Inaer Bibliotheke Nerte Aullage 1 .. 3 S* 4 d 4 8 4— GSBUeAAle Al Lahb I Rrell e. THAER Er Landw. F ütterungslehre von Dr. Emil Woln, Professor in Hohenhei Praktische Dü ingerlehre von Dr. Emil Wolff, Professor in Hoher 3 Getreidebau von Dr. 4. Nowacki, Professor in Zürich. Gekrönte Pr isschrift. Risler's Weizenbau. Herausgegeben vom Amtsrat W. Rimpau i in Schl nste Wiesen- und Weidenbau von Dr. F. Burgtorf, Direkror in Herford. 3 Landw. Futterbau vor Or. William Loebe in Leipeig. Braugerste von H. Heine, Assistent in Karlsruhe. Hopfenbau von C. Fruwirth in Wien. Mit Vorwort von Dr. E. Pott. Gekr Tabaksbau von A. Freiherrn von Babo in Klosterneuburg. Kartoffelbau von Dr. H. Werner, Professor in Berlin. 3 Rübenbau von F. Knauer auf Gröbers bei Halle a. S. Lupinen- und Serradellabau von Kette auf Jassen und König= auf zoreal Urbarmachung und Verbesserung des Bodens von k.-Rat Dr. Trahtische Bodenkunde von Dr. A. Nomaeki, Professor in Zuürich. Die käuflichen Dü agastone von Dr. A. Rümpler, Direktor i in Healiagen Rindviehzucht von De. V. Funk, Direktor in Zoppot. Die Milch und ihre Produkte von A. Otto in Halle a. S. Schafzucht von Dr. 0. Rohde, Professor in Greifswald. May's Schweinezucht. Bearbeitet von E. Mexer-Briedrichswerun 3. Aufage. Milchwirtschaft von Dr. William Loebe in Leipzig. 2. Auflage.. 3 Beschlagkunde von Dr. von Rueff, Direktor der Königl. Tierareneischule in Diutiear 1 Allgemeine Tierzuchtlehre von Dr. von Rueff in Stuttgart. Lingeweidewürmer der Haussäugetiere von Dr. J. Dewitz in Berlin.“ Aeussere Krankheiten der landw. Haussäugetiere von E. Zorn, Königl. Sere Innere Krankheiten der landw. Haussäugetiere von F. Grosswendt, Kgl. Oberrossarzt. Physiologie und Pathologie der Haussäugetiere von F. Flemming, Tierarat in Lübz. 4 Heilungs- und Tierarzneimittellehre von F. Flemming, Grossh. Tierarzt in Lübz. Praktische Desinfectionslehre von A. Zundel, Landestierarzt in Strassburg. Englischer Hufpeschlag von H. Behrens, Lehrschmied in Rostocc. 2. Aufage. Reiten und Fahren von Major R. Schoenbeck in Berlin. 2. 4ufase. Ratgeber beim Pferdekauf von Stallmeister B. Schoenbeck in Sondershausen. Widersetzlichkeiten des Pferdes von Stallmeister B. Schoenbeck in Sondershausen. Schubert's Landw. Rechenwesen. Bearbeitet von II. Kutscher in Clausthal. 4. Anhase. Landw. Plan- und Situationszeichnen von H. Kutscher in Clausthal. Feldmessen und Nivellieren von Dr. A. Wüst, Professor in Halle. ee Der Landwirt als Kulturingenieur von Fr. Zajicek, Professor in Médling. Behandlung der Lokomobilem on Erofessor Paul Jarar in Budapest. Landw. Geräte und Maschinehl! Ton Dr. E. Peréls, Professor in Wien. 6. AHoge. Be- und Entwässerung der Akor und Wiesen von Oek. Rat L. Vincent. Der Petersensche Wiesenbau» von Dr. E. Fuchs m Kappeln. Zu beziehen durch jede Buchhandlung. THAER BIBLIOTHEK. 6 Der P ferdestall(Bau und Einrichtung) von Baurat P. Engel in Berlin. 2. An flage. Der Viehstall(Bau und Einrichtung) von Baurat F. Engel in Berlin. 2. ͤAuflage. Kalk-Sand-Pisébau von Baurat F. Engel. Bearbeitet von H. Hotop. 4. Auflage. Der Bauernhof(Aulage und Einrichtung) von G. Jaspers, Generalsckretär i in Osnabrück. 3 D Neuleeletiüie Wau und Piurzentung von Architekt A. Schubert in Höxter. La dw. Buchfu Aulnae von Dr. Freiheren V. 4. Goltz, Professor in Jena. 7. Aussge Das Schriftwerk des Landwirts von C. Petri in Hohenwestedt. Langethal's Geschichte d. Landwirtschaft bearb. v. Michelsen u. Nedderich. 3. Auflage. Wi 1 tschaftsdirektion d. Landgutes von Dr. Albrecht Thner, Prof. in Giessen. 2. Auflage. Birnbaum's Landw. Taxationslehre. 2. Auflage. An- und Verkaufs-Genossenschaften von H. von Mendel, Okonomierat in Halle a. S. Rechtsbeistand des Landwirts gon M. Löwenherz, Amtsrichter in Papenburg. 1 stliche Fischzucht von M. von dem Borne auf Berneuchen. 4. Auflage. Teiehwirtschaft von 1. on dem Borne auf Berneuchen. 4 4. Auflage. Bienenucht von A. Paron v. Berlepsch. Bearb. von W. vogeli in Lehmannchöfel 3. Auflage. Bakterienkunde für Landwirte von Dr. W. Migula in Karlsruhe. Wirtschaftsfeinde aus dem Tierreich von Dr. G. v. Hayek, Professor i in Wien. LZoologie für Landwirte von Dr. J. Ritnema Bos i in Wageningen. Ge mügelzucht von Dr. Pribyl in Wien. 3. Auflage. Jagd, Hof- und Schäfer-Hunde von Lieutenant Schlotfeldt in Hannover. 1 8 agd und ihr Betrieb von A. Goedde, Herzogl. Jägermeister in Coburg. 2. Auflage. 0 dde's Fasanonzucht. Bearbeitet von Lasaneniäger Staffel i in Fürstenwald. 3. Auflage. 2. Aufiage. Färdncrische Veredlungskunst von 0. reichert. Bearbeitet von Fintelmann. 2. Auflage. Ge ölzzucht von J. Hartwig, Grossherzogl. Hofgarteninspektor i in Weimar. 2. Auflage. Obstbau von R. Noack, Grossherzogl. Hofgarteninspektor i in Darmstadt.. Auflage. inbau von Ph. Held, Gartenbau-Inspektor in Hohenheim. Gartenblumen(Zucht und Pflege) von Th. Rümpler, General-Sekretär in rfurt. 2. Auflage. Gewächshäuser von J. Hartwig, Grossherzogl. Hofgarteninspektor in Weimar. 2. Auflage. Rümpler's Zimmergärtuerei. Bearbeitet von W. Mönkomeyer. 3. Aunage. Obstbaumkrankheiten von Dr. Paul Sorauer in Proskau. 2u beziehen durch jcdle Bachhandiung- Die Müitwochs unde Sonnahends eſceinende„Deutſche Land⸗ wirſciftücht dreſſe“ iſt nach Inhalt und Ausſtattung eine Fach⸗ zeitung großen Stils und hat eine zweifache Aufgabe: ſie dient einer⸗ ſeits der Förderung einer geſunden Landwirtſchaftspolitik und DPolkswirkſchaft und andererſeits dem Ferh ſchritte in der Wiſſen⸗ ſchaft und Praxis von Ackerbau, ehzucht und den land⸗ 1 wirtſchaftlichen Gewerben. Was die„Deutſche Landwirtſchaftliche Preſſe“ beſonders auszeichnet, th: Sachlichkeit und Gründlichkeit in der Erörterung der wirtſchaftspolitiſchen und ſozzaler Tagesfragen durch bedeutende Fachgenoſſen, hohe Beamte, Parlamentarier ꝛc. Enunergiſche Vertretung aller landwirtſchaftlichen Intereſſen bei Behörden 1 und Parlamenten. 4 Beſte fachmänniſche Artikel über rationelle Cechnik und Betriebsweiſe der Landwirtſchaft und ihrer Nebengewerbe. Berichterſtattung über beachtenswerte Fortſchritte und ſonſtige Erſcheinungen land⸗ und volkswirtſchaftlicher Art im Anslande, beſonders England und Amerika. Freier„Meinungsaustauſch“ für Vertreter verſchiedener Riehrungen, unter wahrnehmung parlamentariſcher Formen. Koſtenfreier„Fragekaſten“ mit zuverlüſſiger Auskunftserteilung aus Cheorie und Praxis. MKeiche und künſtleriſch wertvolle Illuſtrationen im Cexte, ramentlich von hervorragenden Tieren nach Originalphotographieen und von neuen Pflanzenzüchtungen nach Originalexemplaren; desgleichen Porträts bedeutender Fachgenoſſen und illuſtrierte Beſchreibungen ganzer Wirtſchaften. Anſprechendes Feuilleton aus dem Gebiete der Jasd des Spors, unowiesch. lccher Sundienreiſen: c. — QWöchentlich eine Handelsbeilage uit überſichtlichen mitteil lungen über Stand und Bewegung der Preiſe landwiriſchaft⸗ licher Produkte und Verbrauchsartikel an den Hauptplätzen Deutſchlands und des Auslandes, ſowie über die den Landwirten gezahlten Viehpreiſe auf Grund ſpezieller 3 Privatberichte der Abonnenten. Dieſe„Handelsbeilage“ ſoll dem Landwirt vor allem helfen, die Weltmarkt⸗Konjunkturen zu überblicken und den preis⸗ drückenden Beſtrebungen des Swiſchenhandels entgegenzuarbeiten. Monatlich eine Farbendrucktafel. Du jede Poſtanſtalt oder Buchhandlung bezogen, Preis diertelähxlih 5 M. Wegen der großen Verbreitung beſtes Blatt für alle landwirtſchaftlichen nzeigen (35 Pfg. die Einheitszeile). Erpedition: Berlin SW., f. Hedemannſtraße 10. Drabenummern mit Dandelsbeilage u. Farbendrucktafel auf Verlangen umfonſt I. nagfret. Institut für pflanzenbau und Pflonzenzüchfung an der Justus Liebig- Hochschule Giessen, Ludwigstr. 23 Die 7 ne käuflichen Düngeſtoffe, ihre Huſammenſetzung, Gewinnung und Anwendung. Dr. A. Rümpler. Vierte, neubearbeitete Auflage. 85 Mit 32 Textabbildungen. Berlin. Verlagsbuchhandlung Paul Parep. Verlag für Landwirtſchaft, Gartenbau und Forſtweſen. SW., Hedemannſtraße 10. 1892. Alle R echte vorbehalten. Vorwort zur vierten Auflage. Aach bei dieſer Auflage iſt des Verfaſſers eifrigſtes Beſtreben geweſen, das Buch auf Grund der neuſten Forſchungen zu ver⸗ beſſern und zu ergänzen; große Abſchnitte deſſelben hat er voll⸗ ſtändig umgearbeitet, weil ſich im Laufe der Jahre viele Thatſachen und Anſchauungen ſo gründlich geändert haben, daß das Alte nicht mehr zu brauchen war. Frühjahr 1897. Der Verfaſſer. Inhalt. Einleitung.. Beſtandteile und Aahennganitet: der WTanse. Die Atmoſphäre... Der Boden............. Die Düngung............... Die Düngerfabrikation... I. Abſchnitt: Die Phosphorſäuredünger. 2. Phosphor, Phosphorſäure und phosphorſaure Salze... 1. Klaſſe: Die baſiſchen Phosphate 3 a) Die natürlichen Phosphate.. 1. Guano⸗Phosphate oder vieszhrtiche Guanos Baker⸗Guano... Mejillones⸗Guano.......... Elipperton⸗Guano............ 2. Mineraliſche Phosphate. 3 Sombrero⸗, Aruba⸗, Curagao⸗, davaſapuvsßter. Koprolithen.... Foſſile, Knochen und Kuchenbreteic. Carolina⸗Phosphat........ Florida⸗Phosphat. Afrikaniſche⸗Phosphate. Lot⸗Phosphat. Lüttich⸗Phosphat Somme⸗Phosphat. Ardennen⸗Phosphat......... Apatit(echter Phosphorit).... Lahn⸗Phosphorit... Tabelle über die mineraliſchen Phosphate. Seite 31 32 34 41 41 41 42 46 48 49 49 50 5³ 53 54 56 57 57 58 58 58 61 62 VI Inhalt. b) Die künſtlichen Phosphate 1. Knochenkohle. 2. Knochenaſche.. 3. Phosphorſaurer Kalk der Leimfabriken. 4. Die Thomasſchlacke.. 2. Klaſſe: Die Superphosphate ceurer phosbhorſaurer aaih Herſtellung der Superphosphate. Doppelſuperphosphat. Wert und Verwendung der Phosphate in der Lanbwiridat Kaufwert der Phosphorſäuredünger.... Tabelle über den Gehalt der Phosphate. II. Abſchnitt: Die Stickſtoffdünger. 1. Klaſſe: Der Salpeter 2. Klaſſe: Die Ammoniakſalze. 3. Klaſſe: Die tieriſchen Aübfiüle 1. Das Blut.. . Das Fleiſch. . Das Horn. . Lederabfälle. Tabelle über den Gehalt der Stickſtoffdünger Wert und Verwendung der reinen Stichtoſfdünder in der Landwirtſchaft III. Abſchnitt: Die ſtickſtoff⸗ und nhenjurueheligen Dünger.... 1. Der Peru⸗ Guano Der Ichabosë⸗Guano Rohbenguano. Der Fledermausguano.. Geſchichtliche Notizen über den Verurhuano. Aufgeſchloſſener Peru⸗Guano. Der Erſatz des Peru⸗Guanos. 2. Die Knochen. Die Darſtellung des Hnochonmehles Das Knochenmehl in der Landwirtſchaft Aufgeſchloſſenes Knochenmehl.. Aufgeſchloſſenes Knochenmehl mit ſticſſtoffhaltigen Zuſätzen.. Fiſchmehl, Granatguand, Fleiſchmehl des dendes (Fray⸗Bentos⸗Guano). 3. Die Ammoniakaliſchen Superphosphate. Tabelle über den Gehalt der ſtickſtoff⸗ und phos⸗ phorſäurehaltigen Dünger. 90 do Seite 65 65 66 67 69 71 71 88 89 96 98 99 99 104 111 112 114 115 118 120 120 138 133 142 142 142 144 147 151 153 168 174 177 179 183 185 187 ——————3„ O -———¶i1 O d¼ — ⏑ά- 9 IV. Abſchnitt: Schlußwort. Inhalt. Die Kaliſalze Die Staßfurter Mineralien. Chlorkalium..... Schwefelſaures Kali Schwefelſaure Kali⸗Magneſia. Die ſogenannten Düngeſalze Kalium⸗Magneſium⸗Carbonat. Phosphorſaures Kali.... Die Kaliſalze in der Landwirtſchaft. Tabelle über den Gehalt der Kaliſalze. Atomgewichtstabelle...... Umrechnungstabelle. Regiſter....... ——.——++—— VII Seite 188 193 201 216 216 217 218 219 228 238 239 242 243 244 Einleitung. — Die Landwirtſchaſt iſt von Alters her ein Gewerbe geweſen, welches aus unorganiſchen Rohſtoffenorganiſche Weſen— Pflanzen, und in höherer Potenz Tiere— herſtellte, um mit denſelben die Be⸗ dürfniſſe der Menſchen zu befriedigen. Bis in die erſten Dezennien unſeres Jahrhunderts jedoch erhob ſie ſich nicht über das Niveau des Handwerksmäßigen. Die Manipulationen des Pflügens, Säens, Düngens wurden, als nützlich, von Geſchlecht zu Geſchlecht vererbt, doch den innern Zuſammenhang derſelben mit dem Ernteertrage kannte man kaum. Es gab wohl ſchon tüchtige Männer, die über die wiſſenſchaftliche Grundlage des Ackerbaues nachdachten, doch die Theorien derſelben blieben ohne Nutzen, weil ſie weniger auf exakten Be⸗ obachtungen, als auf Spekulation beruhten. Auf der anderen Seite aber findet man ſchon Ende vorigen Jahrhunderts Beobachtungen und auf dieſe gegründete Lehrſätze, die erſt weit ſpäter Beachtung und Anerkennung fanden, die Liebigs Theorie des Landbaues teilweiſe vorwegnahmen. Erſt dieſem iſt es gelungen, und zwar zu einer Zeit, als die Not der Landwirte hochgeſtiegen war, geſtützt auf vereinzelte Vorgänger und auf eigene Forſchungen, den Ackerbau in ein wiſſen⸗ ſchaftliches Syſtem zu bringen und dieſes Syſtem fort und fort gegen den Schlendrian zu verteidigen, bis es allgemeine Anerkennung fand. Er ergründete die Geſetze der Pflanzenernährung und erhob ſo die Landwirtſchaft mit einem Schlage von dem Standpunkte des Handwerkes zu einer Fabrikinduſtrie, zu einem Gewerbe, welches mit Bewußtſein die Kräfte der Natur zu ſeinen Zwecken benutzt. Erſt jetzt wußte der Landwirt, warum die Stallmiſtdüngung, die ſeinem Vater gute Ernten gegeben hatte, ihm nur dürftigen Er⸗ trag verſchaffte, und konnte jetzt auch an der Hand der Viſſenſchaft nach Erſatzmitteln für dieſelbe ſuchen; wie er Futter für ſein Rümpler, Düngeſtoffe. 4. Auflage. 1 2 Beſtandteile und Nahrungsmittel der Pflanzen. Vieh kauſte, konnte er bald auch ſolches für ſeine Pflanzen kaufen, er konnte ſein Geſchäft nach kaufmänniſchen Grundſätzen betreiben. Stoffe, die er bisher als wertlos oder geſundheitsgefährlich wegwarf oder verſcharrte, wie Tierkadaver oder Knochen, wurden jetzt Schätze für ihn, denn er konnte ſie zu Dünger verarbeiten und ſo ver⸗ werten. Anfangs übernahm der Landwirt die Herſtellung ſolcher ſogenannten künſtlichen Düngeſtoffe ſtets ſelbſt, bald aber mußten ſich In⸗ duſtrielle finden, die dieſe Arbeit nicht nur billiger, ſondern auch ſorgfältiger, ausführen konnten, denn während dieſelbe für jenen Nebenbeſchäftigung im kleinſten Maßſtabe ſein mußte, ſtanden dieſen techniſche Apparate, geübte Arbeiter, wiſſenſchaftliche Forſchungen und, vor allem, die Hilfsquellen des Groß⸗ handels in jeder Weiſe zu Gebote. Es entwickelte ſich ſo in wenigen Jahren ein ganz neuer Induſtriezweig zu großer Blüte. In dieſer Schrift ſoll nun der Leſer die Herſtellungsweiſe der künſtlichen Düngeſtoffe und damit ihr inneres Weſen kennen lernen; dazu gehört aber auch die Kenntnis des Verhaltens derſelben im Acker⸗ boden und gegen die Pflanzen; daher will ich zunächſt einige allgemeine Kapitel aus der Ackerbaulehre in Nachſtehendem kurz erörtern. Beſtandteile und Nahrungsmittel der Pflanzen. Der Pflanzenkörper beſteht, abgeſehen von ſeinem Waſſergehalte, in ſeiner größten Maſſe aus einer Reihe von Stoffen, die ſich ſelbſt für den Laien leicht von denen des Mineralreichs unterſcheiden, und die man als organiſche Stoffe bezeichnet. Dieſelben ſind in ihrem äußeren Verhalten und in der Art ihrer Zuſammenſetzung von großer Mannichfaltigkeit, ſo nahe ſie auch mit einander verwandt ſind, wenn wir ihre Elementarbeſtandteile ins Auge faſſen. Es gehören zu ihnen die verſchiedenen Zucker⸗ arten, Stärkemehl, Pflanzeneiweiß und Kleber, die große Reihe von Alkaloide, Harze, Farbeſtoffe ec., betreffs deren näherer Beſprechung wir auf die ſpezielle Chemie und auf die Pflanzen⸗ phyſiologie verweiſen müſſen. Wie verſchieden iſt unter dieſen z. B. der im Waſſer lösliche, ſüß ſchmeckende, kryſtallbildende Rohrzucker von dem gewöhnlichen Fichtenharze, welches im Waſſer vollkommen unlöslich iſt, nicht ſchmeckt und unkryſtalli⸗ ſiert erſcheint, und doch beſtehen dieſe beiden Körper aus denſelben Stoffen, nämlich aus Kohlenſtoff, Waſſerſtoff und Sauer⸗ ſtoff. Wie verſchieden ſelbſt ſind Holzfaſer und Stärkemehl, und doch beſtehen beide Körper nicht nur aus denſelben chemiſchen Elementen, ſie enthalten dieſelben ſogar in demſelben Gewichtsverhält⸗ niſſe; ſie beſtehen beide aus 44,444 Proz. Kohlenſtoff, 6,173 Proz. ——.—,—— ——— Aſche der Pflanzen. 3 Waſſerſtoff und 49,383 Proz. Sauerſtoff. Andere Pflanzenſtoffe, wie das giftige Prinzip des gefleckten Schierlings, des Coniin, beſtehen aus Kohlenſtoff, Waſſerſtoff und Stickſtoff, das giftige Strychnin und das heilſame Chinin enthalten Kohlenſtoff, Waſſerſtoff, Stickſtoff und Sauerſtoffz; endlich giebt es noch eine Reihe von Pflanzenſtoffen, die außer den vier eben genannten Elementen noch etwas Schwefel und Phosphor enthalten, unter anderen die für die Ernährung des Menſchen unentbehrlichen Protein⸗ ſtoffe, die ſich als Kleber im Getreide, als Legumin oder Pflanzencaſein in den Hülſenfrüchten in bedeutender Menge be⸗ finden und auch ſonſt in allen Pflanzenteilen anzutreffen ſind. Aus dieſer kurzen Überſicht erſieht der Leſer, daß ein Stoff in allen orga⸗ niſchen Körpern vorherrſcht, nämlich der Kohlenſtoff, er iſt das Kennzeichen für alle dieſe Stoffe; beim Erhitzen derſelben ſcheidet er ſich als ſchwarzer Körper aus(die betreffenden Stoffe „verkohlen“). Bei weiterem Erhitzen an der Luft verſchwindet die Schwärzung wieder, der Kohlenſtoff verbrennt, indem er ſich mit dem Sauerſtoff der Luft zu Kohlenſäure verbindet. Verbrennt man einen aus der Pflanze rein dargeſtellten organi⸗ ſchen Stoff, z. B. Zucker, ſo bleibt ſchließlich nichts Sichtbares von demſelben übrig, denn außer Kohlenſtoff ſind auch Waſſerſtoff, Sauer⸗ ſtoff, Stickſtoff, Schwefel und Phosphor brennbar oder ſich verflüchtigende Stoffe; verbrennt man dagegen einen ganzen Pflanzenteil, ſo bleibt ſtets ein gewiſſer Reſt zurück, der nicht weiter verbrennlich iſt. Man bezeichnet denſelben allgemein als Aſche. Da die die Aſche bildenden Stoffe ausſchließlich dem Mineralreiche angehören, ſo faßt man ſie meiſt unter dem Begriffe der mineraliſchen oder auch anorganiſchen Beſtandteile der Pflanzen zuſammen. Im Gegenſatze zu den organiſchen Pflanzenbeſtandteilen zeigen die Aſchen eine viel größere Reichhaltigkeit der Grundbeſtand⸗ teile, denn der größte Teil aller bekannten chemiſchen Ele⸗ mente iſt in denſelben aufgefunden worden. Dagegen iſt die Ver⸗ bindungsart derſelben unter einander eine einfachere; ſie ſind alle zu Baſen und Säuren und dieſe wiederum zu Salzen ver⸗ einigt. Folgende Tabelle giebt eine Überſicht der in den wichtigſten Kultur⸗ gewächſen enthaltenen mittleren Aſchenmengen und der Zuſammen⸗ ſetzung der letzteren. Die in denſelben aufgeführten Zahlen ſind Wolffs „Aſchenanalyſen“*) entnommen. Wer ſich ſpezieller dafür intereſſiert, findet die meiſten der bisher ausgeführten Analyſen in dieſem vor⸗ züglichen Werke. *) Berlin, Verlagsbuchhandlung Paul Parey. 1* 4 Aſche der Pflanzen. lt an.. Gehalt an 100 Teile der Aſche enthalten: Namen in der“ : de 55S5.(32 3/4 5 2 Bitansen ⸗. 5 233 57 5 5 3 5S 2 58 5 5 3 595&E& 8 C 2=& B Winter⸗; Stroh 4,26 5,3713,65 1,38 5,76 2,48 0,61 4,81 67,50 2,45 1,68 weien Körner 1,77 1,97 31, 16 2,25 3,34 11,97 1,31 46 21 2,11 g Dn iaie Stroh 4,07 4,79 19,24 2,15 55 27 1,63 ,844 36,38 271 2 Wäen Terner 133 280 32, 85 u 2,77 12 60 0,69 4,48 52,02 3,71 2,26 Gerſte Körner 218 2,60 20,15 2,53 2,60 8,62 0,97 34,68 27,54 1,69 0,93 Stroh 4,40 4,70 22,2 2,89 8,86 4,04 1,45 4,69 48,57 3,09 6,31 Hafer. Körner 2,64 3,14 16,38 2,24 3,73 7,06 0,67 23,02 44,33 1,36 0,58 Stroh 4,72 4,87, 20,96 14,63 9,63 6,17 1,56 12,66,27,88 3,00 1,74 Mais. ene 1,23 1,51 27,93 1,83 2,28 14,98 1,25 45,00 1,88 1,30 1,42 Wieſen⸗ 5,15 6,02 25,54 4,43 16,72 6,31 1,25 8,01 27,01 4,56 7,22 Heun. Alpen⸗— 2,91 31,01 129 17 45 6,63 2,48 11,2 23,55 4,57 231 dorn. Erdhe 389 492 e e de e Stro 5 92]²27,2 5,8 34 7,59 8,3 Raps. Samen 3,73 4,44 24,50 1,63 14,18 11,80 1,56 42,33] 1,42 2,39 0,16 ſStus⸗— 6,42 22,78 3,32 12,44 12,80 3,32 35,14 5,06 5,93 0,64 Erb Stroh 4,92 5,13 22,90 4,07 36,82 8,04 1,72 8,05 6,83 6,26 5,64 rbſen Körner 2,72 2,73/41,79 9,96, 4,99 7,96 0,86 36,43 0,86 3,49 1,54 Garten-"[Stroph— 4,79 31,90 7,83 27,45 6,27 1,13 9,53 4,83 4,18 7,70 Leen ſKörner— 3,2244,0! 1,49 6,38 7,62 0,32 35,52 0,55 4,05 0,86 Turnips Wurzel— 8,01 45,40 9,84 10, 6 3,6 0,81 12,71 1,8711,19 ze Zucker⸗ Wurzel] 0,80 3.86 55,11/10,00 5,36 7,53 0,93 10,99 1,50 3,81 Pic: iire Toc sſereſ eee ee 1u ee de 3 uc3 4) Cichorie V Buurze 18710,9826,19 17,08 19,67 742 1,87 6,30 8,46 8,61 16,19 Kartoffel(Knollen 0,94 3,77 60,37 2,62 25 4,69 1,18,17,33 2,13 6,49 3,11 artoffe Nrn 1,18 8,58 21,78 2,31 32,65 16,51 2,86 7,89 4,32 6,23 5,78 Lande. Blätter,— ſ1s4120,07 3,39 41,59 11,72 307 3,16 892 3,89] 5,22 Die Tabelle zeigt uns als, ihrer Quantität nach, beſon⸗ ders hervorſtechende Aſchenbeſtandteile das Kali und die Phos⸗ phorſäure. Sie finden ſich vorzugsweiſe in den Samen, weniger im Stroh der Getreidearten, der Ol⸗ und der Hülſenfrüchte. In der Aſche dieſer Pflanzen ſteigt der Kaligehalt(bei den Bohnen) auf 43,36 Proz., der Phosphorſäuregehalt auf 53,69 Proz.(bei den Mais⸗ körnern); dagegen beträgt der Phosphorſäuregehalt der Aſche des Weizenſtrohes nur 4,81 Proz. Die Aſche des Getreideſtrohes enthält dafür aber bedeutende Mengen Kieſelſäure, die in den anderen Teilen der Pflanzen nur ſchwach vertreten iſt. Aſche der Pflanzen. 5 Gegenüber dem Kali und der Phosphorſäure treten alle anderen Aſchenbeſtandteile in den Hintergrund. Natron, obgleich es dem Kali chemiſch ſehr nahe ſteht, tritt doch nur in wenigen Pflanzengattungen, vorzüglich in See⸗ und Seeſtrandpflanzen, in weſentlichen Mengen auf. Kalk und Magneſia treeten ſchon mehr hervor; ſo iſt erſterer namentlich in manchen hier nicht aufgeführten Holzarten die vor⸗ wiegende Baſis, während die Kalimenge in dieſen Fällen nur etwa der Kalkmenge ausmacht. Thonerde und Eiſenoxyd, trootzdem ſie jeder Ackerboden in reichlichſter Menge enthält, finden ſich, wie wir aus der Tabelle ſehen, nur in ſehr unbedeutender Menge in den Pflanzen, ebenſo die Schwefel⸗ ſäure. Man findet in den meiſten Pflanzenaſchen nicht unbedeutende Mengen von Kohlenſäure. Dieſelbe iſt aber nach unſeren bis⸗ herigen Erfahrungen ſtets das Produkt der Verbrennung des in den Pflanzen enthaltenen Kohlenſtoffes und darf daher den mineraliſchen Beſtandteilen nicht zugezählt werden. Sie iſt daher auch in der Tabelle nicht mit aufgeführt, die in derſelben angegebenen Zahlen beziehen ſich auf kohlenſäurefreie Aſche(Reinaſche). Die Menge derſelben in der Rohaſche iſt, nebenbei, ſehr ſchwankend, je nach der Temperatur, die bei der Verbrennung angewandt wurde. In der Tabelle findet man weder Salpeterſäure, noch Ammoniak, zwei Stickſtoff-Verbindungen, die man ent⸗ ſchieden den anorganiſchen zuzählen muß und die man in allen Pflanzenſäften nachgewieſen hat. Wegen ihrer Flüchtigkeit und Zerſetzbarkeit in der Hitze können ſie ſich jedoch nicht in der Aſche befinden. Die Zuſammenfaſſung der anorganiſchen Pflanzen⸗ beſtandteile unter dem Worte„Aſche“ iſt daher in mancher Hinſicht unzutreffend; da ſie aber allgemein üblich iſt, und da wir wiſſen, was darunter zu verſtehen iſt, behalten wir den Ausdruck bei. Welche Rolle die Mineralſtoffe im Leben der Pflanzen ſpielen, darüber haben wir bis jetzt noch gar keine ſichere Erfahrung. Es iſt wahrſcheinlich, daß ſie überhaupt in ganz anderer Verbindung im Organismus auftreten als in der Aſche. So haben wir z. B. des Phosphor⸗ und Schwefelgehaltes der Proteinſtoffe Er⸗ wähnung gethan, dieſe beiden Elemente finden wir als Phosphor⸗ ſäure und Schwefelſäure unter den Aſchenbeſtandteilen wieder. Wir finden z. B. Chlorkalium in einer Aſche. Wer ſagt uns, ob das⸗ ſelbe als ſolches im Pflanzenſafte aufgelöſt war, oder ob Chlor und Kalium, jedes für ſich, mit anderen organiſchen oder anorganiſchen Subſtanzen verbunden waren? So hat man, um nur eins zu er⸗ wähnen, in außerordentlich vielen Pflanzenteilen mikroſkopiſch kleine Kryſtalle von oxalſaurem Kalk, alſo eine Verbindung von Kalk mit 6 Aſſche der Pflanzen. einer organiſchen, der Kohlenſäure nahe ſtehenden Säure, aufgefunden. Dieſer oxalſaure Kalk erſcheint in der Aſche als kohlenſaurer Kalk. Eins iſt aber mit Sicherheit bekannt, und das iſt gerade für den Landwirt das wichtigſte, daß alle dieſe Mineralſtoffe und daß ſie konſtant in den Pflanzen vorkommen, daß ſie für das Leben derſelben weſentlich ſind, ſo gering auch oft ihre Menge im Verhältniſſe zu der der anderen Stoffe iſt, und daß auch die ein⸗ zelnen Gemengteile der Aſchen für die beſtimmten Pflanzengattungen konſtant ſind. Der Phosphorſäuregehalt von 47 Proz in der Aſche des Weizenkornes wird ſich z. B. nie durch eine entſprechende Menge Kieſelſäure erſetzen laſſen. Wenn die grüne Weizenpflanze nicht genug Phosphorſäure aufſpeichern kann, um die ſich entwickelnden Samen damit zur Genüge zu verſehen, ſo wird die Ähre taub bleiben und wäre das Tauſendfache der nötigen Kieſelſäure vorhanden. Es iſt damit nicht geſagt, daß die Pflanzen ſich abſtoßend gegen alle Subſtanzen verhielten, die nicht in ihren Organismus paſſen; eine Pflanze, deren normale Aſche kein Chlornatrium enthält, könnte unter Umſtänden auf ſtark kochſalzhaltigem Boden bedeutende Mengen dieſes Stoffes aufnehmen, dann wird ſich aber ſtets im günſtigſten Falle die Organiſation derſelben ändern, meiſt aber wird ſich dieſe fehlerhafte Ernährung als Vergiftung qualifizieren. Es ſoll damit auch nicht geſagt ſein, daß niemals Schwankungen in dem Gehalte der Pflanzen an den einzelnen Mineralſtoffen ſtatt⸗ fänden. Ebenſo wie der Phosphorſäuregehalt in einem tieriſchen Organismus, ſagen wir z. B. in einem Ochſen, durch das größere oder geringere Gewicht des Knochengerüſtes im Verhältniſſe zur Fleiſchmaſſe ſchwankt, ſo ſchwankt auch der Phosphorſäure⸗ oder Kaligehalt der Pflanzen, auch derſelben Varietät, je nach dem Standorte, der Witterung, der Düngung u. ſ. w. In Wolffs Aſchenanalyſen finden ſich auch dieſe Schwankungen verzeichnet, doch will ich dieſelben nur andeuten, da dieſelben im Ganzen für den praktiſchen Landwirt wenig Wert haben. Eine ausführliche Behandlung dieſes Gegenſtandes an dieſer Stelle würde nur verwirren. Ich habe daher in die obenſtehende Tabelle nur die mittlere Zuſammenſetzung der Aſchen eingefügt. Wir haben bisher geſehen, aus welchen Stoffen die Pflanze be⸗ ſteht, ſehen wir zu, woher ſie dieſelben ſich verſchafft; denn wie der Menſch, das Tier ſtickſtoffhaltige Subſtanzen genießen müſſen, um die ſtickſtoffhaltigen Teile ihres Körpers zu erzeugen oder zu erhalten, wie das Kind notwendig Phosphorſäure und Kalk zu ſich nehmen muß, um die weichen Knorpel feiner Gliedmaßen mit feſter Maſſe auszufüllen, ſo muß auch die Pflanze Kohlenſtoff, Waſſer⸗ f —— ——————— ———————;—— ——8 ☛⏑⏑——— ——— Pflanzennahrungsmittel. 77 ſtoff und Sauerſtoff aufnehmen, um Zucker⸗ oder Holzfaſer bilden zu können, ſo braucht ſie außerdem Stickſtoff und eine gewiſſe Menge von Mineralſubſtanzen, um die lange Reihe von Stoffen zu erzeugen, die Alle zur Erhaltung ihrer Lebensthätigkeit nötig ſind. Hier aber beſteht eine große Kluft zwiſchen Pflanze und Tier: Während letzteres faſt ausſchließlich von Stoffen lebt, welche der organiſchen Welt entſtammen, lebt die Pflanze von rein an⸗ organiſchen Stoffen. Es iſt das der Kreislauf in der Natur, der ſchon den Stoff zu mancher poetiſchen Betrachtung gegeben hat. Aus den unorganiſchen Beſtandteilen des Bodens und der Luft bildet ſich die Pflanze, die Pflanze dient dem Tiere zur Nahrung, bis dieſes zerfällt und ſeinen Körper der unorganiſchen Welt zurück giebt als Nahrung für neue Pflanzen. Unter den Pflanzennahrungsmitteln nimmt die Kohlen⸗ ſäure eine hervorragenden Platz ein. Sie iſt als Gas oder in Löſung überall zu finden, in der Atmoſphäre, im Boden, im Waſſer und in jeder Geſtalt verſteht es die Pflanze, ſie in ſich aufzunehmen. Sie abſorbiert ſie mit ihren Wurzeln aus dem Boden, mit ihren Blättern im Sonnenlichte aus der Luft und verwandeln ſie in kohlenſtoffreichere Pflanzenſubſtanz, indem ein Teil des Sauerſtoffes in derſelben wieder ausgeatmet wird. Das Waſſer iſt für alle organiſierte Weſen unentbehrlich, Tiere und Pflanzen brauchen es gleich nötig; während aber das Tier das Waſſer einfach als ſolches in den Organismus aufnimmt, hat die Pflanze wahrſcheinlich noch nebenbei die Fähigkeit, dasſelbe in ſeine Beſtandteile zu zerlegen und dieſelben zur Bildung organiſcher Ver⸗ bindungen zu verwenden. Für die Pflanze iſt das Waſſer daher ein wirkliches Nahrungsmittel; es liefert die für dieſelbe nötige Menge Waſſer⸗ ſtoff und einen Teil des Sauerſtoffs. Außer dem Waſſer liefert auch die Atmoſpäre einen Teil des für die Pflanze nötigen Sauerſtoffs. Die Salpeterſäure, ſelbſtverſtändlich an Baſen(Kalk, Kali, Natron) gebunden, liefert der Pflanze hauptſächlich den für den Auf⸗ bau ihrer Organe nötigen Stickſtoff; Ammoniak oder ſtickſtoffreiche Tier⸗ ſtoffe, die man dem Boden zuführt, werden durch Zerſetzung erſt in dieſen Stoff verwandelt, ehe ſie von der Pflanze aufgenommen werden, ja ſelbſt der ſo wenig zu Verbindungen geneigte Stickſtoff der Luft kann der Pflanze zur Ernährung dienen, indem ſich aus demſelben unter beſonderen Verhältniſſen Salpeterſäure bildet. Wir haben ſoeben diejenigen Nahrungsmittel der Pflanze kurz aufgezählt, die zur Erzeugung der organiſchen Beſtandteile der⸗ ſelben dienen, die Mineralbeſtandteile derſelben können ſelbſtverſtändlich nur in Form ſalzartiger Verbindungen aufgenommen werden. Man hat früher oft den Wert der mineraliſchen Nahrungsmittel für die Pflanze falſch beurteilt, ja man hat ihn ſogar ganz geleugnet; erſt durch 8 Pflanzennahrungsmittel. viele und mühſame Verſuche hat die Chemie feſtgeſtellt, daß ohne die⸗ ſelben keine Pflanze ſich entwickeln kann; ſie ſtirbt ſtets nach kurzer Zeit, wenn man verſucht, ſie ohne jede Zufuhr von Nährſalzen aufzuziehen. Die Mineralſtoffe, die die Pflanze in größter Menge verlangt, ſind dieſelben, die auch in ihrer Aſche am ſtärkſten hervortreten, nämlich Kali, Phosphorſäure und Kalk. Gegen dieſe treten alle übrigen in den Hintergrund, letztere findet die Pflanze, mag ſie wachſen wo ſie will. Die Form, in der der Pflanze ihre Nahrung geboten werden muß, hängt mit ihrer Organiſation zuſammen. Da ſie keine Organe zur Aufnahme feſter Nährſtoffe beſitzt, kann ſie nur flüſſige, d. h. in Waſſer gelöſte oder gasförmige Nahrung zu ſich nehmen. Die gasförmige Nahrung der Pflanze beſteht aus der Kohlenſäure und dem Sauerſtoff der Luft und dem Waſſer in Dunſt⸗ form; ſie abſorbirt dieſelben vermittelſt ihrer Blätter. Die flüſſige Nahrung nimmt ſie durch die Wurzeln auf. Je nach dem Grade der Löslichkeit im Waſſer ſind daher die verſchiedenen Nährſalze(ihre mineraliſche Nahrung) auch im verſchiedenen Grade wertvoll für die Pflanzen. Wollte man z. B. einer Pflanze zumuten, das Kali des gepulverten Feldſpates, welcher faſt 17 Proz. dieſes Stoffes enthält, als Nahrung in ſich aufnehmen, ſie würde ſicher verhungern, da Feldſpat für ſie nicht genügend löslich iſt; giebt man ihr aber an Stelle des Feldſpates das im Waſſer lösliche ſchwefelſaure Kali, ſo wird ſie dasſelbe leicht aufnehmen. Bei Beſprechung der einzelnen Düngemittel werden wir auf dieſen wichtigen Punkt ausführlicher zu⸗ rückkommen. Neben den Nahrungsmitteln der Pflanze müſſen wir auch einige Worte über die Gifte derſelben ſagen, da die letzteren häufiger vorkommen, als man im allgemeinen denkt. Als Gifte für die Pflanzen ſind alle Stoffe mit ſtark ausgeprägten chemiſchen Eigenſchaften anzuſehen, alſo alle ſtarken Säuren, alle ſtarken Baſen, leicht lösliche Salze ꝛc. Da jeder Dünger ſolche Stoffe enthält, ſo iſt auch jeder Dünger Gift, wenn er nicht gehörig ver⸗ dünnt angewandt wird, oder wenn er direkt auf die Pflanzenwurzeln einwirkt. Kann ſich ja auch der Menſch mit dem an und für ſich ſo unſchuldigen und für ſeine Ernährung ſo unbedingt notwendigen Koch⸗ ſalze vergiften, wenn er es in zu großer Menge verzehrt. Es ſchreiben ſich daher wohl auch manche der üblen Erfahrungen, die Landwirte mit konzentrierten Düngern gemacht haben. Ich habe z. B. ſelbſt erlebt, daß ein Gärtner Gurkenpflanzen tötete, indem er ſie mit einem Präparat unmäßig düngte, das nur 4 Proz. Stickſtoff(in der unſchädlichen Form von Blut) und ſonſt nur erdige Beſtand⸗ teile enthielt. Derſelbe Dünger gab bei 5 Ctr. per Morgen ſichtbar gute Reſultate. Es iſt ja auch eine alte Erfahrung praktiſcher Land⸗ M — ——— ———— —.—— 2— R,— ——.————— —äͤ——— Die Atmoſphäre. 9 wirte, daß man mit reiner Miſtjauche ein Feld„verbrennen“ kann. Ich will des Intereſſes wegen hier noch einen akuten Ver⸗ giftungsfall erwähnen, der von Dr. P. Wagner beſchrieben worden iſt. Nach den Mitteilungen desſelben wurde eine Fläche von 15 Morgen bei Hanau mit einem ammoniakaliſchen Superphosphate gedüngt, welches 13 Proz. Phosphorſäure und 10 Proz. Stickſtoſſ ent⸗ hielt. Die darauf geſäete Gerſte ging ſehr ſpät auf, die Keime waren kraftlos und braungelb, trotzdem die Menge des Düngers nur ½ Ctr., d. i. 6 ½ Pfd. Phosphorſäure und 5 Pfd. Stickſtoff pro Morgen be⸗ trug, Quantitäten, die noch lange nicht ſtark genug ſind, um ſchäd⸗ lich wirken zu können. Dr. P. Wagner fand auch bei Unterſuchung einer noch vorhandenen Probe des Düngers, daß weder die Phos⸗ phorſäure⸗, noch die Stickſtoffmenge an dieſem Mißerfolge die Schuld trugen, ſondern daß die Vergiftung von einer Stickſtoffver⸗ bindung herrührte, welche die Chemiker mit dem Namen Rhodan be⸗ zeichen und die in bedeutender Meuge in dem betreffenden Dünger vorhanden war. Da es ſchon öfter vorgekommen iſt, daß aus England bezogenes ſchwefelſaures Ammoniak(ſ. ſpäter) dieſen Körper enthielt, deſſen Schädlichkeit für die Pflanzen ſchon früher von C. Schumann im kleinen nachgewieſen wurde, ſo können die Landwirte nicht genug auf dergleichen Erſcheinungen achten. Wie wir oben geſehen haben, nimmt die Pflanze ihre Nahrung teils aus der Atmoſphäre, teils aus dem Boden, wir können da⸗ her nicht umher auch dieſe beiden Gegenſtände kurz zu beſprechen. Die Atmoſphäre oder die die Erde umgebende Lufthülle beſteht aus einer Miſchung von Sauerſtoff und Stickſtoff in konſtantem Verhältniſſe, ſie enthält nämlich auf 79,1 1 Stickſtoff 20,9 1 Sauerſtoff oder auf 76,9 g ⸗ 23,1 g. Da aber alle gasförmigen Körper die größte Neigung haben, ſich mit einander zu vermiſchen, ſo ſammeln ſich in der Atmoſphäre auch alle Gaſe und Dämpfe an, die durch die Naturvorgänge auf der Erde ſich bilden. Wir finden daher in derſelben noch eine ganze Reihe flüchtiger Stoffe, deren Mengen aber je nach örtlichen Verhältniſſen ſchwankend ſind. Den Sauerſtoff und den Stickſtoff bezeichnete man früher als ſogenannte permanente Gaſe, d. h. als ſolche, die weder durch Druck noch durch Kälte in Flüſſigkeiten verwandelt werden konnten; mit der Vervollkommnung der Technik iſt dies aber gelungen, ſo daß man heute den Ausdruck permanente Gaſe überhaupt nicht mehr kennt. Sie wurden zuerſt dadurch als von einander verſchieden erkannt, daß man fand, daß ein Teil der atmoſphäriſchen Luft die Verbrennung zu unterhalten im Stande ſei und daß auch dieſer Teil, der Sauer⸗ 10 Die Atmoſphäre. ſtoff, ausſchließlich zum Atmen brauchbar ſei(Lebensluft); daß aber der andere Teil, der Stickſtoff, ſich in allen dieſen Prozeſſen negativ verhalte: das Feuer verlöſcht, das Tier erſtickt in demſelben. Dieſer Gegenſatz der beiden Stoffe findet ſich konſequent durchgeführt; überall in der Natur tritt der Sauerſtoff als thätiger Körper auf: er verbindet ſich mit Kohlenſtoff zu Kohlenſäure und entwickelt dabei eine ſtarke Wärme, mit der wir uns gegen den Froſt ſchützen, mit der wir unſere Maſchinen treiben; er erzeugt die Wärme unſeres Körpers, indem er in der Lunge gewiſſe Beſtandteile des Blutes zu Kohlen⸗ ſäure und Waſſer verbrennt; er zerſtört durch ſeine oxydierenden Eigenſchaften Eiſen und Geſteine, kurz, wir finden ihn, wohin wir blicken, in zerſtörender oder, was in der Natur dasſelbe iſt, er⸗ zeugender Thätigkeit. Anders der Stickſtoff. Er verbrennt nicht und iſt nicht im ſtande, die Verbrennung anderer Stoffe zu unterhalten; in derſelben Form, in der die Tiere ihn einatmen, atmen ſie ihn wieder aus; während Sauerſtoff von den Pflanzen auf⸗ genommen und verarbeitet wird, verhält ſich der Stickſtoff der Luft unthätig gegen dieſelben. Er dient überall nur als Verdünnungs⸗ mittel für den Sauerſtoff, und als ſolches thut er große Dienſte. In einer Atmoſphäre von reinem Sauerſtoffe würden Menſchen und Tiere bei der Organiſation, die ſie jetzt beſitzen, in ewiger Fieberhitze ſich befinden, weil die Verbrennung des Blutes in den Lungen zu heftig vor ſich ginge; das feſteſte Eiſengerüſte würde in wenig Tagen zerfallen, wenn wir es überhaupt herſtellen könnten, denn das glühende Eiſen in der Schmiede würde verbrennen, wie erhitzter Phosphor. So inaktiv demnach der Stickſtoff der Luft iſt, ſo gehen doch fort⸗ während beſtimmte Mengen desſelben in die Pflanze über, vor allem dadurch, daß ſich derſelbe durch elektriſche Vorgänge in der Atmoſphäre in ſalpeterſaures und ſalpetrigſaures Ammoniak verwandelt, welches durch den Regen dem Boden zugeführt wird. Die in Prozenten der atmoſphäriſchen Luft ausgedrückten Mengen dieſer Stoffe ſind außer⸗ ordentlich gering, zieht man aber die unermeßliche Luftmenge in Be⸗ tracht, die den Erdball umgiebt, ſo kann man ſich vorſtellen, welche Quantitäten von Stickſtoff der Landwirtſchaft alljährlich aus der Luft zugeführt werden. Noch einen anderen Weg des atmoſphäriſchen Stickſtoffs zu den Pflanzen hat in der Neuzeit Hellriegel entdeckt. Derſelbe fand, daß Schmetterlingsblüter in gewiſſen Fällen mehr Stickſtoff in ſich auf⸗ ſammelten, als der in der Düngung enthaltenen Menge entſprach. Dieſes Plus konnte nirgends anders herſtammen, als aus der Atmo⸗ ſphäre und Hellriegel erkannte, daß die Aſſimilation des atmo⸗ ſphäriſchen Stickſtoffes durch gewiſſe kleinſte Lebeweſen vermittelt wurde, die an den Wurzeln der genannten Pflanzen Knötchen oder Knöllchen erzeugen(Knötchen⸗Bazillus). Dieſe Entdeckung, welche ſchon d j ¹ ———. N———— ———— Die Atmoſphäre. 11 vielfach in der Landwirtſchaft praktiſch verwertet worden iſt, wird vor⸗ ausſichtlich in der Zukunft noch große Umwälzungen im Landwirtſchafts⸗ betriebe hervorrufen. Wir werden auf dieſen Punkt bei der Beſprechung der ſtickſtoffhaltigen Düngemittel zurückkommen. Ein nie fehlender Beſtandteil der Luft iſt die Kohlenſäure, deren Menge durchſchnittlich 0,04 in 100 l Luft beträgt. Wenn man jedoch die Bildungsweiſe derſelben bedenkt, ſo iſt es klar, daß dieſe Menge nach lokalen Verhältniſſen wechſeln muß. In Fabrik⸗ ſtädten z. B., wo die Schornſteine fortwährend enorme Mengen Kohlenſäure ausſtrömen(1 kg Kohlenſtoff erzeugt 3 6 kg Kohlenſäure oder 1865 I; eine Fabrik, die täglich 400 Ztr. Braunkohle oder 200 Ztr.= 10 000 kg Kohlenſtoff verbrennt, würde daher pro Tag 18 650 000 l oder 18 650 cbm Kohlenſäure in die Luft ſenden), wird die Atmoſphäre ſtets einen etwas höheren Gehalt an dieſem Gaſe zeigen; ebenſo muß in geſchloſſenen Räumen, wo viele Menſchen atmen, z. B. in Schulzimmern, der Kohlenſäuregehalt ſtärker ſein, als der der äußeren Luft. Man könnte meinen, daß nach und nach die Atmoſphäre ſo kohlenſäurereich werden müßte, und daß der Sauerſtoff derſelben, der ja fortwährend verzehrt wird, ſo abnehmen müßte, daß ſie zum Atmen untauglich würde. Dem wirken aber andere Verhält⸗ niſſe entgegen. Vor allem ſind es die Pflanzen, die das Gleich⸗ gewicht ſtets wieder herſtellen. Sie entziehen, wie wir ſchon erwähnt haben, der Atmoſphäre die Kohlenſäure, verarbeiten den in der⸗ ſelben enthaltenen Kohlenſtoff zu organiſchen Subſtanzen und geben Sauerſtoff an die Atmoſphäre zurück. Auch wird die Kohlenſäure verhältnismäßig leicht vom Waſſer aufgenommen(gelöſt), ſie verſchwindet daher bei jedem Regen zum Teil aus der Luft und findet ſich dann in den Wäſſern der Flüſſe und Quellen oder im Boden wieder. Eine zweite nie fehlende Beimengung der atmoſphäriſchen Luft iſt Waſſerdampf; Waſſer verdunſtet ja bei jeder Temperatur, und die Erde iſt zu drei Vierteln mit Waſſer bedeckt. Da das Waſſer, wie alle flüchtigen Stoffe, in höherer Temperatur leichter verdampft, als in niederer, ſo muß auch die Atmoſphäre in der warmen Jahreszeit feuchter ſein als in der kalten, wenn die Feuchtigkeit auch für das Gefühl weniger merkbar iſt. Neben dem ſchon erwähnten ſalpeterſauren Ammoniak enthält die Atmoſphäre zuweilen auch noch andere Ammoniakverbindungen, allerdings in höchſt geringer Menge, nämlich kohlenſaures Am⸗ moniak und Schwefelammonium, Stoffe, welche ihren Urſprung in der Zerſetzung ſtickſtoffhaltiger organiſcher Körper, dem Verfaulen von Kadavern ꝛc., haben. Ihr Vorkommen iſt daher ſtets lokaler Natur und, da ſie im Waſſer leicht löslich ſind, können ſie ſich auch nie längere Zeit in der Luft halten, der erſte wäſſerige Niederſchlag wird ſie aus derſelben entfernen. 42 Der Boden. Außer den eben beſprochenen gas⸗ oder dampfförmigen Gemeng⸗ teilen der Luft ſind in derſelben ſtets noch feſte Körper enthalten, Salze, Sand ꝛc. als Staub, und eine Reihe organiſierter Weſen(Pilzſporen ꝛc.) von mikroſkopiſcher Kleinheit; dieſelben inter⸗ eſſieren den Landwirt jedoch nur, wenn ſie ſich als Roſt auf ſein Ge⸗ treide lagern oder ihm gar ſelbſt als anſteckende Krankheit zu Leibe gehen; wir können die nähere Betrachtung derſelben übergehen. Der Boden. Betrachten wir einen Felsblock im Gebirge. Seine Oberfläche mag wie poliert erſcheinen, ſie zeigt ſich doch ſtets bei genauerer Be⸗ trachtung mit einer Menge unendlich feiner Riſſe und Spalten bedeckt. In dieſe dringt im Herbſt das Regenwaſſer ein, der Froſt des Winters macht das Waſſer gefrieren und, da das Eis einen größeren Raum einnimmt, als das Waſſer, aus dem es entſtand, ſo reißt es den Stein mit unwiderſtehlicher Gewalt auseinander, wie das gefrierende Waſſer die Flaſche ſprengt, die wir im kalten Zimmer ſtehen laſſen. Die Sprünge erweitern ſich, es entſtehen Quer⸗ ſprünge, und der nun kommende Frühjahrsregen ſpült den entſtandenen Staub in das Thal, wo ſich derſelbe als Schlamm, als Boden, ablagert. Gleichzeitig tritt auch die in Luft und Waſſer vorhandene Kohlenſäure, ſo ſchwach ſie als Säure iſt, mit ihrer löſen⸗ den und der Sauerſtoff der Luft mit ſeiner oxydierenden Kraft in Thätigkeit und was den phyſikaliſchen Kräften widerſtand, fällt den chemiſchen zum Opfer. Wir bezeichnen dieſen Vorgang als Verwitterung. Tauſende und Millionen von Jahren gehören dazu, einen auch nur mäßigen Felſen zu zerſtören, aber die ewig wirkenden Kräfte der Natur erreichen doch ſchließlich ihr Ziel und erzeugen ſo die großen, fruchtbaren Ebenen, die ſich am Fuße der Gebirge ausdehnen. Auch pflanzliche Gebilde(Bazillen, Algen, Mooſe) tragen zur Zerſtörung der Geſteige, alſo zur Bildung von Boden bei. Es gelingt ſelten, in einem Boden die Gebirgsart nachzu⸗ weiſen, aus der er entſtanden iſt, da er meiſt ein Gemenge von Zer⸗ ſetzungsprodukten der verſchiedenſten Geſteine iſt, letzteres aber gerade macht ihn für die Landwirtſchaft beſonders wertvoll, weil er nur ſo die univerſellen Eigenſchaften erhalten konnte, die er beſitzt. Je nachdem aber der Ackerboden aus den Zerſetzungsprodukten der einen oder anderen Gebirgsart in vorwiegender Menge beſteht, wird er in ſeinen Eigenſchaften verſchieden ſein; wir haben ſchweren Sandboden, wenn derſelbe vorzugsweiſe aus Sandſtein, milden thonigen Boden, wenn er aus Keuper entſtanden iſt; ver⸗ witterter Granit oder Baſalt ſetzt einen mehr oder weniger ſandi⸗ gen Thonboden ab ꝛc. Daß infolge deſſen auch die chemiſche Zu⸗ Eigenſchaften des Bodens. 13 ſammenſetzung des Bodens, das Verhältnis der in demſelben enthaltenen mineraliſchen Pflanzennährſtoffe zu einander und deren Menge an und für ſich ſehr verſchieden ſein müſſen, leuchtet ein. Wir nennen einen Boden fruchtbar, wenn er nicht nur die den Pflanzen nötigen Nahrungsſtoffe in genügender Menge, ge⸗ nügender Löslichkeit und im richtigen Verhältniſſe zu einander enthält, ſondern auch vermöge ſeiner ſonſtigen(phyſikaliſchen) Eigenſchaften geſtattet, daß dieſe Nährſtoffe leicht in die Pflanze über⸗ gehen. Von den Eigenſchaften des Bodens, abgeſehen von ſeiner chemiſchen Zuſammenſetzung, ſind vorzugsweiſe zu erwähnen: 1) Die Abſorptionsfähigkeit des Bodens: Jeder Boden hat mehr oder weniger die Fähigkeit, nicht nur die Beſtandteile der Atmoſphäre, alſo Sauerſtoff, Kohlenſäure, Ammoniak, Waſſer ec., ſondern auch die in Löſung befindlichen Nährſalze des Düngers an ſich zu ziehen und feſtzuhalten. Man nennt dieſe Eigenſchaft ſeine Abſorptionsfähigkeit. Die Abſorptionsfähigkeit des Bodens für Gaſe und Dämpfe, die eine rein mechaniſche iſt(ſie hängt innig mit der Feinheit der Ackererde zuſammen; alle feinpulvrigen Subſtanzen ſaugen Gaſe ein und geben ſie beim Erhitzen wieder von ſich), iſt für den Landwirt von großem Werte, weil vermöge derſelben der Boden im ſtande iſt, auch bei mangelndem Regen die Pflanzen noch längere Zeit mit Waſſer zu verſorgen. Auch die vom Boden abſorbierten Gaſe, Kohlenſäure und Sauerſtoff, leiſten dem Landwirte große Dienſte. Wir haben ſchon geſehen, welche Rolle dieſelben bei der Bildung des Bodens ſpielen, die dabei entwickelte Thätigkeit aber ſetzen ſie im Boden fort; abgeſehen davon, daß ſie ſelbſt Pflanzen⸗ nährſtoffe ſind, tragen ſie auch dazu bei, andere Pflanzennährſtoffe, die in den unlöslichen Mineralien voorhanden ſind, in Löſung zu bringen und daher den Pflanzen zugänglich zu machen. Die Abſorptionsfähigkeit des Bodens für Nährſalze iſt nicht minder wichtig; ohne dieſelben würden letztere durch jeden Regen ausgewaſchen werden, ein einziger Regentag würde den frucht⸗ barſten Acker vollkommen unfruchtbar machen. Es iſt noch nicht mit abſoluter Sicherheit feſtgeſtellt, in welcher Weiſe dieſe Bindung der verſchiedenen Mineralſtoffe vor ſich geht. Früher neigte man ſich mehr der Anſicht zu, nach welcher dieſelbe eine Wirkung der Oberflächenanziehung iſt, ähnlich wie die entfärbende Eigenſchaft der Knochenkohle, doch iſt es neuerdings wahrſchein⸗ licher geworden, daß die gelöſten Mineralſtoffe durch chemiſche Ein⸗ flüſſe unlöslich gemacht werden, und zwar muß man den im Boden vorhandenen Kieſelſäureverbindungen ſſogen. Zeolithe) in bezug auf Kali und Ammoniak, dem kohlenſauren Kalk, der 14 Eigenſchaften des Bodens. kohlenſauren Magneſia und dem Eiſenoxyd des Bodens in bezug auf Phosphorſäure die Hauptwirkung dabei zuſchreiben, da mit Salzſäure ausgekochte, alſo von den fraglichen Sub⸗ ſtanzen befreite Ackererde die erwähnten Nährſtoffe nicht abſorbiert, mag ſie auch noch ſo feinpulvrig ſein. Bei der ſpäteren Beſprechung der einzelnen Düngeſtoffe werden wir auf dieſen wichtigen Punkt ſpezieller zurückkommen. 2) Die Farbe des Bodens iſt inſofern in Betracht zu ziehen, als ein dunkel gefärbten Boden ſich leichter erwärmt als ein heller und die Wärme länger zurückhält. Da die ſchwarze Färbung vorzugsweiſe durch den im Acker ſich befindenden Humus hervor⸗ gebracht wird, ſo iſt letzterer ſchon aus dieſem Grunde wertvoll, ab⸗ geſehen von der großen Menge Kohlenſäure, die ſich bei ſeiner fortwährenden Zerſetzung bildet, und die wir als Nährſtoff und als Löſungsmittel für Nährſtoffe ſchon öfter erwähnt haben. 3) Die waſſerfaſſende und waſſeranhaltende Kraft des Bodens. Je nach ihrem Feinheitsgrade und ihrer Poroſität nehmen die verſchiedenen Bodenarten verſchiedene Quantitäten Waſſers beim Benetzen auf und halten dasſelbe dementſprechend verſchieden lange beim Trocknen zurück. Nach Schübler“) nehmen 100 Gewichtsteile Quarzſand 25 Teile, Ackererde(Lehmboden) 52„ Grauer Thon.. 70„ Humus. 180„ Waſſer auf. Von 100 Teilen abſorbierten Waſſers verdunſten nach dem⸗ ſelben in vier Stunden bei 15° R. aus Quarzſand.... 88,4 Teile „ Ackererde(Lehmboden) 32,0„ „ grauem Thone... 31,9„ „ Humus.... 20,5„ 4) Die Haarröhrchenkraft des Bodens nennt man, nach Sprengel, ſein Vermögen, aus dem Untergrunde Flüſſigkeiten in die Höhe zu ſaugen. In den meiſten Fällen wird dieſe Eigenſchaft der Vegetation von Nutzen ſein, da auf dieſe Weiſe die oberen Teile des Ackers ſich feucht halten können, und da vielfach im Untergrunde ſich Salzlöſungen befinden, die ſo den Pflanzen zu gute kommen. Enthält jedoch der Untergrund, wie in manchen Fabrikorten, ſchädliche Stoffe, ſo kann dieſelbe Bodeneigenſchaft der Vegetation verderblich werden. 5) Konſiſtenz des Bodens und des Untergrundes. Je nach ihrer Zuſammenſetzung, d. h. je nach den Geſteinen, durch *) Sprengel, Bodenkunde. Schumacher, Phyſik des Bodens. Die Düngung. 15 deren Zerſetzung ſie gebildet wurden, ſind die verſchiedenen Bodenarten dichter oder lockerer. Ein zu dichter Boden iſt für das Gedeihen der Pflanzen inſofern ungünſtig, als er der Ausbreitung der Wurzeln zu viel Widerſtand entgegenſetzt. Da außerdem ſeine Bearbeitung mit dem Pfluge ſtets nur eine unvollkommene ſein wird, ſo dringt die atmoſphäriſche Luft nur in ungenügender Menge in denſelben ein, die Zerſetzung der Bodenbeſtandteile durch letztere, als auch die Auflöſung der Nährſtoffe durch die Kohlenſäure kann daher auch nur in geringem Maße ſtattfinden. Noch ſchlimmer iſt eine extreme Beſchaffenheit des Untergrundes in dieſer Richtung. Ein zu dichter Untergrund geſtattet dem Waſſer nur ſchwierig den Durchgang, es tritt daher Stagnation und darauf folgend Sumpf⸗ und Moorbildung ein. Ein ſehr lockerer, ſehr durchläſſiger Untergrund dagegen iſt unter Umſtänden ebenſo ſchlecht, da alsdann die Feuchtigkeit der Acker⸗ krume allzuleicht in die Tiefe ſinken kann, ſo daß ein derartiger Acker im Sommer eher von Dürre leidet, als ein ſolcher mit dichterem Untergrunde. Die Geſamtheit der phyſikaliſchen Eigenſchaften des Ackerbodens bildet den Maaßſtab für den Grad der dauernden Fruchtbarkeit des⸗ ſelben; iſt ein Boden dauernd unfruchtbar oder wenig ertragreich, ſo kann man ihn häufig durch Änderung ſeiner phyſikaliſchen Eigenſchaften, durch ſogen. Melioration,(Drainieren, Miſchen, Kälken oder Mergeln ꝛc.) verbeſſern. Aber auch ein an ſich fruchtbarer Boden kann, ohne daß ſich ſeine phyſikaliſchen Eigenſchaften weſentlich ändern, nach und nach unfrucht⸗ bar werden. Durch die jährlichen Ernten wird nämlich ſeine chemiſche Zuſammenſetzung verändert, indem ihm gewiſſe Stoffe entzogen werden, die zum Gedeihen der Pflanzen unbedingt nötig ſind, er verarmt an Pflanzennährſtoffen. Der Landwirt erſetzt, um dieſer Verarmung vorzubeugen, dieſe Stoffe periodiſch durch die Düngung. Die älteſte Methode der Dingung iſt die mit Stallmiſt. Sie iſt zugleich die rationellſte und daher wirkſamſte, inſofern als ſie dem Boden nicht einzelne, ſondern die ganze Reihe von Stoffen zu⸗ führt, die die Pflanze zu ihrer Ernährung bedarf; außerdem aber ge⸗ währt ſie den großen Vorteil, daß ſie den Boden, vermittelſt des im Miſte enthaltenen Strohes locker, alſo den atmoſphäriſchen Einflüſſen zu⸗ gänglich macht und ihm eine große Menge organiſcher Subſtanzen zuführt, die bei ihrer Zerſetzung eine reichliche Menge Humus er⸗ zeugen. Die löslichen Humusſubſtanzen(humusſaures Ammoniak) und die aus dem Humus ſich fortwährend entwickelnde Kohlenſäure 16 Die Düngung. aber ſind diejenigen Agentien, welche vorzugsweiſe die im Boden vor⸗ handenen Mineralſtoffe löslich machen und den Pflanzen zu⸗ führen. Da dieſe Wirkungen des Stallmiſtes auf keine andere Weiſe zu erſetzen ſind, wird derſelbe auch ſtets die Grundlage jedes rationellen Wirtſchaftsſyſtemes bleiben. Die Stallmiſtdüngung aber wird ungenügend, ſobald der Land⸗ wirt im Miſte dem Boden nicht alles wieder erſetzt, was er ihm entzogen hatte. Beſtellt derſelbe z. B. ein Drittel ſeines Landes mit Futterkräutern und zwei Drittel mit Getreide, verkauft das gewonnene Getreide und verfüttert die Futtergewächſe an ſein Vieh(ohne für letztere Futter hinzuzukaufen), ſo wird er in ſeinem Stallmiſte nur einen Teil, ſagen wir der Einfachheit wegen den dritten Teil der Mineralſtoffe wieder erhalten, die er ſeinem ganzen Areale entzogen hatte, beſonders da ja auch das Vieh dadurch, daß es an Körpergewicht zunimmt, von denſelben gewiſſe Mengen in ſich zurückbehält. Der Beſtand an Mineralſtoffen, die zur Pflanzenernährung dienen, wird in einem Landgute daher von Jahr zu Jahr abnehmen, auf dem der Landwirt nur mit Stall⸗ miſt düngt, den er aus ſeinem ſelbſtgebauten Futter erhalten hat, es wird alſo jedes Jahr ein Teil des Gutes ver⸗ kauft. Eine ausſchließliche Stallmiſtwirtſchaft würde bei den heutigen Handels⸗ und Verkehrs⸗Verhältniſſen, außer bei den allerkleinſten Acker⸗ wirtſchaften, nicht mehr rationell ſein. Beſonders die großen Städte entziehen der Landwirtſchaft Jahr aus, Jahr ein ungemeſſene Quanti⸗ täten von Pflanzennährſtoffen, die in den Auswürfen derſelben bis jetzt noch zum großen Teile verloren gehen, weil gerade die Auswurf⸗ ſtoffe der großen Städte, betreffs ihrer Verwertung, heute noch die größten Schwierigkeiten bieten. In kleineren Städten und in Dörfern, wo das Ackerland den Wohnſtätten nahe liegt, können die Excremente ohne weiteres als Dünger benutzt werden; in großen Städten aber verteuern die neunzig oder mehr Prozente Waſſer, welche dieſelben enthalten, den Transport bedeutend, da man nicht die nächſte Umgebung mit ſolchen Stoffen überſchwemmen mag. Man iſt daher in vielen großen Städten auf die, wirtſchaftlich ver⸗ werfliche, Idee gekommen, auf den Wert der Latrine ohne weiteres zu verzichten und dieſelbe durch Kanäle fortzuſchaffen. Man erreicht dadurch allerdings, wenigſtens ſo lange die Koaken noch neu ſind, daß alle dieſe Subſtanzen, iſt nur genügend Waſſer zum Spülen vorhanden, aus dem Bereiche des Geruchsſinnes der Großſtädter ſo ſchnell als möglich entfernt werden, bedenkt aber nicht, daß man dieſelben dadurch nicht aus der Welt ſchafft Die epidemie⸗ erzeugenden Eigenſchaften derſelben werden ſich zwar nicht immer, wie Verwertung der Auswurſſtoffe. 17 zur Zeit der letzten Choleraepidemie in Hamburg, in der Großſtadt ſelbſt, häufig aber im unteren Laufe des Fluſſes bethätigen. Neuerdings ſcheint allerdings eine Methode gefunden zu ſein, die die Vorteile der Kanaliſation, die ganz unleugbar ſind, mit den Forde⸗ rungen der Nationalökonomie vereinigt, nämlich das Rieſel⸗ feldſyſtem. In Berlin, wo dasſelbe ſeit längeren Jahren eingeführt iſt, werden die Kloakenflüſſigkeiten beſtimmt abgegrenzter Stadtteile in Röhren nach einem mehrere Kilometer von der Stadt belegenen Gute (Osdorf) geleitet und dort auf die Felder verteilt. Die Fruchtbarkeit dieſer Felder wird dadurch zu einer unglaublichen Höhe geſteigert und ſcheint es, wie geſagt, als ob der ſo lange und heftig geführte Streit, ob Kanaliſation oder Abfuhr, durch die Osdorfer Anlage beigelegt ſei. Viele deutſche Städte ſind dem Beiſpiele Berlins gefolgt und haben mit großen Koſten Rieſel⸗Anlagen ausgeführt und damit mindeſtens ihre geſundheitlichen Verhältniſſe außerordentlich gehoben, wenn auch die Gelderträge bedeutend hinter den Erwartungen zurückgeblieben ſind. Für die Rieſelfelder⸗Frage kommen beſonders zwei Geſichtspunkte in Betracht, der geſundheitliche und der landwirtſchaftliche. Was den erſteren betrifft, ſo will man mit Hilfe der Ackererde des Rieſelfeldes die Kloakenflüſſigkeiten desinfizieren; Acker⸗ erde abſorbiert, wie wir ſchon oben ſahen, den größten Teil der im Dünger enthaltenen Stoffe, beſonders auch die riechenden(Ammo⸗ niak, Schwefelammonium ꝛc.). Dies gilt allerdings für jeden Boden, es iſt jedoch klar, daß derſelbe, bei ſeiner ſo verſchiedenartigen Zuſammenſetzung, in ſeinen Abſortionswirkungen ſehr verſchieden ſein muß. So wirkt ein guter Lehmboden in dieſer Beziehung ganz außerordentlich viel kräftiger als ein Sandboden, d. h. von letzterem wird man zur Erreichung desſelben Re⸗ ſultates eine bei weitem größere Fläche nötig haben, als von erſterem. Dasſelbe gilt in landwirtſchaftlicher Hinſicht: Iſt ein beſtimmtes Feld nicht im Stande, die ihm gebotenen Düngeſtoffe ge⸗ genügend zu binden, wird es überſättigt, ſo werden die Pflanzen auf demſelben geil wachſen oder ganz zu Grunde gehen. Das beſte Reſultat würde noch dann erreicht werden, wenn der Überfluß in den Untergrund ginge, dann aber iſt man wieder auf dem Punkte angelangt, daß große Mengen von Stoffen, die, in ihrer Geſamtheit betrachtet, wertvoller ſind, als Gold und Edelſteine, dem National⸗Vermögen ver⸗ loren gehen. Mit dem Syſteme der Rieſelfelder wird man daher ſicher und überall gute Erfolge erzielen, wenn man, der Quantität der Kloakenflüſſigkeit und der Qualität des Ackerbodens entſprechend, genügend große Ländereien zur Verfügung hat. Je geringer die Abſorptionsfähigkeit des Bodens iſt, deſto größer muß die Fläche ſein. Es hat ſich bis jetzt überall gezeigt, daß die von vornherein in Ausſicht genommene Landmenge nicht ausreichte, und ſo Rümpler, Düngeſtoffe. 4. Auflage.. 2 18 Verwertung der Auswurfſtoffe. wird man vielleicht im Laufe der Jahre noch gezwungen werden, die alten Rieſelfelder für eine längere Zeit ganz ruhen zu laſſen und neues Land in Benutzung zu nehmen. Wo das Rieſelſyſtem nicht eingerichtet iſt, kann man dieſelben Re⸗ ſultate mit der Abfuhr(in Tonnen) erzielen; für dieſes Syſtem ſind die Anlagekoſten bedeutend geringer, wie für das Röhren⸗ ſyſtem, dagegen ſind die Betriebskoſten weſentlich höhere; das Abfuhrſyſtem gewährt jedoch den Vorteil, daß man die Latrine nach jedem beliebigen Orte fahren und dort verwerten kann, voraus⸗ geſetzt, daß die Transportkoſten nicht zu hoch werden.. Auch würde es, wenn die ſonſtigen Verhältniſſe es geſtatten, mög⸗ lich ſein, die Latrine auf konzentrierte Düngeſtoffe fabrikmäßig zu ver⸗ arbeiten. Ich will in folgendem verſchiedene Verſuche beſprechen, die bis⸗ her gemacht worden ſind, die Auswurfſtoffe großer Städte zu ver⸗ arbeiten, bemerke jedoch ſogleich, daß keiner derſelben mit peku⸗ niärem Erfolge längere Zeit durchgeführt worden iſt; es mag das wohl vorzugsweiſe daran gelegen haben, daß alle dieſe Fabrikanlagen in eine Zeit fallen, in der man noch von allgemeiner Anwendung kon⸗ zentrierter Düngeſtoffe weit entfernt war, wo man daher jedem neu auftauchenden Dünger Mißtrauen und Vorurteil entgegentrug. Jetzt würde es vielleicht ſehr gut möglich ſein, eine derartige Induſtrie ins Leben zu rufen und rentabel durchzuführen. Das einfachſte Verfahren, tieriſche Auswurfſtoffe zu kon⸗ zentrieren, iſt wohl daß Eindampfen derſelben mit oder ohne Zuſatz fremder Beſtandteile. Man gewinnt dabei ſelbſtverſtändlich alles, was dieſelben enthalten und der konzentrierte Dünger wird daher ebenſo wirken, wie der friſche, er wird in gewiſſem Sinne ein Normaldünger ſein. Eine Fabrik, welche die ſtädtiſche Auswurfſtoffe ausſchließlich nach dieſer Methode verarbeitete, beſtand in Hannover. Dieſelbe mußte jedoch nach einigen Jahren ihren Betrieb einſtellen, da ſie wenig Nachfrage nach ihrem Produkte fand. In neuerer Zeit, wo die Nach⸗ frage nach konzentrierten Düngeſtoffen und der Preis der⸗ ſelben bedeutend geſtiegen ſind, würde eine ſolche Fabrik vielleicht mit mehr Erfolg arbeiten. Nach dem Syſteme der erwähnten Fabrik wurden die feſten und flüſſigen Exkremente zunächſt getrennt und zwar ſogleich in den Ab⸗ fuhrtonnen, die zu dem Zwecke mit einem Siebboden oder mit ſonſt einer praktiſchen Vorrichtung verſehen waren. Die feſten Exkremente wurden dann ohne weiteres für ſich, oder gemiſcht mir Knochenmehl oder Superphosphat, getrocknet. Der Urin wurde zunächſt in Abdampfpfannen, unter Zuſatz von etwas Säure mit ſogenannter verlorener Wärme konzentriert. 1' — —————=PS—O,——— -— — —.—— o—.—————— ie ———, ⏑ ◻ N Verwertung der Auswurfſtoffe. 19 Wollte man denſelben für ſich zur Trockne eindampfen, ſo würde man ſchließlich allerdings ein höchſt konzentriertes Produkt erhalten, dasſelbe würde aber ſtets zähe und klebrig bleiben und könnte da⸗ her vom Landwirte nicht anders, als in Waſſer gelöſt, verwendet werden. Man verarbeitete daher den konzentrierten Urin in der Weiſe weiter, daß man Knochenmehl mit demſelben zu einem weichen Teige anrührte, das Gemenge trocknete und nötigenfall auf einem Kollergange oder einer Mühle nochmals zerkleinerte. Man könnte vielleicht noch beſſer denſelben bei Herſtellung von Super⸗ phosphaten oder von aufgeſchloſſenem Knochenmehle (ſ. ſpäter) zumiſchen. Ein mit vielem Eklat in die Welt geſetztes Verfahren zu Ver⸗ arbeitung menſchlicher Exkremente war das Moſſelmannſche. Da⸗ nach werden dieſelben einfach mit gebranntem Kalke genmiſcht; letzterer löſcht ſich, indem er Waſſer bindet und ſo werden die halb⸗ flüſſigen Maſſen in kurzer Zeit ſo trocken, daß ſie geſackt und verſandt werden können. Betrachtet man dieſes Verfahren näher, fo erkennt man bald, daß ſein Wert gleich Null iſt. Wenn auch durch die beim Löſchen des Kalkes entſtehende Wärme viel Waſſer verdampft, ſo wiegt das fertige Produkt durch den Zuſatz von Kalk doch ebenſoviel, wie die friſchen Exkremente ge⸗ wogen haben; das Ziel, den Dünger zu konzentrieren, alſo reichhaltiger und dabei transportfähiger zu machen, iſt alſo vollſtändig verfehlt. Das Einzige was man erreicht hat, iſt, daß die trockene Maſſe jetzt leichter zu handhaben iſt, als die naſſe vorher, und dieſer Vorteil wird wohl kaum aufgewogen durch die bedeutenden Koſten für gebrannten Kalk, Arbeitslöhne ꝛc. Es iſt mir auch nicht bekannt, daß jemand verſucht hätte, im Großen nach dieſem Ver⸗ fahren zu arbeiten. Ich könnte noch eine lange Reihe von Vorſchlägen und Methoden beſchreiben, die ſämtlich darauf hinausgehen, die menſchlichen Ex⸗ kremente in einen guten, konzentrierten Dünger zu verwandeln; da die⸗ ſelben jedoch zum Teile vollſtändig unbrauchbar ſind, weil ſie entweder große techniſche Mängel beſitzen, oder ihr Ziel ganz und gar verfehlen, oder aber, ſoweit dieſelben einen wirklichen Wert haben, ſämtlich auf ein und demſelben Prinzipe beruhen, nämlich darauf, das Waſſer der Exkremente durch Erwärmung zu entfernen, ſo teile ich hier nur die⸗ jenige Methode mit, die ich, nach dem jetzigen Stande dieſer Frage, für ausſichtsvoll halte. Die feſten Exkremente werden nach derſelben zunächſt möglichſt von den flüſſigen getrennt, entweder ſchon in den Tonnen, in⸗ dem man in denſelben einen Siebboden anbringt, auf welchem ſich die feſten Exkremente anſammeln, wiührend die flüſſigen in den 2* 20 Verwertung der Auswurfftoffe. unteren Teil der Tonne laufen, oder indem man an dem Sitze des Abortes eine Vorrichtung anbringt, vermöge welcher die zu trennenden Stoffe in getrennte Tonnen ablaufen können, oder nach der Abfuhr durch Filtration. Für letzteren Zweck könnte man beiſpielsweiſe grob gepulverte alte Knochenkohle(ſ. ſpäter) benutzen, die dann zugleich den Phosphorſäuregehalt des zu gewinnenden Düngers erhöhen würde. Die feſten Exkremente werden nun auf geheizten Platten ge⸗ trocknet, unter Umſtänden mit der Filtrierkohle zuſammen, indem man mit Krücken fleißig umrührt, oder man trocknet dieſelben in flachen Pfannen, die mit vielen kleinen Rührwerken verſehen ſind, wie ſolche von England aus ſehr empfohlen werden. Wendet man letztere an, ſo kann man auch den Urin ohne weiteres mit verdampfen, wenn man will, unter Zuſatz von Superphosphaten oder dergl. Für den Urin allein exiſtiert jedoch eine Methode, die vortheilhafter als das direkte Eindampfen iſt, und ſchon vor Jahren in einer Fabrik zu Villette bei Paris praktiſch und mit Erfolg durchgeführt wurde. Ob dies jetzt noch der Fall iſt, iſt mir unbekannt. Dieſelbe beſchränkte ſich allerdings nur darauf, den Stickſtoff des Urins als den wertvollſten Beſtandteil desſelben zu gewinnen, erreicht dies aber auf die voll⸗ kommenſte und billigſte Weiſe. Läßt man nämlich den Urin faulen, ſo zerſetzen ſich die in dem⸗ ſelben befindlichen ſtickſtoffhaltigen Subſtanzen ſo, daß ſich ſchließlich ſämtlicher Stickſtoff in Form von kohlenſaurem Ammoniak, dem⸗ ſelben Körper, der in Pferdeſtällen den Geruchsſinn ſo heftig angreift, befindet. Dieſes ammoniakaliſche Waſſer kann man dann mit Kalk deſtillieren, wie es weiter bei Beſprechung des Gaswaſſers(ſiehe ſpäter unter Ammoniakſalz) beſchrieben werden wird; es entwickelt ſich dabei Ammoniak, welches man in Schwefelſäure auffängt. Man erhält auf dieſe Weiſe ſchwefelſaures Ammoniak, ein in un⸗ begrenzten Mengen verkäufliches Salz. Der beim Faulen des Urins ſich bildende Bodenſatz enthält viel Phosphorſäure in Verbindung mit Magneſia und Ammoniak, ein für die Düngung ſehr wertvolles Salz. Das Verfahren bietet den Vorteil, daß man ſehr viel Brenn⸗ material ſpart, weil nur etwa 1 der Flüſſigkeit zu verdampfen braucht, um allen Stickſtoff zu erhalten, und daß man ein leicht ver⸗ käufliches Produkt erzielt. Es hat aber den Übelſtand, abgeſehen von der unvollſtändigen Verwertung der im Urin enthaltenen Salze, daß die Fäulnis ſtets ein ekelerregender und der Ge⸗ ſundheit ſchädlicher Prozeß iſt. Könnte man es daher erreichen, das Faulenlaſſen des Harns durch chemiſche Mittel zu erſetzen, ſo wäre eine ſehr praktiſche und rentable Methode gefunden, wenigſtens den wertvollſten der in den Exkrementen enthaltenen Stoffe Verwertung der Auswurfſtoffe. 21 zu gewinnen. Doch auch ſchon in ihrer jetzigen Form iſt die beſchriebene Methode empfehlenswert. Zur Berechunng der Rentabilität dieſer Methode dienen folgende Zahlen: Die feſten menſchlichen Exkremente enthalten: 77,2% Waſſer 1,0% Stickſtoff 2,99% Aſche, in letzterer ſind enthalten: 0,25 Kali 0,16 Natron 0,62 Kalk 0,36 Magneſia 1,09 Phosphorſäure 0,08 Schwefelſäure 0,19 Kieſelſäure 0,04 Chlor. Um nun 25 Ztr. trockene Exkremente zu erzeugen,(die noch ca. 10% Waſſer enthalten), müſſen 75 Ztr. Waſſer verdampft werden; dazu würde man etwa 25 Ztr. erdige Braunkohle, wie man ſie in einigen Teilen Norddeutſchlands findet, verbrauchen. Der Ztr. ſolcher Braunkohlen koſtet aber etwa 35 Pf., wenn nicht zu hohe Fracht darauf ruht; folglich würde man zur Herſtellung von 25 Ztr. Dünger an Kohlen für.......... Mk. 8,75 gebrauchen. Arbeitslohn und ſonſtige Unkoſten auf das Dop⸗ pelte dieſer Summe veranſchlagt... Mk. 17,50 Geſamtkoſten ca. Mk. 26,25 folglich würde 1 Ztr. Dünger etwa koſten Mk. 1,05. 100 Pf. des erzielten Düngers, vorausgeſetzt, daß die Exkremente ohne Zuſatz trockner Subſtanzen getrocknet waren, würden aber enthalten: Stickſtoff 4 Pfd. à 65 Pf. pro Pfd..... Mk. 2,60 Kali 1 Pfd. entſprechend dem jetzigen Marktpreiſe mit einem Werte von........„ 0,07 Phosphorſäure 4,36 Pfd. à 20 Pf..„ 0,87 Wert des Düngers Mk. 3,54 pro Ztr. Nun würde dieſer Dünger allerdings ſeines doch immerhin noch niedrigen Gehaltes wegen nicht zu den höchſten Preiſen Verwertung finden können; nehmen wir aber den Verkaufswert desſelben nur zu 3 Mk. an, ſo dürfte dem Unternehmer doch noch ein ziemlicher Nutzen bleiben. Für die Verarbeitung des Urins durch Faulenlaſſen und Deſtilla⸗ tion läßt ſich eine ähnliche Kalkulation aufſtellen, die jedoch nur dann 22 Verwertung der Auswurfſtoffe. einen Gewinn zu berechnen geſtattet, wenn der Urin nicht mit Spül⸗ waſſer verdünnt iſt und wenn die Kohlen ſehr billig ſind. Urin enthält bei 0,6% Stickſtoff 96,3% Waſſer. Um dem Leſer ein Bild zu geben, welche Mengen an Düngeſtoffen noch täglich der Landwirtſchaft dadurch verloren gehen, daß die menſch⸗ lichen Exkremente noch nicht gehörig verwertet werden, füge ich meinen Ausführungen noch folgende Zahlen hinzu: Nach Barral entleert ein erwachſener Mann täglich in den feſten Exkrementen 2,8 g im Urin.... 10,9„ alſo zMiammen 13,7 g Stickſtoff. Nehmen wir für Männer, Frauen und Kinder durchſchnittlich die Hälfte an, ſo würden dies 6,85 g pro Kopf ſein. Die 1 ¾ Millio⸗ nen Einwohner Berlins produzieren daher täglich zuſammen etwa 11 897 500 g oder 23 975 Pfd. Stickſtoff, d. i. etwa für 14 000 Mk. Nach H. Fleitmann giebt ein ausgewachſener Mann außerdem täg⸗ lich ab: in den feſten im Harn Exkrementen zuſammen 8 S Chlornatrium.. 8,924 0,017 8,941 Chlorkalium. 0,751— 0,751 Kali...... 2,482 0,546 3,028 Kalk 0.225 0,557 0,782 Magneſia.... 0,242 0,278 0,520 Eiſenoxyd.. 0,005 0,054 0,059 Phosphorſäure. 1,760 0,807 2,567 Schwefelſäure... 0,386 0,029 0,415 Kieſelſäure.... 0,069 0,038 0,107 in Summa Aſchenbeſtandteile 14,844 2,326 17,170 Auch dieſe Stoffe repräſentieren einen nicht unbedeutenden Wert, da beſonders die Phosphorſäure des Harnes in leicht aſſimilierbarer Form vorhanden iſt. Wie wir geſehen haben, werden dem Ackerboden durch die Düngung mit Stallmiſt, Latrine oder den aus letzterer gewonnenen konzentrierten Düngeſtoffen der Art nach ſämtliche organiſche oder an⸗ organiſche Stoffe zugeführt, die die Pflanze zur Ernährung braucht, nicht aber der Quantität nach, und dieſen Mangel der Miſtdüngung auszugleichen dienen die, in dem Hauptteile dieſes Werkchens zu be⸗ ſprechenden, käuflichen Düngeſtoffe. Die käuflichen Düngeſtoffe. 23 Es iſt nun nicht nötig, dem Boden alljährlich ſämtliche Stoffe wieder zuzuführen, die ihm durch den Verkauf von Getreide, Vieh ec. entzogen worden ſind, da die meiſten derſelben, wie z. B. die Kieſel⸗ ſäure, in unbegrenzter Menge im Boden vorhanden ſind, oder, wie das Natron, nur in geringſter Menge demſelben entnommen werden. Die⸗ jenigen Stoffe, die dem Boden immer wieder zugeführt werden müſſen, ſoll derſelbe nicht mit der Zeit unfruchtbar werden, ſind die in der Pflanze in größter, im Boden aber meiſt in geringſter Menge vor⸗ handenen Stoffe: Kali, Phosphorſäure und Stickſtoff, und dieſe ſind es auch, die von den Düngerfabrikanten dem Landwirte in Form mehr oder weniger reiner Präparate geliefert werden. Bei einigen, ſehr intenſiven Kulturen, wie z. B. beim Anbau der Zucker⸗ rübe, die den Boden ſtark in Anſpruch nehmen, kann es außerdem noch nötig werden, demſelben Kalk oder Magneſia einzuverleiben. Erſteres geſchieht durch das Kalken, letzteres durch Düngung mit magneſiahaltigen Kaliſalzen(ſ. dieſe). Es tritt jetzt die ſchwierige Frage an uns heran, wann iſt es ge⸗ boten, die drei genannten Stoffe oder einen derſelben zur Düngung zu benutzen und in letzterem Falle, welchen? Hierüber herrſcht bei den meiſten Landwirten noch viel Unklarheit und auch die Wiſſen⸗ ſchaft iſt noch lange nicht im ſtande, dieſelbe, auf den einzelnen Fall angewandt, mit abſoluter Sicherheit zu beantworten. Ich will ver⸗ ſuchen in folgendem die Prinzipien zu entwickeln, nach denen man, hinſichtlich der Düngung mit den genannten Stoffen, verfahren muß, um annähernd rationell zu wirtſchaften. Ich unterſcheide dabei zwei Fälle, das in Frage ſtehende Acker⸗ ſtück habe bisher in jeder Hinſicht genügende Ernteerträge gegeben und es komme nur alſo darauf an, dasſelbe in dem Zuſtande zu erhalten, in dem es ſich befindet, oder aber, das in Frage ſtehende Ackerſtück ſei in ſeinen Erträgen an einer Frucht oder im ganzen zurückgegangen, und ſoll wieder auf ſeinen alten oder auf einen höheren Kulturzuſtand gebracht werden. Von beiden Fragen iſt die erſte am leichteſten zu be⸗ antworten: man gebedem Acker nach der Ernte die Stoffe zurück, die man ihm durch dieſelbe entzogen hat, oder gebe ihm von der Beſtellung die Stoffe, die ihmvoraus⸗ ſichtlich in der nächſten Ernte entzogen werden. Um dieſe Regel befolgen zu können, iſt es nötig, daß der Land⸗ wirt über Ein⸗ und Ausgang der Mineralſtoffe ſeiner Ackerpläne genau Buch führe. Es iſt dazu nicht nötig, zu wiſſen, wieviel Mineralſtoffe überhaupt im Boden vorhanden ſind, da man ja weiß, daß dieſelben genügend ſind. Für dieſe Buchführung könnte man etwa das nachfolgende Schema benutzen: 24 Ein⸗ und Ausgang der Mineralſtoffe im Boden. Bezeichnung des Planes:(z. B. 20 Morgen in der Aue).*) 1877 1878 ü Kali Phosphor⸗ Stichſto Jahr Dungungmand Ernie ſäure ſtoff Bemerkungen Pfunde pro Morgen 1875[Herbſtdüngung: 160 Ctr. Rindvieh⸗ mift....... 64,0⁰0 64,0 25,6 25,6 54,4 1876 Frühjahrsdüngung: 69,9% Der Roggen 1 Ctr. Chiliſalpeter———— 115,5 mar Gude zu⸗ Summa+4,0 25,5.50,5 ückgeblieben, Gzpeae n ¹½ Ctr. Roggen. 2 6,3 2 13,2. 10„ Stroh.. 7,81 12,0¹241 184 24 15,6 Differenz+ 52,0+ 17,2+ 54,3 Frühjahrsdüngung: 2 Ctr. Ammoniak⸗ 1 Ctr. Chili...— 5 Summa+ 52,0+ 35,2+ 87,8 65 8c Zuckerrüben 78 0 00 Ctr. Zuckerrüben 78,0 16, 32,0 3 50„Blätter. 32,3 1110, 651 225 15,0 47,0 deenenunde Differenz— 58,5+ 12,5+ 40,8 faulten 4 Herbſtdüngung: V Rüben. 1 Ctr. hochprozentig. Chlorkalium. 61,0———— Der Boden 25 Ctr. Scheide⸗ 61,5 V zeigte Mangel ſchlamm.... 0,5— 3,7]— 3,0 an kohlenſau⸗ Summa—+ 3,0+ 16,4+ 13,8 rem Kalk. Ernte⸗ G 3 6 tr. Gerſte... 3,6 1 12,2 13 ir. Gernh.. 122 1 158 23‧ 8,6 16,2 1 184 Differenz[— 12,8+ 7,S[+ 25,4 Morgen vermehrte. Die in obiges Schema eingetragenen Zahlen beſagen folgendes: „Im Herbſte 1875 erhielt die in der Überſchrift genannte Breite eine reichliche Stallmiſtdüngung, die den Nährſtoffbeſtand des Bodens um 64 Pfd. Kali, 25,6 Pfd. Phosphorſäure und 54,4 Pfd. Stickſtoff pro Der in dieſe Düngung gebaute Roggen erhielt im Frühjahre nur 1 Ztr. Chiliſalpeter, da er etwas zurückgeblieben *) Probe us einer wirklichen Buchführung. Ein⸗ und Ausgang der Mineralſtoffe im Boden. 25 war, der Stickſtoffgehalt des Bodens wurde dadurch um 15,5 Pfd. pro Morgen vermehrt. Durch die Roggenernte 1876 wurden dem Boden 12 Pfd. Kali, 8,4 Pfd. Phosphorſäure und 15,6 Pfd. Stickſtoff wieder entnommen, ſo daß derſelbe jetzt nur noch 52 Pfd. Kali, 17,2 Pfd. Phosphorſäure und 54,3 Pfd. Stickſtoff pro Morgen mehr als urſprünglich enthält. Auf den Roggen werden Zuckerrüben gebaut, die im Frühjahre 2 Ztr. ammoniakaliſches Superphosphat von 9 Proz. Phosphorſäure und 9 Proz. Stickſtoff, außerdem aber 1 Ztr. Chiliſalpeter pro Morgen erhalten. Der Stickſtoffgehalt des Bodens wird dadurch auf 87,8 Pfd, der Phosphorſäuregehalt auf 35,2 Pfd. erhöht, während der Kaligehalt auf 52,0 Pfd. ſtehen bleibt. Die Rübenernte 1877 war ſpeziell auf dieſem Plane eine außer⸗ ordentlich reiche, nämlich 200 Ztr. Rüben und 50 Ztr. Blätter; die⸗ ſelbe entzieht dem Boden 110,5 Pfd. Kali, 22,5 Pfd. Phosphorſäure und 47 Pfd. Stickſtoff pro Morgen und verſchiebt dadurch das Ver⸗ hältnis der Nährſtoffe ſo, daß jetzt der Kaligehalt auf 58,5 Pfd. unter den urſprünglichen gefallen iſt, während die Phosphorſäure noch mit 12,7 Pfd. und der Stickſtoff mit 40,8 Pfd. im Plus ſtehen. Da durch das Sinken des Kaligehaltes der Boden unzweifelhaft ärmer geworden iſt, als er nach der Ernte 1875 war(das Plus an Phosphorſäure und Stickſtoff kann das Minus an Kali nie ausgleichen), ſo wird beim Umpflügen der Breite 1 Ztr. Chlorkalium à 61 Pfd. Kali mit untergebracht; außerdem werden 25 Ztr. Schlammpreßlinge pro Morgen aufgefahren, um die durch die Rüben dem Boden ent⸗ zogene Magneſia zu erſetzen und denſelben mit kohlenſaurem Kalke zu verſehen, den er nur in geringer Menge beſaß. Es ſtellt ſich jetzt Kali auf+ 3,0, Phosphorſäure auf+ 16,4 und Stickſtoff auf+ 43,8. Baut man nun, ohne weitere Düngung, 1878 Gerſte, ſo werden dem Boden wiederum 15,8 Pfd. Kali, 8,6 Pfd. Phosphorſäure und 18,4 Pfd. Stickſtoff entzogen, ſo daß er im Herbſte 1878 auf — 12,8 Pfd. Kali,+ 7,8 Pfd. Phosphorſäure und+. 