicht alle zur Bebrütung; nur bei den Zwergraſſen läßt man trotzdem Auguſteier ausbrüten, weil ſo ſpät im Jahre erbrütete Kücken im Wachstum zurückbleiben.— Nur die vom Frühjahre an ausgeſchlüpften Kücken mauſern im Spät⸗ ſommer oder Herbſte desſelben Jahres nicht. Sie ſind es, welche, wenn ſie frühreifen Raſſen angehören und früh im Frühjahre ausgeſchlüpft ſind, durch Ablegung ihrer erſten Eier den im Auguſt und September eintretenden Eiermangel erſetzen(Crève⸗coeur⸗ und Houdan⸗Kücken im Alter von 4 ½ bis 5 Monaten, Minorka⸗ und Italiener Kücken in dem von 5 ½ bis 6 Monaten).— Frühbrutkücken, welche nicht als Zucht⸗ tiere Verwendung finden ſollen oder können, ſind von Ende Auguſt an zur Erzeugung von gemäſteten Schlachthühnern(Poularden) ver⸗ wendbar. Es iſt alſo angezeigt, unter den Junghühnern die entſprechende Auswahl zu treffen und die für Zuchtzwecke geeigneten von den übrigen abzuſondern. Tadelloſer Bau und tadelloſe Befiederung ſind hierbei maßgebend. Truthühner werden, wo dies möglich, zur Weide auf Stoppel— felder getrieben, die ſie nicht nur von ausgefallenen Fruchtkörnern, ſondern auch gründlich von allen Arten von Inſekten reinigen.— Trut⸗ hennen machen nicht ſelten Mitte Juli und im Auguſt ein zweites Gelege. Es iſt vorteilhaft, ſo viele dieſer Eier ausbrüten zu laſſen, als ſich irgendwie mit der Unterbringung der zu erwartenden Nachzucht verträgt, denn dieſe iſt ſpäter leicht verkäuflich und bringt ein ſchönes Stück Geld ein. Zu Zuchttieren eignen ſich dieſe Spätbruten nicht; dieſelben ſind aus den Frühjahrsbruten ſorgfältig auszuwählen. Gänſe bedürfen während der wärmeren Monate Waſſer, auf dem ſie ſchwimmen und in dem ſie Toilette machen können, und Weidegang auf Grastriften oder Stoppelfelder. Mangels fließenden oder ſtehenden Gewäſſers verſchaffe man ihnen wenigſtens oft zu erneuerndes Waſſer in flachen Trögen. Den jungen Gänſen füttere man, falls ſie nicht auf die Weide gehen können, Grünfutter in größerer Menge; die gleichzeitige Ver⸗ fütterung von Fruchtkörnern befördert ihre Entwicklung ſehr.— Enten. Viel Waſſer erleichtert außerordentlich die Mauſer; man verwende da, wo den Enten kein loß endes Waſſer oder Teich zur Ver⸗ fügung ſteht, die Sorge darauf, das Waſſer noch öfter als gebräuchl ich zu erſetzen und womöglich ſeine Menge zu vergrößern.— Legen einzelne Enten, was nicht ſelten vorkommt, ſo laſſe man die Eier ausbrüten 220 Sechſter Abſchnitt. Geflügel⸗Pflege⸗ und Züchtungsregeln. (Truthennen). Entenkücken wachſen ſchnell und leicht heran und können ſtets leicht verkauft werden. Es iſt unvorteilhaft, ſich das entgehen zu laſſen.— Sachverſtändige Auswahl des zu Zucht- und Ausſtellungszwecken mit beſonderer Sorgfalt weiter zu entwickelnden jungen Nachwuchſes aller Arten unſerer Pfleglinge iſt das Charakteriſtiſche des Züchtungs⸗ monats Auguſt.— September. Die Zeit des Erwachſenſeins der Frühjahrsbruten, die Zeit, in welcher die Liebhaber und Züchter den Erfolg ihres Züchterfleißes mit mehr oder weniger Genugthuung und Stolz überſchauen können, die Zeit des Nachlaſſens ausgiebiger Eierproduktion, die Zeit der Mauſer, könnte wohl als das Ende der Züchtungskampagne des Jahres be⸗ trachtet werden und wird auch nicht ſelten ſo angeſehen. Das aber wäre eine ſehr irrige Anſicht. Die Züchtungskampagne iſt noch nicht vorüber. Im Gegenteil bringt der September noch manche mit ſchönen Erfolgshoffnungen gepaarte Züchterarbeiten, die gehörig auszunutzen allen Geflügelzüchtern jeder Richtung nicht dringend genug angeraten werden kann, wenn die zur Verfügung ſtehenden Räunlichkeiten es irgendwie zulaſſen. Haushühner. Der Züchter, welcher ſeinen Vorteil verſteht, hat jetzt eine Anzahl 5 bis 7 Monate alter Junghennen zur Verfügung, welche ihre erſten Eier ſpenden und von Anfang November ab der Mäſtung unterworfen werden können zu ihrer Verwendung als Brat⸗ hühner(Poularden). Wird dieſen Junghennen ein kräftiger junger Hahn vom vorigen Jahre, der die Mauſer überſtanden hat, beigeſellt, ſo wird die Eierablage eine ausgiebige werden und alle Eier werden befruchtet ſein. Auch einzelne bereits durch die Mauſer gegangene ältere Hennen werden Eier legen. Man hat Eier in Fülle zum eigenen Gebrauch zur Verfügung oder der Eierverkauf wird zur Geldquelle. Aber beſſer noch können dieſe Eier verwertet werden, wenn man ſie ausbrüten läßt. Aber im September bis in den Oktober hinein brüten laſſen und von Mitte Oktober an und ſpäter Kücken erzüchten, was ſoll das? Gewiß wird die Aufzucht einige Schwierigkeiten bereiten, aber man ſcheue dieſelben nicht; die Gewinnausſicht iſt groß. Die Kücken werden von Ende Januar an bis in den März hinein das alsdann fehlende Federwild erſetzen— alſo ſehr willkommen ſein und gern und viel gekauft werden.(Sogenannte Hamburger Schlachtkücken und Pou⸗ larden.) Selbſtverſtändlich müſſen die legenden Junghennen kräftige Nahrung erhalten(vorzugsweiſe Fruchtkörner, keine Kartoffeln) und möglichſt großen Laufraum haben. Die auszurangierenden älteren Hennen, welche vor dem Beginn der Mauſer nicht haben beſeitigt und verwertet werden können, ſchaffe man nach Beendigung derſelben ab, da ſie vorläufig unproduktiv zu bleiben pflegen(Futtererſparnis und Raumgewinnung). September. Oktober. 