— 6 8 7 4 7 — 5 5 5 1 —— — 3— 8 86 7 “ 8 4 1 3 — 3 “ 3—. 8— 98 4 8 — — “ — — 3 1 “ “ 3 — 5 — — — “ — — — — Verlagsbuchhandlung Paul Parey in Berlin SW., Hedemannstrassc 10. . Jeder Band H E BIBL HE FPrels des Bandes einzeln käuflich. T A R 10T K In Leinen geb. 2 M. 50 Pf. Ackerbau und Düngerwesen. 3 Urbarmachung und Verbesserung des Bodens von Ok.-Rat Dr. R. Buerstenbinder. Praktische Bodenkunde von Dr. A. Nowacki, Professor in Zürich. 3 3. Auflage. Käufliche Düngestoffe von Dr. A. Rümpler in Breslau. 4. Auflage. Anwendung künstlicher Düngemittel von Geheimrat Professor Dr. Paul Wa gner in Darmstadt. Wolff's praktische Düngerlehre. 1z3. Anfage. Wolſt's Anleitung zur chem. Untersuchung landw. Stoffe. 4. Auflage. Pflanzenbau. Tabaksbau von A. Freiherrn von Babo in Klosterneuburg. 3. Auflage. Wiesen- und Weidenbau von Dr. F. Burgtorf, Direktor in mertord. 4. Auflage. Feldholzzucht, Korbweidenkultur etc. von R. Fischer in Berlin. Hopfenbau von C. FEruwirth, Professor in Hohenheim. 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Tierzucht und Fütterungslehre. Berlepsch' Bienenzucht. Bearbeitet von G. Lehzen in Hannover..Auflage. Zoologie für Landwirte von Dr. J. Ritzema Bos, Professor in Amsterdam. 2. Auflage. Rindviehzucht von Dr. v. Funk, Direktor in Zoppot. 4. Auflage. Wirtschaftsfeinde aus dem Ticrreich von Dr. G. von Har, ek, Professor in Wien.— May'’s Schweinezucht. Bearbeitet von B. Meyer-Friedrichswerth. 4. Auflage. Bakterienkunde für Landwirte von Dr. W. Migula in Karlsruhe. 3 Pribyl's Geflügelzucht, neubearbeitet von Oberstleutnant a. D. Sabel in Trier. 4. Auflage. Wolfl's landwirtschaftliche Fütterungslehre. 7. Aufsge. . 6 3 Birnbaum'’s landw. Taxationslehre. Velrich 2. Auflage. Landw. Betriebslehre von Geheimrat Dr. Freiherr v. d. Goltz, Drofessor in Poppelsdorf. Landw. Buchführung von Geheimrat Dr. Freih. v. d. Goltz, Prof. in Poppelsdorf. 8. Auflage. Langethal's Geschichte d. Landwirtschaft bearb.v. Michelsen u. Nedderieh 3. Auflage. Rechtsbeistand des Landwirts von M. Löwenherz. 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KAussere Krankheiten der ldw. Haussäugetiere von E. Zorn, Kg. Korpsrossarzt. Geburtshilfe von Amtstierart Tapken in Varel. 3 2. Auflage. Jagd, Sport und pischerei.— Künstliche Vischzucht von M. von dem Borne auf Berneuchen. 4. Auflage. Süsswasserfischerei von M. von dem Borne auf Berneuchen.. 3 Teichwirtschaft von M. von dem Borne auf Berneuchen. 2 4. Auflage Gocdde's Fasanenzucht. Bearbeitet von Fasanenjäger Staffel in Fürstenwald. 3. Auflage. Die Jag d und ihr Betrieb von A. Goedde, Herzogl. Jägermeister in Coburg. 2. Anfage. Jagd-, Hof- und Schäferhunde von Leutnant Schlotfeldt in Hannover. Rat eber beim Pferdekauf von Stallmeister B. Schoenbeck in Höxter. 7 2. A fage wi ersetzlichkeiten des Pferdes von Stallmeister B. sechoenbeck in Höxter. Reiten und Fahren- von Major R. Schoenbechk in Berlin. 3 Auflage. Gartenbau. Gehölzzucht von J. II grtwig, Grossherzogl. Hofgarteninspektor in Weimar. 2. Auflage. Gewächshäuser von J. Hartwig, Grossherzogl. Hofgarteninspektor in Weimar. 2. Auflage. 4 Weinbau von Ph. Held, Gartenbau-Inspektor in Ilohenheim. Meyer's s Immerwährender Gartenkalender. 3. Aufage. Obstbau von R. Noack, Grossherzogl. Ilofgarteninspektor in Darmstadt. 3 3. Auflage. 3 Gartenblumen(zucht und Pflege) von Th. Rümpler, General-Sekretär in Erfurt. 2. Auflage. Rümpler's Zimmergärtnerci. Bearbeitet von W. Mönkemeyer in Leipzig. 3. Auflage. Obstbaumkrankheiten von Professor Dr. Paul Sorauer in Proskau. Gärtnerische Vere dlungskunst von 0. Teichert. Bearbeitet von Fintelmann. 3. Auflage. Gemüsebau von B. von Uslar in Hannover. 3. Auflage. Zu beziehen durch jede Buchhandlung. 1 A&△ 20 E e hucßdandlume Paul Parey i in Berlin SW., Mcdemannstr asse 10. Landwirtschaftliche Unterrichtsbücher. 3 Ackerbau von Direktor Dr. Droysen-Herford und Direktor Dr. Gisevius-Dahme. vierte Auflage. Mit 175 Textabbildungen. Geb., Preis 1 M. 60 Pf. Ackerbaulehre von IH. Biedenkopf, Landw.-Lehrer in Chemnitz. Mit 33 Textabbildunen, Geb., Preis 1 M. 40 Pf. Dü üngerlehre von Direktor A. Conradi in Hohenwestedt. Preis 60 Pf. Grundzüge der Agrikulturchemie von Dr. Otto. Mit 44 Textabb. Geb., Preis 4 M. Bodenkunde von Dircktor A. Wirtz in Cdenkirchen. Preis 50 Pf Bodenkunde von Dr. W. Lilienthal, Lehrer in Schönberg. Mit 6 Textabbild Geb., Preis 1 M. Mineralogie u. Gesteinslehre“ von V. Uhrmann, Direktor der landw. Schule in Anna berg i. S. Zweite Auflage. Mit 26 Textabbildungen. Geb. Preis 1 M. Pflanzenban von Direktor Dr. Birnbaum. Vierte Auflage, bearbeitet von Direktor Dr. Gisevius in Dahme. Mit 217 Textabbildungen. Geb., Preis 1 M. 60 Pf. Wiesenbau von H. Kutscher. Zweite Auflage. Mit 67 Textabbild. Geb., Preis 1 M. 20 Pf. Lehrbuch d. Botanik für Landwirtschaftsschulen und andere höhere Lehranstalten von Oberlehrer Dr. G. Meyer in Dahme. Mit 285 Textabbildungen. Geb., Preis 2 M. Leitfaden der Botanik von Dr. G. Meyer, Oberlehrer in Dahme. Mit 248 Meerab Geb., Preis 1 M. 50 P Viehzucht von Prof. v. Patzig. Vierte Auflage. Mit 107 Textabb. Geb., Preis 1 M. 60 5 Fütterungslehre von Direktor A. Conradi. Zweite Auflage. Geb., Preis 1 M. 20 Pf. Bau und Leben der landwirtschaftl. Haussäugetiere von Dr. E. Laur in Brugg. Mit 91 Textabbildungen und 5 Tafeln. Zweite Auflage. Geb., Preis 1 M. 20 Pf. Wirtschaftsbetrieb von Dr. P. Gabler, Lehrer in Eldena. Kart., Preis 1 M. 20 Pf. Betriebslehre von Direktor A. Conradi in Hohenwestedt. Zweite Aufl. Geb., Preis 1 M. Wirtschaftslehre von Direktor Dr. V. Funk in Zoppot. Vierte Auflage. Geb., Preis 1 M. Taxationslehre von C. Petri, Lehrer in Hohenwestedt. Geb., Preis 1 M. 60 Pf. Betriebseinrichtung Kleinerer Wirtschaften v. Ok.-Rat Dr. Salfeld in Lingen. Preis 60 Pf. Landw. Betriebslehre von Dr. E. Roth in Chemnitz. Vierte Aufl. Geb., Preis 1 M. 40 Pf. Landmanns Buchführung von Dr. H. Clausen, Direktor in Heide. Geb., Preis 1 M. 20 Pf. Selbstverwaltungsämter, vorbereitung für staatliche und kommunale. Von C. Petri, Lehrer in Hohenwestedt. Zweite Auflage. Geb., Preis 1 M. 20 Pf. Rechenpuch für niedere u. mittlere landw. Lehranstalten von L. Lemke, Lehrer in Stargard. I. Teil. Zweite Aufl. Geb., Preis 1 M. 40 Pf. II. Teil. Mit 112 Textabb. Geb., Preis 2 M. Lösungen(für beide Teile). Preis 1 M. Rechenbuch für Ackerbauschulen und landw. Winterschulen von P. Rnak, Lehrer in Wittstock. Zweite Auflage. Geb., Preis 1 M. 20 Pf. Lösungen. Preis 1 M. Geometrie, Feldmessen u. Nivellieren von H. Kutscher, Lehrer in Hohenwestedt. Zweite Auflage. Mit 161 Textabbildungen. Geb., Preis 1 M. 40 Pf. Geometrie der Ebene von Prof. L. Bosse in Dahme und Prof. H. Müller in Eldena. Mit 200 Textabbildungen. Geb., Preis 1 M. 20 Pf. Stereometrie von Prof. L. Bosse und Prof. H. Müller. Mit 30 Textabbildungen. Preis 50 Pf. Algebra von Prof. L. Bosse in Dahme u. Prof. H. Müller in Eldena. Preis 1 M. 80 Pf. Feldmess- und Nivellierkunde und Drainieren von Chr. Nielsen, Oberlehrer in Voarel. Zweite Auflage. Mit 3 Tafeln und 102 Textabbildungen. Geb., Preis 2 M. Physik von M. Hohlmann, Oberlehrer. Dritte Aufl. Mit 152 Textabb Geb., Prois 1 M. 30 Pf. Lehrbuch der Physik von Dr. Lautenschläger in Samter. Geb., Preis 2 M. 80 Pf. Chemie von P. J. Murzel, Direktor in St. Wendel. Zweite Auflage. Geb., Preis 1 M. 20 Pf. 8 Chemie von A. Maas, Lehrer in Wittstock. Zweite Aufl. Mit 10 Textab. Geb., Preis 1 M. 80 Pf. Chemie für Ackerbau- u. landw. Winter-Schulen von W. Wellershaus, Landw irtschaftslehrer. I. Teil: Anorganische Chemie. Preis 50 Pf. II. Teil: Organische Chemie. Preis 50 Pf. Meyer's Forstwirtschaft. Zweite Aufl., bearb. v. Oberförster Berlin. Geb., Preis 1 M. 20 Pf. Obst- u. Gemüseban von Otto Nattermüller. Zweite Auflage. Mit 71 Textabbildungoen. Geb., Preis 1 M. 60 Pf. 5 Deutsche Gedichte, herausgeg. von Dr. R. Schultz in Marggrabowa. Geb., Preis 2 M. Deutsches Lesebuch für Ackerbauschulen, landw. Winterschulen und ländl Fortbildungs- schulen v. M. Hollmann in Thorn u. P. Knak in Wwittstock. Zyeite Aufl. Geb., Preis 2 N. Lehr- u. Lesebuch für ländl. Fortbildungsschulen. Herausgegeben v. Deissmann u. a. Zweite Aufſago. Geb., Preis 2 M Zu beziehen durch jede Buchhandlung. ——-——— 5— 8 Chchule G Ludwigstr.. JA de ife Uf 2 Tn Lnn D Institut neenbau und Planzenzü ictung nach ſeinem jetzigen rationellen Standpunkte. Dr. Bugo Werner, Profeſſor der Landwirtſchaft an der Kgl. landw. Hochſchule zu Berlin. Dritte, neubearbeitete Auſlage. Berlin. Verlagsbuchhandlung Paul Parey. Verlag für Landwirtſchaft, Gartenbau und Forſtweſen. SW., Bedemannſtraße 10. 1895. Dorwort zur erſten Ruflage. Unzweifelhaft iſt die Kartoffelkultur für Deutſchland von überaus großer Wichtigkeit, weshalb dem rationellen Anbau der Kartoffel ein ganz beſonderer Wert beizulegen iſt. Aus dieſem Grunde bin ich bei der Abfaſſung des vorliegenden Buches von dem Geſichtspunkte ausgegangen, alles nur erreichbare Material über Kartoffelkultur zu ſammeln und nach kritiſcher Sichtung desſelben, ſowie nach Ausfüllung einzelner Lücken, durch Zu⸗ ſammenſtellung dieſes Materials in Verbindung mit meinen Erfahrungen, ein Geſamtbild der rationellen Kartoffelkultur zu geben. Ferner beſtimmte mich zur Abfaſſung des Buches der Umſtand, daß beim Erſcheinen meines Handbuches über Futter⸗ bau vielfach betont und als Mangel angeſehen wurde, daß der Kartoffelbau nicht in dasſelbe aufgenommen worden ſei. Poppelsdorf, im Januar 1876. Vorwort zur dritken Ruflage. In neueſter Zeit iſt vieles über Kartoffelbau gearbeitet worden, ſodaß das Buch für die dritte Auflage eine erhebliche Umarbeitung erfahren mußte, wobei jedoch der Standpunkt der Praris noch mehr als in der zweiten Auflage gewahrt wurde. Berlin, im Mai 1895. Der Verfaſſer. Einleitung Anhalt. Veſchrribund der Abarten und Sorten. Die biologiſchen Verhältniſſe der Kartoffel pflanze Krankheiten der Kartoffeln Pilzkrankheiten Tieriſche Feinde Klima Boden. Düngung. Fruchtfolge Bodenbearbeitung Kulturmethoden. Pflege. Ernte Aufbewahrung Erträge und Verwertung der Kartoffeln 9 8=E Einleitung. Die Heimat der Kartoffel iſt unzweilhaft Süd⸗Amerika und zwar ſcheint ſie hier in den für Mais zu kalten Gegenden des Inca⸗Reiches(Peru) als Erſatz desſelben zur Nahrung gedient zu haben; darauf deutet, daß ſich nach Cieza(Cronica cap. 100) die Feier der Feſte in den Gebirgsprovinzen, wie in Callao, immer nach der Saat und Ernte der Papas(Kar⸗ toffeln) richtete. Ferner führt Molina an, ſie wachſe in Chile beinahe auf allen Feldern wild, ſei klein, habe einen bitteren Ge⸗ ſchmack und heiße bei den Indianern„Maglia“. Humboldt glaubt, daß letztere die Stammpflanze der kultivierten Kartoffel ſei und dieſe ſich von Chile aus über Peru und Quito bis auf die Hochebene von Bogota verbreitet habe. Auch Darwin fand noch weiter nach Süden, auf den Chonos⸗ inſeln, eine wilde Kartoffel häufig, welche nach ihm mit der kul⸗ tivierten Kartoffel eine größere Ähnlichkeit beſitzen ſoll als die Maxglia. Tſchudi dagegen, der ſie in Peru auf den Hügelreihen unfern der Küſte wild gefunden haben will, glaubt, daß hier ebenſo gut wie in Chile ihr urſprüngliches Vaterland ſei und daß die alten Peruaner ſie nicht aus dem Süden, ſondern von ihren Bergen zum Anbau auf günſtigerem Terrain bezogen haben. Später, und zwar wahrſcheinlich erſt nach dem Erſcheinen der Europäer in Amerika, ſcheint ſich die Kartoffel, wie aus den Unterſuchungen Humboldt's zu ſchließen, längs der Andenkette Werner, Kartoffelbau. 3. Auflage. 1 2 Einleitung. nach Mexiko und von dort weiter nach Nord⸗Carolina und Virginien verbreitet zu haben. Die Einführung der Kartoffeln nach Europa iſt nun höchſt wahrſcheinlich auf zwei verſchiedenen Wegen erfolgt. Als die Spanier Peru und Chile(1525—1543) eroberten, fanden ſie hier die Kartoffeln angebaut vor, und zweifelsohne gelangten davon zwiſchen 1560 und 1570 nach Spanien, wo ſie, wie Bowles angiebt, zuerſt in der Provinz Galizien gebaut wurden. Von hier nahmen ſie ihren Weg nach Portugal und durch den Italiener Redi“*) 1564 nach Italien. In letzterem Lande waren ſie denn auch in den 1580 er Jahren ſchon ſoweit bekannt, daß ein Verwandter des päpſtlichen Legaten dem Präfekten von Mons in Belgien Philip von Sivry, Herrn von Wallenheim, einige Knollen ſenden konnte, mit welchen dieſer Anbauverſuche unternahm und 1588 an Charles del' Ecluſe(latiniſiert Clusius), dem Vor⸗ ſteher der kaiſerl. Gärten in Wien, zwei Knollen, ſowie 1589 einen blühenden Kartoffelzweig ſandte. Caspar Bauhin erhielt 1590 von dem Breslauer Arzt Dr. Lorenz Scholz, der ſie angeblich ſeit 1587 in ſeinem Garten baute, Abbildungen von Kartoffelpflanzen zugeſandt, worauf hin er ihr den wiſſenſchaftlichen Namen Solanum tuberosum es- culentum beilegte und in ſeinem Phytopinx 1596 eine Be⸗ ſchreibung, ſowie im Prodromus eine Abbildung lieferte. Auf dem zweiten Wege, nämlich aus Virginien, gelangte 1586 die Kartoffel nach England, über welche Einführung zahlreiche Irrtümer verbreitet ſind, welche von Rodiczky in ſeiner Biographie der Kartoffel(Wien 1878), zu berichtigen ſucht, indem er ſich über dieſe Einführung, wie folgt ausläßt: Bekanntlich bringt man die Einführung der Kartoffeln nach England mit dem Sklavenhändler John Hawkins in Beziehung, welcher 1565 im Hafen von Santa Fé Kartoffeln als Schiffs⸗ proviſion eingeladen und bei ſeiner Heimkunft die Knollen im Hafen von Halifax ausgefrachtet habe, wo ſie verſchleppt wurden. Dieſe *) Vgl. J. H. Krünitz, Encyklop. 35, pag. 232. ——— —-ꝛ———— —— Einleitung. 3 Erzählung entbehrt jedoch der geſchichtlichen Belege, und ein Gleiches gilt von der Behauptung, daß der Admiral Sir Francis Drake 1580 Kartoffeln nach London mitgebracht habe. Auf der noch vorhandenen Speiſekarte des Feſteſſens, welches Drake am 4. April 1581 der Königin Eliſabeth zu Ehren veranſtaltete, ſind keine Kartoffeln aufgeführt, wohl aber die ſüße Batate(Batatas edulis), welche wohl zur Verwechſelung mit der Kartoffel die Veranlaſſung gab. Nebſt Hawkins und Drake wird auch dem Koloniſator von Virginien, Sir Walter Raleigh, die Einführung im Jahre 1584 zugeſchrieben. Auch gedenkt man einer zweiten Einführung durch Raleigh im Jahre 1610 und ſogar einer Fritten nach Irland 1623, obwohl derſelbe 1618 im Tower enthauptet wurde. Dagegen iſt bezeugt,(De Bry's„Collection of Voyage“ Vol. I p. 17), daß der Mathematiker Thomas Herriot, ein Teilnehmer an der Entdeckungsreiſe Raleigh's, die Kartoffel aus Virginien 1586 nach England einführte und auf's Deutlichſte beſchrieb. Auch der engliſche Botaniker John Gerard erhielt nicht von Drake, ſondern aus Virginien Kartoffeln, die er 1597 in ſeinem„Herbal“ abbildete und beſchrieb. Was Deutſchland anbetrifft, ſo wiſſen wir bereits, daß die Kartoffel von dem Arzt Dr. Scholz angeblich ſchon um 1587 angebaut wurde; auch beſaß Joachim Camerarius 1588 Kar⸗ toffeln in ſeinem Garten zu Nürnberg und 1595 Graf von Helfſtein in ſeinem Garten zu Wiſentſteig. Um dieſe Zeit war die Kartoffel nach Caspar Schwenk⸗ felder auch in Schleſien ziemlich gewöhnlich und wurde, in der Aſche geröſtet, verzehrt. Olivier de Serres ſpricht in ſeinem Théatre d'Agric. et Ménage de champs 1604 von der„Cartoufle“ als einer kürzlich aus der Schweiz nach der Dauphiné gebrachten Pflanze. Bald darauf 1616 erſchienen ſie auf der königlichen Tafel in den Tuilerien. Im Elſaß begann der Anbau um 1623. Nach Toskana 1* 4 Einleitung. wurde ſie 1625 durch Karmelitermönche aus Spanien gebracht, und während des dreißigjährigen Krieges ſoll ſie durch einen niederländiſchen Offizier in Böhmen eingeführt worden ſein. Die Kartoffelkultur begann in Lothringen und Lyonaiſe um 1630, in Weſtfalen und Niederſachſen um 1640, in Braunſchweig um 1647, und in demſelben Jahre führte ſie Hans Kogler aus Selb im Voigtlande ein, und im Berliner Luſtgarten baute ſie 1651 der große Kurfürſt an. Nach Ungarn gelangte ſie durch aus Deutſchland heimkehrende Studenten um 1654. Florinus kennt den Kartoffelbau ſchon 1702 um Nürnberg. Nach Württemberg wurden die Kartoffeln zuerſt 1710 durch Antoine Seignoret, einen Waldenſer, gebracht, und nach Sachſen 1717 durch den General⸗Lieutenant von Milkau aus Brabant. 1726 kamen die Kartoffeln nach Schweden, 1730 nach der Schweiz und 1737 nach Finnland. Die Pfälzer ſcheinen 1720 den Kartoffelbau nach Preußen verpflanzt zu haben. Berlin war einer der erſten Orte, in deſſen Nähe 1738 die Kartoffeln zuerſt im Großen zur menſchlichen Nahrung angebaut wurden. Frie⸗ drich Wilhelm J. ſchenkte nämlich einem Krankenhauſe, der Charité, Land, unter der Bedingung, für Arme und Kranke darauf Kartoffeln zu bauen. Eine allgemeinere Verbreitung fand ihr Anbau in Deutſch⸗ land jedoch erſt durch die Hungersnot von 1745 und durch die Anſtrengungen, welche Friedrich II. zu ihrer weiteren Verbreitung machte. Leider wurden die von ihm angeordneten Anbauverſuche nur mit dem größten Widerſtreben, namentlich in Pommern, in Angriff genommen, ſo daß eigentlich erſt die Teuerungen von 1771 und 72 alle Vorurteile nachhaltig beſeitigten, und ſeit dieſer Zeit begann ſie, hauptſächlich auf den leichten Sandböden, eine vollſtändige Umänderung des landwirtſchaftlichen Betriebes anzubahnen. Seit dieſer Zeit hat der Kartoffelbau gewaltig an Aus⸗ dehnung gewonnen, wie dies ſchon ſeine derzeitige Verbreitung im deutſchen Reich beweiſt, denn zufolge ſtatiſtiſcher Nachweiſe betrug die Anbaufläche im Jahre 1893 3037366,4 ha(5,6 pCt. — Einleitung. 5 der angebauten Fläche), welche durchſchnittlich 32,3 Millionen Tonnen(646 Millionen Zentner) Kartoffeln, alſo 10,63 Tonnen (212,6 Ztr.) p. ha aufbringen. Die Neigung zur Vermehrung des Kartoffelbaues zeigt ſich im deutſchen Reich ſehr ſtark ausgeſprochen, denn im Jahre 1883 betrug die Anbaufläche nur 2907 400 ha(5,4 pCt. der Geſamt⸗ fläche).. Darauf, daß die Kartoffel in der Ernährung der Bevölke⸗ rung im deutſchen Reich eine viel bedeutendere Rolle als in anderen Ländern ſpielt, weiſt der Umſtand hin, daß das ihr im Verhältnis zur Bevölkerungszahl gewidmete Areal viel größer iſt, als in den anderen Ländern. Nun iſt allerdings die Branntweinbrennerei aus Kartoffeln bei uns auch ausgedehnter als in anderen Staaten, aber ſie nimmt doch nur einen geringen Teil der Kartoffelernte in Anſpruch,(1892 von 27,99 Millionen Tonnen Ernte nur 2,11 Millionen Tonnen oder 7,5 pCt. zur Branntweinproduktion u. ſ. w.) Die Thatſache bleibt daher beſtehen, daß für die ſehr große Ausdehnung des Kartoffelareals der größere Eß-Verbrauch der Kartoffelfrucht ſeitens der deut⸗ ſchen Bevölkerung den Anlaß giebt.— Setzen wir den deutſchen Anbau auf je 1000 Einwohner(61,4 ha) als Vergleichseinheit, ſo finden wir, daß im Jahre 1893 der Anbau der Kartoffeln in Italien nur 1*⁄, in Großbritannien und Irland nur 2/10, in den Vereinigten Staaten nur 10, in Ungarn und Rußland nur 51⁰, in Frankreich nur ½10 und in Oſterreich nur ⁄1 pCt. ſo groß war, als im deutſchen Reich. Die Anfänge der Kartoffelbrennerei gehen zurück bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts und beſtand ſchon zu Ende desſelben eine recht ausgedehnte Litteratur. In der von Gottfried Erich Roſenthal im Jahre 1795 herausgegebenen, bei Friedr. Nicolai in Berlin und Stettin verlegten„Litteratur der Technologie“ ſind folgende Werke und Abhandlungen überKartoffelbrennerei verzeichnet: 1. Nic. Müllers freundſchaftl. Belehrung an ſeine Landsleute, über die leichteſte und ſicherſte Art aus Kartoffeln einen recht guten Branntwein 6 Einleitung. zu gewinnen; mit Kupf. 8. Nürnberg, bey Raw. 1792. 2. K. W. Fiedler, über die Methode aus Kürbiſſen und Kar⸗ toffeln Brandtwein zu brennen; nebſt Beſchreibung einer Quetſch⸗ maſchine und Mühlenzeichnung, mit 1 Kupf. 4. Erfurt, bey Keyſer 1792. Gleichzeitig mit der Kartoffelbrennerei ſcheint auch die Kartoffelſtärkefabrikation entſtanden zu ſein, wenigſtens hat Frie⸗ drich II. bereits im Jahre 1765 eine Kammerverordnung an ſämtliche Landräte erlaſſen, die Fabrikation zu fördern und vorzuſchlagen, wie die Acciſeabgabe von ſolcher Stärke gegen die von Weizen einzurichten ſei. Die Kartoffel. Solanum tuberosum L. Syn: Amerikaniſche Heimat: Pogni(Chile) Papas(Peru). Deutſchland: Kartoffel, ſtammt höchſt wahrſcheinlich von Tartuffi, im Diminutiv Tartuffoli, zufolge ihrer Ähnlichkeit mit den Trüffeln, daraus bildeten ſich weiter Tartuffeln, Erdtuffeln, Toffeln, Tuffken, Töffelchen. Die Bezeichnung„Erdapfel“, welche in Sachſen, Schleſien, Pommern gewöhnlich, läßt ſich wohl auf das franzöſiſche„Pomme de terre“ zurückführen. In Oſterreich wird ſie Erdbirne, Grundbirne, Werdlbirn genannt, woraus durch Korrumpierung das ungariſche Kompér, Kolompér, das ſlaviſche Krumpir und das unter Ungarn und Slovaken gebräuchliche Krumpli, Krumplicska entſtand. Fernere Bezeichnungen ſind: Knollen, Nudeln, Knollnudeln, Potacken. Niederländiſch: Aardappel. Franzöſiſch: Pomme de terre, Patate. Engliſch: Potato, Batatas. Italieniſch: Tartufo. Spaniſch: Patata. Böhmiſch: Brambory(korrumpiert aus Brandenburger!) Im milden Klima iſt die Kartoffel ausdauernd, dringt jedoch der Froſt bis zu den Knollen, ſo erfrieren ſie. Stengel kraut⸗ artig; Blätter unpaarig, gefiedert, Blättchen ungleich, abwechſelnd, klein; Blumenkrone 5 winklig, weiß, lila oder violett; Staubbeutel gelb; Frucht zweifächrige Beere. Der Erdſtamm Knollen tragend. Blüte: Juni und Juli; Reife: Auguſt, September und Oktober. Bekanntlich gedeiht nun die Kartoffel unter den verſchiedenſten klimatiſchen und Bodenverhältniſſen, und die Sorten, insbeſondere, wenn nicht allzuweit von einander entfernt, angebaut, kreuzen ſich ſehr leicht mit einander, ſo daß es nicht ſchwer hält, neue —õ——õ—gngnngggmœq* 8 Die Kartoffel. Formen zu erzielen, zumal, wenn zur künſtlichen Züchtung, welche man in neueſter Zeit zur Erzeugung wertvoller, den landwirtſchaft⸗ lichen Verhältniſſen entſprechende Sorten anwendet, geſchritten wird. Demnach ſind die Bedingungen für die Bildung neuer Varietäten und Sorten bei der Kartoffel ungemein günſtige, weshalb es auch nicht wunder nehmen kann, wenn ſich ihre Zahl maßlos vermehrt, und ſich bei näherer Prüfung ein beträchtlicher Teil der Sorten als wirtſchaftlich unbrauchbar erweiſt. Da nun der Landwirt aus der großen Zahl der vorhandenen und vielgeprieſenen Sorten kaum noch im Stande iſt, die für ſeine Verhältniſſe paſſendſten auszuwählen und ihm vielfach ſchlechte Sorten in die Hände fallen, ſo ſind wir wohl zu dem Ausſpruch berechtigt, daß die Ertragsverminderung der Kartoffeln, über welche vielfach geklagt wird, nicht allein durch die Kartoffel⸗ krankheit und unrationelle Kultur der Kartoffel herbeigeführt iſt, ſondern daß auch die große Zahl der verbreiteten, qualitativ und quantitativ wenig befriedigenden Kartoffelſorten einen großen Teil der Schuld trägt; denn nächſt angemeſſener Beſtellungsweiſe und genügendem Kraftzuſtande des Bodens entſcheidet über den Ertrag nach Quantität und Qualität ganz beſonders die rechte Wahl der Sorte, weil die Trockenſubſtanzmenge, der Stärkegehalt, die Widerſtandsfähigkeit gegen die Kartoffelkrankheit der Haupt⸗ ſache nach von der Sorte abhängig ſind. Alljährlich werden neue Kartoffelſorten auf den Markt ge⸗ worfen, von denen nur verhältnismäßig wenige ſich einbürgern und die meiſten ſehr bald wieder verſchwinden, daher ein un⸗ ausgeſetzter Wechſel der Sorten ſtattfindet. Einige empfehlens⸗ werte Sorten werden wir weiter unten eingehend beſprechen, wozu ich jedoch bemerke, daß ſowohl der Knollenertrag als auch der Stärkegehalt der einzelnen Sorten durch Klima, Boden, Düngung. Kulturart weſentlich beeinflußt wird. Aus welchen Gründen es nicht möglich iſt, ohne die Verhältniſſe im konkreten Falle zu kennen, beſtimmte Kartoffelſorten zu empfehlen, und können deshalb die bei der Beſchreibung der einzelnen Sorten von uns gemachten Ertragsangaben nur bedingungsweiſe gelten. Die von uns zur Kultur zu empfehlenden Sorten ſind dem— Varietäten. 9 gemäß nur ſolche, die ſich im allgemeinen als wertvoll heraus⸗ geſtellt haben; während ſich die Brauchbarkeit einer Sorte im konkreten Falle nur durch den Verſuch feſtſtellen läßt. Der Stärkegehalt der Kartoffelſorten läßt ſich ohne chemiſche Analyſe annähernd feſtſtellen durch a) den Krocker⸗ ſchen Kartoffelprober, b) den Areometer von Keller, c) die Feskaſche Kartoffelwage(Balkenwage), d) die Kartoffelwage (Federwage) von Hurtzig, e) die Kartoffelwage von Reimann, welche letztere wohl die ſicherſten Ergebniſſe liefert. Varietäten: A. Solanum tuberosum corniforme Alfd. Hornkartoffeln. Knolle hornartig⸗ſpitz, lang nnd meiſt etwas gekrümmt, glatt, flachaugig; Fleiſch zart, wohlſchmeckend, beim Kochen meiſt ſeifig. Bemerkenswerte Sorten dieſer Varietät ſind: Blaue Hornkartoffel. Knolle: klein, rotblau mit dunkleren Flecken; Fleiſch weiß mit blauem Ring; das getriebene Keimauge violett; Augen flach; Nabel flach. Kraut niedrig, hellgrün, kleinblättrig; Frühkartoffel; Salatkartoffel. Ertrag in Poppelsdorf 1874 auf Lehmboden 9993 kg pro Hektar. Ziegenhorn. Knolle: klein, blaugrau, rauhſchalig; Fleiſch gelb mit blauem Ring; das getriebene Auge violett; Augen flach; Nabel flach. Kraut: niedrig; Frühkartoffel; Salatkartoffel. B. Solanum tuberosum oculosum Alfd., Schuppenkartoffel. Augen tief; Blattkiſſen dick; Knolle einem Tannenzapfen ähnlich, klein; Geſchmack gut. 10 Die Kartoffel. Roter und gelber Tannenzapfen. Knolle: lang, klein, gelb oder rot; Fleiſch weiß; Augen tief. Kraut: ziemlich hoch; mittelfrüh. Feine Speiſekartoffel. 1873 zeigten ſich in Poppelsdorf 58,3 pCt. kranke Knollen, er⸗ krankt alſo ſehr leicht. C. Solanum tuberosum flavum Alfd., gelbe Kartoffel. Knollen gelb, rundlich bis lang. a) Frühkartoffeln. Juli⸗Kartoffel. Knolle: weißſchalig, nierenförmig; Fleiſch gelb; Augen und Nabel flach. Kraut: groß, ſich früh entwickelnd; Blüte violett. Reift im Juli; Ertragsfähigkeit auf gutem Boden groß. Gehört zu den beſten Speiſekartoffeln und verbindet Schönheit mit Wohl⸗ geſchmack. Züchter: Paulſen, Naſſengrund bei Blomberg. Es ernteten pro Hektar: Knollen Stärke Schirmer⸗Neuhaus 1894: 15500 kg 13,9 pCt.= 2154 kg Heine⸗Hadmersleben (3jähr. Durchſchnitt auf Rübenboden.) 17200„ 14,5„ 2494„ Zwickauer⸗Frühe. Knolle: weiß, rund; Fleiſch fein, gelb; Augen flach. Kraut: mittelhoch, aufrecht⸗buſchig, Blüte zeitig abfallend. Reife: Mitte Auguſt. Beachtenswerte Speiſekartoffel mit mittlerem Stärkegehalt, aber hohen Erträgen. Züchter: W. Richter, Zwickau. Heine⸗Hadmersleben erntete p. ha im 5jährigen Durch⸗ ſchnitt: 18650 kg Knollen mit 17,7 pCt. Stärke= 3301 kg Stärke. n ” Varietäten. 11 Lange Sechswochenkartoffel. Knolle: lang, Querſchnitt rund, unter Mittelgröße, gelblich; rauhſchalig; Fleiſch gelb; Augen und Nabel flach; das getriebene Auge violett. Kraut: niedrig. Gute Speiſekartoffel. Breſee's prolific. Syn.: Kopſel's weiße Roſen. Knolle: länglich(Längsdurchmeſſer 7,6 cm 1. und 2. Quer⸗ durchmeſſer 5,4 cm) groß; Schale hellgelb, glatt; Fleiſch fein, weißgelb; Augen ſehr flach; Keime grün mit rötlichen Punkten. Kraut: mittelhoch, auf bindigem Boden 50—60 cm, auf Sand 25— 30 cm hoch. Blüte: weiß. Reifezeit: Ende Auguſt, Anfang September. Ertrag hoch, Qualität in feuchten Jahren mäßig, in trockenen recht gut. 1877/79 Proskau, Durchſchnitt von 6 Ernten:— 17620 kg pro Hektar, Stärkeertrag 3078— 3667 kg, Stärkegehalt 15,53 bis 18,2 pCt. Das Durchſchnittsgewicht großer Knollen ſchwankte je nach dem Jahrgang zwiſchen 34 und 92,5 g, das der kleinen zwiſchen 12,1 und 18,7 g, der Prozentſatz der kranken zwiſchen 1,55 und 4,8 pCt. Liefert meiſt nur große und mittelgroße Knollen und iſt zur Ausfuhr nach England beliebt. Züchter: Breſee. b) Mittelfrühe Kartoffeln. Frühe Naſſengrunder. Knolle: meiſt rundlich, doch auch länglich, mittelgroß, oft klein(Längsdurchmeſſer 5,5 cm, 1. Querdurchmeſſer 4 cm, 2. Querdurchmeſſer 3,5 cm); Schale weißgelb mit rötlichem Anflug; Fleiſch weißlich⸗gelb; Keime rot. Kraut: üppig. Blüte: violett. Reifezeit: Anfang September. Iſt eine der ſtärkereichſten mittelfrühen Sorten und beſaß im 12 Die Kartoffel. Durchſchnitt von 3 Jahren 19,05 pCt. Stärke(Heine, Emersleben.) 1885 erntete Heine⸗Emersleben auf normalem Rübenboden 29274 kg Knollen, 6476 kg Stärke pro Hektar. Züchter: Paulſen, Naſſengrund bei Blomberg. Profeſſor Delbrück. Knolle: weißſchalig rund; Fleiſch weiß; Augen flach. Kraut: aufrecht, dunkelgrün; Blütendolde groß, violett. Ertrag hoch. Heine⸗Hadmersleben erzielte auf normalem Rübenboden im Durchſchnitt von 4 Jahren p. ha: 22450 kg Knollen, mit 17,9 pCt. Stärke= 4018 kg. Züchter: Richter, Zwickau. Neuere Züchtung. Mühlhäuſer. Syn: Frühe Zucker. Knolle: gelblich⸗weiß, kaum mittelgroß, rundlich; Fleiſch gelb. Ziemlich früh reifend, aber nicht widerſtandsfähig. Beliebte feine Speiſekartoffel. Auf humoſem Lehmboden wurden 157 74 kg Knollen mit 15,45 pCt. Stärke geerntet. Schneeroſe. Knolle: weiß, rund, Augen ſehr flach, Form gefällig; Fleiſch weiß. Kraut: kräftig. Züchter: Richter, Zwickau. Eine der vorzüglichſten Speiſekartoffeln für geringe und geringſte Sand⸗ und ſelbſt Kiesböden, entſchieden die genügſamſte und anſpruchsloſeſte unter allen bekannt gewordenen ertragreicheren Sorten. Heine⸗Hadmersleben erzielte im Durchſchnitt von 16 Jahren p. ha: 21800 kg Knollen mit 16,6 pCt. Stärke = 3619 kg. c) Mittelſpäte Kartoffelſorten. Anderßen. Knolle: plattrund, mittelgroß; Schale gelbgrau, rauh; Fleiſch gelblich⸗weiß; Augen flach, ſehr zahlreich am Kronenteil, ſehr ſpärlich am Nabelteil auftretend; Keime ſchön roſa. Varietäten. 13 Kraut: ſehr lang, grün. Sehr widerſtandsfähig gegen die Kartoffelkrankheit. Sehr ertragreiche Speiſe⸗ und Brennerei⸗ Kartoffel, welche ſich auch für ein rauhes Klima und Sand⸗ boden eignet. Alkohol. Knolle: rund, mittelgroß(Längsdurchmeſſer 4 cm, 1. Quer⸗ durchmeſſer 4,2 cm, 2. 3,7 cm); Schale gelb; Fleiſch gelblich⸗ weiß; Augen ziemlich tief; Keime gelb. Kraut: mittelkräftig. Ernteertrag und Stärkegehalt hoch; wohlſchmeckend. Stärkegehalt kg Stärke in pCt. 1878 Proskau, ſandiger Lehm 32000 6282 kg 19,63 1879„„ 2 22250 3999„ 18,16 1880 Poppelsdorf,„„ 34375 7012„ 20,40 1885 Emersleben, Rübenboden„ 24310 5524„ 22,72 In Proskau betrugen die kleinen Kartoffeln im Durchſchnitt 12,5— 19,98 pCt., und wogen die großen 28,4— 40 g, die kleinen 14,4— 18,7 g. Die Anzahl der kranken machte 4,65 pCt. aus. Vorzügliche Brennerei⸗ und Speiſekartoffel. Juwel. Knolle: weiß, plattrund, ziemlich groß; Augen flach; Fleiſch weiß. Kraut: ſehr üppig. Dieſe Sorte iſt eine ältere Züchtung Richter's. Die deutſche Kartoffel⸗Kultur⸗Station berichtet über folgende Erträge p. ha. 1892= 24 892 kg Knollen 18,77 pCt. 4685 kg Stärke 1893=— 27 356„„ 18,93„ 5179„ 1894= 27 431„„ 18,81„—= 5090„ 2 Demnach ſind ſehr gleichmäßige und ſehr hohe Erträge, ſowohl in naſſen wie trocknen Jahren, erzielt worden. Dieſe gute Speiſekartoffel ſcheint der Pilzkrankheit wenig, jedoch ſtärker dem Schorf unterworfen zu ſein. / I l Richter's Imperator. Syn.: Welkersdorfer, Amtsrichter, Dr. von Eckenbrecher. 14 Die Kartoffel. Knolle: länglich und etwas glatt, meiſt groß oder ſehr groß; Schale gelblich-weiß, mattblauäugig, rauh; Fleiſch weiß; Kraut: im Stengel ſtark, doch letztere nicht zahlreich, auf Lehm⸗ böden bis 90 cm hoch. Dieſe hervorragende Sorte wird von der„deutſchen Kartoffel⸗ Kultur⸗Station“*) als Standardkartoffel, da ſie ſeit vielen Jahren ſich auf gleicher Höhe der Anbauwürdigkeit erhalten hat, angebaut. Dieſelbe brachte in den Verſuchsjahren folgende Durchſchnitts⸗Erträge 1888/93 in kg pro ha:- 24 854 kg Knollen mit 18,45 pCt., alſo im ganzen 4572 kg Stärke. Richter's Imperator iſt eine hoch ertragreiche Kartoffel, welche auch als Stärkeproducent einen hohen Rang einnimmt. Gegen Schorf ſcheint dieſe Sorte ſehr widerſtandsfähig zu ſein, weniger gegen die Kartoffelkrankheit. Trotz der Größe iſt ſie eine gute Speiſekartoffel und eine der beſten Züchtungen Richter's in Zwickau. Der Berichterſtatter der D. Kart.⸗ Kult.⸗St., Dr. von Eckenbrecher, berichtet über dieſe Sorte wie folgt:“**)„Würde auch ‚Richter's Imperator' in dem letzten Verſuchsjahre ſowohl im Knollen⸗ als im Stärkeertrage von mehreren anderen Sorten übertroffen, ſo bleibt doch im allgemeinen das früher über ſie abgegebene Geſamturteil beſtehen, wonach ſie als eine hochertragreiche, ſowohl für Fabrik⸗ als für Speiſezwecke ſehr brauchbare Kartoffel anzuſehen iſt, deren Er⸗ tragsfähigkeit, da ſie ziemlich gleichmäßig in ſehr naſſen wie in ſehr trockenen Jahren hervorragend hohe Erträge lieferte, ver⸗ hältnismäßig wenig von Witterungsverhältniſſen abhängig zu ſein ſcheint.“ In der That ſcheint dieſe Sorte für alle nicht zu ſchweren Böden vorzüglich geeignet zu ſein. Profeſſor Maercker. Knollen: rundlich⸗platt, weißſchalig, Augen flach, bläulich⸗ ſchimmernd. Fleiſch: weiß; Kraut: mittelhoch; Blüte: lila. *) Bezeichnung für die Folge:„D. Kart.⸗Kult.⸗St.“ **½) Anbauverſuche der D. Kart.⸗Kult.⸗St. im Jahre 1893. ——— —— Varietäten. 15 Im allgemeinen iſt dieſe neue Züchtung Richter's, mit welcher derſelbe eine würdige Nachfolgerin für ſeinen Imperator geſchaffen hat, demſelben außerordentlich ähnlich, nur iſt an⸗ ſcheinend dieſe neue Sorte beſſer im Ertrage, in der Haltbarkeit, ſowie in der Widerſtandsfähigkeit, gegen die Krankheit. Dr. von Eckenbrecher berichtet:„Wir ſahen ſie 1893 mit einem Durch⸗ ſchnitts⸗Ertrage von 28474 kg p. ha an der Spitze aller an⸗ gebauten Sorten und ſie überragt damit das Jahresmittel um 5 368 kg und die durchſchnittliche Ernte der ertragreichſten Sorte um nahezu 10000 kg. Beſonders bemerkenswert erſcheint es, daß ſie faſt auf allen Verſuchsfeldern ſich ſehr lohnend erwieſen hat, ſo daß ihrem Maximalertrage von 39 760 kg ein Minimal⸗ ertrag von immer noch 23 920 kg gegenüberſteht. über das ſonſtige Verhalten iſt zu berichten, daß ſie unter allen Sorten die geringſte Menge kranker Knollen und wenig Schorf zeigte. Demnach iſt dieſe Sorte als eine vorzügliche Fabrik⸗, gute Speiſe⸗ und Dauerkartoffel anzuſehen. Miniſter Dr. von Lucius. Knolle: rundlich, weißgelblich, groß, tiefäugig; Kraut: ſtark, ziemlich hoch; Blüte: helllila. Nach dem Bericht der D. Kart.⸗Kult.⸗St. erbrachte dieſe Sorte im Durchſchnitt von 3 Jahren 24 105 kg Knollen mit dem hohen Stärkegehalt von 19,67„Ct., alſo einen mittleren Stärkeertrag von 4769 kg p. ha. Der Ertrag iſt ein gleichmäßiger und recht hoher, immer über dem Jahresmittel ſtehender geweſen, obwohl ſehr trockne und naſſe Jahre wechſelten, ſie wurde nur von demjenigen einiger weniger Sorten über⸗ troffen. Gegen Schorf ſcheint ſie nicht ſehr widerſtandsfähig zu ſein, mehr gegen die Krankheit. Die Haltbarkeit kann als eine ziemlich gute angeſprochen werden. Dieſe neue Züchtung Richter's iſt als Speiſe⸗ und Fabrik⸗ kartoffel hoch beachtenswert; nur die Augen liegen etwas tief. Die Kartoffel. Saxonia. Knolle: geblich⸗weiß, oval, gut geformt; Augen flach, wenig zahlreich; Fleiſch weiß. Die neue Züchtung Richter's, welche auf der D. Kart.⸗ Kult.⸗St. 1891 zum erſten Mal geprüft wurde, zählte zu den ertragreicheren der angebauten Sorten, blieb dann aber in den beiden folgenden trocknen Jahren hinter dem Jahresmittel ziemlich erheblich zurück. Der Zjährige Durchſchnittsertrag ſtellte ſich auf 22 458 kg Knollen mit 18,66 pCt. oder 4259 kg Stärke p. ha. Gegen Krankheit und Schorf hat ſie ſich nicht als ſehr widerſtandsfähig erwieſen. Hat die Saxonia ſich auch bei dieſen Verſuchen durch ihre Erträge an Knollen und Stärke nicht beſonders hervorgethan, ſo ſcheint ſie doch als gute Speiſekartoffel von mittlerer bis guter Ertragsfähigkeit, die gelegentlich auch als Fabrikkartoffel verwendbar iſt, Beachtung zu verdienen. Sie ſoll ſich ſehr gut zum Verſand nach England eignen. Profeſſor Jul. Kühn. Knolle: gelblich-weiß, Schale netzartig; Form gefällig. Fleiſch: weiß, fein, von dichter Körnung. Züchter: Zerſch. Dieſe Sorte iſt entſtanden durch Kreuzung der Magdeburger Netzkarkoffel mit Richters Imperator. Die„Magdeburger Netz⸗ kartoffel“ zeichnet ſich durch Frühreife, ſehr hohe Erträge und feinen Geſchmack aus. Sie iſt für alle Zwecke, beſonders für den Export geeignet. Die guten Eigenſchaften des Imperator ſind bekannt. Das Kreuzungsprodukt vereinigt nicht nur die Vorzüge dieſer beiden Sorten, ſondern weiſt eine bedeutende Steigerung in den Erträgen, dem Stärkegehalt und namentlich in der Widerſtandsfähigkeit gegen Krankheiten auf. Sie iſt wegen ihres feinen Geſchmacks als Speiſekartoffel ganz beſonders zu empfehlen. — — — Varietäten. 17 Es erzielten p. ha Knollen Stärke Schirmer⸗Neuhaus(1894) 18000 kg 17,1 pCt. 3078 kg Heine⸗Hadmersleben (Durchſchnitt von 3 Jahren) 17100„ 17,1„ 3078„ D. Kart.⸗Kult.⸗St.(1894) 24 211„ 16,4„ 3924„ Sie hat ſich demnach auf leichtem, wie auf ſchwerem Boden bewährt. Wilhelm Korn. Knolle: gelb, ſtark genetzt, rauh, mittelgroß bis groß, länglich-rund, zuweilen etwas glatt; Augen wenig zahlreich, flach; Keime ſehr fein; Fleiſch: weiß; Kraut hellgrün, nicht ſehr hoch; Blüte: weiß. Züchter: Cimbal-Frömsdorf; gezogen aus Daber mit erſte von Frömsdorf. Sehr wohlſchmeckende, hervorragende Speiſekartoffel, welche gegen Krankheit und Trockenheit ſehr widerſtandsfähig iſt. Heine-⸗Hadmersleben erzielte 1894 p. ha 16500 kg Knollen mit 19,2 pCt.= 3168 kg Stärke. Paulſens Montblanc. Knolle: rundlich, weiß, tiefäugig; Fleiſch weiß; Kraut: kräftig; Vlüte: blauweiß. Zeichnet ſich durch hohen Knollenertrag bei hohem Stärke⸗ gehalt aus. Züchter: Paulſen, Naſſengrund bei Blomberg. Heine-Hadmersleben erzielte 1894 p. ha 20383 kg Knollen, mit 19,0 pCt.= 3871 kg Stärke. Gelbe Roſe. Knolle: rundlich, ziemlich groß(Längsdurchmeſſer 4,5 cm, 1. Querdurchmeſſer 4,8 cm, 2. 4,1 cm); Schale gelb; Fleiſch weiß; Augen mitteltief bis tief; Keime weiß mit blauem Anflug; Kraut: mittelhoch; Blüte: ſchön weiß. Ertrag ſehr hoch, bei hohem Stärkegehalt. Werner, Kartoffelbau. 3. Auflage. 2 18 Die Kartoffel. 1879 Proskau 21 250 kg Kartoffeln 3530 kg Stärke 1880 Poppelsdorf 37500„„ 7185„„ 1884 Emersleben 34400„„ 7168„„ Cuzko. Knolle: plattrund, ſehr gleichmäßig groß(Längsdurchmeſſer 5,1 cm, 1. Querdurchmeſſer 4,5 cm, 2. 3,9 cm); Schale hell⸗ gelb; Fleiſch weiß, zuweilen im Gefäßbündelringe rot; Augen mitteltief; Keime zartlila. Reifezeit: Mitte bis Ende September. In Proskau lieferten 5 Ernten durchſchnittlich p. ha 19615 kg Kartoffeln und die Stärkemenge ſchwankte zwiſchen 2525 und 3849 kg p. ha; der Stärkegehalt von 15,12 und 18,11 pCt. Das Durchſchnittsgewicht der großen Knollen ſchwankte zwiſchen 51 und 81 g, das der kleinen zwiſchen 8 und 13,4 g. 1880 in Poppelsdorf p. ha 34375 kg geerntet. 1881„Kottulin„„ 22 286„„ 1885„ Emersleben„„ 26730„„ Stärkeertrag 4934 kg p. ha. Dieſe Sorte eignet ſich auch für kalte und ſchwere Böden, auch iſt ſie gegen die Krankheit wenig empfindlich. In Kottulin wurden nur 2,09 pCt., in Poppelsdorf 4,4 pCt. kranke Knollen gefunden. d) Späte Kartoffelſorten. Magnum bonum. Knolle: nierenförmig, über mittelgroß(Längsdurchmeſſer 6 cm, 1. Querdurchmeſſer 5,4 cm, 2. 5,3 cm); Schale gelb; Fleiſch weiß⸗ gelblich; Augen flach; Keime rötlich. Kraut: kräftig. Blüte: bläulich⸗weiß. Züchter: Sutton, England. Sie gehört zu den wenigen Sorten, welche ſowohl auf leichtem, wie auf ſchwerem Boden gute Erträge liefern. Gegen Dürre iſt ſie empfindlich und leicht auswachſend. Nach den Berichten der D. Kart.⸗Kult.⸗St. ſtellt ſich der Ertrag im Mittel ͤden, tim nolen Varietäten. 19 von 5 Jahren auf 20707 kg Knollen mit 17,03 pCt.= 3559 kg Stärke. Die Widerſtandsfähigkeit des Krautes gegen die Krankheit erwies ſich als ſehr gering, jedoch konnte eine Erkrankung der Knollen in allen, ſogar in den ſchlechteſten Kartoffeljahren nur in unbedeutendem Maße feſtgeſtellt werden. Im allgemeinen muß dieſe Sorte als eine für Speiſezwecke vorzüglich geeignete, gut haltbare, für Fabrikzwecke dagegen, ihres geringen Stärkegehalts wegen, unbrauchbare Kartoffel mit außerordentlich von den Witterungsverhältniſſen abhängiger und deshalb unſicherer Ertragsfähigkeit angeſehen werden. Seed(engliſche Bezeichnung). Syn.: Gleason(amerikaniſch). Knolle: oval, platt, häufig ſehr groß, nicht ſelten 4 bis 6 Knollen auf 1 kg gehend(Längsdurchmeſſer 7 cm, 1. Quer⸗ durchmeſſer 5,2 cm, 2. Querdurchmeſſer 4,1 cm); Schale rötlich⸗ gelb, rauh; Fleiſch weiß; Augen flach, Nabel mitteltief; Keime hellblau geſtreift. Kraut: gerade emporſtrebend, Blätter glatt, groß, Stengel ſtark, hoch, auf bindigem Boden 90— 100 cm, auf Sandboden bis 50 cm hoch, ſich ſpät entwickelnd, doch dann ſehr kräftig werdend und lange Zeit grün bleibend. Blüte: mattweiß, zahlreich, doch Knoſpen teilweis abfallend. Als Speiſekartoffel nicht wohlſchmeckend genug, doch vor— treffliche Futter⸗ und Brennereikartoffel, die ſchwere Böden und ſtarke Düngung verträgt, doch auch noch auf den leichten Böden hohe und ſichere Erträge bringt, da ſie gegen die Krankheit wenig empfindlich iſt. Hält ſich vorzüglich im Winterlager. 1870 brachte ſie in Halle im Durchſchnitt von 16 Ver⸗ ſuchen 22126 kg p. ha und beſaß einen Stärkegehalt von 18,79 pCt. Champion. Knolle: rund, mittelgroß; Schale weißgelb; Fleiſch gelblich, ſehr feſt, etwas grob; Augen tief. Kraut: kräftig, auf bindigem Boden 80— 90 cm hoch. 20 Die Kartoffel. Ertrag in feuchten Jahren gut, in trocknen mäßig, wider⸗ ſtandsfähig gegen Krankheit. Höchſt beachtenswerte Brennerei⸗ und Futterkartoffel für ſchweren in guter Düngung ſtehenden Boden. Ertrag 1881 in Kottulin, auf mildem, kalkreichen Lehm 19680 kg p. ha. Kranke 2,81 pCt. Bringt etwas viel kleine Knollen. Heine⸗Emersleben, 1885 auf normalem Rübenboden 28876 kg Knollen, 5666 kg Stärke p. ha Profeſſor Dr. Orth. Knolle: weiß, rauh, oval, ziemlich groß; Kraut: üppig. Eine neue Richter'ſche Züchtung aus„Magnum bonum“ und„Hertha“ gezogen. Das ſonſtige Verhalten ſtimmt mit dem von„Juwel“ überein; nur etwas ſpäter reifend. Ihre Güte als Speiſe⸗ kartoffel und ihre Widerſtandsfähigkeit gegen die Pilzkrankheit wird gerühmt. Geheimrat Thiel. Knolle: weißſchalig, plattrund; Augen flach; Fleiſch weiß; Kraut: hoch, aufrecht, dunkelgraugrün; Blüte violett. Es iſt dies eine ſehr gelungene neugetaufte Richter'ſche Züchtung, welche ſich bei Heine während dreier Prüfungsjahre gleich gut erwieſen hat. Es wurden geerntet p. ha 22600 kg Knollen mit 18,2 pCt.= 4113 kg Stärke. Paulſen's Amylum. Knollen: weiß, am Keimende meiſt etwas violett, nieren⸗ förmig; Augen wenig zaͤhlreich; Fleiſch weiß; Kraut: ſehr kräftig; Blüte weiß. Weniger Speiſekartoffel, aber wegen ihres hohen Stärke⸗ gehaltes für Brennereien und Stärkefabriken geeignet. Erträge ſind p. ha folgende angegeben. Paulſen 1899= 25291,5 kg à 22,1 pCt. Stärke „ 1894— 21 875,0„ à 21,4„„ Heine 1893/94= 15400,0„ à 21,6 // Varietäten. 21 Der Ertrag iſt, beſonders auf ſchwerem Boden, häufig ein ganz ausgezeichneter. Sie iſt aus Athene mit Simſon gezogen. Paulſen's Athene. Knolle: weiß, ſehr zart genetzt, am Keimende häufig einen violetten Fleck zeigend, länglich⸗rund; Fleiſch weiß, gekocht trocken, locker und ſehr wohlſchmeckend. Kraut: hoch, hellgrün, üppig, widerſtandsfähig gegen Krankheit; Blüte hellblau. Es iſt eine vortreffliche Dauer⸗ und feine Speiſekartoffel, welche ſich für den Export, ſowie auch wegen ihres hohen Stärkegehaltes für Brenne⸗ reien und Stärkefabriken ſehr gut eignet. Über die Ergebniſſe der Zjährigen Verſuche der D. Kart.⸗ Kult. St. berichtet Dr. von Eckenbrecher, daß ſie einen Durch⸗ ſchnittsertrag von 25114 kg Knollen mit 19 pCt.= 4790 kg Stärke erbracht hätte. Bei dieſen Anbauverſuchen hat ſich „Athene“ als eine ſpätreifende, gegen die Krankheit widerſtands⸗ fähige, ſowohl für Fabrik⸗, als auch für Speiſezwecke ſehr geeignete Kartoffel gezeigt, die beſonders in naſſen, der Ver⸗ breitung der Krankheit günſtigen Jahren wie 1891, außer⸗ ordentlich hohe Erträge zu bringen im ſtande iſt, große Trocken⸗ heit aber, wie ſie in den letzten beiden Verſuchsjahren(1892 und 93) auftrat, nicht beſonders gut vertragen zu können ſcheint. Paulſen's Gloria. Knolle: weiß⸗-gelblich, nierenförmig; Augen ſehr flach; Fleiſch weiß; Kraut: niedrig; Blüte weiß, violett angehaucht. Aus Athene befruchtet mit Simſon hervorgegangen. Heine erzielte im Zjährigen Durchſchnitt 17700 kg Knollen mit 19,9 pCt.= 3434 kg Stärke p. ha. Dieſe Sorte iſt für leichten Boden nicht geeignet, dagegen auf guten fruchtbaren Böden von großer Fruchtbarkeit. Der Stärkegehalt iſt ein hoher und der Geſchmack ausgezeichnet. Paulſen's Germania. Knolle: gelb, plattrundlich, am Keimende zugeſpitzt, häufig recht groß, immer von ſchöner Form; Augen ganz flach; Fleiſch 22 Die Kartoffel. gelb; Kraut: niedrig, gegen Krankheit ſehr widerſtandsfähig; Blüte violettblau mit weißen Spitzen. Stammt aus Simſon, befruchtet mit einem Sämling von ſchöner Form. Heine erzielte im dreijährigen Durchſchnitt p. ha- 14860 kg Knollen mit 20,3 pCt.= 3004 kg Stärke. Ihres hohen Stärkegehaltes wegen eignet ſie ſich beſonders für Brennereien und Stärkefabriken, doch auch zur Speiſekartoffel. Cimbal's Maſſenkartoffel. Knolle: weiß, etwas genetzt, rund bis kubiſch, groß; Augen tief; Fleiſch weiß, feſt; Kraut: dunkelgrün, kräftig, abſolut widerſtandsfähig gegen die Krankheit; Blüte blauweiß. Aus der gelben Roſe durch künſtliche Befruchtung mit der Anderſſen gezogen. Jahrgang 1884. Ertrag auf gutem Boden hoch, jedoch nur Brenn- und Futterkartoffel, weil im Geſchmack nicht fein genug, auch die Augen zu tief liegen. Selbſt in ſehr naſſen und ungünſtigen Herbſten iſt dieſe Sorte nicht vom Pilz befallen worden. Heine⸗ Hadmersleben erzielte im dreijährigen Durchſchnitt 15050 kg Knollen mit 19,0 pCt.= 2859 kg Stärke p. ha. e) Sehr ſpäte Kartoffelſorten. Fortuna. Knolle: weiß, mehr länglich als rund; Augen mitteltief; Fleiſch weiß; Kraut: mittelhoch, kräftig, dunkelgrün; Blüte weiß. Züchter; Richter, Zwickau. Nach dem Bericht der D. Kart.⸗Kult.⸗St. wurden 1893 geerntet: 27316 kg Knollen mit 19,20 pCt.= 5252 kg Stärke und 1894 25 982 kg Knollen mit 18,44 pCt.= 4712 kg Stärke. Sie iſt eine ziemlich gute Speiſe⸗, aber eine vortrefkfliche Fabrik⸗ und Futterkartoffel und ſehr widerſtandsfähig gegen Krankheit. In trocknen Jahren wird ſie jedoch ſchwer reif und bringt kleine Knollen. Varietäten. 23 Paulſen's Phöbus. Knolle: weiß⸗gelblich und rauh, oder weiß und glatt, rundlich, oder oval bis länglich, mittelgroß; Augen flach; Fleiſch weiß. Kraut: hellgrün, hoch; Blüte weiß. Durch Paulſen aus Sämling Nr. 85 gezogen und 1891 zum erſten mal ausgegeben. Nach Berichten der D. Kart.⸗Kult.⸗St. wurden p. ha geerntet: 1893. 21544 kg Knollen, 20,16 pCt.= 4360 kg Stärke. 1894. 22293 ko„ 20,23„ 4441 Kg„ Ihr hoher Ertrag und Stärkereichtum kennzeichnet ſie als vortreffliche Fabrikkartoffel und da ſie auch wohlſchmeckend iſt, als ſehr gute Speiſekartoffel. Ganz beſonders gute Erträge ſcheint ſie auf ſchwerem Boden und in naſſen Jahren zu bringen, auch ihren hohen Stärkegehalt und ihre Widerſtandsfähigkeit gegen die Pilzkrank⸗ heit zu bewahren. Auf leichtem Boden und in trocknen Jahren vermindern ſich die Erträge ſehr erheblich; auch treten viele kleine Knollen auf und die Ernte iſt erſchwert. Paulſen's Simſon. Knolle: weiß, rauh, mittelgroß, rund, gut geformt; Fleiſch: weiß, ſpäter auf dem Lager ſchwach gelblich werdend, gekocht locker, trocken und wohlſchmeckend; Augen: mitteltief. Kraut: kräftig, bietet eine ſtarke und ſehr frühe Beſchattung; Blüte violett mit weißen Spitzen. Nach dem Bericht der D. Kart.