25,4 Pfd. Stick⸗ ſtoff ſteht. Wird auf dieſen Acker jetzt wieder Stallmiſt gefahren, ſo wird das Manko an Kali wieder ausgeglichen; da jedoch dieſe Zufuhr an Kali vorausſichtlich für die nächſte Rübenernte nicht ausreichen dürfte, ſo iſt es rätlich, dieſen Stoff ſchon jetzt in der nötigen Menge ein⸗ zubringen. Würde ſich eine Melaſſebrennerei in der Nähe des Land⸗ gutes befinden, zu dem der Acker gehört, ſo würde man das Kali vorteilhafter in Form von Schlempe auffahren. Bucht man in dieſer Weiſe jahraus jahrein jeden Zu⸗ und Ab⸗ gang von Pflanzennährſtoffen, ſo iſt man ſtets darüber unterrichtet, ob der Vorrat an Nährſtoffen in dem betreffenden Ackerſtücke konſtant 26 Ein⸗ und Ausgang der Mineralſtoffe im Boden. geblieben iſt oder in welcher Weiſe er ſich vermehrt oder vermindert hat und kann dem entſprechend den Ankauf von Dünger regeln. Zur Ausführung dieſer Arbeit braucht der Landwirt jährlich nur wenige Stunden und erreicht dadurch, vorausgeſetzt, daß er die Winke, die ihm ſeine Berechnung giebt, richtig befolgt, nicht nur, daß er ſeinen Ackerboden auf dem bisherigen Stande ſeiner Fruchtbarkeit erhält, er kann ſogar mit Beſtimmtheit vorausſehen, daß derſelbe reicher wird, daß alſo ſeine Ernteerträge ſich nach und nach erhöhen. In Folge der Bearbeitung des Bodens und des chemiſchen Ein⸗ fluſſes der eingeführten Düngeſtoffe nämlich werden, wie oben ſchon ausgeführt, die in unlöslichem Zuſtande befindlichen Mineralſtoffe lang⸗ ſam aufgeſchloſſen, löslich gemacht, alſo— für die Pflanze— neu geſchaffen; es gilt dies allerdings nur für Kali und Phosphorſäure, doch haben wir oben(S. 10) ſchon geſehen, daß ſich auch der Stick⸗ ſtoff des Bodens durch Zufluß aus der Luft nach und nach ver⸗ mehren muß. Zur Berechnung der in obiges Schema eingetragenen Mineralſtoff⸗ mengen ſind Tabellen über den Gehalt der Düngeſtoffe und der Ernten an ſolchen nötig; von derartigen Tabellen ſind verſchiedene erſchienen, die jedoch für den Landwirt ſämtlich unbequem ſind, weil ſie ſich über ſämtliche in den Pflanzen befindlichen Mineralſtoffe erſtrecken. Für dieſen haben nur Kali, Phosphorſäure und Stickſtoff ein wirkliches praktiſches Intereſſe, und füge ich daher an dieſer Stelle Tabellen über dieſe Stoffe ausſchließlich bei. Dieſelben ſind aus den im Lehrbuch der Landwirtſchaft von Dr. Guido Krafft enthaltenen ausgezogen. Die in dem Hauptteile dieſes Werkchens zu beſchreibenden käuflichen Düngeſtoffe habe ich hier nicht aufgenommen, ſondern am Schluſſe jedes Abſchnittes beſonders zuſammengeſtellt. E d 11 —— ——,—— Kali, Stickſtoff und Phosphorſäure in Düngung und Ernte. 27 ert 2 entzieht dem 4 enthält Boden e Ein Zentner 8= Ein Zentner 2 1 ü* 258 der Ernte 5 5 1 Dünger 5 9 8 8 S 3 8 3 , A& O 2 O Pfd. Pfd Pfd.. Pfd. Pfd. Pfd. 3 Pferdemiſt¹)... 0,52 0,28 0,58 Weizen, Körner. 0,53 0,79 2,08 1 Rindviehmiſt)⸗) 0,40 0,16 0,34„ Stroh. 0,63 0,22 0,32 3 Schafmiſt ¹)...[0,67 0,23 0,83 Roggen, Körner.. 0,56 0,84 1,76 Schweinemiſt¹). 0,60 0,19 0,45„ Stroh. 0,.78 0,21 0,24 3 Gewöhnlicher Stall⸗ Gerſte, Körner.. 0,45 0,77 1,52 , miſt, friſch..0,52 0,21 0,45„ Stroh 0,94 0,19 0,48 2 do. mäßig ver⸗ Hafer, Körner..0,44 0,62 1,92 rottet 0,63 0,26 0,50„ Stroh 0,89 0,19 0,40 do. ſtark ver⸗ Mais, Körner. 0,37 0,59 1,60 rottet 0,50 0,30 0,58„ Stroh 0,96 0,53 0,48 3 Miſtjauche... 0,49 0,01 0,15 Erbſen, Körner. 0,98 0,86 3,58 n Menſchliche Exkre⸗„ Stroh. 1,01 0,35 1,04 mente... 0,21 0,26 0,70 Raps, Körner 0,96 1,65 3,10 1 Scheideſchlamm der„ Stroh.. 1,11 0,24 0,30 Zuckerfabriken.. 0,02 0,15 0,12 Leinſaat..1,00 1,35 3,20 r Melaſſeſchlempe.. 1,61 0,0013 0,404 rohe Flachsſtengel. 0,94 0,40 2 1 Elutionslauge..[2,29— 0,48 Kartoffel, Knollen. 0,57 0, 16 0,32 e Friſcher Pferdeharn. 1,50— 1,55„ Kraut. 0,43 0,16 0,49 Rinderharn.. 0,49— 0,58 Cichorien, Wurzel. 0,26 0,08 0,25 d Schafharn.... 2,26 0,01 1,95„ Kraut. 0,43 0,10 0,35 ft Schweineharn... 0,83 0,07 0,43 Zuckerrüben... 0,39 0,08 0,16 u 3„ Blätter 0,65 0,13 0,30 „ Futterrüben... 0,41 0,06 0,18 4 enthält„ Blätter 0,41 0,08 0,30 8 Wieſen⸗Heu.. 1,32 0,41 1,42 1 cbm= 1000 7 3* 8 Gras... V5 Fn 9⁰ 66 5 222s= otklee, en.. 1,83 0, 1 füſſiger Dünger F 2„ dem... G41 074 5,33 — 9 Luzerne, Heu... 435 d56 2,70 Pfd...„ rün. 0,46 0,16 0,72 — q L An Lee Jutſerrvgar grün. 0,63 0,24 0,43 Miſtjauche.... 10,5 0,2 3,2 Grünhafer.... 0, 75 0,17 0,48 Melaſſeſchlempe.. 33,5 0,03 8,4 Grünmais.. 0,43 0,13 0,32 Elutionslauge.. 48,1— 10,1 Tabaksblätter,trocken 4,09 0,66 2 Wie erfährt nun aber der Landwirt, dies iſt der zweite Teil der vorliegenden Frage, in jedem einzelnen Falle, welche Art von künſtlichen Düngern, oder welchen einzelnen Pflanzennährſtoff er ſeinem Acker zu⸗ führen muß, um die Erträge, wenn ſie zurückgegangen ſind, wieder zu erhöhen, oder um dieſelben überhaupt auf eine höhere Stufe zu bringen? Man ſollte meinen, durch die Bodenanalyſe; der Chemiker muß ¹) Mit Streu. 28 Wert der chemiſchen Bodenanalyſe. doch auf das genaueſte beſtimmen können, welcher Stoff dem Acker⸗ boden zur reichlichen Ernährung fehlt; die Hoffnungen aber, die ſ. Z. Liebig auf die Bodenanalyſe als Mittel zur Hebung der Landwirt⸗ ſchaft ſetzte, haben ſich bisher nicht, oder nur in geringem Maße erfüllt. Es liegt dies daran, daß alle wichtigen Pflanzennährſtoffe ſich im Boden zum Teil in Formen vorfinden, in denen ſie für die Pflanzenwurzeln ſehr ſchwer aufnehmbar(löslich) ſind und nur zum geringeren Teile in leicht aufnehmbarer Form. Die chemiſche Analyſe kennt bisher kein Mittel, dieſe beiden Formen auch nur annähernd auseinander zu halten. Die einzigen Stoffe im Ackerboden, über die die Analyſe zuverläſſige Auskunft giebt, ſind der kohlenſaure Kalk und der Stickſtoff. Erſterer muß in jedem geſunden Boden, am beſten in Mengen, die 1 der Erde überſteigen, vorhanden ſein, letzterer iſt, immer einen normalen Boden vorausgeſetzt, wenn nicht ſofort, ſo doch in kurzer Friſt für die Pflanzen aufnehmbar; und dabei beſitzt die Chemie ſogar noch die Mittel, die verſchiedenen Verbindungen des im Boden befindlichen Stickſtoffs, Salpeterſäure, Ammoniak und organiſche Stickſtoffverbin⸗ dungen neben einander zu beſtimmen. Bei der Beſtimmung des Kalis und der Phosphorſäure im Acker⸗ boden hingegen läßt uns die Analyſe ziemlich ratlos. Man kann mit Leichtigkeit und auf das Genaueſte feſtſtellen, welche Mengen dieſer Stoffe in einer beſtimmten Bodenprobe im Ganzen vorhanden ſind, doch nützt dieſe Kenntnis für die landwirtſchaftliche Praxis gar nichts, denn dieſe Mengen ſind oft ſo erheblich, daß ſie für Jahrhunderte ausreichen müßten, während die Praxis zeigt, daß man ohne Zufuhr von Phosphorſäure oder Kali nur ungenügende Ernten erzielt. Es iſt dies ein Beweis dafür, daß nicht ſämtliche Phosphorſäure, ſämtliches Kali im Boden für die Pflanze ſo leicht aufnehmbar iſt, wie dies für ein gutes Gedeihen derſelben nötig iſt. Es ſind ja verſchiedene Vor⸗ ſchläge gemacht, nach denen man möglichſt nur die wirklich aufnehm⸗ baren Stoffe zu gewinnen hoffte; der eine ſchlägt vor, die Erde mit ſehr verdünnter Salpeterſäure kalt zu extrahieren, der andere kocht mit 10 prozentiger Salzſäure u. ſ. w.; wendet man dieſe verſchiedenen Methoden auf dieſelbe Erdprobe an, ſo erhält man grundverſchiedene Reſultate, iſt alſo nicht klüger wie zuvor. Nur für kohlenſauren Kalk und für Stickſtoff iſt alſo, wie ſchon geſagt, die Bodenanalyſe direkt für den Landwirt verwertbar, und es iſt daher nicht überflüſſig, wenn ich nachſtehend die Vorſchrift für die richtige Entnahme der Bodenprobe, wie ſie Grouven im III. Bericht der Verſuchsſtation Salzmünde giebt, mitteile. Ohne richtige Probenahme würde die Ackeranalyſe wertlos ſein. Daß man die Proben nur von Ackerbreiten nimmt, die ſchon jahrelang ein zuſammengehöriges Ganzes bilden, und daß man abnorme Stellen, Moorlöcher, kieſige Stellen und dergleichen dabei überſpringt, bedarf kaum der Erwähnung. Wert der chemiſchen Bodenanalyſe. 29 Die Grouven''ſche Vorſchrift lautet nicht wörtlich, aber dem Sinne nach: „Stellt nachſtehende Figur 1 das zu bemuſternde Ackerſtück vor, ſo ſchreitet man dasſelbe der Länge und Breite nach ab und teilt die Seiten in Abſtände von 25—50 Schritten ein. Man gräbt dann in der Ecke a ein Loch von etwa 12 Zoll im Quadrat und 12—15 Zoll Tiefe, glättet die eine Wand mit dem Spaten und ſticht dann von derſelben eine Platte von etwa 1 Zoll Dicke bis auf den Grund des Loches ab. Die Erde thut man in eine Karre und wiederholt die Operation bei al, au ꝛc., in Abſtänden von 25—50 Schritten über die ganze Länge des Planes. Nun fängt man bei b, welches ſich 25— 50 Schritte ſeitwärts von a befindet, wieder von vorn an und ſo fort, bis man einen Haufen Erde beſitzt, der von möglichſt vielen Stellen des Ackers genommen iſt. Dieſer wird auf der Tenne durch ein Sandſieb geworfen und alsdann verkleinert, indem man ihn bei Seite ſchaufelt und jedesmal die fünfte Schaufel auf einen beſonderen Haufen wirft. Iſt dieſer noch zu groß, ſo wird letztere Operation wiederholt, bis man die Erde auf etwa 1 Zentner reduziert hat. Dieſe mit Bezeichnung verſehene Probe erhält der Chemiker zur Unterſuchung. as bo(Jes[Jds [das be(Jes[d: LInt(Ibe[jet ſ 14. as(bs-es(Jds Llns LIb⸗(es[Jd: -la br[Jer[d. 1r d Le Ld Fig. 1. Das wichtigſte Mittel für den Landwirt, zu erkennen, welche Nährſtoffe ſeinem Boden fehlen, wird, neben der oben beſprochenen Buchführung über die Pflanzennährſtoffe, immer eigene Beobachtung ſeines Ackers und Prüfung desſelben durch Verſuche ſein. Enthält ein Boden ungenügende Mengen von Phosphorſäure, ſo wird eine Düngung mit dieſem Stoffe Erfolg haben, enthält er zu wenig Stick⸗ ſtoff, ſo wird eine Gabe von Chiliſalpeter die Pflanzen auf demſelben zu gutem Gedeihen bringen. Will man alſo erfahren, welcher Stoff 30 Allgemeine Regeln für die Anwendung konzentrierter Düngeſtoffe. einem beſtimmten Ackerplane am nötigſten iſt, ſo ſchneidet man aus demſelben Parzellen heraus, die man mit den verſchiedenen Pflanzen⸗ nährſtoffen düngt und deren Ernteertrag man wiegt. Der Stoff, welcher den höchſten Ertrag gab, war in nicht genügender Menge vorhanden. Die unumſtößlichen Regeln für die Anwendung konzentrierter Düngeſtoffe, die jeder Landwirt bei Feldverſuchen bedenken muß, ſind, kurz zuſammengefaßt, folgende: 1. Kein Mineralſtoff, wenigſtens von den für uns in Be⸗ tracht kommenden, kann den anderen in der Ernährung der Pflanze erſetzen. Es mag z. B. für 1000 Getreideernten genügende Kieſelſäure im Boden vorhanden ſein, ſo erhält man doch keine genügende Ernte, wenn es an Phosphorſäure mangelt. 2. Es muß ſtets derjenige Stoff dem Boden zugeführt werden, den er im Verhältnis zum Verbrauche in geringſter Menge enthält. Enthält ein Boden z. B. Kali für 50 Rübenernten, dagegen Phosphorſäure nur für fünf Ernten, beide Stoffe in gleich aufnehm⸗ barer Form, ſo iſt eine Zufuhr der letzteren unbedingt angezeigt und umgekehrt. 3. Die Nährſtoffe ſind nur alsdann als vorhanden zu betrachten, wenn ſie ſich in einer Form befinden, in der ſie für die Pflanzen aufnehmbar ſind. Es wäre z. B. ein Ackerboden denkbar, der ganz außerordentlich reich an Phosphorſäure wäre und deſſen ſonſtige Beſtandteile ebenfalls in normalen Verhältniſſen vorhanden ſind, trotzdem trägt derſelbe keine Ernten, weil die Phosphorſäure in Form von Apatit, der für die Pflanzen unauflöslich iſt, vorhanden iſt. 4. Die Pflanzennährſtoffe müſſen im Boden möglichſt gleichmäßig und fein verteilt ſein, damit die Pflanze die⸗ ſelben überall leicht erreichen kann. Eine Düngung mit Phosphorſäure erhöht z. B. faſt ſtets die Ernteerträge, ſelbſt wenn der Boden eine mehrfache Ernte an für die Pflanze löslicher Phosphorſäure enthält, weil die Ungleichheiten im Boden durch die neue Zufuhr ausgeglichen werden. 5. Es muß ſtets die mehrfache Menge der in der jedes⸗ maligen Ernte dem Boden zu entziehenden Pflanzennähr⸗ ſtoffe vorhanden ſein. Wenn eine Zuckerrübenernte dem Morgen Land z. B. 47 Pfund Stickſtoff entnimmt, ſo genügt es nicht, daß bei der Ausſaat gerade dieſe 47 Pfund im Morgen enthalten ſind, weil es für die Wurzeln der Rüben unmöglich iſt, jedes kleinſte Teilchen des Ackers aufzuſuchen und demſelben ſeinen Stickſtoff zu entnehmen. Die Düngerfabrikation. Die Düngerfabrikation, wie ſie jetzt allgemein betrieben wird, beſchäftigt ſich mit der Herſtellung mehr oder weniger reiner, chemiſcher Präparate, welche Pflanzennährſtoffe enthalten. Wie ſchon in der Einleitung geſagt wurde, ſind es nur wenige Stoffe, die dem Boden in jeder Ernte in bedeutender Menge entzogen werden und die daher immer wieder erſetzt werden müſſen, Phosphor⸗ ſäure, Stickſtoff und Kali; und ſo beſchränkt ſich auch die von uns zu beſprechende Induſtrie nur auf dieſe drei Stoffe. In früheren Jahren, als die Lehren der Agrikulturchemie zuerſt anfingen, in den Köpfen der Landwirte Boden zu gewinnen, lieferte England beſonders eine Reihe von Spezialdüngern, die in allen Einzelheiten analog den Pflanzenaſchen zuſammengeſetzt ſein ſollten; man hatte Weizendünger, Rübendünger, Kartoffel⸗ dünger ꝛc., ja ſogar Samendünger und Strohdünger. Dieſe Art der Düngerfabrikation iſt jetzt untergegangen, einesteils, weil die fraglichen Düngerſorten, will man ſie wirklich richtig darſtellen, viele Mühe und Koſten machen und daher zu teuer werden, andernteils, weil die chemiſche Unterſuchung derſelben, und daher die Kontrolle ſehr umſtändlich und ſchwierig iſt. Die Kon⸗ ſumenten waren daher vom erſten Augenblicke der Einführung dieſer Präparate an den größten Betrügereien ausgeſetzt. „ Bei den jetzt gebräuchlichen Düngeſtoffen fallen dieſe übelſtände weg, beſonders der letztere, da die chemiſchen Unter⸗ ſuchungsmethoden für dieſe leicht und ſicher auszuführen ſind und ein beſtimmtes Urteil über den Wert des fraglichen Materials er⸗ möglichen. Nach ihrem Gehalte an weſentlichen Beſtandteilen bringen wir die künſtlichen, beſſer geſagt konzentrierten Düngemate⸗ rialien in vier große Abtheilungen; wir teilen ſie ein in 1. Weſentlich phosphorſäurehaltige Dünger, 2. Weſentlich ſtickſtoffhaltige Dünger, 3. Stickſtoff⸗ und phosphorſäurehaltige Dünger und 4. Kaliſalze. I. Abſchnitt. Die Phosphorſäuredünger. Bei ſeinen Verſuchen aus menſchlichem Harne Gold her⸗ zuſtellen, entdeckte um das Jahr 1669 ein bankrotter Kaufmann Brandt in Hamburg einen für die damalige gelehrte Welt im höchſten Grade intereſſanten Körper, einen Phosphorus(Lichtträger), d. i. einen Stoff, der im Dunkeln ohne Verbrennung(nach damaliger Erkenntnis) leuchtet. Alle bis dahin bekannten Phosphore, und das war eine ganze Reihe, erhielten ihre Leuchtkraft erſt durch Beſtrahlung im Sonnenlichte, ver⸗ loren dieſelbe auch bald wieder“*); der neue entdeckte Körper dagegen leuchtete von ſelbſt und behielt auch ſeine Kraft, ſo daß er bald vor⸗ zugsweiſe Phosphor genannt wurde; es iſt derſelbe, den auch wir unter dieſem Namen kennen. Seit ſeiner Entdeckung war er der Gegen⸗ ſtand der eifrigſten Studien. Trotzdem Brandt ſein Verfahren geheim hielt, erfand doch bald darauf der Berliner Chemiker Kunckel dasſelbe zum zweitenmal. 1688 wurde derſelbe Körper von Albinus aus Senfſamen und aus Kreſſe dargeſtellt. So fand man den Phosphor zuerſt in den beiden Reichen der organiſchen Welt, ohne den Zuſammenhang ſeines Vorkommens daſelbſt mit der anorganiſchen Natur auch nur zu ahnen; nach den damaligen kosmiſchen Anſchauungen mußte man ſogar annehmen, daß derſelbe durch den Einfluß geheimnisvoller Lebenskräfte aus anderen Stoffen oder aus nichts ſich erſt bilde. Der ſcharfe Unterſchied zwiſchen den chemiſchen Elementen, der uns zu einer klaren Vorſtellung, zu ſicherer *) Einer der damaligen Phosphore, der ſog. bononiſche Leuchtſtein, beſteht aus Schwefelbarium, hat alſo mit dem, was wir jetzt Phosphor nennen, nichts zu thun. In neuerer Zeit hat man noch eine lange Reihe ſolcher Stoffe ge⸗ funden, die nach Belichtung von ſelbſt leuchten. Die Phosphorſäuredünger. 33 Gewißheit geworden iſt, exiſtierte für die Chemiker damaliger Zeit noch nicht. Merkwürdig aber iſt es, daß man den freien Phosphor, während mehr als 70 Jahren darſtellte und ſtudierte, ohne ſeine Verbindung mit Sauerſtoff, die Phosphorſäure, zu kennen, aus der man ihn ge⸗ wann und in die er ſo leicht wieder übergeht. Erſt im Jahre 1743 wurde dieſelbe von Marggraf entdeckt und als ſelbſtändige Säure erkannt, die beim Glühen mit verbrennlichen Subſtanzen wieder Phosphor giebt. In den Knochen wurde dieſe Säure von dem ſchwediſchen Chemiker Gahn 1769 gefunden, und bald darauf lehrte auch ſein Landsmann Scheele ein Verfahren, den Phosphor aus Knochen zu gewinnen, welches im Weſentlichen noch jetzt im Gebrauch iſt. Zu allerletzt, d. h. zehn Jahre nach der Entdeckung der Phosphor⸗ ſäure in den Knochen und mehr als hundert Jahre nach der erſten Darſtellung des Phosphors wurde endlich dieſer Stoff auch(von Gahn) im Mineralreiche aufgefunden und zwar im Buntbleierze(phosphor⸗ ſaures Bleioxyd). Bald darauf wurde der Phosphorſäuregehalt des Apatits, jenes ſchönen Minerals, welches in Maſſen in der anorganiſchen Natur vorkommt, und deſſen Zuſammenſetzung der des erdigen Beſtand⸗ teiles der Knochen gleich iſt, von Vauquelin und Klaproth er⸗ kannt. Das ſind in wenigen Worten die weſſentlichſten hiſtoriſchen Momenteo, die erſten Entdeckungen des Phosphors und ſeiner Säure in den drei Reichen der Natur betreffend. Seitdem haben die Chemiker fort und fort geforſcht, haben dieſen Körper überall geſucht und, je mehr ſich die analytiſchen Methoden verfeinerten, auch mehr und mehr gefunden. Das Vorkommen im Urin und in den Knochen ließ ihn n allen Säften und Organen des menſchlichen und tieriſchen Körpers ver⸗ muten und bald wurde er auch in allen denſelben nachgewieſen. In jeder Pflanze und in jedem Teile derſelben fand man ihn, wie man aus der Aſchentabelle der Einleitung ſieht. Daß der tieriſche Phosphor aus dem Pflanzenreiche ſtammen müſſe, konnte daher nicht lange zweifelhaft bleiben. Doch, woher erhalten die Pflanzen ihren Gehalt an dieſem Stoffe? Die Antwort auf dieſe Frage wurde lange vergeblich geſucht. Selbſt in den erſten Dezennien unſeres Jahrhunders, als ſchon bedeutende Forſcher, wie Sauſſure, aus rein logiſchen Gründen den Urſprung der Phosphorſäure im Boden ſuchten, wurde noch die Lehre der Umbildung derſelben aus anderen Subſtanzen von den Koryphäen der Landwirtſchaft als unumſtößlich anerkannt, denn im Ackerboden fand man ſehr wenig davon, und was man fand, konnte man leicht aus der Menge, die im Dünger hinzugebracht wurde, her⸗ leiten. Erſt ſchärfere analytiſche Methoden gaben höhere Zahlen. Es würde ermüden, wollte ich hier alle die neueren Bodenanalyſen bezüg⸗ lich der Phosphorſäure citieren; ich erwähne nur, daß man in dem Rümpler, Düngeſtoffe. 4. Auflage. 3 34 Vorkommen der Phosphorſäure. Phosphor. ſo fruchtbaren Tſcherno Sem in Südrußland, wo man jahraus jahrein ohne Düngung die höchſten Weizenernten erzielt, 0.6 Proz., in dem unfruchtbaren Boden der Lüneburger Heide nur 0,02 Proz., in einem Acker mittlerer Güte 0,1 Proz. Phosphorſäure findet. An ſich betrachtet, ſind dieſe Zahlen ſehr klein, rechnet man die⸗ ſelben jedoch auf eine beſtimmte Ackerfläche um, ſo fallen dieſelben bedeutend mehr ins Gewicht. Nimmt man den Hektar Ackerland alſo 10 000 m mit einer Tiefe von nur 0,2 m an, ſo würde dieſe ganze Erdmaſſe etwa 5 000 000. Ko wiegen und bei 0,6,% Gehalt 30 000 Ko Phosphorſäure enthalten Da der Ackerboden aus Gebirgsarten entſtanden iſt, ſo lag es nahe, auch dieſe auf Phosphorſäure zu unterſuchen, und ſo ergab ſich die merkwürdige Thatſache, daß ſie faſt alle einen geringen Gehalt derſelben zeigen. Die geiſtreichſte Methode, dies zu erweiſen, rührt von Forchhammer in Kopenhagen her. Derſelbe ſchmolz die ge⸗ pulverten Mineralien mit Kochſalz, löſte den Kochſalzkuchen in Waſſer auf und behielt einen Rückſtand von phosphorſaurem Kalke, in Zu⸗ ſammenſetzung, Kriſtallform ꝛc. genau dem Apatit entſprechend. Auch Stöckhardt hat vielfach Phosphorſäure in Mineralien nachgewieſen, die man ſonſt für frei davon hielt. Die Zahlen, die in ſeinem Labo⸗ ratorium gefunden wurden ſind: 3 Feldſpat von Rochsburg.... 1,70 Proz. Gneiß von Gerbisdorf.... 0,78„ Granulit aus Penig..... 0,63„ Granit aus Hellsdorf..... 0,58„ Granitſand aus Burgſtädt... 0,68„ Baſalt des Landsberges bei Tharandt 1,10„ Melaphyr des Plauenſchen Grundes 0,38„ Syenit daſelbſt..... 0,18„ Gneiß von Tharandt..... 0,25„ Felſit daſelbſt....... 0,21„ Thonſchiefer........ 0,76„ Thonſteinporphyr...... 0,43„ Kalkſtein von Schweinsdorf.. 0,51 Die Allgegenwart der Phosphorſäure im Boden erklärt ſich daraus in einfacher Weiſe. Zum Verſtändnis der Phosphorſäuredünger reſp. ihrer Fabrika⸗ tion iſt es nötig, daß wir zunächſt die rein chemiſchen Verhältniſſe des Phosphors und ſeiner wichſtigen Verbindung, der Phosphorſäure, näher beſprechen. Die große Zahl der ſonſtigen Verbindungen des erſteren hat für uns kein Intereſſe, dieſelben brauchen daher gar nicht erwähnt zu werden. Der Phosphor iſt, nach Scheele's Methode, nämlich durch Deſtillation von ſaurem phosphorſaurem Kalke(ſ. dieſen) mit Kohle Phosphorſäureanhydrit, Phosphorſäure. 35 dargeſtellt, ein farbloſer oder ſchwach gelblicher, durchſcheinender Körper, der im Handel meiſt in Stangen gegoſſen vorkommt. Bei gewöhn⸗ licher Temperatur iſt er wie Wachs biegſam, in der Kälte ſpröde. Sein ſpezifiſches Gewicht iſt 1,82— 1,84. In Waſſer und Weingeiſt iſt er unlöslich, dagegen leichtlöslich in ätheriſchen und fetten Olen, Ather, Benzol, Schwefelkohlenſtoff und Chlorſchwefel. Aus den flüchtigen Löſungsmitteln ſcheidet er ſich beim Verdunſten(beim Luftabſchluß, am beſten unter Waſſer) in Kryſtallen ab. Er ſchmilzt bei 44,2° C. zu einer farbloſen, öligen Flüſſigkeit. Durch raſche Abkühlung des geſchmolzenen Phosphors verwandelt er ſich in eine ſchwarze, metallartige, bei weiterem Erhitzen des geſchmolzenen Phosphors auf 250— 260° in eine rote Modi⸗ fikation, die bei 2800 wieder in die gewöynliche zurückgeht. Bei 290°verdampft er. Der(gewöhnliche) Phosphor hat ſtarke Neigung, ſich mit Sauerſtoff zu verbinden, er verbrennt daher ſchon bei geringer Erhitzung in atmoſphäriſcher Luft zu waſſerfreier Phosphorſäure. Schon durch die Reibung des Meſſers beim Zerſchneiden deſſelben wird ſoviel Wärme erzeugt, daß er ſich ent⸗ zündet, daher muß man dieſe Operation ſtets unter Waſſer vor⸗ nehmen. Auch ſchon bei gewöhnlicher Temperatur oyydiert ſich der⸗ ſelbe, wenn auch nicht immer unter Feuererſcheinung. Dieſe lang⸗ ſame Verbrennung wird als die Urſache ſeines Leuchtens im Dunkeln angeſehen. Wie der freie Sauerſtoff, ſo wirkt vielfach auch der chemiſch gebundene oxydierend auf den Phosphor. Waſſer, be⸗ kanntlich eine Verbindung von Sauerſtoff mit Waſſerſtoff, die ſehr beſtändig iſt, wird, wenn auch langſam, durch denſelben zer⸗ ſetzt. Es bildet ſich phosphorige Säure und Phosphor⸗ waſſerſtoff. Raſcher geht dieſer Prozeß vor ſich, wenn das Waſſer durch Kali, Natron oder Kalk ätzend gemacht wird. Salpeter⸗ ſäure wirkt heftig oxydierend auf Phosphor; es bildet ſich im Weſentlichen Phosphorſäure. Phosphor und ſeine meiſten Verbindungen ſind heftige Gifte. Das Gewicht eines Atoms Phosphor iſt 31, wenn das eines Atoms Waſſerſtoff= 1 iſt. Das chemiſche Zeichen für ein Atom Phos⸗ phor iſt P(ſiehe die Atomgewichts⸗Tabelle am Schluſſe). Seiner großen Neigung zu Sauerſtoff wegen kann der Phosphor nirgends unverbunden in der Natur vorkommen; man findet ihn ſtets nur als Phosphorſäure in Verbindung mit Baſen. Phosphorſäureanhydrit(waſſerfreie Phosphorſäure). Wie wir ſchon oben andeuteten, entſteht beim Verbrennen des Phosphors in atmoſphäriſcher Luft das Anhydrit der Phosphorſäure, jedoch nur, ſobald die Luft im Überſchuſſe vorhanden und trocken iſt. Da Phos⸗ phor im ſtande iſt, mehrere Oxydationsſtufen zu bilden, d. h. ſich in 3 ½ 36 Phosphorſänreanhydrit, Phosphorſäure. mehreren Verhältniſſen mit Sauerſtoff zu verbinden, ſo kann bei un⸗ genügendem Luftzutritte eine andere, als die genannte Verbindung ent⸗ ſtehen. Die letztere enthält auf zwei Atome Phosphor fünf Atome Sauer⸗ ſtoff(Atomgewicht des Sauerſtoffes= 16, Zeichen O), oder auf 62 Gewichtsteile Phosphor 80 Gewichtsteile Sauerſtoff. Ihre chemiſche Formel iſt daher Pe Oz. Sie bildet einen zarten Schnee, der an feuchter Luft zerfließt. Durch Trocknen der zerfloſſenen Maſſe erhält man nicht wieder Anhydrit, ſondern eine andere Verbindung, die ſogen. Metaphosphorſäure. Die in der Natur an Baſen gebunden vorkommende Phosphor⸗ ſäure, die gewöhnliche(zum Unterſchiede von der Pyro⸗ und Metaphosphorſäure), iſt eine dreibaſiſche Säure, d. h. ſie bildet mit Baſen drei Reihen von Salzen, die auf ein Molekül der Säure ein, zwei oder drei Atome Metall enthalten. Die reine Säure kann man in durchſichtigen Prismen kryſtalliſiert erhalten; ſie kommt meiſt als ſyrupartige Löſung in den Handel, die rein ſauer ſchmeckt und nicht giftig iſt. Die Säure giebt weder mit Chlorbariumlöſung, noch mit Eiſen⸗ chlorid, Silberlöſung oder Eiweiß Niederſchläge. Dagegen erhält man nach vorſichtigem Zuſatze von Ammoniak mit Chlorbarium einen weißen, mit Eiſenchlorid einen bräunlichen, mit Silberlöſung einen dottergelben Niederſchlag. Der Niederſchlag mit Chlorbarium löſt ſich in Eſſigſäure wieder auf, ebenſo der Silberniederſchlag, nicht aber der mit Eiſenchlorid. Letzterer dagegen löſt ſich im Fällungsmittel. Ein ſehr charakteriſtiſches Kennzeichen der Phosphorſäure iſt der Niederſchlag von Ammonium⸗Magneſiumphosphat, den ſie mit einer Miſchung von Salmiak, Ammoniak, Chlormagneſium und Waſſer giebt. Der Niederſchlag iſt weiß und kryſtalliniſch. Wer denſelben einmal geſehen hat, wird ihn kaum jemals mit einem anderen verwechſeln. Spuren von Phosphorſäure findet mau mit einer Löſung von molybdänſaurem Ammoniak in Salpeterſäure. Beim Erhitzen der ver⸗ miſchten Löſungen ſcheidet ſich eine ſchön gelbe Verbindung aus oder die Löſung wird wenigſtens tief gelb. Die chemiſche Formel der Phosphorſäure iſt P0. Ha. Die Pyrophosphorſäure iſt eine zweibaſiſche Säure, ſie bildet alſo zwei Reihen von Salzen, ſaure und neutrale. Sie entſteht unter Waſſerverluſt durch Erhitzen der vorigen auf 4170 C. oder durch Glühen beſtimmter Salze derſelben. Ihre chemiſche Formel iſt P. O, H. Sie giebt, mit Ammoniak neutraliſiert, mit Chlorbarium oder Silberlöſung, nicht mit Eiweiß, weiße Niederſchläge. Bei Rotglühhitze geht ſie unter Waſſerverluſt über in die Pyro⸗ und Metaphosphorſäure. 37 Metaphosphorſäure. Dieſe iſt eine einbaſiſche Säure, bildet alſo nur eine einzige Art von Salzen. Es iſt dieſelbe Verbindung, die ſich durch Auflöſen des Phosphorſäureanhydrits in Waſſer bildet. Ihre chemiſche Formel iſt PO H. Bei längerem Stehen in wäſſriger Löſung geht ſie, ebenſo wie die Pyrophosphorſäure, in ge⸗ gewöhnliche über; raſcher geht dieſer Prozeß beim Kochen vor ſich. Sie giebt mit Chlorbarium, Silberlöſung und Eiweiß weiße Niederſchläge. Für die Düngerfabrikation iſt nur die zuerſt beſprochene Modifi⸗ kation der Phosphorſäure, die gewöhnliche oder Orthophos⸗ phorſäure, von Wichtigkeit; die Pyrophosphorſäure kann jedoch zuweilen in Phosphaten vorkommen, welche, um ihre Zerkleinerung zu erleichtern, geglüht worden ſind. Meins Wiſſens ſind bisher noch keine Verſuche darüber angeſtellt worden, ob die Pyrophosphorſäure zur Ernährung der Pflanzen dienen kann. Die Salze der dreibaſiſchen Phosphorſäure, ſoweit ſie für die Düngerfabrikation von Wichtigkeit ſind, ſind folgende: 1. Die Salze der Alkalimetalle: Wie oben erwähnt wurde, exiſtieren von der gewöhnlichen Phosphor⸗ ſäure drei Reihen von Salzen, je nachdem ein, zwei oder drei Atome Waſſerſtoff der Säure durch Metall erſetzt ſind. Wir bezeichnen die⸗ ſelben als ſaure, halbſaure und baſiſche“*) Phosphate der betreffenden Metalle. Bedeutet M ein einbaſiſches Metall, ſo würde daher die Formel für die ſauren Salze PO4 MH. für die halbſauren PO. Me H für die baſiſchen POa Ma ſein. Baſiſches Kaliumphosphat wird erhalten durch Glühen eines der folgenden Kaliumſalze mit kohlenſaurem Kali; ebenſo erhält man das baſiſche Natriumſalz aus halbſaurem Natriumphosphat und kohlenſaurem Natron. Beide Salze ſind ſehr unbeſtändig; ſie ziehen aus der Luft Kohlenſäure an und beſtehen dann aus halbſaurem Phos⸗ phat und kohlenſaurem Alkali. Sie löſen ſich in Waſſer; ihre Löſungen färben rotes Lakmuspapier entſchieden blau. Formel PO0. K, und PO, Naz. Das baſiſche Ammoniumphosphat(Formel PO(NH.),) iſt ebenſo unhaltbar wie die vorigen. Es entſteht als ſchwer lösliches *) Man müßte eigentlich das letzte dieſer Salze„neutral“ nennen, da ſowohl die Säure mit der Baſis, als auch die Baſis mit der Säure vollſtändig geſättigt iſt; chemiſch betrachtet gleichen ſich beide aus. Da man jedoch ge⸗ wöhnlich unter neutralen Verbindungen ſolche verſteht, die weder ſauer, noch alkaliſch reagieren, alſo weder blaues Lakmuspapier rot, noch rotes blau färben, und da obige Salze entſchieden baſiſche Reaktion zeigen, ſo habe ich den alten Ausdruck beibehalten. 38 Alkali⸗ und Kalkſalze der Phosphorſäure. Salz beim Vermiſchen von ſyrupartiger Phosphorſäure mit überſchüſſigem Ammoniak. Seine wäſſrige Löſung verliert beim Stehen an der Luft ein Drittel ſeines Ammoniaks und wird zu halbſaurem Salze; in der Kochhitze geht noch ein zweites Drittel weg, ſo daß ſaures Phosphat entſteht. Das halbſaure Natriumphosphat, gewöhnliches phosphor⸗ ſaures Natron des Handels(Formel: PO. Nas H+ 12H;, O) iſt im Harn enthalten. Bildet große klare Kriſtalle, die aber durch Waſſer⸗ verluſt an der Luft trübe werden. Wird durch Glühhitze in Pyro⸗ phosphat verwandelt, indem Waſſer entweicht. Im Großen wird es erhalten durch Sättigen von roher Phosphorſäure mit Soda bis zur alkaliſchen Reaktion, und Kriſtalliſation. Halbſaures Ammonium⸗Natriumphosphat, Phosphorſalz, Sal microcosmicum(Formel POa. Na. N.4. H+ 4 H. O). Entſteht durch Auflöſen von Chlorammonium in einer Löſung von gewöhnlichem phosphorſaurem Natron. Verwandelt ſich in der Glühhitze in Natrium⸗ metaphosphat(POs Na) unter Verluſt von Ammoniak und Waſſer. Dieſes Salz ſetzt ſich beim Faulen des menſchlichen Harnes ab. Es bildet große waſſerhelle Säulen und kommt in dieſer Form als Stercorit im Guano vor. Die Löſung verliert beim Stehen Ammoniak. Halbſaures Ammoniumphosphat(PO..(NH.)z. H) findet ſich ebenfalls im Peru⸗Guano. Es entſteht aus dem neutralen Salze durch Ammoniakverluſt. Reagiert auf Lakmuspapier, wie alle halbſauren löslichen Phosphate, alkaliſch. Die ſauren Salze von Kalium, Natrium und Ammonium ſind noch leichter in Waſſer löslich, wie die vorhergehenden. Ihre Löſungen färben blaues Lakmuspapier rot. Das Kaliumphosphat iſt für uns in den letzten Jahren dadurch intereſſanter geworden, daß es in unreiner Form auf dem Düngermarkte erſchienen iſt. Wir werden auf dieſe Düngerart bei Beſprechung der Kaliſalze zurückkommen. 2. Die Salze des Calciums(Kalkſalze). Baſiſches Kalkphosphat, baſiſch phosphorſaurer Kalk,(Formel P. O Cas) bildet die Hauptmaſſe der unverbrennlichen Knochenſubſtanz, der Phosphorite, des Apatits und vieler Guanoarten. Geglüht oder in Form von Apatit iſt es in Waſſer faſt unlöslich, löslicher in Waſſer, welches mit Kohlenſäure geſättigt iſt. Man findet es daher auch in allen Quellwaſſern, wenn auch nur in Spuren. In Salpeter⸗ und Salzſäure löſt es ſich klar auf unter Bildung von ſaurem Phosphat und ſalpeterſaurem Kalk oder Chlorcalcium; es werden ihm dabei 26 ſeines Kalkgehaltes entzogen. Schwefelſäure vermag ihm noch mehr zu entziehen, ſo daß ſich Gips und freie Phosphorſäure bilden. Aus ſeinen ſauren Löſungen wird es durch überſchüſſiges Kalkwaſſer als feines, weißes Pulver gefällt, welches in Waſſer, beſonders wenn das⸗ Alkali⸗ und Kalkſalze der Phosphorſäure. 39 ſelbe ſchwefelſaures Kali, Kochſalz, Salpeter, Ammoniakſalze oder Kohlenſäure enthält, nicht unbedeutend löslich iſt. Halbſaures Kalkphosphat(PO0CaH+ 2 H. O) entſteht durch Vermiſchen von Chlorcalciumlöſung mit halbſaurem Natrium⸗ phosphat oder durch Zerſetzung des baſiſchen mit dem ſauren Kalk⸗ phosphate. Es iſt zwar immer noch ſehr ſchwer löslich in Waſſer, jedoch bedeutend leichter als die vorige Verbindung. Scheidet ſich aus eſſigſaurer Löſung, beſonders beim Knochen, kriſtalliniſch aus. Saures Calciumphosphat(PeOs CaHl.+ H. O) iſt in den als Superphosphate bekannten Düngern enthalten. Es bildet ſich, wie wir ſchon erwähnt haben, durch Auflöſen des baſiſchen Phosphates in Salz⸗ oder Salpeterſäure und kann aus dieſen Auflöſungen durch Ab⸗ dampfen in Kriſtallſchuppen erhalten werden, die nach neuerer Unter⸗ ſuchung nicht an der Luft zerfließen. Es löſt ſich leicht in Waſſer, ſeine Löſung reagirt und ſchmeckt rein ſauer. Mit Kali⸗, Natron⸗ oder Ammoniaklöſung entſteht in derſelben ein dicker, weißer Niederſchlag, der ſich in Eſſigſäure leicht löſt. Giebt beim Glühen unlösliches Meta⸗ phosphat als glaſige Maſſe.*) 3. Die Salze des Magneſiums(Magneſiaſalze). Baſiſches Magneſiumphosphat(POa)e Mgz) findet ſich in geringer Menge in den Pflanzenſamen. Es iſt in Säuren leicht löslich. Aus der ſauren Löſung fällt Ammoniak, phosphorſaure Ammoniak⸗ Magneſia. Halbſaures Magneſiumphosphat findet ſich in manchen Guanoſorten und in geringer Menge in den Knochen. Saures Magneſiumphosphat iſt eine ſehr leicht lösliche Ver⸗ bindung ähnlich der entſprechenden Kalkverbindung. Ammonium⸗Magneſiumphosphat, phosphorſaure Ammoniak⸗ Magneſia(POa. NHa. Mg+ 6H O). Fällt aus Löſungen aus, in denen Phosphorſäure, Magneſiaſalze und Ammoniak zuſammentreffen, und iſt daher ein Erkennungsmittel ſowohl für Phosphorſäure als auch für Magneſia. Es iſt ein weißes, kriſtalliniſches Pulver, welches in Waſſer ſchwer, in Ammoniakwaſſer faſt ganz unlöslich iſt. Beim Glühen hinterläßt es Pyrophosphat. Dieſe intereſſante Verbindung wurde nach dem Brande von Hamburg bei Aufgrabung des Grundes für die Nikolaikirche in großen waſſerklaren Kriſtallen als Mineral gefunden, von Ulex beſchrieben und Struvit genannt. An jener Stelle waren die Flüſſigkeiten einer Kloake in ein verſchüttetes Torfmoor gedrungen. Da in dem Moor viele Ammoniumſalze ſich befanden, hatte die phosphorſaure Magneſia des Urins genügende Gelegenheit, phosphorſaure Ammoniak⸗Magneſia zu *) Eine vierte(vierbaſiſche) Kalkverbindung der Phosphorſäure ſ. unter Thomasſchlacke. — 40 Eiſenoxydſalze der Phosphorſäure. bilden, die in den im Überſchuſſe vorhandenen Ammoniumſalzen längere Zeit gelöſt bleiben konnte. So konnten durch langſame Ausſcheidung die oft wallnußgroßen Kriſtalle entſtehen. Dasſelbe Salz findet ſich auch in manchen Guanoſorten, allerdings in bedeutend kleineren Kriſtallen. Die Bildung desſelben iſt analog der aus faulendem Urin: phosphorſaure Magneſia iſt vorhanden, Ammoniak bildet ſich aus den faulenden ſtickſtoffhaltigen Subſtanzen des Guanos. 4. Die Eiſenoxydſalze. Baſiſche Eiſenoxydphosphate finden ſich in Menge in der Natur, ihre Zuſammenſetzung iſt jedoch ſtets ſehr ſchwankend. Überall, wo in der Bodenfeuchtigkeit gelöſte Phosphate mit Eiſenoxyd zuſammen⸗ treffen, iſt zu ihrer Bildung Gelegenheit gegeben; ein Beiſpiel davon iſt der Raſeneiſenſtein, ein ſehr reichlich mit Phosphorſäure(bis 10 pCt.) beladenes Eiſenoxyd. In der Ackererde, die ja ſtets Eiſenoxyd ent⸗ hält, findet ſich wahrſcheinlich ein großer Teil der Phosphorſäure an daſſelbe gebunden. Auch die Blaueiſenerde, phosphorſaures Eiſenoxydul, iſt das Reſultat eines ähnlichen Prozeſſes. Das auf dieſelbe Weiſe, wie im Raſeneiſenerz, entſtandene Eiſenoxydphosphat iſt nur noch durch ver⸗ weſende organiſche Subſtanzen zu Oxydulphosphat reduziert. In manchen(moorigen) Gegenden findet man dieſes Mineral in großen Maſſen. Es wird daſelbſt zur Veredelung des Bodens benutzt. Der Blaueiſenerde ähnlich zuſammengeſetzt, aber kriſtaliſiert, iſt der(ebenfalls blaue) Viviant. Künſtlich entſteht ein baſiſches Phosphat beim Vermiſchen von Eiſenchlorid mit überſchüſſigem Natriumphosphat, dasſelbe iſt gelblich und wird beim Erhitzen braun. Man erhält auf dieſe Weiſe nie eine reine, nach beſtimmten Verhältniſſen zuſammengeſetzte Verbindung. Das reine baſiſche Phosphat erhält man, nach meiner Vorſchrift, aus dem vorhergehenden, durch Befeuchten mit reiner ſyrupartiger Phos⸗ phorſäure und Auswaſchen mit vielem Waſſer. Dieſes Präparat bleibt beim Glühen weiß. Es iſt in Salzſäure, Eiſenchlorid und eſſigſaurem Eiſenoxyd löslich, nicht aber in Eſſigſäure. Saures Eiſenoxydphosphat habe ich dargeſtellt durch Auf⸗ löſen von friſchgefälltem, lufttrocken gemachtem, baſiſchem Phosphat in reiner, ſyrupartiger Phosphorſäure.“*) Die Löſung iſt, das Waſſer abgerechnet, genau nach Vorſchrift dargeſtellt, analog allen anderen ſauren Phosphaten zuſammengeſetzt; ſie iſt roſenrot und zerſetzt ſich durch vieles Waſſer vollſtändig in freie Phosphorſäure und baſiſches Phosphat. Auch durch Erhitzen bilden ſich Abſcheidungen. Weinſteinſäure, Citronen⸗ ſäure und andere nicht flüchtige organiſche Säuren verhindern dieſe Fällungen, unorganiſche Säuren haben dieſe Wirkung nur unvollſtändig. *) Freſenius, Zeitſchrift, 1873. ſi der Thonerdephosphate. Die natürlichen Phosphate. 41 5. Die Thonerdephosphate. Dieſelben verhalten ſich im allgemeinen ganz wie die Eiſenoxyd⸗ phosphate. Ein ſtrahlig kriſtalliſiertes Mineral, der Wawellit, iſt phos⸗ phorſaure Thonerde. Auch das Redondaphosphat, welches ein be⸗ deutendes Lager bildet, beſteht vorzugsweiſe aus dieſer Verbindung. Die oeben beſchriebenen Phosphate kommen alleſamt in den ver⸗ ſchiedenen natürlichen oder künſtlich erzeugten Phosphorſäuredüngern vor. Die meiſten derſelben, wie die Alkali⸗(und Ammonium⸗) Phos⸗ phate, ſind zwar ſtets nur in geringen Mengen vertreten, doch iſt ge⸗ rade ihnen eine hohe Bedeutung für die Beweglichkeit der Phosphor⸗ ſäure im Boden und im Organismus nicht abzuſprechen. Die einzigen Phosphate jedoch, die in Maſſe auftreten und die daher der Düngerhandel faſt ausſchließlich in Rechnung zieht, ſind die Kalkphosphate. Baſiſche Kalkphosphate finden ſich, mehr oder weniger ver⸗ unreinigt, an den verſchiedenſten Stellen der Erde, oft in mächtigen Lagern; dieſelben dienen, bergmänniſch abgebaut, faſt ausſchließlich als Rohmaterialien für die eigentlichen Phosphorſäuredünger, die ſauren Kalkphosphate oder Superphosphate. Außerdem liefern aber auch einige andere Induſtrien nicht un⸗ bedeutende Mengen von baſiſchen Phosphaten als Neben⸗ und Abfall⸗ produkte an die Düngerfabriken zur Herſtellung von Superphosphaten oder unmittelbar an die Landwirtſchaft(Thomasſchlacke). Wir teilen demnach naturgemäß die Phosphorſäuredünger in zwei große Klaſſen ein, nämlich in die baſiſchen Phosphate und in die Superphosphate, und erſtere wieder in natürliche und in künſtliche Phosphate. 1. Klaſſe: Die baſiſchen Phosphate. a) Die natürlichen Phosphate. 1. Guano⸗Phosphate oder phosphatiſche Guanos. Unter dieſem Namen werden eine Reihe von phosphorſäurehaltigen Materialien zuſammengefaßt, die ſich in mächtigen Ablagerungen auf Inſeln und an Küſten des Stillen Ozeans finden. Dieſelben ſind, wie der ſpäter zu beſprechende Peru⸗Guano, animaliſchen Urſprunges, jedoch unterſcheiden ſie ſich von demſelben weſentlich durch den Mangel an ſtickſtoffhaltigen Verbindungen, die ihnen, infolge der weniger günſtigen 42 Guano⸗Phosphate oder phosphatiſche Guanos. klimatiſchen Verhältniſſe ihrer Ablagerungsorte, durch Verweſung und Auswaſchung verloren gegangen ſind. In ihrer chemiſchen Zuſammenſetzung ſind dieſelben einander ſehr ähnlich. Sie beſtehen in ihrer Hauptmaſſe aus phosphorſaurem Kalke, der, bei einem Feuchtigkeitsgehalte von ca. 12 Proz., zwiſchen 65 und 80 Proz. ſchwankt. Es kommen allerdings auch phosphatiſche Guanos mit nur 55 Proz. zur Ablieferung, doch iſt dieſer geringe Gehalt dann ſtets aus dem höheren Feuchtigkeitsgehalte zu erklären. Außerdem enthalten ſie 1—13 Proz. kohlenſauren Kalk, der von dem Korallen⸗ kalk herſtammt, auf dem ſie lagern, und ſchließlich organiſche Sub⸗ ſtanzen, die den Guanos eine gelbe, rote bis ſchwarzbraune Farbe erteilen und die noch ſtickſtoffhaltig ſind, ſo daß der Stickſtoffgehalt des Guanos bis zu 1 Proz. betragen kann. Eiſenoxyd, Thonerde, Fluor und dergl. Stoffe, die, wie wir ſpäter ſehen werden, bei der Ver⸗ arbeitung der rohen zu löslichen Phosphaten ſchädlich ſind, ſind nur in geringſten Mengen vorhanden, was man, nebenbei geſagt, an der weißen Aſche derſelben erkennen kann. Die Guano⸗Phosphate gehören zu den beliebteſten Rohprodukten für die Düngerfabrikation, weil ſie mit den wenigſten Schwierigkeiten die haltbarſten Superphosphate geben, leider aber ſind viele der beſten Lagerſtätten ſchon ſtark abgebaut. In ihrem äußern Anſehen, was Form und Farbe anlangt, ſind dieſelben ſehr verſchieden. Zum größeren Teile ſind ſie feinpulverig, vermiſcht mit Klumpen(lumps), die mit dem Finger leicht zu zer⸗ reiben ſind, und mit feſten Maſſen, die innig mit Korallenreſten durch⸗ wachſen ſind. Außerdem finden ſich in denſelben ſchalenartige Ab⸗ lagerungen, ſogenannte Kruſten(crusts, clinkers) und ſchließlich beſtehen dieſelben oft ganz aus ſteinharten Maſſen. Die Hauptablagerungen dieſer Phosphate befinden ſich auf einer Reihe kleiner Eilande im Stillen Ozean(Pacific⸗Inſel⸗Guano) und auf der Weſtküſte von Südamerika an der Bai von Meilllones (Mejillones⸗Guano). Da die Lagerſtätten auf den Inſeln zuerſt ent⸗ deckt worden ſind, beginnen wir zunächſt mit der Beſchreibung dieſer, und widmen dem Mejillones⸗Guano einen Abſchnitt für ſich. Auch aus Auſtralien kommt ein Guano⸗Phosphat(über Melbourne) mit ca. 60% phosphorſaurem Kalk. Im Stillen Ozean(Pacific⸗Ozean) in der Nähe des AÄquators. liegt eine Reihe von Koralleninſeln, die als faſt vollkommen vegeta⸗ tationslos, früher wenig Beachtung fanden. Zuerſt im Jahre 1855 wurde von einer dieſer Inſeln, der Baker⸗Inſel, eine Probe von ſtickſtofffreiem Guano nach Amerika gebracht und bald darauf wurden auch die übrigen Inſeln der Gruppe als Guanoinſeln erkannt, nämlich außer obengenannter noch die Howland⸗, die Malden⸗, die Jarvis⸗, die Baker⸗Guano. 43 Starbuck⸗, die Enderbury⸗Inſel und neuerdings auch die weiter weſtlich liegenden Phönix⸗Inſeln. Da die Baker⸗Inſel, welche zum großen Teile ſchon abgebaut iſt, nicht nur den ſchönſten Guano lieferte, ſondern auch für alle dieſe Lagerſtätten typiſch iſt, kann ich es mir nicht verſagen, dieſelbe nach „L. Meyn, die natürlichen Phosphate“, kurz zu beſchreiben: Die Baker⸗Inſel, unter 00 14“ n. Br. und 176° 22 ½ weſtl. L. von Greenwich gelegen, iſt von Oſten nach Weſten gemeſſen 1750 m lang, ihre Breite beträgt 1100 m und ihre Höhe über der Meeresfläche etwa 8 m; das dieſelbe umſchließende Korallenriff liegt bei der Ebbe etwa 160 m weit trocken. Auf ihm ruht ein Wall von Steinen, Ko⸗ rallen und Muſcheln, welcher das jetzige Guanolager umſchließt. Die Vegetation auf der Inſel iſt ſehr arm an Arten. An der Flutgrenze wächſt etwas Riedgras, welches weiter hinauf dichter wird. Am Rande des Steinwalles findet man eine ſtrauchartige Pflanze, von den Einwohnern der Sandwich⸗Inſeln Elima genannt, am Rande des Guanolagers ſchließlich und auf dieſem ſelbſt, ſoweit es nicht von Vögeln bewohnt wird, Portulak und Meſembryanthemum. Der Guano liegt am Rande 15 cm, in der Mitte etwa 1,6 m tief, ſeine Oberfläche iſt eben und nimmt einen Raum von etwa 250 Morgen(62,5 ha) ein. Die Guanoinſeln ſind die einzigen Zufluchts⸗ und Brüteorte für die Seevögel eines weiten Umkreiſes. Es ſind beſonders Tölpel, Sturm⸗ ſchwalben, Tropikvögel, Schnepfen und Regenpfeifer, die in ungeheuren Schwärmen hier niſten. Ihre Exkremente, die herbeigeſchleppte Nahrung, beſtehend aus Fiſchen und anderen Settieren, und ſchließlich ihre toten Leiber haben den Guano erzeugt und vermehren ihn Jahr für Jahr. Nach ſeiner Entſtehungsweiſe müßte dieſer Guano, wie der ſpäter zu beſchreibende Peru⸗Guano, ſehr ſtickſtoffreich ſein, er iſt es aber nicht, da er hier ſehr ſchnell verwittert. Wenn auch Regen eine ſeltene Erſcheinung in jenen Zonen iſt, ſo wird der Guano dieſer Inſeln doch fortwährend befeuchtet durch die über ihre niedrige Küſte hinſtäu⸗ bende Brandung; dazu kommt die große Hitze während des Tages, und ſo ſehen wir die ſtickſtoffhaltigen Subſtanzen raſch verweſen. Sie erzeugen Ammoniak und Salpeterſäure, erſteres aber wird von dem ewig wehenden Paſſat entführt, letztere geht als ſalpeterſaures Salz in die Tiefe. Alle Guanos des Stillen Ozeans bilden ein feines Pulver, je nach dem Feuchtigkeitszuſtande von heller oder dunkeler brauner Farbe, welches zahlreiche Wurzelüberreſte von Portulak enthält. Unter das braune Pulver gemengt, findet man größere, weiße Körnchen, welche meiſt aus kriſtalliſierter phosphorſaurer Ammoniak⸗ Magneſia(ſ. S. 39) beſtehen und daher ſtiickſtoffhaltig ſind. 44 Baker⸗Guano. Nach einer älteren Analyſe Liebig's enthält der Baker⸗Guano Baſiſches Kalkphosphat... 78,79 Proz. „ Magneſiaphosphat. 6,12„*) „ Eiſenoxydphosphat. 0,12„ Schwefelſauren Kalk.... 0,13„ Alkalien....... 0,85„ Chlor........ 0,13„ Ammoniak....... 0,07„ Salpeterſäure...... 0,45„ Waſſer, Sand ꝛc...... 13,34„ 100,00 Proz. Kohlenſauren Kalk fand er nur in Spuren. Seit jedoch der Guano in großen Mengen ausgebeutet wird, hat ſich die Zuſammenſetzung desſelben etwas geändert; man findet ſtets einige wenige Prozente kohlenſauren Kalk und durchſchnittlich nur etwa 75 Proz. Knochenerde(baſ. Kalkphosphat) darin. Obige Analyſe würde übrigens annähernd für alle Gnanos dieſer Art Geltung haben, ſobald dieſelben nicht,(wie z. B. mancher Jarvis⸗Guano) durch Gips, Sand und dergl. ſtark verunreinigt ſind. Die Baker⸗Inſel war, wie geſagt, die erſte der im Stillen Ozean entdeckten Guano⸗Inſeln und auch die, welche zuerſt ausgebeutet wurde. In Folge deſſen iſt das Lager daſelbſt ſtark gelichtet. So iſt von pulveriger Ware ſchon lange Nichts mehr vorhanden, doch kann man auch heute noch nicht behaupten, daß die Baker⸗Inſel erſchöpft ſei. Außer auf der Baker⸗Inſel befanden ſich und befinden ſich noch auf einer großen Anzahl von Südſee⸗Inſeln bedeutende Mengen von Phosphat⸗Guanos, die dem Baker⸗Guano im Weſentlichen gleichen. Viele dieſer Lager haben nur noch hiſtoriſches Intereſſe, da dieſelben erſchöpft ſind. Nach den Mitteilungen von Herrn Emil Güßefeld in Hamburg ſind die Lager der Baker⸗, Lacépéde⸗, Maldon⸗ und Pelſart⸗ Inſeln noch nicht erſchöpft, ſondern bergen noch große Quantitäten Guano, die auch von demſelben noch jetzt importiert werden. Die meiſten Inſeln ſind jedoch verlaſſen, weil für den jetzigen niedrigen Preisſtand der Phosphorſäure die Förder⸗ und Transportkoſten zu hoch ſind, um eine Einfuhr nach Europa zu lohnen. Des hiſtoriſchen Intereſſes wegen gebe ich nachfolgend noch einige Analyſen von Phosphatguanos aus der letzten Auflage dieſes Werkchens. Dieſelben ſind von Dr. H. Gilbert ausgeführt: * Durch ſpätere Unterſuchung iſt feſtgeſtellt, daß das Magneſia⸗Phosphat der Guanos nicht baſiſches, ſondern halbſaures Phosphat iſt. Guano⸗Phosphate. 45 Guano von Fanning⸗Jsland. 8,00 Proz. Feuchtigkeit oder 1,30„ Kohlenſäure 8,00 Proz. Feuchtigkeit 0,19„ Schwefelſäure 2,97„ kohlenſauren Kalk 34,16„ Phosphorſäure 0,32„ ſchwefelſauren Kalk 42,84„ Kalk 73,00„ baſ. phosphorſ. Kalk 0,61„ Magneſia 1,33„ baſ. phsph. Magneſia 1,01„ Fluor 2,06„ Fluorcalcium 12,32„ Organiſche Stoffe 12,32„ Organiſche Stoffe 100,43 Proz. 100,00 Proz. ab 0,43„ Sauerſtoff für Fluor 100,00 Proz. jat Guano von Brown⸗Jsland. ·ts 15,00 Proz. Feuchtigkeit oder va 1,48„ Kohlenſäure 15,00 Proz. Feuchtigkeit de 1,01„ Schwefelſäure 3,36„ kohlenſauren Kalk 1d 31,40„ Phosphorſäure 1,72„ ſchwefelſauren Kalk nd 39,94„ Kalk 68,00„ baſ. phosphorſ. Kalk 0,21„ Magneſia 0,46„ baſ. phsph. Magneſia an 0,32„ Eiſenoxyd 0,32„ Eiſenoxyd de. 0,06„ Natrium 0,14„ Chlornatrium on 0,08„ Chlor 0,70„ Fluorcalcium an 0,34„ Fluor 10,30„ Organiſche Stoffe 10,30„ Organiſche Stoffe 100,00 Proz. c 100,14 Proz. on ab 0,14„ Sauerſtoff für Fluor 4 100,00 Proz. in Guano von Lacépéde⸗Island. tt⸗ 12,40 Proz. Feuchtigkeit oder ⸗en 0,86„ Kohlenſäure 12,40 Proz. Feuchtigkeit die 0,10„ Schwefelſäure 1,95„ kohlenſauren Kalk en 33,64„ Phosphorſäure 0,17„ ſchwefelſauren Kalk ch 40,80„ Kalk 71,04„ baſ. phosphorſ. Kalk 0,93„ Magneſia 2,03„ baſ. phsph. Magneſia ge 0,75„ Eiſenoxyd 0,75„ Eiſenoxyd n8. 0,06„ Natrium 0,16„ Chlornatrium ⸗ 0,10„ Chlor 1,58„ Fluorcalcium 0,77„ Fluor 9,92„ Organiſche Stoffe hat 9,92„ Organiſche Stoffe 100,00 Proz. 100,33 Proz. ab 0,33„ Sauerſtoff für Fluor 100,00 Proz. 46 Mejillones⸗Guano. Auch der früher ſo berühmte Mejillones⸗Guano hat wohl für den Augenblick nur noch hiſtoriſches Intereſſe; ich will trotzdem nicht ver⸗ ſäumen, die Beſchreibung des Lagers desſelben nach Dr. L. Meyn nachſtehend mitzuteilen: „Von der kurzen, kaum 25 Meilen langen, faſt meridional verlau⸗ fenden Felſenküſte, welche der Kontinentalſtaat Bolivia zwiſchen den langen Küſtenſtrecken Perus und Chiles mühſam errungen, ſpringt eine, etwa 10 Meilen lange Strecke unter den Wendekreis des Steinbocks faſt 3 Meilen weit in das Meer hinaus, und beſchirmt mit ihrer etwas verlängerten äußeren Felſenküſte im Süden die Bai von Morena, im Norden die von Mejillones. Die letztgenannte Bai, völlig geſchützt vor den Winden und vor der großen Meeresſtrömung durch den Vorſprung der Halbinſel Leading Bluff, den nach dem Meere zu noch Felſeninſeln umgeben, öffnet ihre Einſegelung unter 23⁰° ſ. Br. und bildet einen vortrefflichen Hafen, in welchem gegenwärtig, unmittelbar an dem Molo, die Schiffe mit Guano beladen werden. Die Gegend iſt ſonſt eigentlich unbewohnbar. Heftige Winde, Regenloſigkeit, Morgennebel bis 10 Uhr, und dann außerordentliche Hitze aus den niemals durch eine Wolke gemilderten Sonnenſtrahlen, ein ſandiger und felſiger Boden, ohne jegliche Vegetation und der voll⸗ ſtändige Mangel an Trinkwaſſer werden dieſen Ausſpruch rechtfertigen. Die Bewohner der kleinen Hafenſtadt, deren Zahl früher ſehr gering war— in der Nähe wurden Kupfergruben bearbeitet— und welche erſt durch den Guanoverkehr wächſt, erhalten ihre Nahrungsmittel durch die pacifiſchen Dampfer, welche hier einkehren und Kohlenlager haben, und gewinnen ihr Trinkwaſſer durch Deſtillation. Die gewaltige Felſenhalbinſel, durchſchnittlich 1000— 1200 Fuß hoch, erſcheint oben als eine muldenförmige Sandebene; nur der Vor⸗ ſprung derſelben, welcher die Bai ſchützt, hat höhere Berge, zunächſt weſtlich von der Stadt einen von 1500 Fuß, und dann nördlich von dieſem, den Hauptkörper des Felſenhornes bildend, den Morro de Mejillones, 2600 Fuß hoch. Am Abhange dieſes Berges gegen die Bai befindet ſich das große Guanolager. Ein langer Weg, welcher den erſtgenannten Berg vermeidet, führt von der Stadt dahin. Das Hauptlager befindet ſich etwa 1700 Fuß über dem Meeres⸗ ſpiegel an den unregelmäßigen Abhängen des Berges und iſt an manchen Stellen 40 Fuß mächtig. Die Berichte über die vorhandenen Mengen lauten außerordentlich verſchieden. Der Verfaſſer hat Gelegenheit gehabt, Briefe von eng⸗ liſchen und deutſchen Ingenieuren zu leſen, welche im Intereſſe des Handels ausgeſandt waren, und darf darnach nicht zweifeln, daß Millionen Tons vorrätig ſind. Die offiziellen Angaben lauten von Mejillones⸗Guano. 47 2— 4 Millionen Tons, Berichte von anderen Seiten, welche vielleicht darnach ſtreben, den Wert der Ware zu erhöhen, ſtellen die Vorräte weſentlich kleiner dar, und verbreiten die Meinung, daß ſie in wenigen Jahren erſchöpft ſein werden. Von dem Guanolager iſt mit großer Mühe durch die Klüfte des Gebirges ein guter Pfad nach der Einſchiffungswerft gebaut. Etwa eine engliſche Meile von den Guanogruben teilt ſich der Weg, deſſen einer Arm ſehr ſteil nach der Hafenmole hinuntergeht, während der andere Weg nach einem Pavillon am Rande des Felsplateaus führt, von wo der Guano, den man in Säcken aus der Grube bringt, eben⸗ falls in Säcken durch einen 700 Fuß langen Sturzkaſten zu einem Speicher am Anfange der Guanomole hinabſauſt. Zweihundert Tons täglich können auf dieſe Weiſe zur Verladung gebracht werden. Auf der Caleta unten wohnen die Arbeiter, die Aufſeher, die Exporteure, die Regierungsbeamten. Die Letzteren verwiegen den Guano, dann wird er auf Schienen an das andere Ende der Mole gebracht und dort in das Schiff geſtürzt.“ Von den vielen veröffentlichten Analyſen iſt die nachfolgende von Freſenius und Neubauer ausgeführt. Dieſelben fanden in 100 Teilen der bei 1000 C getrockneten Subſtanz baſ. phosphorſ. Kalk 60,564 1 mit zuſammen 38,404 Proz. halbſf.„ Magneſia 17,960 Phosphorſäureanhydrit. Schwefelſ: Kalk.. 1,069 Kohlenſ.„. 2,052 Phosphorſ. Eiſenoxyd ꝛc. 0,072 .org. 10,161 Waſſer u. org. Subſtanz 10,16 2uf. Stickſtoff 0,729. Ammoniumoxyd... 0,018 Schwefelſ. Magneſia. 1,528 Salpeterſäure„.. 0,034 Kochſalz...... 3,739 Dr. H. Gilbert in Hamburg fand: 9,14 Proz. Feuchtigkeit 0,32„ kohlenſauren Kalk 3,26„ ſchwefelſauren Kalk 33,64 baſiſch phosphorſauren Kalk 26,44„ halbſauren phosphorſauren Kalk 10,35„ halbſaure phosphorſaure Magneſia 1,35„ Eiſenoxyd und Thonerde 0,89„ Cohlornatrium 7,32„ Kieſelſäure 7,29„ Organiſche Stoffe. Wie wir aus dieſen Analyſen erſehen, iſt die Phosphorſäure zum Teil an Magneſia gebunden und zwar zu reichlich einem Viertel. Iſt 48 Mejillones⸗Guano. das Magneſiumphosphat an und für ſich ſchon leichter löslich als das Kalkphosphat, ſo iſt das um ſo mehr der Fall beim halbſauren Magneſiumphosphat. Von allen phosphatiſchen Guanos würde ſich daher dieſer am beſten zur Rohdüngung eignen, wenn man letztere nicht unter allen Umſtänden für Verſchwenduug halten müßte. Wir werden auf dieſen Punkt bei Beſprechung der Superphosphate zurück⸗ kommen. Der Mejillones⸗Guano beſteht, wie der Baker, aus einem feinen braunen Pulver, untermiſcht mit größeren oder kleineren zerreiblichen Knollen, die zum Theil aus Ammoniak⸗Magneſiumphosphat beſtehen. Außerdem iſt der Guano, wie er importiert wird, häufig untermengt mit granitiſchen Geſteinen, die aus der Felſenunterlage der Lagerſtätten ſtammen. Seit aber die Importeure Mühlen und Trockenvorrichtungen angelegt haben, werden die Steine nicht mit verkauft, und ſind auch die Knollen fein gemahlen. Der in den Handel kommende Guano läßt in ſeiner äußeren Form nichts zu wünſchen übrig. Die Entſtehung des Guanos iſt eine ähnliche wie die des Baker. Da auch hier das Klima regenlos iſt, ſo kann der Mangel an Stick⸗ ſtoff nur durch zeitweilige Berührung mit dem Meerwaſſer erklärt werden. Bei der vulkaniſchen Beſchaffenheit jener Gegenden ſind be⸗ deutende Hebungen und Senkungen des Bodens hiſtoriſch bekannte Tat⸗ ſachen, und daß bei ſolchen Gelegenheiten auch das Meer in heftige Bewegung kommt. iſt ja von jeher beobachtet worden. In neueſter Zeit iſt eine neue Inſel, die Clipperton⸗Inſel, gefunden worden, deren Guano durch Gleichmann in Hamburg auf den Markt gebracht worden iſt. Eine Analyſe desſelben von Dr. Gilbert ergab in 100 Teilen“*) 3,80% Feuchtigkeit 78,09% baſiſch phosphorſauren Kalk 0,55%„ phosphorſaure Magneſia 6,73% kohlenſaurer Kalk 2,84% Kalk 0,78 ℳ ſchwefelſauren Kalk 0,15% Kochſalz 0,28% Kieſelſäure 4,83% organiſche Subſtanz 0,04% Eiſenoxyd und Thonerde 1,94% Unbeſtimmtes. Dieſer Phosphatguano iſt in aufbereitetem Zuſtande ein gelblich⸗ weißes Pulver. Über die Inſel ſelbſt iſt nichts anderes zu ſagen, wie über die vielen anderen Guano⸗Inſeln; ſie liegt unweit der mexi⸗ kaniſchen Küſte. *) Chemiker⸗Zeitung, Nov. 1896. —== =— —-= ͤeͤS Mejillones⸗Guano. Mineraliſche Phosphate. 49 Die meiſten der bis jetzt erſchloſſenen, zum Teil inzwiſchen wieder verlaſſenen Guano⸗Inſeln liegen im Stillen Ozean und zwar zwiſchen 15⁰ ſüdlicher und 150 nördlicher Breite und zwiſchen 145° weſtlicher und 1000 öſtlicher Länge von Greenwich. Es ſind dies die Baker⸗, Jarvis⸗, Howland⸗, Starbuck⸗, Flint⸗, Enderbury⸗, Maldon⸗, Huon⸗, Cheſterfield⸗, Sydney⸗, Phönix⸗ u. ſ. w. Inſeln. Andere Inſeln ſind die Clipperton⸗ Inſel: 80 nördlich vom Aquator und 1080 öſtlich von Greenwich, die Lacépéède⸗, Abrolhos⸗ und Browſe⸗Inſeln an der Nord⸗ und Weſtküſte von Auſtralien, die Falklands⸗Inſeln an der Süd⸗ ſpitze von Amerika, die Avis⸗, Mona⸗, Tortola⸗ und andere Inſeln in Weſtindien, die Ichabvö⸗Inſel gegenüber von Lüderitz⸗ land in Süd⸗Weſt⸗Afrikaund die Kuria⸗Muria⸗Inſeln im arabiſchen Meerbuſen. Phosphat⸗Guanolager auf dem Feſtlande finden ſich außer in Mejillones an der Küſte von Patagonien an der Südſpitze von Amerika, in der Saldanha⸗Bay an der Süd⸗ weſtküſte von Kapland und an vielen anderen Orten. 2. Mineraliſche Phosphate. Wie ſchon geſagt, haben die Guano⸗Phosphate, welche früher den Markt beherrſchten, in neuerer Zeit den größten Teil ihrer Bedeutung verloren. Sie ſind, als Rohmaterialien für die Herſtellung von Super⸗ phosphaten, hauptſächlich durch die in mächtigen Lagern vorkommenden mineraliſchen Phosphate verdrängt worden. Während man an erſteren ſowohl in ihrer äußeren Form, als auch in ihrer chemiſchen Zuſammenſetzung, noch deutlich ihren Urſprung aus organiſchen Subſtanzen erkennt, ſind die Phosphate dieſer Gruppe vollſtändig in Mineralien verwandelt; bei einigen derſelben, den Koprolithen, findet man, als einziges Merkmal ihrer Abſtammung, zuweilen noch Reſte von Kohlenſtoff, die das Phosphat ſchwarz färben, bei den anderen fehlt aber ſelbſt dieſes. Den Guano⸗Phosphaten ſtehen von den mineraliſchen Phosphaten das Sombrero⸗, Aruba⸗, Curaçao⸗ und Navaſſaphosphat am nächſten, die ſich auf den gleichnamigen Inſeln, in Weſtindien lie⸗ gend, in bedeutenden Lagern fanden. Sie bilden den Ubergang von den Guano⸗Phosphaten zu den Mineral⸗Phosphaten und werden als Kruſten⸗Guanos bezeichnet. Ihr Urſprung iſt wahrſcheinlich der⸗ ſelbe wie der der erſteren, ſie bilden jedoch jetzt feſte, felſige Lagerungen, die aus den Korallenriffen durch lange andauernde Einwirkung von Waſſer und Vogelexkrementen entſtanden ſind. Der kohlenſaure Kalk der Korallen hat ſich dadurch in phosphorſauren Kalk verwandelt. Der erſte dieſer Kruſten⸗Guanos, der Curaçao⸗Guano, wurde von H. J. Merck& Co. in Hamburg eingeführt und beſteht aus ſehr reinem, Rümpler, Düngeſtoffe. 4. Auflage. 4 50 Koprolithen. eiſenfreiem Kalkphosphat; ebenſo das Sombrero⸗Phosphat. Das Aruba⸗ Phosphat iſt weniger rein, und das Navaſſaphosphat enthält ſo bedeu⸗ tende Mengen von Eiſenoxyd und Thonerde, daß es mit beſſeren Roh⸗ materialien, ſelbſt mit dem Lahn⸗Phosphorit, nicht konkurrieren konnte und daher auf dem deutſchen Markte ohne Bedeutung geblieben iſt. In neuerer Zeit ſind auch die beſſeren dieſer Phosphate, nämlich das Curaçao⸗Phosphat und das Sombrero Phosphat vom Markt ver⸗ ſchwunden, da die Lager erſchöpft ſind. Organiſchen Urſprungs, wie die phosphatiſchen Guanos, aber voll⸗ ſtändig petrifiziert, ſind die ſogenannten Koprolithen, der ver⸗ ſteinerte Kot ausgeſtorbener Tiergeſchlechter. Rundliche hellgefärbte Knollen, deren Urſprung man ſich lange nicht erklären konnte, fand man zuerſt in den ſchon oben erwähnten Knochenhöhlen, beſonders in denen, wo früher Hyänen gehauſt hatten. Bald darauf wurden ähnliche Steine bei Lyme⸗Regis in England in großer Menge aus dem thonigen Boden ausgepflügt und von dem berühmten engliſchen Geologen Buckland beſchrieben. Derſelbe ver⸗ öffentlichte eine umfangreiche, Aufſehen erregende Abhandlung über die⸗ ſelben, in der er ſie für die verſteinerten Exkremente von Tieren der Liasformation(zu der der Thon von Lyme⸗Regis gehört), beſonders von dem berühmten Ichthyoſaurus, erklärte. Er fand in denſelben viel⸗ fach noch Schuppen und Zähne der Fiſche, die den Sauriern zur Nahrung gedient hatten. Die Größe dieſer Koprolithen iſt verſchieden, je nach der Größe des Individuums, von welchem ſie herſtammen; meiſt haben ſie 5 bis 10 cm im Durchmeſſer. Nach Veröffentlichnng der Buckland' ſchen Arbeit konnte man ſich die in den Hyänenhöhlen gefundenen Knauern leicht erklären; ſie waren eben auch Kotſteine. Der hohe Phosphorſäuregehalt derſelben war nun ebenfalls nicht mehr wunderbar, da ja der Kot der Hunde, wenn ſie Knochen gefreſſen haben, eine ähnliche Zuſammenſetzung hat. Jetzt fand man auch faſt in jeder Formation ſolche Phosphat⸗ knollen und konnte ſie meiſt ebenfalls als Koprolithen anſprechen. Selbſt die Steinkohlenformation lieferte ihren Beitrag, und zwar waren die hier gefundenen Kotſteine ſo verhärtet und durch Kohle ſchwarz gefärbt, daß ſie geſchliffen und von den Damen als echter Jetſchmuck getragen werden konnten. Aber erſt im Jahre 1846 erlangten dieſe Phosphate eine Be⸗ deutung für die Landwirthſchaft, als man in der Grafſchaft Suffolk in einer Mergelſchicht ein ganzes Lager derſelben von 30— 50 cm Mächtigkeit aufdeckte. Die damals gerade aufkommende Methode des Aufſchließens von Kalkphosphaten mit Schwefelſäure lenkte die Aufmerkſamkeit der Dünger⸗ ſeu⸗ nte Koprolithen. 51 fabrikanten auf dieſes Vorkommen und ſo wurden die Suffolkkoprolithen ſchon nach einigen Jahren regelrecht ausgebeutet. Auch in dem an und für ſich ſchon phosphorſäurereichen Grün⸗ ſande von Cambridge fand man bald ein ſolches Lager, welches noch viel reicher und mächtiger war. Wenn auch nicht alle dieſe Phosphate als echte Kotſteine an⸗ geſehen werden können, ſo iſt dieſe Bezeichnung doch im Handel für alle, denſelben ähnlichen kugeligen Phosphate üblich geworden. Außer in England finden ſich dieſelben noch im Thale des Connecticut in Nordamerika, zu Bellegarde an der Rhone, Departement de l'Ain im ſüdlichen Frankreich und in den Ardennen, wo 1852 Dufrénoy ein be⸗ deutendes Lager entdeckte. In Deutſchland fand man ſie in der Kreide⸗ formation bei Aachen, wo man den Fund jedoch nicht weiter verfolgte, und bei Königslutter zwiſchen Helmſtedt und Braunſchweig, wo ein nicht unbedeutendes Lager aufgedeckt wurde. Die bisher veröffentlichten Analyſen von Koprolithen zeigten eine wenig günſtige Zuſammenſetzung derſelben, die vorläufig ſchwerlich die Düngerfabrikanten veranlaſſen dürften, dieſelben zu verarbeiten, d. h. ſo lange ihnen noch gute, hochprozentige Phosphate zur Verfügung ſtehen. Das Störende bei allen denſelben iſt, abgeſehen von ihrem geringen Gehalte an Phosphorſäure, das Eiſenoxyd, welches oft in großen Mengen in denſelben vorkommt und welches, wie wir ſpäter ſehen werden, den Prozeß der Superphosphatdarſtellung unangenehm beeinflußt. In folgendem teile ich einige dieſer Analyſen mit; dieſelben finden ſich in Heydens Düngerlehre und in wiſſenſchaftlichen Journalen zerſtreut: 4* 52 Koprolithen. 5 à2 2”5 — 8 S 2 S 8 2”S .73 5 5 5 5 Nranzifhe SS S 5S3 8[S2 S. Koprolithen 8 SS-⸗ 28 e nach 8S8S 2 3 8 7 SSBS5SSS8 ˙ Dugléré und = 5„[=S[SS[S Dehérain Es= ee 2 d— d— 2— ᷣ 5 5[25 55 S— 8 3288 8 5 8 2 1 II. 5 Waſſer.. 4,01 2,53 9.3616 1,4000— 1,76 4,70 10,33 Organ. Subſtanz————- 74,03 11,01] 0,20 0,20 Eiſenoxyd. 1,87] 4,81 2,4549 7,4737— 1,00 16,90 16,90 Thonerde. 2,57 3,72 3 5,7033———— Kalk. 45,39 38,20 144,4695 23,4914] 12,26 34,66 32,50 44,54 Magneſia 0,48 1,34% 4605— 1,31 6,41—— ali 0,84 0,56—— 0,49—— Natron... 0,73 0,18—————— Phosphorſäure 26,75 24,24 22,2275] 15,4016] 6,99 18,50 12,12 22,00 Schwefelſäure 1,06 1,40 Spur—— 4,488—— Chlornatrium Spur 0 07 Puren— 1,96 0.08—— Kohlenſäure. 5,13] 5,37 15,9348 16,5440 3,45] 6,98 4,90 7,33 Fluor u. Verluſt 4,95 4,31] 1,3790———— Kieſelſäure und 18,8000 Silikate. 6,22 12,27 2,1106— 14,63 18,80 25,66 Berechneter phosphorſ. Kalk 57,12 52,52 48,53 33,62 15,25] 40,40 26,40 43,03 Außerdem folgende: R S8E. 2= ‚= — S Suffolk⸗Koprolithen 2* F 25G nach Herapath ½ 8 S a5 2 2B— A 2FES E8 588S2 Phosphorſaurer Kalk.. 43,7 Phosphorſaure Magneſia 39,60 70,90 15,86 60,80] ¹3 Phosphorſaures Eiſenoxyd.— 6,90 9,20 4,1 12,1 Phosphorſaure Thonerde.— 1,60 4,71—— Kohlenſaurer Kalk... 34,77 10,28 39,50 23,7 8,6 Organ. Stoffe und Waſſe 7,30 4,00 11,60 6,1 7,4 Kieſelſäure, Fluor ꝛc.———— 10,9 Schwefelſaurer Kalk.———— 3,8 ... 13,09——— 13,0 Sand ꝛc.. r 1 Foſſile Knochen. 53 Im Anſchluſſe an die Koprolithen erwähnen wir noch eine andere Art von vorweltlichen Tierreſten, nämlich die foſſilen Knochen. Man findet ſolche oft in großer Maſſe in den Höhlen des Jura⸗ kalkes, wo ſie unter einer Decke von Tropfſtein begraben liegen. Sie ſind die Ueberreſte der vorweltlichen Bewohner dieſer Räume und oft in ihren Formen vortrefflich erhalten. Der engliſche Geologe Buckland lenkte zuerſt die Aufmerkſamkeit der Forſcher auf dieſe Thatſachen hin und beſchrieb auch zuerſt eine Reihe von Höhlen, die ſich in England befinden. Eine der berühmteſten Knochenhöhlen Deutſchlands iſt die Gailen⸗ reuther. Die meiſten der daſelbſt ſich vorfindenden Skeletteile gehören dem Höhlenbären, einem 6 Meter langen Raubtiere an; die Knochen ſind an manchen Stellen oft an 8 Meter hoch angehäuft. In einer der Gailenreuther benachbarten Höhle wurden die voll⸗ ſtändigen Gerippe von wenigſtens 2500 Bären, in ſtaubiger ſtinkender Erde liegend, aufgefunden. Auch die ſog. Knochenbreccie müſſen wir hier erwähnen. Dieſelbe beſteht aus durch Thonſchlamm verkitteten Knochen, meiſt von gras⸗ freſſenden Tieren der verſchiedenſten Gattungen, und zwar findet ſie ſich beſonders in den Spalten der Hochgebirge, wo ſich die Körper ver⸗ unglückter Tiere im Laufe der Jahrhunderte zu mächtigen Schichten angeſammelt haben. In allen dieſen, oft Jahrtauſende alten Knochen iſt ſelbſtverſtändlich der größte Teil der ſtickſtoffhaltigen organiſchen Subſtanz verweſt, dieſelben ſind daher nur als Phosphate von Wert; für die Dünger⸗Induſtrie ſind ſie aber bis jetzt ohne Bedeutung. Nach Girardin“) enthielten Knochen, die mehr als tauſend Jahre in der Erde gelegen hatten: Organiſche Subſtanz 10— 19 Proz.(bis 2 Proz. Stickſtoff) Kohlenſauren Kal!k 9— 19„ Phosphorſauren Kalk 41— 75,5„ Maſtodonknochen, alſo aus vormenſchlicher Zeit ſtammend, enthielten: Organiſche Subſtanz 0— 10 Proz.(höchſt. 1 Proz. Stickſt.) Kohlenſauren Kalk 7 14„ Schwefelſauren Kalk(Gips) 0— 14„ Lösliche Kieſelſäure 0— 24„ Phosphate 64— 71„ Der Gehalt an Fluorcalcium ſteigt in den foſſilen Knochen oft bis auf 16 Proz, während die Aſche von Knochen ſonſt kaum 1—2 Proz. dieſer Verbindung enthält. Ein vor längeren Jahren eingeführtes Mineral, das Carolina⸗ Phosphat, beſteht, ungemahlen, aus den Koprolithen ähnlichen, runden löcherigen Stücken, und wird nominell mit 60 Proz. im Mi⸗ nimum Kalkphosphat in den Handel gebracht, doch enthält es oft nur 55 Proz. Sein Gehalt an kohlenſaurem Kalke beträgt gegen 10 Proz., *) Reichardt:„Agrikultur⸗Chemie.“ 54 Carolina⸗Phosphat. Florida⸗Phosphat. auch enthält es ziemlich beträchtliche Mengen von Eiſenoxyd und Thon⸗ erde, nämlich ca. 4 Proz. Seiner poröſen Beſchaffenheit wegen ver⸗ arbeitet es ſich gut, giebt aber niedrige Superphosphate. Das Lager dieſes Phosphates hat nach Dr. Francis Wyatt*) eine horizontale Ausdehnung von 110 Kilometer Länge und 50 Kilometer Breite; es iſt am leichteſten zugängig in der Nähe der Stadt Charleſton. Der Abbau geſchieht durch Tagebau, da die phosphatiſchen Schichten an vielen Stellen zu Tage treten, ſonſt aber von Sand und Thon in Schichten von wenigen Dezimetern bis zu 6 Metern überlagert werden. Das aus den feſten Lagern gewonnene Phosphat(Rock phosphate) ſoll weniger rein ſein, als das aus den Lagern ausgeſpülte, ſich auf dem Grunde der Flüſſe und der Buchten findende River phosphate. Letzteres wird durch Baggermaſchinen gehoben, durch Schlämmen und Sieben von dem feinen Sande, Thon und Schlamm getrennt und ge⸗ trocknet. Nach einer älteren, von Herrn Emil Güßefeld in Hamburg mir mitgetheilten Analyſe enthielt daſſelbe getrocknet und fein gemahlen Feuchtigkeit.. 1,15 Proz. Phosphorſäure 27,64„= 60,34 Proz. phosphorſ. Kalk Kalk..... 42,94„ Magneſia... 0,61„ Eiſenoxyd... 2,00„ Thonerde.. 2,64„ Kohlenſäure.. 4,53„ Schwefelſäure.. 0,57„ Fluor.... 3,43„ Sand 2c... 7,79„ Organiſche Stoffe. 7,70 Es iſt alſo zweifellos ein vorzügliches Rohmaterial für die Dünger⸗ fabrikation. Vom Carolina⸗Phosphat werden übrigens etwa 5 in Amerika ſelbſt verbraucht. Dagegen wird das in neueſter Zeit auf⸗ gefundene Florida⸗Phosphat in großen Mengen nach Europa ge⸗ bracht; dasſelbe hat beſonders dazu beigetragen, daß die Phosphorſäure in Deutſchland gegen früher weſentlich verbilligt worden iſt. Die nach⸗ ſtehende Beſchreibung der Lagerſtätten iſt der Schrift von Dr. Barth: „Die künſtlichen Düngemittel“, wörtlich entnommen: „Die Halbinſel Florida iſt etwa 1900 Quadratmeilen groß und hat als Untergrund einen weißlichen Korallenkalk, auf welchem faſt in der ganzen Längsausdehnung der Halbinſel phosphatführende Schichten in mehr oder weniger mächtigen Maſſen lagern. Man unterſcheidet folgende Kategorien von Phosphat: hard rock iſt das maſſive, harte, geſteinartige Vorkommen im nördlichen Teil von Florida, vom Alafia bis in die Gegend von Tallahaſſee; es finden *) Barth:„Die künſtlichen Düngemittel.“ Florida⸗Phosphat. 55 ſich daſelbſt Lager von 2 bis über 20 Meter Mächtigkeit mit einem Gehalt von 75 bis 80%, phosphorſaurem Kalk bei etwa 3 Eiſen⸗ oxyd und Thonerde. Die Analyſe eines ausgeſucht ſchönen Stückes hard rock ergab nach den Mitteilungen von A. Keller“*) 0,92 2% Waſſer, 4,40% Fluorcalcium, 83,14% Calciumphosphat, 3,63%, Calcium⸗ carbonat, 1,52% Thonerde, 0,45% Eiſenoxyd, 4,13% Kieſelſäure. Dieſes Phosphat bildet zum Teil mächtige Blöcke von mehreren tauſend Kilo Gewicht(boulders), zum Teil nuß⸗ bis fauſtgroße Stücke (gravels), welche in Sand, Thon oder weichem, mürbem Phosphat (soft phosphate) eingebettet liegen. In der Umgegend von Okala, bei Anthony und Sparr wird ein Phosphat in handgroßen unregelmäßig geſtalteten Tafeln von 1 bis mehrere Centimeter Dicke gefunden und als plate rock bezeichnet; es enthält durchſchnittlich 74 bis 78% Calciumphosphat und ruht immer auf dolomitiſchem Kalkſtein, der unregelmäßige ſpitze Kegel und Säulen bildet; auch die Zwiſchenräume zwiſchen den verſchiedenen Kalkkegeln ſind mit dem Phosphat ausgekleidet, welches in Sand und Thon gebettet iſt. Dieſe Form des Vorkommens von plate rock erinnert ſehr an dasjenige der Sommephosphate. Das weiche thonige soft phosphate kommt mit dem harten ver⸗ geſellſchaftet vor, iſt aber immer phosphorſäureärmer als das letztere und durch ſeinen hohen Eiſenoxyd⸗ und Thonerdegehalt zur Super⸗ phosphatfabrikation nicht mehr verwendbar. Im soft phosphate von der Alafia⸗Bucht wurden 44% Calciumphosphat, 7,5% Eiſenoxyd, 10,25% Thonerde gefunden. Südlich von den bisher genannten Fundſtätten und zwar von Bartow ab, insbeſondere im Flußgebiet des Peace⸗river, wird eine andere Art des Phosphatvorkommens, die ſogenannten pebbles aus⸗ gebeutet. Das Pebblephosphat beſteht aus ſtecknadelkopf⸗ bis nuß⸗ großen, gewöhnlich wenige Millimeter im Durchmeſſer zeigenden, erbſen⸗ oder bohnenförmigen Körnern mit abgerundeten Kanten und häufig glänzend polierter Oberfläche. Dieſem äußeren, an kleine Flußkieſel erinnernden Ausſehen iſt der Name pebbles, d. h. Kieſelſteinchen, zu verdanken. An urſprünglicher Lagerſtätte finden ſich die Phosphat⸗ körnchen eingebettet in einen weißen oder grünlichen Thon, aus welchem ſie herausgewaſchen oder durch Trocknen, Zerreiben und Abſieben abge⸗ ſchieden werden müſſen. Dieſes Vorkommen nennt man land-pebbles, im Gegenſatz zu den river-pebbles, welche durch die Natur, und zwar von den Waſſerläufen aus ihrer urſprünglichen thonigen Lager⸗ ſtätte ausgewaſchen und an verſchiedenen Stellen der Flußufer ange⸗ ſchwemmt oder auf dem Flußbett abgelagert werden. Die land-pebbles ſind in beſonders bemerkenswerten Lagern *) Chemiker⸗Zeitung XVI, 111. A 56 Floridaphosphat. und zwar von ½ bis zu 10 Metern Mächtigkeit zwiſchen dem Alafia und dem Peace⸗river erſchloſſen worden in den Grafſchaften Polk, Hilsborough, De Soto und Manatee. Am reichſten iſt ein ca. 6—7 Quadratmeilen großer Landſtrich zwiſchen Bartow, Fort Meade, Chicora und Callsville. Der mittlere Gehalt der land- pebbles an phosphorſaurem Kalk beträgt 66— 68%, bei 2— 3% Eiſenoxyd und Thonerde. Die Förderungsarbeit beſteht zunächſt in dem Abgraben der die phosphatführenden Thone deckenden, ½ bis 1 Meter dicken Sandſchicht; dann wird der phosphathaltige Thon mit Baggermaſchinen gehoben und der Thon durch Waſchen beſeitigt. Die Flußpebbles(river-pebbles) ſind ihrer Natur nach den Landpebbles ganz gleichartig, nur ſind ſie ſchon ſo gut wie vollſtändig (durch natürliche Waſchungen) befreit von dem einhüllenden Thon und meiſt glänzend poliert. So werden ſie in oft mächtigen Bänken an die Flußufer geſpült oder liegen auf dem Grunde der Flüſſe; ſie ſind nur Landpebbles auf ſekundärer Lagerſtätte. So wie die Flüſſe bei ihrer oft ſehr gewaltigen Stromſtärke den phosphathaltigen Thon des feſten Landes mit ſich fortreißen und an anderer Stelle das aus⸗ gewaſchene Phosphat in Bänken anſchwemmen, nehmen ſie andrerſeits beim Steigen des Waſſers auch zuweilen dieſe Phosphatbänke wieder fort, ſodaß eine beſtimmte Stelle des Ufers von einem Tag zum andern des Phosphates ſo gut wie vollſtändig beraubt ſein kann. Die Flußpebbles werden durch mächtige Baggermaſchinen mit dem Fluß⸗ ſande zugleich emporgehoben und ſammt Waſſer auf ſchräg geſtellte Siebe geſtürzt, von denen Sand und Waſſer wieder in den Fluß zu⸗ rückfällt, während das gröbere Phosphat auf der durch das Sieb ſelbſtgebildeten ſchiefen Ebene ans Ufer geleitet und von dort zu den Trockenapparaten geführt wird. Infolge der wenig ſorgfältigen Reinigungs⸗ arbeiten zeigen die river-pebbles einen mittleren Gehalt von nur 60— 65% phosphorſaurem Kalk. Die phosphatreichſten Gewäſſer ſind die ſchon mehrfach genannten Alafia⸗ und Peace⸗river. Bei der noch nicht in geregeltem Gang befindlichen Ausbeutung der Floridaphosphate ſteht die Produktion noch nicht auf der dem Reichtum der Phosphat⸗ lager entſprechenden Höhe. Nach den Angaben von Maizières betrug die 1891 zum Verſandt gekommene Menge von Floridaphosphaten 182 000 Tonnen à 1000 Kilo; die Produktion des Jahres 1892 be⸗ lief ſich auf 355 000 Tonnen, von denen 249 000 Tonnen exportiert, 106 000 Tonnen in Amerika verbraucht worden ſind. Anhangsweiſe ſeien hier noch die vor einigen Jahren aufgefundenen Phosphatlager in Tunis erwähnt, die in dem Gebirgsmaſſiv Zimrah, Sedja und Stah im Weſten von Gafſa entdeckt worden ſind. Die ausbeutefähige Schicht ſoll auf eine Länge von 50 Kilometer eine Mächtigkeit von 8 bis 12 Meter beſitzen und ca. 6 Millionen Tonnen Phosphat liefern können. Die geförderten Produkte enthalten 54 bis Lot⸗Phosphat. Phosphat von Lüttich. 57 60% phosphorſauren Kalk und können durch Waſchen gleichmäßig auf 62% angereichert werden. Geringere Lager ſind im Süden von Gafſa, im Maſſiv von Jellabia Sehib und Rofſa vorhanden.“ Eine gute Aufnahme hat das franzöſiſche Phosphat gefunden, welches man im Gebiete des Fluſſes Lot, eines Nebenfluſſes der Garonne, gewinnt und daher als Lot⸗Phosphat bezeichnet. Das Geſtein iſt von opalartigem Ausſehen und grauer Farbe; es löſt ſich leicht in Säuren, da es viel kohlenſauren Kalk, dagegen wenig Eiſenoxyd enthält und iſt daher ein recht brauchbares Material zur Bereitung von Superphosphat. Der Minimalgehalt der bis jetzt verſchifften Quantitäten betrug etwa 70 Proz. an phosphorſaurem Kalk. Dasſelbe findet ſich bei St. Auguſtin und Caylux im Departement Tarn et Garonne in Frankreich. Bobierre fand in verſchiedenen Proben desſelben: Sand.. 1,0 4,70 12,7 12,6 3,9 1,0 1,14 09 Phosphorſäure. 38,0 32,94 36,5 35,8 36,8 37,1 37,0 38 4 Galk... 51,47 2 7 5 5? 