221 Truthühner. Von jetzt an bieten ſich für die Truthühner zwei vortreffliche, billige Nahrungsmittel: Bucheckern und Eicheln. Es giebt jetzt wieder, wenn der unter Auguſt gegebene Rat der Ausbrütung der Späteier befolgt worden iſt, Kücken, deren Aufzucht im September ſich leicht vollzieht und welche um die Weihnachtszeit als junge, 3 bis 4 Monate alte Schlacht⸗Truthühner zu hohen Preiſen leicht verkauft werden können. Enten. Man fahre fort, alle Enteneier ausbrüten zu laſſen. Entenkücken ſind leicht aufzuziehen und wachſen ſehr ſchnell. Von Januar ab wird man im Beſitze junger ſchlachtreifer Entchen ſein, die noch vor den Hühnerkücken, von denen oben die Rede war, verkäuflich oder für den eigenen Tiſch verwendbar ſein werden. Solche Erſtlinge, ſeien es Enten⸗ oder Hühnerkücken, werden ſtets gekauft und gut bezahlt. Das Wachstum der noch vorhandenen Jungenten befördere man nach beſten Kräften; ſie unterſtützen die bezüglichen Bemühungen durch ihre Gefräßigkeit. Schnecken mit und ohne Häuſer ſind ihnen neben tüchtigen Gaben von Fruchtkörnern und Kleien mit gekochten Kartoffeln ſehr dienlich. Gänſe. Ausgiebige kräftige Ernährung bei Weidegang auf Wieſen. Das iſt beſonders für die jungen Gänſe nötig, welche zum Schlachten um die Martinszeit beſtimmt ſind. Wo Wieſen nicht zur Verfügung ſtehen, iſt Grünkraut dem Futter reichlich beizufügen, wenn möglich Salatblätter. Im allgemeinen iſt für die Pflege von Geflügel zu beachten, daß der September den Übergang bildet aus der warmen, ſelbſt heißen Sommerzeit zum viel kühleren Herbſt und Winter: am Tage oft noch recht warm, nachts kühl, ſelbſt kalt. Die zu treffenden Vorſichtsmaßregeln ergeben ſich hieraus von ſelbſt. Oktober. Der Herbſt mit ſeinen Nebeln und kühlen Nächten iſt bereits da; die Tage werden kürzer, die Nächte länger und kälter; ſeltener als bisher erfreuen und erwärmen die trotz größerer Schwäche noch wohlthätigen Sonnenſtrahlen. Bald berauben nächtlicher Reif und eiſige Winde Bäume und Sträucher ihres herrlichen Blätterſchmucks und nicht ſeltéen fällt im Laufe des Monats kalter Regen oder auch Schnee vom Himmel herab. Der Züchter muß dieſer ungünſtigen Änderung der Jahreszeit Rechnung tragen. Seinen Pfleglingen würde dieſe ſchlecht bekommen, wenn er ſie in derſelben Weiſe behandeln wollte, wie er es bei den bisherigen günſtigeren Witterungsverhältniſſen gewöhnt war. Beſonders iſt es das Volk der Haushühner, welches unter dieſen Umſtänden ohne Schutzvorrichtungen und ohne kräftige, wärmeſpendende Nahrung unterliegen könnte. Getreidekörner, Gerſte, Hafer und Mais ſind die jetzt vorzugsweiſe zu verwendenden Futtermittel. Sie erwärmen und ſind zugleich geeignet, die Hennen zur letzten Eierproduktion vor Eintritt des Winters anzuregen. Körnerfutter aber iſt teuer und 222 Sechſter Abſchnitt. Geflügel⸗Pflege⸗ und Züchtungsregeln. wirkt zu wenig auf Fettbildung hin. Es wäre daher, wenn man von der ökonomiſchen Seite abſieht, als alleiniges Futter nur verwendbar für diejenigen älteren und diejenigen diesjährigen ausgewachſenen jungen Hühner, welche zu Zuchtzwecken fürs kommende Jahr beſtimmt ſind, ſei es zur Bildung der eigenen Zuchtſtämme oder zum Verkauf als Zucht⸗ hühner. Alle übrigen Junghühner, deren Beſtimmung die Verwendung als Schlachthühner iſt, darunter auch diejenigen jungen Hennen, welche nach Ablauf ihrer jetzigen Legethätigkeit anfangs des Winters zur Ver⸗ wertung als fette Schlachthennen gelangen ſollen(vergleiche Auguſt), müſſen von jetzt an auch fettbildende Nahrung erhalten. Als ſolche eignet ſich recht gut die Kartoffel, welche gerade um dieſe Zeit billig zu haben iſt und deren Verwendung ſich ſehr billig ſtellt, da auch die kleineren und kleinſten, die zu Speiſezwecken weniger gut brauchbar ſind, zu Hühnerfutter vortrefflich ſich eignen, nachdem ſie abgekocht(gequellt) und zerquetſcht ſind. Aus dem Geſagten folgt, daß derjenige, welcher ſeinen Vorteil kennt, ſeinen Hühnerbeſtand in zwei Abteilungen trennen wird, in eine mit zu Zuchtzwecken beſtimmten Vögeln und eine mit denjenigen Hühnern, welche ſpäter als Schlachthühner verwertet werden ſollen. Erſtere erhalten hauptſächlich Körner und nur der Erſparnis wegen wenig Kartoffeln als zuſätzliches Nahrungsmittel, letztere mehr Kartoffeln und nur geringe Körnerration, die aber dann zu verſtärken iſt, wenn naßkalte Witterung eintritt. Erſtere werden zweimal, letztere dreimal am Tage gefüttert. Untermiſchung von abgebrühten Kleien unter die Kartoffeln und auch Einrührung von Dickmilch iſt anwendbar. Da die Hühner im Oktober weniger und nur kürzere Zeit als früher auslaufen können und daher die Inſektenaufnahme geringer oder ganz fehlen wird, muß der Züchter für entſprechenden Erſatz ſorgen. Er laſſe zu dieſem Behufe abgefallene Baumblätter an trockenen Tagen einſammeln, in Säcke füllen und dieſe unter Dach aufhängen. Mit dieſen Blättern laſſe er öfter, möglichſt jeden Tag, den Boden des Hühneraufenthaltsraumes beſtreuen. In ſolchem Laube finden die Hühner beim Scharren eine ziemlich große Menge von Infekten und deren Eiern. Das Laub dient alſo zu zwei Zwecken: zum Inſektenfinden und um die Hühner zur Bewegung zu veranlaſſen. Auch im Kückenraum iſt Laubeinſtreu empfehlenswert. Die Laubſtreu, welche aus dem Hühnerſtalle wieder entfernt wird, hat durch die anhängenden und mit derſelben aufgenommenen Exkremente keinen zu verachtenden Wert als Material zu guter Düngerbildung. Die vorhandenen Kücken(man vergleiche Auguſt und September) müſſen in geſchloſſenen, größeren Räumen untergebracht werden und dürfen, wenn ſie ins Freie gelaſſen werden, naſſe Gras⸗ oder Kräuter⸗ beſtände nicht betreten. Man thut gut, mit ihrem Stalle einen be— ſandeten Laufraum zu verbinden. Daß den Hühnern und Kücken für den Fall, daß ſie nicht ins Freie auslaufen können, die Verabfolgung von Grünfutter in mäßigen Gaben zuträglich, ja notwendig iſt, bedarf als ſelbſtverſtändlich kaum der Erwähnung.— November. 