⸗Kult.⸗St. brachte Simſon in 4 Jahren(1889/92) durchſchnittlich 20608 kg Knollen mit 22,06 pCt.= 4549 kg Stärke p. ha. Bemerkenswert iſt, daß in den trocknen Jahren 1889 und 1892 die Erträge verhältnismäßig gering, dagegen in den beiden nächſten Jahren 1890 und 1891 ſehr gute waren. Dieſe hohen Erträge in den ſchlechten Kartoffeljahren verdankt die ſehr ſpäte Sorte ihrer außerordentlichen Widerſtandsfähigkeit gegen die Krankheit. Im allgemeinen iſt Simſon eine ſehr ſtärkereiche, ſowohl 24 Die Kartoffel. für die Erzeugung von Speiſe⸗ als auch von Fabrik⸗Kartoffeln ſehr wertvolle Züchtung Paulſen's. Fürſt von Lippe. Knolle: weiß, rund, teilweiſe etwas zugeſpitzt; Augen flach bis mitteltief; Fleiſch: weiß, ſehr wohlſchmeckend. Kraut: groß, nicht von der Krankheit leidend. Die Anbauverſuche der D. Kart.⸗Kult.⸗St.(1891/93) er⸗ gaben im dreijährigen Durchſchnitt 21901 kg Knollen mit 20,32 pCt.= 4462 kg Stärke. Dieſe Sorte, welche ſowohl in dem naſſen Jahre 1891, als in den darauf folgenden trockenen Jahren ziemlich gleich⸗ mäßige Erträge gegeben hat, iſt als eine Kartoffel von guter mittlerer Ertragsfähigkeit mit hohem Stärkegehalt zu bezeichnen. Züchter: Paulſen. Hermann. Knolle: gelblich-weiß; Form wenig anſehnlich. Kraut: auf reichen, feuchteren Bodenarten ſehr kräftig, bis in den Ok⸗ tober hinein grün bleibend, den Boden vortrefflich beſchattend und vor Verunkrautung bewahrend. Dieſe Sorte hat ſich ſeit vielen Jahren bezüglich ihres hohen Stärkeertrages auf gleicher Höhe erhalten. Sie eignet ſich recht gut für Brennerei⸗Wirtſchaften auf den ſchwereren Bodenarten, jedoch fällt ihre Reifezeit ſehr ſpät. Heine⸗Hadmersleben erntete im Durchſchnitt von 10 Jahren p. ha 14500 kg Knollen mit 19,7 pCt.= 2856 kg Stärke. Züchter: Cimbal, Frömsdorf. Erſte von Frömsdorf. Knolle: gelblich⸗weiß, rauhſchalig, rund, mitunter etwas eckig, mittelgroß bis groß; Augen wenig zahlreich; flach; Fleiſch weiß. Kraut: ſehr kräftig, robuſt, ſehr lange grün bleibend, von allen übrigen Sorten dadurch unterſchieden, daß an den Fiederblättern die drei oberſten in der Regel verwachſen ſind und ein großes ausgezacktes Endblatt bilden; ferner ſcheint Varietäten. 25 dasſelbe vollkommen widerſtandsfähig gegen die Pilzkrankheit zu ſein. Nach den Berichten der D. Kart.⸗Kult.⸗St. lieferte ſie p. ha. 1892 21 340 kg Knollen 18,48 pCt.= 3946 kg Stärke. 1893 24356„„ 17,75„= 4348„„ 1894 25631„„ 17,78„ 4475„„ Zu einem endgültigen Urteil über ihren Anbauwert iſt man bisher noch nicht gelangt, doch ſcheint ſie die gute Eigen⸗ ſchaft zu beſitzen, in allen Bodenarten, im ſchweren Thonboden, ſowie im leichten Sandboden gut zu gedeihen und geſund zu bleiben, wenngleich ſie in trockenen Jahren weniger als in feuchten befriedigte. Sie liefert gute Speiſekartoffeln, welche ſich bis in den Juli hinein gut halten. Die Erträge ſind recht hoch, aber der Stärkegehalt iſt etwas niedrig. Cimbal hat ſie aus der Sorte„Hermann“ gezogen(1884). D. Solanum tuberosum rubrum Alfd. Rote Kartoffeln. Knollen überall gleichmäßig und deutlich rot. a) Frühe Kartoffelſorten. Early Rose, frühe amerikaniſche Roſenkartoffel. Knolle: länglich oder eirund, meiſt etwas platt, über Mittel⸗ größe, blaßrot, rauhſchalig; Fleiſch weiß, doch zuweilen, nament⸗ lich gegen das Frühjahr hin mit roſenroten Streifen im Ver⸗ laufe des Gefäßringes und gegen das Spitzenende zu; Augen zahlreich mitteltief; das getriebene Auge blaßrot. Kraut: mittel⸗ hoch, bis 60 cm, ſich kräftig und zeitig entwickelnd. Blätter: mäßig groß, dunkelgrün, ſpärlich behaart. Blüte: weiß, ſpärlich; Stolonen kurz, Knollen dicht gedrängt am Stock liegend. Reife⸗ zeit Mitte Juli. Züchter dieſer berühmten Sorte iſt Mr. Breſee. Ertragreiche Speiſe⸗ und allerfrüheſte Brennkartoffel, jedoch nur für beſſeren Boden geeignet. Widerſteht der Krankheit. 1870 Halle(4 Verſuche), 14012 kg pro Hektar, 13,30 pCt. Stärke⸗ mehl, 0,44 pCt. Kranke. —————— ᷣö¼-õ-m——— 26 Die Kartoffel. 1871 Poppelsdorf, Lehm 18839 kg pro Hektar, 15,50 pCt. Stärke. 1873„„ 11 663„„„ 8,00„Kranke. 1874„„ 193351„„„ 1877/79 Proskaun,„ 22041„„„ 21 pCt. Stärke. Die Roſenkartoffel liefert verhältnismäßig wenig kleine Kartoffeln, in Poppelsdorf 85,1 pCt. große, 6,9 pCt. kleine und 8,0 pCt. kranke Knollen. May-Queen, Mai⸗Königin. 1 Knolle: länglich⸗-rund; Schale roſa; Fleiſch weiß. Sehr früh, reichtragend und gegen die Krankheit wider⸗ ſtandsfähig. b) Mittelfrühe Kartoffelſorten. Late Rose, ſpäte amerikaniſche Roſenkartoffel. Knolle: länglich, Querſchnitt rund, über Mittelgröße, blaß⸗ rot, rauhſchalig; Fleiſch weiß, zuweilen rötliche Streifen; Augen und Nabel flach; das getriebene Auge roſa. Kraut: unter Mittelhöhe. Blüte: weiß. Reift 14 Tage bis 3 Wochen ſpäter als Early Rose, iſt jedoch ſtärke- und ertragreicher als dieſe, auch hält ſie ſich im Frühjahr längere Zeit ungekeimt. Gegen die Krankheit ſoll ſie ſehr widerſtandsfähig ſein. Sie iſt durch Züchtung aus der Early Rose durch Mr. Thornton entſtanden. Auf den beſſeren Böden gute Speiſe⸗ und Brennereikartoffel. Non plus ultra. Knolle: rot, oval, groß; Augen flach; Fleiſch weiß. Kraut: niedrig. Dieſe treffliche Speiſekartoffel hält ſich ſelbſt bei Dürre auf Sandboden noch recht gut. Es erzielte Heine im Durchſchnitt von 2 Jahren 14900 kg Knollen mit 16,2 pCt.= 2414 kg Stärke p. ha. Diamant. Knolle: blaßrot, rundlich; Augen flach; Fleiſch gelblich. Trotz der großen Dürre von 1893 lieferte dieſe Sorte eine ſehr hohe Ernte guter Speiſekartoffeln. Varietäten. 27 Im Durchſchnitt von zwei Jahren erntete Heine p. ha 24782 kg Knollen mit 17,5 pCt.= 4337 kg Stärke. Frühe rote märkiſche oder rote Fürſtenwalder Kartoffel. Knolle: oval, Querſchnitt rund, mittelgroß, hellrot, rauh⸗ ſchalig; Fleiſch weiß; Augen flach; Nabel tief; das getriebene Auge roſa. Kraut: hoch, großblättrig. Blüte: weiß. Gute Speiſe⸗ und Brennereikartoffel. Für leichten Boden geeignet. Widerſteht der Krankheit ziemlich gut. 1873 waren in Poppels⸗ dorf 37,1 pCt. Knollen krank. 1866 Kulturverein Waldau(1 Verſuch), 9594 kg p. ha 21,33„Ct. Stärkemehl. 1871 Poppelsdorf, Lehm 16774 kg p. ha, 16,4„Ct. Stärkemehl. 1873„„ 24 560„„ 1874„„ 20 670„„ c) Mittelſpäte Kartoffelſorten. Weißfleiſchige ſächſiſche Zwiebelkartoffel. Knolle: rund, platt, mittelgroß, hellrot, rauhſchalig; Fleiſch weiß; Augen und Nabel mitteltief; das getriebene Auge roſa. Kraut: hoch, kräftig, großblättrig, dunkelgrün. Blüte: helllila. Auf allen Böden gute Speiſe⸗ und Brennereikartoffel, etwas ſtärkemehlreicher und wohlſchmeckender als die gelbfleiſchige Zwiebelkartoffel, doch dafür im Ertrage etwas geringer. 1866 Kulturverein Waldau(S Verſuche), 11 211 kg p. ha. 18,46 pCt. Stärkemehl 3,00 pCt. kranke Knollen. 1867 Eldena, ſandiger Lehm 13163 kg p. ha, 18,70 pCt. Stärkemehl, vereinzelt krank. 1868 Eldena, ſandiger Lehm 26 910 kg p. ha, 16,81 pCt. Stärkemehl. 1870 Halle,(30 Verſuche) 17357 kg p. ha, 19,00 Stärke⸗ mehl, 4,73 pCt. kranke Knollen. 1 1871 Poppelsdorf, Lehm 16755 kg p. ha, 25,00 pCt. Stärkemehl, geſund. 28 Die Kartoffel. 1873 Poppelsdorf, Lehm 22444 kg p. ha, 29,7 Ct. Kranke. 1874 Poppelsdorf, Lehm 18930 kg p. ha. Sie gehört zu den älteſten Sorten, die ſich in ihren Er⸗ trägen nahezu gleich hoch gehalten hat. Rote märkiſche Kartoffel.— Knolle: rund, mittelgroß, rot, rauhſchalig; Fleiſch gelb mit rotem Ring; Augen und Nabel mitteltief; das getriebene Auge hellrot. Kraut: hoch. Widerſteht der Krankheit gut. Gute Speiſe⸗ und vorzügliche Brennereikartoffel auf leichtem Boden und im Kontinentalklima. Daberſche Kartoffel. Knolle: oval, mittelgroß, blaßrot, rauhſchalig; Fleiſch weiß; Augen und Nabel mitteltief. Kraut: hoch; Blüte: weiß. Gute Brennerei⸗ und Speiſekartoffel, die durch konſtante Einwirkung gewiſſer eigentümlicher klimatiſcher und Bodenverhältniſſe aus der roten märkiſchen Kartoffel in Pommern hervorgegangen iſt; ſich im allgemeinen ſtärkereicher als dieſe erweiſt und ebenfalls mit leichtem Boden vorlieb nimmt. Export nach England. V Am beſten gedeiht ſie auf nicht zu leichtem Boden, wenn⸗ gleich der Stärkegehalt auf Sandboden ſehr hoch iſt. Mitte bis Ende September reifend. Nach den Berichten der D. Kart.⸗Kult.⸗St. wurden im ſechsjährigen Durchſchnitt geerntet 19033 kg Knollen mit 19,90 pCt.= 3834 kg Stärke p. ha. Dieſe alte Sorte, welche als Standardkartoffel zum Ver⸗ gleich immer wieder bei den Verſuchen der Station mit ange⸗ baut wird, iſt noch immer als eine vorzügliche und haltbare Speiſe⸗ und Fabrikkartoffel zu bezeichnen, die aber bei einem im allgemeinen hohen Stärkegehalt ſich in ihrer Ertragsfähigkeit außerordentlich ungleichmäßig und unſicher zeigt, indem ſie unter beſonders günſtigen Witterungs⸗ und Bodenverhältniſſen wohl im ſtande iſt, befriedigende bis gute Erträge zu liefern, im entgegengeſetzten Falle aber auch zu Mißernten führen kann. Vielfach iſt ſie von den neuen Richter'ſchen Sorten jetzt über⸗ troffen. Varietäten. 29 Profeſſor Oehmichen. Knolle: blaßrot, rundlich, groß; Augen dunkelrot; Fleiſch weiß. Kraut: mittelhoch, ſehr widerſtandsfähig gegen die Pilz⸗ krankheit; Blüte lila mit weißen Spitzen. Die Sorte verlangt einen Mittelboden. Sie ſtimmt recht gut mit der alternden Daber überein, ſo daß ſie vielleicht an deren Stelle treten kann. Sie iſt namentlich eine gute Fabrik⸗ und Futterkartoffel, aber auch eine mittelfeine Speiſekartoffel. Heine erntete im Durchſchnitt von 9 Jahren 18 200 kg Knollen mit 20,5 pCt.= 3731 kg Stärke. Richter's Neichskanzler. Knolle: prachtvoll dunkelrot, rauh, rundlich, mittelgroß; Augen tief; Fleiſch weiß, feſt. Kraut: mittelhoch, aufrecht, ver⸗ zweigt; Blüte lila, vollblühend. Nach den Berichten der D. Kart.⸗Kult.⸗St. wurden im Durchſchnit von 5 Jahren p. ha erzielt: 17797 kg Knollen mit 12,28 pCt.= 3958 kg Stärke. Dieſe Sorte hat ſich als eine überaus ſtärkereiche, gegen Krankheit widerſtandsfähige, vorzüglich haltbare, für Fabrikzwecke ſehr, für Speiſezwecke recht brauchbare Kartoffel erwieſen. In der Ertragsfähigkeit hat ſie Hervorragendes nicht geleiſtet, doch vermag ſie unter für ſie günſtigen Bedingungen, beſonders auf beſſeren, nicht von Dürre leidenden und gut gedüngten Böden auch recht befriedigende Erträge zu liefern. Profeſſor Holdefleiß. Knolle: blaßrot, plattrund; Augen flach; Fleiſch gelblich. Kraut: gelbgrün, buſchig; Blüte dunkelviolett. Dieſe neugetaufte Züchtung Richter's ſcheint eine ertrag⸗ und ſtärkereiche Speiſekartoffel für den beſſeren Boden zu ſein. Heine erzielte im Durchſchnitt von 3 Jahren 18700 kg Knollen mit 21,1 pCt.= 3946 kg Stärke und 1894 die D. Kart.⸗Kult.⸗St. 20578 kg Knollen mit 19,95 pCt.= 4118 kg Stärke p. ha. Die Kartoffel. d) Späte Kartoffelſorten. Victoria Augusta. Knolle: dunkelrot; Fleiſch gelblich. Dieſe neuere Schöpfung Richter's nimmt wegen ihres hohen Stärkegehalts die Aufmerkſamkeit in Anſpruch, doch iſt dieſelbe noch nicht genügend geprüft. Heine erzielte im vierjährigen Durchſchnitt: 18450 kg Knollen mit 22,7 pCt.= 4188 kg Stärke p. ha. Amor. Knolle: blaßrot, rauh, rundlich; Augen flach; Fleiſch gelblich. Kraut: mittelhoch. Auch dieſe neue Richter'ſche Sorte zeichnet ſich durch hohen Stärkegehalt aus. Es erntete Heine im dreijährigen Durchſchnitt p. ha 18400 kg Knollen mit 23,3 pCt.= 4287 kg Stärke. Cimbal's neue Zwiebelkartoffel. Knolle: dunkelroſa, rauh, genetzt, plattrund, mittelgroß; Fleiſch weiß; Augen wenig zahlreich, flach. Kraut: hoch, dunkel⸗ grün; Blüte violett. Cimbal hat dieſe Sorte aus der fleiſchigen Zwiebel mit der Anderßen gezogen. Dieſe neue Sorte ward als Speiſe⸗, Brennerei⸗, Dauer⸗ und Maſſenkartoffel empfohlen, iſt aber noch nicht hinreichend geprüft. Heine erzielte im zweijährigen Durchſchnitt 13 100 kg Knollen mit 19,2 pCt.= 2515 kg Stärke p. ha. Dr. von Seydewitz. Knolle: dunkelroſa bis rot, länglich und meiſt etwas ab⸗ geplattet, mittelgroß bis groß, rauh; Augen ganz flach, ſogar etwas erhöht. Kraut: groß, dunkelgrün; Blüte violett. Züchter: Cimbal, Züchtung aus Daber mit Erſte von Frömsdorf. Dieſe Sorte iſt ebenfalls noch nicht genügend geprüft und ſcheint trockne Jahre nicht gut zu vertragen. Heine erntete im zweijährigen Durchſchnitt 13484 kg Knollen mit 22,7 pCt. = 3061 kg Stärke. Dennoch iſt der Stärkegehalt ein auf⸗ Varietäten. 31 fallend hoher. In naſſen Jahren iſt auch höchſt wahrſcheinlich auf einen beſſeren Knollenertrag zu rechnen. Graf Pückler⸗Burghauß. Knolle: hellroſa, faſt weiß, rauh, genetzt, rundlich; Augen flach; Fleiſch weiß. Kraut: hoch, ſelten blühend; Blüte hellroſa. Durch Cimbal aus Reichskanzler und Achilles gezogen. Es ſoll eine gute, haltbare Speiſekartoffel ſein, welche auch Trockenheit verträgt. Heine erzielte im zweijährigen Durchſchnitt 11800 kg Knollen, mit 18,2 pCt.= 2148 kg Stärke p. ha. Präſident von Junker. Knolle: blaßrot, länglich, etwas abgeplattet; Augen ſehr flach; Fleiſch weiß. Kraut: groß, dunkelgrün; Blüte violett. Von Cimbal aus der Daberſchen und der Erſten von Frömsdorf gezüchtet. Scheint ſehr trockene Jahre nicht gut zu ertragen, ſonſt ſehr ertragreiche Speiſe⸗ und Fabrikkartoffel. Es wurden bei der D. Kart.⸗Kult.⸗St. p. ha 1894 erzielt: 23 222 kg Knollen mit 19,96 pCt.= 4582 kg Stärke. Max Eyth. Knolle: hellrot, nur wenig rauh, genetzt, von kubiſch⸗rund⸗ licher Form, zuweilen etwas abgeplattet, mittelgroß bis groß; Augen mitteltief; Fleiſch weiß. Kraut: dunkelgrün, hoch; Blüten wenig zahlreich, hellviolett. Dieſe neueſte Züchtung Cimbal's, welche aus der Daber'ſchen und Erſten von Frömsdorf hervorgegangen iſt, ſoll, nach allem was man hört, eine ſehr ausſichtsvolle ſein. Aurora. Knolle: rund, mittelgroß(Längsdurchmeſſer und Querdurch⸗ meſſer 4,5 cm); Schale ſehr blaßrot, rauh; Fleiſch weiß; Augen tief; Keime rot. Krautt: kräftig. 32 Die Kartoffel. 1878 Proskau, 30400 kg Kartoffeln. 1879„ 23600„ 1880 Poppelsdorf, 36720„ 1881 Kottulin, 12720„ 1885 Emersleben 26812„ In Proskau ſtellte ſich das Stärkeergebnis auf 4266— 6099 kg und der Stärkegehalt betrug 18,06— 22,06 p„Ct. Eine ſehr wertvolle Kartoffel, welche ſich für jeden Boden, ſelbſt ſchweren, und jedes Klima eignet, auch für alle Zwecke Verwendung ſinden kann und ſehr geſund bleibt. e) Sehr ſpäte Kartoffelſorten. Aspasia. Knolle: blaßrot, länglich, gut geformt; Augen dunkelrot, flach; Fleiſch weiß⸗gelblich. Die D. Kart.⸗Kult.⸗St. berichtet, daß durchſchnittlich nach zweijährigem Anbau p. ha erzielt wurden: 23423 kg Knollen mit 17,23 pCt.= 4604 kg Stärke. Dieſe Züchtung Paulſen's iſt eine ſehr ſpäte, wenig ſtärkereiche Kartoffel, welche in naſſen Jahren, vermöge ihrer großen Widerſtandsfähigkeit gegen die Pilzkrankheit befähigt iſt, große Maſſenerträge zu liefern, die aber in guten und in be⸗ ſonders trocknen Kartoffeljahren von vielen anderen Sorten in dieſer Beziehung übertroffen wird. Hannibal. Knolle: rot, rund; Augen dunkelrot, mitteltief bis flach; Fleiſch gelblich⸗weiß. Kraut: mittelgroß; Blüte rotweiß. Nach dem Bericht von 1894 wurden auf der D. Kart.⸗ Kult.⸗St. erzielt: 24 085 kg Knollen mit 21,81 pCt.— 5207 kg Stärke. Es war dies die ſtärkereichſte der im Jahre 1894 an⸗ gebauten Sorten. Es iſt eine beſonders widerſtandsfähige Züchtung von Paulſen, welche ſich für alle Bodenarten eignet, ſehr hohe Er⸗ träge bringt und einen großen Stärkegehalt beſitzt. Sie iſt ——— ——-—— Varietäten. 33 auch als Speiſekartoffel wegen ihres guten Ausſehens und Ge⸗ ſchmackes, ſowie beſonders auch wegen ihrer Dauerhaftigkeit zum überwintern gut geeignet. E. Solanum tuberosum violaceum Alfld. Blaue Kartoffel. überall gleichmäßig blau oder bläulich. Blaue Hummelshayner. Knolle: oval, platt, mittelgroß, tiefdunkelblau; Fleiſch gelb; Augen und Nabel flach; das getriebene Auge violett. Kraut: hoch; Blüte: weiß. Hält ſich im Winterlager vortrefflich, und zwar bis es wiederum neue Kartoffeln giebt, daher ſie ſehr wertvoll iſt. Gute mehlreiche Speiſekartoffel. Paulſen's blaue Rieſen. Knolle: violett, groß; Augen mitteltief; Fleiſch weiß. Kraut: mittelhoch, breit, Stengel bräunlich; Blüte hellblau mit weißen Spitzen. Dieſe Sorte erbrachte im vierjährigen Durch⸗ ſchnitt(D. Kart.⸗Kult.⸗St.) 1889/92 p. ha 27425 kg Knollen mit 17,35 pCt.= 4788 kg Stärke. Dieſe Spätkartoffel eignet ſich vorzugsweiſe zur Maſſen⸗ erzeugung und iſt in dieſer Beziehung eine Kartoffel erſten Ranges, dagegen für Fabrik⸗ und Speiſezwecke nur von unter⸗ geordneter Bedeutung. Ihre hohe Ertragsfähigkeit hat ſie be⸗ ſonders in naſſen und ſchlechten, von der Krankheit heimgeſuchten Kartoffeljahren gezeigt, während ſie in trockenen Jahren von anderen Sorten übertroffen worden iſt. F. Solanum tuberosum bicolor Alfld. Zweifarbige Kartoffel. Knollen rot und gelb, oder blau und gelb. a) Verwaſchen zweifarbige Knollen. Frühe blaue Richterſche. Knolle: rund über Mittelgröße, blaumarmoriert; Fleiſch Werner, Kartoffelbau. 3. Auflage. 3 34 Die Kartoffel. weiß; Augen und Nabel mitteltief; das getriebene Auge violett. Kraut: mittelhoch; Blüte: violett. Feine Speiſekartoffel, die nur wenig von der Krankheit leidet. Auf beſſeren Böden. 1866 Kulturverein Waldau(39 Verſuche), 11066 kg p. ha, 17,99 pCt. Stärkemehl, 11,9 pCt. kranke Knollen. 1867 Eldena, ſand. Lehm 15 310 kg p. ha 15,83 pCt. Stärke⸗ mehl, vereinzelt krank. 1868 Eldena, ſand. Lehm 18038 kg p. ha, 20,13 pCt. Stärkemehl. 1871 Poppelsdorf, Lehm 20578 kg p. ha, 15,70 pCt. Stärke⸗ mehl, nur Spuren von Krankheit. Gelbfleiſchige, ſächſiſche Zwiebelkartoffel. Knolle: rund, platt, über Mittelgröße, rotgelb oder rot⸗ marmoriert: Fleiſch dunkelgelb; Augen und Nabel mitteltief; das getriebene Auge rot. Kraut: hoch. Für mittlere Böden eine vorzügliche Futter⸗ und Wirtſchaftskartoffel, die der Krank⸗ heit vortrefflich Widerſtand leiſtet. In Waldau 4,4 pCt. kranke Knollen. 1866 Kulturverein Waldau(13 Verſuche), 11449 kg p. ha, 17,51 pCt. Stärkemehl. 1867 Eldena, ſand. Lehm 15 210 kg p. ha, 17,75 pCt. Stärkemehl. 1868 Eldena, ſandiger Lehm 27 100 kg p. ha, 11,32„Ct. Stärkemehl. 1868 Kulturverein Eldena,(4 Verſuche), 21450 kg p. ha, 17,91 pCt. Stärkemehl. 1873 Poppelsdorf, Lehm 25420 kg p. ha. 1874„„ 18542„ / 2 b) Gefleckte Knollen, ſcharf getrennt zweifarbig. Calico. Knolle: eirund oder länglich, platt, über Mittelgröße, weiß mit größeren und kleineren intenſiv⸗roten, ſcharf abgeſetzten Flecken, glattſchalig; Fleiſch weiß, häufig roſenrote Streifen oder V eiß ten der Die biologiſchen Verhältniſſe der Kartoffelpflanze. 35 Flecken in der Richtung des Gefäßringes; Augen und Nabel flach; Keime blau gefleckt. Kraut hoch, bis 60 cm, kräftig, ge⸗ drungen, dunkelgrün, dicht behaart, bis zur Ernte grün; Blüte: lila, ſpät erſcheinend, keine Früchte anſetzend; Stolonen lang, daher Knollen zerſtreut um den Stock herumliegen. Gegen Krankheit iſt ſie ziemlich unempfindlich. Wenig gute Speiſe⸗, doch vortreffliche Futter⸗ und Brennkartoffel. Für ſchweren Boden ſehr geeignet. 1870 Halle(20 Verſuche), 21651 kg p. ha, 19,71 pCt. Stärke, 3,43 pCt. kranke Knollen. 1871 Poppelsdorf, 28095 kg p. ha, 19,20 pCt. Stärke, geſund. 1874„ 18542„„„ 1877/79 Proskau, 13050„„„ 18,76„„ 1880 Poppelsdorf, 18750„„„ 16,78„„ Die biologiſchen Verhältniſſe der Kartoffelpflanze. Die charakteriſtiſchen Eigenſchaften einer Kartoffelſorte laſſen ſich durch ihre Kultur aus Samen nicht konſtant fort⸗ pflanzen, da die Kartoffelſorten ſich ſehr leicht gegenſeitig be⸗ fruchten, wodurch Kreuzungs⸗Formen hervorgerufen werden. Der Same der Kartoffeln iſt aber verwendbar zur Erzielung neuer Kartoffelſorten. Das Verfahren, eine Sorte zu verbeſſern, beſteht darin, daß man die Mutterpflanze derſelben mit den Pollen derjenigen, von welcher eine beſſere Eigenſchaft übertragen werden ſoll, künſtlich befruchtet. Die Ausführung dieſer Befruchtung geſchieht dadurch, daß man die ſchönſten Blütenknoſpen der Mutter⸗ pflanze, ehe ſie ſich ſelbſt öffnen, bloßlegt und, nachdem die Staubbeutel mit einer feinen Scheere herausgeſchnitten worden ſind, mit einem feinmaſchigen Gazebeutelchen umhüllt. Iſt nach einiger Zeit die Narbe geſchlechtsreif(glänzend, feucht) geworden, 36 Die biologiſchen Verhältniſſe der Kartoffelpflanze. ſo wird der Verband gelöſt, mit einem Pinſel von den Staub⸗ beuteln einer für die Kreuzung beſtimmten Vaterpflanze der Pollen genommen und auf die Narbe geſtäubt, und ſo eine künſtliche Befruchtung eingeleitet. Hierauf ſind die Blüten wieder umhüllt zu halten, bis Narbe und Griffel vertrocknen. Entwickeln ſich nun überhaupt Früchte, was nicht immer der Fall iſt, ſo läßt man ſie möglichſt am Stock ausreifen, knetet und ſpült die Samen unter lauem Waſſer vorſichtig aus und trocknet ſie. Im erſten Frühjahr ſäet man den Samen in Blumenerde in das Frühbeet und bedeckt ihn dünn mit über⸗ geſiebtem feinen Sand. Sind die Pflänzchen erſtarkt, dann werden ſie im Frühbeet verpflanzt(Pikieren) was ihr Wachstum ſehr fördert, doch darf man große Knollen im erſten Jahre nicht erwarten. Gewöhnlich bleiben ſie klein und wäſſrig, weshalb ihre Überwinterung viel Sorgfalt erfordert. Ebenſo iſt auch ihr Geſchmack ein ſehr zweifelhafter. Dieſe kleinen Knollen werden ſodann im nächſten Jahre in Gartenland gepflanzt, wo ſie im Herbſt eine befriedigende Größe erhalten und die Aus⸗ wahl der zur Fortzucht geeignet ſcheinenden Knollen ſtatt⸗ finden kann. Auf dieſem Wege ſoll eine Vereinigung der Ertragsfähigkeit neuerer mit dem Stärkereichtum älterer Sorten, des Wohl⸗ geſchmacks guter Speiſekartoffeln mit der Widerſtandsfähigkeit anderer Sorten gegen die Kartoffelkranheit, oder der Frühreife mit anderen wünſchenswerten Eigenſchaften erzielt werden. Dieſe künſtliche Beſtäubung iſt häufig recht ſchwierig, da gerade viele der beſſeren neuen Sorten nicht blühen, oder wenn ſie blühen, meiſtens in den Staubbeuteln keinen Pollenſtaub enthalten. Demnach iſt die Erzeugung einer neuen Sorte, welche allen Anforderungen entſpricht nicht leicht. Letztere ſind: 1. Außerſte Widerſtandsfähigkeit gegen die Kartoffelkrankheit. 2. Gute Form, namentlich flache Augen und Wohlgeſchmack, d. h. vorzügliche Qualität als Speiſekartoffel. 3. Hoher Ertrag. 4. Hoher Stärkegehalt. 5. Gute Haltbarkeit. Die biologiſchen Verhältniſſe der Kartoffelpflanze. 37 Es ſteht zu hoffen, daß es Männern wie Richter, Paulſen, Cimbal, Zerſch u. a. gelingen wird, mit Hilfe der künſtlichen Befruchtung eine hinreichende Auswahl ſolcher Kartoffeln zu erzeugen, welche den Anforderungen verſchiedener Boden⸗ verhältniſſe, mannigfaltiger Klimate und wirtſchaftlicher Ver⸗ hältniſſe entſprechen, alſo die Felderträge ſich fortſchreitend erhöhen werden. Mit der Erzeugung neuer Sorten iſt es aber allein noch nicht gethan, ſondern es muß eine Prüfung derſelben durch vergleichende Anbauverſuche hinzutreten, wie ſie insbeſondere von der D. Kart.⸗Kult.⸗St., Heine⸗Hadmersleben und vielen anderen tüchtigen Landwirten ausgeführt wird. Leider ſcheint ein Erſatz alternder Sorten durch jugendliche Neuzüchtungen, infolge der ungeſchlechtlichen Fortpflanzung der Knollen immer wieder notwendig zu ſein. Langjährige Erfahrung hat dieſe Erkenntnis gezeitigt, und F. Heine hat derſelben Ausdruck verliehen durch den Ausſpruch: „Wir werden die beſten Kortoffelſorten wohl öfter finden, aber niemals dauernd behalten“. Deshalb wird weder die Arbeit des Züchters, noch die Thätigkeit des Prüfers auf dem Gebiete der Kartoffelkultur jemals erlahmen dürfen. Außer dieſer auf geſchlechtlichem Wege bewirkten Baſtard⸗ erzeugung ſoll auch eine Vegetative durch Impfung“) der Stengel und durch Pfropfung möglich ſein. In letzterem Falle werden die Augen einer Kartoffelſorte tief herausgebohrt und dafür die Augen einer anderen Sorte mit Baumwachs eingeſetzt. Die Baſtarderzeugung auf vegetativem Wege iſt jedoch höchſt unſicher und ſchwierig, weshalb ſie wohl kaum in die Praxis Eingang finden wird. Die Knolle iſt das fleiſchig verdickte Ende eines unter⸗ irdiſchen Seitenzweiges(Stolo) der Kartoffelpflanze. Die unter⸗ irdiſchen Stengel oder Stolonen ſind lediglich als eine Ab⸗ änderung des oberirdiſchen Stengels anzuſehen, deſſen Blätter zu Schuppen(Blattkiſſen) verkümmern. In den Achſeln dieſer *) H. Lindemuth, Vegetative Baſtarderzeugung durch Impfung. Berlin, 1878. 38 Die biologiſchen Verhältniſſe der Kartoffelpflanze. Schuppen bilden ſich wie beim oberirdiſchen Stengel Seiten⸗ zweige, und an deren Enden die Knollen, oder der Seitenzweig verdickt ſich gleich ſelbſt zur Knolle. Dieſe unterirdiſchen Stengelgebilde unterſcheiden ſich nur dadurch von den oberirdiſchen, daß ſie ſich bei Lichtabſchluß entwickeln, anatomiſch ſind ſie den oberirdiſchen Stengelgebilden analog, und weichen nur in der äußeren Form von ihnen ab. Jede Knolle beſitzt eine Endknoſpe*) und an ganz beſtimmten Stellen gelegene Achſelknoſpen. In der Regel liegen mehrere, meiſt drei, ſeltener mehr Knoſpen dicht neben einander und bilden das ſogenannte Auge. Dieſe Augen ſind mehr oder weniger tief in die Knolle ein⸗ geſenkt und erſcheinen, wenn man auf das obere Ende der Knolle ſieht, in der Dreiſtellung ſpiralig um die Knolle an⸗ geordnet. Am oberen oder vorderen Teil der Knolle, dem ſogenannten Kronenteil, ungefähr ein Viertel bis ein Drittel der ganzen Knolle ausmachend, liegen die Augen dichter neben⸗ einander, als am unteren oder hinteren Teil, wo ſich auch die Anheftungsſtelle, der Nabel, des unterirdiſchen Stengels findet, daher dieſer Teil auch Nabelteil heißt. Die Entwickelungsgeſchichte der Knolle lehrt nun, daß die zuerſt entſtandenen Stengelglieder des Nabelteils ſtark verlängert werden, ſo daß die Augen weit von einander gerückt ſind, während die Verlängerung der ſpäter entſtandenen Stengel⸗ glieder des Kronenteils mehr beſchränkt iſt, daher auch die Augen hier näher aneinander rücken, und am Knollenende verhältnis⸗ mäßig am dichteſten beiſammen liegen. In der Regel hat die große Knolle mehr Stengelglieder als die kleine und dementſprechend auch mehr Augen. Gemeinhin iſt die mittelſte Knoſpe eines jeden Auges am kräftigſten, die ihr zur Seite gelegenen ſind ſchwächer, d. h. in dem Grade ihrer Ausbildung weiter zurück. Treibt eine Knoſpe des Auges aus, ſo bleiben die anderen neben ihr meiſtenteils, jedoch nicht immer zurück; wird die *) Vergl. Dr. H. Schacht. Bericht an das Kgl. Landes⸗Okonomie⸗ Kollegium über die Kartoffelpflanze und deren Krankheiten. Berlin 1866. Die biologiſchen Verhältniſſe der Kartoffelpflanze. 39 treibende Knoſpe aber entfernt, ſo entwickeln ſich ſtatt ihrer mehrere Nebenknoſpen, daher ſich nach dem erſten Abkeimen die Zahl der hervorbrechenden Triebe vermehrt, welche jedoch ſchwächer als die Keime der erſten Generation ſind, aus welchem Grunde das Abkeimen der Saatknollen vermieden werden ſollte. Ferner zeigte ſich bei den Keimungsverſuchen von Schacht, daß die Augen des Kronenteils im allgemeinen entwicklungs⸗ fähiger als die des Nabelteils ſind, alſo der Vegetationswert’) der verſchiedenen Augen der Knolle, je nach der Lage derſelben, ein ſehr ungleicher iſt. Nach einer gewiſſen Ruhezeit keimen die Knoſpen, wenn die Bedingungen hierzu gegeben ſind, aus, und erzeugen neue Pflanzen mit den charakteriſtiſchen Eigenſchaften der Mutter⸗ pflanze und zwar liefert hierzu der in der Knolle abgelagerte Nährſtoffvorrat das notwendige Bildungsmaterial. Der anatomiſche Bau der Kartoffelknolle entſpricht gleichfalls dem eines Stengels. Die junge Knolle iſt von einer Epidermis umgeben, die ſpäter, ein Zeichen der Reife der Knolle, abblättert, unter ihr liegt die Rinde, welche ſich bei der Knolle fleiſchig verdickt und deren äußerſte Zellſchichten verkorkt ſind. Dieſe letzteren bilden die Kartoffelſchale, welche mehr oder minder ſtark ſein kann, je nach der Zahl(10—15) der verkorkten Zellſchichten, und ver⸗ halten ſich hierin die verſchiedenen Kartoffelſorten ſehr abweichend von einander. Die Zellen der Korkſchicht vermehren ſich von innen her durch eine unter ihnen liegende und aus mehreren Zellreihen beſtehenden Schicht, welche frei von Stärkemehl iſt, aber in welcher bei einigen Sorten Farbſtoffe auftreten. Außer ſtickſtoffhaltigen Subſtanzen iſt in ihnen nicht ſelten Zucker vor⸗ handen. Die Schale ſchützt die Knolle gegen zu ſtarke Verdunſtung und Einwirkung äußerer Einflüſſe. Den innerſten Teil der Knolle bildet das ſogenannte„Mark“. Rinde und Mark werden beide von einander durch ein fortbildungs⸗ Diſſertation. Göttingen 1873. Die biologiſchen Verhältniſſe der Kartoffelpflanze. 40 fähiges Gewebe getrennt, vermittels deſſen das Dickerwachstum der Knolle erfolgt, indem durch die Zellenvermehrung desſelben ſowohl das Mark als auch die Rinde an Dicke zunimmt. Der Gefäßbündelring, der als heller zarter Ring erſcheint und in der Mitte des fortbildungsfähigen Gewebes liegt, wird ebenfalls durch dasſelbe ernährt. Im Gewebe des Markes und der Rinde liegt das Stärkemehl, während die übrigen Gewebe davon frei ſind. Der größte Stärkegehalt zeigt ſich zu beiden Seiten des fortbildungsfähigen Gewebes. Der Stärkegehalt der Rindenſchicht verringert ſich nach außen, der der Markſchicht nach innen zu, und iſt auch deshalb, weil ärmer an Stärkemehl, der innerſte Teil des Markes mehr oder weniger durchſichtig oder ſelbſt hohl. In betreff der in der Kartoffelknolle enthaltenen Reſerve⸗ nährſtoffe iſt zu bemerken, daß dieſelben je nach der Kartoffel⸗ ſorte, dem Klima, dem Boden, der Düngung und der Kulturart in hohem Grade in ihren Mengen verſchieden ſein können, wie unten ſtehende Zuſammenſtellung zeigt: Waſſer Protein Fett Kohlenhydrate Holzfaſer Aſche pCt. pCt. pCt. pCt. pCt. pCt. im Minimum 68,29 1,64 0,06 14,86 0,52 0,83 im Maximum 81,68 2,52 0,28 26,57 1,40 1,56 im Mittel 75,61 2,17 0,15 21,23 0,72 1,12 Der Gefäßbündelring der Kartoffelknolle ſteht mit den Keim⸗ augen in Verbindung, infolgedeſſen auch das Mark, welches innerhalb des Gefäßbündelringes liegt, ſich bis unmittelbar unter das Keimauge erhebt, eine Auftreibung darſtellend, der die Rinden⸗ ſchicht ausweichen mußte, dieſe Auftreibung iſt unter den Kronen⸗ augen am umfangreichſten, während ſie ſich unter den Augen des Nabelteils weniger entwickelt zeigt. Nach Sorauer treten die erſten Anzeichen der Keimung in einer beginnenden Strömung des Plasmas innerhalb der Zellen des Korkkambiums und der daran ſtoßenden Rindenſchichten auf. In der Nähe der Augen, wo das Parenchym ſtickſtoffhaltiger iſt, zeigen ſich zu derſelben Zeit zahlreiche Bläschen, die in den weiß⸗ ſchaligen Kartoffeln braun erſcheinen, in den roten und blauen Die biologiſchen Verhältniſſe der Kartoffelpflanze. 41 Sorten aber Farbſtoff enthalten. Der Inhalt dieſer Bläschen zählt zu den Körpern der Gerbſtoffreihe. Es vermehrt ſich mithin bei der Keimung der Knolle der Gerbſtoff. Im weiteren Verlauf der Keimung geſchieht die Auflöſung des Stärkemehls in den Zellen zuerſt, welche dem Keimauge zu⸗ nächſt liegen, es wandelt ſich in Zucker um, und wandert als ſolcher nach dem Keim hinein. Ebenſo tritt auch das in dem Safte der Knolle gelöſte Eiweiß ſeine Wanderung nach dem Keime an, um mit dem Kohlenhydrat vereint, die Zellenneubildung des Keimes, alſo das Wachſen desſelben zu bewerkſtelligen. Im Verlaufe der Keimung löſen ſich ferner auch die nicht gelöſten Proteinſtoffe der Knolle auf, um in den Keim reſp. Sproß zu wandern. Die im Zentrum des Markgewebes gelegenen Zellen werden nun bei der Keimung zuerſt ſtärkeleer, während die dem Keime zunächſt gelegenen Zellen ſolange Stärkemehl führen, als über⸗ haupt noch ein Nahrungszufluß zum Keime ſtattfindet. Dieſe Erſcheinung erklärt ſich daraus, daß, ſobald ſich an der Verbrauchs⸗ ſtelle der Nahrung Stärke löſt, wodurch zunächſt die Stärkekörner ihrer Natur gemäß kleiner werden, in dem Grade der Verminde⸗ rung der Stärke in den dem Keime anliegenden Zellen, die Auf⸗ löſung von Stärkemehl und deſſen Wanderung in die weniger an Stärke reichen Zellen, alſo von innen nach außen dem Keime zu ſtattfindet. Wird die eingewanderte Stärke in dieſen Zellen jedoch nicht ſofort verbraucht, ſo ſchlägt ſich dieſelbe als fein⸗ körnige Stärke bis zum Verbrauch wieder nieder. Dieſer Auflöſungsprozeß und dieſe Wanderung der Stärke erſtreckt ſich nun von Zelle zu Zelle bis in den zentralen Teil der Knolle hinein, welcher ſich demgemäß auch am früheſten von Stärke entblößen muß. Auf dieſe Weiſe iſt auch nur ein gleichzeitiger Anteil der ganzen Knolle am Keimungsprozeß denkbar. Es fragt ſich nun, ob auch wirklich die ſämtlichen Reſerve⸗ ſtoffe und insbeſondere bei großem Saatgut aufgebraucht werden. In welcher Weiſe dies der Fall iſt, lehren Unterſuchungen von U. Kreusler, Havenſtein und dem Verfaſſer.*) 4) 9. Werner, der Kartoffelbau. I. Aufl. 1876. 42 Die biologiſchen Verhältniſſe der Kartoffelpflanze. Dieſe wurden mit Farinosa-Kartoffeln durchgeführt, von welchen für jede Entwickelungsperiode, deren vier angenommen wurden, je 9 große(à 80 g) und 9 kleine Knollen(à 40 g) zur Unterſuchung gelangten. Die erſte fand einige Zeit nach dem Aufgehen der Pflanzen, doch vor dem Knollenanſatz, am 3. Juni, die zweite am 9. Juli in der Blüteperiode, die dritte in der Fruchtreife am 7. Auguſt und die vierte in der Knollenreife am 10. September ſtatt. Es enthielten die Mutterknollen: bei Beginn der gegen Ende der Vege⸗ Vegetation tation am 7. Auguſt Saatknollen Saatknollen groß klein groß V klein pECt. pEt. pCt.„Ct. Mineralſubſtanz... 1,236 1,288 0,409 0,455 Qrganiſche Subſtanz.. 29,940 30,300 2,510 2,709 Waſſer..... 68,824 68,442 97,081 96,836 Proteinſtoffe.... 2,721 2,441 0,160 0,175 Dieſe Reſultate zeigen ſogar eine etwas geringere Aus⸗ nutzung der kleinen Saatknollen, was wohl in ihrem etwas größeren prozentiſchen Gehalt an Schale, die nicht zur Ernährung herangezogen wird, ſeinen Grund haben dürfte. Der Verſuch hat ſomit den Beweis erbracht, daß verhältnis⸗ mäßig ſchweres(80 g pro Knolle) und ſtärkereiches(1,125— 1,128 ſpezifiſches Gewicht) Saatgut, bedeutend leichterem(40 g pro Knolle) gegenüber, im Laufe der Vegetationsperiode der Kartoffel⸗ pflanze vollſtändig ausgenutzt, alſo auch mehr Material durch daſſelbe der jungen Pflanze zum Aufbau geliefert wird. Ferner ergab ſich aus dem Verſuch das überraſchende Reſultat, daß das junge Pflänzchen ſchon ſehr zeitig gezwungen iſt, nicht unbeträchtliche Mengen an Stickſtoff und Mineralſubſtanz vermittelſt ſeiner Wurzeln aufzunehmen, weil ſchon am Ende der erſten Vegetationsperiode, am 7. Juni, mehr Stickſtoff und Die biologiſchen Verhältniſſe der Kartoffelpflanze. 43 Mineralſubſtanz verbraucht war, als die Saatknolle enthält, während Stärkemehl noch in ausreichender Menge vorhanden iſt. So fand ſich: An Protein⸗ Mineral⸗ Organiſche ſtoffen ſubſtanz Subſtanz groß klein groß klein groß V klein g*———2 ———— üo 19,618 8,536] 8,91 4,45 215,82 107,13 In den 9 Saatknollen In der Ernte am 7. Juni. 23,102 10,129 10,314 5,070 187,74 92,878 Hiernach leuchtet es ein, daß das Stärkemehl in der Saat⸗ knolle für den Aufbau der jungen Pflanze eine beſonders wichtige Rolle ſpielt, namentlich da in der erſten Zeit die Menge der oberirdiſchen, alſo der Aſſimilationsorgane, gegen die unter⸗ irdiſchen Organe(Wurzeln) zurücktritt, alſo die junge Pflanze in betreff der Beſchaffung des notwendigen Kohlenſtoffes vorzugs⸗ weiſe auf das Stärkemehl der Saatknollen angewieſen iſt, denn die Maſſenvermehrung der einzelnen Teile der Kartoffelpflanze ſtellte ſich in den verſchiedenen Entwickelungsperioden wie folgt: Zeit der Ernte Trockengewicht des Krautes (excl. Früchte) Trockengewicht der unterirdiſchen Teile (excl. Knollen) groß klein g groß klein Trockengewicht der jungen Knollen groß klein L 9— 5,933—— 3. Juni] 10,421 4,625 11,381 9. Juli] 570,16 477,82 66,21 52,945 29,775 S,033 7. Auguſt! 657,183 492,88 80,546 47,586 892,75 565,87 Demnach überragten am Schluß der erſten Vegetations⸗ periode(3. Juni) die unterirdiſchen an Trockengewicht die ober⸗ irdiſchen Teile. Ferner zeigen aber auch dieſe Verſuchsreſultate, daß die Pflanzen aus großen Saatknollen mehr als um das Doppelte 44 Die biologiſchen Verhältniſſe der Kartoffelpflanze. in dieſen wichtigen ober⸗ und unterirdiſchen Aufnahme⸗ und Aſſimilationsorganen die aus kleinen Saatknollen hervorge⸗ gangenen Pflanzen überragten, mithin auch die Zufuhr und Aſſimilation der Nährſtoffe bei den letzteren geringer ſein wird, was auch der Verſuch beweiſt, denn in allen Entwickelungs⸗ perioden ſind die Pflanzen aus großem Saatgut denen aus kleinem weit voraus. Hiermit ſoll jedoch nicht behauptet werden, daß außer der Saatknolle nicht auch die Witterung von Einfluß bei der Ent⸗ wickelung der jungen Pflanze ſei. Tritt z. B. nach dem Aus⸗ keimen der Mutterknolle eine warme, fruchtbare Witterung ein, ſo wird dies eine ſchnelle Vermehrung und Entwickelung der Aſſimilationsorgane und Wurzeln zur Folge haben, in welchem Falle die Reſervenahrung der Mutterknolle wahrſcheinlich in etwas geringerem Grade das Pflanzenwachstum beeinfluſſen wird, als bei kühler, wenig fruchtbarer Witterung, ſo daß ſich unter Umſtänden die ſonſt beſtehenden Unterſchiede zwiſchen großem und kleinem Saatgut derſelben Sorte in Bezug auf die Entwickelung reſp. das Ernteergebnis der Pflanze bis zu einem gewiſſen Grade auszugleichen vermögen. Im Anſchluß hieran läßt ſich die Frage aufwerfen, ob, gleiche Wachstumsbedingungen vorausgeſetzt, der Ernteertrag durch die Anzahl der Keimaugen bei den Saatknollen in gleicher Weiſe, wie durch ihre Größe beeinflußt wird. Zur Beantwortung dieſer Frage führte A. Leydhecker*) einen Verſuch aus, welcher ergab, 1. daß mit der Anzahl der Keimaugen bei den Saatknollen die Zahl der oberirdiſchen Triebe, ſowie die Geſamt⸗ maſſe von Stengeln und Blättern wächſt; 2. daß ſich bei Benutzung der Saatknollen mit einem Keimauge die Bildung von Stengeln und Blättern vermindert, jedoch dieſe oberirdiſchen Teile ſich weit kräftiger als bei denen mit einer größeren Anzahl Keimaugen entwickeln; *) Wiener landw. Zeit. Nr. 8. 1872. 1 l Die biologiſchen Verhältniſſe der Kartoffelpflanze. 45 3. daß ſich das Saatgut mit nur einem Keimauge auf⸗ fallend für die Reproduktion großer, ſchwerer Knollen und für den Geſamtertrag erweiſt;. 4. daß das größere, ſchwerere Saatgut nicht nur eine kräftigere Entwickelung, ſondern auch einen höheren Ernteertrag zeigt; 5. daß die Verwendung dicker Kartoffelſchalen zwar mit einem bedeutend geringeren Aufwand an Saatgut ver⸗ bunden iſt, dafür jedoch die Unſicherheit der Ernte ſehr groß und ihr Ertrag gering iſt. Nach dieſem Verſuch erſcheint es im hohen Grade wahr⸗ ſcheinlich, daß die höchſten Ernteerträge im allgemeinen von den größeren und ſchwereren Saatknollen zu erzielen ſein werden, namentlich, wenn vor dem Legen ein Teil der Keimaugen ent⸗ fernt wird, z. B. die Augen des Nabelteils ausgeſtochen werden, weil ihr Vegetationswert geringer iſt als der der Kronenaugen, und ſucht H. Franz den höheren Vegegationswert der letzteren wie folgt zu begründen. Die Entſtehung der Augen an der Knolle verläuft analog derjenigen der Achſelknoſpen am oberiridiſchen Stengel. Bei dieſem iſt die Terminalknoſpe dasſelbe, was dort die Endknoſpe des ſich an ſeiner Spitze verdickenden unterirdiſchen Zweiges iſt. Bei der Weiterentwickelung einer Knoſpe zum oberirdiſchen Stengel wird das äußerſte dieſer ſchützenden Blätter unter An⸗ ſchwellung der Knoſpe und Streckung der Internodien ſeitlich etwas abgedrängt, während eine Vervollkommnung ſämtlicher vorgebildeter und angelegter Blätter, ein Emporſchieben des Bildungskegels und eine neue Veranlagung von Blättchen an deſſen Spitze ſtattfindet. Genau dieſem Vorgange entſprechend legen ſich die Blattſchuppen und mit ihnen die Augen an der wachſenden Knolle von der unterirdiſchen Vegetationsſpitze ab. In dieſem einfachen Sachverhalt iſt der wichtigſte Grund für die größere Triebkraft der Kronenaugen zu finden, denn der Schwerpunkt des organiſchen Bildungstriebes liegt normal in der Endknoſpe; regt ſich nach einer Ruhepauſe in der Knolle wiederum neues Leben, ſo ſind es neben dieſer endſtändigen 46 Die biologiſchen Verhältniſſe der Kartoffelpflanze. die oberſten, zuletzt abgeſetzten axilaren Knoſpen, welchen die größte Energie der Neubildung wieder inne wohnen muß. Der Grund hierfür liegt im allgemeinen darin, daß alle im höheren Alter befindlichen Gewebe und Gefäße ein geringeres Leitungs⸗ vermögen als jüngere zeigen, da die Zellwände ſich verdicken und weniger permeabel werden. Zu der geringeren Permea⸗ bilität der die älteren Augen umgebenden Zellen tritt nun noch der Umſtand hinzu, daß ſie weniger reich an Eiweißſtoffen, die zur Bildung des Protoplasma bei der durch das Keimen er⸗ folgenden Zellenneubildung durchaus notwendig ſind, während die jüngeren Zellen der Vegetationsſpitze einen viel größeren Reichtum daran aufweiſen. Ferner zeigt ſich in der Regel bei den älteren Keimaugen eine ſtärkere überwucherung durch das Parenchym der Rinde; dieſe Augen liegen auch gewöhnlich tiefer eingeſenkt und laufen leichter Gefahr erſtickt zu werden, während die Kronenaugen meiſt kenntlich flacher als die Seitenaugen liegen, auch das ſie umgebende Gewebe, weil jünger, zarter iſt. Demnach iſt es falſch, die großen, ſehr ausgebildeten Augen für die lebenskräftigſten zu halten. Die von Franz ausgeführten Keimungsverſuche beſtätigten die ſich aus der phyſiologiſchen Betrachtung ergebenden Grund⸗ ſätze. Sie zeigten, daß ſich eine ſchwächlich ernährte Knoſpen⸗ anlage gerne in einer zahlreicheren Sproſſenteilung kennzeichnet und daß ferner die urſprünglich ſchwächeren Triebe nicht nur ſchwächer bleiben, ſondern daß auch bei einer ſonſt ganz freudigen Entwickelung die Differenzen mit der Länge der Zeit immer auf⸗ fallender werden. Die Urſache, weshalb die kleinere Knolle die ſchwächeren Keimtriebe und ſomit die geringere Ernte der größeren Knolle gegenüber erzeugt, liegt jedenfalls mit darin begründet, daß die löſenden und translatoriſchen Urſachen bei der Keimung der größeren Knolle gleichzeitig auf größere Maſſen einwirken, alſo auch in derſelben Zeit eine größere Nahrungszufuhr zum Keim als bei den kleineren Knollen ſtattfindet; außerdem iſt der prozentiſche Stärkegehalt bei der größeren Kartoffel etwas geringer als bei der kleineren, der Waſſergehalt etwas größer, —— 2= ☛ ———ꝑy Die biologiſchen Verhältniſſe der Kartoffelpflanze. 47 und der Gehalt an ſtickſtoffhaltiger Subſtanz weſentlich, ja oft bis zu 50 pCt. des Geſamtgehaltes höher. Der geringere Stärkereichtum der größeren Knolle kann nur der Beweglichkeit des Zellſaftes förderlich ſein und einen abſoluten Mangel an Stärke giebt es in den erſten Wochen bei keiner keimenden Kartoffel. Hiernach iſt es gleichgiltig, ob ihr Stärkegehalt um 1 pCt. größer oder kleiner iſt, während die reichlicher vor⸗ handenen ſtickſtoffhaltigen Subſtanzen auf die Zellenbildung einen außerordentlich fördernden Einfluß ausüben. Aus dieſen Verſuchen läßt ſich nun folgern, daß unter ſonſt gleichen Umſtänden nicht die mittelgroße, ſondern die größte Kartoffel das beſte Saatgut liefern wird. Dieſe Güte erhöht ſich noch, ſobald die geringwertigen Augen entfernt werden und nur Kronenaugen verbleiben. Für dieſe letztere Anſicht macht Franz geltend, daß, da die Kronenaugen früher austreiben und für ihre Entwickelung beſſer geſorgt iſt, die Exiſtenz der Augen des Nabelteils eine Quelle ſehr erheblicher Störungen für die Geſamtvegetation und das Ernteergebnis ſein muß; denn die erſten Triebe der Kronenaugen können ſich ſchon zu einer gewiſſen Stärke ausgebildet, mit einem dieſer entſprechendes Wurzelſyſtem verſehen, auch ſelbſt ſchon Stolonen und Knöllchen entwickelt haben, ehe die verſpäteten ſchwachen Triebe der Nabelaugen zum Vorſchein kommen. Iſt dies aber der Fall, ſo wird dem Wurzelſyſtem der älteren Triebe die Nahrung verkürzt, wodurch nicht nur ein Vegetationsſtillſtand, ſondern auch eine unnütze Verlängerung und Vermehrung der Wurzeln eintritt, die ſich jetzt Nahrung an anderen Orten ſuchen müſſen; hierdurch geht aber Bildungsmaterial und Zeit auf Koſten des Knollenertrages verloren. Die ſpäteren Triebe ſind nicht in der Lage, dieſen Nachteil vollſtändig auszugleichen, weil ihren Wurzeln und ihren oberirdiſchen Organen die Nahrungs⸗ aufnahme ebenfalls erſchwert wird, außerdem fließt ihnen auch ein ſpärlicheres Bildungsmaterial aus der Mutterknolle als den älteren Trieben zu, mithin ſteht zu erwarten, daß ſie nur kleine Knollen erzeugen werden, die auf einem früheren Entwickelungs⸗ ſtadium ſtehen geblieben, da die Vegetation mit einem für jede 48 Die biologiſchen Verhältniſſe der Kartoffelpflanze. einzelne Sorte nach gegebenen ſonſtigen Umſtänden nicht allzu⸗ weit begrenzten Zeitpunkt abſchließt. Ein von Franz 1868 ausgeführter Feldverſuch beſtätigte nun ſeine Anſichten, indem ſich folgende Reſultate ergaben: „Die größte Setzknolle giebt unter ſonſt gleichen Umſtänden bei entſprechendem Raum zur Entfaltung die größte Brutto⸗ und Netto⸗Ernte. Bei ſehr engem Satz mag ſie nur den größten Brutto⸗Ertrag garantieren. Bei Vorhandenſein von Seitenaugen gleichzeitig mit Kronen⸗ augen werden aus erſteren nachträglich Knollen angeſetzt, welche nicht mehr zur vollen Ausbildung gelangen, und auch die Ent⸗ wickelung der früheren Brut der Kronentriebe wird alsdann beeinträchtigt. Der Ertrag kann durch dieſe ſtörenden Einflüſſe um mehr geſchädigt werden als durch den Einfluß eines doppelt ſchweren Saatgutes wieder zu begleichen iſt. Wo bei gleichem Saatgewicht keine Seitenaugen vorhanden ſind, werden nicht bloß mehr gleichmäßig große, ſondern an ſich weit größere Knollen erzeugt; folglich geben die ſchwerſten Saatknollen, an welchen man die Kreisaugen zerſtört, die größte Ernte. Der Längenſchnitt erzeugt bei gleichem Saatgewicht die verhältnismäßig größte Zahl mehr oder weniger unvollkommener Knollen, im Ganzen aber quantitativ die geringſte Ernte. Ganze unverſehrte Knollen geben einen geringeren Ertrag als die von ihnen abgetrennten Kronen, an welchen bei Rück⸗ ſicht auf möglichſte Schonung des abzutrennenden Stückes(nach Größe) keine oder möglichſt wenige Seitenaugen belaſſen würden. Daraus folgt, daß wo und ſoweit es nicht durchführbar erſcheinen ſollte, bei der weiteſten, für das einzelne Feld zu⸗ läſſigen Pflanzenentfernung große Knollen mit ausgebohrten Kreisaugen zu verwenden, reſp. ihre Verwendung in die größere Praxis einzuführen, es ſich nicht unbedingt empfiehlt, wie jetzt noch vorwiegend angenommen, ganze Mittelkartoffeln auszu⸗ legen, ſondern: „bei etwas geringerer, jedoch nach Boden, Klima und Kartoffelſorte ebenfalls variabler Pflanzweite von den größten — —— ar Die biologiſchen Verhältniſſe der Kartoffelpflanze. 49 Knollen der ganzen vorjährigen Ernte nach vollzogener Licht⸗ keimung die Kronenteile mit Rückſicht auf Gewinnung der größten Stücke mit möglichſt wenigen Seitenaugen abzutrennen.“ Die unbeſtreitbare Wichtigkeit der Frage„über die beſte Beſchaffenheit des Kartoffelſaatgutes“, welche nur durch eine große Zahl exakter Verſuche zu löſen iſt, gab die Veranlaſſung, daß zahlreiche Verſuche, z. B. von Drechsler(Oſterr. landw. Wchbl. 