3 gehyrbuch⸗ der Landwirthſchaft, von H. W. Pabſt, Ritter des Großherzogl. Heſſ. Ludwigsordens, Großherzogl. Heſſ. Oekonomierath, Director des landwirthſchaftlichen Inſtituts zu Darmſtadt, Mitglied mehrerer Geſellſchaften und Vereine zur Beförderung der Landwirthſchaft und Induſtrie, 855 3 / BIBLIOTHEK D. K0NILCLICII X ACADLMIE MIS LANDBAES ZzU NOEGLIX ——— Zweiten Bandes, erſte Abtheilung. Thierproductionslehre oder Viehzucht. —— Darmſtadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1837. —„ 4———. Die landwirthſchaftliche Hausthierzucht, H. W. Pabſt, G Ritter des Großherzogl. Heſſ. Ludwigsordens, Großherzogl. Heſſ. Oekonomierath, Director des landwirthſchaftlichen Inſtituts zu Darmſtadt, Mitglied mehrerer Geſellſchaften und Wereine zur Beförderung der Landwirthſchaft und Induſtrie. 1eeeee.— Darmſtadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1837. — 5 2=—————————— Vorwort. Indem ich hiermit dem verehrlichen landwirthſchaftlichen Publicum die erſte Abtheilung des zweiten Bandes meines Lehrbuchs übergebe, welche das Ganze der landwirthſchaftlichen Hausthierzucht, und da⸗ mit ähnlich wie die früheren Abtheilungen auch ein für ſich beſtehendes Werkchen darſtellt, kann ich die Ver⸗ ſicherung beifügen, daß die nun noch fehlende zweite Abtheilung des erſten Bandes, den ſpeciellen Pflanzen⸗ bau umfaſſend, binnen Jahresfriſt nachfolgen wird. Vielleicht vermißt der Leſer bei den Capiteln über die einzelnen Viehracen Abbildungen von den haupt⸗ ſächlichſten derſelben. Dieſem Mangel hoffe ich in der Folge abhelfen zu können, indem es in meinem Plane — VI— liegt, dem ganzen Lehrbuche ein Supplementbändchen, erläuternde Abbildungen enthaltend, nachfolgen zu laſſen.— Darmſtadt im Auguſt 1837. H. W. Pabſt. — Alg Inhalt. Thierproductions⸗Lehre oder Lehre von der Viehzucht. Allge⸗ meiner Begriff und Zwececchttͤ. 4 Erſte Abtheilung. Atlgemeine Biehzucht............ 5 Erſtes Capitel. Augemeine Bedingungen der Exiſtenz der Thiereer 7 Zweites Capitel. Von den Racen der Hausthirer. 10 Drittes Capitel. Von der Paarung und Fortpflanzung..... 20 Viertes Capitel. 9 Von der Aufzucht 6„„ o„ o ⸗„.. ⸗* Fuͤnſtes Capitel. Von der Ernährung und Pflge.. 34 I. Kenntniß der vrrſchiedenen Futtermittel 35 II. Hauptrückſichten bei Feſtſetzung der Füͤtterung 41 III. Allgemeine Regeln bei der Fütterung und Pflege. 46 IV. Beſondere Regeln für die Behandlung des Maſtviehes 49 — vil— Seite. Zweite Abtheilung. 8 Specterte Viehzucht............. 55 . Erſter Abſchnitt.- 3 Die Rindviehzucht. 1 Einleitung............... 55„ 7 — I Erſtes Capitel.- Von der Natur des Rindes............ 5 e 4. ä Zweites Capitel. 441 Von den Racen des Rindviehes.......... 61 I. Podoliſche Race............. 62) II. Niederungs⸗Racen der Nordſeeküſtenländer.... 63) III. Gebirgs⸗Racen der Schweiz und des melichen Deutſch⸗ 4 tands.......... 8. S..... 65 V IV. Deutſche Landracef........... 69 V. Engliſche Racen........... 71 VI. Andere ausländiſche Nacen.......... 73 1 VII. Mittei⸗Raren.............. 7 1 Drittes Capitel. 2 Paarung des Rindviehes. di 1) Auswahl der Zuchtthiere........ 414 1 2) Bei der Begattung zu beobachtende Regeln.... 77 du⸗ ahhie Viertes Eapitet. 8h Von der Aufzucht. 3 hn . anihi Behandlung der trächtigen Kuh......... 79 an Geburt des Kalbes............. 30 Nachgeburk................. 80 Säugezeit des Kalbes............ 80 dan Entwöhnen 3 3 ·* 2.„.** 4. ℳ. 2. 83 6 82 1 di Sonſtige Pflege der Saugkälber......... 82 1 Zeit zum Aufſtellen.............. 833 9 Behandlung nach dem Abſetze....... 33 — IX— 7 Fünftes Capitel. Von der Pflege des Rindviehes.... A. Sommerpflege. I. Weidewirthſchaft...... Natürliche, beſtändige Weiden..... Künſtliche Weiden......... Zufällige Weiden......... Beſetzung der Weide........ Dauer der Weide........ Sonſtige Behandlung des Weideviehes.. Tüdern...........„ II. Sommerſtallfütterung... 1) Verſchiedene Arten des Grünfnutters 2) Verfahren bei der Grünfütterung. 3) Dauer der Grünfütterung.... 4) Bedarf an Grünfutter...... B. Winterpflege. 1) Verſchiedene Winterfütterungsmittel 2) Zubereitung des Winterfutters 3) Futterzeit......... 4) Tränke.......... 5) Dauer der Winterfütterung.. 6) Bedarf an Winterfutter.... C. Sonſtige Pflege des Rindviehes. Stallung............ Stallpſtege........... Salz............. Bewegung......... Krankheiten........... Sechſtes Capitel. Von der Benutzung des Rindviehes. I. Die Jungvieyzucht..... II. Die Milchwirthſchaft.. 1) Auswahl der Milchkühe.... 2) Pflege des Milchviehes... Seite. . 84 85 85 85 86 . 86 „ 87 . 87 . 88 88 . 89 92 . 93 93 94 . 98 . 100 . 100 . 101 . 101 . 102 . 103 . 103 . 104 . 104 . 105 . 107 . 108 .111 3) Verfahren beim Melken. 1 4) Milchertraßg. — 1 5) Verwerthung der Milch. a) Milchverkauf.... b) Butterbereituugg. c) Käſemachen 0 4 4 4 4 * 4 4 4 4 4 2 * 4⁴ 6 4 „ 3 * 4 4 4 4⁴ 4 d) Vergleich der verſchiedenen Wege zur Verwerthung der Milch... III. Die Maſtung. 1 1) Auswahl des Maſtviehes. 2) Maſtungsmethoden. 3) Dauer der Maſt.. 4) Schätzung des Maſtviehes. 4 4 2 . 4 4 * 4 4⁴ * 2 2 . 4 4 4⁴ 4 4 4 5) Beurtheilung des Gewinns bei der Maſtung. Kälbermaſt......... IV. Gebrauch zum Zuge. 2⁴. 9* Zweiter Abſchnitt. Die Schafzucht. Einleitung..... . 0 Erſtes Capitel. Von der Natur des Schafes Zweites Capitel. Keunntniß der Wolle... 1) Die Feinheit..... 2) Die Kräuſelug. 3) Die Sanftheit und Geſchmeidigkeit 4) Die Elaſtizitt. 5) Die Stärke„.. 6) Die Länuge.. 7) Die Dichtheit. 8) Farbe und Glanz.. 9) Fettſchweiß...... 10) Bau des Stapeerllgs. 11) Das Vließß. 9 . 9. 4 2 . 20 . . . 2* 2 2 . 123 . 137 . 141 . 142 . 145 . 146 „ 146 „ 147 . 147 „ 148 . 149 . 149 „ 150 . 15² 12) Verhalten der Wolle im gewaſchenen Zuſtande. 13) Unterſuchung und Ven heilung der Wolle. Drittes Capitel. Von den Racen der Schafe.... A. Grobwollige Racen....... I. Mittelgroße grobwollige Racen. 1) Die gemeine deutſche, auch europäiſche Landrace 2) Das Zackelſch........ . . Seite. ³⁴ 2⁴ 3) Die Southdouwns⸗ oder mehrere andere engliſche Maren II. Große grobwollige Racen. 1) Das niederländiſche und deutſche Plnſchſchaf. 2) Langwollige, engliſche Racen....... 3) Die Bergamasker Race......... III. Kleine grobwollige Racen. 1) Die Heidſchnucke........... 2) Kleine engliſche Racen........ B. Feinwollige Schafracen..... 1. Infantado⸗Racece............ II. Elecktoral⸗Nace............ Viertes Eapitel. Von der Paarung......... 1) Wahl der Widder.......... 2) Wahl der Mutterſchafe........ 3) Zeit des Sprungs und Verfahren dabei... Fünftes Capitel. Von der Aufzucht der Lämmer. Behandlung der trächtigen Schafe..... Lammzeit................ Haltung der Lammſchaffeee.. Weitere Behandlung der Lämmer während des Säugens Abſetzen der Lämmer....... 153 154 156 157 157 158 159 159 160 161 161 162 162 164 165 166 167 169 171 174 174 176 176 177 - 1— Seite Verhammeln............... 178 Behandlung der abgeſetzten Lämmer......... 178 Sechſtes Capitel. Von der Pflege der Schafe.......... 180 A. Sommerernährung. I. Weide. Verſchiedenheit der Weiden............. 180 Beſchaffenheit der Weiden............ 181 Beſetzung der Weide.............. 183. 1 Dauer der Weide............... 184 Größe der Heerden......„....... 184 3 Verfahren beim Weidebetrieb........... 185 eu II. Sommerſtallfütterung......... 187 1 B. Winterernährung. 1 Winterfutterarten............... 190 Dauer der Winterfütterung........... 194 Bedarf an Winterfutter............. 195 N Futterzeit.................. 196 Tränke.. 2.** 2..*.. 2 4** 4. 2 196 C. Sonſtige Pflege der Schafe. Wn. 1) Einrichtung des Schafſtalls........ 197 2) Streu 4 2.ℳ.*.****.*.*.*.⁴ 198 3) Salzgeben.............. 1938 In) 4) Krankheiten der Schafe.......... 199 rſai Albene Siebentes Capitel. W V 2n Au Von der Benutzung der Schafe.. 8M J. Wahl der Betriebsweiſe........... 2u21u dnu II. Gewinnung und Verwerthung der Wolle.... 204 dwa 1) Die Wäſche.............. 205 In 2) Die Schur.............. 203 Tin 3) Ertrag und Verwerthung der Wolle...... 211 Stalu III. Viehverkauf.............. 214 Ane IV. Sonſtige Nebenerträge.......... 217 Kui 1) Milch 4 2*.** 9⁹„ 2„9* 9* ⁴ 84 2 4A 217 2) Felle 2.„ 0**** 4*„.„ 9 2*½ 2 217 V. Verwaltung einer Schäferei. 218 Dritter Abſchnitt. Die Pferdezucht. Einleitung............... 224 Erſtes Capitel. . Von der Natur des Pferdes........ 223 . Zweites Capitel.— Von den Racen der Pferde. .. I. Edle orientaliſche Racen........ 228 II. Europäiſche Racen mit eingemiſchtem orientaliſchem Blute 230 III. Europäiſche mit der orientaliſchen Hauptrace nicht ver⸗ wandte Racen........ 235 IV. Sonſtige, außereuropäiſche Racen...... 238 9 Drittes Capitel. Von der Paarung und Aufzucht....239 W. Viertes Capitel. Von der Pflege der Pferde... 248 Beſtandtheile und Zuſammenſetzung des Futtereryrz 249 Zubereitung des Futters..........„ 253 Futterzeit und Futterordunng.......... 255 Tränke.................. 256 Salz..............„ 252 Srreu............... 257 Pugen)n„ 258 Bewegung............. 259 Pflege des Hufs..„ 259 Stallung........ 260 Wärter.......... 26 8 Krankheiten..„ 2062 ——4——— „ 3. Sete. Fünftes Capitel. I Benutzung der Pferde. u 1. Benntung zur Arbeit............ 263 II. Aufzucht„.... 2...„„- 266. Vierter Abſchnitt. Die Schweinezucht. Einleitnug................. 2699 3. Lend Erſtes Capitel. d6g Von der Natur der Schweine......... 270 lſie . 122 1 Zweites Capitel. Von den Racen der Schweine. IJ. Große Racen„„„„.„„.„..„ 4 4. 273 Der E NII. Mittelgroße Racen............. 274 III. Kleine Racen.............. 275 Drittes Capitel. 3 Von der Paarung und Aufzucht. 3 1) Auswahl der Zuchtthiere.......... 276 di 3 2) Die Paarung............. 278 3) Das Ferleln.............. 279 4) Aufzucht der Ferkel.„... F„..... 280 4 die Viertes Capitel. 6 Von der Pflege.... I. Ernährung auf dem Stalle.......... 282. II. Ernährung auf der Weide......... 285 de hi III. Sonſtige Pflege.. 4 Stalkmmng„.............. 286 Streu, Traͤnke, Salzgeben..... 288 uei Krankheiten............... 289 Fünftes Capitel. de Von der Benutzung der Schweine. I. Haltung von Mutterſchweinuen.. 290 An —— ◻— 72 8 II. Haltung von Läuferſchweien.... III. Die Maſtung„„„„„„ 05,„ 6„. o ⸗ 1) Auswahl der Maſtſchweien.. 2) Maſtungsmethoden 2 ⸗ 8 9„—e„ 9 4 3) Dauer der Maſt.... 4) Schäͤtzung der Maſtſchweine.. Fünfter Abſchnitt. Von der Zucht der minder wichtigen. an die bisher abgehandelten ſich noch anſchließenden Haus⸗ thiere. Einleitung............... Erſtes Capitel. Der Eſel* 2 2*.* 4.„ 2* 4. 9**** 2„ 4 Zweites Capitel. Das Maulthier„**... 9... 2**. 2...ℳ Drittes Eapitel. Die Ziege 2. 2** 2.* 8.⁴ 3₰. 6 8.* 2⁴. Sechſter Abſchnitt. Die Federviehzucht. Einleitung.............. Erſtes Capitel. Die Hühnerzucht„„„„„„„„„„„... 8ℳ Zweites Capitel. Die Gaͤnſezucht** 0 ·ℳ 0 0 0 2..„ 9m 2 Drittes Capitel. Die Entenzucht 0 9.* 8ℳ 9 9.⁴.. 0 2Q.⁴. 2 4 2 Viertes Capitel. Die Puthühnerzucechht.. 297 298 300 303 307 308 311 313 315 — XVI— Seite. Fünftes Capitel. Die Taubenzucht............. 317 Siebenter Abſchnitt. Von der Zucht einiger andern, zu den eigentlichen Hausthieren nicht gehörigen Thiere. Einleitung.............. 319 I. Die Seidenraupenzucht.„.....„ 319 II. Die Bfenenzucht............„.. 321 III. Die Fiſcherei.............. 322 IV. Die Schneckenzucht............ 323 4* 1 1 4 1 Thierproductions⸗Lehre oder Lehre von der Biehzuch t. Allgemeiner Begriff und Zwech. §. 1. In der Einleitung zum erſten Bande dieſes Lehrbuchs iſt auseinandergeſetzt, wie das Geſchäft des Land⸗ wirths eigentlich in der Production von Pflanzen und Thieren beſtehe, in der Abſicht durch dieſe Produe⸗ tion, oder mit andern Worten durch den Betrieb des landwirthſchaftlichen Gewerbes, einen mit dem gemachten Aufwande in Verhaͤltniß ſtehenden Ertrag zu erzielen; die Lehre der Landwirthſchaft iſt deshalb dort zunaͤchſt unter die zwei Hauptabtheilungen gebracht: Productions⸗ und Betriebslehre; die Productionslehre aber theilt ſich wieder in Pflanzen⸗ und Thierproductionslehre, oder in Pflanzenbau und Viehzucht. §. 2. Die von lange her von den Menſchen in gezaͤhm⸗ tem Zuſtande zu verſchiedenen Zwecken forterhaltenen Thiere werden Hausthiere genannt; Vieh nennt man vorzugs⸗ weiſe diejenigen Gattungen unſerer Hausthiere, welche bei Pabſt Landwirthſchaft 11 1⸗ 1 — 2— dem Betriebe der Landwirthſchaft erzogen, gehalten und benutzt werden. Unter Viehzucht verſtehen wir aber nicht nur die eigentliche Zucht(Aufzucht) von Vieh; ſondern ſowohl die Production, wie die Haltung(Unterhal⸗ tung) und Benutzung der bei dem Betriebe der Land⸗ wirthſchaft nutzbaren Hausthiere. Richtiger und bezeichnender würde für den allgemeinen Begriff von Viehzucht Viehhaltung ſeyn.— §. 3. Der naͤhere Zweck der Viehzucht iſt ein doppel⸗ ter: einmal um durch die verſchiedenartige Benutzung des gehaltenen Viehes einen Ertrag(Nutzen) zu erzielen oder nothwendige Bedürfniſſe, namentlich Arbeit, damit zu befrie⸗ digen,— und dann um mittelſt dieſer Viehhaltung einen Theil der erzeugten Pflanzenproducte in Duͤnger zu ver⸗ wandeln. §. a. In der Regel ſind bei der Viehhaltung die eben bezeichneten beiden Hauptzwecke innig mit einander verbun⸗ den; es wird jedoch nach den beſonderen Verhaͤltniſſen der eine oder der andere von größerer Wichtigkeit. In allen Wirthſchaften, wo eigentlicher Ackerbau noch Haupt⸗ ſache iſt, iſt es gleich wichtig, daß ein zur Production des erforder⸗ lichen Düngers ausreichender Viehſtand gehalten werde, als daß die mit dem Viehe conſumirten Gegenſtände durch den Ertrag der Vieh⸗ zucht möglichſt hoch verwerthet werden. Je mehr die Bodenbenutzung ausſchließlich auf der Viehhaltung beruht, um ſo mehr tritt der Zweck der Düngerproduction ſo wie der der Arbeitsbenutzung in den Hinter⸗ grund und der reine Nutzungszweck(Haupt ⸗Ertragserzielung der Wirthſchaft mittelſt der Viehzucht) wird um ſo mehr zur Hauptſache. (Das Nähere hierüber enthält die Betriebslehre.) §. 5. Die Erzielung eines directen Ertrages aus der Viehzucht beruht auf der mannigfachen Benutzung deren Producte zu vielen Bedürfniſſen der Menſchen; die haupt⸗ ſaͤchlichſten jener Producte ſind: Fleiſch, Fett, Haut, Horn, Wolle, Haare, Milch, Eier, Federn. rif des oder frie⸗ inen ver⸗ eben bun⸗ der aupt⸗ rer⸗ die ieh⸗ zung weck ſter⸗ der ache. der deren upt⸗ orn, 4 . 3— §. 6. Je vielfältiger und allgemeiner die Benutzungs⸗ weiſe iſt, die eine Hausthierart geſtattet, je werthvoller und anwendbarer der davon gewonnene Dünger und je leich⸗ ter zugleich ihre Ernährung iſt; um ſo wichtiger iſt eine ſolche Hausthierart fuͤr die landwirthſchaftlichen Zwecke, und um ſo ausgebreiteter werden wir ſie bei dem land⸗ wirthſchaftlichen Betriebe finden. §. 7. Die Lehre von der Viehzucht wird abgetheilt in die allgemeine und ſpecielle. Jene enthält die allgemeinen Grundſaͤtze, welche auf alle Theile der Vieh⸗ zucht anwendbar ſind; dieſe giebt Anleitung zur Zucht, Pflege und Benutzung der einzelnen hierher gehörigen Haus⸗ thiergattungen. 1* fäl fir d u bei 5,6 zucht Thierproductions⸗Lehre Lehre von der Viehzucht. —— Erſte Abtheilung. Allgemeine Viehzucht. §. 8. Die Lehre von der allgemeinen Viehzucht zer⸗ fällt in folgende Eapitel: 1) Allgemeine Bedingungen der Exiſtenz der Thiere. 2) Von den Racen der Hausthiere. 3) Von der Paarung und Fortpflanzung. 4) Von der Aufzucht. 5) Von der Ernaͤhrung und Pflege. Andere Lehrbücher enthalten wohl auch allgemeine Grundſätze für die Benutzung; ſolche laſſen ſich jedoch, außer für die Maſtung, nicht wohl aufſtellen; dieſe wird aber in allgemeiner Hinſicht ſchen bei den allgemeinen Grundſätzen für die Ernährung und Pflege(im 5. Capitel) berührt werden. Alles weitere wird die ſpecielle Vieh⸗ zucht enthalten. ———ÿõ————————— 5 ————ʒ△——— Erſtes Capitel. Allgemeine Bedingungen der Exiſtenz der Thiere. 5) §. 9. Die Thiere haben als lebende(organiſche) Kör⸗ per vieles mit den Pflanzen gemein; ſie entſtehen wie dieſe aus der Begattung ſchon vorhandener aͤhnlicher Koͤrper, ſind auch in ähnlicher Art aus gewiſſen Gefäßen und Werk⸗ zeugen(Organen) zuſammengeſetzt, welche beſtimmte, in einandergreifende, und für das Fortbeſtehen der Koͤrper nothwendige Zwecke und Verrichtungen haben. Die Thiere bedürfen auch, wie die Pflanzen, zu ihrer Exiſtenz Waͤr⸗ me, Licht, Luft und Waſſer, und eine aus organiſchen Stoffen beſtehende Nahrung; auch hoͤrt ihr Leben, nach⸗ dem es eine gewiſſe Zeit gedauert hat, endlich auf, un der Körper fällt der Verweſung anheim. §. 10. Dagegen beſteht zwiſchen Thieren und Pflanzen der weſentliche Unterſchied, daß jene ſich willkührlich fort⸗ bewegen koͤnnen, daß ſie ihre Nahrung auf andere Weiſe ſich aneignen, daß das maͤnnliche und weibliche Geſchlecht ſtets zwei getrennte Koͤrper ſind, und daß ihre Organiſation überhaupt vollkommener, als die der Pflanzen iſt. Zu vergleichen erſter Band, erſte Abtheilung, erſtes Capitel. §. 11. Der Lebensprozeß des thieriſchen Koͤrpers iſt, näͤher bezeichnet, folgender: nachdem ein junges Thier zu ——— ——— — 8— leben angefangen, und eine gewiſſe Zeit lang ſeine erſte Nahrung unmittelbar oder mittelbar von dem Mutterthier erhalten hat, ernaͤhrt es ſich von denſelben Pflanzen oder thieriſchen Stoffen, welche die Thierart als Nahrungsmittel zu ſich nimmt, zu der es gehoͤrt; es nimmt bis zu einem gewiſſen Alter an Umfang zu, lebt ſodann im ausgewach⸗ ſenen Zuſtande eine Periode fort, bis die Zeit heranrückt, in welcher ſein Organismus allmählich an Feſtigkeit und Kraft abnimmt und jener endlich in ſeinen Verrichtungen ſtille ſteht, der thieriſche Körper alſo zu leben aufhoͤrt. §. 12. Die bedürftige Nahrung nehmen die Thiere willkührlich durch den Mund ein, ſie koͤmmt dann in innere Gefaͤße(den Magen und die Eingeweide), in denen ſie, mit Waſſer verdünnt(oder von Natur ſchon waͤſſrig), ſich allmählich zerſetzt(verdaut wird). Waͤhrend dem wird durch andere Gefäße der veränderte Nahrungsſtoff allmählich auf⸗ genommen, in ſeiner weiteren Circulation allen Theilen des Körpers(als Blut) zugefuͤhrt und immer mehr mit dem⸗ ſelben verbunden(zu ſeiner Ernährung abgegeben). Das von der genoſſenen und durch die Verdauung veränderten Nahrung im thieriſchen Körper nicht Aufgenommene geht, mit einigen ausgeſtoßenen thieriſchen Stoffen(Schleim) vermiſcht, endlich als Excrement in beſtimmten Canaͤlen ab; gewiſſe durch die Thätigkeit der inneren Organe entwickelte flüchtige Theile(Gas, Dunſt) entweichen auch durch die Poren der äußeren Huͤlle, der Haut, aus dem Thier⸗ koͤrper. §. 13. In der ganzen Natur, beſonders aber unter den Thieren, findet ſich, hinſichtlich der Organiſation der Koͤrper, eine Stufenleiter vom Unvollkommeneren zum Voll⸗ kommeneren. Jede auf einer dieſer unendlich vielen Stufen ſtehende Thierart beſitzt gewiſſe natuͤrliche Eigenſchaften, wor⸗ auf eine Verſchiedenheit im Beduͤrfniſſe von Waͤrme, Licht, Waſſer, und der Art und Menge der Nahrungsmittel beruht. — in G ſafe theilar Hauu rnug ————» — 9— Deßhalb entſprechen die Localverhaͤltniſſe einer Thierart mehr oder weniger, und deßhalb iſt ihr Wohlbefinden um ſo eher gefährdet oder um ſo geringer, je weniger die äußeren Ver⸗ haͤltniſſe mit ihren natürlichen Bedürfniſſen übereinſtimmen. Unſere Hausthiere ſtehen, der Vollkommenheit ihrer Organiſa⸗ tion nach, meiſtens auf der oberſten der hier gedachten Stufen, und ihre Nuͤtzlichkeit zu verſchiedenen Zwecken hängt großentheils von dieſer hoͤheren Vollkommenheit ihrer Organiſation ab. §. 14. In ähnlicher Art finden wir einen großen Unter⸗ ſchied in der Zeit, welche ſie zu ihrer Entwickelung bedürfen, und in der Lebensdauer der verſchiedenen Thiere. Die vollkommener organiſirten Thiere entwickeln ſich meiſtens lang⸗ ſamer und haben auch meiſtens eine längereLebensdauer, als die unvollkom⸗ mener organiſirten.— Aeußere Umſtände können bei Thieren einerlei Art die Lebeusdauer verlängern oder abkürzen.(§. 13 und 15). §. 15. Je nachdem der Lebensprozeß eines Thieres raſcher oder langſamer und ſein Koͤrper von groͤßerem oder kleinerem Umfange iſt, bedarf daſſelbe eine groͤßere oder ge⸗ ringere Menge von Nahrung. Dieſes Beduͤrfniß ſteigt in dem Verhaͤltniſſe, wie ſeine Körperkraͤfte mehr in Anſpruch genom⸗ men werden. Wird unter ſonſt gleichen Umſtaͤnden die Nah⸗ rungsmenge vermehrt, ſo wird der Lebensprozeß dadurch geſteigert und zugleich ein Zunehmen des Koͤrperumfangs be⸗ foͤrdert. Wird die zu einem Verharren im gleichen Zuſtande erforderliche Nahrungsmenge vermindert, ſo wird der Le⸗ bensprozeß herabgeſtimmt und eine Abnahme des Kördete umfangs iſt die Folge. Die Steigerung mittelſt der zugeſetzten Nahrung hat jedoch ihre Grenzen, da das Thier nur eine gewiſſe Menge von Nahrungs⸗ ſtoffen in beſtimmter Zeit verdauen kann(f. 5. Capitel dieſer Ab⸗ theilung). §. 16. Die in landwirthſchaftlicher Hinſicht wichtigſten Hausthiere nähren ſich hauptſaͤchlich von Pflanzen, und zwar vorzugsweiſe von gras⸗ und kleeartigen. Ihre Natur iſt von —— — 10— der Art, daß ſie überall da fortkommen, wo noch eine einigermaßen befriedigende Vegetation jener Pflanzenarten moͤglich iſt. Der mehr oder weniger ausgedehnte Betrieb der Viehzucht iſt demnach von der natürlichen Productionsfähigkeit des Bodens und von der zu deren Beförderung angewendeten Kunſt hauptſächlich ab⸗ hängig. §. 17. Aus dieſen allgemeinen Andeutungen leiten wir folgenden erſten Grundſatz für den Viehzüchter ab: die Natut der Thierarten, mit deren Zucht und Haltung er ſich befaſſen will, in jeder Hinſicht gruͤndlich kennen zu lernen. Zweites Capitel. Von den Racen der Hausthiere. §. 18. In der Naturgeſchichte werden die Thiere nach den bekannteren, von Linné zuerſt aufgeſtellten Syſtemen zu⸗ nächſt in Claſſen, dieſe in Ordnungen, dieſe zum Theil wieder in Familien abgetheilt. In den Ordnungen und Fa⸗ milien theilt man ſodann die nach dem aufgeſtellten Haupt⸗ Syſteme einander aͤhnlichen Thiere wieder ab in Gattun⸗ gen oder Geſchlechter(genera), deren Unterſcheidungen hauptſächlich auf ſchon mehr untergeordneten Abweichungen in der Organiſation des Knochengebäudes, des Gebißes, der Verdauungswerkzeuge, der Art ſich zu ernaͤhren, der Zeit der Begattung, dem Zeitraume der Traͤchtigkeit, der Zahl der Jungen, welche ſie gewoͤhnlich gebaͤhren, und der⸗ gleichen mehr beruht.— Die Thiergattungen werden end⸗ lich wieder in Arten(species) abgetheilt, deren Unter⸗ — 11— ſcheidung hauptſächlich blos auf Specialitäten in der Kör⸗ perform und Groͤße begründet iſt. §. 19. Wir finden aber auch unter den Arten unſerer Hausthiere noch mancherlei Abweichungen in den Formen und Eigenſchaften, welche in Folge der Forterhaltung im gezähmten Zuſtande und verſchiedener anderer Einfluͤſſe ent⸗ ſtanden ſind, und die ſich in der Fortpflanzung erhalten, für die Zwecke der Benutzung aber mehr oder weniger von Wichtigkeit ſind. Wir machen deshalb bei unſeren Haus⸗ thieren noch die, wenn auch in naturhiſtoriſcher Hinſicht unbedeutende, dagegen in landwirthſchaftlicher Hinſicht ſehr wichtige untergeordnete Eintheilung in Abartenj oder Raeen. Daß ſich die Racen einerlei Art ſtets mit einander paaren laſſen und ihre Nachkömmlinge auch wieder untereinander ſich fortpflanzen, bedarf kaum der Auführung; bemerkenswerth aber iſt, daß Thiere von verſchiedenen Arten(species), aber einer Gattung, ſich zwar auch häufig mit einander paaren laſſen, daß jedoch dieſe Thiere ge⸗ wöhnlich eine gewiſſes Abneigung dabei zeigen und der Erfolg weniger ſicher iſt, als beiſThieren gleicherArt. Die aus ſolcher Paarung eut⸗ ſtehenden Abkömmlinge ſind überdieß häufig gar nicht fortpflanzungs⸗ fähig, und die Natur zeigt hier die Grenze, bis zu welcher ſle die willkührlichen Eingriffe des Menſchen in ihr geheimnißvolles Innere duldet.— Thiere verſchiedener Gattungen können nicht mit einan⸗ der gepaart werden. Im landwirthſchaftlichen Sprarhgehranche hält man ſich nicht immer ſtreng an die Begriffe, welche in der Naturgeſchichte allge⸗ mein gelten; man ſſpricht z. B. gewöhnlich von den Hausthiergat⸗ tungen, indem man eben ſo wohl das Pferd(equus caballus) und den Eſel(equus asinus), welche doch nur Arten(species) einer Gat⸗ tung(vomzPferd, equus) ſind, als das Schwein und das Rind als beſou⸗ dere Gattungen annimmt; ebenſo wird im gemeinen Leben die Race (Abart) ſchlechthin auch Art genannt, man ſagt z. B. die langwol⸗ lige engliſche Schafart u. ſ. w. Wir wollen jedoch ſolcher Ver⸗ wechſelung, die gewöoͤhnlich auch Verwirrung in den Begriffen zur Folge hat, das Wort nicht redeu. - 12— §. 20. Den Begriff von Race ſtellen wir folgender⸗ maßen naͤher feſt: wenn in einem groͤßeren oder kleineren Landſtriche, ausnahmsweiſe ſelbſt an einem einzelnen Orte, die hier einheimiſchen Individuen einer Hausthierart in ge⸗ wiſſen Formen und Eigenſchaften von denen an anderen Orten, in anderen Gegenden einheimiſchen oder vorhandenen ſich weſentlich unterſcheiden, wäͤhrend ſie in jenen Formen und Eigenſchaften unter ſich ſehr gleich ſind und dieſe Ei⸗ genthuͤmlichkeiten auch auf ihre Nachkommen in gleicher Art fortpflanzen, ſobald dieſe unter ähnlichen Verhaͤltniſſen wie bisher ihre Eltern exiſtiren,— ſo bezeichnet man jene zuſam⸗ mengehoͤrigen Individuen als eine beſondere Race. Am häuſigſten fuhren auch die Racen die Namen der Gegenden, wo ſie urſprünglich zu Hauſe waren oder es noch ſind; man benenut ſte aber auch zuweilen nach gewiſſen hervorſtechenden Eigenheiten, z. B. die ungehörnte Rindvieh⸗Race, während ſich wieder andere Beneunungen, wie die der Merinos⸗Schaafrace, nicht einmal be⸗ ſtimmt nachweiſen laſſen. §. 21. Die Hauptmerkmale, wonach man die Racen näher bezeichnet, bilden den Character oder Typus der⸗ ſelben. Jene Racezeichen werden im Allgemeinen abgeleitet von der Groͤße und Form des Körpers, namentlich den Formen gewiſſer Haupttheile deſſelben, der Beſchaffenheit und Farbe der Haare u. ſ. w.; dann gehoͤren aber auch gewiſſe phyſiſche Eigenſchaften oder erbliche Kunſttriebe, vorzugsweiſe Brauchbarkeit zu gewiſſen Zwecken, weſentlich zu den Racczeichen. Es iſt leicht einzuſehen, daß die Zwecke, wozu eine Hausthierart üͤberhaupt benutzt wird, bei der Unterſcheidung und Bezeichnung der Racen vorzüglich ins Ange gefaßt werden, beim Pferde zieht man deshalb den Körperban theils in Bezug auf Brauchbarkeit zur Fort⸗ bewegung ſchwerer Laſten, theils in Bezug auf Tauglichkeit und Ausdauer beim ſchuellen Fahren und Reiten, und da das Pferd zugleich ein Gegenſtand des Luxus iſt, ſo kömmt auch ſeine Schönheit, nach feſtſtehenden Begriffen, weſentlich in Betracht; ferner hebt man die Gelehrigkeit gewiſſer Racen hervor und dergleichen mehr; bei dem dn E — 13— Rinde handelt es ſich um die Miltchergiebigkeit, Fahigkeit ſchnell fett zu werden, Branchbarkeit zum Zug u. ſ. w. §. 22. Die Racen ſind entſtanden und entſtehen unter Umſtänden noch theils durch natuͤrliche, theils durch kuͤnſt⸗ liche Einfluͤſſe. §. 23. Als natürliche Einflüſſe, welche auf die eigen⸗ thümliche Geſtaltung der Koͤrperform und mancher hiervon wieder abhängigen Eigenſchaften, und ſomit auch auf die Bildung der Racen allmählich eingewirkt haben, betrachten wir den Aufenthaltsort hinſichtlich des Klimas, der Lage, der von den oͤrtlichen Verhaͤltniſſen bedingten Nahrung ꝛc. Wenn es ſich auch nicht nachweiſen, alſo auch nicht beſtimmt behaupten läßt, daß die Natur zuerſt nur Urarten unſerer jetzigen Hausthiere geſchaffen hat, welche da ihre Heimath hatten, wo die örtlichen Verhältniſſe der Natur der Thierart vollkommen entſprechend waren; ſo iſt doch ſo viel als gewiß anzunehmen, daß es urſprüng⸗ lich nur ſehr wenige Abarten unſerer Hausthiere gab, und die mei⸗ ſten erſt durch die Verſetzung in ſehr verſchiedenartige Localitäten und das Forterhalten in denſelben entſtanden ſind. Sey es, daß das Urpferd ſeine Heimath in Arabien und den angrenzenden Län⸗ dern gehabt hat oder nicht, ſo iſt es doch gewiß, daß die eigenthüm⸗ lichen Formen des arabiſchen Pferdes in vieler Hinſicht von ſeinem Aufenthaltsorte und der ihm daſelbſt zu Theil werdenden Ernährung und Behandlung bedingt ſind, ſo wie dieß bei dem Pferde in den Niederungen Hollands eben ſo wenig in Abrede zu ſtellen iſt. Von dem Schafe der lüneburger Haide und dem in den fetten Niederun⸗ gen Norddeutſchlands läßt ſich daſſelbe behaupten(Siehe auch§. 25). §. 24. Künſtlich iſt auf die Bildung der Racen einge⸗ wirkt worden und kann noch darauf eingewirkt werden: durch die Auswahl der Zuchtthiere und durch die lange Zeit hier⸗ durch fortgeſetzte eigenthümliche Benutzungsweiſe. Sämmtliche ein und derſelben Race angehörige Individuen ſind ſich niemals in allen Stücken ſo gleich, daß gar kein Unterſchied zu bemerken wäre; es kann deßhalb durch die Wahl der zu paaren⸗ den Zuchtthiere von ein und derſelben Race ſchon eine Einwirkung auf die Geſtaltung der Nachzucht ſtattfinden; auffallender aber wird der Unterſchied, wenn man Thiere von andern Racen bei der Paa⸗ - 44— rung eingemiſcht hat(ſ.§§. 28— 32).— Daß die eigenthümliche Benutzungsweiſe auf die Raceeigenſchaften eingewirkt habe, läßt ſich bei den milchreichen Rindviehracen eben ſo wohl vorausſetzen, als daß bei dem Hühnerhunde oder Dachshunde die eigenthümlichen Kunſt⸗ triebe erſt nach lange fortgeſetztem Gebrauche zu der gleichen Art von Jagd erblich geworden ſind. §. 25. Es iſt anzunehmen, daß bei der Mehrzahl un⸗ ſerer gegenwaͤrtigen Hausthierracen beiderlei Einwirkungen, natuͤrliche wie künſtliche,— jedoch in ſehr verſchiedenem Maße— ſtattgefunden haben; auch laͤßt ſich leicht aus dem Dargeſtellten abnehmen, daß ſich längſt beſtandene Racen im Laufe der Zeit veraͤndern, und daß ſelbſt neue Racen gebildet werden können(§. 32). §. 26. Bei weiterem Betrachte der Verhältniſſe, un⸗ ter welchen die verſchiedenen Racen einer Hausthierart ge⸗ bildet wurden, und bei naͤherer Vergleichung der einzelnen Racen miteinander, fällt es bald in die Augen, daß die einzelnen Racen in ihrem Weſen ſich theils ferne, theils näher, theils ſehr nahe ſtehen, und daß ſelbſt leicht Zweifel entſtehen, ob man gewiſſe Erſcheinungen als beſondere Racen aufführen, oder mit zu anderen gehoͤrig anſehen ſoll. §. 27. Um Verwirrungen und Mißverſtändniſſen möͤg⸗ lichſt zu begegnen, ſo werden wir bei jeder Hausthierart zunächſt in Haupt⸗Racen abtheilen, dieſe, ſo weit es nöͤ⸗ thig erſcheint, aber wieder in Unter⸗ oder Nebenracen. Ferner bedienen wir uns da, wo von einer anerkannten Race durch die laͤngere Zeit hindurch fortgeſetzte Züchtung an verſchiedenen Orten ſich beſondere bemerkenswerthe Ei⸗ genthümlichkeiten gebildet haben, lieber des Ausdrucks „Stamm“, ſtatt ſolche Abweichungen gleich wieder als neue Racen aufzufuͤhren. Die Merinos z. B. ſind eine Hauptrace unter den Schafen; die Electorals und die Infantado's ſind Unterracen der Me⸗ rinos; der Mögliner, der Klipphäuſer Stamm nnd andere, gehören der Electoral⸗Merinos⸗Race an.— Bei hoher Intelligenz 6 Y V kſe dhier daut Si niſch einzel Syiel lin 6 dande, heiwei Denem nd ihr wbibdet maahör 6 niblch wär t Gen rerich udd mfähr en; 75 — 15— in der Zuͤchtung, namentlich in der Pferdezucht, dient ſelbſt die Ab⸗ kunft von den einzelnen in einem Stamme gebrauchten und berühmt gewordenen männlichen Zuchtthiere noch beſonders zur näheren Be⸗ zeichnung, z. B. die Turkmainatty⸗Nachkömmlinge in Trakeh⸗ nen; man unterſcheidet alſo in den Stämmen wieder eigentliche Familien. Ueber die beſondere Bedeutung von Mittelracen ſ.§. 32. §. 28. Wenn Thiere von zweierlei Race mit einander gepaart werden, ſo nennt man dieß Kreuzung; die hier⸗ aus entſtehenden Nachkommen nennt man Meſtizen, auch Baſtarde. Eigentlich ſollen blos die Nachkommen aus der Kreuzung zweier Arten(species), z. B. des Pferds und des Eſels, Baſtarde genannt werden, während man die Nachkommen aus der Kreuzung zweier Racen ſtets Meſtizenbenennen ſollte; in⸗ deſſen iſt die Benennung Baſtard dafür ebenfalls vielfach im Gebrauche.— Thiere von unbeſtimmter Abkunft, z. B. aus der Paarung verſchie⸗ denartiger Meſtizen, nennt man auch„Blendlinge.“— Als Spielarten aber pflegt man einzelne Thiere, entweder von unge⸗ miſchter Race oder auch aus Kreuzungen, zu bezeichnen, welche in einzelnen Formen auf ungewöhnliche Weiſe, ſo zu ſagen als ein Spiel der Natur, vorkommen, z. B. Ziegen mit 4 Hörnern, Hunde ohne Schwänze.— Werden ſolche Spielarten zur Nachzucht ver⸗ wendet, ſo gebraucht man für ihre Nachkommen, welche ganz oder theilweiſe jene Eigenheiten geerbt haben, hauptſächlich auch die gleiche Benennung.— Durch den fortgeſetzten Gebrauch einer Spielart und ihrer Nachkommenſchaft zur Zucht ſind ſchon beſondere Racen gebildet worden; ſehr wahrſcheinlich iſt dieß unter andern bei der ungehörnten Rindviehrace der Fall geweſen. §. 29. Werden bei der Kreuzung zweier Racen die weiblichen Baſtarde oder Meſtizen erſter Generation wieder mit maͤnnlichen Racethieren von der Race des Va⸗ ters gepaart, ſo nähert ſich die hieraus entſtehende zweite Generation von Meeſtizen ſchon mehr der Race väter⸗ terlicher Seits. Wird bei der zweiten, dritten Generation und den weiter folgenden Generationen auf dieſelbe Weiſe verfahren; ſo nähert ſich die Nachzucht auch immer mehr — — der Race, wovon die maͤnnlichen Zuchtthiere genommen werden, bis ſie endlich von derſelben nicht mehr oder kaum noch zu unterſcheiden iſt. §. 30. Bei der Paarung von Thieren verſchiedener Race iſt in den erſten Generationen gewöhnlich nur ein Theil der Nachzucht ein eigentliches Mittelding zwiſchen den gekreuzten Racen, ein anderer Theil hat in der Regel mehr vom Vater, und wieder ein anderer Theil mehr von der Mutter oder reſpective Grosmutter geerbt, man nennt dieß: das Thier iſt mehr auf den Vater oder die Mut⸗ ter zurückgeſchlagen. Als Ruͤckſchlag bezeichnet man vorzugsweiſe jedoch diejenigen Individuen, welche bei Kreuzungen oder gar bei der Paarung von Meſtizen unter ſich auf die Voreltern der unedleren, ſchlechteren Race zu⸗ rückſchlagen, d. h. dieſer vorzugsweiſe aͤhnlich geworden ſind. §. 31. Mit der wie vielten Generation man ſo weit gekommen iſt, daß man die Nachkommen der auf die in§. 29 angedeutete Weiſe mit männlichen Race⸗ thieren fortgezüchteten weiblichen Meſtizen als gleich mit der zu erſtrebenden Race betrachten und unter ſich paaren darf, ohne weſentlichen Ruͤckſchlag auf die urſprüngliche Race von der mütterlichen Seite befuͤrchten zu muͤſſen, läßt ſich nicht feſt beſtimmen, da dieß Ziel um ſo langſa⸗ mer erreicht wird, je groͤßer der Unterſchied unter den ge⸗ kreuzten Racen war, auch die Natur einer Thierart lenkſa⸗ mer in dieſem Stücke zu ſeyn ſcheint, als die Natur ande⸗ rer, und da ferner noch manche Umſtände hiebei einwirkend ſind, wie beſondere Vererbungsfaͤhigkeit einzelner Zucht⸗ thiere, Ausſchließung einzelner mehr auf die muͤtterliche Race zurückgeſchlagenen weiblichen Zuchtthiere und derglei⸗ chen mehr. Bei den Schweinen und dem Rindvieh iſt jenes Ziel meiſtens eher erreicht, als bei Pferden und hochfeinen Schafen.— Oft iſt V Nr Krenn gaſeed udn wim tit Laun (Me tch 9 natf — 17— in der 4. Generation ſchon alles erreicht, was man beabſichtigt, oft darf die 8. Generation erſt als conſtant angeſehen werden.— Ein⸗ zelne Rückſchläge kommen auch in ſpäteren Generationen von Zeit zu Zeit wieder einmal vor; ſolche können aber bei aufmerkſamer Zucht leicht unſchädlich gemacht werden. §. 32. Werden entweder die Meſtizen aus der Kreu⸗ zung verſchiedener Racen,— mit Ausſchließung jedoch aller derer von der Zucht, welche dem beabſichtigten Ziele zu wenig ſich naͤhern,— unter ſich fortgezuͤchtet, oder auch bei dieſer Fortzucht noch ein⸗ oder ſeldſt mehrmal Thiere von einer dritten Race eingemiſcht, während die dem be⸗ abſichtigten Zwecke entſprechenden Individuen aus ſolchen Durchkreuzungen ſpäter ſtets unter ſich und ſo lange fort⸗ gezüchtet werden, bis man von der Nachzucht annehmen darf, daß wenig Rückſchläge mehr vorkommen und jene in Formen und Eigenſchaften eine weſentliche Gleichheit erreicht hat; ſo wird auf dieſe Weiſe endlich eine neue Race gebildet (ſ.§. 25). Der berühmte engliſche Viehzüchter Backwell hat uns in noch nicht wieder erreichter Vollkommenheit in den von ihm gebildeten Rindvieh⸗ und Schaf⸗Racen gezeigt, was auf dieſem Wege zu erreichen iſt.— Welch' große Sachkenntniß, gepaart mit Scharfſinn und Talent, und daß ſelbſt noch beſonderes Glück hiezu gehöre, wird im folgenden Capitel weiter zur Sprache kommen(ſ.§. 61). Neue Racen, welche aus der Fortzucht der Meſtizen von der Kreuzung zweier Racen gebildet werden, nennt man auch nicht un⸗ paſſend Mittelracen. §. 33. Blicken wir auf das bis hieher Geſagte zuruͤck und nehmen wir hinzu, wie ſehr es Thatſache iſt, daß nicht nur in der Abſicht, etwas Beſſeres, Vollkommneres zu er⸗ reichen, ſondern noch weit häufiger planlos und nach der Laune des Zufalls die Racen gekreuzt und die Baſtarde (Meſtizen) auf die verſchiedenſte Weiſe unter ſich oder wie⸗ der mit Thieren anderer Racen gepaart worden ſind und noch gepaart werden; ſo geht daraus hervor, daß eine große Pabſt Landwirthſchaft II. 1. 2 — 18— Zahl unſerer Hausthiere zu gar keiner Race gehoͤrt, ſon⸗ dern daß ſehr viele Individuen blos Baſtarde(Meſtizen) und Blendlinge ſind, deren Urſprung ſich haͤufig gar nicht nachweiſen laͤßt. §. 34. Eben ſo wohl leuchtet ein, daß es Racen oder auch einzelne Staͤmme von Racen(ſ.§. 27.) gibt, welche ihren Charakter feſter bei der Vererbung auf die Nachkom⸗ men erhalten, als andere; jene bezeichnen wir vorzugsweiſe als„conſtant.“ Beſitzt aber in einer Gegend eine grö⸗ ßere Zahl der daſelbſt einheimiſchen Individuen einer Haus⸗ thierart einen in manchen Stuͤcken eigenthümlichen Charakter, ohne daß ſich jedoch derſelbe bei der Vergleichung der Thiere und ihrer Nachzucht mit einander ſo conſtant erweiſet, daß man ſie als eine beſondere Race anſehen dürfte, ſo bezeich⸗ nen wir ſolche lieber mit dem Ausdrucke„Schlag.“ Wir ſagen z. B. der Pferdeſchlag auf der ſchwäbiſchen Alb, im Schwalmgrund in Heſſen u. ſ. w. §. 35. Edel nennt man eine Race, welche die bei der betreffenden Thierart überhaupt und der Race insbeſon⸗ dere als zweckentſprechend und ſchön geltenden Formen und Eigenſchaften in hoher Vollkommenheit beſitzt und ſehr con⸗ ſtant vererht. Ein einzelnes Thier nennt man edel, oder ein edles Racethier(auch wohl kurzweg Ragethier), wenn daſſelbe die Zeichen der Abkunft von einer edlen Race unzweideutig an ſich trägt, oder dieſe Abkunft zuverlaͤſſig nachgewieſen iſt. Gemein nennt man im Gegenſatz Racen oder Individuen, welche wenig oder nichts von den Vorzuͤ⸗ gen und Vollkommenheiten edler Racen beſitzen. Land⸗ racen heißen die in einer Gegend von lange her einheimi⸗ ſchen Racen. Weil unſere Landracen hänfig von ſchlechter Beſchaffenheit ſind, ſo wird Landrace und gemeine Race gewöhnlich als gleichbedeutend genommen. — 19— §. 36. Veredlung nennt man es, wenn durch gut geleitete Auswahl der Zuchtthiere, namentlich der maͤnnli⸗ chen, die Nachzucht vervollkommnet wird. Es kann dieſe Bezeichnung auch bei der Reinzucht einer Race Anwendung finden, und man bedient ſich alsdann auch des Aus⸗ drucks veredelte Race. Gewöhnlich verſteht man unter veredeln hauptſächlich die Kreuzung weiblicher Zuchtthiere einer ſchlechteren Race oder auch von weiblichen Meſtizen oder Blendlingen mit männ⸗ lichen Zuchtthieren einer edleren Race(ſ.§. 29.). Halbveredelte Meſtizen oder halbveredelten Schlag nennt man wohl auch die Thiere, welche bei der eben gedachten Veredlungsweiſe bereits eine mittlere Stufe erlangt haben; jedoch iſt dieſer Ausdruck ziemlich unbeſtimmt.— Hochveredelte nennt man dann die bei dem fort⸗ geſetzten Gebrauche von männlichen Racethieren ſchon weit vorge⸗ ſchrittene Nachzucht. §. 37. Originalthiere nennt man ſolche, von denen es zuverlaͤſſig bekannt oder nachgewieſen iſt, daß ſie rein von einer ſicheren Race abſtammen, ſei es nun daß ſie ſelbſt, oder ihre Eltern oder Voreltern, unmittelbar aus der eigentlichen Heimath von dieſer Race bezogen worden ſind. Gewöhnlich ſpricht man nur bei Thieren von edler Race von DOriginalthieren, indem es bei Thieren von gemeinen Racen nicht von Intereſſe iſt, ob ſie Original⸗ oder ächte Race⸗Thiere ſind oder nicht. §. 38. Unter dem Ausdruck Blut verſteht man in der Thierzucht die ſtattgehabte Einmiſchung von Zuchtthieren ge⸗ wiſſer Abkunft oder Race, namentlich aber von edler Abkunft. Man nennt in dieſem Sinne Thiere, welche etwa zur Hälfte von einer ſehr edlen, andern Theils von einer gemeineren Race abſtammen: Halbblutthiere auch Halbſchlag. Vollblutthiere dagegen nennt man die, welche einer edlen Race ganz angehören oder durch lang fortgeſetzte Ver⸗ edlung, durch viele Generationen conſequent fortgeſetzte Kreuzung(ſ.§. 29), der edlen Race gleich gekommen ſind. Man ſagt z. B. ein Thier habe viel oder etwas Blut von einer gewiſſen Race; bei Pferden bedient man ſich auch nur kurzweg des 2 — ——— Ausdrucks:„das Thier hat viel Blut,“ indem man damit ſagen will, daß daſſelbe in ſeiner Abkunft viele edle Race beſitze.— Halbblut und halbveredelt(ſ.§. 36) iſt ziemlich gleichbedeutend. §. 39. Unter Ausartung einer Race oder eines Stam⸗ mes ꝛc. wird verſtanden, wenn die Nachzucht davon unvoll⸗ kommener, ſchlechter geworden iſt, als die Voreltern waren. Die Ausartung entſteht in der Regel durch unangemeſſene oder vernachläſſigte Pflege und durch unzweckmäßige Aus⸗ wahl der Zuchtthiere(ſ. folgendes Capitel). 4 Intereſſantes und theilweiſe Ausführlicheres über die in dieſem Capitel abgehandelte Materie enthalten: Sturm, über Racen, Kreuzungen ꝛc. der Hausthiere, Elber⸗ feld, 1835. Schmalz, Thierveredlungskunde, Königsberg, 1832. Erdelyi, Zoophyſiologie der Hausthiere, Wien, 1820. ——ℳ—— Drittes Capitel. Von der Paarung und Fortpflanzung. §. 40. Vermoͤge der Paarung werden die Thierge⸗ ſchlechter und deren Arten fortgepflanzt, die Racen erhal⸗ ten, oder auch in ihren Eigenthümlichkeiten mehr oder we⸗ niger veraͤndert(§. 2¹) und ſelbſt neue Racen gebildet (§. 32). Es leuchtet demnach ein, daß die Auswahl der zu paarenden Thiere für den Viehzuͤchter von der hoͤchſten Wich⸗ tigkeit iſt. §. 41. Der Viehzüchter muß zu dem Ende vor allen Dingen über den unmittelbaren Zweck ſeiner Viehhaltung, ſo wie uͤber das Ziel im Reinen ſeyn, welches er bei ſeiner Nachzucht zu erreichen beabſichtiget. Ver berd ul — 21— Was hierbei nach Maasgabe der Localverhältuiſſe und anderer einwirkender Umſtände zu beachten ſey, welche verſchiedene Zwecke bei jedem Hauptzweige der Viehzucht beabſichtigt werden können, wird in der Betriebslehre und der ſpeciellen Viehzucht näher nach⸗ gewieſen. §. a2. Es muß ſodann ſtets darnach geſtrebt werden, vollkommnere, dem Zwecke der Haltung moͤglichſt entſpre⸗ chende Nachzucht zu erhalten; in dem ſeltenen Falle aber, wenn man bereits eine Race(auch Stamm) beſitzt, welche ſo zweckentſprechend und vollkommen iſt, daß ein Mehreres nicht leicht erreicht werden kann, iſt um ſo viel mehr Auf⸗ merkſamkeit und Intelligenz erforderlich, auf der hohen Stufe zu beharren, welche man bereits erreicht hat. §. 43. Dadurch, daß wir bei unſerer Hausthierzucht ein und daſſelbe maͤnnliche Thier mit einer größeren Anzahl weiblicher Thiere paaren, ſind wir in den Stand geſetzt, nur die vollkommeneren männlichen Thiere zur Zucht wäh⸗ len, die große Mehrzahl der weniger vollkommenen aber ausſchließen zu duͤrfen, wodurch die Erzielung einer gleich⸗ artigeren und vollkommeneren Nachzucht eines Theils we⸗ ſentlich befördert iſt; waͤhrend andern Theils dadurch die nachtheiligen Einfluͤſſe wenigſtens zum Theil wieder ausge⸗ glichen werden koͤnnen, welche haͤufig durch das Leben unſe⸗ rer Hausthiere in einem mehr oder weniger erkuͤnſtelten, von ihrem naturgemäßen Verlangen abweichenden Zuſtande herbeigeführt werden. Aus dieſen Gründen iſt aber auch die Auswahl der männlichen Zuchtthiere von noch weit grö⸗ ßerer Wichtigkeit, als die der weiblichen, und der Nach⸗ theil einer bei jenen ſtatt gehabten ſchlechten Wahl wird um ſo empfindlicher. Wie viel weibliche Zuchtthiere nach Maßgabe der obwaltenten Verhältniſſe bei jeder Hausthierart auf ein männliches gerechnet werden dürfen, weiſet die ſpecielle Viehzucht nach. §. au. Daß das männliche Zuchtthier ſeine Formen und Eigenſchaften uͤberhaupt in ſtaͤrkerem Verhaͤltniſſe als — 22— das weibliche auf die Nachkommenſchaft vererbe, kann als allgemeiner Satz eben ſo wenig aufgeſtellt werden, als die ſchon oft verſuchte, aber noch nie zuverläſſig dargethane Behauptung, daß die Formen gewiſſer Körpertheile vorzugs⸗ weiſe vom Vater, andere wieder vorzugsweiſe von der Mut⸗ ter auf die Jungen vererben. Dagegen darf angenommen werden, daß von demjenigen der gepaarten Thiere im Durch⸗ ſchnitt eine ſtärkere Vererbung auf die Nachkommenſchaft ſtatt findet, welches der conſtanteren(gewöhnlich zugleich edleren) Race angehört, und das durch lebhafteres Tem⸗ perament und kräftiger genaͤhrten Koͤrper im Vorzug ſteht. Da man aus triftigen, bereis dargethanen Gründen die mäun⸗ lichen Zuchtthiere in der Regel von der beſſeren und conſtanteren Race wäbhlt, auch beſonders darauf ſieht, daß ſie kräftig ſind und gut genährt werden; ſo tritt der Fall häufig ein, daß ihr Einfluß auf die Nachkommen der vorberrſchendere wird; er kann aber auch dadurch vermindert oder der Einfluß der Mutterthiere mehr vorherrſchend werden, daß einem einzelnen männlichen Zuchtthiere eine zu große Zahl weiblicher zugetheilt wird. In Schmalz's Thierveredlungskunde iſt für und gegen die hier aufgeſtellten Grundſätze Ausführliches zu finden.— Man vergleiche auch meine Anleitung zur Rindviehzucht, Stuttgart 1829, S. 58 ff. §. 45. Beſonders iſt noch zu beachten, daß einzelne Thiere conſtanter Abkunft zuweilen eine ganz eminente Ver⸗ erbung ihrer Eigenſchaften erweiſen und dadurch dann einen hohen Werth als Zuchtthiere erlangen. Durch eine längere Reihe von Jahren hindurch conſequent fort⸗ geſetzte Benutzung ſolcher ausgezeichneten Thiere werden ihre Ei⸗ genſchaften oft in ganzen Stämmen verbreitet und von den Nach⸗ kommen daraus wieder vererbt. §. 46. Durch viele Erfahrungen iſt auch erwieſen, daß die Jungen oͤfters den Großeltern in Geſtaltung oder Eigenſchaften vorzugsweiſe nachſchlagen. Solche Erſcheinungen kommen beſonders häufig bei Kreuzungen vor und man hat dabei Rückſicht auf ſie zu nehmen, Namentlich di wi we⸗ e — 23= kommen in der zweiten Generation der Kreuzung öfters auffallend viele Räckſchläge auf die Grosmütter mütterlicher Seits vor(ſ.§. 29, 30). §. 47. Das Alter der Zuchtthiere kann nur in ſo ferne auf ſtaͤrkere oder ſchwaͤchere Vererbung von Einfluß ſeyn, als wohl im Allgemeinen anzunehmen iſt, daß junge, bereits ausgebildete kraͤftige Thiere beſſer vererben, als alte ge⸗ ſchwächte. Damit iſt die zuweilen vorkommende Thatſache nicht in Abrede geſtellt, daß einzelne ausgezeichnete Zuchtthiere bis in ihr hohes Al⸗ ter gleich gut vererben.— Man hüte ſich doch ja in allen dieſen Dingen aus einzelnen oder ſelbſt aus häufig vorkommenden Erſcheinungen allgemeine Schlußfolgen zu ziehen, und begnüge ſich lieber ſo manche Erſcheinnngen, denen wir hier begegnen, unerklärt zu laſſen. §. a8. Was insbeſondere das Alter betrifft, in wel⸗ chem man die nachgezogenen Thiere zuerſt ſich begatten laſ⸗ ſen ſoll, ſo darf hierbei eben ſo wenig als Grundſatz gelten, daß man die jungen Hausthiere ohne Nachtheil ſich paaren laſſen duͤrfe, ſobald ſie nur den Trieb dazu zeigen, als wie, daß ſie erſt dann zur Begattung gelaſſen werden ſollen, wenn ſie völlig ausgewachſen ſind. Denn bei der vom rei⸗ nen Naturzuſtande abweichenden Lebensweiſe, in welche un⸗ ſere Hausthiere nach und nach verſetzt worden ſind, und der großen Mannigfaltigkeit in der Ernaͤhrung und Pflege derſelben, zeigt ſich gar haͤufig der Trieb zur Begattung ſo frühe, daß nur eine ſchwaͤchere, mitunter verkrüppelte Nach⸗ zucht die Folge von der unverwehrten Befriedigung jenes Triebes ſeyn würde. Wollte man aber den völlig ausge⸗ wachſenen Zuſtand ſtets abwarten, ſo wuͤrde dieſes in den meiſten Faͤllen den bei der Viehhaltung zu erzielenden Rein⸗ ertrag mehr oder weniger beeinträchtigen. Der ſpecielle Nutzungszweck und die Körperbeſchaffenheit der junen Thiere konnen in dieſer Hinſicht allein entſcheiden. Beim Pferde z. B., deſſen Werth hauptſächlich davon abhängt, daß es recht kräftig wird und dieſe Kräfte möglichſt lange benutzt werden können, iſt es dem Zwecke der Haltung⸗ ganz entſprechend — 24— daß es erſt dann zur Begattung gelaſſen wird, wenn ſein Körper völlig ausgebildet iſt; bei der Schweinezucht aber würden wir uns großen Schaden thun, wollten wir den Eber nicht eher zum Mutter⸗ ſchweine laſſen, bis beide völlig ausgewachſen ſind. Wird bei den weiblichen Thieren der ſich zeigende Geſchlechts⸗ trieb zu oft unbefriedigt gelaſſen, ſo werden ſie, beſonders bei ſehr guter, fett machender Ernährung(ſ.§. 51) ſpäter öfters nicht mehr trächtig, ein Umſtand der hierbei ſehr mit berückſtchtigt werden muß. §. 49. Noch mehr haͤngt es von dem Zwecke der Hal⸗ tung und der Idividualität der Zuchtthiere ab, wenn man beſtimmen will, wie lange(bis zu welchem Alter) ſie zur Zucht beizubehalten ſeyen. Nur ſo viel laͤßt ſich im Allge⸗ meinen hier ſagen, daß man niemals Thiere zur Zucht bei⸗ behalten oder beſtimmen ſoll, welche in Folge zu weit vor⸗ gerückten Alters oder vorausgegangener körperlicher Anſtren⸗ gungen in einem geſchwächten Körperzuſtande ſich befinden. Unter Umſtänden, z. B. bei einem edlen Hengſte, iſt es angemeſ⸗ ſen, ein Zuchtthier ſo lange beizubehalten, als es zur Zeugung noch kräftig genug ſich erweiſet; unter andern Umſtänden, z. B. häufig bei der Rindvieh⸗ und Schweinezucht, kann es räthlich ſeyn, die männlichen Zuchtthiere abzuſchaffen, wenn ſie in die kräftigſte Periode ihres Alters getreten ſind. §. 50. Viele in phyſiologiſcher Hinſicht intereſſante Erſcheinungen und manche problematiſche Behauptungen werden in Bezug auf die Geſtaltung der Jungen und die auf dieſe von Einfluß geweſenen Urſachen von den Natur⸗ forſchern noch aufgeführt, von denen wir hier nur noch andeuten wollen: a. daß Mißgeſtaltungen oder auffallende Bildung einzelner Koͤrpertheile, welche junge Thiere mit zur Welt bringen, als Folge von ploͤtzlichem Schrecken ent⸗ ſtehen koͤnnen, dem die Mutter waͤhrend der Traͤchtigkeit unterworfen war;— b. daß(und ob?) durch an einem der gepaarten Thiere künſtlich angebrachte Abzeichen oder gar durch hingeſtellte Gemälde von Thieren und dergleichen, im Augenblicke der Zeugung, auf die Geſtaltung und na⸗ mentlich die Farbe der Jungen eingewirkt werden koͤnne;— — 25— c. ob die augenblickliche oder auch allgemeine körperliche Beſchaffenheit der gepaarten Thiere von Einfluß auf die Erzeugung einer groͤßeren Zahl männlicher oder weiblicher Nachkommen ſey;— d) ob es moglich iſt, daß das bei einer fruͤheren Begattung gebrauchte maͤnnliche Thier zuwei⸗ len noch eine Vererbung auf die Jungen aus der ſpaͤteren Paarung derſelben Mutter mit einem ganz anders geſtalte⸗ ten Maͤnnchen zeige. Ein Theil dieſer Wahrnehmungen wird von ſo vielen Seiten übereinſtimmend erzählt, daß ſie große Glaubwürdigkeit erlangen, und dann können ſie auch von praktiſcher Wichtigkeit ſeyn; wenn es z. B. wahr iſt, daß weiße Schafe durch das Erſchrecken vor ſchwar⸗ zen Hunden, die ſie plötzlich anfallen, oder durch andere für ſie anf⸗ fallende Gegenſtände, ſchwarze oder ſcheckige Lämmer bekommen können,— oder wenn es wahr iſt, daß man bei einfarbigem Viehe durch das Auflegen weißer Laken, bei der Begattung, Junge mit Abzeichen bewirken könne; ſo könnte durch getroffene Vorkehrungen das eine, weil es Nachtheil bringen kann, verhütet, das andere, weil gewiſſe Farben oder Abzeichen geſucht ſind, bewirkt werden. Buffon und viele andere Naturforſcher, dann Hofacker(in ſeiner Schrift: über die Eigenſchaften, welche ſich auf die Nach⸗ kommen vererben, Tübingen 1828), Franz(über zweckmäßige Er⸗ ziehung, Behandlung ꝛc. der landwirthſchaftlichen Hausthiere), Gi⸗ rou(bibliothèque universelle, annales des sciences naturelles 1825), Sturm und Schmalz(in den ſchon angeführten Schriſ⸗ ten) reden daruͤber ausführlich. §. 51. Staͤrkere als der Hausthierart gewͤhnlich eigene Fruchtbarkeit, hinſichtlich der Zahl der Jungen, kann theils durch vorzuͤglich kraͤftige Ernährung einigermaßen herbeige⸗ fuͤhrt, ſie kann aber auch gewiſſen Individuen vorzugsweiſe eigen ſeyn und durch deren Gebrauch bis zu einem gewiſſen Grade Familien oder Staͤmmen erblich werden. Durch Verſetzung in gemäſteten Zuſtand wird dagegen der Ge⸗ ſchlechtstrieb und die Fruchtbarkeit vermindert. Bei einem Rindviehſtamme, Schweizer⸗Race, welcher ſchon lange dahier gezüchtet wird, ſind z. B. Zwillinge ganz gewöhnlich; — 26— im Jahre 1832 haben von 16 Kühen dieſes Stammes fünfe Zwil⸗ linge geboren; hier iſt es nicht allein die gute Haltung des Vieh⸗ ſtandes, welcher man dieſe ſeltne Erſcheinung zuſchreiben kann. §. 52. Gewiſſe Maͤngel und Krankheiten ſind bei un⸗ ſeren Hausthiergeſchlechtern vorzugsweiſe erblich; es muß daher bei der Auswahl der Zuchtthiere, zumal der maͤnn⸗ lichen, ſtets darauf Bedacht genommen werden, daß ſie von Erbfehlern frei ſind.— Dahin gehören z. B. der Staar bei den Pferden, die Traber⸗ krankheit bei den Schaafen. Manche dieſer Krankheiten ſind nicht immer äußerlich zu erkennen oder zeigen ſich erſt im ſpäteren Alter, wie eben die Traberkrankheit bei den Schafen, die ſogenannte Fran⸗ zoſenkrankheit beim Rindvieh, und ſind deshalb die gefährlichſten. §. 53. Soll nun mit Rückſicht auf das in den§§. 41 bis 43 Dargeſtellte, und auf die bis hieher entwickelten Grund⸗ ſaͤtze überhaupt, mittelſt der Auswahl der Zuchtthiere ein beſtimmter Zweck erreicht werden; ſo bieten ſich dazu drei verſchiedene Wege dar, nemlich: 1) Reinzucht einer gewaͤhl⸗ ten Race; 2) fortgeſetzte Kreuzung mäͤnnlicher Thiere ein und derſelben Race mit weiblichen Thieren einer andern Race und den daraus entſpringenden Meſtizen(§. 29)— und 3) Kreuzung verſchiedener Racen und Baſtarde, in der Abſicht einen eigenen Schlag, oder ſelbſt eine neue Race zu bilden(§. 32.) §. 54. Erſter Weg. Kann man eine Race haben, welche dem vorgeſetzten Zwecke in der Hauptſache entſpricht, ſo iſt es der ſicherſte und kürzeſte Weg, den der Viehzüchter wählen kann, wenn er dieſe Race rein fortzuͤchtet und durch gute Auswahl immer mehr in ſich zu veredeln ſucht. Es iſt jedoch bei edlen Racen meiſtens ein bedeutender Capital⸗ aufwand erforderlich, um eine hinlängliche Zahl von weiblichen Ra⸗ cethieren davon zu erhalten. §. 55. Die Reinzucht einer Race oder eines Stam⸗ mes heißt Inzucht, wenn die gepaarten Thiere ſtets aus der fortgeſetzten eigenen Zucht des Stammes gewaͤhlt wer⸗ — 27=— den, den man zu zuͤchten begonnen hat, und wenn dabei auch Paarung in jeder Art von Blutsverwandſchaft ſtatt findet, ſo bald man die mit einander verwandten Thiere an und fuͤr ſich als paſſend zu einander erachtet. §. 56. Mittelſt der Inzucht koͤnnen ausgezeichnete ei⸗ genſchaften, welche bisher blos einzelne Thiere eines Stam⸗ mes in hohem Grade beſaßen, ſchnell unter der Nachzucht allgemeiner werden. Es kann deshalb damit ein Ziel erreicht werden, welches ohne ſolche kaum oder nie erreichbar ſeyn wuͤrde. Eben ſo gut werden aber auch nachtheilige und ſchlechte Eigenſchaften mittelſt der Inzucht und Paarung in der Blutsverwandſchaft ſchneller unter der Nachzucht ver⸗ breitet, und eben deßhalb muß ſie ſtets mit großer Vorſicht und Aufmerkſamkeit und nur dann ohne Rückſicht auf Bluts⸗ verwandſchaft getrieben werden, wenn man bereits edle Racethiere beſitzt. Wenn man die Paarung in der Blutsverwandſchaft überhaupt als nachtheilig oder gefährlich geſchildert hat, weil man dabei eine ſchnellere Degeneration(Ausartung) bemerkte, als da wo man jene vermied, ſo waren dieß wohl Fälle, wo man an ſich ſchon fehlerhafte oder ſchwächliche Verwandte mit einander paarte, oder wo die ge⸗ paarten Verwandten erſt halbveredelt(Halbblutthiere) waren, wonach ſich ein ſtärkerer Rückſchlag zeigte.— Wo man dagegen mit der hier durchaus nothwendigen Rückſicht auf das Verhalten der zu paarenden Thiere und ihre Abkunft zu Werke ging, da hat man den Beweis geliefert, daß Paarung in der Blutsverwandſchaft durchaus nicht unbedingt ver⸗ werflich ſey, daß ſie vielmehr das Ziel der Inzucht in hohem Grade fördern könne. §. 57. Zweiter Weg. Entſpricht der vorhandene Viehſtand, er gehöre nun einer wirklichen Race an, oder ſey bereits verbaſtardirt,— Vnur theilweiſe oder ſelbſt un⸗ vollkommen unſeren Abſichten und wir ſind nicht in der Lage, auch die weiblichen Zuchtthiere in bedürftiger Anzahl von beſſerer Race anzuſchaffen, ſo wählen wir den§. 29 be⸗ — 28— ſchriebenen Weg der fortgeſetzten Kreuzung mit männlichen Zuchtthieren einer zweckentſprechenden edleren Race. Dieſer Weg wird bekanntlich ſehr häufig eingehalten, und durch ſolche Kreuzung iſt bis jetzt am meiſten zur Verbreitung edlerer Racen beigetragen worden.— Bei nicht zu kleinem Viehſtande iſt es öfters räthlich, eine kleine Inzucht vom echten Stamme neben der ausgedehnteren Meſtizenzucht zu treiben, um die männlichen Ra⸗ cethiere hiezu ſelbſt nachzuziehen. §. 58. Daß man hiebei ſein Ziel, moͤglichſte Annaͤhe⸗ rung und Erhebung der Meſtizenzucht zur reinen Race, je nach den einwirkenden Verhältniſſen in früherer oder ſpaͤte⸗ rer Generation erreichen koͤnne(gewöhnliche Annahme a. bis 8.), iſt ſchon§. 31 angeführt. §. 59. Da bei ſehr großer Verſchiedenheit der gepaar⸗ Thiere im Körperbau oder in den erſten Generationen häu⸗ fig ein unproportionirtes und deshalb wenig werthvolles, ja mitunter unbrauchbares, Mittelding entſteht, ſo ſoll man bei Kreuzungen die Paarung zweier in ihrem Weſen allzuverſchiedenen Racen moͤglichſt zu vermeiden ſuchen. Man kann hierin leicht zu viel oder zu wenig thun, und nur wenn man gehörig rechnet und überlegt, wie ſich die Opfer, welche man beim Uebergange durch ſchlecht beſchaffene Meſtizen zu bringen hat, zu dem bei Fortſetzung der Kreuzung zu erreichenden Vortheile verhalten werden, wird man den rechten Weg einzuſchlagen wiſſen. §. 60. Zuweilen, jedoch ſelten, thut man deßwegen beſſer, man wählt für die erſten Generationen eine zwar weniger vollkommene aber den zu veredelnden Mutterthieren naͤher ſtehende Race, und dann zur 3. oder 4. Generation erſt die maͤnnlichen Thiere aus der hochedlen Race, die man eigentlich zu erreichen beabſichtiget. §. 61. Dritter Weg. Dieſer§. 32 bereits näher beſchriebene Weg ſoll nur vom erfahrnen Viehzüchter und ſelbſt von dieſem mit großer Vorſicht betreten werden. Unter Umſtaͤnden iſt er jedoch derjenige, welcher zu einem hoͤheren Ziele führt, als die beiden andern. hen erer e iſt eben — 29— Manche durch ihre Eigenſchaften berühmte Race iſt auf dieſem Wege gebildet worden, z. B. mehrere Pferde⸗Racen Englands, Backwell's Racen, auch mancher Schlag guten Rindviehes, wie ans der Vermiſchung von Schweizer⸗ und Holländer⸗Vieh, oder von Schweizer⸗ und Landvieh, wie z. B. die Donnersberger Race u. m. a.. 3 §. 62. Nächſte Abſtammung. Bei jeder Art von Paarung, wobei ein höheres Ziel beabſichtigt wird, muß man bei Auswahl der Zuchtthiere, beſonders der männlichen, nicht allein auf die Race, wovon ſie ſtammen, ſondern auch vorzuͤglich auf die Eltern und weitere Abſtammung dieſer Rückſicht nehmen, denn je mehr man verſichert iſt, daß auch die Eltern und Voreltern ausgezeichnete Zuchtthiere in ihrer Art und fuͤr unſern Zweck waren, um ſo ſicherer wer⸗ den wir dieſen erreichen. Es swerden zu dem Ende von intelligenten Viehzüchtern ſtets Stammregiſter geführt, welche die Abſtammung, Nachzucht, Verer⸗ bung ꝛc. der gezogenen oder gebrauchten Thiere nachweiſen. §. 63. Bei reinen Racen, oder auch bei durch Vered⸗ lung mittelſt Kreuzung gebildeten zur Race erhobenen Stäm⸗ men, wird zuweilen Auffriſchung des Bluts von Vieh⸗ zuͤchtern für noͤthig erachtet. Man verſteht darunter den Gebrauch von maͤnnlichen Originalzuchtthieren, welche ent⸗ weder aus der eigentlichen Heimath der Race oder wenig⸗ ſtens von einem Orte bezogen werden, wo die Race ſchon lange in einer gewiſſen Vollkommenheit exiſtirt. Aus dem bisher Geſagten ergibt ſich aber, und die Erfahrung hat es laͤngſt erwieſen, daß eine ſolche Auffriſchung des Bluts nur da raͤthlich wird, wo die Localverhältniſſe fuͤr die ge⸗ waͤhlte Race nicht günſtig ſind, oder die Züchtung fehler⸗ haft betrieben wurde. §. 64. Sprung aus der Hand nennt man es, wenn man die maͤnnlichen Zuchtthiere nicht frei mit den weiblichen ſich begatten läßt, ſondern vorher beſtimmt, welche maͤnnlichen und welche weiblichen zuſammen gepaart werden — 30— ſollen und wenn man dabei die gehörige Ruͤckſicht auf die Eigenſchaften, auch die Abkunft der zu paarenden Thiere nimmt, wodurch man ſich immer einer vollkommeneren und gleichartigeren Nachzucht zu verſichern ſtrebt, auch die beſten männlichen Thiere ſtaͤrker benutzen kann, als ohne dieß. Die Führung von Stammregiſtern(§. 62) iſt dabei unerläßlich. Viertes Capit el. Von der Aufzucht. §. 65. Da das Embrio von ſeiner Entſtehung an ſich in dem Koͤrper der Mutter entwickelt und ſeine Nahrung durch dieſen bezieht; ſo folgt daraus, daß die Pflege des trächtigen Mutterthieres von groͤßtem Einfluß auf die Aus⸗ bildung des Jungen iſt. Es ſollen deßhalb die Mutterthiere waͤhrend der Trächtigkeit um ſo mehr zweckmäßig und reich⸗ lich genährt, ſorgfältig behandelt, und vor nachtheiligen Einfluͤſſen bewahrt werden, je weiter ſie in der Trächtigkeit vorſchreiten. Mit dem Größerwerden der Frucht bedarf auch die Mutter mehr Nahrung. Ueberreichliche Fütterung oder ſchwer verdauliche Nahrungsmittel, beſonders in der letzten Zeit des Trächtigſeyns, können leicht eine zu frühe oder ſchwere Geburt oder Kranheit des Mutterthieres herbeiführen.— Schlechte, verdorbene Nahrungs⸗ mittel wirken auf unzeitige Geburt, krankhafte Beſchaffenheit der Inngen ꝛc.— Von der Mitte der Dauer der Trächtigkeit an iſt das Leben des Jungen im Mutterleib zu ſpüren und von da an iſt Schonung beſonders erforderlich. §. 66. Rückt die Zeit der Geburt heran, ſo gibt dieß das Mutterthier durch Unruhe und andere leicht bemerkbare Zeichen zu erkennen. In der Regel iſt es am beſten, der Natur zu überlaſſen, das ihrige zu thun, dem gebaͤhrenden f die hiere nund heſten 3 äßlich, jſich rung e des Aus⸗ hiere keich⸗ igen gkeit utter lliche eyns, des nge⸗ der iſt iſt diej are der den — 31— Thiere Ruhe zu goͤnnen, es ſtill zu beobachten und alle ſtoͤ⸗ rende Einflüſſe entfernt zu halten. Bei ſchweren oder ab⸗ normen Geburten wird jedoch oͤfters die Hülfe von Sach⸗ verſtaͤndigen noͤthig. Die Zeit der Trächtigkeit unſerer Hausthiere iſt ſehr verſchie⸗ den.— Der normale Verlauf der Geburt iſt aber bei allen ziem⸗ lich gleich und folgender: iſt die Frucht reif und von der Natur beſtimmt, aus dem Mutterkörper ausgeſtoßen zu werden, ſo ſtellen ſich die ſogenannten Wehen ein, welche das Thier durch Schreien, Schlagen nach dem Leibe mit den Hinterfüßen ꝛc. zu erkennen giebt; die Geburtstheile haben ſich in den letzten Tagen ſehr erweitert und eine ſchleimige Flüſſigkeit geht ab, der Euter iſt ſtark angefüllt.— Das Junge iſt in Mutterleib von einem Hautſack, die Schafhaut geuannt, umſchloſſen, welcher außerdem mit Wäßrigkeit (Fruchtwaſſer) augefüllt iſt(gebährt das Thier mehrere Junge auf einmal, ſo iſt jedes in einen beſonderen Hautſack eingeſchloſſen). Zuerſt kömmt ein Theil der mit Waſſer angefüllten Schafhaut zum Vorſchein, im gemeinen Leben die Waſſerblaſe genannt, ſolche zer⸗ platzt gewöhnlich während der Geburt, dann folgt das Junge mit dem Kopf auf den Vorderklauen ruhend; iſt daſſelbe ganz zum Vor⸗ ſchein gekommen, ſo reißt die Nabelſchnur(mittelſt derer die Er⸗ nährung im Mutterleib ſtatt findet, indem ſie ſolche von dem an den innern Wänden der Gebährmutter ſitzenden ſogenannten Mutterkuchen den Eingeweiden des Jungen zuführt) gewöhnlich von ſelbſt ab; das Fruchtwaſſer geht mit ab, und kurze Zeit nach der Geburt des Jun⸗ gen erfolgt auch der Ausſtoß der zurückgebliebenen Fruchthäute ꝛc., bekannt unter den Ausdruck„Nachgeburt.“ Hülfe wird nothwendig, wenn die Geburt wegen enger Beſchaffen⸗ heit des Beckens der Mutter und ſtarken Körpers, beſonders Kopfs, des Jungen, ſehr ſchwer iſt, oder wenn das Junge eine abnorme Lage hat, z. B. verkehrt, den Kopf zurück oder hinunter gebogen, mit der Seite oder dem Rücken vor, die Voderfüße gekrümmt und der⸗ gleichen mehr.— Oft iſt auch ein übeler Umſtand, daß, gewöhnlich in Folge nicht ganz angemeſſener Nahrung und Pflege der Mutter, die Nachgeburt zurück bleibt, was, ſelbſt wenn mit angemeſſenen Mitteln darauf gewirkt wird, längeres Krankſeyn des Mutterthiers zur Folge hat. — — 32— Die Hausthiere, welche gewöhnlich mehrere Junge auf einmal zur Welt bringen, gebähren in der Regel leichter, als die, welche als Regei nur eins gebähren. §. 67. Da die Mutterthiere durch die Geburt mehr oder weniger angegriffen ſind, ſo müſſen ſie danach ſorgfaͤl⸗ tig behandelt werden, nur leicht verdauliches Futter und etwas erwaͤrmten Trank, mit Mehl oder Schroth von leich⸗ tem Getreide vermiſcht, erhalten, ajch vor Zugluft und Unruhe geſchuͤtzt werden. §. 68. Das neu gebohrne Thier wird in der Regel von der Mutter abgeleckt und, ſobald es in geſundem, ge⸗ hoͤrig ausgebildetem Zuſtande zur Welt kam, richtet es ſich in kurzer Zeit auf, um an der Mutter zu ſaugen. Die erſte Milch ſoll entweder ganz oder doch theilweiſe dem Jun⸗ gen gelaſſen werden, da ſie von der Natur dazu beſtimmt iſt, die zaͤhen Excremente(das ſogenannte Mutterpech) aus den Eingeweiden des Jungen abzuführen. Viele Viehwärter und Landleute halten die erſte Muttermilch mit Unrecht für nachtheilig; nur bei Thieren, welche ſehr viele Milch zu haben ſcheinen, wie dieß öfters bei den Kühen der Fall iſt, mag es wohl beſſer ſeyn, einen Theil der erſten Milch vorweg zu nehmen. §. 69. Die jungen Thiere leben nun zunächſt eine Zeit lang ausſchließlich von der Muttermilch, bis ihre Kau⸗ und Verdauungswerkzeuge ſo weit ausgebildet und erſtarkt ſind, daß ſie andere Nahrungsmittel zu ſich nehmen und vertra⸗ gen können. Je länger man ſie die Muttermilch genießen läßt, um ſo mehr iſt ihre Aufzucht gefördert und geſichert. Die anderweite Benutzung der Mutterthiere macht es jedoch, oͤkonomiſch genommen, oͤfters raͤthlich, das Junge vor der von der Natur beſtimmten Zeit von der Milch zu entwöhnen. In dieſem Falle erfordert aber die Aufzucht des jungen Thieres eine beſondere Sorgfalt. Wenn bei der Rindviehzucht die Milch einen hohen Werth hat, ſo berechnet ſich dieſelbe als Nabrungsmittel für die Kälber ſo theuer, daß man entweder die Aufzucht ganz aufgeben oder die Kälber ſchon — 33— im zweiten Monate von der Milch abgewöhnen muß, obgleich alle unſere größeren Hausthiere ihre Jungen wenigſtens drei bis vier Monate ſäugen(ſ.§. 71). §. 70. So lange das Mutterthier ſäͤugt, muß die Nahrung deſſelben ſo beſchaffen ſeyn, daß die Milch geſund und zur guten Ernaͤhrung des Jungen hinreichend iſt, und zugleich die Mutter gehörig bei Kräften erhalten wird. Mit dem Groͤßerwerden des Jungen muß man deßhalb der Mut⸗ ter an Nahrung zuſetzen. Das Säugen greift die Mutterthiere weit mehr an, als die Trächtigkeit. Der Zuſtand der ſäugenden Mütter und ihrer Jungen beurkundet deßhalb ſehr bald, wie die Pflege der erſteren iſt.— Ueberreichliche Nahrung oder der Genuß gewiſſer Futtermittel können eine für die Jungen zu fette oder ſonſt für ihr Wohlbefinden nach⸗ theilige Milch bewirken. §. 71. Lebt das Mutterthier mit ſeinem Jungen moͤg⸗ lichſt in einem ſeinem natuͤrlichen Verlangen entſprechenden Zuſtande, ſo wird ſich das letztere neben dem Fortge⸗ nuſſe der Milch allmählich an die Nahrungsmittel gewöh⸗ nen, welche das erſtere genießet, und die Entwoͤhnung erfolgt ſo ziemlich von ſelbſt. Je früher aber das Junge von der Milch entwoͤhnt werden ſoll, um ſo mehr muß man bedacht ſeyn, durch leicht verdauliche und doch kraͤftige, namentlich ſchleimige der Milch in ihrer Beſchaffenheit noch einigermaßen aͤhnliche Futterſtoffe und eine recht ſorgfältige Pflege das zu frühe entnommene naturgemäßeſte Nahrungs⸗ mittel zu erſetzen. Niemals ſoll jedoch die Entwöhnung der fruͤhe von der Milch abzuſetzenden Thiere plöͤtzlich erfolgen, ſondern eine allmählige Angewoöͤhnung an die Surrogate der Muttermilch ſtatt finden.. Leicht verdauliches, verkleinertes, oder eingeweichtes, anch ge⸗ kochtes Getreide, und etwas aufgelößte Oelkuchen, ſo wie abgerahmte dick gewordene Milch, gehören zu den hier beſonders anwendbarſten Futterſtoffen bei und nach der Entwöhnung. Pabſt Landwirthſchaft 11. 1. 3 — 34— . 72. Ueberhaupt kann eine noch längere Zeit fort⸗ geſetzte moͤglichſt naturgemäße, ausgeſuchte, reichliche, ge⸗ ſunde Nahrung und ſorgſame Pflege der von der Mutter⸗ milch abgeſetzten jungen Thiere nicht genug empfohlen wer⸗ den, denn ſie iſt, neben der guten Auswahl der Zuchtthiere, das weſentlichſte Mittel, moͤglichſt vollkommene Thiere zu erhalten, mit denen man bei weiter zweckmaͤßigem Verfah⸗ ren einen hohen Ertrag zu erreichen im Stande iſt. Vernachläſſigungen, welche man in den erſten Jahren, beſonders aber im erſten, bei der Aufzucht der jungen Thiere ſich zu Schulden kommen läßt, können niemals wieder vollkommen gut gemacht werden. §. 73. Sehr wichtig iſt endlich bei der Aufzucht, auf die künftige Beſtimmung der jungen Thiere die gehoͤrige Rückſicht zu nehmen, indem durch die Pflege und Behand⸗ lung während der Erziehung ſehr weſentlich zu deren Gun⸗ ſten, wie zu deren Nachtheil gewirkt werden kann. Wenn es z. B. jungen Thieren überhaupt zuträglich iſt, daß ſie ſich öfters in freier Luft bewegen, ſo iſt dieß für diejenigen beſon⸗ ders wichtig, welche dazu beſtimmt ſind, einen großen Theil ihres Lebens im Freien(bei der Arbeit oder auch auf der Weide) zuzu⸗ bringen; anderer dadurch noch weiter zu erreichender Zwecke, wie bei den Pferden, nicht einmal zu gedenken. Im Uebrigen finden die im nächſten Capitel enthaltenen allge⸗ meinen Grundſätze für die Ernährung und Pflege unſeres Nutzviehes auch auf das in der Außzucht begriffene Jungvieh ihre Anwendung. Fuͤnftes Capitel. Von der Ernährung und Pflege. §. 74. Außer und neben der guten Auswahl der Zucht⸗ thiere und der zweckmaͤßigen Erziehung der jungen Thiere iſt der Nutzen, welchen die Viehhaltung gewaͤhren kann, fort⸗ N⸗ itter⸗ wer⸗ Hiert, re zu rfah⸗ onders hulden erden. auf örige and⸗ Bun⸗ a ſie eeſon⸗ ihres zuzu⸗ ie bei allge⸗ vießes dung. icht⸗ ijere ann, von der Art und Weiſe der Ernährung und Pflege abhängig, welche man dem zu haltenden Nutzviehe zu Thiel werden laͤßt. Ohne die gehörige Pflege kann die beſte Race, das aufs zweck⸗ mäßigſte erzogene Thier keinen befriedigenden Nutzen gewähren. Durch reichliche Nahrung und gute Pflege können aber von Natur und Abkunft mittelmäßige Thiere dennoch ſehr nutzbar werden. §. 75. Der Landwirth muß ſich zu dem Ende beſtre⸗ ben, die Fütterung und Pflege ſeines Viehſtandes ſo einzu⸗ richten, daß dieſer dabei geſund bleibt, gedeiht und zugleich das verwendete Futter durch eine aus der Viehhaltung her⸗ vorgehende Nutzung moͤglichſt hoch bezahlt macht. §. 76. Die allgemeinen Regeln, welche ſich hiefür an⸗ geben laſſen, bringen wir in folgende Abtheilungen: I. Kenntniß des Werths der verſchiedenen bei der ge⸗ woͤhnlichen Viehhaltung verwendbaren Futtermittel. II. Hauptruͤckſichten, welche uns bei der Feſtſetzung der Fuͤtterung insbeſondere leiten müſſen. III. Allgemeine Regeln bei der Fütterung und Pflege. IV. Beſondere Regeln fuͤr die Behandlung des Maſtviehes. I. Kenntniß der verſchiedenen Futtermittel. §. 77. Wenn wir unſeren Hausthieren ſtets diejenigen einfachen Nahrungsmittel zu reichen im Stande wären, welche ihnen von Natur die angenehmſten und zugleich geſuͤn⸗ deſten, die alſo die naturgemäßeſten für ſie ſind, ſo wäre die Ernährung derſelben ſo leicht, als einfach. Da aber die Mannigfaltigkeit der landwirthſchaftlichen Verhaͤlt⸗ niſſe und der dem Wirthſchaftsbetriebe zu Grund liegende Hauptzweck es mit ſich bringen, daß wir eine Menge Ge⸗ genſtände zur Conſumtion mit dem Viehſtande beſtimmen muͤſſen, welche nur durch Zuſammenſetzung mit andern Fut⸗ terſtoffen, oder unter ſonſtigen beſonderen Vorausſetzungen, mit vortheilhaftem Erfolge anwendbar ſind; ſo geht daraus hervor, daß neben der Kenntniß der Natur der betreffenden 3* N — 36— Hausthierarten, die Kenntniß der unbedingt oder bedingt für ſie anwendbaren Futterſtoffe, und namentlich auch des ver⸗ haͤltnißmäßigen Futterwerths derſelben zu einander, von be⸗ ſonderer Wichtigkeit iſt. Bei der ſpeciellen Viehzucht kann zwar erſt davon die Rede ſeyn, welches die mehr oder weniger naturgemäßen Nahrungsmittel für die einzelnen landwirthſchaftlichen Hausthierarten ſind, und wie dieſelben dabei am zweckmäßigſten verwendet werden. Da indeſſen viele Futtermittel für die drei wichtigſten Hausthierarten, das Rind⸗ vieh, die Schafe und Pferde zugleich, und viele auch noch für die Schweine, anwendbar ſind, und ſobald ſie dieß ſind, auch für die eine, wie für die andere Viehart einen verhältnißmäßig ziemlich gleichen Futterwerth haben; ſo wird es für die demnächſtige Ab⸗ handlung der ſpeciellen Viehzucht ſehr erleichternd ſeyn, wenn wir die verſchiedenen Futterſtoffe ſchon jetzt hier näher kennen lernen. §. 78. Die nachſtehende Tabelle enthaͤlt zu dem Ende eine Ueberſicht des Futterwerths und der ſonſtigen darauf Einfluß habenden Haupteigenſchaften der gewoͤhnlicheren Fut⸗ termittel, welche für die Mehrzahl unſerer groͤßeren land⸗ wirthſchaftlichen Hausthiere anwendbar ſind. Es iſt dabei jedoch ſtets vorauszuſetzen, daß je nach Boden, Lage, Cul⸗ tur und Jahreswitterung, ſo wie je nachdem die Gegen⸗ ſtaͤnde bei der Erndte und Aufbewahrung behandelt worden, oder wie ſie mit andern Stoffen zuſammengeſetzt oder weiter vorbereitet werden, der Futterwerth jedes einzelnen Gegen⸗ ſtandes ſich mehr oder weniger anders geſtalten kann. Hier kann ſtets nur mittlere Qualität verſtanden, auch muß vorausgeſetzt ſeyn, daß jedes Futtermittel in ſeiner Art zweckmäßig angewendet wird, ohne jedoch außerordentliche Maaßregeln zur Er⸗ höhung des Futterwerths darunter zu verſtehen.— Was die Ver⸗ hältnißzahlen ſelbſt betrifft, ſo ſind darüber die bis jetzt bekannt ge⸗ wordenen Annahmen häufig ſehr von einander abweichend, was theils in den ſchon oben angedeuteten einwirkenden Umſtänden, theils darin ſeinen Grund hat, daß viele Futterſtoffe für die eine Viehart mehr als für die andere geeignet ſind, beſonders aber weil manche zu ge⸗ wiſſen Zwecken, z. B. als Milch⸗ oder Maſtfutter, einen höheren Werth als zu anderen haben. Die ſpecielle Viehzucht wird hierüber t füt ver⸗ in he⸗ Rede Smittel id wie udeſſen Rind⸗ für die ür die jemlich e Ab⸗ n wit n. Ende rauf Fut⸗ land⸗ dabei Cul⸗ gen⸗ den, iter geen⸗ muß äßig Er⸗ weitere Aufſchlüſſe geben.— Was ſodann die Quellen betrifft, aus denen meine Verhältnißzahlen hervorgegangen ſind, ſo habe ich alle mir bekannt gewordenen, einigermaßen zuverläſſigen Annahmen, na⸗ mentlich von Thär, Block und andern, dabei weſentlich benutzt und verglichen, und bin insbeſondere in Bezug auf Nahrungswerth mit den Thaͤr'ſchen und in Bezug auf Volumen mit den Block'ſchen Sätzen(ſ. Thärs rationelle Landwirthſchaft und Blocks land⸗ wirthſchaftliche Mittheilungen) ſo viel wie möglich übereinſtimmend geblieben; ich habe jedoch nicht wenige Zahlen nach eignen Erfah⸗ rungen und Wahrnehmungen regnlirt, und glaube damit einiges zur Berichtigung mancher bisher von Schrift zu Schrift und von Mund zu Mund übergegangener, für allgemein offenbar irriger Annah⸗ men beizutragen. Als Grundlage für die Darſtellung des Futterwerths werden in der Regel gewöhnlich gutes Wieſenheu oder Roggen gewählt. Ich habe das erſtere vorgezogen, weil es am gewöhnlichſten iſt, daß man das Futterquantum oder Bedürfniß anſerer größeren Hausthiere nach Heuwerth beſtimmt.. Zuſammenſtellung des Futterwerths der bei der land⸗ wirthſchaftlichen Viehhaltung allgemeineren Futterſtoffe. E4 ⸗95 2 3. E 2522., 2„8 Benennung der Gegenſtände S s.e 1AS E 3.B ES ES lens I. Heuartiges Futter. 1. Gewöhnlich gutes Wie⸗ ſenheu.„*. 100 100— 1. 2. 3. 2. Heu von rothem Klee. 100 100— 1. 2. 3. Heu von weißem Klee. 90 90— 1. 2. 4. Lucerneheu 4*.* 2 95 100— 1. 2. 3. 5. Eſparſettheu.. 90 100— 1.2. 3. 6. Heu von Wickengemenge 100 100— 1.2. 3. 8. Heu von Hieſca... 10. 100] 1. 2.3. — E=8z9E 35 588SS 4 3 88˙ 28 Benennung der Gegenſtände. 8 58 e be S8 ³3S.33 9. Saamkleeſtroh... 180 110— 1. 2. II. Grünfutter. 1. Gewöhnliches gutes Wie⸗ ſengras... 450 28, 80 1. 2. 3. 2. Kurze gute Weide, uc weiße Kleeweide.. 375 25 75 2. 3. Rother Klee... 425 28, 78 1. 2. 3. 4. 4. Luzerne.... 450 28,, 77 1. 2. 3. 5. Esparſette..... 400 28,, 75 1.2. 3. 6. Wickengemenge... 450 j28,] 78 1. 2. 3. 4. 7. Buchweitzen.. 425 28, 78 1. 8. Hirſen..... 425 28, 75 1. 2. 3. 9. Futterroggen.... 450 30 78 1. 2. 3. 40. Spörgel..... 325 25 70 1. 2. 4. 41. Mais.. 275 22 75 1. 4. 