— ———j4—„ 8 (* 1—— 1½ 5 4 4⁄ 1 4 4 1 4 164 5 7 4 1 1 4 154 4 1 1 1 1 *„ Aà. 4 45 41 4 2 2 3 8 T N 3 4 8 1 4 4 5 1ℳ 3 4 3 1 2 1 AA 4 1 4 8. 4 d K4 1 G P S 4* 4 — — ——— 4 A RIBLIOTHER D. XONTGLICHEN ACADEKMIE MS LANDBALES/ Rzu NMPN/ — — Der Etwerhebetrie⸗ Branntweinbrennerei Bierbrauerei, nach ſeinem gegenwaͤrtigen Standpunkte dargeſtellt; mit beſonderer Ruͤckſicht auf Steuergesetzgebung in den Koͤniglich Preußiſchen Staaten. Bearbeitet von Weinrich Förster, Sekretair der Königlichen Provinzial⸗Steuer⸗Verwaltung zu Köln. 8*† 25 Mit ein und vierzig Abbildungen auf drei Tafeln. — Berlin, auf Koſten des Verfaſſers. 15 1830. ———— — 1— 237 Praktische Anleitu g zur Kenntniß der Geſetzgebung uͤber Beſteuerung des Branntweins und des Braumalzes in den Koͤniglich Preußiſchen Siaaien. 215 6 us 5 fuͤr Gewerbtreibende und Beamte aus amtlichen Quellen bearbeitet von Reinrich Förster, Sekretair der Königlichen Provinzial⸗Steuer⸗Verwaltung zu Köln Zweite, umgearbeitete und vermehrte Auflage. Mit ein und vierzig Abbildungen auf drei Tafeln. Berlin, auf Koſten des Verfaſſers. 1830. Seiner Hochwohlgeboren dem Herrn Carl Georg Maaßen, Koͤniglichen Wirklichem Geheimen Ober⸗Finanz⸗Rath und General⸗Direktor der Steuern, Mitglied des Koͤniglichen Staatsrathes, Ritter des rothen Adlerordens zweiter Klaſſe mit Eichenlaub, Ritter des eiſernen Kreuzes, Großkreuz des Großherzoglich Heſſiſchen Verdienſtordens. Hochwohlgeborner, Hoͤchſtverehrter Herr Wirklicher Gehei⸗ mer Ober⸗Finanzrath und General⸗ Direktor, Wenn Euer Hochwohlgeboren ich die gegen⸗ waͤrtige Schrift mit dankbarſter Verehrung zuzueignen wage, ſo finde ich die Ermuthi⸗ gung dazu in eben dieſer Geſinnung, wie wenig auch der Werth des Geleiſteten einen Anſpruch fuͤr ſolche Auszeichnung zuerkennen moͤchte. Geehrt durch Hochdero gefeierten Na— men, darf dieſe Schrift vielleicht hoffen, in der Reihe gemeinnuͤtziger Darſtellungen Erwaͤhnung zu finden, der Gegenwart als ein Zeichen, der Zukunft als eine Erinnerung, wie in Euer Hochwohlgeboren Leben und Wirken eine zahlreiche Klaſſe be⸗ triebſamer Buͤrger den Vertreter und Be⸗ foͤrderer des Gewerbfleißes, ſo wie eine große Anzahl von Dienern des Staates ihren un⸗ ermuͤdet wohlwollenden Fuͤrſorger, dankbar anerkennt und verehrt. Mit der tiefſten Ehrerbietung verharrend Euer Hochwohlgeboren ganz gehorſamſter Heinrich Foͤrſter. Vorrede zur erſten Auflage. Der Anleitungen zur Kenntniß der Geſetzgebung uͤber indirekte Beſteuerung, ſind ſeit dem Beſtehen der ge⸗ genwaͤrtigen Verfaſſung ſo viele erſchienen und ihre Brauchbarkeit iſt mehr oder minder anerkannt worden; ſo daß es faſt uͤberfluͤßig oder gewagt erſcheinen koͤnnte, ſte mit einer neuen Schrift zu vermehren, wenn nicht die Betrachtung, daß jene Handbuͤcher zeither, entweder die verſchiedenen Zweige der Steuergeſetzgebung insge⸗ ſammt umfaßten, oder lediglich aus einem wiederholten Abdruck der geſetzlichen und miniſteriellen Beſtimmun- gen, ohne allen Commentar beſtanden, zu dem erfah⸗ rungsmaͤßigen Reſultat gefuͤhrt haͤtte, daß fuͤr den Un⸗ terricht die Maſſe zu weitlaͤufig war, oder entgegenge⸗ ſetzten Falls die bloße Kenntniß jener Beſtimmungen ohne Erlaͤuterung unverſtaͤndlich bleiben mußte. Es findet dieſe zuletzt aufgeſtellte Meinung vorzuͤg⸗ lich auf die Beſteuerung des Branntweins und des Braumalzes Anwendung, weil hier Geſetz und Gewer⸗ bebetrieb in ſo wechſelſeitiger Beziehung zu einander ſtehen, daß die Ausfuͤhrung des Erſteren die Kenntniß des Letzteren unbedingt vorausſetzt, der Gewerbebetrieb jedoch ſelbſt, nicht ohne vollſtaͤndige Geſetzeskunde ſich in ſeinem regelmaͤßigen Gange bewegen kann. 1 X Unbeſtritten duͤrfte es wobl anerkannt werden, daß es fuͤr den Gewerbtreibenden eine ſchwierige Aufgabe ſeyn muß, die kurz und kathegoriſch gefaßte Redaktion der Steuergeſetze ohne Erlaͤuterung auf die vorkommen—⸗ den, bei der Ausuͤbung des Gewerbes ſo vielfach wech— ſelnden Faͤlle anzuwenden, da ihm weder Gelegenheit wird, noch Huͤlfsmittel zu Gebote ſtehen, aus denen eine ſolche Kenntniß geſchoͤpft werden koͤnnte. Wir finden daher auch durch die Erfahrung beſtaͤ⸗ tigt, daß der groͤßere Theil, der zur Ruͤge kommenden Contraventionen gegen die Beſtimmungen der Getraͤn⸗ kefabrikationsſteuer, ohne Abſicht der Geſetzesuͤbertre⸗ tung, bloß aus Unkenntniß der Vorſchriften begangen wurde; daß der Steuernde, in den meiſten Fäaͤllen, ſich in der Meinung befunden, eine Handlung fuͤr erlaubt zu halten, welche die Geſetzgebung durch Strafe ver⸗ poͤnt hat, und es ſiehet ſich wohl Mancher wider ſeine Vorausſicht in Nachtheile verſetzt, die ihn bei Kennt⸗ niß der ſie veranlaſſenden Beſtimmungen nicht getroffen haben wuͤrden. Eben ſo nothwendig als dem Gewerbetreibenden, iſt jedoch auch dem aktiven Steuerbeamten, naͤchſt der genauen Bekanntſchaft mit dieſem Theil der Geſetzge⸗ bung, die Kenntniß und Beurtheilung der verſchiedenen Fabrikationsakte der Bierbrauerei und Branntwein⸗ brennerei; damit er beſtimmt und berathend auftreten koͤnne, wo ſeine Aeußerung in Anſpruch genommen wird, indem es ihm obliegt, zur lebendigen und nuͤtzli⸗ chen Ausfuͤhrung des Geſetzes, ſo wie zur Erleichterung des Gewerbebetriebes gleichzeitig beizutragen. Die mangelnde Kenntniß des Gewerbebetriebes er— zeugt einſeitiges Urcheil, unbegruͤndetes Handeln und ſtoͤrt entweder den ruhigen Buͤrger in ſeinen rechtmaͤ⸗ ßigen Intereſſen, oder hemmt durch zu große Aengſt⸗ lichkeit und der aus Furcht vor Verletzung entſteheuden Nachſicht die Ausuͤbung der Geſetze, tritt mithin dadurch der Erreichung der Staatszwecke ſelbſt, hindernd entgegen. In dem, aus einem ſolchen theilweiſen, oder ge⸗ XI genſeitigen Mangel an Kenntniß entſtehenden Mißver⸗ haͤltniß, moͤchte wohl zunaͤchſt die Veranlaſſung zu fin⸗ den ſeyn, wenn im Einzelnen ſich noch Klagen,(nicht uͤber die Beſteuerung ſelbſt,) ſondern uͤber die Ausuͤ⸗ bung der Kontrole, ſo wie uͤber die Haͤrte der Steuer⸗ ſtrafgeſetze vernehmen laſſen, wie es dann auch wohl unbezweifelt iſt, daß die Aufſichtsbeamten, Kontrole und Reviſion der Gewerbeanſtalten mehrfach uͤber den be⸗ dingten Zweck, lediglich in beſorglicher Pflichterfuͤllung ausdehnen. Der Unterzeichnete beabſichtigte daher eine Erlaͤu⸗ terung der geſetzlichen Beſtimmungen uͤber dieſen Steu⸗ erzweig, in ſteter Folge und Verbindung mit den ver⸗ ſchiedenen Abſtufungen und Fabrikationsakten des Ge⸗ werbebetriebes fuͤr den Zweck zu bearbeiten, dem Steuer⸗ pflichtigen, ſo wie dem Beamten dadurch einen Nach⸗ weis zu liefern, aus welchem ſich dieſelben in zweifel⸗ haften Faͤllen, auf die kuͤrzeſte Weiſe ein gruͤndliches Urtheil zu bilden im Stande ſein koͤnnten. So entſtand die vorliegende Schrift, in welcher der Kuͤrze oder Deutlichkeit unbeſchadet, ſorgfaͤltig ge— ſammelt worden iſt, was dem Zweck bemerkenswerth oder intereſſant erſchien. Der Verfaſſer iſt bemuͤht geweſen, das Brauch⸗ bare neben dem Nothwendigen aufzunehmen, Weſentli⸗ ches nicht zu uͤbergehen, und ſelbſt unrichtige Anſichten oder Behauptungen, wenn ſie zur Sprache gekommen ſind, kurz anzudeuten; in einzelnen intereſſanten Arti⸗ keln moͤglichſt vollſtaͤndig zu ſein; aber Alles zu pruͤfen und nur nach den beſtehenden Vorſchriften, nach ſiche— ren Quellen, und wo dieſe nicht ausreichten, nach den aus dem Geſetz und dem Gewerbebetrieb ſich darſtel⸗ lenden Gruͤnden zu beurtheilen. Manche hier vorkommende Bemerkungen, in ſo fern dieſelben in das Techniſche des Gewerbebetriebes einſchlagen, ſind Reſultate ſelbſtgemachter Erfahrungen und der Verfaſſer darf ſie verbuͤrgen; wo es noͤthig ge⸗ weſen, ſind die Authoritaͤten angegeben. Iſt es aller⸗ XII dings nur der Hauptzweck der vorliegenden Arbeit, dem beſſerer Huͤlfsmittel entbehrenden Gewerbetreibenden und dem angehenden Steuerbeamten, eine verſtaͤndliche prakti⸗ ſche Anleitung, fuͤr die Ausuͤbung des Betriebes und des Reviſionsdienſtes zu verſchaffen, ſo duͤrfte dennoch viel⸗ leicht auch der mehr Unterrichtete dieſe Schrift nicht ohne Befriedigung annehmen, da vielleicht auch ihm Manches neu oder intereſſant erſcheinen duͤrfte, was Fitzer in andern Handbuͤchern vergeblich geſucht wor⸗ den iſt. In wie weit es gelungen ſein mag, durch dieſen erſten Verſuch ein befriedigendes Ganze zu liefern, ge⸗ rechten und billigen Forderungen zu entſprechen, darf vertrauensvoll dem nachſichtigen Urtheile ſachverſtaͤndi⸗ ger Richter uͤberlaſſen bleiben, da ihnen weder die An⸗ forderungen, noch die Schwierigkeiten unbekannt ſind, welche ſich der Erreichung eines ſolchen Zieles entge⸗ genſtellen. Des Verfaſſers Beſtreben iſt dahin gerichtet gewe⸗ ſen, aus der Benutzung der vorhandenen Materialien und der ſorgfaͤltigen Pruͤfung der ihm gebotenen Huͤlfs⸗ mittel, eine moͤglichſt brauchbare und nuͤtzliche Arbeit zu liefern, dadurch ein erkanntes Beduͤrfniß eini⸗ germaaſſen zu mindern, und in dieſem Bewußtſein die Erwartung mindeſtens theilweis zu rechtfertigen, deren Erfuͤllung eine ſo wohlwollende Theilnahme, die dieſe Schrift bereits vor ihrem Erſcheinen gefunden, ihm als dankbare Verpflichtung auferlegt hat. Koͤln, den 18. Auguſt 1828. Der Verfaſſer. ———— XIII Vorrede zur zweiten Auflage. Die erſte Auflage des gegenwaͤrtigen Handbuches hat eine ſo guͤnſtige Aufnahme gefunden, daß wenige Monate nach vollen⸗ detem Druck ſaͤmmtliche Exemplare begehrt waren und ſpaͤtere Beſtellungen nicht befriedigt werden konnten. Der Verfaſſer erkennt ſehr wohl, daß er dieſes, in der gegenwaͤrtigen Zeit gewiß unerwartete Reſultat, nicht ſowohl ſeinem Beſtreben nach angemeſſener Ausfuͤhrung eines intereſſanten Gegenſtandes, als vielmehr der lebhaften Theilnahme an demſelben zu danken hatte, durch welche eine billige Nachſicht gegen die Maͤngel dieſes Werks erzeugt wurde, deren Vorhandenſein dem Bear, beiter keinesweges entgangen iſt. Er mußte in dieſer Ueber⸗ zeugung eine erhoͤhete Verpflichtung finden, bei der gegenwaͤrti⸗ gen Umarbeitung dahin zu trachten, daß dieſe fuͤr ein zahlrei— ches Publikum beſtimmte Schrift durch Vollſtaͤndigkeit und zweck⸗ maͤßige Darſtellung das Verdienſt einer mehr als voruͤbergehenden Brauchbarkeit erlange, und hoffentlich werden einer billigen Beur⸗ tbeilung bei Vergleichung der jetzigen, gegen die fruͤhere Auflage, Beweiſe fuͤr das vorerwaͤhnte Streben nicht entgehen. Da es wohl als hinlaͤnglich erwieſen anzunehmen iſt, daß die richtige Anwendung der in der Einleitung geſchichtlich entwickel⸗ ten Geſetzgebung uͤber Beſteuerung der Branntweinbrennerei und Bierbrauerei ohne naͤhere Kenntniß dieſer Gewerbebetriebe nicht ausfuͤhrbar iſt, ſo ſchien zunaͤchſt erforderlich, dieſe beiden Fabrikationszweige ſelbſt, mit genauer Beachtung ihres techni⸗ ſchen Vorſchreitens in neuerer Zeit, ganz unabhaͤngig von den Beſtimmungen der Geſetzgebung, in einem beſonderen Abſchnitte, gedraͤngt, jedoch in ſich abgeſchloſſen und uͤberſichtlich darzuſtel⸗ len. Wie weit dies und die Abſicht, dadurch gleichzeitig einen XIV einen Leitfaden fuͤr den Selbſtunterricht darzubieten, gelungen ſei, darf dem billigen Urtheil der Sachkenner anheimgeſtellt blei⸗ ben. Die Reichhaltigkeit des Stoffes machte dieſen Zweig der Arbeit um ſo ſchwieriger, als der Verfaſſer ſich nicht verheh⸗ len durfte, daß ein Theil ſeines Publikums keine, oder nur ſehr unvollſtaͤndige Kenntniß jener Gewerbebetriebe haben, eine Ent⸗ wickelung derſelben aber nur dann mit Leichtigkeit aufzufaſſen vermoͤgen werde, wenn die unentbehrlichen Grundzuͦͤge der tech⸗ niſchen Chemie ſich klar eroͤrtert und die Inſtrumente oder Ge⸗ raͤthſchaften in treuen und deutlichen Abbildungen dargeſtellt fin⸗ den, um auf dieſem Wege einen Stuͤtzpunkt zu gewinnen, wel⸗ cher bei Ausuͤbung oder Kontrolirung der Gewerbe vor fal⸗ ſchen Anſichten und Mißgriffen ſchuͤtzen koͤnne. Der Verfaſ⸗ ſer darf fuͤr dieſen Theil ſeiner Arbeit zwar mit Dank der Huͤlfsmittel erwaͤhnen, welche die gegenwaͤrtige Literatur dieſes Gegenſtandes zur zweckmaͤßigen Auswahl darbot; er darf aber auch pflichtmaͤßig verſichern, nur ſolche Fabrikationsmethoden oder Reſultate aufgenommen zu haben, von deren vortheilhaf⸗ ter Anwendbarkeit er entweder durch eigene Anſchauung, oder durch guͤtige Mittheilungen bewaͤhrter Sachkenner, die vollſtaͤn⸗ dige Ueberzeugung gewonnen hatte. In keinem Falle iſt da⸗ her etwas ohne Pruͤfung bloß nachgeſchrieben, oder als ausfuͤhrbar angegeben, ſtatt daß manches der andern Lehrbuͤ⸗ cher nur zu haͤufig Vorſchriften gegen alle Grundſaͤtze der Technologie enthaͤlt, oder Reſultate von Verſuchen aufſtellt, welche, im Kleinen unternommen, ſich bei der Praxis im Gro⸗ ßen nicht bewaͤhren. Aus dieſem Geſichtspunkte glaubt daher der Verfaſſer, die Zufuͤgung dieſes Abſchnittes als einen we⸗ ſentlichen Vorzug der jetzigen Bearbeitung betrachten zu duͤr⸗ fen und es wird aus der Abſicht, eine Darſtellung des Ge— werbebetriebes, geſondert von der eigentlichen Geſetzgebung uͤber deſſen Beſteuerung, zu liefern, die mehrfache Abweichung von dem mitgetheilten urſpruͤnglichen Plane der gegenwaͤrtigen Schrift nicht allein ſich vollſtaͤndig rechtfertigen, ſondern auch den Beweis liefern, daß zweckmaͤßige Anordnung des Ganzen, des Verfaſſers regſtes Beſtreben geweſen iſt. Die zweite Abtheilung des Werkes enthaͤlt die Commen⸗ tirung der Geſetzgebung und hat an Vollſtaͤndigkeit dadurch XV beſonders gewonnen, daß der Verfaſſer in den Stand geſetzt worden iſt, in allen Faͤllen, wo fruͤher die naͤhere Erlaͤute⸗ rung der Geſetzesſtellen und ihre Anwendung auf einzelne Be⸗ triebsakte vorbehalten geblieben war, die daruͤber zeither erfolg⸗ ten definitiven Beſtimmungen der hoͤchſten Verwaltungsbehoͤrde woͤrtlich mittheilen zu koͤnnen. Statt des, der fruͤheren Ausgabe angehaͤngt geweſenen al⸗ phabetiſchen Sachregiſters, iſt hier der Inhalt des Werkes durch Randbemerke angegeben, welche nach der Reihenfolge vorn zuſammengeſtellt, ſowohl das Auffinden eines einzelnen Gegenſtandes erleichtern, als den Plan des Ganzen und die Anwendung der Geſetzgebung auf den Gewerbebetrieb über⸗ ſichtlich vor Augen legen. Endlich iſt auch jetzt, wie bei der erſten Auflage, gewiſſen⸗ hafter Fleiß auf die Entwickelung der Strafgeſetzgebung, mit ſte⸗ ter Hinweiſung auf den Gewerbebetrieb, verwendet, und man wird unbezweifelt die Liberalitaͤt dieſes Theils der Geſetzgebung anerkennen und die daruͤber aufgeſtellten, aus der Ueberzeugung hervorgegangenen Behauptungen des Verfaſſers, factiſch beſtaͤ⸗ tigt finden, wenn man ſich die Muͤhe geben will, die im An— hange mitgerheilten Geſetzesauszuge uͤber Branntwein⸗ und Bier⸗ Beſteuerung in andern bedeutenden Staaten, wo dieſe Gewerbe ebenfalls auf einer hohen Stufe der Ausbildung ſtehen, un⸗ befangen mit dem Preußiſchen Steuergeſetze zu vergleichen. In Bezug auf Anordnung und Schreibart mag ſich fuͤr ſtrengere Kritik allerdings mancher Stoff zum Tadel darbieten; namentlich werden vielleicht einige Gegenſtaͤnde minder aus⸗ fuͤhrlich bearbeitet gefunden werden, als andere, fuͤr welche dies noͤthiger geſchienen haben moͤchte. Der Verfaſſer darf in die⸗ ſem Betracht nur darauf hindeuten, daß er fuͤr ſeine Arbeit ein gemiſchtes Publikum ins Auge zu faſſen hatte, welches zu⸗ naͤchſt aus Gewerbtreibenden und Steuerbeamten beſtehen wird, und deſſen Beduͤrfniſſen zu entſprechen, er ſich, unter Ruͤckſicht auf die gemachten Erfahrungen, vorzugsweiſe bemuͤhen mußte. Fuͤr dieſen Zweck treu und gewiſſenhaft benutzt zu ha⸗ ben, was die Brauchbarkeit und Vollſtaͤndigkeit des Werkes befoͤrdern konnte,— dieß iſt ſich der Verfaſſer redlich bewußt, und hofft auch die aͤußere Ausſtattung deſſelben als einen Be⸗ XVI weis der Achtung anfuͤhren zu duͤrfen, welche er der Theil⸗ nahme ſeines Publikums ſchuldig zu ſein glaubte. Hat demnach die Erweiterung des fruͤheren Plans, ſammt dem Beſtreben, nichts uͤbereiltes oder unhaltbares zu liefern, der Vollendung einigen Aufſchub verurſacht, ſo hat dennoch durch dieſe Zoͤge⸗ rung die Arbeit hoffentlich nur gewonnen, und wenn es gelun⸗ gen iſt, das gegebene Verſprechen zu loͤſen und eine mehrſeitig nutzbare Schrift zu liefern, ſo hat der Verfaſſer die Richtung ſeines Strebens erreicht. Gern will er kein anderes Ver⸗ dienſt, als das eines zweckmaͤßigen Sammelns, Sichtens und Ordnens, dabei in Anſpruch nehmen, da er nur zu lebhaft empfindet, wie das von allen Seiten und in jeder Beziehung ihm zur Foͤrderung ſeines Unternehmens zu Theil gewordene große Wohlwollen, ſammt der unermuͤdet freundlichen Theilnahme ehrenwerther Sachkundigen, eine groͤßere Unterſtuͤtzung gewaͤhr⸗ ten, als er zu gewinnen oder durch den beharrlichſten Willen zu erſetzen hoffen durfte. Es ſei ihm erlaubt, dieſes oͤffent⸗ liche Anerkenntniß, als herzlichen Dank, allen Denen darbringen zu duͤrfen, welche Liebe zur Sache und freundliche Geſinnung fuͤr den Bearbeiter hier in gleich hohem Maaße an den Tag gelegt haben. 1 Berlin, den 15. November 1829. Der Verfaſſer. Ueberſicht des Inhaltes. Erste Abtheilung. Erſter Abſchnitt.— Einleitung. Paragraphen. Seitenzaht⸗ Augemeine Darſtellung uͤber Urſprung und Nothwendigkeit der gegenwaͤrtigen indirekten Steuerverfaſſung in der Preußiſchen Mo⸗ narchie, in Bezug auf fruͤhere Geſetzgebung. 1 und 2 1 und Grundzuͤge der indirekten Steuerverfaſſung und Ergebniſſe dieſer Beſteuerungsweiſe im Preu⸗ ßiſchen Staate.— Verthellung und Erhe⸗ bung der Abgaben.— Gegenſtaͤnde der indirekten Beſteuerung.— Wer iſt der Steuer⸗ zablende?......... Beſteuerung der Getraͤnkefabrikation,— der Konſumtion, oder des Produktes;— der Fabrikation, als Mittel zur Belebung des Gewerbebetriebes........ 7=— 9 8 Einfluß dieſer Beſteuerungsweiſe auf Ein⸗ nahme⸗Reſultate.....„.. Abgabenſatz von Branntwein im Preußiſchen, verglichen mit der Beſteuerung in andern Laͤndern„⸗...... Beſteuerung der Deſtillirgeraͤthe durch den Blaſenzins.— Geſteigerte und verminderte Produktions⸗Faͤhigkeit.— Beſteuerung der Liqueur⸗Fabrikation.— Reſultate dieſer Be⸗ ſteuerungsweiſe„......„ Maiſchbottichſteuer.— Grundzuͤge des Regu⸗ lativs vom 1. Dezember 1820.— Verhaͤlt⸗ niß des Getreides zur Branntweinausbeute.— Verhaͤltniß der trocknen Subſtanz zur Fluͤſ⸗ ſigkeit.— Steigraum der gaͤhrenden Mai⸗ ſche.— Produktionsfaͤhigkeit des Maiſch⸗ raums und der Maiſche.— Vorlaͤufiger Steuerſatz.— Das Regulativ vom 1. De⸗ zember 1820 galt als Intermiſtieum.— Ge⸗ ſetzliche Beſtaͤtigung dieſer Beſteuerungs⸗ weiſe.— Reſultate der Beobachtungen uͤber die Produktionsfaͤhigkeit des Maiſchrau⸗ mes.— Definitive Regulirung des Steuer⸗ ſatzes. Regulativ vom 1, Dezember 1820 8d0 13= 17 44— 16 XVIII aragraphen. (Anlage B.)— Allerboͤchſte Kabinetgordres Parageuhen vom 20. Junius 1822 und vom 10. Januar 1824(Anlagen C. D.)....... Aufhebung der Gewerbeſteuer von Brannt⸗ weinbrennereien.— Normalverhaͤltniß des Getreides zur trocknen Subſtanz, Produk⸗ tionsfaͤhigkeit des Maiſchraums.— An⸗ wendung der Beſtimmungen aus dem Ge⸗ ſetz vom 8. Februar 1819.— Beibehaltung des Blaſenzinſes fuͤr Deſtillateure.— Be⸗ dingte Befreiung davon.(Auszug aus dem Geſetz und der Ordnung vom 8. Februar 1819(Anlage A)... Regulirung der Beſteuerung fuͤr Brannt⸗ weinbereitung aus Obſt, Beeren, Treſtern, Wein, Weinhefe.— Steuerſatz, Regula⸗ tiv vom 21. Auguſt 1825(Anlage E.).— Fixation dieſer Brennereien.. Beſteuerung des Zuckerwaſſers.— Ausbeute⸗ Ertrag.— Steuerſatz.— Branntweinberei⸗ tung aus Malzwuͤrze, Getreide⸗ Extrakt, Starkeſyrup......... Beſteuerung des Braumalzes zur Bier⸗ und Eſſigfabrikation. Steuerſatz.— Verglei⸗ chung mit den Abgabenſaͤtzen in andern Laͤndern.— Fortſchritte der Bierfabrikation im Preußiſcen.... 35— 37 Schluß der Einleitung 38 18— 26 26— 29 32— 34 Zweiter Abſchnitt. Gewerbskunde, theoretiſcher Theil. Was iſt Weingeiſt, Alkohol?— Hiſtoriſche Skizze der Branntweinbereitung.— Unter⸗ ſchied zwiſchen Weingeiſt und Brannt⸗ wein.— Urſprung der Bierbereitung.. 39— 42 Alkohol, deſſen Darſtellung.— Nothwendige Requiſite.— Alkohol wird aus Zucker ge⸗ bildet.— Kuͤnſtliche Zuckerbildung... 43— 44 Betriebs⸗Materialien.— Beſtandtheile der⸗ ſelben.— Staͤrke.— Pflanzenleim(Kleber) Pflanzeneiweis.— Gummi und Pflanzen⸗ ſchleim.— Schleimzucker..... 45— 351 Gaͤbrung, Begriff derſelben.— Eintheilung in geiſtige, ſaure und faule Gaͤhrung.— Darſtellung und Verlauf der geiſtigen Gäbrung......„. 52— 54 Hefe oder Ferment.— Darſtellung derſel⸗ ben.— Eigenſchaften und Wirkungen der Hefe............. 55— 57 Gaͤhrungs⸗Perioden......... 58 Heaillotion...... 59— 60 Seitenzahl. 16— 23 23— 26 26— 28 28— 31 31— 33 35 36— 38 38— 41 41— 45 45— 48 48— 50 50 51— 32 8 5 0 XIX Gas, im Gegenſaßz von Dampf. Gagsarten. — Athmoſphaͤriſche Luft.— Stickſtoffgas. — Sauerſtoffgas, deſſen Eigenſchaften und Wirkungen. Feuer.— Feueranlagen... Kohlenſaͤure, kohlenſaures Gas.. Waͤrme und Kaͤlte.— Temperatur.— Ther⸗ mometer.— Eintheilung der Thermome⸗ ter nach Reaumur, Fahrenheit, Celſius.— Reduktion und Zuſammenſtellung der ver⸗ ſchiedenen Thermometer⸗Skalen, Fig. 1.— Abbildung des Thermometers, Fig. 6.— Maiſchthermometer, Fig. 11. Schwere, Gewicht, Volumen, Spezifiſches Gewicht.— Araͤometer Pruͤfung des Branntweins durch Schmecken oder Anzuͤnden.— Gewoͤhnliche Brannt⸗ weinprober.— Araͤometer nach Cartier und Beaume.— Araͤometer nach Cartier, Fig. 8. — Alkoholometer nach Richter.— Stop⸗ paniſche Waage.— Alkobolometer nach Tralles, Fig. 3.— Glascylinder, Fig. 4. Einfluß der Temperatur auf Pruͤfung des Branntweins.— Alkoholometer nach Richter und Tralles, mit Thermometer, Fig. 5.— Vergleichende Ueberſicht der Alkoholometerſkalen, Fig. 2.— Stem⸗ „„ ⸗-⸗.„.. pelung der Alkoholometer.— Verfetzter Branntwein kann nicht auf dem Alkoholo⸗ meter gepruͤft werden.— Lutterprober, Fig. 7........... Sacharometer, Fig. 10.— Bierwuͤrzprober, Fig. 9.— Pruͤfung gegohrener Fluͤſſigkeiten mit derartigen Probern.— Maiſchprober Waſſer, deſſen Anwendung beim Gewerbebe⸗ trieb.— Reinigung des Waſſers durch die Kunſt und durch die Natur.— Regen, Quel⸗ len, Baͤche, Fluͤſſe, Stroͤme.— Brunnen.— Regenwaſſer, hartes Waſſer, deſſen Beſtand⸗ tbeile, weiches Waſſer.— Unterſuchung uͤber die Anwendbarkeit des harten Waſſers beim Gewerbebetriebo......... Malz und Malzbereitung.— Abtheilungen, in welchen der Prozeß des Malzens geſchtehet. — Einweichen des Getreides.— Keimen.— Trocknen des Malzes durch Luft oder Hitze, Luftmalz.— Behandlung des Malzes auf der Darre.— Temperatur der Darre, nach Verſchiedenheit der Malzſorten.— Vera;n⸗ derungen, welche das Getreide beim Mal⸗ zen erlitten.— Gewichtsverluſt. Zunahme des Votumerngg p.. . Paragraphen. 61— 62 63— 64 65— 67 68— 70 71— 72 73— 84 85— 92 93— 96 97— 103 Seitenzabl. 52— 54 54— 33 55— 57 57— 60 60— 61 78— 83 85— 92 XX Dritter Abſchnitt.— Branntweinbrennereibetrieb. Auswahl der Materialien.— Werthverhaͤlt⸗ niß der Getreidearten zu elnander.— Mi⸗ ſchung der verſchiedenen Getreideſorten.— Malz als Branntweinmaterial.— Schro⸗ ten des Getreidess.... Maiſchgefaͤße, deren Form und Groͤße.— Minimum des Nauminhaltes der Maiſch⸗ gefäße..... Einmaiſchung. Verhaͤltniß des Waſſers zur trocknen Subſtannz. Verſchiedenartige Verfahrungsarten beim Ein⸗ maiſchen.— Nuͤhrſcheit, Fig. 12.— Ruͤhr⸗ barke, Fig. 13.— Veraͤnderung, welche die Maiſche erleidet.. Produktionsfaͤhigkeit des Maiſchraums.— Reſultate der Beobachtungen uͤber die Graͤn⸗ zen dieſer Produktionsfaͤhigkeit, in Bezug auf Steuerintereſſe und Branntweinaus⸗ beute.— Maximum der Branntweinaus⸗ beute in einem gegebenen Maiſchraum. Welches Verhaͤltniß zwiſchen trockner Sub⸗ ſtanz und Fluͤſſigkeit wird fuͤr das ange⸗ meſſenſte gehalten?— Nothwendige Be⸗ dingungen und Erforderniſſe bei Abweichung vom vorgenannten Verhaͤltniß.— Saͤure⸗ bildung in dem friſchen Maiſchgut und in der Bierwuͤrze.— Erlaͤuterung dieſer Saͤure⸗ bildung........ Abkuͤhlen des Maiſchguts.— Vorrichtungen dafur. Vormaiſchbottiche.— Kuͤhlſchiffe.— Windfaͤcher, Fig. 14.— Maiſchkuͤhler, Fig. 15.— Kuͤhlkanaͤle, Fig- 16.. Temperatur der Maiſche vor dem Abkuͤhlen. — Fluͤſſigkeiten, welche zum Abkuͤhlen ge⸗ braucht werden; Waſſer, Schlempe, Zucker⸗ waſſer, Wein, Bierabfaͤlle.— Anfuͤllung der Maiſchtienen. Steigraum der gaͤhren⸗ den Maiſche. Verhinderung des Ueberlaufens Stellen der Maiſche mit Hefe.— Stellen mit kuͤnſtlichen Gaͤhrungsmitteln.— Kittel⸗ ſches Gaͤhrungsmittel.— Piſtoriusſches Gaͤhrungsmittel.— Dornſches Gaͤhrungs⸗ mittel.— Neuere Vorſchrift fuͤr kuͤnſtli⸗ ches Gaͤhrungsmittel.— Rauſch's Gaͤh⸗ rungsmittel und Betriebsverfahren.— An⸗ derweite Zuſaͤtze von Alkalien oder Sal⸗ zen.— Erneuerung der kuͤnſtlichen Gaͤh⸗ rungsmittel.— Zuſetzen der Hefe oder der Gaͤhrungsmittel in verſchiedenen Perioden Gepreßte oder trockene Hefe, deren Berei⸗ Paragraphen. Seitenzahl. 104— 110— 112— 116— 419— 125— 107 108 109 111 115 118 137 92— 95— 97 99 103 1⁰6 110 103 106 110 114 123 — XXI tung.— Einfluß der Hefefabrikation auf Branntweinausbeute...... Bedecken und Offenbalten der gaͤhrenden Maiſchtienen,— Verſchloſſen⸗ Gäbrung, Fig. 17.. Gäbunasfriſten, viertaͤgige, dreitaͤgige.— Zweitaͤgige Gaͤhrungsfriſt.— Erſcheinungen in der Maiſche waͤhrend der Gaͤhrung.— Abweichende Erſcheinungen bei unvollkom⸗ mener Gaͤhrung........ Reinigung der Maiſchgefaͤße.— Schlempe, deren Unterſcheidung von der Maiſche. Kartoffelbau und Kartoffelbrennerei.— Ver⸗ gleichender Ausbeute⸗Ertrag wlſchen Rog⸗ gen und Kartoffeln. Landwirthſchaftliche Brennereien.— Beſtand⸗ theile der Kartoffeln.— Pruͤfung der Kar⸗ toffeln auf Staͤrkegehalt und trockne Subſtanz Waſchen der Kartoffeln.— Kochapparat, Dampftonne.— Dampfkeſſel, Fig. 18.— Kochen der Kartoffeln.— Zerkleinerung der Kartoffeln, Quetſchapparat, Fig. 19.— Kartoffelhaken, Fig. 20.— Zuſatz von Getreide oder Malz zu Kartoffelmaiſche.— Zuckerbildende Eigenſchaft des Malzes.— Quantitatives Verhaͤltniß des Malzzuſatzes. — Maiſchen des Malzes.— Verhaͤltniß des Waſſers zur trocknen Subſtanz bei Kartof⸗ felmaiſche.— Maiſchen der Kartoffeln.— Durchſchlagen der Kartoffelmaiſche— Tem⸗ peratur der Kartoffelmaiſche beim Abkuͤhlen. — Stellen der Kartoffelmaiſche mit Hefe oder Gaͤhrungsmitteln.— Gaͤhrungsperio⸗ den der Kartoffelmaiſche.— Ausbeuteertrag der Kartoffeln.— Anderweitige Methoden, die Kartoffeln auf Branntwein zu verar⸗ beiten.— Siemensſches Verfahren bei Kartoffelbrennerei.. Branntweinbereitung aus Weintreſtern, Wein⸗ hefen. Wein.— Branntweinberei⸗ tung aus Obſt und Beeren.— Aufzaͤh⸗ lung der uͤbrigen zur Darſtellung von Branntwein geeigneten Stoffe.— Verar⸗ beitung des Zuckerwaſſers auf Branntwein.— Verarbeitung von Zuckerſyrup auf Brannt⸗ wein.— Honig als Beanhvenmatgial— Steuerſatz.. Deſtillationsbetrieb.-— Eintheilung der Deſtillirapparate.— Einfache Apparate.— Lutter.— Halbwein.— Spiritus⸗Appa⸗ rate.— Apparate mit tiefen Blaſen, Fig. 21.— Weinblaſe.— Unterſuchung der Lei⸗ ſtungsfaͤhigkeit derartiger Apparate.— Nord⸗ . Paragraphen. Seitenzahl. 138— 140 123— 127 141— 142 127— 129 143— 146 129— 134 147— 148 134 149— 151 134— 136 152— 155 136— 140 156— 174 140— 156 175— 180 136— 164 XXII .. Paragraphen. i. haͤuſer Brennereibetrieb.— Apparate mit uran Beitenzaht flachen Blaſen, Fig. 22.— Maiſchwaͤrmer. Maiſchwaͤrmer⸗Apparat.— Maiſchwaͤrmer, Fig. 23.— Maiſchwaͤrmer⸗Apparat mit Schlangenrohr, Fig. 24.— Kupferne Maiſch⸗ Waͤrmer,„.... Spiritus⸗Apparate.— Piſtoriusſcher Appa⸗ rat, Fig. 25 bis 31.— Deſtillations⸗Pro⸗ zeß mit dieſem Apparat.— Handhabung der Geraͤthe.— Vereinfachter Piſtoriusſcher Apparat.— Darſtellung des Gewuͤrzbrannt⸗ weins mit dem Piſtoriusſchen Apparat.— Luftdichter Verſchluß des Apparats, Fig. 28. — Dornſcher Branntwein⸗Apparat, Fig. 32 bis 35.— Grundriß der Feuerung zu dem Dornſchen Brennapparat.— Darſtellung der Leiſtungsfaͤhigkeit dieſer Apparate.— Anſchaffung derartiger Apparate.— Berliner Kupfer⸗Schmiedewerkſtaͤtten.— Koſten⸗An⸗ ſchläge fuͤr die verſchiedenen Apparate.— Piſtoriusſcher Apparat zu 7000 Quart Mai⸗ ſche.— Piſtoriusſcher Apparat zu 3000 Quart Maiſche.— Einfacher Piſtoriusſcher Appa⸗ rat.— Dornſcher Apparat zu 4000 Quart Maiſche.— Dornſcher Apparat zu 2000 Quart Maiſche.— Einrichtung von Brennereien mit Spiritus⸗Apparaten.— Theoretiſch⸗ praktiſche Erlernung des Brennerei⸗Be⸗ triebs in Berlin....... Storchſche Klaͤrmaſchine.— Anderweitige De⸗ ſtillir⸗Apparate.— Dampfbrennereien.— Ueberſteigen und Anbrennen der Maiſche 218— 222 194— 200 Vierter Abſchnitt.— Deſtillirkunſt. Was iſt Deſtillirkunſt?— Kenntniſſe fuͤr den Betrieb der Deſtillirkunſt.— Vermt⸗ ſchung des Branntweins mit Waſſer oder Weingeiſt, um dieſen auf einen gewiſſen Pro⸗ zentgrad zu bringen.— Reinigung des Branntweins.— Kohlentrommel, Fig. 36.— Pruͤfung des Branntweins auf Fuſel.— Reiner Alkohol.— Brandiger Branntwein. — Branntwein mit Modergeruch.— Ver⸗ faͤllchung des Branntweins.— Kuͤnſtliche Perlenbdbn.. 223— 245 200— 213 Eintheilung der veredelten Branntweine.— Aromatiſche Subſtanzen.— Auswahl und Vorbereitung derſelben zur Extraktion.— Auf⸗ loͤſung der Gewuͤrzſtoffe.— Oeſtillation der Gewuͤrze mit Weingeiſt.— Deſtillation der Gewuͤrze mit Branntwein.— Deſtillation der Gewuͤrze mit Waſſer.— Extraktion der 181— 195 164— 173 196— 217 175— 194 XXIII Paragraphen. Sei Bitterſtoffe und Gewuͤrze durch Digeſtion. 2ua Geizen ah — Aufloͤſung der atheriſchen Oele in Alko⸗ hol. Liqueurfabrikation auf kaltem Wege. — Verſußung des Branntweins— Faͤrben und Klaͤren des Branntweins.— Quantita⸗ tives Verhaͤltniß einiger aromatiſchen In⸗ gredienzen zum Branntwein„.. Darſtellung der Staͤrke aus Kartoffeln, des Staͤrke⸗Syrups und des Zuckers.. 259— 262 2231— 225 Künſtlicher Franzbranntwein.— Darſtellung von kuͤnſtlichen Rnum..... Mittheilung der Bereitung des koͤllniſchen Waſſers........... 266— 267 227— 229 246— 258 213— 220 263— 265 225— 227 Fuͤnfter Abſchnitt.— Bierbrauereibetrieb. Bierbrauerei.— Materialien.— Einthei⸗ lung der Bierſorten.— Betriebsoperatio⸗ nen.— Anfeuchten und Schrooten des Malzes.— Einmaiſchen des Malzes.— Kochen der Wuͤrze.— Abkuͤhlen der Wuͤrze.— Stellen der Wuͤrze mit Hefe.— Gaͤhrung des Bieres..„.. 268— 277 230— 236 Anleitung zur Bereitung einiger Bierſorten. 278 236 Braunbier............ 279 237 Weisbier............. 280.— 281 237— 239 Malz⸗ und Hopfenſurrogate... 283 240 Verfaͤlſchung des Bieres.— Klaͤrung des Bieres.— Saures, ſchaales Bier.. Malzdarren, deren Konſtruktion und Beſchrei⸗ bung.— Fig. 37.— Fig. 33. 285— 287 241— 244 283— 284 240— 241 Zweite Abrheilung. Geſetzgebung. Erſter Abſchnitt. Deklaration der Fabrikations⸗Raͤume und Geraͤthe. Einleitung.— Deklaration der Fabrikations⸗An⸗ ſtalten und Geraͤthe.— Schriftliche Anmel⸗ dung.— Bei Brennereien.— Bei Brauereien. — Erklaͤrung des Rauminhaltes.— Grundriß, Fig. 39.— Ausnahmen von der Deklaration. — Verpflichtung zur Deklaration ſaͤmmtlicher Deſtillirgeraͤthe.— Deklaration bei Veraͤn⸗ derung der Geraͤthe und Gefaͤße.— Ab⸗ gabe dieſer Anmeldungen...„ 245— 249 0 288— XXIV Zweiter Abſchnitt. Vermeſſung und Bezeichnung der Geraͤthe. Paragraphen. Seitenzahl. Inhaltsermittelung der Gefaͤße durch Permef⸗ ſung.— Durch wen ſolche geſchiehet.— Vermeſſung auf naſſem Wege.— Ver⸗ meſſung ſchiefſtehender Gefaͤße.— Was wird unter Maiſchgefaͤß verſtanden?.. 293— 299 249— 251 Vermeſſung der Gefaͤße auf trockenem Wege.— Anleitung dazu.— Neiſchs und Winklers Tabeilen fuͤr trockene Vermeſſung.— Meß⸗ band zur Ermittelung des Rauminhaltes der Gefaͤße, Fig. 40.... Vermeſſungsverhandlungen, deren Aufnahme. — Deren Inhalt.— Verpflichtung fuͤr die Richtigkeit der, in den Vermeſſungsver⸗ bandlungen aufgenommenen Reſultate.— Nachvermeſſungen der Gefaͤße, wann und durch wen ſolche geſchehen.— Wiederholte Vermeſſung veraͤnderter Gefaͤße.— Ab⸗ ſichtliche Veraͤnderung der Gefaͤße, was dar⸗ unter begriffen wird.— Zufaͤllige Veraͤn⸗ derungen....... Bezeichnung der Geraͤthe und der Gefaͤße ab⸗ ſeiten des Steuerpflichtigen.— Erneuerung dieſer Bezeichnung.— Amtliche Bezeich⸗ nung der Betriebs⸗Geraͤthe, abſeiten der Steuerbehörde ʒy..„. 313— 313 263 Dritter Abſchnitt.— Deklaration des Betriebes. Anfang des Brennerei⸗Betriebes.— Anferti⸗ gung der Deklaration, von wem ſolche be⸗ wirkt wird.— Betriebs⸗Deklaration, was ſolche entbalten muß.= Formularien.— Doppelte Ausfertigung der Deklarationen. = Zeitpunkt der Abgabe der Deklarationen, vor Beginn des Betriebes.— Ausnah⸗ men.— Amtliche Vollziehung der Betriebs⸗ Deklarationen, abſeiten der Hebeſtelle.— Zeitpunkt binnen welchem die Ruͤckgabe der amtlich feſtgeſtellten Betriebs⸗Deklarationen erfolgen muß.— Ausfuͤhrung des Betrie⸗ bes nach Inhalt der Deklaration. Folgen der Abweichung davon.— Abeaͤnderungen des Betriebes gegen den Inhalt der Deklara⸗ tion.— Gaͤhrungs⸗Perioden, Wechſel der⸗ felben in den Betriebs⸗Deklarationen eines Monats.— Betriebsmaterialien, deren un⸗ beſchraͤnkte Benutzung.— Deklaration der Betriebsmaterialien nach Maaß oder Ge⸗ wicht.— Reduktions⸗Tabelle des Maaßes in Gewichk. ⸗...... 316— 329 264— 275 300— 303 232— 239 306— 312 259— 263 — n 222 XXV Vierter Abſchnitt.— Einmaiſchen.— Stellen.— Gaͤhren. Paragraphen, Seitenzahl. Beginn der Einmaiſchung.— Stunden, in welchen die Einmaiſchung vollzogen wird.— Fluͤſſigkeiten zum Abkuͤhlen des Maiſchguts, — Ueberſteigen der Maiſche.— Aufeſatz⸗ kraͤnze, deren unterfagte Benutzung.— Ab⸗ ſchoͤpfen und Auffangen gaͤhrender Maiſche, — Reihefolge der einzumaiſchenden Bot⸗ tige.— Bedecken oder Verſchließen der Bottige.— Huͤlfs⸗ und Nebengefaͤße.— Bekanntmachung vom 16. Junius 1827 uͤber die ſteuerfreie Geſtattung von Huͤlfs⸗ und Nebengefaͤßen.— Bedingungen zur Benu⸗ tzung von Nebengefaͤßen.— Vormaiſchbot⸗ tige, Kuͤhlſchiffe.— Hefengefaͤße fuͤr die Preßhefe⸗Fabrikation.— Benutzung von Nebengefaͤßen zur Bereitung kuͤnſtlicher Gaͤh⸗ rungsmittel, beim Stellen der Maiſche.— Verſagung der ſteuerfreien Geſtattung von Nebengefaͤßen.— Ausnahmen.— Ver⸗ arbeitung der Maiſche auf Branntwein.— Gaͤhrungs⸗Perioden„ 330— 346 276— 289 Fuͤnfter Abſchnitt.— Deſtillation.— Brennfriſt. Fruͤheres oder ſpaͤteres Abbrennen der Maiſche. — Reihefolge der Bottige.— Abbrennen der an einem Tag bereiteten Maiſche.— Sammlung und Aufbewahrung des Lutters. — Anfang der Deſtillation, wenn ſolcher ſtatt findet.— Unbeſchraͤnkte Konſtruktion der Geraͤthe.— Geſetzliche Brennfriſt.— Ununterbrochener Betrieb.— Verlaͤngerung der Betriebsfriſt bis 9 Uhr Abends.— Ausnahmen.— Lutter⸗ und Weinblaſen.— Beſondere Weintage.— Bewilligung er⸗ weiterter Brennfriſten und der Weintage.— Aufſicht.— Verſagung dieſer Bewilligun⸗ gen............ Verduͤnnung der Maiſche vor der Deſtillation durch Zuguß von Waſſer... Zuſatz inlaͤndiſcher Gewuͤrze zur Maiſche oder zu dem Lutter bei der Verarbeitung auf Branntwein.— Nektifikation oder Entfu⸗ ſelung des Branntweins, iſt ſteuerfrei geſtat⸗ tet.— Verpflichtung zur Erlegung des De⸗ ſtillirblaſenzinſee..... 362— 364 298— 299 Aufbewahrung von Maiſche in den Deſtillirge⸗ raͤthen.— Ausnahme bei Benutzung von Spiritus⸗Apparaten nach Piſtorius.— Auf⸗ bewahrung von Schlempe in den Deſtillir⸗ geräthen ⸗........... 363— 367 299— 300 347— 359 289— 296 360— 361 296— 298 XXVI Unterbrechung des deklarirten Betriebes, wenn dieſelbe eintritt und geſtattet wird.— Was iſt hierbei zu beobachten?— Abaͤnderung des Betriebes wird bei angeblichen Schroot⸗ mangel nicht zulaͤſſig erachtet.— Verſtaͤr⸗ kung des Betriebes.— Nuͤckgabe der Be⸗ triebs⸗Deklaraticn.. Paragraphen. Seitenzahl. 368— 370 300— 302 Sechſter Abſchnitt. Steuerzahlung.— Gefaͤlle⸗Credit.— Ausfuhr⸗Praͤmie. Steuerzahlung nach Ablauf des Monats.— Quittung uͤber geleiſtete Zahlung.— Steuer⸗ zahlung vor Beginn des Betriebes.— Was bei der Steuerzahlung außer Betracht bleibt. — Verpflichtung der Rendanten fuͤr richtige Erhebung der Steuern.— Regreß derſel⸗ ben an den Steuerpflichtigen bei ſtattgefun⸗ dener Minderzahlung.— Tabelle zur Er⸗ hebung der Matſchſteuer.— Berechtigung zur Zahlung des minderen Abgabemſatzes fuͤr landwirthſchaftliche Brennereien.— Er⸗ neuerte Deklaration. Uebertragung der Be⸗ triebshandlungen aus der vormonatlichen Nachweiſung.— Nuͤckzahlung irrtbuͤmlich erhobener Gefaͤlle.— Erſtattung der Steuer fuͤr unbenutzt gebliebenen Maiſchraum.— Verfahren bei Geſuchen um Erſtattung.. Kreditirung der Branntweinſteuer.— Credit⸗ Regulativ des Koͤniglichen Finanzminiſterit vom 27. December 1825.— Verfahren bei Nachſuchung des Branntweinſteuer⸗Kredits. — Berechtigung der Brennerei⸗Paͤchter zur Kreditbewilligung.— Sicherheitsleiſtung fuͤr Kreditbewilligungen.— Deklaration zum Packbof nach abgelaufener Kreditfriſt.— Kon⸗ trolirung der Lagerbeſtaͤnde bei Kreditbewil⸗ gungen.— Erweiterung des Branntwein⸗ ſteuerkredits auf zwei⸗ und dreijaͤhrige Friſt Gefäaͤlle⸗Verguͤtung fuͤr den außerhalb Landes verfuͤhrten Branntwein oder Weingeiſt.— Bekanntmachung des Koͤnigl. Finanz⸗Mi⸗ niſterii vom 26. December 1825.— Ver⸗ guͤtungsſaͤtze nach Maaßgabe des Alkobol⸗ gehalts.— Steuerquantum.— Zuſage⸗ ſcheine.— Ausgangspunkt und Reviſion. — Minimum der Ausfuhr.— Maximum der Ausfuhr.— Verluſt des Anſpruchs auf Steuerverguͤtung,— Stempel und Gebuͤh⸗ renfreiheit der Zuſage⸗Scheine.— Authori⸗ ſation der Nebenaͤmter zur Abfertigung.— Transport auf Zollſtraßen und in den Ta⸗ gesſtunden.— Uebertragung der am Schluß 371— 381 302— 308 382— 389 308— 313 — XXVII Paragraphen. Settenzahl. des Jahres vorhandenen Branntwein⸗Be⸗ ſtände.— Ausnahmen fuͤr Gewerbeanſtal⸗ ten, welche lediglich fuͤr auslaͤndtſchen Debit produziren.— Gefaͤlle⸗Verguͤtung auf aro⸗ matiſche geiſtige Fluͤſſigkeiten, Spriet, Franz⸗ branntwein, Rum u. ſ. w.— Gefaͤlle⸗Ver⸗ guͤtung auf verſetzte Branntweine und Li⸗ queure.— Branntwein als Schiffspro⸗ viant.— Bonifikation auf Branntwein, wel⸗ cher zu Eſſig fuͤr techniſche Zwecke verwen⸗ det wird.— Kontrole des Branntweinver⸗ brauchs.— Steuerpflichtigkeit des Lutters, oder des Branntweins, zu anderen Zwecken 390— 401 315— 322 Siebenter Abſchnitt.— Steuererhebung von Branntwein, aus nicht mehligten Subſtanzen.— Deſtillir-Anſtalten.— Steuerfreie Benutzung von Deſtillir⸗Geraͤthen. Branntweinbereitung aus Obſt, Treſtern, Bee⸗ ren.— Fixation der Maiſchſteuer, ſo wie der Brennereien aus nicht mehligten Subſtan⸗ ten.— Bedingungen.— Abſchluß.— Pranntwemberdifun aus Zuckerwaſſer.— Branntweinbereitung aus Kartoffelſyrup, Malzwuͤrze ꝛc.— Erhebung des Blaſenzinſes von Oeſtillir⸗Anſtalten und Liqueur⸗Fabriken. — Steuerſatz. Erhebungs⸗Rolle.— Be⸗ triebsfriſt, 24ſtuͤndige.— Berechtigung zur Benutzung der ſteuerfreien Tage.— Rek⸗ tifikation des Branntweins iſt dem Deſtilla⸗ teur ſteuerfrei geſtattet.— Steuerpflichtigkeit beim Gebrauch von Ingredienzen.— Die Be⸗ reitung wohlriechender Waͤſſer und aͤtheriſcher Oele iſt ſteuerfrei.— Digeriren des Brannt⸗ weins mit Ingredienzen.— Steuerfreie Be⸗ nutzung der Deſtillirgeraͤthe in Apotheken.— Steuerfreie Benutzung von Deſtillirgeraͤthen zu andern Zwecken, als zu der Branntwein⸗ bereitung oder Branntweindeſtillation,„ 402— 413 322— 330 Achter Abſchnitt.— Kontrolirung des Gewerbebetriebs im Allgemeinen, der Brennereien im Beſonderen. Kontrole des Gewerbebetriebes, deren doppel⸗ ter Zweck.— Grundzuͤge der Kontrole.— Steuerbeamte, deren Verhaͤltniß zu Steuer⸗ pflichtigen.— Verpflichtungen der Beam⸗ ten im Allgemeinen, ſo wie gegen das Pu⸗ blikum im Beſonderen.— Beſchwerdefuͤhrung gegen Beamte.— Rechtsgang der Beſchwerde⸗ fuͤhrung.— Rekursinſtanzen.— Verpflichtun⸗ gen des Gewerbetreibenden gegen die Beamten 414— 420 331— 336 Reviſion der Gewerbsraͤume und Betriebsloka⸗ lien.— Zeitpunkt der Reviſion.— Off⸗ ——— XXVIII nes Aushaͤngen der Betriebsnachweiſungen und Grundriſſe.— Aushaͤngen derſelben in Schraͤnken oder Kaſten.— Fig. 41.— Aufbewahren der Duplikate uͤber Deklara⸗ tionen, der Inventarien und Material⸗Konten Neviſion der Betriebs⸗Geraͤthe und Gefaͤße.— Reviſion der Einmaiſchungen.— Beobachtung der Gaͤhrungsperioden.— Unterſuchung der Huͤlfs⸗Gefaͤße.— Kontrolirung der Maiſchre⸗ ſervoirs.— Kontrolirung der Deſtillir⸗Geraͤthe Niederſchreibung des Reviſionsbefundes.— Aufſicht uͤber die außer Gebrauch ſtehenden Geraͤthe.— Schiefſtellen der Maiſchtienen. — Verſchluß der Maiſchtienen.— Verſie⸗ gelung der Deſtillirgeraͤthe.— Ablieferung der Blaſenhelme.— Deren Niederlegung am dritten Ort, Einſchließung in Raͤumen, oder Kaſten.— Verpflichtung des Gewer⸗ betreibenden fuͤr ſichere Erhaltung des Ver⸗ ſchluſſes.— Verletzung des amtlichen Ver⸗ ſchluſſes, deren Folgen..... Wiederholung der Reviſion.— Befugniß der Beamten zu naͤchtlichen Reviſionen.— Hausſuchug.... Aufbewahrung der Geraͤthe und Gefaͤße au⸗ Berhalb der Gewerbsraͤume.— Kontroli⸗ rung des Betriebsmaterials landwirthſchaft⸗ licher, nach den niederen Abgabenſatz ſteu⸗ ernder Brennereien.— Kontrolirung des Betriebsmaterials in mahlſteuerpflichtigen Staͤdten.— Material⸗Conto.— Revi⸗ ſion des Betriebsmaterials.— Getreide⸗ brennerei, bei gleichzeitigem Betriebe der Bierbrauerei.— Kontrolirung der Obſt, Treſter ꝛc. Brennereien.— Reviſion der Material⸗Vorraͤthe.— Kontrolirung der Deſtillir⸗Geraͤthe.— Kontrolirung der fixirten Treſter⸗Brennereien.— Kontroli⸗ rung der zu ſteuerfreien Zwecken benutzt werdenden Deſtillirgeraͤthe.— Kontroli⸗ rung der Brennereien, welche Schleimzucker, Staͤrkeſyrup ꝛc. verarbeiten..... Branntweinbrennereien im Grenzbezirk, deren Anlegung oder Fortdauer.— Kontobuch aber Fabrikation und Debit.— Bezette⸗ lung der Branntweintransporte im Grenz⸗ bezirk.— Tagesſtunden, in welchen der Transport im Grenzbezirk geſtattet iſt.— Transport⸗Kontrole und Bezettelung in dem Binnenlande.......... Paragraphen. Seitenzahl. 42¹1— 424 336— 338 425— 430 338— 342 431 3⁴2 432— 438 343— 346 439— 441 346— 348 442— 431 348— 353 452— 436 353— 333 Neunter Abſchnitt.— Kontrolirung der Brauereien. Braumalzſteuer, deren Kontrolirung(Aller⸗ 4 XXIX hoͤchſte Kabinetsordre vom 10. Januar 1824 Anlage F.)— Anmeldung, Vermeſſung der Raͤume und Geraͤthe.— Deklaration zum Betriebe. Deklaration des Materials nach Gewicht, des Produktes nach dem Maaß. — Deklaration, deren Anfertigung.— Zeitpunkt der Abgabe.— Steuerpflichtig⸗ keit des rohen Getreides und des Brutto⸗ gewichtes,— Steuerzahlung.— Einmai— ſchungsſtunden, deren Deklaration.— De⸗ klaratton der Rachmeiſchungen.— Brauver⸗ ſteuerungsbuch.. Verpflichtung zur Haltung von Wagen und Gewichten.— Ausnahmen.— Gewichtzu⸗ nahme des Malzes durch Anfeuchten.. Beginn der Einmaiſchung.— Erwarten des Neviſtonsbeawten.— Reviſion des Betrie⸗ bes, Kontrolirung des deklarirten Materi⸗ als.— Kontrolirung des Bierzuges.— Abweichungen zwiſchen Deklaration und Be⸗ fund.— Kontrole des Malzſchrootes und der geſchrooteten Malzbeſtaͤnde.— Erwei⸗ terte Beguͤnſtigung.— Cirkularreſcript des Koͤnigl. Finanz⸗Miniſteriums vom 27. April 1824.— Aufbewahrung der Malzſchroot⸗ Beſtaͤnde.— Kontrole des Materials in mahlſteuerpflichtigen Staͤdten.— Braue⸗ rei in Verbindung mit Kartoffel⸗Brennerei⸗ — Reviſionsbefund, deſſen Niederſchreibung⸗ Steuerfreie Bierbereitung aus Kartoffeln.— Steuerpflichtigkeit der Malzeſſigfabrikation. Steuerfreie Bereitung des Eſſiggsg.. Steuerfreie Bereitung des Haustrunkes in Kochkeſſeln.— Umfand der Haustrunk⸗ brauereien.. Fixation der Brauſteuer, deren Erweiterung. — Cirkular⸗Reſcript uͤber Fixation der Brau⸗ malzſteuer vom 20. Januar 18238.. Ruͤckzahlungen oder Gefaͤlleverguͤtungen fin⸗ den auf Brauſteuer in der Regel nicht ſtatt. — Gewerbſteuerpflichtigkeit der Bier⸗ und Eſſigbrauereien.— Vermiethung der Braue⸗ rei an andere.— Was wird fuͤr ein vol⸗ les Gebraͤude gerechnetl.. Paragraphen. 457— 464 465— 466 467— 476 477— 478 479 480— 481 482— 483 484— 487 Dritte Abtheilung. Strafgeſetzgebung. Strafgeſetzgebung, deren Nothwendigkeit und Folgen.— Strafbeſtimmungen wegen Ue⸗ bertretung der Steuergeſette.. 488— 489 Seitenzahl. 355— 339 359— 360 360— 367 367— 368 368— 369 369— 372 372— 375 375— 377 378— 379 Strafgattungen, Defraudationsſtrafe, Ord⸗ nungsſtrafe, deren Anwendung.— Betrag der Defraudationsſtrafe.— Schaͤrfung der Strafe im erſten Wiederholungsfalle.— Schaͤrfung der Strafe im zweiten Wieder⸗ holungsfalle.— Verbot des Gewerbebetrie⸗ bes, deſſen Folgen.— Strafe der Theil⸗ nahme an Steuervergehen.— Verpflich⸗ tung des Gewerbetreibenden, fuͤr die Ge⸗ werbshandlungen der zu ſeinem Hausſtande gehoͤrenden Perſonen zu haften.. 490— 496 Vergehen der Defraudation bei Braumalz⸗ und Branntweinſteuer, wenn ſolches vollbracht iſt. 497 Heimliche Einmaiſchungen, auf welche Weiſe ſolche vollfuͤhrt, oder verſucht werden.— Anderweite Uebertretungen, welche unter die Kathegorie der beimlichen Einmaiſchun⸗ gen geſtellt werden. Vergroͤßerung des Gaͤhrungsraumes durch Aufſatzkraͤnze, Ab⸗ ſchoͤpfen oder Auffangen der Maiſche.— Verwechſelung der zur Einmaiſchung dekla⸗ rirten Bottiche, Tage, Stunden.. Urtbeils⸗Auszuͤge gerichtlicher Entſcheidungen uͤber vorgenannte Faͤlle... 501 Bei der außerordentlichen Strafe von ein⸗ hundert Thaler iſt die Abſicht der Geſetzes⸗ Uebertretung ausgeſchloſſen..... Berechnung der Gefaͤlle und der Strafe bet heimlichen Einmaiſchungen.— Strafe der Defraudatton in Treſter⸗ Obſt⸗ Wein⸗Bren⸗ nereien.....„.... Befugniß zur Bezugnahme der auf heimliche Einmaiſchung feſtgeſetzten Geldbuße von ein bunderk TShaler........ 505 Konfiskation der Gefaͤße oder Geraͤthe.. 5⁰6 Defraudation des Blaſenzinſes.. 507 Braumalzſteuerdefraudationen. Berechnung der Strafe.— Unterſcheidung der vollendeten und der beabſichtigten Defraudation.— Ge⸗ wichtsmenge, welche Strafanſpruch begruͤn⸗ det.— Konfiskation der Betriebsmateria⸗ lien findet nicht ſtaat„3508— 3511 Strafe der Gewerbeſteuer⸗Kontravention— Strafe bei Verletzung der Fixationsvertraͤge. 312— 3513 Strafe der Injurien gegen Beamte im Dienſt. — Widerſetzlichkeit. Begriff und Beſtra⸗ fung derſelben.— Beſtechung. Begriff der Beſtechung.— Strafe.— Strafe der pflichtwidrigen Beamten.— Aufſichtsbeamte duͤrfen ſich mit Gelderhebung nicht befaſſen. 314— 317 Anderweitige Kontraventionen, deren Beſtra⸗ fung.— Albphabetiſche Straftabelle(An⸗ lape G.),....„. 518— 519 498— 500 50² 503— 304 Paragraphen. Seitenzahl. 380— 383 383 383— 386 386— 388 388 389 389— 390 390 390 390— 392 392 392— 395 395— 396 XXXI Sicherheiksmaßregeln gegen unrichtige oder irrthuͤmliche Anklagen.. Feſtſtellung des Thatbeſtandes bei Defrauda⸗ tionen und Kontraventionen.— Beſchlag⸗ nahme.— Verbaftung des Denunciaten.— Freilaſſuug mit Beſchlag belegter Objekte. Anklage⸗Verhandlung, deren Form, Aufnahme und Inhalt.— Wahrhaftigkeit der Anklage⸗ — Strafe der falſchen Denunciation.— Vorleſung der Klageverhandlung nach de⸗ ren Aufnahme. Beſtaͤtigung der Thatſachen durch Unterſchrift des Beklagten.— Ver⸗ weigerung der Unterſchrift.— Feſtſtellung des Thatbeſtandes in Abweſenheitsfaͤllen.— Abgabe der Anklage⸗Verhandlung.— Inſtruk⸗ tion der Anklage, von wem ſolche zu fuͤhren — Vorladung des Beſchuldigten.— Pro⸗ vokation auf gerichtliche Unterſuchung, ab⸗ ſeiten des Beſchuldigten und der Verwal⸗ tungs⸗Behoͤrde.— Juſtruftion der Anklage, deren Zweck. Reſolut erſter Inſtanz.— Entſche idungskom⸗ petenz.— Inhalt des Reſolutes.— Pu⸗ blikation der Reſolute. Publikationsverhand⸗ lung. Warnung vor dem Wiederholungs⸗ falle.— Publikation der Neſolute an Ab⸗ weſende und Auländer.— Rechtgeraft der Reſolute. Rekursergreifung.— Rekursinſtanzen.— Rechtsmittel der gerichtlichen Entſcheidung. Inſtanzenzug.— Nechtsfraßt gerichtlicher Erkenntniſſe. Rekursſchrift, deren Abgabe und Inbalt.— Rekursverfahren.— Stempelpflichtigkeit der Reſolute, Erkenntniſſe, Rekursſchriften. Publikation der Rekurs⸗Reſolute und de⸗ finitiven Erkenntniſſe... Weg der Gnade.— Maaßregeln zur Siche⸗ rung verwirkter Strafen.— Buͤrgſchafts⸗ leiſtung. Vollſtreckung rechtskraͤftiger Reſolute und Er⸗ kenntniſſe.— Terminal⸗Zahlung.— Be⸗ ſchlagnahme des Mobiliars.— Ausnah⸗ men.— Subhaſtation von Immobilien fin⸗ det nicht ſtatt.— Freiwillige Subhaſtation. — Niederſchlagung uneinziehbarer Koſten. Verwandlung der Geldbuße in gefaͤngliche Haft.— Fuͤr Koſten, Gefaͤlle und Konfis⸗ kationswerth findet Gefaͤngnißſtrafe nicht ſtatt.— Dauer der gefaͤnglichen Haft. Veſäbeung der Vergehen gegen die Steuer⸗ eſetze.. ederſicht des gerichtlichen und des admini⸗ Paragraphen. 520 521— 523 524— 528 529— 533 534— 537 538— 340 541— 544 544— 545 546— 552 553— 555 556 Seitenzahl. 396— 398 398— 399 399— 401 401— 404 404— 407 407— 408 408— 411 411— 412 412— 414 414— 415 415— 416 1 11 1 XXXII 3 Paragraphen. Seitenzabl. ſtrativen Verfahrens in Steuer⸗Prozeß⸗An⸗ Sans zu9 gelegenheiten. 557 416— 419 Stempelpflichtigkeit der Eingaben, Beſcheide, Quittungen........ 558 4¹9 Pierte Abtheilung. Vergleichung der Preußiſchen Branntwein⸗ und Brauſteuerver⸗ faſſung, mit der Geſetzgebung anderer Staaten uͤber dieſe Ge⸗ werbe.— Frankreich.— England. Parlamentsakte vom 27. Juni 1823.— Branntweinſteuer und Kontrole in den Nie⸗ derlanden.— Beſteuerung der Bter- und 1 Eſſigfabrikation in den Niederlanden. 559— 565 420— 436 Anlagen. Auszug aus dem Geſetz und aus der Steuer⸗Ordnung vom 8: Februar 1819. Interimiſtiſches Regulativ uͤber die Be⸗ ſteuerung des inlaͤndiſchen Branntweins vom 1. December 1820.... C. Allerhoͤchſte Kabinets. Ordre vom 20. Juni 1822. Geſetzliche Beſtaͤtigung des Regu⸗ lativs vom 1. December 1820... D. Allerhoͤchſte Kabinets⸗Ordre wegen Beſteue⸗ rung des inlaͤndiſchen Branntweins vom 40. Januar 1824.. E. Regulativ vom 21. Auguſt 1825, zur He⸗ bung und Kontrole der Steuer von der Branntweinfabrikation aus Obſt, Beeren⸗ Wein und aus den Abfaͤllen davon... Allerhoͤchſte Kabinets⸗Ordre wegen Be⸗ ſteuerung der Bierbrauereien vom 10. Ja⸗ nuar 1824.......... G. Straftabelle........... H. Muſter zu Betriebsnachweiſungen in Maiſchbrennereten........ Muſter zu Betriebs⸗Deklaratlonen in Bren⸗ nereien aus nicht mehligten Subſtanzen. K. Muſter zu dem Material⸗Vorraths⸗Ver⸗ zelchniß,.......... L. Muſter zum Fixationsvertrag fuͤr Bren⸗ nereien aus nicht mehligten Subſtanzen. Nachtrag zu Seite 291— 296.— Be⸗ kanntmachung wegen der Brennzeit in Maiſchbrennereien, vom 29. Oktbr. 1829. Litteratur............. Druckfehler und Berichtigungen... Seitenzahl. 1— XIV XIV—O XXVIII XVIII—O XIX XIX—O XX XX O XXVIII XXVIII XXIX—O XLI XLII O XLVI XLVII— XLIX L LI— LIII LIV O LVII LVIII LIX Einleitung. — §. I. Au nach dem Friedensſchluſſe von Paris die Allgemei⸗ Preußiſche Monarchie theils von den ihr fruͤher ent⸗ neDarſtel⸗ riſſenen Laͤndertheilen wieder definitiven Beſitz nahm, u dhef theils durch die Acquiſition der neu hinzugetretenen Pro⸗ und Notb⸗ vinzen den gegenwaͤrtigen Staatsverband bildete, war wendigkeit es eins der erſten und nothwendigſten Erforderniſſe, das der gegen⸗ beſtehende Mißverhaͤltniß der indirekten Abgabenerhebung hiriſam in den verſchiedenen Provinzen des Staats auszugleichen, Steuer⸗ und dadurch den, aus einem ſolchen Uebelſtande hervor⸗ verfaſſung gehenden, unverkennbar verderblichen Folgen vorzubeugen. in der Neben der Sicherſtellung des Staatsbedarfs kam ſreußt⸗, es darauf an, dem inlaͤndiſchen Gewerbsverkehr Schutz narchie. und Aufmunterung zu gewaͤhren. Dieſem Zwecke ſtellten die vorhandenen Beſteurungsarten, welche fuͤr die ver⸗ aͤnderten Zeitumſtaͤnde ſowohl, als fuͤr die geſtiegne Kul⸗ tur der Gewerbe nicht mehr paßten, auch faſt in jeder Provinz abweichend, und in der Form mehr oder weniger laͤſtig waren, ſehr erhebliche Hinderniſſe entge⸗ gen und es zeigte ſich alſo: die Einfuͤhrung einer allgemeinen, auf Gleichheit der Abgabenerhebung begruͤn⸗ deten und der gewerblichen Induſtrie den⸗ noch die noͤthige Freiheit gewaͤhrenden Steuerverfaſſung, als ein dringendes Erforderniß. §. 2. Daß eine ſolche Verfaſſung nicht mit der⸗ Fruͤbere jenigen Vollkommenheit in das Leben treten konnte, Verfaſ⸗ welche ihr erſt durch die Erfahrung der Folgezeit geſichert ſung. 1 Grund⸗ ſaͤtze der indirekten Steuer⸗ 2 wird, liegt in der Natur der Sache; ſchwieriger aber wird eine neue Geſtaltung der Dinge noch, wenn ſie, wie hier, aus ſo ungleichartigen Elementen gebildet werden muß. Zu jener Zeit beſtanden, in Bezug auf indirekte Abgabenvertheilung und Erhebung, uͤberall die ungleichſten Verhaͤltniſſe und die abweichendſte Behand⸗ lungsart. Am Rhein waren mit dem Abzug der Fran⸗ zoſen die Droits reunis verſchwunden, ohne daß die Staatskaſſe dafuͤr einen Erſatz erhielt. In Weſtphalen und in den Provinzen zwiſchen der Elbe und Weſer gab es nur unvollkommene, ſich faſt in jedem Bezirke un⸗ aͤhnliche, Zoll- und Acciſe⸗Einrichtungen, im Herzog⸗ thum Sachſen waren ſieben verſchiedene Steuerverfaſſun⸗ gen eingefuͤhrt, auch in den aͤlteren Provinzen ſtand der Ertrag der indirekten Abgabengeſetze gegen die Verwal⸗ waltungskoſten in keinem vortheilhaften Verhaͤltniß. Außer⸗ dem gab es noch Praͤrogative, Privilegien und Monopole vieler Ritterguͤter und Staͤdte, die einer allgemeinen Steuergleichheit ſich entgegenſtellten, dadurch einen laͤ⸗ ſtigen Druck auf das Gewerbe ausuͤbten, und dem Vor⸗ ſchreiten der Induſtrie Feſſeln anlegten. Wenn daher die Einfuͤhrung der gegenwaͤrtigen Steuergeſetzgebung weder uͤbereilt werden konnte, noch bei ihrem Erſcheinen denjenigen Grad der Vollkommen⸗ heit mit ſich fuͤhrte, auf welchem ſie jetzt zu ſtehen ſich ruͤhmen kann, ſo wird es wohl kaum der Erinnerung beduͤrfen, wie bei der gaͤnzlichen Reform eines wichtigen Zweiges der Geſetzgebung ſo vielſeitige Intereſſen in Be⸗ tracht gezogen werden mußten, von deren gruͤndli⸗ cher Berathung und Erwaͤgung der Wohlſtand vieler tauſend Individuen abhaͤngig war, und daß allerdings bei der indirekten Steuerverfaſſung die Verwaltung erſt durch Erfahrung in den Stand geſetzt wird, Luͤcken oder Unvollkommenheiten zu beſeitigen, und die durch Zeit oder Umſtaͤnde bedingten Erleichterungen eintreten zu laſſen. §. 3. Die Steuerverfaſſung im Allgemeinen, im Beſonderen aber die Verwaltung der indirekten Steuern greift tief in das innere Leben, in die Beſchaͤftigung, den Wohlſtand der Einwohner, und in die Kultur der verfaſſung Nation ein, ſie laͤhmt oder hebt Handel und Gewerbe, durch ſie ſtrebt die Staatswirthſchaft, ſowohl die Kraͤfte 3 des Einzelnen zu erhalten und zu ſtaͤrken, als auch die produktive Kraft des geſammten Volkes zu ſteigern. Die Erfahrung aller Zeiten und aller Voͤlker lehrt, wie es das wohlerwogene Intereſſe der Verwaltung for⸗ dert, die oͤffentliche Meinung zu gewinnen, daß nur derjenige Staat auf einer hohen Stufe der Vollkommen⸗ heit gedacht werden kann, deſſen Zweck mit dem Willen ſeiner Buͤrger zuſammenfaͤllt, in welchem jeder der letz⸗ teren ſein perſoͤnliches Intereſſe dem allgemeinen nach⸗ ſtehend erachtet und jeder in dem Vortheile des Staates ſeinen eignen wieder findet; wo die Nothwendigkeit der Mittel zum Zweck einem jeden einleuchtet, und ein jeder Staatsbuͤrger ſeinen Mitbuͤrger in einem richtigen Verhaͤltniß zu Erreichung des allgemeinen Wohles bei⸗ tragen ſiehet. Solch ein Staat bildet ein unzertrenn⸗ liches Ganze, und wie ſtark deſſen intenſive Kraft iſt, wenn die Zwecke der ausuͤbenden Gewalt mit dem feſten Willen des Volks ſich paaren, hat die juͤngſtvergangene Zeit uns in Momenten auf das Erfreulichſte bewieſen, in welchen die allgemeine Noth die Wuͤnſche Aller auf einen Geſichtspunkt richtete. Dieſes Vertrauen zu erzielen iſt mithin die hoͤchſte Aufgabe der Staatsverwaltung, die ſie durch Einheit in den Grundſaͤtzen der Beſteurung, durch Gleichheit bei der Vertheilung der Staatslaſten, ſo wie durch den Schutz, welchen ſie der Induſtrie ge⸗ waͤhrt, zu erreichen bemuͤht iſt. Durch die Einheit und Gleichfoͤrmigkeit der Grundſaͤtze, nach denen uͤber⸗ haupt der Bedarf des Staats aufgebracht werden muß, ſo wie durch die Ueberzeugung, daß dieſe Laſt auf die vorhandenen Kraͤfte gleichmaͤßig vertheilt iſt, daß Gleich⸗ heit vor dem Geſetz, als Grundprinzip des Rechts, uͤberall Platz greife, gewinnt die Nation Glauben an die Recht⸗ lichkeit der an ſie gemachten Forderungen, an die Fe⸗ ſtigkeit und Unwandelbarkeit des Syſtems, welches die Regierung befolgt, durch ſie wird die Verwaltung zu einem vollendeten Ganzen, nur durch dieſe Einheit iſt es moͤglich, das Verhaͤltniß der Steuern zu den Kraͤf⸗ ten des Landes richtig zu uͤberſehen, und in der Admi⸗ niſtration billige, gerechte und kraͤftige Maaßregeln mit voller Sicherheit des Erfolges zu nehmen. Es iſt ein unbeſtreitbarer Grundſatz, daß durch 1 ———— —— 4 indirekte Steuerverfaſſungen, welche den Gewerbſleiß gleichzeitig ſchuͤtzen, die Induſtrie immer mehr vorzu⸗ ſchreiten veranlaßt, und dadurch Unterhaltung und Erweiterung des Nationalreichthumes auf eine erfreu⸗ liche Weiſe geſichert wird. Daß die Induſtrie Schutz verdiene, haben zu allen Zeiten Regierungen und Staats⸗ wirthe anerkannt, und ihre Befoͤrderung als erſte Pflicht betrachtet; denn die Induſtrie iſt mehr als gewoͤhn⸗ liche Arbeit, mehr als Fleiß. Der Fleißige benutzt nur das, was da iſt, nach dem Herkommen, in im⸗ mer gleichem Maaße, er richtet ſein Augenmerk nur auf ein Objekt und verhaͤlt ſich außerdem paſſiv; mecha⸗ niſch arbeitend, begnuͤgt er ſich mit dem, was ohne gei⸗ ſtige Anſtrengung zu verſchaffen iſt. Die Induſtrie hin⸗ gegen iſt intellectuell, ſie ſchreitet immer vorwaͤrts, be⸗ nutzt jede Gelegenheit, iſt erfinderiſch in Zeiten der Noth, ſucht immer neue Gegenſtaͤnde auf, veredelt ſie und weiß bei der Bearbeitung bald an Zeit, bald an Ma— terial, bald an Kraͤften zu gewinnen. Sie vermag Un⸗ gluͤcksfaͤllen und unguͤnſtigen Conjuncturen die Stirn zu bieten, und weiß ſich aus vielen Verlegenheiten zu helfen, deren eine hinreichen wuͤrde, dem ererbten Mechanismus den Untergang zu bereiten, obſchon man ſich taͤuſchen moͤchte, wenn man annehmen wollte, daß dieſe Ergeb⸗ niſſe ſtets reinen Gewinn bilden, oder daß die Vor⸗ theile, welche ſie herbeifuͤhrt, leicht errungen ſeien. Wenn auch derjenige, welcher ein Gewerbe mit großer Kraft⸗ anſtrengung und Intelligenz betreibt, bei der wiederhol⸗ ten Beſchaͤftigung mehr Fertigkeit und Neigung erlangt, Erfahrungen ſammelt, und ſich Erfindungen, Abkuͤrzun⸗ gen und Erleichterungen zu Nutze macht, ſo ſind dieß doch oft, ja meiſtentheils, Ergebniſſe vielſeitiger, koſtba⸗ rer und vergeblicher Verſuche, ſo wie die Fruͤchte theurer Erfahrungen, welche erſt dem Gewerbebetrieb angepaßt werden mußten. Dieſer Induſtrie, deren Befoͤrderung von jeher der moͤglichſte Vorſchub geleiſtet worden iſt, verdankt der Preußiſche Staat zum großen Theil den hohen Rang, welchen derſelbe einnimmt, verdanken alle Gewerbe, Kuͤnſte und Wiſſenſchaften in demſelben, ihren gegen⸗ waͤrtigen ausgezeichneten Standpunkt, weil mit der Na⸗ tion im Wetteifer, die Regierung unveraͤndert geſtrebt 5 hat, die Induſtrie feſſellos zu machen, und dadurch auf Erhoͤhung der Thaͤtigkeit und Geſchicklichkeit des Einzel⸗ nen, ſo wie auf raſtloſes Fortſchreiten zur Vollkommen⸗ heit des Ganzen hinzuwirken. §. 4. Daß die vorangefuͤhrten Grundſaͤtze in der Steuerverfaſſung der Preußiſchen Monarchie ſich wie⸗ derfinden, bedarf wohl der ſchriftlichen Auseinanderſetzung am wenigſten zu einer Zeit, wo dieſe Ueberzeugung aus dem Bewußtſein des Einzelnen, in die Geſammt⸗ heit des Volkes ſelbſt uͤbergegangen iſt, wo andere Staa⸗ ten es ihrem Intereſſe angemeſſen finden, durch Han⸗ delsvertraͤge ſich dem Prinzip der Preußiſchen Steuer⸗ verfaſſung zu naͤhern, und wo uberraſchende Reſultate uͤber Induſtrie, Wohlſtand und Kultur, aus amtlichen Quellen geſchoͤpft, in Zahlen vorliegen*). Die natuͤrlichen Gren⸗ zen der Preußiſchen Induſtrie find bei weitem noch nicht erreicht, ſie iſt ohne Stillſtand im Vorſchreiten begriffen, und muß, ſo lange ſie Wachsthum und Lebendigkeit zeigt, hinlaͤngliche Belohnung finden, die aus der geſteigerten Zunahme der Bevoͤlkerung, Verzehrung und Nachfrage entſpringt. Wie der Handel im Allgemeinen geſtiegen iſt, ſo ſind auch im Einzelnen alle beſteuerten Gewerbe ohne Ausnahme gewachſen, unter dieſen jedoch am bedeutend⸗ ſten die Fabrikation des Bieres und des Branntweins, und iſt gerade dieſe Bemerkung um ſo erfreulicher, da jene Gewerbe die naͤchſte Veranlaſſung abgeben, die Pro⸗ duction der laͤndlichen Erzeugniſſe zu vermehren und ih⸗ nen einen Werth zu ſichern, der mit den Kulturkoſten im Verhaͤltniß ſtehet. Wer den Standpunkt, den dieſe Gewerbe im Preußiſchen Staate gegenwaͤrtig erreicht haben, mit demjenigen zuſammenhaͤlt, auf welchem ſie ſich noch vor zehn Jahren befanden, und in dem ſie ſich ohne Unterſchied heute noch in den meiſten, Preußen an⸗ graͤnzenden Laͤndern befinden, dem wird es kaum glaub⸗ lich ſcheinen, daß eine geregelte Beſteurung allein dieſe Reſultate hervorgerufen habe, was demohngeachtet unbe⸗ ²) Ferber, Beitraͤge zur Kenntiniß des gewerblichen und kommerziellen Zuſtandes der Preußiſchen Monarchie. Berlin 1829. Ergebniſſe der indi⸗ rekten Be⸗ ſteuerung im Preu, ßiſchen Staate. 6 ſtrittene Thatſache iſt, da gleiche Urſachen gleiche Wir⸗ kungen haben, und ſich die Vervollkommnung des Ge⸗ werbes uͤberall gleichmaͤßig verbreitet haben muͤßte, wenn es denſelben Impuls wie im Preußiſchen erhalten haͤtte, oder nicht vielmehr dieſe Induſtrie durch fehlerhafte Steuergeſetze beſchraͤnkt wuͤrde. §. 5. Noch vor 10 Jahren bezogen England und Frankreich bedeutende Summen fuͤr Rum, Franzbrannt⸗ weine und Spiritus; die beſſeren Bierſorten wurden le⸗ diglich von dem Auslande geliefert. Die Einfuhrliſten jener Zeit weiſen jaͤhrlich mehrere Millionen Capital nach, welches wir dem Auslande zahlten, ohne dafuͤr auch nur einen gleichartigen Tauſchartikel zu haben. Gegenwaͤrtig jedoch betraͤgt die Quantitaͤt dieſer zum Verbrauch im Lande beſtimmten Einfuhr kaum noch den zwanzigſten Theil; wir verſtehen die Bairiſchen, wie die Engliſchen Biere ſelbſt zu bereiten, und in der Fabrikation der gei⸗ ſtigen Fluͤſſigkeiten geben wir den Auslaͤndern nichts nach; kuͤnftig werden wir, was den inlaͤndiſchen Ver⸗ brauch betrifft, faſt ganz unabhaͤngig von ihnen ſein koͤnnen, da bereits jetzt ſchon Rum, aus inlaͤndiſchen Erzeugniſſen produzirt, in den Seeſtaͤdten, von denen wir ihn ſonſt bezogen, Kaͤufer findet, und ſeit laͤngerer Zeit Bier von Danzig aus nach England und Amerika verſchifft wird, mithin wir im Stande ſind, bereits ge⸗ genwaͤrtig mit ihnen auf fremden Maͤrkten, auch in dieſen Artikeln zu concurriren. Solche Reſultate, in ſo kurzem Zeitraume erreicht, moͤchten auch den entſchiedenſten Gegnern der Preußi⸗ ſchen Steuerverfaſſung mindeſtens die Ueberzeugung liefern, daß die Grundzuͤge derſelben auf Conſequenz, Gleichheit und Billigkeit beruhen, da außerdem die In⸗ duſtrie nicht jene Fortſchritte gemacht haben koͤnnte, welche ſo offenbar zu Tage liegen. Verthei⸗§. 6. In Preußen ſtehet immer der Grundſatz feſt, ua und die Schwierigkeit einer gleichmaͤßigen Vertheilung der Ab⸗ . Teß ünna. gaben auf die Steuerpflichtigen dadurch zu heben, daß die⸗ ben. ſelben, auch was die Beſteuerung inlaͤndiſcher Erzeugniſſe Gegen⸗ anbetrifft, auf wenige, aber ſolche Gegenſtaͤnde des Ge— ſtaͤnde der nuſſes oder des allgemeinen Beduͤrfniſſes gelegt ſind, de— indirekten ren Verbrauch der Conſument, er ſei fremd oder heimiſch, Beſteu⸗ 3 Tunig. nicht umgehen kann, und wodurch er, nach Maaßgabe —— =F n — —— Da.=— 2——————. 7 ſeines Vermoͤgens oder ſeines Bedarfs, ſich gleichſam ſelbſt beſteuert, ohne daß er jedoch dieſe Beſteuerung bei der geringen Preiserhoͤhung, welche der Gegenſtand dadurch erlitten, auch nur empfindet. Wenn nun bei der Auswahl der beſteuerten Artikel Gegenſtaͤnde ge⸗ waͤhlt ſind, welche, bevor ſie zur Conſumtion gelangen, Veraͤnderungen erleiden muͤſſen, denen ſich auch der kleinſte Theil nicht entziehen kann, ſo iſt auch die Steuererhebung durch die Kontrole geſichert. Getreide muß uͤber die Muͤhle gehen, Vieh geſchlachtet werden, ehe beides fuͤr Menſchen genießbar iſt. Alle Stoffe, welche zur Brannt⸗ weinbereitung dienen, muͤſſen in Gaͤhrung uͤbergehen, und Bier kann nicht bereitet werden, ohne daß die Ma⸗ terialien dazu der Maiſchung, die Produkte ſelbſt der Gaͤhrung unterworfen werden. Deshalb ſind im Preu⸗ ßiſchen, außer Taback und Wein, von denen die Abgabe nach der Production des Bodens erhoben wird, auch nur vorgenannte Artikel einer Beſteurung, und zwar in der Art unterworfen, daß das Publikum weder mit der Kontrole noch mit der Abgabenerhebung belaͤſtigt iſt, ſondern allein der, welcher das Gewerbe betreibt, fuͤr die Steuer haftet und controlirt wird, obſchon er ſelbſt dieſe Steuer nur fuͤr den Umfang des eignen Bedar⸗ fes zahlt. 1 Denn es iſt eine hin und wieder wohl vorherr⸗ Wer iſt der ſchende, doch eben ſo unrichtige Meinung, daß der Steuer⸗, Gewerbtreibende allein von der Steuer betroffen ſei. zahlende? Jede indirecte Steuer wird in der Regel zuletzt von demjenigen an den Staat bezahlt und getragen, welcher den beſteuerten Artikel bis zu ſeinem gaͤnzlichen Ver⸗ ſchwinden verbraucht. Es iſt mithin nicht der Brannt⸗ weinbrenner, ſondern zuletzt der Branntweintrinker der Steuerzahlende; jener hat nur die Abgaben vorſchuß⸗ weiſe zu erlegen, er muß ſie nothwendig auf den Preis ſeines Fabrikats ſchlagen, und dadurch von dem Kaͤufer wieder einziehen, was auch in den Preußiſchen Staaten um ſo mehr ſtatt findet, da die Koncurrenz des Aus⸗ landes durch hohe, fuͤr den inlaͤndiſchen Brenner guͤnſtige Abgaben nicht zu fuͤrchten iſt, der Grenzſchutz Sicher⸗ cherheit gegen Einſchwaͤrzung gewaͤhrt, auch die durch⸗ gaͤngig gleichmaͤßige Beſteuerung und Kontrole der Ge⸗ werbanſtalten im Lande, den Fabrikanteu gegen keinen Beſteu⸗ erung der Getraͤnke fabrika⸗ tion. Beſten⸗ erung der Konſum⸗ tion, oder des Pro⸗ duktes. 8 ſeiner Gewerbsgenoſſen in irgend einen Nachtheil ſtellt. Denn muͤßte der Branntweiubrenner die Steuer ganz oder auch nur zum groͤßten Theile ſelbſt entrichten, ſo waͤre es in der That unbegreiflich, wie das Gewerbe nur noch betrieben werden koͤnnte, nachdem ſeit zehn Jahren der Betrag von beinahe vierzig Millionen dafuͤr zur Staatskaſſe gefloſſen iſt. Nur in dem Mangel an Induſtrie, oder in unvollkommenem Gewerbebetrieb koͤnnte einſeitiger Nachtheil ſeinen Grund finden, welchen Nach⸗ theil jedoch auch eine voͤllige Abgabenfreiheit am wenig— ſten zu begegnen vermoͤgte. Daß aber auch dem Gewerbtreibenden unter ge— wiſſen Bedingungen nicht einmal zugemuthet wird, die Steuer vorſchußweiſe zu zahlen, oder die Zinſen des Steuerbetrages, bis zu deſſen Wiedereinziehung durch den Verkauf des Fabrikats, zu entbehren, davon werden wir ſpaͤter ausfuͤhrlicher handeln. §. 7. Wir beſchaͤftigen uns hier nach dieſer all⸗ gemeinen Darſtellung lediglich mit demjenigen Theile des Abgabengeſetzes vom 8. Februar 1819, welcher die Beſteuerung des Branntweins und des Braumalzes vor⸗ ſchreibt, und haben es unternommen, den Beweis ſpeziell zu fuͤhren, daß die anſcheinend hohe Beſteuerung dieſer Ge⸗ werbe gerade zu deren Kultur weſentlich beitraͤgt, und die Fabrikation vervollkommnet, daß die Abgabenerhe⸗ bung ſowohl im Prinzip als in der Ausfuͤhrung gleich⸗ foͤrmig iſt, und daß der freien Ausuͤbung des verſchie⸗ denartigſten Gewerbebetriebs von Seiten der Verwal⸗ tungsbehoͤrden nirgend ein Hinderniß in den Weg gelegt, ſondern nur diejenigen unbedingt nothwendigen Controle⸗ maßregeln angeordnet und ausgefuͤhrt werden, die, weit entfernt, der Freiheit oder Induſtrie nachtheilig zu ſein, lediglich fuͤr den Zweck der Steuergeſetze, die richtige Abgabenerhebung zu ſichern, erforderlich ſind und nicht entbehrt werden koͤnnen. §. 8. Bei Steuern, welche auf Getraͤnke gelegt ſind, hat man die Wahl, entweder die Fabrikation oder den Debit zu beſteuern, mithin den beſteuerten Gegen⸗ ſtand entweder bei ſeiner Entſtehung, oder bei ſeinem Verbrauch zu controliren. Die Beſteuerung des Ver⸗ brauches iſt, obſchon fuͤr das Staatseinkommen am eintraͤglichſten, dennoch mit zu großer Unbequemlichkeit =—= = 4 ₰ ᷣ 9 fuͤr den Conſumenten verbunden, als daß die Laͤſtigkeit der Controle fuͤr das Publikum jene Geldvortheile, wel⸗ che der Staat davon haben wuͤrde, aufwiegen koͤnnte, und es iſt daher im Preußiſchen die Beſteuerung der Fabrikation als Regel eingefuͤhrt. Aber auch dieſe Steuer kann unter mehreren Formen erhoben werden, in⸗ dem ſie entweder das verwendete Material, oder das daraus erzielte Product trifft. Bei einer directen Be⸗ ſteuerung des Materials, woraus Branntwein gezogen wird, tritt der Nachtheil ein, daß einmal die Steuer— ſaͤtze, nach Maßgabe der Ausbeute von dem angewen— deten Material, zu verſchieden werden wuͤrden, andern Theils aber auch die Controle durch die doppelte Beauf⸗ ſichtigung des Materials und der Muͤhlen, ſo wie au— ßerdem durch die Unterſuchung der Verarbeitung in den Gewerbſtaͤtten ſelbſt, ſehr vervielfaͤltigt werden muͤßte. Die unmittelbare Beſteuerung des gewonnenen Pro⸗ ductes oder des Fabrikates, obſchon ſie als die gleich- foͤrmigſte erſcheint, muß nichts deſto weniger fuͤr Be⸗ ſteuerung des Branntweins ebenfalls unzulaͤſſig erachtet werden, weil eine ſolche Gleichfoͤrmigkeit nothwendig alle Induſtrie erſticken wuͤrde, und weil auch hier die Con— trole, wieviel an Branntwein bei jeder Fabrikation wirk⸗ lich gewonnen wird, nur koſtbar und unſicher, ſo wie fuͤr Steuerpflichtige und Beamte gleich beſchwerlich ſein muͤßte. §. 9. Um die einfachſte Erhebungsweiſe mit der Beſteu— am wenigſten laͤſtigen Controle zu verbinden, wurde da— ung der her die Fabrikation beſteuert, die Steuer ſelbſt aber auf tion, als den Inhalt der Betriebsgefaͤße mit Ruͤckſicht auf deren Mittel zur Raum und deſſen Benutzungsweiſe gelegt. Belebung In dieſer Beſteuerungsart liegt ohnſtreitig der den ſhe Hebel, welcher unſere Branntweinfabrikation auf die ge⸗ trichehe genwaͤrtige Hoͤhe gebracht hat, weil in dem vortheil⸗— hafteren Bau und der mehr oder minder geſchickten Benutzung der Betriebsgefaͤße ein induſtrieller Spiel— raum vorhanden iſt, der auf den Branntweingewinn, und mithin auf den Lohn des Fabrikanten ſelbſt, ſei es an Steuererſparniß oder an groͤßerer Ausbeute, alſo auf Materialgewinn, weſentlichen Einfluß hat. Dieſen Wetteifer zu erhalten, liegt im Intereſſe der Verwaltung ſelbſt, nachdem die Erfahrung laͤngerer Einfluß dieſer Be⸗ ſteue⸗ rungs⸗ weiſe auf Einnahme Reſultate. 10 Zeit zur Gewißheik erhoben hat, wie jener Spielraum ſolche Graͤnzen findet, daß weder die Steuer zum Nach⸗ theil des davon zu erwartenden Ertrages unverhaͤltniß⸗ maͤßig ſinken kann, noch die Beſteuerungsweiſe durch allzuhohen Vortheil fuͤr die Induſtrie dieſer eine kuͤnſt⸗ liche Richtung aufdringt, welche den Einzelnen auch beim beſten Willen verhindert, ihre Vortheile uͤberall zu gewinnen, was Ungleichfoͤrmigkeit in der Wirkung und Beſorgniß fuͤr die Exiſtenz der uͤbrigen gewoͤhnlichen Brennereien herbeifuͤhren wuͤrde. Bei einer Steuer, die durch ihre Beſchaffenheit und Hoͤhe, die Branntweinfabrikation auf einen ganz anderen Fuß gebracht, und der Induſtrie einen ſo un⸗ gemeinen Schwung gegeben hat, kann ſich die Ver⸗ waltungsbehoͤrde nicht zur Aufgabe machen, das Ge⸗ werbe auf der Stufe feſtzuhalten, worauf es bei Ein⸗ fuͤhrung der Steuer gefunden wurde und induſtrielle Fortſchritte darinnen zu unterdruͤcken, vielmehr liegt es in ihrem Intereſſe, ſo weit es ohne Nachtheil fuͤr die Einnahme geſchehen kann, dieſer Induſtrie den freieſten Spielraum zu geſtatten, und die geſetzlichen Beſchraͤn⸗ kungen moͤglichſt zu erleichtern, da das gegentheilige Verfahren dem Hauptzweck des Branntweinſteuergeſetzes, der doch eben ein finanzieller iſt, durch Beſchraͤnkung des regeren Betriebes geradezu entgegen wirken muͤßte. §. 10. Iſt es auch erwieſene Thatſache, daß im Durchſchnitt der Brenner gegenwaͤrtig nicht die volle Hoͤhe desjenigen Abgabenſatzes zahlt, welchen urſpruͤng— lich das Geſetz beſtimmt hat, ſo wurde dennoch dieſer Ausfall zeither durch die groͤßere Lebhaftigkeit des Ge⸗ werbebetriebes beinahe ausgeglichen, und es iſt daher nicht zu erwarten, daß der gegenwaͤrtige Steuerſatz auf Branntwein einer anderweitigen Regulirung unterlie⸗ geu werde, ſo lange nicht durch neuere Erfindungen oder Verbeſſerungen der Gewinn von Branntwein uͤber das jetzige Verhaͤltniß deſſelben zum Maiſchraum, ſo be⸗ deutend und in ſolcher Allgemeinheit geſteigert werden ſollte, daß der Ertrag der Branntweinſteuer dadurch we⸗ ſentlich vermindert wuͤrde. Wir ſagen, daß nur dann erſt, wenn weſent⸗ liche Veraͤnderungen der Branntweinſteuereinnahme be⸗ merkbar werden, eine anderweitige Regulirung des 2——— 2 e 11 Steuerſatzes eintreten duͤrfte, ohne jedoch dabei die Mei⸗ nung ausſprechen zu wollen, daß eine ſolche erneuerte Feſtſtellung des Steuerſatzes nicht ſchon jetzt ſich aus dem Gewerbebetrieb rechtfertigen laſſe, ſobald von einem Quart Branntwein genau diejenige Abgabe erhoben wer⸗ den ſollte, welche das Geſetz urſpruͤnglich dafuͤr vorge⸗ ſchrieben hat. Mag auch der vermehrte und um ſo lebhaftere Betrieb der Brennereien einen zeitherigen Ausfall gedeckt haben, ſo iſt doch ein Ruͤckſchreiten der Einnahme dieſes Steuerzweiges zu einer Zeit unverkenn⸗ bar, wo eben dieſe groͤßere Produktion und eine geregelte Aufſicht einen Mehrertrag haͤtte erwarten laſſen duͤrfen. Die Einnahme⸗Reſultate belegen dieß in Zahlen. An Branntweinſteuer wurden im Jahr 1820 3,897,000 Thaler erhoben. Dieſer Ertrag vermehrte ſich von da an in ſolcher Steigerung, daß im Jahr 1825 5,415,000 Thaler Branntweinſteuer aufkamen. Seit dieſem Zeit⸗ punkt beginnt die Einnahme zu ſinken, ſie betrug: im Jahr 1826 5,312,000 Thaler „ ⸗ 1827 4,960,000 ⸗ - 1828 5,024,000 ⸗ und es ſteht ſehr dahin, ob dieſe letzteren Betraͤge in dem laufenden Jahre erreicht werden. §. 11. Mag nun auch der wechſelnde Werth der Fruͤchte, oder anderer zur Branntweinbereitung geeigneten rohen Materialien, einigen Einfluß auf die Lebhaftigkeit des Betriebes haben, ſo liefert vorſtehende Nachweiſung dennoch den unbezweifelten Beleg dafuͤr, daß der Gewerbebetrieb es dahin gebracht hat, dem angewen⸗ deten, oder den zu benutzenden Maiſchraum, eine groͤ⸗ ßere Ausbeute an Branntwein abzugewinnen, als die Geſetzgebung bei Feſtſtellung eines Normalverhaͤltniſſes annahm. Auch machen die Beſitzer groͤßerer Fabrik⸗ anſtalten kein Geheimniß daraus, daß ihnen die Ab⸗ gabe von Branntwein nicht mehr, als ½ bis 3 des geſetzlichen Steuerſatzes koſte. Sollte dieſe Produktions⸗ faͤhigkeit der Branntweinausbeute in einem gewiſſen Maiſchraum durch neuere Erfindungen noch mehr ge⸗ ſteigert werden, ſo wuͤrde der fuͤr den Staatsbedarf als erforderlich angenommene Steuerertrag eine ſo erhebliche Verringerung erleiden, daß eine Erhoͤhung des Abgaben⸗ ſatzes eine nothwendige Folge um ſo mehr ſein muͤßte, Abgaben⸗ ſatz von Brannt⸗ wein im Preußi⸗ 12 je weniger ſich im Abrede ſtellen laͤßt, daß gerade der inlaͤndiſche Branntwein, der doch nur mittelbar ein Ge⸗ genſtand des Beduͤrfniſſes genannt werden darf, den vollen Steuerſatz am erſten ertragen kann, ja ſogar ohne große Beſchwerung, einer Erhoͤhung faͤhig waͤre, wenn es darauf ankommen ſollte, einen anderweiten Ausfall fuͤr den Staatshaushalt zu decken. §. 12. Das Geſetz vom 8. Februar 1819 ver⸗ ordnet§. 2, daß jedes Quart Branntwein zu dem Al⸗ koholgehalt von 50 Prozent nach Tralles Alkoholometer eine Steuer von Einem Groſchen, drei Pfennig, nach ſchen, ver⸗ dem damaligen, oder nach dem neuern Muͤnzfuß, einen glichen mit der Be⸗ ſteuerung Groſchen, ſechs und drei Viertel Pfennig, zahlen ſoll. Gegen die Hoͤhe dieſes Steuerſatzes haben ſich im in andern Anfang mehrere Stimmen vernehmen laſſen, welche theils Laͤndern. behaupteten, daß der Satz im Allgemeinen zu hoch ge⸗ griffen ſei, und der aͤrmeren Volksklaſſe beſchwerlich werde, andern Theils auch hierin eine nachtheilige Maaß⸗ regel zu erblicken glaubten, durch welche die Konkurrenz der eigenen Unterthanen, gegen die Konkurrenz des Aus⸗ landes erſchwert oder gefaͤhrdet werde, woraus das Miß⸗ verhaͤltniß entſtehen koͤnne, daß der Fabrikant in den Fall komme, einen Theil der Steuer vom Kaͤufer nicht wieder zu erhalten, und ihn ſo ſelbſt tragen zu muͤſſen. Bei dieſem Tadel, der in der Sache ſchon ſeine Widerlegung laͤngſt gefunden, ſcheint jedoch nicht erwo⸗ gen worden zu ſein, daß Branntwein derjenige Ver⸗ brauchsartikel iſt, welcher der Quantitaͤt nach, in den kleinſten Mengen genoſſen wird, wo alſo die Steuer, ſelbſt wenn ſie das Doppelte betruͤge, von den Conſu⸗ menten ſtets in ſo geringfuͤgigen Quoten bezahlt wird, daß ſie, ſo bedeutende Summen ſie auch der Staats⸗ kaſſe einbringen mag, dem Einzelnen niemals laͤſtig fal⸗ len kann. Uebrigens iſt die, auf die Fabrikation des Brannt⸗ weins im Preußiſchen gelegte Abgabe, niedriger, als in andern Laͤndern, wo der Branntwein auf aͤhnliche Weiſe zur Steuer angezogen wird. So zum Beiſpiel betraͤgt in England die Fabrika⸗ tionſteuer fuͤr 100 Gallon= 396 3 Preußiſche Quart Spiritus von probemaͤßiger Staͤrke= 58 Prozent 13 nach Tralles, fuͤnf und dreißig Pfund Sterling?*),= 233 Thaler 10 Groſchen, mithin ergiebt die Reduktion, daß dort das Quart Branntwein zu 50 Prozent nach Tralles mit 15 ½ Groſchen beſteuert iſt. Außerdem zahlt der Brenner noch jaͤhrlich zehn Pfund Sterling, Patent⸗ oder Gewerbeabgaben. In Schottland iſt der Blaſenzins eingefuͤhrt, der den Werth des gewonnenen Produktes mindeſtens um das Dreifache uͤberſteigt. In den Niederlanden iſt**) das Baril= 87 ½ Quart Branntwein von einer Staͤrke zu zehn Prozent nach dem Hollaͤndiſchen Prober,=— 57 Prozent nach Tralles mit zwoͤlf Florin= 6 Thlr. 27 Gr. beſteuert. Die Ab⸗ gabe betraͤgt daher fuͤr das Quart Branntwein zu 50 Prozent 2 Groſchen. In welche Grenzen uͤberdem die Fabrikation des Branntweins in beiden Laͤndern, durch Erhebungs⸗ und Kontroleformen eingezwaͤngt wird, werden wir ſpaͤter erwaͤhnen. In Rußland iſt der Verkauf des Branntweins Kron⸗ monopol, und bildet einen der wichtigſten Staatsein⸗ nahmezweige. In Frankreich iſt zwar die Fabrikation ſelbſt ge⸗ ſchonter und bezahlt nur eine maͤßige Abgabe, doch iſt die eigentliche Steuer erſt bei dem weiteren Vertrieb auf die Conſumtion der Getraͤnke gelegt, wobei, wie wir ſchon erwaͤhnten, die Maſſe des Volkes wegen der da⸗ mit in Verbindung geſetzten vielen und laͤſtigen Kontro⸗ len um ſo uͤbler dran iſt.(Droits reunis). Die meiſten Staaten Deutſchlands beſteuern faſt durchgaͤngig, ſowohl die Fabrikation als den Debit, und werden dieſe dop⸗ pelten Abgaben unter den verſchiedenen Namen, Blaſen⸗ zins, Schrotſteuer, General- oder Landacciſe, Trank⸗ ſteuer, Zapfgebuͤhr ꝛc., erhoben. Die Vergleichungen er⸗ geben auch hier, daß Preußen die maͤßigſten Steuer⸗ ſaͤtze angenommen hat. Schutz gegen Konkurrenz des Auslandes, iſt der *) Parlamentsakte vom 27. Juni 1825. **) Loi du 26 Aodòt 1822, concernant l'accise sur les Eaux de vie indigènes. Beſteue⸗ rung der Deſtillir⸗ geraͤthe durch den Blaſen⸗ zins. Geſteiger⸗ te und ver⸗ minderte Produk⸗ tionsfaͤ⸗ higkeit. 14 inlaͤndiſchen Branntweinfabrikation durch eine drei bis vierfach hoͤhere Eingangsſteuer von fremden Branntwein geſichert, die Konkurrenz mit dem Auslande aber, durch Steuerverguͤtung auf die Ausfuhr des Branntweins er⸗ oͤffnet. §. 13. Um ſpaͤter uͤberall deutlich ſein zu koͤnnen, muͤſſen wir das Prinzip, welches der Beſteuerung des Blaſenzinſes zu Grunde lag, in Umriſſen darſtellen, denn obſchon die gegenwaͤrtige Beſteuerungsart auf andern Grundſaͤtzen beruhet, ſo iſt ſie doch aus jener hervorge⸗ gangen, und daher zum nothwendigen Verſtaͤndniß nicht ohne Intereſſe. Die fruͤhere Erhebung der Branntweinſteuer von dem Rauminhalte der Deſtillirblaſen ſtuͤtzte ſich auf den mit dem damaligen Standpunkt des Gewerbebetriebes uͤberein⸗ ſtimmenden Erfahrungsſatz, daß bei Anwendung ganz gewoͤhnlicher einfacher Brennapparate, binnen vier und zwanzig Stunden, der vierte Theil des Inhaltes der Blaſe an Branntwein von 50 Prozent Weingeiſtgehalt nach Tralles Alkoholometer produzirt werden kann, und es wurde als Regel angenommen, daß von dem Betriebe ei— nes gewoͤhnlichen Apparates, fuͤr den Zeitraum von 24 Stun⸗ den, die Steuer mit 12 gGr., nach dem damaligen Muͤnz⸗ fuße, fuͤr vier Quart des vollen Blaſeninhaltes zu er⸗ legen ſei. §. 14. Die Abgabe von Brennereien, welche ver⸗ moͤge der vortheilhafteren Conſtruktion ihrer Deſtillirge— raͤthe in 24 Stunden mehr, als den vierten Theil ihres Blaſeninhaltes an Branntwein von geſetzlicher Staͤrke zu erzeugen vermochten, wurde verhaͤltnißmaͤßig erhoͤhet, wenn und ſo oft der Mehrgewinn an Branntwein den ſechſten Theil der normalmaͤßigen Produktion erreichte, ſo daß z. B. ein Apparat, worin binnen 24 Stunden die Haͤlfte des Blaſeninhalts an Branntwein gewonnen werden konnte, mit dem Doppelten, und wenn waͤhrend dieſes Zeitraums der ganze Inhalt der Blaſe zu produ⸗ ziren ſtand, mit dem vierfachen Satz beſteuert wurde. Fuͤr ganz unvollkommen konſtruirte, den Normalſatz nicht erzielende Brenngeraͤthe, war waͤhrend der Dauer der naͤchſten zwei Jahre eine Verminderung der Steuer in demſelben Verhaͤltniſſe nachgelaſſen. 15 §. 15. Das Geſetz beſteuerte gleichzeitig(§. 6.) Beſtene⸗ mit Erlegung des einfachen Blaſenzinsſatzes, ſolche Des rung der ſtilliranſtalten, die ſich mit Veredlung oder Verfeinerung 6 des rohen Branntweins beſchaͤftigen, und dabei jenen Branntwein wiederholt uͤber Deſtillirgeraͤthe ziehen. Liquerfa⸗ rikation. §. 16. Da hierbei dem Fabrikanten der freieſte Ge⸗ Reſultate brauch ſeiner Apparate ſowohl, als der verſchiedenen zur dieſer Be⸗ Branntweinbereitung geeigneten rohen Stoffe geſtattet war, ſo trat der große Nutzen, welchen dieſe Beſteue⸗ rungsart auf die wiſſenſchaftliche Ausbildung des Ge⸗ werbes ſelbſt hatte, augenſcheinlich hervor, und un⸗ terſtuͤtzt durch die Fortſchritte, welche in dem Zeitraum der letztvergangenen Jahrzehende, durch Anwendung der Chemie und Phyſik, in den techniſchen Gewerben uͤber⸗ haupt gemacht worden waren, ſtieg auch die Kultur der Branntweinbrennereien waͤhrend der Dauer des Bla⸗ ſenzinſes auf eine Weiſe, welche die gehegten Erwartun⸗ gen noch hinter ſich ließ. Da es das Intereſſe des Steuerpflichtigen erheiſchte, in der moͤglichſt kuͤrzeſten Friſt die moͤglichſt groͤßte Menge Branntwein zu erzeugen, ſo wurden in einem großen Theil der Brennanſtalten vielfaͤltige und zweck⸗ maͤßige Verbeſſerungen in der Conſtruktion der Geraͤthe ſelbſt ausgefuͤhrt, und die bedeutende Anzahl der waͤh⸗ rend dieſes kurzen Zeitraums in dem preußiſchen Staate erfundenen Apparate, durch deren Anwendung das bis⸗ herigen Ziehen eines ſehr ſchwachen Branntweins,(Lutter) und deſſen abermaliges Abtreiben auf die gehoͤrige Staͤrke (Wienen), entbehrlich gemacht und durch eine einzige Deſtillation, aus der Maiſche ſogleich Branntwein oder Alkohol, mit einer großen Erſparung von Zeit, Koſten und Kraft gewonnen wird, geben den hinlaͤnglichen Be⸗ leg dafuͤr. §. 17. Bei dieſen ſo guͤnſtigen Reſultaten fehlte es jedoch keinesweges an Nachtheilen, welche eine zahl⸗ reiche Klaſſe der Gewerbetreibenden traf. Die neuen Verbeſſerungen in den Branntweinbren⸗ nereien waren vorzuͤglich zuerſt in den Staͤdten, wo dieſe Fabrikation ein Gewerbe fuͤr ſich allein bildet, ent⸗ ſtanden, und die Kunſt, in moͤglichſt kurzer Friſt eine moͤglichſt große Quantitaͤt Branntwein, bei Erlegung einer verhaͤltnißmaͤßig nur geringen Steuer zu erzie— ſteue⸗ rungs⸗ weiſe,. Maiſch⸗ bottich⸗ ſteuer. Grund⸗ zuͤge des Regulati⸗ ves vom 1. Dec. 1820. 16 len, auch dort nur zu einer gewiſſen Vollkommenheit gediehen. Daraus entſtand fuͤr den groͤßeren Theil derjenigen Brennereien, die nur mit einfachen Apparaten verſehen waren, und von der Benutzung neuerer, auf regelmaͤßi⸗ gen Kunſtbetrieb berechneten Erfindungen, entweder keine Kenntniß hatten, oder deren andere Verhaͤltniſſe die Be⸗ ſchaffung eines verbeſſerten Apparats nicht geſtatteten, ein Mißverhaͤltniß. Ungeachtet aller Erleichterung auf halbtaͤgige Betriebszeit ꝛc. fuͤhrte dennoch der, auf die Produktionsfaͤhigkeit baſirte Steuerſatz dahin, daß die Beſitzer ſchlecht conſtruirter Apparate beim Verkauf in der Konkurrenz den weiter vorgeſchrittenen Fabrikanten nicht gleichen Schritt zu halten vermochten, und beim Be⸗ trieb ſelbſt, welcher an Zeit und Stunde gebunden war, ſich nicht minder beſchraͤnkt fuͤhlten. Ein großer Theil jener Brennereien gehoͤrte dem landwirthſchaftlichen Betriebe an, welcher weniger den Branntweingewinn als die Verbeſſerung des Viehſtandes bezweckte, um durch groͤßere Menge erzeugten Dingers die Fruchtbarkeit der Aecker zu erhoͤhen und daher ge⸗ wohnt war, nur nach Zeit und Umſtaͤnden zu brennen, den Futtergewinn als Hauptſache zu betrachten, und daher das ganze Brennereigeſchaͤft nur pauſenweiſe und langſam zu betreiben. Dieſen mußte allerdings die Er— legung des vollen Blaſenzinſes doppelt fuͤhlbar erſcheinen. §. 18. Um jener Ungleichfoͤrmigkeit, welche hierbei fuͤr Einzelne haͤtte eintreten koͤnnen, rechtzeitig zu begeg⸗ nen, fand es die hoͤchſte Staatsbehoͤrde fuͤr angemeſſen, eine Abaͤnderung in der zeitherigen Beſteuerung der Branntweinfabrikation einzuleiten, wodurch die Gleich⸗ ſtellung der Abgaben in allen Gewerbanſtalten bei un⸗ gleichem Betriebe und abweichender Bauart der Deſtillir⸗ geraͤthe, ſo wie die unbeſchraͤnkte Geſtattung des Ge— brauches der verſchiedenen Deſtillirapparate, nicht minder aller zur Branntweinbereitung geeigneten rohen Stoffe, nach freier Wahl der Steuerpflichtigen, als Grundlage angenommen wurden. Die ſorgfaͤltigſten Berathungen ergaben, daß an die Stelle der Beſteuerung der Produktionsfaͤhigkeit der Apparate eine Beſteuerung des Raumes der Maiſchge⸗ faͤße treten muͤſſe, um den vorgedachten Forderungen zu 17 genuͤgen, und es wurde daher das den Anlagen beige⸗ fuͤgte Regulativ*) entworfen und ſeit 1821 in Aus⸗ fuͤhrung gebracht. Der durch das gedachte Regulativ angeordneten Maiſchbottichſteuer lagen die nachſtehend angegebenen, aus vielſeitigen Erfahrungen abſtrahirten Saͤtze zum Grunde: a.„Um ein Quart Branntwein zu 503 Alkoholgehalt nach Tralles zu erzielen, werden 6 Pfund Getreide oder trockne Subſtanz der verarbeiteten Materialien verwendet.“ Gegen die Billigkeit dieſes Anſatzes wird man mit Grund etwas nicht einwenden koͤnnen, da es prinzipien— maͤßig feſtſteht und als Durchſchnitt anzunehmen iſt, daß, um ein Quart Branntwein von 503 Alkoholgehalt zu erzeugen, oft noch weit weniger, jedoch im Durch⸗ ſchnitt mehr nicht als 5 bis hoͤchſtens 5 ½ Pf. Getreide oder trockne Subſtanz angewendeter Materialien gebraucht werden. Jeder Brenner, welcher ſein Fach nur einiger⸗ maßen verſteht, und nach richtigen Grundſaͤtzen operirt, wird damit einverſtanden ſein, daß ein Scheffel Weizen, an Gewicht 85 Pf., 17 Quart Roggen, ⸗ ⸗ 80 15* Gerſte, 2 5 69 ½⸗ 13 ⸗ Kartoffeln(im getrock⸗ neten Zuſtande) 27 ⸗* 5* Branntwein von vorſchriftmaͤßiger Staͤrke liefern. Folg⸗ lich ſind zu Erzeugung eines Quartes Branntwein aus Weitzen 5 Pf., aus Roggen 5 ⅞ Pf., aus Gerſte 57 Pf., aus trockner Subſtanz der Kartoffeln 5½ Pf., als mittleres Erforderniß anzunehmen. Daß hierdurch die Productionsfaͤhigkeit dieſer Mate⸗ rialien noch nicht erſchoͤpft iſt, werden wir bei dem Ge⸗ werbebetrieb naͤher darlegen. b.„Das Verhaͤltniß des Getreides oder der trocknen Subſtanz zu der bei dem Maiſchen und Stel⸗ len angewendeten Fluͤſſigkeit wird wie 1 zu 8 ange⸗ nommen.“ In wie fern auch dieſe Annahme auf den mittlern *) Anlage B.— Intermiſtiſches Regulativ uͤber die Be⸗ ſteuerund des inlaͤndiſchen Branntweins, vom 1. Decem⸗ er 1820. 2 Verhaͤlt⸗ niß des Getreides zur Brannt⸗ weinaus⸗ beute. Verhaͤlt⸗ niß der trocknen Subſtanz zur Fluͤſ⸗ ſigkeit. 1 18 Durchſchnitt baſirt iſt, haben die ſeit jener Zelt gemach⸗ ten Erfahrungen hinreichend erwieſen; wir werden ſpaͤ⸗ ter hierauf zuruͤckkommen. Stelg⸗ c.„Der beim Einmaiſchen fuͤr das Aufſteigen der raum der gaͤhrenden Maiſche unbenutzt zu laſſende Raum, wurde Börenden zu einem Fuͤnftheil von dem ganzen Inhalte des Maiſch⸗ oder Gaͤhrungsgefaͤßes angenommen.“ Daß jedoch ein ſo bedeutender Steigraum nur in einzelnen, hoͤchſt mangelhaften Betriebs⸗Anſtalten wirklich erforderlich iſt, und durchſchnittlich mit weit weniger ausgereicht wird, bedarf keiner naͤheren Verſicherung, da ſie dem Beamten, ſo wie dem Brenner taͤglich vor Au— gen tritt. Produk⸗§. 