1875 Nr. 4), Hellriegel(Amtl. Vereinsbl. für Branden⸗ burg 1872, 33), von dem Verfaſſer in Verbindung mit Dr. Havenſtein und Dr. Kreusler zu Poppelsdorf(der Kartoffelbau J. Aufl. 1876), Wollny, Saat und Pflege (1885 S. 107 u. ff. u. A.) angeſtellt wurden. Sie führen ſämtlich zu dem Ergebnis:„als Saatgut nur geſunde, vollkommen ausgereifte Knollen von möglichſt hohem und gleichem ſpecifiſchen und abſoluten Gewicht zu verwenden, damit den jungen Pflanzen möglichſt gleiche und reichliche Mengen an Mutternahrung zur Dispoſition geſtellt werden, wodurch die Pflanzen die Bedingungen zu ihrer gleichmäßigen und ſchnellen Entwickelung erhalten“. Demnach ſollen die Saatknollen die äußeren Zeichen der Reife tragen, geſund ſein und, am beſten durch eine Kartoffel⸗ ſortiermaſchine, die größten Knollen zur Saat ausgeſondert werden. Trotz aller dieſer für die Verwendung von großem Saat⸗ gut ſprechenden Verſuchsergebniſſe hat ſich in der Praxis meiſt noch die Anſicht erhalten, daß die Verwendung von Knollen mittlerer Größe vorteilhafter ſei. Beiſpielsweiſe äußerte ſich ein erfahrener Kartoffelbauer, Ring in Düppel bei Berlin im Klub der Landwirte darüber folgendermaßen: Früher habe er geglaubt, je größer die Ausſaat, deſto größer die Ernte; er ſei aber doch jetzt darüber zweifelhaft geworden und habe gefunden, daß man dasſelbe Ergebnis erzielt, wenn man das gleiche Ge⸗ wicht an kleinen, etwa einzölligen Kartoffeln ausſetzt. Hier⸗ gegen bemerkte Profeſſor Orth, daß nach ſeinen Ermittelungen die Ernte mit der Menge des Saatgutes ſteige. Selbſt 3600 kg Saatgut p. ha haben noch ein Mehr gegeben. Werner, Kartoffelbau. 3. Auflage. 4 50 Die biologiſchen Verhältniſſe der Kartoffelpflanze. In der neueſten Zeit hat nun Aimé Girard“) gefunden, daß kleine Knollen zwar nicht als Saatgut geeignet ſind, daß es aber unnötig iſt, die großen zu wählen, da die von mittlerer Größe bei geringeren Koſten eine faſt ebenſo gute Ernte liefern. Ferner iſt derſelbe der Anſicht, daß neben einer gewiſſen Größe vor allem auf die Produktionsfähigkeit bei der Auswahl des Saatgutes das meiſte Gewicht zu legen ſei. Darüber im Jahre 1888 angeſtellte Verſuche haben nun zu folgenden Ergebniſſen geführt: Eine gute Ernte wurde ſtets in dem Falle erhalten, wenn die Pflanzkartoffeln einem ſtarken Horſte entſtammten, während dagegen Knollen von dem gleichen Gewichte, die aus ſchwachen Horſten entnommen waren, nur geringe Erträge lieferten. So ergab z. B. ein ſchwacher Horſt von Magnum bonum, 0,225 kg ſchwer, deſſen Knollen ein Gewicht von 21—30 g beſaßen, eine Erntemenge, welche die des Saatgutes um das 13 fache übertraf. Ein anderer, ſehr ſtarker Horſt dagegen, 2,240 kg ſchwer, deſſen Knollen ebenfalls 21—30 g wogen, lieferte einen das Gewicht der Saatkartoffeln 33 mal übertreffenden Ertrag. Aus obigem geht hervor, daß ſich als Saatgut am beſten ſolche Knollen verwenden laſſen, welche neben einer mittleren Größe eine große Produktionsfähigkeit beſitzen. Die letztere kommt, wie aus den angeführten Verſuchen erſichtlich, ſolchen Kartoffeln zu, die einen ſtarken Horſt gebildet haben. Das Vorhandenſein eines ſolchen erkennt man an der Üüppigkeit des Krautes. Damit iſt dem Landwirt ein ſehr einfaches Mittel gegeben, eine richtige Auswahl der Saatkartoffeln zu treffen. Er bezeichnet auf dem Felde diejenigen Pflanzen, welche durch einen üppigen Krautwuchs ausgezeichnet ſind, und aus dem Horſte dieſer wählt er die paſſenden Saatknollen aus. Brümmer““*) wiederholte dieſe Verſuche und kam zu den gleichen Ergebniſſen, indem auch er fand, daß die Knollen der fruchtbarſten Stauden die Fruchtbarkeit auf ihre Nachkommen übertragen. Nicht ſelten findet man in der Prarxis noch die Anſicht *) Hannover. Land⸗ u. forſtw. Ztg. XLII. Jahrg. Nr. 33. **) Sächſ. landw. Zeitſchrift, XXXIX. Jahrg., Nr. 41. Die biologiſchen Verhältniſſe der Kartoffelpflanze. 51 verbreitet, daß Keime, die ſchon eine Länge von 30 cm erreicht haben, ein ebenſo gutes Erntereſultat wie ausgelegte Knollen liefern können, infolge deſſen an Saatgut bedeutend zu ſparen iſt. Der Verfaſſer prüfte nun dieſes Verfahren im Jahre 1869 auf dem Verſuchsfelde zu Proskau. Es gipfelt darin, 30 cm lange und noch unbeblätterte Kartoffelkeime in einer Entfernung von 10,5 cm in der Reihe, bei 47 cm Reihenweite, in den Boden der Länge nach derart einzulegen, daß nur noch die Spitze des Keimes 7,8 cm aus dem Boden hervorſieht. Behufs Durchführung eines komparativen Verſuches wurde ein lehmiger Sandboden gewählt, der im Herbſt 31 200 kg Stalldung p. ha erhalten hatte. Im Frühjahr wurde eine tiefe Saatfurche gegeben. Zu dem Verſuche dienten 3 frühe Kartoffel⸗ ſorten. Am 20. April wurde von jeder Sorte eine gleiche Fläche mit Knollen belegt und zwar in der Weiſe, daß jede Knolle 47 cm in der Reihe entfernt war, und die Reihenweite ebenfalls 47 em betrug. Die Keime wurden in Entfernungen, wie oben angegeben, ausgelegt, und außerdem von jeder Kartoffelſorte Keime mit dem Pflanzſtock gepflanzt. Die Keime hatten mit Ausnahme der⸗ jenigen der II. Parzelle, der Bisquitkartoffel von Proskau, die ſchön entwickelte Blätter beſaß, nur Blattknoſpen entwickelt. Am 16. Mai hatten ſämtliche Parzellen den Blattbuſch entwickelt, am 25. Mai und 10. Juni wurden ſie behackt und am 28. September geerntet. (Siehe Tabelle Seite 52.) Hiernach überwiegt der Ernteertrag der aus Knollen hervor⸗ gegangenen Pflanzen denjenigen der aus Keimen erzeugten ſo bedeutend, daß die durch das Auslegen der Keime verurſachte Saaterſparnis nicht annähernd im ſtande iſt, den Ausfall zu decken. Die Größe der Knollen war durchſchnittlich bedeutender bei den aus Knollen erzielten Kartoffeln, während ſich der Stärke⸗ gehalt merkwürdigerweiſe gleich hoch ſtellte. Das Legen oder Pflanzen der Keime vermittelſt des Pflanzſtockes, ſowie ob die 4* Die biologiſchen Verhältniſſe der Kartoffelpflanze. Erntereſultate des Verſuches. Garſe Ernte⸗ Anahi Stärke⸗ Kartoffelſorte zct ffelf Fläche gewicht Konollen gehalt qm kg pro 1 hl pCt. Paterſon's frühe. Knollen gelegt. 8 29,7 1848 20 Keime gepflanzt 8 5,6 1988 20 Keime gelegt 8 5,8 1988 20 Bisquit von Proskau. Knollen gelegt.. 8 33,6 2100 16,5 Keime gepflanzt Glättere ent⸗ wickelt).. 8 14,5 2464 16,5 Keime gelegt..... 8 14,5 2688 16,5 Sämling von Zenker. Knollen gelegt. 8 25,8 2576 24,75 Keime gepflanzt 8 13,1 3108 24,75 Keime gelegt 8 14 3052 24,75 Blätter an den Keimen mehr oder weniger entwickelt ſind, hat keinen merklichen Einfluß auf den Ertrag ausgeübt. Überſehen darf ferner nicht werden, daß es in der Praxis große Schwierigkeiten haben dürfte, geſunde Keime von 30 cm. Länge zu erhalten und außerdem, daß es viel Arbeit und Sorg⸗ falt erfordert, die Keime von den Knollen unverletzt zu trennen. Was nun das zum Auskeimen notwendige Vegetations⸗ waſſer anbetrifft, ſo findet ſich dasſelbe immer in genügender Menge in der Knolle vor, mithin das Auslegen auf einem relativ trocknen Boden erfolgen kann, ohne die Befürchtung hegen zu müſſen, daß die Saatknolle wegen mangelnder Feuchtigkeit nicht auskeimt. Hinſichtlich der nisdrigſten Keimungstemperatur beobachtete von Rappard, daß unter 40‧C. eine Keimung nicht mehr ſtattfindet, und daß über die Erde hervorgetretene Sproſſen bei 10 nicht litten, bei— 1° jedoch nach einigen Tagen merkliche Die biologiſchen Verhältniſſe der Kartoffelpflanze. 53 Spuren der ungünſtigen Einwirkung des Froſtes zeigten— es gelten dieſe Verhältniſſe natürlich nur für die zum Verſuche verwendete Kartoffelſorte. Als ein ſehr wichtiges Moment zur Erzielung einer kräftigen Keimung und Pflanzenentwickelung iſt die zweckmäßigſte Tieflage der Saatknollen anzuſehen. Die Anſichten über dieſelbe wechſeln in ſehr hohem Grade, ſowie auch die nach dieſer Richtung hin angeſtellten komparativen Verſuche ſehr verſchiedene Reſultate ergeben haben, was auch nicht Wunder nehmen kann, da jedenfalls die zweckmäßige Tieflage ſich nach dem Klima, der Bodenbeſchaffenheit, der Kartoffelſorte und auch nach der Kultur⸗ methode, z. B. ob die Pflanzen behäufelt werden ſollen oder nicht, mehr oder weniger zu richten hat. Für die Praxis kann es ſich nur um Feſtſtellung gewiſſer enger für die Tieflage zweckmäßiger Grenzen handeln, zwiſchen denen dieſelbe je nach den gegebenen Verhältniſſen ſchwankt. Die Grenze nach der Tiefe darf nicht überſchritten werden, weil es ſonſt leicht der keimenden Knolle am Sauerſtoff fehlen könnte, der ſich in größerer Bodentiefe ſpärlicher findet, infolge deſſen ſich auch die Keimung verlangſamen wird. Allerdings laſſen ſich die Knollen noch verhältnismäßig tief in den Boden bringen, ohne daß dieſelben zu Grunde gehen, denn bei ihrem Reichtum an Reſervenährſtoffen liegt es auf der Hand, daß ſie im ſtande ſein werden, noch aus beträchtlicher Tiefe ihre Keime an die Oberfläche zu ſenden; auch verſtreicht hierbei viel Zeit, die Triebe werden auch nur ſehr ſchwächlich und wenig zahl⸗ reich ſein können, ſo daß auf kräftige Blattbüſche nicht zu ahne iſt, daher gleich von vornherein die Aſinnilattdn der Pflanze eingeſchränkt wird. Dieſe Anſichten werden durch die Nobbeſchen Verſucher) über die Wirkung der Pflanztiefe auf Kuollengenvächſe voll be⸗ ſtätigt. Nobbe legte auf einem Verſuchsboden von ſchwerer thoniger Beſchaffenheit Saatknollen in Tiefen von 2 bis 90 cm in acht Abſtufungen aus, und es ergab ſich, daß die in die größte *) Amtsblatt f. d. landw. Verein des Königreich Sachſen. 1871. 17. 54 Die biologiſchen Verhältniſſe der Kartoffelpflanze. Tiefe gelegten Knollen mehrere Wochen ſpäter aufliefen, weniger zahlreiche und weit von einander entfernte Laubſproſſen auf⸗ wieſen, und dieſe ſpäter zur Blüte gelangten und länger grün blieben, als die Sproſſen der flachgelegten Knollen. Der Blatt⸗ buſch der Knollen entwickelte ſich um ſo dürftiger, je tiefer die⸗ ſelben ausgelegt waren. Bei der Ernte wurden außerdem folgende Beobachtungen gemacht: die Laubſproſſen der tief ge⸗ legten Knollen hatten zwar längere, aber wenig zahlreiche unter⸗ irdiſche Knotenglieder als diejenigen der flach gelegten Knollen. — Die unterirdiſchen knollentragenden Seitentriebe waren um ſo kürzer, je tiefer die Saatknolle gelegt war; bei der größten Pflanztiefe lagen die Knollen dem Stamme ganz dicht an.— In einer mehr als 57 cm betragenden Bodentiefe hatte über⸗ haupt kein Knollenanſatz mehr ſtattgefunden; die von Blatt⸗ ſchuppen bedeckten Knoſpen waren rudimentär geblieben. Die Verlängerung des unterirdiſchen Teiles der Stammachſe hatte ferner ebenſo wenig eine Vermehrung der Knollentriebe wie eine Erhöhung des Knollenertrages zur Folge, und gaben unter gleichen äußeren Verhältniſſen vielmehr die aus großer Boden⸗ tiefe emporgewachſenen Stöcke ein niedrigeres Erntereſultat, als die nach gewöhnlicher Pflanzweiſe gelegten Kartoffeln. Für den ſchweren Boden empfiehlt ſich nach vielen Ver⸗ ſuchen eine Tieflage der Saatknolle von 5—7 cm; auf Mittel⸗ boden, wenn feucht, von 7—8 cm, wenn trocken von 8—10 cm; auf Sanboden von 10—16 cm; und zwar 16 cm nur dann, wenn die Kartoffeln nicht gehäufelt werden ſollen. Beginnt die Keimung der Mutterknolle, ſo zeigt ſich zuerſt der jugendliche Laubſproß, an dem ſich auch bald die Anlage mehrerer Wurzeln nachweiſen läßt, die in der Wurzelhaube weniger ſtickſtoffhaltige Subſtanzen erkennen laſſen als im übrigen Wurzelkörper, dafür aber darin ſehr kleinkörnige Stärke enthalten. In der jungen Stengelſpitze mit den angelegten Blättern ſind zuerſt Gerbſtoffe nebſt reichlichen ſtickſtoffhaltigen Stoffen, letztere teilweis in Form von Aleuronkryſtallen, enthalten. Mit der weiteren Ausbildung des Stengels treten dieſe Stoffgruppen mehr zurück und dafür die Stärke in den Vordergrund, aber Die biologiſchen Verhältniſſe der Kartoffelpflanze. 55 auch dieſe ſchwindet in den letzten Lebensperioden mehr und mehr, wogegen der oxalſaure Kalk reichlicher auftritt. Derſelbe Vorgang zeigt ſich in den unterirdiſchen Zweigen, deren Spitzen ſich zu jungen Knollen verdicken; in den jungen Knollen nimmt die Stärke natürlich in demſelben Maße zu, als ſie aus den oberirdiſchen Teilen verſchwindet. In der ganz jugendlichen Knolle findet ſich in zahlreichen Zellen oxalſaurer Kalk von ſehr feinkörniger Beſchaffenheit vor, der jedoch mit dem Zunehmen des Stärkegehaltes ſich verliert, ſo daß er ſich nur noch ſelten in reifen Knollen findet. Die Rinde der jungen Knolle bildet ſich ſehr früh aus, und die Korkſchale, welche durch Tochterzellenbildung innerhalb der Oberhautzellen und des darunterliegenden Korkkambiums entſteht, wird kurz nach der Anlage der erſten Korkzellen in der der Sorte eigentümlichen Zellenzahl gebildet. Haben ſich die Blätter des jungen Triebes und die Wurzeln entwickelt, ſo beginnt der Prozeß der Nahrungsaufnahme und Aſſimilation. Durch Bildung von Seitenzweigen aus den Blattachſeln vermehrt ſich nun fortwährend die Menge der chlorophyllhaltigen oberirdiſchen Teile. Ein gewiſſer Überſchuß der aſſimlierten organiſchen Subſtanz wird dann aber auch zur Bildung neuer unterirdiſcher Seiten⸗ zweige, der ſog. Stolonen und zur Vermehrung der Wurzel⸗ maſſe verwandt. Stolonen und Wurzeln entſpringen ſtets aus der Achſel eines ſchuppenförmigen Blattes am unterirdiſchen Stengelteil, doch brechen die Wurzeln über den Stolonen hervor. Kommt ein unterirdiſcher Seitenzweig an die Bodenober⸗ fläche, wo er dem Licht ausgeſetzt iſt, ſo beblättert ſich derſelbe, während er unterirdiſch verbleibend ſich zur Knolle verdickt. Je zahlreicher die Stolonen ſind, um ſo günſtiger wird ſich im allgemeinen auch der Knollenertrag geſtalten, allerdings richtet ſich dies einigermaßen nach der Kartoffelſorte, da nicht immer der Ertrag im geraden Verhältnis zur Stolonenent⸗ wickelung ſteht, ſondern ſich die Sorten ſehr verſchieden ver⸗ halten können. Die biologiſchen Verhältniſſe der Kartoffelpflanze. In betreff der Stolonenentwickelung unterſcheidet J. Kühn 3 Gruppen von Sorten. Die 1. Gruppe hat kurze zwiſchen 2 und 5,7 cm Länge wechſelnde Stolonen. Die Knollen liegen gehäuft dicht um den Stock. Meiſt gehören hierhin frühe und mittelfrühe Sorten. Er⸗ träge zuweilen, doch nicht immer unbefriedigend. Bei der 2. Gruppe ſind die Stolonen mehr oder weniger verlängert, und die Knollen finden ſich vorwiegend an ihrer Spitze, zum Teil aber auch ſeitlich oder auf kurzen Nebentrieben. Hierunter ſind viele ertragreiche meiſt mittelſpäte oder ſpäte Sorten. Die 3. Gruppe zeigt ſehr lange, wurzelreiche und ſtark verzweigte Stolonen, und die Knollen entwickeln ſich vorwiegend an der Spitze der Verzweigungen. Die zahlreich ſich findenden Knollen erreichen jedoch meiſt nur eine mäßige Größe, und entſtehen ſehr ungleichzeitig. Stolonen und Wurzeln zeigen ſich bei der Ernte noch wohl erhalten; wegen der Maſſenhaftigkeit dieſer Bildungen werden letztere Sorten auch„lodig“ genannt. Dieſe Sorten ſind über⸗ wiegend geringwertig. Im allgemeinen iſt eine allzureiche Stolonen⸗ und Wurzelfaſerbildung ebenſowenig ein günſtiges Zeichen für den zu erwartenden Ertrag, wie eine zu übermäßige Krautbildung. Die Wurzeln der Kartoffeln ſind von beträchtlicher Länge und Dicke, und die Enden der Fibrillen reich mit Härchen beſetzt. Nach Fraas gehört die Kartoffel zu den Humuspflanzen, die ihre Nahrung gern aus ſich zerſetzendem Humus ziehen, und zwar zur Abteilung der ſogenannten Büſchelwurzler. Die Wurzeln der Kartoffeln verbreiten ſich hauptſächlich in der Ackerkrume, und je mehr dieſelbe gelockert iſt, um ſo leichter breiten ſich dieſelben aus. Der Dung wird von ihnen in vor⸗ züglicher Weiſe ausgenutzt, daher ſie die Ackerkrume ſtark er⸗ ſchöpfen und nicht befähigt ſind, den Boden aufzuſchließen. Daß die Erſchöpfung der Ackerkrume an wichtigen, leicht aſſimilierbaren Pflanzennährſtoffen beträchtlich iſt, ergiebt ſich — 1 Die biologiſchen Verhältniſſe der Kartoffelpflanze. aus nachfolgenden Durchſchnittsanalyſen, nach denen in 1000 kg friſcher Maſſe enthalten ſind: Knollen. Kraut. kg kg Waſſer.... 750 770 Stickſtoff. 3,2 4,8 Aſegße.... 9,4 19,7 Kali.. 5,7 4,3 Natron... 0,2 0,4 Magneſia... 0,4 3,3 Kalk... 0,2 6,4 Phosphorſäure. 1,6 1,6 Schwefelſäure.. 0,6 1,3 Kieſelſäure.. 0,2 0,9 Die Blattmaſſe, welche die Kartoffel entwickelt, überragt dem Gewicht nach die Wurzelmaſſe ſehr beträchtlich, und ſind ihr in dieſer Beziehung kaum andere Gewächſe an die Seite zu ſtellen. So ergaben die Ermittelungen von A. Hoſäus nachfolgende Reſultate: Die lufttrockenen Wurzeln wogen: 3,0 g „ oberirdiſchen Teile„ 28,0„ „ Knollen„ 360,0„ Demnach hat 1 Gewichtsteil Wurzeln nicht allein 9 Ge⸗ wichtsteile oberirdiſche Teile produziert, ſondern auch 120 friſche, ca. 35 g lufttrockene Knollen, und das Verhältnis der Wurzeln zu den übrigen Teilen geſtaltet ſich wie 1:43. Aus dieſen Gründen erſcheint es rätlich, die Kartoffeln in gedüngtes Land zu bringen, worin ſich leicht zugängliche Nähr⸗ ſtoffe in reichlicher Menge zur Deckung ihrer Bedürfniſſe finden, weil die relativ geringe Wurzelentwickelung und das ſchwache Wurzelvermögen ſchwer zugängliche Verbindungen der Pflanze nicht zuzuführen vermögen. Die Blattorgane haben die Funktion, die durch ihre Spalt⸗ öffnungen und durch die Wurzeln aufgenommenen anorganiſchen Pflanzennährſtoffe zu aſſimilieren, d. h. in organiſche Stoffe 58 Die biologiſchen Verhältniſſe der Kartoffelpflanze. umzuwandeln. Der Überſchuß an organiſierter Subſtanz, der nicht zur Unterhaltung der pflanzlichen Fuktionen und des Wachstums dient, wird in den Reſerveſtoffbehältern, den Knollen, abgelagert. Der hauptſächlichſte Reſervenährſtoff der Kartoffel iſt das Stärkemehl. So lange die Blätter lebensthätig ſind, wird ſich auch der abſolute Vorrat der Knolle an Stärkemehl vermehren, alſo die Knolle bis zur Reife an Stärkemehl zunehmen. Durch den Einfluß von Licht und Wärme wird in den Blättern die Stärke gebildet, welche aus ihnen in Form von Zucker von Zelle zu Zelle bis in die Knollen wandert, um hier wieder als Stärke abgelagert zu werden. Je mehr Stärke ge⸗ bildet wird, deſto größer iſt die Zufuhr aus den Blättern, und muß dies auf die Aſſimilation fördernd einwirken, daher denn auch die Blatt⸗Oberflächengröße und der Geſundheitszuſtand des Blattes einen bedeutenden Einfluß auf Größe und Stärkegehalt der Kartoffeln ausüben wird. Nach den Unterſuchungen von Müller⸗Thurgau) läßt ſich aber der Stärkegehalt wachſender Knollen durch Erleichterung der Atmung(Luftzufuhr) und durch genügende Wärme erhöhen, denn außer der Stärkewanderung wächſt und atmet die reifende Knolle. Durch die Atmung wird nun Zucker in Kohlenſäure und Waſſer zerſetzt, alſo wird ein Teil des einwandernden Zuckers zu Atmungszwecken verwandt, doch fließt an grünen noch aſſimilierenden Stöcken den Knollen noch reichlich Zucker zu, um den Verluſt decken zu können. Anders geſtaltet ſich dies bei im Ruhezuſtande befindlichen Kartoffeln. Die abſterbenden Blätter entleeren ſich von ihrer Spitze aus nach der Baſis zu, und in gleicher Richtung ſchreitet auch die Gelbfärbung vor, und löſt ſich ein Blatt los, ſo iſt es von den wichtigſten Stoffen entleert. In gleicher Weiſe entleert ſich der Stengel von der Spitze her, und ein Internodium nach dem andern ſtirbt ab, und zuletzt iſt dies bei den Stolonen der Fall. Von dieſem Zeitpunkt an bis zum Beginn der Keimung *) Landw. Jahrbücher(1885) S. 851. Beitrag zur Erklärung der Ruheperioden der Pflanze. —;4y t e — 1 Die biologiſchen Verhältniſſe der Kartoffelpflanze. erſtreckt ſich nun die ſog. Ruheperiode der Kartoffeln, die die verſchiedenen Sorten auch von verſchiedener Dauer iſt. Das Ende der Ruheperiode iſt eingetreten, wenn es gelingt, bei etwa 25° in einigen Tagen eine wahrnehmbare Größen⸗ zunahme der Knoſpen zu erzielen. Zur Zeit der Ruheperiode läßt ſich das Vorhandenſein eines diaſtatiſchen Fermentes nicht feſtſtellen, wohl aber, ſobald die Es ſcheint, daß in den leb⸗ haft vegetierenden jungen Trieben, vielleicht infolge ausgiebiger, Atmungsvorgänge, größere Fermentmengen erzeugt werden, die alsdann durch Diffuſſion teilweiſe in die Knolle übertreten und Keime deutliches Wachstum zeigen. dort die Auflöſung der Stärke beſchleunigen. 59 für Unter Umſtänden können aber auch Knoſpen bei noch lebhaft vegetierenden Pflanzen auskeimen, wenn ihnen z. B. ein Übermaß von Zucker zuſtrömt. Hierin gehört auch die ſog. Kindelbildung. Verſuche von Nobbe*) mit Knollen der ſächſiſchen Zwiebel⸗ kartoffel, die nach ihrer Größe in 8 Entwickelungsſtufen gruppiert und analyſiert wurden, geben eine Einſicht, in welcher Weiſe, je nach dem Alter der Knollen, die Reſerveſtoffe in der Knolle zunehmen. Die chemiſche Zuſammenſetzung zeigt folgende Tabelle: Entwickelungsſtufe J. II. III. IV. V VI. VII. VIII. Gewicht 1 Knolle in g... bis0, 15 0,15— 0,5 2— 3 5— 6 10— 12 20— 22 50 100 Trockenſubſtanz 17,90 20,38 26,59 22,80 27,50 25,64 29,22 31,16 Waſſer. 82,10 78,62 73,41 77,20 72,50 74,36 70,70 68,84 Aſche. 1,31 0,94 1,12 0,82 1,10 0,85 0,82 0,87 Stärke 11,01 14,55 19,94 17,42 20,35 20,28 23,79 25,74 Protein Celluloſe 5,58 4,89 5,53 4,56 6,05 4,51 4,61 4,55 Pektin. *) Landw. Verſuchsſtation. Bd. VII. S. 451. Die biologiſchen Verhältniſſe der Kartoffelpflanze. Nobbe zieht hieraus folgende Schlüſſe: „Mit vorſchreitendem Alter und bis zur Reife der Kartoffel⸗ knollen nimmt hiernach deren Prozentgehalt an Stärkemehl un⸗ zweideutig zu. Bei günſtiger Witterung entſpricht mithin jeder Verzögerung der Ernte, ſo lange das Kartoffelkraut grünt, ein poſitiver Gewinn der Pflanze an Stärkemehl und eine Ver⸗ edelung der zu erntenden Knollen.“ König in Münſter machte auf der Naturforſcher⸗Verſamm⸗ lung in Graz in dieſer Beziehung einige vorläufige Mitteilungen über die Trockenſubſtanzzunahme bei den Kartoffeln. Hiernach hatten die Saatknollen einen anfänglichen Trocken⸗ ſubſtanzgehalt von 24,35 pCt.; derſelbe ging ſucceſſiv 12 Wochen nach der Ausſaat auf 4,241 pCt. herunter und hielt ſich bis zur 16. Woche auf dieſer Höhe, zu welcher Zeit keine alten Knollen mehr vorgefunden wurden. Sechs Wochen nach der Ausſaat(am 11. Juni) fanden ſich einzelne junge Knollen vor, mit einem Trockenſubſtanzgehalt von rund 14 pCt. und erhöhten denſelben bis zum 3. September auf 23,135 pEt. Stengel hatten ſich 14 Tage nach der Ausſaat gebildet; ſie hielten ſich bis zur 8. Woche auf rund 6 pCt. Trockenſubſtanz und ſteigt dieſelbe bis zum 3. September auf rund 12 pCt. Blätter kamen zwiſchen der 3. und 4. Woche nach der Ausſaat zum Vorſchein; ihr anfänglicher Trockenſubſtanzgehalt bewegt ſich bis zur 9. Woche um 10 pCt. und erreicht bis zum 3. September die Höhe von rund 21 pCt. Was die Produktion an Trockenſubſtanz pro 1 Stock an⸗ belangt, ſo nimmt dieſelbe bis zur 6. Woche nach der Ausſaat gegenüber der in den alten Knollen(9,16 g pro Stock) vor⸗ handenen ab, von da an findet eine Vermehrung ſtatt. Aus dieſen Zahlen hebt König hervor, daß die Zunahme der Trocken⸗ ſubſtanz pro Stock bis Ende der Blütezeit(30. Juli) annähernd parallel geht der beobachteten Wärmeſumme in der Vegetations⸗ periode(von einer Woche). Die Zunahme an Trockenſubſtanz pro 1 Woche und Stock betrug nämlich: (Siehe Tabelle Seite 61.) Karvffe rvehl u⸗ din fdr rint en 1 We tjonn⸗ unye wcen⸗ ſchen h bi lbn iſt tun enber Die biologiſchen Verhältniſſe der Kartoffelpflanze. 61 Zunahme 2 Wärme⸗ Zunahme an dere Trcran⸗ daunahiden⸗ Wochen Regen⸗ 3 5 Trocken⸗ hehn de ſubſtanz der umme in„ S nach der menge per de Vege⸗ ſubſtanz im Stengel und Lürndirund 62 Su jungen d— Ausſaat 2000 qcm tationszeit Lanzen per Knollen per Knollen per Stock 1 Stock 1 Stock ccem 0R. g g g 7 3590b,4 83,63 5,12 5,27 2,29 8 319029 91,12 10,1383 10,50 4,53 9 140b93 95,44 14,81 15,38 9,63 10 3826 108,40 33,22 390,98 21,84 11 6476 75,0b4) 3,20 4,27 8,43 12 9560 104,88 22,1 30,0r1 27,33 13 274 91,10 20,223 17,28 18,81 14 1490 90,90 15,65 13,73 18,05 Aus dem Geſagten geht unzweifehaft hervor, daß die chlorophyllhaltigen oberirdiſchen Organe das Material für die Reſerveſtoffe der Knollen liefern; werden ſie daher vorzeitig entfernt, ſo wird die Bildung der Reſervenährſtoffe mehr oder weniger darunter zu leiden haben. Bei vielen Kartoffelſorten fallen die Blütenknoſpen teilweis oder ſämtlich vor dem Aufblühen ab, und dieſes Fehlſchlagen der Geſchlechtsorgane iſt vielfach als eine krankhafte Entartung der Kartoffelpflanzen angeſehen worden, was wir jedoch als ungerechtfertigt erachten, und behaupten, daß dieſe Erſcheinung nichts mit einer Entartung der Kartoffelpflanze zu thun habe. Bekannt iſt, daß die ſehr kräftige Entwickelung einzelner Organe der Pflanzen eine dieſer entſprechend ſchwächere anderer zur Folge hat; da ſich nun die Kartoffelpflanze vermittelſt der Samen und der Knoſpen der Knolle fortpflanzt, ſo nimmt es nicht wunder, daß beim Fehlſchlagen der Blüten ſich meiſt die Knollen ſehr kräftig entwickeln, wie auch andererſeits bei reicher Blütenfülle die Knollen in ihrer Entwickelung zurückbleiben. Dieſer Umſtand erklärt ſich leicht dadurch, daß zur Entfaltung der Blüten und zur Fruchtbildung ein bedeutender Aufwand 62 Krankheiten der Kartoffeln. aſſimilierter Subſtanz notwendig iſt, welche letztere naturgemäß für die Bildung von Reſerveſtoffen in der Knolle verloren iſt. Aus dieſen Gründen iſt das Fehlſchlagen der Geſchlechtsorgane viel eher als Vorteil, denn als Nachteil der Kartoffelſorten auf⸗ zufaſſen, zumal die Fortpflanzung der Kartoffel hinreichend durch die Knoſpen der Knollen gedeckt iſt, auch dieſe allein nur im ſtande ſind, mit Sicherheit die individuellen Eigenſchaften der Sorten fortzupflanzen; mithin die Blüten⸗ und Fruchtbildung als meiſt wertlos bei der Kartoffelpflanze anzuſehen iſt. Dies wird durch einen Verſuch, welchen ein ungenannter engliſcher Landwirt*) angeſtellt hat, beſtätigt. Hiernach ergab ſich bei denjenigen Kartoffeln, deren Blüten durch Abpflücken entfernt wurden, ein Mehrertrag von 26 Ctr. 70 Pfd. pro engl. Acre, auch lieferten ſie durchſchnittlich größere, marktfähigere Kartoffeln. Zu vollſtändig entgegengeſetzten Ergebniſſen gelangte da⸗ gegen Leydhecker**), welcher fand, daß das Abnehmen der Blüten und Endtriebe insbeſondere auf die Bildung der wert⸗ volleren größeren Knollen einen nachteiligen Einfluß ausgeübt hat. Krankheiten der Kartoffeln. Nicht ſelten wird die Kartoffel von einer eigentümlichen Krankheit, der ſog. Kräuſelkrankheit befallen, die in England ſchon ſeit 1764, in Deutſchland ſeit 1779***) bekannt iſt, ohne daß deren Urſachen bis jetzt hinreichend erforſcht ſind. Dieſe Krankheit kennzeichnet ſich durch Krümmung des Laubes, welche dadurch entſteht, daß nicht nur die Fiederblättchen gefaltet und wellig gebogen ſind, ſondern ſich auch der gemeinſchaftliche Blattſtiel meiſt nach unten krümmt und nicht ſelten vollſtändig *) Landw. Centralbl. f. d. Prov. Poſen(1879) Nr. 1 S. 3. **) Oſterreich. landw. Wchbl. XVIII. Jahrg. Nr. 7. ***) Hannoverſches Magazin 1779. 71. Stück. Krankheiten der Kartoffeln. 63 einrollt. Die Fiederblättchen färben ſich roſa bis violett⸗braun, und tritt dieſe Färbung namentlich ſcharf am Rande des Blättchens und an der Spitze auf; aber auch auf den Haupt⸗ blattrippen und an den Stengeln zeigen ſich mehr oder weniger längliche ſchmutzig⸗braune Flecken, die allmählich zahlreicher werden und tiefer in die Gewebe eindringen; dabei ſind die befallenen Teile ſpröde, und zerbrechlich wie Glas. Gemeinhin tritt dieſe Krankheit im Juni auf. Als Urſachen dieſer Krankheit werden angegeben: plötzlich eintretende Temperaturveränderungen, die eine Entmiſchung des Zellinhaltes zur Folge haben; ſehr ſtickſtoffreiche Düngemittel, und reicher etwas feuchter Boden, infolge deſſen ſich die Blatt⸗ entwickelung ſehr maſſig geſtaltet, aber dieſes vollſaftige Laub leicht widrigen Einflüſſen erliegt. Als weitere Urſache wird auch die Degeneration der Kartoffel aufgeführt, doch hat J. Kühn*) dieſe Anſicht dadurch widerlegt, daß ſich die Kräuſelkrankheit bei ſeinen Verſuchen auch auf ſolchen Kartoffeln fand, die neu aus Samen erzogen waren. Ferner glaubt Deetz die Krankheit auf durch Blattläuſe erzeugte Verletzungen zurückführen zu müſſen, während Hallier einen Pilz, den er Rhizoctonia tabifica nennt, als Urſache der Kräuſelkrankheit hinſtellt. Da durch dieſe Krankheit die Funktionen der chlorophyll⸗ haltigen oberirdiſchen Teile mehr oder weniger aufgehoben werden, ſo wird auch der Ertrag geringer als bei normaler Entwickelung ſein, doch wird derſelbe, je nach der Intenſität der Krankheit, verſchieden hoch ausfallen. Tritt die Krankheit zeitig auf, und bildet ſich bald neues normales Laub, dann wird auch der ſchädliche Einfluß nicht ſtark hervortreten. Die Kartoffelſorten verhalten ſich gegen dieſe Krankheit ſehr verſchieden, einige werden leicht, andere weniger leicht von ihr befallen. Eine andere Krankheitserſcheinung iſt das Durchwachſen der Kartoffeln oder die ſog. Kindelbildung. *) Berichte aus dem phyſiol. Laboratorium ꝛc. Halle 1872. S. 92 und folgende. 64 Krankheiten der Kartoffeln. Es laſſen ſich verſchiedene Formen des Durchwachſens unterſcheiden; entweder wachſen die kleinen Knöllchen direkt aus den Keimaugen der Mutterknolle aus und zwar nicht ſelten aus ſämtlichen Knöſpchen des Keimauges, oder es entwickeln ſich zuerſt Stolonen, die ſich zu Knöllchen verdicken, nachdem ſie eine gewiſſe Länge erreicht haben, doch iſt auch an dieſen Stolonen eine ſeitliche Knollenbildung nicht ausgeſchloſſen; zuweilen ver⸗ längert ſich auch der Kronenteil der Mutterknolle, ſo daß Mutter⸗ knolle und Neubildung im innigſten Zuſammenhang ſtehen. Das Durchwachſen erfolgt ſehr häufig während der Vege⸗ tationsperiode, wenn auf Dürre plötzlich feuchtes, fruchtbares Wetter folgt. Der vermehrte Zuckerzufluß zur Knolle ſcheint in dieſem Fall die Neubildungen hervorzurufen. Tritt das Auswachſen zeitig ein, ſo daß die neuen Knöllchen bis zur Ernte noch auszureifen vermögen, dann weiſen ſie auch meiſt das gleiche ſpecifiſche Gewicht und denſelben Stärke⸗Gehalt wie die älteren Knollen auf, und halten ſich gut im Winterlager. In dieſem Fall wird der verurſachte Schaden nur als gering zu betrachten ſein. Findet dagegen das Durchwachſen relativ ſpät ſtatt, gegen Ende der Vegetations⸗ periode, ſo werden die Verluſte an Quantität und Qualität ſehr bedeutende ſein, und unterläßt man die Entfernung der Kindeln vor dem Einmieten der Kartoffeln, dann halten ſich letztere auch ſchlecht im Winterlager, indem ſich dieſe jungen Gebilde verhältnismäßig leicht zerſetzen. Das Durchwachſen kann aber auch nach der Vegetations⸗ periode und zwar im Winterlager, wenn die Aufbewahrungs⸗ räume ungeeignet, namentlich zu warm ſind, auftreten und zwar dann auf Koſten der Mutterknolle, in welchem Fall ſich ſehr bedeutende Verluſte an Quantität und Qualität der Kar⸗ toffeln ergeben werden. Die Kartoffelſorten verhalten ſich gegen das Durchwachſen ſehr verſchieden. Nach J. Kühn ergaben ſich bei der Kultur von 285 Sorten auf dem Verſuchsfelde zu Halle nachfolgende Reſultate: (Siehe Tabelle Seite 65.) 1 Krankheiten der Kartoffeln. 65 Nicht durch⸗ Schwach Mittelmäßig(Stark durch⸗ wachſen durchwachſen durchwachſen wachſen S Varietäten 2 2* —„ 3 3 S„ 8S 8 S.S 8 8 S B8 8 8 53 3 2 ᷣ 2— S 2 A 5 Von 149 Früͤhiar. toffeln... 107 72 37 25—— 5 3 Von 61 Sorten fpan⸗ frühen Kartoffeln 11 18 831 11 10 16 9 15 Von 75 Sorten ſpät⸗ V reifen Kartoffeln 1 4 2 3 21 28 51 68 K Ferner ſei die eigentümliche Erſcheinung erwähnt, daß bei einigen Kartoffelſorten ſich die Gefäße des Gefäßbündelringes ſo ſtark ausbilden können, daß ſie das Mark der Kartoffeln nach dem Kochen mit Faſern umgeben, ſo daß dieſe als Speiſekar⸗ toffeln zum Teil unbrauchbar werden. Dieſe Erſcheinung tritt vorzugsweiſe in Jahren auf, in welchen ſich die Kartoffeln durch hohen Stärkegehalt auszeichnen. Die Sorten ſcheinen ſich ſehr verſchieden in dieſer Beziehung zu verhalten, am meiſten wurde eine feine Speiſekartoffel, Fluke's Nierenkartoffel, in Poppelsdorf davon betroffen. Eine mit obiger nicht zu verwechſelnde Krankheitsform iſt die„Fadenkrankheit“(Filosité), welche ſeltener in Deutſchland, häufiger in Frankreich und Oſterreich aufgetreten iſt. Die befallenen Knollen, welche verhältnismäßig ſtärkereich ſind, treiben nur ſehr dünne(1—2 mm Durchmeſſer) und bis 20 cm lange, ſchneeweiße Triebe, welche kaum im ſtande ſind, den Boden zu durchdringen und ſich häufig nicht einmal zu grünen beblätterten Stengeln auszubilden vermögen; die Mutter⸗ knollen gehen meiſt im Frühjahr in Fäulnis über. Sorauer“) bringt dieſe Erſcheinung mit einem Mangel an Waſſerzufuhr in Zuſammenhang und zwar gerade im Mo⸗ mente der Augenbildung. 2) Die Fadenkrankheit der Kartoffeln. Der Landwirt, Nr. 86. 1877. Werner, Kartoffelbau. 3. Auflage. 5 66 Krankheiten der Kartoffeln. Nach den Beobachtungen von Moſer über das Auftreten der Fadenkrankheit im Marchfelde, wo Frühkartoffelbau für den Wiener Markt ſtark betrieben wird, legt man dort die Saat⸗ kartoffeln möglichſt zeitig und zwar keimt man ſie vorher an, indem man ſie mit Sand bedeckt und zeitweilig mit lauwarmem Waſſer übergießt. Die für den Markt beſtimmten Knollen erntet man Mitte Juni, dagegen die Saatknollen im Auguſt; letztere werden dann in Kellern, in nicht zu ſtarken Schichten, aufbewahrt. Die Kartoffeln werden auf Sandboden gebaut, der ſeicht gepflügt und ſtark gedüngt wird, und hier tritt die Krankheit ſehr ſtark auf, während bei tieferer Ackerung die Krankheit ſeltener ſein ſoll. Bei trockener Witterung ſind häufig die Knollen beim Aufnehmen ſchon welk. Die Erſcheinung der Fadenbildung, ſowie deren Folge, das Verfaulen der Knollen, iſt dort den Leuten lange bekannt. Greift ſie bei einer Kartoffelſorte ſtark um ſich, ſo wählt man eine andere, und ſcheint dieſer Samenwechſel, ohne Änderung der Anbaumethode, die einzige Rettung zu ſein. Eine andere weniger gefährliche Krankheit der Knollen iſt die auf feuchtem Boden häufiger vorkommende reichere und maſſigere Entwickelung der Korkwärzchen. Dieſe bilden ſchnee⸗ weiße 1 ½ bis 3 mm lange und ca. 1 mm breite Erhabenheiten von etwas krumiger Beſchaffenheit. Beim Austrocknen ſinken dieſe Erhabenheiten zuſammen. Die weiße krumige Maſſe wird durch zahlreiche Korkzellen gebildet, welche rund und nicht wie gewöhnlich platt ſind. Durch dieſe Erſcheinung wird weder die Qualität noch die Haltbarkeit der Knollen nachteilig beeinflußt. Die Pilzkrankheiten der Kartoffeln. Durch einen paraſitiſchen Pilz, der Phytophthora(Pero- nospora) infestans de By., wird eine Krankheit erzeugt, die ſchlechthin als„Kartoffelkrankheit oder Naßfäule“ bezeichnet wird. Dieſer Pilz befällt zuerſt die Blätter und Stengel der Kartoffel, und veranlaßt das frühzeitige Abſterben derſelben, was ſich durch Schwarzwerden und Vertrocknen dieſer Teile kennzeichnet. Später erkranken auch die Knollen. die rch iter Krankheiten der Kartoffeln. 67 Meiſtenteils im Laufe des Monats Juli zeigen ſich kleine ſchwarze Flecke mit weißlich ſchimmerndem Rande auf den Blättern, die in kurzer Zeit bei feuchtwarmer Witterung das ganze Blatt überziehen und töten. Abgeſehen von einigen mangelhaften Mitteilungen aus dem Ende des 18. Jahrhunderts, von denen man nicht mit Beſtimmt⸗ heit ſagen kann, daß ſie auch wirklich die durch Phytophthora infestans verurſachte Krankheit betreffen, liegen die erſten Be⸗ richte ausgedehnter Verheerungen durch dieſelbe um 1834 aus Großbritannien und Irland, 1832 aus Sachſen und 1836 aus der Pfalz vor. Bereits 1837 hatte ſie beträchtlich an Aus⸗ dehnung gewonnen, und trat in einem großen Teile Nord⸗ Deutſchlands auf. Ihr ſeuchenartiges Auftreten und ihre Verbreitung über faſt ſämtliche Kartoffeln bauende Länder der Erde iſt jedoch auf die Jahre 1845 und 1846 zurückzuführen, und richtete ſie in den nächſtfolgenden Jahren außerordentliche Verheerungen an. Der Pilz, deſſen Mycelium im Innern der Gewebe lebt, fruktifiziert auf den Blättern in der Weiſe, daß aus ihren Spalt⸗ öffnungen oder Zellrupturen, und zwar zuvörderſt an der Unter⸗ ſeite der Blätter und bei vorgeſchrittenem Krankheitsſtadium auch an ihrer Oberſeite querwandloſe, baumartig verzweigte Frucht⸗ träger, deren Baſis etwas aufgetrieben erſcheint, zu Büſcheln vereinigt ſich über die Oberfläche erheben. An jedem Frucht⸗ träger ſind bis zu 3 Seitenzweigen vorhanden, die an ihrer Spitze citronenförmige, ſich durch eine Querwand vom Pilzfaden abſondernde Conidien tragen, deren Wand derb, namentlich an der Spiße verdickt iſt. Nach Bildung der Conidie tritt unter derſelben eine Schwellung ein, welche dieſe zur Seite drückt. Der Fruchtaſt wächſt hierauf weiter und bildet bald eine neue Conidie. Dieſer Prozeß kann ſich bis 16 mal wiederholen und wird dadurch das Deftzit gedeckt, welches durch die Armut der Verzweigung des Fruchtträgers entſteht. Die ſeitlich heraus⸗ gedrückten Conidien ſitzen außerordentlich loſe an ihren Trägern und fallen bei der leiſeſten Berührung ab, jene kleinen An⸗ 5* 68 Krankheiten der Kartoffeln. ſchwellungen hinterlaſſend, welche ein ſehr charakteriſtiſches Unter⸗ ſcheidungsmoment für P. infestans ſind. Die in den Conidien ſich bildenden Zooſporen treten nach dem Abfallen derſelben, wenn ſie mit Waſſer in Berührung kommen, durch Berſten der Wand, als ovale, einſeitig etwas ab⸗ geplattete, am hinteren Ende mit zwei aus einem Punkte ent⸗ ſpringenden Wimpern verſehene Körperchen von gallertartiger Beſchaffenheit heraus, die ſich, um ihre Längsachſe drehend, im Waſſer fortbewegen, und meiſt nach kurzer Zeit, etwa nach einer halben Stunde, zur Ruhe kommen, ſich abrunden, und einen Keimſchlauch treiben, der, ſobald er den geeigneten Vegetations⸗ boden nicht findet, meiſt nach 24 Stunden abſtirbt. Die Conidien können auch als ſolche Keimſchläuche treiben, ohne vorher Zooſporen zu entwickeln. Geſchieht die Keimung auf den Blättern, ſo dringen die Keimſchläuche entweder durch die Spaltöffnungen, oder vermittelſt Durchbohrung einer Zellwand in das Innere des Blattes ein, wo ſich dann ein intercelluläres Mycelium entwickelt. An ſolcher Stelle zeigt ſich bald Bräunung, welche ſich auch auf die an⸗ grenzenden Partieen auszubreiten vermag, ohne daß dieſelben direkt von dem Mycelium berührt werden. Das Chlorophyll wird zerſtört, die Stärke gelöſt, der Zellinhalt braun und humos, die Zelle ſtirbt ab. Mit dem Weiterwachſen des Myceliums werden immer mehr Zellen zerſtört, und grenzen ſich die von dem Pilz befallenen Partieen durch einen weißen Ring ſcharf von den noch geſunden ab. Da der Pilz nur auf lebenden Pflanzenteilen zu eriſtieren vermag, ſo verſchwindet derſelbe mit dem Abſterben des Zellgewebes. Die bei ihrer Reife abfallenden Conidien können aber auch auf den Boden fallen und durch Regen mit dem verſinkenden Waſſer bis in die Nähe der Knollen gelangen, wo ſie ihre e Schwärmſporen entlaſſen, die ihre Keimſchläuche ſenkrecht durch e die Korkzellſchichten der Knolle treiben und infolge deſſen die Naßfäule zu erzeugen vermögen, wie Speerſchneider) nach⸗ gewieſen hat. *) Botaniſche Zeitung. 1857. Krankheiten der Kartoffeln. 69 Ferner hat J. Kühn“) gezeigt, daß ſich die Fruchtträger von P. infestans auch auf den Knollen im Boden und im Winterlager bilden können, wodurch die Möglichkeit einer fort⸗ ſchreitenden Ausbreitung der Knollenerkrankung gegeben iſt. An den Stellen der Knolle, wo der Keimſchlauch eingetreten iſt, und ſich das Mycelium entwickelt hat, entſtehen braune Flecke. Die Oberhaut iſt in der Regel eingeſunken, und das darunter liegende Gewebe braun gefärbt. Die Braunfärbung ergreift immer mehr Partieen, bis endlich jauchige Zerſetzung, die ſog. Naßfäule ſich einſtellt, die aber auch bei ſehr trockenem Wetter oder in einem ſehr trocknen Auf⸗ bewahrungsraum als eine Art Trockenfäule auftreten kann. Das Mycelium des Pilzes überwintert in den Knollen, und von de Baxy iſt die Möglichkeit der Wiedererzeugung der Krank⸗ heit durch Heraufwachſen des Myceliums in die erſten Laubtriebe kranker Saatknollen erwieſen. Trockenheit und Sonnenſchein halten die Entwickelung der Pilzvegetation zurück, Näſſe und feuchte Wärme begünſtigen ſie. Als Mittel zur Verhütung oder Einſchränkung der Krank⸗ heit ſind angegeben worden: 1. Auslegung geſunden Saatgutes. Da bis jetzt das Vorhandenſein von Oosporen nicht nach⸗ gewieſen iſt, muß angenommen werden, daß das Mycelium in den Knollen überwintert, mithin die Krankheit von kranken Knollen erzeugt werden kann, wie dies auch von J. Kühn und de Bary nachgewieſen worden iſt. Die Infektion wird um ſo leichter und intenſiver erfolgen, je wärmer und feuchter der Aufbewahrungsraum iſt, weil da⸗ durch das Ausſchwärmen der Zooſporen begünſtigt wird. 2. Die Auswahl der Kartoffelſorte iſt ebenfalls als Mittel zur Einſchränkung der Kartoffelkrankheit von Bedeutung, denn obwohl jede Sorte der Krankheit anheimfallen kann, ſo verhalten ſich doch in betreff ihrer Empfänglichkeit die Sorten ſehr ungleich zu einander. *) Ztſchr. d. landw. Central⸗Vereins d. Prov. Sachſen, Nr. 12. 1870. 70 Krankheiten der Kartoffeln. Worauf ſich dieſe Erſcheinung gründet, iſt bis jetzt noch nicht ſicher feſtgeſtellt, nur in betreff der Naßfäule nimmt man an, daß die Beſchaffenheit der Schale, namentlich deren Dicke und anatomiſche Ausbildung von einem gewiſſen Einfluß ſei. Bretſchneider und Reeß kommen bei ihren Verſuchen zu dem Reſultat, daß glattſchalige Knollen mit flachen Augen weniger leicht zu infizieren ſind als rauhſchalige und tiefäugige Knollen, weil die Conidien, in einem lockeren, vom Regen durchrieſelten Boden weniger leicht an den glattſchaligen Knollen haften, wäh⸗ rend ſie von den Riſſen der rauhſchaligen feſtgehalten werden. Die Dicke der Schale ſei dagegen bezüglich des Schutzes, den ſie gewähren ſolle, ganz irrilevant. Sorauer fand dagegen, daß die Dicke der Schale einen bemerkbaren, wenn auch geringen Einfluß auf das Verhalten einer Kartoffelſorte gegen P. infestans ausübe. Derſelbe fand im Mittel von 73 verſchiedenen Sorten für die die Korkſchalen konſtituierenden Zellenlagen die Zahl 7,5 und für die Dicke der ganzen Korkſchicht 0,106 mm, während die Mittelzahlen der erkrankten Sorten für dieſelben Werte 7,3 und 0,103 mm waren. In betreff der Blattkrankheit führt J. Kühn an, daß das Entwickelungsſtadium der Pflanze zur Zeit des Auftretens der Krankheit von Bedeutung zu ſein ſcheine, da junge Triebe leicht gänzlich vom Pilz zerſtört werden, während die ſchon kräftiger entwickelte Pflanze eine größere Widerſtandsfähigkeit zeigt. Iſt ſpäter ein gewiſſes höheres Entwickelungsſtadium erreicht, z. B. wenn nach der Blüte die Lebhaftigkeit der Vegetation nach⸗ läßt, dann ſind die Pflanzen wieder in hohem Grade empfänglich und werden bei einer die Pilzvegetation begünſtigenden Witte⸗ rung leicht gänzlich vernichtet. Tritt der letzterwähnte Umſtand Ende Juli oder Anfang Auguſt ein, ſo ſieht man die in der Ausbildung vorgeſchrittenen Frühkartoffeln raſch durch den Para⸗ ſiten abſterben, während er auf anderen Sorten, und zwar je ſpätreifer ſie ſind, um ſo langſamer Platz greift. 3. Die Kartoffelkrankheit erfährt auch eine Einſchränkung durch die Auswahl eines für die Kartoffelkultur günſtigen Bodens. Sowohl die Beſchaffenheit des Bodens als auch ſeine Lage Krankheiten der Kartoffeln. 71 wird einen nicht zu unterſchätzenden Einfluß auf die Entwickelung des Pilzes ausüben, da die Thatſache feſtſteht, daß die Pilze zum Keimen der Feuchtigkeit bedürfen, und im allgemeinen einen feuchten, dumpfigen Standort lieben. Aus welchem Grunde auf tiefgelegenen oder eingeſchloſſenen Lokalitäten, namentlich ſobald ihr Boden ſchwer und undurchlaſſend iſt, die Naßfäule außerordentlich begünſtigt wird, während frei und hoch gelegene Felder mit leichten, durchlaſſenden Böden die Krankheit in ge⸗ ringerem Grade zeigen. Wie bedeutend die Bodenbeſchaffenheit auf die Erkrankung einwirkt, ergiebt ſich aus einem Verſuch von Marek,,*) der mit 46 Sorten in Königsberg auf verſchiedenen Bodenarten aus⸗ geführt wurde. Die Kartoffelzahl der erkrankten betrug auf: Sandboden... 14,3 pCt., Moorboden.. 26,1„ Mergelboden... 33,2„ Humusboden 33,6„ Thonboden... 36,1„ Lehmboden... 39,1„ Durch Drainage und durch Kulturarten, welche einen lockeren, mehr durchlüfteten Boden für die Kartoffeln herſtellen, kann auch auf relativ feuchten und ſchweren Bodenarten die Krankheit eingeſchränkt werden. Es empfiehlt ſich in ſolchen Fällen z. B. die Kultur auf Kämmen, oder flaches Auslegen der Knollen und nachheriges mehrfaches Behäufeln. Namentlich ſind das Gülichſche und Jenſenſche Kulturverfahren als Präſervativ gegen die Krankheit empfohlen worden. Man nahm an, weil infolge derſelben das Laub ſeitlich der Erdhäufchen niedergebogen wird, die Conidien von den Blättern nicht auf den Erdhaufen, reſp. zu den Knollen gelangen, auch die Erde des Haufens meiſt ſo trocken ſei, daß das Auskeimen der Conidien nicht erfolgen könne. J. Kühn hat durch ſeine Verſuche dagegen konſtatiert, daß *) Georgine, Nr. 41. 1885. 72 Krankheiten der Kartoffeln. nur auf ſehr naſſen, ſchweren und undurchlaſſenden Böden ein Erfolg durch die Gülichſche Methode zu erzielen ſei, auf für den Kartoffelbau günſtigen Lokalitäten jedoch nicht, denn das Herunterbiegen der Zweige könne nicht als Präſervativ angeſehen werden, da durch den Wind im ausgiebigſten Maße die Conidien verbreitbar ſind, und die Erdhaufen ſogar als Fänge für die⸗ ſelben dienen können. Auch die Haufenform des Bodens kann die Krankheit nicht verhüten, weil zwar bei derſelben ein großer Teil des Regenwaſſers in den Furchen abläuft aber bei aus⸗ giebigem Regen die Haufen genügend durchweicht werden, um die Conidien in die Tiefe zu verbreiten. 4. Die Zuſammenſetzung des Düngers iſt ebenfalls bei Verhütung der Kartoffelkrankheit nicht außer acht zu laſſen. Die Verſuche von Karmrodt zeigen, daß eine Düngung mit ſtickſtoffreichen Phosphaten die Krankheit begünſtigt. Das⸗ ſelbe wird auch im allgemeinen von der friſchen Stallmiſt⸗ düngung behauptet, doch lehren die Verſuche von J. Kühn, daß letztere nicht in allen Fällen ein ſtärkeres Auftreten der Kartoffelkrankheit veranlaßt habe. 5. Wider die Kartoffelkrankheit iſt ferner die Entlaubung der Pflanze, ſobald die erſten gelbbraunen Flecken auf dem Laube erſcheinen, zur Verhütung der Fortpflanzung des Pilzes empfohlen worden. Tritt der Pilz ſporadiſch auf, ſo kann eine mäßige Ent⸗ laubung infizierter Blätter, wenn ſie in einem ſehr frühen Ent⸗ wickelungsſtadium oder nach der Blüte geſchieht, eine ſehr be⸗ deutende Ertragsverringerung nicht zur Folge haben, und die Krankheit kann in etwas eingeſchränkt werden, doch iſt das Abrupfen der infizierten Blätter ſchwierig und eine totale Ent⸗ laubung würde doch von zu großen Nachteilen begleitet ſein, zumal die Naßfäule auch durch Conidien, die anderen Feldern entſtammen, fortpflanzbar iſt. 6. Chemiſche Reagentien ſind ebenfalls gegen die Krankheit in Anwendung gekommen. Alle die früher empfohlenen Mittel, wie Schwefeln u. dgl. ſind wenig wirkſam und bisweilen ſogar ſchädlich geweſen. Krankheiten der Kartoffeln. 