12. Raps, Rübſen,. Senf. 475— 82 1. 13. Topinambur⸗Stengel und Blätter...... 400—— ſ1. III. Stroh. 1. Weitzen⸗ und Sbelzſteh 275 100%— 2. Roggenſtroph.. 300 100— 1. 2. 3 3. Gerſtenſtroh... 200 125—(9: 4. Haferſtroh... 200 100— 5. Erbſen⸗, Wickenſtroh. 150(135— 1. 2. 6. Linſen⸗„Phaſeolen⸗, Spör⸗ gelſtroh..... 125—— 1.2. 7. Hirſenſtroh..... 150 100— 1.22. 3. 8. Buchweitzenſtroh.. 150—— 1. 2. 9. Kolbenböden und Bläͤtter. vom Mais..... 200—— 1. 10. Rapsſchoten ⸗... 200—— 1. 2, 11. Kaff, Spreu von Getreide und Kleeſaamen 100— 150 136— 1.2. 4. 12. Leinſaamenſpreu(Knoten) 150 1241— 1 2. 4. —==, ꝛ— — — ¹ 1 —+Xσ———* [=u2 anl apqanaat f⸗un 241 4044333 1 4 4. 4. — 39— S3 0 8 9E 8 5 5 8 8 5 S S 25 5 3 28— 8½ 28 25 Benennung der Gegenſtände 3 3 8 55*☛ e sen SS ſ5 5. 38 8. 8 2.S=l5. 5. 35 13. Trockene Topinamburſten gel mit Blättern.. 150—— 1.2. IV. Laub(getrocknet und ohne Holz). 1. Von Weinreben, Rüſtern,„ canadenſiſchen Pappeln, Eſchen...... 100 150— 1.2. 2. Von Acazien, Ahorn, Ul⸗ 8 men, Linden, Eichen, Erlen 125— 150%—— 1.2 V. Wurzelwerk.— 1. Kartoffeln.... 200 15 72) 2. Runkelrüben. 275 18 85 8 3. Kohlrüben.. 250 18 82[1.2. 3. 4 4. Waſſerrüben.. 400⁰ 19 8961n 5. Möhren..... 250 19 855 6. Topinambur.. 250 17 78) 7. Kopfkohl*** 4. 450— 90 1. 4. 8. Runkelblätter.... 600— 92 1. 4. 9. Kohl⸗ und Waſſerrüben⸗ blätter 2 4* 2** 500— 1 90 4. 4. VI. Abfälle von techni⸗ ſchen Gewerben. 1. Biertröberern. von 100— 85 1. 34. Pf. Malz 2. Brandweinſpühlicht 1 (Schlempe).... von 400— 92 1. 2. 4 Pf.Kartof⸗ feln, 100 Pf. Ge⸗ . treide“ 3. Wein⸗ und Obſttreſten. 300— 1. 4. 4. Abfälle aus Stärkefabriken Im l an a) von Kartoffeln... 300— 2 11. 4. ————— H —₰½ 4 SS GE2S3S5 5 5⁵ S 5 E Benennung der Gegenſtände S8 2582 2 O. 5 3 8 ½ 8 α QASg 8 SZSlSlss b) von Getreide. 150— 2. 4. 5. Ausgepreßte Runkelrüben (bei der Zuckerfabrikation) 175— 66 1. 4. 6. Oelkuchenmehl- a) von Lein.... 45 19— 1. 2. 3. 4. b) von Raps... 52 19— 1. 2. 4. c) von Mohn... 70 19— 4. VII. Körner. 1. Mais...... 45 16— 2. Weitzen...... 40 16— 3. Roggen ð2 3 2 3«ℳ 2 45 17— 4. Gerſte.... 50 20— 5. Hafer„ 2. 52 27— 6. Spelz„..... 5⁵ 28— 1. 2. 3. 4. 7. Buchweiten. 50 18— 8. Erbſen, Bohnen, Linſen, Wicken. 9. 2 40 16— 9. Roggenkleie. 65 39— 10. Weizenkleie.„ 2.. 60 36— VIII. Baumfruͤchte. 1. Roßkaſtanien 2 ⸗2«* 3 75—— 1. 2. 4. 2. Eicheln«· 8ℳ 0..* 75—— 1. 2. 4. ad I. II. III. IV. Das Volumen iſt hier im zuſammengepreßten Zuſtande gemeint. Daſſelbe kann je nach Beſchaffenheit des Dörr⸗ futters, Strohs ꝛc. verſchieden ſeyn. ad I. 1. Der Unterſchied in der Nahrungskraft iſt beim Wie⸗ ſenheu ſehr groß; 200 Pf. geringes Hen ſind oft kaum ſo viel werth, als 100 Pf. ganz gutes; Grummet(Ohmt) gilt für Heu. ad I. 2. Das Heu vom rothen Klee wird gewöhnlich etwas höher angenommen, allein da es meiſtens bei der Erndte viele Blät⸗ ter verliert, auch erſt gemacht wird, wenn der Klee in voller Blüthe iſt, ſo verdient es im Durchſchuitt keinen höheren Anſatz. 1 11 1 Orne e — 4 avaguaa QAu³2 τ an. — .34 4. 4. ßten örr⸗ gie⸗ rth, was lit⸗ — 41— ad I. 2. 3. 7. 9. Dieſe Gegenſtände können zwar auch mit Pferden gefüttert werden, allein ſie ſind für die andern beiden Vieh⸗ arten angemeſſener. ad II. 11. Der Werth des Maiſes iſt nur dann ſo hoch, wenn er als Zuſatz bei anderem geringerem Futter etwa bis zur Hälfte gegeben wird. aad II. 13. Die Topinamburſtengel bedürfen einer Zuſammen⸗ ſetzung mit beſſerem, dem Vieh angenehmerem Futter. ad III. Die Wirkung der Stroharten iſt von Boden, Witte⸗ rung, Zuſammenſetzung in hohem Grade abhängig, und kann deßhalb bedeutend unter und über den hier gemachten Anſätzen ſeyn. ad III. 10. 11. Dieſe Gegenſtände haben beſonderen Werth zum Anbrühen, und zum Untermiſchen unter wäßrigeres Futter.— Die Spitzen von dem ſonſt ungenießbaren Rapsſtroh können noch mit hierher gerechnet werden.. ad III. 13. Wie bei II. 13. ad IV. Die Blätter ſind immer nur Beifutter. ad V. Das Volumen iſt im geſchnittenen Zuſtande berechnet. Bei den Rübenarten iſt vorausgeſetzt, daß die Blätter abgeſchnitten ſind.— Der Futterwerth iſt bedingt durch zweckmäßige Zuſammen⸗ ſetzung mit trocknem Futter. ad VI. Alle dieſe Futterſtoffe bedürfen bei den drei größeren Vieharten(Rindvieh, Schafe, Pferde) einer zweckmäßigen Zuſam⸗ menſetzung mit andern Stoffen, um den hier angeſetzten Werth zu haben. ad VI. 1. 2. Der Werth dieſer Futterſtoffe läßt ſich nur nach Verhältniß des zur Brauerei und Brandweinbrennerei verwendeten Materials einigermaßen beſtimmen; die Meinungen ſind übrigens ſehr verſchieden darüber. ad VII. Die Körner ſind bei den drei grügeren Hausthierarten ſtets nur Zuſatz zu voluminoſerem Futter, und nur durch paſſende Zuſammenſetzung kann der hier angeſetzte Werth erreicht werden. ad VIII. Dieſe adſtringirenden Futterſtoffe von geringem Vo⸗ lumen bedingen ebenfalls eine Zuſammenſetzung mit voluminoſerem und nicht herbem Futter. II. Hauptrückſichten bei Fefeſezung der Fütterung. §. 79. Bei Feſtſetzung der Fuͤtterung einer Viehart auf eine gewiſſe Zeit muͤſſen wir darauf bedacht ſeyn, ein —— — 42— richtiges Verhaͤltniß in der Nahrungskraft, dem Volumen und der Waͤßrigkeit des Futters herzuſtellen und zuglelch jeden Futterſtoff ſo zu verwenden, wie er die moͤglichſt groͤßte Wirkung thun kann. §. 80. Nahrungskraft. Erwachſene Thiere bedür⸗ fen, wenn ihre Exiſtenz nicht gefährdet ſeyn ſoll, wenig⸗ ſtens ſo viel Nahrung, daß ſie in einem mittelmaͤßig ge⸗ nährten Körperzuſtande verharren, ohne(außer dem Miſte) einen directen Nutzen von Bedeutung zu gewähren; erſt durch einen Futterzuſatz zu jenem abſoluten Bedürfniſſe kann eine befriedigende Verwerthung des Futters, theils durch Körperzunahme, theils durch Erzeugniß anderer thieriſcher Produkte, wie Milch, Wolle, junger Thiere ꝛc.,— erreicht werden. Jedes Thier kann aber nur eine gewiſſe Menge von Nahrung auf einmal zu ſich nehmen und in einer ge⸗ wiſſen Zeit verdauen; dieſe Grenze kann oder darf alſo nicht überſchritten werden. Nur bei ausgewachſenen Thieren iſt es denkbar, daß man die Fütterung gerade ſo einrichten kann, daß ſie eine längere Zeit in einem gleichen mittelmäßigen Zuſtande verharren, ohne im Werthe zuzunehmen oder ſonſt einen Nutzen abzuwerfen; bei jungen noch im Wachsthume begriffenen Thieren würde der Körperzuſtand ſich ver⸗ ſchlechtern, ſo bald man ihnen nur noch ſo viel Nahrung geben wollte, daß ihr Wachsthum ſtille ſtände. . 81. Wie viel Nahrung in jedem gegebenen Falle bedürftig ſey, um die Thiere wenigſtens im gleichen Zu⸗ ſtande zu erhalten, und wie viel man darüber hinaus geben ſolle, um die beabſichtigte Nutzung zu erreichen, haͤngt ab: von dem koͤrperlichen Umfange und Gewichte des Thiers und von dem Verhältniſſe des Werths des Futters zu dem aus deſſen Conſumtion hervorgehenden Nutzen. Dabei bleibt nicht in Abrede geſtellt, daß die Naturen der In⸗ dividuen auch wieder Verſchiedenheiten darbieten, dergeſtalt, daß die gleiche Futtermaſſe bei dem einen Thiere mehr bewirkt, als beim an⸗ deren. Wir können hier nur allgemeine Durchſchnitte ins Auge faſſen. — 43— §. 82. In der Regel iſt eine reichliche Ernährung des Arbeits⸗ und Nutzviehes, dergeſtalt, daß die Thiere neben der ſtattfindenden Benutzung in einem wohlgenaͤhrten Zu⸗ ſtande ſich befinden, das vortheilhafteſte; bei der Maſtung aber iſt es, um ſie mit moͤglichſtem Vortheile zu treiben, nöthig, daß die Thiere ſo viel nahrhaftes Futter erhalten, als ſie verzehren moͤgen und verdauen können. Beim Rindviehe habe ich z. B. gefunden, daß erwachſene, mäßig genährte Thiere täglich 1 ¾ bis 2 Pfund Heuwerth auf den Ceutner Körpergewicht im lebenden Zuſtande bedürfen, um im gleichen, jedoch noch keinen beträchtlichen Nutzen abwerfenden Verhalten zu bleiben; um einen befriedigenden Nutzen durch Arbeit oder Milch zu gewäh⸗ ren, bedürfen ſie 3 Pfund Heuwerth, Milchvieh auch bis 3 ½ Pfund auf den Centner Körpergewicht; Maſtvieh bedarf bis zu 5 Pfund Heuwerth auf den Centner Körpergewicht(beim Anfang der Maſt). Bei Schafen und Pferden dürkten dieſe Verhältnißzahlen ebenfalls ziemlich zutreffend ſeyn. Es iſt aber ſtets dabei vorausgeſetzt, daß dem natürlichen Verlangen der Thiere hinſichtlich des Volumens und der Wäßrigkeit des Futters(ſ.§. 83. 84) um ſo mehr entſprochen werde, je mehr man unter oder über des mittlere der hier angegebe⸗ nen Verhältniſſe ſchreitet. Fälle, wo es wirthſchaftlich iſt, temporär die Fütterung ſo weit zu reduciren, daß nur noch geringer Nutzen neben dem Verharren im gleichen körperlichen Zuſtande verlangt werden kann, ſind z. B.: beim Arbeitsviehe in Zeiten, wo man es nur wenig oder gar nicht braucht; bei jungem faſt ausgewachſenem Viehe, das noch nicht wei⸗ ter benutzt werden kann oder ſoll, und das bei ſtärkerer Fütterung ohne Nutzen, oder ſelbſt zum Nachtheil ſeiner künftigen Benutzung, fett werden würde; bei Milchvieh in ſolchen Verhältniſſen, wo die Milch im Winter nicht hoch verwerthet werden kann, das Winter⸗ futter aber zugleich einen verhältnißmäßig hohen Werth hat ꝛc. Die bei der Fütterung des Maſtviehes zu beobachtenden von den allgemeinen zum Theil abweichenden Grundſätze werden nachher be⸗ ſonders zur Sprache gebracht(§. 97. ff.). §. 83. Beſtimmmung des Volumens. Die Natur einer jeden Thierart verlangt neben einer angemeſſe⸗ nen Menge von Nahrungsſtoff auch einen gewiſſen Umfang — 44— (ein Volumen) in der ihr täglich zu Theil werdenden Fut⸗ termaſſe, um dieſe gehoͤrig verdauen und die darin enthalte⸗ nen Nahrungstheile ſich möglichſt vollſtaͤndig aneignen zu koͤnnen. Das Anhalten zur naheren Beſtimmung des Vo⸗ lumens ergibt ſich am einfachſten aus der Betrachtung des naturgemäßeſten Nahrungsmittels der betreffenden Thierart. Das natürliche Verlangen der Hausthierarten iſt hinſichtlich des Verhältniſſes der Nahrungskraft zum Volumen des Futters nicht gleich; das Rind verlangt, oder verträgt wenigſtens, eine ſtärkere Maſſe bei dem gleichen Gehalte an Nahrungsſtoff, als das Pferd; das Schaf ſteht dem Rinde ganz nahe; noch kleiner, als beim Pferde, iſt nach Verhältniß das Volumen, welches das Schwein verlangt, wenn man daſſelbe auf trockne Maſſe reducirt.— Wenn demnach das mittlere Verhältniß der Ernährung überſchritten werden ſoll, ſo muß das Futter zum Theil aus ſolchen Gegenſtänden beſtehen, welche im Verhältniß zur Nahrungskraft ein geringes Volumen haben; ſoll aber die Ernährung in der Nahrungskraft(dem Futterwerthe) redu⸗ cirt werden, ſo muß man durch Beigabe von voluminoſen Futter⸗ mitteln die ſonſt zu geringe Maſſe herzuſtellen ſuchen. Die große Verſchiedenheit, welche ſich unter den Futtermitteln in dieſer Bezie⸗ hung zeigt(ſ. d. Tabelle zu§. 78) bietet dazu die Hand. Uebrigens darf man in Bezug auf das Volumen auch nicht zu aͤngſtlich und pedantiſch ſeyn, denn eine nicht ſehr bedeutende Ver⸗ ringerung oder Vergrößerung des Volumens wird nur in dem Ver⸗ hältniſſe auf die Reſultate der Fütterung von Einfluß ſeyn, als man den Nahrungswerth des Futters zugleich vermindert oder vermehrt hat. Auch können die Thiere von Jugend auf oder allmählig an ein von ihrem natürlichen Verlangen abweichendes, größeres oder klei⸗ neres, Volumen gewöhnt werden, wie die Pferde in Arabien, welche großentheils ſehr concentrirte Nahrungsſtoffe erhalten, während die Pferde in den fetten Niederungen der Nord⸗ und Oſtſee⸗Küſtenge⸗ genden große Maſſen von Gras, Klee, Wurzelwerk ꝛc. vertragen. Auch das Gewicht der Futtermaſſen iſt wohl nicht ganz gleich⸗ gültig. §. 84. Verhaͤltniß der Wäßrigkeit des Fut⸗ ters. Auch im Bedarf an Waͤßrigkeit im Verhaͤltniß zur trocknen Subſtanz des verwendeten Futters iſ die Natur — 45— der Thiere verſchieden. Dabei traͤgt die aͤußere Temperatur des Aufenthaltsortes, das Clima uͤberhaupt, und die köͤr⸗ perliche Bewegung oder Anſtrengung, zu welcher die Thiere veranlaßt oder gezwungen werden, weſentlich mit dazu bei, ob ſie eine groͤßere oder geringere Menge von Feuchtigkeit verlangen oder reſp. vertragen. Es iſt in dieſer Hinſicht hauptſächlich zu beachten, daß das Futter nicht ſo waͤßrig ſey, daß das Thier nicht gezwungen wird, eine groͤßere Menge von Feuch⸗ tigkeit zu ſich zu nehmen, als ſeiner Natur zutraͤglich iſt; daß dagegen den Thieren ſtets Gelegenheit geboten ſey, ihr natuͤrliches Verlangen zu befriedigen, der genoſſenen trock⸗ nen Subſtanz das erforderliche Maas von Flüſſigkeit zuzu⸗ ſetzen. Zu viel Waſſer unterm Futter erſchlafft die Eingeweide, ſtimmt den Körperzuſtand herab und kann ſelbſt tödliche Krankheiten herbei⸗ führen; Mangel an Flüſſigkeit disponirt zu entzündlichen, leicht ge⸗ fährlichen Krankheiten. Wie verſchieden die Natur unſerer größeren Hausthiere im Ver⸗ langen nach Wäßrigkeit ſey, geht aus folgender Notiz hervor: nach meinen Beobachtungen bedarf in mäßig warmer Temperatur das Schwein 7— 8 Theile, das Rind ohngefähr 5 Theile, das Pferd 4 Theile, das Schaf 3— 3 ½ Theile Wäßrigkeit auf einen Theil trockne Subſtauz. Warme Temperatur reitzt zum Genuß von mehr Feuchtigkeit; bei der Kälte iſt das Verlangen darnach gerin⸗ ger.— Arbeitende und ſäugende Thiere trinken mehr, als andere. § 85. Die verſchiedenen Futterſtoffe ſind theils trockner Art, theils enthalten ſie mehr oder weniger Wäßrigkeit(ſ. Tab. zu§. 78); es kann und muß alſo durch Zuſammenſetzung der Fut⸗ termittel entgegengeſetzter Eigenſchaften, wie hinſichtlich des Volumens, ſo hinſichtlich des Antheils an Waͤßrigkeit gegen die trockne Subſtanz,— ſtets ein gerechtes Verhältniß her⸗ beizuführen getrachtet werden, und der Futterwerth eines großen Theils der Futterſtoffe beruht allein auf einer ſolchen zweckmaͤßigen Zuſammenſetzung. ——· — 46— §. 86. Vorzugsweiſe Wirkſamkeit des Fut⸗ ters für gewiſſe Zwecke. Wenn manche Futterſtoffe fuͤr alle unſere Hausthierarten mit gleichem Vortheile an⸗ wendbar ſind, ſo ſind dagegen andere Stoffe für die eine Thierart geeigneter, als fuͤr die andere; eben ſo gibt es Futtermittel, welche zu den verſchiedenen Zwecken der Hal⸗ tung einer Viehart, z. B. für die Milchabſonderung, den Wollwuchs, die Maſtung c., gleich gut wirken, während wieder andere vorzugsweiſe für einen dieſer Zwecke wirkſamer ſind, als für den andern. Es iſt deßhalb wichtig, daß der Landwirth ſeine disponiblen Futtermittel möglichſt ſo einzu⸗ theilen und zu verwenden ſuche, daß, neben Herſtellung der erforderlichen Nahrungskraft, und Beachtung der richtigen Verhältniſſe im Gewicht, Volumen und in der Wäͤßrigkeit des Futters, auch in der eben gedachten Beziehung die mög⸗ lichſte Verwerthung deſſelben erreicht werden kann. Die Tabelle zu§. 78 giebt auch darüber bereits Andeutungen, ein Mehreres wird die ſpecielle Viehzucht darthun. IHI. Allgemeine Regeln bei der Fütterung und Pflege. §. 87. Gleichmäßigkeit der Fütterung durchs Jahr. Es kann zwar nicht unter allen Umſtaͤnden das ganze Jahr hindurch die Ernährung des Viehſtandes ganz gleich ſeyn, indem die Benutzung des Viehes ſich zeitweiſe verringern und es dann auch angemeſſen ſeyn kann(ſ.§ 82), die Fuͤtterung etwas einzuſchränken; auch der Vorrath ge⸗ wiſſer in beſtimmter Zeit zu verzehrender Futtermittel, oder Gelegenheit oder Nothwendigkeit zu zeitweiſer ſtärkerer Be⸗ nutzung(z. B. Arbeit, Saͤugen der Jungen) zu einer ver⸗ ſtärkten Fütterung fuͤr eine gewiſſe Periode beſtimmen kön⸗ nen, waͤhrend durch natuͤrliche Ereigniſſe eintretender Man⸗ gel wiederum zuweilen eine ungewöhnliche Einſchränkung gebietet. Dennoch iſt es ein wichtiger Grundſatz bei der Viehhaltung, ſtets darauf Bedacht zn nehmen, daß bei dem 3 Fu⸗ tterſtoff eile an⸗ die eine gibt ts er Hal⸗ g, den ahrend kſamer aß der einzu⸗ ing der ichtigen grigkeit 3 müg⸗ ntungen, rung rchs n das e rweiſe 92), ge⸗ dder Be⸗ ver⸗ kör⸗ Muu⸗ dung der em — 47— durchs Jahr zu haltenden Nutzviehe die Haltung möglichſt gleichmaͤßig ſey, indem alsdann ein hoͤherer Nutzen aus dem verwendeten Futter erzielt wird, als wenn zur einen Zeit ſchwach, zur andern wieder ſtark gefuͤttert wird u. ſ. f. Man mache ſich deßhalb zur geeigneten Zeit für die vorhandenen oder mit Sicherheit zu erwartenden Vorräthe einen Ueberſchlag (Futter⸗Etat) und theile danach ſein Futter ein; findet man daſſelbe aber für den vorhandenen Viehſtand unzureichend und es läßt ſich nicht, oder wenigſtens nicht mit Vortheil, das Fehlende erſetzen; ſo wird man in der Regel beſſer daran thun, den Viehſtand zu verrin⸗ gern, als ihn durch ſchlechte Ernährung auf lange Zeit herunterkom⸗ men zu laſſen.— Bei mancher Viehhaltung iſt eine gleiche Ernäh⸗ rung für das Reſultat der Benutzung beſonders wichtig, z. B. bei der Haltung hochfeiner Schafe hinſichtlich des Wollerzeugniſſes. §. 88. Uebergang von einer Fuͤtterungs⸗ weiſe zur andern. Die Wirthſchaftsverhaͤltniſſe bringen es in der Regel mit ſich, daß von Zeit zu Zeit die Fütte⸗ rung nach Stoff und Zuſammenſetzung geaͤndert werden muß; wenigſtens tritt ein ſolcher Wechſel, mit wenigen Ausnah⸗ men, im Frühjahre und Herbſte, zwiſchen der Winter⸗ und Sommerernährung, regelmaͤßig ein. Ein ſolcher Uebergang von einer Ernährungsweiſe zur andern muß um ſo mehr mit Vorſicht und allmaͤhlig geſchehen, je verſchiedenartiger die zwei Ernaͤhrungsarten ſind. Manche Futtermittel wirken namentlich leicht nachtheilig, wenn die Natur der Thiere nicht erſt allmählig daran gewöhnt wird; an⸗ dere werden Anfangs verſchmäht und müſſen ebenfalls lonaglig an⸗ gewöhnt werden. §. 89. Futterzeit. Das Futter welches dem Viehe auf dem Stalle gereicht wird, wird täglich in mehrere Por⸗ tionen eingetheilt, welche in gewiſſen Zwiſchenräumen ver⸗ abfolgt werden. Je nach der Natur der Thierart, dem beſonderen Zwecke der Haltung, auch nach Landesſitte und Angewoͤhnung iſt die Zahl der taͤglichen Mahlzeiten verſchie⸗ den; niemals hat man weniger als zwei, häufig drei, mit⸗ unter auch vier und mehr. Wie auch die Zahl feſtgeſetzt — 48— ſey, ſo bleibt ſtets wichtig, die einmal feſtgeſetzten Futter⸗ ſtunden pünktlich einzuhalten und auch die gewöhnten Por⸗ tionen einmal wie das anderemal zu geben. Ferner gilt dabei, daß man nicht zu viel auf einmal vorlegen und die nächſte Mahlzeit nicht eher folgen laſſen ſoll, als bis die vorherige verdauet iſt, daß das Vieh aber auch von einer Mahlzeit zur andern nicht zu hungrig werden ſoll. Auch das Alter und die körperliche Conſtitution der Thiere und die Beſchaffenheit des Futters kommen dabei in Betracht. Junge Thiere, ſo wie ſehr alte oder ſonſt ſchwächliche müſſen öfter und weniger Futter auf einmal erhalten, als in voller Kraft ſtehende. Blähendes, ſchweres Futter wird langſamer verdaut, als anderes. §. 90. Vorbereitung des Futters. Durch an⸗ gemeſſene Zubereitung, wie Schneiden, Quetſchen, Mahlen, Einweichen, Anbrühen, Daͤmpfen, Kochen, Gaͤhren ꝛc. kann das Futter aufloͤslicher und verdaulicher gemacht, ſeine Wirkſamkeit alſo weſentlich erhoͤht werden. Bei vielen Futtermitteln iſt eine derartige Vorbereitung durch⸗ aus nöthig, bei vielen andern macht ſie ſich meiſtens ſehr gut bezahlt, wenn ſie auch nicht abſolut erforderlich iſt. §. 91. Salzgeben. Der Zuſatz von etwas Salz, beſonders aufgeloͤßtem, erhoͤht in den meiſten Fällen die MWirkſamkeit des Futters weſentlich, und trägt zugleich zur beſſeren Erhaltung der Thiere in voͤllig geſundem Zuſtande bei. Der Salzpreiß kömmt hiebei weſentlich in Betracht; doch auch bei hohem Preiße des Salzes iſt deſſen Anwendung, wenn auch in geringerem Maaße, meiſtens noch geboten. §. 92. Reinlichkeit bei der Fütterung. Die Futtergeſchirre(Buͤtten, Troͤge ꝛc.) müſſen ſtets rein gehalten werden, um ſo mehr, wenn ſolche Futtermittel conſumirt werden, welche gerne in Schinmel, Fäulniß oder Siurt übergehen. §. 93. Stallpflege. Das auf dem Stalle zu hal⸗ tende Vieh muß gehoͤrig Luft und Licht, und Schutz gegen Hitze und Kälte im Stalle finden; überhaupt müſſen die nerde enn, dke Md tter⸗ Por⸗ gilt d die s die einer und unge und ende. 18. an⸗ glen, kann ſeine urch⸗ zahlt, — 49— Staͤlle ſowohl fuͤr die Geſundheit der Thiere, als den Buvece deren Haltang angemeſſen eingerichtet ſeyn. §. 94. Das Vieh muß im Stalle durch Streu, Putzen u. ſ. w. moͤglichſt reinlich gehalten werden. §. 95. Schutz beim Aufenthalt im Freien. Sind die Thiere auf den Aufenthalt im Freien angewieſen, ſo müſſen ſie dabei nach Verhältniß ihrer Natur und des Climas Schutz vor den ihrem Wohlbefinden nicht zuträg⸗ lichen Einfluͤſſen der Witterung finden. §. 96. Verhalten bei Krankheitsfäͤllen. Bei Anzeigen von Uebelbefinden(Krankſeyn) einzelner Thiere ſollen ſolche alsbald genau beobachtet, vom Futter theils enthalten, theils angemeſſener damit verſehen und eine zweckmaͤßige Behandlung des Krankheitsfalls ſo ſchnell als moͤglich veranlaßt werden. IV. Beſondere Regeln für die Behandlung des Maſtviehes. §. 97. Durch die Maſtung wird bezweckt, in möglichſt kurzer Zeit eine nach Verhaͤltniß des verwendeten Futters moͤglichſt ſtarke Zunahme an Fleiſch und Fett bei den zu mäſtenden Thieren zu erlangen. Der Zuſtand, in welchen die Thiere durch die Manung verſetzt werden, iſt in mancher Beziehung nicht mehr ganz naturgemäß und kann, wenn wir uns den höheren Grad des gemäſteten Zuſtandes denken, ſelbſt ein krankhafter genannt werden; man muß deßhalb bei der Maſtung um ſo mehr darauf bedacht ſeyn, nicht weiter von einer naturgemäßen Behandlung abzuweichen, als dieß zu Errei⸗ chung des Zwecks dienlich iſt, und daneben auf jede den Zweck ſelbſt nicht beeinträchtigende Weiſe den allgemeinen Grundſätzen einer guten Pflege um ſo mehr zu entſprechen ſuchen. §. 98. Die Momente und Gegenſtände, welche wir bei der Maſtung beſonders zu beachten haben, ſind; der Uebergang von der bisherigen Haltung zur Maſtung, die Auswahl, Zuſammenſetzung und Quantitaͤt des Maſtfutters, Pabſt Landwirthſchaft. II. 1. 4 — 50— die Vorbereitung deſſelben nebſt einigen anderen mehr oder weniger wichtigen Befoͤrderungsmitteln der Maſt. §. 99. Uebergang zur Maſtung. Je weniger reichlich die zur Maſtung beſtimmten Thiere bisher genaͤhrt wurden, um ſo rathſamer iſt es, nicht gleich Anfangs das volle Maſtfutter zu geben, ſondern einen zweckmäßigen Uebergang zu beobachten, dergeſtalt, daß zwar alsbald die Nahrhaftigkeit des Futters bedeutend vermehrt wird, um die abſondernden Gefaͤße zu groͤßerer Thaͤtigkeit anzuregen, daß aber erſt nach und nach zu derjenigen Futtermenge übergegangen wird, welche in der vollen Maſt zu verab⸗ reichen überhaupt zweckmaͤßig iſt. Vortheilhafter iſt es, man wählt ſolche Thiere zur Maſtung, welche ſich bereits in einem wohlgenährten Zuſtande befinden und bei denen man deßhalb ſogleich zur vollen Maſt übergehen kann, als ſolche, die in einem ſchlecht genährten Zuſtande ſind. §. 100. Auswahl, Zuſammenſetzung, Quan⸗ tität des Maſtfutters. Alle nach Verhaͤltniß ihres Volumens nahrhaften Futtermittel ſind vorzugsweiſe zur Maſtung geeignet, denn man kann an ihrer Menge zuſetzen, ohne daß dadurch der Umfang der Futtermaſſe zu bedeu⸗ tend wird; außerdem dienen bei der Maſt die ein ſehr ge⸗ ringes Volumen beſitzenden und dabei nahrhaften Futter⸗ mittel, wie Getreide, als vorzüglich wirkſamer Zuſatz zu anderem voluminoſerem Futter. Uieberhaupt iſt die Zu⸗ ſammenſetzung des Futters aus mehreren Stoffen für die Maſtung foͤrderlich, und ſehr häufig auch nothwendig, um ein genuͤgendes Maas von Nahrungskraft im gerechten Volumen herzuſtellen. Was die Quantitaͤt des Futters hin⸗ ſichtlich ſeiner nährenden(wirkenden) Kraft anbelangt, ſo iſt es im Allgemeinen um ſo vortheilhafter, je ſchneller man maſtet; man mäſtet aber in der Regel um ſo ſchneller, je mehr nahrhaftes Futter das Maſtthier mit Appetit zu ſich nimmt und verdaut. Im Allgemeinen kann man an⸗ —,)— — 51— nehmen, daß, nach dem Futterwerthe gerechnet, das zu mäſtende Thier längere Zeit ohngefähr das Doppelte von dem zu ſich nehmen kann, was es bedarf, um in mäßig genaͤhrtem Zuſtande neben maͤßiger Benutzung zu verharren. Man vergleiche§. 82.— Gegen das Ende der Maſtung nimmt die Freßluſt gewöhnlich ab, und man muß dann, wenn es noch nicht rathſam iſt, die Maſt ganz zu beendigen, noch ausgewählteres und concentrirteres Futter geben, um mit Erfolg noch fortzumäſten. §. 101. Vorbereitung des Futters. Da bei der Maſtung den Verdauungswerkzeugen eine ungewöoͤhnliche Thaͤtigkeit zugemuthet werden muß, ſo leuchtet ein, daß es zu dieſem Behufe beſonders wichtig iſt, durch verſchie⸗ dene vorbereitende Maaßregeln das Futter leichter verdaulich und wirkſamer zu machen. Beſonders erweiſt ſich das An⸗ bruͤhen, Kochen und Gaͤhren hierzu vortheilhaft(ſ.§. 90). §. 102. Sonſtige Beförderungsmittel der Maſt. Als ſolche haben wir hervorzuheben: 1) daß man bei der Stallmaſt des Morgens fruͤher anfange und des Abends ſpäter noch füttere, als ſonſt, auch die Futterzeiten zugleich vermehre; 2) daß man durch ſtaͤrkeres Salzgeben die Verdauung zu befoͤrdern und den Appetit zu erhoͤhen ſuche; 3) daß man durch Reinlichkeit, Regelmaͤßigkeit, Ab⸗ wechſelung im Futter u. ſ. w. ſtets dahin wirke, das Vieh bei geſunder Freßluſt zu erhalten; 4) daß man das Vieh maͤßig warm, ſehr ruhig, eher in etwas dunkelem, als hel⸗ lem Raume, und daß man es vorzuͤglich reinlich durch Putzen und Streu halte. Manche geben von Zeit zu Zeit auch etwas bittere, die Ver⸗ dauung ſtärkende Mittel, was nicht zu tadeln iſt; Antimonium (Spiesglas) und Schwefel ſind dagegen Mittel, welche in einiger Meuge gegeben trügeriſch auf die Maſt wirken und nur ausnahms⸗ weiſe räthlich ſind. Etwas Alkohol wirkt auf Fettanſatz.— Bei der ſpeciellen Viehzucht werden dieſe und andere Gegenſtände weiter zur Sprache kommen; eben ſo die Behandlung des Maſtviehes bei der Weide ꝛc. ——-— 4* ——; —— 1 Thierproductions⸗Lehre oder Lehre von der Viehzucht. Zweite Abtheilung. Specielle Viehzucht. §. 103. Die Lehre von der ſpeciellen Viehzucht wird in folgenden Abſchnitten abgehandelt: 1) Die Rindviehzucht. 2) Die Schafzucht. 3) Die Pferdezucht. 4) Die Schweinezucht. 5) Von der Zucht einiger anderen minder wichtigen, an mehrere der bisher genannten ſich anſchlie⸗ ßenden Hausthiere, als: Eſel, Maulthier, Ziege. — 54— 6) Die Federviehzucht. 7) Von dem Nebennutzen aus der Zucht einiger an⸗ deren, zu den eigentlichen Hausthieren nicht gehörigen Thiere, als: Seidenraupen, Bienen, Fiſche, Schnecken. —— an⸗ cht Erſter Abſchnitt. Die Rindviehzucht. Einleitung. —;3 §. 10d. Die Rindviehhaltung iſt ſowohl hinſichtlich der unmittelbaren mannigfachen Benuͤtzung, welche ſie durch Kälber, Milch, Arbeit und Maſtung zuläßt, ſowie hin⸗ ſichtlich der Düngerproduction, endlich, weil ſie für jede Art von Wirthſchaftsbetrieb ſich einrichten laͤßt, der allge⸗ mein wichtigſte Zweig der landwirthſchaftlichen Thierzucht. §. 105. In vielen Verhältniſſen, beſonders aber in den kleineren Wirthſchaften, iſt das Rind das alleinige oder doch das hauptſächliche Nutzvieh; aber auch da, wo es den Rang mit einer andern Viehart theilt, oder mit⸗ unter ihr ſelbſt nachſteht, bleibt es immer noch ein wichti⸗ ger Theil des geſammten Viehſtandes und ganz entbehrt kann es nur ſelten werden. S. Betriebslehre§. 361 ff. §. 106. Die Aufmerkſamkeit der intelligenteren Land⸗ wirthe in Deutſchland war eine laͤngere Zeit hindurch vor⸗ zugsweiſe der Entwickelung und Vervollkommnung der feinen — 56— Schafzucht zugewendet, und dadurch die Rindviehzucht wäh⸗ rend einer Periode von etwa zwei Jahrzehnten von Vielen zu wenig beachtet worden. Indeſſen konnte eine ſolche Pe⸗ riode nur vorübergehend ſeyn, und ſie iſt als bereits vorübergegangen zu betrachten. Der eben angeführte Umſtand mag wohl mit Urſache ſeyn, daß die ſonſt ſo productive landwirthſchaftliche Literatur unſeres Jahr⸗ hunderts verhältnißmäßig nur wenig beſondere Werke über die Rind⸗ viehzucht enthält. Neben der von mir verfaßten, 1829 bei Cotta erſchienenen Anleitung zur Rindviehzucht ꝛc., auf welche in gegenwärtiger Abhandlung öfters hingewieſen werden wird, ſind zu nennen: 4 Franz, praktiſche Anleitung zur rationellen Rindviehzucht ꝛc., Leipzig 1831.(Dem größeren Werke: allgemeine Eneyklo⸗ pädie der geſammten Land⸗ und Hauswirthſchaft angehörig.) Martens, die Rindviehzucht ꝛc. in Schleswig und Holſtein, Berlin 1830. 3 Ithen, gemeinnütziger Unterricht über Kenntniß des Rind⸗ viehes ꝛc., Chur 1829. v. Hazzi, Katechismus über Zucht, Behandlung, Vered⸗ lung ꝛc. des Rindviehes, München 1836(hauptſächlich für den bayeriſchen Landmann berechnet). Sodann die verſchiedenen landwirthſchaftlichen Werke und Lehrbücher von Thär, Burger, Trautmann, Sturmec. §. 107. Die Rindviehzucht zerfällt in folgende Capitel: 1) Von der Natur des Rindes. 2) Von den Racen. 3) Von der Paarung. 4) Von der Aufzucht. 5) Von der Pflege. 6) Von der Benützung. —- 57— Erſtes Capitel. Von der Natur des Rindes. §. 108. Das Rind gehoͤrt nach den gewoͤhnlicheren Syſtemen der Naturforſcher unter die Hauptelaſſe der Saͤugethiere, Ordnung(nach Manchen: Nebenordnung) der Wiederkäuer(ruminantia). Unter dieſen bildet es eine Gat⸗ tung, bos, von der es mehrere Arten gibt, wie: der Büffelochſe, bos bubalus; der Auerochſe, bos urus; als eine ſolche Art(species) wird dann auch das gezähmte Rind, bos taurus, aufgeführt. Von jenen übrigen Arten des Rindes muß uns zunächſt noch der Büffel intereſſiren, deſſen Vaterland Aſien iſt, der aber auch in Italien und Ungarn als Hausthier benutzt wird. Das Büffel⸗ vieh hat eine dicke ſchwarze, ſchwach mit Haaren beſetzte Haut, un⸗ geſtalte, platte, nach hinten gebogene Hörner, erhabene Stirn, lange ſpiße Ohren, ſchlechtes Fleiſch; iſt häßlich von Anſehen, ſehr wenig milchgebend, wild*) und ungelehrig, aber ſtark, dauerhaft und mit geringer Nahrung vorlieb nehmend, was ihm in ſüdlichen Ländern zum Gebrauche als Zugthier einigen Werth gibt, während es für unſere Verhältniſſe unſerem gewöhnlichen Rindvieh in jeder Hinſicht weit nachſteht. *) Wenn der Büffel in der heißen gaörezat Waſſer in der Nah⸗ wittert, iſt er nicht zurückzuhalten. §. 109. Das zahme Rind gehoͤrt wohl ohnſtreitig zu den am fruͤheſten von den Menſchen gezaͤhmten Thieren, und ſtammt hoͤchſt wahrſcheinlich von einer beſonderen ur⸗ ſpruͤnglich wilden Art, oder von mehreren ſolchen Arten, vielleicht auch von einer oder mehreren der jetzt noch exiſti⸗ renden wilden oder halbwilden Varietaͤten(Racen), nament⸗ lich von den in Aſten lebenden. Sehr unwahrſcheinlich iſt, was Manche annehmen, daß unſer jetziges Rindvieh vom Auerochſen abſtammt, da dargethan worden — 58— iſt(ſ. Iſis 1831. Heft IV), daß das Auerrind nur 7 Monate, alſo 2 Monate weniger, als das unſere, trächtig geht; der Bau und die Natur des Büffels ſind aber ſo abweichend von dem Weſen unſeres Rindviehes, daß man auf die Hypotheſe, daß dieſes von jenem abſtamme, eben ſo wenig Gewicht legen kann; eher mag, wie Cuvier meint, dem indianiſchen Buckelochſen, dem Zebu, vielleicht auch der ſo weit verbreiteten, noch in halbwildem Zuſtande befindlichen, äußerſt conſtant ſich zeigenden podoliſchen Race(ſ.§. 121) An⸗ theil an der Abſtammung vieler der gegenwärtig exiſtirenden Rinder⸗ Racen beizumeſſen ſeyn. §. 110. Das Rind liebt von Natur einen mehr rei⸗ chen, als mageren Boden, ein gemäßigtes, nicht zu trocke⸗ nes, dem Graswuchſe günſtiges Clima. Es lebt von Natur von reichlich vegetirenden ſüßen, gras⸗ und kleeartigen Pflanzen; es kann aber auch mit einer Menge von Surro⸗ gaten, als verſchiedenen Wurzelgewaͤchſen ꝛc. ernaͤhrt wer⸗ den, ſobald das betraͤchtliche, dieſen nicht anwohnende Vo⸗ lumen, das es verlangt, durch andere Zuſaͤtze, wie Stroh u. ſ. w., ausgeglichen wird. Es verlangt, ſobald das ihm gereichte Futter den bedeutenden Antheil von Wäſſerigkeit nicht enthaͤlt, der ſeiner Natur angemeſſen iſt(ſ.§. 814.), täglich geſundes Waſſer zum Trank. Es hat im Ganzen einen kraͤftigen Koͤrperbau und kann einen ziemlichen Grad von Kaͤlte und Hitze aushalten. Letztere wird ihm jedoch um ſo eher gefaͤhrlich, wenn es dabei an kuͤhlendem, mehr wäſſerigem Futter mangelt. Aufenthalt in Sümpfen, oder in ſumpfigem, ſaurem Boden gewachſene Nahrung, iſt ihm entweder ungeſund oder wenigſtens nicht gedeihlich. §. 441. Aus dem eben Geſagten wird begreiflich, wie das Rind nach den meiſten Theilen des Erdbodens verbreitet werden konnte, warum man es aber auch in ſo ſehr ver⸗ ſchiedener Vollkommenheit und von ſo abweichenden Körper⸗ formen findet. §. 112. Das Rind zeigt in ſeinen maͤnnlichen Nach⸗ kommen noch ziemlich viel natuͤrliche Wildheit, doch iſt es tonate, Bau Weſen es von g3, wie elleicht lichen, ) An⸗ inder⸗ rei⸗ focke⸗ ratur tigen urro⸗ wer⸗ Vo⸗ troh ihm fkeit 1), zen rad och ehr der ihm wie itet ver⸗ 2 h es △ — 59— ſehr leicht an Folgſamkeit und Ordnung zu gewoͤhnen, und wird deßhalb zu verſchiedenen Zwecken gebraucht. Es nimmt ſeinen Verſtandeskräften nach unter unſeren landwirthſchaft⸗ lichen Haupt-⸗Nutzthieren den zweiten Rang nach dem Pferde ein. §. 113. Das Rind hat im Oberkiefer keine, im Un⸗ terkiefer 8 Schneidezähne, ſodann 21 oben und unten gleich vertheilte Backenzähne. Das junge Rind bringt gewoͤhnlich ſchon einige Schneide⸗ und einen Theil der Backenzaͤhne mit zur Welt; in den naͤchſten Monaten erſcheinen die uͤbrigen. Der Zahnwechſel beginnt nach Ablauf des erſten Jahres und geht bei den Schneidezähnen, als Regel, in folgender Ordnung vor ſich: Gegen das 1 ½ jaͤhrige Alter wechſeln die 2 vorderen Schneidezaͤhne; mit ohngefaͤhr 2 ½ Jahren die nächſten(innere Mittelzaͤhne); nach 1 Jahre (im Alter von 3 ½ Jahren) die außeren Mittelzaͤhne, und noch ein Jahr ſpäter die 2 Eckſchneidezähne. Die gewechſelten Zähne ſind größer und breiter und man beur⸗ theilt danach das Alter. Es zeigen ſich jedoch bei dem auf dem Stalle gehaltenen Viehe häufige Unregelmäßigkeiten im Zahnen, ſo daß man leicht um ein Jahr in Beurtheilung des Alters dadurch getäuſcht werden kanu. §. 114. Ein Kennzeichen fuͤr das hoͤhere Alter iſt eini⸗ germaßen, wenigſtens bei den Kuͤhen, an den Hoͤrnern zu entnehmen. Nach jedesmaligem Kalben ſtellt ſich nämlich an den allmählich fortwachſenden Hörnern gegen den Kopf hin eine ringartige Erhöhung ein, nach deren Zahl man alſo einen ohngefaͤhren Schluß auf das Alter machen kann. Sehr oft ſind jedoch jene Ringe nicht deutlich wahrzuneh⸗ men. Noch undeutlicher ſind ſie bei den caſtrirten Stieren (Ochſen), wo ſie ohngefähr vom vierten Jahre au ſich einſtellen. §. 115. Die naͤhere Kenntniß von der Organiſation des Magens der Wiederkaͤuer iſt wichtig. Dieſer beſteht —-— 60— naͤmlich aus 4 Abtheilungen: 1) dem Panſen, welcher am groͤßten iſt und in den das genoſſene groͤbere Futter zuerſt koͤmmt; 2) der Haube, die kleinſte Abtheilung zwiſchen dem Panſen, und 3) dem Pſalter, Loͤſer, Blaͤttermagen, Mannigfalt, welcher in ſeinem Innern mit 96 halbmond⸗ foͤrmigen Streifen beſetzt iſt; 4) die letzte Abtheilung iſt der Labmagen(der Größe nach die zweite); dieſes iſt der eigentliche Magen, wie bei anderen Thieren, denen die ver⸗ ſchiedenen Abtheilungen des Magens mangeln. Einige Zeit nach dem Verzehren werden die rohen Futtermaſſen aus dem Panſen durch die Haube in kleinen Ballen wieder den Schlund hinaufgetrieben; gehen dann nach dem Wiederkäuen durch die Haube unmittelbar in den Pſalter und kommen von da zur Voll⸗ endung der Verdauung in den Labmagen(ſ. meine Rindviehzucht S. 15). §. 116. Der Geſchlechtstrieb äußert ſich bei dem jun⸗ gen Rinde, je nachdem es gehalten wird, mehr oder weni⸗ ger früh; oft vor Ablauf des erſten Jahres, und ſpaͤter, wenigſtens bei der Stallfütterung, zu jeder Jahreszeit. Die Traͤchtigkeit des Nindes dauert im Mittel 285 Tage (ohngefähr 40 ½ Wochen oder volle 9 Monate). Es bringt in der Regel jedesmal nur ein Junges zur Welt; bei großen, gut genährten Kühen kommen jedoch auch oͤfters Zwil⸗ linge vor. Nicht ſelten gebähren die Kühe auch 8 Tage und mehr vor der Zeit, und die Frucht iſt völlig ausgebildet; eben ſowohl kommt ein längeres Traͤchtiggehen(beſonders bei großen Kühen mit Bullen⸗ kälbern) von 8 Tagen, zuweilen von 2, ja 3 Wochen vor. Siehe meine Rindviehzucht S. 75.— Zwillinge kamen bei Schweizer⸗ kühen in Hohenheim früher im Durchſchnitt jährlich unter 30 Kü⸗ hen bei einer, in Darmſtadt aber, wie§. 51 angeführt iſt, noch viel häufiger vor. §. 117. Das Rind wächſt ſtark bis zum Ende des dritten Jahres, ſeine körperliche Ausbildung ſchreitet dann noch bis ins fuͤnfte Jahr oder ſelbſt noch etwas länger fort; — 61— es bleibt dann eine laͤngere Reihe von Jahren in gutem, nutzbarem Zuſtande, und kann bei guter Pflege ein Alter von 20 bis 25 Jahren erreichen. Es kann jedoch niemals vortheilhaft ſeyn, bis zum huchſen Alter das Vieh beizubehalten. §. 118. Die verſchiedenen, gewöhnlichen Benennungen des Rindes nach Alter und Geſchlecht ſind: Kalb, fuͤr die Jungen im erſten Jahre, und zwar Stier⸗ oder Och⸗ ſenkalb das männliche, Kuh⸗ oder Mutterkalb das weibliche; Kalbin(Kalbel), Rind, Ferſe, Starke heißt das weibliche Thier nach dem erſten Jahre, bis es ein Kalb bekoͤmmt, dann Kuh; die männlichen Thiere heißen: Bullen, Farren, Faſſelochs, Faſſelrind, Sprungochs oder Sprungſtier, Hummel ꝛc.; die caſtrirten maͤnnlichen Thiere werden vom erſten bis vierten Jahre Stiere, dann Ochſen genannt. Goͤldes oder guͤſtes Vieh heißt das noch nicht zur Zucht gebrauchte oder nicht trächtige Vieh. — Zweites Capite. Von den Racen des Rindviehes. §. 119. Die Zahl der Rindvieh⸗Racen, der ſich in dieſen wieder findenden Stämme, und der den verſchiedenen Racen nahe ſtehenden Hornviehſchläge, iſt ſehr bedeutend und läßt ſich auf verſchiedene Weiſe in Haupt⸗ und Unter⸗ abtheilungen bringen. Es würde am belehrendſten ſeyn, wenn man die Rindvieh⸗Racen nach den Hauptnutzungsarten: zur Milch, zum Zug, zur Maſtung,— abtheilen könnte, mit Zuhülfenahme verſchiedener Zwiſchenabtheilun⸗ 1 —————Y—— ——— 6 —-— 62— gen; allein bei einer großen Zahl von Racen iſt keine jener Eigen⸗ ſchaften ſehr hervorſtechend, oder ſie ſind in ſehr verſchiedenem Maße gemiſcht zu ſinden; weßhalb ich den Verſuch zu einer ſolchen Ab⸗ theilung nicht wagen möchte.— Die bisher gewöhnlich gebrauchte Abtheilung in Gebirgs⸗, Niederungs⸗ und Höheland⸗Racen läßt uns, wenn wir nicht eine Menge Ausnahmen beſonders anführen wollen, ebenfalls im Stiche(man ſ. meine Rindviehzucht S. 23 ff.); daher hier eine andere Abtheilungsweiſe gewählt wird. §. 120. Die uns vorzugsweiſe intereſſirenden Rind⸗ vieh⸗Racen und daran ſich reihenden Schläge wollen wir in folgenden Abtheilungen naͤher kennen lernen: I. Podoliſche Race. II. Niederungs⸗Racen der Nordſeekuͤſtenländer. III. Gebirgs⸗Racen der Schweiz und des ſüdlichen Deutſchlands. IV. Deutſche Land⸗Racen. V. Engliſche Racen. VI. Einige andere ausländiſche Racen. VII. Die Mittelracen. Es kann übrigens hier nicht von allen über den ganzen Erd⸗ boden verbreiteten, ſondern hauptſächlich nur von den deutſchen und den für Deutſchland einigermaßen wichtigen Racen anderer Länder die Rede ſeyn.. 3 3 I Podoliſche Race. §. 121. Dieſe ſehr conſtante Race iſt im öſtlichen Europa und mehreren angrenzenden Diſtricten Aſiens ſehr weit verbreitet, namentlich in Podolien, Volhynien, der Moldau, Ukraine, in Ungarn; in Deutſchland wird ſie auch haͤufig die ungariſche Race genannt. Der Koͤrperbau zeichnet ſich durch verhaͤltnißmäßig hohe Beine, breite hervorſtehende Hüften, mehr tief als hoch angeſetz⸗ tem Schwanz, gebogenes Naſenbein, ungewöhnlich große aus⸗ und aufwärts gebogene Hörner, wilden Blick aus. Die Farbe dieſes Viehes iſt weißgrau, aſchgrau, vder noch etwas dunkler. Die Groͤße iſt verſchieden; in manchen -— 63— Landſtrichen ſehr bedeutend. Die in großen Heerden in halbwildem Zuſtande lebenden Thiere dieſer Race werden leicht fett, liefern namentlich verhaͤltnißmaͤßig vielen Talg, auch gute Häute; ſie ſind auch zum Zug trefflich geeignet, haben aber als Milchvieh faſt gar keinen Werth und em⸗ pfehlen ſich deßhalb nicht zur Verpflanzung in cultivirtere Laͤnder. Abbildungen und nähere Beſchreibung in Wekherlin's Ab⸗ bildungen der Hausthierracen auf den Gütern S. M. des Königs von Würtemberg. 5. Lieferung. Stuttgart, 1827— 1834.— auch in meiner Rindviehzucht. §. 122. Unterracen der podoliſchen. Das in Italien viel verbreitete romaniſche Vieh, als Maſtvieh ſehr geſchätzt, iſt dem ungariſchen und podoliſchen ſo aͤhn⸗ lich, daß ſeine Abſtammung von dieſem nicht zu bezweifeln, daß es alſo als eine Unterrace davon anzuſehen iſt. Wahrſcheinlich läßt ſich bei genauer Unterſuchung die ſo weit verbreitete podoliſche Race noch in einige Unterracen abtheilen. II. Niederungs⸗Racen der Nordſeekuͤſtenländer. §. 123. Von der Kuͤſte Flanderns, durch Hol⸗ land, Friesland, Oldenburg, in den Niederungen von Holſtein, Hamburg, auch theilweiſe noch in den Küſtenniederungen der Oſtſee, bis zu den Danzi⸗ ger Niederungen, iſt eine der wichtigſten Hauptracen des Rindviehes einheimiſch, die ſich wieder in mehrere Un⸗ terracen theilt. §. 124. Die Hauptbeſchaffenheit der Niederungsracen iſt: theils mitteimäßig hohe, theils hohe Beine, ſtarker, in der Regel großer Koͤrper, breites, nach hinten meiſtens ſtark abhängiges Kreuz, hervorſtehende Hüftknochen, mehr duͤnner als ſtarker Hals, ſchmaler Kopf, mit kurzen nach vorne geneigten Hoͤrnern. Die Farbe iſt meiſtens ſcheckig, oder bunt, zuweilen ſchwarz, oder weiß, oder mausfarbig. — 64— Haut und Haare ſind fein. Dieſe Racen zeichnen ſich vor allen durch Milchergiebigkeit aus, ſind jedoch meiſtens auch maſtfähig. Unter⸗ und Nebenracen der Niederungs⸗Race. §. 125. a) Die hollaͤndiſche Race. Dieſe, be⸗ ſonders wie ſie ſich in den noͤrdlichen Provinzen von Hol⸗ land(Groͤningen ꝛc.) findet, iſt als die Stammrace aller übrigen hierher gehoͤrigen Niederungs⸗Racen anzuſehen. Sie traͤgt die im vorigen Paragraphen geſchilderten Formen und Eigenſchaften am entſchiedenſten an ſich. Ihre Farbe iſt meiſtens ſchwarzſcheckig. Abbildungen findet man in den§. 121 angedenteten Werken. §. 126. b) Die frieſiſche Race. Wir begreifen hierunter die in Friesland, Oldenburg und den hol⸗ ſteiniſchen Marſchen einheimiſche Race, welche von da aus in die meiſten Gegenden von Norddeutſchland verbreitet iſt, im Ganzen an die hollaͤndiſche ſich eng anſchließt, je⸗ doch manche Verſchiedenheiten und Abweichungen darbietet und im Allgemeinen wohl eine etwas geringere Conſtanz beſitzt. Sie iſt häufig etwas weniger hoch und von ſchwe⸗ rerem Knochenbau, etwas weniger abſchüſſig im Hintertheil, mit weniger eckigen Huͤftknochen„ am Hals etwas ſtärker; in den Farben ſehr mannigfaltig. Abbildungen ſiehe in Schmalz's Thierder⸗dimaßeinnde und Witte's dentſchen Rindvieh⸗Racen. §. 127. e) Die ſchleswig⸗holſteiniſche Geeſt⸗ landrace. In den höoͤher gelegenen mit magererem Boden begabten Landſtrichen von Schleswig und Holſtein, auf der ſogenannten Geeſt, iſt die Race kleiner, feiner gebaut, auch kurzbeiniger; die Farbe auch verſchieden, oft tunh, braun oder gelb, oft ſcheckig. Man rühmt die Nubtzharkeit dieſes Viehes, beſonders ſoll nach Martens das⸗ im Lande Angeln ſo ſehr durch Milchergiebigkeit, — 65— wie durch Maſtfähigkeit ſich auszeichnen.— Uebrigens finden häufig Vermiſchungen zwiſchen dem Geeſt⸗ und Marſchviehe ſtatt. §. 128. d) Die jütländiſche Race. Ebenfalls von feinem Knochenbau, und nur mittelgroß, kurzbeinig, lang und mit breitem Kreuz; häufig mausfarbig, auch ſchwarz und ſcheckig. Dieſe Race iſt beſonders zur Maſtung ſehr geeignet. §. 129. e) Danziger Niederungs⸗Race. Sie traͤgt im Ganzen genommen den Charakter der Hauptrace; iſt von mittlerer Schwere; bunt, auch roth; ſie ſcheint nicht ſo conſtant zu ſeyn, als die hollaͤndiſche, frieſiſche und andere verwandte Racen im Allgemeinen ſind. Dem Niederungsvieh nahe ſtehende Schlaͤge. §. 130. Hierher muͤſſen wir das Vieh von einem großen Theile von Belgien und dem Niederrhein, ſowie von vielen Landſtrichen Nieder⸗Deutſchlands, wie nament⸗ lich Hannover, Meklenburg, auch das Vieh im Oderbruch u. ſ. w. rechnen, welches alle mehr oder weniger von dem Charakter der Niederungsracen beſitzt, und entſchieden da⸗ mit in Verwandtſchaft ſteht, nur nicht conſtant genug iſt, um als Race gelten zu koͤnnen. III. Gebirgs⸗Racen der Schweiz und des ſuͤd⸗ lichen Deutſchlands. §. 131. Das in der Schweiz, in Tyrol, Steyer⸗ mark und mehreren angrenzenden Gebirgs⸗Diſtricten ein⸗ heimiſche Rindvieh bildet wiederum entſchieden eine Haupt⸗ Race. §. 132. Der Knochenbau dieſer Haupt⸗Race iſt ſtark, der Körper gedrungen, gewoͤlbt, abgerundet, niedrig ge⸗ ſtellt, das Kreuz hoch, der Hals ſtark, mit ſtarker Wamme (Triel, Koͤder) beſetzt, der Kopf mehr breit und kurz, die Hörner ſind nicht ſtark und ſeit⸗ und aufwaͤrts gebogen. Pabſt Landwirthſchaft. II. 1. 5 — 66— Die Farbe iſt meiſtens dunkel, auch ſcheckig; die Haut dick, und die Haare ſind theils rauh, theils glatt. Die Größe iſt ſehr verſchieden, manche Unterracen gehoͤren zu dem groͤßten Rindvieh, andere ſind unter der mittleren Groͤße. Die Milchergiebigkeit iſt im Allgemeinen gut, wenn die im Vergleich zu den Niederungsracen beſſere Qualität der Milch in Anſchlag gebracht wird; die Maſtfähigkeit iſt theils gut, theils mittelmäßig, die Tauglichkeit zum Zug im Allgemeinen mittelmaͤßig oder ſelbſt darunter. Unterracen der ſüddeutſchen Gebirgs⸗Race. §. 133. a) Die ſcheckige Schweizer⸗Race. Im Canton Bern, namentlich im Berner Oberlande, dann im Canton Freiburg, iſt die Hornviehrace einheimiſch, welche in Deutſchland unter dem Namen„Schweizer⸗ vieh“ hauptſaͤchlich bekannt iſt. Sie zeichnet ſich, neben dem, daß ſie der eben aufgeſtellten Hauptcharakteriſtik in den meiſten Theilen entſpricht, durch ſchoͤnen Bau, etwas dicken Kopf mit breiter Stirne und breitem Maul, ſtarken Hals, dann hoch angeſetzten und langen Schweif aus. Die Groͤße iſt bedeutend, die Farbe meiſtens rothſcheckig, oͤfters auch ſchwarzſcheckig, zuweilen roth, mit und ohne weiße Abzeichen, auch ganz oder faſt ganz ſchwarz. Der Kopf iſt ofters mit krauſen Haaren beſetzt, an manchen Thieren erſtreckt ſich dieſe Kraushaarigkeit über den ganzen Koͤrper. Sobald die Pflege dieſer Race nicht ſehr gut iſt, artet ſie leicht aus; deßhalb wird auch ihre Milchergiebigkeit oͤfters in Zweifel gezogen, mit der man jedoch in ihrem Vater⸗ lande allgemein zufrieden iſt. Abbildungen findet man in mehreren der in dieſer Beziehung bisher genannten Werke. §. 134. b) Schwarzbraune Schweizer⸗Race. In dem groͤßeren Theile der Schweiz, namentlich dem ſüd⸗ weſtlichen, findet ſich eine von der vorigen in mehreren — 67— Stücken weſentlich verſchiedene Race; am vollkommenſten in den Cantonen Schwytz und Zug, am kleinſten in den Cantonen Uri und Unterwalden, mittelgroß in Grau⸗ bündten, in Theilen von Appenzell, Luzern, Zuͤ⸗ rich ꝛc. Die Farbe dieſes Viehes iſt dunkel⸗ oder ſchwarz⸗ braun, hie und da ins grauliche oder hellbraune uͤbergehend; dabei hat es helle(gelbliche oder weißgelbe) Farbe um's Maul, in den Ohren, über den Rücken, am Bauch und an den inneren Theilen der Oberbeine. Der Kopf iſt ver⸗ hältnißmaͤßig weniger breit, als bei anderem Gebirgsvieh, der Hals oͤfters nicht ſo ſtark, das Hintertheil weniger überbaut, die Schenkel ſind vorzuͤglich rund, und da wo ſich die Race in groͤßerer Vollkommenheit findet, iſt die Stellung der Hinterbeine äußerſt weit und gerade. Die Koͤrpergroͤße iſt eben ſo verſchieden, als die verhäͤltniß⸗ mäßige Schwere der Knochen. Dieſe Racke ſoll nach Pro⸗ portion der Fuͤtterung milchergiebiger ſeyn, als die vorige, und ſich leichter an andere Verhältniſſe gewoͤhnen laſſen, auch leicht fett werden; ſie bringt ſehr große Kälber zur Welt. Man nennt ſie gewöhnlich die Schwytzer, auch die Rigi⸗ Race. Auf den Privatgütern Sr. Majeſtät des Königs von Wür⸗ temberg finden ſich vorzügliche Exemplare davon(ſ. Wekherlins Ab⸗ bildungen); ſie iſt in neuerer Zeit in Würtemberg überhaupt ſtark verbreitet. Auch an anderen Orten bewähren ſich die gerühmten Eigenſchaften.— Nach Italien geht dieſes Vieh im Handel außer⸗ ordentlich ſtark. Das hie und da einzeln vorkommende ſogenannte Gurtenvieh gehört entweder der eben genannten Race in der Hauptſache an, oder es iſt aus der Kreuzung der beiden Haupt⸗Schweizer⸗Racen entſtanden. §. 135. c) Allgäuer Race. Dieſe Race, welche von einem Landſtriche in Oberſchwaben den Namen fuͤhrt und in Würtemberg und Baiern viel verbreitet iſt, ſteht in entſchieden naher Verwandtſchaft mit dem ſchwarzbraunen 5* — 68— Schweizervieh. Die Allgaͤuer Race iſt in Folge ihrer Hal⸗ tung etwas unter der mittleren Groͤße, von feinem Knochen⸗ bau, in der Farbe zwiſchen grau, fahl und ſchwarzbraun wechſelnd, am Maul, in den Ohren, auf dem Rücken, am Bauch heller. Das Vieh dieſer Race nimmt mit geringer Fuͤtterung verlieb, und iſt bei mittelmaͤßiger Ernährung ziemlich milchreich; als Zug⸗ und Maſtvieh zeichnet es ſich nicht beſonders aus, doch wird es leicht fleiſchig. Die Kälber fallen klein. Das Allgäuer Vieh dürfte auch blos als ein unvollkommenerer und weniger conſtanter Neben⸗Stamm der ſchwarzbraunen Schweizer⸗ Race angeführt werden. Das Vieh im Voralber giſchen, nament⸗ lich das ſogenannte Montafuner, gehört noch entſchiedener der genaunten Schweizerrace au, und bildet gewiſſermmogen den Uebergang von dieſer zum Allgäuer Vieh. §. 136.§d) Tyroler Race. Dieſe kleine Race zeichnet ſich durch beſonders tolmenförmig gebauten Leib, breites Kreuz mit hochangeſetzter Schwanzwurzel, niedere Beine, neben den uͤbrigen Hauptkennzeichen der Hauptrace aus. Sie iſt dunkelroth oder kaſtanienbraun, ſehr conſtant, gibt fette aber nicht ſehr reichlich Milch und wird leicht fett. §. 137. e) Steyermaͤrker und Kaͤrnthener Racen. Das Vieh in Kaͤrnthen und Steyermark ſchließt ſichz nach den Beſchreibungen von Burger u. A. theils an das Tyroler, theils an das Voralberger Vieh an; theils ſcheint es einen Uebergang zu der podoliſchen Race zu bilden. In wie fern ſich demnach mehrere Unterracen hier auffuͤhren laſſen, mag dahin geſtellt bleiben. Jeden⸗ falls verdient die ſogenannte Maͤrzthaler Race in Ober⸗ ſteyermark beſonders genannt zu werden; ſie iſt von grauer Farbe, hat im Baue Aehnlichkeit mit der Allgäuer Race, nur iſt ſie bedeutend groͤßer und etwas hochbeiniger. Dieſe Race hat in Oeſtreich javohl ao Milch⸗, wie Maſtvieh vielen Ruf. — 69— Den ſüddeutſchen Gebirgs⸗Racen nahe ſtehende Schläge. §. 138. Der ausgezeichnete Bau und die guten eigen. ſchaften der meiſten der hier angeführten Gebirgs⸗Racen haben längſt die Aufmerkſamkeit der Viehzuͤchter in entfern⸗ teren Gegenden darauf hingeleitet, und es ſind deßhalb jene Racen vielfach zur Veredlung anderer Racen oder Schläge verwendet worden; namentlich finden wir ſie in den angren⸗ zenden Laͤndern, wie Würtemberg, Baden ꝛc. ſtark einge⸗ miſcht. Am auffallendſten bemerken wir dieß in dem wür⸗ tembergiſchen Unterlande und dem badiſchen Antheile der Pfalz(um Mannheim ꝛc.), wo mit der urſprünglichen Landrace die ſcheckige Schweizerrace ſchon ſeit lange her vermiſcht worden iſt, ſo daß ſich nun ein eigener Schlag daraus gebildet hat, der in den Rheingegenden unter dem Namen Oberlaͤnder Vieh bekannt und geſchätzt iſt. 1 IV. Deutſche Landracen. §. 139. Im Inneren Deutſchlands finden wir die ſogenannte deutſche Landrace, die auch in Böhmen, Mähren, in Oſt⸗ und Weſtpreußen bis nach Litthauen hin, auch in einem Theile vom öſtlichen Frankreich einheimiſch iſt. Sie iſt in der Koͤrperausbildung je nach der Localität und dem Standpunkte der Cultur ſehr verſchieden, ſelten vollkommen, oͤfters herabgekommen und ausgeartet, an vielen Orten planlos mit anderen Racen vermengt. §. 140. Als Hauptbeſchaffenheit dieſer Race kann angenommen werden: theils mittlere Groͤße, theils darun⸗ ter, mehr feiner, als grober Knochenbau, etwas hohe Beine, hinten haͤufig mit der ſogenannten kuhhaͤſigen Stel⸗ lung, uͤberhaupt meiſtens etwas ſchmales Hintertheil; der Hals iſt in der Regel von mäßiger Länge; der Kopf haͤufig etwas ſchmal und die Hoͤrner ſind meiſtens groß und aus⸗ wärts gebogen; Haut und Haare oͤfters fein; die Farbe — 70— iſt in der Regel roth oder rothbraun, auch gelb. Als Zugvieh iſt die Race meiſtens ſehr gut, zur Maſtung nicht ſchlecht, in der Milchergiebigkeit findet unter den Indivi⸗ duen große Verſchiedenheit ſtatt. Beachtenswerthere Unter⸗Racen des deutſchen Landviehes. §. 144. a) Die fraͤnkiſche Race, auch Röhn⸗ vieh genannt, von mittlerer Groͤße und braunrother oder rothgelber Farbe; ſie liefert beſonders gute Zug⸗ und Maſtochſen. §. 142. b) Die vogelsberger Race. Sie hat mit der fränkiſchen viele Aehnlichkeit, iſt aber kleiner und unanſehnlicher, dabei ſehr dauerhaft und ſtark; von Farbe roth, braunroth, mit großen Hoͤrnern. —§. 143. c) Die voigtlaͤndiſche Race. Sie zeichnet ſich durch ſtaͤrkeren Hals, ſchmalen Kopf mit ſpitzem Maul und großen Hörnern, beſſer gebautes Hintertheil, weitere Stellung der Beine aus. Die Farbe iſt auch rothbraun. Dieſe Race wird als Zug⸗, Maſt⸗ und Milch⸗ vieh ſehr gelobt. Schöne, vollkommene Thiere dieſer Race, ſowie der meiſten au⸗ deren beſſeren deutſchen Landracen ſind leider nur einzeln und ſelten zu finden(ſ. Schmalz ꝛc.). §. 144. d) Die weſterwaͤlder Race. Sie iſt ſehr klein und feinknochig, hat braunrothe Farbe und weißen Kopf. Man ſchätzt ſie in ihrer Heimath, weil ſie aus⸗ dauernd und bei geringem Futter noch nutzbar iſt. §. 145. e) Die odenwälder Race. Von gelber Farbe, mittlerer Größe, mit kleinerem Gehoͤrne, behange⸗ nem Halſe; als Zug⸗ und Milchvieh beliebt. Hänſig iſt etwas Biut von Schweizervieh in dieſer Race. §. 146. f) Die ſchwäbiſch⸗haͤlliſche Race. Sie zerfaͤllt in zwei Stämme, wovon der eine, auch Lim⸗ —zz—=—] — 211— purger genannt, gelb und der odenwaͤlder Race aͤhnlich, wahrſcheinlich auch damit verwandt, nur weniger hochbeinig, breiter und runder; der andere iſt mehr dunkelroth, haͤufig mit weißem Kopf. Die Race iſt zur Maſtung ſehr geeignet, aber nicht milchergiebig. Wenn man die Formen dieſes Viehes erwägt, ſo gewinnt die Vermuthung Raum, daß dabei in früherer Zeit Schweizervieh zur Veredlung eingemiſcht wurde; in neuerer Zeit ſind ohnedieß an vielen Orten, wie bei den Odenwäldern, Schweizer⸗Baſtarde öfters ein⸗ gemiſcht worden. Bei der Donnersberger Race, die ſich hier eigentlich an⸗ reiht, iſt die Entſtehung aus Schweizervieh und Landrace nachge⸗ wieſen, weßhalb wir ſie auch unter den Mittelracen(ſ.§. 154) auf⸗ führen. 3 V. Engliſche Racen. §. 147. Die Engländer theilen ihre Rindviehracen gewoͤhnlich in langgehoͤrnte, kurzgehöoͤrnte und un⸗ gehoöͤrnte. 1. Langgehörnte engliſche Raren. §. 148. Als ſolche ſind zunaͤchſt die Racen von Here⸗ fordſhire und Devonſhire anzuführen, welche ſich durch ihre außerordentliche Maſtfähigkeit einen hohen Ruf erworben haben. Sie zeichnen ſich durch nicht ſchweres Knochengebaͤude, kleinen Kopf mit großem, weitgeſtelltem, ſchoͤnem Gehoͤrne, nicht ſtarken Hals, breiten, vollkomme⸗ nen, ſchönen Koͤrperbau, weiche Haut, kaſtanienbraune Farbe aus. Die Kuͤhe geben fette, aber nicht reichlich Miſch. Es iſt von dieſen Racen anzunehmen, daß ſie von einer ähnlichen Landrace, wie unſere fränkiſche oder voigtländiſche, abſtammen, und durch die Sorgfalt der Züchtung ſo hoch veredelt worden ſind. Ochſen von 15 bis 18 Centner Schlächtergewicht kommen vor.— Die Race von Leiceſter, dann Bakwels berühmte Diſhley⸗ oder neue Leiceſterſhire⸗Race und einige andere gehören mit hier⸗ her.(S. Wekherlin, Schmalz e.) 2— 2. Kurzgehörnte engliſche Racen. §. 149. Die beruͤhmteſte darunter iſt die Teeswater, welche, wenigſtens theilweiſe, von der holländiſchen Race abſtammen ſoll. Sie traͤgt auch die Hauptformen dieſer Race an ſich, iſt nur noch größer, länger, runder, hat weniger abhängiges Kreuz, überhaupt gefälligere Formen. Man rühmt ſowohl ihre Milchergiebigkeit, wie Maſtfaͤhig⸗ keit; ſie verlangt aber große Maſſen auserwählten Futters. Es iſt dieß wohl die größte Rindvieh⸗Race, die es gibt; aus⸗ gemäſtete Ochſen erreichen ein Gewicht von 20 Centnern. Nach dem Verſuche zu urtheilen, welchen S. M. der König von Würtemberg damit machen ließ, eignet ſie ſich nicht zur Verpflanzung nach Deutſchland. §. 150. Eine andere kurzgehoͤrnte Race iſt die Al⸗ dernay⸗ oder ſogenannte neu franzöoͤſiſche Race, von unanſehnlichem Koͤrperbaue, rothſcheckiger Farbe, der fetten Milch wegen, die ſie gibt, in den Parks der eng⸗ liſchen Großen geſchätzt. Auch in Schottland gibt es eine kurzgehörnte, wegen ihrer Maſtfaͤhigkeit beliebte Race von theils rother, theils weißer Farbe. 3. Ungehöoͤrnte engliſche Racen. §. 151. Das ungehörnte Rindvieh iſt in England ziemlich verbreitet; man unterſcheidet die ungehoͤrnte Race von Yorkſhire, Suffolk und Galloway. Von der letzteren, welche in Schottland einheimiſch und nicht groß iſt, ſollen beide erſteren abſtammen. Die in Yorkſhire i*ſt die groͤßte, von ſchoͤnem, proportionirtem Koͤrperbau, gewöhnlich rothbraun oder rothgelb; dieſe Race ſoll gut in der Milch und zur Maſtung ſeyn. Die Suffolker Race iſt unanſehnlicher, theils von gleicher Farbe, theils geſcheckt. Ungehörntes Rindvieh findet man auch in Oberſchwaben, Ober⸗ ſchleſten, Curland. Es iſt wahrſcheinlich durch den Fortgebrauch einzelner Spielarten zur Zucht vermehrt und am Ende zur Race erhoben worden. V. Andere auslaͤndiſche Racen. §. 152. Außer den bereits genannten fremden Racen ſteht keine Race des Auslandes bis jetzt in ſolchem Rufe, daß ſie das Intereſſe des deutſchen Viehzüchters weſentlich auf ſich ziehen koͤnnte. Ganz Frankreich ſcheint z. B. keine ausgezeichnete Race zu beſitzen, das Vieh der Norman⸗ die etwa ausgenommen, das als ſchön, groß, dauerhaft und maſtfaͤhig geruͤhmt wird; es ſoll in ſeinen Formen zum Theil dem holländiſchen Vieh ähnlich ſeyn. Vom ſpani⸗ ſchen und portugieſiſchen Vieh hoͤrt man noch weniger, und im hohen Norden kann ſchon der climatiſchen Einflüſſe wegen nichts Erhebliches geſucht werden. Als intereſſant bleibt noch der in Oſtindien und andern Theilen von Aſien, zum Theil auch noch in Afrika allgemein verbreitete Buckel⸗ ochſe(Zebu), der außer ſeinem Hoͤcker ſich durch die Eigenſchaft, leicht fett zu werden, auszeichnet; dann das recht ſchoͤn geformte, ebenfalls leicht fett werdende à gyp⸗ tiſche Vieh. Beide Racen geben nur ſehr wenig Milch. Näheres hierüber in Wekherlin's Abbildungen. — VI. Mittel⸗Racen. §. 153. Wohl manche der bisher genannten Racen iſt aus der Kreuzung verſchiedener anderer Racen ent⸗ ſprungen; es iſt dieß jedoch nirgends beſtimmt nachgewieſen. Dagegen beſitzen wir in Deutſchland mehrere Racen, oder wenigſtens Schlaͤge, welche beſtimmt als Mittel⸗„Racen (Schlaͤge) anzunehmen ſind. §. 154. Als ſolche führen wir namentlich an: a) Die Donnersberger Race, aus der Kreuzung von Schweizer⸗ und Landrace entſtanden. Sie iſt rings um den Donnersberg zu Hauſe, in Rheinheſſen und Rhein⸗ baiern viel verbreitet, von Farbe gelb oder gelbroth, ſchoͤnem, ziemlich großem Koͤrperbau, etwas ſchwerem Knochenge⸗ bäude; ſie beſitzt, beſonders im Vordertheil, viel Aehnlichkeit — 74— mit rothem oder rothgelbem Schweizervieh. Man ſchaͤtzt die Ochſen davon wegen ihrer Schwere und Tauglichkeit zur Maſt; die Milchergiebigkeit wird nicht allgemein ge⸗ rühmt. S. Zeitſchrift für die landw. Vereine im Großh. Heſſen, 1834. §. 155. b) Die ansbachiſche Race, oder richtiger der ansbachiſche Schlag, aus der Kreuzung von Frieſen, Schweizern und Landvieh entſprungen, von leichtem Knochen⸗ bau, mittlerer Groͤße, ſcheckiger Farbe. Als Zug⸗ und Milchvieh geſchätzt, auch zur Maſtung nicht ſchlecht. In Oberweimar ward früher aus Frieſen, Schweizern und Ansbachern ein ſich durch Größe, Milchergiebigkeit und Maſtfähig⸗ keit auszeichnender Stamm gebildet und in dortiger Gegend viel verbreitet. M. vergl. meine Rindviehzucht S. 46. Drittes Capitel. Paarung des Rindviehes. ——— §. 156. Bei der Paarung kommen in Betracht 1) die Auswahl der Zuchtthiere in Bezug auf Race, Abkunft, Alter und koͤrperliche Beſchaffenheit; 2) die Regeln, welche bei der Begattung ſelbſt zu beobachten ſind. 1. Auswahl der Zuchtthiere. §. 157. Der Zweck der Nachzucht, welcher bei der Paarung beabſichtigt wird, iſt: entweder gutes Milchvieh zum eigenen Gebrauche, oder ſchönes, ſchnell heranwachſen⸗ des Vieh, das gerne gekauft und gut bezahlt wird und ent⸗ weder als Zug⸗ oder Maſtvieh geſchaͤtzt iſt, oder Milcher⸗ je — giebigkeit und andere Eigenſchaften, wie Tauglichkeit zur Maſt, in gewiſſem Grade vereinigt. Da wo man Milchwirthſchaft ohne Aufzucht treibt, iſt der An⸗ kauf der Kühe die Hauptſache, die Auswahl des Bullens kommt dabei nur in Bezug auf Größe der Kälber in Betracht. §. 158. Wo zunächſt die Abſicht vorliegt, gutes Milchvieh zum eigenen Gebrauche nachzuziehen, wird die Wahl der Zuchtthiere beſonders wichtig. Nach Maßgabe der Localverhälrniſſe wird man entweder eine noch nicht vorhandene neue milchreiche und zugleich jenen Ver⸗ hältniſſen anpaſſende Race wählen, oder man wird ſich lieber mit der Beibehaltung oder Anſchaffung der beſſeren Individuen des vorhandenen oder in der Naͤhe einheimiſchen Schlages begnuͤgen und etwa nur Bullen beſſerer Race dazu gebrauchen. 1 Näheres in Betreff der Auswahl des Milchviehes im 6. Cap. unter II. 1.. §. 159. Immer bleibt es wichtig, nur von den milch⸗ reicheren Kühen die Nachzucht aufzuſtellen, beſonders aber auch die Bullen ſtets von den beſten Milchkühen zu waͤhlen. Viele Erfahrungen haben es beſtätigt, daß ſich die Eigenſchaft größerer oder geringerer Milchergiebigkeit von der Mutter durch den Sohn auf die Enkelin fortpflanzt. §. 160. Will man hauptſaͤchlich Jungvieh zum Verkaufe nachziehen, ſo muß ſehr darauf Rückſicht ge⸗ nommen werden, welche Art Vieh in der Gegend vorzugs⸗ weiſe guten Abſatz findet. In der Regel wird ein ſchoͤn geformtes, ſchnell heranwachſendes Vieh immer geſucht; verbindet daſſelbe mit dieſen Eigenſchaften noch in hervor⸗ ſtechendem Grade Milchergiebigkeit oder Maſtfäͤhigkeit, oder eine befriedigende Vereinigung beider oder der drei Haupt⸗ eigenſchaften, welche beim Rinde von Wichtigkeit ſind; ſo wird eine ſolche Zucht gewiß bald einen Ruf erlangen, ge⸗ ſucht und gut bezahlt werden. 1 — 76— Für die Rechnung des Züchters macht es ſtets einen großen Unterſchied, ob die Kühe, deren er ſich zur Anzucht von Jungvieh bedient, das zum Verkaufe beſtimmt iſt, nebenbei mehr oder weniger milchergiebig ſind. Nur zu oft wird dieß nicht gehörig erwogen. Welche Körperformen insbeſondere auf Maſtfähigkeit, oder nebſt dieſer auch auf Tauglichkeit zum Zuge ſchließen laſſen, darüber han⸗ delt ebenfalls das 6. Capitel. §. 161. Daß auf die Auswahl des maͤnnlichen Zucht⸗ thieres, des Bullen, beſondere Sorgfalt zu verwenden ſey, daß er namentlich die in der Nachzucht zu erſtrebenden Formen in vollkommenerem Grade enthalten, daß er kräftig und geſund ſeyn ſoll, geht aus den in der allgemeinen Vieh⸗ zucht aufgeſtellten Grundſätzen hervor.(S.§. 43.) Allgemeine Regeln angeben zu wollen, deren wir in manchen Werken finden, wie unter allen Umſtänden der Bulle gebaut ſeyn ſoll, ſcheint mir nicht thunlich, da es hierbei auf Race und Zweck der Zucht ſo ſehr ankommt. Das etwa dürfte allgemein zu empfehlen ſeyn, daß man darauf ſehe, Bullen mit leichtem Kopfe zu wählen, da von ſolchen mit ſehr ſtarkem Kopfe leicht ſchwere Geburteu er⸗ folgen. §. 162. Bei vorausgegangener zweckmäßiger Auf⸗ zucht und reichlicher Ernährung kann der junge Bulle im Alter von 1 ½ Jahren ſchon mäßig in Gebrauch genommen werden, und nur in Ausnahmsfaͤllen iſt es raͤth⸗ lich, ihn laͤnger als bis zum ten oder 5ten Jahre beizu⸗ behalten. Es gibt Beiſpiele, namentlich in Holland, wo gewiß auf Voll⸗ kommenheit der Nachzucht geſehen wird, daß man junge Bullen gebraucht, die kaum ein Jahr alt ſind, während man ſie mit 2 bis 3 Jahren ſchon wieder abſchafft. Ein ſolches jähriges Thier iſt aber dort größer und kräftiger, als an andern Orten manches von zwei Jahren und darüber von einer vernachläſſigten Zucht oder ſchwäch⸗ lichen Beſchaffenheit. Von einzelnen ausgezeichneten Zuchtbullen hat man Beiſpiele, daß ſie bis ins zwölfte Jahr zum Sprunge dienten. §. 163. Auch bei den Rindern kommt es ſehr auf vorausgegangene Pflege und Abkunft an, wenn es ſich da⸗ — 7— um handelt, zu beſtimmen, in welchem Alter es angemeſſen ſey, ſie zum erſtenmal zuzulaſſen. Gut erzogene Thiere guter Abkunft wird man immer mit 1 ⅜i bis 2 Jahren paaren duͤrfen, während man bei ſchon ſchwaͤchlich gebornen, früh abgeſetzten, in den erſten Jahren ſchwach genaͤhrten, freilich beſſer thut, ſie ½ bis 1 Jahr älter werden zu laſſen. Die Zeit der Beibehaltung der Kuh richtet ſich nach ihrer Güte in der Nutzung und der Regelmäßigkeit im Traͤchtigbleiben, auch nach den beſonderen wirthſchaftlichen Verhältniſſen. Selten behält man ſie laͤnger, als bis zum 11ten bis 12ten Jahre; oft ſchafft man ſie ſchon früher ab, oder wuͤrde wenigſtens wohl daran thun, ſie früher auszumerzen. Man muß bei einem ſpäteren Zulaſſen der Rinder, was Be⸗ hufs einer kräftigen und größeren Nachzucht häufig empfohlen wird, wohl erwägen, wie viel theurer dadurch am Ende die Kuh kömmt; dann, daß Rinder, welche bis zum Alter von 3 Jahren gölde gehen, nicht ſo ſicher mehr trächtig werden, als im früheren Alter; ferner, daß man bei nachheriger guter Fütterung der jungen Kuh und der Beobachtung der Regel, dieſe nicht zu ſchnell wieder zuzu⸗ laſſen, eben ſo gut noch ein gehöriges Auswachſen und Erſtarken der Kuh erlangt. Wer eine Race vergrößern, überhaupt großes Vieh erziehen will, wird durch reichliche Ernährung viel mehr be⸗ zwecken, als durch ſpäteres Zulaſſen. 2. Bei der Begattung zu beobachtende Regeln. §. 164. Die Kalbinnen und Kuͤhe äußern das Ver⸗ langen zur Begattung(das Rinderig⸗ oder Farrigſeyn) durch Unruhe, Aufſpringen, Anhalten der Milch ꝛc. Sie werden zu jeder Jahreszeit rinderig; man wuͤnſcht aber in manchen Verhaͤltniſſen die Kälber zu einer gewiſſen Zeit, bei der Weidewirthſchaft namentlich zu Ende des Winters und zu Anfang des Frühlings, zu erhalten, und richtet das erſte Zulaſſen ſo viel wie thunlich danach ein; in ſolchen Verhältniſſen, namentlich bei vorausgegangener ſchwacher 1 — 78— Winterernährung werden dann die meiſten Kühe im Mai bis Juli rinderig. Bei der Stallfütterung iſt Achtſamkeit nöthig, daß das Rindern nicht überſehen wird, beſonders bei manchen Kühen, die ſich nicht ſehr merklich äußern. §. 165. Die Bruͤnſtigkeit, bei der ſie nur den Bullen zulaſſen, dauert bei den Kühen meiſtens nur 2½ Stunden. Man hat gefunden, daß ſie von einem guten Sprung eben ſo ſicher traͤchtig werden, als von mehrmaligem Springen. Iſt die Kuh, welche rinderig war, nicht zugekommen oder nicht traͤchtig geworden, ſo wird ſie nach 3 Wochen ge⸗ wöhnlich wieder rinderig. Fruͤher als 2 Monate nach dem Kalben ſoll man nicht wieder zulaſſen. Ein zu frühes Wiederträchtigwerden nach dem Kalben hat eine frühere Abnahme des Milchertrags, beſonders aber eine zu ſtarke Schwächung des Mutterthieres mit dem nächſten Kalben zur Folge. §. 166. Fuͤr einen kräftigen, gut genährten Bullen duͤrfen, wenn die Begattung zu allen Zeiten durchs Jahr vorkommt, 50 bis 70 Kühe gerechnet werden; da wo die meiſten Kühe im Laufe einiger Monate rindern, rechnet man nur 30 bis 40 Kuͤhe auf einen Bullen. In größeren Gemeinden trägt es mitunter auf 100 bis 150 Kühe nur einen Bullen, allein es werden auch öfters viele Kühe hier nicht trächtig oder bringen ſchwache[Kälber, oder die Bullen dienen nur ein bis zwei Jahre. Uebrigens ſind die Beiſpiele auch nicht ſelten, daß ein kräftig auf dem Stall genährter Bulle für 100 Kühe dient, ohne daß man einen nachtheiligen. Erfolg wahrnimmt. Viertes Capitel. Von der Aufzucht. §. 167. Behandlung der trächtigen Kuh. Da die Kuͤhe waͤhrend des größten Theils der Zeit ihrer Traͤchtigkeit noch gemolken werden, ſo iſt eine doppelte An⸗ forderung zu einer reichlichen Ernaͤhrung derſelben in jener Periode vorhanden; auch ſoll man das Melken nicht zu lange fortſetzen, ſondern, wenn die Milch nicht von ſelbſt verſiegt, 6 bis 8 Wochen vor der Kalbezeit mit Melken aufhoͤren laſſen(die Kuh trocken ſtellen). Durch beſonders ausgewählten Futterzuſatz, namentlich Schroth⸗ trank, in den letzten Wochen vor dem Kalben kann weſentlich auf nachherige reichliche Milchabſonderung hingewirkt werden. §. 168. Eine unzeitige Geburt(Verkalben) kann bei den Kühen leicht veranlaßt werden durch Futter, das ſehr ſchwer verdaulich iſt oder beſonders auf die Gebaͤrmutter wirkt, wie verſchlemmtes oder verſchimmeltes(moderiges) Doͤrrfutter, bereiftes(erfrorenes) Gruͤnfutter oder Wur⸗ zelwerk, angefaultes Wurzelwerk, große Maſſen roher Kar⸗ toffeln u. v. a. Ferner kann ungeſundes Waſſer, ungeſunde Stallung, Stoßen ꝛc. die Veranlaſſung geben. Oft liegt das Verkalben auch in den Witterungseiuflüſſen, zu⸗ weilen in Localumſtänden, die ſchwer zu ergründen ſind. Kühe, welche mehr als einmal verkalbt haben, ſoll man nicht mehr zur Zucht beibehalten. Um 4 Wochen zu früh geborne Kälber laſſen ſich bei einiger Sorgfalt meiſtens erhalten und aufbringen. §. 169. Ein uͤbeler Umſtand, welcher hei trächtigen Kühen auch zuweilen vorkommt, iſt das Hevortreten der Gebärmutter(Vorfall). Es kommt beſonders bei großen Kuͤhen mit weitem Becken leicht vor, wenn ſie ſtets auf dem Stalle ſtehen, zumal wenn der Stand nach hinten — 80— etwas niedrig iſt. Oft wird es bei dieſen auch durch zu hitziges Futter veranlaßt. Es müſſen, wenn das Hervor⸗ treten ſich zeigt, alsbald Mittel angewendet und etwaige Urſachen zu entfernen getrachtet werden, wenn es nicht mit der Zeit Gefahr bringen ſoll. Man erhöhe den Stand nach hinten, ändere die Fütterung, bringe durch verſtändiges Handanlegen die hervorgetretenen Geburts⸗ theile zurück. Für bedeutende Fälle hat man beſondere Bandagen. §. 170. Geburt des Kalbes. Die herannahende Geburt des Kalbes gibt die Kuh durch die in der allge⸗ meinen Viehzucht(§. 66) angedeuteten Zeichen zu erkennen. Die Geburt iſt beim Rindvieh bisweilen ſchwer, und es wird dann wegen Mißverhältniß in der Stärke des Kalbes zur Weite des Beckens der Kuh oder wegen abnormer Lage des Jungen Huͤlfeleiſtung nöthig. Dieſe Hülfe wird von Sachverſtändigen mittelſt der Hände, welche in warmes Waſſer getaucht und mit Oel beſtrichen ſind, und ſtets nur im Einklange mit den mithelfenden Wehen geleiſtet. Ddie erſte Behandlung der Kuh nach dem Kalben und des neu⸗ gebornen Kalbes iſt ebenfalls in der allgemeinen Viehzucht(§. 67. 68.) angegeben.— Man hat beſonders auf richtiges Abreißen der Nabelſchnur, wenn dieß nicht wie gewöhnlich von ſelbſt erfolgt iſt, zu ſehen, weil die Kälber leicht Nabelentzündung bekommen, welche gefährlich iſt.— Das neugeborne Kalb wird gewöhnlich mit Salz und Kleie oder Schroth beſtreut, damit die Kuh es lieber ableckt. §. 171. Nachgeburt. Die Nachgeburt(§. 66.) ſoll in den erſten Stunden nach der Geburt des Kalbes abgehen. Es iſt aber nichts Seltenes, daß ſie bei den Kühen zurück⸗ bleibt, wodurch ſie kraͤnkeln und im Milchnutzen bedeutend geringer ſind. Es gibt verſchiedene gelinde darauf wirkende Mittel, wie Pot⸗ aſche, abgekochte Zwiebeln oder Epheublätter ꝛc.(m. ſ. meine Rind⸗ viehzucht S. 78). §. 172. Säugezeit des Kalbs. Das naturge⸗ maͤßeſte Verfahren, das Junge mit der Mutter zuſammen — 9— ½ — 81— und nach Belieben ſaugen zu laſſen, iſt bei dem Rindvieh weniger als bei anderen Hausthieren zweckmäßig, indem die Milchabſonderung haͤufig den Bedarf des Kalbes überſteigt, es auch für den demnächſtigen Milchnutzen beſſer iſt, daß die Kuh an ein regelmäßiges Milchanſammeln und Abgeben ge⸗ wöhnt iſt. Man zieht deßhalb mit Recht vor, dem Kalbe bald nach der Geburt einen beſonderen Stand anzuweiſen (in groͤßeren Wirthſchaften hat man beſondere Kälberſtaͤlle) und es zu beſtimmten Zeiten an der Kuh ſaugen zu laſſen, oder es an das Traͤnken gleich von Anfang zu gewöhnen. §. 173. Das Saugenlaſſen an der Kuh geſchieht täglich drei⸗ bis viermal, und wenn das Kalb ſatt iſt, wird die Kuh jedesmak vollends ausgemolken, falls noch Milch zuruͤck geblieben iſt. Ein Unterlaſſen dieſer Maßregel hat eine geringere Milchergiebigkeit der Kuh zur Folge. Nach 3 bis 4 Wochen laͤßt man das Kalb nur noch zweimal taͤglich ſau⸗ gen und gewöͤhnt daſſelbe in der Zwiſchenzeit an Tränke von etwas verdünnter Milch; nach Ablauf von A bis 5 Wochen unterbleibt dann das Saugen an der Kuh ganz und das Tränken mit Milch ꝛc. tritt an die Stelle.(S.§. 175.) §. 174. Wo die Milch einen bedeutenden Werth hat, und bei einem groͤßeren Wolkereibetriebe die Kälberaufzucht von ſorgfältigen Viehwärtern beſorgt wird, zieht man es der Milcherſparniß und des erleichterten Entwoͤhnens der Kaͤlber wegen vor, dieſe gar nicht an der Kuh ſaugen zu laſſen, ſondern gleich von der Geburt an an das Trän⸗ ken zu gewoͤhnen. Man läßt ſie dann täglich dreimal die eben von der Mutter gemolkene Milch warm trinken, und hat es ganz in ſeiner Gewalt, das gehoͤrige Maas zu geben, nach und nach zu verdünnen, Surrogate zuzuſetzen u. ſ. w., bis am Ende die Milch ganz weggelaſſen wird. Für verſtändige Viehwärter iſt dieß leicht und einfach; ſie be⸗ dienen ſich eines Kübels mit beſonderer Zeithe, oder der in den Kü⸗ bel eingetauchten dem Kalb in das Maul gegebenen Finger. Die Pabſt Landwirthſchaft, II. 1. 6 — 32— dabei durchaus nöthige Hauptſorge iſt, daß in den erſten 2— 3 Wo⸗ chen das Kalb die Milch nur von ſeiner Mutter und daß es ſolche ſtets kuhwarm bekoͤmmt. Einigermaßen ſtarke Kälber bedürfen in den erſten Wochen wenigſtens 3 Maas zu 4 Pfund täglich, ſpaͤter 4 und 5 Maas, wenn ſie gehörig genährt ſeyn ſollen. In der Schweiz, den Niederlanden, Holſtein ꝛc. in das Tren ken der Kälber allgemein. S. 175. Entwoöhnen. Wer vollkommenes, ſchnell heranwachſendes Vieh erziehen will, der laſſe den Kälbern die Muttermilch ein paar Monate lang in reichlichem Maaße, entziehe ihnen am Ende dieſer Zeit einen Theil der ſüßen Milch und gewoͤhne ſie an abgerahmte, oder an ſüße Molke(wo man dieſe als Abfall bei der Fabrikation ſuͤßer Käſe hat); erſt mit dem Ende des dritten Monats höre auch dieſes Ge⸗ traͤnke allmaͤhlig auf, indem das Kalb unterdeß an Schroth⸗ trank und zartes Heu gewöhnt worden iſt. Moͤglich iſt es freilich, ſchon in der vierten Woche an Muttermilch abzu⸗ ziehen und in der fünften oder ſechsten Woche ganz davon zu entwoͤhnen, indem man theils abgerahmte Milch, beſon⸗ ders aber gequellte Koͤrner, Suppe von Roggen⸗ oder Ha⸗ ferſchroth, Erbſenbrei, Heuthee und dergleichen mehr an die Stelle ſetzt; allein die Aufzucht bei ſo früher Entwoͤhnung von der Milch mittelſt ſolcher Surrogate erfordert große Sorgfalt und man wird doch nie das bezwecken, was ein längerer Genuß der Muttermilch bewirkt. In Verhältniſſen, wo die Milch ſo hoch im Preiße ſteht, daß ſich durch das Verabreichen derſelben an die Kälber, während der er⸗ ſten 2 Monate ihrer Lebensperiode, die Aufzucht allzu theuer berechnet, wir man meiſtens beſſer daran thun, gar nicht aufzuziehen, oder die Aufzucht wenigſtens möglichſt einzuſchränken, ſtatt die Milch den jungen Thieren mit dem Löffel zuzumeſſen und durch allzu frühes Entziehen derſelben zu einer unvollkommneren Ausbildung und einem viel langſameren Heranwachſen den Grund zu legen. §. 176. Sonſtige Pflege der Saugkäͤlber. Man beſtimme fuͤr die aufzuziehenden Kälber einen im Win⸗ daß er⸗ net, oder den eühes iren er. din⸗ — 83— ter warmen, im Sommer kuͤhlen Stall, worin die Luft ge⸗ ſund, Zugluft entfernt gehalten iſt, halte ſie recht rein⸗ lich und laſſe ihnen einigen Raum ſich zu bewegen. §. 177. Zeit zum Aufſtellen. Man kann bei ge⸗ hoͤriger Sorgfalt und guten Ställen zu jeder Jahreszeit Kaͤl⸗ ber zum Großziehen aufſtellen; doch iſt wegen der Plage durch das Ungeziefer und der Hitze die Mitte des Sommers die ſchlechteſte Zeit, während der Anfang des Frühlings die beſte iſt. Die nicht zur Zucht beſtimmten Kälber werden gewöhnlich im Alter von drei Wochen an den Schlächter verkauft, wenn nicht be⸗ ſondere Kälbermaſt betrieben wird.(ſ. 6. Kap.) §. 178. Behandlung nach dem Abſetzen. Schon in den letzten Wochen vor dem Entwoͤhnen von der Milch werden die Kälber an die Futtermittel gewöhnt, welche ſie nachher erhalten ſollen; dieſe beſtehen da, wo man die Wich⸗ tigkeit der§. 74 bereits entwickelten allgemeinen Grundſätze erkennt, in ausgewaͤhltem Heu mit einem Zuſatze von etwas Koͤrnern(dieſe wenigſtens noch 2— 3 Monate lang und einige Pfund davon taͤglich p. Stuͤck) und etwas Zuſatz von Schroth oder Oelkuchen oder Molken unter das Trinkwaſſer, das man nie zu kalt, und deſſen man auch in der erſten Zeit nach dem Abſetzen, wo das Kalb eine größere Maſſe fluͤſſiger Nahrung gewohnt iſt, nicht zu viel geben darf. Wo vorzuͤgliche Weide vorhanden iſt, kann dieſe vom dritten Monate an benutzt werden, auch kann nach Zurücklegung des erſten Vierteljahrs allmaͤhlig etwas gutes Gruͤnfutter unter das Heu gemengt, oder neben dieſem etwas Rüben, gekochte Kartoffeln und dergleichen gegeben werden, bis dann bei Erreichung des er⸗ ſten Jahres die dem Viehſtande der Localität nach überhaupt zu Theil werdende Fütterung auch dem Jungvieh, jedoch immer noch mit einiger Auswahl und in reichlichem Maaße, zu Theil wird. n4. 