19. Nach dieſen Grundſaͤtzen waren alſo, um fiy aſi,, ein Quart Branntwein von 503 Alkoholgehalt zu erzie⸗ biatata: len, 25 Quart Maiſchraum, 20 Quart Maiſche und raumes 6 Pf. trockne Frucht angenommen, und es ward vor⸗ und der ausgeſetzt, daß dieſe 20 Quart Maiſche, weil ſie neben Maiſche. den 6 Pf. Getreide, oder der trocknen Subſtanz von Kartoffeln oder anderen Stoffen, das achtfache Gewicht an Fluͤſſigkeit enthielten, uͤberhaupt ein Gewicht von 54 Pf. ergaben, obſchon ſie nur den Raum von 52 Pf. oder 20 Quart umfaſſen, da das Getreide, mit Waſſer vermengt, nur drei Viertheil desjenigen Volumens ein⸗ nimmt, welchen es im trocknen Zuſtande ausfuͤllte. Da nun das neue Beſteuerungsprinzip auf den Rauminhalt der Maiſchbottiche begruͤndet war, ſo er— giebt das Vorſtehende, daß vier Prozent des geſammten Bottichinhaltes als das gewoͤhnliche Erzeugniß an Brannt⸗ wein von normalmaͤßiger Staͤrke angenommen wurde. Vorlaͤu⸗§. 20. Die Steuer fuͤr ein Quart Branntwein Cher war beim Blaſenzins geſetzlich auf 1½ gGr.(nach dem fate ehemaligen Muͤnzfuß) normirt. Um alſo denſelben Steuerbetrag zu decken, ward vorlaͤufig feſtgeſetzt, daß fuͤr jede 25 Quart des angewendeten Bottichraumes ebenfalls 149Gr., mithin fuͤr jede 100 Quart des gan⸗ zen Rauminhaltes der bemaiſchten Bottiche 5g Gr.= 6 Sgr. an Steuer erhoben werden ſollten, woraus die einfache Berechnung von 1gGr.= 1 Sgr. je fuͤr 20 Quart der wiederholten Benutzung des Bottichrau⸗ mes hervorging. 19 §. 21. Die neue Beſteuerungsart ward ausdruͤck⸗ Das Re⸗ lich nur interimiſtiſch angeordnet; denn erledigten Auratid ſich auch nach Einfuͤhrung derſelben ſofort die, mehr Dez. 1820 oder weniger begruͤndeten, Beſchwerden der Gewerbtrei⸗ galt als benden, uͤber die Abmeſſung der Steuer nach einer an— Interimi⸗ genommenen Moͤglichkeit, welche nicht immer zur Wirk⸗ ſticum. lichkeit gemacht werden konnte, uͤber die Nothwendigkeit zu einem, Tag und Nacht ohne Unterbrechung fortzu⸗ ſetzenden, moͤglichſt ſchnellen Betrieb, uͤber die Unſicher⸗ heit in richtiger Beurtheilung der Produktionsfaͤhigkeit einer Brennerei, beſonders von kuͤnſtlicher Einrichtung, und die dadurch veranlaßte Ungleichfoͤrmigkeit der Be⸗ ſteuerung, ſo mußten dennoch auch von Seiten der Verwaltung Erfahrungen erſt daruͤber geſammelt werden, in wie fern die Zweckmaͤßigkeit der neuen Beſteuerungs⸗ art ſich in der Anwendung erprobe, wie ſie dem Ge— werbbetriebe uͤberhaupt zuſage, und wie weit durch ſie die erwarteten Staatseinkuͤnfte erreicht wurden„ damit auf den Grund dieſer Reſultate das definitive Geſetz, feſt und dauerhaft, gegruͤndet werden konnte. Es bedurfte nach den Ergebniſſen bei der Beſteue— rung durch den Blaſenzins einer laͤngeren Beobachtung, um daruͤber gehoͤrig in's Klare zu kommen, wie weit es moͤglich ſein werde, im Wege erlaubter Induſtrie uͤber die der Steuer zu Grunde liegende Annahme des Branntweingewinnes hinauszugehen, damit bei Emani⸗ rung eines wirklichen Geſetzes das Verhaͤltniß, in wel⸗ ches ſich der angenommene gegen den erfahrungsmaͤßi⸗ gen Fabrikationsertrag ſtellen moͤchte, richtig beurtheilt und der unveraͤnderte Geſichtspunkt, Gleichfoͤrmig— keit in der Beſteueru ng, aufrecht erhalten werde. Denn obſchon die Grundzuͤge jenes Regulativs auf erprobten Erfahrungen beruhten, ſo ließ ſich den— noch mit Beſtimmtheit vorausſehen, daß nach Einfuͤh⸗ rung der Maiſchſteuer, die Induſtrie ſich eben ſo ſehr befleißigen werde: moͤglichſt viel Branntwein in moͤglichſt wenig Bottichraum zu bereiten, als ſie beim Beſtehen des Blaſenzinſes bemuͤht war: viel Branntwein in moͤglichſt kurzer Zeit zu gewinnen. 2* Geſetzliche Beſtaͤti⸗ gung die⸗ ſer Beſteu⸗ erungs⸗ weiſe. Reſultate der Beob achtungen uͤber die Produk⸗ tionsfaͤ⸗ higkeit des Maiſch⸗ raumes. 20 §. 22. Die Erfahrung lehrte jedoch bald, daß die neue Baſis der Beſteuerung auch bei einer definiti⸗ ven Regulirung beizubehalten ſein werde, und das mehr⸗ erwaͤhnte interimiſtiſche Regulativ des Finanzminiſterii er⸗ hielt durch die in der Beilage*) abgedruckte Koͤnigliche Kabinetsordre vom 20. Juni 1822 Geſetzeskraft. §. 23. Die Reſultate der, bis zum Schluſſe des Jahres 1823 geſammelten Beobachtungen und Erfah⸗ rungen, ſowohl in gewerblicher als auch in Ruͤckſicht auf das Intereſſe der Finanzen, beſtaͤtigten die erwaͤhnte Vorausſetzung. Es ergab ſich, daß, ſtatt eines Fuͤnf⸗ tels oder Achtels Steigraum fuͤr die gaͤhrende Maiſche, in vielen Brennanſtalten kaum der zwoͤlfte, oft ſogar nur der ſechszehnte Theil noͤthig war, ſo wie, daß das Verhaͤltniß der trockenen Subſtanz zur Waͤſſiigkeit, ſtatt von 1 zu 8 oder 7, bis auf 1 zu 6, ja unter gewiſſen Umſtaͤnden ſelbſt bis zu 5, vergroͤßert zu wer— den vermochte, ſo daß die gegohrne Maiſche einen Al⸗ koholgehalt von 6 bis 8 Prozent, ſtatt der angenomme⸗ nen 4, in ſich faſſen konnte. Es wuͤrden dieſe Erſcheinungen, wenn ſie nicht als einzelne Abweichungen von den gewoͤhnlichen Regeln des Betriebes angeſehen werden durften, bei der definitiven Regulirung der Beſteuerung weſentliche Schwierigkeiten erzeugt haben, da durch ſie das Syſtem der Gleichfoͤr⸗ migkeit verletzt und der bezweckte Steuerertrag vermin⸗ dert werden konnte. Indeß ergaben die gemachten Erfahrungen gleich⸗ zeitig, daß die Ueberſchreitung des angenommenen Frucht⸗ und Waſſer⸗Verhaͤltniſſes auch ihre beſtimmten Graͤn⸗ zen hat, uͤber welche nicht hinaus gegangen werden darf, wenn der Brenner am Werthe der Branntwein⸗ Ausbeute nicht einen groͤßeren Betrag verlieren will, als derjenige iſt, den er dabei an Steuer zu erſparen oder zu gewinnen ſucht. Das ſogenannte Dick⸗Einmaiſchen, d. h. die An⸗ wendung einer groͤßeren, als der angenommenen Menge trockner Subſtanz zu der gleichen Waſſermenge, iſt nur *) Autage cC. Allerhoͤchſte Kabinetsordre vom 20. Junius 1822. 21 in einzelnen und zwar nut in ſolchen Gewerbſtaͤtten mit Vortheil auszufuͤhren, wo mit demjenigen Grade von Geuauigkeit und Regelmaͤßigkeit gearbeitet wird, welcher eine hoͤhere Induſtrie oder Kenntniß des ratio⸗ nellen Gewerbebetriebs vorausſetzt. Im Allgemeinen ſteht erfahrungsmaͤßig feſt, daß ſelbſt bei den vorange⸗ fuͤhrten Bedingungen, die Operation des dicken Einmai⸗ ſchens nur dann ohne allen Nachtheil zu bewirken iſt, wenn die Temperatur der Atmosphaͤre einen niederen Grad erreicht hat, mithin im Winter, und es ward hierdurch das Bedenken gehoben, daß die Verdickung der Maiſche ſich allgemein ausdehnen und den Steuer⸗ ertrag weſentlich verringern werde. §. 24. Minder wichtig erſchien die beobachtete Verrin⸗ gerung des, fuͤr das Aufſteigen der gaͤhrenden Maiſche an⸗ genommenen leeren Raumes der Bottiche. Dieſe Raum⸗ erſparniß, d. h. das dadurch erzielte groͤßere Quantum wirklicher Maiſche, konnte, ſo weit es auch getrieben werden mochte, keinen erheblichen Einfluß auf den Total⸗ betrag des Steuereinkommens aͤußern, weil der dadurch bezweckte Vortheil zu ſehr von der ſichern und puͤnkt⸗ lichen Handhabung des Maiſchprozeſſes, namentlich aber von der Qualitaͤt und Quantitaͤt des angewendeten Fer⸗ mentes, von der Temperatur der Maiſche oder der Luft abhaͤngig iſt, als daß mit Sicherheit auf einen ſtets gleichen Erfolg gerechnet werden koͤnnte, und weil im unguͤnſtigen Fall der Brenner durch das Ueberlaufen von Maiſche aus den Bottichen, an Werth mehr einbuͤßen kann, als die Steuer des erſparten Raumes betraͤgt. Die von den Steuerbehoͤrden angeſtellten Verſuche und Beobachtungen, ſo wie die offnen Mittheilungen ſachverſtaͤndiger Gewerbetreibenden, gewaͤhrten aber den⸗ noch die Ueberzeugung, daß durch die Maiſchſteuererhe⸗ bung nach dem Regulativ, die Bereitung des Brannt⸗ weins in Folge der verbeſſerten Fabrikation allerdings nicht voͤllig mit der Abgabe von 1 gGr. 3 pf. pro Quart belegt ſei, welche das Geſetz vom 8. Februar 1819 dafüͤr beſtimmte, und daß felbſt in denjenigen Brennereien, wo man ohne Benutzung der neuern Ver⸗ ſuche, Erfahrungen oder Erfindungen, lediglich den me⸗ chaniſch erlernten Betrieb in alter Weiſe fortfuͤhrte, den⸗ noch fuͤnf pCt. des Bottichraums ſtatt der angenom⸗ Definitive Reguli⸗ rung des Steuer⸗ ſatzes. 22 menen vier(§. 19) an Branntwelngewinn erzielt werden koͤnnen, ſo daß die Maiſchſteuer fuͤr ein Quart Brannt⸗ wein, durchſchnittlich nicht hoͤher als auf 1 gGr., mit⸗ hin um 203 niedriger, als bei dem Blaſenzins zu ſte— hen kam, waͤhrend vervollkommnete Brennereien einen noch hoͤheren Vortheil erzielten. §. 25. Die Sicherſtellung des Staatsbedarfes er⸗ heiſchte daher eine angemeſſene Berichtigung des Satzes von 1 ¾ Sgr. fuͤr 20 Quart Bottichraum. Nach dem urſpruͤnglichen Beſteuerungsprinzis war der Satz um ein Fuͤnftheil hoͤher, alſo auf 12 Sgr. fuͤr 20 Quart Bottichraum zu ſtellen; es blieben jedoch die abweichen⸗ den Verhaͤltniſſe in Betracht zu ziehen, welche die oͤfter erwaͤhnten kleinen landwirthſchaftlichen Brennereien gegen die vervollkommneten groͤßeren Brennanſtalten in Nach⸗ theil ſetzten, und deren Klagen uͤber Unmoͤglichkeit der Konkurrenz von Neuem rege gemacht hatten. Es ergab ſich aus den vielſeitigen Aeußerungen der Behoͤrden und Betheiligten, daß allerdings diejenigen Brennereien, welche ununterbrochen im Betriebe ſind, und das Hauptgewerbe des Beſitzers ausmachen, oder ſich in Staͤdten befinden, wo man theils mit der Hand⸗ habung des Betriebes weiter vorgeſchritten iſt, theils fuͤr den Abſatz des Branntweins immer offnen Markt findet, in bedeutendem Vortheil gegen jene laͤndlichen Brenne⸗ reien ſtehen, welche, um ihren Viehſtand durch die Win⸗ terfuͤtterung zu bringen, aus den ſelbſt gewonnenen, zum Verkauf uͤbrig bleibenden, oder dazu nicht geeigne— ten Fruͤchten Branntwein brennen laſſen, der einer ſtets noͤthigen Behandlung oder dem Verderben, wie das Ge⸗ treide, nicht unterworfen iſt, und gegen das Letztere bei ſeiner Verſendung weniger Transportmittel fordert, was fuͤr die Landwirthſchaft von großer Wichtigkeit iſt. Selbſt wenn der Landwirth vom baaren Gewinn hierbei abſehen muß, hat er dennoch eine Frucht ſeines Bodens ins Geld geſetzt, die entweder keinen Kaͤufer gefunden haͤtte, oder nicht transportfaͤhig war, und außerdem iſt ihm der Vortheil uͤbrig geblieben, Futter und Duͤnger zu erlangen, welche ihm bei den uͤbrigen Zweigen ſeiner Wirthſchaft als Hauptſachen gelten. Der Betrieb ſolcher kleinen Brennereien wird, wie bekannt, meiſtentheils durch Leute ausgefuͤhrt, welche ————fd“ 1 23 fuͤr den Sommer zu laͤndlichen Arbetten gebraucht, hier auch im Winter Beſchaͤftigung und Brod finden. Ihre Unwiſſenheit, und ihr bloß mechaniſches Wirken, gereicht ſehr oft zum großen Nachtheil des Beſitzers, der ent⸗ weder den Gewerbebetrieb ebenfalls nicht beſſer verſtehet, oder an eigener Leitung deſſelben verhindert iſt. Ge⸗ wiß wird der unbefangene Beobachter haͤufig die Ueber⸗ zeugung gewonnen haben, daß einem großen Theil der⸗ artiger Brenner die dem Vieh gereichte Schlempe oft theuer zu ſtehen kommt. Auch lehrt es die Erfahrung allgemein, daß in ſolchen Brennereien nicht diejenige Ausbeute an Brannt⸗ wein gewonnen wird, die aus der verwendeten Frucht bei einem guten Apparate und geregeltem Betriebe zu erzeugen ſein wuͤrde. §. 26. Die Aufrechthaltung der kleinern laͤndlichen Nanbuch. Brennereien erſchien als Huͤlfsmittel der Agrikultur we⸗ te sedde ſentlich nothwendig; der einfachſte Weg, ihnen die vom 10. ſchwierige Konkurrenz mit den groͤßern Fabrikationsan⸗ Jan. 1824. ſtalten gewuͤnſchter Maßen zu erleichtern, konnte nur in der Beſtimmung eines geringeren Steuerſatzes gefun⸗ den werden, und dies veranlaßte die in der Beilage“) abgedruckte Koͤnigliche Verordnung von 10. Januar 1824, nach welcher die Branntweinſteuer im Allgemeinen zwar zu 1 Sgr. fuͤr 20 Quart Bottichraum normirt, zu⸗ gleich aber feſtgeſetzt wurde, daß die, bloß fuͤr landwirth— ſchaftliche Zwecke in der Winterszeit und innerhalb ge⸗ wiſſer Betriebsgrenzen in Thaͤtigkeit geſetzten kleinern Brennereien, nur 1 ½ Sgr. als gleichartige Steuer ent⸗ richten ſollten. Wenn gleich dieſe Steuerſaͤtze allerdings den Satz üen des Regulativs vom 1. Dez. 1820 üuͤberſteigen, ſo wird Fang der es bei gehoͤriger Beachtung der hier gegebenen hiſtoriſchen ſteuer von Entwickelung doch einleuchten, daß im Ganzen dennoch Brannt⸗ eine Milderung des urſpruͤnglichen Steuerſatzes von 1 ¼ weinbren⸗ gGr.(oder 125 Sgr.) und zwar in doppelter Beziehung nereien. eingetreten war; einmal durch die Verminderung des Satzes auf 125½ Sgr., danu aber, weil derſelbe von 20 *) Anlage D. Allerhoͤchſte Kabinetsordre, wegen Beſteuerung des inlaͤndiſchen Brauntweins vom 10. Januar 1824. Normal⸗ verhaͤltniß des Getrei⸗ des zur trocknen Subſtanz, Produk⸗ tions faͤ⸗ higkeit des Maiſch⸗ raums. 24 Quart Bottichraum erlegt werden ſoll, und in dieſen ganz unbeſtritten, in großen wie in kleinen Brennereien, mehr als ein Quart Branntwein zu erzeugen moͤglich iſt. Außerdem ſind noch ſaͤmmtliche Branntweinbren⸗ nereien von der bisherigen Erlegung der beſondern Ge⸗ werbeſteuer entbunden worden. §. 27. Wie ſich nach den Grundſaͤtzen des interi⸗ miſtiſchen Regulatives das quantitative Verhaͤltniß des Waſſers zum Getreide oder zur trocknen Subſtanz der angewendeten Materialien verhielt, haben wir§. 18 an⸗ gefuͤhrt. Gegenwaͤrtig jedoch, wo an Steuer fuͤr 20 Quart Maiſchranm 1 Gr. 6 pf. erlegt werden, ſtellt ſich nach der geſetzlichen Annahme die Produktionsfaͤhigkeit des Maiſchraums zur Branntweinausbeute folgendermaſſen: a) Um ein Quart Branntwein zu 50 pCt. Alkohol⸗ gehalt zu erzielen, ſind 5 ½ Pf. Getreide oder trockne Subſtanz der angewendeten Materialien erforderlich. b) Das Getreide oder die angewendeten Materalien erfordern bei der Maiſchung 7 ½ ½ Theile oder bei⸗ nahe das ſieben und ein halbfache Gewioht an Fluͤſſigkeit. c) Der fuͤr das Aufſteigen der Maiſche leer zu laſ⸗ ſende Gaͤhrungsraum betraͤgt ein Zehntheil von dem Inhalte des Maiſchgefaͤßes. Der fuͤr ein Quart Branntwein noͤthige Maiſch⸗ raum wird daher zu 20 Quart angenommen, in welchem 18 Quart Maiſche verarbeitet werden, die aus 5 ¾ Pf. Getreide oder trockner Subſtanz der Fruͤchte und 40 ½ Pf. Fluͤſſigkeit beſtehen, woraus ſich ergiebt, daß der Produktionsertrag der Maiſche an Branntwein durch⸗ ſchnittlich auf 5 5 pCt. angenommen iſt, ein Verhaͤlt⸗ niß, was ſich kaum der mittleren Ausbeute, die in ord— nungsmaͤßig betriebenen Brennereien gewonnen wird, naͤ— hert, da der Induſtrie des Brenners ganz uͤberlaſſen iſt, wie weit von dieſem Verhaͤltniſſe abgewichen wird, wie viel bei der Maiſchung an Fluͤſſigkeit, bei der Gaͤh— rung an Maiſchraum erſpart werden kann. Es wird weder die Quantitaͤt vorgeſchrieben, welche an Frucht auf einen Bottich zu jeder Maiſchung verwendet, noch derjenige Punkt beſtimmt, bis zu welchem der Bottich 25 mit Maiſche angefuͤllt ſein darf oder muß. Mithin kann der Brenner an Subſtanz verwenden, ſo viel er will, und den Bottich ſo hoch fuͤllen, als ihm gut duͤnkt, ohne deshalb eine hoͤhere Steuer zu bezahlen, oder deren Erhoͤhung zu erwarten. §. 28. Von den Beſtimmungen des Geſetzes und Anwen⸗ der dazu gehoͤrenden Ordnung vom Sten Februar dung der 1819 ſind gegenwaͤrtig noch fuͤr die Beſteuerung des Beſtim⸗ Branntweins die anliegend abgedruckten Paragraphen us em gultig*). Geſetz Der groͤßere Theil dieſer Beſtimmungen hatte beim vom 8. Fe⸗ Blaſenzinſe auf die Brenngeraͤthe und den Deſtillations⸗ bruar prozeß Bezug; bei der jetzigen Raumbeſteuerung findet 4349. der Inhalt jener Vorſchriften groͤßtentheils auf die Maiſch⸗ und Gaͤhrungsgefaͤße, ſo wie auf die Einmaiſchungen ſelbſt Anwendung. Die Steuerbehoͤrde hat nach dieſem veraͤnderten Steuermodus ein groͤßeres Intereſſe an der Aufſicht uͤber die Maiſchbereitung und uͤber diejenigen Fabrikations⸗ akte, welche vor der Gewinnung des eigentlichen Pro⸗ duktes auszufuͤhren ſind, ſtatt daß bei dem fruͤheren Blaſenzinſe die Deſtillirgeraͤthe, welche jetzt nur ein ge⸗ legentliches Kontrolehuͤlfsmittel abgeben, den Hauptbe⸗ ſtandtheil der ſteueramtlichen Kontrole ausmachten.„ §. 29. Nur fuͤr Deſtilliranſtalten, die, um bereits Peibe, fertigen Branntwein auf Liqueure oder aͤtheriſche Fluͤſ⸗ 563 tang ſigkeiten zu verarbeiten, denſelben mit aromatiſchen In⸗ ſenzinſes gredienzen vermiſcht, noch ein oder mehreremale uͤber fuͤr Deſtil⸗ Deſtillirgeraͤthe abziehen, bleiben die fuͤr den Blaſenzins lateure. gegebenen, darauf Bezug habenden Beſtimmungen(§. 6 Bedinat⸗ des Geſetzes vom 8. Febr. 1819) noch bis dahin in Airenn unveraͤnderter Geſetzeskraft, wo vielleicht auch hier die Zeitumſtaͤnde beguͤnſtigendere Anordnungen zulaͤßig ma⸗ chen, die bereits gegenwaͤrtig damit begonnen haben, daß dem Deſtillateur geſtattet iſt, zur Rektifikation von Brannt⸗ wein ohne Zuſatz von Ingredienzen, ſei es um ihn zu entfaͤrben, zu entfuſeln oder zu verſtaͤrken, ſich der De⸗ ſtillirgeraͤthe ohne Steuerentrichtung bedienen zu *) Anlage A. Auszug aus dem Geſetz und der Ordnung vom 8. Februar 1819. 26 7 duͤrfen*). Denn die Fortſchritte, welche in neuerer Zeit bei der Fabrikation des Branntweins gemacht wurden, ſind auch auf das Gewerbe des Branntweindeſtil⸗ lateurs oder Liqueurfabrikanten nicht ohne Einfluß ge— blieben, eben ſo wie ſie auf den Steuerertrag influirt haben. Seitdem man Alkohol vermittelſt nur einer De⸗ ſtillation aus der Maiſche zog, fuͤhrte man auch bei uns das Verfahren ein, verſetzte Branntweine durch Digeſtion mit den aromatiſchen Ingredienzen, oder auf kaltem Wege, durch Vermiſchung mit aͤtheriſchen Oelen zu bereiten und ſo den Deſtillirblaſenzins zu erſparen, was ſich aus dieſem Einnahmezweig nachweiſen laͤßt, welcher im Jahr 1820 92,170 „ ⸗ 1826 62,760 Thaler betrug. Von Wichtigkeit fuͤr den Geſammter⸗ trag iſt jedoch dieſe Einnahme zu keiner Zeit geweſen, da ſie durchſchnittlich nur 19r Prozent, in den Rhein⸗ provinzen ſogar nur ½ Prozent des Geſammtaufkom⸗ mens von der Branntweinſteuer betrug, und nach der gegenwaͤrtigen Steuerbefreiung fuͤr bloße Rectifikation von Branntwein noch bedeutend herabſinken duͤrfte. Neguli⸗§. 30. Fuͤr die gaͤnzliche Regulirung der Brannt⸗ Ss der weinſteuer blieben noch die§. 4 des Geſetzes vom 10. runne für Januar 1824 vorbehaltenen Verordnungen fuͤr diejenigen Brannt, Brennereien uͤbrig, welche aus andern als mehlichten weinberei⸗ Subſtanzen, namentlich aus Wein, Stein⸗ und Kern⸗ tung aus obſt, Treſtern, Beeren, Hefe ꝛc. Branntwein gewinnen. Soſt, Bec⸗ Da bei dieſem Betriebe eine eigentliche Einmai⸗ ſtern, Wein ſchung, wie bei der Fruchtbrennerei, nicht Statt findet, Weinhefe, an deren Stelle die Vorbereitung des Materials, durch Stampfen oder Quetſchen tritt, um ſolches zur Deſtil⸗ lation geſchickt zu machen, ſo mußte hier die Menge der auf Branntwein zu verarbeitenden Subſtanz den Maaß⸗ ſtab fuͤr den Steuerſatz geben, welcher ſich jedoch wieder durch Art oder Qualitaͤt des zu verſchwellenden Mate⸗ rials weſentlich unterſchied. Den Allerhoͤchſten Beſtimmungen zu Folge, ſollten auch dieſe Brennereien die dem landwirthſchaftlichen Ge⸗ *) Circular⸗Reſcript vom 23. April 1829. 7908. 27 werbe zugeſtandene Beguͤnſtigung genleßen, was um ſo billiger erſcheint, da dieſer Zweig der Branntweinberei⸗ tung uͤberhaupt nur in ergiebigen Wein- und Obſtjahren Statt findet, ſeine natuͤrliche Beſchraͤnkung in dem Ernteertrage eines Jahres findet, wohl ſelten uͤber das lokale Erzeugniß hinausgehet, und ein eigentliches Ge⸗ werbe nicht genannt werden kann. Es war dieſe Anordnung nur durch Beſtimmung eines, dem Steuerſatze fuͤr die kleineren landwirthſchaft⸗ lichen Brennereien gleich kommenden maͤßigen Steuer— ſatzes zu erreichen, bei welchem noch die Beruͤckſichti— gung leitend ſein mußte, daß ein mittlerer Durchſchnitt⸗ ſatz gewaͤhlt wurde, der den Wein- und Obſtbauern auch in unguͤnſtigen Jahren eine Konkurrenz mit den auf Getreide oder Kartoffeln arbeitenden Brenner ge⸗ ſtattet; welche in ſolchen Faͤllen ihren Betrieb aus rei⸗ chern Erndten, fruͤhern Vorraͤthen und Zufuhren von Außen, im Umfange zu erweitern im Stande ſind. §. 31. Aus ſorgfaͤltig angeſtellten Pruͤfungen er⸗ gab ſich, daß ein Eimer eingeſtampftes Kernobſt oder Weintreſtern zwiſchen drei bis vier Quart, ein Eimer Steinobſt, Beeren, Wein oder Weinhefe fuͤnf bis ſechs Quart Branntwein zu 503 nach Tralles als minde⸗ ſten Ertrag liefern. Dem gemaͤß wurde die Abgabe von den Erſtern, fuͤr den Eimer auf vier Groſchen, von den Letztern auf acht Groſchen feſtgeſetzt, und uͤber Erhebung und Kon— trole dieſer Beſteuerungsart, das unter den Anlagen“*) abgedruckte Regulativ des Koͤniglichen Finanzminiſterüi vom 21. Auguſt 1825 bekannt gemacht, deſſen ſpaͤtere Modifikation ſich ebenfalls dort nachgewieſen findet. Eine weſentliche Erleichterung fuͤr dieſe Anſtalten ge⸗ waͤhrt die nachgelaſſene Fixation der Steuer auf Wochen oder Monate, wobei der Brenner von jeder beſchweren⸗ den Kontrole befreit, im raſchen oder langſamen Betrieb ſeiner Brennereianſtalt nicht beſchraͤnkt iſt, ſo daß die Aufſicht nur allein darauf ſich ausdehnt, die Geraͤthe nach abgelaufenen Vertrag unter amtlichen Verſchluß zu *) Beilage E. Regulativ vom 21. Auguſt 1825 zur Hebung und Kontrole der Steuer von der Branntweinfabrikation aus Obſt, Beeren, Wein und aus den Abfaͤllen davon. Steuerſatz Regulativ vom 21. Aug. 1825. Flxation dieſer Brenne⸗ reien. . Beſteue⸗ rung des Zucker⸗ waſſers. 28 nehmen, und bei dem Betrieb nach dem mindern Steuer⸗ ſatz ſich zu uͤberzeugen, daß keine hoͤher beſteuerten Ma⸗ terialgattungen verbraucht werden. §. 32. Außer den zeither genannten Stoffen iſt es wohl noch hin und wieder gebraͤuchlich, in Zucker⸗ raffinerien das Formbackwaſſer, d. h. die beim Reinigen der Gefaͤße, ſo wie die durch das wiederholte Auswa⸗ ſchen des zum Klaͤren angewendeten Blutes und der thieriſchen Kohle geſammelte zuckerſtoffhaltige Fluͤſſigkeit auf Branntwein zu verarbeiten, wo ſich die Bereitung des mit leichtern Huͤlfsmitteln daraus darzuſtellenden Eſſigs nicht realiſirt. Auf dieſe Fabrikation paßt keine der vorangefuͤhr⸗ ten Beſteuerungsarten, da gewoͤhnlich das in Gaͤhrung geſetzte Fluidum zu wenig Zuckerſtoff, und mithin auch zu wenig Alkohol enthaͤlt, als daß die Bereitung des Branntweins hieraus die Maiſchſteuerſaͤtze ertragen koͤnnte. Aus dieſem Grunde hat das Koͤnigliche Finanz⸗ miniſterium beſtimmt, daß im Allgemeinen derartige Abfaͤlle, nachdem ihnen Hefe oder Gaͤhrungsmittel zu⸗ geſetzt worden ſind, vor ihrer Verarbeitung einer tech⸗ niſchen Pruͤfung durch Ausmittelung des ſpezifiſchen Gewichtes unterworfen werden ſollen, um zu ermitteln, wie viel in 1000 Theilen dieſer Fluͤſſigkeit an feſtem Zucker enthalten ſind, woraus ſich denn der Brannt⸗ weingewinn nach den vorhandenen Prinzipien, und die Steuerberechnung nach den geſetzlichen Beſtimmungen von ſelbſt ergiebt. Die techniſche Pruͤfung wird ganz einfach durch Sacharometer bewirkt, welche beim Eintauchen in die Fluͤſſigkeit genau das Ergebniß liefern, wie viel in 1000 Theilen derſelben Zuckertheile im trocknen Zuſtande vor⸗ handen ſind. Gewoͤhnlich haͤlt ſich dieſes Zuckerwaſſer(da, in— diſchen Zucker auf Branntwein zu verarbeiten, kein Ge⸗ genſtand der Spekulation in Deutſchland ſein kann, und man deshalb nur die zur Siederei voͤllig unbrauch⸗ baren Abgaͤnge benutzt), zwiſchen einer ſpezifiſchen Dich⸗ igkeit gegen deſtillirtes Waſſer vom 1012— 1014 zu 1000, mithin iſt in jedem Oxhoft,= 500 Pfund 29 dieſer Fluͤſſigkeit, ein feſter Zuckergehalt zwiſchen ſechs und ſieben Pfund vorhanden. Da hieraus erfahrungsmaͤßig drei bis vier Quart Ausbeute⸗ Branntwein zu 508 nach Tralles gewonnen werden Ertrag. koͤnnen, ſo hat das Koͤnigliche Finanzminiſterium ver⸗ Steuer⸗ ordnet, daß, zu Erfuͤllung des geſetzlichen Steuerſatzes, ſatz. im Durchſchnitt, und wo nicht andere Ergebniſſe Ab⸗ weichungen erheiſchen, die Abgabe fuͤr jedes Oxhoft des aus den Raffinerien abfallenden Zuckerwaſſers auf 4 gGr. 6 Pf*) oder nach dem neueren Muͤnzfuße auf 5 Sgr. 6 Pf.**) feſtgeſtellt und erhoben werde. Zeigt jedoch bei der Pruͤfung das Zuckerwaſſer eine groͤßere Reichhaltigkeit an feſtem Zucker, als das ſpezifiſche Ge⸗ wicht von hoͤchſtens 1014 ergiebt, ſo wird auch die Steuer in dieſem Verhaͤltniß vermehrt**u). §. 33. Es iſt auch ſeit dem Beſtehen der Maiſch⸗ Brannt⸗ ſteuer in einzelnen Preußiſchen Brennereien das in Eng⸗ menberdi, land angewendete Verfahren verſucht worden, nach wel⸗ Mdzwr⸗ chem aus dem gemalzten und ungemalzten Getreide ze, Getrei⸗ mittelſt Aufguſſes von heißem Waſſer, oder auch wohl deextrakt, durch Auskochen, eine ſtarke Wuͤrze bereitet, und dieſe, Seukei. nachdem ſie durch Seihen oder Auspreſſen von den 5. Huͤlſen oder Treſtern geſchieden, mittelſt Zuſatzes von ge⸗ beuteltem Mehl zu einem koncentrirten Extrakt verdickt wird, der, mit Hefe geſtellt, nach uͤberſtandener Gaͤh⸗ rung, die gewoͤhnlich erſt in ſechs Wochen vollendet iſt, deſtillirt wird. Eben ſo iſt die in Frankreich und Holland verbrei⸗ tete Methode zu uns uͤbergegangen, den aus Waizen⸗ oder Kartoffelſtaͤrke, mittelſt der bekannten Behandlung durch Schwefelſaͤure und Kalk, oder Kreide gewonnenen Zuckerſyrup auf Branntwein zu verarbeiten, in der Ab⸗ ſicht, ein hierdurch dem natuͤrlichen Franzbranntwein oder dem Rum ziemlich gleichſtehendes Fabrikat zu er⸗ zielen. *) Reſkript vom 2. Februar 1820. 1777. Koͤnigl. Regierung Koͤnigsberg. **) Reſkript vom 25. December 1827. 23948. Koͤnigl. Steuerdirect. Breslau. *) Reſkript vom 9. April 4822. 5290. Koͤnigl. Hauptſteuer⸗ amt Berlin. 30 So wenig, als dieſe beiden Verfahrungsarken zu dem Syſtem der Maiſchbeſteuerung paſſen, auch bei dem Gewerbebetrieb nur da mit einigem Vortheil ange⸗ wendet werden koͤnnen, wo die Verſchwendung des Ma— terials, oder der Verluſt an Branntweinausbeute durch den theilweiſen Gewinn einer hohen Steuer gedeckt wird, (denn die gegohrene Maiſche in England enthaͤlt noch 3 bis † der angewendeten Subſtanz unveraͤndert, und vohe Kartoffeln geben beinahe die doppelte Ausbeute an Branntwein, als der aus ihnen gewonnene Staͤrkeſyrup), ſo hat dennoch die Verwaltungsbehoͤrde auch die Ver⸗ breitung dieſer Methoden geſtattet und ihrer Ausfuͤh⸗ rung nirgend ein Hinderniß in den Weg gelegt. §. 34. Da es jedoch unzweifelhaft iſt, daß ſich bei der Branntweinfabrikation aus Getreideextrakt oder Staͤrkezucker, das Verhaͤltniß des Branntweinertrages zu dem Maiſchraum zum Nachtheil des Steuerintereſſes hoͤher ſtellt, als dasjenige, welches der gewoͤhnlichen Maiſchſteuer zum Grunde liegt, der Fabrikant ein an⸗ deres als das ſonſt uͤbliche Material verarbeitet, und eine andere als die geſetzliche zwei- oder dreitaͤgige Gaͤh⸗ rungsfriſt in Anſpruch nimmt, ſo iſt es auch nothwen⸗ dig, daß hier die Feſtſtellung eines andern als des ge⸗ ſetzlichen Steuerſatzes, uach Maaßgabe der erforderlichen abweichenden Betriebsart, zwiſchen dem Brenner und der Steuerverwaltung im Wege des Vertrages ſtatt⸗ finden muß, damit von dem Produkt die geſetzliche Ab⸗ gabe erhoben werden kann. Zum Abſchluß eines ſolchen Vertrages wird von dem Gewerbtreibenden die aufrichtige Angabe verlangt, wieviel er in einer beſtimmten Periode durchſchnittlich, oder zu einer angegebenen Quantitaͤt derartiger Maiſche, an Getreide oder Staͤrkeſyrup verbrauchen wird. Die Behoͤrde hat dann zu unterſuchen, in wie fern die Dich⸗ tigkeit der Wuͤrze mit dem, durch gemachte Erfahrung feſtge⸗ ſtellten mittlern Verhaͤltniß uͤbereinſtimmt, wie ſich die ſpezifiſche Schwere derſelben zu gleichen Volumen einer aus Schrot bereiteten Maiſche, und ferner, wie ſich die Ausbeute an Branntwein oder Spiritus gegen die ge⸗ woͤhnliche Branntweinbereitung aus Getreide oder Kar⸗ toffelmaiſche verhalte. Dieſe Grundlagen liefern den Maaßſtab, um den Betrag der von einer ſolchen Fa⸗ 31 brikation zu zahlenden Steuer nach den geſetzlichen Be⸗ ſtimmungen zu reguliren. §. 35. Die Verwendung des Getreides zur Bier⸗ oder Beſten⸗ Eſſigbereitung iſt nach§. 18 des Geſetzes vom 8. Fe⸗ erung des bruar 1819 mit 2 Thaler oder Zwanzig Groſchen fuͤr Braumal⸗ zes zur jeden Zentner des verbrauchten Materials beſteuert. Ueber Bier⸗ und die Hoͤhe dieſes Abgabenſatzes ſind Reclamationen nicht Eſſigfabri⸗ bekannt worden, wozu freilich der Umſtand beigetragen, daß die Gewerbtreibenden gegen die fruͤheren Abgaben— verhaͤltniſſe durch die jetzige Regulirung der Brauſteuer weſentliche Vortheile gewannen, indem dadurch nirgends eine Abgabenerhoͤhung, vielmehr in den meiſten Provin⸗ zen bedeutende Ermaͤßigungen der vorher auf dem Bier gelegenen Steuer eintrat. Außerdem wurde die Berei— tung der eigenen Conſumtion fuͤr jede Haushaltung, welche aus einer Familie von nicht mehr als zehn Perſo⸗ nen uͤber 14 Jahren beſtehet, ſteuerfrei geſtattet(§. 21.); die eigene Fabrikation des groͤßeren Bedarfes aber den Conſumenten durch Vorausbezahlung einer Abfindungs⸗ ſumme fuͤr einen beſtimmten Zeitraum erleichtert(§. 20.). Auch ohne dieſe Beguͤnſtigungen, welche durch neu⸗ ere Beſtimmungen weſentlich erweitert worden ſind, er— ſcheint die Abgabe an und fuͤr ſich, fuͤr ein Product, was nicht den nothwendigſten Lebensbeduͤrfniſſen ange⸗ hoͤrt und deſſen Genuß im Allgemeinen eine gewiſſe Wohlhabenheit vorausſetzt, ſo maͤßig, daß ihre Erhebung die Natur einer indirecten Steuer faſt gar nicht em⸗ pfinden laͤßt. §. 36. Ferner ergiebt ſich aus dem Vergleich mit kation. Steuer⸗ ſatz. Verglei⸗ der Beſteuerung dieſes Fabrikates in anderen Laͤndern, chung mit daß uͤberall auf das Braumalz hoͤhere Abgaben, als in den Abga⸗ dem Preußiſchen Staate gelegt ſind, wo die Steuer; von einem Quart Bier einen und einen halben Pfennig betraͤgt, wenn, wie man durchſchnittlich mit Zuvelrlaͤſ⸗ ſigkeit annehmen kann, aus einem Zentner Braumalz 160 Quart bereitet werden. In England betraͤgt die Trankſteuer vom Doppel⸗ bier(Ale oder Porter) fuͤr jedes Barrel= 36 Gallon oder 143 Quart 10 Schilling= 3 Thlr. 10 Gr., mithin vom Quart 8½ Pfennig, vom Duͤnn oder dem Tiſchbier 2 Schilling fuͤr jedes Barrel, mithin vom Quart 12 Pfennig. Ziehet man hier den Durch⸗ benſaͤtzen in andern Laͤndern. Fort⸗ ſchritte der Bierfabri⸗ kation. 32 ſchnitt, ſo findet ſich, daß in England von einem Quart Bier fuͤnf Pfennige erhoben werden. Jedoch iſt dies erſt die Haͤlfte der Abgabe, da die Fabrikation des Matzes, ſo wie der Handel mit Hopfen mit gleich ho⸗ hen Taxen belegt ſind. In den Niederlanden wird die Steuer von dem Inhalt der Maiſchbottiche in den Brauereien mit 70 Cents.= 11 Gr. 10 pf. von jedem Baril(Vat.)= 87 ⅞ Quart fuͤr jede Einmaiſchung erhoben. Nimmt man nun an, daß in einem Maiſchbottich von einem gegebenen Inhalt eine ſolche Quantitaͤt Malz gemaiſcht werden kann, aus welcher die Haͤlfte von dem Raum⸗ inhalt jenes Bottiches an Bier von mittlerer Staͤrke gezogen wird, ſo ergiebt ſich, daß die Steuer von einem Quart Bier 3 ½ pf. betraͤgt. In Frankreich betragen die Abgaben 25 Prozent von dem Werthe des Bieres. In den deutſchen Staaten iſt die Fabrikation oder der Verbrauch des Bieres uͤberall mit einer hoͤheren Taxe als im Preußiſchen belegt. In mehreren Laͤndern wird die Fabrikation des Malzes und des Bieres beſteuert, und der Verbrauch unterliegt außerdem einer Conſum⸗ tionsabgabe. In den Staaten geringeren Umfanges bildet die Abgabe vom Bier einen der wichtigſten Ein⸗ nahmezweige von der indirekten Beſteuerung. §. 37. Daß ſeit dem Beſtehen der gegenwaͤrtigen Steuerverfaſſung im Preußiſchen die Fortſchritte bei der Fabrikation des Bieres ſehr bedeutend geweſen ſind, ha⸗ ben wir Eingangs erwaͤhnt, obſchon es nicht zu leug⸗ nen iſt, daß dieſe Fortſchritte noch einer allgemeineren Verbreitung faͤhig ſind, um das Gewerbe zu jenem Standpunkt zu fuͤhren, welchen ihm, durch Klima und Erzeugniſſe vorzugsweiſe beguͤnſtigt, die Natur gleich⸗ ſam von ſelbſt zeigt, denn die zeitherigen Reſultate ſind lediglich Folgen unſerer Steuergeſetzgebung. Iſt die Abgabe fuͤr die inlaͤndiſche Produktion auch gering— fuͤgig zu nennen, und kommt dies den Conſumenten des Landes zu Gute, ſo iſt dennoch der Gewerbebetrieb und der Gewerbfleiß gegen auslaͤndiſche Fabrikation da⸗ durch geſchuͤtzt, daß jeder Eimer= 60 Quart fremdes Bier oder Eſſig eine Eingangsſteuer von 4 Thlr. 5 Gr. zahlen muß, mithin jedes Quart mit 2 Gr. 1 pf. belegt iſt. Die Hoͤhe dieſer Abgabe macht es der Preußiſchen 33 Induſtrie moͤglich, bedeutende Kapitalien in große Brau⸗ anlagen zu verwenden, auch die ſtaͤrkeren und haltbaren Biere ſelbſt zu fabriziren, und dadurch bedeutende Summen dem Nationalgewinn zu erhalten, die vordem in die Kaſſen der Auslaͤnder floſſen. Daher iſt auch die Einfuhr bis zur Unbedeutenheit herabgeſunken, und wird von der Ausfuhr der inlaͤndiſchen Fabrikation bei weitem uͤber⸗ ſtiegen, wie nachſtehende Ueberſicht zeigt: Es wurden an Bier eingefuͤhrt: ausgefuͤhrt: Etmer Eimer in dem Jahre 1825 2,982 8,627 -⸗ ⸗ 1826 2,910 9,886 „„ 1827 2,751 9,543 22 1828 2,667 7,116. §. 38. Nachdem wir in dieſer allgemeinen Dar⸗ ſtellung vielleicht einige, bis jetzt nicht allgemein be— kannte Beitraͤge zur Aufklaͤrung uͤber die Vortheile und Erfolge der indirecten Steuerverfaſſung im Preußiſchen Staate geliefert haben, wenden wir uns zu dem naͤ— heren Zweck unſers Vortrages, welcher dahin gehet, „ſowohl den Gewerbebetrieb der Brannt⸗ wein⸗ und Bierfabrikation in dem Preu⸗ ßiſchen Staate, wie er ſich gegenwaͤrtig darſtellt, in ſeinen vorkommenden Abſtu⸗ fungen zu verhandeln, als auch die Steu⸗ ergeſetzgebung und ihre Declarationen auf die verſchiedenen Fabrikationsacte in der Anwendung zu zeigen, oder zu er⸗ laͤutern.“ Denn iſt es fuͤr den Beamten keine leichte Aufgabe, die kurz gefaßte Redaction der Geſetze auf die vorkommenden, bei der Ausuͤbung des Gewerbes ſo vielfach wechſelnden Faͤlle ohne Erlaͤuterung anzuwenden, ſo muß es dem Gewerbtreibenden um ſo ſchwieriger werden, je weniger ihm Gelegenheit oder Huͤlfsmittel zu Gebote ſtehen, aus denen er die Entſcheidung der einzelnen Fragen oder Zweifel zu beurtheilen im Stande iſt. Wo, wie bei der Beſteuerung des Branntweines und des Braumalzes, Geſetz und Gewerbebetrieb in ſo wechſelſeitiger Bezie⸗ hung zu einander ſtehen, muß zu Ausfuͤhrung des er⸗ ſteren die Kenntniß des letzteren unbedingt vorausgeſetzt werden, ſo wenig als ſich ohne vollſtaͤndige Geſetzes⸗ 3 Schluß der Ein⸗ leitung. 34 kunde der Gewerbebetrieb in ſeinem regelmaͤßigen Gange frei und unbeſchraͤnkt bewegen kann. Wir finden dies durch die Erfahrung beſtaͤtigt, denn die Klagen Einzelner uͤber Beſchraͤnkung treffen nicht das Geſetz oder die Verwaltung, ſondern vielmehr die Unvermoͤgenheit, die geſetzlichen Beſtimmungen auf den ſpeziellen Gewerbsakt in Anwendung zu bringen, oder die Nothwendigkeit ihrer Anwendung einzuſehen. Daher kommt es auch, daß der groͤßere Theil der zur Ruͤge der Steuerbehoͤrden kommenden Contraventionen, ohne alle Abſicht der Geſetzesuͤbertretung, aus Unkennt⸗ niß der beſtehenden Vorſchriften begangen wurde, weil der Steuernde in den meiſten Faͤllen ſich der Meinung hingegeben, eine Handlung fuͤr erlaubt zu halten, welche die Geſetzgebung durch Strafe verpoͤnt hat, und wohl Mancher ſiehet ſich dadurch, wider ſeine Vorausſicht, in Nachtheile verſetzt, denen er bei Kenntniß der ſie ver⸗ anlaſſenden Beſtimmungen begegnet ſein wuͤrde. Eben ſo nothwendig als dem Gewerbtreibenden iſt jedoch auch dem aktiven Steuerbeamten, naͤchſt der ge⸗ nauen Bekanntſchaft mit dieſem Theil der Geſetzgebung, die Kenntniß und Beurtheilung der verſchiedenen Fabri⸗ kationsakte der Bierbrauerei und Branntweinbrennerei; damit er beſtimmt, lehrend oder berathend, auftreten koͤnne, wo ſeine Meinung gefordert, ſeine Aeußerung in Anſpruch genommen wird, da es ihm ganz beſonders ob⸗ liegt, zur lebendigen und nuͤtzlichen Ausfuͤhrung des Ge⸗ ſetzes, ſo wie zur Erleichterung des Gewerbebetriebes gleichzeitig beizutragen. Die mangelnde Kenntniß des Gewerbebetriebes er— zeugt einſeitiges Urtheil, unbegruͤndetes Handeln, und ſtoͤrt entweder den ruhigen Buͤrger in ſeinen rechtmaͤßi⸗ gen Intereſſen, oder hemmt durch zu große Aengſtlich⸗ keit und eine aus Furcht vor Verletzung entſtehende Nachſicht die Ausuͤbung der Geſetze, tritt mithin da— durch der Erreichung der Staatszwecke ſelbſt hindernd entgegen. In dieſem, aus einem ſolchen theilweiſen, oder gegen⸗ ſeitigen Mangel an Kenntniß entſtehenden Mißverhaͤlt⸗ niß, moͤchte wohl nicht ohne Grund die Veranlaſſung zu finden ſein, wie im Einzelnen ſich noch Klagen uͤber die Ausuͤbung der Controle, ſo wie uͤber die Haͤrte der 35 Steuerſtrafgeſetze vernehmen laſſen, wie es ferner wohl un⸗ bezweifelt iſt, daß manchmal die Aufſichtbeamten Kon⸗ trole und Reviſion der Gewerbeanſtalten mehrfach uͤber den bedingten Zweck lediglich in beſorglicher Pflicht⸗ erfuͤllung ausdehnen. Der Zweck vorliegender Schrift iſt, zu Ausglei⸗ chung dieſes Mißverhaͤltniſſes beizutragen und den die bezeichneten Gewerbe angehenden Grundſaͤtzen und Vor⸗ ſchriften der Steuerkontrole, Oeffentlichkeit zu geben; da⸗ mit der Gewerbtreibende ſelbſt, ſo wie der aktive Steuer⸗ beamte den Umfang ſeiner Befugniſſe oder ſeiner Ver⸗ pflichtungen ſofort zu beurtheilen im Stande ſei. Um jene Erlaͤuterungen der geſetzlichen Beſtimmun⸗ gen uͤber dieſen Steuerzweig zu geben, iſt es nothwen— dig, den Gewerbebetrieben in ihren verſchiedenen Abſtu⸗ fungen und Fabrikationsakten zu folgen. Da jedoch die Fabrikation ſelbſt, wie ſchon er⸗ waͤhnt, durch die Steuergeſetzgebung ermuntert, eine hoͤ⸗ here Richtung gewonnen, als diejenige war, in welcher ſie ſich noch vor 10 Jahren befand, ſo ſchien es uns deshulb, nicht minder auch des Verſtaͤndniſſes wegen, er⸗ forderlich, vorerſt eine faßliche Anleitung zur Kennt— niß des Gewerbebetriebes in der Preu— ßiſchen Monarchie auf ſeinem gegenwaͤr⸗ tigen Standpunkt, mit allgemeiner Be⸗ zugnahme auf die Vorſchriften der Steu⸗ erverwaltung zu geben, dann in einem zweiten Abſchnitt die Anwendung der Geſetzgebung auf die ein⸗ zelnen Betriebsakte praktiſch zu er⸗ laͤutern, und die Kontrtolevorſchriften in ihrer Ausfuͤhrung darzuſtellen, ſo wie endlich, die Strafgeſetzgebung und ihre Folgen auf Contraventionen oder Defraudationsfaͤlle vorzutragen. Wir beginnen daher mit dem Was iſt Weingeiſt, Alkohol? Hiſtoriſche Skizze der Brant⸗ weinbe⸗ reitung. 36 Gewerbebetrieb. §. 39. Branntweinbrennerei und Bierbraue⸗ rei bilden Gewerbebetriebe, welche ſich mit der Bereitung zweier verſchiedenartiger Fluͤſſigkeiten beſchaͤftigen, deren Hauptbeſtandtheil auf natuͤrlichem Wege vorzuͤglich in dem Safte der reifen Weintrauben gebildet wird, und auch von dieſen den Namen fuͤhrt. Es iſt dieſer Beſtandtheil Weingeiſt oder Alko⸗ hol(Spiritäs vini. Esprit de vin.). Alkohol bildet in ſeinem hoͤchſt gereinigten waſſerfreien(abſoluten) Zu⸗ ſtande eine farbloſe Fluͤſſigkeit, von ſchwachem angeneh— men Geruch, und ſcharfem brennenden Geſchmack, deſſen Schaͤrfe jedoch durch Verduͤnnung mit andern Fluſſig⸗ keiten gemildert wird. Er iſt leichter als Waſſer, be⸗ ſitzt die Eigenſchaft, Waſſer aus der Luft und aus Theilen des thieriſchen Koͤrpers begierig aufzuſaugen, er bewirkt daher den Tod, wenn er in angemeſſener Quantitaͤt verſchluckt wird und in den Magen gelangt; mit Feuer in Beruͤhrung gebracht, zuͤndet er leicht und verbrennt in offenen Gefaͤßen, ohne einen Ruͤckſtand zu hinterlaſſen. Im verduͤnnten Zuſtande, maͤßig ge⸗ noſſen, bewirkt er Munterkeit, in groͤßerer Menge den allgemein bekannten Zuſtand des Rauſches oder der Trunkenheit. 3. F. 40. Die Benennung Alkohol iſt arabiſchen Ur⸗ ſprungs, und bezeichnet uͤberhaupt das Zarteſte, Feinſte. Zwar kannten die Voͤlker des Alterthums gegohrne Getraͤnke, namentlich den Wein und das Bier, ſie ver⸗ ſtanden aber nicht, den Weingeiſt aus dieſen Fluͤſſigkei⸗ ten zu bereiten. Die Kunſt, durch Deſtillation ein be⸗ rauſchendes Getraͤnk darzuſtellen, finden wir zuerſt bei den Aſiaten erwaͤhnt und ſie ſcheint von den Arabern erfunden worden zu ſein, welche den Wein zur Darſtel⸗ lung des Branntweins benutzten, woher auch der Name Weingeiſt, Branntwein d. h. gebrannter Wein, ent⸗ ſtanden iſt. Den erſten Nachweis uͤber die Bercitung des Brannt⸗ weins durch Deſtillation, finden wir in den Schriften ara⸗ biſcher Aerzte aus dem eilften Jahrhundert verzeichnet, von wo aus die Verfahrungsart den chriſtlichen Aerzten bekannt —— ᷣ— 37 wurde, die dem Weingeiſt im zwoͤlften und dreizehnten Jahr⸗ hundert ganz beſondere Heilkraͤfte zuſchrieben, ihn fuͤr ein lebensverlaͤngerndes Mittel ausgaben, und deshalb auch Lebenswaſſer(Aqua vitae) nannten. Man war damals von ſeiner unbedingten Heilkraft ſo uͤber⸗ zeugt, daß man ihn fuͤr die letzte Troͤſtung des Menſchen(ultima eonsolatio hominis) hielt; eine Bezeichnung, welche auch jetzt noch, obſchon im ganz andern Sinne, mitunter Anwendung finden moͤchte. Im vierzehnten Jahrhundert wurde Branntwein in Italien, namentlich in Modena, fabrikmaͤßig aus Wein deſtillirt; in Deutſchland war er bereits im fuͤnfzehnten Jahrhundert als Genußmittel beliebt, ſeine Bereitung ward ſchon in gedruckten Buͤchern gelehrt*), obſchon er dort nur als Praͤſervativ wider Krankheiten und als das ſicherſte Mittel, immer jung und ſchoͤn zu bleiben, em⸗ pfohlen wird. Faſt gleichzeitig verſtand man ihn aus Bier und gegohrenen Fruchtſaͤften darzuſtellen, und im ſechszehnten Jahrhundert erfand man die Methode, Branntwein aus Getreidemaiſche zu gewinnen. In den Akten des Berliner Ratharchives wird der Abgabe auf Kornbranntwein zuerſt 1595 gedacht. Schon damals ward er als berauſchendes Mittel vom Volk ſo allgemein genoſſen, daß Polizeiverordnun⸗ gen jener Zeit das Ausſchenken deſſelben auf gewiſſe Stunden beſchraͤnkten, um, wie es dort heißt,„der uͤbermaͤßigen Voͤllerei und Soͤfferei Einhalt zu thun.“. §. 41. Ruͤckſichtlich der Staͤrke unterſcheidet man den Alkohol in verſchiedenen Verhaͤltniſſen mit Waſſer verduͤnnt, in hoͤchſt rektificirten Weingeiſt,(Spi⸗- ritus vini rectificatissimus), in rektificirten Wein⸗ geiſt,(Spiritus vini rectificatus) und in Brannt⸗ wein.(Spiritus frumenti). Branntwein und namentlich derjenige, welcher fuͤr den menſchlichen Genuß beſtimmt iſt, beſteht in ſei⸗ nem reinen Zuſtande aus einer Miſchung von Waſſer und Alkohol. *) Verzeichnuß der ausgebrannten Waͤſſer von Michael Schrick, Dr. der Arzneigelahrtheit. Augsb. 1483 fol. Unter⸗ ſchied zwi⸗ ſchen Weingeiſt u. Brannt⸗ wein. Urſprung der Bier⸗ bereitung. 38 Was wir im gewoͤhnlichen Sprachgebrauch unter dem Namen Staͤrke verſtehen, iſt mithin der Gehalt eines Branntweins an Alkohol. Branntwein von geſetz⸗ licher Staͤrke beſtehet in dem Preußiſchen Staate aus einer Miſchung von gleichen Theilen Alkohol und Waſſer. 1 §. 42. Mit der Benennung Bier bezeichnen wir eine, lediglich zum menſchlichen Genuß beſtimmte, aus Zucker, zuckerhaltigen Wurzeln, Beerenſaͤften oder Honig, hauptſaͤchlich aber aus Getreidearten bereitete, gegohrne Fluͤſſigkeit, welche mehr oder weniger Alkohol enthaͤlt, in ihren Beſtandtheilen und Wirkungen dem gegohrnen Weintraubenſafte aͤhnlich iſt, und daher in allen kulti⸗ virten Gegenden, wo nicht Wein in hinreichender Menge waͤchſt, als deſſen Stellvertreter bereitet und verbraucht wird. Die Kunſt, aus gemalztem Getreide ein weinarti⸗ ges Getraͤnk zu ziehen, war ſchon in den aͤlteſten Zeiten denjenigen Voͤlkern bekannt, welche in Laͤndern lebten, die ſich fuͤr den Weinbau nicht eigneten. Die aͤlteſten Urkunden nennen die Egyptier als die Erfinder der Braukunſt. Die Stadt Peluſium am Nil war in den fruͤheſten Zeiten wegen ihrer Bereitung be⸗ rauſchender Malzgetraͤnke beruͤhmt, auch erwaͤhnt Hero⸗ dot, daß die Egyptier Wein von Gerſte gemacht, weil Alkohol, deſſen Darſtel⸗ lung. ſie keine Trauben gehabt haͤtten. Von dort aus wurde das Bier den weſtlichen Voͤlkern bekannt, die aus Oſten herſtroͤmten und ſich anſiedelten. Die griechiſchen Schrift⸗ ſteller geben den berauſchenden Malzgetraͤnken einſtim⸗ mig den Namen Gerſtenwein; Plinius giebt eine Be⸗ ſchreibung des Biers, was er Cerevisia nennt, welchen Namen es in der lateiniſchen Sprache noch heute fuͤhrt, und Tacitus erwaͤhnt, daß die nordiſchen Voͤlker ſchon vor alten Zeiten das Bier kannten; daß es das Lieblingsge⸗ traͤnk der Germanen(Teutſchen) geweſen ſei. Ehe dieſe Voͤlker zum Chriſtenthum bekehrt waren, glaubten ſie, daß eine der erſten Seligkeiten, welche ſie nach dem Tode empfaͤnden, in dem haͤufigen Genuß ſtarker berau— ſchender Getraͤnke beſtehen wuͤrde. §. 43. Wie wir alſo geſehen haben, iſt ſowohl in dem Branntwein als in dem Bier, Weingeiſt oder Alkohol, durch ſeine auf den thieriſchen Koͤrper aus⸗ 39 uͤbenden Wirkungen derjenige Beſtandtheil, welcher die allgemeine Verbreitung dieſer Getraͤnke beguͤnſtigte, und nachdem ſie faſt Beduͤrfniß des menſchlichen Lebens geworden ſind, ihre Bereitung zu wichtigen Gewerbzwei⸗ gen, namentlich in den nordiſchen Klimaten, erhob. Alkohol oder Weingeiſt, mithin auch Wein, Branntwein oder Bier, finden wir in der Natur nirgend fertig gebildet, er muß uͤberall durch Kunſt erzeugt und im Zuſtande hoͤherer Reinheit durch Schei⸗ dung von andern Beimiſchungen dargeſtellt werden. Zu dieſer Darſtellung iſt dreierlei nothwendig; erſtens Nothwen⸗ Materialien, aus denen ſich Alkohol bilden kann; zweitens die Gaͤhrung, waͤhrend welcher derſelbe aus den Materialien durch gaͤnzliche Veraͤnderung ihrer ur⸗ ſpruͤnglichen Beſchaffenheit gebildee, und wenn man Weingeiſt oder Branntwein bereiten will; drittens die Deſtillation, wodurch der Alkohol von dieſen Mate⸗ rialien abgeſchieden, im reinen Zuſtande dargeſtellt wird. Dasjenige Material oder die Grundlage, aus dige Re⸗ quiſite. Alkohol welchem Weingeiſt oder Alkohol ſich bildet, iſt nichts wird aus anders als Zucker. Es findet ſich natuͤrlich gebildeter Zucker ge⸗ Zucker zwar in vielen Pflanzenſubſtanzen, jedoch nicht in ſolchen Mengen vor, daß es ſich der Muͤhe lohnte, ihn auf geiſtige Fluͤſſigkeiten zu verarbeiten, weshalb wir eine ſpezielle Aufzaͤhlung aller dieſer Stoffe uͤberge⸗ hen. Nur allein das Zuckerrohr und der friſche Saft reifer Weintrauben enthalten davon ſo großen Antheil, daß ſie in denjenigen Laͤndern, wo ihr Anbau die Bo⸗ denkultur vorzugsweiſe beſchaͤftigt, auch auf Weingeiſt oder Branntwein verarbeitet werden. Der Anbau des Zuckerrohrs gehoͤrt einem andern Welttheil an, und es iſt daher nur der Weinbeerenſaft, aus welchem wir Branntwein durch Veraͤnderung des in ihm von der Natur gebildeten Zuckers darſtellen koͤn⸗ nen. Aber auch der Anbau dieſes Gewaͤchſes ſteht in Deutſchland, mit dem Verbrauch in ſeiner natuͤrlichen Beſchaffenheit als Wein, in ſo beſchraͤnktem Verhaͤltniß, daß ſeine Verarbeitung auf Branntwein niemals Ge⸗ genſtand der Spekulation ſein kann, wozu noch der Umſtand tritt, daß die in Deutſchland gewonnenen Weine einen weit geringeren Zuckergehalt als die in ſuͤdlichen Klimaten erzeugten, enthalten. Es ſind daher nur die, bildet. Kuͤnſtliche Zuckerbil⸗ dung. 40 nach dem Auspreſſen oder Keltern des Saftes uͤbrig bleibenden Treſtern der Weintrauben, welche, namentlich in Preußen, zum Branntweinbrennen verwendet werden. Auf dieſe, ſo wie auf Obſt und Beerenfruͤchte werden wir ſpaͤter zuruͤckkommen. §. 44. Ohne Daſein von Zucker kann keine geiſtige Fluͤſſigkeit hervorgebracht werden. Da ſich jedoch Zucker in denjenigen rohen Materialien, welche wir auf Bier oder Branntwein im Großen verarbeiten, entwe⸗ der gar nicht, oder nur in hoͤchſt geringem Antheil fer⸗ tig gebildet findet, ſo muͤſſen wir mit Huͤlfe der Kunſt denſelben aus den Beſtandtheilen des Getreides, der, Huͤlſenfruͤchte oder der Kartoffeln darſtellen. Dieſe kuͤnſtliche Zuckerbildung, ohne welche weder Bier noch Branntwein produzirt werden kann, geſchiehet ſowohl durch das Maiſchen, als auch waͤhrend der Gaͤhrung, hauptſaͤchlich auf Koſten des, dem Gewicht nach weſentlichſten Beſtandtheils von dem angewende— ten Betriebsmaterial. Dieſer Beſtandtheil iſt unter dem Namen Staͤrke oder Kraftmehl allgemein bekannt. Doch ſind auch die uͤbrigen Beſtandtheile der verwen⸗ deten Stoffe bei dieſer Verwandlung wirkſam und we⸗ ſentlich betheiligt, wie die weitere Verhandlung ergeben wird, da auch in ihnen eine theilweiſe oder gaͤnzliche Veraͤnderung vorgehet. Es iſt hierbei zu bemerken, daß es bis jetzt nicht gelungen iſt, aus dem Getreide oder aus den Kartoffeln ein, dem Rohrzucker gleiches Produkt darzuſtellen, namentlich iſt es nicht gelungen, Zucker hieraus in Huͤte zu formen; obſchon ein Ver⸗ fahren dafuͤr entdeckt zu haben, kuͤrzlich noch mit großer Zuverſicht oͤffentlich angekuͤndigt wurde. Dieſer Getrei⸗ dezucker iſt vielmehr, er ſei fluͤſſig oder feſt, eine dem braunen, im Handel vorkommenden Zuckerſyrup aͤhnliche Subſtanz, welche zwar nicht die Suͤßigkeit des Rohr⸗ zuckers beſitzt, denſelben aber in jeder Beziehung fuͤr un⸗ ſere Zwecke vollkommen erſetzt, obſchon ihm die Faͤhig⸗ keit, in Kryſtallen anzuſchießen, und eine harte klin— gende Maſſe zu bilden, durch den großen Antheil Schleim, welcher mit ihm innig verbunden iſt, abgehet. Solcher Zucker iſt es alſo, der aus den Getreide⸗ arten gebildet wird, und wir bemerken hier, um die Begriffe nicht zu verwechſeln, daß wir in vorliegender ———— —&ᷣ— 41 Abhandlung unter der Benennung Schleimzucker, ſtets dieſen Getreidezucker verſtehen, wenn Rohrzucker nicht ausdruͤcklich genannt iſt. §. 45. Um bei Erlaͤuterung dieſes Zuckerbildungs⸗ prozeſſes verſtaͤndlich zu ſein und verſtanden zu werden, muͤſſen wir die einzelnen Beſtandtheile derjenigen Mate— rialien, die bei dem praktiſchen Gewerbebetrieb angewen⸗ det werden, durchgehen. Es ſind dieſe Materialien Weizen, Roggen, Gerſte, Hafer, in manchen Gegenden auch Buchweizen und Mais(tuͤrkiſcher Weizen), die Kartoffeln, die Wein⸗ trauben, oder vielmehr die, nach dem Keltern derſelben zuruͤckgebliebenen Treſtern, und von den Obſtarten, wo ergiebige Erndten Ueberfluß erzeugen, Birnen, Kirſchen und Zwetſchen. Alle andern Pflanzenſtoffe, die Milch nicht ausge⸗ nommen, gehoͤren bei ihrer Verarbeitung auf Brannt⸗ wein oder Bier in Deutſchland, lediglich Verſuchen oder wiſſenſchaftlichen Spekulationen an, und bleiben daher vom praktiſchen Betrieb ausgeſchloſſen. §. 46. Getreidearten und Kartoffeln zeigen bei ei⸗ ner im reifen und zerkleinerten Zuſtande vorgenommenen Zerlegung ihrer Grundmiſchungen außer der Faſer oder Huͤlſenſubſtanz folgende naͤhere Beſtandtheile: 1. Staͤrke, 2. Pflanzenleim und Pflanzeneiweis, 3. Gummi und Pflanzenſchleim, 4. Schleim⸗ zucker. Dieſe Stoffe tragen ſaͤmmtlich mehr oder min⸗ der zur kuͤnſtlichen Zuckerbildung bei, ſie wirken auf den guͤnſtigen Erfolg der geiſtigen Gaͤhrung ein, und er— ſcheinen fuͤr die Branntweinausbeute, oder die Staͤrke des Biers von bedeutendem Einfluß. Die uͤbrigen, durch chemiſche Zerſetzung aus den Getreidearten darzuſtellenden entfernteren Stoffe, aͤußern weniger Einfluß, weshalb wir eine naͤhere Eroͤrterung unterlaſſen. §. 47. Staͤrke, welche den Hauptbeſtandtheil des Getreides und der Kartoffeln ausmacht, und aus den Letztern im reinſten Zuſtande gewonnen wird, bildet, wie ſie im Handel vorkommt, ſchneeweiße Klumpen; zwiſchen feſte Koͤrper, oder den Fingern zerdruͤckt, er⸗ regt ſie knarrendes Geraͤuſch und zerfaͤllt zu dem feinſten Pulver, ſie loͤßt ſich weder im kalten Waſſer noch im Betriebs⸗ materia⸗ lien. Beſtand⸗ theile der⸗ ſelben. Staͤrke. Pflanzen⸗ leim(Kle⸗ ber) Pflan⸗ zeneiweis. 42 Weingeiſt auf, wird jedoch zu einer geſchmackloſen, ſchleimigen Fluͤſſigkeit(Kleiſter)h, durch Aufguß von heißem Waſſer verwandelt, welches dem Kochpunkt nahe iſt. Wird feuchte Staͤrke vorſichtig bei einer Hitze, welche den Kochpunkt nicht erreicht, getrocknet, ſo er⸗ haͤlt man eine halbdurchſichtige harte Maſſe, die theils aus Gummi, theils aus Pflanzenleim beſtehet, im kal⸗ ten, ſo wie im kochenden Waſſer ſich zu einem durch⸗ ſcheinenden Schleim aufloͤſt, und im Handel unter dem Namen kuͤnſtlicher Sago bekannt iſt. Wenn man getrocknete Staͤrke einer hoͤhern Tem⸗ peratur, als dem Kochpunkt ausſetzt, und ſie beim Zu⸗ tritt der Luft gelinde roͤſtet, ſo wird dieſelbe in eine Art von Gummi verwandelt, welches haͤufig in Fabri⸗ ken als Surrogat des arabiſchen Gummi gebraucht wird. Wird reine Kartoffelſtaͤrke(Weizenſtaͤrke iſt gewoͤhn⸗ lich nicht rein und enthaͤlt Pflanzenleim oder Kleber) mit Waſſer zu duͤnnem Kleiſter gebruͤht, in offenem Ge— faͤß der Sommerwaͤrme ausgeſetzt, und zuweilen umge⸗ ruͤhrt, ſo verwandelt binnen Monatsfriſt, auch wohl fruͤher, ſich der groͤßte Theil der angewendeten Staͤrke in Zucker. Staͤrke mit verduͤnnten Saͤuren gekocht, wird zu⸗ erſt in Gummi, bei laͤngerer Fortſetzung des Kochens in Zucker, welcher unter dem Namen Staͤrkezucker oder Kartoffelzucker bekannt iſt, verwandelt. Wir ſehen hieraus, wie große Neigung die Staͤrke zeigt, ſich auch abgeſehen von unſerem Zweck, in Zucker zu verwandeln, welche Eigenſchaft um ſo groͤßer iſt, wenn ſie bei angemeſſener Temperatur mit den nach— ſtehend beſchriebenen Stoffen in Beruͤhrung gebracht wird. §. 48. Faſt alle Pflanzen, am meiſten aber die Saamen der Getreidearten und Hulſenfruͤchte, ent⸗ halten Subſtanzen, welche mit dem Eiweis und dem thieriſchen Leim(Tiſchlerleim) ſowohl in ihren Beſtand⸗ theilen, als auch in ihren Wirkungen große Aehnlichkeit zeigen, die man daher Pflanzenleim und Pflan⸗ zeneiweis nennt. Von der Eigenſchaft an allen ihn beruͤhrenden Gegenſtaͤnden zu kleben und zu haften, er⸗ hielt der erſtere den Namen Kleber(Gluten). Er 43 bildet den klebenden Beſtandtheil in den mit kaltem Waſſer angeruͤhrten Mehlbrei oder Mehlkleiſter, woge⸗ gen Staͤrke, fuͤr ſich allein mit kaltem Waſſer ange— ruͤhrt, nicht klebt. Von dem Getreide durch Abſcheidung der Staͤrke und Kleyen getrennt, iſt Kleber im Waſſer unaufloͤslich, und erſcheint im trocknen Zuſtande als eine, gelblich durchſcheinende leim⸗ oder hornartige Maſſe. Pflanzeneiweis iſt in den Getreidearten nur im geringen Antheil vorhanden, und gewoͤhnlich mit dem Kleber innig vermiſcht, von welchem es nur durch che⸗ miſche Prozeduren getrennt werden kann. Es iſt von jenem dadurch unterſchieden, daß es mit warmem Waſ⸗ ſer behandelt, ſich in demſelben aufloͤſt, im kochenden Waſſer gerinnt und in keinem Zuſtande die Eigenſchaft hat, zu kleben. Das Pflanzeneiweis ſcheint ſchon we⸗ gen ſeiner geringen Anweſenheit in den Betriebsmate⸗ rialien auf den Beginn oder Erfolg der Gaͤhrung keinen ſehr bedeutenden Einfluß zu aͤußern. Dagegen iſt der Kleber oder Pflanzenleim in dop⸗ pelter Beziehung wirkſam, und bei jeder Maiſche oder Wuͤrze unentbehrlich, da er eines Theiles den Grund⸗ ſtoff der Gaͤhrung erregenden Subſtanz(der Hefe) bildet, anderntheils aber, vorzuͤglich durch ſeine An⸗ weſenheit in der Maiſche, die Verwandlung der Staͤrke in Gummi und Zucker vor ſich gehet, was ſich leicht durch den Verſuch beweiſen laͤßt, wenn man z. B. 2 Theile Staͤrke und 20 Theile Waſſer zu Kleiſter gebruͤ⸗ het hat, dieſer Miſchung einen Theil getrockneten, fein⸗ gepulverten Kleber zuſetzt und das Gemenge in einer Temperatur von 60— 700° 24 Stunden lang ſtehen laͤßt. Man wird dann eine duͤnne zuckerſuͤße Fluͤſſigkeit finden, die mit Hefe verſetzt ſofort in die geiſtige Gaͤh⸗ rung uͤbergehet. Es findet ſich derſelbe Prozeß, nur ſchneller been— det, bei jeder Einmaiſchung von Getreide oder Malz wiederholt, und es iſt auch nur hieraus zu erklaͤren, wie bei dem Malzen des Getreides die Zuckerbildung aus der Staͤrke vermittelſt des Keimens vor ſich gehet, was bei dem Artikel Malz naͤher erlaͤutert iſt. Wir haben aus dem vorhergehenden§. erſehen, daß dieſe Wirkung ſelbſt dann nur unvollkommen bin⸗ Gummi und Pflan⸗ zenſchleim. 44 nen Monaksfriſt erſt erreicht wird, wenn ganz reine Staͤrke, ohne Zuſatz von Kleber auf vorgenannte Weiſe behandelt wurde, und es ſcheint hierdurch allein ſchon der Einfluß des Klebers auf Zuckerbildung evident er⸗ wieſen zu ſein. Die groͤßere Einwirkung deſſelben hier— auf iſt auch fernerweit durch die Beobachtung unbe⸗ ſtritten, daß man, ſei es im Malz, in der Bierwuͤrze oder in der Getreidemaiſche, immer noch unzerſetzte Staͤrke abſcheiden kann, dieſelbe jedoch waͤhrend der Gaͤhrung auf Koſten des dann voͤllig zerſtoͤrten Klebers gaͤnzlich verſchwindet und ſich in Zucker umgewandelt darſtellt. Pflanzenleim(Kleber) und Pflanzeneiweis bilden uͤbrigens, wahrſcheinlich auf aͤhnliche Weiſe durch Zer⸗ ſetzung und in Verbindung mit andern Pflanzenſtoffen die naͤhrende Subſtanz im Brod, ſo wie in allen aus Getreide und Huͤlſenfruͤchten bereiteten Nahrungsmitteln. Der Beweis davon liegt in der gemachten Erfahrung, daß die Letzteren, welche Kleber in ſo großer Menge enthalten, außerordentlich naͤhrend ſind, wogegen Kar⸗ toffeln, denen der Kleber gaͤnzlich mangelt, allein und ohne andere thieriſche oder vegetabiliſche Subſtanzen ge⸗ noſſen, nicht hinreichen, einen Koͤrper fuͤr die Dauer im geſunden Zuſtande zu erhalten.. §. 49. Den dritten Beſtandtheil der Betriebsma⸗ terialien begreifen wir unter dem Namen Gummi und Pflanzenſchleim, zweien einander ſehr aͤhnlichen Sub⸗ ſtanzen. Sie finden wir am reinſten im Handel vor⸗ kommend, unter dem Namen arabiſches Gummi und Traganthgummi. Auch ſie ſind natuͤrlich gebildet in zucker. den Getreidearten, obſchon in geringer Menge vorhan— den, doch erſcheint auch ihre Anweſenheit auf die Er⸗ zeugung des Alkohols dadurch von Einfluß zu ſein, daß ſie waͤhrend der Maiſchung in Zucker umgewandelt wer— den, aus dem ſich vermittelſt der Gaͤhrung Weingeiſt bildet. Den Beleg fuͤr dieſe Annahme giebt der Um⸗ ſtand, daß man auch aus Gummi gleich wie aus der Staͤrke durch Kochen mit verduͤnnten Saͤuren Zucker dar⸗ ſtellen kann. § 59. In den Getreidearten und in den Kartof⸗ feln iſt, wie ſchon erwaͤhnt, feſter kryſtalliſirbarer Zucker, wie derſelbe aus dem Zuckerrohr oder dem Ahorn- und Runkelruͤbenſaft gewonnen wird, nicht vorhanden. Da⸗ ———,——— 43 gegen enkhalten dieſe Betriebsmaterialien, natuͤrlich ge⸗ bildet, obſchon nur im geringen Antheil, eine dem brau⸗ nen Zuckerſyrup im Geſchmack und chemiſchen Verhalten aͤhnliche Subſtanz, welche man mit dem Namen Schleimzucker belegt hat. Da dieſer Schleimzucker ſelbſt in den rohen Getreidearten und den Kartoffeln nur in geringer Quantitaͤt ſich vorfindet, jedoch den Hauptbe— ſtandtheil fuͤr die Bildung des Alkohols in der Maiſche oder Bierwuͤrze ausmacht, ſo wird auch erſt beim Mai⸗ ſchen die groͤßere Menge deſſelben auf Koſten der Staͤrke kuͤnſtlich gebildet, wie ſchon angefuͤhrt worden. In ſeinem abgeſchiedenen Zuſtande bildet der Schleim⸗ zucker, welcher die meiſten Eigenſchaften des Rohrzuckers hat, nur daß er nicht kryſtalliſirbar iſt und ſich in Al⸗ kohol aufloͤßt, eine mehr oder weniger braune, zaͤhe Fluͤſ⸗ ſigkeit von ſchleimig ſuͤßlichem Geſchmack. Wird dieſe Fluͤſſigkeit vorſichtig abgedampft und dann eine zeitlang geſchmolzen, ſo bekoͤmmt man nach dem Erkalten eine durchſcheinende, glaſige, bitterſuͤßige, brenzlich ſchmeckende Maſſe, welche dem gebrannten Zucker aͤhnlich iſt, und wie dieſer die Eigenſchaft beſitzt, aus der Luft Feuch⸗ tigkeit anzuziehen und ſich wieder in Syrup zu verwandeln. §. 51. In welchem Gewichtsverhaͤltniß die vorher abgehandelten naͤhern Beſtandtheile in den Getreidearten und Kartoffeln ſich zuſammengeſetzt finden, haͤngt zu ſehr vom Klima und Boden, Duͤnger und der Kulturart ab, als daß bei der bedeutenden Abweichung hierunter, eine allgemeine Ueberſicht des Verhaltens der einzelnen Be⸗ ſtandtheile zur Geſammtmaſſe fuͤr unſern Zweck genuͤ⸗ gend aufgeſtellt werden koͤnnte, denn faſt alle Chemiker, die jene Getreidearten zerlegten, haben auch mehr oder minder abweichende Reſultate beobachtet, was in dem Vorangefuͤhrten wohl ſeinen Grund finden mag. §. 52. Wie oben geſagt, iſt das zweite Requiſit Gaͤhrung, zu Darſtellung geiſtiger Fluͤſſigkeiten die Gaͤhrung, welche im Stande iſt, den aus den Betriebsmaterialien gebildeten Zucker, ſammt den uͤbrigen einwirkenden Be— ſtandtheilen, in Weingeiſt zu verwandeln. Wir geben uͤber den Begriff der Gaͤhrung folgende Erlaͤuterung. Alle organiſchen Stoffe, wenn ſie entweder das ve⸗ getabiliſche Leben vollendet haben, oder vor dieſer Voll⸗ endung, ſei es im Wachsthum, oder der Fortbildung Begriff derſelben. Einthei⸗ lung in geiſtige, ſaure und 46 unterbrochen wurden, werden in ihre urſpruͤnglichen Be⸗ ſtandtheile zerlegt, ſobald ſie mit der natuͤrlichen Feuch⸗ tigkeit geſchwaͤngert, oder mit Waſſer, dem Zutritt der freien Luft ausgeſetzt werden, und mit einem gewiſſen Waͤrmegrad in Beruͤhrung treten. Es gehet in dieſen Pflanzenſtoffen eine faſt voͤllige Zerſtoͤrung der zeitheri⸗ gen Subſtanzen vor ſich, in deren Folge aus ihnen neue Produkte gebildet werden. Die Periode dieſer Verwandlung, zwiſchen Anfang und Ende bezeichnen wir im Allgemeinen mit dem Namen Gaͤhrung(Fermentation). §. 53. Die Chemie, ſo wie auch die im taͤglichen Leben ſich darſtellenden Erſcheinungen und Beobachtun⸗ gen unterſcheiden dreierlei Abſtufungen, die geiſtige, faule Gaͤh⸗ die ſaure und die faule Gaͤhrung. rung. Darſtel⸗ Bei der erſtern wird Alkohol oder Weingeiſt erzeugt, man nennt ſie die Wein gaͤhrung. Das zweite Sta⸗ dium liefert Eſſig oder Eſſigſaͤure, wovon ſie auch den Namen Eſſiggaͤhrung traͤgt. Die letzte Periode iſt die Faͤulniß, welche vollendet, Moder, Verweſung, im getrockneten Zuſtande, Humus(Pflanzennahrungsſtoff) erzeugt, und in der organiſchen Natur einen Hauptbe⸗ ſtandtheil zur Fortbildung des neuen Pflanzenlebens dar⸗ bietet. Nur die wenigſten Pflanzenſtoffe ſind geeignet, die geiſtige Gaͤhrung einzugehen, mithin ſaͤmmtliche drei vorgenannte Perioden zu durchlaufen. Die bekannteſten unter ihnen ſind Weintrauben, Zucker, Getreide, Huͤl— ſenfruͤchte, Obſt, Beeren und von den thieriſchen Sub⸗ ſtanzen, die Molken. Mehrere Pflanzenſtoffe treten unter oben angefuͤhr⸗ ten Bedingungen ſofort in ſaure Gaͤhrung, ohne daß ſich vorab die geſchehene Bildung einer geiſtigen Fluͤſ⸗ ſigkeit in ihnen wahrnehmen oder hervorbringen laͤßt. Die Allermeiſten aber haben die Neigung, ohne in die genannten beiden Perioden zu treten, ſofort in die faule Gaͤhrung, und nach deren Vollendung in Verweſung uͤberzugehen. §. 54. Wir haben bei den Gewerben der Brannt⸗ lung und weinbrennerei und Bierbrauerei als Aufgabe zu loͤſen, Verlauf der geiſtig⸗ die geiſtige Gaͤhrung in ihrer hoͤchſten Vollkommenheit Gaͤhrung. darzuſtellen, waͤhrend dieſer Periode gleichzeitig den Ein⸗ 47 tritt der ſauten Gaͤhrung zu hemmen, und mithin die Bildung von Eſſig, auf Koſten des erzeugten Wein⸗ geiſtes zu hindern. Die geiſtige Gaͤhrung wird in ſaͤmmtlichen Pflan⸗ zenſtoffen nur mit Huͤlfe der Kunſt erregt; in der Na⸗ tur zeigt ſie ſich nirgends. Ohne daß es eines Zuſatzes bedarf, finden ſich alle zur geiſtigen Gaͤhrung erforder⸗ lichen Materialien in ihren quantitativen Verhaͤltniſſen einander anpaſſend gemengt, nur in dem friſchen Safte der reifen Weintrauben und dem des Zuckerrohrs voll⸗ ſtaͤndig vorhanden. Dieſe Saͤfte, von ihren Pflanzenfaſern geſchieden, dem Eintritt der Luft und einer angemeſſenen Tempe⸗ ratur ausgeſetzt, fangen von ſelbſt an, die geiſtige Gaͤh⸗ rung zu beginnen und bis zu derjenigen Periode zu voll⸗ enden, wo die Eſſiggaͤhrung ihren Anfang nimmt, und die Kunſt die noͤthigen Mittel anwendet, dieſe zu ver⸗ hindern oder zu befoͤrdern, um als Produkte entweder Wein oder Weineſſig, durch Deſtillation aber Zucker⸗ oder Weinbranntwein, zu erzielen. Alle uͤbrigen zuckerhaltigen Pflanzenſaͤfte von den bei uns einheimiſchen Beeren, Obſt, Ruͤben ꝛc. haben zwar, unter gleichen Verhaͤltniſſen, auch das Vermoͤgen in eine geiſtige Gaͤhrung freiwillig uͤberzugehen, doch iſt in ihnen das gaͤhrungerregende Prinzip nicht in dem Maaße vorhanden, um allen in ſolcher Fluͤſſigkeit vor⸗ handenen Zuckerſtoff waͤhrend derjenigen Periode in Al⸗ kohol oder Weingeiſt umzuwandeln, wo ſich die Erſchei⸗ nungen des zweiten Stadiums, der Eſſiggaͤhrung zeigen, und mithin der noch unzerſetzte Theil der Fluͤſſigkeit ſo⸗ fort in Eſſig umgewandelt wird. Iſt es daher Abſicht, dergleichen Beerenſaͤfte auf Bier oder Branntwein zu ver⸗ arbeiten, ſo muß die Gaͤhrung durch künſtliche Mittel be⸗ foͤrdert werden, will man anders eine, die Arbeitskoſten deckende Ausbeute erhalten. In den vorhergenannten Materialien findet ſich Zucker ſowohl, als gaͤhrungerregende Sub⸗ ſtanz(Hefe) im natuͤrlichen Zuſtande in der Pflanze ſelbſt gebildet. Dieß iſt aber, wie ſchon erwaͤhnt, bei denjenigen Pflanzenſtoffen(Getreide oder Kartoffeln) nicht der Fall, Hefe oder Ferment. 48 aus welchen vorzugsweiſe in Deutſchland Branntwein oder Bier dargeſtellt wird. Da nun aber das Daſein von Zucker ein unbe⸗ dingtes Erforderniß zur Bildung des Alkohols iſt, ſo muͤſſen, bevor eine geiſtige Gaͤhrung eintreten kann, die Beſtandtheile des zum Gewerbsgebrauche verwendeten Getreides oder der Kartoffeln, ſo weit die Kunſt es ver⸗ mag, in Zucker umgewandelt werden. Jene Beſtandtheile haben wir bereits angegeben, und werden ſpaͤter auch darauf zuruͤckkommen, welche Veraͤnderungen dieſelben erleiden, wenn das rohe Ge— treide auf Malz verarbeitet wird, wobei ſchon theilweis die erforderliche Zuckerbildung Statt gefunden. hat. Bei dem rohen Getreide gehet jedoch dieſer Pro⸗ zeß dadurch vor ſich, daß in der, durch Aufguß mit Waſſer gebildeten Extraktion, oder der Maiſche, mittelſt Einwirkung einer hoͤhern Temperatur, die Hauptbeſtand⸗ theile der verwendeten Materialien, Kleber und Staͤrke, gegenſeitig zerſtoͤrt werden und ſich hier, ſo wie auch durch Hefe Zucker bildet, welchen die fortſchreitende Gaͤhrung in Alkohol verwandelt. Daß dieſe Zerſetzung nach der Einmaiſchung und waͤhrend der erſten Periode der Gaͤhrung vorgehet, und in ſolcher Fluͤſſigkeit Zucker gebildet iſt, erſehen wir ſchon kurz nach dem Aufguß bei jeder mit heißem Waſſer be⸗ reiteten Maiſche, ſelbſt wenn ſolche lediglich aus unge⸗ malzten Fruͤchten beſtehet. Die Maiſche zeigt ei— nen ſuͤßen Geſchmack, von welchem im Getreideſchrot keine Spur zu finden war. Nicht minder nimmt Kar⸗ toffelmaiſche ſchon vor dem Stellen eine Suͤßigkeit an, welche nicht allein von dem Malzzuſatz herruͤhrt, ſon⸗ dern auf Rechnung des, in ihr aus der Staͤrke gebilde⸗ ten Zuckers gebracht werden muß. Die Chemiker erklaͤren dieſe Zuckerbildung auf die⸗ ſelbe Weiſe, wie ſolche bei der Erzeugung von Zucker aus Staͤrke, namentlich aus Kartoffelſtaͤrke, angefuͤhrt wird, auf welchen Artikel wir daher verweiſen. §. 55. Eine, ſei es aus rohem Getreide und Kartof⸗ feln oder Malz bereitete Branntweinmaiſche, oder nach Ablaſſung von den Trebern(Treſtern) erhaltene Bier⸗ wuͤrze wuͤrde, ſich ſelbſt uͤberlaſſen, nicht in die geiſtige Gaͤhrung treten, ſondern ſauer werden und ehe noch die 49 Eſſiggaͤhrung vollendet waͤre, raſch fortſchreitend in die faule Gaͤhrung uͤbergehen. Dieſe Erſcheinung zu verhin⸗ dern, und die geiſtige Gaͤhrung eintreten zu laſſen, ehe noch eine Eſſigbildung entſtehen kann, wird die Maiſche oder Wuͤrze mit der Gaͤhrung erregenden Subſtanz, Hefe oder Ferment, verſetzt und es zeigt nach dem Hinzutritt des Letztern nun jene Fluͤſſigkeit diejenigen Erſcheinungen, waͤhrend welcher die Bildung des Alko⸗ hols vor ſich gehet, oder die ſie begleiten. §. 56. Unter Hefe verſtand man fruͤher allein nur denjenigen Niederſchlag, der ſich bei Gaͤhrung von Bierwuͤrze erzeugte. Es findet ſich Hefe in der Natur nirgend fertig gebildet vor, denn ſelbſt im Zuckerrohr und Traubenſaft iſt ſie erſt durch Veraͤnderung der ur— ſpruͤnglichen Grundmiſchungen entſtanden. Gegenwaͤrtig bedient man ſich zu allen techniſchen Operationen neben der Bierhefe auch der ſogenannten kuͤnſtlichen Gaͤhrungs⸗ mittel, welche die Erſtere vollkommen erſetzen. Es iſt jedoch bis jetzt noch nicht gelungen, zum techniſchen Gebrauch Hefe auf eine kuͤnſtliche Weiſe darzuſtel⸗ len, wo vorher noch keine vorhanden war. Iſt es auch moͤglich, gaͤhrungerregende Fluͤſſigkeiten ohne Hefe zu produziren, ſo wuͤrden ſie dennoch fuͤr den Gebrauch im Großen nicht anwendbar erachtet werden koͤnnen. Man kann daher Gaͤhrungsmittel nur mit⸗ telſt Huͤlfe von Hefe oder einer ſich in geiſtiger Gaͤhrung befindlichen Fluͤſſigkeit erzeugen. Wir werden auf die Bereitung kuͤnſtlicher Gaͤhrungsmittel weiter un⸗ ten zuruͤckkommen. §. 57. Die Hefe, ſie ſei das Produkt der Getrei⸗ demaiſche oder der Bierwuͤrze, beſtehet, nachdem ſie ſo viel wie moͤglich durch mehrmaliges Waſchen von frem— den Stoffen befreiet und von der ſie umgebenden Fluͤſ⸗ ſigkeit geſondert iſt, aus einem ganz neuen eigenthuͤmli— chen Stoff, welcher durch Zerſtoͤrung des Pflanzenleims und Pflanzeneiweiſes waͤhrend der Gaͤhrung gebildet worden iſt, und mit zuckerhaltiger Fluͤſſigkeit bei ange— meſſener Waͤrme in Beruͤhrung gebracht, ſofort das Be⸗ ſtreben zeigt, geiſtige Gaͤhrung in derſelben zu erregen. Dieſes Vermoͤgen, Gaͤhrung hervorzubringen, iſt in der Hefe, ſei ſie bereitet woraus ſie wolle, ſehr empfind⸗ lich. Sich ſelbſt uͤberlaſſen, ohne gaͤnzlich geirocknet zu Darſtel⸗ lung der⸗ ſelben. Eigen⸗ ſchaften und Wir⸗ kungen der Hefe. Gaͤh⸗ rungs⸗Pe⸗ rioden. 50 ſeyn, geraͤth Hefe bei einer warmen Temperatur leicht in faule Gaͤhrung. Geſchiehet die Austrocknung bei einem hoͤhern Waͤrmegrad als dem einer maͤßigen Athmosphaͤre, wird ſie mit kochendem Waſſer behandelt, oder mit ſtar⸗ kem Weingeiſt uͤbergoſſen, ſo verliert ſie ihre Wirkung augenblicklich, ohne ſie wieder zu erlangen, eben ſo, wie dieſelbe in einer Fluͤſſigkeit unwirkſam bleibt, deren Tem⸗ peratur nicht mindeſtens 8 oder hoͤchſtens 35 Grad nach Reaumur zeigt. Da Hefe, nur maͤßiger Waͤrme ausgeſetzt, ſich in immerwaͤhrender, wenn auch nicht ſichtbarer Gaͤhrung befindet, und dadurch ihre Wirkung auf Maiſche ge⸗ ſchwaͤcht wird, oder ganz verloren gehet, ſo iſt es noͤthig, auf zweckmaͤßige Erhaltungsmittel ihrer urſpruͤnglichen Eigenſchaften zu denken, wofuͤr man bei uns bis jetzt nur die niedere Temperatur oder die Kaͤlte kennt, in England jedoch ſchon ſeit laͤngerer Zeit, ohne Anwen⸗ dung der Waͤrme, mittelſt Preſſen durch Dampfmaſchi⸗ nenkraft, die Hefe zur Trockenheit brachte und ſie da⸗ durch fuͤr entferntere Gegenden brauchbar und kaͤuflich darſtellte. §. 58. Wenn wir alſo die gaͤhrungsfaͤhige Fluͤſ⸗ ſigkeit(Branntweinmaiſche oder Bierwuͤrze) gebildet und dieſelbe, ſei es durch Luftzug oder durch Vermiſchen mit kaͤltern Fluͤſſigkeiten, auf denjenigen Waͤrmegrad zu⸗ ruͤckgebracht haben,(Abkuͤhlen) in welchem uͤberhaupt die geiſtige Gaͤhrung ſich bewegen kann, und ihr die Gaͤhrung erregende Subſtanz(Hefe) zuſetzen, ſo ſehen wir, mit Ruͤckſicht auf deren Staͤrke und Quantitaͤt, daß beide in Wechſelwirkung treten; daß die geſtellte Fluͤſſigkeit, nach Maaßgabe der Temperatur, bald truͤbe und unklar wird. Es ſetzt ſich an den Rand des Bot⸗ tichs ein weißer Schaum, die Fluͤſſigkeit rahmt, man ſiehet gleichzeitig kleine Luftblaͤschen auf der Ober⸗ flaͤche erſcheinen und zerplatzen, und die Gaͤhrung hat in ihrer erſten Periode begonnen. Den Eintritt der zweiten Periode bezeichnet die groͤßere Waͤrme, welche die Fluͤſſigkeit gegen die ſie umgebende Luft annimmt. Die ganze Oberflaͤche wird mit Schaum, Schalen und Spelzen, Huͤlſen oder Kleie nach Maaßgabe des ver⸗ wendeten Materials bedeckt, welche die neu gebildete Hefe mit den aus der gaͤhrenden Maſſe entwickelten 51 Luftblaſen in die Hoͤhe treibt. Nachdem dieſe zerplatzt ſind, kehrt die Hefe wieder auf den Boden zuruͤck, um neue Luftblaſen zu ſammeln oder zu entwickeln, und wiederholt dies ſo lange, als noch gaͤhrungsfaͤhiger Stoff vorhanden iſt. Waͤhrend dieſer Periode ſteigt im Gaͤhrungsraum die Fluͤſſigkeit mehr oder minder. Man nennt dies das zweite Stadium der Gaͤhrung. Dieſe Erſcheinungen von ihrem hoͤchſten Punkte mildern ſich, wie ſie entſtanden, und dauern ſo lange fort, bis alle Luftentwickelung beendet iſt. Die Fluͤſſigkeit nimmt all⸗ maͤhlig die Temperatur des Gaͤhrungsraumes an, die oben gebildete Hefe ſammt den Huͤlſen oder Treſtern faͤlt zu Boden, und die Oberflaͤche klaͤrt ſich, da ſolche durch aufſteigende Luftblaſen nicht mehr aufge⸗ ruͤhrt oder getruͤbt wird. Die dritte Gaͤhrungs⸗ periode iſt vollendet. §. 59. Fuͤr die Darſtellung des Branntweins haben wir noch der letzten Operation zu erwaͤhnen, wodurch der in der Maiſche vorhandene Weingeiſt von der waͤſſrigen Fluͤſſigkeit und den Ruͤckſtaͤnden des verwendeten Mate⸗ rials getrennt wird. Es iſt dies zwar, ohne Waͤrme zu Huͤlfe zu nehmen, auf mechaniſchem Wege moͤglich, in— dem man die Maiſche mit gewiſſen trocknen Salzen vermengt, welche das Waſſer begierig einſaugen und den Weingeiſt dadurch abſcheiden, doch wuͤrde dies Verfah⸗ ren fuͤr den Gewerbebetrieb unausfuͤhrbar ſein. Die Ab⸗ ſcheidung muß daher uͤberall auf chemiſchem Wege er⸗ folgen, wozu die Beobachtung leicht fuͤhrte, daß Wein⸗ geiſt bei geringerem Waͤrmegrad als Waſſer kocht, und ſich dann eher verfluͤchtigt, als jenes verdampft. Hier⸗ aus bildete ſich von ſelbſt das Verfahren, die gegohrne geiſtige Fluͤſſigkeit in dazu beſtimmten verſchloſſenen Ge— faͤßen zu erhitzen, die entweichenden Daͤmpfe durch Kuͤhl⸗ apparate wiederum in tropfbaren Zuſtand zu ſetzen und ſo abgeſchieden den Weingeiſt oder Branntwein von der Maiſche zu erhalten. Wir nennen dieſe Operation De⸗ ſtillation und unterſcheiden die zu jenem Zweck die⸗ nenden Geraͤthe nach Maaßgabe ihrer Beſtimmung, in Deſtillir- und Kuͤhlgeraͤthe. §. 60, Im Verfolg des weiteren Vortrages kom⸗ men wir bei practiſcher Darſtellung der Gewerbebetriebe oͤfters in den Fall, Gegenſtaͤnde mit den im techniſchen 4* Deſtilla⸗ tion. Gas, im 52 Sprachgebrauch angenommenen Benennungen zu bezeich⸗ nen, Gegenſtaͤnde, deren Wirkung zwar Jedermann kennt, ohne daß jedoch die fuͤr ihre Bezeichnung be⸗ ſtimmten wiſſenſchaftlichen oder techniſchen Ausdruͤcke allgemein verbreitet ſind, oder ihre Begriffe, Eigenſchaf⸗ ten und wirkenden Urſachen ohne naͤhere Erlaͤuterung oder beſondere Vorkenntniſſe einem Theil unſerer Leſer ſofort erklaͤrlich ſein moͤchten. Um daher ſpaͤtere Wiederholungen zu vermeiden, und die Darſtellung des theoretiſchen Theiles unſerer Aufgabe gleichſam in der Einlcitung abſchließen zu koͤn⸗ nen, erlaͤutern wir noch folgende, mit unſeren Gewerbe— betrieben in naher Beruͤhrung ſtehende, allgemeine Ge⸗ genſtaͤnde. §. 61. Unter Gas verſtehet man alle luftfoͤrmigen Hezenſat Koͤrper, denen die Eigenſchaſt abgehet, in tropfbar fluͤſſi⸗ Dampf. gen Zuſtand verſetzt zu werden. Den Gegenſatz von Gasarten, Gas bildet Dampf, welcher durch Einwirkung der Tem⸗ Athmo⸗ ſphaͤriſch Luft. peratur in tropfbaren Zuſtand uͤbergehet oder gebracht wird. Die Wiſſenſchaft kennt eine große Anzahl verſchie⸗ dener Gasarten, die man, nach ihrem eigenthuͤmlichen Verhalten,— a. in Zuͤndende, wie Sauerſtoffgas, b. in Verbrennliche, wie Waſſerſtoffgas, oder c. in ſolche eintheilt, denen beide vorgenannte Ei— genſchaften abgehen, in denen mithin eine Ent⸗ zuͤndung oder eine Verbrennung nicht Statt finden kann, wie kohlenſaures Gas, Stickſtoffgas. In Bezug auf Athembarkeit unterſcheidet man zwei Klaſſen, wovon die eine zu Erhaltung des thieriſchen Lebens unbedingt nothwendig iſt, die zweite bei fortge⸗ ſetztem Einathmen unbedingt ſchaͤdlich wirkt. Zu der erſtern gehoͤrt das Sauerſtoffgas allein, alle uͤbrigen Gasarten bilden die zweite Klaſſe. Unſern Zweck intereſſiren von dieſen Gasarten nur das Sauerſtoffgas, das kohlenſaure Gas und das Stickſtoffgas, inſofern daſſelbe, im Gemenge uit Sauerſtoffgas, den Luftkreis bildet, in welchem wir eben. Die athmosphaͤriſche Luft, welche den e Dunſtkreis umgiebt, dem Gewicht nach 770 mal leich⸗ ———— 5³ ter als Waſſer, beſtehet, wie ſchon erwaͤhnt, aus zwei verſchiedenen, mit einander innig vermengten Gasarten, von denen wir die eine naͤher betrachten muͤſſen, um die Einwirkungen und Erſcheinungen, welche ſie bei dem Gewerbebetrieb hervorbringt, erklaͤrlich zu finden. Es ſind dieſe Gasarten Stickſtoffgas und Sauer⸗ ſtoffgas. Die Luft enthaͤlt von dem erſtern 79, von dem letztern 21 Theile. Das Stickſtoffgas, dem ſeine Eigenſchaft den Namen lieh, kann das Athmen ſo we⸗ nig, als das Verbrennen allein unterhalten. Brennende Koͤrper erloͤſchen und Thiere erſticken und ſterben ſofort, ſobald ſie mit demſelben in Beruͤhrung gebracht werden. §. 62. Das Sauerſtoffgas, dem man auch fruͤher den Namen Lebensluft, Feuerluft, Saͤure erzeu⸗ gendes Gas beilegte, iſt diejenige Luftart, melche allein zum Einathmen dient und faͤhig iſt, das thieriſche Le⸗ ben zu unterhalten. Eben ſo kann Feuer nur brennen unter Zutritt von Sauerſtoffgas. Endlich bildet Sauer⸗ ſtoffgas, wie auch ſein Name ergiebt, den Grundbe⸗ ſtandtheil der meiſten Saͤuren, und unter dieſen der Eſ— ſigſaͤure, deren Bildung durch die ſaure Gaͤhrung bei dem Betrieb unſerer Gewerbe von vorzuͤglichem Einfluß iſt. Ueber die Einwirkungen deſſelben hierauf, werden Stickſtoff⸗ gas. Sauer⸗ ſtoffgas⸗ deſſen Eigen⸗ ſchaften und Wir⸗ kungen. wir bei den Erſcheinungen der Gaͤhrung zuruͤckkommen.“ Sauerſtoffgas, in ſeinem reinen Zuſtande eingeath⸗ met, ſetzt die Lebensfunktionen der Thiere in eine vier⸗ mal ſchnellere Thaͤtigkeit, als dies bei der athmosphaͤri⸗ ſchen Luft der Fall iſt; der Organismus wuͤrde daher, bei fortgeſetztem Einathmen von Sauerſtoffgas, den an⸗ greifenden Einwirkungen deſſelben nicht lange widerſtehen koͤnnen und bald zerſtoͤrt werden. Dieſe Beobachtun— gen erklaͤren es, weshalb die Luft, welche wir ath⸗ men, mit mehr als 4 derjenigen Gasart gemengt iſt, die wir als toͤdtlich kennen, da nur durch dieſes Ver⸗ haͤltniß die heftigen Wirkungen des Sauerſtoffgaſes auf den Koͤrper gemildert werden, und in jene Miſchung tre⸗ ten, welche dem thieriſchen Organismus, wie er auf un— ſerer Erde gebildet iſt, Leben und Geſundheit erhaͤlt. Eben ſo heftig erregend als auf den Koͤrper der Thiere, wirkt das Sauerſtoffgas auf die Unterhaltung des Feuers. Alle Koͤrper, die ſich in athmosphaͤriſcher Luft entzuͤnden, brennen noch weit heftiger in reinem Feuer. Feueran⸗ lagen. 54 ₰ Sauerſtoffgas. Glimmende Kohlen oder Schwamm brennen mit hellleuchtender Flamme, entzuͤndeter Phos⸗ hor entwickelt einen Glanz, welcher dem Sonnenlichte nahe kommt, und mit bloßen Augen nicht ertragen wer⸗ den kann. Selbſt Eiſen und Stahl entzuͤnden ſich leicht in Sauerſtoffgas und ſchmelzen darin, mit lich⸗ ter blauer Flamme brennend. §. 63. Wenn daher ein brennbarer Koͤrper einer angemeſſenen erhoͤheten Temperatur, unter dem Zutritt der athmosphaͤriſchen Luft ausgeſetzt wird, ſo entſtehet das Feuer und wird dadurch unterhalten, daß durch's Brennen der Sauerſtoff der Luft ſich mit dem Brenn⸗ material verbindet, und den Stickſtoff ausſcheidet, wel⸗ cher mit den Produkten des Verbrennens als erhitzte Luft, Kohlenſaͤure, Waſſerdampf, Rauch ꝛc. ſich einen Ausgang nach oben bildet. Zum Anfang des Verbrennens iſt es alſo noth⸗ wendig, daß der verbrennliche Koͤrper in eine hinreichend hohe Temperatur gebracht wird, in welcher er ſich ent⸗ zuͤndet. Zu dem Fortgang des Brennens gehoͤrt jedoch unbedingt, daß der aufwaͤrts ſteigende Strom verbrauch⸗ ter und erhitzter Luft ſtets durch den ununterbrochenen Zutritt kaͤlterer Luft erſetzt wird. Ohne dieſen Umſtand wuͤrde jedes Verbrennen nach wenig Augenblicken auf⸗ hoͤren, wenn das Sauerſtoffgas, welches das Feuer um⸗ giebt, verzehrt waͤre, und der Raum mit Stickſtoff- und kohlenſaurem Gas erfuͤllt wuͤrde, in welchen bekanntlich Verbrennen unmoͤglich iſt. §. 64. Feuer brennt daher ſchlecht in Feuerſtaͤt⸗ ten, die wenig Zug haben, d. h. wo die heiße, ſtickſtoff⸗ haltige Luft verhindert iſt, mit Leichtigkeit aufzuſteigen und der kaͤltern Luft Platz zu machen, die neuen Sauer⸗ ſtoff zufuͤhrt; Feuer muß erloͤſchen, wenn man den Luftzug ſchließt und dadurch den brennenden Koͤrper in eine Umgebung von der durchs Brennen verdorbenen ſauerſtoffleeren Luft bringt. Je heftiger daher der Zug auf dem Feuerheerd iſt, deſto ſchneller geht der Luftwechſel um den brennenden Koͤrper von Statten und er brennt um ſo heftiger, je mehr er Sauerſtoffgas verbraucht. Wir ſehen dieſe Er⸗ fahrung taͤglich bei Feueranlagen, wo der Luftſtrom durch Blaſebaͤlge hervorgebracht wird. Die ganze Kenntniß, zweckmaͤßige Feueranlagen zu bauen, beruhet daher hauptſaͤchlich auf dem Grundſatz, die Feuerſtaͤtten ſo anzulegen, daß die erhitzte Luft ſo ſchnell wie moͤglich aufſteigen und eben ſo ſchnell durch kaͤltere Luft erſetzt werden kann. Beides wird vorzugs⸗ weiſe durch hohe Schornſteine und Feuerheerde erreicht, die ſoviel es moͤglich, hoͤher als der Aſchenheerd ſtehen. §. 65. Aus allen, die geiſtige Gaͤhrung durchgehenden Kohlen⸗ Fluͤſſigkeiten entwickelt ſich bald nach dem Eintreten der ſaͤure, koh⸗ Gaͤhrung bis zu deren Beendigung, faſt immer von zi⸗ lenſaues ſchendem, mit erhoͤheter Temperatur verbundenem Ge⸗ 8. raͤuſch begleitet, eine beſondere Luftart, die einen faden, ſauren Geruch, bei dem Einathmen einen zuſammenzie⸗ henden Geſchmack bemerken laͤßt, auch bei laͤngerem Aufenthalt uͤber gaͤhrender Fluͤſſigkeit den Augen em⸗ pfindlich iſt und ſie zu Thraͤnen reizt. Dieſe Luft oder Gasart beſtehet aus Kohlenſaͤure, und wird, da ſie in reinem Zuſtande nur luftfoͤrmig dargeſtellt werden kann, Kohlenſaures Gas genannt. Es iſt dem Gewicht nach ſchwerer als athmosphaͤriſche Luft, zu welcher es ſich wie 1000: 1524 verhaͤlt. Aus dieſem Grunde bildet es gleichſam eine kuͤnſtliche Decke uͤber die in Gaͤhrung befindlichen Fluͤſſigkeiten, welche die Einwir⸗ kung der athmosphaͤriſchen Luft oder vielmehr des in derſelben enthaltenen Sauerſtoffes abhaͤlt und daher den Eintritt der ſauern Gaͤhrung weſentlich und zwar ſo lange verhindert, bis nach vollendeter Gaͤhrung der in jedem Gaͤhrungsraume, wenn auch unmerklich, Statt findende Luftwechſel das kohlenſaure Gas mit ſich ge⸗ nommen hat. §. 66. In kohlenſaurem Gas verloͤſcht ein Licht oder Feuer augenblicklich, ohne daß noch gluͤhendes Docht oder glimmende Funken zuruͤckbleiben; es iſt zum Ein⸗ athmen nicht tauglich, vielmehr iſt der Tod unvermeid⸗ lich, ſobald ein Menſch oder Thier auch nur auf kurze Zeit damit in Beruͤhrung tritt. Man halte uͤber eine gaͤhrende Tiene eine brennende Flamme, oder ein kleines Thier, z. B. eine Taube oder Maus, ſo findet man, daß erſteres augenblicklich verloͤſcht, letzteres unter Zuk⸗ kungen in wenigen Minuten ſtirbt. Hat man daſſelbe aber, ehe noch alle Lebensthaͤtigkeit aufhoͤrte, ſchnell ge⸗ nug zuruͤckgezogen, ſo kehrt zwar nach einigen Minuten das anſcheinende Wohlbefinden zuruͤck, doch bleibt, bei S 56 aufmerkſamer Beobachtung ein ſolches Thier immer kraͤnklich, magert ab, und ſtirbt ſchneller, als es nach der gewoͤhnlichen Lebensfaͤhigkeit zu geſchehen pflegt. Ohne Nachtheil fuͤr den thieriſchen Koͤrper kann kohlenſaures Gas nur eingeathmet werden, wenn es nicht uͤber den 15ten bis 20ten Theil der einzuathmenden Luft betraͤgt, worin auch ein Licht mit voller heller Flamme brennt. In geringer Menge verſchluckt, wirkt es wohlthaͤtig kuͤhlend, z. B. beim Genuß des Bieres und der Mineralwaͤſſer. Wo daher in Gaͤhrungsraͤumen Thuͤren, Fenſter, oder uͤberhaupt nur Luſftzuͤge, angebracht ſind, iſt eine Vorſichtsmaaßregel uͤberfluͤſſig, da hier das kohlenſaure Gas ſtets mit der athmosphaͤriſchen Luft in Beruͤhrung tritt und nie ein ſolches Uebergewicht erhaͤlt, daß es, ſelbſt bei fortgeſetztem Einathmen, ſchaͤdlich wirken koͤnnte. §- 67. Sind aber die Gaͤhrungsraͤume in Kellern, oder unter der Erde, wo kein Luftzug Statt findet, und befinden ſich in demſelben auf einmal große Mengen gaͤhrender Fluͤſſigkeiten, ſei es Wein, Bier oder Brannt⸗ weinmaiſche, ſo iſt es wohl zu empfehlen, beim Eintritt in derartige Raͤume ein brennendes Licht vorzuhalten, und ſobald deſſen Fackel truͤbe wird oder verloͤſcht, ſich zuruͤckzuziehen. Man muß dann erwarten, bis durch den Eingang oder durch beſondere Zugloͤcher, ein Luft— wechſel Statt gefunden hat, oder wenn dies nicht ſchnell genug bewirkt werden kann, das kohlenſaure Gas durch kuͤnſtliche Mittel geſaͤttigt, oder aus jenem Raum ge⸗ ſchieden worden iſt; was man gewoͤhnlich dadurch zu bewirken ſucht, daß man gebrannten, in Waſſer zer⸗ ruͤhrten Kalk(Kalkmilch) in den Gaͤhrungsraum uͤber⸗ all, am beſten durch Feuerſpritzen, verbreitet. Der Kalk hat das Vermoͤgen, die Kohlenſaͤure begierig aufzuſau⸗ gen und derartige Raͤume binnen Kurzem zugaͤnglich zu machen. In Gewerbanſtalten, wo dies oͤfter wieder⸗ kehrt, die Aenderung der Lokalitaͤt aber mit Schwierig⸗ keiten verbunden iſt, wendet man die Gaͤhrung im ver⸗ ſchloſſenen Raume an, wo das kohlenſaure Gas durch Roͤhren in Kalkmilch geleitet, und dadurch deſſen Aus⸗ ſtroͤmen in den Gaͤhrungsraum gaͤnzlich verhindert wird. Außer in den gaͤhrenden Fluͤſſigkeiten findet ſich 57 auch kohlenſaures Gas an manchen Orten in Hoͤhlen, zuweilen, jedoch ſeltener, in Bergwerken, wo es aus neuen Grubenbauen hervordringt, die Lichter verloͤſcht und die Arbeiter toͤdtet. Kohlenſaures Gas iſt es auch, was mehrere als Heilmittel beruͤhmte Mineralwaͤſſer, z. B. die von Selter, Pyrmont ꝛc., enthalten, und beim Ausgieſſen mit Auf⸗ brauſen entweichen laſſen; ebenſo entſtehet das Schaͤu⸗ men von Bouteillenbier oder Champagner durch das Entweichen des kohlenſauren Gaſes, welches in den Flaſchen, durch fortgeſetzte Gaͤhrung gebildet, zeither durch den Verſchluß des Pfropfens zuruͤckgehalten wurde. §. 68. Waͤrme und Kaͤlte ſind Wirkungen, die den aͤußeren Sinnen durch das Gefuͤhl wahrnehmbar werden. Der Grundbeſtandtheil aller Waͤrme wird Waͤr⸗ meſtoff genannt. Unter Hitze verſtehen wir die hoͤheren Grade der Waͤrme, die geringeren nennen wir Kaͤlte. Letztere entſtehet dadurch, daß einem Gegenſtande der natuͤrliche oder kuͤnſtliche Waͤrmeſtoff entzogen wird; ſo entſtehet z. B. Kaͤlte, wenn die heißen Daͤmpfe eines Deſtillats, oder die Bierwuͤrze auf dem Kuͤhlſchiff, ihren Waͤrmeſtoff an das Kuͤhlwaſſer oder an die aͤußere Luft abtreten. §. 69. Die verſchiedenen Abſtufungen der Waͤrme, wel⸗ che, ſei es durch Wirkung oder Gefuͤhl, wahrgenommen wer⸗ den, wenn ſie mit organiſchen Koͤrpern in Beruͤhrung treten, bezeichnet man mit dem Namen Waͤrmegrade (Temperatur), deren richtige Leitung in ihren ver— ſchiedenen Verhaͤltniſſen fuͤr die gelingende Darſtellung unſerer Produkte von dem weſentlichſten Einfluß iſt, da nur in gewiſſen Graden derſelben die wichtigeren Fabri⸗ kationsakte, des Malzens, des Maiſchens, der Gaͤhrung und der Deſtillation gelingen koͤnnen. Die Eigenſchaft der Waͤrme, oder vielmehr des Waͤrmeſtoffs, die mit ihm in Beruͤhrung tretenden Koͤr⸗ per auszudehnen, ſo wie die Eigenſchaften mehrerer Fluͤſſigkeiten, namentlich aber des Queckſilbers, in Be⸗ ruͤhrung mit Waͤrme innerhalb gewiſſer Grenzen gleich⸗ foͤrmig ausgedehnt zu werden, woraus ſich eine gleich⸗ maͤßige Zuſammenziehung in der Kaͤlte von ſelbſt er⸗ giebt, hat die Veranlaſſung zur Erfindung eines Werk⸗ zeugs gegeben, welches die hoͤhere oder niedere Tempe⸗ Waͤrme und Kaͤlte. Tempera⸗ tur. Thermo⸗ meter. 58 ratur, ſei es in einer tropfbaren Fluͤſſigkeit oder in der Luft, nach den verſchiedenen Graden anzeigt. Es wird dieſes Inſtrument Thermometer, Waͤrmemeſſer genannt. Das Thermometer beſtehet aus einer ganz gleichen Glasroͤhre, deren unteres Ende mit einer mit Queckſil⸗ ber gefuͤllten Kugel verbunden iſt; die Roͤhre ſelbſt iſt luftleer, und am oberen Ende zugeſchmolzen. Gewoͤhn⸗ lich iſt ſie von einem ſtaͤrkeren Glascylinder umgeben, an deſſen innerer Flaͤche ſich die Skale befindet, wenn nicht der Gradmeſſer auf ein Brett oder eine Metall⸗ platte gezeichnet iſt, woran das Thermometer befeſtigt wird. Dieſe Skale iſt durch zwei feſte Punkte, den Ge⸗ frierpunkt, wo reines Waſſer gefriert, und den Sie⸗ depunkt, bei welchem reines Waſſer ſiedet, beſtimmt. Die Grade innerhalb des Gefrierpunktes und des Siede⸗ punktes zeigen ſonach die Temperatur des mit dem Thermometer in Beruͤhrung gebrachten Koͤrpers, die Grade unter dem Gefrierpunkt aber eine groͤßere Kaͤlte als die des Erſtarrens von Waſſer zu Eis, an. Einthei⸗§. 70. Von den Thermometern ſind fuͤr die ge⸗ lenn ds woͤhnliche Ermittelung der Temperatur dreierlei Arten verme“ im Gebrauch, welche nach den Namen ihrer Erfinder nach Reaumur, Fahrenheit, Celſius, genannt werden. Ihre Reaumur, Eintheilung iſt verſchieden. 