73 Die jetzt in Anwendung kommende Methode beſteht in der Be⸗ deckung des Laubes mit wäſſrigen oder pulverförmigen Kupfer⸗ ſalzen. Meiſtens bedient man ſich des Kupfervitriols. Ein mit Kupferſalzen behandeltes Laub erhält ſich bedeutend länger grün und liefert demgemäß eine weſentlich beſſere Ernte“*) Nicht alle Kupfermittel wirken gleich günſtig. Vorzugsweiſe kommt in betracht eine Kupfer⸗Kalk⸗Miſchung(Bordelaiſer Brühe). Will man davon eine zweiprozentige Löſung herſtellen, welche ſich bewährt hat, ſo hängt man 2 kg des blauen Vitriols in einem Säckchen in den oberen Teil eines mit 50 1 Waſſer gefüllten, hölzernen Gefäßes. Mittlerweile werden in einem anderen Gefäß 2 kg gebrannten Kalkes durch allmähliges Hinzufügen von Waſſer erſt zum Zerfallen gebracht und dann in Brei ver⸗ wandelt. Schließlich wird der Brei ſo lange verdünnt, bis er 50 1 Waſſer empfangen hat und eine gleichmäßige Kalkmilch entſtanden iſt. Damit ſich ſpäter die Spritze nicht verſtopfe, iſt es gut, die Kalkmilch durch ein Tuch zu gießen und dann erſt mit der Kupferlöſung zu vermiſchen. Von den pulverförmigen Mitteln ſind auch nur die kupfer⸗ haltigen empfehlenswert. Sie ſind inſofern bequemer, als ſie fertig hergeſtellt jeden Augenblick zur Verwendung bereit liegen, haben aber den Nachteil, daß ſie bei zu ſtarkem Aufſtäuben leicht die Blätter verbrennen können. Das Vitriol iſt hier nur mechaniſch durch Gips oder Talk verdünnt, behält alſo ſeine ätzende Eigenſchaft. Am beſten bewährt hat ſich der Sulfostéatite cuprique. Es liegen nun wiederholte Erfahrungen dafür vor, daß durch Anwendung von Kupfermitteln größere Kartoffelerträge erzielt wurden, wenngleich auch mehrere Beobachter einen ſchäd⸗ lichen Einfluß“*) auf die Pflanze ſelbſt und deren Ertrag feſt⸗ geſtellt haben. *) J. Frank u. Sorauer, Pflanzenſchutz D. L. G. Nr. 1. Berlin 1892. S. 53. **) Sorauer: Einige Beobachtungen bei der Anwendung von Kupfer⸗ mitteln gegen die Kartoffelkrankheit. Sorauer Zeitſchr. f. Pflanzenkrankh. III. S. 32. 74 Krankheiten der Kartoffeln. Steglich in Dresden hatte ſehr gute Reſultate. Auf 50 qm großen Flächen erntete er p. ha berechnet: a. unbehandelt b. behandelt ſächſiſche weißfleiſchige Zwiebel 5 000 kg 7600 kg Lercheneier 6180„ 7 700„ Bisquit 3890„ 6 400„ Champion 11 950„ 13 300„ Anderßen 11 600„ 13600„ Magnum bonum 9 120„ 10 000„ André in Limbach, der 9 ha beſpritzte, aber nur ein mal, Anfang Auguſt,(Steglich drei mal) erntete von unbehandelten 9 387 kg p. ha, von behandelten 12 233 kg, alſo mehr 2 846 kg. Petermann mehr 15 pCt., Strebel bei Bordelaiſer⸗Brühe (Kupferkalkbrühe) mehr 48,7 pCt. bei Foſtit(Kupfervitriol⸗ Speckſtein⸗) Beſtreuung mehr 26,3 pCt. Marek⸗Königsberg mehr 30— 50 pCt. Frank 1894 mehr 11,2—12,3 pCt. André, der für 9 ha 4600 1 einer 2procentigen Kupferkalk⸗ brühe verwendete, berechnet die Koſten auf 8,35 Mk. p. ha, den Mehrertrag aber auf 142 Mk. Die neueſten Unterſuchungen von Frank und Krüger*) haben nun gezeigt, daß man ſich bisher in einem großen Irr⸗ tum befand, wenn man die günſtigen Erfolge, welche die Be⸗ handlung der Kartoffelpflanzen mit Kupferpräparaten in der Praxis gezeigt haben, einzig und allein auf die Zerſtörung der Pilzkeime zurückführte. Denn es iſt die Pflanze ſelbſt, die mit dieſer Behandlung in ihrer Lebensthätigkeit gefördert wird. Dieſe Verſuche haben beſtimmt erwieſen, daß die Kupferbeſpritzung auch in einem von Phytophthora gänzlich freien Jahre die Ernteerträge zu ſteigern vermag. Ein ſicheres Mittel gegen die Erkrankung der Knollen kann die Laubbeſpritzung nicht ſein, obwohl die Sporen des Pilzes, wenn ſie mit dem Kupfer in Berührung kommen, zweifellos getötet werden, denn die Sporen gelangen auch auf den Boden und von dort aus in die Knollen. Nur die Lauberkrankung Kartoffelpflanze. Arbeiten d. D. L. G. Heft 2. 1894. Krankheiten der Kartoffeln. 75 wird vorausſichtlich mit dieſem Mittel möglichſt eingeſchränkt oder ganz verhütet und je vollſtändiger dies gelingt, deſto weniger werden auch auf dem Laube neue Sporen erzeugt werden und deſto weniger auf den Boden fallen und zu den Knollen gelangen. Mit dieſen Unterſuchungen iſt der Nachweis geführt, daß die Beſpritzung mit Bordelaiſer Brühe als eine rationelle zu betrachten und zu allgemeiner Anwendung in der Praxis zu empfehlen iſt. Daß die Koſten der Arbeit gegenüber den Mehr⸗ erträgen bei Verwendung von 500 l p. ha nicht ins Gewicht fallen, konnte wiederholt feſtgeſtellt werden, insbeſondere von Steglich.*) Von größter Wichtigkeit für die Praris iſt jedoch die von Frank gemachte Beobachtung, daß ſchon die bloße Behandlung der Saatkartoffeln mit Kupfer⸗Kalk⸗Brühe auf Ent⸗ wickelung und Ertrag der Pflanze begünſtigend einwirkt. Zur Tötung der anhaftenden Pilze werden die Knollen vor dem Setzen 20 Stunden in eine zweiprozentige Kupferkalk⸗ brühe gelegt. Die Knollen brauchen dann nicht abgewaſchen zu werden. Er fand einen großen Unterſchied bei„Fürſt von Lippe“, die gebeizten gingen beſſer und üppiger auf und brachten 27,2 pCt. mehr Ertrag, ſtärker gebeizte 21 pCt., ganz ſtark gebeizte 15,8— 16,4 pCt. Ein gerechtes Bedenken muß uns aber beſchleichen, ob nicht Kupfervergiftungen auftreten können. In dieſer Beziehung wirkt beruhigend, daß die Pflanzen ſich ſehr widerſtandsfähig gegen Aufnahme von Kupfer erweiſen, und daß ſie auch auf kupferhaltigem Boden in ihren Produkten keine, oder nur ſpuren⸗ hafte Mengen dieſes Metalls enthalten, alſo für die Geſundheit der Menſchen und Tiere unſchädlich ſind. Insbeſondere be⸗ weiſen dies auch die von Strebel“*) in Hohenheim angeſtellten Verſuche. Es wird ein dreimaliges Beſpritzen mit einer zweiprozentigen Kupferkalkbrühe empfohlen. Die erſte Beſpritzung ſoll geſchehen, ſobald die Krankheit ſich zeigt, ſpäteſtens jedoch am 1. Juli ) Nachrichten aus dem Klub d. Landw. zu Berlin 1893, Nr 309. **) Württemb. Wchbl. f. Landwirtſch. 1893. Nr. 29. 76 Krankheiten der Kartoffeln. und ihr ſollen die zweite und dritte in Zwiſchenräumen von drei Wochen folgen. Zum ſtaubförmigen Verteilen der Kupferkalkbrühe auf Kartoffelfeldern wird eine von Ph. Mayfarth& Co. in Frankfurt a. M. konſtruierte fahrbare Kartoffelſpritze empfohlen, mit deren Hilfe größere Kartoffelfelder in verhältnismäßig kurzer Zeit in verzüglicher Weiſe ſich beſpritzen laſſen. An derſelben befinden ſich ſechs Verteiler, von denen ein jeder für ſich abſtellbar und auch, für die verſchiedenen Reihenentfernungen paſſend, ſeitwärts drehbar iſt. Zum gleichen Zwecke läßt ſich auch die Spurweite des Wagens für eine Reihenentfernung von 40 bis 65 cm verändern. 7. Die Saatzeit ſcheint ebenfalls von Einfluß auf die Ent⸗ wickelung der Krankheit zu ſein und iſt Wollny*) der Anſicht, die Kartoffeln ſeien zweckmäßiger zu einem innerhalb gewiſſer Grenzen ſpäteren Termine anzubauen, weil die Pflanzen in dieſem Falle zu der Zeit des ſtärkſten Auftretens des Pilzes (Ende Juli, Anfang Auguſt) meiſt eine weit geringere Zahl junger Triebe beſitzen als die Pflanzen aus früh gelegten Knollen. Da aber der Pilz die jugendlichen Triebe am meiſten befällt, ſo leiden die faſt abgereiften, durch plötzlichen Regen verjüngten Stauden früh gelegter Knollen mehr als die in der Entwickelung weniger weit vorgeſchrittenen ſpäten oder ſpät gelegten frühen Sorten. 8. Die Tiefe der Unterbringung des Saatgutes iſt gleich⸗ falls nicht ohne Einfluß auf die Krankheit; ſo zeigen viele Verſuche, insbeſondere auch von J. Kühn, daß die Krankheit bei geringer Saattiefe eine größere Knollenzahl befällt als bei ſtärkerer Bedeckung der Mutterknolle, und daß dieſe Unterſchiede bei den nicht behäufelten Pflanzen größer ſind als bei behäufelten. Die Erſcheinung erklärt ſich durch die Thatſache, daß bei ſtärkerer Erdſchicht die Schwierigkeit des Vordringens der Fortpflanzungs⸗ organe des Pilzes nach den Knollen zu wächſt, alſo die Er⸗ krankung derſelben minder ſtark auftritt. *) Saat und Pflege. Berlin 1885. Krankheiten der Kartoffeln. 77 Aus dieſem Grunde werden auch behäufelte Pflanzen weniger kranke Knollen liefern als nicht behäufelte, zumal bei der Behäufelung auch die trocknere Beſchaffenheit des Erdreichs in den Behäufelungshörſten der Ausbreitung der Krankheit entgegentritt. Den Beweis dafür, daß die Behäufelung einen erheblichen Schutz gewährt, erbringt Wollny durch zahlreiche von ihm angeſtellte Verſuche. Die Naßfäule*)v- der Kartoffelknollen iſt häufig das End⸗ ſtadium der durch Phytophthora infestans verurſachten Kartoffel⸗ krankheit. Letztere iſt der Bahnbrecher für Fäulnisprozeſſe, in⸗ dem diejenigen Stellen der Knollen, welche von dieſem Pilze angegriffen und getötet ſind, eben die gewöhnlichen Ausgangs⸗ punkte der Fäule darſtellen. Wenn die erkrankten Knollen in feuchtem Erdboden ſich befinden oder auch wenn die Aufbe⸗ wahrungsräume der Knollen im Winter feucht ſind, ſo wird die Fäule hierdurch beſonders gefördert und das Fleiſch der Knollen verwandelt ſich in eine jauchige übelriechende Maſſe. Es ge⸗ ſchieht dies unter Einwirkung von Bakterien, welche maſſenhaft in dem flüſſigen Brei enthalten ſind. Die Wirkung dieſer Bakterien beſteht in einer Auflöſung der Intercellularſubſtanz und danach auch der Zellhäute des Kartoffelgewebes, während die Stärkekörner ziemlich unverändert bleiben und daher in der Jauche reichlich vorhanden ſind. Die Bakterienform ſtimmt überein mit derjenigen, welche auch in vielen anderen ſtärkemehl⸗ haltigen Pflanzenteilen beim Faulen derſelben unter Waſſer auftritt und mit dem ſauerſtofffliehenden Butterſäurepilz, Clostridium butyricum Prazm. identiſch iſt. Dieſer ſauerſtoff⸗ fliehende Pilz kann ſich innerhalb der Pflanzenteile bei Luft⸗ abſchluß weiter entwickeln. Die gebildete Butterſäure iſt das Gärungsprodukt dieſer Bakterienwirkung. Dieſen Pilz halten Reinke und Sorauer für die primäre Krankheitsurſache, während Frank ihn als ſekundäre Erſcheinung anſieht. Im Frühjahr, wenn der Boden abgetocknet iſt, finden ſich häufig auf den Kartoffeläckern breite, ſcheibenförmig zuſammen⸗ *) Frank. Die Krankheiten der Pflanzen. II. Aufl. I. Bd. S. 21. Breslau 1895. 78 Krankheiten der Kartoffeln. gedrückte und getrocknete, harte Knollen mit kreidigem Bruch. Es ſind dies die kranken Kartoffeln des Vorjahres, die ihr Waſſer während des Winters verloren haben und nur die verunreinigten Stärkekörner kuchenförmig zuſammengebacken ent⸗ halten. Wenn die Naßfäule durch andauernde Trockenheit auf⸗ gehalten wird, erſcheinen die Jauchenherde im innern als un⸗ regelmäßige, von verſchiedenartiger Schimmelbildung ausgekleidete Lücken. Die Umgebung der Lücken iſt teils zunderig, teils zähe korkig und die Knolle befindet ſich jetzt im Zuſtande der„Trocken⸗ fäule.“ Einſchränken läßt ſich die Naßfäule durch alle Mittel, welche einen möglichſt reichen Luftzutritt zu den Knollen ein⸗ leiten: Drainage, tiefe Waſſerfurchen, Bodenlockerung u. ſ. w. Die ſchwarze Trockenfäule der Kartoffeln.“) Die Knollen zeigen Neigung zur Kindelbildung, ſind leicht, weil teilweis hohl und laſſen äußerlich die Spuren der Trockenfäule erkennen. Letztere ſcheint ausnahmlos vom Stielende aus ihren Anfang zu nehmen. Von der reinen Trockenfäule weichen ſie darin ab, daß die Knollen in dem ſcheinbar noch geſunden Teile des Fleiſches, welches im Augenblick des Durchſchneidens völlig weiß iſt, nach 10—15 Minuten ſich zuerſt roſtrot und ſpäter ſchwarz färben. Dieſe ſchwarze Maſſe wird beim Abtrocknen heller, ſinkt zuſammen und wird ſchwammig bis zunderig, während die hart bleibende Randpartie anfangs glitzernd und ſpäter normal kreidig wird. Es treten dann wie bei der gewöhnlichen Trocken⸗ fäule als Folge verſchiedene Pilze auf. Sorauer vermutet, daß ſich in den Knollen ein Ferment entwickelt, das zu einer Umſetzung des Zellinhalts und zur Entſtehung eines vielleicht den Huminſubſtanzen verwandten Stoffes Veranlaſſung giebt, welcher den Mutterboden für die von außen alsbald einwandernden Bakterien und Myeelpilze abgiebt. Sorauer hat nun mit dieſen kranken Knollen einen Anbau⸗ *) Sorauer: Zeitſchr. f. Pflanzenkrankh. 1894. S. 126. Krankheiten der Kartoffeln. 79 verſuch gemacht. Die geernteten Knollen zeigten eine tadelloſe Beſchaffenheit, aber im Dezember an ihnen vorgenommene Unterſuchungen erbrachten das überraſchende Ergebnis, daß ein Teil der Knollen die Krankheit beſaß. Damit iſt der Beweis*) erbracht, daß dieſe Art der Trockenfäule für eine Generation wenigſtens erblich iſt. Die Pocken⸗ oder Warzenkrankheit wird nach J. Kühn ebenfalls durch einen paraſitiſchen Pilz(Rhizoctonia Solani J. Kühn) hervorgerufen. Dieſer Pilz erzeugt weißliche, in voller Ausbildung aber dunkelbraune Puſteln von Stecknadelkopf⸗ größe und kleiner. Entweder ſtehen dieſe Puſteln einzeln oder truppweiſe zuſammen. Der Schade iſt meiſt für Brenn⸗ und Viehkartoffeln un⸗ erheblich, doch wird der Wert der Speiſekartoffeln dadurch in hohem Grade beeinträchtigt. Mit dieſer Krankheit darf jedoch nicht die auf feuchtem Acker an den Knollen häufiger vorkommende und ſchon weiter oben erwähnte maſſigere Entwickelung der Korkwärzchen ver⸗ wechſelt werden. Der Schorf oder die Räude der Kartoffeln, auch als„Krätze“ oder„Grind“ bezeichnet, beſteht in dem Auftreten brauner, unregelmäßig ſchüſſelförmiger, von zernagt ausſehenden Rand⸗ partieen umgrenzter Vertiefungen, die allmählich ſich erweitern und tiefer in das Knollenfleiſch hinein vordringen.— Die neueſten Forſchungen“*) weiſen darauf hin, daß man einen „Tiefſchorf“ von einem„Oberflächenſchorf“ zu unterſcheiden habe, welche durch verſchiedene Paraſiten erzeugt werden. Bei letztgenannter Form ſpringt das verkorkte kranke Gewebe viel mehr warzenartig hervor; bei der Tiefform, bei welcher eine größere Neigung zum gänzlichen Zerfall der Zellen vorhanden, ſenkt ſich die Korkbildung alsbald trichterartig in die Tiefe und bildet die bekannten Hohlzapfen, die man aus gekochten *) Sorauer: Ein Verſuch über die Erblichkeit der ſchwarzen Trocken⸗ fäule bei Kartoffeln. Deutſche Landwirſch. Ztg. Nr. 10. 1895. **) Frank und Sorauer: Pflanzenſchutz. D. L. G. Sammlung von Anleitungen Nr. 1. Berlin 1892. S. 57. 80 Krankheiten der Kartoffeln. Knollen mit Leichtigkeit herausheben kann. Beide, nicht ſelten gemeinſam an derſelben Knolle auftretende Schorfformen ſind paraſitäre Erſcheinungen. Der Tiefſchorf beginnt mit der Bildung einer rötlich⸗braunen Zone um die natürlichen Rinden⸗ poren herum. Dieſe Stellen werden dunkler und zeigen ab⸗ norme Korkproduktion; an ihren Rändern tritt eine leicht graue, faſt ſchimmelartige Subſtanz auf. Letztere beſteht aus bakterien⸗- ähnlichen Körpern von ſtabförmiger Geſtalt und aus ſpiraligen Organismen, die bei geringem Druck in bacillenartige Stücke zerbrechen. Eine mit dieſem Material auf eine jugendliche, am Stock belaſſene Knolle ausgeführte Buchſtabenzeichnung erſchien nach acht Tagen bereits als Schorffigur. Bei dem Oberflächenſchorf zeigt ſich unter den verſchiedenen, dabei auftretenden Bakterienarten eine mikrokokkenähnliche Form ſtets unterhalb der Schorfſtelle in dem an die kranke Stelle direkt angrenzenden Gewebe, das durchſcheinender wie das ganz ge⸗ ſunde Fleiſch ausſieht. Die aus dieſer Zone ſtammenden, bei Kulturen ſich zu Kurzſtäbchen entwickelnden Bakterien erzeugten bei der Impfung ebenfalls ſtets Schorfbildung. ÄAltere aus⸗ gewachſene Knollen laſſen ſich nicht mehr anſtecken. Da die Schorfbakterien nachgewieſenermaßen in neutralen oder ſchwach alkaliſchen Nährlöſungen am beſten gedeihen, ſo wird man Kalkzufuhr, ſtarke Stallmiſtdüngung, Aſche u. a. zu vermeiden haben; namentlich der Kalk ſcheint den Paraſiten zur Überwindung der Säure willkommen zu ſein. Selbſtverſtändlich darf ſchorfiges Saatgut nicht ausgelegt werden, auch iſt der öftere Anbau von Kartoffeln hintereinander auf demſelben Felde zu vermeiden. Poſitiv wirkſam könnte vielleicht eine Beigabe von Eiſen⸗ vitriol ſein. Eine Schorfkrankheit ſoll in Norwegen nach Brunchorſt durch Spongospora Solani Brunch. erzeugt werden, doch indentifiziert mit Unrecht, wie Frank“*) nachweiſt, Brunchorſt die durch dieſen Pilz entſtehende Krankheit mit dem gewöhnlichen Kartoffelſchorf. *) Die Krankheiten d. Pfl. II. Aufl. S. 18. Breslau 1895. Krankheiten der Kartoffeln. 81 5 Die Schwarzbeinigkeit*) der Kartoffeln, eine Stengelfäule d des Krautes, charakteriſiert ſich durch das gelbliche, ſchlaffe, von el unten her im ganzen vertrocknende Laub einzelner Stengel oder der ganzen Staude. Anfangs ſtehen die gelblaubigen Stengel d. aufrecht, ſpäter ſind ſie meiſt zur Erde geneigt und dicht über . der Bodenfläche geſchwärzt. Wenn die Stengel ſich umgelegt d-⸗· haben, beginnen dieſelben auch an höheren Stellen ſchwarzbraune ü Flecke zu bekommen und erweichen dort. Die ſchwarzen Stellen ce bekleiden ſich in der Mehrzahl der Fälle mit kreidig⸗weißen Pilz⸗ mml raſen. Schwarzbeinige Stöcke behalten im Acker meiſt geſunde, en aber in der Entwickelung zurückbleibende Knollen. Dieſe Krankheit ſcheint mir mit einer von Kirchner⸗ n, Hohenheim“**) beſchriebenen Stengelfäule identiſch zu ſein, deren an Entſtehung von ihm auf einen Pilz, Botrytis cinerea, zurück⸗ ek geführt wird. Letzterer iſt ein fakultativer Schmarotzer, d. h. er he⸗ kann ſich auf ſchon abgeſtorbenen Pflanzenteilen, auf Dünger u. ſ. w. dei entwickeln, unter gewiſſen Bedingungen aber auch lebende Pflanzen ten befallen. s⸗ Da ſich die Krankheit vom Stalldung aus entwickelt, ſo iſt, falls die Krankheit örtlich wiederholt auftreten ſollte, die Stallmiſt⸗ len düngung auf den betreffenden Feldern möglichſt zu beſchränken. ſo Im übrigen kann ein weiteres Umſichgreifen nur dadurch ver⸗ zu hütet werden, daß man alle kranken Stöcke ſo zeitig wie möglich zur entfernt und das Kraut verbrennt, damit der Pilz nicht ſeine Vermehrungsorgane entwickeln und ausſtreuen kann. legt Eine heftige Lauberkrankung iſt auch 1875 in der Umgegend der von Leipzig und Tharand durch den Rapsverderber erzeugt worden, ein Pilz, der als Zerſtörer der Rapsſchoten bekannt iſt en⸗ und von J. Kühn Sporidesmium(Polydesmus) exitiosum genannt wurde. drſt Die Krankheit hatte einige Ähnlichkeit mit der Kräuſel⸗ doih krankheit“**), doch erfolgte das Abſterben der Stengel ſehr ſchnell. orſt— chen*) Frank und Sorauer: Pflanzenſchutz. Berlin 1892. **) Württemb. Wchbl. f. Landwirtſch. 1893, Nr. 34. ***) Die Kartoffel und ihre Kultur.(Ausſtellung zu Altenburg 1876.) Werner, Kartoffelbau. 3. Auflage. 6 82 Tieriſche Feinde der Kartoffeln. Seit dieſer Zeit ſcheint er nicht wieder verheerend aufgetreten zu ſein. Ein Pilz, Leptosphaeria circinans, umſpinnt die Knollen mit violetten Fäden und vermag dieſelben faſt zur jauchigen Er⸗ weichung zu bringen. Das Myeel breitet ſich im Boden weiter aus und tritt als Wurzeltöter von Klee und Luzerne auf. Eine eigentümliche Knollenerkrankung wird durch einen Pilz (Pythium Equiseti Sadeb) erzeugt. Es werden die Knollen zuerſt auswendig und darauf, ſchnell fortſchreitend, auch im Innern gebräunt, und ſchließlich gehen die Gewebe vollſtändig in Fäulnis über, wobei ſich auf der Oberfläche eine reichliche Schimmelbildung zeigt. Das Laub bleibt vollſtändig geſund, wodurch ſie ſich leicht von der eigent⸗ lichen Kartoffelkrankheit unterſcheidet. Gegen dieſe Krankheit kann man ſich nur durch die Ver⸗ nichtung der Schachtelhalme(Equisetum arvense und palustre L.) ſchützen, denn deren Prothallien werden ſehr ſtark von dem Pilz heimgeſucht, welcher, auf die Knollen übergehend, dieſe unter Umſtänden recht verheerende Krankheit erzeugt. Schließlich findet ſich auf der Kartoffel, wenn auch ſelten, ein phanerogamer Paraſit, die europäiſche oder Zaunſeide (Cuscuta europaea L.), welche auf die Kartoffel übergeht und ſie unfehlbar zerſtört. Tieriſche Feinde der Kartoffeln. Von den in Europa vorkommenden tieriſchen Feinden der Kartoffel iſt die Raupe der Ypſilon⸗Eule(Plusia gamma L.) zu erwähnen, welche nicht nur das Laub beſchädigt, ſondern ſich auch in die Kartoffeln einfrißt. Die Larve des Maikäfers (Engerling)(Melolontha vulgaris L.) und die Larve des Saatſchnellkäfers(Drahtwurm)(Agriotes segetis L.) ſchädigen ebenfalls durch Ausfreſſen der Knollen. Die Raupe der Weizen⸗ Ackereule(Agrotis tritici L.) frißt die Herzknoſpen der Stengel aus. Tieriſche Feinde der Kartoffeln. 83 Zur Vertilgung aller dieſer Feinde hat der franzöſiſche Forſcher Decaux*) Unterſuchungen veröffentlicht, welche be⸗ rechtigtes Aufſehen machten. Mit Hilfe von in Mineralöl ge⸗ tränkten Lappen, welche in den Boden gebracht wurden, ſollte es möglich ſein, dieſe Feinde vom Felde fern zu halten. Pro⸗ feſſor Frank veranlaßte Dr. Otto im Sommer 1893 auf dem Verſuchsfelde der Kgl. Landwirtſch. Hochſchule zu Berlin dieſe Verſuche zu wiederholen. Das Ergebnis war, wie Otto in der Deutſchen Land⸗ wirtſchafts⸗Zeitung Nr. 14, 1895 mitteilt, ein vollkommen nega⸗ tives, indem der Fraß auf den mit Lappen bedüngten Parzellen ebenſo groß war, wie auf den unbehandelten. Im Jahre 1885 wurde in Bayern ein neuer Kartoffel⸗ ſchädling, eine Erdlaus**)(Tychea Phaseoli Pass.) gefunden, welche bisher nur an den Wurzeln einer Schminkbohne, der ge⸗ meinen Ackerbohne, des Blumenkohls und des Amaranthus beobachtet worden war. Dieſe Laus iſt 2 mm lang, 1 ½ mm hoch und breit, birnenförmig, von bleichweißer Farbe, doch ſind Kopf und Hals bräunlich⸗gelb, die Beine und Fühler noch dunkler braun. Dieſe Laus zerſtört die Stengel, welche ſich bis 15 cm. unter der Erdoberfläche vertrocknet zeigten. In neuerer Zeit hat man von weiteren Schädigungen nichts mehr gehört. Die Wurmfäule der Kartoffeln wird durch das Stockälchen Tylenchus devastatrix Jul. Kühn erzeugt. Jul. Kühn fand dieſelbe zuerſt auf dem Verſuchsfelde des landw. Inſtituts in Halle und kennzeichnet dieſe Krankheit wie folgt: Im Beginn der Erkrankung erſcheint die Oberfläche der Knolle nicht weſentlich verändert, es macht ſich nur eine leichte Trübung des Farbentones der Schale bemerkbar, die allmählich deutlicher zur Bildung einer mißfarbenen Stelle führt. Schneidet *) Revue des sciences naturelles appliquées 1891, Bd. II, p. 446: „Les insectes nuisibles aux betteraves a sucre et aux céréales. Moyen nouveau de destruction, son application contre le phylloxèra.“ **) Karſch, die Erdlaus ꝛc. Berlin 1886. 6* 84 Tieriſche Feinde der Kartoffeln. man an einer ſolchen die Knolle quer durch, ſo ſieht man in ähnlicher Weiſe, wie bei der durch Peronospora infestans her⸗ vorgerufenen Krankheit, braune Flecke, aber von etwas ab⸗ weichender Beſchaffenheit. Sie verbreiten ſich weniger tief in das Fleiſch der Kartoffel, meiſtens nur bis 6, ſeltener ſchon bis 10, höchſtens 13 mm. Bei der Aufbewahrung der Knollen in Kellern und Mieten wird wahrſcheinlich dieſes Braunwerden auch tiefer in das Innere der Knolle dringen, aber zur Zeit der Ernte war dies bei den mir vorliegenden Knollen nicht der Fall. Schon hierin liegt ein Unterſchied im Vergleich mit der gewöhnlichen Kartoffelkrankheit, welche meiſtens alsbald tiefer nach innen dringt; daher vermißt man auch die bei letzterer durch das ſich ausbreitende Pilzmycelium hervorgerufenen kleineren Fleckchen gebräunten Gewebes, die von der unmittelbar unter der Schale liegenden gleichmäßiger braungefärbten Partie aus nach innen zu zerſtreut vorkommen und welche die Vor⸗ läufer der weiter vorandringenden Verderbnis ſind. Einen ferneren Unterſchied bedingt der Umſtand, daß bei der vor⸗ liegenden Krankheitsform die braunen Flecke meiſt in ihrer Mitte lichterer, ſelbſt weißlicher Färbung und von lockerer, krumiger Beſchaffenheit ſind.— Treten ſolche Stellen zahlreicher auf, dann gehen ſie ineinander über, wobei das äußere Anſehen der Knolle weſentlich verändert wird. Die Oberfläche derſelben nimmt eine ſchwärzlich graue Färbung an, zeigt ſich unregel⸗ mäßig wellig oder gefaltet, iſt gegen den geſunden Teil der Knolle etwas eingeſenkt und wird nicht ſelten riſſig und furchig. Beim Querſchnitt zeigen ſolche Stellen neben mehr oder weniger dunkelbraunen Gewebsteilen größere weißliche Maſſen, die augen⸗ ſcheinlich aus Stärkemehlkörnern beſtehen, nicht ſelten ſind auch kleinere oder größere und dann flache Hohlräume vorhanden. Im allgemeinen macht die erkrankte Partie in dieſem Stadium den Eindruck der ſogenannten Trockenfäule. Beſonders häufig findet ſich die Erkrankung am Nabelende der Knollen und um⸗ faßt oft daſſelbe ganz ringsum, bei größeren Knollen dann von der Spitze bis zu 5 cm und weiter vorandringend; es treten ſolche Flecke aber auch an anderen Teilen der Knollen auf und — Tieriſche Feinde der Kartoffeln. 85 bedecken zuweilen eine ganze Seite, namentlich bei mittelgroßen Knollen. Am Spitzenende kommt dieſe Krankheit auch vor, aber weniger häufig. Naßfaule Stellen bemerkte ich nur ganz ver⸗ einzelt und in ſehr beſchränkter Ausdehnung; es dürften jedoch ſolche Knollen bei anhaltend feuchter Witterung oder bei un⸗ günſtiger Aufbewahrung den Fäulnißbakterien eine günſtige Entwickelungsſtätte bieten können. Bei der mikroſkopiſchen Unter⸗ ſuchung fand ich in derartig erkrankten Kartoffeln als Urſache der Verderbnis ein kleines, zu den paraſitiſchen Anguillulen (Tylenchus-Arten) gehöriges Würmchen in allen Stadien der Entwickelung vor: männliche und weibliche Individuen, geſchlecht⸗ loſe Larven verſchiedener Größe und Eier, zum Teil mit bereits voll ausgebildeten Embryonen. Schon in den kleineren Flecken, welche bei dem Beginn der Krankheit vorhanden ſind, finden ſich dieſe paraſitiſchen Kartoffelälchen vor. Zu ihnen geſellen ſich bald Humusanguilllulen(Leptodera⸗Arten), die überall eindringen, wo paraſitiſche Formen ihnen den Weg in das Innere von Pflanzenteilen eröffneten. In den mehr zerſetzten Teilen älterer Flecke findet man ſogar überwiegend mehr Humusangulllulen, während die paraſitiſchen Tylenchen abnehmen und ſelbſt ganz fehlen können, da dieſe nach dem friſcheren Zellgewebe der Knolle ſich hinziehen. Dieſe paraſitiſchen Kartoffel⸗AÄlchen ſtimmen in Größe und Bildungsweiſe ganz überein mit dem Tylenchus devastatrix, welchen ich im Jahre 1856 in kernfaulen Karden⸗ köpfen entdeckte und von dem ich ſpäter zeigte, daß er mit dem Stockälchen identiſch iſt, welches dem Roggen, Hafer und Buch⸗ weizen ſehr nachteilig werden kann und das auch die Ertrags⸗ fähigkeit der Kleefelder in hohem Grade zu ſchädigen vermag. Wir haben es hier ſonach mit einem ſehr gefährlichen Feinde unſerer Kulturen zu thun, deſſen Verbreitung wir möglichſt zu verhüten ſuchen müſſen. Daß derſelbe in weiten Gebieten zu einer Landplage werden kann, haben die üblen Wahrnehmungen in manchen Teilen Weſtfalens, am Rhein und in Holland gezeigt. Derſelbe Paraſit iſt aber auch in der Provinz Sachſen, in Thüringen, am Harz und in Schleſien wiederholt aufgetreten. Die Verſchleppung der Älchen kann ſehr wohl durch Bezug von 86 Tieriſche Feinde der Kartoffeln. Saatkartoffeln aus infizierten Ortlichkeiten erfolgen, weshalb in dieſer Beziehung große Vorſicht geboten iſt. Bei der Ernte derartig erkrankter Kartoffeln ſondere man zunächſt die deutlich wurmfaulen(im Verein mit den pilzkranken) Knollen ab und verfüttere ſie nach vorherigem Kochen oder Dämpfen. Bei ſolcher Behandlung werden die Würmer zerſtört und die Kartoffeln liefern noch eine befriedigende Nutzung, weil die Wurmfäule bei der Ernte nur erſt eine mäßig tiefe Schicht der Kartoffel er⸗ griffen hat, während das Innere derſelben in ſeinem Futterwerte nicht alteriert wurde. Sollte ein zu großes Quantum wurm⸗ fauler Knollen vorhanden ſein, um durch baldige Fütterung konſumiert werden zu können, ſo empfiehlt ſich das Einſäuren der gedämpften Kartoffeln. Beim Einſäuren ungedämpfter Kar⸗ toffeln würden die Würmer nicht zerſtört werden und könnten durch Futterreſte in den Dünger und damit wieder aufs Feld gelangen. Daß bei Verabreichung von Futtermitteln, welche das Stockälchen enthalten, eine Verſchleppung des letzteren nur durch die in den Dünger gelangenden Futterreſte, nicht aber durch die Erkremente ſelbſt erfolgen kann, habe ich früher ſchon durch Ver⸗ ſuche mit derartig infiziertem Stroh fefſtgeſtellt; geſchlechtliche Tiere, wie Larven und Eier von Tylenchus devastatrix gehen im Magen der Tiere zu grunde, die feſten Exkremente enthielten nicht eine Spur davon. So wird ſelbſtredend auch der Sach⸗ verhalt bei wurmkranken Kartoffeln ſein. Da aber eine Ver⸗ ſchleppung durch Futterreſte oder durch beim Freſſen verſtreutes Futter möglich iſt, ſo verwende man ſelbſt anſcheinend geſunde Kartoffeln von einer durch das Kartoffel⸗ oder Stockälchen infizierten Sorte oder von derartig infizierten Feldern niemals im rohen Zuſtande zur Fütterung, ſondern benutze ſie nur ge⸗ kocht oder gedämpft. Bei Verwertung ſolcher Kartoffeln durch den Brennereibetrieb iſt man der Zerſtörung dieſer Paraſiten gleichfalls ſicher, wogegen dies bei Verwertung durch Stärke⸗ fabrikation nicht der Fall ſein würde. In neueſter Zeit wird auch aus Amerika*) über das Auf⸗ treten der Kartoffel⸗Alchen berichtet. *) Zeitſchr. d. Vereins naſſauiſcher Landes⸗ u. Forſtw., LXXI. Ihrg. Tieriſche Feinde der Kartoffeln. 87 Ein ſehr gefährlicher Feind iſt der Kolorado⸗Kartoffelkäfer (Chrysomela[Doryphora] decemlineata Say)*). Dieſer dem amerikaniſchen Kartoffelbau ſehr gefährliche Feind iſt ungefähr 10 mm lang, dick, oval, von rotgelber Grund⸗ farbe mit 10 ſchwarzen Längslinien auf den Zlü geldeclen, deren mittelſte die Naht einnimmt. Mit Beginn des Monats Mai, zu welcher Zeit die Kartoffel junges Laub trägt, geht der Käfer aus dem Erdreich, in welchem er überwintert hat, hervor. Nach Verlauf von 12—14 Tagen ſetzt das inzwiſchen begattete Weibchen ſeine rotgelben Eier zu je 12— 20 an die Unterſeite der Blätter ab und fährt hiermit etwa 40 Tage fort: im ganzen werden 700— 1200 Stück Eier abgeſetzt. Nach 5—8 Tagen ſchlüpfen die blutroten Larven aus, die, immer heller werdend, eine Größe von 12 mm erreichen und eine birnenförmige Geſtalt zeigen. Die Verpuppung erfolgt 17— 20 Tage nach dem Auskriechen in der Erde. Aus der Puppe geht in 10—12 Tagen der Käfer hervor, durch aber⸗ malige Eiablage eine zweite Generation erzeugend, welcher, da ſie auch ihrerſeits wieder in 50— 55 Tagen ihre Verwandelung durchgemacht hat, zu Anfang des Auguſt noch eine dritte folgt, die überwintert. Die Vermehrung iſt demnach ungeheuer, und laſſen ſich die Nachkommen eines Käferpaares auf jährlich 60 Millionen veranſchlagen. Hieraus erklärt es ſich, da es ſehr bald an Nahrung in den heimgeſuchten Lokalitäten für Käfer und Larve fehlen wird, daß der Käfer Wanderungen beginnt, die er durch Flug bewerkſtelligt. Glücklicherweiſe hat ſich die Befürchtung, er werde ſich auch in Europa einbürgern, nicht verwirklicht. In Amerika verhindert er jeden Aufſchwung der Kartoffelkultur. Ich habe vom atlantiſchen Ozean bis zum NMiſſiſippi kein Feld geſehen, das nicht reichlich mit dieſem Käfer beſetzt war. Infolge der eintretenden mehr oder weniger ſtarken Ent⸗ laubung reifen die Knollen nicht gehörig aus, und erhalten dann jenen ſcharfen, unangenehmen Geſchmack, welcher ſolchen Knollen 2) Der Kartoffelkäfer. Herausgegeben im Auftrage des Kgl. preuß. Miniſterium für die landw. Angelegenheiten. 1875. 88 Klima. eigen iſt. Mithin iſt es begreiflich, daß von den Kartoffeln als Speiſe in Amerika verhältnismäßig wenig Gebrauch gemacht wird und eine nicht unbedeutende Einfuhr ſeattfindet. Ein neuer Feind, der ſog. Kartoffeltriebbohrer, iſt in der Raupe eines Eulenſchmetterlings(Hydroesia misasea Esp.) er⸗ kannt worden, welche bisher nur in dem Stengel der Peſtwurz (Petasites officinalis) angetroffen wurde. Die Raupe bewohnt den Innenraum des Kartoffelſtengels und man erkennt ihre An⸗ weſenheit am Abwelken der Blätter. Bisher iſt nur aus Schleswig⸗ Holſtein*) über dieſelbe berichtet worden. Klima. Die zur Ausreife der Kartoffel notwendige mittlere Wärme⸗ ſumme beträgt nach Boussingault 2975° C. Demzufolge muß ſich ihre Vegetationsperiode in dem Maße verlängern, als ſich die Durchſchnittstemperatur einer Gegend verhältnismäßig niedrig ſtellt und umgekehrt. Erhält die Kartoffel die ihr notwendige Wärmeſumme nicht mehr, ſo wird ihre Kultur unmöglich ſein; überſchreitet aber die Temperatur ein gewiſſes Maximum, ſo wird auch in dieſem Falle ihre Kultur nicht mehr rätlich erſcheinen. Im allgemeinen verlangt nun die Kartoffel weniger als manche andere Kulturpflanze, eine in engen Grenzen ſich be⸗ wegende und ſehr gleichmäßige Verteilung der Wärme. Die Kartoffeln leiden in hohem Grade durch plötzliche Ab⸗ kühlung, und ſinkt die Temperatur ein wenig unter 0o, dann erfriert ſchon das Laub. Dies erſetzt ſich allerdings im Frühjahr bald wieder, doch wird die Pflanze dadurch weſentlich geſchwächt. In der Nähe von Gewäſſern und in tiefen Thälern richtet der⸗ ſelbe Kältegrad viel mehr Schaden an, als auf freien Höhen, aus welchen Gründen es mißlich iſt, in feuchten, humusreichen *) Landw. Wchbl. f. Schlesw.⸗Holſt., XLIII. Jahrg., Nr. 50. Klima. 89 Niederungen Nord⸗Deutſchlands vor Mitte Mai Kartoffeln anzu⸗ bauen, da hier die Nachtfröſte nicht ſelten gefährlich werden. Bekanntlich kommt die Kartoffel wild auf den regenarmen Hochplateaus Süd⸗Amerikas vor, weshalb ihr auch am meiſten ein trockenes Höhenklima zuſagt. Dieſe Gegenden Amerikas zeichnen ſich durch ſchnelle Verdunſtung, geringen Luftdruck und große Lichtintenſität aus. Momente, die zur Erzielung einer normalen Entwickelung der Kartoffelpflanze wohl zu berück⸗ ſichtigen ſind. Aus dieſen Gründen kann es nicht verwundern, daß der Kartoffelpflanze große Trockenheit weniger als andauernde Näſſe ſchädlich iſt, und daß man als Hauptfeind der Kartoffelkultur einen naßgründigen, undurchlaſſenden Boden anzuſehen hat. Der Kultur iſt es gelungen, allerdings auf Koſten des Maſſenertrages und Stärkegehaltes der Kartoffeln, Sorten zu erzeugen, die mehr oder weniger früh zur Reife gelangen. In dem Klima Deutſchlands reifen frühe Sorten in 70— 90 Tagen, mittelfrühe in 140 Tagen und ſehr ſpäte in 180 Tagen. Demnach geraten die ſpäten Sorten in Deutſchland überall dort, wo ſich Anfang Mai kein heftiger Nachtfroſt mehr einſtellt und die Knollen bis Ende Oktober in der Erde belaſſen werden können. Eine verhältnismäßig warme und mäßig feuchte Witterung ſagt den Kartoffeln am meiſten zu, und liefern ſie in dieſem Falle die höchſten Erträge, bei hohem Stärkegehalt. Die Polargrenze des Kartoffelbaues liegt in Europa unter dem 70.° 41˙ n. Br. denn ſie wird noch um Hammerfeſt (Lappland) gebaut, und hat ſich auch auf Island und den Fär- Oer-Inſeln ausgebreitet. In Nord⸗Amerika findet ſie ſich noch am Mackenzie⸗Strom, unter dem 65.0 n. Br. und in Hebron auf Labrador unter dem 58.0 15 n. Br. Je mehr dem Aquator zu ſteigt ihre Kultur von der meeres⸗ gleichen Ebene immer höher in das Gebirge hinein; ſo wächſt ſie im tropiſchen Süd⸗Amerika in Höhen von 500— 600 m noch 90 Boden. vorzüglich, kann aber nach Humboldt in den Anden bis zu 3600 m und nach Meyer in Höhen von 3100 bis 4100 m angebaut werden. In Europa reicht ſie gleichfalls bis zu bedeulenden Höhen. Im Glarnerlande an den Südabhängen bis 1500 m(Kaſthofer und Tſchudi); auf der Handek⸗Alpe kommt ſie bei 1473 m, auf Davos noch bei 1900 m vor. In Ober⸗Ungarn liegt die höchſte Grenze bei 1230 m. Auf der ſüdlichen Halbkugel wird ſie noch in der chileniſchen Kolonie Punta⸗Arenas an der Magalhaens⸗Straße unter dem 50.R ſüdlicher Breite, ſo wie auf Neu⸗Seeland und in Auſtralien gebaut. Im allgemeinen reicht demnach ihr Anbau in der meeres⸗ gleichen Ebene von der arktiſchen bis zur ſubtropiſchen Zone, doih leidet ſie in den äußerſten Grenzen ihrer Kultur in der Qualität und Quantität, denn in den kalten Gegenden iſt bei geringem Stärkemehlgehalt der Ertrag mäßig, und in den warmen bewirken Dürre und Hitze ein kümmerliches Wachstum. Boden. Die pflanzenphyſiologiſche Betrachtung der Kartoffelpflanze hat uns gezeigt, daß ſie nur befähigt iſt, ihre Nährſtoffe aus leicht ſich zerſetzenden Verbindungen zu dienahrene demnach ſie auch nur auf an ſolchen Nährſtoffen reichen Böden verhältnis⸗ mäßig hohe Erträge zu bringen vermag, vorausgeſetzt, daß deren phyſikaliſche Beſchaffenheit ihr zuſagt. Aus dieſem Grunde iſt die Lockerheit und Durchläſſigkeit des Bodens wohl zu beachten, denn die Pflanze kann nur in dieſem Fall ihre Wurzeln und Stolonen gehörig entwickeln und geſund erhalten. Auf ſolchen Böden iſt auch am wenigſten die Kartoffelkrankheit zu fürchten. Ein gewiſſer Humusgehalt des Bodens verleiht demſelben Boden. 91 eine verhältnismäßig bedeutende Lockerheit, ſind daher humoſe Böden reich an Nährſtoffen und genügend durchläſſig, ſo gedeihen auf ihnen die Kartoffeln vorzüglich, weshalb auf Neubruch, gut entwäſſerten und abgebrannten Moor⸗, Bruch⸗ oder Heideböden die Kartoffelkultur ſehr erfolgreich betrieben werden kann. Sehr bindige Böden ſind dagegen nur in dem Fall zur Kartoffelkultur heranzuziehen, wenn durch ſtarke Stallmiſtdüngung, Drainage und gute Bearbeitung ihre phyjikaliſchen Eigenſchaften eine günſtige Veränderung erlitten haben. Außer dieſen Böden eignen ſich für eine erfolgreiche Kar⸗ toffelkultur vorzugsweiſe nachfolgende Bodenklaſſen: 1. Milder, friſcher, tiefer Lehmboden, der locker, warm und porös, und deſſen Untergrund im richtigen Grade durchlaſſend iſt. Gerſteboden II. Klaſſe. Auf dieſem Boden bringen die Kartoffeln vortreffliche Erträge. 2. Leichter ſandiger Lehm und lehmiger Sand. Ddieſer Boden iſt trocken und wegen ſeines zunehmenden Sandgehaltes im Untergrunde ſehr durchlaſſend. Roggenboden I. Klaſſe. Die Kartoffeln geben noch befriedigende Erträge. 3. Leichter magerer Sand⸗ oder lehmiger magerer Sandboden. Sein Untergrund iſt ſehr trocken. Roggenboden II. Klaſſe. Bei genügender Düngung ſagt dieſer Boden den Kartoffeln noch zu. 4. Milder thoniger Humusboden; milder Humusboden mit ſchwacher Lehm⸗ und Sandbeimiſchung, und ſelbſt noch ſandiger, etwas ſaurer Humusboden, ſobald derſelbe genügend entwäſſert iſt, ſtellen noch befriedigende Kartoffelerträge in Ausſicht. Einzelne Kartoffelſorten geben auf gedüngtem Flugſande bei nicht zu trockener Witterung noch recht lohnende Erträge. über den Einfluß der Bodenart auf den Ertrag, Stärke⸗ gehalt und die Erkrankung verſchiedener Kartoffelſorten hat Marek⸗) Verſuche angeſtellt, denen wir folgendes entnehmen. Der Thonboden lieferte hohe Erträge an Knollen und *) Fühlings landw. Zeitung. 1886. 2. u. 3. Heft. 92 Düngung. Stärkemehl, doch ſtand der Stärkegehalt der Knollen dem von Knollen anderer Bodenarten nach. Demſelben gehören auch hohe Ziffern von erkrankten Knollen(28,6 pCt.) an, ein Um⸗ ſtand, welcher den Thonboden als unſicher für den Kartoffelbau erſcheinen läßt. Der Sandboden erzeugte kleine, aber viele Kartoffeln und war beſonders der Entwickelung der frühreifen und Speiſe⸗ kartoffeln günſtig. Der Stärkegehalt war auf Koſten des Volumens vermehrt, ſo daß ſich noch ein hinreichender Stärke⸗ ertrag p. ha ergab. Die Gewichtsprozente erkrankter Kartoffeln (10,4 pCt.) waren ſehr niedrig. Der Moorboden erzeugte hohe Erträge und große Knollen mit genügendem Stärkegehalt, auch lieferte er weniger kranke Kartoffeln(18,1 pCt.) als der Thon⸗ und Lehmboden. Die Erträge der Kartoffeln auf Lehmboden lieferten nur Mittelzahlen, auch war die Erkrankungsziffer(31,1 pCt.) ſehr hoch. Beim Humusboden laſſen ſich die Angaben für den Lehm⸗ boden wiederholen, nur war die Erkrankungsziffer(26,4 pCt.) geringer. Düngung. Die Kartoffel erſchöpft die Ackerkrume an leicht aufnehm⸗ baren Nährſtoffen in ſehr hohem Maße, indem ihre Zuſammen⸗ ſetzung große Maſſen an Stickſtoff und Mineralbeſtandteilen fordert. Werden in einer Mittelernte etwa 20000 kg Kartoffeln und 2000 kg Kraut p. ha gewonnen, ſo entziehen dieſelben dem Boden nachfolgende Quantitäten an Nährſtoffen: 20 000 kg Knollen 2000 kg Kraut Sa. p. ha Stickſtoff.... 64 kg 9,8 kg= 73,8 kg Aſche 188„ 39,14„—= 227,1„ Kali....114„ 8,6„— 122,6„ Phosphorſäure 32„ 3,2„— 35,2„ Demnach iſt der Entzug an dieſen ſehr wichtigen Pflanzen⸗ Düngung. 93 nährſtoffen ein ſehr bedeutender; auch zeigt die große Quantität des in der Aſche enthaltenen Kalis, daß wir es mit einer ſog. Kalipflanze zu thun haben. Dieſe Nährſtoffe müſſen in leicht zugänglichen Verbindungen im Boden vorhanden ſein, weil die Kartoffeln nur ſolche Ver⸗ bindungen aufzunehmen vermögen und nicht befähigt ſind, ſich ſelbſt Nahrung außzuſchließen. Dies ſind die Gründe, weshalb die Kartoffelkultur ent⸗ weder„alte Dungkraft“, oder einen Dünger mit leicht auf⸗ nahmefähigen Nährſtoffen fordert. Doch verhalten ſich in beiden Fällen die Erträge nach Quantität und Qualität ſehr verſchieden; ſo erhöht ſich bei friſcher, ſtickſtoffreicher Ddüngung die Quantität des Ertrages, während der prozentiſche Stärkegehalt der Knollen ſinkt; bei Anwendung eines ſtickſtoffarmen Mineraldüngers hin⸗ gegen oder auf einem ungedüngten Lande bringen die Kartoffeln meiſt geringere Erträge, doch iſt dann der prozentiſche Stärke⸗ gehalt der Knollen größer. Bekanntlich werden der Stallmiſtſtickſtoff, der Bodenſtickſtoff und der Gründungſtickſtoff von der Kartoffelpflanze, weil ihre Vegetationsdauer eine lange iſt, weit vortrefflicher als von Pflanzen mit kurzer Vegetationsdauer ausgenutzt. Für Kartoffeln eignet ſich, namentlich auf den mittleren und leichteren Böden, der Rindviehmiſt am beſten, weil er ſich in dieſen thätigen Böden allmählich zerſetzt, und auch nicht bei den Knollen auf Schorfbildung und Verſchlechterung ihrer Qualität hinwirkt, wie dies nicht ſelten bei Anwendung einer reichlichen Schafmiſtdüngung der Fall iſt, welche allerdings eine reichliche Ernte bringen kann, aber auf Koſten des Stärkegehaltes und Wohlgeſchmacks. Auf in alter Kraft ſtehenden Böden kann man den Stallmiſt zu gleicher Zeit mit den Kartoffeln einpflügen, ohne Nachteile erwarten zu müſſen. Auf anderen Böden iſt es jedoch vorzuziehen, den Stallmiſt ſchon im Herbſt aufzufahren, zu ſtreuen und unterzupflügen, weil er ſich dann bis zum Frühjahr ſoweit zerſetzt, um die junge Pflanze mit ausreichenden Nährſtoffen verſorgen zu können. 94 Düngung. Auf ſehr leichten Böden kann auch eine Üüberdüngung der ausgelegten Kartoffeln mit verrottetem Stallmiſt ſehr zweckmäßig ſein, weil der Acker darunter feuchter bleibt. Andererſeits iſt auf ſehr ſchweren Böden die Verwendung eines möglichſt ſtrohigen Miſtes zur Verbeſſerung ſeiner phyſi⸗ kaliſchen Eigenſchaften anzuraten. Letztere Wirkung läßt ſich noch dadurch verſtärken, daß man im Herbſt Kämme aufpflügt und in die dadurch gebildeten Furchen den Dung einſtreut. Im Frühjahr werden dann durch Auseinanderpflügen der Kämme die Saatknollen, welche auf den Dung gelegt werden, mit lockerer Erde bedeckt. Die aufzubringende Stallmiſtmenge ſchwankt zwiſchen 15000 und 60 000 kg und beträgt im Mittel 30 000 kg p. ha. Jedenfalls bildet die Stallmiſtbüngung in den allermeiſten Fällen die Grundlage der Düngung, denn der Stallmiſt enthält nicht nur ſämtliche Pflanzennährſtoffe, ſondern auch die zur Erhaltung einer günſtigen phyſikaliſchen Beſchaffenheit des Bodens ſo wichtigen Humusbildner. Trotzdem reicht ſie zur Erzielung von Höchſterträgen allein nicht aus, weil das Mengen⸗Verhältnis der Pflanzennährſtoffe unter einander im Stallmiſt ein ganz anderes iſt, als dem Bedürfnis der Pflanzen entſpricht, wie untenſtehende Berechnung zeigt: Von einer mittleren Düngung von 30 000 kg Stallmiſt p. ha gelangen zur Wirkung: Phosphorſäure Stickſtoff Kali im 1. Jahre ungefähr 30 kg 60 kg 67 kg „ 2.„„ 18„ 36„ 40„ „ 3„. 6„ 12„ 13„ Dagegen bedürfen die Kartoffeln zur Erzeugung einer guten Mittelernte von 20 000 kg p. ha: 35 kz 74 bs 123 kg Demnach fehlen: 5 kg[14 kg 56 kg Dieſe fehlenden Pflanzennährſtoffe werden zweckmäßig durch Mineraldung zu erſetzen ſein, es iſt alſo bei der Anwendung von Stallmiſt zu ſeiner Regulierung immer auf einen paſſenden Beidünger zu achten. Nur in letzterem Falle wird ſeine ge⸗ urch ung den ge Düngung. 95 nügende Ausnutzung und damit eine Steigerung der Crträge, ſowie eine Verbilligung der Erzeugungskoſten möglich ſein. Eine Stufen⸗ oder Platzdüngung, wie ſie z. B. von Gülich für ſeine Methode empfohlen hat, ſcheint nur in ſehr ſeltenen Fällen erfolgreicher als die Ausbreitung des Dunges über die ganze Fläche zu ſein. Hierüber hat auch Leydhecker*) in neueſter Zeit einen Verſuch angeſtellt. Zum Verſuche wurden je 2 a mit 6 Kartoffelſorten be⸗ ſtellt, wovon je 1 a zur Stufendüngung diente. Auf 1 ha berechnet, wurden durch Stufendüngung 186 hl, durch Breitdbüngung nur 173 hl Kartoffeln geerntet, alſo 13 hl. weniger. Ein Verſuch auf ſo kleinen Flächen und mit Stallmiſt ausgeführt, kann niemals zu genauen Ergebniſſen führen und ſcheinen mir die 13 hl Minderertrag bei der Breitdüngung noch im Bereiche der Fehlergrenzen zu liegen. Von ſehr günſtiger Wirkung iſt namentlich auf leichten Böden die Aufbringung von unkrautfreiem Kompoſt oder gutem Moder. Beide führen dem Acker eine Menge leicht aufnehmbarer Pflanzennährſtoffe zu und verbeſſern zugleich die phyjſkaliſche Beſchaffenheit desſelben. Die aufzubringenden Quantitäten richten ſich nicht nur nach der Güte dieſer Erddünger, ſondern auch nach der Entfernung von dem zu bedüngenden Acker, weil ſich bei weiter Entfernung die Koſten unverhältnismäßig ſteigern. Von einem gut zerſetzten Kompoſt werden 20 000— 40000 kg p. ha aufgebracht. In der Regel rechnet man von einem Moder, der in zeitweis trocken liegenden Teichen, zu denen vielleicht Jauche zufließt, wenn mit der Düngung zugleich auch eine weſentliche Verbeſſerung des phyſikaliſchen Zuſtandes bezweckt wird, 70— 140 cbm p. ha. Es iſt zweckmäßig, dieſe Erddünger den Winter hindurch der freien Einwirkung der Luft auszuſetzen, weil dann noch den *) Öſterreich. Landw. Wchbl. XVII. Ihrg., Nr. 29. 96 Düngung. Pflanzen nachteilige Stoffe ſich oxydieren können und auch eine feinere Verteilung möglich iſt. Die Kartoffeln gedeihen nach dieſen Erddüngern ganz vorzüglich. Ein Hordenſchlag nach dem Legen der Kartoffeln wirkt auf Sandboden auf ſtarke Vermehrung des Ertrages, jedoch auf Koſten des Wohlgeſchmackes der Kartoffeln. Wir hatten oben geſehen, wie wichtig die Anwendung von Beidüngern neben einer Stallmiſtdüngung iſt und daß auch die Verwendung von Stickſtoffſalzen nicht ausgeſchloſſen iſt, da ſie zu einer erheblichen Erhöhung der Erträge führen kann, wie dies aus untenſtehenden Verſuchen über den Einfluß der Stick⸗ ſtoffdbüngung auf Kartoffeln hervorgeht, welche die„D. Kart.⸗ Kult.⸗St.“ angeſtellt hat. Es berichtet v. Eckenbrecher*) über dieſelben wie folgt:„Trotz ſtarker Stallmiſtdüngung auf allen Verſuchsfeldern trat die Wirkung einer Beidüngung mit 200 kg Chiliſalpeter p. ha überall hervor. Es wurden dadurch im Durchſchnitt 2866 kg Knollen und 470 kg Stärke p. ha mehr geerntet. Jedoch machte ſich eine Depreſſion des Stärkegehaltes von durchſchnittlich 0,43 pCt. bemerkbar.“ Dieſe Herabdrückung des Stärkegehaltes der Kartoffeln infolge der Düngung mit Chiliſalpeter iſt übrigens auch anderwärts, z. B. von Ring in Düppel bei Berlin beobachtet worden. Gleiches bezeugt auch Maercker“**) in ſeinem Referat über die ausgedehnten Düngungs⸗ verſuche des Halberſtädter Vereins in den Jahren 1875—1878. Es wurden auf den verſchiedenſten Bodenarten vom leichteſten Sandboden bis zum beſten Rübenboden überaus günſtige Er⸗ gebniſſe ſowohl durch Chiliſalpeter, wie auch durch ammoniakaliſche Düngemittel erzielt, jedoch häufig mit einem gewiſſen Vorteil zu gunſten des Chiliſalpeters. Von ſtickſtoffhaltigen Düngemitteln organiſchen Urſprungs beſaß das aufgeſchloſſene Fleiſchmehl eine recht befriedigende Wirkung, während ſich Knochenmehl und Fiſchguano für die Frühjahrsverwendung zu Kartoffeln wenig bewährten. Vielleicht *) Ergänzungsheft d. Ztſchr. f. Spiritusinduſtrie 1892. **) Zeitſchr. f. Spiritusinduſtrie. 1879, Nr. 10. Düngung. 