6* — 34— Die Meinung, daß es nicht zu vermeiden ſey, daß die Kaͤlber in der erſten Zeit nach dem Abſetzen abmagern und im Wachsthume eine Zeitlang ſtille ſtehen, beruht allein auf der Gewohnheit, ihnen die Milch viel zu frühe zu entziehen und nach dem Entwöhnen ihnen zu wenig Sorgfalt zu widmen. Wird aber nach den hier aufgeſtell⸗ ten Anſichten gehandelt, ſo wird man kaum einen Unterſchied im Gedeihen nach dem Abſetzen wahrnehmen, und nach Verlauf des er⸗ ſten Jahres wird man ſein Vieh weiter gebracht haben, als andere in der doppelten Zeit; auch der Aufwand, in Geld berechnet, wird, vorausgeſetzt daß keine Uebertreibungen in Milch⸗ und Körnerfutter ſtatt fanden, im erſten Falle zum Werthe von dem Erzogenen in ge⸗ rechterem Verhältniße, als im andern Falle ſtehen. Daß man bei der Stallfütterung dem jungen Rindvieh täglich Bewegung und einigen Aufenthalt in friſcher Luft zu Theil werden laſſe, iſt hier noch weit wichtiger, als beim aͤlteren Viehe(ſ.§. 224). Auch das Salzgeben(§. 223) iſt beim Jungviehe ſo wohlthätig, als beim älteren. Fuͤnftes Capitel. Von der Pflege des Rindviehes. §. 179. Die Pflege, d. i. die Ernaͤhrung und Wartung, unſerer meiſten landwirthſchaftlichen Hausthiere zerfaͤllt we⸗ gen der Verſchiedenheit in den Nahrungsmitteln und der Behandlungsweiſe in die zwei Haupt⸗Abſchnitte: Sommer⸗ und Winterpflege. Jene zerfaͤllt wieder in die Hal⸗ tung auf der Weide und im Stalle, oder in Weide⸗ wirthſchaft und Sommerſtallfuͤtterung. Nachſt⸗ dem haben wir noch Mehreres in Bezug auf die ſonſtige Pflege des Viehſtandes in Betracht zu ziehen. — 85— A. Gommerpflege. I. Weidewirthſchaft. §. 180. Das Weiden iſt die naturgemaͤßeſte Haltung des Rindviehes, und ſobald die Weideplätze gutz ſind und die allgemeine Pflege der Thiere naturgemäß iſt, ſo wird man auch bei der Weidewirthſchaft das Aufbringen und Gedeihen von ſchönem und gutem Viehe am meiſten beguͤnſtigt finden. Dazu kommt, daß die Pflege auf der Weide für den Vieh⸗ halter weit gemaͤchlicher und weniger koſtſpielig iſt. Wenn wir demohngeachtet in den meiſten Fällen der Stallfütte⸗ rung den Vorzug geben müſſen, ſo liegt dieß in anderen wichtigen ökonomiſchen Rückſichten, oder in Localitäten, welche zu einem vor⸗ theilhaften Weidebetriebe ſchon au ſich nicht geeignet ſind. §. 181. Wir theilen die Weiden ein in natuͤrliche oder beſtändige, kuͤnſtliche und zufällige. §. 182. Natürliche, beſtändige Weiden. Als ſolche ſind alle die Weiden zu verſtehen, welche von lange her mit einer perennirenden Grasnarbe bedeckt ſind. Sie finden ſich hauptſaͤchlich in zuter Beſchaffenheit entweder in Niederungen mit angeſchwemmtem gutem Boden, oder in Gebirgsgegenden, deren Clima und Boden einen reich⸗ lichen, nahrhaften Graswuchs unterſtuͤtzen. Dürre, magere Weiden ſollte man niemals für Rindvieh beſtim⸗ men und ſumpfige, oder auch nur mit ſauren Pflanzen beſtandene Weiden ſind demſelben ebenfalls wenig zuträglich und haben, wenn man das Vieh zwingt, ſich darauf zu ernähren, nur ſchlechtes Ge⸗ deihen zur Folge. §. 183. Kuͤnſtliche Weiden. Hierunter verſteht man die im Wechſel in der Fruchtfolge vorkommenden Dreiſch⸗, Klee⸗, Luzerne⸗, Spoͤrgel⸗Weiden ꝛc. Künſtliche Gras⸗ (Dreiſch-) Weiden koͤnnen nur auf nicht zu armem Boden in einem Clima, das dem Graswuchſe guͤnſtig iſt, von einer dem Hornvieh angemeſſenen Beſchaffenheit ſeyn. Alsdann gehören ſie aber auch zu den ausgezeichneten Weiden fuͤr — 386— das Rindvieh. Klee⸗, Spoͤrgel⸗ und ähnliche Weiden die⸗ nen neben jenen oder auch neben der Stallfuͤtterung zur Aushülfe, nicht leicht wird man jedoch eine vollſtändige Weidewirthſchaft auf ſie allein begründen. UBeber die Dreiſch⸗ oder Koppelwirthſchaften ſ. Betriebslehre §. 325 ff. §. 184. Zufaͤllige Weiden. Dieſe finden ſich in den Stoppeln nach der Erndte, auf den Brachfeldern(wenn dieſe gut bearbeitet werden, jedoch ſelten in einer für das Rindvieh angemeſſenen Beſchaffenheit), auf den Wieſen nach der Heu⸗ oder Grummeterndte u. ſ. w. Wo ohnedieß Weidewirthſchaft eingeführt iſt, da können ſolche Weiden mitunter weſentlich zur Aushülfe dienen; auch kann man in einzelnen, außerdem Stallfütterung treibenden Wirthſchaften wohl daran thun, von Mitte des Sommers an einige Monate lang auf den Stoppeln⸗ und Kleefeldern und auf den abgeerndteten Wieſen weiden zu laſſen; in den meiſten Wirthſchaften, wo die Localität nicht vorzugsweiſe für Weidewirthſchaft geeignet iſt, kann man jedoch auf die Benutzung ſolch' zufälliger Weiden für das Rindvieh nur deßhalb mitunter noch einen Werth legen, um dem aufzuziehenden Jungviehe längere Zeit hindurch die ſo wohlthätige Bewegung im Freien zu Theil werden zu laſſen. §. 185. Beſetzung der Weide. Eine Hauptſache iſt, die Weide nicht zu ſtark zu beſetzen, ſo daß das dar⸗ auf befindliche Vieh ohne große Mühe ſeine volle Nahrung findet. Es liegt darin zugleich die Aufforderung, daß man die Weide nicht eher betreibe, als bis der Graswuchs ſchon ſo weit herangekommen iſt, daß er fortan eine gute Ernäh⸗ rung geſtattet. Bei ausgedehnter Weidewirthſchaft thut man namentlich auch wohl daran, die Weidereviere in Kop⸗ peln abzutheilen und dieſe abwechſend zu ſchonen und dann wieder zu beſchlagen. Die Engländer ſind insbeſondere der Meinung, daß man die Koſten und Mühe nicht ſcheuen ſolle, die Weiden in kleinere Abthei⸗ lungen zu bringen, dergeſtalt, daß in einer nicht mehr als 20 Stücke zuſammen weiden und daß überdieß alle 8— 14 Tage gewechſelt wird. die⸗ zur dige Llehre ch in venn das nach ſolche an in wohl g auf Lieſen kalität jedoch h nur enden ig in ſache dar⸗ uung man chon näh⸗ thut Kop⸗ dann e tſei⸗ lücke ird. — 87— Man hat auch zuweilen noch einen Wechſel zwiſchen Tag⸗ und Nachtweiden, indem man für letztere in der warmen Jahrszeit den beſſeren Graswuchs beſtimmt.. §. 186. Nur ſehr vorzügliche Weiden koͤnnen mit Vor⸗ theil mit Maſtvieh beſetzt werden, Kühe koͤnnen zwar auf minder fetten Weiden noch gehalten werden, ſie verlangen aber, um nutzbringend zu bleiben, jeden Falls eine nicht magere, noch ſaure Weide; auf etwas geringen Weiden kann noch am eheſten Jungvieh, das jedoch nicht unter einem Jahr alt iſt, gehalten werden. S. 187. Die Beſetzung nach Viehzahl und Weideflaͤche muß ſich natürlich nach der Beſchaffenheit des Viehes wie der Weide richten. Eine mittelgroße Kuh von7 bis 3 Cent⸗ nern Gewicht im lebenden Zuſtande bedarf, um gut gehal⸗ ten zu ſeyn, während der Hauptweidezeit, von ganz guter Weide 1% bis 2%½ heſſ. oder preuß. Morgen, von mittel⸗ guter Weide bis 3 Morgen(1 ½ bis 2 ½ würtembergiſche Morgen), von geringerer bis a Morgen; wo man noch mehr gebraucht, wird die groͤßere Flaͤche den mangelnden Gras⸗ wuchs nicht mehr zu erſetzen im Stande, und deßhalb die Weide fuͤr Rindvieh eigentlich nicht mehr geeignet ſeyn. §. 188. Dauer der Weide. Dieſe richtet ſich ſehr nach den Localitaͤten. In den meiſten Gegenden Deutſch⸗ lands, wo vollſtaͤndige Weidewirthſchaft eingefuͤhrt iſt, dauert ſie 5 bis 6 Monate, in den Niederlanden volle 6 Monate oder noch etwas daruͤber. §. 189. Sonſtige Behandlung des Weidevie⸗ hes. Es iſt durchaus noͤthig, daß das Vieh bei der Weide täglich Gelegenheit hat, geſundes Waſſer zu genießen. Be⸗ unruhigung muß moͤglichſt vermieden werden. Je nach Elima und Oertlichkeit muß das Vieh bei rauher Witterung einen Schutz ſuchen koͤnnen; meiſtens ſind Baumgruppen, hohe Zäune und dergleichen dazu hinreichend; wo ſolche natür⸗ liche Unterſtände fehlen und das Clima einigermaßen rauh — 88— iſt, da ſorge man fuͤr einen Schuppen. In der beſſeren Jahreszeit verweilt das aͤltere Vieh auch ohne Nachtheil über Nacht im Freien. Die Kälber dürfen, bevor ſie ½ Jahr alt ſind, nicht über Nacht auf der Weide belaſſen werden. Wenn der Spatherbſt herannaht, ſo iſt es ſehr rathſam, nicht nur über Nacht das Vieh in den Stall zu bringen, ſondern ihm auch Morgens vor dem Austreiben ein trocke⸗ nes Zutter zu geben.— Salzgeben ſ.§. 223. Wegen der Pflege der Weiden ſelbſt wird auf die ſderiell Pflan⸗ zencultur verwieſen. §. 190. Tuͤdern. Unter Tuͤdern verſteht man die Art zu weiden, indem jedes einzelne Thier mitteſt eines Stricks und eines Pflocks, der mit Wirbel und Ring ver⸗ ſehen iſt und in die Erde eingeſchlagen wird, während das Stück Vieh am anderen Ende des Stricks befeſtigt wor⸗ den,— auf einer beſtimmten Stelle während einer Zeit von mehreren Stunden zu weiden beſchränkt wird u. ſ. f. Man tuͤdert namentlich gerne Klee, Spoͤrgel, Wickfutter und dergleichen ab. Man kann auf dieſe Weiſe auch da weiden, wo es mit einer frei ſich bewegenden Heerde nicht moͤglich waͤre, und bringt ſo auch mehr Regelmaͤßigkeit in die Weidewirthſchaft, während aber auch mehr Umſtändlich⸗ keit damit verknuͤpft iſt. Man tüdert am Niederrhein, im Voigtlande, auch hie und da in Holſtein, hänfig in Schleswig und Dänemark u. ſ. w. S. Thär's rat. Landwirthſchaft 1IV. Band, Martens angeführtes Werk und meine Rindviehzucht. II. Sommerſtallfütterung. §. 191. Da man ſeit Einfuͤhrung des Kleebaues die Erfahrung machte, daß mittelſt der Stallfütterung zwei ſehr weſentliche Vortheile erreicht werden können, nemlich Be⸗ darf einer geringeren Bodenflaͤche zur Ernaͤhrung des Vieh⸗ ſtandes über Sommer, und eine weit ſtaͤrkere Düngerpro⸗ duction, woraus ſodann weiter folgt: hoͤherer Culturzuſtand der Wirthſchaft überhaupt und geſtattete hoͤhere Benutzung ——.y—— ſeren über Nacht maht, Stalt trocke⸗ flan⸗ die eines ver⸗ das wor⸗ Zeit ſ. f. utter ch da nicht ſt in lich⸗ d da är's und die ſehr Ve⸗ Vit⸗ yn⸗ and ung — — 89— der bisherigen Weiden insbeſondere; ſo iſt es erklärlich, daß die Stallfütterung des Rindviehes in den meiſten Gegenden Deutſchlands über die Weidewirthſchaft, trotz der Vorzüge, welche dieſe in anderer Hinſicht bietet, den Sieg davon getragen hat, oder hier und da auch noch davon tragen wird. Nur da wo die climatiſche und örtliche Lage das Beibehalten beſtändiger, für das Rindvieh geeigneter Weiden räthlich macht, oder wo Koppelwirthſchaft am rechten Platze, und zugleich die Benutzung der Weideſchläge mit Rindvieh den Vorzug vor der mit Schafen verdient, behält die Weidewirthſchaft auch ferner den Vorzug. §. 192. Die erſte und angelegentlichſte Sorge des Stallfuͤtterungswirths muß auf einen moͤgligſt fruͤh beginnenden, möglichſt lange dauernden, gut ineinan⸗ der greifenden, ſicheren und auch in nicht ganz günſtigem Jahrgange ausreichenden Futterbau gerichtet ſeyn. Die§.§. 202, 203. geben in Bezug auf die Berechnung des Bedarfs Näheres an die Hand. Zur Sicherheit ſoll auch noch einiger Dörrfuttervorrath für Aus⸗ fälle, welche ſelten lange ausbleiben, aufgeſpart werden. 1. Verſchiedene Arten des Gruͤnfutters. §. 193. a) Klee und kleeartige Pflanzen. Der rothe Klee, wo er gut gedeiht, iſt ſtets eine Hauptſtütze der Grünfütterung, aber man verlaſſe ſich nicht auf ihn allein, denn er kömmt nicht früh genug, er dauert im Herbſt nicht lange genug, und zwiſchen dem 1. und 2. Hieb giebt es meiſtens einen Ausfall; er kann auch in ungünſtigen Jah⸗ ren mißrathen.— Der weiße Klee gedeiht auf manchem Boden vorzüglich und kann dann zur Aushülfe dienen; er blaͤht leicht und erfordert deßhalb beſondere Vorſicht.— Die Luzerne ſoll, wo ſie aufzubringen iſt, niemals fehlen; ſie gewährt, wenn ſie dem rothen Klee oder andern Gegen⸗ ſtänden zugeſellt wird, der Stallfuͤtterung viel größere Si⸗ cherheit und fuͤllt namentlich großentheils die Lücken aus, die der Klee läßt. Sie wird zur Hauptſache, wenn ihr Ge⸗ deihen ſicherer, als das des rothen Klees iſt.— Die Es⸗ 1 8 4 — 90— parſette nimmt in Lagen, welche mehr für ſie, als die Luzerne geeignet ſind, die Stelle der letzteren ein; bietet jedoch den Nachtheil, daß ſie nicht ſo früh benutzt werden kann und im zweiten Schnitte nur geringe Ausbeute gewaͤhrt. Einige andere Kleearten können theils für ſich allein, theils als Unterſaat unter den rothen Klee mitunter zur Aushülfe dienen, als der Jucarnatklee, der Melilotenklee, die ſchwediſche, die Hopfen⸗Luzerne u. m. a. §. 194. b) Wieſengraͤſer. Gewoöhnliches Wieſen⸗ gras von nahe gelegenem gutem Wieſenboden kann beim Be⸗ ginne der Stallfuͤtterung, auch im Nachherbſte und ſonſt zuweilen, zur Bei⸗ und Aushülfe dienen. Zur Hauptſache wird es nicht leicht werden, da der Grasertrag vorzugsweiſe zu Heu für den Winter beſtimmt iſt; wo aber der Gras⸗ boden zu ſehr das Uebergewicht hat, da iſt meiſtens die Weide der Stallfuͤtterung vorzuziehen. Manche Gräſer eig⸗ nen ſich auch zum Grünfutterbau auf dem Felde, beſonders als Unterſaat unter Alee⸗ wie Futtertrespe, Rai⸗ gras u. m. a. K. 195. c) Roggen, im Herbſt zeitig und dicht auf. kraͤftiges Land ausgeſaͤt, gewaͤhrt im Frühjahr ein aͤußerſt fruͤhes, reichliches und geſundes Grünfutter und ſollte weit mehr zu Huͤlfe genommen werden, als gewöhnlich geſchieht. Auch im Frühjahr ausgeſäter Staudenroggen kann im Sommer und Herbſt mehrmals als Grünfutter abgemaͤht werden. Ob man den Roggen ſogar mehrere Jahre hinter einander als Futterfeld benutzen kann, wie neuerer Zeit empfolen wurde, iſt noch nicht als allgemein ausführbar erwieſen. Hier muß auch die Weitzenſchröpfe als ein ſchähbares, frei⸗ ich aber nur zufälliges Grünfutter genannt werden. §. 196. d) Mengfutter. Das bekannte Gemiſche von Erbſen, Wicken, Hafer ꝛc., von Zeit zu Zeit ſtückweiſe ausgeſät, dient bei der Stallfütterung vielfaͤltig zur Aus⸗ huͤlfe und darf da, wo der Boden dafür guͤnſtig, uiemals „—— die ietet erden fährt. lt als , als e, die eſen⸗ Ve⸗ ſonſt ſache weiſe jras⸗ 3 die eig⸗ nders Rai⸗ tuf ßerſt weit jeht. im näht r als noch „ſrei⸗ nriche kbeiſe Aus⸗ mals ganz fehlen. Auf leichterem Boden dient Buchweitzen, beſſer Gemiſch von dieſem und Hirſe nebſt wenig Erbſen, mitunter auch bloß Hirſe oder Mohar, zum gleichen Zwecke. §. 197. e) Mais. Der Mais iſt mit Recht neuerer Zeit als Futterkraut ſehr empfohlen worden, theils breit⸗ wuͤrfig geſaͤt, theils getrillt. Er verlangt jedoch gekräftig⸗ ten warmen Boden und günſtiges Clima; dann kann er aber auch für die zweite Haͤlfte des Sommers Hauptfuttergegen⸗ ſtand werden. Daß er geſchnitten gefüttert werden muß, verſteht ſich von ſelbſt. §. 198. f) Spörgel. Sehr wichtig auf Sandboden 4 wo Lage und Clima trocken, bleibt er nur leider auch oft zurück, und man darf ſich auf ihn nicht zu viel verlaſſen. §. 199.„) Verſchiedene andere Gruͤnfutter⸗ mittel. Als ſolche nennen wir für guten Boden noch den Raps, auch Senf und Rübſen, ſowohl im Herbſt, als Fruͤhjahr als Schnittkohl zu benutzen; die Cichorie dürfte für ſterilen Boden empfehlenswerth ſeyn, weniger die fruͤ⸗ her oft empfohlene Brennneſſel; das Laub mancher Bäume, wie der Acazien, des Bohnenbaums, der Ulmen ꝛc. kann, wo einer ſolchen Benutzung keine ſonſtigen Hinderniſſe entgegen ſtehen, einige Aushülfe gewaͤhren, auch der Epheu ſoll ſehr nahrhaft ſeyn; nicht unbedeutend iſt die Huͤlfe, welche uns der Kürbis auf geringem, aber warmen Boden als Beifutter gewaͤhrt; auch die Topinamburſtengel, die Ruͤbenblaͤtter und dergleichen mehr gewaͤhren im Spatherbſte Beihülfe, ſo wie manche ausgejätete Unkraͤuter im Sommer, z. B. Hederich, wilder Mohn, Kornradem u. ſ. w. Die ſchlechteſte Zubuße iſt das Kartoffelkraut. Manche Unkräuter, wie die ebengenannten, ſind, wenn ſie bald nach dem Jäten gewaſchen und verfüttert werden, geſund, und na⸗ mentlich auch milchwirkend; dagegen gibt es aber auch viele ſchlecht nährende und ſelbſt ſchädliche Unkräuter, daher bei ſolcher Fütterung Sachkenntniß und Vorſicht nöthig iſt. —— 3 6 — 92— d. 200. In ihrer milchwirkenden Eigenſchaft folgen die bisher genannten hauptſaͤchlicheren Grunfutterarten ohn⸗ gefähr in folgender Ordnung: Mais, Spöͤrgel, Weitzen⸗ ſchroͤpfe, Hirſe, Klee, Gras, Raps, Cichorie, Mengfutter, Futterroggen, Rübenblaͤtter, Kuͤrbis, Topinamburſtengel. 2. Verfahren bei der Grünfütterung. §. 201. Der taͤgliche Gruͤnfutterbedarf ſoll ſtets des Morgens gemäht und alsbald eingebracht, und zu Hauſe in einem vor der Sonne geſchützten, luftigen Raume gehoͤrig auseinander gebreitet werden. Das Grünfutter darf durch Abwelken und Liegen in Haufen durchaus nicht in warme Gaͤhrung gerathen. Alles noch ſehr junge, leicht blaͤhende Gruͤnfutter ſoll mit trockenem Futter(Heu, Stroh, Raps⸗ ſchoten ꝛc.) untermiſcht und in kleinen Portionen nicht zu raſch auf einander vorgelegt werden. Weniger als drei Futterzeiten taͤglich ſoll man bei der Gruͤnfütterung nicht beſtimmen. Das Schneiden des Grünfutters, 1 ½ bis 2 Zoll lang, iſt ſowohl bei jungem Grünfutter, wobei Trocke⸗ nes untergefuͤttert werden muß, als wie etwas hartſteng⸗ lichem, beſonders aber dann zu empfehlen, wenn man Man⸗ gel an Grünem hat und bedeutend Stroh zuzuſetzen genöthigt iſt. Unmittelbar nach der Grünfütterung darf nicht getraͤnkt werden; doch ſoll man täglich Traͤnke anbieten. Hat man nicht vermeiden können, das Grünfutter bei Regen ein⸗ zubringen, ſo iſt das Ausbreiten des Abtrocknens wegen wichtig, wäh⸗ rend es bei trockner Wärme der inneren Erhitzung vorbeugt. Solches erhitztes Futter bläht leicht auf oder veranlaßt Milzbrand und andere Entzündungskrankheiten. Sehr leicht bewirken Aufblähen: junger wei⸗ ßer, auch rother Klee, etwas weniger ſchon Luzerne, Esparſette, Wicken⸗ futter; am leichteſten entſteht es beim Anfang der Grünfütterung, auch von erfrornem und dann ſchnell aufgethautem Klee im Spat⸗ herbſte, der ohnehin ungeſund iſt. Auch das kalte Tränken gleich nach dem Genuß von Grünfutter verurſacht Aufblähen. Wer nicht an Stroh Mangel hat, thut wohl ſtets nach dem Grünen etwas Stroh aufſtecken, oder dieſes auch unter jenes miſchen olgen ohn⸗ itzen⸗ nner, engel. 3 des auſe horig durch arme jende aps⸗ ſt zu drei nicht bis? rocke⸗ teng⸗ Nan⸗ thigt ankt ein⸗ wäh⸗ lches ndere wei⸗ icken⸗ xrung, Spat⸗ geich dem ſchen — 93— zu laſſen, denn es iſt dieſe Zuthat immer geſund, beſonders aber bei naſſer Zeit und es kann an Grünfutter dadurch beträchtlich geſpart werden, ohne daß der Nutzen der Viehhaltung geringer iſt. Das geſchnittene Grünfutter erhitzt ſich auf Haufen weit leichter, als das ungeſchnittene. 3. Dauer der Gruͤnfütterung. §. 202. Dieſe haͤngt von Clima und Lage, den getrof⸗ fenen Einrichtungen(§. 192.), auch der Jahreswitterung ab. Je nach dieſen Umſtänden wird ſie ſich awiſihen 4 und 6 Mo⸗ naten verhalten. Da die Grünfütterung beſonders vortheilhaft auf den Milcher⸗ trag wirkt, ſo iſt überall da, wo dieſer nicht Nebenſache iſt, ein früher Beginn und eine lange Dauer wichtig. Die Regel eines allmähligen Uebergangs von einer Hauptfütte⸗ rung zur andern(§. 88.) muß bei frühem Beginne im Frühjahr und langer Fortſetzung der Grünfütterung im Spatherbſte aus doppelten Gründen beachtet werden. a. Bedarf an Gruͤnfutter. §. 203. Da der Ertrag der Futtergegenſtände nach Art und Boden und da ihr Nahrungswerth ſo ſehr verſchie⸗ den; da die Thiere nach Groͤße und Zweck der Haltung eine ſo ſehr verſchiedene Nahrungsmaſſe beduͤrfen, ſo läßt ſich allgemeines Anhalten dafuͤr gar nicht aufſtellen, ſondern bei vorzunehmender Berechnung nur auf Beruͤckſichtigung all' dieſer Verhältniſſe, ſo wie darauf hinweiſen, daß man für ungünſtiges Ausfallen des Futter⸗Ertrags um ſo mehr ein Erkleckliches an Grünfutter mehr bauen müſſe, je leichter und eher die Localverhältniſſe das Eintreten ſolcher Ausfälle in Ausſicht geben. Wie viel man, je nach Größe des Viehes und Nutzungszweck, an Grünfutter täglich verabreichen ſolle, dazu wird das§. 220. für die Winterfütterung Angegebene mit Zuhülfenahme der Reductionstabelle von§. 78. dienen.. Als Beiſpiel diene folgende Berechnung: Angenommen die Dauer der Grünfütterung ſey 150 Tage, der Bedarf für eine mittelgroße — 04— Kuh, welche ohngefähr 7 ½ Centner im Leben wiegt und in gutem Milchertrag ſtehen ſoll, ſey 24 Pfund Heuwerth(ſ.§. 220), wovon jedoch 2 Pfund durch Strohfutter gedeckt werden; ſo iſt der Grün⸗ futterbedarf in 150 Tagen 33 Centner Heuwerth oder in grüͤnem Klee etwa 140 Centner. Ferner angenommen der Boden ſey für rothen Klee und Luzerne geeignet, jedoch nur von mittlerer Güte, ſo daß man 125 Centner Grünfutter per Morgen rechnen kann; ſo wären alſo anf die Kuh 1,12 Morgen erforderlich; da man aber für Aus⸗ fälle, Wickenfutter und dergleichen noch etwas rechnen muß, ſo wird man wohlthun von ſolchem Futter noch ½= 0,28 Morgen mehr zu rechnen, wonach der ganze Bedarf 1,4 Morgen wäre. Auf recht gu⸗ tem Boden reicht oft ſchon 1 Morgen Grünfutter und noch etwas weniger auf die Kuh mittlerer Größe aus. B. Winterpflege. §. 204. Die Zuſammenſetzung der Winterfütterung des Rindviehes kann ſehr mannigfaltig ſeyn, indeſſen muß mit Huͤlfe von Heu⸗ und Strohfutter das naturgemaͤße Volu⸗ men der taͤglichen Futtermenge ſtets herzuſtellen geſucht wer⸗ den, womit ſich zugleich die Fuͤrſorge von ſelbſt verbindet, daß der Antheil von waͤſſerigem Futter nicht zu ſtark ſey. 1. Verſchiedene Winterfütterungsmittel. §. 205. Die wichtigeren Futterſtoffe für den Winter ſind: Heu, Stroh, Wurzelwerk, Abfaͤlle von techniſhen Gewerben, Koͤrner. §. 206. a) Heu. Das Heu und Grummet von gu⸗ ten Wieſen iſt das naturgemäßeſte Winternahrungsmittel fur das Rindvieh und ſeine gute Durchwinterung iſt da ſtets weſentlich unterſtützt, wo man einen Antheil guten Heu's dazu geben kann. Es außert jedoch nur eine mittelmaͤßige Einwirkung auf die Milchergiebigkeit, und wenn es nicht ganz ausgezeichnet fett iſt, auch auf die Maſtung. Dieß mit ſeinem Preiße im Vergleich zum Preiße anderer Futter⸗ ſtoffe und mit ſeinem Werthe für anderes Nutzvieh zuſam⸗ men gehalten und dazugenommen, daß das Erzeugniß ohne⸗ gutem vovon Grün⸗ n Klee rothen ſo daß wären r Aus⸗ o wird ehr zu ht gu⸗ etwas — 95— dieß in den meiſten Wirthſchaften nicht zureichend iſt; ſo wird begreiflich, daß man meiſtens wohl daran thut oder ſelbſt dazu genöthigt iſt, auf eine nur maͤßige Verwendung von Wieſenheu bei der Hornviehfütterung zu denken, und daß man es in manchen Verhaͤltniſſen beinahe gänzlich aus⸗ ſchließen muß. Den Milchkühen ſoll man niemals ſaures Heu geben; eher ver⸗ trägt noch Göldvieh ein etwas ſaures Futter. Dörrfutter, das bei der Erndte, oder gar durch Ueberſchwemmung gelitten hat, erfordert große Vorſicht;— durch Schlagen, Schneiden, Anbrühen, Einſal⸗ zen ꝛe. kann ein ſolches Futter indeſſen einigermaßen verbeſſert wer⸗ den; beſonders kann man es dann noch für Maſtvieh verwenden. Grummet, das nicht ganz gut, veranlaßt leicht Blähung oder Durch⸗ fall; es taugt am wenigſten für Jungvieh. §. 207. Die verſchiedenen Arten von Kleehen, auch Spörgelheu, erſetzen nicht nur das gewoͤhnliche Wieſenheu, ſondern ſind auch meiſtens, vorausgeſetzt, daß ſie zweckmäßig behandelt und gut eingekommen waren, für Milch⸗ und Maſtvieh noch von etwas größerem Werthe, als jenes. Dem Jungvieh gebe man lieber Wieſenheu, ſtatt Kleehen, wenn man Gelegenheit hat, letzteres an Milch⸗ und Maſtvieh zu verfuͤt⸗ tern. Manche Laubarten, wie von den Reben, Ulmen ꝛc., im Nach⸗ ſommer an den Zweigen getrocknet, können auch zur Winterfütterung des Rindviehes verwendet werden. §. 208. b) Stroh. In allen Wirthſchaften, welche keinen Ueberfluß an Grasland haben, giebt das Stroh einen Beſtandtheil des Winterfutters ab, theils ſchon, um die beſ⸗ ſeren Theile deſſelben durch die Verfütterung uͤberhaupt zu benutzen, theils wegen Mangel an Heufutter und als Aus⸗ gleichungsmittel bei waͤſſerigen oder ſehr concentrirten Fut⸗ terſtoffen. Zunaͤchſt ſind es die Abfaͤlle an Kaff, Spreu, Aehren ꝛc. vom Dreſchen, welche ſehr werthvoll zur Fuͤtte⸗ rung ſind, dann wird das Stroh vom Sommergetreide groͤß⸗ tentheils oder ganz und meiſtens wird auch noch ein Theil vom Winterfruchtſtroh verfuͤttert. — 96—— Daß unter dem Stroh ſowohl nach der Fruchtart, als nach Bo⸗ den, Jahrgang, Erndtemethode ein großer Unterſchied ſey, wurde 'ſchon S. 41 angedeutet. Dann kommt es beſonders darauf au, in welchem Maße und in welcher Zuſammenſetzung mit andern Futter⸗ ſtoffen das Stroh gegeben wird. Kaff und Spreu werden meiſtens und am zweckmäßigſten als Brühfutter(ſ.§. 216.) oder zur Unter⸗ miſchung mit Wurzelwerk ꝛc. verwendet; das Gerſten⸗ und Haferſtroh von guter Beſchaffenheit muß oft das Heu erſetzen; Hülſenfruchtſtroh, das guter Art, verzehrt das Rindvieh auch gerne, beſonders unter dem Brühfutter; wo Schafe ſind gehört es jedoch dieſen. Die Raps⸗ ſchoten kommen gutem Häckſel gleich, und ſelbſt gutes Rapsſtroh kann zum Verzehren der weicheren Spitzen eingelegt werden. §. 209. c) Wurzelwerk. Die Wurzeln und Knol⸗ lengewächſe ſind ſehr wichtige Beſtandtheile des Winterfut⸗ ters in den meiſten Wirthſchaften, da ſie, wenn ſie im rech⸗ ten Verhältniſſe mit trocknem Futter gegeben werden, ſo⸗ wohl fuͤr Milch⸗ als Maſtvieh ſehr geeignet ſind und mit ihrer Hülfe die Fuͤtterung meiſtens wohlfeiler kommt und nutzbringender wird. Gute Erhaltung, gehörige Reinigung und zweckmäßige Zubereitung, namentlich Vermiſchung der verkleinerten Knollen mit Spreu Haͤckſel ꝛc., ſind bei der Wurzelwerkfuͤtterung beſonders wichtig. §. 210. Geſund und zur Verfütterung im rohen Zu⸗ ſtande vollkommen geeignet ſind namentlich alle Ruͤben⸗ arten, ſowie die Topinamburs. Die Kartoffeln grei⸗ fen, roh gefüttert, die Verdauungswerkzeuge mehr, als an⸗ dere Wurzelgewaͤchſe an, auch wirken ſie leicht auf Umrin⸗ dern und Verkalben bei den Kühen; deßhalb erfordert ihre Fuͤtterung mehr Vorſicht. Wo man verſchiedene Wurzelgewächſe baut, da thut man wohl, mehrere zuſammen zu füttern, z. B. Runkelrüben und Kartoffeln; die Rüben, welche ſich ſchwer aufbewahren laſſen, wie die Waſſer⸗ rüben, müſſen jedoch zuerſt verfüttert werden. §. 211. Ein an das Wurzelwerk ſich anſchließendes Futtermittel iſt der Kopfkohl, welcher bei einem gehoͤrigen Zuſatze trocknen Futters beſonders ein ſehr gutes Milchvieh⸗ Bo⸗ wurde a, in dutter⸗ neiſtens Unter⸗ ferſtroh htſtroh, unter Raps⸗ ˖kann Knol⸗ erfut⸗ rech⸗ „ ſo⸗ dmit t und ligung ig der ej der Zu⸗ hen⸗ grei⸗ an⸗ nrin⸗ ihre wohl, offeln; Waſſer⸗ enes tigen wieh⸗ — 9)7— futter iſt. Auch der Rieſen⸗ oder Kuhkohl, wo er ge⸗ deiht, dient als ein vortreffliches Zufutter im Winter. Wo der Kohlbau für den Verkauf hauptſächlich getrieben wird, da ſind auch die abfallenden Deckblätter und Strünke zur Fütterung willkommen. Man gibt den Kohl blos in grobe Stücke zerſchnit⸗ ten vor. 8 §. 212. d) Abfaͤlle techniſcher Gewerbe. Die Biertrebern ſind vortrefflich für Maſt⸗ und Milchvieh, und da ſie weniger Waͤſſerigkeit enthalten, ſich auch, in Be⸗ hälter eingeſchlagen, länger aufbewahren laſſen, ſo wird dadurch ihr Werth erhoͤht. Die Brandweinſchlempe (das Brandweinſpühlicht) iſt in ſehr vielen Wirthſchaften ein Hauptbeſtandtheil des Winterfutters; ſie muß jedoch an Zucht⸗ und Milchvieh in nicht zu ſtarkem Maaße verfuͤttert werden, wenn ſich wegen der ihr inwohnenden Saͤure und vielen Waͤſſerigkeit nicht Nachtheile fuͤr die Geſundheit und den Nutzungszweck einſtellen ſollen. Als Maſtfutter iſt ſie gut. Sehr gutes und geſundes Futter gibt der ausgepreßte Rückſtand in den Runkelruͤbenzuckerfabriken ab, der in jeder beliebigen Menge gefüttert werden darf und vortreffliche Maſt bewirkt. Die Abfaͤlle der Staͤrkefa⸗ briken müſſen wegen ihrer blähenden Eigenſchaft mit Vor⸗ ſicht gefuͤttert werden und eignen ſich für Maſtvieh am beſten. Auch Wein⸗ und Obſttreſtern laſſen ſich, wenn ſie durch Erhitzung nicht verdorben und gut aufbewahrt worden, mit den Kü⸗ hen füttern; doch iſt ihr Futterwerth gering,. §. 213. Alle dieſe Abfaͤlle müſſen mit Häckſel von verſchiedenem Material, Spreu und dergleichen vermiſcht werden, und eine Portion ungeſchnittenes Futter, wenn auch nur Stroh, daneben iſt in mehrfacher Pinſich raͤth⸗ lich oder ſelbſt nothwendig. Man vergleiche das Verhalten in der Wäſſerigkeit nach§. 78 und nehme hinzu, daß das erforderliche Volumen in der trocknen Pabſt Landwirthſchaft. II. 1. 7 — 98— Maſſe jener Futterſtoffe auch bei weitem nicht vorhanden iſt, um zu der Ueberzeugung zu gelangen, daß voluminoſeres und trocknes Fut⸗ ter hier nothwendig zugeſetzt werden muß.— Das Brandweinſpüh⸗ licht wird theilweiſe warm zum Anbrühen verſchiedener trockner Fut⸗ tergegenſtände verwendet und dadurch die Wirkſamkeit gegenſeitig erhöht. §. 214. Die Oelkuchen von Raps und Lein ſind ſehr werthvolle Zuſätze für die Fütterung jeder Art von Rindvieh, entweder im Getränke aufgeloͤßt, oder als Mehl mit anderen Futtermitteln gemiſcht und zubereitet. Selten berechnet ſich ihr Preis ſo niedrig, daß es ſich lohnt, mehr als einige Pfund auf's Stück davon zu geben. Die Malzkeime aus den Bierbrauereien lind als Zuthat zu Brühfutter auch anwendbar. §. 215. e) Getreide. Die am meiſten zur Verfüt⸗ terung mit dem Rindvieh kommenden Getreidearten ſind die Hülſenfruͤchte, der Hafer, Roggen, Buchweizen und die Gerſte. In groͤßerer Menge fuͤttert man Getreide in der Regel nur mit dem Maſtvieh; bei dem übrigen Nutzvieh kann dagegen ein geringer Zuſatz von Koͤrnerfutter da am Platze ſeyn, wo es an Kraftfutter gebricht und die Koͤrner ſich nicht zu hoch berechnen. Das Rindvieh verdaut die roh gefütterten Körner nur ſchlecht; daher Schroten, Quellen oder Kochen hier beſonders wichtig(ſ.§. 216). Die Kleie von den verſchiedenen gemahlenen Früchten kann ähulich, wie das eigentliche Getreideſchroth verwendet werden und ihre Wirk⸗ ſamkeit bleibt nicht ſehr hinter der des Schrotes zurück.— Roß⸗ kaſtanien und Eicheln können ebenfalls mit Nutzen verwendet werden, wenn ſie zerquetſcht oder geſchroten anderem Futter zugeſetzt werden. 2. Zubereitung des Winterfutters. §. 216. Die Zubereitungsarten, mittelſt deren das Winterfutter fuͤr das Rindvieh weſentlich in ſeiner Wirkung erhöht werden kann, ſind: a) Schneiden zu Heckſel. Je rauher das Heufutter, je mehr die Nothwendigkeit vorliegt, mit dieſem oder mit andern Futtermitteln vieles Stroh zu n zu Fut⸗ püh⸗ Fut⸗ ſeitig ſind von Rehl öhnt, at zu ffüt⸗ die die der Bvieh am kner echt; 16). lich, irk⸗ oß⸗ ndet iſetzt da fung ſel. dgt, T — 99— verfüttern, um ſo wichtiger wird das Futterſchneiden; An⸗ feuchtung des untereinandergeſchnittenen Heu's und Stroh's mit Salzwaſſer iſt ſtatt trockner Fütterung von Heu⸗ und Strohheckſel zu empfehlen.— b) Bruͤhfutter. Durch das mit heißem Waſſer ausgefuͤhrte Anbrühen von volumi⸗ noſem, etwas hartem Futter, das in Häckſel verwandelt, der Abfaͤlle vom Dreſchen und dergl. mehr, indem einiges Kraftfutter, wie Oelkuchen, Getreide u. a. zugeſetzt wor⸗ den, wird die Wirkſamkeit des Futters häufig um 20 bis 30 Procent erhoͤht.— c) Kochen. Der gleiche Zweck in noch höherem Grade kann durch das Kochen des Futters, am beſten mittelſt einer angemeſſenen Dampfkeſſeleinrichtung erreicht werden.— d) Gaͤhren. Die neuempfohlene Me⸗ thode, die rohen mit Heckſel vermiſchten Kartoffeln ſich ſelbſt erhitzen, alſo eine Gaͤhrung überſtehen zu laſſen, wird von allen Seiten als ſehr geſund für das Vieh und als ſehr futterſparend gerühmt; auch Kohl, Rübenblätter, Klee ꝛc. kann man in Behälter zu einer Art Sauerkraut einmachen,— das dem Vieh als Zufutter im Winter angenehm und ge⸗ ſund iſt; gegohrnes(geſäuertes) Getreideſchroth iſt bei der Maſtung ſehr wichtig. Bei ſolchen Zubereitungsarten muß man die Koſten(z. B. Brenn⸗ material ꝛc.) mit der Futtererſparniß oder Erhöhung der Wirkſam⸗ keit des Futters in Rechnung ziehen.— Manche Vorbereitungsart iſt für den einen Haltungszweck wirkſamer, als für den andern, z. B. Brühfutter, überhaupt verdünntes weiches Futter iſt beſonders für Milchvieh, gegohrnes, namentlich Getreide, für Maſtvieh geeignet. Gedämpfte Kartoffeln ſind bei letzterm wirkſamer, als bei Milchvieh, ausgenommen, wenn man ſie dieſem im Getränke angerührt gibt.— Zur geeigneten Berückſichtigung ſind noch beſonders hiebei zu empfeh⸗ len: Sorgfalt in dem Verfahren, Achtſamkeit auf den rechten Zeit⸗ punkt zur Verfütterung des gebrühten oder gegohrnen Futters, Reinlichkeit in den Gefäßen, Futtergeſchirren, auch Abwechslung zwiſchen künſtlich zubereitetem und Futter im natürlichen Zuſtande, namentlich Zugabe von gewöhnlichem trocknem Futter bei Brüh⸗ und gegohrnem Futter. 7* — 100— In wie weit das von Block vorgeſchlagene Trocknen der Kartoffeln Behufs der Aufbewahrung und Verfütterung allgemein anwendbar ſey(ſ. die Schriften der ſchleſ. ökonomiſchen Geſellſchaft), iſt zwar noch wenig ermittelt; es verdient aber auch dieſe Verfah⸗ rungsart die Aufmerkſamkeit denkender Landwirthe. Kohlrüben⸗ blätter kann man auch zur Verfütterung für den Winter trocknen. 3. Futterzeit. §. 217. In der Regel iſt es am zweckmaͤßigſten, täg⸗ lich dreimal, naͤmlich Morgens um 5, Mittags um 11 und Abends um 4 Uhr, zu fuͤttern; bei Maſtvieh kann auch ein viermaliges Fuͤttern angemeſſen ſeyn. Manche füttern im Winter blos Morgens und Abends, in welchem Falle jedoch jedes Hauptfutter in zwei Abtheilungen beſtehen ſoll. Je nach Beſchaffenheit und Menge des Futters dauert jede Futterzeit 1 ½ bis 2 Stunden. Dcas Rindvieh bedarf einer gewiſſen Anfüuung des Magens, dann Ruhe zum Wiederkäuen und Verdauen, deßhalb iſt eine allzu⸗ weitgehende Verkleinerung und Vervielfältigung der Futterportionen hier unräthlich. Etwas liegt auch noch in der Reihefolge der ein⸗ zelnen Gegenſtände, welche täglich gefüttert werden. 4. Traͤnke. §. 218. Sobald nicht hauptſächlich warmes, verdünn⸗ tes Futter(Schlempe ꝛc.) gefüttert wird, ſo muß taͤglich zweimal getraͤnkt werden, was, wenn die Witterung nicht zu ungünſtig iſt, wo möglich im Freien an einem guten Flußwaſſer oder Brunnen geſchehen ſoll. Bei Bruͤhfutter, angemachter Traͤnke im Stall ꝛc. iſt ein einmaliges kaltes Tränken, gleichwie bei der Grünfütterung, hinreichend. Alles zur Zucht zu haltende Vieh ſoll täglich Gelegenheit haben, kaltes geſundes Waſſer zu trinken, und auch neben der ſogenannten Brüh⸗ oder warmen Fütterung iſt dies für die Geſundheit der Thiere weſentlich.— Nur bei ſehr ſtürmiſchem oder kaltem Wetter dürfte das Austreiben des Viehes aus den vielleicht allzuwarm gehaltenen Ställen an die eiskalte Tränke nicht rathſam, und alsdann das Tränken im Stalle mit etwas überſchlagenem Waſſer vorzuziehen ſeyn. dte dh ud klen 86( felbſ list dld n nj n der gemein ſchaft), Verfah⸗ üben⸗ rocknen. täg⸗ und auch ttern Falle ſoll. jede agens, altzu⸗ tionen r ein⸗ ünn⸗ glich icht uten ter, ltes aben, unten hiere itfte enen das eyn. — 101— 5. Dauer der Winterfütterung. §. 219. Dieſe hängt begreiflich ganz von der Dauer der Weide oder Grünfuͤtterung ab; ſie wird, wie aus den§§. 188 und 202 hervorgeht, haͤufig 7 Monate, mitunter nur 6, zuweilen aber auch bis 8 Monate betragen. 6. Bedarf an Winterfutter. §. 220. Sehen wir von den beſonderen Verhältniſſen ab, unter denen eine kärgliche Ernährung des Nutzviehſtan⸗ des entweder durch die Umſtände geboten, oder aus übel verſtandener Sparſamkeit beliebt wird, ſo darf angenommen werden, daß das Milchvieh, um einen befriedigenden Nutzen abzuwerfen, im Durchſchnitt 3 Pf. auf Heu reducirtes Futter auf den Centner Koͤrpergewicht im lebenden Zuſtande taͤglich erhalten ſoll; friſchmelkenden Kühen wird man mit Nutzen auch 3 ½ Pf. fuͤr das gleiche Verhältniß geben, während für altmelkende 2 ½ Pf. genug ſind; Zugochſen gehört bei täglicher Arbeit 2 ½ bis 2 ¾ Pf. Heuwerth auf den Centner Koͤrpergewicht; Maſtvieh gerne die Haͤlfte mehr; ſolches Vieh, das blos durchwintert werden und in maͤßig gutem Zuſtande bleiben ſoll, etwa ¼ bis% weniger; junges Vieh ſoll, nach Verhältniß ſeiner Groͤße bis zur Hälfte, und wenn es dem zweiten Jahre ſich nähert, bis zu ⅜ von dem, was den Kuͤhen von der gleichen Race gehört, erhalten. Je mehr hiebei die Zuſammenſetzung und die Vorbereitung des Futters zweckgemäß und ſorgfältig ſind, um ſo igewiſſer wird auch die beabſichtigte Wirkung erreicht oder ſelbſt erhöht werden, oder auch an dem Durchſchnittsſatz etwas erſpart werden können.— Eine kleine Kuh wiegt etwa 6 Centner lebendig, eine mittelgroße 7 ½ bis 8 Centner, eine von ſchwerer Race 10 bis 12 Centner, mitunter ſelbſt bis 15 Centner; ein leichter Ochſe wiegt 8, ein mittlerer 10 bis 11, ein ſchwerer 14—15 Centner und mehr; die kleine Kuh kann alſo mit 18— 20 Pfund täglich ausreichen, während die ſchwere das doppelte erhalten muß; der leichte Zugochſe bedarf nur 20— 22 Pfund, — — — 102— der mittlere 25— 27, der ſchwere aber 35— 36 Pfund ꝛc.— Mageres Vieh bedarf natürlich für das gleiche Körpergewicht mehr Futter, wenn es vollkommen nutzbar ſeyn ſoll, als bereits in gutem Zuſtande befindliches. Iſt z. B, eine Kuh ſehr mager, ſo daß ſie einen Cent⸗ ner weniger wiegt, als ſie in mäßig gut genährtem Zuſtande wiegen würde, der bei obigen Sätzen im Allgemeinen vorausgeſetzt wird, ſo bedarf ſie nicht nur das Futter für das letztere Gewicht, ſie bedarf auch noch eine Zulage, um allmählig neben dem laufenden Nutzen in den beſſeren Zuſtand zu kommen. Dazu kommt weiter die Individualität der Thiere nach Abkunft, Erziehung und Gewohnheit in Betracht; ſelbſt die climatiſche Lage und die Beſchaffenheit der Stallung ſind von Einfluß; dies Alles mit der Verſchiedenheit in Qualität, Zu⸗ ſammenſetzung und Zubereitung der Futterſtoffe zuſammengehalten, ſo ergibt ſich von ſelbſt, daß die hier aufgeſtellten Sätze nicht überall mathemaliſch eingehalten werden können und ſollen; gewiß aber wer⸗ den ſie ein beſſeres Anhalten abgeben, als die ſonſt üblichen Beſtim⸗ mungen, wobei die Größe und der Haltungszweck der Thiere viel zu wenig berückſichtigt waren. C. Sonſtige Pflege des Rindviehes. . 221. Stallung. Ein guter Rindviehſtall ſoll 10 bis 12 Fuß(rheinl.) hoch, gehoͤrig mit Fenſtern und Dunſt⸗ abzuͤgen verſehen und ſo beſchaffen ſeyn, daß er im Winter leicht warm gehalten werden kann. Die Thuͤren fuͤr den Ein⸗ und Ausgang des Viehes und das Miſten ſeyen bequem und ſo angebracht, daß durch das Oeffnen derſelben keine ſcharfe Zugluft das Vieh beruͤhrt. Der Raum ſey nicht nur für den Stand und das Lager des Viehes hinreichend, ſondern biete auch die nöthigen Futter⸗ und Miſtgaͤnge dar; ein beſonderer Raum für die Zubereitung des Futters ſey vom Stallraume abgeſondert. Das Futtergeſchirr ſey bequem und ſo, daß ſo wenig als moͤglich vom Futter dabei zu Grund geht; der gepflaſterte oder mit Holz belegte Stand des Viehes ſey nach Hinten etwas abhängig und für den Abzug der Jauche gehörig geſorgt. Man hat ſehr mannigfache Einrichtungen der Rindviehſtälle, deren mehrere ſich durch Zweckmaͤßigkeit auszeichnen. Breite, nicht ageres zutter, ſtande Lent⸗ wiegen vitd, ſ rf auch in den galitaͤt racht; 3 ſind „Zu⸗ alten, überal wer⸗ zeſtim⸗ re viel ſoll unſt⸗ inter ct — 103— hochgeſtellte Krippen in Verbindung mit geplatteten Futtergängen machen die Raufen entbehrlich; letztere, wenn ſie mit den Krippen an der Wand angebracht ſind, erſchweren das Füttern und die Auf⸗ ſicht über Reinlichkeit und Ordnung dabei.— Daß der obere Theil des Stalles zum Aufbewahren von Futtervorräthen diene, verſteht ſich von ſelbſt. §. 222. Man bedarf fuͤr ein erwachſenes Stück Rind⸗ vieh, je nach ſeiner Größe, einen Stand von 7 bis 9 Fuß (rheinl.) Länge und 3 ½ bis 4 ½ Fuß Breite. Dazu kömmt die Breite des Miſtganges mit ohngefaͤhr à Fuß, des Fut⸗ terganges und der Krippe mit 5 bis 6 Fuß, welche beide Gänge jedoch bei gehoͤriger Einrichtung meiſtens zwei Rei⸗ hen gemeinſchaftlich ſeyn können. Es bedarf demnach ein Stück 25, bis 40 Q. Fuß Stand und 16 bis 24 Q. Fuß an Futter⸗ und Miſtgängen, zuſammen 41 bis 64 OQ. Fuß.— Näheres in meiner Rindviehzucht ꝛc. S. 168 ff. Ueber das Perſonale zu Wartung ſ. Betriebslehre§. 130. §. 223. Stallpflege. Das Rindvieh ſoll, wenn man nicht ungewoͤhnlich ſtark ſtreuen kann, taͤglich ausge⸗ miſtet erhalten, auch täglich geſtriegelt und nöthigenfalls am Schwanz, Euter ꝛc. abgewaſchen werden, indem eine ſorgſame Reinhaltung weſentlich zu ſeinem Gedeihen bei⸗ traͤgt. 0 3 Blos die Miſtbehandlung kann dazu beſtimmen, bei hinreichen⸗ der Streu wöchentlich nur ein⸗ oder zweimal ausmiſten zu laſſen. Der in einigen Gegenden von Sachſen und Schleſien ꝛc. einheimiſche Gebrauch, den Miſt monatelang in den Ställen liegen zu laſſen, kann einer guten Pflege des Viehes nicht angemeſſen ſeyn. Bekannt⸗ lich zwingt die Noth in einigen Niederungen oder hohen Gebirgen⸗ alle Einſtreu zu unterlaſſen, was dann beſondere Vorrichtungen, und um ſo größere Reinlichkeit erheiſcht. Die tägliche Einſtreu an Stroh wechſelt zwiſchen 3 und 10 Pfund pr. Stück. §. 221. Salz. Das Rindvieh liebt das Salz ſehr, und ſollte auch um ſo mehr davon erhalten, je mehr es ſchwer verdauliches oder ſonſt nicht ganz vollkommen gutes Futter zu ſich nehmen muß. Man gebe deßhald in der Re⸗ gel woͤchentlich wenigſtens zweimal Salz, und in beſonderen Faͤllen ſelbſt taͤglich. Man rechnet gewöhnlich pr. Stuͤck 1 bis 1 ½ Pfund monatlich. Der Gebrauch, Salz zu geben, iſt ſehr verſchieden, und in manchen Gegenden gibt man gar keins; in der Regel findet man aber reichliches Salzgeben und gute Pflege beiſammen.— Wo man Brühfutter, gegohrnes Futter und dergl. gibt, wird das Salz mit Nutzen im Futter aufgelößt. §. 225. Bewegung. Je mehr das Rindvieh fortwaͤh⸗ rend auf dem Stalle gehalten wird, je weniger luftig und hell die Staͤlle ſind, um ſo noͤthiger iſt es für ſein gutes Gedeihen, daß es in der Regel täglich an die friſche Luft kömmt, und daſelbſt einige Zeit verweilt. Die Vernachläſſigung dieſer Regel und der friſchen Waſſertränke bei gänzlicher Stallhaltung und warmer oder wenigſtens erſchlaffen⸗ der Fütterung legt an vielen Orten den Grund zu ſchlechtem Gedei⸗ hen der Zucht, und zu Krankheiten. Die Bewegung wird gewöhn⸗ lich mit der Tränke verbunden; der Gebrauch auf manchen Gütern in Norddeutſchland, das Vieh täglich einige Zeit auf die eingefrie⸗ digte Miſtſtätte zu ſtellen, oder zu dem Ende einen beſonderen Vieh⸗ hof zu haben, iſt in doppelter Hinſicht löblich. Iſt das Wetter rauh, ſo ſorge man dafür, daß das herausge⸗ laſſene Vieh nicht ſtille ſtehe und friere. Das Vieh bei gutem Wetter täglich zu ſchwemmen(baden), iſt ihm auch äuſſerſt geſund. §. 226. Krankheiten. Das Rindvieh iſt mancher⸗ lei Krankheiten unterworfen, welchen jedoch größtentheils durch ſorgfaͤltige Pflege vorgebeugt werden kann. Die ſchlimmſten dieſer Krankheiten ſind: die verheerende Loͤſer⸗ duͤrre(Rinderpeſt), die zum Glück für uns nicht leicht die Grenzen des oͤſtlichen Deutſchlands uͤberſchreitet; der Milz⸗ brand, beſonders in heißen Jahrgängen, und überhaupt in gewiſſen Lagen vorkommend; die Lungenfäule(Lungenſeuche), zuerſt gewoͤhnlich durch ungeſundes Futter, Aufenthalt in ungeſunden Lagen, ungeſunde Traͤnke ꝛc. entſtehend, aber auch für das geſundeſte Vieh ſehr anſteckend; die Knochen⸗ m den ger tſe geh ſch rih d d dufs ren 61 in man man mit ͤh⸗ und tes euft änke fen⸗ dei⸗ öhn⸗ tern frie⸗ dieh⸗ — 105— brüchigkeit, neuerer Zeit erſt in den Rheingegenden verbrei⸗ tet, wahrſcheinlich eine Folge naturwidriger Behandlung bei der Stallhaltung; die Trommelſucht, bei der Kleefuͤtterung haͤufig vorkommend, aber durch ſchnelle Hülfe mittelſt Kalk, Salmiak ꝛc., und im ſchlimmſten Falle mit Huͤlfe des Troi⸗ kars in der Regel zu heben; die Franzoſen⸗ oder Trauben⸗ krankheit, zunaͤchſt von ungeſunder Nahrung entſtehend, dann erblich und ſelbſt anſteckend, nebſt mehreren andern. Sechstes Capitel. Von der Benutzung des Rindviehes. §. 227. Die Rinviehhaltung geſtattet, abgeſehen von dem in allen Faͤllen ſich ergebenden verhältnißmaͤßigen Dün⸗ gerertrage, folgende verſchiedene Benutzungsweiſen: Jung⸗ viehzucht, Milchwirthſchaft, Maſtung, Zugviehhaltung. §. 228. Ob und in wie weit man dieſe Viehart zum Gebrauche für die Spannarbeiten waͤhlen ſolle, iſt eine fuͤr ſich zu behandelnde Frage; in Bezug auf eigentliche Nutz⸗ viehhaltung kommen daher nur das Jung⸗, das Milch⸗ und das Maſtvieh in Betracht, und je nach Maasgabe der Wirthſchaftsverhaͤltniſſe iſt entweder einer von dieſen Zwei⸗ gen zu wählen, oder der zu haltende Rindviehſtand aus mehreren derſelben zuſammenzuſetzen. Man vergleiche auch S. 188 ff. der Betriebslehre. 1. Die Jungviehzucht. §. 229. Man erzieht junges Rindvieh entweder von den zu gleicher Zeit gehaltenen Kühen oder man kauft die aufzuziehenden jungen Thiere von andern Züchtern. In —— — — 106— beiden Faͤllen beabſichtigt man entweder die Nachzucht haupt⸗ ſächlich fuͤr den eignen Gebrauch als Milch⸗, Zug⸗ oder Maſtvieh, oder man beabſichtigt, das aufgezogene Jungvieh in einem gewiſſen Alter wieder zu verkaufen. §. 230. Iſt die Nachzucht zum Erſatz fuͤr die auszu⸗ ſchießenden Kühe beſtimmt, ſo kann der Ankauf der zu dem Ende zu erziehenden Rinder nicht räthlich ſeyn; vielmehr iſt es in dieſem Falle aͤuſſerſt wichtig, durch verſtändige Paarung und Auswahl mittelſt der Nachzucht vom eigenen Viehſtapel dieſen immer mehr zu vervollkommnen.(S.§. 239.) §. 231. Ob man wohl daran thue, ſein bedürftiges Zug⸗ und Maſtvieh ſelbſt nachzuziehen, haͤngt hauptſächlich davon ab, wie theuer ſich die Koſten der Aufzucht im Ver⸗ gleiche zu den Preiſen des durch Ankauf zu erhaltenden Zug⸗ oder Maſtviehes verhalten, ob man dieſes auch durch Zukauf in beabſichtigter Qualitaͤt leicht erhalten kann, und ob die Verhältniſſe überhaupt den Betrieb der Jungviehzucht raͤthlich machen. §. 232. Sind die Verhaͤltniſſe für den Abſatz von zwei⸗ bis dreijährigem Jungviehe von ſorgfaͤltig betriebener Zucht guͤnſtig, ſo kann es lohnend werden, ſeine Einrich⸗ tungen danach zu treffen und alle oder doch die meiſten ge⸗ ſund fal lenden Kaͤlber aufzuziehen, der Jungviehzucht alſo damit eine größere Ausdehnung zu geben. Nähere Andeutungen hiefür enthalten bereits die§§. 157 u. 160. §. 233. In Verhältniſſen, wo weder Molkerei noch Maſtung mit entſchiedenem Vortheile betrieben werden, die auch, z. B. wegen oͤfters unter dem Zuchtvieh ſich einſtel⸗ lender Krankheiten oder wegen Mangel an gutem Futter für Milchvieh, zum Betriebe der Jungviehzucht in der im vorigen Paragraphen bezeichneten Art nicht geeignet ſind, tritt die Jungviehhaltung durch Ankauf an den Platz, indem man die angekauften jungen Rinder oder Stiere laͤngere —— — EgE — 107— oder kürzere Zeit behält und mit Gewinn wieder ver⸗ kauft. Das geringere Gapital, welches bei dieſer Einrichtung der Nutz⸗ viehſtand erfordert, oder auch für Jungvieh vorzugsweiſe geeignete Weiden, können noch beſonders für die Wahl dieſer Art von Vieh⸗ wirthſchaft beſtimmen. Es gehört übrigens eine Gegend dazu, in welcher ein lebhafter Viehhandel betrieben wird, und— wie ſich von ſelbſt verſteht— kömmt viel darauf an, daß man den Handel auch gehörig zu treiben verſteht.— Der kleine und mittlere Land⸗ wirth in vielen Gegenden Deutſchlands betreibt gemeiniglich ein Gemiſch dieſer verſchiedenen Arten von Jungviehzucht, während der größere ſich meiſtens bei Molkerei oder Maſtung, oder bei der Noch⸗ zucht vom eigenen edleren Viehe beſſer ſteht. §. 234. Die aufgeſtellten Bullenkaͤlber, welche nicht zur Zucht, ſondern zum Zuge und zur Maſtung beſtimmt ſind, werden caſtrirt, weil ſie ſich alsdann zu den letzteren Zwecken beſſer qualificiren. Es iſt dies um ſo leichter und gefahrloſer, je früher es geſchieht; deßhalb nimmt man es gewoͤhnlich ſchon im Alter von 3 bis 6 Wochen vor. Manche Viehzüchter glauben, daß man aus den im Alter von ½ bis 1 Jahr caſtrirten Bullen ſtärkere und kraͤftigere Thiere erziehe, als aus den als Saugkälber verſchi tenei, welche Meinung anch wohl etwas für ſich hat. II. Die Milchwirthſchaft. §. 235. Die Haltung von Kühen koͤmmt in jeder Wirth⸗ ſchaft, wenigſtens Behufs der fuͤr den Haushalt beduͤrftigen Molkereiproducte vor; auch wenn der naͤchſte Zweck der Kuhhaltung die Nachzucht(§. 232) iſt, bleibt doch der Milchertrag dabei immer ſehr wichtig(§. 160); endlich iſt ein ausgedehnterer Molkerei⸗Betrieb(Milchwirth⸗ ſchaft) in vielen Verhaͤltniſſen uͤberhaupt der einträglichſte Zweig der Rindviehhaltung. Aus dieſen Gründen iſt die Milchwirthſchaft die im Allgemeinen wichtigſte Benutzungs⸗ art des Hornviehes. —õ———— — ͦ— — 108— Daß da, wo man den Kühen die für eine reichliche Milchabſon⸗ derung angemeſſene Ernährung zu Theil werden laſſen kann, und wo man auch die erforderliche Sorgfalt dieſem Zweige der Viehhaltung widmet, bei einigermaßen guter Verwerthung der Milch, das Fut⸗ ter höher, als durch Aufzucht und Maſtung genutzt wird, läßt ſich leicht durch vergleichende richtig geſtellte Berechnung darthun. §. 236. Der Vortheil des Molkereibetriebs hängt ab: von der Auswahl und Beſchaffenheit der Kühe, von der die⸗ ſen zu Theil werdenden Fütterung und Pflege, dem Ver⸗ fahren beim Melken und der Art der Verwerthung der Milch. 1. Auswahl der Milchkühe. §. 237. Die Wahl des Milchviehſtandes nimmt beſon⸗ dere Sorgfalt, Umſicht und Sachkenntniß in Anſpruch; dies erhellet zur Genuͤge, wenn man erwägt, daß es ſehr ver⸗ ſchiedene Racen gibt, welche mehr oder weniger im Rufe der Milchergiebigkeit ſtehen; daß die als ſehr milchreich berühmten Racen meiſtens nur bei einer ihren beſonderen natürlichen Eigenheiten entſprechenden Pflege ihren Ruf bewaͤhren,— daß auch durch Kreutzung ein milchreicher Schlag gebildet werden kann; endlich daß wieder unter den Individuen ein und derſelben Race oder Zucht ein großer Unterſchied in der Milchergiebigkeit ſich findet. §. 238. Es geht hieraus zugleich hervor, daß vor Allem die Localverhaͤltniſſe, dann auch die perſönlichen Ver⸗ hältniſſe des Landwirths erwogen werden müſſen, wenn es ſich von der Wahl des Milchviehſtandes handelt. Wer zugleich auf Nachzucht von werthvollem, edlem Viehe und auf große, ſchöne Kälber zu ſehen Urſache hat, wer eine recht reich⸗ liche Ernährung mit milchwirkendem Futter eintreten laſſen, wer auch die größere Capital⸗Anlage machen kann, welche die Anſchaf⸗ fung eines edleren Viehſtandes erheiſcht, der möge ſich an eine der berühmteren milchreichen Racen halten; wer in der Lage iſt, blos auf Milchertrag und nicht auf die Nachzucht zu ſehen, der nehme die Milchkühe, ſo gut er ſie haben kann, ohne auf Race, Größe, — 109— Statur zu ſehen; wer mehr kärglich als reichlich zu fuͤttern genoͤthigt iſt, der halte ſich an die kleineren, genügſameren Thiere; jeder hüthe ſich vor ſolchen ſchönen Kühen, die viel verzehren und wenig dafür geben. §. 239. Da es ſehr ſchwer, in vielen Localitaͤten gar nicht moͤglich iſt, durch Zukauf ſtets milchreiche Kühe zu erhalten, vielmehr nur durch ſorgfältig geleitete Zuzucht (§. 158. 159) ein recht ausgezeichneter Milchviehſtand nach und nach erreicht werden kann; ſo iſt es beim Betriebe der Milchwirthſchaft meiſtens räthlich, den Bedarf fuͤr die aus⸗ zuſchießenden Kühe ganz, oder doch groͤßtentheils ſelbſt nach⸗ zuziehen, wenn ſich auch das auf die Nachzucht verwendete Futter nicht ſo hoch, als das auf die Kuͤhe direct verwen⸗ dete bezahlt macht(§. 230). Man kann annehmen, daß in ſolchen Verhältniſſen von 6 bis 8 Kühen eine jährlich abgeſchafft werden muß, und daß man auskom⸗ men kann, wenn man ohngefähr ⅛ ſo viel junges Muttervieh ver⸗ ſchiedenen Alters hält, als man Kühe hat. §. 240. Manche Verhäͤltniſſe ſind jedoch o entſchieden für die Kuhhaltung geeignet, indem die Milch ſehr hoch verwerthet werden kann, oder das Futter fuͤr Jungvieh weniger tauglich iſt, daß man ſich unbedingt am beſten ſteht, die Aufzucht ganz bei Seite zu laſſen, ſobald nur einiger⸗ maßen Gelegenheit vorhanden iſt, taugliche Milchkühe zuzu⸗ kaufen. Man behält dieſe alsdann entweder 3 lange bei, als ſie befrie⸗ digend Milch geben, und verkauft die gefallenen Kälber ſo bald wie möglich, oder man kauft nur hochträchtige oder friſchmelkende Kühe und füttert dieſe mit abnehmender Milchergiebigkeit ſo gut, daß ſie, wenn ſie zu milchen aufhören, an den Schlächter verkauft werden können, ein Verfahren, das ſich beſonders in der Nähe von Städten beim directen Verkaufe der Milch und bei dem Betriebe von Braue⸗ reien, Brandweinbrennereien lohnend erweiſet. In den meiſten Gegenden, beſ. in ſolchen, wo die Milchwirthſchaft i im Flore ſteht, gelten gewiſſe äußere Kennzeichen als Merkmal für eine gute oder ſchlechte Milchkuh. Es wäre für den Einkäufer von Milchvieh — 110— viel werth, wenn es ſolche zuverläſſige Anzeichen gäbe; zuverläſſig ſind ſi ſie aber nirgends, wohl aber mag bei gewiſſen Racen oder Schlä⸗ gen das Zuſammentreffen einer Zahl ſolcher äußeren Merkmale öfters zutreffend ſeyn. Am erſten darf man wohl noch auf eine nicht ſchlechte Milcherin ſchließen, wenn die Kuh einen nach Verhältuniß der Race mehr feinen, als groben Bau, namentlich kein ſtierähnliches(farriges) Ausſehen hat, wenn der Euter vor dem Melken groß und voll, nach dem Ausmelken aber ſchlaff erſcheint, die Milchadern ſtark ſind und eine weite Oeffnung am Emritt derſelben in die Bauchhöhle ſich zeigt. S. a. m. Rindviehz. S. 5 §. 2¹1. Das Alter ds Kuͤhe iſt nicht unwichtig in Bezug auf ihre Milchergiebigkeit, da⸗ dieſe nach dem erſten Kalben in der Regel geringer iſt, als ſpaͤter, und meiſtens erſt nach dem dritten Kalben der volle Ertrag eintritt, der ſodann je nach den Umſtaͤnden eine Reihe von Jahren ſich ziemlich gleich bleibt, endlich aber, wo nicht fruͤher, doch mit dem zehnten, ſpaͤteſtens zwoͤlften Jahre allmaͤhlig wieder geringer wird. Viel koͤmmt dabei auch auf Regelmäßigkeit im Kalben an, und nur bei den Kühen, welche jedes Jahr ohngefähr zur gleichen Zeit kalben(friſchmelkend werden), läßt ſich der zuſammengerechnete Milchertrag vergleichsweiſe beurtheilen.(§. 250.) Es iſt neuerer Zeit mehrfach verſucht worden, gute Milchkähe 4 bis 6 Wochen nach dem Kalben zu kaſtriren, wodurch ſie jahrelang gleich milchergiebig geworden ſeyn ſollen. Sollte die Operation für gewöhnlich nicht zu gefährlich für das Leben der Thiere ſeyn, auch der Erfolg in Bezug auf den Milchertrag ſich allgemein bewähren, ſo wäre dies wichtig für die Milchwirthſchaft. §. 242. Um uͤber die Beſchaffenheit der einzelnen Thiere bei einer einigermaßen zahlreichen Kuhhaltung in Be⸗ zug auf Werth, Beibehaltung, Abſchaffung, Nachzucht u. ſ. w. ein beſtimmtes Urtheil zu haben, veranſtaltet man alle 14 Tage ein Probemelken und laͤßt die an dem Tage von jeder einzelnen Kuh gemolkene Milch in eine Tabelle eintragen, woraus ſich am Ende des Jahres eine vergleichende Ueber⸗ ſicht uͤber den Milchertrag der einzelnen Kuͤhe ergibt. iſſig hlaͤ⸗ ers hte ace es) ach und ſich in ſten tens det ſ dch ſder gkeit Jgaht en, heiſe ühe ang für zuch ren, nen Be⸗ 1. 2 11 ſeder hen, zer⸗ — 111— 2. Pflege des Milchviehes. §. 243. Schon die Pflege der jungen Mutterthiere iſt auf ihre kuͤnftige Milchergiebigkeit von Einfluß, indem gute Nahrung, und ſonſtige geſunde, naturgemäße Pflege, ſanfte Behandlung, nicht zu frühe, nicht zu ſpäte Begat⸗ tung, ausgewählte Nahrung während der erſten Trächtigkeit, und verſtändiges Angewoͤhnen an das Melken nach dem erſten Kalben ſehr vieles dazu beitragen, aus einem Rinde guter Abkunft auch eine gute Milchkuh zu erziehen. Selbſt die Jahreszeit, in welcher das erſte Kalben erfolgt, iſt nicht ganz gleichgültig, indem bei jungen Kühen, welche nach dem Kalben bald in die grüne Fütterung kommen, die Milchabſonderung durch dieſe mehr befördert wird. §. 241 4. Daß ſodann von der verabreichten Fütterung, nicht blos in Bezug auf Menge und Heuwerth, ſondern noch insbeſondere auf milchwirkende Eigenſchaft, ſo wie von einer ſorgſamen Pflege in Bezug auf Traͤnke, Reinlichkeit, Stallung ꝛc. der Milchertrag in hohem Grade abhängig ſey, iſt ſo natürlich wie einleuchtend, auch im fuͤnften Capitel ausfuͤhrlich eroͤrtert. In dieſem Capitel iſt namentlich auch ein Maasſtab angedeutet (§. 220), wie ſtark unter gewiſſen Vorausſetzungen die Fütterung für Milchkühe ſeyn ſolle, damit ſie befriedigenden Ertrag geben kön⸗ nen. Das vortheilhafteſte Maas unter den gegebenen Verhältniſſen zu treffen, bleibt jedenfalls auf den Reinertrag von großem Einfluß, und wenn bei einer kärglichen Fütterung ein befriedigender Ertrag undenkbar iſt, ſo kann doch anch ein Uebermaaß in der Fütterung bei Kühen, wo nur Milchertrag, nicht auch Fettwerden Abſicht iſt, eine weniger hohe Futternutzung zur Folge haben. §. 245. Clima und Witterung haben um ſo mehr Ein⸗ fluß auf den Milchertrag, je weniger die Kühe vor den nach⸗ theiligen Einfluͤſſen derſelben geſchützt ſind. Hitze, Kaͤlte, rauhe Winde, Näͤſſe wirken ſämmtlich nachtheilig auf die Milchabſonderung; mäßige Waͤrme und etwas mehr feuchte, als zu trockne Atmosphaͤre wirken begünſtigend. II — 112— 3. Verfahren beim Melken. §. 216. Das Melken geſchieht täglich zwei⸗ oder drei⸗ mal. Bei dreimaligem Melken gewinnt man etwas mehr Milch, die Kühe werden aber auch mehr in Anſpruch ge⸗ nommen, und deßhalb iſt das dreimalige Melken nur bei reichlicher Ernaͤhrung und reichlich milchenden Kühen am Platze. Die Milch von zweimaligem Melken iſt überdieß etwas gehalt⸗ reicher, als von dreimaligem. §. 247. Wohlwollende Behandlung der Kühe von Sei⸗ ten der Melkenden, Reinhalten des Euters(Abwaſchen vor dem Melken), Geſchicklichkeit und Kraft beim Ausziehen der Milch aus den Strichen, und ganz beſonders jedesmaliges völliges Ausmelken des Euters, alle dieſe Dinge ſind auf den Milchertrag von nicht geringem Einfluß. Die Anfangs beim Melken gewonnene Milch iſt die wäſſerigſte, die zuletzt ausgezogene die fetteſte; deßhalb, und weil die öfters nicht rein ausgemolkenen Kühe ſich in der Milchabſonderung verſchlechtern, iſt das Reinausmelken ſo wichtig. §. 248. Die in den Melkkuͤbel gemolkene Milch wird von dieſem in einen in der Naͤhe ſtehenden bedeckten groͤße⸗ ren Kübel geſeihet, und nach beendigtem Melken muß die Milch alsbald aus dem Stalle oder von der Melkſtelle im Freien(letztere koͤmmt bei groͤßeren Weidewirthſchaften vor) nach der Milchkammer gebracht werden. Ueber die Gefäße zum Melken, Seihen, Transportiren der Milch ſ. m. Rindviehzucht S. 212. §. 249. Daß man das Melken nicht zu nahe bis zum Wiederkalben fortſetzen ſoll, iſt ſchon§. 167 bemerkt wor⸗ den, eben ſo wenig ſoll man aber, wenn auch der Milcher⸗ trag nicht ſtark mehr iſt, das Melken zu frühe aufgeben. Erſcheint jedoch die Milch bei ſchon lange milchenden Kühen käſig, ſo iſt dieß ein Zeichen, daß es Zeit iſt, ſie trocken ſtehen zu laſſen. Blaue oder röthliche oder käſige Milch, die zuweilen vor⸗ kömmt, rührt(ausgenommen den eben gedachten Fall) entweder von —y— hegl Stnls nat ali gei vf in? d ted 109 nnd nunt de und — 113— 1 Regelwidrigkeiten in der Ernährung oder in der Reiulichkeit des Stalls und der Gefäße ber. 1 4. Milchertrag. §. 250. Die Kuh gibt bekanntlich in der erſten Zeit nach dem Kalben die meiſte Milch; der Ertrag nimmt dann allmählig ab, bis er endlich, und zwar in der Regel einige Zeit vor dem abermaligen Kalben, ganz verſiegt. Man darf annehmen, daß bei einer groͤßeren Kuͤhezahl die Kuh im Durchſchnitt ohngefähr 300 Tage milchend iſt; ſodann daß es ein mittlerer Ertrag ſey, wenn der Centner auf Heu reducirtes fuͤr Milchkühe geeignetes Futter im Durchſchnitt 10 Maas(zu 4 Pfund oder 2 Litres) Milch bewirkt habe, und daß man Urſache habe, ſehr wohl zufrieden zu ſeyn, wenn man 11 bis 12 Maas Milch vom Centner auf Heu reducirten Futters erhalte. Folgende Tabelle gibt hiefür mit Rückſicht auf Größe der Kühe und Stärke der Fütterung noch nähere Anhaltspunkte. Wenn die Futterung einer Der jäͤhrliche T iſt, Kuh auf Heu reducirt iſt Maas Milch 4 wenn der Ctr.]) wenn der Ctr. tägli tund.ſſo iſt ſie jähr⸗ Heu 10 Maas Heu 12 Maas täglich Pfund.] ſich Etr⸗ S9 prod. Milch veod. 15 55 55560 660 20 i 556 25 551 510 1092 36 100 1000 1303 35 ſ 127 1270[1521 46 146 1460 1752 45 161 1640 ſ 1968 Da übrigens ſo ſehr viele Umſtände auf den Milchertrag von Einfluß ſind, ſo iſt leicht zu ermeſſen, daß im Einzelnen mannichfache und oft ſehr bedeutende Abweichungen von obigen Durchſchnittsan⸗ nahmen vorkommen müſſen.— Unrichtig beurtheilt man häufig die Milchergiebigkeit einer Kuh nach dem Ertrage, den ſie friſchmelkend aobwirft, denn es liegt ſehr viel daran, in welchem Verhältniß dieſer Pabſt Landwirthſchaft. II. 1. 8 — 114— Ertrag allmaͤhlig abnimmt, und wie lange die Kuh milchend bleibt. Der Unterſchied in dem, was Kühe friſchmelkend liefern, iſt übri⸗ geus begreiflich eben ſo groß, als in dem, was ſie durchs Jahr geben; man iſt bei kleinem Viehſchlag und mittelmäßiger Fütterung oft ſchon mit 4 Maas täglich von einer friſchmelkenden Kuh zufrieden, wäh⸗ rend große, milchreiche, gut gefütterte Kühe 10 bis 12 Maas friſch⸗ melkend liefern, und ſelbſt Beiſpiele von 15 bis 16 Maas angeführt werden. §. 251. Sobald die Milch nicht direct verkauft wird, ſo koͤmmt es bei der Beurtheilung des Ertrags nicht allein auf die Quantitaͤt der gemolkenen Milch, ſondern auch auf deren Qualitaͤt, d. h. auf den Gehalt an Butter⸗ und Käſe⸗ ſtoff an, was wieder von der Race und Individualitaͤt, auch dem Alter der Kühe, der Fuͤtterung, der Zeit, wie lange ſie milchen, und ſelbſt von Clima und Jahreszeit abhaͤngt. Im Allgemeinen iſt die Milch bei ſehr reichlicher Abſonderung wäſſeriger, als da, wo verhältnißmäßig wenig gemolken wird. Einnigermaßen, jedoch nicht völlig zuverläſſig, läßt ſich der Gehalt der Milch nach ihrer Schwere beurtheilen. Sicherer iſt, auf gewöhn⸗ liche Weiſe Butter und Käſe aus einer gewiſſen Quantität abzuſon⸗ dern; erhält man z. B. bei ſonſt zweckmäßigen Einrichtungen aus 25 Pfund Milch 1 Pfund Butter, ſo darf man die Milch für ſehr gut halten, ſ. auch§§. 261 und 271.— Der von Schübler em⸗ pfohlene Rahmmeſſer(Galactometer) zeigt den Rahmabſatz nach Pro⸗ centen, und iſt zu vergleichenden Unterſuchungen immerhin von Werth; nur muß man wiſſen, daß der Buttergehalt im Rahm auch wieder verſchieden ſeyn kann. 5. Verwerthung der Milch. §. 252. Es bieten ſich hiezu folgende Wege dar: direc⸗ ter Verkauf, Butterbereitung nebſt Benutzung des Ruͤck⸗ ſtandes zu Käſe ꝛc., Käſebereitung. a. Milchverkauf. §. 253. Hat man durch die Naͤhe von Städten, Fa⸗ brikorten ꝛc. Gelegenheit, die Milch zu annehmlichen Prei⸗ ———— e⸗ — 115— ſen taͤglich zu verkaufen, ſo iſt dies natürlich die einfachſte und ſicherſte Verwerthung. Es gehoͤrt dann nur ſtete Auf⸗ merkſamkeit dazu, daß nicht durch Fehler in der Futterung, in der Reinlichkeit der Gefäße, Abkuͤhlung der Milch ꝛc. dieſe von tadelhafter Beſchaffenheit, namentlich nicht ſauer wird, welches letztere ſich bei ſchwüler Luft und etwas wei⸗ tem Transporte ſo leicht ereignet; endlich daß die die Milch transportirenden Perſonen durch Verfälſchungen keine Un⸗ terſchleife treiben. Wo man einen Abnehmer für die täglich zu verkaufende Quan⸗ tität haben kann, ziehe man dies doch ja der directen Lieferung an eine größere Anzahl einzelner Haushaltungen vor, wenn das letztere auch etwas mehr einzutragen ſcheint. b. Butterbereitung. §. 25 1. Butter wird beinahe in jeder Landhaushaltung, wenigſtens für den eigenen Bedarf, gemacht; oͤfters wird ihre Bereitung bei der Milchwirthſchaft aber auch im Gro⸗ ßen getrieben. Wir vergleichen zuletzt§. 274. das Butter⸗ und Käſemachen in Bezug auf Verwerthung der Milch. §. 255. Das erſte Erforderniß zum Buttermachen iſt eine gute Milchkammer, damit der Rahmabſatz möoglichſt vollſtändig ſtattfinden kann. Sie ſoll ſo angelegt ſeyn, daß ſie im Sommer kuͤhl, im Winter mäßig warm iſt, daß ſie Licht hat und gehorig ausgelüftet, auch mit Waſſer am geplatteten Fußboden ausgeſpuͤhlt werden kann. Der Zu⸗ tritt ſchlechter, übelriechender Luft muß abgehalten ſeyn. Man bringt ſie auf der nördlichen Seite des Gebäudes, ohnge⸗ fähr halb über, halb unter der Erde an; kann man friſches Waſſer im Sommer durchfließen laſſen und die Milch in ein zu dem Ende angebrachtes Baſin ſtellen, ſo iſt dies eine weſentliche Verbeſſerung.— Auf den in der Milchkammer anzubringenden Gerüſten muß die Milch von 3 Tagen aufgeſtellt werden können. §. 256. Sobald die Milch gemolken iſt, wird ſie in die Minchkammer gebracht und in die Milchgefäße vertheilt. 8* — — 116— Dieſe haben beſſer eine flache, als tiefe Form, und ſind entweder von Holz, Steingut oder Metall. So wie der Raum nicht zu kalt iſt, ſo ſetzt ſich bei gachen Ge⸗ fäßen der Rahm vollſtändiger ab, und die Sänuerung tritt in der warmen Jahrszeit nicht ſo frühzeitig ein, als bei tiefen, engen Ge⸗ fäßen. In England bedient man ſich im Sommer zur ſchnelleren Abkühlung der Milch einer Art Kühlſchiffe. §. 257. Die Zeit, wie lange die Milch bis zum Ab⸗ nehmen des Rahms ſtehen muß, iſt ſehr verſchieden und hängt von der Witterung und der Temperatur der Milch⸗ kammer ab. Die beſte Temperatur zum Rahmabſatz iſt im Sommer 10 bis 12⁰, im Winter 13 bis 150 R., und bei ſolchem Waͤrmegrad hat ſich der Rahm in ohngefähr us Stun⸗ den, im Sommer oft ſchon in 36 Stunden voͤllig abgeſon⸗ dert. Soll die Butter vorzüglich gut werden, ſo muß der Rahm abgenommen werden, bevor die Milch darunter ſauer und dick geworden iſt, was auch, wenn man den rechten Zeitpunkt wahrnimmt, keine Verminderung des Butterer⸗ trags zur Folge hat. Man erkennt das Reifſeyn des Rayms an einer gewiſſen Con⸗ ſiſtenz, die er erlangt haben muß.— Zum Abſchöͤpfen hat man beſondere Rahmlöffel(Rahmkellen). §. 258. Der ſuͤß abgenommene Rahm bleibt, um ſich leichter buttern zu laſſen, noch ein bis zwei Tage bei maͤ⸗ ßiger Waͤrme in der Rahmſtande ſtehen, und kömmt dann in das Butterſaß, wo nun die Butter durch gleichfoͤrmige Stoͤße oder Schwingungen allmaͤhlig ausgeſchieden wird. Der Raum, in welchem das Buttern geſchieht, ſoll weder zu kalt noch zu warm ſeyn. Das Butterfaß, von Holz, hat man von verſchiedener Form. Die ge⸗ wöhnlichen, aufrechtſtehenden Butterfäſſer, auch die ſtehenden Leyerfäſſer, bei denen man den obern Deckel abheben und die Leyerflügel herausnehmen kann, ſind ganz zweckmäßig. Jedenfalls muß ein gut conſtruirtes Butter⸗ faß leicht aufs vollkommenſte gereinigt und danach noch gut gelüftet werden köunen, auch muß es bei dem Buttern ſelbſt den Zutritt der Luft geſtatten. Die Leyerfäſſer mit kleiner Oeffnung und nicht her⸗ ————„ͤ22ͤ—=gmn, — — — 117— ausnehmbaren Flugeln entſprechen dieſen Bedingungen nicht⸗— Je größer die Quantität des auf einmal zu verarbeitenden Rahmes iſt, um ſo wichtiger werden Einrichtungen, welche die Arbeit erleichtern; man nimmt zu dem Ende Waſſer⸗ oder Thierkraft zu Hülfe. In manchen Gegenden von Norddeutſchland, England und den Niederlanden buttert man den Rahm ſamt der halb dickgewordenen Milch, wobei man mehr Butter erhält(Martens erhielt bei Ver⸗ ſuchen im Größeren 22 Procent Butter mehr, ſ. S. 315 ſeines Bu⸗ ches); dagegen iſt bei jenem Verfahren die Arbeit des Butterns bedeu⸗ tend vermehrt, und ſehr wahrſcheinlich hat die ſo erhaltene große Menge Buttermilch auch zum Käſen einen geringeren Werth; dage⸗ geu iſt ſie beliebt als Getränke für die Leute, ſo wie zur Nahrung der Kälber. §. 259. Hat ſich durch das Buttern die Butter in Klumpen ausgeſchieden, ſo wird ſie durch Seihen von den fuͤſſigen Theilen(der Buttermilch) getrennt, dann wird die Butter in eine Wanne(im Großen in dem ſogenannten Buttertroge) durch Kneten und Druͤcken, unter mehrmali⸗ gem Uebergießen von kaltem Waſſer, von den ihr noch an⸗ hängenden Milchtheilen voͤllig getrennt, und nun entweder friſch verbraucht oder friſch verkauft, oder eingeſalzen oder ausgeſchmolzen. Das ſtarke Bearbeiten mit Waſſer wird von aufmerkſamen Mol⸗ kereiverſtändigen nur im Sommer wegen der Wärme gutgeheißen; ſie glauben, daß Farbe und Geſchmack dadurch leiden. Wo der Butterhandel im Größeren getrieben wird, iſt das Ein⸗ ſalzen unerläßlich, und muß mit Vorſicht und Sachkenntniß geſchehen, indem man das fein zerriebene Salz durch Kueten innig mit der Butter vermiſcht und dieſe dann in Tonnen einſchlägt; man braucht auf 12 bis 20 Pfund Butter 1 Pfund Salz. Ausführliches über die Behandlung der Butter ſindet man in dem angeführten Werke von Martens, in A. v. Leugerkes Beſchreibung der holſteiniſchen Landwirthſchaft u. a. Ausgeſchmolzene Butter iſt nur zum Kochen und Backen anwend⸗ bar; ſie verliert durch das dadurch ſtattfindende Ausſcheiden der Käſetheile, Wäſſerigkeit ic. 15 bis 20 Prmnbnt au Gewicht, und wenn ſie ſchlecht war, noch mehr. ———— — 118— Um der Butter die beliebte gelbe Farbe zu geben, wird ſie hänfig mit dem Safte von Möhren oder Ringelblumen oder mit aufgelöß⸗ tem Orlean gefärbt. §. 260. Die Handhabung der groͤßten Reinlichkeit bei den Gefäßen, in den Räumen, von Seiten der Perſonen, welche bei dem Milchweſen beſchaͤftigt ſind, iſt eine Be⸗ dingung, ohne deren vollſtaͤndige Erfuͤllung das Buttermachen nie zu ganz guͤnſtigen Reſultaten fuͤhren kann. §. 261. Der Gewinn an Butter aus einer gewiſſen Quantität Milch hängt natürlich zunaͤchſt von der Qualität der letzteren, dann aber auch von dem Verfahren beim But⸗ tern ab.— Von gewöoöhnlich guter Milch ſoll man von 6 ½ bis 7 Maas(à 2 Litres) im Durchſchnitt 1 Pfund (½ Kilogramm) Butter erhalten; es gibt zwar auch Beiſpiele, wo man ſchon von 4 c½ Maas 1 Pfund erhält, oft findet man aber auch, daß der Milchbedarf für 1 Pfund Butter bis zum Doppelten, bis zu 9 Maas, ſteigt. Die meiſte Butter gibt es gewöhnlich bei der Weide in den erſten Monaten, bei vorzüglich gutem Grünfutter, bei Kohlfütterung im Herbſte ꝛc. Das Winterfutter bewirkt meiſtens weniger, auch weniger gute Butter. Das Verhältniß der Butter zum Rahm iſt ohngefähr ſo anzu⸗ nehmen, daß man zu einem Pfund Butter vier Pfund(eine Maas) Rahm von mittelguter Qualität bedarf. §. 262. Um durch das Buttermachen eine gute Ver⸗ werthung der Milch zu erzielen, iſt weiter erforderlich, daß die abgerahmte Milch auf eine zweckmäßige Weiſe zu Käſe verarbeitet wird. Wer die abgerahmte Milch blos zur Ver⸗ fütterung mit Schweinen verwendet, wird es niemals zu einer befriedigenden Verwerthung der Milch mittelſt der Butterbereitung bringen. Das Weitere in§. 272 ff. c. Käſemachen. §. 263. Durch eine zweckmaͤßig betriebene Kaͤſeberei⸗ tung kann in vielen Faͤllen eine ſehr gute Verwerthung der ⸗ — 119— Milch erzielt werden, und in mehreren Ländern beruht der Ertrag aus der Milchwirthſchaft hauptſächlich darauf. §. 264. Je nach Verſchiedenheit der verwendeten Milch und des Verfahrens werden ſehr vielerlei Arten von Kaͤſe producirt. Der Hauptunterſchied beruht jedoch in Bezug auf Verfahrungsart zunaͤchſt darauf, ob man den Käſe ſamt den noch in der Milch enthaltenen Fett⸗(Butter⸗) Theilen aus der noch ſüßen Milch künſtlich ausſcheidet, oder ob man die Milch der natuͤrlich eingetretenen Saͤuerung und Abſcheidung des Käſeſtoffes überlaſſen hat. Jene Art nennen wir Suͤß⸗ milch⸗, dieſe Sauermilch⸗Kaͤſe. a. Süßmilchkäſe. §. 265. Die Fabrikation des Süßmilchkäſes bedarf einiger Vorrichtungen, nämlich einer Kaͤſeküche mit einem an einem beweglichen Krahnen hängenden Keſſel mit Ein⸗ richtung zum Unterfeuern, mit einer Kaͤſepreſſe, Formen und mehrerer anderen kleineren Geraäthſchaften, dann eines Käſekellers, ähnlich wie die§. 255 beſchriebene Milchkam⸗ mer angelegt. Bei einigen Methoden der Käſetabrikation ſt ſund Keſſel oder Preſſe nicht erforderlich. §. 266. Weiter haͤngt die Beſchaffenheit des Kaͤſes davon ab, ob man die friſch von der Kuh gekommene Milch verarbeitet, oder ob man vorher den Rahm theilweiſe oder faſt ganz abnimmt, ohne daß jedoch die Milch darunter ſauer geworden iſt. Man nennt danach den Kaͤſe fett, halb⸗ fett oder mager. Die Vortheilhaftigkeit der Wahl des einen oder andern Verfahrens haͤngt von den Preiſen der Käſeſorten, der Gelegenheit zu deren Abſatz und der Ver⸗ werthung des abgenommenen Rahms ab. Zu den fetteteſten Käſearten wird noch Rahm zu der friſch ge⸗ molkenen Milch genommen. — 120— §. 267. Die Ausſcheidung der Käſetheile aus der Milch wird bei faſt allen Methoden mittelſt des ſogenannten Labs bewirkt, das aus dem Labmagen der geſchlachteten Saug⸗ kälber bereitet wird. Ausnahmsweiſe wird die Milch auch durch eine Säure, namentlich Salpeterſaͤure, geſchieden. Man erhält z. B. Lab, indem man heißes Waſſer in den nicht entleerten, nur etwas geſalzenen Kälbermagen gießt, etwa 24 bis 48 Stunden darin läßt und dann abgießt.. N §. 268. Das weitere allgemeine Verfahren iſt, daß man die Milch zu einem maͤßigen Grade erwaͤrmt(iſt ſie noch ganz kuhwarm, ſo kann auch das Erwärmen unter⸗ bleiben), dann ſo viel Lab hineinrührt, als zur Scheidung in Zeit ¼ bis 1 Stunde noͤthig iſt, die Trennung des Kaͤſes von der Molken dann durch Verarbeiten und Waͤrme noch weiter zu bewerkſtelligen ſucht, endlich den herausge⸗ nommenen Kaͤſe in Formen bringt, mehr oder weniger preßt, ſalzt und in der Kaͤſekammer bei weiterer ſorgſamer Be⸗ handlung einen gewiſſen Grad der Reife erlangen laͤßt, wozu je nach der Größe der Käſe von 2 Monaten bis zu einem Jahre Zeit nöthig iſt. Man macht die Kaͤſe von 1 bis zu 50 Pfund und noch ſchwerer; täglich einen größeren oder mehrere kleinere Käſe. §. 269. In jedem Landſtriche, wo man ſolche Kaͤſe macht, hat man wieder im Speciellen eine andere Methode; man bezeichnet deßhalb die Kaͤſearten nach den Gegenden, wo ſie gemacht werden, und da ſie im Handel weit verſen⸗ det werden, ſo haben manche auf weithin einen Ruf, wie die Schweizer⸗, engliſchen, hollaͤndiſchen, wimburger⸗, Par⸗ meſan⸗Käſe u. a. m. Der gewöhnliche Schmeizerkäͤſe 3, B. wird ziemlich ſtark gelabt, bei der Verarbeitung etwas ſtark erwärmt, ſehr ſtark ausgepreßt, ſo daß er möglichſt ſeine Wäſſerigkeit verliert und ſehr feſt wird; geſal⸗ zen wird er erſt nach und nach in der Käſekammer.— Der Par⸗ meſankäſe wird dem ähnlich behandelt, doch langſamer, kühler und mit weniger Lab geſchieden, ſpäter noch mehr erwärmt ꝛc.— Zum — 121— Limburger Kaͤſe wird die Milch nur wenig erwärmt, auch ſpäter im Keſſel nicht verarbeitet, ſondern, nachdem ſie durch das Lab zum Gerinnen gebracht, nur wenig durchſchnitten und dann in viereckige Formen(Käſtchen) mit Löchern zum Ablaufen der Molken geſchöpft, in dieſen wenig oder gar nicht ausgedrückt, ſtark geſalzen, ſo daß der Käſe in kleiner viereckiger Form und viel weicher, ſchärfer und fauliger als der Schweizerkäſe erſcheint.— Die Edamer Käſe(beſten holländiſchen), die engliſchen Cheſterkäſe u. a. werden in Zübern ausgeſchieden, indem man das Lab zu der friſchgemolkenen, nöthigen⸗ falls mit hinzugegoſſenem heißem Waſſer erwärmten Milch thut, den Köſe weiterhin auch wieder von obigen abweichend behandelt, färbt u. ſ. w. Ausführlichere Anleitungen zur Fabrikation der verſchiedenen Käͤſearten findet man in den ſchon bei der Butterbereitung angeführ⸗ ten Werken, in mehreren bechniſchen Schriften, auch in meiner Rind⸗ viehzucht. §. 270. Die zurückbleibende Molke kann noch mehr⸗ faͤltig benutzt werden. Man kann mittelſt Erhitzen und Zu⸗ gießen von Milcheſſig noch zuruͤckgebliebene Kaͤſetheile, den ſogenannten Zieger, ausſcheiden und dann die nun ver⸗ verbleibende hellere Molke, in der Schweiz Schotten genannt, trinken, zu Eſſig verarbeiten, auch den Milchzucker durch Abdampfen gewinnen; man kann auch durch Hinſtellen der Molken noch etwas geringen Rahm und daraus einige But⸗ ter von geringer Qualität erhalten; unter allen Umſtänden ſind die Molken und Schotten ein ſehr gutes Schweinefut⸗ ter, erſtere iſt auch für die von der Milch abgeſetzten Kaͤl⸗ ber ſehr angenehm. Aus dem Zieger, der friſch, wie geſal⸗ zen genoſſen wird, bereitet man in der Schweiz auch den berühmten Schabzieger(Kraͤuterkäſe). §. 271. Daß der Ertrag an Kaͤſe aus einer gewiſſen Menge Milch ſehr verſchieden ſeyn muͤſſe, iſt aus dem bis⸗ her Vorgetragenen abzunehmen. Außer der Qualität der Milch koͤmmt es in dieſer Beziehung ganz beſonders auf die Verfahrungsart an. Wird nach einer der Methoden ver⸗ fahren(wie z. B. bei dem Schweizerkäſe), wo ſtark gepreßt — 122— wird und der reife Kaͤſe ganz feſt erſcheint, ſo darf man bei fetter Milch von 10 bis 13 Pfund, bei halbfetter von 13 bis 16 Pfund, und bei magerer Milch von 16 bis 20 Pfund Milch ein Pfund verkaͤuflichen Käſe rechnen; bei weicheren Käſearten(z. B. Limburger) kann man ſchon aus g8 bis 10 Pfund fetter oder wenigſtens nur zum Theil halb⸗ abgerahmter Milch ein Pfund Kaͤſe rechnen. Der ſtark gepreßte Käſe, der eben aus der Form kömmt, ver⸗ liert, bis er reif iſt, noch 15 bis 25 Procent ſeines Gewichts. An friſchem Zieger erhält man von der Molke von 6 bts 8 Maas verkäßter Milch ohngefähr 1 Pfund. Aus 3 bis 4 Maas abgedampf⸗ ter Schotten kann man ein Pfund rohen Milchzucker erhalten. 9. Sauermilchkäͤſe. §. 272. Hierunter verſtehen wir den Kaͤſe, welcher aus der von ſelbſt ſauer und dick gewordenen abgerahmten Milch beinahe überall in den Haushaltungen in Deutſchland gemacht und gewöhnlich Handkaͤſe genannt wird. §. 273. Die abgerahmte dicke Milch wird zu dem Ende durch Erwärmen vollends zum Scheiden der Molken von den Käſetheilen(dem Quark oder der Matte) gebracht. Durch Abgießen, Aufhaͤngen in einem Sacke und Preſſen wird die Molke abgeſondert, dann der Quark geknetet, mit Salz, gewoͤhnlich auch etwas Kümmel vermiſcht, und nach etwa 24 Stunden zu kleinen Käſen, gewöͤhnlich mit der Hand, geformt. Dieſe werden an der Luft oder Ofenwaͤrme getrocknet und dann in Töpfe oder Faͤſſer eingelegt, in denen ſie vollends gut werden. Bei nicht ſchlechter Milch kann man von 16 bis 18 Pfund abgerahmter Milch 1 Pfund fer⸗ tigen Handkaͤſe erhalten. Man findet auch wieder in der Methode, der Form ꝛc. mancher⸗ lei Abweichungen; durch Zuſatz von Rahm bei dem Verarbeiten des Quarks verbeſſert man den Käſe. — 123— d. Vergleich der verſchiedenen Wege zur Verwerthung der Milch. §. 