51,5 48,9 Sehr bedeutende Phosphorlager ſind in den letzten Jahren im öſtlichen Belgien bei Lüttich aufgedeckt worden, die ſeit dem Aufhören des Lahnphosphorits für das weſtliche Deutſchland von großer Wichtig⸗ keit geworden ſind. Dieſelben ſtammen urſprünglich aus tieriſchen Reſten der Kreideperiode. Die Dicke der Phosphatſchicht wird auf 50— 60 cm angegeben; ſie wird bergmänniſch durch Schächte abgebaut. Das Phosphat von Lüttich muß bei gelinder Wärme getrocknet werden und enthält dann durchſchnittlich 50— 60% phosphorſauren Kalk und 2— 3% Eiſenoxyd und Thonerde. Es iſt ſehr porös und ſchließt ſich daher leicht und vollkommen auf. Nach Barth ergaben die vollſtändigen Analyſen der beiden Hauptqualitäten folgende Zahlen: 55— 60 50— 55 proc. Phosphat proc. Phosphat Unlösliches 15,34 21,27 Feuchtigkeit 0,93 0,85 Chemiſch gebundenes Waſſer 2,83 2,53 Kalk 40,64 38,01 Magneſia 0,79 0,81 Eiſenoxyd und Thonerde 2,39 3,30 Phosphorſäure 27,20 25,08 Kohlenſäure 3,10 3,00 Lösliche Kieſelſäure 0,80 0,75 Fluorcalcium, Gips⸗ pp. Verluſt 5.93 4,40 Das Hauptlager befindet ſich auf dem Plateau von Hesbaye zwiſchen Rocour und Vottem nördlich von Lüttich am rechten Ufer der Maas; es zieht ſich bis nach Lüttich ſelbſt hin. Es werden fortwährend neue Lagerſtätten aufgeſchloſſen. 58 Somme⸗Phosphat. Ardennen⸗Phosphat. Für Nord⸗Frankreich und England iſt ein in neuerer Zeit(ſeit etwa 1886) aufgeſchloſſenes Phosphatlager im Departement Somme von Bedeutung geworden. Dasſelbe liegt in der Nähe der Stadt Doullens bei Beauval und Beauquesne an der Grenze des Departe⸗ ments Pas de Calais und zieht ſich bis in dieſes hinein. Das Somme⸗ phosphat beſteht in der Hauptſache aus ſandartigen Maſſen, welche in taſchenartigen Vertiefungen in einer Kreidebank liegen. Nach Breton und Nantier enthalten die Phosphate von Beauval phosphorſauren Kalk... 74—78 Proz. kohlenſauren Kalk... 9 10„ Eiſenoxyd und Thonerde.. 1,5— 2,5„ Fluorcalcium..... 3„ die Phosphate von Orville nach Cornaille und Delattre phosphorſauren Kalk... 77— 78 Proz. kohlenſauren Kalk.... 4— 9„ Eiſenoxyd und Thonerde.. 1— 5„ Fluorcalcium... 3 Die Aufbereitung des Phosphates beſteht darin, daß der Sand getrocknet, das Feine abgeſiebt, das Grobe gemahlen wird. Einige Qualitäten werden auch durch Waſchen hergeſtellt. Beim Handel mit dieſen Phosphaten wird der Eiſenoxydgehalt desſelben jederzeit ſorgfältig berückſichtigt, dergeſtalt, daß dasſelbe bei gleichem Gehalte an Phosphorſäure ſich teurer oder billiger ſtellt, je nachdem der Eiſengehalt niedriger oder höher iſt. Das Sommephosphat ſchließt ſich gut auf; es wird, außer in Frankreich ſelbſt, ſehr viel in Deutſchland und in England verbraucht. Auch in der Kreide der Ardennen beſſtzt Frankreich ein nicht unbedeutendes Phosphatlager; dasſelbe hat aber für uns nur geringes Intereſſe, da der Gehalt des gefundenen Minerals an phosphorſaurem Kalke ziemlich niedrig iſt. Es enthält nach Delattre nur 36— 43 Proz. phosphorſauren Kalk. Die bisher beſprochenen mineraliſchen Phosphate ſind im weſent⸗ lichen formlos, von Kriſtallbildung kann bei ihnen nicht viel die Rede ſein. Sie bilden daher auch nicht allzufeſte Maſſen und ſind im all⸗ gemeinen ziemlich leicht in Säuren löslich. Anders die beiden phosphatiſchen Geſteine, von denen wir jetzt ſprechen wollen, nämlich der echte Phosphorit oder Apatit und der Lahnphosphorit. Schon der Begründer der mineralogiſchen Wiſſenſchaft, Werner, beſchrieb ein Mineral, welches bei Lagroſan und Truxillo in der ſpaniſchen Provinz Eſtremadura vorkommt, und von ihm Phosphorit genannt wurde, nicht weil, was man erſt ſpäter erkannte, in demſelben Phosphorſäure ſich befand, ſondern weil es beim Erhitzen ſtark mit grünem Lichte phosphoreszierte. Das feſte, apatitartige, großkriſtalliniſche und faſt weiße Mineral tritt daſelbſt Echter Phosphorit(Apatit). 59 als Ausfüllung der Gänge des ſiluriſchen Schiefers auf und iſt bänder⸗ artig mit Quarz durchwachſen, der aber durch ſein äußeres Anſehen, ſeine helle Farbe und größere Durchſcheinigkeit ſich von demſelben ſcharf unterſcheiden läßt. Durch Pochen und Klauben kann man das Phosphat ziemlich rein abſcheiden. Der dort zu Tage tretende Gang iſt von 4—5 m Mächtigkeit und hat eine beträchtliche Länge. Das Lager wurde zuerſt von dem bekannten Geologen Daubeny im Jahre 1844 genauer erforſcht und auf ſeine Veranlaſſung wurde auch bald darauf die Ausbeutung desſelben unternommen. Trotz der enormen Schwierig⸗ keiten, die der Transport des Minerals auf Karren oder bei ſchlüpfrigen Wegen auf Eſeln durch das Gebirge nach der Eiſenbahn bietet, wurde das Unternehmen doch durchgeführt. Das Produkt wird unter dem Namen Eſtremaduraphosphorit in Liſſabon nach England und Deutſchland verſchifft. Anfangs enthielt es an 80 Proz. Kalkphosphat, jetzt aber kommt es mit geringerem Gehalt in den Handel. Das ſonſt ſo vorzügliche Material, welches weder kohlenſauren Kalk, noch Eiſen⸗ oxyd, außer in Spuren, enthält, iſt dadurch etwas in Mißkredit ge⸗ kommen, es wird aber in ſein wohlverdientes Recht wieder eintreten, da die den Markt früher beherrſchenden Guanophosphate knapp ge⸗ worden ſind. Die Zuſammenſetzung des reinen Geſteines iſt die des Apatits,*) nämlich baſiſch phosphorſaurer Kalk mit Fluorcalcium, wobei das Fluor auch durch Chlor vertreten ſein kann. Als ſonſtige Beimiſchung des Kalkphosphates findet man, wie oben geſagt, nur Ouarz, kohlenſaurer Kalk kommt wohl vor, doch nur in geringen Mengen. Von den Verunreinigungen ſtört nur das Fluor bei der Verarbeitung desſelben zu Superphosphat etwas durch die Bildung von Fluorwaſſerſtoff, der den Arbeitern läſtig und unter Umſtänden ſchädlich iſt. Der Quarz ſchadet nur dadurch, daß er den Phosplatgehalt herabdrückt. Analyſen des Phosphorits ſind von B. Niederſtadt**) ver⸗ öffentlicht. Derſelbe fand in vier verſchiedenen Ladungen: I. II. III. IV. Proz. Proz. Proz. Proz. Baſ. Kalkphosphat... 54,691 62,352 57,369 59,574 „ Magneſiaphosphat. 7,010 1,605 0,708 3,977 Kohlenſauren Kalk. 8,065 13,688 7,385 13,327 Schwefelſauren Kalk.. 1,200 2,440 1,599 0,858 *) Die chemiſche Formel des Apatits iſt: (PO.) 3 Cas CI(Chlorapatit), oder (POa) 3 Caz FI(Fluorapatit), den denen erſterer 89,4 Proz., der andere 92,3 Proz. phosphorſauren Kalk enthält. **) Bericht der deutſchen chemiſchen Geſellſchaft zu Berlin. 60 Caceres⸗Phosphat. Kanada⸗Apatit. 1. II. III. IV. Proz. Proz. Proz. Proz. Eiſenoxyd.. 0,621 0,528 0,453 0,910 Thonerde...... 0,165 0,985 0,405 0,427 Fluorcalcium..... 1,520 1,204 1,822 0,983 Mangan.. Spur—— Spur Kieſelſäure(Luar)... 25,720 16,412 29,428 19,164 Waſſer..... 0,250 0,175 0,790 0,721 99,242 95,389 99,959 99,941 darin Phosphorſäure.. 28,850 20,679 26,663 29,455 Dem Phosphorit ähnlich iſt das ſog. Caceres⸗Phosphat, welches 1865 in der Nähe von Caceres an der Bahn von Eſtremadura nach Portugal aufgefunden worden iſt. Dasſelbe enthält in ſeiner reinſten Qualität 4—6 Proz. kohlenſauren Kalk, 1—1 ½ Proz. Eiſen⸗ oxyd und Thonerde und 70— 72 Proz. phosphorſauren Kalk mit 32— 33 Proz. Phosphorſäure. Phosphorite(Apatite) hat man an vielen Stellen der Erde gefun⸗ den, doch vereinigen nur wenige Fundorte die Mächtigkeit des Lagers mit der Reinheit des Minerals, wie der in Spanien. So fand man ein Lager faſt reinen Apatits mit oft fuß⸗ großen Kryſtallen zu Hammond im Staate Newyork und in Hurdstown daſelbſt; ein ebenſolches Lager fand ſich in Krageroe in Norwegen, dasſelbe iſt jedoch jetzt ſchon abgebaut. Derſelbe Fall ſcheint mit dem weniger reinen, erdigen Phosphorit von Amberg und Pilgrammsreuth in Baiern eingetreten zu ſein. Nur der Kanada⸗Apatit kommt in größeren Mengen in den Handel. Derſelbe findet ſich im Inneren Kanadas und zwar in den Provinzen Ontario und Ottawa, wo er in ſchmalen Adern oder auch in kompakten Lagern bis 15“ Mächtigkeit auftritt. Seine Farbe wechſelt nach Hutton zwiſchen braunrot, bläulich⸗ grün und ſaftgrün, ſeine Struktur iſt derb, kryſtalliniſch oder kryſtalliſiert. Nach demſelben enthält die derbe die kryſtalliſierte Varietät Uhuaphorſauren Kalk 86,61 90,82 Fluorcalcium.. 7,22 5,70 Chlorcaleium..... 0,06 0,14 Kohlenſauren Kalk... 4,47 0,28 Eiſenoxyd......— 0,40 Sand...... 0,10 0,10 Waſſer...... 0,08 0,32 98,54 97,76 Spezifiſches Gewicht.. 3., ‚142 3,166 Lahn⸗Phosphorit. 61 Selbſtverſtändlich ſind die verſchiedenen Varietäten auch in ihrem Veralten bei der Verarbeitung zu Superphosphaten verſchieden. Als die beſte Sorte wird jetzt der Apatit von der Laurenzia⸗ Mine be⸗ trachtet; dieſelbe beſteht, wie ſie gefördert wird, aus reinen, ſaftgrünen Kriſtallen, die ſich in gemahlenem Zuſtande leicht und vollſtändig auf⸗ ſchließen laſſen. Dem Vernehmen nach hat die öfters erwähnte Firma Güßefeld den ausſchließlichen Import des Laurenzia⸗Apatits übernommen, die denſelben in ihren Hamburger Anſtalten pulveriſiert. Die Durchſchnittsanalyſe einer im Auguſt 1878 mit„Little Anne“ angekommenen Ladung ergab nach Dr. H. Gilbert: Waſſer...0,20 Proz. oder Kohlenſäure... 1,02„ Waſſer.... 0,20 Proz. Schwefelſäure. 1,84„ ſchwefelſauren Kalk 3,13„ Phosphorſäure 37,00„ kohlenſauren Kalk. 2,32„ Kalk..... 51,48„ phosphorſ. Kalk 79,59„ Magneſia... 0,46„„ Magneſia 1,00„ Eiſenoxyd u. Thonerde 1,07„ Eiſenoxyd ec.. 1,07„ Fluor..... 3,13„ Fluorcalcium. 6,42„ Kieſelſäure... 4,67 Kieſelſäure.. 5,82„ 100,87 187 Proz 99,55 Proz. ab Sauerſtoff für Fluor 1,32„ 99,55 Proz. Wir wollen hier noch eines Phosphates gedenken, welches Jahr⸗ zehnte lang eine große Rolle auf dem deutſchen Markte ſpielte, näm⸗ lich des Lahn⸗Phosphorites. Im Jahre 1864 entdeckte der Bergwerksbeſitzer Herr Victor Meyer in Limburg bei Schürfarbeiten auf Braunſtein in der Dorfſchaft Staffel bei Limburg an der Lahn ein Phosphat, deſſen Gehalt an phosphorſaurem Kalke und deſſen Mächtigkeit eine bergmänniſche Gewinnung lohnend erſcheinen ließ. Mohr fand in demſelben 67,8 Proz., Freſenius 66,9 Proz. phosphor⸗ ſauren Kalk. Das in dem rohen Bergprodukte enthaltene reine Mineral, welches zuweilen in traubigen Überzügen von faſerigem Gefüge und ſpargelgrüner Farbe vorkommt, wurde als Staffelit bezeichnet und unterſcheidet ſich von den echten Phosphoriten dadurch, daß in ihm außer Fluorcalcium auch kohlenſaurer Kalk in beſtimmten Verhältniſſen mit dem phosphorſauren Kalke verbunden iſt. Dieſes Mineral iſt ſtark mit Thon und anderen mineraliſchen Stoffen verunreinigt, ſo daß das Fördergut nicht ohne weiteres verwertet werden konnte. Durch ſorg⸗ fältiges Ausklauben der größeren Stücke, die an ſich reiner waren, Waſchen, Stampfen und Mahlen wurden aus demſelben mit großer Mühe eine Reihe von Handelsſorten hergeſtellt, deren beſte 70 Proz. phosphorſauren Kalk und 2,4 Proz. Eiſenoxyd und Thonerde enthielt. 62 Üüberſicht der mineraliſchen Phosphate. Die mittlere Qualität enthielt 50 Proz. phosphorſauren Kalk und 9— 12 Proz. Eiſenoxyd und Thonerde. So geringwertig nun auch der Lahn⸗Phosphorit gegenüber den damals noch herrſchenden Guano⸗Phosphaten war, hat er doch über dreißig Jahre lang Deutſchland und beſonders Süddeutſchland und die Rheingegend mit einem billigen Phosphorſäuredünger verſorgt. Jetzt iſt die einſt ſo blühende Induſtrie untergegangen. Anfangs 1896 haben die ſeiner Zeit größten Produzenten von Lahn⸗Phosphorit, die Herren H. und E. Albert in Biebrich a. Rh., ihren Bergbaubetrieb eingeſtellt, nachdem ihnen viele kileinere Firmen ſchon Jahre vorher darin vorangegangen ſind. Dr. Max Barth ordnet in ſeinem ſchon zitierten Werke die mineraliſchen Phosphate nach den geologiſchen Formationen, in denen ſie ſich finden. Ich gebe nachſtehend eine Überſicht derſelben: Geologiſche Bezeichnung der Formation Phosphatee Fundorte Land V Urgebirgs⸗ und Apatit Lawrence⸗County V Staat New⸗York Uebergangs⸗„ Bolton b Maſſachuſetts (laurentiſche)„ South Burgeß Formation und North Elmsly Canada „ Krageroë bei Chriſtiania Norwegen „ Pargas Finnland „— Galizien „ Ural Rußland Siluriſche Phosphorit Logroſan und Prov. Eſtremadura Formation Truxillo in Spanien „ St. Usznica und Nogilew am Dnjeſter Podolien , Proskurow am Bug Devoniſche Lahnphosphorit Dillenburg, Staffel, Formation Breitſcheid, Me⸗ dingen und viele V andere Orte im Lahnthal Heſſen⸗Naſſau —,— die ett 96 die k Überſicht der mineraliſchen Phosphate. 63 Geologiſche Bezeichnung der Formation Phosphate Fundorte Land Steinkohlen⸗ Blackband⸗ Formation Phosphoritſchiefer Hörde Weſtfalen Vereinzelte in den Stein⸗ echte Koprolithen kohlenſchichten Wales u. England Trias Bonebedphosphate Württemberg und Knochenbreccie an Schweiz verſchiedenen Grafſchaft Cheſhire Orten und Lancaſhire in England Jura Echte Koprolithen Lyme⸗Regis an der Südküſte Englands „ an der Severnmün⸗ dung bei Briſtol„ „ Banz bei Bamberg Bayern „ Boll b. Göppingen Württemberg Knollenphosphate Delme Kreis Chateau⸗ (unechte Koprolith.) Salins, Lothringen „ St. Thibault Dep. Coted'or in Frankreich „ Amberg und Königshütte Oberpfalz V Lotphosphat an vielen Orten im Thale des Lot ſüdweſtl. Frankreich Kreide⸗ Koprolithen Bedford England Formation„ Cambridge„ Caceresphosphat Caceres Prov. Eſtremadura in Spanien Phosphat von Kursk u. Woroneſch Süd⸗Rußland Phosphorit von Szigeth an den Ab⸗ hängen der Karpath. Ungarn Koprolithen Peine Prov. Hannover „ Aachen Rheinland „ Maaſtricht Belgien Phosphate von Mesvin und Ciply bei Mons„ 64 überſicht der mineraliſchen Phosphate. Geologiſche Bezeichnung der Formation Phosphate Fundorte Vand Kreide⸗ Lütticher Rocour, Vottem, Formation Phosphate Liers u. andere Orte bei Lüttich Belgien Koprolithen und Pörigneux a. d. Jslee Frankreich ſonſtige Phosphate Rouen a. d. Seine„ „ Anappes b. Lille„ Pſeudokoprolithen Bellegarde a. Rhone„ Phosphat von Quercy Dep. Tarn und Garonne, Frankr. Ardennen⸗ Grandpré, Phosphorit Landres⸗et⸗St.⸗ Georges, Imécourt, Saulces⸗Monclin, Dombasle u. viele andere Orte in den Ardennen Frankreich Phosphorit von Lottinghem, Ques⸗ Boulogne nes, Natringham und Fiennes bei Boulogne Dep. Pas⸗de⸗ Calais, Frankreich Somme⸗ Beauval u. Beau⸗ Phosphorit qquesne b. Doullens Dep. Somme „ bei Orville Dep. Pas⸗de⸗ Calais, Frankreich Tertiär⸗ Koprolithen Helmſtedt Braunſchweig Formation„ Wolmirſtedt und Oſterweddingen Prov. Sachſen Suffolk⸗ Felixſtow, Sutton Koprolithen und Walton England Carolina⸗Phosphat Charleſton Süd⸗Carolina Florida⸗Phosphat an vielen Orten Floridas Phosphate von Zimrah, Sedja ꝛc. Tunis bei Gafſa Tunis Diluvial⸗ foſſile Knochen Formation u. Knochenbreccien an vielen Orten zerſtreut 2nl Die künſtlichen Phosphate. 65 Geologiſche Bezeichnung der Formation Phosphate Jundorte Land Diluvial⸗ Phosphate der Inſel Navaſſa im caraib. Meere Formation.„„ Redonda„„ 7 „„ V„ Rata„„ 1 2 ,„„ Sombrero„„„ „„„ Curacao„„ 2 b. Die künſtlichen Phosphate. 1. Knochenkohle: Die Knochenkohle kommt faſt ausſchließlich als Abfallprodukt der Zuckerinduſtrie in den Düngerhandel. Zum Reinigen des Zuckerſaftes werden zuweilen bedeutende Mengen derſelben verwendet. So lange ſie noch neu, alſo aus Knochen friſch gebrannt iſt, entwickelt ſie eine große Kraft, Zuckerſäfte zu entfärben. Dieſe Kraft verliert ſie jedoch bald. Der Zuckerfabrikant verſteht es aber, ſeine benutzte Kohle durch Gährung, Säuren, Waſchen und darauf folgen⸗ des Brennen wieder in brauchbaren Zuſtand zu verſetzen. Bei dieſen Operationen(der ſog. Wiederbelebung) fällt ſelbſtverſtändlich von der⸗ ſelben(die ſtets in kleinen Stücken, gekörnt, verwandt wird) eine be⸗ ſtimmte Menge als feines Pulver ab, und dieſes wandert dann naß oder getrocknet unter dem Namen Waſch⸗ oder Schlammkohle in die Düngerfabrikation. Iſt die gekörnte Kohle ſchließlich ſo wirkungslos geworden, daß ſelbſt die oben genannten Operationen ſie nicht wieder brauchbar machen können, ſo wird auch ſie in den Düngerhandel ge⸗ bracht. Sie geht unter dem Namen gebrauchte Knochenkohle. Im letzten Jahrzehnt iſt jedoch der Gebrauch der Knochenkohle aus den Rohzuckerfabriken faſt ganz verſchwunden. Nur einige Raffinerien ver⸗ wenden dieſelbe noch. Demgemäß verſchwindet dieſelbe auch als Roh⸗ material für die Düugerfabrikation mehr und mehr vom Markte. Die Zuſammenſetzung dieſer Knochenkohle iſt ſehr ſchwankend, je nach der Art des Betriebes in der betreffenden Zuckerfabrik. Da die Schlammkohle ſtets von den äußeren Teilen der Kohlenkörner ſtammt und da gerade dieſe von der Salzſäure(beim Säuerungsprozeſſe) am meiſten angegriffen werden, ſo enthält ſie im allgemeinen mehr Kohlen⸗ ſtoff, aber weniger Kalkphosphat als die andere Sorte; auch iſt ihr Sandgehalt oft bedeutend. Trotzdem iſt ſie ein beliebtes Rohmaterial für die Superphosphatfabrikation, da ſie ohne weitere Vorbereitung verarbeitet werden kann. Ausgebrauchte Kohle enthält zwiſchen 25 und 75 Proz. phosphor⸗ ſauren Kalk, 1,5— 15,0 Proz. kohlenſauren Kalk und bis zu 1 Proz. Rümpler, Düngeſtoffe. 4. Auflage. 5 66 Knochenkohle. Knochenaſche. Gips. Die Schlammkohle iſt an allen dieſen Stoffen am ärmſten. Da dieſelbe aus den Zuckerſäften ſehr viele der ſtickſtoffhaltigen Subſtanzen aufnimmt, ſo iſt ſtets etwas Stickſtoff in derſelben nachzu⸗ weiſen, doch ſind dies faſt immer nur höchſt geringe Mengen(bis zu 1 Proz). Vor längeren Jahren kam auch eine beſtimmte Sorte neuer Knochenkohle in den Düngerhandel. Die Knochen wurden nämlich früher in großen Stücken gebrannt und dann erſt für den Ge⸗ brauch der Zuckerfabrikation in kleinere Körner verwandelt. Dabei fiel ſehr viel Staub und Grus ab, die dann dem Düngermarkte zu gute kamen, ſoweit ſie nicht für Schuhwichſe, Farbe und dergl. kleinere Induſtrien verwertet werden konnten. Jetzt arbeiten die Knochenbrennereien vorteilhafter, indem ſie die Knochen vor dem Brennen in Körner verwandeln und die gekörnten Knochen brennen. Dabei fällt nur etwas Knochenmehl, aber ſehr wenig Knochenkohlen⸗ grus ab, der faſt immer zu Beinſchwarz vermahlen wird. Folgende beiden Analyſen von Renner entſprechen der mittleren Zuſammenſetzung ungebrauchter Knochenkohle: J. II. Kohlenſtoff....... 9,6 9,7 Schwefelſaurer Kalk..... 0,2 0,3 Kohlenſaurer Kal!l..... 8,6 7,8 Phosphorſaurer Kalk... 78,3 77,9 Phosphorſaure Magneſia. 1,3 1,3 Kochſalz.. 0,5 0,5 Sand, Thon ꝛc....... 0,8 0,8 Eiſenoxydul....... 0,2 0.3 Alkalien, Schwefel cc.. 0,5 1,4 100,0 100,0 2. Knochenaſche. Dieſelbe wird ſeit Jahren aus den großen Ebenen Südamerikas nach Europa verſchifft. Der üppige Graswuchs jener Gegenden ernährt eine große Zahl von Rindvieh⸗ und Schafherden, deren Stammeltern früher aus Europa dorthin geſchafft worden ſind. Die Viehzucht iſt ſo beträchtlich, daß, nach den Angaben von Dr. L. Meyn, auf jeden Kopf der ländlichen Bevölkerung in manchen Gegenden gegen 1000 Stück Großvieh kommen. Von den geſchlachteten Tieren werden nur Hörner, Häute und Fett ausgeführt, das Fleiſch wird nur zum geringſten Teile zur menſch⸗ lichen Nahrung verwandt, der größte Teil verweſt oder wird von Raubtieren verzehrt. Die Knochen werden getrocknet und dienen als Brennmaterial in der Haushaltung und beim Auskochen des Fettes, da anderes Brennmaterial dort faſt nicht vorhanden iſt. So haben ſich in der Nähe der Wohnungen ſeit 1 bis 200 Jahren ganze Berge von Knochenaſche angehäuft, die vor kurzem noch für die Bauern wert⸗ Knochenaſche. Leimkalk. 67 los waren. Seitdem nun aber der Düngerkonſum ein ſo bedeutender geworden iſt, hat man auch den Wert dieſer Aſchenhaufen ſchätzen gelernt. Sie werden von den Landleuten bei Verladung von See⸗ ſchiffen auf Wagen nach den Hafenplätzen geſchafft und als Ballaſt ver⸗ packt. Da dieſe Aſche mehr oder weniger pulverig iſt, können mit ihr zuſammen auch die ſonſt ſperrigen Knochen nach Europa verſchifft werden. Durch die ſtete Nachfrage der Düngerfabrikanten nach dieſem vor⸗ züglichen Rohmateriale iſt daſſelbe jedoch faſt vollſtändig vom Markte verſchwunden, da man jetzt in der Regel eine beſſere Berwertung für Knochen hat, als ſie zu verbrennen. Die Zuſammenſetzung der reinen Kohlenaſche muß der der Knochen⸗ kohle entſprechen, wenn man den Kohlenſtoffgehalt bei letzterer ab⸗ rechnet. Da dieſelbe aber nach Art ihrer Entſtehung mit Sand und erdigen Stoffen verunreinigt iſt, ſtellt ſich ihr Gehalt an phosphorſaurem Kalke niedriger. Ich fand in 100 Teilen eine Durchſchnittsprobe: Phosphorſauren Kalk. 67,2 Teile Kohlenſauren Kalk.. 3,6„ Atzkalk*)..... 1,1„ Meiſtens iſt aber der Gehalt an Kalkphosphat bedeutender, bis über 75 Proz., dagegen ſteigt aber auch der Gehalt an Ätzkalk und kohlenſaurem Kalke oft bis 10 Proz. Durch Abſieben der groben Stücke, die faſt reine Aſche vorſtellen, erhält man ein Produkt von ca. 85 Proz. Kalkphosphat, dagegen iſt der Grus ſelbſtverſtändlich ärmer, weil aller Sand in denſelben übergeht. 3. Phosphorſaurer Kalk der Leimfabriken, Leimkalk, Knochen⸗Präcipitat. Übergießt man Knochen mit verdünnter Salzſäure, ſo löſen ſich die in denſelben enthaltenen Phosphate auf und es bleibt eine knorpelige Subſtanz zurück, aus der man, nach dem Auswaſchen, durch Kochen mit Waſſer Leim erhält. Dieſes Verfahren wird in den Knochenleimfabriken angewandt. Früher wurde die ſauere Phosphatlöſung als wertlos ohne weiteres in den nächſten Fluß gelaſſen, jetzt aber gewinnt man in den meiſten Fabriken das für den Landwirt ſo wertvolle Kalkphosphat wieder, indem man dasſelbe aus ſeiner Löſung durch Atzkalk niederſchlägt. Leider verwandten viele Fabrikanten eine ſehr geringe Sorgfalt auf die Herſtellung dieſes Produktes; ſie brachten es oft mit 12 bis 15 Proz. und mehr kohlenſaurem oder Ätzkalk, oft auch mit ſehr viel Chlorcalcium, in den Handel und machten es dadurch für die Düngerfabrikation weniger geeignet. Eine von W. Wicke ausgeführte Analyſe des Leimkalkes ergab folgende Reſultate:*) *) Die Knochenaſche enthält ſtets etwas Atzkalk, entſtanden aus dem kohlen⸗ ſauren Kalke durch Einwirkung der Hitze. **) Jahresbericht für Agrikulturchemie Bd. IX, S. 249. 5* Phosphorſaurer Kalk der Leimfabriken. Waſſer und organiſche Stoffe 26,10 Proz., darin Stickſtoff 2,68 Proz. phosphorſauer Kalk.. 53,49„. phosphorſaure Magneſia. 2,17 1—„ Phosphorſäure phosphorſaures Eiſenoxyyd. 5,31 14 28,16 Proz. ſchwefelſauren Kall.. 2,07„ kohlenſauren Kalk... 0,88„ Chlorcealcium..... 3,49„ Kalk..... 0,46„ Kali...... 0,21 Proz. Natron.... 0,29„ Unlösliches.. 5,53„ 100,00 Proz. Wehles) fand: 52,09 Proz. phosphorſauren Kalk= 23,86 Proz. Phosphorſäure. 9,12„ organiſche Subſtanz. 0,72„ Silicate. 16,86„ Chlorcalcium. und 20,44„ Waſſer. Neuerdings iſt die Herſtellung des Leimphosphates weſentlich ver⸗ beſſert worden; das jetzt in den Handel kommende Fabrikat iſt meiſt von ganz vorzüglicher Beſchaffenheit. Man ſetzt nämlich der ſauren Phosphatlöſung nur ſo viel Kalkmilch zu, daß dieſelbe noch ſauer bleibt; nachdem ſich die Flüſſigkeit geklärt, wird ſie von, dem aus⸗ geſchiedenen Phosphate abgezogen und alsdann in beſonderen Gefäßen vollſtändig ausgefällt. Der zuerſt entſtandene Niederſchlag liefert das gute Fabrikat; derſelbe wird in ein großes, im Freien aufgeſtelltes Baſſin abgelaſſen, welches aus Brettern zuſammengeſchlagen, doch nicht ſo dicht iſt, daß die im Phosphat zurückgehaltene Flüſſigkeit nicht ab⸗ laufen könnte. Nachdem das Phosphat längere Zeit in demſelben ge⸗ legen hat und dabei durch den Regen zum größten Teile ſeines Chlor⸗ calciumgehaltes beraubt iſt, wird es in Ofen getrocknet und ſchließlich, wenn es nicht direkt an die Landwirtſchaft geliefert werden kann, mit Schwefelſäure in Superphosphat verwandelt(ſ. dieſes).**) Das bei der zweiten Fällung erzielte unreine Produkt wird friſcher Löſung zugeſetzt, in welcher es ſich zum Teile auflöſt. Eine Analyſe dieſes Leimkalkes, welche ich der Freundlichkeit des Herrn Dr. C. Reidemeiſter in Schönebeck verdanke, ergab: *) Organ des Vereins für Rübenzucker⸗Induſtrie in Hſterreich⸗Ungarn 1874. XII. **) Von dieſem Leimkalk wird ein großer Teil, ſelbſtverſtändlich ſehr ſorgfältig ausgewaſchen, als Futterkalk in den Handel gebracht. Phosphorſaurer Kalk der Leimfabriken(Präzipitat). 69 Phophorſünre⸗ 32,71% oder: Kalk..... 32,27„ baſ. Kalkphosphat.. 46,50 0ſ0 Magneſia... 1,82„ halbſ. Kalkphosphat. 15,27„ Eiſenoxyd und Thonerde 0,37„ halbſ. Magneſiaphosphat 5,46„ Schwefelſäure.... 0,73„ phosphorſ. Eiſenoxyd. 0,70„ Chlor...... 0,48„ ſchwefelſ. Kalk.. 1,24„ Natron.. Spuren Chlorcalcium.. 0,72„ Unlösliches.... 0,42„ Unlösliches.. 0,42„ Waſſer u. organ. Subſtanz 31,31„ Waſſer u. organ. Subſtanz 29,69„ 100,11 100,00 ab Sauerſtoff für Chlor 0,11 100,00 Aus dieſer Analyſe geht hervor, daß dieſes Phosphat reichlich ein Drittel ſeiner Phosphorſäure in Form halbſaurer Phosphate enthält, entſtanden durch Wechſelzerſetzung zwiſchen dem baſiſchen und dem ſauren Phosphate(Seite 38). Dieſer Prozeß, den wir auch ſpäter bei Gelegenheit der Superphosphatfabrikation wieder beobachten können, vollzieht ſich nach der Formel Pe Os Caz+[ P Os CaHl.+ 8H2 O= 4(PO CaH+ 2. 0). Wenn man mit der Abſtumpfung der Säure in der Phosphat⸗ löſung noch vorſichtiger zu Werke geht, erhält man, wenn nicht ſämt⸗ lichen, ſo doch den größten Teil der Phosphorſäure in Form von halbſaurem Phosphate. Auf den landwirtſchaftlichen Wert dieſes Phosphates werden wir am Schluſſe dieſes Abſchnittes zurückkommen. Fabrikanten geringerer Sorten des Leimkalkes bringen oft denſelben gar nicht in den Handel, ſondern mahlen ihn mit den getrockneten, ſtick⸗ ſtoffhaltigen Rückſtänden der Leimbereitung(dem ſogen. Leimſatz, be⸗ ſtehend aus Haaren, häutigen Teilen, Knochenreſten ꝛc.) zuſammen und ſuchen das Gemiſch direkt an den Landwirt zu verkaufen. Uber den Wert dieſes Produktes werde ich ebenfalls ſpäter ſprechen. 4. Die Thomasſchlacke. Ein anderes hierher gehöriges Kunſt⸗ produkt iſt die jetzt in großen Mengen in den Handel kommende Thomasſchlacke. Dieſelbe wird bei der Darſtellung von phosphor⸗ freiem Stahl als Nebenprodukt gewonnen. Dieſes Verfahren iſt eine Verbeſſerung des Beſſemer⸗Prozeſſes und wurde im Jahre 1879 den Engländern Thomas und Gilchriſt patentiert. Es beſteht darin, daß man die ſog. Beſſemer⸗Birnen, große birnenförmige, um eine horizontale Achſe drehbare Gefäße, in denen das zu reinigende Eiſen geſchmolzen wird, mit aus Dolomit und Theer bereiteten Steinen aus⸗ kleidet. Bläſt man nun, nach dem bekannten Beſſemer⸗Verfahren, atmoſphäriſche Luft in die geſchmolzene Eiſenmaſſe, ſo werden die Ver⸗ nnreinigungen derſelben durch den Sauerſtoff oxydiert, das im Eiſen 70 Die Thomasſchlacke. enthaltene Mangan wird zu Manganoxyd, Silicium zu Kieſelſäure, der Kohlenſtoff zu Kohlenſäure und endlich verbrennt auch der Phosphor zu Phosphorſäure. Der in der Auskleidung der Birne enthaltene Kalk verbindet ſich mit dieſer Phosphorſäure zu phosphorſaurem Kalk, der ſich mit den übrigen ausgeſchiedenen Stoffen zuſammen als Schlacke auf der Oberfläche der Schmelze anſammelt. Damit die Phosphor⸗ ſäure den zu ihrer Bindung nötigen Kalk nicht ausſchließlich aus den zur Auskleidung der Birne verwendeten Steinen zu nehmen hat, die dadurch ſehr angegriffen werden, ſetzt man der Beſchickung von vornherein einen gewiſſen Prozentſatz an Kalk zu. Nach Beendigung des Reinigungs⸗Prozeſſes wird durch Neigen der Birne die Schlacke abgegoſſen und auf die Halde gefahren. Es iſt dies die Thomasſchlacke, die in ihrer urſprünglichen Form ſchwärz⸗ lich grüne, blaſige Maſſen darſtellt. Dieſelbe wird für den Handel durch Ausſuchen der Eiſenteile und Mahlen hergerichtet(Thomas⸗ ſchlackenmehl). Selbſtverſtändlich, der Herſtellungsweiſe entſprechend, iſt die Tho⸗ masſchlacke ſehr verſchiedenartig zuſammengeſetzt, da das Roheiſen die Verunreinigungen in wechſelndem Verhältniſſe enthält. Nach P. Wagner iſt die mittlere Zuſammenſetzung ungefähr 17% Phos phorſäure 0„ Kalk, an Phosphorſäure, Kieſelſäure, Schwefel⸗ ſäure und Kohlenſäure gebunden 15„ freier Kalk 12„ Eiſenoxyd und Eiſenoxydul. Eine vollſtändige Analyſe von Thomasſchlacke findet ſich im Hand⸗ buche für chem. Technologie von Dr. Ferd. Fiſcher, dieſelbe ergab: Phosphorſäure.. 15,75% Kalk..... 44,00„ Magneſia... 2,80„ Manganoxydul.. 4,60„ Thonerde.... 7,50„ Eiſenoxydul... 4,53„ Eiſenoxyd.... 1,64„ Kieſelſäure... 17,40„ metall. Eiſen... 4,63„ Durch Verminderung des Kalkzuſatzes zur Schmelze hat man in neuerer Zeit den Phosphorſäuregehalt der Schlacke erhöht. In Deutſchland hat man ſolche von 25— 26% Phosphorſäure. In neueſter Zeit werden Verſuche gemacht, die Thomasſchlacke mit Kieſelſäure(Quarzſand) oder auch mit kieſelſauren Alkalien(Waſſer⸗ glas) zuſammen zu ſchmelzen, da man entdeckt hat, daß dadurch die Löslichkeit der Phosphorſäure für die Pflanzenwurzeln erhöht wird. Die Superphosphate. 1 2. Klaſſe: M Die Iuperphosphate(ſaurer phosphorſaurer Kalk). Der erſte Verſuch, den in der Natur vorkommenden baſiſch phos⸗ 1 phorſauren Kalk in lösliches Phosphat zu verwandeln und als ſolches t zur Düngung zu verwenden, wurde von Liebig angeregt. Derſelbe g machte im Jahre 1840 den Vorſchlag, die Wirkſamkeit des Knochen⸗ mehles durch Behandeln desſelben mit Schwefelſäure zu erhöhen. 1 Wurde auch anfangs dieſe Idee als theoretiſche Spielerei beiſeite ge⸗ 8 ſchoben, ſo verſuchte man ſie doch bald wenigſtens auf mineraliſche 2 Phosphate anzuwenden. Das Verdienſt dieſes erſten Schrittes gebührt 4 dem Landwirte Mr. Fleming zu Barrochan in England. Er ver⸗ wandelte, nicht in einer Fabrik, ſondern auf ſeiner Scheunentenne, 3 engliſche Koprolithen in Superphosphate(1841) und erzielte mit dem ſo hergeſtellten Dünger auf ſeinem Acker ſo bedeutende Erfolge, daß 4 er ſehr bald Nachfolger fand. Der Knochenmehlfabrikant Lawes war 3 der erſte, der es 1843 verſuchte, Superphosphat in größtem Maß⸗ ſtabe als Handelsware herzuſtellen. So wurde durch dieſen einen Gedanken Liebigs nicht die Düngerinduſtrie in neue Bahnen gelenkt, nein, ſie wurde ganz neu geſchaffen; aber, wie das nur zu oft vor⸗ L gekommen iſt, hatten nicht die deutſche Induſtrie und die deutſche Landwirthſchaft den Nutzen davon, die Idee mußte nach England aus⸗ wandern und kehrte von dort aus ſpäter, ins Praktiſche übertragen, zu uns zurück. Erſt im Jahre 1850 entſtand in Deutſchland, und d⸗ zwar in Lehrte, die erſte Superphosphatfabrik. Die Herſtellung der Superphosphate, man nennt das techniſch das„Aufſchließen“ der Rohphosphate, iſt nichts weiter als das Löslichmachen der in den letzteren enthaltenen Phosphorſäure durch Miſchen derſelben mit Schwefelſäure, d. i. durch Verwandlung des unlöslichen baſiſch phosphorſauren Kalkes in das lösliche ſaure Phosphat. Es wäre dies ein ſehr einfaches Geſchäft, hätte man es ſtets nur mit reinen Kalkphosphaten zu thun. 4 . Shc ääääüäüäöäöäöäööäö nma. de. Fig 2. 72² Herſtellung der Superphosphate. Die früher beſchriebenen Rohmaterialien ſind aber, abgeſehen vom kohlenſauren Kalke, zum großen Teile mit Verunreinigungen behaftet, die mehr oder weniger ſtörend in den Aufſchließungsprozeß eingreifen, vor allem, mit halbſaurem Magneſiumphosphat, Eiſenoxyd, Thon, Fluorcalcium u. ſ. w. Das eigentliche Aufſchließen beſteht, wie ſchon angedeutet, in einem Miſchen des rohen Phosphates mit Schwefelſäure in beſtimmten Ver⸗ hältniſſen. Man nimmt dieſe Arbeit am einfachſten in Gruben vor, die in die Erde eingelaſſen ſind. Als praktiſchſte Anlage bewähren ſich kreis⸗ runde Gruben von ca. 3 m Durchmeſſer, die mit gut gebrannten Mauerſteinen und gewöhnlichem Kalkmörtel ausgemauert ſind. Der Querdurchſchnitt derſelben iſt in Figur 2 dargeſtellt. Die Umfaſſungs⸗ mauer iſt ca. 0,5 m hoch, einen halben Stein ſtark und etwas abge⸗ böſcht. Der Haltbarkeit wegen beſteht der Rand der Grube aus einer ſogenannten Rollſchicht, an welche ſich daun 1— 2 m um dieſe herum eine Pflaſterſchicht anſchließt, die nach innen etwas Fall hat. In dieſe Grube, die ca. 30 Ctr. Rohmaterial faßt, bringt man nun die zum Aunfſchließen einer beſtimmten Menge des Phosphates nötige Schwefelſäure, und ſtreut dann das am Rande aufgeſchüttete, abgewogene Rohmaterial über die ganze Oberfläche der Säure möglichſt raſch und gleichmäßig hin, während ein Ar⸗ beiter mit einer ſogenannten Kalkſchlägerhacke (Figur 3) kräftig umrührt. Ich habe auf dieſe Weiſe ſtets ein viel gleichmäßigeres Produkt erhalten, als wenn ich, wie es häufig geſchieht, das trockene Material mit Säure übergoß. In der Fabrik von Lawes bei London Fig. 3. wird die Miſchung in ſchrägliegenden, bleiernen Cylindern vermittelſt einer ſich drehenden, und das Material dabei fortſchiebenden Schnecke bewerkſtelligt. Ahn⸗ liche Miſchmaſchinen ſind ſeitdem in den meiſten größten Fabriken ein⸗ geführt, weil ſie die Arbeit ſehr erleichtern und eine ſehr ſtarke Pro⸗ duktion erlauben. Das feingemahlene Phosphat läuft mit der be⸗ ſtimmten Menge Schwefelſäure zuſammen am oberen Ende in den Cylinder kontinuierlich hinein, während am unteren Ende die breiige Maſſe heraus⸗ und in untergeſtellte eiſerne Kippwagen läuft, in welchen ſie nach dem Lagerſchuppen gefahren wird. In den Fabriken der Herren Ohlendorff u. Co. geſchieht das Aufſchließen des Peru⸗Guanos in runden, mit Blei ausgelegten Gruben, in welchen mechaniſche Rührwerke das Miſchen beſorgen. Von den drei erwähnten Syſtemen hat ein jedes ſeine Vorzüge und ſeine Schattenſeiten. Was man bei den Miſchmaſchinen an Arbeits⸗ 1 Herſtellung der Superphosphate. 73 löhnen ſpart, ſetzt man, im Verhältnis zu den einfachen Miſchgruben, an Reparaturkoſten, Zinſen und Amortiſation für die teure Anlage wieder zu. In der Leiſtungsfähigkeit ſind wohl alle drei Syſteme einander gleich, da man ja nur die Anzahl der Gruben zu vermehren braucht, wenn man mit dieſen ein größeres Quantum fabrizieren will. Die chemiſchen Vorgänge beim Aufſchließen von reinen Kalk⸗ phosphaten, zu denen nur die Knochenphosphate und echten Phos⸗ phorite zu rechnen ſind, ſind im ganzen einfach: Miſcht man ein Molekül baſiſch phosphorſauren Kalkes((POa4)e Cag) mit zwei Mole⸗ külen Schwefelſäure(S04 Hg), ſo bildet ſich einerſeits ſaures, alſo lösliches Kalkphosphat((POa4)e Ca H)(ſiehe Seite 39), andererſeits ſchwefelſaurer Kalk. Der Prozeß läßt ſich durch die Gleichung (POaD2 Cas+ 2(SO. H)=(POa)e Ca H.+ 2(SO4 Ca) ausdrücken. Man entzieht dem baſiſchen Phosphate zwei Atome Calcium, die, in die Schwefelſäure eintretend, ſchwefelſauren Kalk bilden, und erſetzt dieſelben durch zwei Atome Waſſerſtoff. Enthält das fragliche Rohmaterial, was meiſtens der Fall iſt, kohlenſauren Kalk, ſo bildet ſich aus dieſem ſchwefelſaurer Kalk unter Austritt von Kohlenſäure, und zwar nach der Gleichung 00, Ca † 80, H.= 804 Ca. H. O+† 00. Es würde dabei auch Waſſer frei werden, wenn der ſchwefelſaure Kalk nicht eine große Verwandtſchaft zu demſelben hätte, ſo daß er ſich, ſofort bei der Entſtehung, mit demſelben unter Bildung von Gips verbindet. Wie der kohlenſaure, ſo verhält ſich auch der Ätzkalk. Derſelbe vereinigt ſich mit Schwefelſäurehydrat zu einem Gemenge von ſchwefel⸗ ſaurem Kalk und Gips: Ca O+ S0, H.= SO4 Ca+ H. O. Nach dieſen Gleichungen kann man ſich leicht mit Hilſe der Aqui⸗ valenttafel am Schluſſe des Werkes die zum Aufſchließen eines Zentners irgend eines(rein kalkigen) Phosphates nötige Menge Schwefelſäure⸗ hydrat berechnen, ſobald man deſſen Gehalt an baſiſch phosphorſaurem Kalke(reſp. deſſen Phosphorſäure⸗Gehalt)“*), an kohlenſaurem und eventl. an Atzkalk kennt. Die Ermittelung der Gehaltszahlen geſchieht durch Analyſe. Wir müſſen in betreff der hier einſchlagenden *) Im Düngerhandel bezeichnet man, entſprechend der älteren chemiſchen Theorie, mit dem Namen Phosphorſäure das Anhydrit dieſer Säure(Pz 05) (S. 35) und berechnet auch die Analyſen danach. Dieſen Gebrauch müſſen wir, um Irrungen zu vermeiden, hier beibehalten. 74 Herſtellung der Superphosphate. Methoden auf die betreffenden Lehrbücher verweiſen. Als Beiſpiel diene eine Knochenaſche, in welcher man gefunden habe möge 73,99 Proz. baſiſch phosphorſauren Kalk,= 33,89 Pa 02 3,10„ kohlenſauren Kalk, 0,21„ Akzall. Nach den obigen Formeln kann man nun unter Benützung der am Schluſſe dieſes Werkchens beigegebenen Tafel der Atomgewichte die Menge von Schwefelſäurehydrat(S04 Ha) oder da man im Handel ſtets mit Schwefelſäureanhydrit(S03) rechnet von dieſem, berechnen, welche zur Verwandlung des baſiſchen Kalkphosphates in ſaures Phos⸗ phat und zur Verwandlung des kohlenſauren Kalkes und des Atzkalkes in ſchwefelſauren Kalk nötig iſt. Danach findet man, daß man auf 1 Proz. baſiſches Kalkphosphat 0,6322 Proz. SO4 He oder 0,516„ 80 3 „ 1„ Phosphorſäure(P.O,) 1,3806„ 804H. oder 1,127„ 803 „ 1„ kohlenſ. Kalk 0,98 Proz. 804 Ha oder 0,80 Proz. 803 „ 1„ Atzkalk 1,75 7 804 H 11 1,43 7 8O3 Für obiges Beiſpiel würde man alſo nötig haben: 73,99 0,516= 38,18 3,10 0,8= 2,48 0,21*3 1,43= 0,30 zuſammen 40,96 Proz. S0z3 pro Ztr. Rohmaterial. Da es etwas umſtändlich iſt, jedesmal die eben ausgeführte Rech⸗ nung durchzumachen, ſo füge ich Hilfstabellen bei, deren Anwendung ich nicht weiter zu erklären brauche: brauyhen üranthen brauchen rauchen Tei gleich zum Auf⸗ zum Auf⸗ Tezle zum Auf⸗ e zum Auf⸗ eile Teilen ſchließen Teile ſchließen Teile ſchließen Teile ſchließen Teile Teile Teile Teile (POa)? Cag P, 0 80, P 0; 803[(a C03 803 Ca 0] 803 1 0,458 0,516 1 1,127 1 V 0,8 1 1,43 2 0,916 1,032 2 2,253 2 1,0 2 2,86 3 1,374 1,548 3 3,380 3 2,4 3 4,29 4 1,832 2,064 4 4,507 4 3,2 4 5,72 5 2,290 2,580 5 5,634 5 4,0 5 7,15 6 2,748 3,096 6 6,760 6 4,8 6 8,58 7 3,206 3,612 7 7,887 7 5,6 7 10,01 8 3,664 4, 128 8 9,014 8 6,4 8 11,44 9 4,122 4,644 9 10,140 9 7,2 9 12,87 iſpiel Herſtellung der Superphosphate. 75 Als Schwefelſäure verwendet man nie reine, ſondern ſtets rohe, wie ſie von den Fabriken geliefert wird. Es gehen im Handel drei Sorten von verſchiedenem Gehalte, nämlich höchſt konzentrierte (66°% Baumé, meiſt aber nur 65— 66 wiegend), 78— 80 Prozent Anhydrit oder 95,5— 98 Proz. Schwefelſäurehydrat enthaltend, weniger ſtarke von 60° Baumé mit 64 Proz. SO3 und ſchließlich Säure, wie ſie aus den Bleikammern abgelaſſen wird(Kammerſäure) von ungefähr 50° Baumé und mit ungefähr 51 Proz. S03. Außerdem ſtehen aber den Fabrikanten noch verſchiedene Abfallſäuren, d. h. ſolche, die in anderen Induſtrien benutzt und dadurch verunreinigt worden ſind, meiſt zu ſehr billigen Preiſen zur Verfügung, ſo z. B. in der Gegend von Weißenfels in Thüringen die Säure, welche zum Raffinieren der Pro⸗ dukte der Solar⸗Ol⸗Induſtrie benutzt worden iſt(mit ca. 40 Prozent Säuregehalt), ſalpeterſäurehaltige Schwefelſäure aus Anilinfabriken und dergleichen. Erſtere Säure iſt durch theerige Produkte verunreinigt und ſieht daher ſchwarz aus; letztere iſt verſchieden gefärbt und riecht ſtark nach Salpeterſäure und Verbindungen derſelben, beide eignen ſich aber vorzüglich zum Aufſchließen. Bei Berechnung der zum Aufſchließen von Phosphaten nötigen Säure muß man ſelbſtverſtändlich deren Gehalt an reiner Säure (SO04 Ha oder SO3) kennen. Eine Beſtimmung desſelben auf analytiſchem Wege iſt aber nur bei den zuletzt erwähnten Abfallſäuren nötig; bei den reineren Säuren des Handels genügt es vollſtändig, wenn man das ſpezifiſche Gewicht derſelben nach Graden Baumé mittelſt einer guten Spindel beſtimmt und dann einfach aus nachſtehender Tabelle den Gehalt ablieſt. 76 Schwefelſäure⸗Tabelle. Gehalt der verdünnten Schwefelſäure an waſſerfreier Säure und an Säurehydat nach Bineau. ade Bei 00 Bei 15° C Gr Spezifiſches nach Gewicht 100 enthalten 100 enthalten Baumè 804 f 802 804 H 803 5 1,036 5,1 4,2 5,4 4,3 10 1,075 10,3 8,4 10,9 8,9 15 1,116 15,5 12,7 16,3 13,3 20 1,161 21,2 17,3 22,4 18,3 25 1,209 27,2 22,2 28,3 23,1 30 1,262 33,6 27,4 34,8 28,4 33 1,296 37,6 30,7 38,9 31,8 3⁵ 1,320 40,4 33,0 41,6 34,0 36 1,332 41,7 34,1 43,0 35,1 37 1,345 43,1 35,2 44,3 36,2 38 1,357 44,5 36,3 45,5 37,2 39 1,370 45,9 37,5 46,9 38,3 40 1,383 47,3 38,6 48,4 39,5 41 1,397 48,7 39,7 49,9 40,7 42 1,410 50,0 40,8 51,2 41,8 43 1,424 51,4 41,9 52,5 42,9 44 1,438 52,8 43,1 54,0 44,1 45 1,453 54,3 44,3 55,4 45,2 46 1,468 55,7 45,5 56,9 46,4 47 1,483 57,1 46,6 58,2 47,5 48 1,498 58,5 47,8 59,6 48,7 49 1,514 60,0 49,0 61,6 50,0 50 1,530 61,4 50,1 62,6 51,1 51 1,546 62,9 51,3 63,9 52,2 52 1,563 64,4 52,6 65,4 53,4 53 1,580 65,9 53,8 66,9 54,6 54 1,597 67,4 55,0 68,4 55,8 5⁵ 1,615 68,9 56,2 70,0 57,1 56 1,634 70,5 57,5 71,6 58,4 57 1,652 72,1 58,8 73,2 59,7 58 1,671 73,6 60,1 74,7 61,0 59 1,691 75,2 61,4 76,3 62,3 60 1,711 76,9 62,8 78,0 63,6 61 1,732 78,6 64,2 79,8 65,1 62 1,753 80,4 65,7 81,7 66,7 63 1,774 82,4 67,2 83,9 68,5 64 1,796 84,6 69,0 86,3 70,4 65 1,819 87,4 71,3 89,5 73,0 65,5 1,830 89,1 72,2 91,8 74,9 65,8 1,837 90,4 73,8 94,5 7,1 66 1,842 91,3 74,5 100,0 81,63 66,2 1,846 92,5 75,5—— 66,4 1,852 95,0 77,5—— 66,6 1,857 100,0 81,6—— —-———=—,=— Iene—,ee 4 1I r— G— — S—= 1 1 1I Herſtellung der Superphosphate. 77 Beim Vermiſchen des Rohmaterials mit der Säure tritt heftige Wärmeentwickelung ein. Dabei verdampft viel Waſſer und entwickelt ſich Kohlenſäure oft unter ſtarkem Schäumen, ſo daß die flüſſige Maſſe über den Grubenrand ſteigen kann. Bei oben beſchriebener Einrichtung kann ein Verluſt dadurch nicht entſtehen. Nachdem die Miſchung einige Zeit tüchtig durchgerührt worden iſt, fängt ſie an, ſich zu verdicken und wird ſchließlich krümelig. Man wirft ſie dann ſo heiß als möglich aus und bringt ſie in einen bedeckten Raum, wo man ſie mit anderen gleichartigen Miſchungen auf einen Haufen ſchüttet. In ſolchen Haufen trocknet das Superphosphat in 8— 14 Tagen, ohne weſentliche Mengen Waſſer durch Verdunſten zu verlieren. Es wird ſchließlich noch durch ein nicht zu enges Sandſieb geworfen und iſt dann verſandtfähig. Da es beim Miſchen vorkommt, daß einige Stellen des Roh⸗ materials mehr von Säure benetzt werden als andere, ſo erhält man beim Sieben des Fabrikates ſtets eine geringe Menge naſſer Klumpen. Dieſelben werden bei Seite geworfen und der nächſten Miſchung ohne weiteres zugeſetzt. Das Trocknen des Superphosphates im Haufen erklärt ſich durch die Bildung von ſchwefelſaurem Kalke, der eine große Neigung hat, ſich mit Waſſer zu Gips zu verbinden. Wie wir aus der Reaktionsgleichung für phosphorſauren Kalk (S. 73) erſehen, muß höchſt konzentrierte Schwefelſäure, ſogenanntes Säurehydrat, auch ohne die Bindung von Waſſer durch den Gips ſchon ein trockenes Produkt geben, weil dabei überhaupt kein Waſſer entſteht, und weil ſowohl der ſaure phosphorſaure Kalk, als auch der waſſerfreie ſchwefelſaure Kalk ſtarre Verbindungen ſind. Bei Verwendung weniger concentrierter Säuren jedoch würde das Superphosphat naß bleiben, wenn nicht das Waſſer durch den ent⸗ ſtehenden ſchwefelſauren Kalk gebunden würde. Da aber Gips eine ganz beſtimmte Verbindung von ſchwefelſaurem Kalk mit Waſſer, nämlich SO4Ca+ 2 H O, iſt, ſo kann beim Aufſchließen der Phosphate nur eine ganz beſtimmte Menge Waſſer gebunden werden; Schwefel⸗ ſäure, die zu wenig konzentriert iſt, muß daher ſtets ein naſſes Super⸗ phosphat geben, ſehr concentrierte Säure dagegen hat andere Übelſtände, beſonders den, daß ſie der weniger concentrierten gegenüber zu teuer iſt. Die richtigſte Säure wird immer die ſein, welche gerade ſo viel Waſſer enthält, als beim Aufſchließen gebunden werden kann. Ver⸗ ſuchen wir dieſelbe zu berechnen: Beim Aufſchließen chemiſch reinen, baſiſchen Kalkphosphates mit chemiſch reinem Schwefelſäurehydrat, entſteht nach der öfter ſchon er⸗ wähnten Reaktionsformel ſaures Phosphat und waſſerfreier ſchweſelſaurer Kalk; letzteres iſt aber, nach der Formel für Gips, imſtande, auf jedes Molekül zwei Moleküle Waſſer zu binden oder, wenn man ſich dies auf Grund der Atomgewichtstabelle ausrechnen will, auf 136 Teile ſchwefel⸗ 78 Herſtellung der Superphosphate. ſauren Kalk 36 Teile Waſſer. Da aber 136 Teile ſchwefelſaurer Kalk 98 Teilen Schwefelſäurehydrat entſprechen, ſo wird diejenige Säure, mit reinem baſiſchen Kalkphosphate vermiſcht, gerade auf trockenen Gips und trockenes Phosphat geben, die auf 98 Teile Säurehydrat 36 Teile Waſſer oder in 134 Teilen Säure 98 Teile Hydrat oder in 100 Teilen Säure 73,13 Teile Säurehydrat enthält. Sieht man in obiger Tabelle nach, ſo iſt dies eine Säure, die bei 150 C. annähernd 57° Bé. wiegt und 59,7% S0) enthält. Nun enthalten aber die natürlichen Phosphate neben phosphorſaurem Kalk ſtets noch kohlenſauren Kalk, für welchen, ſoll er gerade auf Gips bilden, eine andere Säureconcentration nöthig iſt. Aus der oben an⸗ gegebenen Formel für dieſen Vorgang und unter Berückſichtigung der Zuſammenſetzung des Gipſes erſieht man, daß die mit kohlenſaurem Kalke ein trockenes Produkt ergebende Säure auf 1 Molekül Säure⸗ hydrat nur noch ein Molekül Waſſer, oder auf 98 Teile Hydrat 18 Teile Waſſer enthalten darf. Eine ſolche Säure enthält in 100 Teilen 84,5 Teile Hydrat oder 69% SO und wiegt noch obiger Tabelle bei 15⁰ C. ungefähr 63 ¼ 0° Baumé. Läßt man den nur bei geglühten Phosphaten vorhandenen Ätzkalk und die in unreineren Phosphaten enthaltenen Nebenbeſtandteile unberückſichtigt, ſo könnte man aus obigen Zahlen ſich die günſtigſte Concentration der Säure für jeden einzelnen Fall berechnen. Man ſieht aber aus nachſtehender Tabelle, daß der Gehalt an kohlenſaurem Kalk die betreffende Zahl nur wenig be⸗ einflußt: Wenn auf 100 Teile.. 4 des im Rohphosphate ent⸗ So hat die günſtigſte Säure Hditenen baſuühen Nals einen Gehalt von ſeine Concentration von osphates enthalten ſin 4 7 P Teile kohlenf Kalt 4% 802 e Buum bei 155 0 0 59,70 1 59,82 57 gleich 59,7% SO3 5 60,20 10 60,80 15 61,25 5s gleich 61,0% SO3 20 61,66 25 62,11 59 gleich 62,3% SO3 30 62,36 Die günſtigſte Säure würde daher in allen Fällen etwa eine 58 grädige ſein, während 50 grädige eigentlich zu viel Waſſer enthält, ein Gemiſch aus ihr und 60 grädiger Säure würde ein trockeneres Superphosphat ergeben. Trotzdem zieht man im großen und ganzen die Kammerſäure den ſtarken Säuren vor, nicht nur, weil ſie ver⸗ Herſtellung der Superphosphate. 79 hältnißmäßig billiger iſt, ſondern auch, weil ſie ein äußerlich ſchöneres Fabrikat erzeugt. Konzentrierte(66⁰) Säure giebt ein ſchlechtes und ſteiniges Superphosphat, vermiſcht mit naſſen Klumpen, weil ſie von vorn herein zu heftig auf das Rohmaterial einwirkt, ſehr raſch ſchwefel⸗ ſauren Kalk bildet, der unaufgeſchloſſenes Phosphat umhüllt, ſo daß einige Stellen zu viel, andere zu wenig Schwefelſäure erhalten. Je ſchwächer die Säure iſt, deſto langſamer geht die Gipsbildung vor ſich, deſto ſicherer wird auch alles Phosphat aufgeſchloſſen. Bei Anwendung 50 grädiger Säure behält das Fabrikat allerdings ſtets einen feuchten Griff, ohne jedoch zu kleben. Es bleibt ſtets locker und ſtreufähig. Nur für Knochenkohle würde ich 60 grädige Säure empfehlen, da dieſelbe ein großes Aufſaugevermögen beſitzt und ſich deshalb an und für ſich ſchon leichter verarbeitet; je concentrierter aber die Säure iſt, alſo je weniger Waſſer man in das Superphosphat hineinbringt, deſto hochprozentiger wird dasſelhe ausfallen.. Für den Leimkalk, wenn derſelbe gut bereitet iſt, iſt die Be⸗ rechnung der Schwefelſäure eine andere, wie für die übrigen Knochen⸗ phosphate. Derſelbe enthält, wie wir geſehen haben, einen großen Teil ſeiner Phosphorſäure in Form von halbſaurem Phosphat, welches zu ſeiner Umwandlung in ſaures Phosphat nur halb ſo viel Schwefelſäure braucht, wie das baſiſche Salz. So wurden z. B. in einer Fahrik, die vorzugsweiſe Leimkalk verbraucht, zum Aufſchließen von 1 Ctr. Leimkalk von 80 Proz. phosphorſaurem Kalk(ſämtliche Phosphorſäure auf baſiſches Salz berechnet) nur 72 Pfd. 50 grädige Säure verwandt, während man, wäre nur baſiſches Phosphat vor⸗ handen, 80 Pfd. gebraucht hätte. Durch noch vorſichtigeres Ausfällen des Phosphates würde man wahrſcheinlich das Rohprodukt ſo anreichern können, daß man nur etwas über 40 Pfd. Säure gebrauchen würde. Das Aufſchließen des halbſauren Kalkphosphates geht nach fol⸗ gender Reactionsgleichung vor ſich: 2(POa. Ca H)+. S0. H.=(POa)z. Ca H.+. SO0 Ca man braucht alſo auf 2 Mol. P. O; 1 Mol. Schwefelſäurehydrat oder auf 1 Theil Phosphorſäure 0,5635 Theile SO3 1,1270„„ 1,6905„„ 2,2540„„ 2,8175„ 3,3810„„ 3,9445„„ 4,5080„„ 9„„ 5,0713„ o Daß auch für das Aufſchließen des halbſauren Kalkphosphates die 57 gradige Säure die günſtigſte iſt, lehrt ein einfaches Betrachten der Reactionsgleichung. 2 00- G O O0d do 80 Mejillones⸗Guano. Die nur aus reinem baſiſchen Kalkphosphate und kohlenſaurem Kalke reſp. Atzkalke beſtehenden Phosphate ſchließen ſich, fein ge⸗ mahlen, außerordentlich leicht auf und ergeben ein trockenes und halt⸗ bares Superphosphat. Schwieriger ſchon verarbeiten ſich die Guano⸗ phosphate. Dieſelben geben, nach obiger Vorſchrift aufgeſchloſſen, meiſt ein klumpig⸗feuchtes Produkt, welches künſtlich getrocknet werden muß. Der Grund für dieſes Verhalten liegt wohl in dem wechſelnden, aber ziemlich bedeutenden Gehalte dieſer Phosphate an halbſauren Phosphaten (ſ. Analyſen S. 47). Einer der Hauptrepräſentanten dieſer Phosphat⸗ gruppe war der inzwiſchen vom Markte verſchwundene Meiillones⸗ Guano, der ſich ſeiner Zeit durch beſonders ſchwieriges Aufſchließen auszeichnete, im übrigen war er eins der gehaltreichſten und ſchönſten Rohmaterialien für die Düngerfabrikation, die es gab. Der Meijillones⸗ Guano iſt zwar, wie geſagt, vom Markte verſchwunden; da aber jeden Tag wieder ein ähnliches Material gefunden und dem Düngermarkte zugeführt werden kann, gebe ich nachſtehend den betr. Abſchnitt aus den früheren Ausgaben dieſes Schriftchens wieder, um die Mühe und die Erfahrungen, die mit demſelben gemacht worden ſind, in unſerer raſch lebenden Zeit nicht verloren gehen zu laſſen. Nach der S. 47 angeführten Analyſe von Freſenius enthielt der Guano 38,4% Phosphorſäure und 0% kohlenſauren Kalk. Denken wir uns die Phosphorſäure zu baſiſch phosphorſaurem Kalk verbunden, ſo würde der betr. Poſten Rohmaterial gebrauchen zum Aufſchließen der Phosphorſäuxe 43,2% 80 3 zum Binden des kohlenſauren Kalkes 1,6„„ alſo zuſammen 44,8% 80 3 oder 87,7% 50 grädiger Säure(ſ. obige Tabellen). Nun enthält der Guano aber in Wirklichkeit 60,6 Pr5 baſ. Kalkphosphat, welche... 31,3 Proz. 80 18,0 Proz. halbſaur. Magneſia⸗ Phosphat, welche. 4„„ 2,0 Proz. kohlenſauren Kalk, welche. 1,6„„ brauchen, er braucht alſo zuſammen 38,9 Proz. S03 oder 76,1 Proz. 50 grädige Säure. Man kann nun bei der geringen Zeit, die dem Fabrikchemiker für eine Analyſe zu Gebote ſteht, nicht erwarten, daß er jedesmal eine vollſtändige Analyſe des Rohmaterials vornehme, und daher iſt es Ge⸗ brauch, daß man die Geſamtmenge der gefundenen Phosphorſäure ſtets als baſiſches Kalkphosphat, die Schwefelſäure alſo wie im erſten Bei⸗ ſpiele, berechnet. Eine Überſäuerung um 11 Proz. 50 grädiger Säure würde alſo in dieſem Falle ſtattfinden müſſen, und die Folge davon 1 —-——22=o ⁊ꝑ — 8—òõʒÿõ3;—— Mejillones⸗Guano. 81 iſt ein naſſes klebriges Fabrikat. Wenn auch eine Uberſäuerung um 2 bis 3 Proz. nichts ſchadet, ſondern ſogar notwendig iſt, weil die Verteilung der Säure nie eine ganz gleichmäßige ſein kann, ſo ſind 11 Proz. doch unter allen Umſtänden zu viel. Wie findet man aber die richtige Menge Säure, ohne eine voll⸗ ſtändige Analyſe machen zu müſſen? Ich habe mich in ſolchen Fällen ſtets einer Methode bedient, die ohne Rückſicht auf die im Phosphate vorhandenen Stoffe, nur die zum Aufſchließen nötige Säure giebt. Ich will ſie hier kurz beſchreiben: Man übergießt 20 g des fein⸗ geriebenen Phosphates in einen Literkolben mit einer zum Aufſchließen mehr als hinreichenden, genau abgewogenen Menge einer nicht zu ver⸗ dünnten Schwefelſäure(Salpeterſäure nur bei Abweſenheit organiſcher Subſtanzen und Chlor), deren Gehalt man genau kennt, laſſe den Kolben ein bis zwei Stunden im Waſſerbade bei etwa 500 ſtehen, laſſe dann erkalten, fülle mit Waſſer bis zur Marke auf, ſchüttle gut um und filtriere. Vom Filtrat nehme man 50 cem in ein recht helles Becherglas und ſetzte aus einer Bürette kohlenſäurefreie Zehentel⸗Nor⸗ mal⸗Kalilauge zu. Die Löſung wird ſich durch Ausſcheidung von ba⸗ ſiſchem Phosphate trüben, die Trübung aber verſchwindet anfangs beim Umſchütteln ſogleich wieder. Bleibt dieſelbe, ſo iſt die Beſtimmung be⸗ endet. Bei einiger Übung erkennt man dieſen Punkt ſehr ſcharf. Nehmen wir an, die verbrauchte Menge Schwefelſäure hätte 20 g betragen, ihr Gehalt ſei 45 Proz. waſſerfreie Schwefelſäure, die ver⸗ brauchte Kalilöfung ſei 13,2 cem, ſo entſprechen die 50 ceom der ur⸗ ſprünglichen Löſung 1 g des zu unterſuchenden Phosphates und ebenſo 1 g der 45 prozentigen Säure, alſo 0,45 g SO3. Dadurch, daß wir bis zur Trübung Kalilauge zugeſetzt haben, haben wir jede Spur freier Säure neutraliſiert, die ſaure Reaktion der Löſung rührt jetzt nur noch von aufgelöſtem, ſaurem Phosphate her. Die der verbrauchten Menge Kali entſprechende Schwefelſäure iſt alſo überſchüſſig zu⸗ geſetzt geweſen und zwar, da 1 cem der Kalilöſung 0,004 g S803 entſpricht, 13,2.0,004= 0,0528 g SO3; zieht man dieſe Zahl ab von der im Ganzen verwendeten Menge von 0,45 g, ſo bleiben 0,3972 g SOs als zum Aufſchließen von 1 g Phosphat verbraucht, alſo 39 72 Proz. oder 77,73 Proz. 50 grädiger Säure. Wenn man in dieſer Methode Übung erlangt hat, giebt ſie für den techniſchen Betrieb ge⸗ nügend ſichere Reſultate, nur darf man nie ſo ſtark erhitzen, daß außer Kohlenſäure noch andere Säuren(Salzſäure, Fluorwaſſerſtoff ꝛc.) entweichen, da man ſonſt zu leicht hohe Zahlen erhält. Schlägt man zu der gefundenen Zahl etwa 2% hinzu und macht dann zur Controle eine Probeaufſchließung mit etwa 1 ko Roh⸗ material unter längerer künſtlicher Erwärmung auf ca. 50°, ſo wird man ſicher gute Reſultate erhalten. Weil ſ. Z. die Düngerfabrikanten mit dem Mejillones⸗Guano nicht Rümpler, Düngeſtoffe. 4 Auflage. 6 82 Mejillones⸗Guano. fertig wurden, teilten die Importeure deſſelben ihren Abnehmern eine Methode mit, nach der die Herſtellung von Superphosphaten aus ihrem Rohprodukte leicht von ſtatten gehen ſoll. Dieſelbe ſtammt von Dr. Pieper in Hamburg. Ich teile ſie hier wörtlich mit, obgleich ich nie im größeren Maßſtabe danach gearbeitet habe, nachdem der erſte Ver⸗ ſuch ein wenig befriedigendes Reſultat ergeben hatte: „Das erſte Erfordernis, wenn die Aufſchließung glücken ſoll, iſt, daß der Rohguano fein gemahlen iſt. Ich halte es für notwendig, daß der ganze Guano durch ein Sieb gehen muß, deſſen Löcher eine Weite von 1 mm haben. Wer eine ſo feine Ware ſich nicht be⸗ ſchaffen kann, ſtehe lieber vom Aufſchließen ab, als daß er durch ſchlechte Verſuche eine gute Ware in Mißkredit bringt.“ „Zum Aufſchließen habe ich ausſchließlich die gewöhnliche 50 grä⸗ dige Schwefelſäure, die ſog. Kammerſäure, angewendet. Ich habe bei der Fabrikation im großen gefunden, daß es vorteilhaft iſt, 1 bis 2 Pfd. Säure mehr zu nehmen, als der Berechnung aus der chemiſchen Zu⸗ ſammenſetzung entſpricht. Bei dem gleichmäßigen Gehalt der Rohware ſchwankt die Menge der anzuwendenden Schwefelſäure innerhalb enger Grenzen, zwiſchen 80 bis 85 Grad Säure auf 100 Pfund Guano. Uebrigens kann ich konſtatieren, daß der Guano für 1 Pfund Säure mehr oder weniger durchaus nicht empfindlich iſt.“ „Die ganze abgewogene Schwefelſäure wird in die Grube gegoſſen und die Hälfte des Guanos aus Säcken oder Körben zugeſchüttet. Die Maſſe, welche ſiedend heiß iſt, wird tüchtig durchgerührt und innig gemiſcht. In kürzeſter Zeit iſt die Miſchung vollendet. Darauf wird die zweite Hälfte unter ununterbrochenem Durchrühren durch Ueberſtreuen mit der Schaufel bis auf etwa 10 von dem ganzen Quantum einge⸗ tragen. Es wird zweckmäßig ſein, in dieſer Periode das Eintragen zwei⸗ bis dreimal auf kurze Zeit zu unterbrechen, damit die Arbeiter Zeit haben, das Eingetragene, ſo lange noch die Maſſe halbflüſſig iſt, durchzurühren.— Erſt wenn ¾ des ganzen Guanos eingetragen ſind, beginnt die Maſſe zähe zu werden und das Umarbeiten wird ſchwierig. Man vermeide in dieſer Periode ein unnützes Drücken und Kneten der Maſſe, da das Miſchen dadurch nicht gründlicher, die Schwierigkeit des Umarbeitens aber durch die wachſende Zähigkeit größer wird. Durch einigermaßen vorſichtiges Arbeiten mit nicht zu ſchweren, durchläſſigen, harkenähnlichen Geräten, erhält man, nachdem alles bis auf 1ſio ge⸗ miſcht iſt, eine lockere, heiße Maſſe. Dieſe wird möglichſt geebnet, mit dem zurückgelaſſenen 1ſi0 Guano überſtreut und der Haufen dann 5 bis 10 Minuten ſich ſelbſt überlaſſen. Während der Ruhezeit findet in dem aufgeſchloſſenen Guano eine energiſche Thätigkeit ſtatt, die Temperatur ſteigt über 80⁰ C. ſowohl infolge der fortſchreitenden chemiſchen Zerſetzung, als auch der ſchnell vor ſich gehenden Gipsbildung. Durch die dünne Guanodecke brechen an vielen Stellen Salzſäure⸗ und Mejillones⸗Guano. 83 Waſſerdämpfe hervor. Darauf wird der dampfende Haufen ſo lange umgeſchaufelt, als noch roher, von der Säure nicht angegriffener Guano wahrnehmbar iſt. Bei dem geringen Quantum Guano, welches überge⸗ ſtreut iſt, genügt erfahrungsmäßig ein zweimaliges oder höchſtens drei⸗ maliges Umſchaufeln.“ „Das Superphosphat iſt in dieſem Stadium pulverig und faſt knollenfrei.“ „Über die weitere Behandlung des Superphosphats laſſen ſich all⸗ gemein zutreffende Vorſchriften nicht mehr geben, da die beſonderen Verhältniſſe und Einrichtungen jeder Fabrik in Betracht gezogen werden müſſen.“*) Pieper ſtellt demnach zuerſt ein überſäuertes Superphosphat dar und ſtumpft die freie Phosphorſäure desſelben alsdann mit Guano wieder ab, gerade in derſelben Weiſe, wie ich dies bei meiner weiter unten zu beſchreibenden Methode für Phosphorit thue. Eine wiſſen⸗ ſchaftliche Erklärung ſeines Prozeſſes giebt Pieper nicht und iſt der Zweck des allmählichen Guanozuſatzes auch ſchwer zu finden. Jeder Fabrikant muß daher ſelbſt prüfen, ob die Methode ausführbar iſt oder nicht. Ich ſelbſt habe große Mengen dieſes Materials zu einem vorzüg⸗ lichen Produkte verarbeitet, indem ich eine Abfallſchwefelſäure verwandte, die mir in größeren Quantitäten zur Verfügung ſtand, nämlich Schwefel⸗ ſäure, die zum Nitrieren in Anilinfabriken gebraucht geweſen war. Dieſelbe enthält ca. 57— 60 Proz. Säure, als waſſerfreie Schwefel⸗ ſäure berechnet inkl. 1— 1 ½ Proz. Salpeterſäure“*) Ich erhielt mit derſelben ſelbſt bei Uberſäuerung um 5 Proz. noch ein pulveriges, nebenbei ſehr hochprozentiges Fabrikat. Für die Erklärung der ausgezeichneten Wirkung dieſer Säure kommen zwei Faktoren in Betracht, ihre Konzentration und ihr Salpeter⸗ ſäuregehalt. Wie wir oben berechnet haben, enthält Schwefelſäure von 57° Bé oder 59,7 Proz. Schwefelſäureanhydrit gerade diejenige Menge von Waſſer, die bei der Bereitung von Superphosphat(aus baſ. Kalk⸗ phosphat) gebunden werden kann. Nun kommt der Gehalt unſerer Rückſtandſäure ſehr nahe an den der 57 grädigen Säure heran, und ſie wird daher ſchon aus dieſem Grunde ein trockenes Fabrikat geben, ohne auf der anderen Seite in den ſchon erwähnten Fehler der kon⸗ zentrierten Säure zu fallen. In der That erhält man auch mit reiner Schwefelſäure von der Konzentration der Rückſtandſäure ein gutes Mejillones⸗Superphosphat, wenn dasſelbe auch nicht ganz ſo locker und feinpulverig iſt, wie das mit der unreinen Säure bereitete. Daß Salpeterſäure und Salzſäure oder auch Salze derſelben *) Landwirtſchaftliches Zentralblatt 1873. **) Auch geringe Spuren von Nitrobenzol. 6* 84 Zuſatz von Salpeterſäure bei der Darſtellung von Superphosphaten. trocknend auf alle Superphosphate wirken, iſt eine alte Erfahrung der Fabrikanten: Dr. L. Meyn hat daher auch durch Zuſatz von 1 ½ Proz. Chiliſalpeter zu 50 grädiger Schwefelſäure vor der Miſchung der⸗ ſelben mit Mejillones⸗Guano ein trockenes, pulveriges Produkt er⸗ halten. Als Grund für dieſe Wirkung der fraglichen Säuren wird ge⸗ wöhnlich die Leichtlöslichkeit ihrer Kalkſalze, des ſalpeterſauren Kalkes und des Chlorcalciums, angegeben, es ſoll dadurch die Einwirkung der Säure auf den phosphorſauren Kalk und infolgedeſſen das Trocknen des Superphosphates beſchleunigt werden. Dieſe Erklärung ſcheint mir aber nicht ganz ſtichhaltig zu ſein. Ich ſuche ſie anderswo: Setzt man nämlich zu einer konzentrierten Löſung von regelrecht bereitetem Superphosphate nicht zu verdünnte Schwefelſäure, ſo wird ſich Gips ausſcheiden, weil Schwefelſäure im Stande iſt, das ſaure Kalkphosphat unter Bildung von freier Phosphor⸗ ſäure zu zerſetzen. Die Einwirkung der Salpeter⸗ oder Salzſäure auf phosphorſaurem Kalk geht aber nie weiter, als bis zur Erzeugung von ſaurem Phosphat(S. 40); freie Phosphorſäure wird durch dieſelben nicht erzeugt, dieſer aber iſt es gerade, die die Superphosphate naß und ſchmierig macht, ja die oft bewirkt, daß ſie an der Luft anſtatt trockener, näſſer werden. Es wird nun jedem einleuchten, daß bei An⸗ wendung der gemiſchten Säure ebenfalls keine Phosphorſäure frei werden kann. Denken wir uns z. B., es befände ſich an irgend einer Stelle der Superphosphatmiſchung etwas überſchüſſige Säure, ſo wird dieſelbe ſtets in Form von freier Salz⸗ oder Salpeterſäure vorhanden ſein, wenn der Zuſatz an dieſen nicht zu unbedeutend oder der Schwefel⸗ ſäureüberſchuß zu groß war, denn freie Schwefelſäure würde dieſelben aus ihrer Verbindung mit Kalk, unter Gipsbildung ſtets wieder frei machen. Ein Superphosphat mag aber freie Salz⸗ oder Salpeterſäure enthalten, ſo viel es will, es wird nie dadurch naß und ſchmierig werden. Am ſchwierigſten von allen Phosphaten ſind die mineraliſchen aufzuſchließen, beſonders ſobald ſie, wie der frühere Lahn⸗Phosphorit oder die Koprolithen, bedeutende Mengen Eiſenoxyd oder Thonerde ent⸗ halten. Die reineren Phosphorite(Eſtremadura⸗Phosphorit, Apatit u. ſ. w.) machen weſentlich nur durch ihre große Dichtigkeit, die eine beſonders feine und dabei ſchwierige Mahlung für die Aufſchließarbeit bedingt, Schwierigkeiten, die unreineren aber ſchließen ſich nur ſchwierig voll⸗ ſtändig auf, d. h. die aus denſelben dargeſtellten Superphosphate haben das Beſtreben, beim Lagern an Gehalt an löslicher Phosphorſäure zu verlieren, oder wie man ſich allgemein ausdrückt, zurück zu gehen. Dieſes Zurückgehen der Superphosphate bringt viele, ſonſt wert⸗ volle Phosphate bei Landwirten und Fabrikanten in Mißcredit und erſchwert die Hebung mancher in der Erde vergrabener Phosphatſchätze. Das Zurückgehen der Superphosphate beruht ſtets auf einer Aufſchließen mineraliſcher Phosphate. 85 unvollkommenen Aufſchließung, es tritt ſtets ein, wenn in dem fertigen Produkte noch Stoffe vorhanden ſind, die von ſaurem phosphorſaurem Kalke angegriffen werden; dabei bildet ſich aus letzterem ſtets halb⸗ ſaures Phosphat. Dieſe angreifbaren Stoffe ſind ſehr verſchiedener Natur; ſelbſt reine Kalkphosphate gehen zurück, wenn man zu wenig Säure verwendet, ſo daß dieſelben nach dem Aufſchließen noch baſiſch phosphorſauren Kalk enthalten, indem ſich der gebildete ſaure phos⸗ phorſaure Kalk mit dem baſiſch phosphorſauren Kalke nach der Reaktions⸗ gleichung P, Os Ca H.+f P. Os OCa. † 8 H.O=— ſaures Phosphat. baſiſches Phosphat. Waſſer. 4(POl Ca H+ 2 Ha. 0) halbſaures Phosphat. zu halbſaurem Phosphate umſetzt. Dieſes Zurückgehen kann aber vom Fabrikanten jederzeit durch Sorgfalt beim Aufſchließen vermieden werden. Anders iſt es, wenn das Rohphosphat ſtark mit Eiſen⸗ und Thonerde⸗ verbindungen verunreinigt iſt, wie dies bei vielen mineraliſchen Phos⸗ phaten der Fall iſt. Der Typus für ſolche Rohphosphate war der leider zu Ende gegangene Lahnphosphorit. Nach Schucht“) kommt das Eiſen in den Phosphaten als baſiſch⸗phosphorſaures Oxyd, ſeltener als freies Oxyd reſp. Oxydul, ſowie als kieſelſaures Eiſenoxyd, die Thon⸗ erde mit Kieſelſäure verbunden, vor. Einige Phosphate(Redondo⸗ Phosphat) enthalten große Mengen phosphorſaure Thonerde. Denkt man ſich nun ein Gemiſch von baſiſch⸗phosphorſaurem Eiſenoxyd, Eiſen⸗ oxyd und kieſelſaurem Eiſenoxyd und befeuchtet dies mit einer Löſung von ſaurem phosphorſaurem Kalke, ſo wird bei längerer Einwirkung zunächſt das Eiſenphosphat, ähnlich wie oben beim baſiſchen Kalk⸗ phosphate gezeigt, das ſaure Kalkphosphat in halbſaures verwandeln und zwar unter gleichzeitiger Aufnahme von Phosphorſäure, ebenſo wird das Eiſenoxyd wirken, und ſchließlich wird auch noch das ſaure Kalkphosphat das kieſelſaure Eiſenoxyd reſp. die kieſelſaure Thonerde unter Abſcheidung von Kieſelſäure angreifen. Dieſe Art des Zurückgehens tritt ſtets ein, wenn man bei derartigen Phosphaten den Schwefelſäure⸗Zuſatz (aus dem Gehalte an Phosphorſäure und kohlenſaurem Kalke) wie bei den Kalkphosphaten berechnet. Ich wandte daher auch hier mit Vorteil die ſchon bei den Guano⸗Phosphaten beſprochene Methode an(S. 81),**) indem ich zu dem gefundenen Reſultate einen etwas größeren Prozent⸗ ſatz als bei letzteren erfahrungsgemäß hinzufügte. Die gefundene Menge von Säure iſt bei ſtark verunreinigten Phosphaten oft ſehr hoch, ſo daß dieſelbe, mit dem Phosphate gemiſcht, einen Brei ergiebt, *) Die Fabrikation des Superphosphates ꝛc. Braunſchweig, 1894. **) Man löſt jedoch nicht zum Liter, ſondern nur zu 250 CC. 86 Superphosphat aus eiſenhaltigen Phosphaten. deſſen Trockenwerden man nicht abwarten kann. Ich habe jedoch ein trockenes Superphosphat in nachſtehender Weiſe erhalten: Ich beſtimmte zunächſt nach obiger Methode die zum Aufſchließen von 20 Ztr. des unreinen Phosphates und ebenſo aus der Analyſe die für 10 Ztr. eines guten Knochenphosphates nötige Säure, es ſei dies für erſteres 21 Ztr., für letzteres 8,5 Ztr., alſo zuſammen 29,5 Ztr. 50 grädige Säure. Dieſe ganze Säuremenge erhitze man in einer Blei⸗ oder gußeiſernen Pfanne bis nahe zum Kochen, laſſe die heiße Säure in eine Miſchgrube und rühre die 20 Ztr. feines Phosphatmehl ſorg⸗ fältig ein. Man kann das direkte Erhitzen der Säure vermeiden, wenn man 66 grädige Säure in der Miſchgrube mit ſo viel Waſſer miſcht, daß 50 grädige Säure entſteht; die Säure wird dann von ſelbſt heiß. Dabei muß die Vorſicht gebraucht werden, das Waſſer zuerſt in die Grube zu laſſen, um Verletzungen der Arbeiter zu vermeiden. Es iſt ſehr vorteilhaft, quer über die Grube ein Sieb zu ſtellen und den Phosphorit“) da hindurch zu werfen, weil dann die Miſchung außerordentlich gleichmäßig wird. Beim Einrühren des Phosphorits ſteigt die ganze Maſſe ſehr ſtark und entwickelt große Maſſen von Kohlenſäure, Flußſäure und oft auch Chlor(herrührend aus dem Braunſteingehalte des Minerals), weswegen die ganze Operation im Freien vorgenommen werden muß. Auch ein violettrotes, raſch wieder verſchwindendes Gas habe ich dabei zuweilen aufſteigen ſehen(Jod). Sobald die heftigſte Reaktion vorüber iſt, rührt man die Knochenkohle ein. Die Maſſe, die bisher einen ſehr dünnen Brei bildete, wird jetzt raſch ſteif und krümelig und kann zum Trocknen auf Haufen geworfen werden. Es hat ſich ſtets, auch bei gewöhnlichem Superphosphate, als praktiſch erwieſen, das noch naſſe Fabrikat gegen eine feſte Wand zu werfen, ſo daß es locker auf den Haufen fällt. Man erhält dann ſehr wenig naſſe Klumpen. Auch iſt es nicht zu verwerfen, der Schwefelſäure eine geringe Menge Chili⸗ ſalpeter oder, wo man es haben kann, ſalpeterſäurehaltige(Anilin⸗) Rückſtandſäure zuzuſetzen. Es iſt ſelbſtverſtändlich, daß man das Verhältnis zwiſchen Phos⸗ phorit und Knochenkohle beliebig variieren kann. Auch kann man an Stelle der letzteren irgend ein anderes, leicht aufſchließbares und trockenes Superphosphat gebendes Kalkphosphat und an Stelle der Kammerſäure die entſprechende Menge einer ſtärkeren Säure ver⸗ wenden; eine etwas hochprozentige Säure, etwa von 55—570 Baumé, trägt ſogar bedeutend zum raſchen Trocknen des Super⸗ phosphates bei. *) Die Methode war urſprünglich für den Lahnphosphorit beſtimmt, eignet ſich aber ſelbſtverſtändlich auch für ihm ähnliche Phosphate. — — 622= —— Das Zurückgehen der löslichen Phosphorſäure. 87 Die Theorie dieſer Methode iſt einfach und geht im Grunde ge⸗ nommen aus dem früher Geſagten hervor. Durch die überſchüſſige, heiße Säure wird nicht nur alles Kalkphosphat zerſetzt, ſondern auch die ganze Menge des in Säuren löslichen Eiſenoxydes aufgelöſt. Würde man nur ſo viel heiße Säure anwenden, als gerade zum vollſtändigen Aufſchließen des Phosphorits nötig wäre, alſo im obigen Beiſpiele 21 Ztr., und auf den Zuſatz von Kalkphosphat verzichten, ſo würde man allerdings ebenfalls ſämtliches Eiſenoxyd auflöſen, es würde ſich aber durch den Einfluß der Hitze alsbald freie Phosphorſäure und baſiſches Eiſenphosphat bilden(ſ. oben), ein großer Teil der Phosphorſäure würde für das Superphosphat ver⸗ loren ſein. Die überſchüſſigen 8,50 Ztr. Säure halten aber das Eiſenoxyd ſelbſt in der Hitze in Löſung und werden dann nachträglich durch Knochenkohle wieder abgeſtumpft, wobei ſich die Hitze nicht bis zur Zerſetzung des ſauren Eiſenphosphates ſteigert. Das fertige Fabrikat hat, wie die meiſten guten Superphosphate, einen etwas feuchten Griff, iſt aber ſehr locker und ſtreufähig. Es läßt ſich an der Luft ſtaubtrocken machen, künſtliche Erwärmung iſt natürlich zu vermeiden. Hauptſache bei dieſer Methode iſt ſelbſtverſtändlich eine höchſt ge⸗ naue Beſtimmung der nötigen Säuremenge. Ich ſtellte nach ihr im November 1871 gegen 5000 Ztr. Superphosphat her, in welchem ich 12,5 Proz. lösliche und 0,6 Proz. unlösliche Phosphorſäure fand. Im Mai 1873, alſo über 1 ¼ Jahre ſpäter, fand ich in derſelben Probe 12,6 Proz. lösliche Phosphorſäure. In ſeiner ſchon erwähnten Schrift ſtellt Schucht eine Reihe von Anſichten verſchiedener Chemiker über die Urſachen des Zurückgehens zuſammen, von denen aber nur die von Erlenmeyer einiges Intereſſe hat. Derſelbe nimmt an, daß ſich das ſaure phosphorſaure Eiſenoxyd allmählich in ein ſchwerlösliches Phosphat, das ſogenannte Winkler'ſche Salz, F O, 2 Pe O;+ 8 H O, und freie Phosphorſäure zerſetze. Ich halte dieſe Art des Zurückgehens der eiſenoxydhaltigen Super⸗ phosphate nach den ſoeben beſprochenen Erfahrungen mit Lahnphosphorit für nicht ſehr wahrſcheinlich. Ein intereſſantes Verfahren, aus ſtark eiſenhaltigem Rohmaterial haltbare Superphosphate zu bereiten, hat Schucht erfunden. Es würde zu weit führen, dasſelbe ausführlich zu beſchreiben; es beruht auf der Beobachtung, daß ſaures phosphorſaures Eiſenoxydul eine beſtändige Verbindung iſt, und daß ſich ſchwefelſaures Eiſenoxydul⸗ Ammoniak, im Gegenſatze zu anderen Eiſenoxydulſalzen, nur äußerſt langſam zu Oxydſalz oxydiert. Schucht ſchließt daher die betreffenden Phosphate bei Gegenwart von ſchwefelſaurem Ammoniak auf und be⸗ 88 Doppelſuperphosphate. handelt das erzeugte Ammoniakſuperphosphat mit ſchwefeliger Säure, um das Eiſenoxyd zu Oxydul zu reduzieren. Seit einer Reihe von Jahren fabriziert man aus eiſenhaltigen Phosphaten vielfach ſogenannte Doppelſuperphosphate. Be⸗ handelt man(nach Graham) ſolche Phosphate mit ſehr verdünnter kalter Schwefelſäure, ſo löſt ſich weſentlich nur Phosphorſäure, reſp. ſaurer phosphorſaurer Kalk. Eiſenoxyd, Thonerde, kieſelſaure Salze und Gips bleiben im Rückſtande. Verwendet man anderthalb mal ſo viel SO3, als man zum Aufſchließen des Phosphates gebraucht haben würde, ſo erhält man nicht ſaures Kalkphosphat, ſondern Phos⸗ phorſäure in Löſung. Nach Schucht rührt man das fein gemahlene Phosphat in einem mit Rührwerk verſehenen Bottich etwa ½ Stunde lang mit der nötigen Menge 10—16 prozentiger Schwefelſäure, trennt dann durch Filterpreſſen den Rückſtand von der Phosphorſäurelöſung und dampft letztere in Abdampföfen mit Oberfeuerung bis auf ca. 50 Proz. P. Oz ein. Der Schlamm in den Filterpreſſen wird ausgewaſchen. Die dabei entſtehende verdünnte Phosphorſäurelöſung wird zum Ver⸗ dünnen der Schwefelſäure für einen neuen Prozeß verwendet, während der Rückſtand an der Luft getrocknet und als Phosphatgips oder, wenn er noch lösliche Phosphorſäure enthält, als Superphosphatgips verkauft wird. Derſelbe findet ſeine Verwendung als Einſtreu in den Ställen, da er ſehr geeignet iſt, das aus dem Stalldünger ſich ent⸗ wickelnde kohlenſaure Ammoniak zu binden. Zu dieſem Zwecke eignet er ſich deshalb vorzüglich, weil der in ihm enthaltene Gips ſehr fein zerteilt iſt und ſich infolgedeſſen mit dem kohlenſauren Ammoniak leicht und raſch zu kohlenſaurem Kalke und ſchwefelſaurem Ammoniak unſetzt. Früher ſtellte man aus der konzentrierten Phosphorſäurelöſung verkäufliche Produkte her, indem man ſie von Torf, Sägeſpähnen oder Kieſelguhr aufſaugen ließ, doch ſcheint ſich dieſe Methode nicht bewährt zu haben. Jetzt benutzt man dieſelbe zum Aufſchließen von guten, hochprozentigen Kalkphosphaten(Guanos, Knochenkohle ꝛc.) und ſtellt ſo ſehr hochprozentige ſogenannte Doppelſuperphospate her. Der Vorgang bei dieſer Aufſchließung iſt ein ſehr einfacher: 1)(FPOa)? Ca;+. 4 Ha PO= 3(P. O3 Oa H.) baſ. phosphorſ. Kalk Phosphorſäure ſaures Phosphat 2) Ca CO+ 2(Ha PO.)= Pa Os Ca H+ C02+. HZ 0. kohlenſ. Kalk Phosphorſäure ſaures Phosphat Kohlenſäure Auf 1 Teil baſiſch phosphorſ. Kalk braucht man 0,916 Teile Pa O, „ 1„ kohlenſauren Kalk„„ 1.420„„ Da bei der Herſtellung der Doppelſuperphosphate keine Schwefel⸗ ſäure verwendet wird, können dieſelben keine weſentlichen Mengen von Gips enthalten, die waſſerbindende Kraft desſelben fehlt alſo hier. wSänu, caliige —. Be⸗ rümnte horſäur, eſelſaur rthalt hebrauct Phos⸗ mahlene nde lang ut darn ng und 0 Proz vaſchen. n Ver⸗ ährend Hoder, tgips n den ent⸗ eignet r fein leicht unſett. elöſung en oder ewähtt glnten, d ſtelt te her. Wert und Verwendung der Phosphate in der Landwirtſchaft. 