7 4 Bei dem Reaumurſchen Thermometer bezeichnet 0 ſius. den Gefrierpunkt, 80 den Siedepunkt. Bei Fahrenheit 32 den Gefrierpunkt, 212 den Siedepunkt. Bei dem Thermometer von Celſius, oder der Eenteſimalſkale, 0 den Gefrierpunkt, 100 den Siedepunkt. Groͤßere Kaͤlte als der geringſte Froſt faͤngt daher bei Reaumur und Celſius unter 0, bei Fahrenheit unter 32 an. Reduction Zur Vergleichung dieſer verſchiedenartigen Thermo⸗ der ver⸗ meterſkalen bedarf es folgender Reduction. Da ſich ſchiedenen 800 R 7 9 Skalen. am Reaumurſchen Thermometer zu 180 des Fah⸗ renheitſchen wie 18 zu 8 oder 9 zu 4 oder 2 zu 1 verhalten, und das 0 am letzteren Thermometrr um 32 Grade nach ſeiner Eintheilung vom eigentlichen Gefrier⸗ punkt abſtehet, ſo erhaͤlt man Fahrenheitſche Grade, wenn man die Grade des Reaumurſchen Thermometers mit 2 ⅞ multiplizirt und dem Facit 32 zuſetzt. Es zeigt 59 z. B. das Reaumurſche Thermometer 60 Grad, und man will wiſſen, wieviel dies Fahrenheitſche ſind, ſo findet man 60 2 ½+ 32= 167 Grade. Zeigt umgekehrt das Fahrenheitſche Thermometer 167 Grad, und man will wiſſen, wieviel dies nach Reaumur betraͤgt, ſo ergiebt die Formel 9: 4= 167 — 32: x, ³½α° oder 60 Grade. Es verhalten ſich ferner 800 Reaumur zu 100 Graden Celſius wie 4: 5, und 100 Grade dieſer Skale verhalten ſich zu 180° Fahrenheit wie 1 zu 14. Sollen nun dieſe Skalen gegenſeitig reducirt werden, ſo geben 600 Reaumur 80: 100= 4: 5, 75 Grad der hunderttheiligen Skale; daraus folgt alſo ebenfalls, daß 75 Grad des Thermometers nach Celſius 165 Grad des Fahrenheitſchen gleich ſind. Vorgenannte drei Thermomecterſkalen, die ſowohl im Gewerbsgebrauch Anwendung finden, als auch in der Schriftſprache oft genannt werden, haben wir Fig. 1. zuſammengeſtellt. Es laͤßt ſich aus dieſer Ueberſicht au⸗ genblicklich, und ohne weitere Rechnung, die nach einem dieſer Inſtrumente ermittelte Temperatur auf diejenigen Grade reduciren, welche dieſelbe Temperatur an den Skalen der uͤbrigen Thermometer ergeben wuͤrde. Wir gebrauchen dieſe Inſtrumente faſt bei jedem Fabrikationsakt, wie wir in der Folge ſehen werden, und ſie duͤrften daher, wenn ſie auch nicht fuͤr den taͤg⸗ lichen Gebrauch benutzt werden ſollen, dennoch ſchon aus dem Grunde in keiner Gewerbeanſtalt fehlen, da ſie ein ſicheres Huͤlfsmittel zu Erforſchung und Beurthei⸗ lung derjenigen Fehler darbieten, welche bei einem me— chaniſchen, oft ſorgloſen Betriebsverfahren wohl manch⸗ mal eintreten, und haͤufig mit großem Verluſt der Guͤte oder Menge des zu erwartenden Fabrikates, zum Nach⸗ theil des Gewerbeinhabers laͤngere Zeit fortdauern. Ge⸗ woͤhnlich haben die Thermometer eine Laͤnge von 10 bis 12 Zoll, und reicht dieſe Laͤnge fuͤr die meiſten un⸗ ſerer Zwecke hin, jeden Temperaturgrad genau beobach⸗ ten zu koͤnnen. Es findet ſich dieſes Thermometer, das mit einem hoͤlzernen Rahmen umgeben iſt, Fig. 6. ab⸗ gebildet. Will man jedoch die Waͤrme des Waſſers in ei⸗ nem Keſſel, der Branntweinmaiſche, oder der Bierwuͤrze Zuſam⸗ menſtel⸗ lung der Thermo⸗ meterſka⸗ len Fig. 1. Abbildung des Ther⸗ mometers Fig. 6. Maiſch⸗ thermome⸗ ter Fig. 11. Schwere. Gewicht. Volumen. Spezifi⸗ ſches Ge⸗ wicht. 60 in einem Bottich, damit ermitteln, ſo iſt, um die Grade am Thermometer zu erforſchen, wenn die Kugel noch in der Fluͤſſigkeit ſtehet, unerlaͤßlich, daß das Inſtrument mindeſtens eine Laͤnge von drei Fuß halte, da gewoͤhn⸗ lich jene Gefaͤße nicht voͤllig angefuͤllt ſind, theils die Hoͤhe der Bottichwaͤnde, theils auch die aufſteigenden Daͤmpfe eine ſcharfe Beobachtung bei groͤßerer Verkuͤr⸗ zung hindern. Fuͤr dieſen Zweck werden von den Mechanikern be⸗ ſondere Thermometer unter dem Namen Maiſchthermo⸗ meter verfertigt, wo die Kugel mit einer meſſingenen Kapſel umgeben, das Rohr aber in ein hoͤlzernes Futte⸗ ral eingeſchloſſen iſt, wodurch das Inſtrument ſelbſt bei einiger aufmerkſamen Behandlung vor dem Zerbrechen geſichert wird. Ein derartiges Thermometer iſt Fig. 11 gezeichnet. Um zu pruͤfen, ob ein Thermometer die nothwen⸗ dige Bedingung erfuͤlle, daß es luftleer ſei, ſtuͤrze man es um, ſo daß die Kugel nach oben zu ſtehen kommt, wo ſich alsdann das Queckſilber in die aͤußerſte Spitze des Rohrs herabſenken muß, ſo wie, wenn das Queck⸗ ſilber wiederum in die Kugel zuruͤckgetreten iſt, dieſelbe damit ganz erfuͤllt ſein muß, ohne daß auf irgend ei⸗ nem Punkte Luftblaͤschen, die hier das Anſehen der Waſſertropfen haben, bemerkbar ſein duͤrfen. Um ſich von der richtigen Graduirung der Skale zu uͤberzeugen, muß man es mit einem andern Normal-Thermometer vergleichen, und dadurch deſſen Uebereinſtimmung pruͤfen. §. 71. Wenn man irgend einen Koͤrper auf die. flache Hand legt, ſo empfindet man einen gewiſſen Druck. Dieſer Druck auf die Unterlage iſt die Wirkung derjenigen wichtigſten Naturkraft, welche wir Schwere nennen. Im gewoͤhnlichen Leben bedienen wir uns zu Be— ſtimmung dieſes Drucks eines Inſtrumentes, das unter dem Namen Waage bekannt iſt. Mittelſt derſelben meſſen wir die Groͤße dieſes Drucks eines Koͤrpers, oder beſtimmen ſein Gewicht. Je dichter ein Koͤrper iſt, deſto groͤßer iſt ſein Ge⸗ wicht jm Verhaͤltniß zu einem andern Koͤrper von glei⸗ chem Volumen oder Raum. Ein Kubickzoll Blei iſt ſchwerer als ein Kubickzoll 61 Eiſen, folglich iſt Blei dichter als Eiſen. Ein Quart Alkohol iſt leichter als ein Quart Waſſer, alſo iſt Waſſer dichter als Alkohol. Die Groͤße dieſer Dichtigkeit kann durch unbe⸗ nannte Zahlen ausgedruͤckt werden, und dann heißt ſie das ſpezifiſche oder eigenthuͤmliche Gewicht, auch wohl Eigenſchwere der Koͤrper. Zum allgemeinen Maaßſtab der Dichtigkeit hat man das deſtillirte oder reine Regenwaſſer angenommen. Dieſe Dichtigkeit iſt alſo die Einheit, und wird durch 1 ausgedruͤckt. 1 Preuß. Kubickfuß deſtillirten Waſſers wiegt 66 Preuß. Pfund. Wiegt nun ein Kubickfuß Tannenholz 36 Pfund, ſo iſt das ſpezifiſche Gewicht des Tannenholzes 3½ oder r. Um die ſpezifiſchen Ge⸗ wichte aber leichter vergleichen zu koͤnnen, nimmt man bei ihnen einen gleichen Nenner, naͤmlich 1000 oder 10,000 an. Dann iſt das ſpezifiſche Gewicht des Waſſers 1838 oder 18358, das des Tannenholzes aber 1655 bder genauer 1558 6. Das ſpezifiſche Gewicht des abſoluten Alkohols iſt res, des Queckſilbers 137965, d. h. Queckſilber iſt etwas mehr als 13 ⅞ mal ſo dicht, als deſtillirtes Waſſer, oder ein Kubickzoll Queckſilber wiegt 13 ⅞ mal ſo viel, als ein Kubickzoll Waſſer und etwas daruͤber. Die Unterſchiede der Dichtigkeit oder der ſpezifi⸗ ſchen Gewichte der verſchiedenen Fluſſigkeiten veranlaſſen, daß ein in dieſelben gefenkter Koͤrper von beſtimmter Schwete mehr oder minder tief einſinkt, und auf dieſe Weiſe einen Maaßſtab ihrer verſchiedenen Dichtigkeit abgiebt. §. 72. Es beruhet auf dieſer Wahrnehmung die Ein⸗ richtung derjenigen Inſtrumente, welche Araͤometer, Dichtigkeitsmeſſer(woͤrtlich uͤberſetzt: Lockerheitsmeſſer) genannt werden, die ſich fuͤr unſern Zweck in Alkoholo⸗ meter, Branntweinwagen, Lutterprober, Saccharometer, Bierwagen ꝛc. unterſcheiden, und dazu beſtimmt ſind, den Gehalt des Alkohols im Branntwein, oder des vor⸗ handenen Zuckerſtoffes, ſei es in einer zuckerhaltigen Aufloͤſung, oder in der Bierwuͤrze, anzugeben. Ueber ihre Conſtruction und Handhabung geben wir nachfol⸗ gende Erlaͤuterung: Araͤometer ——y— Pruͤfung des Brannt⸗ weins durch 6²³ §. 73. Seikdem die Gewinnung des Branntweins Erwerbzweig geworden war, fuͤhlte man das Beduͤrfniß, den Alkoholgehalt als die eigentliche Waare im Brannt⸗ wein auszumitteln, damit eines Theils der Verkaͤufer Schmecken den Preis der Waare beſtimmen, andern Theils der oder An⸗ Kaͤufer dieſen Preis beurtheilen koͤnne; jedoch bediente zuͤnden, man ſich noch im Anfange dieſes Jahrhunderts in Branntweinbrennereien, ſo wie im Handelsverkehr mit Branntwein lediglich mechaniſcher unſicherer Huͤlfsmittel zu den erwaͤhnten Zwecken. Es geſchah dieſe Pruͤfung zunaͤchſt durch das Schmecken und die Staͤrke des Branntweins wurde durch die groͤßere Schaͤrfe und den Grad des Brennens auf der Zunge bedingt. Wie unſicher dieſe Pruͤfung ausfallen mußte, er⸗ klaͤrt ſich leicht aus dem Umſtand, daß ſelbſt ein ſchwa⸗ cher Branntwein, wenn er uͤber aͤtzende oder ſcharfe In⸗ gredienzen abgezogen wird, das heftigſte Brennen auf der Zunge verurſachen kann. Nicht minder truͤglich war die Probe an den Per⸗ len des Branntweins, welche ſich durch Schuͤtteln in einer Flaſche erzeugen, deſſen Gehalt erkennen zu wol⸗ len; da auch dieſes Perlen durch kuͤnſtliche Miſchung hervorgebracht werden kann, uͤberhaupt aber nur in Branntwein, welcher nicht unter 42 und nicht uͤber 74 Prozent haͤlt, Statt findet, mithin fuͤr niedern oder hoͤhern Alkoholgehalt auch nicht einmal einen unſichern Maaßſtab abgeben konnte. Auch zuͤndete man den Branntwein in einem offe⸗ nen Gefaͤß, welches einen beſtimmten Inhalt faßte oder in einem mit verſchiedenen Abtheilungsſtrichen bezeichneten Hohlmaaße an, wog nach dem Verloͤſchen das ruͤckſtaͤn— dige Waſſer oder unterſuchte die Zahl der abgebrannten Striche in dem Gefaͤß, um den Alkoholgehalt zu be⸗ ſtimmen. Staͤrkeren Weingeiſt pruͤfte man, indem man ihn mit Schießpulver vermiſcht abbrannte, und wenn nach dem Verloͤſchen der Flamme das Pulver ſich entzuͤndete ihn probehaltig nannte. Allein auch dieſe Probe mußte falſche Reſultate ergeben, da mit dem Abbrennen des Alkohols zugleich eine Quantitaͤt des in der Miſchung vorhandenen Waſſers verdampfte, andern Theils aber n 63 bel ſchwachen Branntwein die Flamme fruͤher verloͤſchte, als aller Weingeiſt verbrannt war. §. 74. Nicht minder waren auch ſchon ſeit lan⸗ ger Zeit aus Holz, Elfenbein, Bernſtein, Metall oder auch aus Glas verfertigte ſogenannte Branntweinprober im Gebrauch, welche fuͤr den Brenner zwar in ſofern nuͤtzlich waren, als ſie einen beſtimmten Normalpunkt angaben, wie tief die Spindel einſinken mußte, nach welchem er die Staͤrke ſeines eigenen Fabrikats ermitteln konnte, jedoch eine Vergleichung unter einander nicht zuließen, da ihrer Konſtruktion kein wiſſenſchaftliches Prinzip zum Grunde lag, und die Skale nach ganz willkuͤhrlichen Grundſaͤtzen, ohne feſten Punkt der be⸗ ſtimmten Eintheilung des zwiſchenliegenden Raumes gra⸗ duirt oder abgetheilt war, woraus als Folge hervor⸗ ging, daß derſelbe Branntwein, der nach einem ſolchen Prober 10 Prozent zeigte, auf einen andern vielleicht 20 oder auch nur 5 angab. §. 75. Zunaͤchſt in Frankreich, dann in Holland fin⸗ den wir Araͤometer fuͤr den Gewerbsgebrauch eingefuͤhrt, deren Konſtruktion ſich auf beſtimmte Grundſaͤtze, baſiren und welche vor Erfindung der eigentlichen Alkoholometer das einzige Huͤlfsmittel waren, die Dichtigkeit der verſchie⸗ denen Fluͤſſigkeiten zu beſtimmen. Vorzuͤglich ſind die beiden unter den Namen des Cartierſchen und nach dem⸗ ſelben des Beaumeſchen Araͤometers bekannten Inſtru⸗ mente, welche zur Pruͤfung der Staͤrke des Brannt⸗ weins fruͤher allgemein, auch noch jetzt haͤufig trotz ih⸗ rer anerkannten Unſicherheit, in den weſtlichen Provinzen der Preußiſchen Monarchie gebraucht werden. Sie ſind der Form nach den Alkoholometern gleich, den Null⸗ punkt bezeichnet jedoch eine aus neun Theilen Waſſer und einem Theil Salz gemiſchte Fluͤſſigkeit, die ſich in ihrem Gewichtsverhaͤltniß ſteigend vermindert und bei dem zehnten Grade reines deſtillirtes Waſſer zeigt. Dieſe Grade von 10— 0 ſind beſtimmt, ſchwerere Fluͤſſig⸗ keiten als Waſſer, z. B. Lauge oder Bierwuͤrze zu wie⸗ gen, wogegen die an der Scala noch aufgetragenen 30 Theile die verſchiedenen Grade der Staͤrke des Brannt⸗ weins oder der Rektifikation geiſtiger Fluͤſſigkeiten nach dem ſpezifiſchen Gewicht ergeben. Auf den zur Pruͤfung des Branntweins beſtimmten Probern ſind gewoͤhnlich Gewoͤhn⸗ liche Brannt⸗ weinpro⸗ ber. Araͤometer nach Car⸗ tier und Beaume. 64 nur die zur Waͤgung der leichtern Fluͤſſigkeiten beſtimm⸗ ten Grade angegeben, wogegen auf den Laugen- oder Sool⸗Meſſern ſich nur diejenigen Grade verzeichnet finden, welche das Gewicht ſchwererer Fluͤſſigkeiten als Waſſer anzeigen. Daß dieſe Araͤometer dennoch gegen den Alkoholo⸗ meter von Tralles nur bis 918 reichen, ruͤhrt von dem Umſtande her, daß damals die Entwaͤſſerung des Wein⸗ geiſtes nicht weiter bekannt war, indem nan den abſo⸗ luten(waſſerfreien) Alkohol erſt ſpaͤter bereiten lernte. Der von Beaume und Cartier entwaͤſſerte Alkohol ent⸗ haͤlt 828 ſpezifiſch Gewicht, wogegen der von Tralles dargeſtellte Alkohol 793 ergab. Irrthuͤmlich iſt daher die Annahme, welche ſo haͤufig vorkommt, daß dieſe Araͤometer bei dem Nullpunkt auf deſtillirtes Waſſer einſinken, indem jedes nach dieſer Vorausſetzung kon⸗ ſtruirte Inſtrument, Einmal unrichtige Prozente zeigen, und daraus Zweitens ſich in den hoͤhern Abſtufungen ein Weingeiſtgehalt bilden wuͤrde, welchen die dafuͤr be⸗ rechnete Normaltabelle nicht enthaͤlt. Ein derartiges Araometer Inſtrument findet ſich Fig. 8 abgebildet. Wo es nur nach ds. auf eine ohngefaͤhre Pruͤfung des Branntweingehaltes ankommt, kann man ſich dieſer Inſtrumente, wie auch der gewoͤhnlichen Branntweinprober mit Nutzen bedienen, zu genauen Ermittelungen taugen ſie jedoch ſchon aus dem Grunde nicht, da ihre Grade in gleichem Abſtande von einander ſind, was bei einem Alkoholometer nie der Fall ſein kann, indem die Dichtigkeiten des Wein⸗ geiſtes nicht mit den Einſenkungslaͤngen in gleicher Pro⸗ portion ſtehen. Alkoholo⸗§. 76. Die Unzulaͤnglichkeit der vorangefuͤhrten arbetnen Branntweinprober, ſo wie auch die Unrichtigkeit der fuͤr dieſen Zweck von franzoͤſiſchen Gelehrten angegebenen Inſtrumente, veranlaßte den verſtorbenen Doktor Richter in Berlin, ganz allein fuͤr die Beſtimmung der Menge des Alkohols im Branntwein oder Weingeiſt ein Inſtru⸗ ment zu conſtruiren, dem er den Namen Alkoholo⸗ meter(Weingeiſtmeſſer) beilegte. Es beruhet die Conſtruktion dieſes Alkoholometers auf dem vorher erwaͤhnten Grundſatz des verſchiedenen ſpeziſiſchen Gewichts zwiſchen reinem Waſſer und rei⸗ nem Alkohol. Aus 100 in verſchiedenen Gewichts⸗ 6⁵ verhaͤltniſſen mit waſſerfreiem Alkohol und reinem Waſ⸗ ſer angeſtellten Vermiſchungen ergab ſich die Scale des Alkoholometers, welche in 100 Theile getheilt, die Quantitaͤt des abſoluten Alkohols dem Gewichte nach anzeigt, die in 100 gleichen Gewichtstheilen des zu pruͤ⸗ fenden Branntweines vorhanden iſt. Das Inſtrument ſelbſt(auch Spiritusmeſſer, Branntweinwage genannt) beſteht aus einer glaͤſer⸗ nen, mit Queckſilber oder Schrotkorn gefuͤllten Kugel, die ſich in ein unten ſtaͤrkeres Rohr verlaͤngert, dem eine ſchwaͤchere Spindel aufgeſetzt wird, welche an der Muͤndung zugeſchmolzen iſt. In der Spindel iſt die Scala oder der Gradmeſſer befeſtigt, welcher am unterm Ende mit 0, am obern mit 100 bezeichnet iſt, ſo daß das Inſtrument in reinem Waſſer auf 0, im waſſerfreien Alkohol auf 100 einſinkt. Die zwiſchen dieſen Punkten liegenden, mit 1— 99 bezeichneten Grade ergeben da⸗ her alle die ſpezifiſchen Gewichte, welche die mannich⸗ fachen Vermiſchungen des Alkohols mit Waſſer erzeugen, indem ſie die Prozente angeben, die das zu pruͤfende Gemiſch an abſolutem Alkohol, dem Gewicht nach ent— haͤlt. Wenn daher die zu pruͤfende geiſtige Fluͤſſigkeit am Alkoholometer 60 Grad zeigt, ſo ſind in hundert Gewichtstheilen, z. B. Pfunden, 60 Pf. Alkohol und 40 Pf. Waſſer vorhanden. §. 77. Der Richterſche Alkoholometer iſt es auch, der unter dem Namen der Stoppaniſche, vorzuͤglich im Herzogthum Sachſen bekannt, und im Gebrauch iſt. Selten trifft jedoch deſſen Scale mit der Nichterſchen zuſammen, die Uebereinſtimmung der Inſtrumente dieſer Fabrik unter ſich wird ſehr oft vermißt, die Scale ſelbſt iſt gewoͤhnlich zu kurz, um genaue, dem Auge deutliche Unterſcheidung der einzelnen Grade zuzulaſſen. Jene Inſtrumente, ſo haͤufig ſie auch Anwendung finden, ſind zu genauen Ermittelungen keinesweges zu empfehlen, da die Sorgloſigkeit bei deren Anfertigung ihre Richtigkeit uͤberall zweifelhaft macht. §. 78. So genau auch der Nichterſche Alkoholo⸗ meter die Gewichtsprozente des geiſtigen Gehaltes an— gab, ſo fuͤhrte dennoch eben dieſe Gewichtsbeſtimmung zu Inkonvenienzen, da der Branntwein im Kandelsver⸗ 5 Alkoholo⸗ meter nach Tralles. Fig. 3. Al 66 kehr nicht gewogen, ſondern gemeſſen, nicht dem Gewicht, ſondern dem Volumen nach, ver⸗ kauft wird. Auch gruͤndete ſich auf dieſe Handelsverhaͤltniſſe in neuerer Zeit die Beſteuerung des Branntweins nach dem Maaße, und es ward daher noͤthig, ein dieſer Geſetz⸗ gebung anpaſſendes voͤllig verlaßbares Inſtrument dar⸗ zuſtellen. Die Verwaltung veranlaßte im Jahr 1810 die Akademie der Wiſſenſchaften in Berlin, die Principien fuͤr eine ſichere und bequeme Pruͤfung anzugeben. Es wurde dieſe Arbeit dem nunmehr verſtorbenen Profeſſor Tralles uͤbertragen, und dieſer verwandelte den Pro⸗ zentgehalt des ermittelten Gewichtes von Alkohol „in den Prozentgehalt des Volumens, konſtruirte foholoſne, hierauf den Alkoholometer, welcher nach ſeinem Namen ter nach Tralles. Fig. 4. Glasey⸗ linder. Einfluß der Tem peratur genannt wird, und in den Preußiſchen Staaten allein geſetzliche Guͤltigkeit hat. C. 2 der Ordnung zum Ge⸗ ſetz vom 8. Februar 1819). Fig. 3 ſtellt dieſes Inſtru⸗ ment dar. Zeigt alſo Branntwein nach Richterſcher Scala 30 Prozent, ſo ſind in 100 Pfund deſſelben 30 Pfund abſoluter Alkohol und 70 Pfund Waſſer ent⸗ halten, dagegen enthaͤlt ein Branntwein von 308 nach Tralles in 100 Quart 30 Quart waſſerfreien Wein⸗ geiſt und 70 Quart Waſſer.. Soll nun Branntwein ruͤckſichtlich ſeiner Staͤrke durch den Alkoholometer gepruͤft werden, ſo wird zu⸗ naͤchſt en, gewoͤhnlich zu dem Inſtrument gehoͤrender Glascylinder,(deſſen Form aus Fig. 4 zu erſehen iſt), oder in deſſen Ermangelung ein anderes laͤngliches Ge⸗ faͤß von Glas mit der Fluͤſſigkeit bis nahe an die Muͤn⸗ dung gefuͤllt. Hierauf wird der Alkoholometer, welcher voͤllig trocken ſein muß, vorſichtig hineingeſenkt, worauf, wenn derſelbe in der Fluͤſſigkeit ruhig ſtehet, die dem Spiegel der Oberflaͤche zunaͤchſt ſtehende Linie oder Ziffer den Grad der Staͤrke deſſelben anzeigt. §. 79. Da, wie wir ſchon erwaͤhnten, die Waͤrme Fluſſigkeiten ausdehnt, und einen mehr oder minder be⸗ auf Pru, deutenden Einfluß auf ihre ſpezifiſche Dichtigkeit aͤußert, fung des Branntw ſo iſt auch bei Pruͤfung der Staͤrke eines Branntweins die Temperatur deſſelben von weſentlichem Einfluß; denn 67 je waͤrmer eine Fluͤſſigkeit iſt, um ſo mehr verliert ſie an Dichtigkeit, folglich ſinkt auch im warmen Brannt—⸗ wein der Alkoholometer tiefer ein, und zeigt augenblick⸗ lich einen groͤßern Gehalt an Alkohol an, als wirklich vorhanden iſt. Umgekehrt wird ein in der Kaͤlte gepruͤfter Branntwein ſchwaͤcher ſcheinen, als wenn er bis zu der⸗ jenigen Temperatur erwaͤrmt iſt, bei welcher die Alkoho⸗ lometer ſelbſt conſtruirt ſind. Dieſe Normaltemperatur, bei welcher die Alkoholo⸗ meter angefertigt werden, und die jedesmal auf dem Inſtrumente verzeichnet ſein muß, iſt 12 ½° Reaumuͤr oder 60 Fahrenheit, und koͤmmt derjenigen am naͤch⸗ ſten, welche der Branntwein in Kellern oder vor dem Kuͤhlfaſſe am gewoͤhnlichſten zeigt. Wollte man daher den Gehalt eines Branntweins ganz genau und mit voller Gewißheit pruͤfen, ſo wuͤrde es noͤthig ſein, die zu pruͤfende Quantitaͤt jedesmal auf die Normaltempe⸗ ratur zu erwaͤrmen oder abzukuͤhlen. Da dieß jedoch nicht immer ausfuͤhrbar iſt, ſo muß die Temperatur des Bramitweins vorab durch den Thermometer gepruͤft wer⸗ den, bevor der Alkoholgehalt deſſelben durch den Alko⸗ holometer feſtgeſtellt werden kann. Nach der Richter⸗ ſchen Scala betraͤgt der Unterſchied fuͤr jede 2 ¾ Tempe⸗ raturgrad unter oder uͤber 12 ½° Neaumur, ungefaͤhr 1 Prozent mehr oder weniger als der Alkoholometer zeigt. Bei dem Trallesſchen Alkoholometer ſind jedoch die Prozentgrade auffallend verſchieden, und es laͤßt ſich dafuͤr ein aͤhnliches allgemeines Reduktionsverhaͤltniß nicht angeben, obſchon der Irrthum nicht groß iſt, wenn man fuͤr jeden Grad, den die zu pruͤfende geiſtige Fluͤſ⸗ ſigkeit an dem Thermometer uͤber 12 ⅞0 zeigt, 3½ Prozent des Alkoholgehaltes in Abrechnung, ſo wie fuͤr jeden Grad, den dieſe Fluͤſſigkeit unter 12 ½° zeigt, ½ Pro⸗ zent an Alkoholgehalt in Zurechnung bringt. Will man jedoch genau pruͤfen, ſo muß man entweder die Fluͤſ⸗ ſigkeit auf die Normalwaͤrme von 12° bringen, oder man muß die gefundenen Trallesſchen Grade mit den Richterſchen vergleichen, und den Alkoholgehalt wie vor⸗ angefuͤhrt darnach berechnen, wofuͤr die in der Zeichnung beigefuͤgte vergleichende Scale der verſchiedenen Alkoho⸗ lometer das leichteſte Huͤlfsmittel darbietet. Angenom⸗ men, ein Branntwein zeigt im Winter 3 ½ 5 am Ther⸗ * 68 momeker und 45° am Alkohokomeker nach Tralles, ſo wuͤrde, da dieſes gleich 32° nach Richter iſt, die Temperatur der Fluͤſſigkeit jedoch 9° niedriger als das Normalverhaͤltniß iſt, man annehmen muͤſſen, daß jener Branntwein bei 12 ½° Waͤrme, 36° nach Richter, nahe an 50° nach Tralles Alkoholgehalt ergiebt. Umgekehrt ſtellt ſich daſſelbe Verhaͤltniß dar. Brannt⸗ wein bei 30° Temperatur gewogen, wuͤrde nach Tral⸗ les 85°= 75 Richter zeigen. Die hoͤhere Tempera⸗ tur von 17 ½° reduzirt jedoch nahe an 8° des ſchein⸗ baren Gehaltes auf den wirklichen, welcher 67°Rich⸗ ter= 78 Tralles betragen wuͤrde. Alkoholo⸗§. 80. Obſchon der Alkoholometer von Tralles der meter nach geſetzlich eingefuͤhrte und fuͤr den Gebrauch der ſicherſte Nchter 3. iſt, ſo bedienen ſich dennoch eine große Anzahl Gewerb⸗ zait Ther⸗ treibender des Alkoholometers mit der Richterſchen Scale, mometer. weshalb man Veranlaſſung genommen, beide Scalen in Fig. 6§. einem Inſtrument neben einander zu ſtellen, ſo daß aus den Prozenten nach Richter, diejenigen nach Tralles ſo⸗ fort uͤberſehen werden koͤnnen. Eine weitere Bequemlichkeit an dieſen Inſtrumenten iſt die Verbeſſerung, daß ſie gleichzeitig mit einem Ther⸗ mometer verbunden ſind, und mithin die Temperatur des Branntweins bei der Pruͤfung auf ſeine Staͤrke ſofort angeben. Der Nullpunkt des in dieſem Inſtrument befindli⸗ chen Thermometers giebt die Temperatur von 12 ½° Reaumuͤr an, bei welchem derſelbe conſtruirt iſt; jeder Grad uͤber oder unter 0, umfaßt 2 ½ Grad eines ge⸗ woͤhnlichen Thermometers, und es ergiebt ſich hieraus, ſo wie nach dem vorangefuͤhrten leicht die Rechnung, daß, ſo viele Grade als der zu pruͤfende Branntwein nach dieſem Thermometer uͤber oder unter 0 zeigt, eben ſo viele Prozente nach der Richterſchen Scala ab oder zugerechnet werden muͤſſen. Die Abbildung eines ſolchen Thermo⸗Alkoholometers findet ſich Fig. 5. Welalehe F. 81. Die Vorausſetzung, daß wohl die we⸗ berſicht der nigſten Gewerbſtellen mit dieſen verſchiedenen Inſtru⸗ Alkobolo⸗ menten gleichzeitig verſehen ſind, dennoch aber Verkehr meterſea, und Handel eine Reduktion oft nothwendig machen und len. es daher Manchen wuͤnſchenswerth erſcheinen duͤrfte, ——*— 69 eine augenblickliche Ueberſichk derfenigen Abweichungen, welche die genannten Alkoholometerſcalen unter ſich er⸗ geben, zu beſitzen, hat uns veranlaßt, Fig. 2 ſaͤmmt⸗ liche Scalen neben einander zu ſtellen. Es iſt aus die⸗ ſer Zeichnung der Abſtand, ſo wie der Unterſchied, leicht erſichtlich, welcher zwiſchen den Alkoholometern von Rich⸗ ter, Tralles und Cartier beſtehet, woraus als ferneres Reſultat ſich darſtellt, wie viel Branntwein, an einem Alkoholometer gepruͤft, nach der Scala der uͤbrigen wie⸗ gen wuͤrde, wie ſtark mithin deſſen Weingeiſtgehalt ſowohl dem Gewicht, als dem Volumen nach iſt. Jeder Abſtand der einzelnen Grade, ſowohl fuͤr ſich, als unter ſich, iſt in dieſer vergleichenden Ueberſicht ge⸗ nau nach gepruͤften und fuͤr richtig anerkannten Inſtru⸗ menten gezeichnet. Wenn ſich daher bei Vergleichung mit andern Alkoholometern Abweichungen ergeben, ſo darf angenommen werden, daß Letztere nicht richtig graduirt ſind, und es wuͤrde ſich die ſchon nach der erſten Verbreitung dieſes Handbuches gemachte Erfah⸗ rung beſtaͤtigen, daß bei Anfertigung der kaͤuflichen Al⸗ koholometer nicht uͤberall mit der hier ſo noͤthigen ſtren⸗ gen Genauigkeit verfahren wird, und daß ein großer Theil derſelben nicht auf den Grund derjenigen Berech⸗ nungen eingetheilt iſt, welche die Erfinder aus ihren muͤhſamen Verſuchen dafuͤr aufſtellten. §. 82. Fur eine Gewerbeanſtalt von einigem Um⸗ fange iſt es jedoch von großer Wichtigkeit, eine richtige Branntweinwaage zu beſitzen, da der Unterſchied einiger Prozente, welche z. B. ein Alkoholometer zu wenig er⸗ giebt, den Verkaͤufer bei großem Abſatz in fuͤhlbaren Nachtheil verſetzt, wenn, wie jetzt wohl durchgaͤngig der Fall iſt, der Branntweinhandel nach Prozenten abge⸗ ſchloſſen wird. Wenn man ſich auch in der Gewerbe⸗ anſtalt ſelbſt, und namentlich fuͤr den Gebrauch des Dienſtperſonals in der Brennerei, Alkoholometer von El⸗ fenbein, Meſſing oder Silber bedient, da derartige Per⸗ ſonen gewoͤhnlich nicht vorſichtig genug mit glaͤfernen Inſtrumenten umgehen, ſo iſt es doch unerlaͤßlich, fuͤr den Handelsverkehr ſelbſt eine richtige, von dem Staat als guͤltig erkannte, Branntweinwaage zu haben, und das Geſetz legt dieſes ſogar als Verpflichtung auf, da in der Maaß⸗ und Gewichtsordnung vom 16. 2 i Fig. 2. Stempe⸗ lung der Alkoholo⸗ meter. Verſetzter Brannt⸗ wein kann nicht auf dem Alko⸗ holomer gepruͤft werden. Lutterpro⸗ ber. 70 1816§. 31 ausdruͤcklich beſtimmt iſt, daß, wer Brannt⸗ wein im Großen von einer bedungenen Staͤrke kauft, verlangen kann, daß ihm ſolcher nach geſtempelten Probemeſſern uͤberliefert wird. Soll daher ein Alkoholometer geſetzliche Guͤltigkeit haben, ſo muß derſelbe mit dem Stempel einer Eichungs⸗ kommiſſion verſehen ſein. Nach der Gebuͤhrentaxe fuͤr die Eichung wird das Inſtrument von Glas dadurch um 7 ½ Sgr., von Me⸗ tall um 5 Gr. vertheuert, dem Beſitzer erwaͤchſt jedoch daraus der Vortheil, uͤberzeugt zu ſein, ein von der Be⸗ hoͤrde gepruͤftes, richtiges Inſtrument zu haben, und auf deſſen Richtigkeit bei etwanigem Rechtsſtreit vor den Gerichten provociren zu koͤnnen, welche Berufung bei einem ungeſtempelten Inſtrument keine Beruͤckſichtigung finden wuͤrde. §. 83. Wie ſchon erwaͤhnt, iſt die Conſtruktion des Alkoholometers auf die groͤßere Leichtigkeit, welche Alkohol gegen Waſſer hat, gegruͤndet, deshalb kann auch nur eine reine geiſtige Fluͤſſigkeit, welche leichter als Waſſer iſt, auf dieſen Waagen gepruͤft werden. Iſt Branntwein mit Zucker oder Oelen verſetzt, ſo wird er ſchwerer als Waſſer, der Alkoholometer ſinkt nicht tief genug ein und kann daher im verſetzten Branntwein niemals ein richtiges Reſultat anzeigen. §. 84. Wir haben hier noch der Pruͤfung des auf gewoͤhnlichen Brennapparaten bei der erſten Deſtillation gewonnenen Lutters zu gedenken, die aus dem doppelten Grunde geſchieht, um entweder gleich anfangs zu be— urtheilen, wie viel die Ausbeute betragen werde, oder beim Ende der Deſtillation zu erkennen, ob alle geiſti⸗ gen Theile in die Vorlage uͤbergegangen ſind. Auch fuͤr dieſe Probe ließ man fruͤher entweder nur den Geſchmack entſcheiden, oder man goß einen kleinen Theil der uͤbergegangenen Fluͤſſigkeit auf den heißen Blaſenhelm und entzuͤndete die aufſteigenden Daͤm⸗ pfe mit einem daruͤber gehaltenen Licht oder einem bren⸗ nenden Span. Je geiſtreicher die Daͤmpfe waren, deſto laͤnger brannte die Flamme, entzuͤndeten ſich die Daͤmpfe gar nicht, ſo waren keine geiſtigen Theile mehr vorhanden, und die Deſtillation vollendet. Bei der Pruͤfung durch —Q = ————,—— 71 das Schmecken tritt die Unſicherheit ein, daß ein ge⸗ ringer Antheil Alkohol im Lutter, der ohnedieß mit Saͤure und Fufeloͤl gemengt iſt, nicht leicht erkennbar wird, beim Verbrennen iſt derſelbe Nachtheil vorhanden, den wir bei der Pruͤfung des Branntweins auf ſeine Staͤrke oben angefuͤhrt haben, obgleich bemerkt werden muß, daß Verſuche es ergeben haben, wie ſelbſt der geringſte Antheil von Weingeiſt im Lutter durch Ver⸗ dampfen und Entzuͤnden auf einem heißen Blaſenhelm bei vorſichtiger Handhabung dadurch bemerklich wird, daß ein blaues Flaͤmmchen aufſchlaͤgt und ſelbſt ein halbes Prozent anzeigt. Sicherer iſt jedenfalls die Pruͤfung durch den Al⸗ koholometer, doch findet ſich hier der Uebelſtand, daß grade die niedern Grade, auf welche es bei Pruͤfung des Lutters ankoͤmmt; an den gewoͤhnlichen Alkoholometer⸗ ſcalen ſehr nahe beiſammen ſtehen, und deshalb die ein⸗ zelnen Prozente beim Waͤgen nicht leicht unterſchieden werden koͤnnen, die Scale aber lediglich fuͤr dieſen Zweck zu verlaͤngern, wuͤrde das Inſtrument ſelbſt zur Hand⸗ habung unbequem und zerbrechlicher machen. Deßhalb hat man beſondere Lutterprober ganz nach den Alkoho⸗ lometerſcalen conſtruirt, die jedoch den geiſtigen Gehalt eines Branntweins nur bis etwa auf 30— 40 Grad angeben, fuͤr den Zweck aber vollkommen ausreichen, und den Vortheil gewaͤhren, die in groͤßern Zwiſchenraͤumen getheilten Prozente des geiſtigen Gehaltes genau unter— ſcheiden zu koͤnnen. Fig. 7 liefert die Abbildung eines Fig. 7. Lutterprobers. Lutierpro⸗ Bei der großen Zerbrechlichkeit dieſer Inſtrumente her. iſt es nothwendig, ſie mit der groͤßten Behutſamkeit zu behandeln, und ſie duͤrfen nur langſam in die Fluͤſſig⸗ keit getaucht werden, damit ſie nicht an den Boden ſtoßen und Beſchaͤdigungen erleiden. §. 85. Wir haben aus derConſtruktion der Alkoholome⸗ Sacharo⸗ ter geſehen, daß Branntwein eine ſp ezifiſch leichtere Fluͤſſigkeit als Waſſer darſtellt und kommen nun auf diejenigen Inſtrumente, welche uns den Gehalt einer ſpezifiſch ſchwerern Fluͤſſigkeit, als Waſſer iſt, an⸗ zeigen ſollen, womit wir alſo im Zuckerwaſſer den An⸗ theil von feſtem Zucker, in der Bierwuͤrze die Staͤrke des Malzextraktes, oder die dazu verbrauchte Quantitaͤt Fig. 10. 72² Malzſchrot, in der Branntweinmalſche die verwendete trockne Subſtanz der Materialien ermitteln wollen. Dieſe Inſtrumente werden Sacharometer, Zuckermeſſer, Bierwaage, Wuͤrzprober, Maiſchprober ge⸗ nannt. Ihre Form iſt zwar derjenigen der Alkoholometer aͤhnlich, jedoch dadurch unterſchieden, daß wo der Alko⸗ holometer in reinem Waſſer auf dem Nullpunkt ſtehet, der Sacharometer um ſo weniger Fluͤſſigkeit aus dem Raum draͤngt, je ſtaͤrker dieſelbe, je zuckerhaltiger oder malzreicher ſie iſt. Daraus folgt auch, daß der Grad⸗ meſſer am obern Ende den Nullpunkt oder reines Waſ⸗ ſer zeigt, die uͤbrigen Grade jedoch abwaͤrts gehend, den verſchiedenen Gehalt des Zuckers oder des Malzextraktes in der Fluͤſſigkeit ergeben, und am Anfange der Scala die hoͤchſt moͤglichſte Staͤrke einer Zuckeraufloͤſung oder eines Malzabſuds anzeigen. §. 86. Bei der Conſtruktion des Sacharometers ſind 1000 Gewichtstheile Waſſer gleich O angenommen, und die abwaͤrts ſtehenden Grade oder der Gehalt einer Fluͤſ⸗ ſigkeit nach denjenigen Gewichtsreſultaten beſtimmt, welche die von fuͤnf zu fuͤnf Theilen in jenem Waſſer gemachten Aufloͤſungen von reinem, trocknen Zucker, bei einer Temperatur von 14° Reaumuͤr bildeten. Es giebt daher der Sacharometer in den zwiſchen 1000 und 1280 liegenden Graden die Quantitaͤt des trocknen Zuckers dem Gewicht nach an, welcher in der gepruͤften Fluͤſſig⸗ keit aufgeloͤſt enthalten iſt, ſo daß 1000 Pf. eines Zuckerſyrups von 1200 Grad Schwere, aus 800 Pf. Waſſer und 200 Pf. trocknen Zucker beſtehen. Das ab⸗ gebildete Inſtrument zeigt Fig. 10. Da man angenommen, daß auch Malzabſud eine Aufloͤſung von Zucker ſei, ſo gebraucht man ebenfalls dieſen Sacharometer als Bierwuͤrzprober, um durch denſelben zu ermitteln, wie viel trocknes Malzextrakt in der Fluͤſſigkeit vorhanden ſei. Auf den Grund angeſtellter Verſuche, wie viel in einem gegebenen Maaß oder Gewicht von Getreidemalz trocknes Malzextrakt enthalten iſt, ſind fuͤr Bierwaagen auch beſondere Scalen conſtruirt, welche nach dem Ein⸗ tauchen in die zu pruͤfende Fluͤſſigkeit aus den Graden ergeben ſollen, wie groß die verbrauchte Quantitaͤt Malz dem Gewicht, oder der Scheffelzahl nach, geweſen iſt. Dergleichen Inſtrumente ſind, wo es ſich um reine Zuckeraufloͤſungen handelt, voͤllig verlaßbar, das Ver⸗ haͤltniß ſtellt ſich jedoch anders, wenn man zuckerhaltige Aufloͤſungen pruͤfen will, welche noch mit andern In⸗ gredienzen vermiſcht ſind, ein Fall, der bei der Bierwuͤrze vorkoͤmmt, da dieſelbe noch mit Schleim, unzerſetzter Staͤrke und Extraktivſtoff gemengt iſt. Vorab iſt ſchon das ſpezifiſche Gewicht des trock⸗ nen Malzextraktes von dem des Zuckers verſchieden. Das Erſtere zeigt im getrockneten Zuſtande eine ſpezifi⸗ ſche Schwere von 1,552, wogegen Zucker ein Gewicht von 1,606 ergiebt, und es ſtellt ſich hieraus bereits die Ungenauigkeit dieſer Ermittelung dar. Wollte man aber auch dieſe Differenz uͤberſehen, und hat man ein Inſtrument lediglich auf den Grund von aufgeloͤſtem Malzextrakt bei ſeinen verſchiedenen Mi— ſchungen mit Waſſer, alſo einen eigentlichen Malzwuͤrz⸗ prober conſtruirt, ſo wuͤrde man immerhin nur die Quantitaͤt des aus dem Malz gezogenen Extraktes, niemals aber die Quantitaͤt des verb rauchten Mal⸗ zes ſelbſt ermitteln koͤnnen. Einmal geben gleiche Mengen Malz, ſelbſt wenn ſie bei ein und derſelben Temperatur getrocknet ſind, nicht immer gleiche Mengen Extrakt, wenn das Ge⸗ treide auf verſchiedenem Boden, oder in verſchiedenen Jahren gewachſen war, noch groͤßer iſt aber die Diffe⸗ renz, wenn man die verſchiedenen Malzſorten vom Luft⸗ malz an, bis zum braunen Darrmalz, jede fuͤr ſich, der Extraktion unterwirft, wo ſich als Reſultat der mit mehreren dieſer Malzſorten angeſtellten Pruͤfungen er⸗ mittelt hat, daß der von gleicher Menge Malz ver⸗ ſchiedener Sorten gewonnene trockne Extrakt zwiſchen 38 und 68 Gewichtstheilen differirte. Hier fehlt mithin ſchon der feſte Normalpunkt, welcher der Conſtruktion des Inſtruments zur Baſis dienen muͤßte, aber wenn dieſer auch gefunden waͤre, ſo wuͤrde bei Pruͤfung einer Bierwuͤrze, um mit Beſtimmtheit feſtzuſtellen, wie viel Malz dazu verwendet ſei, erſt noch die Frage entſtehen, ob auch wirklich alles in dem verbrauchten Malz vor⸗ handene Extrakt durch das Maiſchen ausgezogen ſei, —— —— Bierwuͤrz⸗ prober. Fig. 9. 74 X was z. B. da nicht der Fall iſt, wo bei nachlaͤſſiger Behandlung das Malzſchrot mit dem Waſſer nicht innig gemengt worden iſt, und durch ſchnelles Bruͤhen ſich kleiſterartige Klumpen gebildet haben, welche das Ein⸗ dringen des Waſſers, mithin auch das Ausziehen des Extraktes verhindern, wo das Waſſer nicht lange genug auf dem Schrot geſtanden oder Letzteres nicht oft ge⸗ nug uͤbergoſſen worden iſt, um alle loͤsbaren Theile ab⸗ zuſcheiden. §. 87. Der Koͤnigliche Fabrikenkommiſſarius Herr Dorn hat, um das Gewicht des verbrauchten Malzes in einer Bierwuͤrze zu ermitteln, einen Wuͤrzprober kon⸗ ſtruirt, welcher auf der Annahme beruhet, daß ein Zent⸗ ner Braumalz(Weizen oder Gerſte) im Durchſchnitt 50 Pfund trocknes Extrakt liefere. Das Inſtrument iſt ſo eingerichtet, daß es die in einem Quart Wuͤrze enthal⸗ tenen Lothe an trocknem Extrakt, und ſolcher Geſtalt, mittelſt der obigen, zum Grunde gelegten Annahme, das Quantum des zu der Wuͤrze verbrauchten Malzſchrotes anzeigt.. Um dieſen Wuͤrzprober zu gebrauchen, muß die Quartzahl der zu unterſuchenden Wuͤrze bekannt ſeyn: z. B. der Wuͤrzprober zeigt in der zu pruͤfenden Wuͤrze 12, d. h., er ſinkt bis 12 darin ein, ſo geht hieraus hervor, daß jedes Quart der Wuͤrze 12 Loth trocknes Extrakt geloͤſt enthaͤlt. Sind nun z. B. 20 Tonnen= 2000 Quart von dieſer Wuͤrze vorhanden, ſo darf man zuerſt nur die 2000 Quart mit 12 multipliziren, welches 24,000 giebt. Dieſes ſind die Lothe des trocknen Extraktes, den ſaͤmmt⸗ liche Wuͤrze geloͤſt enthaͤlt. Werden dieſe hierauf mit 32 durch Diviſion zu Pfunden gemacht, ſo erhaͤlt man 750 Pfund. Da nun angenommen iſt, daß von einem Zentner Brauſchrot 50 Pfund trocknes Extrakt erhalten wird; ſo darf man nur mit 50 in die erhaltenen 750 Pfund dividiren, wodurch man den Quotienten 15 erhaͤlt. Es geht hieraus hervor, daß zu obiger Quantitaͤt Wuͤrze 15 Zentner Brauſchrot verwendet worden ſind. Die Zeichnung des Wuͤrzprobers ergiebt Fig. 9. Einen allgemeinen Maaßſtab, um die Brauſteuer von Staatswegen zu koͤntroliren, duͤrften jedoch die Bier⸗ wuͤrzprober aus den vorangefuͤhrten Gruͤnden nicht ab⸗ 75 geben koͤnnen, ſo lange nicht die Steuer ſelbſt von der Menge der gewonnenen Bierwuͤrze erhoben wird, nach dem verſchiedenen Verhaͤltniß ihrer Dichtigkeit, welche durch beſondere, fuͤr dieſen Zweck con⸗ ſtruirte Malzextraktprober, ermittelt worden iſt. §. 88. Dagegen ſind dieſe Inſtrumente, wenn ſie mit Genauigkeit angefertigt werden, fuͤr den Gewerbe⸗ betrieb im Großen ſehr brauchbar, um ſowohl die Guͤte des Malzes als auch die Schwere der aus demſelben gebrauten Wuͤrze zu ermitteln. In England wird das Makz nicht von den Brau⸗ ern ſelbſt gefertigt, ſondern es bildet, wie auch in man⸗ chen Gegenden Deutſchlands, die Bereitung des Malzes aus Getreide ein beſonderes Gewerbe, und iſt auch die Fabrikation deſſelben dort beſonders beſteuert. Der Brauer kauft das Malz nach Proben und ſtellt deſſen Werth nach dem durch den Sacharometer ermittelten Schweregehalt einer Wuͤrze feſt, die aus einer beſtimm⸗ ten Quantitaͤt dieſer Probe gewonnen worden iſt. Hier⸗ aus ergiebt ſich mit Sicherheit, wie viel Malzextrakt in einer gegebenen Quantitaͤt dieſes Malzes vorhan⸗ den iſt. Sobald dieß feſtſtehet, kann auch die Staͤrke der aus dieſer Malzart im Großen bereiteten Wuͤrze mit Sicherheit beurtheilt werden, und dadurch jenes Inſtrument in den Haͤnden des Brauereiinhabers theils als Kontrolemittel ge⸗ gen Nachlaͤſſigkeit und Veruntreuung dienen, theils in der Gewerbeanſtalt beim Betrieb ſelbſt benutzt werden, um genau den Zeitpunkt zu ermitteln, wo die Wuͤrze ſtark genug eingekocht, oder die noͤthige ſpezifiſche Dichtigkeit erlangt hat, um auf die Kuͤhlſchiffe gebracht zu wer⸗ den, ohne daß man genoͤthigt iſt, dieß, wie bei uns, aus dem verminderten Volumen zu beſtimmen, welches die Wuͤrze in den Keſſeln oder Bottichen einnimmt. Bei der Pruͤfung einer Wuͤrze oder zuckerhaltigen Fluͤſſigkeit mit dem Sacharometer oder der Bierwaage, iſt noch zu bemerken, daß die Fluͤſſigkeit keine fremden Be⸗ ſtandtheile als Mehl, Gallerte ꝛc. enthalten darf, daß man ſie ſo viel als moͤglich vor der Pruͤfung abklaͤren laͤßt, und namentlich erſt dann unterſucht, wenn ſie diejenige Temperatur, gewoͤhnlich 14 bis 15 Grad, angenommen hat, bei welcher das Inſtrument conſtruirt worden iſt. Pruͤfung gegohrner Fluͤſſigkei⸗ ten mit derartigen Probern. 76 §. 89. Wenn wir hoffentlich zur Gnuͤge erwieſen haben, welche Schwierigkeiten es finden duͤrfte, ein Inſtrument zu verfertigen, durch welches ſich die Staͤrke einer Malzwuͤrze ohne Kenntniß der Quantitaͤt des ver⸗ brauchten Malzes mit Sicherheit erforſchen laͤßt, ſo glauben wir auch hier noch anfuͤhren zu muͤſſen, daß die Anwendung eines derartigen Inſtruments auf ge⸗ gohrne Fluͤſſigkeiten, oder auf Bier ſelbſt, voͤllig unzu⸗ läͤſſig iſt. Die Bierwaage iſt auf den Unterſchied des Ge⸗ wichtsverhaͤltniſſes zwiſchen dem in der zu prüfenden Fluͤſſigkeit enthaltenen Zucker gegen reines Waſſer be⸗ rechnet, durch die Gaͤhrung wird jedoch der groͤßere Theil dieſes Zuckers, wie ſchon erwaͤhnt, in Alkohol, mithin in ein leichteres Produkt als Waſſer verwandelt, folglich verliert die Miſchung nach dem Zuſatz der Hefe und waͤhrend der Gaͤhrung ihre ſpezifiſche Schwere oder Dichtigkeit mindeſtens theilweis, die ſie vor dem Zuſatz von Hefe gegen Waſſer ergab. Je weiter die Gaͤhrung vorſchreitet und je mehr geiſtige Theile ſich auf Koſten des Zuckers in dem Bier bilden, deſto leichter dem Gewicht nach, wird die Fluͤſ⸗ ſigkeit, ſo daß ein ausgegohrnes, ſtarkes und geiſtreiches Bier nach dem Bierprober oft weniger Gehalt zeigt, als eine andere friſche Bierwuͤrze, zu welcher nach Verhaͤlt⸗ niß vielleicht kaum der vierte Theil desjenigen Malzes verbraucht wurde, aus dem jenes ſtarke Bier beſtehet, wie folgende Nachweiſung ergiebt: Wuͤrze von verſchiedener Staͤrke zeigte nach einem fuͤr Malzextrakt conſtruirten Sacharometer, a. auf dem Kuͤhl⸗ b. nach vollendeter c. nach ſechs Mona⸗ ſchiff Gaäͤhrung im ten auf den Lager⸗ Gaͤhrbottich faͤſſern 28,4 13,4 9,2 25,12 11,1 7,2 22,14 9,4 6,2 17,8 8,2 3,25 Deßhalb iſt es auch ein ganz unrichtiges Verfah⸗ ren, in Orten oder Gegenden, wo Zunft⸗ oder Zwang⸗ gerechtigkeiten beſtehen, und eine beſtimmte Staͤrke des Bieres vorgeſchrieben iſt, von Polizeiwegen dieſe Staͤrke in den Kellern, nachdem die Gaͤhrung voruͤber iſt, durch 1 1 77 die Blerwage kontroliren zu wollen, was auch in Staaten, wo nach Verſchiedenheit der Staͤrke die Abgabe auf Bier normirt wird, wohl beruͤckſichtigt iſt. In England z. B. zahlt Doppelbier 10 Schilling, einfaches oder Tiſchbier 2 Schilling Abgabe pr. Barell = 143 Quart, doch bedient man ſich, um den Unterſchied feſtzuſtellen, keiner Waage, ſondern beſtimmt die Staͤrke aus dem Verkaufspreis des Fabrikates ſelbſt, ſo daß alles Bier, wenn das Barrell mehr als 18 Schilling koſtet, als Doppelbier verſteuert wird, und nur dasjenige, was unter vorgenanntem Preis verkauft wird, dem nie⸗ dern Steuerſatz unterliegt. §. 90. Ein aͤhnliches Inſtrument dieſer Art iſt der Maiſchmeſſer oder der Maiſchprober, durch welchen mit⸗ telſt Eintauchens in eine Branntweinmaiſche gepruͤft werden ſoll, wie ſtark in derſelben das Verhaͤltniß des Waſſers zur trocknen Subſtanz der angewendeten Ma— terialien, oder zum ſpezifiſchen Gewicht des in derſelben aufgeloͤßten Getreidextrakts ſei. Aber auch dieſes Inſtrument iſt fuͤr den praktiſchen Gebrauch durchaus nicht geeignet, da die Richtigkeit der beim Eintauchen in die Maiſche angegebenen Verhaͤlt⸗ niſſe durch die angewendeten Materialien und die groͤßere oder geringere Gleichfoͤrmigkeit der Miſchung in der zu unterſuchenden Maiſche, ſo wie durch deren Temperatur bedingt wird, ferner dadurch, wie lange die Maiſche ruhig geſtanden, und welche Abſonderung der Huͤlſen Statt gefunden, ferner ob ſie Hefe oder Gaͤhrungsmit⸗ tel erhalten, und welche Zeit ſeitdem, ehe die Pruͤfung Statt gefunden, verfloſſen iſt. Es fehlt hier ganz an der Beſtimmung der Ver⸗ haͤltniſſe, unter welchen der Maiſchprober gleichfoͤrmige Reſultate zeigt, und er iſt daher fuͤr den Beamten ſowohl wie fuͤr den Gewerbetreibenden zu wenig verlaßbar, als daß durch ſeinen Gebrauch auch nur mit einiger Si⸗ cherheit die ohngefaͤhre Ermittelung des Gewichtsver⸗ haͤltniſſes zwiſchen Schrot und Waſſer in einer Brannt⸗ weinmaiſche begruͤndet werden koͤnnte. §. 91. Wichtiger wuͤrde jedoch fuͤr die Steuer⸗ kontrole ſowohl, als fuͤr den Gewerbetreibenden, der Ge⸗ brauch des Sacharometers dann werden, wenn die in Frankreich und Holland eingefuͤhrte, bei uns auch hin Maiſch⸗ prober. Waſſer, deſſen An⸗ wendung beim Ge⸗ werbebe⸗ trieb. 78 und wieder verſuchte Fabrikation von Branntwein und Bier aus Weizen⸗ oder Kartoffelſtaͤrkeſyrup eine groͤßere Ausdehnung erhalten ſollte. Auf dieſe Fabrikation moͤchte weder unſere Maiſch⸗ ſteuer, noch die von dem Gewicht des Malzes zu erhe⸗ bende Brauſteuer paſſen, da fuͤr Branntwein dieſe Syrup⸗ maiſche bedeutend gehaltreicher als aus Getreide darge⸗ ſtellt werden kann, bei der Bierbereitung aber der Ge⸗ wichtsmaaßſtab fehlen wuͤrde, nach welchem die Steuer zu normiren waͤre. Hierzu wuͤrden wir uns nothwendig eines Sacha⸗ rometers bedienen, der jedoch ausdruͤcklich auf die Ge— wichtsverhaͤltniſſe dieſes Staͤrkezuckers in ſeinem trock— nen Zuſtande zum Waſſer konſtruirt werden muͤßte. Iſt neben dieſem Gewichtsverhaͤltniß auch fernerweit, was bis jetzt noch nicht geſchehen iſt, ermittelt, wieviel aus einem Pfund Staͤrkezucker Alkohol gewonnen wird, oder wie ſich die Suͤſſigkeit deſſeben zu einem gleichen Ge— wicht Makzextrakt verhalte, ſo wuͤrde leicht der Maaß— ſtab zu finden ſein, dieſen Syrup, werde er auf Bier oder Branntwein verarbeitet, nach denjenigen Steuer⸗ ſaͤtzen zu verabgaben, welche gegenwaͤrtig die Maiſch⸗ und die Brauſteuer bilden. §. 92. Da es in der Entfernung oft ſchwierig iſt, ſich fuͤr den Gebrauch in Brauereien und Brenne⸗ reien die vorbeſchriebenen Inſtrumente verlaßbar gearbei⸗ tet zu verſchaffen, ſo bemerken wir, daß der meteorolo⸗ giſche Inſtrumentenmacher J. G. Greiner jun. in Ber⸗ lin, Friedrichs⸗Gracht No. 49, nach der uns uͤbergebe⸗ nen Liſte jene Inſtrumente fuͤr folgende feſtſtehende Preiſe, unter Garantie fuͤr deren Richtigkeit, einſchließ⸗ lich der ſicheren Verpackung, liefert. Fig. 3, 3 ½ Thlr., Fig. 5, 6 Thlr., Fig. 6, 2 ½ Thlr., Fig. 7, 12 Thlr., Fig. 9, 4 Thlr., Fig. 10, 7 Thlr. Fig. 11, 6 Thlr. Mit gleicher Ueberzeugung von ihrer Genauigkeit duͤrfen wir auch die von dem Mechaniker Dominikus Mauch in Coͤln am Rhein verfertigten Inſtrumente zur Prüͤ⸗ fung der Temperatur oder der Fluͤſſigkeiten empfehlen. §. 93. Der Gebrauch und die Wirkung des Waſſers bei dem Gewerbbetrieb iſt entweder mecha⸗ niſch, z. B. beim Abkuͤhlen des Deſtillats, Einſpren⸗ gen des Malzes ꝛc., oder chemiſch, beim Einmaiſchen, bei der Gaͤhrung. d 79 Als mechaniſch wirkendes Huͤlfsmittel iſt es gleich⸗ guͤltig, welche Beſtandtheile das Waſſer enthaͤlt; ſoll es aber chemiſch wirken, ſo unterſcheiden wir weiches oder hartes Waſſer, und erkennen das Letztere daran, daß Huͤlſenfruͤchte darinnen nicht weich kochen, Seife durch daſſelbe zerſetzt wird und nicht ſchaͤumt. §. 94. Zur Erlaͤuterung uͤber die Urſache, weshalb Reini⸗ wir weiches und hartes Waſſer unterſcheiden, wollen gung des wir den Kreislauf, den(mit Ausnahme des Thaues) alles auf der Erde befindliche Waſſer durchgehet, und aſſers urch die Kunſt und wodurch die Natur unverſiegbar mit friſchem und ge⸗ die Natur. reinigtem Waſſer verſorgt wird, kurz verfolgen. Auf der bekannten Erſcheinung, daß Waſſer ver— dampft, wenn man es einer erhoͤhten Temperatur aus⸗ ſetzt, daß dieſer Dampf verdichtet und wiederum tropf⸗ bar fluͤſſig wird, wenn er mit Kaͤlte in Beruͤhrung tritt, beruhet die kuͤnſtliche Darſtellung des reinen oder de⸗ ſtillirten Waſſers, welches wir erhalten, wenn wir gewoͤhnliches, oder auch ſelbſt unreines Waſſer auf De⸗ ſtillirgeraͤthen abziehen; denn die Faͤhigkeit der Ver⸗ dampfung und der Verdichtung beſitzt nur das reine Waſſer, nicht aber die uͤbrigen Stoffe, welche demſelben etwa beigemengt ſind. Dieſe Reinigung des Waſſers von fremden Sub⸗ ſtanzen, mit welchen es auf der Erde in Beruͤhrung kommt, mithin denſelben Deſtillationsprozeß, unterhaͤlt die Natur immerwaͤhrend mit dem ganzen Waſſerſpiegel, der die Erdoberflaͤche bedeckt, und der ſeinem Umfange nach, den groͤßten Theil des Erdkreiſes einnimmt. Die Erdoberflaͤche mit den niedrigen Luft⸗ ſchichten bildet hier den Deſtillirapparat, die Sonnenſtrahlen das Feuer, und die hoͤheren Luftregionen das Kuͤhlgeraͤth. Von der Erdoberflaͤche, welche durch die Sonnen⸗ ſtrahlen erwaͤrmt wird, verdunſtet beſtaͤndig Waſſer in Gasgeſtalt, mengt ſich mit der athmoſphaͤriſchen Luft, und wird durch den ununterbrochen Statt findenden, erneuten Wechſel derſelben nach den hoͤheren Regionen in eine kaͤltere Luftſchicht getrieben, wo es ſich nicht mehr dunſtfoͤrmig aufgeloͤßt erhalten kann, und in Ge— ſtalt eines Dampfes als Wolken dem Auge dadurch ſichtbar wird, daß entweder dieſer Dampf von der Regen. Quellen, Baͤche⸗ Fluͤſſe, Stroͤme. 80 Sonne erleuchtet iſt(lichte Wolken), oder dieſelbe ver⸗ deckt(dunkle Wolken). Je waͤrmer die Luft iſt, in deſto groͤßerer Hoͤhe werden die Wolken gebildet, und erſcheinen deſto un⸗ durchſichtiger und dunkler, je dichter ſich die Duͤnſte zu⸗ ſammenhaͤufen. Haben die Wolken durch das ſtete Zuſtroͤmen von dunſtfoͤrmigem Waſſer eine gewiſſe Dichtheit erlangt, ſo nehmen ſie dadurch gleichzeitig an Schwere zu, koͤnnen ſich in den hoͤheren, leichteren Regionen nicht mehr ſchwebend erhalten, und fangen an zu ſinken. Hierdurch kommen die Wolken zwar einer niedri⸗ geren, waͤrmeren Luftſchicht naͤher, die wiederum einen Theil von ihnen als Dunſt aufloͤßt, jedoch koͤnnen ſie wegen der uͤber ihnen liegenden Dampfſchicht nicht wie⸗ der emporſteigen, und es wird durch ſie die Athmo⸗ ſphaͤre mit ſo viel Feuchtigkeit angefuͤllt, als dieſelbe, um luftfoͤrmig zu bleiben, nur immer aufnehmen kann. Hat dies den hoͤchſten Grad erreicht, ſo ſenken ſich die Wolken voͤllig, und indem ſie auf die Erde niederfallen entſtehet Regen. Der groͤßte Theil des Regens faͤllt meiſtentheils auf Hoͤhen und Bergen nieder, da bekanntlich die Wol⸗ ken ſich um hohe Punkte mehr zuſammenziehen, und oft Regen abſetzen, waͤhrend das unter ihnen liegende flache Land gutes Wetter hat. Das auf den Hoͤhen niederfallende Waſſer rinnt theilweis an der Oberflaͤche herab, theilweis aber ſenkt es ſich in das Innere der nach allen Richtungen zer⸗ kluͤfteten Berge, bis es auf denjenigen Punkt gelangt iſt, wo es verhindert wird, tiefer einzudringen. Die Schwere des immer nachfolgenden Waſſers muß jenem einen Seitenweg bahnen, und preßt daſſelbe nach Thaͤlern und niederen Gegenden hin, wo waͤhrend des Laufes durch Sand und Erde das Waſſer ſich in mehrere Rinnen aushoͤhlt, an deren Ende es an ge⸗ wiſſen Stellen zu Tage hervorbricht und Quellen bil— det, aus denen durch Zuſammenfluß Baͤche, Fluͤſſe und Stroͤme entſtehen, die ſich in Seen ergießen, welche die Geſammtmaſſe des Waſſers dem großen Weltmeere wiederum zufuͤhren. 81 Brunnen ſind ebenfalls Quellen, die aus den tieferen Erdſchichten hervorſtroͤmen, in denen ſie durch Eingraben aufgeſucht werden. Brunnenwaſſer iſt daher Quellwaſſer. §. 95. Das Regenwaſſer, wie es herabfaͤllt, iſt ſonach nicht minder rein als deſtillirtes Waſſer, und enthaͤlt hoͤchſtens mechaniſche Unreinigkeiten beigemengt, welche von Staub oder andern Koͤrpern herruͤhren, die in der Luft herumfliegen und von dem Regen mit her⸗ abgeſpuͤlt werden. Daß dieſes Waſſer fuͤr den Gewerbe⸗ betrieb das vortheilhafteſte ſein wuͤrde, iſt nicht zu be⸗ ſtreiten, und es mag daher wohl zu empfehlen ſein, das Regen⸗ oder Schneewaſſer in Ciſternen zu leiten, und bei dem Einmaiſchen ſich deſſen zu bedienen. Hat das herabgefallene Regenwaſſer, ehe es zu Tage kommt, viele Erdſchichten und namentlich ſolche zu durchlaufen, welche Kalk, Gyps, Thon oder Salze enthalten, ſo nimmt es einen Theil derſelben in ſich und hat dadurch ſchon einen gewiſſen Grad der aufloͤſen⸗ den Kraft abgegeben, die wir bei ſeiner Anwendung in Anſpruch nehmen. Es iſt hieraus erklaͤrlich, weshalb hartes Waſſer fuͤr unſern Gebrauch ſchwieriger anzu⸗ wenden iſt, je mehr es von dieſen erdigen Beſtandthei⸗ len aufgeloͤßt enthaͤlt. Weiches Waſſer iſt naͤchſt dem Regenwaſſer ſol— ches, welches auf ſeiner Laufbahn keine von den oben genannten Beſtandtheilen antraf, ſondern durch Kieſel, Felſenkluͤfte oder Sand geleitet ward, die wenig oder gar keine im Waſſer loͤsbaren Materien enthalten. Auch das⸗ jenige Waſſer, welches in Baͤchen, Fluͤſſen, Teichen und ſuͤßen Seen angetroffen wird, iſt weiches Waſſer, da es einmal das unmittelbar aus der Athmoſphaͤre herabge⸗ fallene Regenwaſſer aufgenommen hat, in demſelben auch ferner durch den immerwaͤhrenden Einfluß des Lich⸗ tes und der Waͤrme die in den zuſtroͤmenden Quellen aufgeloͤßten erdigen Subſtanzen meiſtentheils niederge— ſchlagen worden ſind. Dieſes Waſſers bedient ſich der Gewerbebetrieb uͤberall am liebſten.. §. 96. Wie wir hier, ſo zu ſagen, die Theorie der Sache vorgetragen haben, wollen wir auch ihre praktiſche Anwendung pruͤfen. Wenn es auch nicht zu leugnen iſt, daß die Beſtandtheile des gebrauchten Waſ⸗ 6 Brunnen. Regen⸗ waſſer. Hartes Waſſer, deſſen Beſtand⸗ theile. Weiches Waſſer. Unterſu⸗ chung uͤber die An⸗ wendbar⸗ keit 82 des barten ſers einigen Einfluß beim Branntwelnbrennen auf Waſſers beim Ge werbebe⸗ trieb. guͤnſtige Ausbeute, beim Brauen auf leichtere Klaͤ⸗ rung oder Gaͤhrung haben, und wenn auch ſachverſtaͤn⸗ dige Techniker daruͤber einverſtanden ſind, daß mehrfach Waſſer aus zwei verſchiedenen, einander nahe ſtehenden Brunnen angewendet, bei gleicher Handhabung des Be⸗ triebes dennoch abweichende Reſultate ergiebt, ſo ſind wir demohngeachtet der Meinung, daß dieſer Einfluß ſo weſentlich nicht ſei, als man im Allgemeinen ver⸗ meint oder behauptet. Faſt in allen Lehrbuͤchern uͤber dieſe Gewerbebe⸗ triebe finden ſich weitlaͤuftige Abhandlungen uͤber Be⸗ ſchaffenheit und Pruͤfung des Waſſers, es werden Me⸗ thoden zur Verbeſſerung des harten Waſſers in Vor⸗ ſchlag gebracht. Manche Gewerbanſtalt wird nicht an⸗ gelegt, weil jene Pruͤfung ein unguͤnſtiges Reſultat er⸗ geben, und manche Brauerei und Brennereci deshalb ein⸗ geſtellt, weil das Waſſer unbrauchbar ſei, und die Schuld trage, daß ein Bier umſchlaͤgt oder truͤbe bleibt, daß die gehoͤrige Ausbeute an Branntwein aus den Betriebs⸗ materialien nicht erlangt werden koͤnne. Unterſuchen wir aber die Beſtandtheile des harten Waſſers, ſo ſind ſie weder von der Art, noch in der⸗ jenigen Quantitaͤt vorhanden, daß die ihnen zuge⸗ ſchriebenen nachtheiligen Eigenſchaften, nicht einmal die Theorie rechtfertigen kann. Die chemiſche Unter⸗ ſuchung ergiebt, daß in ſolchem Waſſer entweder ath⸗ 5 g haͤriſche Luft, kohlenſaures oder Sauerſtoffgas ent⸗ halten iſt, an feſten Beſtandtheilen findet ſich faſt im⸗ mer im groͤßten Antheil kohlenſtoffſaurer Kalk, Talkerde oder Eiſen; nur in geringer Quantitaͤt ſchwefelſaure oder ſalzſaure Salze, Kalk- oder Talkerde. Von allen dieſen koͤnnten nur die zuletzt genannten nachtheilig, ſei es bei dem aufloͤſenden Maiſchungsprozeß oder bei der Gaͤhrung einwirken, denn die Gasarten finden wir ent⸗ weder in der Athmoſphaͤre oder in der gaͤhrenden Fluͤſ⸗ ſigkeit gebildet; die kohlenſtoffſauren Verbindungen aber koͤnnen nur nuͤtzlich wirken, da dieſelben, wenn ſie wirklich in groͤßerer Quantitaͤt vorhanden waͤren, die ſich bildende Saͤure aufnehmen, und daher den Eintritt der Eſſiggaͤhrung verhindern wuͤrden. Betrachtet man aber die Quantitat, welche von ſolchen Subſtanzen in einem 93 gepruͤften Waſſer vorhanden iſt, ſo moͤchte eine ſo we⸗ ſentliche Einwirkung, als ihnen beim Maiſchen oder beim Gaͤhren zugeſchrieben wird, zweifelhaft erſcheinen. In wiſſenſchaftlichen Lehrbuͤchern wird Waſſer zu unſerm Zweck fuͤr voͤllig brauchbar angenommen, wenn das Pfund mehr nicht als zehn Gran ¹) feſte Beſtandtheile enthaͤlt; fuͤr unbrauchbar wird es er— klaͤrt, wenn ein Pfund deſſelben, zur voͤlligen Trockne abgedampft, ein Loth derartige Ruͤckſtaͤnde hinterlaͤßt. Ob es uͤberhaupt irgend ein Brunnen- oder Quellwaſſer giebt, welches in jedem Pfunde ein Loth feſter erdiger Beſtandtheile aufgeloͤßt enthaͤlt, muͤſſen wir dahingeſtellt ſein laſſen. Mehrere von uns hierauf gepruͤfte Arten Waſſer, namentlich ſolche, deren Quellen am Fuße von Kalkgebirgen Aüfiairei die mit Kalk ſo uͤberſaͤttigt waren, daß derſelbe in Flocken in dem Waſſer umher⸗ ſchwamm, an als bäͤbſten Antheil an feſten Sub⸗ ſtanzen 40 Gran fuͤr jedes Pfund. Auch erſehen wir bei der in jeder Kuͤche taͤglich zu macher den Er ffahrung, daß ſo Aviier Antheil trockner Subſt at einem na⸗ tuͤrlichen Waſſer nicht vorhanden ſein duͤrfte, dem ſich nach dem Abkochen im nedel üme des Keſſels ein Loth Ruͤckſtand(Salpeter, Salr ter, Pfannenſtein genannt) fuͤr jedes Pfund des angewendeten Waſſers vorfinden wuͤrde. Aber auch das Vorſtehende„ ſo bleibt es dennoch unbeſtritten, daß die G aus ératur entwei⸗ hoj h aus demſelben dem Waſſer ſchon bei gewoͤhnlicher 8 chen, die erdartige en aterien ſich jedoc niederſchlagen, ſob bald es auf 10 bis 50 Grad erwaͤrmt wird, was 4 Flußwaſſer ſchon bei weit niedrigerem Waͤrmegrad geſchieht. Da nun der großere Theil des Waſſers, deſſen wir uns bei dem Brau- oder Brenn⸗ Prozeſſe bedienen, jener hoͤheren Temperatur ausgeſetzt werden muß, ſo moͤchte auch die Theorie uͤber die nach⸗ theilige Einwirkung, welche hartes Waſſer bei ſeiner Verwendung zum Gewerbebetrieb aͤußert, nicht feſten Stich halten. Daß wir Waſſer, welches Sumpfluft oder andere 9 *) Ein Loth hat 240 Gran. 6* 84 ſtinkende Gasarken enthaͤlt, das aus ſtehenden Telchen, in denen organiſche Subſtanzen faulen(z. B. Waſſer vom Flachsroͤſten) herruͤhrt, fuͤr den Gebrauch beim Ge⸗ werbebetrieb voͤllig untauglich erachten, bedarf wohl nicht beſonderer Erwaͤhnung. Sonach ſind wir der Meinung, daß wenn unguͤn⸗ ſtige Erfolge nicht aus der Lage der Anſtalt, der Luft und Temperatur, oder dem verwendeten Material ſelbſt erklaͤrt werden koͤnnen, ſie vornehmlich, ja faſt lediglich, in der mangelnden Kenntniß oder Beurtheilung des Ge⸗ werbebetriebes zu ſuchen ſind. Dieſem Mangel folgt ge⸗ woͤhnlich fehlerhafte Behandlung der einzelnen Fabrika⸗ tionsakte, welche durch Nachlaͤſſigkeit, Ungeſchicklichkeit und Sorgloſigkeit vermehrt, am Ende die nachtheiligen Reſultate nothwendig ergeben muͤſſen, die den Gewerb⸗ treibenden oft empfindlich treffen. Denn es darf wohl ats eine ausgemachte Sache angeſehen werden, daß in dem Maaßſtabe, wie bei der Brauerei und Brennerei, bei keinem andern Gewerbe begangene Nachlaͤſſigkeit und unterlaſſene Aufmerkſamkeit ſo nachtheilige Erſchei⸗ nungen und Reſultate hervorbringt, mithin die Strafe der That nirgend ſo unmittelbar folgt, als hier. Dies will man ſich jedoch nicht geſtehen, weil man eben meiſtentheils den vorhandenen Fehler uͤberſiehet, noch mehr aber, weil man die ihm gefolgten Erſchei⸗ nungen ſich nicht als nothwendig oder natuͤrlich zu er⸗ klaͤren weiß; auch hat der Inhaber gewoͤhnlich keine Kenntniß von der Mehrzahl der vorgekommenen Fehler, und ſo werden, um doch eine Erklaͤrung zu haben, ge⸗ woͤhnlich alle nachtheiligen Ergebniſſe der Unbrauchbar⸗ keit des verwendeten Waſſers zugeſchrieben, obſchon bei genauer ſachkundiger Eroͤrterung die Urſachen in den vorangefuͤhrten Maͤngeln vorzugsweiſe zu finden ſein wuͤrden. 2 Kann man Waſſer aus Fluͤſſen oder Seen benutzen, ſo iſt deſſen Anwendung, auch ſchon der Krafterſparniß halber vortheilhaft; lediglich auf daſſelbe kann man ſich jedoch bei einer Gewerbanſtalt von Umfang nicht ver⸗ laſſen, da es periodenweis mit Unreinigkeiten, die ſtarker Regen und Eisgang aufnehmen oder zufuͤhren, vermengt iſt, welche deſſen Gebrauch unzulaͤſſig machen, mitunter auch wohl die Leitungsroͤhren einfrieren, im Sommer 8 8⁵ aber gewoͤhnlich die Temperatur dieſes Waſſers ſo hoch iſt, daß man in der Branntweinmaiſche nicht den erfor⸗ derlichen niederen Grad der Kuͤhlung, um ſie ſtellrecht zu erhalten, hervorbringen kann. Gegrabene Brunnen ſind daher ein noth⸗ wendiges Erforderniß bei Anlage jeder Gewerb⸗ anſtalt. Je tiefer ihre Quellen liegen, deſto beſſer iſt es, da in einer gewiſſen Tiefe der Erdoberflaͤche die Temperatur, mithin die Kaͤlte des Waſſers, zu jeder Jahreszeit dieſelbe bleibt. §. 97. Um das zur Bier⸗ oder Branntweinberei⸗ tung beſtimmte Getreide fuͤr die ſpaͤtere Aufloͤſung in heißem Waſſer geſchickt zu machen, und gleichſam den durch die Einmaiſchung und Gaͤhrung entſtehenden Zuckerbildungsprozeß vorzubereiten oder zu erleichtern, erregen wir eine kuͤnſtliche Keimung des Getreides in ſo weit, daß dadurch der mehlartige oder ſtaͤrkehal⸗ tige Beſtandtheil der Koͤrner in Gummi und Schleim⸗ zucker verwandelt, der Kleber groͤßeren Theils ausge⸗ ſchieden wird. Wir unterbrechen dieſe Vegetation durch Austrocknung oder Hitze, nachdem der Keim des Ge⸗ treides die gehoͤrige Laͤnge erreicht hat. Dieſe Vorbereitung nennen wir Malzen, und das auf dieſe Weiſe behandelte Getreide heißt Malz. Gerſte und Wajzen ſind diejenigen Getreidearten, die am meiſten auf Malz verarbeitet werden; weniger wird Hafer, und ſeltner noch dazu Roggen oder Buch⸗ weizen verwendet. Da zu dem Haupterforderniß eines tadellos be⸗ ſchaffenen Malzes vorzugsweiſe gehoͤrt, daß die Keime ſaͤmmtlicher Koͤrner gleichfoͤrmig lang ausgewachſen ſind, ſo kommt es bei der Auswahl des Getreides zur Malz— bereitung vornehmlich darauf an, daß man dazu Saa⸗ men waͤhle, der auf einer und derſelben Ackerflaͤche erbauet wurde, gleiche Reife erlangt hat, auf dem Felde nicht ſchon ausgewachſen war, oder ſo alt iſt, daß er ſeine Keimfaͤhigkeit, wenn auch nur groͤßeren Theils, verloren hat. Eben ſo wendet man zum Malzen nicht gern Getreide an, welches kurz vorher geerndtet worden und noch mit natuͤrlicher Feuchtigkeit des Erdbodens ge⸗ ſchwaͤngert iſt; endlich iſt auch Getreide, das auf einem friſch geduͤngten Boden, namentlich auf Schafduͤnger, Malz, und M alzbe⸗ reitung. Abthei⸗ lungen, in welchen der Pro⸗ zeß des Malzens geſchiehet. Einwei⸗ chen des Getreides. 8⁵ gewachſen iſt, zur Malzbereitung, wenn aus dieſem Malz Bier gebrauet werden ſoll, nicht zu empfehlen. Daß man Getreid de, wie es hier erfordert wird, we⸗ der zu jeder Zeit, noch in der erforderlichen Quantitaͤt erhalten kann, liegt auf der Hand, da nur der geringere Theil der Produktion von dem Produzenten ſelbſt ver⸗ arbeitet wird, und ehe er in den Beſitz des Gewerbtrei⸗ benden gelangt, meiſtentheils durch mehrere Haͤnde ge⸗ het, wodurch der Nachweis des Urſprungs, des Alters oder der Kulturart, mindeſtens züeife lhaft wird. Auch duͤrfte ſo viel Gewicht, als man gewoͤhnlich anzunehmen pflegt, auf jene Eigenſchaften des rohe n Getreides fuͤr die Malzbereitung nicht immer gelegt werden, da man bei der Branntweinbrennerei ohnedies noch rohes Ge⸗ treide zuſetzt, auch in manchen Gegenden rohes Ge⸗ treide mit Malz vermiſcht, zur Bierbereitung verwendet, und dennoch helles, haltbares Bier produzirt. Mag da⸗ her auch in einer Quantitaͤt D ein ſ hei der Koͤrner nicht keimfaͤhig geweſen, oder 1 auogeachfen ſein, ſo kann dies einen hedeutenden banſen auf das zu ziehende Produkt in der Regel nicht aͤußern, wenn nur ſonſt der Prozeß des Malzens mit derj eniden Sach⸗ kenntni ß, Aufmerkſamkeit und Geſchicklichkeit geleitet wor⸗ den iſt, nälched ieſer Fabrikationsakt vorzugsweiſe erfordert. §. 98. Das Keimen des Getreides gehet am lei chteſten bei gleichfoͤrnig kuͤhler Temperatur, und vor⸗ zugs weiſe in denjemgen Jahreszeiten(Fruͤhling und Herbſt) vor ſich, wo der Ackerboden den Saamen zur neuen Vegetation aufnimmt. Die Darſtellung des Malzes aus Getreide zerfaͤllt in vier Abtheilungen: 1. wird das Getreide in Waſſer eingeweicht; 2. wird es, um zu wachſen, in Haufen gebracht; 3. wird das fernere Wachſen durch den Zutritt der Luft gehemmt; 4. wird das Malz an der Luft oder auf dem Darrofen getrocknet. §. 99. Die Einweichung geſchiehet, indem man den Quellbottich(Weichkufe), der mit einem Zapfen am Boden verſehen iſt, etwa zwei Drittheil ſeiner Hoͤhe mit Waſſer fuͤllt, hierauf das zum Malzen beſtimmte Getreide hineinſchuͤttet, und nachdem es mit einem Har⸗ 87 ken durcharbeitet iſt, die oben ſchwimmenden Spelzen und tauben Koͤrner abnimmt. Die Operation des Um⸗ ruͤhrens wird noch einmal wiederholt, nach 24 Stunden das erſte Waſſer abgelaſſen und durch neues erſetzt. Nach Maaßgabe der Temperatur und der Beſchaffenheit des Getreides zeigt daſſelbe binnen 40 bis laͤngſtens 100 Stunden nach dem Einſchuͤtten folgende Eigenſchaften: Ein aus dem Waſſer herausgenommenes Korn laͤßt ſich biegen, ohne zu brechen, die aͤußere Schaale giebt nach und loͤßt ſich ab, oder ſpringt auf; an einem Holz hingeſtrichen, hinterlaͤßt das Korn einen kreidearti⸗ gen Fleck. Das Malz iſt nun hinlaͤnglich gequellt, und wird, wenn es nach dem Ablaſſen des Waſſers noch eine Zeit lang in der Kufe geſtanden, auf das Keim⸗ beet(Wachsdiele, Wachskeller), einem mit Flieſen, Platten oder Eſtrich belegten Kellerraum gebracht. Laͤn⸗ geres Einquellen iſt ſchaͤdlich und veranlaßt dann haͤu— fig eine theilweiſe Zerſtoͤrung der Keimkraft. Wo es an Lokalitaͤt oder an Gefaͤßen gebricht, kann auch dieſe erſte Operation dadurch abgekuͤrzt wer⸗ den, daß man das wohlgereinigte Getreide ſofort auf das Keimbeet in maͤßig hohe Haufen ſchuͤttet, mit ſo viel Waſſer, als daſſelbe einzuſaugen vermag, vermengt, und unter wiederholten Umwenden die beiden Operatio⸗ nen des Quellens und des Keimens hier vereinigt. §. 100. Auf dem Keimbeet wird das ge⸗ quellte Malz in egale Haufen von Anfangs zwei Fuß Hoͤhe gebracht. Nach 12 bis 20 Stunden erſcheint es aͤußerlich trocken. Nach Verlauf von 24 bis 36 Stun⸗ den erhoͤhet ſich jedoch die Temperatur des Haufens ge⸗ gen die der aͤußern Luft zwiſchen 5 bis 8 Grad; das Ge⸗ treide faͤngt an zu ſchwitzen, und wird ſo feucht, daß die Hand naß wird, wenn man ſie in den Haufen ſtoͤßt. Um dieſelbe Zeit dunſtet ein ſtarker, angenehmer, den Aepfeln aͤhnlicher Geruch aus, die Wurzeln fangen an zu erſcheinen.(Das Makz ſticht oder ſpitzt.) Die Temperatur nimmt nun mit dem ſchnellen Vorſchreiten des Wachsthums gleichzeitig zu, und es iſt jetzt der Zeitpunkt, welchem der Maͤlzer alle Aufmerkſamkeit zu widmen hat, will er ein uͤberall gleichfoͤrmig ausgewach⸗ ſenes Malz bereiten. Sobald das Getreide keimt, wird der Haufe ge⸗ Keimen. 88 wendet und dabei ſo gebreitet, daß er nunmehr eine Koͤhe von nicht mehr als 6 bis 8 Zoll einnimmt. Die⸗ ſes Umwerfen des Malzhaufens muß ſo oft wiederholt werden, als derſelbe eine Temperatur von 18 bis 22 erreicht. Wie oft das Wenden hiernach Statt findet, laͤßt ſich im Voraus nicht beſtimmen, da dies durch die Lo⸗ kalitaͤt, ſo wie durch die Temperatur der Athmoſphaͤre bedingt wird. Als Regel ſtehet feſt, daß man das beſſere Malz erhaͤlt, je langſamer und je gleichfoͤrmiger man den Prozeß des Wachſens leitet; daher darf das Umſchaufeln nicht fruͤher erneuert werden, als bis jener Waͤrmegrad ſich in dem Haufen zeigt, doch muß es auch alsdann ſofort geſchehen, damit eine groͤßere Waͤrme nicht eine ſchaͤdliche Einwirkung auf die neu gebildeten Beſtandtheile des Kornes aͤußere. Zur Pruͤfung des Waͤrmegrades muß man ſich des Thermometers bedie⸗ nen. Iſt die Temperatur zu hoch geſtiegen, ſo werden die Beete niedriger, als oben angegeben, gemacht. In England liegt das Getreide mindeſtens 12, auch wohl 20 Tage auf der Wachsdiele. Beim Wenden des Malzes, wo allerdings viel auf die mechaniſche Fertigkeit des Arbeiters ankoͤmmt, iſt vorzuͤglich darauf zu ſehen, daß jedesmal der obere und untere Theil der Koͤrner die Mitte des neuen Beetes bilde, da diejenigen Koͤrner, welche an der aͤußeren, durch den Luftzug beſtrichenen Flaͤche liegen, ſo wie die auf dem geplatteten Boden befindlichen, in der Fortbildung des Keimes gegen die uͤbrigen zuruͤckbleiben, und um dies nachzuholen, dem hoͤheren Waͤrmegrad ausgeſetzt werden muͤſſen. Bei dem Malzen des Watzens darf nicht uͤberſe⸗ hen werden, daß er wegen der duͤnneren Huͤlſe auch nur kuͤrzere Zeit in dem Quellbottich verweilen darf, nicht in ſo hohe Keimbeete als Gerſte aufgeſchuͤttet wer⸗ den kann, und im Fortwachſen dann gehindert werden muß, wenn die drei hervorgeſproſſenen Wurzelfaſern die gehoͤrige Laͤnge erreicht haben. Ueberſiehet man dies, ſo tritt der Blattkeim auf derſelben Stelle hervor und das Malz iſt, mindeſtens fuͤr die Bierfabrikation, unbrauchbar. Haben die ausgeſchlagenen Wurzelfaſern bei der Gerſte die Laͤnge des Korns 1 ½ mal, beim Waizen ein⸗ mal, mithin die Laͤnge von 8 oder 4 bis 5 Linien er⸗ 89 reicht, ſo muß das fernere Wachsthum ſofort un⸗ terbrochen, das weitere Hervordringen des Keimes ge⸗ hemmt werden, was gewoͤhnlich anfaͤnglich dadurch ge— ſchiehet, daß man mit dem zeitherigen Keimbeet den ganzen Raum, den die Wachsdiele einnimmt, belegt und dort das Malz zuvoͤrderſt abkuͤhlen laͤßt. §. 101. Hierauf wird es auf den Luft⸗ oder Trocknen Schwellboden gebracht, dort ſo duͤnn als moͤglich aus⸗ des Mal⸗ —. 7.;; zes durch einandergeworfen und taͤglich mindeſtens einmal gewen⸗ Luft oder det, bis es entweder ganz, oder doch ſo weit getrocknet Hitze. iſt, daß daſſelbe auf die Malzdarre gebracht werden Luftmalz. kann. Wird Malz lediglich durch die Waͤrme der Ath⸗ moſphaͤre getrocknet, ſo heißt es Luftmalz. Bei der Verarbeitung auf Branntwein iſt dieſes Luftmalz das Brauchbarſte, da man hier verſichert wird, daß durch die Hitze der Darre kein in dem gemalzten Korn enthaltener Zuckerſtoff verglaſet oder zerſtoͤrt wor⸗ den iſt. Soll jedoch Luftmalz zum Bierbrauen verwen⸗ det werden, ſo wird ſtets empfohlen, daſſelbe vor dem Verbrauch auf der Darre dem maͤßigſten Waͤrmegrad auszuſetzen, um die aus dem Malzprozeß herruͤhrende, wenn auch geringe, dennoch in jedem Korn befindliche Feuchtigkeit voͤllig zu zerſtoͤren, da dieſe Feuchtigkeit leicht Veranlaſſung giebt, daß die ſpaͤtere Gaͤhrung un⸗ vollkommen von Statten gehet, oder das Bier um— ſchlaͤgt; was ſich aus dem Daſein des nicht voͤllig aus⸗ geſchiedenen Klebers erklaͤren laͤßt, der im feuchten Zuſtande leicht in Saͤure uͤberzugehen geneigt iſt. §. 102. Bei der Behandlung des Malzes auf der Beband⸗ Darre iſt vorzugsweiſe darauf zu halten, daß man daſ⸗ lung des ſelbe einer nur langſam zunehmenden Hitze aus⸗ Mlde, ſetzt, und die Temperatur nur nach und nach bis zum Darre. erforderlichen Grade ſteigere, damit alle vorhandene Feuchtigkeit allmaͤhlig verſchwinden kann. Beobachtet man dies nicht ſorgfaͤltig, und wird auf der Darre die Temperatur ſchnell gewechſelt, ſo geſchiehet es haͤufig, daß man braunes Malz erhaͤlt, obſchon die Hitze nicht groͤßer war, als zu Roͤſtung eines blaſſen Malzes er⸗ forderlich iſt. Wie hoch man das Malz waͤhrend des Darrens aufſchuͤtten kann, haͤngt von dem Grade der Trockenheit ab, den daſſelbe auf dem Schwellboden er⸗ langte. Um ein uͤberall gleichfarbiges Malz zu erzielen, 1 Tempera⸗ tur der Darre nach Ver⸗ ſchieden⸗ beit der Malzſor⸗ ten. 90 iſt jedoch das oͤftere Umwenden auf der Darre unerlaͤß⸗ lich, was um ſo oͤfter wiederholt werden muß, wenn man das Malz von der Wachsdiele ſofort auf die Darre bringt, ohne daß es vorher auf den Boden durch Luft⸗ zug getrocknet werden konnte. Welchen Hitzgrad die Darre erhalten muß, haͤngt von der Farbe ab, die man dem Malz geben wlll, oder vielmehr von derjenigen Bierſorte, die daraus bereitet werden ſoll; als Regel dient folgendes. Will man ganz lichtes, dem durch die Luft getrockneten gleiches Malz erhalten, ſo darf die Temperatur auf der Darre 40 bis 42 Grad nicht uͤberſteigen. Dieß iſt dasjenige Malz, welches vorzugsweiſe zum Branntweinbrennen geeignet er⸗ ſcheint, da bei dieſer gelinden Waͤrme durchaus nichts von den durch das Keimen gebildeten Zuckertheilen zerſtoͤrt worden iſt; auch iſt es dasjenige, aus welchem die lichten, ſogenannten Luftmalz- oder Weißbiere gebraut werden.: Alles uͤbrige Malz, von dem bernſteinfarbigen an, bis zu dem ſchworzbraun geroͤſteten, erhaͤlt ſeine Farbe auf Koſten des theilweis zerſtoͤrten Zuckerſtoffes; denn derſelbe Prozeß, den man im Kleinen unternimmt, wenn man Zucker zu Faͤrbung einer Fluͤſſigkeit roͤſtet, findet ſich hier im Großen wiederholt; was der Zucker hierbei an Sufͤßigkeit verliert, verliert das Malz ebenfalls an zuckerſtoffhaltigen aufloͤslichen Theilen. Zwiſchen der Temperatur von 46 bis 53 Grad erhaͤlt man lichtbraunes Malz, von der Farbe, wie ſol— ches in Franken und Baiern zum Brauen verwendet wird; bei der Temperatur bis 60 Grad wird das Malz dunkelbraun, bei groͤßerer Hitze wird es theilweis ſchwarz geſprenkelt, und verglaſet bei 70 bis 80 Grad zu einer dem gebrannten Zucker aͤhnlichen Maſſe. Iſt das Malz getrocknet, ſo bringt man es auf den Vorrathboden; durch Holzſchuhe werden die noch daran befindlichen Keime abgetreten, mittelſt Schau⸗ feln, einer Getreidefege, oder Wurfmaſchine von den Koͤrnern geſondert; das Malz iſt zum Gebrauch fertig, und wenn es an einem trocknen Ort gelagert wird, dem Verderben oder einer Veraͤnderung ſeiner Beſchaſſenheit icht leicht unterworfen. Malz von guter Beſchaffenheit muß, in kaltes 91 . Waſſer geworfen, ſchwimmen, beim Zerbeißen mit den Zaͤhnen leicht brechen, mild und ſuͤß ſchmecken, und ei⸗ nen angenehmen aromatiſchen Geruch verbreiten. §. 103. In den verſchiedenen Perioden dieſes Maͤl⸗ zungsprozeſſes unterliegt das angewendete rohe Getreide folgenden Veraͤnderungen ſeiner urſpruͤnglichen Beſchaf⸗ fenheit. Waͤhrend des Einquellens ſaugen die Koͤrner Waſ⸗ ſer ein, die im Durchſchnitt ſein Volumen um 20 Pro⸗ zent vermehren, ſo daß 40 Scheffel eingeſchuͤttete Gerſte, wenn ſolche nach dem Weichen gemeſſen wird, den Um— fang von 50 Scheffel einnehmen. Das erſte auf das Getreide geſchuͤttete Waſſer erhaͤlt eine braͤunliche Farbe, die aus den Huͤlſen extrahirt zu ſein ſcheint, da nach dem Quellen die Farbe der Gerſte veraͤndert iſt, auch von dem Gewicht des Getreides ohngefaͤhr 1½ Prozent hier verloren gehet So wie auf dem Keimbeet die Entwickelung der W uzerſofemn erfolgt, ſiehet man am Ende des Korns eine Erhoͤhung, die ſich bald darauf in drei kleine Wurzelfaſern theilt, welche an Laͤnge ſchnell zuneh⸗ men, auch in der Anzahl ſich oft bis zu ſechs ver⸗ mehren. Wenn man in dieſer Periode ein Korn durchſchnei⸗ det, ſo findet man an derjenigen Stelle, wo die Wurzel ſich zu echeugen begann, daß der Keim des kuͤnftigen Halmſtengels ſich entwickelt, und nach dem der Wurzel entgegengeſetzten Ende ſeine Fortbildung richtet. Beim Weizen tritt er jedoch an derſelben Stelle hervor, wo der Wurzelkeim ausſchlaͤgt. Hat dieſer Halmſtengel das der Wurzel entgegengeſetzte Ende beinahe erreicht, ſo iſt das Korn ausgemalzt und das Wachsthum muß, wie oben angegeben, unterbrochen werden, damit dieſer Blattkeim nicht zum Borſchein komme. Waͤhrend die⸗ ſes Wachsthums gehet in dem Getreide die Zerſetzung des Klebers und der Staͤrke folgendermaſſen vor ſich. Der Kleber bildet die Wurzelfafern, ſcheidet groͤßten⸗ theils, und zwar in dem Maaße aus, als er duich die⸗ ſelbe Einwirkung, deren wir§. 48 erwaͤhnt haben, un⸗ ter dem Zutritt der Feuchtigkeit und Waͤrme die Staͤrke in Gummi, meiſtens aber in Schleimzucker verwandelt hat. Doch bleibt immer noch ein Theil des Klebers Veraͤnde⸗ rungen, welche das Getreide beim Mal⸗ zen erlit⸗ ten. Gewichts⸗ verluſt. Zunahme des Volu⸗ mens. Brannt⸗ wein⸗ brennerei⸗ betrieb. Auswahl der Mate⸗ rialien. 92 in dem gemalzten Korn zuruͤck, da ſeine zuckerbildende Eigenſchaft ſich auf eine groͤßere Menge Staͤrke, als in den Saamenkoͤrnern enthalten iſt, erſtreckt. Wir finden dieſen Antheil, ſo wie das Pflanzeneiweis, in der Bierwuͤrze wieder. Wenn das Makz trocken von der Darre koͤmmt, und von den Wurzelfaſern gereinigt iſt, ſo hat es gegen das angewendete rohe Getreide einen Gewichtverluſt von 20 Prozent erlitten, ſo daß aus 100 Pf. Gerſte 80 Pf. Malz gewonnen werden. Der groͤßere Theil dieſer Ge⸗ wichtsabnahme iſt nur ſcheinbar, da er auch bei dem rohen Getreide Statt gefunden haͤtte, wenn man daſ— ſelbe auf der Darre voͤllig ausgetrocknet und dadurch von der natuͤrlichen Feuchtigkeit befreit haben wuͤrde; er betraͤgt 12 Prozent. Die uͤbrigen 8 Prozent gehen verloren, durch das Einquellen 1½, auf der Wachs⸗ diele 3, Wurzelfaſern und Verluſt durch das Bearbeiten 3 ½. An Scheffelzahl gewinnt man zwar oft nicht mehr, als rohes Getreide angewendet worden iſt, doch kann man durchſchnittlich eine Vermehrung des Volumens um 2 Prozent annehmen. Verwendet man aber trocken ge⸗ ſchrotetes Malz zur Brennerei, ſo nimmt ein Scheffel deſſelben weniger Volumen in dem Maiſchbottich ein, als rohes Getreide, da es weit lockerer und poroͤſer als dieſes iſt, und deshalb an Umfang um ſo mehr verliert, je feiner daſſelbe geſchrotet wird. Branntweinbrennereibetrieb. §. 104. Bei dem Betriebe einer Branntwein⸗ brennerei wird als erſte Frage gewoͤhnlich die auf— geworfen, welche Materialien ſich zur Branntweinbereitung am vortheilhafteſten eignen? Dieſe Frage laͤßt ſich im Allgemeinen nur dahin beantworten, daß die wohlfeilſten Materialien die vortheilhafteſten ſind, d. h. diejenigen, welche bei gleichem Werth, den ſie im Handelsverkehr oder bei anderweiter Benutzung gewaͤhren, geſchickt ſind, die groͤßtmoͤglichſte Menge Alkohol zu erzeugen. Der Werth einzelner Getreidearten gegen die uͤbrigen, wird oft durch groͤßere Nachfrage fuͤr beſtimmte Zwecke, durch ſchnell herbeigefuͤhrtes Beduͤrfniß, Mißerndten, ſo wie durch an⸗ dere oͤrtliche Urſachen unverhaͤltnißmaͤßig geſteigert, und es hieße daher gegen den Vortheil handeln, wenn eine Ge⸗ 93³ werbanſtalt ſich an eine beſtimmte Gaktung von Ge⸗ treide oder an ein beſtimmtes Miſchungsverhaͤltniß der anzuwendenden Getreideſorten unter ſich binden wollte; vielmehr ergiebt der Vergleich des Preiſes verſchiedener Getreidearten in einer gewiſſen Menge, zuſammengehalten mit ihrer Produktionsfaͤhigkeit als Alkohol liefernde Sub⸗ ſtanz, den verhaͤltnißmaͤßigen Werth, welchen jede ein— zelne Getreidegattung fuͤr den Branntweinbrenner im Augenblick der Verarbeitung hat, und hiernach richtet es ſich, welches Material zum Brennen verwendet wer⸗ den ſoll. §. 105. Wir haben§. 18 den mittleren Durch⸗ ſchnittertrag der verſchiedenen Getreideſorten angegeben, und es wuͤrde ſchon hieraus die Werthbeſtimmung der einzelnen Gattungen unter ſich zu berechnen ſeyn. Der weiter vorgeſchrittene Gewerbebetrieb erlangt jedoch noch eine hoͤhere Ausbeute als dort angenommen, wodurch auch jene relative Werthbeſtimmung eine Abaͤnderung erleidet. In der Brennerei des Herrn Piſtorius in Berlin, wird regelmaͤßig gewonnen, aus 100 Pf. Weizen 12785 Qrt. Alkohol= 25 Qrt. Branntw. zu 503. —„ Roggen 12 3 3„ 24 ⸗..„ —„ Gerſte 1128..„ 23„⸗ 7„„ — trocknem Gerſtenmalz 147855 ⸗ 1„ 28¾ ⸗—* Folglich verhaͤlt ſich dem Gewicht nach, der Werth des Weizens zu Roggen wie 25 zu 24, zu Gerſte wie 25 zu 23, zu trocknem Gerſtenmalz wie 100 zu 115. Nach Maaß berechnet, und das Durchſchnittgewicht nach §. 18 angenommen, ſtellt ſich das Werthverhaͤltniß eines Scheffel Weizens zu Roggen wie 2125 zu 1920, zur Gerſte wie 2125 zu 1587, oder was dem gleich iſt, wenn ein Schef— fel Weizen 70 Sgr. koſtet, ſo iſt dem Branntweinbrenner ein Scheffel Roggen 63 Sgr. 3 pf., Gerſte 52 Sgr. 33 pf. werth. §. 106. Eine andere Frage, ob man jede Frucht⸗ gattung fuͤr ſich, oder mit mehreren gemiſcht verarbeiten ſolle, hat die Erfahrung unbeſtritten dahin entſchieden, daß es vortheilhaft, ja ſogar nothwendig iſt, bei der Verarbeitung verſchiedene Getreidearten zu mengen, will man die groͤßte Ausbeute an Brannt⸗ wein erhalten. Die Urſache hiervon iſt bis jetzt noch Werthver⸗ haͤltniß der Getrei⸗ dearten zu einander. Miſchung der ver⸗ ſchiedenen Getreide⸗ ſorten. 94 nicht ermittelt, uns genuͤgt jedoch die ſicher verbürgte Thatſache. Auf ein beſtimmtes Verhaͤltniß dieſer Mi⸗ ſchungen koͤmmt es nicht an, und die verſchiedenen Vor⸗ ſchriften, welche man dafuͤr in Buͤchern aufgeſtellt hat, an manchen Orten und in manchen Gegenden ſtreng beobachtet, erſcheinen mehr als Huͤlfsmittel, den me⸗ chaniſchen Betrieb in ſeinem Gleiſe zu erhalten, als daß fuͤr die Nothwendigkeit ihrer Befolgung ein wiſſenſchaft⸗ licher Grund aufzufinden waͤre. Malz als Rohes Getreide wird gewoͤhnlich fuͤr ſich allein ensaſen nicht auf Branntwein verarbeitet, ſondern erhaͤlt einen rial. Zuſatz von gemalzter Frucht, der mindeſtens den vierten Theil betraͤgt. Man maͤlzt zum Branntweinbrennen am liebſten Gerſte, als diejenige Frucht, welche ſich am leichteſten bearbeiten laͤßt, doch bedient man ſich auch des Weizens und des Roggens. Der Zuſatz von Mai erſcheint nicht minder erforderlich, als die Miſchung d Getreidearten unter ſich nothwendig iſt; dagegen hat ie Praxis das durch die Theorie anempfohlene Verfah⸗ ren, aus ſaͤmmtlichen Getreide vorher Malz zu berei⸗ ten, ehe es auf Branntwein verarbeitet wird, als vortheilhaft nicht beſtaͤtigt g gefunden, im lärdeuthel hat man bemerkt, daß wenn die Maiſche lediglich aus ge⸗ malzten en beſtand, die Ausbeute an Branntwein 5— 38 Prozent weniger betr ag, als bei einer Maiſche, zu welcher dieſelbe Quantitaͤt rohes Getreide und Malz im gemiſchten Zuſtande verwendet worden war. Schroten§. 107. Ueber die Zerkleinerung der Fruͤchte beseſtte haben von jeher abweichende Meinungen Statt gefunden, 15. welche jed och die Erfahrung dahin beſchieden hat, daß es am Verfhei lhafteſten iſt, das Getreide ſo fein, wie es nur immer muͤgüich iſt, zu ſchroten oder zu mahlen. Die Erlaͤuterung dafuͤr liegt in dem Umſtande, daß Mehl leichter als groͤberes Schrot vom Waſſer durchdrungen, und unſern Zweck, eine Maiſche zu bilden, welche in allen Theilen gleichfoͤrmig erhitzt und vor 3 Waſſer auf⸗ geloͤſt iſt, am ſicherſten erreichen laͤßt. Die gewoͤhnli— che Meinung der Brenner, daß man feineres Schrot leicht verbruͤhen koͤnne, iſt eine ofſenbar irrthuͤmliche An⸗ nahme, man mag die Maiſchung nach dem aͤltern oder nach dem neueren Verfahren vornehmen; dagegen iſt es unbeſtritten, daß um ſo mehr Aufmerkſamkeit und Hand⸗ 9⁵ arbeit beim Einmaiſchen erfordert wird, je feiner das Getreide geſchrotet iſt, will man nicht Mehlklumpen in der Maiſche behalten, welche die Gaͤhrung nicht durchgehen, in der Blaſe anbrennen und dadurch Ver⸗ luſt an Ausbeute und an Guͤte veranlaſſen. §. 108. Welchen Einfluß die Form der Maiſch⸗ Miichge⸗ gefaͤße auf den Gaͤhrungsprozeß aͤußert, haben uns Lüe,denen die Gelehrten noch nicht erlaͤutert, obſchon ſie fuͤr wahr⸗ Groͤße. ſcheinlich annehmen, daß unter dem Druck einer hoͤheren Waſſerſaͤule die Gaͤhrung anders, als unter dem einer niedrigen ausfalle. Die Form der Maiſchtienen iſt daher gleichguͤl⸗ tig und wird meiſtentheils durch die Lokalitaͤt bedingt, wo dieſelben aufgeſtellt werden ſollen. Am liebſten waͤhlt man die ovalen Formen, weil dieſe einen geringeren Raum als runde Bottiche einnehmen, auch die Maiſche ſich in denſelben am leichteſten bearbeiten laͤßt. Ihre Groͤße richtet ſich nach dem Maiſchraum, der in einer Brennerei taͤglich gebraucht werden ſoll. Betraͤgt dieſer Raum nicht uͤber zwei⸗ bis drei⸗ tauſend Quart, ſo iſt es am angemeſſenſten, die Bot⸗ tiche von dieſer Groͤße anfertigen zu laſſen: betraͤgt das Maiſchquantum weniger, ſo iſt es vortheilhaft, wenn die Bottiche ſo groß ſind, daß einer davon die taͤglich zu bereitende Maiſche faſſe. Kleine Bottiche und na⸗ mentlich ſolche, die nach den fruͤheren Vorſchlaͤgen den Blaſeninhalt ein- oder zweimal fuͤllen, und periodenweis eingemaiſcht werden ſollten, taugen zum praktiſchen Be⸗ triebe nicht; in ihnen gehet die Gaͤhrung ſchlecht von Statten, und geringere Ausbeute iſt die Folge ihres Ge⸗ brauches. Die Urſache hiervon erklaͤrt ſich aus dem Umſtande, daß die Gaͤhrung um ſo ſicherer und gleich⸗ foͤrmiger vorſchreiten muß, je groͤßer die gaͤhrenden Maſſen ſind, welche ſich beiſammen befinden, da h die zur Gaͤhrung nothwendige Temperatur unveraͤn⸗ dert erhalten wird, wogegen die Maiſche in kleineren Gefaͤßen den Einwirkungen der Luft oder der wechſeln⸗ den Atmosphaͤre nicht ſo leicht widerſtehen kann, und daher die Gaͤhrung geſtoͤrt wird, oder unvollendet blei⸗ ben muß. Die Hoͤhe der Maiſchtienen, ihr Inhalt ſei, wel— cher er wolle, betraͤgt am zweckmaͤßigſten drei rheinlaͤn⸗ Minimum des Raum⸗ inbaltes d. Maiſch⸗ gefaͤße. Einmai⸗ ſchung. Verhaͤlt⸗ niß des Waſſers zur trock⸗ nen Sub⸗ ſtanz. 96 diſche Fuß. Bei dieſer Hoͤhe gehet die Bearbeitung der Maiſche durch Menſchenhaͤnde am leichteſten von Statten: bei groͤßerer Hoͤhe kuͤhlt ſich die Maiſche ſchlecht ab, und kann leicht ſauer werden; flachere Gaͤh— rungsgefaͤße hingegen laſſen die Maiſche zu raſch erkalten und fuͤhren waͤhrend der Gaͤhrung diejenigen Nachtheile herbei, deren wir bei den kleineren Maiſchgefaͤßen ge⸗ dachten.. Maiſchgefaͤße unter 300 Quart Rauminhalt wer⸗ den zum Betrieb nicht zugelaſſenz das Minimum des taͤg⸗ lich zu verſchwellenden Raumes betraͤgt 600 Quart), mithin muͤſſen dieſen Inhalt die kleinſten Bottiche faſſen, deren man ſich beim Branntweinbrennen uͤberhaupt be⸗ dienen kann. Jeder Bottich muß mit einem dicht aufſchließenden, (am beſten gefalzten) aus zwei Haͤlften beſtehenden Deckel verſehen ſein. §. 109. Bei dem Einmaiſchen des Getreides beabſichtigen wir die Erreichung des doppelten Zweckes, ſowohl das Schrot in eine der Gaͤhrung faͤhige Form zu bringen, als auch ſeine im Waſſer auf⸗ loͤsbaren Theile ſo viel als moͤglich in Zucker um— zuwandeln, wozu wir uns des Waſſers und eines höͤhe— ren Temperaturgrades bedienen. Je vollkommener dieſe Operation gelingt, deſto ſicherer iſt der Ertrag, und es kann daher nicht genug anempfohlen werden, bei dem Fa— brikationsakte der Einmaiſchung die vollſte Puͤnktlichkeit und Aufmerkſamkeit zu beobachten. Vor allem gehoͤrt dazu, daß die Maiſchgefaͤße rein und wo moͤglich trocken ſind, daß in ihnen keine Spur einer fruͤher Statt gefundenen Gaͤhrung vorhanden ſei, welche den Keim zur Eſſigbildung in der friſchbereiteten Maiſche abgeben wuͤrde. Dann koͤmmt zunaͤchſt die Frage in Beruͤckſichti⸗ gung, welche Quantitaͤt Schrot in dem gegebenen Raum⸗ inhalt eines Bottiches verbraucht werden kann, mit Ruͤckſicht darauf, daß auch aus jenem Schrot diejenige Ausbeute an Branntwein erlangt werde, die nach den gewoͤhnlichen Erfahrungen von einer gleichen Quan⸗ titaͤt, unter allen Verhaͤltniſſen zu gewinnen iſt. *) Regulativ vom 1. Dezember 1820.§. 5. 8 o 8 — = 25 97 So lange die Steuer nicht unmittelbar von dem verbrauchten Maiſchraum erhoben ward, hatte man als Regel feſtgeſtellt, daß der ergiebigſte Ertrag gewon⸗ nen werde, wenn bei kuͤhler Temperatur 1 Pf. Schrot mit 8 Pf. Fluͤſſigkeit gemiſcht, bei hoͤherer Temperatur, namentlich aber im Sommer, das Verhaͤltniß wie 1 zu 9 feſtgeſetzt wurde. Nimmt man das Verhaͤltniß des Waſſers zur trock⸗ nen Subſtanz wie 1 zu 9, ſo fuͤllt die Maiſche von einem Scheffel Weizen zu 85 Pf. Gewicht 331E Quart, von Roggen zu 80 Pf. 312 Quart, von Gerſte zu 69 Pf. 269 Quart Raum in dem Bottich an. Bei der achtfachen Waſſermenge giebt ein Scheffel Weizen 297 ½⅞ Quart, Roggen 280 Quart, Gerſte 2112 Quart Maiſche. §. 110. Der Prozeß des Einmaiſchens geſchiehet entweder in drei Perioden,(Einteigen, Gahrbruͤhen, Ab⸗ kuͤhlen) oder in zwei Perioden,(Einbruͤhen und Stellen). Bei der erſten und aͤlteren Art zu verfahren, wird folgendergeſtalt operitt. Man nimmt ſo viel Waſſer von einer Temperatur zu 36 bis 40 Grad, als erfor⸗ derlich iſt, um aus dem Getreideſchrot einen dicken Teig zu bilden. Dieſes Waſſer wird vorab in den Maiſchbottich gebracht, und die zu verbrauchende Schrot⸗ maſſe ſofort hinzugeſchuͤttet. Hierauf faſſet der Arbeiter das Ruͤhrſcheit Fig. 12. mit der linken Hand in der Mitte an, ſetzt die rechte an das obere Ende und durcharbeitet nun, indem er den Koͤrper uͤber den Rand des Bottiches biegt, das Schrot mit dem Waſſer ſo lange und ſo innig, bis ſich aus der ganzen Maſſe ein gleichfoͤrmiger ſteifer Teig gebildet hat, der, wenn man ihn naͤher unterſucht, durchaus keine ſichtbaren Mehl⸗ theile oder Schrotklumpen enthalten darf; auch am Bo⸗ den oder in den Seitenwinkeln des Bottiches ſich nichts derartiges zeigt. Bei groͤßeren Quantitaͤten ſind zu dieſer anſtren— genden Arbeit zwei Leute durchaus erforderlich. Ein Maiſchteig wird fuͤr gut gehalten, wenn er ſo ſteif iſt, daß das Nuͤhrſcheit, ohne umzufallen, darinnen feſtſtehet. Nachdem der Teig gefertigt, wird das Gut durch kochendes Waſſer gar gebruͤhet. Im Anfang darf nur wenig Waſſer auf einmal in den Bottich geleitet 7 Verſchle⸗ denartige Verfah⸗ rungsar⸗ ten beim Einmai⸗ ſchen. Ruͤhrſcheit Fig. 12. Nuͤbrhar⸗ ke. Fig. 13. 