274. Wenn zum directen Verkaufe der Milch teine günſtige Gelegenheit vorhanden iſt, ſo bleibt die Wahl zwi⸗ ſchen Butter⸗ und Käſemachen oder einer Verbindung beider. Die Localverhältniſſe müſſen zwar auch hier, wie ſich von ſelbſt verſteht, zunaͤchſt ſpeciell entſcheiden; in der Regel bringt indeſſen die Verarbeitung zu gutem Süßmilchkäſe, indem man entweder die ganz fette Milch verarbeitet, oder von einem Theile derſelben, oder ſelbſt von aller vorher einen Antheil Rahm zur Verarbeitung auf Butter vorweg nimmt und nur halbfetten oder ſelbſt mageren Süßmilchkaͤſe macht, mehr ein, als das Buttermachen in Verbindung mit Hand⸗ kaͤfe. Es gehoͤrt jedoch dazu, daß man gute Einrichtungen trifft, einen geſchickten Käſer hat, eine bedeutende Quan⸗ titaͤt Milch täglich verarbeiten kann(im Kleinen verlohnt ſich der Kaͤſerei⸗Betrieb nicht) und Abſatz fuͤr den Kaͤſe ſich zu verſchaffen und zu erhalten weiß. Bei vergleichenden Berechnungen iſt auch mit in Betracht zu ziehen, daß bei dem Käſemachen das Capital länger in dem Fabri⸗ kate unverzinßt ſtecken bleiben muß und daß wegen der Möglichkeit des Verderbens oder des Mangels an Abſaß das Riſico auch größer iſt, als beim Buttermachen. In Norddeutſchland werden auf den großen Gütern die Milch⸗ wirthſchaften häufig nach der Kopfzahl der Kühe an beſondere Unter⸗ nehmer verpachtet; beſſer möchte die in Süddeutſchland mitunter vorkommende Einrichtung ſeyn, daß man die täglich gemolkene Milch um beſtimmten Preis einem Käſer überläßt. Man findet daſelbſt auch Käſer, welche ſich in Dörfern niedergelaſſen haben, wo ſie von einer Anzahl Bauern die Milch kaufen und zuſammen verkäſen. Daß man nur bei der Weidewirthſchaft, wie in der Schweiz, Limburg, Holland ꝛc. guten Käſe machen könne, und nicht auch bei guter Stallfütterung, wie man ſonſt wohl gewähnt hat, iſt durch eine große Menge von Beiſpielen längſt widerlegt; auch gibt es in mehreren deutſchen Ländern, z. B. Würtemberg, Baden, mehrfache Gelegenheiten, das Käſen zu erlernen, oder angelernte Kaſer zu beziehen.. III. Die Maſtung. §. 275. Die Maſtung von Rindvieh wird als Haupt⸗ und als Nebenſache getrieben. Zur Hauptſache wählt man ſie, wenn die vorhandenen Futterſtoffe vorzüglich fuͤr Maſt⸗ vieh geeignet ſind, und zu einem guten Abſatz des gemäſte⸗ ten Viehes Gelegenheit vorhanden iſt, waͤhrend die Local⸗ verhältniſſe fuͤr Milchwirthſchaft und Aufzucht weniger geeig⸗ net ſind. Als Nebenſache koͤmmt die Maſtung ſehr haͤufig vor, um ausgebrauchte Zugochſen und Kühe zu verwerthen. Die Maſtung bietet im Vergleiche zu den anderen Nutzungsarten noch den beſonderen Vorzug, daß man am leichteſten den Betrieb nach dem Futtervorrath einrichten kann, daß das TCapital ſchneller umgeſetzt wird, und der Dünger nach Verhältniß des Futters einen etwas höheren Werth hat. S. 276. Wir haben bei der Maſtung beſonders zu berückſichtigen: die Auswahl des Maſtviehes, die Maſtungs⸗ methode, die Dauer der Maſt, die Schätzung des Maſt⸗ viehes und den Ertrag, der durch die Maſtung erzielt wer⸗ den kann. 1. Auswahl des Maſtviehes. §. 277. Junge, noch nicht ausgewachſene Thiere kön⸗ uen zwar oͤfters auch mit Vortheil zur Maſt aufgeſtellt wer⸗ den; ſie ſetzen jedoch verhältnißmaͤßig weniger Fett an und ihr Fleiſch iſt auch nicht ſo kräftig, als von ſolchen, welche im beſten Alter ſtehen. Zu alte Ochſen oder Kuͤhe maͤſten ſich ſchwer und liefern ein zaͤheres Fleiſch. Das beſte Alter zum Maͤſten iſt beim Rindviehe vom fuͤnften bis zum neun⸗ ten, bis zehnten Jahre. Viel kömmt dabei auch darauf an, wie die Thiere bisher ge⸗ pflegt und behandelt worden ſind. §. 278. Wenn die Maſtung in einiger Ausdehnung getrieben werden ſoll, ſo waͤhlt man hauptſaͤchlich Ochſen, — 125— die ſchon in der Jugend caſtrirt wurden(ſ.§. 234). Kühe werden zwar in der Regel uncaſtrirt gemaͤſtet; man caſtrirt aber auch Rinder und junge Kuͤhe, um ſie zur Maſt geeig⸗ neter zu machen. Bereits zur Zucht gebrauchte Bullen mäſten ſich ſchlecht, und liefern ein ſehr grobfaſeriges, ſchlechtes Fleiſch. Werden ſie eaſtrirt und noch einige Zeit zum Zuge gebraucht und dann erſt gemäſtet, ſo wird das Fleiſch viel beſſer, und die Maſtung hat oft noch guten Erfolg.— Kühe, welche geſund und nicht zu alt ſind, nur wenig Milch geben, auch nicht den Fehler haben, periodiſch rinderig zu werden, mäſten ſich in der Regel ſchnell. Man thut wohl, ſie zum Bullen zu laſſen, wenn ſich der Begattungstrieb während der Maſt zeigt, und es thut dieſer weit weniger Abbruch, wenn ſie trächtig geworden ſind, als wenn ſie öfters wieder rinderig werden.— Caſtrirte Rinder oder caſtrirte junge Kühe ſollen ſich noch beſſer, als junge Ochſen mäſten, und ein ganz ausgezeichnetes Fleiſch liefern; es wird deßhalb die Operation, obgleich ſie unter nicht ſehr geübten Hänsen(zumal bei Kühen, ſ.§. 241), für die Thiere gefährlich ſeyn kann,— in mehreren Ländern, wie in Italien, der Schweiz, Eng⸗ land, öfters ausgeführt. Am beſten thäte man zu dem Ende ohne Zweifel, ſchon diejenigen Mutterkälber zu caſtriren, welche man im 3, oder 4. Jahre mäſten will. §. 279. Sehr viel liegt beſonders daran, daß die zu mäſtenden Ochſen oder Kühe vollkommen geſund ſind und von Natur gute Anlagen zur Maſtung haben. Es laͤßt ſich dies an dem aͤußeren Verhalten ſchon ziemlich ſicher erken⸗ nen; namentlich ſehe man auf ein munteres und doch nicht Wildheit verrathendes Auge, regelmaͤßigen Herzſchlag, nicht feſt aufſitzende, beim Anfuͤhlen leicht nachgebende Haut, und auf einen weit, breit und lang gebauten Koͤrper. Es gibt Racen, welche ſich leicht mäſten, aber doch einen für Maſtvieh theilweiſe unvollkommenen Körperbau haben, wie dies z. B. bei manchen deutſchen Landracen mit ihrem ſchlecht gebauten Hinter⸗ theil der Fall iſt. Es kann demohngeachtet der Mäſter ſich bei ſol⸗ chen Thieren beſſer ſtehen, als bei ſchöner gebauten, die ſich aber ſchwer mäſten laſſen. Das vollkommenſte iſt aber: eine Vereinigung guter Anlage mit tadelloſem Körperbau. — 126— §. 280. Wenn ſich nach dem Aufſtellen einer größeren Zahl von Maſtthieren bei einzelnen ein Zurückbleiben im Zunehmen zeigt, ſo thut man in der Regel beſſer, dieſe ſo bald wie moͤglich abzuſetzen, als durch um ſo laͤngere Dauer der Maſt das Fettwerden ſchlecht qualificirter Individuen erzwingen zu wollen. §. 281. Ob man groͤßere oder kleinere Thiere zur Maſt aufſtellen ſolle, haͤngt hauptſächlich von der ſich dar⸗ bietenden Gelegenheit zum Ein⸗ und Verkaufe ab. An und für ſich kann man weder den großen noch den kleineren Thieren den Vorzug einraͤumen. 1 Wenn große Ochſen längere Zeit brauchen, um vollkommen aus⸗ gemäſtet zu werden, als kleinere, ſo deckt der höhere Erlös für erſtere in der Regel auch den höheren Futteraufwand. Wo Mauth und Octroi dem Stück nach zu zahlen ſind, ſind die großen Thiere im Vorzug. 2. Maſtungsmethoden. §. 282. Die Maſtungsmethode haͤngt hauptſächlich von den gewählten Futtermitteln und deren Zubereitung ab. Die wichtigſten Futterſtoffe ſind in dieſer Beziehung: Doͤrr⸗ futter, Wurzelwerk, Abfaͤlle techniſcher Gewerbe, Getreide, Gruͤnfutter mit Inbegriff der Weide. §. 283. Ob man den einen oder andern Futtergegen⸗ ſtand als Haupttheil oder, in ſo ferne es zugleich ſeine Be⸗ ſchaffenheit zuläßt, ſelbſt als einzigen Beſtandtheil des Maſt⸗ futters wähle, und danach die Maſtungsmethode beſtimme, haͤngt von der näheren Kenntniß der Futterſtoffe, der Lo⸗ calitaͤt, namentlich in wie ferne dieſe zur Production des einen oder andern Futterſtoffes geeigneter iſt, der Jahreszeit, und dem Werthe ab, zu dem wir die verſchiedenen Stoffe unter den gegebenen Verhältniſſen zu einander zu berechnen haben. §. 284. Nur mit ausgezeichnet nahrhaftem(fettem) Heu und Grummet kann man ohne weitere Zuſätze von Kraftfutter mit gutem Erfolge mäſten; ahnlich verhaͤlt es ſich mit der Weide⸗ und Grünfuttermaſt. Mit den nahr⸗ hafteren Wurzelwerk⸗ oder Kohlarten kann, neben ange⸗ meſſenem Zuſatz von Trockenfutter, ſchon eine ziemlich gute Maſt erreicht werden; ein Zuſatz von noch kräftigerem Fut⸗ ter, wenigſtens in der zweiten Haͤlfte der Maſtzeit, wird jedoch auch hierbei häufig rathſam, wenn eine vollſtaͤndige Maſt erreicht werden ſoll. Als das wirkſamſte Zuſatzfutter für ſolche Fälle kennen wir bereits das Getreide, welches unter Umſtaͤnden aber auch ein Hauptgegenſtand des Maſt⸗ futters ſeyn kann(§. 215). Auch die Oelkuchen, in nicht zu ſtarkem Verhältniſſe verwendet, dienen häufig als Kraft⸗ futterzuſatz. Die Abfaͤlle der Bierbrauereien, Staͤrke⸗ und Runkelzuckerfabriken ſind ſo wirkſame Maſtfuttermittel, daß ſelbſt das dazu zu ſetzende Trockenfutter groͤßtentheils in Stroh beſtehen darf, und dennoch eine gute Maſtung erzielt werden kann. Ein nur mittelmaͤßiges Maſtfutter iſt das Brandweinſpuͤhlicht, beſonders das bei der Kartoffelbrand⸗ weinbrennerei abfallende. Je mehr man Getreide zuſetzt, um ſo wichtiger wird eine zweckmäßige Vorbereitung deſſelben. Es erweiſet ſich namentlich die Vorbereitung durch Gährung mittelſt Sauerteig bei der Maſtung vorzüglich wirkſam, auch die neuere Methode, die rohen Kartoffeln durch Selbſterhitzung in Gährung zu ſetzen(ſ.§. 216), iſt dafür ſehr zu empfehlen.— Daß überhaupt eine geeignete Vorbereitung der Futterſtoffe und eine ſorgfältige Pflege beim Maſtviehe am aller⸗ wichtigſten ſey, iſt aus dem Vorausgegangenen zu erſehen, worauf auch hinſichtlich der näheren Kenntniß und Zuſammenſetzung der Fut⸗ terſtoffe hingewieſen werden muß(z. vergl.§§. 78. 100. 101. 102. 216. 217). Sppeciellere Anleitung über die Maſtung des Rindviehes, Zube⸗ reitung des Maſtfutters ꝛc. enthalten die Eingangs angeführten Schriften, insbeſondere aber auch das ſchätzbare Werk von Leuchs: Anleitung zum Mäſten. Nürnberg 1817. §. 285. Die Wirkung der Maſtfuttermittel iſt nicht nur in Bezug auf Gewichtszunahme der Maſtthiere uͤber⸗ — 128— haupt, ſondern insbeſondere auch in Bezug auff das Ver⸗ hältniß zwiſchen Fleiſch und Fett, ſo wie auf Güte und Geſchmack beider verſchieden. Im Allgemeinen kann in die⸗ ſer Beziehung namentlich angenommen werden, daß die mehr Kleber, Eiweiß, Zuckerſtoff enthaltenen Futtergegenſtaͤnde vorzugsweiſe auf ſtärkeren Fettanſatz wirken, waͤhrend die reinſtaͤrkemehlartigen verhältnißmäßig mehr auf Fleiſch⸗ als Fettanſatz wirken. Feſtere, derbere Futterſtoffe bewirken feſteres, ſchmackhafteres Fleiſch, feſteren Talg, als zu ſehr verdünnte oder von Natur zu waͤſſerige. §. 286. Wenn das zur Maſtung aufgeſtellte Vieh noch in ziemlich magerem Zuſtande iſt, ſoll man zwar nicht ſogleich zum vollen Maſtfutter uͤbergehen(ſ.§. 99). Eine raſche, und zu dem Ende auf ſehr reichliches, gut ausge⸗ wähltes und gut vorbereitetes Futter baſirte Maſtung kann aber, wie überhaupt, ſo beim Rindviehe insbeſondere, nicht genug empfohlen werden. Das Anhalten zur näheren Beſtimmung der täglichen Quanti⸗ tät des Maſtfutters ergibt ſich nach§§. 82. 100. 187. 203. 220.— Der Bedarf an Maſtfutter muß demnach nach dem Gewichte der Maſtthiere im Leben beim Aufſtellen ermittelt werden, und verhält ſich zwiſchen 4 und 4 ½ Pfund Heuwerth täglich auf den Centner, zuweilen(bei ſehr mager aufgeſtellten Thieren) bis zu 5 Pfund.— Wiegt z. B. ein mittelgroßer Ochſe beim Anfang der Maſtung 12 Centner(lebendig), ſo muß man in der vollen Maſt wenigſtens 50 Pfund auf Heu reducirtes Maſtfutter auf ihn rechnen. 3. Dauer der Maſt. §. 2 Ob man laͤngere oder kürzere Zeit an den aufgeeiten Thieren maͤſten ſoll, hängt von dem Zuſtande und der Maſtfaͤhigkeit des gewaͤhlten Viehes, der Maſtungs⸗ art und der ſich darbietenden Gelegenheit zum Verkaufe ab. Man findet deßhalb eine Dauer der Maſtung von ¹2 bis zu 25 Wochen, und zuweilen noch langer. ſen bork Sac h iie Per⸗ it und 1 di⸗ Rener teläede end de G⸗ äl wirken tſehr h noch richt Ein aubge⸗ g kann „riht Quanti⸗ 20,- e der erhäͤlt utner, d.— 9 12 gſtens deg ſtande du e ſu — 129— §. 288. In der Regel iſt es das vortheilhaftere, kein ganz mageres Vieh zur Maſtung zu beſtimmen, das im Zu⸗ nehmen begriffene aber ſo lange fortzumäſten, als es im Schwerer⸗ und Fettwerden nicht nachläßt, dann aber es zu verkaufen, ſobald ſich ein ſchwächeres Zunehmen zeigt, vor⸗ ausgeſetzt, daß nicht wegen augenblicklichem Mangel an ange⸗ meſſener Gelegenheit zum Verkaufe noch gewartet werden muß. Jeder intelligente Viehmäſter wird mit Rückſicht auf Zeit⸗ und Localverhältniſſe und nach Verhältniß des aufgewendeten Futters, ſo wie des Werths oder Ankaufspreiſes des Maſtviehes beim Anfange der Maſtung von Zeit zu Zeit ſeine Rechnung machen, den Zuſtand ſeines Maſtviehes damit in Vergleich ſtellen, und ſich danach bei vorkommender Verkaufsgelegenheit zu verhalten wiſſen.— Wer die Sache ins Größere treibt, ſollte ſich ſtets eine Viehwaage halten, und von Zeit zu Zeit durch Wägen ſich von dem Zunehmen der ein⸗ zelnen Thiere und dem Fortſchreiten der Maſtung im Ganzen zu überzeugen ſuchen(§. 290). 4. Schaͤtzung des Maſtviehes. §. 289. Nächſtdem daß der Viehmäſter beim Einkaufe des aufzuſtellenden Viehes mit Umſicht und Sachkenntniß verfährt, iſt es begreiflich für ihn beſonders wichtig, daß er den Werth ſeiner zum Verkaufe beſtimmten Thiere moͤg⸗ lichſt genau zu ſchaͤtzen weiß. Dieſen Werth zu beſtimmen, ſucht man zu ermitteln, wie viel das Gewicht(das ſogenannte Schlächtergewicht) an Fleiſch, dann an Talg und Haut beträgt, das nun weiter in Geld angeſchlagen wird. §. 290. Die gewöͤhnliche Schaͤtzungsmethode beruht auf Uebung nach dem Augenmaße, Betaſten, Befühlen u. ſ. w., wobei vorauszuſetzen, daß eine gewiſſe Sicherheit hierin nur zu erlangen iſt, wenn man oͤfters dem Schlachten und Wie⸗ gen von vorher geſchätztem Viehe angewohnt hat. Ziemlich ſicher iſt auch die Schätzung nach dem Gewichte im Leben, wenn man das Verhaͤltniß kennt, wonach daraus auf das Schlaͤchtergewicht zu abſtrahiren iſt. Auch hat man neuerer Pabſt Landwirthſchaft II. 1. 9 — 130— Zeit eigens eingerichtete Meßbaͤnder, wonach man ſchnell das Gewicht der gemaͤſteten Thiere überſchlagen kann. Man kennt eine Menge Verſuche über den Unterſchied im Ge⸗ wichte der Thiere im Leben zum Fleiſch und Fett nach dem Schlach⸗ ten, und hat je nach dem Zuſtande der Fettigkeit, der Größe ꝛc. zwiſchen 50 bis 65 Procent an Fleiſch(die 4 Viertel ohne Kopf, Füße ꝛc.) und 4 bis 10 Procent an Talg vom Gewichte im Leben erhalten. Auf 100 Pfund Fleiſchgewicht kommen 10 bis 18 Pfund Haut.— Mehrere früher bekannt gewordene Formeln, nach der Meſſung des Umfangs ꝛc. das Gewicht zu berechnen, haben ſich nicht bewährt; dagegen wird von einer neuerer Zeit von Mathieu des Dombasle in Roville erfundenen, und von da aus bekannt ge⸗ wordenen Methode gerühmt, daß ſie einfach und möglichſt zuverläſſig ſey. Sie beruht auf einer Meſſung des Rumpfs hinter den Schul⸗ tern mittelſt eigens dazu eingerichteter Meßbänder; eine Tabelle weißt dann nach Maasgabe der durch die Meſſung erhaltenen Zahl das Fleiſchgewicht näher nach. 1 5. Beurtheilung des Gewinns bei der Maſtung. §. 291. Der Ertrag der Maſtung beſteht in dem Mehr⸗ erloͤs beim Verkaufe gegen den Ankauf oder Schätzungswerth des aufgeſtellten Maſtviehes, in Vergleich geſtellt mit dem conſumirten Futter und deſſen Werth. §. 292. Es wäre ſehr wuͤnſchenswerth, aͤhnlich wie hinſichtlich des Milchertrags(§. 250), aus vielfach angeſtell⸗ ten Verſuchen Anhaltspunkte zu erhalten, wie viel bei gut betriebener Maſtung der Centner auf Heu reducirten Maſt⸗ futters an Fleiſch und Fett produciren müſſe; es ſind jedoch darüber nur wenig zuverläſſige Reſultate bekannt. Dieſe wenigen mir bekannt gewordenen, zuſammengeſtellt mit meh⸗ reren ſelbſt gemachten Beobachtungen, geben bis jetzt das Reſultat, daß man Urſache habe, zufrieden zu ſeyn, wenn der Centner auf Heu reducirten Maſtfutters 3 ½ bis 4 Pf. Fleiſch und Fett erzeugt habe. Daß übrigens daraus allein noch nicht der eigentliche Nutzen des Maſtbetriebs berechnet werden könne, iſt leicht einzuſehen, indem 2 N — 131— durch die Maſtung das beim Anfange derſelben ſchon vorhandene Fleiſchgewicht an ſich einen höheren Werth erhält, während der An⸗ kaufswerth der zur Maſt aufzuſtellenden Thiere ſich anderer Seits nur theilweiſe nach ihrem augenblicklichen Gewichte, anßerdem aber auch nach verſchiedenen anderen Umſtänden richtet.(Man vergl. auch die Anmerkung zu§. 275.) Kälbermaſt. §. 293. Die nicht zur Aufzucht beſtimmten Kaͤlber werden gewoͤhnlich ſchon in einem Alter von 2 bis 3 Wochen an den Schlächter verkauft, nachdem ſie bis dahin auf die gewöhnliche Weiſe mit Milch genährt worden ſind(§. 173). Unter eigentlicher Kaͤlbermaſt verſteht man aber ein Ver⸗ fahren, wobei die Kaͤlber bis zum Alter von 2 bis 3 Mo⸗ naten reichlich mit Milch gefuͤttert werden, der man ſpäter auch Eier, eingeweichtes Brod und dergleichen mehr zuſetzt, wodurch dieſe Maſtkälber ein ſehr anſehnliches Gewicht errei⸗ chen und auch ihr Fleiſch ganz vorzuͤglich wird. Man hält in Belgien und Holland, wo dieſe Kälbermaſt beſon⸗ ders ſtark getrieben wird, für gut, die zur Maſt beſtimmten Kälber in eigene, dunkel gehaltene Verſchläge zu ſtellen und ſo anzubinden, daß ſie ſich nicht viel bewegen können. §. 294. Der Betrieb der Kaͤlbermaſt kann in Gegen⸗ den, welche fuͤr guten Abſatz der Maſtkälber nach großen Städten Gelegenheit darbieten, während die Entfernung der Staͤdte für den Milchabſatz doch ſchon zu bedeutend iſt, eine vortheilhafte Verwerthung der Milch ſamt der Kaͤlber ſeyn; unter andern Verhaͤltniſſen erweißt er ſich dagegen nicht als rathſam. In den Niederlanden, England, 1 um Hamburg ꝛc., wo durch viele größere Städte und hohe Fleiſchpreiſe jene Kälbermaſt ſehr begünſtigt iſt, ſchlachtet man häufig Maſtkälber von 150 bis 280 Pfund Gewicht und darüber.— Ein zur Maſtung aufgeſtelltes Kalb ſoll täglich 1 ½ bis 1 ½ Pfund an Gewicht zunehmen. Hun⸗ 9* ————— — 132— dert Pfund im Leben gewogen, gewähren 60 bis 70 Pfund Ileiſch (einſchließlich des Kopfs) und 10 bis 12 Pfund Haut. IV. Gebrauch zum Zuge. §. 295. Welch' bedeutenden Werth das Hornvieh zum Gebrauche für die landwirthſchaftlichen Arbeiten habe, thut die Betriebslehre, im Capitel„von der Arbeit“, naͤ⸗ her dar. S. 296. Hauptſächlich gebraucht man die Ochſen zum Zuge, indem man ſie mit Ablauf des dritten Jahres mäßig in Gebrauch nimmt, aber erſt mit dem zurückgelegtem vier⸗ ten Jahre ihnen volle Arbeit zumuthet. Die Zeit ihrer Bei⸗ behaltung als Zugvieh hängt hauptſaͤchlich davon ab, ob man mehr oder weniger Vortheil bei oͤfterem Umſatze oder bei der Maſtung der eine Zeit lang gebrauchten Zugochſen findet. Laͤnger als bis zum 9. oder 10. Jahre ſoll man ſie jedoch in der Regel nicht zum Zuge beibehalten(ſ.§. 277). Der Gebrauch der Bullen zum Zuge kömmt zwar hier und da, beſonders in ſüdlichen Ländern, auch vor. Wenn ſie aber auch dazu ſebſt größeren Werth als die Ochſen hätten, ſo würde es doch, wegen ihres geringeren Werths zur Maſtung, für gewöhnlich nicht räthlich ſeyn, ſich vorzugsweiſe der Bullen zum Zuge zu bedienen. §. 297. Es iſt ſehr wichtig, daß die zum Gebrauche als Zugvieh gewählte Ochſen ſtark, kräftig und dauerhaft ſind; ein zu ſchwer⸗ und dickknochiger Bau eignet ſich nicht dazu; eben ſo wenig ſoll man eine weichliche Race, oder ſolche Thiere zum Zuge wählen, welche bei der Aufzucht zu ſehr verzaͤrtelt worden ſind; auf gute Hufe(feſte Klauen) iſt beſonders zu ſehen. Wichtig iſt auch, daß die Ochſen gut abgerichtet ſind.— Ob man größere oder kleinere Thiere wähle, hängt vom Boden und den ſonſtigen Wirthſchaftsverhältniſſen ab. §. 298. Die Kühe laſſen ſich im jüngeren Alter ſehr leicht zum Zuge anlernen, und ein mäßiger Gebrauch, bei 8 ſch — 133— ſorgfaͤltiger Behandlung, ſchadet auch dem Milchertrage weit weniger, als der Werth der durch ſie verrichteten Arbeiten anzuſchlagen iſt; deßhalb iſt auch die Verwendung der Kühe zum Zuge in vielen Faͤllen entſchieden vortheilhaft. Näheres darüber in der Betriebslehre§§. 152. 153. §. 299. Das zum Zuge gebrauchte Rindvieh muß nicht nur ſtets nach Verhaͤltniß der ihm zugemutheten Arbeit gut genaͤhrt werden, es muß ihm auch überhaupt nicht zu viel zugemuthet und bei ſehr heißer oder ſehr ſchlechter Witterung muß es beſonders ſchonend behandelt und ſolchen Witterungs⸗ extremen nur mit Maas und Ziel ausgeſetzt werden, wenn ſeine Geſundheit nicht gefährdet ſeyn ſoll. Deßhalb kann man, wenn auch die Haltung von Ochſen billiger kömmt, doch die kräftigeren Pferde in vielen Verhältniſſen nicht ganz entbehren; deßhalb darf der Ochſe auch nicht ganz ſo anhaltend, wie das Pferd arbeiten, und in manchen Verhältniſſen läßt man die Ochſen lieber im Wechſel, d. h. nur den halben Tag jederzeit arbei⸗ ten. Auch hierüber gehört das Nähere in die Betriebslehre. §. 300. Nicht unweſentlich fuͤr den Gebrauch zum Zuge iſt bei dem Rindvieh die Art der Anſpannung. Man bedient ſich zu dem Ende des Kummets, des Kopf⸗ und des Widerriſt⸗Jochs. Das Kummet laͤßt zwar dem Ochſen eine freiere Bewegung des Kopfes; aber erfahrungsmäßig iſt daſſelbe zur Fortbewegung ſchwerer Laſten weniger geeig⸗ net, als das Joch; beſonders aber gereicht ihm zum Vor⸗ wurfe, daß es bedeutend koſtſpieliger iſt.— Das Joch ſcheint bei guter Einrichtung die vorzuziehende Anſpannungs⸗ weiſe; nur müſſen die Thiere nie in ſogenannten Doppel⸗ jochen gemartert werden, die Joche müſſen einzeln und leicht, und ſo eingerichtet ſeyn, daß ſie nicht wund druͤcken. Sehr zweckmäßig ſind die über die Stirne gehenden gepolſterten Joche, wie ſie in Franken, im Voigtlande ꝛc. gebräuchlich ſind. —j—— —— 4 — 134— §. 301. Wo man die Ochſen in ſteinigem Boden ſtark zur Arbeit braucht, ſoll man in Zeiten für guten Hufbe⸗ ſchlag beſorgt ſeyn; fuͤr gewoͤhnlich iſt ſolcher beim Rindvieh nicht gebräuchlich. Nur zu häufig ſieht man dieſe Regel zum großen Nachtheile des Ackerbaues verſäumt. Zweiter Abſchnitt. Die Schafzucht. Einleitung. §. 302. Die Schafzucht iſt nächſt, und zum Theil neben der Rindviehzucht der allgemein wichtigſte Zweig der landwirthſchaftlichen Thierzucht, ſowohl in Deutſchland, als in vielen andern europäiſchen Ländern. §. 303. Die Urſache hievon iſt, weil das Schaf durch ſeine Wolle, ſo wie durch Fleiſch, Fett, Haut ꝛc. eine vielſeitige und ausgedehnte Benutzung geſtattet, weil viele Localitaͤten vorzugsweiſe für den Betrieb der Schafzucht guͤnſtig ſind, auch der Duͤnger von den Schafen faſt uͤberall ſehr anwendbar iſt, in vielen Faͤllen ſelbſt beſonderen Werth hat. S. Betriebslehre§. 361 ff. und 7. Capitel des gegenwärtigen Abſchnittes. §. 304. Insbeſondere hat die Schafzucht ſeit Einführung und Verbreitung der Merinos⸗Race in Deutſchland einen viel wichtigeren Standpunkt eingenommen, als ſie vorher hatte, indem dadurch die Erzielung eines Ertrages moͤglich gewor⸗ I — 136— den iſt, von dem man früher keinen Begriff gehabt haben konnte. §. 305. Seit dieſer Zeit, beſonders aber ſeit den letzten 25 Jahren, iſt die Vervollkommnung der Schafzucht auch ein Hauptgegenſtand des Strebens des intelligenteren Theils der deutſchen Landwirthe geweſen, wie dieß insbeſon⸗ dere die landwirthſchaftliche Literatur jenes Zeitraums beurkundet. 4 Von den vielen neueren Schriften über Schafzucht führen wir nnr einen kleinen Theil hier an: 1) Elsner, Handbuch der veredelten Schafzucht, Stuttgart 1832, mit Hinweiſung auf die früheren Schriften dieſes Verfaſſers über denſelben Gegenſtand. 2) D. Löhner, Anleitung zur Schafzucht und Wollkunde, Prag 1833. 3) Petri, das Ganze der Schafzucht, Wien 1825 und deſſen kleineres Werk: über Wartung, Zuchr ꝛc. der Schafe, Leip⸗ zig 1831. 4) Koppe, Anleitung zur Zucht und Pflege der Merinos, Ber⸗ lin 1827. 5) Schmalz, Anleitung zur Zucht ꝛc. der Schafe, Königsberg 1825, 6) Pabſt, Beiträge zur höheren Schafzucht, Stuttgart 1826. 7) D. Schweitzers Betrieb der Landwirthſchaft, Leipzig 1833. Sodann findet man beſonders in einer längeren Reihe der Jahrgänge der ökonomiſchen Neuigkeiten von André, und der Mögliner Annalen die Intereſſen der höheren Schafzucht aufs vielſeitigſte verhandelt. §. 306. Die Lehre der Schafzucht theilen wir in fol⸗ gende Capitel: 1) Von der Natur des Schafes. 2) Von der Kenntniß der Wolle. 3) Von den Racen. 4) Von der Paarung. 5) Von der Aufzucht. 6) Von der Pflege. 7) Von der Benüuͤtzung. — 137— Die Kenntniß der Wolle folgt deßhalb ſchon im zweiten Capi⸗ tel, weil ohne ſolche über die Racen, Paarung ꝛc. keine vollkommene Darſtellung möglich iſt; ſonſt gehört ſie eigentlich in das letzte Capitel. Erſtes Capitel. Von der Natur des Schafes. §. 307. Das Schaf gehoͤrt nach den ſchon mehrfach angeführten zoologiſchen Eintheilungen, wie das Rind, zu den Wiederkäuern. Ob es aber in dieſer Ordnung eine eigene Gattung unter der Bezeichnung ovis mit mehreren Arten, wie ovis musimon, Mufflon, ovis ammon, Argali, ovis aries, das gemeine Schaf ꝛc., bildet, oder ob das Schaf zu der jeden Falls mit ihm ſehr nahe verwandten Gattung der Ziege, capra, als eine Hauptart, capra ovis, gehört, darüber ſind die Meinungen der Naturforſcher getheilt. Linné und viele nach ihm ſind für die Aunahme einer beſonde⸗ ren Gattung; Blumenbach und andere für die Zutheilung zun Geſchlechte der Ziege. §. 308. Ueber die Abſtammung des zahmen Schafes iſt man ebenfalls nicht einig; Manche glauben, daß es vom Mufflon, Andere, daß es vom Argali abſtamme;— wie⸗ der Andere, daß es aus einer Kreuzung der eben genannten beiden wilden Schafarten entſtanden ſey, waͤhrend nach einer vierten Meinung für wahrſcheinlicher gehalten wird, daß es von einer eigenen, urſprünglich wilden Schafart vder auch von deren mehreren abſtamme. Die Annahme der Abſtammung von einer Vermiſchung des Muff⸗ lon und Argali hat vieles für ſich. Sehr wahrſcheinlich iſt überdieß, — 138— daß die Merinos und das lang⸗ und grobwollige Schaf nicht einerlei Abſtammung ſind.— Eine fünfte Meinung endlich iſt die von Schmalz(ſ. Thierveredlungskunde S. 221), welcher darzuthun ſucht, daß unſere zahmen Schafracen durch Kreu⸗ zung von Ziegen mit Schafen gebildet ſeyen. Dieß möge jedoch dahin geſtellt ſeyn. Erwieſen aber iſt, daß eine ſolche Kreuzung leicht zu Stande gebracht werden kann;— Cuvier und andere Autoritäten unter den Naturforſchern verſichern auch, daß aus der Paarung von Ziegen und Schafen fruchtbare Baſtarde entſtehen.— Wilde Schafe gibt es noch in Griechenland, Corſika, Aſien und Afrika. Letztere Länder ſind namentlich die Heimath vom Mufflon und Argali. §. 309. Jedenfalls iſt das Schaf auch eines der am früheſten von den Menchen gezaͤhmten Hausthiere und der⸗ malen über den groͤßten Theil des Erdbodens verbreitet. §. 310. Der Koͤrper des Schafes iſt viel ſchwaͤchlicher, als der des Rindes; namentlich iſt es empfindlich gegen an⸗ haltende Naͤſſe, und wenn es auch im Allgemeinen von den äͤhnlichen gras⸗ und kleeartigen Pflanzen ſich naͤhrt, wie das Rind, ſo iſt ihm doch ein geringeres Maas von Feuch⸗ tigkeit zur trocknen Subſtanz, wo nicht Bedürfniß, doch zuträglicher. Es liebt deßhalb vorzuͤglich die trockneren, hoͤher gelegenen Weiden, und kann ſich auf dieſen da noch erhalten, wo das Rind die beduͤrftige Nahrungsmaſſe nicht mehr findet.— Es genießt auch gerne die Blätter der meiſten wild wachſenden Bäume und vieler Straͤucher.— Sumpfpflanzen, Weide auf ſumpfigem Boden ſind ihm un⸗ geſund.— Anhaltende ſtarke Sonnenhitze(in den Mittags⸗ ſtunden in heißen Sommern) iſt ihm unangenehm, oft ſchaͤd⸗ lich.— Es iſt von Natur ſchüchtern, furchtſam und we⸗ nig lebhaft. Seine Verſtandeskräfte ſind etwas geringer, als beim Rinde, jedoch auch weit weniger cultivirt, weil es nicht zu ſolchen Verrichtungen dient, welche dies erfordern. Durch Angewöhnung lebt das Schaf auch in Niederungen mit fettem Graswuchſe, ſeine Lebensdauer iſt jedoch dort geringer und — 139— ſein Körper iſt mehr Krankheiten unterworfen, als bei einem natur⸗ gemäßeren Aufenthalte. Das männliche Schaf zeigt einen beſonders ſtarken Begattungs⸗ trieb, in Folge deſſen es auch die der Thierart im Allgemeinen eigene Schüchternheit oft ablegt, und ſich höchſt lebhaft, ja öfters wild und zornig zeigt. §. 311. Eine ſehr wichtige natuͤrliche Eigenſchaft des Schafes iſt, daß ſeine Haut dicht mit Wolle beſetzt iſt, welche ihm zum weſentlichen Schutzmittel gegen die Einflüſſe des Climas und der Witterung von der Natur beſtimmt ſcheint.— Die männlichen Thiere haben meiſtens Hoͤrner, die Mutterſchafe in der Regel nicht. Bei manchen Racen kommen jedoch ungehörnte männliche Schafe als Regel, bei andern gehörnte Mutterſchafe häufig vor. 1 §. 312. Die Organiſation des Gebiſſes iſt beim Schafe wie beim Rinde: 8 Schneidezaͤhne im Unterkiefer und 294 Backenzaͤhne. Es bringt gewoͤhnlich 2— a Milchſchneide⸗ zaͤhne mit auf die Welt und die anderen kommen in den naͤchſten Wochen zum Vorſchein. Im Alter von 1 bis 1 ½ Jahren wechſelt es die mittleren(vorderen) Schneidezähne, ein Jahr ſpaͤter die beiden folgenden, und ſo fort; alſo auch wie beim Rinde, nur mit noch groͤßerer Regelmaͤßig⸗ keit.— Bei vorrückendem Alter werden die Anfangs brei⸗ ten Schneidezaͤhne abgenuͤtzt, erſcheinen ſchmaler und länger (bei ſandigen oder bei Weiden mit hartem Futter auch oft ſtumpf) und im 8. bis 9. Jahre ſtellen ſich meiſtens Zahn⸗ luͤcken ein. 1 Bei ſehr guter oder ſehr ſchlechter Haltung trägt ſich jedoch ein etwas früherer oder ſpäterer Zahnwechſel auch häufig zu; zuwei⸗ len wechſelt auch ein Thier in einem Jahre zweimal, alſo 4 Zähne kurz hintereinander. §. 313. Auch die Organiſation des Magens in 4 Ab⸗ theilungen u. ſ. w. iſt ganz, wie beim Rinde. §. 314. Der Geſchlechtstrieb äußert ſich deim Schafe, wo man nicht künſtlich oder durch ungewoͤhnliche Haltung — 140— einwirkt, im Nachſommerz und Herbſt, und zwar in der Regel zuerſt in einem Alter von ohngefaͤhr 1 ½ Jahren. Das Mutterſchaf gehtz im Mittel 145 Tage oder faſt 21 Wo⸗ chen traͤchtig, und gebährt in der Negel ein, nicht ſelten jedoch auch zwei Junge. Beei kräftiger Ernährung äußern oft noch nicht einjäbrige Thiere ſchon Geſchlechtstrieb.— Daß ein Schaf 3 oder gar 4 Junge auf ein⸗ mal bekömmt, iſt eine ſeltene Erſcheinung. Die Zeit der Trächtig⸗ keit variirt leicht um 4 bis 8 Tage. §. 315. Das Schaf wächſt ſtark bis zum Anfang des dritten Jahres; ſein Wachsthum iſt jedoch erſt zwiſchen dem dritten und vierten Jahre beendigt.— Die Lebens⸗ dauer unſeres Schafes iſt bei den einzelnen Racen verſchie⸗ den; bei den großen Schaf⸗Racen in den Niederungen iſt ſie auf höſtens 10 Jahre anzunehmen; etwas höher bei ge⸗ wöhnlichen Hoͤhelandsſchafen; die Merinos werden 15 bis 20 Jahre alt. Von der ſtattgehabten Pflege häugt in dieſer Hinſicht beſonders viel ab; überdieß kann man ſich uur ſelten veranlaßt finden, hierin Verſuche zu machen. §. 316. Die gewöhnlichen Benennungen in Bezug auf Alter und Geſchlecht ſind: Maͤnnliche Thiere: Bock, Stoͤhr, Widderzcaſtrirte maͤnnl. Thiere: Hammel, auch Schöps; weibliche Thiere: Mutter(Muͤtter), Schaf, Zibbe (letzteres blos in den erſten Jahren); junge Thiere bis zum erſten Jahre: Lamm(Bocklamm, Mutter⸗ oder Zibben⸗ lamm ꝛc.); Jaͤhrlinge, auch zweizahnig, zwei⸗ ſchauflig, heißen die uͤber ein Jahr alten bis nach Ab⸗ lauf des zweiten Jahres; Zeitſchafe oder Zeitham⸗ mel ꝛc., auch vierſchauflig(vierzahnig), heißen die Thiere, welche im dritten Jahre ſtehen; im vierten Jahre ſagt man dann ſechsſchauflige Böcke, Mutterſchafe, Hammel; im fuͤnften Jahre ſagt man abgeſchoben oder vollſätzig, vollzahnig, und von da an alter Bock, alter Hammel ꝛc. Merz⸗ oder Brackvieh — 141— 4 heißt das ausgeſchoſſene zur Fortzucht nicht mehr geeignet gehaltene Schafvieh. Zweites Capitel. Kenntniß der Wolle. §. 317. Die unter der Benennung Wolle bekannte eigenthuͤmliche Beſchaffenheit der Hautbedeckung, welche bei den Schafen und mehreren anderen Thieren angetroffen wird, beruht auf der Structur der Haareinheiten, hier Woll⸗ haare genannt. Das Wollhaar iſt nämlich elaſtiſcher und geſchmeidiger, von loſerer Structur, als anderes Haar. Dabei beſitzt es eine gewiſſe Kraͤuſelung und die Neigung, ſich in größerer vder kleinerer Zahl an einander zu haͤngen und theils in gleicher, theils in verſchiedener Rihtung mit⸗ oder durcheinander fortzuwachſen. Das Wollhaar beſteht übrigens, wie jedes andere Haar, aus einer Röhre, welche aus Zellchen von verſchiedener Größe zuſammen⸗ geſetzt iſt, die mit einem fettartigen Stoffe angefüllt ſind. §. 318. Die Wollbedeckung des Schafes heißt Vließ, ſo lange ſie auf dem Thiere oder nach dem Abſcheeren un⸗ getrennt beiſammen ſich befindet. Im Vließe bemerkt man in der Regel wieder einen engeren Zuſammenhang der Wolle in Büſcheln, was man Stapel nennt. Bemerkt man end⸗ lich in den Stapeln wieder einen gleichartigen Wuchs und innigeren Zuſammenhang von Wollhaaren in kleinerer Zahl, ſo nennt man dieß Straͤnge(Strängchen); dieſe ſind jedoch oft nicht deutlich zu erkennen oder gar nicht vor⸗ handen. Wird die Wolle gewaſchen, ſo verändert ſich ihr Verhalten in mehrfacher Hinſicht. Es wird jedoch hier zunächſt von der Kenntniß — 142— der Wolle im Naturzuſtande(ungewaſchen) die Rede ſeyn; die Haupt⸗ veränderungen, denen die Wolle durch das Waſchen unterliegt, wer⸗ den dann beſonders angedeutet werden(§§. 353. 360). §. 319. Zur naͤheren Kenntniß der Wolle ſind fol⸗ gende Einzelheiten in Betracht zu ziehen: 1) die Feinheit; 2) die Kraͤuſelung; 3) die Sanftheit und Geſchmeidigkeit; a) die Elaſticitaͤt; 5) die Staͤrke; 6) die Laͤnge; 7) die Dichtheit; 8) die Farbe und der Glanz; 9) der Fettſchweiß; 10) der Bau des Stapels; 11) das Vließ; 12) Verhalten der gewaſchenen Wolle zur ungewaſchenen; 13) Unterſuchung und Beurtheilung der Wolle. 1. Die Feinheit. §. 320. Die Feinheit, d. h. das Verhalten der Woll⸗ haare in der Dicke oder dem Durchmeſſer, iſt die Eigen⸗ ſchaft der Wolle, von welcher ihr Werth am meiſten bedingt wird, um ſo mehr, da mit einem hoͤheren Grade von Feinheit auch eine Menge anderer guter Eigenſchaften verbunden iſt. 3— §. 3214. Sowohl in der Feinheit des einzelnen Woll⸗ haares, in ſeiner Ausdehnung betrachtet, ſo wie der Fein⸗ heit der zunächſt beiſammen gewachſenen und noch mehr in der Feinheit der auf den verſchiedenen Körpertheilen gewach⸗ ſenen Wolle zeigt ſich ein mehr oder weniger bedeutender Unterſchied. §. 322. Feinheit des einzelnen Wollhaares. Das einzelne Wollhaar iſt gegen die Spitze(das Ende) faſt immer etwas, oͤfters ſehr bedeutend dicker(groͤber). Bei halbfeinen Wollen von ſchlechter Zucht, oder bei noch grö⸗ berer Wolle, kann der Durchmeſſer des aͤußeren Endes das doppelte und mehr von dem des unteren Endes betragen. Bei feiner, edler Wolle darf jedoch der Unterſchied kaum merklich ſeyn. Hat aber eine ſonſt feine Wolle grobe Spitzen, ſo wird ihr Werth dadurch ſehr heruntergeſetzt. aupt⸗ wer⸗ fol⸗ heit; keit, ) die eiß; lten — 143— Das erſte Wollhaar des Lamms iſt ſpitzer, als das Wollhaar des älteren, jährlich geſchornen Schafviehes. Das Wollhaar iſt in der Regel cylinderrund; ausnahmsweiſe kommen jedoch, beſoundels bei grobwolligen Schafen⸗ Platt gebildete Wollhaare vor. §. 323. Nicht ſelten zeigen ſich auch noch andere Ungleichheiten, Abſaͤtze, in der Feinheit des Wollhares, was in des Regel von einer temporaͤr ſtattgehabten gerin⸗ geren oder ſtaͤrkeren Ernaͤhrung, oder von Krankheit herrührt. Begreiflich verliert dadurch die Wolle ebenfalls, oft bedeu⸗ tend, in ihrem Werthe. War die Ernährung der Schafe ſo ſchlecht, daß ſich die zuletzt gewachſene wenige Wolle nicht mehr aufrecht erhalten kann und ſehr leicht bricht, ſo ſagt man: adie Wolle iſt ſitzen geblieben». Fand dieſes zuletzt vor der Schur ſtatt, ſo nennt man ſolche Wolle«bodig⸗ (ſ.§. 348). §. 324. Der Durchmeſſer von einem hochfeinen Woll⸗ haare iſt ohngefähr um vier⸗bis fünfmal geringer, als der von Wollhaaren der groͤbſten Sorten(ſ.§. 358). §. 325. Feinheit der Wollhaare unter ſich. Die auf ein und derſelben Koͤrperſtelle des Schafes gewach⸗ ſenen Wollhaare ſind entweder von gleicher Feinheit, oder ſie ſind unter ſich mehr oder weniger ungleich. Eine „bedeutende Ungleichheit zeigt ſtets von ſchlechter Abkunft und Züchtung, und ſetzt den Werth der Wolle weſentlich herunter. §. 326. Oefters finden ſich aber unter Wolle, welche in der uͤberwiegenden Mehrzahl der Wollhaare von gleicher Feinheit iſt, einzelne auffallend groͤbere Haare. Sind dieſe kurz, ſtarr, glänzend und ganz loſe in der Haut ſitzend, ſo nennt man ſie Stichelhaare, und achtet ſie, wenn ſie nicht in großer Menge vorhanden ſind, wenig, weil ſie bei ſpäterer Behandlung der Wolle leicht aus derſelben heraus⸗ fallen. Sind die einzelnen groͤberen Haare aber in der Haut feſt ſitzend, uͤber die eigentliche Wolle hervorſtehend und von —— — 144— geringer, unregelmaͤßiger Kraͤuſelung, ſo heißen ſie Hunds⸗ oder Ziegenhaare; durch dieſe wird die Beſchaffenheit der Wolle ſehr tadelhaft, wenn ſie in einiger Menge und an anderen Stellen, als den aͤußerſten mit Wolle noch be⸗ wachſenen Extremitäten des Koͤrpers ſich finden. Stichelhaare findet man auch bei ſehr edlen Thieren. Hundshaare ſind zwar bei manchen ſonſt feinwolligen Racen am Kopfe und Halſe und an den Schenkeln ꝛc., beſonders bei männlichen Thieren, auch nichts ſeltenes; in der Regel zeigen ſie aber, wenn ſie ſich einiger⸗ maßen nach den Haupttheilen des Körpers hin verbreiten, von theil⸗ weiſer Abkunft von grobwolligen Schafen und noch weit zurüickſtehen⸗ der Veredlung. §. 327. Verhalten der Wolle in der Feinheit auf den verſchiedenen Koͤrpertheilen. Die Wolle iſt über den ganzen Körper des Schafes hin niemals von ganz gleicher Feinheit. Als Regel dürfen folgende Abſtufun⸗ gen in der Feinheit angenommen werden: 1) die beiden Seiten vom Schulterblatt bis hinter die Flanken; 2) die Seiten des unteren Theils des Halſes bis gegen die Schul⸗ terblätter und die Bruſt; der mittlere Theil des Rückens, auch wohl noch ein Theil vom Schenkel unter der Huͤfte; die Bauchwolle iſt meiſtens eben ſo fein, aber vom Liegen verdorben; 3) auf dem Halſe vom Genick abwärts bis nach und auf dem Wiederriſt; am groöͤßten Theile des mittleren und unteren Schenkels; àa) auf dem Kopf, im Genick, am Kehlkopf und von da mehr oder weniger abwärts(am Koͤ⸗ der) und auf den Halsfalten, wo ſolche vorkommen; an der Schwanzwurzel, dem Schwanze, am hinteren Rande des Schenkels(dem ſogenannten Wolfsbiß). Oefters findet man an den Beinen mehr oder weniger tief abwäͤrts auch noch etwas geringe Wolle. §. 328. Je nach Abkunft und Züchtung iſt der Unter⸗ ſchied in der Abſtufung des Feinheitsgrades auf den genann⸗ ten Körpertheilen mehr oder weniger bedeutend. Solche Thiere, deren Vließe einen verhaͤltnißmaͤßig geringen Unter⸗ inter ung⸗ liche tter⸗ — 145— ſchied darbieten und nach den Extremitäten hin nur wenig ſich vergroͤbern, nennt man ausgeglichen; von denen aber, welche nach hinten oder am Hals bedeutend groͤber werden, ſagt man, ſie fallen ab. Je hochedler eine Heerde, und je größer die auf ihre Züchtung verwendete Sorgfalt, um ſo größer iſt der Antheil an Wolle von den beſten Qualitäten, um ſo kleiner der von geringerer Beſchaf⸗ fenheit. Ausnahmsweiſe kömmt es auch vor, daß die Feinheits⸗ Abſtufung irregulär iſt, daß ſich z. B. auf den Schulterblättern gröbere Wolle findet, als am Schenkel ꝛc.; es zeigt dieß Bawoßulich eine inconſtante Abkunft an. 2. Die Kräaͤuſelung. §. 329. Unter Kraͤuſelung verſtehen wir die verſchie⸗ denartigen Biegungen, welche wir im Wuchſe der Wolle bemerken. In der Regel iſt dieſe Geſtaltung wellenfoͤrmig und zwar bei groben Wollen meiſtens flach, unregelmaͤßig, zuweilen an Schlichtheit grenzend; bei feiner Wolle meiſtens enger, zum Theil regulaͤr, oft aber auch mit ungleichen, zuweilen ans Eckige grenzenden Biegungen; ausnahmsweiſe kommen auch feine Wollen mit ſehr flachen Biegungen vor (ſ.§§. 346. 357). §. 330. Die Kraͤuſelung iſt naͤchſt der Feinheit eine der wichtigſten Eigenſchaften der Wolle, indem es weſent⸗ lich von derſelben abhaͤngt, zu welcher Art von Verarbei⸗ tung die Wolle, und ob ſie dazu mehr oder weniger tüchtig ſey; namentlich iſt ſchlichte, wenig gekräuſelte Wolle vorzugsweiſe zu Kammwollfabrikaten, gehoͤrig ge⸗ kraͤuſelte zum Krempeln, d. i. für die Verarbeitung zu Tuch, geeignet. Andere Eigenſchaften, wie die Sanft⸗ heit(§. 331) ſind ebenfalls theilweiſe von der Kränſelungs⸗ form abhaͤngig. Die Zahl der Kräuſelungsbögen wechſelt bei den verſchiedenen Wollarten zwiſchen 5 und 35 auf den Pariſer Zoll.— Wolle mit engen, runden, gleichen Biegungen, die etwas mehr Baſis als Höhe Pabſt Landwirthſchaft. II. 1. 10 — 146— haben, wird als Tuchwolle beſonders geſchätzt.— Mehreres über Kräuſelung, auch die dabei vorkommenden feblerhaften Bildungen ſ.§§. 346— 348. 3. Die Sanftheit und Geſchmeidigkeit. §. 331. Ein geſchmeidiges und ſanftes Verhalten beim Anfühlen wird von dem Fabrikanten ſehr geſchaͤtzt, wogegen eine nach der Wäſche(ſ.§. 354.) hart und barſch erſchei⸗ nende Wolle im Werthe, abgeſehen von ihren übrigen Eigen⸗ ſchaften, verliert. Bis zu einem gewiſſen Grade ſteht die Weichheit und Geſchmeidigkeit im Verhaͤltniß mit der Fein⸗ heit; da aber, abgeſehen von dem Einfluſſe der Waͤſche, auch der innere Bau des Wollhaares und die Kräuſelung, ſo wie die den Schafen zu Theil gewordene Pflege auf jene Eigenſchaften von Einfluß ſind, ſo geht daraus hervor, daß die Sanftheit nicht immer gleichen Schritt mit der Fein⸗ heit haͤlt. 4. Die Elaſticitaͤt. §. 332. Ein mäßiger Grad von Elaſticität, bei feiner Tuchwolle auch ſanfte Elaſticitaͤt genannt, wird ſowohl einem übermaͤßig ſtarken, ſo wie einem zu geringen Grade vorgezogen. Wolle mit zu wenig Elaſticität wird als matt, ſchlaff, todt bezeichnet, und findet ſich beſonders an krankem oder geſtorbenem Viehe; überhaupt aber haͤngt die Elaſticitaͤt hauptſaͤchlich von der Form der Kräuſelung und der Stärke der Wolle, ſo wie von der vorausgegangenen Haltung der Schafe ab. Sie läßt ſich übrigens nur bei der gewaſchenen abgeſchornen Wolle vollſtändig beurtheilen(ſ.§§. 354. 360); bei der Wolle im Naturzuſtande muß man hauptſächlich aus dem Verhalten in der Feinheit, Kräuſelung, Sanftheit und Stärke, und dem Bau des Stapels(ſ.§. 343), auf die Elaſticität einen Schluß ziehen. Bei Kammwolle iſt ſie weniger wichtig.— Das rechte Maas von Elaſti⸗ eität und Stärke(ſ. folg.§.) bezeichnen die Fabrikanten und Woll⸗ händler auch mit dem Ausdrucke: Kern und Nerv. üͤber ngen — 147— 5. Die Stärke. §. 333. Man kann nur verlangen, daß das einzelne Wollhaar im Verhältniß zu ſeiner Feinheit die gehörige Staͤrke beſitze, denn an und fuͤr ſich kann das feine Woll⸗ haar nicht die Haltbarkeit des groͤberen haben. Durch ſchlechte Ernährung und Behandlung kann aber die dem natürlichen Feinheitsgrade der Wolle angemeſſene Stärke weſentlich ver⸗ mindert werden. Durch zu ſchwache Ernährung kann z. B. ein unnatürlicher Fein⸗ heitsgrad, eine ſogenannte Hungerfeinheit, erzielt werden; ein ſolches hungerfeines Wollhaar wird lange nicht die Stärke beſitzen, als ein von Natur gleich feines, auf gutgepflegten Schafen erzeng⸗ tes.— Durch grobe Vernachläſſigung oder Krankheit kann die Wolle faſt alle Haltbarkeit verlieren, was man morſch, auch brüchig nennt. §. 334. Ein geſundes Wollhaar muß, wenn es über ſeine natürliche Länge ausgedehnt wird, auch eine gewiſſe Dehnbarkeit beſitzen, ehe es zerreißt. Hungerfeiner, ſchlecht gehaltener, kranker Wolle mangelt dieſe Dehubarkeit größtentheils. 6. Die Länge. §. 335. Die Laͤnge der Wolle, wobei wir uns im Allgemeinen auf die von einer Schur bis zur andern gewach⸗ ſene Wolle beziehen, koͤmmt in zweierlei Hinſicht in Betracht; einmal indem wir die Laͤnge des ausgeſtreckten einzelnen Wollhaares, und dann indem wir die Wolle in ihrem un⸗ veränderten Zuſtande im Stapel vor Augen haben. §. 336. Der Unterſchied zwiſchen der Laͤnge der Wolle im unausgedehnten Zuſtande im Stapel und den aus dem⸗ ſelben genommenen gerade ausgedehnten einzelnen Wollhaa⸗ ren iſt um ſo größer, je höher und verhaͤltniß weniger weit die Kraͤuſelungsbögen ſind; waͤhrend derſelbe bei ſoge⸗ nannten ſchlichten Wollen ganz unbedeutend iſt, kann er ſich bei ſtark gekraͤuſelten— 1: 2 verhalten. 10* B — 148— Gnte Tuchwolle läßt ſich meiſtens um ½ bis zu ⅜ ihrer natür⸗ lichen Höhe ausdehnen. §. 337. Noch groͤßer iſt der Unterſchied unter den verſchiedenen Wollſorten in der Länge der Wollhaare im ausgeſtreckten Zuſtande, denn man findet die in einem Jahre gewachſene Wolle von einem Zoll bis zu einem Fuß Länge. Wolle von bedeutender Länge wird meiſtens als Kammwolle, kurze Wolle in der Regel zu Tuch verarbeitet. Zur Tuchfabrikation liebt man eine Wolle von 2 bis 4 Zoll Länge und gehöriger Kränſelung. Zum Kämmen taugt ſchon vier⸗ zͤllige Wolle, wenn ſie nicht ſtark gekräuſelt iſt; eine bedeutendere Länge wird aber dazu vorgezogen. 7. Die Dichtheit. §. 338. Wir nennen den Stand der Wolle dicht oder gedrängt, im Gegenſatz von dünn, locker, oder flattrig, wenn der Raum, welchen die Wolle im natür⸗ lichen Zuſtande auf dem Körper des Schafes einnimmt, moͤglichſt mit Wollhaaren ausgefüllt iſt. Die Dichtheit, nach dieſem Begriffe genommen, hängt zunächſt ab von der Dicke (Feinheit) und Menge der Wollhaare. Aber auch die Kraͤuſelung und die Laͤnge im natuͤrlichen Zuſtande ſind auf den Anſchein von Dichtheit und Lockerheit mit von Einfluß. Je feiner die Wolle iſt, eine um ſo größere Zahl von Woll⸗ haaren erfordert es auf der Hautfläche, wenn unter ſonſt gleichen Verhältniſſen ein eben ſo dichter Stand, wie bei gröberer Wolle ſich zeigen ſoll; in der That findet man auch bei Thieren mit feiner Wolle auf gleicher Fläche eine weit größere Menge von Wollhaaren, als bei grobwolligen; man hat z. B. gefunden, daß grobe Schafe nur etwa 5000, hochfeine bis zu 50,000 Wollhaaren auf dem Qua⸗ dratzoll Hautfläche beſaßen; dennoch iſt begreiflich, daß eine ſcheinbar geringere Dichtheit bei feinwolligem Vieh ſich häufig findet. Durch grobe Spitzen wird die Dichtheit des Vließes ſcheinbar erhöht(ſ.§. 322. und 345). Die Vorzüge größerer Dichtheit find noch näber erörtert §§. 345, 352. — 149— 8. Farbe und Glanz. §. 339. Wenn es auch als Ausnahme vortheilhaft ſeyn kann, naturſchwarze(gewöhnlich etwas ins Braͤunliche übergehende) Wolle zu erzielen; ſo bleibt doch für allgemein die weiße Farbe der Wolle im Vorzug und bei feinwolligen Schafen ſind dunkel gefaͤrbte Stellen oder Vließe tadelhaft. §. 340. Moͤglichſt viel Glanz wird vom Fabrikanten geſchaͤtzt. Bei flachbogigen, mehr ſchlichten Wollen, auch bei ſanft und ſehr regelmäßig gekräuſelten feinen Wollen findet man haͤufig vielen Glanz. Ein ſtarker Grad von Glanz iſt aber auch den Wollen von manchen Racen beſon⸗ ders eigen. Lammwolle hat gewöhnlich mehr Glanz, als die von älteren Thieren derſelben Zucht. 9. Fettſchweiß. §. 341. Die eigenthümliche Art von Fettſchweiß, welche der Wolle im Naturzuſtande anhängt, trägt im Allgemeinen zur beſſeren Erhaltung der guten Eigenſchaften der Wolle bei. Der Fettſchweiß iſt theils weiß, theils gelb von Farbe, theils ſehr liauid, theils mehr pechartig, in größerer oder geringerer Menge der Wolle anhaͤngend. §. 342. Die ebengenannten Verſchiedenheiten in der Beſchaffenheit des Fettſchweißes ſind theils Race⸗Eigenſchaft, theils hängen ſie von der Haltung der Schafe ab. Feinwol⸗ lige Schafe haben im Allgemeinen mehr Fettſchweiß, als grobwollige; doch iſt die Beſchaffenheit deſſelben bei den feinwolligen Racen auch wieder ſehr verſchieden. Sehr reichliche Ernaͤhrung träͤgt viel zur ſtaͤrkeren Fettſchweißab⸗ ſonderung bei. Staub, Wechſel zwiſchen Näſſe und Son⸗ nenſchein, rauhe Luft verzehren oder erhärten den Fett⸗ ſchweiß. Die Färbung, welche theils Race⸗Eigenſchaft, theils Folge der Ernährung iſt, verliert ſich jüörgenß durch die Wͤſche. 8 — 150— Ein zu reichlicher und pechartiger Fettſchweiß iſt zu ſchwer aus der Wolle zu entfernen, und iſt deßhalb nicht beliebt. Zuweilen fin⸗ det man in ſolchem Falle den Fettſchweiß in Klümpchen in der Wolle, was Manche auch dem Aufenthalte in feuchten Ställen zuſchreiben. Man muß ſich durch den Fettſchweiß bei der Beurtheilung der Wolle hinſichtlich der Feinheit, der Farbe und des Glanzes nicht täuſchen laſſen. 10. Bau des Stapels. §. 343. Der Stapel muß nach ſeinem äußeren und ſeinem inneren Bau in Betracht genommen werden. In ihrem äußeren Bau erſcheinen die Stapel groͤßer oder kleiner, kurz oder lang(hoch oder niedrig), dicker oder duͤnner, mehr rund oder eckig, von gleichem oder ungleichem Durch⸗ meſſer, ſtumpf oder mehr oder weniger ſpitzig. . 344. Die feinere Wolle hat in der Regel kleinere Stapel. Ein kurzer(niederer) Stapel läßt faſt immer auf enge Kraͤuſelungsboͤgen ſchließen; ſehr kurzer Stapel läßt ein zu geringes Gewicht des Vließes erwarten. Glei⸗ cher Durchmeſſer der Stapel zeigt von gleichem Fein⸗ heitsgrade der Wollhaare in ihrer ganzen Länge; oben dicker und unten duͤnnerer Stapel zeigt grobe Spitzen an; unten dickerer Stapel laͤßt ungleiche Laͤnge oder ungleiche Kraͤuſe⸗ lung der Wollhaare vermuthen. KS. 345. Spitzer Stapel rührt theils von den oben angedeuteten urſachen(Ungleichheit in Laͤnge und Krauſe⸗ lung), theils auch von zu dünn ſtehender Wolle in Verbin⸗ dung mit einer betraͤchtlichen Länge, oͤfters auch noch mit flachen Kräuſelungsboͤgen, her. Mit einem ſtumpfen Stapel iſt gewohnlich Gleichheit in Laͤnge und Kraͤuſelung und Dichtheit verbunden. Er gewährt zugleich den Vortheil, daß die Wolle durch die Einfluͤſſe der Witterung, des Stau⸗ bes und Schmutzes weniger leidet, als bei einem ſpitzen Stapel; nur ſoll die Veranlaſſung deſſelben nicht zunächſt aus en fin⸗ Volle, täiben, ing der s nicht — 151— in groben Spitzen G. 338) oder ſehr geringer Länge be⸗ gründet ſeyn. Einen in hohem Grade ſpitzen, durch die Witterungseinflüſſe zugleich verdorbenen Stapel nennt man ſ pießig, auch ſchilfig.— Ein kleiner, ziemlich ſtumpfer Stapel, wegen einiger Aehnmichkeit auch Blumenkohlſtapel genannt, iſt nur bei ſehr edler, feiner Wollee zu treffen und deßhalb ſehr geſchätzt.— Lämmer haben, bevor ſie das erſtemal geſchoren ſind, ſelten einen ganz ſtumpfen Stapel. §. 346. Nach ſeinem inneren Bau erſcheint der Sta⸗ pel mehr oder weniger regulär, mehr feſt oder loſe. Ein regulärer Bau des Stapels im Innern zeigt von glei⸗ cher Kräuſelung und Feinheit; die Kraͤuſelung, deren Bil⸗ dung im Ganzen man auch noch mit dem Ausdruck Ma⸗ ſchen Leneß bezeichnet, iſt in dieſem Falle entweder ſtark markirt, oder mäßig ſtark ausgeſprochen. Wolle von ſtark markirtem Bau iſt noch nicht tadelhaft, ſo lange ein eigentlicher Stapelbau noch vorhanden iſt. Zeigt ſich aber die Wolle blos in ſcharf von einander abgeſonderten Strängchen, was man geſträngt nennt, ſo ſetzt dieſer Bau der Verarbeitung auf der Krempel einige Schwierigkeit entgegen. Dieſe wird noch erhoͤht, wenn die Spitzen der einzelnen Straͤngchen ſich ſpiralförmig oder knotenartig zu⸗ ſammenrollen, was man Zwirnen, Perlen, Knotig⸗ ſeyn nennt. Meiſtens zeigt ſich das Zwirnen oder Neigung dazu nur auf den Schultern; mitunter verbreitet es ſich aber auch über einen grö⸗ ßeren Theil des Körpers. Zwirnende Wolle iſt zugleich immer dünn ſtehend; in der Regel iſt ſie auch fein. Außer dem hier gedachten Falle kann der Mangel einer Stapel⸗ bildung auch bei grober Wolle mit wenig Geſchmeidigkeit vorkommen. §. 347. Eine verwaſchene Kräuſelung, oder einen gewäſſerten Bau nennt man es, wenn im In⸗ nern des Stapels ein dichter Stand und regulaͤrer Bau der Wolle mit mäßig ſtark ausgeſprochener Kraͤuſelung, aber nur theilweiſem Zuſamuzenhalten der Wollhaare in Sträng⸗ ————— 4 4 — 152— chen, zu erkennen iſt. Solche Wolle iſt ſo geſchaͤtzt, als die mit einer noch regulaͤrer erſcheinenden Strang⸗ und Stapelbildung. Erſcheint aber der Stapelbau im Innern durchaus unklar, truͤbe, ſo muß ſchon auf unvollkom⸗ meneren Bau oder auf grobe Wolle geſchloſſen werden. §. 348. Iſt endlich der Wuchs der Wollhaare im In⸗ neren des Stapels ſo ungleichartig, daß ſie nach allen Rich⸗ tungen durcheinander laufen und der Stapel nur ſchwer auseinander zu trennen iſt, ſo iſt dies die fehlerhafte Be⸗ ſchaffenheit des Filzens, oder wenigſtens Neigung dazu. Nur bei Schafen ſchlechter Abkunft und Pflege kann dieſer Feh⸗ ler von einiger Bedeutung vorkommen.— Bei Schafen, welche in der letzten Zeit vor der Schur ſchlecht ernährt wurden, kömmt ein Verfilzen der ſchwächer hervorgewachſenen Wolle blos am Boden des abgeſchnittenen Vließes vor(Bodigſeyn§. 323). §. 349. Die aͤußere und innere Stapelbildung kann übrigens über das ganze Pließ hin niemals völlig gleich⸗ artig ſeyn, namentlich verhalten ſich die Stellen, welche ſtets Druck und Reibung zu erleiden haben, wie am Bauche, an den Schenkeln, in beiderlei Hinſicht ſtets mehr oder weniger abweichend von den Haupttheilen des Vließes. 11. Das Vließ. §. 350. Der Zuſammenhang der Wolle im Yließ wird durch die am Boden deſſelben im Wuchſe etwas zuſammen⸗ hängenden Wollhaare und namentlich durch eine Anzahl Wollhaare hergeſtellt, welche am Boden von einem Stapel zum andern überlaufen. Dieſe verbindenden Wollhaare dür⸗ fen jedoch bei gut gearteter Wolle die leichte Abtrennung der Stapel von oben nicht erſchweren; iſt dies aber der Fall, ſo nennt man ſolche Wollhaare, welche an den oberen Theilen des Stapels überlaufen und gewöhnlich auch von gröberer Beſchaffenheit ſind, Ueberlaͤufer oder Binder. Dieſe Erſcheinung iſt fehlerhaft, denn, außerdem daß ſie gar E (he — 153— Ungleichheit anzeigt, erhält die Wolle dadurch ſchon einiger⸗ maßen filzige Beſchaffenheit. §. 351. Beim Vließe iſt begreiflich ſowohl die Qua⸗ litaͤt als Quantitaͤt der Wolle von Belang; erſtere wird durch die bisher abgehandelten Eigenſchaften beſtimmt; letz⸗ tere haͤngt hauptſächlich vom inneren Bau des Wollhaares, von der Dichtheit und Laͤnge der Wolle, der Größe des Schafkörpers und der Bewachſenheit deſſelben mit Wolle ab; alle dieſe Umſtände aber ſind abhaͤngig von Race und Zuͤch⸗ tung einerſeits und der vorausgegangenen Ernaͤhrung und Pflege andererſeits. Speciellere Angaben über den Woll⸗Ertrag gibt das 7. Capitel. §. 352. Ob das Vließ offen oder geſchloſſen erſcheint, hangt hauptſächlich vom aͤußeren Bau des Sta⸗ pels ab, und was zum Vortheile des ſtumpfen Stapels geſagt iſt, findet anf das geſchloſſene Pließ ſeine volle An⸗ wendung. 12. Verhalten der Wolle im gewaſchenen Zuſtande. §. 353. Durch das Waſchen der Wolle, worunter wir in der Regel das Waſchen auf dem Thiere, die Pelzwäſche, verſtehen, wird nicht nur der größere Theil der Unreinig⸗ keiten und des Fettſchweißes aus der Wolle entfernt, die Wolle ſtellt ſich nach der Wäͤſche auch noch in mehrfach anderer Hinſicht anders, als vorher dar. §. 354. Bei der gewaſchenen Wolle erſcheint uns namentlich der Stapel im Ganzen feſter, an ſeinem Ende aber mehr aufgelößt und in ſeiner Länge, durch eingetrete⸗ nes engeres Zuſammenziehen der Kräuſelungsbögen, bedeu⸗ tend vermindert. Stark markirte Kräuſelungsbögen oder gar gezwirnte Wollſtraͤngchen fallen ſtaͤrker ins Auge. Die Sanftheit laͤßt ſich erſt jetzt gehoͤrig würdigen, und kann (theilweiſe in Folge der Wäſche) gegen vorher vermehrt, 8 —————— — 154— meiſtens aber wird ſie vermindert erſcheinen. Auch die Ela⸗ ſticitaͤt und Staͤrke(ſ.§§. 332. 333) kann nunmehr erſt gehörig erwogen werden. Da der Käufer die Wolle in der Regel nur danach beurtheilt, wie ſie ſich ihm im gewaſchenen Zuſtande darſtellt, ſo geht daraus ſattſam hervor, wie wichtig es für den Producenten ſey, daß er dieſes Urtheil kennt und beachtet und darauf gewiſſermaßen die Beurtheilung auf dem Schafe bei der Züchtung baſirt(§. 360). 13. Unterſuchung und Beurtheilung 1 der Wolle. §. 355. Bei Unterſuchung der Wolle auf dem Schafe, in der Abſicht ein richtiges Urtheil über ihr Ver⸗ halten zu erhalten, muͤſſen Auge und Gefühl zu Hülfe ge⸗ nommen werden; Uebung und Erfahrung aber koͤnnen allein die dabei ſo wuͤnſchenswerthe Sicherheit im Urtheil geben. §. 356. Man verfaͤhrt bei einer ſolchen Unterſuchung folgender Maßen. Man bringt das zu unterſuchende Thier in eine etwas erhöhte Stellung(wozu man eigene Claſſificir⸗ Tiſche und Boͤcke hat) und ſorgt fuͤr gehörigen Zutritt des Lichts. Beim Ueberblicken des Vließes wird ſein Bau im Aeußeren wahrgenommen, auch ſchon mancher praktiſche Schluß auf ſein Verhalten im Inneren gefolgert. Durch das Auseinanderlegen der Wolle an den verſchiedenen Stellen des Körpers wird dann der innere Stapelbau, die Feinheit, Sanftheit, Länge, Dichtheit ꝛc., ſo wie die Ausgeglichen⸗ heit wahrgenommen. Durch Abſchneiden einzelner Stapel von den Haupttheilen des Koͤrpers, und deren nähere Un⸗ terſuchung und Vergleichung, kann im Falle des Zweifels das Reſultat noch ſicherer beſtimmt werden. §. 357. Die am ſchwierigſten zu beurtheilende und ſicher zu beſtimmende Eigenſchaft iſt die Feinheit. Man hat deßhalb ſchon mancherlei Hülfsmittel dabei in Anwendung gebracht. Das praktiſchte dabei iſt, von der Kraͤuſelung auf Ela⸗ erſt hält, araus aß er n die — 155— die Feinheit zu ſchließen. Da nämlich(ſ.§. 329) bei den meiſten feinen Wollen die Kraͤuſelungsboͤgen um ſo enger ſtehen, je feiner die Wolle iſt, ſo hat man ſich eine beſon⸗ dere Scale gebildet, nach welcher angenommen wird, daß Wolle mit 15 bis 20 Bögen auf den pariſer Zoll ſogenannte Baſtardwolle(von halbveredelten Meſtizen) iſt, und daß die mittelfeinen, feinen und hochfeinen Wollen von 20 bis zu 35 Kraͤuſelungsbögen auf den Zoll meſſen. Bei ſolchen Meſſungen vergeſſe man jedoch nie, daß es auch feine Wolle mit flachen Bögen gibt, ſo wie daß die Wolle durch äußere Umſtände leicht aus ihrer natürlichen Kräuſelungsform gekom⸗ men ſeyn kann. Das äußere Stapelende, woran die Kräuſelung immer ſchon verändert iſt, darf eben deßhalb auch nicht mit in die Meſſung gezogen werden. §. 358. Ferner hat man auch beſondere Wollme ſ⸗ ſer(Eirometer) erfunden, mittelſt deren der Durchmeſſer der Wollhaare nach Graden ausgeſprochen wird. Solche Inſtrumente ſind wichtig fuͤr die Wiſſenſchaft und zur De⸗ monſtration; ſie ſind aber zum praktiſchen Gebrauche, wegen der Schwierigkeit, damit umzugehen, und ſelbſt wegen ihrer Koſtbarkeit, nicht zu empfehlen. Der bekannteſte Wollmeſſer iſt der Dollond'ſ che, woran jeder Grad ¼0 oo eines engliſchen Zolls bedeutet; hochfeine Electoralwolle mißt hiernach ohngefähr 4 Grade, Wolle mit mehr als 8 bis 9 Graden gehört ſchon in die geringeren Sortimente der feinen Wol⸗ len.— Neuerer Zeit wurde Grawart's Wollmeſſer als noch beſſer empfohlen.— Dann gibt es noch Wollmeſſer von Voigtländer, Köhler und Pilgramz; letzterer empfiehlt ſich durch ſeine Einfach⸗ heit und ſeinen geringeren Preis. Der beſte Wollmeſſer bleibt immer ein geübtes, ſicheres Auge. §. 359. Bei der Beurtheilung der Wolle auf den Scha⸗ fen iſt noch beſonders wichtig, daß man den Zuſtand der Thiere in Bezug auf vorausgegangene Pflege und Ernäh⸗ rung in Betracht ziehe; ſonſt wird man ſehr oft in den Fall kommen, ein unrichtiges Urtheil zu fällen. Sehr ſorgfältige Haltung, Schonung vor Regen, Staub ꝛc. ſind die Veranlaſſung, daß ſich die Wolle ganz anders präſentirt, als wenn die Thiere vorher den Einflüſſen des Climas und der Witte⸗ rung preißgegeben oder unzweckmäßig ernährt worden ſind. §. 360. Um die Wolle im gewaſchenen Zuſtande zu unterſuchen, iſt es wuͤnſchenswerth, daß das abgeſchorene Vließ noch möglichſt ein zuſammenhängendes Ganze ſey. Man legt zu dem Ende das Vließ auf einen Tiſch, den Abſchnitt zuerſt nach unten gekehrt, ſpäter auch umgekehrt. Bei dieſer Betrachtung kann der Kenner ſchon den Stapel⸗ bau, die Kraͤuſelung, die Gleichheit und Ausgeglichen⸗ heit u. m. a. beurtheilen. Ausgenommene Flocken werden dann auseinandergezogen und wieder nachgelaſſen, das gerade und auseinander Gezogene wird gegen das Licht gehalten, der Flocken wird in der Hand gedruͤckt, wieder nachgelaſſen; man verſucht eine Parthie Wollhaare zu zerreißen u. ſ. w.; aus welcher Unterſuchung am Ende das Urtheil in Bezug auf Feinheit, Sanftheit, Elaſticität, Stärke ꝛc. gebil⸗ det wird. Beſonders belehrend iſt es, die Thiere vor der Wäſche gehörig unterſucht zu haben, und dann ſpäter die Reſultate der Unterſuchung der abgeſchornen Vließe damit zuſammen zu halten. Drittes Capitel. Von den Racen der Schafe. §. 364. Die Zahl der Schafracen, welche fuͤr die cultivirte Schafzucht Europa's von irgend einem Inte⸗ reſſe ſind und welche hier auch nur beruͤckſichtigt werden ſollen, iſt ſehr bedeutend. — 157— Die ſonſt in naturhiſtoriſcher Beziehung intereſſanten Racen anderer Weltgegenden, wie der Fettſchwanz in Afrika, die wilden oder halbwilden Racen Aſiens, Islands ꝛc. übergehen wir. §. 362. Die Schaf⸗Racen laſſen ſich, mit beſonderer Rückſicht auf das Hauptproduct des Schafes, die Wolle, in die zwei Hauptabtheilungen: grobwollige und feinwol⸗ lige, bringen. A. Grobwollige Racen. §. 363. Um dieſe Racen in faßlicher Ueberſicht dar⸗ zuſtellen, nehmen wir die andere Hauptruͤckſicht, auf die wir bei der Schafzucht zu achten haben, den Koͤrperbau, mit zu Hülfe und theilen jene Racen wieder ab in: mit⸗ telgroße, große und kleine. I. Mittelgroße grobwollige Racen. 1. Die gemeine deutſche, auch europaͤiſche Landrace. §. 364. Das gewoͤhnliche in Deutſchland von lange her einheimiſche Landſchaf iſt im Allgemeinen von mittlerer Statur, jedoch nach den einzelnen Landſtrichen wieder von verſchiedener Groͤße;— gemäſtete Hämmel haben zwiſchen 40 und 80 Pfund Schlächtergewicht. Nur die Bocke haben mitunter kleine Hoͤrner, meiſtens aber, ſo wie die Schafe, deren keine. Die Wolle bietet in der dieſer Race durch⸗ gaͤngig eigenen geringen Feinheit doch auch noch betraͤcht⸗ liche Abſtufungen dar; auch iſt ſie mehr oder weniger ſchlicht und in der Länge, ſo wie dem Gewichtsertrage verſchieden; jene wechſelt zwiſchen 3 bis 6 und mehr Zollen; das Schurge⸗ wicht iſt in der Regel 2 ½ bis 4 Pfund vom Stück. Die Farbe der Wolle iſt in der Regel weiß, es köoͤmmt aber auch braune und ſchwarze Wolle bei dieſen Schafen vor. Nicht ſelten iſt die Haarfarbe am Kopf und an den Beinen theilweiſe oder ganz ſchwarz oder braun oder gelblich, waͤh⸗ — 158— rend die Wolle ſelbſt vollkommen weiß iſt. Die deutſchen Landſchafe bringen gewöhnlich ein Junges, Zwillinge ſind aber nichts ſeltenes. Wenn hier und ferner vom Schurgewichte der Racen die Rede iſt, ſo verſtehen wir darunter die Wolle eines Jahres(ein⸗ oder zweiſchürig) in gewaſchenem Zuſtande, im Durchſchnitt von den aus Mutterſchafen, Jungvieh und Hämmeln zuſammengeſetzten Heerden aufs Stück gerechnet, ohne die Lämmer mitzurechnen. §. 365. Dieſe Haupt⸗Race iſt außer Deutſchland in vilen andern europäiſchen Ländern verbreitet, wie in Po⸗ len, mehreren Theilen von Rußland und Schweden, vielen Landſtrichen von Frankreich, mehreren von Ita⸗ lien ꝛc. Auch in Spanien iſt neben den Merinos (ſ.§. 376) noch eine grobwollige Race, mit theils ſchwar⸗ zer, theils weißer Wolle einheimiſch, dort Churros ge⸗ nannt, welche als eine Unter⸗Race jener Haupt⸗Race anzunehmen iſt. §. 366. Das deutſche Landſchaf läßt ſich ebenfalls in Unterracen abtheilen, wie das Rhoͤnſchaf, groß, gut zur Maſtung, oͤfters mit ſchwarzem Kopf und ſchwarzen Bei⸗ nen; das oberſchwäbiſche Zaudelſchaf mit etwas kurzer Wolle mit mehr markirten Kraͤuſelungsboͤgen, als ſonſt bei grober Wolle gewoͤhnlich; das hannöver'ſche Schaf, groß, und etwas hochbeinig und ſchmal; das Spie⸗ gelſchaf, wegen eines ſchwarzen Ringes um die Augen alſo genannt, in Mecklenburg, auch in Franken zu finden; das ſchleſiſche Schaf, hochbeinig mit langem Hals, langer, ſchlichter, etwas feinerer Wolle, als man ſie gewoͤhnlich beim Landſchafe findet. Durch Merinos, und noch mehr durch die aus der Kreutzung mit Merinos entſtandenen Meſtizen, iſt das Landſchaf an vielen Orten, ja aus ganzen Landſtrichen verdrängt worden. 2. Das Zackelſchaf. §. 367. Dieſe in Ungarn und der Wallachei ein⸗ heimiſche conſtante Race, zeichnet ſich durch ziemlich großen vx di tel ader ſ i d din reſi deto 9 ſchen dder en aus eerden — 4159— Koͤrper, bis 1 Fuß lange grobe Wolle, von theils weißer, theils dunkler Farbe, ſpiralfoͤrmig gewundene Hörner aus, welche beim ungariſchen Zackel mehr aufrecht ſtehen und größer ſind, als beim wallachiſchen. Abbildungen hiervon und von mehreren anderen Schafracen fin⸗ det man im 6. Hefte des ſchon mehr erwähuten Wekherlin'’ſchen Werkes. 3. Die Southdouwns⸗ͤ und mehrere andere engliſche Racen. §. 368. Außer den berühmten großen engliſchen Racen (ſ.§. 371) gibt es auf der brittanniſchen Inſel auch meh⸗ rere mittelgroße und kleine Racen. Zu den mittleren ge⸗ hört namentlich die ſogenannte Southdouwns⸗Race, auf den Kreidehügeln der Grafſchaft Eſſex zu Hauſe. Ihr nicht hoher Koͤrper iſt breit, lang und wohlgerundet, der wie die Beine dunkelgefaͤrbte Kopf iſt ungehoͤrnt und mit kleinen aufrechtſtehenden Ohren beſetzt. Die ziemlich weiße Wolle iſt gekraͤuſelt, kurz, dicht und hat die Feinheit ge⸗ wöhnlicher Baſtardwolle; das Stuͤck gibt etwa 3 Pfund. Die Race iſt aͤußerſt maſtfaͤhig und robuſt; ein fetter Ham⸗ mel hat 70 bis 80 Pfund Schlaͤchtergewicht. Dieſer Race ähnlich iſt die von Herefordſhire. Einige andere Racen oder Schläge Englands mögen ebenfalls noch hierher zu zählen ſeyn. Sie ſind nebſt vielen andern in Menge aufgezählt in den ſchon angeführten Werken Petri's.— Von fremden Racen dürfte unter andern die Race der Krimm und Ukraine auch inte⸗ reſſiren, von deren Lämmern die ſogenannten ruſſiſchen Lämmerpelze gewonnen werden. II. Große, grobwollige Racen. 1. Das niedelaͤndiſche und deutſche Marſch⸗Schaf. §. 369. In Flandern, Holland, Friesland, Holſtein, Daͤnemark findet man die in der Hauptſache — 160— durch Körpergröße, lange ſchlichte weiße Wolle, ungehörn⸗ ten Kopf mit ziemlich langen Ohren, und die Eigenſchaft, mehrere Junge zugleich zur Welt zu bringen, auch durch ihre Milchergiebigkeit ausgezeichneten ſogenannten Marſch⸗ Racen, welche jedenfalls nur als eine Haupt⸗Race anzu⸗ ſehen ſind. Dieſe Schafe liefern meiſtens ein Schurgewicht von 5 bis 7 Pfund, obwohl ſie an den Extremitäten haͤufig ſchlecht bewollt ſind. Das Schlächtergewicht der Hämmel iſt gewöhnlich 80 bis 120 Pfund. §. 370. Als Unter⸗Racen laſſen ſich anfuͤhren: die Texel'ſche(in Holland), den großen engliſchen Racen ſehr aͤhnlich, die flandriſche(belgiſche), frieſiſche, beide hochbeiniger und nicht ſo langwollig, wie jene; die Eiderſtaͤdter, Dittmar''ſche u. m. a. Begreiflich können jene Racen uunr auf den angewohnten reichen Weiden oder bei ſonſt höchſt reichlicher Ernährung gedeihen, Auch ſind ſie meiſtens weichlich, ertragen Stallfütterung nicht gut, und erreichen kein hohes Alter. 3 2. Langwollige, engliſche Racen. §. 371. Die durch ihre Koͤrperformen beruͤhmteſten engliſchen Schafracen, als die Teeswater, Dishley (Backwells⸗Race), Cotswold, Linkoln, Romney⸗ Marſh u. a. ſtammen ſehr wahrſcheinlich, wenn nicht ganz, doch theilweiſe, von der großen Race der Nordſeekuͤſte ab, ſind aber durch ſorgfältige Züchtung, zunächſt in der Abſicht großes, ſehr maſtfaͤhiges Vieh, zugleich aber auch eine aus⸗ gezeichnete Kammwolle zu erhalten, weſentlich vervollkomm⸗ net worden. Faſt jede Grafſchaft Englands hat wieder eine von den andern mehr oder weniger verſchiedene Unter⸗Race. §. 372. Alle dieſe Racen zeichnen ſich durch ſtarken, ſchönen, breiten, ſo zu ſagen faſt viereckig erſcheinenden Koͤrperbau, die denkbar groͤßte Maſtfähigkeit, und eine reichliche, lange, ſchlichte, zwar nicht feine, aber doch lhörn⸗ chaft, drch Rarſch⸗ anzu⸗ gewicht häͤuſg immel : die Racen ſche, ; die teichen Auch , und keſten hley tey⸗ ganz, ab, zſicht aus⸗ omm⸗ andern atten, enden eine doch — 461— weiche, glänzende, weiße Wolle aus, deren Schurgewicht gewaſchen meiſtens 5 bis 8 Pfund vom Stück iſt. Die Hämmel dieſer Racen ſind im zweiten Jahre ſchon vollkom⸗ men ſchlachtfaͤhig und das Schlächtergewicht iſt gewoͤhnlich 80 bis 140 Pfund; man hat auch ſchon Hämmel von 260 Pfund geſchlachtet. Die Race hat keine Hörner; die Mut⸗ terſchafe bringen haͤufig Zwillinge. Näheres über dieſe merkwürdigen Racen findet man in Thärs eugliſcher Landwirthſchaft, Wekherlins Abbildungen, Schmalz Thierveredlungskunde, auch in vielen landwirthſchaftlichen Zeitſchrif⸗ ten der neueren Zeit. Auch ſind ſie neuerer Zeit häufig nach Deutſch⸗ land und Frankreich eingeführt worden, in der Ablicht die Schaf⸗ zucht dadurch zu heben. 3. Die Bergamasker⸗Race. §. 373. Dieſe in Oberitalien einheimiſche, im Som⸗ mer in großen Heerden nach den italieniſchen und bündten⸗ ſchen Alpen wandernden Schafe ſind von ungewöhnlich gro⸗ ßer Statur(deßhalb auch Rieſenſchafe genannt); dabei ſind ſie hochbeinig, haben häufig eingeſenkten Rücken, einen langen Hals, den ſie hoch tragen, großen ungehoͤrnten Kopf mit langen Ohren. Die Wolle iſt grob und ſchlicht, und wird 6 bis 7 Zoll lang. Sie ſollen dauerhaft ſeyn und ſich leicht maͤſten. Sie lammen in einem Jahre häufig zweimal und bringen auch öfters Zwillinge, ja manchmal Drillinge. Der Wollertrag iſt ohngefähr 6 bis 7 Pfund vom Stuͤck. Das paduaniſche Schaf ſoll dem bergamasker ziemlich ähn⸗ lich ſeyn. III. Kleine, grobwollige Racen. 1. Die Heidſchnucke. §. 374. Die ſogenannte Heidſchnucke iſt hauptſächlich auf der lüneburger Heide einheimiſch, und koͤmmt daſelbſt bei äußerſt geringer Pflege fort, indem ſie großentheils vom Heidekraut ſich naͤhrt. Dieſe Schafe ſind ſo klein, daß Pabſt Landwirthſchaft. II. 1. 11 — 162— ein Hammel oft nur 20 bis 25 Pfund, ſelten mehr als 30 Pfund Schlaͤchtergewicht hat. Ihre Wolle iſt gran, braun und ſchwarz, grob und neigt ſich zum Filzen. Sie ſcheeren 2 bis 2 ½ Pfund jaͤhrlich. Böcke und Schafe haben Hörner. In einigen Heidegegenden Frankreichs ſoll ein ähnliches Heide⸗ ſchaf exiſtiren. 2. Kleine engliſche Racen. §. 375. In einigen mageren oder felſigen Gegenden Englands ſollen mehrere Racen von ſehr kleinem Körperbau exiſtiren. Zu dieſen gehoͤrt(nach Petri) namentlich die Hendwik⸗Race, mit geflecktem Kopf und Beinen, kur⸗ zer, filziger Wolle; die Dunfacet⸗Race mit meiſtens bunter Wolle; ferner eine Race in Wallis u. a. Die Shetland⸗Race duürfte ebenfalls hier noch zu nennen ſeyn; ihre Woͤlle wird als ſehr weich nnd ſeidenartig beſchrieben. Dieſer Eigenſchaft nach müßte die Race eigentlich zu der folgenden Hauptabtheilung gehören, indeſſen möge ſie als Uebergang hier noch genannt ſeyn, da ſie ohnedieß in nicht großer Anzahl vorhanden, und bis jetzt wenig beachtet worden zu ſeyn ſcheint. B. Feinwollige Schaf⸗Racen. §. 376. Unter dieſer Abtheilung ſind hauptſaͤchlich nur die Merinos anzuführen. Dieſe von allen uͤbrigen Schaf⸗ Racen ſo ſehr ſich auszeichnende Haupt⸗Race iſt bekanntlich ſchon ſeit lange in Spanien einheimiſch und von da aus nach vielen andern Laͤndern verbreitet worden. Ueber die erſte Entſtehung der Merinos und deren Ueberſiede⸗ lung nach Spanien ſind die Traditionen verſchieden; wahrſcheinlich iſt, daß ſchon zur Zeit der erſten römiſchen Kaiſer in Spanien feine Schafe exiſtirten, daß aber ſpäter durch die Mauren neue Einmi⸗ ſchungen ſtatt fanden und die Race erſt gebildet ward. Die Benen⸗ nung der Race wird auch verſchieden abgeleitet: nach Einigen von marina(übers Meer gekommen), nach Anderen von merino, was kraus, auch dicht bedeuten Roll. 1 mahr alh ſt grau, en. Sie ife huben des Heide egenden rperbau lich die n, kur⸗ meiſten nennen ſchrieben⸗ folgenden hier noch lden, und ch nur Schaf⸗ intlich znach erſiede⸗ einlich en feine Einmi⸗ Vener⸗ en von vas — 163— Es beſtand ſonſt in Spanien eine große Geſellſchaft weideberech⸗ tigter Heerdenbeſitzer, unter dem Namen der„Meſta“, welche ausge⸗ dehnte Gerechtſame beſaß, die neuerer Zeit jedoch ſehr eingeſchränkt worden ſind; dadurch, beſonders aber durch die Kriege und inneren Unruhen, iſt die Zahl, wohl auch die Vollkommenheit der Merinos in Spanien heruntergekommen. In LFolge jener Verhältniſſe theilte man die Merinos⸗Heerden in wandernde(transhumantes) und ſtehende(estantes). Unter den Wanderheerden, die man auch „Cavagnen“ nennt, ſind beſonders die Leoneſer berühmt, welche den Sommer auf den Gebirgen Leous, den Winter in Eſtrema⸗ tura zubringen, dann folgen die Segovianer, Soriauer. Nach Petri's Angaben wurden ſchon im 15. Jahrhundert Me⸗ rinos aus Spanien nach England gebracht; ſie haben aber in dieſem Lande wegen der climatiſchen und anderer ſtatiſtiſchen Verhältniſſe nie Glück gemacht.— Im Jahr 1723 ſoll ſchon ein Stamm Meri⸗ nos nach Schweden gekommen ſeyn und ſich auch dort forterhalten haben.— Nach Deutſchland kamen die Merinos in der zwei⸗ ten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, namentlich auf Veranſtaltung der betreffenden Regierungen 1765 zuerſt nach Sachſen, und um dieſelbe Zeit(nach Petri 1763) nach Oeſtreich. Nach Preußen und Würtemberg kamen 1786 die erſten Transporte.— Auch nach Frankreich ſoll nicht eher, als in dieſem Jahre der erſte Merinosſtamm gekommen ſeyn. Seit dieſer Zeit hat jene Schaf⸗ Race in Deutſchland, und von da aus wieder nach vielen andern Ländern, eine Verbreitung und Ausbildung erhalten, wie, mit Hin⸗ blick auf Zeitraum, Zahl und Veredlung, vielleicht noch nie eine Hausthierrace in der Welt. 8 §. 377. Die hauptſächlichſten Racezeichen der Meri⸗ nos ſind: ein mittelgroßer, mitunter ſelbſt kleiner Koͤrper⸗ bau; eine eigenthuͤmliche Form des Kopfes, der bei den Böcken in der Regel mit großen, gewundenen Hörnern beſetzt iſt; einzelne Mutterthiere kommen auch mit kleinen Höoͤrnern vor; dagegen findet man auch Merinos⸗Böcke ohne Hoͤrner; die Haͤmmel haben keine oder nur verkruͤp⸗ pelte Hoͤrner. Die Mutterſchafe bringen in der Regel nur ein Junges. Die Hauptauszeichnung der Merinos endlich liegt in ihrer Wolle, welche ſich durch ihren Bau, nament⸗ 11* — 164— lich hinſichtlich der Feinheit, Kraͤuſelung, Dichtheit, des Fettſchweißes ꝛc. von der Wolle ſeder anderen Schafrace ſo ſehr auszeichnet. Die Merinos ſind zwar in mehrfacher Beziehung empfindlicher gegen die Einflüſſe des Climas und der Witterung, als die rauhwol⸗ ligen Schafe; bei gehöriger Pflege haben ſie aber eine längere Le⸗ bensdauer, als dieſe(ſ.§. 315). §. 378. Die Merinos zeigen ſelbſt in den einzelnen Heerden in Spanien bedeutende Verſchiedenheit in der Koͤr⸗ perform und in der Wolle; viel hedeutender aber noch iſt dieſe Verſchiedenheit in den uͤbrigen europaͤiſchen Ländern, in denen die Merinos nun ſchon laͤnger einheimiſch ſind; wir unter⸗ ſcheiden jedoch nur die zwei Unter⸗Racen, welche dermalen unter der Benennung der Infantado⸗ und der Electoral⸗ Race bekannt ſind. I. Infantado⸗Race. §. 379. Dieſe Race traͤgt den Hauptcharakter vieler berühmten, vielleicht der meiſten, ſpaniſchen Wanderheerden, namentlich der leoneſer Heerde des Herzogs von Infan⸗ tado, der von Negretti ꝛc. Sie iſt von kräftigem, ge⸗ drungenem Körperbau, namentlich breit in Bruſt und Kreuz, hat oͤfters faltige Hautwulſte am Halſe und den Schenkeln, iſt ſehr ſtark bis an die Backen und Klauen bewollt, hat breiten Kopf, gebogene faltige Naſe; die Wolle iſt dicht, von geſchloſſenem, ſtumpfem Stapel, hat ſtärkeren, mehr pechartigen Fettſchweiß, iſt weniger gleichartig in der Kräu⸗ ſelung, und nicht von ſo hoher Feinheit und Sanftheit, als bei den Electorals; an den Extremitaͤten kommen oͤfters Hundshaare vor. Das Schurgewicht iſt 3 bis 3 ½ Pfund, zuweilen noch mehr. Die Lämmer werden öfters mit Haut⸗ falten und mit uͤber die kurze Wolle hervorragenden Haaren geboren, welche ſpäter ausgehen. Die Infantado⸗Race ward in Oeſtreich und Frankreich haupt⸗ ſächlich verbreitet; und man hielt ſie längere Zeit für die einzig iche göl 8, des race ſo dindlicher rauhwol⸗ lgere Le⸗ inzelnen Kör⸗ ſt dieſe denen unter⸗ emalen oral⸗ vieler kerden, nfan⸗ 1, ge⸗ reuz, nkeln, „hat dicht, mehr Kräu⸗ , als öfterz fund, Hauh⸗ zagten ſaupt⸗ einzig — 165— ächte. Sie hieß ſonſt auch Negretti⸗Race; auf dem Leipziger Wolleonvente kam man überein, ſie Infantadv⸗Race zu nennen. II. Electoral⸗Race. §. 380. Dieſe iſt von feinerem, ſchwaͤcherem Körper⸗ bau, hat ſchmaleren, magereren Kopf, weniger behaarte Ohren, am Kopf feineres Haar, iſt weniger ſtark gegen die Extremitäten hin bewollt; der Hals iſt dünner und hat weniger Koͤder. Die Wolle iſt von hoher Feinheit und Sanftheit, ſehr gleich im Stapel und im Vließe mehr aus⸗ geglichen, meiſtens von regulaͤrer oder maͤßig verwaſchener Kraͤuſelung; das VPließ iſt nicht immer geſchloſſen; ſpitzer Stapel, zuweilen auch gedehnte, flache Kräuſelungsbögen kommen vor. Der Wollertrag iſt oft kaum 2 und nicht leicht uͤber 2 ½ Pfund vom Stück. Die Laͤmmer fallen meiſtens mit glattem, weichem, ſehr kurzwolligem Fellchen. §. 