89 Daher trocknen dieſe Fabrikate nicht von ſelbſt, ſondern müſſen künſtlich getrocknet und nachher vermittelſt des Desintegrators(ſ. ſpäter) zer⸗ kleinert werden. Da ihnen das Eiſen fehlt, iſt ihre Haltbarkeit, voraus⸗ geſetzt, daß ſie vollkommen aufgeſchloſſen ſind, von unbegrenzter Dauer. Beim Trocknen der Superphosphate iſt jedoch eine gewiſſe Vorſicht nötig. Nach Crispo verwandelt ſich dabei, wenn die Temperatur zu hoch iſt, die Phosphorſäure in Metaphosphorſäure(ſ. S. 37) und zwar werden bei dreiſtündigem Trocknen bei 150⁰ C. etwa 10 Prozent, bei 200° C. ſogar 90 Prozent aller vorhandenen Orthophosphorſäure in Metaphosphorſäure verwandelt. Bei der Analyſe ſolcher überhitzter Superphosphate findet man die Metaphosphorſäure nur dann, wenn die Löſung derſelben mit Salpeterſäure gekocht wird, ſodaß dadurch leicht Differenzen zwiſchen dem Käufer und dem Verkäufer entſtehen, außerdem aber iſt es durchaus noch nicht erwieſen, ob die Metaphosphor⸗ ſäure überhaupt einen Wert für die Landwirtſchaft hat. Auf eine andere Verwendung der aus geringen Phosphaten her⸗ geſtellten Phosphorſäurelöſung werden wir in einem ſpäteren Abſchnitte zurückkommen. Wert und Verwendung der Phosphate in der Landwirtſchaft. Wie wir in dem eben behandelten Abſchnitte geſehen haben, ſteht dem Landwirte für die Ernährung ſeiner Pflanzen die Phosphorſäure in den verſchiedenſten Geſtalten zur Verfügung, in der Form roher und gemahlener Mineralphosphate des verſchiedenſten Urſprunges, als Guano⸗ Phosphate, als Abfälle verſchiedener Induſtrien, als Thomasſchlacke und als Superphosphat, ja in letzteren iſt ſie ſogar oft in zwei oder drei Formen zugleich, nämlich als waſſerlösliche, zurückgegangene und wohl auch unaufgeſchloſſene Phosphorſäure vorhanden. Rein chemiſch betrachtet iſt die, hier allein in Frage kommende, gewöhnliche oder Ortho⸗Phosphorſäure immer dieſelbe, ob ſie ſich im Apatit, in der Knochenkohle oder im Superphosphat befindet, für die Düngung des Ackerbodens aber haben alle dieſe Formen verſchiedene Werte und zwar je nach dem Grade ihrer Löslichkeit für die Pflanze. Die Pflanze, ſoweit ſie für den Landwirt in Betracht kommt, beſitzt keine Organ für die Aufnahme feſter Nahrungsſtoffe, alles, was ſie braucht, muß ſie in Löſung oder in Gasform aufnehmen. Von dieſem Gedanken ging Liebig aus, als er vorſchlug, die Phosphor⸗ ſäure des Knochenmehles durch Schwefelſäure löslich zu machen und dieſe Vorſtellung hegt Jeder unwillkürlich, wenn er Superphospat zur Düngung ſeines Ackers verwendet. Im Grunde liegen die Verhältniſſe aber doch etwas anders. Befeuchtet man Ackererde mit einer Super⸗ phosphatlöſung, ſo kann man kurze Zeit darauf waſſerlösliche Phos⸗ 90 Wert und Verwendung der Phosphate in der Landwirtſchaft. phorſäure in derſelben nicht mehr nachweiſen, ebenſo iſt es, wenn man mit Superphosphat gedüngten Acker bald nach der Düngung unterſucht, voransgeſetzt, daß genügende Feuchtigkeit zur Löſung des ſauren Phos⸗ phates vorhanden war. Die lösliche Phosphorſäure iſt, wie man es nennt, vom Boden abſorbiert(S. 13), ſie iſt durch die Einwirkung baſiſcher Körper, von denen in jedem geſunden Boden große Mengen vorhanden ſind, in ſchwer lösliches Phosphat verwandelt. Es iſt dies im Grunde derſelbe Prozeß, den wir bei dem Zurückgehen der löslichen Phosphor⸗ ſäure in Superphosphaten kennen gelernt haben. In erſter Linie wird wohl der kohlenſaure Kalk des Bodens auf das ſaure Kalkphosphat wirken, indem er daſſelbe glatt auf in halbſaures Phosphat verwandelt, doch können ebenſo kohlenſaure Magneſia, Eiſenoxyd, baſiſches Eiſen⸗ phosphat und zerſetzbare Kieſelſäureverbindungen des Eiſenoxyds und der Thonerde an der Bindung der Phosphorſäure teilnehmen. Die dem Boden friſch zugeführte lösliche Phosphorſäure geht alſo ſofort in den Zuſtand der zurückgegangenen über, ehe ſie überhaupt mit den Pflanzenwurzeln in Berührung kommt. Man könnte danach wohl auf den Gedanken kommen, es ſei ganz überflüſſig, die Phosphorſäure erſt mit vielen Koſten waſſerlöslich zu machen und ſie nachher im Boden wieder unlöslich zu werden zu laſſen und in der That hat auch J. H. Vogel*) vor einigen Jahren vorgeſchlagen, die ſehr unreinen, eiſenreichen Phosphate nur mit ſo viel Schwefelſäure zu behandeln, daß ausſchließlich halbſaure Phosphate entſtehen. Er will alſo Phos⸗ phate erzeugen, die nur zurückgegangene Phosphorſäure enthalten und die daher auch nicht weiter zurückgehen können. Der Vorſchlag iſt durchaus nicht von vorn herein zu verwerfen, wenn nur die Her⸗ ſtellungskoſten dieſer Phosphate mit ihrem landwirtſchaftlichen Werte in Einklang zu bringen ſind. Es iſt aber eine allgemeine Erfahrung, daß die waſſerlösliche Phosphorſäure, was die Sicherheit und Raſch⸗ heit ihrer Wirkung anbetrifft, niemals durch„zurückgegangene“ erſetzt werden kann, obgleich ſie ſich im Boden in dieſe verwandelt. Selbſt gegen die kleinſten Gaben von Superphosphat ſind die Pflanzen dank⸗ bar. Der Grund hierfür liegt in ihrer größeren Fähigkeit, ſich im Boden gleichmäßig zu verteilen. Denken wir uns ein Körnchen Superphosphat auf der feuchten Erde liegend, ſo wird ſich die Phosphorſäure desſelben in der an dieſem Stoffe armen Bodenfeuchtigkeit eines gewiſſen Umkreiſes verteilen. Die Bodenfeuchtigkeit enthält aber ſtets auch eine beſtimmte Menge kohlenſauren Kalkes, vermittelſt der Kohlenſäure gelöſt; da aber eine Löſung von kohlenſaurem Kalke mit einer Löſung von ſaurem Kalk⸗ phosphat einen Niederſchlag von baſiſchem oder halbſaurem Kalkphos⸗ phate giebt, ſo muß auch aus dem aufgelöſten Superphosphate eine *) Ber. der deutſchen Landw. Geſellſch. 1892. Löslichkeit der Phosphate. 91 dem Kalkgehalte der Bodenflüſſigkeit entſprechende Menge ſchwerer lös⸗ lichen Phosphates ausfallen. Was an Phosphorſäure nicht gefällt wird, wandert weiter, und ſo wird ſich in einem gewiſſen Umkreiſe jedes kleinſte Teilchen der Ackererde mit baſiſch⸗ oder halbſaurer phos⸗ phorſaurer Kalkerde anfüllen, die ſich aber in einer Feinheit der Verteilung befindet, wie ſie auf mechaniſchem Wege nie erreicht werden kann. Die Pflanzen ſcheiden aus ihren Faſerwurzeln Flüſſigkeiten aus, welche ſaure Stoffe, Kohlenſäure und organiſche Säuren, enthalten, ſie ſind daher, wie Barth*) ſich ausdrückt, im Stande„die unlöslichen Phosphate gleichſam für ſich aufzuſchließen“. Je leichter ſich nun ein Phosphat aufſchließt, deſto leichter wird es von den Pflanzen aufgenommen werden. Die nachſtehenden Zahlen geben ein Bild davon, welche Unter⸗ ſchiede in dieſer Hinſicht unter den verſchiedenen Phosphaten beſtehen: Nach Dr. Dietrich liſen ſich in 100 Lit. kohlenſauren Waſſers: nach längerem 48 etunden Stehen aus halbſaurem Kalkphosphate. 18,53 g 43,84 g Phosphorſäure „baſiſchem(gefälltem) Kalk⸗ phosphate... 7,40„ 27,52„„ Dagegen aus: Knochenmehl..... 5,31„ 16,72„„ rohem Baker⸗Guano.. 5,25„ 12,00„„ hochprozentig. Lahnphosphorit 1,89„ 2,55„„ niedrigprozentigem 1,66„ 1,66„„ gepulvertem Apatit(nach Bi⸗ ſchoff, umgerechnet). 0,116„ 0,476„ Von allen Phosphaten ſteht in dieſer Reihe das halbſaure Kalk⸗ phat, alſo die zurückgegangene Phosphorſäure, am höchſten; die Phos⸗ phorſäure deſſelben löſt ſich bei 48 ſtündigem Stehen 160 mal ſo leicht, wie die des Apatits, und es iſt anzunehmen, daß ſich das im Acker⸗ boden aus Superphosphat entſtehende, ſich in faſt molekülarer Ver⸗ teilung befindliche Phosphat noch leichter löſt. Die vermutete leichtere Löslichkeit des aus Superphosphat im Boden entſtandenen unlöslichen Phosphates iſt es aber nicht allein, welche die waſſerlösliche Phosphorſäure im Werte über die zurückge⸗ gangene ſtellt, viel wichtiger iſt noch die oben beſprochene gleichmäßigere Verteilung desſelben im Boden. Die Pflanzenwurzel muß ſich ihre Nahrung ſuchen. Findet ſie dieſelbe in ihrer nächſten Nähe, an jeder Stelle des Ackerbodens, in leicht aufnehmbarer Form, wie dies allein bei der Düngung mit Superphosphaten der Fall iſt, ſo vermehrtſich *) Die künſtlichen Düngemittel. Berlin, Parey 1893. 92 Thomasſchlackenmehl. die Maſſe ihrer Faſerwurzeln ungemein ſchnell und die Folge davon iſt, daß auch die ſchwerer löslichen Phos⸗ phate zur Aufſchließung, zur Aufnahme in die Pflanze gelangen. Dadurch iſt die Sicherheit der Superphosphatdüngung und ihre Ueberlegenheit gegenüber jeder anderen Phosphorſäuredüngung erklärt, dadurch aber iſt auch der Landwirt in den Stand geſetzt alte, oft ſehr hohe Beſtände an Phosphorſäure, die er im Boden beſitzt, ſich nutzbar zu machen. Der höhere Preis, der für waſſerlösliche Phos⸗ phorſäure, gegenüber dem für zurückgegangene, oder wie man ſagt „bodenlösliche“, bezahlt wird, iſt daher nicht nur durch die höheren Herſtellungskoſten, ſondern auch durch den inneren Wert derſelben gerechtfertigt. Die Düngung mit rohen, wenn auch noch ſo fein gemahlenen Phos⸗ phaten ausführlicher zu beſprechen, wie dies noch in den früheren Aus⸗ gaben dieſer Schrift geſchehen iſt, halte ich jetzt für überflüſſig, weil die landwirtſchaftliche Praxis, der Theorie ſolgend, ſich entſchieden gegen die⸗ ſelbe ausgeſprochen hat. Faſt jedes neu eingeführte Phosphat wurde früher, wenn die erſten Verſuche des Aufſchließens derſelben nicht recht gelingen wollten, den Landwirten zur Rohdüngung empfohlen; betrachtet man aber die oben angeführten Zahlen über die Löslichkeit derſelben in kohlenſaurem Waſſer, ſo kann man ſich erklären, daß bei Verſuchen der Erfolg ausblieb. Jeht wendet man als reine Phosphorſäuredüngung nur noch waſſerlösliche Phosphorſäure in Super⸗ phosphaten und zurückgegangene oder bodenlösliche an, welch letztere außer in Superphosphaten noch im phosphorſauren Kalke der Leim⸗ fabriken(im Handel unter den Namen Präcipitat bekannt) und in dem Thomasſchlackenmehl verkauft wird. Das letztgenannte Düngemittel nimmt jetzt noch in mancher Hinſicht einen Platz für ſich ein, indem es ſich nicht ohne weiteres in dem Schema„rohe, zu⸗ rückgegangene nnd waſſerlösliche Phosphate“ unterbringen läßt. Sein Kalkgehalt, ſeine Alkalität, ſtellt es den rohen Phosphaten nahe, ſeine Bodenlöslichkeit den zurückgegangenen. A. Hilgenſtock hat in der Thomasſchlacke eine neue Verbindung vierbaſiſch phosphor⸗ ſauren Kalk entdeckt, alſo eine Phosphorſäure⸗Verbindung, welche noch ein Drittel mehr Kalk enthält, als der dreibaſiſch phosphorſaure Kalk; die Phosphorſäure iſt in derſelben, wie ſich Wagner ausdrückt, mit Kalk überſättigt, und dieſe Verbindung iſt eine ſchwache, leicht zerſetzbare. Da an ein Aufſchließen eines Materials von ſolch hohem Kalkgehalte nicht gedacht werden kann, wurde, durch Wagner voran, ge⸗ nau ſo, wie früher die rohen Phosphate, die Thomasſchlacke den Land⸗ wirten zur Düngung warm empfohlen und es wurde, ebenfalls wie bei den rohen Phosphaten, nur äußerſt feine Mahlung zur Bedingung gemacht. In neuerer Zeit hat ſich aber in den Anſichten über das Thomasmehl ein Umſchwung gezeigt. elben Phos⸗ Aus⸗ il die die⸗ üher, lben nqung er die ären, Thomasſchlackenmehl. 93 Ich ſchrieb in der letzten Auflage über dieſen Punkt: „Nach Wagner löſt kohlenſaures Waſſer 4 ½ mal ſo viel Phos⸗ phorſäure aus der Thomasſchlacke auf, wie aus Phosphoritmehl, eine Löſung von zitronenſaurem Ammoniak entzieht derſelben 74% ihrer Phosphorſäure, dem Phosphoritmehl bei gleicher Behandlung nur 4%; H. Albert brachte durch 14 tägige Einwirkung von 100 g Torf und und 17 Waſſer auf 1 g Thomasmehl 79% der in demſelben ent⸗ haltenen Phosphorſäure in Löſung u. ſ. w. Dem entſprechend hat auch Wagner die Düngerwirkung der Thomasſchlacke gefunden, ſo daß ein Verſuch jedem Landwirt wohl zu empfehlen iſt. Durchſchnitt⸗ lich nimmt man jetzt an, daß für die erſte Ernte nach der Düngung etwa 50% der Phosphorſäure im Thomasſchlackenmehl zur Wirkung kommen, während vom Superphosphat die geſamte Phosphorſäure aufgebraucht wird. Man muß demnach mit Thomasmehl doppelt düngen, hat aber für die Nachfrüchte noch Phosphorſäure im Acker. Am meiſten wird ſich immer die Thomasſchlacke auf ſehr humoſem Boden, Moorwieſen u. dergl. lohnen; auf ſolchen Ländereien wird ſie die Superphosphate verdrängen, für andere Bodenarten möchten aber doch vielleicht der präzipitierte phosphorſaure Kalk und das Superphosphat auf die Dauer den Vorrang behaupten. Selbſtver⸗ ſtändlich muß die Thomasſchlacke äußerſt feingemahlen ſein. Abge⸗ ſehen davon, daß die gröberen Teilchen des Thomasmehles ganz weſent⸗ lich ſchwieriger und langſamer von den Löſungsmitteln angegriffen werden, iſt auch die Verteilung im Boden bei grobem Mehl viel geringer, als bei feinem. In dieſer Hinſicht aber kann auch bei feinſter Mahlung keins der beſprochenen Phosphate mit dem Superphos⸗ phate ſich meſſen, dieſer Umſtand gerade iſt es, durch den das Super⸗ phosphat in der Sicherheit der Wirkung alle anderen Phosphate weit hinter ſich läßt.“ Dieſe Anſicht, mit welcher ich damals allein ſtand, bricht ſich mehr und mehr Bahn. Man wendet jetzt die Thomasſchlacke ſparſamer und und nur da an, wo ſie am Platze iſt, auf ſauren kalkarmen Böden, auf Moorländereien und auf Wieſen. Man erzielt daſelbſt eine all⸗ mähliche, nachhaltige aber ſichere Wirkung. Dagegen zweifelt Niemand mehr an der Überlegenheit des Superphosphates bei intenſiven Kul⸗ turen für Pflanzen mit kurzer Vegetationsdauer und hohem Nährſtoff⸗ bedürfnis.*) Aber auch in anderer Hinſicht bereitet ſich für das Thomasmehl ein Umſchwung vor. Ich ſchrieb in der letzten Auflage:„Die in den früheren Ausgaben dieſer Schrift von mir, entgegen der damals herrſchenden Schule, ausgeſprochenen Anſichten über den Düngerwert der ſogen. zurückgegangenen Phosphorſäure der Lahnſuperphosphate *) Alfred Retter, Chemiker⸗Ztg, 1896. Nr. 94. 94 Thomasſchlackenmehl. Bodenlösliche Phosphorſäure. haben ſich ſeitdem allgemein Bahn gebrochen, ja ich möchte faſt an⸗ nehmen, daß man noch über das Ziel hinausgeſchoſſen iſt. Was ich damals als zurückgegangene Phosphorſäure zuſammenfaßte, nennt man jetzt bodenlösliche Phosphorſäure, alſo ſolche, die ſich in der Bodenflüſſigkeit auflöſt. Im Lahnſuperphosphat, überhaupt in allen ſtark eiſenhaltigen Superphosphaten, in denen ja gerade die zurück⸗ gegangene Phosphorſäure(als gallertartiges phosphorſaures Eiſenoxyd) vorkommt, läßt ſich dieſe bodenlösliche Phosphorſäure ſehr ſicher ana⸗ lytiſch feſtſtellen, indem man das ausgewaſchene Superphosphat mit zitronenſaurem Ammoniak behandelt und dadurch das fragl. Eiſen⸗ phosphat in Löſung bringt; bei der Thomasſchlacke läßt ſich die boden⸗ lösliche Phosphorſäure prozentiſch überhaupt nicht feſtſtellen, man nimmt aber an, daß die in derſelben enthaltene bodenlöslich iſt, weil ſie nach Wagners Verſuchen die Pflanzen ernährt.“ In neuerer Zeit iſt die Methode zur Beſtimmung der bodenlöslichen Phosphorſäure weſentlich verbeſſert worden, beſonders inſofern, als die Agrikulturchemiker über eine beſtimmte Methode, welche für die beſte gehalten wird, ſich geeinigt haben. Während, wie geſagt, bisher das Thomasſchlackenmehl bis dahin nur nach dem Gehalte an Phosphorſäure und an Feinmehl gehandelt wurde, wird es jetzt nur noch nach ſeinem Gehalte an bodenlöslicher Phosphorſäure gehandelt, d. h. an Phosphorſäure, die ſich nach ganz genauer Vorſchrift in einer Löſung von zitronen⸗ ſaurem Ammoniak löſt. Das Thomasmehl iſt dadurch in ſeine richtige Stellung unter den Phosphaten gerückt worden und ſteht, abgeſehen von ſeinem Phosphorſäuregehalte, in einer Reihe mit dem ſogenannten Präcipitat. Dadurch iſt auch dem Betruge der Weg verlegt. Während früher dem Thomasmehle leicht rohe gemahlene Phosphate, beſonders ein in dieſem Buche nicht beſprochenes Phosphat, das Redonda⸗Phosphat, zugemiſcht werden konnte, iſt dies jetzt nicht möglich. Man ſuchte bis⸗ her vergeblich nach einer Methode, feſtzuſtellen, ob ein beſtimmtes Mehl wirklich reine unverfälſchte Thomasſchlacke ſei. Dieſelbe enthält eben Phosphorſäure, Kalk, Thonerde u. ſ. w. in wechſelnden Mengen. Das Redonda⸗Phosphat eignete ſich einerſeits beſonders gut zur Verfälſchung, weil es vorzugsweiſe phosphorſaure Thonerde enthält, daher als Rohmaterial für Superphosphate nicht zu brauchen und in Folge deſſen ſehr billig iſt, anderenteils aber, weil auch die reine Thomasſchlacke viel Thonerde enthält. Auch auf die ehrliche Fabrikation des Thomasmehles wirkt dieſe neue Handelsbeſtimmung. Wie wir oben ſchon geſehen haben, ſind jetzt die Werke bemüht, ein Mehl zu liefern, welches einen möglichſt hohen Prozentſatz an bodenlöslicher Phosphorſäure enthält, indem ſie Kieſelſäure in die Schmelze einführen. Alſo auch hierin iſt die Thomas⸗ ſchlacke den rohen Phosphaten gefolgt. Wenn es auch nicht möglich Zeit der Düngung mit Phospaten. 95 iſt, ihre Phosphorſäure waſſerlöslich zu machen, ſo verlangt die Land⸗ wirtſchaft doch jetzt eine größere Bodenlöslichkeit von derſelben. Phosphatdüngungen nimmt man gewöhnlich im Frühjahre vor, doch wird auch von vielen Landwirten die Herbſtdüngung beliebt. Nach Maerckers Anſicht ſoll ſogar die Frühjahrsdüngung die einzig rationelle ſein, weil er meint, die gallertartigen Phosphate könnten vom Herbſte bis zum Frühjahre ſich in die kriſtalliniſchen verwandeln. Die Anſicht, daß dieſe Umwandlung geſchehen könne, habe ich ſchon in der vorige Auflage dieſes Werkchens vertreten, doch iſt der gegebene Zeitraum doch wohl zu kurz bemeſſen. Wäre die Anſicht Maercker's richtig, ſo wäre es überhaupt unmöglich, ohne jährliche Superphosphat⸗ düngung eine irgend erhebliche Ernte zu erzielen, ja man würde, um ein extravagantes Beiſpiel anzuführen, durch eine mehrjährige Brache ein Stück Land vollſtändig unfruchtbar machen können, was Maercker ſchwerlich zugeſtehen dürfte. Für die Düngung mit Leimkalk und Thomasmehl würde die Herbſtdüngung entſchieden die richtigere ſein. Nachdem wir die Wirkungsweiſe der Superphosphate auf den Ackerboden kennen gelernt haben, erübrigt uns noch, den Einfluß derſelben auf die Pflanzen zu beſprechen; ich kann hier nichts Beſſeres thun, als Maerckers lichtvolle Darſtellung aus ſeinem oben erwähnten Artikel zu zitieren. Derſelbe ſagt: „Man ſchreibt der Phosphorſäure in der Pflanze einen Einfluß auf die Bildung und Unſetzung der ſtickſtoffhaltigen Stoffe zu, weil man dieſelbe als einen niemals fehlenden Begleiter des Stickſtoffs in der Pflanze kennen gelernt hat. Überall, wo man die ſtickſtoffhaltigen Stoffe auftreten ſah, waren ſie meiſtens ſogar in einem beſtimmten Verhältniſſe(1 P. O;: 2 ½ N) begleitet von der Phosphorſäure; wo die ſtickſtoffhaltigen Stoffe aus Pflanzenteilen auswandern, ziehen ſie regelmäßig die Phosphorſäure mit ſich, wie beim Welken der Blätter, kurz, an einer Wechſelbeziehung zwiſchen Phosphorſäure und ſtiickſtoff⸗ haltigen Stoffen iſt nicht zu zweifeln. Es iſt daher in gewiſſem Sinne berechtigt, wenn man der Phosphorſäure eine ſpezifiſche Rolle, z. B. bei der Körnerbildung zuſchreibt, denn in den Körnern findet ja die ſtärkſte Ablagerung der ſtickſtoffhaltigen Stoffe, und damit auch ihres Begleiters, der Phosphorſäure, ſtatt. Freilich dürfen wir die körnerbildende Rolle der Phosphorſäure nur unter der Vorausſetzung als ſpezifiſch anerkennen, daß genügende Mengen Stickſtoff vorhanden waren; würde z. B. ein Überfluß an löslicher Phosphorſäure und ein Mangel an Stickſtoff vorliegen, ſo würden wir mit demſelben Recht den Stickſtoff als den körnerbildenden Stoff bezeichnen können. Da wir aber Grund haben, häufiger einen Mangel an disponibler Phos⸗ phorſäure als an Stickſtoff im Boden anzunehmen, ſo mag die körner⸗ bildende Rolle in dem obigen Sinne anerkannt werden.“ 96 Kaufwert der Phosphorſäuredünger. „In der Zuckerrübe ſchreibt man der Phosphorſäure eine zucker⸗ bildende Rolle zu, indem man durch die Erfahrung gefunden hat, daß man ohne Phosphatdüngung meiſtens wohl noch eine dem Gewicht nach befriedigende Ernte, aber von ſchlechtem Zuckergehalte, macht, während der Zuckergehalt bei Phosphatdüngung unter ſonſt gleichen Verhältniſſen weit befriedigender ausfällt.“ „Ahnlich ſteht es mit dem Stärkegehalt der Kartoffel ꝛc., ſo daß nicht zu leugnen iſt— es beſitzt die Phosphorſäure einen tief⸗ greifenden Einfluß auf die chemiſche Zuſammenſetzung der Pflanze.“ Kaufwert der Phosphorſäuredünger. Wie wir ſahen, beſtehen die im Handel vorkommenden Phosphate, allgemein aufgefaßt, aus im Waſſer leicht löslichen, ſchwer lös⸗ lichen und unlöslichen Stoffen. Im Waſſer leicht löslich ſind vor allem die in den Super⸗ phosphaten vorkommende freie Phosphorſäure und die ſauren Phosphate des Kalkes, der Magneſia, des Eiſenoxyds und der Thonerde, außerdem noch die in manchen Superphosphaten(Baker⸗ und Mejillones⸗) vorkommende ſchwefelſaure Magneſia. In Waſſer ſchwer löslich(bodenlöslich) ſind die halbſauren Kalk⸗, Magneſia⸗ und Eiſenphosphate, ſowie auch die ba⸗ ſiſchen Eiſenphospate, die als zurückgegangene Phosphorſäure in Lahnſuperphosphaten, ſowie im Leimkalke und der Thomasſchlacke ſich finden, außerdem aber ſchwefelſaurer Kalk(Gips). Als in Waſſer unlöslich endlich kann man den phosphorſauren Kalk u. ſ. w., der unaufgeſchloſſen in den Superphosphaten, beſonders aber in den rohen Phosphaten enthalten iſt, außerdem aber Eiſenoxyd, Silikate und Sand betrachten. Für den Landwirt haben nur die in Waſſer löslichen Stoffe In⸗ tereſſe und von dieſen auch wieder nur die Phosphorſäure. Die⸗ ſelbe iſt daher auch der einzige Maßſtab für die Wertbeſtimmung der Superphosphate. Im Großhaudel wird dem entſprechend der Preis der Superphosphate für das Prozent löslicher Phosphorſäure feſtgeſetzt, ſo daß z. B. ein 12 prozentiges Superphosphat 4 M. 32 Pf,, ein 20 prozentiges 7 M. 20 Pf. pro Ctr. koſtet, wenn 1 Proz. lös⸗ licher Phosphorſäure einen Wert von 36 Pf. hat. Die außer der Phos⸗ phorſäure noch vorhandenen löslichen Stoffe wie Kalk, Magneſia u. dgl. werden dabei unberückſichtigt gelaſſen. Die im Waſſer ſchwer löslichen Stoffe finden im allgemeinen nur eine bedingte Berückſichtigung, ſo beſonders die zurückge⸗ gangene Phosphorſäure. In den Rheingegenden und in Süd⸗ deutſchland, wo der Lahnphosphorit wegen der Nähe ſeiner Lager⸗ ucker⸗ in hat, hewich macht leichen d, ſo tif ze. neinen kge⸗ Sid⸗ Lager⸗ Kaufwert der Phosphorſäuredünger. 97 ſtätten eine ſehr wichtige Rolle ſpielte, war das Zurückgehen ſeiner Superphosphate zu einer wirklichen Kalamität geworden. Die Super⸗ phosphatfabrikanten, denen, wenn ſie ſtets nur die lösliche Phosphor⸗ ſäure bezahlt bekommen hätten, nicht nur jeglicher Gewinn verloren gegangen wäre, ja denen noch barer Verluſt erwachſen wäre, wußten es durchzuſetzen, und zwar mit Recht, daß ihnen die zurückgegangene Phosphorſäure ebenfalls und zwar zu einem Mittelpreiſe bezahlt wurde; man ſtellt dieſelbe nach einer von Freſenius, Neubauer ec. gefundenen Methode(Auflöſung in zitronenſaurem Ammoniakh feſt. Dieſer Zahlungsmodus iſt jetzt überall eingeführt, wo ſtark eiſen⸗ haltige Phosphate vorkommen. Es iſt zweifellos, daß die zitrat⸗ oder bodenlösliche Phosphorſäure einen bedeutenden landwirtſchaftlichen Wert hat, allerdings immer einen geringeren, als die waſſerlösliche, es kommt daher nur darauf an, daß das Preisverhältnis richtig geſtellt wird, dann iſt die Bezahlung auch der zurückgegangenen Phosphorſäure ge⸗ rechtfertigt. Ob es jemals dazu kommen wird, daß die waſſerlösliche Phosphor⸗ ſäure von der bodenlöslichen verdrängt wird, daß man alſo, wie J. H. Vogel zuletzt, ich aber ſchon vor vielen Jahren anregte, rohe Phos⸗ phate nur mit der halben Menge Schwefelſäure aufſchließt nnd ſo einen billigen, aber nur bodenlösliche Phosphorſäure enthaltenden Dünger herſtellt, läßt ſich heute nicht ſagen. Ich glaube aber, daß eine ge⸗ wiſſe Menge waſſerlösliches Phosphat auch in Zukunft ein unbedingtes Bedürfnis für die Landwirtſchaft ſein wird. Die vollſtändig unlöslichen Stoffe, ſowie auch Nebenbeſtandteile wie Gips, ſchwefelſaure Magneſia, werden in den Superphos⸗ phaten gar nicht bezahlt, auch nicht die unlöslichen Phosphate, weil ſie für den Landwirt wenig Wert haben. In den rohen Phosphaten bezahlt der Düngerfabrikant ſelbſtverſtändlich ſämtliche Phos⸗ phorſäure und zwar wird der Berechnung bei dieſen der Preis für das Prozent baſiſchen Kalkphosphates, ſämtliche Phosphorſäure als ſolches berechnet, zu Grunde gelegt. Bei eiſenoxydhaltigen Phosphaten iſt der Preis des Prozentes Phosphat um ſo billiger, je höher der Eiſen⸗ gehalt iſt. Rümpler, Düngeſtoffe. 4. Auflage. 7 98 Tabelle über den Gehalt der Phosphate. Es enthält ein Centner Rohe Guano⸗Phosphate. Chlor⸗Apatit(reiner) Fluor⸗Apatit(reiner) Apatit(Handelsware) Koprolithen... Carolina⸗Phosphat Knochenpräcipitat. Thomasſchlacke Superphosphat aus: Phosphat⸗Guano Eſtremaduraphosphat u. dergl. Knochenkohle und ⸗Aſche Doppelſuperphosphat Superphosphatgips. reiner baſiſch phosphorſaurer Kalk „ halbſaurer„ 4 reine baſiſch„ Magneſia „ halbſaure„„. lösliche Bodenlösl. unlösliche Phosphor⸗ Phosphor⸗Phosphor⸗ ſäure. ſäure. ſäure. Pfd. Pfd. Pfd. —— 30— 37 —— 40,95 —— 42,27 —— bis 37,5 —— bis 27 —— bis 27 — ca. 32— — 14— 20 2 18—- 292— 0—1 14,5— 16,57— 0—1 12,5— 13,57— 0—1 bis 45— V 0—3 ca. 2— 2 —— V 45,81 — 52,20— —- 54.2 — 59,17 b— II. Abſchnitt. Die Stickſtoffdünger. Von allen Stickſtoffdüngern ſind Chiliſalpeter und ſchwefel⸗ ſaures Ammoniak, im Düngerhandel kurz Ammoniakſalz genannt, am meiſten verbreitet; es exiſtiert aber noch eine dritte Klaſſe rein ſtick⸗ ſtoffhaltiger Düngeſtoffe, die tieriſchen Abfälle, deren Bedeutung für die Landwirtſchaft eine ganz außerordentliche iſt, wenn dieſelben auch in der Düngerinduſtrie noch nicht in dem Maße Berückſichtigung gefunden haben, wie ſie es verdienen. Dieſe drei Formen der Stickſtoff⸗ dünger unterſcheiden ſich nicht nur in ihrer chemiſchen Zuſammenſetzung, ſondern auch in ihrer Wirkung im Ackerboden von einander und bilden ſomit drei ſcharf geſchiedene Klaſſen: 1. Klaſſe: Der Salpeter. Salpeterſäureverbindungen ſind ſeit langer Zeit bekannnt. Schon im 8. Jahrhundert unſerer Zeitrechnung ſtellte Geber die Säure durch Deſtillation von Salpeter mit Alaun her und nach Herapath iſt es ſogar wahrſcheinlich, daß die alten Egypter ſchon zum Beſchreiben der Gewebe, in welche ſie die Leichen einwickelten, ſalpeterſaures Silber⸗ oxyd verwandten, dieſelbe Verbindung, die auch wir noch als Zeichen⸗ tinte für Wäſche unter dem Namen„Höllenſtein“ gebrauchen. Salpeterſäure iſt eine Verbindung von Stickſtoff, Sauerſtoff und Waſſerſtoff und nach der chemiſchen Formel NOz H zuſammenge⸗ ſetzt. Sie enthält daher 14 Teile Stickſtoff,(22,22 Proz.), 48 Teile Sauerſtoff(76,19 Proz.) und 1 Teil Waſſerſtoff(1,59 Proz.). 4 Sie iſt eine ſehr ätzende(organiſche Subſtanzen heftig angreifende und daher die Haut zerſtörende), rauchende, ſaure Flüſſigkeit. In höchſt 7* 100 Der Salpeter. konzentriertem Zuſtande hat ſie das ſpez. Gew. 1,52, die Säure des Handels iſt jedoch meiſt bedeutend ſchwächer(1,2— 1,4 ſpez. Gew.). Sie iſt leicht zerſetzbar; an oxydierbare Körper, Kohle, Schwefel, ſchwefelige Säure ꝛc. giebt ſie mit Leichtigkeit Sauerſtoff ab und geht dabei in niedrigere Oxydationsſtufen über. Durch metalliſches Zink wird die verdünnte Säure ebenfalls reduziert, indem ſich ſalpeterſaures Ammoniak bildet. In ſtark alkaliſchen Löſungen wird dieſelbe durch ein Gemenge von gekörntem Zink und Eiſenfeile vollſtändig in Ammo⸗ niak verwandelt. Mit Baſen bildet ſie Salze, welche ſämtlich, mit Ausnahme einiger baſiſcher Metallſalze, in Waſſer ziemlich leicht löslich ſind. Salpeterſäure entſteht faſt ausſchließlich durch Oxydation von Ammoniak oder ſtickſtoffhaltigen Tierſtoffen durch den Sauerſtoff der Luft bei Gegenwart von Baſen(kohlenſaurem Kalk). Es geſchieht dies freiwillig jedoch langſam in unſeren Ackererden, maſſenhaft aber in ſüd⸗ lichen Ländern(Bengalen, Ungarn, Spanien ec.), wo die Temperatur⸗ und Feuchtigkeitsverhältniſſe der Luft und des Erdbodens für die Oxy⸗ dation des tieriſchen Stickſtoffes außerordentlich günſtig ſind. Lange Zeit waren dieſe Länder, wo häufig ſalpeterſaure Salze tags über aus der Erde auswittern, ſodaß letztere wie mit einem Reife bedeckt erſcheint, die einzigen Lieferanten für das nördliche Europa, bis man ſchließlich hier anfing, künſtliche Erdmiſchungen zuſammenzuſtellen, um Salpeter zu erzeugen. Es geſchah dies in den ſogenannten Salpeterplantagen. Man ſchichtete kalkreiche Erde, Mergel, ausgelaugte Holzaſche u. dergl. mit tieriſchen Stoffen, Urin, Miſt, Stroh ꝛc. zu lockeren Haufen auf und ließ dieſe unter öfterem Umſtechen längere Zeit(etwa ein Jahr lang) an der Luft liegen. Wenn die Erde reif, d. h. möglichſt reichhaltig war, wurde ſie mit Waſſer, wie das mit der natürlichen Erde auch geſchieht, ausgelaugt. Die Lauge wurde, zur Entfernung des in ihr enthaltenen Kalkes, mit Holzaſche behandelt, geklärt und auf Salpeter verſotten. Dieſe Methode, die viel Arbeit erfordert und ein ſehr geringes Reſultat ergiebt, konnte ſich nur in Ländern halten, die, z. B. durch Krieg, von dem Handel mit ſüdlichen Ländern abgeſchnitten, auf ſich ſelbſt angewieſen waren, wie Deutſchland während der Kontinental⸗ ſperre. Sie iſt daher jetzt nicht mehr im Gebrauche. Die eben beſprochenen Quellen reichten aber kaum für den Bedarf der Induſtrie aus, die Landwirtſchaft konnte aus ihnen keinen Nutzen ziehen. Erſt durch Entdeckung eines ausgedehnten Salpeterlagers in Südamerika, deſſen Ausbeutung in den Jahren 1825 bis 1828 be⸗ gonnen wurde, konnten auch die Bedürfniſſe der letzteren befriedigt werden. Der ſüdamerikaniſche Salpeter(ſog. Chiliſ alpeter) unterſcheidet Der Salpeter. 101 ſich von dem gewöhnlichen, dem ſog. indiſchen, beſonders dadurch, daß in ihm die Säure an ein anderes Alkali gebunden iſt; während der letztere Kaliſalpeter(NOs K) iſt, iſt der erſtere Natronſalpeter (NOs Na). Er findet ſich in den regenloſen Pampas von Peru, Chile und Bolivia zwiſchen dem 19. und 27. Grade ſüdl. Breite, beſonders reichlich in der früher peruaniſchen, jetzt zu Chile gehörenden Provinz Tarapaca und in der Wüſte von Atacama. Unter einer Schicht von Konglomerat (Costra), beſtehend aus durch thonige und ſalzige Bindemittel ver⸗ kittetem Sand, Feldſpat, Gerölle ꝛc., deren Mächtigkeit ½— 3¾ Meter, zuweilen auch 2 Meter beträgt, befindet ſich das ſalpeterhaltige Mineral (Caliche oder Terra salitrosa) meiſt von grauer bis brauner Farbe und in einer Mächtigkeit von 25 bis 150 Centimeter. Das Liegende iſt ein lettenartiger Thon, der wiederum auf dem Urgebirge(Granit und Porphyr) aufliegt. Zuweilen fehlt auch die Konglomeratſchicht, ſo⸗ daß das Mineral zu Tage ſteht. Der Caliche iſt nie reiner Natronſalpeter, ſondern ein Gemenge aus dieſem mit Kaliſalpeter, Kochſalz, Jod⸗ und Bromnatrium, jod⸗ ſaurem Natron, ſchwefelſauren Alkalien, ſchwefelſaurem Kalke, noch ver⸗ unreinigt durch Sand, Thon ꝛc. Im Durchſchnitt enthält er nur 20— 25 Proz. Salpeter, ausgeſuchte Stücken enthalten ſelbſtver⸗ ſtändlich mehr. Nach Thiercelin wird Rohſalz unter 50 Proz. nicht verarbeitet. Nach Dr. Georg Langbein“) enthält Salpeter Kochſalz das reine gelbe Rohſalz, hart undklein kriſtalliniſch 77,90 Proz. 12,9 Proz. das reine gelbe Rohſalz, porös, weich und groß⸗ kriſtalliniſch........ 65,70„ 28,12„ gelber Caliche mit braunen Adern.... 64,73„ 32,02„ weißer Caliche, hart und kleinkriſtalliniſch.. 60,50„ 14,30„ weißer Caliche, porös, großkriſtalliniſch... 68,03„ 28,12„ brauner Caliche, ſchmutzig, porös, großkriſtalliniſch 36,80„ 20,70„ Über die Entſtehung des Lagers, welches im ganzen den Raum von etwa 28 geogr. Quadratmeilen einnimmt, ſind die Anſichten etwas geteilt. Die meiſte Wahrſcheinlichkeit hat die Annahme Hilligers für ſich, der Salpeter ſei aus dem Stickſtoff von Guanolagern, welche die Ufer eines großen Natronſees bedeckten, durch einen ähnlichen Prozeß entſtanden, wie wir ihn noch heute in Ungarn ꝛc(ſ. oben) vor ſich gehen ſehen. Durch die Natronſalze des Seewaſſers ſei der Salpeter gerade zu Natronſalpeter geworden. Für dieſe Anſicht ſprechen die ganzen Lagerungsverhältniſſe und die Thatſache, daß man wirklich zu⸗ weilen noch Spuren von Guano im rohen Salze findet. *) Polyt. Centralblatt. 1872. 102 Der Salpeter. Nöllner will die Entſtehung des Salpeters aus Seetang her⸗ leiten, der in großen Mengen durch Organe an die Küſte geworfen und durch langſame Oxydation in Nitrate verwandelt worden ſei. Zur Gewinnung des Rohſalzes wird das Hangende und das Salz⸗ lager mit einem etwa 50 cm weiten Bohrloche durchteuft; im Liegenden, dem Letten, angekommen, erweitert man dasſelbe zu einer Kammer von 30 cm Höhe und 90— 100 cm Durchmeſſer, welche man mit 3—4 Ctr. Pulver ladet. Durch Entzündung des Pulvers vermittelſt einer Zünd⸗ ſchnur legt man dann eine bedeutende Fläche des Lagers bloß, oft bis zu einem Umkreiſe von 30 m um das Bohrloch. Durch Handſcheidung wird das eigentliche Rohmaterial von dem Geſteine und den geringeren Salzen getrennt und in Körben oder Karren von Maultieren nach der Siederei befördert. Die Verarbeitung des Rohſalzes zu reichhaltigeren Produkten iſt faſt dieſelbe, wie die des Kalirohſalzes zu Chlorkalium, die wir ſpäter ausführlicher beſchreiben werden. Der Rohſalpeter wird in fauſtgroße Stücke zerkleinert und in Keſſeln, ähnlich den Kaliſalzlöſekeſſeln in Lauge, die von auskriſtalliſiertem Salpeter abgelaufen iſt(Mutterlauge), mit Dampf gelöſt. Die Löſung, die ſo konzentriert ſein muß, daß ſie eine Salzhaut zeigt, wird in Kaſten abgelaſſen, in denen ſich der Schlamm abſetzt, und kommt ſchließlich, geklärt, in Kriſtalliſiergefäße von Holz oder Eiſen, in denen der Salpeter ſich ausſcheidet. Letzterer wird in der Sonne getrocknet und iſt dann verſandtfähig. Der Rückſtand vom Löſen(Ripio) enthält noch 15—35 Proz. Salpeter, er wird daher nochmals mit Waſſer ausgekocht und giebt dann eine Lauge von 43— 450 Bé. die zum Löſen friſchen Rohſalzes verwandt wird. In derſelben Weiſe wird auch der Klärſchlamm ausgewaſchen, der nach Dr. G. Langbein bei 67,1 Proz. Kochſalz noch 27,3 Proz. ſalpeterſaures Natron enthält. Nach R. Wagner) enthält der zur Verſendung kommende Chiliſalpeter: Salpeterſaures Natron 94,03 Proz... Salpetrigſaures Natron 0,31„ 1 darin Stickſtoff 15,31 Proz. Kochſalz..... 1,52„ Chlorkaliumn 0,64„ Schwefelſaures Natron. 0,92„ Jodnatrium. 0,29„ Chlormagneſium... 0,93 Borſäure..... Spur Waſſer..... 1,36„ *) Polyt. Centralblatt. 1870. D)D— Zuſammenſetzung des Chiliſalpeters. 103 Beſſer eingerichtete Fabriken liefern Salpeter von folgender durch⸗ ſchnittlichen Zuſammenſetzung:*) Salpeterſaures Natron. 96,00 Proz. Kochſalz.. 4 700„ Lösl. ſchwefelſaure Salze 0, 50„ Unlösliches.. 0,25„ Waſſer.... 2, 25„ Durch Waſchen mit kaltem Waſſer(ſ. Kaliſalze) und Centri⸗ fugieren laſſen ſich Kochſalz und lösliche Sulfate zum größten Teile entfernen. Der Gehalt des Chiliſalpeters iſt ſelbſtverſtändlich nicht ganz konſtant, er ſchwankt vielmehr zwiſchen 90 und 100 Proz. entſprechend einem Gehalte an(waſſerfreier) Salpeterſäure von 57,2 bis 63,5 Proz. oder von 14,8 bis 16,4 Proz. Stickſtoff. In England pflegt man die an 100 fehlenden Prozente als Refraktionsgrade zu be⸗ zeichnen, ſo daß beiſpielsweiſe ein Salz mit 5° Refraktion ein 95 pro⸗ zentiges Salz bedeutet. Es iſt dieſe Notiz für den Ankauf des Chili⸗ ſalpeters reſp. zum Verſtändnis der Handelsberichte von Wichtigkeit. Nach Langbein exiſtierten 1871 in dem peruaniſchen Salpeter⸗ diſtrikte 23 Fabriken, zwölf kleinere, die mit freiem Feuer löſen und elf größere mit Dampfbetrieb. Letztere produzierten von 200 bis 1200 Ctr., zuſammen aber etwas über 6000 Ctr. fertiges Salz pro Tag. Der Export an Salpeter über Jquique, den den Fabriken am nächſten gelegenen Hafen, betrug 18303 1438 700 Gtr. 1835 1240 399„ 18340....... 227 362„ 1850...... 511 845„ 1860...... 1 370 248„ 1870........ 2 743 413„ 180eb14. 3 ,605 706„ 1881......... 6 380 000„ 1883.......10 600 000„ 1888.. 14 200 000„ 1895... ca. 25 000 000„ Der Natronſ alpeter keyſtallſierti in würfelähnlichen Rhombodern; er wird an der Luft feucht und löſt ſich leicht in Waſſer. 100 Teile Waſſer löſen bei 0⁰ 10⁰ 20° 30⁰0 40 1000 und bei 1210, dem Siedep. der Löſung, 71 78 88 98 109 178 224,8 Teile. Das ſpezifiſche Gewicht des Natronſalpeters iſt 2,244. *) Fehling, Handwörterbuch VI, S. 113. 104 Kaliſalpeter. Die Verbindung der Salpeterſäure mit Kali, der Kaliſalpeter, hat vorläufig nur für die Technik Bedeutung, für die Landwirtſchaft iſt er zu teuer, da er bis jetzt noch aus Chiliſalpeter und Chlor⸗ kalium hergeſtellt wird. An ſich würde er ein vorzügliches Düngemittel ſein, da er nicht nur Stickſtoff, ſondern auch Kali enthält und zwar letzteres in ſehr reiner Form. In den letzten Jahren hat man jedoch in Südafrika, namentlich bei Mabelſtadt und bei Prilska im Caplande, bedeutende Lagerſtätten von Salpeter, und zwar von Kaliſalpeter, aufgefunden. Es ſollen ſich ſogar ſchon Geſellſchaften gebildet haben, um dieſe Lager auszubeuten. Die nächſten Jahre werden wohl zeigen, ob dieſelben reichhaltig genug ſind, um der Landwirtſchaft durch Verbilligung des Salpeterſtickſtoffs und des Kalis Vorteile zuzuführen. Wir wollen an dieſer Stelle nicht unterlaſſen, einen Salpeterdünger zu erwähnen, der ſchon 1874 von H. J. Merck u. Co. in Hamburg auf den Markt gebracht und ſeitdem vielfach und mit günſtigem Er⸗ folge verſucht worden iſt, den ſog. Kali⸗Natronſalpeter. Der⸗ ſelbe enthält in 100 Teilen: nach Hulwa nach Maercker Salpeterſaures Kali. 34,17 34,18 41,78 11,41*) Salpeterſaures Natron 61,07 62,22 55,27 82,94 Kochſalz...... 2,47 2,67 0,57 3,43 Waſſer....... 1,03 0,40 1,67 2,02 daher: Kali.... 15,92 15,92 19,47 5,31 Stickſtoff 1480 14,89 15,05 15,24 Derſelbe iſt ein Nebenprodukt der Chiliſalpeter⸗Fabrikation und als ſolches verhältnismäßig ſehr billig. Es iſt zu Verſuchen den Land⸗ wirten zu empfehlen, trotzdem ſein Kaligehalt neuerdings ein ſehr ſchwankender geworden zu ſein ſcheint. 2. Klaſſe: Die Ammoniakſalze. Das Ammoniak iſt aus Stickſtoff und Waſſerſtoff nach der Formel NH zuſammengeſetzt. Es iſt ein gasförmiger Körper, der eigentümlich ſtechend riecht und ſich in Waſſer leicht und in großer Menge löſt. Die Löſung wird allgemein ſchlechtweg Ammoniak genannt, man kennt ſie auch unter dem Namen Salmiakgeiſt. Sie bläut rotes Lakmuspapier energiſch, reagiert alſo ſtark alkaliſch. Durch den Ein⸗ fluß des atmoſphäriſchen Sauerſtoffs oxydiert ſich das Ammoniak in geringen Mengen zu Salpeterſäure(ſ. Salpeter). Mit Säuren zu⸗ ſammengebracht bildet es Salze, indem es ſich mit dem Waſſerſtoffe *) Spätere Analyſe. —— nach örper, roßer lannt rotes Ein⸗ iak in e zi⸗ eſffe Das Ammoniak. 105 dieſer Säuren zu einem ſog. metalliſchen Radikale, dem Ammonium (NHa) vereinigt. So bildet ſich ſchwefelſaures Ammoniak nach der Gleichung SOAHe* 2NHa= SO4(NH)e, Salmiak(Chlorammonium) nach der Gleichung HCl(Salzſäure)+† NH= NHa Cl. Alle Ammoniakſalze entwickeln mit Alkalien oder Atzkalk wieder Ammoniakgas. Ammoniakverbindungen finden ſich vielfach in der Natur, doch meiſt nur in geringen Mengen. Ihr Vorkommen in der atmoſphäriſchen Luft und im Regenwaſſer haben wir ſchon erwähnt, ebenſo, daß man ſie in faſt allen Pflanzenſäften nachgewieſen hat. Chlorammonium findet man in manchen Salzſolen, in manchem Steinſalz und in vulkaniſchen Ausdünſtungen. Die hauptſächlichſten Quellen des Ammoniaks für Technik und Landwirtſchaft ſind gewiſſe ſtickſtoffhaltige Subſtanzen, die beim Glühen(trockne Deſtillation) den größten Teil ihres Stickſtoffs in Form von Ammoniakverbindungen entwickeln. Zu dieſen Subſtanzen gehören alle ſtickſtoffhaltigen Tierſtoffe(Knochen, Blut, Fleiſch ꝛc.) und die mineraliſchen Kohlen(Steinkohle). Auch aus Harn wird in Bondy bei Paris, wie ſchon erwähnt, durch Faulenlaſſen und Deſtillation mit Ätzkalk, ähnlich wie bei der Verarbeitung von Gaswaſſer, Ammoniak gewonnen. Bei der Fäulnis entſteht aus dem Harnſtoffe des Urins kohlenſaures Ammoniak, welches ſich mit Ätzkalk in Ammoniak und kohlenſauren Kalk umſetzt. Ammoniak findet ſich auch im Eſſenrauche und im Steinkohlen⸗ ruß, welch letzterer unter Umſtänden ſogar direkt als Düngemittel mit Nutzen zu verwenden iſt, wie folgende Analyſe Huttons zeigt. Derſelbe fand im Glasgower Gieintohleumnſ Kali... 0,30 Proz. Phosphorſauren Kalk... 3,20„ Ammoniak....... 2,80„ oder Stickſtoff..... 2,30„ In früheren Zeiten benutzte man ausſchließlich die Tierſtoffe zur Herſtellung der Ammoniakſalze, indem man ſie in Retorten füllte, dieſe zum Glühen erhitzte, die entſtehenden Dämpfe verdichtete und das ſo gewonnene kohlenſaure Ammoniak für ſich reinigte(Hirſch⸗ hornſalz) oder mit Säuren in die verſchiedenen Salze verwandelte. Auch jetzt noch werden auf dieſe Weiſe geringe Mengen von Ammoniakſalzen gewonnen, doch nur als Nebenprodukt bei der Her⸗ ſtellung der Knochenkohle. Das Schwarzbrennen der Knochen geſchieht nach zwei verſchiedenen Methoden. Nach der einen, älteren, füllt man das Rohmaterial in 106 Gewinnung des Ammoniakſalzes. Töpfe, die man in einem ſchachtartigen Ofen ſo aufſtellt, daß jeder als Deckel für den darunter ſtehenden dient. Bei dem darauffolgenden Brennen, auf deſſen Einzelheiten wir nicht weiter eingehen können, gehen alle ſich aus den Knochen entwickelnden Gaſe und Dämpfe in den Schornſtein. Nach der andern Methode werden die Knochen in einer gußeiſernen Retorte, ähnlich den Gasretorten, verkohlt. Die Gaſe treten hierbei aus der Mündung derſelben aus und können in irgend einer Vorlage verdichtet werden. Das Kondenſationsprodukt enthält neben anderen wertvollen Produkten auch Ammoniak, welches durch Deſtillation mit Kalk gewonnen und in ſchwefelſaures Ammoniak übergeführt werden kann. Die Knochenkohlenfabriken ſtellen ihr Produkt faſt ausſchließlich für die Zwecke der Zuckerfabrikation her; im letzten Jahrzehnt iſt man jedoch in derſelben faſt allgemein zu Fabrikationsmethoden übergegangen, welche die Knochenkohle entbehrlich machen, ſodaß letztere, und mit ihr ihre Nebenprodukte, nur noch in ſehr geringen Mengen hergeſtellt wird. Die reichlichſte Quelle für das Ammoniak bildet jetzt die Stein⸗ kohle und zwar bei ihrer Benützung zur Herſtellung des Leucht⸗ gaſes und zur Fabrikation von Kokes. Bei dieſen beiden Induſtrie⸗ zweigen geht der Stickſtoff der Steinkohlen teils in Form von kom⸗ plizierteren Verbindungen(Anilin und dergl.) in den Theer, teils in Form von Ammoniakverbindungen in das ſich entwickelnde Gas. Durch Waſchen mit Waſſer wird das Gas vom Ammoniak befreit. Das Waſchwaſſer, ſogen.„Gaswaſſer“, ſtellt eine ſchwache Löſung von Ammoniak, kohlenſaurem Ammoniak, Schwefel⸗Ammonium, Cyan⸗ Ammonium, Salmiak und ſchwefelſaurem Ammoniak vor. Sein Stick⸗ ſtoffgehalt iſt, je nach den Mengen von Waſſer, die man zum Waſchen benutzt hat, verſchieden, er ſchwankt von kaum ¼ bis über 1 Prozent. Nach Dr. Gerlach, der eine Reihe von verſchiedenen Gaswäſſern unterſuchte*), enthielten dieſelben in 100 cem.: aus d. Gasanſtalt aus anderen in Chemnitz ſächſ. Gas⸗- aus Bonn (Zwickauer Kohle) Anſtalten(Ruhrkohlen) g g g Unterſchwefligſaures Ammoniak 0,1036 0,1628 0,5032 Schwefel⸗Ammonium.. 0,0340 0,0646 0,6222 Doppeltkohlenſaures Ammoniak 0,1050 0,1470 0,2450 Kohlenſaures Ammoniak.. 0,4560 0,7680 3,3120 Schwefelſaures Ammoniak. 0,0462 0,0848 0,1320 Salmiak(Chlorammonium). 3,0495 1,7120 0,3745 im ganzen Stickſtoff.... 0,9987 0,7768 1,4979 entſprechend Ammoniak... 1,1484 0,9434 1,8260 entſpr. ſchwefelſ. Ammoniak 4 7081 3,6624 7,0615 *) Polyt. Zentralbl. 1872. Gewinnung des Ammoniakſalzes. 107 Die Methoden zur Gewinnung des Ammoniakfſalzes aus Gaswaſſer laufen ſämtlich darauf hinaus, das Ammoniak durch Er⸗ hitzen(unter Zuſatz von Kalk) aus dem Waſſer gasförmig auszutreiben, in Schwefelſäure aufzufangen und aus der entſtandenen Löſung durch Eindampfen und Kryſtalliſierenlaſſen das ſchwefelſaure Salz zu gewinnen. Anſtatt alle die verſchiedenen, für dieſen Zweck konſtruierten Apparate zu beſchreiben, will ich mich darauf beſchränken, nur diejenige Methode zu beſprechen, die in einer bedeutenden engliſchen Fabrik angewandt wird, und von der man weiß, daß ſie gute Reſultate erzielt. Jeder intelligente Techniker kann ſich danach aus alten Dampffkeſſeln u. dergl. ohne große Koſten ſeinen Apparat ſelbſt zuſammenſetzen. 4* P g„ 8 A A 4 4. 4— 5 8 4 4. A Figur 4*) iſt ein kleiner Dampfkeſſel, der aus der Ziſterne, in der ſich das Gaswaſſer befindet, gefüllt wird. Erhitzt man nun zum Sieden, ſo entweicht aus dem Waſſer das freie und das kohlenſaure Ammoniak, das Schwefel⸗ und das Cyan⸗Ammonium, welche ſämtlich leicht flüchtige Verbindungen ſind, durch das auf dem Keſſel befindliche weite gußeiſerne Rohr a in das Rohr g und ſchließlich, wenn die Hähne d und f geſchloſſen ſind, durch das Rohr c in den mit Blei ausgeſchlagenen und zum Teil mit konzentrierter Schwefelſäure gefüllten Holzbottich O Die Schwefelſäure abſorbiert dieſe Gaſe und Dämpfe ſehr heftig, ſodaß es ſich ereignen kann, daß ſie in den Keſſel A zurückſteigt. Um dies zu verhindern, befindet ſich am oberen Ende des Rohres C ein Ventil h, welches ſich nach innen öffnet und atmoſphäriſche Luft eintreten läßt, ſobald die Säure in o zu ſteigen beginnt, d. h. alſo, wenn der Luftdruck im Apparate geringer iſt, als der äußere. *) Die Feuerungsanlage iſt nur angedeutet. 108 Gewinnung des Ammoniakſalzes. Nachdem man das Kochen einige Zeit fortgeſetzt hat, öffnet man den Probierhahn bei d, um mit rotem Lakmuspapier zu prüfen, ob die ſich entwickelnden Dämpfe noch weſentliche Mengen Ammoniak enthalten. Iſt dies nicht der Fall, ſo läßt man das Waſſer in den neben A etwas tiefer ſtehenden größeren Keſſel B übertreten. Zu dieſem Zwecke iſt an den Rückwänden der Keſſel das Rohr D (Fig. 5) angebracht, ſelbſtverſtändlich ſo, daß es nicht vom Feuer beſpült perdin kann. Man braucht dann nur die Hähne e, f, i und k zu öffnen. Im Keſſel B vermiſcht man das übergetretene Waſſer mit Kalk⸗ milch, füllt A mit friſchem Gaswaſſer und erhitzt, nachdem die Hähne i und kꝛ wieder geſchloſſen ſind, beide Keſſel zum Sieden. Während nun im Keſſel A der ſchon beſchriebene Prozeß von neuem vor ſich geht, entwickelt ſich in B faſt reines Ammoniakgas, welches durch Zer⸗ ſetzung des, in dem ſchon abgekochten Gaswaſſer noch enthaltenen Chlorammoniums und ſchwefelſauren Ammoniaks durch den Ätzkalk ge⸗ bildet wird. Auch dieſes Gas tritt in die Schwefelſäure in Bottich C. Hat man ſich am Probierhahn überzeugt, daß alles Ammoniak aus⸗ getrieben iſt, ſo kann man das in B befindliche Waſſer als erſchöpft betrachten, man läßt es daher weglaufen. Zu dieſem Zwecke befinden ſich an dem Rohre D die durch Holzpfropfen verſchloſſenen Stutzen 1 Fig. 5. und m(Fig. 5); durch Offnen derſelben und des zum Keſſel B ge⸗ hörenden Hahnes k läßt man die Flüſſigkeit ab. Man könnte das Ammoniak auch in einem einzigen Keſſel deſtillieren, wenn man gleich von vornherein das Gaswaſſer mit Kalkmilch ver⸗ miſcht; da dann in der Endflüſſigkeit ſich aber nicht nur Chlorcalcium und ſchwefelſaurer Kalk, ſondern auch kohlenſaurer Kalk und verſchiedene andere Salze befinden würden, und da dieſe große Menge unlöslicher Salze die Deſtillation ungemein erſchwert, ſo iſt das Verfahren mit zwei Keſſeln vorteilhafter. Auch iſt es im erſteren Falle nicht zu ver⸗ meiden, daß die fraglichen Kalkſalze im Keſſel ſich feſtſetzen und an⸗ brennen, wodurch letzterer ſehr raſch verdorben wird. ——— ͦ—— ——— x„x.*— Gewinnung des Ammoniakſalzes. 109 Iſt die im Bottich C enthaltene Schwefelſäure mit Ammoniak geſättigt, ſo ſtellt ſie eine ziemlich konzentrierte Löſung des Ammoniak⸗ ſalzes vor. Anfangs zwar wird dieſelbe durch reichlich übergehenden Waſſerdampf verdünnt; da die Säure ſich dabei aber ſehr heftig erhitzt, ſo geht ſchließlich der größte Teil des letzteren ungebunden hindurch. Die Ammoniakſalzlauge iſt aber noch nicht ſo konzentriert, daß ſie beim Erkalten Kriſtalle abſetzen würde, ſie wird daher in flachen Blei⸗ oder Eiſenpfannen oder auch in Holzbottichen, die mittelſt einer Dampf⸗ ſchlange geheizt werden, eingedampft. Das Verdampfen muß ſehr vorſichtig geſchehen. Die in der Lauge enthaltenen organiſchen Subſtanzen wirken nämlich in ſtarker Hitze re⸗ duzierend auf das ſchwefelſaure Ammoniak, es bilden ſich unterſchwef⸗ ligſaures Salz und Schwefelammonium, zwei Stoffe, die das Metall der Pfannen ſtark angreifen. Da außerdem dadurch viel Ammoniak in der Form des leicht flüchtigen Schwefelammoniums verloren geht, ſo muß der Arbeiter, ſobald er den Geruch des letzteren(wie faule Eier) wahrnimmt, die Hitze mäßigen. Die hinreichend konzentrierte Lauge wird in eiſerne Käſten abge⸗ laſſen, in denen ſich beim Erkalten das Ammoniakſalz abſetzt. Die von den Kriſtallen abfließende Mutterlauge enthält noch viel Ammoniak. Sie wird, mit Schweſelſäure vermiſcht, bei einer neuen Deſtillation vorgelegt. Schließlich kann man ſie auch noch einmal ver⸗ dampfen und kriſtalliſieren laſſen. Die von dieſer zweiten Verdampfung reſultierende Mutterlauge iſt ſo unrein, daß ſie auf Ammoniakſalz durch Kriſtalliſation nicht weiter verwertet werden kann. Sie enthält jedoch neben anderen chemiſchen Verbindungen z. B. Rhodanammonium, welches durch Einwirkung von Schwefelammonium auf Cyanammonium entſteht, noch bedeutende Mengen von ſchwefelſaurem Ammoniak. Man bringt ſie daher in den Keſſel B zurück, um das Ammoniak derſelben durch Deſtillation mit Kalkmilch zu gewinnen. Die ſoeben beſchriebene Methode der Herſtellung von ſchwefel⸗ ſaurem Ammoniak iſt eine ſehr gute, doch hat man in neuerer Zeit noch andere Apparate konſtruiert, die auf demſelben Prinzipe beruhen, wie die zur Rektifikation des Weingeiſtes dienenden ſogen. Kolonnen⸗ apparate. Der Vorteil der letzteren liegt nur in dem geringeren Brenn⸗ material⸗Verbrauche. Die Beſchreibung derſelben würde über den Rahmen dieſes Buches hinausgehen. Das ſo erzeugte Ammoniakſalz, das einzige, welches der Land⸗ wirt kennt, welches er daher auch ſchlechtweg Ammoniakſalz nennt, bildet den Ausgangspunkt für alle übrigen Ammoniakſalze (Salmiak ꝛc.) und enthält je nach ſeinem Feuchtigkeitsgrad 20— 24 Proz. Ammoniak, entſprechend 77,7— 93,2 Proz. ſchwefelſaurem Ammoniak oder 16,5— 19,8 Proz. Stickſtoff. 110 Das Ammoniakſalz. Auch durch Auslaugen von gebrauchter Laming'ſcher Maſſe, einem Gemenge von Eiſenvitriol, Kalk und Sägeſpähnen, welches zur Reinigung des Leuchtgaſes dient, wird Ammoniak gewonnen. Dasſelbe kann ſelbſtverſtändlich eben ſo rein erhalten werden, wie das aus Gas⸗ waſſer bereitete, wenn man die Laugen, wie oben erwähnt, mit Kalk deſtilliert. In England wurden und weerden vielleicht noch dieſe Laugen jedoch zuweilen nur eingedampft. Man erhält dann allerdings ein Produkt, vor welchem ſich die Landwirte ſorgfältig zu hüten haben. Maercker unterſuchte vor längeren Jahren ein ſolches ſogenanntes „Rohammoniak“ und fand in demſelben: Feuchtigkeit...„ 8,7 Proz. Schwefelſaures Ammoniak.. 17,8„ mit 5,3% Stickſtoff. Unlösl. Stickſtoffverbindungen 5,4„„ 1,8„„ Schwefelſaures Eiſenorydnl... 15,6„ Schwefel...... 10,7„ Rhodanverbindungen. 1,2„ Eiſenoxydul und Schwefeleiſen. 22,3„ Kalk, organiſche Sübſtanz.. 14,8„ Sand, Thon.. 3, 5 100,0 Prß mit 7,1% Stickſtoff. Von dieſen Stoffen hat nur das ſchwefelſaure Ammoniak eine düngende Wirkung, die unlöslichen Stickſtoffverbindungen, Schwefel, Kalk, Sand und Thon ſind indifferent, dagegen gehören das ſchwefel⸗ ſaure Eiſenoxydul, Eiſenoxydul, Schwefeleiſen und die Rhodanverbindungen zu den ſchädlichen Stoffen. Vor der Ver⸗ wendung eines ſolchen Salzes muß auf das entſchiedenſte gewarnt werden. Ein anderes, ebenſo gefährliches Salz(ſog. braunes ſchwefelſaures Ammoniak) iſt ebenfalls von England aus in den Handel gekommen und von C. Schumann unterſucht worden. Dasſelbe enthielt: Waſſer.... 4,86 Proz. ſchwefelſ. Ammoniak 14,87„= 3,15 Proz. Stickſtoff. Rhodanammonium 73,94„= 27,24„„ Sand 2c..... 6,23„ 99,90 Proz. mit 30,39 Proz. Stickſtoff. Das in demſelben enthaltene Rhodan iſt, wie ich ſchon S. 9 darlegte, für die Pflanzen ungemein ſchädlich und es muß daher jedes Ammoniakſalz vor der Verwendung als Dünger auf dieſen Stoff unter⸗ ſucht werden. Das betr. Salz iſt jedenfalls durch Eindampfen der bei Darſtellung des ſchwefelſauren Ammoniaks übrig bleibenden Mutter⸗ lauge erzeugt worden. Maſfe hes zur dasſelbe 1s Gas it Ral h diee erdings haben. anntes ſtoff. 1' Die tieriſchen Abfälle. 111 Die Produktion von ſchwefelſaurem Ammoniak wurde im Jahre 1871 von W. Cohn*) in England. aauf 400 000 Clr. „ Frankreich„ 250 000„ „ Holland u. Belgien.„ 50 000„ „ Deutſchland...„ 100 000„ „ den übrigen europ. Ländern.„ 50 000„ zuſammen auf 850 000 Ctr. geſchätzt. Seitdem dieſe Aufſtellung veröffentlicht wurde, hat die Produktion, auch in Deutſchland, bedeutende Fortſchritte gemacht. Beſonders die Kokereien in England, Schleſien und Weſtfalen ſtellen ſeit einer Reihe von Jahren das ſchwefelſaure Ammoniak in ſo bedeutenden Mengen als Nebenprodukt der Kokesgewinnung her, daß der Preis gegen früher jetzt ungemein geſunken iſt. Die Ammoniakſalzproduktion beträgt jetzt in deutſchen Kokereien 1 220 000 Ctr. „„ Gasanſtalten. 280 000„ im Ganzen in Deutſchland. 1 500 000 Ctr. ſchwefelſ. Ammoniak „ England...3 600 000„ „ Frankreich 900 000„ „ Belgien u. Holland 600 000„ Englands Ausfuhr allein beträgt etwa 2 000 000 Ctr. 3. Klaſſe: Die tieriſchen Abfülle. Die Gewinnung von Düngematerialien aus tieriſchen Abfällen hat für das Nationalvermögen dieſelbe Bedeutung, wie die Verarbeitung ſtädtiſcher Exkremente. Wie dieſe ſtammen ſie in letzter Reihe aus dem Acker des Landwirtes und ſind von dieſem im Dünger bezahlt worden. Leider aber wird der Aufſammlung derſelben noch nicht die Aufmerk⸗ ſamkeit gewidmet, wie es wohl wünſchenswert wäre, trotzdem ihre Ver⸗ wertung ſo geringe Schwierigkeiten macht. Welche Maſſen von Blut gehen, ſelbſt in kleinen Städten, jahraus jahrein in den Schlächtereien verloren und verpeſten noch nebenbei die Luft. Wieviel Fleiſch wird noch in den Abdeckereien vergraben und zwar nicht nur aus alter ſchlechter Gewohnheit, ſondern weil es die Sanitätspolizei vorſchreibt. Beſonders wenn die betreffender Tiere an epidemiſchen Krankheiten, z. B. der Rinderpeſt, geſtorben ſind, iſt es Vorſchrift, die Kadaver mit Haut und Haar zu vergraben, und ſchwere Strafe würde denjenigen treffen, der verſuchen ſollte, dieſelbe auf andere Art und Weiſe un⸗ ſchädlich zu machen oder ſie ſogar als Dünger zu verwerten, obgleich gerade die Manipulationen, die man bei ihrer Verarbeitung zu Dünger mit dieſen Stoffen vornimmt, dieſelben am beſten desinfizieren. Dieſe *) Ber. über die Wiener Weltausſtellung 1873, Band 3. 112 Geſundheitlicher Wert der Verarbeitung der tieriſchen Abfälle. Manipulationen laufen nämlich ſchließlich, wie wir ſogleich ſehen werden, ſämtlich auf die Anwendung höherer Temperaturen hinaus; alle tieriſchen Stoffe werden bei ihrer Verarbeitung zu Dünger der Kochhitze oder noch höheren Hitzegraden ausgeſetzt; durch Kochhitze aber werden alle lebenden Organismen und ſomit auch die Fäulnis erregenden und Epidemien erzeugenden Pilze getödtet. Bleiben nun allerdings die betreffenden Stoffe nach dem Kochen längere Zeit an der freien Luft liegen, ſo werden doch wieder Pilzkeime dieſelben befallen, es wird Fäulnis eintreten, die unter Umſtänden Krankheiten erzeugen kann; doch gerade für die Düngerfabrikation iſt es weſentlich, dieſe Zerſetzung nach Kräften zu verhindern, weil bei derſelben ſtets ein Teil des in den Tierſtoffen enthaltenen, ſo koſtbaren Stickſtoffs verloren geht. Dieſer Zweck wird erreicht durch raſches Trocknen, denn getrocknete tieriſche Subſtanzen können jahrelang aufbewahrt werden ohne zu faulen. Bei Betrachtung der unten beſchriebenen Methoden der Dünger⸗ bereitung wird man daher erkennen, daß dieſelben neben der Herſtellung wertvoller Produkte aus früher, und an manchen Orten noch jetzt, wert⸗ loſen Rohſtoffen, auch die vollſtändigſte Unſchädlichmachung der in Tier⸗ kadavern enthaltenen Kontagien erreichen, und daß daher die jetzt be⸗ ſtehenden Polizeivorſchriften, die Vergrabung der an Rinderpeſt und ähnlichen Epidemien geſtorbenen Tiere betreffend, vom volkswirtſchaft⸗ lichen ſowohl, als auch vom ſanitätspolizeilichen Standpunkte aus, unrationell und daher verwerflich ſind. Die am häufigſten zur Verarbeitung kommenden, weſentlich ſtickſtoff⸗ haltigen Tierſubſtanzen ſind: 1. Das Blut. Friſch aus den Adern kommend, iſt es eine rote, dickliche Flüſſigkeit von 1,045 bis 1,075 ſpez. Gew.(6 bis 10⁰ Bé).*) Aus dem Kreislaufe entfernt, ſcheidet es ſich in zwei Teile, einen feſten, faſerigen, den Blutkuchen, und einen flüſſigen, das Serum. Der Blut⸗ kuchen beſteht in ſeiner Hauptmaſſe aus(Blut⸗) Fibrin oder Faſerſtoff, das Serum enthält in reichlichſter Menge Eiweiß gelöſt(7 bis 8 Proz.). Insgeſamt enthält das Blut annähernd in 1000 Teilen Waſſer 796 Teile feſte Beſtandteile 204„ 1000 Teile Die feſten Beſtandteile beſtehen aus: 191 Teilen ſtickſtoffhaltiger Subſtanz(Fibrin, Eiweiß, Globulin ec.), 2„ Fett, „ Egytraktipſtoffen, 8„ Miireralſcoffen. 204 Teile. *) Durch Beſtimmung des ſpezifiſchen Gewichts mit einer feinen Spindel kann man beim Einkaufe annähernd erkennen, ob das Blut mit anderen Flüſſig⸗ keiten verſetzt iſt oder nicht. erden riſchen eoder nalle n und s die liegen äulnis gerade räften toffen kenete ulen. nger⸗ lung wert⸗ Tier⸗ t be⸗ und haft⸗ aus, ſtof⸗ rote, 5*) iſten, blut⸗ toff ro.) a.) pindel lüſſi⸗ Die tieriſchen Abfälle. 113 Von den im Blute enthaltenen Mineralſtoffen ſind beſonders Chlor⸗ kalium und Chlornatrium(Kochſalz), ſonſt Phosphorſäure, Kalk, Mag⸗ neſia u. ſ. w. zu erwähnen. 100 Teile derſelben enthalten: Phosphorſäure 9,8 Teile Chlorkalium. 46,0„ entſprechend 29,0 Teilen Kali. Je nach der Tiergattung, von der das Blut herſtammt, weicht ſeine Zuſammenſetzung von obiger etwas ab. Nach Wolff enthält Blut vom Ochſen Kalb Schaf Schwein Proz. Proz. Proz. Proz. Waſſer.. 79 80 79 80 Feſte Beſtandteile... 21 20 21 20 100 100 100 100 Stickſtoff......3.,2 2,9 3,2 2,9 Phosphorſäure..... 0,04 0,06 0,04 0,09 Kalt..... 0,06 0,08 0,05 0,15 Bei der Verarbeitung des Blutes will man vor allem das Waſſer aus demſelben entfernen und verfährt dabei in folgender Weiſe: Man läßt dasſelbe in Portionen von 20 bis 60 Centnern in einen hölzernen Bottich oder in einen ſchmiedeeiſernen Kaſten(Figur 6) fließen, in welchem etwa 15 cm über dem Boden der hölzerne loder eiſerne) Siebboden c angebracht iſt, der mit einem weitlöcherigen Gewebe oder einer Weidenhorde bedeckt iſt. Das kupferne Dampfrohr b iſt in ſeinem horizontalen Teile mit nicht zu engen Löchern verſehen und am Ende geſchloſſen. a— ] 5 5 — 1 C 8 Fig. 6. 8 Durch Offnen eines Hahnes bei a läßt man nun Dampf in das Blut eintreten und rührt dabei kräftig um. Nach etwa einer Stunde hat ſich dasſelbe durch Gerinnen des Eiweißes in eine dicke, durch und durch flockige Maſſe verwandelt; man ſtellt dann den Dampf ab, öffnet den Hahn d und läßt das ſchwach rötliche Blutwaſſer ablaufen. Iſt die Arbeit mit Sorgfalt vorgenommen worden, ſo enthält letzteres nur Rümpler, Düngeſtoffe. 4. Auflage. 8 114 Blutmehl. Fleiſchmehl. ca. 3,92 Proz. trockenen Rückſtand, mit 10,92 Proz. Stickſtoff, alſo im ganzen nur etwa 0,42 Proz. Stickſtoff und iſt daher nicht mehr ver⸗ arbeitungswürdig, wenn man es nicht wie Urin durch Faulenlaſſen und Deſtillation verarbeiten will. Das nach ungefähr einer Stunde voll⸗ ſtändig abgetropfte Gerinnſel iſt nicht von konſtanter Zuſammenſetzung; je nachdem es aus feineren oder gröberen Flocken beſteht, enthält es mehr oder weniger Waſſer. Will man dasſelbe als reinen Stickſtoff⸗ dünger, als Blutmehl, in den Handel bringen, ſo wird es in Trocken⸗ ſtuben getrocknet und dann zu einem feinen Pulver gemahlen, was wegen der ſpröden Natur der getrockneten Maſſe leicht von ſtatten geht. Die Ausbeute an trockenem Blute iſt annähernd 20 Prozent des friſchen, was auch mit den oben angeführten Zahlen über die ungefähre Zuſammenſetzung des letzteren übereinſtimmt. Das reine Blutmehl iſt von rotbauner Farbe und enthält 14—15 Proz. Stickſtoff nebſt 7—8 Proz. Aſche. Manche Fabrikanten ſetzen dem Blute vor dem Kochen 1—2 Proz. konzentrierter Schwefelſäure zu, um ein raſcheres Gerinnen zu bewirken, doch iſt dieſer Zuſatz vollkommen unnötig. In neuerer Zeit hat man auch ohne Kochen das Blut in ein trockenes und feines Pulver verwandelt: Man verſetzt dasſelbe zu dem Zwecke mit 1,5— 3 Proz. gebranntem Kalke, durch welches es zu einem gleichmäßigen Kuchen erſtarrt, der ohne zu faulen an der Luft ge⸗ trocknet werden kann und ein feines geruchloſes Pulver bildet. Dieſe Methode bietet den Vorteil, daß ſie überall ohne jegliche Fabrikanlage ausgeübt werden kann und daß die 0,4% Stickſtoff, welche ſonſt in Blutwaſſer weglaufen, gewonnen werden. Sie eignet ſich da⸗ her beſonders zum Gebrauche auf dem flachen Lande, für Landwirte, die ſich ſelbſt einen guten und billigen Stickſtoffdünger gelegentlich her⸗ ſtellen wollen. 2. Das Fleiſch. Das Fleiſch verendeter Tiere, außerdem Lungen und andere Eingeweideteile derſelben, werden zuvörderſt in einem ähnlichen Bottiche, wie der für Blut dienende, mit Waſſer längere Zeit gekocht. Es ſcheidet ſich dabei das in demſelben enthaltene Fett zum größeren Teile ab und kann, nach kurzem ruhigen Stehen, von der Oberfläche der Brühe abgeſchöpft werden. Je nach ſeiner Konſiſtenz wird dasſelbe als Talg oder als Schmalz in Seifenfabriken verwertet, nachdem es, in derſelben Weiſe wie Knochenfett(ſ. d.), gereinigt worden iſt. Die beim Kochen des Fleiſches abfallende Brühe iſt nicht weiter verarbeitungswürdig. Blutwaſſer und Fleiſchbrühe benntzt man am beſten zum Berieſeln von Ländereien, um die geſundheitsſchädlichen Ein⸗ wirkungen derſelben beim Faulen zu vermeiden. Das Fleiſch ſelbſt wird wie Blut getrocknet, gemahlen, und als Fleiſchmehl in den ſtenz ertet, einigt Fleiſchmehl. Hornmehl. 115 Handel gebracht. Letzteres iſt von graubrauner Farbe und enthält ca. 14,5 Proz. Stickſtoff und ähnliche Aſchenbeſtandteile wie das Blutmehl. Nach Wolff enthalten 100 Teile Fleiſch vom Ochſen Kalb Schwein Waſſer.... 77 78 74 Stickſtoff... 3,,6 3,49 3,47 Phosphorſäure. 0,43 0,58 0,46 Kali..... 0,52 0,41 0,39 3. Das Horn kommt in ſehr verſchiedenen Formen im Handel vor. Als Horn der Wiederkäuer in Stücken iſt es im allgemeinen am reinſten und enthält, wenn es von Knochen befreit und lufttrocken iſt, 13— 14 Proz. Stickſtoff. Fiſchbeinabfälle, wenn ſie nicht aus allzufeinen Spänen beſtehen, ſind demſelben vollkommen gleichzuſtellen. Horn und Fiſchbein in feinen Dreh⸗ und Hobelſpänen ſind ſchon weniger zuverläſſig, da ſie häufig, in Werkſtätten zuſammengefegt, mit Kehricht, Holzſpänen, und dergl. ſtark verunreinigt ſind. Ihren Stick⸗ ſtoffgehalt konnte ich häufig auf nur 7—8 Proz. beſtimmen. Im ganzen reichhaltiger als dieſe, jedoch geringer als Horn in Stücken, ſind Klauen. Dieſelben beſtehen im weſentlichen aus reiner Hornſubſtanz, ſind aber meiſt durch Miſt und Miſtjauche verunreinigt und ſehr feucht. Ebenfalls in der Hauptſache aus Hornſubſtanz beſtehend, ſind Haare, Wolle, wollene Lumpen, alter Filz und Federn, doch iſt gerade beim Ankaufe dieſer Stoffe die größte Vorſicht nötig, weil ihre größere oder geringere Verunreinigung nur ſchwer und durch Analyſe zu be⸗ ſtimmen iſt. Während dieſelben in reinem Zuſtande 11 bis 13 Proz. Stickſtoff enthalten, enthalten ſie, wie ſie an die Fabriken abgeliefert werden, häufig nur 5 bis 6 Proz. Beſonders unzuverläſſig in ſeiner Qualität iſt der, in Shoddy⸗ fabriken und Wollſpinnereien zuſammengefegte Wollſtaub. Ich habe in ſolchem ſelten über 6, oft nur 3 bis 4 Proz. Stickſtoff gefunden. Um dieſe Subſtanzen in eine für die Düngung brauchbare Form zu bringen, müſſen ſie, wie auch die ſchon vorher beſprochenen Stoffe, in Mehl verwandelt werden. Da dieſelben jedoch, ſelbſt in anſcheinend vollkommen trockenem Zuſtande zu zähe ſind, um ſich vermahlen zu laſſen, ſo bedürfen ſie einer beſonderen Vorbereitung. Selbſt Wollſtaub, der doch ſchon in ziemlich fein verteilter Form ſich befindet, läßt ſich durch Mahlen in ſeiner Form kaum verbeſſern. 8* 116 Horn⸗ und Wollmehl. Man hat für dieſe Vorbereitung des Hornes zwei verſchiedene Methoden, das Röſten und das Dämpfen. Beim Röſten wird das Horn auf einer eiſernen Platte oder in einem flachen gußeiſernen Keſſel ausgebreitet und unter kräftigem Rühren ſtark erhitzt. Es wird dabei dunkel und iſt nach dem Erkalten brüchig und leicht zu mahlen, doch muß man, um einem Verluſte an Stickſtoff vorzubeugen, ſehr ꝗg darauf achten, daß es nicht 11 4 anbrenne. Hat man das 5 L=f=e Horn in ſehr feinen Dreh⸗ und Hobelſpänen, ſo genügt meiſt ſchon ein längeres Er⸗ hitzen auf dem Boden einer ſtarkgeheizten Trockenſtube. Das Röſten kann auch, wie das ſogleich zu be⸗ ſchreibende Dämpfen, in geſchloſſenen Gefäßen vor⸗ genommen werden, in welche man ſtark erhitzte Luft oder 1 direkt Feuergaſe eintreten läßt(Coignet). 7 Das Dämpfen des 9„ 2„ g Hornes geſchieht in ſoge⸗ 8==SS e E nannten Digeſtoren. Dieſel⸗ 7— f y ben ſind dampfdicht genietete .. Ah S liegende oder aufrechtſtehende WD* Keſſel(Figur 7), die mit X&X ᷓ́ᷓ O D einem gewöhnlichen Dampf⸗ Fig. 7. keſſel in Verbindung ſtehen. In unſerer Skizze bedeutet a das durch einen Hahn(b) abzuſperrende Dampfleitungsrohr. Oben auf dem Digeſtor befindet ſich der Hahn c zum Abblaſen des Dampfes und das Sicherheitsventil d; e iſt ein Stutzen, der zum Aufſetzen eines Manometers dient. An der tiefſten Stelle des Keſſels befindet ſich der Ablaßhahn f; g iſt ein eiſerner Siebboden. Die Form und Größe der Digeſtoren iſt ſehr verſchieden und hängt vom Belieben des Fabrikanten ab. Doch thut man gut, gewiſſe Normen im Auge zu behalten; ſo wird ein breiter und kurzer Keſſel, weil ſeine Oberfläche im Verhältniſſe zu ſeinem Inhalt kleiner iſt, im allgemeinen nicht nur billiger herzuſtellen ſein, ſondern auch billiger arbeiten, als ein ſchmaler und hoher, weil an ſeiner Oberfläche weniger Dampf kondenſiert wird. Horn⸗ und Wollmehl. 117 Nachdem der Digeſtor durch das Mannloch h mit Horn gefüllt iſt, ſchraubt man dasſelbe luftdicht zu, öffnet den Dampfhahn b und läßt Dampf von 2—3 Atmoſphären Druck eintreten. Derſelbe wird ſich anfangs kondenſieren, ſobald aber der Inhalt des Keſſels ſich hin⸗ reichend erwärmt hat, ſteigt auch der Dampfdruck in demſelben. Man läßt den Dampf längere Zeit, bei größeren Hornſtücken gegen zwei Stunden, einwirken, ſchließt dann den Hahn b, läßt einige Zeit ſtehen, und öffnet dann den Abblaſehahn c. Iſt der Druck im Keſſel dem äußeren Atmoſphärendruck ziemlich gleich, ſo entleert man den Keſſel. Man zieht zu dieſem Zwecke zunächſt durch den Hahn f die ſogen. Hornbrühe, Dampfwaſſer, in welchem ſich Horn aufgelöſt hat, ab, öffnet dann das untere Mannloch i und zieht das gedämpfte Horn mit Haken heraus. Dasſelbe bildet, ſofern es gar iſt, durch und durch weiche, wie Kautſchuk elaſtiſche Maſſen, welche in der Trockenſtube zu einer ſchwarzen, leicht zerreiblichen, glaſigen Subſtanz zuſammentrocknen, die man auf der Knochenmühle mahlt, und als Horn⸗ oder Klauenmehl in den Handel bringt. Reines Hornmehl iſt graugelb, oft mit einem Stiche in's Grün⸗ liche, und enthält 13— 15 Proz. Stickſtoff. Die übrigen hornartigen Rohmaterialien verarbeitet man am beſten mit ſtückigem Horn zuſammen. Da nämlich Hornſpäne, Wolle und dergl. ein ſehr großes Volumen einnehmen, ſo würden davon ſelbſt in einem großen Keſſel kaum 3—4 Ctr. Platz finden. Man ſtreut daher ſolche Stoffe immer nur zwiſchen das grobe Horn hinein, ſelbſt wenn das auf dieſe Weiſe erzeugte Hornmehl dadurch etwas geringhaltiger werden ſollte. Die Hornbrühe enthält 1 bis 2 Proz. Stickſtoff. Ich fand in derſelben: Trockenſubſtanz... 11,0 Proz. Waſſer.... 389,0„ 100,0 Proz. Die Trockenſubſtanz enthielt 17,6 Proz. Stickſtoff, ſo daß ſich der Stickſtoffgehalt der Brühe auf 1,93 Proz. berechnet. Im Grunde ge⸗ nommen wäre ſie daher wohl noch verarbeitungswürdig, doch iſt es ſchwierig, ein gutes Produkt aus ihr herzuſtellen. Das Vorteilhafteſte bleibt, ſie bei Herſtellung von aufgeſchloſſenem Knochenmehle(ſ. ſpäter) zuzuſetzen. Dieſelbe durch Faulenlaſſen und Deſtillation des Ammoniaks zu verwerten hat ſich nicht durchführen laſſen. Die Methode des Dämpfens hat, auf Horn angewandt, manche Schattenſeite; ſie koſtet viel Dampf und Arbeitslohn, und man ver⸗ liert einen Teil des wertvollen Rohmaterials in Form der gering⸗ wertigen Hornbrühe; auch iſt die Arbeit geſundheitsſchädlich. Es ent⸗ 118 Hornbrühe. Lederabfälle. wickelt ſich nämlich bei Dämpfen des Hornes eine ſehr flüchtige organiſche Subſtanz, die die Schleimhäute, beſonders der Augen, heftig angreift. Arbeiter, die den Digeſtor ausräumen, alſo in ſehr nahe Berührung mit dem friſch gedämpften Horne kommen, leiden oft tagelang an Augenentzündung. Trotzdem aber iſt dieſe Methode bis jetzt nicht zu umgehen, weil für den Landwirt das Mehl aus gedämpftem Horne wertvoller iſt, als das aus ungedämpftem: Wie wir ſchon geſehen haben, löſt ſich das Horn im Dampfwaſſer zum Teile auf, und zwar geſchieht dies, ohne daß es ſeine chemiſche Zuſammenſetzung weſentlich ändert; es bildet ſich wie man das wiſſenſchaftlich nennt, eine lösliche Modifikation desſelben.*) Dieſer Stoff durchdringt nach dem Dämpfen die ganze Maſſe des Hornes, ſo daß jedes einzelne Teilchen des aus demſelben bereiteten Mehles teilweiſe löslich iſt. Infolgedeſſen zeigt letzteres ein großes Aufſaugevermögen für Waſſer, während ungedämpftes Mehl ſich abſtoßend gegen dasſelbe verhält, ſich alſo nicht benetzen läßt. Daher wird auch erſtere Sorte, weil Waſſer die Fäulnis erſt in Gang bringt, im Boden ſich leichter zerſetzen, ſie wird raſcher und ſicherer wirken, als die andere. Der Landwirt wird daher ſtets gut thun, ſelbſt einen etwas höheren Preis zu zahlen, wenn er ſicher iſt, auch wirklich gedämpftes Hornmehl zu erhalten. Nach dem eben Geſagten iſt die Rohdüngung mit hornartigen Subſtanzen entſchieden zu verwerfen— obgleich ſie noch häufig, be⸗ ſonders in der Gärtnerei, angewandt wird,— da Hornſpäne, Woll⸗ ſtaub und dergl. kaum jemals in der feinen Zerteilung vorkommen, wie das für jede vernünftige Düngung mit konzentrierten Düngemitteln Erfordernis iſt. 4. Lederabfälle. Die Lederabfälle, beſonders lohgare und ſämiſchgare, ſind meiſt ſehr billig zu haben, ſoweit ſie nicht zur Leim⸗ bereitung tauglich ſind. Der Stickſtoffgehalt derſelben iſt ſehr ſchwankend, ſelbſt wenn er nicht durch Sand oder Feuchtigkeit herabgedrückt iſt. So enthält abgetragenes Sohlleder oft nur 4—5 Proz. in reinem und vollkommen trockenem Zuſtande. Beſſer ſind neue Lederſchnitzel, wie ſie aus den Werkſtätten der Sattler und Schuhmacher kommen. *) Die meiſten„Proteinſtoffe“— Eiweiß, Blutfibrin ꝛc.,— zu denen auch die Hornſubſtanz gehört, exiſtieren in löslicher und in unlöslicher Modifikation. Eiweiß z. B. iſt im friſchen Ei und im friſchen Blut in löslicher, im gekochten Ei und im gekochten Blute in unlöslicher Form vorhanden. Die Urſachen, die den Übergang aus der einen Form in die andere bewirken, ſind ſehr mannich⸗ faltiger Natur. ——— Ledermehl. 119 Ich fand in denſelben, ebenfalls nach Abzug der Feuchtigkeit, 7— 11 Proz. Stickſtoff. Man verarbeitet Lederabfälle in den Düngerfabriken vielfach in derſelben Weiſe wie das Horn, indem man es nach vorgängigem Röſten oder Dämpfen in Mehl verwandelt. Durch das Röſten nimmt das(lohgare) Leder eine ſchwarzbraune Farbe an und wird leicht zerreiblich, ohne jedoch in ſeinen chemiſchen Eigenſchaften weſentlich verändert zu werden. Beim Dämpfen löſt es ſich zum großen Teile auf. Die Leder⸗ brühe iſt oft ſo konzentriert, daß ſie zu einer feſten Gallerte geſteht, und das erzielte Mehl, welches noch allen Sand ꝛc. enthält, beträgt dann oft nur die Hälfte des eingebrachten Materials. Dieſe Methode iſt daher vom ökonomiſchen Standpunkte aus jedenfalls nicht zu empfehlen. Für den Landwirt hat gedämpftes Ledermehl wenig Wert, da der im lohgaren Leder enthaltene Gerbſtoff, der die Zerſetzung der Tierſtoffe im Ackerboden verhindert, in demſelben nur zum Teile zer⸗ ſtört iſt. Das Mehl aus geröſtetem Leder iſt zwar noch ſchlechter, doch er⸗ hält dabei wenigſtens der Fabrikaut den größten Teil ſeines Stickſtoffs in demſelben wieder. Der Gehalt des Ledermehles iſt, wie der des Rohmaterials, ſchwankend(5— 9 Proz. Stickſtoff). Ein ſowohl für den Landwirt, als auch für den Düngerfabrikanten vorteilhafteres Verfahren der Lederverarbeitung werden wir ſpäter, bei Gelegenheit der Bereitung von aufgeſchloſſenem Knochenmehle, kennen lernen. Es wäre hier noch eine große Anzahl von ſtickſtoffhaltigen Ab⸗ fällen zu beſprechen, da alle derartigen tieriſchen und pflanzlichen Stoffe, die, wenn verdorben, ſonſt nicht zu verwerten ſind, doch noch in der Düngerfabrikation Verwendung finden können. Da dieſelben jedoch nur gelegentlich und ſelten in großen Maſſen in den Handel kommen, ſo füge ich dieſelben(mit ihrem Phosphor⸗ ſäure⸗ und Kaligehalt) der nachſtehenden Tabelle an. 120 Wert und Verwendung der reinen Stickſtoffdünger. Tabelle über den Gehalt der Stickſtoff⸗Dünger. — Stickſtoff Es enthalten Stickſtoff Aäheecha Kali in der 100 Pfund trockenen Pfd. Pfd. Pfd. Subſtanz Chiliſalpetery. 15,3—- 16,0——— Kaliſalpeter... 13,6— 13,7— 45,1— 46,6— Kali⸗Natron⸗Salpeter. 14,8- 15,2— unbeſtimmt— Ammoniakſalz.... 19,6— 20,9——— Blutmehl..... 14— 15——— Fleiſchmehl..... ca. 14,5——— Hornmehl... 13 15*)——— Wollmehl ꝛc..... ſehr unbeſt.——— Ledermehl.... 5— 9——— Käſe...... 4,53 1,15 0,25 8,42 Eier..... 2,58 0,37 0,15 6,64 Maikäfer.... 3,29 0,4— 0,7 2 10,00 Engerlinge..... 7,92 2 2 7,92 Fettſchmelzrückſtände. 2,5— 3,0—— 12,5— 15 †) Thranabfälle.... 5—7 2—3— 7,6*) Reines ſalpeterſ. Natr. 16,47——— „„ ali. 13.86— 46,53— „ ſchwefelſ. Ammo⸗ niak 21,21——— „ Chlorammonium (Salmiak)... 26,17—— V— Wert und Verwendung der reinen Stickſtoff⸗Dünger in der Landwirtſchaft. Die Pflanzen nehmen ihre Stickſtoffnahrung im allgemeinen, wie wir wiſſen, in mineraliſcher Form, d. h. in Form von Salpeterſäure oder von Ammoniak auf. Ob die erſtere oder die andere dieſer beiden Verbindungen, oder ob beide von den Pflanzen aufgenommen werden, darüber ſind die Akten noch nicht geſchloſſen, doch ſcheint man ſich neuerdings mehr der Salpeterſäure zuzuneigen. Man nimmt an, das *) Befreit man die Hörner nicht von Knochen, ſo iſt das Mehl ſelbſt⸗ verſtändlich ärmer an Stickſtoff, da ihm Knochenmehl beigemiſcht iſt. Da jedoch gerade die in den Hörnern ſitzenden Knochen einen ſehr guten Leim geben, ſo verwertet jede rationell arbeitende Fabrik dieſelben beſonders. Ich ſah mich aus dieſem Grunde auch nicht veranlaßt, das Hornmehl in die nächſte Abteilung zu verweiſen, wie dies P. Wagner thut. †, Die beiden letzten in der Tabelle aufgeführten Stoffe kommen oft in großen Maſſen in größeren Städten auf den Markt. Da dieſelben ſich jedoch noch weniger als das Leder für ſich verarbeiten laſſen, aus Gründen, die wir eitete tenden lernen werden, ſo habe ich dieſelben in die nächſte Abteilung verwieſen. —ÿõ— — ◻ —- — —— Ammoniakſalz. 121 geſamte Ammoniak erleide im Boden vor ſeiner Aufnahme in die Pflanzen Oxydation, in derſelben Weiſe, in der auch die Salpeter⸗ bildung in den Salpeterplantagen vor ſich geht. In neuerer Zeit angeſtellte Verſuche mit Ammoniakſalz haben dieſe Anſicht ſehr gefördert. Nachdem Herr Schultz⸗Lupitz die Be⸗ obachtung gemacht hatte, daß die Wirkung des Stallmiſtes ganz er⸗ heblich geſteigert wird, wenn man 40 Centner feinpulverigen kohlen⸗ ſauren Kalk auf den Hektar flach unterpflügt, vermutete man, daß auch die Wirkung des Ammoniakſalzes durch Beigabe von kohlenſaurem Kalk erhöht würde. Auf Veranlaſſung der deutſchen Landwirtſchafts⸗Geſell⸗ ſchaft wurden unter Leitung von Maercker dahin zielende Verſuche angeſtellt. Die betreffenden Verſuchs⸗Parzellen wurden, außer mit den zur Düngung nötigen Phosphaten und Kaliſalzen, mit ſchwefelſaurem Ammoniak allein oder mit kohlenſaurem Kalk allein, oder mit Ammoniak⸗ ſalz und kohlenſaurem Kalk gedüngt. Die verſchiedenen Parzellen gaben gegen die Parzellen ohne Kalk und Ammoniak im Durchſchnitt bedeutende Mehrerträge, und zwar betrugen dieſelben durch Kalk durch Ammo⸗ durch Kalk und allein niakſalz allein Ammoniak bei Gerſte.. 107,6 228,9 601,6 lo Ko „ Hafer... 166,0 6137 1033,3 Kilo Körner „Weizen.. 67,0 177,5 237,5 pro Hektar „ Kartoffeln. 957,8 726,8 1538,4 Kilo Knollen „ Zuckerrüben.