223 Die Nachtaufenthaltsräume müſſen, wenn es nicht ſchon im September geſchehen ſein ſollte, gründlich von Ungeziefer gereinigt werden, weil die Hühner jetzt bei den längeren Nächten von demſelben länger gequält würden, und um die Überwinterungsneſter desſelben in den Fugen und Ecken zu vernichten; nötigenfalls iſt Auskalken der Ställe vorzunehmen. Truthühner. Der Weidegang der Truthühner werde, wenn ein ſolcher überhaupt zuläſſig iſt, fortgeſetzt. Nachdem die Stoppelfelder umgepflügt und abgeweidet ſind, bieten die Kartoffelfelder, auch ſolche, die noch nicht abgeerntet ſind, und abgeerntete Weinfelder(Weinberge) vortreffliche Gelegenheit zum Auffinden und Vernichten einer Menge von Inſekten, Schnecken und anderen Ungeziefers. Des Abends nach der Rückkehr verabreiche man Fruchtkörner, beſonders Gerſte und Mais. Gänſe. Zweckmäßige Vorbereitung zur Maſt iſt die Aufgabe des Züchters, denn die Zeiten des Gänſebratens nahen: Martini, Weihnachten, Neujahr u. ſ. w. Man laſſe dem Trupp vorläufig noch freien Auslauf, aber man ſpare nicht an Gerſte, Mais und Kartoffeln mit Gerſtenmehl oder Kleien durchmengt. Selbſtverſtändlich ſind ſo reichliche Mahlzeiten für die zu Zuchtzwecken beſtimmten Vögel nicht erforderlich, obgleich ſie ihnen nicht zum Nachteil gereichen können. Enten. Der gute Appetit der noch vorhandenen zu Schlachtzwecken beſtimmten Jungenten iſt reichlich zu ſtillen durch Gerſte, Mais, Hafer, Weizen und Kartoffeln mit Mehl oder Kleie.— Den Entenkücken, welche für die Zeit nach Schluß der Jagd über den Mangel an Wildpret tröſten ſollen(vergleiche September), ſind Würmer und Land⸗ und Waſſerſchnecken außerordentlich zuträglich. In keinem andern Monate iſt es mehr erforderlich, an die baldigſte Verwertung aller jungen und älteren Tiere zu denken, die man nicht zur Einſtellung in die eigenen Zuchtſtämme benutzen will, als im Oktober. Viel und ſchneller Umſatz iſt bei keinem andern Betriebe wichtiger und zur Erzielung von Gewinn nötiger, als bei der Geflügelzucht. November. Im November pflegt die Witterung in der Regel noch regneriſcher und rauher zu werden, wie ſie im Oktober war, und zuweilen auch Schnee zu bringen, wenn auch nicht ſelten das erſte Drittel dieſes Monats uns durch gelindere und etwas trocknere Temperatur erfreut. Es gelten daher im allgemeinen für die Pflege des Geflügels die für Oktober gegebenen Maßregeln, jedoch mit folgenden Modifikationen: Wer Haushühner in verſchiedenen Abteilungen mit zugehörigen beſonderen Laufräumen hält, verſäume nicht, letztere von Anfang oder Mitte November an(je nach der Witterung) unbenutzt zu laſſen und ſie erſt gegen das Frühjahr hin wieder in Benutzung zu nehmen. Es wird ſich dies überall da ausführen laſſen, wo das erzüchtete Jung⸗ geflügel zum großen Teile bereits verkauft iſt, und wo zur Überwinterung der Hühner bedeckte und abgeſchloſſene Schutzräume in der Nähe der 224 Sechſter Abſchnitt. Geflügel⸗Pflege⸗ und Züchtungsregeln. Ställe vorhanden ſind. Wo, wie in den Laufräumen, faſt dreiviertel Jahr lang eine große Anzahl von Hühnern ihre Exkremente und einen Teil des Weichfutters haben auf den Boden fallen laſſen, und dieſe dem Sonnenſchein und häufigen Regen ausgeſetzt geweſen ſind, muß der Boden, wenn auch öfter Reinigung ſtattgefunden hat, mehr oder weniger von ihnen durchdrungen ſein; dadurch aber bilden ſich Krank⸗ heitserreger. Die beſte Art, dieſe unſchädlich zu machen, iſt, Luft, Regen, Froſt und Schnee längere Zeit auf ſie einwirken zu laſſen, ohne ſie durch Benutzung der Laufräume zu vermehren. Es hat das Unbenutzt⸗ bleiben der letzteren noch den Vorteil, daß der beraſte Teil derſelben im Frühjahre üppig hervorſproßt und den Hühnern früh die erſte Pflanzennahrung liefert. Die für Oktober empfohlene Einſtreu von abgefallenen Baumblättern in die Hühnerhäuſer und bedeckten Schutzräume ſetze man fort. Fehlt es an Aufbewahrungsraum für das Laub, ſo konſtruiere man ſolchen durch Einſtecken von Pfählen in den Boden und Bedeckung des um⸗ pfählten Raums durch ein ziemlich weit herabreichendes Strohdach; nach dem Entleeren ſolchen Raums kann er den Hühnern als Schutzraum gegen Regen und Schnee dienen. Die Fütterungsregel iſt gleich der für den vergangenen Monat empfohlenen. Von Bebrütenlaſſen der Eier nehme man Abſtand, da es unwahr⸗ ſcheinlich iſt, daß viele Eier zum Auslaufen kommen, ganz junge Kücken jetzt ſchwierig aufzuziehen ſind und daher die Eier bei hohen Preiſen beſſer durch Verkauf verwertet werden. Truthühner können noch auf die Weide getrieben werden. Eicheln und Bucheckern ſind für ſie Leckerbiſſen, die ihnen gut bekommen und ihrem Fleiſche guten Geſchmack verleihen. Gegen Ende November ſucht man die ſchwächeren, weniger zur Mäſtung geeigneten Vögel zu verkaufen, die übrigen füttert man reichlicher als bisher, um ſie zur Mäſtung vorzubereiten. Für die nunmehr erwachſenen Perlhühner gilt in betreff der Fütterung dasſelbe wie für Jungenten; ſie brauchen einer beſonderen Mäſtung nicht unterzogen zu werden, um fleiſchige Körper zu erhalten. Der Gänſezüchter wird jetzt eine Anzahl junger Gänſe in der Mäſtung haben, um zum 11. November Martinsgänſe liefern zu können. Den Reſt nimmt er von Ende November an in mäſtende Behandlung, um zur Weihnachtszeit der alsdann regen Nachfrage nach fetten Junggänſen entſprechen zu können. Mäſtung durch aufgequellten Mais oder Teignudeln. Die zum Verkaufe beſtimmten Jungenten erhalten als Zuſatz⸗ nahrung neben dem gewöhnlichen Futter mehlhaltige Nahrungsſtoffe und gekochte Kartoffeln. Die vorhandenen Entenkücken müſſen ſo reichlich als möglich gefüttert werden, um ihre Entwickelung zu be⸗ ſchleunigen. Dezember. 10 Dezember. Der erſte eigentliche Wintermonat, der Dezember, bringt uns in der Regel Froſt und wohl auch Schnee und fordert daher und wegen der langen kalten Nächte ganz beſondere Fürſorge für unſere Pfleglinge, nicht nur um ſie geſund und in guter Leibesbeſchaffenheit zu erhalten, ſondern auch, um aus ihnen trotz der Ungunſt der Jahreszeit den größt⸗ möglichen Nutzen zu ziehen. Im allgemeinen ſind die für November gegebenen Pflegeregeln auch jetzt noch maßgebend: Ausreichender Schutz gegen die Unbilden der rauhen Witterung und kräftige Ernährung, um die Körper möglichſt widerſtandsfähig zu machen, jedoch mit den folgenden, dem beabſichtigten Zwecke der Züchtung entſprechenden Modifikationen: Haushühner. 