381. Dieſe hochedle Schaf⸗Race ſtammt zwar auch von aus Spanien gekommenen Merinos ab; ſie findet ſich jedoch dort, vollkommen ausgebildet, nicht in den großen Heerden vorherrſchend und iſt erſt in Deutſchland, haupt⸗ ſächlich von dem 1765 nach Sachſen gekommenen Stamme, herangebildet worden. Man nannte dieſe Schafe auch eine Zeit lang die Escurials, weil man der Meinung war, daß ſie vorzugsweiſe aus der ſpaniſchen Escurialheerde ſtammten; auf dem Leipziger Wollconvente kam man aber wegen der ſchon gebräuchlichen Benennung der Wolle von den hochfeinen Schafen in Sachſen(Electoralwolle) überein, ſie Electoral⸗ Race zu nenneu. §. 382. Da ſchon in den ſpaniſchen Heerden Thiere exiſtiren, welche mehr den einen oder den andern Charakter der hier beſchriebenen beiden Unterracen an ſich tragen, da in Deutſchland die meiſten feinen Heerden erſt durch viele Generationen fortgeſetzte Kreutzungen gebildet ſind, da uͤber⸗ haupt auf kein Product der landwirthſchaftlichen Thierzucht durch die Auswahl der Zuchtthiere mehr und ſchneller ein⸗ 4 . — — 166= gewirkt werden kann, als auf die Wolle; ſo iſt es ſehr be⸗ greiflich, daß wir viele Heerden finden, welche nicht ent⸗ ſchieden zu der einen oder anderen jener beiden Unter⸗Racen gezaͤhlt werden können. 8 Die Mehrzahl der feinwolligen Schafe in Deutſchland darf über⸗ dieß nur erſt zu den in der Veredlung mehr oder weniger vorange⸗ ſchrittenen Meſtizen gezählt werden. §. 383. Waͤhrend die Merinoszucht in allgemeinere Aufnahme kam und die Vorzuͤge vollkommener Zuchtthiere immer mehr erkannt wurden, haben gewiſſe Heerden einen beſonderen Ruf erhalten; auch zeichnen ſich dieſelben in der Regel durch gewiſſe Eigenthuͤmlichkeiten vor andern aus; deßhalb unterſcheidet man bei den Merinos in Deutſchland, beſonders aber den Electorals, wieder eine Menge Stämme. Zu den älteren und berühmteren gehören unter anderen die von Lohmenlk. ſächſ. Stammſchäferei), von Möglin(Thär), The⸗ reſienfeld(Petri), Rochsburg(Graf Schönburg), Klipphau⸗ ſen(Fürſt Reuß), Fürſt Lichnowsky u. v. a Viertes Capitel. Von der Paarung. §. 384. Das Hauptziel des Schafzüchters iſt entweder die Production einer gewiſſen Gattung Wolle(Tuch⸗ oder Kammwolle, mit vorzugsweiſer Rückſicht auf Feinheit oder Menge), und Groͤße und Maſtfähigkeit des Körpers ſind jenem Zwecke mehr oder weniger untergeordnet; oder er hat die Maſtfähigkeit als erſtes Ziel zu betrachten und die Ruͤck⸗ ſicht auf die Wolle iſt dieſem Ziele untergeordnet. Hiernach — 167— t he⸗ muß ſich das Hauptverfahren bei der Wahl der Zuchtthiere ent⸗ richten. Raten Welche Verhältniſſe die Wahl des Betriebs(das der Züchtung zu ſetzende Ziel) ſpeeiell beſtimmen, erörtert das 7. Capitel. f über§. 385. In Bezug auf die Paarung ſelbſt kommen in orange näͤheren Betracht: die Wahl der Widder in Bezug auf das Alter derſelben und auf Beſchaffenheit und Zahl der Mut⸗ einere terſchafe; die Wahl der Mutterſchafe in Bezug auf das Alter hite üuͤurs erſte Zulaſſen und Beibehalten zur Zucht; die Beſtim⸗ einen mung der Zeit des Sprungs und das Verfahren dabei. u3 1. Wahl der Widder. land,§. 386. Alter. Bei großen, zugleich ſchnell ſich aus⸗ ume. bildenden Nacen, beſonders den engliſchen, und nach vor⸗ e den ausgegangener reichlicher Ernaͤhrung von Jugend auf, wer⸗ Lhe den die Widder ohne Nachtheil ſchon im Alter von 1 ½ Jah⸗ phau⸗ ren zum Sprunge gebraucht. Bei den übrigen Racen, na⸗ mentlich auch bei den Merinos, iſt es raͤthlich, den Widder erſt im Alter von 2 ½ Jahren in vollen Gebrauch zu neh⸗ men, und als Jährling ihn nur verſuchsweiſe eine kleine Zahl von Mutterſchafen belegen zu laſſen. Durch den frühen, ſtarken Gebrauch von Jährlingsböcen, unter gewöhnlichen Verhältniſſen, wird zu einer ſchwächlicheren Nachzucht der Grund gelegt, erbliche Krankheiten werden eher verbreitet, und auch die Veredlung der Wolle wird häufig verfehlt, indem man die jetztere an den Jährlingen noch nicht gehörig beurtheilen konnte, oder überſieht, daß die Jährlingsböcke in der Regel feinere Wolle tragen als ältere, oder weil ſie ſchlechter vererben als letztere. eder§. 387. Nicht zu früh und zu ſtark gebrauchte Boͤcke bder können bei guter Haltung bis ins 7. und 8. Jahr zur Zucht odtt beibehalten werden, einzelne in beſonderen Faͤllen noch ſi) laͤnger. Thur§. 388. Beſchaffenheit der Widder. Daß ſich fück⸗ die Auswahl der Widder, ſey es nun, daß man die zu erzie⸗ uich lende Race bereits in der Vollkommenheit beſitzt, daß man 4* — 168— die Widder ſelbſt nachzieht, oder ſey es, daß man beſſer daran thut, ſie von anderen zu acquiriren,— zunächſt nach dem Verhalten der zu paarenden Mutterſchafe, und dabei zugleich nach dem zu erreichenden Ziele richten muß, liegt in der Natur der Sache. Je hoͤher die Veredlung der Schäferei bereits ſteht, um ſo großere Sorgfalt und Um⸗ ſicht iſt in jener Beziehung noͤthig. Wo man hauptſächlich auf vollkommenen Körper und Maſtfähig⸗ keit ſieht, da iſt die Auswahl nicht ſehr ſchwierig; wo man mit einer hohen Vollkommenheit jeuer Eigenſchaften auch eine ausgezeich⸗ nete, einträgliche Wolle verbinden will, wie z. B. bei den vorzüg⸗ lichſten engliſchen Racen, erfordert ſie ſchon weit mehr Umſicht und Rückſicht; wo man einen möglichſt hohen Ertrag durch die Zucht fein⸗ wolliger Schafe erzielen will, was durch verſchiedenartiges Zuſam⸗ mentreffen der Quantität mit der Qualität des Wollertrags erreich⸗ bar iſt, da iſt die größte Intelligenz und Sachkenntniß erforderlich. §. 389. Namentlich hat man bei der Abſicht, hochfeine Wolle zu erziehen, vor allem darauf zu ſehen, daß man eine hohe Feinheit und andere damit verbundene gute Eigenſchaf⸗ ten nicht zu ſehr auf Koſten der Wollmenge erlange, und eben ſo wenig die Reichwolligkeit zu ſehr auf Koſten der Feinheit begünſtige; ferner daß man auf Abkunft in Bezug auf Conſtanz der Heerde und Vollkommenheit der Eltern und Voreltern beſonderes Gewicht lege. §. 390. Allzugroße Verſchiedenheiten im Bau der Wolle in Bezug auf Wuchs, Kräuſelung und Länge müſſen bei der Paarung der Schafe vermieden werden, weil in den erſten Generationen daraus gewoͤhnlich eine zu ungleichartige und deßhalb wenig werthvolle Wolle entſteht. Mit unrecht dehnt man dieſe Regel auch auf den Unterſchied in der Feinheit aus. Wenn grobwollige Schafe veredelt werden ſollen, ſo wird die Veredlung um ſo ſchneller gehen, je feiner der Bock iſt, der dazu gebraucht wird. Wenn man aber Schafe hat, die eine 4 bis 5 zöllige ſchlichte, ins Gewicht fallende Wolle tragen und man gebraucht dazu einen hochfeinen Bock, deſſen Wolle bei engen Kräu⸗ ſelungsbögen nur 1 Zoll im Stapel lang iſt, ſo kann leicht der Er⸗ oh ſe viegt lebett räume der! Mit woll in: jnge pl ven heit u he ſär, herder ſchr klein Vil vick + — 169— beſſer folg ſeyn, daß die Wolle der erſten Generation p. Stück ⅛ weniger nach wiegt und doch nicht mehr werth iſt, als die von den Müttern.— dabei Ueberhaupt muß mau obiger Regel keine zu große Ausdehnung ein⸗ „legt raͤumen; wie wollte man ſonſt durch die Paarung gewiſſe Jehler in nn dr der Wolle in der Nachzucht wieder auszugleichen im Stande ſeyn. Mit Recht paart man dichtwollige, gut geſtapelte Böcke mit leicht⸗ dUn⸗ wolligen, ſpitzgeſtapelten Schafen ꝛc. §. 391. Boͤcke, welche irgend einen weſentlichen Fehler lhij⸗ im Bau der Wolle beſitzen, z. B. Neigung zum Zwirnen, an unt ungleiche Feinheit, geringe Ausgeglichenheit, ſchlechten Sta⸗ heu pel ꝛc., dürfen bei hochfeiner Schafzucht niemals gebraucht t und werden, noch weniger ſolche, bei welchen die Traberkrank⸗ t fein⸗ heit(§. ans) oder eine andere erbliche Krankheit nur irgend iſam⸗ zu vermuthen iſt. rreich⸗ Man vernachläſſige auch über die Feinheit die Geſtalt nicht zu tlich. ſehr, und ſehe ſtets auch auf einen verhältnißmäßig kräftigen Kör⸗ ffeine perbau; namentlich laſſe man ſich nicht dazu verleiten, anſcheinend ein ſehr feinwolligen Böcken, welche dieß aber nur vermöge ihres ſehr kleinen und ſchwächlichen Körperbaues ſind, den Vorzug zu geben. ſchaf⸗§. 392. Zahl der Mutterſchafe fuͤr einen und Widder. Wo man nach alter Sitte zur Sprungzeit die n der Boͤcke mit der Schafheerde gehen läßt, da rechnet man auf zezug 100 Mutterſchafe 3 bis a Böcke, wo aber der Sprung ltern aus der Hand eingeführt iſt(ſ.§. 398), da hat man haͤufig auf 100 Schafe nur 1 Bock gerechner; indeſſen iſt es ſehr Volle rathſam, auch hiebei ohne beſondere Gründe eine weniger der große Anzahl zu beſtimmen, und anf 100 bis 150 Mutter⸗ rſten ſchafe ſtets zwei kräftige Boͤcke zu rechnen. und Wenn man auch öfters ſchon 100 und mehr Schafe von einem einzi⸗ gen Bocke belegen ließ und dieſe gehörig trächtig wurden und geſunde jed in Lämmer brachten, ſo liegt es doch zu ſehr in der Natur der Sache, olln, daß Uebertreibung in dieſem Stücke leicht nachtheilige Folgen hat und ockiß gewis auch ſchon Vielen brachte. tie 2. Wahl der Mutterſchafe. n 6. 393. Das Zulaſſen des jungen Mutterviehes mit 5 4 ½⅓ Jahren unterliegt bei großem, ſchnell ſich ausbildendem, — 170— ſehr reichlich ernährtem Viehe ſo wenig einem Anſtande, als bei den Böcken(§. 386). Bei den Merinos und anderen, unter gewoͤhnlichen Verhaͤltniſſen erzogenen, mittelgroßen NRacen thut man aber viel beſſer daran, das junge Mutter⸗ vieh erſt als Zeitſchafe(2 ½ jaͤhrig) zuzulaſſen, weil eine kraͤftigere Nachzucht und eine vollkommnere Ausbildung der Mutterthiere dadurch geſichert iſt, auch die Schwierigkeiten, welche die zweijaͤhrigen Schafe in der Lammzeit ſtets veran⸗ laſſen, dadurch vermieden ſind. Wo es, bei der Anlegung oder Fortbildung feiner Schaͤfereien ſehr darum zu thun iſt, in der Veredlung raſch vorwärts zu ſchrei⸗ ten, da mag das Zulaſſen, wenigſtens des ſtärkeren Theils, der Jährlinge gerechtfertigt ſeyn, indem man dann in 6 Jahren 3, im andern Falle aber nur 2 Generationen erreicht; es iſt aber alsdann eine ganz beſonders reichliche Ernährung des Jungviehes, und eine beſonders ſorgfältige Verpflegung der jnngen Lammſchafe durchaus nöthig. 4 Da die nicht zugelaſſenen Jährlinge um ſo viel mehr Wolle tragen, und da man ja außerdem ſo viel Mutterſchafe halten kann, als man zur Nachzucht zweckmäßig erachtet; ſo iſt das Verfahren, das Muttervieh erſt mit 2 ½ Jahren zuzulaſſen, in gewöhnlichen Verhältniſſen auch mit keinem Opfer verbunden. §. 394. Wie lange die Mutterſchafe zur Zucht beizu⸗ behalten ſind, hängt von dem Betriebe und der Zuſammen⸗ ſetzung der Schaͤferei und manchen andern Umſtaͤnden ab. Wo eine Schäferei in voller Zahl und gutem Zuſtande vor⸗ handen iſt, werden die Mutterſchafe mit Recht im beſten Alter(etwa fünf⸗, hoͤchſtens ſechsjaͤhrig) abgeſchafft; wo es ſich um Vermehrung eines edelen Stammes, der Schaͤferei überhaupt, oder um Ausfüllung von Lücken handelt, welche durch Krankheiten entſtanden ſind, behält man die Mutter⸗ ſchafe bei, ſo lange es gehen will, und in ſolchen Verhaͤlt⸗ niſſen ſind 9 und 10 jaͤhrige Schafe nichts ſeltenes. Endlich hat man bei Heerden, wobei eine höhere Veredlung und groͤßere Gleichheit in der Wolle beabſichtigt wird, bei der de, als uderen, lagroßen Muter⸗ eil aine Ang der gkeiten, veran⸗ ffereien ſchrei⸗ ˙, der 3, im lsdann d eine archaus Wolee kann, fahren, ulichen heizu⸗ men⸗ mab. vor⸗ eſten d es fferei belche utter⸗ rhol⸗ nolic und der — 171— Abſchaffung der Mutterſchafe noch beſondere Rückſicht zu nehmen, die mit der ſchlechteren Wollbeſchaffenheit früher, als die mit beſſerer auszumerzen. Jedenfalls müſſen jährlich die älteſten, ſchwachen oder irgend zur Zucht nicht mehr ſicher tauglichen Mütter abgeſchafft werden.— In England läßt man bei den großen Racen die Schafe meiſtens nur zweimal lammen und ſchafft ſie dann ab. 3. Zeit des Sprungs und Verfahren dabei. §. 395. Sprungzeit. Die Beſtimmung der Sprung⸗ zeit haͤngt davon ab, zu welcher Zeit man die Laͤmmer zu haben wünſcht; die Wahl der Lammzeit aber hat ſich nach den beſonderen Wirthſchaftsverhältniſſen zu richten. Man kann deßhalb finden, daß die Sprungzeit ſchon mit Ende Juni oder Anfangs Juli beginnt(man hat ſelbſt Beiſpiele von Anfang Mai's), häufiger daß ſie im Auguſt anfängt, aber auch daß ſie erſt im September oder ſelbſt mit dem Octo⸗ ber ihren Anfang nimmt. 1— Die Lammzeit kann alſo ſchon im November, ſte kann aber auch erſt im März aufangen. Nur Ueberfluß an Winterfutter, das man nicht zu hoch anzuſchlagen hat, kann zu ſehr früher Lammzeit die Hand bieten. Bei einer Lammzeit in Mitte des Winters befinden ſich viele Schäfereien wohl, die Lämmer ſind dann bei Beginn der Frühlingsweide ſchon ziemlich erſtarkt. Bei Mangel an Winterfut⸗ ter, oder zu geringer, oder ſonſt den ſäugenden Schafen nicht zuträg⸗ licher Beſchaffenheit deſſelben, kann ein Spätlammen gut ſeyn; doch fordert es für die Mutterſchafe eine gute und nicht zu entfernte Weide.. Soll die Sprungzeit verändert werden, ſo wird man wohl darau thun, den Zeitpunkt nicht um mehr als 3 bis 4 Wochen gegen das Jahr vorher zu verrücken. Man hat es auch ſchon verſucht(ſ. Perault ꝛc. über Wolle und Schafzucht, bearbeitet von Thär, Berlin 1825), die Böcke das ganze Jahr unter den Mutterſchafen gehen zu laſſen, was aber für gewöhnlichen Schäfereibetrieb unſtatthaft iſt. — 172— §. 396. Die Dauer der Sprungzeit hängt viel davon ab, daß warme, und doch nicht uͤbermaͤßig heiße Witterung und kräftige Nahrung den Begattungstrieb der Mutterſchafe befoͤrdern; in der Regel ſoll ſie in 6 Wochen voruͤber gegan⸗ gen ſeyn. §. 397. Verfahren beim Sprunge. Bei dem ſchon§. 390 erwaͤhnten gewoͤhnlichen Verfahren, die Boͤcke in verhaͤltnißmäßiger Anzahl unter die Mutterheerde zu ſetzen, iſt bei einer einigermaßen bedeutenden Heerde zu empfehlen, die Boͤcke in zwei Hälften, abwechſelnd, zur Heerde zu thun und zu Hauſe gut zu füttern. Da aber bei dieſem Ver⸗ fahren, auch wenn der eben anempfohlene abwechſelnde Ge⸗ brauch ſtatt findet, eine möglichſt ſtarke Benutzung der aus⸗ gezeichneteren Widder und eine beſondere Zutheilung derſel⸗ ben zu den Schafen, für die ſie am beſten geeignet ſind, nur theilweiſe oder ſelbſt gar nicht thunlich iſt, was beides bei dem Streben nach hoher Veredlung doch ſo wichtig bleibt; ſo haben intelligente Schafzuͤchter ſchon laͤngſt den Sprung aus der Hand eingeführt. Der um die Förderung der Schaßzucht verdiente Rudo lph Andre hat ſich beſonders auch um die Eühfatrng des Sprungs aus der Hand verdient gemacht. §. 398. Sprung aus der Hand. Wenn derſebe nach allen Regeln zur Ausfuͤhrung kommen ſoll, ſo müſſen die Mutterſchafe numerirt oder wenigſtens nach Claſſen be⸗ ſonders bezeichnet ſeyn. Vor der Schur wird dann nach Maasgabe der Beſchaffenheit der Wolle und des Ziels, das man ſich geſteckt hat, die Zutheilung der Boͤcke zu den Scha⸗ fen ſpeciell beſtimmt, und eine Liſte wird daruͤber angefer⸗ tigt. In der Sprungzeit werden ſodann Morgens und Mittags(oder Abends) die Sprungboͤcke in einzelne kleine Abſchlaͤge in die Nähe der Schafe gebracht; ein oder zwei verhängte Probierſtoͤre ſuchen die brünſtigen Schafe auf und dieſe werden einzeln nach Angabe der Liſte, oder nach dem til Nven Ditrang nnti rihe zau⸗ „Ri m „Ne Tüde veänſeze, ſeuyfehlen deu thun ſſem Yer⸗ einde Ge⸗ der aus⸗ g derſel⸗ znet ſind, as beides igbleidt Sorung Andreé der Hand erſelbe müſſen en be⸗ tnach , das Scha⸗ ngefer⸗ 3 mn. fhir te ſ und dem — 173— Claſſezeichen und der deßhalb gegebenen Vorſchrift, zu dem für ſie beſtimmten Bocke zum Belegen gethan und ſobald dieſes gehoͤrig vollzogen iſt, wieder davon entfernt, die ſtatt⸗ gehabte Paarung aber wird ins Sprungregiſter eingetragen, das belegte Schaf gewöhnlich auch noch beſonders mit Farbe bezeichnet. Daß die Führung von Stammregiſtern hiebei weſentliches Er⸗ forderniß ſey, iſt ſchon§. 64 bemerkt. Nähere Anleitung zur Ein⸗ richtung dieſer Regiſter gibt u. a. Claus, Stammliſten für Schaf⸗ heerden, Meiſſen b. Klinkicht.“. Das Numeriren der Heerde wird häufig durch angehängte Nnu⸗ mern bewirkt; da dieſe aber leicht verloren gehen, ſo hat das Nume⸗ riren durch Kerfen und Löcher in die Ohren nach einer Chiffer den Vorzug erhalten. Anleitung dazu enthalten meine Beiträge zur höheren Schafzucht und mehrere andere der angeführten Werke. Elsner zieht das Tattowiren vor. Man kann zwar die Erfahrung machen, daß bei dieſem Verfah⸗ ren ein kräftiger Bock an einem Tage 8 bis 12 Schafe ſpringt, aus den§. 392 augeführten Gründen ſoll man jedoch in der Regel einem Bocke nicht mehr als 3 Schafe an einem Tage zum Belegen zuführen. Die Böcke erhalten zu Hauſe kräftiges Futter, namentlich auch etwas Hafer.. §. 399. Da das ebengedachte Verfahren ſtrenge Auf⸗ ſicht und große Achtſamkeit erfordert, wenn nicht Irrthuͤ⸗ mer vorfallen, oder mehr Schafe als gewoͤhnlich goͤlde blei⸗ ben ſollen; ſo hat man bei groͤßeren Schaͤfereien es vorge⸗ zogen, die Mutterſchafe in Claſſen zu theilen, z. B. Elite oder 1. Claſſe, dichtwollige 2. Claſſe, leichtwollige(flat⸗ terige) 2. Claſſe u. ſ. w., und hat danach die Boͤcke beſtimmt. Jeden Morgen und Mittag kommen nun dieſe unter die fuͤr ſie beſtimmte, abgeſondert gehaltene Claſſe; ſobald der erſte Bock ein Schaf geſprungen hat, wird dieſes herausgehoben und bezeichnet; hat er 2 oder 3 Schafe geſprungen, ſo wird der zweite Bock eingeſetzt und ſo fortgefahren. Bei kleineren Heerden kann man ohnedieß nicht für jede abwei⸗ chende Wollbeſchaffenheit beſonders geeignete Böcke haben; man kann — 174— alſo auch hier öfters ohne weſentlich nachtheilige Folgen ein ähn⸗ liches Verkahren in Anwendung briugen. * Fuͤnftes Capitel. Von der Aufzucht der Lämmer. §. 400. Behandlung der trächtigen Schafe. Neben Beachtung der allgemeinen Grundſaͤtze für die Be⸗ handlung der traͤchtigen Thiere(§. 65) iſt bei den Mutter⸗ ſchafen, welche in der Traͤchtigkeit ſchon weit vorgeſchritten ſind, beſonders darauf zu ſehen, daß ſie keine ungeſunde Nahrung erhalten, und bei dem Eintreiben in die Staͤlle ſo wie beim Auslaſſen aus denſelben nicht zu ſehr ſich drücken und draͤngen, weil durch beides Verlammen(unzeitige Ge⸗ burt) veranlaßt, durch ungeſunde Weide oder Futtermittel auch der Keim zu krankhaft zur Welt kommenden Laͤmmern gelegt werden kann. Mehrere oft bedeutenden Schaden atrichtende Lämmerkrankheiten rühren namentlich von der Dispoſition her, welche die jungen Thiere dazu mit auf die Welt bringen, zu dieſer aber legt ſtets die voraus⸗ gegangene Haltung der Mutterſchafe den Grund. Sehr häufig wird da, wo man noch nahrhafte Herbſt⸗ und Win⸗ terweide hat, das Weiden mit den trächtigen Mutterſchafen zu lange fortgeſetzt, was auf die Lammzucht nachtheilige Folgen hat; in den letzten 4 bis 6 Wochen vor Beginn der Lammzeit(vorausgeſetzt, daß ſolche ſchon in den Winter fällt) ſollen deßhalb die Mutterſchafe haupiſächlich auf dem Stalle gehalten und ihrer weiteren Beſtimmung angemeſſen gefüttert werden. §. 401. Lammzeit. Die fuͤr die Lammzeit zu tref⸗ fenden Vorkehrungen beſtehen darin, daß man fuͤr gehoͤrigen Raum im Schafſtalle ſorgt, daß man dieſen nach Erforder⸗ in ähu⸗ hafe. e Be⸗ utter⸗ ritten eſunde Staͤlle rücken gſe Ge⸗ emittel umern kheiten Thiere vraus⸗ Win⸗ lange n den t, daß rſchaft rrung vi rigen der⸗ — 175— niß warm halten, aber auch Luft und Licht gehörig einlaſſen kann, daß man die hoch traͤchtigen Mutterſchafe von denen, welche ſpäter lammen werden, abſondert. Ferner iſt es ſehr zweckmaͤßig, an den mit Raufen verſehenen Wänden des Schafſtalles eine verhaͤltnißmaͤßige Anzahl kleiner Ver⸗ ſchläge, gemeinhin Kauen oder Käuen genannt, anzubringen, in welche man die gelammt habenden Schafe mit ihren Läm⸗ mern Anfangs thut. Daß von dem Beginne der Lammzeit an der Dienſt thnende Schä⸗ fer nicht nur den größten Theil des Tages, ſondern auch der Nacht im Schafſtalle gegenwaͤrtig ſeyn muß, verſteht ſich von ſelbſt. §. 402. Das Schaf gebährt in der Regel leicht und raſch, und nur ſelten iſt einige Huͤlfeleiſtung dabei nöthig. Der Schäfer unterſucht nach der Geburt den Euter des Mutterſchafes, reinigt ihn noͤthigenfalls, uͤberzeugt ſich, ob das Lamm von der Mutter angenommen wird, und ſetzt beide in die Kaͤue der Reihe nach, wie die Geburten erfol⸗ gen. Diejenigen Lämmer, bei denen Alles in Ordnung iſt, kommen nach einigen Tagen mit ihren Müttern aus den Käuen in größere Abtheilungen, welche die Laͤmmer enthal⸗ ten, die von 19 zu 14 Tagen geboren werden. Mutterſchafe, welche die Lämmer nicht annehmen, wie dieß bei Erſtlingen öfters vorkömmt, oder die, welche Zwillinge haben, bleiben länger in den Käuen; jene, damit ſie nöthigen Falls beim Säugen gehalten, dieſe, damit die Mütter beſonders gut gefüttert werden. Weitere Sorgen eines guten Schäfers ſind: die Lämmer, deren Müt⸗ ter zu wenig Milch haben, oder die die Mutter verloren haben, an andere Schafe zu gewöhnen u. dergl. mehr. Man kann auch finden, daß zur Unterſtützung milcharmer Schafe, oder der Lämmer, denen die Mütter geſtorben ſind, in feinen Schä⸗ fereien mehrere grobe Schafe, auch Ziegen, als Ammen gehalten werden, deren Junge man tödtet, ſo bald man der Ammen bedarf. Auch Kuhmilch läßt ſich zum Tränken der Lämmer anwenden. Wo Stammregiſter eingeführt ſind, werden die Lämmer, ehe ſle die Käuen verlaſſen, numerirt und ins Lämmerregiſter eingetragen. 4 — 176— §. 40 3. Haltung der Lammſchafe. Es iſt bei den ſaͤugenden Schafen das rechte Maas der Ernährung, ſo wie die Wahl und Zuſammenſetzung der Futtermittel, ſehr wichtig, denn gute und reichliche Nahrung der Mütter iſt für das Gedeihen der Laͤmmer nöthig, und auch nicht weniger wichtig für ein gehoͤriges Fortwachſen der Wolle bei den erſteren; ſehr leicht kann aber das Futter auch eine zu fette oder zu ſcharfe Milch bewirken, wodurch dann bös⸗ artige Laͤmmerkrankheiten, namentlich die Lähme oder der Durchfall, entſtehen. Es iſt in dieſer Hinſicht beſonders in ſolchen Localitäten Vor⸗ ſicht nöthig, wo ein ſehr nahrhaftes Futter wächſt, zumal wenn dazu noch kräftig gedüngt ward, z. B. Heu oder Grummet von ſtark ge⸗ düngten oder gepferchten Wieſen, fettes Kleeheu, ſelbſt Kartoffeln in allzureichlichem Maaße, allzunahrhafte Tränke u. dergl. mehr. Aehn⸗ liche Wirkung äußert ſchlecht eingebrachtes oder ſchlecht aufbewahrtes, moderig gewordenes Futter. Ferner muß man da, wo von dem Fut⸗ ter eine nachtheilige Wirkung auf die Milch zu vermuthen iſt, ſchon in den letzten Wochen vor dem Beginne der Lammzeit darauf Be⸗ dacht nehmen, die nachtheilig wirkenden Gegenſtände zu vermeiden oder deren Verfütterung wenigſtens einzuſchränken. Sind dagegen die Lämmer einmal 4 Wochen alt, ſo iſt die Gefahr meiſtens vorüber und milchwirkender Futterzuſatz wird für die Mütter dann immer mehr erforderlich.— Etwas nahrhafte Tränke iſt den ſäugenden Schafen gut, doch bei ſonſt zureichendem Futter auch nicht gerade Bedürfniß; dagegen darf es natürlich an geſundem Waſſer nicht fehlen. §. 404. Weitere Behandlung der Lämmer während des Saͤugens. Sorgfaltige Schafzüchter ſon⸗ dern des Tags uͤber die Laͤmmer, wenn ſie ohngefähr Wo⸗ chen alt ſind, von den Mutterſchafen nach und nach ab, und laſſen ſie nur Mittags und über Nacht zu denſelben. In der Abſonderung erhalten die Lämmer etwas zartes Heu woran ſie ſich allmaͤhlig gewoͤhnen; ſpäter kann man ihnen auch etwas Koͤrner, namentlich Hafer geben. Auf dieſe Weiſe wird mehrere Monate fortgefahren und den Lämmern nach Erforderniß an Futter weiter zugelegt. 4 4 R Limme feinen naturg chend ſch! Stall da gi Pei8l verden ſchen ſtad dert e und da lestged hei ſe Nai! iſt be rung, wittt, Miittt h ticht Pole ih eine n hüt⸗ er der Vor⸗ n dazu ark ge⸗ feln in Aehn⸗ hrtes, m Fut⸗ „ ſchon uf Be⸗ rmeiden dagegen prüber immer genden gerade fehlen. imer ſon⸗ Wo⸗ h ab, ſelben. 8 Heu ihnen fdiſſ wern Man findet das Abſondern beſonders da noͤthig, wo ſich die Lämmer angewöhnen, den Müttern die Wolle abzuzupfen, was in feinen Schäfereien nicht ſelten iſt; außerdem iſt es einfacher und naturgemäßer, wenn man neben den Schafen einen Raum hat, in wel⸗ chen die Lämmer mittelſt einer kleinen Oeffnung(Schlupf) nach Belieben ſich begeben, und worin ſie ihr Beifutter erhalten. Wo es an Stallraum gebricht, oder wo man die Mühe der Einrichtung ſcheut, da gibt man den Lämmern, ſo bald ſie 3 bis 4 Wochen alt ſind, ihr Beifutter während der Zeit, als die Mutterſchafe zur Tränke geführt werden oder ſich ſonſt im Freien aufhalten. Iſt die Jahreszeit ſchon gut, ſo können die ein paar Monate alten Lämmer ohne An⸗ ſtand mit den Müttern auf nahe und geſunde Weide gehen; es erfor⸗ dert aber Sorgfalt, daß ſie bei ſchlechtem Wetter zu Hauſe ſind, und da ſolche gute nahe Weiden oft mangeln und die Sorgfalt in letztgedachter Hinſicht auch verſaͤumt werden kann, ſo zieht man es bei feinwolligen Schafen in der Regel vor, die Lunmer vor dem Mai nicht mit ausgehen zu laſſen. §. 405. Abſetzen der Lämmer. Unter dem Alter von 3 Monaten ſoll das Lamm nicht von der Mutter ent⸗ woͤhnt werden. Wo man keine beſonderen Gründe hat, ſchon in dieſem Alter abzuſetzen, wie theils alte und ſchwaͤch⸗ liche Mutterſchafe, welche durch das längere Saͤugen zu ſehr angegriffen werden, da läßt man lieber die Lämmer 4 Monate bei der Milch. Nunmehr ſind ſie ſtark genug, um bei zweckmäͤßiger Haltung vollkommen gedeihen zu können, und nur da, wo ihnen eine angemeſſene Haltung nicht voll⸗ kommen zu Theil werden kann, laͤßt man ſie noch 4 bis 6 Wochen länger ſaugen. Das Verfahren beim Abſetzen ſelbſt iſt ganz einfach, indem man dafuͤr ſorgt, daß gaͤnzliche Trennung der Mütter und Laͤmmer eintritt. Bei einem Abſetzen im dreimonatlichen Alter muß wenigſtens in zwei Abtheilungen entwöhnt werden, damit die jüngſten Lämmer dabei nicht zu kurz kommen. Meiſtens tritt das Abſetzen früher als die Schur ein, und iſt es auch für den Wollwuchs ſehr gut, wenn die Lämmer wenigſtens einige Wochen vor der Schur von den Müt⸗ tern kommen; nur bei Spätlammen und Mangel an guter Sommer⸗ weide für die Lämmer und wenn es auch nicht thunlich iſt, ſie auf Pabſt Landwirthſchaft. II. 1. 12 — 178— dem Stalle zu füttern, läßt man ſle bei den Müttern bis zur Stop⸗ pelweide, in welchem Falle ſle 5 bis 6 Monate ſaugen, was jedoch den Mutterſchafen zuſetzt und den Wollertrag derſelben ſchmälert. §. 406. Verhammeln. In den Schaͤfereien, welche zum eigenen Gebrauche oder zum Verkaufe Boͤcke ziehen, werden für die künftige Nachzucht mit beſonderer Ruͤckſicht auf die Abkunft die ſchoͤnſten Bocklämmer in der Lammzeit ausgewählt; die uͤbrigen werden, Behufs der ſpäteren Be⸗ nutzung als Schlachtvieh, wenn ſie ohngefaͤhr 4 Wochen alt ſind, caſtrirt(verhammelt). Zugleich werden den Mutter⸗ lämmern die Schwänze ein paar Zoll unter der Schwanz⸗ wurzel abgeſchnitten, hauptſaͤchlich weil das Muttervieh da⸗ durch reinlicher bleibt. Auch die zur Zucht beſtimmten Bock⸗ laͤmmer coupirt man gewoͤhnlich, wenigſtens in feinen Schaͤ⸗ fereien.— Das Caſtriren der jungen Bocklämmer iſt bei einiger Geſchick⸗ lichkeit und Sorgfalt mit wenig Gefahr und Umſtänden verknüpft, und jeder einigermaßen unterrichtete Schäfer verſteht es. Man wählt heiteres, ſtilles Wetter, und die caſtrirten Lämmer müſſen die erſten Tage ſehr ruhig gehalten und vor Erkältung gehüthet werden. Man hat ſich ſchon viele Mühe gegeben, aus dem Verhalten des Lammes auf deſſen künftige Wollbeſchaffenheit zu ſchließen, was bei der Beſtimmung der Bocklämmer zur Zucht beſonders von Wichtig⸗ keit iſt; manches läßt ſich allerdings aus jenem Verhalten abſtrahiren, wie ſchon§. 379 und§. 380 angedeutet wurde; mit einiger Sicher⸗ heit ſind jedoch nur dann Schlüſſe zu folgern, wenn man die Schä⸗ ferei in dieſer Hiunſicht bereits kennt; denn in der einen fallen die Lämmer mehr glatt, in der andern mehr rauh, ohne daß dieſe in demſelben Verhältniſſe ſchlechter iſt, als jene. Man vergl. m. Bei⸗ träge zur höheren Schafzucht S. 156. §. 407. Behandlung der abgeſetzten Lämmer. Man räumt den Laͤmmern nach dem Abſetzen entweder eine nicht ſehr entfernte, geſunde und nahrhafte Weide ein, oder man füttert ſie noch einige Monate lang oder ſeldſt den ganzen Sommer auf dem Stalle. Das Stallfüttern iſt bei feinwolligem Viehe, und wo gute Weide nicht im Ueberfluſſe Stoh⸗ dc den belche ithen, tſch nnzeit Ve⸗ alt ter⸗ anz⸗ da⸗ ock⸗ chaͤ⸗ ſchick⸗ nüͤpft, wählt erſten alten was htig⸗ iren, cer⸗ ſchä⸗ die e in Bei⸗ ner. eine et den hei ſuſſe & — 179— vorhanden iſt, ſehr häufig eingefuͤhrt und gewährt alsdann weit groͤßere Sicherheit für eine gute, möglichſt zahlreiche Lammzucht. Es muß nur der Stall luftig und kht ſeyn, und überdieß müſ⸗ ſen die Lämmer öfters ins Freie kommen; zur Nahrung müſſen ſie gutes Heu und Grummet erhalten, oder ſtatt deſſen theilweiſe gutes Grünfutter; auch muß ihnen täglich klares Waſſer zur Tränke ange⸗ boten ſeyn. Durch etwas Zuſatz von Hafer oder geſchrotenen oder gequellten Erbſen(von erſterem etwa ⅜, von letzteren ¼ Pfund p. Kopf) wird ihr Wachsthum und Gedeihen ſehr gefördert. Auch kann man den Lämmern gut zubereitete mit Haferſpreu vermengte Kartoffeln neben dem Heu geben. Man erreicht durch das Stallfüt⸗ tern der Lämmer, wenigſtens bis zur Stoppelweide(länger iſt es in vielen Schäfereien nicht rathſam), nicht nur beſſeres Gedeihen der⸗ ſelben, ſondern ſichert ſich auch meiſtens vor einem ſtärkeren Abgang durch Sterblinge.— Die nach dem Abſetzen auf der Weide ernähr⸗ ten Lämmer ſollen, wenn ſie einer feinwolligen Race angehoͤren, wenig⸗ ſteus in den erſten Monaten noch über Nacht im Stalle gehalten werden. Auch ihnen wird einiges Körnerfutter in der erſten Zeit ſehr zu ſtatten kommen. Statt deſſen kann man ihnen auch Mor⸗ gens vor dem Austreiben etwas Dörrfutter geben. Bei naſſem Wetter iſt dieß ſehr nothwendig, ſo wie daß ſie bei ſolchem Wetter jeden Falls Nachts in den Stall kommen und auch Tags nicht un⸗ ausgeſetzt weiden. §. 408. Im weiter vorrückenden Alter wird das junge Schafvieh ähnlich wie das ältere genährt und gepflegt; es wird jedoch der aufmerkſame Schafzüchter im erſten Winter die jährig werdenden Lämmer ſtets beſonders ſtellen und möoͤglichſt gut und kräftig nähren. 12* — 180— Sechstes Cap it el. Von der Pflege der Schafe. §. 409. Die Pflege der Schafe zerfaͤllt, wie die des Rindes, in die Sommer⸗ und Winterernährung; die Som⸗ merernährung wieder in Weide und Stallfuͤtterung. Gewiſſe weitere Regeln dienen außerdem für die Pflege der Schafe zu jeder Jahreszeit. 1 A. Sommerernährung. I. Weide. 3 §. 410. Von jeher war das Weiden der Schafe vom Fruͤhjahre bis zum Spatherbſte allgemeiner Gebrauch, und erſt neuerer Zeit ſind Ausnahmen davon unter Umſtaͤnden räthlich erachtet worden(§. 1427). Das Weiden entſpricht auch nicht nur im Allgemeinen dem natürlichen Verlangen des Schafes; es wird dadurch auch eine Menge ſich darbie⸗ tender Nahrungsmittel nutzbar verwendet, die ohne daſſelbe mehr oder weniger unbenutzt bleiben müßten. In vielen Localitaͤten wuͤrde überhaupt eine andere Ernährungsweiſe gar nicht ausführbar, oder doch, wirthſchaftlich gerechnet, nicht gerechtfertigt ſeyn. Selbſt im Winter wird öfters zeitweiſe, wiewohl nicht immer zum wahren Nutzen der Schäferei, zur Weide getrieben. §. 411. Verſchiedenheit der Weiden. Auch die Schafweiden laſſen ſich, wie die Rindviehweiden(§. 180), in beſtaͤndige natürliche, in künſtliche und zufäl⸗ lige Weiden eintheilen. §. 412. Viele Weideverhaͤltniſſe ſind von der Art, daß die Schafe in ſehr verſchiedenem Maaße theils auf bleiben⸗ den, theils auf zufälligen Weiden ernahrt werden. Die unk! je des Som⸗ e der vom und inden vricht ungen rbie⸗ ſelbe jelen veiſe net, mmer Auch 180), fäl⸗ „dd iben⸗ die — 181— künſtlichen Weiden fehlen oͤfters ganz, oft dienen ſie blos zur Aushuͤlfe fuͤr gewiſſe Zeiten; da aber, wo es an beſtaͤn⸗ digen Weiden mangelt und nicht beſondere Verhaͤltniſſe, wie Servitute, ſtarke Brachhaltung ꝛc., eine ausgedehnte Be⸗ nutzung zufaͤlliger Weiden geſtatten, müſſen die kuͤnſtlichen Weiden für eine ſolide betriebene Weidewirthſchaft mit Scha⸗ fen zur Hauptſache werden. Bergige Gegenden bieten meiſtens beträchtliche bleibende Schaf⸗ weiden dar.— Von den zufälligen Weiden ſind die Brach⸗, Stop⸗ pel⸗ und ſonſtigen vorübergehenden Feldweiden die allgemein wichtig⸗ ſten; die Vor⸗ und Nachhuth auf den Wieſen iſt oft auch beträcht⸗ lich, findet jedoch, rückſichtlich der Frühjahrshuth, nicht ſelten zum Nachtheile des Hauptertrags der Wieſen ſtatt; Waldweiden können nur bei vernachläſſigter Forſteultur oder unter dem Schutze von Ser⸗ vituten bedentend ſeyn; wohl aber läßt ſich denken, daß in trocknen Lagen eine nicht dichte Bepflanzung natürlicher Weiden mit Bäumen im Ganzen vortheilhaft ſey.— Die künſtlichen Weiden ſind insbe⸗ ſondere auf Gütern mit geringerem Boden, oder auf den Auſſenfel⸗ dern größerer Güter, vom weſentlichſten Belange und in Verbin⸗ dung mit edler Schafzucht häufig das einzige Mittel, anf ſolchem Boden einen befriedigenden Ertrag zu erzielen. §. 413. Beſchaffenheit der Weiden. Die ſpe⸗ ciellere Beſchaffenheit der verſchiedenen Weiden und das Maas der Nahrung, welches ſie gewähren, haͤngt zunächſt von Lage und Boden ab, doch kann auch durch die Beſaa⸗ mung, Vertilgung ſchlechter Pflanzen und ſonſtige Pflege auf die Qualitaͤt der Weide eingewirkt werden. Tiefe, ein⸗ geſchloſſene, naſſe oder gar ſumpfige Lage, mooriger Boden, ſind entweder bedenklich oder ganz untauglich. Fettes Land taugt mehr für Maſt⸗ als Zuchtvieh. Je ſchwerer der Bo⸗ den, oder je undurchlaſſender im Untergrunde, um ſo mehr iſt hoͤhere und freie oder abhängige Lage zu wünſchen. Die Bodenarten vom Sand bis zum guten Lehm, die kalkhalti⸗ gen, auch ſteingerölligen ſind die geeignetſten lir Sazaf⸗ weide. — 182— Der Sandboden bietet zwar meiſtens nur magere Weide dar, auch ſchadet der Staub, welcher ſich hier findet, der Wolle, dennoch iſt er vorzüglich auf die Benutzung mit Schafen angewieſen. Beſon⸗ ders nachtheilig für die Wolle iſt ſtark eiſenhaltiger Boden in Staub⸗ geſtalt; auch der Kalkſtaub iſt feiner Wolle noch einigermaßen nach⸗ theilig. §. 414. Die zarteren Gräſer und nicht zu fette, noch grobſtengliche Kleearten, dann die Pimpinelle, Schafgarbe u. m. a. ſind die auf guten Schafweiden beſonders vorherr⸗ ſchenden Pflanzen. Nachtheilige Weidepflanzen und, wenn ſte in Menge ſich finden, Anzeichen ſchlechter Weiden ſind: die Rindgraͤſer⸗, Schachtelhalm⸗, Binſen⸗, Schierling⸗, Ranunkel⸗Arten und ähnliche. Bei den zur Aushülfe dienenden einjährigen künſtlichen Weiden muß auch das Hafer⸗ und Wickengemenge, der Roggen und Spörgel genannt werden.— Auf den Feld⸗ und andern zufälligen Weiden kann den Schafen manche Pflanze nachtheilig werden, wie mehrere Ranunkelarten, der Ackerſenf u. a. §. 415. Ob eine Weide uͤberhaupt, oder gewiſſe darauf wachſende ſchaͤdliche Pflanzen für die Geſundheit der Schafe Nachtheil bringen, hängt haͤufig mehr von dem Nahrungs⸗ zuſtande der Thiere, der Witterung und andern Umſtaͤnden, als von den vorherrſchenden Pflanzen ſelbſt ab. Nur wenn die Schafe ſehr hungrig ſind und nicht genug gute Pflanzen finden, greifen ſie gewöhnlich erſt die ſchädlichen an; nur bei naſſer oder bei ſehr heißer trockner Witterung, zumal wenn dieſer Näſſe vorausging, bewirken gewiſſe Weideplätze oder Pflanzen Krank⸗ heiten.— Im Anfange des Frühjahres können fette oder tief gelegene Wieſen ohne Nachtheil betrieben werden, während ſie im Herbſte dem Zuchtviehe leicht gefährlich werden.— Beſonders ſchädlich ſind überſchwemmt geweſene oder vom Hagel getroffene Weiden in der erſten Zeit nachher.— Die Stoppelweide erfordert Vorſicht, wenn ſehr viele aus⸗ und abgefallene Körner und Aehren liegen geblieben ſind, oder wenn die ſtark ausgefallene Frucht üppig aufgeſchoſſen iſt. Einigermaßen ſchattige Waldweide producirt häufig ſchädliche oder doch wenig nährende Kräuter. 8 n Ec ſchem bis d auch zutt eher, ſat, ttagen ten gih ſch he lutzane wäde nach hettt 6 ler g der E Vei d neiſte drh! altgeh e dar, ennoch Beſon⸗ Sötaub⸗ 1 nach⸗ „nuch fgarbe rherr⸗ wenn ſind: ing⸗, geiden pörgel Leiden gehrere darauf Schafe rungs⸗ nden, gute ur bei dieſer Krank⸗ elegene derbſte ich ſind in der , ven eblienn ſn if he oder — 183— §. 416. Nicht nur auf die Ernaͤhrung und Geſundheit der Schafe iſt die Beſchaffenheit der Weide von ſo weſent⸗ lichem Einfluſſe; auch auf die Qualität der Wolle wirkt ſie bis zu einem gewiſſen Grade ein. Rauhe, ſchlechte oder auch zu maſtige Weiden erzeugen namentlich eine minder gute Wolle, als zarte, mäßig nahrhafte. §. 417. Beſetzung der Weide. Die Weide nicht eher, als bis ſich der Graswuchs einigermaßen entwickelt hat, und nicht zu ſtark zu beſetzen, dann dafuͤr Sorge zu tragen, daß es nicht zu manchen Zeiten an der erforderli⸗ cchen Weidenahrung mangele,— dieß ſind ſehr wichtige Re⸗ geln fuͤr eine gut betriebene Weidewirthſchaft. Sehr foͤrder⸗ lich hierzu, ſo wie überhaupt wichtig für eine vollſtändige Be⸗ nutzung der Weiden, iſt ſodann, daß man die verſchiedenen Weidereviere in 3 bis 4 Abtheilungen bringe, welche man nach Bedürfniß und Umſtänden abwechſelnd ſißont und betreibt. In allen dieſen Dingen werden nur zu häufig die größten geh⸗ ter gemacht, und die Schäfer ſind meiſtens große Widerſacher von der Einführung einer ſolchen Ordnung, wie ſie hier angedeutet iſt.— Bei den auf Feldweiden vorzugsweiſe angewieſenen Schäfereien tritt meiſtens im Vorſommer bis zur Erndte ein Weidemangel ein; kann durch künſtliche Weide(Klee, Mengfutter, Roggen ꝛc.) hier nicht ausgeholfen werden, ſo muß für Beifutter auf dem Stalle oder in Horden geſorgt werden(ſ.§. 432). §. à18. Wie ſtark man im gegebenen Falle die Weiden beſetzen koͤnne oder ſolle, muß mit Ruͤckſicht auf das im vorigen Paragraphen Geſagte und auf die Beſchaffenheit und den Zweck der Haltung des Viehes, hauptſaͤchlich die Erfahrung an die Hand geben. Von ganz vorzuͤglichen Schafweiden, ohne daß ſie wegen zu fetten oder zu waͤſſeri⸗ gen Graswuchſes ungeſund ſind, kann den größten Theil der Weidezeit hindurch der heſſ. oder pr. Morgen etwa 6 mit⸗ telgroße Schafe gut ernaͤhren, waͤhrend man bei ſehr mage⸗ — 184— rer Weide nur 1 bis 1½ Stück auf den Morgen chnan kann(1 ½— 7 ½ St. auf d. W. M.). Es kann in Beziehung auf Anhaltepunkte für die Stückzahl hier nur von beſtändigen oder natürlichen Weiden die Rede ſeyn, für die zufälligen läßt ſich gar kein Maasſtab angeben.— Nehmen wir Be⸗ hufs einer Schätzung des Ertrags einer beſtändigen oder künſtlichen Schafweide ihre volle Weidezeit nur zu 150 Tagen, und den tägli⸗ chen Nahrungsbedarf p. Stück nur zu 2 Pfund Heuwerth an, ſo beträgt der Ertrag auf jedes Stück, das die Weide in dieſer Zeit ernährt, 3 Centner Heuwerth, alſo von der geringſten bis zur beſten Weide von 3 bis 18 Centner Heuwerth p. Morgen. §. 419. Dauer der Weide. Auch in Bezug auf die Dauer der Weidezeit ſind die Verhaͤltniſſe verſchieden. In milder Lage kann die Weide zuweilen ſchon im März, oder doch mit dem April beginnen, in anderen Lagen kann man erſt mit dem Mai auf volle Weide rechnen. Im Herbſte hoͤrt die Weide meiſtens theils Anfangs, theils Ende Novembers auf, nur in ſehr milden Lagen kann man mit Zuverlaͤſſigkeit noch auf theilweiſe Weide im December und uͤberhaupt waͤhrend eines Theils des Winter hindurch rechnen. Der Durchſchnitt des Weidebetriebs dürfte in den mittleren Ge⸗ genden von Deutſchland auf 7 Monate anzunehmen ſeyn. Im Früh⸗ jahre thut man wohl, Anfangs einige Wochen lang noch halbes Stall⸗ kutter fortzugeben, und noch wichtiger iſt es bei der Spatherbſtweide, nicht zu lange mit einer Zulage von Stallfutter zu warten. Für Hämmel und erwachſenes Göldvieh kann man im Allgemeinen, beſon⸗ ders in milderen Lagen, eine etwas längere Weidezeit, als für Mut⸗ tervieh, annehmen. §. 420. Gröͤße der Heerden. Dieſe fan 33 gehal ten werden, daß bei gehoͤriger Führung die einzelnen Thier⸗ ſich bequem nähren können. Man muß ſich dabei nach de Beſchaffenheit der Weiden und der überhaupt zu haltende Schafezahl, ſo wie bei größeren Schäfereien nach den zwech mäßia zu machenden Unterabtheilungen(§. 421) richten Anter 13 iinle §. Rere bei let der in 6 7 efrann nit den he 30 De h Nutter Hinnel hnen N hier fur die ir Be⸗ ſtlichen täͤgli⸗ in, ſo Zeit beſten auf eden. härz, kann Im theils man ember durch Ge⸗ Früh⸗ Stall⸗ veide, Fur deſſon⸗ Mut⸗ ehal vhier h de ende wech ſten * 185— Unter 150 und über 400 Stuͤck ſoll in der Regel eine einem einzelnen Hirten übergebene Heerde nicht ſtark ſeyn. §. 421. In groͤßeren Schäfereien werden verſchiedene Heerden gebildet, zunaͤchſt aus dem Mutter⸗ und Goͤldvieh; bei letzterem trennt man dann wieder, wenn es die Größe der Schäferei erlaubt, in Jungvieh und aͤltere Haͤmmel; im Sommer kömmt die Laͤmmerheerde dazu. Die Boͤcke müſſen im Alter von ½ Jahr von dem Muttervieh getrennt werden und werden theils auf dem Stalle gehalten, theils mit den jungen Hämmeln gehüthet. Schäfereien, welche beträchtli⸗ chen Zuchtbockverkauf haben, halten auch eine beſondere Bockheerde.— Die beſten Weiden erhalten bei ſolchen größeren Schäfereien die Mutter⸗ und Lammheerden, die fettmachenden die abzuſchaffenden Hämmel. §. 422. Verfahren beim Weidebetrieb. Ein guter Schaͤfer, der die Kenntniß und den guten Willen beſitzt, ſeine Heerde in Bezug auf gute und geſunde Ernäh⸗ rung gehoͤrig zu führen und zu behandeln, die verſchiede⸗ nen Weideſtellen geſchickt zu benutzen und die ſchaͤdlichen zu rechter Zeit zu vermeiden, iſt mit das wichtigſte Erforder⸗ niß, wenn die Schaͤferei bei der Weide gut und ſicher gedei⸗ hen ſoll. Ein guter Hund iſt für den Schäfer dabei ein um ſo wichti⸗ geres Bedürfniß, je zerſtückelter und eingeengter die Weide iſt. §. 423. Bei ſtarkem Thau ſoll der Schaͤfer um ſo weniger früh austreiben, je tiefer die Lage, oder je ſpaͤter die Jahreszeit iſt; bei anhaltender Naͤſſe, oder bei etwas wäſſeriger Weide überhaupt, ſoll, wenigſtens bei edlem Viehe, etwas Trocknes, wenn auch nur Stroh, Morgens auf dem Stalle gegeben, die trockneren Weideplaͤtze müſſen als⸗ dann gewählt und ſelbſt dieſe kürzere Zeit betrieben, die naſſen ganz vermieden werden. Bei heißer Mittagshitze ſollen die Schafe in den Stall, oder an einen ſchattigen, ühſen Platz im Freien kommen. — 186— §. 424. Das Traͤnken, wo man nur immer geſundes Waſſer haben kann, ſoll beim Weidebetrieb nie vernachlaͤſ⸗ ſigt werden. Man traͤnkt am beſten Morgens. §. 425. Mit grobwolligen Schafen wird bei der Weide uͤber Nacht, oft auch Mittags, faſt uͤberall gehordet(ge⸗ pfercht). Für feinwollige Schafe iſt es im Allgemeinen wohl ſicherer, ſie uͤber Nacht in geſunde, geluͤftete Ställe zu thun; eine abſolute Nothwendigkeit iſt das Stallhalten fuͤr deren gutes Gedeihen jedoch durchaus nicht, wohl aber iſt es nöthig, daß man da, wo es der Wirthſchaftsverhält⸗ niſſe wegen wünſchenswerth oder ſelbſt von ſolchen geboten iſt, zu pferchen, nur bei guter Witterung pferche, dagegen das Horden im kalten Fruͤhjahre, im Spatherbſte und auch bei jedem anhaltenden Regenwetter im Sommer unterlaſſe oder reſp. alsbald einſtelle. Ein ſolches Verfahren, in Verbindung mit Strohfütterung bei naſſer Witterung über Nacht, wird auch weniger feinwolligem Viehe ſtets ſehr zu gut kommen, und das periodiſch in manchen Gegenden eintretende Schafſterben würde großentheils dadurch vermieden wer⸗ den können. Wie man die vorgeſchriebenen Vorſichtsmaßregeln für die Hal⸗ tung der feinen Schafe in Bezug auf das Horden übertrieben hat, ſo iſt es auch mit dem Naßwerden; hier und da ein Regen ſchadet dem feinen Schafe, bei ſonſt zweckmäßiger Haltung, ſo wenig als dem groben. §. 426. Bei der obſervanzmäßigen Benutzung von Weide⸗Servituten, oder den Verhältniſſen gepachteter Wei⸗ den, iſt freilich ſehr haͤufig die Befolgung der hier angedeu⸗ teten Vorſchriften für eine zweckmaͤßige Pflege der Schafe bei der Haltung auf der Weide mehr oder weniger unzuläſſig. Unter ſolchen Verhältniſſen muß man dann aber auch um ſo mehr auf geringeren Ertrag und auf groͤßere Verluſte durch Sterblinge gefaßt ſeyn, je weniger man eine für die Um⸗ ſtaͤnde paſſende Betriebsweiſe der Schäferei gewählt hat, und je mehr man unterlaͤßt oder unterlaſſen muß, den in n Dr gütugen 8 Bezug fühthe als d und w Fibii un E. rur ſil für na de an herheit neht g ſen T Rücſ fälige nütze nittel haltun ſactü danne dute Sttf und r Andes tlſ. Diide 1(ge⸗ neinen Staͤle halten aber hält⸗ boten rihe, erbſte mer g bei Viehe genden wer⸗ Hal⸗ hat, hadet 3 als von Wei⸗ edeu⸗ fe bei äſſig. h um durch eAr⸗ ſat, tr in — 187— den Verhältniſſen begründeten nachtheiligen Einfluͤſſen vor⸗ zubeugen. II. Sommerſtallfütterung. §. 427. Daß gaͤnzliche Stallfütterung der Schafe in Bezug auf ihr gutes Gedeihen mit dem beſten Erfolge aus⸗ fuͤhrbar, und für jenes in mancher Hinſicht ſogar noch beſſer als die Weide ſeyn könne, iſt durch mehrfache im Großen und während einer laͤngeren Reihe von Jahren gegebene Beiſpiele erwieſen. Es kann bei einer einigermaßen größe⸗ ren Schaͤferei die complette Sommerſtallfütterung jedoch nur ſelten rathſam ſeyn, weil 4) ſehr vieler Boden wohl für natürliche und künſtliche Weide, aber nicht für den Bau der auf dem Stalle zu verbrauchenden Futterkraͤuter Si⸗ cherheit darbietet; 2) die Sommerſtallfütterung bedeutend mehr Koſten verurſacht, als die Weide; 3) weil in den mei⸗ ſten Verhaͤltniſſen, wo Schafzucht überhaupt eine beſondere Rückſicht verdient, ſich auch nicht unbetraͤchtliche, theils zu⸗ fällige, theils beſtaͤndige, auf andere Weiſe nicht zu be⸗ nutzende Weide darbietet, ſo daß gerade in deren Benutzung mittelſt der Weidewirthſchaft ein Hawrworiheit der Schaf⸗ haltung liegt. §. 428. Die Verhältniſſe, unter denen die Sommer⸗ ſtallfütterung demohngeachtet am Platze ſeyn kann, duͤrften demnach hauptſaͤchlich nur ſeyn: ein ſehr reicher, für den Futterbau in hohem Grade geeigneter Boden, auf dem Schafweide als Regel durchaus nicht am Platze ſeyn wuͤrde, und wobei die Fruchtfolge und damit verbundene Cultur auch nur wenig zufaͤllige Weide darbieten; Verhaͤltniſſe, unter denen uͤberhaupt gar kein Weidebetrieb zuläſſig iſt; endlich ſolche Localitaͤten, welche fuͤr den Weidebetrieb ungeſund, für den Futterkraͤuterbau aber noch gut geeignet ſind;— in allen dieſen Faͤllen wieder vorausgeſetzt, daß eine edle, gut betriebene, auf dem Stalle gefütterte Schaͤferei tniſchie den mehr einträgt, als Rindviehhaltung. — 188— Solche Verhältniſſe find in gewiſſen Landſtrichen nicht ſo ſelten, als man bisher geglaubt haben mag. In hoch cultivirten Gegenden, wo die Güter zerſtückelt, die Schafweide und der Flurzwang aufge⸗ hoben ſind, dürfte z. B. eine genaue Rechnung mitunter zu Gunſten der Schafhaltung ausfallen; namentlich aber kann es unter den eben bezeichneten Verhältniſſen auch für den kleineren Grundbeſitzer nütz⸗ lich ſeyn, eine kleine Anzahl Schafe zu halten, wenn ſchon die Rind⸗ viehhaltung die Hauptſache bleibt. §. 429. Das Hauptſächlichſte, worauf es bei der Aus⸗ führung der Sommerſtallfürterung ankoͤmmt, iſt ſodann: ¹) daß man auf 6 bis s Wochen laͤnger, als bei der Weide, fuͤr Winterfutter ſorgt, da die Weide fruͤher und ſpäter, als das Grünfutter auf dem Stalle, benutzt werden kann, auch für unvorhergeſehene Zufälle eine Reſerve an Dörr⸗ futter vorhanden ſeyn muß; 2) daß man durch einen zurei⸗ chenden Anbau verſchiedener Futterkräuter in ähnlicher Weiſe wie bei der Sommerſtallfuͤtterung des Rindviehes(ſ.§. 192) beſorgt ſey; 3) daß es nicht an Streuſtroh gebreche; 4) daß der Stall geraͤumig ſey und nach Erforderniß kühl und luf⸗ tig gehalten werden koͤnne; und 5) daß auch die noͤthigen Raͤume zur zweckmaͤßigen Aufbewahrung(Ausbreitung ꝛc.) des taͤglich einzubringenden Grünfutters vorhanden ſeyen. Daß Gelegenheit zu einiger Bewegung für die Schafe vorhan⸗ den ſey und in der Regel täglich benutzt werde, darf kaum noch be⸗ ſonders angeführt werden. §. 430. Alle Arten von Klee, auch Wickenfutter und ähnliche Grünfuttermittel ſind für die Sommerfütterung der Schafe brauchbar, ſobald ſie von guter Beſchaffenheit, und nicht ganz jung, noch zu hartſtenglich ſind. Man füttert taͤglich dreimal, und bietet auch Vormittags Traͤnke an. Der zureichende Nahrungsbedarf fuͤr ein mittelgroßes Schaf iſt für den Tag 8 bis 10 Pf. gutes Gruͤnfutter C bi 2 ½ Pfund auf Heu reducirt). Alle für die Grünfütterung des Rindviehes in Bezug aur Be⸗ handlung des Grünfutters, Vorſichtsmaßregeln ꝛc. gegebenen Vor⸗ rüien( Fuale ge in(mitt 6s demſelbe Grünint wind;! rung, Sonmer ſuur il vürde a0 Häuſcht ſietend 8 nt, Weide nicht, tehen d d zu e der! Naufe zanz. Me der und ttert an. Schaf 6 ¾ Be⸗ Vor⸗ — 189— ſchriften(ſ.§. 201) gelten auch hier. Lämmer, welche auf dem Stalle gefüttert werden und blos Grünes erhalten(§. 407), bedür⸗ fen(mittlere Größe vorausgeſetzt) ohngefähr 5 Pf. per Kopf. Es iſt ſehr rathſam, vor und nach dem Grünfutter, oder mit demſelben zugleich, etwas Stroh einzulegen, da Bedeutendes an Grünfutter dadurch geſpart und die Geſundheit der Thiere befördert wird; bei ſehr ſaftigem Futter, beſonders aber bei feuchter Witte⸗ rung, iſt es durchaus nöthig, etwas Trocknes beizufüttern.— Die Sommerſtallfütterung hauptſächlich blos mit Heu durchzuführen, geht zwar in Bezug auf gute Erhaltung der Schafe recht wohl an; es würde aber ein ſolches Verfahren im Größeren in wirthſchaftlicher Hinſicht ſich nicht rechtfertigen, überdieß meiſtens nicht durchzufuͤhren ſeyn. §. 431. Die Dauer der Sommerſtallfütterung iſt ſehr verſchieden. Wo man ſie vollſtändig durchführt, da wird ſie mit Grünfutter höchſtens auf 5 Monate, oft nur auf a bis 4 ½ Monate gebracht. Häufig k es aber räthlich, noch zufaͤllige Weide, namentlich die Stoppelweide, neben⸗ bei zu benutzen, wodurch die Dauer noch mehr gekuͤrzt wird. So bald man nicht gehindert iſt, ſeine Felder zu beweiden, würde es ja thöricht ſeyn, wenn man die zu manchen Zeiten des Sommers in ſonſt für die Schafe nicht ungeſunden Lagen ſich dar⸗ bietenden zufälligen Weiden nicht benutzen wollte. Halbe Stallfuͤtterung. §. 432. Aus dem bisher Geſagten geht von ſelbſt her⸗ vor, daß man in Verhältniſſen, welche zwar theilweiſe Weide darbieten, die jedoch fuͤr die zu haltenden Schafe nicht zureichend iſt, dieſe halb auf dem Stalle füttern, halb weiden könne, ſo daß das Stallfutter ſtets nach Maaßgabe der Nahrung ſich richtet, welche die Weide darbietet. Wo man bei der Weide ein Zufutter an Klee und dergleichen zu geben und zugleich zu pferchen für gut findet, kann man ſich auch der Hordenfütterung bedieuen; es gibt zu dem Ende transportable Raufen mit Rädern. Elsner beſchreibt in mehreren ſeiner Schriften, wie man auch ganz herangewachſenen Klee abweiden könne, ohne daß von dem Weidevieh etwas verdorben oder verſchmäht wird. * — 190— B. Winterernährung. §. 433. Die Fütterung auf dem Stalle im Winter kann auch bei den Schafen aus ſehr verſchiedenen Stoffen zuſammengeſetzt ſeyn, und dennoch kann dabei den naturge⸗ maͤßen Grundſätzen in Bezug auf Volumen, Nahrungskraft und Antheil an Waͤßrigkeit entſprochen werden. Das für die Natur des Schafes angemeſſene Volumen nuß wohl diejenige Maſſe von zartem Heu enthalten, welche eine ge⸗ wöhnlich gute Ernährung bewirkt, da ſolches Heu das naturgemäßeſte Winternahrungsmittel für das Schaf iſt. Es bildet deßhalb das Heu entweder einen Haupttheil des Winterfutters oder das Stroh muß, wo jenes mangelt„ an deſſen Stelle als Ausgleichungsmittel dienen. SK. 437. D„ie hauptſi ichlichſten Winterfuͤtterungsmittel ſind: 1 a) Heufutter. Alle Arten von gutem Heu, als Wie⸗ ſen⸗, Klee⸗, Wickenfutter⸗, Spörgel⸗Heu ꝛc., ſind den Schafen zuträglich, ſo bald ſie gut geerndtet und gut aufbe⸗ wahrt worden ſind. Von bloßer Heu⸗ und Grummetfütterung kann übrigens nur in Gebirgsgegenden mit Wieſenuͤberfluß die Rede ſeyn; ſonſt iſt ſtets eine verſchiedenartige Combi⸗ nation des Futters, oder wenigſtens Strohfütterung bei dem Heu, entweder geboten oder doch aus wirihſehaftlichen Rück⸗ ſichten raͤthlich. Saures Futter taugt für Schafe noch weit weniger, als für Rindvieh; auch ein Dörrfutter, das in der Erndte gelitten, das Staub oder Schimmel hat, kann noch weit eher für Rind⸗ als wie für Schafvieh ohne zu großes Riſico verwendet werden; ſchon ein ſehr rauhſtengliches Hen iſt kein gutes Schaffutter.— Sind die Wirthſchaftsverhältniſſe ſo, daß man hauptſächlich Klee⸗, Luzernehen und dergleichen füttern kann, ſo iſt es nicht blos die Futtererſparniß, ſondern oft auch die Geſunheit der Schafe, welche einen Zuſatz von Strohfutter rathſam macht, da wenigſtens bei den Lammſchafen bloße Kleeheufütterung(ſ.§. 403) 1 unter umſänden nachtheuige Fol⸗ gen haben kann. Beid w wan ſ annen; 9 in Sä tengel 8 Winter für di nutzt we ger hahr nanz en unſ iht knt, v ne Geſe tbtzügle Hitſent auf den zen an di ten Str Grashal hälſenfn ewachſen Nunc vij aüer ſets eine etten da ſämn rater) dn A Sta Stunh ihen w durſten 6 öttfe dnrhf Inter offen turge⸗ skraft muß ſe ge⸗ äͤßeſte b das Stroh zmittel mittel SWit⸗ d den aufbe⸗ terung erfluß ombi⸗ dem Rück⸗ ls für 1, das ls wie on ein ind die ernehen ſparni, ſatz bon niſchafen ie dl⸗ — 191— 1 Bei dem Döoͤrrfutter iſt auch das getrocknete Lanb(ſ.§. 78), wo man ſolches haben kann, als ein ſehr ſchätzbares Surrogat zu nennen; auch die Spitzen der getrockneten Ginſter werden gerne von den Schafen verzehrt; eben ſo ſind die getrockneten Topinambur⸗ ſtengel ſehr anwendbar. 4 §. 435. b) Strohfutter. Das Stroh hat für die Winterfütterung der Schafe einen noch höheren Werth als für die des Rindviehes, da es bei jenen noch beſſer ausge⸗ nutzt werden kann, und da es, neben Zuſatz anderer kräfti⸗ ger Nahrungsmittel, das Heu größtentheils, ja nöthigen Falls ganz entbehrlich macht. Gut eingebracht und gut erhalten muß übrigens auch das Stroh ſeyn, damit es das leiſten kann, was hier von ihm geſagt iſt, und damit es auch auf die Geſundheit der Thiere nicht nachtheilig einwirkt. Am vorzüglichſten iſt das Stroh rankender Hülſenfruͤchte und das Hirſenſtroh; bei dem Halmgetreideſtroh koͤmmt es beſonders auf den Unterwuchs von Gras und anderen nahrhaften Pflan⸗ zen an, welchen Futterwerth es fuͤr die Schafe hat. Die Schafe vermögen aus dem ihnen in die Raufen vorgeleg⸗ ten Stroh die nahrhafteren Beſtandtheile, als Aehren, Blätter und Grashalme, viel beſſer auszuleſen, als das Rindvieh, und mit gutem Hülſenfruchtſtroh und etwas grasreichem Getreideſtroh kann man das erwachſene Göldvieh im Nothfall allein ſchon ziemlich gut durch den Winter bringen, wenn ſchon dieß nicht zur Regel werden ſollte; ge⸗ wiß aber wird in nicht ſehr ſtroharmen Wirthſchaften das Stroh ſtets einen ſehr bedeutenden und zweckmäßigen Antheil des Winter⸗ 8 fntters abgeben, namentlich wenn man auch das zum Streuen für den ſämmtlichen Viehſtand beſtimmte Stroh(ſoweit es guter Art) vorher den Schafen zum Ausleſen der beſſeren Theile vorlegt. Auf dieſe Weife erlangt begreiflich derjenige Gewichtstheil, welchen das Schaf von dem vorgelegten Weizen⸗ oder Roggen⸗ oder anderem Stroh verzehrt, einen weit höheren Nahrnngswerth, als der iſt, wel⸗ chen wir im Allgemeinen für die betreffenden Stroharten annehmen durften(§. 78). §. 436. Häckſelfütterung. Es iſt zwar bei den Schafen in der Regel nicht gebräuchlich, das Heu⸗ oder Strohfutter vorher zu Haͤckſel zu ſchneiden, und gutes, zar⸗ — 192— tes Heu wird auch ſo vollkommen von den Schafen aufge⸗ zehrt, daß in dieſer Beziehung die Koſten des Häckſelſchnei⸗ dens überflüſſig erſcheinen; noch weniger kann daſſelbe bei denjenigen Stroharten rathſam ſeyn, welche den Schafen blos vorgelegt werden, damit ſie die genießbaren Theile her⸗ ausleſen, während das übrig Bleibende zum Streuen ver⸗ wendet wird. Wo es ſich dagegen darumz handelt, eine Schäferei mit ſehr wenig Heufutter und auch mit nur ge⸗ ringem oder ſelbſt gar keinem Zuſatze von Wurzelwerk, ſon⸗ dern hauptſaͤchlich mit Stroh, und einem Zuſatze von K Kraft⸗ futter(geſchrotenes Getreide, Kleie, Oelkuchen, ſ.§. 438) gut und mit moͤglichſt geringen Koſten durchzuwintern, da leiſtet die Häckſelfütterung ſehr weſentliche Dienſte, indem das aus wenig Heu und viel Stroh beſtehende Haͤckſel mit dem Kraftfutter vermiſcht, und mit Waſſer, worin eine angemeſſene Quantität Salz aufgelöſt worden(auch ver⸗ duͤnnte, nicht ſauer gewordene Brandweinſchlempe, ſ.§. 439, wird dazu verwendet), ein paar Stunden vor dem Füttern mäßig angefeuchtet wird, ſo daß die verſchiedenen Futter⸗ ſtoffe von der ſalzhaltigen Flüſſigkeit moͤglichſt innig Durch⸗ drungen ſind. Petri empfahl eine ſolche Futtermethode ſchon längſt, und neue⸗ rer Zeit wurde ſie durch Lüder in Cattlenburg in Folge ſeiner im Großen gemachten Erfahrungen wieder in Anregung gebracht. Man ſoll zu dem Ende gemauerte Behälter haben, in denen das Futter ſchichtenweiſe gemiſcht, angefeuchtet und zuſammengetreten wird.— Uebrigens iſt auch die trockne Häckſelfütterung unter den angedeuteten Umſtänden ſchon nützlich, namentlich bei grobſtenglichem Dörrfutter. §. a37. c) Wurzelwerkfuͤtterung. Die verſchie⸗ denen Ruͤben nebſt den Topinamburknollen, beſonders aber die Kartoffeln, ſind in vielen Wirthſchaften, namentlich in ſol⸗ chen, denen es an Doͤrrfutter mangelt, ein ſehr wichtiger Beſtandtheil des Winterfutters fuͤr die Schafe geworden. Man hat dabei auf gute Reinigung, feines Zerkleinern, Vermiſchen mit feingeſchnittenem Haͤckſel, oder mit Raps⸗ ſtotm baupt n dwert Un welche trichig zu tart Stnh hein G — die hen, vie ſol die ain nit Stzeſe 8 bi M ul 6 liher tets h hende venden Othaff und R ein ſezt vir di Tu pind Gahehh ua ke Geid Lüü oder aufgt⸗ ſchnei⸗ be bi Schafen le her n ver⸗ „ eine r ge⸗ 1 ſon⸗ raft⸗ 438) 1, da ndem mit eine ˖ver⸗ . 439, üttern zutter⸗ durch⸗ neue⸗ ſeiner Man Futter rd.— euteten efutter. rſchie⸗ ber die in ſol⸗ ſchtiger votden. einern, Napt⸗ — 4193— ſchoten und Aehnlichem, ſowie darauf zu ſehen, daß uͤber⸗ haupt nur ohngefähr die Haͤlfte der Nahrungskraft im Wur⸗ zelwerk, die andere Haͤlfte in Heu und Stroh, gegeben wird. Unter den Rüben ſind es beſonders die Kohl⸗ und Runkelrüben, welche häufig verwendet werden. Die Kartoffeln erfordern bei dem trächtigen Mutterviehe Vorſicht und dürfen vor der Lammzeit nicht zu ſtark gefüttert werden. Nöthigen Falls kann man mit gutem Stroh und Kartoffeln eine Schäferei durch den Winter bringen; beim Göldvieh geſchieht dieß in heuarmen Wirthſchaften nicht ſelten. — Die Kartoffeln unverkleinert, oder auch ohne Häckſelzuſatz, zu ge⸗ ben, wie Manche ſchon verſucht haben, iſt nicht rathſam; dagegen ſoll die§. 216 für das Rindvieh empfohlene Methode, die Kartof⸗ feln mit Haͤckſel vermiſcht ſich ſelbſt erhitzen zu laſſen, auch bei den Schafen ſich vorzüglich bewährt haben. §. 438. d) Körnerfutter. Das Getreide dient bei Mangel an anderer kräftiger Nahrung und in Zeiten, wo es nicht hoch im Preiße ſteht, mitunter als ein weſent⸗ licher Zuſatz bei dem Winterfutter. Außerdem wird es öf⸗ ters blos zur Aufhuͤlfe fuͤr abgeſetzte Laͤmmer, zuruͤckblei⸗ bende ältere Muttterſchafe, endlich auch zur Maſt ange⸗ wendet. Man kann faſt alle Arten von Körnern mit den Schafen fuͤttern; am gewöhnlichſten werden Hafer, Erbſen und Roggen gewaͤhlt. Eine ſehr ſtarke Körnerfütterung, wenn ſie längere Zeit fortge⸗ ſetzt wird, kann, abgeſehen vom Aufwande, nach neueren Annahmen die Traberkrankheit(§. 450.) veranlaſſen. Auf den Kopf ½ bis ½ Pfund Körner täglich iſt ſchon von weſentlichem Einfluſſe auf das Gedeihen der Schafe, und mehr als ½ Pf. per Kopf täglich ſollte man bei Zuchtvieh auf die Dauer nicht beſtimmen. Man füttert Getreide entweder geſchroten mit Häckſel vermiſcht(§. 436.), die Erbſen auch gequellt, den Hafer ganz und ohne oder auch mit Häckſel, oder man legt die unausgedroſchenen Garben ein. Nächſt den Körnern bleibt auch das Oelkuchenmehl anzufüh⸗ ren, das beſonders für ſäugende Schafe zweckmäßig iſt. Man rührt es entweder mit Waſſer an, oder füttert es, wie Getreideſchrot oder Kleie, mit angefeuchtetem Häckſel. Pabſt Landwirthſchaft. II. 1. 5 13 — 194— §. 439. e) Brandweinſchlempe. Auf Gütern, wo Brandweinbrennerei getrieben wird, gibt man oͤfters den Schafen etwas Schlempe zur Tränke, und ſobald dieſe nicht zu ſauer iſt, und nicht in zu ſtarkem Maaße verab⸗ reicht, auch ſonſt trockenes Futter, namentlich viel Stroh dabei gefüttert wird, kann dieß auch mit Nutzen geſchehen; beſonders angemeſſen kann die Schlempefütterung für Maſt⸗ haͤmmel ſeyn, entweder als Tränke oder indem man einen Theil mit Haͤckſel und ſonſtigem Futter zuſammenſetzt(§. 436). §. 4¹u0. f) Die Roßkaſtanien und Eicheln ſind ein ſehr geſundes Futter für die Schafe, wenn ſie zerquetſcht mit Haͤckſel und wegen ihrer adſtringirenden Eigenſchaft in nicht zu großer Menge gefüttert werden. §. au1. g) Saathüthen. Zu den Winternahrungs⸗ mitteln der Schafe gehört auch noch das Saathüthen, wel⸗ ches bei trocknem Froſte, unter geeigneten Verhältniſſen, mit gehoͤriger Vorſicht ausgeuͤbt, eine geſunde und willkom⸗ mene Aushülfe gewäͤhrt. Zu den dabei zu beobachtenden Vorſichtsmaßregeln muß nament⸗ lich gezählt werden: daß die Schafe vorher ein trocknes Futter er⸗ hielten, daß die Saaten nicht mehr vom Reife befallen ſind, daß fette Saaten nur kurze Zeit jedesmal betrieben werden und daß die Heerde überhaupt nicht ausſchließlich auf die Saathuth angewieſen iſt. Bekanntlich kann in milderen Lagen, bei ſchneeloſem Wetter, im Winter auch noch Weidgang mit den Schafen ſtattfinden, indem ſie auf nicht naſſen Wieſen, den nicht beſtellten Feldern, trocknen Waldweiden ꝛc. noch Nahrung finden. Unter ſolchen Verhältniſſen kann allerdings bedeutend an Futter durch die Winterweide geſpart wer⸗ den; man verwende jedoch niemals das Muttervieh dazu, und laſſe auch dem Göldviehe dabei die nöthige Rückſicht in Bezug auf Geſund⸗ heit zu Theil werden. §. 442. Dauer der Winterfütterung. Dieſe iſt aus dem uͤber die Dauer der Sommerernährung Geſag⸗ ten zu entnehmen, und wird ſich demnach, vorausgeſetzt daß über Sommer geweidet wird, zwiſchen und 6 Mo⸗ nate, im Durchſchnitt alſo auf 5 Monate berechnen. tern, fters dieſe Ktah⸗ rtah ſehen; Maſt⸗ einen 36). ein tſcht t in nge⸗ wel⸗ ſſen, fkom⸗ zment: er er⸗ daß die n iſt. etter, ndem ſcknen niſſen wer⸗ laſſe eſund⸗ Dieſe Geſag⸗ vſt Mo⸗ — 195— §. 443. Bedarf an Winterfutter. Unter der Vorausſetzung, daß die täͤglich zu verabfolgende Futterquan⸗ tität nach der Größe der Thiere und deren Haltungszweck regulirt werden muß, dient zum allgemeinen Anhalten, daß 100 Pf. Gewicht der Schafe im Leben ohngefähr 3 ½ Pf. Heuwerth täglich erfordern, wenn die Thiere ſo gut ge⸗ nährt ſeyn ſollen, daß ſie weder fett noch mager ſind, und auch die Wolle gehörig heraus waͤchſt. Säugende Mutter⸗ ſchafe beduͤrfen ohngefaͤhr ein Drittheil uͤber die eben ange⸗ gebene Quantität; Maſtvieh bedarf wohl die Haͤlfte mehr. Da kleine Schafe im Durchſchnitt bei mittelguter Ernährung 40 bis 60 Pf., mittelgroße 70 bis 80 Pf., und ſehr große 100 bis 150 Pf. im Leben wiegen, ſo läßt ſich aus obigen Angaben für jeden ſpeciellen Fall leicht das nähere Anhalten abſtrahiren. Folgende Ta⸗ belle iſt hierzu noch weiter behülflich. rf die Heerde 2 GBemn ges, Samerde. Nutdt; Sumaene, ꝑNanat dig wiegt ſchafe nicht lammen, per Stück Pfund ANer S Pfund pr. Heusertsht Au Heuwerth Pf. Heuwe 40 1,30 1,73 1,95 50 1,63 2,17 2,44 60 1,95 2,60 2,92 70 2,28 3,04 3,42 0oö 2,60 3,46 3 90 9o% 2,93 b 3,91 4,39 100 3,25 4,33 4,87 120 1 3,90. 5,20 5,85 1310 4,55 6,07 6,82 150 4,87 6,50 7,30 Weiter iſt wichtig zu beobachten, dem noch nicht ausgewachſenen Viehe nach Verhältniß ſeines Körpergewichts die Futterportionen etwas zu verſtärken; dagegen können ältere, nicht zur Maſt beſtimmte Hämmel, bei zweckmäßiger Zuſammenſetzung des Futters, auch mit verhält⸗ nißmäßig etwas geringeren Portionen gut durchgewintert werden. Aus 13* — 196— dem Allem geht zugleich hervor, daß bei einer Zuchtſchäferei eine größere Zahl von Abtheilungen unter dem Viehe nöthig iſt. Schwäch⸗ liche Thiere irgend einer Abtheilung müſſen wieder von den übrigen getrennt ſtehen.. §. a4la. Futterzeit. Mehr als 4 räͤgliche Futter⸗ Feiten ſind in der Regel nicht erforderlich; öfters ſind auch 3 Abtheilungen(Morgens, Mittags und Abends) ſchon penügend. Der Gebrauch iſt hierin ſehr verſchieden; in Suddeutſchland, wo man öfters die Schafe blos mit Heu und Stroh durchwintert, kann man ſinden, daß ſie täglich nur zweimal, Morgens und Abends, gefüttert werden; in Norddeutſchland kömmt es dagegen vor, daß alle paar Stunden, im Ganzen täglich fünf⸗ bis ſiebenmal, etwas eingefüttert wird; natürlich ſind die Portionen hier um ſo kleiner und der Futtergegenſtände mehrfache. Der letztere Umſtand kann allerdings gerechtfertigte Veranlaſſung zu einer Vermehrung der Futterſtunden geben, ſo wie es auch nicht unwichtig iſt, in welche Folge die verſchiedenen Gegenſtände eingetheilt ſind. Gewöhnlich läßt man das Strohfutter den Anfang und den Beſchluß machen, Hen, Wurzelwerk ꝛc. werden dazwiſchen eingetheilt. Während des Einfütterns erheiſcht es die Ordnung, daß die Schafe jedesmal aus der Stallabtheilung gelaſſen werden, in wel⸗ cher das Futter eingelegt werden ſoll. §. 445. Tränke. Es iſt ſicherer, die Schafe im Winter täͤglich zweimal zur Tränke zu fuͤhren ſtatt nur ein⸗ mal, zumal, wenn hauptſächlich trocknes Futter gegegeben wird. In der Regel geſchieht dieß am fließenden Waſſer oder an Brunnentrögen; den ſäugenden Schafen gebe man jedoch lieber in der erſten Zeit, falls es ſehr kalt und rauh iſt, die Tränke im Stalle. Man tränkt am beſten bald nach ſolchem Futter, das Durſt er⸗ regt, alſo nach Heu, Stroh, beſonders Hülſenfruchtſtroh. Während des Tränkens wird gewöhnlich wieder Futter eingelegt. i eine hwaͤch⸗ Prigen Jutter⸗ d auch ˖ſchon ſchland, dintert, ss und agegen eennmal, um ſo mſtand hehhrung welche zöhnlich machen, daß die in wel⸗ fe im tein⸗ ꝛgeben Vaſſer man Htauh urſt er Während — 197— C. Sonſtige Pflege der Schafe. 1) Einrichtung des Schafſtalls. §. 446. Ein guter Schafſtall ſoll eine trockene Lage ha⸗ ben, gegen die Käͤlte gehoͤrig Schutz geben, aber auch hoch und geraͤumig genug und mit Fenſtern und Luftzügen gehoͤrig ver⸗ ſehen ſeyn, damit reine Luft, auch Licht nach Erforderniß eingelaſſen und resp. darin erhalten werden kann. Die Höhe ſoll zu dem Ende nicht unter 10 Fuß(rhein. Maaß) ſeyn; an Stallraum bedarf das Stück Schafvieh von mittlerer Größe, einſchließlich des Raumes, welchen die Raufen ein⸗ nehmen, 8 bis 10 Quadratfuß; fuͤr Mutterſchafe, einſchließ⸗ lich ihrer Lämmer, rechne man 12 Quadratfuß. Mehrere Eingänge mit Doppelthüren ſoll jeder Schafſtall haben, ſowohl wegen des bequemen Ein⸗ und Auslaſſens der Thiere, als wegen des Ausbringens des Düngers, zu welchem Ende die Wägen durch die Thore müſſen eingeſchoben und hinausgebracht werden können. Auch muß ein beſonders abgeſchiedener Platz zum Zurichten des Futters vorhanden ſeyn. Abtheilungen im Innern können durch einfache niedere Gitterwände hergeſtellt werden; da aber die Schaf⸗ ſtälle nicht gepflaſtert zu ſeyn branchen, ſo werden ſolche Abtheilun⸗ gen nach Bedürfniß in der Regel mittelſt eingeſchlagener Horden hergeſtellt.— Zur Schonung der Wolle iſt es gut, wenn die Wände des Stalls bis zu 3 Fuß Höhe mit gehobelten Brettern verſehen ſind. Daß die oberen Räume des Schafſtalls zur Aufbewahrung des Fut⸗ ters dienen, verſteht ſich von ſelbſt. §. 447. Eine noch ſehr wichtige Ausſtattung des Schaf⸗ ſtalls ſind ſodann die Raufen. Sie muͤſſen ſo eingerichtet ſeyn, daß ſie zum Einlegen von Heu und Stroh, ſo wie zum Füttern von Kartoffeln, Häckſel ꝛc. dienen, daß kein Futter verwüſtet werden, und auch die Wolle nicht leicht durch den Heuſamen ꝛc. auf den Hälſen verunreinigt wer⸗ den kann. Gut conſtruirte Doppelraufen in Verbindung mit breiten Trögen(Krippen) ſind vorzüglich zu empfehlen; einige Wandraufen ſind übrigens, wenigſtens für die in den Käuen ſtehenden Lammſchafe — 198— (§. 402), nicht wohl zu entbehren. Die bereits viel verbreiteten Block'ſchen Raufen und einige dieſen ähnliche empfehlen ſich durch zweckmäßigen Bau; auch die in Norddeutſchland häufig im Gebrauche ſtehenden zum Auf- und Ablaſſen und auf verſchiedene Weiſe zum Verändern, nach Maasgabe des zu conſumirenden Futters, einge⸗ richteten Raufen ſind zweckmäßig. Um die Pfeiler in den Schafſtäl⸗ len kann man auch runde oder achteckige Raufen anbringen. 2) Streu. 8§. aas. Daß gut gepflegte Schafe trockenen Stand und reines Lager im Stalle haben ſollen, bedarf kaum der Anführung. Am beſten wird dieß durch hinreichende Stroh⸗ einſtreu bewerkſtelligt, und bei den wenig waͤſſerigen Exere⸗ menten der Schafe kann der auf dieſe Weiſe entſtehende Duͤnger, wenn er ſich auch mehrere Fuß hoch anſammelt, bei gehoͤrig hohen und luftigen Ställen, vom Spatherbſte bis zum Frühlinge im Stalle liegen bleiben. Wo die Schafe in der Regel auch im Sommer, wenigſtens uͤber Nacht, im Stalle ſtehen, muß der Dünger alle paar Monate ausge⸗ bracht werden. Der Streubedarf iſt, je nach Fütterungs⸗ art und Localitaͤt, auf den Kopf täglich zu ¼ bis a Pf. Stroh anzunehmen. Von anderen Streuſurrogaten iſt das Laub noch das anwend⸗ barſte, von Heidekraut und dergleichen leidet die Wolle ſchon mehr oder weniger.— Niemals ſollte es unterbleiben, den Boden des Schafſtalls im Herbſte zuerſt mit trockner Erde und verſchiedenen ſchwer verweslichen Stoffen zu bedecken, weil dadurch die DänoaaPengüng weſentlich gewinnt. 3) Salzgehen. §. au9. Wir ſehen von den zuweilen vorkommenden Localitäten ab, in denen man das Verabreichen von Salz für uͤberflüſſig haͤlt oder es wenigſtens unterlaͤßt, und halten vielmehr das zeitweiſe Verabreichen von Salz aus dem ſchon in der allgemeinen Viehzucht aufgeſtellten Grundſatze(§. 91) auch bei den Schafen für ſehr nuͤtzlich, ja öfters für noth⸗ reiteten durch erauche iſe zum Kinge⸗ Schaſſt⸗ 1 Stand um der Stroh⸗ Excre⸗ tehende uwelt, herbſte Schafe ht, in ausge⸗ erungs⸗ h Pf. nwend⸗ mehr en des ſchwer eugung genden 1 Sah ˖ halten n ſcyn 69) noth⸗ — 199— wendig. Ob man daſſelbe in groͤßeren oder kleineren Por⸗ tionen, öfters oder ſeltener geben ſoll, haͤngt hauptſächlich von der Beſchaffenheit der Futtermittel, auch den climati⸗ ſchen und oͤrtlichen Verhaͤltniſſen ab. Man giebt alle Woche oder auch nur alle Monate, oder in der einen Zeit häufi⸗ ger, als in der andern, indem man mit Recht das natuͤr⸗ liche Verlangen der Thiere dabei berückſichtigt; man rechnet gewöhnlich auf einmal 1 bis 2 Loth auf den Kopf, und meiſtens traͤgt es jaͤhrlich im Ganzen von 1 bis zu 2 Pfund aufs Stück. Man hat ſich davor zu hüten, den Schafen bei ſehr naſſer Wit⸗ terung Salz zu geben, ſo wie, daß ſie nach dem Genuſſe des Sal⸗ zes nicht ſogleich ans Waſſer kommen, namentlich aber, daß ſie nicht zu Pfützen oder auf den Feldern, den Weiden ꝛc. in kleineren oder größeren Vertiefungen von vorausgegangenem Regen ſtehen gebliebe⸗ nem Waſſer gelangen können. Mit vieler Wäßrigkeit genoſſen wirkt nämlich das Salz leicht laxirend und erſchlaffend, und durch den augenblicklichen Durſt gereizt trinken die Schafe unmittelbar danach nicht nur zu viel, ſondern auch ungeſundes Waſſer, ſobald ſie dazu gelangen können. Wo man Steinſalz hat, hängt man dieſes, oder legt es häufig in Stücken in den Schafſtall, damit die Schafe nach Belieben davon genieſſen können. Das Verkleinern und Verabreichen nach Zeit und Umſtänden verdient jedoch den Vorzug. Manche miſchen Wachholderbeeren und noch andere Arzeneiſtoffe unter das Salz, was jedoch nur da gerechtfertigt iſt, wo die Ge⸗ ſunderhaltung der Thiere den einen oder anderen Zuſatz erheiſcht. 4) Krankheiten der Schafe. §. à50. Die bedeutendſten Krankheiten der Schafe laſ⸗ ſen ſich in anſteckende und nicht anſteckende eintheilen, unter den letzteren ſind mehrere auch erblich, andere nur den Läm⸗ mern eigen.— Die anſteckenden ſind hauptſächlich: a) Die Blattern oder Pocken. b) Die Raͤude. c) Die Klauenſeuche, welche wieder zweierlei Art iſt, nämlich die epidemiſche, welche gewoͤhnlich mit der Mundfäule ge⸗ — 200— paart iſt und zugleich auch anderes Vieh befaͤllt, und die boͤsartige.— Zu den nicht anſteckenden gefaͤhrlichen Schafkrankheiten zählen wie ſodann: a) Die Traber⸗ oder Gnupperkrankheit, erblich und bei den Merinos neuerer Zeit häufig. b) Die Drehkrankheit und eine dem aͤuße⸗ ren Anſcheine nach ihr nahe ſtehende, erſt neuerer Zeit be⸗ ſonders unterſchiedene, die Schafbremſenkrankheit. c) Die Bleichſucht oder Fäule(Egelkrankheit ꝛc.). d) Die Trommelſucht. e) Den Milzbrand und das damit verwandte ſogenannte Rückenblut. f) Den Blutſchlag. — Die ſchlimmſten Laͤmmerkrankheiten ſind: a) Die Ruhr(der Durchfall). b) Die Laͤhme. c) Die Fa⸗ denwürmerkrankheit. Wir können nach dem dieſem Buche zu Grund liegenden Plaue hier eben ſo wenig, als bei den andern Hausthierarten, auf aus⸗ führlichere Erörterungen über die bei ihnen vorkommenden Krank⸗ heiten eingehen; ſondern müſſen deßfalls auf die Thierazneikunde und hier insbeſondere auf die ausführlicheren Werke über die Schafzucht verweiſen; unter den letzteren geben namentlich die von Elsner und D. Löhner deßfalls befriedigende nähere Auskunft. §. 451. Pflege der ſtets räudigen Schafheer⸗ den. Da in mehreren Gegenden die anſteckende Raͤude, auch Milbenraude genannt, unter dem Schafvieh noch allgemein verbreitet iſt, auch von dem einzelnen Heerdenbeſitzer unter ſolchen Verhaͤltniſſen keine Maaßregeln ergriffen werden koͤn⸗ nen, das ſogenannte Schmiervieh vollſtaͤndig zu reinigen, ſo wie es bedenklich erſcheint, reines Vieh in ſolche Lo⸗ calitäten einfuͤhren und rein erhalten zu wollen; ſo bleibt unter ſolchen Verhaͤltniſſen ſehr wichtig, daß durch acht⸗ ſame Schaͤfert, unter Anwendung der bekannten Mittel(des ſogenannten Gußes, eine Art Lauge aus Tabaksabſud ꝛc.), einem ſtarken Ausbreiten oder Ueberhandnehmen der Raͤude, wodurch eigentlich erſt weſentlicher Nachtheil für die Ge⸗ ſundheit der Thiere und die Guͤte der holle entſteht, ſtets vorgebeugt werde. roch tteff eign gen ber die ichen dder nerer auße⸗ it be⸗ heit. ) Die amit lag. Die Fa⸗ Plaue aus⸗ rank⸗ de und aizucht er und ſeer⸗ auch mein inter koͤn⸗ igen, Lo⸗ bleibt acht⸗ 1(des r0.), gͤude, e Ge⸗ ſtts — 201— Es wäre ſehr zu wünſchen, daß in den Ländern, wo die Räude noch allgemein geheegt wird, durch gemeinſame Maaßregeln der be⸗ treffenden Regierungen zur gänzlichen Vertilgung derſelben die ge⸗ eigneten Schritte geſchähen, was nach Walz's bekannten Entdeckun⸗ gen und Vorſchriften, und den Vorgängen in Baiern, Würtem⸗ berg ꝛc., leicht ausführbar genaunt werden darf. Siebentes Capitel. Von der Benutzung der Schafe. §. 452. Der Betrieb der Schafzucht kann auf ſehr verſchiedene Weiſe ſtattfinden und demnach geht natuͤrlich aus den Hauptproducten, Wolle und verkaͤufliches Vieh, auch ein verſchiedenartiger Ertrag hervor. Um Alles, was hierauf Bezug hat, naͤher kennen zu lernen, betrachten wir in dieſem Capitel abgeſondert: die Wahl der Betriebsweiſe der Schaͤferei, die Gewinnung und Verwerthung der Wolle, den Viehverkauf, die ſonſtigen Nebenertraͤge, welche eine Schaͤferei gewaͤhren kann, und zuletzt noch das Wichtigſte in Bezug auf die Verwaltung einer groͤßeren Schäferei. Daß der Dünger bei der Schafhaltung, gleichwie bei der Rindviehhaltung, eine wichtige Rolle ſpielt, wurde§. 303 bereits angedeutet; das Specielle in dieſer Beziehung umfaßt das Capitel von der Düngung im erſten Bande, auch die Betriebslehre§. 369. I. Wahl der Betriebsweiſe. §. 458. Die Hauptverſchiedenheit in der Betriebsart der Schäferei beſteht zwiſchen Zucht⸗- und Hammel⸗ ſchäferei. Unter jener verſteht man einen Schäfereibe⸗ trieb, womit Mutterviehhaltung und Aufzucht verbunden iſt, unter dieſer die bloße Haltung von Hämmeln, welche in — 202— einem gewiſſen Alter angekauft und ſpäter wieder verkauft werden. §. 45 4. Der Zuchtſchäferei⸗Betrieb verdient, des groͤßeren und ſichereren Nutzens halber, in den meiſten Verhaͤltniſſen den Vorzug, ſobald ihm die gehoͤrige Sorgfalt gewidmet werden kann, und Weide oder Futter, die Loca⸗ lität uͤberhaupt, fuͤr die Haltung von Muttervieh und die Laͤmmerzucht nicht unzuträͤglich ſind. Mit dem Zuchtſchäfereibetriebe iſt übrigens meiſtens die Bei⸗ behaltung der erzogenen Hämmel, bis ſie ausgewachſen ſind, oͤfters auch die Maſtung derſelben, verbunden. §. 455. Bei der Wahl der Zuchtſchäferei verdient die Race und ſpecielle Beſchaffenheit des zu haltenden Viehes, wie das Capitel von der Paarung bereits näher darthut, die hoͤchſte Beachtung. Sind Clima und Lage nicht beſon⸗ ders rauh, und iſt die Weide nicht allzufett, und kann auch die Sorgfalt in der Haltung eintreten, welche feinwol⸗ liges Vieh insbeſondere verlangt, ſo behaͤlt dieſes in Deutſchland beinahe überall den Vorzug, hauptſächlich we⸗ gen des zu erzielenden höheren Ertrags aus der Wolle (§. 479.), der unter vielen Verhaͤltniſſen durch den Verkauf von Zuchtvieh zu guten Preißen(§. 482.) ſich noch erhöht. §. 