— 258,0+ 2217,0+ 2698,0„„ „Futterrüben+ 720,0+ 5420,0+ 4640,0„„ Dieſe Verſuche zeigen, daß Ammoniakſalz allein ſchon die Erträge der mit Phosphorſäure genügend verſehenen ÄAcker weſentlich erhöht, jedoch noch bedeutend mehr durch Unterpflügen von kohlenſaurem Kalk. Die Urſache für dieſe Erſcheinung liegt darin, daß der kohlenſaure Kalk die Bildung von Salpeterſäure begünſtigt. Dieſe Verſuche beſtätigen aber auch die ſchon alte Beobachtung, daß Ammoniakſalze in ſaurem oder ſchwach alkaliſchem Boden nichts nützen, ſondern nur in ſtark kalkhaltigem Boden zur vollen Wirkung gelangen. Jedenfalls wirken Ammoniak und Salpeterſäure gleich günſtig auf die Ernährung der Pflanzen, wenn man nur dieſen Punkt ſorgfältig ins Auge faßt. Die Wirkung der reinen Stickſtoffdüngung iſt jedoch eine be⸗ ſchränkte, ſo ſehr auch meiſt der Landwirt geneigt iſt, derſelben einen allgemeinen Wert beizulegen. Es gilt für dieſelbe eben dasſelbe Geſetz, welches für jede andere Düngung mit einzelnen Nährſtoffen gilt: Sie iſt nutzlos, wenn es auch nur an einem der übrigen Pflanzennährſtoffe mangelt; ja ſogar, da Stickſtoffzufuhr ein ſehr raſches und kräftiges Wachstum der Pflanzen, alſo einen be⸗ deutenden Konſum aller Nährſalze, hervorruft, ſo müſſen letztere in 122² Wirkung der tieriſchen Abfälle und des Chiliſalpeters. bedeutend höherem Maße vorhanden ſein oder eingeführt werden, als ohne dieſelbe, weil ſonſt der Boden bald gar nicht mehr ertragsfähig ſein würde. Reine Stickſtoffdüngung, ſo auffallend auch ihre Erfolge im Anfange ſcheinen mögen, iſt eben nichts anderes, als was Liebig mit dem Worte„Raubbau“ bezeichnete. Die Stickſtoffdüngung wird erſt eine rationelle, wenn gleichzeitig die übrigen Pflanzen⸗ nährſtoffe, vor allem alſo Kali und Phosphorſäure, dem Boden zugeführt werden. Von den oben beſprochenen Stickſtoffdüngern ſind die tieriſchen Abfälle gegenüber den ſtickſtoffhaltigen Salzen durch ihre Un⸗ löslichkeit ausgezeichnet, ſie unterſcheiden ſich infolgedeſſen von den⸗ ſelben auch weſentlich durch ihre langſamere Wirkung auf die Vegetation. Eine ſolche kann nur ſtattfinden in dem Maße, wie ſich dieſelben zer⸗ ſetzen, d. h. wie ſich Ammoniakſalze(kohlenſaures Ammoniak) reſp. ſalpeterſaure Salze bilden. Der Landwirt iſt bei dieſen daher aus⸗ ſchließlich auf die Herbſtdüngung angewieſen; die Sicherheit der Wirkung ſteht alsdann außer Frage, während bei Frühjahrsdüngung ein kaum nennenswerter Erfolg erzielt werden würde. Dabei iſt jedoch in noch höherem Maße als für die Düngung mit Ammoniakſalzen die Gegenwart von Kalk nötig, da die Zerſetzung der Tier⸗ ſtoffe zu Ammoniak-Verbindungen und der Ammoniak⸗Verbindungen zu Salpeterſäure⸗Verbindungen erſt durch dieſen lebhaft in Gang kommt. Es würde daher auch falſch ſein, ſolchen Dünger auf Moorboden zu verwenden, da dieſer nicht nur arm an Kalk iſt, ſondern auch Stoffe enthält(Humusſäure), die die Zerſetzung der Tierſtoffe verhindern. Am energiſchſten von allen Stickſtoffbüngern wirkt der Chili⸗ ſalpeter, einesteils weil er von allen der löslichſte iſt, andernteils weil die Pflanzen ihren Stickſtoffbedarf vorzugsweiſe in Form von Salpeterſäure aufnehmen. Gegen die Anwendung desſelben iſt viel geſchrieben worden, und beſonders die Zuckerfabrikanten ſind im großen ganzen Gegner desſelben geweſen, weil derſelbe ſehr häufig die Qualität der Rüben verringert. Maercker hat es nun unter⸗ nommen, den Chiliſalpeter zu rechtfertigen, indem er die Verhältniſſe klar legt, unter denen die Anwendung desſelben rationell iſt. Da ſich ſeine Ideen nicht wohl im Auszuge mitteilen laſſen, laſſe ich den Wort⸗ laut des betreffenden Teils ſeiner Abhandlung hier folgen: „Eine ſtarke Gabe von Chiliſalpeter(oder allgemeiner ausgedrückt, vom Stickſtoff überhaupt) hat auf die Vegetation eine derjenigen der Phosphorſäure entgegengeſetzte Wirkung, indem die Vegetation hierdurch ausgedehnt wird, während wir bei der Phosphorſäure eine reife⸗ beſchleunigende Wirkung kennen lernten.“ „In dieſem Satz liegt der Schlüſſel zu allen bisher unerklärten Wirkungen des Chiliſalpeters und gleichzeitig auch das Mittel, ſeine ungünſtigen Wirkungen vermeiden zu lernen.“ Wirkung des Chiliſalpeters. 123 „Der Chiliſalpeter, in größeren Mengen einſeitig gegeben, erzeugt eine gewiſſe Spätreife der Pflanze, welche ſich in den meiſten Fällen ungünſtig auf die Zuſammenſetzung äußern wird. Bei den Cerealien wird die längere Ausdehnung der Vegetation Pflanzen erzeugen, welche noch mit der Ausbildung der Stengel⸗ und Zlätterorgane zu einer Zeit beſchäftigt ſind, wo andere Pflanzen bereits in den Körneranſatz eingetreten ſind, und wenn dann Verhältniſſe eintreten, durch welche die Pflanze abſtirbt, ſo wird hier eine reife, mit vollkommen ent⸗ wickelten, dort aber eine mit unvollkommen ausgebildeten Körnern verſehene Pflanze abſterben, d. h. es wird im letzteren Falle viel Stroh, aber wenig Körner, und dieſe dann noch ſchlecht entwickelt, geben. Bei den Zuckerrüben prägt ſich das Verhältnis noch viel deutlicher aus, indem die einſeitig ſtark mit Chiliſalpeter gedüngten Rüben zwar groß, aber zuckerarm, und dagegen reich an jenem„Nichtzucker“ ſind, der von den Zuckerfabrikanten ſo gefürchtet iſt, weil er den in der Rübe vor⸗ handenen Zucker ſchwer gewinnbar macht. Die gleichen Kennzeichen finden ſich nun aber auch bei einer unreifen Rübe, welche erſt in ihren letzten Vegetationsſtadien das einſeitige Anwachſen des Zuckers, und das Zurücktreten des Nichtzuckers zeigt,— die„Chiliſalpeter⸗ rübe“ iſt ſomit eine unreife Rübe. Schon äußerlich kennzeichnet ſich übrigens die Wirkung der einſeitigen Chiliſalpeterdüngung bei den Rüben durch das längere Grünbleiben des Krautes, welches oft bis in den November hinein die noch nicht vollendete Reife anzeigt, während das Kraut aller übrigen Rüben längſt abgeſtorben iſt. Da die Jahres⸗ zeit alsdann zur Ernte drängt, ſo bleiben ſolche Rüben natürlich un⸗ reif. Daran iſt alſo nicht zu zweifeln, daß unter Umſtänden eine ſchädliche Wirkung des Chiliſalpeters durch die Verlängerung der Vegetation und die Erzeugung unreifer Produkte eintritt, und es bleibt nur zu erörtern, unter welchen Umſtänden dieſe Gefahr am dringendſten oder weniger dringend iſt, und wie man am beſten die Erntemaſſe⸗vermehrenden Eigenſchaften des Chiliſalpeters, ohne ſeine Qualität⸗ſchädigenden Wirkungen zur Geltung kommen zu laſſen, aus⸗ nutzen kann.“ „Die Praxis des Zuckerrübenbaues hat auf dieſem Gebiete eine anſehnliche Summe von Erfahrungen geſammelt, von denen nur zu be⸗ dauern iſt, daß ſie nicht früher in die Offentlichkeit gedrungen ſind: „je ſpäter man den Chiliſalpeter anwendet, um ſo gefährlicher wirkt derſelbe durch die Verlängerung der Vegetation und die Erzeugung un⸗ reifer Pflanzen.“ „Man hat allgemein die Erfahrung gemacht, daß eine ſpäte Kopf⸗ düngung mit Chiliſalpeter auf Getreide die Neigung zur einſeitigen Stroh⸗ und zurücktretenden Körnerbildung weit mehr hervortreten ließ, als eine frühe Kopfdüngung oder gar eine Anwendung des Chiliſalpeters vor der Beſtellung; beſonders gefährlich zeigte ſich aber die Kopf⸗ 124 Wirkung des Chiliſalpeters. düngung für die Zuckerrüben, ſo daß ein Verbot der Kopfdüngung hier durchaus gerechtfertigt erſcheint.“ „Das eben beſchriebene Verhalten der Pflanze gegen eine ſpäte Chiliſalpeterdüngung iſt auch vollkommen erklärlich. Die Gabe leicht aſſimilierbarer Salpeterſäure bringt in der Pflanze ſofort das Beſtreben hervor, ihre Körpermaſſe von neuem zu vermehren. Meiſtens ſieht man die mit einer Kopfdüngung verſehene Pflanze wenige Tage nach Darreichung derſelben kräftig ergrünen, große Blätter und Stengel ausbilden, kurz in eine neue lebhafte Vegetation eintreten; durch dieſe werden nun Stoffe, welche von der Pflanze bereits für beſtimmte Zwecke, z. B. zur Körnerbildung oder Zuckererzeugung als Vorrat an⸗ geſammelt waren, in Anſpruch genommen und zum Zwecke der Aus⸗ bildung eines größeren Körpers verwendet, in welchem dann erſt von neuem die Anſammlung jener Stoffe erfolgen muß— wird alsdann durch äußere Bedingungen die Vegetation früher beendet als jene An⸗ ſammlung beendet war, ſo werden eben unreife Pflanzen erzeugt. Daraus folgt, daß die Darreichung des Chiliſalpeters um ſo gefährlicher ſein muß, je ſpäter dieſelbe geſchieht, wobei ſogar der Fall denkbar wäre, daß eine ſehr ſpät mit Chiliſalpeter gedüngte Zuckerrübe gezwungen würde, von dem bereits angeſammelten Zucker gewiſſe Mengen für die Vergrößerung des Körpers herzugeben und damit zuckerärmer zu werden, als ſie vorher war. Aus den vorhergehenden Erörterungen folgt aber auch noch ein zweiter Schluß: eine öfter wiederholte Gabe von Chili⸗ ſalpeter wird ſchädlicher wirken müſſen, als eine einmalige. Auch dieſen Satz werden wir erklärlich finden. Wir ſehen, daß eine Gabe von Chiliſalpeter die Tendenz zu einem neuen Beginn der Vegetation auf Koſten der Reife hervorbrachte; nach einiger Zeit würde die Pflanze, nachdem ſie den durch den Chiliſalpeter hervorgebrachten Trieb über⸗ ſtanden, wieder in das Stadium des Reifens eintreten— empfängt ſie nun aber von neuem eine Gabe von Chiliſalpeter, ſo tritt die Tendenz zum Wachstum wiederum hervor und das Reifen in den Hintergrund und ſomit wird jede neue Gabe die Reife verringern, und je öfter man den Chiliſalpeter anwendet, um ſo gefährlicher wird er in ſeiner Wir⸗ kung ſein müſſen.“ „Die in den obigen Sätzen gipfelnden ſchlechten Erfahrungen, welche man mit der falſchen Anwendung des Chiliſalpeters machte, geben nun aber den ſichern Hinweis auf die richtige Anwendung des Chiliſalpeters:„die frühzeitige Anwendung desſelben iſt die dabei zu beobachtende Grundregel.“ Bei frühzeitiger Verwendung wird die junge Pflanze zur Ausbildung eines größeren Körpers gezwungen, aber ihre Reife wird in einem ſpäteren Stadium der Entwickelung nicht mehr unterbrochen und die Gefahr der Erzeugung von unreifen Pflanzen iſt dann nicht mehr ſo dringend— darin liegt das ganze Rätſel der An⸗ wendung des Chiliſalpeters; frühzeitige und andererſeits ſpätere An⸗ Wirkung des Chiliſalpeters. 125 wendung bringen ſo verſchiedene Erfolge hervor, daß man glauben ſollte, man habe es gar nicht mit demſelben Düngemittel zu thun. Wie man die frühzeitige Darreichung des Chiliſalpeters für die einzelnen Feld⸗ früchte ausüben ſoll, mag nachher bei Beſprechung der Anwendung des Chiliſalpeters für die einzelnen Feldfrüchte ſpezialiſiert werden. Vor⸗ her ſind jedoch noch einige andere Verhältniſſe zu erörtern— mit der frühzeitigen Anwendung des Chiliſalpeters allein iſt nämlich noch nicht alles gethan. Eine kleine, nicht regelmäßig ſich wiederholende Gabe wird bei frühzeitiger Anwendung allerdings ohne jeden ſchädlichen Ein⸗ fluß ſein, bei ſtets wiederholter und ſtarker Anwendung tritt aber er⸗ fahrungsmäßig trotz der frühzeitigen Gabe noch eine Reifeverzögerung, natürlich nicht ſo ſtark, wie bei ſpäter, deutlich hervor. Nicht ohne Grund haben wir aber bei der Beſprechung der Phosphorſäure die reifebeſchleunigende Wirkung dieſes Pflanzennährſtoffes betont, denn wir gewinnen nun in der Phosphorſäure ein Mittel, um die reifever⸗ zögernde Wirkung des Chiliſalpeters(oder Stickſtoffs im allgemeinen) bis zu einem gewiſſen Grade aufzuheben— und dieſes Mittel hat ſich in der Praxis glänzend bewährt; das Getreide, welches ohne Phosphor⸗ ſäuredüngung viel Stroh und wenig Korn gab, zeigte mit derſelben einen reichlichen Körnerertrag, die Zuckerrübe, welche ohne die Phos⸗ phorſäuredüngung unreif blieb, wurde mit derſelben reif und zuckerreich. Kurz— eine ſehr reichliche Beigabe von Phosphorſäure erweiſt ſich als notwendig, wenn man den Chiliſalpeter in ſtarkem Maße anwenden will. Die Vernachläſſigung dieſes Grundſatzes hat ſich ſchon ſo oft ſehr ſchwer gerächt und eigentlich den Chiliſalpeter in Mißkredit ge⸗ bracht, ebenſo wie andererſeits das Erkennen und Befolgen desſelben von höchſtem Segen für die Ertragsfähigkeit der Landwirtſchaft ge⸗ weſen iſt. Selbſtverſtändlich hat das Aufheben der reifeverzögernden Wirkung des Stickſtoffs durch eine große Gabe an Phosphorſäure eine gewiſſe Grenze; giebt man gar zu viel Stickſtoff, ſo hilft ſchließlich keine Phosphorſäuregabe mehr. Hier das richtige Maß zu finden, muß durch Verſuche für die ſpeziellen Verhältniſſe ergründet werden.“ „An dieſer Stelle iſt außer der zu beachtenden Wirkung des Chili⸗ ſalpeters auf die Vegetation, auch ein bisher wenig gekannter Einfluß dieſes Düngemittels auf die mechaniſche Beſchaffenheit des Bodens zu würdigen. Selbſt kleinere Quantitäten von Chiliſalpeter binden— wie der Praktiker es bezeichnend ausdrückt— den Boden ſtark ab, d. h. ſie erzeugen auf demſelben eine zuſammenhängende harte Kruſte, welche einerſeits der Luft den Zutritt zum Boden erſchwert und anderer⸗ ſeits den ungünſtigen mechaniſchen Einfluß auf das Wachstum und die Ausdehnung der Pflanzen hat. Dieſer ſchädliche mechaniſche Einfluß des Chiliſalpeters kann nur durch häufiges Brechen der entſtandenen Kruſte, unter der Anwendung der Hacke, gehoben werden, und es muß die ſorgfältigſte mechaniſche Bearbeitung des Bodens als eine„conditio 126 Wirkung des Chiliſalpeters. sine qua non“ der Anwendung des Chiliſalpeters bezeichnet werden. Die Chiliſalpeterwirtſchaften der Magdeburger Börde haben die Not⸗ wendigkeit der ſorgfältigſten Kultur auch längſt erkannt, und dort findet die ſorgfältigſte Pflege des Bodens, die überhaupt denkbar iſt, ſtatt, indem nicht allein die eigentlichen Hackfrüchte, ſondern das Winter⸗ und ſelbſt das Sommergetreide mehrere Male, ſo oft es irgend angeht, gehackt werden.“ „Ein anderer Einfluß des Chiliſalpeters äußert ſich auf die Feuchtigkeitsverhältniſſe des Bodens, indem es erſcheint, als ob eine ſtärkere Düngung mit Chiliſalpeter den Boden zum Feſthalten größerer Feuchtigkeitsmengen disponiere.“ „An der Richtigkeit dieſer Beobachtung, wenigſtens dem äußeren Anſcheine nach, iſt nicht zu zweifeln; die Stellen, wo Säcke mit Chili⸗ ſalpeter im Felde geſtanden haben, und wo aus denſelben durch Un⸗ achtfamkeit erhebliche Mengen verſtreut wurden, zeichnen ſich noch jahre⸗ lang als feuchte Stellen im Acker aus. Beſonders charakteriſtiſch trat dieſe feuchtmachende Wirkung des Chiliſalpeters bei Verſuchen hervor, die zur Prüfung des Wertes der Chiliſalpeterdüngung für Kartoffeln, auf Veranlaſſung des Verfaſſers, ausgeführt wurden. Um die Grenzen der Chiliſalpeterdüngung aufzufinden, wurden Verſuchsſtücke von je ein Morgen Größe abwechſelnd mit ungedüngten Parzellen, im Frühjahr mit einer Chiliſalpetergabe von 1—5 Ctr. bedacht. Im Herbſt, nach der Kartoffelernte, hatte dieſes Feld(Lößlehmboden) nun ein ſchachbrett⸗ artiges Ausſehen gewonnen; nach einigen Regengüſſen hatten zwar die ungedüngten Parzellen das normale Ausſehen des durchläſſigen milden Lehmbodens behalten, mit Zunahme der Chiliſalpeterdüngung nahm aber der Feuchtigkeitsgehalt zu, und die Parzelle mit 5 Ctr. Chili glich vollkommen einem Moraſt. Eine Erklärung für das geſchilderte Verhalten weiß der Verfaſſer vorläufig nicht zu geben; die hygroſkopiſchen Eigenſchaften des Chiliſalpeters dürften wohl zu gering ſein, um in Betracht zu kommen, denn zugegeben, daß 1 Teil Chiliſalpeter 1 Teil Waſſer zurückhielte, ſind doch dieſe Mengen auf eine größere Acker⸗ fläche verteilt, verſchwindend; 1 Ctr. Chiliſalpeter würde alsdann 1. Ctr. Waſſer pro Morgen anziehen, d. h. pro Quadratmeter 0,04 Pfd. — eine kaum bemerkenswerte Menge. Eher dürfte die waſſeranhaltende oder anziehende Kraft des Chiliſalpeters auf osmotiſche Vorgänge im Boden zurückzuführen ſein. Es wird übrigens einleuchten, daß die eben beſprochene Eigenſchaft des Chiliſalpeters von der höchſten Wichtigkeit für die Theorie und Praxis der Düngemittel iſt, und der Verfaſſer be⸗ hält ſich vor, an einer anderen Stelle hierauf ausführlich zurückzu⸗ kommen.“ „Endlich ſind noch gewiſſe, in anderer Richtung liegende Vorſichts⸗ maßregeln bei der Anwendung des Chiliſalpeters zu beobachten. Das mit Chiliſalpeter gedüngte Getreide, namentlich das Sommergetreide, Wirkung des Chiliſalpeters. 127 muß bei einer ſehr ſchwachen Ausſaat ſehr weit gedrillt werden. Ge⸗ ſchieht dies nicht, ſo tritt leicht eine Neigung zum Lagern und zur einſeitigen Strohbildung ein. Bei der üppigen Entwickelung, welche jede einzelne Pflanze unter dem Einfluß der Düngung mit Chiliſalpeter zeigt, erhält ſie bei engem Stande zu wenig Licht, um ſich normal entwickeln zu können; ſie nimmt den Charakter der unter Lichtmangel gewachſenen„etiolierten“ Pflanze an, die mit langen und ſchwachen Internodien dem Umknicken leicht ausgeſetzt iſt. Die Drillweite wird denn auch in den rationellen Chiliſalpeterwirtſchaften auf das äußerſte Maß ausgedehnt, das Quantum der Ausſaat auf das niedrigſte einge⸗ ſchränkt. Bei Zuckerrüben liegt die Sache gerade umgekehrt— die ſtarke Anwendung des Chiliſalpeters bedingt hier eine enge Stellung der Rübenpflanzen. Man weiß bei uns längſt in der Praxis der Zuckerrübenwirtſchaft— was neuerdings von Frankreich als eine neue Entdeckung verkündet wird— daß man bei einer engeren Stellung zuckerreichere Rüben erzielt als bei einer weiteren. Beſonders gefährlich, ja ſogar unzuläſſig, wird nun aber die weite Stellung bei einer ſtarken Chiliſalpeteranwendung, wo die Rüben ohnehin ſchon zur Ausbildung eines großen, zuckerarmen Körpers neigen.“ „Hiermit ſchließt der Verfaſſer mit Darlegung der allgemeinen Bedingungen für die Anwendung des Chiliſalpeters; er verhehlt ſich nicht, daß mit der Anwendung dieſes ſo energiſch wirkenden Dünge⸗ mittels mancherlei Gefahren und Bedenken verknüpft ſind, dieſelben laſſen ſich aber meiſtens auf die falſche Anwendung des Chiliſalpeters zurückführen. Hält man ſorgfältig alle notwendigen Bedingungen ein, ſo muß man rückhaltlos anerkennen, daß der Chiliſalpeter das wirk⸗ ſamſte aller bekannten künſtlichen Düngemittel iſt, dem noch eine große Zukunft bevorſteht. So wie er in der Hand des unverſtändigen Land⸗ wirtes zu großem Unheil gereichen kann, wird er in der Hand des wirklich denkenden Landwirtes zum Segen werden.“ „Es erübrigt nun noch zu beſprechen, in welchen Bodenarten und für welche Feldfrüchte der Chiliſalpeter hauptſächlich zu verwenden ſei.“ „Bedenklich dürfte die Anwendung des Chiliſalpeters in kalten Bodenarten und in Höhenlagen erſcheinen, wo ohnehin die Verhältniſſe für den rechtzeitigen Eintritt der Reife ungünſtig liegen. Die reifever⸗ zögernde Wirkung könnte hier in unheilvoller Weiſe zur Geltung kommen und vielleicht durch die unter günſtigeren Verhältniſſen dagegen mit Erfolg zu verwendende ſorgfältige Kultivierung und forcierte Phos⸗ phorſäureverwendung nicht genügend aufgehoben werden. Indeſſen liegen dem Verfaſſer zu wenig Erfahrungen darüber vor, um ohne weiteres abſprechend urteilen zu können.“ „Geringere Bedenken liegen bei der Verwendung des Chiliſalpeters in leichterem Boden vor: in demſelben neigen alle Feldfrüchte aus be⸗ greiflichen Gründen ohnehin zu einer wenig erwünſchten Frühreife, ſo⸗ 128 Anwendung des Chiliſalpeters. daß eine reifeverzögernde Wirkung hier nur willkommen iſt, jedenfalls aber keine Kalamität hervorruft. Die Wirkſamkeit des Chiliſalpeters im Sanddoden iſt eine eminente, von keinem anderen Düngemittel über⸗ troffene, weder Guano noch ammoniakaliſche Düngemittel können ſich mit demſelben meſſen. Gerade als ſtickſtoffhaltiges Düngemittel für den Sandboden verdient daher der Chiliſalpeter die höchſte Beachtung. Bei der Nährſtoffarmut des Sandbodens darf allerdings die Anwendung des Chiliſalpeters nur mit großer Vorſicht geſchehen, da ſonſt dieſer Boden mit ſeinem geringen natürlichen Rückhalt bald der Erſchöpfung entgegengeführt werden dürfte. Die geringe Empfänglichkeit für lösliche Phosphorſäure wird die Verwendung von Superphosphaten nicht ratſam erſcheinen laſſen, dagegen beſitzt man in dem Knochenmehl ein vor⸗ treffliches für den Sandboden ſeit langer Zeit bewährtes Mittel, um den durch die Anwendung des Chiliſalpeters geſteigerten Phosphorſäure⸗ bedarf zu decken.“*) „Die Empfänglichkeit des Sandbodens für die Düngung mit Kali⸗ ſalzen läßt endlich die Erſchöpfung des Bodens an Kali durch den Chiliſalpeter unbedenklich erſcheinen.“ „Der geeignetſte Boden für die Verwendung des Chiliſalpeters bleibt allerdings der humoſe, tiefgründige, milde Lehm⸗ und Mergel⸗ boden, welcher— ſelbſtverſtändlich unter aller Reſerve— für den Chiliſalpeter geſchaffen erſcheint.“ „Für den Anbau von Zuckerrüben hat wohl der Chiliſalpeter die intenſivſte Verwendung gefunden, indem man ihn als ein vorzügliches Mittel, die Erträge an Erntemaſſe zu vermehren, kennen gelernt hat; er darf jedoch wegen ſeiner die Qualität ſchädigenden Eigenſchaften gerade für Zuckerrüben nur mit beſonderer Vorſicht verwendet werden, und hat durch die Unterlaſſung der notwendigen Maßregeln in den Kreiſen der Zuckertechniker viele Feinde gefunden. Daß dieſer Wider⸗ ſtand gegen die unverſtändige Anwendung ein berechtigter iſt, wird von dem Verfaſſer gern zugegeben, aber darum den Chiliſalpeter ganz als Rübendüngemittel verbieten zu wollen, wie dieſes vielfach geſchieht, heißt doch das Kind mit dem Bade ausſchütten. Man wirke durch Be⸗ lehrung und Vorſchriften der falſchen Anwendung entgegen, geſtatte aber die verſtändige Anwendung dieſes ſegensreichen Düngemittels.“ „Zur falſchen Anwendung gehört zunächſt für die Rübe ganz beſonders die Kopfdüngung mit Chiliſalpeter, welche, je ſpäter ſie gegeben wird, um ſo ſchädlicher auf die Qualität einwirkt. Ein Ver⸗ bot der Kopfdüngung mil Chiliſalpeter iſt daher als durchaus gerecht⸗ fertigt zu bezeichnen. Wann ſoll nun aber der Chiliſalpeter für *) Neuerdings auch im Thomasmehl und im präzipitierten phosphor⸗ ſauren Kalke. Anwendung des Chiliſalpeters. 129 Zuckerrüben gegeben werden? In den Wirtſchaften der Magdeburger Börde befolgt man allgemein das von dem hochverdienten Okonomierat Schäper zu Gr.⸗Wanzleben angegebene Syſtem, die Hälfte des zur Düngung für Rüben beſtimmten Salpeters im Herbſte vierſpännig unter⸗ zupflügen, die andere Hälfte mit dem nötigen Superphosphat im Früh⸗ jahr bei der Beſtellung auszuſtreuen, aber nicht die geringſte Menge zur Kopfdüngung zu verwenden.“ „Nach den bisher über das Verhalten der Salpeterſäure im Boden herrſchenden Anſichten ſollte man die Herbſtanwendung des Chili⸗ ſalpeters für widerſinnig erklären. Man nimmt an, daß die Salpeter⸗ ſäure vom Boden nicht abſorbiert wird, daher in ihrer ganzen Menge gelöſt bleibend, den Bewegungen der Bodenfeuchtigkeit folgt, im Laufe des Winters in den Untergrund ſinkt und dort entweder den Wurzeln unzugänglich bleibt, oder mit dem Untergrundwaſſer abfließt. Dieſe Spekulationen haben dazu geführt, den Chiliſalpeter in den Ruf eines nur zur Kopfdüngung geeigneten Düngemittels zu bringen, und doch verhält ſich die Sache grade umgekehrt, ſo daß der Chiliſalpeter zur Kopſdüngung nur unter ganz beſonderen Umſtänden verwendet werden darf. Man hat es bisher nicht unternommen, die theoretiſchen Spe⸗ kulationen durch den praktiſchen Verſuch zu prüfen— die Praxis ent⸗ ſchied hier aber in ganz anderem Sinne und iſt zu dem Reſultat ge⸗ kommen, daß die Erfolge der Herbſtverwendung des Chiliſalpeters nicht abzuleugnen ſind. Tritt man der Sache näher, ſo wird es auch ohne weiteres verſtändlich ſcheinen. Die auf demſelben Felde in ſchneller Folge kultivierte Zuckerrübe muß in ihren tiefgehenden Wurzeln auf die Dauer den Untergrund an Nährſtoffen und, da der Stickſtoff der von ihr in größter Menge gebrauchte Stoff iſt, beſonders an Stickſtoff erſchöpfen; letzteren wieder in den Untergrund zu bringen, iſt nun die Aufgabe der Herbſtdüngung mit Chiliſalpeter. Gerade dadurch, daß die Salpeterſäure nicht abſorbiert wird, iſt ihr die Möglichkeit geboten, in den Untergrund hinabzuſteigen und dort den bald nachdringenden Wurzeln der Rübe den nötigen Stickſtoff zu liefern. Man hat aber offenbar die Gefahr des Hinabſteigens überſchätzt, indem man, ohne dazu Grund zu haben, annahm, die Salpeterſäure fiele ſofort in das „Bodenloſe.“ Nach Verſuchen, welche Dr. Holdefleiß auf des Ver⸗ faſſers Veranlaſſung ausführte, Verſuche, die zur Zeit die weiteſte Ausdehnung finden werden, iſt es damit wenigſtens in den zum Rüben⸗ bau geeigneten Bodenarten gar nicht ſo ſchlimm. Ja, ſelbſt wenn man zugiebt, daß ein Teil durch die abfließende Feuchtigkeit fortgeführt wird, ſo kann man doch das Verfahren der Untergrundsdüngung durch den Chiliſalpeter rechtfertigen, denn der zurückbleibende Teil wirkt immer noch genug. Endlich aber überſchätzt man auch die Bewegung der Bodenfeuchtigkeit, aus dem Untergrund der meiſten Felder fließt ja überhaupt kein Waſſer ab und in dieſem Falle iſt eine Verluſtquelle Rümpler, Düngeſtoffe. 4. Auflage. 9 130 Anwendung des Chiliſalpeters. gar nicht vorhanden. Von ſolchen Geſichtspunkten aus wird man die Herbſtverwendung des Chiliſalpeters wohl als rationell gelten laſſen. Wenn ſomit durch die Herbſtverwendung für die Verſorgung des Untergrundes mit Stickſtoff gewirkt iſt, ſo muß außerdem auch der Ackerkrume eine gewiſſe Menge von Stickſtoff zugeführt werden, welche die Pflanze, bevor ſie mit ihren Wurzeln tiefer geht, oder die flach verlaufenden Wurzeln derſelben mit Stickſtoff zu verſehen hat; darum darf die Frühjahrsverwendung einer zweiten Portion Chiliſalpeter nicht unterlaſſen werden, wenn man die erſte Portion bereits im Herbſt ausſtreute. In dieſer Weiſe wird denn auch die Düngung mit Chili⸗ ſalpeter in der Magdeburger Börde ausgeführt, wobei nochmals die Unzuläſſigkeit, namentlich der ſpäten Kopfdüngung mit Chiliſalpeter betont werden mag.“ „Über die Mengen von Chili⸗Salpeter, welche man ſo verwenden darf, iſt es nun ſchwer, beſtimmte Angaben zu machen, weil dabei die ſonſtigen Wirtſchaftsverhältniſſe zu ſehr mitſprechen. Eine Wirtſchaft mit eingeſchränkter Viehhaltung und danach geringer Stallmiſtproduktion, wird mehr verwenden können, als eine ſolche mit reichlicher Viehhaltung; ein weniger humoſer, ſtickſtoffarmer Boden wird mehr vertragen können, als ein humusreicher, ein kalter Boden weniger, wie ein warmer, kurz allgemeine Angaben ſind darüber nicht zu machen, es muß eben Sache des Verſuches für jede einzelne Wirtſchaft ſein. Für den milden und in allen Beziehungen vorzüglichen Boden der Magdeburger Börde mag angeführt werden, daß die Chiliſalpeterdüngung für Zuckerrüben, beiläufig bei einer ſehr ſchwachen Viehhaltung 2 ½ Ctr. p. Morgen beträgt, wovon p. Morgen 1 Ctr. im Herbſt untergepflügt, 1 ½ Ctr. im Frühjahr bei der Beſtellung ausgeſtreut werden. Die dort gebräuch⸗ liche Beigabe an löslicher Phosphorſäure beträgt 30 Pfd. in 1 ½— 2 Ctr. Bakerguanoſuperphosphat; aus früher dargelegten Rückſichten würde der Verfaſſer raten, dieſelbe auf 40 Pfd. zu erhöhen.“ „Die Samenrübe ſcheint die größte Chiliſalpetermenge zu ver⸗ tragen, indem in der Börde als Normalgabe 3 Ctr. p. Morgen ge⸗ geben werden— oft ohne Superphosphat, was indeſſen der Verfaſſer nicht billigen möchte.“ „Über die Verwendung des Chili⸗Salpeters zu Kartoffeln mag folgendes bemerkt werden. Die Zuläſſigkeit der Herbſtverwendung des Chili⸗Salpeters muß vorläufig hier als zweifelhaft bezeichnet werden, da die Kartoffel eine flacher wurzelnde Pflanze als die Zuckerrübe iſt; da⸗ gegen zeigt ſich die Anwendung bei der Beſtellung von ausgezeichnetem Erfolge. Selbſt neben einer ſtarken Stallmiſtdüngung iſt der Erfolg noch in die Augen ſpringend, während andere ſtickſtoffhaltige Dünge⸗ mittel neben dem Stallmiſt nicht mehr zu wirken ſcheinen. Die Kopf⸗ düngung iſt ebenfalls nicht anzuraten, obgleich die Kartoffelpflanze gegen dieſelbe nicht ſo empfindlich iſt wie die Zuckerrübe; man unter⸗ Anwendung des Chiliſalpeters. 131 laſſe trotzdem aber die Kopfdüngung auch hier lieber ganz, da ſie keinen Vorteil gegen die Verwendung bei der Beſtellung bietet.“ „Ebenſo zieht ſich die Kartoffel auch weniger empfindlich gegen eine unterlaſſene Phosphatgabe, als die Zuckerrübe. Bei ſehr hoher einſeitiger Stickſtoffdüngung ſcheint allerdings zuweilen der Stärkegehalt deprimiert zu werden, aber doch nicht annähernd ſo wie der Zucker⸗ gehalt der Rübe unter gleichen Verhältniſſen. Man kann deshalb die Phosphatgabe neben dem Chili⸗Salpeter einſchränken, dieſelbe gänzlich fortzulaſſen, würde jedoch ſchon aus Vorſicht nicht anzuraten ſein.“ „Die Mengen von Chili⸗Salpeter, welche für die Kartoffel be⸗ währt ſind, müſſen auf 1—1 ½ Ctr. bei dem Anbau ohne friſche Stall⸗ miſtdbüngung, auf ½— 1 Ctr. mit friſcher Stallmiſtdüngung angegeben werden. Als Phosphatdüngung reichen 15—20 Pfd. lösliche Phos⸗ phorſäure aus.“ „Für Wintergetreide liegt die Möglichkeit vor, den Chili⸗Sal⸗ peter im Herbſt, im Frühjahr, oder zu beiden Zeiten anzuwenden. Die mit der Herbſtverwendung des Chili⸗Salpeters gemachten Er⸗ fahrungen lauten nicht eben günſtig; für Weizen jedoch noch eher wie für Roggen. Namentlich auf den leichteren Bodenarten ſieht man von der Herbſtdüngung mit Chili⸗Salpeter oft gar keine Erfolge— es ſcheint daher die Möglichkeit des Verſinkens in den Untergrund bei den leichten, durchläſſigeren Bodenarten eher vorzuliegen, als bei dem weniger durchlaſſenden Rübenboden. Vielleicht iſt ein Hinabſinken des Stickſtoffs für das Getreide, wegen der nicht ſo tief gehenden Wurzeln, gar nicht erwünſcht— kurz man ſoll im Herbſt das Wintergetreide nicht mit Chili⸗Salpeter, ſondern lieber mit aufgeſchloſſenem Guano oder ammoniakaliſchem Superphosphat düngen.“ „Für die Fühjahrsdüngung iſt aber der Chili⸗Salpeter vor⸗ züglich angebracht— und dieſes iſt eins der wenigen Beiſpiele, wo man denſelben zur Kopfdüngung verwenden ſoll. Man ſoll ihn aber alsdann frühzeitig genug ausſtreuen, denn zögert man zu lange damit, ſo wird die oben ausführlich beſprochene Gefahr der Erzeugung von großen Strohmaſſen und von wenig Korn immer dringender. Bei früh⸗ zeitiger Anwendung und wenn man das Getreide im Herbſt reichlich mit Phosphaten verſah, iſt jedoch der Einfluß des Chili⸗Salpeters ein ganz eminenter. Für die beſſeren Bodenarten wählt man gewöhnlich ½— 1 Ctr. Chili⸗Salpeter, im März oder ſpäteſtens in den erſten Tagen des April ausgeſtreut, für die leichten genügten oft ½— ¾ Ctr., wobei bemerkt werden mag, daß gerade das Zuſammenwirken einer Knochenmehlgabe im Herbſt, und eine Überdüngung mit Chili⸗Salpeter im Frühjahr, von dem ausgezeichnetſten Erfolge begleitet iſt.“ „Für den Raps bewährt ſich eine zeitige Frühjahrsdüngung mit Chili⸗Salpeter ebenfalls ſehr gut, während dieſelbe auch für perennierende Futterkräuter zu empfehlen iſt.“ 9* 132 Anwendung des Chiliſalpeters. „Das Sommergetreide und die Hülſenfrüchte ſollen den Chili⸗Salpeter bei der Beſtellung erhalten, unter keiner Bedingung aber als ſpäte Kopfdüngung. Wenn jedoch das Feld beim Beſtellen noch nicht gehörig abgetrocknet war, ſo unterlaſſe man lieber zunächſt die Chili⸗Salpetergabe. Die uns ſchon bekannte waſſeranhaltende Kraft des Chili⸗Salpeters äußert ſich nämlich alsdann ungünſtig, indem ſie den Boden vor dem ihm notwendigen Abtrocknen ſchützt und durch das Feſthalten der Feuchtigkeit den Zutritt der Luft abſperrt— die Folge davon iſt ein ungleichmäßiger, ſchwacher Aufgang des Getreides und, da jeder Landwirt den Wert des gleichmäßigen kräftigen Aufganges kennt, ſo wird er beſtrebt ſein, eine ſolche durch die Verwendung des Chili⸗Salpeters in naſſem Lande drohende Gefahr zu vermeiden.“ „Man warte daher in ſolchem Falle, und ſtreue den für das Sommergetreide beſtimmten Chili⸗Salpeter aus, ſobald es die Feuchtig⸗ keitsverhältniſſe geſtatten, zögere aber nicht zu lange damit, da ſonſt die Gefahren der zu ſpäten Düngung eintreten. Für Sommergetreide wählt man meiſtens 1—1 ½ Ctr. Chili⸗Salpeter pro Morgen, ent⸗ ſprechend 15—22 Pfd. Stickſtoff; ratſam und vorſichtig iſt es, gerade beim Getreide wenigſtens ebenſoviel Phosphorſäure zu geben, obgleich nicht immer dadurch greifbare Erfolge erzielt werden. In den Wirt⸗ ſchaften der Magdeburger Börde giebt man z. B.— geleitet durch den ausbleibenden Erfolg— dem Sommergetreide entweder gar keine oder nur 10 Pfd. lösliche Phosphorſäure pro Morgen— der Verfaſſer möchte jedoch dieſes Verfahren nicht billigen, es iſt dort für die ſpeziellen Verhältniſſe vielleicht zeitweilig zuläſſig, weil das Sommer⸗ getreide(Gerſte) regelmäßig als Nachfrucht der mit Phosphaten ge⸗ düngten Zuckerrüben angebaut wird, für andere Verhältniſſe aber gewiß nicht anzuraten.“ „Überhaupt will der Verfaſſer zum Schluß ſeiner Beſprechungen über die Verwendung des Chili⸗Salpeter immer zu einer gewiſſen Vorſicht geraten haben, denn ſo ſegensreich dieſes Düngemittel iſt, wenn es unter den richtigen Verhältniſſen verwendet wird, ſo viel Schaden kann es andererſeits auch durch eine unverſtändige Anwendung im Gefolge haben.“ II.. Abſchnitt. Die ſtickſtoff⸗ und phosphorſäurehaltigen Dünger. Konzentrierte Düngeſtoffe, welche Stickſtoff und Phosphorſäure in gleich weſentlicher Menge enthalten, ſind im Handel nur in wenigen Arten vertreten. Gerade dieſe aber ſind in der Geſchichte der Land⸗ wirtſchaft epochemachend geweſen, denn ſie waren es, durch welche man zuerſt lernte, etwas anderes zur Beförderung des Wachstumes der Pflanzen zu benutzen als Stallmiſt, durch welche zuerſt die Aufmerk⸗ ſamkeit des Landwirtes auf die große Reihe von Phosphaten, Kali⸗ ſalzen und Stickſtoffmaterialien geleitet wurde, welche demſelben jetzt unbedingtes Bedürfnis geworden ſind. Dieſe Stoffe ſind der Peru⸗Guano und die Knochen, zu denen bei der Weiterentwickelung der Dünger⸗Induſtrie noch verſchiedene Miſchdünger, aus den in den beiden vorhergehenden Abſchnitten beſprochenen Düngemitteln zuſammengeſetzt, hinzukamen. 1. Der Pern⸗Guano. Wie die früher beſprochenen Guano⸗Phosphate iſt auch der Peru⸗ Guano im weſentlichen ein Zerſetzungsprodukt der Exkremente von See⸗ vögeln und, was wir daher damals über die Entſtehung der erſteren geſagt haben, gilt in der Hauptſache auch von dieſem, nur iſt die Zer⸗ ſetzung hier in anderer Weiſe verlaufen. Während nämlich der Baker⸗ Guano kaum 1 Proz. Stickſtoff, dafür aber 80 Proz. phosphorſauren 134 Der Peru⸗Guano. Kalk enthält, haben ſich die ſtickſtoffhaltigen organiſchen Stoffe des Peru⸗Guanos, trotz der Jahrtauſende, die derſelbe hinter ſich hat, Dank den günſtigen klimatiſchen Verhältniſſen an den Lagerſtätten zum größten Teile erhalten. Vogelexkremente(Tauben⸗ und Hühnermiſt) werden bekanntlich ſchon längſt als höchſt wertvolle Düngemittel betrachtet; ſie ſind, gegen⸗ über den Exkrementen der Säugetiere durch ihren großen Reichtum an Stickſtoff ausgezeichnet. Beſonders reichhaltig ſind aber die Exkremente von fleiſchfreſſenden Vögeln, zu denen ja auch die den Guano er⸗ zeugenden Seevögel gehören. Während z. B. das getrocknete Gemiſch der feſten und flüſſigen Menſchenexkremente im Durch⸗ ſchnitte 10,45 Proz. Stickſtoff und 3,88 Proz. Phosphorſäure enthält, ſind in trocknem Adlerkot 35,7— 37,7 Proz. Stickſtoff bei 0,32 — 2,39 Proz. Phosphorſäure enthalten. Es iſt daher ſehr erklärlich, daß der Vogelguano von vornherein ſehr ſtickſtoffreich ſein mußte, es kommt jedoch noch hinzu, daß der Harn der Vögel ſeinen Stickſtoff weſentlich in Form von Harnſäure ent⸗ hält, die wie ihre Verbindungen, in Waſſer unlöslich iſt, während der Harn der Säugetiere im weſentlichen nur Harnſtoff enthält, der in Waſſer leicht löslich iſt. Der Vogelharn iſt daher nicht wie der Säuge⸗ tierharn flüſſig, ſondern breiig, er wird daher auch nicht, wie letzterer nach ſeiner Ausſcheidung in den Erdboden verſinken. Die Ablagerungen von ſtickſtoffreichem Guano verteilen ſich über eine lange Strecke an der Weſtküſte von Südamerika, doch iſt die Qualität desſelben an verſchiedenen Fundorten eine ſehr verſchiedene. Die ge⸗ ſchätzteſte Sorte kam früher von den Chincha⸗Inſeln, von denen ſchon die alten Peruaner den Dünger für ihre Weizen⸗ und Kartoffelfelder bezogen. Da dieſe Inſel jedoch, ebenſo wie die Balleſtas⸗, Guanapé⸗ und Makabi⸗Inſeln, die wir in der erſten Auflage dieſer Schrift als im Abbau begriffen aufführten, jetzt vollſtändig erſchöpft ſind, können wir auf die Beſchreibung derſelben verzichten;**) wir wollen es uns jedoch nicht verſagen hier die Analyſen der Guanoproben, die Alexander von Humboldt im Jahre 1804 von dort nach Europa mitbrachte, und einige neuere mitzuteilen, weil dieſelben im großen ganzen auch die Zuſammenſetzung des jetzt nach Europa gelangenden Guanos einzelner Fundſtätten repräſentieren. *) Nach den neueſten Mitteilungen der Importeure haben ſich auf den Chinchas bei genauer, in neuerer Zeit vorgenommener Unterſuchung noch große Quantitäten beſten Guanos vorgefunden, die jetzt zur Ablieferung kommen (Analyſen ſ. ſpäter). 1 — ͤZͤͤͤöZͤͤͤͤhIͤ——. —= 0===.=—O—— R2——Oͤ—=—— 1 Zuſammenſetzung des Peru⸗Guanos. 135 fe de— h har Vauquelin n zum Es fanden in demſelben und Klaproth Fourcroy nutlic. Harnſaures Ammoniak.. 9,0 16,00 gegen Oxalſaures Ammoniak.......... 10,6— um an Oxalſauren Kalk...... 7,0 12,75 emente Phosphorſaures Ammoniak... 6,0— 9 er⸗ Phosphorſaure Ammoniak⸗ Magfieſig 2,6— Schwefelſaures Kali.... 5,5— nete Schwefelſaures Natron. 3,3— Ddurh⸗ Chlornatrium Gochſalz)— 0,50 thält Chlorammonium.. 4,2— 0,32 Phosphorſauren Kalk 14,3 10,00 6 Thon, Sand ꝛc.. 4,7 32,00 Waſſer und organiſche Subſtanz. 32,8 28,75 erein 100,0 100,00 Darn ent⸗ d der Neuere Analyſen ergaben:*) der in äuge⸗=— terer Braun⸗ Aiere aund Ghans iber Gnan Leverbeol 1 artels ölcker nalitt Oellacher je ge⸗ ö ſcehn Harnſaures Ammoniak........ 12,20 3,444 9,0 felder Oralſaures Ammonial....... 17,73 13,351 10,6 fad. Oxalſauren Kalk........ 1,30 16,360 7,0 nape⸗ Phosphorſaures Ammoniar...... 6,90 6,250 6,0 t als Phosphorſaure Ammoniak⸗ Masueſia. 11,63 4,196 2,6 ſnd Schwefelſaures Kali..... 4,00 4,227 5,5 len Schwefelſaures Natron........ 4,92 1,119 3,8 Dlle Kochſalz............. 0,40 0,100— „die Chlorammonſum.......... 2,25 6,500 4,2 tropp Phosphorſauren Kal!........ 20,16 9,940 14,3 oßen Kohlenſaures Ammoniak....... 0,80—— d Humusſaures Ammoniak....... 1,06— V— nden Phosphorſaures Natron.......— 5,29=14— Kohlenſauren Kalk......... 1,65—— Wachsartige Subſtanz........ 0,75 0,600— Band und Thon......... 1,68 5,904 4,7 f den aſſer.„... 4,31) 5 7. 8 Unbeſtimmte organiſche Subſtanz.... 8,26 1122,718 32,3 runen 100,00(100,000 100,0 *) Stohmann, Enecyklopäd. Handbuch ꝛc. 136 Zuſammenſetzung des Peru⸗Guanos. Der ſpäter zur Ablieferung gelangende Guano enthielt weſentlich weniger Stickſtoff und mehr Phosphorſäure, als die alten Analyſen ergaben. Nach Mitteilung der Importeure enthielten vier Proben: I. II. III. IV. 0ſo 0ſo 070 0ſo Stickſtoff als Ammoniak. 7,22 4,01 3,99 2,13 „ Salpeterſäure 0,28 0,52 1,15 0,07 in organiſchen Stoffen 1,84 1,95 1,04 1,56 im ganzen 9,34 6,48 6,18 3,76 Phosphorſäure, waſſerlöslich 6,54 5,90 8,12 2,97 citratlöslich nach P. Wagner 10,46 11,26 12, 18 nicht beſt. citratlöslich nach Freſenius 11,77 14,46 14,39 7,54 insgeſamt 14,46 16,38 15,36 22,86 Kali(waſſerlöslich).... 2,97 2,18 3,99 5,09 O ralſäure...... 18,51 2 8,89 0,67 Dieſe Analyſen weichen, wie man ſieht, ſehr von einander ab, doch liegt das in der Natur der Sache, jede neue Probe würde wieder andere Reſultate ergeben, denn einesteils iſt bei Anhäufung des Vogel⸗ kotes ohne Zweifel nicht mit beſonderer Sorgfalt verfahren worden, es haben ſich mit dem Kote die Leiber der Vögel und Überreſte der Nahrung vermiſcht, anderenteils ändert ſich auch die Zuſammenſetzung der Ablagerung, da ſie eine große Menge löslicher Verbindungen ent⸗ hält, durch Einfluß der Feuchtigkeit fortwährend, ſo gering auch die wäſſerigen Niederſchläge in jenen Zonen ſind. Dieſe chemiſchen Veränderungen des Guanos werden in den ver⸗ ſchiedenen Teilen des Lagers nicht in gleicher Weiſe verlaufen, und ſo kann man, abgeſehen von der eigentümlichen ſchieferartigen Schichtung des jüngſten, zu oberſt liegenden Guanos, die am zutreffendſten mit den Jahresringen der Bäume zu vergleichen iſt, die ganze Ablagerung in drei mächtige, übereinanderliegende Abteilungen unterſcheiden, in den oberen(Surface-) Guano, der gelblichgrau von Farbe iſt, den mittleren, gelben und den unteren, braunen Guano. Von dieſen drei Schichten enthält die oberſte und die unterſte die geringſte, die mittlere die beſte Sorte Guano. Der Grund dafür wird uns klar werden, wenn wir uns die Vorgänge vergegenwärtigen, die in einer ſolchen Guanoab⸗ lagerung noch jetzt fortwährend ſtattfinden.*) Wenn auch Regen, wie geſagt, in jenen Gegenden zu den ſeltenen Erſcheinungen gehört, ſo wird die Oberfläche des Lagers doch ſtets durch *) Meyn, a. a. O. —ÿ Guano⸗Knollen. 137 die über dasſelbe hinſtäubende Brandung angefeuchtet. Abgeſehen nun davon, daß Feuchtigkeit durch ihre bloße Gegenwart den Wert des Surface⸗Guanos herabdrückt, ſo löſt ſie auch die in demſelben enthaltenen Kali⸗, Ammoniak⸗, Kalk⸗ und Magneſiaſalze, ſoweit dieſelben eben löslich ſind, auf und führt ſie nach unten. Dieſem ſich abwärts bewegenden Strome kommt eine aufwärts gehende Bewegung aus den unterſten und älteſten Schichten entgegen. Der zu unterſt liegende, durch ſich bildende Humusſtoffe braungefärbte Guano zerſetzt ſich fortwährend unter Entwickelung von Ammoniak und kohlenſaurem Ammoniak, welche vermöge ihrer großen Flüchtigkeit nach oben ſteigen. Im mittleren Teile werden ſich beide Ströme treffen, die gelöſten Erdſalze werden das Ammoniak feſtlegen, indem ſich nichtflüchtige Salze desſelben bilden, und ſo wird gerade dieſer Teil am reichſten an Stickſtoff, beſonders an Ammoniakſalzen ſein. Müſſen ſchon dieſe Vorgänge eine bedeutende Differenz in den Analyſen verſchiedener Proben bedingen, ſo wird dieſe Ungleichheit noch erhöht dadurch, daß der Peru⸗Guano zum Teil gar kein Vogel⸗ Guano iſt. In den unterſten Teilen des Lagers findet man nämlich größere Mengen von Überreſten von Robben und anderen Seetieren, die zuweilen noch ziemlich gut erhalten ſind. Es iſt daher anzunehmen, daß die Inſeln früher, als ſie flacher waren, von einer großen Zahl dieſer Tiere bewohnt wurden, erſt als denſelben durch vuleaniſche Hebung der Zugang unmöglich wurde, ſiedelten ſich die Vögel an. Der geringere Gehalt des braunen Guanos erklärt ſich daher ſchon aus dieſem Grunde, da zerſetztes Fleiſch und zerſetzte Knochen, aus denen er zum Teil beſteht, weſentlich weniger Stickſtoff enthalten als Vogel⸗ exkremente. Der Guano, wie er in den Handel kommt, bildet, je nach ſeinem Feuchtigkeitsgehalte, ein heller oder dunkler braungefärbtes Pulver, untermiſcht mit harten Klumpen oder weißlichen kriſtalliniſchen Knollen. Sein Geruch iſt deutlich ammoniakaliſch, doch mit einem eigentümlichen, kräftigen Nebengeruche. Die Guanoklumpen und Knollen ſind verſchieden zuſammen⸗ geſetzt, je nach ihrer Herſtammung aus den oberen, mittleren oder unteren Teilen des Lagers. Die feſten Stücke aus der oberen Schicht ſind chemiſch identiſch mit dem ſie umgebenden Mehle, ſchon aus der Farbe und der ganzen Struktur derſelben erkennt man, daß ſie nur unzerkleinerter Surface⸗ Guano ſind. Die Knollen des mittleren, gelben Guanos unterſcheiden ſich ſchon in der Farbe von der ſie umgebenden Maſſe. Sie ſind heller gefärbt, oft faſt weiß und enthalten jedenfalls einen kriſtalliniſchen Kern, wenn ſie nicht durchweg ſtrahlig kriſtalliniſch ſind. Sie beſtehen weſent⸗ lich aus Ammoniakſalzen(oxalſaurem und kohlenſaurem Ammoniak) 138 Guano⸗Knollen. und enthalten infolgedeſſen mehr Stickſtoff, als der ſie umgebende Guano. Der Unterſchied beträgt etwa 1 ½ Proz., bei ausgeſucht reinen Stücken bedeutend mehr. Die Knollen, deren Analyſe(nach Karmrodt und Phipſon) ich hier anfüge, ſlammen jedenfalls aus den mittleren Teilen des Guano⸗ lagers; dieſelben enthielten: nach Karmrodt nach Phipſon (umgerechnet:) Oxalſaures Ammoniak. 41,28 Proz.— Proz. Kohlenſaures Ammoniak*)—„ 76,93„ Harnſaures Ammoniak.... 4 09„—„ Harnſaure Alkalien.—. 1,09„ Stickſtoffhaltige organ. Sübſtanz. 10,17„—„ Phosphorſaures Kali.... 9,52„—„ Phosphorſaures Natron.... 9,08„—„ Phosphorſaures Ammoniak... 7,57„—„ Phosphorſauren Kalk(halby))..—„ 1,14„ Kohlenſauren Kalk....—„ 9,91„ Schwefelſaures Kali. 7,49„ Schwefelſauren Kalk..... 3,40„ 1 Spuren Magneſia und Chlor.....„ Spuren Feuchtigkeit...... 7 740„ 10,93„ 10, 00 Proz. 100,00 Proz. In den unterſten Schichten des Lagers ſammeln ſich vorzugsweiſe die Erd⸗ und Alkaliſalze an, und ſo beſtehen auch hier die Kon⸗ kretionen aus dieſen. Es iſt beſonders das ſchwefelſaure Kali, welches in den Knollenbildungen dieſer Schichten in vorherrſchender Menge auftritt. Die Zuſammenſetzung eines ſolchen Knollens war nach Kraut: Schwefelſaures Kali... 45,64 Proz. Schwefelſaures Natron... 13,22„ Schwefelſaures Ammoniak.. 10,23„ Oxalſaures Ammoniak.. 9,14„ Baſiſches Ammoniumphosphat. 12,09„ Halbſaures Aunoninmdhosphut 4,78„ Organiſches.. 0,94„ Unlözliches..... 1,90„ Waſſer........ 2,06„ 100,00 Proz. Beim Erhitzen an der Luft verbrennt der Peru⸗Guano unter Hinterlaſſung einer rein weißen Aſche. Die Aſchenmenge beträgt *) Saures mit anderthalbſaurem Ammoniumcarbonat gemiſcht. —= 2=—— — 3 — — inter trägt Neueſte Guano⸗Analyſen. 139 ungefähr ein Drittel vom Gewichte des Guanos. Iſt die Aſche ge⸗ färbt oder beträgt ſie weſentlich mehr, ſo iſt der betreffende Guano mit fremden Zuſätzen verfälſcht.“*) Wie wir oben ſahen, ſchwankte der Stickſtoffgehalt des Peru⸗ Guanos in den letzten Jahren zwiſchen 3,76 und 9,34 Prozent und war jedenfalls niedriger, als vor und in den ſechziger Jahren. Der jetzt auf den Chinchas neu aufgefundene Guano hat aber, wie nach⸗ ſtehende Analyſen der agrikultur⸗chemiſchen Verſuchsſtation Halle zeigen, wieder die Zuſammenſetzung des früheren, bei den älteren Landwirten ſo beliebten Düngers. Die verſchiedenen Ladungen enthielten: vom Schiff vom Schiff vom Schiff „Deljgeh„Dreade„Poleſtar“ Geſamtphosphorſäure 8,70 11,40 9,00 Waſſerlösl. Phosphorſäure. 2,65 4,25 2,15 Citratlösl. Phosphorſäure 2 7,25 7,95 6,75 nach Petermann.. 4,60 3,70 4,60 T Geſamtſtickſtoff.. 8,20 13,35 14,60 Ammoniakſtickſtoff... 1,95 3,05 1,85 Salpeterſtickſtoff.... 0,00 0,05 0,00 Organiſcher Stickſtofff.. 6,25 10,25 12,75 Kali. 2,10 3,05 2,45 Von 100 Teilen Geſamt⸗ phosphorſ. ſind waſſer⸗ löslich und citratlöslich 83,3 69,7 75,0 vom Schiff vom Schiff vom Schiff aa enif„St. Cuthbert“„Fernbank“ 2 N. 2e Geſamtphosphorſäure. 9,25 8,65 10,30 Waſſerlösl. Phosphorſäure 2,40 2,55 5,25 Citratlösl. Phosphorſäure 7,30 17,25 7,05 nach Petermann... 4,90 D 4,70) 1,80) Geſamtſtickſtoff.. 3,90 3,35 8,60 Ammoniakſtickſtofff... 2,40 2,65 7,20 Salpeterſtickſtoff.... 0,10 0,10 0,05 Organiſcher Stickſtoff. 6,40 6,10 1,35 Kali.. 1,95 2,30 4,25 Von 100 Teilen Geſamt⸗ phosphorſ. ſind waſſer⸗ löslich und citratlöslich 79,0 33,9 68,4 aber beſonders infolge der Einführung des aufgeſchloſſenen Peru⸗Guanos faſt ganz aufgehört. 140 Wirkſamkeit des Peru⸗Guanos. Da der Guano, abgeſehen von ſeinem Stickſtoffgehalte, als wirk⸗ ſamen Beſtandteil weſentlich nur Phosphorſäure in Form von phosphorſaurem Kalke enthält, ſo iſt er durchaus nicht als Univerſal⸗ dünger hinzuſtellen; er iſt ein Spezialdünger, wie die Superphosphate, die Stickſtoffdünger und die Kaliſalze auch. Zu einem Univerſaldünger fehlt ihm beſonders das Kali, von welchem er nur 2— 3 Prozent beſitzt; er wird daher auch nur in kalireichen Bodenarten oder unter Beigabe ſtarker Kalimengen ſeine volle Wirkſamkeit zeigen können. Doch auch bei reichlichem Vorhandenſein dieſes letztgenannten Stoffes verſagt der Peru⸗Guauo, in rohem Zuſtande angewandt, häufig genug, weil ſeine Phosphorſäure im Ackerboden nicht zur Löſung kommen kann. Unter günſtigen Verhältniſſen iſt nämlich, wie Liebigs Unterſuchungen klar dargelegt haben, der an ſich unlösliche phosphor⸗ ſaure Kalk des rohen Peru⸗Guanos, vermöge der ihm beigemiſchten ſtickſtoffhaltigen Beſtandteile, vollſtändig löslich, unter weniger günſtigen Verhältniſſen jedoch nicht beſſer, wie z. B. der im Baker⸗Guano vor⸗ handene, alſo unwirkſam. Übergießt man, nach Liebig, denſelben mit einer größeren Menge Waſſer, ſo bildet ſich eine Löſung verſchiedener Kali⸗ und Ammoniakſalze, beſonders von oyxalſauren und ſchwefelſauren Salzen, in der aber Phosphorſäure nur in höchſt geringer Menge gefunden wird. Anders iſt es, wenn man den Guano nur ſchwach anfeuchtet und ihn ſo einige Zeit ſich ſelbſt überläßt. In der auf dieſe Weiſe aus ihm bereiteten Löſung findet man gar keine Oxalſäure, dagegen bedeutende Mengen von Phosporſäure an Ammoniak gebunden. Es bildet ſich nämlich in dieſem Falle, durch Wechſelzerſetzung aus oxal⸗ ſaurem Ammoniak und phosphorſaurem Kalke, unlöslicher oxalſaurer Kalk und phosphorſaures Ammoniak. Dieſe Zerſetzung tritt nur durch Vermittelung der Alkaliſalze des Guanos ein. Reines Kalkphosphat und oxalſaures Ammonial zeigen dieſelbe nicht, weil erſteres in Waſſer eben ſo unlöslich iſt, wie der oxalſaure Kalk. Kalkphosphat aber iſt, wie wir S. 38 geſehen haben, in Löſungen verſchiedener Alkaliſalze löslich und aus ſolcher Löſung ſchlägt dann oxalſaures Ammoniak den Kalk unter Bildung von Ammoniumphosphat nieder. Dieſer Vorgang des Auf⸗ löſens von Kalkphosphat in Alkaliſalzlöſungen und der Bildung von phosphorſaurem Ammoniak findet im Guano ſo lange ſtatt, als noch Oxalſäure in löslicher Form vorhanden iſt. Welche Bedeutung dieſes Verhalten des Guanos für die Land⸗ wirtſchaft hat, iſt einleuchtend. Die günſtigſte Wirkung wird mit dem⸗ ſelben erzielt werden, wenn er bald nach dem Ausſtreuen durch einen gelinden Regen angefeuchtet wird, und wenn ſich eine ſolche Anfeuchtung von Zeit zu Zeit wiederholt. Es wird dann der größtmögliche Teil der Phosphorſäure den Pflanzen zu Gute kommen. Bei anhaltenden Regengüſſen dagegen wird der Vorgang ſtatt⸗ = ͤ——S————— —— Wirkſamkeit des Peru⸗Guanos. 141 finden, den wir zuerſt erwähnten, die löslichen Beſtandtheile des Guanos werden ausgewaſchen werden, der phosphorſaure Kalk aber wird zurück⸗ bleiben und zwar in einer Form, die wir bei Beſprechung der Phosphor⸗ ſäuredünger als faſt wirkungslos kennen lernten. Daher iſt auch das Verfahren, welches öfter vorgeſchlagen iſt, den Guano in vielem Waſſer zu verteilen und ſo zur Düngung zu verwenden, ein durchaus ver⸗ fehltes zu nennen. Trocknis iſt für die Wirkſamkeit des Guanos eben ſo ſchlimm, als zu große Näſſe. Ohne Feuchtigkeit kann ja überhaupt kein Dünger wirken, da das Waſſer das einzige Vehikel iſt, durch welches ſeine Beſtandteile den Pflanzen zugeführt werden. In ſehr trockenen Jahren würden daher höchſtens Superphosphate ihre Wirkung äußern können, deren ſaurer phosphorſaurer Kalk ſich leicht auch in den ge⸗ ringen Feuchtigkeitsmengen des Bodens auflöſt. Für den Guano aber hat die Trocknis noch ein größeres Übel im Gefolge, beſonders wenn ſie mit Hitze verbunden iſt Derſelbe riecht, wie wir wiſſen, nach Ammoniak, weil ſich durch Zerſetzung ſeiner ſtickſtoffhaltigen Beſtand⸗ teile fortwährend kohlenſaures Ammoniak bildet. In heißer und trockener Jahreszeit und bei der großen Ausbreitung des Düngers über den Acker geht dieſe Zerſetzung ſehr raſch vor ſich, der Stickſtoff ver⸗ flüchtigt ſich daher und wird, abgeſehen davon, daß mit jedem Pfunde desſelben nach dem jetzigen Stande des Marktes dem Landwirte etwa 60 Pfennig verloren gehen, den Pflanzen ſchädlich ſein, da er in dieſer Form und Konzentration ein Gift für dieſelben iſt. Wie der Landwirt dieſe Unſicherheit der Wirkung des Peru⸗Guanos vermeidet, werden wir ſpäter zu ſehen Gelegenheit haben. Der im Guano enthaltene Stickſtoff nimmt, im Hinblick auf ſeine Wirkſamkeit, eine Mittelſtellung ein; die in demſelben enthaltenen Ammoniakſalze wirken ihrer Löslichkeit wegen genau ſo raſch und energiſch, wie das im vorigen Abſchnitte beſprochene Ammoniakſalz, während die unlöslichen Stickſtoffverbindungen(harnſaure Salze) desſelben ſich den Tierſtoffen entſprechend verhalten, da ſie ſich erſt durch Zerſetzung in die löslichen Salze verwandeln müſſen, um auf⸗ nahmefähig zu werden; die unlöslichen Stickſtoffverbindungen des Guanos bleiben daher längere Zeit im Ackerboden und wirken alſo auch nach⸗ haltiger. Man kann infolgedeſſen den rohen Guano ebenſo gut als Herbſt⸗ düngung(bei Winterfrucht), wie als Frühjahrsdüngung verwenden. Kopfdüngung iſt unter allen Umſtänden verwerflich des kohlen⸗ ſauren Ammoniaks wegen; je tiefer der Guano untergepflügt wird, deſto beſſere Wirkungen zeigt derſelbe, wie Stöckhardt durch Ver⸗ ſuche gezeigt hat. 142 Ichaboë⸗, Robben⸗, Fledermausguano. Von ſonſtigen ſtickſtoffhaltigen Guanos ſind zu erwähnen: 1) Der Ichabo 6⸗Guano⸗): Derſelbe iſt ſchon lange bekannt, konnte aber niemals zur rechten Bedeutung gelangen, weil die erſten Ladungen nur etwa 8% Stickſtoff und 20% Phosphorſäure enthielten und die ſpäteren immer ſtickſtoffärmer ausfielen. Der Ichaboë⸗Guano näherte ſich in ſeinen Eigenſchaften immer mehr den Phosphat⸗Guanos. Neuerdings ſind aber auf der Ichabos⸗Inſel Lager von faſt unaus⸗ gelangtem Vogel⸗Guano aufgefunden worden, die jetzt abgebaut werden.“*) Der Stickſtoffgehalt dieſes neuen Guanos, der nach Barth noch unzer⸗ ſetzte Federn und Cadaverteilchen von Vögeln enthält, wurde in der Verſuchsſtation Rufach auf 14¼%, der Gehalt an phosphorſaurem Kalke auf 17,6% feſtgeſtellt. Auch an verſchiedenen anderen Punkten der afrikaniſchen Küſte ſind ſchon vor längerer Zeit Guanofunde gemacht worden, ſo an der Algoa⸗, der Saldanha⸗Bai und an der Küſte des Kaplandes. Dieſelben haben ſich bisher aber meiſtens als ausgelaugt erwieſen, und daher wenig Bedeutung gewonnen. 2) Robbenguano: Man hat denſelben bis jetzt an verſchiedenen Punkten der ſüdamerikaniſchen Küſte gefunden, ſo an der Bai von Ferrol, auf den Lobos⸗Inſeln und der Isla de Tortuga. Dieſe Lager werden noch heute von den Robben bewohnt, ſo daß ſie in fortwährender Zu⸗ nahme begriffen ſind. Auf den Lobos⸗Inſeln erreicht der Guano an manchen Stellen eine Mächtigkeit von 70 m; er beſteht vorzugsweiſe aus den Leibern der Tiere, und man findet daher vielfach die ſchwer zerſetzbaren Teile derſelben, Knochen, Haare und Felle, darin. Wie die unterſte, zum Teile aus Robbenguano beſtehende Schicht des Lagers auf den Chinchas, enthält auch dieſer reine Robbenguano bedeutend weniger Stickſtoff, als der echte Peru⸗Guano. 3) Der Fledermausguano. Eine Sorte dieſes Guanos kam früher unter dem Namen ſardiniſcher Guano in den Handel, und wurde von Stöckhardt unterſucht. Derſelbe fand darin: Stickſtoff........ 2,25 Proz. Phosphorſauren Kalk..... 35,30„ Alkaliſalze.. 3,60„ Er beſteht vorzugsweiſe aus dem Kote der Fledermäuſe unter⸗ miſcht mit den Leibern der Tiere. Man fand bis jetzt Fledermausguano in Spalten und Höhlen an den Küſten des Mittelmeeres, in Braſilien, in Ungarn, im ſüdlichen Frankreich(bei Veſoul), bei Krakau und anderen Orten. Das größte *) Von der Ichaboë⸗Inſel an der Weſtküſte Afrikas unter etwa 26¹˙40 ſüdlicher Breite. **) Barth, die künſtlichen Düngemittel. 1893. ar Fledermausguano. 143 bis jetzt entdeckte Lager befindet ſich wohl in den Kalkſteinhöhlen von Kolumbacz an der unteren Donau; dasſelbe ſoll 40 000 Ctr. ent⸗ halten, allerdings eine verſchwindende Menge gegenüber dem Bedarfe der Landwirtſchaft. Der ungariſche Fledermausguano enthält nach Scheibler 1,88 Proz. Stickſtoff und 11,64 Proz. unlösliche Phosphorſäure, iſt alſo nur ſehr geringwertig. Beſſer iſt der aus der Nähe von Krakau, den Krocker als ein lockeres, dunkelbraunes Gemenge von Exkrementen, Inſekten⸗ und Knochenreſten beſchreibt; derſelbe enthält nach der Analyſe desſelben: Feuchtigkeit........ 7,50 Prbz. Verbrennliche Subſtanz... 75,20„ Aſche.. 17,30„ 100,00 Proz. Der Stickſtoffgehalt betrug im ganzen 9,170 Proz., davon in Form von Ammoniakſalzen 3,60 Proz., in Form von Salpeterſäure 0,118 Proz., in Form von Harnſtoff und ſonſtigen organiſchen Stoffen 5,452 Prozent. Harnſäure, die im Peru⸗Guano vorwiegt, fand er gar nicht in demſelben. Die Aſche beſtand etwa zur Hälfte aus phosphorſaurem Kalke, ſo⸗ daß der Phosphorſäuregehalt des Guanos 3,825 Proz. betrug. Der egyptiſche Fledermausguano enthält nach Popp: Harnſtoff........ 77,800 Proz. Im Mittel ver⸗ Harnſäure......... 1,250„ ſchiedener Analyſen Kreatin... 2,550„[37 Proz. Stickſtoff. halbſaures phosphorſ. Natron 13,450„(lösl. Phosphor⸗ unlösliches.......0,575„ ſäure 7,18 Proz.) Feuchtigkeit........ 3.,660„ 99,285 Proz. Derſelbe iſt nicht nur der ſtickſtoffreichſte aller bisher gefundenen Guano⸗Arten, ſondern aller ſicckſtoffhaltigen Düngemittel überhaupt. Fledermausguano von Eboli in der italieniſchen Provinz Salerno enthielt nach Dr. G. Paris 2,996 Proz. Stickſtoff meiſt in Form von Salpeterſäure. Außerdem fand derſelbe Feuchtigkeit... 18,02 Proz. organiſche Subſtanz 29,11„ Aſche.... 52,87„ 100,00 Proz. Die Aſche enthielt 20,69 Proz. Phosphorſäure, von der 47,96 Proz. citratlöslich war. 144 Geſchichtliches über den Peru⸗Guano. Von anderen kleinen Funden von Fledermausguano finden ſich Gehalt an Stickſtoff und Phosphorſäure am Schluſſe dieſes Abſchnittes. Große Wichtigkeit haben alle dieſe kleinen Lager bisher nicht erlangt. Geſchichtliche Notizen über den Peru⸗Guano. Schon den alten Peruanern war die düngende Kraft des Guanos wohl bekannt; ſie ſchätzten denſelben ungemein hoch und ſchützten durch ſtrenge Geſetze die Lager der Chincha⸗Inſeln vor unmäßiger Aus⸗ beutung, ſowie die dort niſtenden Vögel vor unberufenen Eingriffen in ihre ſegensvolle Thätigkeit. In Europa wurde der Guano jedoch erſt 1804 bekannt, als Humboldt Proben desſelben von ſeinen Reiſen mitbrachte. Die Analyſen dieſer Proben haben wir S. 135 mitgeteilt. Für unſere Landwirtſchaft erhielt derſelbe aber erſt faſt ein halbes Jahrhundert ſpäter Bedeutung, nämlich nachdem die Hamburger Firma J. D. Mutzenbecher im Jahre 1842 eine Schiffsladung desſelben nach Deutſchland gebracht hatte, um Verſuche damit anſtellen zu laſſen. Dieſe Verſuche ergaben derartig günſtige Reſultate, daß die Einfuhr nach Deutſchland von Jahr zu Jahr größere Dimenſionen annahm. Ein volles Vierteljahrhundert lang waren die Chinchas, drei kleine Eilande im Meerbuſen von Pisco, etwa 40 Meilen von der peruaniſchen Hauptſtadt Lima entfernt, die einzigen Lieferanten des ſo geſchätzten Düngemittels, doch ſchon 1867 wurden Stimmen laut, die die Erſchöpfung dieſer Lager in nicht allzuferne Ausſicht ſtellten Im darauffolgenden Jahre verſuchte zwar die peruaniſche Regierung die Gemüter zu beſchwichtigen, indem ſie veröffentlichte, daß der Guano der Chincha⸗Inſeln allein noch für 14 Jahre ausreiche, ordnete aber trotzdem eine Erhöhung des Guanopreiſes für Deutſchland an; auch entſandte ſie mehrere Expeditionen zur Aufſuchung neuer Lager an der peruaniſchen Küſte. Es wurden infolgedeſſen noch nördlich und ſüdlich der Chinchas Lager von gutem ſtickſtoffreichem Guano gefunden, von denen der peruaniſche Geſandte in London, P. Galvez, 1873 ein Verzeichnis veröffentlichte. Von den in dieſem Verzeichniſſe ent⸗ haltenen 45 Punkten ſind als die wichtigſten aufzuführen die Balleſtas⸗, Guanapé⸗ und Macabi⸗Inſeln(nördlich der Chinchas), außerdem Huanillos, Pabellon de Pica, Punta de Lobos, Lobos de tierra, In⸗ dependencia⸗Bai, Punta de Patache und Chipana⸗Bai. Die Vorräte auf dieſen Plätzen allein wurden damals auf 150 Millionen Centner geſchätzt, doch ſind ſeitdem ſchon die Balleſtas⸗, Guanapé⸗ und Macabi⸗Inſeln vollſtändig geräumt. Mit dem Wechſel der Fundorte hat ſich auch der Stickſtoffgehalt des Guanos geändert und zwar iſt derſelbe nach und nach geringer geworden, weil man ſich nach Erſchöpfung der reicheren Lagerſtätten bequemen mußte, auch die geringwertigen abzubauen. Nach Maercke r's Geſchichtliches über den Peru⸗Guano. 145 Mitteilungen*) enthielten die an der Verſuchs⸗Station Halle unter⸗ ſuchten Peru⸗Guano⸗Proben durchſchnittlich im Jahre 1861.. 14,02 Proz. Stickſtoff , 4 1855 1 599 3„ im Durchſchnitte der „. 1864 1494„. 5 Jahre 14,73 Proz. „„ 1865 14,59„„ „„ 1866.. 12,72„, „„ 1867.. 14,11 1868 12 68 3 im Durchſchnitte der „„ 1860 12,84„„ 5 Jahre 12,98 Proz. „„ 1870 12,54„„ „„ 1871. 11,85„„ im Durchſchnitte der „„ 1872 11,13„„] beiden Jahre 11,49%. Der Stickſtoffgehalt des Guanos iſt alſo in den aufgeführten Jahren um 3 ¼ Proz. zurückgegangen. Vom Jahre 1873 an fällt derſelbe noch rapider und zwar iſt dabei deutlich zu merken, daß der Guano ſeitdem von den verſchiedenſten Lagerplätzen kommt, da er ganz außerordentlich verſchieden ausfällt. In dem genannten Jahre fand Maercker in verſchiedenen Proben: 15,18 Proz. Stickſtoff 8,18 Proz. Stickſtoff. 1 ,6 2 2 6,80 2, 1I 10,80„„ 6,50„„ 10,00 7 4,40 82 Ir 8,80 2 2 Der Unterſchied im Werte der beiden äußerſten Sorten würde, nach dem damaligen Preisſtande, etwa 9 Mark pro Ctr. betragen; da die Lieferanten jedoch in früheren Jahren beim rohen Guano noch keine Garantie für den Gehalt desſelben, ſondern nur für die Echtheit leiſteten, und der Gehalt daher auch bei Normierung des Preiſes nicht in Frage kam, mußte der Käufer für die geringeren Sorten dasſelbe wie für die reicheren bezahlen. Während der Guano der Chinchainſeln im Durchſchnitte zu ½ aus Aſchenbeſtandteilen und zu% aus flüchtigen Stoffen beſtand, laſſen ſich über die Zuſammenſetzung des Guanos von anderen Lagerplätzen gar keine beſtimmten Normen aufſtellen, da kaum einmal zwei Schiffs⸗ ladungen eintreffen, die in der Zuſammenſetzung übereinſtimmen. Der Stickſtoffgehalt ſchwankt jetzt zwiſchen 4 und 10%, der Phosphor⸗ ſäuregehalt zwiſchen 12 und 23%. Die peruaniſche Regierung ſowohl, als auch die jetzige Beſitzerin der Guanolager, die chileniſche Re⸗ gierung, die die Lager bei dem letzten für Peru unglücklichen Kriege in Beſitz nahm, haben daher längſt von dem für ſie ſo äußerſt be⸗ *) Landw. Kal. 1879. Rümpler, Düngeſtoffe. 4. Auflage. 10 146 Geſchichtliches über den Peru⸗Guano. quemen Verfahren, den Guano ohne Rückſicht auf Gehalt nur unter Garantie der Echtheit zu verkaufen, abgehen müſſen; der Guano wird jetzt, ebenſo wie alle übrigen Kunſtdünger, nur nach Gehalt bezahlt. Der Import des Peru⸗Guanos war bis Ende Auguſt 1870 für Deutſchland und den Norden in den Händen der Herren J. D. Mutzen⸗ becher Söhne und Aug. Joſ. Schoen& Co. in Hamburg, die mit der peruaniſchen Regierung in Lima Kontrakte über denſelben ab⸗ geſchloſſen hatten. In dem genannten Jahre gingen die Kontrakte über die Verſorgung ganz Curopas mit Peru⸗Guano auf die Firma Dreyfuß Frères& Co. in Paris und Lima über, die wiederum ihre Vertretung für Deutſchland, Holland und den Norden den Herren Ohlendorff& Co. in Hamburg übertrug(Anfang 1871). Am 1. Nov. 1876 liefen auch die Kontrakte dieſer beiden Firmen ab, an deren Stelle die Peruvian Guano⸗Company, Limited, Lon⸗ don, für Europa und die Herren Schröder, Michaelſen& Co. in Hamburg für Deutſchland und den Norden traten. Da jedoch die Vorräte der früheren Kontrahenten noch ſehr bedeutende waren, lieferten dieſelben noch lange Jahre den echten importierten Guano, ſowohl im Originalzuſtande, als auch gemahlen, bis ſchließlich das Monopol für Deutſchland, Groß⸗Britanien, Irland, Belgien, Holland, Dänemark, Schweden und Norwegen, Rußland, Nord⸗Oſterreich, Ungarn und die Schweiz auf die Aktien⸗Geſellſchaft Anglo⸗Continentale (vormals Ohlendorff'ſche) Guano⸗Werke in Hamburg überging. Dieſelbe übernahm zugleich, wie ſchon die Firma ſagt, die bedeutenden Anlagen der Herren Ohlendorff& Co. und beſitzt große Fabriken in Hamburg, Emmerich a. R., Antwerpen und London. Wie wir ſchon erwähnten, ſind neuerdings neue Lager beſten Guanos auf den Chinchas aufgeſchloſſen, die von genannter Firma käuflich erworben worden ſind. Der Peru⸗Guano wird von den Anglo⸗Continentalen Guano⸗ Werken nicht mehr, wie dies vor langen Jahren üblich war, in der Form, in welcher er ankommt, geliefert, wird vielmehr jetzt ſtets aufbe⸗ reitet, d. h. nach dem Gehalte ſortiert und gemahlen. Dieſelben liefern zwei Sorten, nämlich 1) gemahlenen Peru⸗Guano I mit einem garantierten Gehalte von 7% Stickſtoff und 14% Phosphorſäure nebſt 1—2% leicht lös⸗ lichem Kali(= 2— 3 ½% ſchwefelſaurem Kali) und 2) gemahlenen Peru⸗Guano II mit 4% Stickſtoff, 20% Phosphor⸗ ſäure und 2— 3% Kali(= 4— 5 ½% ſchwefelſaurem Kali). Zur Bindung des Ammoniaks und zur teilweiſen Zerſetzung des phosphorſauren Kalkes wird dieſer rohe Peru⸗Guano mit etwas Schwefel⸗ ſäure angeſäuert und ſo ein großer Teil der Phosphorſäure, wenn auch nicht waſſerlöslich, ſo doch bodenlöslich gemacht. = 22ͤ —2———j —— t nur müſſen; ur nach 70 füt utz en⸗ —, de enn ah⸗ te über Firma ederun orden 187)) ten ab, „Lon⸗ Co. in och die waren, Huano, h das lland, ngarn tale eging. tenden abriken beſten Firma Huano⸗ in der aufbe⸗ liefern Aufgeſchloſſener Peru⸗Guano. 147 Als eine dritte Marke liefern genannte Werke außerdem noch den Aufgeſchloſſenen Peru⸗Guano mit einem garantierten Gehalte von 7% Stickſtoff, 9 ½% waſſerlös⸗ licher Phosphorſäure(10— 11% Geſamtphosphorſäure) und 1— 2% Kali(= 2— 3 ½ ſchwefelſaurem Kali). Da der Guano ſtets als Ballaſt, alſo in den unterſten Raum der Schiffe, verladen wird, ſo iſt es nicht zu vermeiden, daß ein Teil des⸗ ſelben von Seewaſſer durchtränkt wird. Dieſe feuchte Ware wurde anfangs von den Importeuren beſonders aufgeſpeichert, bis ſie ſchließlich den Wert von Millionen annahm und man daran denken mußte, dieſelbe zu verwerten. Es wurde daher mit den Herren Ohlendorff& Co. in Ham⸗ burg ein Vertrag abgeſchloſſen, nach welchem dieſelben das Trocknen dieſes ſog. ſeebeſchädigten Guanos übernahmen und die Ware dann, ſelbſtverſtändlich unter Kontrolle, zu einem billigeren Preiſe an die Landwirte verkauften. Daß dieſe Art der Verwenduug des ſee⸗ beſchädigten Gnanos viele Übelſtände im Gefolge hatte, iſt einleuchtend, wenn man bedenkt, daß derſelbe durch nichts, ſelbſt nicht durch die Analyſe, von dem unbeſchädigten unterſchieden werden konnte, er hatte dasſelbe Ausſehen, denſelben Geruch und enthielt Stickſtoff und Phos⸗ phorſäure in denſelben Mengen, wie letzterer. Es war daher ein glücklicher Griff der Herren Ohlendorff& Co., daß ſie auf den Rat eines bewährten Fachmannes hin verſuchten, ihn mit Schwefelſäure aufzuſchließen. Da die erzeugte Ware Anklang fand, dehnte ſich die Fabrikation bald ſo ſehr aus, daß jetzt ſchon ſeit faſt einem halben Jahrhundert 96—97 Proz. des zur Aufſchließung gelangenden Guanos aus un⸗ beſchädigter Ware beſtehen.*) Das Verfahren, welches bei Bereitung des aufgeſchloſſenen Peru⸗ Guanos angewandt wird, iſt folgendes: In der ſtückigen Form, in der der Rohguano in den Handel kommt, iſt es unmöglich, ein gutes Superphosphat aus ihm zu bereiten, derſelbe muß daher zuvörderſt in ein möglichſt feines Pulver verwandelt werden. Dies erreicht man in den Ohlendorff'ſchen Fabriken durch ſogen. Desintegratoren, Apparaten, wie ſie, beſonders in engliſchen Fabriken, vielfach zur Zerkleinerung von Thon, trockenen Superphos⸗ phaten, Knochenkohle, Knochenaſche, Koprolithen und anderen nicht allzu feſten Materialien, in Hamburg auch zum Aufbereiten der phos⸗ phatiſchen Guanos zur Anwendung kommen. *) Durch die ſpäteren Kontrakte der peruaniſchen Regierung mit der Peruvian⸗Guano⸗Comp. hat ſich in den Verhältniſſen der Anglo⸗Continentalen Guano⸗Werke nichts geändert. 10* 148 Aufgeſchloſſener Peru⸗Guano. Der Desintegrator(Figur 8 und 9) wurde von Thomas Carr in Montpelier bei Briſtol erfunden und für England patentiert. Er beſteht im weſentlichen aus zwei, drei oder vier Siebcylindern, ſog. Käfigen, welche konzentriſch auf einer Achſe angebracht ſind, ſodaß zwiſchen je zweien ſich hinreichender Zwiſchenraum für das Mahlgut 6 2 . 4 88 3 d. = 8 Oᷣᷓù een Lelen 2 S, A In 3 5 1 x —— 3 3 — 8 ½☛ S,wwʒWwʒWʒWʒWʒWʒadʒůwWBůʒdKBxãʒMM e Z 2 Fig. 8. befindet. Die Käſige beſtehen aus zwei Stirnſcheiben oder Kränzen (a) zwiſchen denen ſtarke Eiſenſtäbe(b) parallel mit einander befeſtigt ſind. Die ganze Maſchine wird durch zwei Riemen(Scheibe c und Scheibe d) einen geraden und einen gekreuzteu, von derſelben Trans⸗ miſſion aus getrieben und zwar ſo, daß, beiſpielsweiſe von den vier Käfigen, der erſte und dritte ſich nach rechts, der zweite und vierte nach links drehen. Das zu zerkleinernde Material wird durch einen Rumpf(e) in den innerſten Käfig eingeſchüttet, erhält durch denſelben eine rotierende Bewegung und wird ſchließlich, durch die Zentrifugal⸗ kraft, zwiſchen den Stäben desſelben hindurch geſchleudert. Dabei be⸗ hält es, vermöge ſeiner Trägheit, die Rechtsbewegung bei. Da nun omas entiert n, ſog ſodaß fahlgut inzen eſtigt und kans⸗ vier vierte einen ſelben ugal⸗ i be⸗ nun Aufgeſchloſſener Peru⸗Guano. 149 die Stäbe des zweiten Cylinders ſich nach links bewegen, ſo bekommen die verſchiedenen Teile des Materials Schläge, deren Kraft ſich aus der Summe der Geſchwindigkeiten des Materials nach rechts und der Stäbe des zweiten Cylinders nach links berechnet. Durch die Zentrifugalkraft wird das Material auch hier zwiſchen den Stäben hindurchgeſchleudert werden, und ſo wiederholt ſich der ganze Vorgang, bis ſchließlich zwiſchen den Stäben des letzten Käfigs das Pulver aus der Maſchine hinausgeſchleudert wird. Die Maſchine wird in zwei Größen geliefert, von denen die eine ca. 2 m, die andere 1,30 m Durchmeſſer hat. Über die Konſtruktion der einzelnen Teile derſelben findet man Details und Berechnungen in Dinglers Journal, Bd. 185, S. 137. Da es unnötige Arbeit verurſachen würde, die ganze Maſſe des Guanos, Feines und Grobes zuſammen, durch den Desintegrator gehen zu laſſen, ſo iſt der letztere mit einem Schüttelſiebe verbunden, durch welches das von vornherein ſchon Pulverförmige von den Klumpen getrennt wird. Der Desintegrator dient gleichzeitig zur Ausſcheidung der im Roh⸗ guano befindlichen, und von dem Grundgeſtein(Granit) der Guano⸗ inſeln herrührenden Steine, die ſich, wenn ſie nicht zu groß ſind, zwiſchen die Stäbe der Maſchine einklemmen und dann leicht heraus⸗ geholt werden können. In der betreffenden Fabrik erhält man auf dieſe Art ca. 1 Proz. des Guanogewichtes*) an Steinen, alſo bei einem Konfum von 2000 Ctr.(im Jahre 1867 in der Hamburger Fabrik) täglich 20 Ctr., die die Lieferanten zum Guanopreiſe zurücknehmen. Das auf dieſe Weiſe erhaltene feine und innig gemengte Guano⸗ pulver wird nun mit 22 Proz. ſeines Gewichts konzentrierter(66 grä⸗ diger) Schwefelſäure, oder der entſprechenden Menge 60 er Säure, in mit Blei ausgeſchlagenen Gruben durch mechaniſche Rührwerke gemiſcht und auf Haufen gefahren, wo es nach längerem Liegen zu einer feſten Maſſe erhärtet(ſ. Superphosphat). Nachdem das Fabrikat ſchließlich nochmals durch den Desintegrator gegangen iſt, hat es die Form, in der es an den Markt gebracht werden kann. Dasſelbe enthält 5—7 Proz. Stickſtoff und ca. 10 Proz. lösliche Phosphorſäure, für welchen Gehalt die Verkäufer Garantie leiſten. Da die Herren Ohlendorff& Co., jetzt alſo die Anglo⸗ Continentalen Guanowerke, die Gleichmäßigkeit ihres Fabri⸗ kates in Bezug auf ſeinen Gehalt nur durch ein ſehr ſorgfältiges Miſchen der Rohguanos, nicht aber durch Zuſatz fremder Stoffe(Ammo⸗ niakſalz ꝛc.) erzielen, ſo mußte mit dem Sinken des Stickſtoffs in der Rohware auch der des aufgeſchloſſenen Guanos ſich verringern. In *) Seit der Guano ſchlechter geworden iſt, iſt auch das Gewicht der Steine ein ſehr wechſelndes geworden. 150 Wirkung des aufgeſchloſſenen Guanos. welchem Maße dies geſchehen iſt, erſieht man aus folgenden Zahlen, die von Maercker mitggeteilt ſind: Der aufgeſchloſſene Peru⸗Guano enthielt im Durchſchnitte der an der Verſuchs⸗Station Halle unterſuchten Proben: 1870 9,58 Proz. lösliche Phosphorſäure, 9,56 Proz. Stickſtoff. 9 1871 9,44„„, 676„„ 1872 9.35„„ 8 9,67„. 1873 9,40„„. 9,10„ 1 1874 9,16„„. 8,82„„ 1875 8,64„„ 2 9,05 2 2 1876 9,94„„„ 8,52„„ 1877 9,52„„ 3 7,36„ 2 1878 10,52„„„ 6,85„ Jetzt werden ſchon ſeit Jahren konſtant 10 Proz. Phosphorſäure und je nach Wunſch 7 oder 5 Proz. Sticktcoff geliefert. Der Preis, den der Landwirt für den aufgeſchloſſenen Guano zu zahlen hat, iſt nur wenig höher, wie der des rohen, da erſterer aber bei 7 Proz. Stickſtoff nur 10 Proz. Phosphorſäure, letzterer aber 7 Proz. Stickſtoff und 14 Proz. Phosphorſäure enthält, ſo iſt die Differenz doch eine etwas größere. Es fragt ſich nun, ob dieſer höhere Preis den Vorteilen entſpricht, die dem Landwirte durch das Aufſchließen erwachſen. Ein nicht hoch genug anzuſchlagender Vorzug des aufgeſchloſſenen Guanos, gegenüber dem rohen, iſt die Sicherheit ſeiner Wirkung. Wir wiſſen allerdings, daß die Phosphorſäure des Rohguanos im Acker⸗ boden zur Löſung gelangt, ſobald die Witterung hierfür günſtig iſt; doch gerade dieſe Abhängigkeit von der Witterung macht ſeinen Wert illuſoriſch. Da dieſe Löslichkeit der Phosphorſäure außerdem auch von dem Gehalte des Guanos an Salzen abhängig iſt(ſ. S. 140), ſo kann ſie bei der jetzt an den Markt kommenden Ware auch bei weitem nicht ſo groß ſein, wie bei dem alten Chincha⸗Guano. Die Anſicht mancher Landwirte, die Maercker in ſeiner ſchon öfter erwähnten Abhandlung ausſpricht, daß dem älteren, nun erſchöpften Guano eine ganz ſpezifiſche Wirkung innegewohnt habe, hat daher in der That eine gewiſſe Be⸗ rechtigung, nicht nur, wie Maercker meint, weil derſelbe 12 gegen 7 Proz. Stickſtoff enthielt, ſondern auch, weil die jetzt in demſelben enthaltenen Ammoniakſalze nicht mehr genügen, die Phosphorſäure in Löſung zu bringen. Wenn der Landwirt jetzt mit 2 Ctr. eines rohen Guanos düngt, der 7% Stickſtoff auf 14% Phosphorſäure enthält, ſo dürfte er vielleicht annähernd dieſelbe Wirkung erzielen, wie wenn er 116 Pfd. des alten Guanos(mit 12% Stickſtoff und 12% Phosphor⸗ ſäure) mit 39 Pfd. Knochenaſche(36% Phosphorſäure) gemiſcht auf den Acker ſtreut; die 39 Pfd. Knochenaſche ſind vollſtändig wirkungslos. War daher das Aufſchließen des Chincha⸗Guanos ſchon von großem Werte für den Landwirt, ſo iſt, wie die Sache jetzt liegt, die Der Erſatz des Peru⸗Guanos. 