97 fällt das Ergebnis für dieſe Düngemittel günſtiger aus, wenn dieſelben bereits im Herbſt untergepflügt werden. Bei der Düngung zu Kartoffeln mit einem Stickſtoffſalz ſoll entweder die üppige Entwickelung der Pflanze beſchleunigt, oder der bereits genügend entwickelten Pflanze Stickſtoff als Rohmaterial zugeführt werden. Im erſteren Falle kann eine Kopfdüngung mit Chiliſalpeter von gutem Erfolge ſein und nicht bloß auf einem ſtickſtoff⸗ armen, ſondern unter Umſtänden auch auf einem ſtickſtoffreichen Boden. In dem letzteren Falle reichte das täglich aus dem organiſchen Stickſtoff gebildete verhältnismäßig geringe Quantum an löslichem Stickſtoffſalz nicht aus, die Pflanze zu einer ſchnellen Entwickelung zu bringen. Der Landwirt hat nun zu beurteilen, welcher Zweck der Stickſtoffdüngung— oder beide zuſammen— in betracht kommt, um danach ſowohl die Größe der Dunggabe, als auch die Zeit ihrer Anwendung zu beſtimmen. Durchſchnittlich erzeugen 100 kg Chiliſalpeter 3600 kg Kartoffeln*v) nebſt dem entſprechenden Kraut, vorausgeſetzt, daß zur Erzielung der vollen Stickſtoffwirkung ſich ein Überſchuß an Phosphorſäure, Kali und Kalk im Boden findet. Die Wirkung des ſchwefelſauren Ammoniaks iſt durchſchnitt⸗ lich geringer, als eine dem Stickſtoffgehalt derſelben entſprechende Düngung mit Chiliſalpeter, wie zuerſt Maercker gezeigt hat. Auch die Verſuche von Wagner haben zu dem gleichen Er⸗ gebnis geführt; nach letzteren hat die Wirkung 90 betragen, wenn die des Salpeterſtickſtofts= 100 geſetzt wurde. Es pflegen in der Regel als Beidung 160—330 kg Chiliſalpeter oder 125— 250 kg ſchwefelſaures Ammoniak, welche 25— 50 kg Stickſtoff p. ha erſetzen, gegeben zu werden. Bei der Frühjahrsanwendung des Salpeterſtickſtoffs kann es vorkommen, daß ein Teil desſelben in den Untergrund ge⸗ ſchwemmt wird, da er bekanntlich frei beweglich im Boden bleibt. Je größer die Zeitdauer iſt, welche zwiſchen dem Ein⸗ *) Wagner: Die Stickſtoffdüngung I. Teil. Berlin, 1892 S. 111. Werner, Kartoffelbau. 3. Auflage. 7 98 Düngung. bringen des Salpeters in den Boden und der Aufnahme des Stickſtoffs durch die Pflanzen liegt; je durchläſſiger ferner der Boden iſt; je größer das angewandte Salpeterquantum iſt und je mehr Regen endlich auf den Boden fällt, um ſo größer iſt die Gefahr, daß ein Teil des Stickſtoffes in ſo tiefe Boden⸗ ſchichten verſickert, daß die Pflanzenwurzel ihn nicht mehr er⸗ reichen kann. Verwendet man den Salpeter als Kopfdünger, ſo iſt die Gefahr der Verſickerung ſehr viel geringer. Aber man ſcheut ſich zu Kartoffeln eine Kopfdüngung zu geben, weil man glaubt, der Stickſtoff werde den Pflanzen zu ſpät geboten. Wagner iſt nun der Anſicht, daß, wenn man der Kartoffel möglichſt früh den Salpeterſtickſtoff bietet und dafür ſorgt, daß derſelbe auch ohne Reſt aufgenommen werde, dieſes Ziel nicht immer dadurch erreicht wird, wenn man bei der Saatbeſtellung den Salpeter in den Boden bringt. Es iſt hierbei folgendes zu bedenken. Nach dem Einlegen der Saatkartoffekn vergehen drei bis vier Wochen, bis ſich die Pflanzen zeigen, und von da an vergehen wiederum einige Tage, bis die Pflanzen fähig Zeitabſchnittes viel Regen und iſt die waſſerhaltende Kraft des Bodens eine geringere, ſo wird der Salpeterſtickſtoff in tiefere Bodenſchichten gewaſchen; er entzieht ſich infolge deſſen zunächſt den Pflanzenwurzeln und kommt häufig erſt vierzehn Tage ſpäter zur Wirkung, als gleichzeitig mit ihm gegebenes aber vom Boden abſorbiertes Ammoniakſalz und ein Teil desſelben kann ſich ganz und gar der Aufnahme durch die Pflanzen⸗ wurzeln entziehen. Ferner iſt zu bedenken, daß bei ſtarken Salpetergaben das ganze Quantum nur allmählich von den Pflanzen aufgenommen werden kann; bis nun aber eine voll⸗ ſtändige Aufnahme ſtattgefunden hat, bleibt der im Boden be⸗ findliche Reſt des Salpeters der Gefahr der Verſickerung aus⸗ geſetzt. Erwägt man dies alles, ſo wird man es wohl bezweifeln müſſen, daß das Einbringen einer ſtärkeren Salpetergabe un⸗ mittelbar vor der Einſaat unter allen Umſtänden das rationellſte iſt. Zweckmäßiger erſcheint es, einen Teil des Salpeters mit ger, lber veil ten. ffel daß icht ung des hen da hig iſes des ere hhſt age ber lben zen⸗ arken den vol⸗ be⸗ alls⸗ eifeln e u⸗ ſteiſt s nit Düngung. 99 der Einſaat in den Boden zu bringen und den anderen Teil früher oder ſpäter nach der Einſaat obenauf zu ſtreuen. Ein Verfahren, welches hauptſächlich für die leichteren, durchläſſigeren Bodenarten angezeigt iſt. Von anderen Stickſtoffdüngern erweiſt ſich namentlich das Blutmehl für leichtere Böden brauchbar, wenn darin 1 kg Stickſtoff mindeſtens 20— 25 Pf. weniger koſtet wie im Salpeter oder im ſchwefelſauren Ammoniak. Noch geringeren Wert hat der Stickſtoff im Hornmehl und in Leimabfällen. Für den Stickſtoff des Wollſtaubes kann ĩ½¼ des für Salpeter giltigen Marktpreiſes gezahlt werden. Bei den Maerckerſchen Verſuchen zeigte ſich auch, daß die höchſten Erträge nur durch Anwendung von gewiſſen Phosphor⸗ ſäuremengen neben einer reichlichen Stickſtoffdüngung erzielt wurden. Allerdings gab dieſe Düngung häufig nicht die höchſte Rente, welche ſich meiſtens bei den reinen ſtickſtoffhaltigen Dünge⸗ mitteln zeigte; trotzdem darf aus gewiſſen Gründen der Vorſicht nicht zu einer einſeitigen Stickſtoffdüngung geraten werden. Andererſeits wurden durch die Anwendung von Superphosphaten ohne eine gleichzeitige Stickſtoffgabe Ertragserhöhungen nicht erzielt. Wir wiſſen jetzt, daß die Kartoffeln den ihnen zur Ver⸗ fügung ſtehenden Bodenſtickſtoff oder den ihnen im Stallmiſt, in der Gründüngung, im Chiliſalpeter ꝛc. zugeführten Düngerſtick⸗ ſtoff um ſo ſchneller und um ſo vollſtändiger zu Erntemaſſe verarbeiten, je weniger man ſie nach Phosphorſäure und Kali hungern läßt. Man muß den Boden insbeſondere durch ſtarke Düngungen mit Phosphorſäure anreichern. Hierzu eignet ſich die Thomas⸗Phosphorſäure am meiſten; ſie iſt verhältnismäßig billig und wirkt allmählich, ſtetig und nachhaltig; ſie iſt auf das vorteilhafteſte verwendbar, um den Boden für ſichere Ernten und Maximalerträge mit der notwendigen Menge an Phosphorſäure zu verſehen und einen ſchon ſtark angereicherten Boden auf der Höhe ſeines Düngungszuſtandes und ſeiner Fruchtbarkeit durch einen entſprechenden Erſatz der Phosphorſäuremenge, welche die Ernte entzieht, zu erhalten. Das Superphosphat dagegen koſtet doppelt ſoviel als das 7 ½ 7 100 Düngung. Thomasphosphatmehl, aber dafür iſt ſeine Wirkung eine weit ſchnellere; es bietet ein höchſt ſchätzbares Düngemittel für hoch⸗ intenſive Kulturen und Sommerdüngungen, ſowie für die Beſchleunigung der Anfangsentwickelung der Pflanzen; das Superphosphat bildet in kombinierter Anwendung mit Thomas⸗ phosphatmehl das geeignetſte Mittel, einen Neubruch, oder einen ſehr ausgehungerten Boden in möglichſt kurzer Zeit wieder zu hohen Erträgen zu bringen. Wagner empfiehlt, die Anwendung von Thomasſchlacke mehr auf das ganze Jahr zu verteilen, wie man gerade Zeit hat und der Acker frei iſt, ſo z. B. auf die Stoppeln, auf die rauhe Furche während der Herbſt⸗ oder Wintermonate. In der Zwiſchenzeit iſt das Thomasphosphatmehl oft billiger zu haben C als während der eigentlichen„Saiſon“. Die Kartoffeln bedürfen neben der Stallmiſtdüngung als ſchwache Düngung 200 kg, als mittlere 300 kg und als ſtarke 400 kg Thomasſchlacke p. ha. In Form von Superphosphat reicht man 30—40 kg lösliche Phosphorſäure p. ha. Es iſt darauf aufmerkſam zu machen, daß Thomasphosphat⸗ mehl und ſchwefelſaures Ammoniak nicht mit einander gemiſcht werden dürfen. Hierbei würde Ammoniak ſich verflüchtigen. Alle übrigen Kunſtdünger können unbedenklich mit einander ge⸗ miſcht werden. Der ausgeſtreute Dünger ſoll in der Regel untergepflügt und nicht eingeeggt werden. Allgemein giltige Regeln über die Tiefe des Unterpflügens laſſen ſich nicht geben, denn hierbei iſt die Bodenbeſchaffenheit von weſentlichem Einfluß. Für nicht zu leichte Böden iſt es geraten, den Dünger lieber etwas tiefer als zu flach einzupflügen. Bezüglich der Kalidüngung der Kartoffeln iſt zu bemerken, daß man früher auf dieſelbe den Hauptwert legte, indem man von der Annahme ausging, es verurſache der Pflanze Schwierig⸗ keiten, die in allen Teilen derſelben befindlichen großen Kali⸗ mengen aus einem an leicht löslichen Kaliſalzen nicht ſehr reichen Düngung. 101 Boden herbeizuſchaffen. Neuere Düngungsverſuche*) aber haben gezeigt, daß eine Kalidüngung nicht immer einen größeren Erfolg verſpricht. Es iſt z. B. die Kalidüngung faſt wirkungslos ge⸗ weſen oder hat nur eine geringe Wirkung gezeigt, ſobald eine Hordendüngung kurz vorhergegangen war. Gleiches fand auf allen ſchweren, in guter Kultur befindlichen Bodenarten ſtatt, während die Wirkung eine höhere, zum Teil ſogar ſehr beträcht⸗ liche auf den leichten und humoſen Bodenarten war. Ferner iſt hervorzuheben, daß durch die Kalidüngung nicht ſelten die Qualität der Kartoffeln leidet, indem ſie wäſſriger und ſtärkemehlärmer werden und dies ſelbſt bei ſehr vorſichtigem Düngungsverfahren, wenn z. B. der Kalidünger über den Stall⸗ miſt geſtreut und mit dieſem ſehr zeitig dem Boden einverleibt wird. Dieſe Qualitätsverminderung der Kartoffeln durch Kali⸗ düngung zeigt in auffallender Weiſe ein Düngungsverſuch mit durch Kaliſalz und anderen Mitteln konſervierter Stalldünger von Holdefleiß**). Ernteergebniſſe der mit dieſem Dünger ge⸗ düngten Kartoffeln. Ertrag pro Morgen an 15, V Kartoffeln Stärtegehalt an Stärke ECtr.„ot. Pfd. 1. Dünger nicht konſerviert.. 109,3 19,1 2088 2. ohne Dung... 97,1 19,1 1855 3. Dünger m. Superphosphatgix 135,1 19,5 2634 4. ohne Dung.... 100,6 21,2 2133 5. Dünger und Kainit... 117,3 17,4 2041 6. ohne Dünger..... 105,7 20,3 2146 7. Dünger mit Erde.... 129,2 18,5 22390 *) Wagner„Mit welchen Handelsdüngern ſoll man im Frühjahr düngen?“ Fühling's landw. Zeitung. III. Heft. S. 140. 1883 und Drechsler, Bericht über Düngungsverſuche in der Provinz Hannover; Journal für Landwirtſchaft. Heft 2. 1884. **) Der Landwirth. Nr. 1. 1886. 102 Düngung. Die hauptſächlich zur Anwendung gelangenden Kaliſalze ſind Chlorkalium, ſchwefelſaures Kali, Kainit und Carnallit. Die Stärke der Kalidüngung richtet ſich nach dem Entzug von Kali durch die angebauten Gewächſe und die Auswahl des Düngemittels nach dem Preiſe einſchließlich der Transportkoſten des in demſelben enthaltenen Kalis. Im allgemeinen iſt jedoch zu bemerken, daß man weniger auf den Kalierſatz zu ſehen hat, als auf den effektiven Kali⸗ mangel, der bei einzelnen Kulturen oder Bodenarten hervor⸗ treten kann. Nach einem Bericht von Maercker in den Mitteilungen der deutſchen Landwirtſchaftsgeſellſchaft über Anwendung von Kainit, worüber 22 Berichte von Landwirten vorlagen, hat ſich derſelbe für Kartoffeln, wie folgt, bewährt. Am häufigſten fand eine erfolgreiche Anwendung auf Sand⸗ boden, lehmigen Sand⸗, humoſen Sand⸗ und Moorboden ſtatt, auf welchen ſich in der überwiegenden Zahl der Fälle bedeutende Ertragserhöhungen ergaben, wenngleich nicht ſelten eine De⸗ preſſion des Stärkemehlgehaltes der Kartoffeln hervortrat, in⸗ ſonderheit auf kalireichen Böden und bei ſpäter Anwendung des Kainits, während ſeine frühzeitige Anwendung im Herbſt dieſen ſchädlichen Einfluß zu beſeitigen ſcheint. Die Anwendung des Kainits verlängerte auch in vielen Fällen die Wachstumszeit und verzögerte die Reife: doch hatte ſie keinen nachteiligen Einfluß auf die Schmackhaftigkeit der Eßkartoffeln, welche eher verbeſſert zu werden ſcheint; auch ſoll die Schale feiner und die Haltbarkeit größer werden. Im allgemeinen beſtätigen die Erfahrungen und Verſuche von Schultz⸗Lupitz und Wagner, daß die Kartoffel keine ſehr reichliche direkte Düngung mit leicht löslichem Kali liebt, wes⸗ halb Schultz auch die Vorfruchtdüngung für die Kartoffel fordert. Insbeſondere dürfen größere Mengen von Kaliſalzen nicht auf leichten Sand gebracht werden, eher auf Lehm. Hierdurch wird der Schluß nahe gelegt, daß die Kartoffel, der es ja verhältnis⸗ mäßig leicht zu ſein ſcheint, ſich Kali anzueignen, mehr das „abſorbierte“ als das„leicht lösliche“ Kali liebt, und daß man tnis⸗ das man Düngung. 103 daher auf lehmigem Boden, der bekanntlich eine größere Ab⸗ ſorptionsfähigkeit für Nährſtoffe hat, ſchon eher ſtärkere Kali⸗ düngungen zu Kartoffeln vorteilhafter verwenden kann als auf leichtem Sandboden. Jedenfalls iſt die Vorfruchtdüngung mit Kaliſalzen für Kartoffeln zu empfehlen. Bei direkter Düngung wird man zweckmäßig die Kaliſalze vorzugsweiſe in den Herbſt⸗, ſpäteſtens in den Wintermonaten ausſtreuen. Eine hohe Rentabilität der Kalidüngung ſtellen vor allem der Moorboden und der leichte Sandboden in Ausſicht. Geeig⸗ nete Kaliſalze für dieſe Böden ſind Kainit und Carnallit. Schwere Böden hat man erſt mit größerer Sorgfalt auf ihr Kalibedürfnis zu prüfen, bevor man zu regelmäßigen Kali⸗ düngungen(Chlorkalium) ſich entſchließt. Den Kartoffeln ſuche man alſo das Kali möglichſt in Form von kalireichem Stall⸗ miſt, ferner durch reichliche Düngung der Vorfrucht und endlich — ſoviel noch erforderlich— durch Herbſtdüngung mit Staß⸗ furter Salzen zuzuführen. Wo Kalidüngung überhaupt rentabel iſt, da iſt ſie meiſt als Bodendüngung zu betrachten und verwendet man des⸗ halb meiſt größere Quantitäten von etwa 200 kg Kali p. ha. Das breitwürfig ausgeſtreute Kaliſalz wird zweckmäßig noch vor Winter untergepflügt. Bei einer direkten Berührung des Salzes mit den Saat⸗ knollen kann deren Keimung entweder zurückgehalten oder die ausgetriebenen Keime können zerſtört werden. Für das Nichtauskeimen der Knollen liegen mehrere Fälle vor, ſo z. B. zeigte ſich in einem Verſuche von Fleiſcher in⸗ folge Düngung mit Kainit und Superphosphat auf Moorboden ein ſehr ſchädlicher Einfluß auf die Keimung. Die oben näher bezeichneten Düngemittel waren breitwürfig ausgeſtreut und mit dreizinkingen Hacken untergebracht worden, wie es dort allgemein zu geſchehen pflegt. Obwohl gute Kartoffeln zur Ausſaat ge⸗ nommen, gab es doch ſehr viele Lücken und zeigte es ſich, daß beim Ausnehmen der Ernte die betreffenden Saatkartoffeln ſich noch vollſtändig unverweſt in der Erde befanden. Fleiſcher 104 Düngung. unterſuchte eine Anzahl derſelben und fand, daß die nicht auf⸗ gegangenen Kartoffeln zu 1000 Teilen Trockenſubſtanz 79,34 Teile Aſche hatten, während die Kartoffel durchſchnittlich nur 37,70 Teile, alſo kaum halb ſo viel enthält. Bei näherer Unter⸗ ſuchung der Aſche ſtellte es ſich heraus, daß dieſelbe am auf⸗ fallendſten an Chlor, Schwefelſäure und Natron zugenommen hatte, dagegen prozentiſch ärmer war an ſolchen Mineralſtoffen, welche in Kainit in geringer Menge oder gar nicht vertreten ſind. Auch von der Phosphorſäure des Superphosphates ſcheint ein Teil in die Kartoffeln eingedrungen zu ſein, denn der Gehalt der geſchädigten Kartoffeln an derſelben war faſt doppelt ſo hoch als bei normalen Kartoffeln. Dieſe Erſcheinung weiſt darauf hin, daß die Vorſchrift, das Kainit wie alle derartigen Kaliſalze lange vor der Einſaat in den Boden zu bringen, ganz beſonders für den Moorboden zu beachten iſt, auf dem dieſe Düngemittel bei genügend früher Unterbringung vielfach ſchon von ſehr gutem Erfolge begleitet geweſen ſind. Die Zerſtörung der Kartoffelkeime tritt insbeſondere auch bei der Anwendung ſehr großer Mengen Chlorkalium hervor und Bretſchneider erklärt die ungünſtige Wirkung desſelben, die ſich unter Umſtänden ſelbſt im zweiten Jahre nach der Düngung noch bemerkbar machen kann, durch die Bildung von Chlorkalium im Boden, welches den keimenden Knollen die Feuchtigkeit entzieht und die Keime zum Vertrocknen bringt. Relativ geringe Mengen Chlorkalium haben jedoch dieſe nach⸗ teilige Wirkung nicht gezeigt. Da die Kalidünger meiſtenteils in Verbindung mit Stall⸗ dung aufgebracht werden, ſo kann es ſich auch empfehlen. die⸗ ſelben auf der Dungſtätte über den Stalldung zu ſtreuen und auf dieſe Weiſe mit demſelben auszufahren und vor der Pflan⸗ zung der Kartoffeln unterzupflügen. Keinesfalls iſt aber eine überdüngung grüner Kartoffelbüſche mit Kalidünger zu em⸗ pfehlen, denn abgeſehen von der ungleichmäßigen Verteilung, bleibt der Dung für die Kartoffel nicht nur wirkungslos, da das Kali ſofort von den oberſten Bodenpartien abſorbiert wird und demzufolge nicht zu den Wurzeln gelangt, ſondern es Düngung. 105 wirkt auch inſofern ſchädlich, als das Laub durch darauffallendes Kaliſalz verletzt wird, denn bleibt dieſes Salz auf den Blättern liegen, ſo entſteht eine konzentrierte Salzlöſung, die Waſſer⸗ austritt der unter ihr liegenden Blattpartie zur Folge hat, wodurch dieſe Stelle vertrocknet. Viele vertrocknete Blattſtellen werden aber ſchon einen ſehr bemerklichen Ernteausfall nach ſich ziehen können. Fehlt es dem Boden an Kalk, ſo iſt derſelbe zu mergeln oder zu kalken, um eine ungehinderte Wirkung der Stickſtoff⸗, Phosphorſäure⸗ und Kali⸗Düngung zu ermöglichen. Beiſpiels⸗ weiſe hat ſich auf dem leichten Sandboden der Lupitzer Flur eine ſchwache Kalkung mit 800— 1000 kg Staubkalk oder 1600— 2000 kg kohlenſaurem Kalk(Kalkſteinmehl oder hoch⸗ prozentiger Kalkmergel) bezahlt gemacht. Durch eine ſolche Kalkung konnte immerhin eine Verbeſſerung des Ackers für die nächſtfolgenden 3—4 Jahre mit Sicherheit feſtgeſtellt werden. Jedenfalls ſind Kalk und Mergel ſehr wichtige Hilfsmittel, um die Beſchaffenheit des Bodens zu verbeſſern und die darin enthaltenen Pflanzennährſtoffe für die Pflanzen leichter auf⸗ nahmefähig zu machen. Für bindige Böden ſind 2000 kg Kalk p. ha alle 6 Jahre zu verwenden. Das Ausſtreuen geſchieht zweckmäßig im Herbſte, Thomasſchlacke und Kainit können gleichzeitig mit untergepflügt werden. Ein Anbauverſuch von Kitzinger in Jütrichau bei Zerbſt*) gewährt nun deshalb ein beſonderes Intereſſe, weil er zeigt, wie Kali und Kalk, welche ſonſt einzeln als direkte Düngemittel für Kartoffeln Schädigungen durch Herabdrücken des Stärke⸗ gehaltes reſp. durch Erzeugung von Schorf herbeiführen, gleich⸗ zeitig angewendet, dieſen ihren ſchädlichen Einfluß gegenſeitig abſchwächen. Dieſem Anbauverſuch ſteht ein anderer von Vogel**) gegenüber, welcher fand, daß bei der außerordentlich großen *) Kartoffelanbauverſ. mit Kali⸗ u. Kalkdüngung. Illuſtr. Landw. Ztg. Nr. 12. 1894. **) Düngungsverſuche mit Kainit zu Hackfrüchten. Mitteilungen d. D. L.⸗G. Stück 14, 1893/94. 106 Düngung. Dürre des Sommers 1893 der Stärkegehalt der Kartoffeln durch Kopfdüngung mit 2000 kg Kainit um 2,15 pCt. und durch die Düngung mit 2000 kg Kainit und 2000 kg kohlen⸗ ſaurem Kalk um 2,98 pCt. herabgedrückt war. Die Gründüngung mit Leguminoſen iſt ein wichtiges Hilfs⸗ mittel zur Steigerung der Ertragsfähigkeit der Felder.— Durch die Gründüngungspflanzen wird die Taubildung befördert, die Erde in der oberſten Schicht feucht und locker erhalten, das Unkraut verdrängt, der Boden an Stickſtoff bereichert, die Zer⸗ ſetzung der Mineralbeſtandteile des Bodens beſchleunigt, der Humus vermehrt und überhaupt dem Boden die richtige„Gare“ gegeben. Die Gründüngung iſt überall dort rationell, wo der Ge⸗ „ ,r, ee ſolchen Umſtänden ſind die Leguminoſen gezwungen, Luftſtickſtoff aufzunehmen. Ferner geht die Humusbildung der Gründüngung ſehr viel ſchneller von ſtatten als die des Strohmiſtes. Von größter Wichtigkeit wird jedoch die Gründüngung, ſobald die Stallmiſterzeugung eine ſehr teure und die Entfernung vom Wirtſchaftshofe eine ſehr große iſt, weil hierdurch die Transport⸗ koſten ſich unverhältnismäßig ſteigern. Man unterſcheidet: 1. den Anbau von Gründüngungs⸗ pflanzen als Hauptfrucht(Überſommerbau). 2. als Nebenfrucht. a. Unterſaatbau. b. Zwiſchenfruchtbau. Am ſicherſten und die größte Pflanzenmaſſe liefernd, aber auch am teuerſten iſt der Hauptfruchtbau, während der Neben⸗ fruchtbau ſich erheblich billiger ſtellt und die erzeugte Pflanzen⸗ maſſe nicht ſehr erheblich gegen die des Hauptfruchtbaus zurück⸗ ſteht. Schultz⸗Lupitz berechnet die Koſten einer Gründüngung im Nebenfruchtbau mit Lupinen zu 32 Mk., dagegen im Haupt⸗ fruchtbau zu 100 Mk. Düngung. 107 Im allgemeinen iſt anzunehmen, daß auf 1 ha an Trocken⸗ maſſe beim Hauptfruchtbau erzeugt werden: Boden beſſer 3 200 kg oberirdiſche Maſſe 3 000„ unterirdiſche„ 0 im ganzen: 6 200 kg Trockenmaſſe = 31 000„ Stallmiſt. Boden gering 2800 kg oberirdiſche Maſſe 2600„ unterirdiſche„ im ganzen: 5 400 kg Trockenmaſſe = 27000„ Stallmiſt. beim Nebenfruchtbau: Boden beſſer 3 200 kg oberirdiſche Maſſe 1 600„ unterirdiſche„ e im ganzen: 4800 kg Trockenmaſſe = 24 000„ Stallmiſt. Boden gering 2800 kg oberirdiſche Maſſe 1 400„ unterirdiſche„ im ganzen: 4200 kg Trockenmaſſe = 21 000„ Stallmiſt. An Luftſtickſtoff liefert 1 ha zwiſchen 150— 200 kg. Jedenfalls iſt nun bei der Gründüngung in gleicher Weiſe wie bei der Stallmiſtdüngung für eine genügende Menge von aufnahmefähiger Phosphorſäure, Kali und Kalk Sorge zu tragen, wenn ſie von Erfolg begleitet ſein ſoll. Findet die Gründüngung zu Kartoffeln Verwendung, ſo hat die Erfahrung in Lupitz*) erwieſen, daß die Hinzufügung einer halben Stallmiſtdüngung ſich noch vortrefflich bezahlt machte. Schon 4000 kg Stallmiſt p. ha genügten, um eine ſchnellere Gärung einzuleiten. Die Dungauffuhr findet im November auf die Gründüngungsfrucht ſtatt. Ob nun das Einpflügen der ganzen Maſſe miteinander erfolgt, oder zu verſchiedenen Zeiten, bleibt ſich gleich. Bei Mangel an Stalldung empfiehlt Schultz eine Beigabe *) Schultz⸗Lupitz: Zwiſchenfruchtbau. Berlin, 1895. S. 64. 108 Düngung. von 200 kg Superphosphat und 100 kg Chiliſalpeter p. ha. Wiederholt gemachte Verſuche mit Thomasſchlacke haben in Lupitz kein günſtiges Ergebnis gehabt. Der Chiliſalpeter wird in Lupitz bei früher Saat etwa 3— 4 Wochen, bei ſpäter Saat etwa 14 Tage nach der Pflanzung breit über den Kartoffelacker ausgeſtreut. Zu dieſem Zeitpunkte iſt die Pflanze zur Aufnahme erſt befähigt. Der Zweck der Salpetergabe iſt ja aber in erſter Linie der, während der Zeit, in welcher die Umſetzung der Gründungmaſſen beginnt, die junge Pflanze mit Stickſtoff zu verſorgen. Auf dieſe Weiſe wird die Entwickelung der Pflanze um volle 8— 14 Tage gefördert, mithin um ſoviel die Vegetationszeit verlängert. Es könnte wie Verſchwendung erſcheinen, ein Feld, welchem durch Gründüngung ſo bedeutende Stickſtoffmaſſen einverleibt werden, noch mit löslichem Stickſtoff zu düngen. Es begründet ſich dies jedoch dadurch, daß die junge Kartoffelpflanze bis zu dreiviertel ihres Geſamtbedarfs an Stickſtoff vor Johanni auf⸗ nehmen muß, um höchſte Erträge zu bringen. Infolge von Gründüngung bei Anwendung von Thomas⸗ ſchlacke und Chiliſalpeter hat Ring*) in Düppel bei Berlin eine erhebliche Steigerung der Kartoffelerträge erzielt. Die Wirtſchaft iſt eine viehloſe und die Düngung erfolgt mit zugekauftem Stalldung und Kunſtdünger, ſowie mit Hilfe der Gründüngung. Bewährt haben ſich folgende Düngungsarten: 1. 30000 kg Stalldung+ 200 kg Chiliſalpeter p. ha, letzterer im Frühjahr beim Eggen der Kartoffeln an⸗ gewandt. 2. Gründüngung von Lupinen oder Serradella+ 30000 kg Stalldünger. 3. 200 kg Ammoniakſuperphosphat+ 200 kg Chiliſalpeter p. ha, erſterer beim Legen der Kartoffeln, letzterer vor dem Anhäufeln gegeben. 4. Gründung⸗Lupinen und Serradella+ 400 kg Thomas⸗ mehl, 400 kg Kainit im Herbſt, 50—100 kg Chili⸗ ſalpeter p. ha im Frühjahr. *) Nachrichten aus dem Klub d. Landw. zu Berlin. 1891. Nr. 271. Düngung. 109 5. Gründünger, 20 000 kg Stalldung und 200 kg Chili⸗ ſuperphosphat, letzterer im Frühjahr nach dem Eggen der Kartoffeln. Mit dieſen Düngungen wurden die Ernten nach und nach geſteigert, wobei in den erſten 10 Jahren ſchwächer, als in den letzten 5 Jahren gedüngt wurde. Der Kartoffelertrag p. ha war: im Durchſchnitt der 5 Jahre 1873/79: 10800 ke „„„ 3„ 1880/85: 14200„ „„„ 5„ 1885/89: 18200„ „„ des Jahres 1890: 23200„ Trotzdem Ring beſtimmt glaubt, daß eine ſtarke Grün— düngung das Stickſtoffbedürfnis einer Kartoffelernte vollkommen deckt, ſo hält er es durchaus für keine Verſchwendung, den keimenden Kartoffeln 50 kg, bei ſchwächerer Gründüngung auch 100 kg Chiliſalpeter auf den Kopf zu geben, da eine Ertrags⸗ ſteigerung durch den von der jungen Pflanze ſchnell aſſimilierten Salpeterſtickſtoff ſicher iſt. Die ſog. Prieſen oder Lochdüngung mit Kunſtdüngern, welche zuweilen angewandt wird, kann zu günſtigen Ergebniſſen, aber auch zu Nachteilen führen, denn die mit Lochdüngung bei Kar⸗ toffeln angeſtellten Verſuche Wollnys lehren, daß hierbei die Bodenfeuchtigkeit für den Erfolg von weſentlicher Bedeutung iſt. In dem ertrem trocknen Jahre 1884 hat die Lochdüngung einen entſchieden nachteiligen Einfluß auf die Ernte ausgeübt, wahr⸗ ſcheinlich, weil ſich bei den geringen Feuchtigkeitsmengen in den Bodenpartieen, in welchen ſich die Pflanzenwurzeln ausbreiten, eine Salzlöſung von übermäßiger Konzentration gebildet hatte. In den übrigen Jahrgängen war dagegen bei feuchterer Be⸗ ſchaffenheit des Bodens ein ſehr günſtiges Reſultat erzielt worden. Auf die Frage zu welchem Zeitpunkt man die Zwiſchen⸗ frucht behufs Gründüngung zu Kartoffeln am zweckmäßigſten unterpflügt, ob im Spätherbſt, ob im Winter, ob im Frühjahr, iſt noch nicht endgiltig entſchieden. Es liegt nur ein Verſuch von Schrewe⸗Kleinhof⸗Tapiau“) *) Königsberger Land⸗ u. forſtwirtſch. Ztg. XXVIII. Jahrg. Nr. 10. 110 Fruchtfolge. vor, bei dem allerdings die erſt im Frühjahr untergepflügte Serradella eine erheblich größere Kartoffelernte als von der bereits im Herbſt untergepflügten gebracht hat. Im allgemeinen kann man wohl ſagen, daß die Wirt⸗ ſchafts⸗, Boden⸗ und Witterungsverhältniſſe hierbei eine ſehr große Rolle ſpielen. Schultz⸗Lupitz empfiehlt, daß ſofort mit dem Unterpflügen zu beginnen ſei, ſobald Pilze auftreten oder die Ablage von Inſekteneiern in größerem Maßſtabe erfolgt. Ähnlich günſtig wie die Gründüngung wirkt auf die Er⸗ höhung der Kartoffelerträge die Düngung mit Waſſerpflanzen, ſo z. B. mit dem Armleuchter(Chara vulgaris), der häufig in der Mark Brandenburg, in Pommern ec. in den Landſeen in überaus großer Menge vorkommt. An der Seeküſte werden ſelbſt noch auf Dünenſand mit Hülfe des Blaſentanges(Fucus vesicolosus) und des Seegraſes(Zostera marina) verhältnis⸗ mäßig hohe Erträge erzielt. Doch ſei bemerkt, daß vorzugs⸗ weiſe der Tang einen großen Reichtum an Nährſtoffen und namentlich an Kali beſitzt und ſich leicht im Boden zerſetzt, während das Seegras arm an Nährſtoffen iſt und ſich nur verhältnismäßig langſam zerſetzt. Fruchtfolge. Die Kartoffel verlangt zu ihrem freudigen Gedeihen eine beträchtliche Menge leicht aufnehmbarer Pflanzennährſtoffe im Boden, woraus folgt, daß ihr Anbau auf friſch gedüngten, oder in alter Dungkraft befindlichen Böden zu erfolgen hat. Hieraus ergiebt ſich ſchon von ſelbſt die Stellung, welche ihr in der Fruchtfolge anzuweiſen iſt. In Fruchtfolgen mit reiner Brache kann ſie nach dieſer folgen, denn der ſtark ge⸗ düngte, gut gelockerte und unkrautfreie Boden ſagt ihr am meiſten zu, doch wird die Kartoffel ſelten dieſe Stellung in der Fruchtfolge einnehmen, da die Brache vor einer Hackfrucht zu Fruchtfolge. 111 teuer iſt und eigentlich die gut bearbeitete Hackfrucht die Brache erſetzen ſoll, insbeſondere, wenn zu derſelben ſtark gedüngt werden kann. Als gute Vorfrüchte für Kartoffeln ſind ſolche Pflanzen geeignet, die entweder ſo zeitig den Boden im Herbſt räumen, daß derſelbe noch vor Winter tief gelockert und bedüngt werden kann, oder die ſelbſt einen gelockerten, reichen Boden lieben, denſelben während ihrer Wachstumsperiode gut beſchatten und einen reichlichen Vorrat an Nährſtoffen nach ihrer Aberntung im Boden zurücklaſſen. Demnach iſt als gute Vorfrucht auch das Wintergetreide, welches zeitig das Feld räumt, anzuſehen, oder Grünfutter⸗ gemenge, Wicken, Rotklee ꝛc., die außerdem die Ackerkrume be⸗ reichern und phyjikaliſch günſtig verändern. Dieſelben Gründe ſind es auch, welche die Kartoffeln auf gerodetem Neuland, auf durch Abbrennen kultiviertem Heideland, auf alten Weide⸗ ländereien und trocken gelegten Wieſen ſo vorzüglich geraten laſſen, namentlich da der reiche Humusgehalt ſolcher Ländereien den Boden außerordentlich locker und porös erhält. Auf den leichten Böden ſind als Vorfrüchte oder zur Grün⸗ düngung ganz beſonders tiefwurzelnde Leguminoſen und nament⸗ lich die Lupine zu empfehlen, weil ſie einen höchſt bedeutſamen Einfluß auf die Lockerung des Untergrundes ausüben, wie dies eine intereſſante Beobachtung in Lupitz“*) in dem trockenen Jahre 1893 gezeigt hat. Die intenſive Dürre hatte in dieſem Jahre in Lupitz ganze Schläge zum vollſtändigen Verdorren gebracht. Auf einem Kartoffelſchlage von 15 ha zeigte ſich ein ſehr großer Unter⸗ ſchied im Stande der Kartoffeln. Während der größere Teil des Schlages, in umſtehender Zeichnung mit a b bezeichnet eine tief dunkelgrüne Farbe und üppiges Wachstum zeigte, waren dem entgegen die Kartoffeln, wie ſie hier mit c und d bezeichnet ſind, auffallend ſchwächlich hellgrün und ſchwach vege⸗ tierend. *) Schultz: Zwiſchenfruchtbau. Berlin 1895. S. 58. A Fruchtfolge. 113 Die Vorgeſchichte dieſes Schlages iſt folgende: Der Teil a b hatte 1892 Winter⸗Roggen mit Stoppellupinen, der Teil c d Sommer⸗Weizen in Kainit⸗Phosphat⸗Düngung erhalten. Der ganze Schlag wurde in gleichmäßiger Weiſe beſtellt. Es wurde weiter verſucht, die Stoppellupinen des Teiles a b auf dem Teil c d durch eine Stallmiſtdüngung von 20 000 kg p. ha- zu erſetzen. Als weitere Düngung erhielten nun beide Teile noch 200 kg Knochenmehl und 100 kg Blutmehl p. ha. Der Kulturzuſtand beider Teile war als gleich zu bezeichnen, die Pflugfurche erfolgte im Frühjahr 1893 mittels Dampfpflug auf 40 cm Tiefe. Woher rührte nun der große Unterſchied im Stande der Frucht auf den beiden Teilſtücken? Durch ſorgfältige Entwurzelung auf Muſterſtücken wurde nun folgendes feſtgeſtellt: Die Kartoffel⸗ wurzeln in a und b ſind den Wurzelſchläuchen der Lupinen⸗ Pfahlwurzeln der Stoppelſaat nachgefolgt. Wie die Pfahl⸗ wurzeln der Stoppelſaat ſich innerhalb einer mit Eiſen ver⸗ kitteten Sandſchicht B verdünnen und, ohne Seitenwurzeln zu treiben, dieſe durchdringen, ſo ſind auch dort die Kartoffel⸗ wurzeln ab ſchwächer. Alsdann erreichen ſie die lockere Sand⸗ ſchicht C. Die obere Schicht derſelben iſt infolge der ſtarken Dürre völlig trocken. Es haben ſich hier zahlreiche Seitenwurzeln entwickelt, welche aber, wie ebenfalls deutlich erkennbar iſt, wegen Er⸗ ſchöpfung des Waſſers zur Zeit nicht mehr benutzt werden. Sobald aber die Wurzeln in die noch Winterfeuchtigkeit ent⸗ haltende Untergrundſchicht D eindringen, zeigen ſie ein Bild lebhafteſter Vegetation, das von zahlloſen Neubildungen büſchel⸗ förmiger Seitenwurzeln, welche als Waſſerpumpen wirken, ſtrotzt. Der Eindruck, welchen das ganze Wurzelbild machte, war der, daß die Pflanzen a b bis zu ihrer völligen Vollendung hin Mangel an Waſſer ſicher nicht leiden werden, ſo daß die Ernte völlig geſichert iſt. Dagegen haben die Wurzeln cnd die verkittete Schicht B überhaupt nicht durchſetzt. Die Pflanzen gehen bereits der Werner, Kartoffelbau. 3. Auflage. 8 114 Fruchtfolge. Reife entgegen. Die Wurzeltiefe betrug nur 40— 45 cm, während diejenige in a b 1,20 m erreicht. Dementſprechend fiel auch die Ernte aus. Der Teil a b ergab 23 360 kg p. ha mit 14,9—16 pCt. Stärke, dagegen c d nur 14 640 kg allerdings mit einem höheren Stärkegehalt von 16,6—18,2 pCt. Stärke. Das Bild iſt in doppelter Weiſe aufgenommen worden. Durch eine Zeichnung von Auhagen und durch photographiſche Aufnahmen ſeitens des Dr. Vogel; auf grund beider Auf⸗ nahmen entſtand vorſtehendes Bild. Die Kartoffel gilt nun ſelbſt als vorzügliche Vorfrucht und iſt deshalb für die Fruchtfolge, namentlich bei Ausſchluß der Brache, von ſehr hoher Bedeutung, denn nicht allein, daß ſie von den ihr zur Verfüguug geſtellten reichen Nährſtoffmengen einen gewiſſen Überſchuß für die nachfolgenden Früchte zurück⸗ läßt, ſondern auch durch die Bearbeitung zur Zeit ihrer Vege⸗ tation und Ernte wird der Acker in ausgiebiger Weiſe gelockert und von Unkraut gereinigt, wozu bei üppigem Stande auch noch die Wirkung einer verhältnismäßig ſtarken und lange Zeit anhaltenden Bodenbeſchattung tritt. Aus dieſen Gründen gedeihen Sommerroggen, Sommerweizen, Hafer und Gerſte mit Kleegraseinſaat, ſowie Erbſen und ſelbſt Winterweizen vorzüglich nach Kartoffeln, jedoch leider nicht der Winterroggen, deſſen Anbau meiſt unſicher iſt. Das Nachteilige dieſer Erſcheinung für die Fruchtfolgen des Kartoffelbodens liegt auf der Hand, indem das für Kartoffeln geeignete Land meiſt aus Roggen⸗ boden beſteht. Da nun die Kartoffeln die friſche Düngung am beſten ausnutzen, ſo wird nicht zu Roggen, ſondern zu Kartoffeln gedüngt; der Winterroggen gedeiht aber meiſt nicht gut nach Kartoffeln, weshalb er erſt, zum großen Schaden, in dritter Stelle folgen kann. Das Nichtgedeihen des Roggens nach Kartoffeln liegt zum Teil in der ſpäten Einſaat, infolge deſſen ſich der Roggen vor Eintritt des Winters nicht mehr genügend zu beſtocken vermag und dann mit dünnem Beſtande, da er ſich vorzugsweiſe im Herbſt beſtockt, in das Frühjahr tritt. ch ge en nit lich ſeen ung md, gen⸗ an ffeln nach ritter zun w vot rnnag ſe in Fruchtfolge. 115 Außerdem verändert aber auch das Durchwühlen des Bodens bei der Kartoffelernte die Bodenſtruktur ungünſtig für den nach⸗ folgenden Roggen, der auf geſetztes, gares Land gebracht ſein will und einen ſehr fein gekrümelten Boden durchaus nicht ver⸗ tragen kann, vielmehr eine gewiſſe, grobkörnige, mehr bindige Beſchaffenheit liebt. Der geſetzte Boden hält die Feuchtigkeit beſſer, wodurch das Keimen und die ſchnelle Entwickelung der jungen Pflanze und infolge deſſen auch ihre Beſtockung gefördert wird. Bei dem nicht geſetzten ſtark gelockerten Boden fehlt es hingegen nicht ſelten an der nötigen Feuchtigkeit oder derſelbe fließt bei ſtarkem Regen zuſammen und erhärtet oder verkruſtet nach dem Austrocknen, wodurch die junge Pflanze im Wachstum zurückgehalten wird. Hat der Boden nach Frühkartoffeln noch genügend Zeit, ſich zu ſetzen, ſo ſcheint es uns mehr als wahr⸗ ſcheinlich, daß auch das Gedeihen des Roggens mehr geſichert ſein wird. Die Kartoffel iſt für eine Fruchtfolge ohne Brache ferner noch dadurch wichtig, daß ſie letztere zu erſetzen vermag, da ſie ſowohl eine ſtarke Düngung, wie auch eine tiefe Bodenlockerung verträgt, und das Unkraut bei forgſamer Pflege zerſtört wird. Die Verträglichkeit der Kartoffel mit ſich ſelbſt iſt außer⸗ ordentlich groß, denn nicht ſelten werden bei entſprechender Düngung die Kartoffeln 20 Jahre lang und darüber auf dem⸗ ſelben Felde gebaut, ohne daß ihre Erträge weſentlich nachlaſſen. Im Großbetriebe würde eine ſolche häufig wiederkehrende Kultur meiſt nicht möglich ſein und nimmt ſie in demſelben höchſtens 25— 40 pCt. des Areals ein. Für die Brennereiwirtſchaften iſt dies von ſehr großer Wichtigkeit, um den genügenden Bedarf an Kartoffeln für die Brennerei zu gewinnen. In dem Nachſtehenden geben wir ein Beiſpiel einer Frucht⸗ folge mit ſtarkem Kartoffelbau auf leichtem ſandigen Lehmboden in der Mark Brandenburg. 1. Kartoffeln gedüngt; 2. Kartoffeln; 3. Erbſen mit Thomas⸗ ſchlacke; 4. Roggen mit Serradella; 5. Kartoffeln gedüngt; 8* 116 Fruchtfolge. 6. Kartoffeln; 7. Gerſte; 8. Kleegras; 9. Weide; 10. Roggen mit Serradella. Sind die Verhältniſſe zur Anlage einer Kartoffelbrennereit günſtig, ſo kann dem Kartoffelbau ein größeres Feld eingeräumt werden, als wenn die Kartoffeln verfüttert werden ſollen, weil die Menge der Kohlenhydrate ſehr bald zu groß wird, während es an Eiweißſtoffen fehlt. In der Brennereiwirtſchaft dagegen wird der größte Teil des Stärkemehls auf Spiritus verarbeitet und in der Schlempe ein ſehr ſtickſtoffreiches Futter erzeugt, welches bei genügender Beigabe von Stroh und Heu vortreffklich verwertet werden kann, wozu noch tritt, daß die Pflanzennähr⸗ ſtoffe ſämtlich in der Schlempe der Wirtſchaft verbleiben. Nicht ſelten finden ſich auf Sandboden, namentlich in der Nähe großer Kartoffelkonſumzentren, Zweifelderwirtſchaften— Kartoffeln und Roggen(mit Lupine⸗Serradella⸗Unterſaat). In einer ſolchen Zweifelderwirtſchaft iſt aber die Arbeit über das ganze Jahr höchſt ungleichmäßig verteilt und der Stall⸗ miſt unzulänglich, wenn nicht viel Wieſen vorhanden ſind. Aus dieſen Gründen iſt dieſer Betrieb nur dort angezeigt, wo jederzeit genügend Arbeitskräfte erhältlich und Stalldung billig zu kaufen iſt. Allerdings kann man auch zur reinen Kunſtdüngerwirtſchaft übergehen, doch ſetzt letztere immer einen feuchten Sandboden voraus. Als Beiſpiele für Fruchtfolgen auf ausgeſprochenem Kartoffel⸗ boden mögen noch folgende gelten: Fruchtfolgen für nicht kleefähigen, armen Sandboden: A) 1. Kartoffeln*), 2. Hafer, 3./5. Weide, 6. Roggen, 7. Lupinen, gedüngt mit Thomasſchlacke, Kainit und Kalk, 8. Roggen mit Serradella. B) 1. Kartoffeln*), 2. Kartoffeln, 3. Hafer, 4. Erbſen, gedüngt mit Thomosſchlacke, Kainit und Kalk, 5. Winter⸗ roggen, 6./8. Weide, 9. Winterroggen mit Unterſaat von Serradella und Lupinen. Fruchtfolge für geringen lehmigen Sand, nach Mergelung weißkleefähig. *) Zeichen für erhaltene Stallmiſtdüngung. Bodenbearbeitung. 117 Fruchtfolge in Kunrau: 1. Winterroggen*), 2. Kartoffeln, 3. Kartoffeln“*), 4. Sommerroggen, 5/6. Weißklee mit Schafſchwingel. Fruchtfolge für rotkleefähigen lehmigen Sand. 1. Kartoffeln*), 2. Gerſte mit Thomasſchlacke, 3/4. Klee⸗ gras, 5. Kartoffeln, 6. Hafer, 7. Kartoffeln*), 8. Gerſte, 9. Erbſen mit Thomasſchlacke, Kainit und Kalk, 10. Roggen mit Serradella. Bodenbearbeitung. Müller-Thurgau hat nachgewieſen, daß ſich durch einen lebhaften Luftzufluß zur wachſenden Knolle deren Atmung ver⸗ ſtärkt, was ein ſchnelleres Wachstum der Knolle und eine Er⸗ höhung des Stärkegehaltes zur Folge hat, demnach iſt zur Er⸗ möglichung eines ausgiebigen Sauerſtoffzutrittes auf eine lockere Bodenbeſchaffenheit zu ſehen, zumal dieſe auch der Wurzel⸗ ausbreitung der Pflanze ſehr förderlich iſt, weil den Wurzeln das größte zu erzielende, gut durchdüngte und gelockerte Boden⸗ volumen zur Verfügung geſtellt wird. Demnach wird eine rechtzeitige und gute Bodenbearbeitung auf eine Erhöhung des Reinertrages hinwirken, denn ſie erſtrebt eine Steigerung der Bodenfruchtbarkeit, welche letztere, abgeſehen vom Klima, die Höhe der Erträge beſtimmt. Bekanntlich hinter⸗ läßt jede Frucht den Boden in einem anderen Zuſtande als ſie denſelben übernommen hat, indem ſich ſowohl das Bodengefüge, alſo ſein phyſikaliſcher Zuſtand, ſowie auch ſeine Fruchtbarkeit weſentlich geändert haben kann. Jede Bodenbearbeitung ſoll einen ſolchen Zuſtand der Locker⸗ heit hervorrufen, daß die Luft in den Boden einzudringen ver⸗ mag, auch die Feuchtigkeit und Wärme dem Boden erhalten bleibt, denn dieſe ſind die Agentien, welche die chemiſchen Um⸗ ſetzungen im Boden, d. h. eine gute Ackergare bewirken, ſodaß infolge derſelben nicht nur die Pflanzennährſtoffe aufnahmefähig, 118 Bodenbearbeitung. ſondern auch gleichmäßiger im Boden verteilt werden, damit die Pflanzenwurzeln dieſelben überall vorfinden. Zugleich entſteht eine ſtärkere Poroſität des Bodens, welche den Sauerſtoffzutritt zu den Pflanzenwurzeln zur Unterhaltung ihrer Atmung ſichert, was für das freudige Gedeihen der Pflanzen von größtem Ein⸗ fluß iſt. Das Wachstum der Wurzeln und ſomit auch die Ver⸗ größerung ihrer Oberfläche, wird durch die Lockerheit des Bodens, alſo durch Verminderung der mechaniſchen Widerſtände, welche der Wurzeleindringung entgegenſtehen, ebenfalls ſehr weſentlich gefördert, ſodaß im allgemeinen die Wurzeln um ſo länger und zarter werden, je lockerer der Boden iſt. Für die Kartoffel genügt gemeinhin die Lockerung der Ackerkrume bis zur vollen Tiefe, vorausgeſetzt, daß der Unter⸗ grund nicht zu feſt und mit Waſſer erfüllt iſt, in welchem Falle derſelbe durch Drainage und Tiefkultur zu verbeſſern wäre. Bei Hochkultur und gutem Untergrunde iſt eine Lockerung bis zu einer Tiefe von 30—40 cm erwünſcht. Eine Tiefkultur läßt ſich bei ungünſtig gearteten Unter⸗ grund durch Aufpflügen desſelben mit dem Untergrundspfluge bewirken, während bei guter Beſchaffenheit des Untergrundes ſich das Rajolen und das Spatpflügen empfehlen, letzteres namentlich dann, wenn es ſich um die Vertilgung von Quecken handelt. Hierbei leiſtet das Spatpflügen die beſten Dienſte, indem die Quecken durch dasſelbe ſo tief vergraben werden, daß der größte Teil derſelben nicht wieder an die Oberfläche kommt, oder wenigſtens ſehr geſchwächt wird. Die Vorbereitung des Ackers zur Kartoffelbeſtellung beginnt zweckmäßig mit dem ſofortigen Stoppelumbruch nach der Ab⸗ erntung der Vorfrucht. Hierzu eignen ſich gut wendende mehr⸗ ſcharige Pflüge, welche den Acker 5—8 cm tief umbrechen. Bei ſehr trockner Witterung ſollte bereits zwiſchen den Stiegen mit dem Umbruch begonnen werden, weil zu dieſer Zeit der Boden noch nicht erhärtet iſt, alſo gut krümelt. Nach dem Auflaufen der Samenunkräuter iſt ſodann zu ihrer Zerſtörung und zu der der Wurzelunkräuter der Acker zu eggen; nachdem ſich der Acker von neuem begrünt hat, giebt man eine ſorg⸗ ehr⸗ hen. egen der dem rung den ſorg. Kulturmethoden. 119 fältige Winterfurche bis zur vollen Tiefe der Ackerkrume oder die Tiefkultur. Nach dem Abtrocknen des Ackers im Frühjahr wird geeggt und über Kreuz gegrubbert. Der in rauher Furche liegende und mit Waſſerfurchen wohlverſehene Acker iſt über Winter den Einwirkungen der Luft, des Regens und des Froſtes ausgeſetzt geweſen, mithin ſich derſelbe im Frühjahr in einem vortrefflich poröſen Zuſtande befindet und in dieſem ſich durch ober⸗ flächliche Lockerung mittelſt Grubber und Egge ſehr frühzeitig zur Aufnahme des Kartoffel⸗Saatgutes herrichten läßt. Je früher aber das Auslegen desſelben erfolgen kann, um ſo eher iſt auf das Gedeihen der Kartoffelpflanze zu hoffen. Für ſehr ſchweren bindigen Boden kann es ſich empfehlen, nach dem Stürzen der Stoppeln im Herbſt, den Acker vor Winter in hohe Kämme zu legen, die dann gut ausfrieren, im Frühjahr leicht abtrocknen und ſich gut pulvern laſſen, ſobald ſie zur Saat auseinander gepflügt werden. Bei Anwendung dieſer Methode wird das Pflanzen der Kartoffeln verhältnismäßig zeitig beginnen können. Dieſe Kämme laſſen ſich am beſten durch hakenartige oder eigens dafür kon⸗ ſtruierte Ackergeräte aufwerfen, z. B. vermittelſt des mecklen⸗ burgiſchen und ſchleſiſchen Hakens, der oſtpreußiſchen Zoche, des dreiſcharigen Balkenpfluges oder Kammformers von Horsky oder ſtarker Häufelpflüge. Kulturmethoden. Wie wir bereits bei der Betrachtung der biologiſchen Ver⸗ hältniſſe kennen gelernt haben, liegen über die beſte Beſchaffen⸗ heit des Saatgutes zahlreiche Verſuche vor, deren Ergebniſſe in folgenden Sätzen zum Ausdruck gelangen. Die größten Saatknollen geben bei gleicher Pflanzweite höhere Erträge als halbierte Knollen; von letzteren geben die Kronenhälften die höchſten, die Nabelhälften die geringſten Er⸗ träge und die durch Längsſchnitte halbierten einen zwiſchen den beiden vorigen ſtehenden Ertrag. Auch ſind die Erträge der 120 Kulturmethoden. Kronenhälften in Quantität und Qualität meiſt höher als die aus mittelgroßen Knollen erzielten. Demnach empfiehlt es ſich, wenn ſehr große Knollen nicht zur Anwendung kommen ſollen, ihre Kronenhälften ſtatt mittel⸗ großer Knollen auszulegen und die Nabelhälften anderweitig zu benutzen. Nach den Anbauverſuchen von Berthault und Boiret') liefern große, mittlere und kleine Knollen auch entſprechende Ernten und wendet man zwei Knollen von demſelben Gewicht einer großen an, ſo liefern dieſelben immer hohe Erträge, oft mehr als große Knollen, aber die Ernte beſteht zu einem guten Teil aus kleinen Knollen. Sehr ſüß gewordene Knollen hat Nobbe wiederholt auf ihre Brauchbarkeit als Saatgut geprüft, und gefunden, daß, wenn ſie ſonſt nur geſund ſind, dieſelben kräftige Keime erzeugen. In der Regel werden die Saatkartoffeln im Frühjahr etwas angewelkt zur Verwendung kommen, was unter Umſtänden auf den Ertrag günſtig wirkt, wie Verſuche, insbeſondere von Wollny*) gezeigt haben, ſo daß es zweckmäßig ſein kann, das Abwelken künſtlich herbeizuführen und zu verſtärken. Bei den gewelkten Knollen treiben mehr Augen aus als bei nicht gewelkten, da ſich die Entwickelungsdifferenz zwiſchen dem Gipfelauge und den Seitenaugen verringert. Durch das Welken verlieren die Kartoffeln einen Teil ihres Waſſers, ſie ſchrumpfen zuſammen und es brechen, wenn die Knoſpen erregbar ſind, Keime hervor. Jedoch nicht nur die ausgekeimten, ſondern auch die nicht gekeimten, gewelkten Knollen haben denſelben günſtigen Einfluß auf die Entwickelung der Pflanzen und die Ertrags⸗ erhöhung, weshalb man auch durch Anwendung höherer Wärme⸗ grade den Welkprozeß beſchleunigen kann. Für gewöhnlich, wenn die Knollen keimen ſollen, genügt ſchon eine Temperatur von 8— 100 C., in welcher die Knollen dem Lichte ausgeſetzt, längere Zeit vor der Saat aufbewahrt werden. Soll der Welkprozeß beſchleunigt werden, ſo laſſen ſich allmählich anſteigend Tem⸗ *) Annales agronomiques, T. XVII, No. 11. **) Saat und Pflege. 1885. S. 307 u. ff. Kulturmethoden. 121 peraturen bis zu 350 C. ſo lange anwenden, bis ſich eine Gewichtsminderung der Knollen von 15—20 pCt. ergiebt. Die Verſuchsergebniſſe Wollnys laſſen ſich nun in unten⸗ ſtehenden Sätzen zuſammenfaſſen. 1. Daß durch das Anwelken der Saatknollen die Zahl der geernteten Knollen im Verhältnis zu gleich ſchwerem friſchem Saatgut ganz erheblich erhöht wird und 2. daß in derſelben Weiſe der Ernteertrag dem Gewichte nach ſteigt, ferner 3. daß die von angewelkten Kartoffeln erzielte Ernte in der Mehrzahl der Fälle abſolut eine größere, relativ eine geringere Zahl größerer Knollen enthält, als die⸗ jenige von friſchem Saatgut, 4. daß die durch Anwelken der Saatkartoffeln hervorgerufene Ertragsſteigerung in ſtärkſtem Grade bei den Pflanzen aus kleinem Saatgut hervortritt, 5. daß der Erfolg nicht von dem Auskeimen der Knoſpen während der Trocknung abhängig iſt, ſondern auch bei höherer Temperatur gewelktem, nicht gekeimtem Saatgut in gleicher Weiſe in die Erſcheinung tritt. Leider iſt jedoch das Anwelken der Saatkartoffeln nicht unter allen Umſtänden am Platz, hängt vielmehr von den Boden⸗ verhältniſſen und dem Klima ab. Der Grund hierfür iſt folgender: Durch das Abwelken der Knollen wird zunächſt das Aufkeimen, dann das erſte Wachstum der oberirdiſchen Triebe verlangſamt, wodurch aber, infolge der zwiſchen den oberirdiſchen Organen und den Wurzeln vorhandenen, phyſiologiſch begründeten Wechſelwirkung eine kräftigere Wurzel⸗ entwickelung erzeugt wird. Finden die Wurzeln nun genügende Feuchtigkeit bezw. Nährſtoffe im Boden vor, ſo wird die junge Pflanze kräftiger ernährt. Iſt dies jedoch nicht der Fall, ſo bleibt ſie erheblich im Wachstum zurück und das Abwelken wirkt dann geradezu ungünſtig. Es iſt demnach auf allen leicht austrocknenden Böden und bei trockener Witterung gewelktes Saatgut zu ver⸗ meiden. Dies wird durch viele Anbauverſuche beſtätigt. 