98 werden, bis jener Teig mittelſt der Rührſcheite ſo duͤnn gearbeitet worden iſt, daß dieſe keine Wirkung mehr aͤußern, worauf dann durch die Ruͤhrharke(Maiſchruder) Fig. 13 die Maſſe ſo lange gleichfoͤrmig bewegt wird, als das Zufließen des kochenden Waſſers dauert. Zu dieſer Operation des Einmaiſchens werden bei 9fachem Waſſer zwei Drittheil der zuzuſetzenden Flüſſigkeit uͤber⸗ haupt verwendet, von den* fuͤr das Einteigen und 1 fuͤr das Aufbruͤhen gerechnet werden. Ob eine Maiſche nach dem Ausdruck des Brenners gahr gebruͤhet ſei, pruͤft er, außer dem ſuͤßen Geſchmack daran, daß ſie braun ausſiehet, eine herausgenommene Probe aber am Nuͤhrſcheit ſich ſofort in Streifen ziehet und raſch herablaͤuft. Hat die Maiſche zu viel oder zu wenig Waſſer erhalten, ſo ſiehet ſie blaß und weißlich aus, iſt klebrig und hat keinen ſuͤßen Geſchmack. Ein zweites kuͤrzeres, bei groſen Quantitaͤten mit bedeutender Zeit⸗ und Arbeiterſparniß verbundenes, auch ruͤckſichtlich der Branntwein-Ausbeute ſehr zu empfeh⸗ lendes Verfahren beim Einmaiſchen, in den oͤſtlichen Provinzen ziemlich allgemein eingefuͤhrt, in den weſtli⸗ chen jedoch wenig bekannt, iſt die Einmaiſchung in zwei Perioden. Sie wird dadurch bewirkt, daß man diejenige Quantitaͤt kaltes und kochendes Waſſer, welches nach Maaßgabe der verwendeten Maſſe zum Einteigen und Bruͤhen verbraucht wird, vorerſt in den Bottich zuſammenbringt, was ohngefaͤhr eine Temperatur zwiſchen 58— 60 Grad erzeugt; oder was daſſelbe iſt, daß man ſich ſogleich eines Waſſers von dieſem Waͤrmegrad be⸗ dient; ſodann das trockene Schrot auf einmal hinzu⸗ ſchuͤttet, und die ganze Maſſe mit dem Maiſchharken ſo lange durchziehet, als ſich bei der Pruͤfung noch trockene Theile zeigen. Um dem jedesmaligen Abmeſſen des heißen Waſſers uͤberhoben zu ſein, ſchlaͤgt man auch in den inneren Nand des Bottiches einen Nagel, welcher die Hoͤhe anzeigt, die das heiße zum Einbruͤhen noͤthige Waſſer einneh⸗ men muß. Auch iſt als eine dritte Art, den Maiſchungspro⸗ zeß zu veranſtalten, verſucht worden, das geſchrotete Getreide am Abend in den Maiſchbottich mit kaltem Waſſer einzuteigen, und erſt am folgenden Morgen 99 die uͤbrigen Geſchaͤfte der Einmaiſchung zu vollziehen. Alle dieſe Methoden, die Einmaiſchung auszufuͤhren, ſind dem Steuerpflichtigen geſetzlich nicht verſagt, er kann zu jeder Zeit diejenige waͤhlen, welche ihm die angemeſſenſte oder vortheilhafteſte erſcheint, die Steuer⸗ behoͤrde bedarf daruͤber keine Notiz, und die Reviſions⸗ beamten nehmen nur in ſofern davon Kenntniß, als es die Kontrolirung der Betriebsanſtalt erheiſcht. §. 111. Das auf eine der vorbeſchriebenen Ar⸗ ten eingebruͤhete Maiſchgut zeigt nunmehr eine Tempe— ratur von 50— 54 Grad, und bleibt unter wiederhol⸗ tem Umruͤhren ſo lange offen ſtehen, bis es zu demjeni⸗ gen Waͤrmegrad gelangt iſt, bei welchem nach dem Hinzutritt des Kuͤhlwaſſers, die Hefe oder das Gaͤh⸗ rungsmittel beigegeben werden kann. Waͤhrend dieſer Pe⸗ riode gehet der§. 48 angegebene Zuckerbildungsprozeß vor ſich, was wir außer dem Geſchmack auch daran erkennen, daß die Maiſche weit duͤnnfluͤßiger geworden und mithin die Umwandlung des Staͤrkekleiſters in Gummi und Zucker, ſo wie die theilweiſe Zerſetzung des Klebers Statt gefunden hat. Wie lange die Maiſche, ehe ſie abgekuͤhlt werden kann, ſtehen muß, laͤßt ſich mit Zuverlaͤſſigkeit nicht beſtimmen, da dieß von ihrer Temperatur, ſo wie von derjenigen des Gaͤhrungsraumes und der Atmoſphaͤre ab⸗ haͤngig iſt. Eine Stunde nach dem Bruͤhen erſcheint jedoch als mindeſter Zeitraum, welchen der vorberuͤhrte Zu⸗ ckerbildungsprozeß erfordert. §. 112. In dem Vorhergehenden haben wir bei Darſtellung der Einmaiſchungsprozeduren das Verhaͤlt⸗ niß der trocknen Subſtanz zur Fluͤſſigkeit ſo angenom⸗ men, wie es ſich ohne Ruͤckſicht auf Beſteuerung nach den fruͤheren Erfahrungen am vortheilhafteſten darſtellte. Nachdem jedoch bei Einfuͤhrung der Maiſchſteuer der Inhalt der Gaͤhrungsgefaͤße Gegenſtand der Abga⸗ benerhebung war, hat, wie es vorausgeſetzt wurde, die Induſtrie des Brennereibetriebes ſich vorzugsweiſe mit Unterſuchung und Loͤſung der zwei Fragen beſchaͤftigt: „wie viel Theile Fluͤſſigkeit mindeſtens er⸗ forderlich ſind, um einen Theil trockner Subſtanz zu extrahiren und aus derſelben 7* A, Veraͤnde⸗ rung, wel⸗ che die Maiſche erleidet. Produk⸗ tionsfaͤ⸗ higkeit des Maiſch⸗ raums. ————— 100 vermittelſt der Gaͤhrung alle darinn enthaltenen geiſtigen Beſtandtheile zu entwickeln?“ ſo wie ferner, „welches der geringſte Raum iſt, den dieſe Fluͤſſigkeit in der hoͤchſten Periode der Gaͤhrung gegen denjenigen Raum mehr einnimmt, welchen ſie unmittelbar nach der Einmaiſchung umfaßte?“ Es iſt mithin die erhoͤhete Produktionsfaͤhigkeit des Maiſchraumes gegen das geſetzlich angenommene Normalverhaͤltniß, Gegenſtand dieſer Spekulation ge⸗ weſen. Reſultate§. 113. Im Anfange nahm dieſe neue Richtung, der Beob⸗ welche die Branntweinfabrikation in Preußen durch Ver⸗ oZtungen mehrung der trocknen Subſtanz auf eine gewiſſe Menge Grenzen Fluͤſſigkeit zu erhalten ſchien, einige Aufmerkſamkeit in dieſer Pro⸗ Anſpruch; jedoch uͤberzeugte man ſich bald, daß die und Fabrikationsart ſich beſtaͤtigte; daß ferner die geſetzliche zrannt. Feſtſtellung der Gaͤhrungsfriſt auf den dritten oder neene*laͤngſtens vierten Tag der Einmaiſchung, ein Hinder— niß abgebe, den aus einer konſiſtenteren Maiſchung zu erwartenden Alkohol in jener kuͤrzeren Gaͤhrungsperiode zu entwickeln. Wir ſehen das Vorangefuͤhrte bei der Beobachtung ſtarker Biere und ſuͤßer Weine beſtaͤtigt, in welchen die Gaͤhrung weit fruͤher endet, als der hier im Uebermaaß vorhandene Zucker zerſtoͤrt iſt. Setzt man auch beides bei erhoͤheter Temperatur einer erneuten Gaͤhrung aus, ſo wird dennoch ein groͤßerer Antheil an Alkohol, als ſchon vorhanden iſt, nicht mehr entwickelt, vielmehr wird der uͤberſchuͤſſige Zuckerantheil in Eſſig verwandelt. Welchen Zeitraum uͤbrigens derartige Fluͤſſigkeiten er— fordern, um die geiſtige Gaͤhrung zu vollenden, ſehen wir, außer an malzreichem Bier und ſuͤßem Wein, vor⸗ zugsweiſe unſeren Zweck intereſſirend, bei Bereitung der Branntweinmaiſche in England, deren wir§. 33 gedacht haben. Dieſe Maiſche, welche vor der Gaͤhrung ge⸗ 101 woͤhnlich ein ſpezifiſches Gewicht von 1100 nach dem Sacharometer zeigt, wo mithin 1100 Pf. Fluͤſſigkeit 100 Pf. Getreideextrakt im trocknen Zuſtande enthal⸗ ten, man alſo annehmen darf, daß ſich in ihr das Ver⸗ haͤltniß des rohen Getreides zur Fluͤſſigkeit wie 1 zu 5 verhalte, bedarf 10 bis 12 Tage Zeit, ehe die Gaͤhrung vollendet iſt. Aber auch dann iſt noch bei weitem nicht aller Zuckergehalt zerſetzt, oder in Alkohol umgewandelt, vielmehr laͤßt ſich noch der fuͤnfte Theil jenes Extrak⸗ tes in ſeiner unveraͤnderten Beſchaffenheit daraus ab⸗ ſcheiden, woraus ein effektiver Branntweinverluſt von 20 Prozent hervorgehet. §. 114. Die vorerwaͤhnten Reſultate haben auch diejenigen Verſuche geliefert, welche Gewerbtreibende in dieſer Beziehung unternahmen, und die daraus gemach⸗ ten Erfahrungen die Verwaltungsbehoͤrde gleich anfangs zu der Ueberzeugung gefuͤhrt, daß das dicke Einmaiſchen nicht ſo weit getrieben werden kann, um eine andre Ba⸗ ſis fuͤr die Maiſchſteuer als den Bottichraum zur Ein⸗ maiſchung, nothwendig zu machen, und daß es weder zur Sicherſtellung der Maiſchſteuer⸗Einnahme, noch zur Aufrechthaltung des Brennereibetriebes, in den verſchie⸗ denen Abſtufungen ſeiner Vervollkommnung, einer geſetz⸗ lichen Beſchraͤnkung des Verhaͤltniſſes der trocknen Sub⸗ ſtanz zu dem Waſſer bei der Maiſchbereitung bedarf. Bei der im Verhaͤltniß zu dem Werthe des Fabri⸗ kates niedrig geſtellten Steuer auf Branntwein in dem Preußiſchen Staate gleicht ſich der Gewinn, welchen der Fabrikant bei ſehr dickem Einmaiſchen an der Steuer haben koͤnnte, durch den Verluſt an Branntweinaus⸗ beute von dem verwendeten Material wieder aus, und in dieſer Hinſicht koͤnnte nur bei ſehr niedrigen Fruchtprei⸗ ſen ein, jedoch immer an eine gewiſſe natuͤrliche, das Steuerintereſſe nicht erheblich bedrohende Grenze, gebun⸗ dener Reiz zum dickern Einmaiſchen, vorhanden ſein. So lange daher bei der Fabrikation ſelbſt nicht neue Erfindungen gemacht werden, welche die Grund⸗ zuͤge der gegenwaͤrtigen Beſteuerungsart weſentlich alte⸗ riren, ſtehet es auch nicht zu erwarten, daß durch eine Geſetzes⸗Deklaration dieſem Theile des Gewerbebetriebes beſtimmte Grenzen vorgeſchrieben oder angewieſen werden. 10³ Maxi⸗§. 115. Welchen Umfang der vorerwaͤhnte Spiel⸗ mum der raum zwiſchen dem angenommenen Normalverhaͤltniß Wranns. und der moͤglichen Produktionsfaͤhigkeit begraͤnzt, dar⸗ beute in uͤber koͤnnen wir theils aus eigenen Verſuchen und Er⸗ einem ge⸗ fahrungen, theils aus zuverlaͤßigen Ergebniſſen folgendes gebenen Reſultat vorlegen. Maiſch⸗ Wenn mit derjenigen Sorgfalt, Vorſicht und Ge⸗ raum. nauigkeit gearbeitet wird, welche wiſſenſchaftliche Opera⸗ tionen erheiſchen, und wenn alle Bedingungen, die da⸗ bei namentlich in Bezug auf niedere Temperatur und ausgewaͤhltes Material gemacht werden, ge⸗ nau zu treffen, ſo iſt es in einzelnen Faͤllen moͤglich, aus 1000 Quart Maiſchraum 90— 95 Quart Brannt⸗ wein zu 508 Alkoholgehalt zu erzielen, ohne dazu mehr Getreide zu verwenden, als erfahrungsmaͤßig zu einer ſolchen Quantitaͤt Branntwein erforderlich iſt. Die Produktionsfaͤhigkeit des Maiſchraumes kann daher gegen das Normalverhaͤltniß von 5 ½ pCt.(§. 27) bis auf 9ꝛ pECt. geſteigert werden, was jedoch nicht allein der dickeren Einmaiſchung, ſondern dem waͤhrend der Gaͤhrung dabei gleichzeitig erſparten Steigraume angerechnet werden muß. Es wuͤrde dieſe Beobachtung die Gleichheit der Beſteuerung weſentlich ſtoͤren, wenn nicht dazu bemerkt werden koͤnnte, wie dieſe einzelnen Reſultate nur die Moͤglichkeit darthun, was zu erreichen iſt, dagegen ihre regelmaͤßige Wiederholung, wobei auf einen ſtets guͤnſtigen Erfolg zu rechnen ſein wuͤrde, bei dem prak⸗ tiſchen Brennereibetrieb im Großen unausfuͤhrbar iſt. Die von techniſchen Commiſſarien hieruͤber ange⸗ ſtellten Verſuche haben zwar in Bezug auf Ausbeute ein noch groͤßeres Ergebniß geliefert; aus 100 Quart Maiſche von Waizen erhielt man 10, von reinem Ger⸗ ſtenmalz ſogar 13 Quart 50procentigen Branntwein; auch geben wir zu, daß aͤhnliche Ausbeute bei kaͤlterer Jahreszeit in manchen Brennereien erzielt werde, wir haben ſelbſt mehrere Gewerbanſtalten geſehen, in denen eine Zeit lang faſt regelmaͤßig aus 1000 Quart Maiſch⸗ raum 80— 88 Quart Branntwein von geſetzlicher Staͤrke producirt wurden: allein eine naͤhere Pruͤfung uͤber Art und Menge des dazu verwendeten Materials hat uns, wie auch aus den amtlichen Unterſuchungen 103 hervorgegangen, ſtets die Ueberzeugung geliefert, daß dazu weit mehr Getreide verwendet war, als beim ge⸗ woͤhnlichen Brennereibetrieb zu einer gleichen Quantitaͤt Branntwein von derſelben Staͤrke erforderlich geweſen ſein wuͤrde, daß alſo aus jenem Getreide nicht alle gei⸗ ſtigen Theile entwickelt, mithin ein effektiver Verluſt an Branntweinausbeute vorhanden war, deſſen Werth, nach Geld berechnet, ſich gewoͤhnlich gegen den dabei erſpar⸗ ten Steuerbetrag ausglich, ſo, daß dem Brenner nichts, als allenfalls eine nahrhaftere Schlempe zum Lohn blieb, und er es daher nach kurzer Zeit ſeinem eigenen Vor⸗ theil angemeſſen fand, das fruͤher beobachtete Verhaͤlt⸗ niß des Waſſers zur trocknen Subſtanz bei der Einmai⸗ ſchung wiederum anzuwenden. Das dickere Einmaiſchen, wenn es mit einem wirk⸗ lichen Vortheil fuͤr den Brenner verbunden ſein ſoll, haͤlt ſich daher in ziemlich beſtimmtem Kreiſe und jede Uebertreibung in dieſer Beziehung iſt fuͤr die Dauer immer mit pekuniaͤrem Nachtheil des Gewerbtreibenden verbunden. Selbſt wenn er auch einigemale die gehoͤ⸗ rige Ausbeute erhalten hat, ſo haben dennoch Temperatur und Gaͤhrungsmittel, auf die Entwickelung des Alkohols in ſehr dicker Maiſche, einen ſo weſentlichen Einfluß, daß beim ploͤtzlichen Wechſel derſelben ganz andere Re⸗ ſultate zum Vorſchein kommen, wo die Maiſche nur unvollkommen gaͤhrt, in dem Keſſel anbrennt oder uͤber⸗ ſchießt, und oft an einer fehlgeſchlagenen Einmaiſchung mehr verloren geht, als an den fruͤher gelungenen an Steuer erſpart worden war. §. 116. Das regelmaͤßigſte Verhaͤltniß der trock⸗ nen Subſtanz zur Fluͤſſigkeit bei kuͤhler Temperatur bleibt immer 1 zu 7, bei waͤrmerer Witterung 1 zu 8 bis 9. Hat man gewoͤlbte Gaͤhrungsraͤume, die ziem⸗ lich gleichmaͤßige Waͤrmegrade, im Sommer wie im Winter halten, ſo kann das ganze Jahr hindurch in dem oben angegebenen Verhaͤltniß gemaiſcht werden. Die bedeutendſten Branntweinfabrikanten in der Monar⸗ chie laſſen regelmaͤßig bei der Maiſchung dieſes Ver⸗ haͤltniß beobachten und wenn man annehmen darf, daß dieſe ihren Vortheil wohl zu berechnen und zu beachten wiſſen, ſo wird, zuſammen genommen mit dem Voran⸗ gefuͤhrten, ſchon hieraus die Ueberzeugung ſich darthun, Welches Verhaͤlt⸗ niß zwi⸗ ſchen trock⸗ ner Sub⸗ ſtanz und Flaͤfſigkeit wird fuͤr das ange⸗ meſſenſte erachtet? 104 daß eine groͤßere Verwendung trockner Subſtanz bei unſerm Gewerbebetriebe dem Brennereiinhaber keinen Ge⸗ winn bringt. Noth⸗§. 117. Will man jedoch, was unverwehrt iſt, Wurdige verſuchsweiſe eine dickere Maiſche, als ſie ſich aus dem gungen vorangegebenen Verhaͤltniß darßeellt, bereiten, ohne Nach⸗ und Er⸗ theil beim Abſchwellen oder bei der Branntweinausbeute forderniſſe zu erleiden, mithin eine Maiſche, in welcher ſich alle de hun. geiſtigen Theile entwickelt haben, ſo iſt es vor allem vom vo noͤthig, daß die ganze Operation des Einmaiſchens mit genannten Geſchick, Sachkenntniß, Genauigkeit und Sorgfalt voll⸗ Verhaͤlt, zogen werde, dann iſt darauf zu ſehen, daß man zu niß. ſolcher Maiſche entweder nur gemalzte Fruͤchte, welche weniger Waſſer als rohes Getreide zur Extrahirung und Aufloͤſung beduͤrfen, da ſie ſpezifiſch leichter als im ro⸗ hen Zuſtande ſind, und der Kleber groͤßtentheils aus ih⸗ nen geſchieden iſt, verbraucht, oder wenn man rohes Getreide benutzen will, nur Weizen verwendet. Gerſte und Roggen ſind wegen des großen Antheils von Kleber, den ſie enthalten, dafuͤr nicht geeignet. Wird leichtes ungemalztes Getreide gemaiſcht, ſo muͤſſen die Schrot⸗ huͤlſen, welche einen bedeutenden Naum einnehmen, und keine Branntweinausbeute liefern, vor der Einmaiſchung abgeſiebt werden. Ein ferneres Erforderniß iſt der Ge⸗ brauch von ſtarker Hefe oder Gaͤhrungsmitteln, die friſch und kraͤftig ſein, und in derjenigen Quantitaͤt an⸗ gewendet werden muͤſſen, welche zu der eingemaiſchten Schrotmaſſe in Verhaͤltniß ſtehet. Die Hauptbedingung iſt außerdem jedoch kalte, oder mindeſtens kuͤhle Tempe⸗ ratur der Atmoſphaͤre oder der Gaͤhrungskammern, da⸗ her man im Sommer oder da, wo die Maiſchbottiche den Blaſenheerden nahe ſtehen, eine dickere Einmaiſchung nicht verſuchen darf, ja ſelbſt haͤufig nicht mit dem Verhaͤltniß wie 8 zu 1 ausreich wenn man ſich nicht beſonderer Kuͤhlapparate bedient. Man kann naͤmlich bei dicker Einmaiſchung an heißem Waſſer nichts ſparen, ſondern muß diejenige Quantitaͤt nehmen, welche erforderlich iſt, um nach dem Hinzuſchuͤtten des Schrotes in der gemaiſchten Maſſe eine Temperatur von 50— 55 Graden zu erzeugen; es bleibt hiernach fuͤr das Abkuͤhlen nicht derjenige Raum im Bottich uͤbrig, um die noͤthige Menge kalten Waſſers 105 aufzunehmen, wodurch jene niedere Temperatur von 18— 22 Graden erreicht wird, welche beim Stellen ſolchen Maiſchgutes erforderlich iſt, wenn die Gaͤhrung regelmaͤßig von Statten gehen ſoll, und wenn man nicht fuͤrchten will, daß der ganze Gaͤhrungsprozeß raſch und gewaltſam beginne oder ende, ein Theil der Mai— ſche in der Blaſe anbrenne oder uͤberſteige, und Brannt⸗ weinverluſt daraus entſtehe. Laͤßt man wiederum das gebruͤhete Maiſchgut, um dieſe niedere Temperatur zu erlangen, laͤnger als 3— 4 Stunden in dem Bottich ſtehen, ehe man zur Abkuͤh⸗ lung ſchreitet, ſo beginnt es nach dieſer Zeit gewoͤhnlich ſchon ohne Hinzuthun von Hefe, ſaͤuerlich(trebernſauer) zu ſchmecken, die Gaͤhrung beginnt zu heftig, oder gehet unvollkommen von Statten(wilde Gaͤhrung), die Maiſche klaͤrt ſich nicht, wird lang(ſie bleibt ſitzen), und es er⸗ folgen beim Abbrennen die vorangefuͤhrten Erſcheinungen. Denſelben Uebelſtand, deſſen wir hier gedenken, Saͤurebil⸗ beobachtete man von jeher, namentlich in der waͤrme⸗ dung in ren Jahreszeit, vorzuͤglich bei Gewitterluft, oͤfters in den dem fei Branntweinmaiſchen, obſchon zu dieſen eine groͤßere Maiſchgut Quantitaͤt Frucht oder Kartoffeln, als das gewoͤhnliche und in der Verhaͤltniß, nicht verwendet war. Oft ſchon zwei Stunden nach dem Einbruͤhen hatte die Maiſche einen ſaͤuerlichen Geſchmack angenommen, und der Brenner erkannte ſchon jetzt, daß Ausbeuteverluſt die unvermeid⸗ liche Folge war. Um ſo befremdender iſt es, daß man nicht fruͤher auf die Idee kam, dieſe ſchaͤdlichen Einwir⸗ kungen zu hindern, als bis die, durch die Steuergeſetz⸗ gebung erregte Induſtrie, den Vortheil und die Noth⸗ wendigkeit einer raſchen Abkuͤhlung der Branntweinmai⸗ ſche im Allgemeinen darthat. Eine bekannte Sache iſt es, daß jeder Brauer da⸗ hin trachten muß, die Bierwuͤrze ſo ſchnell als moͤglich abzukuͤhlen, was gewoͤhnlich dadurch geſchiehet, daß man der Fluͤſſigkeit die groͤßte Oberflaͤche zu geben ſucht, wofuͤr in jeder Brauerei von einigem Belang beſondere Vorrichtungen vorhanden ſind. Wird eine Bierwuͤrze, bevor ſie mit Hefe geſtellt werden kann, nach Maaß⸗ gabe der hoͤheren oder niederen Temperatur, mit der Athmoſphaͤre in Beruͤhrung gelaſſen, ſo muß das davon zu erwartende Produkt unbrauchbar werden, jene Wuͤrze Bier⸗ wuͤrze. 106 wird ſchaal, ſie verllert an Geſchmack und Geruch, am meiſten aber an geiſtiger Gaͤhrungsfaͤhigkeit, woraus als Folge ſtets ein truͤbes, unhaltbares oder ſaures Bier entſtehet. Je malzreicher eine derartige Wuͤrze iſt, deſto langſamer gehet ihre Abkuͤhlung vor ſich, und um ſo leichter iſt ſie nachtheiligen Einwirkungen unterworfen. Was wir hier bei dem Abkuͤhlen der Bierwuͤrze bemerken, findet unter gleichen Verhaͤltniſſen bei der Branntweinmaiſche voͤllige Anwendung, da ſie, mit Aus⸗ nahme des zur Ethaltung beitragenden Hopfenertraktes, dieſelben Beſtandtheile an Zucker, Gummi und unzerſetz⸗ tem Mehlſtoff enthaͤlt. Hier iſt die Einwirkung des Sauerſtoffes ganz dieſelbe, und wenn ſie nicht immer fuͤr ſo nachtheilig erachtet worden iſt, ſo mag der Un⸗ terſchied darinnen ſeinen Grund finden, daß bei der Be⸗ reitung von Bier, wenn ſich erſt Eſſiggaͤhrung gebildet hat, das ganze Produkt verloren gehet, bei der Ver⸗ arbeitung auf Branntwein aber, ſelbſt im unguͤnſtigſten Falle, dennoch nur ein theilweiſer Verluſt an Aus⸗ beute Statt findet. Auch ſtellte man zeither, wo es immer moͤglich war, den Betrieb der Branntweinbren⸗ nereien in den Sommermonaten ein, oder nahm in die⸗ ſer Jahreszeit ein Miſchungsverhaͤltniß der Frucht zur Fluͤſſigkeit an, bei welchem nach demjenigen Zeitpunkt, wo der Zuckerbildungsprozeß vollendet erſchien, die Mai⸗ ſche im Bottich den niedrigen Temperaturgrad erreicht batte, um nach dem Hinzulaſſen des Kuͤhlwaſſers ſtell⸗ recht zu ſein. Erlaͤnte⸗§. 118. Wodurch eigentlich dieſe Saͤurebildung un dee⸗ entſtehet, daruͤber ſind, namentlich jetzt, die Gelehrten ſer Sue nicht gleicher Meinung; wir begnuͤgen uns daher mit der zeither angenommenen Auslegung, daß die Athmo⸗ ſphaͤre ihren Sauerſtoff an eine zuckerhaltige Fluͤſſig⸗ keit, die einem hoͤheren Waͤrmegrad ausgeſetzt wird, leicht abtrete, und dadurch in derſelben die Eſſigbildung vorzugsweiſe veranlaßt werde. Iſt die Luft noch uͤber⸗ dies elektriſch(Gewitterluft), ſo zeigt ſich dieſe Saͤure⸗ bildung raſcher und in hoͤherem Grade. Abkuͤhlen§. 119. Iſt man auch von der Idee, durch das des dickere Einmaiſchen den groͤßeren Theil der Steuer er⸗ Maiſch⸗ ſparen zu wollen, zuruͤckgekommen, ſo wird dennoch nicht gutes. beſtritten, daß die dadurch entſtandene Verfahrungs⸗ weiſe, eine ſchleunigere Abkuͤhlung des Maiſchgutes zu bewirken, dem Gewerbebetrieb, namentlich bei dem Ver⸗ brauch von Kartoffeln, ſo wie im Sommer, von we⸗ ſentlichem Vortheil iſt, und auch ohne Ruͤckſicht auf Steuerhoͤhe oder Steuerhebung in den beſſeren Fabrika⸗ tionsanſtalten beibehalten oder eingefuͤhrt wird, da ſie auf einfache Weiſe eine ſchnelle Abkuͤhlung in beſtimm— ter Friſt erreichen laͤßt, den Eintritt der Eſſiggaͤhrung weſentlich hindert, und dadurch eine ſtets gleichfoͤrmige Gaͤhrung erfolgt, die anderweit wieder den hoͤchſten Aus⸗ beuteertrag der angewendeten Materialien verbuͤrgt. §. 120. Nach der Lokalitaͤt und dem Umfang des Brennereibetriebes hat man dazu verſchiedenartige Vor⸗ richtungen in Gebrauch geſetzt, deren Benutzung bei uͤbrigens unverdaͤchtigem Betriebe von der Steuerbehoͤrde den Brennern bedingungsweiſe geſtattet wird. Zunaͤchſt gehoͤren dahin Vormaiſchbottiche, die ohnedies in jeder Brennerei vorhanden ſein muͤſſen, wo die Gaͤhrungs⸗ raͤume und Maiſchtienen ſich in anderen Lokalen befin⸗ den, als denjenigen, in welchen die Einmaiſchung vor⸗ genommen wird. In ihnen geſchiehet zunaͤchſt die Mai⸗ ſchung des Getreides mit heißem Waſſer. Hat die Maiſche eine Zeit lang geſtanden, und iſt der Zucker⸗ bildungsprozeß in ihr vollendet, ſo wird das Gut durch Rinnen in den verſteuerten eigentlichen Maiſchbottich uͤbergefuͤhrt, und erhaͤlt auf dieſem Wege, oder durch nochmalige Ruͤckleitung die noͤthige Kuͤhlung. §. 121. In den Brennereien von groͤßerem Um⸗ fange bedient man ſich beſonderer Kuͤhlſchiffe von geradliniger Form, denjenigen gleich, welche in den Brauereien zum Kuͤhlen der Bierwuͤrze gebraucht wer⸗ den. In dieſe, welche entweder außerhalb der Brenne⸗ reien, oder in denſelben, jedoch erhaben ſtehen, wird durch Schoͤpfen oder Pumpwerk die heiße Maiſche auf⸗ gebracht, und da ihr hier ſowohl eine große Flaͤche, als eneh Luftzug dargeboten werden, in ſchneller Zeit abge⸗ kuͤhlt. §. 122. Stehet bei groſſen Maſſen die Maiſche in dem Kuͤhlſchiffe hoͤher als 4 bis 5 Zoll, oder kann man daſſelbe nicht an einem luftigen Orte anbringen, ſo bedient man ſich der Windfaͤcher, die gegenwaͤr⸗ tig faſt allgemein zum Abkuͤhlen der Bierwuͤrze in Eng⸗ Vorrich⸗ tungen da⸗ fuͤr. Vor⸗ maiſchbot⸗ tiche. Kuͤhl⸗ ſchiffe. Windfaͤ⸗ cher. Fig. 14. 108 land gebraucht werden, und auch bei uns um ſo mehr eingefuͤhrt zu werden verdienen, je einfacher dieſe Vor⸗ richtung und ihre Handhabung, und je groͤßer die Wir⸗ kung iſt, welche ihre Anwendung hervorbringt. Nach einer uns zugegangenen Beſchreibung iſt ihre Konſtruk⸗ tion folgende. In der Mitte des Bodens vom Kuͤhl⸗ ſchiffe ruhet eine ſenkrechte eiſerne Axe, die oben in einem Halsbande, unten in einer Pfanne laͤuft. An dieſer Axe oder ſtehenden Welle ſind vermittelſt durchgehender Arme vier Platten aus Eiſenblech unter rechten Winkeln angebracht. Der Durchmeſſer des Kreiſes, welchen die aͤußere Linie des Faͤchers beſchreibt, betraͤgt ungefaͤhr 6 Fuß, die Breite der Platten 8 bis 10 Zoll. Die untere Kante der Platten des Faͤchers ſtehet ungefaͤhr einen Zoll hoch von der Oberflaͤche der Maiſche ab. Soll die Vorrichtung gebraucht werden, ſo wird, nach— dem die Wuͤrze auf das Kuͤhlſchiff gebracht worden iſt, die Arxe vermittelſt eines Getriebes, entweder durch die Dampfmaſchine, oder durch ein Pferd in Bewegung ge⸗ ſetzt. Der Faͤcher laͤuft in einer Minute 120 mal her⸗ um, und erzeugt einen maͤchtigen Luftſtrom, der wie ein Sturmwind uͤber die Oberflaͤche der Fluͤſſigkeit hinfaͤhrt, und hinreicht, die große Quantitaͤt von 1000 Gallons '= 4000 Quart ſiedend heiß aufgebrachter Maiſche binnen zwei Stunden auf die Temperatur von 8— 12 Grad Reaumuͤr abzukuͤhlen, wozu bei der bloßen Ein⸗ wirkung der athmoſphaͤriſchen Luft, ſelbſt in kaͤlterer Jahreszeit, mindeſtens 10 Stunden erforderlich geweſen ſein wuͤrden. Die Vorrichtung iſt, wie wir ſehen, ſehr einfach, und wenn ihre Anwendung auch ſelbſt bei der Brennerei nicht uͤberall nothwendig erſcheinen mag, ſo iſt doch bei uns ihre Einfuͤhrung zum Abkuͤhlen der Bierwuͤrze wuͤnſchenswerth, da aus ihrem Gebrauch au⸗ ßer der ſchnellen Kuͤhlung und den daraus hervorgehen⸗ den guͤnſtigen Folgen fuͤr das Fabrikat, auch noch der Vortheil erwachſen duͤrfte, daß bei großen Brauanſtal⸗ ten das Halten mehrerer Kuͤhlſchiffe erſpart, mithin Raum und Anlagekapital gewonnen wuͤrde. Da ferner in Preußen dieſe Gewerbsanlagen von einem kleineren Umfang als in England ſind, ſo wuͤrde dieſe ganze Vorrichtung aus Holz gefertigt werden koͤnnen, und die Kraft eines Menſchen hinreichen, ſie in die erforderliche b V 109 Bewegung zu ſetzen. Die Anſicht dieſes Faͤchers ergiebt Fig. 14. dig Bedient man ſich dieſes Faͤchers zur Abkuͤhlung von Branntweinmaiſche, ſo muß dieſelbe, um die darin befindliche feſte Subſtanz der Oberflaͤche auszuſetzen, zu⸗ weilen mit einer Kruͤcke umgeruͤhrt werden. §. 123. Wo jedoch fuͤr Aufſtellung derartiger Ge⸗ faͤße in einem Gewerbslokal kein Raum vorhanden iſt, gebraucht man den ſogenannten Maiſchkuͤhler. Es beſteht dieſer aus einer runden Welle, durch welche kreuzweis zwei Fluͤgel gehen, deren Laͤnge ſich nach der Hoͤhe der Maiſchtienen richten muß. Auf den beiden Enden von einem dieſer Fluͤgel, deren Verlaͤnge⸗ rungen, damit ſich die Maiſche nicht ſtemme, ausge— ſchnitten oder durchloͤchert ſind, ſtehen zwei Schoͤpfkaſten; der zweite Fluͤgel wird ohne dieſe konſtruirt. Beim Ge⸗ brauch wird die Welle quer uͤber die mit Maiſchgut gefuͤllte Tiene gelegt, in welche auf den obern Dauben ein Paar halbzirkelfoͤrmige Einſchnitte zur Einlage der Zapfen gemacht ſind, woruͤber zu deren feſter Lage, ein Paar Pfannendeckel gehen, damit die Welle beim Um⸗ drehen ſich nicht aushebe. An der einen Seite des ver⸗ laͤngerten Zapfens wird die Kurbel geſteckt, und durch raſches Umdrehen der Maſchine die in dem Bottich be⸗ findliche Maiſche theils emporgehoben, theils in immer— waͤhrender Bewegung gehalten. Sind große Maſſen zu bearbeiten, ſo laͤßt man an der Kurbel noch ein ſogenanntes Vorgelege anbringen, welches aus einem Stirnrade und dem Getriebe beſtehet. Die Zeichnung eines ſolchen Maiſchkuͤhlers ſammt Kaſten und Getriebe, ſtellt Fig. 15 dar. Der Maiſchkuͤhler wird bequem durch eine Perſon in Bewegung geſetzt. Sind die Bottiche nicht gleich groß und breit, oder will man die Einſchnitte nicht gern an den Dauben anbringen laſſen, ſo ſetzt man ein Paar hoͤlzerne, dazu verfertigte Boͤcke paralell an die Seiten des Gefaͤßes, und legt die Welle des Maiſchkuͤhlers zwiſchen die dort angebrachten Einſchnitte und Pfan⸗ nendeckel. §. 124. Ein anderer Vorſchlag, die Maiſche ab⸗ zukuͤhlen, iſt in dieſen Tagen erſchienen). Obgleich *²) Koͤgels neueſter Kuͤblapparat. Ein Bogen couvertirt und verſiegelt Ein Thaler. Quedlinb. Baſſe. Maiſch⸗ kuͤhler Fig. 15. Kuͤhlka⸗ naͤle. Fig. 16. 110 jene, als neuer Kuͤhlapparat geruͤhmte Vor⸗ richtung nichts weniger als eine neue Er⸗ findung genannt werden darf, da ſie bereits laͤnger als ſeit 30 Jahren bei dem Abkuͤhlen der Wuͤrze in der fuͤrſtlich Reußiſchen Bierbrauerei zu Koͤſtritz angewen⸗ det wird, ſo gedenken wir derſelben hier dennoch, da ihrem Gebrauch zum Abkuͤhlen der Maiſche kein Hin⸗ derniß entgegen zu ſtehen ſcheint, in ſofern der vorge⸗ ſchlagene Apparat aus Eiſenblech nicht zu wandelbar, aus Kupfer nicht zu koſtbar oder zu ſchwer ſein duͤrfte. Derſelbe beſtehet nach Fig. 16 aus einem blechernen oder kupfernen, 1 Fuß breiten, 1— 1 ½ Zoll hohen Kanal, der ſich ſo vielmal hinauf und hinunter windet, als es die Groͤße der Maiſchgefaͤße erfordert. Die Hoͤhe dieſer Windungen ſtehet am zweckmaͤßigſten mit derjenigen Hoͤhe gleich, welche das gemaiſchte Gut im Bottich einnimmt. Die beiden offnen Enden aber ragen uͤber den Bottichrand hervor, ſo daß die Einflußroͤhre noch 1 etwas hoͤher ſtehet, als die Abflußroͤhre. Soll dieſer Kuͤhler gebraucht werden, ſo wird derſelbe bei a. a. durch Ueberwuͤrfe an die Seitenwaͤnde des Bottiches be⸗ feſtiget, auf die Eingangsroͤhre ein Trichter geſtellt und vermittelſt einer Rinne kaltes Waſſer hinein- und ſo lange ununterbrochen durchgeleitet, bis die noͤthige Ab⸗ kuͤhlung der Maiſche Statt gefunden hat. Waͤhrend dieſer Zeit muß das Maiſchgut oͤfters durchgeruͤhrt wer⸗ den, um alle Theile deſſelben mit den kuͤhlenden Flaͤchen in Beruͤhrung zu bringen. Das nach geſchehener Ab⸗ kuͤhlung in dem Kanal vorhandene Waſſer wird durch den Heber, welcher in die Ausgangsroͤhre gebracht iſt, herausgehoben, der etwa noch zuruͤckbleibende Theil aber durch die mit Stoͤpſeln verſchloſſenen Oeffnungen b. b. b. b. abgelaſſen. Die Windungen des Kanals ſind durch Blechſtreifen c. c. zuſammengehalten. Iſt eine Maiſche zu kalt geſtellt worden, und will die Gaͤhrung ' nicht vorwaͤrts ſchreiten, ſo kann man mittelſt heißen Waſſers, welches durch den Kanal geleitet wird, auch die noͤthige Waͤrme in derſelben wieder herſtellen. Tempera⸗§. 125. Bis zu welcher Temperatur man ent⸗ 1 Suaddefe weder in den urſpruͤnglichen Maiſchbottichen, oder ver⸗ vor dem mittelſt einer der hier beſchriebenen Vorrichtungen die Abkuͤhlen. Maiſche abkuͤhlen laͤßt, bevor man ihr, um ſie mit 111 Hefe zu ſtellen, das noch fehlende Waſſer zuſetzt, haͤngt von derjenigen Temperatur ab, welche das Kuͤhl⸗ waſſer ſelbſt hat, und wird am leichteſten durch nach⸗ ſtehende einfache, vom Herrn Piſtorius dafuͤr berechnete Tabelle beſtimmt: Wenn die Temperatur des Kuͤhl. So muß die Maiſche vor dem waſſers betraͤgt, Zukuͤblen nachſtehende Tem⸗ peratur zeigen, 14 Grad 2975 Grad 13 30 8„ 12 9 3175* 414 o⸗ 3278 ⸗ 10„. 3425 3 9. 35„ 8 3 3675„ 7 ⸗ 377 ⸗ 6„ 3875 ⸗ 5 4075 ⸗ 4* 4 1 15 2 3„ 42156 ⸗ 2 ⸗ 43758 ⸗ 4 4478 Es iſt hierbei keinesweges noͤthig, daß man die Temperatur des Kuͤhlwaſſers jedesmal pruͤfe, viel⸗ mehr reicht es hin, wenn dieß bei wechſelnder Wit⸗ terung in den verſchiedenen Jahreszeiten geſchiehet, wo Waͤrme oder Kaͤlte auch auf die Temperatur des Fluß⸗ oder Teichwaſſers weſentlichen Einfluß aͤußern. Schoͤpft man Waſſer aus tief gegrabenen Brunnen, ſo bleibt die Temperatur deſſelben das ganze Jahr hindurch ziemlich gleichfoͤrmig. Bei dem Abkuͤhlen nach dieſer Tabelle zeigt die Maiſche regelmaͤßig die Temperatur von 19— 21 Grad. Moͤchte jedoch zuweilen auch beim Ein⸗ maiſchen an heißem, beim Abkuͤhlen an kaltem Waſſer, ſei es zu viel oder zu wenig, verwendet worden ſein, ſo koͤmmt es auf einige Grade Waͤrme, welche die Maiſche uͤber oder unter dieſem Verhaͤltniß zeigt, nicht ſonderlich an, wenn nur ſonſt das beigegebene Gaͤhrungsmittel hinreichend ſtark iſt, auch in kaͤlterer Maiſche eine kraͤf⸗ tige Fermentation zu erregen. Kaͤlteres Stellen iſt im⸗ mer vortheilhaft, wenn nur die Hefe wirkſam genug iſt. Im Winter wendet man zum Abkuͤhlen mit Vortheil Eis an. §. 126. In der Regel wird zum Zukuͤhlen rei⸗ Fluͤſſigkei⸗ nes Waſſer genommen, doch bedient man ſich auch der ten, welche abgeklaͤrten kalten Schlempe des vorigen Tages. In zum Abküblen 11² gebraucht Brennereien, mit denen Kuͤhlanſtalten vorgenannter Art Wordin. verbunden ſind, mag dieſes, von Vielen als ein die Schlempe, guͤnſtige Ausbeute befoͤrderndes Huͤlfsmittel geruͤhmte Zuckerwaſ⸗ Verfahren, anwendbar ſein, und in ſofern nuͤtzlich er⸗ ſer, Wein, ſcheinen, um den in der vorigen Maiſche etwa unzerſetzt Welah⸗ gebliebenen Zuckerſtoff durch friſche Gaͤhrung in Alkohol fäne. zu verwandeln, auch ein Hinderniß abgeben, daß in der neuen Maiſche keine ſo reichliche Eſſigbildung auf Koſten des verwendeten Materials vorgehe, da dieſe friſche Maiſche durch die Vermiſchung mit Schlempe ſchon einen reich⸗ lichen Antheil von Eſſigſaͤure fertig gebildet erhaͤlt. Da— gegen moͤchte im Sommer, eben ſo da, wo man der Schlempe als Viehfutter bedarf, und namentlich bei groͤßeren Brennanſtalten die vermehrte Arbeit mit dem zu hoffenden Nutzen nicht im Verhaͤltniß ſtehen, der auch anderweit dadurch gemindert wird, daß man das Verhaͤltniß der Fluͤſſigkeit zur trocknen Subſtanz bei ſolcher Maiſche nicht wohl unter 1 zu 9 annehmen darf. Bedient man ſich zur Abkuͤhlung der Maiſche an— derer zur Branntweinbereitung geeigneten Fluͤſſigkeiten, z. B. des Zuckerwaſſers, truͤben Weines, oder der Weinhefen, ſo muß deren Verwendung beſonders dekla⸗ rirt und nach den dafuͤr feſtgeſtellten Abgabenſaͤtzen F. 31. 32) verſteuert werden. Dagegen iſt der Ge⸗ brauch desjenigen Abganges aus den Bierbrauereien ge⸗ ſtattet, welcher erhalten wird, wenn man, nachdem das Bier fertig iſt, durch die Malztrebern nochmals kaltes Waſſer gehen laͤßt, und zu dieſer Fluͤſſigkeit dann das⸗ jenige Spuͤlich ſchuͤttet, was durch Reinigen der Kuͤhlſchiffe, Maiſchgefaͤße, Hopfenkaſten und Braukeſſel erhalten wird. Man kann zwar nicht ſagen, daß durch das Ab⸗ kuͤhlen mit dieſer Fluͤſſigkeit mehr Branntwein gewon⸗ nen wird, aber erwieſen iſt es, daß ſie die Gaͤhrung ſehr befoͤrdert, und dem Branntwein ſelbſt einen liebli— chen Geſchmack ertheilt, was ſich aus den darinnen ent⸗ haltenen vielen Hefe⸗ und Hopfentheilen erklaͤrt. Anfuͤl⸗§. 127. Welche Hoͤhe die Maiſche in den Bot⸗ lung der tichen nach dem Abkuͤhlen und Stellen am zweckmaͤßig⸗ Maüſch, ſten einnimmt, daruͤber laſſen ſich beſtimmte Vorſchriften 38 nicht ertheilen, indem es von den angewendeten Mate⸗ Steig⸗. hr raum der rialien, von der Bereitung der Maiſche, deren Tempe⸗ 113 ratur und dem Gaͤhrungsmittel abhaͤngt, welcher leer gaͤdrenden gelaſſene Raum hinreicht, das Ueberſteigen der Maiſche waͤhrend der Gaͤhrung in ihrer hoͤchſten Periode, zu verhuͤten. Bei der gegenwaͤrtigen Beſteuerung des Brannt⸗ weins iſt es mit dem Intereſſe des Brenners verbunden, die Bottiche ſo hoch als moͤglich anzufuͤllen, um in dem gegebenen Raume eine groͤßere Quantitaͤt Brannt⸗ wein zu erzeugen, als der geſetzliche Maaßſtab annimmt. Auch dieſer Zweig der Induſtrie wird von der Steuer⸗ behoͤrde nicht beſchraͤnkt, und dem Brenner ſtehet frei, die Bottiche anzufuͤllen, ſo weit ihm gut duͤnkt; doch iſt Uebertreibung auch hier, wie beim dickeren Einmai⸗ ſchen mit Verluſt fuͤr den Brenner verbunden, da er das Ueberlaufen der gaͤhrenden Maiſche durch Vorrich⸗ tungen auf keine Weiſe hindern, ſie weder abſchoͤpfen, noch auffangen darf, und daher oͤfters der Fall eintreten mag, daß der Verluſt der uͤbergelaufenen Maiſche weit mehr betraͤgt, als der beabſichtigte Steuergewinn moͤglicher Weiſe haͤtte betragen koͤnnen. Brennt man ungemalzte Fruͤchte, namentlich Gerſte, Hafer, Buchweizen, oder verarbeitet man Getreide, wel⸗ ches mit vieler Rade vermiſcht, oder auf friſchem Schaf⸗ duͤnger gewachſen iſt, iſt die Maiſche nicht gar gebruͤ⸗ het, zu ſtark mit Hefe, oder zu warm geſtellt, ſo ſteigt ſie in der hoͤchſten Periode der Gaͤhrung uͤber den Bottich hinaus, ſelbſt wenn man ein Zehntel oder ein Achtel des Maiſchraumes leer gelaſſen hat; mithin wird man in ſolchen Faͤllen kaum mit der geſetzlichen Annahme(. 27) ausreichen. Will man gegen dieſe noch erſparen, ſo kann dies nur durch Vermeiden der vorgenannten, ein ungewoͤhnliches Steigen veranlaſſenden Urſachen erreicht werden. Dazu gehoͤrt, daß man ſich groͤßtentheils ge⸗ malzter Fruͤchte bedient, daß die Maiſche kalt geſtellt und ein Gaͤhrungsmittel verwendet wird, bei deſſen Ge⸗ brauch ſie minder hoch als bei jeder anderen Hefe ſteigt. Ein derartiges Gaͤhrungsmittel findet ſich§. 130 be⸗ ſchrieben. In Nordhauſen bedient man ſich deſſelben in allen Brennereien ununterbrochen, und laͤßt in den Bottichen mehr nicht, als, bis ☚ Raum nach dem Stellen uͤbrig; dennoch gehoͤrt das Ueberlaufen einer 8 Maiſche. Verhinde⸗ rung des Ueberlau⸗ fens, Stellen der Maiſche mit Hefe. 114 gäͤhrenden Maiſchtiene dort zu den ſeltenen Erſchei⸗ nungen. Steigt die Maiſche, ſei es aus welchem Grunde es wolle, und man fuͤrchtet ein Ueberlaufen derſelben, ſo darf man nur den Rand des Bottiches mit fetter Sahne(Milchrahm/ beſtreichen, an deren Fettigkeit die mit Luft gefuͤllten Blaſen zerſchellen und die Maiſche, ohne daß etwas verloren gehet, wieder in den Bottich zuruͤck⸗ faͤllt. Durch dieſes einfache Huͤlfsmittel wird weder die Gaͤhrung unterbrochen, noch hat man Verluſt an Aus⸗ beute zu fuͤrchten, ſo wenig als ein einzelnes Stuͤck Seife, ſei es im Brunnen oder in der Maiſche, eine nachtheilige Wirkung hervorbringt, was bis zum heutigen Tag ein großer Theil der Brenner irrthuͤmlich an⸗ nimmt. In England werden, um das Ueberſteigen zu verhuͤten, bei jeder Blaſenfuͤllung 1 bis 2 Loth Seife der Maiſche zugeſetzt. §. 128. Nach dem Abkuͤhlen der Maiſche erfolgt das Stellen derſelben, mit welchem Ausdruck wir das Zuſetzen der Gaͤhrungerregenden Subſtanz (der Hefe) bezeichnen, und dadurch veranlaſſen, daß zwiſchen dem durch die Maiſche gebildeten Zucker und dem Ferment eine ſolche gegenſeitige Wirkſamkeit entſteht, daß Beide zerſetzt und aus ihnen neue Produkte gebil⸗ det werden. Das Stellen des Maiſchgutes geſchah fruͤher ledig⸗ lich mit fluͤſſiger, gepreßter oder trockner Bier⸗ hefe, welche letztere, oft aus entfernten Gegenden und Laͤndern,(z. B. aus Holland und England) mit ſchwe⸗ ren Koſten herbeigeſchafft werden mußte, da ſo viel Hefe, als der Branntweinbrennereibetrieb verbrauchte, die Bier⸗ brauereien Preußens nicht produzirten. Unbeſtritten iſt Bierhefe auch heut noch das wirkſamſte Gaͤhrungsmittel in der Maiſche, und man wendet ſie uͤberall da an, wo ſie friſch, in großer Menge und wohlfeil genug zu haben iſt, daß die Ausgabe dafuͤr durch Qualitaͤt und Quan⸗ titaͤt der Ausbeute gedeckt wird. Auch kann ſie in Bren⸗ nereien nicht gut entbehrt werden, wo vielleicht woͤchent⸗ lich nur einmal eingemaiſcht wird, ſo wie ſie zur theil⸗ weiſen Verfertigung oder Erneuerung kuͤnſtlicher Gaͤh⸗ rungsmittel verwendet werden muß. Zu der Maiſche von einem Scheffel Schrot rechnet man im Durchſchnitt ——— ꝗ— ꝗ— 115 ein halbes Quart gute Ober⸗ oder Spundhefe. Bedlent man ſich der Unterhefe, ſo wird die doppelte Quantitaͤt erfordert. Man verſtaͤrkt ihre Gaͤhrung erregende Faͤhig— keit dadurch, daß man eine Stunde vor dem Abkühlen einige Eimer friſches Maiſchgut aus dem Bottich her⸗ aus nimmt, hiermit die erforderliche Quantitaͤt Bier⸗ hefe in einem beſonderen Gefaͤß vermengt und mit die— ſer, bereits in beginnende Gaͤhrung getretenen Mi— ſchung, das gekuͤhlte Maiſchgut ſtellt. §. 129. Da die Koſten der Anſchaffung bei dem ſteten Verbrauch von Bierhefe, namentlich wenn die Brennerei entfernt von groͤßeren Staͤdten iſt, wo gleichzeitig lebhafter Brauereibetrieb Statt findet, nicht unbedeutend ſind, da es ferner ſchwierig iſt, vor dem Gebrauch der zu verwendenden Hefe leicht und ſicher die weſentliche Eigenſchaft zu pruͤ⸗ fen, ob ſie friſch oder kraͤftig genug ſei, um bei der Gaͤhrung die erwarteten Reſultate hervorzubringen, ſo wie der aus dieſer Unſicherheit entſtehende Unterſchied im Gaͤhrungsprozeß und der Ausbeute an Brannt⸗ wein, veranlaßten ſchon ſeit laͤngerer Zeit die Brannt⸗ weinbrenner darauf Bedacht zu nehmen, kuͤnſtliche Gaͤh⸗ rungsmittel zu erfinden, welche ſtets friſch, hinreichend ſtark, in ihren Wirkungen und Erfolgen bei dem Gaͤh⸗ rungsprozeß gleichfoͤrmige Reſultate liefern. Es ſind daruͤber faſt zahlloſe Vorſchriften und An⸗ leitungen erſchienen, von denen ſich mehrere unbedingt als voͤllig zweckentſprechend und brauchbar bewaͤhrt ha⸗ ben; auch iſt die Nuͤtzlichkeit der Uebrigen mehr oder minder durch ihre Anfertigung und Benutzung dargethan. Dennoch iſt in manchen Gegenden der Gebrauch dieſer kuͤnſtlichen Gaͤhrungsmittel nicht allgemein beim Gewerbebetrieb eingefuͤhrt, und namentlich beziehen die Rheinprovinzen noch jaͤhrlich aus Holland und Frank⸗ reich bedeutende Quantitaͤten trockner oder gepreßter Hefe. Wir geben deshalb aus der großen Anzahl von Vorſchriften die Anleitung zur Bereitung einiger künſt⸗ lichen Gaͤhrungsmittel, deren leichte Anfertigungsweiſe, Zuverlaͤſſigkeit, Gleichfoͤrmigkeit und Sicherheit des Er⸗ folges bei der Gaͤhrung, ſich ſeit einer Reihe von Jahren praktiſch erwieſen hat. §. 130. Zu Darſtellung des erſteren, von einem gewiſſen Kittel vor laͤngerer Zeit erfunden, ſind zwei 8* Stellen mit kuͤnſt⸗ lichen Gaͤhrungs mitteln. Kittel⸗ ſches Gaͤh⸗ rungs⸗ mittel. 116 Gefaͤße erforderlich, deren Groͤße ſich nach dem Inhalt der Maiſchbottiche richtet. Das Eine dieſer Gefaͤße dient zum Aufbewahren der Schlempe, und kann außer⸗ halb der Brennerei ſtehen, das zweite findet jedoch ſeinen Platz in dem Gaͤhrungslokale, nahe den Maiſchtienen, wo moͤglich an einem dem Luftzug ausgeſetzten Punkt. Die Bereitungsart dieſes Gaͤhrungsmittels geſchiehet folgendermaaßen. Zu vier Zentner Schrot werden von der erſten Maiſchblaſe, welche gewoͤhnlich das duͤnnſte Spuͤlich liefert, nachdem es abgelaſſen, und die groͤbe⸗ ren Theile ſich geſenkt haben, 6 Eimer(zu 12 Quart), ausgeſchoͤpft und in eins dieſer Gefaͤße gegoſſen. Wenn am folgenden Morgen eingemaiſcht, und das Gut mit Bierhefe geſtellt iſt, ſo werden 6 Eimer Waſſer mehr als gewoͤhnlich zugelaſſen. Dann nimmt man in der⸗ jenigen Periode, wo die Maiſche zu rahmen anfaͤngt, und die Oberflaͤche derſelben mit einem duͤnnen weißen Schaum voͤllig bedeckt iſt, 6 Eimer von dieſer friſchen Maiſche oben ab und gießt ſie zu dem Spuͤlich des vo⸗ rigen Tages. Man thut am beſten, dieß mit einem Knieheber zu verrichten, den man auf den Rand des Bottichs legt, wodurch man verhindert, daß die Gaͤhrung ge⸗ ſtoͤrt wird. Dieſe Miſchung von 6 Eimer Schlempe, und eben ſo viel Maiſche bildet das Gaͤhrungsmittel fuͤr den ſol⸗ genden Tag, wo man alsdann Bierhefe nicht mehr braucht. Soll daſſelbe fortwaͤhrend benutzt werden, ſo wird mit dem zweiten Gefaͤße, wie vorher beſchrie⸗ ben, verfahren. Wird nur alle 2 oder 3 Tage eingemaiſcht, ſo muß man dahin ſehen, daß die Gaͤhrung in dieſen Hefe⸗ gefaͤßen, welche in 10— 12 Stunden, oft ſchon fruͤher beginnt, zumal wenn das Spuͤlich noch lauwarm war, unterbrochen wird, damit es ſpaͤter noch ſtark genug ſey, eine kraͤftige Fermentation zu veranlaſſen. Man bewirkt dieß dadurch, daß man taͤglich 2 bis Zmal einen halben oder ganzen Eimer kaltes Waſſer hinzuſchuͤttet, und ſomit die Gaͤhrung unterbricht(ſchreckt). Vortheilhaft iſt es, taͤglich 5 Pfund Pöttaſche dieſem Gaͤhrungsmittel vor dem Gebrauch zuzuſetzen. In Nordhauſen, wo jaͤhrlich mehr als eine Million Quart Maiſchraum verſteuert werden, bedient man ſich Jahr aus Jahr ein, nur dieſes Gaͤhrungsmittels. Be⸗ 117 kanntlich wird dort ſehr reiner und wohiſchmeckender Branntwein fabrizirt, und aus dem Getreide diejenige Menge gezogen, welche erfahrungsmaͤßig daraus zeither zu gewinnen war. Dort wird es unter die Seltenheiten gerechnet, wenn ein Bottich uͤbergehet, obgleich nur der vierzehnte bis ſiebenzehnte Theil Steigraum leer Helaſſen iſt, und Ueberſchießen oder Anbrennen der Maiſche koͤmmt in jenen Brennereien, von denen nur wenige mit Maiſchwaͤrmern,(36) der bei weitem groͤßere Theil(111) mit ganz einfachen Apparaten arbeiten, vielleicht in Jahren nicht vor. §. 131. Herr Piſtorius in Berlin, laͤßt in ſei⸗ ner Gewerbeanſtalt mit folgendem Gaͤhrungsmittel ſtel— len, bei deſſen Bereitung man freilich die Bierhefe oder Preßhefe nicht ganz erſparen kann. Man maiſcht in einem beſondern Gefaͤße, ungefaͤhr eine halbe Stunde vor dem Einmaiſchen der Bottiche, einen Scheffel von demſelben Schrot, welches man zur Branntweinfabrikation anwendet, ein, laͤßt die Maiſche ſtehen, bis ſie eine Temperatur von 360 erreicht hat, und thut hierauf drei Eimer kaltes Waſſer und einen Eimer kalte duͤnne Schlempe, welche vom vorigen Tage her ſteht, hinzu, ruͤhrt alles gut durcheinander, worauf 7 bis 8 Qrt. gute Bierhefe hinzugeſ etzt werden, und abermals ſo lange geruͤhrt wird, bis die Temperatur bis auf 250 R. herabgeſunken iſt. Die Maſſe bleibt ſo lange ſtehen, bis ſie nach dem Zeitraume von einer Stunde zu fermentiren anfaͤngt, wo dann abermals 2 bis 3 Eimer kalte Schlempe hinzulvinnen, dadurch die Gaͤh⸗ rung von neuem beginnt, und ſich dann grade in ihrer beſten Beſchaffenheit zeigt, wenn die andere Maiſche bis zum Stellen fertig iſt, zu der nun von dieſer gaͤhrenden Maſſe, ſtatt der Bierhefe auf einen Scheffel Getreide 12 bis 13 Quart hinzugethan werden. Dieſe Hefe hat den Vorzug, daß ihre Bereitung leicht iſt, und die dadurch erzeugte Fermentation ſich immer gleichfoͤrmig bleibt, weder zu heftig noch zu matt wirkt, und man wenigſtens die Haͤlfte der Bierhefe erſpart. §. 132. Der Fabrikenkommiſſarius Herr Dorn ſchlaͤgt folgendes Gaͤhrungsmittel vor. Man nimmt von der eben gebruͤheten Maſſe, nachdem dieſelbe etwa eine Piſtortus⸗ ſches Gaͤh⸗ rungs⸗ mittel. Dornſches Gaͤhrungs mittel. Neuere Vorſchrift fuͤr kuͤnſt⸗ liches Gaͤb⸗ rungsmit⸗ tel. 118 Stunde geſtanden hat, und tuͤchtig durcharbeitet worden iſt, 4 Eimer heraus, ſchuͤttet ſie in einen Zober, oder in ein anderes Gefaͤß, worinn es ſich bis auf 40 Grad, bei warmer Witterung auf 34 bis 32 Grad abkuͤhlen muß.— Hierzu werden vier Eimer von der am vorigen Tag geſtellten, und jetzt in voller Gaͤhrung befindlichen Maiſche gethan, und beide Fluͤſſigkeiten gut zuſammengeruͤhrt. Beſſer iſt es noch, wenn man von der eben eingemaiſch— ten Maſſe dann erſt nimmt, wenn ſich dieſelbe ſoweit abgekuͤhlt hat, daß das kalte Waſſer bald zugeſetzt werden ſoll. Dieſe zuſammengemiſchten 8 Eimer Maiſche kommen, nachdem ſie etwa 10— 15 Minuten ge⸗ ſtanden, in Gaͤhrung, und werden, ſobald das noͤthige kalte Waſſer der Maiſche zugefuͤhrt iſt, ſtatt Bier⸗ oder trockener Hefe der in Gaͤhrung zu bringenden Maſſe zugeſetzt. Neben dieſen Verfahren kann man auch von der des Tages zuvor angeſtellten Maiſche etwa 6 Eimer oben abnehmen und ſogleich der mit dem Abkuͤhlwaſſer ver⸗ ſehenen und in Gaͤhrung zu bringenden Maiſche zu⸗ ſetzen, um ebenfalls denſelben Zweck zu erreichen. §. 133. Eine erſt ſeit Kurzem in Aufnahme ge⸗ kommene, in ihrem Erfolg bei der Gaͤhrung als vor— theilhaft geruͤhmte kuͤnſtliche Hefe wird folgender⸗ maaßen bereitet. Angenommen, man verbrauche taͤglich 450 bis 500 Pf. Schrot, ſo werden von der mit Bier⸗ hefe geſtellten Maiſche vor beginnender Gaͤhrung am erſten Tage 50 Quart in ein ſchickliches Gefaͤß(Nr. 1) was den doppelten Inhalt faßt, gegoſſen, und dieſes an einen kuͤhlen Ort geſtellt. Am andern Tage ſind dieſe 50 Quart Maiſche ſauer geworden, und man ſetzt ihnen, um dieſe Saͤure abzuſtumpfen, 24 bis 32 Loth gereinigte Soda(kohlenſaures Natrum), welches in warmem Waſſer aufgeloͤſt worden iſt, zu. Es erfolgt durch die Saͤttigung der Saͤure Aufbrauſen und die vor⸗ her unterbrochene Gaͤhrung beginnt aufs neue. Sobald dieß geſchiehet, entnimmt man von dem am zweiten Tage gemaiſchten, ebenfalls mit Bierhefe geſtellten Bot— tich wiederum 50 Quart, die in ein zweites Gefaͤß (Nr. 2) gegoſſen werden, welches ſeinen Platz neben dem erſten erhaͤlt. Am dritten Tag ſchuͤttet man eine 119 Stunde fruͤher, als eingemalſcht wird, die Flüſſigkeit aus beiden Nebengefaͤßen zuſammen, wodurch das eine Ge⸗ faͤß faſt angefuͤllt wird. Etwa eine Stunde vor dem Stellen wird die Haͤlfte der ganzen Maſſe in ein drit⸗ tes Hefengefaͤß(Nr. 3) von oben angegebenem Inhalt geſchoͤpft, mit 4 Quart kaltem Waſſer und 16 Quart des friſch bereiteten Maiſchgutes vermiſcht, und giebt nun⸗ mehr dieſe Miſchung ein hinreichend ſtarkes und gleich⸗ foͤrmig wirkendes Gaͤhrungsmittel fuͤr die aus einer Quan⸗ titaͤt von 450 bis 500 Pf. Schrot bereitete Maiſche. Bevor aber das Stellen mit dieſem Gaͤhrungsmittel ge⸗ ſchiehet, werden, um das leer gewordene Gefaͤß Nr. 1 wieder auf die Haͤlfte zu fuͤllen, 50 Quart der neuen Maiſche in daſſelbe geſchoͤpft und ſowohl dieſes als auch Nr. 2 mit dem Ruͤckſtande, der das gaͤhrende Prinzip ent⸗ haltenden Fluͤſſigkeit, an ihren vorigen Ort hingeſtellt. Am vierten Tage verfaͤhrt man ganz wie am dritten, außer daß jetzt Nr. 2 zu Nr. 1 gegoſſen und aus die⸗ ſem das Ferment gewonnen wird. Die davon verbrauch⸗ ten 50 Quart werden ſtets wieder in dem leer gewor⸗ denen Gefaͤße durch 50 Quart des friſch gemaiſchten Gutes erſetzt und wie vorangefuͤhrt behandelt, ſo daß das Gefaͤß, welches das eigentliche Gaͤhrungsmittel in ſich enthaͤlt, immer zu dem andern gegoſſen und mithin ſtets gewechſelt wird. Die Temperatur des Aufbewah⸗ rungsortes muß gemaͤßigt, d. h. nicht unter 8 und nicht uͤber 150 Reaumur ſein, da die Fluͤſſigkeit, wenn ſie zu kalt ſtehet, in Unthaͤtigkeit koͤmmt, bei groͤßerer Waͤrme jedoch zu heftig fermentirt und an Kraft ver⸗ liert. Zeigt ſich bei fortgeſetztem Gebrauch nicht mehr die erforderliche Wirkung in der Maiſche, ſo muß fuͤr einen Tag ein erneuter Zuſatz von Soda im Gaͤhrungs⸗ mittel angewendet werden. Der Gebrauch dieſes Gaͤhrungsmittels bedingt die Nothwendigkeit dreier Nebengefaͤße, und iſt deren Benutzung bei uͤbrigens unverdaͤchtigem Betriebe und unter den noͤthigen Controlemaaßregeln dann nachgegeben, wenn der Inhalt jener Hefengefaͤße ein Achttheil des taͤglich zu verſteuernden Maiſchraums uͤberhaupt nicht uͤberſteigt*). ₰ Reſcript⸗ Koͤnigl. Steuerdirect. Poſen 9. Nov. 1826. 11865. Nauſchs Gaͤh⸗ rungsmit⸗ tel und Betriebs⸗ §. 134. In der neueſten Zeit hat das von einem gewiſſen Amtmann Rauſch aus Caſſel angewendete Brennereibetriebsverfahren ſowohl in mehreren Provinzen der Monarchie, als auch im Auslande Senſation er⸗ verfahren. regt, und man iſt allgemein der Meinung geweſen, daß das Geheimmittel, welches nach ſeiner Vorſchrift beim Stellen der Maiſche, der Hefe zugeſetzt wird, in den angewendeten Betriebsmaterialien eine bis jetzt noch nicht gekannte oder erreichte Branntweinausbeute veran⸗ laſſe. Jener, nunmehr verſtorbene Rauſch, bereiſte in den Provinzen diejenigen bedeutenden Gewerbeanſtalten, wo das Geſchaͤft des Branntweinbrennens nach alter Weiſe ſorglos und mechaniſch betrieben wurde. Er ver⸗ band ſich gegen die Beſitzer derartiger Brennereien, einen gleichfoͤrmigen Ertrag von 23— 25 Quart Brannt⸗ wein zu 503 aus der Quantitaͤt von 100 Pfund aus gleichen Theilen Weizen, Roggen und gemalzter Gerſte beſtehendem Getreideſchrot zu liefern. Dieſe Ausbeute uͤberſteigt das§. 18 angefuͤhrte, in ſolchen Gewerbanſtalten zeither vielleicht kaum er— reichte Durchſchnittverhaͤltniß der angewendeten Mate⸗ rialien zum Branntweinertrag um ein Bedeutendes, und man war deshalb geneigt, an mehreren Orten gern den Vorſchlag einzugehen, den Gewinn an Branntwein, wel⸗ chen der hoͤhere Ertrag gegen den zeitherigen in einer Brennerei ergab, fuͤr einen gewiſſen Zeitraum dem Er⸗ finder zu uͤberlaſſen, welcher ſich dagegen verbindlich machte, dieſe Anſtalt waͤhrend jener Zeit perſoͤnlich zu leiten, und nach Ablauf des feſtgeſtellten Termins ſeine Verfahrungsweiſe ſammt Geheimmittel dem Brennerei⸗ beſitzer mitzutheilen. Daß dieſe Verfahrungsweiſe keine neue Erfindung war, moͤchte ſchon der Umſtand bele⸗ gen, wie jener Rauſch in Gegenden, wo der Gewerbe— betrieb weiter vorgeſchritten iſt, z. B. im Brandenburgi⸗ ſchen, weder Verbeſſerungen einfuͤhren, noch einen hoͤheren Ertrag als zeither erzielen konnte: denn dieſelbe Aus⸗ beute, welche in einer nach ſeiner Methode betriebenen Brennerei gewonnen wird, iſt man ſchon ſeit laͤnge⸗ rer Zeit in den meiſten mit Ordnung und Sachkenntniß betriebenen Gewerbanſtalten zu erhalten gewoͤhnt, wie der §. 105 angefuͤhrte Ausbeuteertrag bei der Piſtorius⸗ ſchen Brennerei in Berlin ergiebt. — ——— — ‿ ———— 121 Die Verbeſſerungen, welche daher in ſolchen Ge— werbanſtalten eingefuͤhrt wurden, waren vorzuͤglich dar— auf gerichtet, ſtreng auf Reinlichkeit der Geraͤthe und der Gefaͤße zu halten, ein regelmaͤßiges nicht zu uͤber— ſchreitendes Verhaͤltniß des Waſſers zum Getreide(I zu 8) anzunehmen, die Temperatur der Maiſche beim Ein— maiſchen und Stellen nach Maaßgabe der Waͤrme in der Athmoſphaͤre oder in dem Gaͤhrungsraum zu beſtim⸗ men, uͤberhaupt alle Veranlaſſungen zu vermeiden, wo⸗ durch, ſei es beim Maiſchen oder waͤhrend der Gaͤh⸗ rung, irgend ein Nachtheil fuͤr die Alkoholausbeute ent⸗ ſtehen konnte. Es trat mit einem Wort an die Stelle des zeitherigen mechaniſchen Betriebes bei ſolchen Brennereien die Einfuͤhrung eines Verfahrens nach rationellen Grundſaͤtzen. Auch mag der Umſtand, daß nach der Vorſchrift des ꝛc. Rauſch mit Schlempe gekuͤhlt und mit Bierhefe geſtellt wird, von einigem Erfolg fuͤr die guͤnſtige Aus⸗ beute ſein, jedoch erſcheint das von ihm vorgeſchlagene, der Hefe zuzuſetzende Geheimmittel ohne weſentlichen Einfluß, wie ſich aus den Beſtandtheilen und der Be⸗ reitung deſſelben ergiebt. Man nimmt naͤmlich: 1 Pfund gereinigte Pottaſche 2 ⸗ ſchwefelſaures Eiſen(gruͤnen Vitriol) ⸗ Weenſteinſalz(gereinigte Pottaſche) 2 ⸗ Wermutheaalz(gereinigte Pottaſche) 4 Salmiak. Dieſe Beſtandtheile loͤſt man in 50 Quart ſtarker Aſchen⸗ lauge(aufgeloͤſte Pottaſche), welche eine Zeitlang mit 2 Pfund Hopfen gekocht worden ſind, auf, ſetzt nach dem Erkalten 2 Quart Alkohol zu, und bewahrt das Ganze in einem verſpundeten Faß. Von dieſer Fluͤſſig⸗ keit wird ein Quart fuͤr jede 1000 Quart der mit Hefe geſtellten Maiſche unmittelbar nach dem Stellen zuge— goſſen, wodurch eine gleichfoͤrmige Gaͤhrung hervorge⸗ bracht werden ſoll, die in 36 Stunden beendet iſt, und der Maiſche die erforderliche Reife ertheilt. Wir erſehen, daß hier der Hauptbeſtandtheil Pottaſche iſt, deren Wir⸗ kung ſich nur darauf erſtrecken kann, die gebildete Eſſig⸗ ſaͤure zu ſaͤttigen. Jedoch reicht die in einem Quart dieſer Miſchung enthaltene Pottaſche bei weitem nicht 12² hin, auch nur den zwanzigſten Theil der Saͤure, die in dem zum Kuͤhlen verwendeten kalten Spuͤlich ſchon enthalten iſt, abzuſtumpfen, und die Wirkung eines ſolchen Geheimmittels duͤrfte daher als erfolglos erachtet werden, obſchon daſſelbe nicht ohne Nutzen ſein moͤchte, wenn man ſtatt 1 Quart 10 bis 15 Quart dieſer Lauge zuſetzt. Ander⸗§. 135. Dieſelbe Bewandniß hat es mit den zvzte⸗ Zu, meiſten derartigen Zuſaͤtzen von Alkalien, die ſits wan entweder als das Waſſer verbeſſernde, aufloͤſende, die oder Sal⸗ geiſtige Gaͤhrung befoͤrdernde, oder die Bildung der Eſ⸗ zen. ſigſaͤure hindernde Mittel bei der Einmaiſchung empfoh⸗ len werden, z. B. Holzaſche, Pottaſche, rohe und ge⸗ reinigte Soda, fluͤchtiges Laugenſalz, Salmiakgeiſt, ge⸗ brannter Kalk ꝛe. Sie ſind unſchaͤdlich in Bezug auf Schlempefutter, da ihre Natur durch die in der Mai⸗ ſche gebildete Saͤure geaͤndert wird, allein nach unſern Erfahrungen ſind bei ihrem Gebrauch nutzloſe Koſten verwendet, indem das Hinzubringen einer nur gerin⸗ gen Menge die Eſſigbildung in der Maiſche nicht auf⸗ haͤlt, wenn ſie aber einmal Statt gefunden hat, dies nur auf Koſten des zu erwartenden Alkoholertrages geſchehen iſt. Dieſer Antheil Alkohol iſt alſo ſchon vernichtet, und kann auch am wenigſten durch Saͤtti⸗ gung des aus ihm gebildeten Eſſiges mit Kalien wie⸗ der hergeſtellt werden. Mag auch die Theorie Reſul⸗ tate uͤber die Nuͤtzlichkeit ſolcher Zuſaͤtze aufſtellen, ſo iſt dagegen zu erwaͤgen, daß einmal dieſe Reſultate, im Großen ausgefuͤhrt, anders ſich ſtellen, als die Berech— nung kleiner Verſuche ergab, uͤbrigens aber die Anwen⸗ dung ſolcher Mengen, von denen weſentlicher Erfolg in einem Maiſchbottich zu ſpuͤren ſein wuͤrde, fuͤr den praktiſchen Brennereibetrieb im Großen zu koſtſpielig iſt. Erneu⸗§. 136. Obſchon beim regelmaͤßigen Betrieb und erung der bei Reinlichkeit der Gefaͤße alle dieſe verſchiedenen kuͤnſt⸗ kimſlichen lichen Gaͤhrungsmittel unveraͤndert bleiben, und in laͤn⸗ rungsmit⸗ gerer Zeit gleichfoͤrmige Erfolge und Wirkungen zeigen, tel. ſo kann doch aus andern Urſachen manchmal ein Bot⸗ tich nicht gut gegohren haben. Von ſolcher kranken Maiſche darf man das Gaͤhrungsmittel, als ſolches, nicht benutzen; man kann es zum Abkuͤhlen zwar brau⸗ chen, muß jedoch außerdem zu dem naͤchſten Bottich, 123 diejenige Quantitaͤt Bierhefe nehmen, welche die einge⸗ maiſchte Schrotmaſſe erfordert. Will man uͤberhaupt ganz ſicher gehen, ſo ſtellt man alle 8— 12 Tage einen Bottich mit friſcher Bierhefe, von dem man das neue Gaͤhrungsmittel entnimmt. §. 137. In der Regel wird das zu einem Maiſch⸗ bottich gehoͤrende Gaͤhrungsmittel oder die Hefe nach geſchehenem Ahkuͤhlen auf einmal zugegeben. Wo je⸗ Zuſetzen der Hefe oder der aͤh⸗ doch Fruͤchte verarbeitet werden, von denen die Maiſche rungsmit⸗ zum Steigen geneigt iſt, wendet man auch bei uns mit tel in ver⸗ Vortheil das in England gebraͤuchliche Verfahren an, die Hefe in verſchiedenen Zwiſchenraͤumen der gaͤhrenden Maiſche zuzuſetzen, ſo daß man die Haͤlfte der noͤthigen Quantitaͤt beim Abkuͤhlen, die andere Haͤlfte in verſchie— denen Perioden am zweiten und dritten Tage nach der Einmaiſchung beigiebt. Man laͤßt bei dieſem Verfahren die Maiſche kaͤlter als gewoͤhnlich werden, und leitet am erſten Tage nur ſo viel Waſſer zu, daß nach dem Abkuylen x des Bottiches leer bleibt. Diejenige Quan⸗ titaͤt Waſſer, welche der Bottich noch zu faſſen vermag, wird mit der zweiten Haͤlfte der Hefe vermiſcht, nach Verlauf von 16— 20 Stunden periodenweis der gaͤh⸗ renden Maiſche zugeſetzt, und durch den Ruͤhrharken mit derſelben innig vermengt. Die friſch hinzugekom⸗ mene Hefe erregt auf's neue die oft ſchon in der Ab⸗ nahme begriffene Gaͤhrung und traͤgt dadurch weſentlich bei, daß dieſe uͤberall gleichfoͤrmig vollendet, und eine guͤnſtige Ausbeute an Branntwein erfolgt. Dieſes Ver⸗ fahren widerlegt auch die zeither aufgeſtellte Behaup— tung, daß man die gaͤhrende Maiſche durchaus nicht beruͤhren oder ſtoͤren duͤrfe, obſchon auch außerdem dieſe Annahme bei der Betrachtung in ſich zerfaͤllt, daß ge⸗ rade waͤhrend der Gaͤhrung die Fluͤſſigkeit in ununter⸗ brochener Bewegung iſt, und kein Theil derſelben ſich auch nur einen Augenblick auf einer und derſelben Stelle befindet. §. 138. Wir gedenken hierbei gleichzeitig der Be⸗ reitung der gepreßten oder der trocknen Hefe aus Getreidemaiſche, deren Fabrikation gegenwaͤrtig ei⸗ nen bedeutenden Nebenzweig des Branntweinbrennerei⸗ triebes bildet, da ihr Gebrauch die Bierhefe, fuͤr alle ſchiedenen Perioden. Gepreßte oder trockene Hefe, de⸗ ren Be⸗ reitung. 1²⁴ techniſchen und oͤkonomiſchen Zwecke, faſt in jeder Hinſicht erſetzt.. Die Hauptbedingungen zur Darſtellung der Preß⸗ hefe beſtehen darinn, daß man nur ungemalzten Rog⸗ gen mit einem Zuſatz von Gerſtenmalz, nicht aber rohe Gerſte oder Weizen verarbeitet, ſo wie, daß das Maiſch⸗ gut nicht mit Waſſer, ſondern mit kalter, geklaͤrter, duͤnner Schlempe gekuͤhlt wird. Es wird wie gewoͤhnlich eingemaiſcht, und nach⸗ dem das Gut durch das Abkuͤhlen mit Schlempe eine Temperatur von 20— 22 Grad erhalten hat, ſetzt man auf jede 100 Pf. Schrot 1 Pf. Pottaſche oder ½ Pf. gereinigte Soda(Kohlenſaures Natron), was in dem vier⸗ fachen Gewicht warmen Waſſers aufgeloͤſt iſt, hinzu, und ruͤhrt die Maſſe durch. Hierauf werden fuͤr jede 100 Pf. Schrot 12 Loth Schwefelſaͤure(Vitrioloͤl), welche mit Waſſer ebenfalls verduͤnnt iſt, hinzugegoſ⸗ ſen, und die Maiſche nun erſt mit Hefe oder kuͤnſtli— chem Ferment geſtellt. Die Gaͤhrung beginnt, wie ge⸗ woͤhnlich, die Maſſe ſchaͤumt indeſſen haͤufiger und ſteigt bedeutend in die Hoͤhe, weshalb man die Maiſchtienen nicht ſo voll anfuͤllen darf, als es ſonſt zulaͤſſig iſt. Wenn im Verfolg der Gaͤhrung der Zeitpunkt eintritt, wo ſich uͤber der Maiſche ein ſtechender Geruch ver⸗ breitet, und die Entwickelung der Kohlenſaͤure vor ſich gehet, wird vermittelſt eines großen Schaumloͤffels die Hefe bis auf den klaren Spiegel der Maiſche abgenom⸗ men. Dieſes Abſchoͤpfen kann ſo oft erneuert werden, als ſich noch Hefe auf der Oberflaͤche erzeugt; man thut es gewoͤhnlich nur noch einmal, um der Maiſche nicht zuviel Gaͤhrungsſtoff zu entziehen, was groͤßeren Verluſt an der Branntweinausbeute zur Folge haben wuͤrde. Die abgenommene Hefe, welche jetzt noch mit vie⸗ len waͤßrigen Theilen und den im Schrot vorhandenen Huͤlſen gemengt iſt, wird nun entweder durch ein Haar⸗ ſieb gegoſſen, deſſen Maſchen die groͤberen Theile zu⸗ ruͤckhalten, oder man bringt die Maſſe in duͤnne leinene Beutel, ringt ſie mittelſt ſtarken Drehens durch das Tuch hindurch, und wiederholt dieſe Operation, indem man die zuruͤckgebliebenen Spelzen und Schrottheile noch einmal auswaͤſcht. Es wird dieſe Fluͤſſigkeit nunmehr in das dazu beſtimmte, mit Abzugsloͤchern oder Krah⸗ nen verſehene Gefaͤß gebracht und mit kaltem Waſſer uͤbergoſſen, worauf ſich die Hefe an den Boden des Bottichs lagert. Die uͤberſtehende, gelblich gefaͤrbte Fluſſigkeit wird entweder in den Maiſchbottich zuruͤckge⸗ goſſen, oder, da ſie geiſtige Theile nur wenig, Hefetheile aber gar nicht enthaͤlt, und die Gaͤhrung aufs Neue ſtoͤren wuͤrde, zur Schlempe geſchuͤttet. Die abgelagerte dicke Hefe wird zwei bis dreimal mit kaltem Waſſer ausgewaſchen, hierauf in doppelte leinene Beutel gefuͤllt, welche feſt zugebunden ſind, und unter eine Preſſe gelegt werden, deren unteres Druckbrett mit Furchen verſehen und abwaͤrts geneigt iſt. Man befreit durch langſam und vorſichtiges Anziehen der Preſſe die Hefe von ihrer Waͤßrigkeit, bis ſie die Con⸗ ſiſtenz eines feſten knetbaren Teiges angenommen hat, in welchem Zuſtande ſie zum Gebrauch fertig iſt. Zum Anſtellen des Maiſchgutes braucht man da⸗ von fuͤr 100 Pf. Schrot 10— 12 Loth. Sie erhaͤlt ſich an einem kuͤhlen Orte unveraͤndert 14 Tage bis 3 Wochen. Haben bei der Fabrikation ſich alle Umſtaͤnde guͤnſtig vereinigt, ſo kann man auf eine Ausbeute von 8 Pf. Hefe aus 100 Pf. Schrot rechnen. Dies iſt je⸗ doch nicht regelmaͤßig der Fall, da das Getreide, wenn es weniger als gewoͤhnlich Kleber enthaͤlt, die Tempera⸗ tur der Athmoſphaͤre, ſo wie andere Einfluͤſſe von Außen unguͤnſtig auf den Ertrag einwirken, auch in unſeren Brennereien nicht immer mit derjenigen Vorſicht und Regelmaͤßigkeit gearbeitet wird, welche die Gewinnung derartiger Fabrikate unbedingt fordern, hier jede Nach⸗ laͤſſigkeit ſich durch ihre Folgen zeigt, und man entwe⸗ der gar keine, oder doch nur wenig, ſchlechte und un⸗ brauchbare Hefe gewinnt. Durchſchnittlich kann man nur annehmen, aus 100 Pf. Schrot 6 Pf. Hefe zu erhalten. §. 139. Es bleibt uns noch zu unterſuchen uͤbrig, welchen Einfluß die Fabrikation dieſer Hefe auf die Ausbeute an Branntwein hat, da man mehrſeitig ge⸗ radezu behauptet, daß auch nach dem Abſchoͤpfen der Baͤrme, eben ſo viel Branntwein aus der Maiſche ge⸗ wonnen werden koͤnne, als wenn keine Hefe bereitet worden ſei. Einfluß der Hefe⸗ fabrika⸗ tion auf Brannt⸗ weinaus⸗ beute. 126 Wenn, um bei dem(F. 27) definirten Normalſatz ſtehen zu bleiben, angenommen wird, daß deim. Ein⸗ maiſchen des Schrotes gegen einen Theil trockene Sub⸗ ſtanz 7 ½½ Theile Fluͤſſigkeit uͤberhaupt gebraucht werden, und wenn man dabei in Anſchlag bringt, daß 1 Pf. Schrot, mit Waſſer vermengt, nur den Umfang von 4 Pf. einnimmt, ſo betraͤgt das Volumen von 100 Pf. Schrot und 7437 Pf. Waſſer nicht 843 7r, ſondern nur das von 81827 Pf. oder 327 Quart. §. 140. Aus 100 Pf. Schrot werden, wie dort durchſchnittlich angenommen iſt, 187 Quart Brannt⸗ wein erzielt, wenn man die Maiſche ohne Entziehung der Preßhefe deſtillirt, folglich wuͤrde das Volumen von 45 Pf. ſolcher Maiſche ein Quart Branntwein lie⸗ fern. Da aber durch die, waͤhrend der Fermentation abgeſonderte Preßhefe, die Maſſe der angewendeten trocknen Subſtanz vermindert wird, und dieſe Subſtanz nicht einmal mehr Schrot, ſondern ein Produkt von ex— trahirten Beſtandtheilen bildet, und zwar von ſolchen, welche den meiſten Weingeiſt entwickeln wuͤrden, ſo darf man als zuverlaͤſſig annehmen, daß aus einem Pfunde Preßhefe, wenn ſie auf die vorhanden liegende trockne Subſtanz reducirt wird, doppelt ſoviel Branntwein als aus dem Schrot fuͤr ſich gezogen werden kann. Wer⸗ den aus der Maſſe von 100 Pf. Schrot als mittlere Ausbeute durchſchnittlich 6 Pf. Hefe im gepreßten feuchten Zuſtande gewonnen, ſo ſind dieſelben 5 ½ Pf. getrockneter Maſſe gleich zu ſtellen. Aus dieſer Ge— wichtmaſſe Schrot wuͤrde 1 Quart Branntwein zu er⸗ zielen ſein, mithin aus 6 Pf. feuchter= 5 ½˖ Pf. trok⸗ kener Preßhefe 2 Quart, welche bereits vor der Deſtil⸗ lation durch Bereitung dieſer Baͤrme der Maiſche ent⸗ nommen worden ſind. Nach dieſen Saͤtzen betraͤgt alſo der Verluſt an Branntwein auf 100 Pf. Schrot bei deſſen Bearbeitung auf Preßhefe 2 Qrt., welche aus der lediglich auf Brannt⸗ wein verarbeiteten Maiſche mehr gewonnen worden waͤ⸗ ren, und es iſt ſonach erſichtlich, daß der Brenner fuͤr jedes Pfund Preßhefe mindeſtens einen halben Silber— groſchen an Maiſchſteuer bezahlt. Wir haben nur den unbeſtreitbaren Ausfall an Branntweinausbeute hier angefuͤhrt, nimmt man aber hinzu, daß waͤhrend 127 der Fabrikation dieſer Hefe die Maiſchkienen bei jeder Temperatur offen gehalten werden muͤſſen, daß man bei dem heftigen Steigen die Bottiche nicht ſo hoch als bei gewoͤhnlicher Bramntwelumeiſche anfuͤllen darf, daß bei der noͤthigen Stoͤrung und Unterbrechungd er Gaͤhrung ohne⸗ dies ein Verluſt an Branntwein erfolgt, der dadurch noch ver⸗ mehrt wird, daß beim Ausſchoͤpfen der Baͤrme ein Achtel bis ein Zehntel der Fluͤſſigkeit mit herausgenommen wird, und ziehet man ferner in Betracht, daß zu Erzeugung d dieſer Hefe eine, fuͤr den Branntweinertrag unguͤnſtige Be— ſchleunigung der Gaͤhrung angewendet werden muß, ſo ſtellt ſich das Verhaͤltniß noch ganz anders, und man wird zuverlaͤſſig im Durchſchnitt das Doppelte des angefuͤhrten Branntweinverluſtes, mithin auch des Steu⸗ erbetrages annehmen duͤrfen. §. 141. Das Bedecken der Maſchiienen nach dem Stellen hat lediglich den Zweck, die Tempe⸗ ratur uͤber der Oberflaͤche der Maiſche gleichfoͤrmig zu erhalten, und dadurch zu verhindern, daß die Gaͤhrung in ihrer regelmaͤßigen Entwickelung und in ihrem Fort⸗ gange geſtoͤrt werde. Zugedeckt muͤſſen daher Maiſch⸗ tienen werden, wo in einem Gaͤhrungslocale Waͤrme und Kaͤlte wechſeln, oder der durch Fenſter und Thuͤren entſtehende Luftzug die Oberflaͤche der gaͤhrenden Maiſche beſtreicht, eben ſo bei llterer Kayres eit, wenn die Tem⸗ peratur der Atmoſphaͤre dem Gefrierpunkt nahe iſt. Offen werden die Tienen waͤhrend der Gaͤhrung gehalten, wo ſie in gewoͤlbten oder unterirdiſchen Raͤu⸗ men ſtehen, deren Temperatur ſich das ganze Jahr hin⸗ durch ziemlich gleich bleibt, eben ſo im Sommer, wo man außerdem noch fuͤr zweckmaͤßig erachtet, mittelſt beſonderer Luftzuͤge zuweilen Kuͤhlung anzubringen, um einer zu heftigen Fermentation Einhalt zu thun. Zweckentſprechend iſt im Allgemeinen das Verfahren, die Maiſchtienen waͤhrend der erſten und waͤhrend der letzten zwoͤlf Stunden der Gaͤhrungsperiode zu bedecken, zwi⸗ ſchen dieſer Zeit ſie jedoch offen zu halten. Man nimmt dafuͤr den einleuchtenden Grund an, daß im Anfang das Beginnen der Gaͤhrung leicht durch den Einfluß der Luft oder der Temperatur aufgehalten wer⸗ den kann, die weiter vorgeſchrittene Periode jedoch in der Maiſche ohnedieß eine hoͤhere Temperatur als die Bedecken und offen⸗ halten der gaͤbrenden Maiſch⸗ tienen. Verſchloſ⸗ ſene Gaͤh⸗ rung. 128 des Gaͤhrungsraumes erzeugt, auch uͤberdem das ent⸗ wickelte kohlenſaure Gas eine ſchuͤtzende Decke bildet und den Einfluß der athmoſphaͤriſchen Luft abhaͤlt. Fuͤr das Bedecken gegen das Ende der Gaͤhrungsperiode ſpricht endlich ſowohl der beim Eintritt der Gaͤhrung ange⸗ fuͤhrte Grund, als auch der Umſtand, daß dadurch der obſtartige Geruch der ſich in der reifwerdenden Maiſche entwickelt, und wodurch der Branntwein einen milden aromatiſchen Geſchmack erhaͤlt, in dieſer Maiſche bis zu ihrer Deſtillation erhalten wird, und ſich nicht in den Gaͤhrungsraum verfluͤchtigen kann. §. 142. Unter verſchloſſener Gaͤhrung ver⸗ ſtehet man diejenige Vorrichtung, bei welcher die Decken der Maiſchbottiche, ſo viel als moͤglich luftdicht auflie⸗ gen, wobei das aus der Maiſche ſich bildende kohlen⸗ ſaure Gas nur durch eine zu dieſem Endzweck ange⸗ brachte Oeffnung entweichen kann, die ſich in ein Rohr verlaͤngert, welches durch ein, mit Waſſer oder Kalkmilch angefuͤlltes Gefaͤß geſperrt wird. Man beabſichtigte zu Gunſten der Branntweinaus⸗ beute dadurch zweierlei zu erzielen, indem erſtens der Zutritt des Sauerſtoffgaſes aus der atmoſphaͤriſchen Luft und die daraus auf Koſten des Alkoholertrags entſte⸗ hende Eſſigbildung§. 117 verhindert werden ſollte; zwei⸗ tens auch der durch das kohlenſaure Gas verfluͤchtigte Alkohol in dieſem Waſſer aufgefangen und durch Deſtil⸗ lation wieder gewonnen werden koͤnnte. Der erſte Vortheil, den man bei dieſer Verfah⸗ rungsweiſe zu finden hoffte, ſchwand bei der Betrach⸗ tung, daß ſich auch ohne den Zutritt der aͤußern Luft aus dem Betriebsmaterialien Sauerſtoff in hinreichender Menge entwickelt, um Eſſigbildung zu veranlaſſen, und die Er⸗ fahrung erwies, daß zwei zu gleicher Zeit gemaiſchte Bottiche, von denen waͤhrend der Gaͤhrung der eine verſchloſſen, der zweite offen gelaſſen wurde, ganz glei— chen Antheil Eſſigſaͤure enthielten. Auch der Verluſt des mit dem kohlenſauren Gas fortgeriſſenen Alkohols erſchien zu unbedeutend, um jener Verfahrungsweiſe all⸗ gemeinen Eingang zu verſchaffen. Es betrug dieſer Verluſt nach einem bei Weingaͤh⸗ rung gemachten Verſuche von 800 Quart Wein zwei Loth ſchlechten Branntwein. 129 Dennoch aber haben Beobachtungen ergeben, daß bei Anwendung der verſchloſſenen Gaͤhrung eine regel⸗ maͤßig groͤßere Branntweinausbeufe erzielt wird, wofuͤr der Grund vornehmlich darin liegen mag, daß durch das feſte Bedecken ein gleichmaͤßiger Temperaturgrad in der Maiſche erhalten und der Zutritt der athmosphaͤri⸗ ſchen Luft vermieden werden kann, die, wie wir ſchon erwaͤhnten, durch ihre Bewegung und Temperatur gar weſentlichen Einfluß auf den Beginn und Fortgang der Gaͤhrung aͤußert. Auch muß die verſchloſſene Gaͤhrung da angewen⸗ det werden, wo die Gaͤhrungsraͤume mit dem Zutritt der aͤußeren Luft nicht in unmittelbarer Beruͤhrung ſte⸗ hen und das Einathmen des entwickelten kohlenſauren Gaſes den Arbeitern nachtheilig werden koͤnnte.§. 66. Die Vorrichtung fuͤr die Gaͤhrung in verſchloſſenen Naͤumen iſt einfach folgende. Die Deckel der Tienen muͤſſen ſchwer, am beſten von Eichenholz, mit Falzen verſehen ſein und genau auf den Rand der Bottiche ſchließen; außerdem werden die Randfugen mit Lehm oder Teig verſtrichen. Auf einer Seite des Deckels befindet ſich eine 2 bis 4 Zoll große runde Oeffnung ausgeſchnitten. Auf dieſe wird das zur Aufnahme des kohlenſauren Ga⸗ ſes beſtimmte Gefaͤß mit der an ſeinem Boden befindli— chen metallenen Roͤhre geſtellt und jene Oeffnug da⸗ durch geſchloſſen. Das Gefaͤß wird mit Waſſer gefuͤllt, in welchem gebrannter Kalk zerruͤhrt worden iſt. Waͤh⸗ rend der Gaͤhrung ſteigt alsdann das kohlenſaure Gas in der Verlaͤngerung der Roͤhre empor und wird bei ſei⸗ nem Austritt durch die Kalkmilch eingeſaugt. Will man den etwa entweichenden Weingeiſt durch Deſtillation wieder abſcheiden, ſo wird das Faß auch oben mit ei⸗ nem Boden verſehen, der ein zu verſchließendes Spund— loch hat, durch welches die Kalkmilch eingefuͤhrt wird. Iſt die Gaͤhrung beendet, ſo wird durch den Hahn die Fluͤſſigkeit abgelaſſen. Die Zeichnung dieſer Vorrichtung wird durch Fig. 17 dargeſtellt. §. 143. Bei dem Brennereibetrieb bringt man ent⸗ weder dreitaͤgige oder viertaͤgige Gaͤhrungsfriſten in Anwendung, d. h. die Maiſche wird am dritten oder am vierten Tage nach ihrer Bereitung, den Tag an welchem die Einmaiſchung ſtatt gefunden als Er⸗ 9 Fig. 17. Gaͤh⸗ rungsfri⸗ ſten viertaͤgige, dreitaͤgige. 130 1 ſten gerechnet, abgebrannt. In den techniſchen Sprach⸗ gebrauch iſt daher der Ausdruck dreitaͤgige und vier⸗ taͤgige Maiſche uͤbergegangen, was dem Sinne des Wortes nach unrichtig iſt, da die Maiſche entweder 48 oder laͤngſtens 72 Stunden nach ihrer Bereitung abge⸗ brannt werden muß. Nichtiger iſt daher die Bezeich⸗ nung zweitaͤgige und dreitaͤgige Maiſche, wel⸗ che Ausdruͤcke auch in den geſetzlichen Beſtimmungen und den Verordnungen der Verwaltungsbehoͤrde ange⸗ wendet ſind. Obſchon in der Regel die Maiſche nach Verlauf von 36 bis 45 Stunden voͤllig ausgegohren hat, ſo wendet man dennoch gern bei kuͤhler Witterung und im Winter viertaͤgige Gaͤhrungsfriſten an, damit der durch 1 Luft oder Kaͤlte etwa aufgehaltenen Fermentation zu ih⸗ rer voͤlligen Beendigung Zeit gelaſſen, und ſpaͤter das Ueberſteigen oder Anbrennen der Maiſche in der Blaſe vermieden wird. Nicht minder iſt es vortheilhaft, dieſe Gaͤhrungsfriſt da anzuwenden, wo man zum Brennen meiſtentheils rohes Getreide fuͤr ſich allein, oder doch nur mit geringem Zuſatz von Malz verarbeitet. Auch muß man viertaͤgige Gaͤhrungsfriſten bei jeder Maiſche ver⸗ wenden, zu welcher eine groͤßere Menge Getreide als das Verhaͤltniß des Waſſers zur trocknen Subſtanz von 8 oder 7 zu 1 verbraucht worden iſt. Solche Maiſche enthaͤlt mehr gaͤhrungsfaͤhigen Stoff und weniger Fluͤſſigkeit in ſich; in ihr geht die Fermentation langſamer von Statten und ſie bedarf, die Alkoholbildung zu vollenden, um ſo laͤngerer Zeit, je groͤßer der Antheil an trockner Sub⸗ ſtanz iſt, den ſie enthaͤlt, was wir bei den engliſchen Gaͤhrungsfriſten§. 113 erſehen. Zweitaͤgige Maiſche brennt man gewoͤhnlich im Sommer, auch da, wo der Fortgang der Gaͤhrung durch einen Zuſatz von Malz beſchleunigt wird, oder die Maiſchtienen ſich in Gaͤhrungslocalen befinden, welche das ganze Jahr hindurch ziemlich gleiche Temperatur halten. In der Regel wird auch die Kartoffelmaiſche am dritten Tage abgebrannt. Zweitaͤ⸗§. 144. In neuerer Zeit iſt auch hin und wieder gige Gaͤb, verſucht worden die Maiſche binnen 24 Stunden rungsfriſt. nach dem Einmaiſchen zur Reife zu bringen und ab⸗ zubrennen, mithin zweitaͤgige Gaͤhrungsfriſten in 9g2g2„—,—.,.———,ÿ—— —„-·—— ,— ———-————————— —',—— — 131 Anwendung zu ſetzen. Man erreicht dieß nach den dar⸗ uͤber gemachten Erfahrungen dadurch, daß man die doppelte Quantitaͤt Hefe beim Stellen zuſetzt; zu der Maiſche aber, ſie ſei aus Getreide oder Kartoffeln, eine groͤßere Quantitaͤt Malz als gewoͤhnlich verwendet. Wir ſehen in dieſer Verfahrungsweiſe keinen Vortheil fuͤr den Gewerbebetrieb, da es feſt ſtehet, daß die beſte Aus⸗ beute bei langſam und gleichfoͤrmig geleiteter Fermentation erfolgt, eine ſolche aber in ſo kurzer Periode unmoͤglich ſtatt finden kann, und daher der Fall oͤfters zu fuͤrchten ſein moͤchte, daß derartige Maiſche nicht ausgegohren hat, auf der Blaſe anbrennt, oder uͤberſchießet und geringere Branntweinausbeute ergiebt. Obſchon nach der geſetzlichen Beſtimmung*) nur geſtattet iſt, die Maiſche am dritten oder am vierten Tage abzubrennen, ſo hat, um die Anwendbarkeit jeder neuen Erfindung durch die Erfahrung pruͤfen zu laſſen, das Koͤnigliche Finanz⸗Miniſterium auch hier geſtattet, daß zweitaͤgige Gaͤhrungs⸗Perioden bei dem Brennerei⸗ betrieb deklarirt werden duͤrfen.**) §. 145. Hat die Einmaiſchung nach den vorange⸗ Erſchei⸗ fuͤhrten Regeln Statt gefunden, ſo zeigen ſich in den nungen in verſchiedenen Perioden des Gaͤhrungs⸗Prozeſſes folgende Motehe Erſcheinungen, nach denen wir das Alter einer Maiſche waͤhrend beurtheilen. Wenn nach dem Abkuͤhlen das Gaͤhrungs⸗ der mittel oder die Bierhefe zugeſetzt worden iſt, hat die Gaͤhrung. Maiſche einen der ungehopften Bierwuͤrze aͤhnlichen Ge⸗ ſchmack, jedoch keinen ſo vorwaltend aromatiſchen Ge⸗ ruch wie dieſe. Die Oberflaͤche erſcheint, ſobald ſie durch den Ruͤhrharken nicht mehr in Bewegung geſetzt wird hell, und die mehligten Theile ſowohl, als die Huͤlſen des Getreides oder der Kartoffeln lagern ſich an den Boden des Gefaͤßes. Nach Verlauf von 2 bis 5 Stunden, bei ſtaͤrkerem Hefezuſatz und warmer Tempe⸗ ratur auch fruͤher, im entgegengeſetzten Fall wohl auch ſpaͤter, faͤngt die Wirkung der Hefe dadurch an, daß die Fluͤſſigkeit truͤb wird und ſich am Rande des Bottiches ein von weißem Schaum erzeugter Ring bildet,(die *) Interimiſtiſches Regulativ vom 1. Dezember 1820.§. 4. *) Circular⸗Reſeript vom 28. Oktober 1827. 18384. 9* 13² Maiſche rahmt) der binnen 3 bis 8 Stunden den Spie⸗ gel der Fluͤſſigkeit uͤberzogen und die leichteren Huͤlſen des Getreldes an die Oberflaͤche gebracht hat. Binnen 6 bis 12 Stunden hebt die fortſchreitende Gaͤhrung die am Boden lagernden groͤberen Theile des Maiſchgutes empor, wodurch die Oberflaͤche des Gefaͤßes, mit Nuͤck⸗ ſicht auf die angewendeten Materialien, durch eine ſchwaͤchere oder ſtaͤrkere Decke belegt wird. Nach Ver⸗ lauf von 12 bis 18 Stunden iſt die Maiſche merklich waͤrmer, jene Huͤlſendecke wird durchbrochen und ein he⸗ fenartiger Schaum bedeckt die ganze Oberflaͤche, die jetzt um ein Achtel bis ein Sechszehntel im Bottich geſtie⸗ gen iſt. Die Bewegung der Maiſche ſo wie die Enk⸗ wicklung von kohlenſaurem Gas iſt in dieſer, 10 bis 15 Stunden dauernden Periode(Puppengaͤhrung) am ſtaͤrk⸗ ſten. Der Geſchmack der Maiſche waͤhrend derſelben iſt dem des mouſſirenden Weizenbieres nicht unaͤhnlich. 24 bis 30 Stunden nach dem Zuſatz der Hefe nehmen die Erſcheinungen in demſelben Maaße ab, wie ſie begon⸗ nen haben, die Maiſche, welche bisher ununterbrochen durcheinanderſchaͤumte, wird ruhig, der ſtechende Geruch uͤber ihrer Oberflaͤche vermindert ſich und verſchwindet endlich ganz, der hefenartige Schaum faͤllt mit den Spelzen und der noch uͤbrigen feſten Subſtanz zu Bo⸗ den, man ſieht nur noch einzelne Luftblaſen hin und wieder aufſteigen. Die Temperatur der Maiſche wird der des Gaͤhrungsraumes gleich, die Oberflaͤche des Gefaͤßes iſt durchſichtiger noch, als vor dem Beginn der Gaͤhrung, die Maiſche hat einen, dem aus Malz oder Obſt bereiteten Eſſig aͤhnlichen Geruch, einen kraͤf⸗ tig ſauren Geſchmack angenommen und ein angezuͤnde⸗ tes Licht uͤber dieſelbe gehalten, brennt mit heller Flam⸗ me fort. In dieſem Zuſtande der Reife befindet ſich zweitaͤgige Maiſche binnen 36 bis 45 Stunden nach dem Zuſatz der Hefe. Bearbeitet man dreitaͤgige Maiſche, welche kaͤl⸗ ter abgeſtellt zu werden pflegt, ſo treten die vorgenann⸗ ten Erſcheinungen ſpaͤter, auch wohl in ihrem Fortgange langſamer ein, nicht minder hat auf den Beginn und den Verlauf derſelben die Temperatur, die Verſchiedenheit der angewendeten Materialien, ſo wie die Qualitaͤt und Quantitaͤt des Fermentes einen weſentlichen Einfluß. — 2 N— —)— — ——————— ) Oft iſt, bei Kartoffeln, auch wo viel ungemalzte Gerſte oder Hafer verbraucht wird, die aus den Hulſen gebildete Decke ſo ſtark, daß ſie von der gaͤhrenden Maiſche nur an den Seitenwaͤnden, haͤufig auch gar nicht, durchbro⸗ chen wird und auch nach vollendeter Fermentation gleichſam als kuͤnſtliches Gewoͤlbe die Oberflaͤche bedeckt. Demohngeachtet iſt die Fluſſigkeit unter dieſer Decke hell und der Ausbeuteertrag guͤnſtig. Daher kann die techniſche Frage, wie alt eine zur Beurtheilung vorgezeigte in Gaͤhrung begriffene Maiſche ſei und wie viel Stunden ſeitdem ſie Hefe erhalten hat verfloſſen ſind? nur mit Wahrſcheinlichkeit be⸗ antwortet, auf 8— 12 Stunden mit Beſtimmtheit nicht entſchieden werden. Ob ſie jedoch 24, 48 oder 72 Stunden alt ſei, laͤßt ſich mit Sicherheit beurtheilen. §. 146. Iſt beim Einmaiſchen an heißem Waſſer zu wenig oder zu viel verwendet worden, zu warm oder zu kalt abgeſtellt, oder ein Gaͤhrungsmittel verbraucht, was mit Ruͤckſicht auf die Beſtandtheile oder Beſchaf⸗ fenheit dieſer Maiſche nicht wirkſam genug war, oder die Fermentation zu heftig erregte, ſo kann auch der Gaͤh⸗ rungs⸗Prozeß nur unvollkommen ſtatt finden. Es zeigt ſich nur eine ganz ſchwache, aus Huͤlſen beſtehende D auf der Oberflaͤche der Maiſche, die ſchweren Schrot⸗ theile erheben ſich nicht und bleiben an dem Boden lie⸗ gen, die Entbindung des kohlenſauren Gaſes geſchieht in geringem Maaße und iſt von ziſchendem Geraͤuſch begleitet, die Maiſche nimmt ſchon bald nach begonne⸗ ner Gaͤhrung einen ſauren Geſchmack an. Iſt mit ſtar⸗ kem Gaͤhrungsmittel zu warm geſtellt, ſo treten alle Er— ſcheinungen bei der Gaͤhrung fruͤher und heftiger ein, als wir ſie eben beſchrieben haben; die Maiſche ſteigt gewoͤhnlich uͤber den Bottich heraus und die Oberflaͤche derſelben gleicht in der hoͤchſten Periode einer ſiedenden Fluͤſſigkeit, von deren Boden in Maſſen und ſtoßweiſe die feſten Subſtanzen der Maiſche emporgehoben wer⸗ den, jedoch auch eben ſo ſchnell wieder ſinken, als ſie ſich zeigten. In beiden Faͤllen iſt gewoͤhnlich ſchon nach 24 Stunden jede Spur der geiſtigen Gaͤhrung ver⸗ ſchwunden, die Eſſiggaͤhrung ſchreitet raſch vorwaͤrts, die Maiſche ſiehet weislich aus, und ziehet ſich wie Schleim in lange Faden; oder ihre Oberflaͤche iſt mit eigt Abwei⸗ chende Er⸗ ſcheinun⸗ gen bei unvoll⸗ kommener Gaͤhrung. Reini⸗ gung der Maiſch⸗ gefaͤße. Schlempe, deren Unterſchei⸗ dung von der Maiſche. Kartoffel⸗ bau und Kartoffel⸗ brennerei. 134 einer ſchimmlichen Haut bedeckt. Außerdem, daß hier ein guter Theil der Ausbeute verloren gehet, zeigt eine ſolche Maiſche große Neigung, in der Blaſe anzubren⸗ nen oder uͤberzuſchießen, wenn Beides nicht durch Achtſamkeit verhindert wird. §. 147. Dergleichen nachtheilige Erſcheinungen treten wohl auch manchmal ein, obſchon bei der Ein⸗ maiſchung kein Fehler vorgekommen iſt. Hier iſt die Veranlaſſung in der Unreinlichkeit der Maiſchtienen zu ſuchen, in denen von der vorherigen Gaͤhrung der Keim der Eſſigbildung zuruͤckgeblieben iſt, welcher der neuen Maiſche gleichſam eingeimpft wird. Sobald daher eine Maiſchtiene entleert und mit Waſſer geſpuͤlt worden iſt, muß ſie außerdem jedesmal mit ſtarker Aſchenlauge, in welcher gebrannter Kalk zerruͤhrt wird, vermittelſt eines Beſens oder einer Buͤrſte geſcheuert und wo moͤglich erſt dann wieder eingemaiſcht werden, wenn die Faß⸗ ſtaͤbe trocken geworden ſind. Nur auf dieſe Weiſe kann man verſichert ſeyn, daß die oft tief in die Fugen oder Poren eingedrungene Saͤure zerſtoͤrt wird. Daſſelbe er⸗ reicht man auch, wenn man Hafer⸗ oder Gerſtenſtroh einen Fuß hoch in den Bottich ſtreut und in demſelben verbrennen laͤßt. §. 148. Schlempe unterſcheidet ſich von der Maiſche durch truͤbes Anſehen, durch eine, dem Leim⸗ waſſer aͤhnliche, hellbraungelbe Farbe, ſo wie durch den zuſammenziehenden, unangenehm ſauren Geſchmack; auch fehlt ihr der obſtartige Geruch, der in reifer Maiſche vorwaltend iſt. An den Huͤlſen und Schrottheilen er⸗ kennt man deutlich, daß ſie gekocht worden ſind. Ge⸗ woͤhnlich wird Schlempe nur warm angetroffen; im kal⸗ ten Zuſtande iſt ſie mit einem duͤnnen Haͤutchen uͤber⸗ zogen. 3§. 149. Der Kartoffelbau zur Kartoffel⸗ brennerei iſt in dem preußiſchen Staate ſchon ſeit laͤngerer Zeit eingefuͤhrt; doch betrieb man den erſteren uͤberall nur in gewiſſer Beſchraͤnkung und mit Beruͤck⸗ ſichtigung des vorzugsweiſe auf Getreidebau gegruͤndeten Wirthſchaftplanes, weil die Fabrikation des Kartoffel⸗ branntweins ſich gleichſam noch in der Wiege befand, und deshalb dieſer Branntwein bei maͤßiger Ausbeute ſeines harten, unangenehmen, fuſeligen Geſchmackes hal⸗ —),———,— 13⁵5 ber im Werthe welt niedrlger als Kornbrannkwein ge⸗ halten wurde. Seitdem man jedoch gelernt hat, auch dieſer Frucht denjenigen Antheil Alkohol abzugewinnen, welchen ihre Beſtandtheile enthalten, und das Verfahren allgemeiner bekannt iſt, durch Anwendung einer geringen Quantitaͤt Kohle jenen Branntwein mit leichter Muͤhe von allen fuſeligen Gemengtheilen zu befreien, ſeitdem bildet der zunaͤchſt fuͤr die Verarbeitung auf Branntwein gerichtete Kartoffelbau in mehreren Provinzen ebenfalls einen der wichtigſten Zweige der Landwirthſchaft, den auch hier gleichſam der Nothſtand hervorgerufen hat. Die niedrigen Getreidepreiſe der juͤngſtvergangenen Jahre ſtanden mit den Kulturkoſten ſo außer Verhaͤltniß, daß in denjenigen Gegenden, wo bei aller muͤhſeligen Bearbeitung des Bodens, dennoch nur ein geringer Er⸗ trag an Halmfruͤchten zu erzielen iſt, die landwirth⸗ ſchaftliche Induſtrie genoͤthigt ward, auf Auswege zu denken, wie dem bereits begonnenen Sinken des Wer⸗ thes der Bodenflaͤche und der laͤndlichen Beſitzungen uͤberhaupt, einiger Einhalt zu thun ſei. Es fand in dem vermehrten Anbau der Kartoffel und ihrer Verarbeitung auf Branntwein der zeitherige Mißſtand eine weſentliche Abhuͤlfe. Der Landwirth erwog, daß auf derſelben Bodenflaͤche durch die Kultur der Kartoffeln ungleich mehr Mehlſtoff hervorgebracht werden konnte, als bei dem Anbau der Getreidearten; dagegen erbaute er hier eine Frucht, die auf den Markt nicht gut verfahren werden kann, und mußte daher, um dieſe in's Geld zu ſetzen und der Vortheile ſeines Fleißes theilhaftig zu werden, zu der Fabrikation von Branntwein ſchreiten, der leicht transportfaͤhig iſt und uͤberall Kaͤufer findet. Dieſe neue Kulturart veraͤnderte den fruͤher auf Halmfruͤchte geſtellten Wirthſchaftsplan in einzelnen Pro⸗ vinzen gaͤnzlich; der Kartoffelbau brachte ihn mit der Branntweinbrennerei, dieſe wieder mit allen uͤbrigen Zweigen der Landwirthſchaft in Verbindung, und ſo ward in jenen Gegenden die in großen Maſſen ſelbſt erbaute Kartoffelfrucht vorzugsweiſe und blos aus dem Grunde zur Branntweinbrennerei benutzt, weil vorzuͤglich leichter Boden gerade den ergiebigſten Ertrag liefert. §. 150. Was fruͤher das Beduͤrfniß einzufuͤhren gebot, lehrte bald der Vortheil als guͤnſtig beizubehalten, Verglei⸗ chender Ausbeute⸗ Ertrag zwiſchen Noggen und Kar⸗ toffeln. Land⸗ wirth⸗ ſchaftliche Brenne⸗ reien. 136 und was vorher dem Beſitzer von ſchwerem Boden der Anbau des Weizens war, iſt fuͤr den Beſitzer von mitt⸗ lerem und geringerem Boden der Anbau der Kartoffeln geworden; da der Landwirth hier den Ertrag ſeines Ackers nach derjenigen Menge Alkohol ſchaͤtzen darf, welcher aus dem auf einer gewiſſen Bodenflaͤche gewon⸗ nenen Material erzeugt werden kann. Hierdurch iſt er im Stande, nicht nur mit den Brennereien der Staͤdte gleichen Schritt zu halten, ſondern er hat gegen dieſe uͤberwiegende Vortheile voraus, die ihm eben ſeine land⸗ wirthſchaftliche Lage darbietet. §. 151. Auf Einen Morgen Land von mittlerer Guͤte, der einen Durchſchnittertrag von 8 Scheffel Rog⸗ gen liefert, werden, bei ziemlich gleichen Kulturkoſten im Durchſchnitt 100 Scheffel Kartoffeln erbaut. Acht Scheffel Roggen geben, nach der Annahme§. 18, 120 Quart Branntwein, wogegen aus 100 Scheffel Kar⸗ toffeln 500 Quart mindeſtens gewonnen werden. Das Werthverhaͤltniß eines Morgenertrages an Roggen gegen Kartoffeln ſtellt ſich daher wie 1 zu 4 ½. Wenn daher ein Scheffel Roggen 45 Sgr. koſtet, ſo ſind dem Land⸗ wirth drei Scheffel Kartoffeln eben ſo viel, oder ein Scheffel iſt 15 Sgr. werth. Fuͤr dieſen Preis und die Verguͤtung der erforderlichen Transportkoſten findet er jedoch ſchwerlich Kaͤufer, und verarbeitet daher lieber jene Kartoffeln auf Branntwein, welchem wie ſchon erwaͤhnt, die gegenwaͤrtig eingefuͤhrte zweckmaͤßigere Fa⸗ brikation und die leichte Methode, ihn zu entfuſeln, einen dem Kornbranntwein, in der Folge mindeſtens, ganz gleichen Werth ſichert. §. 152. Wuͤrde daher der Kartoffelbau in dem Maaße, wie er zeither in einzelnen Gegenden erweitert worden iſt, allgemein uͤberhand nehmen koͤnnen, ſo duͤrfte leicht der Fall eintreten, daß alle Getreidebrennereien eingehen muͤßten und die Fabrikation des Branntweins uͤberhaupt nur noch als ein landwirthſchaftliches Gewerbe beſtehen koͤnnte. Dieſe Beſorgniß ſchwindet jedoch bei der Betrachtung, daß Kartoffelbau und mithin auch Kartoffelbrennereien ihre Grenzen in der Natur des Bo⸗ dens und in den Koſten ſeiner Bearbeitung finden. So nothwendig die Verbreitung der Kartoffelerzeugung in Gegenden erſcheint, wo leichter Boden, Mangel an —,—— ———— 137 Wieſen oder kuͤnſtlichen Futterkraͤutern vorherrſchend iſt, ſo wenig iſt zu beſorgen, daß er in Gegenden zum Nachtheil der Koͤrnerkultur uͤberhand nehmen werde, wo ſchwerer, dem Kartoffelbau unguͤnſtiger Boden und natuͤrliche oder kuͤnſtliche Wieſen vorhanden ſind, da ſich hier das Verhaͤltniß des oͤkonomiſchen Gewinnes bei dem Kartoffel⸗ gegen den Getreidebau anders ſtellt, im Allgemeinen aber bei der Oekonomie als Grundſatz an⸗ genommen werden darf, daß die Natur ſchon in die Erdſcholle ſelbſt, nach Maaßgabe ihrer Beſtandtheile und ihrer Lage, das ihr eigenthuͤmlich nothwendige Wirthſchaftsſyſtem gelegt hat, nach welchem ſich Be— arbeitung und Kulturart des Bodens richten muß, wenn der Landwirth fuͤr die Dauer einen gleichmaͤßig hohen Gewinn von ſeiner Ackerwirthſchaft erzielen will. Obgleich daher nicht zu fuͤrchten iſt, daß der Getreidebranntwein und mit ihm der ſtaͤdtiſche Brennerei⸗ betrieb ganz verdraͤngt werde, ſo iſt es dennoch ein⸗ leuchtend, daß kuͤnftig in den landwirthſchaftlichen Brennereien weniger Getreide, vorzugsweiſe aber die, im Verhaͤltniß zum Werth drei- auch wohl vierfache Aus⸗ beute liefernden Kartoffeln haͤufiger werden verwendet werden. Um aber auch hier den gegen Getreidebrennereien dargebotenen Gewinn ſo weit als moͤglich auszudehnen, iſt es erforderlich, daß neben der Landwirthſchaft der Brennereibetrieb ſelbſt im Allgemeinen mit derjenigen Sachkenntniß und Regelmaͤßigkeit ausgeuͤbt werde, die man jetzt, nur erſt hin und wieder, in einzelnen großen Guͤtern als Muſteranlagen ſiehet. §. 