151 Verwendung des rohen Guanos einfach Verſchwendung von Phosphor⸗ ſäure; wollen wir annehmen, daß im rohen Guano früher die ge⸗ ſamte Phosphorſäure löslich geweſen iſt(was nur von einem Teile derſelben ſicher behauptet werden kann), ſo iſt es jetzt nur noch die Hälfte; durch das Aufſchließen aber gewinnt der Landwirt ſämtliche im Guano enthaltene Phosphorſäure. Ein weiterer Vorzug des aufgeſchloſſenen Guanns gegenüber dem rohen iſt es, daß der Stickſtoff desſelben derartig gebunden iſt, daß er ſich nicht verflüchtigen, daß er alſo beim Lagern und auf dem Acker nicht verloren gehen kann. Alles kohlenſaure Ammoniak iſt in ſchwefelſaures verwandelt und neue Mengen desſelben würden, wenn ſie ſich bilden könnten, durch die Säure gleich abſorbiert werden. Ob ſonſt noch der Prozeß des Aufſchließens vorteilhaft auf die Stick⸗ ſtoffverbindungen des Guanos einwirkt, darüber ſind noch keine ge⸗ nügenden Erfahrungen vorhanden.. Auch die jedem Landwirte bekannten Übelſtände des Rohguanos, ſeine Stückigkeit, die ein ſehr unangenehmes Zerkleinern nötig macht, und ſeine ſtaubige Beſchaffenheit, infolge welcher der Landwirt bei windigem Wetter zuweilen des Nachbars Acker mehr düngt, als ſeinen eigenen, finden ſich beim aufgeſchloſſenen nicht. Derſelbe ſtellt ein feuchtes, aber nicht klebriges, feines Pulver vor. Die landwirtſchaftliche Praxis hat ſich daher auch ſchon ſeit Jahren zu Gunſten des aufgeſchloſſenen Guanos ausgeſprochen, der Verbrauch an unaufgeſchloſſenem Guano iſt verſchwindend gegen den von aufgeſchloſſenem. Der Erſatz des Peru⸗Guanos. Vor etwa 50 Jahren beherrſchte der Peru⸗Guano den Dünger⸗ markt vollſtändig; es gab keinen anderen Stoff, welcher dem damals ſchon ſtarken Bedarfe der Landwirtſchaft an künſtlichen Düngemitteln hätte genügen können. Chiliſalpeter war nur ausnahmsweiſe für einen Preis zu haben, der dem Landwirte noch eine Rente gelaſſen hätte, die Produktion von ſchwefelſaurem Ammoniak befand ſich noch in den Kinderſchuhen, die Superphosphatfabrikation war erſt im Aufblühen begriffen und konnte ſich nur mühſam gegen den Peru⸗Guano behaupten, die Fabrikation von Knochenpräparaten endlich war zwar damals ſchon weit vorgeſchritten, kann jedoch niemals Anſpruch auf Bedeutung auf dem Weltmarkte machen, da ihr durch die Menge des vorhandenen Rohmaterials beſtimmte Grenzen gezogen ſind. Der Peru⸗Guano war alſo für die Preiſe des Stickſtoffs und der Phosphorſäure in den Düngemitteln allein maßgebend. Heute ſind die Verhältniſſe vollſtändig andere: Durch verbeſſerte techniſche Einrichtungen in den Salpeter⸗Diſtrikten wird Chiliſalpeter 152 Der Erſatz des Peru⸗Guanos. maſſenhaft, manchmal zu wahren Schleuderpreiſen, auf den europäiſchen Markt geworfen, Ammoniakſalz wird in Gasanſtalten und Kokereien in immer wachſenden Mengen gewonnen, auf immer neuen Inſeln des Stillen Ocean werden abbauwürdige Lager von Guano⸗Phosphaten gefunden, in Spanien, Nordamerika und Norwegen finden ſich ganze Gebirge von Apatit, die energiſch ausgebeutet werden, Phosphorite und Koprolithen finden ſich in großen Mengen in faſt allen europäiſchen Ländern und zum Überfluß fließt der Landwirtſchaft von Jahr zu Jahr reichlicher eine billige Phosphorſäurequelle in der Thomasſchlacke. Ja ſelbſt die 3— 4 Pfd. Kali, welche jeder Centner Peru⸗Guano der Land⸗ wirtſchaft zuführte, ſind durch die Aufſchließung von unerſchöpflichen Kali⸗ ſalzlagern, nicht nur in Staßfurt, ſondern auch in Aſchersleben, bei Braunſchweig, im Mecklenburgiſchen u. ſ. w., reichlich erſetzt. Angeſichts dieſes Überfluſſes an käuflichen Düngeſtoffen iſt die Frage nach einem Erſatze des Peru⸗Guanos, welche in früheren Jahren ſo manchem Freunde der Landwirtſchaft den Blick in die Zu⸗ kunft trübte, als gelöſt zu betrachten. Dabei iſt noch gar nicht in Rechnung gezogen, daß noch immer ganz ungeheure Mengen von Pflanzennährſtoffen der Landwirtſchaft in Form von Latrine, von Küchenabfällen und dergl. fortwährend ver⸗ loren gehen, ſo groß auch die Fortſchritte in dieſer Hinſicht ſind, die wiährend der letzten Jahrzehnte gemacht worden ſind. Trotzdem aber iſt heute von neuem eine Frage aufgetaucht, aber nicht mehr über den Erſatz des Guanos, ſondern nur des jetzt weſent⸗ lichſten Teiles desſelben, des Stickſtoffes. Wenn auch dem Land⸗ wirte große Lager von Stickſtoffdüngern zur Verfügung ſtehen, und wenn auch noch lange nicht alle die ſtickſtoffhaltigen Abfälle des täg⸗ lichen Lebens in dem Maße zur Landwirtſchaft zurückfließen, wie dies möglich wäre, ſo iſt der Stickſtoff doch immer der teuerſte aller Düngeſtoffe. Die ſchon erwähnte Entdeckung von Hellriegel, daß es Pflanzen giebt, die durch Vermittelung von Bakterien den Stickſtoff der Luft zu aſſimilieren vermögen, gewährt der Landwirtſchaft die Möglichkeit, ſchon jetzt an der Zufuhr von Stickſtoffdünger zu ſparen. Ich kenne eine kleinere Landwirtſchaft, in der Jahr für Jahr 200 Centner Rüben pro Morgen, und zwar nur Rüben von höchſtem Zuckergehalte geerntet werden, unter minimalſter Anwendung von Chili⸗ ſalpeter, aber durch Gründüngung mit Wicken unter Beigabe einer kräftigen Düngung mit Superphosphat. Die Gründüngung auf Grund der Hellriegel'ſchen Entdeckung unter kräftiger Beigabe von Phosphor⸗ ſäure, Kali und Kalk iſt die Düngung der Zukunft, ſie iſt imſtande, unſer ganzes Bewirtſchaftungsſyſtem umzuändern, indem ſie uns in der Stickſtofffrage vom Auslande unabhängig macht, ſie iſt in Wahrheit die Löſung der Frage nach dem Erſatz des Guanos. ——— vüſha reien i ſeln de daphaten Gh gne rite und päiſchen zu Jah ke. Ir r Land⸗ en Kal⸗ en, bei iſt di frühere die Nu⸗ ˖immer chaft i nd ver⸗ d, die 4, aber weſen⸗ n Land— en, und des tä⸗ wie die ſte alle daß 6 Sticktf haft di ſparen ähr 200 hüchſtem n Chil⸗ be einer f Grund hosphor⸗ imſtnde nz in det Pahrhet Die Knochen. 153 2. Die Knochen. Die Knochen, das feſte Gerüſte der Wirbeltiere, beſtehen, wie alle Tier⸗ und Pflanzenteile, aus organiſchen und mineraliſchen Beſtand⸗ teilen, aus verbrennlicher Subſtanz und Aſche. Die verbrennliche Sub⸗ ſtanz beſteht, abgeſehen von der Feuchtigkeit, im weſentlichen aus leim⸗ gebendem Gewebe(Knochenknorpel oder Leimſubſtanz) und Fett. Die Knochenaſche haben wir ſchon früher als beſonderes Handels⸗ produkt kennen gelernt, ſie beſteht hauptſächlich aus phosphorſaurem Kalke(Knochenerde). Durch Digerieren der Knochen mit verdünnter Salzſäure, nach ihrer Entfettung, wird die Knochenerde aufgelöſt, der Knorpel bleibt als weiße, elaſtiſche, durchſcheinende Maſſe in der ur⸗ ſprünglichen Form des Knochens zurück In ſeiner Zuſammenſetzung iſt er identiſch mit Leim, wie dieſer beſteht er nach v. Bibra aus 50,1 Proz. Kohlenſtoff, „ 7,1„ Waſſerſtoff, „ 18,4„ Stickſtoff, „ 0,2„ Schwefel, „ 24,2„ Sauerſtoff, 100,0 Proz. In kochendem Waſſer löſt ſich der Knochenknorpel langſam auf, die Auflöſung geſteht beim Erkalten zu einer Gallerte, die nach ihrem Eintrocknen zu hornartigen Tafeln, als Knochenleim in den Handel kommt. Leichter löſt ſich der Knorpel, wenn die Knochen im Papinianiſchen Topfe gekocht werden, deſſen Einrichtung den meiſten Leſern bekannt iſt, da derſelbe jetzt als Wirtſchaftsgerät in jeder größeren Eiſen⸗ handlung billig zu haben iſt; er iſt nichts weiter als ein Digeſtor (ſ. S. 116) im kleinen. Bei genügend andauerndem Kochen kann man auf dieſe Weiſe die Knochen faſt vollkommen von der Knochenſubſtanz befreien, ſo daß die Knochenerde faſt rein in der urſprünglichen Form zurückbleibt. Auch durch Kochen mit ſehr verdünnter Kalilauge wird das leim⸗ gebende Gewebe der Knochen ausgezogen. Das Gewichtsverhältnis zwiſchen organiſcher und unorganiſcher Subſtanz in den Knochen iſt ſehr ſchwankend; nicht nur, daß dieſelben nach ihrer Herſtammung von verſchiedenen Tiergattungen verſchieden ſind, ſie ſind auch bei demſelben Individuum verſchieden, je nachdem ſie feſter oder ſchwammiger ſind. So enthalten nach v. Bibra 100 Teile(abzüglich Waſſer): feſte ſchwammige Menſchenknochen Organiſche Subſtanz... 31,47 35,82 Unorganiſche Stoffe... 68,53 64,18 100,00 100,00 154 Zuſammenſetzung der Knochen. Die unorganiſchen Stoffe beſtehen aus: baſ. phosphorſ. Kalk... 58,23 42,82 kohlenſaurem Kalk.... 8,35 19,37 baſ. phosphorſ. Magneſia 1,03 1,00 löslichen Salzen.... 0,92 0,99 68,53 64,18 Die Phosphorſäure wird in allen Analyſen als zu baſiſchen Phosphaten verbunden aufgeführt; man hat jedoch ſichere Gründe, einen Teil der Phosphate als halbſaure anzunehmen. Beim Verbrennen der Knochen bildet aber der halbſaure phosphorſaure Kalk mit kohlen⸗ ſaurem Kalke baſiſches Phosphat und die Analyſe kann deshalb nur dieſes finden. In den ſchwammigen Knochen beträgt daher die organiſche Sub⸗ ſtanz faſt 4 ½ Prozent mehr als in den feſten; der kohlenſaure Kalk dagegen überwiegt um 11 Prozent, während der phosphorſaure Kalk um 15 ½ Prozent zurücktritt. Einen Vergleich zwiſchen den Knochen verſchiedener Tiergattungen geſtatten folgende Analyſen von Heinz; derſelbe fand in 100 Teilen der Schenkelknochen vom Menſchen Hammel Ochſen Organiſche Subſtanz.. 30,47 26,54 30,58 Aſche....... 69,53 73,46 69,42 100,00 100,00 100,00 Letztere enthielt: baſ. phosphorſ. Kalk. 60,13 62,70 58,30 kohlenſauren Kalk... 6,36 7,00 7,07 baſ. phosphorſ. Magneſia 1,23 1,59 2,09 Fluorcalcium. 1,81 2,17 1,96 69,53 73,46 69,42 Im allgemeinen kann man ſagen, daß Vogelknochen am reichſten an Aſche ſind(75,8— 84,5 Proz.), dann kommen die der Säugetiere (64—73 Proz.), dann die der Amphibien und ſchließlich die der Fiſche mit 21—57 Proz. Dementſprecheud iſt natürlich auch der Stickſtoff⸗ und Phosphor⸗ ſäuregehalt der Knochen verſchieden.. Der Fettgehalt beträgt 10—12 Proz. in der trockenen Subſtanz. In ſeiner klaſſiſchen Arbeit über das Knochenmehl hat Holde⸗ fleiß Analyſen der einzelnen Skelettteile des Pferdes und des Rindes veröffentlicht; die Knochen wurden ſorgfältig rein präpariert, gewogen und unterſucht. Die Analyſen⸗Reſultate ſind in nachſtehenden Tabellen auf Seite 155— 157 und 159— 161 abgedruckt: Unterſuchung des Pferde⸗Skeletts. 155 Pferde⸗Skelett. Gewichte der einzelnen Skelettteile und Gehalt der friſchen ganzen Knochen an Waſſer, Fett u. fettfreier Trockenſubſtanz.*) A. Medialliegende Skelettteile. .Schädel mit Oberkiefer . Unterkiefer .Halswirbel........ .18 Rückenwirbel. a) Wirbelkörper. 0 do 00 O. Bezeichnung der Knochen b) Dornfortſätze derſelben. . 5 Lendenwirbel. a) Wirbelkörper b) Dornfortſätze derſelben .Kreuzbein. .Schwanzwirbel. . Bruſtbein. . Becken. B. Gliedmaßen. a) Vorderbein. 10. 11. 12. 13. 14. 15. Schulterblatt(Scapula). Armbein(Humerus)..... Vorarmbein(Radius) und Ellen⸗ bogenbein(Ulna).... Kniegelenksknochen oder Karpeal⸗ knochen(Ossa carpi)...... Mittelfußknochen oder Schienbein und Griffelbein(Ossa metacarpi).. Feſſel⸗, Kron⸗, Huf⸗ und Seſambeine b) Hinterbein. . Oberſchenkelbein od. Backbein(Femur) . Knieſcheibe......... . Großes und kleines Unterſchenkelbein oder Tibia und Fibula..... . 7 Sprunggelenksknochen(Ossa tarsi) .Hintere Mittelfußknochen oder Schien⸗ bein u. Griffelbein(Ossa metatarsalia) . Feſſel⸗, Kron⸗, Huf⸗ und Seſambeine .Nippen........... 2 .Zähne...... *) Ausgeführt von Dr. Bariſch. 3 85 8 ⁸ Sle l 5.28 SSee S S 28828 8 8 80— 2,S 8858S86 88 2 552* 51 53 3 5 55 i Proz. Proz. Proz. 1564 1564 20,19 12,29 67,52 1110 1110 15,82 14,06 70,12 3540 3540 33,23 13,91 52,86 2074 2074 33,73 14,22 52,05 905 905 26,70 16,05 57,25 775 775 32,23 12,34 55,43 234 234 26,89 15,39 57,72 -— 121,62 17,59 60,79 148 148 20,16 30,47 49,37 890 890 35,68 13,26 51,06 2584 2584 20,58 16,80 62,62 804 1608 19,60 10,98 69,42 1283 2566 14,09 28,06 57,85 1023 2046 11,79 28,97 59,24 197 394 20,84 14,69 64,47 436 872 14,18 12,44 73,38 368 736 21,45 17,93 60,62 1933 3866 17,88 31,57 50,55 139 278 18,21 32,26 49,53 1174 2348 13,00 19,05 67,95 527 1054 16,47 20,78 62,75 589 1178 13,12 15,76 71,12 381 762 21,95 18,13 59,92 2508 5016 26,59 13,65 59,76 678 678 14,09 0,41 85,50 156 Unterſuchung des Pferde⸗Skeletts. Pferde⸗Skelett. — S 9O 1 A R d0 do dg . Schädel mit Oberkiefer .Unterkiefer. . Halswirbel .Rückenwirbelkörper. . Dornfortſätze derſelben . Lendenwirbelkörper . Dornfortſätze derſelben . Kreuzbein. 3 . Schwanzwirbel. . Bruſtbein. „Becken. . Schulterblatt. Bezeichnung der Knochen. Vorderbein: . Armbein..... .Vorarm⸗ und Ellenbogenbein. .Karpealknochen... .Schienbein und Griffelbein. .Sehnen⸗, Feſſel⸗, Kron⸗ und Hufbein Hinterbein: Backbein . Knieſcheibe . Tibia und Fibula. . Sprunggelenkknochen. . Schienbein und Griffelbein. .Sehnen⸗, Feſſel⸗, Kron⸗ und Hufbein . Rippen .Zähne Gehalt an Knochenerde und organiſcher Subſtanz pro 100 Teile pro 100 Teile fettfreier friſcher Trockenſubſtanz Knochenſubſtanz Knochen⸗ organiſche Knochen⸗ organiſche erde Subſtanz erde Subſtanz 66,08 33,92 44,62 22,90 69,70 30,30 48,87 21,25 59,28 40,72 31,34 21,52 55,52 44,48 28,90 23,15 59,63 40,37 34,14 23,11 58,47 41,53 32,41 23,02 57,82 42,18 33,38 24,34 59,53 40,47 36,19 24,60 59,43 40,57 29,34 20,03 48,32 51,68 24,67 26,39 66,66 33,34 41,74 20,88 64,91 35,09 45,06 24,36 67,77 32,23 39,20 18,65 69,05 30,95 40,91 18,33 64,04 35,96 41,29 23,18 70,76 29,24 51,92 21,46 64,76 35,24 39,26 21,36 64,83 35,17 32,77 17,78 61,43 38,57 30,43 19,10 69,90 30,10 47,50 20,45 66,14 33,86 41,50 21,25 67,87 32,13 48,27 22,85 63,78 36,22 38,22 21,70 58,30 41,70 34,84 24,92 77,35 22,65 66,13 19,37 ☛ pro 100 Teile fett⸗ Unterſuchung des Pferde⸗Skeletts. Pferde⸗Skelett. 157 Kalk CaO. 54,68 54,26 53,00 53,40 54,00 53,18 54,00 54,30 53,74 52,30 54,40 53,00 53,38 53,70 53,44 53,42 53,47 54,06 53,52 53,44 53,50 53,16 53,40 53,30 52,15 Magneſia MgO0 .S Gehalt an Stickſtoff Gehalt an Mineralbeſtandteilen in 100 Teilen iſt.. Knochenerde Tih 5 2+S S n 2 S55 2 5 , 45 5 5 5. ⸗ 3 5 25 5. 4 ½&.— 8 mah 5 5 8— S— zubſten 5 2 2 5 G& O S 5,11 345 15,97 37,18 6,61 018 024 A12 4,60 3,23 15,20 38,64 5,95 0,10 0,16 Aa 686 3,38 15,62 38,25 6,52 1,10 30 3315 6,69 3,48 15,044 38,46 7,00 0,22 0,23 B 6,11 3,50 15,14 37,32 6,90 0,58 0,12 9A= 630 3,49 1516 38,37 6,/68 0,37 0,22 5 6,399 3,69 15,16 38,014 6,50 0,15 0,12 2döAl 6,09 3,70 15,05 38,00 6,00 0,25 0,21 An 6,30 3,11 15,53 38,14 6,45 040 022 à¹9h 760 3,88 14,70 38,56 6,32 1,15 0,40 àrd 5,22 3,2;: 15,66 38,07 6,13 0,25 0,18 97 5,27 3,66 15,02 839,20 6,57 0,18 0,12 4,6 2,87 15,36 39,00 6,20 0,20 0,12 165 4,79 2 84 15,50 39,00 6,11 0,15 0,04 bh 5,58 2,60 15,52 38,10 6,50 0,27 0,27 Böi 4,73 3,47 16,18 39,00 6,26 0,14 0,15 11 534 3,24 15,15 38,38 6,76 0,36 0),21 21, — 5,28 2,674 15,02 39,0e! 5,84 0,16 0,21 78 6,03 2,99 15,63 38,28 6,91 045 0,13 9¹0 4,68 3,18 15,55 39,30 6,39 0,17 0,14 M 5,59 351 16,51 38,75 6,46 0,26 0,12 2125 5,03 3,58 15,66 39,13 6,52 0,099 0,10 5,79 3,47 16,00 38,80 6,80 0,20 0,10 1 4 6,9 3,82 15,33 38,44 6,86 0,40 0,23 4 3,16 2,70 14,00 40,82 4,60 0,10 0,14 93 158 Zuſammenſetzung der Knochen. Im Durchſchnitte waren enthalten in 100 Teilen fett⸗ und waſſerfreier Knochenſubſtanz: beim Pferdeſkelett beim Rindsſkelett Proz. Proz. Stickſtoffhaltige organ. Subſtanz 36,19 33,65 Stickſtoff........ 5,56 5,22 Knochenerde..... 63,81 66,35 Phosphorſäure...... 24,56 26,18 Kohlenſäure....... 4, 14 4,03 Schwefelſäure..... 0,17 0,18 Kalk........34,20 34,69 Magneſia..... 06,34 0,66 Man ſieht aus dieſen Analyſen, wie verſchieden die Knochen zu⸗ ſammengeſetzt ſind, ſowohl hinſichtlich ihrer Herſtammung von ver⸗ ſchiedenen Tierarten, als auch von verſchiedenen Körperteilen desſelben Tieres. Die käuflichen Knochen ſchwanken natürlich noch viel mehr, da ſie ſtets mehr oder weniger(Schlächterknochen oft über 30 Proz.) Waſſer, oft auch andere tieriſche Abfälle, Haut, Gedärme und der⸗ gleichen, enthalten. Da eine Analyſe derſelben ſchlechterdings unmöglich iſt, weil man nicht im ſtande iſt, eine auch nur annähernd richtige Durchſchnittsprobe zu nehmen, ſo gehört ein ſicherer Blick und Er⸗ fahrung zum Einkaufe derſelben. Die Düngung mit Knochen iſt ſchon lange bekannt. Sie wurde in England von Hunter, zuerſt im Jahre 1774 empfohlen, doch wandte man ſie ſchon jahrhundertelang vorher in den Weingärten des ſüdlichen Frankreichs mit großem Erfolge an. In Deutſchland dagegen war dies bis vor nicht allzulanger Zeit anders. Trotzdem man in England durch Anwendung der in den Knopf⸗ und Meſſer⸗ fabriken abfallenden Knochendrehſpäne(Sheffield allein liefert nach Meyn’s Angaben 16 000 Ctr. jährlich) enorme Erfolge erzielt, arme Ländereien in wenigen Jahren auf die doppelte und dreifache Produktion gebracht hatte, ſchrieben bei uns Landwirte und Lehrer der Landwirt⸗ ſchaft, ja ſelbſt der auf anderen Gebieten des Ackerbaues bahnbrechende Albrecht Thaer, gegen die Kapitalverſchwendung bei Knochen⸗ düngung und bereiteten ſo den Engländern einen ergiebigen Markt, der ihnen viele Tauſende von Tonnen Knochen alljährlich zu geringen Preiſen lieferte. Was der geſamte Kontinent an dieſen wertvollen Stoffen produzierte, ging nach England, trotzdem dieſes ſelbſt große Quantitäten derſelben beſaß und trotzdem die Transportſpeſen für die⸗ ſelben ſehr bedeutend waren; ſo lieferten die Schlachtfelder der Freiheits⸗ kriege im Jahre 1822 allein 33 000 Tons. e „ Unterſuchung des Rinds⸗Skeletts. 159 Rinds⸗Skelett. Gewichte der einzelnen Skelettteile und Gehalt der friſchen ganzen Knochen an Waſſer, Fett und fettfreier Trockenſubſtanz.*) G t G Gehalt 5. ehe wichte, den wict. Gehalt Gehalt e ützer Bezeichnung der Knochen Klrchtan⸗ leitigen Waſſer an Fett Trocken⸗ ſubſtanz g g Proz. Proz. Proz. 1. Schädel mit Oberkiefer 1017,05 2034,1 b5,91 6,83 87,26 2. Unterkiefer. 629,8 1259,6 11,21 5,98 82,81 3. Halswirbel: erſter. 295,1 2905,4 117, 80 5,75 76,45 . zweiter 309,2 309,2 21,07 5,49 73,44 8 dritter 213,0 213,0 21,61 3,50 74,89 „ vierter 233,75 233,75 19,80 3,21 76,99 fünſter 233,75 233,75 18,55 2,72 78,73 „ ſechſter. 267,75 267,75 21,94 3,92 74,14 ſiebenter. 240,05 240,05 24, 81 3,52 71,67 Sämtliche Halswirbel. 11792,) 20, 73 4,14 75,13 4. Rückenwirbel: erſter 252,65 252,65 18, 52 6,46 80,02 „ dritter. 201,20 201,20 14,64 7,97 77,39 „ ſechſter. 178,35 178,35 15,93 9,18 74,89 „ achter 145,65 145,65 16,01 7,05 76,94 „ neunter 121,45 121,45 16,42 8,07 75,51 „ elfter 121,18 121,18 13,79 7,73 78,48 Sämtliche Rücennſeheler 12/30 21299 17 93 2836 —„ ₰ 5. Lendenwirbel: erſter 316,0 316,0 12,60 16,57 70,83 ifie. 1 237,85 14,00 7,08 78,92 er. 0 201,7 12,87 7,06 80,07 Sämtliche Lendenwirbel*1520,2 13,11 11,18 75,71 6. Kreuzbein.... 400,0 800,0 13,09 17,93 68,93 7. Schwanzwirbel. 213,9 213,9 12,44 27,28 60,28 8. Bruſtbein. 985,7 985,7 17,87 11,85 70,28 9. Pecen derbein 1414,7 2829,4 7,50 21,76 70,67 orderbein: 49 Schulterblatt. 147135 14947 11,48 79,14 . Armbein. 8 235 8,17 33,64 58,19 1 Vorarm⸗ zs Ellenbogenbein 843,1 1686,2 7,71 24,06 68,23 3. Karpealknochen.. 105,6 301,2 13,31 17,76 68, 93 14. Schienbein und Griffelbein. 360,35 720,7 13,33 17,91 68, 76 15. Feſſel⸗, ron. Huf.„Sehnenbein 297,65 595,3 14,51 21,07 64, 42 Hinterbein: 16. Backbein.... 1684,2 3368,4 8,51 28,82 62,67 i biisie, wn..:: u ses 2hs 3 St dies 19. Ti enai iale. 479,, 958,6 19,23 15,63 65,14 20. Schienbein⸗ und Griffelbein.. 414,25 828,5 8,85 13,44 77, 71 21. Feſſel⸗, Kron⸗, Huf⸗,Sehnenbein 282,15 564,3 12,36 16,37 71, 27 22. Rippen: erſte wahre Rippe 130,4 260,8 12,90 1,97 85,13 „ dritte o 3 105,55 211,1 13,12 1,97 84,19 „ ſechſte„ 4 196,05 392,1 11,54 4,53 83,93 „ achte„ 243,0 486,0 11,87 5,90 82,23 „ erſte falſche„ 255,15 510,3 12,12 6,91 80,97 „ dritte„„ 255,80 451,6 11,90 iS,93 78,07 fünfte„, 143, 286,0 15,14 6,32 78,54 Sämtliche Rippen 4731,9 12,44 5,94 81,62 23. Zähne 230,⸗ 230,8 7,27 0,17 92,56 —) Ausgeführt von Dr. Storch. Rinds⸗Skelett. 160 Unterſuchung des Rinds⸗Skeletts. Bezeichnung der Knochen Gehalt an Knochenerde und organiſcher Subſtanz pro 100 Teile fettfreier pro 100 Teile friſcher . Schädel mit Oberllejer Unterkiefer. . Halswirbel, erſter „ zweiter. „ dritter „ vierter „ fünfter. . ſechſter. ſiebenter Sämtliche Halswirbel 4. Rückenwirbel, erſter. „ dritter 3 ſechſter „ achter. „ neunter „ elfter.. dreizehnter. Sämtliche Rückenwirbel 5. Lendenwirbel, erſter. „ vierter ſechſter. Sämtliche Lenen wirbel 6. Kreuzbein. 7. Schwanzwirbel 8. Bruſtbein 9 . Becken.. — Vorderbein: 10. Schulterblatt. Armbein.. 12. Vorarm⸗ und Ellenbogenbein 13. Karpealknochen. 3 14. Schienbein und Griffelbein.. 15. Feſſel⸗, Kron⸗, Huf⸗ u. Sehnenbein Hinterb ein: Backbein... .Knieſcheibe. . Tibia und Fibula Sprunggelenkknochen.. . Schienbein und Griffelbein. . Feſſel⸗, Kron⸗, Huf⸗ u. Sehnenbein . Rippen, eie wahre Rippe c0 ddN „ dritte„„ 3 ſechſte„. „ achte„ „ erſte falſche Ripe „ dritte„ fünfte„. Sämtliche Rippen Zähne.. Trockenſubſtanz Knochenſubſtanz Knochen⸗ ianiſae Knochen⸗ organiſche erde Sulſtanz. erde ubſtanz 68,13 31,87 59,45 4* 27,81 70,66 29,34 58,51 124,30 64,72 35,28 49,48 26,97 64,37 35,63 47,27 26,17 65,35 34,65 48,94 25,95 64,74 35,26 49,84 27,15 65,76 34,24 51,77 26,96 64,51 35,49 47,83 26,31 65,08 34,92 46,64 25,03 64,93 35,07 48,82 26,35 63,76 36,24 51,02 29,01 63,56 36,44 49,19 28,20 63,55 36,45 47,59 27,30 63,21 36,79 48,63 28,31 62,77 37,23 47,40 28,11 64,62 35,38 50,71 27,77 64,67 35,33 51,67 28,23 63,73 36,27 49,71 28,32 63,86 36,14 45,23 25,60 63,99 36,01 50,50 28,42 63,47 36,53 50,82 29,25 63,77 36,23 48,28 27,43 63,38 36,62 43,69 25,24 60,47 39,53 36,45 23,83 52,68 47,32 37,02 33,26 66,11 33,89 46,72 23,95 66,22 33,78 52,41 26,73 65,11 34,89 37,89 20,30 67,01 32,99 45,72 22,51 67,62 32,38 46,61 22,32 69,53 30,47 47,81 20,95 66,69 33,31 42,96 21,46 68,65 31,35 43,02 19,65 67,28 32,72 45,31 22,04 68,44 31,56 43,30 19,97 68,48 31,52 44,61 20,53 70,90 29,10 55,10 22,61 67,71 32,29 48,26 23,01 64,85 35,15 55,21 29,92 66,08 33,95 56,08 28,83 64,53 35,47 54,16 29,77 65,90 34,10 54,19 28,04 65,00 35,00 52,63 28,34 64,83 35,17 50,61 27,46 65,04 34,96 51,08 27,46 64,84 35,16 53,12 28,50 82,91 17,09 76,74 15,82 „ =— 2 —= S= S= —== 3 +-— er Srn ⏑☛ᷣ ᷣ— Sr Sr———— S r — .—————= r n —— Sulſtan fricer ſen tganſte uiſaad Unterſuchung des Rinds⸗Skeletts. Rinds⸗Skelett. 161 Gehalt an Mineralbeſtandteilen in 100 Teilen Knochenerde Gehalt an Stickſtoff. pro 100 Teileſpro 100 Teile pro 100 Teile Phosphor⸗ fentiejer iriicher anſſſihe., iue Subſtanz Knochen Gudſtang PzOs 1. 5,58 4,87 17,51 39,61 2. 4,75 3,93 16,17 40,06 3. 5,76 4,40 16,31 39,79 5,81 4,27 16,32 40,11 6,14 4,60 17,72 39,29 5,55 4,27 15,73 39,00 5,66 4,46 16,54 39,52 5,71 4,23 16,08 42,13 5,85 4,19 16,74 38,59 5,79 4,35 16,51 39,78 4. 5,24 4,35 15,00 39,86 5,07 3,92 13,90 39,72 5,11 3,83 14,03 39,61 5,42 4,17 14,73 39,36 5,99 4,07 14,48 39,77 5,59 4,39 15,81 39,38 5,16 4,12 14,59 39,07 5,26 4,12 14,55 39,54 5. 5,01 3,55 13,87 39,60 5,20 4,10 14,43 839,60 5,38 4,31 14,74 39,84 5,19 3,93 14,33 39,68 6. 5,11 3,52 13,95 39,57 7. 5,52 3,33 13,97 39,78 8. 6,59 4,62 13,90 38,33 9. 4,95 3,50 14,61 89,53 10. 5,37 4,25 15,90 39,42 11. 4,85 2,82 13,90 40,83 12. 4,65 3,17 14,08 38,93 13. 5,50 3,79 16,98 38,92 14. 4,93 3,39 16,18 39,21 15. 5,06 3,26 15,19 38,64 16. 4,96 93,11 15,83 40,07 17. 5,95 4,03 18,28 38,56 18. 5,15 3,26 16,32 39,61 19. 5,45 3,55 17,29 39,23 20. 4,72 3,67 16,23 39,47 21. 5,60 3,99 17,34 88,69 22. 5,80 4,94 16,51 39,39 5,82 4,90 17,00 39,19 5,46 4,58 15,38 40,16 5,38 4,42 15,76 38,92 5,52 4,47 15,77 39,34 5,57 4,35 15,84 39,16 5,26 4,13 15,04 38,57 5,51 4,50 15,79 39,25 23. 2,41 2,23 14,10 41,18 Rümpler, Düngeſtoffe. 4. Auflage. 11 ⸗ wefel⸗ Mag⸗ 8 len Sahweſe Kalk deaſca 6,14 0,20 52,13 1.03 6,14 0,10 52,30 0,89 5,94 0,18 51,68 0,93 6,33 0,36 51,22 1,10 7,01 0,27 50,43 1,14 6,06 0,20 52,83 1,06 6,76 0,14 51,57 0,71 5,96 0,25 50,80 0,98 6,82 0,21 52,23 0,64 6,41 0,23 51,54 0,94 5,40 0,27 52,29 0,98 5,88 0,24 52,47 1,00 5,59 0,55 53,20 0,86 6,77 0,35 51,61 1,01 6,46 0,25 52,19 0,82 5,84 0,34 52,97 1,18 6,12 0,17 51,64 1,10 6,01 0,31 52,34 1,00 5,33 0,22 52,60 0,80 5,94 0,28 52,69 0,71 5,86 0,22 52,38 0,98 5,71 0,24 52,56 0,83 5,15 0,34 53,19 1,10 5 24 0,44 52,48 1,32 6,19 0,86 51,40 1,24 6,46 0,17 52,03 1,31 6,07 0,19 52,83 1,14 5,38 0,16 52,60 1,08 6,26 0,20 53,11 0,90 6,97 0,32 51,32 0,69 6,15 0,13 52,54 0,92 6,03 0,16 53,40 1,12 4,95 0,23 53,44 1,09 7,88 0,20 51,31 1,04 5,50 0,18 53,03 0,99 6,39 0,13 53,04 0,78 6,0 0,22 51,42 1,19 5,41 0,31 53,28 1,18 6,26 0,39 52,17 1,22 5,65 0,25 52,39 0,91 6,06 0,17 51,07 0,98 6,48 0,22 52,59 0,61 6,00 0,21 53,75 0,70 5,87 0,43 51,93 1,40 6,09 0,27 52,62 1,04 6,06 0,28 52,36 0,98 4,29 0,15 51,45 0,13 162 Zerkleinerung der Knochen. Jetzt allerdings hat ſich das vollſtändig geändert und zwar in⸗ folge der Einführung des Peru⸗Guanos, der ja bei uns allen kon⸗ zentrierten Düngern den Weg bahnen mußte. Jetzt findet man wohl kaum einen Landwirt, der, ſelbſt wenn er alle anderen künſtlichen Düngemittel mit Geringſchätzung betrachtet, den Knochendüngern die Achtung verſagte, die ihnen gebührt. Die rohen, unzerkleinerten Knochen jedoch ſind als Dünger voll⸗ ſtändig wertlos, da ſie ſich, worauf ja bei jeder Düngerwirkung alles ankommt, im Boden nicht auflöſen. Man kann auf Kirchhöfen täglich beobachten, daß ſelbſt Knochen, die 15— 20 Jahre in der Erde gelegen haben, in ihrer äußeren Be⸗ ſchaffenheit kaum etwas verändert ſind, ſie ſind noch eben ſo feſt und zähe, wie die friſchen Knochen. Wenn auch ein Teil der Knorpel⸗ ſubſtanz ſich zerſetzt hat, ſo iſt doch der phosphorſaure Kalk faſt voll⸗ ſtändig ungelöſt geblieben. Der Landwirt aber braucht eine raſche Zerſetzung der ſtickſtoff⸗ haltigen Subſtanz und zugleich eine möglichſt vollkommene Auf⸗ löſung der Knochenerde, um genügende Erfolge zu erzielen. Man iſt daher genötigt, die Knochen auf irgend eine Weiſe zu präparieren, und das geſchieht, indem man ſie in den Düngerfabriken in ein möglichſt feines Mehl oder auch in Knochenſuperphosphat(auf⸗ geſchloſſenes Knochenmehl) verwandelt. Jede Anwendung derſelben in anderer Form iſt unter allen Umſtänden Verſchwendung. Selbſt feine Knochenſplitter, die dem Landwirte als Drehſpähne oder dergl. oft billig zur Verfügung ſtehen, ſollten ſtets erſt verarbeitet werden. Da die Knochen, ihrer großen Zähigkeit und Feſtigkeit wegen, mechaniſchen und chemiſchen Einflüſſen einen bedeutenden Widerſtand entgegenſetzen, ſodaß ſie nicht ohne weiteres zu Mehl vermahlen oder in Superphosphat verwandelt werden können, und da ſie im Handel mit Verunreinigungen behaftet vorkommen, die bei ihrer ſpäteren Ver⸗ arbeitung ſtörend wirken, ſo werden ſie ſtets gewiſſen vorbereitenden Arbeiten unterworfen. Die erſte dieſer Arbeiten iſt das Ausleſen und Sortieren. Man entfernt dabei, durch Handarbeit, möglichſt alle Eiſenſtücke und Steine, die ſich zwiſchen den Knochen ſtets finden und welche die Maſchinen beſchädigen würden. Außerdem ſucht man alle Schädel und was ſich ſonſt an ſperrigen Knochen vorfindet, aus. Finden ſich Pferdeknochen, Pferdefüße, Ochſenfüße oder Hammelbeine in größeren Mengen zwiſchen denſelben, ſo ſortiert man auch dieſe aus und verarbeitet jede dieſer Arten für ſich. Die größeren Knochen und Schädel werden dann zerhauen oder man läßt, wenn man einen Knochenbrecher zur Verfügung hat, ſämt⸗ liche Knochen durch dieſen gehen. Der Knochenbrecher(Fig. 10 und 11) beſteht im weſentlichen aus zwei gezahnten Walzen, zwiſchen denen die Knochen in etwa nußgroße ——, dſſßß——=—==——ℳ— 2————— oriken ſauf⸗ in in feine oſt egen, ſtand oder ndel Ver⸗ nden rel. und . Knochenbrecher. 163 Stücken zerbrochen werden. Die ganze Konſtruktion der Maſchine er⸗ kennt man ſehr gut aus Fig. 11, die Anordnung der Zähne an den Walzen aus Fig. 10. Von den beiden Brechwalzen liegt die eine feſt, wäh⸗ rend die andere, in beweglichen Lagern ruhend, horizontal verſchieb⸗ bar iſt. Dieſe beweglichen Lager 2 8 17 2 5 —— 1 J IIEIEIEINIRIH’RINIRIRIRImIRInInirirInIEIEIIi- DULLLI ſind an ihrer Rückſeite mit Bolzen* verſehen, auf welche die Daumen von Winkelhebeln drücken, deren längere Schenkel durch Kontregewichte be⸗ laſtet ſind. Der Betrieb der ganzen Maſchine geſchieht durch eine, mit Lehrſcheibe verſehene Riemenſcheibe, von der die Bewegung durch Zahn⸗ räder auf die feſtliegende Walze und von dieſer, wiederum durch Zahnräder, auf die bewegliche übertragen wird. Fig. 10. Die Walzen ſind demnach für ge⸗ J ——— Fig. 11. wöhnlich dicht aneinander gepreßt, gerät jedoch ein ſtarkes und ſehr hartes Knochenſtück zwiſchen dieſelben, ſo weicht die eine derſelben zurück. Ueber dem Walzenpaare befindet ſich ein Rumpf zum Ein⸗ werfen der Knochen. Die Zerkleinerung der Knochen durch Zerhauen mit der Axt oder im Knochenbrecher iſt für die folgende Operation der Fettgewinnung 11* 164 Dämpfen der Knochen.. ſehr weſentlich. da dadurch die inneren, beſonders fettreichen Teile der⸗ ſelben bloßgelegt werden. Da das Fett die ganze Maſſe der Knochen innig durchdringt, alſo gleichſam jedes einzelne Partikelchen derſelben umhüllt und vor der Einwirkung der Luft und des Waſſers ſchützt, ſo erſchwert es die Selbſtzerſetzung der Knorpelſubſtanz in hohem Grade; es wirkt daher landwirtſchaftlich geradezu ſchädlich, und der Fabrikant, der dasſelbe möglichſt vollſtändig extrahiert, verbeſſert daher ſeinen Dünger, abge⸗ ſehen von dem großen Vorteile, den er dadurch für ſich ſelbſt erzielt, weil das Knochenfett den 4 bis 5 fachen Wert der rohen Knochen hat. Die Gewinnung des Knochenfettes geſchieht nach drei verſchiedenen Methoden, die auch in ihren Leiſtungen ſehr verſchieden ſind, nämlich durch Auskochen, durch Dämpfen oder durch Extraktion. Das Auskochen geſchieht am einfachſten in einem eiſernen Keſſel, der etwa 25 Ctr. Knochen auf einmal faßt(Figur 12). Um das Anbrennen der Knochen zu vermeiden, bringt man ungefähr 30 cm über dem Boden desſelben ein durchlöchertes Blech(a) an, und konſtruiert die Feuerzüge(b, b, b) ſo, daß die Flamme nur den unterſten Teil des Keſſels berührt. XN h 2, u, ʒ, ʒʒʒ u Sʒ, ſhſh S 2 j,, 2 Shhhhſh S, h 22 57 3 Ü S u 5 2, S h, ʒʒʒ 5 Gʒʒʒ, S, 5 H S ʒʒ,, Saut, ʒʒʒ,, G,, D, ddKKR⸗⸗zze. W Fig. 12. Man übergießt die Knochen mit Waſſer, ſodaß letzteres ungefähr 10 cm über denſelben ſteht und hält dasſelbe 1—2 Stunden im Sieden, wobei man das verdampfende Waſſer immer wieder erſetzt, entfernt dann das Feuer und läßt eine reichliche Stunde ſtehen. Es — 88-—-——.——————„——— ͤ————j le der dringt d vor es di daher asſelbe abge⸗ erziell n hat. drei bieden durch iſernen . Uu ähr 30 1, und tterſte ngefät den in en. E. Knochenfett. 165 hat ſich dann das Fett in einer ſtarken Schicht auf der Oberfläche der Brühe abgeſchieden, welches abgeſchöpft und zur Reinigung beiſeite geſtellt wird. Bei einem zweiten Aufkochen in derſelben Brühe ſcheidet ſich noch eine geringe Menge Fett ab. Hat man, wie das ja in allen Fabriken der Fall ſein muß, welche die Knochen nicht ausſchließlich zur Fettgewinnung benutzen, um ſie dann in ausgekochtem Zuſtande zu verkaufen, ſondern die ſie noch weiter verarbeiten, Dampf zur Verfügung, ſo thut man beſſer, dieſen zum Auskochen zu verwenden. Selbſt mit dem Siebboden kann man nämlich ein Anbrennen nicht vermeiden, da die zerkleinerten Knochen ſtets Splitter enthalten, die ſchließlich doch auf den Boden des Keſſels gelangen. Man kocht dann die Knochen in Holzbottichen, denen man dieſelbe Einrichtung wie den Blutkochbottichen(ſ. Fig. 6) geben kann. Für die möglichſt reichliche Gewinnung von Fett iſt es ſehr vor⸗ teilhaft, das Waſſer etwas anzuſäuren, man ſetzt etwa 2 Liter roher Salzſäure auf oben angegebene Menge Knochen zu. Die käuflichen Knochen ſind nämlich immer in gewiſſem Grade zerſetzt, es ſind ſtets geringe Mengen kohlenſauren und Schwefel⸗Ammo⸗ niums in denſelben vorhanden. Dieſe Körper bilden aber, ebenſo wie Soda und Pottaſche, mit den Fetten lockere, ſeifenartige Verbindungen, ſogenannte Emulſionen, aus denen man durch Kochen das Fett nur ſehr unvollkommen ausſcheiden kann. Es iſt eine alte Erfahrung aller Knochenkocher, daß durch längeres Liegen der friſchen, naſſen Knochen der Fettgehalt derſelben abnimmt; dieſelben behaupten dann gewöhnlich, das Fett habe ſich verflüchtigt oder ſei verfault. Selbſtverſtändlich iſt dieſe Anſicht eine irrige, denn gerade Fette werden durch Fäulnis ſehr ſchwer zerſtört. Wenn dieſelben auch ranzig werden, ſo iſt doch das ranzigſte Fett höchſtens aus einem neutralen in ein ſaueres um⸗ gewandelt worden. Die Urſache für das Verſchwinden des Knochenfettes liegt eben in der Bildung einer Emulſion, unter Umſtänden auch einer wirklichen Seife, dieſe aber kann man durch Säure leicht zerſetzen. Eine bedeutend geringere Fettausbeute, als die theoretiſche, kann man auch noch aus einem anderen Grunde erhalten: Kocht man nämlich eine Leimlöſung anhaltend, d. i. mehrere Stunden, mit etwas Fett, ſo verſchwindet letzteres meiſt vollſtändig; die Leimlöſung zeigt dann eine Haut, ähnlich der Kaſeinhaut auf gekochter Milch. Beim ruhigen Stehen der Miſchung ſcheidet ſich das Fett nicht wieder ab. Wenn hierbei auch vielleicht keine wirkliche Verbindung zwiſchen den beiden Stoffen ſtattfindet, ſo ſcheint ſich doch ebenfalls eine Art Emulſion zu bilden. Nun bildet ſich aber beim Kochen der Knochen Leim, indem ſich wenigſtens die oberſte Schicht des Knorpels auflöſt, es würde alſo auch 166 Dämpfen der Knochen. auf dieſe Weiſe ein gewiſſes Quantum des Fettes verloren gehen, wenn nicht die Salzſäure auch dieſe Emulſion zerſetzte. Da übrigens die Salzſäure das Eiſen angreift, ſo iſt es ſchon aus dieſem Grunde ratſam, die oben erwähnten Holzbottiche, anſtatt eiſerner Kochkeſſel, anzuwenden. Bei großem Betriebe iſt es vorteilhaft, dieſelbe Brühe mehrere Male zum Auskochen von Knochen zu verwenden, man erſpart dann beim zweiten und dritten Kochen, weil die Brühe ſchon kochend iſt, die Menge von Dampf, die zum Erhitzen derſelben bis zum Kochpunkte nötig iſt. Die bequemſte Einrichtung für dieſen Zweck iſt dann folgende: Man bringt über dem Kochbottiche einen kleinen drehbaren Krahn an, füllt die Knochen in einen aus Bandeiſen genieteten Korb und hebt dieſen in den Bottich. Nachdem das Fett ausgekocht und abgeſchöpft iſt, hebt man denſelben wieder heraus, entleert ihn, füllt ihn mit friſchem Material, hebt ihn wieder in die noch heiße Brühe ꝛc. Die Knochenbrühe, die etwas Leim, alſo Stickſtoff, und bei Zuſatz von Salzſäure auch etwas Phosphorſäure gelöſt enthält, kann, wo es die Lage der Fabrik erlaubt, wie Miſtjauche zur Düngung verwandt werden. Hat man ohne Säure ausgekocht, ſo kann ſie auch als Schweine⸗ futter dienen. Die zweite gebräuchliche Methode der Fettextraktion aus Knochen iſt die des Dämpfens. Den dazu nötigen Apparat, den Digeſtor und die Art ſeiner Verwendung, haben wir ſchon bei Gelegenheit der Ver⸗ arbeitung von Horn beſchrieben(ſ. Fig. 7). Beim Dämpfen wird das Fett aus den Knochen ausgeſchmolzen, gleichzeitig löſt ſich aber auch ein Teil des Knorpels zu Leim auf. Nachdem man den Dampf genügend lange auf die Knochen hat einwirken laſſen(ſ. ſpäter unter Knochenmehl), ſperrt man ihn ab, läßt kurze Zeit ſtehen, damit ſich Fett und Leimbrühe voneinander ſcheiden können, zapft die Flüſſigkeiten durch den Ablaßhahn ab, indem man ſie von vornherein möglichſt zu trennen ſucht, und verarbeitet jede für ſich weiter. Es wurde ſchon oben erwähnt, daß die Fettausbeute beim Dämpfen geringer iſt, als beim Auskochen; während naſſe Knochen aus Schläch⸗ tereien(Hammel⸗ und Rindsknochen) nach letzterer Methode etwas über 4 Proz. ergeben, erhält man aus derſelben Sorte durch Dämpfen nur 3,4— 3,6 Proz. Der Grund für das Verſchwinden des Fettes liegt nach meinen Erfahrungen in der Bildung der oben erwähnten Fett⸗ Leimverbindung; dieſelbe muß bei der höheren Temperatur, die im Digeſtor herrſcht, in viel reicherem Maße entſtehen, als dies im Koch⸗ keſſel der Fall iſt. Dämpft man mit ſehr hohem Dampfdruck und andauernd, ſo iſt ſogar die Möglichkeit der Bildung einer Kalkſeife aus dem kohlenſauren Kalke der Knochen und dem Fette gegeben. Je ——̃—.—-—O,— 2————— ———,— — — zaandt Knochenfett. 167 ſtärker man dämpft, deſto geringer iſt daher auch die Ausbeute an letzterem. Man hat in dieſen Verhältniſſen wohl auch den Grund dafür zu ſuchen, daß man weder durch Kochen noch durch Dämpfen die Geſamtmenge des Fettes(vergl. die Holdefleiß'ſchen Tabellen) ge⸗ winnen kann. Das durch Auskochen oder Dämpfen erhaltene Fett iſt ſtets ſchmutzig und übelriechend, es muß daher einer beſonderen Reinigung (Klären) unterworfen werden. Man kocht es zu dem Zweck in einem kleineren Keſſel oder in einem kleinen Bottiche, die man irgendwie praktiſch einrichtet, mit Waſſer. Iſt das ungeklärte Fett an und für ſich verhältnismäßig rein, d. h. iſt es nicht durch Dämpfen, ſondern durch Auskochen unter Säure⸗ zuſatz gewonnen, ſo genügt zum Klären reines Waſſer, im anderen Falle iſt man meiſt genötigt, auch hier Salzſäure zuzuſetzen und nötigen⸗ falls das Kochen mit Waſſer und Säure öfters zu wiederholen. Die Gewinnung des Knochenfettes durch Ausziehen der Knochen vermittelſt Schwefelkohlenſtoffs, Benzin oder dergl.(die Extraktion) führt ſich ſeit einigen Jahren mehr und mehr in die Induſtrie ein, ſodaß jetzt in Deutſchland nur noch kleinere Fabriken nach den vorher beſchriebenen Verfahrungsweiſen arbeiten. Dieſe von Büttner ausge⸗ bildete Methode liefert reineres und mehr Fett und eine reinere, beſſer verwertbare Leimbrühe. Die Knochen werden in einen Digeſtor gefüllt, der ſich von dem Fig. 7 beſchriebenen dadurch unterſcheidet, daß er einen doppelten Mantel hat, in deſſen Zwiſchenraum Dampf eingeleitet werden kann. Der innere Raum ſteht mit einem Exhauſtor in Ver⸗ bindung, der einen ſtarken Luftſtrom durch die feuchten, erwärmten Knochen ſaugt und dieſe dadurch trocknet. Iſt die aus dem Exhauſtor ausſtrömende Luft nicht mehr naß, ſo zieht man anſtatt atmoſphäriſcher Luft Benzin ein, welches den Knochen das Fett entzieht. Aus der Fettlöſung wird in einem beſonderen Teile des Apparates das Löſungs⸗ mittel abdeſtilliert und wiedergewonnen, das Fett bleibt dabei zurück. Durch Einlaſſen von Dampf in den Digeſtor wird noch das in den Knochen zurückgehaltene Benzin und zugleich eine verhältnismäßig reine Leimbrühe gewonnen, die zu Knochenleim eingekocht wird. Die ge⸗ dämpften Knochen werden ebenſo weiter verarbeitet, wie die nach alter Methode behandelten. Die Entfettung der Knochen mit Benzin bietet gegenüber den alten Methoden den für den Landwirt und den Fabrikanten großen Vorteil, daß man bei ſorgfältiger Arbeit den Fettgehalt der Knochen bis auf 1— 2% reduzieren kann, alſo einen leicht zerſetzlichen Dünger erhält, und daß man es in der Hand hat, die in den Knochen ent⸗ haltene Leimſubſtanz durch ſtärkeres oder ſchwächeres Dämpfen je nach Bedarf mehr oder weniger auszuziehen, alſo entweder viel Leim und ſtark entleimtes Knochenmehl oder wenig Leim und faſt unentleimtes 168 Knochenmehl. Mehl zu produzieren. Wie ſich das entleimte und das unentleimte Knochenmehl landwirtſchaftlich verhalten, werden wir in einem ſpäteren Abſchnitte ſehen. Das gewöhnliche Knochenfett iſt, gereinigt, von hellgelber Farbe und nicht unangenehmem Geruche. Bei gewöhnlicher Temperatur iſt es weich und geſchmeidig und wird nicht leicht ranzig. Obgleich es, wie alle Fette, im Waſſer unlöslich iſt, enthält es doch, ſelbſt bei der ſorgfältigſten Scheidung im Klärkeſſel, geringe Mengen, etwa 2 Proz., Feuchtigkeit, die auch bei Kochhitze ſich nicht verflüchtigen. Wird ein vollkommen waſſerfreies Fett verlangt, ſo iſt man genötigt, dasſelbe, nachdem es gereinigt iſt, nochmals für ſich auf ungefähr 150 C. zu erhitzen und es einige Zeit bei dieſer Temperatur zu erhalten. Für gewöhnlich geſchieht dies aber nicht, da es auch in ſchwach waſſer⸗ haltigem Zuſtande eine geſuchte Ware iſt. Wir haben ſchon erwähnt, daß aus den unſortierten Knochen die Pferdefüße und ⸗knochen und die Ochſenfüße auszuſuchen ſeien, und zwar geſchieht dies, weil die aus dieſen gewonnenen Fette anderer Art und teurer ſind, wie das gewöhnliche Knochenfett. Das Ochſenpfotenfett, auch Klauenfett genannt, iſt bei gewöhnlicher Temperatur flüſſig. Nachdem es geklärt iſt, ſetzt ſich aus demſelben ein graues, ſchmieriges Fett ab, von dem das darüber ſtehende, faſt farbloſe Ol abgezogen werden kann. Letzteres wird zu den feinſten Maſchinenölen(Uhrmacheröl) verarbeitet und iſt daher ſehr wertvoll. Dem Ochſenpfotenfett ähnlich, doch dunkler gefärbt, iſt das Fett aus Pferdeknochen, das ſogen. Kammfett, welches eine ähnliche Ver⸗ wendung findet. Die Darſtellung des Knochenmehles. Das Dämpfen der Knochen dient nicht nur zum Zwecke der Fett⸗ gewinnung, man will durch dasſelbe auch die zähe Beſchaffenheit der⸗ ſelben aufheben. In den Knochen iſt die gegenſeitige Durchdringung der unorganiſchen und der organiſchen Beſtandteile eine ſo innige, daß man früher glaubte, eine chemiſche Verbindung zwiſchen denſelben annehmen zu müſſen, bis durch die Arbeiten von Maly und Donath die Unhaltharkeit dieſer Anſicht endgiltig entſchieden wurde. Dieſe innige Verbindung der Be⸗ ſtandteile der Knochen untereinander iſt die Urſache einerſeits ihrer großen Feſtigkeit, andererſeits ihrer Elaſtizität. Durch eine chemiſche Veränderung der Knorpelſubſtanz, was zugleich eine Zerſtörung der Zellenbildungen derſelben zur Folge haben muß, wird dieſer Zuſammenhang gelockert. Eine ſolche chemiſche Veränderung geht beim Dämpfen der Knochen vor ſich, da, wie wir von früher her wiſſen, der Knorpel ſich durch die heißen Waſſerdämpfe in Leim verwandelt. Der gebildete Leim durch⸗ ſett⸗ der⸗ ſchen übte, bis ſieſer Darſtellung des Knochenmehles. 169 dringt nun allerdings, ſoweit er ſich nicht im Kondenſationswaſſer auf⸗ löſt, noch innig die ganze Maſſe der Knochenerde, ohne jedoch die ein⸗ zelnen Teilchen zu einer zähen Maſſe zu vereinigen. Die gedämpften Knochen ſind daher mürbe und zerbrechlich, be⸗ ſonders ſo lange ſie noch warm ſind. Nach dem Erkalten ſind ſie etwas härter, weil dann der vorher flüſſige Leim zu Gallerte erſtarrt iſt. Noch härter, aber immer noch zerreiblich, ſind ſie nach dem Trocknen; getrockneter Leim iſt bekanntlich feſt und zähe. Nach Krockers Unterſuchungen wird auch die Knochenerde durch das Dämpfen etwas verändert, wenn auch dieſe Veränderung wenig Einfluß auf die Feſtigkeit der Knochen hat. Es bildet ſich nämlich bei nicht zu hohem Dampfdruck aus der geringen Menge von halbſaurem Kalkphosphat, welche ſich in den Knochen vorfindet, ſaures und baſiſches Phosphat. Die Menge des erſteren beträgt in ſolchen Knochen noch nicht 16 Proz.(in der getrockneten Subſtanz). Bei höherem Dampf⸗ druck als 1½ Atmoſphären wirkt jedoch der ſaure phosphorſaure Kalk auf den kohlenſauren ein, es bildet ſich baſiſches Phosphat. Die Dauer des Dämpfens und die anzuwendende Dampf⸗ ſpannung ſind verſchieden, je nachdem man beabſichtigt, die Knochen vollſtändig oder nur teilweiſe in Mehl zu verwandeln, oder je nach⸗ dem man viel oder wenig Leim gewinnen will. Im erſteren Falle dämpft man ſtark(mit 1 ½ bis 2 ½ Atmo⸗ ſphären Druck) und wenigſtens zwei Stunden lang. Die Knorpel⸗ ſubſtanz iſt dann faſt vollſtändig umgewandelt, die Knochen ſind gar gedämpft, was man daran erkennt, daß ſelbſt die ſtärkſten derſelben beim Aufſchlagen zerbrechen. Da ſich hierbei ein großer Teil des ge⸗ bildeten Leimes im Dampfwaſſer zu einer ſtarken Brühe auflöſt, ſo iſt letztere verarbeitungswürdig. Man läßt ſie nach Beendigung des Dämpfens ab und bringt ſie in eine hölzerne Klärkufe, wo ſich in etwa zwei Stunden der Schmutz abſetzt. Die geklärte Leimbrühe wird in Holzbottichen, auf deren Boden ſich eine auf kleinen Holzklötzen ruhende Dampfſchlange von Kupfer oder Blei befindet, auf ungefähr 17⁰0 Baumé(1,13 ſpez. G.) eingekocht. Der Leim iſt dann fertig und wird in Fäſſer abgelaſſen, in denen er zu einer ſchwarzbraunen, kautſchukähnlichen Maſſe erſtarrt, die in der Wollenweberei und zu Buchdruckerwalzen Verwendung findet. Dieſe Art von Knochenleim(ſog. Knochengallerte) kann nicht zu gutem Tafelleim verarbeitet werden, da ſie zum Teil zerſetzt iſt. Kocht man nämlich eine wäſſerige Löſung von Leim anhaltend, oder erhitzt man ſie, wie im Digeſtor, einige Zeit über den Kochpunkt des Waſſers, ſo verliert ſie die Eigenſchaft, nach dem Erkalten zu einer Gallerte zu geſtehen. Der Leim hat ſich dann in eine andere Verbindung ver⸗ wandelt, deren Zuſammenſetzung zwar noch dieſelbe iſt, deren Eigen⸗ ſchaften aber in vielen Punkten von denen des Leimes abweichen. 170.. Knochenleim. Dieſer veränderte Leim iſt die Urſache der geringen Qualität des obigen Faßleimes. Man kann die Bildung desſelben in etwas ver⸗ meiden, indem man die Brühe möglichſt raſch der Einwirkung des Dampfes entzieht, d. h. indem man ſie in nicht zu langen Zwiſchen⸗ räumen während des Dämpfens abläßt; der eingekochte Leim iſt dann etwas heller und elaſtiſcher. Hammelbeine liefern einen ſehr guten Faßleim, der durchſchnittlich um 50 Proz. höher bezahlt wird als der vorige, wenn man ſie richtig behandelt. Dieſelben werden zunächſt gewaſchen, da ſie in der Wolle außer⸗ ordentlich viel Schmutz enthalten, der den Leim verſchlechtern würde. Man nimmt dieſe Operation am beſten in einer Waſchmaſchine vor, wie ſie die Zuckerfabriken zum Waſchen der Rüben gebrauchen. Das Dämpfen derſelben muß bei ſehr niedrigem Drucke geſchehen (bei nicht über ½ Atmoſphäre), weil ſich bei höherem Drucke die Wolle(ſ. Horn) zu Hornbrühe auflöſt, die den Leim unter Umſtänden vollſtändig unbrauchbar macht. Die Ausbeute an Leim iſt je nach dem Waſſergehalte und nach dem Alter der Knochen verſchieden; ſie beträgt ungefähr 12 ½ Proz. derſelben in friſchem Zuſtande. Hammelbeine geben bis 17 Proz., da die an denſelben befindliche Haut ſich vollſtändig auflöſt. Die zweite Methode des Dämpfens wird in den Knochenkohlen⸗ fabriken angewandt; da nämlich die ſchwammigen Teile der Knochen eine nur wenig haltbare Kohle geben, will man im weſentlichen, ab⸗ geſehen von der Fettgewinnung, nur dieſe angreifen und läßt den Dampf daher nur ſchwach und kurze Zeit einwirken. Infolgedeſſen iſt die Leimbrühe ſehr ſchwach und kaum verarbeitungswürdig, doch erhält man aus derſelben einen ſehr feſten und guten Leim. Auch in Fabriken, welche Tafelleim aus extrahierten Knochen her⸗ ſtellen, dämpft man nur gerade ſo lange, bis das in den Knochen zurückgehaltene Benzin verdampft und wiedergewonnen iſt. Es ſoll durch den Dampf möglichſt wenig Leim aufgelöſt werden, weil man denſelben durch die ſpäteren Prozeſſe, nämlich durch Extraktion der Knochenerde mittelſt Salzſäure, Waſchen des dabei entſtandenen Knochen⸗ knorpels, Auflöſen des letzteren in kochendem Waſſer u. ſ. w., in reinerer Form gewinnt. Der früher beſprochene präzipitierte phosphorſaure Kalk iſt ein Nebenprodukt dieſer Art der Leimfabrikation; er wird aus der ſauren Löſung der Knochenerde durch Kalk gefällt. Die auf die eine oder andere Weiſe gedämpften Knochen werden nun getrocknet. Im Sommer geſchieht dies am billigſten, indem man ſie in der Sonne auf einer mit Ziegelſteinen gepflaſterten Fläche ausbreitet und öfter bearbeitet, im Winter benutzt man Trockenſtuben. Fermentation der Knochen. 171 Die Heizung der Trockenſtuben geſchieht am beſten in der Weiſe, daß gewölbte Feuerzüge unter dem Fußboden derſelben hin⸗ und her⸗ gehen; auf letzterem breitet man das zu trocknende Material aus und bearbeitet es möglichſt mit Harke und Krücke. Für einen guten Abzug der Waſſerdämpfe muß natürlich geſorgt ſein. In manchen Fabriken trocknete man früher auf übereinander⸗ liegenden Horden, doch iſt dieſes Verfahren meiſtens verlaſſen, da es bedeutende Arbeit erfordert, die durch die Erſparnis an Brennmaterial kaum aufgewogen wird. . Für die ſtark gedämpften Knochen iſt noch eine eigentümliche Trocknungsmethode im Gebrauch, bei der man weder künſtliche noch Sonnenwärme anwendet. Es iſt dies die Fermentationsmethode. 1 Fig. 13. Fig. 14. Schichtet man gedämpfte Knochen über einander, ſo fangen die⸗ ſelben bald an ſich zu zerſetzen(zu fermentieren) und entwickeln dabei ſo viel Wärme, daß das in ihnen enthaltene Waſſer verdunſtet. Läßt man dieſen Prozeß in einem verſchloſſenen Raume vor ſich gehen, der mit einem gutziehenden Schornſteine durch Abzugsröhren verbunden oder mit ſonſtigen Ventilationsvorrichtungen verſehen iſt, ſo ſind die Knochen nach einigen Wochen vollſtändig trocken. Bei dieſer Fermentation entwickelt ſich viel kohlenſaures Ammoniak, welches mit in den Schornſtein geht und daher einen nicht unbeträcht⸗ lichen Verluſt verurſacht. Man hat verſucht, dasſelbe zu binden, indem 172 Mahlen der gedämpften Knochen. man die Knochen mit Gipsmehl“) vermiſchte, doch hat dieſes Verfahren den Nachteil, daß der fremde Zuſatz den Gehalt des Knochenmehles an Stickſtoff und Phosphorſäure herabdrückt und leicht als Betrug ausgelegt werden kann. Die Fermentationsmethode iſt in guteingerichteten Fabriken wohl nicht mehr im Gebrauche, weil bei derſelben der wertvollſte Teil des Knochenmehles, der Stickſtoff, zum Teile verloren geht. Auch vom landwirtſchaftlichen Standpunkte aus iſt ſie verwerflich, weil die Leim⸗ ſubſtanz teilweiſe zerſetzt wird und dieſe, wie wir ſpäter ſehen werden, gerade für die Düngerwirkung des Knochenmehles von größter Wichtig⸗ keit iſt. Die ſchwach gedämpf⸗ ten und dann getrockneten Knochen werden nun in Stampfwerken weiter zer⸗ kleinert. Die Einrichtung der⸗ ſelben iſt aus Fig. 13 u. 14 leicht erſichtlich. Beim Stam⸗ pfen werden die gedämpften Teile der Knochen durch die Stampfer, welche vermittelſt ſogenannter Daumen in Be⸗ wegung geſetzt werden, zer⸗ malmt und fallen mit den feſten Stücken zuſammen durch den Roſt, der die Sohle der Stampfe bildet, hindurch. Durch ein Sortierſieb, eine große, ſich drehende Trommel aus durchlochtem Bleche, wer⸗ den die letzterem vom Grus und vom Mehle getrennt und für ſich allein weiter verar⸗ beitet. Das hierbei erhaltene Mehl bildet, wenn es grus⸗ frei iſt, ſchon die Handels⸗ ware, der Grus wird auf der Knochenmühle in Mehl ver⸗ mR n wandelt oder mit Schwefel⸗ Fig. 16. ſäure aufgeſchloſſen(ſ. ſpäter). *) Gips und kohlenſaures Ammoniak ſetzen ſich in kohlenſauren Kalk und ſchwefelſaures Ammoniak um. — ——— — Qꝑ—— /———.————— ——,—————— C———— Mahlen der gedämpften Knochen. 173 Die ſtark gedämpften und dann getrockneten Knochen werden unter Kollergängen zermalmt oder in der Mühle vermahlen. Die in der Düngerfabrikation gebräuchlichen Kollergänge beſtehen aus zwei an einer horizontalen Achſe(A Fig. 15 und 16) befeſtigten, ſchweren Mühlſteinen oder ſcheibenförmigen Walzen(BB) von Guß⸗ eiſen. Die horizontale Achſe iſt mit einer vertikalen(C) verbunden, die in dem Lager D ruht und bei deren Umdrehung ſich die Walzen im Kreiſe bewegen. Letztere laufen auf einem ſtarken, untermauerten eiſernen Boden, der mit einem Rande von kräftigem Eiſenblech(E) umgeben iſt. Zum Aufrühren des zu zerkleinernden Materials ſind zwiſchen den Kollerſteinen Arme mit Schaufeln angebracht. Will man mit dem Kollergange direkt feines Mehl erzeugen, ſo iſt es nötig, daß man denſelben mit einem feinen Sortierſiebe in Ver⸗ bindung bringt. Das anfangs erzeugte Mehl ſchützt nämlich die größeren Knochenſtücken vor dem Zermalmen, und muß daher entfernt werden. Zu dem Zwecke läßt man die zermalmten Knochen aus der Ausflußöffnung fortwährend auslaufen, und hebt ſie mittelſt eines kleinen Elevators(ſ. Kaliſalze) nach einem, oberhalb des Kollerganges befindlichen, feinen Schüttelſiebe, welches ſo angebracht iſt, daß das Mehl hindurch in einen untergehaltenen Sack fällt, während die groben Stücken von ſelbſt in den Kollergang zurückkehren. Vielfach ſiebt man nur das Mehl ab und vermahlt den groben Grus in der Mühle. Die Knochenmühle iſt wie eine gewöhnliche Getreidemahlmühle eingerichtet. Wir erwähnen hier beiläufig noch ein Verfahren, rohe Knochen in Pulver zu verwandeln, welches vor längerer Zeit beſchrieben wurde. Es ſollen nach demſelben die Knochen mit Holzaſche oder gebranntem Kalke zuſammen auf Haufen geſchüttet, mit Erde bedeckt und feucht gehalten werden. Sie zerſetzen ſich dann im Laufe von etwa ſechs Wochen ſo, daß ſie ein ziemlich feines und als Dünger wirkſames Pulver bilden. Das Verfahren ſoll neu ſein und aus Rußland ſtammen, doch werden ſich die Leſer vielleicht erinnern, daß ſchon vor einer Reihe von Jahren eine ähnliche Methode zur Zerſetzung von Lederabfällen in Deutſchland empfohlen wurde, ohne gerade bedeutenden Anklang gefunden zu haben, obgleich ſie für dieſen letzteren Fall ent⸗ ſchieden brauchbarer iſt, als für den erſteren. Bei dem fraglichen Verfahren geht zweifellos Ammoniak verloren und dabei noch die ganze Menge Fett, die ſich in den Knochen befindet. Man wird daher ſtets beſſer thun, die Knochen an Düngerfabriken zu verkaufen, die das Fett daraus gewinnen, und ſich für den Erlös Knochenmehl zu kaufen. 174 Das Knochenmehl in der Landwirtſchaft. Das Knochenmehl in der Landwirtſchaft. Die Wirkungsweiſe des Knochenmehles im Boden beruht hauptſächlich auf der großen Löslichkeit des in ihm enthaltenen Kalkphosphates in faulendem Leim. Dasſelbe verhält ſich daher in gewiſſer Beziehung analog dem in dieſem Abſchnitte ſchon beſchriebenen rohen Peru⸗Guano, bei dem ja auch der baſiſch⸗phosphorſaure Kalk durch Vermittelung der ſtickſtoffhaltigen Beſtandteile in Löſung gebracht wird; nur zeigt die Auflöſung des Knochenmehles noch ein beſonderes Verhalten: die Phosphorſäure desſelben wird nänlich von der Ackerkrume nicht abſorbiert und kann daher in die tieferen Schichten derſelben eindringen, während jede andere Phosphorſäurelöſung in denoberen Schichten feſtgehalten wird. Dieſe Eigenſchaft des Knochenmehles kann für den Landwirt zuweilen höchſt wertvoll ſein; hat er nämlich durch lang⸗ jährigen Anbau tiefwurzelnder Pflanzen den Untergrund ſeines Ackers an Phosphorſäure erſchöpft, ſo giebt ihm dieſer Dünger das Mittel an die Hand, demſelben neue Mengen dieſes unentbehrlichen Pflanzen⸗ nährſtoffs zuzuführen. Da für die Auflöſung der Phosphorſäure ein Faulen der Leim⸗ ſubſtanz Bedingung iſt,— nach Krockers Unterſuchung löſt friſche Leimlöſung das Knochenphosphat nicht auf— ſo wird die Wirkſamkeit des Knochenmehls erhöht, wenn man die Fäulnis vor dem Aufbringen desſelben auf den Acker in Gang bringt. Man erreicht dies auf zwei Arten, nämlich entweder indem man dasſelbe mit ſchon in Fäulnis begriffenen Stoffen, beiſpielsweiſe dem Stallmiſte, zuſammen zur Düngung verwendet, oder indem man es für ſich mit Waſſer oder Miſtjauche anfeuchtet und einige Zeit liegen läßt; im letzteren Falle tritt, ebenſo wie bei der Fermentation in der Fabrik, eine ſtarke Er⸗ wärmung ein, die andeutet, daß die Zerſetzung im Gange iſt. Die Fermentation kann jedoch, bei nicht genügender Vorſicht, be⸗ deutende Stickſtoffverluſte zur Folge haben und empfiehlt daher Dr. Pagel, auf Grund angeſtellter Verſuche, den Zuſatz von ge⸗ mahlenem Gips. Das Verfahren, welches er als das beſte erkannt hat, iſt folgendes“*):„Man vermeide einen übermäßig großen Zuſatz von Harn oder Jauche. Ein paſſendes Verhältnis iſt 20 1 Harn oder Jauche zu 50 kg Knochenmehl oder Fiſchguano. Man vermenge dieſe Maſſe innig und verſehe ſie mit 5 kg Gips auf je 50 kg Knochen⸗ mehl oder Fiſchguano unter guter Durcharbeitung. Den Haufen bedecke man mit Gips oder Erde, um Stickſtoffverluſt vollſtändig zu vermeiden. Die Beendigung der Gährung(welche 3—4 Wochen dauert) erkennt bhen Zeitſchrift des landwirtſchaftlichen Zentral⸗Vereins für die Provinz achſen. 1= Das Knochenmehl in der Landwirtſchaft. 175 man daran, daß die Wärme in dem Haufen zu ſinken beginnt. So⸗ bald dieſer Fall eintritt, entfernt man die Gips⸗ oder Erddecke, gräbt den Haufen um, befeuchtet die etwa noch vorhandenen trockenen Stellen und bedeckt den Haufen nochmals. Ein abermaliges Steigen der Wärme deutet an, daß nun auch die letzten Reſte des bis dahin un⸗ zerſetzten Fiſchguanos oder Knochenmehles durch den Gährungsprozeß zerſetzt werden.“ Der Leimgehalt des Knochenmehles iſt alſo das wichtigſte Kri⸗ terium für die Beurteilung desſelben. Wie wir aber ſchon früher geſehen haben, enthält das Knochenmehl größere oder geringere Mengen an Fett, welches dasſelbe vor Zerſetzung ſchützt, daher iſt ein möglichſt niedriger Fettgehalt für die Güte des Mehles weſentlich. Dieſe zwei Geſichtspunkte für die Beurteilung des Knochenmehles in ſeinem Werte für die Landwirtſchaft ſind zwar früher ſchon bekannt geweſen, ſie ſind jedoch erſt durch die oben erwähnten Unterſuchungen von Holdefleiß klar zur Erkenntnis gebracht worden. Dieſer Forſcher hat eine große Reihe von vollſtändig zuverläſſigen und von bedenklichen Knochenmehlen des Handels nach einer Methode(von Krocker) unterſucht, die zwar lange bekannt war, aber faſt unbeachtet geblieben iſt. Da die Knochen, welche zur Verarbeitung kommen, faſt nie ganz frei von anhängenden Fleiſch⸗, Haut⸗ und anderen tieriſchen Gewebsteilen ſind, kann auch das Knochenmehl faſt niemals aus reiner Knochenſubſtanz beſtehen, ſondern iſt mit dem Mehle von getrocknetem Fleiſche ꝛc. vermiſcht. Dieſe Stoffe enthalten zwar viel Stickſtoff(ſ. oben), wirken aber nicht löſend auf den phosphorſauren Kalk der Knochen und ſind daher bei der Beurteilung des Wertes eines Knochenmehles anders zu betrachten als die Leimſubſtanz. Nun hat die eigentliche Knochenſubſtanz ein ſpez. Gewicht von 1,9, während die ſonſtigen hier in Betracht kommenden trockenen Gewebsteile nur ein ſolches von 1,3 haben. Hierauf gründete Krocker eine Methode, die im Knochenmehle enthaltene reine Knochen⸗ ſubſtanz abzuſcheiden und zu beſtimmen. Mit Chloroform geſchüttelt, welches ein ſpez. Gew. von 1,5 hat, ſinken alle Stoffe, welche ſchwerer ſind als 1,5, alſo Knochenſubſtanz, Sand ꝛc. zu Boden, während Fleiſchmehl, Hautmehl ꝛc. auf der Flüſſigkeit ſchwimmen. Holdefleiß ſuchte auf dieſe Weiſe ein normales, gedämpftes, aber nicht entleimtes Knochenmehl zu konſtruieren und kommt zu dem Schluſſe, daß in einem ſolchen, der Leimſtickſtoff zur Phosphorſäure ſich etwa wie 1:5 bis 1:5,99 enthalten müſſe; ein Verhältnis wie 1:6 hält er für unzuläſſig; was außer dem Leimſtickſtoff noch an Stickſtoff vorhanden iſt, müßte eigentlich für ſich berechnet werden, und zwar zu einem niedrigeren Preiſe als dieſer, alſo etwa zum Preiſe des Stickſtoffes in gedämpftem Horn⸗ oder Blutmehle. Nehmen wir z. B. ein Knochenmehl an von 4,5 Proz. Stickſtoff und 19,5 Proz. Phosphorſäure, ſo wird dasſelbe wertvoller ſein, 176 Das Knochenmehl in der Landwirtſchaft. wenn es 4 Proz. Leimſtickſtoff und 0,5 Proz. Gewebsſtickſtoff enthält, als wenn erſterer 3 Proz. und letzterer 1,5 Proz. beträgt. Bei dem erſteren Mehle iſt das Verhältnis vom Leimſtickſtoff zur Phosphorſäure wie 1:4,875, bei letzterem wie 1:6,5. Das letztere iſt bei der Her⸗ ſtellung in unzuläſſiger Weiſe entleimt und vielleicht durch ſtick⸗ ſtoffhaltige Zuſätze aufgebeſſert, erſteres iſt ein vorzügliches reines Knochenmehl. Auch den Fettgehalt hat Holdefleiß in einer großen Menge von Handelsproben feſtgeſtellt und hält ein Mehl mit mehr als 6 Proz. nach dem heutigen Stande der Technik für anormal, die meiſten guten Sorten reichen an dieſe Grenzzahl bei weitem nicht heran. Durch dieſe Unterſuchungen hat Holdefleiß der Landwirtſchaft einen großen Dienſt erwieſen; möchten die Landwirte ſich daran gewöhnen, Knochenmehl nur nach den Normen desſelben zu kaufen, ſodaß dieſes vorzügliche Düngemittel den guten Ruf wieder erlangt, der ihm von mancher Seite abgegraben worden iſt. Leider wird ja das Knochenmehl auch heute noch häufiger nach ſeinem Ausſehen, als nach ſeinem Gehalte gekauft und iſt daher vielfachen groben Verfälſchungen unterworfen. Man kann oft genug feingemahlenen Gips oder Elfenbeinnußmehl in demſelben nachweiſen, zwei Stoffe, die infolge ihrer weißen Farbe mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen ſind. Die Analyſe weiſt ſelbſtverſtändlich in einem ſolchen Falle einen bedeutenden Mindergehalt an Phosphorſäure und Stickſtoff nach, da der Gips von dieſen beiden Stoffen gar nichts, das Elfenbeinnußmehl aber nur 2,44 Proz. Phosphorſäure und 0,96 Proz. Stickſtoff enthält. Die von allen Verfälſchungen wohl am häufigſten vorkommende iſt die mit Phosphorit oder ſchlechtem Leimkalk oder auch mit der auf S. 69 erwähnten Miſchung von Leimkalk und Leimſatz. Da dieſe Stoffe ſämtlich bedeutende Mengen Phosphorſäure enthalten, ſo wird durch dieſelben der Phosphorſäuregehalt des Mehles erhöht, dagegen der Stickſtoffgehalt ſtark gedrückt. Um dieſes Mißverhältnis, welches bei der Analyſe ſofort zutage käme, nun möglichſt zu vertuſchen, nehmen die Fälſcher zu ſchwefelſaurem Ammoniak ihre Zuflucht. Da nun aber gerade die Leimſubſtanz des Knochenmehles das weſentliche in demſelben iſt, die nicht einmal durch ſtickſtoffhaltige Tierſtoffe und um ſo weniger durch Ammoniakſalz erſetzt werden kann, ſo iſt eine der⸗ artige Verfälſchung eine große Benachteiligung des Landwirtes, ſelbſt wenn ihm noch mehr Stickſtoff und Phosphorſäure geliefert würden, als das Mehl urſprünglich enthielt. Wie eine Miſchung von Phosphorit oder Leimkalk mit Ammoniak⸗ ſalzen oder ſtickſtoffhaltigen Tierſtoffen niemals das Knochenmehl er⸗ ſetzen kann, ſo kann dies auch die Miſchung von Leimkalk mit Leimſatz — ——.—— — Aufgeſchloſſenes Knochenmehl. 177 nicht, da die ſtickſtoffhaltigen Beſtandteile des letzteren nicht aus Leim⸗ ſern ſubſtanz, ſondern vielmehr weſentlich aus Hornſubſtanz beſtehen. Was die durch die Fabrikation in das Mehl gelangenden Ver⸗ de⸗ unreinigungen(Sand ꝛc.), ſowie den Feuchtigkeitsgehalts desſelben ſit anlangt, ſo dürfen dieſelben gewiſſe Grenzen nicht überſchreiten. Wie eines alle feinpulverigen Stoffe abſorbiert dasſelbe ſtets etwas Waſſerdampf aus der Luft, und dem Fabrikanten kann daher aus einigen Prozenten von Waſſers kein Vorwurf gemacht werden; der normale Waſſergehalt üro beträgt 4—7 Proz., der Sandgehalt 2—4 Proz. ſiften Das unentleimte gedämpfte Knochenmehl enthält nach Holde⸗ fleiß 3,8— 4,3 Proz. Stickſtoff und 19— 24 Proz. Phosphorſäure. caſt nen, Aufgeſchloſſenes Knochenmehl. 33 Wie wir oben ſahen, iſt das Knochenmehl, je nach ſeiner Her⸗ ſtellungsweiſe und je nach der Beſchaffenheit des Rohmaterials ſehr verſchieden zuſammengeſetzt. Im normalen gedämpften Knochenmehl u verhält ſich der Leimſtickſtoff zur Phosphorſäure wie etwa 1:5, doch be enthält es faſt ſtets noch Stickſtoff, der von anderen tieriſchen Gewebs⸗ nu teilen herrührt und etwa 0,5—1,0 Proz. beträgt. Solches Mehl geht in ohne weitere Verarbeitung zu guten Preiſen an die Landwirtſchaft. lge Iſt das Verhältnis zwiſchen Leimſtickſtoff und Phosphorſäure aber ſen ein geringeres, alſo 1:6, oder zu noch mehr(Holdefleiß fand ſogar nnd in einer Probe das Verhältnis von 1:23,55), ſo hat der Fabrikant dis die Knochen zu ſtark entleimt, das Mehl iſt als direkter Dünger minder⸗ tli wertig. Es würde ſich im Boden verhalten wie ein Gemiſch aus nor⸗ malem Mehl und Phosphoritmehl, oder, wenn der Stickſtoffgehalt durch nde Zuſätze erhöht iſt, wie ein Gemiſch von normalem Mehl, Phosphorit auf und Blutmehl. Was von Phosphorſäure über ein gewiſſes ieſ Verhältnis zum Leimſtickſtoff vorhanden iſt, muß als rohes vid Phosphat betrachtet werden und iſt für den Landwirt wert⸗ gen los. Solche Mehle werden immer noch an den Markt gebracht, der hes Landwirt weiß aber jetzt auf Grund der Holdefleiß'ſchen Unter⸗ men ſuchungen ſich gegen eine ſolche Übervorteilung zu ſchützen. nun Derartige Mehle ſind aber ſehr gut zu verwerten, wenn ſie auf⸗ in geſchloſſen werden; wenn der Fabrikant durch Schwefelſäure die um ſämtliche Phosphorſäure löslich macht, ſo braucht dies der Leim⸗ der⸗ ſtickſtoff nicht mehr zu thun, das Produkt iſt dann ein ſtickſtoffhaltiges lbſt Superphosphat. den, Das Knochenmehl war das erſte Phosphat, welches, nach Liebig's Vorſchlag mit Schwefelſäure zum Zwecke des Löslichmachens der Phos⸗ igk⸗ phorſäure, behandelt wurde. er⸗ So folgenreich dieſer Vorſchlag auch geworden iſt, ſo iſt er es nſat doch mehr für andere, beſonders die mineraliſchen, Phosphate geworden. Rümpler, Düngeſtoffe. 4. Auflage. 12 178 Aufgeſchloſſenes Knochenmehl. Das Knochenmehl tritt gegen dieſe, bezüglich des Aufſchließens, ſehr in den Hintergrund, denn leider hat es die ſchlechte Eigenſchaft, mit Schwefelſäure gemiſcht, ſehr ſchwer zu trocknen. Dieſe Eigenſchaft hat ihren Grund in der Bildung einer ſchmierigen Subſtanz, die durch Einwirkung der Schwefelſäure auf die Leimſubſtanz der Knochen entſteht. Zur Erzielung eines ſchnell trocknenden Fabrikates ſind viele An⸗ ſtrengungen gemacht worden, doch meiſtens ohne Erfolg. So ſuchte man früher das Trocknen der Miſchung zu erleichtern, indem man demſelben Sand, Braunkohlenaſche und dergleichen wert⸗ loſe, pulverförmige Stoffe zuſetzte. Da aber der an und für ſich ſchon ſchwache Stickſtoffgehalt des Fabrikates dadurch auf ein Minimum herabgedrückt wurde, und da durch ſolche Zuſätze dem Betruge Thür und Thor geöffnet wurde, ſo verſchwand dieſes Mittel bald wieder aus der Induſtrie.. Ein anderes, ſchon beſſeres Mittel, iſt die Knochenkohle. Da Knochenkohle ein bedeutendes Aufſaugungsvermögen für Flüſſigkeiten beſitzt, ſo kann ſie mit Erfolg zum Trocknen aller leicht naß bleibenden Superphosphate verwandt werden; für Knochenmehl wendet man ſie jedoch, ebenſo wie den Sand ꝛc., nicht mehr an, weil die ſchwärzliche Färbung des Fabrikates die Landwirte zurückſchreckte, und weil auch hierbei der Stickſtoffgehalt ſehr gedrückt wird. Wenn man dieſelbe trotzdem benutzen will, ſo verfahre man in folgender Weiſe: Man miſche zunächſt die Knochen kohle mit derjenigen Menge Schwefelſäure, die zum Aufſchließen derſelben und des Knochen⸗ mehles zuſammen nötig iſt. Erſt wenn die Zerſetzung vollſtändig beendigt iſt, miſche man das Knochenmehl zu. Man hat dann den Vorteil, daß etwa ungelöſt bleibendes Phosphat jedenfalls als Knochenmehl, alſo in leichter löslicher Form vorhanden iſt. Zur Erhöhung des Stickſtoffgehaltes des Fabrikates kann man hierbei die beim Dämpfen der Knochen erhaltene ſchwache Leim⸗ brühe, etwa auf den dritten Teil eingedampft, zuſetzen, um jedoch dadurch nicht zu viel Waſſer in die Miſchung zu bringen, ver⸗ wendet man dann nicht Kammerſäure, ſondern eine hochgrädigere Schwefelſäure. In neuerer Zeit ſcheint es beliebter geworden zu ſein, das Trocknen des aufgeſchloſſenen Knochenmehles dadurch zu erzwingen, daß man nicht vollſtändig aufſchließt. Man wendet in manchen Fabriken nur 6 bis ¾ der Schwefelſäure an, die zum vollkommenen Auf⸗ ſchließen des Mehles nötig wäre. Ich erwähne hier noch, daß auch ein geringer Zuſatz von Salpeter⸗ ſäure(Chiliſalpeter) das Trocknen des aufgeſchloſſenen Knochenmehles ſehr befördert. Aufgeſchloſſenes Knochenmehl mit ſtickſtoffreichen Zuſätzen. 179 Die Berechnung der auf einen Centner Knochenmehl nötigen Menge Schwefelſäure geſchieht nach vorausgegangener analytiſcher Unterſuchung in derſelben Weiſe, wie bei Knochenaſche und dergl., wir brauchen daher dieſen Punkt nicht weiter zu beſprechen. Verarbeitet man ſtark gedämpfte, alſo ausſchließlich für Dünger⸗ zwecke beſtimmte Knochen, ſo kann man eine bedeutende Erſparnis, nämlich die der geſamten Mahlkoſten erzielen, wenn man, ohne vor⸗ heriges Trocknen, ſogleich die friſch gedämpften Knochen auf⸗ ſchließt. Man miſcht dieſelben dann auf einem Kollergange mit der nötigen Menge Säure, bringt die Miſchung auf Haufen und trocknet ſie, nachdem ſie einige Wochen gelegen hat. Die Berechnung der zu verwendenden Schwefelſäure iſt dabei allerdings etwas umſtändlich, da eine richtige Probenahme, alſo auch eine gute Analyſe, nicht wohl ausführbar iſt. Das Verfahren hierfür, wie es ſich in einer bedeutenden Berliner Düngerfabrik ausgebildet hat, iſt etwa folgendes: Man beſtimmt von einer größeren Partie Knochen, z. B. von den Knochen, die die Schlächterei N. an einem beſtimmten Tage der Woche regelmäßig liefert, wie viel Mehl ſie pro Ctr. ergeben, indem man ungefähr 25 Ctr. derſelben(genau gewogen) dämpft, trocknet und wägt. Dann nimmt man aus dieſen getrockneten Knochen, nachdem ſie noch im Kollergang zerkleinert worden ſind, Probe, pulvert dieſelbe möglichſt fein, analyſiert das ſo entſtandene Mehl und berechnet ſich die Schwefel⸗ ſäure pro Ctr. der ungedämpften Knochen. Es möge z. B. eine be⸗ ſtimmte Sorte von Knochen 60 Proz. Mehl ergeben und man habe die für 1 Ctr. des Mehles nötige Kammerſäure auf 64 Pfd. beſtimmt, ſo braucht man auf jeden Centner der friſchen Knochen 38,4 Pfd. der Säure. Um ſtets ſicher zu gehen, muß man dieſe Beſtimmung ſelbſt⸗ verſtändlich von Zeit zu Zeit wiederholen. Das Trocknen des aufgeſchloſſenen Mehles geſchieht in der Sonnenwärme oder in denſelben Trockenſtuben, die auch für die ge⸗ dämpften Knochen in Anwendung kommen. Da dasſelbe dabei ſehr klumpig wird, muß es ſchließlich noch unter Kollergängen zerkleinert werden und iſt dann erſt verſandtfähig. Aufgeſchloſſenes Knochenmehl mit ſtickſtoffreichen Zuſätzen. Da das gedämpfte Knochenmehl meiſt nur 3—4 Proz. Stickſtoff enthält, ſo kann man im aufgeſchloſſenen nur etwas über 2 Proz. finden. Dieſer Gehalt aber iſt, bei 15— 17 Proz. löslicher Phosphor⸗ ſäure, ſehr gering und man bemüht ſich daher vielfach, denſelben durch Zuſatz von tieriſchen Stoffen zu erhöhen. 12*½ 180 Zuſatz von Blut, Horn, Leder. Die erſte Fabrik, welche mit größtem Erfolge in dieſer Richtung vorging, war, meines Wiſſens, eine Berliner Fabrik, welche die ge⸗ waltigen Mengen tieriſcher Stoffe, die in einer Großſtadt abfallen, der Landwirtſchaft zuführt. In derſelben werden die naſſen gedämpften Knochen unter großen Kollergängen, wie oben beſchrieben, mit Schwefel⸗ ſäure von 50° Baumé, gleichzeitig unter Zuſatz der ſtickſtoffhaltigen Subſtanzen, gemiſcht. Die ſtickſtoffhaltigen Subſtanzen ſind dieſelben, die wir im II. Abſchnitt(3. Klaſſe) kennen gelernt haben, doch iſt hier ihre Be⸗ handlungsweiſe eine andere, da ſie nicht wie dort als ſelbſtändige Düngeſtoffe auftreten. 1. Das Blut. Dasſelbe wird, nachdem es, wie Seite 113 beſchrieben, durch Kochhitze koaguliert worden, zugeſetzt und zwar in ſolcher Menge, daß auf 25 Ctr. friſcher Knochen 30 Ctr. friſches Blut kommen. Das dabei entſtehende aufgeſchloſſene, ſtickſtoffreiche Knochen⸗ mehl enthält dann, in getrocknetem Zuſtande, 4—5 Proz. Stickſtoff auf 9—11 Proz. löslicher Phosphorſäure, während nur 0,5— 1,0 Proz. Phosphorſäure unaufgeſchloſſen geblieben iſt. Merkwürdigerweiſe näm⸗ lich trocknet aufgeſchloſſenes Knochenmehl mit Blutzuſatz bedeutend leichter, als ſolches ohne dieſen, und man iſt daher in der Lage, das ſtickſtoffreichere Produkt vollkommen aufgeſchloſſen herzuſtellen. Wird ein höherer Stickſtoffgehalt, alſo z. B. 5—6 Proz., ver⸗ langt, ſo kann man das Fehlende der getrockneten Ware beim Kollern leicht in Form von Blutmehl, Hornmehl, Ammoniakſalz und dergl. zuſetzen. 2. Das Horn. Obgleich ſich das noch naſſe, gedämpfte Horn unter dem Kollergange leicht zermalmen läßt, ſo thut man doch beſſer, dasſelbe ſtets nur als Mehl der fertigen Ware zuzuſetzen, weil es ſich beim Miſchen mit Knochen nicht ſo fein verteilt, wie das Blut. Der mit dem Horne in ſeiner Grundſubſtanz identiſche Wollſtaub und dem⸗ ſelben ähnliche Abfälle werden am beſten wie Lederabfälle behandelt, da dieſelben ſich, weil ſie zu voluminös ſind, nur mit großen Unkoſten dämpfen laſſen. 3. Lederabfälle. Wir haben ſchon oben erwähnt, daß das aus(lohgarem) Leder bereitete Mehl zu den ſchlechteſten ſtickſtoffhaltigen Düngemitteln zu zählen iſt; man arbeitet daher mehr im Intereſſe der Landwirtſchaft, wenn man ſolche Abfälle in folgender Weiſe ver⸗ wertet: Man bringt dieſelben in einen großen Keſſel von Blei, der ver⸗ mittelſt eines doppelten Bodens oder einer bleiernen Dampfſchlange geheizt werden kann, übergießt ſie mit einigen Ballons Schwefelſäure von 50— 60° Bé und erhitzt bis faſt zum Kochen. Das Leder löſt ſich in kurzer Zeit zu einer dunkelbraunen Flüſſigkeit auf, die man —---=== —— ð —————-—ꝑ—ꝑ—·————— ———.,—— Zuſatz von Fleiſch, Lungen, Fettrückſtänden ꝛc. 181 durch einen etwa 15 cm über dem Boden des Keſſels angebrachten Rohrſtutzen abläßt und wie gewöhnliche Schwefelſäure zum Aufſchließen von Knochen verwendet. Gegenüber dem Dämpfen bietet dieſe Methode der Verarbeitung des Leders mehrere weſentliche Vorteile. Abgeſehen davon, daß das Auflöſen in Bezug auf Arbeitslohn und Dampfverbrauch weſentlich billiger iſt, als das Dämpfen, ſo gewinnt hierbei der Fabrikant auch ſämtlichen Stickſtoff, der ihm ſonſt als Brühe verloren geht. Ein zweiter Punkt iſt der, daß aller Sand, und davon enthalten Leder⸗ ſchnitzel reichliche Mengen, ſich auf dem Boden des Keſſels abſetzt und daher das Fabrikat nicht verunreinigt; der dritte und wichtigſte Punkt aber iſt der, daß die Subſtanz des Leders, beſonders die das Faulen tieriſcher Stoffe verhindernde Gerb⸗ ſäure, zerſtört wird. 4. Fleiſch, Lungen, Lebern, verdorbene Fettgrieben und ähnliche Stoffe, werden wie Leder in Säure gelöſt und ebenſo weiter verarbeitet. Da dieſe Stoffe eine gewiſſe, oft ſehr bedeutende Menge Fett enthalten, ſo ſollte man ſie überhaupt nicht anders be⸗ handeln. Beſonders reichhaltig ſind oft die Grieben, die beim Ausſchmelzen des Talges im Digeſtor abfallen; ich habe häufig ſolche aus einer Berliner Talgſchmelzerei in Händen gehabt, die bei ihrer analytiſchen Unterſuchung nur höchſt geringe Prozente an Fett zeigten.*) Wurden dieſelben jedoch nach obiger Methode in Säure gelöſt, ſo ſchied ſich ſtets eine dicke Fettſchicht ab, die oft 10 Proz. und mehr vom Gewichte der Grieben ausmachte. Bei näherer Unterſuchung dieſes Fettes fand ich, daß dasſelbe rein ſaurer Natur und ſehr feſt war; es löſte ſich z. B., was Neutralfette bekanntlich nicht thun, in reiner Sodalöſung unter Entwickelung von Kohlenſäure zu Seife auf, es war, was man als rohe Stearinſäure bezeichnet. Die fetthaltige Subſtanz der Grieben fand ich ſpäter in einer weißen, ſeifenähn⸗ lichen Verbindung, die ſehr unangenehm roch und ſtickſtoffhaltig war, doch iſt es mir nicht gelungen, dieſelbe vollkommen rein auszuleſen. Jedenfalls aber befindet ſich das Fett in den gedämpften Talg⸗ grieben in gebundenem, alſo in Äther unlöslichem Zuſtande, es muß alſo eine ſtarke Zerſetzung desſelben beim Dämpfen vor ſich gegangen ſein, ob durch Einwirkung der ſtickſtoffhaltigen Subſtanz des Talges oder von kohlenſaurem Kalke, konnte nicht mit Sicherheit feſtgeſtellt werden. Das eben Geſagte muß übrigens jedem klar machen, was wir ſchon bei den Knochen beſprachen, daß die Fettgewinnung durch Dämpfen in ihren Reſultaten bedeutend hinter der durch Auskochen zurückſteht. *) Ather löſt Fette auf und dient daher im Laboratorium zur Extraktion und Beſtimmung derſelben. 182 Fiſchmehl. Anſchließend an die Beſprechung der ſtickſtoffhaltigen Zuſätze will ich noch erwähnen, daß dieſelben beim Aufſchließen Säure konſumieren. Es geſchieht dies nicht nur, wenn dieſelben angefault ſind, was wegen des dann vorhandenen kohlenſauren Ammoniaks leicht erklärlich wäre, ſondern auch bei Anwendung ganz friſcher Stoffe. Einen Experimental⸗ beweis kann jeder ſelbſt führen, indem er beiſpielsweiſe Ledermehl mit etwa 13 Proz. ſeines Gewichtes 50 er Säure befeuchtet und an eine warme Stelle hinlegt; dasſelbe wird ſtaubtrocken werden. Die verbrauchte Säure beſtimmte ich bei den verſchiedenen in Frage kommenden Stoffen nach derſelben Methode, die ich S. 81 für Mejillones⸗Guano beſchrieben habe. Die Subſtanz wird mit über⸗ ſchüſſiger Säure gelinde erwärmt, unter Zuſatz einiger Tropfen ſäurefreier Superphosphatlöſung gelöſt, ſoweit ſie löslich iſt und nach geſchehener Filtration mit Kalilauge titriert. Über die Wirkungsweiſe des gewöhnlichen und des ſtickſtoffreichen aufgeſchloſſenen Knochenmehles, gegenüber der des gedämpften im Boden, iſt wenig mehr zu ſagen. Das Verhältnis iſt ein ähnliches, wie zwiſchen aufgeſchloſſenem und rohem Peru⸗Guano: Wenn auch die Phosphorſäure des gedämpften Knochenmehles in faulender Leimſubſtanz löslich iſt, ſo muß doch die Auflöſung der aufgeſchloſſenen Phosphor⸗ ſäure entſchieden raſcher und jedenfalls vollſtändiger und ſicherer vor ſich gehen. Die feine Zerteilung iſt bei dieſem nicht ſo unbedingt nötig, wie beim gedämpften Knochenmehle. Als Anhang zu den Knochenpräparaten erwähnen wir noch einige Düngerarten, die ihnen zwar ähnlich ſind, jedoch bis jetzt noch nicht in den Maſſen in den Handel kommen, wie erſtere, nämlich die ver⸗ ſchiedenen Arten des Fiſchmehles(Fiſchguanos), das Fleiſchmehl und den Granat⸗Guano. Der Fiſchguano, oder beſſer das Fiſchmehl, wird in Neu⸗ fundland, auf Inſeln an der norwegiſchen Küſte, ſowie auch in einigen Fabriken an der deutſchen Küſte aus den nicht zur menſchlichen Nahrung tauglichen Abfällen der Seefiſcherei bereitet. Die bekannteſten Fabriken dieſes Düngers befinden ſich auf den Lofoten, einer Inſelgruppe an der norwegiſchen Küſte, nördlich der Stadt Bergen. Das Rohmaterial liefern die dort in großer Menge gefangenen Dorſche, deren Seitenteile, an der Luft getrocknet, als„Stockfiſch“ in den Handel kommen, während die Köpfe, Rückgrate und Eingeweideteile in die Düngerfabrik wandern. Die Methode der Verarbeitung war früher eine ſehr rohe, ſo daß ſich anfangs das Fabrikat nur ſehr langſam und ſchwer in der Land⸗ wirtſchaft einbürgern konnte. Durch die Konkurrenz wurden jedoch die Unternehmer bald gezwungen, auf beſſere Entfettung und ſorgfältigere Fiſchmehl. 183 Mahlung ihrer Ware zu ſehen. Das in den in neuerer Zeit ange⸗ legten Fabriken produzierte Fiſchmehl iſt ſchon dem gedämpften Knochen⸗ mehle ſehr ähnlich, wenn es ſich auch noch nicht ganz in dem fein⸗ pulverigen Zuſtande befindet wie dieſes. Im weſentlichen iſt das jetzt übliche Verfahren dasſelbe wie das der Herſtellung von Knochenmehl. Die Fiſchabfälle werden gedämpft, getrocknet und gemahlen.