122 Kulturmethoden. Das ſchnelle Wachſen der Keime abgewelkter Knollen, ſobald Waſſerzufuhr ſtattfindet, ſcheint ſich auf die beim Abwelken ſtatt⸗ gefundene Konzentration des Zellſaftes an den Knoſpenanlagen zurückführen zu laſſen; indem hierdurch größere Nährſtoffmengen der Knoſpe ſofort beim Auskeimen zur Verfügung ſtehen. Keimen Kartoffeln im Licht aus, ſo werden die Keime ro⸗ buſter, d. h. ſie ſind viel kürzer und dicker als die durch Aus⸗ keimen im Dunkeln entſtandenen. Der Gefäßcylinder und die Cambialſchichten eines ſolchen Keimes ſind maſſiger entwickelt und entſenden durch das Rindengewebe nach der Epidermis zahl⸗ reiche Abzweigungen, welche ihrerſeits als Mittelachſen der ſich immer maſſiger ausbildenden Anſchwellungen erſcheinen, die ſich im Dunkeln zu Wurzeln verlängern. Franz behandelte einen Querſchnitt aus einem Keime, der dieſe Wurzelanlagen trifft, mit Kupferlöſung und Kali, und fand in dieſen Anſchwellungen die größte Intenſität der für ſtickſtoffhaltige Subſtanz charakteriſtiſchen, ſchön violetten Reaktion der vorher farbloſen Cambialzellen, was bei den analogen Gebilden der im Dunkeln raſch ausgeſtreckten Triebe in weſentlich geringerem Grade der Fall war. Hiernach iſt man wohl berechtigt, eine größere Wachstumenergie den Licht⸗ keimen zuzuſprechen. Der richtige Grad des Abwelkens der Kartoffeln läßt ſich nicht genau fixieren, da das Klima, die Kartoffelſorten ꝛc. von bedeutendem Einfluß auf das Auskeimen ſein werden. Für die Praxis genügt es, das Abwelken reſp. Auskeimen in einem gegen Froſt geſchützten hellen Raum ſo weit fortſchreiten zu laſſen, daß die Keime beim Sacken und Auslegen des Saatgutes wegen ihrer Kleinheit nicht verletzt werden können. Beim Saatgut iſt ferner darauf zu achten, daß die Knollen vor dem Legen nicht gekeimt und dieſe Keime verloren haben, denn hierdurch werden ſie ärmer an Bildungsmaterial, infolge deſſen die neuen Keime ſich nicht nur weniger kräftig entwickeln, ſondern die Knollen haben auch die kräftigſten Knoſpen, die immer zuerſt treiben, verloren. Nach Verſuchen*) verhielten ſich die *) Jahrb. von Schumacher. 1869. S. 201. Kulturmethoden. 123 Ernteerträge, wenn die Ernte von den vor dem Keimen be⸗ wahrten Kartoffeln mit 100 bezeichnet wird, zu den ein⸗, zwei⸗ und dreimal abgekeimten im Durchſchnitt wie 100: 94: 83: 70. Auch die Verſuche Wollnys beſtätigen im allgemeinen dieſe Ergebniſſe, zudem fand er, daß nach dem Abkeimen Zahl und Gewicht an kleinen Knollen zunahm, ſo daß auch in dieſer Beziehung das Abkeimen nachteilig wirkt. Die Lage der Saatknolle iſt für den Ertrag ebenfalls nicht gleichgültig, ſo ergaben die Verſuche Wollnys, daß die Lage des Nabels nach oben bei geringerer Setztiefe der Saatknollen von Vorteil, bei größerer Tiefe von Nachteil für das Er⸗ trägnis war. Bei halbierten Knollen ſcheinen die Erträge dann höhere zu ſein, wenn die Schnittfläche nach oben gelegt wurde, nur bei ganz flacher Unterbringung trat das entgegengeſetzte Er⸗ gebnis hervor. Von außerordentlicher Wichtigkeit für die Kultur der Kartoffel. iſt die Beſtimmung der Größe des Pflanzraumes einer Kartoffel⸗ pflanze, welchen dieſelbe zur Erzeugung des höchſten Ernteertrages beanſprucht. Die Größe des Pflanzraumes wird eine ſehr verſchiedene ſein müſſen, da ſich im konkreten Falle häufig Einflüſſe geltend machen, die vorzugsweiſe die Größe des Pflanzraumes beſtimmen; man iſt deshalb gezwungen, für jeden einzelnen Fall eine Be⸗ ſtimmung der Größe des Pflanzraumes vorzunehmen, wobei es zweckmäßig erſcheint, nicht den zuläſſig weiteſten, ſondern den engſten Pflanzraum feſtzuſtellen. Im allgemeinen iſt nämlich der zuläſſig engſte Pflanz⸗ raum*) am empfehlenswerteſten. Intereſſante Verſuche hat nach dieſer Richtung G. Maw 159) durchgeführt, der von einer größeren Anzahl Sorten die Saat⸗ knollen bei 36 cm Reihenweite in 31,4 cm, 23,5 cm und *) Siehe Nobbe, dreijährige Kartoffelanbauverſuche. Amtsblatt der landw. Vereine im Königreich Sachſen. 1867. S. 100 und J. Kühn, a. a. O. S. 66. **) Chem. Ackersm. 1868. S. 57. 124 Kulturmethoden. 15,7 cm Entfernung in der Reihe auslegte und nachfolgende Reſultate(umgerechnet) erhielt: bei 31,4 cm Entf. i. d. Reihe wurd. in 38 Verſ. p.ha geernt. 28 837 kg „ 23,5„„„„„„ 29„„„ 31 312„ „ 15,7„„„„„„ 2 4„„„ 35 149„ Berthault und Boiret gelangten zu dem Ergebnis, daß, je näher man die Kartoffeln an einander pflanzt, um ſo mehr erntet man; doch giebt es dabei um ſo weniger mittelgroße Knollen. Im allgemeinen ſcheint im konkreten Fall die verhältnis⸗ mäßig engſte Pflanzung den Vorzug zu verdienen, wobei jedoch nicht unberückſichtigt bleiben darf, daß der höchſte Ernteertrag ſich nur bei einer gewiſſen Dichtigkeit des Pflanzenſtandes er⸗ reichen läßt, wird dieſe Grenze überſchritten, ſo leidet auch darunter der Ertrag, wenngleich zuzugeben iſt, daß ſich unter günſtigen Verhältniſſen die Entwickelung der Pflanze einiger⸗ maßen dem Pflanzraum anpaſſen wird. Auf jeden Fall er⸗ reicht aber der Ertrag nicht die gleiche Höhe wie bei zweck⸗ mäßiger Raumzuteilung. Die hauptſächlichſte Berückſichtigung bei der Ermittelung des Pflanzraumes verdient die Laubentwickelung, da dieſe je nach der Kartoffelſorte außerordentlich variieren kann. Im allgemeinen haben frühreife Sorten einen kleineren Buſch als ſpätreife. In der Regel entwickeln die Saatknollen bei gewöhnlicher Kulturmethode, und von dieſer kann hier nur die Rede ſein, 4— 6 Laubſproſſen, deren Blätter und Stengel jedoch ſehr ver⸗ ſchiedene Dimenſionen erreichen können. Als Grundſatz hat zu gelten, die Pflanzen ſo eng zu ſtellen, daß der Boden noch erwärmende Lichtſtrahlen empfängt, und die Pflanzen ſich gegen⸗ ſeitig nicht zu ſehr beſchatten, worunter die Aſſimilation leidet, ſowie die Neigung der Pflanze hervortreten würde, auf Koſten der ſchon abgelagerten Reſerveſtoffe neue Laubknoſpen zu ent⸗ wickeln, um genügend Licht zu erhalten; die Folge davon würde eine geringere Knollenentwickelung ſein. Außerdem könnten die Stengel nicht genügend verholzen, was das Lagern derſelben —————— Kulturmethoden. 125 und eine geringere Ablagerung von Reſerveſtoffen in der Knolle herbeiführen würde. Unverhältnismäßig große Pflanzräume, wie ſie z. B. die Gülichſche Methode fordert, laſſen zu viel Licht unausgenutzt, als daß ſie von gleicher Fläche dieſelben Erträge, wie die engere Pflanzung ergeben könnten. Kartoffelſorten mit kräftigem Blattbuſch werden demnach einen größeren Pflanzraum als Sorten mit ſchwach entwickeltem Blattbuſch beanſpruchen. Die Größe des Pflanzraumes wird ferner durch die Boden qualität beeinflußt. Der reiche, bindige, mäßig feuchte Boden begünſtigt die Laubentwickelung im höheren Grade, als der arme, loſe, zu trockene Sand; mithin auf Böden erſterer Kategorie im allgemeinen größere Pflanzräume zu gewähren ſind. Ebenfalls iſt bei der Raumzuteilung die Witterung beachtens wert, ſowie auch die Größe der Saatknollen, da von kleinen Knollen ſich auch nur ſchwache Büſche erwarten laſſen, und ſchließlich die Art und Weiſe der Bodenbearbeitung während der Vegetation. Je nach dieſen Einflüſſen wird der Pflanzraum im allge⸗ meinen zwiſchen 1000 qcm, 2000 dem, oder 3000 dem zu wählen ſein. Ferner kommt die Tieflage der Saatknollen in betracht, denn überſchreitet dieſe eine gewiſſe Grenze, ſo führt ſie, wie wir weiter oben geſehen, zur Ertragsverminderung, und fragt es ſich, ob dies nicht auch bei ſehr flacher Auslage der Saat⸗ knollen der Fall ſein wird. Am flachſten werden die Saatknollen bei der ſog. Pintoſchen Methode ausgelegt, denn man drückt ſie nur in den lockeren Boden etwas ein, und erſt nach dem Auskeimen erfolgt ein ſtärkeres Bedecken mit Erde. Auf einem ſehr naſſen und ſchweren Boden mag dieſe Methode in vielen Fällen recht wohl am Platze ſein, denn unzweifelhaft wird auf ſolchen dem Kartoffelbau ungünſtigen Böden bei ſchwacher Bedeckung der Saatknollen mit Erde die erſte Entwickelung ſich kräftiger ge ſtalten. Wärme und Luft ſind der keimenden Knolle in dieſem 126 Kulturmethoden. Falle zugänglicher und die ſtärkere Erddecke, welche ſpäter beim Anhäufeln gegeben wird, befindet ſich, weil der Boden trockener und mürber geworden iſt, in einer verhältnismäßig günſtigen phyſikaliſchen Beſchaffenheit. Die naſſen, ſchweren Böden werden jedoch nur ausnahms⸗ weiſe zur Kartoffelkultur herangezogen, und für die mittleren und leichten Böden ſcheint dieſe Kulturmethode keine Vorteile zu bieten, denn wenn ſich auch anfänglich ebenfalls eine kräftigere Staudenentwickelung erkennen läßt, ſo hat ſich doch vielfach herausgeſtellt und namentlich will dies J. Kühn*) bei ver⸗ gleichenden Verſuchen gefunden haben, daß ſich auf normal beſchaffenen Böden die Unterſchiede zwiſchen den obenauf aus⸗ gelegten und tief untergebrachten Knollen ſehr bald wieder ausglichen. Wenigſtens geht hieraus hervor, daß die Pintoſche Methode nicht unter allen Umſtänden vorteilhaft iſt, ganz ab⸗ geſehen davon, daß durch ungünſtige Frühjahrswitterung, Dieb⸗ ſtahl ꝛc. das Riſiko, Verluſte zu erleiden, welche einen lückigen und ungleichmäßigen Stand der Kartoffeln zur Folge haben, vergrößert wird. Demnach kann es nicht auffallen, wenn die mit dieſer Methode angeſtellten Verſuche in hohem Grade von einander abweichende Reſultate geliefert haben. Gegen die Pintoſche Methode ſprechen z. B. die auf dem Waldauer Verſuchsfelde ausgeführten Verſuche: Boden: ſandiger drainierter Lehm; Vorfrucht: Weizen; Kartoffeln mit Chiliſalpeter gedüngt; vor Winter 2 Furchen und mit dem Untergrundspflug auf 47 cm gelockert. Ausſaat 20. April; Kartoffelſorte: Heiligenſtädter. Reſultate: (Umgerechnet) Ertrag p. ha. Kranke Knollen. kg pCt. Hinter der Zoche gelegt. 18 213 7,5 zwiſchen Dämme, und dieſe mit dem ſchleſiſchen Haken geſpalten..... 23 712 5 *) Berichte aus dem phyſiol. Laboratorium und der Verſuchſtation g. landw. Teſt. der Univerſität Halle. I. Heft. 1872. S. 26. ——— ation 9. Kulturmethoden. 127 (Umgerechnet) Ertrag p. ha. Kranke Knollen. kg pCt. mit dem Spaten... 22 620 4 ein 5,2 cm tiefes Loch und mit lockerer Erde bedeckt 23 575 3 oben aufgelegt.... 21 489 10 Demnach hat auf drainiertem ſandigen Lehm die Tieflage von 5,2 cm und die annährend gleiche Tieflage zwiſchen ge⸗ ſpaltenen Dämmen die beſten Reſultate ergeben. In Proskau wurden nach einem Verſuch von Leiſewitz geerntet p. ha.(umgerechnet): hl pCt. Stärke. bei gewöhnlicher Methode auf Thonboden 188,60 21 „„„„ Sandboden 257,20 21 „ Pini iäher„„ Thonboden 175,77 16 „„„ Sandboden 205,76 16 Für die Pintoſche Methode ſprechen nachfolgende Verſuche: Funke erntete in Proskau p. ha(umgerechnet): kg Knollen. kg Stärke. nach gewöhnlicher Methode... 19 110 3875 Pintoſcher.. 27885 5158 Doch bemerkt hierzu Funke, daß die in die Erde gelegten Kartoffeln früher im Kraute trocken wurden, und infolge An⸗ fangs Auguſt eintretenden Regens durchwuchſen, welchem Um⸗ ſtande vielleicht der Minderertrag an Knollen, wie der geringere Stärkegehalt zuzuſchreiben iſt. E. Peters in Kuſchen erzielte p. ha: Lehmiger Sand. Humusreicher Lehm. 2 J. II. III. kg kg kg bei gewöhnlicher Methode. 10 268 12 734 9606 Pintoſcher„. 17375 13 435 12 570 Auch die zahlreichen Verſuche Wollnys zeigen, daß ein⸗ mal das Obenaufliegen und ein anderes mal das Bedecken der Saatknollen zu einem größeren Ertrag geführt hat. Es ſcheinen jedoch die höchſten Erträge gewonnen zu werden, 128 Kulturmethoden. wenn das Saatgut in einer ſeiner eigentümlichen Natur und den Boden⸗ und Witterungsverhältniſſen entſprechenden ſeichten Tieflage untergebracht wird. J. Kühn*) ſpricht ſich nach Maßgabe ſeiner Verſuche für eine Tieflage der Saatknollen auf Mittelboden von 10,5 cm. aus und hält nur auf trocknem, ſehr leichtem Boden, auf dem Ebenbau mehr am Platze iſt als das Behäufeln, eine Tieflage bis ca. 16 cm für zuläſſig. Im allgemeinen eignet ſich für den ſchweren Boden eine Tieflage der Saatknolle von 5—6 cm; für Mittelboden, wenn feucht, von 7—8 cm; wenn trocken von 8—10 cm; für Sand⸗ boden von 10—16 cm und zwar 16 cm nur dann, wenn die Kartoffeln nicht behäufelt werden ſollen. Was nun den mittleren Bedarf an Saatknollen p. ha an⸗ betrifft, ſo iſt, wie wir geſehen haben, bei der gewöhnlichen Kulturmethode und auf Mittelboden ein Wachsraum von 2000 qem für jede Pflanze anzunehmen, mithin 50000 Stück unzerſchnittener Saatknollen p. ha erforderlich ſind. Da nun 20 mittelgroße Knollen auf 1 kg entfallen(1 hl= 80 kg), beträgt das Ge⸗ wicht des Saatgutes 2500 kg. Selbſtverſtändlich iſt, daß bei der wechſelnden Größe des Saatgutes, je nach der Sorte, der es angehört, oder nach dem Grade ſeiner Ausbildung, auch die Saatmenge bedeutenden Schwankungen unterworfen ſein wird, wozu noch tritt, daß auch die einzelnen Kartoffelſorten, entſprechend dem Umfange ihrer Blattbüſche, deren Entwickelung wiederum bis zu einem gewiſſen Grade von dem Klima, der Bodenbeſchaffenheit, der Düngung und der Kulturmethode beeinflußt wird, ſehr ver⸗ ſchieden große Pflanzräume beanſpruchen, ſo daß ſich erſt nach Berückſichtigung aller dieſer Verhältniſſe mit einiger Sicherheit die notwendige Saatmenge für den konkreten Fall beſtimmen läßt. Die Pflanzzeit der Kartoffeln richtet ſich vorzugsweiſe nach der Witterung und Bodenbeſchaffenheit. Im allgemeinen ſoll der Boden einen ſolchen Grad der Trockenheit erreicht *) Berichte aus dem phyſiol. Laborat. 1872. S. 43. Kulturmethoden. 129 haben, daß er bei der Bearbeitung krümelt und außerdem hin⸗ reichend erwärmt iſt, um ein ſchnelles Auswachſen der Saat⸗ knollen zu fördern. In ſehr kalten, zähen und feuchten Böden fault bekanntlich die Saatknolle leicht oder es wird das Aus⸗ keimen wenigſtens bedeutend verzögert. Demzufolge wird auf dem Sandboden, der ſich leicht erwärmt und verhältnismäßig ſchnell austrocknet, auch das Auspflanzen am früheſten erfolgen können, ſobald Spätfröſte nicht mehr zu fürchten ſind. In Deutſchland kann auf Sandboden die Auspflanzung meiſt ſchon in den erſten Tagen des April, auf den ſchweren Bodenarten häufig erſt Mitte Mai und ſelbſt noch ſpäter erfolgen. Bei dieſer ſpäten Pflanzzeit ſind ſpäte Sorten kaum noch auszulegen, da in Nord⸗Deutſchland nicht ſelten ſchon Ende September Frühfröſte eintreten, welche das Laub töten, wodurch die volle Ausreife der Knollen behindert wird. Wenden wir uns den verſchiedenen Kulturmethoden zu, ſo ſind zunächſt diejenigen zu betrachten, bei denen die Auspflanzung ohne Hilfe der Geſpanne mit der Hand geſchieht. Die einfachſte Methode iſt die Beſtellung mit dem Spaten, bei welcher das Land zuvörderſt mit einem Markeur über Kreuz bezogen wird, um die Saatknollen in genau bemeſſenen Ent⸗ fernungen, welche ſich nach dem Wachsraume der Sorte, dem Kulturzuſtande des Feldes ꝛc. richten, auslegen zu können. Das Auspflanzen geſchieht immer durch Zuſammenarbeiten eines Paares Arbeiter, von welchem einer rückwärts gehend auf den Kreuzungspunkten zweier Markeurſtriche die Löcher gräbt und nachdem der zweite die Kartoffeln hineingeworfen, dieſelben wieder mit der Erde der nächſten Löcher zuwirft. Wichtig iſt, daß der Spatenſtich genau in der Mitte des Kreuzes und gleich⸗ mäßig tief ausgeführt wird. Bei Anwendung oben und unten gleich breiter Spaten weicht die Kartoffel, ſobald ſie nach der einen oder anderen Seite des Loches fällt, nicht unerheblich von der geraden Reihenlinie ab und hat man, um dieſem Übelſtande abzuhelfen, eigens für die Kartoffelbeſtellung ſpitzwinkelig aus⸗ laufende Spaten verfertigt, durch deren Anwendung ein gleich⸗ mäßigerer Reihenſtand erzielt wird. Werner, Kartoffelbau. 3. Auflage. 9 130 Kulturmethoden. Dieſe Methode findet auch nicht ſelten ſelbſt im Groß⸗ betriebe Anwendung, wenn es ſich darum handelt, auf leichtem Boden kleinbüſchlige, frühe Sorten in den minimalſten Ent⸗ fernungen von 31—33 cm, alſo mit einem Pflanzraum von ungefähr 1000 qem auszupflanzen. Jedoch wird auch häufig in dem Fall von dieſer Methode Gebrauch gemacht, wenn es ſich um eine Bearbeitung der Zwiſchenräume über Kreuz mit Pferdehacken und Häufelpflügen handelt, weil nur mit Hilfe des Markeurs die Abſtände der Saatknollen ſo ſorgfältig inne zu halten ſind, daß ſie ſich mit Geräten nach allen Richtungen hin gut bearbeiten laſſen. Es leuchtet ein, daß bei dieſem Verfahren Entfernungen von 47 bis 55 cm gewählt werden müſſen, damit eine energiſche Bearbeitung mit Geräten erzielt werden kann. Inſofern nun eine nachträg⸗ liche Bearbeitung mit mehrſcharigen Geräten beabſichtigt wird, ſo ſind nur ſolche Reihenzieher zu empfehlen, welche genaues Steuern geſtatten. Der neueſte Furchenzieher dieſer Art von C. L. Kupke“*) trägt an einem 5,5 m langen Baum, in gelenkiger Verbindung, die für die gewünſchten Reihen erforderlichen, ſchmalen Schare, welche durch ſtellbare Gewichte belaſtet werden. Um ſorgfältiges Steuern zu ermöglichen, iſt der Scharbalken mit einem Vorder⸗ wagen verbunden. Die Pflanzſtellen werden in„Quadrat⸗ verband“ oder„Dreiecksverband“ angeordnet, d. h. die Kreuzungsſtellen der Furchen liegen in den Ecken von Quadraten oder gleichſeitigen Dreiecken. Der Dreiecksverband iſt vorzuziehen, weil danach je zwei benachbarte Pflanzſtellen dieſelbe Entfernung von einander haben. Die Herſtellung der Grube erfolgt mittels Spaten, Hand⸗ hacke oder„Steckholz“, eines Stockes mit eiſerner Spitze, welcher an der Pflanzſtelle in den Boden geſtoßen wird. Die Tiefe der Grube wird durch einen an dem Stock befindlichen Ring oder Querſtift begrenzt. *) Eisbein u. Schotte: Die Drillkultur, 3. Aufl. Neudamm 1895, S. 93. 895, Kulturmethoden. 131 Der Furchenzieher von C. L. Kupke⸗Aſchersleben, welcher mit Vorderſteuer verſehen iſt, koſtet 120 Mk.; weitere derartige Geräte werden auch von Hermann Laaß& Co., Magdeburg, Rud. Sack, Leipzig⸗-Plagwitz, F. Zimmermann& Co., Halle a. S. u. a. gebaut. Eine von Schultz⸗Lupitz angewendete Pflanzmethode“) iſt folgende: Mit einem von einem Pferde gezogenen ſchweren Reihenzieher werden auf ſauber vorbereitetem Saatlande recht⸗ winkelig ſich kreuzende, 4—5 cm tiefe Rillen gezogen. Auf die Kreuzungspunkte werden die Kartoffeln gelegt, mit dem Fuße eingetreten und dann mit einem ein⸗, oder wenn das Land rein und frei von unverrottetem Dünger iſt, mit einem mehrſcharigen Häufelpfluge überhäufelt. Ein Hauptvorzug dieſer Pflanzmethode beſteht in der durch ſie ermöglichten guten Pflege der Kartoffeln. Mit dem Eggen wird begonnen, ſobald die Unkrautſamen anfangen zu keimen. Bei der geringen Pflanztiefe der Kartoffeln bewährt ſich, um ein Herausreißen derſelben zu vermeiden, die von Dieſt in Plantikow bei Dabern konſtruierte achtteilige, leichte Kartoffelegge, welche mit einem Pferde beſpannt wird. Mit dieſer Egge, aus einer Ecke des Schlages beginnend, wird ſchräg über die Dämme geeggt, um dadurch ein Springen und Schlagen der Eggen, wie es beim Quereggen der Fall ſein würde, zu vermeiden. Sobald die Reihen ſichtbar ſind, durchzieht man die Zwiſchenräume mit dem Igel— Furchenegge— und zwar zuerſt in der Querrichtung und unmittelbar darauf in der Längsrichtung. Wenn irgend möglich, iſt dieſe Arbeit vor dem Behäufeln noch einmal zu wiederholen. Dieſe letztere Bearbeitung ſoll namentlich die Oberfläche des Ackers lockern und dem Luft⸗ zutritt erſchließen. Später, ſobald die Kartoffelpflanzen ſo weit herangewachſen ſind, daß ein Verſchütten nicht mehr zu befürchten ſteht, wird angehäufelt. *) Vergl. Rieder, Vortrag, in Landwirtſchaftliches in der Magdeb. Ztg., 1893, Nr. 171. 9* 132 Kulturmethoden. Zu der Methode des Auspflanzens der Kartoffeln mit der Hand gehört auch die von Gülich) eingeführte. Gülich verlangt für ſeine großen Kartoffelſorten einen Pflanzraum von 12 Quadratfuß hamburgiſch= 0,85 qm, dem⸗ zufolge wird das Land nach der einen Richtung in 4 Fuß, nach der anderen in 3 Fuß Entfernung markiert. An den Kreuzungs⸗ ſtellen breitet man den Dung kranzweiſe derartig aus, daß inner⸗ halb ein Raum von Dung frei bleibt. Der Dung wird hierauf mit Erde bedeckt und auf dem ſo entſtandenen kleinen Erdhügel eine recht große Saatkartoffel mit dem Nabelende nach oben und in der Weiſe ausgelegt, daß ſie mit dem Kronenende in gleicher Ebene mit dem abgeeggten Boden liegt, und nur auf ſehr feuchtem Boden ſoll hiervon abgewichen und ſie 5 cm höher gelegt werden. Die Saatknolle wird darauf 5 cm hoch mit Erde bedeckt. Sind die Kartoffeln aufgelaufen, ſo werden die Zwiſchenräume über Kreuz mit dem Kultivator bearbeitet und die lockere Erde mit der Hacke an die Stöcke herangezogen, wobei auch Erde zwiſchen die Triebe gebracht wird. Dieſe Bearbeitung wird nach dem Knoſpenanſatz wiederholt und noch dadurch energiſcher ausgeführt, daß man dem Kultivator einen Häufelpflug folgen läßt. Die auf dieſe Weiſe gebildeten Erdhaufen haben eine flach koniſche Form. Die zahlreich entwickelten Triebe werden hierauf nach allen Seiten heruntergebogen und bis zu ihren freibleibenden Spitzen mit Erde bedeckt. Durch dieſe Operation ſoll die Stolonen⸗ bildung und der Knollenanſatz gefördert und zugleich ein wirk⸗ ſamer Schutz gegen die Kartoffelkrankheit erzielt werden. Die großen Pflanzräume, welche die Gülich'ſche Methode verlangt, deuten ſchon von vornherein darauf hin, daß ſie nur auf ſehr kräftigen Böden und bei Verwendung großer Kartoffel⸗ ſorten zur Anwendung kommen kann, da unter anderen Ver⸗ hältniſſen der große Pflanzraum nicht genügend ausgenutzt werden würde. Dieſe Pflanzräume ſind nun viel zu groß, um hohe Ernteerträge von dieſer Methode erwarten zu können, wie denn *) Gülich, der Kartoffelbau. Altona 1868. Kulturmethoden. 133 auch die Mehrzahl der Anbauverſuche nicht zu ihren Gunſten ausgefallen iſt. Erzielt wurde an Ernteerträgen p. ha bei nachfolgenden Pflanzräumen: 12 9 6 ¼ 6 4 3 2 2 Verſuchsanſteller Quadrat⸗Fuß Kilogramm Werner, Eldena, 1868. San⸗ diger Lehm und ſeächſiſche Zwiebelkartoffel.. 14040———— 26715—— Thiel*), Poppelsdorf, 1869. Vorzüglicher Lehmboden..[17690—— 18196— 19544—— Werner, Proskau, 1869. Zä⸗ her, ſchwerer, humoſer Thon. Große franz. Brennkartoffel. 182931864622776——— 23868— Werner, Proskau), 1870. Feuchter, humoſer Thonboden. Seed.(Original von Gülich) 26228 27807 2804141——— 29445— Werner, wie oben. Große franzöſiſche Brennkartoffel. 18291 1864222776——— 23868— Wollny***), Proskau, 1871. Sandiger Lehm. Gleaſon.[14122——— 16871—— 21622 Die gewonnenen Reſultate können nicht anders als im höchſten Grade ungünſtig für die Gülich'ſche Methode gedeutet werden. Der Einwurf, daß nicht immer die von Gülich empfohlenen Sorten verwendet, auch die Verſuche meiſt nicht genau nach Vorſchrift gemacht worden ſind, wird durch von Gülich ſelbſt ausgeführte Verſuche in Prieborn und Halle ent⸗ kräftet, indem auch dieſe ein beſſeres Reſultat nicht ergaben. *) Thiel, Annalen der Landwirt. S. **) Werner, Landwirt. **n) Wollny, Landwirt. 1 1871. 871. Nr. 9. 145. Nr. 100. Der Ertrag der in Prieborn auf 35 ha nach Gülich 134 Kulturmethoden. kultivierten Kartoffeln betrug p. ha durchſchnittlich 12821 kg Knollen mit 2184 kg Stärkemehl, der nach der gewöhnlichen Methode angebauten Kartoffeln 17550 kg mit 4030,5 kg Stärkemehl p. ha. Wir ſahen, daß die Erträge der Gülich'ſchen Kartoffel⸗ kultur nicht befriedigten und haben wir jetzt zu unterſuchen, ob die Qualität ſich nicht günſtiger geſtaltet. Die frühzeitige und ſehr rationell ausgeführte erſte Be⸗ häufelung wird von weſentlich günſtigem Einfluß auf die Ent⸗ wickelung der Pflanze und Ausbildung der zuerſt angeſetzten Knollen ſein müſſen, doch wirkt das wiederholte und dabei ſpäte Behäufeln, um die Pflanzen wiederholt zu neuem Knollenanſatz zu zwingen, keineswegs vorteilhaft, weil hierdurch nicht allein die Ausbildung der früher angeſetzten Knollen benachteiligt wird, ſondern auch die ſehr ſpät ſich bildenden nicht genügend auszu⸗ reifen vermögen. Wir ſchließen uns in dieſer Beziehung der Anſicht von Thiel*) an, der ſagt:„Die Hoffnung, durch das Bedecken der Stengel Veranlaſſung zur Bildung weiterer Knollen zu geben, iſt ohne praktiſchen Wert. Dicht an der Mutterknolle, von den erſten Internodien des jungen Triebes ausgehend, werden Knollenanlagen genug gebildet; dieſen durch eine kräftige Ent⸗ wickelung der ganzen Pflanze genügendes Material zu ihrer voll⸗ kommenſten Ausbildung zuzuführen und durch genügendes An⸗ häufeln in den ihnen zuſagendſten Verhältniſſen zu erhalten, d. h. ſie vom Lichte genügend abzuſchließen und ihnen Luft, Wärme und ein mäßiges Maß von Feuchtigkeit zukommen zu laſſen, das muß die weit lohnendere Sorge des Kartoffel⸗ Kultivateurs ſein, ſtatt auf die möglichſte Entwickelung doch nicht zur vollſtändigen Ausbildung kommender Anlagen hinzu⸗ arbeiten.“ Die Qualität der Kartoffeln wird hierdurch offenbar ſich verſchlechtern müſſen, daher es nicht auffallen kann, daß im all⸗ gemeinen die Knollen nach der Gülichſchen Methode kultiviert, *) Annalen d. Landw. 1869. S. 145. 1f —— 8—— Kulturmethoden. 135 faſt immer ärmer an Trockenſubſtanz und Stärkemehl“) und zuweilen, jedoch nicht immer, etwas reicher an Proteinſtoffen, als die nach der gewöhnlichen Methode gebauten, ausfallen. Alle dieſe Thatſachen laſſen nicht daran zweifeln, daß bei der Kartoffelkultur der Grundſatz der richtige ſei, die zuläſſig engſten Pflanzräume für jede Sorte im konkreten Fall zu be⸗ ſtimmen. Demnach ſcheint uns die Gülichſche Methode nur geeignet zu ſein, wenn es gilt, eine ſchnelle Vermehrung der Sorten anzubahnen, da die Vervielfältigung des Gewichtsertrages der Saat durch die Ernte ſehr bedeutend ausfällt, wie aus nach⸗ ſtehender Überſicht hervorgeht, nach welcher bei den Verſuchen in Halle““*) ſich das Verhältnis von Saat und Ernte wie folgt ſtellte: Verhältnis von Saat⸗ und Erntegewicht bei Verhältnis von Saat⸗ Sorte gewöhnlicher Kultur⸗ und Erntegewicht bei Methode in 62,8 cm Gülichſcher Methode entfernten Reihen Goodrich. 1: 7,3 1:17,2 Calico. 1. 8,0 123,9 Seed... 1. 8,7 1:22,7 van der Peer.. 1 9,1 1:20,4 Sächſ. Zwiebelkartoffel 1:12,4 1:29,0 Heiligenſtädter. 1:21,4 1:38,3 Paulſen⸗Naßengrund“***) benutzt eine Pflanzmethode, welche der von Gülich ſehr ähnlich iſt, zur Vermehrung neuer Sorten. Er giebt jeder Knolle einen Wachsraum von 1 dm. Für Neuland empfiehlt Sprengel †) gleichfalls eine Kultur⸗ methode, die etwas AÄhnlichkeit mit der Gülichſchen Methode hat. Man pflügt das Land in Beete von 8 Furchen Breite *) Vergl. Kühn, a. a. O. Nr. 38; Heineman, Landw. 1871, Nr. 25. un) a. ga. O. 1872. S. 24. a) Deutſche Landw. Preſſe. XVI. Ihrg. Nr. 23. †) Sprengel. Meine Erfahrungen im Gebiete d. allg. u. ſpeziellen Pflanzenkultur. II. Bd. 1850. S. 208. 136 Kulturmethoden. um, egget es tüchtig der Länge nach, legt in gewiſſen Ent⸗ fernungen die Kartoffeln auf den Boden, bringt, wenn die Grasnarbe ſchlecht geweſen ſein ſollte, auch etwas Miſt darüber und wirft alsdann Erde, die man aus den Beetfurchen gräbt, 5—8 em dick über die Kartoffeln und den etwaigen Miſt. Nun wartet man ſo lange bis die Triebe genügend entwickelt ſind, und bringt dann noch einmal Erde an den Haufen heran. Da nun Neuland in der Regel wenig Unkraut hervorbringt und auch der Boden Lockerheit genug beſttzt, ſo iſt ein weiteres Behacken und Behäufeln meiſt nicht notwendig. Auf gut entwäſſertem Bruch⸗ oder Moorboden, der eine beſondere Melioration durch Brennen der Narbe oder Auf⸗ bringung anderer Erdarten ohne Vermiſchung derſelben mit dem Humus(Rimpauſche Moorkultur) nicht erfahren hat, wird im Herbſt die Narbe 13—16 cm tief umgepflügt oder umgehackt und hiernach mit einer ſchweren Walze überzogen. Im Früh⸗ jahr wird dann nur, wenn es die Lockerheit des Bodens er⸗ laubt, der Länge nach abgeeggt. Die Saatknollen werden hierauf mittelſt des Spatens, der Hacke oder beſſer mit Hilfe eines ſpitzen Pfahles unter die Erde gebracht. Die Bearbeitung der Kartoffeln über Sommer kann natürlich, weil die Narbe ſehr filzig iſt, nur vermittelſt der Hacke geſchehen, unterbleibt jedoch auch gänzlich, ſobald Unkraut nicht erſcheint und der Boden genügend locker iſt. In neueſter Zeit iſt J. L. Jenſen*) mit einer Kartoffel⸗ anbaumethode hervorgetreten, welche als Schutz gegen die Kar⸗ toffelkrankheit dienen ſoll, und der Gülichſchen Methode nahe verwandt iſt. Sie beſteht in einem möglichſt ſtarken, aber ein⸗ ſeitigen Anhäufeln der Pflanzen vor der Verbreitung der Krankheit. Durch dies einſeitige Anhäufeln wird das Kraut aus ſeiner ſenkrechten Stellung in eine ſeitlich ſchiefe Lage ge⸗ bracht. Die Anhäufelung hat 26—30 cm hoch zu erfolgen, und ſind dann die oberſten Knollen zur Erntezeit noch mit 10 *) Die Kartoffelkrankheit kann beſiegt werden durch eine einfach und leicht auszuführende Kulturmethode. 1882. Überſetzt aus dem Däniſchen durch H. Bay. —— ————y——„— —— Kulturmethoden. 137 bis 12 cm Erde bedeckt. Damit der Häufelhorſt dieſe Höhe erreichen kann, müſſen die Reihen 80 cm von einander ent⸗ fernt ſein. Verſuche von Leydhecker*) und Wollny ergaben, daß die Jenſenſche Methode keine Vorzüge vor der gewöhnlichen habe und auf leichten Böden, wegen der größeren Austrocknung der hohen Hörſte ſogar nachteilig werden kann. Das Auspflanzen der Kartoffeln mit Hilfe von Geſpannen iſt in den Großwirtſchaften das gebräuchlichſte Verfahren, doch kann dasſelbe in ſehr verſchiedener Weiſe ausgeführt werden. Das Einpflügen der Saatknollen, um dieſelben in einer Richtung bearbeiten zu können, iſt die gewöhnlichſte Methode. Hierzu empfiehlt es ſich, vorzugsweiſe hakenartige Acker⸗ geräte zu verwenden, weil ihre Furchenbreite ſich leicht regulieren läßt, ſie in derſelben Furche auf⸗ und niederfahren können, den Boden gut lockern und beſſer mengen, alſo eine feiner zerkrümelte Erdſchicht auf die Saatknollen bringen als der Pflug. Von großer Wichtigkeit iſt jedoch, daß dieſe Ackergeräte die Furchen⸗ ſohle nicht feſtdrücken, infolge deſſen eine lockere Erdſchicht ſich unter der Saatknolle findet, auch die Furchenſohle weniger breit als beim Pflug ſich halten läßt, demzufolge ſich auch die Reihen geradliniger ſtellen werden. Üüber die Reihenweite und die Entfernungen in der Reihe iſt vorher genaue Beſtimmung zu treffen, denn die Reihenweite läßt ſich beim Einpflügen nicht gut unter 52 cm geben, je nach den Umſtänden wird ſie zwiſchen 52 und 78 cm ſchwanken und die Entfernungen in der Reihe zwiſchen 24 cm, 30 und 47 cm. Wählt man eine enge Reihenentfernung, ſo werden die Saatknollen in die zweite, bei weiterer in die dritte Furche gelegt, vorausgeſetzt, daß die Pflugfurchen nicht über 26 cm breit ge⸗ halten werden. Die Tiefe der Pflugfurche richtet ſich nach der Bodenbeſchaffenheit und ſchwankt zwiſchen 7 und 16 cm, wie wir dies weiter oben geſehen haben. Jedem ſog. Pflugpaſch(aus zwei oder drei Pflügen beſtehend) *) Oſterr. Landw. Wochenbl. Nr. 5. 1884. S. 42. 138 Kulturmethoden. folgen die Kartoffelleger, von denen jeder einen beſtimmten Ab⸗ ſchnitt zum Belegen mit Saatknollen zugemeſſen erhält, in der Regel genügen hinter jedem Paſch fünf Arbeiter. Dieſelben müſſen angewieſen werden, ſobald Pflüge das Ziehen der Furchen vollführen, die Saatknollen nicht auf der feſtgedrückten Sohle auszulegen, ſondern an der Seite des lockeren Erdbalkens einzu⸗ drücken, wo ſie feſter liegen und lockere Erde unter ſich finden. Fünf Arbeiter können bei dieſem Verfahren täglich 1—1,5 ha- mit Saatknollen belegen. Pflügt man aber zugleich mit den Saatknollen noch unzerſetzten langen Dung unter, dann muß jedem Paſch, zum Einrechen des Dunges in die Furche, noch ein Arbeiter beigegeben werden. Iſt der Boden ſehr unkrautwüchſig und daher das Bearbeiten der Kartoffeln über Kreuz erwünſcht, dann wird der abgeeggte Acker mit einem Markeur, vor dem ein Pferd geſpannt iſt, da⸗ mit die Rillen recht tief einſchneiden und gut kenntlich ſind, in beſtimmten Entfernungen überzogen und zwar in der Weiſe, daß ſich die Rillen im rechten Winkel mit der Richtung ſchneiden, in welcher die Kartoffeln eingepflügt werden ſollen. Das Ein⸗ pflügen geſchieht dann in derſelben Weiſe wie bei dem ſoeben beſprochenen Verfahren, nur mit dem Unterſchiede, daß an den⸗ jenigen Stellen, wo die markierten Linien in eine geöffnete Furche endigen, die Kartoffeln eingelegt werden. Der Zweck jedoch, die Kartoffeln ſpäter über Kreuz ſorgfältig bearbeiten zu können, wird ſelten erreicht, weil ſich die Saatkartoffeln beim Einpflügen leicht verſchieben. Auf ſehr ſchwerem, bindigem Boden kommt häufig die Kammkultur zur Anwendung. Bei dieſem Verfahren werden im Frühjahr die im Herbſt aufgepflügten Kämme(Balken) geſpalten und die Saatknollen in die ſo gebildeten Furchen gelegt und wiederum mittelſt eines Häufelpfluges mit lockerer Erde bedeckt. Die Kämme laufen am zweckmäßigſten von Norden nach Süden, damit ihnen eine gleichmäßige Einwirkung der Sonne zu teil werde. Ein anderes Verfahren, um auf dem ſchweren, feuchten Boden die Saatknollen möglichſt flach unterbringen zu können, 2 —.,————— — —-—(— Kulturmethoden. 139 wird von v. Roſenberg⸗Lipinski*) empfohlen, der mit einem durch ein Pferd gezogenen Markeur 2—3 em tiefe Rillen auf dem Kartoffellande ziehen läßt, in welche die Kartoffeln in ent⸗ ſprechender Entfernung eingelegt und durch einen Häufelpflug mit einer für die gegebenen Verhältniſſe paſſenden Erdſchicht bedeckt werden. Dieſem letzteren Verfahren ſehr ähnlich iſt die ſog. Rillen⸗ beſtellung mit Hilfe der von Bölte in Oſchersleben gefertigten Rübenhacke, welche mit etwas breiteren Pflugſcharen, als zum Anhäufeln der Rüben benutzt werden, beſetzt wird und mit dieſen werden die Rillen ſchnurgerade und in gleicher Entfernung von einander gezogen; um dies zu erleichtern, läßt man das eine auswendige Schar immer in der äußerſten ſchon vorher gezogenen Furche gehen. Üüber dieſe Rillen kann man auch noch den Markeur über Kreuz gehen laſſen, um ſo den Punkt zu be⸗ zeichnen, wohin die Arbeiter, indem ſie die Furchen entlang gehen, die Saatkartoffeln legen ſollen. Dieſe Arbeit geht ſchnell von ſtatten, denn ein Mädchen kann täglich mehr Kartoffeln aus⸗ legen und mit dem Fuß antreten, als bei der Spatenbeſtellung das Paar. Hinter den Auslegern arbeiten ſofort wieder die Maſchinen, indem ſie die aufgetriebenen Kämme faſſen und die Furchen wieder zuſtülpen. Zu dieſem Zweck müſſen die Räder des Vordergeſtells, deſſen Achſe ſtellbar, genau in den Furchen gehen, da nur ſo die Maſchine einen ſtetigen Gang erhält, wäh⸗ rend die Pflugſchare genau dieſelbe Entfernung wie beim Auf⸗ treiben behalten. Beſonders auf leichtem Boden, ſobald er in 2. Tracht Kar⸗ toffeln trägt oder ſchon im Herbſt gedüngt wurde, leiſtet die Maſchine dieſelbe Arbeit wie die Spatenkultur, zumal der Acker, nachdem das Unkraut aufgelaufen, ohne weiteres geeggt werden kann. Auf friſch gedüngtem Boden wird ſich das Stroh zwar leicht vor die Schare ſetzen und geht die Arbeit langſamer von ſtatten, läßt ſich aber trotzdem ausführen. *) Der praktiſche Ackerbau. 1869. S. 602. 140 Kulturmethoden. Die Kartoffelkulturmethoden, welche bisher eine Beſprechung erfahren haben, ſind aber ſämtlich, im Hinblick auf die bedeutende Handarbeit, deren ſie bedürfen, zu teuer. Bei dem niedrigen Preis der Kartoffeln und der Höhe der Arbeitslöhne wird unter dieſen Umſtänden die Maſſen⸗Kartoffelerzeugung, insbeſondere in den oſtelbiſchen Gebieten bald eine Einſchränkung erfahren müſſen, wenn es nicht gelingt, den Kartoffelbau weſentlich zu verbilligen. So wie heute die Verhältniſſe liegen, iſt der Anbau und die Pflege der Pflanze zum großen Teil, die Ernte faſt ausſchließlich auf Handarbeit angewieſen. In der Methode des Anbaues*) wird ſich wenig ändern laſſen; eine günſtigere Geſtaltung der wirtſchaftlichen Verhältniſſe iſt nur zu erwarten, wenn Geräte gefunden werden, welche die Handarbeit ent⸗ behrlich machen oder weſentlich beſchränken. Die Pflanzkartoffeln werden entweder in offene Furchen oder, auf geglättetem Boden, in einzelne Gruben gelegt. Für rechtzeitige Keimung der Kartoffel und gleichmäßig vollkommene Entwicklung aller Pflanzen iſt erforderlich, ſämtliche Kartoffeln in gleiche Tiefe und in gleichen Entfernungen von einander zu legen. Iſt es ſchon nicht leicht, dieſer Anforderung zu genügen, ſo iſt es noch ſchwerer, die Saatkartoffel in der gewünſchten Lage zu erhalten und zum Treiben zu bringen. Beim Zupflügen der Furchen oder Abdecken der Gruben wird häufig die Kartoffel verſchoben oder der Boden einſeitig gedrückt, und die Folge davon iſt, daß die Pflanzen nicht in gleichen Entfernungen von einander und zum Teil außerhalb der Reihen ſtehen. Iſt dies aber der Fall, ſo kann die nachträgliche, zum Zweck der Pflege der Pflanze erforderliche Bearbeitung des Feldes, Anhäufeln, Behacken, Entfernung des Unkrauts, nur von Hand oder höchſtens mittelſt eines einſcharigen Spanngerätes erfolgen. Soll an Arbeitslohn geſpart werden, ſo müßten möglichſt viele Reihen gleichzeitig mit demſelben Spanngerät bearbeitet werden können, ohne Pflanzen zu beſchädigen; das wäre aber nur möglich, *) Schotte: Volksw. u. Handelsbeilage zur Allg. Münchener Ztg. Nr. 186. 1894. Kulturmethoden. 141 wenn ſämtliche Pflanzen genau innerhalb der Reihen ſtänden. Alle Verſuche, die Kartoffeln in der gewünſchten Regel⸗ mäßigkeit mittelſt Kartoffellege⸗Maſchinen zu legen, ſind ge⸗ ſcheitert. Die Bewegungen, welche für Auswerfen der Kartoffeln in gleichen Entfernungen erforderlich ſind, laſſen ſich natürlich genau beſtimmen, nicht ſelten verſagen aber die Greiforgane, kommen leer aus dem Vorratskaſten oder verlieren die auf⸗ genommene Kartoffel, bevor ſie an die Pflanzſtelle gelangt. Hierzu kommt, daß alle bisher ausgeführten Kartoffel⸗Pflanz⸗ maſchinen die Kartoffeln über oder kurz vor den gewünſchten Pflanzſtellen fallen laſſen. Wie gering nun auch die Fallhöhe ſein mag, ſo werden die Kartoffeln zufolge der ihnen erteilten Fahrgeſchwindigkeit auf glattem Boden, glatter Furchenſohle rollen und ſich mehr oder weniger von der gewünſchten Pflanz⸗ ſtelle entfernen. Zu verlangen iſt aber, daß die Maſchine wirklich an jede Pflanzſtelle eine, aber auch nur eine Kartoffel legt und dafür ſorgt, daß die Kartoffel an dieſer Stelle bleibt, nicht verſchoben wird. Hierin ſcheint eine unüberwindliche Schwierigkeit zu liegen, und dieſe Schwierigkeit wird noch erhöht durch die weitere Forderung, daß die Maſchine das für eine Fahrſtrecke von mindeſtens 200— 300 m erforderliche Saatgut aufnehmen kann, ohne mehr als drei kräftige Pferde zu beanſpruchen. Aus dem Geſagten geht hervor, daß die Schwierigkeiten bei der Anwendung von Kartoffellegemaſchinen ſehr bedeutende ſind, und leider iſt bis jetzt nicht eine Maſchine vorhanden, welche dieſelben ganz zu überwinden vermag. Die erſten Kartoffellegemaſchinen, welche allerdings noch ſehr unvollkommen waren, wurden 1862 in Amerika gebaut und ſeit dieſer Zeit arbeitete man unausgeſetzt auch in England und Deutſchland an ihrer Verbeſſerung. Der Engländer Coultas ſtellte zuerſt 1873 in Wien eine Maſchine aus, welche auch 1874 Garret& Sons in ver⸗ beſſerter Form auf die Ausſtellung nach Bremen brachten. Dieſe Maſchine iſt wie ein gewöhnlicher Getreidedrill auf einem zweirädigen Wagen montiert, auf welchem der in zwei 142 Kulturmethoden. Abteilungen geteilte Kartoffelkaſten ruht und beſitzt ein Vorder⸗ geſtell, gleich der Drillmaſchine. Unter dem Kaſten befinden ſich zwei Häufelſchare, zum Ziehen der Furchen, die nach dem Einlegen der Saatkartoffeln wieder mit Erde bedeckt werden. Die Furchenſohle iſt 5 cm breit und läßt ſich durch eine Stell⸗ vorrichtung beliebig ändern. Das Legen der Kartoffeln geſchieht durch Becher, welche auf einer über drei Rollen gehenden end⸗ loſen Kette in gleichen Abſtänden ſitzen, und die Knollen aus einem Kaſten einzeln entnehmen, um ſie erſt etwas in die Höhe zu heben und dann in zwei Röhren möglichſt nahe an den Boden herunter zu bringen und in die Furchen fallen zu laſſen. Bei den Probearbeiten in Bremen zeigte es ſich, daß die Röhren nicht nahe genug an den Boden herangingen, infolge deſſen die Knollen nicht in gleichen Abſtänden ausgelegt wurden. Außerdem muß das Saatgut von ſehr gleichmäßiger Größe ſein, die der Bechergröße einigermaßen entſpricht. Da nun das Ge⸗ wicht des Saatgutes für eine Fläche von beſtimmter Größe weit erheblicher als beim Getreide iſt, indem es ſich zu dieſem un⸗ gefähr verhält wie 8:1, ſo wird hierdurch die Leiſtungsfähigkeit der Maſchine, weil der Kaſten viel öfter gefüllt werden muß, weſentlich vermindert. In Bremen betrug die Tagesleiſtung etwa 2,5 ha bei einer Beſpannung mit zwei Pferden und mit drei Mann Bedienung. Wenn daher eine Kartoffellegemaſchine 600 Mk. koſtet und 25 Tage im Jahre arbeitet, ſo muß bei 15 pCt. für Zins, Amortiſation und Unterhaltung täglich 3,6 Mk., und für die zwei Pferde 6 Mk., alſo zuſammen 9,6 Mk. in Rechnung geſtellt werden. Da die Maſchine mit drei Mann Bedienung ſo viel leiſtet, wie ſonſt zehn Mann, ſo müſſen dieſe 9,6 Mk. gleich ſieben Tagelöhnen ſein, wenn die Koſten der Arbeit mit und ohne Maſchine ſich gleich ſtellen ſollen. Daraus ergiebt ſich die Gleichheit der Koſten bei einem Tagelohn von 1,37 Mk. über⸗ ſehen darf jedoch nicht dabei werden, daß dem Arbeitermangel durch ſie zu ſteuern iſt. Auf der Kartoffelausſtellung zu Altenburg(1875) war auch eine Kartoffellegemaſchine des Grafen Münſter ausgeſtellt. Kulturmethoden. 143 Dieſe Maſchine iſt mit den nötigen Abänderungen ganz nach dem Vorbilde der Drillmaſchine mit Schöpfrädern gebaut. In der Regel werden die Kartoffeln in Entfernungen von 31,5 cm in der Reihe gelegt, mit Hilfe von Wechſelrädern läßt ſich jedoch dieſe Entfernung ändern. Nach Prof. Wüſt lagen die Kartoffeln beim Probearbeiten, unter Anwendung ſehr gleichmäßigen Saatgutes, gradlinig und in gleicher Tiefe. Die Leiſtung betrug mit zwei Pferden und zwei bis drei Mann Bedienung 2 ha pro Tag. Der Preis ſtellt ſich bei Schubart und Heſſe in Dresden auf 525 Mk. In Taunton war 1875 eine Kartoffellegemaſchine von Aſpinwall ausgeſtellt, welche nur eine Reihe legte. Von zwei Fahrrädern und ihrer Achſe wird ein eiſerner Rahmen getragen, an dem vorn angeſpannt wird, und der einen Kaſten für die Knollen trägt. Im Kaſten bewegt ſich mit der Fahrachſe eine Nabe mit ſieben radialen Armen, welche ſämtlich am Ende mit ſtarken Nadeln verſehen ſind, die bei ihrem Durch⸗ gang durch den Kartoffelkaſten je eine Kartoffel anſpießen, ſie durch eine Offnung aus dem Kaſten herausnehmen und dann gezwungen ſind, ſie fallen zu laſſen, ſobald der Arm durch einen ſchmalen Spalt ſich in den Kaſten zurückzieht. Unterhalb des Kaſtens macht eine Häufelſchar eine Furche für die Kartoffeln, die dann von zwei nachfolgenden ebenen Streichbrettern wieder zugeſtrichen wird. Die Leiſtung dieſer Maſchine wird nicht mehr als 1 ha im Tage betragen und ſie wird keine ſehr geraden Reihen legen, da ſie ſich nicht ſteuern läßt. Ferner hat man keine Garantie, daß auch wirklich jedesmal eine Kartoffel geſpießt und aus⸗ gelegt wird. Eine der Aſpinwall'ſchen Maſchine ſehr ähnliche, bei welcher die Spieße durch Löffel erſetzt ſind, fertigte 1877 C. Schneitler in Berlin. Die Löffel führen die Kartoffeln den zu den Scharen führenden Leitungsröhren zu, aus welchen ſie in die Furchen fallen und dann durch nachfolgende Häufelſchare gedeckt werden. Proben ergaben, daß auch bei dieſer Maſchine die einzelnen 144 Kulturmethoden. Kartoffeln, um 5—7 cm von den mittleren Abſtänden entfernt abgelegt werden. Dieſe Maſchine erfordert zwei Pferde zur Beſpannung und zwei Mann Bedienung. Nach Kiepert arbeitet dieſe die Kartoffeln nicht beſchädigende Maſchine befriedigend. Eine verhältnismäßig einfache einreihige Kartoffellegemaſchine hat die Firma Friedländer& Frank in Wien aus Amerika eingeführt. Auf zwei Fahrrädern ruht ein hölzerner Rahmen, auf dem das Saatgefäß befeſtigt iſt, während ſich darunter ein häufelpflug⸗ artiges Schar befindet, welches die Furche zieht. Am hinteren Ende des Rahmens gerade unter den Sterzen ſind zwei Pflugſchare zum Bedecken der Kartoffeln angebracht. Die Säevorrichtung beſteht aus einer den Boden des Ge⸗ fäßes bildenden rotierenden gußeiſernen Scheibe, welche mit acht runden Löchern verſehen iſt, in die auswechſelbare Ringe ein⸗ gelegt werden können, welche Löcher von verſchiedener Größe haben. Dreht ſich die von der Fahrachſe durch koniſche Räder betriebene Scheibe während der Vorwärtsbewegung in dem feſt⸗ ſtehenden Gefäße um, ſo legen ſich die Kartoffeln in die Löcher und werden auf dem etwas koniſchen, d. h. am äußeren Um⸗ fange niedereren, feſten Boden hingeſchoben, bis ſie über der Saatleitung an ein hobelartiges Meſſer kommen, das von der Kartoffel eine Scheibe von 1—1,5 cm Dicke abſchneidet und in die Furche fallen läßt. Durch Zudecken von drei oder ſechs Löchern kann man die Entfernung der Kartoffeln in der Reihe verdoppeln oder vervierfachen, während man durch entſprechende Wahl der koniſchen Räder die geringſte Entfernung der Kartoffeln größer oder kleiner feſtſtellen kann. Die Zimmermannſche Maſchinenfabrik in Halle a./S., welche dieſe Maſchinen baut, hat eine Einrichtung an derſelben getroffen, um unzerſchnittene Knollen legen zu können. Auch kann man mit beiden Konſtruktionen einen Düngerſtreuer ver⸗ binden. ————. d Kulturmethoden. 145 Nach Wirtſchaftsrat Smetana*) ſind die Proben mit dieſer Maſchine ſehr befriedigend ausgefallen. Zum Betrieb der Maſchine brauchte man ein Pferd und einen Mann, die in 10 Stunden auf 1,6 ha Fläche 1254 kg Kartoffeln legten. Die Kartoffeln gingen vollkommen gleichmäßig auf und ſtanden vollſtändiger als die nebenan mit der Hand gelegten. Sie lieferten einen Mehrertrag von 525 kg und eine Saat⸗ erſparnis von 260 kg p. ha. Von W. Siedersleben& Co. in Bernburg wurde eine Maſchine erbaut, deren Vorrichtung zum Unterbringen und übrige Einrichtung mit Ausnahme der Schöpfräder denen der Drillmaſchinen ſehr ähnlich iſt. Die beiden Schöpfräder beſtehen aber aus Blechſcheiben, an deren Umfang etwa halbkugelige mit einem Schlitze verſehene Becher ſitzen, welche unten in den Schöpfraum eintreten, wo ein in den Schlitz paſſender, am Kaſten befeſtigter Stab das Durchfallen der Kartoffeln verhindert. Wenn jeder Becher eine Kartoffel geſchöpft hat, bewegt er ſich aufwärts und tritt in eine kreisförmige Röhre, wo die Kartoffel herausfällt, auf dem Rücken des vorausgehenden Bechers bis zum tiefſten Punkte der Röhre geführt wird, um dann in die Furche zu fallen und bedeckt zu werden. Bei der 1882 von A. Rießler in Zerbſt gefertigten Kartoffellegemaſchine wird das Saatgut durch Aufziehen eines Stellſchiebers aus dem Saatkaſten in den Lege⸗Apparat geführt. Hier wird es von Löffeln geſchöpft, welche es durch ein Lege⸗ rohr in die von Scharen gezogene Furche gleiten laſſen. Durch einen Zuſtreicher wird dann das Saatgut mit Erde bedeckt. Dieſe Maſchinen werden zweireihig für eine Reihenweite von 52, 58 oder 63 cm mit Vorder⸗ oder Hinterſteuer, aber auch dreireihig(63 cm Reihenweite) hergeſtellt. Die Entfernung der Kartoffeln in der Reihe läßt ſich dann durch Wechſelräder beliebig verändern. über die Prüfung dieſer Maſchine berichtet Wüſt, daß die *) Sſterr. landw. Wochenbl. 1878. Nr. 9. Werner, Kartoffelbau. 3. Auflage. 