153. Der groͤßere Theil der landwirthſchaftlichen Brennereien wird ſorglos und mechaniſch betrieben; woͤ⸗ chentlich wird vielleicht nur ein- oder zweimal das Mi⸗ nimum des zu verſteuernden Maiſchraumes declarirt und manchen Monat gar nicht gebrannt. Eine derartige Brennerei kann dem Inhaber nicht den Vortheil gewaͤh⸗ ren, welchen der taͤglich wiederholte Betrieb darbietet, weil bei unterbrochenem Betrieb die Gefaͤße ſaͤuern und in den Geraͤthen Gruͤnſpan erzeugt wird, der ſich bei er⸗ neutem Gebrauch in Branntwein aufloͤßt und denſelben vergiftet. Es wird mithin eine geringere Ausbeute ge⸗ wonnen und ein ſchaͤdliches Fabrikat produzirt. Bei der Beſtand⸗ theile der Kartof⸗ feln. 138 erhaltenen, von einem Brenntage zum andern aufge⸗ hobenen Schlempe tritt aͤhnlicher Nachtheil ein. Schlempe von drei bis vier Tagen iſt faul und ernaͤhrt das Vieh weniger, als die magerſte ihm dargebotene Fuͤtterung. Wirft man auf die Verhaͤltniſſe ſolcher Brennereien nur einen fluͤchtigen Blick, ſo dringt ſich die Ueberzeu⸗ gung auf, daß bei ihnen alle Elemente fehlen, aus denen die Induſtrie hervorgehet, die gruͤndliche Einſicht des Beſſeren und das durch Concurrenz erweckte Beſtre⸗ ben, mit den geringſten Koſten moͤglichſt viele und gute Waare zu erzielen, um beim Abſatz den Vorzug zu ge⸗ winnen. Es erklaͤrt ſich dieß aus dem Umſtande, daß in der Regel das landwirthſchaftliche Brennereigeſchaͤft noch zu ſehr als Nebenſache, und nur in einzelnen groͤßeren Anlagen als eigentliches Gewerbe betrieben wird, daher im Allgemeinen die rege Betriebſamkeit mangelt, welche gleichmaͤßige Vervollkommnung herbeifuͤhren wuͤrde. Doch ſind auch hier in der neueſten Zeit weſent— liche Fortſchritte bemerkbar, und es iſt zu erwarten, daß in kurzer Friſt die Zahl der nach rationellen Grundſaͤtzen arbeitenden Brennereien auch auf dem Lande ſich ſo weit vermehrt haben werde, daß ſie das Gewerbe beherrſchen. Die ſchlechteren Anſtalten werden dann neben ihnen nicht beſtehen koͤnnen, ſondern entweder ebenfalls zu beſſeren Einrichtungen uͤbergehen, oder, da ſie weder den Be⸗ ſtimmungen der Geſetzgebung, noch den Anforderungen der Concurrenz Genuͤge zu leiſten vermoͤgen, ihr Ge⸗ ſchaͤft aufgeben und ihrem Schickſale uͤberlaſſen bleiben muͤſſen. 15 154. Die Urſache, weshalb aus den Kartoffeln eine verhaͤltnißmaͤßig ſo bedeutende Quantitaͤt Brannt⸗ wein gewonnen wird, liegt darinn, daß in ihnen ein ſo großer Antheil von Staͤrke vorhanden iſt, daß Faſer. und Schleim der Kartoffeln ebenfalls Stoffe ſind, welche ſich zur weinigten Gaͤhrung eignen. Da nun Brannt⸗ wein das Produkt der in Zucker verwandelten Staͤrke oder des Kraftmehles iſt(§. 47), ſo erklaͤrt ſich der Vortheil, welchen die Fabrikation des Branntweins aus Kartoffeln von derjenigen aus Getreide uͤberwiegend vor⸗ aus hat. Nach den von mehreren Chemikern angeſtell⸗ ten Unterſuchungen enthalten 100 Pfund der nachge⸗ 139 nannten Kartoffelarken im rohen Zuſtande folgende Be⸗ ſtandtheile: Schaale, Faſerſtoff, Stäͤrke. Waſſev. Pflanzeneiweis, Guͤmmi, Verluſtꝛc. Rothe Kartoffeln 15 75 10 Gekeimte dergleichen 1513 3 73 11, Nierenkartoffeln 91⁄ 81135 92 1 Große rothe Kartoff. 1212 3 78 9 Zuckerkartoffeln lörze 74r36 10 2 1 Peruvianiſche Kartoff. 15 76 9 Engliſche Kartoffeln 12123. 3 77131 10 ☛ 12 Zwiebelkartoffeln l1Sr 70 13e 11 2, Voigtläͤndiſche Kartoff. 15133 74 8 8 10 55 11 Bei Paris kultivirte K. 13 135 3 73 13 13 358 Hiernach ſind in rohen Kartoffeln durchſchnittlich 75 Prozent ihres Gewichtes an Waͤſſrigkeit vorhan⸗ den, die von dieſer geſchiedene, gegen 25 Prozent be⸗ tragende, trockne Subſtanz enthaͤlt jedoch nahe an 14 Prozent reines Staͤrkmehl, und es ſind ſonach in 100 Pfund getrockneten Kartoffeln 56 Pfund Sta˖ͤrke als Durchſchnittgehalt anzunehmen. 100 Pfund Weizen ge⸗ ben als reichlichſte Ausbeute 64 Pfund Staͤrke, und es ſind daher als Branntwein erzeugendes Material 114 Pfund getrocknete Kartoffeln 100 Pfund Weizen gleich zu ſtellen, oder nach dem Maaß berechnet, das Ge— wicht von einem Scheffel roher Kartoffeln zu 100 Pfund, dasjenige des Weizens zu 85 Pfund angenommen, lie⸗ fern 3.5 Scheffel rohe Kartoffeln dieſelbe Ausbeute an Branntwein, die von einem Scheffel Weizen gewon⸗ nen wird. Durch das Vorhergeſagte iſt auch gleichzeitig die Frage beantwortet, welche Kartoffelarten bei ihrer Ver⸗ arbeitung auf Branntwein den meiſten Ertrag liefern; da nothwendig diejenigen die ergiebigſte Ausbeute ge⸗ waͤhren, welche, mit einander verglichen, bei gleicher Quantitaͤt den'groͤßten Antheil Staͤrke enthalten. Um eine ſolche Vergleichung anzuſtellen und das quantitative Verhaͤltniß des Staͤrkemehls zu ermitteln, iſt folgendes einfache Verfahren hinreichend. §. 155. Man reibt auf einem feinen Reibeiſen, Pruͤfung ſo, daß die zarten Faſern moͤglichſt zerriſſen werden, Kaotfem eine abgewogene Portion der zu pruͤfenden Kartoffeln, auf Stär⸗ 4 kegehalt bindet den erhaltenen Brei in einen Beutel von maͤßig 140 undtrockne feiner Leinwand und knetet ihn ſo lange unter Waſſer, Subſtanz. als dieſes getruͤbt wird und ſich noch mehlartige Be⸗ ſtandtheile auswaſchen. Das gebrauchte Waſſer, in welchem ſich die Staͤrke zu Boden geſenkt hat, wird abgegoſſen, der Ruͤckſtand noch einigemale mit friſchem Waſſer ausgewaſchen und dann getrocknet. Sein Ge⸗ wicht im trocknen Zuſtande ergiebt die Quantitaͤt Staͤr⸗ kemehl, welche in der gepruͤften Gewichtsmenge Kar⸗ toffeln enthalten war. Der Gehalt der Waͤſſrigkeit und mithin auch derjenige der trocknen Subſtanz ergiebt ſich, wenn man eine ebenfalls gewogene Menge von dieſen Kartoffeln in duͤnne Scheiben oder in Wuͤrfel ſchneidet, dieſe an der Luft abwelken und an der Sonne oder bei gelinder Waͤrme auf der Malzdarre voͤllig austrocknen laͤßt, und nachdem dieß erfolgt iſt, das Gewicht des erhal⸗ tenen trocknen Ruͤckſtandes mit demjenigen der ange⸗ wendeten rohen Quantitaͤt vergleicht. Mit leichter Rechnung laͤßt ſich nun hiernach weiter beſtimmen, wie viel ein Scheffel ſolcher Kartoffeln trockne Subſtanz enthalte, wie viel er an Staͤrke liefere und wie viel aus demſelben Branntwein gewonnen werden kann. Als Maaßſtab iſt anzunehmen, daß, um ein Quart Brannt⸗ wein zu 50 Prozent zu produziren, 2 ⅞˖ Pfund Staͤrke erforderlich ſind. Den groͤßten Antheil Staͤrke enthalten diejenigen Kartoffeln, welche auf ſandigen oder leichten trocknen Lehmboden erbaut worden ſind, wogegen die in ſchwerem fetten und feuchten Boden kultivirten, bei groͤßerer Menge Waͤſſrigkeit und Faſern, einen geringe⸗ ren Antheil Staͤrke ergeben. §. 156. Sollen Kartoffeln auf Branntwein verar⸗ beitet werden, ſo muß man ſie vorher von den ihnen anklebenden erdigen Theilen durch Waſchen befreien. Man hat zu dieſem Endzweck eine Trommel vorgeſchla⸗ gen die aus Latten beſtehet, welche auf zwei runde Scheiben von 2 bis 3 Fuß Durchmeſſer und in ſolcher Entfernung von einander aufgenagelt ſind, daß keine Kartoffeln hindurchfallen koͤnnen. Durch die Mitte der Trommel gehet eine viereckige eiſerne Welle, die an bei⸗ den Enden mit Zapfen und einer Kurbel zum Umdrehen verſehen iſt. Im Umfange der Trommel iſt eine Thuͤre von Latten oder Eiſenblech angebracht, durch welche die ————— 141 Kartoffeln, die man waſchen will, eingeſchuͤttet werden. Die Vorrichtung liegt auf einem mit Waſſer gefuͤlltem Behaͤlter und wird ſo lange in demſelben umgedrehet, bis die Kartoffeln von ihrer Unreinigkeit befreiet erſcheinen, und aus der Trommel wieder herausgenommen werden. In Brennereien wo man taͤglich einen oder meh⸗ rere Wiſpel Kartoffeln verarbeitet, moͤchte dieſe Art der Kartoffelreinigung zu muͤhſam ſein und man bewirkt ſie dadurch weit einfacher, daß man außerhalb des Brenn⸗ locals eine flache Wanne ſtellt, die am Boden mit einem Loch verſehen iſt, das durch einen langen Zapfen ge⸗ ſchloſſen wird. Die Wanne wird mit Kartoffeln ange⸗ fuͤllt, dieſe uͤbergießt man mit warmen Waſſer, welches G in jeder Brennerei zu haben iſt und nimmt die Reini⸗ gung durch ſtumpfe Beſen vor. Iſt das Waſſer ſchmutzig geworden, ſo wird es mittelſt Oeffnung des Zapfens abgelaſſen, und durch friſches erſetzt. Sind die Kartoffeln in trocknem Sandboden ge⸗ wachſen, ſo iſt es nicht einmal noͤthig, daß man ſie vorher waͤſcht, da der geringe Antheil Sand, welcher ih⸗ G nen anhaͤngt, beim Kochen abgeſpuͤhlt wird und auf dem Boden der Dampftonne ſich lagert. 1 §. 157. Die Groͤße der Dampftonne richtet ſich Kochappa⸗ nach der Menge Kartoffeln, welche taͤglich verarbeitet rat, werden. Man bedient ſich dazu entweder gewoͤhnlicher Dampf durch eiſerne Reife gebundener Weinfaͤſſer,(Stuͤckfaͤſſer, enne.' Orhofte) oder laͤßt zu dieſem Endzweck beſondere Tonnen anfertigen, deren Dimenſions⸗Verhaͤltniſſe ſich zwar nach der Localitaͤt richten muͤſſen; wo jedoch dies nicht nothwendig iſt, man am vortheilhafteſten eine Form an⸗ wendet, bei welcher die Hoͤhe des Faſſes doppelt ſo a groß, als deſſen Durchmeſſer iſt. Oberhalb des unteren 1 Bodens, in der Entfernung von etwa 6 Zoll, iſt ein zweiter entweder aus Latten beſtehender, oder durchloͤcher⸗ ter Boden angebracht. In der Decke des Dampffaſſes befindet ſich eine Oeffnung, durch die man die Kar⸗ toffeln einſchuͤttet; eine gleiche Oeffnung iſt an der Seite dicht uͤber den durchloͤcherten Boden befindlich, vermit⸗ telſt welcher die gekochten Kartoffeln herausgebracht werden. Beide Oeffnungen ſind durch Brettſtuͤcke oder Thuͤren verſchloſſen, die an ihren Kanten mit Filz oder Tuchleiſten beſchlagen werden, um das Entweichen der Dampf⸗ Fig. 18. 142²2 Daͤmpfe zu verhuͤten. Außerdem ſind dieſe Thuren durch Baͤnder und Haspen oder Riegel feſtgehalten. Zwiſchen dem durchloͤcherten Boden befinden ſich an den dazu paſſenden Orten noch zwei Oeffnungen, von denen die eine beſtimmt iſt, das Dampfleitungsrohr aufzunehmen, die zweite, das aus den Daͤmpfen niedergeſchlagene Waſſer abzulaſſen, weshalb auch letztere mit einem meſ⸗ ſingenen Hahn verſchloſſen iſt, der waͤhrend des Gebrau⸗ ches geoͤffnet wird. Auch bohrt man am untern Ende der Staͤbe einige kleine Oeffnungen, die mit Pfropfen geſchloſſen werden koͤnnen, um vermittelſt eines hoͤlzernen oder eiſernen Stabes zu pruͤfen, wenn die Kartoffeln gar gekocht ſind. §. 158. Bedient man ſich zum Waſſerkochen beim Einmaiſchen eines von dem Deſtillirapparat unabhaͤngi⸗ gen beſonderen Keſſels, und hat dieſer die Form einer Blaſe, ſo daß er geſchloſſen werden kann, oder kann man einen beſonderen Keſſel allein zu dieſem Endzweck be⸗ nutzen, ſo bringt man in demſelben folgende durch Fig. 18 dargeſtellte Vorrichtung an. Der etwas verlaͤngerte Hals des Keſſels iſt mit ei⸗ nem 2 ½ Zoll breiten und etwa zwei Linien dicken Ran⸗ de, oder Kranze umgeben, auf welchem eine runde gegen zwei Linien ſtarke Kupfer⸗ oder Eiſenplatte paßt. In der Entfernung von 4 zu 4 Zoll ſind in beide Platten Loͤcher gebohrt. Zwiſchen die Krempe und den Deckel wird ein, in fluͤſſigen Talg getraͤnkter Pappkranz ge⸗ legt und das Ganze durch eiſerne Schrauben luftdicht verſchloſſen. Auf dem Deckel befindet ſich das Dampf⸗ leitungs⸗Rohr, welches entweder aufgeſchraubt oder an⸗ geloͤthet iſt. Eine zweite Oeffnung in dem Deckel dient, um das verdampfte Waſſer in den Keſſel wieder zu er— ſetzen. Dieſe Oeffnung iſt waͤhrend des Gebrauches entweder durch einen hoͤlzernen Propfen, oder wenn der Dampfkeſſel gleichzeitig zur Fabrikation von Staͤrke⸗ zucker oder Syrup(deſſen Bereitung wir ſpaͤter vor⸗ tragen) benutzt werden ſoll, durch ein Sicherheits-Ventil geſchloſſen, welches aus einer hohlen Kugel von Meſ⸗ ſing beſtehet. An der unteren Flaͤche dieſer Kugel iſt ein kleines Eiſenſtaͤbchen befeſtigt, um ihr Herabfallen zu hindern. Die Kugel, welche oben eine Oeffnung hat, wird beim Gebrauch mit Bleiſchroot gefuͤllt und muß ——/ —— 143 auf dem Rand des Deckels genau aufliegen; wenn dies der Fall nicht ſein ſollte mit Schmirgel eingeſchliffen werden. Man laͤßt ſie am beſten von einem zuverlaͤſ⸗ ſigen Metallarbeiter anfertigen. Die Laͤnge des Dampf⸗ leitungsrohres wird durch die Entfernung beſtimmt, in welcher die Dampftonne von dem Dampfkeſſel aufgeſtellt wird. Der Durchmeſſer iſt demjenigen des Schlangen⸗ rohres gleich. Wo dieſe Vorrichtung nicht anwendbar iſt und man die Brennblaſe auch zum Kartoffelkochen benutzen muß, wird das Dampfleitungsrohr an den Schnabel des Blaſenhelms geſteckt und in die Dampftonne geleitet. §. 159. Die Dampftonne wird am zweckmaͤßigſten in einer ſolchen Hoͤhe angebracht, daß ihr unterer Bo⸗ den den Rumpf der Kartoffelmuͤhle gleich ſteht und die gekochten Kartoffeln in dieſelbe fallen, wenn man ſie durch die geoͤffnete Thuͤr mit Kuͤlfe einer Kruͤcke her⸗ auszieht. Iſt die Dampftonne mit rohen Kartoffeln und der Keſſel mit Waſſer gefuͤllt, ſo werden die etwaigen Fu⸗ gen am Helm oder an den Leitungsroͤhren mit Lehm oder Schrotteig verſtrichen und die Schieber der Feue⸗ rung geoͤffnet. Sobald das Waſſer ſiedet, treten die aufſteigenden Daͤmpfe in das Kochfaß und vertheilen ſich im innern Raum deſſelben nach allen Richtungen, durchdringen die Kartoffeln und machen ſie gahr. Nach Verhaͤltniß der angewendeten Menge ſind binnen zwei oder drei Stunden vom Siedepunkt des Waſſers an ge⸗ rechnet, die Kartoffeln vollkommen weich gekocht. Man erkennt dies dadurch, daß die Dampftonne von außen uͤberall und namentlich am untern Ende gleichmaͤßig warm iſt, daß der uͤberfluͤſſige Dampf durch den Waſſerhahn der Tonne mit Gewalt herausſtroͤmt, was auch außerdem durch hoͤrbares Sauſen bemerkt wird, und daß jener eiſerne oder hoͤlzerne Stab, mit welchem man das Innere der Dampftonne in allen Richtungen, namentlich aber nach dem un⸗ teren Boden zu viſitirt, nirgend Widerſtand findet, der gleich bemerkbar ſein wuͤrde, wenn auch nur einige rohe Kartoffeln noch unter der Maſſe vorhanden waͤren. Kochen der Kar⸗ toffeln. §. 160. Wenn die Kartoffeln gahr ſind, werden Zerkleine⸗ dieſelben auf einer Muͤhle zerquetſcht. Man hat um rung der 14⁴4 Kartoffeln dieſe Verkleinerung zu bewirken, verſchiedene zum Theil Quetſch⸗ apparat. Fig. 19. Kartoffel⸗ hacken. Fig. 20. ſehr ſinnreich konſtruirte Apparate vorgeſchlagen, auch iſt in Preuſſen eine Kartoffelverfeinerungs⸗Maſchine pa⸗ tentirt worden, jedoch iſt man jetzt uͤberall zur einfach⸗ ſten Vorrichtung zuruͤckgekehrt, welche bei den geringſten Aufwand von Kraͤften, dennoch die beſten Dienſte leiſtet. Die Haupterforderniſſe einer Kartoffelmuͤhle, die Kartoffeln ſo ſchnell und ſo vollkommen als moͤglich zu zerquetſchen, ohne einen großen Kraftaufwand zu erfor⸗ dern, befriedigt, der Fig. 19 gezeichnete Apparat. Er be⸗ ſteht aus zwei von hartem Holz gedrehten glatten Wal⸗ zen, oder gußeiſernen Cylindern von 20 bis 24 Zoll Durchmeſſer und 12 bis 15 Zoll Laͤnge. Dieſe Wal⸗ zen liegen neben einander; durch ihre Mitte laͤuft eine eiſerne Stange, deren Zapfen in meſſingenen Pfannen ruhen, welche durch eine Stellſchraube einander naͤher geruͤckt, oder von einander entfernt werden koͤnnen. An jeder Walze ſind in entgegengeſetzter Richtung Kurbeln angebracht, vermittelſt welcher die Muͤhle durch zwei Perſonen in Bewegung geſetzt wird. Ueber der Walze ſteht der Rumpf, in den die Kartoffeln hineinfallen; er iſt da, wo ſich die Walzen ſcharf gegen einander neigen, mit einem eiſernen Schieber verſehen, der ge⸗ oͤffnet wird, wenn ein in den Kartoffeln befindlicher Stein zwiſchen die Walzen koͤmmt und deren Fortgang hindert. Man bedient ſich in dieſem Falle des Hakens (Fig. 20), mit welchem der Stein gefaßt, und ſobald die Walzen etwas zuruͤckgelaſſen ſind, leicht herausge⸗ zogen wird. Ein Getriebe an den Kartoffelmuͤhlen oder andre ihren Gang erleichternde Vorrichtungen kann man eben deshalb nicht anbringen, weil ihre Kraftaͤußerung dann ſo ſtark wird, daß in dem wohl oͤfters vorkommenden Falle, wo ein in den Kartoffeln befindlicher Stein erſt zwiſchen den Walzen bemerkt wird, dieſe, wenn ſie von Gußeiſen ſind, zerſpringen oder mindeſtens aus ihrer Lage getrieben werden koͤnnen. Unterhalb der Walzen ſind in deren ganzer Laͤnge zwei Meſſer angebracht, die an ihren Enden in eiſernen Huͤlſen ruhen, vermittelſt eines Gewichtes aber feſt ge⸗ gen die Walzen gedruͤckt werden. Sie dienen dazu, die Walzen von den ſchleimigen Theilen der Kartoffeln zu ——,„„———— — ——=——,— ———.— 145 befreien, welcher ſich an dieſelben bei dem Umdrehen anlegt. Wird dieſer Schleim nicht jedesmal abgeſtri⸗ chen, ſo werden die Kartoffeln zwar von den Walzen gefaßt, jedoch nur breit gedruͤckt, gleiten unzerriſſen hindurch und bilden Klumpen in der Maiſche. Bei dem Zerkleinern der Kartoffeln iſt als ein Haupterforderniß zu beachten, daß dieſelben ſo heiß als moͤglich, durch die Walzen zerquetſcht werden. Sind ſie kalt geworden, ſo bilden ſie im verkleinerten Zuſtande eine ſchleimige, nicht mehligte Maſſe, die zuſammen— geballt, ſich in der Maiſche nicht zertheilt; deren Be⸗ ſtandtheile daher eine voͤllige Aufloͤſung im Waſſer nicht erleiden koͤnnen. Auch erfordert das Zerquetſchen der Kartoffeln, die nicht mehr kochend heiß ſind, eine weit groͤßere Kraftanſtrengung. Empfehlungswerth iſt daher das Verfahren, das Feuer unter dem Keſſel nicht eher voͤllig zu ſchließen, als bis alle Kartoffeln gemahlen ſind; man erhaͤlt durch den immerwaͤhrend hinzutretenden Dampf die Hitze im Kochfaſſe ſtets auf dem Siedepunkte, wodurch es erreicht wird, daß die letzte Fuͤllung des Rumpfs mit derſelben Leichtigkeit, als die Erſte, durch die Walzen zerquetſcht wird. Die Kartoffelmuͤhle ruht entweder auf einem Bocke mit vier Fuͤßen, und die zerquetſchten Kartoffeln fallen in einen, unter den Walzen ſtehenden, mit zwei Hand⸗ haben verſehenen, hoͤlzernen Kaſten oder geflochtenen Korb, und werden in dieſem nach den Maiſchtienen getragen; oder ſie iſt vermittelſt zweier eiſerner Ueberwuͤrfe, die durch hoͤlzerne Keile angezogen werden, jedesmal auf denjenigen Bottich befeſtigt, welcher eingemaiſcht werden ſoll. Die Kartoffeln werden hier von der Dampf⸗ tonne aus auf den Rumpf der Muͤhle getragen, und fallen zerquetſcht ſogleich in den Maiſchbottich. Wo es die Lokalitaͤt geſtattet und man einen Vor⸗ maiſchbottich in Anwendung bringen kann, wird, wenn es moͤglich iſt, dieſem eine ſolche Stellung gegeben, daß er ſich nahe an der Dampftonne und in einer ſol⸗ chen Hoͤhe befindet, wobei der Rumpf der darauf ſte⸗ henden Kartoffelmuͤhle unter diejenige Oeffnung zu ſte⸗ hen koͤmmt, aus welcher die Kartoffeln heraus fallen. Hierdurch wird das Wegtragen der Kartoffeln erſpart, auch in der zerquetſchten Maſſe die moͤglichſt hohe 10 —.-———— —— Zuſatz von Getreide oder Malz vur Kartoffel⸗ matſche. Zuckerbil⸗ dende Ei⸗ genſchaft des Malzes. 146 Temperatur erhalken, deren wir, um eine gleſchfoͤrmige Maiſche, die keine Klumpen zeigt, zu bden, noth⸗ wendig beduͤrfen. Ein Wiſpel Kartoffeln wird mit der eben beſchriebe⸗ nen Muͤhle, wenn ſie auf den Maiſchbottich befeſtigt iſt, durch zwei Perſonen bequem binnen einer halben Stunde zerquetſcht. Die doppelte Zeit wird erfordert, wenn die Arbeiter die Kartoffeln von der Darpftonne nach dem Maiſchbottich tragen muͤſſen. §. 161. Aus der,§. 154 angefuͤhrten Unterſuchung uͤber die naͤheren Beſtandtheile der Kartoffeln ergiebt ſich, daß dieſelben außer ihrem Waſſergehalt vorzuͤglich aus Staͤrke und Faſerſtoff beſtehen. Pflanzeneiweis und Gummi iſt nur in geringem Antheil, Kleber aber gar nicht vorhanden; obſchon man in neuerer Zeit auch da⸗ von Spuren in einigen Kartoffelſorten entdeckt hat. Wenn nun aber die Verwandlung der Staͤrke in Zucker bei der Einmaiſchung nur unter Einwirkung des Klebers uͤberhaupt ſtatt finden kann, ſo wird es er— klaͤrlch, daß Kartoffeln fuͤr ſich allein und ohne Zuſatz eingemaiſcht, auch wenn man ſie mit der noͤthigen Quantitaͤt Hefe verſetzt, dennoch eine geiſtige Gaͤhrung nicht eingehen, ſondern die Maiſche raſch ſaͤuert und eher faul wird, als die Eſſigbildung vollendet. Kartoffelmaiſche muß da⸗ her, wenn man Branntwein daraus ziehen will, mit einer Subſtanz verſetzt werden, welche Kleber enthaͤlt. Man kann dazu rohes Getreide verwenden; ja ſelbſt Tiſchlerleim in Kartoffelmaiſche aufgeloͤſt bildet Zucker und erregt in derſelben geiſtige Gaͤhrung. Dennoch aber hat man gefunden, daß der allei⸗ nige Zuſatz von rohem Getreidebeiweitem nicht diejenige Quantitaͤt Alkohol in der Kartoffelmaiſche ent⸗ wickelt, welche der in ihr befindliche Mehlſtoff wirklich enthaͤlt, und die Erfahrung hat erwieſen, daß nur gemalztes Getreide vermoͤgend iſt, die groͤßte Branntweinausbeute aus den Kartoffeln zu verbuͤrgen. §. 162. Zwar iſt in dem gemalzten Getreide ein großer Antheil von Kleber auch nicht vorhanden, und deshalb ſcheint es, daß mehr als dieſer, das eigenthuͤm⸗ liche Aroma des Malzes und der in demſelben enthaltene Schleimzucker, die Staͤrke der Maiſche in Zucker umbilden; 147 welche Beobachtung ſich ebenfalls zeigk, wenn man friſch⸗ gekochten Staͤrkekleiſter mit heißem Malzabſud verſetzt, da durch deſſen Einwirkung binnen Kurzem jener Kleiſter in eine ſuͤße, duͤnne, durchſichtige Fluͤſſigkeit umgewandelt wird. Die Theorie hat bis jetzt dieſe eigenthuͤmliche Wirkung des Malzes noch nicht erklaͤrt, wir ſind daher blos im Stande, die durch taͤgliche Erfahrung hinlaͤng⸗ lich erwieſene Thatſache anzufuͤhren, und koͤnnen nur der allgemeinen Anſicht beitreten, daß alle die geiſtige Gaͤhrung eingehenden oder ſie erregenden Subſtanzen, wenn ſie in angemeſſenen quantitativen Verhaͤltniſſen zuſammen gemiſcht werden, insgeſammt bei der Alkohol⸗ bildung ſich thaͤtig zeigen. §. 163. Ob man Malz von Waizen, Roggen Quantita⸗ oder Gerſte als Zuſatz verwendet, iſt gleichguͤltig; nur tives Ver⸗ darf es nicht braun gedoͤrrt ſeyn, weil es ſonſt ſchon einen Theil ſeiner zuckerbildenden Eigenſchaft verloren hat, auch aus dem Makz ſelbſt nicht der erwartete Alkoholertrag gewonnen werden koͤnnte. Gewoͤhnlich be— dient man ſich des Gerſtenmalzes, da dieſes mit der leichteſten Muͤhe bereitet werden kann. Als hinreichend wird erachtet, wenn man auf je— den Scheffel Kartoffeln eine Metze geſchrotetes Malz zuſetzt. Beſſer, und den gleichmaͤßigen Erfolg mehr ſichernd iſt es jedoch, eine groͤßere Quantitaͤt an⸗ zuwenden, und in den meiſten Brennereien rechnet man zu einem Wiſpel Kartoffeln drei, vier, auch wohl ſechs Scheffel Malzſchroot. Zu viel davon kann man nie anwenden, auch wird das Fabrikat dadurch nicht ver⸗ theuert, da die Koſten durch den aus Malz gewonne⸗ nen Branntwein gedeckt werden, wohl aber bringt ein zu geringer Beiſatz von Malz alle nachtheilige Erſcheinungen hervor, die bei der Gaͤhrung und der Deſtillation in Kartoffelbrennereien bemerkt werden, und die Urſache, weshalb in ſo vielen Brennereien aus Kartoffeln weder eine guͤnſtige Ausbeute zu erzie⸗ len, noch ein reines wohlſchmeckendes Fabrikat zu gewinnen iſt, moͤchte vorzugsweiſe in dem ganz un⸗ richtigen Erſparungsſyſtem mancher Brennerei⸗Inhaber zu finden ſeyn, welche vermeinen, daß ſelbſt eine noch geringere Quantitaͤt, als der oben angefuͤhrte Zu⸗ ſatz, beim Maiſchen der Kartoffeln hinreiche, eine 10* baͤltniß des Malz⸗ zuſatzes. 148 lhtowete Aufloͤſung und geiſtlge Gaͤhrung hervorzu⸗ ringen. Maiſchen§. 164. Wie die Eigenſchaft der Hefe durch ei⸗ dde⸗ nen hohen Temperaturgrad zerſtoͤrt wird(§. 57), ſo Ralzes. iſt auch die zuckerbildende Eigenſchaft des Malzes ſehr empfindlich, und geht mindeſtens theilweiſe verloren, wenn man das Malz mit ſo heißem Waſſer uͤbergießt, daß die daraus gebildete Maiſche eine groͤßere Waͤrme, als 60 Grade, zeigt. Man kann daher Malz in der That verbruͤhen. Deswegen darf mit den heißen Kartoffeln zuſam⸗ men, Malz nicht gleichzeitig eingemaiſcht werden und es muß dieß wo moͤglich in einem beſonderen Gefaͤß ge⸗ ſchehen. Man verwendet zum Einmaiſchen Waſſer bei einer Temperatur von 40 bis 50 Grad. Die Malz⸗ wuͤrze zeigt dann gewoͤhnlich eine Waͤrme zwiſchen 34 und 44 Grad. Auf die Quantitaͤt des zum Einmaiſchen des Malzes verwendeten Waſſers kommt nicht ſonderlich viel an, doch muß man mindeſtens ſoviel nehmen, als noͤthig iſt, um alle aufloͤsbaren Theile deſſelben zu ex⸗ trahiren. Dieſe Malzwuͤrze wird ſofort in den Bottich gegoſſen, wenn die Kartoffeln mit Waſſer vermiſcht ſind und dadurch eine Temperatur von 50 bis 56 Grad in der Maiſche erreicht worden iſt. Kann man ſich jedoch eines beſonderen Nebengefaͤßes zu dieſem Zweck nicht bedienen, ſo nimmt man kurz zuvor, ehe die zerquetſch⸗ ten Kartoffeln in den Maiſchbottich gebracht werden, die erforderliche Quantitaͤt Malz, teigt ſie mit lau⸗ warmem Waſſer zu einem ſteifen Brei an(§. 110), und haͤuft dieſen in eine Ecke des Maiſchbottichs, welche von den hinzugebrachten Kartoffeln nicht eher beruͤhrt werden darf, als bis dieſe mit Waſſer angemaiſcht ſind. Verhaͤlt⸗§. 165. Als das vortheilhafteſte Verhaͤltniß des Waſ⸗ niß des ſers zur trockenen Subſtanz wird dasjenige, wie acht zu IWaſſers, eins, anerkannt, obſchon man bei dem Einmaiſchen ſo zuen Sub⸗ viel Fluͤſſigkeit nicht zu verwenden noͤthig hat, da, wie er⸗ ſtanz bei waͤhnt, ein großer Antheil Waſſer in den rohen Kartof⸗ Kartoffel⸗ feln enthalten iſt, der durch die hinzugetretenen Daͤmpfe maiſche. waͤhrend des Kochens noch vermehrt wird. Um Rechnun⸗ G gen uͤberhoben zu ſein, kann man als Durchſchnitt⸗ verhaͤltniß feſtſetzen, daß mit dem erforderli⸗ h chen Malzzuſatz, auf jede 100 Quart Maiſch⸗ 149 raum ein Scheffel rohe Karkoffeln verwen⸗ det werden koͤnnen; daß man alſo in einem Bot⸗ tich von 2400 Quart Inhalt einen Wiſpel Kartoffeln und zwei bis drei Scheffel Malz das ganze Jahr hindurch einmaiſchen kann und daraus eine ſtets guͤnſtige Ausbeute erwarten darf. §. 166. Sind die Kartoffeln zerquetſcht und in dem Bottich beiſammen, ſo werden ſie mit Waſſer einge⸗ maiſcht. Ganz fehlerhaft iſt das in manchen Brenne⸗ reien beobachtete Verfahren, hierzu kochendes Waſſer zu nehmen, um, wie man vermeint, die Kartoffeln gar zu bruͤhen, ohne dabei, was ſo nahe liegt, zu bedenken, daß dieſe Kartoffeln der Siedehitze ſchon laͤngere Zeit ausgeſetzt gewe⸗ ſen ſind. Der Nachtheil eines ſolchen Verfahrens iſt ein⸗ leuchtend, da wir bei dem Kartoffelmaiſchen vor Allem darauf Bedacht nehmen muͤſſen, die vorhandene hohe Temperatur zu mindern, nicht aber dieſelbe zu er⸗ halten oder gar zu ſteigern. Da die Kartoffelmai⸗ ſche am zweckmaͤßigſten ihren Zuckerbildungsprozeß bei einer Temperatur von 40 bis 50 Grad durchgehet, ſo kann man, um dieſe zu erreichen, bei Bearbeitung der zer⸗ quetſchten Kartoffeln nur lauwarmes Waſſer von 20 bis 30 Grad anwenden, ja man iſt oͤfters genoͤthigt in waͤrmerer Jahreszeit, mindeſtens einen Theil kaltes Waſſer dazu nehmen zu muͤſſen. Es wird zuerſt nur ſoviel Waſſer hinzu gegeben, um vermittelſt der§. 110 beſchrie⸗ benen Methode die Kartoffelmaſſe in einen gleichfoͤrmig dicken Brei umzuwandeln. Wenn dies nach mehrmali⸗ gem Durcharbeiten geſchehen iſt und die Pruͤfung mit den Nuͤhrſcheiten ergiebt, daß keine Klumpen in der Maiſche befindlich ſind, gießt man noch ſo viel Waſſer hinzu, bis die oben genannte Temperatur von 40 bis 50 Graden erreicht iſt und ziehet dann die ganze Maſſe mit dem Maiſchharken noch eine Zeitlang wohl durchein⸗ ander. Nachdem die Maiſche eine Stunde lang geſtanden, wird man finden, daß ſie duͤnnfluͤſſig und ſuͤß geworden iſt und es iſt nunmehr Zeit, ihre ſchnelle Abkuͤhlung um ſo mehr zu veranlaſſen, da gerade Kartoffelmaiſche, wenn ſie nicht raſch gekuͤhlt wird, vorzugsweiſe zum Sauer⸗ werden geneigt iſt. Hat man nur kleine Quantitaͤten zu verarbeiten, ſo wird der noͤthige Grad der Abkuͤhlung D urch⸗ ſchlagen der Kartoffel⸗ Maiſche. Tempera⸗ 150 durch unnnkerbrochenes Umrühren erreicht; bei groͤßeren Maſſen muß jedoch eins von denjenigen Huͤlfs⸗Geraͤthen in Anwendung geſetzt werden, deren Beſchreibung und Handhabung wir in den§§. 120— 124 geliefert haben. §. 167. Sind die Kartoffeln nicht vollkommen zerkleinert, oder ehe ſie mit Waſſer bearbeitet wurden theilweiſe erkallet, iſt im Anfang zu viel Waſſer zuge— ſchuͤttet und die Wirkſamkeit der Ruͤhrſcheite dadurch gehindert, oder iſt die Maſſe nicht tuͤchtig durcharbeitet worden; ſo bilden ſich in der Maiſche Klumpen, die von der Fluͤſſigkeit nicht durchdrungen werden, die Gaͤhrung nicht eingehen und Veranlaſſung abgeben, daß die Maiſche in der Blaſe anbrennt und mithin Verluſt an Guͤte und Ausbeute entſteht. In einem ſolchen Fall iſt es durchaus erforderlich, daß jene Klumpen weggeſchafft werden. Man bewirkt dieß, indem man die Maiſche durch ein von Kupfer oder Eiſendrath geflochtenes Sieb laufen laͤßt, die aufliegenden Klumpen aber mittelſt ſtumpfer Beſen zertheilt. Die Maſchen dieſes Siebes halten ½ bis ½ Zoll Durchmeſſer, der Boden iſt in ei⸗ nen Kaſten von Brettern eingeſpannt, der am obern Theile Arme hat, um ihn uͤber die Bottiche legen zu koͤnnen. Arbeitet man mit einem Vormaiſchbottich, oder iſt ein Kuͤhlſchiff vorhanden, ſo geſchieht das Durchſchla⸗ gen der Maiſche waͤhrend der Abkuͤhlung. §. 168. Welche Temperatur Kartoffelmaiſche vor dem Abkuͤhlen haben muß, haͤngt wie bei der Getreidemaiſche von dem Grade der Temperatur ab, den das Kuͤhlwaſſer haͤlt. Da jedoch Kartoffelmaiſche faͤhig iſt, die geiſtige Gaͤhrung raſcher einzugehen, ſo muß ſie auch kaͤlter als Getreidemaiſche geſtellt werden, und bevor man die Hefe zugiebt eine Temperatur von 18 Grad erreicht haben. Um dieſes Verhaͤltniß leicht und regelmaͤßig in jeder Jahreszeit beobachten zu koͤn⸗ nen, hat Herr Piſtorius folgende Tabelle entworfen, die auch im Sommer, wo man Getreidemaiſche kaͤlter zu ſtellen pflegt, auf dieſe Anwendung findet. 151 Wennmn die Temperatur des So muß die Temperatur der Kuͤhlwaſſers betraͤgt: Matſche 5er dem Zukuͤhlen etragen: 14 Grad 21 Grad 13— 22—— 12— 22— 5 11.— 23— 25 10— 24—£5 9— 25— 25 8— 26—— 7— 26—„ 6— 27— 8 5— 28— G 4— 29— X, 3— 30—— 2— 30— 1— 31— 75 §. 169. Zum Stellen der Kartoffelmaiſche nimmt Stellen man am liebſten Bierhefe, deren Gaͤhrungsfaͤhigkeit bei der Koe jedesmaligem Gebrauch dadurch verſtaͤrkt wird, daß tef me man, ſobald die Maiſche fertig iſt, einige Eimer heraus Hefe oder ſchoͤpft, dieſe durch Zuſatz von kaltem Waſſer auf 25 Gäh⸗ Grad abkuͤhlt und dann die Hefe zugießt, welche bereits mwhemit⸗ ſchon in volle Gaͤhrung getreten iſt, wenn ſie der keln. Maiſche zugeſetzt werden ſoll. Auf den Scheffel Kartoffeln wird x½ Quart Spundhefe oder 1 Quart Unterhefe als hinreichend gerechnet. Wo Bierhefe nicht vortheil— haft anzuwenden iſt, bedient man ſich der trocknen Hefe oder Pfundbaͤrme, oder ſetzt eins derjenigen kuͤnſtlichen Gaͤhrungsmittel in Gebrauch, die wir in den§§. 130— 136 beſchrieben haben. Auch aus Kartoffelmaiſche wird hie und da Preß⸗ hefe; auf die§. 138 angegebene Weiſe fabrizirt; ſie iſt jedoch minder wirkſam als Hefe aus Getreidemaiſche und dem Verderben leichter, als dieſe unterworfen. §. 170. Kartoffelmaiſche wird in der Regel am Gäh⸗ dritten Tage abgebrannt und giebt dann die vorzuͤglich⸗ rungs⸗Pe⸗ ſte Ausbeute. Nur als Ausnahme iſt im Winter oder ziobenfſbee da, wo unwirkſame Gaͤhrungsmittel angewendet worden imiche. ſind, eine viertaͤgige Gaͤhrungsfriſt zu empfehlen. §. 171. Wir haben§. 18 den durchſchnittli⸗ Ausbeute⸗ 4 S 2 3 4 ertrag der chen Ertrag von einem Scheffel Kartoffeln zu fuͤnf Fartoffeln Ander⸗ weite Me⸗ thoden, die Kartoffeln auf Brannt⸗ wein zu verarbei⸗ ten. 15⁵5² Quart Branntwein angenommen, auch nach dieſem Ver⸗ haͤltniß ihren Werth gegen verſchiedene Getreideſorten verglichen, jedoch iſt dies die geringſte Ausbeute wel⸗ che bei der vorbeſchriebenen Fabrikationsweiſe in den groͤßeren Kartoffelbrennereien der Monarchie gewonnen wird. Kartoffeln, die auf trockenen, mittleren Sand⸗ oder Lehmboden gewachſen ſind, geben unmittelbar nach der Erndte in den Monaten Oktober und November zwiſchen fuͤnf und ein halb bis ſechs und ein halb Quart Ausbeute, die ſich in den folgenden Monaten ſteigert und bei dem guͤnſtigen Zuſammentreffen aller Umſtaͤnde wohl bis auf acht Quart vermehrt. Vom Monat Maͤrz an vermin⸗ dert ſich der Ertrag wiederum in demſelben Verhaͤltniß, ſo, daß man im Auguſt auf eine hoͤhere Ausbeute als fuͤnf Quart fuͤr den Scheffel nicht rechnen kann, ob⸗ ſchon wir uns uͤberzeugt haben, daß noch am zweiten September, wo wir dies niederſchreiben, in einer be⸗ deutenden Kartoffelbrennerei der Provinz Brandenburg regelmaͤßig noch aus jedem Scheffel vorjaͤhriger Kartof⸗ feln fuͤnf und ein halbes Quart Branntwein zu 50 Pro⸗ zent gewonnen werden. Die Urſache dieſer abweichenden Ausbeute liegt in der Veraͤnderung der Grundmiſchungen, die in den Kar⸗ toffeln nach Maaßgabe der Jahreszeit eintritt und ſtei⸗ gend zunimmt, wenn gegen das Fruͤhjahr der Keim neue Thaͤtigkeit zeigt, und durch das Ausſchlagen die Wurzel ſich zu entwickeln beginnt. §. 172. Wir uͤbergehen, als den Zeit und Koſten⸗ aufwand beim Brennereibetrieb nicht lohnend, mehrere andere Vorſchlaͤge, die Kartoffeln auf Branntwein zu verarbeiten. Dahin gehoͤrt, daß man die gewaſchenen rohen Kartoffeln zerreiben, auspreſſen, den Ruͤckſtand auf der Dampftonne kochen, und dann die Einmaiſchung wie gewoͤhnlich vornehmen ſoll. Eben ſo iſt als neue Erfindung geruͤhmt worden, die rohen Kartoffeln auf Maſchinen in duͤnne Scheiben zu ſchneiden, dieſe an der Luft zu trocknen, dann durch die Muͤhle gehen zu laſſen, und bei der Einmaiſchung wie Getreideſchrot zu behandeln. Ferner hat man, nach der in Frankreich und Hol⸗ land hin und wieder gebraͤuchlichen Methode, auch bei 153 uns das Verfahren als vortheilhaft geſchildert, vorher die Kartoffeln auf Staͤrke zu verarbeiten und nur dieſe von Faſer und Schaalen getrennt, mit dem gehoͤrigen Malzzuſatz einzumaiſchen; oder auch die gewonnene Staͤrke erſt in Kartoffelſyrup umzuwandeln, und dieſen dann durch Hefe in geiſtige Gaͤhrung zu verſetzen. End⸗ lich iſt auch verſichert worden, daß gefrorne Kartoffeln groͤßeren Ertrag und reineres Fabrikat liefern. Alle dieſe Methoden ſind in der Abſicht vorgeſchla⸗ gen oder verſucht worden, um den Fuſelgeſchmack des Kartoffelbranntweins ſofort bei deſſen Bereitung zu ent— fernen. Wir erreichen dies jedoch in demſelben Maaße bei der gewoͤhnlichen Verfahrungsart auf weit einfachere Weiſe, wenn wir uns genau nach der vorbeſchriebenen Einmaiſchungsmethode richten; wir erſparen dabei die muͤh⸗ ſelige Bearbeitung, den bedeutenderen Koſtenaufwand, wel⸗ chen jene Methoden herbeifuͤhren und erleiden nicht den großen Ausbeuteverluſt an Produkt, der bei dieſer Art zu fabriciren nothwendig entſtehen muß; denn bis jetzt ſind aus Kartoffelſtaͤrke und Kartoffelſyrup im guͤnſtigen Falle mehr nicht, als fuͤnf Achtel desjenigen Ausbeute⸗ ertrags gewonnen worden, den man bei Verarbeitung der dazu verwendeten rohen Kartoffeln auf gewoͤhnliche Weiſe erhalten haben wuͤrde; was erklaͤrlich iſt, wenn man bedenkt, daß hier Faſer und Schleim, die minde— ſtens theilweis die geiſtige Gaͤhrung eingehen, ganz un⸗ benutzt beiben. Fuſelig wird bei der Fabrikation jeder Branntwein bleiben, den wir auf metallenen Deſtillirgeraͤthen uͤber⸗ ziehen; es iſt uns aber durch die Knochen⸗ und Pflan⸗ zenkohle ein ſo bequemes und wohlfeiles Reinigungsmittel dargeboten, daß, welcher andere Vorſchlag auch kuͤnftig an dieſe Stelle gebracht werden moͤchte, derſelbe dennoch bei dem Branntweinbrenner ſchwerlich Eingang finden duͤrfte. §. 173. Ein eigenthuͤmliches Verfahren, Siemens⸗ die Kartoffeln einzumaiſchen, erfand der Amtmann Herr ſches Ver⸗ Siemens in Pyrmont: er iſt darauf fatentirt worden und hat ſeine Methode, ſo wie die dazu gehoͤ⸗ renden Vorrichtungen durch den Druck bekannt gemacht. Der Erfinder ging von dem Geſichtspunkt aus, daß die in der Faſerſubſtanz enthaltene Staͤrke der Kar⸗ fahren bei der Kar⸗ toffelbren⸗ nerei. 154 toffel, von Eiwels unſchloſſen ſel, welches bel dem ge⸗ woͤhnlichen Verfahren, die Kartoffeln zu daͤmpfen, in der Hitze gerinnt, ſobald es jedoch mit dem Zutritt der aͤu⸗ ßeren Luft, beim Zerquetſchen der Kartoffeln in Beruͤh⸗ rung tritt, ſich verhaͤrte. Dadurch wuͤrden Staͤrke, Faſer und Schleim dermaßen umhuͤllt, daß das Waſſer beim Ein⸗ maiſchen, weil es nicht ſattſam eindringen koͤnne, weder eine innige Miſchung, noch eine voͤllige Aufloͤſung der Beſtandtheile in den Kartoffeln herbeizufuͤhren im Stan— de ſei. Auch nahm er an, daß die Pflanzenfaſer der Kartoffel nicht holzartiger Natur ſel, ſondern aus ver⸗ baͤrteter Staͤrke beſtehe. Die zeitherigen Erfolge bei der Branntweinausbeute von Kartoffeln ſeien daher mehr dem kraͤftigen Gaͤhrungsprozeß, als dem bis jetzt nur unvollkommen bewirkten Einmaiſchungsverfahren bei⸗ zumeſſen. Der Siemensſche Apparat enthaͤlt hiernach eine ſolche Einrichtung, bei welcher das Zermahlen der Kartoffeln, ohne Zutritt der Luft, in demſelben Gefaͤße geſchieht, in welchem ſie durch den Dampf, der eine hoͤhere Temperatur als die des Siedepunktes erreicht, gekocht worden ſind. Der Mechanismus davon iſt ein horizontales eiſer⸗ nes Kreuz, auf deſſen oberer Seite kleine, anderthalb Zoll lange Meſſer in geringen Abſtaͤnden von einander befeſtigt ſind. Das Kreuz wird durch eine Schraube in Bewegung geſetzt, welche daſſelbe zugleich horizontal und auf und ab drehet, wodurch die gekochten Kartof⸗ feln in der Dampftonne zerdruͤckt werden. Sobald dieß geſchehen iſt, wird durch beſondere Vorrichtung ſo viel, mit einer angemeſſenen Menge aͤtzender Lauge(Sei⸗ fenſiederlauge) verſetztes, heißes Waſſer hinzugethan, um aus den zerquetſchten Kartoffeln eine duͤnne Bruͤhe zu bilden; das Schraubwerk wird alsdann wiederum in Bewegung geſetzt und ſo lange hin und her gedreht, bis die ganze Bruͤhe durch den ſiebartigen kupfernen Boden des Dampffkuͤbels gefloſſen und mit Huͤlfe ange⸗ brachter Buͤrſten in die zweite Abtheilung deſſelben, den Maiſchbehaͤlter, geleitet worden iſt. Nach Beendigung der Arbeit findet man die Schalen der Kartoffeln auf dem durchloͤcherten Boden des Dampfkuͤbels; in dem Reſervoir jedoch eine halbklare ſchleimige Bruͤhe, welche V n—- y—*ð———— in die Manſchbottlche abgelaſſen und hier wie gewoͤhn⸗ liche Kartoffelmaiſche behandelt, mit Malz verſetzt und mit Hefe in Gaͤhrung gebracht wird. Laͤßt man dieſe Bruͤhe ohne Malzzuſatz erkalten, ſo bildet ſie eine durchſichtige Gallerte, welche leicht in Saͤure und Faͤulniß uͤberzugehen geneigt erſcheint, daher eine raſche Abkuͤhlung hier nothwendiges Erforderniß iſt. §. 174. Es ſcheint nicht ſowohl die hoͤhere Tem⸗ peratur, als vielmehr der Zuſatz der aͤtzenden Lauge zu dieſer gleichfoͤrmigen Aufloͤſung beizutragen, da dieſe Lauge das Pflanzeneiweis zerſtoͤrt, wodurch die einge⸗ ſchloſſene Staͤrke und Faſer frei werden und ſich in der Fluͤſſigkeit aufloͤſen. Bei dieſem Verfahren iſt es un⸗ verkennbar, daß alle gaͤhrungsfaͤhigen Beſtandtheile aus den Kartoffeln aufgeloͤßt und mit Ausnahme der, keinen Alkoholantheil enthaltenden Schalen, zur Benutzung auf Branntwein vorbereitet und zuſammengehalten werden, und es wird dieſe Erfindung immer einen entſchiedenen Werth behalten, ſelbſt wenn auch in der Folge weniger der Gewerbebetrieb, als die Wiſſenſchaft daraus Vor⸗ theile zu ziehen im Stande ſeyn ſollten. Die Bearbeitung einer Quantitaͤt von 8 bis 12 Scheffel Kartoffeln wird nach dieſer Methode durch zwei Arbeiter binnen 2 bis 3 Stunden vollbracht; nach der Angabe des Herrn Siemens werden aus 105 Pfund Kartoffeln zwiſchen 8 bis 9 Quart Branntwein von 45 Prozent nach Tralles, mithin von einem Scheffel zu 100 Pfund ungefaͤhr 7 Quart zu 50 Prozent nach Tralles gewonnen. Aus der von der Akademie der Wiſ⸗ ſenſchaften zu Stockholm amtlich angeſtellten Unterſu⸗ chung ergab ſich, daß nach der Siemensſchen Verfah⸗ rungsweiſe von 15 Liespfund guter Kartoffeln, die man gleich einer Tonne von 36 Kappen= 2 ½ Berliner Scheffel, ſtellte, eine Ausbeute von 8 ⅞ bis 9 Kannen = 1827 Berliner Quart Branntwein von 6 Grad nach ſchwediſcher Probe= 50 Prozent Tralles gewonnen wurde; mithin erhielt man aus einem Scheffel roher Kartoffeln 7 ½ Quart Branntwein. Wir haben§. 160 den Zeitraum, welchen ein Wiſpel Kartoffeln zum Einmai⸗ ſchen erfordert, ſo wie auch§. 171 den Ausbeuteertrag an⸗ gefuͤhrt, der bei dem einfachſten Einmaiſchungsverfahren in den Brennereien der preußiſchen Monarchie aus einem 156 Scheffel Kartoffeln gewonnen wird, und es moͤchte hiernach die Frage, welches Verfahren bei dem prakti⸗ ſchen Gewerbebetrieb den Vorzug verdiene, ſich zu Gunſten der einfachſten und am mindeſten koſtſpieligen Methode entſcheiden. Zugegeben, daß durch den Siemensſchen Koch⸗ apparat die Beſtandtheile der Kartoffeln weit vollſtaͤndi⸗ ger, als in unſern Dampftonnen zur Einmaiſchung vor⸗ bereitet werden, ſo erreichen wir dennoch nicht nur ei⸗ nen gleichen, ſondern wohl noch einen hoͤheren Aus⸗ beuteertrag, und dem Brennerei⸗Inhaber muß es ſehr gleichguͤltig erſcheinen, ob er dieſes guͤnſtige Reſultat mehr der vollkommenen Einmaiſchung, oder dem voll⸗ kommenern Gaͤhrungsprozeß zuzuſchreiben hat. Daß die vollkommenere Zertheilung der Faſerſubſtanz, um allen Alkohol aus den Kartoffeln zu entwickeln, bei der Einmaiſchung durchaus erforderlich ſei, moͤchte die Beobachtung mindeſtens zweifelhaft machen; daß Kar⸗ toffelſtuͤcke von unbedeutender Groͤße, die ſich jedesmal durch die Walzen oder durch das Maiſchſieb draͤngen, wenn man ſie nach der Deſtillation von der Schlempe trennt und wiederholt dem Gaͤhrungsprozeß unterwirft, dennoch eine geiſtige Gaͤhrung einzugehen nicht faͤhig ſind, und es moͤchte hieraus ſich als erwieſen darſtel⸗ len, daß eine ſolche Aufloͤſung der Kartoffeln, wie durch den Siemensſchen Apparat bewirkt wird, zur Durchgehung der geiſtigen Gaͤhrung nicht einmal erfor⸗ derlich ſei; ja es entſtehet die Frage, ob nicht gerade die hohe Temperatur und die vollkommene Aufloͤſung Grundbeſtandtheile in den Kartoffeln zerſtoͤren, aus denen bei der Gaͤhrung ſich Alkohol entwickelt haben wuͤrde. Uns iſt als Thatſache aus glaubwuͤrdiger Quelle verſichert worden, daß mehrere Brennereibeſitzer, welche —— n2——₰3— —— O— 157 bleiben, ſd wie die Weinhefen, die ſich nach den ver⸗ ſchiedenen Abſtichen in den Gaͤhrungsfaͤſſern gelagert haben, auf Branntwein verarbeitet. Man koͤnnte hieraus ein, dem franzoͤſiſchen Brannt⸗ wein ganz gleiches Produkt erzielen; doch wird die Fa⸗ brikation dieſes Branntweins bei uns als eine gering⸗ fuͤgige Nebennutzung betrachtet, als Gewerbe gar nicht betrieben und iſt in den weinbauenden Gegenden in zahlreiche kleine Brennereien vertheilt, bei denen le— diglich eine ganz mechaniſche und unvollkommene Ver⸗ fahrungsweiſe angewendet wird. Anſtatt, daß man dieſe Treſtern, um alle geiſtige Beſtandtheile in ihnen zu entwickeln, durch Malz und Waſſerzuſatz der Fermen⸗ tation unterwerfen ſollte, werden ſie, ſobald als ſie aus der Kelter kommen, in Faͤſſer geſtampft, die man mit Lehm oder NRaſen verdeckt und ſo vier bis ſechs Lochen lang, in der freien Luft ſtehen laͤßt. Wo es an Faͤſſern gebricht, was faſt uͤberall zur Zeit der Weinleſe der Fall iſt, werden Gruben in die Erde ge⸗ macht, die Treſtern hineingeſchuͤttet, mit Stroh leicht bedeckt und dieſes mit Erde uͤberworfen. Die Treſtern rother Trauben, welche die Gaͤhrung einmal ſchon mit dem Moſte durchgegangen ſind, blei⸗ ben nur drei bis vier Wochen in dieſen Faͤſſern oder Gruben liegen. Wenn man nach dieſem Zeitraume da⸗ fuͤr haͤlt, daß die geiſtige Gaͤhrung vollendet ſei, wer⸗ den die Treſtern in der Art auf Branntwein verarbeitet, daß man zwei Drittel bis drei Viertel des Blaſeninhalts mit dieſer Maſſe anfuͤllt, die Blaſe voll Waſſer macht, daraus Lutter und durch deſſen nochmalige Deſtillation Branntwein ziehet. Es iſt einleuchtend, daß bei dieſer Methode ein be— deutender Antheil von Alkohol theils nicht entwickelt theils zerſtoͤrt wird, da die hohe Temperatur, die ſich in der feſt zuſammengeballten Maſſe erzeugt, Saͤurebildung veranlaßt, die obere und untere Schicht der Treſtern aber jedesmal verfault iſt, ſo, daß ſchon bei der Steuer⸗ erhebung der zehnte Theil außer Berechnung bleibt. Weinhefe wird, wie ſie aus dem Faſſe koͤmmt, auf die Blaſe gebracht, ohne zu beruͤckſichtigen, daß in ihr noch ein großer Antheil unzerſetzter zuckerhaltiger Weinhe⸗ fen, Wein. 158 Stoffe vorhanden iſt, welche eine forkgeſetzte, richtig geleitete Gaͤhrung in Alkohol verwandeln wuͤrde. Man gewinnt durchſchnittlich aus einem Eimer= 60 Quart, Treſtern 4— 6 Quart Branntwein zu 50 Pro⸗ cent, aus Weinhefen 6— 8 Quart, welche Ausbeute in guten Weinjahren und bei zweckmaͤßigerer Behandlung der Materialien noch weit hoͤher anzuſchlagen ſein duͤrfte; zumal wenn man den Ertrag zu Grunde legt, der in Frankreich, wo man die Branntweinbereitung aus Wein fabrikatoriſch betreibt, erlangt wird. Friſchen Weinmoſt nur fuͤr den Zweck in Gaͤh⸗ rung zu ſetzen, um daraus Branntwein zu fabriciren, moͤchte im Preußiſchen der Muͤhe und Koſten nicht loh— nen, da unſer Traubenſaft zu wenig Zuckerſtoff enthaͤlt und als Wein im Preiſe zu hoch ſteht, als daß bei ſei⸗ ner Verarbeitung auf Weingeiſt ein gleich hoher Werth erreicht werden koͤnnte. Die ſpaniſchen ſuͤßen Weine ent⸗ halten zwiſchen 20 bis 25 Prozent Alkohol, die franzoͤ⸗ ſiſchen zwiſchen 12 bis 20 Procent, die Rhein⸗ und Moſelweine und namentlich die im preußiſchen Staate erbauten, enthalten nur 6, in guten Jahren und an den guͤnſtigſten Lagen erwachſen, hoͤchſtens 12 Prozent. Verdorbene Weine auf Branntwein zu benutzen iſt ebenfalls keine vortheilhafte Spekulation. Der groͤ⸗ ßere Antheil Alkohol in denſelben iſt bereits durch das Verderben vernichtet worden, wie wir§. 135 anfuͤhrten, daher kann ſolcher Wein kaum die Steuer decken, viel⸗ weniger das daraus gewonnene Produkt gegen die ver⸗ wendeten Koſten noch einen Gewinn abwerfen, und es bleibt in ſolchen Faͤllen immer am vortheilhafteſten, ver⸗ dorbenen Wein zur Eſſigbereitung zu benutzen, ob⸗ ſchon ſchlechter Wein auch nur ſchlechten Eſſig liefert. §. 176. In Frankreich, namentlich in der Nor⸗ mandie werden im Großen auch Aepfel und Birnen auf Branntwein(Ciderbranntwein) verarbeitet. Man zerkleinert die reifen Fruͤchte in einem kreisrunden mit Bohlen oder Platten ausgelegten Troge, in deſſen Mitte ſich ein Staͤnder erhebt, an welchem die beweg⸗ liche Achſe eines ſenkrecht gerichteten Muͤhlſteins befe— ſtigt, das entgegengeſetzte Ende der Achſe aber mit einem Schwungbaum verbunden iſt, durch welchen der 159 Stein uͤber das darunter liegende Obſt ſo oft gerollt wird, bis daſſelbe in einen duͤnnen Brei umgewandelt iſt, der waͤhrend des Reibens mit einer Schaufel oft umgewendet werden muß. Es iſt dieſelbe Vorrichtung, welche wir bei jeder Gipsmuͤhle ſehen. Iſt das Obſt auf ſolche Weiſe zu Brei gequetſcht worden, ſo wird es in einem hinreichend großen Bottich mit zwei Mal ſo viel ſiedendem Waſſer als der Brei betraͤgt, dem Um— fang nach, angebruͤhet, das Ganze wohl durcheinander gearbeitet, und 2 bis 3 Stunden in Ruhe gelaſſen. Hierauf wird noch ſo viel kaltes Waſſer hinzugegeben, als erforderlich iſt, eine der Maiſche aͤhnliche duͤnne Fluͤſſigkeit daraus zu bilden, worauf nun das Gemenge in einem bedeckten Bottich ſich ſelbſt uͤberlaſſen wird, und die Fermentation, ohne Zuſatz von Hefe, ſehr bald beginnt. Doch iſt gewoͤhnlich nicht ſo viel Gaͤhrung erregender Stoff in dem friſchen Obſt vorhanden, um alle zuckerartigen Theile in Alkohol zu verwandeln und man thut daher wohl, gleich vor beginnender Gaͤhrung dieſer Maiſche eine angemeſſene Quantitaͤt Bierhefe zu⸗ zuſetzen. Die Gaͤhrung dieſer Maſſe ſchreitet langſam vor⸗ waͤrts und ehe ſie beendet iſt, ſind bei maͤßig warmer Temperatur des Gaͤhrungslocals dennoch 8 bis 12 Tage erforderlich. Auf gleiche Weiſe verarbeitet man auch bei uns, wo reichliche Erndten einen augenblicklichen Ueberfluß erzeugen, und die der raſchen Faͤulniß unterworfenen Fruͤchte nicht beſſer zu benutzen ſind, Zwetſchen oder Pflaumen auf Branntwein. Um eine gleichmaͤßigere Aufloͤſung zu bewirken und eine raſchere Gaͤhrung zu veranlaſſen, werden auch vorgenannte Fruͤchte ganz auf die naͤmliche Weiſe, wie Kartoffeln, durch Daͤmpfe gekocht, zerquetſcht und mit Malz und Hefe gemaiſcht. Nur muß hier das, aus den Daͤmpfen niedergeſchlagene und durch den Ab⸗ zughahn der Dampftonne ablaufende Waſſer, aufgefan⸗ gen und der fertigen Maiſche zugeſetzt werden. In dieſem Waſſer iſt eine große Menge desjenigen Zucker⸗ antheils aufgeloͤßt, welchen jene Fruͤchte im reifen Zu⸗ ſtande natuͤrlich gebildet, enthalten. Außerdem moͤchten ſich in manchen Gegenden die 160 in großer Menge wildwachſenden Heidelbeeren(Blau⸗ beeren) zur Verarbeitung auf Branntwein eignen, da ſich auch in ihnen in dem Zuſtande der vollſten Reife ein bedeutender Zuckergehalt, mithin ergiebige Brannt⸗ weinausbeute nachweiſen laͤßt. Der Branntweinertrag aus dieſen Fruͤchten richtet ſich nach dem Grade der Reife oder der Suͤßigkeit, den die verarbeiteten Gattungen in friſchem Zuſtande hatten. Man gewinnt aus einem Scheffel 3 bis 6 Quart Brannt⸗ wein zu 50 Prozent. Am meiſten geben Pflaumen und Heidelbeeren, weniger die verſchiedenen Birnenſorten, die geringſte Ausbeute, Aepfel. Aufzaͤh⸗§. 177. Naͤchſt den hier verhandelten Stoffen ana d6 giebt es noch mehrere Materialien, aus denen ſich Al⸗ zur Dar, kohol darſtellen laſſen wuͤrde, wenn die Koſten ihres 8 ſtellung Anbaues oder Ankaufes mit der Menge des aus ihnen 9 von zu gewinnenden Branntweins im Verhaͤltniß ſtaͤnden. Brannt⸗ Wir fuͤhren dieſelben der Vollſtaͤndigkeit halber an, ohne wein ge⸗; 3 3 3 eigneten jedoch der Meinung zu ſeyn, daß ſie bei der Brenne⸗ Stoffe. rei Anwendung finden, ſo lange noch fuͤr dieſen Zweck Getreide und Kartoffeln gebaut werden. Es ſind folgende: Bohnen, Erbſen, Linſen, Wicken, Erd⸗ aͤpfel oder Erdknollen(Helianthus tuberosus), Mohrruͤben, Kohlruͤben, Runkelruͤben, Queckenwurzeln, Eicheln, Kaſtanien, Ebereſchenbeeren, Miſpeln, Milch, ſo wie alle uͤbrigen ſuͤßlich ſchleimigen Obſt⸗ und Bee⸗ renfruͤchte ohne Unterſchied. Verarbei⸗§. 178. Seitdem der groͤßte Theil des Zuckers tung des vom Auslande roh bezogen und in zwei und vierzig Bucer. gegenwaͤrtig beſtehenden, inlaͤndiſchen Siedereien auf raffinirt wird, iſt es gebraͤuchlich geworden, die Abfaͤlle Brannt⸗ aus dieſen Siedereien da auf Branntwein zu verarbeiten, wein. wo ſich die Bereitung des mit leichteren Kuͤlfsmitteln 1 darzuſtellenden Eſſigs nicht rentirt. Es beſtehen dieſe Abfaͤlle in Zuckerwaſſer, wel⸗ ches durch das Auswaſchen der entleerten Formen, ſowie des zum Klaͤren angewendeten Blutes und der thieriſchen Kohle gewonnen wird. Außer Zucker enthaͤlt jedoch W dieſe Fluͤſſigkeit mehr oder minder Saͤure, auch ſalzige Theile, die Theile der Galle, welche durch das ge⸗ G brauchte Blut hinzugekommen ſind, und endlich Thon⸗ theile, die vom Ausſuͤßen der Thondecken herruͤhren, 161 mechaniſch eingemengt ſind und in dem Waſſer ſchwim⸗ men. Jenes Zuckerwaſſer wird nicht eher zur Brannt⸗ weinbereitung verbraucht oder abgegeben, als bis die Raffination einer gegebenen Maſſe Rohzucker,(die Siede⸗ Runde), beendet iſt, d. h. bis von den Raffinatformen an, zuletzt auch die Baſtardformen gereinigt worden ſind. Da deshalb ein ſolches Waſſer 3 bis 4 Wochen lang im Formback verweilen muß, bevor es an den Brenner oder Deſtillateur abgeliefert wird, ſo entſtehet daraus die natuͤrliche Folge, daß daſſelbe zum Theil verdirbt und eine ſaure Beſchaffenheit annimmt. Hieraus er— klaͤrt ſich auch, weshalb gleiche Quantitaͤten Zuckerwaſſer von gleichen Mengen Zucker beim Sieden gewonnen, dennoch oft verſchiedene Ausbeute an Branntwein er⸗ eben. 9 In manchen Brennereien deſtillirt man dieſes Zuk⸗ kerwaſſer, wie es aus dem Formback koͤmmt; ſoll es je— doch mit Nutzen auf Branntwein verarbeitet werden, ſo wird ein Theil davon, in einem Keſſel erhitzt, und zu der uͤbrigen Fluͤſſigkeit hinzugeſchuͤttet, ſo daß dieſe die ſtellrechte Temperatur erhaͤlt. Auf jedes Oxhoft Waſſer wird ein Quart friſche Bierhefe hinzugegeben, die Fluͤſ⸗ ſigkeit in Faͤſſer gefuͤllt, deren Spunde unverſchloſſen bleiben, und ſo der Gaͤhrung uͤberlaſſen, welche, wenn die Temperatur des Gaͤhrungsraumes angemeſſen warm war, in zehn bis laͤngſtens vierzehn Tagen vollendet iſt. Die Deſtillation geſchiehet in gewoͤhnlicher Weiſe, nur mit dem Unterſchiede, daß bei dem Abziehen des Lutters, um jeden Fuſelgeſchmack im Fabrikat zu ver⸗ meiden, Kohle zugeſetzt wird. Soll dieſer Zuckerbranntwein als Rum, was er wirklich iſt, verkauft werden, ſo muß man ihn bei derjenigen Staͤrke zwiſchen 60— 70 Prozent abnehmen, bei welcher der weſtindiſche Rum gewoͤhnlich im Handel vorkoͤmmt. Hat dieſer Zuckerbranntwein eine Zeitlang gelegen, ſo iſt er von dem auslaͤndiſchen Rum auf keine Weiſe zu unterſcheiden. Gewoͤhnlich liefert ein Oxhoft Zuckerwaſſer vier bis ſechs Quart Branntwein zu 50 Prozent. Eine groͤßere oder eine geringere Ausbeute iſt jedoch von dem ſtaͤrkeren oder minderen Zuckergehalt in dieſem Waſſer abhaͤngig. 11 4 1 6 Verarbet⸗ tung von Zucker⸗ ſprup auf Brannt⸗ wein. 162 §. 179. Noch ſſt es zwar im Großen bel uns nicht ausgefuͤhrt worden, den bei der Raffinirung aus Rohzucker abfallenden Syrup auf Branntwein oder Rum zu ver⸗ arbeiten; da namentlich in den oͤſtlichen Provinzen jener Artikel bei dem großen Verbrauch ſuͤr die aͤrmere Volks⸗ klaſſe immer noch ſeine Kaͤufer findet; doch ſcheint es in der That befremdend, daß dieß in den weſtlichen Pro⸗ vinzen bis jetzt noch nicht verſucht wurde, wo die Conſumtion des braunen Zuckerſyrups eine faſt unbe⸗ kannte Sache iſt, hohe Abgaben die Ausfuhr nach Frankreich, Holland und die Nachbarlaͤnder unmoͤglich machen, der Landtransport nach dem oͤſtlichen Preußen außer Verhaͤltniß mit dem Werth dieſer Waare ſtehet, und die Waſſerſtraße durch Holland, wenigſtens jetzt noch, ſo gut wie geſchloſſen anzuſehen iſt. Zu welcher Werthloſigkeit jenes Fabrikat dort her⸗ abgeſunken, wird allein der Umſtand hinlaͤnglich bekun⸗ den, daß, um den Syrup nur los zu werden, man denſelben in mehreren Raffinerien der Rheinprovin⸗ zen einſiedet, bis er, erkaltet, die Conſiſtenz des ge— brannten Zuckers annimmt, ihn dann in bleierne Um⸗ ſchlaͤge fuͤ*lt und ſo als Kaffee-Surrogat oder Cichorien verkauft. Die geringere Induſtrie, mit welcher in allen Wein erzeugenden Laͤndern die Fabrikation des Branntweins uͤberhaupt betrieben wird, laͤßt es erklaͤren, weshalb man nicht dort, wo jaͤhrlich eine große Quantitaͤt aus⸗ laͤndiſcher Rum, ſo wie, zur Fabrikation des koͤllniſchen Waſſers, franzoͤſiſcher Weingeiſt eingefuͤhrt wird, ſchon auf den Ausweg gekommen iſt, jenen Syrup durch Fabrika⸗ tion von Rum oder Spriet verkaͤuflich zu machen, da doch dort Zuckerwaſſer aus den Raffinerien, auf Brannt⸗ wein mit Vortheil verarbeitet wird. Um einen Calcul feſtzuſtellen, wie ſich Zuckerſyrup bei ſeiner Verwandlung in Branntwein rentirt, darf man im Allgemeinen annehmen, daß, wo der Verkaufs⸗ preis des Raffinat-Zuckers denjenigen des Syrups um das Fuͤnffache uͤberſteigt, der letztere mit Vortheil auf Branntwein verarbeitet werden kann, da ein Pfund Sy⸗ rup zweidritthel Pfund feſte Zuckertheile enthaͤlt, welche dem Volumen nach 16 Loth abſoluten Alkohol oder mit Waſſer verduͤnnt ½ Quart Branntwein zu 50 Procent 163 liefern. Um daher ein Quart Branntwein zu 50 Pro⸗ zent zu produciren, ſind 2½ Pfund Syrup erforderlich. Ueber Feſtſtellung der Abgaben fuͤr eine derartige Fabri⸗ kations⸗Anſtalt ſind Beſtimmungen zur Zeit nicht gege⸗ ben, doch wuͤrden ſie ſich vorkommenden Falls, wahr⸗ ſcheinlich denjenigen anſchließen, welche fuͤr Beſteuerung des Zuckerwaſſers erlaſſen worden ſind. §. 180. Der Honig ſelbſt duͤrfte wohl ſeines Honig als hoͤheren Preiſes halber, neben geringfuͤgiger Produktion, in Preußen ſchwerlich ein Material abgeben, aus welchem mit Nutzen Branntwein erzeugt werden kann, doch iſt es gebraͤuchlich in einigen Gegenden nach dem Abſcheiden des Honigs, die Wachszellen mit Waſſer auszuwaſchen und dieſes Honigwaſſer auf Branntwein zu verarbeiten. Man verfaͤhrt dabei folgendermaßen: Der Honig, aus ſogenannten Zeidelſtuͤcken beſtehend, wird Behufs der Reinigung geſotten, in Beutel gefuͤllt und ausgepreßt. Der im Beutel verbleibende Ruͤckſtand, Raatz genannt, enthaͤlt noch viele Honigtheile, welche dadurch geſchieden werden, daß jene Wachsmaſſe in offenen Gefaͤßen mit ſiedendem Waſſer uͤbergoſſen nnd letzteres nach oͤfterem Durcharbeiten binnen 48 Stunden abgelaſſen wird. Man verbraucht dieſen erſten Abguß des Honigwaſſers als Getraͤnk, indem man daſſelbe bis zu einem gewiſſen Grade einkocht, gaͤhren laͤßt und daraus den bekann⸗ ten Meth bereitet. Dieſe Bereitung unterliegt keiner Steuer.— Der noch mit Honigtheilen geſchwaͤngerte Raatz enthaͤlt nunmehr einen zweiten Waſſeraufguß, der nach ſeinem Ablaſſen mit Hefe geſtellt wird und in Gaͤhrung geraͤth, welche binnen 14 Tagen bis 3 Wochen vollen⸗ det iſt, worauf die Fluͤſſigkeit zur Fabrikation des Branntweins verwendet wird. Hundert Quart dieſes Honigwaſſers geben bei der Deſtillation eine Ausbeute zwiſchen 5 und 6 Quart Branntwein von 50 Prozent. Da die laͤngere, hier in Anſpruch genommene Gaͤh⸗ rungsfriſt die Erhebung der Maiſchſteuer nicht zulaͤſſig macht, bei der Deſtillation auf einfachen Apparaten je⸗ doch die dem Blaſenzins zu Grunde liegende Annahme, binnen 24 Stunden ein Viertheil des Blaſeninhaltes an Produkt zu gewinnen, nicht erreicht mird, 1 hat das * Brannt⸗ wein⸗ matertal. Steuer⸗ ſatz. D eſtilla⸗ tionsbe⸗ trieb. Einthei⸗ 164 Köoͤnigl. Finanz⸗Miniſterium nachgegeben, daß fuͤr das Branntweinbrennen aus Honigwaſſer der Blaſenzins zwar erhoben, jedoch auf die Haͤlfte ermaͤßigt werden kann, vorausgeſetzt, daß kein zuckerhaltigeres Honigwaſſer, als hierangefuͤhrt, verbraucht wird.*) Hierbei verſteht es ſich von ſelbſt, daß dieſe Ermaͤßigung nur auf ganz einfache Deſtillir⸗Apparate nicht aber auf Maiſchwaͤrmer oder Spiritus⸗Geraͤthe Anwendung findet, fuͤr welche minde⸗ ſtens der volle Satz des Blaſenzinſes von der Steuer⸗ behoͤrde in Anſpruch genommen werden wuͤrde. ——;—— Deſtillationsbetrieb. §. 181. Nachdem die Weingaͤhrung vollendet, die Maiſche nach unſerem Sprachgebrauch reif und der vorher in ihr gebildete Zuckerſtoff in Alkohol umgewan⸗ delt iſt, ſchreiten wir zur letzten Operation bei der Branntweinfabrikation, die in der Deſtillation beſtehet, durch welche der erzeugte Weingeiſt, von den uͤbrigen Theilen der gegohrnen Fluͤſſigkeit, abgeſchieden darge⸗ ſtellt wird. Die hierzu gebrauchten Geraͤthe, welche entweder zur Erhitzung und Verdampfung der Fluͤſſigkeit dienen, (Blaſen, Keſſel) oder die entwickelten Daͤmpfe, um ſie weiter zu fuͤhren, aufnehmen,(Huͤte, Helme) oder die aufgenommenen Daͤmpfe in kuͤhlerer Temperatur wie⸗ der zu tropfbarer Fluͤſſigkeit verdichten,(Kuͤhler, Schlangenroͤhre) begreifen wir unter dem allgemeinen Namen Brenngeraͤthe oder Deſtillir-Apparate. Faſt ohne Ausnahme werden dieſe Geraͤthe aus Kupfer gefertigt. §. 182. Ihr Bau und ihre Formen koͤnnen ſehr lung der mannigfach ſein, jedoch werden ſie nach dem Produkt, Deſtillir⸗ Apparate. welches ſie liefern, wenn das gegohrne Branntweingut —— *) Reſeript 20. Febr. 1328. 3491. Koͤnigl. Reg. Frankfurt. 165 in ihnen deſtillirt wird, der Hauptſache nach in zwei Ab⸗ theilungen unterſchieden. Die eine Abtheilung begreift alle diejenigen Appa⸗ Einfache rate, wo aus der Maiſche bei der erſten Deſtillation eine Apparate, Fluͤſſigkeit gewonnen wird, die zwar die ganze Quanti⸗ taͤt des entwickelten Alkohols in ſich enthaͤlt, jedoch da⸗ bei mit einem weit groͤßeren Antheil Waſſer, auch ne⸗ benbei mit Eſſigſaͤure und Fuſeloͤl vermiſcht iſt. Dieſes Deſtillat heißt Lutter(Laͤuter, Litter, Rauh⸗ brand) und zeigt, je nachdem die Maiſche gehaltreich war, oder nicht, im Anfang der Deſtillation an dem Pro⸗ ber zwiſchen 40 bis 20 Prozent, welcher Gehalt ſich mit der fortſchreitenden Deſtillation vermindert, die be⸗ endet iſt, wenn der Lutterprober auf 0 einſinkt und ſich ergiebt, daß nur noch Waſſer in die Vorlage uͤber⸗ gehet. Der gewonnene Lutter betraͤgt im Durchſchnitt den fuͤnften Theil der verſchwellten Maiſche und zeigt, je nachdem das Gut alkoholreich war, in der Vorlage 20 bis 25 Prozent; er muß daher, um verkaͤuflichen Branntwein darzuſtellen, noch einer zweiten Deſtillation unterworfen werden, der man in mehreren Gegenden, um reineren Branntwein zu erzielen, regelmaͤßig noch eine dritte folgen laͤßt. Lutter. In letzterm Fall wird das Produkt des zweiten Halbwein. Deſtillats, welches wie der Lutter, den geſammten gei— ſtigen Antheil der auf die Blaſe gebrachten Fluͤſſigkeit enthaͤlt, Halbwein genannt, der mit dem gewonnenen Lutter des naͤchſten Brenntages zuſammengenommen, nochmals auf die Blaſe gebracht und das nunmehrige Deſtillat bei derjenigen Staͤrke abgenommen wird, welche der darzuſtellende Branntwein erhalten ſoll. Die einfachen Deſtillir⸗Apparate zerfallen nach Maaßgabe ihrer Conſtruktion und der daraus hervorge⸗ henden groͤßeren oder geringeren Leiſtungsfaͤhigkeit, in drei Unterabtheilungen: a. in ſolche, wo neben unvollkommenen Kuͤhlanſtal⸗ ten die Hoͤhe des Brennkeſſels deſſen Durchmeſ⸗ ſer uͤberſteigt. b. in ſolche, wo neben zweckmaͤßigeren Kuͤhlappa⸗ raten, der Durchmeſſer der Blaſe groͤßer als de⸗ ren Hoͤhe iſt. c. in Maiſchwaͤrmer⸗Apparate. Spirikus⸗ Apparate. Apparate mit tiefen Blaſen. Fig. 21. 166 Die zwelke Abthellung der Brenn⸗Geraͤthe begreift alle diejenigen Apparate, welche den Zweck haben, aus der gegohrnen Fluͤſſigkeit ſogleich bei der erſten Deſtilla⸗ tion einen weniger waſſerhaltigen Alkohol oder Spiritus darzuſtellen, was dadurch bewirkt wird, daß man von den aufſteigenden Daͤmpfen aus der Maiſche, bevor ſie in das eigentliche Kuͤhlgeraͤth gelangen, den waͤſſrigen An⸗ theil ſo viel als moͤglich in hoͤherer Temperatur verdich⸗ ten und wieder in den Keſſel zuruͤcklaufen laͤßt; wobei nur der dampffoͤrmig bleibende geiſtige Anthein in die mit kaltem Waſſer umgebene Kuͤhlgeraͤthſchaft tritt, ſich dort niederſchlaͤgt und als fluͤſſiger Spiritus in die Vor⸗ lage laͤuft. Auch dieſe Apparate zerfallen in ſo fern in zwei Unterabtheilungen, als ſie nach Maaßgabe der verſchie⸗ denen Conſtruktion aus der Maiſche vermittelſt einer Deſtillation Branntwein zu 50 bis 60 Prozent, oder Alkohol zu 80 bis 85 Prozent liefern. Wir uͤbergehen die Beſchreibung von einer namhaf⸗ ten Anzahl mannigfacher Brenngeraͤthe, deren oft aben⸗ theuerliche Formen uns aus den erſten Zeiten der Brannt⸗ weinfabrikation uͤberliefert worden ſind, oder die ſeit⸗ dem Erfindung und Induſtrie hervorbrachten. Sie ſind, wie ſo viele, auch in neuerer Zeit gemachten Vorſchlaͤge, der Vergeſſenheit uͤbergeben worden, ſo wie die Erfah⸗ rung zeigte, daß die geruͤhmte Leiſtungsfaͤhigkeit ſich bei praktiſcher Anwendung nicht bewaͤhre. §. 183. Die unzweckmaͤßigſten Apparate, welche hin und wieder wohl noch in kleinen Brennereien ange⸗ troffen werden, obſchon es zu erwarten iſt, daß ſie der vorgeſchrittene Gewerbebetrieb binnen kurzem vollends ganz verdraͤngt haben wird, beſtehen aus einer Blaſe, die, wie ſchon erwaͤhnt, hoͤher als weit iſt. Auf dem eben⸗ falls verhaͤltnißmaͤßig engen Blaſenhalſe befindet ſich ein Helm, welcher in die Kuͤhlroͤhren geleitet wird. Dieſe ſind entweder gerade Roͤhren(Stichroͤhren), welche ho⸗ rizontal oder in abwaͤrts geneigter Richtung durch das Kuͤhlgefaͤß laufen; oder ſie ſind eckig, wohl auch ſchlan⸗ genfoͤrmig gewunden. Das Kuͤhlfaß ſelbſt, von niedriger Form, hat einen ſo geringen Rauminhalt, daß bei dem Abtrieb einer je⸗ den Blaſenfuͤllung die Geſammtmaſſe des in ihm befind⸗ 167 lichen Waſſers bedeutend erhitzt wird. Dadurch entſteht der Uebelſtand, daß in ſolchen Brennereien der Lutter oder Branntwein immer wanm in die Vorlage laͤuft und es erklaͤrt ſich, wie hier ein großer Theil des in der Mai— ſche befindlich geweſenen Weingeiſtes nicht tropfbar ver⸗ dichtet wird, ſondern in dem Brennlocal verfliegt und an der Ausbeute fehlt. Dem Zweck ſich ſchon mehr naͤhernd, ſind diejenigen in vielen Brennereien noch vorhandenen Brenn⸗Apparate, wo der Durchmeſſer der Blaſe groͤßer als deren Hoͤhe iſt; wo die weitere Oeffnung der Blaſenmuͤndung, der ge⸗ raͤumige Helm und deſſen Abzugrohr den aufſteigenden Daͤmpfen ungehinderten Eintritt in das Schlangen⸗ rohr geſtatten, welches einen Durchmeſſer von 2 bis 3 Zoll haͤlt und ſich in dem, eine große Waſſermenge ent— haltenden Kuͤhlfaß, ſo oft windet, als erforderlich iſt, um das Deſtillat ſo kalt, als moͤglich iſt, in die Vorlage uͤberzufuͤhren. Die Abbildung eines ſolchen Brenngeraͤ⸗ thes wird durch Fig. 21 dargeſtellt. Entweder iſt in einer derartigen Brennerei nur eine Blaſe vorhanden, auf welcher ſowohl das Waſſer zum Einmaiſchen gekocht, als auch der Lutter gezogen und aus dieſem der Branntwein deſtillirt wird; oder es wird zu dem letzteren Geſchaͤft eine beſondere Blaſe benutzt, die dann Weinblaſe(Wienblaſe, Klaͤrblaſe) heißt. §. 184. Wie viel mit einem ſo geſtalteten Apparat ohne Benutzung einer zweiten Blaſe oder eines Waſſerkeſſels zu leiſten iſt, zeigen uns die Nordhaͤuſer und Quedlinburger Brennereien, von denen der bei weitem groͤßere Theil mit einfachen Geraͤthen vorbeſchriebener Art arbeitet. Wir geben kurz die Dar⸗ ſtellung dieſes Betriebs, nach welchem ſich die Pro⸗ duktionsfaͤhigkeit jeder anderen, mit aͤhnlichen Apparaten arbeitenden Brennerei leicht beurtheilen, und hiernach beſtimmen laͤßt: wie viel Zeitraum erfordert wird, um eine declarirte Quantitaͤt Maiſche auf einem ſolchen Brenngeraͤth, deſſen Blaſeninhalt bekannt iſt, zu verar⸗ beiten. Der Blaſeninhalt iſt dort durchſchnittlich zwiſchen 700 bis 800 Quart. Zu jeder Tagesarbeit gehoͤrt ein Weinblaſe Unterſu⸗ chung der Leiſtungs⸗ faͤhigkeit · derartiger Apparate. Nordhaͤu⸗ ſer Bren⸗ nereibe⸗ trieb. 168 Maiſchbottich von einem Inhalt. zwiſchen 3500 bis 4000 Quart, ſo daß außer dem Waſſerkochen zur Einmaiſchung und dem Weinen des Lutters noch fuͤnf Blaſen mit Maiſche abgetrieben werden muͤſſen. Dieſe Brennereien ſind daher ohne Unterbrechung Tag und Nacht im Gange und jede Blaſe wird durch zwei Men⸗ ſchen, regelmaͤßig wie folgt, bedient. Nachdem die Nacht uͤber Branntwein gemacht worden, und gegen 4 bis 5 Uht Morgens auch die Deſtillation des Nachlaufes beendet iſt, ſtoͤßt der Bren⸗ ner den Helm ab und ſchoͤpft zu dem in der Blaſe be⸗ findlichen Weinwaſſer, ſo viel heißes Waſſer, als erfor⸗ derlich iſt um ſie voͤllig anzufuͤllen, aus dem Kuͤhl⸗ faſſe hinzu. Waͤhrend das, durch friſch untergelegtes Holz und Oeffnung der Schieber erneute Feuer, das Waſſer zum Sieden bringt, werden die gefuͤllten Schrotſaͤcke und die Waſſerrinnen auf den Rand des einzumaiſchen⸗ den Bottiches gelegt, hierauf in denſelben zuerſt eine Quantitaͤt kaltes, und dann ſoviel von dem nunmehr kochenden Waſſer hinzugebracht, als zum Einteigen der Schrotmaſſe von 12 bis 16 Scheffel erforderlich iſt. Die theilweis entleerte Blaſe wird wieder mit Waſſer gefuͤllt, die Schrotſaͤcke werden in den Bottich ausge⸗ leert und das Einteigen beginnt. Binnen einer halben Stunde iſt dieſes anſtrengende Geſchaͤft vollendet, das Waſſer kocht bereits in der Blaſe aufs neue und wird nun auf den Schrotteig geſchoͤpft, der dadurch gahr gebruͤhet wird. §. 185. Von dem Abſtoßen des Helmes bis zur beendigten Einmaiſchung iſt eine Stunde Zeit verfloſſen, ſo daß zwiſchen 5 oder 6 Uhr Morgens die Blaſe zum erſten Male mit Maiſche ohngefaͤhr bis 6 Zoll von der Halsmuͤndung gefuͤllt wird. Waͤhrend ſich die Maiſche erwaͤrmt, wird ſie mit einem hoͤlzernen Ruder oͤfter umgeruͤhrt, damit ſie ſich gleichfoͤrmig erhitze, auch bei der heftigen Einwirkung des Feuers an den Boden der Blaſe nicht etwa an⸗ brenne. Kurz zuvor ehe die Maiſche ſiedet, wird der Hut aufgeſetzt und die Fugen deſſelben zwiſchen der Blaſe und dem Kuͤhlrohr mit Schrot oder Lehmteig ver⸗ ſtrichen. Dieſe kalt aufgebrachte Maiſche kocht binnen einer Stunde. 169 Daß die Deſtillation beginnt, erkennt der Brenner, wenn der obere, der Muͤndung des Helmſchnabels zu⸗ naͤchſt ſtehende Theil des Schlangenrohres ſo heiß ge⸗ worden iſt, daß man die Hand, ohne ſie zu brennen, nicht daran halten kann, worauf das Feuer gemaͤßigt wird. Binnen fuͤnf viertel Stunden Zeit, von dem Koch⸗ punkt an gerechnet, iſt die Deſtillation der erſten Maiſch⸗ blaſe beendet, und es befinden ſich 120— 140 Quart Lutter in der Vorlage. Der Helm wird abgeſtoßen und, da dieſe Blaſen mit Abzugshaͤhnen nicht verſehen ſind, die Schlempe durch einen Arbeiter ausgeſchoͤpft. Dieß und das erneuerte Fuͤllen der Blaſe dauert funfzehn Minuten, ſo daß zuſammengenommen der Abtrieb jeder Blaſenfuͤl⸗ lung bei einem Inhalt von 650 bis 750 Quart in 2 ½ bis hoͤchſtens 3 Stunden vollendet iſt. Fuͤnf Blaſenfuͤl⸗ lungen erfordern daher 12 3 bis hoͤchſtens 15 Stunden Zeit. Nachdem die Schlempe der letzten Blaſe ausge⸗ ſchoͤpft worden, muß der innere Raum derſelben durch Waſſer gekuͤhlt und jedesmal ſpiegelblank geſcheuert wer⸗ den. Wenn dann auch Schlangenrohr und Hut durch Schlempe und Waſſer gereinigt ſind, wird der gewon⸗ nene, ohngefaͤhr 600 Quart betragende Lutter, nebſt dem Nachlaufe der vorigen Deſtillation, aufgebracht. Dieſe Arbeiten nehmen, ſammt der erneuerten Fuͤllung des Kuͤhl⸗ faſſes mit kaltem Waſſer, zwei volle Stunden Zeit in An⸗ ſpruch; um den Lutter bis zum Kochen zu erhitzen, be⸗ darf es einer Stunde, ſo daß 15 ¾ bis 18 Stunden nach dem Einfuͤllen der erſten Maiſchblaſe die Deſtilla⸗ tion des Branntweins beginnt und am Morgen beendet iſt, wo die neue Einmaiſchung vorgenommen werden ſoll. Zum Abtreiben erfordert eine Weinblaſe zwar nicht mehr als die doppelte Zeit einer Lutterblaſe, doch laͤßt der Bren⸗ ner den Nachgang gewoͤhnlich ſo lange in die Vorlage laufen, bis er am anderen Morgen den Helm abſtoͤßt. Am erſten Tage wird halber Wein gemacht und des⸗ halb das ganze Deſtillat in einer Vorlage geſammelt. Am anderen Abend wird jedoch jener halbe Wein mit dem an dieſem Tage gewonnenen Lutter wiederum auf die Blaſe gebracht und nunmehr ganzer oder guter 170 Wein, d. h. Branntwein bereiket. Det Brenner muß daher das Deſtillat abnehmen, ſobald es die gehoͤrige Probe(52— 55 Prozent) in der Vorlage zeigt und legt nun vor die Oeffnung des Schlangenrohres ein an— deres Faß, in welches der Nachgang laͤuft. Was mit einer Brennblaſe von ſo bedeutendem Inhalt in der Regel geleiſtet wird, kann mit geringerer Anſtrengung in jeder andern kleineren Brennerei erreicht werden, und wir ſind der beſtimmten Meinung, daß bei einigermaßen zweckgemaͤßer Feueranlage die Deſtillation jeder Blaſe geringeren Inhaltes, als 700 bis 800 Quart, ihre Konſtruktion ſei ſo unvortheilhaft wie ſie wolle, mit Maiſche binnen hoͤchſtens drei Stunden, mit Lutter binnen laͤngſtens ſechs Stunden, nach⸗ dem ſie gefuͤllt iſt, beendet werden oͤnne. §. 186. Wenn auch die vorgenannten Apparate, mit Ruͤckſicht auf ihre Bauart, eine befriedigende Leiſtungsfaͤhig⸗ keit gewaͤhren, ſo kann dieſe dennoch nur mit groͤßeren Koſten und Kraftaufwand erreicht werden, da immer noch die bedeutende Hoͤhe des Blaſenkeſſels im Verhaͤlt⸗ niß zu ſeinem Durchmeſſer, ſo wie die engere Blaſen— muͤndung eine ſchnelle Erhitzung und Verdampfung hin⸗ dern, oder doch nur durch heftiges Feuer erreichen laſſen. Daß Fluͤſſigkeit in einem Gefaͤß um ſo ſchneller ſiedet und aus demſelben verdampft, je groͤßer die Ober⸗ flaͤche iſt, welche der Einwirkung des Feuers und dem Ausſtroͤmen des Dampfes dargeboten wird, kann man auf jedem Heerd wahrnehmen. Wenn z. B. eine flache Schuͤſſel und ein hoher Topf, welche beide gleichen In⸗ halt faſſen, mit Waſſer angefuͤllt und einerlei Hitzgrad ausgeſetzt werden, ſo findet man, daß das Waſſer in der Schuͤſſel weit eher ſiedet und verdampft iſt, als dasjenige in dem Topfe. Nach genauen Unterſuchungen verhaͤlt ſich die Geſchwindigkeit der Verdunſtungen zweier gleich großen Maſſen Waſſer, in Gefaͤßen von zwei ver⸗ ſchiedenen Durchmeſſern, wie 4 zu 1, und es verdampft daher dieſelbe Maſſe Waſſer bei der viermal groͤßeren Oberflaͤche in einem Theile der Zeit, wenn dazu in 171 einem zwelten Gefaͤß mit viermal kleinerer Oberflaͤche das vierfache derſelben Zeit erfordert wird, mithin die Verdunſtung viermal langſamer erfolgt. §. 187. Dieſe, durch Theorie und Praxis feſtge⸗ ſtellten Regeln auf die Brennerei angewendet, erlaͤutern ohne Weiteres die Vorzuͤge, welche flache Blaſen und weite Halsmuͤndungen bei dem Betriebe gewaͤhren, da es augenfaͤllig iſt, daß in ihnen Erhitzung und Ver⸗ dampfung bei weitem ſchneller von ſtatten gehet, als in den vorher beſchriebenen Geraͤthen nach aͤlterer Bau⸗ art. Dadurch werden Zeit und Brennmaterial er⸗ ſpart, mithin Kraft- und Koſtenaufwand vermindert, was fuͤr eine Brennerei, ihr Umfang ſey welcher er wolle, im jaͤhrlichen Durchſchnitt berechnet, kein un⸗ bedeutender Gewinn iſt. Daher werden jetzt auch in den Werkſtaͤtten der preußiſchen Kupferſchmiede neue Brannkweinblaſen nach einem ſolchen Verhaͤltniß angefertigt, wie ſich aus der Abbildung des verbeſſerten einfachen Deſtillir⸗Apparates, Fig. 22, ergiebt. Die Hoͤhe einer ſolchen Blaſe zu ih—⸗ rem Durchmeſſer verhaͤlt ſich wie 1 zu 5 bis 8, zur Oeffnung der Blaſenmuͤndung wie 1 zu 2 ½ bis 3 ½. Hier⸗ nach kann man auch jede tiefe Blaſe, wenn aus ihrer Mitte ſo viel herausgenommen wird, um ein guͤnſtiges Verhaͤltniß des Durchmeſſers zur Hoͤhe herzuſtellen, in einen flachen Apparat umgeſtalten. Der Koſtenaufwand dafuͤr wird in der Regel durch den Werth des Kupfers gedeckt, welches bei Verkleinerung der aͤlteren Blaſe ab⸗ gefallen iſt. §. 188. Außerdem hat der hier gezeichnete Deſtil⸗ lirapparat noch die Bequemlichkeit, daß die Schlempe nicht ausgeſchoͤpft zu werden braucht, ſondern nach Oeff⸗ nung des Hahnes von ſelbſt ablaͤuft, auch gegen das bei Fig. 21 befindliche Kuͤhlfaß den Vortheil voraus, daß das Kuͤhlrohr nicht am oberen Ende, ſondern beinahe in der Mitte des Faſſes ſeinen Eingang findet, mithin uͤber demſelben ſtets eine hohe Waſſerſaͤule ſtehet, wo— durch es erreicht wird, daß die Kuͤhlroͤhren immer kalt liegen und die Daͤmpfe ſich ſofort beim Eintritt verdich— ten koͤnnen, was bei einem niedrigen Kuͤhlfaß nicht der Fall iſt, wo beim Fortgang der Deſtillation das Waſ⸗ ſer um die oberen Windungen des Schlangenrohres leicht Maiſch⸗ waͤrmer. Maiſch⸗ waͤrmer⸗ Apparate. heiß wird und die Daͤmpfe bis in den untern Thell dringen, ehe ſie zu tropfbarer Fluͤſſigkeit verdichtet wer⸗ den koͤnnen. §. 189. Auf einen derartigen Apparat, die zweck⸗ maͤßige Conſtruktion ſeiner Verhaͤltniſſe, der Feueranlage, und gutes Brennmaterial vorausgeſetzt, kann binnen 2 bis 2 ½ Stunden die Deſtillation eines Maiſchabtrie⸗ bes, binnen 4 bis 5 Stunden die Deſtillation einer Weinblaſe beendet ſein. Verwendet auch der Brenner gewoͤhnlich, da er bei der gegenwaͤrtigen Beſteuerung des Maiſchraums von der Zeiterſparniß keinen beſonderen Vortheil ziehen kann, zur Deſtillation des an einem Tage declarirten Maiſchraumes die ganze ihm geſetzlich bewilligte Brennfriſt von 14 Stunden, ſo gewaͤhrt ihm hierbei der Gebrauch einer flachen Blaſe dennoch außer⸗ dem den Gewinn, daß er die Deſtillation langſamer lei⸗ ten kann und dadurch einen reineren mit Fuſeltheilen weniger gemengten Branntwein erhaͤlt. Um bei dem erneueten Fuͤllen der Maiſchblaſe auch noch das jedesmalige Abnehmen und Verkitten des Hel⸗ mes zu erſparen, wird in die obere Decke der Blaſe eine Oeffnung angebracht, durch welche die Maiſche ein⸗ gelaſſen werden kann. In der Mitte des Helmes be⸗ findet ſich eine Nuͤhrmaſchine, deren Bewegung das An⸗ brennen der kalten Maiſche auf dem Blaſenboden hin— dert. Wir beſchreiben dieſe Vorrichtung in dem naͤch⸗ ſten Paragraph. §. 190. Bei Benutzung der zeither beſchriebenen Deſtillirapparate wird die Maiſche jedesmal kalt auf die Blaſe gebracht. Sie muß dort bis ſie erhitzt iſt, und bevor der Helm aufgeſetzt wird, durch Umruͤhren in beſtaͤndiger Bewegung gehalten werden, weil ſie ſonſt anbrennen oder durch den Helm in die Kuͤhlgeraͤthe ſtei⸗ gen wuͤrde. Um die bei der Deſtillation entwickelten Daͤmpfe zu verdichten und kalt in die Vorlage uͤberzufuͤh⸗ ren, muß das Waſſer im Kuͤhlfaß, ſo weit daſſelbe von dem vorherigen Blaſenbetrieb erhitzt iſt, mit kaltem ge— wechſelt werden. Den groͤßten Theil der vorgenannten Handarbeit zu er⸗ ſparen, das Anbrennen oder Ueberſchießen des Gutes zu verhin⸗ dern, und die Maiſche, welche zum Anfuͤllen der Lutterblaſe beſtimmt iſt, ohne beſondere Anwendung von Brennma⸗ 173 terlal ſo weit zu erwaͤrmen, daß die Deſtillation kurz nach dem Fuͤllen der Blaſe beginnt, bedienen wir uns des Maiſch⸗ oder Vorwaͤrmers, deſſen Einfuͤh⸗ rung in Preuſſen der Brennereibetrieb Herrn Piſtorius verdankt. §. 191. Der Maiſchwaͤrmer beſtehet aus zwei Theilen, dem Gefaͤße, welches die Maiſche aufzuneh⸗ men beſtimmt iſt, und dem Waͤrmer ſelbſt. Das Ge⸗ faͤß zur Aufnahme der Maiſche iſt ein gewoͤhnliches Faß in der Form eines abgeſchnittenen Kegels, von Eichen⸗ holz gefertigt und mit eiſernen Baͤndern belegt; der Deckel dieſes Faſſes oder mindeſtens die in demſelben befindliche Oeffnung beſtehet aus Kupferblech. Der In⸗ halt des Gefaͤßes iſt etwas groͤßer, als der Inhalt der Maiſchblaſe, damit die etwa aufſteigenden Daͤmpfe zu ihrer Ausbreitung Platz finden. In dem Waͤrmfaß, welches auf einem beſonderen Geſtelle ruhet, iſt der eigentliche aus Kupferblech gefer⸗ tigte Maiſchwaͤrmer befeſtigt, wie die Abbildung des Durchſchnittes Fig. 23 zeigt. §. 192. Der Waͤrmer ſelbſt beſtehet aus einem hohlen Cylinder mit doppelten von einander am oberen Theile 1 7, unten 4 Zoll, abſtehenden Waͤnden a. b. c. d. Der zwiſchen dieſen, unten und oben geſchloſſenen Waͤn⸗ den, befindliche Raum iſt beſtimmt, die Daͤmpfe, welche ſich aus der Lutterblaſe entwickeln, aufzunehmen und zu verdichten. e. iſt das Leitungs⸗Rohr, in welches der Schnabel des Blaſenhelms paßt, ein zweites Rohr f. fuͤhrt die verdichteten Daͤmpfe nach dem Schlangenrohr, wo die Fluͤſſigkeit vollends abgekuͤhlt wird. Beide Roͤh⸗ ren ſind luftdicht eingekittet und es wird dadurch der Waͤrmer in dem Faſſe ſchwebend erhalten. In der Mitte des ganz oder theilweis aus Kupfer verfertigten Deckels vom Waͤrmfaß, befindet ſich eine Oeffnung, wel⸗ che durch zwei in kurzer Entfernung von einander ab⸗ ſtehende Raͤnder g. g. begraͤnzt wird; eine zwiſchen dieſe Raͤnder paſſende Kappe h. deckt die Oeffnung; der Zwi⸗ ſchenraum wird durch Waſſer luftdicht geſperrt. Aus einer Oeffnung in der Mitte der Kappe erhebt ſich die Stange i. der Ruͤhrmaſchine, die oben mit einer Kurbel k. zum Umdrehen verſehen iſt. Der untere Theil dieſer Stange laͤuft am Boden des Gefaͤßes, in einer me⸗ Maiſch⸗ waͤrmer. Fig. 23. Maſſch⸗ waͤrmer⸗ Apparat mit Schlan⸗ genrohr⸗ Fig. 24. 174 tallenen Pfanne und iſt dort mit zwel Fluͤgeln I. 1. ver⸗ bunden, durch welche die Maiſche in Bewegung geſetzt wird; m. iſt eine Oeffnung, durch welche die kalte Mai⸗ ſche eingelaſſen, n. der Hahn, durch den die heiße Mai⸗ ſche nach der Blaſe gefuͤhrt wird und die Seitenoͤffnung o. zeigt durch Ausfließen an, wenn der Waͤrmer mit Mai⸗ ſche ſo weit angefuͤllt iſt, als der Inhalt der Blaſe auf⸗ zunehmen geſtattet. Beide Oeffnungen werden durch hoͤlzerne Pfropfen geſchloſſen. §. 193. Bei dem Gebrauch dieſes Apparates tre⸗ ten die Daͤmpfe, wenn die Deſtillation anhebt, zuerſt in den hohlen Zwiſchenraum des Maiſchwaͤrmers, wo ſie ſich kuͤhlen, die umgebende Maiſche zunaͤchſt erhitzen, von hier aus, bereits verdichtet, in das Schlangen⸗ rohr uͤbergehen und dort die noch noͤthige Kuͤhlung fin⸗ den. Iſt ein Blaſenbetrieb vollendet und die Schlempe abgelaſſen, ſo wird die auf 65 bis 75 Grad erhitzte Maiſche durch Oeffnung des Hahnes in die Blaſe uͤbergefuͤhrt und die Deſtillation beginnt binnen fuͤnf bis funfzehn Minuten aufs Neue. Jeoͤfter, waͤhrend die Blaſe im Gange iſt, die im Waͤrmer befindliche Maiſche um geruͤhrt wird, deſto gleichfoͤrmiger und ſtaͤrker wird ſie erhitzt und um ſo ſchneller gehet die naͤchſtfolgende Deſtillation von Statten. Iſt das Abtreiben der Maiſche beendigt, und ſoll der gewonnene Lutter zu Branntwein verarbeitet werden, ſo wird der Helm abgeſtoßen, die Blaſe geſcheuert und der Maiſchwaͤrmer mit Waſſer gefuͤllt. Die Deſtillation eines Blaſenabtriebes, wo die Maiſche vorher in dem Maiſchwaͤrmer erhitzt worden iſt, kann binnen I⸗æ bis 2 Stunden bequem beendet werden. §. 194. An die Stelle des kupfernen Cylinders iſt es auch gewoͤhnlich, in das Waͤrmefaß ein Schlan⸗ genrohr zu ſetzen und die Daͤmpfe in deſſen Windungen abkuͤhlen zu laſſen, wie die, Fig. 24 dargeſtellte, voll⸗ ſtaͤndige Abbildung eines Maiſchwaͤrmerapparates zeigt. Man ziehet in manchen Gegenden ein Schlangenrohr in den Maiſchwaͤrmern den Cylindern deshalb vor, weil dieſe nicht ſo dauerhaft ſeyn ſollen und bei taͤglichem Gebrauch kaum zehn Jahre aushalten, wogegen ein Schlangenrohr nach funfzig Jahren noch unverſehrt iſt. 175 Gegen den Gebrauch der Schlangenroͤhre in Maiſch⸗ wäͤrmern iſt aber zu erinnern, daß ſie des beſchraͤnkten Raumes halber, den ſie einnehmen koͤnnen, nur einen geringen Durchmeſſer erhalten duͤrfen, und deshalb, wenn zuweilen die Maiſche aus der Blaſe uͤberſteigt, was demohngeachtet vorkommen kann, nicht weit genug ſind, um dieſe uͤbergeſtiegene Maiſche ſchnell in das Schlangenrohr des Kuͤhlfaſſes fuͤhren zu koͤnnen; wodurch ein Preſſen der Daͤmpfe entſtehet, die ſich ei⸗ nen anderen Ausweg ſuchen und den Blaſenhelm ab⸗ werfen. Schlangenroͤhren von engem Durchmeſſer fuͤhren auch bei gewoͤhnlichen Brenn⸗Apparaten vorerwaͤhnte Nachtheile herbei; da die Huͤlſen der oft ſteigenden Mai⸗ ſche zunaͤchſt aus dem Helm- in das Schlangenrohr treten, daſſelbe verſtopfen und der nachdringenden Fluͤſ⸗ ſigkeit den Ausgang ſperren, woraus oͤfters Gefahr bringende Exploſionen entſtehen. §. 195. Statt der hoͤlzernen Waͤrmfaͤſſer ſind auch Maiſchwaͤrmer in Gebrauch, welche ganz aus Kupfer angefertigt ſind. Dieſen muß zwar vor den hoͤlzernen eine groͤßere Dauerhaftigkeit unbeſtritten ein⸗ geraͤumt werden, jedoch ſind ſie auch bei weitem koſt— barer und haben den Nachtheil, daß in ihnen die Maiſche ſich weniger erhitzt, da durch das Kupfer ein Theil derjenigen Waͤrme in das Brennlokal ſtroͤmt, die bei der hoͤlzernen Umfaſſung, welche einen ſchlechten Waͤrmeleiter abgiebt, ſich der Maiſche mittheilt. Um das Ausſtroͤmen der Waͤrme zu verhindern, hat man vorgeſchlagen, die kupfernen Maiſchwaͤrmer außerhalb mit mehrfachen Papierlagen zu uͤberkleben. §. 196. Wenn auch durch die Einfuͤhrung der flachen, mit Maiſchwaͤrmern verbundenen Blaſen große Fortſchritte in der Vereinfachung des Brennereibetriebes herbeigefuͤhrt wurden, ſo blieben dennoch in unſeren Brennereien viele Vortheile unerreicht, welche die Brannt⸗ weinfabrikation in anderen Laͤndern laͤngere Zeit voraus hatte. Man gewann in Frankreich ſchon ſeit 1801 aus dem gegohrnen Wein mittelſt einer einzigen Deſtillation Spiritus von 80 bis 85 Prozent, eben ſo wie aus den Weintreſtern, durch welche man heiße Waſſerdaͤmpfe Kupferne Maiſch⸗ waͤrmer. Spiritüs⸗ Apparate. iſtorius⸗ 3 ſcher Apparat. 176 ſtreichen ließ, ſogleich Alkohol gezogen wurde, waͤhrend wir dazu regelmaͤßig drei bis vier Deſtillationen anwen⸗ den mußten und dabei dennoch außer dem groͤßeren Koſtenaufwand einen effectiven Verluſt von 10— 15 Prozent am Fabrikat erlitten. So zweckmaͤßig dieſe Geraͤthe fuͤr die Deſtillation des fluͤßigen Weines auch fuͤr die Rektification des Brannt⸗ weins erſchienen, ſo ſcheiterten dennoch anfangs bei uns alle Verſuche, ſie bei Getreidebrennereien in Anwendung zu ſetzen, da die ſchleimige Beſchaffenheit der Maiſche, ſo wie die ihr eingemengten Huͤlſen und uͤbrigen feſten Subſtanzen eine ganz andere Behandlungsweiſe erforderten. Dennoch aber blieb unbeſtritten, daß daſſelbe Prin⸗ zip, welches der Conſtruction jener Apparate zum Grunde liegt, auch bei Deſtillirgeraͤthen fuͤr Getreide- oder Kar⸗ toffelbrennereien Anwendung finden muͤſſe, wollten wir uͤberhaupt dahin gelangen, Branntwein oder Spiritus ſogleich beim erſten Abtriebe aus der Maiſche zu ziehen. Als Erfahrungsſatz war feſtgeſtellt, daß Alkohol bei einer geringeren Wärme als Waſſer ſich in Daͤmpfe ver⸗ fuͤchtigt, welche in einer Temperatur, in der Waſſer ſich nicht mehr dampffoͤrmig erhalten kann, zwar verdichtet werden, ohne jedoch ſich hier als tropfbare Fluͤſſigkeit niederzuſchla⸗ gen. Es kam alſo darauf an, die aus der Maiſche aufſtei⸗ genden, aus Alcohol und Waſſer beſtehenden Daͤmpfe in eine ſolche Kuͤhlung zu leiten, bei welcher das Waſſer tropfbar wird, und ſich von den Alcoholdaͤmpfen trennt, die in jenem Temperaturgrade, ſich noch nicht nieder⸗ ſchlagen, ſondern in das weitere Kuͤhlgeraͤth uͤbertreten, wo ſie ſich zur Fluͤſſigkeit verdichten und als Spiritus ausfließen. §. 197. Laͤngere Zeit mit praktiſcher Ausfuͤhrung der vorerwaͤhnten Theorie beſchaͤftigt, gelang es im Jahr 1817 dem Herrn Piſtorius, gegenwaͤrtig Gutsbeſitzer in Weißenſee bei Berlin, einen Apparat darzuſtellen, der im Großen ausgefuͤhrt, in unſeren Brennereien nicht nur dasjenige erreichen ließ, was die franzoͤſiſchen Deſtillir⸗ Apparate zeither leiſteten, ſondern vor dieſen weſentliche Vortheile in jeder Beziehung voraus hatte. Die große Erſparung an Zeit, Kraftaufwand und Brennmaterial, die groͤßere Ausbeute an Fabrikat, welche der Brennerei⸗ betrieb dadurch gewann, ſicherten dieſer Erfindung ihre 177 dauernde Anwendung und ſie fand durch die ſpaͤter ein⸗ gefuͤhrte Beſteuerung des Branntweins mittelſt des Bla⸗ ſenzinſes, im Preußiſchen Staate ſchon waͤhrend der er⸗ ſten Jahre ihrer Exiſtenz eine allgemeine Verbreitung, die ſich gegenwaͤrtig auch außerhalb Deutſchland uͤber an⸗ dere Laͤnder erſtreckt, da wir in Rußland, Schweden und Daͤnnemark, Piſtoriusſche Apparate bei dem Bren⸗ nereibetriebe im Gebrauch finden. Der Piſtoriusſche Apparat beſtehet eigentlich aus zwei Blaſen, einem Maiſchwaͤrmer und zwei Kuͤhlanſtal— ten. Eine von dieſen Blaſen ſtehet uͤber der Feuerſtaͤtte deren Verlaͤngerung auch die zweite Blaſe erhitzt. Die Daͤmpfe aus der kochenden Maiſche der erſten Blaſe werden in die Maiſche der zweiten Blaſe geleitet, wo⸗ durch ſich der Alcoholgehalt Beider in dieſer anſammelt. Von da aus treten ſie zunaͤchſt durch den Maiſchwaͤr⸗ mer in enge Behaͤlter von großer Oberflaͤche, welche mit Waſſer bedeckt ſind, deſſen Temperaturgrad hinreicht, die waͤſſrigen Daͤmpfe niederzuſchlagen, den geiſtigen Antheil jedoch dampffoͤrmig zu erhalten und in das letzte Kuͤhl⸗ geraͤth uͤberzuleiten, wo er ſich zu Alkohol verdichtet. §. 