1. Nicht nur diejenigen Hühner, deren Eierlegen im Dezember man auszubeuten beabſichtigt, ſondern auch die für die kommende Züchtungsperiode zuſammengeſtellten Zuchtſtämme edler Raſſe⸗ hühner, von denen man möglichſt zeitig Frühbrutkücken erhalten möchte, bringe man in der Art unter und verpflege ſie ſo, daß frühzeitiges Eierlegen hervorgerufen wird. Das geſchieht a) durch Unterbringung in froſtfreiem Raume, der den Hühnern einige Bewegung geſtattet; durch Verabreichung erwärmten Weichfutters(Kartoffeln ſind aus⸗ zuſchließen) am Morgen und von Körnerfutter nachmittags(gegen Abend). Das Trinkwaſſer ſei ebenfalls erwärmt und werde ſowohl morgens wie nachmittags, während die Hühner freſſen, in die gereinigten Trinkgefäße gegoſſen. Will man das Ablegen der Eier einer gewiſſen Anzahl von Hennen forcieren, ſo muß der Boden des Hühneraufenthaltsraums mit einer ziemlich dicken Lage friſchen Pferdedüngers, der ziemlich viel Stroh enthält, gleichmäßig überall bedeckt werden.(Für die Zucht⸗ ſtämme iſt dieſe Maßregel nicht zweckmäßig, um ſie nicht zu ver⸗ weichlichen.) 2. Es iſt vorteilhaft, diejenigen jungen Frühbruthennen, welche vom Auguſt oder September an ihre erſten Eier abgelegt haben und bei der kälteren Witterung das Eierlegen einſtellten, ſoweit ſie nicht noch ferner zum Legen gebracht oder in die Zuchtſtämme eingeſtellt werden ſollen, im Laufe des Dezember ſo der Mäſtung zu unterwerfen, daß ſie von Weihnachten an, von welcher Zeit an der größte Bedarf an jungen Brathühnern eintritt, allmählich geſchlachtet und verkauft werden können. 3. Ein Gleiches gilt von den übrigen 4 bis 6 Monate alten Junghähnen und Junghennen(Poularden), die nicht als Zuchthühner behalten werden ſollen. 4. Hat man nach den für Auguſt und September gemachten Vor⸗ ſchlägen damals Eier ausbrüten laſſen, ſo widme man den im September und Oktober ausgeſchlüpften Kücken, welche gegen den Monat März ſchlachtreif ſein werden, ganz beſondere Sorgfalt. Es iſt notwendig, Pribyl, Geflügelzucht. 4. Auflage. 15 b) — G ul 226 Sechſter Abſchnitt. Geflügel⸗Pflege⸗ und Züchtungsregeln. dieſe Spätlinge in ſehr wohl geſchütztem, möglichſt warmem, hellem, nicht zu kleinem Raume gut zu verpflegen. 5. Geſtatten es die Räumlichkeiten, ſo kann man bereits gegen Ende Dezember die etwa vorhandenen Eier der Zuchtſtämme durch Truthennen bebrüten laſſen. Bis die Kücken ausſchlüpfen, entledige man ſich derjenigen Legehennen, welche zum Eierablegen forciert worden ſind (ſiehe oben unter c), nach deren Mäſtung. Der Kückenaufzuchtsraum bedarf keiner größeren Wärme als die, wie ſie in Kuhſtällen zu ſein pflegt. 6. Im allgemeinen ſei noch bemerkt: a) daß Grünfutter nicht ganz fehlen darf; wenn nötig, verabreiche man es in gekochtem Zuſtande; b) daß es der Geſundheit der Hühner förderlich iſt, ſie bei gutem, trockenem, wenn auch nicht ganz froſtfreiem Wetter täglich kurze Zeit ins Freie auslaufen zu laſſen, beſonders dann, wenn ein wärmender Düngerhaufen ihnen zugänglich iſt. Wenn Schnee liegt, mache man ihnen einen Laufraum ſchneefrei. 7. Ob die Mäſtung durch freiwillige Aufnahme von Mehlſuppe oder Mehlteig oder von Körnern, oder durch gezwungenes Eingeben von Mehlnudeln oder aufgequellten Maiskörnern zu bewirken iſt, muß der Erwägung des Züchters anheimgeſtellt werden.— Truthühner. Erwachſene Truthühner können ziemlich viel Kälte und ſchlechtes Wetter ertragen; ſie ſind daher leicht durch den Winter durchzubringen. Der(oder die) Zuchtſtamm iſt ausgewählt. Man halte außerdem noch eine Anzahl Brüterinnen, wozu man die leichteren auswählt. Alle andern, Hähne wie Hennen, werden teils ſchon in der Mäſtung ſich befinden, um für die Weihnachts⸗ und Neujahrszeit fette Truthühner liefern zu können, teils iſt es Zeit, ihre Mäſtung zu beginnen. Gänſe. Im allgemeinen geht ſchon vor Weihnachten die Hauptzeit der Gänſebraten zu Ende. In einigen Gegenden aber iſt der Gänſe⸗ braten der Hauptfeſtbraten am Weihnachts⸗ und Neujahrstage, auch noch am heiligen Dreikönigsfeſte. Wo das der Fall, wird der Züchter noch im Dezember junge Gänſe mäſten; auch noch im Januar empfiehlt ſich dies, wenn Ausſicht vorhanden iſt, daß Maſtgänſe noch für die Faſtnachts⸗ tage begehrt werden. In Bezug auf die Verpflegung des Zuchtſtammes wird auf die für November gegebenen Regeln verwieſen. Enten gehen auch bei Froſtwetter aufs Waſſer; dieſes iſt für ihr Gedeihen unentbehrlich. Man halte daher das den Enten zugängliche Waſſer möglichſt eisfrei. Bei geringem Froſte iſt ein vorzügliches Mittel hierzu das Einlegen von Reiſigbündeln ins Waſſer vom Uferrande aus. Durch Zurückziehen derſelben am Morgen oder auch während des Tages wird eine dünne Eisdecke leicht entfernt. Den jungen Spätbrutenten, welche dazu beſtimmt ſind, im Januar und Februar den Mangel an Wildpret zu erſetzen, widme man beſondere Sorge durch reichliche Körner⸗ nahrung und ſtets reichlich vorhandene friſche Strohſtreu, nicht nur in ihrem Nachtaufenthaltsraume, ſondern auch da, wo ſie am Tage ſich gern aufhalten. Januar. 227 Im allgemeinen erwarten den vorſichtigen Züchter im Dezember noch einige Arbeiten, welche auf die künftige Produktion von Einfluß ſind: Unterſuchung, gründliche Reinigung und Ausbeſſerung aller Gefäße, welche zur Aufnahme der Neſter dienen ſollen, ſei es fürs Eierlegen, ſei es fürs Brüten. Nur hierdurch iſt das Ungeziefer, welches ſich gern in Körben und Holzkaſten einniſtet, zu entfernen und un— ſchädlich zu machen. Auch die Reinigung der zur Aufzucht der Kücken erforderlichen Geräte wird jetzt ſchon vorgenommen. Iſt das alles geſchehen und ſind die Zuchtſtämme ſorgſam ausgewählt und zuſammen⸗ geſtellt, ſo kann der Züchter auf gute Erfolge nicht nur hoffen, ſondern ziemlich ſicher rechnen. Januar. Mit Januar geht das eigentliche Züchtungsjahr, welches wir mit Februar begonnen haben, vorüber. Aber dieſer letzte Monat desſelben bringt uns ſchon wieder die Anzeichen für den kommenden Anfang. Unſere Pfleglinge fühlen bereits das Nahen der Saiſon; ihre