456. In den bei weitem meiſten Localitäten, welche für den Betrieb der feinwolligen Schafzucht vollkommen gün⸗ ſtig ſind, iſt es ſodann die Electoral⸗Race in ihrer Vollkommenheit, welche ſich der Schafzüchter zum Ziele ſetzen muß. Wo es indeſſen an Intelligenz oder Sachkennt⸗ niß fehlt, oder wo eine etwas rauhe Behandlung des Viehes nicht zu vermeiden iſt, da möge man ſich mehr an die In⸗ fantado⸗Race der an einen reichwolligen, gut gearteten Baſtardſchlag(Meſtizen aus Landſchafen und ſtarken reich⸗ wolligen Merinos) halten. Es iſt in derartigen Verhältuiſſen zugleich zu überlegen, ob man nicht vorzugsweiſe die Erzielung einer mittelfeinen Kammwolle beab⸗ kauft dient, neiſten orgfalt Loca⸗ nd de Bei⸗ iſters nt die jehes, thut, eſon⸗ auch wol⸗ ſes in h we⸗ Volle exkauf höht. helche gün⸗ ihrer Ziele kennt⸗ giehes In⸗ arteten rlich⸗ h man eleab⸗ — 203— ſichtigen ſolle; wo ſolche leicht Abſatz findet, kann dadurch ein hoͤhe⸗ rer Wollertrag erzielt werden(ſ.§. 457).— In wie weit bei hochfeinen Schäfereien die Erzielung von Kammwolle der von Tuchwolle vorzuziehen ſeyn möchte, inſoferne die Bildung einer hoch⸗ feinen Schäferei, welche blos Kammwolle liefert, überhaupt möglich iſt,— iſt noch nicht hinlänglich ermitteett. §. 457. Reiche und doch nicht ungeſunde Weiden, beſonders günſtige Gelegenheit zum Abſatze des Schlachtvie⸗ hes, auch wohl manche der für die Sommerſtallfuͤtterung der Schafe uͤberhaupt geeigneten Localitaͤten, können beſon⸗ ders dazu auffordern, ſtatt der ſonſt in ſolchen Fällen ge⸗ wöhnlich ſtattfindenden Maſthammelhaltung(§. 479.) eine ſolche Zuchtſchaͤferei zu etabliren, wobei die Nachzucht und der Abſatz von großem, ſchnell heranwachſendem, in hohem Grade maſtfähigem Viehe und die Production einer werth⸗ vollen Kammwolle miteinander verbunden ſind. Bekanntlich werden die engliſchen großen Racen(§. 371 u. 372) in dieſer Beziehung für die vollkomanenſten gehalten; in wie weit ſte aber, und unter welchen Verhältniſſen, in Deutſchland, abgeſe⸗ hen von den eigentlichen Marſchgegenden, in daien man bereits ähn⸗ liche Raeen hat,— den unbedingten Vorzug behaupten werden, muß erſt noch die Erfahrung lehren. Sollte die in Würtemberg und Ba⸗ den verſuchte Kreuzung der engliſchen, langwolligen Race mit lang⸗ wolligen, großen Merinos zu einem einigermaßen conſtanten, in ſich fortpflanzbaren Schlage führen; ſo dürfte ein ſolcher mit der Zeit ſo wohl in Localitäten, wie ſie in dieſem, als in ſolchen, wie ſie im vorigen Paragraphen angedeutet ſind, mit in Betracht zu zie⸗ hen ſeyn. §. a58. Je nachdem ſich nun bei dem Betriebe der Zuchtſchäferei mehr oder weniger günſtige Gelegenheiten zum Verkaufe von Zuchtvieh, zum Fetthüten oder Mäſten und für den Abſatz der nachgezogenen Hämmel ꝛc. darbieten(§. 482 ff), wird das Verhältniß in der Zahl der zu haltenden Mutterſchafe, Lämmer, Jährlinge und ſonſtigem Göͤldvieh regulirt. Man fſindet daher, daß die Zahl der Mutterſchafe von 20 bis — 204— zu 40 Procent der ganzen Schaͤferei ſich beläuft, und daß die nach⸗ gezogenen Hämmel ſchon als Lämmer, oder erſt im 4 oder 5 Jahre verkauft werden. §. 459. Die Wahl der Haumelſchzfere ſtellt ſich, wie aus dem bisher Abgehandelten bereits erhellet, alsdann in Vorzug, wenn die Weide, das Futter oder ſon⸗ ſtige Localverhältniſſe fuͤr Muttervieh und Laͤmmerzucht un⸗ zuträglich ſind, zumal wenn ſich dieſe Unzuträglichkeit auf zu fette, für Zuchtvieh leicht gefährlich werdende Weide oder Futtermittel oder auch nur auf den Umſtand gruͤn⸗ det, daß die bei dem Zuchtſchaͤfereibetriebe nothwendige Sorgfalt nicht verwendet werden kann; endlich kann auch da, wo zu einer Zeit des Jahres viele, zu einer anderen Zeit aber wenig Nahrung fuͤr Schafe ſich darbietet, nur noch eine, nach den Umſtaͤnden durch Zu⸗ oder Verkauf ſtets zu meh⸗ rende oder zu mindernde Hammelhaltung beſtehen. §. 460. Ob man ſich bei der Hammelſchaͤferei mehr auf Haltung von jüngeren Haͤmmeln oder mehr auf die von Maſthaͤmmeln legen, ob man die angeſchafften Thiere laͤngere oder kürzere Zeit beibehalten ſolle, haͤngt lediglich von den ſpeciellen Localverhältniſſen ab. §. 461. Da die Wolle auch bei der Hammelhaltung einen bedeutenden Theil des Ertrags abwirft, ſo iſt leicht einzuſehen, daß die Wollbeſchaffenheit der anzuſchaffenden Haͤmmel ſtets weſentlich mit in Betracht zu ziehen iſt, wenn ſchon das Verhalten in Statur, Alter und Geſundheit beim Einkaufe die erſte Ruͤckſicht anſpricht. II. Gewinnung und Verwerthung der Wolle. §. 462. Die Wolle wird durch ein⸗ oder zweimaliges Abſcheeren jährlich gewonnen. Das einmalige Abſcheeren iſt am allgemeinſten, und nur in einigen Gegenden, z. B. in Schleſien, wird von dem grobwolligeren Viehe die ſogenannte Winterwolle Ende Aprils oder Anfang Mai's, und die Som⸗ nach⸗ Jahre ſelt thell, et ſon⸗ ct un⸗ eit auf Weide gruͤn⸗ endige ch da, aber eine, meh⸗ mehr je von ingere n den ltung leicht enden wenn beim le. naliges een it 3. it nannte Som⸗ — 205— merwolle im September abgenommen. Die Schur des ein⸗ ſchuͤrigen Viehes wird von Ende Mai bis Ende Juni vorge⸗ nommen. Durch das zweimalige Scheeren wird bei ſolchen Schafen, welche eine lange Wolle produciren, ein zur Tuchfabrikation geeigneteres Product gewonnen; daſſelbe Schaf liefert bei zweimaliger Schur im Ganzen nicht mehr Wolle, als bei einmaliger.— Man hat auch neuerer Zeit den Verſuch gemacht, feine Wolle zweijährig wachſen zu laſſen und dadurch eine ſchöne Kammwolle erhalten; das Verfah⸗ ren könnte ſich jedoch nur durch einen bedeutend höheren Preiß der zweijährigen Wolle gegen die einjährige rechtfertigen. 1. Die Waͤſche. §. 463. Die Waͤſche geht in der Regel der Schur vor⸗ aus. Das in Spanien und Frankreich uͤbliche Verfahren, die im Schweiß geſchorne Wolle in beſonderen Anſtalten zu waſchen, bietet in Bezug auf Verſendung, Sortirung und überhaupt moͤglichſt hohe Verwerthung der Wolle nicht die Vortheile dar, welche eine gute Pelzwäſche(Waſchen der Schafe in der Wolle) gewaͤhrt. Nur wenn man die Wolle vor der Schur dem Kopf oder Ge⸗ wichte nach um befriedigenden Preiß zu verkaufen Gelegenheit hat, iſt die Unterlaſſung der Pelzwäſche rathſam. §. 464. Eine gut ausgefuͤhrte Wäſche iſt für die Ver⸗ werthung der Wolle um ſo wichtiger, je mehr dieſe zu den edleren Sortimenten gezaͤhlt werden darf. §. 465. Grobe Wolle iſt auf dem Viehe leicht gut zu waſchen, indem es in der Regel hinreicht, die Schafe bei gutem Wetter in gehörig tiefem und nicht ſchlammigem oder ſonſt ſchmutzigem Waſſer durch die Haͤnde von 6 bis 8 im Waſſer ſtehenden Wäſchern gehen zu laſſen, oder ſie in ſol⸗ chem Waſſer mehrmals zu ſchwemmen. §. 466. Feine Wolle iſt um ſo ſchwerer gut zu wa⸗ ſchen, je mehr ſie mit pechartigem Fettſchweiße beladen oder je mehr der Fettſchweiß mit anklebenden Boden⸗, Miſt⸗ und Schmutztheilen verbunden iſt. Sodann haͤngt das Re⸗ — 206— fultat von der Beſchaffenheit des Waſſers und von dem an⸗ gewendeten Verfahren in gleich hohem Grade ab. §. 467. Ein weiches, von Natur warmes, oder durch die äußere Temperatur gehörig erwaͤrmtes Waſſer iſt vor⸗ züglich tauglich. Schlecht iſt ſehr hartes, beſonders eiſen⸗ haltiges oder ſumpfiges(mooriges), oder ſehr kaltes Waſſer. Man findet ſowohl in Bächen und kleinen Flüſſen, ſo wie in ſtehenden Gewäͤſſern häufig zur Schafwäſche geeignetes Waſſer. Die Temperatur deſſelben ſoll nicht unter 13 R. ſeyn.— Es iſt für das Aufweichen der ſchwer auflöslichen Schmutztheile förderlich, wenn das zum Waſchen, namentlich zum erſten Einweichen zu brauchende Waſ⸗ ſer keine raſche Strömung hat, ſondern während des Gebrauchs ſtets mit aufgelöstem Fettſchweiß mäßig geſchwängert bleibt, der hier ſeifenartig wirkt. §. 468. Das Verfahren iſt in der Hauptſache zweier⸗ lei: entweder werden die Schafe blos geſchwemmt oder mit Anwendung von mehr Geſchicklichkeit und Arbeit eigentlich gewaſchen. Das Erſtere wird ausgefuͤhrt, indem man die Schafe an einem oder zwei aufeinanderfolgenden Tagen durch eine groͤßere Strecke Waſſer, welche durch angebrachte Stangen oder Horden bezeichnet iſt, im Ganzen ſechs⸗ bis achtmal ſchwemmt, dergeſtalt, daß die Thiere jedesmal von einem erhoͤhten Einſprunge in das Waſſer ſpringen und durch daſſelbe ſchwimmen müſſen, wobei ſie mittelſt beſonderer Krücken, mit Schonung des Kopfs, noch nach Erforderniß untergetaucht werden, überhaupt aber dahin getrachtet wird, daß die Wolle recht vom Waſſer durchdrungen ſey und die Schmutz⸗ und Fettſchweißtheile ſich aufloͤſen. Selten wird durch dieſes Verfahren eine vollkommen gute Wäſche erreicht. §. 469. Das eigentliche Waſchen zerfaͤllt in das Ein⸗ weichen und Reinwaſchen. Man weicht naͤmlich zuerſt die Schafe einmal, oder auch mehrmal kurz hintereinander, der⸗ geſtalt im Waſſer ein, daß alle Theile des Vließes vöͤllig vom Waſſer durchdrungen ſind. Nach 3 bis 6 Stunden, oder auch am andern Morgen, wenn das Einweichen Abends ſtattfand,— jeden Falls bevor irgend ein Theil des Plie⸗ i an⸗ durch ſ vor⸗ eiſen⸗ Waſer. wie in . Dit ür das nn das Waſ⸗ s ſtets er hier weier⸗ e mit entlich un die durch tangen htmal einem aſſelbe ,, mit taucht ß die mutz⸗ dieſes Ein⸗ eiſt di er, der⸗ gvoöllj tunden, gbendd Pli⸗ 4 — 207— ßes wieder trocken geworden iſt,— wird dann reingewa⸗ ſchen, wozu geſchickte und geübte Leute gehören und eine ſogenannte Sturzwäſche beſonders hülfreich iſt.— Sorg⸗ fältige und ſchonende Behandlung und gute Ernährung des Viehes bei und nach der Waͤſche kann nicht genung empfoh⸗ len werden. Da wo die Localität nicht von ſelbſt die Hand zu einer guten Wäſche bietet, muß man ſolche durch getroffene Vorkehrungen herzu⸗ ſtellen ſuchen, wozu gemauerte oder mit Holz ausgekleidete und ge⸗ pflaſterte Behälter, in die man Waſſer leiten kann, und künſtliche Sturzanſtalten insbeſondere gehören. Eine ſolche Sturzwäſche beſteht in einem natürlichen oder künſtlich hergeſtellten Baſſin, in dem das Waſſer etwa 3 Fuß hoch angeſtant werden kann; mehrere etwa ½ F. breite Rinnen müſſen 2—3 F. über dem Waſſerſpiegel des Baſſins angebracht ſeyn und fo reichlich Waſſer ſpenden, daß die im Baſſin untergehaltenen, vorher eingeweichten Schafe durch den mittelſt Dre⸗ hen des Schafes auf die verſchiedenen Theile des Vließes geleiteten Waſſerſtrahl in kurzer Zeit ſchön rein gewaſchen erſcheinen.— Die zum Schafwaſchen eigens angelegten Baſſins müſſen entweder von einem ſchon vorhandenen Waſſerbehälter oder Bache nach Erforderniß mit Waſ⸗ ſer verſehen werden können, oder es muß zu dem Ende ein größerer und höherer Behälter angelegt und ſchon längere Zeit vor der Wäſche mit Waſſer gefüllt ſeyn. Das Waſch⸗Baſſin muß nach Erforderniß theilweiſe oder ganz abgelaſſen werden können.— Wo auf keine Weiſe eine gute Waſchanſtalt in der Nähe zu etabliren iſt, muß man das Bringen der Schafe nach einer größeren Entfernung nicht ſcheuen; in Würtemberg, wo man den Werth einer guten Wäſche beſonders erkannt und ſehr gute Anſtalten zu dem Behufe getroffen hat, kann man finden, daß die Schafe 10 bis 12 Stunden weit zur Wäſche und Schur geführt und daß an einer Waſchanſtalt in Zeit 4 Wochen gegen 40,000 Stück gewaſchen werden. §. 470. Wo die Gelegenheit zum Zuſtandebringen einer guten Waͤſche mittelſt Fluß⸗ oder ſtehenden Waſſers durchaus mangelt, hat man noch auf verſchiedene andere Weiſe den Zweck zu erreichen geſucht, als die Anwendung erwärmten Waſſers in Kübeln oder andern Behaͤltern; die Anwendung von verſchiedenen Stoffen, welche aͤhnlich wie — 208— Seife wirken; die Anwendung von eigens eingerichteten Spri⸗ tzen, an der Stelle der gewoͤhnlichen Sturzwaͤſche. Das Waſchen mit ohngefähr auf 300 R. erwärmtem Waſſer erfordert beſondere Anſtalten, welche in vielen Localitäten zu koſt⸗ ſpielig ſeyn würden; auch iſt Vorſicht dabei nöthig, damit die Wolle nicht zu ſehr entfettet und zu barſch im Gefühle wird; die Anwen⸗ dung grüner Seife oder der Blätter und Warzeln des Seifen⸗ krauts(saponaria officinalis) iſt dabei hülfreich; auch bei kaltem Waſſer, das nicht gut waſcht, iſt es rathſam, eine nicht zu koſtſpie⸗ lige Seife mit in Anwendung zu bringen. Bei ſtark kalkhaltigem (hartem) Waſſer empfiehlt ſich Kali als Zuſatz. Sodann hat man ſich auch bei Wolle, welche durch ſchwarzen oder rothen Boden ſehr verdorben und auf gewöhnliche Weiſe nicht rein zu waſchen war, des reinen Thons bedient, welcher hier wie Walkererde wirkt, und da⸗ durch eine weiß gewaſchene Wolle erhalten, welche jedoch auch an Fett und Sanftheit leicht zu viel verliert.— Beſondere Beachtung verdient die ſeit einigen Jahren in Mecklenburg mit beſtem Erfolge aufge⸗ kommene Anwendung einer Sppritze mit 2 Schläuchen, ähnlich wie die Feuerſpritzen eingerichtet und näher beſchrieben in den neuen mecklenburgiſchen Annalen von 1836. §. 471. Die Maſſe an Schmutz und Fettſchweiß, welche der Wolle durch die Wäͤſche entzogen wird, iſt begreiflich ſehr verſchieden. Im Durchſchnitt nimmt man an, daß auf den Thieren gewaſchene, feine oder mittelfeine Wolle ohnge⸗ faͤhr halb ſo viel wiegt, als wenn ſie ungewaſchen geſchoren worden waͤre. Gut gehaltene und gut gewaſchene Wolle ver⸗ liert bei der ſpaͤteren Fabeikwäſche nur noch 20— 25 pCt., waͤhrend ſchlecht gewaſchene 30— 36 pCt. und mehr verliert. 2. Die Schur. §. 472. Die Schur darf nicht eher vorgenommen wer⸗ den, bis die auf den Thieren gewaſchene Wolle wieder voͤl⸗ lig trocken geworden iſt. Es iſt zu dem Ende wichtig, guͤn⸗ ſtiges Wetter zu treffen, ſtaubige oder ſchmutzige Wege und Weiden mit den gewaſchenen Heerden zu vermeiden, ſie uͤber Nacht in gut geſteaen, geräumigen Staͤllen(bei ſicherem Syr⸗ Waſſer n koſt ie Voll Anwer⸗ Seifen⸗ jkalten koſtſpie⸗ altigem at man en ſehr ar, des ind da⸗ an Fett erdient aufge⸗ ähnlich neuen welche reiflich aß auf ohnge⸗ coren ever⸗ pCt., rliert. en wer⸗ er vil⸗ 9, gin tge und ſe lher cherem — 209— Wetter auch auf reinem, trocknem Raſen) lagern zu laſſen, und ſie, wenn das Trocknen vorſchreitet, vor Wiedernaß⸗ werden zu bewahren. Fein⸗ und dichtwolliges Vieh trocknet ſchwerer, als grob⸗ und dünnwolliges, doch bedarf es bei guͤnſtigem Wetter für erſteres in der Regel auch nur zwei volle Tage Zeit von der Wäſche bis zur Schur. Damit die Wolle an ihrer Sanftheit nicht verliere, ſoll man bei feinwolligem Viehe das Trocknen in anhaltendem, heißem Son⸗ nenſchein oder auf Stellen, welche einem ſehr rauhen Winde ausge⸗ ſetzt ſind, vermeiden.— Bei gehörig beſorgtem Trocknen erlangt das gewaſchene Vließ bis zur Schur von ſelbſt wieder denjenigen mäßigen Grad von Fettſchweiß, welcher wünſchenswerth iſt, und der keineswegs durch enges Zuſammeuſperren in den Ställen bezweckt werden ſoll; wo dagegen der Fettſchweiß durch die Wäſche(z. B. in warmem Waſſer) zu ſehr entzogen worden iſt, muß man ein paar Tage länger mit der Schur warten. §. 473. Bei der Schur iſt, zumal bei Ifeinwolligem Viehe, in mehrfacher Hinſicht große Aufmerkſamkeit und Sorgfalt nöthig, namentlich daß man eine geraͤumige, ſau⸗ bere Tenne oder einen ſonſt geeigneten Raum zum Vorneh⸗ men des Geſchäfts habe; daß man geſchickte und geuͤbte Scheerer hat(in manchen Gegenden ſcheeren auch Frauens⸗ leute); daß die Scheeren, deren ſie ſich bedienen, gut ſind und öfters geſchärft werden, daß die Vließe beim Abſchee⸗ ren nicht zerriſſen werden, daß dann die abgeſchornen Vließe auf dem an einer hellen Stelle ſtehenden Bindtiſche ge⸗ hoͤrig unterſucht, die unreinen Theile abgeſondert, auch die zwar nicht unreinen, aber in der Qualitaͤt geringeren Ab⸗ fälle vom Kopfe, den Beinen, dem Schwanze ꝛc., bekannt unzer der Benennung„Locken“, getrennt in die von beſſe⸗ rer und ſchlechterer Beſchaffenheit(gute und gelbe Locken) beſonders geſackt; daß die Vließe, je nach dem Gebrauche der Gegend und dem Verlangen der Kaͤufer, einzeln, oder eine groͤßere Zahl(a— 8) zuſammen, geſchickt aufgebunden werden, und uͤberhaupt bei dem ganzen Geſchaͤfte Ordnung Pabſt Landwirthſchaft. 1II. 1. 1 4 — 210— und Reinlichkeit herrſche, zu dem Ende auch die zu den ver⸗ ſchiedenen Dienſtleiſtungen noͤthigen Leute nicht mangeln. Dicht⸗ und feinwolliges Vieh erfordert weit geſchicktere Schee⸗ rer, als grobwolliges; bei letzterem geht das Abſcheeren guch viel ſchneller. Je nach Beſchaffenheit des Viehes und Geſchicklichkeit der Scheerer kann eine Perſon an einem Tage 15 bis 30 Stück abferti⸗ gen. Man bezahlt das Geſchäft gewöhnlich Stückweiſe(2 bis 4 kr. p. Stück), giebt aber häufig auch noch mehr oder weniger Koſt und Getränke; wo man zur Stückarbeit nicht zuverläſſige Leute hat, laſſe man lieber im Taglohn ſcheeren.— Man hat auch, um vollkommnerc Arbeit und weniger zerriſſene Vließe zu erhalten, eigene Schur⸗ tiſche, auf denen die Schafe angebunden oder durch beſondere Ge⸗ hülfen gehalten liegen. Iſt das Schafvieh auf ninſandigem Boden geweidet worden, wobei nicht zu vermeiden iſt, daß ſich eine beträchtliche Menge Sand in der Wolle befindet, der durch die Wäſche nicht ganz entfernt wer⸗ den kann, ſo iſt zu empfehlen, jedes abgeſchorne Vließ auf einer Art Lattenroſt vor dem Aufbinden auszubreiten und ſanft zu klopfen, um den Sand noch möglichſt zu entfernen. §. a7u. In der Regel iſt es dem Producenten nicht anzurathen, ein weiteres Sortiren der Wolle, mittelſt Tren⸗ nung der Vließe in Stücken, vorzunehmen; iſt aber die Schaͤferei bedeutend ungleich, ſo wird man ſtets wohl daran thun, die Vließe, oder vorher ſchon die Thiere in Folge ſtattgehabter Claſſification, in mehrere Hauptclaſſen zu brin⸗ gen, und jede auf dieſe Weiſe ſich ergebende Claſſe beſonders aufzuſetzen. In ausgeglicheneren Schäfereien trennt man auf aͤhnliche Weiſe die Wolle von den Mutterſchafen, Jährlingen und Hämmeln. Der Käufer wird durch derartige Maaßregeln in den Stand geſetzt, die ganze Wolle in ihrem wahren Werthe ſicherer zu beurtheilen, was dem reellen Verkäufer nur von Nutzen ſeyn kann. §. 475. Weitere Geſchaͤfte eines intelligenten Schaf⸗ züchters ſind bei der Schur: Wiegen der Wolle von den ein⸗ nunen Abtheilungen der Heerde, und bei Stammheerden ſelbſt von den einzelnen Thieren⸗ namentlich den Boͤcken, —- 2 —— — n per⸗ n. Shte. ih diel keit der abferti 5 4 k. dſt und , laſſe mnere chur⸗ e Ge⸗ orden, Sand wer⸗ er Art en, um nicht Tren⸗ -r die daran Folge brin⸗ nders Weiſe Der t, die , was Schif⸗ en ein⸗ gethen ockn, — 211— und Eintragen in ein Verzeichniß; Aufbewahrung der Wolle an einem wohlverwahrten, trocknen, doch nicht den Sonnen⸗ ſtrahlen ausgeſetzten Platze; Nachzaͤhlen der Heerdenabthei⸗ lungen, Zeichnen derſelben, Bezeichnen ſehlechter Zucht⸗ thiere ꝛc. §. 476. Die nicht ſehr ſpaͤt gebornen Lämmer werden ebenfalls geſchoren; die Lammwolle wird beſonders in Saͤcke gethan. Wo man Kammwolle erzieht, ſcheert man die Lämmer nicht, um eine recht ſchöne, lange Jährlingswolle zu erhalten; auch ſpät geborne, noch ſehr kurzwollige Lämmer übergeht man; man kann auch die Schur der Lämmer, um ſie mehr zu ſchouen und erſt noch ſtärker werden zu laſſen, etwa 4 Wochen ſpäter vornehmen. Bei der Wäſche müſſen ſie kürzere Zeit im Waſſer bleiben und beſonders ſchonend behandelt werden. 3. Ertrag und Berwerthung der Wolle. §. 477. Da der Wollertrag von der Race, Züchtung, Haltung und Zuſammenſetzung der Schaͤferei, und— in ſoferne derſelbe nach dem Gewichte genommen wird— auch von der vorausgegangenen Wäſche abhaͤngig iſt; ſo leuchtet ein, daß hierin ſehr große Verſchiedenheiten ſich ergeben. Man kann annehmen, daß das Schurgewicht der Heerden pr. Kopf(ohne Laͤmmer) bei feinem und halbfeinem Viehe ſich zwiſchen 1 ½ und 4 Pf. verhalte, bei den grobwolligen Landracen von 2 bis 4 ½ Pf., bei den ſchweren und lang⸗ wolligen Racen von 5 bis zu 8 Pf.— Bei den Laͤmmern koͤmmt es noch beſonders auf das Alter an, in welchem ſie zur Zeit der Schur ſtehen; oft ſcheert man kaum ¼ Pf. pr. Stuͤck, zuweilen auch 1 Pf. und mehr. Man vergleiche auch das 3. Capitel, wb bereits der Durch⸗ ſchnittswollertrag der einzelnen Racen angeführt wurde. §. 478. Unter den einzelnen Viehſorten der Heerden geben in der Regel die Boͤcke und älteren Hämmel die meiſte Wolle, die ſaͤugenden Mutterſchafe am wenigſten. Wo die 14* — 212— Hämmel rauh behandelt oder gemaͤſtet werden, ſchaͤtzt man die Qualitaͤt der Wolle davon geringer, als von den Wüͤt⸗ tern und dem Junggviehe. Die nicht gemäſteten, aber gehörig gehaltenen Hämmel werfen öfters ohngefähr die Hälfte Wolle mehr ab, als die Lammſchafe.— Einzelne Thiere, namentlich Böcke, liefern mitunter ein ſehr hohes Schurgewicht; ich war z. B. gegenwärtig, daß ein Bock von der Cotswold⸗Race 16 ¼ Pf. ziemlich rein gewaſchene Wolle gab, und daß Böcke vom großen Infantado⸗Schlage 9—10 Pf. pr. Stück lieferten, wobei jedoch die Wäſche eine gute Portion Fett⸗ ſchmutz in der Wolle zurückgelaſſen hatte. §. 479. Folgende Ueberſicht weiſet einigermaßen naͤher nach, wie ſich der Werth des Wollertrags, nach den ver⸗ ſchiedenen Hauptqualitäten zuſammengeſtellt, auf den Kopf berechne, wobei die Durchſchnittspreiße der letzten Jahre zu Grund gelegt ſind und die Vorausſetzung nicht uͤberſehen werden darf, daß im Einzelnen beträchtliche Abweichungen hinſichtlich der angenommenen Preiße vorkommen müſſen, und veraͤnderte Zeit⸗ und Handelsverhältniſſe auch ein an⸗ deres Preißverhaͤltniß der einzelnen Wollqualitäten zu ein⸗ ander bedingen. „— man Müt⸗ welfen aft.— hohes on der e gab, f pr. hett⸗ naͤher ver⸗ Kopf gahre ſehen ungen üiſſen nau⸗ ein⸗ — 213— Benennung der Anzuneh⸗ Durch⸗ Wolſe nadh ihrer mendes ſchnitts⸗ pr. in. in 2 2. Bauneſbefer, Sntge denn ee Gid Senchm. Pf. fl.— kr. Hochfein. 1 ½ 240 3 36 -— 2 240 4 as — 2 ¼ 24⁴0 5 22a Fein. 2 180 3 36 — 2 ½ 180 4 30 Deßgl. geringer. 2 ½ 150 3 45 —— 3 150 4 30 Mittelfein. 2 ½ 125 3 7 ½ — 3 125 3 45 3 ½ 125 141 37 ½ Baſtard. 3 100 3 2„ — 3 ½ 100 3 30 Deßgl. groͤbere. 3 80 2 24 —— 3 ½ 80 2 415 —— 4 80 3 12 Langwollige grobe 4 70 12 48 —-— 5 70 3 30 —— 6 70 d 12 Ordinare Landw. 2 ½ 60 1 30 —— 3 60 1 48 —— 3 ½ 60 2 6 —— 4 60 2 24 —— 4 ½ 60 2 40 Die Lammwolle gilt gewöhnlich entweder denſelben Preiß, wie die Schurwolle des älteren Viehes, oder ½ weniger; die Locken gehen meiſtens um den halben Preiß der Schurwolle mit. §. 480. Was endlich den Abſatz der Wolle betrifft, ſo bieten die größeren Wollmaͤrkte dazu immer noch die ſichert — 214— Gelegenheit dar, ſobald die Entfernung derſelben für die Verhältniſſe des Producenten nicht zu beträchtlich iſt. Iſt das Letztere der Fall und fehlt es auch an Ort und Stelle am Begehr nach der Waare, ſo kann der Producent ge⸗ nöthigt ſeyn, ſein Erzeugniß an einem geeigneten Handels⸗ platze in Commiſſion zu geben, wobei jedoch ſowohl in Be⸗ zug auf die Wahl des Platzes als des Commiſſionaͤrs große Vorſicht erforderlich iſt. In der Regel iſt es für den Pro⸗ ducenten am rathſamſten, in den erſten Monaten nach der Schur zu verkaufen; nöthigen ihn aber unguͤnſtige Conjunc⸗ turen, länger damit anzuſtehen, ſo ſoll man doch nicht län⸗ ger als ein Jahr die Wolle liegen laſſen, da dieß faſt immer Schaden bringt. Beim⸗Verſenden der Wolle nach Marktorten iſt Sorgfalt nöthig, daß die Wägen mit Brettern, Tüchern ꝛc. dergeſtalt gut eingerichtet und verwahrt ſind, daß die Wolle weder durch Staub, noch durch Regen leiden kann, und daß beim Auf⸗ und Abladen ꝛc. die Bunde nicht zu ſehr zerriſſen werden; bei Verſendung in bedeutende Ent⸗ fernung iſt es ſicherer, oder ſelbſt nothwendig, die Wolle in große Säcke zu verpacken. §. a81. Beim Verkaufe der Wolle iſt für den Ver⸗ kaͤufer von großer Wichtigkeit, daß er den wahren Werth ſeines Products zu ſchaͤtzen, und die Handelsconjuncturen zu wuͤrdigen, auch in den Verkaufsbedingungen ſich gehoͤrig vor⸗ zuſehen verſteht, denn nur zu oft haben ſchon falſcher Wahn, Ueberſchaͤtzung des eigenen Products, Eitelkeit, Eigenſinn, Saumſeligkeit und dergleichen mehr beim Wollverkaufe zu großtm Schaden V7ne Viehverkauf. §. 482. Du aus den Schaͤfereien zum Verkaufe kom⸗ mende Vieh beſteht: a) in ausgeſchoſſenem Muttervieh, den ſogenannten Brackſchafen, welche entweder zur Zucht noch tauglich ſind oder nicht; bei den letzteren wird natuͤrlich nur der Fleiſchwerth bezahlt, während der Verkauf von erſteren Zunde Ent⸗ große Per⸗ Verth turen vor⸗ ahn, ſinn, e zu kom⸗ , der noch h tur ſteren — 215— edlen, im Rufe ſtehenden Schaͤfereien oft ſehr viel eintraͤgt; b) in Zuchtwiddern, ebenfalls nur bei edlen Schaͤfereien und in Gegenden, wo Boͤcke aus ſolchen ſtark begehrt ſind, von Bedeutung; c) in mageren Haͤmmeln vom Lammsalter bis zur Zeit, wo ſie herangewachſen ſind, in Localitäten, welche zur Maſtung nicht geeignet ſind, und wo man die Aufzucht ſtark betreibt; auch ein Theil des jungen Mutter⸗ viehes kömmt hier mitunter noch zum Verkaufe; d) in Maſt⸗ vieh, hauptſaͤchlich Hämmeln, welche im a. und und 5. Jahre am beſten zur Maſt kommen. Welche enormen Erlöſe der Bock⸗ und Mutterſchafverkauf re⸗ nommirten Schäfereien ſchon brachte, können Neulinge, welche dieſe Periode nicht mitmachten, aus den Mittheilungen der Zeitſchriften der Jahre von 1816—19 u. ſ. f. erſehen; wenn ſchon dieſe Zeiten vorüber ſind, in denen ein nngewöhnlich ſtarker Begehr die Preiße zu ſchwindeln⸗ der Höhe trieb, ſo werden doch edle Thiere, beſonders ausgezeich⸗ nete Widder der beſten Racen fortwährend gut bezahlt, auch wer⸗ den ſolche noch lange geſucht bleiben. Dagegen gelingt es einer ge⸗ wiſſen Claſſe von Schafzüchtern, glücklicher Weiſe, jetzt nicht mehr ſo leicht, wie früher, durch Marktſchreierei und allerlei Kunſtgriffe eine an ſich kaum mittelmäßige Waare zu unverdient hohen Preißen an den Mann zu bringen. §. a83. Der Verkauf von Zuchtvieh faͤllt in der Re⸗ gel in den Sommer und Herbſt; auch die an den Schlaͤch⸗ ter abzuſetzenden Brackſchafe werden gewoͤhnlich um dieſe Zeit abgegeben. Zu welcher Zeit man am beſten den Ab⸗ ſatz der gemäſteten Haͤmmel einrichte, hängt lediglich von den Localverhaͤltniſſen ab. Wo dieſe hauptſächlich nur fuͤr die Weidemaſtung günſtig ſind, kann man, je nach Güte der Weide und Zuſtand des zum Fetthüthen gewählten Viehes, mehreremale umſetzen, oder auch erſt gegen den Herbſt ſeine Haͤmmel fett haben. Die Stallmaſt im Winter, mittelſt Heu, Wurzelwerk, Schlempe, Koͤrner ꝛc., iſt in ſonſt da⸗ für geeigneten Verhältniſſen gewöhnlich lohnender, als der Verkauf der abzuſchaffenden Haͤmmel im Spatherbſte von — 216— der Weide zu einer Zeit, wo wegen Ueberfluß das Schlacht⸗ hammelvieh gewöhnlich ſchlecht im Preiße ſteht.— Unter günſtigen Verhältniſſen, und bei gehörigem Betriebe der Maſt, ſollen in mittelmaͤßig fleiſchigem Zuſtande befindliche Hämmel in 8— 10 Worhen bei der Stall⸗ wie Weidemaſt fett werden. Eine raſche Maſt iſt auch beim Schafviehe von Wichtigkeit; um ſolche auf der Weide zu erzielen, iſt ein im Hüthen der Maſthäm⸗ mael geſchickter Schäfer von großer Wichtigkeit; ſtärkeres Salzgeben iſt bei der Weide⸗ und Stallmaſt zu empfehlen, ſo daß man das zwei⸗ und dreifache gegen ſonſt verabreicht. Beim Verkaufe der Maſthämmel kommen die ähnlichen Regeln in Betracht, wie bei der Rindviehmaſtung(ſ.§. 287). Namentlich iſt eine richtige Schätzung des Fleiſch⸗ und Talggewichtes, dem Käufer gegenüber, von großer Wichtigkeit; man nimmt ohngefähr gleiche Verhältniſſe des Gewichts im Leben zum Schlächtergewichte, wie beim Rindviehe an, alſo im Durchſchnitt für letzteres 60 Pro⸗ cent von erſterem(§. 290). Der Werth der Wolle kömmt dann noch mit in Anſchlag, wenn ſolche, wie mitunter mit Vortheil ge⸗ ſchieht, nicht vor dem Verkaufe noch vom Eigenthümer geſchoren wird.— Von mittelgroßem deutſchem Landviehe, auch den Merinos, haben die fett gemachten Hämmel meiſtens ein Schlächtergewicht zwiſchen 40 und 60 Pfunden, einſchließlich des Nierenfettes. Ueber das Schlächtergewicht der Hämmel der verſchiedenen Racen enthält auch das 3. Capitel bereits mehrere nähere Angaben. In einigen Ländern, wie Frankreich und England, werden auch viele Lämmer gemäſtet, mittelſt ſehr reichlicher Ernährung ihrer Mütter, und indem man ihnen noch Mehltrank und dergleichen ne⸗ ben dem Genuſſe der Muttermilch giebt.— §. 484. Die Zahl des jaͤhrlich bei einer Zuchtſchäferei zum Verkaufe kommenden Viehes haͤngt von der Zuſammen⸗ ſetzung und ſpeciellen Betriebsweiſe der Schaͤferei, von der aufgebrachten Nachzucht und dem Abgange durch Sterblinge ab, welcher zunächſt durch die Nachzucht wieder erſetzt wer⸗ den muß. In letztgedachter Beziehung darf man zufrieden ſeyn, wenn man von 100 zur Paarung gethanen Mutter⸗ ſchafen im Durchſchnitt 80 geſunde Laͤmmer zur Schur lacht. Unter der diihe demaſ it; um ſthäm⸗ geeben mdas tegeln entlich dem efähr dichte, Pro⸗ dann il ge⸗ ſchoren erinos, ewicht Ueber uthält auch ihrer n ne⸗ ferei men⸗ n der blinge t wer⸗ fritden dutter⸗ Sthur — 217— bringt, und wenn man von der ganzen Heerde, die Laͤmmer von der Schur an mit in Rechnung gezogen, nicht mehr als 3— 5 Procent jährlich durch Sterblinge verliert. IV. Sonſtige Nebenertraͤge. 1 1. Milch. §. a85. Die Milch der Schafe iſt reich an Butter⸗ und Kaͤſeſtoff, und wird da, wo man die Mutterſchafe milkt, hauptſaͤchlich zu einer Art Süßmilchkaͤſe verarbeitet, welche unter der Benennung Schafkäſe ſehr beliebt iſt. §. 486. Vor der Einführung der Merinos war das Melken der Schafe in vielen Gegenden Deutſchlands allge⸗ meine Sitte. Da aber bei feinwolligen Schafen dadurch die Aufzucht der Laͤmmer und der Wollertrag zu ſehr beein⸗ trächtigt werden, ſo iſt das Melken bei ſolchem Viehe durch⸗ aus verwerflich, und mit der Verbreitung deſſelben ſehr in Abnahme gekommen. Bei reichen Weiden und grobwolligem Viehe findet man dagegen das Melken an manchen Orten fortwährend im Gebrauche; es tritt ein, nachdem man die Lämmer ſo früh wie möglich abgeſetzt hat, und dauert dann mehrere Monate. Die Schafe werden in dieſem Falle des Morgens beim einzelnen Herauslaſſen aus dem Pferche von den Schafknechten gemolken. Magyer gibt in ſeinen Pachtanſchlägen nur ohngefähr 6 Maas Milch⸗ ertrag im Ganzen vom Schafe an; nach Burger lieferte in Kärn⸗ then ein Melkſchaf vom 15. Mai bis 10. Auguſt 12 öſterreichiſche Pf. Käſe, was ohngefähr 14 Heſſ. Pf. beträgt, und wofür man doch wohl 20 Maas Milch rechnen müßte; nach andern Angaben liefert das Stück täglich wenigſtens ⁄1 Maas, große Schafe in den Nie⸗ derungen bis ½⅛ Maas. 2. Felle §. 487. Auch in den Schäfereien, welche nur maͤßigen Abgang an Sterblingen haben(§. 484), iſt der Erlos für Felle nicht ganz unbedeutend, und bei wenig ſorgfältig he⸗ — — 218— triebener Schafzucht, oder nach dem Einreißen von verhee⸗ renden Krankheiten(§. a50) iſt dieſer Erlos nur allzu be⸗ deutend. Bei einem einigermaßen betraͤchtlichen Abgange an Sterblingen vom Herbſt bis Frühling thut man wohl daran, die Fellwolle raufen und waſchen zu laſſen, und zu beſonderem Preiße mit der Schur⸗ wolle ihrer Zeit zum Verkauf e zu bringen.. V. Verwaltung einer Schaͤferei. §. a8s. Sobald eine Schaͤferei ſo beträchtlich iſt, daß ſie wenigſtens aus 3 Heerdenabtheilungen beſteht, deren jede ihren Schafer erfordert, ſetzt man gewoͤhnlich für die ſpe⸗ cielle Beaufſichtigung der Knechte und der ihnen über⸗ gebenen Heerden, uͤberhaupt des ganzen Schafereibetriebes, einen Oberſchäfer(Schafmeiſter) ein. Die Wahl dieſer Perſon iſt begreiflich ſehr wichtig, daher große Vorſicht da⸗ bei nöthig, auch ſtets zu unterſuchen iſt, ob nicht durch anderweite zweckmäßig getroffene Maaßregeln dieſelbe ent⸗ behrt werden kann. Häufig fährt man beſſer die ſpecielle Aufſicht über die Schaf⸗ knechte einem tüchtigen Verwalter, als einem eigenen Oberſchäfer zu üͤbergeben; in wicht ſehr großen Schäfereien wird man wenigſtens ſtets wohl dabei fahren, wenn der erſte Schäfer, dem die andern untergeordnet ſind, in der Regel doch auch ſeinen Trupp hüten und füttern muß. Die Heranbildung guter Schäfer muß ſtets das Streben eines tüchtigen Schafzüchters ſeyn(man ſehe u. a. das augeführte Werk von Elsner); in einigen Ländern, wo es ſehr an tüchtigen Schäfern mangelte, hat man auch, jedoch mit geringem Erfolge, eigene Schä⸗ ferſchulen errichtet. §. 489. Die Haupterforderniſſe, uelchen ein tüchtiger Schafmeiſter ſtets entſprechen ſollte, ſind? daß er das Huͤ⸗ ten und Leiten der Schafe gehörig verſtehe, daß er im Stalle und beim Weidgange Ordnung in jeder Hinſicht erhält, daß er bei der Winterfütterung namentlich eine richtige Einthei⸗ lung des Futters machen kann und das rechte Maas in deſſen —— herhee⸗ zu be⸗ adängen te raufen Schun⸗ d, daß en jede ie ſpe⸗ über riebes, dieſer cht da⸗ t ducch de ent⸗ Schaf⸗ häfer zu nigſtens andern en und eines Werk ſchäfern Schä⸗ chtiger 3s Hi⸗ Stale ilt d Einthei⸗ deſen — 249— Verwendung nach Zeit und Umſtaͤnden einhalte, daß er die bei der Lammzeit beſonders noͤthige Thätigkeit und Aufmerk⸗ ſamkeit entwickele, daß er in den gewöhnlich vorkommenden Krankheitsfaͤllen der Schafe Hülfe leiſte, daß er über das ihm übergebene Vieh, deſſen Züchtung, über Fütterung ꝛc. Regiſter führen kann, und endlich daß er redlich und treu ſei. Das Miethen der Schafknechte muß man dem Oberſchäfer nicht unabhängig überlaſſen, dagegen iſt es zwertmäsig, ihm die Knechte gegen Deputat in die Koſt zu geben. §. 490. Die Art der Ablohnung des Schäferperſonals iſt von Einfluß auf das Reſultat des Schäfereibetriebes, nicht nur hinſichtlich des directen Aufwandes, ſondern auch hin⸗ ſichtlich der in nicht unbedeutendem Grade davon abhängigen mehr oder weniger ſorgſamen Pflege und Zuͤchtung der Heerden. Man hat zu dem Ende ſehr verſchiedenartige Ein⸗ richtungen, häufig z. B. beſteht der Haupttheil des Lohns darin, daß jeder Schaͤfer eine gewiſſe Anzahl Schafe bei⸗ treiben darf, was jedoch bei edlen Schäfereien oͤfters einen zu hohen Aufwand veranlaßt, beſonders aber leicht zu Un⸗ ordnungen und Mißbräuchen führt; ein anderer in Sachſen und Preußen haͤufig vorkommender Gebrauch iſt: daß die Schäfer einen beſtimmten Antheil vom Ertrage der Schäferei erhalten; dadurch iſt das Intereſſe derſelben innig mit dem guten Gedeihen der Heerden verknüpft, nur wird leicht da⸗ mit auch der Mißſtand herbeigeführt, daß ſich die Schäfer manchen Anordnungen des Eigenthuͤmers widerſetzen. Um die bei den eben angeführten und ähnlichen Einrichtungen ſich ergebenden Uebelſtände zu vermeiden, haben Manche bei hoͤher geſteigertem Betriebe edler Schaͤfereien vorgezogen, das Schaͤferperſonale auf fixen Geldlohn nebſt Deputat, oder auch neben directer Verabreichung der Koſt, zu ſetzen, und bei ſonſt ſtrenger Aufſicht über jenes Perſonale, fährt man hierbei im Allgemeinen auch nicht ſchlecht. Man ſollte aber in dieſem Falle niemals unterlaſſen, den Schaͤfern, um ihre Liebe zu — 220— den Heerden und ihr Intereſſe am Gedeihen derſelben zu ſteigern, den Beitrieb einiger wenigen eigenen Schafe zu ge⸗ ſtatten, und ihnen außerdem noch beſondere Ausſicht zu ei⸗ niger Vermehrung ihres Einkommens zu eröffnen, falls ſie gehörig ihre Schuldigkeit thun. Bei den oben erwähnten ſogenannten Antheilſchäfereien mußte der Schäfer gewöhnlich auch einen verhältnißmäßigen Theil der Ca⸗ pitalſumme der Heerde einlegen, was jedoch neuerer Zeit größtentheils und aus einleuchtenden Gründen aufgehört hat; dagegen findet man die Ablohnung nach Quoten, namentlich vom Erlöſe aus Vieh und Wolle (z. B. den 10. oder 12. Theil) noch häufig, weil man ſich dabei vor Ver⸗ nachläſſigungen von Seiten des Schäfers am meiſten geſichert hält. Zu den angedeuteten Mitteln, die Aufmerkſamkeit und Thätig⸗ keit der Schäfer anzuſpornen, gehört namentlich die Feſtſetzung einer Tantieme von den zur Schur gebrachten Lämmern, mit Alaug eines höheren Betrags für jedes geſtorbene Lamm. §. 491. Was die Größe des Lohnbetrags an und für ſich anbelangt, ſo muß man zwar einen Dienſtboten, dem man ſo viel anvertrauen muß und von dem man auch viel zu verlangen hat, ſtets gut bezahlen; eine über Verhaͤltniß gute Ablohnung führt jedoch häufig dahin, daß man weniger folgſame und aufmerkſame Leute hat, und daß ſie, ſo wie ihr Vermögen waͤchſt, pretentioͤſer werden, daß alſo durch eine zu gute Bezahlung gerade das Gegentheil von dem er⸗ reicht wird, man man dabei bezweckte. Ein Schafknecht erhält, ohne die Koſt oder das Koſtdeputat für denſeiben zu rechnen, in einigermaßen bedentenden Schäfereien von 60 bis 100 fl. Lohn; Oberſchäfer ſtehen ſich, das Deputat mit ange⸗ ſchlagen, nicht unter 200 fl., häufig auf 300— 400 fl. ſei en zu iu ge⸗ n ei⸗ ald ſe n mußte der Ca⸗ entheils et man Wole r Ver⸗ t hält. Lhaͤtig⸗ einer eines a für , den ch vit äͤltniß eniger ſ wie durch m er⸗ fat füͤr en von ange⸗ Dritter Abſchnitt. Die Pferdezucht. Einleitung. —— §. 492. Das Pferd wird wegen ſeiner ſchönen Geſtalt, ſeiner Kraft und Ausdauer, ſeines Muthes und ſeiner Ge⸗ lehrigkeit für das edelſte, vollkommenſte unſerer Hausthiere angeſehen. §. 493. In landwirthſchaftlicher Beziehung in das Pferd als das geeignetſte Thier zum Gebrauche bei den Feld⸗ arbeiten, dem Verfahren der Producte ꝛc. zu betrachten, auch wird die Aufzucht von Pferden in vielen Verhältniſſen vom Landwirthe betrieben; im Allgemeinen nimmt jedoch das Pferd, als landwirthſchaftliches Nutzvieh betrachtet, im Vergleiche mit dem Rindvieh und dem Schafe, einen mehr untergeordneten Rang ein, da die Verhältniſſe nur ſelten dafür günſtig ſind, die Pferdezucht zum Hauptzweige unſerer Nutzviehhaltung zu erheben, die Benutzungsweiſe uͤberhaupt hier einſeitiger, als bei jenen beiden Hausthiergattungen iſt. Man vergleiche: Betriebslehre§. 367 und 370. -— 222— §. 494. Wenn nun auch die Pferdezucht in obenge⸗ dachter Beziehung minder wichtig, als mancher andere Zweig der landwirthſchaftlichen Thierzucht erſcheint, ſo gehört da⸗ gegen zu einem mit beſtem Erfolge gekrönten Betriebe derſelben ein hoher Grad von Sachkenntniß und Sorgfalt; auch erfordert ſchon die Beurtheilung und die Pflege der für die landwirthſchaftlichen Arbeiten anzuſchaffenden und zu hal⸗ tenden Pferde genaue Kenntniß der Natur und des ganzen Weſens dieſer in ſo mannigfachen Geſtalten erſcheinenden Thierart; dazu koͤmmt dann noch der Gebrauch zum Reiten und zum Chaiſenfahren, ſei es nun Behufs der Geſchäfte, oder aus Liebhaberei;— aus allen dieſen Urſachen nimmt der Unterricht in der Pferdezucht und Pferde⸗Kenntniß für den angehenden Landwirth demohngeachtet einen nicht gerin⸗ geren Rang ein, als der uͤber die beiden bereits abgehan⸗ delten Vieharten. Von beſonderer Wichtigkeit iſt ſodann die Pferdezucht in ſtaats⸗ wirthſchaftlicher Hinſicht, namentlich in Betreff des Capitalwerthes, welcher aus dem beſſeren oder ſchlechteren Betriebe derſelben für den Staat gewonnen wird oder verloren geht, und in Betreff der Deckung des Bedürfniſſes an Pferden für das Militär. §. 195. Die Pferdezucht iſt als Wiſſenſchaft der aus⸗ gebildetſte Zweig der landwirthſchaftlichen Thierzucht, da man ſich von Seiten der reicheren und größeren Grundbe⸗ ſitzer und der Gebildeten überhaupt längſt allgemeiner nach kunſtgerechten und wiſſenſchaftlich geordneten Regeln damit beſchaͤftigte, als mit den anderen Zweigen unſerer Viehzucht. Die Literatur über die Pferdezucht, im ausgedehnteren Sinne des Worts, iſt deßhalb auch ſehr umfaſſend. Von den vielen darüber handelnden Schriften kann hier nur eine kleine Zahl der empfehleuswerthen genaunt werden, und zwar: D'Alton, Naturgeſchichte des Pferdes. Weimar 1810, mit vie⸗ len Kupfern. K. G. Ammon, Landespferdezucht. Nürnberg 1829. G. G. Ammon, Handbuch der Geſtütskunde ꝛc. Königsberg 1833. ————„„ — henge⸗ Jweig att da⸗ Itriede rafalt; der für zu hal⸗ ganzen nenden Reiten ſchäftt, nimmt iß für gerin⸗ gehan⸗ ſtaats⸗ werthes, für den Deckung er aut⸗ zt, da undbe⸗ t nach damit Hzucht. Sinne nur ein dar: „ uit bdie er 1833 — 223— Dietrichs, die Pferdezucht. Leipzig 1831. Hering und Baumeiſter, Vorleſungen für Pierdeliebhaber. Stuttgart, Ebner, mit zahlreichen Kupfern. K. L. Schwab, Anleitung zur äußeren Pferdekenntniß. Mün⸗ chen 1830. Steinhoff, Katechismus über Behandlung des Pferds. Ro⸗ ſtock 1824. Das Pferd, nach dem Engliſchen bearbeitet von Hering. Stutt⸗ gart 1837. Ueber engliſche Pferdezucht handeln beſonders auch die Schrif⸗ ten von v. Burgsdorf, v. Biel, Graf v. Veltheim u. A. Von den alten Werken über die Pferdezucht iſt das von Marr Fugger„über die Geſtüterei“ vom Jahr 1578 wohl unſtrei⸗ tig das intereſſanteſte; ſodann verdienen unter den älteren Schriften die von Juſtinus und Hartmann beſonderer Erwähnung. §. 496. Eintheilung dieſes Abſchnittes: 1) Von der Natur des Pferdes. 2) Von den Racen. 3) Von der Paarung und Aufzucht. 4) Von der Pflege. 5) Von der Benutzung der Pferde. Erſtes Capite l. Von der Natur des Pferdes. §. 497. Das Pferd gehört unter den Säugethieren zu der Ordnung der Dickhäuter(pachydermata), und bildet unter dieſen die Familie Einhufer(solidungula). Die Gat⸗ tung: Pferd, equus, zerfaͤllt wieder in mehrere Arten, wie: Zebra, equus zebra, Eſel, equus asinus u. ſ. w. Eine dieſer Arten iſt nun auch das gemeine Pferd, equus caballus, von dem es ſich hier weiter ausſchließlich handelt. — 224— 5 498. Das urſpruͤngliche Vaterland des Pferdes iſt nicht beſtimmt anzugeben. Es wurde hoͤchſt wahrſcheinlich ſpaͤter, als das Rind, das Schaf und ſfelbſt der Eſel von den Menſchen gezähmt. Wie frühe das Pferd ſchon benutzt ward, kann einigermaßen aus der Bibel nachgewieſen werden; Moſes erzählt nämlich, daß zu Jo⸗ ſephs Zeiten(1650 Jahre vor Chriſti Geburt) die Egyptier nicht nur Pferde, ſondern ſchon Wagen und Reiſige gehabt haben(1 Buch Moſis 50, 9). Früher iſt keine Rede von Pferden, wohi aber von Rindern, Schafen, Ziegen. In dem vorhin angedeuteten Werke„das Pferd, aus dem Eng⸗ liſchen“ iſt auch verſucht, darzuthun, daß Arabien, welches man ge⸗ wöhnlich bisher dafür annahm, nicht das eigentliche Heimathland des gezähmten Pferdes ſey, indem es die Egyptier mehr als 6 Jahrhun⸗ derte früher, als die Araber beſeſſen, und dieſe erſt ſpäter von jenen Pferde als Geſchenke an Fürſten erhalten hätten. §. 499. Das Pferd hat im Ober⸗ wie im Unterkiefer 6 Schneidezaͤhne, ſodann 24 Backen⸗ und zwiſchen dieſen und jenen 4 Hackenzaͤhne, welch' letzteren jedoch den weiblichen Thieren in der Regel fehlen. Die Schneidezähne brechen im erſten halben Jahre des Lebens nach und nach hervor, die Hälfte der Backenzähne bringt das junge Thier mit zur Welt, die andere Hälfte erſcheint nach und nach bis zum Ende des vierten Jahres. Mit 2 ½ Jahren werden die vier vorder⸗ ſten Schneidemilchzaͤhne(die Zangen) gewechſelt, mit 3½ Jahren die Mittelzähne, und mit 4%½ Jahren die Eckſchnei⸗ dezähne. Während dieſer Zeit wechſeln auch nach und nach die 12 Milchbackenzaͤhne. Die Hackenzaͤhne kommen bei den maͤnnlichen Thieren erſt zu Ende des vierten oder im fuͤnf⸗ ten Jahre zum Vorſchein. §. 500. Die Milchſchneidezaͤhne, welche kleiner, mehr ſchmutzigweiß und nicht mit Furchen verſehen ſind, wie die beim Zahnwechſel an ihre Stelle tretenden, ſind von dieſen leicht zu unterſcheiden„ und deßhalb beurtheilt man das Alter der Pferde in den erſten 5 Jahren mit ziemlicher ———— des iſt weinlich ſel von aßen aus zu Io ter uicht (1 Buch ber von m Eng⸗ nan ge⸗ and des ahrhun⸗ njenen erkiefer ſen und iblichen brechen hexvor, nit zur nEnde vorder⸗ it 3 ½ ſchnei⸗ d nach bei den füͤnf⸗ e, wehr wie d on dieſen man das jemlicher — 225— Sicherheit nach den Zähnen. Ferner wird das Alter nach den ſogenannten Kunden in den gewechſelten Schneidezaͤhnen (eine Vertiefung mit ſchwarzem Rande verſehen, mitten im Zahne), dem Abreiben der Zaͤhne und dem allmaͤhligen Ver⸗ ſchwinden der Kunden, ſo wie nach der zunehmenden Laͤnge und eintretenden Veränderung in der Geſtaltung derſelben beurtheilt. Je hoͤher jedoch das Pferd im Alter vorruͤckt, und je weniger man ſeine fruͤhere Lebensgeſchichte kennt, um ſo weniger zuverlaͤſſig iſt der Schluß, welchen man aus der Betrachtung der Zähne ziehen kann. Mit Ende der 6. Jahres hören z. B. die Zangen auf zu mar⸗ kiren(die Kunden verlieren ſich), mit dem 7. Jahre tritt dieß bei den Mittel⸗, und mit dem 8. Jahre bei den Eckzähnen des unteren Kiefers ein. Die anfänglich ovale Form der Reibefläche der Schnei⸗ dezähne geht gegen das 12. Jahr in eine rundliche über, gegen das 18. Jahr in eine mehr dreieckige u. ſ. w. Die Ernährungsweiſe, gewiſſe Gewohnheiten oder Untugenden mancher Pferde, namentlich das Koppen, und andere Umſtände ſind auf eine mehr oder minder ſtarke Abreibung der Zähne von beſonderem Einfluſſe; eben deßhalb läßt ſich in höheren Jahren nur ohngefähr urtheilen. Ausführliches über die allerdings ſehr wichtige Zahnlehre des Pferdes findet man in den meiſten der angeführten Werke; ſehr unterrichtend iſt auch: Erdely's Darſtellung des Zahnalters des Pferdes, Rindes ꝛc. Wien 1820. §. 501. Der Magen des Pferdes iſt ungetheilt und im Vergleiche zur Groͤße des Thierkörpers klein zu nennen; dagegen verdauet er ſehr ſchnell. Die Lage des Magens iſt ſo, daß nach ſtarker Anfuͤllung Leber und Zwerchfell leicht beſchwert werden. Auch iſt ſeine Einrichtung und die des Schlundes ſo, daß ſich das Pferd nicht erbrechen kanh⸗ wie z. B. das Schwein, der Hund. Aus dieſen Andeutungen folgt, daß das Pferd, um kräftig ge⸗ nährt zu ſeyn, ein mehr concentrirtes Futter bedarf, daß es nach der Anfüllung des Magens nicht ſtark angeſtrengt werden darf, und daß Blähungen und ähnliche Uebel in Folge von genoſſenen unzuträglichen Futterſtoffen leicht gefährlich werden können. Pabſt Landwirthſchaft, II. 1. 15 — 226— §. 502. Die Natur des Pferdes ſpricht ein warmes Elima, einen ebenen, trockenen, doch nicht dürren und ar⸗ men Boden mit kräftigem aber nicht zu fettem Graswuchſe, geſundem Waſſer und Schatten an. Vermöge ſeiner kraͤf⸗ tigen Conſtitution kann es aber an jedes Clima gewoͤhnt werden, in welchem Menſchen leben; die climatiſchen Ein⸗ flüſſe üben jedoch weſentliche Veränderungen auf ſeine Ge⸗ ſtalt und ſein körperliches Verhalten in vieler Hinſicht aus. §. 503. In Folge ſeiner kräftigen Conſtitution wider⸗ ſteht das Pferd auch, bei ſonſt naturgemäßer Behandlung, mehr als das Rind, den Einflüſſen des Witterungswechſels in Bezug auf Hitze, Kaͤlte, Naͤſſe ꝛc. §. 504. Das Pferd beſitzt große Körperkraft und Aus⸗ dauer bei deren Anſtrengung; es iſt zwar ein ſehr lebhaftes und muthiges Thier, beſitzt aber zugleich viele Klugheit und Gelehrigkeit; deßhalb kann es auf ſo verſchiedene Weiſe ab⸗ gerichtet werden, wenn nur vernunft⸗ und naturgemaͤß da⸗ bei zu Werke gegangen wird. §. 505. Erſt mit dem fünften Jahre, und bei edlen Racen noch ein Jahr ſpäter, iſt im Durchſchnitt das Wachsthum des jungen Pferdes beendigt. Die Lebensdauer des Pferdes iſt ſehr abhängig von ſeiner Abſtammung und der ihm zu Theil ge⸗ wordenen Behandlung. Edle, in der Jugend geſchonte Pferde ſind viel länger brauchbar und erreichen ein weit hoͤheres Alter, als ſolche von ſchlechter Abkunft, zumal wenn ſie in der Jugend zu fruͤhe in Gebrauch genommen wurden. Zwanzig Jahre iſt für gemeine Pferde ſchon ein hohes Al⸗ ter und ihre Brauchbarkeit iſt meiſtens fruͤher zu Ende; edle, gut behandelte Pferde bleiben haͤufig bis zum 20. Jahre und läͤnger kräftig, und erreichen ein Alter von 30 und mehr Jahren. Man hat Beiſpiele von Pferden, welche 40 Jahre alt wurden. §. 506. Der Geſchlechtstrieb iſt im Alter von 3 Jah⸗ ren vollkommen ausgebildet; er zeigt ſich als Regel haupt⸗ — -—— tmes ar⸗ iſe b⸗ wwühnt Ein⸗ ſe Ge⸗ aus. vider⸗ lung, chſels Aut⸗ haftes it und iſe ab⸗ iß d⸗ Nacen im des ſt ſehr il ge⸗ honte weit wenn arden. 8 Al⸗ Ende; n A. don 30 wurden. 3Jlp⸗ haupt⸗ — 227— ſächlich im Frühjahre. Das Mutterpferd geht volle 11 Mo⸗ nate, durchſchnittlich 335 bis 345 Tage, traͤchtig. Es gibt jedoch Beiſpiele, daß die Traͤchtigkeit ein volles Jahr und daruͤber dauerte. 1 Dietrichs ſpricht ſogar von einem Falle, wo ein Mutterpferd 14 Monate trächtig gieng.— Gewöhnlich nimmt man an, daß die Trächtigkeit mit Hengſtfohlen länger dauere, als mit Stutenfohlen. §. 507. Das trächtige Mutterpferd bringt in der Re⸗ gel nur ein Junges zur Welt. Zwillinge ſind bei den Pfer⸗ den viel ſeltener als bei dem Rindvieh. §. 508. Das maännliche Pferd heißt Hengſt, Be⸗ ſchaͤler; das weibliche Stute, Mutterpferd; die caſtrirten maͤnnlichen Pferde werden Wallache genannt; das junge Pferd bis zu Ende des 3. Jahres nennt man Fohlen, Fuͤllen(Hengſt⸗, Stutenfohlen). §. 509. Zur ſpeciellen Kenntniß des Pferdes dient insbeſondere die ſehr ausgebildete Lehre vom Exterieure. Man rechnet dahin: die Eintheilung in Vorhand, Rumpf und Nachhand; die Benennung der Gliedmaßen, Körper⸗ ſtellen und Kenntniß ihres Zwecks, ſo wie ihres normalen und abnorm geſtalteten Baues, namentlich auch der aͤußer⸗ lich vorkommenden, zahlreichen ſogenannten Mängel, welche theils erblich, theils nicht erblich ſind; ferner die Beurtheilung und Benennung der verſchiedenen Haarfar⸗ hen(Stamm⸗ und gemiſchte Haare), ſo wie der Ab⸗ zeichen; endlich die Kenntniß der Gangarten. Als Haupt⸗ oder Stammfarben kommen am häufigſten vor: braun, ſchwarz, roth. Gemiſchte Farben haben die verſchiedenen Arten Schimmel. Ausführliches über das Exterieure enthalten die meiſten der genannten Schriften, namentlich empfiehlt ſich das Werk von Hering und Banmeiſter(ſ.§. 495,) zur Belehrung über dieſen Gegenſtand. 15* — — 228— Zweites Capitel. Von den Racen der Pferde. §. 510. Die meiſten der im gewoͤhnlichen Leben uns vorkommenden Pferde ſind entweder Baſtarde, oder können doch nur zu einem gewiſſen Schlage, aber niicht zu einer feſten Race gezaͤhlt werden. §. 511. Die eigentlichen Pferde⸗Racen und damit ver⸗ wandten Schläge laſſen ſich unter folgende Hauptabtheilungen bringen: 1) edle orientaliſche Racen; 2) europaͤiſche von orientaliſchen theilweiſe abſtammende Racen; 3) europäiſche mit der orientaliſchen Haupt⸗Race nicht verwandte Racen; 4) ſonſtige außereuropaiſche Racen. Man theilt die Pferde⸗Racen gewöhnlich ein in die, welche zum Reitſchlage, zum ſchweren Fahrſchlage und zum zwiſchen dieſen bei⸗ den ſtehenden Mittelſchlage(gewöhnlichen Wagenſchlage) gehören; die oben gewählte Eintheilung dünkt uns aber practiſcher, denn die erſte Frage bei Beurtheilung einer Pferderace iſt doch ſtets: ob ſie viel, wenig oder gar kein Blut vom edlen orientaliſchen Pferde beſitzt. I. Edle runkatrſg Racen. §. 512. Da es in Arabien, Syrien, Perſien ꝛc. auch Pferde gemeinen Schlages gibt, ſo können nur diejenigen Racen hier gemeint ſeyn, die in der Hauptſache dem allge⸗ meinen Begriffe von dem Weſen des edlen orientaliſchen Pſerdes entſprechen. Die Hauptracczeichen deſſelben ſind nemlich: mittlere Groͤße und darunter, meiſtens zwiſchen 13 und 14 ½ Fauſt Höͤhe, feinknochiger, in der Regel pro⸗ portionirter, ſchöner Koͤrperbau, ſtarke, trockne Sehnen, feine Haut, ſehr ſichtbar hervortretende Adern auf den nicht fleiſchigen Gliedmaßen; ſchöner magerer Kopf mit platter Stirne, weit geöffneten Naſenloͤchern, feurigem Auge, et⸗ en und können feſten t ver⸗ zungen ſe von päiſche acen; che zum ſen bei⸗ ehören; enn die oh ſie Pferde auch enigen allge⸗ iſchen ſind hen 13 A pro⸗ Sehnen, en rict glatter h, tt⸗ — 229— was dicken Ganaſchen; mehr dünner, als dicker Hals, hoher Widerriſt, ſchön geformter Rücken mit guter Kruppe; hoch angeſetzter, im Laufen aufgerichteter Schweif, vortreffliche Hufe, gut geſtellte, haͤufig etwas lange Feſſelgelenke. Die Farben ſind verſchieden, haͤufig ſind Braune und Schimmel. Die orientaliſchen Racen bilden ſich langſam aus, haben aber, ſobald ſie in der Jugend gut behandelt und geſchont wurden, eine große Dauer. Ihr Temperament iſt feurig und lebhaft. Da es eine ziemlich große Zahl von Unterracen der edlen, orien⸗ taliſchen Haupt⸗Race gibt, welche in vielen Einzelheiten wieder mehr oder weniger von einander abweichen, ſo verſteht es ſich von ſelbſt, daß die hier angeführten Hauptracezeichen nicht bei allen Individuen in gleichem Grade gefunden werden können, und daß ſelbſt Abweichun⸗ gen davon in einzelnen Stücken öfters vorkommen.. In Bezug auf das Maas für die Größe der Pferde dient zur Notiz, daß man ſolche vom Boden bis auf den Widerriſt mißt, und als Maasſtab gewöhnlich die Fauſt gilt, wovon drei einen engliſchen Fuß ausmachen. Die Länge mißt man vom vorderen Schulterkno⸗ chen bis aus Ende des Hinterſchenkels. Sie iſt bei proportionirt gebauten Pferden meiſtens einige Zoll mehr als die Höhe. §. 513. Die berühmteſte und bekannteſte der orienta⸗ liſchen Racen iſt die arabiſche. Die vollkommeneren Thiere derſelben entſprechen insbeſondere den im vorigen Paragra⸗ phen angeführten Formen und Eigenſchaften; ausgezeichnet iſt am arabiſchen Pferde beſonders die Schönheit des Kopfs, der Schulterbildung und des Kreutzes; tadelnswerth bleiben bei vielen Individuen dieſer Race: allzufein gebaute Beine, bei den Hinterbeinen zuweilen etwas von der ſogenannten kuhheſſigen Stellung; dann die ſtarken Ganaſchen; auch verkehrter Hals kömmt mitunter vor. Die gewoͤhnliche Groͤße der Araber iſt 14 Fauſt, oft noch etwas weniger. Die Araber theilen ihre edle Race wieder in eine Menge Stämme, welchen ſie beſondere Namen beilegen, und worüber ſie, angeblich, Geſchlechtsregiſter führen. Mehrere dieſer Stämme werden von den 4 — 230— edelſten Stuten abgeleitet, welche Mahomed beſeſſen haben ſoll. Daß man über den Urſprung der arabiſchen Pferde verſchiedener Meinung iſt, wurde ſchon§. 498 angeführt. Gewiß iſt, daß in ſpäteren Zeiten arabiſche Pferde zur Veredelung anderer orientaliſchen Racen häuftg gebraucht wurden und noch gebraucht werden. §. 5143. Die perſiſche Race iſt mit der arabiſchen nahe verwandt; die meiſten Thiere davon haben gewöhnlich einen leichteren Kopf, weniger breite Bruſt, längeres, et⸗ was ſpitzeres Kreutz. An ſie reihen ſich die türkiſchen, cau⸗ caſiſchen edleren Pferde, die Turkomanen u. m. a. Die edleren türkiſchen Pferde ſtammen insbeſondere aus Kreu⸗ tzungen von Arabern, Perſern und andern vrientaliſchen Pferden. §. 515. Die ſyriſchen Pferde ſollen ſo vorzuͤglich als die arabiſchen, und noch kräftiger, ausdauernder ſeyn; auch die berbiſchen und egyptiſchen ſtehen in großem Rufe; namentlich ſollen ſich in der Barbarei faſt noch ſchoͤ⸗ nere Pferde, als in Arabien finden, jedoch hält man jene nicht für ſo feurig und ausdauernd, als die Araber. Die nubiſchen Pferde werden zwar von einigen Reiſenden ſehr geruͤhmt, mehrere nach Deutſchland(namentlich in die be⸗ rühmten Geſtüte S. M. des Königs von Würtemberg) aus Nubien von der ſogenannten Dongola⸗Race gekommene Exemplare weichen aber in ihrem Bau von den uͤbrigen orientaliſchen edlen Racen außerordentlich ab. Sie haben einen ſchweren Kopf mit Ramsnaſe, ſehr duͤnnen, hoch auf⸗ geſetzten Hals, abſchüſſiges Kreutz mit tief angeſetztem Schweife, ſehr hohe Beine(die Hoͤhe iſt 16 Fauſt, die Laͤnge aber geringer, als die Hoͤhe); gewöhnlich ſind ſie ſchwarz mit ſtarken weißen Abzeichen. II. Europäiſche Racen mit eingemiſchtem orien⸗ taliſchem Blute. §. 516. Die hierher zu zählenden Racen, ührer Ent⸗ ſtehung nach Mittelracen(ſ.§. 32), ſind die ausgezeich⸗ ſoll. edener daß in allſcen biſchen ühnlich 8, et⸗ cau⸗ Die Kreu⸗ liſchen äglich ſeyn; roßem ſchi⸗ in jene . Die en ſehr ſe be⸗ ) aus umene brigen haben hauf⸗ ſettem , die nd ſie drien⸗ r Ent⸗ gelih⸗ — 231— netſten unter den Pferderacen Europa's. Da ſie unter ſich zu verſchieden ſind, ſo können wir nur als allgemeines Kenn⸗ zeichen anführen, daß man das eingemiſchte orientaliſche Blut an ihnen leicht muß erkennen koͤnnen; ſodann bringen wir ſie in folgende einzelne Abtheilungen. 1) Das engliſche Vollblutpferd. §. 517. Es iſt zwar nicht erwieſen, daß die berühmte engliſche Kennpferd⸗Race, das Vollblutpferd, rein von orientaliſchem Blute abſtamme; dieſe Race iſt aber, falls auch urſprünglich von mütterlicher Seite zum Theil nicht orientaliſches Blut eingemiſcht ward, jeden Falls durch die viele Generationen hindurch fortgeſetzte Paarung des rein orientaliſchen Blutes mit den Abkömmlingen der Kreu⸗ tzung ſo conſtant(vollblütig) geworden, daß es nunmehr gleichgültig iſt, ob nachgewieſen werden kann, oder nicht, daß auch von muͤtterlicher Seite urſprünglich keine Einmi⸗ ſchung unedlen Blutes ſtattgehabt hat. Es unterſcheidet ſich übrigens die jetzige Rennpferd⸗Race in weſentlichen Stücken von den edelſten Racen des Orients, wozu die climatiſchen Einflüſſe mitgewirkt haben, hauptſächlich aber das Verfah⸗ ren bei der Auswahl der Zuchtthiere, und der Erziehung und Benutzung vieler auf einander gefolgten Generationen die urſache geweſen ſind.— Das engliſche Vollblutpferd iſt bedeutend groͤßer und ſtaͤrker gebaut, als das original⸗orien⸗ taliſche, gewöhnlich 15 bis 16 Fauſt hoch, hat einen ſchoͤ⸗ nen, dem ächten Araber aͤhnelnden Kopf, dünnen, häufig etwas unbeugſamen Hals, lange, ſchraͤg liegende, oͤfters eingezwängte Schultern, breites, gut geſtelltes Hintertheil, ziemlich hohe Beine(beſonders vom Knie aufwärts), mit verhältnißmäßig duͤnnen Schienbeinen, langen Feſſeln. Die Pferde dieſer Race beſitzen große Schnelligkeit zum Rennen, große Kraft im Ueberſetzen; haben aber, hauptſächlich in Folge zu frühen Gebrauches zum Rennen, haͤufig ſogenannte —- 232— Knochenfehler, Haſenhacke, Gallen und dergleichen mehr. In der Führung ſind ſie ſelten angenehm und eben ſo hart in der Gangart für den Reiter; zum taͤglichen Gebrauche laſſen ſie überhaupt viel zu wuͤnſchen uͤbrig. 3 Schon im 12. Jahrhundert ſoll der erſte arabiſche Hengſt nach England gekommen und mit dem bis dahin einheimiſchen, ziemlich ſtarken, kräftigen Pferdeſchlage zu kreutzen verſucht worden ſeyn; im 13. und 14. Jahrhundert wurden dagegen wieder mehrmals lom⸗ bardiſche und ſpaniſche, auch flandriſche Pferde eingeführt, und die Spur von jenem erſten Araber gieng wohl ſo ziemlich wieder unter; im 17. Jahrhundert aber wurden häufig Pferde, beſonders Hengſte, aus der Barbarei und Türkei nach England gebracht und zur Zucht verwendet; beſonders aber begründete unter der Regierung der Kö⸗ nigin Anna(zu Anfang des vorigen Jahrhunderts) der in Aleppo gekaufte Araber Darley's die hochedle Pferdezucht Englands, wel⸗ cher die Regenten, die großen Grundbeſitzer, wie ihre Pächter, immer mehr Aufmerkſamkeit widmeten. Die Veredlung ward ſyſtematiſch fortgeſetzt, die Wettrennen wurden immer mehr National⸗Leidenſchaft, und die im Rennen ausgezeichnetſten Thiere wurden die berühmten Stammväter einer berühmten, durch Stammbäume nachgewieſenen Nachkommenſchaft. §. 518. Um fuͤr die verſchiedenen Zwecke des Gebrauchs moͤglichſt geeignete Pferde zu erhalten, haben die engliſchen Pferdezüchter das practiſche Verfahren eingeſchlagen, die Kreu⸗ tzung von Stuten verſchiedener älteren einheimiſchen Racen oder Schlaͤge mit zweckmäßig ausgewählten Vollblutsheng⸗ ſten nur eine oder einige Generationen fortzuſetzen, oder auch tuͤchtige Halbbluthengſte mit mehr oder weniger ver⸗ edelten Stuten zu paaren, und ſo finden ſich jetzt mancher⸗ lei verſchieden geformte Schlaͤge, welche ½¼, ½,%¾ oder ⅞ Blut haben, die anerkannteſten darunter ſind: a) das Jagdpferd; es ſteht dem Vollblutpferde am naͤchſten, hat meiſtens ¼ bis ¼ Blut, muß mehr zur Ausdauer und zum Gebrauche auf verſchiedenartigem Terrain geeignet ſeyn, daher ſeine Bruſt breiter, die Vorhand etwas hoͤher, die Beine ſtärker, die Feſſeln nicht ſo lange, als beim Renner; . In att in daſſen noſt mch ziemlich en ſeyn; als lom: und die unter; Hengſte ar Zucht der Kö⸗ Aleppo 3, wel⸗ immer watiſch enſchaft, rühmten vieſenen rauchs lſchen Kreu⸗ Racen heng⸗ Oder *ver⸗ ncher⸗ ddet i) das ichſten, ner und et ſeyr, kr, die ſenger; — 233— auch muß es leichter in der Hand ſeyn; die Groöße iſt 15 bis 16 Fauſt.— b) Das Kutſchenpferd iſt, in ſeiner Vollkommenheit, ein längeres, ſtärkeres, groͤßeres Jagd⸗ pferd(17 bis 18 Fauſt), im Durchſchnitt Halbblut; man findet dieſe vortrefflichen Kutſchenpferde in Yorkſhire, Dur⸗ ham ꝛc.— c) Das gemeine Reitpferd hat Halbblut oder weniger, iſt ohngefähr 15 Fauſt hoch, von gedrunge⸗ nerem Baue, mit kürzeren Feſſeln ꝛc. Ein ſchwererer Schlag davon, meiſtens mit weniger eingemiſchtem edlem Blute, wird haͤufig zum Ackerbau verwendet, daher auch das Acker⸗ pferd genannt.— Die in England bei den edleren Pferden vorherrſchende Farbe iſt die braune. Die Pferde für die Cavallerie ſind in England theils vom Schlage der Jagdpferde, theils ein Mittelding zwiſchen dieſen und und dem gewöhnlichen Reit⸗ und Wagenpferd. Daß außerdem in England noch mehrere Racen erxiſtiren, in welche kein orientaliſches Blut eingemiſcht iſt, weiſen die§§. 524. und 529 nach. 2) Die Meklenburger Race. §. 519. Unter den gegenwärtig exiſtirenden edleren Pferderacen Deutſchlands ſteht die jetzige Meklenburger Race oben an. Sie iſt gebildet aus der Kreutzung von der alt⸗ meklenburger Race, welche von gutem aber wenig edlem Baue mit kurzem Halſe ꝛc. war, mit engliſchen Hengſten; auch engliſche Stuten ſind häufig eingeführt, hier und da iſt auch orientaliſches Originalblut eingemiſcht worden. Es iſt ſonach begreiflich, daß Meklenburg auch noch keine ganz conſtante Race beſitzt; indeſſen hat ſie im Durchſchnitt vielen Adel und liefert ſchoͤne, gute und ausdauernde Reit⸗ und leichtere Kutſchenpferde. 3) Uebrige Pferdezucht in Deutſchland von mehr oder weniger edler Abkunft. §. 520. Außer Meklenburg können wir keinem deut⸗ ſchen Lande eine eigene Race von theilweiſe orientaliſcher Abkunft zugeſtehen, da ſich in keinem Landſtriche die edle Pferdezucht ſo conſtant und verbreitet findet, daß ſie als beſondere Race aufgeführt werden duͤrfte. Dagegen ſind in vielen deutſchen Ländern ausgezeichnete Geſtuͤte, welche orientaliſches Blut züchten, die ſich theilweiſe durch eigen⸗ thuͤmliche Staͤmme, oder Racen im engeren Sinne genom⸗ men, auszeichnen, und auf die Veredlung der Landpferde mehr oder weniger gewirkt, auch die Bildung eigener Schläge in verſchiedenen Gegenden veranlaßt haben. In dieſer Be⸗ ziehung ſind beſonders hervorzuheben: die Geſtüte Sr. M. des Königs von Würtemberg, hauptſächlich orientaliſcher, theilweiſe auch engliſcher Abkunft; die k. preu⸗ ßiſchen Geſtuͤte, namentlich Trakehnen und Neu⸗ ſtadt an der Doſſa, orientaliſch⸗engliſch; das Senner⸗ geſtuͤte im Lippe'ſchen, mit das aͤlteſte Geſtuͤte aus edlem orientaliſchem Blute in Deutſchland, deſſen Pferde als beſondere Unterrace aufgefuͤhrt zu werden verdienen; mehrere Geſtuͤte in Oeſtreich und Boͤhmen(namentlich die Hof⸗ und Militar⸗Geſtüte); die hannöveriſchen Ge⸗ ſtuͤte von engliſcher Zucht; das herz. braunſchweigiſche zu Harzburg u. a. 4) Spaniiſche Racen. §. 521. Durch die Invaſion der Mauren ſind ohne allen Zweifel die berbiſchen Pferde nach Spanien verpflanzt worden und von ihnen ſtammen die jetzt noch berühmten, aber dem früheren Rufe laͤngſt nicht mehr entſprechenden Andaluſier. Man rühmt an ihnen die bedeutende Staͤrke, die edle Haltung, den erhabenen Gang und die glaͤnzend ſchwarze Farbe. Vermuthlich war auch in der früher berühmten, neuerer Zeit aber ganz heruntergekommenen neapolitaniſchen Race wenigſten 8 mittelbar orientaliſches Blut eingemiſcht, denn ſie ſoll der edlen ſpaniſchen Race ähnlich geweſen ſeyn. taliſcher di edle ſ ſt als i ſind in „ weͤlche rch eiger e genon⸗ indpfere Schlägt eſer Be⸗ te Sr. tſächlch k. preu⸗ d Neu⸗ Senner⸗ ſtuͤte aut n Pferde erdienen, amentlich hen Ge⸗ ggiſche nd ohne erpflanzt ühmten, echenden Srarke, glaͤnzem euertt Zet ewenigſtes lder eͤlen — 235— 5) Edle Race in Frankreich. §. 522. Die am meiſten orientaliſches Blut in ſich tragenden und zugleich als beſondere Race anzunehmenden Pferde in Frankreich ſind die von Limouſin. Sie haben entſchieden orientaliſche Formen und ſind von kleinem, fein gebautem Schlage; ihre Farbe iſt gewoͤhnlich braun. Die Normänniſche Race kann noch nicht beſtimmt hierher gezählt werden, da erſt neuerer Zeit und nur theilweiſe engliſches Blut dabei einzumiſchen verſucht worden ſeyn ſoll(ſ.§. 527). 6) Andere hierher noch gehoͤrige Racen, Staͤmme oder Schläge in Europa. §. 523. In Rußland, Polen, Ungarn exiſtiren viele Geſtüte, in denen orientaliſches Blut gezüchtet wird, eigenthümliche Stämme gebildet ſind, und von wo aus auf Veredelung der Land⸗Race gewirkt worden iſt; in Rußland und Polen, abgeſehen von den aſiatiſchen Provinzen jenes Reiches, enthalten namentlich die Pferde vieler Landſerihe mehr oder weniger orientaliſches Blut. III. Europaͤiſche mit der orientaliſchen Haupt⸗ race nicht verwandte Racen. ¹1) Das niederländiſche und engliſche ſchwere Zugpferd. §. 52¹4. Flandern, Holland, Friesland beſitzen, ohne Zweifel hauptſaͤchlich in Folge der climatiſchen und oͤrtlichen Lage und der davon abhängigen Behandlungs⸗ und Ernaͤh⸗ rungsweiſe der Pferde,— ſeit langer Zeit die auch unter der Benennung des Frachtfuhrpferdes(Karrenpferdes) bekannte Pferderace, welche ſich durch ihre Groͤße(gewoͤhnlich 18 Fauſt), den plumpen ſchwerfaͤlligen Bau mit dickem Kopf, kurzem, ſtarkem Hals, voller Bruſt, breitem, häufig eingeſenktem Ruͤcken, breitem, geſpaltenem Kreutze mit tief angeſetztem Schweife, — 236— dicken Schenkeln, fleiſchigen Muskeln, plattem Hufe ꝛc., durch ihre Stärke bei langſamer Bewegung und ruhigem Temperamente, ſo ſehr vor allen andern auszeichnet. §. 525. Von dieſer Hauptrace, welche in ihrem gan⸗ zen Weſen der orientaliſchen entgegenzuſetzen iſt, enthal⸗ ten die meiſten gegenwaͤrtig in Deutſchland, Frankreich ꝛc. exiſtirenden ganz ſchweren Racen und Schlaͤge mehr oder weniger Blut. Beſonders gilt dieß auch von dem berühm⸗ ten ſchwarzen Karrenpferde Englands, das in ſeinen Formen mit dem niederländiſchen in der Haupt⸗ ſache übereinſtimmt, von dem es jedoch wieder verſchiedene Uebergänge zu einem mittelſchweren, ſchöner geformten, beſonders fuͤr das gewoͤhnliche Frachtfuhrweſen, für landwirth⸗ ſchaftliche Arbeiten, das Militär ꝛe. dienenden gibt. Die engliſchen Pferdeſchläge, welche hier als ſich anreihend ge⸗ meint ſind, enthalten dann gemeiniglich auch ſchon etwas edles Blut, wie der Suffolk⸗ und Clydesdale⸗Schlag u. a. An dieſe rei⸗ hen ſich dann das gewöhnliche Reit⸗ und Fahrpferd, das Kutſchen⸗ pferd ꝛc. ſ.§. 518. In Frankreich iſt die niederländiſche Race, beſonders im nörd⸗ lichen Theile, mehr oder weniger verbreitet oder mit andern Schlä⸗ gen und Baſtarden vermiſcht. Von dentſchen Schlägen trägt beſon⸗ ders der von Salzburg die angeführten Hauptracezeichen. An dieſen reiht ſich der ſteyeriſche etwas leichtere Schlag.— Im Schwei⸗ tzer⸗Canton Waadt eriſtirt ein, dem niederländiſchen ebenfalls ähn⸗ licher Schlag. 2) Holſteiner und däniſche Pferde. §. 526. Holſtein erzieht einen eigenthümlichen Schlag Pferde, der meiſtens als beſondere Race aufgefuͤhrt wird. Sie wachſen ſchnell heran, imponiren durch ihre Größe und den in der Jugend vollen mit Fleiſch gedeckten Koͤrper; ſie haben auch Feuer, ſind aber weichlich, von nicht feſtem Knochenbau und nehmen im Alter von 9— 10 Jahren ge⸗ wöhnlich ſchon ſtark ab. Sie haben häufig ſogenannten zuft ze. thigem . zrew gan⸗ , eithel- nkreich r nehr ohe berühn⸗ „das ij t Haupt⸗ erſchiden geformten, landvitth⸗ tt dreihend ge⸗ zedles But⸗ n dieſe ri⸗ as Kutſchen ers in litd⸗ nder Scli⸗ trägt beſt u. Andiſſn In Schuei⸗ henjalle ähl⸗ de. zen Schlag ührt win. Gräße und äörver; ſe ſicht fitem Jabtin ge⸗ ggenannten — 237— Ramskopf und meiſtens zu platte Hufe. Daͤnemark beſitzt in mehreren Diſtricten einen ſehr ſchätzbaren mittel⸗ ſchweren Wagen⸗Schlag, wenn ſchon die Formen, nament⸗ lich der Kopf, der daͤniſchen Pferde nicht immer ſehr in die in die Augen fallen. Als ſehr dauerhaft ſind beſonders die ſogenannten Waſſerdäͤuen bekannt. Dieſe, ſo wie auch Pferde aus Jütland, Schleßwig, Han⸗ nover ꝛc. werden durch die norddeutſchen Pferdehändler ſehr ſtark nach dem ſüdlicheren Deutſchland gebracht und ſind hier unter der Benennung„Landpferde“ bekannt. Die Holſteiner trifft man am häufigſten vor den Caroſſen der Großſtädter. 3) Die normaͤnniſche Race. §. 527. Dieſe iſt oder war wenigſtens die vorzüglichſte Pferderace Frankreichs. Sie iſt groß, ſtark und dauerhaft und liefert ſehr brauchbare Thiere fuͤr das ſchwere Fuhr⸗ weſen, den Ackerbau, den Kutſchenzug und die ſchwere Reiterei. Neuerer Zeit ſoll man in der Normandie auch häufig engliſches Blut, z. B. vom Jagdpferd, einmiſchen, und die alte Race nur noch ſchwer rein zu finden ſeyn; von flandriſchem Blute kamen von jeher öfters Einmiſchungen bei den normänniſchen Pferden vor. 4) Gemeine Pferderacen des ſuͤdöſtlichen Europas. §. 523. Die ungariſchen, croatiſchen, gemeinen pol⸗ niſchen, auch theilweiſe die gemeinen ruſſiſchen Pferde, un⸗ ter letzteren namentlich die ukrainer, und die einiger an⸗ deren angrenzenden Länder, ſind, in ſo weit nicht bereits edles orientaliſches Blut eingemiſcht iſt, meiſtens von klei⸗ nem unanſehlichem Baue, mit dicken Koͤpfen, häufig ver⸗ kehrtem oder auch langem, dünnem, geradem Halſe, ſpitzem Kreutze ꝛc., beſitzen aber zum Reiten und leichten Juhꝛwerte eine außerordentliche Dauer. — 238— 5) Pferderacen des hohen Nordens. §. 529. Schon die alte Land⸗Race in Litthauen, Eſthland ꝛc., dann im ſüdlicheren Theile von Schweden und Norwegen, iſt meiſtens nur 11 bis 13 Fauſt hoch, unanſehnlich, haͤufig in halbwildem Zuſtande, aber flink und dauerhaft. Je tiefer man in den Norden kömmt, um ſo kleiner wird der Schlag. In Finnland, auf Island, im noͤrdlichen Schottland findet man denſelben meiſtens nur von 7 ½ bis 10 Fauſt hoch. In England und Schottland gibt es wieder eine Menge ver⸗ ſchiedener Schläge, welche„Pony“ d. i. Klepper, oder auch„Gal⸗ loway“ genaunt werden; die kleinſten, die auf den Schetland⸗Inſeln, ſind nur 7 ½— 9 ½ Fauſt hoch; zu den ſchöneren gehört der wä⸗ liſche Pony, welcher wie der Galloway 12 bis 13 Fauſt hoch iſt. Dieſe Pferde ſpielen begreiflich in jenem Lande eine unterge⸗ ordnete Rolle und ſind auch nicht zahlreich. IV. Sonſtige, außereuropaͤiſche Racen. 1) Die tartariſche Race. §. 530. Die tartariſche Race iſt ohne Zweifel eine ſehr ausgebreitete Haupt⸗Race mit einer Menge Abſtufun⸗ gen, ähnlich wie die edle orientaliſche Race. Sie iſt der Gefaͤhrde der Nomadenvöͤlker des inneren Aſiens und ver⸗ breitet ſich nicht nur über den groͤßten Theil des aſiatiſchen und einen Theil des europäiſchen Rußlands(das Koſaken⸗ und Kalmukenpferd gehört namentlich dazu), ſondern auch bis nach China und Indten hin. Die Pferde dieſer Haupt⸗ Race ſind im Durchſchnitt unter der mittleren Groͤße, ha⸗ ben niedrig aufgeſetzte, wenig biegſame Haͤlſe mit langen Maͤhnen, geraden Rücken, etwas abſchüſſiges Kreutz. Sie ſind flüchtig und beſitzen eine bewundernswuͤrdige Ausdauer bei Strapatzen. In den tartariſchen Steppen gibt es auch noch große Heerden wilder Pferde. Sie ſollen von unanſehnlicher Geſtalt und gewoͤhn⸗ lich mausfarbig(fahl, falb) ſeyn.. 7* gauet, hweden uſ hoch, fünt unh t, un ſ Jslan mweiſten NRenge ver⸗ uch„Gab⸗ ind⸗Inſeln, der wa⸗ Jauſt hoch e unterge⸗ geen. eifel eine Abſtufun⸗ je iſt der und ver⸗ ſiatiſchen Koſaken⸗ eern auch r Haupt⸗ oße, ha⸗ it langen atz. E Ausdauer oße Heerden in miͤt — 239— Im ſüdlichen Theile der Tartarei(Turkiſtan) reicht das edle orientaliſche Pferd herüber, indem dort die berühmten Turkoma⸗ nen zu finden ſind(ſ.§. 514). 2) Oſtindiſche und chine ſiſche Racen. §. 531. In Oſtindien ſollen verſchiedene Racen einheimiſch ſeyn, welche theils mit der perſiſchen und tur⸗ komaniſchen, theils mit der tartariſchen Race verwandt ſind. Auch gibt es eine kleine, ſehr unanſehnliche Land⸗Race mit: niedrigen Beinen, Senkrücken ꝛc. Die chineſiſchen Pferde⸗ werden als klein, weichlich und ſchlecht gebaut geſchildert. 3) Amerikaniſche Pferde. 8. 532. Da das Pferd nach Amerika erſt aus Europa⸗ gekommen iſt, ſo kann von amerikaniſchen Racen nur we⸗ nig Rede ſeyn. Die daſigen Schlaͤge ſind begreiflich je nach Beſchaffenheit der von Engländern, Franzoſen, Spaniern ꝛc. zuerſt eingebrachten Pferde, nach Art der Züchtung, den ſpaͤter vorgenommenen Kreutzungen ꝛc. höchſt verſchieden. In Südamerika exiſtirt, in Folge krüher ſtattgehabter Freilaſ⸗ ſung von Pferden, jetzt auch ein wildes(verwildertes) Pierd in großer Anzahl. Drittes Kapitel. Von der Paarung und Aufzucht. §. 533. Werden, Behufs der Zucht, Stuten nebſt den dazu noͤthigen Beſchaͤlern in bedeutender Anzahl gehalten und iſt die Aufzucht der gefallenen Fohlen zugleich damit ver⸗ bunden, ſo nennt man dieß ein Geſtäte oder auch eine Stuterei. — 240— §. 533. Man theilt die Geſtüte ein: in wilde, wo die Pferde das ganze Jahr im Freien leben, keine Wahl der Zuchtthiere ſtattfindet, und die zu anderweitem Gebrauche beſtimmten jungen Pferde, wenn ſie ohngefaͤhr dreijährig ſind, eingefangen werden;— halbwilde, wo die Ge⸗ ſchlechter mittelſt abgeſonderter Weideplätze getrennt ſind, die Beſchäler zu gemachten Abtheilungen der Stuten in kleine Heerden von 30 bis 35 Stuͤcken einzeln zugetheilt werden, auch den größtentheils im Freien lebenden Stuten und Foh⸗ len in der rauheren Jahreszeit Unterſtände und Futter zu gut kommen;— zahme Geſtüte, wo eine vollſtaͤndig ge⸗ regelte Zucht mit Sprung aus der Hand, Aufſtallung im Winter und im Sommer über Nacht, mit aller eine moͤg⸗ lichſt vollkommene Pferdezucht bezweckender Sorgfalt und Pflege ſtattfindet. Die Geſtüte in Deutſchland, England, Frankreich ſind in der Regel zahme Geſtüte; doch kommen einzelne halbwilde in Deutſch⸗ land vor, wie das Sennergeſtüte, einige öſtreichiſche Militärgeſtüte; halbwilde Geſtüte ſind in Ungarn, Polen, Rußland häuſig, und die wilden findet man ebenfalls in letzteren Ländern, in Aſien, Amerika ꝛc. §. 535. Werden von Seiten der Staatsregierungen Beſchäler in verhaͤltnißmäßiger Anzahl zum Zwecke gehalten, um ſie jaͤhrlich für die Bedeckung der zur Zucht beſtimmten Stuten der Privaten im Lande gebrauchen zu laſſen, ſo nennt man dieß ein Landgeſtüte. Ein gut organiſirtes Landgeſtüte muß ſeinen Bedarf an Henge ſten, welche zur Veredelung der Landespferdezucht geeignet ſind, ſelbſt nachziehen.— Solche Anſtalten ſind für die Länder von gro⸗ ßer Wichtigkeit, welche zum Betriebe der Pferdezucht von Seiten des Bauernſtandes ſich eignen, in welchen aber größere Grundbe⸗ ſitzer, von denen zu erwarten ſteht, daß ſie ſelbſt edle Hengſte er⸗ ziehen und zur Benutzung für andere gegen Sprunggeld hergeben, zu ſelten ſind oder ganz fehlen. §. 536. Da die Pferdezucht im Großen in der Art, daß die Stuten in weit größerer Zahl gehalten werden, als de, wo Cahl der Korauche dreüihti die Ge⸗ nnt ſin, in klein werden, und Fo⸗ sutter zi indig ge⸗ lung im ne moͤg⸗ falt und ind in der n Deutſch⸗ tärgeſtüte, g, und die Amerika ꝛe. zeerrungen gehalten, ſtimmten ſſen, ſ an Heng⸗ ggnet ſind, evon gro⸗ don Seiten Grundbe⸗ Hengſte t⸗ hetgeben, 3 der Akt, jttden, it — 241— man für die Geſpannarbeiten Pferde bedarf, und die Pferde überhaupt den eigentlichen Nutzvehſtand für den Grundbe⸗ ſitz abgegeben, für die gewöhnlichen landwirthſchaftlichen Verhaͤltniſſe in Deutſchland nur als ſeltene Ausnahme am rechten Platze iſt; hingegen der Betrieb der Zucht mit den zugleich für die landwirthſchaftlichen Arbeiten dienenden Pferden ſehr häufig ſtattfinden kann, ſo wird hierfolgend hauptſaͤchlich nur dieſe letzte Art des Betriehes ins Auge gefaßt werden. Nähere Unterſuchung, unter welchen Verhältniſſen der. Betrieb der Pferdezucht überhaupt geeignet ſei, enthält das 5. Capitel. §. 537. Vorausgeſetzt, daß dem Landwirthe, welcher ſich mit der Pferdezucht beſchäftigen will, die Gelegenheit zur Benutzung eines geeigneten Hengſtes nicht gänzlich ab⸗ geht, ſo iſt die Anſchaffung der Mutterſtuten die erſte und wichtigſte Sorge, und wohl bei keinem Zweige der Vieh⸗ zucht hängt der Werth der Nachzucht in ſo hohem Grade von der Auswahl der Mutterthiere ab, als bei der Pferde⸗ zucht. Von hochedlen Pferden, rein orientaliſcher Abkunft, kann hier zwar keine Rede ſeyn, ſondern von einem ſolchen Schlage, welcher zugleich zum Gebrauche fuͤr den Ackerbau geeignet iſt. Man wähle darum einen kraͤftigen, moͤglichſt fehlerfreien Wagenſchlag, namentlich Stuten mit langem, gut gebautem Leibe, gutem Kreutze und dauerhaftem Kno⸗ chenbau. Von ſolchen Thieren, gepaart mit guten, wo möoglich zugleich halbedlen Hengſten, wird man, je nachdem die Oertlichkeit die Er⸗ ziehung größerer oder weniger großen Pferde begünſtigt, gute Kutſchen⸗, wie kräftige Reitpferde ziehen können, beſonders aber auch zu dem Gebrauche für die Landwirthſchaft ſelbſt wieder Tüchtiges erhalten. §. 538. Der Hengſt ſoll im Allgemeinen in der Voll⸗ kommenheit des Baues, beſonders aber in der Abkunft von in der Zucht bereits bewaͤhrtem Stamme, den Stuten über⸗ legen und ſtets mit beſonderer Rückſicht auf die Individuali⸗ tät der Stute ausgewählt ſeyn. Auf einen gedrungenen Pabſt Landwirthſchaft. II. 1. 16 — 242— Bau, welcher Stärke und Brauchbarkeit bethätigt, hat der Landwirth als Pferdezuͤchter beim Hengſte ganz beſonders zu ſehen. . 