— Das Dämpfen iſt, nach Dr. P. Wagner, mit einigen Schwierig⸗ keiten verknüpft. In dem gewöhnlichen S. 116 beſchriebenen Digeſtor legen ſich die Maſſen nämlich ſo dicht auf einander, daß der Dampf nicht bis in das Innere derſelben eindringen kann; dieſelben werden daher an den äußeren Stellen zu ſtark gedämpft, alſo zu ſehr entleimt, bleiben dagegen im Innern roh. Um dieſem Übelſtande zu begegnen, hat die Maſchinenfabrik von M. Friedrich in Plagwitz bei Leipzig einen liegenden Digeſtor konſtruiert, der aus einem inneren, durch⸗ löcherten, drehbaren und einem äußeren feſtliegenden Zylinder beſteht. Den inneren Zylinder füllt man mit der zu dämpfenden Maſſe, läßt in den äußeren Dampf eintreten und ſetzt dann erſteren in rotierende Bewegung. Dadurch werden die Maſſen fortwährend umgerührt und bieten daher dem Dampfe immer neue Berührungsflächen. Auch das Trocknen der Fiſche iſt nicht leicht, da dieſelben nach dem Dämpfen eine ſehr große Menge Waſſer enthalten; dieſelben werden daher vor dem eigentlichen Trocknen, welches in Trockenſtuben geſchieht, in hydrauliſchen Preſſen oder vermittelſt Zentrifugen ent⸗ wäſſert(Dr. P. Wagner), wobei man ein fetthaltiges Waſſer erhält, aus dem ſich etwas Thran abſcheidet. Die Mahlung der getrockneten Maſſen geſchieht in derſelben Weiſe wie die der Knochen. In einem Fiſchmehle aus Norwegen fand ich: Phosphorſäure.... 13,00 Proz. Stickſtoff...... 7,61„ Kohlenſauren Kalk... 1,58„ Analyſen von der Verſuchsſtation Halle ergaben im Durchſchnitt 8,31 Proz. Stickſtoff und 13,57 Proz. Phosphorſäure. Das Fiſchmehl wird ſeit einigen Jahren auch aufgeſchloſſen. Auch aus den Abfällen der Walfiſchfängerei wird Dünger⸗ mehl bereitet, welches dem ſonſtigen Fiſchmehle ähnlich iſt. Nach Stoeckhardt enthält das Walfiſchfleiſch: im rohen Zuſtande... 4,80 Proz. Stickſtoff im getrockneten Zuſtande. 8,68„„ getrocknet und entfettet.. 14,6 2„ die Walfiſchknochen: . 3,51 Proz. Stickſtoff 23,66„ Phosphorſäure. 184 Granat⸗Guano, Fleiſchmehl. Ein Verfahren zur Bereitung von Fiſchguano hat kürzlich Weigelt bekannt gemacht. Er pökelt die Fiſchabfälle mit 5— 10 Proz. Kaliſalzen ein, trocknet ſie an der Luft und vermahlt ſie dann. Das ſo erzeugte Mehl enthält nach ihm 8— 10 Proz. Stickſtoff 8— 10„ Kali 5— 6„ Phosphorſäure. Der Granatguano iſt dem Fiſchguano ſehr ähnlich. Granaten oder Garnelen ſind kleine Krebſe, die an der Küſte der Nordſee in großen Mengen gefangen und verſpeiſt werden. Dieſelben werden im Oldenburgiſchen durch Dämpfen, Preſſen, Röſten auf heißen Platten und Mahlen wie der Fiſchguano in ein hellgelbes, mit gröberen Schalenreſten vermiſchtes Mehl verwandelt. Der Granatguano enthält im Durchſchnitt: 8,2 Proz. Stickſtoff 3,0„ Phosphorſäure. Es iſt nicht zu leugnen, daß die eben beſprochenen Düngemittel eine bedeutende Zukunft haben, beſonders nachdem die Methoden ihrer Herſtellung ſo weſentlich vervollkommnet worden ſind, wie dies in den letzten Jahren geſchehen iſt. Das Meer iſt ja ein Reſervoir, in welchem ſich alle im Waſſer der Flüſſe aufgelöſten oder ſuspendierten Pflanzennährſtoffe anſammeln; von dieſen aber ernähren ſich die Meerespflanzen und von dieſen wieder Seetiere, ſo daß dasſelbe eine unerſchöpfliche Fundgrube ſtickſtoff⸗ und phosphorſäurereicher Tierſubſtanzen bildet. Das Fleiſchmehl des Handels iſt ein Gemiſch von Fleiſch⸗ und Knochenmehl, wie es aus den Abfällen der Fleiſchextraktfabrikation in Südamerika, ſowie aus den Produkten der Abdeckereien(Tierkadaver) durch Dämpfen, Trocknen und Mahlen gewonnen wird. Die größte Maſſe desſelben kommt unter dem Namen Fray⸗Bentos⸗Guano auf den Markt und enthält alsdann 6,5— 7,5 Proz. Stickſtoff und 17,18— 11,14 Proz. Phosphorſäure. Das in Deutſchland(Leipzig) fabrizierte Fleiſchmehl enthält 7—8 Proz. Stickſtoff und 8— 10 Proz. Phosphorſäure. Auch das Fleiſchmehl wird neuerdings aufgeſchloſſen. Der landwirtſchaftliche Wert der eben behandelten Düngemittel iſt nach denſelben Grundſätzen zu beurteilen, welche Holdefleiß für das Knochenmehl aufgeſtellt hat. Im rohen Zuſtande wirken ſie langſamer wie das Knochenmehl, da ſie den größten Teil ihres Stickſtoffes nicht in Form von Leim⸗, ſondern von Fleiſchſubſtanz und außerdem Ammoniakaliſche Superphosphate. 185 viel Fett enthalten. Streut man dieſelben im Herbſte aus, ſo zer⸗ ſetzen ſie ſich bis zum Frühjahre ſo weit, daß ſie eine gute Wirkung zeigen, vorausgeſetzt, daß ſie nicht allzutief untergepflügt worden ſind. Die aufgeſchloſſenen Fiſch⸗ und Fleiſchmehle haben denſelben Wert und dieſelbe Wirkung, wie aufgeſchloſſenes Knochenmehl mit gleichem Stickſtoff- und Phosphorſäuregehalt. Die Verwendung dieſer Dünger in aufgeſchloſſenem Zuſtande dürfte überhaupt rationeller ſein, wie die der rohen. 3. Ammoniakaliſche Superphosphate. Mit dem Namen ammoniakaliſche Superphosphate oder Ammoniak⸗ Superphosphate bezeichnet man Gemiſche von Ammoniakſalz mit Super⸗ phosphat, die ſich ſeit einer Reihe von Jahren ein bedeutendes Abſatz⸗ gebiet erobert haben. Die Darſtellung dieſer Fabrikate iſt ſehr einfach: ſie beſteht in einem möglichſt ſorgfältigen Miſchen der beiden Grundſtoffe mittelſt Schaufel und Standſieb, oder beſſer noch dadurch, daß man dieſelben zuſammen durch den Desintegrator gehen läßt. Der Gehalt der verſchiedenen Fabrikate an Stickſtoff und Phos⸗ phorſäure iſt ſehr verſchieden, doch dürfte es wohl an der Zeit ſein, daß ſich auch bei dieſer Ware feſte Typen bilden. Es ſind gewöhnlich drei Sorten, die in den Preisliſten verzeichnet, nämlich: Nr. I mit 9— 10 Proz. Stickſtoff u. 9— 10 Proz. lösl. Phosphorſäure. „ II„ 5—6„„„ 12—13„„ 7 1 III„ 3— 4 2 7 2 14—15„ 7 2 Es wäre, wie geſagt, wünſchenswert, und zwar der Sicherheit des Handels wegen, wenn dieſe Typen allgemein eingeführt würden. Da dieſelben jedoch nur aus hochprozentigen Superphosphaten bereitet werden können, weil ſonſt der garantierte Gehalt an Phosphorſäure nicht erreicht werden kann, und da es den Fabrikanten wünſchenswert ſein muß, auch die geringeren Superphosphate in Form von ammonia⸗ kaliſchen Superphosphaten verkaufen zu können, ſo würde ich noch eine Nr. 1IV mit 3—4 Proz. Stickſtoff und 10— 11 Proz. Phosphorſäure hinzufügen. Beim Ankaufe der Ammoniak⸗Superphosphate hat man auf dieſelben Eigenſchaften zu achten, wie beim Ankauf der einzelnen Ge⸗ mengteile, d. h. das zu denſelben verwandte Ammoniakſalz darf nicht mit ſchädlichen Subſtanzen behaftet ſein und das Superphosphat darf nicht zurückgehen, wenn nicht letzteres ausdrücklich geſtattet iſt. Speziell aber bei dieſen Düngemitteln hat man auf eine äußerſt gleichmäßige 186 Ammoniakaliſche Superphosphate. Miſchung zu ſehen. Es kommen oft Fabrikate in den Handel, aus denen man große Ammoniak⸗Salzkryſtalle oder Klumpen von ſolchem Salze in Menge ausleſen kann. Abgeſehen davon, daß man von einer derartig ungleichmäßigen Maſſe keine genügende Durchſchnittsprobe ent⸗ nehmen kann, daß alſo dem Käufer mehr oder weniger die Kontrolle über die Qualität der Ware entzogen wird, kann es auch letzterem durchaus nicht gleichgültig ſein, ob er den Stickſtoff auf einzelne Stellen ſeines Ackers wirft oder denſelben über den ganzen Acker ver⸗ breitet. Es wird auch öfter verſucht, Miſchungen von Chiliſalpeter und Superphosphaten, ſog. Salpeter⸗Superphosphate, oder gar von Kaliſalzen und Superphosphaten in den Handel zu bringen. Ich rate aber jedem Landwirte von dem Ankaufe ſolcher Dünger ab. Bei den Kali⸗Superphosphaten z. B. iſt es, wie wir ſpäter ſehen werden, durchaus nicht gleichgiltig, welche Sorte von Kaliſalzen der Fabrikant für ſeine Miſchung genommen hat, ſodaß der Landwirt leicht zu Fehl⸗ griffen verleitet werden kann; die Salpeter⸗Superphosphate aber bieten dem Analytiker bei der Beſtimmung des Stickſtoffes ſo große Schwierig⸗ keiten, die Analyſe iſt eine ſo umſtändliche, daß die Qualitätskontrolle nur ſchwer durchführbar iſt, außerdem aber iſt durch neuere Verſuche mit Sicherheit nachgewieſen, daß dieſelben beim Lagern durch Ver⸗ flüchtigung der Salpeterſäure ſehr raſch an Gehalt verlieren. Uber die Verwendung der Ammoniak⸗Superphosphate iſt dem früher über Ammoniakſalz und über Superphosphate geſagten nichts hinzuzufügen. Gehalts⸗Tabelle. 187 1 Tabelle über den Gehalt der ſtickſtoff⸗ und phosphorfäurehaltigen hn Dünger. einer e ent⸗“ toll un⸗ boden⸗ waſſer⸗ Stickſtoff terem T 8 naln Es enthält lösliche 25 35 e Phosphorſäure 8 5 55 8 Li) ein Ctr. Pfd. S. von——————õ—ʒ——.———ℳ;—ÿ— 1 1 getrocknet. gem. Peru⸗Guano 2er. 25— b 1 7„ 7 2 14 4 dden aufgeſchloſſener Peru⸗Guano....— 10 4—7 inn Ichaboë⸗Guano... 176—— 144, jehl⸗ Fledermaus⸗Guano von Sardinien. 16,1, ͤ iete.„ aus Wuzaen 1146. 1. s eng 7„„2 ECbo.. ,⸗, 572—-— 27,06 roll 2—— 5. 143 uch gedämpftes Knochenmehl.... 19— 26,5—— 2,5— 4, aufgeſchloſſenes Knochenmehl..—— ea. 17 ca. 2,5 er⸗ Berliner aufgeſchloſſ. ſicſoffreiche V jen. Knochenmehl I.—- 9,5— 4,5 dem do. II„.....—— 8,5— 5,5 13,57 V- 331 ts Fiſchguano......... 13,—„ 1 Fleiſchmehl......... 12,46—— 3754 Pranatgmand 25 5.. 3,0 V 95 95, 2 perphospha.—,— umonin al. Su rpi phe 1 13 52— 2„ III. 2*— 14,5 3,5— 2„ IV.*— 10,5 3,5— WV. Abſchnitt. Die Kaliſalze. Das Vorkommen von Kaliverbindungen in den Pflanzen wurde ſchon in der Einleitung hervorgehoben; die Aſche derſelben beſteht oft zum größten Teil aus kohlenſaurem Kali, deſſen laugenartiger Geſchmack und deſſen auflöſenden, daher reinigenden Eigenſchaften dasſelbe ſchon früh bekannt machen mußten. In der That kannten die älteſten Völker dieſen Stoff und verwandten ihn in ihrem Haushalte und in ihrer Induſtrie. Schon Ariſtoteles beſchreibt ein Verfahren zur Her⸗ ſtellung desſelben, welches im weſentlichen identiſch mit dem iſt, nach welchem heute noch die unreine Verbindung, die ſogenannte Pottaſche, aus Holz und anderen Pflanzenteilen fabriziert wird. Es liegt außerhalb des Zieles unſeres Büchleins, die Methoden der Fabrikation von Pottaſche genauer zu beſchreiben, weil dieſer Stoff ſeines hohen Preiſes wegen vorläufig nicht die geringſte Ausſicht hat, jemals zur Düngung Verwendung zu finden, ſo trefflich er ſich aus anderen Gründen hierzu eignen würde. Da jedoch dieſe Induſtrie aufs engſte mit der Agrikultur zu⸗ ſammenhängt, weil ja das Rohmaterial derſelben ſchließlich dem Acker⸗ bau entnommen iſt, ſo wollen wir ſie wenigſtens im allgemeinen in in unſere Betrachtung hineinziehen. Man gewinnt Pottaſche, indem man Pflanzenaſchen mit Waſſer auslaugt, die Lauge unter Anwendung beſonderer Vorſichtsmaßregeln verdampft und das ſchließlich zurückbleibende Salz kalciniert. Da der Aſchengehalt der Pflanzen an und für ſich gering iſt (ſ. Tabelle S. 4) und da das kohlenſaure Kali nur einen Teil dieſer —— 2—e— ͤ— —— Pottaſche. 189 Aſche ausmacht, ſo kann die Ausbeute an Pottaſche ſtets nur eine ſehr unbedeutende ſein. Nach Kerls Angaben*v) erhält man aus 1000 Teilen folgender Pflanzen: Fichtenholz... 0,45 Teile Pottaſche Pappelholz.... 0,75„„ Buchenholz.... 1,45„„ Eichenholz.... 1,53„„ Weidenholz. 2,85„„ Ulmenholz... 3,90„„ Weizenſtroh.... 3,90„., Diſteln..... 5,00„„ Weinreben.... 5,50„„ Gerſtenſtroh.... 5,80„„ Farnkraut.... 6,26„„ Binſen.... 2,22„„ Maisſtengeln.. 17,50„„ Sonnenblumenſtengeln 20,00„„ Wucherblumen.25,00„„ Brennneſſeln... 25,03„„ Wickenkraut..27,50„„ Wermutkraut. 73,00„„ Erdrauchkraut 79,00„„ Es würde daher ein wirtſchaftliches Unding ſein, wollte man in Gegenden, wo man Holz als ſolches verwerten kann, dasſelbe behufs Fabrikation von Pottaſche verbrennen, und man findet daher dieſe In⸗ duſtrie jetzt nur noch in Gegenden, die vom Weltverkehre noch unbe⸗ rührt ſind, oder in denen große Waldungen ausgerottet werden, um dem Getreidebaue Platz zu machen; es ſind dies heute noch das innere Rußland, Illyrien, Siebenbürgen, das Innere Amerikas ꝛc.; daß es in wenigen Jahren noch eben ſo iſt, iſt wenig wahrſcheinlich. Jede neue Eiſenbahnlinie, ja jeder einigermaßen gute Landweg wird dieſer In⸗ duſtrie ein Stück Terrain entziehen, bis ſie ſchließlich zu den Antiqui⸗ täten gelegt werden wird. In obiger Ausbeutetabelle finden wir einige Pflanzen, wie Wermut, Erdrauch ec., die einen verhältnismäßig hohen Ertrag an Pottaſche ergeben, und man hat daher ſchon vorgeſchlagen, dieſelben zur Gewinnung dieſes Salzes anzubauen. Den Wert dieſes Vorſchlags kann man beurteilen, wenn man bedenkt, daß das Erdrauchkraut ſeinen Kaligehalt unzweifelhaft dem Boden entnimmt, es wird denſelben daher nach kürzerer oder längerer *) Encyklopäd. Handbuch ꝛc. 190 Pottaſche. Zeit mit Sicherheit ausſaugen, alſo unfruchtbar machen, wenn man nicht für genügenden Erſatz durch Kalidüngung ſorgt. Der Anbau von Pottaſchepflanzen würde daher ſchließlich darauf hinauslaufen, daß man Kaliſalze, z. B. Chlorkalium, dem Boden zuführt und dieſes mit Hülfe der Pflanze in kohlenſaures Kali verwandelt. Da man jedoch durch den Umweg der Herſtellung von ſchwefelſaurem Kali und Schmelzen desſelben mit Kalk und Kohle zu demſelben Ziele gelangt, und da man die hierfür nötige Fabrikanlage auch bei Verarbeitung von Pflanzen braucht, ſo wird dieſes Verfahren wohl kaum in die Wirklichkeit über⸗ tragen werden. Anders verhält es ſich mit der Benutzung kalihaltiger Fabrik⸗ abfälle, wie die Rückſtände aus Melaſſebrennereien(Melaſſeſchlempe), Wollſchweiß und dergl. Bei dieſen kann unter Umſtänden die Ver⸗ arbeitung auf Pottaſche rationell ſein, aber auch nur dann, wenn der Landwirt, deſſen Ackern das in dieſen Rohmaterialien enthaltene Kali entnommen iſt, dasſelbe in Form von Kaliſalzen der Wirtſchaft wieder zuführt. Wir werden auf dieſen Gegenſtand am Schluſſe dieſes Ab⸗ ſchnittes wieder zurückkommen. Lange Zeit hindurch waren die Pflanzen allerdings die einzige Quelle der Kaliſalze; da dieſelbe aber, wie wir ſchon ſahen, ſehr ſpärlich fließt, ſo konnte früher der Bedarf an denſelben, der dabei damals größer war, als jetzt, weil man noch nicht verſtand Soda, die jetzt in den meiſten Gewerben an Stelle der Potteaſche getreten iſt, künſtlich zu bereiten, kaum gedeckt werden. Erſt die Erfindung Leblancs, der aus Kochſalz Soda erzeugte, entlaſtete Ende vorigen Jahrhunderts den Kulturboden, d. h. die Landwirtſchaft zum größten Teile von dem kaum berechenbaren Tribute, den ſie jahraus jahrein an die Induſtrie— in Form von Kali— ab⸗ geben mußte. Doch denſelben ganz aufzuheben gelang noch nicht, es blieb immer eine Reihe von Gewerben, wie die Glasbereitung, denen es unmöglich war, kohlenſaures Kali durch das entſprechende Natriumſalz zu erſetzen. Es waren daher ſicherlich verdienſtliche Beſtrebungen, wenn einzelne Chemiker Verſuche und Vorſchläge machten, das in manchen unlöslichen und ſchwer zerſetzbaren Mineralien in reichlicher Menge vorhandene Kali löslich, alſo für die Induſtrie verwertbar zu machen. Unter dieſen Mineralien ſind beſonders der Kalifeldſpat mit 16,59 Proz. Kali und die zum Teile aus ihm beſtehenden Gebirgsarten, Granit, Porphyr ꝛc. hervorzuheben. Fuchs zeigte zuerſt, daß derſelbe als feines Pulver mit Aetz⸗ kalk geglüht ſich derartig zerſetzt, daß ſein Kaligehalt als Aetzkali auflöslich wird. ———,———— ——-M— — 1—— n man au von 5 um diſe mdurg melzen und da flanze über⸗ brik⸗ empe) Ver⸗ in der Kal vieder 4 Ab⸗ inzige ſehr dabei „die iſt eugte, die ibute, ah⸗ blieb n es mſalz zelne ichen dene Unter Proz. ranit, Aet⸗ ehkali Das Staßfurter Kaliſalzlager. 191 Auf dieſe Beobachtung gründete ſich ſpäter ein Verfahren der Pottaſchefabrikation, welches alle Ausſicht hatte, eine bedeutende Rolle in der Induſtrie zu ſpielen. Seit aber die ſo überaus mächtigen Staßfurter Kaliſalzlager entdeckt und ausgebeutet wurden, iſt dasſelbe zwecklos geworden. Es hat jetzt nur noch hiſtoriſches In⸗ tereſſe. Jetzt wird ſchon ſeit Jahren Pottaſche, oder beſſer geſagt, kohlenſaures Kali(weil man mit Pottaſche das unreinere Produkt bezeichnet) in bedeutenden Mengen nach dem von Leblanc für Soda erfundenen Verfahren in großen Fabriken hergeſtellt. Das Rohmaterial für dieſelbe iſt ſchwefelſaures Kali, welches in letzter Reihe aus den Produkten der Kaliſalzbergwerke herſtammt. Das Staßfurter Lager enthält die Kaliſalze in leicht löslichen Verbindungen und in ſolchen Mengen, daß es für unberechenbare Zeiten den Konſum der Induſtrie zu decken imſtande iſt. Die letztere hat jetzt nicht mehr nötig, bezüglich ihres Kalibedarfs eine Anleihe bei der Landwirtſchaft zu machen, und dieſe iſt ſogar in den Stand geſetzt, alles, was ihr im Laufe von Jahrtauſenden an dieſem Stoffe entzogen worden iſt, zurückzunehmen. Veranlaßt durch die geognoſtiſchen Verhältniſſe der Staßfurter Gegend und durch den Umſtand, daß die Salinen des preußiſchen Staates kaum drei Viertel des für denſelben nötigen Speiſeſalzes liefern konnten, ſetzte man am 3. April 1839 in genanntem Orte das erſte Bohrloch an, in der Abſicht, eine gute, ſiedewürdige Kochſalzſole, oder beſſer noch Steinſalz aufzuſuchen. Im Juni 1843 zeigte ſich das erſte Salz und im Jahre 1851 hatte man ſchon ein Salzlager von 325 m durchbohrt, ohne das Liegende desſelben angetroffen zu haben. Das Bohrloch hatte damals eine Tiefe von 581 m. Die erſte Sole, welche man 1843 erbohrte, hatte ein ſpez. Gewicht von 1,205, man konnte ſie alſo für geſättigt halten und erwartete daher einen Kochſalzgehalt von 27 Proz. Bei der chemiſchen Unter⸗ ſuchung derſelben ergaben ſich aber nur 16 Proz., bei einem Gehalte von etwa 13 Proz. Chlormagneſium, ſie war daher nicht für den Salinenbetrieb brauchbar. Je tiefer man in das Salz eindrang, deſto größer wurde das ſpezifiſche Gewicht der Sole, ſodaß dasſelbe bei 425 m ſchon 1,3 betrug. Die Analyſe dieſer letzteren ergab: ſchwefelſaure Magneſia 4,01 Proz. Chlormagneſium. 19,43„ Chlorkalium... 2,24„ Kochſalz aber nur 5,62„ im ganzen 31,29 Proz. feſte Salze. Es war dies eine ſchlimme Enttäuſchung, die leicht hätte die Einſtellung der Bohrverſuche zur Folge haben können, doch vermutete Profeſſor Marchand in Leipzig ſchon 1848, daß das Steinſalzlager 192 Lnndere Kaliſalzlager. an ſich rein ſei und daß die Magneſiaſalze der Sole aus den darüber liegenden Schichten herſtammen müſſe. Es wurde infolgedeſſen, auf gutes Glück hin, am 4. Dezember 1851 der erſte Schacht„von der Heydt“ und am 31. Januar 1852 der zweite„von Manteuffel“ angehauen. Im Jahre 1856 erreichte man die Abbauſohle in einer Tiefe von 333,5 m. Wenig entfernt von den preußiſchen Schächten eröffnete im Jahre 1858 auf ihrem Gebiete die anhaltiſche Regierung ebenfalls zwei Steinſalzſchächte, obgleich der Bedarf des Ländchens jährlich kaum 30 000 Centner Salz betrug. Nach Abteufung dieſer Schächte erwies ſich auch hier die Ver⸗ mutung Marchands als richtig, man fand wirklich ein Lager ſehr reinen Steinſalzes von mehr als 300 m Mächtigkeit. Nach einigen Jahren aber ſchon ſtellte ſich heraus, daß letzteres bei weitem nicht den größten Wert des Bergwerkes ausmachte. Man fand nämlich bald, daß die das Steinſalzflötz überdeckenden Salze, aus denen der Magneſiagehalt der Bohrſolen herrührte und welche ein mächtiges Lager bilden, bedeutende Mengen Chlorkalium enthielten. Anfangs waren dieſelben allerdings eine läſtige Zugabe zu dem reichen Stein⸗ ſalzfunde, weil man nicht wußte, was man mit denſelben anfangen ſollte und ſie daher abräumen und über die Halde ſtürzen mußte(Ab⸗ raumſalze). Bald jedoch erkannte man ihren Wert, und von da an wurde Staßfurt zu dem bedeutenden Induſtrieorte, der es jetzt iſt. Auch in Kalusz in Galizien wurde 1854 eine Kaliſalzſchicht entdeckt, die ſich dadurch vorteilhaft von dem Staßfurter Lager unter⸗ ſchied, daß ſie keine Magneſiaſalze, ſondern reines Chlorkalium mit etwas Kochſalz enthielt, wenn auch die Ablagerungen nicht eine ſolche Mächtigkeit hatten, wie dort. Das Chlorkalium fand ſich daſelbſt in oft ſehr umfangreichen Neſtern, eingebettet in Salzthon, das ſog. Haſelgebirge, und beſtand aus dichten Maſſen, häufig große Sylvinkryſtalle(ſ. dieſen) von oft 5— 6 cm Seitenkante einſchließend. Die Ausbeutung des Lagers wurde 1869 von den Herren Mar⸗ gulies und Tſchermak in Angriff genommen, doch gingen die Fabriken Mitte der ſiebziger Jahre wieder ein, da die Rohſalze nur noch etwa 1 Proz. Chlorkalium enthielten. Jetzt iſt dort nur noch ein Lager von Kainit(ſ. dieſen) im Betriebe, welches bedeutend mächtiger iſt, wie die bei Staßfurt aufgefundenen. Im Jahre 1870 wurde ein weiteres Kaliſalzlager von dem Berg⸗ werksbeſitzer Grafen Douglas in der Nähe von Weſteregeln etwa drei Meilen nordweſtlich von Staßfurt, angebohrt und bald darauf in An⸗ griff genommen. Der dort gefundene Carnallit, welchen Graf Dou⸗ glas in einer bedeutenden, unmittelbar über dem Förderſchachte angelegten Fabrik ſelbſt auf Chlorkalium verarbeitete, zeichnet ſich durch große arüber 1851 22 der reich Jabe zwei haun Ver⸗ ſeht nigen wrich ämlich en der htiges fangs Stein⸗ angen (Ab⸗ a an ciicht mter⸗ mit ſolche eichen ſtand n oft Nar⸗ vriken etwa dager iſt Berg⸗ madrei Ar⸗ Dou⸗ legten guoße Der Carnallit. 193 Reinheit aus. Dasſelbe iſt vor längerer Zeit an eine Aktien⸗Geſellſchaft „Alkaliwerke Weſteregeln“ verkauft worden, welche dasſelbe in groß⸗ artiger Weiſe ausbeutet. Das vierte im weiteren Umkreiſe von Staßfurt angelegte Kali⸗ ſalzwerk iſt das von Neu⸗Staßfurt, welches gewerkſchaftlich be⸗ trieben wird. Dasſelbe hat für den Landwirt beſonders ſeines ſehr guten Kainitlagers wegen Intereſſe. Der Carnallit, das Rohmaterial für die reineren Kaliſalze, kommt daſelbſt ſo verunreinigt vor, daß er, nach einigen wenig erfolgreichen Verſuchen, nur noch von einigen, beſonders günſtig belegenen Fabriken verarbeitet wird. In Staßfurt ſelbſt wird ſeit längeren Jahren der Schacht „Ludwig II.“, der ſeiner Zeit verlaſſen worden war, von einer Gewerkſchaft auf Carnallit wieder flott betrieben. Außer dieſen Werken werden in weiterer Entfernung von Staß⸗ furt noch betrieben: die Kaliwerke in Aſchersleben, in Vienen⸗ burg a. H., in Thiederhall zu Thiede in Braunſchweig, die deutſchen Solvaywerke in Bernburg und der Schacht Wilhelms⸗ hall bei Anderbeck in der Nähe von Halberſtadt. Erbohrt wurden außerdem Kaliſalzflötze bei Lüneburg, bei Lübtheen und Jeſſenitz in Mecklenburg, zu Altmirsleben in der Altmark und in Mago im nördlichen Pendſchab. In Sondershauſen fand man bisher nur ſog. Hartſalz. Auf die Lagerungsverhältniſſe der Salze in Staßfurt und den übrigen angeführten Werken einzugehen, würde hier zu weit führen, wer ſich ſpezieller dafür intereſſiert, möge die betreffende Litteratur nachleſen.“) Da es jedoch für das Verſtändnis der unten zu be⸗ ſchreibenden Fabrikationsmethoden unbedingt nötig iſt, die Mineralien zu kennen, aus denen das kalihaltige Rohſalz ſich zuſammenſetzt, ſo ſehen wir uns veranlaßt, dieſe vorab zu beſprechen: 1. Der Carnallit. Derſelbe bildet die Hauptmaſſe des Kali⸗ rohſalzes. Er iſt im reinſten Zuſtande waſſerhell, oft iriſierend, doch findet er ſich meiſt durch Flitter von kriſtalliſiertem Eiſenoxyd rot bis rotbraun gefärbt. Sein Bruch iſt muſchelig, ſein ſpez. Gewicht 1,65. Deutlich kriſtalliſiert kommt er ſehr ſelten vor; ich hatte bisher nur ein einziges Mal Gelegenheit, einen ausgebildeten Kriſtall des⸗ ſelben(von etwa 1 ½ cm Länge) zu ſehen, der an einem Ende auf gewöhnlichen Carnallit aufgewachſen war und in ſeiner Form den künſtlich in der Fabrik bereiteten Kriſtallen(ſ. unten) entſprach. Man findet jedoch in den Schächten vielfach ſekundär gebildete, d. h. durch freiwillige Verdunſtung einer Löſung von Chlorkalium und Chlor⸗ *) F. Biſchoff, die Steinſalzwerke bei Staßfurt, Kerl, Encyklopäd. Handbuch der techn. Chemie, C. Ochſenius, Salzlager, Precht, die Staß⸗ furter Kaliſalze, Maercker, die Kalidüngung.— Rümpler, Düngeſtoffe. 4. Auflage. 13 194 Der Carnallit. magneſium entſtandene, Kriſtalle, die aber meiſt in etwas anderer Weiſe ausgebildet ſind. Der Carnallit kriſtalliſiert im rhombiſchen Syſteme und zwar ſind die Baſiswinkel 120 und 600(Figur 17), ſo daß ſich die Axen a: b verhalten wie 1:7 3. Auf die Seiten dieſes Rhombus ſetzen ſich eine Reihe von verſchieden ſteilen Oktaöder⸗ flächen(a1, ag, as,...) auf. Faſt ſtets, nämlich bei künſtlich gebildetem Carnallit und bei dem oben erwähnten, von Fig. 17. mir gefundenen Kriſtalle, findet ſich noch die Endfläche P ſehr ſtark ausgebildet, ſo daß tafelförmige Gebilde ent⸗ ſtehen, wie etwa Figur 18. Die Oktaöderkanten ſind meiſt durch eine Reihe von Flächen ab⸗ geſtumpft, die in ihren Neigungs⸗ winkeln mit denen der Oktaöder⸗ flächen korreſpondieren. Sie ſind daher auf die Endpunkte der einen Axe aufgeſetzt und der anderen Ba⸗ ſisaxe parallel(Macrodoma und Brachydoma). In Figur 19 iſt ein Kriſtall abgebildet, in dem das Brachydoma(br, ba, ba...) ſich zeigt. Die in den Schächten ſekundär gebildeten Kriſtalle ſind ſelten tafelförmig, ſondern mehr oktaödriſch(kugelförmig) ausgebildet. Die Endfläche P fehlt an denſelben oft ganz. Man findet öfters große Maſſen von Carnallitkriſtallen, die durch Druck ſo in einander gepreßt ſind, daß die Flächen konkav erſcheinen, die Kriſtallform iſt an den⸗ ſelben jedoch noch deutlich zu erkennen. Der Carnallit enthält in 100 Teilen: nach nach nach Roſe v. Oeſten Schwert Chlorkalium 24,27 24,27 27,41 Chlormagneſium 31,46 30,51 36,03 Chlorcalcium als 2,62 3,01— Kochſalz.. Verun⸗ 5,10 4,55 0,23 Schwefelſ. Kalkf reini⸗ 0,84 1,26 1,14 Eiſenoxyd. gungen 0,14 0,14— Fig. 19. Waſſer.... 35,57 36,26 36,33 woraus ſich die Formel KOl+ MgOl.+ 6O ergiebt. Das bergmänniſch geförderte Mineral iſt weſentlich unreiner; es enthält nach Maercker: de ent⸗ ſelten De große gepreft n den⸗ nach chwert 741 360 02 M 3638 ner; d Carnallit. Sylvin. 195 Chlorkalium.. 15,5 Proz. Chlormagneſium... 21,5„ Schwefelſ. Magneſia.. 12,1„ Kochſalz(Eßlornairn). 22,14„ Gips... 1,9„ Unlösliches..... 0,5„ Waſſer.... 26,1 Sein Kaligehalt*) beträgt 9,82 Pro; Mit Waſſer zerſetzt ſich der Carnallit in Chlorkalium und ſich auflöſendes Chlormagneſium. Er kann daher nicht aus Waſſer umkriſtalliſiert werden. Aus heißen Chlorkaliumlöſungen, die einen Überſchuß von Chlormagneſium enthalten, ſchießt er in ziemlich regel⸗ mäßig ausgebildeten Kriſtallen, die meiſt in der Richtung der Axe b zu Zapfen vereinigt ſind, an. 2. Der Sylvin iſt ein natürlich gebildetes Zerſetzungsprodukt des vorigen und beſteht im weſentlichen aus reinem Chlorkalium. Er iſt daher, abgeſehen von beigemengtem Kochſalze, nach der Formel Kl zuſammengeſetzt und enthält im reinſten Zuſtande 47,58 Proz. Chlor und 52,42„ Kalium. Er iſt meiſt farblos, ſelten rötlich bis braun gefärbt, glasglänzend, etwas perlmutterartig ſchimmernd, im ganzen dem Steinſalze ſehr ähnlich und wie dieſes regulär, in Würfeln mit Oktaöderflächen, kriſtalliſierend. Bruch eckig, ſpez. Gew. 2,025. Das in Kalusz ſich findende Kaliſalz beſteht hauptſächlich aus Sylvin und zwar kommt derſelbe dort, wie man das ſonſt nur bei Steinſalz bemerkt, blau gefärbt vor, doch ſoll, nach anderen, die blaue Farbe desſelben von eingeſprengtem blauen Steinſalze herrühren. Der bergmänniſch geförderte Sylvin, auch Sylvinit und Hartſalz genannt, iſt vorzugsweiſe mit Kochſalz verunreinigt. Er enthält nach Maercker: Chlorkalium.... 30,55 Proz. Chlornatrium... 46,05„ Chlormagneſium.. 2,54„ Schwefelſaures Kali 6,97„ Schwefelſaure Magneſia. 4,80„ Gips.. 1,80„ Waſſer und Unlösliches.. 7,29„ Der Kaligehalt*) beträgt 23,04 Proz. *) Obgleich Chlorkalium eigentlich kein Kali(K2 0) enthält, ſondern nur aus Chlor und Kalium beſteht, behalten wir, wie Maercker, dieſe Bezeich⸗ nung bei, um die Kaliſalze in ihrem Gehalte unter ſich vergleichen zu können. 13* 196 Kainit. 3. Der Kainit findet ſich im anhaltiſchen Schachte zu Leopoldshall, ſowie in Neu⸗Staßfurt in größeren Maſſen, ſelten im preußiſchen. In Kalusz fand man eine Schicht dieſes Minerals in ſehr reinem Zuſtande von mehr als 25 Meter Mächtigkeit. Er iſt farblos, gelblich, rötlich bis faſt ſchwarz und im Vergleiche zu den übrigen hier zu beſprechenden Mineralien ſehr hart. Sein ſpezifiſches Gewicht iſt 2,131, ſein Bruch ſplitterig, kriſtalliniſch, ſehr ſelten in wirklichen Kriſtallen. Er beſteht nach Reichhardt in 100 Teilen aus Kali.... 17,37 oder Natron...... 5,90 Schwefelſ. Kali 32,121 54 99 Magneſia..... 14,76 Schwefelſ. Magneſia 22,871 Schwefelſäure(SOa).. 30,00 Chlormagneſium. 16,95 Chlor...... 18,56 Waſſer.. 17,37 Unlösliches..... 0,22 Kochſalz ſals Verun⸗ 9,70 — 86,81 Unlösliches! reinigung 0,22 ab Sauerſtoff für Chlor. 4,18 82,63 Waſſer...... 17,3/ 100,00 Die Formel für den reinen Kainit iſt K SO.+ Mg S0.+ Mg Cl+ HZ O. In den älteren Werken findet man meiſt die Formel K, Cl+(Mg S04)⸗+ 6 H2 0 (alſo Chlorkalium mit ſchwefelſaurer Magneſia), die man ebenfalls aus obiger Analyſe ableiten kann. Die erſtere Formel iſt aber die allein richtige und zwar, weil der Kainit die Eigenſchaft hat, an der Luft zu zerfließen. Da weder ſchwefelſaure Magneſia, noch Chlorkalium, wohl aber Chlormagneſium in hohem Grade die Eigenſchaft hat, Waſſer aus der Luft anzuziehen und damit zu zerfließen, ſo muß man das letztere als im Kainit vorhanden annehmen, beſonders da dasſelbe ſich auch beim Behandeln des Minerals mit Alkohol in dieſem auflöſt. Der Kainit iſt daher ſchwefelſaure Kali⸗Magneſia mit Chlor⸗ magneſium verbunden. Während man Sylvin, Carnallit, ſchwefelſaure Kali⸗Magneſia ꝛc. künſtlich darſtellen kann, iſt es noch nicht gelungen, dieſe eigentümliche Verbindung zu erzeugen, und man iſt daher bis jetzt über ihre Ent⸗ ſtehungsweiſe noch vollkommen im Unklaren, vermutet jedoch, daß er ſich durch Einwirkung von Waſſer auf das Gemenge von Carnallit und Kieſerit, wie es im Salzlager vorliegt, gebildet habe. Der Kainit, wie er in den Schächten von Leopoldshall, Neu⸗Staßfurt und Kalusz in bedeutenden Quantitäten gefördert 5499 ſig d. mlich Er⸗ aß er mallt hall, ördert Kainit. Schoenit. 197 wird, wird durch Klauben möglichſt von dazwiſchen ſich findendem Steinſalze befreit und alsdann einfach auf einer Salzmühle(ſ. ſpäter) gemahlen. Derſelbe geht unter dem Namen„gemahlener Kainit“*) und enthält im Durchſchnitt 65— 75 Proz. reinen Kainit oder 23 Proz. ſchwefelſaures Kali(entſprechend 12,4 Proz. Kali). Die Verunreinigungen beſtehen vorzugsweiſe aus Kochſalz und etwas Thon. Analyſen der Handelsware ergaben: XS Adlerkainit**) Leopoldshaller 8 — Kainit**²) 2 SS 2 27 85. 55 2 5S S 8 5E 25 5 3 5 3 5 ¾ 44 5 325 35 — NProz. Proz. Proz. Proz. Proz.= Waſſer......... 14,5 13,40 16,02 12,90 13,0 12,7 Schwefelſaures Kali.... 24,0 25,38 25,28 24,97 25,9 21,3 Schwefelſaure Magneſia... 16,5 16,76 17,97 12,01 14,0 14,5 Chlormagneſium...... 12,1 13,59 13,82 14,70 14,0 12,4 Kochſalz......... 31,2 30,11 25,57 32,40 32,0 34,6 Unlösliches und Gips.... 1,7 0,73 1,34 3,02 2,0 2,5 Chlorkalium....————— 20 ſ100,0 99,97 100,00 100,00 100,0 100,0 Eine Verarbeitung des Kainites durch Calcinieren und Mahlen findet ſeit Jahren in keiner der Staßfurter Fabriken mehr ſtatt. Was zuweilen unter dem Namen„präparierter Kainit“ verkauft wird, iſt nichts weiter als das unten zu beſprechende beſſere Düngeſalz. Das⸗ ſelbe hat weder in ſeiner Zuſammenſetzung, noch in ſeiner Wirkung auch nur die geringſte Ähnlichkeit mit echtem präparierten Kainit, noch weniger mit„ſchwefelſaurer Kali⸗Magneſia“. Da der gemahlene Kainit ſich leicht zuſammenballt und dann nur mit großer Mühe wieder zerkleinert werden kann, wird er in neuerer Zeit nach den Vorſchlägen von Fleiſcher mit 2 ½ Proz. Torfmehl gemiſcht, welches das Zuſammenballen und Stückigwerden verhindert. Dasſelbe Mittel wird auch bei anderen Staßfurter Rohſalzen angewandt, wenn dieſelben als Dünger verkauft werden. 4. Der Schoenit iſt ſchwefelſaure Kali⸗Magneſia und nach der Formel K. S0.+ Mg SO.+ 6H2 0 zuſammengeſetzt. Seine Ent⸗ ſtehung aus dem Kainit durch Auswaſchung des Chlormagneſiums wäre *) Das Bergwerk Neu⸗Staßfurt nennt ſeinen Kainit„Adlerkainit“ Derſelbe unterſcheidet ſich in nichts von dem„gemahlenen Kainit“. **) Nach Heidens Düngerlehre. 198 Polyhalit. Krugit. Steinſalz. daher wohl leicht erklärlich, doch iſt ſeine Exiſtenz, als Mineral, noch nicht mit Sicherheit feſtgeſtellt. Künſtlichen Schoenit ſiehe ſpäter. 5. Der Polyhalit. Derſelbe tritt in Schnüren*) von 26 bis 33 mm Stärke als Zwiſchenlagerung des Steinſalzes auf. Meiſt amorph, nur ſelten kriſtalliniſch, hellgrau, Bruch muſchelig, ſpez. Gew. 2,72. Seine Unterſuchung ergab in 100 Teilen Schwefelſaures Kali........ 27,90 Schwefelſaure Magneſia....... 19,76 Schwefelſauren Kalk........ 42,64 Waſſer........... 5.,,75 Kochſalz(als Verunreinigung)..... 3,49 99,54 Seine Formel würde daher ſein K. SO.+ Mg S0.+ 2 Ca 80, + 2 H2 O. Beim Behandeln mit Waſſer löſt ſich aus demſelben vor⸗ zugsweiſe das Kaliſalz auf, während die ſchwefelſaure Magneſia und der ſchwefelſaure Kalk zum größten Teile ungelöſt zurückbleiben. Der Polyhalit wurde ſchon vor ſeiner Entdeckung im Staßfurter Kaliſalzlager an verſchiedenen Orten, zu Iſchl, Hallein, Berchtesgaden ꝛc., aufgefunden, z. T. rhombiſch kriſtalliſiert oder doch wenigſtens ſtänglich⸗ oder faſerig⸗kriſtalliniſch. 6. Der Krugit iſt dem Polyhalit in chemiſcher Beziehung ähnlich; er enthält doppelt ſo viel ſchwefelſauren Kalk(Gips), als erſterer und iſt daher nach der Formel K. SO.+ Mg S0,+ 4 CaSO, + 2 H O zuſammengeſetzt. Maercker fand in demſelben: Schwefelſ. Kali. 18,60 Proz. darin Kali 10,05 Proz. „ Magneſia 14,70„ „ Kalk 61,00„ Waſſer..... 4,20„ Kochſalz.... 1,50„ Spez. Gewicht 2,801. Von kalifreien Mineralien des Rohſalzes ſind zu erwähnen: 1. Das Steinſalz. Es iſt nach der Formel Na Cl aus Chlor und Natrium zuſammengeſetzt und im äußeren dem Sylvin ſehr ähnlich. Während es für gewöhnlich nur kriſtalliniſch vorkommt(die Flächen reiner Stücke ſind nur Spaltungsflächen nach dem Würfel), tritt es in den oberen Schichten der Abraumſalze zuweilen in oktaödriſchen Kriſtallen, die zu Druſen vereinigt ſind, auf. In dem das Weſter⸗ egelnſche Lager überlagernden Salzthone findet man auch vielfach das Steinſalz in Pſeudomorphoſen, kriſtallähnlichen Bildungen, nach der Form der Anhydrit⸗ und Carnallitkriſtalle. Es löſt ſich, wie Chlor⸗ *) Schnüre nennt man in der Sprache des Staßfurter Bergmanns Salz⸗ ſchichten von geringer Dicke, welche das Salzlager durchziehen. nen: ihlor nlic. ichen t 6 ſchen ſter⸗ das der lor⸗ Salz⸗ Tachhydrit. Kieſerit. 199 kalium, leicht in Waſſer, doch iſt letzteres in höheren Temperaturen bei weitem leichter löslich. Es löſen nämlich 100 Teile Waſſer Kochſalz(Steinſalz) Chlorkalium hei....— 150 O. 32,73 Teile— „ 0⁰C. 35,52„ 29, 2 Teile . 12⁰˙ CO. 35,80„ 32, 0„ „... 1000 0C. 35,61„ 59, 4„ beim Kochen(109,7 C.) 40,30„— Es enthält danach eine Löſung von Kochſalz von Chlorkalium hei.— 150 0. geſättigt 24,66 Proz. NaCl— „ 0⁰C.„ 26,21„„ 22,60 Proz. KCl. „... 120 O0.„ 26,36„„ 24,24„„ .. 100 C„ 28,37„„ 3/76„„ kochend 29,75„„— Das Steinſalz kommt vielfach in prachtvoll blau gefärbten Stücken vor. 2. Der Tachhodrit wurde von Rammelsberg beſtimmt. Er iſt das zerfließlichſte aller Staßfurter Salze, da er aus Chlorcalcium und Chlormagneſium, zwei ſehr leicht zerfließlichen Verbindungen, beſteht. Seine Formel iſt Ca Cl.+ 2 Mg Cl+ 12 H2 O. Er iſt von wachs⸗ bis honiggelber Farbe, im friſchen Zuſtand durchſcheinend. Spez. Gew. 1,671. Er findet ſich nur in den oberen Schichten des Lagers, meiſt mit Kieſerit und Carnallit verwachſen. 3. Der Kieſerit findet ſich in Bänken in den mittleren Regionen des Flötzes. Weißlich⸗grau, amorph, ſpez. Gew. 2,517, nach Siewert und Leopold aus 87,1 Proz. ſchwefelſaurer Magneſia und 12,9 Proz. Waſſer beſtehend. Derſelbe iſt daher nach der Formel Mg SOs+ Ha O zuſammen⸗ geſetzt. Das Pulver desſelben, mit Waſſer übergoſſen, nimmt letzteres langſam auf, und verwandelt ſich mit demſelben in Bitterſalz(Mg SO⸗ + 7Ha 0). Der Kieſerit bildet daher ein vorzügliches Rohmaterial zur Bereitung des letzteren Salzes und wird infolgedeſſen auch in vielen Fabriken als Nebenprodukt gewonnen. Es iſt aus dieſem Verhalten auch erklärlich, daß man wirkliches Bitterſalz, entſtanden durch Einwirkung von Waſſer auf Kieſerit, in den Staßfurter Schächten findet. Dasſelbe iſt nach der Formel Mg S0.+ 7 H. O zuſammengeſetzt und beſteht aus derben, wie gefloſſen erſcheinenden, durchſichtigen bis undurchſichtigen Maſſen. Ein Gemenge von Kieſerit und Carnallit geht mit 11—12 Proz. WMertarun oder 7 Proz. Kali im Handel unter dem Namen„Berg⸗ kieſerit.“ 200 Anhydrit. Boracit. Aſtrachanit. 4. Der Anhydrit tritt ähnlich dem Polyhalit in Schnüren im unterſten Teile des Steinſalzlagers als dichtes Mineral auf. In den oberen Schichten findet man ihn zuweilen in ſäulenförmigen, rhombiſchen Kriſtallen. Farbe grau bis grau⸗weiß. Chemiſche Formel Ca SOa, er iſt alſo wie der gewöhnliche Gips zuſammengeſetzt, von dem er ſich nur durch das Fehlen des Waſſers unterſcheidet(Gips: Ca SO.+ 2 Ha 0). 5. Der Boracit, borſaure Magneſia mit mehr oder weniger Chlormagneſium, kommt in geringen Mengen in Form von Kugeln von mikroſkopiſcher bis Kopfgröße, ſeltener in Kriſtallen, in der ganzen oberen Schicht des Lagers verteilt vor. Er iſt ein wertvolles Material zur Bereitung von Borſäure und Borax, doch erreicht die jährliche Produktion kaum einige hundert Zentner. Von den ſeltener vorkommenden Mineralien erwähne ich den Aſtrachanit, nach der Formel Naa SO.+ Mg S0.+ H.à O, aus ſchwefelſaurer Magneſia und ſchwefelſaurem Natron zuſammengeſetzt, außerdem Schwefelkies, welcher in ſehr ſchönen rein würfelförmigen Kriſtallen von zuweilen 1 cm Länge von mir auf Anhydrit auf⸗ gewachſen gefunden wurde, und gediegenen Schwefel in Form von Anflügen und auch in Knauern von Erbſen⸗ bis Bohnengröße. Ein ſehr ſelten vorkommendes Mineral, welches bisher noch keinen Namen erhalten hat, findet ſich in Form grau⸗grüner Schnüre an manchen Stellen des Leopoldshaller Lagers. Dasſelbe beſteht, ab⸗ geſehen von Verunreinigungen aus Eiſenoxydul und Phosphorſäure, iſt alſo der Blaueiſenerde ähnlich zuſammengeſetzt. Dies Mineral iſt beſonders deswegen intereſſant, weil man es in urſächlichen Zuſammenhang mit dem oktaödriſch kriſtalliſierten Stein⸗ ſalze bringen kann. Oktaödriſches Kochſalz kannten die Chemiker ſchon lange, und konnten es darſtellen, indem ſie dasſelbe aus Löſungen auskriſtalliſieren ließen, die Phosphorſäure enthielten. Als man nun im Staßfurter Steinſalze ebenfalls ſolches Kochſalz fand, konnte man ſich die Entſtehung desſelben nicht erklären. Erſt die Auffindung dieſes Minerals giebt den Schlüſſel hierfür. Ich wies übrigens auch in grauen und blauen Boraciten, die in den letzten Jahren häufig auftraten, Phosphorſäure in Mengen bis zu 0,2 Proz. nach und fand ſpäter, daß dieſer Stoff auch in den meiſten Fabrikprodukten Staßfurts(Rückſtänden, Laugen, Schlämmen u. ſ. w.) nachzuweiſen war. Der Leſer erkennt auch hier wieder die Allgegenwart der Phosphorſäure, von der wir S. 34 ſprachen; ſie findet ſich hier an einer Stelle, an der ſie früher gar nicht vermutet wurde. Neuerdings wieſen Diehl und Neimke das Vorkommen von Salmiak(Chlorammonium) im Staßfurt⸗Leopoldshaller Salzlager nach und zwar fanden ſie bis zu ¼ Proz. im Carnallit. ———— ———. — „— 9D9——— ———— hrüre N migen Fornel „un eniger n von anzen tteria hrlice den als eſett nigen alf⸗ von Chlorkalium. 201 Es bleibt uns nun zu beſchreiben, wie aus den eben beſchriebenen Mineralien die lange Reihe von Fabrikaten entſteht, die dem Land⸗ wirte als Kalidünger bekannt ſind. Das in den Fabriken zur Verarbeitung kommende Rohſalz iſt ein buntes Gemenge aller dieſer Salze, doch iſt der Carnallit vor⸗ herrſchend. Der Gehalt desſelben an letzterem Materiale beträgt 50— 65 Proz., was einem Chlorkaliumgehalte von 13—17 Proz. ent⸗ ſprechen würde. Dasſelbe wird ausſchließlich verwendet zur Herſtellung von Chlorkalium. Die jetzt gebräuchlichen Methoden der Verarbeitung des Kali⸗ Rohſalzes auf reinere Kaliſalze(Chlorkalium) beruhen im weſentlichen auf der oben erwähnten Eigenſchaft des Carnallits, ſich mit Waſſer in Chlorkalium und Chlormagneſium zu zerſetzen; derſelbe wird alſo ge⸗ löſt und aus der Löſung ſcheidet man das Chorkalium durch Kriſtalli⸗ ſation aus. Dieſer Vorgang iſt an ſich ein ſehr einfacher, er wird aber komplizierter dadurch, daß eine Reihe fremder, ebenfalls löslicher Salze den Carnallit begleiten; die wichtigſten dieſer Begleiter ſind das Steinſalz, in Mengen von 20— 25 Proz. und der Kieſeriet, 15— 20 Proz. des Rohſalzes die übrigen, oben beſchriebenen Mineralien, Kainit, Polyhalit, Tachhydrit ꝛc. kommen nur ſelten in größerer Menge dazwiſchen vor, ſind allerdings alsdann für den Fabrikanten um ſo ſtörender. Da das Rohſalz jetzt ſtets in ſtückiger Form von den Werken ge⸗ liefert wird(früher, als der Betrieb noch kleiner war, wurde auch wohl hin und wieder gemahlenes Salz verkauft) muß es, ehe es gelöſt wird, zerkleinert werden. Es geſchah dies früher allgemein durch Zer⸗ ſchlagen desſelben mit langgeſtielten Hämmern, ſeit Jahren jedoch haben alle Fabriken für dieſen Zweck Maſchinen eingeführt. Die gebräuch⸗ lichſte dieſer Maſchinen iſt der ſog. Salz⸗ reſp. Steinbrecher, den wir früher ſchon als zur Zerkleinerung der Phosphate dienlich erwähnten. Der Salzbrecher, von dem Figur 20 einen Längsſchnitt, Figur 21 die Anſicht von oben darſtellt, beſteht aus dem Maule A und dem Bewegungsmechanismus B. Durch die Riemſcheibe C wird die Welle ab in Umdrehung verſetzt, auf der in der Mitte eine breite exzentriſche Scheibe c (ein ſog. Exzenter befeſtigt iſt). Der Exzenter ſitzt wieder drehbar in dem Klotze Bi, welchen er bei jeder Umdrehung abwechſelnd hebt und ſenkt. An dem unteren Ende des Klotzes Bi ſind mit Scharnieren zwei ſtarke eiſerne Platten, die ſog. Flügelplatten, befeſtigt, deren andere 202 Salzbrecher. beiden Enden, ebenfalls mit Scharnieren in d reſp. e an der feſtſtehenden Hinterwand E der Maſchine reſp. an der um den Bolzen f drehbaren Brechbacke Au befeſtigt ſind. In Figur 20 befindet ſich der Klotz B1 ziemlich in ſeiner tiefſten Stellung, die beiden Flügelplatten bilden einen Winkel, das Brechmaul A iſt an ſeinem unteren Ende geöffnet und läßt etwa in demſelben befindliche gebrochene Salzſtücke hindurchfallen. Hebt ſich nun der Klotz ſo wer⸗ den zunächſt die Flügelplatten in eine Lage kommen, in der ſie eine gerade Linie bilden, die Brechbacke Al¹ wird als⸗ dann, weil nämlich die hintere Platte in d unverrückbar be⸗ feſtigt iſt, nach vorn, auf die feſtſtehende Brechbacke A“ zu, geſchoben werden, das Maul wird an ſeinem unteren Ende geſchloſſen und Alles, was ſich in dem Raume A, alſo zwiſchen den Backen befindet, muß zer⸗ malmt werden. Bewegt ſich nun der Klotz Bu weiter nach oben, ſo werden die beiden Platten wieder einen Winkel nach oben bilden, das Maul wird ge⸗ öffnet, das gebrochene Salz fällt heraus, das noch gar nicht oder nur halb zerkleinerte rückt nach ꝛc. Durch die beiden ſehr ſchweren Schwungräder D wird die Be⸗ wegung der Maſchine zu einer gleichmäßigen; um außerdem Stöße zu vermeiden, iſt an der beweglichen Brechbacke A¹ in Fig. 21. dem Punkte i eine Stange(e) drehbar befeſtigt, die an ihrem anderen Ende vermittelſt einer feſten Scheibe gegen die Gummipolſter h federt. Um ein Gleiten der Salzſtücke nach oben beim Zuſammen⸗ gehen des Maules zu verhüten, ſowie eine energiſchere Wirkung zu erzielen, iſt die bewegliche Backe mit Längs⸗, die feſtſtehende mit —- a:r— 2— —2 — henden hbaren ot B' biiden chmaul n Ende wa in rochene . hett wer⸗ platten n, in bilden d als⸗ hintere dar be⸗ auf di 4 zu Maul n Ende as ſich wiſchen ß zer⸗ ich nun h oben, Platten ch oben ird ge⸗ alz fäll cht oder trocht. ſchweren die Be⸗ zu einer ußerdem an der Al i unge(g n ihren nipoſſt ſammen⸗ kung iu ende mit mäßig fein gerillten Mahl⸗ Salzmühle. 203 Querrillen verſehen. Weitere Details ſind aus den beiliegenden Figuren zu erſehen.*) Eine andere, ebenfalls zur Zerkleinerung des Rohſalzes dienende Maſchine iſt in Figur 22 abgebildet. Dieſelbe iſt nichts, als eine im großen ausgeführte Kaffeemühle und wurde ſ. Z. ſpeziell für die Staßfurter Bedürfniſſe konſtruiert, wenn ſie ſich auch für viele andere Zwecke vortrefflich eignen dürfte. Bei dieſer Mühle wird die Welle O, welche in der Spur o ſteht, vermittelſt der Riemſcheibe A und der koniſchen Räder B und Bu in raſche Um⸗ drehung verſetzt. Auf dieſer Welle ſitzt der kegelförmige, mit regelmäßigen Vor⸗ ſprüngen und am unteren Ende mit einem verhältnis⸗ kranze verſehene, aus Hart⸗ guß beſtehende Körper D. An dem Geſtelle(H) der Mühle befindet ſich in der⸗ ſelben Höhe, wie dieſer Körper, der ebenfalls guß⸗ eiſerne und ebenfalls mit Anſätzen und Mahlkranz ver⸗ ſehene Mantel E. In den hohlen Raum zwiſchen D und E wird durch den Rumpf F das Mahlgut eingeſchüttet, welches bei kegelförmig Um⸗ drehung von C reſp. D durch die erwähnten Anſätze grob— ia. 22. zerkleinert und ſchließlich Fig. durch die Mahlkränze aa fein zerrieben wird. Es fällt dann in den Sammelkaſten b, aus dem es ſchließlich ververmittelſt der Räumer cc durch eine Ausflußrinne ent⸗ fernt wird. Die Stellſchraube G am oberen Ende der Welle C dient zum Hoch⸗ und Niederſtellen des Mahlkörpers. Das zerkleinerte Rohſalz wird nun, ſowie es vom Salzbrecher ldes don der Mühle kommt, durch einen Elevator nach den Löſekeſſel gehoben. 14 *) Die dem Buche beigefügten Zeichnungen ſtammen aus der Maſchinen⸗ fabrik von G. Sauerbrey in Staßffurt. 204 Elevator. „Die in Staßfurt gebräuchlichen Elevatoren waren früher ſämtlich Gelenkelevatoren, in den letzten Jahren haben aber alle beſſer ein⸗ gerichteten Fabriken Kettenelevatoren angelegt, wie ſie die beiſtehende Figur 23 im OYerſchnitte, Figur 24 in der Vorderanſicht zeigt. In dieſen Figuren ſtellt A eine ſchwere Schiffskette vor, welche über die Scheiben B und O geſpannt iſt und an welcher Becher(ee) von Blech befeſtigt ſind. Das zerkleinerte Salz fällt aus der Mühle reſp. aus dem Brecher in den Schöpfkaſten D, wird von den Bechern ee gefaßt und nach oben transportiert, wo ſich die Becher in die Löſekeſſel direkt oder vermittelſt Schurren von Eiſenblech entleeren. Der Betrieb des Elevators geſchieht durch die Welle f der oberen Scheibe, auf welcher ſich gleichzeitig eine Riemenſcheibe befindet. Fig. 25 ſtellt einen Löſekeſſel beſſerer Konſtruktion dar. Derſelbe iſt aus Eiſenblech genietet und bis auf den koniſchen Boden cylindriſch. Über dem unterſten Ende desſelben iſt ein eiſerner Siebboden(a) ——— 2— ilich ein⸗ ende I r de Blech aus geict ſetſe Betrie * ee, alf drſbe drich. den(a) und Decklauge(III ſ. unten) zum Teil Löſen des Rohſalzes. 205 angebracht, auf welchem ſich der beim Auflöſen des Salzes verbleibende Rückſtand anſammeln ſoll. Letzterer wird durch das Mannloch b entfernt, die fertige Löſung läßt man durch das Rohr d und den Hahn e ab. Durch das Rohr reſp. Ventil c wird der zum Auflöſen des Salzes dienende Dampf eingelaſſen. Bis hierher arbeiten ſämtliche Staßfurter und Leopoldshaller Fabriken im weſentlichen gleich, hier trennen ſich jedoch die Verfahrungs⸗ weiſen. Die ältere und noch jetzt gebräuch⸗ lichere Methode iſt folgende: Der Löſe⸗ keſſel wird zuuächſt mit einem Gemiſch von Waſſer, Mutterlauge(wir bezeichnen dieſelbe mit II), Aufkochelauge(I ſ. unten) gefüllt. Nachdem man dieſe Löſelauge nun durch direkt einſtrömenden Dampf zum Kochen erhitzt hat, läßt man mittelſt M des Elevators, unter fortwährendem jj 1 Kochen, das Rohſalz in dieſelbe einfallen. Dabei löſt ſich der Carnallit ſofort auf und das ſpezifiſche Gewicht der Löſung N ſj ſteigt infolgedeſſen. Durch den aus⸗ 8 ſtrömenden Dampf ſoll zugleich eine Be⸗ wegung und Miſchung der Flüſſikeit 5 erzielt werden.*) Hat das ſpezifiſche Gewicht der Löſung 32— 33° Baumé(an einer herausgenommenen Probe heiß gemeſſen) erreicht, ſo ſetzt man den Elevator in Ruhe, ſtellt den Dampf ab und läßt die Löſung durch Offnen des Hahnes e(Fig. 25) ablaufen. Der im Keſſel verbleibende Rückſtand**) enthält neben viel Kieſerit und Kochſalz noch gewiſſe Mengen, 2— 4 Proz., von Kaliſalzen, und viele Fabriken ſehen ſich daher veranlaßt, denſelben nochmals mit einer geringen Menge Waſſer aufzukochen. Die entſtehende Löſung, ſog. Figur 25. *) Früher benutzte man Rührwerke für dieſen Zweck; die meiſten Fabriken haben dieſelben aber wieder verworfen, jedoch verwendet man jetzt vielfach Rührdüſen, d. h. Dampfdüſen, bei welchen der durchſtrömende Dampf die Flüſſigkeit mitreißt. Nach Dupré werden dieſe Düſen quer durch den Sieb⸗ aden gelegt, ſodaß die unter demſelben befindliche Löſung näch oben geſchafft wird. **) Seit Jahren wird auch der Rückſtand in vielen Fabriken verwertet, nämlich entweder auf Kieſerit oder auf Glauberſalz(ſchwefelſaures Natron). Zur Gewinnung des Kieſerits wird der Rückſtand einfach in einem 206 Löſen des Rohſalzes. Aufkochelauge(I), enthält vorzugsweiſe Kochſalz, etwas Chlormagneſium und außerdem ſchwefelſaure Kal⸗Magneſia gelöſt. Ihr Kaligehalt be⸗ trägt zwiſchen 3 und 7 Proz., als Chlorkalium berechnet. Sie wird nur zum Löſen neuer Mengen Rohſalz verwendet. Man muß es ver⸗ meiden, in das fabrizierte Chlorkalium ſchwefelſaures Kali zu bringen; es könnte daher ſcheinen, als ob dieſes Aufkochen mit Waſſer, wegen der ſtattfindenden Bildung von ſchwefelſaurem Kali, ſchädlich auf die Qualität des Fabrikates wirken könnte. Es iſt aber nicht an dem: beim Zuſammentreffen dieſer Verbindung mit Chlormagneſium findet eine Rückbildung von Chlorkalium und ſchwefelſaurer Magneſia ſtatt. Ich halte jedoch das Aufkochen mit Waſſer aus anderen Gründen für unvorteilhaft, weil nämlich die Wirkung desſelben eine ſehr geringe iſt. Der Rückſtand verringert ſich wohl infolge der Auflöſung von Salzen, das im Keſſel Verbleibende enthält aber faſt noch ebenſoviel Kali als vorher. Viel beſſer iſt das Aufkochen mit Mutterlauge(II), weil hierbei infolge des Chlormagneſiumgehaltes der letzteren eine Bildung von ſchwefelſaurem Kali nicht oder nur in geringem Maße ſtattfindet, das leichtlösliche Chlorkalium(ſchwefelſaures Kali iſt ſchwer löslich), ſich aber ſehr gut in der kochenden Lauge auflöſt. Hat man zufällig, wie dies wohl vorkommt, ſchwefelſaures Kali in Form von Kainit oder Polyhalit im Rohſalze, ſo kann man auf dieſe Weiſe ſogar die Bildung von Chlorkalium aus dieſen Salzen erreichen, während dieſelben anderenfalls vollkommen verloren gehen. Um beim Aufkochen möglichſt Dampf zu ſparen, benutzt man die Aufkochelauge ſo ſchnell als möglich, alſo ſo heiß als möglich, zum Löſen. Man ſtellt daher zwiſchen den verſchiedenen Löſekeſſeln, von denen man wenigſtens zwei beſitzen muß, eine Rohrverbindung her, die der bei der Ammoniakſalzbereitung beſprochenen und in Fig. 5, S. 108 abgebildeten gleich konſtruiert iſt. Sobald nämlich das Aufkochen be⸗ endet iſt, läßt man die noch kochend heiße Lauge durch dieſes Rohr in den Nebenkeſſel übertreten und verliert dadurch kaum etwas von der Wärme, die zum Erhitzen derſelben nötig war. Den nicht übertretenden Teil derſelben(etwa ein Viertel der ganzen Menge) läßt man durch Kaſten mit Siebboden(Roſt) vermittelſt einer ſtarken Brauſe mit Waſſer aus⸗ gewaſchen. Das Kochſalz löſt ſich dabei auf, während der Kieſerit weggeſpült wird und ſich in einem eiſernen Kaſten als grauweißer Schlamm zu Boden ſetzt. Der Kieſeritſchlamm wird ſchließlich in Formen gefüllt, in denen er er⸗ ſtarrt. Dieſes Erſtarren des Kieſerits iſt ein ähnlicher Vorgang, wie wir ihn bei Gelegenheit des Trocknens von Superphosphat beſprochen haben. Kieſerit iſt ſchwefelſaure Magneſia mit einem Molekül Waſſer, er muß alſo noch Waſſer aufnehmen, um in Bitterſalz(MAg 80.+ 7 HZ 0) überzugehen. Die Verarbeitung des Rückſtandes auf Glauberſalz beruht darauf, daß eine Löſung, die ſchwefelſaure Magneſia und Chlornatrium gleichzeitig enthält, in der Winterkälte ſchwefelſaures Natron, unter Bildung von(gelöſt bleibendem Chlormagneſium, ausſcheidet. ſeſerit Vaſſer rrauf, zeitig gelöſt Löſen des Rohſalzes. 207 ein beſonderes Rohr in ein kleines Baſſin, das„Aufkochelaugenbaſſin“, ab, aus dem er ſpäter in die Löſekeſſel gepumpt wird. Das Verhältnis der einzelnen Laugen zu einander nehmen die verſchiedenen Fabrikanten verſchieden, je nach den Verdampfungs⸗ verhältniſſen der Fabrik. Auch die ſpezifiſche Schwere der Löſungen iſt in den verſchiedenen Fabriken verſchieden. Manche gehen damit bis an 34 Bé. heran, andere löſen bedeutend ſchwächer. Dieſelben bekommen demzufolge auch verſchieden reiche Rückſtände und Löſungen. Die beſten Reſultate habe ich erhalten, wenn ich die Löſung etwa 32 ½° Bé. ſtark machte; löſt man zu ſchwach, ſo geht zu viel Koch⸗ ſalz in die letztere über, löſt man zu ſtark, ſo erhält man eine chlor⸗ magneſiumreichere, daher an Kochſalz ärmere Löſung, dagegen iſt auch der Chlorkaliumgehalt derſelben geringer, während man mehr und reichere Rückſtände erhält. In zwei ſonſt ganz gleich behandelten Rohlöſungen, von denen jedoch die eine nur bis 32 ½°, die andere aber bis 33 ½° Bé. ge⸗ bracht war, fand ich: 32130 Bè. 33120 Bé. Chlormagneſium.. 19,912 Proz. 21,052 Proz. Chlorkalium... 13,820„ 12,183„ ſchwefelſaure Magneſia 1,827„ 2,816„ außerdem Kochſalz(2— 4 Proz.) und Waſſer. Die größere Menge von ſchwefelſaurem Salze rührt davon her, daß man, um eine ſchwere Löſung zu erhalten, länger kochen muß. Je länger man aber kocht, deſto mehr Kieſerit wird in Bitterſalz ver⸗ wandelt, alſo aufgelöſt. Erreicht das ſpezifiſche Gewicht der Löſung etwa 34 ½° Bé., ſo iſt der Gehalt derſelben an Chlormagneſium ein ſo bedeutender und der an Chlorkalium ein ſo geringer, daß ſich letzteres beim Erkalten nia mehr als ſolches, ſondern teilweiſe in Form von Carnallit aus⸗ cheidet. In betreff der Verunreinigungen, die den Carnallit im Rohſalze begleiten, iſt hier noch nachzutragen, daß Kainit und Polyhalit ſehr ungern geſehene Gäſte ſind, weil das Kali derſelben an Schwefelſäure gebunden iſt und dieſe im fertigen Chlorkalium höchſtens in Spuren vorhanden ſein ſoll, auch löſen ſich dieſelben nur unvollkommen auf, ihr Kaligehalt geht daher zum Teil verloren. Auch Tachhydrit wirkt häufig ſchädlich. Das Chlorcalcium desſelben ſetzt ſich nämlich mit den ſchwefelſauren Salzen der Löſung in ſchwerlöslichen ſchwefelſauren Kalk und in Chlorverbindungen um. Dadurch würde allerdings die Schwefel⸗ ſäure entfernt werden; da aber der Gips dabei in ſo fein verteilter 208 Klären der Löſungen. Form ſich ausſcheidet, daß er ſich nur ſchwierig abſetzt, ſo erhält man leicht trübe Löſungen, alſo ein unreines Fabrikat. Anhydrit und Boracit verhalten ſich indifferent, da ſie unlöslich ſind. Die Rohlöſung iſt, wie ſie aus dem Keſſel abläuft, ſtets ſchmutzig⸗ trübe von ſuspendiertem Schlamm, man läßt ſie daher zunächſt in Abſatz⸗ oder Klärkäſten fließen und darin etwa ¾ Stunden ruhig ſtehen. Die Klärkäſten ſind viereckige, aus Eiſenblech genietete Käſten, die im Boden mit zwei Löchern verſehen ſind, das eine zum Ablaſſen der klaren Löſung, das andere zur Entfernung des Schlammes. Um zu verhindern, daß die ablaufende Löſung durch mitgeriſſenen Schlamm verunreinigt werde, hat man verſchiedene Vorrichtungen an⸗ Fig. 26. gebracht. Eine ſehr gebräuchliche bildet der ſogenannte„Senkheber“, ein heberartiges Rohr(a, Fig. 26), welches um ſo tiefer in die Flüſſig⸗ keit eingelaſſen wird, je weiter dieſelbe abläuft. Da letztere jedoch ſehr leicht Salze abſcheidet(kriſtalliſiert), ſo kommt es häufig vor, daß dieſes Rohr ſich verſtopft und dann nur mit Mühe wieder gangbar zu machen iſt. Ich ziehe daher die einfachere und jedenfalls billigere Vorrichtung, wie ſie(in Fig. 27) abgebildet iſt, vor. Dieſelbe iſt leicht zu reinigen oder wird ſich vielmehr bei einiger Aufmerkſamkeit überhaupt nicht verſtopfen. In Fig. 27 iſt a, a der Boden des Klärkaſtens; der auf den⸗ ſelben feſt angeſchraubte Rohrſtutzen c umgiebt das Spundloch b mit einem feſten Rande, der beim Ablaſſen allen Schlamm zurückhält. Die Offnung b wird durch einen Holzſtöpſel verſchloſſen. Der untere Stutzen d mündet in eine weite Rinne von Eiſenblech, die nach den zu ebener Erde in der Fabrik, alſo unterhalb der Klärgefäße ſtehenden Kriſtalliſiergefäßen führt. Kriſtalliſation. 209 In den Rinnen ſetzt ſich durch das Erkalten der Löſung ſtets eine geringere Sorte Salz(45— 50 Proz. Chlorkalium enthaltend), das Rinnenſalz, ab, welches man meiſt nur zur Bereitung von Düngeſalzen verwendet, doch kann man es ebenſo gut mit dem beſſeren Chlorkalium zuſammen verarbeiten. Die Kriſtalliſiergefäße, in denen die Löſung erkalten und dabei Kriſtalle von Chlorkalium abſetzen ſoll, ſind, wie die Klärkäſten, aus Eiſenblech genietet und von verſchiedenen Dimenſionen. Manche Fabriken ziehen flache Käſten den hohen vor, weil in denſelben die Lauge etwas raſcher abkühlt, auf der anderen Seite ſind wieder hohe Käſten vor⸗ zuziehen, weil die in denſelben entſtehenden Kriſtalle größer werden und weil ſie einen geringeren Flächenraum einnehmen. Iſt die Lauge erkaltet, was in zwei bis vier Tagen geſchieht, ſo wird die Mutterlauge(II) von dem ausgeſchiedenen, noch unreinen Kaliſalze abgelaſſen. Sie ſammelt ſich vermittelſt Rinnen, die unter dem Boden der Kriſtalliſiergefäße angebracht ſind, in einem größeren, aus Eiſenblech gearbeiteten oder mit Cement gemauerten Baſſin, dem „Mutterlaugenbaſſin“, von wo ſie zum Löſen benutzt oder, wie unten beſchrieben werden wird, weiter verarbeitet wird. Das in den Gefäßen abgeſchiedene Kaliſalz beſteht im weſentlichen aus einem Gemenge von Chlorkalium und Kochſalz, verunreinigt durch an⸗ hängende Mutterlauge. Dasſelbe iſt in derſelben Form, wie der Sylvin, kriſtalliſiert, doch ſind die Kriſtalle nicht immer gut ausgebildet. Die Größe derſelben hängt hauptſächlich von der Konzentration der Roh⸗ löſung ab. Löſt man auf 32— 33° Bö. oder noch ſchwächer, ſo erhält man ſtets große, oft 1 cm breite Kriſtalle, mit treppenförmigen Zeich⸗ nungen und perlmutterartigem Glanze. Löſt man ſtärker, alſo vielleicht auf 33 ½° Bö., ſo ſind dieſelben weich und meiſt langgezogen(nadel⸗ förmig). Es iſt klar, daß die feinere oder gröbere Beſchaffenheit der Kriſtalle auf die Reinheit des Chlorkaliums einen großen Einfluß haben muß, denn das feinere Salz wird ſtets eine größere Menge Mutter⸗ lauge zurückhalten, alſo chlormagneſiumhaltiger ſein, als das gröbere. Während(unreines) feinkörniges Salz oft nur 60 Proz. Chlorkalium, in vollkommen trocknem Zuſtande, enthält, ergab die von mir aus⸗ geführte Analyſe eines grobkörnigen Salzes*) getrocknet Unlösliches.... 0,0876 Proz. Schwefelſaure Magneſia 1,2468„ Chlormagneſium.. 6,9072„ Chlorkalium... 68,1504„ Kochſalz.... 23,5560„ *) Es iſt hier beiläufig zu bemerken, daß das Salz, welches an den Wänden der Kriſtalliſiergefäße ſich abſetzt, ſtets reiner iſt, als das Bodenſalz. Will man daher beſonders hochprozentige Ware herſtellen, ſo kann man das in der Weiſe erreichen, daß man jede der beiden Sorten für ſich weiter verarbeitet. Rümpler, Düngeſtoffe. 4. Auflage. 14 210 Decklauge. Da Chlorkalium mit einem Gehalte von 60 bis 70 Proz. der reinen Verbindung ſchwer oder gar nicht verkäuflich iſt, ſo wird dasſelbe ſtets noch einer Reinigung(durch ſog. Decken) unterworfen. Zu dem Zwecke übergießt man es in ſogen.„Deckbottichen“, Holzgefäßen, die mit einem Siebboden verſehen ſind, der gewöhnlich noch mit Säcken oder Weidenhorden belegt iſt, mit ſo viel Waſſer, daß letzteres etwa 2 bis 3 cm über dem Salze ſteht, läßt 5 bis 6 Stunden ſtehen und läßt dann die„Decklauge“(III) durch ein am Boden des Bottichs befindliches Spundloch ſo vollſtändig als möglich ablaufen. Sie fließt in ein beſonderes Baſſin(Decklaugenbaſſin), von wo ſie nach den Löſe⸗ keſſeln gepumpt wird. Ein Verdampfen mit der Mutterlauge zuſammen würde fehlerhaft ſein, aus Gründen, die weiter unten erörtert werden. Wun oben analyſiertem Salze enthielt die Decklauge(ſpez. Gew. 30° Bö.) Waſſer...... 72,212 Proz. Schwefelſaure Magneſia 1,659„ Chlormagneſium... 11,730„ Chlorkalium... 5,930„ Kochſalz...... 8,469„ 100,000 Proz. Iſt das Chlorkalium durch dieſes einmalige Decken noch nicht genügend angereichert, ſo wiederholt man dasſelbe noch ein⸗ oder zwei⸗ mal, bis das Salz im trockenen Zuſtande wenigſtens 80 Proz. Chlor⸗ kalium enthält. Obige Decklauge ſtellt eine geſättigte Löſung vor; eine ſolche enthält aber (bei 15° C.) aus reinem Chlorkalium bereitet 25 Proz. KCl. F7 2 2 Kochſalz v 2 7 F N aCl. Vergleicht man dieſe Zahlen mit denen der Analyſe, ſo erkennt man, daß Chlormagneſium die Auflöſung ſowohl des Chlorkaliums als auch des Kochſalzes erſchwert. Da man aber gerade letzteres durch das Decken entfernen will, ſo wird ein Kaliſalz mit wenig Chlor⸗ magneſium, alſo ein grobkörniges, ſich leichter auf dieſe Weiſe reinigen laſſen, als ein ſolches, welches viel dieſer Verbindung enthält(fein⸗ körniges). Nun iſt aber das Decken eine beſonders koſtſpielige Operation, weil man dabei einen Teil ſchon fertiger Ware, in der alſo eine bedeutende Menge Arbeitslohn und Kohlen ſteckt, wieder auflöſt; man arbeitet daher am vorteilhafteſten, wenn man ſo wenig als möglich deckt, d. h. alſo, wenn man möglichſt grobkörniges Salz her⸗ ſtellt. Aus oben analyſiertem Salze habe ich ſtets mit einmaligem Decken 80 prozentige Ware erhalten, während man bei ſehr feinem —& oz. der asſelbe zu de en, d Säce 8 etw en und Gottite e fleit n Liſ⸗ ammen wedden. . Ger. Verdampfen der Mutterlauge. 211 Salze oft zwei⸗, ja zuweilen dreimal decken muß, um dasſelbe Ziel zu erreichen. Selbſtverſtändlich kann man auf dieſe Weiſe den Gehalt des Salzes auch bis auf 95 und darüber treiben. Verarbeitung der Chlorkalium⸗Mutterlauge.(II.) Soweit die Mutterlauge nicht zum Löſen verwendet wird, muß ſie, da ſie noch weſentliche Mengen Chlorkalium enthält, durch Ein⸗ dampfen zu gute gemacht werden. Dies geſchieht in Pfannen, die nach zwei verſchiedenen Syſtemen aus Schmiedeblech gebaut werden, nämlich entweder in ſog. Wolfs⸗ pfannen oder in Cylinderpfannen. Die Wolfspfannen ſind in ihrem Querſchnitte in Fig. 28 ab⸗ gebildet. Der Boden derſelben iſt in der Mitte nach oben durch⸗ gebogen; der dadurch entſtehende hohle Raum(A) wird Wolf genannt, die Räume B B in der Pfanne heißen Säcke. Die Flamme ſchlägt zuerſt durch den Wolf, teilt ſich an der hinteren Stirn⸗ wand und geht ſchließlich durch die Seiten⸗ züge CC in den Schornſtein. An der hinteren Stirnwand ſind zwei Hähne zum Ablaſſen der Lauge, in den Säcken zwei mit Holzſtöpſeln verſchließ⸗ bare Löcher zur Entfernung des ſogen. Fig. 28. Bühnenſalzes(ſ. d.) angebracht. Die Cylinderpfannen(Fig. 29) haben einen flachen Boden. Der Wolf iſt bei ihnen durch einen, zwei oder drei Feuercylinder(A) erſetzt. Sie haben den Vorzug, daß ſie eine ſehr vollſtändige Ausnutzung des Feuers geſtatten, doch haben ſie, den Wolfs⸗ pfannen gegenüber, den Ubelſtand, daß die Cylinder leicht ſchadhaft werden, weil ſie ſich, durch ihre eigene Laſt, nach unten durchbiegen. Eine größere Dauerhaftigkeit derſelben und zugleich eine größere feuer⸗ berührte Fläche, alſo größere Ausnutzung des Brennmaterials, würde man erreichen, wenn man die Cylinder nicht kreisrund, ſondern im Querdurchſchnitte von der Form einer aufrecht ſtehenden Ellipſe anfertigte. Man kann übrigens die Pfannen ſehr ſchonen, wenn man nach jeder Benutzung den Cylinder, reſp. den Wolf, möglichſt ſorgfältig von dem Salze reinigt, welches ſich ſtets anſetzt. 14* 212 Künſtlicher Carnallit. Die Mutterlauge hat das ſpez. Gewicht von etwa 32° Bé. und enthält in 100 Teilen: ſchwefelſaure Magneſia 2,3— 2,6 Chlormagneſium.. 19,5— 20,9 Chlorkalium 5,1— 6,0 Kochſalz.... 2— 3. Während des Eindampfens ſcheidet ſich der größte Teil des Koch⸗ ſalzes, weil dasſelbe in der Wärme nur wenig löslicher iſt, als in der Kälte, zuſammen mit ſchwerlöslicher ſchwefelſaurer Kali⸗Magneſia (Schoenit) aus; dieſes ausgeſchiedene Salzgemiſch wird mit dem Namen „Bühnenſalz“ bezeichnet und auf Kochſalz, zuweilen auch, da es (trocken) oft gegen 7,5 Proz. Kali, entſprechend 12 Proz. Chlorkalium oder 14 Proz. ſchwefelſaurem Kali, enthält, auf geringhaltiges Dünge⸗ ſalz(ſ. d.) verarbeitet. Da dasſelbe ſich, ſowie es entſteht, zu Boden ſetzt, ſo würde es, bei direkter Heizung des letzteren, leicht feſtbrennen und die Pfanne ruinieren. Man ſucht dasſelbe daher möglichſt von der feuerberührten Fläche fern zu halten, und dies geſchieht durch An⸗ wendung einer der beiden beſchriebenen Pfannen⸗Konſtruktionen. Bei rationellem Betriebe wird übrigens ſtets das Bühnenſalz vor ſeiner Entfernung aus der Pfanne ausgewaſchen, und zwar geſchieht dies mit Mutterlauge(II1). Da das Salz, ebenſo wie die Pfanne ſelbſt, noch ſehr heiß iſt, ſobald die verdampfte Lauge abgelaſſen iſt, ſo wärmt ſich die darauf gepumpte Lauge ſtark an und löſt beim Um⸗ rühren den größten Teil des im Bühnenſalze enthaltenen Kalis auf. Wenn das ſpez. Gewicht der Lauge(heiß gewogen) durch das Eindampfen auf 34 ½— 35 0 Bé. geſtiegen iſt, wird ſie durch eine ähnliche Blechrinne, wie die für die Rohlöſung beſtimmte, nach be⸗ ſonderen Kriſtalliſiergefäßen abgelaſſen, in denen ſich nicht wieder Chlor⸗ kalium, ſondern ein Salz von der Zuſammenſetzung des Carnallites in vierſeitigen Kriſtallen ausſcheidet(ſ. Carnallit). Hatte die Verdampflauge eine genügende Konzentration, ſo enthält die von den Carnallitkriſtallen ablaufende Flüſſigkeit, die ſog. Endlauge, nur 1—1,5 Proz. Chlorkalium, im übrigen 26— 28 Proz. Chlormagneſium, etwa 4 Proz. ſchwefelſaure Magneſia und 2—4 Proz. Kochſalz, ſie wird daher nicht weiter auf Kaliſalze verarbeitet.*) Der künſtliche Carnallit wird wie das Rohſalz, aber in kleineren Löſekeſſeln, mit Waſſer auf 32— 33 ½ 0 Bé. gelöſt; die Löſung wird in Käſten gelaſſen, in denen ein reineres Chlorkalium, als das aus Rohſalz erhaltene, ſich abſetzt. Die Mutterlauge von dieſem wird mit der *) Einige Fabriken verarbeiten dieſelbe auf Brom, welches in geringer Menge in derſelben vorhanden iſt, andere auf Magneſia. 6. Id Kol⸗ als in gneſe Namen da es alium hünge⸗ Boden ennen t von hAr⸗ z vor ſtieß fanne en iſt Um⸗ auf. das eine be⸗ glor⸗ lites thält auge, neren id in ohſalz t der eringet Trocknen des Chlorkaliums. 213 erſten Mutterlauge zuſammen verarbeitet. Dieſelbe ſetzt, da der Car⸗ nallit, aus dem ſie entſtanden iſt, weniger Kochſalz enthielt, wie das Rohſalz auch weniger Bühnenſalz ab. Irän Iuin. ii Dieſes aus künſtlichem Carnallit erzielte Salz wird meiſt für ſich auf hochprozentiges(95 oder 98 Proz.) Chlorkalium verarbeitet, da es nur wenig Waſſer(einmaliges Decken) braucht, um dieſe Konzentration zu erreichen. Fig. 31. Das Trocknen des Chlorkaliums geſchieht in den meiſten Fabriken noch durch Calcinieren. Dasſelbe wird zu dem Zwecke in gewöhnlichen Flammöfen mit gepflaſtertem Herd ausgebreitet und unter häufigem Umrühren durch die darüber ſtreichende Flamme getrocknet. Neuere Fabriken trocknen ihr Produkt in mit Dampf geheizten kreisrunden Käſten, von denen Fig. 30 den Ouerſchnitt, Fig. 31 die 214 Andere Darſtellungsweiſe des Chlorkaliums. Anſicht von oben darſtellt. A iſt in denſelben ein Kaſten, deſſen Boden durch die Dampfrohre bb geheizt wird. In der Mitte des Kaſtens ſteht die Welle e, an der die Rührarme dd, ſowie die ſchwere Walze c befeſtigt ſind. Der Betrieb der Rührvorrichtung geſchieht von der Riemſcheibe g durch die koniſchen Räder f. Bei der Umdrehung der Welle e rühren die Arme dd das Salz auf, die Welle drückt dasſelbe wieder feſt, ſo daß immer von neuem heißes Salz an die Oberfläche gelangt. Das getrocknete Salz wird durch die Ausflußrinne h in einen untergehaltenen Sack geräumt. Für Düngezwecke beſtimmtes Chlorkalium muß nach dem Trocknen noch in einer Mühle, wie wir dieſelbe S. 203 kennen gelernt haben, gemahlen werden, wenigſtens wenn dasſelbe von Haus aus grobkörnig oder durch Calcinieren getrocknet iſt. Das in obiger Trockenmaſchine hergeſtellte Salz bildet meiſt ſchon an ſich ein ſtreufähiges Pulver. Im allgemeinen arbeitet man nach der eben beſchriebenen Methode nur auf Chlorkalium von 80 Proz. Gehalt, nur wenige Fabriken treiben das Decken ſoweit, daß 97 bis 98 prozentiges Salz entſteht, obgleich man das durch das Deckwaſſer aufgelöſte Chlorkalium ſofort in den Kriſtalliſiergefäßen wieder erhält, wenn man die Lauge zum Auflöſen von Rohſalz verwendet. Bei der nun zu beſchreibenden Methode erhält man jedoch von vornherein Salz von 98 Prozent. Die Vorbereitung des Rohſalzes und der Transport desſelben nach den Löſekeſſeln finden bei dieſer Methode genau in derſelben Weiſe ſtatt, wie bei der vorher beſchriebenen, nur die Art des Löſens iſt eine andere. Als Löſelauge benutzt man ausſchließlich Mutter⸗ lauge, die geringe Menge Decklauge, die man erhält und Auf⸗ kochelauge, man vermeidet alſo jeden Waſſerzuſatz. Hat man dieſe Lauge zum ſtarken Kochen erhitzt, ſo läßt man das Rohſalz wie bei der vorigen Methode einfallen und löſt unter lebhaftem Kochen, bis das Gewicht der Löſung 35— 36° Bé. erreicht hat. Der Carnallit des Rohſalzes löſt ſich bei dieſer Konzentration leicht auf, wenn nur die Löſung heiß genug iſt, d. h. wenn man mit genügend geſpanntem Dampfe arbeitet. Gut eingerichtete Fabriken verwenden dabei Rühr⸗ werke, welche zur beſſeren Miſchung der Löſung, alſo zur beſſeren Ausnutzung des Rohſalzes beitragen. Trotzdem iſt der Rückſtand noch oft reich an Chlorkalium, man kocht ihn daher noch einmal mit reiner Mutterlauge auf. Das Klären der erzielten Löſung geſchieht in derſelben Weiſe, wie bei der vorher beſchriebenen Methode; die geklärte Löſung ſetzt aber beim Erkalten nicht Chlorkalium, ſondern Carnallit ab, den man ab⸗ tropfen laſſen und alsdann, wie den durch Verdampfen der Mutter⸗ laugen erzielten, in kochendem Waſſer auf Chlorkalium umlöſen kann. Da ſich Kochſalz, ebenſo wie Kieſerit, in ſtarker Chlormagneſiumlöſung diſen te des ſchwer ht den rehung dict an di Frinee ocknen haben kürmig ſchine r. thode eeiben gleich den glöſen bon Andere Darſtellungsweiſe des Chlorkaliums. 215 nur in geringer Menge, Chlorkalium jedoch, in der Hitze, ſehr reichlich auflöſt, ſo iſt es klar, daß die auf beſchriebene Weiſe bereitete Löſung verhältnismäßig kochſalzarm ſein muß; infolgedeſſen iſt auch der aus derſelben kriſtalliſierende Carnallit ziemlich kochſalzfrei und das aus letzterem entſtehende Chlorkalium ein ſehr hochprozentiges. Nun hat aber dieſe Methode einen ſehr großen Übelſtand; man erhält nämlich bei derſelben eine ſehr bedeutende Ma ſſe Carnallit, der für ſeinen Transport und zum Umlöſen nicht nur viele Arbeits⸗ kräfte, ſondern auch eine ſehr reichliche Menge Dampf, alſo Kohlen, gebraucht. Dieſen Übelſtand hat man vermieden, indem man die aus den Abſatzkäſten abfließende Löſung mit Waſſer verdünnt, und zwar ſoweit, daß nach dem vollſtändigen Erkalten derſelben nicht mehr Carnallit, ſondern ſofort hochprozentiges Chlorkalium auskriſtalliſiert. Man ver⸗ einigt alſo das Auskriſtalliſierenlaſſen des Carnallits und das Umlöſen desſelben zu einer Operation. Die Vorteile, welche man dadurch er⸗ zielt, ſind augenfällig; während man vorher zwei verſchiedene Laugen und zwei verſchiedene Salze im Betriebe hatte, hat man es jetzt nur mit einer Lauge und einem Salze zu thun. Das auf dieſe Weiſe erzielte Chlorkalium iſt ſo rein, daß es nach Entfernung des Chlor⸗ magneſiums durch wenig Waſſer nur höchſtens noch ½ Proz. Kochſalz enthält, alles übrige iſt, abgeſehen von geringen Mengen unlöslicher Verunreinigungen und von Feuchtigkeit, Chlorkalium. In den Staßfurter Fabriken ſind vorzugsweiſe folgende Sorten von Chlorkalium marktgängig: Die gewöhnlichſte Sorte enthält 80 bis 85 Proz. Chlorkalium(entſprechend etwa 50 Proz. Kali), 15 bis 19 Proz. Kochſalz, 0— 0,5 Proz. Chlormagneſium, Spuren von Schwefel⸗ ſäure und bis 2 Proz. Feuchtigkeit; ſie geht unter der Bezeichnung 80er Chlorkalinm;*) 5) 85 er Chlorkalium mit 85— 90 Proz. Chlorkalium, 3) 9 0er Chlorkalium mit 90— 95 Proz., 4) 95er Chlorkalium mit 95— 97 Proz. und 5) 97/9 8er Chlorkalium als die höchſte Marke. Für letzteres Salz garantieren manche Fabriken, als Verſchärfung, noch einen Maximalgehalt von 0,5 Proz. Kochſalz, doch hat dieſe Garantie, die natürlich beſonders bezahlt werden muß, für den Landwirt wenig Intereſſe. Die Preisfeſtſtellung geſchieht für alle Sorten Chlorkalium für den Centner zu 80 Proz., und zwar inkluſive Sack, d. h. alſo, die *) In älteren Preisleiſten als fünffach⸗konzentriertes Kaliſalz bezeichnet. 216 Schwefelſaures Kali. höheren Salze werden auf das 80er umgerechnet. Ein Beiſpiel wird dieſen Gebrauch klar machen: Nehmen wir an, es werde für ein Chlor⸗ kalium von 95 Prozent, wie etwa jetzt der Preis iſt, 7,50 Mk. inkl. Sack verlangt, ſo heißt das, 80 Proz. in dieſem Salze koſten 7,50 Mk., folglich koſten die 95 Proz. reines Chlorkalium Mk. 8,91 der Ctr., oder 1 Ctr. mit 95 Proz. entſpricht 118 ¾ Pfd. mit 80 Proz. Selbſt⸗ verſtändlich ſteigt der Preis für den Ctr. zu 80 Proz. mit der Rein⸗ heit des Salzes; der Preisunterſchied zwiſchen dem 80er und 98er Salz beträgt etwa 45 Pf. für den Ctr. zu 80 Proz. Schwefelſaures Kali. In Staßfurt hat ſchon eine ganze Reihe von Fabriken verſucht, durch Miſchung der Löſungen von Bitterſalz(Kieſerit) und Chlor⸗ kalium zunächſt ſchwefelſaure Kali⸗Magneſia und aus letzterer ſchließlich ſchwefelſaures Kali darzuſtellen, doch ſind alle auf eine ſolche Methode gegründeten Fabriken wieder eingegangen, weil das Produkt zwar ſehr rein, aber zu teuer wird. Man ſtellt daher jetzt das ſchwefelſaure Kali nur noch durch Übergießen des Chlorkaliums mit Schwefelſäure in Flammöfen und Calcinieren dar. Der dabei ſtattfindende Prozeß, derſelbe, welcher bei Darſtellung vom ſchwefelſaurem Natron aus Kochſalz und Schwefelſäure vor ſich geht, läßt ſich durch folgende Gleichungen darſtellen: Zunächſt entſteht bei gelinder Wärme unter Entwickelung von Salzſäuregas ſaures ſchwefelſaures Kali nach der Formel: KCl+ S0.H.= S0. HK+ HCl, bei Erhöhung der Temperatur wirkt dann das leicht ſchmelzbare ſaure ſchwefelſaure Kali auf weiter vorhandenes Chlorkalium unter nochmaliger Entwickelung von Salzſäuregas ein, wobei ſchließlich ſchwefelſaures Kali als feſte Maſſe zurückbleibt. Dieſer Vorgang wird durch die Formel So verführeriſch es iſt, die billige Schwefelſäure, welche man im Kieſerit in großen Quantitäten zur Verfügung hat,*) in oben angedeuteter Weiſe zu verwerten, ſo wiegt dieſer billige Preis doch nicht die be⸗ deutende Erſparnis an Arbeitslöhnen, Kohlen und Kali auf, die man bei Verwendung der Schwefelſäure zu dieſem Zweck macht. Außer⸗ dem gewinnt man bei letzterem Prozeſſe noch die Salzſäure, die zwar keinen hohen, immerhin aber doch überhaupt einen Wert repräſentiert. *) Kieſerit koſtet augenblicklich etwa 40 Pfg. der Ctr. und enthält 40 Proz. waſſerfreie Schwefelſäure, entſprechend etwa 80 Proz. Kammerſäure(50prozent. Schwefelſäure). D—ͤͤ———„—.,—,—, Schwefelſaure Kali⸗Magneſia. 