Ent⸗ wickelung zur Produktion beginnt und legt uns die Verpflichtung auf, dieſelbe nach Kräften zu fördern. Wie das zu machen ſei, wird bei den verſchiedenen Geflügelarten gezeigt werden. Haushühner. Die Hühner entwickeln ſich zuſehends; ſie zeigen mehr Bewegung und Munterkeit als im Anfange und während der vorhergegangenen Winterszeit. Die jüngeren beginnen von Mitte des Monats an, ja oft ſchon früher, zu legen; die älteren legen im Januar noch nicht. Ob eine Henne bald legen wird, zeigt ſich durch lebhafte Rötung ihres Kammes und dadurch, daß ihre Exkremente viel weißen Stoff enthalten. Auch bei den Hähnen wird der Kamm intenſiver rot gefärbt, aber bei naßkaltem oder ſchneereichem Wetter ſind ſie weniger zur Ausführung der Begattung geneigt, als bei trockenem. Es iſt alſo immerhin zweifelhaft, ob alle abgelegten Eier befruchtet ſein werden. Nichtsdeſtoweniger emfiehlt es ſich, dieſe Eier bebrüten zu laſſen(durch Truthennen), um ſo mehr, als die Witterung im Februar, als dem Monate, in welchem das Auslaufen der Eier zu erwarten iſt, im all— gemeinen ſich günſtiger geſtaltet und ſo die Aufzucht der Kücken er⸗ leichtert. Es ſei wiederholt darauf hingewieſen, daß für dieſe eine Wärme genügt, wie ſie in größeren Kuhſtällen zu ſein pflegt, und daß der Aufzuchtsraum recht hell ſein und häufig gelüftet werden muß. Die den Hühnern zu verabfolgende Nahrung ſei dieſelbe wie diejenige, welche für Dezember angegeben worden iſt. Als Nahrung für die Kücken empfiehlt E. Lemoine, der bekannte ausgezeichnete Züchter, am Ofen getrocknetes Weißbrot, das mit Waſſer, gemiſcht mit Rotwein oder mit Apfelwein, angefeuchtet wird, und Hafer⸗ mehlteignudeln oder Hafermehlbrei, dem etwas kleingehackter Salat bei⸗ zumiſchen iſt, ſelbſtverſtändlich in lauwarmem Zuſtande zu verabreichen. Gefrorenes oder mit Reif bedecktes Grünzeug und andere kalte Nahrungs⸗ 154 228 Sechſter Abſchnitt. Geflügel⸗Pflege⸗ und Züchtungsregeln. mittel verurſachen Diarrhöe, die den kleinen ſchwachen Vögelchen wäh⸗ rend der kalten Zeit leicht verderblich werden kann. Die Eier nehme man während der Froſtzeit zweimal fort, damit ihr Inhalt nicht gefriere. Truthühner. Hält man eine zahlreichere Truthühnerherde mit mehreren Hähnen, ſo entſpinnen ſich bereits im Januar im Vorgefühle des kommenden Liebeslebens Kämpfe zwiſchen letzteren, die durch Ver⸗ wundungen am Kopfe und des über dem Schnabel hängenden Fleiſch⸗ klunkers unangenehme Folgen haben können. Es iſt ratſam, die Streitenden zu überwachen oder die Herde in verſchiedene Abteilungen mit je einem Hahn zu trennen. Die Pflege dieſer Vögel ſei dieſelbe, wie ſie unter Dezember angegeben worden iſt. Pfaue und Perlhühner. Da der Legebeginn derſelben noch fern liegt, iſt für ſie eine von der gewohnten abweichende Fütterung und Pflege noch nicht erforderlich. Gänſe. Den Gänſen iſt auch zur Zeit, in welcher die Felder mit Schnee bedeckt ſind, wenn es irgendwie zu bewerkſtelligen iſt, Grün⸗ futter zu reichen. Sollte das nicht möglich ſein, ſo bieten Runkelrüben und Möhren in zerkleinertem Zuſtande einigen Erſatz hierfür. Auch kann man abgebrühte Spreu oder Heuhäckſel verabfolgen. Im übrigen dürfen Fruchtkörner, etwa 150 g pro Gans und Tag, jetzt nicht fehlen, beſonders Hafer oder Mais oder Erbſen(am beſten abwechſelnd zu füttern), damit die Gänſe zum frühzeitigen Legen angeregt werden. Enten. Gegen Ende dieſes Monats fangen die jungen Enten der größeren edlen Raſſen zu legen an. Damit die Eier möglichſt alle befruchtet werden, iſt es erforderlich, daß den Enten auch während der Froſtzeit ein offenes Waſſer zugänglich ſei. Dieſe erſten Eier ſind ſehr wertvoll, um ſie ausbrüten zu laſſen. Man halte daher die Enten vormittags in geſchloſſenem Raume, damit die Eier nicht verlegt werden. Auch für die Enten ſind jetzt Fruchtkörner als Nahrung nicht zu ſparen; man verfüttert dieſelben am dienlichſten in angenäßtem, fein geſchrote⸗ nem Zuſtande, auch gemiſcht mit zerhackten Fleiſchabfällen oder Fleiſch⸗ futtermehl oder Blut.— Hiermit iſt der Jahrescyklus der monatlichen Pflege⸗ und Züch⸗ tungs⸗Regeln, welcher im Februar begonnen worden iſt, abgeſchloſſen. Daß letztere nicht nutzlos ſein mögen, hofft ihr Verfaſſer. Körper⸗ und Gefiederteile des Hausgeflügels. Zum vollen Verſtändniſſe der Beſchreibungen der in dieſem Buche aufgeführten Geflügelarten und Raſſen iſt für den Laien die Kenntnis der Benennungen der einzelnen Körperteile, ſowie der verſchiedenen Federn und deren Anordnung erforderlich. Da die Bauart des ſämtlichen Geflügels, die des Vogels über⸗ haupt, im allgemeinen eine gleiche oder doch ſehr ähnliche iſt, ſo genügt es zum allgemeinen Verſtändnis, die verſchiedenen Teile des Körpers und des Gefieders an nur einer Geflügelart zu veranſchaulichen und zu nennen, und Abweichungen davon als Nachtrag beſonders aufzu⸗ führen. Zur Veranſchaulichung iſt der Körper des Haushahns beſonders geeignet, weil an ihm außer den Körper⸗ und Gefiederteilen, die allem Geflügel gemeinſam ſind, noch einige beſondere Abweichungen vor⸗ kommen. Ich benutze die bezügliche Abbildung aus dem großen Werke von Bruno Dürigen: Die Geflügelzucht.¹) Die beigeſetzten Zahlen zeigen, welche Körper⸗ und Gefiederteile den unter der Ab⸗ bildung geuannten Benennungen entſprechen. ¹) Die Geflügelzucht nach ihrem jetzigen rationellen Standpunkt. Unter Mitwirkung namhafter Fachgenoſſen bearbeitet von B. Dürigen in Berlin. Mit 80 Raſſetafeln und 101 Textabbildungen. Preis 20 M., geb. 23 M. Verlagsbuchhandlung Paul Parey in Berlin. 4. 30 Körper⸗ und Gefiederteile des Hausgeflügels. Kopf. Stirne oder Vorderkopf. . Scheitel oder Oberkopf. Hinterkopf. Kamm Augenbrauen. Zügel. . Wangen oder Geſicht. . Ohrlappen. .Kinn. .. Kinn-(Kehl⸗) Lappen oder .Kehle. 2. Gurgel. . Genick. Nacken. . Unterhals. (Glocken. Rumpf. . Oberrücken. 17. Unterrücken. 18. Bürzel. 19. 1 20. I Bruſt 21. Unterleib oder Bauch. 