198. Eine genaue Ueberſicht dieſes Apparats bietet folgende, durch die neueſten Verbeſſerungen an dem⸗ ſelben vervollſtaͤndigte Beſchreibung dar, welche durch die mit Figur 25 bis 31 bezeichneten Abbildungen er⸗ laͤutert wird. A und B ſind zwei Blaſen gleicher Groͤße, von welchen A die eigentliche Brennblaſe iſt, B die Maiſch⸗ blaſe bildet. C und D ſind rund geformte Helme, durch Schraube und Mutter am Halſe der Blaſen befeſtigt. Aus dem Helm C erhebt ſich ein coniſches Aufſatzrohr a, deſſen oberer Theil durch ein kegelfoͤrmiges Luftventil b geſchloſſen wird, welches nach unten ſich oͤffnet, ſo⸗ bald waͤhrend der Fuͤllung der Blaſe ein luftleerer Raum entſtehet, und dadurch die Geraͤthe vor Beſchaͤdigung ſichert. Von dem Aufeatzrohr a gehet ferner ein durch ei⸗ nen Hahn geſchloſſenes Rohr c in das kleine Kuͤhlfaß d, wo es mit der daſelbſt befindlichen Schlange verbun⸗ den iſt. Der Schnabel e des Helmes C reicht bis in das Rohr f, letzteres in die mit Maiſche gefuͤllte Blaſe B. g iſt das Schraubengeſchlinge, welches das Rohr f mit e verbindet. E E ſind Maſchinen, be⸗ 12 Fig. ſtimmt, die Maiſche in der Blaſe und in dem Maiſch⸗ waͤrmer umzuruͤhren. Sie beſtehen aus ſenkrechten Wel⸗ len, die am Halſe der Blaſen durch Querſtangen laufen und ſich an deren Boden auf einer metallenen Spitze drehen. Dieſe Wellen reichen durch den obern Theil der Helme, wo ſie mittelſt einer Verdichtungsſchraube ver⸗ ſchloſſen und durch eine Kurbel bewegt werden. An dem untern Theile der ſtehenden Welle befindet ſich ein Arm mit einer metallenen Kette, die auf dem Boden der Blaſe herumgedreht wird. Der Schnabel h des Helms D ſteht mit dem Cylinder F in Verbindung, deſſen Ver⸗ laͤngerung bis in die Maiſche reicht. G iſt das Dampf⸗ leitungsrohr, welches den Cylinder F und den Vorwaͤr⸗ mer H verbindet. Das Sicherheitsroͤhrchen i, was mit dem Dampfleitungsrohr G in Verbindung ſteht, iſt bei k mit einer Oeffnung verſehen, welche durch einen Pfropfen verſchloſſen wird, und zum Reinigen oder dem Ablaſſen des darin befindlichen Waſſers dient. I iſt ein mit einem Handgriff verſehenes Ventil, durch welches die Maiſche aus B in A abgelaſſen wird. Der Vor⸗ waͤrmer Hiſt durch den Boden m im in zwei Theile Kund L getheilt. Der Cylinder K enthaͤlt die Maiſche, wo⸗ gegen ſich in L die erſten Daͤmpfe des Lutters nieder⸗ ſchlagen. Bei n iſt der Vorwaͤrmer auf das Rohr G befeſtigt. Die Oeffnung o leitet die Daͤmpfe unter eine Kappe p, welche ſie zwingt, ſich bei gg hindurch zu preſ⸗ ſen. rr ein enger Raum, durch welchen die Daͤmpfe ſtei⸗ gen muͤſſen, befindet ſich zwiſchen der Außenflaͤche des Vor⸗ waͤrmers und dem in demſelben befindlichen Cylinder K, welcher letztere die kalte Maiſche aus dem Bottig oder dem Reſervoir aufnimmt. s iſt ein kleines Rohr, mit ei⸗ nem Hahn t verſehen, durch den der in L geſammelte Lutter wieder in die Blaſe abgelaſſen werden kann. Der Hahn M iſt dazu beſtimmt, die Maiſche aus K in B uͤberzuleiten. uu ſind zwei Roͤhren, welche die, zwiſchen rr verbreiteten Daͤmpfe, in v wieder zuſammen fuͤhren. w iſt eine meſſingene Huͤlſe durch welche die Welle einer Ruͤhr⸗ . maſchine laͤuft, deren Anſicht Fig. 27 vergroͤßert darſtellt. § . 199. Die Vorrichtung N dient zur voͤlligen Rectification der geiſtigen Daͤmpfe. Sie hat die Ge— ſtalt zweier gegeneinander ſtehender Kegel, deren, mit einem Rand verſehene Oberflaͤche, das darauf geleitete 179 Waſſer aufnimmt. X iſt eine koniſche Scheibe, die den durch v emporſteigenden Daͤmpfen den geraden Durch⸗ zug verſperrt und dieſelben noͤthigt, ſich unter ihrer Flaͤche zu verbreiten, und um nach oben zu gelangen, den engen Raum zwiſchen y. y. durchzugehen. O ver⸗ bindet N mit dem Schlangenrohr P, welches in dem Kuͤhlfaſſe Q ſtehet. R iſt ein kupfernes Rohr, das aus dem unteren Raum des Kuͤhlfaſſes kaltes Waſſer auf N leitet und durch einen kleinen Hahn verſchloſſen, dagegen durch z das heiß gewordene Waſſer von N wiederum abgefuͤhrt wird. Die Roͤhre„leitet das etwa noͤthige kalte Waſſer in den Vorwaͤrmer H. Die Vorrichtung 8(Fig. 28, im groͤßeren Maaß⸗ ſtabe dargeſtellt) dient dazu, den ganzen Apparat luft⸗ dicht zu verſchließen. Sie beſtehet aus einer communi— cirenden Roͤhre b und dem Entbindungsrohre a, deſſen Oeffnung durch ein kleines Gefaͤß c mit Waſſer ge⸗ ſperrt iſt. Das Ganze wird auf das untere Ende des Schlangenrohrs luftdicht befeſtigt. T iſt ein Reſervoir zur Aufnahme der reifen Maiſche beſtimmt, welche durch den Brunnen U in den Maiſchwaͤrmer K aufgebracht wird. a iſt eine kleine, durch einen Stoͤpſel zu verſchließende Oeffnung, aus welcher Maiſche fließt, wenn der Waͤrmer bis zu dem gehoͤrigen Punkte angefuͤllt iſt. In der Anſicht des mit doppelten Becken gezeich⸗ neten Vorwaͤrmers(Fig. 29) zeigt ſich unter V die zum Reinigen beſtimmte Oeffnung, welche zu L fuͤhrt. Sie iſt durch eine Kupferplatte mit Schraubwerk luftdicht geſchloſſen. §. 200. Fig. 26 iſt der Grundriß des ganzen Apparates. Es ſind hier die Helme von den Bla⸗ ſen abgenommen, auch die gewoͤhnliche Bedeckung der Blaſen fehlt, damit man die Zuͤge um dieſelben uber— ſehen kann. a iſt der Hahn zum Ablaſſen der Schlempe aus der Blaſe A. bb ſind die im Halſe der Blaſen befindlichen Querſtangen, durch welche die Wellen der ſchon beſchriebenen Ruͤhrmaſchinen laufen. 1 iſt das auf Fig. 25 befindliche, ebenfalls mit f bezeichnete, dort beſchriebene Rohr, welches in der Seitenanſicht Fig 31 unter f nochmals vorkommt. Fig. 30 ſtellt den Grundriß der Feuerung dar. Bei A wird Feuer eingelegt, B iſt der Roſt, welcher 12* Fig. 28. Fig. 29. Fig. 26. Fig. 30. Fig. 31. 180 bis unter die Mitte der Blaſe reicht. CC ſind zwei eiſerne Cylinder, die hart an dem Roſte liegen. Sie ſind beſtimmt, erhitzte Luft nach der Malzdarre zu fuͤhren. D iſt ein ſteigender Heerd, welcher von aa ab bis unter die Mitte der zweiten Blaſe reicht. E E iſt die Verlaͤngerung des Heerdes unter derſelben. F iſt die Zunge, welche das Feuer theilt und bei bb in zwei Oeffnungen eingehen laͤßt, durch welche es in die Zuͤge emporſteigt, die um die Blaſe herumgehen. ceocc iſt der Heerd dieſer Zuͤge. Sie ziehen ſich zu⸗ erſt um die Seitenwand der zweiten Blaſe, fallen dann bei dd herunter und nehmen nun, um die Seitenwand der erſten Blaſe ihren Weg zum Schornſtein, wo ſie durch eine Zunge, die ungefaͤhr einen Fuß hoch in den Schornſtein reicht, getrennt bleiben, um das Zuſammen⸗ ſtoßen des Feuers zu hindern. II H ſind 2 Luftkanaͤle, die, wie die punktirten Linien eee zeigen, mit den Cy⸗ lindern C C in Verbindung ſtehen, welche letztere unter dem Heerde E E durchgehen und ihren Eingang in der Umfaſſungsmauer haben. II iſt die Umfaſſungsmauer der Blaſe. Die punktirten Kreiſe ſIſt zeigen an, wie weit die Blaſen auf dem Heerde der Zuͤge aufſtehen. §. 201. Der Laͤngendurchſchnitt der Feuerung er⸗ klaͤrt ſich aus Fig. 25. T iſt die Oeffnung zum Hei⸗ tzen, A der Roſt und 6 der bei Fig. 30 unter D be⸗ ſchriebene ſteigende Heerd, ₰ einer der eiſernen Cylinder und A der Aſchenbehaͤlter. 2 bezeichnet den Heerd unter der zweiten Blaſe und oO die Zunge, welche die Zuͤge theilt. I iſt ein eiſerner Schieber zum Daͤmpfen des Feuers;* der Rauchkanal. X zeigt, wie die ei⸗ ſernen Cylinder in der Mauer unter durchgehen. .●% ſtellt die gemauerte Bedeckung der Blaſen dar, und* X die Umfaſſungsmauer derſelben. §. 202. Aus Fig. 31 erſieht man den Durch⸗ ſchnitt des Feuers, nach der Linie AB in Fig. 25, ſammt der Seitenanſicht des Deſtillirapparats. A iſt der Roſt, der am beſten aus dreikantigen, gußeiſernen Staͤben beſtehet. B das Aſchenloch. CC ſind die ei— ſernen Cylinder, von welchen aus der Heerd, in ſchiefer Richtung bei D D ſteigend, bis an den Heerd der Zuͤge E E reicht. Eiſt der, unter D(Fig. 30) beſchriebene, ſteigende Heerd. GG bilden die Zuͤge, HI H die Bla⸗ 181 ſenbedeckung. Bei II ſiehet man, wie die Zuͤge von der vorderen nach der hinteren Blaſe ſich herunter⸗ ziehen. K iſt die Ruͤckwand und L das Pflaſter der Brennerei. M eine Vertiefung im Pflaſter, die entwe⸗ der blos gemauert, oder durch ein eingeſenktes Faß ohne Boden bekraͤnzt werden kann, um die aus dem Hahne der Blaſe abgelaſſene Schlempe aufzunehmen, und ſolche weiter fortzuleiten. §. 203. Die Ausſcheidung des Alkohols aus der Maiſche gehet bei dieſem Apparat folgendermaßen von Statten. Man denke ſich beide Blaſen, ſo wie den Vorwaͤrmer, mit ausgegohrner Maiſche angefuͤllt. Wird nun das Feuer unter der erſten Blaſe, der eigentlichen Maiſchblaſe, angezuͤndet, ſo wirkt es hier zunaͤchſt auf ihren Boden und bringt alſo auch die in derſelben ein⸗ geſchloſſene Maiſche zuerſt zum Sieden. Die ſich daraus entwickelnden Daͤmpfe gehen durch den Helm und den Schnabel deſſelben in die Maiſche der zweiten Blaſe, ſchlagen ſich anfangs hier nieder und bringen dadurch, jedoch verbunden mit der, unter ihr von der Feuerung ausgehenden Hitze, die Maiſche auch hier bald zum Sie— den. Die nunmehr ausſtroͤmenden Daͤmpfe fuͤllen den Helm der zweiten Blaſe an und entweichen durch deſſen Ab⸗ zugsrohr nach dem Cylinder, von wo aus ſie in den untern Raum des Vorwaͤrmers gelangen. Wenn die Daͤmpfe in den Vorwaͤrmer eintreten, ſo wird ihr freier Durchzug zum zweitenmal gehemmt, in⸗ dem ſie durch den kalten Raum, wie durch die daruͤber ſtehende kalte Maiſche abermals verdichtet werden, und ſo, anfangs als ſtaͤrkerer Lutter, dieſen Behaͤlter theilweis anfuͤllen. Dieſer Lutter wird jedoch binnen kurzer Zeit durch die fortwaͤhrend hinzuſtroͤmenden Daͤmpfe zum Sieden erhitzt, und verdampft, indem er um die Seiten— waͤnde des Raumes und um die Außenflaͤche des Vor⸗ waͤrmers ſich draͤngt. Hier ſetzen dieſe Daͤmpfe zum Theil ihre Waͤrme an die Maiſche ab, werden aber da⸗ durch ſelbſt ſchon theilweis vom Waſſer befreit, welches an den Waͤnden herab und in den Lutterbehaͤlter zuruͤck⸗ fließt. Die geiſtigen Daͤmpfe treten durch die beiden Roͤh⸗ ren in das Entlutterungsgefaͤß, wo ſie ſich durch den engen Zwiſchenraum, welchen die vorgeſtellte Scheibe Deſtilla⸗ tions⸗ Prozeß mit dieſem Apparat. Handba⸗ bung der Geraͤthe. 18² uͤbrig laͤßt, draͤngen muͤſſen. Waͤhrend die Daͤmpfe ſich hier in einer großen Flaͤche ausdehnen und bei ſehr ge⸗ ringer Hoͤhe hindurch preſſen, wird ihr waͤſſriger An⸗ theil durch das daruͤber fließende kalte Waſſer abgekuͤhlt und die noch mit fortgeriſſenen Waſſerdaͤmpfe werden hier niedergeſchlagen, worauf ſie von der Scheibe ab den Weg, den ſie gekommen, zuruͤckfließen, waͤhrend die reineren Spiritusdaͤmpfe entweder in das zweite Entlut⸗ terungsbecken(Fig. 29) oder unmittelbar in das zu ih⸗ rer Verdichtung beſtimmte Schlangenrohr uͤbergehen und nach voͤlliger Abkuͤhlung in das Verſchlußrohr gelangen, durch deſſen Oeffnung ſie in die Vorlage laufen. §. 204. Die praktiſchen Handgriffe bei Bedienung dieſes Apparates ſind folgende: Angenommen, daß ſaͤmmtliche Geraͤthe leer ſeien, ſo werden mit kalter Maiſche, beide Blaſen, bis an die Woͤlbung und der Maiſchwaͤrmer ſo weit gefuͤllt, bis die daſelbſt befindli⸗ che Oeffnung uͤberlaͤuft. Man ſetzt beide Helme auf, verkittet ſie am Blaſenhalſe mit Teig und bringt ihre Ausgangsroͤhren mit den uͤbrigen Geraͤthen in Verbin⸗ dung, ziehet die Schraubengeſchlinge feſt, und ſiehet nach, daß alle Haͤhne geſchloſſen ſind. Nachdem Feuer untergelegt, und der Schieber ge⸗ oͤffnet iſt, wird die Maiſche in den Blaſen oͤfters um⸗ geruͤhrt. Wenn die Maiſche in der erſten Blaſe zu ſie⸗ den anfaͤngt, was nach Verlauf von à bis ¾ Stunden erfolgt, und ſich durch ein trommelndes Geraͤuſch zu er⸗ kennen giebt, wird, um die Heftigkeit des Feuers zu unterbrechen und das Ueberſchießen der Maiſche zu ver⸗ huͤten, die Oeffnung des Schornſteins durch den Schie⸗ ber zur Haͤlfte geſchloſſen. Die Daͤmpfe gehen unmit⸗ telbar in die Maiſche der zweiten Blaſe, die ebenfalls kurz hierauf ſiedet. Es beginnt nunmehr auch die De⸗ ſtillation aus dieſer; die Verbindungs⸗Roͤhren und der Vorwaͤrmer erhitzen ſich, auch die Entlutterungsbecken werden warm und geben zu erkennen, daß die in dem Lutter⸗Reſervoir verdichteten Daͤmpfe durch die engen Raͤume zwiſchen dem Vorwaͤrmer durchgegangen ſind und nach oben treten. Bemerkt man, daß das obere Ende des Schlangenrohres, außerhalb des Kuͤhlfaſſes, ebenfalls warm wird, ſo hat die voͤllige Deſtillation be⸗ gonnen und man leitet, durch Oeffnung des Hahns, „——ꝛ—:,—— T u 183 Waſſer auf den Bord der Entlutterungsbecken, durch welche Kuͤhlung die dort befindlichen Daͤmpfe von ihrem Waſſergehalt befreit werden. Anfaͤnglich darf man je⸗ doch nur wenig Waſſer auf die Becken laſſen, um die beginnende Deſtillation nicht aufzuhalten. Siehet man den Spiritus am Ende des Schlangenrohres auslaufen, ſo kann man den Waſſerhahn weiter oͤffnen. Im An⸗ fang der Deſtillation ſtroͤmt die in der Maiſche enthal⸗ tene Luft zu dem mit Waſſer geſperrten Rohre(Fig. 28) mit Heftigkeit heraus; dieſes Rohr darf daher nicht mehr als 1 bis Zoll unter Waſſer ſtehen. Nach der Staͤrke des Strahls, welcher aus dem Schlangenrohr fließt, richtet ſich die Verminderung oder Vermehrung des Feuers. Hat die Deſtillation, nach der Verſchieden⸗ heit der Groͤße des Apparates x bis 1 Stunde gedau⸗ ert, ſo oͤffnet man den, in der cylindriſchen Roͤhre der erſten Blaſe befindlichen Hahn, durch welchen ſofort Daͤmpfe in das kleine Schlangenrohr uͤbertreten. Man pruͤft die aus der Muͤndung kommende Fuͤſſigkeit durch den Lutterprober. Zeigt ſich hier noch Alkohol⸗Gehalt, ſo wird der Hahn wieder zugeſchroben und die Deſtilla⸗ tion ſo lange fortgeſetzt, bis die wiederholte Pruͤfung an dem Lutterprober bloßes Waſſer erkennen laͤßt. Ergiebt die Pruͤfung, daß aus der erſten Blaſe alle geiſtige Daͤmpfe uͤbergegangen ſind, ſo wird, um das Feuer zu daͤmpfen, der Schieber zugeſchoben und friſches Brennmaterial fuͤr die naͤchſte Deſtillation untergelegt. Der Hahn der er⸗ ſten Blaſe wird geoͤffnet, und ſobald die Schlempe ab⸗ gelaufen iſt, die Maiſche aus der zweiten Blaſe, durch Emporheben des Ventils uͤbergelaſſen, wobei man das Umruͤhren der Maiſche nicht uͤberſehen darf. Gleichzei⸗ tig wird der am Lutter-Reſervoir befindliche Hahn ge⸗ oͤffnet, um den dort geſammelten Lutter in die zweite Blaſe uͤberzufuͤhren. Iſt die Maiſche aus der zweiten in die erſte Blaſe abgelaufen, und das Ventil herunter⸗ gelaſſen, ſo wird der Hahn des Vorwaͤrmers geoͤffnet, durch welchen aus dieſem die Maiſche in die zweite Blaſe uͤbergehet. Iſt auch der Vorwaͤrmer entleert, ſo⸗ wird dieſer mit kalter Maiſche durch den Brunnen wie⸗ derum gefuͤllt, und die Deſtillation beginnt binnen 10 bis 15 Minuten aufs Neue, ſo daß dann regelmaͤßig in 1 bis 1½ Stuuden ein Maiſchbetrieb vollendet, und Verein⸗ fachter Piſtorius⸗ ſcher Apparat. 184 aus der rohen Maiſche ſofort Spiritus, je nachdem die Deſtillation ſchnell oder langſam betrieben worden iſt, von 75 bis 85 Prozent gezogen worden iſt. Beſondere Aufmerkſamkeit iſt bei dieſen Deſtillir⸗ Geraͤthen auf die Sperrung der Haͤhne zu verwenden, ſo, daß kein Maiſchhahn eher geoͤffnet wird, als bis der vorherige geſchloſſen iſt, da leicht der Fall eintreten koͤnnte, daß, wenn man z. B. den Hahn der zweiten Blaſe oder des Maiſchwaͤrmers nicht wieder verſchloſſen hat, die aufgehrachte Maiſche in die erſte oder zweite Blaſe uͤbertreten wuͤrde, und da ſie keinen Ausweg findet; der Helm auch feſtgeſchraubt iſt, die Blaſenboden zerſpren⸗ gen muͤßte. Nachdem drei bis vier Blaſenabtriebe vollendet ſind, wird der obere Theil des im Kuͤhlfaſſe warm geworde⸗ nen Waſſers, durch kaltes erſetzt. Die Blaſenhelme wer⸗ den woͤchentlich nur einmal abgenommen und die Keſſel ſo wie die Kuͤhlgeraͤthe gereinigt oder geſcheuert. §. 205. Der vorbeſchriebene, mit zwei Blaſen und zwei Entlutterungsbecken verſehene, vollſtaͤndige Apparat liefert, wie ſchon erwaͤhnt, bei der erſten Deſtillation Al⸗ kohol von 75— 85 Prozent. Wo daher nur ſolcher Spiritus gebraucht wird, oder eine Brennerei entfernt von dem Verkaufsort liegt, und dennoch, wie gewoͤhn⸗ lich, der freie Transport des Branntweins von dem Kaͤufer bedungen wird, iſt es eine große Koſtenerſparniß, ſtatt waſſerhaltigen Branntweins ſtarken Weingeiſt zu verfahren. In dem Handel jedoch, wird bis jetzt noch immer der Preis des Branntweins nach einer Staͤrke zwiſchen 50 bis 60 Prozent beſtimmt und in der Re⸗ gel dem Kaͤufer ſo uͤberliefert. Es wird daher faſt im— mer noͤthig, jenen Weingeiſt bis zu den erforderlichen Graden mit Waſſer zu verduͤnnen. Wo es alſo nur darauf ankoͤmmt, einen Branntwein von 50 bis 60 Prozent ſofort aus der Maiſche zu ziehen, bedient man ſich des vereinfachten Piſtoriusſchen Appara⸗ tes, welcher ganz wie der erſte conſtruirt iſt, bei dem jedoch die zweite Blaſe und das zweite Lutterbecken weg⸗ fallen und die Daͤmpfe der kochenden Maiſche ſofort in den Vorwaͤrmer treten, aus welchem wiederum die Maiſchblaſe gefuͤllt wird. Zwar gehet hier der Betrieb nicht ganz ſo raſch, als mit der vollſtaͤndigen Vorrich⸗ ———— 185 tung von Statten, doch hat dieſer einfache Apparat die großen Vortheile voraus, daß er bei weitem nicht ſo koſtſpielig, als jener iſt, auch die weniger compli⸗ zirte Zuſammenſetzung, beim Gebrauch eine minder ſtrenge Aufmerkſamkeit erfordert. §. 206. Will man aus der Maiſche ſogleich Ge⸗ wuͤrzbranntwein ziehen, ſo werden vor beginnender De⸗ ſtillation die Ingredienzen in einen leinenen Beutel ge⸗ ſchuͤttet und dieſer, verbunden, in die Oeffnung, welche zum Reinmachen des Lutterbehaͤlters dient, gelegt. Die Daͤmpfe durchziehen den Beutel und die Gewuͤrze ſetzen hier ihr Aroma an den Spiritus ab. §. 207. Durch den Verſchluß des Schlangenroh⸗ res, wie ihn Fig. 28 darſtellt, wird der Zutritt der athmosphaͤriſchen Luft von dem Inneren des Apparates gaͤnzlich abgehalten, dem aus der Maiſche ſich ent⸗ wickelnden Gas aber, durch eine mit Waſſer geſperrte Entbindungsroͤhre, ein Ausweg eroͤffnet. Das Sicher⸗ heitsrohr darf jedoch, wie ſchon erwaͤhnt, mehr nicht, als ½— Zoll unter Waſſer ſtehen, damit das oft, namentlich zu Anfang der Deſtillation, mit Heftigkeit ausſtroͤmende Gas nicht ſo viel Widerſtand findet, daß es die Spiritusſaͤule uͤberwaͤltigt. Die ganze Vorrichtung beſtehet in einem gewoͤhnli— chen Trichter, deſſen Oeffnung durch eine glaͤſerne Platte in Form eines Uhrglaſes bedeckt iſt, welches in einen kupfernen Rand gefaßt und mit einem Ueberwurf uͤber die, auf dem Ausflußrohr des Verſchluſſes befindliche Krempe gelegt und durch ein Vorhaͤngeſchloß verſchloſ⸗ ſen wird. In dieſen Trichter reicht das Ausflußrohr hinein. Die Oeffnung desjenigen Rohres, von welchem die Abflußroͤhre ausgehet, iſt gleichfalls mit einer kupfernen Platte bedeckt, die im Mittelpunkt eine kleine Oeffnung hat, durch welche die Scale des darinnen ſchwimmen⸗ den Alkoholometers reicht. Auch dieſe Platte iſt durch Charnier und Ueberwurf verlaͤngert, der in die Kramme des Ausflußrohrs eingreift und ſomit gleichzeitig ver⸗ ſchloſſen wird. Die Abzugsroͤhre wird entweder in die Vorlage geſtellt, oder leitet, wenn ſie verlaͤngert wird, den Spiritus in den Keller oder in die Vorrathkam⸗ mer. Darſtel⸗ lung des Gewuͤrz⸗ brannt⸗ weins mit dem Piſtorius⸗ ſchen Apparat. Luftdichter Verſchluß des Apparats. Fig. 28. Dornſcher Brannt⸗ wein⸗ Apparat. Fig. 32 bis 35. 186 Auf dieſe Weiſe kann der Arbeiter am Alkoholome⸗ ter ſtets die Prozente erſehen, welche der uͤbergehende Spiritus haͤlt, und durch die Glasplatte die Staͤrke des Strahles waͤhrend der Deſtillation beobachten. Wie alſo dieſer Verſchluß den Eintritt der Luft ſperrt, ſichert er gleichzeitig vor Entwendung des Fabri⸗ kates, von dem ohne Oeffnung des Schloſſes keine Probe genommen werden kann. Ein ſolcher Verſchluß an der Oeffnung des Schlan⸗ geurohrs, der von jedem Kupferſchmidt nach der vor⸗ ꝛerwaͤhnten Zeichnung angefertigt werden kann, iſt allen Brennereien, mit welchen Apparaten ſie auch arbeiten, ſehr zu empfehlen; denn durch dieſen Verſchluß wird das Entweichen desjenigen Alkohols verhindert, der ſo⸗ wohl vor Beginn als auch waͤhrend der Deſtillation in die Luft verfliegt und an der Ausbeute verloren gehet. Wenn man bedenkt, wie große Neigung der Weingeiſt hat, ſich in der Atmoſphaͤre zu verfluͤchtigen, welcher ſtarke Branntweingeruch in den meiſten Brennereien, ſobald die Blaſen im Gange ſind, bemerkbar wird; wie ſogar manche Brenner den Anfang der Deſtillation nach dem ſtaͤrkeren oder ſchwaͤcheren Geruch beurtheilen, den die ausſtroͤmenden weingeiſthaltigen Daͤmpfe im Brenn⸗ local verbreiten, ſo ſcheint die Behauptung nicht uͤber⸗ trieben, daß allein durch Anwendung dieſer Verſchlußweiſe 3 bis 5 Prozent Branntwein mehr gewonnen werden, als wenn die Oeffnung des Schlangenrohres mit der freien Luft in Beruͤhrung ehet. 4§. 208. Von dem Koͤniglichen Fabriken⸗Kommiſ⸗ ſarius Herrn Dorn iſt ebenfalls ein Branntwein⸗Brenn⸗ apparat conſtruirt worden, der, im Großen ausgefuͤhrt, mehrfache Anwendung gefunden hat. Die Figuren 32 bis 35 zeigen ſowohl die Anſicht, als auch den Durch⸗ ſchnitt deſſelben. Der Apparat iſt zuſammengeſetzt aus der Blaſe A, auf welcher der Maiſchwaͤrmer B ſte⸗ het; aus dem Rectificator C und dem Kuͤhlfaß D. Durch das Rohr a gelangt die Maiſche aus dem Bot— tich oder dem Reſervoir in den Maiſchwaͤrmer B, und durch das Oeffnen des Hahnes b in die Blaſe. Wenn Maiſchwaͤrmer und Blaſe gefuͤllt ſind, wird Feuer auf dem Roſte c angezuͤndet, deſſen Flamme den Bla⸗ 187 ſenboden und einen Theil der Seitenflaͤche der Blaſe be⸗ ſtreicht und durch den mit einem Schieber verſehenen Schornſtein d abgeleitet wird. Die durch das Erhitzen der Maiſche aus A auf⸗ geſtiegenen Daͤmpfe gehen durch den in der Mitte des Maiſchwaͤrmers befindlichen, abgekuͤrzten Hohlkegel e, dringen mittelſt der, oberhalb deſſelben befeſtigten Kapſel in die Maiſche von B und werden nun, vereint mit den Daͤmpfen aus dieſer Maiſche, durch das Rohr f, deſſen obere Oeffnung ½ Joll unterhalb der Decke des Maiſchwaͤrmers befindlich iſt, in den leeren, verſchloſſenen cylindriſchen Raum g, welcher den Umfang des Maiſch⸗ waͤrmers einnimmt, geleitet. Dieſer Raum g iſt, wo die Daͤmpfe bei f in denſelben treten, von einer Wand h(man ſehe die obere Anſicht nach Abhe⸗ bung der Decke) ſenkrecht durchſchnitten, um zu verhuͤ⸗ ten, daß die Daͤmpfe nicht ſogleich in den Rectificator C ſteigen, ſondern erſt den ganzen Raum g durchlau⸗ fen und hier vorher einen Theil ihres Waſſergehaltes abſetzen; was durch die doppelte Abkuͤhlung der athmo⸗ ſphaͤriſchen Luft von außen und der anfaͤnglich kalten Maiſche von innen erreicht wird. Nachdem die Daͤmpfe den Raum g durchſtrichen haben, ſteigen ſie durch das Rohr i in das untere Becken des Rectificators C und durch die Fortſetzung des Rohres i in das obere Bek⸗ ken. Die Entlutterung wird in beiden Becken durch das, auf dieſe fließende, kalte Waſſer bewirkt, welches aus dem Kuͤhlfaſſe durch die, mit einem Hahne verſehene Roͤhre k fließt. Wenn die Daͤmpfe beide Becken des Dephlegmators durchſtrichen haben, treten ſie durch das Rohr 1 in das Schlangenrohr m des Kuͤhlfaſſes, von wo ſie in die Vorlage gelangen. Ob aus der Maiſchblaſe ſaͤmmtliche geiſtige Theile uͤbergegangen ſind, erſieht man, wenn der Hahn n des mit der Blaſe AX in Verbindung ſtehenden Rohres o geoͤffnet wird und die durch daſſelbe uͤbergehende Fluͤſſigkeit an dem Prober nur noch Waſſer zeigt. In dieſem Falle laͤßt man die Schlempe durch den Hahn p ab und fuͤhrt nach deſſen Schließung die Maiſche aus dem Waͤrmer, ſo wie den im Raume g geſammel⸗ ten Lutter durch Oeffnen des Hahnes q in die Blaſe, worauf der Waͤrmer B wieder mit kalter Maiſche gefuͤllt wird. 188 t iſt die ſchon oͤfters beſchriebene Ruͤhrmaſchine. u ein ſchwimmender Cylinder von Kupfer, deſſen Austreten bis zu einem beſtimmten Merkmal die geſchehene Fuͤllung des Maiſchwaͤrmers anzeigt. Der Hahn r dient um durch den, im Kuͤhlfaß haͤngenden Heber kaltes Waſſer, ſowohl in die Blaſe, als auch in den Maiſchwaͤrmer zu leiten. Zur bequemeren Reinigung der Blaſe und des Maiſch⸗ waͤrmers ſind an der Seite und auf der oberen Decke Oeffnungen angebracht, die, waͤhrend der Apparat im Gange iſt, feſt verſchloſſen und verkittet werden. Das Abtreiben einer Blaſenfuͤllung dauert, mit Ruͤckſicht auf deren Inhalt 3 bis 1 ½ Stunde. Dieſer Apparat liefert ſogleich aus der Maiſche, Branntwein von 50 bis 60 Prozent. Grundriß§. 209. Der Grundriß zur Feuerung fuͤr einen der⸗ der Feue⸗ artigen Apparat iſt aus Fig. 35 erſichtlich. ℳ iſt die dinc zu vordere Mauer, worinnen aa die gußeiſernen Roſtſtaͤbe ene befindlich ſind. bb die Umfaſſung und cc eine runde, Brennap⸗ durch aufrecht ſtehende Steine gebildete, 10 Zoll hohe parat. Mauer. dd iſt eine gerade Mauer in gleicher Hoͤhe der vorigen. Auf dieſen beiden, ſowohl der runden, als auch auf der geraden Mauer liegt ein 3 bis 1 Zoll ſtarkes, nach der Richtung der Mauern gebogenes Ei⸗ ſen, auf welchem der Blaſenboden, deſſen Rand die punktirte Linie anzeigt, genau aufſteht. e iſt die Ver⸗ tiefung, in welcher das Abzugsrohr der Blaſe liegt. Vom Ende des Roſtes hebt ſich der Feuerheerd allmaͤh⸗ lig ſteigend, ſo, daß derſelbe bei e nur 7 Zoll vom Bla⸗ ſenboden entfernt iſt. Wenn das Feuer angezuͤndet iſt, ſtreicht die Hitze vom Roſte aus, unter einen Theil des Blaſenbodens, wendet ſich bei d, wo ſie die zweite Haͤlfte deſſelben beruͤhrt, tritt dann in den 6— 8 Zoll hohen, 4 bis 5 Zoll breiten Kanal, wendet ſich hier um die ganze aͤußere Wand der Blaſe und entweicht bei h in den Rauchkanal. Die Thuͤre zur Feuerung hat am zweckmaͤßigſten 12 Zoll im Quadrat. Unter dem Roſte befindet ſich der Aſchenheerd ebenfalls mit einer Thuͤre verſehen. Die Entfernung des Aſchenheerdes von den Roſtſtaͤben richtet ſich zwar nach der Locglitaͤt, doch iſt zu empfehlen, denſelben ſo tief als moͤglich anzulegen, um dem, auf das Feuer wirkenden Luftzug den ungehinderten Zutritt zu geſtatten. 189 §. 210. Dieſe Apparate befriedigen, bei ihrem Ge⸗ brauch, alle Anforderungen, die bei der Fabrikation des Branntweins an Brenngeraͤthe uͤberhaupt zu machen ſind. Ihre Aufſtellung erſordert, wenn ſie auch in groͤ⸗ ßerm Maaßſtabe angefertigt ſind, dennoch nur einen kleinen Raum in dem Brennlocale; man erſpart hier zwei Deſtillationen, und bei den zweckmaͤßigen Feueran⸗ lagen, die außerdem noch mit der Malzdarre in Verbin⸗ dung ſtehen, mindeſtens die Haͤlfte des, zu gleicher Menge Maiſche, zeither verbrauchten Brennmaterials. Eben ſo wird ohne Anſtrengung auf dieſen Apparaten die doppelte, ja dreifache Menge Produkt gewonnen, welche Brenngeraͤthe nach alter Einrichtung, bei dem ungemeſſenſten Aufwand von Kraft und Feuermaterial zu liefern im Stande ſind. Iſt dieſe Verminderung der Betriebskoſten ſchon aller Beruͤckſichtigung werth und der Brenner bei ſolchen Geraͤthen im Stande in den geſetzlichen Tagesſtunden einen ſtarken Betrieb unter eig— ner Aufſicht zu beenden und hat er daher nicht noͤthig, die Nacht hindurch arbeiten zu laſſen und ſich dadurch eines Verluſtes an Produkt, oder der Feuersgefahr aus⸗ zuſetzen, ſo bleibt ihm dennoch unbenommen, wenn guͤn⸗ ſtige Gelegenheiten fuͤr den Abſatz des Branntweins ſich darbieten, wenn Futtermangel ploͤtzlich eintritt, oder der Viehſtand unerwartet vermehrt wird, ſofort die doppelte Quantitaͤt Materialien zu verabeiten, ohne ein zweites Brenngeraͤth zu Huͤlfe nehmen zu muͤſſen. §. 211. Der Haupt⸗Vortheil jedoch beſtehet immer in jenem Gewinnn, welcher aus dem groͤßeren Ertrag an Branntwein erwaͤchſt, den aus gleicher Menge Materia⸗ lien dieſe Apparate, gegen die uͤbrigen Brenngeraͤthe liefern. Wenn man die Ausbeute, deren§. 18 erwaͤhnt, mit derjenigen vergleicht, die nach§§. 105 und 171 auf Spiritusapparaten aus Getraide und Kartoffeln gewon⸗ nen wird, ſo tritt der Unterſchied augenfaͤllig hervor und es wird einleuchtend, daß ſich die groͤßeren Koſten der Anſchaffung eines Branntwein⸗ oder Spiritus⸗Appa⸗ rates in kurzer Zeit bei ſeinem Gebrauch durch die groͤ⸗ ßere Ausbeute von ſelbſt decken. Ein Theil dieſes groͤßeren Ertrages iſt in ſolchen Brennereien wohl unbe⸗ ſtritten, dem zweckmaͤßigeren Einmaiſchungsverfahren und Darſtel⸗ lung der Leiſtungs⸗ faͤhigkeit dieſer Ap⸗ parate. 190 der, mit aufmerkſamer Genauigkeit geleiteten Gaͤhrung beizumeſſen, der groͤßere Vortheil wird jedoch durch das Vermeiden wiederholter Deſtillation, ſo wie dadurch erreicht, daß man der athmoſphaͤriſchen Luft den Zu⸗ tritt zu dem Innern des Brenngeraͤthes abſchneidet (§. 207.) und ſomit erzwingt, daß aller Alcohol der ſich in der Maiſche gebildet befindet, tropfbar fluͤſſig werden muß, und auch nicht der geringſte h Antheil davon durch die Luft aufgeloͤſt und verfluͤchtigt werden kann. Dieſer Mehrertrag kann ſonach eben ſo gut, ein Vermeiden des fruͤheren Verluſtes bei der Branntwein⸗ fabrikation, genannt werden. Anſchaf⸗§. 212. Wenn die Erfahrung jene Vortheile, die fung, der der Gebrauch ſolcher Apparate dem Brennerei-Gewerbe Apprnns⸗ darbieten, durch eine Reihe von Jahren als Thatſache unbeſtritten feſtgeſtellt hat, ſo laͤßt es ſich mit Ueberzeu— gung vorausſehen, daß eine allgemeinere Verbreitung derſelben, ſelbſt in den Brennereien von geringerem Um⸗ fange, in den naͤchſten Jahren bevorſtehet, und es duͤrfte dem Vortheile manches Brennerei⸗Inhabers entſprechen, 1 ſeinen Betrieb ſchon fruͤher nach dieſer Weiſe einzurich⸗ ten, als bis ihn, uͤber kurz oder lang, die Concurrenz ſeiner Nachbarn dazu zwingt. Der Bau jener Apparate, ſo einſach ſie auch zu — handhaben ſind, iſt demohngeachtet ſehr complizirt und eine geringe Abweichung von den Verhaͤltniſſen ihrer Conſtruktion oft hinreichende Veranlaſſung, daß die er⸗ warteten Reſultate beim Betrieb nicht erreicht werden. G Eben deshalb iſt es auch eine ſchwierige Aufgabe fuͤr Kupferſchmiede, ſolche Geraͤthe nach Zeichnungen anzufertigen und der Brennereibeſitzer, wird daher wohl thun, einen Spiritus⸗ oder Branntwein⸗Apparat in ſeiner Naͤhe nur dann fertigen zu laſſen, wenn aus der Werk— ſtaͤtte dieſer Kupferſchmiede bereits derartige Geraͤthe hervorgegangen und in Gebrauch geſetzt worden ſind; oder wenn dies nicht der Fall iſt, ſich dennoch ein glei— cher Apparat in der Naͤhe befindet, nach welchem als Modell der Neue gearbeitet werden kann. Berliner§. 213. Beides moͤchte jedoch bis jetzt nur in ei⸗ Kupfer⸗ nigen Gegenden der Monarchie der Fall ſein und es iſt daher bei dem nicht unbedeutenden Koſtenaufwand, wel⸗ 191 chen die Anſchaffung eines ſolchen Geraͤthes verurſacht, Schmiede⸗ wohl anzurathen, daß der Brennereibeſitzer um einen werfuat. en. voͤllig brauchbaren Apparat von tadelloſer Beſchaffenheit zu erhalten, denſelben in Berlin und zwar in der Werk⸗ ſtatt eines ſolchen Kupferſchmiedes anfertigen laſſe, wo man ſich vorzugsweiſe, und faſt ausſchließlich, mit dem Bau derartiger Deſtillir⸗Geraͤthe beſchaͤftiget. Zwar duͤrfte in entfernteren Gegenden das Anſchaffungs⸗ Capital fuͤr ein derartiges neues Geraͤth durch die Trans⸗ portkoſten noch einige Erhoͤhung erleiden, die jedoch hin— reichende Entſchaͤdigung findet, wenn man dafuͤr, wie es hier der Fall iſt, die Verſicherung im Voraus hat, einen Apparat zu erhalten, der gleichſam unter den Au⸗ gen ſeines Erfinders entſtanden iſt, und an dem diejeni— gen Vervollkommnungen und Verbeſſerungen bereits aus⸗ gefuͤhrt ſind, die von ihrer Entſtehung an, bis auf die juͤngſte Zeit, bei dem Bau jener Geraͤthe, Erfahrung und Induſtrie, vortheilhaft oder anwendbar erachteten. §. 214. Dem groͤßeren Theil unſerer, von Berlin entfernt wohnenden Leſer, duͤrfte es vielleicht nicht un⸗ lieb ſeyn, daß wir ihnen in der Adreſſe des Kupfer⸗ ſchmiedemeiſters Herrn Karl Heckmann in Berlin (Hausvoigfeyplatz No. 12) eine Werkſtatt empfehlen duͤr⸗ fen, in welcher derartige Deſtillir-Geraͤthe mit Sach⸗ kenntniß und gewiſſenhafter Genauigkeit gearbeitet wer⸗ den; wovon wir uns, ſowohl durch die Mittheilung ge⸗ achteter Maͤnner, als auch bei perſoͤnlicher Anweſenheit uͤberzeugt haben. Da mit dieſer Kupferſchmiede eine Metall⸗Gießerei verbunden iſt, ſo werden auch alle da⸗ zu erforderlichen Haͤhne, Schrauben ꝛc. unter eigener Leitung des Inhabers der Gewerbſtaͤtte angefertigt. §. 215. Nach mehreren uns vorgelegten Original⸗ Koſten⸗ Kontrakten uͤber bereits ausgefuͤhrte, oder im Bau begrif⸗ anſchlaͤge fene Apparate, ſo wie auch nach den, in den Kontobuͤ⸗ r dſ⸗ chern jener Werkſtaͤtte eingeſehenen Rechnungen, betragen ven cheede, 3/ 14 nen bei dem gegenwaͤrtigen Preis des Kupfers, die Anſchaf⸗ Apparate. fungs⸗Koſten fuͤr einen ſolchen Apparat, nach Maaßgabe ſeiner Groͤße und der daraus hervorgehenden Leiſtungs⸗ faͤhigkeit ohngefaͤhr nachſtehende Summen, wobei wir bemerken, daß bei den Piſtoriusſchen Apparaten das Gewicht der erſten Blaſe mit 13 Sgr. 1 Pf., der zwei⸗ ten Blaſe mit 13 Sgr. 9 Pf., alle uͤbrige Kupfer⸗ Piſtorius⸗ ſcher Apparat zu 7000 Qrt. Maiſche. Piſtorius⸗ ſcher Maiſche. Einfacher Piſtorius⸗ ſcher Apparat. Dornſcher Apparat 192 und Meſſingarbeit an Huͤten, Haͤhnen, Schlangen, Ketten, Schrauben, Becken ꝛc. mit 15 Sgr. fuͤr jedes Pfund berechnet wird. Wo jedoch, wie bei den einfachen Piſtoriusſchen und Dornſchen Apparaten, blos eine⸗Blaſe noͤthig iſt, wird das Gewicht dieſer Blaſe nur zu 13 Sgr. 1 Pf. fuͤr jedes Pfund veranſchlagt. Bei einem vollſtaͤndigen Piſtoriusſchen Apparat, deſſen Maiſchwaͤrmer einen Inhalt von 700 bis 750 Quart faßt, auf welchem mithin binnen 14 Stunden bei zehnmaliger Fuͤllung 7000 Quark, oder die Maiſche von 3 Wiſpel Kartoffeln oder 28 Scheffel Schrot verarbeitet werden kann, wiegt die erſte Blaſe...... 800 Pfund, die zweite Blaſe....... 650 Pfund, alle uͤbrige Kupfer- und Meſſingarbeit 1870 Pfund, der vollſtaͤndige Apparat mithin zuſammen 3320 Pfund, und es wuͤrden ſonach die Koſten deſſelben 1580 Tha⸗ ler betragen. Derſelbe Apparat von geringerer Groͤße, wo der Maiſchwaͤrmer 270— 300 Quart Inhalt faßt, auf welchem mithin in demſelben Verhaͤltniß die Maiſche von 1 bis 1½ Wiſpel Kartoffeln oder 10 bis 12 Scheffel Getreide abgebrannt werden kann, hat folgendes Gewicht: die erſte Blaſe........ 500 Pfund, die zweite Blaſe....... 400 Pfund, alles uͤbrige Zubehoͤr...... 1200 Pfund, zuſammen......... 2100 Pfund, Ein Apparat von dieſem Umfange koſtet daher aus der Werkſtatt des Kupferſchmiedes 1000 Thaler. Bei einem einfachen Piſtoriusſchen Apparat vorge⸗ nannter Groͤße, wo die zweite Blaſe ſammt Helm und einem Entlutterungsbecken wegfaͤllt, wiegt die Blaſe....—. 450— 500 Pfund, der uͤbrige Theil des Apparates 1000— 1100 Pfund. Die Koſten deſſelben betragen daher zwiſchen 700 und 770 Thaler. Von einem Dornſchen Apparat, bei einem Maiſch⸗ waͤrmerinhalt von 400 Quart, auf welchem daher bin⸗ 155 nen 14 Stunden 4000 Quart Maiſche verarbeitet wer⸗ au den koͤnnen, wiegt es Qrt. die Blaſc........ 550 Pfund, Malſche. der Maiſchwaͤrmer nebſt Zubehoͤr 1000 Pfund, mithin koſtet derſelbe 740 Thaler. Die Blaſe eines Dornſchen Apparates, wo der Dornſcher Waͤrmer die Haͤlfte des vorgenannten Inhaltes faßt, Apparat durch welchen daher 2000 Quart Maiſche in 14 Stun⸗ 2003859rt den verarbeitet werden koͤnnen, wiegt 350 Pfund, Maiſche. der Maiſchwaͤrmer ſammt den uͤbrigen Theilen 700 Pfund, zuſammen 1050 Pfund, und es wuͤrden die Koſten 500 Thaler betragen. Daß vorſtehende Berechnungen bei den verſchiede⸗ nen ausgefuͤhrten Apparaten zwiſchen 40 bis 50 Pfund Mehr⸗ oder Mindergewicht differiren koͤnnen, glauben wir noch anfuͤhren zu muͤſſen, eben ſo wie ſich die Koſten fuͤr die Anſchaffung da verringern, wo bei dem zeither benutzten Brenngeraͤth noch ein gutes brauchba⸗ res Schlangenrohr vorhanden iſt, deſſen oberer und un⸗ terer Durchmeſſer dann nur angegeben zu werden braucht, um die Muͤndungen der dazu gehoͤrenden Roͤhren be⸗ meſſen zu koͤnnen. Die zeitherige Brennblaſe wird zum Waſſerkochen und bei der Verarbeitung von Kartoffeln als Dampfkeſſel benutzt. §. 216. Iſt eine ſolche Gewerbanſtalt einigerma⸗ Einrich⸗ ßen von Bedeutung, ſo wird es, um gleich Anfangs buun von einen moͤglichen Unfall zu vermeiden, der bei der Un⸗ ent nas bekanntſchaft mit der Konſtruktion der Geraͤthe vorkom⸗ Spiritus⸗ men koͤnnte, faſt unerlaͤßlich, die erſte Einrichtung, ſo Appara— wie beim Beginn, den Betrieb eine zeitlang durch Je⸗ ten. mand leiten oder ausfuͤhren zu laſſen, der mit der Handhabung eines ſolchen Apparates voͤllig vertraut und im Stande iſt, die noͤthigen Handgriffe denjenigen Ar⸗ beitern, welche zur Bedienung des Geraͤthes beſtimmt ſind, in kurzer Zeit praktiſch einzuuͤben. §. 217. Noch ſicherer duͤrfte dieſer Zweck erreicht Theore⸗ werden, wenn nach dem Beiſpiele vieler Oekonomen tiſch⸗prak⸗ in den letzteren Jahren, der Inhaber der Brennerei ſich ſiſche Er, in Berlin ſelbſt eine zeitlang aufhalten, oder Jemand des Br, dahin abſenden kann, um dort die Vervollkommnung nerei⸗ des Brennereibetriebes perſoͤnlich zu beobachten und die betriebs in dabei geſammelten praktiſchen Erfahrungen auch in ent⸗ Berlin. 13 Storchſche Klaͤr⸗ maſchine. 194 ferntertn Gegenden in Ausfuͤhrung bringen zu koͤnnen; denn unbeſtritten iſt es, daß die enigen Erſcheinungen und Reſultate, welche man ſelbſt geſehen und ſelbſt erfahren hat, ſich dem Gedaͤchtniß und der Ue⸗ berzeugung feſter einpraͤgen, als dieß durch ſchriftliche Darſtellung moͤglicher Weiſe zu er⸗ reichen iſt. Die Gelegenheit, um in Berlin den Betrieb in al— len ſeinen Theilen vollſtaͤndig kennen zu lernen, bietet die das ganze Jahr hindurch ununterbrochen gehende Brennerei des Herrn Piſtorius jun.(Alexanderſtraße) daſelbſt dar. Gegen ein Honorar von 50 Thaler erhal⸗ ten dort binnen 2— 3 Monaten die, oft aus den ent⸗ fernteſten Theilen der Monarchie, fuͤr dieſen Zweck ver⸗ ſammelten jungen Leute, ſowohl theoretiſchen Unterricht in allen Zweigen der Branntweinfabrikation; als ihnen auch bei dem taͤglichen Betrieb der Brennerei die praktiſchen Handgriffe des Gewerbes ſo lange gelehrt und eingeuͤbt werden, bis ſie im Stande ſind, ohne fremde Huͤlfe ſaͤmmtliche Fabrikationsakte ſowohl ſelbſt auszufuͤhren, als auch einen regelmaͤßigen und puͤnkt⸗ lichen Brennereibetrieb mit Sachkenntniß zu leiten oder zu beaufſichtigen. Auch der Koͤnigliche Fabriken-Kommiſſarius Herr Dorn in Berlin haͤlt in den Wintermonaten, vom Okto⸗ ber an, techniſche Vorleſungen fuͤr Oekonomen, welche vorzugsweiſe die theoretiſch-praktiſche Darſtellung des Brennerei⸗ und des Brauereibetriebes umfaſſen. §. 218. Neben den vorher ausfuͤhrlicher beſchrie⸗ benen Apparaten, iſt auch die ſogenannte Storchſche Klaͤrmaſchine im Preußiſchen erfunden und in Anwen⸗ dung gebracht worden. Ihre Conſtruction iſt einfach und ohne Zeichnung verſtaͤndlich. Es beſteht der Apparat, nach den damit gegenwaͤrtig vorgenommenen Verbeſſe⸗ rungen in Folgendem: Man denke ſich zwiſchen Brenn⸗ blaſe nnd Kuͤhlfaß eine, mit einem Helm verſehene, zwar aus Kupfer zuſammengefuͤgte, da ſie jedoch dem Feuer nicht ausgeſetzt wird, nur aus ſchwachen Platten geſchlagene und geloͤthete zweite Blaſe, welche außer dem untern Boden, ohngefaͤhr in der Mitte, mit einem zwei— ten Boden, oben mit einer Decke verſehen iſt. In die— ſen mittleren Boden iſt ein Hut eingeloͤthet, welcher 195 durch die Oeffnung der Decke durchreicht und mit ſei⸗ nem Schnabel in dem Schlangenrohr des Kuͤhlfaſſes endet. Die obere Haͤlfte der zweiten Blaſe wird mit Maiſche angefuͤllt und dient als Vorwaͤrmer. Das Helmrohr der Brennblaſe greift in die untere Abtheilung der zweiten Blaſe, in welcher ſich ein Schlangenrohr be⸗ findet, deſſen Oeffnung in Lutter oder Waſſer reicht. Wenn die Deſtillation aus der Brennblaſe beginnt, ſo treten die Daͤmpfe zunaͤchſt in den Lutter und bringen ihn zum Sieden. Die aufſteigenden Daͤmpfe ſuchen ſich durch den Helm einen Ausweg nach dem Schlan⸗ genrohr; ihr waͤſſriger Antheil wird jedoch durch die kalte, den Helm umgebende Maiſche niedergeſchlagen und faͤllt daher in die Klaͤrmaſchine zuruͤck. Die geiſtigen Daͤmpfe dagegen treten in das Schlangenrohr uͤber, von wo aus ſie in die Vorlage gelangen. So lange die Maiſche im Waͤrmer kalt iſt, gehet bei der erſten De⸗ ſtillation Spiritus von 70 bis 75 Prozent uͤber; wird ſie warm, Branntwein von 45 bis 55 Prozent; iſt ſie endlich heiß geworden, ſo finden die Waſſerdaͤmpfe beim Durchgang durch den Helm keine Abkuͤhlung, mithin keinen Widerſtand und es laͤuft alsdann Lutter in die Vorlage uͤber. §. 219. Außerdem iſt noch eine namhafte Anzahl Anderwei⸗ von Brennapparaten, um aus der Maiſche ſogleich te Deſtil⸗ Spiritus oder Branntwein zu ziehen, ſowohl in Preu⸗ lir⸗Appa⸗ ßen, als auch in anderen Laͤndern vorgeſchlagen oder ausgefuͤhrt worden; die Mannigfaltigkeit der Conſtruk⸗ tion in den Brenngeraͤthen vermehrt ſich noch taͤglich und jede derartige Erſcheinung wird ſtets mit Zuverſicht als eine neue, das Vorhandene uͤbertreffende Erfindung angekuͤndigt. Betrachten wir jedoch die Conſtruktion ſolcher Apparate naͤher, ſo zerfallen die geruͤhmten Erfindungen gewoͤhnlich in eine Umaͤnderung der Formen, bei welchen groͤßtentheils ein weſentlicher Vortheil nicht abzuſehen iſt, da der Sache ſelbſt immer daſſelbe Prinzip(§. 196) zu Grunde liegen muß, deſſen praktiſche Anwendung Piſtorius gleich anfangs auf eine ſo befriedigende Weiſe darthat, daß gegenwaͤrtig Verbeſſerungen an Brennge⸗ raͤthen uͤberhaupt fuͤr laͤngere Zeit ihre Grenze gefun⸗ den zu haben ſcheinen. 13* vate. 196 Im Allgemeinen iſt Jedem, welcher zu praktiſcher Ausfuͤhrung derartiger Erfindungen ſchreitet, anzuempfeh⸗ len, daß er das Verhandene erſt mit dem Neuen ver⸗ gleiche, um ſich der Vortheile des Letzteren verſichert zu halten, ehe er die Anwendung eines geprieſenen Appara⸗ tes im Großen unternimmt. Ohne dieſe Vorſichtsmaaß⸗ regeln, die bei techniſchen Vorrichtungen, wo mehrfach die Theorie ſich nach den Reſultaten der Praxis feſtzu⸗ ſtellen genoͤthigt wird, unerlaͤßlich ſind, moͤchte, wie es bereits geſchehen iſt, noch ſo Mancher in den Fall kommen, den Beweis uͤber die Nutzloſigkeit und Un⸗ brauchbarkeit einer geruͤhmten Erfindung durch bedeu— tende Summen zu erkaufen. §. 220. Der bem Betriebe der Branntweinbren⸗ nerei fruͤher haͤufig vorkommende Uebelſtand, daß die Maiſche in den Keſſeln anbrannte, oder bei heftiger Feu⸗ erung in die Deſtillirgeraͤthe uͤberſtieg, wodurch Verluſt an Ausbeute und Guͤte des Branntweins entſtand, auch die Brennkeſſel dem Verderben leicht ausgeſetzt waren, veranlaßten, ſeitdem Rumford die Anwendung der heißen Daͤmpfe zum Kochen lehrte, den Gebrauch dieſer Daͤmpfe zur Branntweindeſtillation in Anwendung zu bringen. Man brachte zunaͤchſt die eigentlichen Brennkeſſel in eine Umgebung von kochendem Waſſer und verſuchte ſo die Maiſche zu deſtilliren. Es zeigte ſich aber bald, daß, wenn auch das Waſſer in dem Umfangskeſſel laͤn⸗ gere Zeit kochte, dennoch die Fluͤſſigkeit im Deſtillirkeſ⸗ ſel nicht uͤber 74 Grad erhitzt wurde, woraus folgte, daß nur anfangs geiſtige Theile uͤbergingen, ein großer Theil des Branntweins jedoch in der, waſſerreicher ge⸗ wordenen Maiſche zuruͤckblieb. Eben ſo wenig hat das Verfahren allgemeineren Eingang gefunden, Daͤmpfe von ſiedendem Waſſer in die Maiſche zu leiten, dieſe dadurch ins Kochen zu brin⸗ gen und ſo zu deſtilliren. Abgeſehen davon, daß man, um eine Fluͤſſigkeit mittelſt Waſſerdaͤmpfen dampf⸗ foͤrmig zu machen, eine bei weitem groͤßere Menge Feu⸗ ermaterial verbrauchen muß, als wenn Feuer unmittel⸗ bar auf den Blaſenkeſſel wirkt, gehet auch hier die De⸗ ſtillation aͤußerſt langſam von Statten, indem die Wir⸗ kung der Waſſerdaͤmpfe ſehr vermindert wird, wenn erſt 197 Re Maiſche ſledet und die Waͤrme beider Rluͤſſigkeiten ins Gleichgewicht tritt. Um hier eine hoͤhere Temperatur zu erzielen und gleichzeitig an Feuermaterial zu ſparen, iſt man auf den Ausweg gekommen, die Deſtillation der Maiſche durch Waſſer, was in einem luftverduͤnnten oder luftleeren Raume ſiedet, zu bewerkſtelligen. Hierzu veranlaßte die Erfahrung, daß Waſſer um ſo leichter ſiedet, je duͤnner die Luft iſt, in deren Umgebung es erhitzt wird, z. B. auf hohen Bergen, daß daſſelbe, im luftleeren Raum ein⸗ geſchloſſen, ſchon bei einer Waͤrme von 45 bis 50 Grad zu kochen beginnt, und da ſich die Daͤmpfe hier con⸗ denſiren, einen hoͤhern Waͤrmegrad, als den des Kochpunk⸗ tes erreicht. Man ſetzte daher den Maiſchkeſſel in ei⸗ nen zweiten, luftdicht verſchloſſenen Keſſel der theilweis mit Waſſer angefuͤllt ward, und brachte in dieſer, durch beſonderen Mechanismus von Luft entleerten Vorrichtung die Maiſche vermittelſt der Daͤmpfe zum Sieden. Daß die Handhabung dieſes Geraͤthes ganz beſondere Aufmerk⸗ ſamkeit erfordert, bezeugen die mehrfaͤltigen Ungluͤcks⸗ faͤlle, welche, ſeitdem man Dampfbrennereien verſuchs⸗ weiſe anlegte, vorgekommen ſind, und es moͤchte dies einen Beleg da fuͤr abgeben, daß dieſe Fabrikationsweiſe bis jetzt noch zu ſehr auf theoretiſchen Vorausſetzungen beruhet, als daß ihre allgemeine Anwendung beim praktiſchen Brennereibetrieb ſofort erwartet werden duͤrfte, da jetzt auch bei dem Gebrauch unſerer, durch offenes Feuer ge⸗ heitzten Apparate, die Uebelſtaͤnde des Anbrennens und des Ueberſchießens vermieden werden; wenn nur die vor⸗ ausgegangenen Akte der Einmaiſchung und der Gaͤh⸗ rung mit Sachkenntniß und Regelmaͤßigkeit vollzogen worden ſind. Auch hierbei koͤnnen wir nicht umhin die oben gemachte Schlußbemerkung zu wiederhohlen. §. 221. Noch eroͤrtern wir kuͤrzlich, die im vorigen Paragraph erwaͤhnten Uebelſtaͤnde des Anbren⸗ nens und Ueberſteigens der Branntweinmaiſche, die in manchen Brennereien ſich oͤfter oder ſeltener ereignen. Wenn man ausgegohrne Maiſche auf die Blafe bringt und ſie durch den unmittelbaren Zutritt des Feu⸗ ers raſch erhitzt, ſo treten die feſten Theile derſelben auf die Oberflaͤche, es entſtehen ſchaͤumende Blaſen, die Maiſche zeigt, ſobald ſie den Siedepunkt erreicht und Ueberſtei⸗ gen und Anbren⸗ nen der Maiſche. 198 die Dampfbildung beginnt, Neigung ſich in einen groͤ⸗ ßeren Raum auszudehnen. Da, wo der Inhalt des Blaſenkeſſels nicht zureicht, ſteigt ſie durch den Helm in die Kuͤhlgeraͤthe uͤber, oder bahnt ſich auch wohl durch Abwerfen des Blaſenhutes einen Ausweg. Sind bei der Bereitung einer ſolchen Maiſche Feh⸗ ler vorgekommen, oder hat dieſelbe nur unvollkommen gegohren, ſo iſt ihre Neigung uͤberzuſteigen noch weit ſtaͤrker. Bei gewoͤhnlichen Deſtillirgeraͤthen richtet ſich daher die Aufmerkſamkeit des Brenners ganz vorzuͤglich auf den Siedepunkt und er hemmt, ſobald die Maiſche zu kochen beginnt, ſofort durch Schließung des Schie⸗ bers, die heftige Einwirkung des Feuers. War die auf⸗ gebrachte Maiſche von tadelloſer Beſchaffenheit, ſo darf nach kurzer Friſt der Schieber wieder geoͤffnet werden und es iſt alsdann ſelbſt bei ſtaͤrkerer Einwirkung von Hitze kein weiteres Ueberſteigen zu befuͤrchten. War jedoch die Maiſche nicht reif, oder ſind in derſelben nicht alle Subſtanzen die Gaͤhrung vollſtaͤndig durchgangen, ſo muß die Deſtillation mit Vorſicht ge⸗ leitet werden, da in einem ſolchen Falle ſelbſt ein maͤßi⸗ ges Feuer die ſiedende Maiſche in die Kuͤhlgeraͤthe treibt. Die Veranlaſſung des Ueberſteigens im erſten Falle findet ihre Erklaͤrung in demſelben Umſtande, der waͤh⸗ rend der Gaͤhrungſ das Steigen der Maiſche in den Bottichen veranlaßt. In der reifen Maiſche iſt immer noch ein großer Antheil kohlenſaures Gas gebunden vor⸗ handen, und namentlich ſind die Zwiſchenraͤume der fe⸗ ſten Subſtanzen damit angefuͤllt. Sobald nun die Ein⸗ wirkung des Feuers jenes Gas mit Gewalt austreibt, bilden ſich Luftblaſen, welche in den Helm und weiter in die Kuͤhlgeraͤthe getrieben werden, wo ſie zerplatzen und als Maiſche ausfließen. Daher iſt auch hier das Ueberſteigen nur beim Beginn der Deſtillation zu be⸗ fuͤrchten. Wird jedoch Maiſche vor beendeter Gaͤhrung de⸗ ſtillirt oder ſind ihre Beſtandtheile durch die Gaͤhrung nicht vollkommen zerſetzt, ſo tritt zu der vorangefuͤhrten Urſache auch noch die ſchleimige Beſchaffenheit der Fluͤſſigkeit, wodurch die Neigung des Ueberſteigens bis zu beendeter Deſtillation unterhalten wird. 199* Das Ueberſteigen verhindert man in einem ſolchen Falle, wenn man jeder Maiſchblaſe ein bis zwei Loth Seife zuſetzt. Es muß dies jedoch reine Talg⸗ oder Oelſeife ſein, weil auſſerdem das Deſtillat einen unan⸗ genehmen Geſchmack bekommen wuͤrde. In Schottland geſchieht dieß regelmaͤßig in allen Brennereien ohne Un⸗ terſchied. §. 222. Ein zweiter Uebelſtand, mit welchem der Brennereibetrieb zu kaͤmpfen hat, iſt das Anbrennen der feſten Subſtanzen in der Maiſche, am Boden des Bla⸗ ſenkeſſels. Da in der Maiſche eine Menge unaufge⸗ loͤſter Theile von den angewendeten Materialien vor⸗ handen ſind, ſo muß ſie, wenn ſie kalt auf die Blaſe gebracht wird, damit ſich jene Subſtanzen nicht zu Boden ſetzen, und anbrennen, wodurch Geraͤth und Fabrikat verdorben wird, bis ſie ſiedet beſtaͤndig um- geruͤhrt werden. Sobald ſie kocht wird dieſe Bewe⸗ gung durch die aus der Fluͤſſigkeit aufſteigenden Luft⸗ blaſen fortwaͤhrend von ſelbſt unterhalten. Der Gebrauch des Maiſchwaͤrmers verhuͤtet groͤß⸗ tentheils ſowohl das Anbrennen, als auch das Ueber⸗ ſteigen der Maiſche, da dieſe, ehe ſie in die Blaſe kͤmmt, ſchon einen ſolchen Waͤrmegrad erlangt hat, bei welcher das kohlenſaure Gas ausgetrieben iſt und die feſten Subſtanzen ſich in der Fluſſigkeit ſchwimmend erhalten. Iſt jedoch die Maiſche außer Verhaͤltniß dick, war ſie nicht reif und befinden ſich in ihr noch Materialien, welche der Gaͤhrungs⸗Prozeß entweder nur theilweis oder gar nicht beruͤhrt hat, ſo ſenken ſich dieſe rohen Mehl⸗, Staͤrke⸗ oder Schroottheile auch waͤhrend des Siedens an den Blaſenboden, brennen ſich braun und bilden ein brenzliches Oel, was ſich dem uͤbergehenden Branntwein mittheilt, der davon Geſchmack und Geruch annimmt und als brandiger Branntwein bekannt iſt. Hier kann das Anbrennen nur durch oͤfteres Umruͤhren der ſiedenden Maiſche, waͤhrend der ganzen Dauer ihrer De⸗ ſtillation, vermieden werden. Das ſicherſte Mittel, ſowohl das Ueberſteigen als auch das Anbrennen zu verhindern, bleibt jedoch in al⸗ len Faͤllen ununterbrochene Aufmerkſamkeit und ſtrenge Genauigkeit, mit welcher die Was iſt Deſtillir⸗ kunſt? 200 Fabrikationsakte der Einmaiſchung und der Gaͤhrung bis in ihre kleinſten Details voll— fuͤhrt oder geleitet worden ſind. Deſtillirkunſt. §. 223. Wenn ſich die Brannntweinbrennerei le⸗ diglich mit Darſtellung des Branntweins oder Weingei⸗ ſtes aus den rohen Materialien beſchaͤftigt, ſo begreifen wir unter dem Namen Deſtillirkunſt denjenigen Ge⸗ werbzweig, welcher zum Zweck hat, den aus den Brannt⸗ weinbrennereien hervorgegangenen rohen Branntwein zu reinigen, von ſeinem Waſſer oder fremdartigen Geruchs⸗ theilen zu befreien, ihn durch Verbindung mit aromati⸗ ſchen Subſtanzen und ſuͤßen Fluͤſſigkeiten zu veredeln und ſo aus demſelben ein geiſtreiches, angenehm ſchmek⸗ kendes Fabrikat darzuſtellen. Wir nennen, zur Unter⸗ terſcheidung von Branntweinbrennereien, dieſe Gewerb⸗ ſtaͤtten, wo lediglich die Reinigung und Veredlung des Branntweins vorgenommen wird, Deſtillir-Anſtal— ten oder auch Liqueurfabriken. Fruͤherhin bildete in Preußen die Deſtillirkunſt oder Liqueurfabrikation in den groͤßeren Staͤdten nicht unbe⸗ deutende Gewerbzweige; die Breslauer und Danziger Liqueure waren auch außerhalb Landes bekannt und ihre Verbreitung erſtreckte ſich weit uͤber Deutſchland hinaus. Seitdem jedoch in der neueren Zeit die Vervollkomm⸗ nung der Branntweinbrennereien ſo bedeutende Fort⸗ ſchritte gemacht hat, iſt die Deſtillirkunſt als Gewerbe im Allgemeinen zuruͤckgegangen. Der Branntweinbren⸗ ner ſiehet, daß ihm die Fabrikation des Branntweins einen um ſo hoͤheren Gewinn gewaͤhrt, je veredelter das Produkt iſt, was aus den rohen Erzeugniſſen in ſeiner Gewerbanſtalt dargeſtellt wird; die vormaligen Geheim⸗ niſſe der Deſtillirkunſt ſind ihm nicht unbekannt, und er hat vor dem eigentlichen Deſtillateur den großen Vortheil voraus, daß er ohne beſonderen Kapitalaufwand 201 denjenigen Erwerbzweig als Nebennutzung treiben kann, auf welchen die ganze Thaͤtigkeit des Andern allein gerich⸗ tet ſeyn muß. Deshalb ſind in der neueren Zeit mehr⸗ fach mit Branntweinbrennereien Deſtilliranſtalten, oder umgekehrt, dieſe mit jenen verbunden worden, und bloße Oeſtilliranſtalten von groͤßerem Umfange, finden ſich nur noch in den bedeutenderen Staͤdten der Monarchie, ob⸗ ſchon der Genuß der veredelten oder verſetzten Brannt⸗ weine gegen fruͤher bedeutend zugenommen hat. §. 224. Außer denjenigen Kenntniſſen, welche jetzt von jedem geſchickten Branntweinbrenner verlangt wer⸗ den, iſt bei der Deſtillirkunſt, oder der Bereitung geiſtiger aͤtheriſcher oder aromatiſcher Fluͤſſigkeiten, und der da⸗ mit verbundenen Liqueurfabrikation folgendes genau zu wiſſen, weſentliches Erforderniß. a. Berechnung des Alkoholgehaltes im Branntwein oder Weingeiſt, bei ſeiner Vermiſchung mit Waſſer, ſtaͤrkerem oder ſchwaͤcherem Branntwein. b. Reinigung des Branntweins von Fuſel und Saͤure, Pruͤfung deſſelben auf ſchaͤdliche Bei⸗ miſchungen. c. Kenntniß und Beurtheilung der Eigenſchaften und Wirkungen aromatiſcher Subſtanzen, mit welchen Branntwein verſetzt werden ſoll, ſammt Vorbereitung dieſer Stoffe zur Extraction der aromatiſchen Beſtandtheile, und der Beſtimmung ihres quantitativen Verhaͤltniſſes zum Branntwein. d. Auswahl und Behandlung des Zuckers oder derjenigen Suͤßigkeiten, welche dem veredelten Branntwein zugeſetzt werden ſollen, ſo wie Faͤrbung und Entfaͤrbung, Klaͤrung und Filtra⸗ tion der veredelten Branntweine. Wir wollen zur Anleitung fuͤr den minder Unter⸗ richteten das Weſentlichſte vorgenannter Gegenſtaͤnde, ſo weit es die Graͤnzen unſeres Zweckes geſtatten, nach⸗ ſtehend verhandeln. §. 225. Nicht minder unentbehrlich, als fuͤr den Branntweinbrenner, iſt der Alkoholometer fuͤr den Deſtil⸗ lateur, da dieß die einzige und alleinige Waage iſt, nach welcher er den Werth ſeiner Waare beim Ein⸗ und Verkauf beſtimmt. Die Konſtruktion und den Gebrauch der verſchiedenen Alkoholometer⸗-Scalen haben wir in e * Kenntniſſe fuͤr den Betrieb der De⸗ ſtillirkunſt. Vermi⸗ ſchung des Brannt⸗ weins mit Waſſer oder Wein⸗ geiſt, um 202 dieſen auf den§§. 72 bis 83 abgehandelt, und hier nur noch einen ge, des beſonderen, fuͤr den Deſtillateur wichtigen Vorthei⸗ ruſſeie les zu erwaͤhnen, welchen die Anwendung des Tralles— — Grad zu ſchen Alkoholometers dadurch gewaͤhrt, daß bei Pruͤſung bringen. einer geiſtigen Fluͤſſigkeit ſofort reſultirt, wie viel in hundert Maaßtheilen derſelben waſſerfreier Alkohol ent⸗ halten iſt; indem hierdurch der Alkoholgehalt einer mit Zuckerwaſſer verſetzten Fluͤſſigkeit im Voraus beſtimmt werden kann, ſich auch hierauf das leichte Rechnungs⸗ verfahren bei den mancherlei Reductionen der verſchie⸗ denen Branntweine auf Alkohol oder umgekehrt gruͤndet. So laͤßt ſich der Gehalt im abſoluten Alkohol in einer willkuͤhrlich angenommenen Quantitaͤt dadurch er⸗ mitteln, daß man die angenommene oder vorhandene Quartzahl des Branntweins mit ſeiner Staͤrke nach Prozenten multiplizirt, und zur rechten Seite des Facit zwei Ziffern wegſtreicht, die als Hunderttheile kein vol⸗ les Quart ausmachen, und daher außer Betracht blei⸗ ben koͤnnen. Will man z. B. wiſſen, wieviel in 744 Quart Branntwein von 68 Prozent abſoluter Alkohol enthalten ſey, ſo wuͤrde die Multiplication beider Zah⸗ len 50592 und nach Weglaſſung der beiden letzten Zif⸗ fern 505 Quart an abſolutem Alkohol ergeben. Dieſe Quantitaͤt doppelt genommen wuͤrde 1010 Quart Branntwein zu 50 Prozent darſtellen und man wuͤrde daher, um 744 Quart Branntwein von 68 auf 50 Prozent zu reduziren, 266 Quart Waſſer zugießen muͤſſen. §. 226. Es kommen gegenwaͤrtig, wo durch die immer mehr in Gebrauch geſetzten Spiritus⸗Apparate Branntwein oder Weingeiſt von ſo verſchiedener Staͤrke gewonnen wird, der Handel mit Branntwein ſich aber gewoͤhnlich nach einer beſtimmten oder gegebenen Staͤrke richtet, noch mehrere Faͤlle vor, in welchen es noͤthig wird, durch Vermiſchung entweder einen ſtaͤrkeren Branntwein zu verduͤnnen, oder einen ſchwaͤcheren zu verſtaͤrken, oder auch zu ermitteln, wie ſtark oder wie ſchwach ein Branntwein werden muß, wenn ihm eine beſtimmte Quantitaͤt Waſſer, Spiritus, oder ſchwaͤ⸗ cherer Branntwein zugeſetzt wird. Hieraus ergeben ſich folgende Faͤlle, deren Aufloͤſung bei dem Ein⸗ oder Verkauf von Branntwein oder Spiritus nothwendig iſt. 1. Wie ſtark wird eine Quantitaͤt Branntwein von —— x⏑°˙ ⏑—— 2083 beſtimmter Staͤrke, wenn man demſelben eine beſtimmte Quantitaͤt Waſſer zuſetzt? 2. Wie viel muß man einer beſtimmten Quantitaͤt Branntwein Waſſer zuſetzen, um ihn auf einen beſtimmten Grad zu verſchwaͤchen? 3. Welche Prozente erhaͤlt ein Branntwein, von beſtimmter Staͤrke, wenn ihm eine beſtimmte Quantitaͤt Branntwein oder Spiritus von be⸗ ſtimmter Staͤrke zugeſetzt wird? 4. Welche Quanittaͤt eines ſchwaͤcheren ſſtaͤrkeren) Branntweins iſt als Zuſatz noͤthig, um einen ſtaͤrkeren(ſchwaͤcheren) Branntwein auf einen ge⸗ wiſſen Grad zu verduͤnnen(verſtaͤrken)? 5. Wie ſtark wird der nach ſeiner Quantitaͤt be⸗ ſtimmte Zuſatz ſeyn muͤſſen, wenn man einen, nach Quantitaͤt und Staͤrke beſtimmten, vor⸗ handenen Branntwein in einen ſtaͤrkeren oder ſchwaͤcheren Branntwein von beſtimmten Prozen⸗ ten umwandeln will? §. 227. Alle dieſe Fragen laſſen ſich nach den, in den Rechenbuͤchern unter dem Namen der Alliga⸗ tions- oder Miſchrechnung vorkommenden Regeln loͤſen. Das Verfahren iſt nicht ſehr ſchwierig, wie aus fol— genden, fuͤr jeden der obigen Faͤlle aufgeſtellten Bei— ſpielen deutlich werden wird. §. 228. Zu 1. Man habe 150 Quart Spiritus von 78 Prozent und will dieſem 40 Quart Waſſer zu⸗ ſetzen, wie ſtark wird der daraus entſtehende Brannt⸗ wein werden? Man multiplizire die vorhandene Ouartzahl, alſo 150 mit ihrer Staͤrke 78 giebt 11700. Dann addire man zu 150 die zuzuſetzenden Quarte Waſſer, alſo 40, giebt die Summe 190, mit dieſer dividire man in 11700, wodurch man 61 †½ Prozent erhaͤlt, welches die Staͤrke des gewonnenen Branntweins iſt. §. 229. Zu 2. Geſetzt, man wolle aus 340 Quart Branntwein von 59 Prozent einen Branntwein von 45 Prozent bereiten, wie viel Waſſer wird man zuſetzen muͤſſen? Dieß zu erfahren, multiplizire man die gegebene Zahl Quarte, alſo 340, mit ihrer Staͤrke, alſo 59, welches 20060 betraͤgt. Dieſe Zahl dividire man durch 204 die zu erzielende Staͤrke, alſo durch 45, macht 445 ⅜, und ziehe von dieſer Summe die vorhandene Quartzahl, alſo 340 ab, bleibt 105, welches die Quarte Waſſer ſind, die man 340 Quarten Branntwein von 59 Pro⸗ zent zuzufuͤgen hat, um daraus einen Branntwein von 45 Prozent zu erhalten. Ein kuͤrzeres Verfahren fuͤr dieſen Fall iſt folgen⸗ des. Man ſubtrahire die zu erzielende Staͤrke 45 von der gegebenen 59, bleibt 14. Damit multiplizire man die gegebene Quartzahl 340, macht 4760. Dieß Pro⸗ dukt dividire man durch die zu erzielende Staͤrke 45, ſo erhaͤlt man 105 ⅞, naͤmlich Quart Waſſer, als Ant⸗ wort auf die vorgelegte Frage. §. 230. Zu 3. Man habe 140 Quart Brannk⸗ wein von 61 Prozent, und 100 Quart von 40 Pro⸗ zent, und wolle wiſſen, wie ſtark, wenn man beide zuſammengießt, das Gemiſch wird. Man multiplizirt die Quarte mit ihren Prozenten, alſo 140 mit 61, macht 8540, und 100 mit 40, macht 4000. Dieſe Produkte addirt man zuſammen und dividirt ihre Sum⸗ me 12540 durch die Summe der entſtehenden Quarte, das iſt durch 240, wo nun das Facit 52 ¾ die Staͤrke ergiebt, welche das Gemiſch erhaͤlt. Auf dieſelbe Weiſe laͤßt ſich auch die Staͤrke von drei, vier, oder mehreren verſchiedenen Branntweinen, wenn ſie zuſammengemiſcht werden ſollen, finden, in— dem man die Quarte eines Jeden mit ſeiner Staͤrke multiplizirt, die Produkte addirt und durch die Summe aller Quarte dividirt. §. 231. Zu 4. a. Geſetzt, man haͤtte 145 Quart Branntwein von 48 Prozent, wollte dieſen aber durch Zuſatz von zwei und achtzigprozentigem Spiritus bis zu 58 Prozent verſtaͤrken, wie viel Quart Spiritus zu 82 Prozent werden erfordert? Zuerſt ziehe man 48, alſo diejenigen Prozente, welche der Branntwein enthäͤlt, von 58, d. h. von denjenigen Prozenten, die er haben ſoll, ab, wo 10 uͤbrig bleiben. Damit multiplizire man die Quartzahl des zu verſtaͤrkenden Branntweins, alſo 145, giebt 1450. Nun ziehe man von 82, denjenigen Prozenten, welche der zuzuſetzende Spiritus enthäͤlt, 58, alſo ſo viel als der Branntwein Prozente erhalten ſol, ab, wo 24 bleibt. Damit dividire man in das 205 vorhin gefundene Produkt 1450, ſo erhaͤlt man zum Quotienten 60 72, als die Zahl der Quarte, welche man von 82 prozentigem Spiritus einer Quantitaͤt von 145 Quart Branntwein zu 48 Prozent zuſetzen muß, um denſelben auf 58 Prozent zu verſtaͤrken. b. Will man aber einen ſtarken Branntwein durch Zuſatz eines ſchwaͤcheren verduͤnnen, ſo geſchiehet dieß durch aͤhnliche Berechnung. Man haͤtte z. B. 120 Quart Branntwein von 65 Prozent, wollte aus dieſen aber einen Branntwein von 52 Prozent machen, jedoch nicht Waſſer, ſondern einen Branntwein von 42 Prozent zuſetzen; wie viel Quart werden von dieſem er⸗ forderlich ſeyn? Hier ziehe man von den Prozenten des zu verduͤnnenden Branntweins, alſo von 65, dieje⸗ nigen Prozente ab, welche der Branntwein erhalten ſoll, alſo 52, dieß macht 13. Damit multiplizire man die Quartzahl 120 des vorhandenen Branntweins, giebt 1560. Nun ziehe man die Staͤrke desjenigen Brannt⸗ weins, den man zuſetzen will, alſo 42, von der Staͤrke ab, welche der verduͤnnte Branntwein erhalten ſoll, alſo von 52, bleibt 10. Mit dieſer Zahl dividire man in das vorhingefundene Produkt 1560, ſo iſt der Quotient 156 die Zahl der Quarte, die von einem 42 prozenti⸗ gen Branntwein, zu 120 Quart von6 5 Prozent, zugeſetzt werden muͤſſen, um dieſen bis auf 52 Prozent zu re⸗ duziren. §. 232. Zu 5. a. Wir wollen annehmen, es ſeien uns 220 Quart Branntwein von 42 Prozent gegeben, um hieraus 250 Quart zu 48 Prozent darzuſtelle wir muͤßten alſo 30 Quart eines ſtaͤrkeren Branntweins zu⸗ ſetzen; wie viel Prozente muß derſelbe halten? Zunaͤchſt ziehe man die Prozente des gegebenen Branntweins, alſo 42, von den Prozenten des zu berei⸗ tenden, alſo von 48 ab, bleibt 6. Dieſe 6 multiplizire man mit der Quartzahl des vorhandenen Branntweins 220, was 1320 betraͤgt. In dieſe dividire man mit der Zahl Quarte, die dem Branntwein zugeſetzt werden ſollen, alſo mit 30, giebt 44, und dieſen Quotienten addire man zu den Prozenten, welche der bereitete Branntwein halten ſoll, alſo zu 48, macht 92, welches die Staͤrke iſt, die jene 30 Quart des zuzuſetzenden 206 Branntweins enthalten muͤſſen, um aus 220 Quart zu 42 Prozent 250 Quart zu 48 Prozent zu bereiten. b. iſt der Fall umgekehrt, d. h. hat man einen ſtaͤrkeren Branntwein der gleichzeitig bis auf eine ge⸗ wiſſe Quartzahl vermehrt, dabei durch einen minder ſtarken Branntwein bis auf gewiſſe Prozente verduͤnnt werden ſoll, ſo rechne man nach folgendem Beiſpiel. Man habe 150 Quart von 60 Prozent, wolle daraus 190 Quart zu 56 Prozent durch Zuſatz von 40 Quart eines ſchwaͤchern Branntweins bereiten, wie ſtark werden dieſe 40 Quart ſein muͤſſen? Man ſub⸗ trahire von den vorhandenen Prozenten, d. h. von 60, die Prozente des zu bereitenden Branntweins 56, bleibt 4. Dieſe multiplicire man mit der Quartzahl des gege⸗ benen Branntweins 150, giebt 600, und dividire das Pro⸗ dukt durch diejenige Quartzahl, welche hinzugeſetzt wer⸗ den muß, um die gegebene Quantitaͤt 150 auf die ge⸗ forderte 190 zu bringen, alſo mit 40 giebt 15. Dieſe Zahl ziehe man endlich von denjenigen Prozenten ab, welche der darzuſtellende Branntwein enthalten ſoll, alſo von 56, bleibt 41 Prozent, und dies iſt die Staͤrke, welche die 40 Quart des zuzuſetzenden Branntweins haben muͤſ⸗ ſen, um 150 Quart zu 60 Prozent in 190 Quart von 56 Prozent zu verwandeln. §. 233. Bei der Operation des Vermiſchens ſelbſt, glauben wir noch bemerken zu duͤrfen, daß Waſſer und Spiritus von gleicher Temperatur ſein muß, und daß man die Pruͤfung der Miſchung durch den Alkoholome⸗ ter erſt dann vornehmen darf, wenn die Fluͤſſigkeit wieder auf ihre Normaltemperatur reduzirt iſt, da be⸗ kanntlich bei einer Vermiſchung von Spiritus mit Waſ⸗ ſer die Fluͤſſigkeit ſich um 3 bis 6 Grade erwaͤrmt und mithin der Alcoholometer, wenn er ſofort eingeſenkt wuͤr⸗ de, ein unrichtiges Reſultat ergeben muͤßte, wie§. 79 ausfuͤhrlicher darthut. §. 234. Die hierbei vorkommenden verſchiedenen Groͤßen laſſen ſich noch auf mehrfache Weiſe zu Rech⸗ nungsaufgaben combiniren, doch genuͤgt es fuͤr unſeren Zweck hier die gewoͤhnlicheren eroͤrtert zu haben. Die weitere Ausfuͤhrung findet ſich in einer unter der Preſſe 7 207 befindlichen, binnen Kurzem erſcheinenden Schrift,*) in welcher die vorkommenden Miſchungsverhaͤltniſſe zwiſchen Alcohol und Waſſer in uͤberſichtliche Tabellen gebracht, und in hundert Maaßtheilen ſo berechnet ſind, daß die geſuchten Reſultate augenblicklich erſichtlich werden. Obſchon vorgenannte Berechnungen im Allgemei— nen nicht ſchwierig ſind, ſo iſt dennoch beim Geſchaͤfts⸗ betrieb ihre jedesmalige Wiederhohlung, ſo oft eine Ver— miſchung vorgenommen werden ſoll, beſchwerlich und es duͤrfte mithin anzunehmen ſein, daß die Erſcheinung je— ner Tabellen einem auch in verſchiedenen Schriften mehr⸗ fach ausgeſprochenen Wunſch Genuͤge leiſtet. §. 235. Die Getreidearten und mehr noch die Kartoffeln enthalten in ihren Huͤlſen ein eigenthuͤmliches Oel von unangenehmem Geruch, der dadurch bedeutend verſtaͤrkt wird, daß dieſe Oele die Eigenſchaft beſitzen, waͤhrend ſie aus der kochenden Maiſche mit den Waſſer⸗ und Alkoholdaͤmpfen ſich verfluͤchtigen und in die Kuͤhl— geraͤthe treten, das Metall derſelben theilweis anzugrei— fen, wodurch der Branntwein nicht nur einen unan⸗ genehmen Geruch und Geſchmack erhaͤlt, ſondern auch noch außerdem mit Kupfertheilchen verunreinigt wird. Man nennt dieſes Oel Fuſeloͤl und der damit ge⸗ ſchwaͤngerte Branntwein riecht und ſchmeckt fuſelig. Dieſen Geruch und Geſchmack zu entfernen, bedarf der Branntwein einer beſondern Reinigung, denn obſchon den Deſtillirgeraͤthen nach neuerer Konſtruktion faſt ins⸗ geſammt die Eigenſchaft beigelegt worden iſt, daß bei ihrer Anwendung der Fuſelgeſchmack im Branntwein gaͤnzlich vermieden werde, ſo hat dennoch die Erfahrung dieß nur theilweis beſtaͤtigt gefunden; er enthaͤlt zwar weniger Fuſel, iſt aber nichts weniger als fuſelfrei und *) Ausfuͤhrliche Verhaͤltnißtabellen, um Spiritus oder Brannt⸗ wein jeder Staͤrke durch Zuſatz von Waſſer, Lutter, Branntwein oder Spiritus auf einen beliebigen Pro⸗ zent⸗Grad zu reduziren oder in ſtärkeren Weingeiſt zu verwandeln, nebſt Gebrauchsanweiſung und einem ein⸗ leitenden Vorwort uͤber die Anwendung der Brannt⸗ weinwagen oder Alkoholometer. Fur Branntweinbren⸗ ner, Deſtillateurs, Laboranten ꝛc. Berlin, Schleſingerſche Buchhandlung. Reini⸗ gung des Brannt⸗ weins. 208 er kann daher ohne vorherige Reinigung zu veredelten Branntweinen, Liqueuren oder wohlriechenden Fluͤſſigkeiten nicht verarbeitet werden. §. 236. Unter den ſo mannichfaltigen Reinigungs⸗ vorſchlaͤgen, welche man zur Entfuſelung des Brannt⸗ weins in Anwendung gebracht hat, bleibt entſchieden die Kohle, ſie ſei aus Holz oder thieriſchen Subſtan⸗ zen bereitet, das leichteſte, beſte und wohlfeilſte Huͤlfs⸗ mittel. Auf welche Weiſe durch die Kohle dem Brannt⸗ wein der Fuſelgeſchmack entzogen wird, und ob die Wirkung derſelben dabei mechaniſch oder chemiſch ſei, daruͤber haben ſich die Meinungen der Gelehrten noch nicht geeinigt. Wir wenden die Kohle zur Entfuſelung des Brannt⸗ weins auf zweierlei Weiſe an, indem wir dieſelbe entweder dem zu reinigenden Branntwein auf dem Deſtillirgeraͤth zuſetzen und ihn uͤber dieſe rectificiren, oder Kohlenpulver mit dem Branntwein in einem Faſſe vermiſchen und den gereinigten Branntwein, ſobald ſich die Kohle gela⸗ gert hat, ablaſſen, um ihn entweder nun erſt durch De⸗ ſtillation zu verſtaͤrken oder zu anderem Gebrauche zu benutzen. Zur Entfuſelung von 100 Quart Branntwein, wenn derſelbe mit Kohle deſtillirt werden ſoll, ſind von der letzteren 10 bis 12 Pfund erforderlich. Soll die Entfuſelung auf kaltem Wege erfolgen, ſo werden zu gleicher Quantitaͤt 12 bis 15 Pfund verwendet. Bedient man ſich der Knochenkohle, ſo gebraucht man bei dem erſteren Verfahren füͤr 100 Quart 12 bis 16 Pfund, bei der bloßen Vermiſchung mit Branntwein 15 bis 18 Pfund. Die Entfuſelung gehet am leichteſten bei der Staͤrke eines Branntweins zwiſchen 50 bis 60 Pro⸗ zent vor ſich; will man Spiritus von 80 Prozent ent⸗ fuſeln, ſo wird beinahe die doppelte Quantitaͤt Kohle erfordert. Die Kohle wirkt bei Entfuſelung des Brannt⸗ weins um ſo mehr, je ſchneller und feiner dieſelbe nach dem Gluͤhen gepulvert worden iſt, und je weniger dieſes Pulver vor ſeinem Gebrauch der freien Luft aus⸗ geſetzt blieb. Kohle von weichem Holz iſt, wenn man die Wahl hat, derjenigen von hartem vorzuziehen. — 2. 70 22 2 2— — =—= ½ 08= 209 §. 237. Will man Branntwein reinigen, ſo wer⸗ den die dazu beſtimmten Kohlen nochmals gegluͤhet, in einem eiſernen Moͤrſer geſtoßen und durch ein Sieb von Drath gebeutelt. Braucht man wiederholt groͤßere Quantitaͤten, ſo bedient man ſich, um das laͤſtige Stoßen, ſo wie das Verſtaͤuben zu verhuͤten, entweder einer Handmuͤhle von Eiſen, einer Kaffeemuͤhle in ver⸗ groͤßertem Maaßſtabe aͤhnlich; oder zweckmaͤßiger noch einer linſenfoͤrmigen Trommel von Eiſenblech, die an einer Seite mit der durch eine Thuͤr zu verſchließenden Oeffnung, in ihrem ganzen Umfange aber mit feingebohr⸗ ten Loͤchern von der Groͤße eines Nadelkopfes verſehen iſt. Dieſe Trommel haͤngt vermittelſt einer Welle in ei⸗ nem Kaſten von Eiſenblech, der an der Seite, ſo wie am Boden mit einer Thuͤr geſchloſſen wird. Sollen Kohlen gepulvert werden, ſo werden ſie ſammt 2 bis 3 eiſernen, 20— 25 Pfund ſchweren Kugeln in die Trommel gethan, welche durch Umdrehen der Welle bewegt wird. Das Gewicht der Kugeln zerdruͤckt in kurzer Zeit die Kohlen, die als feines Pulver durch die ſiebartige Trommel in den Kaſten fallen, von wo ſie nach Oeffnung der untern Thuͤre herausgenommen werden. Fig. 36 zeigt dieſe Vorrichtung. Die Kohle wirkt faſt augenblicklich, und ſie mit dem Branntwein auf dem Faſſe laͤngere Zeit in Beruͤhrung zu laſſen, iſt ſehr uͤberfluͤſſig. Wenn ſich nach der Vermiſchung die Kohlen am Boden des Gefaͤßes gelagert haben, bringt man den Brannt⸗ wein auf die Blaſe, wo er, wenn es reiner Weingeiſt werden ſoll, ohne allen Zuſatz, wenn jedoch Liqueur daraus bereitet wird, mit den dazu beſtimmten In⸗ gredienzen bei langſamer Deſtillation ubergeleitet wird. Reinigt man durch Deſtillation uͤber Kohle, ſo wird dieſe mit dem Branntwein auf der Blaſe vermiſcht und wie vorangefuͤhrt, die Deſtillation langſam geleitet. Man darf jedoch hierbei, wie es wohl haͤufig geſchieht, andere Ingredienzen nicht zuſetzen, um gleichzeitig dem Branntwein einen Geſchmack zu ertheilen, da die Kohle eben ſo, wie das Fuſeloͤl, auch die gewuͤrzhaften Beſtand⸗ theile der Ingredienzen, wenigſtens theilweis, zuruͤckhaͤlt, und daher Branntwein bei weitem nicht ſo ſtark nach 14 Fig. 36. 210 dem Aroma ſchmeckt, als wenn er uͤber dieſes, ohne Zu⸗ ſatz von Kohle, deſtillirt worden waͤre. §. 238. In Brennereien oder Deſtillir⸗Anſtalten, welche Holz als Brennmaterial verbrauchen, finden ſich waͤhrend gefeuert wird, immer ſo viel gluͤhende Kohlen unter dem Aſchenfall, als zur Reinigung des Brannt⸗ weins gerade gebraucht werden. Man befreiet ſie durch ein Sieb von der eingemengten Aſche und verkleinert ſie dann auf eine der vorangefuͤhrten Weiſen. Hat man jedoch weder Moͤrſer noch Trommel, ſo kann man ſich auch dadurch auf leichte Weiſe helfen, daß man einige Bund Buſchholz(Reißholz) in den Blaſen⸗Ofen verbrennen, und durch langſame Leitung des Feuers groͤßtentheils verkohlen laͤßt, dieſe Kohlen durch den Feuerhacken in den Aſchenfall ruͤhrt, und nachdem ſie geſiebt, auch von den etwa noch unverkohlt gebliebenen rauchenden Stuͤcken getrennt ſind, ſofort dem zu reinigenden Brantwein zu⸗ ſetzt. Man erreicht hier mit leichter Muͤhe denſelben Zweck, nur wird dabei etwas mehr Kohle als vorange⸗ fuͤhrt verwendet. Man muß jedoch hier Acht haben, daß die gluͤhenden Kohlen den Branntwein nicht entzuͤnden, und daher jedesmal einen paſſenden Deckel zur Schlie⸗ ßung des Blaſenhalſes bereit halten. Brennt man Torf oder Braunkohle, ſo entzieht die erkal⸗ tete Aſche davon dem Branntwein, wenn er langſam und vor⸗ ſichtig daruͤber deſtillirt wird, ebenfalls ſeinen Fuſelgeſchmack. §. 239. Wird Branntwein uͤber Kohlen deſtillirt ſo erhaͤlt er von dieſen einen, den bitteren Mandeln aͤhnlichen Beigeſchmack, welcher von dem geringen An⸗ theil Blauſaͤure herruͤhrt, den die Kohlen enthalten. Fuͤr die Liqueurfabrikation iſt dies ohne Einfluß: ſoll jedoch ganz reiner Alcohol ohne allen Geruch, wie er zu feinen Parfuͤmerien, Koͤlniſchem Waſſer, kuͤnſtlichem Rum ꝛc. nothwendig iſt, dargeſtellt werden, ſo muß, um dieſe Saͤure abzuſtumpfen, der Spiritus nochmals mit einem geringen Zuſatz von Holzaſche oder in Waſ⸗ ſer aufgeloͤßter Pottaſche(x Pfund fuͤr 200 Quart) de⸗ ſtillirt werden. Hat man den Branntwein durch bloße Vermiſchung mit Kohle gereinigt und alsdann deſtillirt, ſo iſt jener Geruch faſt unmerklich, zum oͤfteren gar nicht wahrzunehmen und daher auch eine fernere Rei⸗ nigung nicht erforderlich. 211 Man kann die gebrauchte Kohle, nachdem ſie ge⸗ trocknet und wiederholt gegluͤht iſt, zwar mehrmals be⸗ nutzen, doch erſcheint dies Verfahren zu umſtaͤndlich, als daß es bei dem niedrigen Ankaufspreis der Kohlen Vor⸗ theil gewaͤhren koͤnnte. §. 240. Alle andere Reinigungsmittel, die in gro⸗ ßer Anzahl und Auswahl zur Entfuſelung des Brannt⸗ weins vorgeſchlagen worden ſind, erfuͤllen in keiner Be— ziehung dieſen Zweck ſo vollkommen, als dies durch die Kohle bewirkt wird. Entweder zerſtoͤren ſie mit dem Fuſeloͤl zugleich einen Theil des Alkohols und fuͤhren Verluſt herbei, oder ſie erzeugen einen neuen Stoff, nach welchem der Branntwein ſtaͤrker riecht, als nach dem Fuſeloͤl, das durch denſelben umhuͤllt worden iſt. §. 241. Ob Branntwein oder Weingeiſt voͤllig fuſelfrei ſei, unterſucht man, indem man ein Bier— oder Weinglas damit anfuͤllt, die Fluͤſſigkeit ſofort wie⸗ der ausſchuͤttet, das Glas auslaufen und die an den Waͤnden haͤngende Feuchtigkeit durch Erwaͤrmung des Glaſes verdunſten laͤßt. Waͤhrend dieſer Verdunſtung wird einem ſcharfen Geruchsorgan beim Hineinriechen der geringſte Fuſelantheil bemerkbar. Der ſo gereinigte Weingeiſt oder Alkohol iſt in ſei⸗ nem Geſchmack und Geruch, Beſtandtheilen und Verhalten, er ſei aus Wein, Zucker, Ge⸗ treide oder Kartoffeln dargeſtellt, ganz gleich. §. 242. Geruch und Geſchmack des brandigen Branntweins(§. 222) iſt ſehr ſchwer zu entfernen. Zwar nimmt die Kohle auch davon einen großen Theil auf, doch iſt eine vollſtaͤndige Reinigung, ſelbſt wenn man die Vermiſchung oder Deſtillation mit Kohlen wie⸗ derholt, nicht zu erlangen. Derartiger Weingeiſt taugt am beſten zum Verbrennen, oder zu Bereitung von Moͤ⸗ belpolitur, Firniſſen, ꝛc. §. 243. In Getreide, welches naß in die Scheuer kam und ſich dort erhitzte, oder ohne umgeſchaufelt zu werden, laͤngere Zeit der Feuchtigkeit und Naͤſſe ausge⸗ ſetzt war, gehet eine theilweiſe Zerſtoͤrung, durch Beginn der faulen Gaͤhrung vor ſich und es erzeugt ſich darin Moder(Multer, Schimmel). Ein ſolches Getreide taugt weder als Nahrungsmittel, noch kann man daſ⸗ ſelbe zur Bierbereitung benutzen und es wird daher auf 14* Brannt⸗ weins auf Fuſel. Reiner Alkohel. Brandiger Brannt⸗ wein. Brannt⸗ wein mit Moderge⸗ ruch. Verfaͤl⸗ ſchung des Brannt⸗ weins. 212 Branntwein verarbeitet. Dieſer aber behaͤlt, ſo oft man ihn auch zu reinigen verſucht, immerfort den eigenthuͤm⸗ lich unangenehmen Moder⸗Geruch, den auch Kohle nicht hinwegzuſchaffen vermag. Ein ſolcher Branntwein oder Spiritus kann nur durch Magneſia(kohlenſaure Talkerde) gereinigt werden, mit der er uͤber die Blaſe ge⸗ zogen wird. Zu Reinigung von 100 Quart ſind durch⸗ ſchnittlich 2 Pfund Magneſia erforderlich.*) Doch wird man in einzelnen Faͤllen mehr oder weniger verbrauchen, je nachdem der Moder⸗Geruch ſtaͤrker oder ſchwaͤcher iſt. §. 244. Die Verfaͤlſchungen, die in dem Brannt⸗ weinhandel vorkommen, beabſichtigen, denſelben, bei ge⸗ ringem Alkohol⸗Gehalt, berauſchender zu machen; ihm aber dabei aͤußerlich das Anſehen eines ſtaͤrkeren Alkohol⸗ Gehaltes in ſo fern zu verſchaffen, daß derſelbe, wenn er geſchuͤttelt wird, Perlen wirft. Um den erſten Zweck zu erreichen wirft man Tabacksblaͤtter, Cokelskoͤrner, ſchwarzen oder ſpaniſchen Pfeffer, Paradieskoͤrner ꝛc. in die Blaſe; darf der Branntwein gefaͤrbt ſein, ſo ver⸗ ſetzt man ihn, um einen ſcharfen, den Gaumen reizenden Geſchmack hervorzubringen, mit derartigen ſchaͤdlichen Stoffen. Um kuͤnſtliche Perlen zu erzeugen, wird Gum⸗ mi Guttaͤ, auch wohl arſenichte Saͤure dem Lutter zu⸗ ſetzt. Alle dieſe Zuſaͤtze ſind ſchaͤdlich und ſolche Ver⸗ faͤlſchungen hoͤchſt ſtrafbar. Sie ſind leicht durch den Geſchmack im Vergleich mit der Staͤrke zu ent⸗ decken, den ein ſo verdaͤchtiger Branntwein am Alcoho— lometer zeigt. Die Art der Verfaͤlſchung zu unterſuchen, iſt Sache der Medizinalpolizeibehoͤrde, welcher man davon Anzeige zu erſtatten hat. Der Kupfergehalt im Branntwein erſcheint weniger der Beachtung werth, da der groͤßte Theil deſſelben im Seihetuch der Vorlagetonne zuruͤckbleibt, bei nochmali⸗ gem Abziehen, oder der Reinigung durch Kohle gaͤnzlich abgeſchieden wird. Eine ſchaͤdliche Eigenſchaft hat auch zuweilen Branntwein, der aus Kartoffeln gebrannt iſt, die nament⸗ lich gegen das Fruͤhjahr hin, wo die Entwickelung des Keimes beginnt, theilweis zu verderben angefangen hat⸗ ten. Man findet bei der erſten Deſtillation das Innere *) Ein Pfund Magneſia koſtet 18 bis 20 Silbergroſchen. 213 der Blaſe und des Schlangenrohres ſchwarz gefaͤrbt; an dem Ausgang des Letztern ſtromt ein eigenthuͤmlicher Stoff aus, deſſen Geruch dem friſch geriebenen Meeret⸗ tig aͤhnlich iſt, und welcher Augen und Naſe heftig reizt. Dieſer ſcharfe fluͤchtige Stoff findet ſich auch bei wie⸗ derholter Deſtillation im Branntwein wieder, und man empfindet ihn, wenn man an den erwaͤrmten Brannt⸗ wein riecht. Solcher Branntwein berauſcht weit ſtaͤrker, erregt bei dem Berauſchten mehr Wildheit, und laͤßt mehr oder weniger uͤble Folgen nach dem Genuß zuruͤck. Um derartigen Branntwein zu reinigen, vermiſcht man ihn mit einem halben Pfunde Vitrioloͤl(concentrirte Schwefelſaͤure) fuͤr jede 100 Quart, laͤßt ihn einige Tage liegen, ſtumpft dann dieſe Saͤure mit Holzaſche, Pott⸗ aſche oder Kreide ab, und ziehet ihn wiederholt uͤber die Blaſe. §. 245. Kuͤnſtliche Perlen in einem Schank⸗ branntwein von 40 bis 45 Prozent, der ſeinem Alkoholgehalt nach keine Probe halten kann, erzeugt man auf eine unſchaͤd⸗ liche Weiſe, indem man zwei Theile Mandel-, Mohn⸗, oder Leinoͤl mit einem Theil Vitrioloͤl in einer Taſſe oder in einem Serpentinmoͤrſer miſcht und dieſe Miſchung in einem halben Quart ſtarkem Branntwein aufloͤſt. Ein Weinglas von dieſer Aufloͤſung reicht hin, ein Oxhoft ſchwachen Branntwein probehaltig zu machen. Daſſelbe erreicht man auch, wenn man friſche Mohr⸗ ruͤben(Moͤhren) zerreibt, den Saft auspreßt und von dieſem dem Branntwein ſo viel zuſetzt, bis derſelbe perlt. §. 246. Die veredelten Branntweine theilt man nach Maaßgabe ihres Alkohol⸗Gehaltes, ſo wie der quantitativen Verhaͤltniſſe, nach welchen die aromatiſchen Subſtanzen, ſo wie Zucker, ſich in ihnen aufgeloͤſt be— finden, in mehrere Sorten, die im Handel unter den Namen ein fache Branntweine, doppelte Brannt⸗ weine, oder Liqueure(Creme, Oel, Ratafia), vorkom⸗ men. Sie enthalten in dieſen verſchiedenen Abſtufungen einen Alcoholgehalt von 45 bis 70 Prozent, ſo wie das Gewicht von 2 Lorh bis zu einem Pfunde Zucker fuͤr jedes Quart aufgeloͤſt. §. 247. Diejenigen Subſtanzen, welche wir zum Wuͤrzen des Branntweins anwenden, ſind durchgehend Produkte des Pflanzenreiches. Sie unterſcheiden ſich Kuͤnſtliche Perlen. Einthei⸗ lung der veredelten Brannt⸗ weine. Aromati⸗ ſche Sub⸗ ſtanzen. Auswahl und Vor⸗ bereitung derſelben zur Ex⸗ traktion. Aufloͤſung der Ge⸗ wuͤrzſtoffe. 214 nach ihren Beſtandtheilen in ſolche, welche dem Brannt⸗ wein einen angenehmen Geruch und Geſchmack ertheilen, oder in ſolche, wodurch der Branntwein blos einen an⸗ deren Geſchmack, als er im rohen Zuſtande beſaß, er⸗ haͤlt. Die erſteren Subſtanzen heißen Aromata, Ge⸗ wuͤrzſtoffe, die zweiten Bitter⸗ oder Gerbſtoffe. Die Grundlage aller aromatiſchen Subſtanzen bil⸗ det ein in denſelben enthaltenes aͤtheriſches Oel, oder ein dieſem aͤhnlicher Stoff, welcher, wenn er auch fuͤr ſich nicht dargeſtellt werden kann, in ſtaͤrkerem oder ſchwaͤche⸗ rem Weingeiſt mehr oder minder loͤsbar iſt. §. 248. Obſchon es der aromatiſchen Subſtanzen im Pflanzenreich eine ungemein große Anzahl giebt, ſo muß der Deſtillateur ſich bei der Liqueurfabrikation den⸗ noch auf eine kleine Auswahl beſchraͤnken, da nicht al⸗ les Wohlriechende gleichzeitig wohlſchmeckend iſt. Muß er daher wohl unterſcheiden, welche Stoffe er fuͤr ſei— nen Zweck benutzen darf, ſo iſt ihm nicht minder die Kenntniß wichtig, in welchem Quantitaͤtsverhaͤltniß dieſe Pflanzenſtoffe angewendet, wie ſie zur Extraction vor⸗ bereitet und wie aus ihnen das aͤtheriſche Oel, oder das Aroma geſchieden und im Weingeiſt aufgeloͤſt wird. Ein quantitatives Verhaͤltniß dieſer Subſtanzen zum Branntwein laͤßt ſich gar nicht feſtſtellen, da ſich die Menge derſelben, ſo wie ihr Miſchungsverhaͤltniß zu einander, nach dem durch Zufall, Willkuͤhr oder Ge⸗ wohnheit feſtgeſtellten Geſchmack richten muß, welchen landes- oder ortsgebraͤuchlich die verſchiedenen Sor⸗ ten veredelter Branntweine haben ſollen. Um das aͤthe⸗ riſche Aroma aus den Pflanzenſubſtanzen leichter zu trennen, muͤſſen dieſelben vorher verkleinert werden, was bei den Fruͤchten und Saamen durch Zerſtoßen, bei den Wurzeln, Hoͤlzern und Rinden durch Zerſchneiden ge⸗ ſchiehet. Kraͤuter, Blaͤtter und Bluͤthen beduͤrfen keiner Zerkleinerung. §. 249. Die Aufloͤſung des aͤtheriſchen Aromas in Branntwein kann auf verſchiedene Weiſe bewerkſtelligt werden, indem man: a. die Ingredienzen mit Weingeiſt von 70— 80 Prozent uͤbergießt und uͤber die Blaſe deſtillirt; b. die Ingredienzen mit Branntwein von 40— 50 Prozent uͤbergoſſen, deſtillirt; 215 c. die Ingredienzen mit bloßem Waſſer uͤbergießt, ſie damit deſtillirt und mik dem gewonnenen aromatiſchen Waſſer den ſtaͤrkeren gereinigten Weingeiſt bis zu dem erforderlichen Grade ver⸗ duͤnnt; d. die Ingredienzen mit Weingeiſt oder Brannt⸗ wein uͤbergießt und, ohne ſie zu deſtilliren, die aromatiſchen Beſtandtheile aus denſelben durch Digeſtion extrahirt; e. die aus den rohen Pflanzenſtoffen beſonders be⸗ reiteten aͤtheriſchen Oele, in Alkohol aufloͤſt und dieſen mit Waſſer bis zu der erforderlichen Staͤrke vermiſcht. Wir wollen die verſchiedenen Verfahrungsarten einer kurzen Pruͤfung unterziehen. §. 250. Zu a. Alkohol von einer Staͤrke zwiſchen 70 und 80 Prozent verfluͤchtigt ſich bereits bei einer maͤßigen Waͤrme, er ſiedet jedoch ſchon bei einer Tem⸗ peratur von 65 bis 66 Grad. Die in den verſchiede⸗ nen aromatiſchen Ingredienzen, welche wir benutzen, enthaltenen aͤtheriſchen Oele ſieden jedoch erſt bei einer Temperatur von 100 bis 170 Grad, und es wird hier⸗ aus erklaͤrlch, weshalb, wenn man ſtarken Weingeiſt mit aromatiſchen Ingredienzen oder aͤtheriſchen Oelen deſtillirt, im Anfange nur der faſt unveraͤnderte, geruch⸗ loſe Spiritus uͤbergehet, der aromatiſche Geſchmack ſich aber erſt gegen das Ende der Deſtillation zeigt, wo die Fluͤſſigkeit in der Blaſe waſſerreicher geworden iſt und man eine hoͤhere Temperatur anwenden muß, um das Oel gewaltſam heruͤber zu treiben. Durch dieſe hoͤhere Waͤrme gehet jedoch ſchon eine theilweiſe Zerſetzung des aromatiſch⸗aͤtheriſchen Stoffes vor, das lieblich Ange⸗ nehme im Geſchmack und Geruch verliert ſich und nicht ſelten ſchmeckt die gegen das Ende des Deſtillates uͤber⸗ gehende Fluͤſſigkeit brenzlich, und die Deſtillation muß abgebrochen werden, ehe noch ſaͤmmtliche aromatiſche Subſtanzen in die Vorlage uͤbergegangen ſind. Deshalb kann, wenn ſtarker Weingeiſt mit aͤtheri⸗ ſchen Oelen deſtillirt werden ſoll, dieß unnachtheilig nur da geſchehen, wo das Deſtillirgeraͤth im Waſſerbade ſtehet(§. 220). Weingeiſt. Deſtilla⸗ tion der Gewuͤrze mit Brannt⸗ wein. Deſtilla⸗ tion der Gewuͤrze mit Waſſer. 216 §. 251. Zu b. Welt zweckentſprechender erſcheint daher das Verfahren, die Ingredienzen mit einem ſchwaͤ⸗ cheren Branntwein uͤber die Blaſe zu ziehen, oder, wenn man gereinigten Spiritus anwendet, dieſen vorher mit Waſſer bis zu jenen niedrigen Prozentgraden zu verduͤn⸗ nen. Obſchon aͤtheriſche Oele im Waſſer nur im ge⸗ ringen Grade loͤsbar ſind, ſo haben dennoch die Daͤm⸗ pfe des kochenden Waſſers die Eigenſchaft, das aͤtheri⸗ ſche Oel mit ſich fortzureißen und im Kuͤhlgeraͤth mit dem Spiritus zu verdichten. Hierdurch wird zugleich die hoͤhere Temperatur vermieden, und die Deſtillation kann ſo lange fortgeſetzt werden, als das Deſtillat am Aus⸗ gange des Kuͤhlrohres noch Geſchmack zeigt. §. 252. Zu c. Da man aus den meiſten Pflan⸗ zen die aͤtheriſchen Oele am leichteſten durch Deſtillation mit Waſſer darſtellen kann und daſſelbe, obgleich es in kaͤlterer Temperatur nur einen geringen Theil davon auf⸗ geloͤſt erhalten kann, dennoch eine groͤßere Menge, wenn auch nur mechaniſch eingemengt, aufnimmt, und dadurch in der Regel einen weit ſtaͤrkeren Geruch und Geſchmack erhaͤlt, als wir in den veredelten Branntweinen gebrau⸗ chen koͤnnen, ſo iſt es auch in Vorſchlag gebracht wor⸗ den, die aromatiſchen Ingredienzen mit bloßem Waſſer zu uͤbergießen, ſie der Deſtillation zu unterwerfen, und ſo den gereinigten Weingeiſt, mit dieſem aromatiſchen Waſſer verduͤnnt, zu wuͤrzen. Daß hierbei jeder Fuſel⸗ geſchmack, der bei dem vorher erwaͤhnten Deſtillations⸗ verfahren, wenn man rohen Branntwein anwendet, vor⸗ kommen kann, vermieden wird, leuchtet ein, ſo wie auch unbeſtritten iſt, daß bei der Deſtillation mit Waſſer alle aͤtheriſchen oder aromatiſchen Stoffe in die Vorlage uͤber⸗ gehen. Es duͤrfte dieß Verfahren mit Vortheil da an⸗ gewendet werden, wo dem Deſtillateur die Kenntniß beiwohnt, welche Menge aͤtheriſches Oel in einer be⸗ ſtimmten Quantitaͤt der angewendeten Subſtanzen ent— halten iſt und wie viel von dieſen verſchiedenen Oelen, ohne daß ſie ſich nach dem voͤlligen Erkalten abſchei⸗ den, Waſſer verhaͤltnißmaͤßig aufzunehmen vermag? Deſtillirt man Ingredienzen, welche groͤßere Mengen aͤtheriſches Oel enthalten, ſo wird es„ um daſſelbe in der Fluͤſſigkeit aufgeloͤſt zu erhalten, immer nothwendig, das ad b. genannte Verfahren anzuwenden. 217 §. 253. Zu d. Alle Ingredienzen, die wir ihres Extraction bitteren, zuſammenziehenden oder ſchleimigen Geſchmackes der Bitter⸗ halber bei der Liqueurfabrikation benutzen, muͤſſen mit oſte zund Branntwein uͤbergoſſen und mit Huͤlfe der Waͤrme jene durch Stoffe, die ſich durch Deſtillation nicht verfluͤchtigen, Digeſtion. aus ihnen gezogen werden. Man thut zu dem Ende die Ingredienzen entweder in glaͤſerne Flaſchen, in Faͤſſer oder in die Deſtillirblaſe, uͤbergießt ſie mit der erforder⸗ lichen Menge Branntwein bei einer Waͤrme von nicht mehr als 36 bis 40 Grad, laͤßt ſie 12 bis 24 Stun⸗ den ausziehen, worauf der Branntwein abfiltrirt, der in den Ingredienzen gebliebene Ruͤckſtand auf die Blaſe gebracht und ſo wieder gewonnen wird. Man nennt dieß digeriren ſſfaͤlſchlich diſtilliren). Man hat vorgeſchlagen, alle Ingredienzen, durch welche Branntwein gewuͤrzt werden ſoll, auf dieſe Weiſe zu behandeln. Wo es nur auf Darſtellung gewoͤhnlicher Branntweine ankoͤmmt, ſtehet dem auch nichts entge⸗ gen; jedoch enthalten mehrere der angewendeten Gewuͤrz⸗ ſtoffe, außer dem Aroma andere Subſtanzen, die, wenn ſie aufgeloͤſt werden, dem damit digerirten Brannt⸗ wein eine Farbe oder einen Geſchmack ertheilen, welche die betreffenden Sorten von Liqueuren feinerer Gattung nicht haben duͤrfen. §. 254. Zu e. Bedarf der darzuſtellende Brannt⸗ Aufloͤſung wein oder Liqueur nur eines ſolchen Geruches und Ge⸗ der aͤtheri⸗ ſchmackes, wie es Pflanzenſubſtanzen darbieten, aus de⸗ ſeen Oele nen aͤtheriſches Oel bereitet werden kann, ſo iſt es das Raieezol. Einfachſte, die aͤtheriſchen Oele, welche man vom fabrika⸗ Droguiſten oder Materialiſten beziehen kann, in Alko- tlon auf hol aufzuloͤſen, und von dieſer Aufloͤſung dem zu kaltem veredelnden Branntwein ſo viel zuzuſetzen, bis er den ege. erforderlichen Geſchmack erhalten hat. Man nennt dieſe Bereitungsart die Liqueurfabrikation auf kaltem Wege. §. 255. Iſt der Branntwein mit den erforderlichen Ver⸗ aromatiſchen Ingredienzen auf eine oder die andere Weiſe ſuͤßung des verſetzt, ſo wird er verſuͤßt. Man bedient ſich zum Weauot⸗ Verſuͤßen des indiſchen Zuckers, des braunen Zuk⸗ wems. ker⸗ und Runkelruͤbenſyrups, des Honigs und des Staͤrkeſyrups. Der Letztere enthaͤlt bei gleichem Gewicht die Haͤlfte, die Erſteren zwei Drittheil der Faͤrben und Klaͤren des Brannt⸗ weins. 