10 146 Kulturmethoden. Arbeit im Furchenziehen und Bedecken der gelegten Kartoffeln vollſtändig befriedigte, und die Zahl der Fehlſtellen im Mittel 2,39 pCt. betrug. Die Entfernung der Knollen in der Reihe war eine ſehr gleichmäßige. Die Maſchine erfordert zwei Pferde und drei Arbeiter zur Bedienung und beſtellt pro Stunde 0,25— 0,3 ha. Der Preis der zweireihigen Maſchine beträgt bei einem Gewichte von 350 kg 500 Mk. Der Amerikaner Aspinwall hat eine neue Kartoffellege⸗ maſchine, den„Aspinwall⸗Kartoffelpflanzer“ gefertigt, welcher von Moritz Weil jun. in Frankfurt a./M. vertrieben wird. Der Rahmen iſt auf eiſernen Rädern von 84 cm Durch⸗ meſſer und 7 cm breiten Radkränzen gelagert. Er iſt ſo kon⸗ ſtruiert, daß er gleichzeitig die Lager für die Hauptachſe bildet, welche letztere aus warm gedrehtem Stahl beſteht. Der Rahmen bildet gleichzeitig den Empfänger der Saat⸗ kartoffeln, welche durch einen Schließer aus dem Saatkaſten in regelmäßigen Zwiſchenräumen eingelaſſen werden. Der ſelbſtthätige Schließer wird durch die Fahrachſe ſtets auf- und abbewegt, öffnet und ſchließt dadurch den Zufluß der Kartoffeln und kann durch die Federn reguliert werden, Der Saatkaſten hält ungefähr einen Centner Kartoffeln und in dem Kaſtenboden befinden ſich zwei ſich fortwährend auf- und niederbewegende gußeiſerne Schuhe, welche bewirken, daß beim Ausfluß keine Stockung vorkommen kann. Mittels eines Stellhebels läßt ſich der Tiefgang des Pfluges und damit die Furchentiefe regeln. Der Pflug iſt aus poliertem Stahl gefertigt, vorn ſpitz und endigt hinten in zwei auseinanderſtehenden Seitenbacken, und bildet eine unten ſpitze und oben breite Furche, ſo daß die fallenden Kartoffeln feſt in einer Linie bleiben müſſen und werden ſeitlich, ſowie durch die hinterher vermittelſt zweier Zuſtreicher hineingeworfene Erde von allen Seiten gleichmäßig mit Erde bedeckt. 1 An der Seite iſt ein Markierhebel befeſtigt, welcher dem Kutſcher die nächſte Reihe markiert. Kulturmethoden. 147 Will man die Entfernung der Saatknollen innerhalb der Reihe verändern, ſo geſchieht dies dadurch, daß man die Ein⸗ leger auf andere Löcher, deren ſich 32 in einer Nebenſcheibe be⸗ finden, aufſchraubt. Eine neue Kartoffellegemaſchine iſt vom Schmiedemeiſter C. Schach in Wubrigsberg bei Neu⸗Trebbin) erfunden. Die Handhabung dieſer Maſchine iſt dieſelbe wie bei der Drillmaſchine. Die Saatkartoffeln läßt man über eine Sortier⸗ fege gehen und können ſolche von 2 ½— 6 ½ cm. Durmeſſer ver⸗ wendet werden. Das Saatgut wird auf den Saatkaſten, deſſen Boden beweglich iſt, mit Hilfe von hin⸗ und hergehenden Schöpf⸗ ſchiebern ſo unter die auf- und abgehenden Spießdorne geführt, daß letztere bei ihrer Abwärtsbewegung je eine Kartoffel auf— ſpießen und bei der Aufwärtsbewegung dieſelbe in die Saat⸗ leitung fallen laſſen. Dieſe bleibt durch Klappen abwechſelnd ſo lange verſchloſſen, bis die Kartoffel in beſtimmten Abſtänden in die von der Maſchine gezogenen Furchen fallen muß, wo dieſelbe von den hinteren Scharen ſofort zugedeckt wird. Die Maſchine legt die Kartoffeln auf 22 Zoll im Quadrat. Die Schare werden von hinten durch einen Hebel hoch⸗ und nieder⸗ gelaſſen und auf der rechten Fahrſeite kann die Verkuppelung ein- und ausgerückt werden. Die Fabrik landwirtſchaftlicher Maſchinen von Clayton & Shuttleworth in Wien hat eine neue Kartoffellegemaſchine (Patent Skorpil)**) gefertigt. Auf dem von zwei Fahrrädern getragenen ſchmiedeeiſernen Hauptrahmen ruht der geräumige in zwei Fächer abgeteilte Kaſten zur Aufnahme der Saatknollen, deren Zulauf in den Ausſtreuungsraum durch einen Schieber geregelt wird; die einzelnen Kartoffeln werden durch rotierende Schnecken dem Lege⸗ apparat zugeführt. Letzterer beſteht aus einer über Kettenſcheiben rotierenden Kette, welche mit Schalen verſehen iſt, deren jede eine bis 8 cm Dicke Kartoffel faßt und ſie durch ein Leitungs⸗ rohr einzeln zu Boden befördert. Vor jedem Leitungsrohr geht ) Deutſche landw. Preſſe, XVII. Ihrg., Nr. 3. ***) Braunſchweigiſche landw. Ztg. LX. Ihrg. Nr. 23. 10* 148 Kulturmethoden. ein Markierſchar, welches die zur Aufnahme der Kartoffeln geeignete Furche zieht und hinterher folgt ein Deckſchar, welches das gelegte Saatgut entſprechend hoch mit Erde deckt. Der Antrieb des Saatapparates wird durch eine Zahnradüberſetzung vermittelt und iſt derart eingerichtet, daß die einzelnen Kartoffeln in Abſtänden von 36,5— 41,5 cm gelegt werden, es kann auch ein Wechſelrad für kleinere oder größere Pflanzabſtände beigegeben werden. Die Maſchine wird gewöhnlich für zwei Reihen mit 62,4 cm Entfernung gebaut. Das Ein⸗ und Ausrücken des Säeapparates erfolgt durch einen Hebel auf der linken Seite der Maſchine, während das Niederlaſſen und Aufheben der Markier⸗ und Deckſchare auf der gegenüberliegenden Seite durch eine Kurbel bewirkt wird. Zum Betriebe reicht ein Paar mittel⸗ ſtarker Pferde aus und kann in zehnſtündiger Arbeit eine Fläche von 1,8— 2,8 ha beſtellt werden, wobei ein Führer für das Geſpann, ein Mann am Vorderſteuer und ein Arbeiter zur Uberwachung des Saatkaſtens erforderlich ſind. In neuerer Zeit ſtellt man gern Pflanzgruben in gleichen Entfernungen und von annähernd gleicher Tiefe her, und zwar auf einem fertig vorbreiteten, insbeſondere gut geebneten Boden. Zur Verbilligung der Arbeit werden hierzu Spanngeräte, welche für mehrere Reihen gleichzeitig die Pflanzgruben ſtechen, benutzt. Die neueren Pflanzlochmaſchinen, namentlich die von Unterilp, ſetzen uns in den Stand, die Kartoffeln in ſchnur⸗ geraden Reihen, in gleicher Tiefe und in gleicher Entfernung innerhalb der Reihen auszulegen. Wenn hierbei auch das Legen mit der Hand geſchehen muß, ſo iſt doch in beſter Weiſe dadurch der maſchinellen Hack⸗ und Häufelarbeit, ſowie den Erntemaſchinen vorgearbeitet. Das eigentliche, zur Zeit bevorzugte Grabwerkzeug an den Pflanzlochmaſchinen beſteht aus Spaten von winkelförmigem oder dreieckigem Querſchnitt, und je vier ſolcher Spaten ſind zu einem Stern verbunden, an dem ſie in radialer Richtung geſtellt, d. h. dem Mittelpunkt genähert oder von demſelben entfernt werden können. Jeder Stern iſt auf einem Zapfen drehbar an einem —6————. 652 182 — ——— ———— — —-——,-— Kulturmethoden. 149 Hebel angebracht und der Hebel iſt mit dem Fahrgeſtell derart verbunden, daß er in vertikaler Ebene ſchwingen kann. Bei fortſchreitender Bewegung des Gerätes rollen die Sterne auf dem Boden und die Spaten bezeichnen Stellen, deren Entfernungen dem Abſtande der Spaten an dem Sterne entſprechen. Damit die Spaten tief genug in den Boden dringen. empfiehlt es ſich, die Sternhebel, im Sinne der Fahrrichtung, hinter den Sternen aufzuhängen. Gleiche Entfernung und gleiche Tiefe ſämtlicher Pflanzſtellen iſt damit nicht für jeden Fall zu erzielen. Auf weichem Boden und Erhöhungen werden die Spaten an den gleichzeitig rotierenden und fortſchreitenden Sternen tiefere und längere Gruben hinterlaſſen als auf hartem Boden und Ver⸗ tiefungen. Ungleiche Beſchaffenheit des Bodens der Grubenwände kann auch zur Folge haben, daß die Keime ſeitwärts treiben. Für mit langem Stallmiſt bedüngten Acker ſcheinen dieſe Pflanzlochmaſchinen ganz beſonders anwendbar, auch Arbeit und Zeit erſparend. Leider ſind ſie aber nicht ganz fehlerfrei, denn auf trocknem, leichtem Boden fallen die Pflanzlöcher mehr oder weniger ſtark zu, und iſt der Boden nicht vollkommen eben, ſo greifen die Spaten ungleich tief ein, weshalb auf möglichſt ſchmale, vielleicht nur dreireihige Maſchinen geſehen werden ſollte. Schließlich hat die Führung zur Herſtellung ſehr gerader Reihen leicht und ſicher zu ſein. Zu den beſten dieſer Geräte gehören Unterilp's Pflanz⸗ grubenmaſchine und Ring's Pflanzlochſtechmaſchine. Da bei dieſen Maſchinen auf ſcholligem Boden auch die erwähnten Grabſterne die Pflanzſtellen nicht immer zweifelsfrei erkennbar und überall gleich tief machen, laſſen Laaß& Co., Magdeburg, bei ihrer Pflanzlochſtechmaſchine ein Schar vorher⸗ gehen, wodurch eine ſchmale Furche gebildet wird, in welcher die Pflanzgruben ſicherer ſich ausheben laſſen. Eine ähnliche Kombination von Reihen⸗ oder Furchenzieher und Pflanzlochgraber wird auch von F. Zimmermann& Co., Halle a./S., geliefert. Der obigen Maſchine ähnlich iſt die von Oſterland er⸗ fundene und von Franz Glauche zu Salzfurth bei Raguhn i. Anh. 150 Pflege. hergeſtellte Kartoffelbau⸗Maſchine, welche zunächſt als Furchen⸗ zieher und Lochmaſchine gebraucht wird, indem ſie flache und tiefere Furchen herſtellt, in welche zu gleicher Zeit ein Lochapparat in den gewünſchten Entfernungen Löcher macht. Hierauf werden, nachdem die Kartoffeln mit der Hand eingelegt ſind, andere Schare aufgeſchraubt, von denen je zwei eine Kartoffelreihe zu⸗ decken. Das einfachſte Gerät wird von Richter⸗Branden⸗ burg a. Havel hergeſtellt, welcher einen einfachen Pflug mit einem Markierrade verbindet. Pflege. Durch die Pflege, welche der Kartoffel während ihrer Vegetationszeit zu teil wird, ſollen die Bedingungen ihrer Ent⸗ wickelung möglichſt günſtig geſtaltet werden, d. h. den Wurzeln ſoll Luft, Wärme und nahrungsreiche Erde zugeführt, dem Boden im richtigen Grade die Feuchtigkeit erhalten und das Unkraut unterdrückt werden. Vornehmlich hat die Bodenbearbeitung dieſe günſtigen Vegetationsbedingungen zu ſchaffen, mithin auf dieſelbe ein beſonderer Wert zu legen iſt, zumal ſie gleichzeitig den Boden auch für die Nachfrüchte verbeſſern ſoll, ſo daß unter Umſtänden eine energiſche Bearbeitung ſelbſt die Brache erſparen läßt. Selbſtverſtändlich wird die Bodenbearbeitung, je nach den lokalen Verhältniſſen, alſo hauptſächlich nach der Beſchaffenheit des Bodens und Klimas, ſowie auch nach der Kulturmethode in ſehr verſchiedener Weiſe auszuführen ſein. Soll die Bodenbearbeitung einen guten Erfolg haben, dann iſt mit derſelben, ehe der Boden zu ſehr erhärtet, oder das Un⸗ kraut erſtarkt, zu beginnen. Neigt der Boden zur Verkruſtung und Schollenbildung, ſo werden die Nachteile einer zu ſpäten erſten Bearbeitung ſich durch weniger freudiges Wachstum und vermehrten Arbeitsaufwand kennzeichnen. Auch das Unkraut wird am leichteſten dann vertilgt, wenn es ſich in einem frühen Entwickelungsſtadium befindet, ſpäter wird dagegen ſeine Ent⸗ Pflege. 151 fernung ſchwierig und koſtſpielig, ganz abgeſehen davon, daß die Kartoffelpflanze in ihrer Entwickelung zurückgehalten wird, ſobald ſie mit dem Unkraut um den Platz kämpfen muß. Die erſte Pflege erfolgt zweckmäßig durch eggen, jedoch warte man damit nicht, bis die erſten Kartoffelpflanzen ſichtbar ſind, ſondern beginne damit, ſobald die Unkrautſamen anfangen zu keimen. Bei der geringen Pflanztiefe der Kartoffeln bewährt ſich, um ein Herausreißen derſelben zu vermeiden, ſehr gut die von Dieſt in Plantikow bei Dabern erfundene achtteilige leichte Kartoffelegge, welche mit einem Pferde beſpannt wird. Ein zweites Eggen kann ſtattfinden, ſobald die jungen Pflänzchen an der Oberfläche erſcheinen. Jetzt ſollen kräftiger wirkende Eggen, welche die Bodenoberfläche zugleich krümeln, Verwendung finden. Ein kräftiges Eggen erleichtert die noch folgende Hack⸗ und Häufelarbeit. Sollten ſich nach dem Eggen, wie nicht ſelten auf bindigen Böden, mehr oder weniger große Schollen zeigen, dann ſind letztere zweckmäßig durch kannelierte Walzen zu zertrümmern. Man hat nicht zu fürchten, daß der Boden durch einmaliges Überwalzen zu feſt werde, denn die Walze drückt nur die alleroberſte Schicht ein wenig zuſammen, während der darunter liegende Boden ſeine frühere Lockerheit ſich erhält. Die nächſtfolgende Arbeit iſt das Hacken der Kartoffeln, welches erfolgt, vorausgeſetzt, daß der Boden nicht zu naß, ſondern ſoweit abgetrocknet iſt, daß er krümelt, ſobald die Pflanzen einigermaßen herangewachſen ſind, alſo die Reihen ſich deutlich zeigen. Es kann das Hacken den Zweck haben, das Unkraut zu vertilgen. Iſt jedoch der Boden erhärtet oder verkruſtet, ſo wird ebenfalls gehackt werden müſſen, wenn auch kein Unkraut vor⸗ handen iſt, um den Boden zu lockern. Dieſem erſten Hacken, welches meiſt flach ausgeführt wird, folgt häufig noch ein zweites tieferes Hacken, wenn das Bedürfnis hervortritt. Das Hacken iſt jedoch ſofort zu unterlaſſen, ſobald Blätter verletzt werden können. Das Hacken geſchieht entweder mit Hand⸗ oder Pferdehacken. 152 Pflege. Selbſtverſtändlich ſind erſtere am wirkſamſten, weil ſich mit ihnen bis dicht an die Stöcke heran und um dieſelben rings herum der Boden bearbeiten läßt, während die Pferdehacke immer in einiger Entfernung von den Stöcken bleibt, auch zwiſchen den Pflanzen in der Reihe nicht wirken kann, wenn die Kulturmethode nicht das Hacken über Kreuz erlaubt. Häufig finden ſich auch Pferdehacke und Häufelpflug kom⸗ biniert. Die Werkzeuge der letzteren Geräte ſind horizontale, drei⸗ oder vierſeitige Meſſer,„Hackmeſſer“, zum Abſchneiden des Unkrauts in der Furchenſohle, und Pflüge mit flacher, ſym⸗ metriſcher Schar und Streichbrett an jeder Seite zur Damm⸗ bildung,„Anhäufeln“; häufig werden Hackmeſſer und Häufel⸗ ſchar in Verbindung an demſelben Gerät angewendet. Stehen die Pflanzen regelmäßig in gerader Linie, ſo iſt es möglich, mehrere Furchen gleichzeitig mit demſelben Gerät, welches mit Werkzeugen in entſprechender Zahl ausgerüſtet iſt, zu bearbeiten. Trifft die obige Vorausſetzung nicht zu, ſo werden die außer⸗ halb der Reihe ſtehenden Pflanzen bei Anwendung eines mehr⸗ reihig arbeitenden Gerätes beſchädigt. Stehen die Pflanzen ſehr unregelmäßig, ſo muß jede Reihe für ſich von Hand oder mittelſt einreihigen Spanngeräts bearbeitet werden. Von einreihigen Pferdehacken empfiehlt ſich für flachere Lockerung die von J. Kühn verbeſſerte ſächſiſche Furchenegge; für flache und tiefe Bearbeitung zugleich, die Pferdehacke von Ranſomes und Busby. Die Verwendung mehrreihiger Hacken iſt dagegen recht er⸗ ſchwert, ſobald die Pflanzreihen nicht überall dieſelben Abſtände aufweiſen, oder einzelne Pflanzen außerhalb der Reihe ſtehen. Es laſſen ſich in dieſem letzteren Falle höchſtens drei Reihen gleichzeitig bearbeiten, da jeder Hackhebel für ſich geführt werden muß und der Arbeiter nicht wohl mehr als drei Hebel ſteuern kann. Um einen regelmäßigen Pflanzenſtand zu erzwingen, kom⸗ binieren Laaß& Co. ihre Pflanzlochſtechmaſchinen mit Häufel⸗ ſcharen derart, daß damit die Lochreihen vollkommen ſymmetriſch zugepflügt werden können; hierdurch ſoll ermöglicht werden, in fünf Reihen gleichzeitig zu hacken und zu häufeln. Zur Bear⸗ Pflege. 153 beitung von vier Reihen hatte ſchon früher Oſterland in Salzfurth eine Kartoffelhäufelmaſchine hergeſtellt. Von den mehrreihigen Hacken ſind noch zu nennen, die Pferdehacke von Smith, Bölte in Oſchersleben, ſowie Garret und Taylor. Nach dem Behacken werden die Kartoffeln meiſt, jedoch nicht immer behäufelt und ob dies zu geſchehen oder zu unter⸗ bleiben hat, hängt von der Bodenbeſchaffenheit ab. Auf Böden, die leicht nach jedem Regen zuſammenfließen und beim Austrocknen verkruſten, wodurch der Luftzutritt zum Boden behindert wird, ſowie auf ſolchen mit undurchlaſſendem Untergrund, z. B. auf Thon⸗, Lehm⸗ und ſonſtigen feinkörnigen Böden, hat jedenfalls die Behäufelung Platz zu greifen, denn dieſe Bodenarten ſchließen ſich zu leicht, worunter die Vegetation in hohem Grade leidet. Findet ſich dieſe den Pflanzen ungünſtige phyitkaliſche Bodenbeſchaffenheit ſtark ausgeprägt vor, dann würde in dieſem Falle ein möglichſt flaches Auslegen der Knollen und früh⸗ zeitiges, vielleicht wiederholtes Häufeln einzutreten haben, weil der Häufelhorſt bei ſtarkem Regen genügend Feuchtigkeit auf⸗ nimmt, jedoch den Überfluß, alſo die ſchädliche Näſſe verhält⸗ nismäßig leicht zur Furche abfließen oder verſinken läßt, dabei bleibt die Erde des Horſtes locker, wenn derſelbe auch an der Oberfläche etwas verkruſtet, welche Kruſte ſich jedoch durch Hacken oder nochmaliges Behäufeln ſehr leicht brechen läßt. Mithin liegt die Saatknolle in einer lockeren, entwäſſerten, warmen daher thätigen und nahrungsreichen Erdſchicht. Leichte, durchlaſſende Böden mit geringer Neigung zur Verkruſtung werden dagegen vorteilhafter nicht behäufelt, vor⸗ ausgeſetzt, daß die Saatknollen genügend tief, 10—16 em, gelegt werden. In dieſer Tiefe finden ſich in der gelockerten, nahrungsreichen Ackerkrume ſämtliche Bedingungen zur normalen Entwickelung der Stolonen und die Ebenkultur bietet überdem noch den Vorteil, daß die Feuchtigkeit vom Boden beſſer zurück⸗ gehalten wird, keinesfalls werden aber günſtigere Vegetations⸗ verhältniſſe durch die Behäufeluug ſehr leichter Böden geſchaffen. Ferner wird auch der Vorteil geboten, daß mit Wegfall des 154 Pflege. Behäufelns die Reihenweite vermindert werden kann, infolge deſſen die Stöcke in der Reihe nicht in zu nahen Entfernungen zu ſtehen kommen. Welchen Einfluß die Behäufelung auf den Ertrag ausübt, zeigen auch die Verſuche Wollnys, welche auf humoſem Kalk⸗ ſand ausgeführt wurden. Nach dieſen brachten drei Kartoffelſorten, welche in einer Reihenentfernung von 60 cm angebaut worden waren, von 20 Stück ausgelegten Knollen bei einer Saattiefe von: 25 cm behäufelt— 8785 9 25„ nicht behäufelt= 11 292„ 12,5„ behäufelt= 10156„ 12,5„ nicht behäufelt— 8941„ 0,0„ behäufelt— 9745„ 0,0„ nicht behäufelt 7365„ Hiernach iſt die Wirkung des Behäufelns, je nach der Tieflage der Knollen eine verſchiedene. Die Behäufelung ſteigerte das Erträgnis um ſo mehr, je flacher die Knollen untergebracht waren und umgekehrt. Es hatten ſogar die Pflanzen aus größeren Tieflagen vielfach am Ertrage durch die Behäufelung eingebüßt. Die zweckmäßigſte Behäufelungszeit läßt ſich nicht beſtimmt angeben, da ſie vollſtändig von den Umſtänden abhängt, und laſſen ſich nur die Grenzen andeuten, innerhalb welcher die Be⸗ häufelung auszuführen iſt. Das Behäufeln darf nicht ſtattfinden, ſobald die Pflanzen in ihrer Entwickelung noch ſoweit zurück ſind, daß ein überdecken mit Erde möglich iſt und es hat aufzuhören, wenn die Triebe eine ſolche Größe erreicht haben, daß einzelne Teile derſelben durch das Behäufeln mit Erde bedeckt werden, ferner aber auch kurz vor oder in der Blüte, weil in dieſem Fall der untere Stengelteil ſchon zu lange mit der Luft in Berührung geweſen iſt, infolge deſſen an dieſen Stengelpartieen die Entwickelung von Stolonen, reſp. ein neuer Knollenanſatz verzögert wird. Außerdem erſtrecken ſich die zuerſt gebildeten Stolonen in dieſem Stadium der Entwickelung nahe der Erdoberfläche, namentlich bei flacher Auslage der Saatknollen, in den freien Raum zwiſchen den ————,— ————— Pflege. 155 Reihen hinein, weshalb dieſelben beim Behäufeln verletzt und ſelbſt mit ihren jungen Knollenanlagen abgeriſſen werden können, wie wir zu beobachten mehrmals Gelegenheit hatten. Soll das Behäufeln ſich öfter wiederholen, ſo kann es nur kurz hinter einander geſchehen, weil es ſonſt in dem Entwickelungsſtadium, wo die Stolonen verletzt werden können, ſtattfinden würde. Durch Bedecken des Laubes wird dasjenige Organ, welches zur Aufnahme des Kohlenſtoffs und zur Bildung der organiſchen Subſtanz dient, in ſeinen Funktionen geſtört oder vollſtändig vernichtet. Daß die hieraus erwachſenden Nachteile ſehr bedeutend ſein können, geht aus einem von Drechsler*) ausgeführten Verſuch hervor. Drechsler behäufelte im Juni Kartoffeln in der Weiſe, daß abwechſelnd das Laub einer Reihe mit Erde vollſtändig be⸗ deckt wurde, während das der nebenanliegenden frei blieb. Die überhäufelten Kartoffeln arbeiteten ſich allmählich wieder durch, doch blieb bis zur Blütezeit die Krautentwickelung weniger kräftig, dann verſchwand der Unterſchied mit den nicht über⸗ häufelten Kartoffeln mehr und mehr. Die Ernte ergab nachſolgende Reſultate: Kartoffelſorte Rote Göttinger Viktoria⸗Kartoffel. Knollenertrag in Kilogramm Angehäufelt 2,5 a.. 688,8= 27 552 p. ha 619,2= 24 768 p. ha Überhäufelt 2,5 a.. 262,4= 17496„ 483,8= 19352„ Ertragsverminderung durch Überhäufelung. 17506 p. ha 5416 p. ha Dieſe Zahlen bedürfen keiner Erläuterung und geht aus — *) Journal für Landwirtſchaft. 1875. S. 117. 156 Pflege. ihnen hervor, daß ſehr vorſichtig beim Anhäufeln verfahren werden muß, um das überhäufeln der Stöcke zu verhüten. Das Behäufeln geſchieht entweder mit der Handhacke, mit welcher es zweifellos am beſten rings um den Stock herum aus⸗ geführt werden kann, oder mit Häufelpflügen. Am beſten eignet ſich dann der Boden zum Behäufeln, wenn er mäßig feucht iſt und ſich gut krümeln läßt. Zweckmäßig konſtruierte Häufelpflüge ſollen auf beiden Seiten verſtellbare, ruchadloartige Streichbretter beſitzen, vermittelſt der⸗ ſelben der Boden gleichförmig auf beiden Seiten ſo auseinander und in die Höhe geſchoben wird, daß ſich Kämme bilden. Das Schar ſoll den Boden lockern und nach beiden Seiten hin wirken, weshalb es die Form eines gleichſchenkligen Dreiecks und einen gewölbten Rücken erhält, welcher letztere ſich in einen ſcharfkantigen Anſatz der Griesſäule fortſetzt, der keilartig wirkend, die gehobene Erde nach beiden Seiten hin verteilt. Die Form der Behäufelungskämme ſoll derart ſein, daß ſie durch Witterungseinflüſſe möglichſt wenig zerſtört wird, weshalb ihnen eine gewiſſe Böſchung, die das Herunterrollen des lockeren Erdreichs verhindert, zu geben iſt. Die Erde ſoll durch den Häufelpflug aber bis an den Stock, zur beſſeren Unterdrückung des Unkrautes herangebracht, doch dabei die Bildung ſcharfer Kanten vermieden werden, weil dieſe leicht heruntergeweht oder fortgewaſchen werden können, daher giebt man den Kämmen gern oben, ihrer Höhe entſprechend, eine Fläche(ca. der Höhe breit). Die Kämme bilden demnach prismatiſche Körper, deren Quer⸗ ſchnitte Trapeze ſind. Empfehlenswerte Häufelpflüge ſind: der Univerſal⸗Häufel⸗ pflug von Clarke, der Hohenheimer Häufelpflug, der Häufelpflug von Ranſomes und der von Hecke. Zum Behäufeln kann man ſich auch mehrreihiger Maſchinen bedienen, z. B. der von Bölte, die drei Reihen zugleich häufelt, doch iſt dieſe Arbeit ſehr vorſichtig und nur auf ſorgfältig be⸗ pflanzten Kartoffelfeldern auszuführen, da ſich zur Zeit des An⸗ häufelns die Stolonen bereits verzweigt haben, ſo daß ſie, ſobald Pflege. 157 die Maſchine nicht genau die Mitte der Reihen inne hält, verletzt werden, was den Pflanzen zu großem Schaden gereichen kann. In dieſem Falle iſt es entſchieden angebrachter, dieſe Arbeit mit einem einzelnen Häufelpfluge auszuführen, der bei ſorgſamer Handhabung genau aus der Mitte heraus das Anhäufeln be⸗ wirken kann. Die Frage, wie oft die Kartoffeln behäufelt werden ſollen, läßt ſich nur im gegebenen Fall beantworten, doch iſt im all— gemeinen zu beachten, daß eine weniger häufige, aber dafür gründliche Bearbeitung, dem nicht ſelten recht unnützen Aufrühren des Bodens vorzuziehen iſt. Demnach empfiehlt es ſich, ein⸗, höchſtens zweimal zu behäufeln und vielleicht auf ſchlechten Stellen mit der Handhacke nachzuhelfen. Zuweilen, wenn vielleicht auch nur ſelten, werden die Kar⸗ toffeln vorzeitig zur Futtergewinnung oder Fernhaltung der Kartoffelkrankheit entlaubt. Der nachteilige Einfluß der Entlaubung auf die Knollen⸗ entwicklung wurde durch mehrere Verſuche von Nobbe') dargethan. Der in Band VI der Verſuchsſtationen beſchriebene Verſuch ergab folgende Endreſultate: Zahl der Zahl V Gewicht V Gewicht Entlaubung grünen der der einer Sproſſe Knollen b Knollen Knolle ———j—— V V V 1. 3—4 tägig(27 mal)... 139 0,8 6 7,5 2. 7 tägig(14 mal)... 128 0,3 1,2/ 4,4 3. Z wöchentlich(4 mal).. 13,8 5,0 14,2 3,0 4. 6 wöchentlich(2 mal).. 7,1 9,3 45,0 5,7 5. 1 mal am 12. Juni... 14,6 15,7 354 24,5 6. 1 mal am 5. Juli... 4,7 10,1 134 11,8 7. 1 mal am 16. Auguſt.. 5,1 11,9 481 40,5 8. Normalparzelle.... 5 15,7 629 40,1 9. Muſterparzelle..... 5,8 18,8 822 44,0 *) Landw. Verſuchsſtation. Bd. IV. S. 89 und Bd. IV. S. 449. 158 Pflege. Die Analyſe von Th. Siebert ergab: Waſſer Aſche Stärke Protein Celluloſe 1. 85,72 0,94 9,08 2,50 1,76 2. 84,12 1,15 10,29 3,07 1,37 3. 84,60 0,94 10,52 2,35 1,59 4. 84,47 0,93 10,44 2,44 1,72 5. 70,44 0,85 24,82 2,83 1,06 6. 82,88 0,82 12,05 2,15 2,10 7. 75,09 0,77 20,03 2,42 1,69 8. 71,77 0,88 22,71 3,10 1,95 9. 70,01 0,97 24,45 2,62 1,69 Aus dieſen Verſuchen ergiebt ſich mit größter Sicherheit, daß eine Entlaubung mit geringerer Ablagerung von Reſerve⸗ ſtoffen Hand in Hand geht und die Schädigung um ſo größer iſt, je häufiger das Laub entfernt wird. Bei einmaliger Ent⸗ laubung iſt dagegen die Schädigung von dem Zeitpunkte ab⸗ hängig, inſofern eine ſehr früh oder ſehr ſpät ausgeführte Entlaubung weniger nachteilig wirkt, als zu einer Zeit, wo die Pflanze auf der Höhe ihrer Vegetation ſteht. Den Wendepunkt, wo die Entlaubung weniger ſchädlich, bildet die Periode der Blüte. Bei ſehr früh eintretender Entlaubung werden die Blattorgane verhältnismäßig ſchnell wieder erſetzt, ſo daß auch nur ein relativ kurzer Zeitraum der Aſſimilation verloren geht, mithin auch zu dieſer Zeit die durch Entlaubung entſtehenden Verluſte geringer werden. Außerdem leiden auch die Knollen durch Entlaubung an ihrer Qualität. Nobbe fand ſie glaſig, von widerwärtig kratzendem Nachgeſchmack, was eine abnorme Bildung von Solanin anzudeuten ſcheint. Genau dieſelbe Beſchaffenheit zeigten die Kartoffeln, welche mir in den Vereinigten Staaten als Speiſe⸗ kartoffeln vorgeſetzt wurden und deren Blattbuſch durch den Fraß des Kolorado⸗Käfers ſtark gelitten hatte. Die ſtoffliche Entartung zeigt übrigens auch ſchon in obigen Analyſen ihre chemiſche Konſtitution. Pflege. 159 Trotz ſorgfältigſter Bearbeitung des Kartoffelfeldes entziehen ſich jedoch häufig genug, namentlich auf an und für ſich ſtark verunkrauteten Feldern, einzelne Unkräuter der Vernichtung, die dann von neuem Samen ausſtreuen und das Feld wieder ver⸗ unkrauten, wodurch ein Hauptzweck des Kartoffelbaues, das Land für die Nachfrüchte zu reinigen, verloren geht. Aus dieſen Gründen erſcheint es geboten, nach dem Häufeln das Land noch einmal mit der Handhacke zu übergehen, oder mit der Hand die Unkräuter auszuziehen und zu vertilgen. In den Kartoffeläckern kommen nun nachfolgende Unkräuter meiſt ſehr zahlreich vor und laſſen ſich ſchwer vertilgen, da ſämtliche reichlich Samen anſetzen, wodurch ſie immer von neuem den Boden infizieren: Dieſe Unkräuter ſind: der Hederich (Raphanus Raphanistrum L.), der Ackerſenf(Sinapis arvensis L.), die ausgebreitete Melde(Atriplex patulum L.), der Wild⸗ hafer(Avena fatua L.), der Vogelknöterich(Polygonum aviculare L.), der gemeine Knöterich(Polygonum Persicaria IL.) uI. a. m. Die ausgezogenen Unkrautpflanzen dürfen jedoch auf dem Felde nicht liegen bleiben, weil einesteils die Samen ſehr häufig bis zur Keimfähigkeit nachreifen, aber auch andernteils einige Pflanzen ſich bei feuchtem Wetter wiederum anzuwurzeln ver⸗ mögen. Vorzugsweiſe iſt in dieſer Beziehung auf den gemeinen Knöterich aufmerkſam zu machen, der aus ſeinen mit hygro⸗ ſcopiſchem Schleim überzogenen Stengelknoten ſehr leicht Wurzeln entſendet, und ſich auf dieſe Weiſe wiederum am Boden befeſtigt und weiter wächſt. In welchem Maße die Kartoffeln durch die Unkräuter ge⸗ ſchädigt werden können, ergiebt ſich aus einem Verſuch von Wollny, der drei Kartoffelſorten auf 10,5 qm großen Parzellen in der Weiſe auspflanzte, daß auf einer Parzelle das Unkraut ungehindert wuchern konnte und auf einer anderen, mit derſelben Kartoffelſorte beſtellten, dasſelbe ausgejätet wurde. Es wurden nun durchſchnittlich auf den drei verunkrauteten Parzellen 7915 g und auf den drei gejäteten 18 447 g Knollen, alſo 10 532 g mehr geerntet. 160 Ernte. Die Kartoffelknolle wird als reif, d. h. als vollſtändig ausgebildet betrachtet, ſobald ſie ſich leicht von den zuſammen⸗ geſchrumpften Stolonen loslöſt und ihre Epidermis abblättert, während die eigentliche Schale feſt und derb die Knolle umgiebt, jedoch beim Kochen berſtet, ſobald die Knolle überhaupt einen gewiſſen Stärkegehalt beſitzt. Bei dieſer Beſchaffenheit der Knollen haben die oberirdiſchen Teile bereits eine gelbliche Färbung angenommen und beginnen abzuſterben.(Da eine Mißfärbung auch bei der Kartoffelkrankheit ſich zeigt, ſo darf dieſe Erſcheinung nicht mit der Reife verwechſelt werden.) Zu dieſem Zeitpunkt ſollte jedoch, wenn irgend möglich, noch nicht mit dem Aufnehmen der Knollen begonnen werden, denn ſo lange die oberirdiſchen Teile nicht vollſtändig abgeſtorben ſind, fließen den Reſerveſtoffbehältern, hier den Knollen, immer noch Nährſtoffe zu, ſo daß, und zwar vorzugsweiſe die kleinen, nicht völlig ausgebildeten Knollen noch an Größe und Stärkegehalt gewinnen können. Sollte bei ſehr ſpäten Sorten, oder ſehr üppigem Kraut ſich das Abſterben zu lange Zeit verzögern und die Gefahr nahe liegen, Verluſte durch Froſt bei der Ernte zu erleiden, ſo empfiehlt es ſich, das Kraut abzumähen, indem hierdurch die ſchnellere Ausreife der Knollen gefördert wird. Das Kraut iſt dann immerhin noch direkt als Viehfutter zu verwerten, oder es wird mit anderen grünen Gewächſen zu Sauerfutter⸗ eingeſtampft. Sehr wichtig iſt die Frage, ob es geraten, von dem Kar⸗ toffelpilz befallene Kartoffeln ſofort aufzunehmen, oder mit der Ernte zu warten, bis Laub und Stolonen vertrocknet ſind, auf die Gefahr hin, daß ſich die Krankheit noch weiter unter den Knollen ausbreite. Wir wiſſen, daß die Kartoffelkrankheit auch im Winterlager als Zellenfäule an Verbreitung gewinnen kann, auf den Ernte. 161 und zwar vorzüglich dann, wenn unausgebildete, alſo nicht genügend ausgereifte Knollen eingemietet wurden. Werden ſofort beim Erſcheinen der Krankheit die Knollen aufgenommen, ſo ſind dieſe noch wäſſrig und wenig haltbar, während hingegen, wenn ſie nach dem Abſterben des Krautes geerntet werden, in bedeutend höherem Grade ausgereift und gegen Fäulnis widerſtandsfähiger ſind. Dies ſind die Gründe, welche nach unſerem Dafürhalten der Verzögerung des Auf⸗ nehmens kranker Kartoffeln bis nach dem vollſtändigen Ab⸗ ſterben des Laubes das Wort reden. Hoffentlich wird dieſe Frage durch komparative Verſuche möglichſt bald entſchieden werden. Je nach der angebauten Kartoffelſorte, dem Klima einer Gegend, der Bodenbeſchaffenheit und der Anbaumethode iſt der Zeitpunkt der Ernte ſehr verſchieden. In Deutſchland kann, nach Maßgabe der obwaltenden Ver⸗ hältniſſe, die Ernte von Ende Juni ab bis Anfang November ſtattfinden. Bei verſpäteter Kartoffelernte kommt es oft vor, daß Nacht⸗ fröſte den Landwirt überraſchen, und die Erntearbeiten erſchwert und geſtört werden, weil die Erdkruſte erſtarrt iſt. Dem vor⸗ zubeugen wird empfohlen, das Feld mit geringen Mengen Kali⸗ ſalzen zu beſtreuen. Es ſinkt dadurch der Erſtarrungsgrad auf mehrere Grad unter Null, oder mit anderen Worten, der Boden bleibt weit länger locker, ſo daß mit dem Ausgraben der Kar⸗ toffeln fortgefahren werden kann. Da die Kartoffeln dem Boden Kali entzogen haben, würde ſich ein Erſatz ohnehin empfehlen. In manchen ſtark Kartoffelbau treibenden Gegenden iſt es üblich, die Kartoffelpflanze frühzeitig und mehrmals zu entknollen. Um den Einfluß, welchen das wiederholte Abnehmen der Knollen auf den Maſſenertrag hat, feſtzuſtellen, wurden von Wollny (München*) und Leydhecker(Liebwerd“**) Verſuche angeſtellt. Wollny gelangte zu dem Ergebnis, daß die Haupternte von vorzeitig entknollten Kartoffelpflanzen qualitativ eine nicht *) Forſchungen auf d. Gebiet d. Agrikulturphyſik XIV. Bd. 5. Heft. **) Oſterreich. landw. Wchbl. XVIII. Jahrg., Nr. 7. Werner, Kartoffelbau. 3. Auflage. 11 162 Ernte. unweſentliche Verminderung erleidet, beſonders auch gegenüber den ungeſtört fortwachſenden Pflanzen. Die Ernte von letzteren enthält vollkommener entwickelte Knollen als die der Vorernten. Allein da die größten Knollen, welche zu einem früheren Ter⸗ min den Pflanzen entnommen werden, einen ungleich höheren Marktpreis beſitzen, ſo wird die Verminderung der Qualität der Haupternte nicht in betracht kommen, und die Berechnung des Geldwertes der Ernten unter günſtigen Abſatzverhältniſſen entſchieden zu gunſten der hier beſprochenen Arbeit ausfallen, weil die Quantität annähernd die gleiche bleibt. Bei der Durchführung des Verfahrens wird auch der Umſtand nicht außer acht gelaſſen werden dürfen, daß ſich nur frühreife und frühzeitig angebaute Sorten für dasſelbe eignen, weil bei ſpät⸗ reifen oder ſpät angebauten Sorten die Knollen zu der Zeit, wo ihre Abnahme von den Stöcken erwünſcht wäre, weder quantitativ noch qualitativ den an die Marktware zu ſtellenden Anforderungen genügen würden. Leydhecker kommt bei ſeinem Verſuch zu annähernd gleichen Ergebniſſen, iſt aber der Anſicht, daß ein häufigeres als einmaliges Entknollen nicht vorteihaft iſt, weil durch die wiederholte Entknollung die Arbeit ſich nicht unweſentlich ver⸗ mehrt, ſo daß der etwas höhere Preis frühzeitig geernteter Knollen kaum einen Erſatz für die Mehrarbeit bieten dürfte. Leydhecker erzielte unter ſonſt gleichen Verhältniſſen, folgende Erträge: J. Abteilung. Ard ng elbind bg Zuſammen kg 1. Beim einmaligen Ernten am 23. September 72,4 14,8 87,2 2. Geerntet am 27. Juli 24,8 „„ 23. Sptbhr. 64,0 14,0 102,8 II. Abteilung. 1. Beim einmaligen Ernten am 23. September 96,0 10,4 106,4 2. Geerntet am 27. Juli 21,6 3„ 11. Aug. 22,0 „„ 23. Sptbr. 48,0 10,4 102,0 8—4 ₰2 — — Ernte. 163 Das Ernten der Kartoffeln erfordert das Ausheben der⸗ ſelben aus dem Boden, das Trennen der etwa anhaftenden Erde und der Stauden von den Knollen und das Sammeln und Abfahren der letzteren. Wird die Ernte nur durch Menſchenhände ausgeführt, ſo hebt man die Knollen mit einem Spaten, einer Hacke, einer vierzinkigen Grabgabel oder einem Karſte aus dem Boden, wobei ſie den größten Teil der Erde verlieren und werden dann mit der Hand geſammelt und vollends von Erde und Stauden befreit. Die geeignetſten Handgeräte ſind entſchieden die Grabgabel und der Karſt, da durch ſie der Boden gehörig gelockert und zerkleinert wird, ſo daß ſich die gut von der Erde befreiten Knollen leicht auffinden laſſen. Bei Erträgen von 15000— 23000 kg p. ha erntet nach Wüſt ein Mann 600—800 kg entſprechend einer Fläche von 3,5— 4 a. Nach von Kirchbach erntet ein Mann mit dem Spaten oder der Hacke 3,74—5 hl Knollen. Nach anderen Angaben hackt und lieſt eine Frau pro Tag die Knollen von 2,5— 3,3 a auf; ein Mann lieſt von 6—10 a etwa 8,5— 9 hl Kartoffeln auf. Dieſe Handgeräte kommen nicht nur beim Kleinbetriebe, ſondern häufig auch beim Großbetriebe zur Anwendung. Jedoch, wo man große Flächen mit Kartoffeln anpflanzt, ſind zur Ernte gleichzeitig ſehr viele Leute erforderlich, die manchmal nicht zu haben ſind, weshalb die Anwendung von Spanngeräten und arbeitſparenden Maſchinen häufig ſelbſt dann noch von Vorteil iſt, wenn durch ſie die Erntekoſten auch gar nicht ver⸗ mindert werden. Der Zweck aller Kartoffelheber iſt, das Ausgraben der Kartoffeln, das Trennen derſelben von der anhaftenden Erde und das Ausbreiten auf der Oberfläche des Ackers, ſo daß ſie ſich leicht aufleſen laſſen, zu bewirken. Am wenigſten leiſten in dieſer Beziehung die gewöhnlichen Pflüge, während Haken oder Häufelpflüge ſchon vollkommener arbeiten, obwohl ſie ſämtlich den Fehler beſitzen, die Kartoffeln 11* ————— Ernte. nur unvollkommen von der Erde zu trennen und ſie faſt gar nicht an der Oberfläche auszubreiten. Nach Wüſt kann ein Spanngerät die Kartoffeln von 0,8— 1 ha bloßlegen und eine Perſon vermag 500— 700. kg Kartoffeln zu ſammeln, ſo daß man je nach dem Ertrage 20— 40 Sammler für ein Gerät braucht. Nach von Kirchbach leſen und laden auf 10— 15 Frauen die vom Pfluge gehobenen Kartoffeln von 25— 38 a. Eine Frau kann 5,5— 7,7 hl Kartoffeln aufleſen, Kinder ½ weniger. Zu einem Haken rechnet man 25— 30 Menſchen. Ein Mann ladet auf, ab und bringt ein 33— 44 hl. Zwei Männer, 12—15 Weiber und Kinder und ein Pflug nehmen 0,50— 0,75 ha Kartoffeln täglich auf. Da die erwähnten Spanngeräte die Kartoffeln ſehr ſchlecht bloßlegen, ſo hat man beſondere Geräte und Maſchinen gefertigt, welche die Kartoffeln beſſer bloßlegen und von der anhaftenden Erde trennen ſollen. Die bisher zum Zwecke der Ernte der Kartoffeln vor⸗ geſchlagenen Maſchinen haben ſich nach Profeſſor Schotte, ebenſo wie die Lege⸗ oder Pflanzmaſchinen, als ziemlich unbrauchbar er⸗ wieſen. Die Maſchinen ſollten die Kartoffeln ausgraben und frei von Kraut, Sand und Steinen in Behälter, bereit zum Abfahren, ſammeln. Dies iſt wiederholt verſucht worden, in befriedigender Weiſe aber noch nicht gelungen; die Steine ſind mit den Kartoffeln geſammelt worden, Kraut und Wurzelfaſern haben die Getriebe behindert. Hierzu kommt, daß die Sammel⸗ gefäße ſehr groß ſein oder ſehr oft gewechſelt werden müſſen, da ſchon bei mittlerem Ertrage jede Furche auf 100 Meter Länge einen Hektoliter Kartoffeln liefert. Im Hinblick auf dieſe Schwierig⸗ keiten verzichtet man auf mechaniſches Sammeln und iſt beſtrebt, die Kartoffeln frei auf die Oberfläche des Bodens zu legen, um das Sammeln von Hand zu erleichtern. Werden die Dämme mit einem gewöhnlichen Pfluge unterfahren und umgebrochen, ſo bleiben die Kartoffeln mit dem Kraut und anhaftenden Erd⸗ boden an der Pflanzſtätte liegen, die Arbeit des Sammelns wird dadurch wenig erleichtert. Beſſer iſt es, ſtatt des einſeitig —— —— —————— 2 ——y—,—— Ernte. 165 wendenden Pfluges ein ſymmetriſches Schar anzuwenden, welches ſich nach hinten als Roſt mit 5 oder 7 Stäben fortſetzt. Indem der abgegrabene Kartoffeldamm ſich über den anſteigenden Roſt bewegt, läßt er den lockeren Erdboden zum großen Teil zwiſchen den Roſtſtäben abfallen, während die größeren Kartoffeln am Ende des Roſtes auf den Boden gelangen. Dieſe Geräte hat man dadurch zu verbeſſern geſucht, daß man den mit dem Schar feſt verbundenen Roſt durch einen mechaniſch bewegten Schüttelroſt mit engen Spalten erſetzte und vor dem Schar einen Kraut⸗ ſchneider anbrachte. Bei Anwendung dieſer Geräte bleiben die Kartoffeln in der Grabfurche. Die eigentlichen Kartoffelerntemaſchinen laſſen ſich ein⸗ teilen in: 1. Schleuderrodemaſchinen, welche den von einem Schar losgeſchnittenen Erddamm in Stücke zerſchlagen und dabei die Kartoffeln herauswerfen, 2. Siebmaſchinen, welche den von einem Schar losgeſchnittenen Erddamm auf Siebe bringen, wo die Erde zertrümmert wird und durch das Sieb fällt, während die Kartoffeln über das Sieb abgehen. Die Schleuderrodemaſchinen ſchneiden durch ein Schar den Erddamm los, welcher durch die Arme eines ſich raſch drehenden Schleuderrades in kleine Stücke zerſchlagen wird, welche, ſowie auch die Kartoffeln fortgeſchleudert werden und ſich auf einer ſo großen Fläche ausbreiten, daß jede Kartoffel leicht ſichtbar iſt. Der älteſte dieſer Kartoffelheber iſt der von Ranſomes, der jedoch einen außerordentlich zuſammengeſetzten Mechanismus beſitzt, der ihn wenig brauchbar macht. Von dieſem iſt eine Modifikation der bekannte Kartoffelheber des Grafen Münſter, welcher noch heute gelegentlich Verwendung findet. (Abbildung ſiehe Seite 166.) Bei dieſem Kartoffelheber iſt vermittelſt eines eiſernen Armes ein konkaves Schar an einem zweirädrigen Geſtell befeſtigt. Das Schar nimmt die Kartoffeln mit der Erde in ſeiner mulden⸗ förmigen Vertiefung auf und werden in derſelben die Kartoffeln dadurch von Erde befreit und nach der linken Seite heraus⸗ geſchleudert, daß vier eiſerne an einer Welle befeſtigte Gabeln, ——õ— Ernte. vermittelſt eines Getriebes, von einem Fahrrade aus in Rotation f verſetzt werden, die Kartoffeln erfaſſen und herausſchleudern. JGjollorav ae dun Uga 400 ₰ — 1 ⸗ 8S 2 e ſI 1 X I EA iſ 9 Bei den von uns in Poppelsdorf vorgenommenen Prü⸗ fungen ergaben ſich ſo bedeutende Störungen des Mechanismus, daß ſich die Anwendung dieſes Kartoffelhebers für ſchweren Lehmboden als unbrauchbar erwies. Die zu rügenden Fehler 1 bri⸗ us, eeren ähler Ernte. 167 ſind zum größten Teil bei einer Modifikation des Münſter'ſchen vermieden, welche die Fabrik von F. Brozler in Kaiſerslautern liefert. Als Fehler war zu erachten, daß die Kartoffeln ſehr weit auf den Acker geſchleudert wurden, wodurch das Aufſammeln ſehr erſchwert war, bei der neuen Konſtruktion beugt ein Netz, wie es Ranſomes ſchon bei ſeinem Kartoffelheber angebracht hatte, dieſem Ubelſtande vor. Ferner iſt der Apparat beweg⸗ licher und leichter zu handhaben, indem die Fahrräder ſich ver⸗ ſtellen laſſen und vermittelſt einer Doppelſterze eine beſſere Führung des Apparates ermöglicht wird. Der Hauptfehler beider Konſtruktionen iſt jedoch das ſehr leichte Verſtopfen durch Kartoffelkraut, welches entweder ſchon am Schararm hängen bleibt oder ſich derart um die in ſchnelle Umdrehung verſetzte Welle windet, daß ſchließlich der Mechanis⸗ mus vollſtändig verſagt, daher bei hohem Kartoffelkraut die vorhergehende Entfernung desſelben durchaus bei Anwendung dieſes Kartoffelhebers notwendig iſt. In neuerer Zeit iſt ſtatt des einfachen Auffangſchirmes ein aus Rundeiſenſtäben hergeſtelltes und mit der Maſchine vor⸗ wärts rollendes Cylinderſieb angewendet worden, in welches Erde, Kraut und Kartoffeln am offenen Ende hineingeſchleudert werden und dann bei der Drehung des Siebes wieder nach dem offenen Ende hinrollen und ſich in einer Reihe auf den Boden legen, während die Erde durch das Sieb fällt. Eine neuere Konſtruktion, jedoch auf gleichem Prinzip wie die Münſter'ſche beruhend, iſt die Kartoffelerntemaſchine von Aug. Dörries, Markoldendorf. Alle Schleudermaſchinen verletzen die Kartoffeln durch Stöße, ſo daß dieſelben leicht Stockflecke erhalten und am Wert verlieren. Dieſe Beſchädigungen der Kartoffeln ſucht nun die Firma Unterilp zu Potsdam durch ihre Kartoffel⸗Aushebemaſchine „Columbus“ zu vermeiden. Dieſe Aushebemaſchine holt die Kartoffeln bei geringem Kraftaufwande aus der Erde und legt ſie zu bequemem Aufnehmen in ſchmale Streifen oben auf. Der dazu dienende Mechanismus beſteht aus einer ſchräg zur Fahrrichtung ſtark gewölbten, raſch votierenden, nach außen 168 Ernte. in runde Stäbe ausgebildeten Scheibe, welche hinter einem be⸗ liebig tief zu ſtellenden Schar unter den Kartoffeldamm greift und dieſen durch ihre raſche Bewegung vollſtändig zerteilt und dabei die Kartoffeln bloßlegt. Der einzige Geldpreis, welchen die D. L. G. bei ihrer Hauptprüfung von Kartoffelerntemaſchinen(1894) ausgegeben hat, entfiel auf eine von Julius Höhme, Rieſa a. E.(Kgr. Sachſen) zur Prüfung geſtellte Schleudermaſchine. Die Siebmaſchinen beſitzen hinter dem Schar ein Rüttelſieb, über welches der abgeſchnittene Erddamm geht und durch die vielen kleinen Stöße zertrümmert wird, ſo daß die Erde durch das Sieb fällt, während die Kartoffeln hinter dem Siebe ab⸗ gelegt werden. Eine Maſchine dieſer Art, welche eine ziemlich befriedigende Arbeit liefert, iſt der v. Kobilinski'ſche Kartoffelheber. Die ganze Maſchine balanciert auf einer Achſe mit zwei feſt⸗ ſtehenden Fahrrädern. Indem dieſe Räder vorwärts ſchreiten, drehen ſie vermöge eines verdeckten Getriebes, eine oben querliegende Walze rück⸗ wärts, und dieſe zieht vermittelſt Zacken eine Kette ohne Ende, über mehrere kleinere Walzen laufend, herum. Dieſes 34 cm. breite Kettengewebe ſchließt ſich an das 28 cm breite Pflugſchar an, empfängt von letzterem bei dem Pflügen den Erdbalken, ſchafft dieſen auf die oberſte Walze und wirft ihn dann aus einer Höhe von 68 cm auf ein dahinter hängendes Sieb, das während des Fahrens ſtark auf⸗ und abſchlägt und dadurch die Kartoffeln ausſcheidet. Vor dem Aufnehmen der Kartoffeln iſt es auch bei dieſem Gerät vorteilhaft, das Kraut zu entfernen; doch wirkt weit ſtörender die Quecke, überhaupt der ſehr unreine Boden; je reiner dieſer iſt, deſto beſſer arbeitet der Heber ſelbſt wenn das Land naß iſt. Dieſer Kartoffelheber ſoll, mit zwei Pferden beſpannt, täglich 1 ha beſchaffen. Er beſitzt die nötige Haltbarkeit und koſtet ungefähr 300 Mk. Neue Kartoffelerntemaſchinen nach dem Siebſyſtem ſind Ernte. 169 von Lieſegang, Hammersdorf*) und von D. Wachtel, Maſchinenfabrik in Breslau hergeſtellt und zu beziehen. Eine ziemlich befriedigend arbeitende Maſchine ſcheint auch die Kartoffel⸗Ausgrabemaſchine„Syſtem Paulus“ zu ſein, welche von der Maſchinenfabrik Paulus& Co. in Poſen**) her⸗ geſtellt wird. Alle dieſe Kartoffelerntemaſchinen laſſen ſehr viel mehr Kartoffeln im Boden zurück, als dies bei dem Aufnehmen mit der Hand der Fall iſt, beiſpielsweiſe wurden nach den Angaben von Kloſtermann auf Johannisberg, wo eine Kartoffelernte⸗ maſchine in hartem Boden gearbeitet hatte, nachgeleſen: bei Aufnahme mit der Hand mit der Maſchine beim 1. Eggen 1,5 Sack Kartoffeln. 5 Sack „ 1. Pflügen. 5,5„. 4,5„ „ 2. Eggen.. 1„„.. 1 „ 2. Pflügen.. 0,5„„.. 1„ „ 3. Eggen 0,5„„. 0,5„ Die Nachleſe hat demnach immer ſtattzufinden und iſt zu dieſem Zweck das Kartoffelfeld nach der Ernte mindeſtens tüchtig abzueggen und nach dem Aufſammeln der an der Oberfläche gebrachten Kartoffeln wiederum zu pflügen. In der Pflugfurche folgen dann Leute, welche die wiederum bloßgelegten Kartoffeln aufnehmen; meiſtenteils, namentlich auf den ſchweren Boden⸗ arten, lohnt ſich auch dieſe Arbeit. Dieſe Pflugfurche wird nur ſo flach gegeben als die Knollen im Boden liegen und zwar am zweckmäßigſten mit hakenartigen Ackergeräten, weil dieſe den Boden nicht wenden, alſo die Kartoffeln nicht von neuem mit Erde bedecken. Dieſer Pflugfurche folgt dann meiſt ein noch⸗ maliges Abeggen und Aufſammeln. *) Königsberger land⸗ und forſtw. Ztg. XVIII. Jahrg. Nr. 6. **) Landw. Centralbl. f. d. Prov. Poſen, XXI. Jahrg. Nr. 40. Die Aufl ewahrung der gartoffeln. Bevor zum Einkellern oder Einmieten der artoffeln ge⸗ ſchritten wird. nan mit Hilfe von Kartoffelf Kartuſfeln von 11 Erde möglichſt z1 beſtelen. 1 ig d Fegen, welche 10—50 cm breit und 1 ½— m! ſind, ſowie an beiden Seiten 20 cm hohe, glatte Brer b Der Boden ſoll dann aus Rundeiſen⸗ ſtäben herg welche ſo weit von einander entfernt ſin dt n, jedoch nicht die Kartoffeln hin⸗ s Sortieren der Kartoſfeln zur atgu rktware oder zur Entfernung der letnen. n u Keniſede Anpſlen⸗ welche ſich bdekanntlich im W 1 35 rät t geſtattet, toffeln nach dret Großen zu ſortieren und die Durchgang ungen din auf Dih ll um Weite zu ſtellen; etwa 20 hl Stundenleiſtu 5 Mk. Gewicht etwa 200 kg. liejert Ane Becker in uf zig zu 1 bezi hend Pendel. der vorerwähnten hinſichtlich der quan⸗ nigung nachſtehen, für vorſichtig zu aber vielleicht mehr zu empfehlen ſein. r Kartoffeln über Winter hat in der elben weder erfrieren, noch faulen gute Aufbewahrung des Saatguts t, denn wenn auch unter allen Um⸗ durch die Aufbewahrung eintritt, ſo Die Aufbewahrung der Kartoffeln. 171 ſchwellen doch dieſe Verluſte bei ſchlechter Aufbewahrung zu außer⸗ ordentlich hohen Prozentſätzen an. Die aufbewahrten Kartoffeln werden durch den Sauerſtoffzutritt aus der Luft ſtets eine Ver⸗ ringerung ihrer organiſchen Subſtanz erfahren müſſen, da ſich Kohlenſäure und Waſſer durch die Verbindung der Elemente der organiſchen Subſtanz mit dem Sauerſtoff der Luft bilden, die entweichen. Demgemäß findet ein Zerſetzungsprozeß ſtatt, der ſich auch auf die Proteinſtoffe der Knolle ausdehnt, und der um ſo energiſcher vor ſich gehen wird, je mehr ſich durch das Auskeimen der Knolle die Lebensthätigkeit erhöht. Nach Artus enthielten Kartoffeln im Herbſt 17 pCt. Stärke, im Mai nur noch 10 pCt.; Boussinggault fand in friſchen Kartoffeln 2,31 pCt., in 10 Monate lang gelagerten 1,75 pCt. ſtickſtoffhaltige Subſtanz. Dieſe ſtets eintretenden Verluſte werden aber weſentlich durch Wärme und Feuchtigkeit im Aufbewahrungs⸗ raume erhöht. Demnach beeinträchtigen die Bedingungen, welche die Lebensthätigkeit der Winterknoſpen anregen, auch den Nähr⸗ ſtoffgehalt der Knollen. So fand Nobbe, daß ſich bei einer ſechsmonatlichen Auf⸗ bewahrung der Knollen das urſprünglich vorhanden geweſene Stärkemehl von 100 Teilen reduzierte, wenn die Knollen auf— bewahrt wurden: 1. kühl⸗hell⸗trocken auf 87,8 pCt. Stärkemehl 2.„„ feucht„ 65,0„ 4 3.„ dunkel⸗trocken„ 60,4„ 2 4.„„ feucht„ 64,6„ 2 5. warm⸗hell⸗trocken„ 59,0„„ G.„„ feucht„ 50,8„ 4 7.„ dunkel⸗trocken„ 63,9„„ 8.„„ feucht„ 54, 4„ Demnach haben die größte Einbuß ße an Stärkemehl die feucht und warm aufbewahrten Knollen erlitten, die geringſte die hell, trocken und kühl gehaltenen. Ein vermehrter Lichtzutritt ſcheint dagegen keinen beſonderen Einfluß auszuüben. Wollny*) ſtellte bezüglich der Gewichtsveränderungen *) Forſchungen auf d. Gebiete d. Agrikulturphyſik. XIV. Bd. Heft 3 u. 4. 