22. Steiß oder After. Oberbruſt. Unterbruſt. Beine. Oberſchenkel nicht ſichtbar. 23. Knie. 24. Unterſchenkel. 25. Ferſe. 26. Lauf oder Ferſenbein 27. Außen⸗Zehe 28. Mittel⸗„ F 29. Innen⸗„ 30. Hinter⸗„ 31. Sporn. Geſieder. 32. Nacken⸗ oder Halsfedern (Behang). 33. Sattelfedern. 34. Schwingen I. Ordnung, große od. Handſchwingen. 35. Schwingen II. Ordnung, kleine od. Armſchwingen. 36. Bug(Afterſchwingen, Eck⸗ oder Daumenflügel). . Flügeldecken. . Schulterfedern. 9. Schwanz⸗ od. Steuerfedern .. Obere Schwanzdecken. .Kleine Sicheln. 2. Große Sicheln. Körper⸗ und Gefiederteile des Hausgeflügels. 231 Kammformen. 1. Stehkamm, wie ihn die vorſtehende Abbildung zeigt. 2. Iſt der Stehkamm nach einer Seite umgebogen, ſo heißt er Schlotterkamm. 3. Doppelkamm, zwei Stehkämme nebeneinander. 4. Becherkamm, die doppelten Stehkämme ſind hinten zu⸗ ſammengewachſen. 5. Blätterkamm. Er beſteht aus zwei je einem gezackten Blatte ähnlichen Kammteilen mit zwiſchenliegender Wulſt. 6. Hörner⸗ oder Hornkamm, ein Doppelkamm, deſſen beide Teile zwei koniſche glatte oder auch mit Auswüchſen behaftete Spitzen bilden. 7. Erbſenkamm beſteht aus drei parallel nebeneinander lau⸗ fenden, ſehr niedrigen Stehkämmen, ſo daß nur die Zackenſpitzen ſichtbar ſind; der mittlere iſt höher als die beiden anderen, welche unter ſich gleich hoch ſind. 8. Roſen⸗ oder Traubenkamm, eine auf dem Kopfe dünn entſpringende, nach beiden Seiten und nach vorn ſich ausdehnende, nach hinten in eine lange, etwas nach aufwärts gerichtete Spitze aus⸗ laufende Fleiſchmaſſe, deren flache Oberſeite mit vielen gleich hohen und gleichmäßig verteilten Spitzen(Zacken) beſetzt iſt. 9. Wulſt⸗ oder Nelkenkamm iſt eine niedrige, wulſtige, in der Mitte etwas vertiefte Fleiſchmaſſe ohne Spitzen. Zehen⸗ und Schenkelbeſiederung. Bei einigen Haushuhnraſſen ſind die Läufe und einzelne Zehen befiedert. Iſt die Zehenbefiederung handbreit, ſo nennt man ſie Latſchen.— Streaffe ſteife Fahnenfedern als Teil der Schenkelbefie⸗ derung, welche über die Ferſe weg nach hinten gerichtet ſind, heißen Stulpen oder Geierferſen. Füße der Schwimmvögel. Bei den Schwimmvögeln, Gänſen und Enten, ſind die drei nach vorn gerichteten Zehen durch die Schwimmhaut verbunden. Die mit ſolcher Haut verſehenen Füße nennt man Ruder. Sachregiſter. Abortion 204. Abſceſſe 203. Abzehrung 200. Ackergans 164. Albumin 15. Anconahuhn 46. Andaluſiſches Huhn 46. Aufzuchtkaſten 133. Augenkrankheiten 197. Ausfuhr von Geflügelzüchtungspro⸗ dukten 3. Ausnehmen der Hühner 137. Aylesburyente 161. Bagdette 176. Bahiaente 162. Bandwürmer 193. Bankivahuhn 34. Bantam 74. Barbezieuxhuhn 44 Bauchhöhlenſchwangerſchaft 16. Bausbäckchen, Thüringer 38. Behang 230. Beinbrüche 206. Bergiſche Kräher 48. Bernikelgans 167. Berupfen der Enten 137. „„ Gänſe 137. „ Hühner 137. Bildungsdotter 15. Biſamente 163. Blattern 202. Blutungen 206. Brabanter Huhn 69. Brahmaputrahuhn 8, 48, 49. Bredahuhn 61. Brieftauben 177 Bronchitis 195. Brüche 206. Brüteier, Auswahl 121. Brüteier, Verſendung 139. Brüten, Erforderniſſe zum 120. künſtliches 23. , natürliches 18. Brüthaus für Hühner 123. Brütmaſchinen 28. Verwendung 126. Brütöfen der Agypter 23. Brütwärme 18. Brützeit 18. 5 auf Enteneiern 159. Gänſeeiern 168. „„„ 3„ Haushuhneiern 120. 7„ Perlhuhneiern 144. „„ Pfaueneiern 154. 9„ Taubeneiern 185. „ Truthuhneiern 151. Buenos Ayres-Ente 162. Bug 230. Campinerhuhn 36. Canadiſche Gans 167. Chabo 73. Cochinchinahuhn 48. Cayugaente 161. Cournayhuhn 44. Créève⸗coeurhuhn 64. Csroup 195. Cypriſche Taube 178. Dachshuhn 38. Darre 201. Diarrhöe 199. Diphtheritis 195. Dominikanerhuhn 37. Dotterhaut 15. Sachregiſter. Dotterkapſel 16. Drehtaube 172. Duclairente 161. V Dünger 106. Durchfall 199. Dyſenterie 199. Ei 14. Entſtehung 16. „ Futter für Kücken 92. Eidotter 15. Eier, Aufbewahrung 140. Einfluß der Gewitter auf be⸗ brütete 31. Färbung 14. Form 14, 17. Eierklar 15. Eier, Konſervierung 140. Nahrungsmittel 17. Eierproduktion 116. Eierſtock 16. Eier in der Technik 17. „ Verſendung 138. Eileiter 16. Einfuhr von Geflügelzuchtprodukten 3. Eingeweidewürmer 193. Eiſchale 15, 17. Eiweiß 15. Elſäſſer Huhn 37. Embryo 15, 20. Emdener Gans 165. Engerlingfang 86. Enten, Eier⸗ und Fleiſchproduktion 156. Entenfedern 157. Entenkücken 159. Entenſchläge 160. Entenſtall 157. Entenzucht 155. Enterich 156. Erpel 156. Epinette tournante 103. Ernährung der Enten 158. Gänſe 168. Haushühner 82. „ Perlhühner 144. Pfaue 154. Tauben 185. Truthühner 152. Exkremente 106. 1 Farbentauben 172. d0 Federlinge 191. Federn der Enten 157. „„ Gänſe 170. „ Hühner 106. Feldtaube 171. Flöhe 192. Floßei 15. Flugtauben 173. Futtergefäße 88. Futterkaſten 131. Futtermenge 90. Futterplätze 87, 89. Futtertrichter 101. Fütterung der Hühnerkücken 91. „ Junghühner 93. Fütterungsart(bei Hühnern) 87. Gabelhuhn 35. Gänſefedern 170. Gänſemäſtung 169. Gänſeſchläge 165. Gänſeſtall 168. Gänſezuchtſtamm 167. Gaveuse 101. Gefiederteile 230. Geflügelpeſt 199. Geünolzuchigenoſ nüchaſien 5. Geflügelzuchtprodukte, Ausfuhr 3. 9. Einfuhr 3. 1 Verbrauch 2 Geflügelzuchtſchule 2. Geflügelzuchtvereine 1. Geſchichte der Geflügelzucht 5. Hausente 12. 3„ Hausgans 5, 10. 5 des Haushuhns 6. 4 der Haustaube 5, 12 — des „„ Perlhuhns 6, 8. Pfaues 10. Truthuhns Geſchwüre 303. Geſundheitspflege 189. Gewitter, Einfluß auf bebrütete Eier 31. Gicht 196. Graugans 164. Grünfutter 86. 6, 9. Haarhühner 72. Hängebauch 205. Hängekropf 197. Hagelſchnur 15. 234 Hahnentritt 15. Hamburger Huhn 39. „ Kücken 37. Haubenenten 163. Haubenhühner 58. Haubenperlhuhn 146. Hausente 155. 3 gemeine 160. Hausgans 164. Haushuhn, Abſtammung 33. Ernährung 82. Naturgeſchichte 33. Pflege und Wartung 75. 3 Raſſen 35. Höckergans, japaniſche 166. Holländerhuhn 70. Hühnercholera 199. Hühnerfleiſch, Menge am Huhn 97, 105. Hühnerfleiſchproduktion 116, 117. Hühnerfrühbrutkücken 133. Hühnerhäuſer 76. Hühnerkücken, Aufzucht 127. Erzeugung 119. Verſendung 142. 