539. Auf Befreitſein von allen erblichen Fehlern und Mängeln iſt beim Zuchtpferde mehr als bei jeder an⸗ dern Thierzucht zu ſehen. Zu dieſen Fehlern gehoͤren nicht nur die gewoͤhnlich als erblich bezeichneten, als: Mondblind⸗ heit, Staar, Koller, Zwangs⸗ oder Platt⸗Hufe, Spat ꝛc., ſondern auch andere, von denen mancher Thierarzt wohl be⸗ hauptet, daß ſie nicht erblich ſind, wie Dampfigſeyn, Hart⸗ ſchnaufen, Ringbein, Rehekrankheit u. ſ. f. Erbt auch nur die Anlage zu ſolchen Fehlern, ſo iſt dieß nicht viel beſſer, als wenn ſie direct vererben. Man iſt deßhalb auch in großem Irthume, wenn man glaubt, daß durch ſtarken Gebrauch in den Knochen ſehr fehlerhaft gewordene, ſteife und lahme Pferde von guter Abkunft noch eben ſo gut zur Zucht ſeyen, als diejenigen von gleich guter Abkunft, welche noch unverdorben ſind. §. 540. Ein kraͤftig erzogenes Mutterpferd von ſtarkem Schlage kann man ohne Anſtand nach dem zurückgelegten dritten Jahre zum Hengſt llaſſen, wenn man daſſelbe waͤh⸗ rend der Traͤchtigkeit hernach nur ganz mäßig arbeiten läßt und aufs beſte pflegt. Hochedle, ſich langſamer ausbildende Stuten, zumal wenn die Ernaͤhrungsweiſe in den erſten Jahren etwas knapp war, ſoll man vor zuruͤckgelegtem viertem Jahre nicht paaren. Der Hengſt ſoll wenigſtens 4 Jahre alt ſeyn, bis man ihm zur Probe einige Stuten zutheilt und erſt mit 5 Jahren dient er vollſtaͤndig als Be⸗ ſchaͤler. §. 541. Man kann gute Mutterſtuten oͤfters bis zum 20. Jahre zur Zucht fortbenutzen, auch vorzügliche, in der Jugend geſchonte Hengſte erweiſen ſich oͤfters bis zum höheren Alter fruchtbar und auch fortwährend gut in der Vererbung; doch muß der Fortgebrauch eines ſchon alten Hengſtes nur aus guten, in der Erfahrung bewährten Gründen ſtatthaben, hat der ſonders Fählern der an⸗ ken nicht ndblind⸗ pat ze., vohl be⸗ Hart⸗ jeß nicht auch in rauch in erde von igen von ſtarkem gelegten he wäh⸗ ten läßt bildende erſten elegtem nigſtens Stuten als Be⸗ bis zum „in der höheren rerbung; pſte nur grchaben, — 243— denn die Tüͤchtigkeit der Beſchäler nimmt öfters auch ſchon fruͤhzeitig ab. Stuten, welche in ihrer beſten Lebensperiode nicht zur Zucht gebraucht wurden, werden ſchwerer, und wenn ſie einmal das 12. Jahr erreicht haben, ſelten noch trächtig. §. 542. So viel wie moglich muß bei Arbeitspferden, welche zugleich zur Zucht verwendet werden ſollen, darauf hingearbeitet werden, daß die Fohlzeit etwa a Wochen vor dem Beginne der Hauptfrühjahrsbeſtellung eintritt, damit die Mutterſtuten hierzu wieder mitverwendet werden koͤnnen. Es faͤllt deßhalb die Beſchälzeit je nach der elimatiſchen Lage hauptſaͤchlich in die Monate März und April(ſ.§. 506). §. 543. Die Stute muß roſſig ſeyn, wenn die Paa⸗ rung mit Erfolg vor ſich gehen ſoll; bei guter Pflege ſtellt ſich das hierunter gemeinte Verlangen zur Begattung in der Regel von ſelbſt ein, doch regt das Zuſammenſeyn oder Zuſammenkommen mit anderen Pferden, zumal mit Heng⸗ ſten oder bereits roſſigen Stuten, dazu an. Die Stuten bleiben häufig 8 bis 10 Tage roſſig; man hat alſo Zeit, eine ſolche Stute auch nach einem entfernt ſtehenden guten Hengſte zu ſenden. §. 544. Man ſoll einem Hengſte in der Regel taͤglich nicht mehr als eine Stute zuführen und im Ganzen rechnet man auf einen kräftigen Hengſt für die Dauer der Beſchaͤl⸗ zeit von einigen Monaten 40 Stuten, von denen jedoch in der Regel ein guter Theil mehrmals bedeckt wird. Man hat für das Belegen der Stuten verſchiedene Veranſtal⸗ tungen nöthig: namentlich ſoll die Stute ſo gefeſſelt ſein, damit der Hengſt nicht ſchlagen kann; um die guten Beſchäler zu ſchonen, wird meiſtens zuerſt ein Probierhengſt am Kappzaume und an langen Lei⸗ nen von 2 Wärtern vorgeführt, und der Beſchäler erſt ebenſo her⸗ beigeführt, wenn die Stute nicht abſchlägt; der Platz, wo das Be⸗ decken vor ſich gehen ſoll, muß durchaus ruhig ſeyn. Nach 8 bis 9 Tagen wird die Stute wieder vorgeführt; iſt ſie vom erſten Sprunge trächtig, ſo ſchlägt ſie dann den Hengſt in der Regel ab; oft wird ſie erſt beim dritten Vorführen, oder auch gar nicht trächtig.— 16* - 244— Daß die Beſchäler in dieſer Zeit beſonders gut gepflegt werden müſſen, verſteht ſich von ſelbſt. §. 545. Man laſſe die traͤchtig gewordene Stute ohne Bedenken bis etwa 2 Wochen vor dem Abfohlen maͤßig ar⸗ beiten; bei vorgeruͤckter Traͤchtigkeit begreiſtich mit mehr Schonung und indem an Körnerfutter etwas zugelegt wird. Verfohlen(Verwerfen) kann durch ungeſchickte Behandlung oder ſchlechte Fütterung leicht erfolgen, beſonders ſind die Stuten im 2, 3, 9 und 10 Monate der Trächtigkeit leichter dazu geneigt. Stuten die einmal verfohlt haben, neigen während der folgenden Trächtigkeit wieder dazu hin. §. 546. Zur Fohlzeit, welche im Durchſchnitt mit Ablauf des 11. Monats das Traͤchtigkeit(§. 506.) heran⸗ naht, ſoll jede Mutterſtute einen abgeſonderten und ſo ge⸗ raͤumigen Stand erhalten, daß ſie ſich frei darin bewegen kann. Gewöhnlich zeigt das Ausſchwitzen einer klebri⸗ gen Feuchtigkeit aus den Zitzen des angeſchwollenen Euters, daß die Fohlzeit nicht mehr ferne iſt; die Arbeit muß dann vollends eingeſtellt, die Eiſen muͤſſen abgenommen werden. Die Geburt des Füllens erfolgt bei geſunden, gut behandel⸗ ten Stuten gewöhnlich leicht und die nicht große Nachgeburt geht bald hernach ab; auch ſaugen geſund geborne Foh⸗ len bald. Die meiſten Mutterpferde gebahren im Liegen. Auf gehörige Ablöſung der Nabelſchnur muß geſehen werden. Die Stute leckt das Junge wie andere Mutterthiere. Manche Stuten, beſonders Erſt⸗ linge, laſſen Anfangs die Fohlen nicht gerne ſaugen; man ſey hier vorſichtig, wende, falls die Urſache am ſchmerzhaft angeſchwollenen Euter liegt, Waſſerdämpfe und nur im äußerſten Nothfalle das Brem⸗ ſen an. §. 547. Waͤhrend der Säugezeit gelten auch hier die allgemeinen Grundſätze für die Behandlung der ſäugenden Mutterthiere(§. 67 bis 71). Süßes Heu, Gerſtenſchrot mit etwas in der Traͤnke aufgeweichten Leinölkuchen, ſpäter Zulage an Kraftfutter, auch gute Weide, gutes Grünfutter, ſind fuͤr die Mutterſtute am Platze. Nach 14 Tagen kann eint l mäſſen, an ohne ſißig ae nit meht egt vwin lung oder im 2, 3, tuuten die ächtigkeit nitt wit ) heran⸗ d ſo ge⸗ hewegen e kebri⸗ Euterd, nuß datn werden. behandel⸗ achgeburt ene Feh⸗ gehütige e leckt das ders Erſt⸗ n ſey hiet hwollenen as Brem⸗ hiet die ſäugenden ſterſchot n, ſht rünfitet, utn kann auch eine maͤßige Verwendung der Stute zur Arbeit wieder eintreten, und ſoll ſie ferner zur Zucht gebraucht werden, ſo laͤßt man ſie 2 bis 4 Wochen nach dem Abfohlen wieder zum Hengſte, zu welcher Zeit ſich auch das Roſſigwerden gewoͤhnlich wieder einſtellt. Erhitzen der zur Arbeit gebrauchten Stute, kaltes Saufen müſ⸗ ſeu beſonders ſorgfältig vermieden werden. Iſt einige Erhitzung nicht zu vermeiden geweſen, ſo laſſe man die Milch ausmelken und das Fohlen nicht ſogleich ſaufen. §. 548. Den Saug⸗Fohlen gebe man, nach dem erſten Monate, Gelegenheit, ſich mehr und mehr im Freien zu bewegen, entweder in beſonders eingezaͤuntem Platze, oder indem es die Umſtaͤnde erlauben, daß ſie mit der Mutter zur Weide gehen oder während der Arbeit im nahen Felde mitlaufen. Auch gewoͤhne man ſie, wo die Weidenahrung nicht Hauptſache ſeyn kann, frühzeitig an den Genuß von etwas Hafer und zartem Heu. Sind ſie volle 4 Monate alt, ſo werden ſie nach und zach ganz von der Milch ent⸗ woͤhnt. Haben die Mutterſtuten wenig zu arbeiten, ſo laͤßt man die Fohlen lieber einen Monat länger bei der Milch. Die Mutterſtuten nährt man Anfangs nach dem Entwöhnen mehr mit Heu, als Grü⸗ nem und vielen Körnern, und läßt ſie gehörig arbeiten; alsdann macht ihnen die Milch in der Regel nicht zu ſchaffen. Nöthigen Falls wird dieſe einigemal ausgemolken. §. 549. Die Hauptbedingungen für die weitere Auf⸗ zucht der Fohlen ſind: kraͤftige Ernaͤhrung und Gelegenheit zur Bewegung. Hat man eine fuͤr Pferde geeignete Weide oder kann man die Fohlen in den erſten Sommern um mäßiges Weidgeld und bei ſonſt ſorgſamer Pflege zur Weide geben, ſo iſt dieß das beſte. Außerdem dienen aber auch Tummelplaͤtze bei reichlichem Stallfutter, das über Sommer auch in geſundem, mit Heu oder gutem Futterſtroh ver⸗ miſchtem Grünfutter beſtehen kann. — 246— Etwas Hafer, am beſten geſchroten oder gequetſcht, ſollte man auch bei guter Weide, wenigſtens im erſten und zweiten Sommer, ſtets nebenher geben, und eben ſo auch bei der Grünfütterung; bei geringer Weide muß, außer Hafer, auch etwas Heu verabreicht werden. §. 550. Als Winterfutter rechnet man auf ein Fohlen von mittelſtarkem Schlage im erſten Jahre per Tag 6 bis 8 Pfund Heu, bis 5 Pfund Hafer, 2 Pfund feines Haͤckſel; im 2. und 3. Jahre 7 bis 9 Pfund Heu, A bis 5 Pfund Hafer oder Gerſte, 3 bis 4 Pfund Stroh, theils als Häͤckſel, theils lang. Sind die Koͤrner gegen das Heu nicht theuer, ſo lege man an jenen etwas zu und ſpare an die⸗ ſem; ſind die Koͤrner hoch anzuſchlagen, ſo kann ein Theil von jenen durch gute Rüben, namentlich Moͤhren, erſetzt werden. Auch kann ein Theil des Heues noch durch recht gutes Futterſtroh erſetzt werden. Durch gutes Kaff(Ueberkehr), Kleien u. dergl. mehr ſucht der gewöhnliche Landmann am Körnerfutter der Fohlen über Winter ein Bedeutendes zu ſparen, was auch ohne Nachtheil Heſchehen kaun, wenn man nicht zu weit darin geht. §. 551. Uebermaͤßig kraͤftiges, ſogenanntes hitziges Futter iſt den Fohlen nachtheilig, theils weil eine Ueber⸗ futterung(Maſtfutter) ihrer guten Ausbildung und der Be⸗ gründung einer robuſten Natur zuwiderlaͤuft, theils weil Au⸗ genkrankheiten und andere Entzuͤndungen dadurch entſtehen. Nicht minder nachtheilig iſt zu ſchwammiges, zu waͤſſriges Futter, wodurch die Fohlen dicke Baͤuche, ſchwache Einge⸗ weide, ſchlaffe Sehnen und Muskeln erhalten, zumal wenn ſie daneben wenig Gelegenheit zur Bewegung haben. Zu den zu hitzigen Futtermitteln gehören: Hülſenfrüchte, Roggen, fettes Kleeheu, Grummet, auch übermäßig fettes Wieſenheu oder allzufette Weide. Zu ſchwammig und wäͤſſrig ſind: ſehr maſtes Grünfutter ohne Untermiſchung von Stroh, mit vielem Waſſer oder mit Tröbern und dergleichen angemengtes Futter, wie Mehl⸗ und Kleientrank in Menge, viele gedämpfte Kartoffeln, ſehr vieles ande⸗ res roh gefüttertes Wurzelwerk, tief liegende wäſſrige Weide, fi ölte man Sonmer, dung; bei derabteit in Fohle ag bi ad feine 4 bis heils als den nicht ean die⸗ ein Theil , ekſetzt rch recht r ſucht der Winter ein kaun, wemn g itiges ne Ueber⸗ der Ve⸗ weil Au⸗ entſiehen. waͤſriges he Einge⸗ nal wenn 1. e, Roggen, enhen oder ſehr maſts Waſeer vdet Mehl⸗ und dieles alde⸗ rige Weide, welche letztere, ſo wie die aufſchwemmende Stallfütterung neben Mangel an Bewegung, zugleich zu einer Menge Knochenfehlern, ſchlechten Hufen ꝛc. den Grund legt. 3 §. 552. Von ſelbſt verſteht ſich, daß die von Jugend auf der Weide erzogen werdenden Fohlen um ſo mehr Ge⸗ legenheit haben müſſen, bei ſchlechtem Wetter und Nachts unter Dach zu ſtehen, je jünger ſie ſind, oder je rauher das Clima iſt, in dem ſie ſich aufhalten. Nicht minder wichtig ſind geſunde, luftige, geräumige Ställe fuͤr den Winter, und für die uͤber Sommer auf dem Stall zu fuͤt⸗ ternden Fohlen; ferner Reinlichkeit in der Streu und dem Futtergeſchirre u. ſ. w. Tränke mit geſundem Waſſer bei jedem Futter, und Gelegenheit dazu bei der Weide, verſteht ſich ebenfalls von ſelbſt. Die Fohlen werden am beſten in den erſten Jahren frei herum⸗ laufen gelaſſen; man muß ſie im Stalle nach Alter und Geſchlecht trennen, in letzter Beziehung auch auf der Weide; man kann aber eine größere Zahl, welche ſich gleich ſteht, in eine Stallabtheilung zuſammenthun. Der Fohlenſtall iſt am beſten ungepflaſtert. Oeftere Bewegung im Freien kann auch für den Winter nicht genug empfoh⸗ len werden. 1 §. 553. Von ſehr großer Wichtigkeit auf den Werth des zu erziehenden Pferdes fuͤr den kuͤnftigen Gebrauch iſt, daß es von Jugend auf ſanft und verſtändig behandelt werde, daß man die Pflege der Fohlen alſo beſonders zu⸗ verläßigen Menſchen uͤberträgt, die ſie niemals hart, roh und unverſtaͤndig behandeln, kein Necken, Schlagen, Hetzen zc. dulden, ſie allmächtig ans Anbinden, Putzen, Auf⸗ heben und Beſchlagen des Hufs, Auflegen von Geſchirr, Sattel, an das Anlegen einer leichten Trenſe ꝛc. gewoͤhnen. Im erſten Jahre reibt man die Fohlen blos mit Stroh ab, im 2. Jahre gewöhnt man ſie ans Anhängen(Angebundenſeyn) und das Putzzeug u. ſ. f. §. 5534. Die Hengſtfohlen, welche nicht zur Zucht be⸗ ſtimmt ſind, werden, weil Hengſte als gewoͤhnliche Dienſt⸗ — 248— pferde unbaͤndiger und ſchwieriger zu behandeln ſind, zin der Regel caſtrirt(zu Wallachen gemacht). Dieſe Operation ſoll, wegen des Riſico's, das immer damit verbunden iſt, ſo frümxh vorgenommen werden, als es die koͤrperliche Ent⸗ wickelung des zungen Pferdes zulaͤßig macht. Kraͤftige, ſich gut entwickelnde Hengſtfohlen können ſchon im Alter von einem Jahre caſtrirt werden, häufig wartet man aber, oder muß man ſelbſt warten, bis ſie 2 Jahre und daruͤber alt ſind. Man ſuche mildes, doch nicht heißes Wetter zu treffen, laſſe die operirten Thiere ſich mäßig in kühlem Raume bewegen und halte Beunruhigung jeder Art ab. Vor allen Dingen trachte man aber danach, einen Operateur zu haben, welcher Geſchick, Sicherheit und Erfahrung beſitzt. Uebrigens gibt es mehrere Methoden der Caſtra⸗ tion, wie das Ausſchneiden und Brennen, das Anlegen der ſoge⸗ nannten Kluppen ꝛc. Vierte s Kapitel. Von der Pflege der Pferde. §. 555. Bei der Pflege des Arbeitspferdes muß dahin geſtrebt werden, die Werthsverminderung des darin enthal⸗ tenen Capitals ſo viel als möglich zu ermaͤßigen, die durch die Arbeit in Anſpruch genommenen Kraͤfte wieder vollſtaͤn⸗ dig zu erſetzen, und die Koſten der Ernaͤhrung und weiteren Pflege, inſoweit die ebengenannten beiden Hauptzwecke da⸗ durch nicht beeintraͤchtigt ſind, möglichſt zu vermindern. Je anſtrengender das Pferd arbeiten ſoll, um ſo reichlicher muß nicht nur ſeine Fütterung ſein, ſondern es muß auch um ſo mehr darauf gedacht werden, zu voluminoſes, wäffriges oder blähendes Futter zu vermeiden. zin der heration meg iſt iche Ent⸗ füie ſch von einen der miſ alt ſin. fen, laſt und halte 3 man aber erheit und er Caſtra⸗ der ſoge⸗ ß dahin enthal⸗ die durch vollſtan⸗ weiteren wecke da⸗ dern. Hlicher uuß um ſo ner lihene — 249— Beſtandtheile und Zuſammenſetzung des Futters. §. 556. Die allgemeinſte, und auch unter allen Um⸗ ſtaͤnden fuͤr die Natur des Pferdes zweckmaͤßige Zuſammen⸗ ſetzung des Pferdefutters iſt die aus Heu, Hafer und Stroh, letzteres ganz oder zum Theil als Häckſel. Je nach Beſchaffenheit der Futtermittel, dem vorhandenen Vorrathe und dem Preiſe derſelben, ſo wie nach dem Beduͤrfniſſe wegen ſtrengerer oder weniger ſtrengen Arbeit, wird das Verhaͤltniß in der Zuſammenſetzung verſchieden geſtaltet. In Bezug auf das Heu iſt insbeſondere vorauszuſetzen, daß es wenigſtens von mittelguter Beſchaffenheit ſey, daß es aber um ſo beſſer ſeyn müſſe, jemehr daſſelbe den Hauptbeſtandtheil des Futters abgeben und namentlich an Körnern geſpart werden ſoll; werden letz⸗ tere dagegen in angemeſſenem Verhältniſſe gefüttert, ſo darf das Heu theilweiſe auch ſogenanntes ſaures Futter ſeyn, das von den Pferden beſſer, als von den Wiederkäuern vertragen, auch lieber genoſſen wird. Ueber Beſchaffenheit des Strohs handelt§. 559. §. 557. Als allgemeines Anhalten iſt anzunehmen, daß ein mittelſtarkes oder ſelbſt noch etwas ſchwereres Pferd, bei taͤglichem gewöhnlichem Gebrauche zu den landwirthſchaft⸗ lichen Arbeiten gegen 30 Pfund auf Heu reducirtes Futter, ein ganz ſchweres Zugpferd noch ce bis%e mehr bedarf, wovon jedoch ein beträchtlicher Theil in eigentlichem Kraft⸗ futter beſtehen muß. Eine gewöhnliche Tagesration für ein mittelſtarkes Arbeitspferd iſt z. B. 10 Pfund Heu, 10 Pfund Hafer, 3 Pfund Strohhäckſel. Man kann einem ſolchen Pferde, wenn es ſich für die ökonomiſchen Verhältniſſe der Wirthſchaft geeigneter erweiſet, aber auch nur 6 Pfund Heu, dagegen 12 Pfund Hafer und 6 Pfund Stroh geben, oder auch 15 Pfund Heu, 7 Pfund Hafer und 2 Pfund Stroh; in beiden Fäl⸗ len wird es ohngefähr gleich kräftig genährt ſeyn, im erſteren aber etwas ſchlanker und flinker erſcheinen. §. 558. Da bei der gewöhnlichen Heu⸗ und Haferfuͤt⸗ terung, mit blos verhältnißmäßigem Zuſatze von Strohhäck⸗ 1 — 250— ſel zu den Körnern, die Unterhaltung der Pferde ſich häufig zu koſtbar berechnet, oder weil die Wirthſchaft das eine oder andere jener beiden Futtermaterialien nicht in hinrei⸗ chender Quantität producirt, ſo werden eine Menge anderer Futtermittel an ihre Stelle geſetzt, jedoch iſt in den meiſten Fällen rathſam, weder das Heu noch den Hafer ganz zu entziehen, indem gerade durch die Beibehaltung eines Theils dieſer der Natur unſeres Arbeitspferdes angemeſſenſten Futter⸗ ſtoffe die Anwendung wohlfeilerer Surrogate leichter und gefahrloſer wird. 1 5 Auch kommt es ſehr darauf an, ob und in wie weit die Pferde von Iugend auf an gewiſſe, von Natur nicht vollkommen für ſie ge⸗ eignete Futtermittel gewöhnt ſind, und daß man ſie, falls ſie ſolche Surrogate bisher nicht genoſſen, mit Vorſicht erſt daran zu ge⸗ wöhnen ſucht. §. 559. Statt des Wieſenheues wird verwendet: 1) Gutes Luzerne⸗ und Esparſettenheu, welche jenes nicht nur vollſtändig erſetzen, ſondern häufig, namentlich das Esparſettenheu, auch noch beſſer nähren, ſo daß dabei an Körnern mehr geſpart werden kann. Das Heu vom rothen Klee muß mit mehr Vorſicht(am beſten mit Stroh geſchnitten) und in um ſo geringerer Menge gefüttert werden, je fetter es iſt. Wickenfutter⸗ und Hirſen⸗ heu ſind ſehr anwendbar. Grummet taugt im Allgemei⸗ meinen nicht für die Pferde.— 2) Gutes Futterſtroh, namentlich Hafer⸗, auch Gerſtenſtroh, kann bei wenig Ar⸗ beit im Winter das Heu großentheils erſetzen. Sehr gut und geringem Heu vorzuziehen iſt das Linſenſtroh. Zum Häckſel unter die Koͤrner wählt man gewöhnlich Roggen⸗ oder Weitzenſtroh, weil ſich dieſe Stroharten am beſten zu feinem Haͤckſel ſchneiden laſſen, worauf man bei den Pfer⸗ den, damit ſie es gerne mitverzehren, ſehr zu ſehen hat.— 3) Gutes Grünfutter, namentlich von den verſchiedenen Kleearten, auch gut gediehenes gehoͤrig ausgewachſenes Neng liic heits futte ih häuſi das eine in dinrei⸗ ge andeter den meiſte Janz u nes Theil en Futten hter un die Pferde für ſie he s ſle ſolche ran zu ze⸗ verwende elche jene namentlich duf dabe Heu vom beſten mit egefüttert Hirſen⸗ Ylgemei⸗ eerſtro h, werig At⸗ Sehr gut toh. Zun h Jegger n beſten h den Pfe⸗ hen hät.— erſchidenen kwichſtes Mengfutter aus Wicken und Hafer, am beſten vielleicht eine Miſchung von Kleearten und guten Gräſern, iſt für die Ar⸗ beitspferde im Sommer ſehr zutraͤglich, und das Koͤrner⸗ futter kann dabei wenigſtens zur Hälfte geſpart werden. Man darf das Gruͤnfutter nur nicht zu jung füttern und an den Vorſichtsmaßregeln in Bezug auf Ueberfütterung und davon entſtehende Blähſucht ꝛc. es noch weniger, als bei der Gruͤnfütterung des Rindviehes fehlen laſſen. In Wirthſchaften, welche ihr Grünfutter für ihr Nutzvieh noth⸗ wendig brauchen, werden die Pferde häufig auch über Sommer mit Trockenfutter genährt; doch gibt man ihnen in dieſem Falle der Ge⸗ ſundheit wegen gerne einige Wochen lang etwas Gras oder grünen Klee.— Bei'm Uebergange zur Grünfütterung muß ſchon deßhalb, weil die Pferde beim Grünfutter Anfangs laxiren, viel ſchwitzen und matt werden, noch Trockenes untergefüttert werden; etwas Heu oder Futterſtroh ſollte man überhaupt ſtets dabei fortgeben(§. 558).— Die Ernährung der Arbeitspferde im Sommer auf der Weide, in⸗ dem ſie dieſe über Nacht inne haben, kömmt in manchen Gegenden noch vor, muß jedoch, wenn nicht die Verhältniſſe— wie in manchen Niederungen oder Gebirgen— unbedingt dafür ſind, immer mehr einer beſſeren Wirthſchafts⸗Organiſation weichen.— Statt Haͤckſel dient auch noch gutes Kaff(Haferſpreu ꝛc.). §. 560. Statt des Hauptkörnerfutters, des Hafers, werden verwendet: 1¹) Verſchiedene andere Körner, als Huͤlſenfrüchte, Roggen, Gerſte, Buchweitzen, Spelz ꝛc. Man hat in dieſer Beziehung vor Allem den augenblicklichen Marktpreis der Koͤrnerarten gegen ihren Futterwerth zu vergleichen, um ſich fuͤr die vor⸗ theilhaftere zu beſtimmen, und ſodann die Zuträglichkeit der zum Erſatze des Hafers gewaͤhlten Koͤrner, je nachdem man ſie in kleinerer oder groͤßerer Quantitãt füttert, wohl in Betracht zu ziehen. Gerſte und Buchweitzen, auch Spelz, erfordern die wenigſten Vorſichtsmaßregeln, doch vertragen die erſtere, in Menge gefuͤttert, nicht alle Pferde gleich gut. Die Boh⸗ nen und Erbſen wirken bei jungen Pferden leicht nach⸗ theilig auf die Augen, und fuͤr aͤltere ſind ſie zu ſchwer zu ———————— b — 252— verkauen. Deßhalb ſollen ſie grob zerriſſen(zerquetſcht) oder auch 24 Stunden vor dem Füttern eingequellt ſeyn. Der Roggen iſt, wie die Hülſenfrüchte, ein erhitzendes Fut⸗ ter, veranlaßt, ohne Vorſicht gefüttert, leicht Kolik und wird am beſten 12 Stunden lang vor dem Fuͤttern in Waſſer gequellt. Mit Pferden, welche noch nicht abgezahnt haben, ſoll man weder Hülſenfruͤchte, noch Roggen in einiger Menge fuͤttern. 2) Kleie von Weitzen oder Roggen. Erſtere, als Zuſatz zu andern Körnern, mit Waſſer mäßig verdünnt, iſt den Pferden ſehr geſund; Roggenkleie weniger, doch kann ſie in nicht zu ſtarker Quantitaͤt auch ohne Nach⸗ theil gegeben werden. 3) Möhren, Rotabaga und ge⸗ woͤhnliche Kohlrüben, Runkelruͤben ſind, gehörig vor⸗ bereitet, bei nicht ſtrenger Arbeit und neben hinlänglichem Heufutter ſehr geſund und naͤhrend fuͤr die Pferde. Selbſt etwas Waſſerrüben zu füttern iſt, bei Mangel an anderen Ruͤben, nicht zu widerrathen. a) Auch die Kartoffeln werden laͤngſt als ein vortheilhaftes Futterſurrogat fuͤr die Arbeitspferde im Winter verwendet, wiewohl ſie den Rü⸗ ben nachzuſetzen ſind. Man füttert ſie gedämpft und roh. Im erſteren Falle iſt Sorgfalt noͤthig, daß die Kartoffeln ſogleich heiß gemahlen, gehörig abgekuͤhlt und mit Haͤckſel vermiſcht werden, und nicht in Saͤure übergegangen ſind, weßhalb beſonders auch Reinlichkeit in den Geſchirren Noth thut. Die Fütterung roher Kartoffeln wird wegen der Er⸗ ſparniß des Brennmaterials und der geringeren Gefahr in Bezug auf zu heißes, oder zu leicht in Saͤure übergehendes Futter, von Manchen vorgezogen, obgleich ſie die Einge⸗ weide mehr angreift und auch weniger gern von den Pfer⸗ den angenommen wird, als die mit gedaͤmpften Kartoffeln. Auch die rohen, verkleinerter Topinamburz werden mit den Pferden gefuͤttert. Auf vollkommen gute Beſchaffenheit aller dieſer Futterſtoffe iſt beſonders zu ſehen, bei den Körnern auch zu beachten, daß ſie nicht de ruetſch. dt ſeyn. e Fut⸗ Koit und in Vaſer nt haben, n einihe koggen. er maͤßij weniger, ne Nach⸗ 3 und ge⸗ hörig vor⸗ inglichem . Gältſt n anderen toffeln at für de den Ri⸗ und roh. Fattoffeln t Häckſel gen ſind, ren Noth der Er⸗ gefagt in ergehendes di Einge⸗ den Pfer⸗ rarnfel erdes wi tatufe it 6 ſe licht — 253— zu bald nach dem Einaͤrndten, devor ſte vollig ausgetrocknet ſind, ge⸗ füttert werden, weil ſie in dieſem Falls leicht Kolik und dergleichen veranlaſſen. Die nähere qnantitative Beſt immung der hier und im vorigen Paragraphen genannten Futtermittel ergibt ſich aus der Kenntniß des Futterwerths derſelben im Allgemeinen(§. 78), mit Rückſicht auf ihre Beſchaffenheit und die Bedingungen, unter denen ſie mit Nutzen für Pferde überhaupt verwendet werden. Wenn man z. B. grünen Klee geben, und den dritten Theil des Heu⸗, ſo wie die Hälfte des ge⸗ wöhnlichen Körnerfutters beibehalten will, ſo dürften 3— 4 Pfund Heu, 5 Pfund Hafer mit etwa 2 Pfund Häckſel zu ohngefähr 60 Pf. Grünfutter für ein mittelſtarkes Pferd anzunehmen ſeyn; ſollten durch die Wurzelwerkfütterung 60 Procent des Hafers erſetzt werden, ſo würden zu 10 Pfund Heu und 4 Pfund Hafer 22 bis 24 Pfund Kartoffeln, 27 bis 30 Pfund Möhren oder Kohlrüben, 30 bis 33 Pfund Runkelrüben, nebſt angemeſſenem Zuſatze von Häckſel nöthig ſeyn. Ein Theil des Heues könnte auch noch durch gutes Futterſtroh erſetzt werden. Außer den genannten Futterſtoffen werden hier und da auch noch manche andere für die Pferde verwendet. So gibt man z. B. in mehreren Ländern, wo die Bierbrauerei ſtark getrieben wird, den Pferden für den langſamen Zug von den Malztröbern, mit Häck⸗ ſel vermiſcht, in anſehnlicher Menge und, wie verſichert wird, mit gutem Erfolge; in den Niederlanden gibt man dem ſchweren Karren⸗ pferde öfters ſogenanntes Brühfutter, was wir jedoch nicht zur Nach⸗ ahmung empfehlen wollen.— In England werden auch die zerquetſch⸗ ten Ginſternſpitzen(vom Ulex europaeus), mit Häckſel geſchnit⸗ ten, für einen nicht zu verachtenden Zuſatz zum Pferdefutter gehalten. Zubereitung des Futters. §. 561. Bei der Heu⸗ und Haferfütterung nach ge⸗ woͤhnlicher Art findet in der Regel keine weitere Zuberei⸗ tung des Futters ſtatt, als daß das Heu gut ausgeſchuͤttelt, der Hafer mittelſt eines Staubſiebes von Unreinlichkeiten befreit und dann mit ohngefähr gleichen Theilen Häckſel (dem Maaße nach; dem Gewichte nach etwa ½)) gemiſcht, und dieſes Futter in der Krippe etwas angefeuchtet wird, damit die Pferde das Häckſel nicht zum Theil wegblaſen. — 254— §. 562. Vollkommener iſt die Vorbereitung des Fut⸗ ters, wenn, wie in England neuerer Zeit häufig geſchieht, der groͤßte Theil des Heues mit einem guten Theile Futter⸗ ſtroh zu Häckſel geſchnitten wird; wenn zugleich auch die Koͤrner(ſelbſt der Hafer) grob zerriſſen oder zerquetſcht, dann mit dieſem Haͤckſel im gehörigen Verhaͤltniſſe gemiſcht werden; und ſo das Ganze, etwas angenetzt(am beſten mit Waſſer, worin etwas Salz aufgeloͤst), gefüttert wird. Durch dieſe Zubereitungsweiſe des Futters wird erreicht, daß weniger davon heruntergeriſſen und ungenutzt zertreten, und daß das Genoſſene leichter, ſicherer und vollkommener verdaut, auch ſchneller abgefüttert und den Thieren mehr Zeit zur Ruhe gelaſſen wird. Man wird alſo dadurch ſicher ein Bedeutendes, und mehr im Werthe erſparen köunen, als die vermehrten Arbeitskoſten betragen. Nament⸗ lich kann man ſtets ½ bis ⁄½ Futterſtroh ſtatt Heu nehmen, und wird dieſelbe Wirkung, wie mit bloßem Heu, lang gefüttert, errei⸗ chen. Von letzterem gibt man blos zum Abfüttern am Abend etwas in die Raufe.— Für Pferde, welche mehr laufen müſſen, als im Schritt gehen, halten Manche die Häckſelfütterung nicht für gut, ſondern beſſer die kleinere Menge Heu, welche ſie ohnedieß nur neben einer reichlicheren Haferfütterung bekommen, lang zu geben; auch hat man in dieſem Falle gefunden, daß der in großer Menge gefüt⸗ terte gequetſchte Hafer bei einigen Pferden Laxiren veranlaßte. Für Arbeitspferde bei der Landwirthſchaft fallen alle dieſe Bedenken weg. Uebrigens kann man die Körner auch ganz, oder wenn man zum Theil Hülſenfrüchte oder Roggen füttert, dieſe gequellt, unter das Häckſel thun. Dieſes letztere ſoll ¼ bis ½ Zoll lang ſeyn. Die mit Heuzuſatz geſchnittenen, ungedroſchenen Hafergarben führen zu der weiteren Erſparniß des Dreſchlohns.— Gute Maſchinen zum Schneiden und Reißen oder Quetſchen ſind zu bieſen Vorbereitungs⸗ arten wichtig. §. 563. Eine eigenthümliche, von einzelnen Pferde⸗ haltern angeblich mit ſehr gutem Erfolge angewendete, jedoch in Bezug auf ihren Werth zur allgemeineren Nachahmung noch zu wenig erprobte Vorbereitungsart der Körner iſt die Verwandlung derſelben in Brod. Man kann dazu Roggen, Hafer und Huͤlſenfruͤchte, am Beſten eine Miſchung derſel⸗ 1 de Fut⸗ diſchitt ie dune⸗ ) auch dit erzutich ſe gewiſt heſten mi vird. reicht, daß nd daß da ih ſchnelle aſſen win. im Werthe 1. Mameut⸗ hehmen, und ttert, erni⸗ Abend eiwas ſen, als in icht für gut eß nur neben geben; anch Menge gefüt⸗ nlaßte. Für denken weg. n man zum „unter das ſeyn. Die führen zu ſchinen zun tbereitungs⸗ en Pferde⸗ dete, jadych zachahtung net it di zu Raggen, pun deſt⸗ — 255— ben, verwenden; läßt ſie ſchroten und wie anderes Brod zu Teig machen, gähren, backen. Das gehoͤrig ausgetrock⸗ nete Brod wird klein geſtoßen, mit Häckſel ſtark vermiſcht und angefeuchtet. Nach Forke(Möglin. Annalen 20. B. 1. H.) erſetzte das Brod von 7½ Pf. Roggen taglich die ſonſt gefütterten 11 Pf., halb Hafer, halb Gerſte, vollkommen. Nach Behm(Monatsblatt der märkiſch⸗ökom. Geſellſ. 1824) ſoll ſogar die Hälfte an Körnern durch die Brodfütterung erſpart werden können.— Daß bei Reiſen und anſtrengenden Touren mit beſonderem Vortheile Brod gefüttert wird, iſt allgemein bekannt, und daß manches Stück Brod vom Geſinde⸗ tiſche in die Pferdekrippe wandert, wird auch Vielen nicht unbekannt ſeyn.— Etwas Aehnliches ſind die gebackenen kleinen Erbſen⸗ kuchen, welche die preußiſchen Cavallerieofficiere häufig ihren Pfer⸗ den zuſetzen und wovon 1 Pfund das Doppelte an Hafer völlig er⸗ ſetzen ſoll. §. 564. Das zur Verfütterung mit Pferden beſtimmte Wurzelwerk muß vollkommen gut erhalten ſeyn; es wird ſorgfaͤltig gewaſchen und gut v einert. Die rohen Kar⸗ toffeln dürfen im verkleinerten Zuſtande nie lange liegen bleiben, ſondern muͤſſen bald nach dem Schneiden oder Stoßen gefüttert werden. Man füttert ſowohl Rüben, wie rohe Kartoffeln häufig ohne Haͤckſelzuſatz, indem man dann ſo⸗ gleich Rauhfutter danach aufſteckt; indeſſen dürfte der Zuſatz von Haͤckſel als Regel vorzuziehen ſein. Bei den gedämpften Kartoffeln(§. 560) darf er niemals fehlen. Nach Meiſter(allgemeine Wochenſchrift für Land⸗ und Haus⸗ wirthſchaft, Darmſtadt 1835) wurden auf einem bedeutenden Gute in Mecklenburg ſeit einer Reihe von Jahren die rohen, blos gereinig⸗ ten Kartoffeln den Pferden unverkleinert in die Krippe gegeben, und ſie befanden ſich, angemeſſenen Trockenfutterzuſatz vorausgeſetzt, ſtets gut dabei. Futterzeit und Futterordnung. §. 565. Die gewöhnliche Futterzeit iſt Morgens, Mit⸗ tags und Abends. Man kann eine Abtheilung in Rationen — 236— von gleichen Theilen, langſames Füttern, beſonders der Koͤrner in abgetheilten kleineren Portionen, Regelmäßigkeit und Ordnung nicht genug empfehlen. In der Regel ſoll die Futterzeit 2 Stunden dauern und die letzte halbe Stunde Morgens und Mittags nach dem Füttern den Pferden noch zur Ruhe gelaſſen werden. Iſt die Zeit über Mittag, we⸗ gen ſtrenger Arbeit, zu kurz, um vollſtändig zu füttern, ſo gebe man etwas mehr Körner mit Häckſel nnd weniger Heu ꝛc., wogegen man vom letzteren am Abend dann zulegt. Bei gewöhnlicher Heu⸗ und Körnerfütterung werden die mit Häckſel gemiſchten Körner meiſtens zuerſt gefüttert und dann wird das Heu aufgegeben. Kommen die Pferde erhitzt nach Hauſe, ſo ſoll man ihnen in der erſten viertel oder halben Stunde gar nichts anbieten, am wenigſten aber reines Körnerfutter.— Eine etwas ſtär⸗ kere Gabe von Rauhfutter beim Abfüttern am Abend iſt wohl rathſam; dagegen iſt das unmäßige Vorlegen von Heu ꝛc. auf die Nacht, ſo daß die Pferde den größten Theil der Nacht freſſen, ſtatt zu ruhen, wie es manche Pferdeknechte lieben, nachtheilig.— Die Körner beim Grünfutter gibt man am beſten größtentheils Mittags und dazu nur Heu mit wenig Grünfutter gemiſcht. Unter großen Maſſen Grüi kuüter werden die Körner ſchlecht verdauet. Traͤ n ke. §. 566. Bei jeder Mahlzeit muß den Pferden reines Trinkwaſſer geboten werden; am beſten geſchieht dieß, wenn das Futter etwa zur Hälfte verzehrt iſt, niemals darf es ſtattfinden, wenn die Thiere von vorhergegangener Anſtren⸗ gung noch erhitzt ſind. Werden Grünfutter, Ruüben, Kartoffeln gefüttert, ſo tränkt man beſſer erſt kurz vor dem Einſpanden, oder einige Zeit nach dem Abfüttern. §. 567. Die Beſchaffenheit des Waſſers iſt wichtig für die Geſundheit der Pferde. Reines Fluß⸗ oder weiches, nicht zu kaltes Quellwaſſer iſt am beſten; ein ſehr kaltes, hartes Waſſer, zumal wenn die Thiere nicht daran gewoͤhnt ſind, ſchadet ihnen um ſo eher, je waͤrmer ihr Körper beim nders der amäͤßigkeit Rexel ſol lbe Sunde ferden woh dttag, we⸗ füttern, d wenige un zulegt en die mit dann wie Hauſe,. de gar nihte eetwas ſir⸗ vohl rathſan, Racht, ſo di u ruhen, ni Körner hein und daßur nun Maſſen Gih erden nin t dieß, venn mals durf t inet Auſre mn, do tü Zit nac de t wicht t der weitt ſchr kal run yril Föver bein — 257— Genuſſe iſt; man muß deßhalb beſonders vorſichtig auf Rei⸗ ſen beim Traͤnken ſein. Man ſchüttet auf Reiſen etwas erwärmtes Waſſer unter das Trinkwaſſer, auch iſt, beſonders bei heißem Wetter, das Unterrühren von etwas Weitzenkleie oder Mehl ſehr gut.— Etwas Gerſteuſchrot fortwährend unter die Tränke zu rühren, wird für ſehr zuträglich gehalten, beſonders zur Zeit des Abhärens; in dieſer Zeit iſt es auch zu empfehlen, etwas anfgeweichte Leinkuchen in die Tränke zu thun. Salz. §. 568. Die Pferde tragen nach Salz weniger Ver⸗ langen, als Rind⸗ und Schafvieh; doch iſt es ihnen um ſo zutraͤglicher, je mehr man nicht voͤllig naturgemaͤßes, ſchwer verdauliches Futter gibt, wie rohe Kartoffeln u. dergl. m. Man gibt fuͤr gewoͤhnlich höchſtens alle 8 Tage einmal und ſelten mehr als ½ Pfund monatlich per Stuͤck. Der zweckmäßigen Anwendung des in Waſſer aufgelöſten Salzes wurde ſchon§. 562 gedacht.— 1 Streu. §. 569. Jeden Abend muͤſſen die Pferde reinliche und hinreichende Streu untergelegt erhalten. Alle vom Miſt beſchmutzten Theile ſollen, wenigſtens im Sommer, jeden Morgen hinausgebracht werden; im Winter kann dieß bei reichlichem Streuen ein paar Tage anſtehen. Die noch reinen Theile der Streu werden Morgens zurück unter die Krippe gelegt; doch ſoll man, wenigſtens wenn die Pferde den ganzen Tag im Stalle ſtehen, zumal wenn der Stand wie gewöhnlich gepflaſtert iſt, ihnen etwas Streu unter den Fuͤßen laſſen, damit Hufe, Nerven und Sehnen durch das Stehen auf dem harten Pflaſter nicht leiden. Man braucht 4 bis 5 Pfund Strenſtroh per Tag auf's Pferd; wenn das Syaren daran ſehr Noth thut, kann man auch durch ſorg⸗ fältiges Zurückhalten der alten, noch reinen Streu, mit 3 Pfund täg⸗ lich auskommen.“ Pabſt Landwirthſchaft. II. 1.. 17 — 258— Putzen. §. 570. Das Pferd verlangt, um ſich in möglichſt ge⸗ deihlichem Zuſtande zu befinden, von unſeren groͤßeren Haus⸗ thieren am allermeiſten eine ſorgfältige Reinhaltung und wenn dieſe beim Aufenthalte auf graſigem Boden im Freien ſich ſo zu ſagen von ſelbſt ergibt, ſo muß ſie dagegen mit⸗ teſt täglicher fleißiger Anwendung des Putzzeuges um ſo mehr kuͤnſtlich erſtrebt werden, je mehr das Pferd im Koth, Staub ꝛc. ſich bei der Arbeit aufhalten muß, oder in Folge der ihm zugemutheten Anſtrengung ſchwitzt. Auch tragen ſchlechte, oder nicht gehörig rein gehaltene Staͤlle viel dazu bei, daß mehr und öfter geputzt werden muß. Zum Putzzeng gehören: Striegel, Kartätſche, Wiſchtuch, Ab⸗ ſtäubwedel(Pferdeſchweif), Kamm(für die Mähnen) und Schwamm zum Waſchen des Kopfes, beſonders der Augen, der Beine ꝛc.— Bei gutem Wetter ſollte eigentlich das Putzen hauptſächlich im Freien vorgenommen werden, um die Verunreinigung des Stalles mehr zu vermeiden. §. 571. Das Schwemmen, in der beſſeren Jahreszeit, und vorausgeſetzt, daß die Pferde, worauf nicht genug auf⸗ merkſam gemacht werden kann, vollſtaͤndig abgekühlt ſind,— iſt ſowohl der leichteren Reinhaltung, als der ſtaͤrkenden Ein⸗ wirkung wegen, die das kalte Bad auf den Körper, beſonders die Füße, hat, uͤberall zu empfehlen. Tüchtiges Abreiben der Beine nach dem Schwemmen iſt um ſo noͤthiger, je kühler das Waſſer war.— Dagegen iſt das Belegen mit Decken fuͤr gewoͤhnlich bei Arbeitspferden nicht rathſam, in⸗ dem ſie dadurch nur verweichlicht werden. Blos dann, wenn man erhitzte Pferde in einen kühlen Stall bringt, ſoll man Decken auflegen, und nur im ſtrengen Winter in nicht hin⸗ reichend warmen Staͤllen das Aufliegen derſelben geſtatten. Auch iſt das Auflegen leichter linnener Decken beim Aufent⸗ halte in rauher, ſtuͤrmiſcher Witterung recht gut. Als Schutz gegen die Fliegen im Sommer machen aber die letz⸗ teren ſchon zu warm; ſogenannte Fliegengarne aber ſind für den ge⸗ —— ꝙ hWß ult blei al —ͤ dgliht ⸗ eren Huu altung und tin Friin ſagegen ni. un ſo ma in Kolh, der in Folg Auch waen le viel d siſchtuch, ⸗ und Schwemn ine u.- Ni lich in Fra talles mehr g n Jahreäzt t genag ui kühlt ſn,= ärkenden ein er, beſender ges breher rüͤthign, Pelegen mi rathſam, 1 dunn, wenn tt, ſollwan in richt hi⸗ den geſtatt heim Aefen⸗ gut. ſn fir den h — 250— wöhnlichen Gebrauch bei Arbeitspferden ſchon zu koſtſpielig. Statt der Schevemme dient auch das Abwaſchen der Beine, was aber bei kaltem Wetter mit lanem Waſſer geſchehen oder lieber ganz unter⸗ bleiben ſoll, wenn nicht tüchtig dauach abgerieben wird. Man reibt dann die ſchmutzig gewordenen Beine Abends lieber trocken ab. Bewegung. §. 572. Je gleichmaͤßiger das Pferd in Bewegung iſt und je weniger dabei ſeine Kräfte über Gebühr in Anſpruch genommen ſind, um ſo laͤnger wird es brauchbar ſein, um ſo weniger werden Leiden oder Krankheiten ſich einſtellen. Da man jedoch des Zwecks der Haltung wegen die Arbeits⸗ pferde einmal ſtaͤrker, als das anderemal gebraucht; ſo ſorge man ſtets dafür, daß ſie nicht plötzlich vom Stalle aus nach Verhaͤltniß der zugleich ihnen zugemutheten Laſt über Gebühr raſch ſich bewegen müſſen und daß ſie durch maͤßige Bewe⸗ gung, nöthigen Falls Umherfuͤhren nach dem Ausſpannen, erſt wieder in ruhigeren Zuſtand gekommen ſind, bevor man ſie in den Stall ſtellt, und endlich, daß ſie zu Zeiten, wo ſie, wegen Mangel an Arbeit, müßig im Stalle ſtehen, taͤglich einige Zeit ins Freie und in Bewegung kommen. Noch etwas warm in den Stall kommende Pferde ſoll man nicht alsbald abſchirren. Pflege des Hufs. §. 573. Gehörige Pflege der Hufe, mit Inbegriff des Beſchlaͤgs, iſt bei den zu irgend einem Dienſte beſtimmten Pferden von großer Wichtigkeit. Durch Vernachlaͤßigung des Beſchläges und der Hufpflege werden eine Menge Pferde mehr oder weniger dienſtuntauglich. §. 574. In der Regel iſt Beſchlag nothwendig, weil bei irgend ſtarkem Gebrauche auf beſchlagenen oder an ſich ſteinigen Wegen ꝛc. ſelbſt ein guter Huf zu ſehr abgenutzt wird. Nur auf ſteinloſem, nicht zu hartem, noch ſumpfigem Boden und ſteinloſen Wegen iſt der Hufbeſchlag je nach den 17* — 260— Umſtaͤnden entweder ganz oder wenigſtens an den hinteren Füßen bei der Mehrzahl der Pferde zu entbehren. §. 575. Eine verſtändige, kunſtgerechte nach dem Bau und der Beſchaffenheit des Hufs ausgeführte Zurichtung deſſelben iſt beim Beſchlagen gleich weſentlich, wie die rich⸗ tige Form des Eiſens, das richtige Auflegen, Feſtnageln, Vernieten ꝛc.— Alle 4 Wochen ſollen die Eiſen abgenom⸗ men und der Beſchlag erneuert, auch ſoll außerdem faſt täglich danach geſehen werden, ob die Eiſen noch feſt hrgen, nicht drücken ꝛc. Häufig werden die Eiſen zu plump, mit zu ſtarken Stollen und und Griffen gemacht; die nicht ganz normalen Hufbildungen, wie Platt⸗, Zwang⸗, Stelzhufe ꝛc., werden nicht gehörig berückſichtigt; die Eiſen bleiben zu lange liegen, veranlaſſen Steingallen, gehen bei der Arbeit verloren, wodurch der Huf oft zerſplittert wird u. dergl. m. Bei mit Eis belegten Wegen im Winter müſſen die Eiſen beſonders geſchärft werden. §. 576. Weiter gehoͤrt zur Pflege des Hufs, daß man auf nicht zu harten, reinlichen Stand ſehe(ſ. 5§. 569 u. 577), daß der Huf, damit er nicht zu ſproͤde werde, nach Erforderniß angefeuchtet, auch zuweilen eingeſchmiert, durch zu häufiges Schwemmen oder Waſchen(§. 571) oder zu vieles Fett jedoch auch nicht zu ſehr erweicht werde; daß man die zur Erhitzung leicht geneigten Hufe, beſonders bei trocknem Wetter und auf Reiſen, uͤber Nacht mit Kuhmiſt ein⸗ ſchlage ꝛc. Mehrere gediegene Werke behandeln die Hufbeſchlaglehre aus⸗ führlich. Practiſch und faſſlich iſt namentlich: Dr. Vix, practiſche Beſchlaglehre. Gieſſen 1834. Stallung. §. 577. Die Beſchaffenheit des Stalls hat bedeutenden Einfluß auf das Wohlbefinden der Pferde. Das Wichtigſte, worauf es in dieſer Hinſicht ankommt, iſt: 1) Daß der Stall ſo angelegt und gebaut ſey, daß er mäßig hell, und 1 hinteren den Pau urichung die ric⸗ eſtnageln, abgenom⸗ dem fat ſt liegen, Stollen und mgen, wie rückſichtigt; „gehen bei u. dergl.n. n beſonders daß man 9 u.57)), rforderniß häuſges jeles Fett n die zur trocktem wiſt ei⸗ lhre aus⸗ practiſche deutenden Wichtigſt, Doh der fel, und — 261— daß eine geſunde Luft darin leicht zu erhalten ſei. Die Höhe ſei zu dem Ende 12 Fuß. Fenſter und Dunſtabzüge ſeyen angebracht; doch ſey Zugluft moöglichſt vermieden. 2) Daß der gehörige Raum vorhanden ſey; man rechnet fuͤr ein mittelgroßes Pferd 9(cheinl.) Fuß Laͤnge und, bei abge⸗ trennten Ständen, welche anzurathen ſind, nicht weniger als 6 Fuß Breite; ſodann bedarf es eines wenigſtens eben ſo breiten Gangs zwiſchen 2 Reihen von Ständen; bei nur einer Reihe kann etwa 1 Fuß Breite am Gang geſpart werden. 3) Die Staͤnde ſind zwar, weil Bohlen zu ſchnell ſich abnutzen, gewönlich mit Steinen gepflaſtert, am deſten iſt aber Pflaſter von Holzabſchnitten. Das Pflaſter ſoll nur ſo viel Neigung nach hinten haben, daß der Urin ab⸗ zieht, fuͤr den hinter den Ständen eine Abflußrinne ange⸗ bracht iſt. 4) Die Thüren ſeyen weit(Doppelthuͤren) und, wenn es ſeyn kann, wegen Abhaltung der Fliegen auf der Nord⸗oder Oſtſeite. 5) Mit dem Stalle in Verbindung oder doch ganz in ſeiner Naͤhe ſey die Futter⸗, die Geſchirr⸗ und die Knechtekammer. Schlechte Ställe veranlaſſen Augen⸗, Lungen⸗, Huftrankheiten, Mauke, Koller, Druſe, Rotz ꝛc. 578. Die Krippen ſeyen entweder aus Stein oder aus Gußeiſen, in Ermangelung beider aus Holz, am Rande mit Eiſenblech beſchlagen; eine gehoͤrige Tiefe thut Noth, damit das Futter nicht herausgeworfen werde; bei Pferden, welche dieſes dennoch thun, bringe man in gewiſſen Entfer⸗ nungen feſtgemachte Querſtaͤbchen über die Krippe an. Die Raufen ſeyen bequem und in mäßiger Höhe angebracht, und ſo enge, daß das Futter nicht leicht herunter geriſſen wird. Eiſerne Raufen ſind am dauerhafteſten, nur ſind ſie den meiſten Landwirthen zu theuer. Waͤrter. §. 579. Man hat entweder auf je 2 oder a Pferde einen Knecht, oder auf je 4 Pferde einen Knecht und einen — 262— Jungen. Von der Qualification der Knechte und von der über ſie geführten Aufſicht haͤngt die Größe des Aufwandes für die Pferdehaltung und der Leiſtungen derſelben in hohem Grade ab. Man ſehe deßhalb auf tüchtige Leute, ſtrenge Ordnung, und bezahle dagegen auch angemeſſen. Näheres uͤber d die Knechtehaltung weiſet das Erpitit„vyn der Arbeit“ in der Betriebsiehre nach. §. 580. Außer dem, daß die Knechte ihre Schuldigkeit in Bezug auf Fuͤtterung, Putzen, Geſchicklichkeit im Fahren ꝛc. thun, ſehe man beſonders auch darauf, daß die Pferde ſanft und wohlwollend behandelt werden und dulde niemals rohe Mißhandlungen, welche das Gefühl jedes guten Men⸗ ſchen empören und wodurch, ſo wie durch unzeitiges Stra⸗ fen, Necken ꝛc., ſo viele Pferde verdorben werden. §. 581. Bei einer einigermaßen zahlreichen Pferdehal⸗ tung muß einer der Knechte der Oberknecht ſeyn, welcher das Futter ausgibt, die Geſchirre ꝛc. unter Aufſicht und Verſchluß hat, und der zunaͤchſt über die vorgeſchriebene Stallordnung zu wachen hat. Krankheiten. §. 583. Keines unſerer Hausthiere iſt ſo vielfäͤltigen innerlichen oder äußerlichen Zufällen unterworfen, welche eine aͤrztliche Behandlung erfordern, als das Pferd. Es kann deßhalb dem Pferdehalter nicht genug empfohlen wer⸗ den, ſich mit der Natur und den am haͤufigſten vorkommen⸗ den Krankheiten des Pferdes möglichſt vertraut zu machen, und in jedem vorkommenden Falle, für den er ſich nicht ſelbſt gewachſen fühlt, ſich der Huͤlfe eines guten Thierarztes in Zeiten zu verſichern. §. 583. Als Beiſpiel mögen hier nur genannt ſeyn: die verſchiedenen Arten von Koller, die Maulſperre und ver⸗ ſchiedene Arten von Lähmung, die verſchiedenen Augenkrank⸗ heiten, die Druſe, der Rotz, die Lungenkrankheiten entzuͤnd⸗ —— R na Ha At d M deriͤer andes füt i iiben : ſtenge „doll der zuldigken ahren ze Pferde niemale ten Men⸗ Stra⸗ . Pferdehal⸗ „welcher fſicht und ſchriebene ielfaltigen , welche ferd. Er hlen wet⸗ rkommen⸗ machen, ict ſelbſt atztes in unt ſem: und ver⸗ geikran⸗ entzünd⸗ — 263— licher und chroniſcher Art, die Kolik nebſt dem Verſchlingen der Gedaͤrme und der Darmentzündung, der Milzbrand, die Hufkrankheiten ꝛc.; nicht zu gedenken der vielen äußerlichen Schaͤden, wie Stollſchwamm, Haſen⸗ und Piephake, Spat u. ſ. w.. 1 gibt ſo außerordentlich viele Werke über die Pferdekrankhei⸗ ten und deren Behandlung, daß es überflüſſig ſein dürfte, eine Zahl derſelben hier beſonders namhaft zu machen. Fuͤnftes Kapitel. Benutzung der Pferde. §. 583. Der Hauptnutzen von den vom Landwirthe gehaltenen Pferden beſteht in der Benutzung zu den Geſpann⸗ Arbeiten und in der Aufzucht junger Pferde. Mehr oder weniger vorkommende Nebenbenutzungen ſiud: zum Reiten, Laſttragen, Treiben von Maſchinen(z. B. Mühlen, Dreſch⸗ maſchinen), Austreten von Früchten. Nach dem Tode bleiben vom Pferde blos die Haut, nebſt den Haaren von Schweif und Mähnen, und das ſogenannte Kammfett als Gegenſtände von einigem Werthe übrig; das Fleiſch, auch das von getödteten, körperlich geſunden Pferden, hat bei uns bekanntlich nur als Dungſtoff noch einen Werth. I. Benutzung zur Arbeit. Werth des Pferdes fuͤr dieſen Gebrauch. §. 585. Der Werth des Pferdes als landwirthſchaft⸗ liches Zugthier, die Verhältniſſe, unter denen es vor dem Ochſen zu dieſem Zwecke den Vorzug behält, das Maas der Arbeit, welches unter gegebenen Vorausſetzungen das Pferd leiſten kann,— dieß Alles wird in der Betriebslehre, im Capitel„von der Arbeit“ ſpeciell erörtert. — 264— Wahl der Arbeitspferde. §. 586. Die Hauptrückſichten bei der Auswahl der anzuſchaffenden Zugpferde ſind bereits in den§§. 537 und 539 des dritten Capitels angedeutet, wo es ſich um die Aus⸗ wahl der Zuchthiere für den Betrieb der Pferdezucht mit Arbeitspferden handelt. Namentlich hat man auf einen kraͤf⸗ tigen, gedrungenen Koͤrperbau, eine dauerhafte Natur, auf gute Knochen und geſunde Augen und Lungen, ſo wie dar⸗ auf zu ſehen, daß die anzuſchaffenden Thiere keine ſolche Untugenden haben, welche ihnen beim Gebrauche viel von ihrem ſonſtigen Werthe benehmen, wie Stetigkeit, Strang⸗ ſchlagen, Durchgehen u. ſ. w. Dieſe Ruͤckſichten ſich denen auf ein ſchönes Aeußere, beliebte Farben und Abzeichen und dergleichen mehr, weit voranzuſetzen. Der Einkauf von Pferden erfordert bekauntlich Erfahrung. Uebung und perſönliches Geſchick und ſogar der vollkommen Sach⸗ verſtändige wird nicht ſelten getäuſcht, Einigen Schutz gegen Betrug geben die geſetzlich geltenden Be⸗ ſtimmungen über die ſogenannte Währſchaft, welche übrigens in vie⸗ len Ländern von einauder abweichen. und oft das nicht ſud⸗ was ſie ſeyn ſollten. §. 587. Von welcher Stärke und Größe man ſeine beduͤrftigen Pferde wählen ſolle, hängt von den Localver⸗ haͤltniſſen ab. Schwerer Boden, ſchlechte Wege, erfordern ſchwerere Pferde; in leichtem trocknem Boden koͤmmt man mit einem leichteren Schlage zurecht; jedoch kann der ein⸗ ſpaͤnnige Gebrauch im Pfluge und Karren auch hier dazu beſtimmen, weniger Pferde zu halten, und dagegen ſchwe⸗ ren Zugthieren den Vorzug zu geben. Stuten ſind, abgeſehen vom Gebrauche derſelben zur Nachzucht, von etwas größerer Dauer, als Wallache, dagegen mitunter auch etwas ſchwieriger zu behandeln. Hengſte gebraucht man in einigen Gegenden wegen ihrer, gegen die Wallachen derſelben Zucht, bedeu⸗ tend größeren Stärke und Dauer gerne; in der Regel ſcheut man aber mit Recht die größere Gefahr, mit ihnen umzugehen(§. 554). Beſonderen Werth haben ſie für das ſchwere Frachtfuhrweſen. aohl der ud n die Nus⸗ zucht wi inen kri⸗ atur, auf wie dar⸗ ine ſolch viel von Strang⸗ ſich denen ichen und Erfahrung zmen Sac⸗ ltenden Be⸗ gens in die ſiud, wat man ſeine Loealyer⸗ erfordern umt man der ein⸗ hier daun gen ſchw⸗ 4 Nachuch⸗ tunter aud in einigen ucht, bedel⸗ ſchent mau 2n G.54, iſel⸗ — 265— Angewoͤhnung der nachgezogenen Hferde zum Zug. §. 588. So gewiß es iſt, daß durch zu frühen, an⸗ ſtrengenden Gebrauch die künftige Dauer und Brauchbarkeit des Pferdes zum größten Nachtheile des Eigenthümers ver⸗ kürzt wird; ſo gewiß darf auch angenommen werden, daß ein von Jugend auf gut genährtes und zweckmäßig erzogenes Fohlen vom Ackerpferd⸗Schlage nach dem erſten Abzahnen (nach zurückgelegten 2 ½ Jahren) allmählich fuͤr ſeine künf⸗ tige Beſtimmung angelernt, und mit dem dritten Jahre zu nicht ſchweren Arbeiten maͤßig gebraucht werden darf, ja ſoll, wenn man nicht zu theuer kommende Arbeitspferde ſelbſt nachziehen will. Erſt nach dem letzten Abzahnen, im Alter von 5 Jahren, darf aber dem jungen Pferde volle Arbeit zugemuthet werden. Dem ſchlechten, unverſtändigen Pferdezüchter gilt eigentlich blos die Regel: das junge Pferd nicht eher zu gebrauchen, bis es ausge⸗ wachſen iſt. §. 589. Ein ſachverſtaͤndiges Verfahren beim Ange⸗ wöhnen iſt fuͤr den beabſichtigten Gebrauchszweck von großer Wichtigkeit. Schon im Fohlenſtall ſoll das junge Thier bis zum Auflegen von Geſchirr und Zügel(§. 553) gewöhnt ſeyn. Man gewöhnt es dann ans Mitlaufen ohne zu ziehen, ſpannt es weiter neben ein ruhiges Pferd an den leeren Wagen, laͤßt auch zuweilen einen leichten, nicht ungeſchickten Reiter aufſitzen; ſpaͤter folgt dann der vorzugsweiſe Gebrauch zur leichten Pflugarbeit. Man wird anfänglich nur alle paar Tage, dann ein Jahr laug als Regel ſie nur halbtageweiſe einſpannen. Beim Zahnwechſel ſchone man ſie vorzüglich. Dauer der Brauchbarkeit. §. 590. Daß die Dauer der Brauchbarkeit hauptſäch⸗ lich von der Abkunft und Behandlung abhänge,— haͤu⸗ ſig ſind auch Zufälligkeiten darauf von Einfluß,— wurde — 266— ſchon§. 505. angedeutet. Oft ſind gemeine Ackerpferde ſchon mit 10 bis 12 Jahren ſtumpf, mitunter bleiben ſie bis zum 20., ja 25. Jahre brauchbar. Zug⸗Geſchirr. §. 591. Man hat in der Hauptſache zweierlei Ein⸗ richtungen des Geſchirrs, nemlich das Kummet und das Sielenzeug(Bruſtriemen). Das erſtere hat wegen beſſe⸗ rer Vertheilung der Laſt und des Drucks, auch weil das Aufhalten damit leichter und ſicherer geſchieht, fuͤr den ſchweren Zug und an der Wagendeichſel den Vorzug; das das letztere wird, wegen ſeiner geringeren Schwere, auch Koſten, fuͤr die leichteren Arbeiten am Pfluge und an der Egge lieber gebraucht. Man hat deßhalb in vielen Wirthſchaften für einen Theil der Pferde Kummete und zugleich Sielenzeuge, in anderen blos Kummete. Wo man für gewöͤhnlich einigermaßen bedentende Abhänge zu paſſiren hat, müſſen die Stangen⸗(Deichſel⸗) Pferde auch Hintergeſchirre haben. §. 592. Daß die Geſchirre gut gearbeitet und doch (wie dieß ſo häufig bei den Kummeten der Fall) nicht zu ſchwer und plump ſind, beſonders auch, daß ſie den Pfer⸗ den gut paſſen und nicht Wundziehen verurſachen, endlich daß das Geſchirr ſtets in gutem Stande erhalten werde, darauf iſt ſtete Achtſamkeit noͤthig. Die Pferde⸗ und Oberknechte müſſen für das ihnen übergebene Geſchirr beſonders verantwortlich gemacht werden; bei Geſchwulſten, vom Ziehen entſtanden, muß auf der Stelle, durch Aufſchläge von kaltem Waſſer, Einreibungen ꝛc., durch Anwendung von Unterfuttern (Untergeſchirren), Abhülfe geſchafft und längerem Untauglichwerden des Pferdes vorgebeugt werden. IHI. Aufzucht. §. 593. Hat man eine angemeſſene Weide, oder neben nicht zu theuer kommendem, geeignetem Futter wenigſtens zweckmäßige Tummelplaͤtze für Fohlen; ſo wird die Fohlen⸗ eryferde iden ſie exlei Ei und dat gen heſſe weil das für da ug; dah ere, auc d au der Theil de Kummete. zu paſſiren tergeſchirn und doch ˖richt zu en Pfer⸗ „endlich n werde, übergebene ſchwulſten, hläge von terfuttern ichwerden der neben veniſten gohlen⸗ ucht, bei ſonſt ſachverſtäͤndigem Betriebe dem größeren oder mittleren Landwirthe wenigſtens den ſchon beachtenswerthen Vortheil bieten, den eigenen Bedarf an Zugpferden mit nicht größerem Aufwande nachzuziehen, als ſolcher durch den ſo vielem Riſico unterworfenen Zukauf kommen würde. §. 59a. Man kann ſodann die Fohlen entweder im etwa halbjährigen Alter zukaufen oder Stuten als Arbeits⸗ pferde halten und von dieſen erziehen. Letzteres wird um ſo mehr rathſam, je mehr es die Wirthſchaftsverhaͤltniſſe geſtatten, diejenige Schonung und Aufmerkſamkeit den Mut⸗ terpferden zu Theil werden zu laſſen, welche das Gedeihen der Zucht erfordert(§. 5945 ff.), vorausgeſetzt, daß man auch, ohne unverhältnißmaͤßig großen Aufwand, geeignete Zucht⸗ ſtuten haben kann und auch Gelegenheit hat, ſolche von tuͤch⸗ tigen Hengſten bedecken zu laſſen(§. 537). Alles Weitere in Bezug auf Auswahl, Verfahren bei der Zucht ꝛc. enthält bereits das dritte Capitel. §. 595. Man darf übrigens im Durchſchnitt von 2 zugekommenen Stuten nur ein aufgebrachtes Fohlen rech⸗ nen. Dennoch muß man, wenn ſämmtliche Arbeitspferde in Zuchtſtuten beſtehen, auf 3 bis u Stück ein übercomplet⸗ tes rechnen, um ihnen die noͤthige Schonung zu Theil wer⸗ den laſſen zu koͤnnen.* In Geſtüten, wo im Durchſchnitt immer mehr Stuten trächtig und mehr Fohlen aufgebracht werden, iſt man zufrieden, von 3 Stu⸗ ten 2 Fohlen zu erbalten. 3 §. 596. Je günſtiger die Localitaͤten für die eine oder andere der vorhin angedeuteten beiden Betriebsweiſen der Zucht ſind, je mehr man fuͤr guten Abſatz gut erzogener Pferde Ausſicht hat, um ſo mehr ſprechen die Verhältniſſe dafür, die Aufzucht auch über den Selbſtbedarf hinaus aus⸗ zudehnen. Man wird dann eben ſo wenig unterlaſſen, zu berechnen, wie ſich der Nutzen aus der Pferdezucht gegen den von andern Zweigen — 268— der Viehzucht ſtellt,— als zu bed ken, daß ein wenig werthvolles Fohlen eben ſo viel zu erziehen koſtet, als ein preiswürdigeres. §. 597. In Localitäten, welche zwar zur Haltung von Zuchtſtuten, nicht aber zur Aufzucht von Fohlen ſich eignen, kann es endlich auch rathſam ſeyn, die Zucht zu treiben, aber die erhaltenen Fohlen bald nach dem Abſetzen zu verkaufen, was namentlich haͤufig von kleinen Pferdehal⸗ tern geſchieht. erthvollen rtes. Haltug ſalen ſc Juct n Ähſeze Pfendehu Vierter Abſchnitt. Die Schweinezucht. 1 Einleitung. §. 598. Das Schwein wird blos Behufs der Benu⸗ tzung als Schlachtvieh erzogen und gehalten, als welches es mehrere Vorzüge vereinigt, namentlich ein beliebtes Fleiſch und eine ſehr anſehnliche Maſſe von gutem Fett(theils Speck, theils Schmalz) gewährt. §. 599. Da gewiſſe Abfäalle in den Wirthſchaften und manche ſonſtige Futterſtoffe für die Schweine nützlicher, als auf anderes Vieh verwendet werden, manche Stoffe ſo⸗ gar nur allein fuͤr Schweine geeignet ſind, und da mittelſt der Schweinehaltung in den meiſten Wirthſchaften ein Haupt⸗ theil des fuͤr den Haushalt bedürftigen Fleiſches und Fet⸗ tes am billigſten erzeugt wird, ſo iſt es, mit wenig Ausnah⸗ men, vortheilhaft, die Haltung von Schweinen mit dem landwirthſchaftlichen Betriebe zu verbinden. S. 600. Dagegen ſind die Fälle ſchon ſeltener, in denen es am rechten Platze iſt, die Schweinezucht, gleich der Rind⸗ vieh⸗ oder Schafzucht, zu einem Hauptzweige der Nutzvieh⸗ zucht zu erheben, denn die Benutzungsweiſe der Schweine — 270— iſt einſeitiger, viele Hauptfutterſtoffe(Heu, Stroh) können mit ihnen gar nicht conſumirt werden, und ihr Miſt iſt von geringerem Werthe. S. Betriebslehre§. 368. und 370. §. 601. Dennoch iſt das Schwein für den Landwirth ein ſehr nützliches Thier, das nur zu haͤufig zu wenig be⸗ achtet und ausgenutzt wird. Einen Beweis von der geringeren Beachtung der Schweinezucht liefert namentlich die neuere landwirthſchaftliche Literatur, in der wir nicht ein einziges, vollſtändig zu nennendes, beſonderes Werk über die Schweinezucht haben. Blos in den Lehrbüchern, z. B. von Burger, Sturmtc., und in anderen Werken, welche die Viehhal⸗ tung behandeln, findet man nähere Anleitung zur Schweinezucht; na⸗ mentlich ſagt auch Gerike, in ſeiner Anleitung zur Führung der Wirthſchaftsgeſchäfte, viel Practiſches darüber; ferner äußern ſich einige andere ältere Schriftſteller, wie Viborg, Gotthardt, aus⸗ führlich über die Natur, Zucht und Benutzung des Schweins. §. 602. Die Eapitel dieſes Abſchnittes werden han⸗ deln: 1) Von der Natur der Schweine. 2) Von den Racen. 3) Von der Paarung und Aufzucht. 4) Von der Pflege. 5) Von der Benutzung der Schweine. Erſtes Kapitel. Von der Natur der Schweine. §. 603. Das Schwein, Sus, gehört nach den ge⸗ woͤhnlicheren naturhiſtoriſchen Eintheilungen unter den Saͤu⸗ können iſ von Landviic wenig i⸗ zweinezug r, in w eres Wat „z. B. h ie Viehhal⸗ dezucht; ne ihrung der außern ſich ardt, auc⸗ deins. erden hau⸗ 1h du g denSäu- — 271— gethieren zu der Ordnung der Dickhaͤuter(pachyder- mata), der Familie Vielhufer(maltungula). Die Gattung enthält mehrere Arten, wie Sus Babirussa, das ge⸗ hoͤrnte Schwein, Sus Tajassu, das Moſchusſchwein; die fuͤr unſere Zwecke dienende Art iſt das gemeine Schwein, Sus scropha. §. 604. Unſer zahmes Schwein und das gewoͤhnliche wilde gehören ein und derſelben Art(S. scropha) an. Es läßt ſich eben ſowohl denken, daß jenes von dieſem, oder umgekehrt, dieſes von jenem abſtamme. Jedenfalls gehoͤrt es zu den ſchon frühe von den Menſchen gezaͤhmten Thieren. Wenn es richtig iſt, wie manche Naturforſcher annehmen, daß das Schwein urſprünglich einem ſüdlicheren Clima augehöre, ſo müßte das wilde Schwein erſt nach Deutſchland aus einem ſüdöſtlicheren Welttheile verpflanzt worden ſeyn. So viel iſt gewiß, daß in Wäl⸗ dern freigelaſſene zahme Schweine bald verwildern, und mehrere ge⸗ zaͤhmte Racen ſind auch im Aeuſſeren von der wilden ſehr wenig ver⸗ ſchieden. §. 605. Das Schwein hält ſich im wilden Zuſtande theils in den heißeren, theils in den gemaͤßigten Climaten auf. Ueberall ſucht es ſeinen Anfenthalt mehr auf feuch⸗ tem, ſumpfigem Boden, in den tieferen Lagen, im Schat⸗ ten; es liebt Waſſer oder auch nur Schlamm zu ſeiner Abkuͤhlung bei warmem Wetter, verlangt aber dennoch Schutz vor Naͤſſe und Kälte und namentlich auch ein trochenes Lager.— §. 606. Die naturgemäͤße Nahrung des Schweines beſteht in Wurzeln, ſo wie in gruͤnen, an feuchten Plätzen wachſenden Pflanzen, auch mehreren Baumfrüchten, z. B. Eicheln; ferner genießt es alle Arten von Wuͤrmern, In⸗ ſecten ꝛc., und ſelbſt Aas und andere in Fäulniß begriffene Stoffe werden von ihm gerne verzehrt. Dabei nimmt es viele Fluͤſſigkeit zu ſich und vertraͤgt überhaupt ein viel groͤ⸗ ßeres Maas von Waͤſſrigkeit unter dem Futter, als unſere uͤbrigen groͤßeren Hausthiere. —₰ ——— — — 272— §. 607. Das Schwein hat 12 im Ober⸗ und Unter⸗ kiefer gleich vertheilte ſchmale Schneide⸗ und 24 Backenzähne, zwiſchen dieſen und jenen a Hauer oder Hackenzähne. Der Zahnwechſel geht vom Ende des erſten bis zum dritten Jahre vor ſich, jedoch weniger regelmäßig, als bei andern Haus⸗ thieren. Der Bau der Zahne zeigt, daß ſie zum Zerklei⸗ nern ſehr verſchiedenartiger Nahrungsmittel beſtimmt ſind. §. 608. Der eigenthuͤmliche Bau der Schnauze, des Rüſſels, deutet auf den Gebrauch zum Wühlen, um die unter dem Boden ſich findenden Nahrungsmittel ſich anzu⸗ eignen. §. 609. Das Schwein hat einen ungetheilten, mittel⸗ großen Magen und verhältnißmäßig langen Darmcanal; ſeine Eingeweide ſollen mit denen des Menſchen Aehnlichkeit ha⸗ ben. Es iſt ſehr gefräßig und verdaut ſchnell; es kann je⸗ doch auch durch übermaͤßigen Genuß ſchwer verdaulicher Nahrungsmittel leicht gefährlich erkranken. §. 610. Es nimmt nach Verhaͤltniß der ihm zu Theil werdenden Nahrung an Koͤrperumfang ſchneller, als die an⸗ dern unſerer groͤßeren Hausthiere zu und ſetzt bei einiger⸗ maßen reichlicher Nahrung auch verhaͤltnißmäßig mehr Fett, beſonders feſten Speck unter der Haut, an, als das Rind oder Schaf. 4 §. 611. Schon vor Ablauf des erſten Jahres ſind die jungen Schweine zeugungsfaͤhig. Die gewoͤhnliche Dauer der Traͤchtigkeit iſt 16 bis 17 Wochen(im Durchſchnitt 115 Tage), und in der Regel kann das Mutterſchwein jaͤhrlich zweimal Junge bringen. Es wirft deren auf einmal 4— 12 Stuͤck und mehr. In England brachte, nach Sinclär, ein Mutterſchwein in 5 Würfen 112, und ein chineſiſches Schwein in Würfen 76 Junge. Schmalz erzählt, daß im Altenburgiſchen ein Mutterſchwein in 2 Jahren fünfmal und im Ganzen in dieſer Zeit 55 Junge bekam. Unter⸗ tngäͤhne, ne. Det ten Jahr rn Hau⸗ Zerkl⸗ it ſind. uze, d „um i ich anze kittel al; ſeine chkeit ha⸗ kann je⸗ dauliche zu Thel ls die on⸗ jeiniger nhr Fet ds Find ſind dit e Dauer hnitt 115 jührlich a1 4-12 hwein in 76 Junge. wein i? hekam. — 273— §. 612. Die Dauer des Wachsthums geht bis ins vierte Jahr und noch weiter. Das Schwein ſoll auch ein Alter von 20 Jahren erreichen koͤnnen; es iſt aber ſchon eine Seltenheit, wenn man es halb ſo alt werden laͤßt. §. 613. Im Allgemeinen iſt das Schwein ein ziemlich ſtumpfſinniges Thier. Am meiſten iſt der Geruchsorgan bei ihm ausgebildet. Aufgereizt kann es leicht in wuthartigen Zorn gerathen und iſt dann, beſonders der Eber, gefährlich. §. 614. Die jungen Schweine heißen Ferkel; das männliche Schwein nennt man: Eber, Keuler, Baͤr, Faſelſchwein ꝛc., das weibliche: Mutterſchwein, Zuchtſau, Bache, Docke; die verſchnittenen maͤnnlichen Thiere nennt man gewoͤhnlich Bark, Bork,— die ver⸗ ſchnittenen weiblichen: Nonne. Junge, heranwachſende Schweine nennt man an manchen Orten auch Faſel ſ chweine, zewöhnlich Laͤuferſchweine. DFweites Capitel,. Von den Racen der Schweine. §. 615. Die Zahl der bemerkenswertheren Racen der Schweine iſt nicht unbedeutend. Wir theilen ſolche haupt⸗ ſaͤchlich nach dem Körperumfang, den ſie für gewoͤhnlich er⸗ reichen, in große, mittelgroße und kleine ein. Uebrigens läßt ſich bei keiner Hausthierart ſo leicht und ſchnell durch Fütterung und Haltung auf Vergrößerung einwfrken, als bei dem Schweine. I. Große Racen. §. 616. Die hierher zu rechnenden Racen können zu⸗ ſammen für eine Haupt⸗Race gelten. Sie haben einen Pabſt Landwirthſchaft. II. 1. 18 1 3 — 274— ſehr langen Leib, hohe, etwas platte Seiten, ſchmalen Kopf mit langem Rüſſel und langen hangenden Ohren, weiche Borſten. Ihre Farbe iſt meiſtens weiß, oder ſchwarz und weiß. Sie wachſen erſt im dritten Jahre einigermaßen aus, und geben dann, gemaͤſtet, ein ſehr ſtarkes Gewicht von a bis 5 und mehr Centnern, darunter vielen feſten Speck. 1 Man hat Beiſpiele, daß dreijährige Schweine dieſer Hauptrace 8 Ceutner Schlächtergewicht erreichten. §. 617. Es ſind namentlich hierunter anzufuͤhren: 1) Die oſtfrieſiſche und niederländiſche Race, beſonders lang und groß, aber weichlich. 2) Die Champagner⸗ und normaͤniſche Race, ſchwer auszumaͤſten, aber dann von großem Gewichte; beſonders durch die außerordentliche Länge des Leibs und die ſehr langen hängenden Ohren kenntlich. 3) Mehrere große engliſche Racen, namentlich die Hampſhire⸗ und die Rudgwick⸗Race. 4) Die große deutſche Land⸗Race, wie ſie ſich in Weſtpfahlen, auf dem Weſterwalde, in mehreren Gegenden von Baiern und Böhmen ꝛc. findet; nicht ganz ſo lang und ſchwer, als die frieſiſche und Champagner⸗Race, dagegen breiter im Ruͤcken, früher ſchlachtbar, ſchneller zu mäſten, weniger weichlich. In mehreren Gegenden von Deutſchland, wo die Schweinezucht ſtark betrieben wird, geht die große Race in eine mittlere, zwiſchen dieſer und der nachfolgenden Hauptabtheilung ſtehende über, z. B. in Thüringen, Altenburg, vielen Theilen von Baiern ꝛc. Auch iſt an vielen Orten die Zucht verbaſtardirt und gehört gar keiner be⸗ ſtimmten Race an. II. Mittelgroße Racen. §. 618. Dieſe Racen ſind kuͤrzer von Leib, haben meiſtens einen mehr aufwaͤrts gebogenen Rücken, etwas hohe Beine, kürzeren, breiteren Kopf, mit mehr aufrecht⸗ ſchwalen Ohren, e ſchwen germaßen Gericht ſeen feſtn Hauptrar hren: eRace Ract, hewichte; 3 und d amentlich ſe ſch i Gegenden lang und dagegen mäſten, weinezuct , zwiſchen r, 3.3. Auch iſt keiner be⸗ b, baben , etwas tufucht⸗ — 275— ſtehenden, kuͤrzeren Ohren, rauhere Borſten; ſind weniger weichlich, fruͤher ſchlachtbar, können aber auch leicht auf ein Gewicht von 3 bis à Centnern gebracht werden, und haben meiſtens gutes Fleiſch und feſten Speck. §. 619. Wir haben als hierher gehoͤrig anzuführen: 1) Die in vielen Gegenden Deutſchlands ein⸗ heimiſche gewoͤhnliche Landrace, in einigen Gegen⸗ den, zum Unterſchied von den großen langen Schweinen, auch Karpfenſchweine genannt; häufig zu finden in Heſſen, Thüringen, Sachſen ꝛc., und haͤufig ſich annähernd an die vorige Abtheilung, und dann wegen ihres weniger ſpitzen, dagegen breiteren Rückens weit ſchäͤtzbarer, als die ſogenannten Karpfenſchweine. Von Farbe ſind unſere ge⸗ woͤhnlichen Schweine ſehr verſchieden, als weiß, ſchwarz, grau, beſonders ſchaͤckig, in Baiern namentlich roth⸗ oder gelbroth⸗ ſcheckig. 2) Die ungariſche, noldaujſche, bosniſche, ſyrmiſche Race; eine ſehr conſtante Haupt⸗Race mit mittellangem, ziemlich breitem Koͤrper, rauhen, mitunter etwas gekraͤuſelten dunklen Borſten, an rauhe Behandlung gewöhnt, fruchtbar und, wenn nur einigermaßen die Nah⸗ rung gut, ſtets bei Fleiſch, das jedoch nicht ſehr zart iſt. Dieſe Race iſt gewiſſermaßen eine halbwilde zu nennen und hat auch in ihrem Aeußeren mit dem wilden Schweine große Aehnlichkeit. 3) Einige in England aus der Kreutzung der großen und der chineſiſchen Race gebildete Mittelracen, wie die von M. Witt und andern; dort ſehr geruͤhmt und beliebt. III. Kleine Racen. §. 620. In Oſtindien, China, auf dem Cap ꝛc. iſt eine von unſeren gewoͤhnlichen Schweinen ſehr verſchie⸗ dene Haupt⸗Race einheimiſch, welche ſich durch kurzen run⸗ den, tiefen, oft bis zur Erde haͤngenden Leib, feine, kurze 18* 276— Beine, dicken, breiten Kopf, ſehr dicke, zum Theil faltige Haut mit weichen, mehr haarartigen Borſten, meiſtens von ſchwarzer Farbe, auszeichnet. Dieſe Schweine ſind ſo zu ſagen ſtets fett, geben ein zartes, mit Fett ſchoͤn durch⸗ wachſenes Fleiſch, jedoch nur weichen und wenig Speck, ſind frühe ausgewachſen und erreichen ſelten ein Gewicht über 2 Centner; auch ſind ſie ſehr fruchtbar. In Eugland ſoll ein chineſiſches Mutterſchwein in 11 Jahren 355 Junge gebracht haben. §. 621. Dieſe Haupt⸗Race läͤßt ſich nach den genann⸗ ten und andern Laͤndern, wo ſie ſich ſindet, wieder in meh⸗ rere Unter⸗Racen theilen. Wenn ſchon ſie in England häu⸗ fig gezüchtet wird, auch in Deutſchland eine Zeit lang ſehr gerühmt und haͤufig zu züchten verſucht ward; ſo hat ſie ſich doch für unſere Verhältniſſe nicht bewaͤhrt. In Spanien erxiſtirt eine ähnliche Race unter der Beuennung Merinos⸗Schweine, wahrſcheinlich abſtammend von der nord⸗ africaniſchen Race; auch in Südamerika ſoll ſich eine ſolche Race (wahrſcheinlich aus Spanien oder Portugall früher dahin verpflanzt) ſinden. Drittes Kapitel. Von der Paarung und Aufzucht. 1) Auswahl der Zuchthiere. §. 622. Indem wir für unſere gewöhnlicheren land⸗ wirthſchaftlichen Verhältniſſe von den kleinen Racen abſehen, bleibt uns je nach den Localverhaͤltniſſen, unter den großen oder mittelgroßen Racen eine der beſſeren zu waͤhlen. Vor Allem ſehe man auf Zuchtthiere, von denen man, nach ihrer Jfaltige deus von ad ſo zu in durt⸗ 3 Ortt icht i tl Jahta 1 genan⸗ ein mei⸗ land hän⸗ ſlang ſehr that ſie Benenuung der notd⸗ lche Nat verpflauzt ten lau abſchen, en onthen ien. Vor nch ihrer — 277— Abſtammung, verſichert iſt, daß ſie ſich durch ſchnelles Her⸗ anwachſon und gute Eigenſchaften zur Maſtung auszeichnen. Werden die Schweine großentheils anf der Weide gehalten, und ſind ſie in Folge deſſen einer etwas ranhen Behandlung ausgeſetzt, ſo iſt noch beſonders zu beachten, die Zuchtthiere von keinem zu ſehr verweichlichten Stamme zu wählen. §. 623. Bei der Auswahl der Mutterſchweine ſoll man weiter beſonders darauf Rückſicht nehmen, daß ſie von frucht⸗ baren, durch das Aufbringen einer zahlreichen Nachzucht ausgezeichneten Müttern abſtammen und nicht weniger als 12 Späne(Zitzen) haben; ferner daß ſie recht ruhiger Art ſind. Man findet häͤufig bei Thieren von ein und derſelben Race einen großen Unterſchied in der Fruchtbarkeit. Auch haben manche Mutter⸗ ſchweine die ſchlimme Gewohnheit, viele ihrer Jungen todt zu lie⸗ den, ja ſie ſogar aufzufreſſen: ſolche, welche das letztere einmal ge⸗ than haben, darf man nicht wieder zur Zucht verwenden. §. 623. Auch beim Eber iſt, außer der Abſtammung von guter Race uͤberhaupt, auf die Abſtammung von einem recht guten, fruchtbaren Mutterſchweine zu ſehen. Daß man auch auf vollkommenen, guten, kräftigen Bau bei der Wahl des Ebers beſonders zu ſehen hat, gilt hier ſo gut, als bei der Wahl anderer männlichen Zuchtthiere. §. 625. Das Alter, in welchem man die Schweine zum erſtenmal zulaſſen darf, hängt hauptſächlich davon ab, von welcher Abart ſie ſtammen, und wie ſie aufgezogen wor⸗ den ſind. Jedenfalls dürfen die Schweine ohne Nachtheil ſchon zugelaſſen werden, wenn ſie ohngefaͤhr halb ausge⸗ wachſen ſind, ſobald ſie nur vor⸗ und nachher gut gepflegt werden. Von Jugend auf gut gepflegte Schweine von den großen, ſich langſamer ausbildenden Racen darf man deß⸗ halb ſchon paaren, wenn ſie ein Jahr alt ſind, ſolche von den kleineren, ſchneller auswachſenden Racen ſogar ſchon im Alter von 8 bis 9 Monaten. 28—= Mehrere Schriftſteller haben eingnder nachgeſchrieben, daß das Schwein erſt mit 1 ½ his 2 Jahren zugelaſſen werden dürfe; dieß mag für die gelten, welche ihre Schweine von Jagend auf ſchlecht nähren, d. h. das ſchlechteſte Verfahren beobachten, das man bei der Schweinezucht in Anwendung bringen kann. Daß man dem jungen Eber im erſten Jahre ſeines Gebrauchs eine geringere Zahl von Mutterſchweinen zutheilen ſoll, als in ſpäte⸗ rem Alter(§. 629) verſteht ſich ſchon von ſelbſt. §. 626. Die jungen Mutterſchweine bringen faſt im⸗ mer bei den erſten Würfen nicht die volle Zahl von Jungen, wie ſpaͤter. Man thut deßhalb in der Regel nicht wohl daran, ſie, nachdem ſie erſt zwei⸗ bis dreimal geworfen ha⸗ ben, ſchon wieder abzuſchaffen, ſondern ſoll ſte, wenn ſie ſich gut erweiſen, bis zum 5. bis 6. Jahre, ja unter Um⸗ ſtänden bis zum 8. Jahre beibehalten. Sind die Mutterſchweine äiter als 7 bis 8 Jahre geworden, ſo ſind ſie alsdann zu ſchwer zu mäſten und deßhalb iſt eine allzulange Beibehaltung derſelben zur Zucht auch nicht rathſam. §. 627. Die Zucht⸗Eber behält man nicht gerne länger als bis zum 3. bis 1. Jahre bei, weil ſie in dieſem Alter häufig ſchon ſehr boͤſe und deßhalb für Menſchen oder auch für andere Thiere gefährlich werden; auch wird das Fleiſch von den Ebern, ſelbſt wenn ſie vor der Maſtung— wie gewoͤhnlich geſchieht— erſt caſtrirt werden, um ſo unbrauch⸗ barer, je aͤlter ſie ſind. 2 Die Paarung. §. 628. Die Mutterſchweine werden zu jeder Jahres⸗ zeit bruͤnſtig. Gewöhnlich ſtellt ſich das Verlangen zur Be⸗ gattung 3 bis à Wochen nach dem Abſetzen der Ferkel wie⸗ der ein, wenn das Mutterſchwein gut genaͤhrt wird, und in der Regel ſucht man es ſo einzurichten, daß ſie jährlich zweimal, ohngefähr jedesmal um dieſelben Perioden Ferkel werfen. Dieſe Zeit iſt verſchieden, je nachdem man alaubt die Ferkel gut abſetzen oder aufziehen zu können. Früher als um Lichtmeß, viel⸗ daß das die; dieß nuj ſälecht 5 nan bei Gebrauct t in ſoite faſt im. Jungen, icht wohl orfen he wenn ſie ter Um⸗ vorden, ſo allzulange ie länget em Altter der auch Fleiſch — wie ſbrauch⸗ Jahres⸗ zur Be⸗ rkel wie⸗ ard, und e jihrlich en gerke gerke gut nneß, die — 279— mehr lieber etwas näher gegen das Fruͤhjahr hin, läßt man den erſten Wurf nicht kommen, weil die mitten im Winter fallenden Fer⸗ kel leicht zu ſehr von der Kälte leiden; der zweite Wurf fäͤllt ge⸗ wöhnlich in dem Nachſommer.. §. 629. Ein ſtarker, gut gefütterter Eber verſieht, je nachdem die Zeit zur Begattung ſich mehr oder weniger zu⸗ ſammendraͤngt, 30 bis 50 Mutterſchweine. 3) Das Ferkeln. §. 630. Die im Durchſchnitt 115 Tage traͤchtigen Mutterſchweine(ſ.§. 611) verlangen lediglich die Beobach⸗ tung der allgemeinen Regeln für die Pflege der träͤchtigen Thiere(§. 65). Auch muß jedes Mutterſchwein ſeinen eige⸗ nen geraͤumigen Stall haben, und in der letzten Zeit der Trächtigkeit beſonders in Ruhe gelaſſen werden. Blähende, oder auf Verſtopfung wirkende, zu hitzige Futterſtoffe verurſachen leicht ein Verwerfen, was auch für das Leben der Mut⸗ terſchweine oft Gefahr bringet. §. 631. Wenn die Zeit der Geburt nahe iſt, ſo macht das Mutterſchwein ein Neſt, verſchmaͤht auch die gewöhn⸗ liche Nahrung großentheils. Die Streu muß dann friſch und weich, aber ja nicht zu reichlich ſeyn. Die Nahrung ſey leicht und kuͤhlend; doch laſſe man die Thiere auch ja nicht vorher Hunger leiden. Auch entferne man die Nach⸗ geburten ſogleich. Außerdem beobachte man das gebährende Mutterſchwein ſtille und beunruhige es ſo wenig als möglich. Das Hungrigſeyn der gebährenden Schweine, ſo wie das Liegen⸗ bleiben der Nachgeburten oder todt gedrückten oder todtgebornen Fer⸗ kel gibt leicht Veranlaſſung zu der ſchlimmen Gewohnheit, die Jun⸗ gen aufzufreſſen(§. 623). Zu reichliche Streu mit ungekürztem Stroh, oder auch unnöthige Beunruhigung, veranlaſſen häufig das Erdrücken der erſtgebornen Ferkel während der Geburt der nachfol⸗ genden.— Daß jedes Ferkel in einer beſonderen Schafhaut liege (§. 66) bedarf kaum der Anführung. 3 §. 632. Nach vollendeter Geburt gebe man dem Mut⸗ terſchwein leicht verdauliche Suppen von ſaurer Milch, b — 280— Waſſer, etwas Mehl oder Schroth und wenig Oel⸗ kuchen. §. 633. Ein gutes Mutterſchwein ſoll in der Regel g bis 10 lebendige Ferkel bringen. Erſtlinge bringen jedoch oͤfters nur 5 bis 6 Stück(ſ.§. 626). Wenn man im Durchſchnitt von einem Mutterſchweine in 2 Würfen jährlich 15 Ferkel aufbringt, ſo iſt die Zucht eine glückliche zu nennen. Bringt ein Mutterſchwein mehr Junge, als ſie Späne hat, ſo müſſen die ſchwächſten Ferkel weggethan werden. 4) Aufzucht der Ferkel. §. 634. Während der Saͤugezeit, welche gewoͤhnlich 6 hoͤchſtens 7 Wochen dauert, ſind kraͤftige und nicht zu ſaure Futtermittel fuͤr die Mutterſchweine beſonders am Platze, wie gequellte Erbſen, Gerſtenſchrot, Molken, gute Troͤbern, gekochte Kartoffeln ꝛc. Man bedenke nur, daß das ſäugende Munterſchwein eine große Zahl von Jungen ernähren muß. §. 635. Sind die Ferkel 3 Wochen alt, ſo gibt man ihnen, am beſten in einem Nebenſtällchen, in das ſie durch eine kleine mit einem Schieber verſehene Oeffnung aus dem Hauptſtalle kommen koͤnnen, taͤglich mehrmal ſüße Kuhmilch, welche ſie auch in der erſten Zeit nach dem Abſetzen taͤglich viermal erhalten ſollen. Etwa s8 Tage nach dem Entwöh⸗ nen zieht man allmählich an der ſuͤßen Milch ab, und ge⸗ wöhnt ſie an abgerahmte. Auch kann man ihnen jetzt ſchon etwas Körner geben. Haben ſie jenes Futter noch à bis 5 Wochen lang als Hauptnahrung erhalten, ſo geht man zu dem gewöhnlichen Futter der Läuferſchweine uͤber. Durch Zuſatz von etwas Korn⸗ oder Gerſtenſchroth, gekochten Erbſen, gekochten, gut zerkleinerten Kartoffeln, Molken ꝛc. kann an dem Milchfutter ein Theil geſpart werden, das übrigens das beſte Hülfsmittel zum glücklichen Aufziehen junger Schweine iſt. Man vermeide beſonders bei ihnen zu ſaures, zu wäſſriges, zu ſchwer ver⸗ dauliches Futter, und gebe ihnen das Beſtimmte weder heiß noch zu kalt. 8 ſezen währ Enta un Oel de Regel gen ſaoch weine in? ſe glüͤcklihe ſie Syi voͤhnlich zu ſaure n Paätz, Teöbern, eine große gibt man ſie durch aus dem uhmilch, täglich Entwöh⸗ und ge⸗ t ſchon 4 bis 5 man zu gekochten . kann ad das beſte iſt. Man ſchwer ber⸗ heij loch — 281— Die Mutterſchweine werden einige Tage vor dem gänzlichen Ab⸗ ſetzen und in den erſten Tagen nachher mit ſchmalerer Koſt genährt, während man den Ferkeln ſchon in den letzten Tagen vor Hunzlichem Entwöhnen an Milch zuſetzt. §. 636. Die jungen Schweine muͤſſen öfters an die Luft und zu Waſſer kommen; auch koͤnnen ſie ſchon in der letzten Zeit vor dem Entwoͤhnen bei gutem Wetter mit der Mutter taͤglich einige Stunden auf eine nahe Weide gelaſ⸗ ſen, und auch kurze Zeit nach dem Entwoͤhnen kann eine ſolche Weide bei gutem Wetter für ſie benutzt werden.— Außerdem hat man auf reinliches, im Winter recht warmes Lager, ſowie darauf zu ſehen, daß nicht zu viele Ferkel in einem Stalle zuſammen ſind und die ſchwaͤcheren von den ſtärkeren abgeſondert werden. Schlechte Ställe, Unreinlichkeit, beſonders zu viel Näſſe im Stalle, veranlaſſen, gleichwie unangemeſſenes Futter, Ausſchlag, Läuſe, Durchfall, ſchlechtes Gedeihen überhaupt und häufiges Ster⸗ ben der Ferkel. §. 637. Zur Fortzucht werden die ſchönſten Ferkel, am liebſten die vom Frühjahrswurfe, ausgewählt. Die nicht zur Zucht beſtimmten jungen Schweine, beiderlei Geſchlecht, werden ſodann, um ſie zur Maſtung geeigneter zu machen, im Al⸗ ter von etwa a Wochen caſtrirt, was gefahrlos iſt, ſobald es von einem Sachverſtändigen mit der gehoͤrigen Vorſicht geſchieht. Ueberall, wo Schweinezucht getrieben wird, findet man auch Leute, welche ſich mit dieſem Geſchäfte beſonders abgeben.— Manche Schweinezüchter laſſen lieber ſpäter caſtriren; das Riſico iſt aber alsdann ſchon größer, und deßhalb bleibt das Caſtriren während der Säugezeit vorzuziehen. §. 638. Die zur Fortzucht beſtimmten jungen Eber müſſen ſchon in einem Alter von 3 bis 4 Monaten von den jungen Mutterſchweinen getrennt werden. —— — 282— Viertes Kapitel. Von der Pflege. §. 