217 Da das ſchwefelſaure Kali in grobſtückiger Form aus dem Ofen kommt, muß es für landwirtſchaftliche Zwecke erſt gemahlen werden. Wie bei Berechnung des Preiſes für Chlorkalium das 80er Salz als Baſis gilt, wird das ſchwefelſaure Kali auf die Baſis von 90 um⸗ gerechnet, ein Ctr. ſchwefelſaures Kali von 95 Proz. würde alſo 105 ½ Pfd. à 90 Proz. ſein, alſo Mk. 9,97 koſten, wenn der Preis für 90 Proz. Mk. 8,50 beträgt. Schwefelſaures Kali mit einem garantierten Gehalte von 96 Proz, iſt ungefähr 20 Pf. pro Ctr. und Baſis 90 teurer, als Salz mit nur 90 Proz. Gehalt. Schwefelſaure Kali⸗Magneſia. Wir haben dieſes Salz ſchon als Mineral unter dem Namen Schoenit kennen gelernt, doch wird es als ſolches nicht gefördert, dagegen wird es in großem Maßſtabe aus Kainit hergeſtellt. Es be⸗ ſteht, wie ſchon der Name ſagt, aus gleichen Aquivalenten ſchwefel⸗ ſauren Kalis und ſchwefelſaurer Magneſia und enthält im kriſtalliſierten Zuſtande ſechs Äquivalente Waſſer. Die Fabrikation desſelben wird in jeder Fabrik nach einem anderen Verfahren betrieben, die aber ſämtlich auf dem Prinzipe der Auslaugung des Chlormagneſiums und des Koch⸗ ſalzes des rohen Kainits durch heiße Salzlöſungen beruhen. Das ge⸗ trocknete und gemahlene Salz enthält etwa 48 Proz. ſchwefelſaures Kali, entſprechend etwa 26 Proz. Kali, und wird mit einer Garantie von Maximum 2 ½ Proz. Chlor auf den Markt gebracht. Dasſelbe iſt der Landwirtſchaft ſehr zu empfehlen. Nach Maercker beſitzt es folgende Durchſchnitts⸗Zuſammenſetzung: Schwefelſaures Kali.. 50,4 Proz. Schwefelſaure Magneſia 34,0„ Kochſalz(Chlornatrium). 2,5„ Waſſer..... 11,6„ Sein Gehalt an Kali beträgt demnach nach Maercker 27,2 Proz. Die ſogenannten Düngeſalze. In den Staßfurter Fabriken wird noch zuweilen ein ſogen. Dünge⸗ ſalz aus anderweitig nicht zu verwertenden Abfällen dargeſtellt. Die gewöhnliche Grundlage für dasſelbe bildet der in den Klärgefäßen (ſ. S. 208) ſich abſetzende Schlamm, da derſelbe neben vielen Ver⸗ unreinigungen immer noch geringe Mengen Kali enthält. Folgende Analyſe giebt ein Bild von der Zuſammenſetzung desſelben: 218 1 Die ſogenannten Düngeſalze. 100 Teile geſchmolzener und gemahlener Schlamm enthielten: Unlösliches(Eiſenoxyd, Sand, Gips)..... 6,34 entſprechend Schwefelſauren Kalk.......... 8,67 Kali Schwefelſaure Kali⸗Magneſia(MgSO. K.SO.) 16,46 5,27 Chlorkalium 3 11,01 6,95 Chlormagneſium........... 10,24— Kochſalz............. 45,51— Waſſer und Verluſtt... 1,77— 100,00 12,22= 19,35 KCI oder 22,59 ſchwefelſaures Kali. Ein anderes Material für dieſen Zweck bietet ſich in dem etwa 12 Proz. ſchwefelſaures Kali enthaltenen Bühnenſalze(ſ. d.); das⸗ ſelbe beſteht, wie wir geſehen haben, in noch höherem Maße aus Koch⸗ ſalz, als der Schlamm. Ein drittes, reicheres, für fraglichen Zweck benutztes Salz iſt das ebenfalls ſchon erwähnte Rinnenſalz, mit etwa 50 Proz. Chlor⸗ kalium und 45— 50 Proz. Kochſalz(in trockenem Zuſtande). Alle dieſe Salze werden in gleicher Weiſe behandelt. Man trocknet ſie in Flammöfen, indem man ſie bis zum teilweiſen Schmelzen erhitzt und mahlt ſie auf oben beſchriebener Mühle. Wer beſonders ſorgfältig zu Werke gehen will, ſiebt ſein Düngeſalz noch durch feine Cylinderſiebe. Die Düngeſalze von niedrigem Kaligehalt, meiſt bräun⸗ liche Mehle, kommen jetzt nach Maercker nur wenig noch in den Handel; bei Landwirten, welche niedrige Kalidünger verwenden, ſind ſie durch den billigeren Carnallit vollſtändig verdrängt worden. Das getrocknete und gemahlene„Rinnenſalz“ kommt jedoch noch unter dem Namen„calciniertes und gemahlenes Düngeſalz“ mit einer Minimal⸗Garantie von 27 Proz. Kaligehalt in den Handel. In neuerer Zeit werden noch einige andere Kalifabrikate her⸗ geſtellt, die jedoch ihres hohen Preiſes wegen noch wenig Aufahme bei der Landwirtſchaft gefunden haben: Das Kalium⸗Magneſium⸗Carbonat') (kohlenſaure Kali⸗Magneſia) wird in Löderburg bei Staßfurt in den Fabriken des Salzbergwerks Neuſtaßfurt hergeſtellt und enthält nach Maercker 17—18 Proz. Kali. Es beſteht vorzugsweiſe, wie ſchon der Name beſagt, aus kohlenſaurem Kali und kohlenſaurer Magneſia und enthält nur etwa 2— 3 Proz. Verunreinigungen, beſtehend aus Chlorkalium und ſchwefelſaurem Kali. Es iſt daher *) Maercker, Die Kalidüngung. ————„———.—— — Phosphorſaures Kali. 219 ein ſehr chlorarmes Fabrikat und würde ſich vielleicht zur Düngung des Tabaks eignen, wenn es nicht allzu teuer wäre. Der Preis von einem Pfunde Kali darin beträgt ab Staßfurt über 28 ½ Pfennig, während das Pfund Kali im allerbeſten ſchwefelſauren Kali nur etwa 17,8 Pfennige koſtet. Phosphorſaures Kali. In Gegenden, wo geringwertige, ſtark eiſenhaltige Phosphate billig zu haben ſind, wird in neuerer Zeit Kaliumphosphat für Düngezwecke hergeſtellt. Die Phosphate werden mit ſo viel 10—15 prozentiger kalter Schwefelſäure in Rührwerken behandelt, daß ſämtliche Phosphor⸗ ſäure frei wird. Man erhält dann eine, nur etwas Gips enthaltende Phosphorſäurelöſung, die man von dem Bodenſatze abzieht. Dieſe Löſung wird nun bei H. und E. Albert in Biebrich nach dem Deutſchen Reichspatent Nr. 69 491 mit der nötigen Menge ſchwefelſauren Kaliums und belgiſcher Phosphatkreide in Rührwerken etwa eine Stunde lang behandelt, wobei ſich ſaures phosphorſaures Kali und Gips bildet, während Kohlenſäure aus der Kreide entweicht. Die chemiſche Formel für dieſen Vorgang iſt: K. SO,+ 2 H. P0.,+ Ca C0 3 (Kaliumſulfat)(Phosphorſäure)(kohlenſaur. Kalk) = 2 KH PO0.+ C(CaSsO.,+ C02+ HZ O. (ſaur. Kaliumphosphat)(Calciumſulfat) Der Gips wird, wie oben, durch Abſitzenlaſſen oder durch Filtrier⸗ apparate, ſogenannte Filterpreſſen, von der Phosphatlöſung getrennt. Letztere wird eingedampft. Bei dieſer Fabrikation fällt ein Nebenprodukt ab, der Super⸗ phosphat⸗Gips, ſehr fein verteilter Gips, der noch Phosphorſäure enthält und als Einſtreu in die Ställe, zum Zwecke der Bindung des ſich aus dem Stallmiſte entwickelnden Ammoniaks, ſehr geeignet iſt. Selbſtverſtändlich verträgt der Superphosphat⸗Gips keine hohe Fracht. Das Kaliumphosphat von H. und E. Albert enthält 36— 38 Proz. waſſerlösliche Phosphorſäure und 26— 28 Proz. Kali. Wenn es auch zweifellos iſt, daß die Verbindung von Kali mit Phosphorſäure land⸗ wirtſchaftlich eine der beſten iſt, welche es giebt, ſo iſt doch das Ver⸗ hältnis, in welchem dieſe beiden Stoffe im Kaliumphosphat vorhanden ſind, ein unrationelles, der Kaligehalt iſt zu niedrig gegenüber dem Phosphorſäuregehalt. Während in einer Zuckerrübenernte etwa 5 Mal ſo viel und in einer Getreideernte doppelt ſo viel Kali als Phosphor⸗ ſäure enthalten iſt, enthält das Kaliumphosphat weit mehr Phosphor⸗ ſäure als Kali. Es iſt trotzdem für Verſuche in Weinbergen und auf 220 Geſchichtliches über die Kaliſalze. Tabaksfeldern, etwa unter Erſatz des fehlenden Kalis durch ſchwefel⸗ ſaures Salz, ſehr zu empfehlen. da es nach ſeiner Darſtellungsweiſe chlorfrei iſt. Anſchließ weiſe iſt zur G daß die erſte K begründet wurde. Rohſalz. Seitdem ſtieg die Anza während. Schon 1862 verarbeiteten 4 Fabriken zuſammen 1863 1864 1865 1866 1867 1868 1869 1870 1871 1872 Nach Privatmitteil Werke wurden nach die 1873 1874 1875 1876 1877 1878 Da man nun im Durchſchnitt rechnen kann, à 80 Proz.**) 7 ¼ Ctr. Rohſalz verbraucht worden ſind en Jahren in gut eingerichteten nähernd die Produktion der ſalzen, von Düngeſalzen abge⸗ Chlorkalium (in früheren Staßfurter F ſehen, berechnen. 82 Ctr. 5 625 207 5 835 975 6 857 587 7 395 212 9 854 093 8 903 067 eſchichte der Staßfurter alidüngerfabrik im Jahr end an die Beſchreibung der Salze und ihrer Herſtellungs⸗ Kaliſalze noch nachzutragen, e 1861 von Dr. A. Frank Dieſelbe verarbeitete in dieſem Jahre 47 233 Ctr. Ctr. 3 252 000 2 505 000 3 036 000 3 161 290 3 912 500 3 141 800 Jahren mehr, in den letzt Fabriken weniger), ſo kann man an abriken an reinen Kali hl der neuangelegten Fabriken fort⸗ 408 000 Ctr. Rohſalz*) 1 288 000„ 2 775 000„, 1 900 000„„ 3 452 000„„ 3 350 000„„ 4 033 000„„ 4 600 000„. 6 244 000„„ 8 064 000„„ 10 284 000„„ ungen von ſeiten der Direktionen der betreffenden ſer Zeit gefördert auf d. anhalt. Werke auf d. preuß. Werke in Summa Ctr. 8 877 207 Kali⸗Rohſalz 8 340 975„ 9 893 587„ 10 556 412„ 13 766 593„ 12 044 867„ daß zu einem Centner *) Einleitung zu Gruppe III des deutſchen Katalogs für die Wiener Weltausſtellung. **] Hochprozen tiges Salz auf 80 Proz. umgerechnet. Centner en ſind richete jon der n äbge⸗ Wiener Geſchichtliches über die Kaliſalze. 221 Es würde dieſelbe betragen haben 1862 annähernd 56 275 Ctr. 1863„ 177 655„ 1864„ 382 755„ 1865„ 262 070„ 1866„ 476 135„ 1367„ 462 070„ 1868 556 275„ 18690„ 634 480„ 1860„ 875 035„ 1871„ 1 112 275„ 1872„ 1 418 483„ 1873„ 1 224 442„ 1874„ 1 150 479„ 1875„ 1 364 632„ 1876„ 1 456 057„ 1877. 1 898 828„ 1878, 1 661 361„ Für die erſten Jahre der Kaliinduſtrie mögen dieſe Zahlen viel⸗ leicht zu hoch gegriffen ſein. Die Kainitförderung betrug nach amtlichen Angaben: auf d. anhalt. Werke auf Gr. Agathe; 127 Lenhald zn zu ir gothr in Summa Ctr. Ctr.*) Ctr. 1873 121 881— 121 881 1874 195 038— 195 038 1875 476 379— 476 379 1876 355 531— 355 531 1877 609 866 310 932 920 798 1878 354 333 1 226 624 1 580 957 In der Mitte der ſiebziger Jahre trat infolge von Überproduktion ein Rückgang der Kalipreiſe ein, der die Staßfurt⸗Leopoldshaller Induſtrie zu ruinieren drohte. Das preußiſche und das anhaltiſche Salzwerk ſchränkten daher, um ihre eigene Exiſtenz zu ſichern, die Produktion(unter Erhöhung der Rohſalzpreiſe) ein, indem ſie jeder der beſtehenden Fabriken ein beſtimmtes Salzquantum zuteilten. Zum weiteren Schutze der Induſtrie vereinigten ſich dann ſpäter die Fabri⸗ kanten ſelbſt, indem ſie ein Syndikat gründeten, welches ausſchließlich *) incl. der nicht ſehr beträchtlichen Menge geförderten Kali⸗Rohſalzes⸗ 222 Geſchichtliches über die Kaliſalze. mit dem Verkaufe der Fabrikate betraut war. Der Vertrag lief mit Beginn des Jahres 1889 ab, das Syndikat hat aber während der Dauer ſeines Beſtehens ſo ſegensreich gewirkt, daß wir es uns nicht verſagen können, den Geſchäftsbericht, welchen es über die Zeit ſeiner Thätigkeit erſtattete, hier wörtlich abzudrucken. Derſelbe bietet eine ſehr ausführliche und intereſſante Fortſetzung der obigen geſchichtlichen Notizen und lautet:*) „Nachdem nunmehr die abſchließenden Zahlen aus dem letzten Geſchäftsjahr des erloſchenen Verkaufs⸗Syndikats der Chlorkalium⸗ Fabriken vorliegen, rechnen wir es zu unſeren Obliegenheiten, dieſelben zugleich mit einer Überſicht der gegenwärtigen Lage des Chlorkalium⸗ Geſchäfts zur Kenntnis unſerer verehrlichen Kundſchaft zu bringen. Dieſe Aufgabe iſt eine um ſo erfreulichere, als wir auch diesmal wieder über eine im allgemeinen ſtetige geſunde Entwickelung unſeres Geſchäfts berichten können. Der Chlorkalium⸗Abſatz betrug: im erſten Halbjahr 1888 1 081 410,37 Ctr., im zweiten Halbjahr 1888 1 298 714,43 Ctr., mithin im verfloſſenen Jahre zuſammen 2 380 124,80 Ctr. Zur Be⸗ leuchtung dieſer Abſatzziffer greifen wir auf diejenigen ſeit dem Jahre 1884, alſo ſeit dem Beſtehen des Verkaufs⸗Syndikats zurück. Die Ablieferungen betrugen im Jahre 1884 1 787 599 Ctr., 1885 1 939 908 Ctr., 1886 1 884 060 Ctr., 1887 2 242 879 Ctr., 1888 2 380 125 Ctr. Chlorkalium à 80 Proz. Abgeſehen vom Jahre 1886, wo ein kleiner Rückgang von 55 848 Ctr. zu verzeichnen geweſen iſt, weiſen die vorſtehenden Zahlen alſo einen regelmäßig zunehmenden Verbrauch von Chlorkalium nach. Von Intereſſe iſt es natürlich, den Verbleib des Chlorkaliums zu verfolgen, und inwieweit in den ver⸗ ſchiedenen Abſatzgebieten die einzelnen Induſtriezweige und die Land⸗ wirtſchaft an dem Verbrauche von Chlorkalium überhaupt beteiligt ge⸗ weſen ſind, ſowie ferner zu beobachten, wo ſich eine Zunahme und wo eine Abnahme des Verbrauchs gezeigt hat. Zu dieſem Zwecke haben wir nicht nur die Abſatzziffer des verfloſſenen Jahres in vorſtehend angedeuteter Weiſe zergliedert, ſondern ſtellen hier dieſen Ziffern auch diejenigen ſeit dem Jahre 1885 vergleichsweiſe gegenüber. *) Aus der Magdeburger Zeitung. Geſchichtliches über die Kaliſalze. 223 Von den durch das Verkaufs⸗Syndikat abgeſetzten Mengen Chlor⸗ kalium verblieben in 1885 1886 1887 1888 Etr. Ctr. Ctr. Ctr. .— V 8 Deutſchland. 830 470 880 960 820 879 850 986 und wurden ausgeflrt nach England. 170 000 161 500 181 000 219 750 Sch ottland. 130 000 73 200 175 000 97 288 Frankreich. 125 000 136 700 262 000 254 450 Belgien und dolland. 95 000 137 900 170 000 195 200 Italien. 3 55 000 77 000 116 000 83 798 Nordamerika... 455 000 337 500 V 368 000 549 755 iherrich und der Schweiz. 70 900 93 490 ußlan... a 20 Spanien, Portugal und den 79 438 79 300 Kolonien... 8 000 15 000 Ausgeführt in Summa⸗ nachſtehende geweſen ſein: 1 109 438 1 003 100 1 422 000 1 529 130 Die Verwendung der abgelieferten Chlorkaliummengen dürfte die 1. in Deutſchland. 1885 1886 1887 1888 Ctr. Ctr. Ctr. Ctr. Zur Darſtellung von V Pottaſche. 402 000 455 000 498 000 420 000 Falpeler. 363 600 377 000 277 000 368 000 aun.... Für die Land mirtſchoft. 20 250 16 500 12 879 19 986 830 470 880 960] 820 879] 850 986 2. im Auslande. 1885 1886 1887 1888 ———— Ctr.— Ctr.— Ctr. Ctr. Zur Darſtellung von Pottaſche—— 20 000 49 600 Salpeter.. 431 600 397 800 478 000 494 890 Chromſ. Kali. 150 200 112 500 189 000 119 460 Thlorſ Rok... 98 820 128 100 168 000 197 613 Für die Landwirtſchaft. 428 818 364 700 567 000 667 576 1100 458 1 005 100 1 422 000 1 525 155 224 Geſchichtliches über die Kaliſalze. In bezug auf den Verbrauch von Chlorkalium in Deutſchland ſei hier noch darauf hingewieſen, daß von den früher außerhalb des Syn⸗ dikats ſtehenden, Chlorkalium fabrizierenden vier Firmen jährlich, je nach der Carnallitförderung, 150,000 bis 200,000 Ctr. Chlorkalium erzeugt ſind, welche in eigenen Anſtalten der Beſitzer dieſer Fabriken auf Salpeter und Pottaſche weiterverarbeitet wurden, ſo daß ſich der Verbrauch von Chlorkalium im Inlande in den letzten vier Jahren ziemlich gleichmäßig auf rund 1 000 000 Ctr. geſtellt hat. Bei näherer Betrachtung dieſer im ganzen faſt gleichen Abſatzziffern wird erſichtlich, daß gleichwohl nicht unweſentliche Schwankungen im Verbrauch für die einzelnen Erzeugniſſe ſtattgefunden haben. Im Geſchäftsgange der Pottaſche⸗Induſtrie, für welche ſeit einer Reihe von Jahren ein ge⸗ ſteigerter Konſum nachgewieſen werden konnte, machte ſich zum Nachteil desſelben eine allgemeine Unſicherheit geltend, und hat dieſe denn auch zur Folge gehabt, daß der Verbrauch von Chlorkalium für beſagten Induſtriezweig im letzten Jahre um 78 000 Ctr. hinter demjenigen des Jahres 1887 zurückgeblieben iſt. Hoffentlich werden ſich die Verhält⸗ niſſe zum beſten des Geſchäfts bald vollſtändig klären. Vorerwähnter Ausfall iſt für uns durch einen ſchlankeren Geſchäftsgang bei den Salpeterfabrikanten wieder eingebracht; denn während wir im ver⸗ gangenen Jahre über eine Abnahme des Konſums bei der Darſtellung von Salpeter in Deutſchland von 100 000 Ctr. berichten mußten, freut es uns, heute mitteilen zu können, daß unſer Abſatz für dieſe Zwecke gegen 1887 um 91 000 Ctr. Chlorkalium gewachſen iſt und ſomit die Höhe des Jahres 1886 nahezu wieder erreicht hat. Die deutſche Landwirtſchaft bezieht nach wie vor nur ganz geringe Mengen Chlor⸗ kalium, und wenn auch erwähnenswert iſt, daß der Verbrauch im Jahre 1888 um 7000 Ctr. größer als im Vorjahre war, ſo muß derſelbe leider immer noch als ein verhältnismäßig ſehr geringer be⸗ zeichnet werden. Die eigentliche Zunahme des Chlorkalium⸗Verbrauchs iſt nach dem Geſagten alſo im Auslande zu ſuchen, und zwar hat ſich die Ausfuhr mit Ausnahme derjenigen nach Schottland und Oſterreich nach allen ausländiſchen Abſatzgebieten geſteigert. In England nimmt der Verbrauch, wenn auch nur langſam, ſo doch ganz regelmäßig zu; dagegen haben wir in Schottland einen nicht unerheblichen Ausfall zu beklagen, welcher in der regeren Nachfrage nach chromſaurem Natron bei Vernachläſſigung von chromſaurem Kali ſeinen Grund hat. Unſer Abſatz nach Frankreich hat im letzten Jahre zwar keine weitere Zunahme erfahren; da derſelbe ſeit 1885 aber um 125 000 Ctr. gleich 100 Proz. gewachſen iſt, ſo dürften die auf dieſem Gebiete erzielten Erfolge gleichwohl befriedigen. Der Verbrauch in Belgien und Holland iſt ganz regelmäßig gewachſen; derſelbe betrug 1885 nur 95 000 Ctr., im letzten Jahre dagegen 195 200 Ctr., ſo daß die Zunahme 100. Proz. überſteigt. Nach Italien iſt die Ausfuhr im letzten Jahre um 33 000 Ctr. Geſchichtliches über die Kaliſalze. 225 kleiner als im Jahre 1887 geweſen, doch darf hierbei nicht über⸗ ſehen werden, daß unſer Export dahin im Jahre vorher von 77 000 auf 116 000 Ctr. geſtiegen war, ſowie daß das Geſchäft namentlich mit den landwirtſchaftlichen Kreiſen dieſes Landes noch ziemlich neu und bei weitem nicht ſo geregelt iſt, wie man dies z. B. von Frankreich und Belgien ſagen kann. Der Abſatz nach Nordamerika bildet für das Chlorkalium⸗Geſchäft einen Faktor, welcher die jährliche Geſamtabſatzziffer weſentlich in der einen oder anderen Weiſe beeinflußt. Die Ausfuhr dahin betrug im letzten Jahre 549 755 Ctr., iſt demnach faſt um 200 000 Ctr. größer, als im Jahre vorher und überſteigt auch die bis dahin erreichte höchſte Abſatzziffer von 1885 noch um 100 000 Ctr. Der Chlorkalium⸗Verbrauch in Oſterreich⸗Ungarn iſt nicht gewachſen. Es liegt dies zum großen Teil an den Zollbeſtimmungen, welche früher beſtanden und die Einfuhr von Chlorkalium in Oſterreich, ſoweit dasſelbe nicht zu techniſchen Zwecken benutzt werden ſollte, er⸗ ſchwerte und ſomit eine ausgedehnte Verwendung von Kaliſalzen zu landwirtſchaftlichen Zwecken unmöglich machte. Dieſe Verhältniſſe haben ſich indeſſen jetzt gebeſſert, aus welchem Grunde das Syndikat eine Agentur in Wien errichtet hat, welcher es obliegt, die landwirtſchaft⸗ lichen Kreiſe Oſterreich⸗Ungarns über die Anwendung von Kaliſalzen zu Düngezwecken zu belehren und den Verbrauch auf dieſe Weiſe zu fördern. Es ſind aber grade in Oſterreich noch Schwierigkeiten aller Art zu überwinden, ſo daß ein durchſchlagender Erfolg erſt mit den Jahren zu erhoffen ſein wird. Das Verbrauchsfeld in Rußland iſt ein beſchränktes, und war bislang alle Mühe vergeblich, Chlorkalium zu landwirtſchaftlichen Zwecken, wenigſtens in größeren Mengen dahin ab⸗ zuſetzen. Das von uns nach Rußland verkaufte Chlorkalium geht faſt ausſchließlich nach Petersburg und Riga und wird auf Salpeter und andere chemiſche Erzeugniſſe verarbeitet. In Spanien, Portugal und den Kolonien iſt unſer Abſatz im letzten Jahre von 8000 auf 15 000 Ctr. geſtiegen; wenn dieſe Zahlen auch zu klein ſind, um das Reſultat eines Geſchäftsjahres weſentlich zu beeinfluſſen, ſo ſind ſie doch wichtig genug, um hervorgehoben zu werden. Dieſe letzteren jetzt für uns noch unbedeutenden Abſatzgebiete werden mit den Jahren ohne Zweifel an Wichtigkeit gewinnen; freilich wird es noch vieler Mühe bedürfen, um in denſelben das Verſtändnis für die Kalidüngung in dem Maße zu wecken, wie es für die hieſige Induſtrie wünſchenswert erſcheint. Wie bei früheren ähnlichen Anläſſen geſtatten wir uns zum Schluß noch einige Mitteilungen über die gegenwärtige Geſchäftslage ſowie über die Hoffnungen, welche wir an den ferneren Verlauf des diesjährigen Geſchäfts knüpfen. Unſere bis jetzt abgeſchloſſenen Ver⸗ käufe beziffern ſich einſchließlich einiger aus dem vergangenen Jahre übernommenen Lieferungsverpflichtungen auf rund 2 575 000 Ctr. Chlorkalium à 80 Proz. Hierzu ſind ferner zu rechnen 125 000 Ctr. Rümpler, Düngeſtoffe. 4. Auflage. 15 226 Geſchichtliches über die Kaliſalze. Chlorkalium à 80 Proz., welche von den drei für den eigenen Bedarf arbeitenden Chlorkaliumfabriken dargeſtellt werden dürften, ſo daß ein Abſatz von 2 700 000 Ctr. feſt geſichert iſt. Der laufende Bedarf hat uns jährlich immer noch Aufträge in Höhe von 300 000 bis 500 000 Ctr. Chlorkalium zugeführt, und wenn wir bereits bei den abgeſchloſſenen namhaften Verkäufen auch nicht auf ſehr große Nachbeſtellungen zählen, ſondern die kleinſte der früheren Erfahrungsziffern in unſere Rechnung aufnehmen, ſo mußte ſelbſt hiernach der Abſatz von Chlorkalium die Höhe von annähernd 3000 000 Ctr. in dieſem Jahre erreichen. Durch den ziemlich lange andauernden Winter und die damit verbundenen Verkehrsſtockungen auf der Elbe konnte ſich das Frühjahrsgeſchäft auch in dieſem Jahre erſt ſpät entwickeln; nachdem die Flußſchiffahrt nun aber wieder eröffnet iſt, werden belangreichere Verfügungen gegen die Jahresabſchlüſſe nicht ausbleiben, ſo daß die angeſammelten Beſtände in Kürze auf ihr natürliches Maß zurückgeführt ſein werden und eine Erhöhung der Carnallitförderung im Laufe des Frühjahrs ſich als notwendig erweiſen wird. Wie wir bereits im November v. J. Ihnen mitzuteilen die Ehre hatten, ſind unſerem auf breiterer Grundlage wiedererrichteten Verkaufsſyndikat ſämtliche Erzeugniſſe der Kali⸗Induſtrie mit einem Kaligehalte von 20 Proz. aufwärts unterſtellt worden, und vereinigt ſich alſo jetzt auch das Geſchäft im hochprozentigem ſchwefel⸗ ſaurem Kali, ſchwefelſaurer Kali⸗Magneſia, calcinierten Düngeſalzen in unſeren Händen, über welches wir Ihnen künftig ebenfalls berichten werden. Verkaufs⸗Syndikat der Kaliwerke.“ Das Verkaufs⸗Syndikat hat auf die ganze Entwickelung der Kali⸗ Induſtrie einen ſo ſegensreichen Einfluß ausgeübt, daß es noch heute in voller Kraft beſteht, trotzdem jede neue größere Bergwerks⸗ und Fabrik⸗Anlage, wie ſich im Laufe der Jahre mehrfach gezeigt hat, die Anregung zur Sprengung desſelben gegeben hat. Wie ſich, nicht ohne das Verdienſt des Syndikats, ſeit dem Beſtehen desſelben der Kaliſalz⸗ verbrauch in der Landwirtſchaft erhöht hat, zeigt nachſtehende Zu⸗ ſammenſtellung Maercker's: — ₰ Verbrauch von Kalidüngeſalzen. uae genplun(⸗ 0391336 per2e 07r993 891 96 92011 398 122 006 v08 3(81 02r 8(⸗910 008 7† 1681 r0012 979, re 007 r61 3rr9 6972 087169 001 819 1(⸗289 689 3(*069 099 8 0681 002821 33961 09798 82128 7892 926 792, 003 98r I(=S821 393 5(988 900 8 6881 ——————— 013 1Lrs 882 701 6 8881 —————— 028 982 1 998 689 1 2881 ——————— 890 101 5 802 919 1 9881 —————— 828 328 5 305 210 1 2881 ——————— 911961 38 028 326 7881 ——————— 766 890 8 992 396 9881 ——————— 992 08 1 0 809 3881 auvjsn[ cplinsE duvlenzs Iphins nienn lclne ucgdee muen auvicphin⸗ aaued ao azuu 9) aauzud gſ vo ub v⸗Mv. na*lebaag Eerett de Nod Jloloaigp= gun iuvuav IInnG ns iAHeIHAHAABABHA h SAA BS 15* 228 Die Kaliſalze in der Landwirtſchaft. Die Kaliſalze in der Landwirtſchaft. Seit dem erſten Erſcheinen dieſes Werkchens ſind in den An⸗ ſchauungen über die Düngung mit Kaliſalzen große Wandlungen vor ſich gegangen. Während früher der Landwirt ſich nur ſehr zaghaft und mit Mißtrauen an dieſe Salze heran wagte, werden jetzt Mengen derſelben aufgeſtreut, die man ſonſt für unbedingt verderblich gehalten hätte. Man hat eben im Laufe der Jahre erkannt, daß eine Zufuhr von Kali für die Pflanzen bei unſerer intenſiven Kultur eine Not⸗ wendigkeit iſt und hat ſich durch Mißerfolge nicht abſchrecken laſſen, immer neue Verſuche zu machen. Sehen wir uns die Aſchentabelle S. 4 und die Erntetabelle S. 27 an, ſo finden wir, daß die Pflanzen im allgemeinen einen weit höheren Gehalt an Kali, als an Phosphorſäure haben, und können daraus ſchließen, daß ihr Bedarf an dieſem Stoffe ein ſehr hoher ſein muß. Wenn trotzdem früher die Düngung mit Kaliſalzen, auch mit den reinen Salzen, häufig Mißerfolge ergab, ſo iſt dies dadurch zu erklären, daß die erſten Verſuche mit demſelben naturgemäß in den intenſivſten Wirtſchaften angeſtellt wurden; dieſe aber haben an ſich ſchon ſehr kalireiche Böden, auf denen eine Zufuhr von Kali wirkungslos ſein mußte, während die übelen Nebenwirkungen der Verunreinigungen desſelben oft voll zur Wirkung kamen. Daß die Düngung mit reinen Kaliſalzen auf dazu geeigneten Böden von gutem Erfolge iſt, hat ſchon 1873 Herr S. Guradze auf Kottliſchowitz bei Toſt durch Verſuche bewieſen“) und zwar für Kartoffeln. Derſelbe hat ſchon damals gefunden, daß Chlorkalium weniger gute Reſultate ergiebt, als ſchwefelſaures Kali und ich gab deshalb ſchon damals den Rat, das erſtere Salz ſeines Chlorgehaltes wegen im Herbſte oder beſſer noch zur Vorfrucht auszuſtreuen, was heute überall für ganz ſelbſt⸗ verſtändlich gilt. *) Der Landwirt, 1874. Die reineren Kaliſalze in der Landwirtſchaft. 229 Auch Drechsler hat Verſuche mit reiner Kalidüngung angeſtellt und zwar mit dem auf S. 104 beſprochenen Kali⸗Natron⸗Salpeter. Nachſtehend die Reſultate ſeiner Verſuche: 1 An⸗ a m Düngung P 8 SDer Saft zeigte 2 aghet V tengen 20 qm ür 1 a S 5 8— S halte Leaaſi 8½ 2 V 412 3 5 ½ ziit 2.5 4 3 5 2 5 N*= 2 3 3 2 2 gſe 65 3 5 55 3 5 3 2 S=2 S2Sbäb3S22 S&& E 8 88œl S 8 z1.g kg kg kg ke 2s Le S à ks di Runkelrüben. aucj 1. Ungedüngt——— b— 139 15 124 620————— d 2. 1 kg Natron⸗ dunc Kali⸗Salpeter 143 1590,710,78 208 28 185 925————— n den 3. 1 kg Natron⸗„ ſ152— 0,75— 183 20 163 15-=-== aben 3 Zuckerrüben. dr 4. Ungedüngt..———— ſ123 13,5 109,5547 13,8 37,8 10,25 74,28 56,0 zü 5. 1 kg Natron⸗ 1b V Kali⸗Salpeter 143 159,0,71 0,78 127 14 113 565 15,7 46,0 12,36 78,73 69,8 T 6. 1 kg Natron⸗„ 152— 0,75— 143 16 127 535/14,2 40,3 10,89 76,69 69,1 iß bei ſſelbe Bei den Futterrüben hat daher die Kalidüngung das Erntegewicht Iltate erhöht, bei den Zuckerrüben dagegen zeigt ſich ein Ausfall im Ernte⸗ den gewichte, doch iſt die pro Ar erzeugte Zuckermenge eine höhere. Der eſſer Einfluß des Kalis auf den Zuckergehalt der Rüben zeigt ſich dabei in llbſt⸗ noch günſtigerem Lichte, wenn man den Reinheitsquotienten mit in Be⸗ tracht zieht, der bei den Kalirüben ebenfalls ein höherer iſt. Berechnet man für Parzelle 4, 5 und 6 die Wertzahl der Rüben durch Multiplikation des Zuckergehaltes mit dem Quotienten, ſo enthält man bei Parzelle 4.... 7,61 2 2 5.... 9,73 2 2 6.... 8,35 Da die Wertzahl aber annähernd die Menge von Zucker darſtellt, die man aus den Rüben gewinnen kann, ſo würde ſich die Ernte an gewinnbarem Zucker berechnen für hen Ar für den Hektar 1 g für ungedüngt auf 41,62 4162 „ Natron⸗Kali⸗Salpeter„ 54,87 5497 „ Natron⸗Salpeter„ 53,02 5303 230 Die reineren Kaliſalze in der Landwirtſchaft. Die Differenz an geerntetem, gewinnbarem Zucker zu gunſten der Kalidüngung iſt daher keine unbeträchtliche. Der Ausfall im Ernte⸗ gewichte gerade für die Zuckerrüben iſt zwar auffallend, doch bezeichnet Drechsler ſelbſt ſeine Verſuche als Vorverſuche, jedenfalls iſt durch dieſelben der Irrtum widerlegt worden, daß Kalidüngung den Zucker⸗ gehalt der Rüben herabdrücke. Ob die Verſuche fortgeſetzt ſind, iſt mir unbekannt. Mit Kartoffeln hat A. Stöckhardt in Tharandt langjährige Kali⸗Düngungsverſuche gemacht, die folgendes Reſultat ergaben: Düngung für den Acker Ertrag an Knollen Stärkegehalt Ertrag an Stärke ungedüngt..... 4840 Pfd. 23,2 Proz. 1122 Pfd. mit 600 Pfd. Chlorkalium 8850„ 20,6„ 1823„ „ 600„ ſchwefelſ. Kali 11150„ 21,6„ 2407„ Stöckhardt ſchließt aus zwölfjährigen Verſuchen, daß alle Chlorverbindungen die Stärkebildung der Kartoffeln ſchädigen. Die günſtige Wirkung der Kalidüngung auf den Ernteertrag iſt jedenfalls in die Augen fallend. Alle die angeſtellten Verſuche leiden aber an einem Mangel, nämlich an der Einſeitigkeit der Düngung; meiner Anſicht nach wären dieſelben anders ausgefallen, wenn man die Verſuchsfelder von vornherein gleichmäßig mit Phosphorſäure und Stickſtoff gedüngt hätte, da die Kalidüngung erſt dann ihre volle Wirkung zeigen kann, wenn die Pflanze auch die übrigen Nährſtoffe in reichlichem Maße vorfindet. Derartige Düngungsverſuche hatte ich im Jahre 1879 angeſtellt; die⸗ ſelben ſind veröffentlicht in der inzwiſchen wieder eingegangenen„Zeit⸗ ſchrift für das Düngerweſen“ von O. Cordel: Zu Verſuchsfeldern wurden vollſtändig ebene, nicht zu kleine und ſeit einer langen Reihe von Jahren zuſammenhängend bewirtſchaftete Pläne ausgeſucht, welche in je vier Teile eingeteilt wurden. Von dieſen Parzellen wurde eine ungedüngt gelaſſen, die zweite erhielt 94 Pfd. Kali in Form von 90 prozentigem ſchwefelſaurem Kali, d. h. 193 Pfd. des letzteren, die dritte 94 Pfd. Kali in Form von 98 prozentigem Chlorkalium, alſo 152 ¼ Pfd. des letzteren, und die vierte 752 Pfd. Kainit, alſo eben⸗ falls 94 Pfd. Kali pro Morgen. Dieſe Salze wurden im Oktober mit dem Dampfpfluge auf 13 Zoll eingepflügt. Im Frühjahre er⸗ hielten ſämtliche Parzellen 40 Pfd. Phosphorſäure und 40 Pfd. Stickſtoff pro Morgen, alſo eine ſehr reichliche Düngung mit dieſen Stoffen. Dieſe Frühjahrsdüngung wurde, wie geſagt, angewandt, um ſicher zu ſein, daß die Verſuche nicht etwa wegen Mangel an Phosphor⸗ ſäure und Stickſtoff im Boden verunglückten. Ich nahm verhältnis⸗ mäßig große Pläne, weil ſich auf dieſen der Dünger gleichmäßiger ver⸗ teilen läßt und weil auch bei der Aberntung derſelben die einzelnen Parzellen ſorgfältiger auseinander gehalten werden können. de fuc ſei all di enfall Nanga. t nach er vmn thätk, wenn rfndet ; die⸗ „Hii⸗ feldern Reihe welche Leine n von 1, die „alſo eben⸗ ktober re er⸗ 9 Ph. dieſen dt, um sphor⸗ ältnis⸗ er bel⸗ zelnen Die reineren Kaliſalze in der Land wirtſchaft. 231 Es wurden fünf verſchiedene Pläne in angegebener Weiſe behandelt, die in ganz verſchiedenen Teilen der Flur*) lagen. Keines der Ver⸗ ſuchsfelder befand ſich in friſchem Dünger, eines derſelben hatte ſogar ſeit fünf Jahren keinen Stallmiſt erhalten. Die Reſultate des Verſuchs waren folgende: I. 4 Morgen in der Auo, geteilt in 4 Parzellen à 1 Morgen Ertrag pro Morgen 1. ungedüngt.... 144,09 Ctr. Zuckerrüben 2. mit ſchwefelſ. Kali. 159,61 1„ 3. mit Chlorkalium.. 168,55„„ 4. mit Kainit.... 194,270„„ II. Am langen Stein, 31 Morgen 1. ungedüngt.... 122,24 Ctr. Zuckerrüben 2. mit ſchwefelſ. Kali 132,49„„ 3. mit Chlorkalium.. 122,65„„ 4. mit Kainit.... 99,94„„ III. Drellberg, 114 Morgen in 2 Parzellen à 57 Morgen 1. ungedüngt.... 89,18 Ctr. Zuckerrüben 2. mit Chlorkalium.. 99,37„„ IV. Froſts und Heuers Plan, 126 Morgen in 4 Parzellen, davon 51 Morgen ungedüngt und 3 mal 25 Morgen gedüngt 1. ungedüngt... 86,07 Ctr. Zuckerrüben 2. mit ſchwefelſ. Kali. 94,78„„ 3. mit Chlorkalium.. 86,91„„ 4. mit Kainit.... 100,17„„ Von allen Plänen iſt nur bei Plan II ein Mißerfolg der Düngung mit Kainit zu verzeichnen geweſen, im übrigen iſt jedesmal ein Mehr⸗ ertrag eingetreten. Den höchſten Ertrag zeigte meiſt der Kainit; ich vermute, weil er ſehr früh im Herbſte eingepflügt wurde und den Untergrund gedüngt hat. Trotzdem durch alle dieſe Verſuche ein Erfolg der Kalidüngung ſtrikte nachgewieſen war, führte ſich dieſelbe doch nur langſam ein. Erſt als man auf den kalihungrigen Moor⸗ und Sandböden mit der Kalidüngung begann und Ernten von ungeahnter Größe machte, dehnte ſich dieſelbe bald mehr und mehr aus; jetzt zweifelt wohl kein Landwirt mehr an dem Werte derſelben. Auf Moor⸗ und Sandböden, die nur 0,01— 0,05 Proz. in kalter Salzſäure lösliches Kali enthalten, iſt eine rationelle Bewirtſchaftung ohne Kalidüngung heute *) Gänſefurt bei Hecklingen in Anhalt. 232 Die Kaliſalze in der Landwirtſchaft. überhaupt nicht mehr möglich,*) auf lehmigem Sandboden, mit 0,05— 0,10 Proz. in kalter Salzſäure löslichem Kali, reagieren kali⸗ bedürftige Gewächſe unbedingt auf Kalidüngung, auf ſandigem Lehmboden und auf Lehmboden mit 0,10—0,40 Proz. Kali ver⸗ ſagt die Kalidüngung noch vielfach, wenn nicht jahrelanger ſtarker Anbau ſehr kalibedürftiger Pflanzen den Vorrat im Boden ſtark vermindert hat. So haben ſich die Kaliſalze von den armen Böden aus auf die beſſeren ausgedehnt und werden bei der alljährlich ſteigenden kali⸗ verzehrenden intenſiven Kultur nach und nach auch die beſten Böden erobern. Außer den allgemein bekannten Kalipflanzen: Tabak, Futter⸗ und Zuckerrüben, Kartoffeln und Cichorien ſind es beſonders die Futter⸗ und Wieſenpflanzen, welche für Kalidüngung ſehr dankbar ſind. Dieſe Pflanzen ſind es meiſt auch, bei welchen der Landwirt mit der⸗ ſelben beginnt, weil er durch dieſelben, ohne Fehlſchläge befürchten zu müſſen, am leichteſten ſeinen Kalivorrat im Boden vermehren kann. Für intenſive Wirtſchaften reicht aber dieſe Art der Kalizufuhr bei weitem nicht aus; für ſolche Wirtſchaften berechnet Maercker die jährlich notwendige Menge auf 3 ½— 4 Ctr. Kainit oder 43 ¾— 50 Pfd. Kali pro Morgen, wobei er das im Stallmiſt dem Acker zugeführte Kali als notwendige Vermehrung des Vorrates im Boden rechnet, alſo nicht in Anſatz bringt. Wir kommen nun zu der für die Tendenz dieſes Büchleins wich⸗ tigſten Frage: Welche Kaliſalze ſoll der Landwirt zur Düngung verwenden? In den früheren Ausgaben dieſer Schrift bin ich mit großer Ent⸗ ſchiedenheit gegen diejenigen Düngeſalze aufgetreten, welche von den Kalifabriken unter ſchönen, aber falſchen Namen den Landwirten an⸗ geboten wurden, und ich glaube auch mit Erfolg; die Namen rohes ſchwefelſaures Kali, präparierter Kainit u. ſ. w. ſind aus den Preis⸗ liſten verſchwunden; wenn der Landwirt heute geringwertige Fabrikate kauft, die nach Maercker jetzt kaum noch auf den Markt kommen, ſo weiß er wenigſtens ſicher, was er kauft. Ein Erfolg aber, den ich angeſtrebt habe, iſt bis jetzt, in Deutſch⸗ land wenigſtens, noch nicht eingetreten, doch hoffe ich ihn noch zu er⸗ leben, nämlich die Verdrängung der niedrigen, Kochſalz und Chlor⸗ magneſium enthaltenden Salze durch die reineren Fabrikate. Die ganz ungemeine Vermehrung des Kaliſalzverbrauches hat ſich, nach Maercker's Zuſammenſtellung S. 227, nicht auf die reinen Salze, ſondern vor⸗ zugsweiſe auf die rohen Bergprodukte, Kainit und Carnallit, er⸗ ſtreckt, ob mit Recht, werden wir ſpäter ſehen. *) Maercker: Kalidüngung. n, nit kali⸗ di gen lli wer Anben rinder duf de n kal⸗ Büden k und tter⸗ tſind. t der⸗ en zu nn. ür bei Die Kaliſalze in der Landwirtſchaft. 233 Wie wir aus den in dieſem Abſchnitte enthaltenen Analyſen der Kaliſalze erſehen, enthalten dieſelben zum großen Teile Kochſalz, Chlor⸗ magneſium u. ſ. w. als Nebenbeſtandteile. Maercker berechnet für jedes derſelben in ſeinem ſchon erwähnten Buche den Gehalt an Chloriden; ich halte es für beſſer, dieſelben nicht nach dem Gehalte an Chlor⸗ verbindungen, ſondern nach dem Gehalte an Chlor und deſſen Verhältnis zum Kaligehalte zu beurteilen, weil die verſchiedenen Chloride ſehr verſchiedene Mengen an Chlor enthalten. Legt man dabei die Maerckerſchen Durchſchnitts⸗Analyſen zu Grunde, ſo erhält man folgende Tabelle: g K8 Gehalt an B88 1. 3 Bezeichnung des Salzes S4 Pid. Kali Kali Chlor= koſtet ab Staßfurt (Kz 0) G — LNProz. Proz. Teile Pfg. Bergkieſerit........ 7,44 34,67 466,0 7,5 excl. Sack) Carnallit........ 9,78 37,03 3(8,6 5,3„„*) Gewöhnliches Düngeſalz(nach meiner Analyſe S. 217). 12,22 30,53 250,) 12,5„„ Kainit......... 12,76 31,21 244,5 6,5„„ 9 Sylvinit......... 23,04 44,39 192,7 6,5„„* Beſſeres Düngeſalz..... 31,55 52,33 165,9 12,5 incl. Sack Chlorkalium(80 Proz.).... 52,05 48,68 93,5 14,11„„ „(9o„ j... 58,3/ 47,67 81,6 1441„„ „(98„).... 61,34 46,95 75,9 15,00„„ Schwefelſ. Kali⸗Magneſia 27,22 1/52 5,5 16,10„„ Schwefelſaures Kali(90 Proz.) 49,93 2,23 4,5 1743„» „„. 52,68 0,56 1,0 17,85„„ Kalium⸗Magneſium⸗Carbonat ſi7— 18 2— 28,60„„ In dieſer Tabelle ſcheiden ſich ganz ſcharf die rohen Bergprodukte und die geringwertigen Fabrikate von den reineren Salzen, erſtere haben auf 100 Teile Kali weſentlich über 100 Teile Chlor, während ſelbſt das nur aus Chloriden beſtehende Chlorkalium weniger Chlor als Kali enthält. Wenn man auch heute hinſichtlich der Nebenſalze, beſonders der Chloride, nicht mehr ſo bedenklich iſt wie früher, ſo kann denſelben doch eine tief eingreifende Wirkung auf den Ackerboden nicht abge⸗ ſprochen werden. Wie bekannt, wird Kali von demſelben ſehr kräftig abſorbiert; bei dieſem Vorgange ſind nicht, wie bei der Phosphorſäure der kohlenſaure Kalk, die kohlenſaure Magneſia und die anderen auf S. 90 angeführten baſiſchen Stoffe thätig, ſondern die im Boden vorhandenen ſogenannten Zeolithe, in Säuren leicht lösliche Ver⸗ *) mit 2 ½ Proz. Torfmehl. 234 Die Kaliſalze in der Landwirtſchaft. bindungen der Kieſelſäure mit Kalk, Magneſia, Natron, Eiſenoxyd, Thonerde u. ſ. w. Treffen dieſe mit Chlorkalium oder ſchwefelſaurem Kali zuſammen, ſo tritt das Kali in dieſelben ein, während andere baſiſche Stoffe aus denſelben austreten und ſich mit dem Chlor des Chlorkaliums oder der Säure des ſchwefelſauren Kalis verbinden. Es wird ſich alſo im erſteren Falle z. B. Chlorcalcium, im letzteren Gips bilden. Da das Chlorcalcium in Waſſer leicht löslich iſt, geht es in das Grundwaſſer, verſchwindet alſo aus dem Boden. Dies entſpricht genau der Beobachtung, daß Kaliſalzdüngung(man düngt ja jetzt mit Vorliebe mit ſtark chlorhaltigen Salzen) auf den Boden entkalkend wirken. Bei der Kalidüngung, wie ſie jetzt geübt wird, iſt daher eine Zu⸗ fuhr von Kalk eine unerläßliche Bedingung. Es iſt zweifellos, daß auch die chlorhaltigen Nebenſalze den Boden entkalken; Chlormagneſium z. B. zerſetzt ſich mit im Boden vorhandenem kohlenſaurem Kalke in kohlenſaure Magneſia und Chlorcalcium, welches verſchwindet, während vielleicht dem Kochſalze eine Einwirkung auf die Kieſelſäureverbindungen des Bodens nicht abzuſprechen iſt. Nach Maercker iſt daher die Zu⸗ fuhr von Kalk bei der Kalidüngung unbedingt nötig; derſelbe verlangt mindeſtens ebenſo viel gebrannten Kalk pro Morgen, als man Kaliſalz aufgeſtreut hat. Fleiſcher hält 15 Ctr. Kalk pro Morgen für nötig. Für Moorboden hat die gleichzeitige Anwendung von Kalk noch einen beſonderen Grund. Nach Fleiſcher trennt Moorboden die Baſen der Kaliſalze von ihren Säuren, ſodaß derſelbe nach der Düngung freie Salzſäure enthält, die vernichtend auf die Pflanzen wirken würde, wenn man nicht Kalk zuführt. Auch ſonſt verhindert Kalk ungünſtige Nebenwirkungen der Kaliſalze; die Kali⸗Rohfalze haben die üble Eigen⸗ ſchaft, die Salpeterbildung im Boden(ſ. S. 121) zu verlangſamen. Holdefleiß hat letztere bei Verſuchen mit Stallmiſt durch Kaliſalze ganz aufgehoben. Wie wichtig aber dieſe Salpeterbildung für die Er⸗ nährung der Pflanzen iſt, wiſſen wir, wir wiſſen auch, daß man die⸗ ſelbe durch Zufuhr von Kalk befördert, alſo auch hier ein Grund für die Anwendung desſelben. Daß die Nebenſalze der Kali⸗Rohſalze auf die Bodenbeſtandteile löſend wirken, geht daraus hervor, daß dieſelben auch ohne Kali die Ernteerträge erhöhen. Lawes& Gilbert haben darüber langjährige Verſuche angeſtellt: Die Verſuchs⸗Parzellen erhielten jährlich eine Grunddüngung von 450 kg Ammoniakſalz und 350 kg Superphosphat und zwar vom Jahre 1854 an,*) dazu nachſtehende Mengen von Salzen in Kilo⸗ grammen für den Hectar *) Vergl. Maercker: Kalidüngung. ——/L⸗L2ͤͤ=—.——.— ͤ ſenon I lſauren andere or des n. Gz n Gipe tes i ſſpricht tt mit alkend ne Zu⸗ Fauch ſium lke in hrend ungen te Zu⸗ langt aliſalz nötig. noch Baſen ngung vürde, inſtige Figen⸗ amen. lijalze ie Er⸗ n die⸗ i für nteile li die hrige g von vom gilh⸗ Die Kaliſalze in der Landwirtſchaft. 235⁵ 1852— 1870 1871— 1889 ——— Korn[Stroh Korn Stroh keine Salze..... ſ1868 3404 1417 2543 400 kg ſchwefelſaures Natriu 2295 4114 1789 3190 „„ Kalium. 2277 4240 1883 4674 300„. Magneſium 2289 4051 1882 3391 Die Erhöhung der Ernte Ernte im Durchſchnitte der Jahre in Kilogrammen pro Hectar: 1890 Korn Stroh 2036 3737 2500 4585 2775 5602 2369 4333 durch die kalifreien Salze war anfangs alſo ebenſo groß, wie die durch ſchwefelſaures Kali, gegen Schluß der Periode, nachdem nämlich der Boden kaliärmer geworden war, beſonders aber im Jahre 1890 übertrifft die kalifreien Salze weſentlich. Auch Wagner hat zu beweiſen verſucht, reinen Kaliſalze mindeſtens nicht höher iſt, erntete auf ungedüngt..... 104,3 mit 450 kg Kainit pro Hectar 125,2 „ 150„ Chlorkalium„ 125,3. Nach Maeccker iſt daher die Frage, Wirkung des Kaliſalzes die der daß die Wirkung der als die der rohen; er ob rohe oder reine Kaliſalze zur Düngung verwendet werden ſollen, nur eine Frage der Koſten für das Pfund Kali an der Verbrauchsſtelle. Berückſichtigung dann ergeben, Eine einfache Rechnung unter der auf S. 233 befindlichen Zuſammenſtellung würde daß 80er Chlorkalium mit Carnallit erſt konkurrieren kann, wenn die Fracht für den Waggon à 200 Ctr. etwa 212 Mk. beträgt, mit Kainit gar erſt bei 257 Mk. Fracht; dagegen iſt es dem ordinären Düngeſalze ſchon bei 51 ½ Mk. Fracht überlegen, weil das⸗ ſelbe verhältnismäßig teuer iſt. Ich halte den Koſtenpunkt jedoch nicht für den einzig entſcheiden⸗ den; ich halte die jetzt ſo beliebte ungemeſſene Zufuhr der Nebenſalze für unzweifelhaft bedenklich. Wenn die kalifreien Salze bei Lawes und Gilbert faſt höhere Ernten gegeben haben, als das reine Salz, ſo müſſen ſie die im Boden befindlichen Nährſtoffe beweglich und den Pflanzen zugänglich gemacht haben. beraubt worden, was ſich auch darin zeigt, daß die ſ Der Boden iſt daher zweifellos päteren Ernten auf den mit Kaliſalz gedüngten Parzellen bedeutend höher waren, als auf denen ohne Kaliſalz. Noch ſchlimmer wäre dieſes Ausrauben des Bodens wahrſcheinlich ausgefallen, wenn die Verſuchsanſteller anſtatt ſchwefelſaurer Salze Chloride verwandt hätten, weil dann auch der Kalk ausgewaſchen worden wäre. Es iſt dabei durchaus nicht aus⸗ geſchloſſen, daß die Pflanzennährſtoffe, dabei auch die Phosphorſäure des Bodens ſo löslich gemacht werden, daß ſie im Grundwaſſer verſchwinden. 236 Die Kaliſalze in der Landwirtſchaft. Bei der Düngung mit Carnallit oder Kainit muß offenbar dasſelbe vor ſich gehen, wie bei der Düngung mit den Nebenſalzen allein; die verhältnismäßig geringe Menge reines Kaliſalz in denſelben iſt in ihrer Wirkung auf den Boden verſchwindend gegen die der Nebenſalze. Es wäre ein verdienſtvolles Unternehmen der landwirtſchaftlichen Verſuchsſtationen, wenn ſie dieſe Verhältniſſe prüfen würden, wenn ſie feſtſtellen würden, ob bei der Düngung mit rohen Kaliſalzen Pflanzen⸗ nährſtoffe im Drainagewaſſer weggehen. Vielleicht finden ſie, daß ſich unter dieſen auch Phosphorſäure befindet, da wir wiſſen, daß phosphor⸗ ſaurer Kalk in vielen Salzlöſungen löslich iſt, vielleicht finden ſie auch, daß im Grundwaſſer ebenſoviel Kali verſchwindet, als man oben auf⸗ geſtreut hat und daß daher bei Verwendung der rohen Salze die Kalidüngung als ſolche nur eine Täuſchung war. Vielleicht wird man torotz der höheren Koſten zur reinen Kalidüngung zurückkehren, wenn man die aus⸗ raubende Thätigkeit der Nebenſalze gefühlt hat. Es bleiben uns nun nur noch einige Worte über die chlorfreien Kaliſalze, die ſchwefelſaure Kali⸗Magneſia, das ſchwefelſaure Kali, die kohlenſaure Kali⸗Magneſia(Kalium⸗Magneſium⸗Carbonat) und das phosphorſaure Kali. Während die meiſten unſerer Kulturpflanzen die Chlorverbindungen durchaus gut vertragen, hat bei einzelnen die Düngung mit Chloriden Mißerfolge ergeben, beſonders beim Tabak, dem Wein und unter ge⸗ wiſſen Bedingungen auch bei der Zuckerrübe. An ſich gedeiht ja der Tabak ganz gut mit Chlorkalium, er nimmt aber dabei ſoviel Chloride auf, daß die Aſche leicht ſchmelzbar wird. Mit Chlorkalium oder Chlornatrium gedüngter Tabak brennt nicht, ſondern kohlt, weil die ſchmelzenden Chloralkalien die Tabakskohle einhüllen und den Zutritt der Luft von derſelben abhalten. Es iſt ſogar noch nicht einmal unbedingt ſicher feſtgeſtellt, ob ſich die ſchwefelſauren Salze zur Düngung eignen und ob nicht ſalpeterſaures oder kohlenſaures Kali das beſte Düngemittel für Tabak iſt. Bei Wein und Zuckerrüben hat man bemerkt, daß durch Düngung mit Chloriden der Zuckergehalt geringer wird; bei Zuckerrüben kann man, weil ſie nur einen Sommer zu wachſen haben, vorbeugen, indem wenn man die Kalidüngung, wie ich ſchon früher vorgeſchlagen habe, im Herbſt, beſſer noch zur Vorfrucht, anwendet. Für die Düngung des Weines aber iſt man auf die teureren Salze, das ſchwefelſaure und phosphorſaure Kali und die ſchwefelſaure Kali⸗Magneſia beſchränkt. Die kohlenſaure Kali⸗Magneſia kommt wohl bis jetzt als Dünger nicht in Betracht, da ſie noch viel zu teuer iſt; auch das phosphorſaure Kali hat ſich bis jetzt wohl aus demſelben Grunde noch nicht recht eingeführt. Es erübrigt uns noch einige Worte über ſonſtige kalihaltige Dünge⸗ ſtoffe zu ſagen: Wenn auch in den meiſten Wirtſchaften die Kaliausfuhr 4 daſeb ein, i in ihte e ftlicen enn ſe lanzen⸗ as ſt Rphor. e auch n auf⸗ ze die ungen oriden er ge⸗ ja der loride oder l die ütritt nmal gung beſte gung kann dem abe, gung aure änkt. nicht Kali ührt nge⸗ fuhr Melaſſeſchlempe. Elutionslauge. 237 die Einfuhr überwiegt, ſodaß alſo ein Erſatz des Ausgeführten mit der Zeit ſich als unabweisbar herausſtellen dürfte, ſo giebt es doch auch ſolche, bei denen das umgekehrte Verhältnis ſtattfindet. Es ſind dies diejenigen, welche mit einer Melaſſebrennerei oder einer Melaſſe⸗Ent⸗ zuckerungs⸗Anſtalt verbunden ſind, ſelbſtverſtändlich aber nur dann, wenn die Schlempe oder Elutionslauge auf den Acker gefahren und nicht in Form von Schlempekohle an die Pottaſchefabriken verkauft wird. Es könnte ſich nun fragen, ob es nicht rationell wäre, wenn dies letztere geſchieht; der Landwirt würde dann doch ein teures Kaliſalz(kohlenſaures Kali) induſtriell verwerten und könnte den Kalierſatz durch Ankauf von Staßfurter Salzen bewerkſtelligen. Bei genauerer Betrachtung der Sache findet man aber, daß ſich der Landwirt dadurch ſchädigt. Ab⸗ geſehen davon, daß das Kaliſalz ſich in der Melaſſeſchlempe in Ver⸗ bindungen befindet, in denen es auf die Pflanzen ganz vorzüglich wirkt, nämlich in Verbindung mit organiſchen Säuren, ſo enthält dieſelbe neben dem Kali auch noch andere landwirtſchaftlich wertvolle Stoffe, die der Wirtſchaft beim Verkaufe von Schlempekohle verloren gehen. Der wichtigſte derſelben iſt der Stickſtoff. Wie wir aus der Tabelle S. 27 erſehen können, enthält die Melaſſeſchlempe in 1 chm 33,5 Pfd. Kali und 8,4 Pfd. Stickſtoff. Da letzterer nun, wie jetzt die Einrichtung der Schlempekohleöfen iſt, bei der Darſtellung der Kohle in den Schorn⸗ ſtein entweicht, ſo geht dabei auf jedes Pfund Kali 0,25 Pfd. Stickſtoff im Werte von 20 Pf. verloren. Bekäme der Schlempekohlenfabrikant nun das Prozent Kali in der Kohle, was wohl kaum jemals der Fall ſein dürfte, mit 20 Pf. bezahlt*), ſo würde ihm gerade der verloren gegangene Stickſtoff erſetzt werden, d. h. er würde das Kali vollſtändig verſchenken und noch die Koſten für die Darſtellung der Kohle dazu geben, gewiß kein ſehr glänzendes Geſchäft. Durch die Einführung der Melaſſeentzuckerung in die Zuckerinduſtrie iſt der rübenbauende Landwirt in den Stand geſetzt, wenigſtens einen Teil des dem Acker entzogenen Kalis wieder zu erſetzen, indem er mit der dabei abfallenden Elutionslauge düngt. In 100 Teilen derſelben fand Maercker:: Waſſer........ 87,09 Teile Trockenſubſtanz..... 12,01„ Zucker........ 2/45„ organiſche Stoff... 6,05„ Kali an org. Säuren gebunden 2,11„ kohlenſaures Kali... 0,22„ zuſammen ſalpeterſaures Kali 0,07„ 2,36% Kali Chlornatrium.... 0,56„ Atzlalk....... 0,45„ *) Es koſtet jetzt 13— 14 Pf. 238 Gehalts⸗Tabelle. Wir ſehen, daß auch hier das Kali größtenteils an organiſche Säuren gebunden iſt, wie dies ja eigentlich zu erwarten war, da das Rohmaterial für die Elutionslauge dasſelbe iſt, wie für die Melaſſe⸗ ſchlempe. Wegen des Vorhandenſeins dieſer Säuren kann man übrigens auch von dieſen beiden Fabrikationsabfällen eine indirekt düngende Wirkung erwarten; in den Salzen derſelben ſind nämlich, wie jeder Chemiker weiß, die Phosphate des Eiſenoxyds und der Thonerde löslich. Dieſe Laugen wirken daher, abgeſehen von ihrem Stickſtoff⸗ gehalte, nicht nur als Kalidünger, ſondern auch als Phosphor⸗ ſäuredünger. Hierauf iſt wohl ihr ausgezeichneter Einfluß auf das Pflanzenwachstum zurückzuführen. Dieſe Eigenſchaft der Elutionslaugen würde doppelt wertvoll ſein, wenn es richtig iſt, wie in neueſter Zeit behauptet worden iſt, daß die Phosphorſäure ſich nicht mehr in kohlen⸗ ſaurem Waſſer löſt, ſobald ſie ſich zu baſiſch phosphorſaurem Eiſenoxyd verbunden hat.*) Tabelle über den Gehalt der Kaliſalze.**) S 5— 8 85 6 5 25 25 35 5 2 Es enthält ein Centner* 8 5 25 5 5 3 2 3 3 Pfd. Pfd. Pfd. Pfd. Pfd. Pfd Schwefelſaures Kali, 96er.. 97,2 0,3 52,68 0,7 0,4 0,2 „„ 90 er 90,0 1,6 49,095 2,7 1,0 1,2 Chlorkalium, 98er— 98,0 61,84—— 0,5-1,0 „ 90 er..— 20,0 56,79-— 8—5 „„ 30 2.....— 30,0 50,48— 16-19 Schwefelſaure Kali Magneſia 50,4 2,5 27,20 34,0— ,5 Kainit..)21,3 2,0 12,80 14,5 12,4 34,6 Carnallit......)ß— 15,5 9,90 12,1 21,5 22,4 Sylvinit:....... 6,97 30,55 23,04 4,8 2,54 46,05 Bergkieſerit......— 11,8 ca. 7 21,5 17,2 26,7 Beſſeres Düngeſalz— cca. 50 cca. 31,55— 2(40— 50 Ordinäres Düngeſalz 9,73 11,01 12,22 6,73 10,24 45,51 Kohlenſaure Kali⸗Magneſia.. 2 2 17— 18——— Phosphorſaures Kali...——(26— 28——— Elutionslauge.......—— 2,36—— 0,56 *) Gerlach, landw. Verſ. Stat. 1895. **) nach Maercker's Durchſchnittsanalyſen berechnet. ganſte da d Neliſt. brigen; gend ſe jede honerd ikſtf⸗ phor— 1 d laugen er gei Schlußwort. kohlen.. 3 uren— In der erſten Auflage dieſes Buches ſchloß ſich an den Haupt⸗ teil desſelben die Beſchreibung der Methoden für die analytiſche Unter⸗ — ſuchung der Düngeſtoffe. Wenn die Kenntnis derſelben auch für den 2 Landwirt nicht unumgänglich notwendig iſt, ſo halte ich eine ſolche 5 doch für wünſchenswert. Durch die bedeutende Vermehrung, die das 6 Werkchen bei ſeiner Umarbeitung erfahren hat, bleibt mir jedoch nicht 5 mehr der Raum für dieſen Gegenſtand, ich muß alſo auf die Be⸗ 9 ſprechung desſelben verzichten. M Ich kann jedoch nicht umhin, die Regeln, die ich damals für die 02 Bemuſterung der Düngeſtoffe auſfſtellte, zu wiederholen, da für 12 eine richtige Analyſe derſelben eine rationell entnommene Durchſchnitts⸗ ell probe von der größten Wichtigkeit iſt, und der Landwirt es niemals 6-19 unterlaſſen ſollte, den gekauften Dünger von einem zuverläſſigen 253 Chemiker unterſuchen zu laſſen. 34, Soll das Reſultat einer Handelsanalyſe möglichſt genau den Ver⸗ 2 hältniſſen der Ware entſprechen, ſo genügt hierzu nicht allein die ſorg⸗ 37 fältige Ausführung der analytiſchen Methoden, es gehört auch dazu, 9- 50 daß die zur Unterſuchung kommende Probe möglichſt ſorgfältig und 4551 umſichtig genommen ſei. Hierin aber gerade wird noch häufig genug, beſonders von Land⸗ 056 wirten, geſündigt, ſo daß es wohl nicht unangemeſſen iſt, wenn wir die Prinzipien eingehender beſprechen, nach denen man bei der Probenahme zu verfahren hat. Wie oft kommen Streitigkeiten zwiſchen dem Landwirte und dem Düngerhändler vor, die ſchließlich zu ungunſten des erſteren entſchieden werden; derſelbe giebt dann oft dem analyſierenden Chemiker die Schuld und meint, derſelbe verſtände nicht richtig zu arbeiten, er ſollte jedoch beſſer erſt ſich fragen, ob er auch die genügende Sorgfalt auf An⸗ fertigung der Proben verwandt habe. Der Chemiker kann eben nichts 240 Entnahme der Probe von Handelsdüngern. weiter thun, als den Stickſtoff, die Phosphorſäure, in einer ſehr kleinen Menge des Düngers, in etwa 1 g, zu beſtimmen; wenn die ihm über⸗ ſandte Probe in ihrer Zuſammenſetzung nicht mit der Durchſchnitts⸗ zuſammenſetzung der Geſamtmenge der Ware übereinſtimmt, ſo iſt das nicht ſeine Sache. Bei manchen Stoffen, beſonders bei Rohmaterialien, iſt es nun allerdings kaum möglich, eine gute Durchſchnittsprobe zu nehmen. So würde wohl ſelbſt der geübteſte und erfahrenſte Chemiker nicht imſtande ſein, den Wert eines Haufens Lederſchnitzel, alter Schuhe oder Knochen mit analytiſchen Zahlen zu belegen. In ſolchen Fällen jedoch, die wohl nur in den Düngerfabriken vorkommen, kann man ſich beim Einkaufe an frühere Erfahrungen halten, die meiſt ein ſichereres Urteil erlauben, als die Analyſe, ſobald man die betreffenden Rohſtoffe ſchon in größeren Mengen verarbeitet und die Reſultate dieſer Verarbeitung durch genaue Ausbeutebeſtimmungen, ſelbſtverſtändlich durch Analyſen ergänzt, feſtgeſtellt hat. Doch auch in der Landwirtſchaft kommen zuweilen Fälle vor, in denen die richtige Probenahme, ohne vorherige Bearbeitung des Materials, zu den Unmöglichkeiten gehört: ſo will ich hier nur den rohen Peru⸗Guano erwähnen. Bei Beſprechung dieſes Düngers wurde ſeine höchſt ungleichartige Zuſammenſetzung und die Urſache der⸗ ſelben ausführlich beleuchtet; es wurde an jener Stelle bemerkt, daß das Guanopulver ſich in ſeiner Zuſammenſtellung meiſt ſehr von den beigemengten feſten Stücken(Knollen) unterſcheidet. Nimmt man nun aus ſolchem Guano mit der Hand oder dem weiter unten beſchriebenen Probezieher ein Muſter heraus, ſo iſt es höchſt unwahrſcheinlich, daß in letzterem das Verhältnis zwiſchen Mehl und Knollen dasſelbe iſt, wie in der ganzen Sendung. Die Analyſe des Muſters wird dann wahrſcheinlich falſche Reſultate ergeben.*) Das Erſte daher, was bei Entnahme der Probe aus grob⸗ ſtückigem Material zu thun iſt, iſt möglichſt ſorgfältige Ze rkleinerung, am beſten auch Sieben der Ware. In den meiſten Fällen kommen übrigens die Düngeſtoffe in fein⸗ pulveriger Form in die Hände des Landwirtes, ſo daß eine Probenahme aus den Säcken mit Sicherheit ausgeführt werden kann. Zu dem Zwecke benutzt man in Staßfurt zur Entnahme der Kaliſalzproben**) ein Inſtrument, welches auch für andere Subſtanzen zu empfehlen iſt, den ſog. Probezieher. Dasſelbe beſteht aus einem ſchwachen eiſernen Rohre, deſſen eines Ende in eine lange Spitze *) Der getrocknete, gepulverte, wenn auch ſonſt noch rohe Guano iſt ſelbſt⸗ verſtändlich gleichmäßig. **) Die rohen Kaliſalze ſind ebenſo ſchwer zu muſtern, wie der rohe Peru⸗Guano. Entnahme der Probe von Handelsdüngern. 241 ausgeſchmiedet und deſſen anderes Ende mit einem Griffe verſehen iſt (Fig. 32). Das Rohr iſt ſeiner ganzen Länge nach aufgeſchnitten, ſo daß eine etwa ½ bis 1 cm breite Nute entſteht. Mit dieſem Inſtrumente ſticht man mit einer gewiſſen Heftigkeit in den Sack, dreht dasſelbe einmal herum, ſo daß ſich die Nute mit dem Pulver füllt und klopft dann letzteres in eine bereit gehaltene Kiſte aus. Auf dieſe Weiſe iſt man imſtande, aus verſchiedenen Säcken ziemlich gleich große Quantitäten zu entnehmen und zwar nicht nur von den oberſten Teilen der Waren, wie bei Entnahme mit der Hand, ſondern aus dem Inneren des Sackes. Bei der geringen Mühe, die dieſe Art des Probeziehens bereitet, ſollte man nie verſäumen, mindeſtens den zehnten Teil aller Säcke einer Düngerſendung anzuſtechen. Man iſt dann ſicher, eine wirkliche Durchſchnittsprobe zu erzielen, ſoweit dies überhaupt bei derartigen Fabrikaten möglich iſt. Die in der Kiſte geſammelte Probe, die bei einem einigermaßen bedeutenden Poſten ſtets einige Pfund wiegt, muß nun verkleinert werden. Man breitet ſie zu dieſem Behufe auf einer Tiſchplatte möglichſt gleichmäßig dünn aus und nimmt mit einem Uhrglaſe oder einem Löffel von allen Stellen der Fläche kleine Portionen in ein beſonderes Gefäß. Dieſe Operation wiederholt man öfters, bis man die Probe auf etwa 1 Pfund verkleinert hat. Dieſe Pfundprobe wird ſchließlich durch Reiben und Sieben(mit Hilfe eines Blechdurchſchlages) gehörig gemiſcht und zur Verſendung verpackt. Manche Superphosphate haben die Eigenſchaft, beim Fig. 32. Zerreiben ſchmierig zu werden, man überläßt dann das Miſchen am beſten dem Analytiker und ſendet dieſem daher die größere(1 Pfd.⸗) Probe zu. Schließlich ſei mir noch die Bemerkung erlaubt, daß man zum Verpacken von Düngerproben niemals Holz⸗ und Pappſchachteln, oder gar Papierſäcke, verwenden ſollte, da in ſolchen durch Verdunſten oder Anziehen von Waſſer das Muſter ſich leicht in ſeiner Zuſammenſetzung ändert. Man ſollte ſich für dieſen Zweck ſtets einer(zu verſiegelnden) Glas⸗ oder Blechbüchſe bedienen. Auch in dieſer Beziehung wird noch mancher Fehler gemacht. Rümpler, Düngeſtoffe. 4. Auflage. 16 Tafel der Atomgewichte der chemiſchen Grundſtoffe. 2—2 8— Name 8 V 2 Name 2* V 3 Name 3 V 2 des 8 des 3 des AS E Elementes V eines Atomes Elementes eines Atomes Elementes eines Atomes Waſſerſof... NH 1 Barium.... Ba 137 Didym.... Di 96 Chlor... Gl 35,5 Strontium... Fr 87,6] Erbium.... Er 112,6 Brom.. B 80 Calcium.(a 40 Yttrium. X 61,7 8 Jod...... 127⸗ Magneſium.. Mg 24 Tantal.... Ta 182 2 Fluor.... V Fl 19 Zink..... EZn 65,2 Nioh..... Nb 94 5 Sauerſtoff. 0 16 Kadmium(Od 112 Chrom.... Cr 52,2 ½ Schwefel... 8 32 Indium.... In 74 Vanadin... Va 137,2 Selen... Se 79,4 Aluminium... Al 27,4 Molybdän... Mo 96 5 Tellur... e 128 GEiſen Fe 56 Wolftam W 184 Stickſtoff... N 14 Mangan... Mu 55 Thallium... 11 204 Phosphor... P 31 Kobalt... Oo 60 Blei..... Pb 207 5 Arſen.... As 75 Nickel.... Ni 58 Kupfer.... OQu 63,4 5 Antimon... Sb 122 Uran..... IIr 120 Silber Ag 108 82 Wismut Bi 210 Zinn..... 8n 118 Queckſilber. Hg 200 * Bor... B 10,9 Kieſel.... Si 28 Gold..... Au 197 5 Kohlenſtoff... C 12 Titaa... Ii 50 Platin... Pt 197,4 Kalium.... K 39,1 Zirkon.... Er 90 Palladium Pd 106,6 Natrium Na 23 Thorium Th 231,4 FJridium.... Iu 198 Lithium. 131 7 Beryllium.. Be 9,3 Rhodium... Rh 104,4 er Cäfium..(s 133 Cer.....(Ce 92 Osmium... 0s 199,2 3 Nubidium... Rb 85,4 Lanthan... l.a 93 Nuthenium.... Ru 104,1 Umrechnungs⸗Tabelle. 243 Umrechnungs⸗Tabelle. Beim Düngerhandel und bei der Düngerfabrikation tritt oft das Bedürfnis ein, eine chemiſche Verbindung in die andere umzurechnen; 4 es wird z. B. in einem Kaliſalze ein beſtimmter Gehalt an Chlor⸗ kalium garantiert, der Landwirt will aber wiſſen, wie viel Kali er dabei ſeinem Acker zuführt. Man könnte dieſe Rechnung ohne große Schwierigkeiten durch Aufſtellung von chemiſchen Formeln unter Be⸗ nutzung umſtehender Atomgewichts⸗Tabelle bewerkſtelligen; bequemer iſt jedoch die nachſtehende Tabelle. —;;ÿ:x——ÿyͤ 4 Bekannt iſt der Geſucht wird der Man multip li⸗ 2.. ziere mit dem 5 Gehalt an: Gehalt an: Cosffizienten: *——— 1—— 2 8 Phosphorſäure Pe Os baſ. phosphorſ. Kalk Pa Os Ca, 2,183 5 baſ. phosphorſ. Kalk Pa Os Cas Phosphorſäure P 05 0,458 3 halbſ.„„ T 04 Ca H„„ 0,522 3 baſ.„ Magneſ. Pza 0s Mg⸗„ 3 0,542 halbſ. 2 2 PO4 Mg H 2„ 0,592 2 Salpeterſäure (waſſerfrei) Na 05 Stickſtoff Na 0,2593 * Salpeterſ. Natron NOg Na„ 5 0,1647 B„ Kali NOs K„„ 0,1386 V 5„„ 6 Kali KZ 0 0,4653 2 Ammoniak NH. Stickſtoff Na 0,8235 5 Chlorammonium 2(Salmiak) NH. CI„„ 0,2617 5 Schwefelſ. Ammon.(NHS)2SO.„ 0,2121 b 5 Chlorammonium V NHa CI Ammoniak N H 0,3177 5 Schwefelſ. Ammon.(NHA)2S04„ 1, 0,2727 Kali Kz 0 Chlorkalium K CI 1,585 ,„ Schwefelſaurem Kali K2 S04 1,852 Chlorkalium K CI Kali K2 0 0,631 Schwefelſaures Kali Kz 804„„ 0,540 Kohlenſaures Kali Ka C03„„ 0,681 Beiſpiel: Ein beſtimmtes Chlorkalium enthält 82,1 Proz. K Cl, ſo iſt der entſprechende Kaligehalt 82,1 0,631= 51,80 Proz- —.- V 16 Regiſter. A. Abfälle, tieriſche 111. do. do. als Zuſatz für aufge⸗ ſchloſſenes Knochenmehl 179. Abraumſalze 192. Abſorptionsfähigkeit des Bodens 13. Ammoniak 104 do. Gewinnung aus Gaswaſſer 106. do. do. durch Deſtillation tieriſcher Stoffe 105., Ammoniakaliſche Superphosphate 185. Ammoniakſalze, die 104. do. ſalz, Wirkung desſelben als Dünger 121. do. ſchwefelſaures 109. do. ſuperphosphat 185. Ammonium⸗Magneſium⸗Phosphat 39. do. ⸗Natriumphosphat halbſ. 38. do. phosphate 38. do. ſalze der Phosphorſäure 37. Anhydrit 199. do. der Phosphorſäure 35. Anorgan. Beſtandteile der Pflanzen 3. Apatit 59. Ardennenphosphat 58. Aſche, Knochen⸗ 66. Aſche der Pflanzen 4. Aſchentabelle 4. Aſtrachanit 200. Atmoſphäre 9. Atomgewichtstabelle 242. Aufgeſchloſſener Guano 147. Aufgeſchloſſenes Knochenmehl 177. do. do.(ſtickſtoffreiches) 179. Aufſchließen der Knochen 179. do. des Leimkalkes 78. do. des Mejillones nach Pieper 82. do. do. do. mit Anilinrückſtand⸗ ſäure 83. Aufſchließen der mineral. Phosphate 86. do. des Peru⸗Guanos 147. Auswurfſtoffe 16. B. Baker⸗Guano 45. Baker⸗Inſel, Beſchreibung der 42. Baſiſches dn anumpoelhat 37. do. Eiſenoxydphosphat 40. do. Kaliumphosphat 37. do. Kalkphosphat 38. do. Magneſiumphosphat 39. Bergkieſerit 199. Blut, Eigenſchaften und Zuſammen⸗ ſetzung 112. do. Verarbeitung desſelben 113. do. als Zuſatz zu aufgeſchloſſenem Knochenmehl 180. Blutkuchen 112. Blutmehl 115. Blutſerum 112. Blutwaſſer 114. Boden, der 12. do. Eigenſchaften desſelben 13. Boracit 199. Bodenlösliche Phosphorſäure 94. Breccie, Knochen⸗ 53. Bühnenſalz 211. C. Caceres⸗Phosphat 60. Calciumphosphate 38. Caliche 101. Carnallit, der 193. do. künſtlicher 213. Carolinaphosphat 53. e do. Regiſter. 245 Chiliſalpeter 100. Chlorkalium, Darſtellung desſelben 201. Clipperton⸗Guano 48. Curagao⸗Guano 49. D. Dämpfen des Hornes 116. Dämpfen der Knochen 167. do. des Leders 118. Desinfektion tieriſcher Abfälle durch Hitze 112. Desintegrator, der 148. Deſtillation des Gaswaſſers 107. Digeſtor zum Dämpfen des Horns 116. Dünge⸗Regeln 30. Düngeſalz, Staßfurter 217. Düngung, die 15. Eiſenoxydhaltige Phosphate, Auf⸗ ſchließen derſelben 86. Eiſenoxydphosphat baſiſches 40. do. ſaures 40. Eiſenoxydſalze der Phosphorſäure 40. Elutionslauge 237. Ernte⸗Tabelle 27. Erſatz des Peru⸗Guanos 151. Eſtremadura⸗Phosphorit 59. Exkremente, ſtädtiſche 16. do. do. Aſchenbeſtandteile der⸗ ſelben 21. do. do. Verarbeitung derſelben 21. do. der Vögel 134. F. Feldſpat, Verarbeitung desſelben auf Kaliſalze 190. Fermentation der Knochen 172. do. des Knochenmehles 175. Fettgewinnung aus Knochen durch Auskochen 165. do. do. do. do. Dämpfen 166. Sad. do. 5 doa Etatſirn 17 ettgrieben als Zuſatz zu aufgeſchloſſ. Knochenmehle 1893 ibeſchloiſ Fiſchbeinabfälle 115. Fiſch⸗Guano 182. do. ⸗mehl 182. Fledermaus⸗Guano 142. Fleiſchdüngermehl v. Fray⸗Bentos 184. Fleiſchmehl 114 u. 184. Fleiſch, Verarbeitung desſelben 115. do. Zuſammenſetzung desſ. 115. do als Zuſatz zu aufgeſchloſſenem Knochenmehle 181.. Floridaphosphat 154. Foſſile Knochen 53. Fray⸗Bentos⸗Guano 184. Futterkalk 68. G. Gaswaſſer 106. Geſchichtliches über d. Peru⸗Guano 144. Granat⸗Guano 184. Grieben als Zuſatz zu aufgeſchloſſenem Knochenmehl 181. Guano, aufgeſchloſſener Peru⸗ 147. do. Baker⸗ 43. do. Brown⸗Island 45. do. Clipperton⸗ 48. do. Fanning⸗Island⸗ 45. do. Fiſch⸗ 182. do. Fledermaus⸗ 142. do. Fray⸗Bentos⸗ 184. do. Granat⸗ 181. do. Ichaboë⸗ 142. do. Lacepede⸗ 45. do, Mejillones⸗ 46. do. Peru⸗ 133. do. do. aufgeſchloſſener 147. do. do. ſeebeſchädigter 147. do. Robben⸗ 142. do. ſardiniſcher 142. do. Saldanhabay⸗ 142. do. knollen 137. do. Phosphate 41. H. Haare 115. Haarröhrchenkraft des Bodens 14. Halbſaures Ammoniumphosphat 38. do. 3 Ammoniumnatriumphosphat 38. do. Calciumphosphat 39. do. Magneſiumphosphat 39. do. Natriumphosphat 38. Hammelbeine 150. Hammelbeinleim 150. Harn, Verarbeitung desſelben 21. Horn 115. do. Dämpfen desſelben 116. do. Röſten desſelben 116. 246 Regiſter. Horn, als Zuſatz zu aufgeſchloſſenem Knochenmehle 180. Hornbrühe 117. Hornmehl 118. Hornſpäne 115. Ichabosë⸗Guano 142. K. Kainit 196. Kali⸗Magneſia, ſchwefelſaure 197 u. 217. Kali, ſchwefelſaures 216. Kalifeldſpat 190. Kaliſalpeter 104. Kaliſalze, die 188. do. die, in der Landwirtſchaft 228. Kaliſalzlager 192. Kalium⸗Magneſium⸗Carbonat 218. Kaliumphosphat 37. Kali, phosphorſaures 219. Kalt, ph ephorſaurer, der Leimfabriken 67. Kalkphosphat, baſiſches 38. do. halbſaures 39. do. ſaures 39. Kammfett 168. Kanada⸗Apatit 60. Karolina⸗Phosphat 53. Kieſerit 199. Klauenfett 168. Klären des Knochenfettes 167. Knochen, die 153. do. Dämpfen derſelben 167. do. Düngung mit 158. do. Fermentation derſelben 172. do. foſſile 53. do. Zerſetzung derſ. mit Kalk 173. Knochenaſche 66. Knochenbreccie 53. Knochenbrecher 164. Knochenfett, Gewinnung durch Aus⸗ kochen 164. do. do. do. Dämpfen 167. do. Wirkung desſelben bei der Düngung 164. Knochenleim 171. Knochenmehl, aufgeſchloſſenes 177. do. Darſtellung 169. do. Fermentation desſelben 175. do. Wert desſelben und Wirkung als Dünger 175. Knochenkohle 65. Knötchen⸗Bacillus 10. Knollen im Peru⸗Guano 137. Kohlenſäure in der Atmoſphäre 11. Kollergang 172. Koprolithen 50. L Lacépède⸗Guano 45. Lahn⸗Phosphorit 61. Laurenzia⸗Phosphat 61. Lederabfälle, Verarbeitung derſelben für ſich 119. do. do. do. als Zuſatz zu auf⸗ geſchloſſenem Knochenmehle 180. Ledermehl 119. Leimkalk 67 u. 79. Löſekeſſel für Kalirohſalz 205. Löslichkeit der Phosphate 91. Lotphosphat 57. Lüttichphosphat 57. Lumpen, wollene 115. M. Magneſiaſalze der Phosphorſäure 39. Magneſiumphosphat 39. Magneſium⸗Ammoniumphosphat 39. Maſtodonknochen, Zuſammenſetzung 53. Mejillones⸗Guano 46 u. 80. Melaſſeſchlempe 237. Metaphosphorſäure 37. Mineralbeſtandteile der Pflanzen 4. Mineralien d. Staßfurter Salzlagers 193. Mineraliſche Phosphate 49. Mineralſtoffe, Rolle derſelben im Leben der Pflanze 6. Mutterlauge von Chlorkalium 210. N. Nahrungsmittel der Pflanzen 7. do. do. do. Form derſelben 8. Natriumſalze der Phosphorſäure 38. Natronkaliſalpeter 104. Natronſalpeter 100. Navaſſaphosphat 49. O. Ochſenblut 113. Ochſenfleiſch 115. ere ll. derſelben zu auf le 18è äure J. hat 3. Bongi zen 4. lzlagert m Leben 210. Regiſter. Organiſche Beſtandteile der Pflanze 2. Orthophosphorſäure 37. P. Peru⸗Guano 133. do. Wirkungsweiſe desſelben 140. do. aufgeſchloſſener 147. do. ſeebeſchädigter 147. Pferdeknochen 155. Pflanzennahrungsmittel 7. Phosphatiſche Guanos 41. Phosphat, Ardennen⸗ 58. do. Caceres⸗ 60. do. Carolina⸗ 53. do. Florida⸗ 54. do. Laurenzia⸗ 61. do. Lot⸗ 57. do. von Lüttich 57. do. Navaſſa⸗ 49. do. River⸗ 54. do. Sombrero⸗ 49. do. Somme⸗ 58. do. Tunis⸗ 56. Phosphate, mineraliſche 49. Phosphor, erſte Entdeckung desſelb. 32. do. Eigenſchaften desſelben 34. Phosphorit, Eſtremadura⸗ 59. do. Lahn⸗ 61. Phosphorſaure Salze 37. Phosphorſaures Ammoniak, baſiſch. 37. do. do. halbſaures 38. do. do. ſaures 38 do. do Magneſium 39. do. do. Natrium, halbſaures 38. do. Eiſenoxyd, baſiſches 40, do. do. ſaures 40. do. Kali 218. Phosphorſaurer Kalk 38 u. 39. do. do. der Leimfabriken 67. Phosphorſaures Magneſium 39. do. Natrium, halbſaures 38. Phosphorſäure, bodenlösliche 94. do. gewöhnliche 36. do. Gehalt der Ackererde 34. do. do. der Gebirgsarten 34. do. waſſerfreie 35. Phosphorſäureanhydrit 35. Phosphorſäuredünger, die 32. Polyhalit 197. Pottaſche 189. do. Ausbeute aus den Pflanzen 189. Probenahme beim Düngerhandel 239. do. von Ackererde 29. Pyrophosphorſäure 36. 247 R. Refraktionsgrade bei Chiliſalpeter 103. Regeln für die Anwendung künſtlicher Dünger 30. Rhodan als Pflanzengift 9 u. 110. Rhodan⸗Ammonium bei der Ammo⸗ niakſalz⸗Fabrikation 110. Rieſelfelder 17 Rindsknochen 159. Rinnenſalz 208. River⸗Pebbles 56. Robbenguano 142. Rohſalz, Staßfurter Kali⸗ 200. Röſten des Hornes 116. do. des Leders 119. S. Salmiak 200. Salpeter 99. do. Kali⸗Natron⸗ 104. do. Kali⸗ 104. do. Natron⸗ 93. Salpeterlager 101. Salpeterplantagen 100. Salpeterſuperphosphat 186. Salzbrecher 201. Salze der Phosphorſäure 37. Salzmühle 203. Sardiniſcher Guano 142. Saures Kalkphosphat 39. do. Magneſiumphosphat 39. Säure, günſtigſte beim Aufſchließen 77. Schafblut 113 Schlempe, Melaſſe⸗ 237. Schoenit 197. Schlammkohle 65. Schwefelkies 200. Schwefelſaures Ammoniak 109. do. Kali 216. Schwefelſaure Kali⸗Magneſia 197u. 216. Schwefelſäuretabelle 73. Schweineblut 113 Schweinefleiſch 115. Seebeſchädigter Guano 147. Sombrero⸗Phosphat 49. Somme⸗Phosphat 58. Staffelit 61. Stallmiſt, Düngung mit 15. Stampfwerke 171. Staßfurter Kaliſalzlager 192. Steinbrecher 201. Steinſalz 198 248 Stickſtoffdünger 99. Stickſtoffdüngung, Wirkung derſ. 120. Stickſtoff⸗ und phosphorſäurehaltige Dünger 133. Struvit 39. Superphosphate, die 71. do. Verhalten derſelb. im Boden 99. Sylvin 170. T. Tabeli über den Gehalt der Kaliſalze 38. do, g09. die Phosphorſäuredünger do. do. der Schwefelſäure 76. do. do. der Stickſtoffdünger 120. do. do. der ſtickſtoff⸗ u. phosphor⸗ ſäurehaltigen Dünger 187. Aſchen⸗ 4. Atomgewichts⸗ 242. Ernte⸗ 27. . Umrechnungs- 243. Tachhydrit 199. Tieriſche Abfälle 111. do. Wert als Dünger 112. do. als Zuſatz zu aufgeſchloſſenem Knochenmehle 179. Thomasſchlacke 69. do. Wirkung als Dünger 93. u. Umrechnungs⸗Tabelle 243. Urin, Verarbeitung desſelben 21. V. Verwitterung 12. W. Wallfiſchfleiſch 183. do. Knochen 183. Regiſter. Waſſeranhaltende und waſſerfaſſende Kraft des Bodens 14. Wawellit 41. Wert des Knochenmehles 176. Wirkungsweiſe des Knochenmehles 175. do. des Peru⸗Guanos 140. do. der Phosphorſäuredünger 89. do. der Stickſtoffdünger 120. do. der Kaliſalze 228. Wolle 115. Wollene Lumpen 115. Wollſtaub 115. 3. 5 der Superphosphate 84. uſeminenſebung des Baker⸗Guanos des Blutes 112. des Caliche 101. des Chiliſalpeters 102. des Carnallits 195. d. ungerein. Chlorkaliums 209. der Koprolithen 52. des Eſtremaduraphosphorits 59. des Fledermaus⸗Guanos 142. der foſſilen Knochen 53. des Kainits 196. des Kali⸗Natronſalpeters 104. des Kieſerits 199. der Knochenaſche 67. d. Knochen verſchied. Tiere 154. der Knochenknorpel 153. der Knochenkohle 66. des Knochenmehles 177. des Leimkalks 68. der Maſtodonknochen 53. des Mejillones⸗Guano 47. der Menſchenknochen 153. des Peru⸗Guanos 135 u. ff. der Peru⸗Guano⸗Knollen 138. der Thomasſchlacke 70. der Urinaſche 22. Druck von Oswald Mutze in Leipzig. 8 er agshchbandiung Danl Tareyi in Verün Sw. Eodemannsir 10. . r raktische Landwirt, Gärtner und Forstmann hat vielfach nicht ſerjaſete di und bhäufig auch keine so grosse Bibliothek, um durch Nach- n Spezialwerken Belebrung zu suchen; für ihn handelt es sich darum, sofort und ohne Vieles Suchen eine Auskunft zu finclen. ha sem edürfnis des Praktiker dienen die Fach-l eriba: 5 l ünger do. 10. litwirkung von Profes sor D 3 11 Dr. P. 1ange Berln, profe or s-Wien, Professor Dr. 0. S HnotssRorn Dr. F.„Stohmamr rofessor Dr. A. Thaer-Giessen, Pro Guido Krafft, Professor an der k 72 Textabbildum sphate d. ⸗Guands 2. liums 20o. phoritsdd. 0 9 49. Mwstrjertes 4 1 md d. Le Nos 1 t- un„af Lexi on eters R irku r r Dr. Altum Mheram alde, Professor Dr. von Baur-M chen, 3 81 Liton, berg, Forstmeister wanerarhaene biherrn von Nordenflycht-Lödderitz, 8 Tiere lo¹. herrancde Prof. Dr. Weber-N 53. 77. 53. o 47. für den preussis nen Lamdwirt 153.— 1 dllch 1 h ch ül eichs- und Preuss. Gesotze 8 35 U. ff. estimm in B auf- lichen, privaten und öffentliche ollen 138 5 8 ussischer n M 1 ert, Amfenlehler in Köln d.— fgeschlagen laendchliehien klare gen, wie sie sich täglich im praktischen breis konnte nur gestellt werden im nussergewöhnlichen Absatz sowie in der Über- ika der ungeteilte Beifall der deutschen Landd-. nner nicht fehlen kann, und dass X lhwen die 2u beziehen aurch ee heezhendur. 1. Bd.: AcCherbaulchre. 6. Aufl. Mit 251 loleschn. Preis g82. 5 M. baulehre. 5. Aufl. Mit 287 Holzschn. Preis geb. 5 M. III. Bd.: Tierzuck le Mit 269 Holzschn. und 13 Tafeln mit 38 farbigen Rassebildern. IY. Bd.: Betriebslehre. 5. Aufl. Mit 1I1 Holzschn. Preis Seh 4 Handbuch der Milchwirtschaft auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage. Von prof. Dr. W. E 4 ereis Dritte Auflage. Mit 216 Holzschnitten. Gebunden, Preis Handbuch der Spiritusfabrikation. ö Von Geb. Regierungsrat, Professor Dr. Max Maercker in Halle. Sechste Mit 213 Textabbildungen. Preis 20 M. Gebunden 22 M. Handbuch der landwirtschaftlichen Goworbe. Von Dr. C. J. Lintner, Professor in München. Mit 256 Textabbildun en 2 Tafeln. Gebunden, Preis 12 M.— Handbuch des Futterbaues. Von Dr. Hugo Werner, Professor in Berlin. Zweite, vollständig neu bea eit Auflage. Mit 79 in den Text gedruckten Holzschnitten. Gebunden, Preis 10 M Stoeckhardt's angehender Pachter oder: Landwirtschaftlicher Betrieb in Pach und Eigenbesitz. Achte Aufl., vollstä neu bearbeitet von Professor Dr. A. Backhaus in Göttingen. Gebunden, Preis 8 2 Dieterichs- einfache landwirtschaftliche Buchführung. Vierte Auflage. Gebunden, Preis 5 M. 50 Pf. Des Landwirts Haus- und Lesebuch. Von Christian Jenssen in Hannover. Ein starker Band. Adunden, Pre Deutschlands nützliche und schädliche Vögel. Zu Unterrichtszwecken und für Landwirte, Forstleute, Jäger und Gärtner, sowie Naturfreunde bearbeitet. 162 Vogelbilder auf 32 Farbendrucktafeln nebst erläuternd Text. Unter Mitwirkung eines Zoologen herausgegeben von Dr. H. forstrat ĩ in Aschaſlenburg. Ein Folioband mit 32 Farbendrucktafeln nehst Text. Gebunden, Preis 26 M.“ Tierische Sch adlinge und Nützlinge für Ackerbau, Viehrne Wald- und Gartenbau. Lebensformen, Vorkommen, Einfluss und die Massregeln zu Vertilgung und Sch Praktisches Handbuch von Dr. J. Ritzema Bos in Wageningen. Mit 477 druckten Abbildungen. Preis 18 M. Gebunden 20 M. Gartenbuch für Jedermann. 4 Anleitung für Gartner und Gartenbesitzer zur praktischen Ausübung aller Gärtnerei, nebst Beschreibung und Kulturanweisung der für die verschiedenen we geeignetsten Sorten Gemüse, Obst, Zierbäume, Sträucher, Rosen, Blattpflanzen Blumen. Aus der Praxis für die Praxis bearbeitet von W.] Hampel, Garteninspe in Kobit⸗. Zweite Auflage. Mit Textabbildungen, Gebunden, Preis 6 Gaucher's praktischer Obstbau. Anleitung zur erfolgreichen Baumpflege und Fruchtzucht für Berufsgärtner und haber. Mit 366 Textabbildungen und 4 Tafeln. Gebunden, Preis 8 Zur Stüͤtze der Hausfrau. Lehrbuch für angehende und Nachschlagebuch für erfahrene Landwirtinne Fragen des Anteils der Frau an der ländlichen Wirtschaft. Von Hedw Do Dritte Auflage. Mit 253 Textabbildungen. In Leinen gebunden, Preis 6 M. Zu beziehen durch jede Buchhandiung. Vernerbnehhadlune Paul parey in Berlin SW. Hedemannstr. 10. 3 Die Rinderhaltung. Korperbam, Lebensvorgänge, Gesundheitspflege, Schläge, Peurteilungalohrs Züchtung, st, Zug- und Milchnutzung. Handbuch für Praktiker von L. Steuert, Professor Weihenstephan. Mit t 24 farbigen Rassebildern und 728 Textabbildungen. Gebunden, Preis 16 M. Das schönste Rind. Anleitung zur Deurtellung der Körperbeschaffenheit des Rindvichos, nach wissen- schaftlichen und praktischen Gesichtspunkten. Von Dr. A. Kraemer, Professor in Zürich. Zweite Aullace. Mit 82 Textabbildungen, Gebunden, Preis 5 M. Die Rinderzucht. Körperbau, Schlage, Zäcklure Haltung und Nutzung des Rindes. Praktisches Hand- buch von Professor Dr. H. Werner in Berlin. Mit Textabbildungen und 136 Tafeln mit Rinderportraits. Gebunden, Preis 20 M.— 3 Schwarznecker's Pferdezucht. „ Züchtung und Haltung des Pferdes. Dritte, durchgesehene Auflage. Mit 101 Textabbildungen und 40 Rassebildern. Gebunden, Preis 16 M. Handbuch der Pferdekunde. Mliziere und Landwirte bearbeitet von Professor Dr. L. Born und Professor H. Möller. Vierte, umgearbeitete Aufl. Mit 217 Textabbild. Geb., Preis 9 M. Anleitung zur Kenntnis des Aeusseren des Pferdes. Landwirte, Tierärzte und Pferdebesitzer. Von W. Baumeister, weiland Prof. in Hlohenheim. Siebente Auflage, neu bearbeitet von Dr. F. Knapp in Gross-Um- 5 stadt. Mit 212 Textabbildungen und 4 Tafeln. Preis 5 M Mentzel's Schafzucht. D tte, neubearbeitete Andagt. Mit Abbildungen im Text und 40 Rassebildern. Gebunden, Preis 12 M. 4 Rohde's Schweinezucht. 1, neubearbeitete Anfase Mit Abbildungen im Text und 39 Rassebidem. Gebunden, Preis 12 M. Die Geflügelzucht jetzigen heecles Standpunkte. Unter Mitwirkung hervorragender Fach- rbeitet von Bruno Dürigen in Berlin. Mit 80 Rassetafeln und 101 Ab- bildungen im Text. Preis 20 M. Gebunden 23 M.— ie esundheitspflege der landwirtschaftlichen Hanssäugetiere. . s Handbuch von Prof. Dr. Carl Dammann, Geh. Reg.- und Medizinalrat in weite Aufl. Mit 20 Farbendrucktafeln und 63 Textabb. Geb., Preis 14 M. faubner's landwirtschaftliche Tierheilkunde. rrausgegeben von Dr. 0. Siedamgrotzky, Ober-Medizinalrat, Prof. an ärztl. Hlo 1 Dresden. Mit 100 Holzschn. Gebunden, Preis 12 M. 3 * Rohlwes meitspflege und Heilkunde der landw. Haussäugetiere. arzneibuchs zweiundzwanzigste Auflage, neu bearbeitet von Dr. G. Felisch, Kgl Kreistierarzt i in Inowrazlaw. Mit Textabbildungen. Gebunden, Preis 6 M. 3 Schlipf's populäres Handbuch der Landwirtschaft. reisschrift. 2wölfte Aufl. Mit 440 Hol⸗schwitten. Gebunden, Preis 6 M. 50 Pf. Zu beziehen Gurcn jede Buchhandlung.— 1440 48 19N 19 “ öC“ 1NNnenenπ⁵ Oem 1 2 10 11 12 1 ———————