218 Suͤßigkeit des raffinirten Zuckers. Die Behandlung des Zuckers geſchiehet folgendermaßen. Verwendet man z. B. zu feinen Liqueuren Raffinadezucker, ſo iſt es hinreichend, ihn mit einer beliebigen Quantitaͤt Waſſer bis zum Siedepunkt zu erhitzen und die Aufloͤſung, wenn ſie ei⸗ nigermaßen abgekuͤhlt iſt, dem Branntwein zuzuſetzen. Iſt jedoch der Zucker ſchmutzig oder grau(Lumpenzucker), ſo nimmt man fuͤr jedes Pfund Zucker ein Eiweis, quirlt daſſelbe mit dem kalten Waſſer zuſammen, ſetzt zwei Loth Holz⸗ oder Knochenkohlenpulver hinzu, laͤßt das Ganze aufſieden, ſchuͤttet die Aufloͤſung durch ein wollenes Tuch und erhaͤlt auf dieſe Weiſe eine klare, farbloſe Fluͤſſigkeit, womit der Branntwein verſuͤßt wird. Die franzoͤſiſchen feinen Liqueure ſind ſehr duͤnn⸗ fluͤſſig, dagegen die beruͤhmten Liqueure einiger deutſchen Staͤdte weit dickfluͤſſiger, obſchon ſie keinen groͤßeren Zuckergehalt, als jene, haben. Man verleiht ihnen die⸗ ſen Vorzug, indem man den zu ihrer Verſuͤßung be⸗ ſtimmten Zucker unter Erſetzen des verdampfenden Waſ⸗ ſers ſo lange kocht, bis derſelbe in Schleimzucker um⸗ gewandelt iſt, die Faͤhigkeit, zu kriſtalliſiren, verloren und die Beſchaffenheit eines, ſich in Faden ziehenden, dicken Syrups angenommen hat. Um dieß zu bewirken, loͤſt man z. B. 10 Pfund Zucker in mehr nicht als 2 Quart Waſſer, erſetzt jedoch das verdampfende ſtets durch friſches und laͤßt unter immerwaͤhrendem Umruͤh⸗ ren dieſe Aufloͤſung 1 bis 12½ Stunden kochen, wo ſie in langen Faden vom Loͤffel abfließt und dem Liqueur zugeſetzt wird. §. 256. Die letzten Operationen bei der Bereitung veredelter Branntweine beſtehen in dem Faͤrben und, wo es noͤthig iſt, in dem Klaͤren der fertigen Liqueure. Alle Farben, welche hierzu genommen werden duͤrfen, muͤſſen unſchaͤdlich und im Branntwein dergeſtalt aufloͤslich ſein, daß ſie in demſelben keine Truͤbung veranlaſſen. Die verſchiedenen Farben bereitet man folgender⸗ maßen. 1. Braun und gelb. Man roͤſtet Zucker, der mit wenig Waſſer angeſprengt wird, ſo lange unter ſtetem Umruͤhren in einem kupfernen Keſſel, bis er ganz dunkelbraun geworden iſt, unterbricht nunmehr durch 219 Zugießen von Waſſer, in welchem ſich der gebrannte Zucker ſogleich aufloͤſt, die Roͤſtung und benutzt die da⸗ durch erhaltene Tinktur zum Faͤrben. Gelbe Farben von ſchoͤner Beſchaffenheit ziehet man aus geſtoßner Kurkumawurzel, oder aus Saffran, welche man beide mit gereinigtem Branntwein von 50— 60 Prozent in einer Glasflaſche bei gelinder Waͤrme 24 Stunden lang digeriren laͤßt. Rothe Tinktur bereitet man aus ge⸗ trockneten Heidelbeeren, Hollunderbeeren oder gemahlenen rothem Sandelholz auf gleiche Weiſe. Will man den Spiritus ſogleich bei der Deſtillation faͤrben, ſo werden dieſe Pflanzenſtoffe in einen Beutel gebunden, auf den Trich⸗ ter der Vorlage gelegt und dort von dem uͤbergehenden Spiritus extrahirt. Kochenille giebt, mit Branntwein digerirt, eine violettrothe Tinktur. Setzt man derſelben einen geringen Antheil Kremortartari, oder Salmiak zu, welcher im Waſſer geloͤſt iſt, ſo wird ſie im erſteren Fall ſcharlachroth, im zweiten violettblau. Indigotink⸗ tur zum Blau⸗ und durch Verſetzung mit Gelb zum Gruͤnfaͤrben bereitet man, indem man 2 Loth zartgepul⸗ verten Indigo mit 4 Loth Vitrioloͤl uͤbergießt, worin er ſich aufloͤſt. Man ſchuͤttet, wenn dieß geſchehen, ein halbes Quart Waſſer hinzu und traͤgt dann geſtoßne Kreide ſo lange in kleinen Portionen hinein, als noch Aufbrauſen der Fluͤſſigkeit erfolgt, oder ſaurer Geſchmack in derſelben bemerkbar iſt. Hierauf filtrirt man dieſe Tinktur durch Fließpapier, vermiſcht ſie mit Weingeiſt und ſie iſt zum Gebrauch fertig. §. 257. Iſt der fertige Branntwein oder Liqueur nicht ſogleich ganz durchſichtig und kann man ihn nicht durch Ablagern hell werden laſſen, ſo klaͤrt man ihn folgendermaßen. In zwei Quart gewoͤhnlichen Eſſig zer⸗ ruͤhrt man das Weiße von 10 Eiern, oder loͤſt zwei Loth fein geſchnittene Hauſenblaſe in demſelben auf. Man ſetzt die Miſchung auf das Feuer, erwaͤrmt ſie bis zu 60 Grad, laͤßt ſie erkalten und gebraucht ſie dann als Klaͤrmittel. Die vorgenannte Quantitaͤt iſt zu 60— 100 Quart hinreichend und der Branntwein nach⸗ dem ihm dieſe Fluͤſſigkeit zugeſetzt worden iſt, binnen 24 Stunden voͤllig hell. Die weniger zuckerreichen Branntweine laͤßt man wohl auch durch einen Filzhut, der die Geſtalt eines Kegels hat, laufen. Es wird die⸗ 220 ſer Filzhut in einen Trichter gehaͤngt, deſſen obere Oeff⸗ nung mit einem paſſenden Deckel geſchloſſen iſt, um das Verdampfen von geiſtigem Antheil waͤhrend des Durchlaufens zu hindern. Quantita⸗§. 258. Wir laſſen hier die quantitativen Ver⸗ duuft Ver⸗ haͤltniſſe der Ingredienzen und des Zuckers zur Menge daltniß e. des Weingeiſtes von einigen, am meiſten vorkommenden matiſchen Sorten folgen, verweiſen jedoch, wo es darauf ankoͤmmt Ingre, zuſammengeſetzte Branntweine zu fabriciren, auf diejeni⸗ dienzen gen Handbuͤcher, welche uͤber Deſtillirkunſt oder Liqueur⸗ Wanmt. fabrikation ausfuͤhrlicher handeln, in denen ſich auch wein. mannigfaltige Recepte in großer Auswahl vorfinden. Zu einer Quantitaͤt Spiritus, aus welchem 30 Quart veredelter Branntwein dargeſtellt werden ſollen, nimmt man nachſtehende Mengen derjenigen Ingredien⸗ zen, nach denen der Branntwein ſchmecken ſoll und ge⸗ nannt wird. Kuͤmmel 1 ⅞ Pfund. Anis 1 Pfund. Ci⸗ tronenſchaalen getrocknete, 2 Pfund, friſche 4 Pfund. Pommeranzenſchaalen 1½ Pfund, und unreife Fruͤchte 2½ Pfund. Soll der Branntwein den bitteren Geſchmack der letzteren erhalten, ſo muß er mit den Ingredienzen digerirt werden. Nelken 3 Pfund. Pfeffermuͤnze oder Krauſemuͤnze 4 Pfund. Wachholderbeeren 3 Pfund. Um bitteren, magenſtaͤrkenden Branntwein in der Quantitaͤt von 30 Quart zu bereiten, digerirt man denſelben mit Wermuth und Carduibenedictenkraut, von jedem ein Pfund; Angelika, Calmuswurzel und unreife Pommeran⸗ zenfruͤchte von jedem ein halbes Pfund. Bei der Bereitung einfacher Liqueure auf kaltem Wege nimmt man zu folgenden Sorten fuͤr ein Quart des darzuſtellenden Branntweins, je nachdem deſſen Ge⸗ ſchmack ſtaͤrker oder ſchwaͤcher gewuͤrzt, oder das Aroma durch die Quantitaͤt des Zuckers umhuͤllt wird, 8 bis 15 Tropfen nachgenannter aͤtheriſchen Oele, wobei man je⸗ doch bemuͤhet ſein muß, dieſe ſo aͤcht als moͤglich zu erhalten: Anisoͤl, Calmusoͤl, Nelkenoͤl, Kuͤmmeloͤl, Citro⸗ nenoͤl, Zimmetoͤl, Wachholderoͤl, Krauſemuͤnzoͤl, Pfeffer⸗ muͤnzoͤl, Pommeranzenbluͤthenoͤl. Zu Verſuͤßung von einfachen Branntweinen wird auf jedes Quart 2 Loth, zu doppeltem Branntwein 4 Loth Zucker, oder eine dieſer Quantitaͤt angemeſſene Menge brauner, oder Staͤrkeſyrup gerechnet. Zu feineren Liqueu⸗ V —., 2— η 221 ren, Crems ꝛc. verbraucht man 16 Loth bis ein Pfund Zucker fuͤr jedes Quart. §. 259. In Branntweinbrennereien, mit denen gleichzeitig Deſtilliranſtalten verbunden ſind, iſt es von großer Wichtigkeit, den Zuckerzuſatz, welchen die ver⸗ edelten Branntweine erhalten muͤſſen, aus einheimiſchen Produkten darzuſtellen, die entweder wohlfeiler zu haben, oder Etzeugniſſe der eigenen Landwirthſchaft ſind. Auch hier iſt die Staͤrke oder das Kraftmehl, die bei der Branntweinbrennerei das Hauptrequiſit zur Dar⸗ ſtellung des Alkohols bildet, diejenige Subſtanz, aus welcher wir kuͤnſtlichen, in jeder Beziehung fuͤr unſere Zwecke brauchbaren Zucker erhalten, und unter allen Er⸗ zeugniſſen des heimiſchen Bodens ſind es auch hier wie⸗ derum die Kartoffeln, deren Beſtandtheile verhaͤltnißmaͤ⸗ ßig die groͤßte Menge Staͤrke liefern. Eignen ſich die Kartoffeln daher vorzugsweiſe ruͤckſichtlich des Prei⸗ ſes und der einfachen Behandlungsart zu dieſer Ver⸗ arbeitung, ſo hat außerdem die aus ihnen dargeſtellte Staͤrke fuͤr unſern Zweck noch den beſonderen Werth, daß ſie, von allen fremden Beſtandtheilen frei, reiner als jede andere, aus Getraide gewonnene, iſt. Wir laſſen hier die Bereitung der Kartoffelſtaͤrke, ſo wie des aus derſelben zu gewinnenden Syrups und Zuckers folgen, deren Darſtellung mit dem Brennereibe⸗ triebe um ſo mehr in Verbindung geſetzt werden kann, da, ohne neues Anlagekapital zu verwenden, bei jenem Betrieb faſt alle diejenigen Geraͤthe ſchon vorhanden ſind, die wir bei der Staͤrkeſyrupfabrikation gebrauchen. Jene Fabrikation duͤrfte, wo ſich fuͤr den Syrup Abſatz findet, im Allgemeinen groͤßere Verbreitung verdienen, und dadurch auch, unabhaͤngig von Brennerei, den Kar⸗ toffeln als landwirthſchaftlichem Produkt derſelbe Werth verliehen werden, der ihnen bei der Verarbeitung auf Branntwein geſichert iſt. §. 260. Die rohen Kartoffeln werden ſorgfaͤltig gewaſchen und durch die Reibmaſchine zerkleinert. Die Vorrichtung dazu erhaͤlt dieſelbe Konſtruktion, wie der§. 160 be⸗ ſchriebene, Fig. 19 dargeſtellte Quetſchapparat, nur mit dem Unterſchiede, daß hier blos eine Walze in Anwen⸗ dung gebracht wird, welche ſich unter dem Mittelpunkte des Rumpfes befindet. Dieſe Walze iſt von Holz und Darſtel⸗ lung der Staͤrke aus Kar⸗ toffeln, des Staͤrke⸗ 222 in ihrem ganzen Umfange mit einer durchloͤcherten Platte von Eiſenblech beſchlagen. Die Kartoffeln werden um ſo vollkommener zertheilt, je kleiner die Loͤcher des Reib⸗ eiſens ſind. Mehr als den zehnten Theil eines Zolles darf der Durchmeſſer derſelben nicht betragen. Eine Walze von der, F. 160 angegebenen Groͤße wird durch eine Perſon in Bewegung geſetzt, welche damit taͤglich einen Wiſpel Kartoffeln zu Brei reiben kann. Sollen Kartoffeln zerrieben werden, ſo wird die Maſchine auf einen, mit Waſſer faſt angefuͤllten Bottich befeſtigt und ſo ge— ſtellt, daß die aufliegende Walze einen bis zwei Zoll in das Waſſer reicht. Man ſchuͤttet den Rumpf voll Kartoffeln, welche durch das Umdrehen der Walze zerriſſen werden, die ſich jedesmal in dem Waſſer abſpuͤlt, was den Kar⸗ toffelbrei aufnimmt, der zu Boden faͤllt. An einer ſchick⸗ lichen Stelle des Bottichrandes befindet ſich eine Abfluß⸗ roͤhre, um dasjenige Waſſer fortzuleiten, welches durch den hinzukommenden Kartoffelbrei aus dem Raume ge⸗ draͤngt wird. Sind die Kartoffeln zerrieben, ſo wird die Maſſe aufgeruͤhrt und nach und nach in einen aus Wei⸗ den geflochtenen Seihe⸗Korb geſchuͤttet, der uͤber einem zweiten mit Zapfloͤchern in verſchiedener Hoͤhe verſehe⸗ nen Bottich ſtehet. Die Staͤrke iſt groͤßtentheils mit dem abgelaufenen Waſſer in den Bottich uͤbergegangen, im Korbe ſind nur die Faſern zuruͤckgeblieben. Um aus ihnen die etwa noch vorhandene Staͤrke zu waſchen, wird der Korb in einen anderen mit Waſſer gefuͤllten Bottich getaucht und es werden die darin befindlichen Faſern mit⸗ telſt eines Holzes, ſo lange durchgeruͤhrt, als die aus den Flechten dringende Fluͤſſigkeit noch milchig erſcheint. Das zum Auswaſchen der Faſern gebrauchte Waſſer, wird zu der Fluͤſſigkeit des erſten Bottiches gebracht. Dieſe wird nun umgeruͤhrt und um die feineren durch den Korb gegangenen Faſertheile abzuſcheiden, nochmals durch einen Kaſten oder ein Sieb geſeihet, deſſen Bo⸗ den von Drath fein geflochten iſt, oder aus eben ſo fein durchloͤchertem Eiſenblech beſtehet. Da ſich dieſe Loͤcher waͤhrend des Durchſeihens verſtopfen, ſo muͤſſen ſie mittelſt einer an einen laͤngeren Stiel befeſtigten Buͤrſte offen erhalten werden. Binnen 2 bis 3 Stunden nach dieſem Durchſeihen hat ſich die Staͤrke am Boden des Bottiches gelagert. Man laͤßt durch Oeffnung des —————.„ 223 Zapfens, das uͤber ihr ſtehende truͤbe Waſſer ab, wieder⸗ holt dieſelbe Operation noch zweimal, indem man fri⸗ ſches Waſſer, doch in geringerer Menge, zugießt und die Staͤrke damit umruͤhrt. Zeigt das letzte Waſſer keine Truͤbung, ſo wird es gaͤnzlich abgelaſſen, die reine Staͤrke iſt aus den Kartoffeln dargeſtellt und wird wenn ſie aufbewahrt werden ſoll, an der Luft, oder in gelinder Waͤrme der Malzdarre getrocknet. §. 261. Wenn man Staͤrkeſyrup bereiten will, ſo kann dies entweder durch freie Einwirkung des Feuers in einem kupfernen Keſſel geſchehen und ſchadet weder dem Keſſel noch dem Fabrikat; oder es geſchiehet in hoͤlzernem Geraͤth mittelſt der Waſſerdaͤmpfe unter einer hoͤheren Temperatur, als derjenigen des Siede⸗ punktes. Im letzteren Falle bedient man ſich des§. 158 beſchriebenen Fig. 18 gezeichneten Dampffeſſels, deſſen Leitungsrohr in ein Kochfaß reicht, was ſich von der §. 157 beſchriebenen Dampftonne dadurch unterſcheidet, daß es keinen durchloͤcherten Boden, keine Thuͤren, und nur drei Oeffnungen hat, von denen die eine zum Ein— fuͤllen, die zweite zum Ablaſſen dient, die dritte am obern Boden befindlich, als Sicherheitsrohr bei ſtarker Preſſung die Daͤmpfe entweichen laͤßt und deshalb auch waͤhrend des Kochens mit einer aͤhnlichen Kugel, wie ſolche beim Dampfkeſſel beſchrieben iſt, loſe bedeckt wird. Iſt der Dampfkeſſel mit Waſſer gefuͤllt, und dieſes dem Siedepunkt nahe, ſo werden 100 Pfund Staͤrke mit etwa 150 Quart kaltem Waſſer angeruͤhrt, und dieſer Miſchung die erforderliche Menge Schwefelſaͤure (Vitrioloͤl) zugeſetzt. Die Quantitaͤt der letzteren richtet ſich nach der Zeit, binnen welcher, von dem Kochpunkt der Fluͤſſigkeit angerechnet, die Staͤrke in Zucker verwan⸗ delt ſein ſoll. Je mehr man Schwefelſaͤure im Verhaͤltniß zum Waſſer anwendet, deſto ſchneller iſt der Prozeß voll⸗ endet. Nimmt man 1 Prezent ſo ſind 36 bis 40 Stunden noͤthig, bei 10 Prozent 6 bis 8 Stunden. Es ſcheint das letztere fuͤr unſern Zweck das angemeſſenſte Verhaͤltniß zu ſein und wir ſetzen daher der obigen Mi⸗ ſchung von 100 Pfund Staͤrke und 150 Quart Waſſer 224 10 Pfund engliſche Schwefelſaͤure“*) zu. Wenn das Waſ⸗ ſer im Dampfkeſſel kocht, bringt man dieſe Fluͤſſigkeit, jedoch nicht auf einmal, ſondern in 4 bis 5 einander kurz folgenden Perioden mittelſt eines Trichters in den Kochkeſſel, in dem ſchon vorher zur Aufnahme der Daͤmpfe ſich etwas Waſſer befindet, und deſſen Oeffnung nunmehr dicht verſchloſſen wird. Man unterhaͤlt dann 6 bis 8 Stunden lang immerwaͤhrend ſtarkes Feuer un⸗ ter dem Dampfkeſſel. Um zu ſehen, ob gegen das Ende dieſer Zeit ſaͤmmtliche Staͤrke von der Saͤure in Zucker verwandelt iſt, nimmt man durch den Abzugshahn eine Probe von der kochenden Fluͤſſigkeit, laͤßt ſie, wenn ſie ein wenig erkaltet iſt, durch Fließpapier laufen und troͤpfelt zu ei⸗ ner kleinen Menge etwas weniges ſtarken Weingeiſt von 70 bis 80 Prozent. Wird die Fluͤſſigkeit truͤbe, ſo muß das Kochen noch fortgeſetzt werden, bleibt ſie hell, ſo iſt die Zuckerbildung vollendet; man ſchließt das Feuer des Dampfkeſſels, oͤffnet den Hahn des Koch⸗ faſſes und laͤßt die ſiedende Fluͤſſigkeit in ein unterſte⸗ hendes Gefaͤß laufen, welches davon nicht ganz ange⸗ fuͤllt wird. Hierauf werden fuͤr jedes Pfund verwendete Schwefelſaͤure 1 ½ Pfund feingepulverte Kreide in 4 bis 5 Abtheilungen der Fluͤſſigkeit zugeſetzt. Es entſtehet dabei Aufbrauſen. Nachdem ſich die Saͤure mit der Kreide geſaͤttigt hat, iſt die Fluͤſſigkeit ſuͤß geworden. Sie wird hierauf durch ein wollenes, in einen viereckigen hoͤtzernen Rahm geſpanntes Tuch(Spitzbeutel) geſeihet, und nachdem ſie abgelaufen, in einen kupfernen Keſſel gebracht, mit Holz-, oder beſſer Knochenkohlenpulver (4 Pfund fuͤr 100 Pfund Staͤrke) vermiſcht und mit demſelben eine halbe Stunde lang gekocht. Nach die⸗ ſer Zeit wird ſie durch ein zweites Seihetuch gegoſſen, wo ſie waſſerhell und farblos ablaͤuft, und nach dem Erkalten als Zuſatz zu dem veredelten Branntwein ge⸗ braucht werden kann. Ueber die in den Seihetuͤchern zuruͤckgebliebene Kreide(Gyps) und Kohle wird noch einigemale heißes *) Ein Pfund Schwefelſaͤure koſtet 3 ſgr., ein Centner 7 ½ bis 8 Thaler. —=2 J 22. ——— 225 Waſſer gegoſſen, um allen Zuckerſtoff auszuwaſchen. Man kann auch das Durchſeihen gaͤnzlich erſparen, wenn man die Fluͤſſigkeit in bedeckte, mit Zapfen von verſchiedener Hoͤhe verſehene Faͤſſer gießt und dort Kreide und Kohle abſetzen laͤßt. Will man, der beſſeren Haltbarkeit wegen, oder weil man ihn conſiſtenter braucht dicken Syrup, wie er im Handel vorkoͤmmt, bereiten, ſo dampft man jene Fluſſigkeit bei einer Waͤrme, die den Koch⸗ punkt nicht erticht, noch ſo lange ab, bis die auf eine Taſſe oder einen Teller herausgenommene Probe, wenn ſie erkaltet iſt, die gehoͤrige Staͤrke zeigt. Man gießt den Syrup dann in Gefaͤße, wo er erkaltet und wenn er ſtark genug eingekocht war, nach 3 bis 4 Tagen zu einer gelben, koͤrnigen Maſſe erſtarrt, welche den Staͤrke— zucker bildet und unter dieſer Benennung verkauft wird. §. 262. Aus 100 Pfund Staͤrke erhaͤlt man 110 Pfund Zucker. Um bei der Bereitung der zur Syrup⸗ fabrikation beſtimmten Kartoffelſtaͤrke des Trocknens uͤberhoben zu ſeyn und dieſelbe gleich im naſſen Zuſtande aus dem Bottich gebrauchen zu koͤnnen, hat man nur noͤthig, in kleiner Quantitaͤt den, wie wir wiſſen, ſehr verſchiedenen Staͤrkegehalt der Kartoffeln nach der, §. 155 gegebenen Anleitung zu pruͤfen. Weiß man, wie viel trockne Staͤrke ein beſtimmtes Gewicht dieſer Kartoffeln liefert, wie viel ein Scheffel davon wiegt und aus wie viel Scheffeln die im Bottich befindliche feuchte Staͤrke beſtehet, ſo laͤßt ſich nach dem oben angefuͤhrten Maaßſtab leicht die Menge der Schmwefelſaͤure, zu jeder Quantitaͤt, beſtimmen. Ob die Fabrikation von Staͤrkeſyrup bei uns, wie in Frankreich, lediglich um daraus Branntwein zu bren⸗ nen, Eingang finden moͤchte, muß die Zeit lehren: bis jetzt wenigſtens iſt noch kein Vortheil davon abzu⸗ ſehen, da man weit weniger Branntwein bei dieſem Verfahren, als aus rohen Kartoffeln erhaͤlt, und der reinere Geſchmack des Syrupbranntweins durch Ent⸗ fuſelung vermittelſt der Kohle in jedem Branntwein leicht hergeſtellt werden kann. §. 263. Um kuͤnſtlichen Franzbranntwein darzuſtellen, werden 100 Quart voͤllig entfuſelter Brannt⸗ wein(§. 239) von 55— 60 Prozent, mit ꝛ Pfund Eſſig⸗ 15 Kuͤnſtli⸗ cher Franz⸗ brannt⸗ wein. Darſtel⸗ lung von kuͤnſtlichen Num. 226 Naphta, oder 1 ½ Pfund Eſſigaͤthergeiſt, ſo wie mit ½ Pfund konzentrirter Eſſigſaͤure gemiſcht*). Ferner werden 2 Pfund bernſteinfarbig geroͤſteter Zucker, oder brauner Kandis⸗ zucker, ſo wie 16 Loth arabiſches Gummi zugeſetzt, welche letzteren Gegenſtaͤnde in Waſſer geloͤſt ſind. Die hellere oder dunklere Farbe, welche dieſer Franzbranntwein erhalten ſoll, wird ihm durch eine Tinktur gegeben, die durch Digeſtion von Branntwein mit Eichenrinde gewonnen worden iſt. Wird der Branntwein bei ſeiner Reinigung uͤber Aepfel oder Quitten(½ Scheffel fuͤr 100 Quart) abgezogen, ſo iſt er dem aus Coignak kommenden Franzbranntwein taͤuſchend aͤhnlich. §. 264. Rum wird in Oſt⸗ und Weſtindien ent⸗ weder aus den friſch zermalmten Stengeln des Zucker⸗ rohres, oder aus Melaſſe, welche nach der Ausſchei⸗ dung des nicht kriſtalliſirbaren Zuckers uͤbrig bleibt, ge⸗ wonnen. Die erſte Sorte iſt in hoͤherem Werth, da ſie das ganze, eigenthuͤmlich balſamiſche Aroma, welches ſich aus der friſchen Pflanze des Zuckerrohrs bei der Gaͤh⸗ rung bildet, enthaͤlt; wogegen die zweite Sorte mehr dem Zuckerbranntwein aͤhnlich iſt, der auch in Deutſch⸗ land aus dem Abfall bei den Raffinerien gewonnen wird; jenen eigenthuͤmlichen Geruch jedoch, in weit geringerem Grade beſitzt. Kuͤnſtlichen Rum kann man ohne Zuſatz von indiſchem Rum nicht ſo darſtellen, daß bei aufmerkſamer Pruͤfung dem Kenner der Unterſchied nicht ſofort bemerkbar wuͤrde. Man hat dieß nach vielen vergeblichen Verſuchen endlich auch eingeſehen und iſt, da nunmehr auch aus Fruchtbranntwein die Abſcheidung des Fuſels leicht bewerkſtelligt und reiner Alkohol dargeſtellt werden kann, zu der einfachſten Methode gekommen, welche ſich dem Zweck am meiſten naͤhert. Dieſe Methode beſtehet darinn, daß man ſich aͤchten indiſchen Rum von beſter QAualitaͤt, der aus *⁴) 1 Pfund Eſſigaͤther koſtet 35 Sgr. 1 Pfund Eſſigaͤther⸗ geiſt 15 Sgr. 1 Pfund konzentrirte Eſſigſaͤure 12 Sgr. Bedarf man großer Quantitaͤten, ſo kann man mit leich⸗ ter Muͤhe ſich dieſelben in Glas⸗Retorten oder Kolben ſelbſt darſtellen und die Bereitungsart in jeder Apotheke erlernen odeer erfahren. ———— 7 227 dem friſchen Zuckerrohr gewonnen wurde und wo moͤg⸗ lich einige Jahre alt iſt, zu verſchaffen ſucht, dieſen mit der vier⸗ bis fuͤnffachen Menge gereinigten Weingeiſt von 70 bis 80 Prozent, je nachdem die Staͤrke des Fabrikates beſtimmt wird, vermiſcht, und mit der vor— beſchriebenen Eichenlohe⸗Tinktur, ſo weit es erfordert wird, faͤrbt. Hat dieſer kuͤnſtliche Rum ein halbes Jahr gela⸗ gert, ſo iſt er, man mag ihn, mit heißem Waſſer uͤber⸗ goſſen, durch den Geſchmack, oder durch den Geruch pruͤfen, vom indiſchen Rum hoͤchſtens daran zu unterſcheiden, daß der erſtere, neben aͤchtem Rum der beſten Qualitaͤt ge⸗ halten, das balſamiſche Aroma nicht in ſo hohem Grade, als dieſer, bemerken laͤßt. Je laͤnger man ihn aufbe⸗ wahrt, deſto mehr veredelt er ſich, wie alle weingeiſthalti⸗ gen Fluͤſſigkeiten. Deshalb iſt auch bei der Bereitung im Großen immer darauf zu ſehen, daß ſolche, bei uns gefer⸗ tigte Fabrikate, bevor ſie in den Handel kommen, mindeſtens dasjenige Alter haben, was die aͤchten, ehe ſie aus ent⸗ fernten Gegenden in unſere Haͤnde gelangten, bereits erreicht hatten. §. 265. Eine andere Bereitungsart fuͤr die Quan⸗ titaͤt von 100 Quart kuͤnſtlichen Rum iſt folgende: Den dazu noͤthigen entfuſelten Branntwein bringt man auf die Blaſe und deſtillirt ihn uͤber 2 Pfund Glanz⸗ ruß und 2 Pfund Salpeterſaͤure(Scheidewaſſer). Dem Deſtillat von 100 Quart wird ½ Pfund Eſſig⸗Naphta und ¼½ Pfund concentrirte Eſſigſaͤure zugeſetzt und in das Faß 4 Pfund fein geſtoßener Reis, x Loth Vanille und 3 Loth Zitronenſchaalen geſchuͤttet, womit man, un⸗ ter oͤfterm Umſchuͤtteln, die Fluͤſſigkeit acht Tage lang digeriren laͤßt, und dann mit Tinctur von Eichenlohe faͤrbt. Sollen dieſe kuͤnſtlichen Fabrikate einen ſchwaͤrzli⸗ chen Schein erhalten, ſo haͤngt man einige Loth Thee, in einen Beutel gebunden, in das Faß. §. 266. Wir beſchließen unſeren Vortrag uͤber De⸗ ſtillirkunſt mit der Bereitung des Koͤlniſchen Waſ⸗ ſers(Eau de Cologne). Es duͤrfte wohl nicht leicht eine Parfuͤmerie ſein, die eine ſo anerkannte und all⸗ gemeine Verbreitung gefunden hat; die in fruͤherer Zeit einen der bedeutendſten Handelszweige der Stadt Coͤln 15* Bereitung des koͤlniſchen Waſſers. 228 bildete und von der jetzt noch, nachdem faſt uͤberall dieſes Waſſer nachgemacht wird, in alle Weltheile zwiſchen 5 und 6 Millionen Flaſchen, allein von Koͤln aus, jaͤhrlich ver⸗ ſendet werden. Die Bereitung des Koͤlniſchen Waſſers i*ſt ſehr einfach und beſtehet lediglich aus einer, im kal⸗ ten Zuſtande vorgenommenen Aufloͤſung, von aͤtheriſchen Oelen in reinem Weingeiſt von 78 bis 82 Prozent. Der Deſtillir-Geraͤthe bedienen ſich die Koͤlner Fabrikanten nur, um fruͤherhin den franzoͤſiſchen Spiritus zu entfaͤr⸗ ben, oder jetzt Getreide- oder Kartoffelbranntwein zu ent⸗ fuſeln und zu rectificiren. Mehrere der Fabrikanten und namentlich diejenigen, welche auf einen hoͤheren Ver⸗ kaufs⸗Preis halten, erachten den einheimiſchen Weingeiſt nicht fuͤr tauglich, und beziehen auch noch jetzt aus Frankreich Spiritus zur Waſſerfabrikation. Wir laſſen die Vorzuͤge des Letzteren dahin geſtellt und bemerken nur, daß franzoͤſiſcher Spiritus, wie er im Handel vor⸗ koͤmmt, von Spiritus, welcher aus gereinigtem Kartof⸗ fel⸗ oder Getreidebranntwein durch Rectification uͤber Weinhefe gewonnen wird, weder an dem Geſchmack, noch durch den Geruch zu unterſcheiden iſt. Bekanntlich iſt jetzt in Frankreich dieſe Fabrikations⸗Methode ſehr verbreitet. Weshalb ſtarker Weingeiſt mit aͤtheriſchen Oelen nicht wohl deſtillirt werden kann, haben wir§. 250 naͤ⸗ her ausgefuͤhrt, und hieraus iſt erklaͤrlich, weßhalb die ver⸗ ſuchte Nachahmung des Koͤlniſchen Waſſers immer miß⸗ lingen mußte, wenn man ſich dazu der Deſtillirgeraͤthe bediente. Daß man aber guch durch Vermiſchung mit aͤtheriſchen Oelen kein Fabrikat erzielen konnte, was nicht von dem in Koͤln bereiteten Waſſer ſofort zu un⸗ terſcheiden war, findet ſeinen Grund in dem Umſtande, daß zu der Fabrikation des Koͤlniſchen Waſſers mehrere aͤtheriſche Oele, Eſſenzen genannt, gebraucht wer⸗ den, die im gewoͤhnlichen Handel, namentlich in Nord⸗ deutſchland gar nicht vorkommen, und lediglich fuͤr Par⸗ fuͤmerie⸗ und Waſſerfabrikanten, in Sicilien und dem ſuͤd⸗ lichen Frankreich, aus den verſchiedenen Spielarten der Citronen, Orangen und Limonen, in dem verſchiedenen Zuſtand der Reife ihrer Fruͤchte, bereitet werden. Deßhalb erhaͤlt man auch, nach den bis jetzt oͤf⸗ fentlich bekannt gewordenen Recepten, niemals eine 229 Parfuͤmerie, welche nicht ſogleich von dem aͤchten Koͤlniſchen Waſſer durch Geruch und Geſchmack un⸗ terſchieden werden koͤnnte. §. 267. Wir theilen dagegen nachſtehend eine Vorſchrift mit, bei welcher wir verbuͤrgen koͤnnen, daß Koͤlni⸗ ſches Waſſer, wenn es genau nach dieſem Verhaͤltniß bereitet wird, von dem in Koͤln fabricirten nicht unter⸗ ſchieden werden kann, bemerken jedoch dabei, daß nur voͤllig gereinigter geruchloſer Alcohol verwendet wer⸗ den darf, und die aͤtheriſchen Oele ſo aͤcht wie moͤglich ſein muͤſſen. Die Letzteren wird man am beſten von Koͤlner Droguiſten*) beziehen koͤnnen. In ſechs Quart Weingeiſt von 78 bis 82 Pro⸗ zent werden aufgeloͤßt: 1. Essentia aurantiorum 2 Loth bergamottae 2— citri de limette petit grains de cedro de cedrat de portugall neroli rorismarini — thymi Sobald man die Oele mit dem Alkohol miſcht, wird die Fluͤſſigkeit truͤb. Man filtrirt ſie durch unge⸗ leimtes Druckpapier, oder laͤßt ſie einige Tage ruhig ſtehen, wo ſich der ſchleimige Antheil der aͤtheriſchen Oele zu Boden geſenkt hat und die waſſerhelle Fluͤſſig⸗ keit abgegoſſen oder abgelaſſen wird. LAIIII Add KIAIIIIII *) Droguiſten giebt es in Koͤln unter der Firma: Abra⸗ ham Nierſtraß Soͤhne. und H. J. Eſſingh Nach den neueſten Waarencouranten beträgt der Preis der vor⸗ genannten Quantitaͤt Oele, von der beſten Qualitaͤt, wie folgt, 1. 8 ſgr. 2. 13 ſgr. 3. 12 ſgr. 4. 15 ſgr. 5. 20 ſgr. 6. 7 ſgr. 7. 7 ſgr. 8. Ax ſgr. 9. 75 ſgr. 10 und 11. 1 ſgr. In der Menge von Pſunden ſind je⸗ doch dieſe aͤtheriſchen Oele bedeutend wohlfeiler. Bier⸗ brauerei. Materia⸗ lien. 230 Bierbrauereibetrieb. g. 268. Wenn bei der Fabrikation des Brannt⸗ weins unſere ganze Aufmerkſamkeit dahin gerichtet iſt, aus den verwendeten Materialien die groͤßtmoͤglichſte Menge Alkohol, ſei es im reinen Zuſtande, oder mit Waſſer gemiſcht,(Branntwein) zu ziehen, ſo haben wir dagegen bei der Bereitung des Biers als Aufgabe zu loͤſen, den aus den Betriebsmaterialien durch Malzen, Maiſchen und Gaͤhren gebildeten Zucker nur theilweis in Alkohol umzuwandeln, den groͤßeren Antheil jedoch, nach vollendeter Gaͤhrung, unzerſetzt in der Fluͤſſigkeit zu erhalten und auf dieſe Weiſe ein Getraͤnk darzuſtel⸗ len, welches, indem es durch ſeine feſten Beſtand⸗ theile an Gummi, Schleimzucker und Pflanzenleim den menſchlichen Koͤrper zu naͤhren vermag, durch den An⸗ theil an Alkohol gleichzeitig ein geiſtiges Getraͤnk ab⸗ giebt, deſſen Genuß dieſelben Wirkungen, wie der Wein, hervorbringt, und von dieſem, ſeinen Beſtandtheilen nach, nur dadurch unterſchieden wird, daß es frei von aller Saͤure iſt, welche die natuͤrlichen Weine mehr oder minder enthalten. Je zucker⸗ und alkoholreicher das Bier iſt, deſto ſtaͤrker und haltbarer iſt es, und deſto laͤnger vermag es der Einwirkung der Eſſiggaͤhrung zu widerſtehen. Je geringer der Gehalt von Beiden in dem Bier iſt, deſto ſchneller endet die geiſtige Gaͤhrung, das Bier wird ſauer und verwandelt ſich in Eſſig. §. 269. Die ſchicklichſten Materialien, aus denen Bier bereitet wird, ſind Weizen und Gerſte im gemalz⸗ ten Zuſtande, ſo wie der Zuſatz von Hopfen, welcher aus dem doppelten Grunde geſchiehet, ſowohl das Ge⸗ traͤnk aromatiſch bitter zu wuͤrzen, als auch die Nei⸗ gung jeder zuckerhaltigen Fluͤſſigkeit, ſauer zu werden, aufzuhalten, oder zu verhindern. In einigen Gegenden wird auch Hafer und Buchweizen im gemalzten Zuſtande verbraucht, ſo wie es auch an manchen Orten gebraͤuch⸗ lich iſt, rohes Getreide mit gemalztem vermiſcht, zur Bierbrauerei anzuwenden. —„— ——— 231 §. 270. Die Farbe und der Geſchmack des Bieres haͤngen von dem Grad der Roͤſtung ab, den das verwendete Malz auf der Darre erhielt(§K. 102) die Menge des Malzes, welches zu einer gewiſſen Quantitaͤt Bier verbraucht wird, richtet ſich nach der Staͤrke und der Dauer, die dem Bier gegeben werden ſoll. Hiernach werden die Biere auch unterſchie⸗ den, in Lager⸗ oder Dauerbiere(Doppelbiere) und in leichte Biere, einfache Biere. Die Letzteren werden in braune Biere(Darrmalzbiere), oder weiße Biere(Luftmalzbiere), eingetheilt. Die Bereitung des Bieres zerfaͤllt in folgende Ope⸗ rationen, welche wir, ſo weit es der Zweck unſeres Vor⸗ trages geſtattet, einzeln durchgehen. 1. Schroten des Malzes. 2. Einmaiſchen deſſelben oder Bereiten der Wuͤrze. 3. Kochen der Wuͤrze mit Hopfen. 4. Abkuͤhlen der Wuͤrze. 5. Stellen mit Hefe und Leitung der Gaͤhrung. §. 271. Das Malz oder die verſchiedenen Malz⸗ ſorten, welche man anwendet, werden 24 Stunden vor ihrem Gebrauch mit Waſſer genetzt, und nachdem der Haufe einigemale mit Schaufeln tuͤchtig durchgearbeitet worden iſt, um das gleichfoͤrmige Eindringen der Feuch⸗ tigkeit zu bewirken, werden die Koͤrner geſchrotet, wobei man darauf ſiehet, daß das Malz mehr zerquetſcht als zer⸗ kleinert iſt und jedes Korn nur in drei bis vier Stuͤcke zerriſſen wird. Es hat dieſe, bei uns faſt allgemein eingefuͤhrte Verfahrungsweiſe den Vortheil, daß durch die eingeſogene Feuchtigkeit das Malz ein lockeres Schrot bildet, welches bei der nachfolgenden Extraction das Eindringen des Waſſers erleichtert, und dadurch auch das Zuſammenballen in Klumpen, ſo wie die Truͤ⸗ bung der Wuͤrze verhindert, die aus einem, im trocknen Zuſtande zart geſchroteten Malze entſtehen wuͤrde. Auf 100 Pfund Malz werden 2 Quart Waſſer zum Ein— ſprengen gerechnet. In England, den Niederlanden und am Rhein, ſchrotet man jedoch das Malz, wie es von der Darre koͤmmt, oder von dem Vorrathboden genom⸗ men wird, ohne es vorher anzufeuchten. Einthek⸗ lung der Bierſorten 1 Betriebs⸗ Operatio⸗ nen. Anfeuch⸗ ten und Schroten des Mal⸗ zes. Einmat⸗ 232. §. 272. Das Einmaiſchen des Malzes in ſchen des den Maiſchbottich geſchiehet in zwei oder auch in einer Malzes. Periode auf dieſelbe Weiſe, wie ſolches bei der Brannt⸗ weinbrennerei§. 110 angefuͤhrt worden iſt. Die Temperatur der Maiſche, nachdem ſie gefertigt worden, betraͤgt am zweckmaͤßigſten zwiſchen 50 und 60 Grad. Braun gedoͤrrtes Malz, welches weniger unzerſetzte Staͤrke enthaͤlt, kann einen hoͤheren Waͤrmegrad vertragen, wo⸗ gegen Luftmalz und lichtgelbes Malz eher geneigt ſind, bei heißer Temperatur der Maiſche kleiſterartige Klum⸗ pen zu bilden. Nachdem die Maiſche eine Stunde lang geſtanden, und das Waſſer die loͤsbaren Stoffe des Maklzes durchdrungen hat, iſt die Wuͤrze gebildet, und die Maiſche wird in den Seiherbottich uͤbergetra⸗ gen, der einen doppelten Boden hat, von welchem der obere durchloͤchert und mit Stroh belegt iſt, was durch ein Kreuz von Holz feſtgehalten wird. Der Zapfen des Seiherbottiches wird gezogen und die Maiſche in ein unter demſelben ſtehendes Gefaͤß abgelaſſen. In vielen Gegenden bildet der Seiherboktich auch zugleich den Maiſchbottich. Man breitet das trockne Malz uͤber den durchloͤcherten mit Stroh bedeckten Bo⸗ den aus, und leitet das heiße Waſſer durch eine, zwi⸗ ſchen beiden Boden befindliche Roͤhre ſo, daß es auf⸗ waͤrts durch die Loͤcher in das Malzſchrot dringt, und mit demſelben durch Ruͤhrharken innig verbunden wird. In den großen Londoner Brauereien geſchieht das Mai⸗ ſchen durch Dampfmaſchinen⸗Kraft, welche eine Schrau⸗ be in Bewegung ſetzt, an der ſich eiſerne Arme befinden, die den Umkreis des Bottiches beſchreiben, und von dem Boden deſſelben bis zum Rande mehrmals auf und ab⸗ gedrehet werden. Der Mechanismus iſt demjenigen ganz aͤhnlich, durch welchen, nach dem Siemensſchen Verfahren, die Zerkleinerung der Kartoffeln beim Brannt⸗ weinbrennen geſchiehet.(§. 173). Die von dem erſten Maiſchen erhaltene Fluͤſſigkeit oder fogenannte Wuͤrze, iſt an Zuckerſtoff immer am reichhaltigſten. Die Trebern werden jedoch regelmaͤßig noch ein⸗ auch wohl zweimal mit kochendem Waſſer uͤbergoſ⸗ ſen, was deshalb geſchiehet, um ſowohl den, nach dem erſten Ablaſſen in dem Malz zuruͤckgebliebenen Theil der ſtaͤrkeren Wuͤrze zu gewinnen, als auch die noch auf⸗ 233 loͤsbaren Theile des Malzes vollends auszuziehen, was beides nur durch wiederholten Aufguß von friſchem, noch nicht geſaͤttigtem Waſſer bewirkt werden kann. Der letzte Aufguß wird gewoͤhnlich mit kaltem Waſſer bereitet und iſt als kühlendes leichtes Getraͤnk unter dem Namen Covent, Duͤnnbier, bekannt. §. 273. Die von den verſchiedenen Aufguͤſſen er⸗ haltene Wuͤrze wird zuſammengebracht, um entweder eine Bierſorte daraus zu bereiten, oder es wird aus jedem Aufguß eine beſondere Gattung dargeſtellt. Die Fluͤſſigkeit enthaͤlt jetzt außer der ſuͤßen, dem Schleim⸗ zucker aͤhnlichen Subſtanz(Malzextrakt) noch unzerſetzte Staͤrke, Gummi, Schleim und Kleber aufgeloͤſt. Um die letzteren auszuſondern, wird die Wuͤrze auf den Braukeſſel gebracht und durch Kochen bis zu der verlangten Staͤrke des Bieres concentrirt, wobei ihr gleichzeitig der Zuſatz des Hopfens gegeben wird. Die Quantitaͤt deſſelben richtet ſich nach der Staͤrke oder Bitterkeit des Bieres, das man zu brauen gedenkt, und nach dem Zeitpunkt, bis zu welchem ſolches haltbar aufbewahrt werden ſoll. Durch den Hopfen und na⸗ mentlich durch das in demſelben enthaltene harzaͤhnliche Mehl(Lupulin) bekommt das Bier den balſamiſch aroma⸗ tiſchen Geſchmack; gleichzeitig wird auch dadurch die widrige Suͤſſigkeit des Zuckerſtoffes umhuͤllt. Nicht minder traͤgt der in den Blaͤttern des Hopfens enthaltene Gerbſtoff (Lohe) weſentlich dazu bei, daß waͤhrend die Wuͤrze kocht, der Kleber ſich verhaͤrtet und gerinnt. Die Wuͤrze wird ſo lange im Sieden erhalten, bis eine herausge⸗ nommene Probe durchſichtig iſt, und nach dem Er⸗ hun die in ihr ſchwimmenden Flocken zu Boden allen. §. 274. In manchen Gegenden iſt es auch ge⸗ woͤhnlich, die Maiſche oder mindeſtens einen Theil derſelben mit den Trebern in dem Braukeſſel zu ko⸗ chen und ſie dann erſt auf den Seiherbottich zuruͤckzu⸗ bringen. Der Nutzen dieſes Verfahrens, ſo allgemein man es in ganzen Landſtrichen findet, leuchtet nicht ein, da man durch das bloße Aufgießen von kochendem Waſſer ſaͤmmtliche, zur Bierbereitung nutzbaren Beſtandtheile des Malzes ausziehen kann, dagegen durchs Kochen des Malz⸗ ſchrotes allen vorhandenen Kleber und Schleim extrahirt, Abkuͤblen der Wuͤrze. Stellen der Wuͤrze mit Hefe. Gaͤbrung des Bieres 234 den wir durch dieſelbe Operation ſo viel als moͤglich abſcheiden muͤſſen, wollen wir anders mit leichter Muͤhe helles und haltbares Bier produziren. Manche Brauer ſetzen der Wuͤrze, um ſie raſcher zu klaͤren, gallertartige Subſtanzen zu, wel⸗ che den geronnenen Kleber aufnehmen. Dieſe Zuſaͤtze ſind unſchaͤdlich und erfuͤllen ihren Zweck. Man ge— braucht dazu Hauſenblaſe, Kalbsfuͤße, auch wohl Tiſch⸗ lerleim oder geraspeltes Hirſchhorn. §. 275. Iſt die Wuͤrze hell und bis zu dem er⸗ forderlichen Grad eingekocht, ſo muß ſie ſo bald als moͤglich zu derjenigen Temperatur abgekuͤhlt wer⸗ den, bei welcher ſie mit Hefe geſtellt und in geiſtige Gaͤhrung gebracht werden kann. Die Nachtheile, wel⸗ chen bei langſamer Abkuͤhlung die Bierwuͤrze, namentlich in waͤrmerer Jahreszeit, ausgeſetzt iſt, kennt jeder Brauer, und wir haben ſie§. 117 naͤher eroͤrtert. Die Wuͤrze wird deshalb ſofort in den Kuͤhlbottich oder auf das Kuͤhlſchiff geleitet, um ihrer Abkühlung die moͤglichſt große Oberflaͤche darzubieten, wobei der mit ihr ge⸗ kochte Hopfen durch einen geflochtenen oder durchloͤcher⸗ ten Kaſten abgeſondert wird. Bei der Kuͤhlung ſetzt ſich ein großer Theil des geronnenen, zeither in Flocken ſchwimmenden Klebers an den Boden des Kuͤhlgefaͤßes, und es iſt daher nicht vortheilhaft, die Wuͤrze, um die Kuͤhlung zu beſchleu⸗ nigen, umzuruͤhren. Waͤhrend dem Abkuͤhlen der kochend aufgebrachten Wuͤrze, verdunſtet bis ſie ſtellrecht iſt, je nachdem dem Luftzug freier Zutritt geſtattet war, noch der zehnte bis zwoͤlfte Theil ihres Volumens. §. 276. Die Temperatur der Wuͤrze, bis zu welcher ſie abgekuͤhlt werden muß, ehe ihr die Hefe beigegeben wird, betraͤgt im mittleren Durchſchnitt 12 Grad. Starke Biere werden kaͤlter, als leichte Biere, geſtellt, ſo wie im Allgemeinen ſich der Waͤrmegrad, den die Wuͤrze beim Hefezuſatz haben muß, nach der hoͤheren oder niederen Temperatur der Athmosphaͤre richtet. cj Eben ſo verhaͤlt es ſich mit der Quantitaͤt der zuzuſetzenden Hefe, fuͤr welche ſich ein allgemeiner Durchſchnitt um ſo weniger feſtſtellen laͤßt, da ihre 235 gahrungerregende Faͤhigkeit zu ſehr von dem Alter und den mit ihr verbundenen waͤſſrigen Antheilen abhaͤngt. Iſt die Hefe nicht friſch, ſo verſtaͤrkt man ihre Wirkung, indem ſie eine Stunde vor dem Stellen mit einer klei⸗ nen Quantitaͤt Bier bei 25 Grad Temperatur in einem beſonderen Gefaͤß in Gaͤhrung geſetzt wird. Starke Biere erhalten weniger Zuſatz, als leichte Biere, bei kaͤlterer Witterung oder niederer Temperatur der Wuͤrze muß eine verhaͤltnißmaͤßig groͤßere Quantitaͤt Stellhefe beigegeben werden. Das Zugeben der Hefe geſchiehet, nachdem die Wuͤrze vom Kuͤhlſchiff abgelaſſen iſt, auf dem Stell⸗ oder Gaͤhrbottich. Ohngefaͤhr nach 3 bis 5 Stunden beginnt die Gaͤhrung durch einen weißen Rand oder Streifen an der Seitenwand des Bottiches ſich zu zei⸗ gen.(Das Bier rahmt.) Es wird nunmehr entweder in kleinere Gaͤhrungsgefaͤße vertheilt, oder auf Faͤſſer ge⸗ bracht, in denen die Gaͤhrung vor ſich gehet und voll— endet iſt, wenn der groͤßere Theil der Hefe durch die Oeffnung des Spundes ausgetrieben, der andere Theil ſich an den Boden des Faſſes gelagert hat und das Bier hell geworden iſt. Die letztere Verfahrungsweiſe wendet man vorzuͤglich bei leichteren Bieren an, welche in kur⸗ zer Friſt trinkbar gemacht werden ſollen. Staͤrkere Biere, deren Gaͤhrungsprozeß um ſo lang⸗ ſamer geleitet werden muß, je laͤnger das Bier ſich halten ſoll, laͤßt man vorerſt in den Bottichen abgaͤh⸗ ren, nimmt die gebildete Hefe mit einer Schaumkelle ab und fuͤllt das Bier erſt dann(nach 40— 50 Stun⸗ den), wenn ſich keine weitere Hefenbildung auf der Oberflaͤche der Bottiche zeigt, in die Faͤſſer, worinn die Vervollkommnung deſſelben durch gaͤnzliche Abla⸗ gerung der Hefe und fortgeſetzte Erzeugung von Wein⸗ geiſt, der ſich bereits im Gaͤhrbottich zu bilden an— fing, ſtatt findet, und vollendet iſt, wenn eine aus dem Faſſe genommene Probe voͤllig durchſichtig erſcheint. In manchen Gegenden ſind, um Luft und Waͤrme abzu⸗ halten, die Faͤſſer inwendig mit Pech uͤberzogen. La⸗ gerbiere koͤnnen nur in tiefen Kellern erhalten werden, in denen auch im Sommer die Temperatur nicht uͤber 6 bis 9 Grad ſteigt. Eine zweite Art, den Gaͤhrungsprozeß zu leiten, Anleitung zur Bereitung einiger Bier⸗ ſorten. 236 nennt man die unkere Gaͤhrung, bei welcher die Hefe nicht waͤhrend der Gaͤhrung von der Fluͤſſigkeit geſchieden wird, ſondern gegen das Ende der Fermen⸗ tation ſich an den Boden des Gefaͤßes lagert. §. 277. Vorſtehendes ſind die Hauptmomente, die bei der Bierbereitung im Allgemeinen vorkommen. Von ihrer regelmaͤßigen Ausfuͤhrung in allen Theilen haͤngt die Guͤte und Haltbarkeit des Bieres ab, und wenn bei der Branntweinbrennerei, wie wir geſehen ha⸗ ben, Reinlichkeit der Geraͤthe und Gefaͤße, ſo wie genaue Beobachtung und Leitung der Tempera⸗ tur die Haupterforderniſſe ſind, das Gelingen aller Operationen zu verbuͤrgen, ſo iſt dieß in einem weit hoͤheren Grade noch bei der Bierbrauerei der Fall, wo jede Eſſigbildung vermieden werden muß, deren Fortſchreiten wir bei der Branntweinbrennerei nur zu verhindern bemuͤhet ſind. Hat ſich in der Branntweinmaiſche ein Uebermaaß von Eſſig gebildet, ſo gehet nur ein Theil des zu ge⸗ winnenden Alkohols verloren, iſt aber Bier ſauer ge⸗ worden, ſo iſt es ungenießbar, unverkaͤuflich und das ganze Produkt ohne Werth. §. 278. Es liegt außer unſerem Zweck, in eine ausfuͤhrliche Darſtellung uͤber die Bereitungsarten der verſchiedenen Bierſorten einzugehen, die der Farbe, dem Geſchmack, den Beſtandtheilen oder den Zuſaͤtzen nach faſt eben ſo mannichfaltig ſind, als die große Anzahl der verſchiedenen veredelten Branntweine oder Liqueure. Dagegen laſſen wir die Anleitung zur Verfertigung eini⸗ ger Bierſorten folgen, um den mit der Fabrikation gaͤnzlich Unbekannten in den Stand zu ſetzen, das fuͤr den Hausbedarf erforderliche Getraͤnk ſelbſt zu bereiten, oder bereiten zu laſſen. Zu braunem Bier verwendet man in der Regel Gerſtenmalz. Die dunklere oder hellere Farbe richtet ſich nach dem Temperaturgrade, bei welchem das Malz ge⸗ doͤrrt worden iſt. Will man dunkelbraunes Bier berei⸗ ten, ſo iſt jedoch zu empfehlen, dazu ebenfalls blaſſes Malz zu verwenden und nur ſo viel von dem, beim ſtaͤrkſten Hitzgrad gedoͤrrten Malz zu nehmen, als zur Darſtellung der gewuͤnſchten Farbe erforderlich iſt. Ver⸗ wendet man lediglich dunkelbraun gedoͤrrtes Malz, ſo 237 erhaͤt man im Vergleich zu derſelben Menge blaſſen Malzes ein weniger gehaltreiches Bier, was ſich daraus erklaͤrt, daß ein groͤßerer Antheil der dunkleren Farbe des erſteren, durch hoͤhere Temperatur und die dadurch erfolgte Zerſtoͤrung des, im letzteren noch unveraͤndert vorhandenen Zuckerſtoffes, gebildet worden iſt. §. 279. Ein Tiſchbier von guter Beſchaffenheit Braunbier erhaͤlt man, wenn man aus fuͤnf Scheffel Malz fuͤnf Tonnen oder 500 Quart Bier brauet. Ein zweimaliger Aufguß von heißem Waſſer iſt hinreichend, das Malz zu extrahiren. Die Wuͤrze wird 3 bis 4 Stunden lang mit 4 bis 5 Pfund gutem Hopfen gekocht, dann durchge⸗ ſeihet, abgekuͤhlt, wenn ſie 12 bis 15 Grad Temperatur zeigt, mit Hefe geſtellt und auf die Tonnen gebracht, welche et⸗ was geneigt liegen, damit die durch die Oeffnung des Spundes ausgeſtoßenen Hefen abfließen koͤnnen. Nach 3 bis 4 Sturden faͤngt die Gaͤhrung an, und dauert gegen 48 Stunden. Waͤhrend dieſer Zeit muß die aus⸗ gefloſſene Hefe durch Zuguß von Waſſer, oder durch das zuerſt ausgeſtoßene junge Bier im Faſſe erſetzt, und dies immer ſpundvoll erhalten werden. Hoͤrt die Be⸗ wegung des Bieres auf und bleibt die zuletzt ausgeſto⸗ ßene Hefe im Spundloche ruhig ſtehen, ſo iſt die ſicht— bare Gaͤhrung vollendet und nachdem die Faͤſſer leicht verſpundet ſind und ſich binnen 4 bis 6 Tagen die Unterhefen am Boden gelagert haben, iſt das Bier hell, trinkbar und wird entweder vom Faſſe verbraucht oder auf Flaſchen gezogen. Will man ſtaͤrkeres Bier haben, ſo verfaͤhrt man eben ſo. Zu haltbarem Doppelbier rechnet man 8 Scheffel Malz, um daraus mit einem Zuſatz von 8 Pfund Hopfen 5 Tonnen Bier zu bereiten. Starkes Bier muß jedoch kuͤhler, bei 8 bis 12 Grad geſtellt werden, damit die Gaͤhrung langſamer angehe und laͤn⸗ ger dauere. §. 280. Ein dem Berliner Weisbier aͤhnliches Weisbier. Getraͤnk, was ſeines weinartigen Geſchmackes, ſo wie der kuͤhlenden und naͤhrenden Eigenſchaft halber, vor⸗ zuͤglich im Sommer ſehr beliebt iſt, erhaͤlt man in der Quantitaͤt von fuͤnf Tonnen, aus drei Scheffel Weizen⸗ und zwei Scheffel Gerſten⸗Luftmalz, folgendermaaßen. Das geſchrotete Malz wird mit warmen Waſſer ange⸗ 238 teigt und mit kochendem uͤbergoſſen, bis ſich in der Maiſche eine Temperatur von 45 bis 50 Grad bildet. Hierauf wird der vierte Theil dieſer Maiſche ſammt den Trebern auf die Pfanne gebracht und mit dem Zuſatz von drei Pfund Hopfen eine halbe Stunde lang im Sieden erhalten. Alsdann koͤmmt eine zweite Portion der Maiſche aus dem Bottich, zu der erſtern in den Keſſel, und wird, wenn ſie wiederhohlt zu ſieden anfaͤngt, was man an dem auf der Oberflaͤche durchbrechenden wei⸗ ßen Schaum erkennt, der uͤbrigen Maiſche im Bottich wieder hinzugeſchuͤttet und mit dieſer wohl umgeruͤhrt, wodurch ſich eine Temperatur von 58 bis 60 Graden erzeugt. Hat dieſe Maiſche eine halbe Stunde geſtanden, ſo wird ſie abgelaſſen und auf das Kuͤhlſchiff gebracht. Die ruͤckſtaͤndigen Trebern erhalten einen zweiten Aufguß kochendes Waſſer und nachdem daſſelbe eine halbe Stunde lang ſie durchzogen, wird auch dieſer Auf⸗ guß abgelaſſen und zu der erſteren Wuͤrze gebracht. Iſt ſie hier auf 15 bis 18 Grad abgekuͤhlt, ſo wird ein Quart friſche Oberhefe hinzugeſchuͤttet und das Bier auf Faͤſſer gefuͤllt. Die Gaͤhrung beginnt und endet raſcher, als bei braunem Bier. Iſt die ſichtbare Gaͤh⸗ rung vollendet, ſo wird es auf Flaſchen gezogen, und mouſſirt nach wenig Tagen. In dieſem Bier iſt Kleber und Schleim faſt unzerſetzt vorhanden, deshalb iſt es zwar naͤhrender, aber auch dem Sauerwerden ſehr leicht unterworfen, und haͤlt ſich, ſelbſt bei kuͤhler Witterung, nicht uͤber drei bis vier Wochen, weshalb man auch nur ſolche Quantitaͤten brauen darf, die waͤhrend jenes Zeitraums verbraucht werden. Will man derartiges Bier ganz hell haben, ſo muß es, entweder auf dem Keſſel(§. 274), oder im Faſſe geſchoͤnt werden.(§. 284.) §. 281. Die Bereitung dieſer Bierſorten iſt, wie wir ſehen, ſehr einfach, ſie befriedigen das Beduͤrfniß faſt jeder Haushaltung und ihre Darſtellung erfordert keine beſonderen Ausgaben fuͤr Geraͤthe; da ein Keſſel von maͤßigem Inhalt und eine Wanne, die am Boden mit einem Loch verſehen iſt, zu dieſem Brauereibetrieb hinreicht. In Brennereien kann man ſich dazu des Waſſerkeſſels oder der Deſtillirblaſe, ſo wie der Maiſch⸗ bottiche bedienen. Sind die letzteren ſo rein, wie ſie zur Brennerei ebenfalls ſein muͤſſen, ſo hat 239 man ein Sauerwerden des in ihnen gekuͤhlten, oder ge⸗ ſtellten Bieres nicht zu fuͤrchten. Bereitet man regel⸗ maͤßig das fuͤr den Hausbedarf beſtimmte Bier ſelbſt, ſo iſt es erleichternd, wenn man fuͤr dieſen Zweck einen Maiſchbottich von der erforderlichen Groͤße anfertigen laͤßt, der mit einem doppelten Boden und einem hoͤlzer⸗ zernen oder meſſingenen Abflußhahn verſehen iſt. §. 282. Alle andern Materialien als Malz, wel⸗ che Zuckerſtoff enthalten, aus denen mithin Branntwein dargeſtellt werden koͤnnte, ſind auch fuͤr die Bereitung von Bier anwendbar und ihre Benutzung fuͤr dieſen Zweck iſt bei uns nirgend verboten, ſo wenig als der Zuſatz anderer unſchaͤdlichen bittern oder aromatiſchen Pflanzenſtoffe, die als Surrogate des Hopfens oder auch um dem Bier einen lieblichen Geſchmack zu ertheilen, dienen koͤnnen, oder angewendet werden. Außer Zucker und Zuckerſyrup ſind vorzuͤglich Queckenwurzeln, Mohr⸗ ruͤben, Runkelruͤben und Kartoffeln bei uns, obſchon nur verſuchsweiſe und ohne guͤnſtigen Erfolg, als Stellver⸗ treter des Malzes, in Anwendung geſetzt worden. In neuerer Zeit war eine Brauerei von nicht unbedeutendem Umfange errichtet, welche Bier lediglich aus Staͤrkeſyrup darſtellte, doch hat auch dieſe Fabrikation nach kurzem Beginn aufgehoͤrt, da man ſtarkes, haltbares Bier, was dem aus Malz gebrauten zur Seite geſtellt werden kann, aus Staͤrkeſyrup nicht zu produziren vermochte. Dieſelbe Bewandniß hat es mit den Surrogaten, die man ſtatt des Hopfens verwendet, als Enzianwurzel, Bitterklee, Cordebenediktenkraut, Quaſſienholz, Wermuth ꝛc. Wenn auch in ihnen, ſo wie in den Zucker- oder Pflanzenſaͤften Bitter⸗ oder Zuckerſtoff hinreichend vor⸗ handen ſind, ſo fehlt dennoch immer das eigenthuͤmliche Aroma, was Malz und Hopfen vorzuͤglich auszeichnet und in allen Malzgetraͤnken vorwaltend bemerkbar ſein muß, wenn ſie den Anforderungen Lntſprechen ſollen, die wir an reines, geſundes und kraͤftiges Bier zu machen gewohnt ſind. In England iſt es den Brauern und Bierwirthen bei 100 Pfund Sterling Strafe unterſagt, zur Bierbereitung andere Materialien als Malz und Hopfen zu verwenden. Dieſelbe Strafe von 100 Pf. Sterling hat der Brauer ſchon verwirkt, wenn mehr als 10 Pfund von einem derartigen Artikel, z. B. Syrup, Malz⸗ und Hopfen⸗ ſurrogare. Verfaͤl⸗ ſchung des Biers. Klaͤrung des Biers. 240 Honig, grober Zucker oder Zuckerextrakt bei ihm vorraͤ⸗ thig angetroffen werden. Wer ſtatt Hopfen beim Brau⸗ en Birken oder Wermuth verwendet, unterliegt einer Strafe von 20 Pfund Sterling. 1 §. 283. Die vorgenannten ſtrengen Verfuͤgungen gegen den Verbrauch anderer Materialien, als Malz und Hopfen, ſind nicht befremdend, wenn man ermißt, mit welchen ſchaͤdlichen Subſtanzen in England die Makzgetraͤnke zum Nachtheil der Geſundheit zuweilen verfaͤlſcht werden. Als Erſatz fuͤr Malz und Hopfen, ſo wie als Mittel, das Bier ſtaͤrker berauſchend und laͤnger haltbar zu machen, gebraucht man Kokelskörner, Kraͤhenaugen, Stechapfel, Bilſenkraut, Belladonna, Opium, und Spaniſchen Pfeffer, oder einen aus dieſen giftigen Pflanzen gezogenen Extract, der unter dem Namen Faͤrbeſtoff oder Multum in England verkauft wird. Um, namentlich im Porter, harten Geſchmack und Schaum herzuſtellen, miſcht man unter denſelben eine Aufloͤſung von gruͤnem Vitriol, Alaun oder Salz. Daß derartige Verfaͤlſchungen in England vorgenommen wor⸗ den ſind, beweiſt die Thatſache, daß von 1813 bis 1819 34 Brauer wegen des Gebrauches ſchaͤdlicher In⸗ gredienzen zur Bierbereitung, in Geldſtrafen von 25 bis 650 Pfund Sterling, ſo wie einige dreißig Materiali⸗ ſten, wegen Verkauf derartiger Ingredienzen an Bier⸗ brauer, zu 20 bis 500 Pfund Sterling Strafe verur⸗ theilt worden ſind. §. 284. Wenn man dem Vier entweder nicht Zeit laſſen kann, ſich zu klaͤren, oder daſſelbe, nachdem der Gaͤhrungsprozeß aufgehoͤrt hat, dennoch truͤb bleibt, ſo muß deſſen Abhellung auf. kuͤnſtliche Weiſe erfolgen, wozu man ſich am beſten einer Aufloͤſung von Hauſen⸗ blaſe bedient, mit welcher das truͤbe Bier vermiſcht wird. Zu 5 Tonnen Bier nimmt man 1 Loth Hauſen⸗ blafe, weicht dieſelbe, nachdem ſie breit geklopft und zerſchnitten iſt, in enem Quart Waſſer auf und laͤßt die Miſchung 24 Stunden ſtehen. Man zertheilt dann die Maſſe mit einem Schaumbeſen, gießt ein wenig Eſſig oder ſaures Bier hinzu, wo ſich, nachdem die Aufloͤſung noch einige Zeit geſchlagen worden, eine durchſichtige Gallerte bildet, die dem Bier zugeſetzt und mit demſel⸗ ͤ——— ꝗ——— NKN 241 ben durchgeſchuͤttelt wird. Die Gallerke verbindet ſich mit der truͤbenden Subſtanz und bildet eine Art von Netz, welches allmaͤhlig mit den in dem Bier enthalte— nen truͤben Theilen zu Boden ſinkt und der Fluͤſſigkeit Klaͤrung und Durchſichtigkeit ertheilt. Daſſelbe Verfah⸗ ren wird auch angewendet, um truͤben Wein zu klaͤren. Sauer oder ſchaal gewordenes Bier laͤßt ſich nicht wieder herſtellen. Kreide, Marmor, Soda, Holzaſche —oder Pottaſche, welche man zur Abſtumpfung der Saͤure im Bier vorgeſchlagen hat, nehmen zwar dieſe auf, bil⸗ den aber zugleich in dem entſaͤuerten Bier, Aufloͤſungen von Salzen, deren Geſchmack nicht minder unangenehm, als die Saͤure ſelbſt iſt. Eher noch kann man ſaures Bier mit jungem Bier vermiſchen, wodurch erſteres we⸗ nigſtens genießbar wird. §. 285. Das Trocknen des Malzes auf der Darre haben wir§. 102 abgehandelt und laſſen jetzt die Be— ſchreibung uͤber die zweckmaͤßigſte Konſtruktion einer Malzdarre folgen, die ſowohl bei der Branntwein⸗ brennerei, als auch bei der Bierbrauerei ein faſt unent— behrliches Erforderniß genannt werden darf, da wohl ſelten ſo viel bedeckter Raum in einer Betriebs-Anlage vorhanden ſeyn moͤchte, um die in dem friſchen Malz enthaltene Feuchtigkeit blos durch die athmosphaͤriſche Luft zu entfernen, anderer Seits aber die haltbaren und dauerhaften Biere nur von Malz gebraut werden koͤnnen, deſſen Beſtandtheile in hoͤherer Temperatur durch Roͤſtung mindeſtens theilweis eine Veraͤnderung erlitten haben. Die Haupterforderniſſe bei Anlage einer Darre be⸗ ſtehen darinn, daß zu ihrer Erhitzung wenig Brenn⸗ material verbraucht wird, daß man die Vermehrung oder die Verminderung der Hitze in ſeiner Gewalt hat, daß ihre Vertheilung unter der Oberflaͤche der Darre und mithin in dem auf ihr befindlichen Malz, gleich⸗ foͤrmig geſchieht, daß dem Rauch kein Zutritt zu dem Malze gewaͤhrt wird und zwiſchen dieſem hinreichender Luftzug ſtatt findet, um die aus der Feuchtigkeit ent— wickelten Daͤmpfe abzufuͤhren. Fruͤherhin trocknete man das Malz auf Flechten von Holz, durch welche der heiße Rauch unmittelbar zog, der jedoch bei ſeinem Durchzug dem Bier, ſo wie 16 Saures, ſchaales ier. Malz⸗ darren, deren Kon⸗ ſtruktion und Be⸗ ſchreibung, Fig. 37. 242 dem Branntwein, einen widrigen Geſchmack ertheilte. Spaͤter belegte man mit Platten von Eiſen, Kupfer oder Thon die Darren, wodurch zwar der unmittelbare Zutritt des Rauches abgeſchnitten iſt, jedoch der nicht minder große Uebelſtand eintritt, daß das Malz un⸗ gleichfoͤrmig erhitzt wird, da die oberen Lagen deſſelben den aus den unteren Schichten entwickelten Waſſer⸗ daͤmpfen einen raſchen Durchzug nicht geſtatten und deshalb die Temperatur auf der Darre ſelbſt, ſehr un⸗ gleichfoͤrmig iſt. Um dieſe Uebelſtaͤnde zu vermeiden, lei⸗ tete man daher durch Kanaͤle, welche den Rauch einge⸗ ſchloſſen hielten, die Hitze in die Darre und trocknete das Malz auf Horden, die entweder aus durchloͤcherten Metallplatten oder Drathgittern beſtanden. Dabei man⸗ gelte es jedoch immer noch an ſcharfem Luftzuge, der in der Darre unter dem Malze ſtark genug wirkt, die entwik⸗ kelten Daͤmpfe ſofort in die aͤußere Umgebung zu trei— ben. Doch iſt jetzt auch dieſem abgeholfen und wir koͤnnen nachſtehend die Konſtruktion einer Malzdarre durch Fig. 37 und 38 verdeutlicht, beſchreiben, die allen obengenannten Anforderungen auf das Zweckmaͤßigſte entſpricht. §. 286. AA ſind zwei neben einander parallel laufende Cylinder von ſtarkem Eiſenblech, 11 bis 12 Zoll im Durchmeſſer haltend; ihre Oeffnungen ſind durch den Cylinder B verbunden, oder durch einen verſchloſſe⸗ nen Kanal, welcher in der Querwand der Darre befind⸗ lich iſt. Beide Cylinder ruhen auf dem eiſernen, einen Fuß hohen Roſt(der unter Z noch beſonders ge⸗ zeichnet iſt), oder ſie werden von eiſernen Staͤben ge— tragen, die in der Ruͤckwand und Bruſtmauer der Darre befeſtigt ſind. C iſt die 3 Fuß hohe Bruſtmauer mit zwei eiſernen Thuͤren, durch welche die Darre von den abfallenden Keimen gereinigt wird. D iſt ein auf der Bruſtmauer der Darre liegender, mit Krempen befeſtigter hoͤlzerner Balken, auf dem die Horden ruhen und durch welchen gleichzeitig das theilweiſe Herabfallen des Mal⸗ zes von der Darre gehindert wird. E E ſind zwei Luft⸗Kanaͤle, deren Oeffnungen in die Darre gehen. Dieſe Kanaͤle ſtehen mit zwei, neben dem Roſte der Feuerung liegenden, eiſernen Cylindern in Verbindung, die beſtimmt ſind, von außen kalte Luft einzuſaugen, ———- 243 ſie bei ihrem Durchſtreichen zu erhitzen und ſo unter die Darre zu fuͤhren, wo ſie, um ſich einen Ausweg zu ſuchen, durch das erhitzte Malz dringen muß und in⸗ dem ſie dort ihren Waͤrmeſtoff theilweis abſetzt, gleich⸗ zeitig das, aus dem feuchten Malz aufſtroͤmende dampf⸗ foͤrmige Waſſer fortfuͤhrt. Die genauere Lage dieſer Cy⸗ linder auf dem Feuerheerd findet ſich§. 201 beſchrieben. In der Mitte der Decke des Raumes, in welchem ſich die Malzdarre befindet, iſt eine Oeffnung(Dampffang) angebracht, um den aus dem Malz aufſteigenden Daͤm⸗ pfen Communication mit der aͤußeren Athmoſphaͤre zu gewaͤhren, und es zu verhindern, daß ſich nicht die Daͤmpfe in der Umgebung der Malzdarre niederſchlagen oder doch die Luft des Trockenraums mit Feuchtigkeit ſchwaͤngern. Wo es die Locgalitaͤt nicht geſtattet, einen derartigen Dampffang an der Decke anzubringen, erregt man, waͤhrend gedarrt wird, Luftzug durch Oeffnung von Thuͤ⸗ ren und Fenſtern. Man darf nicht fuͤrchten, dadurch dem Abtrocknen des Malzes Eintrag zu thun, denn es iſt eine ſehr unrichtige Anſicht, wenn man glaubt, daß es noͤthig, oder auch nur erſprießlich ſei, die Temperatur in dem Raume der Darre ſo heiß als moͤglich zu er⸗ halten, und deßhalb jeden Luftzug vermeiden muͤſſe; da ge⸗ rade dieſer, durch Entfernung der Daͤmpfe das Malz trocknet, nicht aber die uͤber denſelben ſtillſtehende warme Luft, welche ihre austrocknende Kraft verliert, ſobald ſie mit Feuchtigkeit hinreichend geſchwaͤngert iſt. 4 Entweder wird eine derartige Darre durch beſon⸗ dere Feuerung erhitzt, oder ſie erhaͤlt ihte Waͤrme durch den von der Blaſen⸗ oder der Braukeſſel⸗Feuerung außer⸗ dem unbenutzt entweichenden Rauch, der vermittelſt ei⸗ nes Kanales F in den Cylinder geleitet wird. G iſt eine Huͤlfsfeuerung, um, wenn es noͤthig iſt, Hitze un⸗ mittelbar unter die Darre zu fuͤhren. §. 287. Statt der eiſernen Cylinder kann man auch Kanaͤle von Toͤpfer⸗Kacheln oder Thorziegeln, die auf einem eiſernen Roſt ſtehen, mit Vortheil anwenden, da ihre Anſchaffung weniger koſtbar iſt; obſchon ſie die Waͤrme nicht ſo raſch und vollkommen hindurch leiten, als Metall. Fig. 38 zeigt den Laͤngendurchſchnitt, Grundriß und Querdurchſchnitt einer ſolchen Darre. 16* Fig. 244. H H iſt der Roſt, oben mit nebeneinander liegenden Dachſteinen bedeckt und mit einer duͤnnen Lage Lehm uͤberzogen, in welchen die Kacheln eingedruͤckt und wie beim Aufſetzen eines Ofens verbunden werden. Die obere Flaͤche des Kanals wird mit Eiſenblech gedeckt, auf welches ſchmale Mauer⸗ oder Dachſteine an den Rand herum in einer Entfernung von 6 Zoll aufgelegt werden. Um das Anbrennen der durchfallenden Keime zu verhuͤten, werden die Kanaͤle mit einem Dache aus gegeneinanderſtehenden Kacheln oder Ziegelſteinen verſehen. Unter dieſes Dach leitet man die vorher beſchriebenen Luft⸗Kaͤnaͤle, welche die von dem Darr⸗Kanal ausſtroͤ⸗ mende Hitze nach oben fuͤhren. Die Form, welche man der Bedeckung der Darre giebt, iſt gleichguͤltig und richtet ſich nach der Locglitaͤt, in der ſie aufgeſtellt wird. Sie kann daher eine gerade oder ſchiefe Ebene, oder auch einen Sattel bil⸗ den. Bedeckt wird die Darre mit Drathgittern, welche in eiſernen Rahmen befeſtigt ſind. Ihre Breite betraͤgt, damit ſie ſich nicht werfen, mehr nicht als drei Fuß. Die Groͤße der Oberflaͤche der Darre richtet ſich nach der Quantitaͤt des Mazzbedarfes. Wo dieſe jedoch von einer Darre nicht beſchafft werden kann, leitet man, wie vorbeſchrieben, ſtatt in den Schornſtein, den Rauch durch Kanaͤle in eine zweite Darre, die ſich in einer hoͤhern Etage befindet, welche dadurch eben⸗ falls, wenn auch im minderen Grade, als die erſte, erhitzt wind. —.,——————— Geſetzgebung. — §. 288. In dem vorſtehenden Abſchnitt haben wir den erſten Theil unſerer Aufgabe zu loͤſen verſucht und den verſchiedenartigen Gewerbebetrieb ſo entwickelt, wie ſich derſelbe in ſeiner vollen Ausdehnung frei und unge⸗ hindert zu bewegen vermag. Wir durfen uns auf das Gutachten jedes Sachverſtaͤndigen berufen, daß wir, in ſo weit es gedraͤngte Kuͤrze geſtattet, alle weſentli⸗ che Fabrikationsmethoden angefuͤhrt haben, die nach den bisherigen Erfahrungen bei der Darſtellung des Bieres oder des Branntweins als gewinnbringend zu erachten ſind. Wiſſentlich iſt nichts unerwaͤhnt gelaſſen, wodurch groͤßere Ausbeute an Fabrikat, oder geringerer Koſtenaufwand bei deſſen Produktion erzielt werden kann. Wir wenden uns nunmehr zu dem zweiten Theil unſeres Vortrages, welcher darin beſtehet, die Geſetzgebung uͤber Beſteuerung dieſer Gewerbe in ihrer Anwendung auf die einzelnen Betriebsakte darzuſtellen und bei dieſer Darſtellung den Beweis zu fuͤhren, daß die Geſetzgebung den Gewerbe⸗ betrieben vollkommen den zum Gedeihen erforderlichen Grad von Freiheit bei ihrer Ausuͤbung gewaͤhrt, Beſchraͤnkun⸗ gen der Induſtrie weder bezweckt, noch geſtattet, und durch Beaufſichtigung der Betriebsſtellen nur ſolche Maaß⸗ regeln in Ausfuͤhr ng zu bringen befiehlt, die das Ein⸗ kommen der Steuern dergeſtalt ſichern, daß ſie nicht leicht zum Nachtheil der Staatskaſſe und der uͤbrigen Deklara⸗ tion der Fabrika⸗ tions⸗An⸗ ſtalten und Geraͤthe. Schrift⸗ liche An⸗ meldung. Bei Bren⸗ nereten. 216 Geversſtahenden von dem Einzelnen umgangen werden koͤnnen. §. 289. Wir beginnen mit denjenigen Vorſchriften, welche den Steuerpflichtigen zu Deklaration der in ſei⸗ nem Beſitz befindlichen, zum Betriebe benutzt werdenden Brauerei⸗ und Brennereigeraͤthe, zu der Angabe uͤber deren Rauminhalt und zu der Beſchreibung der Gewerbs⸗ raͤume an die Steuerbehoͤrde verpflichten. Es liegt in dem Gange des Gewerbebetriebes, und iſt in dem Weſen der Steuerverfaſſung begruͤndet, daß, wenn das Einkommen der Gefaͤlle durch Controlen ge⸗ ſichert werden ſoll, auch deren Handhabung diejenigen Mittel zu Gebote ſtehen muͤſſen, welche den vorgeſetzten Zweck erreichen laſſen. Da nun bei der Brau⸗ und Brennſteuer es aller⸗ meiſt darauf ankommt, daß die Verwaltung unterrichtet ſei, welche Fabrikationsanſtalten, an welchen Orten und in welchem Umfange ſich ſolche im Lande befinden, ſo iſt das erſte Erforderniß, daß ſie eine Erklaͤrung von dem Steuerpflichtigen verlangt, wodurch er, indem er ſich als Gewerbtreibenden darſtellt, den Nachweis uͤber ſeine Fabrikationsſtelle, die dazu gehoͤrenden Raͤume und Geraͤthe liefert. §. 290. Nehmen wir an, daß, ſeit dem Beſtehen des Geſetzes vom 8. Februar 1819, alle vorhandenen Betriebs⸗Anſtalten gegenwaͤrtig angemeldet und inventa⸗ riſirt ſind, und Jemand eine Brennerei oder Brauerei neu einrichte, ſo liegt ihm nach§. 16 der Steuerord⸗ nung ob, binnen 3 Tagen nach Anſchaffung der Ge⸗ raͤthe, demjenigen Steueramte, Zollauite, oder derjenigen Receptur, in deſſen Spezial⸗Diſtrikt er zur Erlegung der indirekten Steuern angewieſen iſt, eine doppelte, gleich⸗ lautend ausgefertigte, mit ſeiner Namensunterſchrift voll⸗ zogene, ſchriftliche Deklaration abzugeben, wozu ihm die Formulare von der Behoͤrde unentgeltlich geliefert werden. Dieſe Deklaration muß fuͤr Brennereien, Stuͤck fuͤr Stuͤck, einzeln nachweiſen, welche Maiſch⸗ oder Gaͤhrbot⸗ tiche, Vormaiſchbottiche, Hefe⸗ und Schlempegefaͤße, Kuͤhlfaͤſſer, Kuͤhler, Blaſen, Helme, Maiſchwaͤrmer, Condenſatoren, Kuͤhl⸗ oder Spiritus⸗Apparate, gemau⸗ erte oder verſenkte Maiſch⸗, Lutter⸗, Schlempe⸗ oder 247 Branntwein⸗Reſervoirs, auch wenn ein oder der an⸗ dere Theil nicht zu benutzen beabſichtigt wird, vorhan⸗ den ſind. Bei Brauereien gehoͤren zu dieſen Geraͤthen die Braupfannen oder Keſſel, die Maiſch⸗, Wuͤrz⸗ und Stellbottiche, die Kuͤhlſchiffe, ſo wie fuͤr diejenigen Brauereien, wo die Reviſion des Bierzuges nicht im Braulokale geſchiehet, die Gaͤhrbuͤtten oder Tonnen an⸗ zugeben ſind. Die ebenfalls vorbeſchriebene beſtimmte Angabe, Bei Brau⸗ ereien. Erklaͤrung welchen Rauminhalt diejenigen Gefaͤße enthalten, die des Raum vermeſſen werden koͤnnen, wird zwar gegenwaͤrtig nicht ſo ſcharf, als fruͤher, gefordert, da ſie bei der damals neuen Einfuͤhrung des Geſetzes einen andern Zweck hatte, auch der ſteuerpflichtige Inhalt der Gefaͤße erſt durch amtliche Vermeſſung verifizirt wird, und den Maaßſtab der Abgaben⸗Erhebung bildet; dennoch kann, nach der oben angezogenen Geſetzes⸗Stelle, zur genauen Angabe des Inhaltes der Declarant verpflichtet werden. Außerdem muß dieſe Declaration der Geraͤthe auch die Lage der Betriebs-Anſtalt nach Ort, Haus und Nummer ergeben, und fuͤr Brennereien noch ein beſon⸗ derer Grundriß uͤber die Stellung der Maiſchgefaͤße eingereicht werden, fuͤr welchen ſich das vorgeſchriebene Schema unter Fig. 39 gezeichnet findet. Fuͤr Brau— ereien iſt die Angabe, wo die geſchroteten Malzbeſtaͤnde aufbewahrt werden, erforderlich. Jedermann, der in den Fall koͤmmt, ſteuerliche Meldungen zu machen, iſt ver⸗ pflichtet, ſich daruͤber, daß und wenn ſie geſchehen, durch ſchriftlichen Ausweis zu ſichern, der ihm gegen ſeine Anmeldungen von der Steuerbehoͤrde gegeben wer⸗ den muß. §. 291. Von ſteueramtlicher Aufnahme ſind die⸗ jenigen Geraͤthe und Gefaͤße ausgenommen, welche zwar zum Gewerbebetriebe gehoͤren, jedoch kein ſteuer⸗ liches Intereſſe haben, z. B. bei der Brennerei: Dampf⸗ tonnen, Vorlagen, Lutter⸗ oder Branntweintonnen, Rin⸗ nen, Eimer, Schoͤpfen, Stunzen, Kartoffelmuͤhlen ꝛc., bei der Brauerei: Hefenwannen, Malzbottiche, Hopfenbe⸗ haͤlter ꝛc. Ebenfalls von dieſer Anmeldung ausgeſchloſſen ſind inhaltes. Grundriß Fig. 39. Ausnah⸗ men von der De⸗ claration. Verpflich⸗ tung zur Declara⸗ tion ſaͤmmtli⸗ cher De⸗ ſtillirge⸗ raͤthe. Declara⸗ tion bei Veraͤnde⸗ rung der Geraͤthe und Ge⸗ faͤße. 248 diejenigen Geraͤthe oder Gefaͤße, welche ſich anderer Ge⸗ werbe halber, z. B. bei dem gleichzeitigen Betrieb einer Staͤrkefabrik, Gerberei oder Seifenſiederei ꝛc., in demſel⸗ ben Gewerbs⸗Lokal befinden, ſo wie auch diejenigen Ge⸗ faͤße, welche dort zu oͤkonomiſchen oder wirthſchaft⸗ lichen Zwecken, z. B. zum Waſchen, gebraucht oder aufbewahrt werden. §. 292. Dagegen beſtimmt die Steuerordnung vom 8. Februar 1819,§. 16, daß jeder Inhaber eines eingerichteten Deſtillir-Geraͤthes inner⸗ halb eines, damals von den Koͤnigl. Regierungen zu be⸗ ſtimmenden Termines, daſſelbe zu deklariren verpflichtet ſei. Es iſt mithin der ſteueramtlichen Aufſicht jedes Deſtillir-Geraͤth, deſſen Inhalt vier Quart oder mehr betraͤgt, unterworfen; ohne Unterſchied, ob ſol⸗ ches zur Branntwein- oder Liqueurfabrikation benutzt, oder zu ſteuerfreiem Zweck in Gebrauch geſetzt werden ſoll. Eben ſo wenig macht es einen Unterſchied, ob ein derartiger Apparat zur naſſen oder zur trocknen De⸗ ſtillation denutzt wird und aus Glas, Holz, oder aus Metall angefertigt iſt. Außer den Branntweinbrennern und Liqueurfabrikanten ſind daher auch diejenigen, welche Parfuͤmerien, wohlriechende Waͤſſer, Holzeſſig, Terpentin⸗ oͤl und andere aͤtheriſche Oele bereiten, Pech⸗, Theer⸗ und Daggertbrennereien, ſo wie Fabrikanten chemiſcher Produkte, verbunden, bevor ſie ihre Deſtillirgeraͤthe in Gebrauch ſetzen, dieſelben unter Controle der Steuer— behoͤrde zu ſtellen. Dagegen ſind Perſonen, welche De⸗ ſtillir-Geraͤthe blos verfertigen oder damit Handel trei⸗ ben, dieſer Aufſicht nicht unterworfen, jedoch muͤſſen ſie vor der Aushaͤndigung jedes Deſtillir⸗Geraͤthes, oder eines Theiles deſſelben, es ſei neu oder alt, ausgebeſſert oder geaͤndert, dem Steueramte ihres Bezirkes Anzeige erſtatten. §. 293. Dieſelbe Verpflichtung zur Anmeldung liegt dem Gewerbtreibenden nach dem ſchon angezogenen §. 16 der Steuerordnung ob, wenn eins dieſer durch ſeine Anmeldung der Steuerbehoͤrde bekannt gewordenen und von ihr inventariſirten Gefaͤße oder Geraͤthe, ver— aͤndert oder weggeſchafft wird, wozu namentlich das Ausreißen und Wiedereinmauern der Blaſen, ſo wie das Veraͤndern der Maiſchtienen gehoͤrt, oder auch, wenn der ——— 249 Steuerpflichtige eln derartiges, der Controle unterworfenes Geraͤth oder Gefaͤß, was bis jetzt von ihm entweder nicht beſeſſen, oder angemeldet war, in ſeine Gewerbeanſtalt aufnimmt. Eben ſo iſt er verbunden, Geraͤthe oder Gefaͤße, welche aus einem andern Steuerbezirk in die Gewerbeanſtalt uͤbergehen, ſeiner Steuerſtelle anzumelden, wie dies der fruͤhere Beſitzer dem dortigen Amte beim Abgange zu thun verpflichtet war. Ueber die Frage, von welchem Zeitpunkt ab die in dem genannten§. 16 verordnete dreitaͤgige Friſt laͤuft, binnen welcher die Veraͤnderung der Brau⸗ und Brenngeraͤthe der Steuerbehoͤrde angezeigt werden muß, hat das Koͤnigliche Finanz⸗Miniſterium entſchieden, daß dieſe Friſt von demjenigen Zeitpunkte an zu berechnen bleibt, wo die Veraͤnderung bereits bewirkt iſt. §. 294. Es ſind dieſe Anmeldungen uͤber Zu⸗ und Abgang von Brau⸗ und Brenngeraͤthen, uͤber deren be— abſichtigte Reparatur oder ſonſtige Aenderung, uͤber Ent⸗ fernung oder anderweite Beſtimmung, wie ſchon er— waͤhnt, der Steuerhebeſtelle einzureichen, welche die Ver⸗ pflichtung hat, beide Exemplare zu vergleichen, das eine als amtlichen Belag zu aſſerviren, das zweite aber dem Steuerpflichtigen mit der Beſcheinigung, daß und wenn er dieſe Anmeldung abgegeben, zu ſeinem ferneren Aus⸗ weis nach§. 20 der Steuer⸗Ordnung zuruͤckzuſtellen. Diejenigen Aufſichtsbeamten, denen die Controli⸗ rung der Anſtalten insbeſondere obliegt, ſind zu Annah⸗ me derartiger Anmeldungen nicht befugt, und der Ge— werbtreibende wuͤrde ſich durch eine, von ihnen in ihrer Eigenſchaft ausgeſtellte Abgabe⸗Beſcheinung nicht legiti⸗ miren koͤnnen, da das Geſetz dieſe Befugniß und Ver⸗ pflichtung ausdruͤcklich den Steueraͤmtern uͤbertraͤgt. §. 295. Die Erhebung der Branntweinſteuer, de⸗ ren Ertrag ſich nach dem Quartinhalt der zum Betrieb deklarirten Maiſchgefaͤße richtet, macht nicht nur eine voͤllig ſichere Inhaltsermittelung derſelben, ſondern auch eine ſolche Bezeichnung ſaͤmmtlicher Haupttheile der Be— triebsgeraͤthe noͤthig, daß eine der Steuerbehoͤrde nicht angezeigte Verwechſelung oder Veraͤnderung ohne Ent⸗ deckung nicht leicht auszufuͤhren iſt, und dadurch denje⸗ nigen Nachtheilen vorgebeugt wird, welche daraus fuͤr Abgabe dieſer An⸗ meldun⸗ gen. Inhalts⸗ Ermitte⸗ lung der Gefaͤße durch Ver⸗ meſſung. Durch wen ſolche geſchiehet. Vermeſ⸗ 250 den rechtlichen Verkehr, ſo wie fuͤr das Steuer⸗Intereſſe ſelbſt entſpringen koͤnnten. Nach abgegebener Anmeldung, wo moͤglich vor Anfang des Betriebes, wird dem Steuerpflichtigen der Tag angegeben, an welchem die Vermeſſung der von ihm declarirten Geraͤthe vorgenommen werden ſoll. Ihm liegt fuͤr dieſen Zeitpunkt ob, dafuͤr zu ſorgen, daß die Geraͤthe ſenkrecht ſtehen, ſich im leeren und trocknen Zu⸗ ſtande befinden, auch die hoͤlzernen durch Reife ſo feſt zuſammen gebunden ſind, daß ſie beim Anfuͤllen mit Waſſer daſſelbe nicht durchlaſſen. Er muß ferner dafuͤr ſorgen, daß die noͤthige Menge Waſſer angeſchafft wer⸗ ndu Leute, zu Huͤlfs⸗ oder Handleiſtungen, anweſend ind. §. 296. Die Vermeſſung geſchieht vorſchriftmaͤßig durch zwei Beamte, von denen der eine der Oberinſpektor oder Oberkontroleur des Bezirkes iſt, welche jedoch in einzel⸗ nen Faͤllen, auf vorherige Beſtimmung, auch durch den Ein⸗ nehmer*) des Steuerbezirkes vertreten werden koͤnnen. Der zweite Beamte wird aus dem Aufſichtsperſonal gewaͤhlt. Dem Akte der Vermeſſung muß der Beſitzer, Paͤch⸗ ter oder Verwalter der Gewerbeanſtalt perſoͤnlich bei⸗ wohnen, und kann ſich nur mittelſt beſonderer Voll⸗ macht durch einen Dritten vertreten laſſen, fuͤr deſſen Handlungen er jedoch nach§. 83 der Steuerordnung verantwortlich bleibt. Es iſt dem Steuerpflichtigen un⸗ benommen, in ſeinem Intereſſe eine Magiſtratsperſon oder einen Sachverſtaͤndigen bei der Vermeſſung hinzu⸗ zuziehen. §. 297. Bei der Vermeſſung ſelbſt uͤberzeugen ſung auf ſich beide Theile vorab, daß die Gefaͤße leer und trok⸗ naſſem ken ſind, auch ſenkrecht ſtehen, oder geſtellt werden. Das Letztere wird dadurch gepruͤft, daß man auf eine, uͤber die Mitte des Gefaͤßes gelegte gerade Latte, die Setzwaage ſtellt. Hierauf wird ohne Unterbrechung, mittelſt eines ge⸗ eichten Preußiſchen Quartmaaßes, oder eines durch daſſelbe ausgemeſſenen groͤßern Faſſes oder Eimers das Gefaͤß bis zum voͤlligen Ueberlaufen mit kal⸗ *) Circular⸗Reſeript vom 27 Novbr. 1820. 21054. 251 tem Waſſer gefullt, und dadurch der Inhalt nach Quart⸗ zahl ermittelt. Die naſſe Vermeſſung geſchieht auf andere Weiſe auch in der Art, daß das Gefaͤß bis zum Ueberlaufen mit Waſſer gefuͤllt wird, und nachdem der Spiegel ru⸗ hig geworden, man ſich auch davon uͤberzeugt hat, daß nichts mehr hineingehet, die Quartanzahl des Inhaltes durch Herausmeſſen des Waſſers in ein geeichtes Gefaͤß, ſich ergiebt. Es gewaͤhrt dieſe letztere Art den Vorzug, daß man verſichert iſt, den Inhalt eines Gefaͤßes auf das Genaueſte ermitteln zu koͤnnen, indem die Oberflaͤche nicht durch Hineinſchuͤtten beunruhigt wird, auch dieje⸗ nige Quantitaͤt Waſſer, welche durch Tragen, Heben oder Vergießen verloren gehet, auſſer Beruͤckſichtigung bleibt, wenn aus dem Bottich heraus, in das unmit⸗ telbar danebenſtehende Gefaͤß, das Waſſer, ſo lange es geht, mit einem Knieheber gezogen wird. §. 298. Stehen Gefaͤße ſchief, was wohl bei groͤ⸗ Vermeſ⸗ ßern Bottichen der Fall iſt, wo nicht durch einen Ca— ſung ſchief⸗ nal die Maiſche abgelaſſen werden kann, ſondern aus⸗ ſi hender geſchoͤpft wird, ſo muß diejenige Flaͤche des Bottich— randes, welche uͤber den aͤußerſten Waſſerſpiegel des gefuͤllten Bottiches hervorragt, abgeſchnitten werden. Ein gleiches gilt auch von ſolchen Maiſchgefaͤßen, wo einzelne Dauben am obern Rande ausgeſchnitten ſind, oder, wie bei zerſchnittenen Weinfaͤſſern, die hal⸗ ben Spundloͤcher eine Vertiefung bilden; es ſei denn, daß in ſolchen Faͤllen der Steuerpflichtige es vorzieht, durch Ausfuͤllung dieſer Luͤcken den ganzen Rauminhalt vermeſſen zu laſſen. Sind beide Theile uͤber das Reſultat des ermittel— ten Inhaltes nicht einig, ſo muß eine neue Vermeſſung Statt finden. §. 299. Unter Maiſchgefaͤß wird uͤberhaupt nur Was wird der ganze Bottich, wie er durch ſeine Umfaſſungswaͤnde Mailes von jedem anderen Gefaͤß abgeſondert erſcheint, verſtan⸗ Malſchge⸗ den; es wird bei der Vermeſſung der Rauminhalt un⸗ ſtanden? getheilt ermittelt und es kann nicht zugegeben werden, daß innerhalb deſſelben vielleicht willkuͤhrlich angebrachte Abtheilungen fuͤr ſich angeſehen, oder als einzelne Bot⸗ tiche vermeſſen werden. Vermeſ⸗ ſung der Gefaͤße auf trock⸗ nemWege. Anleitung dazu. 2523 §. 300. Außer dieſer geſetzlich vorgeſchriebenen und bei der Steuerberechnung lediglich als die guͤltige Inhaltsermittelung anzunehmenden Vermeſſung auf naſ⸗ ſem Wege, iſt es ein ſehr zweckmaͤßiges Huͤlfsmittel der Controle, ſowohl fuͤr den Gewerbtreibenden ſelbſt, als auch fuͤr den Aufſichtsbeamten erkannt worden, den Rauminhalt der Brau⸗ und Brenngeraͤthe durch trockene Vermeſſung und cubiſche Berechnung aufzunehmen. Es ſichert die dazu erforderliche Aufnahme der Di⸗ menſionen und der Peripherie die Unveraͤnderlichkeit der vermeſſenen Gefaͤße, und gewaͤhrt den Vortheil, daß man durch die Vergleichung derſelben, mit dem durch Waſſervermeſſung ermittelten Reſultat ſich der Richtig⸗ keit des letztern vergewiſſern kann. Ueberdieß iſt ſie beſonders bei Nachvermeſſungen vortheilhaft wegen ihrer minderen Beſchwerde, ſowohl fuͤr den Beamten als fuͤr den Gewerbtreibenden, da ſie ohne Huͤlfe anderer Perſonen in kurzer Zeit zu bewirken ſtehet und dennoch durch ſie weſentliche Inhaltsveraͤnde⸗ rungen, die einen Einfluß auf die Steuer haben, ſofort wahrgenommen werden koͤnnen. Ganz genau, und als Baſis zur Steuererhebung dienend, koͤnnen jedoch derartige Ermittelungen aus dem Grunde nicht ſein, weil bei manchen Formen der Gefaͤße, beſonders bei den laͤnglich runden, allgemeine, leicht zu handhabende Ver⸗ meſſungs⸗ und Berechnungsregeln ſich nicht geben laſſen. §. 301. Wenn es jedoch nur darauf ankommt, einen der Wirklichkeit moͤglichſt nahe kommenden Quart⸗ inhalt durch trockene Vermeſſung auf die leichteſte Weiſe zu ermitteln, ſo duͤrfen wir die Anwendung umſtehen⸗ der Tabelle empfehlen. Die Rechnung nach den ihr zugefuͤgten Beiſpielen iſt voͤllig genau, wenn die Bottiche cirkelrund und cylin— derfoͤrmig d. h. in ihrer ganzen Hoͤhe gleich weit ſind. Aber auch bei anderen Formen wird der hierdurch ge⸗ fundene Inhalt von dem wahren im aͤußerſten Falle nicht voͤllig fuͤnf Prozent abweichen. Zu dieſer Vermeſſung gehoͤrt, wie aus dem Beiſpiel erſichtlich iſt, lediglich ein in Preußiſche Zolle getheilter Maaßſtab, durch welchen der mittlere Durchmeſſer, ſo wie die Hoͤhe des Gefaͤßes ermittelt werden. Die Berechnung iſt dann leicht ausfuͤhrbar. Bei 253 ovalen und zugleich coniſchen Gefaͤßen wird Laͤnge und Breite ſowohl oben als unten gemeſſen, es werden die vier gefundenen Zahlen der Zoölle addirt und in die Summe mit vier dividirt, wodurch man den mittleren 8 Durchmeſſer erhaͤlt. Bei kreisrunden Gefaͤßen, die in ihrer ganzen Hoͤhe von gleicher Weite, alſo Cylinder ſind, waͤre es zwar nur erforderlich, einen Durchmeſſer zu meſſen, wenn der Augenſchein nicht oft taͤuſchte. Man wird deswe⸗ gen wohl thun, ſich auch in dieſem Falle durch vier⸗ fache Meſſung von der regelmaͤßigen Geſtalt zu ver⸗ ſichern. §. 302. Die weitere Ausfuͤhrung umſtehender Ta⸗ Neiſch belle findet ſich in untengenannter, ſo eben erſchienenen Wu Schrift*), die wir ihrer Vollſtaͤndigkeit halber Jedem Dincltes empfehlen duͤrfen, dem daran gelegen iſt, den Inhalt fuͤr trockne von Gefaͤßen, auch ohne naſſe Vermeſſung, eben ſo leicht Vermeſ⸗ als zuverlaͤßig zu ermitteln. Die Einleitung jener Schrift ſung. enthaͤlt eine ſo klare als faßliche Anweiſung uͤber die Handgriffe beim Ausmeſſen, uͤber die Berechnung der recht⸗ winkligen, viereckigen Gefaͤße(Kuͤhlſchiffe), uͤber die Aufſu⸗ chung des Quart⸗Inhaltes in den Tabellen, und deren Anwendung bei kreisrunden und laͤnglichrunden, gleich- und ungleichweiten Gefaͤßen, mit geraden oder gebogenen Faß⸗ ſtaͤben, ſo wie auch die Qartanzahl einer Fluͤſſigkeit in dieſen ganz oder theilweis gefuͤllten Gefaͤßen ſich hieraus darſtellt. Die Tabellen ſelbſt ſind die genaueſten und vollſtaͤndigſten, welche ſeit Einfuͤhrung des jetzigen Preußiſchen Maaßſyſtems bisher erſchienen. Sie em⸗ pfehlen ſich fuͤr den allgemeinen Gebrauch vor anderen insbeſondere noch dadurch, daß ſie Kenntniß der Dezimal⸗ bruͤche nicht vorausſetzen. *) Aus fuͤhrliche Tabellen fuͤr den Quart⸗Inhalt der Bottiche und Faͤſſer, ſo wie der darinn befindlichen Fluͤſ⸗ ſigkeit, nebſt deutlicher Gebrauchserklärung und Anweiſung, ſolche koͤrperliche Raͤume leicht und richtig zu vermeſſen; von W. Neiſch, Rechnungs⸗Rath im Finanzminiſterio, und Dr. Winckler, Ge⸗ beimen Sekretär und Buͤreaudirigenten des Prov.⸗Steuerdirectorates zu Magdeburg. Zwei⸗ te, ſehr vermehrte und ſorgfaͤltig revidirte Ausgabe. Halle, in Kommiſſion bei Ruff. T a zur Berechnung des Quartinhalts cylindriſcher und koniſcher Gefaͤße, 24 Zoll. 25 Zoll. 26Zoll. 27oll. 2Zoll. 29Joll. 30Zoll. 31oll. —— Quart. Quart. Quart. Quart. Quart. Quart. Ouart. Quart. V 7,069 7,670 8,296] 8,946] 9,621 10,321 11,04511,793 142 747 376 9,029 707 410% 137 889 217 824 456 112 794 499 230 984 291] 902] 537 196 881 589 323 12,080 366 9800% 618 2800% ꝙ968 680 416 176 444 8,058 699 365/10,0556 770 510 273 517 137 781 450 143 861 604 371 593 216 864 535] 232 953° 698 468 00.1 oſe ſe 6Oſ 40 Zoll. 41 Zoll. 12 oll. 43 Zoll. 14Zoll. 15 Zoll. 16oll. 17 Zoll. ——,—— 19,635 20,629 21,648 22,691 23,758,24/850 25,967 27,108 758 755 777 823 893 989 26,100 253 881⁄ 881 906 955 24,029 25,127] 250 398 20,005 21,008,22,036 23,088 165 266] 392 543 129 135 166 221 301 406ß535] 688 253 263 297 355 438 546 678 834 378 391 428 489 575 686 821 981 503 519 559 623] 713 826/ ß964 28,127 DS. ſ⸗ E== 56 Zoll. 57Zoll. 58Zoll. 59 Zoll. 60ZlI. 61 Zoll. 62 Zoll. 63oll. ————— 38,485 39,871 11,282 /42,718]44,179 45,66447,173 /48,707 657 40,046 461 900 363 851 363 900 829 222]% 639/ 43,081 548]46,039% 55 4 19,094 39,002 398 818 263 733] 227] 745 289 175 574)997 445 918] 415 937] 483 348 750 842,177 628/]45,104 604/48,129 678 522 927 357 811 290 793 321 874 697 11,105 537 995 477 983 514 50,069, 0020O-OES Oſ OſH e Beiſpiel zur Anwendun 9*). Ein Bottich enthalte im mitt⸗ lern Durchmeſſer 57 ¾ Zoll und ſei 30 Zoll hoch; wie viel Quart enthaͤlt er? *) In dieſer Tafel bezeichnen die Ziffern vor dem Komma die Gan⸗ zen, die hinter demſelben aber Tauſendtel. 255 belle nach dem mittlern Durchmeſſer in preußiſchem Maaße. 32 Zoll. 33 Zoll. 34oll. 35 Zoll. 36 Zoll. 37 Zoll. 38 Zoll. 39 Zoll. Quart. Quart. Quart. Quart. Quart. Quart. Quart. Quart⸗ 12,566 13,364 14,186 15,033,/15,904/16,800/17,721 18,665 665]6 465 291] 141/16,0155 914 837] 785 763 567 396] 249 126/17,028 954] 905 863 669 501 357 237 142 18,07219,026 962 772 607 466 349 257] 190] 147 13,062 875 713 5756 461 372 308] 26s8 162 978] 819 684 574 488] 427] 390 263 14,082 926 794 687 604 ß546 512 48 Zoll. 49 Zoll. 50 Zoll. 513oll. 52Zoll. 53Zoll. 54 Zoll. 55 Zoll. 28,274 29,465 30,680 31,919 33,183 34,472 35,785 ,37,122 422 615 833 32,076 343 634 951 291 570 766 987 233] 503 798 36,117 461 718 91731,1427 3907 663 961] 283 630 866˙30,069 296 548 824 35,125 450 800 29,015 221 451/ 706 986 289 618 971 165 373 607 865 34,147 454 786 38,142 315 526 763 33,024 309 619 954 313 ſö Zoll 65 Zoll. 66 J0ll. 67Zol. 683Z0ll. 69Zol. 7030ll.71 Zoll. 50,265 51,849 53,456 55,08856,745 58,426 60,132 61,862 462 52,0486 659) 294 954 638] 347 62,080 659 248 862 500 57,163 850% 562 299 856 449 54,065 707373 59,063 778] 518 51,054 649 269] 914 ß583¹h 276 994] 737 252 850] 473/56,121 793] 490 61,211 956 450,53,052¹1% 678 329 58,0046 703]° 427 63,176 649 254 883 537 215 918 645 397 Aufloͤſung. Bei 57 ½ Zoll findet ſich vorſtehend 40,398 Quart, dieſe multiplicirt mit der Hoͤhe von 30 Zoll. ergiebt 1211,940 Quart. Mithin iſt die Groͤße des Bottichs bei Weglaſſung der 3 letzten Ziffern 1211 Quart. Meßband, zur Ermit⸗ telung des Raumin⸗ haltes der Gefaͤße. Fig. 40. 2⁵56 §. 303. Eine zweite Art, den Rauminhalt der Maiſchgefaͤße auf trocknem Wege, naͤmlich durch An⸗ wendung eines Meßbandes, zu ermitteln, verdanken wir der Angabe des Herrn Oberſteuerkontroleur Tuch zu Nordhauſen. Es gewaͤhrt dieſe Vermeſſungsart den Vortheil, daß ſie bei der leichteſten Handhabung und Rechnung den Inhalt von Maiſchgefaͤßen auf eine, der Wirklichkeit nahe Weiſe ergiebt, da wir bei einer großen Anzahl von Nachvermeſſungen nirgend gefunden haben, daß die Refultate dieſer trocknen Ermittelung gegen Vermeſſung auf naſſem Wege uͤber 2 Prozent Diffe⸗ renz zeigten. Auch kann, bei nur theilweiſe gefuͤllten Bottichen, der Inhalt des leeren Raumes durch ein ſolches Meßband leicht und zuverlaͤßig ermittelt werden. Es beruhet die Konſtruktion dieſes Meßbandes auf der Groͤße des Durchmeſſers eines Cylinders, der ein Quart enthaͤlt, und deſſen Hoͤhe ſeinem Durchmeſſer gleich iſt. Da der Flaͤcheninhalt eines Kreiſes zu einem Qua⸗ drat, deſſen Seite dem Durchmeſſer jenes Kreiſes gleich iſt, ſich wie 1000 zu 785 verhaͤlt, und ein Preußiſches Quart 64 Kubikzoll enthaͤlt, ſo iſt der Durchmeſſer ei⸗ nes ſolchen Cylinders 4255 oder faſt ganz genau 43 Zoll. §. 304. Es wird dieſes Grundmaaß gleich 1 ge⸗ ſetzt, entweder auf Pergament, oder auf ein voͤllig aus⸗ gedehntes Band 40 bis 50mal aufgetragen, und mit Nummern vermittelſt Dinte oder Oelfarbe bezeichnet. Jede dieſer Nummern wird durch Striche in 10 gleiche Unterabtheilungen getheilt, von welchen, inſofern man genau operiren will, wiederum jede Abtheilung in vier Linien zerfaͤllt. Es beſtehen ſonach dieſe Abthei⸗ lungen aus Ganzen, welche wir durch die Benennung „Quartlaͤngen“ bezeichnen wollen, Zehnteln und Vierzigſteln. Es iſt dies das fertige Meßband, welches ſeines geringen Umfangs und Gewichtes halber bequem in der Kleidung Platz findet. Die beiden En⸗ den des Bandes ſind, damit ſie leichter feſtgehalten werden koͤnnen, mit Metallblech beſchlagen. Wir geben, ſoweit der Raum zureicht, durch Figur 40 eine Anſchauung davon, und bemerken noch, daß bei Anfertigung eines Meßbandes, wenn man ſich nicht des Pergaments bedient, das zu verwendende Band ——4——— 257 dermaſſen gedehnt ſein muß, daß es beim Gebrauch, wo es leicht naß werden kann, durchaus an Laͤnge nicht zunimmt, indem in einem ſolchen Falle, wo ſich die Abtheilungen verlaͤngern, nothwendig auch die ganze darauf baſirte Ermittelung unrichtige Reſultate liefern wuͤrde. Ein derartiges Meßband, welches nach ſeiner An— fertigung mit gekochtem Leinoͤl getraͤnkt war, wurde bei oͤfterer Benutzung mehrere Jahre hindurch in unveraͤn⸗ dertem Zuſtande gefunden. §. 305. Die Anwendung dieſes Bandes, wo bei Meſſung der Hoͤhe vorzuͤglich genau verfahren werden muß, iſt bei runden Gefaͤßen einfach folgende: Man ſucht mit dem Bande den mittlern oder aequirten Durchmeſſer, multiplizirt ihn mit ſich ſelbſt, und das gefundene Quadrat mit der Hoͤhe des Bottichs, worauf das Produkt den Rauminhalt nach Quarten darſtellt. Folgende Beiſpiele werden dies deutlicher machen. a. Ein Gefaͤß von kreisrunder Form enthalte oben am aͤußerſten Rande nach dem Meß⸗ bande als Durchmeſſer. 13 Quartlaͤngen am Boden... 17* ⸗ ſo ergiebt die Haͤlfte der Summe...... 30—- den mittlern Durchmeſſer 15 Quartlaͤngen hiervon iſt das Quadrat 225 dieſes mit der nach dem Meßbande ermittelten Hoͤ⸗ Be von...„ 5 Quartlaͤngen multiplizirt, ergiebt.. 1125 Quart. b. Es betrage nach dem Meßbande der Durch⸗ meſſer 20 Quartlaͤngen und 3 Zehntel oder 2 0 3 die Hoͤhe 8 Quartlaͤngen und 8 Zehntel, oder. 1³ ſo iſt das Quadrat der eh...= ₰En dieſes mit der Hoͤhe. 1⅔ multiplizirt, gibbt 2 22 Quart oder 3626 Quart. 17 258 Bei laͤnglichen Gefaͤßen wird folgender Ge⸗ ſtalt verfahren: a. Es ſei der Laͤngendurchmeſſer eines Bottichs im Boden nach dem Meßba am obern Rande. nde 24 Quartlaͤngen 18* ⸗ beide Durchmeſſer addirt hiervon iſt die Haͤlfte der mittlere Durchmeſſer nach der Laͤnge des Bottichs. Der Durchmeſſer der Breite ſei nun im Boden am obern Rande addirt, ſind 42 ⸗ ⸗ 21 ⸗*. 16 Quartlaͤngen 12 2 3 28*. 14* ⸗ b. Halbirt...... Dieſe ſo gefundene mittlere Laͤnge, 21, und Breite, 14, des Bottichs werden mit einander multi⸗ plizirt und das Produkt 294 wiederum mit der Hoͤhe, welche wir zu.. annehmen wollen, ſo er⸗ giebt ſich als Inhalt 4 Quartlaͤngen 1176 Quart. Es ſei der Laͤngendurchmeſſer eines Bottichs im Boden nach dem Meßbande 16 Quartlaͤn⸗ gen, 8 Zehntel und ein Vierzigſtel, oder 16 ⅓ 6 Quartlaͤngen am obern Rande 15 Quart⸗- laͤngen, 4 Zehntel und 2 Vierzigſtel, oder... 15 ¾G Von der Summe 3243 iſt die Haͤlfte.. 16 ⅜ ⸗ der mittlere Durchmeſſer der Laͤnge dieſes Bottichs. Der Durchmeſſer der Breite ſei am Boden 2 A 2 N u .8 Quartlaͤngen, 7 Zehntel und 2 Vierzigſtel, ——————,—— ſ oder....... 48 Quartlaͤngen am obern NRande aber 8 Quartlaͤngen und 2 Vier⸗ zigſtel, oder.... 8 G₰ ⸗ Von der Summe 16 ⸗ ⸗ iſt die Haͤlfte, d. i. die mitt⸗ lere Breite 8 ½6 oder 832„ Mit dieſer die oben gefun⸗ dene mittlere Laͤnge 16 ½ ½ ⸗„⸗ 6 multiplizirt, u. d. Produkt 135 ½ ⸗ ⸗ wiederum mit der Hoͤhe, welche= 675 oder. 62 Quartlaͤngen gemeſſen ſei, ergiebt ſich als Inhalt 881u. Huart 155—- oder hinlaͤnglich genau 881 Quart. §. 306. Nach geſchehener Ausmeſſung auf naſſem Wege, und wo es vorgeſchrieben iſt, nach Verifikation derſelben durch kubiſche Berechnung, wird das Reſultat der Inhaltsermittelung fuͤr jedes einzelne Gefaͤß in eine beſondere ſchriftliche Verhandlung uͤbernommen, welche doppelt ausgefertigt werden muß, und wozu die Formularien von der Steuerbehoͤrdé unentgeldlich gelie⸗ fert werden. Die Aufnahme der Verhandlung geſchieht durch einen der anweſenden Steuerbeamten, und das eine Exemplar des Protokolls wird, nachdem ſolches mit dem zweiten als gleichlautend erkannt worden, dem Ge⸗ werbtreibenden oder deſſen Stellvertreter zu ſeiner Legi⸗ timation eingehaͤndigt. Das zweite Exemplar der Verhandlung gelangt durch die Steuerbeamten an die Hebeſtelle, welche die Reſultate daraus, neben der fruͤher ſtatt gefundenen An⸗ meldung, in das Inventarium eintraͤgt, die Verhandlung zu den Belegen der Steuer⸗Statiſtik nimmt, und nun⸗ mehr erſt berechtigt iſt, nach dem amtlich ermittelten Inhalt die Betriebs⸗Deklaration zu vollziehen, und die Steuer darnach zu erheben. Waren die Gefaͤße vor ſtatt gefundener amtlicher Vermeſſung im Gebrauch, ſo geſchiehet zwar die Abfer⸗ tigung auf den Grund der nach§. 16 der Steuerord⸗ nung abgegebenen Inhaltserklaͤrung; fuͤr deren Richtig⸗ 17* 1 Vermeſ⸗ ſungsver⸗ handlun⸗ gen, deren Auf⸗ nahme. 260 keit der Deklarant verantwortlich iſt, da er die Steuer nachzahlen muß, und in prozeſſualiſchen Anſpruch ge⸗ nommen werden kann, wenn die Reſultate der amtlichen Vermeſſung einen groͤßeren, als den fruͤher deklarirten Rauminhalt ergeben wuͤrden. ſenaaſ⸗§. 307. Die Vermeſſungs⸗Verhandlungen ſungsver, muͤſſen, in vorſchriftlicher Vollſtändigkeit, folgenden Nach⸗ gen, deren weis enthalten: Ort, Haus, Jahr, Tag und Tageszeit Inyalt, der Aufnahme, Benennung der anweſenden Perſonen, Veranlaſſung der Verhandlung, Datum der Anmeldung und Beſchreibung des zu vermeſſenden Gefaͤßes, deſſen durch naſſe Vermeſſung ausgemittelten Rauminhalt in Buchſtaben nach Preußiſchen Quarten, ſo wie die lau⸗ fende Nummer, mit welcher das Gefaͤß bezeichnet wird. Wenn gleichzeitig trockene Vermeſſung erfolgt iſt, werden auch die Laͤnge, Breite, Hoͤhe, die verſchiedenen Durchmeſſer des Gefaͤßes im Lichten, ſo wie das durch kubiſche Berechnung gefundene Reſultat des Inhalts nach Preußiſchen Quarten in die Verhandlung uͤbertragen. Iſt die vorſchriftliche Bezeichnung von den Steuer⸗ beamten und von dem Gewerbtreibenden gleichzeitig waͤhrend, oder nach der Vermeſſung geſchehen, ſo iſt auch dies in die Verhandlung zu uͤbernehmen; ferner gehoͤrt noch dazu die Angabe des zur Vermeſſung verwendeten Zeitraums, ſo wie die ausdruͤckliche Erklaͤrung ſaͤmmtlicher Anw eſenden, daß ſie den aufgenom⸗ menen Quart⸗Inhalt fuͤr das ermittelte richtige Reſultat einſtimmig anerkennen, und den gan⸗ zen Inhalt der ihnen vorgeleſenen Verhandlung geneh⸗ migen. Es wird dies von ſaͤmmtlichen Betheiligten am Schluſſe des Protokolls durch ſofort zu vollziehende eigenhaͤndige Namens⸗Unterſchrift beglaubigt, und er⸗ haͤlt dadurch dieſer Akt ſeine Beſtaͤtigung. Verpflich⸗§. 