639. Um Schweine, mit entſchiedenem Vortheile zu halten, iſt eine ſtets reichliche, gute Fütterung derſelben erſte, und die Verwendung ſolcher Futtermittel, welche die Wirthſchaft nicht zu theuer zu ſtehen kommen, zweite Be⸗ dingung. Nur bei den zur Zucht beſtimmten jungen Mutterſchweinen und Ebern, oder auch bei den älteren Zuchtmutterſchweinen kann eine übertrieben gute Ernährung, eine eigentliche Maſtfütterung, unnütz genannt werden. §. 640. Wir betrachten die Pflege der Schweine näher in den Unterabtheilungen: 1¹) von der Ernaͤhrung auf dem Stalle; 2) von der Ernaͤhrung auf der Weide; 3) von der ſonſtigen Pflege. Bei der Ernährung auf dem Stalle iſt auch die Sommerernäh⸗ rung überall da, wo man nicht zur Weide treibt, mitbegriffen. I. Ernährung auf dem Stalle. §. 641. Die gewöhnlich vorkommenden und fuͤr Schweine vorzugsweiſe geeigneten Stallfuͤtterungsmittel ſind: 1) Ab⸗ faͤlle aus der Kuͤche, namentlich Spühlicht, Gemuͤſe⸗ blaͤtter, Speiſenreſte ꝛc.— 2) Abfaͤlle aus Gaͤrten und Feldern, wie ausgezogene uͤberflüſſige Pflanzen, Blät⸗ ter, junge Diſteln und anderes weiches, der Geſundheit der Thiere nicht ſchaͤdliches Unkraut.— 3) Abfälle der Mol⸗ kerei, namentlich abgerahmte Milch, ſoferne dieſelbe auf andere Weiſe nicht hoͤher zu verwerthen; dann die Molken.— 4) Kartoffeln, Rüben und anderes Wurzelwerk, auch Kohl⸗ und Rübenblätter.— 5) Zartes(durchaus nicht hartſtengliches) Gruͤnfutter, namentlich Klee, Erbſen, Wicken ꝛc.— 6) Troöͤbern oder Schlempe ꝛc. aus Vortheie derſelben velche di veite Re veinen und kann eime 3, unnüh ie näͤher auf dem von der merernäͤſ⸗ iffen. chweine 1) Ab⸗ Gemuͤſe⸗ zͤrten „Blät⸗ heit der r Mol⸗ elbe auf olken. elwer! aus licht b Ethſen, . aus — 283— Brau⸗ und Brennereien, Abfaͤlle der Stärke⸗ und Zucker⸗ fabriken.— 7) Kürbiſſe.— 3) Verſchiedenes, geringes Obſt, auch Treſtern von Obſt und Trauben.— Eicheln, Bücheln, Kaſtanien ꝛc.— 10) Spreu, Kaff, nament⸗ lich auch von Leinſaamen.— 11) Alle Arten von Koͤr⸗ nern; dann Kleye, Mühlſtaub ꝛc., auch Oelkuchen, be⸗ ſonders Mohnkuchen. Manche Gewächſe ſind für die Schweine vorzugsweiſe giftig, z. B. der Champignon; von dem Genuſſe grünen Buchwei⸗ gens ſollen, ſobald die Sonne unmittelbar danach ſie beſcheint, die Schweine, und zwar vorzugsweiſe die von weißer Farbe, geſchwol⸗ lene Köpfe bekommen und taumelich werden. 642. In Bezug auf die Zubereitung dieſer Fut⸗ terſtoffe iſt ein Kochen, unter Umſtänden auch Quellen, der feſteren oder roheren, und dann Vermiſchen der eonſiſtente⸗ ren mit den flüſſigeren, ſtets ſehr zu empfehlen. Alles Wur⸗ zelwerk wird namentlich beſſer gekocht, und mit Waſſer oder Spuͤhlicht verruͤhrt und verdünnt, als roh gefüttert. Fut⸗ tergegenſtaͤnde, wie Kaff, Leinſaamenſpreu ꝛc., müſſen durch⸗ aus vorher angebrüht ſeyn, wenn man ſie mit Vortheil für Schweine verwenden will. Rohes Obſt macht ſtumpfe Zähne und bläht leicht, darf deßhalb um ſo weniger in Menge ge⸗ fuͤttert werden, je unreifer und ſaurer es iſt. Die Koͤrner kann man zwar roh fuͤttern; ſicherer und erfolgreicher aber iſt es, ſie zu ſchroten, zu quellen oder zu kochen. Gegohr⸗ nes Futter aller Art iſt den Schweinen angemeſſen, nament⸗ lich gilt dieß auch vom Getreide, von Rüben, Kraut u. ſ. w. Auch das fuͤr die Schweine beſtimmte Gruͤnfutter laͤßt man am beſten mit Molken, Spuͤhlicht und dergleichen etwas in ſaure Gaͤhrung übergehen. Die Abfaͤlle der Kartoffelſtärkefabriken ſoll man vorher mit Dampf zu kochen ſuchen; die von Wei⸗ tzenſtaͤrke koͤnnen auch roh mit anderem Futter vermiſcht ge⸗ geben werden, doch duͤrfte auch hier das Dampfkochen zu empfehlen ſeyn. Die Obſt⸗ und Weintreſtern werden ſo⸗ 4 ——— ð—— — 284— gleich nach dem Keltern, ehe ſie ſich auf Haufen erhitzt haben, mit etwas Salz eingeſchlagen, und ſpäter als ge⸗ gohrnes Futter gegeben. Das Schwein verträgt mäßig geſäuertes Futter, wie ſaure Milch, gutes Brandweinſpühlicht, Sauerteig ꝛc. ſehr gut, ja manche halb in Fäulniß übergegangene, namentlich thieriſche, Stoffe bekommen ihm gut; zu viele Säure dagegen iſt ihm nicht zuträglich; deßhalb wirkt allzuſaure Brandweinſchlempe ſchon nicht gut, beſonders bei jungen Schweinen. Auch hat man ſich ſehr zu hüten, dem Schweine das Futter zu heiß zu geben. §. 643. In Bezug auf Zuſammenſetzung der Futtermittel dient zum Anhalten, daß die Abfälle der Mol⸗ kereien, die Bier⸗ und Brandweintroͤbern, das aus Koͤrnern bereitete Futter, das Wurzelwerk, namentlich die Kartoffeln, jedes für ſich allein, ſehr wohl zur Fütterung der Schweine verwendet werden können; in vielen Fällen wird man je⸗ doch eine Zuſammenſetzung aus mehreren jener oder zum Theil noch anderer Futterſtoffe, theils des geringeren Auf⸗ wandes, theils der hoͤheren Wirkung wegen, auch bei den Schweinen vorziehen. Küchenſpühlicht, Gartenabfaͤlle, Kür⸗ biſſe, Obſt, Treſtern, Spreu ꝛc. ſind theils zu wäſſrige, oder doch zu gehaltloſe, theils(z. B. Obſt) für ſich allein nicht geſunde Nahrungsſtoffe; deßhalb gehört ſtets ein Zu⸗ ſatz von kräftigerem Futter dazu. Ueber die vorzüglichſten Maſtfuttermittel ſ.§. 670. §. 643. Was die zu verabreichende Quantitaͤt an Futter betrifft, ſo iſt bei ſo verſchiedenartigem, häufig mit mehr oder weniger Waͤſſrigkeit verdünntem Futter, fer⸗ ner bei der verſchiedenen Groͤße der Schweine und der Ver⸗ ſchiedenheit der Zwecke, wozu ſie gehalten werden, das Auf⸗ ſtellen von allgemeinen Anhaltspunkten faſt ohnmöglich. So viel iſt gewiß, daß das Schwein nach Verhältniß ſeines Koͤrpergewichts im Leben, eher mehr als weniger Futter verlangt, als das Rind oder Schaf, wogegen es aber auch verhältnißmäßig wieder um ſo ſtärker wächſt oder ſonſt zu⸗ * erhitzt al ge⸗ anre Na, nauche halh hekommen h; deißeb ſonders bei Schweine ung de der Meo Färnen rattsfflr, Schweine man je⸗ der um ren Juf⸗ Hbei den le, Küt⸗ wäſſtige ch allein ein Zu⸗ it an hüuffg ;, fer⸗ er Ver⸗ 3s Auf⸗ h. So zſeines Juttet der auch ſouſt u⸗ — 283— nimmt. Ein im Leben 150 bis 200 Pfund wiegendes Schwein verlangt, um mäßig zuzunehmen, täglich 15 bis 20 Pfund Kartoffeln, oder 6 bis 7 Pfund Koͤrner, oder den Nahrungsſtoff dieſer in anderem Futter. Man vergleiche danach den Futterwerth der andern Stoffe, ſo⸗ weit er in der Tabelle§. 78 angegeben werden konnte und rechne bei größeren Schweinen nach Verhältniß. Körner, als ausſchließ⸗ liches Futter, dürften jedoch den im§. 78 angeſetzten Werth für die Schweine nicht ganz haben, wohl aber als Zuſatz zu anderen Stof⸗ fen. Näheres in Bezug auf Maſtung enthält§. 672. Bei der Mol⸗ kerei im Großen, wo Butter und Käſe gemacht wird, die Abfälle aber größtentheils den Schweinen gegeben werden, rechnet man auf je 4 bis 6 Kühe ein ohngefähr jähriges Schwein. Bei Brandwein⸗ brennereien kann man auf etwa 12 bis 15 Pfund conſumirtes Ge⸗ treide oder 40 bis 50 Pf. conſumirte Kartoffeln ein ſolches rechnen. §. 645. In Bezug auf Futterzeit gilt als Regel, daß das Schwein oft, aber nicht zu viel Futter auf einmal er⸗ halten ſoll. Man ſollte deßhalb nie weniger, als 4 Futter⸗ zeiten taͤglich haben. Auf vorheriges Ausputzen der Futter⸗ troͤge iſt vor jedesmaligem Einfüttern beſonders zu ſehen. Niiccht zur Maſt beſtimmte Schweine müſſen ſich jedoch häufig bei dreimaligem Füttern täglich begnügen. 1 II. Ernaͤhrung auf der Weide. §. 6u6. Die natürlichen Weiden für Schweine ſind: ſumpfige, ſchattige Plaͤtze mit lockerem Boden; Waͤlder, welche ihnen überall viele Nahrung bieten und denen die Schweine, ſo bald die erſten Heegejahre voruͤber ſind, eher nützen, als ſchaden. §. 6u7. Zur Beweidung der Felder taugen zwar in einigermaßen intelligent betriebenen oder für die Schafzucht geeigneten Wirthſchaften die Schweine in der Regel nicht; doch kann es angemeſſen ſeyn, ſie da, wo vieles Getreide ausgefallen iſt, auf die Stoppelfelder zu laſſen, ſo wie auch auf die Kartoffel⸗ und Ruͤbenfelder nach ſtattgehabter Ab⸗ aͤrndtung. In England laͤßt man auch öfters Klee⸗ und — ———— — 286— Erbſenfelder durch die Schweine abweiden, denen man einen Drath durch den Ruͤſſel gezogen hat, um das Wuͤhlen zu verhuͤten. §. 648. Durch eine angemeſſene Weide iſt uͤbrigens die Schweinezucht äußerſt begünſtigt, indem dadurch deren Haltung ungleich wohlfeiler, als bei der Stallfütterung koͤmmt. Deßhalb findet man auch hauptſächlich nur da die Schweinezucht in größerem Maßſtabe, wo ſich viele, anders nicht höher zu be⸗ nutzende Weide für ſie findet. Beſonders iſt die Waldweide in An⸗ ſchag zu bringen, zumal wenn es Maſtjahre in den Buchen⸗ und Eichwaldungen gibt. §. 649. Man kann mit den Sehwtinen zu jeder Jah⸗ reszeit, wo es Froſt, Schnee und zu ſchlechtes Wetter nicht verbieten, zur Weide treiben. Ueber Mittag muͤſſen ſie bei warmer Jahrszeit in Schatten und wo möglich zugleich zu Waſſer gebracht werden; wo dieß nicht thunlich, treibe man über Mittag in den Stall. Nach Erforderniß muß auf dem 6 Stanl Morgens und Abends ein Nebenfutter gereicht werden. Wo viele Waldweide vorhanden iſt und die Schweine in den Waldungen Schutz finden, bleiben ſie in manchen Ländern, z. B. in Ungarn, den größten Theils des Jahres hindurch Tag und Nacht im Freien. In einigen Gegenden, z. B. hier und da in den Niederlanden, wird auch mit den Schweinen getüdert(ſ.§. 190). III. Sonſtige Pflege. Stallung. §. 650. Von der Beſchaffenheit der Ställe hängt das gute Gedeihen der Schweine weſentlich ab. Ihre Lage ſoll trocken und warm ſeyn, jedoch ſollen ſie auch im Sommer kuͤhl gehalten werden können. §. 651. Man hat in der Hauptſache zweierlei Einrich⸗ tungen: entweder eine Reihe von Staͤllen neben einander in einem langen, ſchmalen Gebaude, oder man hat ein meinen len z ittigen ech dern ütterm veinezutt er zu he de in Ar chen⸗ und eer Jah⸗ ter nicht ſie bei gleich z dbe man auf den werden. te in den z. B. ij Nacht in erlanden, ngt das age ſol Sommer Einric einander dut tin — 287— groͤßeres Gebaude oder eine Abtheilung eines größeren, zu⸗ gleich fur Rindvieh dienenden Stallgebäudes, worin die ſo⸗ genannten Koven oder Koben(einzelne Stallabtheilungen füͤr die Schweine) angebracht ſind, zu denen man einzeln von einem Hauptgange aus gelangen kann, der fuͤr die jüngeren Schweine haͤufig zugleich als Futterplatz dient. Die zweit⸗ gedachte Einrichtung hat bei einer größeren Schweinehaltung vor der erſteren den Vorzug. Man kann dann in demſelben Gebäude mehr Schweine unter⸗ bringen, die Fütterung beſſer beſorgen, leichter warm oder kühl hal⸗ ten und die oberen Räume beſſer benutzen. §. 652. Die Ställe ſind am beſten von Stein erbaut und auch am zweckmaͤßigſten durch Steinplatten in Koven abgetheilt, weil leichte Wände, überhaupt Alles was von Holz iſt, von den Schweinen bald zerſtoͤrt werden; ſelbſt nicht ganz ſolides Pflaſter brechen ſie auf, deßhalb ziehen Manche auch Steinplatten zum Belegen des Bodens vor. Auf dieſen erkaͤlten ſich jedoch die Schweine leicht, daher wählt man an andern Orten zum Boden des Stalls lieber einen Roſt von rohem, ſtarkem Holz, durch den alle Jauche ſchnell abzieht. Für den Abzug der letzteren muß jedenfalls geſorgt ſeyn. §. 653. Die einzelne Kove ſoll in der Regel 30 bis 4a0 Quadratfuß groß und 5 bis 6 Fuß hoch ſeyn; ſie ſoll ihren Futtertrog, aus Stein gehauen, und dazu eine kleine Thüre zum Futtereingeben, außemdem noch eine Thüre zum Aus⸗ und Einlaſſen haben. Eine ſolche Kove faßt ein Mut⸗ terſchwein mit Ferkeln oder 2 bis 3 Maſt⸗, oder 3 bis 4 Läuferſchweine, oder 5 bis 6 abgeſetzte Ferkel. Bei einer ins Größere getriebenen Schweinehaltung macht man freilich die einzelnen Ställe weit größer und thut weit mehr Schweine in eine Abtheilung zuſammen; beſſer ſind jedoch die kleineren Koven; jedenfalls aber ſollen die zuſammengethanen Thiere ſtets von gleicher Stärke ſeyn.— Gut ſind auch Tröge von Eiſen, und zweckmäßig Thüren von runden in's Kreuz befeſtigten Eiſenſtäben, wenn nemlich —————— 6 — 288— die Koven in einem verſchloſſenen Raume(Schweinehaus) ſtehen. Zweckmäßige Einrichtungen für Schweinſtälle beſchreibt unter andern: Gerke im 3. Band ſeiner landwirthſchaftlichen Erfahrungen. Ham⸗ burg 1827. §. 654. Die Schweineſtälle ſollen mit einem Hofe in Verbindung ſtehen, in den die Schweine nach Erforderniß gelaſſen werden koͤnnen, da, wenigſtens in Bezug auf die ohne Weide aufzuziehenden jungen Schweine, das oͤftere Herauskommen ins Freie Beduͤrfniß zu ihrem guten Gedeihen iſt. Kann in dem Hofe ein Waſſerbehälter ſeyn, zu wel⸗ chem die Schweine gelangen können, ſo iſ dieß um ſo zweckmäßiger. Man hat auch Schweineſtälle, wo jede einzelne Kove ein klei⸗ nes mit einem Gitter geſchloſſenes Vorhöfchen hat. Streu, Traͤnke, Salzgeben. §. 655. Man haͤlt zwar in Fabriken, welche wenig oder gar nicht mit der Landwirthſchaft in Verbindung ge⸗ trieben werden, die Schweine ohne alle Streu, indem man ihnen groͤßere Staͤlle mit ſehr abhaͤngig gelegtem Bo⸗ den gibt, die Füttertröge an der tieferen Stelle des Stal⸗ les anbringt, für Abzug beſtens ſorgt, und die Ställe taͤg⸗ lich mehrmals reinigt. Viel gedeihlicher für ſie iſt jedoch ein mittelſt reichlicher Streu weich, trocken und warm ge⸗ haltenes Lager, bei dem zugleich durch fleißiges Ausmiſten die gehoͤrige Reinlichkeit erhalten wird. Die Schweine conſumiren viele Streu, zumal wenn das Futter ſehr wäſſrig und der Stall an ſich nicht völlig trocken iſt. §. 656. In der Regel iſt das Futter der Schweine ſchon ſo verdünnt, daß ſie keiner weiteren beſonderen Traͤnke beduͤrfen; bei der Weide muß jedoch dazu Gelegenheit gebo⸗ ten ſeyn und wenn allenfalls das Stallfutter nicht Flüſſig⸗ keit genug beſitzt, ſo darf das Anbieten oder Zumiſchen von Waſſer natuͤrlich auch nicht fehlen. ehaut) ſehn mntte aine tungen. hem nem Hoſti ˖Erfurden Sezug auf „ das iffm uten Geheize ehn, u we diß mn Kove iin cgelche ving eindung g⸗ reu, inen legen- ede Etal Stül tip jiſt jac warm ge Auömiſen das Futter Schweine en Tränte heit gehh⸗ ͤt Füſſy iſchen wn — 2839— Durch den Mangel an Waſſer im Sommer oder durch Trinken in der Hitze, nach längerer Entbehrung, entſtehen häufig Krautelten (§. 658). §. 657. Eine Zugabe von Salz ſcheint zwar den Schwei⸗ nen weniger Bedürfniß, als den grasfreſſenden Hausthieren zu ſeyn; es wird ihnen deßhalb ſeltener, und gewöhnlich nur bei Mangel an Appetit Salz gegeben; indeſſen iſt ihnen eine von Zeit zu Zeit verabreichte kleine Gabe Salz, heſondets bei der Maſtung(§. 671), immer zutraͤglich. Krankheiten. §. 658. Bei zweckmaͤßiger Haltung kommen wenig und ſelten Krankheiten bei den Schweinen vor. Stellen ſich aber dergleichen ein, ſo ſind ſie meiſtens ſchwierig zu heben. Die ſchlimmſten und am haäufigſten vorkommenden Krankheiten ſind: die Braͤune(brandige Halsgeſchwulſt), hauptſächlich von der Weide bei der Hitze, Fehlern in der Ernährung und Pflege, eigenthuͤmlichen Witterungsverhaͤlt⸗ niſſen entſtehend. 2) Lungenentzuͤndung und einige andere Entzündungskrankheiten. 3) Der Durchfall, faſt immer von ſchlechtem Futter und naſſen Ställen, Weiden bei naßkalter Witterung herrührend. 4) Die Raͤude der jungen Schweine iſt entweder Folge zu reichlicher Milch⸗ nahrung, meiſtens aber zu ſchlechter Pflege. 5) Das Ver⸗ fangen, theils vom Futter, theils vom Hetzen, Ueber⸗ treiben ꝛc., entſtehend. 6) Zu den Krankheiten der Schweine muͤſſen auch die im Fleiſche und Speck vorkommenden kleinen Geſchwuͤre, die ſogenannten Finnen, gezählt werden, welche von unpaſſender Fuͤtterung, ſchlechten Ställen ꝛc. herruͤhren, bei manchen Schweinen jedoch auch erblich ſind. Schweine, welche ſich überfreſſen haben und deßhalb krank er⸗ ſcheinen, muß man vor allen Dingen hungern laſſen; man giebt ih⸗ nen auch etwas Salz und Schießpulver. Pabſt Landwirthſchaft. II. 1.. 19 — 290— Fuͤnftes Kapitel. Von der Benutzung der Schweine. §. 659. Der Nutzen der Schweinehaltung haͤngt, ab⸗ geſehen von zweckmäßiger Pflege, vor allen Dingen davon ab, welche Futtermittel man dafür hat und wie hoch man dieſelben anſchlagen muß. S. 660. Wenn man die Schweine hauptſaͤchlich mit Kartoffeln und Koͤrnern das ganze Jahr hindurch auf dem Stalle ernaͤhren muß, ſo wird, ſelbſt bei nicht ſchlechten Verkaufspreißen, bei genauer Rechnung eine ausgedehntere Schweinezucht ſich faſt nie rechtfertigen; um ſo eher kann dieß dagegen der Fall ſeyn, wenn die Wirthſchaftsverhält⸗ niſſe paſſende Weide(ſ.§. 646 ff.) oder nicht hoch anzuſchla⸗ gende Abfaͤlle von techniſchen Betriebszweigen(von Brau⸗ und Brennereien, Mühlen ꝛc.) oder von einem groͤßeren Molkereibetriebe darbieten. Im erſteren Falle wird man daher meiſtens wohl daran thun, nur ſo viel Schweine zu halten, als zu Benutzung der Abfälle aus der Küche, von den Fruchtböden ꝛc. oder anderer Seits zu Befriedigung des Bedarfs an Schlachtſchweinen für den Haushalt erforderlich ſind (§. 599). §. 661. Man hat ſodann die Wahl unter dreierlei Betriebsweiſen, nämlich: 1) der Haltung von Zuchtmutter⸗ ſchweinen, 2) der Aufzucht von Laͤuferſchweinen, und 3) der Maſtung. Je nach den Umſtaͤnden wird man entweder eine dieſer Betriebsweiſen vorzugsweiſe, oder mehrere neben ein⸗ ander t beſtehend⸗ wählen. I. Haltung von Mutterſchweinen. §. 662. Die Haltung von Mutterſchweinen, in der Abſicht die davon fallenden Ferkel groͤßtentheils zu verkau⸗ int, ü en daben hoch m hlich mi auf den chlechten dehntere er kann zverhäl⸗ nzuſchle⸗ n Vra⸗ größtren dran thun, lle aut der ftiedigng erlich ſd dreierli tmutter⸗ d3) der eer eine ben ein⸗ „in Rr vekkau⸗ — 291— fen, bringt in der Regel vielen Vortheil, ſobald der Paa⸗ rung und Pflege der Zuchthiere die gehoͤrige Sorgfalt zu Theil wird, und ſobald es nicht an Gelegenheit zum Abſatze der Ferkel fehlt. Da kein Zweig unſerer größeren Viehzucht ſo ſchnell in der Nachzucht eine Vermehrung zuläßt, als die Schweinezucht, ſo iſt es begreiflich, daß die Preiße der eben abgeſetzten Saugferkel außerordentlich wechſeln, denn die vermehrte Nachfrage bei hohen Preißen hat gemeiniglich eine ſchnelle Vermehrung der Zucht, dieſe wieder geringe Preiße und Einſchränkung der Nachzucht zur Folge u. ſ. f. Es iſt keine Seltenheit, daß bei glücklichem Betriebe der Zucht (ſ.§. 633) der Verkauf der in einem Jahre von einem Mutter⸗ ſchweine gefallenen Ferkel mehr einträgt, als eine Kuh, welche ein Kälb gebracht und die gehörige Zeit Milch gegeben hat. Die Nähe von Städten, wo die drei⸗ bis vierwöchentlichen Ferkel(Spahnferkel) zum Schlachten Abſatz haben, ſichert vor gänz⸗ licher Stockung des Abſatzes; auch giebt es in vielen Gegenden Händler, welche die Saugferkel aufkaufen und in andere Gegenden treiben. §. 663. Sehr viel zum guten Abſatz der Ferkel trägt der Ruf einer guten Race(Zucht) und die richtige Wahl der Zeit bei, zu welcher man die Ferkel kommen läßt, der⸗ geſtalt, daß dieſe dem Begehr entſpricht, und daß man na⸗ mentlich gegen andere Züchter nicht zu ſpaͤt iſt(ſ.§. 628). §. 664. Als untergeordnet wird die Zucht betrieben, wenn man damit blos beabſichtigt, ſo viel Ferkel nachzu⸗ ziehen, als man Laͤuferſchweine halten will(§. 665). II. Haltung von Läuferſchweinen. §. 665. Wo die Localitaͤt fuͤr die Haltung von Zucht⸗ mutterſchweinen nicht günſtig iſt, auch die Maſtung nicht zur Hauptſache gemacht werden kann, weil Weide doer ſonſtige Futterſtoffe dafür nicht vorzugsweiſe geeignet ſind, oder der Abſatz für Maſtſchweine mangelt, haͤlt man hauptſächlich ſogenannte Läuferſchweine, welche man entweder ſelbſt nach⸗ zieht(§. 664) oder die man im Alter von 2 bis 3 Monaten 19* — 292— von Haͤndlern ankauft, um ſie, wenn ſie etwa 1 bis ³ Jahre alt ſind, wieder abzuſetzen. Die Mäſter, wie Bäcker, Müller, und alle die Hauswirthe, welche jährlich einige Schweine für ihren eigenen Bedarf einlegen, ſind dann hauptſächlich die Abnehmer ſolcher Läuferſchweine. §. 666. Dieſe Art der Schweinehaltung erfordert die wenigſte Sorgfalt und kann ſtets, nach Maasgabe des Fut⸗ ters oder des ſich darbietenden Abſatzes und Vortheils dabei, eingerichtet, d. h. vermehrt oder vermindert werden. Wirthſchaften, welche über Sommer geringe, jedoch ausgedehute Weide haben, im Winter ſtark Brandweinbrennerei treiben, wählen häufig dieſe Betriebsart. II. Die Maſtung. §. 667. Da die Maſtung die End⸗ und ſomit Haupt⸗ benutzung aller Schweine iſt, ſo erhellet ſchon daraus ihre Bedeutung, und wenn auch unter Umſtaͤnden eine von den beiden anderen Betriebsweiſen häufig den Vorzug hat, ſo wird doch die Maſtung fuͤr den eigenen Bedarf faſt überall nebenbei betrieben; oft aber gebuͤhrt ihr auch der Vorzug im Großen, weil die vorhandenen Futterſtoffe vorzugsweiſe dafür geeig⸗ net ſind, guter Abſatze für Schlachtſchweine vorhanden iſt, und die Maſtung deßhalb am meiſten einbringt. 1) Auswahl der Maſtſchweine. §. 668. Ob man größere(aͤltere) oder kleinere(jün⸗ gere) Schweine zur Maſtung waͤhlen ſoll, haͤngt von der Gelegenheit zum Abſatz ab. An manchen Orten, z. B. in der Naͤhe kleiner Staͤdte, ſteht man ſich beſſer, die Schweine nur gut heran zu füttern, ſogenannte Fleiſchſchweine dem Schlaͤchter zu liefern, zu welchem Ende man Thiere von den mittelgroßen Racen im Alter von 8 bis 12 Monaten waͤhlt, und gewiſſermaßen nur halbe Maſtung treibt. Bei groͤßeren Staͤdten, oder wo die Schlaͤchter auf den Handel mit Speck, nie ſſti ſachb lühe ſh, ii zuswitthe, funlege, . ordert w des du⸗ ils dabi, . usgedehat⸗ 1, wählen Haupr⸗ aus ihre von den ſo wird nebenbei Großen, t geeig⸗ den iſt, (ün⸗ on der B. in chweine pe den von den m wählt, grüͤßertn thec, — 293— Schinken ꝛc. vorzugsweiſe bedacht ſind, oder auch für den Bedarf des eigenen groͤßeren Haushaltes, muͤſſen ſogenannte Speckſchweine, d. h. ältere, ausgemäſtete Thiere, geliefert werden, wozu die einzulegenden Schweine bereits uͤber ein Jahr alt ſeyn, und von einer groͤßeren Race abſtammen ſollen. In jedem Falle ſollen die zur Maſt gewaͤhlten Schweine nicht in ſehr magerem Zuſtande, auch muͤſſen die zuſammen in einem Stalle zu maͤſtenden ſchon an einander gewoͤhnt und von gleicher Stärke ſeyn(§. 653). Einzelne unruhigere Thiere muß man allein legen, damit ſie der Maſtung der andern nicht ſchaden. §. 669. Am Beſten waͤhlt man zur Maſt Schweine, welche ſchon in der erſten Jugend caſtrirt wurden(§. 637). Die zur Zucht gebrauchten, ausgedienten Eber und Mutter⸗ ſchweine müſſen, um ſie mit Vortheil zu maͤſten, ebenfalls noch caſtrirt werden; doch ſind ſie immerhin fuͤr die Maſtung von geringerem Werthe, als jene. Uncaſtrirte oder auch unvollkommen caſtrirte Schweine werden nie gehörig fett. Das Verſchneiden der ausgedienten Mutterſchweine iſt übrigens mit einem nicht unbedeutenden Riſico verknüpft. Ein ſachverſtändiges Subjekt für die Operation vorausgeſetzt, wähle man kühle, doch nicht rauhe Witterung, und gebe in der erſten Zeit flüſ⸗ ſige, küblende, leicht verdauliche Futtermittel. 2) Maſtungsmethoden. §. 670. Man mäſtet hauptſächlich: a) Mit abge⸗ rahmter Milch oder mit Molken, welche zartes Fleiſch, aber, ohne Zuſatz feſterer Futterſtoffe, weichen Speck be⸗ wirken. b) Mit Kartoffeln und Rüben, ſehr geeignet zur Anmaſt; um gut auszumäſten, muß jedoch wenigſtens von der Mitte der Maſtzeit an ein Zuſatz von Koͤrnern oder anderem kräftigerem Futter gemacht werden. c) Mit Brand⸗ weinſchlempe, Biertröbern, Abfaͤllen der Stärk⸗ fabriken wird ſehr haͤufig mit Vortheil gemäſtet; mit bei⸗ — 294— den letzteren Stoffen kann auch eine ſehr gute Maſt vollbracht werden, weniger gut mit bloßer Brandweinſchlempe; wenig⸗ ſtens iſt zu ſolcher von der Kartoffelbrennerei ein Zuſatz von Getreide ſehr rathſam. d) Mit Koͤrnern, welche zwar die vollkommenſte Maſt bewirken, jedoch in der Regel auch die theuerſte, weßhalb es nur ſelten rathſam iſt, bloße Koͤr⸗ nermaſt zu treiben; um ſo mehr aber dienen ſie, wie bereits angefuͤhrt, als Zuſatz zu geringhaltigeren Futterſtoffen, we⸗ ſentlich zur Beförderung und Vollendung der Maſt. Man verwendet alle Arten Koͤrner; beſonders wirkſam ſind Mais, Erbſen, Bohnen, Roggen, Gerſte, Buchweitzen. Die Hülſenfrüchte werden häufig blos ſtark gequellt, beſſer zer⸗ kocht, gegeben; Gerſte, Roggen ꝛc. giebt man gewöhnlich geſchroten und mit anderem Futter angeruͤhrt; ganz beſon⸗ ders zu empfehlen ſind die als Sauerteig zubereiteten Körner; auch gemalztes oder in Brod verwandeltes Getreide mäſtet vortrefflich. e) Mit Eicheln und Bucheln, hauptſäch⸗ lich durch das Betreiben der Laubwaldungen in ſogenannten Maſtjahren, werden in waldreichen Gegenden viele Schweine gemaͤſtet(Waldmaſt). Man liebt die bloße Buchelmaſt nicht, da der Speck davon zu fluͤſſig wird; durch den Mitgenuß der Eicheln wird dem vorgebeugt. Ein Verſuch, die Körner geſchroten, gegohren und mit lauem Waſſer angerührt, zu füttern, lieferte ein um die Hälfte beſſeres Re⸗ ſultat, als das Füttern der rohen Körner. Oelkuchen bewirken als Hauptfutter keine gute Maſt. Ueber die Zubereitung des Muſtfut⸗ ters enthalten die§§. 642 u. 643 bereits das Nähere. §. 671. Um die Maſtung raſch, und mit moͤglichſtem Vortheile zu betreiben, müſſen die taͤglichen Futterzeiten vermehrt werden, dergeſtalt, daß man zum allerwenigſten viermal, beſſer fünfmal von Morgens fruͤh bis Abends ſpaͤt, unter Beobachtung regelmaͤßiger Zwiſchenraͤume, und unter ſtrenger Beachtung aller ſonſtigen fuͤr die Pflege der Schweine wichtigen Regeln, füttert. au nethü ſlbracht niwe, aſähven ſte zwtr egel ug lße Kir ie beten ffen, we t. NMm in Ma, en. N deſer zer⸗ wöhnlich z beſon⸗ Körner; de wͤſtet quptſäk⸗ ſenannten Schweine iſt rich, fitgenuß t lauem ſeres Re⸗ irken als Muſtfut⸗ gichſten tetzeiten venigſten ndd pä, ind unter Schveine =— 295— Regelmaͤßigkeit im Fättern, Reinlichkeit, gute Zubereitung der Futtermittel, Vorſicht, daß nicht zu viel auf einmal gegeben werde, verhüten am ſicherſten das bei Maſtſchweinen ſo gefährliche und zu⸗ rückſetzende Ueberfreſſen oder Verfangen, oder auch nur den ſich ſonſt leicht einſtellenden, das Fortſchreiten im Fettwerden hindernden Mangel an Freßluſt.— Man gebe auch öfters etwas Salz; viele Mäſter halten auch für gut alle 8— 10 Tage dem Maſtſchweine ein halbes Loth Antimonium(Spießglanz) zu geben. §. 672. Was ſchon§. 644 uber das Maas des taͤglich den Schweinen zu gebenden Futters geſagt iſt, darf wohl in Bezug auf die Maſtung in der Art angewendet werden, daß, Behufs einer vollſtaͤndigen Maſt, etwa die Haͤlfte mehr an Nahrungsſtoff anzunehmen iſt, als für die blos bei Fleiſch und in gutem Wachsthume zu erhaltenden Schweine ange⸗ nommen wurde. Man wird zu dem Ende für ein Schwein, das zu Anfang der Maſt gegen 200 Pf. lebend wiegt, wohl den Futterwerth von 10 Pf. Roggen täglich im Durchſchnitt zu rechnen haben. Zur näheren Be⸗ urtheilung mögen noch folgende Angaben dienen: Mayer rechnet auf ein Maſtſchwein(wie ſchwer iſt nicht geſagt) täglich 9 Pf., wenig⸗ ſtens zur Hälfte in Getreide beſtehend; Gerike für 16 Wochen 900 Pf. Roggen, alſo 8 Pf. täglich; Rudolf Andreé rechnet per Tag 30 bis 36 Pf. Kartoffeln und 4 ½ Pf. Gerſte für ein Maſtſchwein von 3 Ceutnern. Ueber die Gewichtszunahme nach Maasgabe des Futters ſind keine ſicheren Reſultate bekannt. Nach meinen Beobachtungen müſ⸗ ſen je 10 Pf. Getreide eine Zunahme von wenigſtens 1 Pf. Fleiſch und Fett bewirken.— 3) Dauer der Maſt. §. 673. Dieſe iſt bei den Schweinen ſehr verſchieden, nach dem Zuſtande, in welchem man ſie einlegt, der Art der Schweine, der Maſtungsmethode, dem Zwecke ꝛc. In 10 bis 12 Wochen kann ein in nicht ganz magerem Zuſtande eingelegtes, und zweckgemäß behandeltes Schwein ſchon in ſehr guten Zuſtand gebracht werden, und ſelten wird ſich eine viel laͤnger fortgeſetzte Maſt belohnen. — 296— Schlechte Maͤſter, oder ſolche, welche abgemagerte Schweine ein⸗ legen, mäſten freilich oft 4 Monate und länger. Gewöhnlich tritt bei vorſchreitender Maſt ein Zuſtand ein, in welchem die Schweine die bisherige Fnttermaſſe nicht mehr ganz zu ſich nehmen oder das gewohnte Futter verſchmähen; dann iſt nur durch auserleſeneres Futter noch ein Zunehmen zu erhalten. Es wird aber in ſolchem Falle meiſtens am vortheilhafteſten ſeyn, die Maſt zu beendigen. 4) Schaͤtzung der Maſtſchweine. §. 674. In Bezug auf Schaͤtzung und Verkauf gelten dieſelben Ruͤckſichten, welche§. 289 ff. für die Rindviehmaſt namhaft gemacht ſind. Das Zuſammenſtellen der Reſultate verſchiedener Wägungen führt ſodann zu dem Anhalten, daß je nachdem die Schweine mehr oder weniger ausgemäſtet ſind, 100 Pf. Gewicht im Leben 70 bis 77 Pf. Schlächtergewicht (den Kopf mitgewogen) gewaͤhren; dazn kommen noch 5 bis 10 Pf. Eingeweidefett(Schmeer). 100 Pf. Schlachterge⸗ wicht von fetten Schweinen müſſen ſodann 40 bis 50 Pf. Speck liefern.— Daß das Schwein mehr Schlächtergewicht als das Rind, im Vergleiche zum Gewicht im Leben, liefert, erklärt ſich, weil beim Schweine der Kopf und die Haut(Schwarte) mitgewogen werden, auch das Rind verhältnißmäßig mehr Futterbrei ꝛc. in ſeinen Einge⸗ weiden angehäuft enthält, als das Schwein. Bei Schweinen mit ſtarker Schwarte kann es vortheilhaft ſeyn, dieſe abzuthun und an den Gerber zu verkaufen, für den ſie einen nicht unbedeutenden Werth hat. La thi H. din de in Hau der in ter lan nü⸗ her bein eine ein⸗ din, in d danz m in iſt nur 8s wid die M f gaktn hjehmaſt eſultate en, daß tet ſind, ggewicht ch 5 bin ſchtergt⸗ 50 Pf. kind, im eil bein werden, Einge⸗ ft ſeyn, einen Fünfter Abſchnitt. Von der Zucht der minder wichtigen, an die bisher abgehandelten ſich noch anſchließenden Hausthiere. §. 675. Wir benutzen mitunter bei dem Betriebe der Landwirthſchaft nebenbei noch einige andere groͤßere Haus⸗ thiere; ihr Nutzen, und die Ausdehnung der Zucht und Haltung derſelben ſtehen jedoch zu den bis hieher abgehan⸗ delten vier Hauptnutzvieharten in einer ſehr untergeordneten Beziehung. §. 676. Dieſe Hausthiere ſind: 1) der Eſel, ſich an⸗ ſchließend an das Pferd; 2) das Maulthier, zwiſchen beiden in der Mitte ſtehend; 3) die Ziege, ſich anſchließend an das Schaf. Außerdem werden unter den vierfüßigen landwirthſchaftlichen Haus⸗ und Nutzthieren auch die Kaninchen häuſig noch angeführt, deren Nutzen in ihrem Fleiſche und ihren Haaren beſteht, und die in England und in einigen andern mehr ſüdlichen Ländern auch öf⸗ ters mit Erfolg im Größeren gehalten werden ſollen. In Deutſch⸗ land werden ſie jedoch nur aus Liebhaberei gezüchtet und ſchwerlich möchte es ſich auch verlohnen, ſie als eigentliches Nutzvieh im Grö⸗ ßeren zu halten, daher wir ſie hier übergehen, Sodann iſt auch der Hund ein Hausthier, das der Laudwirth bekanntlich zu manchen Zwecken, namentlich zur Hülfe bei dem Hüten 1 —=———— — 298— der Heerden, und zur Bewachung des Hofes bedarf, und das er auch zur Bewegung von Maſchinen ꝛc. mitunter ſehr nützlich verwenden kann; indeſſen iſt der Hund darum noch kein landwirthſchaftliches Nutzthier im bisher feſtgehaltenen Sinne, und deßhalb bleibt auch dieſes Thier außerhalb der Grenzen, welche für die Darſtellung der landwirthſchaftlichen Nutthierzucht dieſem Buche zur Richtſchnur dienen ſollen. Erſtes Kapit el. Der Eſel. 4 „. §. 677. Der Eſel(equus asinus) gehört der Pferde⸗ gattung an(ſ.§. 497); zeigt jedoch als Art jener Gattung weit mehr Conſtanz und viel weniger Abarten Gzaten)⸗ als das gemeine Pferd. Es hat auch der Eſel in Bezug auf Gebiß, Zahnwechſel und Einrichtung der Verdauungswerkzeuge ꝛc.(ſ.§9. 499— 501) die gauz aͤhnliche Natur, wie das gemeine Pferd. §. 678. Als eigentliches Vaterland des Eſels werden gewoͤhnlich die waͤrmeren Landſtriche von Aſien angegeben; in jedem Falle liebt der Eſel in höherem Grade als das Pferd ein warmes Clima, denn nur in waͤrmeren Climaten, wie in Spanien und Italien, trifft man ihn groß und voll⸗ kommen, und nur in der Wärme iſt ihm wohl. In der Tartarei, in Perſien ꝛc. giebt es auch noch Herrden w wil⸗ der Eſel. §. 679. Der Eſel iſt kleiner, ſchwaͤcher, träger, un⸗ gelehriger, ſcheuer und eigenſinniger, als das Pferd; da⸗ gegen iſt er dauerhafter, weniger Krankheiten unterworfen und in ſeiner Nahrung aͤußerſt genügſam(§. 683). ds er auchh derwenden Kchaftaches dleitt aug ſtelung de Rittihnn er Pferde⸗ Gattung ken), alb echſel und hdie gauz werden egeben; als das limaten, ind voll⸗ rden wil ger, un⸗ und; d⸗ eiwotfen — 299— Im Allgemeinen darf angenommen werden, daß der Eſel taͤnger brauchbar bleibt, ein höheres Alter erreicht, als das Pferd(§. 505). §. 680. Er kann zwar als Hauptnutzthier bei der Landwirthſchaft nicht dienen, und namentlich das Pferd nicht erſetzen; doch hat er als Arbeitsthier immerhin einen bedeu⸗ tenden Werth, indem er ſich vorzugsweiſe zum Laſttragen in gebirgigen Gegenden eignet, wo der Transport mittelſt der an Waͤgen geſpannten Zugthiere zu ſchwierig oder ſelbſt unmoͤglich iſt. Aber auch außerdem iſt dieſes Thier für landwirthſchaftliche Zwecke häufig mit Nutzen zu gebrauchen, wie zu leichten Fuhren(z. B. Gruͤnfutter einzufahren, Steine von den Feldern wegzubringen, Milch nach der Stadt, Getreide nach der Mühle zu bringen, Mehl von da zu holen ꝛc.), oder zu verſchiedenen leichten Feldarbeiten (Saͤemaſchinen, leichte Walzen ꝛc. zu ziehen), oder Maſchi⸗ nen verſchiedener Art in Bewegung zu ſetzen(Waſſerpumpen, Buttermaſchinen, Haͤckſelmaſchinen ꝛc.). In vielen größeren Wirthſchaften könnten einige dieſer Thiere mit weſentlichem Nutzen gehalten werden. Ich ſah z. B. das Fut⸗ ter für 32 Stück Kühe von 2 Eſeln den ganzen Sommer über ein⸗ fahren, ja in den Niederlanden ſah ich auf Sandboden die Pflugar⸗ beit recht gut mit Eſeln verrichten. §. 681. Wenn Zucht von Eſeln betrieben werden ſoll, ſo iſt die Auswahl der Zuchtthiere nicht gleichgültig, denn durch ſtete Vernachläßigung in der Pflege findet man dieſe Thierart häufig ſchwaͤchlich und unanſehnlich; man muß deß⸗ halb ſtarke, kräftige Zuchtthiere nach Moͤglichkeit zu erhal⸗ ten ſuchen. Sie können übrigens nach zuruͤckgelegtem zwei⸗ ten Jahre ſchon gepaart werden. Die Begattungszeit faͤllt ins Frühjahr und die Trächtigkeit dauert, wie beim Pferde, 11 Monate. §. 682. Man läßt die Eſelfuͤllen gewöhnlich a bis 5 Monate an der Mutter ſaugen, verabreicht ihnen dann die⸗ ſelbe Nahrung, wie den Eltern, und gewöhnt ſie ſchon mit 1 ½ Jahren allmaͤhlig zur Arbeit. — 300— §. 683. Im Sommer giebt man den Eſeln gewöͤhnlich geringes Grünfutter, namentlich Diſteln und anderes Un⸗ kraut, oder laͤßt ſie auch weiden; im Winter erhalten ſie wenig Heu, weiches Stroh, Kaff, geſottene Kartoffeln, höchſtens etwas Kleie. Zur Tränke giebt man klares Waſſer. §. 684. Auch die ſonſtige Pflege der Eſel iſt ſehr we⸗ nig ſorgſam; man weiſet ihnen irgend einen Winkel zum Lager an, putzt ſie nur wenig und denkt nicht daran, alle die vielen Regeln bei ihnen zu befolgen, welche für eine gute Pflege des Pferdes als ſehr wichtig betrachtet werden; und dennoch befinden ſie ſich faſt immer wohl, und leiſten mehr, als man bei ſo ſchlechter Ernaͤhrung und Pflege erwarten dürfte. Der Eſel hat auch einen ſo feſten Huf, daß das Beſchlaͤge gewöhnlich entbehrt werden kann; in ſcharfſteini⸗ gen Wegen werden jedoch leichte Eiſen aufgeſchlagen. Mehrere Generationen hindurch fortgeſetzte Sorgfalt in der Aus⸗ wahl der Zuchtthiere, in der Aufzucht und Pflege würde gewiß ganz andere Thiere zur Folge haben, als wir ſie gewöhnlich ſehen. In⸗ deſſen der Eſel iſt nun einmal in Deutſchland ein verachtetes Thier und wird es auch wohl bleiben. Zweites Capitel. Das Maulthier. 8. 685. Bekanntlich koͤnnen die beiden Hauptarten des Pferdegeſchlechts, das gemeine Pferd und der Eſel, zuſam⸗ men gepaart werden und es entſtehen aus dieſer Paarung Baſtarde, welche wir Maulthier, mulus, nennen, wenn die Mutter eine Pferdeſtute und der Vater ein Eſelhengſt war; Mauleſel, hinnus, dagegen, wenn die Mutter eine Eſel⸗ ſtute, der Vater ein Pferdehengſt iſt. vohnlich etes Un⸗ gatten ſe arioffel, in lare ſehr w kkel zun an, ale eine gut den; und in mehr, erwarten daß das arfſteini⸗ n. der Aus⸗ wiß ganh den. In⸗ tes Thjier ten des zuſam⸗ aarung venn die ſt war; ie Eſel — 301— Die ſo entſtehenden Baſtarde zeigen zwar auch häufig die Nei⸗ gung, ſich unter einander oder auch wieder mit Pferden oder Eſeln zu paaren, allein ſie ſind in der Regel nicht fruchtbar, und wenn auch einmal eine Maulthierſtute trächtig wird, ſo iſt die Frucht ge⸗ wöhnlich ſo ſchwächlich, daß ſie nicht gedeiht(ſ.§. 19); namentlich verhält es ſich ſo, wenn Manlthiere unter einander ſich paaren; eher noch erfolgt Trächtigkeit und Geburt eines lebenden Füllen aus der Paarung von Maulthierſtuten mit Pferde⸗ oder Eſelhengſten. §. 686. Der vorzugsweiſen Beachtung, auch in land⸗ wirthſchaftlicher Hinſicht, verdient von dieſen Baſtarden das Maulthier. Denn es erreicht bei gut betriebener Zucht die Größe und Stärke der Pferde leichten Schlages, und beſitzt dabei die Dauerhaftigkeit, die Ausdauer, den ſicheren Gang, den feſten Huf, und wenigſtens theilweiſe die Genüg⸗ ſamkeit des Eſels. Es iſt gar keine Seltenheit, daß nur einigermaßen zweckmäßig gepflegte Maulthiere bis zum 30. und 40. Jahre dienſttauglich blei⸗ ben, und Krankheiten kommen auch bei weniger ſorgſamer Pflege bei ihnen weit ſeltener, als bei Pferden vor. §. 687. Wenn die Maulthierzucht mit gutem Erfolge betrieben werden ſoll, ſo müſſen dazu vorzuͤglich ſtarke, große Pferdeſtuten ausgewaͤhlt werden, und der Beſchäler muß ein ausgezeichnet großer Eſelhengſt, wo möglich von dem italie⸗ niſchen großen Schlage, ſeyn. Da die Pferdeſtute ſich nicht gerne vom Eſel bedecken laͤßt, ſo muß ſie nicht nur roſſig, ſondern es muß auch kurz vor dem Begattungsacte ein Pfer⸗ dehengſt(Probirhengſt) in ihre Naͤhe gebracht werden; als⸗ dann werden ihr die Augen verbunden und eine eigens ein⸗ gerichtete Sprunganſtalt dient dazu, daß der ſonſt zu kleine Eſel die Stute gehoͤrig decken kann. Man ſieht hieraus, daß die beiden Thierarten eine natürliche Abneigung gegen einander haben, welche jedoch von Seiten des Pfer⸗ des größer zu ſeyn ſcheint; indeſſen wird von Sachkennern der Maul⸗ thierzucht angeführt, daß auch der Eſelhengſt zuweilen erſt durch Schläge zur Vollziehung der Begattung getrieben werden müſſe. Aehnlich verhält es ſich mit der Mauleſelzucht, wozu man Pferde⸗ 4 — 302— hengſte von kleinem Schlage und große Eſelinen wählt, jenen vorher roſſige Pferdeſtuten vorführt und dann die Begattung in dunklem Raume vollziehen läßt. §. 688. Von den auf dieſe Weiſe gehoͤrig bedeckten Pferdeſtuten werden im Durchſchnitt eben ſo viele traͤchtig, als bei der eigentlichen Pferdezucht; dagegen verwerfen die mit Maulthierfullen traͤchtigen Pferdeſtuten leichter, als nach einer dem freien Naturtriebe überlaſſen geweſenen Paa⸗ rung. Sie müſſen deßhalb waͤhrend der Träͤchtigkeit ſehr ſchonend behandelt werden. Die Dauer der Trächtigkeit, die Geburt ꝛc. verhält ſi ſi 2 wie bei den Pferden. §. 689. Die jungen Maulthiere werden ähnlich wie Pferdefuͤllen, jedoch mit weniger werthvollem Futterauf⸗ wande aufgezogen, und vom drirten Jahre an in Gebrauch genommen. Als Nahrungsbedarf kann man fuͤr zur Arbeit dienende Maulthiere ohngefähr eine ſtarke halbe Pferds⸗ ration rechnen(ſ.§. 557). §. 690. In Spanien, Portugall und Italien, theil⸗ weiſe auch im ſuͤdlichen Frankreich, werden die Maulthiere als Zug⸗ und Laſtthiere häufig gebraucht und hoͤher, als Pferde geſchätzt, auch theurer als gewoͤhnliche Pferde be⸗ zahlt. Gewiß könnten ſie auf dem leichteren Boden auch bei uns mit entſchiedenem Vortheile als landwirthſchaftliche Zugthiere dienen; die Zucht iſt aber in Deutſchland theils zu wenig bekannt, theils zu ſchwierig, und deßhalb ſind hier nur ſehr ſelten gute Maulthiere zu haben, und höͤch⸗ ſtens trifft man auf einigen landesherrlichen und Privat⸗ Geſtuͤten eine kleine Maulthierzucht als Curioſitaͤt. Vielleicht iſt auch unſer kälteres Clima der Maulthierzucht, im Vergleiche mit der in Portugall, Spanien ꝛc., weniger günſtig. Der Mauleſel iſt kleiner, unanſehnlicher und hat weniger Werth als das Maulthier; ein großer Eſel leiſtet denfelden Dienſt; weßhalb auch die Zucht des Mauleſels weit weniger der Empfehlung verdient, als die des Maulthieres. nen vorher i dunklem bedecken ewrithi, werfen R htet, a enen Par gkeit ſa 1 ſich, ni tlich wie utterauf⸗ Gebrauch ur Arbei Pferde⸗ en, thei— Naulthier öher, al fferde be oden auch ſchaftlihe und thei halb ſind und hoch⸗ Privat⸗ tzucht, in ünſtig. iger Werf t; weßhalh g verdien, — 303— Orittes ECapitel. Die Ziege. §. 691. Die Ziege, Capra, iſt eine den Wiederkäuern angehoͤrige Thiergattung, welche in ihrer Natur mit dem Schafe in ſo vielen Stücken uͤbereinſtimmt, ja ſelbſt mit dieſem begattet werden kann, daß beide Gattungen von manchen Naturforſchern nur als eine angenommen werden (ſ.§. 307). §. 692. Die gewoͤhnliche Ziege, Capra Hircus L., zahnt, begattet ſich, traͤgt dieſelbe Zeit, wie das Schaf; bringt aber gewoͤhnlich 2 Junge, mitunter deren drei zur Welt. Sie iſt uͤbrigens klüger, lebhafter, und vertraͤgt die Hitze leichter, und iſt weniger weichlich, als das Schaf. Feuchte, tiefe Weiden ſind ihr auch ſchaͤdlich. In der Wahl des Futters iſt ſie ſehr launenhaft; ſie genießt alle die Ge⸗ genſtaͤnde, welche das Schaf verzehrt, zieht jedoch Baum⸗ und Strauchblätter mehr vor, und liebt weſentlich die Ab⸗ wechslung. 3 Weil die Ziege die Baumknospen, auch die Rinde des jungen Holzes abnagt, iſt ſie ein ſehr unbeliebter Gaſt in den Waldungen und jungen Baumpflanzungen. §. 693. Es gibt mehrere Racen von Ziegen, von denen die gemeine Ziege, die Cachemir⸗ der tibeta⸗ niſche Ziege und die Angora⸗Ziege fuͤr uns die wichtigeren ſind. Die Cachemirziege unterſcheidet ſich von unſerer gemeinen Ziege hauptſächlich durch ihren ſtarken ſeidenartigen Flaum, welcher unter den längeren Haaren auf der Haut ſitzt, und der ausgekaͤmmt und zu feinen Fabrikaten(Swals) benutzt wird; dann durch die eigenthüm⸗ liche Stellung der Hoͤrner. Die angoriſche Ziege hat ebenfalls 1 —-— 30— den feinen Flaum, wie die Cachemirziege, iſt aber kleiner und gibt nur wenig Miſch. Uebrigens beſitzt die gemeine Ziege auch ſolchen Flaum, nur in geringerer Menge und weniger fein. §. 694. Die Ziege hat als Milchvieh für die aͤrmere Volksclaſſe, beſonders für die Gebirgsbewohner, einen ſehr beträchtlichen Werth, indem der ärmere Mann, welcher keine Kuh ernaͤhren kann, leicht noch 1 oder 2 Ziegen zu ernähren im Stande iſt, welche ihm und ſeiner Familie Milch geben. In felſigen Gebirgsgegenden wird aber die Ziegenzucht auch im Groͤßeren betrieben, indem man die Ziege da mit beſonderem Nutzen auf der Weide haͤlt, und ſie an ſolchen Plätzen ſich noch nährt, wo andere Haus⸗ thiere gar nicht hingelangen koͤnnen oder keine zureichende Nahrung mehr finden. §. 695. Man paart die Ziegen gewöhnlich im Herbſte, ſo daß die Jungen(die Ziegenlaͤmmer, Zicklen) gegen das Fruͤhjahr zur Welt kommen; dieſe läßt man in der Regel gegen 6 Wochen ſaugen und dann mit den Müttern zur Weide gehen oder im Stalle die gleiche Nahrung mit dieſen genießen. Ein Ziegenbock dient zur Begattung von 100 und mehr Ziegen. 4 Ohne Zweifel iſt eine gute Auswahl der Zuchtthiere o auch bei der Ziegenzucht, beſonders in Bezug auf Menge und Qualität der Milch(§. 698), ſehr wichtig. §. 696. In ſo weit die Ziegen über Sommer nicht auf der Weide ernährt werden, und ſodann über Win⸗ ter, erhalten ſie auf dem Stalle Grün⸗ oder Trocken⸗ futter, auch Ruͤben, Kohl, Blätter, Gemuͤſe, gruͤnes und getrocknetes Laub, heſonders auch das Rebenlaub, geſottene zu Getraͤnke angemachte Kartoffeln, Weintreſtern, Spüh⸗ licht aus der Küche ꝛc.; auch kann man ihnen weiches Stroh zum Durchfreſſen vorlegen. Nach„Krauſe's Ziegenzucht, Leipzig 1831— ein Werkchen, das dieſen Gegenſtand vollſtändig behandelt, käme zu Montd'or —,— der kleiner um, vur in die aunen einen ſä —, helcher Zitgen i er Fawilt aber w man de ilt, un re Haus⸗ zreichende Herbſt, gegen das der Reg tttern zur wit dieſen 1 100 und e auch hei nalität der mer nich er Win⸗ Trocken⸗ ünes und geſottent Svit. weiches Werkchen, Rontd'or — 305— in Frankreich, wo die Ziegenhaltung in großer Ansdehnung und Voll⸗ kommenheit beſteht, auf eine reichlich milchende, und deßhab reichlich gefütterte Ziege täglich bis 26 Pfund Grünfutter. Selten gibt man ihnen anderwärts wohl ſo viel. Nicht zu uͤberſehen iſt, daß die Zie⸗ gen gerne einen beträchtlichen Theil des ihnen vorgelegten Futters, aus der ihnen eigenthümlichen Launenhaftigkeit, in den Miſt treten. §. 697. Der Ziegenſtall ſoll trocken und warm, und mit Raufe und Krippe verſehen ſeyn. Gewoͤhnlich werden die Ziegen an die Krippe mit einer leichten Kette feſtge⸗ bunden. §. 698. Wie groß der Milchertrag der Ziegen nach Maasgabe der Fuͤtterung ſey, darüber ſind keine ganz ſiche⸗ ren Erfahrungen bekannt. Gewiß iſt, daß gute Ziegen lange(oft Jahre lang) milchend bleiben, und daß ſie nach Verhaͤltniß der Fütterung im Durchſchnitt mehr und fet⸗ tere Milch geben als Kuͤhe; der Unterſchied in der Milch⸗ ergiebigkeit der Ziegen iſt aber auch ſehr groß. Krauſe gibt den Milchertrag einer guten Ziege taͤglich zu a Quart (= 2% heſſiſche Maas oder 5 Litres) an. §. 699. Wo die Ziegen in Menge gehalten werden, macht man mittelſt künſtlicher Scheidung einen ſehr gu⸗ ten Käſe aus der Milch, welcher dem Schafkaͤſe gleich kommt. Zur Buttergewinnung iſt die Ziegenmilch nicht beſonders geeignet. 3 Bei Milchwirthſchaften, wo der Milchertrag der Kühe zu Käſe verarbeitet wird, könnte es leicht vortheilhaft ſeyn, nebenbei eine An⸗ zahl Ziegen zu halten. Die Ziegenmilch hat bekanntlich häufig einen unangenehmen Ge⸗ ſchmack, was gewöhnlich von Vernachläßigungen in der Pflege her⸗ rührt, mitunter ſoll aber dieſer Geſchmack der Milch auch ein erb⸗ licher Fehler der Ziegen ſeyn. Der Gebrauch der Ziegenmilch für Bruſtkranke iſt bekannt.— Der Benutzung der Ziegen als Ammen für die Lämmer in feinen Schäfereien wurde§. 402 bereits erwähnt. §. 700. Durch die Benutzung des ausgekämmten Flaums glaubte man vor nicht langer Zeit den Ertrag der Pabſt Landwirthſchaft. II. 1. 20 —4¾———y—— — —- 306— Ziegenhaltung in Deutſchland und Frankreich weſentlich er⸗ hoͤhen zu koͤnnen, und führte zu dem Ende die tibetaniſche Ziege ein, um die einheimiſchen damit zu veredeln. Die Sache hat aber bis jetzt wenig Fortgang gehabt. Durch Jaubert und Terneaux kamen im Jahre 18ũ8 zahl⸗ reiche Transporte tibetaniſcher Ziegen nach Frankreich. Von die⸗ ſen kamen ſpäter nach Würtemberg, Sachſen u. ſ. w. 701. Die Zeit des Flaumſammelns iſt im Maͤrz und April. Man kaͤmmt denſelben mittelſt hoͤlzerner Kaͤmme alle 1¹1 Tage aus. Die groͤberen Haare müſſen dann ausgeſon⸗ dert werden, was ziemlich ſchwierig iſt. Man ſoll bis 3 Unzen Flaum von der tibetaniſchen Ziege erhalten, welcher früher ſehr theuer bezahlt wurde, neuerer Zeit aber wenig geſucht iſt. M. ſ. das 6. Heft von Weckherlin’s Abbildungen. 702. Als Maſtvieh hat die Ziege einen weit geringe⸗ ren Werth als das Schaf, theils weil ſie ſich wenig zur Maſtung qualificirt, theils weil ſie ein ſchlechteres Fleiſch liefert. Beliebt iſt das Fleiſch der jungen etwa 4 Wochen alten Zicklen; an manchen Orten hat man auch Ziegenhämmel(jung eaſtrirte Zie⸗ genböcke), welche ein nicht übeles Fleiſch liefern ſollen. Die Hant der Ziege liefert beſſeres Leder, als die des Schafs. tlich er⸗ etaniſche Un. Die Von die März un imme ale usgeſen oll bisz welcher r wenig geringe⸗ enig zur Fleiſc en Zicklen; rirte Zie⸗ Schaßs. Sechster Abſchnitt. Die Federviehzucht. §. 703. Einen oder mehrere Arten von Federvieh werden faſt in jeder Wirthſchaft gehalten, in der Regel nur in ſoweit, um die Bedürfniſſe des Haushalts an Eiern, Federn ꝛc. zu befriedigen; in manchen Localverhaͤltniſſen iſt es jedoch auch vortheilhaft, die Zucht der einen oder andern Art von Federvieh in groͤßerem Maasſtabe zu treiben, und durch den Verkauf der Nachzucht einen bedeutenden Erloͤs zu erzielen. §. 704. Die Federviehhaltung iſt deßhalb ein nicht ge⸗ ring zu achtender Zweig unſerer Hausthierzucht; der Land⸗ wirth kann ſich jedoch in der Regel um das Specielle der⸗ ſelben nicht bekümmern, ſondern überläßt die unmittelbare Sorge dafuͤr beſſer der Hausfrau oder deren Stellvertrete⸗ rin. Seine Sorge muß in dieſer Beziehung mehr dahin gehen, zu unterſuchen, in welcher Ausdehnung die Feder⸗ viehhaltung fuͤr ſeine Verhaͤltniſſe nuͤtzlich iſt, und zu ver⸗ hüten, daß ſie ſeinen Feldern und Gärten oder ſeinen Spei⸗ chern nicht mehr Schaden verurſacht, als ſie ſeiner Küche nützt. 20* — 308— §. 705. Die einzelnen Zweige der landwirthſchaftlichen Federviehzucht ſind: 1) Die Hühnerzucht. 2) Die Gaͤnſezucht. 3) Die Entenzucht. 4) Die Puthühnerzucht. 5) Die Taubenzucht. Es gibt ziemlich viele Schriften über die Federviehzucht. Zu empfehlen ſind: 1) Von der Zucht des Federviehes ꝛc. v. Dietrichs, Leipzig 1831.— 2) Der Hühnerhof, oder dkonomiſche Benutzung des Federviehes ꝛc. Berlin, 2te Aufl. 1823. — Erſtes Capitel. 1 Die Hühnerzucht. §. 706. Das Huhn, gallus, bildet ein Hauptgeſchlecht unter der Ordnung, oder auch Familie, der Huͤhnervoͤgel (Gallinae, Gallinaceen); als Art jener Gattung ſteht lo⸗ dann unſer Haushuhn, gallus domesticus, da. Wahrſcheinlich kam daſſelbe zuerſt aus den ſüdöſtlichen Ländern nach Europa. §. 707. Das Huhn iſt der nützlichſte unſerer Haus⸗ vögel, indem es ſich großentheils auf den Hoͤfen zu ernäh⸗ ren weiß und allein ſchon durch die vielen Eier, welche es liefert, ſeine Haltung belohnt. §. 708. Es gibt verſchiedene Hühner⸗Racen, wie das Strubhuhn, das Zwerghuhn, das ungeſchwaͤnzte Huhn (Kluthuhn) u. ſ. w. Das bei der Landwirthſchaft gewoͤhn⸗ lich vorkommende ſogenannte Bauern⸗ oder gemeine Huhn iſt in der Nützlichkeit bis jetzt noch von keinem andern über⸗ troffen worden. ſaftliche zucht. N. dietricht Benuzemj ggeſchech hnervogel ſieht ſo⸗ Laͤndern Haus⸗ uernäh⸗ gelche e wie dat te Hahn grwihr⸗ int Hah ein üher⸗ — 309— §. 709. Die natürliche Nahrung der Hühner beſteht in Koͤrnern und Geſäme aller Art; ſie verzehren jedoch auch Gewuͤrme, Inſecten, Gemüſe, gekochte Kartoffeln, ſelbſt Fleiſch und andern Abfaͤlle von den Speiſen des Haushalts. §. 710. Sie lieben die Waͤrme und trocknen Aufent⸗ halt; doch darf es ihnen nicht am friſchem Waſſer fehlen. Kaͤlte, beſonders Naͤſſe, iſt ihnen nachtheilig. §. 711. Man hält auf ohngefaͤhr je 20 Hühner(Hen⸗ nen) einen Hahn und kann eine große Anzahl von Hühnern mit der verhaͤltnißmaͤßigen Zahl von Haͤhnen in einem Stalle halten, welchen dieſe Thiere jedoch nur des Nachts und beim Brüten zu ihrem Aufenthalte wählen. §. 712. Von Wichtigkeit iſt eine warme, trockne Lage des Stalls, weil davon das reichlichere Eierlegen weſentlich abhaͤngig iſt,— und dann, daß der Stall gegen das nächt⸗ liche Eindringen der Füchſe, Marder, Fliſe, Ratten, aufs beſte verwahrt iſt. Zweckmäßig iſt, den Hühnerſtall ſo anzulegen, daß er mit einem Viehſtall zuſammenhängt und von dieſem Wärme erhält. §. 713. Je waͤrmer der Aufenthaltsort der Hühner im Winter iſt, und je beſſer man ſie fuͤttert, um ſo früher fangen ſie an Eier zu legen, anfänglich alle paar Tage eines, ſpäter laͤngere Zeit faſt taͤglich, wenn man ihnen, was in der Regel geſchehen muß, die Eier bis auf eines taͤglich aus den Neſtern nimmt; gegen den Herbſt tritt der Wech⸗ ſel der Federn, die Mauſezeit ein, und das Eierlegen hoͤrt dann auf. Bei guter Hühnerzucht ſoll ein Huhn jährlich 100 bis 150 Eier legen; im Großen muß man aber oft ſchon mit 50 bis 60 Eiern per Stück im Durchſchnitt jähr⸗ lich zufrieden ſeyn. Man laͤßt die Huͤhner nicht alter als 5 bis 6 Jahre werden, weil ſie dann im Eierlegen ab⸗ nehmen. Die Hühner, welche ohne Gemeinſchaft mit einem Hahne leben, legen auch Eier; dieſe taugen aber nichts zum Ausbrüten. 1 — 310— §. 714. Will man junge Hühner aufziehen, welches am beſten im Frühjahre geſchieht; ſo muß man Acht haben, bis eine alte Henne durch Sitzenbleiben auf dem Neſte und verſchiedene Geberden, welche jede Hausfrau kennt, das Verlangen, zu brüten, zu erkennen gibt; man gibt ihr ſo⸗ dann an einem ſtillen, nicht hellen Platze ein Neſt und legt ihr 15 bis 21 friſche Eier von guten Huͤhnern unter. Die Bruthenne muß ungeſtört gelaſſen werden, Futter und Waſſer ſetzt man ihr in die Nähe hin. Die Brutzeit dauert ge⸗ wöhnlich 21 Tage. In Wirthſchaften, wo man Luche Puthühner Welſche) häu, wählt man lieber eine Welſche zum Ausbrüten der Hühner, weil dieſe beſonders brutluſtig und ausdauernd im Brüten ſind. §. 715. Die jungen Hühnchen(Küchlein) werden An⸗ fangs mit Hirſe, Brodkrumen, Buchweitzengrütze u. dergl. gefuͤttert. Später nimmt die Henne(Glucke) die Jungen mit ſich und ſucht ihnen mit vieler Geſchaͤftigkeit Futter auf. Nach 3 bis 4 Wochen laufen und naͤhren ſich die jungen Huͤhner mit den aͤlteren. Diejenigen, welche nicht zur Zucht beſtimmt ſind, werden, wenn ſie halbwüchſig ſind, geſchlachtet oder verkauft; oder die jungen Hahnen werden durch Caſtriren zu Kapaunen gemacht, welche ſpäter gut gefüttert oder gemäſtet werden, und bekanntlich vortreffliche Braten liefern. §. 716. In Aegypten und China hat man eigene Brut⸗ anſtalten, um mittelſt Ofenwaͤrme die Huͤhner in großer Zahl ausbruͤten zu laſſen. In London hat man ſolche Aus⸗ brütanſtalten mittelſt Duufhe bunn ttablirt Der erfor⸗ derliche Wärmegrad iſt 320 R §. 717. Eine gewiſſe Anzahl Hühner kann ſich ohne vieles Nebenfutter auf jedem Hofe ernaͤhren. Das wohl⸗ feilſte Beifutter ſind ſodann geſottene Kartoffeln mit etwas Kleie oder leichten Koͤrnern, Unkrautgeſaͤme ꝛc. — de velches it haden, Neſt un ennt, das t ihr ſo t und lg tter. R ind Waſt zuert ge ſſche) häl, hner, weil erden Ar⸗ u. dergl e Jungen eit Funer ſich di ſche nicht lbwüchſig Hahnen , welche kanntlich ne Brut⸗ großer che Aus⸗ rerfor⸗ ſich ohne das weh nit ewes — 311— Zweites Capitel. Die Gänſezucht. §. 718. Das Geſchlecht der Gans, anser, zu der Ordnung der Schwimmpvöͤgel gehoͤrig, zählt mehrere Arten, von denen wir eine, die gemeine Gans, anser cinereus, als Hausgans benutzen. Es gibt mehrere Varietaͤten, die ſich hauptſächtlich durch ihre Größe von einander unterſchei⸗ den. Die größte ſoll die pommerſche Gaͤnſe⸗Race ſeyn. Die Gans iſt mehr ein Vogel des Nordens oder des Nord⸗ oſtens, als des Südens, und unſere Hausgans ſtammt wohl ohne Zweifel von der wilden ab. 6. 719. Die Gans gewaͤhrt Nutzen durch ihr fettes ſchmackhaftes Fleiſch, und durch ihre zu den gewoͤhnlichen Betten allgemein dienenden Federn. Sie iſt leicht aufzu⸗ ziehen und leicht zu mäſten, und kann in Heerden geweidet werden. Sie verlangt fließendes oder ſtehendes Waſſer zu ihrem guten Gedeihnn. §. 720. Die Ganſe leben von Waſſerpflanzen, Fiſchen, Froͤſchen und allen kleinen Thieren, welche ſich im Waſſer aufhalten; ſie genießen aber auch alle Arten von Körner⸗ früchten, Rüben und Gemuͤſe ſehr gerne; nur darf es ihnen niemals an reichlichem und geſundem Waſſer dabei fehlen. Die Gäuſe ſollen 30 und mehr Jahre alt werden können; doch gebraucht man ſie höchſtens bis zum 10. bis 12. Jahre zur Zucht. §. 721. Man haͤlt auf 6 bis 8 Gänſe einen Gaͤnſe⸗ rich(Ganſer). Sie paaren ſich gewöhnlich im Monat Fe⸗ bruar. Bald danach beginnen die Gaͤnſe Eier zu legen, deren ſie in 3 bis a Wochen gewoͤhnlich 15 bis 20 Stück legen. Man laͤßt ihnen Anfangs nur ein Neſtei, und legt dann, wenn die Gans Neigung zum Brüten zeigt, 12 bis 15 Eier unter und ſorgt auch dafür, daß ſie während der Brut⸗ — 312— zeit, welche 4 Wochen, auch wohl einige Tage länger dauert, nicht geſtoͤrt wird. d Uebrigens gelten die Regeln wie bei den brütenden Hühnern 1 gin (§. 714). lim 3§. 722. Man gibt den jungen Gaͤnſen ein Gemiſch von 1 aan jungen gehackten Brenneſſeln, Brodkrumen, Gerſtenſchroth und ir, dergleichen, und ſorgt dafuͤr, daß ſie Anfangs keiner rauhen wan Witterung ausgeſetzt ſind, und daß es ihnen nicht an Waſſer 19 fehlt. 1 §. 723. Das Gedeihen der jungen Gaͤnſe iſt gefördert, dün wenn ſie bei guͤnſtiger Witterung mit der Mutter auf grü⸗ he nen, geſchützten Plaͤtzen in der Naͤhe von Waſſer zur Weide 6 gehen koͤnnen, doch muͤſſen ſie noch etwas Futter daneben zu Hauſe bekommen, wozu man fortwaͤhrend gehackte Neſ⸗ rn ſeln und anderes zartes Gruͤnfutter, mit Schrot vder Kleie ſn vermengt, beſtimmt. un §. 724. Erſt im Alter von 7 bis 8 Wochen ſind ihnen gar die Federn gewachſen und ſie koͤnnen alsdann mit den alte⸗ umd ren Gaͤnſen zuſammen gethan werden. hen . 725. Wo die Gaͤnſezucht einigermaßen ins Große verh getrieben werden ſoll, muß man geeignete Weideplaͤtze(Ra⸗ ud! ſen und Waſſer, ſpäter dienen dann Stoppelfelder) für ſie pun haben, und ſie müſſen uͤber Sommer gehuͤtet werden. Sie wr beduͤrfen alsdann wenig oder kein Futter zu Hauſe. ruch Nicht gehütete Gänſe verlaufen ſich häufig vom Hofe in die Thl Felder und thun da großen Schaden, und koſten überdieß vieles Fut⸗ 7 ter zu Hauſe. Die von Gänſen beweideten Grundſtücke taugen nicht we ſt für Rind⸗ und Schafvieh; man hat es daher wohl zu erwägen, ob und welche Grundſtäce man den Gänſen mit Vortheil einräumen könne. §. 726. 3u Hauſe fuͤttert man die Gänſe mit Kohl, Kohlſtrünken, Rüben, Kartoffeln, Biertröbern, Küchenab⸗ faͤllen, geringen Körnern u. ſ. w. Der Stall muß maͤßig warm, trocken und zu ebener Erde ſeyn. 2 b 60 3 —- 313— dauert,§. 727. Durch gute Fuͤtterung auf gewoͤhnliche Art und gute Weide kann man die halb⸗, ein⸗ und jweijaͤhrigen dihnen Gaͤnſe ſchon ziemlich fleiſchig füttern und ſchlachtbar machen. Um ſie vollſtaͤndig zu mäſten, ſperrt man ſie jedoch in enge niſch von eigens eingerichtete Behaͤlter, gibt ihnen gelbe Rüben, Ha⸗ roth m fer, Mais, gemalzte Gerſte und dergleichen. Auch macht rauhen man aus grobem Mehl eine Art Nudeln, welche ihnen in „Wiſer gewiſſer Zahl und zu gewiſſen Stunden(taͤglich etwa viermal) eingeſtopft werden, wozu jedoch Vorſicht und Erfahrung ge⸗ fförden, hört, ſonſt koͤnnen ſie leicht uͤberfüttert werden und ſterben. ruf gei⸗ An Waſſer darf es den Maſtgaͤnſen nie fehlen. Weide Man hält es für nützlich zur Beförderung der Verdauung Sand, Rnebt auch Kohlen, in das Trinkwaſſer zu thun. ae N§. 728. Die Gans iſt das eigentliche Maſtthier unter er gli dem Federvieh, ähnlich wie das Schwein unter den vierfuͤſ⸗ 9 ſigen Hausthieren. Sie kann zu einem ſtarken Gewichte (von 8 bis 15 Pfund) und zu ſehr reichlichem Fettertrage 1 inen gebracht werden. Die Leber wird ſehr groß bei der Maſtung en il und iſt als Leckerbiſſen geſchätzt. Durch etwas unter das Futter 4 gemiſchten Spiesglanz wird die Leber groͤßer. Die Brüſte Errſe werden in Norddeutſchland haͤufig geſalzen und geräuchert, e Gha und kommen von da in den Handel(unter dem Namen fůt ſe pommerſche Gaͤnſebrüſte oder Spickgänſe). Die Federn wer⸗ Sie den nicht nur nach dem Schlachten geſammelt, man rauft auch den Gänſen, beſonders den jungen, im Sommer ſchon einen in die Theil der Bruſt⸗ und Bauchfeder aus, welche wieder nachwachſen. les Fut⸗ Des beſonderen Nutzens des Gaͤnſekiels zu erwähnen, darf wohl en nicht der ſchreibende Landwirth nicht ermangel. gen, ob 88 räumen Au, Drittes Capitel. t Soh Ddie Entenzucht. itnut niig ai5. 729. Die Ente, anas, iſt ein der Gans nahe ſtehen⸗ des Geſchlecht der Schwimmvoͤgel; die Zahl der Arten iſt — 314— ſehr groß. Unſere Hausente ſtammt von der gemeinen wil⸗ den Ende, anas Boschas, und die gemeine Race der erſte⸗ ren hat auch mit der wilden Ente die größte Aehnlichkeit. Eine von unſerer gewöhnlichen Ente ſehr verſchiedene Art iſt die Biſamente, anas moschata, aus Braſilien ſtammend, in Deutſch⸗ land häufig türkiſche Ente genannt. Sie iſt zwar bedeutend größer, als unſere gemeine Ente, doch ziehen ſie nur ſelten die Entenbalter dieſer vor. §. 730. Die Enten haben die ähnliche Natur, wfe die Gänſe, ſind aber weit gefräßiger und geſchäftiger ſich Nahrung zu ſuchen, und können ſich da, wo ſie ihr Element, Waſſer, finden, faſt das Sandt Jahr hindurch ohne Bei⸗ futter ernaͤhren. §. 731. Die Enten paaren ſich und legen etwas ſpaä⸗ ter, als die Gaͤnſe. Sie ſind 6 bis 8 Jahre zur Zucht brauchbar. Sie legen ziemlich viele Eier, und man erübrigt einen Theil derſelben zum Hausverbrauche und behaͤlt deren noch genug zur Zucht übrig. Um ſie zum Brüten zu brin⸗ gen, muß man die nach und nach gelegten Eier im Neſte laſſen; zeigt dann die Ente Neigung zum Bruͤten, ſo legt man ihr beſſer friſche Eier unter. Die Behandlung waͤhrend des Bruͤtens iſt wie bei den Gänſen(§. 721) und die Brut⸗ zeit dauert auf faſt ſo lange. 8 Oft läßt man ſie auch durch Welſchen oder Hühner ausbrüten. §. 732. Man gibt den jungen Entchen Brodkrumen, angefeuchtetes Gerſtenſchrot mit jungen Brenneſſeln, Salat oder Kohl, und nach 8 bis 10 Tagen können ſie ſich ſchon auf dem Waſſer naͤhren. Sie wachſen bei reichlicher Nah⸗ rung außerordentlich ſchnell auf. §. 733. Auch iſt die Ente bei reichlicher Fuͤtterung (äͤhnlich wie die fuͤr die Gänſe angegebene) ſehr ſchnell ge⸗ mäſtet und ihr Nutzen beſteht auch hauptſächlich in dem gu⸗ ten Braten, den die erzogenen Enten vom Sommer bis zu Ahf gere noch nnen wi⸗ der erſe gichkeit ene Att ſſ in Deutſc ſeud grißen Entenhalt tut, wi ffuger ſ Elewen. ühne Vei⸗ (twds ſpi zur Zudt im erüüi thält dem en zu brie in Mi , ſolt wihren dee Vut⸗ auebrüten. dkrumen, r, Salat ſch ſchon her Nah⸗ Jütterung chnall ge⸗ den gu⸗ er bis in -— 315— Anfang des Winters liefern. Die Federn ſind von gerin⸗ gerem Werthe, als die Gaͤnſefedern, jedoch zu Seſndeßerfen noch brauchbar. Viertes Kapit el. Die Puthühnerzucht. §. 733. Der Pute oder Truthahn(das Truthuhn), meleagris gallopavo, ſtammt aus Amerika, wenn ſchon er auch welſcher oder calecuttaſcher Hahn genannt wird. Das Puthuhngeſchlecht gehört zu der Familie der Hühnervögel (ſ.§. 706). §. 735. Auf 8 bis 12 Puthennen rechnet man einen Hahn. Das Puthuhn legt im April und Mai 15 bis 30 Eier, und zeigt häufig großes Verlangen zu bruͤten. Will man eine ſolche Henne bruͤten laſſen, ſo legt man ihr 15 bis 20 Eier unter, und verfährt wie bei dem Haushuhn (§. 714) beſchrieben worden. Sie ſind ſo eifrig im Bruͤ⸗ ten, daß ſie nur ſelten das Neſt verlaſſen, weßhalb man ſie taͤglich einmal herunternehmen und ihnen Futter und Trinken anbieten muß, wonach man ſie alsbald Wieder auf das Neſt ſetzt. §. 736. Die Brutzeit dauert 27 bis 28 Tage. Die auskriechenden Küchlein bringt man in einen Korb und hält ſie warm. Man füttert ſie Anfangs mit einer Miſchung von Käsmatte(Quark) und hart geſottenen, klein gehackten Eiern, thut auch wohl klein geſchnittenen Schnittlauch dar⸗ unter. Auch nimmt man mit Milch gekochte Buchweitzen⸗ gruͤtze. Nach 14 Tagen bleiben die Eier weg und nach und nach hoͤrt auch der Kaͤſe auf; ſtatt deſſen gibt man ge⸗ kochte, gequetſchte Erbſen, geſchälte Hirſe, Weitzenkleie, = 316— Grütze, auch etwas gekochte, geriebene Kartoffeln. Gegen Naͤſſe und Kaͤlte ſind die jungen Puten außerordentlich empfindlich, weßhalb ſie ſehr ſorgfaͤltig gehalten werden müſſen. Man giebt ihnen Anfangs auch täglich ein Pfefferkorn und ein wenig Brandwein, um ſie zu kräftigen, oder badet ſie bald nach dem Auskriechen in Brandwein. §. 737. Sind die jungen Puten a bis 5 Wochen alt, ſo wird das Gruͤnfutter durch Brennneſſeln, Salat ꝛc. ver⸗ mehrt, Gerſtenſchroth und Kleie untergemiſcht, ſpäter giebt man ihnen auch ganze Koͤrner. Sobald ſie voͤllig beſiedert ſind, ſchickt man ſie mit den älteren auf die Weide, wozu man Brach⸗ und Stoppelfelder wählt, und ſtets einen eige⸗ nen Hirten haben muß. §. 738. Gegen den Herbſt und zu Anfang des Win⸗ ters müſſen die nicht zur Zucht oder zum eigenen Gebrauche beſtimmten Puten in ſchlachtbarem Zuſtande verkauft wer⸗ den, weil ſonſt ihre Ernaͤhrung, wenn die Weide aufhört, zu theuer kömmt. Man giebt uͤber Winter Koͤrner und ge⸗ kochte Kartoffeln. Maſtung kann hnlich wie mit den Gaͤn⸗ ſen getrieben werden. §. 739. Ob die Putenzucht mit Vortheil zu treiben ſey, hangt von der Gelegenheit zum guten Verkauf der Nach⸗ zucht, und von der Gelegenheit zum Weiden derſelben ab. Sind die Localitäten dafuͤr günſtig, dann muß man die Zucht ſo weit ins Große treiben, daß es ſich verlohnt, eine eigene Perſon zur Pflege derſelben zu halten, denn dieſe erfordert viele Aufmerkſamkeit und gedeiht, als Nebenſache betrieben, ſeellten, und uͤberdieß thun die nicht gehüteten Puten in den *nahen Feldeen großen Schaden. Gegen dertich werden en und ein nach den chen al, k. ver⸗ ter gieht heſteden „ wozu en eige⸗ es Win⸗ ebrauche fft wer⸗ aufhör, und ge⸗ en Gin⸗ treiben r Nach⸗ ben ab. ſe Zucht eigene ffordert ttriehen, in det — 317— Fuͤnftes Kapitel. Die Taubenzucht. §. 740. Die Haustaube wird von den Landwirthen mehr des Vergnuͤgens, als des Nutzens wegen gehalten, und nur ſolche Leute können allenfalls einen Nutzen von der Taubenzucht haben, welche viele Tauben halten, die ſich auf den Feldern anderer ernähren, während der Eigenthuͤmer ſelbſt kein Feld beſitzt. §. 741. Als Stammart der Haustaube, von der es unzählige Varietäten giebt, wird von den Naturforſchern die Felſentaube, columba Livia, angenommen. §. 742. Die Tauben leben paarweiſe, zugleich aber in großen Haufen in Geſellſchaft. Man bedarf einen gut ge⸗ legenen Taubenſchlag(Taubenhaus), den man entweder auf einem Oekonomiegebaͤude, oder im Hofe auf einem eigenen Pfeiler anlegt, und den man aufs beſte gegen die Raub⸗ thiere verwahren muß. §. 743. Man ſetzt Neſter von geflochtenem Stroh in den Taubenſchlag; die gepaarten Tauben bauen ſich ſolche aus, und im Fruͤhjahre legt das Weibchen 2 Cier, brütet gemeinſchaftlich mit dem Männchen(Tauber) 17 bis 18 Tage, füttert auch mit jenem gemeinſchaftlich die Jungen, bis ſie ſich im Alter von u bis 5 Wochen ſelbſt ernaͤhren können. Die Tauben paaren ſich und hecken uͤber Sommer noch mehrmal. Manche Tauben pflegen ihre Jungeu ſchlecht oder verlaſſen ſie zu frühe; ſolche muß man abſchaffen; dagegen darf es aber auch den Hecktauben nicht an Nahrung gebrechen. Auch müſſen ſie zu friſchem Waſſer gelangen können. §. 7aa. Die Nahrung der Tauben beſteht in Geſaͤme aller Art. Sie lieben beſonders Oelſamen, Hülſenfrüchte, Weitzen u. ſ. w. Laͤßt man ſie, wie gewöͤhnlich geſchieht, taͤglich ausfliegen, ſo ſuchen ſie ſich auf den Feldern und in —— ——— 4 1 — 348— den Höfen den groͤßten Theil des Jahres hindurch ihre Nah⸗ rung, theils in Unkrautſamen, theils aber auch in geſaͤten und nicht gehörig untergebrachten, oder auch in reifen Samen beſtehend. Daß ſie unter Umſtänden in den Feldern Schaden thun, iſt dem⸗ nach wohl nicht zu bezweifeln; deßhalb gilt in vielen Ländern als Geſetz, daß die Tauben zur Saatzeit eingeſperrt werden müſſen. §. 745. Die Benutzung der Tauben beſteht in dem Ver⸗ kaufe der nachgezogenen jungen Tauben oder deren n Verbrauch in der eigenen Kuͤche. ite Nah⸗ geſäten nSanen in, it den⸗ dändern ad müſſen. dem Va⸗ Verbrauc Siebenter Abſchnitt. Von der Zucht einiger anderen, zu den eigent⸗ lichen Hausthieren nicht gehoͤrigen Thiere. §. 746. Der Landwirth kann unter geeigneten Umſtaͤn⸗ den aus der Zucht einiger kleineren Thiere noch einen, oft beträchtlichen, Nebennutzen ziehen. Dieſe Thiere ſind: 1) Seidenraupen; 2) Bienen; 3) Fiſche; 4) Schnecken. Als Gegenſtände der landwirthſchaftlichen Thierzucht, im Allge⸗ meinen betrachtet, ſpielen jene Thiere jedoch eine zu untergeordnete Rolle, als daß ihnen in einem Lehrbuche der Landwirthſchaft derje⸗ nige Raum gewidmet werden könnte, welcher erforderlich iſt, um eine genügende Anleitung zum Betriebe deren Zucht zu geben; wir müſſen uns deßhalb hier darauf beſchränken, zu unterſuchen, in wie weit und unter welchen Verhältniſſen der Betrieb der Zucht der einen oder anderen jener Thierarten vortheilhaft ſeyn kann, und ſodann auf die⸗ jenigen Werke hinweiſen, welche den Gegenſtand ausführlich und gründlich behandeln. I. Die Seidenraupenzucht. §. 747. Die Seidenzucht bedingt bekanntlich die An⸗ pflanzung und Pflege des weißen Maulbeerbaums, mit deſſen Laub die im Fruͤhjahre zum Auskriechen gebrachten Seiden⸗ raupen bis zu ihrer ohngefähr 5 Wochen ſpäter erfolgenden Einſpinnung ernährt werden. — ——— ————— — ———— — 320— Man hat zwar mancherlei Surrogate verſucht und empfohlen, darunter namentlich die Blätter der Schwarzwurzel, des Kopfſalats, Leindotters ꝛc.; es kann damit auch den Raupen nöthigenfalls eine Zeitlang das Leben gefriſtet werden; allein bis jetzt iſt kein Surro⸗ gat aufgefunden worden, mittelſt deſſen die Seidenzucht mit gleich glücklichem Erfolge, wie mit Maulbeerlaub hätte zu Stand gebracht werden können. §: 748. Das Vaterland des Seidenbaus iſt China; von da verbreitete er ſich nach andern Ländern Aſiens; aus dieſen nach Griechenland, Italien und von da nach dem ſuͤdlichen Frankreich ꝛc., ſo wie auch endlich nach Deutſchland. In der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts ward er in Preußen, Würtemberg, Baiern ꝛc. eingeführt. §. 749. Obgleich die Seidenzucht noch nirgends in Deutſchland eine groͤßere Bedeutung gewonnen hat, und der Aufſchwung, den ſie im vorigen Jahrhundert eine Zeit lang genommen hatte, beinahe gänzlich wieder verſchwunden war, ſo daß, unerachtet der Bemuͤhungen mehrerer Regierungen und Geſellſchaften ſeit den letzten 20 Jahren, der Glanz⸗ punkt der deutſchen Seidenzucht in den 1780r Jahren noch nicht wieder erreicht iſt; ſo iſt doch zur Genüge bewieſen, daß der Maulbeerbaum in den gemäßigteren climatiſchen Lagen Deutſchlands recht gut gedeiht, und daß überall da, wo der Maulbeerbaum fortkömmt, auch die Seidenraupen⸗ zucht mit Erfolg getrieben werden kann. §. 750. Es verdient deßhalb dieſer für andere Länder, in denen er bereits Ausbreitung genommen hat, ſo wichtige Culturzweig auch in Deutſchland die größte Aufmerkſamkeit, und jeder, welcher in der Lage iſt, es thun zu koͤnnen, ſollte die Pflanzung von Maulbeerbaͤumen verſuchen, um dann in der Folge Verſuche mit dem Seidenbau ſelbſt machen zu koͤnnen. Insbeſondere ſollten Gemeinden, in denen es viele Arme gibt, denen es an Verdienſt fehlt, ernſtlich auf die Einführung der Seiden⸗ zucht Bedacht nehmen. §. 751. Wie weit ſich der Seidenbau fuͤr den deutſchen Landwirth lohnend erweiſen dürfte, welcher in der Lage iſt, uyſohlen oyfſalatt, ials ein ein Suen⸗ wit geih nd hadtah ſt Ehin, jens, u nach de eutſchla ward eri xgends i t, ud e Jeit le unden vi⸗ egierunwn der Glan⸗ ahren uih bewieſe limatiſche iberall d, denrauper⸗ re Länder, bwichtig tkſamtkeit en, ſollte dann in u können. Arme gi der Seiden⸗ · dalſche rage iſ — 321— an der Stelle des Maulbeerbaums einen einträglichen Obſt⸗ baum zu pflanzen, und welcher zugleich die Einſammlung der Blaͤtter und die Pflege der Raupen im Lohne verrichten laſ⸗ ſen muß, iſt übrigens noch nicht hinlaͤnglich ermittelt. §. 752. Damit der Seidenbau mit Erfolg getrieben werden kann, iſt nächſt der Pflanzung der Maulbeerbaͤume und deren Pflege, die Einrichtung von geeigneten Räumen zur Raupenzucht, und die Gründung von Abhaspelungsan⸗ ſtalten fuͤr die in einer Gegend producirten Cocons wichtig. Von den vielen über den Seidenbau haudelnden Schriften kön⸗ nen zur Belehrung für den angehenden Seidenzüchter empfohlen werden: v. Hazzi, Lehrbuch des Seidenbanes, München 1826. v. Türk, vollſtändige Anleitung zum Seidenbau ꝛc., Potsdam 1829. Lichtenſtern, über den Seidenbau in Preußen, Berlin 1828. v. Zieten, Anweiſung zum Seidenban, Stuttgart 1831. II. Die Bienenzucht. §. 753. Die Bienenzucht kann in dafür geeigneten Lo⸗ calitaͤten und bei zweckmaͤßigem Betriebe betraͤchtlichen Ge⸗ winn abwerfen. §. 754. Sie gedeiht da gut, wo ſich einen großen Theil des Jahres hindurch Nahrung für die Bienen findet. Dieß ſind entweder ſolche Gegenden, welche ſich durch die Man⸗ nigfaltigkeit ihrer Cultur auszeichnen, indem vielerlei Obſt⸗ bäume, dann Oelgewaͤchſe(beſonders Raps), Futterkräuter, Buchweitzen, blumenreiche Wieſen u. ſ. w. einen großen Theil des Frühjahrs und Sommers hindurch den Bienen Nahrung darbieten; oder Wald⸗ und Heidegegenden, in de⸗ nen die Bienen vorzuͤglich gedeihen, in ſo ferne die Lage des Orts nicht etwa zu hoch und den Winden zu ſehr ausge⸗ ſetzt iſt. §. 755. Außer einer für die Ernaͤhrung der Bienen * günſtigen Lage, erfordert die Bienenzucht zu ihrem guten Gedeihen einen Pfleger, welcher mit der gehorigen Sach⸗ Pabſt Landwirthſchaft. II. 4. 21 — ö—— —— — — 32— kenntniß ausgerüſtet iſt und die Zeit und Muͤhe nicht zu ſcheuen hat, die zur Bienen⸗Pflege noͤthig iſt. §. 756. Der größere Landwirth kann, ſeiner Haupt⸗ geſchäfte wegen, ſelten ſo viel Zeit auf die Bienenzucht ver⸗ wenden, als ſie erfordert; deßhalb muß derjenige, welcher Bienenzucht treiben will, ſich aber nicht ſelbſt damit befaſſen kann, entweder zufällig einen Hausgenoſſen haben, welcher nebenbei die Bienenpflege beſorgt, oder er muß, eine gluͤck⸗ liche Localitaͤt vorausgeſetzt, die Bienenzucht ſo weit ins Große treiben, daß es ſich verlohnt, einen beſonderen ſoge⸗ nannten Bienenvater dafuͤr zu bezahlen. §. 757. In der neueren Zeit iſt durch ausgezeichnete Bienenzuͤchter die Schädlichkeit mehrerer herkoͤmmlichen Ver⸗ fahrungsarten, die freilich leider an vielen Orten noch üb⸗ lich ſind, an's Licht geſtellt und beſſere Methoden, wie namentlich die Magazin⸗Bienenzucht, ſind dafür eingeführt worden. Zu jenen ſchädlichen Verfahrungsarten gehört namentlich das Tödten der Bienen, um den Honig und das Wachs zu gewinnen, und das zu häufige Schwärmenlaſſen. §. 758. Eine große Zahl guter Schriften gibt aus⸗ führliche Anleitung zum Betriebe der Bienenzucht. . Wir nennen hier einige der ausgezeichneteren: v. Ehrenfels, die Bienenzucht nach Grundſätzen ꝛc. Prag, 1829. Chriſt, Bienencatechismus, 4. Auflage, Leipzig 1820. Knauff, die Behandlung der Bienen, ihren Naturkrieben gemäß, 3. Auflage, Jena 1819. Putſ che, neueſter Catechismus der Bienenzucht Leipzig 1829. mI. Die Fiſcherei. §. 759. Bei vielen Guͤtern ünden ſich fließende oder ſtehende Gewaͤſſer, in denen ein zufaͤlliger, ungeregelter oder ein geordneter, geregelter Betrieb von Fiſcherei, eine eigent⸗ liche Fiſchzucht, mit mehr oder weniger Vortheil ſtatt findet. Jene Betriebsart nennt man die wilde, dieſe die — 323— cht u zahme Fiſcherei, oder auch Teichfiſcherei, Peichnunret⸗ ſchaft. f Huu.§. 760. Die wilde Fiſcherei gehört meh i in das ct ver Gebiet der Jagd, als des landwirthſchaftlichen Gewerbes, reche weßhalb wir ſie um ſo mehr hier nicht weiter verfolgen. heftſen Die Teichfiſcherei verdient dagegen in Localitäten, wo ſich V welche Fiſchteiche befinden, oder ohne zu große Koſten anlegen laſſen, ne glih der Beachtung des Landwirths. weit in Neuerer Zeit hat die Teichfiſcherei in vielen Gegenden ehr ab⸗ een ſ⸗ genommen, indem alte Fiſchteiche durch Trockenlegung häufig eine viel höhere Benutzung gewähren, als wie durch den Fiſchertrag. Indeſ⸗ ſen iſt dieſer unter günſtigen Umſtänden, der Fläche des dafür ge⸗ zeichett widmeten Bodens nach berechnet, nicht ſelten auch ſehr belohnend, 3 hen Ver⸗ und wer es kann, dem iſt es auch nicht zu verdenken, wenn er mehr noch ün⸗ der Annehmlichkeit, als des hohen Ertrags wegen, einige Fiſchzucht en, wi betreibt. ngefäht§. 761. Die Fiſ charten, welche bei der eich⸗ fiſcherei hauptſächlich gehalten werden, ſind: Karpfen, tlih w Schleyen, Karauſchen, Barſchen, Hechte und gewinnen, Forellen. §. 762. Zu einem geregelten Betriebe der Fiſch⸗ öt ant⸗ zucht gehoͤren mehrere Teiche, nemlich Streich⸗ oder Laichteiche, zu Erzeugung der Brut; Streckteiche, zu Erziehung der jungen Fiſche bis zu einem gewiſſen Alter; 1829 Hauptteiche, worin der aus den Streckteichen genommene Satz bis zum Verkaufe groß gezogen wird. gemäh, Durch Zukauf des Satzes hilft man ſich in Ermangelung von Streich⸗ und Streckteichen. 9. Näheres über die Fiſcherei enthalten folgende Schriften: Pohl, das Neueſte der Fiſcherei, Leipzig 1829. v. Reider, das Ganze der Fiſcherei, Nürnberg 1824. de odet Teichmann, die Teichfiſcherei, Leipzig 1831. ter oder Schilling, die wilde Fiſcherei, Leipzig 1831. e eigen⸗ V. Die Schneckenzucht. eil ſat§. 763. Dieſer Gegenſtand verdient wenigſtens der diſſe die Notiz wegen hier noch einer Erwaͤhnung. Es wird nemlich — 324— in einigen Ländern des ſuͤdlichen Deutſchlands die große Garten⸗ oder Weinbergsſchnecke, helix pomatia, als Faſten⸗ ſpeiſe geliebt, und zu dem Ende eigens Schneckenzucht, oder richtiger Schneckenmaſtung, getrieben. Man findet den Betriebszweig namentlich in mehreren Thälern der ſchwäbiſchen Alb, von wo die Schnecken im Handel nach Oeſtreich gehen. Neuerer Zeit iſt dieſer Erwerbszweig jedoch im Abnehmen. §. 764. Man hat zu dem Behufe in einem Garten oder auf einem Raſenplatze Kaͤſten, aͤhnlich wie die Käſten zu Miſtbeeten, mit einem etwa 2 Fuß hohen Bretterrande; uüͤber dieſen Käſten iſt eine enge Lattendecke, ſo daß die Schnecken nicht entweichen können; manche Käſten ſind auch unbedeckt, und man ſucht dann auf verſchiedene andere Weiſe das Herauskriechen der Schnecken zu verhuͤten. §. 765. Die Beſitzer dieſer ſogenannten Schneckengär⸗ ten laſſen die Schnecken zu Anfang des Sommers in den Hecken, Gebuͤſchen ꝛc. ſammeln, ſtreuen Moos auf den Bo⸗ den der Schneckenbehälter und ſchütten die Schnecken hinein. Hier werden ſie täglich mit Salat, Kohlblättern, Wegwart und anderen Blättern von wildwachſenden Pflanzen gefuͤttert. Im Herbſte bilden die Schnecken an der Oeffnung ihres Gehäuſes einen feſten Deckel, worauf ſie in Faͤſſer geſchla⸗ gen und verſendet oder auch von den Züchtern ſelbſt ver⸗ ſpeißt werden. Grißh