4 Muſterung 135. Hühner, Verſendung lebender 141. Hühnerſtämme, Zuſammenſetzung 109. Hühnertaube 174. Hühnerzucht 33. Hühnerzuchtbetrieb 108. Hühnerzuchterzeugniſſe 103. „ 7 Indianertaube 178. Italieniſche Ente 161. Italieniſches Huhn 44. Japaniſche Höckergans 166. Japaniſches Seidenhuhn 72. Zwerghuhn 73. Javaniſcher Pfau 154. 7 5 74 Kämpfer 52. Kämpfer, Sumatra⸗ 52. Kaiſerente 163. Kalikutiſches Huhn 147. Kammarten 231. Kamm, ſchwarzer 202. 5 weißer 202. Kampfhuhn 50, 52. Kanadiſche Gans 167. Kapaun 96, 104. Kaulhuhn 38. Sachregiſter. Keimbläschen 15. Keimſchicht 15. Klatſchtaube 172. Kluthuhn 38. Kochinchinahuhn 8, 48. Körnerfett 98. Körperteile 229. Kräher, Bergiſche 48. Krätzmilbe 194. Krampf 196. Krankheiten 189. Krebs 202. Kröpfer 175. Kropf, harter 197. Kropftaube 175. Kücken, Ausſchlüpfen 22. . Hamburger 37. Kückenkleid 75. Kuckuckshuhn, Mechelner 37. Kuckucksſperber, Schottiſche 40. Cabradorente 162. Laflechehuhn 58. Lakenfelderhuhn 36. Landhuhn 8, 35. „ böhmiſches 36. Landwirtſchaftliche Vereinigungen Langſhanhuhn 48, 50. Läufe 230. Laufräume für Hühner 81. Läufe 191. Legedarm, Heraustreten des 205. Leghorn 45. Le Manshuhn 60. Lockengans 166. Lockentaube 172. Lockente 160. Luftkropf 197. Luftröhrenentzündung 195. Mäſtung der Enten 158. Gänſe 169. Haushühner 95, 97. Tauben 188. „ Truthühner 152. Malayenhuhn 51. Manshuhn 60. Martinsgans 12, 224. Maſthühner, Auswahl der 96. Mechelner Kuckuckshuhn 37. Mehlbrei 100. 2 Sachregiſter. 235 Mehlnudeln 99. Minorcahuhn 46. Mittelmeerraſſen 46. Mövchen(Taube) 174. Möven(Oſtfrieſiſche) 36. Mohnſperberhuhn 36. Mohrenköpfe(Schmalkaldener) 173. Montaubantaube 176. Moſchusente 163. Nackthalshuhn 38. Nahrungsdotter 15. Nahrungsſtoffe 84. Negerhuhn 75. Neſtbildung 18. Neſtflüchter 18. Neſt, Lage desſelben 18, 19. Nilgans 167. Niſtmaterial 19. Orientaliſche Tauben 176. Oſtfrieſiſche Möven 36. Baduaner⸗Huhn 67. Pantomimentaube 173. Paraſiten 193. Pekingbantamhuhn 74. Pekingente 162. Perlhuhn 143. Geier⸗ 146. gemeines 146. Hauben⸗ 146. 35 Pinſel⸗ 146. 5 als Schlachtgeflügel 143. Perltaube 172. Perückentaube 173. Pfälzer Huhn 37. Pfau 153. „ javaniſcher 154. Pfautaube 174. Phönixhuhn 74. Pinſelperlhuhn 146. Pips 196. Pocken 202. Podogra 196. Polniſche Taube 178. Pommerſche Gans 165. Poularde 104. Purzeltaube 173. Puter 147. Plymouthrockhuhn 50. Quetſchungen 206. Ramelsloher Huhn 37. Rheumatiſche Krankheiten 196. Rieſenhühner 49. Ringſchläger 172. Roſtgans 167. Rotkappen 40. Rouenente 160. Rupp 195. Saatgans 164. Sattelfedern 230. Saugwürmer 193. Schalenhaut 15. Schlachten der Hühner 136. Schlachthühner 104. Herrichtung 136. Verpackung 138. „ Schlagfluß 201. Schlotterkämme 49, 231. Schmarotzer 193. Schneegans 167. Schnupfen 195. Schopfhühner 58. Schotten(Schottiſche) Graue 40. Schwarze oſtindiſche Ente 162. Schwarzer Kamm 202. Schwarzfäule 202. Schwär 201. Schwergeburt 204. Schwindel 201. Schwingen 230. Schwungfedern 230. Seidenhuhn 72. Sichelfedern 230. Smaragdente 162. Sonneratshuhn 34. Spaniſche Hühnerraſſen 46. „ Taube 176. Sporn 230. Spureier 16. Stanleyhuhn 35. Steiriſches Huhn 37. Stockente 155. Straßer(Olmützer) 175. Strupphuhn 73. Sundheimer Huhn 37. Sultanshuhn 70. Tauben, Auswahl zur Zucht 188. Sachregiſter. Taubenbeizen 187. SSaldhuhn 38. Tauben, Eierlegen und Brüten 185. Wanzen 192. 3 Ernährung 185. Waſſergeflügel 154. Fütterung 187. Weißer Kamm 202. 4 Mäſtung 188. Welſchhuhn 147. „ Paarung 184. Wildente 155. Taubenſchlag 179. Wildgans 164. Taubenzucht 171. Vindeier 16. Thüringer Bausbäckchen 38. Wollhühner 72. Totleger 36. Würmergruben 85. Toulouſer Gans 166. Wyandottehuhn 50. Trinkgefäße für Hühner 89. Wanrzß ier e 1720 Zokohamahuhn 57. Truthuhn 147. Zips 196. Tümmler(Taube) 173. Zuchthühner, Auswahl der 109, 112, Türkenhuhn 70. 113, 114. Türkiſche Ente 163. Züchtungsregeln, Monatliche 208. Türkiſches Huhn 147. ffr Januar 227. Türkiſche Taube 178.„ Februar 209. März 211. Anverdaulichkeit 198. April 213. Mai 214. Verbrauch von Geflügelzucht⸗ Juni 215. produkten 2. Juli 216. Verletzungen, äußere 206. Auguſt 218. Vergiftungen 206. September 220. Verſendung der Eier 138. Oktober 221. 3 geſchlachteter Hühner 138. November 223. „ lebender Hühner 141.„ Dezember 225. 9. lebender Kücken 142. gZwerghuhn 35. Verſtopfung 200. Zwerghühner 73. Vormaſt 98. Zwergkochinchinahuhn 74. Verlagsbuchhandlung Paul Parey in Berlin SW., Hedemannstr. 10. Die Geflü elzucht nach ihrem jetzigen rationellen Standpunkt. 6 Unter Mitwirkung namhafter Fachgenossen bearbeitet von B. Dürigen in Berlin. Mit 80 Rassetafeln und 101 Textabbildungen. Preis 20 M. Geb. 23 M. Die landwirtschaftliche Geflügelhaltung. u, Auhage ne Ministeriums des Innern bearbeitet von K. Römer, Landwirtschafts- inspektor in Ladenburg a. N. Zweite Auflage. Mit 17 Textab- bildungen und 16 Rassebildern. Preis 1 M. 50 Pf. Geflü el fle in Gesundheit und Krankheit. Draktische Anleitung 9 D 9 von Dr. L. Steuert, Professor an der landw. Akademie in Weihenstéphan. Mit 13 Textabbildungen. Preis 1 M. Zu beziehen durch jede Buchhandlung. Verlagsbuchhandlung Paul Parey y in Berlin lin 1 Siy, Hedemannstr. 