172 Die Aufbewahrung der Kartoffeln. der Kartoffeln bei der Aufbewahrung Unterſuchungen an, aus denen er folgende Schlüſſe zieht: 1. Die Gewichtabnahme der Knollen iſt gemeinhin gleich nach der Ernte am größeſten und vermindert ſich dann ſtetig bis zum Frühjahr. 2. Die Gewichtsverluſte während der kälteren Jahreszeit bis zur Saatzeit ſind weſentlich geringer, als während der folgenden wärmeren Zeit, namentlich ſind dieſelben in trocken und kühl gehaltenen Winterlagern verhältnismäßig gering. Die geringſte Temperatur liegt zwiſchen 0—100 C. 3. Diejenige Kartoffel erleidet den geringſten Subſtanz⸗ verluſt, welche am ſpäteſten keimt, da mit dem Keimungsprozeß ein Stoffverluſt unausbleiblich verbunden iſt. um das Keimen aufbewahrter Kartoffeln zu verhindern empfiehlt Schribeaur,*) in einem Bericht an das franzöſiſche Ackerbauminiſterium(1891), die Keimfähigkeit aller Augen durch zehnſtündiges Einquellen der Kartoffeln in einer zweiprozentigen Löſung von Schwefelſäure aufzuheben. Die ſo behandelten Kartoffeln dürfen jedoch erſt nach vollſtändiger Abtrocknung zur Aufbewahrung gelangen. Eine und dieſelbe Löſung kann öfter benutzt werden und genügt 1 hl der Löſung für 100 hl Kar⸗ toffeln. Wenn man große Mengen Kartoffeln ſo behandeln will, ſo könnten, wie auch immer beſchaffene Behälter in An⸗ wendung gebracht werden, doch ſind dieſelben mit Bleiplatten auszufüttern. Kartoffeln nach dieſem Verfahren behandelt, zeigten im Mai noch die gleiche Zuſammenſetzung wie im September. Bei der Einrichtung des Winterquartiers iſt das Haupt⸗ augenmerk darauf zu richten, durch möglichen Abſchluß der Feuchtigkeit und Wärme die Keimung zu unterdrücken, d. h. eine Temperatur anzuſtreben, welche, ohne den Gefrierpunkt zu erreichen, doch demſelben ſich hinlänglich nähert, um den Verweſungsprozeß in Schranken zu halten und die Belebung der Knoſpenaugen auszuſchließen. Haben die Knollen jedoch ſchon im Winterlager längere * öſterreich. landw. Wchbl., XVII. Jahrg., Nr. 23. ——— Die Aufbewahrung der Kartoffeln. 173 Keime getrieben, ſo geht der größte Teil derſelben beim Legen der Knollen verloren, wodurch die Knollen wiederum beträchtlich an organiſchem Bildungsmaterial verlieren, und außerdem ſind die kräftigſten Knoſpen vernichtet worden. Im allgemeinen hat man bei der Aufbewahrung die größte Rückſicht darauf zu nehmen, daß ſie nicht zu warm aufbewahrt werden, weil dann ſehr leicht Fäulnis eintritt. Bleiben nämlich die Kartoffeln in größeren Maſſen über⸗ einander geſchichtet liegen, ſo treten chemiſche Umbildungs⸗ prozeſſe auf, welche von Erwärmung der Maſſe begleitet ſind, infolge deſſen ein Teil des in ihnen vorhandenen Waſſers ver⸗ hältnismäßig ſchnell verdunſtet. Die in den Zwiſchenräumen vorhandene Luft, mit Waſſerdunſt erfüllt, ſteigt nun, weil durch Erwärmung leichter geworden, in die Höhe, und wird auf dieſe Weiſe entfernt. Wir haben aber auch die Kartoffeln gegen die Einwirkung des Froſtes zu ſchützen, weshalb dieſelben in froſtfreie Keller oder in Erdgruben und Mieten gebracht und in den beiden letzten Fällen mit Erde bedeckt werden. Hierdurch wird aber die Verdunſtung mehr oder weniger beeinträchtigt und in einem ſchlecht ventilierten Keller kühlt ſich ein Teil des Waſſerdunſtes an der kalten Decke wiederum ab und fällt von dieſer als tropfbarflüfſiges Waſſer auf die Knollen zurück. Bei der im Haufen herrſchenden bedeutend hohen Temperatur werden infolge deſſen bei der Gegenwart vielen Waſſerdunſtes, ſehr leicht Fäulnisprozeſſe ihren Anfang nehmen. Aus dieſem Grunde werden diejenigen Aufbewahrungs⸗ methoden den Vorzug verdienen, welche bei genügendem Schutz gegen Froſt, ohne durch zu ſtarke Bedeckung die Erwärmung zu fördern, den Abzug des ſich bildenden Waſſerdunſtes möglichſt begünſtigen. Sollen dieſe Methoden ſich aber in allen Fällen bewähren, dann iſt es geboten, vor der Einbringung der Kar⸗ toffeln in das Winterlager, zuvörderſt die kranken Kartoffeln und die kleinen mehr oder weniger unausgebildeten, daher ſehr waſſerreichen und ſich leicht zerſetzenden zu entfernen. Am beſten geſchieht dies ſchon beim Aufſammeln, wenn den Arbeitern zwei Körbe, um große und kleine Knollen trennen zu — 174 Die Aufbewahrung der Kartoffeln. können, gegeben werden, oder man ſucht nur die kranken Knollen heraus und ſortiert dann die übrigen mit dem Kartoffelſortier⸗ eylinder, und bewahrt die kleinen Kartoffeln zur erſten Ver⸗ wendung an geeignetem Orte allein auf. Kranke Kartoffeln ſind an einem luftigen finſteren Ort, z. B. auf einer Scheunentenne, dünn aufzuſchütten. Das Einkellern der Kartoffeln entſpricht, ſobald die Keller⸗ ventilation nicht eine ſehr vorzügliche iſt, am wenigſten den Anforderungen, welche wir an eine gute Aufbewahrung ſtellen, denn, weil in den Kellern die Aufſchichtung ſehr hoch geſchehen muß, wird auch die Erwärmung und ihr entſprechend die Ver⸗ dunſtung ſehr ſtark ſein. Die dadurch erzeugte warme und feuchte Luft läßt ſich jedoch nicht ſchnell genug aus den Kellern entfernen, infolge deſſen ſich an der kalten Decke der Waſſer⸗ dunſt kondenſiert und auf die Knollen als tropfbarflüſſiges Waſſer zurückfällt. Das Überdecken der Kartoffeln mit Stroh oder anderen Materialien ſchützt aber nicht genügend gegen die Einwirkung dieſer Feuchtigkeit. Ziemlich analog dem Einkellern iſt das Einbringen der Kartoffeln in Gruben, in denen die Aufſchüttung zu hoch erfolgt und außerdem die Feuchtigkeit nur nach oben verdunſtet werden kann. Auch kann unter Umſtänden ſelbſt von außen her Waſſer in die Grube treten, wodurch die Gefahr des Faulens noch erhöht wird. Außerdem iſt die Aufbewahrung in Gruben koſt⸗ ſpieliger als das Einmieten. Der Schwerpunkt die Kartoffeln in Mieten gut zu erhalten, liegt darin, daß ſie zunächſt tüchtig abdunſten, alſo das Ein⸗ decken hat in der erſten Zeit gerade zu genügen, den Froſt ab⸗ zuhalten, jedoch die Abdunſtung nicht zu behindern. Demnach geſchieht das Einmieten zweckmäßig in der Weiſe, daß die Kartoffeln dachförmig, in einer Breite von 2 m und einer Höhe von 1 m aufgeſchichtet werden. Die Verdunſtungsfläche der aufgeſchichteten Kartoffeln iſt bei dieſem Verfahren ſehr groß; ſo daß, wenn man dem Waſſerdunſt Gelegenheit giebt, ſich ſchnell zu entfernen und dies geſchieht dadurch, daß man die Miete nur 10 cm hoch mit Stroh und ebenſo hoch mit Erde der gt den ſer och oſt⸗ ten, Lin⸗ ab⸗ ach die öhe der roß; ſich mdie Erde Die Aufbewahrung der Kartoffeln. 175 bedeckt. Auch iſt es zweckmäßig, von der Erdbedeckung zunächſt die Firſt auszuſchließen, über welche man zum Schutz gegen Regen Bretter legt. Die eigentliche Schwitzperiode der Kartoffeln tritt im November ein und nach derſelben verſtärkt man mit der zunehmenden Froſtgefahr allmählich die Erddecke. Vor dem Einmieten wird der Platz für die Miete abge⸗ meſſen, und 30 cm tief ausgegraben, damit die Kartoffeln beſſeren Halt gewinnen können.— An der Baſis der Miete hat man beim Eindecken, damit nicht von unten Froſt in die Miete trete, die Erddecke am ſtärkſten zu machen, doch genügt eine ſolche von 70—80 cm. Dicke; auf dieſe Baſis wird dann ſoviel Erde gebracht, als die Böſchung erlaubt, wodurch naturgemäß nach oben zu die Erd⸗ ſchicht etwas dünner wird, dies ſchadet aber keineswegs, weil die erwärmte Luft innerhalb der Miete nach oben ſteigt, alſo in dieſen Regionen das Erfrieren weniger zu befürchten ſteht. Tritt dann ſtarker Froſt ein, ſo wird über die Miete gehörig langer Strohmiſt gedeckt. Das Bedecken der Kartoffeln unterhalb der Erdſchicht mit Stroh iſt nicht durchaus notwendig. Früher hielt man es allgemein für zweckmäßig, die Mieten mit ſog. Schornſteinen zur Abführung des Waſſerdunſtes zu verſehen; dies Verfahren iſt jedoch fehlerhaft, weil die feuchte Luft ſich den Abzügen zuwendet, in welchen ihr Waſſerdunſt kondenſiert wird und als Waſſer auf die in der Nähe des Dunſtzuges befindlichen Kartoffeln zurückfällt und letztere leicht zur Fäulnis bringt. Ferner wird gegen dieſelben eingewandt, daß durch ſie die kalte und warme Luft abwechſelnd in die Miete eindringe, wodurch die Knollen erfrieren, reſp. die gefrorenen Knollen durch zu ſchnelles Auftauen beim Eindringen warmer Luft getötet würden. Zuweilen erhalten die Kartoffeln bei niederer Temperatur in den Aufbewahrungsräumen einen ſüßen Geſchmack. Über das Süßwerden hat nun Müller⸗Thurgau intereſſante Unter⸗ ſuchungen angeſtellt, bei denen ſich ergeben hat, daß das Süß⸗ werden mit dem Vorgange des Gefrierens und Erfrierens in keinerlei Beziehung ſteht. Kartoffeln können erfrieren, ohne ſüß 176 Die Aufbewahrung der Kartoffeln. zu werden, und ſüß werden ohne zu erfrieren, ſelbſt ohne ihre Keimfähigkeit zu verlieren. Es iſt längſt bekannt, daß bei der Aufbewahrung der Kartoffeln über Winter der Stärkegehalt ſich vermindert; die Stärke wird in Zucker umgewandelt und dieſer Zucker wird durch den Reſpirationsprozeß der lebenden Zellen oxydiert und in Kohlenſäure und Waſſer umgebildet, welche Produkte ausgeatmet werden. Bei Temperaturen, welche um mehrere⸗Grade über Oo liegen, halten beide Prozeſſe ſich das Gleichgewicht, d. h. es wird durch die Atmung gerade ſoviel Zucker verbraucht, als ſolcher ſich aus der Stärke bildet; es kommt mithin nicht zu einer Anhäufung von Zucker, die Kar⸗ toffeln werden nicht ſüß. Anders aber iſt es, wenn die Keller⸗ temperatur auf Oo oder bis zu— 2o herabſinkt; der Zucker⸗ bildungsprozeß nimmt alsdann zu, während die Atmung geringer wird, und es tritt allmählich eine Anhäufung von Zucker in den Kartoffeln ein, die Kartoffeln werden ſüß. Müller hat eine Anſammlung von Zucker bis zu 2,5 pCt. in Kartoffeln, die 30 Tage lang einer Temperatur von 00 ausgeſetzt waren, beobachtet. Brachte er ſolche Kartoffeln wieder in höhere Tem⸗ peratur, z. B. 200, ſo trat ein Atmungsprozeß ein, der lebhafter war als in nicht ſüß gewordenen Kartoffeln, und ſchon nach Ablauf von ſechs Tagen war der Zuckergehalt bis auf 0,4 pCt. zurückgegangen. Läßt man Kartoffeln ſehr ſchnell gefrieren, ſo findet eine merkbare Zuckerbildung nicht ſtatt, auch können ge⸗ frorene Kartoffeln belieblig lange der Kälte ausgeſetzt bleiben, ohne daß eine Vermehrung des Zuckergehalts eintritt. Ein höherer Waſſergehalt der Kartoffeln begünſtigt das Süßwerden. Wenn Kartoffeln auf dem Felde oder an einem wenig geſchützten Orte liegen und es tritt z. B. während einer Nacht, Kälte ein, ſo kühlen auch die Kartoffeln ſich raſch ab. Steigt nun die Temperatur wieder, bevor ſie auf— 20 abgekühlt waren, ſo gefrieren ſie nicht und ſind nachher auch nicht ſüß. Sinkt da⸗ gegen die Temperatur unter— 3, ſo gefrieren ſie. Solche Kartoffeln zeigen ſich am folgenden Tage erfroren, aber nicht ſüß. Anders wenn die Kartoffeln in einem Keller oder einer gut bedeckten Grube ſich befinden; die Lufttemperatur des Kellers Die Aufbewahrung der Kartoffeln. 177 ſinkt zwar bei anhaltender Kälte, aber nur langſam; es dauert oft Wochen, bis ſie von— 50 auf— 2o gefallen iſt. Während dieſer Zeit häuft ſich Zucker in den Kartoffeln an. Wird es nun im Keller nicht mehr kälter, ſo ſind die Kartoffeln ſüß, aber nicht erfroren, ſondern noch keimfähig. Sinkt aber die Temperatur noch tiefer, bis unter— 30, ſo gefrieren ſie und ſind hernach ſüß und erfroren. Es erklären ſich dieſe Erſcheinungen dadurch, daß die beiden Vorgänge der Zuckerbildung und der Reſpiration von der Temperatur in ungleicher Weiſe beeinflußt werden, der ein⸗ fachere Zuckerbildungsprozeß in geringerem Grade, während die Lebensvorgänge im Protoplasma und damit auch der Verbrauch von Zucker durch Kälte weſentlich herabgeſtimmt werden. Das Süßwerden der Kartoffeln an und für ſich iſt zwar ein Verluſt, indem ein Teil der Stärke in Zucker umgewandelt und nachher veratmet wird; doch ſind deshalb die Kartoffeln für den Haus⸗ halt nicht wertlos und dürfen nicht weggeworfen werden, zumal die Unterſuchungsreſultate Müllers ein naturgemäßes Mittel an die Hand geben, um aus den ſüßgewordenen Kartoffeln den Zucker zu entfernen und dieſelben wieder genießbar zu machen. Man bringt die Kartoffeln mehrere Tage vor dem Gebrauch in einen warmen Raum(Küche), wo alsdann der Zucker von den Kartoffeln raſch veratmet wird. In neuerer Zeit gelangt auch das künſtliche Trocknen der Kartoffeln immer größere Bedeutung. Getrocknet iſt ihr Abſatz⸗ gebiet kein beſchränktes mehr, weil ſie am Gewicht bedeutend verlieren, auch die Transport⸗ und Aufbewahrungskoſten weſent⸗ lich erniedrigt werden.*) Ferner ſind die Kartoffeln gegen alle Verluſte geſchützt, die bei einer Aufbewahrung friſcher Kartoffeln immer eintreten. Zum Trocknen eignen ſich am beſten Sorten mit glatter Schale und nicht tief liegenden Augen, weil es dann weniger Abfälle giebt und auch weniger Arbeit auf das Schälen ver⸗ wendet zu werden braucht. Bei einem regelrechten Betriebe *) Zeitſchr. f. d. landw. Vereine des Großh. Heſſen 1889, Nr. 4. Werner, Kartoffelbau. 3. Auflage. 12 178 Die Aufbewahrung der Kartoffeln. führt man das Schälen mit Maſchinen aus und putzt die Kar⸗ toffeln dann immer mit der Hand nach. Hierauf werden ſie in reinem Waſſer abgewaſchen, in Scheiben zerſchnitten und dann ſofort in eine konzentrierte Kochſalzlöſung geworfen, in welcher ſie 15 bis 20 Minuten verbleiben. Durch dieſes Salz⸗ waſſerbad wird ihnen etwas Waſſer entzogen und ihre Haltbar⸗ keit nach dem Trocknen erhöht. Das Bad verhindert außerdem das ſchnelle Verfärben der Kartoffelſchnitte, gegen welches beim Trocknen des Obſtes das Schwefeln angewendet wird. Das Salzwaſſer übt bei den Kartoffeln keine nachteilige Wirkung aus, weil kein Auslaugen von Zucker oder anderen Subſtanzen zu befürchten iſt. Bei den Kartoffeln kommt es beſonders auf die Erhaltung des Stärkemehles an. Nachdem die Kartoffeln aus der Salzlöſung herausgenommen ſind, läßt man ſie etwas abtropfen und kann ſie dann in den Dörrraum bringen. Zu dieſem Zwecke werden ſie wie Obſt auf Hürden gelegt und dann bei einer Temperatur von 80—900 C. gekrocknet. Es iſt dies ungefähr dieſelbe Temperatur, die auch beim Trocknen der Äpfel angewendet wird. Zur Aufbewahrung oder Verſchickung werden die getrock⸗ neten Schnitte in Kiſten ꝛc. feſt verpackt. Die Schnitte können wie friſche verwendet werden, nachdem man ſie 12— 15 Stunden lang in Waſſer eingeweicht hat, alſo dieſelben wieder Waſſer aufgenommen haben. Sehr wichtig für die Praxis ſind nun die Aufbewahrungs⸗ methoden für kranke und kleine, ſowie für erfrorene Kartoffeln. Wenn man Kartoffeln, welche ſich im beſten Zuſtande be⸗ finden und nicht faulen, den Winter hindurch kühl und trocken in Kellern lagern läßt, ſo erleiden ſie einen nicht unbedeutenden Gewichtsverluſt. Derſelbe iſt zwar ziemlich wechſelnd, indeſſen kann er nach zuverläſſigen Mittelzahlen auf etwa 8—10 pCt. veranſchlagt werden, wenn die Aufbewahrung bis zum April dauert; bei längerem Lagern tritt bald Keimung ein, und die Gewichtsabnahme wird alsdann eine bedeutend höhere. Dieſer Gewichtsverluſt entſteht einmal durch Verdunſtung von etwas Waſſer alſo durch Austrocknen, der Hauptſache nach jedoch rock⸗ men nden aſſer ings⸗ ffeln. e be⸗ ocken enden deſſen pbt. Ayril d de Dieſet etwas ſedoch Die Aufbewahrung der Kartoffeln. 179 dadurch, daß die Knolle ununterbrochen etwas Stärkemehl ver⸗ brennt. Es wurde beobachtet, daß gut aufbewahrte Kartoffeln im ſpäten Frühjahre, nachdem ſie allerdings ausgekeimt waren, faſt 40 pCt. ihres urſprünglichen Stärkegehalts verloren hatten. Ganz anders ſtellen ſich natürlich die Verluſte, wenn die Kar⸗ toffeln zum Faulen neigen. In dieſem Falle ſteigern ſich die⸗ ſelben ſchon während des Winters über die angegebene Höhe von 8—10 pCt.; die Verluſtgröße hängt alsdann lediglich von dem Grade der Fäulnis ab und iſt hiernach in jedem einzelnen Falle zu taxieren. Wie ſtellen ſich nun die Verluſte an Trockenſubſtanz beim Einſäuern der Kartoffeln? Eine Antwort auf dieſe Frage geben uns zwei Verſuche, welche ſowohl mit gedämpftem als un— gedämpftem Material ausgeführt wurden. Ungedämpfte Knollen ließ Profeſſor Maercker in Halle einſäuern. Zu dieſem Zwecke wurden 1440 Zentner in Schnitzel verwandelt und unter Zuſatz von 30 Zentner Kochſalz ein⸗ geſtampft. Als nach dreimonatlichem Lagern die Grube geleert wurde, fand man bei der Unterſuchung von den urſprünglichen Stoffen folgende prozentiſche Mengen in Verluſt gegangen: Geſamtgewicht...593,6 pCt. Feuchtigleit.... 64,5„ Trockenſubſtanz..22,7„ Mineralſtoffe.. 35,14„ Stickſtoffhaltige Subſtanz... 57,0„ Holzfaſer... 25,9„ Stickſtofffreie Stoffe und Fett. 24,6 Gedämpfte Kartoffeln ließ Profeſſor Fittbogen in Dahme einſäuern.(Dieſelben waren allerdings angefroren, doch iſt dieſer Umſtand für die vorliegende Frage nicht weiter von Belang.) In 12 Nächten wurden mittelſt zwei Henzedämpfern 8640 Zentner Kartoffeln gedämpft und in Gruben eingeſtampft. Die Unterſuchung auf Verluſte durch Gärung geſchah zu drei 12* 180 Die Aufbewahrung der Kartoffeln. verſchiedenen Zeiten nach 50⸗, 76⸗ und 140 tägigem Säuern. Es wurden hierbei folgende Verluſte ermittelt: nach nach nach 50 Tagen 76 Tagen 140 Tagen pCt. pCt. pCt. Organiſche Subſtanz 13,4 18,3 22,4 Stickſtoffhaltige Subſtanz 15,8 35,7 42,5 Stärfe.... 17,4 18,4 25,0 Rohfaſer. 28,0 26,0 Fett.... 57,1 59,1 87,0 Aus dieſen Unterſuchungen geht zur Genüge hervor, daß die Verluſte beim Einſäuern weſ entlich größer ſind als diejenigen, welche bei guten nicht leicht faulenden Kartoffeln während freien Lagerns im Keller eintreten. Anders freilich ſteht es, wenn die Kartoffeln zur Fäulnis neigen. Unter ſolchen Umſtänden iſt in jedem einzelnen Falle zu ſchätzen, wie groß der Verluſt im Laufe des Winters vorausſichtlich iſt und danach die Auf⸗ bewahrungsmethode zu wählen. Es kommt hierbei noch in betracht, daß eingeſäuerte Kartoffeln, falls das Sauerfutter überhaupt geraten iſt, ſtets ein geſundes Futtermittel ſind und von Rindvieh und Schweinen faſt immer gern angenommen werden. Den Kühen können davon ohne Nachteil täglich 8 kg gereicht werden. Sollen die Kartoffeln noch über den April hinaus im Mai und Juni verfüttert werden, ſo empfiehlt ſich für dieſen Zweck das Einſäuern unbedingt, da lagernde Kartoffeln alsdann gekeimt und in dieſem Zuſtande als Futtermitel nicht mehr zuträglich ſind, ja geradezu ſchädlich wirken können. Was nun die Frage anlangt, ob die Kartoffeln gedämpft oder roh einzuſäuern ſind, ſo hält Kühn in Halle vorheriges Dämpfen zwar für ſehr zweckmäßig, aber nicht für abſolut nötig. Gedämpft eingeſäuerte Kartoffeln ſind in diüätetiſcher Beziehung entſchieden den ungedämpft eingeſäuerten vorzuziehen, obgleich auch dieſe letzteren ein ſehr brauchbares Futter geben. in ttter und men 5 kg Mai k das keimt iglich ämyft eriges bſolut tiſche ziehen, geben. Die Aufbewahrung der Kartoffeln. 181 Kühn empfiehlt das Einſäuern ungedämpfter Knollen nur dann, wenn kein Dämpfapparat zur Hand iſt und große Verluſte durch Fäulnis, ſchnell drohen, z. B. wenn die Kartoffeln erfroren ſind. In allen ſonſtigen Fällen dürfte es ratſam ſein, das Dämpfen vorzunehmen. Das Einſäuerungsverfahren iſt folgendes: Die gemahlenen und dann gedämpften Kartoffeln werden in ca. 15 cm dicken Schichten in 1—2 m tiefen, 2—2,5 m breiten, geradwandigen Gruben ausgebreitet und recht gleich⸗ mäßig beſonders in den Ecken und an den Seiten feſtgeſtampft, damit nicht Lücken bleiben, welche ſonſt einen Herd für Säure⸗ und Schimmeldildung abgeben. Nach der Füllung der Grube giebt man derſelben eine in der Mitte etwas erhöhte und nach den Seiten ſich abdachende Erddecke von 0,6—0,8 m, wodurch der Zutritt der atmoſphäriſchen Luft, zur Verhütung der Eſſig⸗ ſäurebildung und ſonſtiger nachteiliger Umſetzungsprozeſſe ver⸗ mieden wird, weshalb auch eine Auskleidung der Wände oder ein Bedecken der Füllmaſſe mit Stroh zu unterbleiben hat, weil dieſes viel Luft einſchließt. Das Stroh iſt auch dem gleich⸗ mäßigen Setzen der Maſſe leicht hinderlich und giebt zum Ent⸗ ſtehen von Hohlräumen Veranlaſſung, wodurch die Schimmel⸗ bildung gefördert und leicht ein teilweiſes Verderben der Maſſe herbeitgeführt wird. Bei dem Aufnehmen des Futters muß ſtets nur ein ſchmaler, etwa 0,5 m breiter Streifeu querüber abgedeckt und dieſer unter ſenkrechtem Abſtich bis auf die Sohle weggefüttert werden, ehe ein neuer Streifen angegriffen wird. In einer luftdicht verſchloſſenen Grube bildet ſich nach den angeſtellten Unterſuchungen auf Koſten der Kohlenhydrate nur eine ſehr geringe Säuremenge(nämlich 0,21 pCt), dagegen ſchreitet aber die Säurebildung ſchnell fort, ſobald die Maſſe mit der Luft in Berührung tritt, daher behufs der Fütterung nur für zwei Tage der Bedarf der Grube entnommen und unter kaltem oder noch beſſer unter heißem Waſſer aufbewahrt werden ſollte. Kartoffeln, welche vom November bis anfangs Juli ein⸗ 182 Erträge und Verwertung der Kartoffeln. . gemietet geweſen, zeigten ſich von ausgezeichneter Beſchaffenheit und enthielten nach einer Analyſe von v. Gruber: Waſſer..... 74,18 Ct. Proteinſtoffe..... 2,69„ Stärke... 186,94„ Dextrin und Pflanzenſchleim. 1,13„ Zucker...... 0,09„ Sonſtige ſtickſtofffreie Nährſtoffe 1,07„ Fett 090,50„ Celluloſe..... 1,78„ Aſche....... 1,29„ Sand. 0,33„ Die nicht gedämpften Kartoffeln werden in gleicher Weiſe im zerſchnittenen Zuſtande eingeſtampft und dann die Gruben hermetiſch verſchloſſen. In Poppelsdorf habe ich mit vorher gedämpftem Sauer⸗ futter 15 Jahre hindurch im Sommer die Mutterſchweine ernährt und erhielten dieſelben bis zu 10 kg pro Kopf, ohne daß ſich irgendwelche Nachteile aus dieſer Fütterung ergeben hätten. Auch nahmen die Tiere das Futter gern an. Erträge und Verwertung der Kartoffeln. Der Mittelertrag des Deutſchen Reiches berechnet ſich in der 10 jährigen Periode von 1883/92 an Kartoffeln p. ha auf 8425 kg. Im allgemeinen iſt bei guter Kartoffelauswahl und Kultur anzunehmen, daß geerntet werden p. ha: auf geringem Kartoffelboden 8000— 14000 kg „ mittlerem„ 15000— 20000„ „ gutem„ 20 000— 30000„ Der Mittelertrag Deutſchlands erſcheint ausnehmend gering, findet aber ſeine Erklärung darin, daß die geringſten Böden heit ring, zöden Erträge und Verwertung der Kartoffeln. 183 hauptſächlich zum Kartoffelbau herangezogen werden, der Anbau und die Pflege nicht ſelten zu wünſchen laſſen und daß die Sortenauswahl häufig eine ungeeignete iſt. Der Geldwert einer Mittelernte an Kartoffeln wird aber ſehr verſchieden groß ſein können. Derſelbe richtet ſich in der Hauptſache nach der Menge an Marktware, welche erzeugt wird und nach den Marktpreiſen; weniger wird der Geldwert dagegen beeinflußt von dem Teil der Ernte, welcher als Viehfutter dient, oder zu landwirtſchaftlich⸗techniſchen Gewerben Verwendung findet, weil die hierfür zu verbrauchenden Mengen gegenüber denen der Marktware verhältnismäßig gering ſind. Die Kartoffelpreiſe haben in den letzten Jahren in Nord⸗ Deutſchland zwiſchen 2,20 und 3,20 Mk. pro 100 kg im Preiſe geſchwankt und mögen im Mittel 2,70 Mk. betragen haben. Es ſind dies aber Preiſe, welche in vielen Fällen die Erzeugungs⸗ koſten nicht mehr decken. Beiſpielsweiſe veröffentlichte am 30. März 1895 die Korreſpondenz des Bundes der Landwirte die Erzeugungskoſten einer Reihe von Gütern aus verſchiedenen Gegenden Nord⸗Deutſchlands, deren Buchhaltung nach dem Syſtem Howard geführt wird; hiernach ſtellten ſich im mehr⸗ jährigen Durchſchnitt die Erzeugungskoſten auf 2,94 Mk. pro 100 kg; demzufolge auch der Kartoffelbau einen Reinertrag durch Kartoffelverkauf in den meiſten Fällen wohl nicht mehr abwirft. Die ſpeziellen Zahlen über die Erträge und Erzeugungs⸗ koſten ſind folgende: Ertrag Erzeugungskoſten p. ha- P. ha p. 100 kg Gut in kg Mark Mark Prov. Sachſen, ſüdlich 13058 312,10 2,78 Nieder⸗Schleſien 11072 528,57 4,10 Kgr. Sachſen 18943 458,95 2,28 „„ 16 950 370,86 2,44 Poſen 15474 323,03 2,44 Kgr. Sachſen 18175 387,87 2,60 „„ 17300 450,12 2,68 184 Erträge und Verwertung der Kartoffeln. Ertrag Erzeugungskoſten p. ha p. ha p. 100 kg Gut in kg Mark Mark Kgr. Sachſen 14591 387,68 2,76 „„ 20 411 494,50 2,84 Anhalt 13349 471,91 2,94 Nieder⸗Schleſien 10 400 353,07 3,04 Sächſiſche Lauſitz 13672 350,10 3,22 „„ 16628 475,90 3,36 Altmark 13055 360,33 2,66 Nieder⸗Schleſien 12161 444,76 3,38 „„ 7806 344,15 3,64 Prov. Sachſen, öſtlich 14214 420,61 2,90 Durchſchnittlich: 14545 418,62 2,94 Kommt lediglich der Futterwert der Kartoffeln in betracht, ſo berechnet ſich nach ihren verdaulichen Nährſtoffen untenſtehender Geldwert für 100 kg Eiweiß 2,2 kg à 33 9= 69,3 J Kohlenhydrate 21,8„ à 11„= 239,8„ Fett 0,2 2 à 22„= 4,4 4 im ganzen: 313,5 TP. Demnach berechnet ſich der Futterwert von 100 kg Kar⸗ toffeln auf durchſchnittlich 3,14 Mk., ſtellt ſich alſo um 20 T höher als der mittlere Marktpreis in Norddeutſchland. Um den Kartoffelbau wieder lohnend zu machen, iſt vielfach empfohlen worden, den Kartoffelbau einzuſchränken. Es iſt dies aber leichter geſagt wie gethan, da wir auf den leichten Böden keine Erſatzfrucht für die Kartoffel beſitzen, auch niemand zuerſt den Anfang mit der Einſchränkung des Kartoffelbaus machen möchte. Die Hebung der Rentabilität läßt ſich nur erſtreben in der Kräftigung der Spiritus⸗ und Stärkefabrikation durch eine weiſe Geſetzgebung und Hebung des Exportes für dieſe Induſtrie⸗ Erzeugniſſe und der Kartoffelknollen. Allerdings kann der Kartoffel⸗Export für die Geſamt⸗ — 2 2 Erträge und Verwertung der Kartoffeln. 185 landwirtſchaft nicht mehr ausſchlaggebend ſein, denn wie aus einem Bericht von Heynemann“*), Magdeburg, hervorgeht, deckt das Ausland durch Anbau widerſtandsfähiger Sorten zum Teil nicht nur ſeinen eigenen Bedarf, ſondern es wird auch das rheiniſch⸗weſtfäliſche Induſtriegebiet, ſowohl von Holland wie auch von Frankreich, aus der Gegend von Sedan, mit Magnum bonum förmlich überſchüttet, und das Kgr. Sachſen teilweiſe von Böhmen verſorgt— eine Konkurrenz dagegen iſt durch die entferntere Lage der oſtelbiſchen Gebiete und die demgemäß teureren Frachten ſehr erſchwert, weshalb darnach zu trachten iſt, dem Oſten eine billige Verfrachtung für Kartoffeln zu ver⸗ ſchaffen. Wie ſich der Kartoffelerport der Jahre 1878— 92 im deutſchen Reich geſtaltet hat, zeigt die untenſtehende Tabelle: Uberſicht der Kartoffel⸗Ein⸗ und Ausfuhr. Kartoffel- Ertra zehr. Wert edrh(Wert Anbau Geſamt⸗ der g Einfuhr der⸗ Ausſuhr der Jahre des Ertrag Einfuhr— Ausfuhr hre Deutſch. Reich 9 Hectar in in in i Hectar Tonnen Tonnen Tonnen 1000 M. Tonnen 1000 M. 1878 2 753 216 23 592 780 8,57 31 250 1 690 410 000 22 100 1879 2 758 208 18 904 596 6,85 36 700 2 200 585 000 35 100 1880 2 762 934 19 466 242 7,05 30 381 1 519 578 951 52 106 1881 2 767 538 25 565 796 9,21 32 490 1 625 230 425 11 521 1882 2 765 547 18 024 285 6,53 26 446 1 587 233 335 14 000 1883 2 906 263 24 978 297 8,57 36 122 2 167 340 940 19 604 1884 2 907 630 24 075 669 8,26 34 345 1 511 132 461 6 822 1885 2 916 333 28 016 592 9,59 43 343 1 344 126 565 4 746 1886 2 915 747 25 143 229 8,62 30 327 1 213 158 251 5 934 1887 2 918 147 25 272 998 8,66 49 825 1 619 132 057 4 292 1888 2 920 330 21 910 996 7,50 58 772 2 821 215 076 11 829 1889 2 917 720 26 603 965 9,12 54 759 3 120 119 704 6 117 1890 2 905 470 23 320 983 8,03 98 789 4 297 90 578 4 257 1891 2 922 766 15 558 379 6,35 226 716 14 139 103 390 8 039 1892 2 929 808 27 988 557 9,55 175 251 10 293 57 110 4 082 Die Kartoffelausfuhr iſt von ihrem Höchſtbetrage von ca. 580 000 Tonnen im Werte von 52 Millionen Mark leider auf ⁰ der Menge und im Werte von 4 Millionen Mark herab⸗ geſunken, wogegen die Einfuhr im Jahre 1878 von 31 250 Tonnen *) Mitteilungen d. D. L. G. Stück 5, Jahrg. 1894. 186 Erträge und Verwertung der Kartoffeln. im Werte von ca. 1 ½ Millionen Mark auf ca. 200 000 Tonnen. 1891 im Werte von 14 Millionen und 1892 von 10 Millionen geſtiegen iſt. Ein Hauptgrund für das Zurückgehen der Ausfuhr liegt jedenfalls in den letzten trocknen Jahren; kommt nun einmal wieder ein naſſes Jahr, dann wird ſich auch die Ausfuhr wiederum heben. Wie wir aus der obigen Überſicht erſehen können, iſt der Unterſchied in den verſchiedenen Ernten ein ganz gewaltiger und regeln ſich demgemäß auch die Preiſe, wobei auch die guten oder geringen Ernten des Auslandes in betracht kommen. Die Zuſammenſetzung der Kartoffeln iſt nun folgende: Nach Dietrich und König) enthalten die Kartoffeln in Prozenten: f— 2it id. ſtoff⸗ Roh⸗ ſtoff⸗ Noh⸗ LTrocken⸗ Knollen Waſſer haltige freie. Aſche. Sub⸗ fett Extrakt⸗ faſer ſubſtanz ſtanz ſtoffe Minimum 68,08 0,88 0,04 19,45 0,28 0,53 15,10 Marximum 84,90 3,66 0,96 22,577 1,57 1,87 31,97 Mittel 74,98 2,08 0,15 21,01 0,69 1,09 25,02 Kraut: völlig grün am 12. Oktober b V geerntet 15,58 8,944 3,88 37,06 23,03 11,59 84,42 Das Kraut wird nur in Ausnahmefällen zur Verfütterung gelangen, weshalb ſein Gebrauchswert nur ſelten mit zur Er⸗ höhung des Durchſchnittsertrages beitragen wird, da es meiſt als Streu⸗ oder Brennmaterial Verwendung findet. Die zu erzielenden Krautmengen belaufen ſich auf 1600 bis 2400 kg pro Hektar. *) Zuſammenſetzung und Verdaulichkeit der Futtermittel. 2. Aufl. 1. Bd. Berlin 1891. Erträge und Verwertung der Kartoffeln. 187 Der wichtigſte Beſtandteil der Kartoffeln iſt das Stärke⸗ mehl, von dem dieſelben 9—27 pCt. und im Mittel 16 pCt. enthalten können. Hiergegen treten die Eiweißkörper ſehr er⸗ heblich zurück, ſo daß, wenn nur die verdaulichen Stoffe berück⸗ ſichtigt werden, ſich ein ſehr weites Nährſtoffverhältnis, nämlich wie 1: 21,6 ergiebt. Demnach würde ein ausſchließlicher Genuß von Kartoffeln den Menſchen oder das Tier zur Aufnahme überaus großer Quantitäten zwingen, um in dieſen den not⸗ wendigen Stickſtoff zur Unterhaltung des Lebens ſich aneigen zu können. Nehmen wir z. B. an, daß der erwachſene Menſch täglich zu ſeiner Ernährung 125 g verdauliches Protein notwendig hat, ſo müßte derſelbe als Nahrung 8,6 kg Kartoffeln auf⸗ nehmen, eine Quantität, welche für den menſchlichen Verdauungs⸗ apparat zu groß iſt, auch würde bei dem obwaltenden Miß⸗ verhältnis zwiſchen den ſtickſtoffhaltigen und ſtickſtofffreien Stoffen in den Kartoffeln der größte Teil des Stärkemehls nicht zur Ausnutzung gelangen, ſondern unverdaut ausgeſchieden werden. Mithin müßte der lediglich auf Kartoffelnahrung angewieſene Menſch aus Mangel an ſtickſtoffhaltigen Nährſtoffen unfehlbar binnen verhältnismäßig kurzer Zeit zu grunde gehen. Eine kräftige Ernährung und vollſtändige Ausnutzung der Kartoffeln läßt ſich daher nur in dem Fall erzielen, daß für von Fleiſch, Erbſen, Bohnen ꝛc. geſorgt wird. Doch muß auch zur leichteren Verdaulichkeit und beſſeren Ausnutzung des Stärke⸗ mehls ein gewiſſer Fettgehalt in der Nahrung zugegen ſein, weil das Fett, wenn auch allerdings das Mißverhältnis zwiſchen Zucker⸗ und Fettbildung aus der Stärke einleitet und ſomit das Stärkemehl weſentlich verdaulicher macht. Für die Tiere iſt die reine Kartoffelnahrung in demſelben Grade unzureichend, denn bei produktiven Tieren wird durch⸗ ſchnittlich ein Verhältnis der ſtickſtoffhaltigen Stoffe zu den ſtickſtofffreien wie 1:5,5 anzunehmen ſein, welches ſich nicht in den Kartoffeln findet. Zur ökonomiſchen Ausnutzung würde 188 Erträge und Verwertung der Kartoffeln. demnach eine genügende Menge Kraftfutter, namentlich aber Olkuchen, erforderlich ſein, um dem Tiere das in den Kartoffeln fehlende Protein und Fett in dem Futter zu erſetzen. Die zur Ernährung des Menſchen dienenden Kartoffeln beſitzen ein weißes, zartes Fleiſch und mittleren Stärkegehalt, während die ſtärkereichſten als Brennkartoffeln verwandt werden. Als die eigentlichen Viehkartoffeln gelten die Maſſenerträge bringenden ſtickſtoffreicheren(glaſigen) Sorten. Die Kartoffeln äußern, roh in mäßiger Menge Wieder⸗ käuern verabreicht, eine günſtige diätetiſche Wirkung, indem ſie die Verdauungsthätigkeit anregen und die Entleerung der Fäkal⸗ maſſen ausgiebig fördern. Für den Nutzungseffekt iſt es jedoch keineswegs gleichgültig, ob die Kartoffeln gekocht oder im rohen Zuſtande den Tieren verabfolgt werden, indem die einmagigen Tiere die rohen Kar⸗ toffeln nicht gehörig ausnutzen, während dies durch Wiederkäuer geſchieht, wenn für eine genügende Vermengung mit Strohhäckſel oder Spreu geſorgt iſt, um ein beſſeres Kauen und Einſpeicheln der Kartoffeln zu bewirken. Außerdem modifiziert ſich durch das Kochen die Nährſtoff⸗ richtung der Kartoffeln, indem die gekochten mehr auf die Fett⸗ produktion und die rohen mehr auf die Milchproduktion hinwirken. Die Vermehrung des Milchquantums durch rohe Kartoffeln läßt ſich nur daraus erklären, daß das noch in den Zellen ein⸗ geſchloſſene Waſſer ſehr allmählich zur Verdauung gelangt und in das Blut in kleinen Mengen übergeht, die dann in der Milchdrüſe vorzugsweiſe zur Abſcheidung gelangen, während große Maſſen an Tränkwaſſer das Blut zu ſehr verdünnen würden und daher durch die Nieren ſehr ſchnell aus dem Blute abgeſondert werden. Aus dieſen Gründen eignen ſich rohe Kartoffeln für Milch⸗ vieh, gekochte für Maſtvieh beſſer. Vor dem Vorhandenſein der Kartoffelkrankheit, als die Er⸗ träge höher und weniger unſicher waren als jetzt, galten die Kartoffeln als die wichtigſte Hackfrucht zur Ernährung des Rindviehs, während ſie jetzt auf den ſchwereren feuchteren Böden eEr⸗ die des zöden Erträge und Verwertung der Kartoffeln. 189 g durch Rüben, namentlich Runkelrüben, und auf den leichteren Böden durch Mohrrüben, Kohlrüben und Topinamburs größten⸗ teils erſetzt werden. Den Milchkühen reicht man auf 1000 kg Lebendgewicht 25 bis 30 kg mit einem Sechſtel des Gewichts der Kartoffeln an Häckſel oder Spren vermengt. Selbſtverſtändlich darf das genügende Kraftfutter, damit wie 1: 5,5 hergeſtellt wird, nicht fehlen. Zur Fütterung der Zugochſen eignen ſich die Kartoffeln weit beſſer als die Rübenarten, weil ſie reicher an Trocken⸗ ſubſtanz ſind. Als Maſtfutter für Rindvieh haben die Kartoffeln, nament⸗ lich bei niederen Preiſen, im gekochten Zuſtande einen hohen Wert und können auf 1000 kg Lebendgewicht 40 kg und darüber Kartoffeln gereicht werden. Da ſich die Kartoffeln bis in den Sommer hinein gut auf⸗ bewahren laſſen, eignen ſie ſich auch beſonders gut zur Er⸗ nährung der Schweine, welchen auf 100 kg Lebendgewicht bis 10 kg dedämpfte oder gekochte Kartoffeln verabfolgt werden. Die gekochten Kartoffeln ſoll man jedoch möglichſt friſch mit den Tieren verfüttern, denn ſie bilden beim Kaltwerden eine Art Kleiſter, der ſchwer verdaulich iſt. Mit den Schafen werden die Kartoffeln in rohem Zuſtande verfüttert, doch dürfen ſie nicht zu viel davon erhalten, weil einer wäſſrigen Ernährung bei Merino⸗Schafen eine nachteilige Blut⸗ verdünnung folgt, die zu kachektiſchen Leiden Veranlaſſung giebt. Aus dieſem Grunde dürfen die Kartoffeln den Schafen, die nicht zur Maſt aufgeſtellt ſind, nur als Nebenfutter, höchſtens ein Drittteil des Nährſtoffbedarfs ausmachend, gereicht werden, während ſie bei Maſtſchafen als Hauptfutter Verwendung finden können. Man kann verabreichen: auf 100 Stück alte Schafe pro Tag 100—150 kg „ 100„ Jaährlinge„„ 50. 100„ „ 100„ tragende Mutterſchafe 50— 75„ 190 Erträge und Verwertung der Kartoffeln. Ein ſorgfältiges Abwaſchen und Zerkleinern der Kartoffeln iſt unerläßlich. Das Vermiſchen mit etwas langgeſchnittenem Häckſel iſt ſehr zu empfehlen. Was nun die Verwendung der Kartoffeln als Pferdefutter anbetrifft, ſo dürfen ſie hier nur im gekochten Zuſtande und ſtets in mäßigen Quantitäten verwandt werden. Da die Pferde auch ſelbſt bei mäßiger Fütterung mit Kartoffeln ſehr ſchnell ermatten und leicht ſchwitzen, ſo können nur ſolche Pferde damit gefüttert werden, die wenig und keine ſchwere Arbeit zu ver⸗ richten haben. Mehr wie 8—10 kg pro Pferd und Tag zu geben, iſt nicht rätlich. Dieſes Quantum wird am beſten, nachdem dasſelbe mit dem iſen zerkleinert und mit Häckſel vermengt worden iſt, auf die drei Futterzeiten des Tages verteilt, verfüttert. Gut iſt es, das Futter ein wenig anzufeuchten, da die zu trockene Beſchaffenheit desſelben leicht Kolik bei den Tieren verurſachen könnte. Auch iſt bei der Kartoffelfütterung ſehr auf die Reinhaltung der Krippen zu ſehen, weil die zurück— bleibenden Kartoffelreſte ſehr ſchnell in Säuerung übergehen, und dann den Tieren gleichfalls ſchädlich werden können. Die Haferration kann bei Verabreichung von Kartoffeln in obiger Menge bis auf zwei Drittel oder bis zur Hälfte reduziert werden. Dagegen iſt das Rauhfutter, wie Heu und Häckſel etwas reichlicher zu geben. Die Kartoffeln ſollten nun nicht gekocht, ſondern gedämpft werden, denn nach Wagner büßten ein: Ungeſchälte Kartoffeln: durch Dämpfen durch Kochen in Waſſer pCt. pCt. Rohaſche.... 1,17 3,64 Kali.... 0,69 3,32 Phosphorſäure.. 0,33 1,12 Geſchälte Kartoffeln: Nohaſche... 7,28 28,86 Kali..... 6,93 38,33 Phosphorſäure.. 4,57 22,87 iſer Erträge und Verwertung der Kartoffeln. 191 Zuweilen treten bei ſtarker Fütterung roher Kartoffeln Krankheitserſcheinungen auf, welche auf gewiſſe Reizſtoffe in den Kartoffeln zurückzuführen ſind, die jedoch durch ein 6— 12 ſtündiges Stehen der zerkleinerten Kartoffeln in Waſſer, welches mehrmals erneuert wird, ſowie durch Kochen und Dämpfen größtenteils entfernt oder unwirkſam gemacht werden. Anderweite Nachteile hängen höchſt wahrſcheinlich mit dem zeitweiſe ſehr hohen Solaningehalt der Kartoffeln, ſo in un⸗ reifen und keimenden Kartoffeln zuſammen. Nach einer Analyſe von Hauf enthielten 500 g roher, von den Trieben ſorgfältig befreiter Kartoffeln, im Mai 0,16, im Juli 0,21, die gleiche Menge Kartoffelſchalen im Mai 0,18, im Juli 0,24 g Solanin. Es liegt nahe, das häufig nach dem Genuſſe gekeimter Kartoffeln beobachtete Auftreten von Durchfall, Kolik, Aufblähen und Ver⸗ werfen auf den vielleicht gerade ſtarken Solaningehalt zurückzu⸗ führen, doch iſt hierfür ein ſicherer Beweis noch nicht erbracht. Jedenfalls ſcheint es aber geboten, bei Verfütterung gekeimter Kartoffeln die jungen Triebe ſorgfältig zu entfernen. Zuweilen findet auch das Kartoffelkraut als Viehfutter Verwertung. Je reicher das Kraut an Blättern iſt, um ſo mehr eignet es ſich zur Fütterung, weil die Blätter am nährſtoffreichſten ſind, wie dies auch eine Analyſe von Weinhold*) zeigt: 100 Teile enthalten Blätter Stengel Gaͤnzes Kraut Waſſer........ 15,0 15,0 15,0 Proteinſtoffe......... 18,1 7,8 12,9 Stickſtofffreie Stoffe....... 40,6 36,5 38,6 Rohfaſer.......... 12,8 32,5 22,7 Mineralſtoffe........ 13,5 8,2 10,8 Demnach kommt die Zuſammenſetzung der des Heues ſehr nahe. **) Chem. Ackersm. 1869. 6 50. 192 Erträge und Verwertung der Kartoffeln. Kommen größere Maſſen grünes Kraut vor, dann laſſen ſich dieſe ſehr gut zu Sauerfutter machen. Das Sauerfutter enthält nach einer Unterſuchung auf der Verſuchsſtation zu Proskau*) im friſchen Zuſtande Waſſer 75,4 pCt. und 26,4 pCt. Trockenſubſtanz mit 0,393 pCt. freier Eſſigſäure und 0,333 pECt. freier Milchſäure. Die Trocken⸗ ſubſtanz beſtand aus: Protein.... 12,50 pCt. Atherertrakt.. 11,13„ Rohfaſer... 20,31„ Nfr. Extraktſtoffe. 32,88„ Aſche.... 23,18„ Der hohe Gehalt an Aſche rührte zum Teil von Unreinig⸗ keiten, zum Teil von dazwiſchen geſtreutem Viehſalz her, während die große Menge der in Äther löslichen Subſtanzen jedenfalls durch den Gärungsprozeß erzeugt worden war. Der Protein⸗ gehalt iſt dem eines Kleeheues mittlerer Güte nahezu gleich. Das Sauerfutter von guter Beſchaffenheit und angenehmem Geruch hatte bei der Verfütterung mit Milchvieh zuerſt Durchfall erzeugt, welcher nach Abſtumpfung der 0,726 pCt. freie Säure mittelſt Schlämmkreide aufhörte, ſo daß das Futter mit günſtigem Erfolg während des ganzen Winters verabreicht werden konnte. Bei Benutzung des Kartoffellaubes als Viehfutter iſt zu beachten, daß die Beeren zu vermeiden ſind, weil ſie ſoviel Solanin enthalten ſollen, daß ſie nicht ohne Nachteil für die Geſundheit der Tiere ſind, weshalb man dieſelben nicht mit ver⸗ füttern darf. Es ſind ohne Schaden an Milchkühe pro Kopf täglich 10— 15 kg Kartoffelkraut zu verfüttern. Die Kartoffelausfuhr nach England und dem rheiniſch⸗ weſtfäliſchen Induſtriebezirk erfordert die Erzeugung von Kar⸗ toffeln mit für den dortigen Markt gewünſchten Eigenſchaften. *) Der Landwirt. 1875. Nr. 35. Erträge und Verwertung der Kartoffeln. 193 In England werden blaßrote, flachäugige und weißfleiſchige runde Kartoffeln mit einem Durchmeſſer von 5 cm am höchſten bezahlt, doch ſind auch weißſchalige mit obigen Eigenſchaften verkäuflich. Obige Anſprüche an die Beſchaffenheit haben darin ihren Grund, daß man in den engliſchen Küchen meiſt nur mit Maſchinen ſchält, mithin eine Kartoffel mit tiefliegenden Augen zu viel Verluſt verurſachen würde, und da ferner die Schäl⸗ maſchinen nur für runde Kartoffeln von beſtimmter Größe be⸗ rechnet ſind, ſo muß dieſem Umſtande Rechnung getragen werden. Ferner ſteht die Güte des Geſchmackes der einzelnen Kartoffel⸗ ſorten meiſt mit der Farbe des Fleiſches im innigen Zuſammen⸗ hange und in der Regel wird das weißeſte Fleiſch zugleich auch das zarteſte und wohlſchmeckendſte ſein. Am wenigſten kommt die Farbe der Schale in betracht, da man in England Kartoffeln in der Schale nicht ißt, daher auch weißſchalige angenommen werden, wenn die Kartoffeln ſonſt nur den übrigen Anſprüchen genügen. Die Preiſe haben in den letzten Jahren zwiſchen 5—8 Mk. pro 100 kg beim Einkauf geſchwankt. Zur Verwertung naßfauler Kartoffeln wird auch deren Verarbeitung auf Stärke empfohlen, es haben nämlich J. Reinke und G. Berthold“) gefunden, daß ſich in dem Stadium der hochgradigen Naßfäule das ganze innere Gewebe der Kartoffel in einen weißgelben Brei verwandelt, in welchem die Zellhäute aufgelöſt ſind, während die Stärkekörner noch unverſehrt in der Flüſſigkeit ſchwimmen, ſpäter löſen ſich dann auch die Stärke⸗ körner. Wenn man nun durch mikroſkopiſche Kontrolle das Stadium abzupaſſen weiß, wo die Zellhäute in Auflöſung be⸗ griffen, die Stärkekörner aber noch intakt ſind, ſo vermag man durch ſchnelles Austrocknen den geſamten Stärkegehalt der Knolle zu retten. ⁵) Unterſuchungen aus dem bot. Laborat. der Univerſität Göttingen. Heft 1. 1879. Werner, Kartoffelbau. 3. Auflage. 13 194 Erträge und Verwertung der Kartoffeln. Das Aufſchütten der Kartoffeln auf luftig ſtehende und von der Sonne beſchienene Hürden dürften hierfür genügen. Die aus Kartoffeln hergeſtellte Stärke wird auch zur Her⸗ ſtellung von Dextrin, Leiokom, Gommeline verwandt, Stoffe, welche man zum Stärken weißer Stoffe und in Buntdruckereien verwendet. Ferner wird aus der Kartoffelſtärke auch Sirup und Zucker bereitet, welche in der Brauerei, Likörfabrikation und beim Galliſieren geringerer Weine benutzt werden. Verlagsbuchhandlung panl paroy in Berlin SM., Hedemannstr. 10. d Handbuch des Futterbaues. 3 Von d Dr. Hugo Werner, n Professor an der Kgl. landwirtschaftlichen Hochschule zu Berlin. Zweite, vollständig neubearbeitete Auflage. Mit 79 Teætabbildungen. Gebunden, Preis 10 M. Handbuch des Getreidebaues. Erster Band: Zweiter Band: Arten und Yarietäten, Sorten und Anbau, bearbeitet bearbeitet von von Dr. F. Koernicke, Dr. Hugo Werner, Prof. in Poppelsdorf. Prof. in Berlin. 2 starke Bände in Lexikon-Oktav. Mit 10 Kupferdrucktafeln. Gebunden, Preis 20 M. Die Rinderzucht. Körperban, Schläge, Züchtung, Haltung und Nützung des Rihdes. Praktisches Handbuch VOI Dr. H. Werner, Prof. der Landwirtschaft an der Kgl. landw. Hochschule und Dozent für Tierzucht- lehre an der Kgl. tierärztl. Hochschule zu Berlin. Mit Textabbildungen und 136 Tafeln mit Rinderportràts. Ein starker Band in Leæxikon-Oktav. Gebunden, Preis 20 M. Zu beziehen durch jede Buchhandlung. erlagsbuchhandune Panl paray in Beriin SM. Nademannstr. 10 Die Kalidüngung in ihrem Werte für die Erhöhung und Verbilligung der landwirtschaftlichen Produktion. Non Dr. Max Maercker, Zweite, neubearbeitete Auflage. Gebunden, Preis 4 M. Die landwirtschaftlichen Unkräuter. Farbiee Abbildung, Beschreibung und Vertilgungsmittel derselben. Herausgegeben von Dr. A. Thaer, Professor in Giessen. Zweite, durchgesehene Auflage. 24 Farbendrucktafeln nebst Text. Gebunden, Preis 4 M. Tierische Schädlinge und Nützlinge für Aekerbau, Viehzucht, Wald- und Gartenbau. Lebensformen, Vorkommen, Einfluſs und die Matsregeln zu Vertilgung und Schutz. Praktisches Handbuch VO Dr. J. Ritzema Bos, Dozent an der landwirtschaftlichen Lehranstalt in Wageningen. Mit 477 eingedruckten Abbildungen. Preis 18 M. Gebunden 20 M. Zu beziehen durch jede Buchhandlung. Druck von Karl Georg Wiegandt, Berlin S. 1 — Verlagsbuchhandlung Paul Parey in Berlin SW., Hedemannstrasse 10. IMlustriertes Landwirtſchafts⸗Lexikon. Dritte, neubearbeitete Auflage. Unter Mitwirkung von Geh. Regierungs-Rat Prof. Dr. Frank-Berlin, Oberforstrat Dr. Fürst-Aschaffenburg, Prof. Dr. Gisevius-Königsberg, Geh. Regierungs-Rat Prof. Dr. Frhr. v. d. Goltz-Poppelsdorf, Landwirtschafts-Lehrer Kutscher-Hohenwestedt, Hofgärtner Lebl-Langenburg, Prof. Dr. Lehmann-Göttingen, Prof. Dr. Lintner- München, Amtsgerichts-Rat Löwenherz-Köln, Regierungs-Baumeister Meyer-Burte- hude, Dr. S. von Nathusius-Breslau, Prof. Dr. Ramm-Poppelsdorf, Geh. Medizinal- Rat Professor Dr. Siedamgrotzky-Dresden, Proſessor Dr. Strecker-Leipzig, Prot. Dr. Stutzer-Breslau, herausgeg. von Geh. Regierungs-Rat Prof. Dr. Werner-Berlin. Mit u26 Textabbildungen. In Halbjuchten gebunden, Preis 23 M. 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Die»Deutsche Landwirtschaftliche Presse« enthält beste fach- üch männische Artikel über rationelle Technik und Betriebsweise der Land- und wirtschaft, welche durch reiche und künstlerische Textabbildungen und eln Farbendruckbeilagen illustriert sind. WMegen der grossen Verbreitung bestes Blatt für alle landwirtsch. Anzeigen. Die Einheitszeile oder deren Raum 35 Pf. ben⸗ Probenummern mit Handelsbeilage umsonst und postfrei. — Nentzel und von Lengerkes 4 wvitehnla Hülfs n Schreib- Kalender. I. Teil(Taschenbuch) Lovanden.— II. Teil Gahrbueb) voheftet. Ausgabe mit 4 Seite weiss Papier pro Tag. In Leinen geb. 2,50 M., in Leder geb. 3 M. Apusgabe mit„ Seite weiss Papier pro Tag. In Leinen geb. 3 M., in Leder geb. 4 M. Der Mentzel und von Lengerke'sche Kalender folgt mit seinem ganzen Inhalt den modernen Bedürfnissen der Landwirtschaft, und nach wie vor wird er sich be- währen als ein Freund des Landwirts, wie man ihn oft lobend bezeichnet. Der I. Teil, das gebundene Taschenbuch, dessen Formulare für wirtschaftliche Eintragungen der verschiedensten Art von über 35 Tausend Landwirten jahraus jahrein benutzt werden, enthält ausserdem Tabellen für Berechnungen, wie sie sich täglich im praktischen Betriebe aufwerfen, Tabellen, welche absolut unentbehrlich sind und es erklärlich machen, dass der»Mentzel« in der Rocktasche jedes Landwirts zu finden ist. Der II. Teil, das Jahrbuch, enthält alljährlich auf das Peinlichste revidierte Zu- sammenstellungen über die landw. Behörden, es sind ferner die landw. Berufsgenossen- schaften, die landw. Genossenschafts-Vorstände, die Landwirtschaftskammern, die Zuchtgenossenschaften, die landw. Vereine, ebenso wie die landw. Unterrichtsanstalten und Versuchsstationen aufgeführt. Ferner enthält dieser Teil alljährlich einen für praktische Landwirte lehrreichen Artikel. Zu beziehen durch jede Saenhanduung 4 1 6 4 3 1 “ ö 6 8 L 9 9 C.. Inn11nnmmninſt Oem 1 2 3 4 5 6/ 8 9 10 11 12