10. Schlipf S populäres Nandbuch der Landwirtschaft. Gekrönte Preisschrift. Dreizehnte, vollständig neubearbeitete Auflage. Mit 17 Farbendrucktafeln und 415 in den Text gedruckten Abbildungen. In Ganzleinen gebunden, Preis 7 Mark. Wem es um ein Handbuch zu thun ist, welches alle Zweige der Landwirtschaft auf Grund der neuesten Erfahrungen in besonders ver- ständlicher Schreibweise behandelt, dem darf das bewährte Werk von Schlipf unbedingt empfohlen werden. Der Umstand, dass das Buch nicht nur bei den praktischen Land- wirten seit langem eingebürgert ist, sondern dass dasselbe auch an sehr vielen landwirtschaftlichen Schulen als Lehrbuch gebraucht wird, er- forderte eine Vervollständigung mehrerer Abschnitte, ohne dass jedoch die Tendenz des Buches, ein Ratgeber für den praktischen Landwirt zu sein, darunter leiden durfte. Es wurde daher auch bei den mannig- fachen Einschaltungen stets die klare und verständliche Sprache, durch welche das Buch sich gerade bei den mittleren und kleineren Land- wirten sowie in den Schulen einer so grossen Beliebtheit erfreut, sorg- fältig beibehalten. Eine besondere Bereicherung hat diese neue 13. Auflage dadurch erfahren, dass die wichtigsten Schläge von Rind, Schaf, Schwein und Pferd und die dem Pflanzenbau schädlichsten Insekten auf 17 Tafeln abgebildet wurden, und zwar naturgetreu in Farben. Selbst die besten schwarzen Abbildungen im Text vermögen Farben- drucktafeln nicht zu ersetzen, und der Schlipf wird dadurch noch wieder mehr Freunde gewinnen. Trotz dieser 17 Farbendrucktafeln, vielfacher Erweiterungen und Einschaltungen in Text und Abbildungen wurde der Preis des gut ge- bundenen, in grosser Schrift gedruckten, 586 Seiten grossen Formats umfassenden, mit 415 Textabbildungen versehenen Buches auf nur 7 Mark festgesetzt, so dass man behaupten kann, in Anbetracht des Gebotenen ist der.eip. Zu jede Buchhandlung. äc8l vom Gesuhdel IId kranken Nawsie 3 Verlagsbuchhandlung Paul Parey in Berlin SW., Hedemannstr. 3 * Leichtverständlicher Ratgeber, Pfarde, Rinder, Schafa Schweine. Bunde und Geflüſel zu schützen und zu heilen. Aus der Praxis für die Praxis bearbeitet von Dr. L. Steuert, Professor an der landw. Akademie in Weihenstephan. Mit 00 Teætabbildungen. Gebunden, Preis 5 M. In der übersichtlichsten, zuverlässigsten Weise behandelt der als langjähriger Bezirkstierarzt praktisch erfahrene und bewährte Verfasser für jedes einzelne Haustier die inneren und äusseren Krankheiten, giebt die Behandlungsweise und Heilmittel an, belehrt über die Anzeigepflicht bei ausbrechenden Seuchen und giebt Anweisung zur Zusammenstellung einer Hausapotheke. Winke über Viehkauf und Verkauf, Ratschläge für Viehtransport, Viehversicherung und für die spezielle Pflege der zu Schauen bestimmten Tiere etc. etc, das alles macht den Inhalt dieses vortrefflichen— für jeden Viehbesitzer unentbehrlichen Buches aus. Der Guts- Sekretar. Praktische, durch Beispiele erläuterte Anleitung zur Abfassung aller schriftlichen Arbeiten des Landwir s in Beruf und Verwaltung. Von Carl Petri, Lehrer an der landwirtschaftlichen Lehranstalt in Hohenwestedt(Holstein). Mit 597 Mustern und Formulfaren. Ein starker Oktavwband.— Gebunden, Preis 10 M. Durch das vorliegende Werk mit seinen beinabe 600 Mustern un Formularen nebst dem systematischen erläuternden Text ist ein Hil buch geschaffen, welches Tausenden Kopfzerbrechen und viel Zeitverlust ersparen wird. Wesentliches wird kaum vergessen sein und selten ein Fall eintreten, in welchem man vergeblich nach Anweisung und Sche für eine zu erledigende schriftliche Arbeit sucht. Der Gutssekret wird bald auf dem Schreibtisch eines jeden preussischen Landwirts finden sein, besonders da der starke Oktavband nur 10 Mark koste ein Preis, der sich schon nach einer einzigen durch das Buch ersparten Konsultation bei einem Rechtsanwalt oder dgl. reichlich bezahlt mac Zu beziehen durch jede Buchhandlung. Verlagsbuchhandlung Paul Parey in Berlin SW., Hedemannstr. 10. Deukſche Nandwirtſchaftliche ariſſ Begründet 1874. Erscheint Mittwochs und Sonnabends. Wöchentlich eine Handeſsbeilage. Monat/ich eine Farbendrucktafel. Durch jedes deutsche Postamt bezogen, Preis vierteljährlich 5 M. Die»Deutsche Landwirtschaftliche Presse« ist nach Inhalt und Ausstattung eine Fachzeitung grossen Stils und hat eine zweifache Aufgabe: sie dient einerseits der Förderung der agrarischen Interessen in der Wirtschaftspolitik und andererseits dem Fortschritte der Wissenschaft und Praxis von Ackerbau, Viehzucht und den landwirtschaftlichen Ge- werben. Die»Deutsche Landwirtschaftliche Presse« enthält beste fach- männische Artikel über rationelle Technik und Betriebsweise der Land- wirtschaft, welche durch reiche und künstlerische Textabbildungen und Farbendruckbeilagen illustriert sind. Wegen der grossen Verbreitung bestes Blatt für alle landwirtsch. Anzeigen. Die Einheitszeile oder deren Raum 35 Pf. Probenummern mit Handelsbeilage umsonst und postfrei. Mentzel und von Lengerkes Landwirtschaftlicher Hülfs- und Schreib-Kalender. 52. Jahrgang. Herausgeg. von Dr. H. Thiel, Ministerialdirektor im Ministerium für Landwirtschaft etc. I. Teil(Taschenbuch) gebunden.— II. Teil(Jahrbuch) geheftet. Ausgabe mit ½ Seite weiss Papier pro Tag. In Leinen geb. 2,50 M., in Leder geb. 3 M. Ausgabe mit i1 Seite weiss Papier pro Tag. In Leinen geb. 3 M., in Leder geb. 4 M. Der Mentzel und von Lengerke'sche Kalender folgt mit seinem ganzen Inhalt den modernen Bedürfnissen der Landwirtschaft, und nach wie vor wird er sich be- währen als ein Freund des Landwirts, wie man ihn oft lobend bezeichnet. Der I. Teil, das gebundene Taschenbuch, dessen Formulare für wirtschaftliche Eintragungen der verschiedensten Art von über 35 Tausend Landwirten jahraus jahrein benutzt werden, enthält ausserdem Tabellen für Berechnungen, wie sie sich täglich im praktischem Betriebe aufwerfen, Tabellen, welche absolut unentbehrlich sind, und es erklärlich machen, dass der»Mentzel« in der Rocktasche jedes Landwirts zu finden ist. Der II. Teil, das Jahrbuch, enthält alljährlich auf das Peinlichste revidierte Zu- sammenstellungen über die landw. Behörden, es sind ferner die landw. Berufsgenossen- schaſten, die landw. Genossenschafts-Vorstände, die Landwirtschaftskammern, die Zuchtgenossenschaften, die landw. Vereine, ebenso wie die landw. Unterrichtsanstalten und Versuchsstationen aufgeführt. Ferner enthält dieser Teil alljährlich einen für praktische Landwirte lehrreichen Artikel. Zu beziehen durch jede Buchhandlung. 3 1eeehan denneSresesL Lönain onen deieeeoatg ehnai — 5 OL eHe-ᷣ 24