308. Fur die Nichtigkeit des, in den Ver⸗ tung fuͤr meſſungsverhandlungen aufgefuͤhrten Rauminhaltes, ſind die Rich⸗ die dabei konkurrirenden Beamten, ſo wie der Steuer⸗ tigkeit der pflichtige in gleichem Maaße verantwortlich, und es er⸗ f err heiſcht daher auch des Letztern Intereſſe, daß bei Ver⸗ ſungsver⸗ meſſung der Geraͤthe in ſeiner Gewerbanſtalt ohne Ueber⸗ handlun⸗ eilung, mit Sorgfalt und Genauigkeit zu Werke gegan⸗ gen gen werde, weshalb auch vorgeſchrieben iſt, daß er dem 261 Akte der Vermeſſung perſoͤnlich und ohne Unterbre⸗ chung beiwohnen ſoll. Ereignete es ſich ſpaͤter, daß ein Gefaͤß, von dem eine Veraͤnderung als angemeldet nicht nachgewieſen iſt, groͤßer als im Inventarium verzeichnet, gefunden wuͤrde, ſo wuͤrde die Behoͤrde von dem Gewerbtreibenden den Unterſchied gegen den vorher angenommenen geringeren Rauminhalt fuͤr jede ſeit der fruͤheren Vermeſſung ge⸗ ſchehene Maiſchung oder Deſtillation, als Nachſteuer einziehen koͤnnen. Umgekehrt aber wuͤrde zur Ruͤckzah⸗ lung der bei geringerm Befunde von den Steuernden zu viel erlegten Abgaben ein Rechtsgrund nicht vorhan— den ſein, da er den fruͤher feſtgeſtellten groͤßern Inhalt durch Vollziehung der Verhandlung als richtig aner⸗ kannt hat, und beim Mangel ſpaͤterer Anzeige der Be⸗ hoͤrde nicht uͤberzeugend dargethan werden kann, daß je⸗ nes Gefaͤß ſchon bei der fruͤhern Vermeſſung wirklich nur den gegenwaͤrtigen geringern Inhalt gefaßt habe. Die Beamten verfallen in ſolchen Faͤllen, außerdem daß ſie fuͤr Nachzahlung derjenigen Steuer, welche vielleicht von dem Gewerbtreibenden entweder nicht ge⸗ fordert wird, oder nicht eingezogen werden koͤnnte, ver⸗ antwortlich ſind, wegen Aufnahme von amtlichen Ver⸗ handlungen, die unrichtige Angaben enthalten, noch be⸗ ſonders in disziplinariſche Unterſuchung. §. 309. Nachvermeſſungen finden nur in einzelnen Faͤllen, nach Wahl oder Beſtimmung der Ober⸗Inſpektoren ſtatt*), und haben theils zum Zweck, die Aufnahme der Reſultate in den ſchriftlichen Verhand⸗ lungen zu verifiziren, theils von der unveraͤnderten Be⸗ ſchaffenheit des fruͤher ermittelten Rauminhaltes, Ueber⸗ zeugung zu gewaͤhren. Es geſchehen dieſe Verifikationen gewoͤhnlich durch trockene Meſſung und Berechnung des kubiſchen In— haltes. Wo das Neſultat dieſer Berechnung von der fruͤ⸗ hern, durch Waſſer geſchehenen Ermittelung nicht volle fuͤnf Prozent abweicht, bedarf es keiner beſondern ſchrift⸗ lichen Aufnahme, im andern Falle wird jedoch eine *) Cirkular⸗Reſcript vom 27. November 1820, 21054. aufge⸗ nomme⸗ nen Re⸗ ſultate. Nachver⸗ meſſungen der Gefaͤ⸗ ße, wann und durch wen ſolche geſchehen. 262 Nachvermeſſung durch Waſſer, wie vorbeſchrieben, ange⸗ ordnet, und der richtige Rauminhalt durch Verhandlung feſtgeſtellt. üeder§. 310. Eine neue Vermeſſung geſchieht bei esſfade allen Gefaͤßen, welche eine abſichtliche oder zufaͤllige veraͤnder⸗Veraͤnderung erlitten haben, was auch der Fall ſein ter Ge⸗ kann, wenn ſie laͤngere Zeit außer Gebrauch geweſen faͤße. ſind. Auch geſchieht ſie auf den begruͤndeten Antrag des Gewerbtreibenden, ſo wie dieſelbe von den Ober⸗ Inſpektoren oder Hauptaͤmtern in beſondern Faͤllen verfuͤgt werden kann. §. 311. Unter abſichtlichen Veraͤnderungen derung der werden diejenigen verſtanden, deren der§. 293 gedenkt, Gefaͤße, und welche der Steuerbehoͤrde angemeldet ſind. Es ſind was dar, dahin zu rechnen: das Umbinden eines Gefaͤßes, das unter be⸗ Einbringen neuer oder anderswo gebrauchter Geraͤthe, Abſichtli⸗ che Veraͤn⸗ griffen wird. Zufälige eraͤnde⸗ rungen. das Abſchneiden von Dauben, oder das Einziehen neuer Boͤden oder Dauben, ſo wie das Aushobeln bei Botti⸗ chen, und bei Blaſen oder Pfannen, die durch den Kup⸗ ferſchmied bewirkten Veraͤnderungen. §. 312. Es giebt aber auch zufaͤllige, auf den Rauminhalt einwirkende Veraͤnderungen, die durch den, laͤngere Zeit fortgeſetzten Gebrauch, auch ohne Ab⸗ ſicht oder Zuthun des Steuerpflichtigen, beſonders bei hoͤlzernen Gefaͤßen, entſtehen koͤnnen. Dahin gehoͤren: das Werfen des Bodens nach Außen oder Innen, das Verſchieben oder Verſchraͤnken der Dauben, das theilweiſe Verkohlen derſelben durch oͤfteres Ausbrennen der Bottiche, ſo wie das Schwaͤcher⸗ werden des Bottichs in ſeinem ganzen Umfonge. Veraͤnderungen dieſer Art haben auf den Quart— Inhalt gewoͤhnlich nur einen unbedeutenden Einfluß; wichtiger iſt jedoch diejenige Abweichung, welche der Bottich erleidet, wenn er, bei langer ovaler Form, ſchwach gebunden iſt, und aus ſchwachen Dauben be⸗ ſtehet. Hat ein ſolcher Bottich, außer den Unterlagen an beiden Enden, in der Mitte nicht ebenfalls einen ſtar— ken Widerhalt, und wird er nicht durch ein eingeſchobe⸗ nes Kreuz am Boden feſtgehalten, ſo neigen ſich bei dem Druck der Fuͤllungen mit Maiſche allmaͤhlig die beiden Enden nach der Mitte des Gefaͤßes, wodurch 263 der obere Durchmeſſer erweitert wird, mithin auch der Inhalt des Bottichs ſich wohl um mehr als hundert Quart vergroͤßern kann. Der Gewerbtreibende muß daher auf derartige Ver⸗ aͤnderungen achten, und bei ihrer Wahrnehmung zu Sicherung ſpaͤterer Verantwortlichkeit davon der Steuer⸗ hebeſtelle ſchriftliche Anzeige machen, welche hierauf die neue Vermeſſung eines ſolchen Gefaͤßes veranlaßt. §. 313. Nach geſchehener Vermeſſung wird der ermit⸗ Bezeich⸗ telte Quartinhalt der metallenen Geraͤthe auf dieſelben nung der eingegraben, auf hoͤlzerne Gefaͤße mit Oelfarbe Gerfth⸗ bezeichnet, eingegraben oder eingebrannt, Gefaͤße und jeder einzelne Theil mit derjenigen Nummer ver⸗ abſeiten ſehen, unter welcher er ſich in der Vermeſſungs-Ver⸗ des handlung aufgefuͤhrt findet. Die Stellen, wo dieſe Be⸗ Fbnee zeichnungen geſchehen, muͤſſen ſo gewaͤhlt werden, daß pftcht enn. ſie ſich beim Eintritt in die Gewerbeanſtalt dem Auge ſofort darſtellen. Es gehoͤrt zu den Verpflichtungen des Gewerb⸗ treibenden, dieß zu bewirken; wenn es nicht ſofort nach der Vermeſſung vorgenommen werden konnte, ſo muß es binnen derjenigen Zeitfriſt geſchehen, welche der, die Vermeſſung leitende Oberbeamte dafuͤr beſtimmt hat. §. 314. Eben ſo muß, wenn dieſe Bezeichnung Erneue⸗ zufaͤllig verletzt oder verwiſcht iſt, dieſelbe auf den rung dieſer Antrag der Steuerbeamten von dem Gewerbtreibenden Bezeich⸗ erneuert werden. Es iſt dieſe Anforderung in dem nung. §. 18 der Steuerordnung begruͤndet, dem zufolge die Zahl und der Quartinhalt deutlich mit Oelfarbe zu bezeich— nen oder einzugraben ſind, und aus dieſer Vorſchrift folgt es unzweifelhaft, daß jene Bezeichnung von dem Inhaber der Gewerbeanſtalt erneuert werden muß, ſobald ſie undeutlich geworden, eine Auffriſchung noͤthig iſt, und eine ſolche begehrt wird. §. 315. Von Seiten der Steuerbehoͤrden Amtliche werden die vermeſſenen metallenen Geraͤthe oder hoͤlzer— Vezelch⸗ nen Gefaͤße durch das Eindruͤcken oder Einbrennen von nunc de Stempeln, und zwar an ſolchen Stellen, wo eine Geraͤthe Veraͤnderung auch dieſe Markirung verletzen wuͤrde, als abſeiten deklarirte Betriebstheile bezeichnet, deren Iahalt amt⸗ Cnn lich ermittelt iſt, welche unter ſteuerlicher Kontrole ſte⸗ behörde. hen und zum Betriebe benutzt werden duͤrfen. Anfang des Brennerei⸗ betriebs. Anferti⸗ gung der Deklara⸗ tion, von wem ſolche bewirkt wird. 264 §. 316. Dem Anfang des Brennereibetriebs muß die Erklaͤrung des Steuerpflichtigen vorausgehen, wie ſolches§§. 2 und 3 des Requlativs vom 1. De⸗ zember 1820 vorſchreiben. Sie bildet die Hauptbaſis der ganzen Maiſchſteuereinrichtung, weshalb auch die Vorausdeklaration fuͤr eine kuͤrzere Betriebsperiode, als die eines vollen Kalender⸗Monats, nicht zulaͤßig iſt. Zum Betriebe darf taͤglich nicht unter 600 Quart Maiſchraum deklarirt, zum Einmaiſchen ſelbſt kein Bottich unter 300 Quart Inhalt verwen⸗ det werden. Gefaͤße von ſo geringem Inhalt koͤnnen ſchon kei der Deklaration nicht mehr vorkommen, da ihre Vermeſſung als Maiſchbottiche von den Steuerbeamten verweigert werden muß. Auch wuͤrden dergleichen Bot⸗ tiche dem Brenner niemals Vortheil bringen, da nach allgemeinen Erfahrungen die Gaͤhrung um ſo vollſtaͤn— diger geſchieht, je groͤßere Maſſen bei der Gaͤhrung auf einander einwirken, wie bereits fruͤher erwaͤhnt iſt. §. 317. Die Deklaration kann der Brennerei⸗ Inhaber anfertigen laſſen, von wem er will, nur muß er den Inhalt derſelben durch ſeine Unterſchrift ge⸗ nehmigen, und ihn treffen daher, im Fall einer Ab⸗ weichung von der Deklaration, die daraus folgenden Nachtheile, ohne Ruͤckſicht darauf, ob er ſelbſt oder ſeine Leute den Betrieb bewirken. Wo die Betriebsnachweiſung durch den Verwal⸗ ter, Brenner oder einen andern Gehuͤlfen des Brennerei⸗Inhabers vollzogen wird, muß bei der Unter⸗ ſchrift ausdruͤcklich bemerkt werden, daß der Deklarant im Namen und im Auftrage des Brennerei⸗Inha⸗ bers handelt. Den Steueraufſehern iſt jedoch die Anferti— gung der Betriebsplaͤne ausdruͤcklich unterſagt*). Iſt eine Brennerei oder Brauerei durch ſchriftlichen Kontrakt verpachtet, und dies der Steuerbehoͤrde entwe⸗ der muͤndlich, durch protokollariſche Verhandlung, oder ſchriftlich angezeigt worden, ſo hat auch der Beſitzer in Bezug auf die Erfuͤllung der geſetzlichen Vorſchriften in *) Reſcript vom 27. Auguſt 1825, 16160. — ꝙ 265 dieſer Gewerbanſtalt keine Verpflichtungen, welche ledig⸗ lich auf den Paͤchter, als gegenwaͤrtigen Inhaber, uͤber⸗ gehen. §. 318. Die Brennereibetriebs⸗Deklara⸗ tionen, von denen das vorgeſchriebene Muſter ſich unter den Anlagen abgedruckt befindet, muͤſſen folgende, durch den Brenner auszufertigende Angaben nach⸗ weiſen: Name und Wohnort des Brenners, Hausnummer der Gewerbeanſtalt, Jahr und Monat, fuͤr welchen de⸗ klarirt wird, Nummern der jeden Tag zur Maiſchung beſtimmten Bottiche, Tag und Vor⸗ oder Nachmittags⸗ Stunden, wenn die Einmaiſchung in denſelben beginnen ſoll, Fruchtart und Menge, welche entweder fuͤr jeden einzelnen Bottich, oder zu dem ganzen, fuͤr einen Tag deklarirten Raum verwendet werden ſoll, ſo wie die Nummern der zum Abtreiben der Maiſche oder des Lut⸗ ters beſtimmten Blaſen. Wo beſondere Weinblaſen vorhanden ſind, bleiben auch die Nummern dieſer, ſo wie der Tage, an welchen ſie benutzt werden ſollen, mit Beruͤckſichtigung der Gaͤhrungsfriſt und der korreſpondirenden Einmaiſchungs⸗ Tage, anzugebenz ferner die in Gebrauch kommenden Vor⸗ maiſch⸗Bottiche, Kuͤhlſchiffe, Schlempe⸗, Hefe⸗ oder Gaͤhrungs⸗Gefaͤße, ſo wie auch diejenigen Maiſchbottiche oder Blaſen, welche fuͤr den erklaͤrten Monat ganz außer Gebrauch bleiben; endlich am Fuße der Deklaration Ort, Datum und eigenhaͤndige Unterſchrift. Im Falle der Schreibunfaͤhigkeit wird durch die Orts⸗ oder Steuer⸗ behoͤrde, oder andere glaubwuͤrdige Zeugen die ſtatt des Namens eintretende, eigne Fertigung der Handzuͤge des Deklaranten beſcheinigt, wodurch die am Schluß der Nachweiſung noch beſonders abgedruckten Bedingun⸗ gen von dem Ausſteller genehmigt und als verbindlich anerkannt werden. Erſt durch den Vollzug der Unterſchrift erhaͤlt eine ſolche Deklaration fuͤr den Brenner verbindliche Kraft. §. 319. Dieſe Deklarationen koͤnnen nach dem vorgeſchriebenen Muſter entweder mit der Feder angelegt werden, oder, da dies zu weitlaͤufig und umſtaͤndlich iſt, ſtehet es dem Brenner frei, ſich dazu Formularien in Typen oder in Steindruck fertigen zu laſſen. Betriebs⸗ deklara⸗ tion, was ſolche ent⸗ halten muß. Formula⸗ rien zu den Betriebs⸗ deklaratio⸗ nen. Doppelte: Ausferti⸗ gung der Deklara⸗ tionen. Zeitpunkt der Abgabe der Dekla⸗ rationen, vor Be⸗ ginn des Betriebes. 266 Um dieſelben jedoch leichter und gleichmaͤßiger zu beſchaffen, iſt es eingeleitet, daß uͤberall ſolche Formula⸗ rien zu Betriebs⸗Nachweiſungen nach Vorſchrift und im Auftrage der Provinzialbehoͤrden gedruckt, und Vorraͤthe davon an die Hauptaͤmter zur Vertheilung an die Hebe⸗ ſtellen und die Steuerpflichtigen verſendet werden. Der Brenner kann zu jeder Zeit von der naͤchſt⸗ gelegenen Hebeſtelle die benoͤthigte Anzahl Exemplare verlangen, und hat dagegen mehr nicht, als die von der Verwaltung ſehr maͤßig bedungenen Koſten des Drucks und des Papiers zu entrichten, deren Betrag ihm bei der Abgabe bekannt gemacht wird. §. 320. Die Betriebs⸗Nachweiſungen werden mo⸗ natlich in zwei voͤllig gleichlautenden Exempla⸗ ren ausgefertigt, ſie muͤſſen reinlich geſchrieben ſein und duͤrfen keine Auslaſſungen, Raſuren oder Durchſtreichun⸗ gen enthalten, es ſei denn, daß Letztere durch Randbe⸗ merkungen des Ausſtellers ausdruͤcklich genehmigt ſind. Betriebs⸗Nachweiſungen, denen die vorgenannten Erfor⸗ derniſſe theilweiſe abgehen, werden amtlich nicht vollzo⸗ gen, ſondern zur Umſchreibung von den Hebebeamten zuruͤckgegeben, indem dieſelben von der Behoͤrde ange⸗ wieſen ſind, fuͤr die puͤnktliche Ausfuͤhrung dieſer Vor⸗ ſchriften angelegentlichſt zu ſorgen, und jeder, wenn auch ſpaͤter erſt bemerkte Mangel, ihnen perſoͤnlich zur Laſt oder Verantwortung gelegt werden wuͤrde. §. 321. Dem Brenner ſtehet es frei, dieſe De— klaration zu jeder Zeit an die Hebeſtelle abzugeben, er iſt deshalb an einzelne Wochen oder Tage nicht gebun— den, doch darf darinn nicht weniger und nicht mehr, als der Betrieb fuͤr einen Kalender-Monat ekklaͤrt ſein. Spaͤteſtens ſoll dieſe Abgabe drei Tage vor dem beginnenden Betriebe erfolgen. Es hat eine ſolche Friſt aus dem Grunde feſtge— ſetzt werden muͤſſen, damit den Steueraͤmtern die noͤthige Zeit bleibe, die Deklarationen, welche gewoͤhnlich am Schluß des Monats oft in großer Anzahl eingehen, ge⸗ hoͤrig zu revidiren, feſtzuſtellen und zu vollziehen, was bei dem gleichzeitigen Verlangen mehrerer Brenner von einem Beamten nicht ineinem Tage vorſchriftlich be⸗ wirkt werden koͤnnte. ————,— 267 §. 322. In denjenigen Faͤllen jedoch, wo unver⸗ muthete Naturereigniſſe eine fruͤhere Kommunikation hin— dern, oder unvermeidliche Unfaͤlle, z. B. Krankheit des Deklaranten ꝛc., die rechtzeitige Abgabe unmoͤglich ma⸗ chen, ſind die Hebebeamten befugt, nach billigem Er— meſſen der Umſtaͤnde, auch uͤber die Nicht-Einhaltung dieſes Termins in einzelnen Faͤllen hinwegzuſehen, wo ſie alsdann die beſcheinigte Urſache der verſpaͤteten Abgabe auf der Deklaration ſelbſt vermerken muͤſſen, bevor ſie ſolche feſtſtellen und vollziehen. Es findet ſonach keinen Anſtand, daß, obgleich die Abgabe der Brennereibetriebsplaͤne bei den Steueraͤmtern, nach Vorſchrift des Regulatives vom erſten Dezember 1820, mindeſtens drei Tage vor der erſten Einmai⸗ ſchung als Regel feſtgehalten werden muß, dieſe den— noch angewieſen werden koͤnnen, auch zwei oder ſogar einen Tag vor der erſten Einmaiſchung noch dergleichen Deklarationen anzunehmen, namentlich, wo triftige Gruͤnde vorhanden ſind, welche eine fruͤhere Eingabe nicht thun— lich gemacht haben, oder wo uͤberhaupt der Andrang oder die Entfernung nicht ſo groß iſt, daß die Deklara⸗ tion bis zur Zeit der erſten Einmaiſchung nicht ſollte zuruͤckgegeben und in der Branntweinbrennerei aufge⸗ haͤngt werden koͤnnen*). §. 323. Bei Pruͤfung, Feſtſtellung und Vollziehung der Betriebs-Nachweiſungen hat der Rendant der betreffenden Steuer⸗Hebeſtelle Folgendes zu beobachten. Er muß ſich durch Einſicht des Inventa⸗ rii zuerſt uͤberzeugen, daß nicht etwa, blos die diesmal zum Betrieb deklarirten Maiſchtienen und Bottiche, Gaͤhrungs- oder Hefengefaͤße und Deſtillirgeraͤthe fuͤr dieſe Brennerei angemeldet und amtlich vermeſſen, ſon⸗ dern auch, daß alle zu dieſer Anſtalt gehoͤrende, inven⸗ tariſirten Gefaͤße und Geraͤthe aufgefuͤhrt ſind. Die Nummer des Inventarii wird auf dem Betriebsplan vermerkt. Dann iſt zu unterſuchen, ob der Beginn der er⸗ klaͤrten Einmaiſchungen nur fuͤr die geſetzlich erlaubten *) Reſeript a. d. Koͤnigl. Prov.⸗Steuer⸗Direkt. zu Breslau. vom 9. April 1829. 7579. Ausnah⸗ men. Amtliche Vollzie⸗ bung der Betriebs⸗ deklara⸗ tionen abſeiten der Hebe⸗ ſtelle. Zeitpunkt, binnen welchem die Nuͤck⸗ gabe der amtlich 268 Stunden und in der,§. 5 des Regulativs vorgeſchriebe⸗ nen Reihefolge angeſagt iſt, auch die erlaubten Gaͤhrungs⸗ friſten nicht uͤberſchritten ſind; ferner, ob kein Bottich zur wiederholten Einmaiſchung deklarirt iſt, der nicht beim Eintritte des Zeitpunkts dafuͤr nach Maaßgabe des fruͤheren Betriebes geleert oder abgebrannt ſeyn kann. Der Blaſenbetrieb muß in Uebereinſtimmung mit dem Tage der Einmaiſchung, der erklaͤrten und abge⸗ laufenen Gaͤhrungsfriſt angeſetzt ſein. Eine Verlaͤngerung der geſetzlichen vierzehn Stunden zum Abbrennen der Maiſche und zum Wienen des Lutters, beſondere Wien⸗ tage, oder ununterbrochenes, Tag und Nacht fortgeſetz⸗ tes Brennen darf nur auf beſondere Bewilligung des Hauptamtes ſtatt finden. Dieſe Bewilligungen und die Gruͤnde zu deren Ge⸗ nehmigung werden auf dem Betriebsplan vermerkt. Es iſt ferner zu unterſuchen, ob die Benutzung der zum Betrieb erklaͤrten Huͤlfsgefaͤße geſtattet iſt und dieſelben nach Nummer und Inhalt richtig aufgefuͤhrt ſind. In wiefern die ganz, oder zeitweiſe außer Gebrauch bleibenden Maiſchtienen oder Brenngeraͤthe unter Ver⸗ ſchluß zu nehmen ſind, wird ebenfalls vermerkt. Die Nummer und der Quartinhalt der deklarirten Maiſch⸗ tienen wird nach dem amtlichen Inventario fuͤr jeden einzelnen Bottich eingetragen, mit der Zahl der, fuͤr die⸗ ſen Monat erklaͤrten Maiſchungen multiplizirt, der Steuerbetrag nach Maaßgabe des hoͤhern oder niedern Satzes berechnet, und die Deklaration ſelbſt durch Da⸗ tum und Unterſchrift der Hebeſtelle vollzogen. In mahlſteuerpflichtigen Staͤdten iſt auf der Vor⸗ derſeite der Betriebsnachweiſung derjenige Beſtand an Getreideſchrot aufzufuͤhren, welcher vorhanden iſt, wenn die Quantitaͤt des im vorigen Monat zum Verbrauch in der Brennerei deklarirten Schrotes mit derjenigen ver⸗ glichen wird, die dieſem Brenner in demſelben Monat auf Mahlfreiſcheine ſteuerfrei abgelaſſen worden iſt. §. 324. Dieſe ſteueramtliche Reviſion, Abgaben⸗ Berechnung und Vollziehung muß, wenn es nicht fruͤ⸗ her geſchehen kann, vor Ablauf des dritten Ta⸗ ges, den der Einreichung als erſten gerechnet, be⸗ wirkt, und binnen dieſer Zeit der Betriebsplan zuruͤck⸗ 269 gegeben werden; der Brenner hat ein Recht, dies zu feſtgeſtell⸗ verlangen, obſchon er den Betrieb durchaus nicht be— ten We⸗ ginnen darf, bevor nicht die vollzogene Deklaration Nar atd⸗ an der dazu vorgeſchriebenen Stelle des Brennereilokals nen erfol⸗ ausgehaͤngt iſt. gen muß. Das Abholen der Deklaration von der Hebeſtelle liegt dem Brenner ob; ſie zu verſenden, ſind die Hebe— ſtellen nicht verpflichtet. §. 325. Nach Empfang der Deklaration hat der Ausfuͤb⸗ Brenner die Pflicht, dahin zu ſehen, daß der Betrieb Ws 8 fuͤr den laufenden Monat genau und buchſtaͤblich ſo Wahlert vollzogen werde, wie ihn die Nachweiſung vorſchreibt. halt der Jede Abweichung davon, welcher Art ſie auch iſt, Deklara— ſelbſt eine ſolche, die das fiskaliſche Intereſſe nicht be⸗ tion. ruͤhrt, z. B. das gaͤnzliche Unterlaſſen von deklarirten Folenner Maiſchungen, wofuͤr der Brenner die Steuer dennoch chung bezahlen muß, oder das Maiſchen groͤßerer oder gerin⸗ davon. gerer, als der deklarirten Quantitaͤten von Schrot oder Kartoffeln, wuͤrde bei unterbliebener vorheriger Anzeige daruͤber nach den geſetzlichen Beſtimmungen fuͤr ſtrafbar angeſehen werden koͤnnen, da durch ſie jede eigen⸗ maͤchtige Abweichung des erklaͤrten Betriebes uͤber⸗ haupt verpoͤnt iſt, ohne Ruͤckſicht auf die, jener Aen⸗ derung zu Grunde liegenden, ſtrafbaren oder er⸗ laubten Zwecke. §. 326. Eine Aenderung des Betriebes gegen den Abaͤnde⸗ Inhalt der Deklaration kann daher nur mit Vorwiſſen rungen des und Genehmigung der Steuer⸗Behoͤrde erfolgen, die Berriedes ſolche in gewiſſen Grenzen zu geſtatten befugt iſt. Farun der Bei Veraͤnderungen, die durch Unfaͤlle oder unver⸗ Deklara⸗ meidliche Umſtaͤnde eintreten, bevor ein Steuer⸗Beamter tion. davon benachrichtigt werden kann, iſt die Veranlaſſung ſofort durch Zeugen, welche entweder gegenwaͤrtig, oder herbeizurufen ſind, und nicht zur Familie oder zu den Dienſtleuten gehoͤren, feſtzuſtellen; von dem Geſchehenen aber iſt der Hebeſtelle baldigſt ſchriftliche Anzeige zu machen, damit ein Beamter ſich zur Unterſuchung oder Beglaubigung des Vorfalls an Ort und Stelle verfuͤ⸗ gen moͤge. Eine Abaͤnderung der Betriebs⸗Deklaration iſt nur zulaͤßig bei außerordentlichen, unvorhergeſehenen und un⸗ vermeidlichen Faͤllen, z. B. bei dem Unbrauchbar⸗ oder Gaͤh⸗ rungs⸗ Perioden, Wechſel derſelben in den 270 Schadhaftwerden der Maiſchgefaͤße, oder weſentlicher Stuͤcke des Brennapparates, welchen auf der Stelle nicht abgeholfen werden kann, mithin in der Regel weder wegen Schrotmangel, noch wegen verdorbener Maiſche*). Will jedoch ein Brenner im Laufe des Monats den deklarirten Betrieb verſtaͤrken, ſo kann bei landwirth⸗ ſchaftlichen und den mit Viehmaſtung in Verbindung ſtehenden Brennereien, auch bei ſolchen, mit welchen Schankſtellen verbunden ſind, in Faͤllen, wo im Fruͤh⸗ jahr und Herbſt die Stallfuͤtterung unvorhergeſehener Weiſe laͤnger noͤthig wird, oder das Vieh nicht abge⸗ ſetzt werden kann, auch beſondere Umſtaͤnde einen unge⸗ woͤhnlich ſtaͤrkeren Getraͤnkevertrieb veranlaſſen und ſolche Umſtaͤnde hinreichend nachgewieſen und als begruͤndet erkannt werden, von den Hauptaͤmtern ausnahmssweiſe, jedoch hoͤchſtens nur einmal in einem Monat, eine Abaͤnderung des Betriebes durch ſtaͤrkere oder vermehrte Einmaiſchungen nachgelaſſen werden. In ſolchen Faͤl⸗ len wird daher die fuͤr den laufenden Monat abgegebene Betriebsdeklaration unguͤltig erklaͤrt, und fuͤr den Reſt des Monats eine andere, auf verſtaͤrkten Betrieb lau⸗ tende, unter Beobachtung der geſetzlichen Vorſchriften angenommen. Es iſt jedoch nicht zulaͤßig, die erſte De⸗ klaration ganz außer Gebrauch und die neue fuͤr den ganzen Monat an deren Stelle zu ſetzen, vielmehr muß es bei jener bis dahin verbleiben, von wo ab ſie durch die neue erſetzt wird, und es kommen mithin in ſolchen Faͤllen zwei Deklarationen fuͤr einen Monat in An— wendung**). §. 327. Wohl in den meiſten Brennereien, welche ordnungsmaͤßig betrieben werden, und mit Fruchtarten, Brennſatz, Hefe oder Gaͤhrungsmitteln gleichmaͤßig ar⸗ beiten, iſt es eingefuͤhrt, mit den Gaͤhrungsperioden entweder gar nicht, oder doch nur in gewiſſen Jahres⸗ Betriebs⸗ zeiten, z. B. im Winter oder im Sommer zu wechſeln. *) Reſecript a. d. Koͤnigliche Regierung zu Potsdam. vom 1. May 1822. 3456. **) Reſcript a. d. Koͤnigliche Regierung zu Danzig. vom 22. Oktober 1825. 19623. Reſcript a. d. Koͤnigliche Regierung zu Liegnitz. vom 21. Julius 1827. 133588. ͤUnͤ= — 58=n 2 —&☛ð—‿—ε .2— 271 Es liegt dies auch in der Natur des Betriebes. Laͤngere oder kuͤrzere Gaͤhrungsperioden verlangen ver⸗ ſchiedenartige Behandlung, ſowohl beim Maiſchen, als auch beim Stellen, und wenn man damit taͤglich wech⸗ ſeln wollte, ſo wuͤrde, da ein Gewinn hieraus nicht hervorgehen kann, jede Vernachlaͤßigung einen Verluſt an Branntwein⸗Ausbeute herbeifuͤhren. Der Brenner hat daher in der Regel weder Ver⸗ anlaſſung noch Vortheil, mit den geſetzlich geſtatteten drei⸗ oder vier⸗taͤgigen Gaͤhrungs⸗Perioden in einem und demſelben Monat zu wechſeln. Nur in Brenne⸗ reien, welche nicht taͤglich in Gang geſetzt werden, kann es vorkommen, daß wegen einfallender Sonn⸗ oder Feſt⸗ tage, an welchen die Dienſtleute nicht arbeiten, das Ein⸗ maiſchen oder Abbrennen auf den vorherigen oder den folgenden Tag verlegt werden muß. Namentlich iſt dies in denjenigen Laͤndertheilen der Fall, wo an Sonn— und Feſttagen uͤberhaupt kein Gewerbe betrieben werden darf. In dieſer Beziehung hat das Koͤnigliche Finanz⸗ Miniſterium nachgegeben, die Deklaration, ſowohl viertaͤgiger als dreitaͤgiger Gaͤhrungsfriſten in einer Betriebsperiode dem Brenner dann zu geſtatten, wenn dieſe Abwechſelung wegen Dazwiſchenkunft von Sonn⸗ und Feſttagen, an welchen der Blaſengang uͤberdem ruhet, nothwendig und gerechtfertigt wird*). Nur in dieſem Fall iſt jene Ausnahme zulaͤſſig, und es kann daher nicht nachgegeben werden, daß der Brenner in einer und derſelben Deklaration die verſchie⸗ denen Gaͤhrungs⸗Perioden nach ſeiner Willkuͤhr wechſele. In Brennereien, wo zweitaͤgige Gaͤhrungsperio⸗ den deklarirt werden(§. 144), iſt es nur geſtattet, neben dieſen eine dreitaͤgige Gaͤhrungsfriſt anzumelden. Das Wechſeln mit Maiſche vom vierten Tag iſt in ſol⸗ chen Betriebs⸗Deklarationen unterſa gt). *) Reſcript a. d. Koͤnigl. Prov.⸗Steuer⸗Direkt. zu Koͤnigsberg. vom 30. Novbr. 1826. 10385. **) Cirkular⸗Reſcript vom 28. Oktober 1827. 18384. Deklara⸗ tionen eines Monats. Betriebs⸗ materia⸗ lien, deren unbe⸗ ſchraͤnkte Benu⸗ tzung. Deklara⸗ tion der Betriebs⸗ materia⸗ lien nach Maaß oder Ge⸗ wicht. NReduk⸗ tionsta⸗ belle des Maaßes in Ge⸗ wicht. 272 §. 328. In der Wahl der Betriebs⸗Materialien iſt der Brenner voͤllig unbeſchraͤnkt; er kann alle Gat⸗ tungen von Getreide, gemalzt oder roh, alle Kuͤlſen⸗ fruͤchte, Kartoffeln, Ruͤben und Knollengewaͤchſe, geſchro⸗ tet, geſtampft, roh oder gekocht, ohne irgend eine Ein— ſchraͤnkung verarbeiten; die Steuerbehoͤrde legt ihm hier nirgend ein Hinderniß in den Weg, nur muß er, wie vorberuͤhrt, Gattung und Menge in dem Betriebsplan angeben. 4 §. 329. Geſetzlich iſt zwar vorgeſchrieben, daß die Deklaration der Menge des zu verarbeitenden Materials nach Preußiſchen Scheffeln geſchehen ſoll. Haͤufig ver⸗ ſtehet der Brenner darunter jedoch das in ſeiner Gegend uͤbliche, vielleicht abweichende Maaß, und kann alsdann leicht in den Fall kommen, wider Wiſſen und Willen entweder eine unrichtige Angabe zu machen, oder von den Steuerbeamten wegen einer Abweichung gegen die deklarirte Quantitaͤt Preußiſcher Scheffel in Anſpruch genommen zu werden. Eben ſo fuͤhrt die Angabe nach Maaß in den mahlſteuerpflichtigen Staͤdten leicht zu Inkonvenienzen, da bekanntlich dort alles Getreide, was die Muͤhle paſſirt, gewogen, und ſchon dadurch eine Re⸗ duktion der Scheffelzahl auf Gewicht noͤthig wird. Es iſt daher, um Wettlaͤufigkeiten oder Zweifel zu vermeiden, und eine gleichfoͤrmige Ordnung zu geſtalten, in mehreren Bezirken eingefuͤhrt, die zu verarbeitenden Materialien lediglich nach Preußiſchem Gewicht zu de— klariren. Wir geben zur Erleichterung dieſer Berechnung nachſtehend die geſetzlich*) guͤltige Reduktionstabelle des rohen und gemalzten Getreides in Koͤrnern und im geſchroteten Zuſtande, nach welcher der Brenner, ohne das Getreide zu wiegen, oder in ſchweren oder leichten Fruͤchten einen Unterſchied zu machen, nur die einzu⸗ maiſchende Scheffelzahl nachzuſehen hat, um zu wiſſen, *) Geſetzſammlung des Jahres 1811. Stuͤck 10. Seite 152. 273 welches Gewicht in die Deklaration eingetragen werden muß. Kartoffeln oder Ruͤben werden im rohen Zu⸗ ſtande durchſchnittlich zu 100 Pfund fuͤr den Scheffel angenommen, ſind dieſelben jedoch geſchnitten, getrock⸗ net und uͤber die Muͤhle gegangen, ſo muß das zur Anwendung beabſichtigte Gewicht der trocknen Subſtanz angegeben werden. 18 274 Reduktions⸗ des rohen und J n Körnern. Weitzen. Roggen. Gerſte. Hafer. ſeunge⸗ unge⸗. unge⸗ unge⸗ 2 malzt. gemalzt. malzt. gemalzt. malzt. gemalzt. malzt. 86 Pf. Ltb.] Pf. Ltb. Pf. Ltb. Pf. Ltb.] Pf. Lth.] Pf. Ltb.] Pf. Ltb. —- l)n)m4210% 38/24½ 40- 36/16½ 3416 30ʃ132 20/16 — 1 85,— 77166 80—- 73— 69— 60ʃ27 53˙— [ſ 2 170 155— 1607— 146— 138/5— 121˙22 1060— — 3 255=— ·232/161 2405— 1 2191/—207/5— 1182/17 159— — 4 407 3109 320292—]270— 243¹12 212— — 3 425—- 3877160 400 3657— 345/—304— 7263,— —16] R3109 465 480] 438-5414]3652 318— — 71 595-— 342 10 ß5601- 511— 483=— 4257½29 3717 — 8 680-— 620— 6405— 384]552=— 48624 424— — 9%h) 765— 697 16 720 657— 621— 54719 477— — 10 850— 775— 800—] 7307— 690— 608141 530— —[11l 935)7— 852116 880- 803]— 7598—] 669 9 583— — 121 1020] 1930- 960— 876 828-— 730 4636— — 13] 1105— 1007 10 1040]9498— 897/—]1 79031 689— — 130 1190— 1085- 1120 1022— 966— 831]26 742— — 15 1275— 4162]16 1200— 1⁰95—] 1035— 942721 7958— — 16] 13605— 12405— 1280— 1168] 11041²— 973116 848,— — 17 1446] 1317 161360] 1241— 1173/— 1034111 901— — 18 1530— 1395— 17440 1314 1242— 10956954— — 19 1615]5— 17472]100 15205 1387,— 13111—1156, 1 10073— — 20 1700% 1550 1600—]14605— 1380— 121628 1060— — 211 1785— 1627/16 1680]— 1533— 1449/— 1277˙2311431— — 22] 1870— 1705— 1760]1600—1518=— 133818 11661— — 23 1955— 1782 10] 18405 1679— 1587]5— 1399613 1219— 1— 20405— 1860,— 1920— 1752—]1656- 1460 8] 1272— 21²]4080— 3720] 3840— 3504]3312— 292016 25448— 3— 6120— 5580— 5760— 52565— 4968]— 438024 3816— 4=l8160— 7440]7680— 7⁰⁰087— 6624-— 58411— 3088— 5— 110200/— 9300]5— 9600— 8760]⁄— 8280]— 7301 8 6360— 6— 12240— 11 460— 11520]— 1105121/— 9936— 876416 7632— 7— 14280— 13020][13440— 12264 11592]—[1022[24 8904— 8-—[16320— 14880— 15360—[14016,— 13248]— 14682—[10176— 9.— 18360]-167405—[17280— 115768— ſ14904— 13142]8 11448— 10—[20400 18600]—[19200]— 175200— 16560— 14602[16 112720— —qᷓᷓ- Dʒↄʒeheroyqdd—e—ꝗñ¾O-ͦʒʒůdadadd qrgoͤ— U 275 — Tabelle gemalzten Gerreides —— 1 Im geſchroteten Zuſtande. Weiten. Roggen. Gerſt e. Hafer. unge⸗ lzt.]unge⸗ emalzt.] unge⸗ lat. unge⸗ malzt. Jemalzt. malzt. gemalzt malzt. gemalzt. malzt. 8Pf. Ltb.] Pf. Lth.] Pf. Ltt.] Pf. Lth. Pf. Ltb. Pf. Lrb.] Pf Ltb. —*b2= 3sſe 9e n en e ee — 1 84— 7616 79— 72— 68— 59 27 — 2 1685— 133,-— 158— 144—136-— 119/˙22 104— — 3 252]—] 22916 ß237— 216— 204 179717 1356— — 41 3365— 306— 316— 288]/— N272— 239712 208.— — 5420— 382110 3955— 360— 340— 2991 71 260— — 6⁶hS04— 459]/— 474] 432]5— 408=- 359 2 312/— — 7 5888- 535/161 ß353/— 504— 476- 418 29 364— — 8 ³672— 612- 6321— 576— sS44 47824 416— — 9%)736/— 68816 7111— 648]/·— 612— 538719 468— 10% 840— 70655—f 790— 720— 680,— 598 14 5205— —[11¹1 924— 841t6 8697— 7921—748=— 6381 9 572— — 12⁄ 1008— 918— 948— 864— 816— 718 4 624— — 131 1092— 994 16% 10277— 936— 884]5— 777G1l 676— — 141 1176]— 1071— 1106—] 1008—I 9525— 83726 728/— —[15 1260)/— 1147[16 1185]— 1080— 1020— 897 21 780˙— — 16 1344— 1224— 1264]— 11527— 1088—- 957 ,16 832— — 171 1428— 130016 13435] 1224,— 1156— 101711 884— — 181 1312— 1377— 1422— 1296] 1224— 1077% 936— — 19 1596— 1453 16 1501— 13687-—] 1292— 1137 1 988— — 20 1680] 1530— 1580 1440,— 1360— 1196 28 1040— — 21] 1764— 1606 16 1659— 1512— 1428— 125623 1092— — 220 1848]/ 1683=— 1738/— 1 1384— 14965— 131618 14440— — 23⁄1 1932/— 1739[16 1817]7— 1656- 1564)— 1376/13 1196— 1— 20 16— 1836— 18967— 47287/— 1632— 1436/ 8 1248— 2— 4032— 3672)/— 3792— 3450— 3264/— 2872 16 2490— 3— 6048]/— 5508]/— 5688- 3184— 1896— 4308[24 37447— 4— sob4— 73447— 7584-— 69128— 6528— 5745— 492— 5— 10080][— 9180] 9480]- 86401— 8160— 7181s6240— 6—[12096— 111016— 113767— 10308]/— 9792,—]861716 7488— 7—[14 t12— 12832— 113272]— 1 2090— lL1424 toos524 8736-— 8— 16128]— 14688— ſ15 t68— 13824— 13056— l1 1490— 99845— 9—[18144]— 116524]— 1 7064¹ 15552— 14688] 1 2926 8 112532— 10—[20 160— 18360— l18960— 117280— 16320 14362[16 1 2480— ——— 18* Beglim der Ein⸗ maiſchung. Stunden, in welchen die Ein⸗ maſſchung vollzogen wird. 276 §. 330. Wie unter dem Begriff des Workes Ein⸗ maiſchung bei der Bereitung des Branntweins derjenige Fabrikationsakt verſtanden wird, in welchem die Be⸗ ſtandtheile des geſchroteten Getreides, der gedaͤmpften zerquetſchten Kartofſeln, oder der ſonſt verwendeten Ma⸗ terialien im verkleinerten Zuſtande, mit Waſſer theils aufgeloͤſt, theils vermengt und durch ein Ferment in die geiſt ge Gaͤhrung geſetzt werden; ſo bezeichnet den An⸗ fang der Einmaiſchung, nach geſetzlichem Begriff, der⸗ jenige Zeitpunkt, in welchem die Betriebsmaterialien ent⸗ weder im Vormaiſchbottich, oder in den Maiſchtienen ſelbſt, mit Waſſer vermiſcht werden. Das Waſſerkochen, das Daͤmpfen und Verkleinern der Kartoffeln, wenn letzteres außerhalb des Maiſchge⸗ Faͤßes geſchiehet, ſo wie etwaniges Einfuͤllen von kaltem oder heißem, noch nicht mit Schrot oder Kartoffeln vermengtem Waſſer in die Tienen, gelten daher keines⸗ weges als Anfang der Einmaiſchung. §. 331. Die Einmaiſchungen duͤrfen, nach§. 5 des Regulatives v. 1. Dezbr. 1820, nur in den,§. 32 der Steuerordnung angegebenen Stunden geſchehen, mit⸗ hin in den Monaten vom Oktober bis einſchlieglich Maͤrz von Morgens 6 bis Abends 10 Uhr, in den uͤbrigen Monaten aber von Morgens 4 bis Abends 10 Uhr. Obſchon es geſetzlich verlangt werden kann, daß mit der Maiſchung, ſobald in der Deklaration dafuͤr ein beſtimmter Zeitpunkt angegeben iſt, beim Eintritt deſſel⸗ ben angefangen werde, ſo ſtehet es doch auch dem Brenner frei, in ſeiner Betriebserklaͤrung eine kurze Zwiſchenzeit zu beſtimmen, innerhalb welcher die Mai⸗ ſchung beginnen kann, z. B. zwiſchen 6 und 9 Uhr des Vormittags oder des Nachmittags. Einmal iſt es wohl moͤglich, daß bei aller Fuͤrſorge und Aufmerkſamkeit des Brenners die Vorbereitungen zum Einmaiſchen irgend ein Hinderniß erleiden koͤnnen, wodurch der Beginn eine kurze Friſt hinausgeruͤckt wird, auf der andern Seite differiren aber gewoͤhnlich die Uh⸗ ren verſchiedener Orte, zwar nur um kleine Zeittheile, was aber oͤfters Anlaß zu Streitigkeiten zwiſchen den Reviſions⸗Beamten und dem Steuerpflichtigen geben kann, welche jedoch gaͤnzlich hierdurch vermieden wer⸗ den. Wie lange das gebruͤhete Maiſchgut ſtehen ſoll, ehe daſſelbe abgekuͤhlt und mit Hefe geſtellt wird, iſt geſetzlich nicht vorgeſchrieben, da es in der Natur des Betriebes liegt, daß dieß regelmaͤßig vor Ablauf des⸗ jenigen Tages geſchehen muß, an welchem die Einmai⸗ ſchung begonnen hat. §. 332. Zum Abkuͤhlen des Maiſchgutes wird ge⸗ woͤhnlich kaltes Waſſer genommen. Doch iſt auch ſtatt deſſen der Gebrauch kalter Schlempe, oder desjenigen Abganges aus den Bierbrauereien erlaubt, welcher da⸗ durch erhalten wird, daß man, nachdem das Bier fer⸗ tig iſt, durch die Malztrebern nochmals kaltes Waſſer gehen laͤßt, und zu dieſer Fluͤſſigkeit dasjenige Spuͤlig ſchuͤttet, welches beim Reinigen der Kuͤhlſchiffe, Maiſch⸗ gefaͤße, Hopfenkaſten und Braukeſſel entſtehet. Von dieſen Zuſaͤtzen nimmt die Steuerbehoͤrde keine Notiz, wird jedoch eine beſteuerte Fluͤſſigkeit, als ver⸗ dorbenes Bier oder Wein, Weinhefe, Zuckerwaſſer ec., zum Abkuͤhlen verwendet, ſo muß Art und Menge der⸗ ſelben in der Deklaration ſelbſt vermerkt und die Steuer davon nach den beſonders dafuͤr feſtgeſtellten Saͤtzen gezahlt werden. §. 333. Das Ueberſteigen der Maiſche aus den Bottichen waͤhrend der Gaͤhrung zu verhindern, iſt ſeit Einfuͤhrung der Maiſchbottichſteuer ein Gegenſtand der ſteten Aufmerkſamkeit des Brennereibetriebes geweſen. Meiſtentheils liegt die Veranlaſſung zu dieſer Erſchei⸗ nung in der Abſicht des Brenners, durch hohe Anfuͤl⸗ lung des Bottichs einen Theil des, vom Geſetze als zur Gaͤhrung erforderlich angenommenen Steigraumes, zum Maiſchen zu benutzen, mithin mehr Maiſche zu bereiten, als er verſteuert. Dagegen giebt es auch Faͤlle, wo. dennoch die Maiſche in der hoͤchſten Periode der Gaͤh⸗ rung uͤber den Bottich hinausgehet, wenn gleich ein Zehntel, oder ſelbſt ein Achtel des Maiſchraumes nach dem Stellen leer iſt, wie§. 127 naͤher angefuͤhrt worden. §. 334. Außer Benutzung der, gegen das Ueber⸗ ſteigen dort genannten Verhinderungsmittel iſt es auch hin und wieder verſucht worden, an den Maiſchbottichen Aufſatzkraͤnze von Stroh, Holz oder Metall anzubringen, welche die ſteigende Fluͤſſigkeit waͤhrend der Fermentation aufnehmen. Manche Brenner ſind ganz ernſtlich der Fluͤſſigkei⸗ ten zum Abkuͤhlen des Maiſch⸗ gutes. Ueberſtei⸗ gen der Maiſche. Aufſatz⸗ kraͤnze, de⸗ ren unter⸗ ſagte Be⸗ nutzung. 278 Meinung geweſen, daß dies ein erlaubtes Huͤlfsmittel ſei, dem Ueberlaufen der Maiſche und ſomit dem da⸗ durch entſtehenden Verluſte vorzubeugen. Sie fuͤhren fuͤr ihre Behauptung an, daß ſie den vollen Maiſch⸗ bottich verſteuert haben, ihn aber nicht voll einmaiſchen koͤnnen. Die Unhaltbarkeit dieſes Grundes leuchtet aber ein, wenn man nach§. 27 die Berechnung verfolgt, auf welche ſich die Steuerhebung gruͤndet; wir finden dann, daß, wenn gleich der Rauminhalt der Maiſche nur neun Zehntel des zu verſteuernden Bottichraumes betraͤgt, die Geſetzgebung dennoch ſchon auf den, zum Aufſteigen waͤhrend der Gaͤhrung noͤthigen Raum die erforderliche Ruͤckſicht genommen hat. Es koͤnnte ſonach, ſchon auf den Grund der geſetzlichen Annahme bei der Steuerbe— rechnung, unterſagt werden, die Bottiche hoͤher als neun Zehntel ihres Raumes zu fuͤllen, oder, was daſſelbe waͤre, weniger als ein Zehntel zum Steigraum anzu— wenden. Will nun auch die Behoͤrde dieſe Induſtrie nicht beſchraͤnken, ſo kann ſie doch nicht zugeben, daß ein groͤßerer, als der vermeſſene und zum Betrieb dekla⸗ rirte Maiſchraum gebildet oder benutzt, und dadurch ein Theil des angenommenen Steuerbetrages verkuͤrzt werde. Eben ſo war auch beim Blaſenzins das Anſchaffen oder ſteuerfreie Benutzen unfoͤrmlicher Huͤte oder Helme nicht geſtattet, welche, auf die Blaſe genau gefuͤgt, oft mit groͤßerer Menge Maiſche gefuͤllt werden konnten, als die verſteuerte Blaſe ſelbſt enthielt. Da mithin nach den geſetzlichen Vorſchriften die Branntweinſteuer von dem vollen Rauminhalt der⸗ jenigen Gefaͤße zu entrichten iſt, welche zum Ein⸗ maiſchen benutzt werden, und bei Beſtimmung der Steuer ſchon uͤberall auf den zum Aufſteigen des ein⸗ gemaiſchten Gutes bei der Gaͤhrung erforderlichen, leer zu laſſenden Raum Nuͤckſicht genommen worden iſt, ſo kann das Aufſetzen beweglicher Kraͤnze von Metall, Holz, Stroh ꝛc. auf die Maiſchbottiche, um oberhalb des Gefaͤßes ei⸗ nen kuͤnſtlichen Gaͤhrungsraum zu bilden, und daſſelbe mehr anfuͤllen zu koͤnnen, nicht geſtattet, vielmehr muß ſolches als eine Handlung betrachtet werden, wel⸗ che zur Verkuͤrzung der regulativmaͤßig zu zahlenden —9 ͤ82 ——— ⏑—,——— 279 Abgaben gereicht, und die Strafe der Defraudation nach ſich ziehet*). §. 335. In gleiche Kathegorie gehoͤren auch Theile ſolcher Aufſatzhoͤhzer oder Kraͤnze, die an die Waͤnde oder Seiten des Bottichs da gelegt werden, wo die Maiſche uͤberzuſteigen beginnt. Iſt es daher zum Aufhalten einer zu raſchen Gaͤh⸗ rung noͤthig, Luftzug uͤber der Maiſche anzubringen, und will man von dem Bottich die Decken dennoch nicht ganz abnehmen, ſo bediene man ſich zu Unterla⸗ gen derſelben, ja nur kurzer Brettchen oder Kloͤtze von ſolcher Form, die es augenſcheinlich macht, daß deren Gebrauch das Ueberlaufen der Maiſche nicht verhindern kann, damit man nicht in den Fall komme, ſich einer Verantwortlichkeit ausgeſetzt zu ſehen. Erlaubt iſt die Benutzung derartiger Aufſatzkraͤnze dann, wenn ſie ge⸗ nau auf die Bottiche paſſen, angemeldet, vermeſſen und inventariſirt ſind, und der Brenner erklaͤrt, den auf naſſem oder trocknem Wege ermittelten Rauminhalt der⸗ ſelben bei jeder Maiſchung, gleich dem der Bottiche, zu verſteuern. §. 336. Ganz uͤbereinſtimmend mit der bei den Auf⸗ ſatzkraͤnzen zum Grunde liegenden Anſicht, wird, als eine nicht deklarirte Einmaiſchung, das Abſchoͤpfen von Mai⸗ ſche waͤhrend der Gaͤhrung in andere Gefaͤße, als z. B. Ei⸗ mer, Faͤſſer, Wannen, oder das Auffangen der uͤberſtei⸗ genden Maiſche in dieſelhen betrachtet und geahndet. Kann daher, wenn Maiſche bei der Gaͤhrung ſchaͤu⸗ met und ſich hebt, ſei es aus Anlaß der verwendeten Fruͤchte, oder des Gaͤhrungsmittels, Schutz gegen das Ueberlaufen nicht in niederer Fuͤllung der Bottiche ge⸗ funden werden; ſo verſuche man, das Uebergaͤhren nur auf die§. 127 angefuͤhrte erlaubte Weiſe zu verhin— dern, und trage, wenn dennoch ein Bottich uͤberſteigt, lieber den geringen Maiſchverluſt, als daß man ſich ei⸗ ner, mit dem Werthe des verlornen Objektes nicht im Verhaͤltniß ſtehenden, empfindlichen Strafe ausſetzt. Ohnedem iſt dieſe uͤbergegangene Maiſche in der Gaͤh⸗ *) Reſcript a. d. Koͤnigliche Regierung zu Poſen. vom 4. Januar 1823. 24. Ab⸗ ſchoͤpfen und Auf⸗ fangen gaͤhrender Maiſche. 280 rung geſtoͤrt, und liefert, wenn man ſie deſtillirt, nur unvollkommene Ausbeute. In groͤßern, mit Platten oder Fließen belegten Brennereien, wo dieſer Fall oͤfters eintritt, laͤßt man am Ende der abhaͤngigen Seite eine Vertiefung, aͤhnlich den Tonnenloͤchern mauern, und ſammelt die in daſſelbe geleitete Fluͤſſigkeit als Viehfutter. NReihefolge§. 337. Nach§. 5 des Regulatives vom 1. Dec. derageneine 1820 iſt vorgeſchrieben, daß die Einmaiſchung der Bot⸗ den Bot, tiche in derjenigen Reihefolge geſchehen ſoll, in welcher tiche. ſie fruͤher abgebrannt worden ſind; dagegen iſt es nicht unterſagt, wo in einer Brennerei mehrere Bottiche an einem Tage eingemaiſcht werden, mit demjenigen zu be⸗ ginnen, deſſen oͤrtliche Stellung gegen die uͤbrigen, die um einige Stunden fruͤhere oder ſpaͤtere Einmaiſchung noͤthig macht, und der Brenner hat ſich nicht daran zu kehren, ob der zuerſt gemaiſchte Bottich auch der⸗ jenige ſei, welcher am vorherigen Brenntage zuerſt abge⸗ brannt wurde. Bedecken§. 338. Waͤhrend des deklarirten Betriebes eines ree Maiſchbottiches ſtehet dem Brenner frei, denſelben un— ſchloſſen, und haben als Oeffnung nur eine Roͤhre, zu dem Zweck, dem entwickelten kohlenſauren Gas Aus⸗ gang zu verſchaffen(§. 142), ſo wird deren Aufnehmen waͤhrend der Gaͤhrungsperiode von den Reviſionsbeam⸗ ten nicht gefordert.— Huͤlfs⸗§. 339. Obſchon in der Regel die Maiſche, bis hund ſie zum Abbrennen reif iſt, in denſelben Gefaͤßen, wor⸗ Gefaͤße. in die Einmaiſchung ſtatt findet, verbleiben ſoll, ſo wird dennoch auch, wo das Erforderniß es bedingt, geſtat⸗ tet, Brennereien auf eine Zubereitung von Maiſche in mehrerlei Gefaͤßen einzurichten; die Steuer wird je⸗ doch lediglich von dem Rauminhalt derjenigen Bottiche erhoben, in welchen die Gaͤhrung ſtatt findet. In den und Nebengefaͤßen wird entweder die erſte Periode der Maiſchbereitung, die Aufloͤſung oder Extraktion der Be⸗ triebsmaterialien, durch Einmaiſchen mit heißem Waſſer hiernach beim Brennereibetriebe benutzt werdenden Huͤlfs⸗ 1 1 vollzogen(Vormaiſchbottiche); oder ſie dienen zur Aufnahme und Abkuͤhlung der heißen Maiſche vor dem der Bot, bedeckt zu laſſen, oder mit Decken zu verſchließen. Sind tiche. die Maiſchbottiche mit gefalzten Decken luftdicht ver⸗ ———„ — —·„— 281 Stellen(Kuͤhl⸗Schiffe, ⸗Bottiche, ⸗Wannen), oder ſie werden zur Bereitung von kuͤnſtlichen Gaͤh⸗ rungsmitteln, die man ſtatt der Bierhefe zum Stellen verwendet, oder bei der mit dem Brennereibetrieb ver⸗ bundenen Fabrikation der Preßhefe in Gebrauch geſetzt. In wie fern die ſteuerfreie Benutzung derartiger Gefaͤße zu den angefuͤhrten Zwecken geſtattet wird, erſehen wir aus nachſtehender durch die Amtsblaͤtter der Monarchie publizirten Verordnung*). §. 340- Bei Abfaſſung des Maiſchſteuer⸗Regula⸗ tivs vom 1. Dez. 1820 konnte, nach dem damaligen Stande der Maiſchbereitung in den Brennereien, nur davon ausgegangen werden, daß ſolche von der erſten Einteigung an, bis zur Ausgaͤhrung der Maiſche und ihrer voͤlligen Reife zur Deſtillation, nur in einerlei Bot⸗ tichen geſchieht, und da Se. Koͤnigl. Maijeſtaͤt befohlen hatten, die Branntweinſteuer, ſtatt des bisherigen Bla⸗ ſenzinſes, anderweitig nach dem Quartinhalt der zur Maiſchfertigung benutzten Bottiche zu re⸗ guliren, ſo hat in jenem hiernach abgefaßten Regulativ auch nur von einerlei Bottichen fuͤr den ganzen Prozeß der jedesmaligen Maiſchfabrikation und ihrer Beſteue⸗ rung die Rede ſein koͤnnen. Seitdem ſind jedoch, theils in Folge verbeſſerter Methoden der Maiſchbereitung, theils zu andern, damit in Verbindung geſetzten Neben⸗ zwecken, in vielen Brennereien mancherlei Huͤlfs⸗ und Nebengefaͤße, als Vormaiſchbottiche, Kuͤhlſchiffe, Hefen⸗ gefaͤße u. ſ. w. zu den eigentlichen Maiſch⸗ und Gäͤhr⸗ Bottichen in Gebrauch gekommen, und da ihrer in dem Maiſchſteuer⸗Regulativ nicht beſonders gedacht iſt, ſo iſt daraus wohl gefolgert worden, daß es gaͤnzlich Sache der freien Willkuͤhr der Brennereibeſitzer ſei, der⸗ gleichen Gefaͤße Behufs der Maiſchbereitung in Gebrauch zu ſetzen, und daß ſie ganz außerhalb der Grenzen der Steuer und ſogar der Kontrole der Maiſchbottiche laͤ⸗ gen. Mit groͤßerem Fug und Necht haͤtte jedoch dar⸗ aus, daß dergleichen Huͤlfs⸗ und Nebengefaͤße zur Maiſchbereitung nicht nothwendig und ihrer in dem *) Bekanntmachung des Herrn Finanz⸗Miniſters Excellenz, vom 16. Juny 1827. Bekannt⸗ machung vom 16. Junius 1827 uͤber die ſteuerfreie Geſtat⸗ tung von Huͤlfs⸗ und Ne⸗ ben⸗Ge⸗ faͤßen. 282 Maiſchſteuer⸗Regulativ nicht gedacht iſt, gefolgert wer⸗ den koͤnnen, daß ſie uͤberhaupt nicht geſtattet ſind, oder, wenn ihr Gebrauch geſtattet worden, daß ſie in Folge des Grundſatzes, wonach die Branntweinſteuer von dem Quartinhalt der zur Maiſchfertigung benutzten Bottiche gezahlt werden ſoll, derſelben Beſteuerung, wie die ei⸗ gentlichen Maiſch- und Gaͤhr⸗Bottiche, unterliegen, ſo wie es ſich denn auch von ſelbſt verſteht, daß die all— gemeinen Beſtimmungen des Maiſchſteuer⸗Regulativs uͤber Anmeldung, Vermeſſung, den Gebrauch und die Kontrole der Maiſchgefaͤße die etwanigen Neben⸗ und Huͤlfs⸗Gefaͤße zur Maiſchbereitung mit umfaſſen. Wenn— demohngeachtet ihr Gebrauch bisher weder geradezu ver⸗ ſagt, noch ihre Verſteuerung gefordert worden iſt, ſo ge⸗ ſchah es nur, um die Induſtrie ſo wenig als moͤglich zu beſchraͤnken, und, in ſo fern die Steuerbehoͤrden ſich ohne zu große Belaͤſtigung die Ueberzeugung verſchaffen konnten, daß eine ſolche Vervielfaͤltigung der Gefaͤße der beſondern Art des Betriebes weſentlich foͤrderlich und noͤthig ſei, und weder eine groͤßere Einmaiſchung, als ohnedem in dem verſteuerten Maiſchraume moͤglich ge⸗ weſen waͤre, noch ſonſt eine Verkuͤrzung der angeordne⸗ ten Maiſchſteuer dabei beabſichtigt wird, oder davon zu beforgen iſt. Hieraus ergiebt ſich aber, daß die Voran⸗ meldung ſolcher Gefaͤße nicht nur unerlaͤßlich und ge⸗ ſetzlich begruͤndet, ſondern daß auch die Steuerbehoͤrde befugt iſt, den ſteuerfreien Gebrauch derſelben, nach naͤ⸗ herer Pruͤfung der Verhaͤltniſſe und Unverdaͤchtigkeit der Brennerei, entweder gaͤnzlich zu verſagen, oder an Be⸗ dingungen zu knuͤpfen, wie ſie die Sicherſtellung des Steuer-Intereſſes noͤthig macht. Da jedoch ſowohl die öͤrtlichen Umſtaͤnde jeder Brennerei, als die Zweck⸗ und Gebrauchsarten ſolcher Gefaͤße, hoͤchſt verſchieden ſind, ſo kann das, was in einer Brennerei bewilligt worden, nicht ſofort zu einer Regel fuͤr alle gemacht, ſondern nur im Allgemeinen die Verſicherung ertheilt werden, daß in Brennereien, die das Beduͤrfniß und den Gebrauch ſolcher Gefaͤße gehoͤrig offen legen, die Kontrole ohne beſondere Erſchwerung ſicher ſtellen, und ſich durch ordnungsmaͤßigen puͤnktlichen Betrieb ein gu⸗ tes Zutrauen zu erhalten wiſſen, weſentlich noͤthige, Ne⸗ ben⸗ und Huͤlfs⸗Gefaͤße zur Maiſchbereitung nicht ver⸗ 283 ſagt, ſondern unter möglichſt einfachen, am wenigſten belaͤſtigenden Bedingungen ſteuerfrei geſtattet werden ſollen. §. 341. Der Benutzung der in den Branntwein⸗ brennereien befindlichen Nebengefaͤße, als Vormaiſchbot⸗ tiche, Hefengefaͤße, Kuͤhlſchiffe, Maiſchreſervoirs gehet von Seiten des Steuerpflichtigen die Anmeldung, von Seiten der Steuerbehoͤrde die Ermittelung des Inhaltes voraus. Der ſteuerfreie Gebrauch derſelben wird jedoch erſt durch beſondere, von dem Hauptſteueramte dazu erhaltene Erlaubniß geſtattet. Die allgemeinen Bedingungen, unter welchen dieſe Erlaubniß Branntweinbrennereien, in denen bisher ein ordnungsmaͤßiger, gewiſſenhafter und unverdaͤch⸗ tiger Betrieb ſtatt gefunden hat, ertheilt wird, ſind folgende: Vormaiſchbottiche, Kuͤhlſchiffe und Kuͤhlwannen duͤrfen den geſammten Rauminhalt der eigentlichen Maiſchbottiche, ſo weit ſie an einem Tage zuſammen bemaiſcht werden, in der Regel nicht uͤberſteigen. Da gewoͤhnlich dieſe Gefaͤße nur die Maiſche bis zu dem⸗ jenigen Zeitpunkt aufnehmen, wo ſie kalt genug iſt, um in den verſteuerten Maiſchbottich geleitet und dort mit Waſſer und Hefe geſtellt zu werden, ſo wird nur in den wenigſten Faͤllen der geſtattete Rauminhalt zu wirklicher Benutzung kommen. Wo jedoch der Umfang des Betriebes einer Brennerei von Umſtaͤnden abhaͤngt, welche zeitweis bald eine Vermehrung, bald eine Ver⸗ minderung des taͤglich zu verarbeitenden Maiſchraumes fordern, iſt es nachgegeben worden, daß zur Er⸗ leichterung des Betriebes auch auf dieſer Vorſchrift nicht unbedingt gehalten werden ſoll, und groͤßere, den In— halt des an einem Tage deklarirten Maiſchraumes uͤberſteigende Vormaiſchbottiche da zugelaſſen werden duͤrfen, wo dem Brennerei⸗Inhaber zugemuthet werden muͤßte, bei jeder Veraͤnderung des Betriebes die Groͤße der Vormaiſchgefaͤße mit dem deklarirten Maiſchraume in Uebereinſtimmung zu bringen, was, wenn es bei Verminderung des Betriebes durch Verkleinern der Vor⸗ maiſchbottiche zu bewirken waͤre, doch bei einer Ver⸗ groͤßerung nicht ohne Anſchaffung ganz neuer Vor⸗ maiſchgefaͤße geſchehen koͤnnte*). *) Neſcript a. d. Koͤnigl. Prov.⸗Steuer⸗Direkt. zu Koͤnigsberg. vom 12. Sept. 1827. 17004. Bedin⸗ gungen zur Be⸗ nutzung von Ne⸗ benge⸗ faͤßen. Vor⸗ maiſchbot⸗ tiche, Kuͤhl⸗ ſchiffe. Hefenge⸗ faͤße fuͤr die Preß⸗ hefe⸗Fa⸗ brikation. 284 Die Vormaiſchbottiche und Kuͤhlſchiffe duͤrfen in der Regel niemals, mit Hefe geſtellte, gaͤhrende oder reife Maiſche enthalten. Wo ausnahmsweiſe aus triftigen und als noth⸗ wendig anerkannten Gruͤnden von der Steuerbehoͤrde ge⸗ ſtattet iſt, die Maiſche auf dem Vormaiſchbottich oder dem Kuͤhlſchiff zu ſtellen, muß ſie, wenn dies geſchehen iſt, ſofort und jedenfalls vor beginnender Gaͤhrung, in die verſteuerten Maiſchtienen geleitet werden, da nir— gend anders, als in dieſen, der Beginn oder Fortgang der Gaͤhrung uͤberhaupt ſtatt finden darf*). Die Dauer des Gebrauches der Vormaiſchgefaͤße, die nur innerhalb des erſten Drittheils, oder bei 48 und 24ſtuͤndiger Maiſche innerhalb der erſten Haͤlfte einer jeden Einmaiſchungsperiode fallen darf, muß in der Be⸗ triebs⸗Nachweiſung angegeben werden, auch duͤrfen die Vormaiſchgefaͤße waͤhrend der angezeigten Dauer des Gebrauches nur in ſo fern mit Maiſchgut gefuͤllt ſeyn, als die deklarirten und verſteuerten Hauptbottiche ſelbſt leer ſind. Ob bei Benutzung derartiger Huͤlfs⸗Gefaͤße drei⸗ oder viertaͤgige Gaͤhrungsperioden deklarirt werden, bleibt der Wahl des Steuerpflichtigen uͤberlaſſen**). §. 342. Die Steuerbehoͤrde geſtattet, neben der Branntweinfabrikation, die gleichzeitige Bereitung der Preßhefe oder Pfundbaͤrme aus den verſteuerten Maiſch⸗ tienen denjenigen Brennern, welche dieſe Hefe entweder verkaufen, oder eines Nebengewerbes halber ſelbſt be⸗ nutzen***). Lediglich zum Stellen der Branntweinmaiſche wird ihre Fabrikation nicht geſtattet; da ſie bekannt⸗ lich fuͤr dieſen Zweck nicht immer mit Sicherheit zu be⸗ nutzen iſt, eine brauſende Gaͤhrung erzeugt, oft die Maiſche umſchlaͤgt und, wie wir beim Vortrag der Ge⸗ werbskunde bereits ausgefuͤhrt haben, kuͤnſtliche Gaͤh⸗— rungsmittel zum Stellen, welche zuverlaͤßiger ſind, mit *) Reſeript a. d. Koͤnigl. Prov.⸗Steuer⸗Direkt. zu Danzig. vom 9. September 1827. 20911. *⁶⁴) Cirkular⸗Reſcript vom 16. Oktober 1825. 18008. = Neſeripe s. d. Adutgl. Prod Steuer⸗Dhrekt zu Köln. vom 1. September 1824. 16698. 285 geringeren Mitteln erhalken werden koͤnnen, als durch muͤhſame und koſtſpielige Bereitung der Preßhefe, wenn ihre Verwendung nur zu dieſem Zweck dienen ſoll. Da bei Fabrikation der Preßhefe die dazu dien⸗ liche, abgeſchoͤpfte gaͤhrende Fluͤſſigkeit, in der Regel hoͤchſtens den achten Theil der ganzen Maiſche betraͤgt, ſo iſt das Maximum der zur Preßhefenbereitung be⸗ ſtimmten Neben⸗Gefaͤße auf den ſechsten Theil des In⸗ haltes von demjenigen Hauptbottich feſtgeſtellt, zu wel⸗ chem ſie gehoͤren*), ſie muͤſſen unmittelbar auf, oder uͤber demſelben ſtehen und mit deſſen Nummer bezeich⸗ net ſeyn. Wo ſtatt der einzelnen Hefenbottiche die Benutzung eines Kuͤhlſchiffs nachgegeben iſt, und dieſes mit der Hefe aus mehreren Bottichen gefuͤllt wird, darf auch dieſes Kuͤhlſchiff mehr nicht, als den ſechsten Theil des taͤglich verſteuerten Maiſchraumes faſſen. In die Hefengefaͤße darf nur die Oberflaͤche der, auf der gaͤhrenden Maiſche ſich bildenden Baͤrme ab⸗ geſchoͤpft und mit Waſſer Behufs der Abſonderung ver⸗ miſcht werden**). Es duͤrfen ferner dieſe Gefaͤße nur ſo lange, als die Hauptbottiche zu denen ſie gehoͤren mit gaͤhrender Maiſche gefuͤllt ſind, benutzt werden, und endlich muͤſ⸗ ſen die Hauptbottiche ſo viel weniger Maiſche enthalten, als in den Hefengefaͤßen vorhanden iſt. Was dieſe aufgenommen, muß in jenen fehlen, da vorausgeſetzt wird, daß, wenn die Gaͤhrung in den Nebenbottichen be⸗ endet iſt, nach Abſonderung der Baͤrme die ausgegohrne Fluͤſſigkeit wieder in die Hauptbottiche zuruͤck gehet. Uebrigens muß da, wo Preßhefe bereitet wird, in den monatlichen Betriebs-Deklarationen im Voraus erkklaͤrt ſeyn, welche Nebenbottiche und an welchen Tagen ſie benutzt werden ſollen*r). Jede Abweichung von dieſer Benutzung wird wie Abweichung vom deklarirten Bren⸗ nereibetriebe angeſehen. *) Reſcript a. d. Koͤnigl. Prov.⸗Steuer⸗Direkt. zu Koͤln. vom 25. April 1829. 5948. *) Reſcript a. d. Koͤnigl. Prov.⸗Steuer⸗Direkt. zu Koͤnigsberg. vom 21. Auguſt 1827. 14810. ***) Reſcript a. d. Koͤnigliche Regierung zu Duͤſſeldorf. vom 28. November 1821. 22446. 286 Benutzung§. 343. Werden fluͤſſige Gaͤhrungsmittel lediglich wun Ne⸗ zum Stellen des Maiſchgutes bereitet und verwendet en⸗Ge⸗.—.. 44 faͤßen zur und bedient ſich der Brenner nur eines einzigen Baͤrme⸗ Bereitung gefaͤßes von keinem groͤßeren Inhalt, als bis zu einem kuͤnſtlicher Zehntel der gleichzeitig mit einander in Betrieb geſetz⸗ Wähe. ten Maiſchgefaͤße, ſo iſt derſelbe von ſchriftlicher oder rungemir muͤndlicher Angabe uͤber die Bereitungsart des Fermentes Stellen entbunden. Die Anzeige in der monatlichen Betriebsdekla⸗ der Mai⸗ ration beſchraͤnkt ſich hier auf die Angabe, wenn und ſche. in welchem Maaße das Gefaͤß in Gaͤhrung begriffene Maiſche, allein, oder mit anderen Fluͤſſigkeiten vermiſcht enthalten wird. Dabei verſtehet es ſich aber von ſelbſt, daß ſolche Maiſche nur aus einem angemeldeten, ſteuer— pflichtigen Bottich zu entnehmen, und die in dem Baͤrm⸗ gefaͤß bereitete Fluͤſſigkeit, welche nie blos reife, ausge⸗ gohrne Maiſche ſeyn darf, ganz oder theilweis, lediglich zur Anſtellung der Maiſche in ſteuerpflichtigen Bottichen zu benutzen iſt*). In der Regel wird in jeder Brennerei dieſe Groͤße der Gefaͤße hinreichen, das zur naͤchſten Maiſchung er⸗ forderliche Gaͤhrungsmittel in hinreichender Menge zu beſchaffen, doch werden einige Methoden bei der Hefen⸗ bereitung in Anwendung gebracht, wo entweder ein Gefaͤß von groͤßerem Inhalt, als einem Zehntel des Maiſchbottichs, oder zwei, auch wohl mehrere Gefaͤße erforderlich ſind; was z. B. bei denjenigen Gaͤhrungs⸗ mitteln der Fall iſt, deren Bereitung wir§. 130 und und§. 133 angefuͤhrt haben. Auch die Bewilligung dieſer Ausnahmen wird bei nachgewieſenem Beduͤrfniß in beiden Faͤllen nicht verſagt*); doch kann hier die Steuerbehoͤrde, ſo weit es zur Rechtfertigung des Antra⸗ ges erforderlich iſt, im Allgemeinen naͤhere Auskunft uͤber die Bereitungsart der Gaͤhrungsmittel, jedoch hauptſaͤch— lich in Bezug auf Verwendung von Maiſche, Schlempe, oder Waſſer verlangen, und darnach allenfalls beſondere *) Reſeript a. d. Koͤnigliche Regierung zu Potsdam. vom 30. Auguſt 1828. 15051.. **) Reſcript a. d. Koͤnigl. Prov.⸗Steuer⸗Direkt. zu Magdeburg. vom 26 Januar 1826. 1318. Reſcript a. d. Koͤnigl. Prov.⸗Steuer⸗Direkt. zu Poſen. vom 9. November 1826. 11865. 287 Bedingungen außer den allgemeinen, in ſo fern die Sicherſtellung des Steuerintereſſes ſolches erheiſcht, feſt⸗ ſetzen, wobei aber immer dahin geſehen werden ſoll, daß regelmaͤßiger Brennereibetrieb ſo wenig als moͤglich be⸗ ſchraͤnkt, und die Einmiſchung der Aufſichtsbeamten in die einzelnen Handgriffe der Maiſch- und Baͤrmeberei⸗ tung moͤglichſt vermieden werden*). Die Abgabe einer beſondern Nebendeklaration uͤber ein oder das bewilligte Hefengefaͤß kann ganz unter— bleiben, da mit der Bemerkung in der Hauptbetriebs⸗ nachweiſung, daß daſſelbe an jedem Einmaiſchungstage aus dem einzumaiſchenden Bottich gefuͤllt, und an dem naͤchſten Einmaiſchungstage in den alsdann zu bemai⸗ ſchenden Bottich wieder ausgeleert werde, eben daſſelbe kuͤrzer und einfacher zu erreichen iſt**). Obſchon bei dem gleichzeitigen Betrieb einer Bier⸗ brauerei in der Regel Neben⸗Gefaͤße zur Bereitung von Gaͤhrungsmitteln fuͤr die Brennerei nicht zugelaſſen wer⸗ den, ſo iſt dennoch ihre Benutzung fuͤr die Branntwein⸗ fabrikation da geſtattet, wo der Umfang und die Ver⸗ haͤltniſſe der Brauerei es nicht zulaſſen, die Brennerei mit eigner Bierhefe in hinlaͤnglicher Menge zu be⸗ ſchicken***). Auch iſt der Verkauf der in den Branntwein⸗ brennereien ſo bereiteten fluͤſſigen Hefe geſtattet, in ſo fern die dazu erforderliche Branntwein⸗Maiſche aus verſteuerten Bottichen entnommen und nicht etwa in den Gaͤhrungsgefaͤßen ſelbſt bereitet wird*r). §. 344. Abweichungen von den vorſtehend aufge⸗ fuͤhrten allgemeinen Vorſchriften, oder den fuͤr die ein⸗ zelne Brennerei feſtgeſtellten Bedingungen, wegen ſteuer⸗ freier Benutzung von Nebengefaͤßen bei der Maiſchbe⸗ reitung, ziehen, außer den ſonſt etwa geſetzlich anzuwen⸗ *) Reſcript a. d. Koͤnigliche Regierung zu Potsdam. vom 30. Auguſt 1828. 13031. „) Reſcript a. d. Koͤnigl. Prov.⸗Steuer⸗Direkt. zu Koͤnigsberg. vom 20. Januar 1829. 25731. ***) Reſcript a. d. Koͤnigl. Prov.⸗Steuer⸗Direkt. zu Danzig. vom 9. Dezember 1826. 22329. Verſa⸗ gung der ſteuer⸗ freien Geſtat⸗ tung von 2r) Reſcript a. d. Koͤnigl. Prov.⸗Steuer⸗Direkt. zu Koͤln. vom 10. Januar 1829. 89. Neben⸗ 288 denden Strafen, die fernere Verſagung der Erlaubniß, Gefaͤßen, dergleichen Gefaͤße zu halten und ſteuerfrei zu benutzen, Ausnah⸗ men. nach ſich. Daſſelbe iſt der Fall, wenn ihre Anmeldung zu dem beſtimmten Zweck ein leerer Vorwand iſt, und ſie ohne Voranzeige in einer dazu angemeldeten Zeit gar nicht, oder zu andern Zwecken gebraucht werden, ſelbſt wenn damit keine Steuerverkuͤrzung verbunden iſt. §. 345. Obſchon wir aus Vorſtehendem erſehen, wie es im Allgemeinen zur Richtſchnur dient, daß die Erlaubniß zur ſteuerfreien Benutzung von Nebengefaͤßen, als eine im Geſetz nicht begruͤndete Bewilligung, nur ſolchen Gewerbanſtalten zugeſtanden wird, die ſich ei⸗ nes ordnungsmaͤßigen Betriebes, und der Beobachtung derjenigen Vorſchriften befleißigen, welche die Steuerver⸗ waltung zur Sicherung des Abgaben⸗Intereſſes feſtzu⸗ ſetzen ſich veranlaßt ſiehet, mithin dieſe Bewilligung auf perſoͤnlichem Vertrauen beruhet, und ſofort zuruͤck⸗ genommen werden kann, in ſo fern dieſes Vertrauen durch vorkommende Uebertretungen der geſetzlichen Be⸗ ſtimmungen verletzt oder geſtoͤrt wird; ſo wird es je⸗ doch auch auf der andern Seite nicht verkannt, daß ein Brennereibeſitzer zuweilen Unordnungen oder ſtraffaͤl⸗ lige Abweichungen, entſtanden durch die Schuld ſeiner Leute ohne eignes Vorwiſſen, nicht im⸗ mer verhindern kann, und obſchon ihm deshalb, nach den geſetzlichen Beſtimmungen, die ſubſidiariſche Verhaf⸗ tung, in Hinſicht auf Strafe und Koſten, auferlegt wer⸗ den muß, ſo wird dennoch dieſe Mitverhaftung in der Regel nicht auf die, aus der Beſtrafung entſtehenden Folgen ausgedehnt. Wenn daher der Brennereibeſitzer bei einer in ſeiner Gewerbanſtalt vorgekommenen Unre⸗ gelmaͤßigkeit, die er ſelbſt weder begangen, noch beguͤn⸗ ſtigt hat, durch den vorgelegten Beweis ſeiner perſoͤnli⸗ chen Schuldloſigkeit und durch die Entfernung des Schuldigen aus dem Dienſte, es bethaͤtigt hat, daß er durch alle ihm zu Gebote ſtehende Mittel, derartige Vorfaͤlle zu vermeiden bemuͤhet iſt, ſo nimmt die Ver— waltungsbehoͤrde auch nicht an, daß er von dem ihm geſchenkten perſoͤnlichen Zutrauen Mißbrauch gemacht habe, und es wird ihm, bei einem ſolchen Sachverhaͤlt⸗ niſſe, die Erlaubniß zu ſteuerfreier Benutzung von Ne⸗ bengefaͤßen auch fuͤr die Folge nicht entzogen. 289 §. 346. Nach den geſetzlichen Beſtimmungen iſt Verarbet⸗ es erlaubt, die Maiſche am dritten oder am vierten tns der Tage nach der Einmaiſchuug(den Tag der Einmai⸗ üſhe ſchung ein fuͤr allemal als den erſten gerechnet) zu Brannt⸗ verſchwellen. Man kannte fruͤher keine anderen Gaͤh⸗ wein. rungsperioden. Da jedoch der Induſtrie in neuerer Zeit Gäh⸗ gelungen iſt, theilweiſe die Maiſche ſchon innerhalb 24 purdihen Stunden zur voͤlligen Reife zu bringen, ſo wird es nach⸗ 4 gegeben, daß Maiſche auch am zweiten Tage der Einmaiſchung abgebrannt werden kann(§. 144). Es iſt jedoch, wie ſchon erwaͤhnt, nur geſtattet, neben die⸗ ſer Periode noch Maiſche am dritten Tage nach der Maiſchung, gleichzeitig zu verarbeiten. Das Wechſeln mit Maiſche vom vierten Tage, iſt fuͤr ſolche Betriebs⸗ Deklarationen unterſagt. Der in den techniſchen Sprachgebrauch uͤbergegan⸗ gene Ausdruck, viertaͤgige und dreitaͤgige Mai⸗ ſche(C. 143), hat hin und wieder zu der unrichtigen Auslegung Veranlaſſung gegeben, daß bei den geſetzlich erlaubten Gaͤhrungsfriſten der Tag der Einmaiſchung nicht als der erſte, oder vielmehr gar nicht berechnet werde. Es iſt jedoch Vorſchrift, daß die Gaͤhrungs⸗ Perioden am zweiten, dritten oder vierten Tage, den Maiſchtag eingerechnet, ablaufen, und die Brenner ſind daher auch nicht befugt, uͤber dieſe Zeit hinaus Maiſche, erſt vielleicht am fuͤnften Tage, abzubren⸗ nen; die Deklarations⸗ und Gaͤhrungsfriſt wird nach Tagen, nicht aber nach ein⸗, zwei⸗ oder dreimal vier und zwanzig Stunden, von der Stunde der Einmaiſchung ab, gerechnet. Da bis 10 Uhr Abends eingemaiſcht werden kann, ſo wuͤrde aus einer derartigen Auslegung der Gaͤhrungsperioden gefolgert werden koͤn⸗ nen, daß auch mit Abbrennen der Anfang um 10 Uhr Abends, alſo außer der geſetzlichen Brennzeit gemacht werden koͤnnte. Der zum Abbrennen deklarirte, gleichviel ob zweite, dritte oder vierte Tag, beginnt daher, nach den geſetz⸗ lichen Beſtimmungen, Morgens um fuͤnf Uhr, ohne Ruͤckſicht darauf, in welcher Stunde des erſten Tages die Maiſchung begonnen hat, oder vollendet worden iſt. §. 347. Nach§. 4 des Regulativs vom 1. Dez. Fruͤheres 1820 iſt in außerordentlichen Faͤllen ein fruͤheres oder 19 ſpaͤteres Abbren⸗ nen der Maiſche. 290 oder ſpaͤteres Abbrennen einzelner Maiſchungen, als die Deklaration ergiebt, geſtattet, wenn der betreffende Oberkontroleur ſich von der Nothwendigkeit dieſer Aus⸗ nahme uͤberzeugt, und die Genehmigung dazu auf dem Betriebsplan vermerkt hat. In dringlichen Faͤllen kann auch das Steueramt dieſe Erlaubniß, mit Vorbe⸗ halt der von dem Oberkontroleur an Ort und Stelle zu ertheilenden Genehmigung nachgeben. Der Fall des fruͤheren Abbrennens von Maiſche kann wohl uͤberhaupt nur ſelten vorkommen, da feſtſte⸗ het, daß der Unterſchied von einem Tage, um welchen es ſich hier handelt, keinen erheblichen Einfluß auf die Branntwein⸗Ausbeute einer raſch reif gewordenen Mai⸗ ſche aͤußert, der Brenner daher kein beſonderes Intereſſe hat, ſie vor abgelaufener Gaͤhrungsperiode abzutreiben. Umgekehrt wurde jedoch der Brenner ſich vielleicht eher in Nachtheil verſetzt finden, wenn ihm nicht er⸗ laubt werden koͤnnte, eine unvollkommen fermentirende Maiſche ausgaͤhren zu laſſen, und dieſelbe ſpaͤter ab⸗ brennen zu duͤrfen, als fruͤher die Abſicht war. Neihe⸗ folge der Bottiche. Abbren⸗ nen der an einem Ta⸗ ge berei⸗ teten Maiſche. §. 348. Wegen der Reihefolge, in welcher die Bottiche abgebrannt werden muͤſſen, gilt daſſelbe, was wir daruͤber bei der Einmaiſchung§. 337 erwaͤhnt haben, und es iſt unbedenklich, da, wo in einer Brenne⸗ rei mehrere Bottiche an einem Tage eingemaiſcht wor⸗ den ſind, beim Abbrennen mit demjenigen zu beginnen, welcher nach dem Urtheile des Brenners der reifſte iſt, indem der Fall wohl oft vorkommt, daß die oͤrtliche Stel⸗ lung der Tienen, oder andere zufaͤllige Einwirkungen, die Veranlaſſung werden, daß von mehreren, gleichzeitig ge⸗ maiſchten, mit gleichen Gaͤhrungsmitteln geſtellten Bot⸗ tichen, dennoch einer oder der andere die Gaͤhrung, um acht bis zwoͤlf Stunden, fruͤher oder ſpaͤter vollendet. Saͤmmtliche Bottiche muͤſſen jedoch von einem Maiſchtage herruͤhren, eben ſo wie das Abbrennen, oder viel⸗ mehr das Rauhbrennen der an einem Tage bereiteten Maiſche auch an dem der abgelaufenen Gaͤhrungs⸗ Periode zunaͤchſt folgenden Tage voͤllig beendet werden muß, und theilweiſe Ablutterung derſelben, in zwei verſchiedenen Tagen, nicht ſtatt finden oder ge⸗ duldet werden darf. 291 §. 349. Dagegen iſt es jedoch nicht vorgeſchrie⸗ ben, daß auch der in einem Tage gewonnene Lutter an demſelben Tage auf Branntwein verarbeitet wird; er darf vielmehr aufgeſammelt werden, bis er, wo be⸗ ſondere Weinblaſen nicht vorhanden ſind, die Maiſch⸗ blaſe fuͤllt, dann geklaͤrt, und entweder zu Halb⸗ wein, oder ſogleich zu fertigem Branntwein verarbeitet wird*); eben ſo, wie es dem Brenner freiſteht, den Lutter, ohne Branntwein daraus zu bereiten, ſofort zu andern Zwecken, z. B. zur Eſſigbereitung, zu benutzen. §. 350. Den Anfang der Deſtillation oder des Brenn⸗Prozeſſes, im geſetzlichen Sinne, bildet der⸗ jenige Zeitpunkt, an welchem das Maiſchgut auf den Vorwaͤrmer oder auf die Blaſe gebracht wird. Es darf daher, wo nicht Ausnahmen beſonders nachgegeben ſind, kein Bottich vor Morgens fuͤnf Uhr angebrochen, auch duͤrfen vor Eintritt diefes Zeitpunkts weder der Maiſchwaͤrmer, noch die Blaſe mit Maiſche gefuͤllt werden. Welche Form die Deſtillir⸗Geraͤthe haben, iſt, wie die Wahl des Betriebsmaterials, dem Ermeſſen des Brenners gaͤnzlich uͤberlaſſen, und er darf daher ſeinem Deſtillir-Apparat diejenige Konſtruktion geben, welche ihm bei ſeinem Betrieb die vortheilhafteſte duͤnkt, ohne vor der Anſchaffung oder Aufſtellung einer beſonderen Erlaubniß der Steuerbehoͤrde zu beduͤrfen. §. 351. Als Regel fuͤr die Benutzung der De⸗ ſtillirgeraͤthe iſt geſetzlich feſtgeſtellt, daß dieſelben in den Tagen, wo ſie zum Betriebe deklarirt ſind, nur von fuͤnf Uhr des Morgens bis ſieben Uhr des Abends in Gang geſetzt werden duͤrfen, daß alſo der Deſtillations⸗Prozeß fuͤr jeden Tag in vierzehn Stun⸗ den beendet ſein ſoll. §. 352. In der vollſtaͤndig freien Be⸗ nutzung dieſer 14ſtuͤndigen Betriebszeit zur Deſtillation auf Lutter, Branntwein oder Spiritus wird der Brenner durch die Steuerbehoͤrde ſelbſt dann nicht beſchraͤnkt, wenn auch die Groͤße ſeiner Deſtillirgeraͤthe, oder deren *) Reſeript a. d. Koͤnigl. Prov.⸗Steuer⸗Direkt. zu Stettin. vom 18. December 1827. 23824. 1 8. 9* Samm⸗ lung und Aufbe⸗ wahrung des Lut⸗ ters. Anfang der Deſtil⸗ lation, wenn ſol⸗ cher ſtatt findet. Unbe⸗ ſchraͤnkte Konſtruk⸗ tion der Geraͤthe. Geſetzliche Brenn⸗ friſt. Befugniß zu deren unbe⸗ ſchraͤnkter Be⸗ nutzung. 292 vortheilhafte Konſtrukkion mit der taͤglich zu verſchwel⸗ lenden Maiſche in einem ſolchen Verhaͤltniß ſtehen, daß er dieſelbe in einer kuͤrzern Zeitfriſt bearbeiten koͤnnte. Ihm erwaͤchſt daraus der Vortheil, durch langſamere Deſtillation ein reineres und wohlſchmeckenderes Fabri⸗ kat zu erzielen; wogegen auch den, entweder bei Man⸗ gel an Kuͤhlwaſſer, oder mit unvollkommenen Brenn⸗ und Kuͤhlgeraͤthen arbeitenden Brennern es moͤglich wird, fertig zu werden, ohne genoͤthigt zu ſein, durch zu ra⸗ ſchen Betrieb eines Verluſtes an Guͤte oder Ausbeute des Branntweins ſich ausgeſetzt zu ſehen. Dieſe Be⸗ nutzung der geſetzlichen Friſt erſtreckt ſich an Brenn⸗ tagen auch auf die, zum Deſtilliren des Lutters beſtimm⸗ ten Weinblaſen. Eben ſo wenig ſollen, wo mit zwei Blaſen, ei⸗ ner Maiſch⸗ und einer Klaͤrblaſe, gearbeitet und an dem zu jedem Maiſchtage gehoͤrenden Brenntage nicht uͤber die ordentliche Zeit hinaus gegangen wird, Weite⸗ rungen daruͤber angeſtellt werden, daß ein Brenner z. B. zwei Lutterabtriebe, jeden zu 7 Stunden, deklarirt hat und ſich wirklich ſo viel Zeit dazu nimmt, waͤhrend er ſolche ſchon in 5 Stunden bewirken kann: da es der Steuerverwaltung nicht darauf ankommt, den Bren⸗ ner zum moͤglichſt ſchnellen Betrieb zu noͤthigen, ſondern vielmehr darauf, Ueberſchreitungen der vierzehn⸗ ſtuͤndigen Brennfriſt zu vermeiden, und wenn ſie unver⸗ meidlich ſind, wenigſtens an eine, der gewohnten Be⸗ triebsart entſprechende Zeitfriſt zu binden, und dadurch der unbeſchraͤnkten Vervielfaͤltigung der Blaſenabtriebe und dem Abbrennen heimlich bereiteter Maiſche vorzu⸗ beugen*). Gewerbs⸗ Die Vorbereitungen zur kuͤnftigen Einmaiſchung, hand u wohin das Waſſerkochen auf den Brennblaſen, ſo wie che nicht das Kartoffeldaͤmpfen durch dieſelben gehoͤren, werden zur geſetze nicht unter den geſetzlichen Betriebsſtunden begriffen, lichen doch muß die Steuerbehoͤrde von der Benutzung der Brennfriſ Blaſen zu derartigen Zwecken unterrichtet ſein. gerechne werden. —— 2) Cirkular⸗Reſeript vom 13. Februar 1828. 2788. 293 §. 353. Als Ausnahme von der Regel wird eine Verlaͤngerung der Brennfriſt da geſtattet, wo der Maiſch⸗ inhalt der an einem Tage gemaiſchten und verſteuerten Bottiche groͤßer iſt, als der dazu gehoͤrende Deſtlllir⸗ apparat binnen jenen vierzehn Stunden, bei regelmaͤßi⸗ gem Betriebe, auf Branntwein zu verarbeiten vermag. Es befinden ſich daher eine bedeutende Anzahl von Brennereien in dem Fall, eine Erweiterung der Brenn⸗ friſt in Anſpruch zu nehmen, weil entweder ihre Deſtillir⸗ geraͤthe auf einen ſchnellen Betrieb nicht eingerichtet ſind, oder gegen die taͤglich zu verſchwellende Maiſche einen zu geringen Rauminhalt faſſen, als daß ſie ſolche ein der geſetzlichen Brennfriſt verarbeiten koͤnnten. Es zerfallen dieſe Brennereien hinwiederum in ſolche, wo die Deſtillirgeraͤthe ununterbrochen im Gange ſind, oder in ſolche, welche nur die Benutzung einer Nachfriſt von einigen Stunden uͤber die geſetzliche Brennzeit be⸗ duͤrfen, um die an einem Tage bereitete Maiſche zu verarbeiten. Bei Bewilligung verlaͤngerter Brennfriſten ſind nach dem verſchiedenartigen Betrieb folgende Grundſaͤtze zur Anwendung vorgeſchrieben, bei deren Ausfuͤhrung die, §. 6 des Maiſchſteuer⸗Regulatives angedeutete Erwei⸗ terung der vierzehnſtuͤndigen Brennzeit nicht verſchraͤnkt, anderſeits aber auch nur auf das wirkliche Beduͤrfniß zuruͤckgefuͤhrt, und die haͤufig zur Umgehung der Maiſch⸗ ſteuer gemißbrauchte, willkuͤhrliche Ausdehnung des Bla⸗ ſenbetriebes vermieden wird. §. 354. In denjenigen Brennereie 5 wo bei regel⸗ miacigem Betrieb an einem Tage eine ſolche Quantitaͤt Maiſchraum zur Verſteuerung deklarict wird, als die Produktionsfaͤhigkeit der dazu gebrauchten oder gehoͤren⸗ den Deſtillirgeraͤthe auf Branntwein oder Spiritus ver⸗ arbeiten kann, wo das Gewerbe fabrikmaͤßig, in gleichem Umfange, Tag und Nacht ununterbrochen getrieber wird, und mit Verarbeitung der deklarirten Maiſchmenge waͤhrend 24 Stunden die Brenngeraͤthe volle Beſchaͤfti⸗ gung haben, in ſolchen Anſtalten iſt, wenn nicht beſon⸗ dere Verdachtsgruͤnde gegen den Inhaber obwalten, auch die Deſtillationsfriſt unbeſchraͤnkt, und die Behoͤrde geſtattet, nach vorheriger Ueberzeugung, die Benutzung Verlaͤnge⸗ rung der geſetzlichen Brenn⸗ friſt. Ununter⸗ brochener Betrieb. Verlaͤnge⸗ rung der Botriebs⸗ friſt bis neun Uhr des Abends. Ausnah⸗ men. Lutter⸗ und Wein⸗ blaſen. 294 der Brenngeraͤthe ohne Abbrechung; gleichviel welche Konſtruktion ſie haben. §. 355. Eine Erweiterung der Brennfriſt wird entweder geſtattet, um bei Apparaten von einfacher Bauart, den nach Ablauf von 14 Betriebsſtunden noch vorhandenen Reſt von der deklarirten Maiſche auf Lut⸗ ter, bei Spiritusapparaten auf Spiritus oder Brannt⸗ wein zu verarbeiten. Fuͤr dieſen Fall iſt Verlaͤngerung der Brennfriſt bis hoͤchſtens neun Uhr Abends ge⸗ ſtattet. Wer bei Benutzung einfacher oder mit Maiſchwaͤr⸗ mern verſehener Apparate in der bis 9 Uhr Abends ver⸗ laͤngerten Brennfriſt mit dem bloßen Abluttern der Maiſche nicht fertig werden kann, dem bleibt uͤberlaſſen, ſo weit es noͤthig, die Einmaiſchungen zu vermindern, oder ſeine Deſtillirgeraͤthe auf ſchnelleren Betrieb einrichten zu laſſen. Nur in dem einzelnen, vielleicht moͤglichen Fall, daß das Minimum von 600 Quart des taͤglich zu de⸗ klarirenden Maiſchraumes, bei der ſchlechten Konſtruktion des Brennapparates, auch bis neun Uhr Abends nicht abgeſchwellt werden koͤnnte, darf eine weitere Verlaͤn— gerung, jedoch in keinem Falle bis zum Eintritt des folgenden Tages, geſtattet werden. In denjenigen Brennereien, welche neben der Maſſchblaſe gleichzeitig mit einer Weinblaſe arbeiten, geſchiehet die Deſtillation des Lutters auf Branntwein in der letzteren waͤhrend des Betriebs der Maiſch⸗ blaſe, auf welcher jedoch in dieſem Fall nicht Lutter, ſo wenig als auf der Weinblaſe Maiſche, verarbeitet werden darf. Wird jedoch keine Weinblaſe benutzt, ſondern nur mit einer oder mehreren Maiſchblaſen gearbeitet, mit oder ohne Maiſchwaͤrmer, auf welchen nicht nur die Ablutterung, ſondern auch die voͤllige Verar⸗ beitung der Maiſche auf Branntwein mittelſt ei⸗ ner zweiten oder fernern Deſtillation geſchiehet, ſo wird, wo dieſe Blaſen taͤglich, ohne betriebsloſe Zwiſchen⸗ tage, in Gang geſetzt werden, in den als begruͤndet nachgewieſenen Faͤllen die Verlaͤngerung der Brennfriſt bis 9 Uhr des Abends ebenfalls geſtattet. 295 §. 356. Jedoch wird nicht darauf beſtanden, daß an dem ſelben Tage, wo das Abbrennen der Maiſche geſchiehet, auch die voͤllige Verarbeitung des Lut⸗ ters auf Branntwein vor ſich gehe, vielmehr iſt ſol— chen Brennern, die nach Einrichtung ihrer Brenngeraͤthe nicht gleich beim erſten Blaſenzug fertigen Branntwein gewinnen(mithin auch bei Maiſchwaͤrmer⸗Apparaten), und in der geſetzlichen Brennfriſt die Rectification des Lutters nicht beenden koͤnnen, das Weinen oder Klaͤren an einem, auf den gewoͤhnlichen Brenntag(Lut⸗ tertag) folgendem Tage(Weintag) vorzunehmen geſtattet. Auf jeden Luttertag kann jedoch hoͤch⸗ ſtens nur ein beſonderer Weintag geſtattet werden, in deſſen vierzehnſtuͤndiger Benutzung der Brenner ganz unbeſchraͤnkt iſt. Soll der geſammelte Lutter mehre⸗ rer Brenntage auf Branntwein verarbeitet werden, ſo muß dieß ebenfalls in einem Tage geſchehen, der nach dem zweiten oder dritten Luttertage folgt. An einem Weintage darf auf derſelben Blaſe nicht Maiſche abgetrieben werden. Der zum Weinen beſtimmte Tag muß jedesmal ein ſolcher ſeyn, welcher entweder auch als gewoͤhnlicher Brenntag zum Abſchwellen der Maiſche deklarirt iſt, oder an dem die Brennerei wegen Einmaiſchung oder Maiſchbereitung ohnehin unter Kontrole ſtehet. Nur fuͤr einen ſolchen Fall, wo der Betrieb mit einem Luttertag fuͤr laͤngere Zeit ſchließt, darf der auf den letzten Brenntag folgende Tag zum Weintage beſtimmt werden. §. 357. Wer nach obigen Grundſaͤtzen, ſey es fuͤr Verlaͤngerung der geſetzlichen 4ſtuͤndigen Brennfriſt, oder fuͤr Benutzung beſonderer Weintage, die Erlaubniß Beſondere Weintage. Bewilli⸗ gung erweiter⸗ er Brenn⸗ der Steuerbehoͤrde nachſucht, iſt verpflichtet, die Zahl friſten und und Dauer der Blaſenabtriebe in der Betriebs-Nach- der Wein⸗ weiſung zu deklariren. Die Steuerbehoͤrde vergleicht gegen den deklarirten Maiſchraum und den Inhalt der Blaſe, die Produktionsfaͤhigkeit des Deſtüllir-Geraͤthes nach Maaßgabe ſeiner einfachen oder vollkommenern Konſtruktion, mithin die Zahl der Blaſenabtriebe mit dem auf dieſem Deſtillir⸗Geraͤth zur Verarbeitung auf Branntwein erforderlichen Zeitraum. Zu dieſer Verglei⸗ chung duͤrfte die in den§§. 184 bis 208 vorgetragene Eroͤrterung uͤber die Betriebsfaͤhigkeit der verſchiedenen tage. Aufſicht. Verſa⸗ gung die⸗ ſer Bewil⸗ ligungen. Verduͤn⸗ nen der Maiſche vor der 296 Apparate dienen koͤnnen. Es ergiebt ſich hieraus, ohne eine techniſche Unterſuchung uͤber die Leiſtungsfaͤhigkeit der einzelnen Brenn⸗Geraͤthe zu veranlaſſen, derjenige Anhalt, nach welchem beurtheilt werden kann, in wie fern die Geſtattung der Ausnahme durch das Beduͤrfniß, oder durch die Nothwendigkeit gerechtfertigt erſcheint. Die Steuerbehoͤrde ertheilt alsdann die, nach vorſtehenden Grundſaͤtzen nachgeſuchte Brennfriſtverlaͤngerung oder Bewilligung beſonderer Weintage. In der Regel wird da, wo eine Verlaͤngerung der Brennfriſt ſonſt zulaͤſſig iſt, und bei Brennern, welche das Vertrauen der Behoͤrde genießen, die eigne Angabe uͤber die Dauer der Blaſenabtriebe, wenn ſie mit der bisherigen Beobachtung des gewoͤhnlichen Betriebes in derſelben Gewerbanſtalt uͤbereinſtimmt, zum Grunde gelegt, ohne auf groͤßere Beſchleunigung, ſelbſt wenn ſie theoretiſch auch moͤglich waͤrve, zu be⸗ ſtehen*). 1 §. 358. An Weintagen ſtehen die Brennereien unter der geordneten Aufſichts⸗Kontrole; wer die Ver⸗ laͤngerung der Brennfriſt in Anſpruch nimmt und erhaͤlt, hat die Verpflichtung, zu geſtatten, daß die Steuerbe⸗ amten noch eine Stunde nach Ablauf der, uͤber die im§. 49 der Steuerordnung vorgeſchriebenen Reviſions⸗ zeit, verlaͤngerten Brennfriſt, ohne Zuziehung eines Ge⸗ meinde⸗Beamten, die Brennerei beſuchen koͤnnen. §. 359. Wer eine Brennerei neu einrichtet, oder mit den vorhandenen Deſtillirgeraͤthen weſentliche, das Abtreiben der Blaſen beſchleunigende Veraͤnderungen vor⸗ nehmen laͤßt, muß ſich ſo einrichten, daß er mit der geſetzlichen vierzehnſtuͤndigen Brennzeit ausreicht; ihm wird eine Verlaͤngerung nicht zugeſtanden, ſo wie derjenige, welcher einmal wegen heimlicher Maiſchbereitung beſtraft iſt, auf die Befugniß zu einem beſonderen Weintag kei⸗ nen Anſpruch hat, ſondern auf die gewoͤhnlichen Brenn⸗ tage beſchraͤnkt werden kann. b §. 360. Das Zugieſſen von Waſſer zu der ausgegohrnen Maiſche vor der Deſtillation, oder dem Abtreiben auf der Blaſe, geſchieht in den Bren⸗ *) Cireular⸗Reſeript vom 13. Februar 1828. 2788. 297 nereien da, wo die Gaͤhrung eines einzelnen Bottiches Deſtilla⸗ nur unvollkommen ſtatt gefunden hat und nur durch tion durch Verduͤnnung der Maiſche mit Waſſer das Anbrennen Bugufſon auf dem Blaſenboden vermieden werden kann(§. 221). Waſſer. Gewoͤhnlich wird auch das Zugießen von Waſſer, wo viel Maiſche verſchwellt wird, bei den letzten Blaſen⸗ fuͤllungen eines Tagebetriebs noͤthig, wenn ſich in der Maiſche die groͤbern und ſchwerern Subſtanzen der ge⸗ ſchroteten Maſſe in groͤßerer Quantitaͤt finden, als dies bei den erſten Blaſenfuͤllungen der Fall war, zumal, wo beim Einſchoͤpfen oder Pumpen die Maiſche nicht un— unterbrochen in Bewegung geſetzt worden iſt. Oft wird auch die letzte Blaſe von dem vorhandenen Reſte der Maiſche nicht hinreichend gefuͤllt, und man nimmt das zum Reinigen des Gaͤhrbottichs verwendete Waſſer ent⸗ weder zur Verduͤnnung, oder um die Blaſe bis zu dem gewoͤhnlichen Inhalt anzufuͤllen. Auch geſchieht das Verduͤnnen mit Waſſer wohl, um Maiſche, in welcher ſich mehr trockne Subſtanz be⸗ findet, als das der Steuer zu Grunde liegende Verhaͤlt⸗ niß annimmt, auf der Blaſe zum leichtern Abtrieb ge⸗ ſchickt zu machen. Daß nach vollendeter Gaͤh— rung eine Verduͤnnung zur Entwickelung des Brannt⸗ weins nicht beitragen kann, leuchtet von ſelbſt ein, da dieſer bereits in der gegohrnen Maiſche ſich gebildet hat, und nur durch die Deſtillation von ihr geſchieden wird. Hat die Maiſche den Gaͤhrungsprozeß regelmaͤßig und vollſtaͤndig durchgangen, ſo bedarf ſie, auch ſelbſt bei ſtarker Konſiſtenz, eines Zuguſſes von Waſſer waͤh⸗ rend der Deſtillation nicht, denn es wird wohl jeder Brenner die Erfahrung gemacht haben, daß, wenn aus Abſicht oder Verſehen, der Helm nach Ablauf des Lut⸗ ters, auf der Blaſe wohl ſtundenlang ſtehen geblieben war, bei einer voͤllig ausgegohrnen Maiſche die Schlempe dennoch nicht anbrannte, ſelbſt wenn ſie durch Ueber⸗ gang eines großen Theiles des zu ihr gehoͤrenden Waſ⸗ ſers dickfluͤſſig geworden war. Gewoͤhnlich hat jedoch eine dicke Maiſche nur un⸗ vollſtaͤndig gegohren; ſie kann daher unverduͤnnt nicht abgebrannt werden, und muß, nicht um mehr Branntwein zu gewinnen, ſondern um das An⸗ brennen zu verhindern, Waſſerzuguß erhalten. Zuſatz in⸗ laͤndiſcher Gewuͤrze zur Maiſche oder zu dem Lutter bei der Verarbei⸗ tung auf Brannt⸗ wein. Rectifica⸗ tion oder Entfuſe⸗ lung des Brannt⸗ weins iſt ſteuerfrei geſtattet. 298 §. 361. Das Verduͤnnen der reifen Mai⸗ ſche mit Waſſer, was der Brenner, ohne Schaden zu leiden, oft nicht umgehen kann, iſt in den zur Be⸗ reitung angeſagten Gefaͤßen geſetzlich nicht unter⸗ ſagt*), und duͤrfte wohl auch dieſes Zugießen, oder Vermiſchen in den Maiſchbottichen oder den Blaſen, als Zubereitung von Maiſche, im Sinne des Ge⸗ ſetzes vom 10. Januar 1824, nicht angeſehen werden, da der Begriff einer derartigen Zubereitung nothwen⸗ dig den, hier bereits vollendeten, Gaͤhrungs-Pro⸗ zeß noch vorausſetzen wuͤrde.. §. 362. Soll dem Branntwein ein aromatiſcher Geſchmack gegeben werden, ſo ſtehet den Maiſchbren— nern die Befugniß zu, waͤhrend der Bereitung des Branntweins den gewoͤhnlichen Lutter oder Halbwein mit einiger Beimiſchung gemeiner inlaͤndiſcher Gewuͤrze, z. B. Kuͤmmel, Anis, Fenchel, Wacholder⸗ beeren ꝛc. zu verſehen, oder auf den dazu eingerichteten Deſtillir⸗Geraͤthen unmittelbar aus der, mit den noͤthigen Ingredienzen verſetzten Branntw einmaiſche in einem Abtriebe verſetzte Branntweine zu ziehen, ohne daß dafuͤr eine beſondere Abgabenerhebung neben der Maiſchſteuer zur Anwendung koͤmmt*). §. 363. Eben ſo iſt das Rectificiren oder wieder⸗ holte Abtreiben von reinem Branntwein ohne weitere Zuthat, um ihm einen groͤßern Grad von Reinheit und Staͤrke zu geben, oder ihn in Spiritus zu verwandeln, dem Branntweinbrenner ſteuerfrei, jedoch unter denjeni⸗ gen Kontrole⸗Maaßregeln geſtattet, die nach den geſetz⸗ lichen Vorſchriften uͤber den Blaſenbetrieb ſolcher Ge— werbtreibenden angeordnet ſind, und macht es dabei keinen Unterſchied, ob der ſo verarbeitete Branntwein vom Brenner ſelbſt gewonnen, oder erkauft worden iſt. Der Blaſenbetrieb zur bloßen ſteuerfreien Brannt— wein⸗Rectification iſt in den Betriebsdeklarationen be⸗ ſonders anzuſagen und dahin zu kontroliren, daß wirk⸗ lich nur die Deſtillation von reinem Branntwein ohne Zuſatz ausgefuͤhrt wird,“) *) Reſcript a. d. Koͤnigl. Prov.⸗Steuer⸗Direkt. zu Koͤln. vom 20. Februar 1826. 3181. „*)***) Cirkular⸗Reſcript vom 25. April 1829. 7908. ——————.— ——— 299 §. 364. Wenn jedoch, ſey es auf der Maiſch⸗, oder auf einer beſonderen Deſtillirblaſe, Branntwein uͤber Ingredienzen oder andere Gewuͤrze irgend einer Art abgezogen wird, um daraus Liqueur oder andere ver⸗ ſetzte Branntweine, Rum, oder andere Nachahmungen auslaͤndiſcher geiſtiger Getraͤnke zu bereiten, ſo tritt die Entrichtung des fuͤr Deſtilliranſtalten feſtgeſetzten Bla⸗ ſenzinſes ein*). Der Zuſatz von Pflanzen- oder Knochen-Kohle be⸗ hufs der Entfuſelung, wird als eine ſteuerbare Bei⸗ miſchung nicht angeſehen. §. 365. Das Aufbewahren von Maiſche in den Deſtillirgeraͤthen iſt nur waͤhrend desjenigen Zeit⸗ punkts erlaubt, wo nach der Betriebsdeklaration die Blaſen ſich im Gange befinden(§. 5 des Regulatives vom 1. Dezbr. 1820). Die zu anderer Zeit, ohne Ge⸗ nehmigung der Steuerbehoͤrde, darauf gebrachte Maiſche hat den Verdacht der heimlichen Bereitung oder Steuer⸗ verkuͤrzung gegen ſich. Eben ſo darf in den Maiſchreſervoirs nie⸗ mals gaͤhrende, ſondern immer nur ausgegohrne, reife Maiſche, und auch dieſe nur waͤhrend derjenigen Stunden aufbewahrt oder anzutreffen ſeyn, in welchen die Benutzung der Deſtillirgeraͤthe geſtattet iſt. Macht es die Konſtruktion der Geraͤthe bei taͤglich wiederkehrendem, jedoch nicht ununterbrochen gehendem Betriebe, ſo daß keine betriebsloſen Zwiſchentage unter⸗ laufen, noͤthig, daß ein Theil der Deſtillirgeraͤthe uͤber Nacht mit Maiſche gefuͤllt bleibt, ſo wird dies, auf beſondern Antrag, von der Steuerbehoͤrde genehmigt, und es muß dieſe Genehmigung in dem Betriebsplan verzeichnet ſtehen. §. 366. Fuͤr die Piſtoriusſchen Apparate hat das Koͤnigliche Finanzminiſterium beſtimmt, daß bei die⸗ ſen, aus einer Blaſe, einem Maiſch- und einem Vor— waͤrmer beſtehenden, mit einander in unzertrennliche Verbindung geſetzten Brenngeraͤthen, ſo lange ſie taͤglich im Gebrauch ſind, geſtattet werde, uͤber Nacht die Blaſe mit Schlempe, den Maiſchwaͤrmer mit Maiſche *) Circular⸗Reſcript vom 25. April 1829. 7908. Verpflich⸗ tung zur Erlegung des De⸗ ſtillirbla⸗ ſenzinſes. Aufbe⸗ wahren von Mai⸗ ſche in den Deſtillir⸗ Geraͤthen. In dem Maiſch⸗ reſervoir. Aus⸗ nahme bei Benutzung von Spiri⸗ tus⸗Ap⸗ paraten nach Piſtorius. Aufbe⸗ wahrung von Schlempe in den De⸗ ſtillirgeraͤ⸗ then. Unterbre⸗ chung des deklarirten Betriebes; wenn die⸗ ſelbe ein⸗ tritt und geſtattet wird. 300 und den Vorwaͤrmer mit Waſſer gefuͤllt, ſtehen zu laſ⸗ ſen. Es iſt jedoch fuͤr dieſe Bewilligung ausdruͤcklich bedungen, daß bei jedem Mißbrauch davon, wenn ſich naͤmlich die Blaſe oder der Vorwaͤrmer waͤhrend der Zeit von ſieben Uhr Abends bis fuͤnf Uhr Morgens mit Maiſche gefuͤllt vorfindet, oder bei jeder Steuer— Kontravention uͤberhaupt, dieſe Erlaubniß wieder zuruͤck⸗ genommen, und die geſetzliche Beſtimmung, wonach Blaſen und Maiſchwaͤrmer nur waͤhrend der Brennzeit mit Maiſche gefuͤllt ſeyn duͤrfen, in Anwendung ge⸗ bracht wird*). 367. Aus dem Vorſtehenden gehet auch hervor, daß die Aufbewahrung von Schlempe in den De⸗ ſtillirgeraͤthen außer der Betriebszeit nicht ohne Erlaub⸗ niß oder Vorwiſſen der Steuerbehoͤrde, geſtattet iſt. Da jedoch in manchen Brennereien, namentlich in landwirthſchaftlichen, wo man das, dem Hornvieh zu reichende Rauhfutter immer vorab mit heißer Schlempe aufbruͤhet, es nothwendig iſt, ſogleich am fruͤhen Mor⸗ gen heißes Spuͤlig zu haben, ſo wird auch die Erlaub⸗ niß, die Schlempe der letzten Blaſe die Nacht uͤber in dem durch den Tagesbetrieb heißen Keſſel ſtehen zu laſſen, Niemanden verſagt, der ſich durch ordnungsmaͤ⸗ ßigen, unverdaͤchtigen und puͤnktlichen Betrieb das Zu⸗ trauen der Steuerbehoͤrde ſichert. Bei dieſer Erlaubniß verſtehet es ſich aber von ſelbſt, daß, ſo wie die Deſtillation des Lutters beendet iſt, ſofort der Helm abgeſtoßen, und von der Blaſe ge— nommen werden muß, auch das Waſſer des Kuͤhlfaſſes ſich am andern Morgen nur im gaͤnzlich kalten Zu— ſtande vorfinden darf, wodurch jeder Verdacht einer un⸗ rechtmaͤßigen Benutzung dieſer Erlaubniß beſeitigt wird. §. 368. In der Regel muß der fuͤr den laufen⸗ den Monat erklaͤrte Betrieb genau nach der in der Bren⸗ nerei aushaͤngenden Deklaration vollzogen werden. Je⸗ doch koͤnnen wohl Faͤlle eintreten, wo es dem Brenner dringendes Beduͤrfniß iſt, den Betrieb waͤhrend der de⸗ klarirten Periode zu veraͤndern. Wir rechnen dazu Feuer⸗ — *) Reſcript a. d. Koͤnigl. Prov.⸗Steuer⸗Direkt. zu Koͤln. vom 17. Oktober 1825. 419718. 301 ſchaden, Ueberſchwemmungen, Waſſermangel bei anhal⸗ tend ſtrenger Kaͤlte, Einſtuͤrzen der Brunnen, ſo wie ploͤtzliches Schadhaftwerden der Bottiche, Blaſen, Kuͤhler oder einzelner Haupttheile der Brenngeraͤthe, deren Her⸗ ſtellung nicht ſofort zu bewirken iſt. Bei einer derarti⸗ gen, durch unvorhergeſehene und unvermeidliche Unfaͤlle eintretenden Unterbrechung wird es geſtattet, den erklaͤr⸗ ten Betrieb auch waͤhrend der deklarirten Friſt zu aͤn⸗ dern. Es wird dabei unterſchieden: ob nur einzelne de⸗ klarirte Maiſchungen nicht ſtatt finden, oder nicht ab⸗ gebrannt werden koͤnnen, oder ob nach Enntritt des Un⸗ falls der Betrieb fuͤr den uͤbrigen Theil des deklarirten Monats gaͤnzlich eingeſtellt werden muß. Wenn in dem erſten Falle fuͤr die noch uͤbrigen Was Tage des Monats ein veraͤnderter Betrieb ſtatt findet, hierbet di ſo wird von dem Brenner eine Stuͤckdeklaration einge⸗ ten. reicht, die das Steueramt vorſchriſtmaͤßig vollziehet. Die Reviſionsbeamten, unter Antheilnahme des betref⸗ fenden Oberkontroleurs, beſcheinigen auf der fruͤhern De⸗ klaration, daß, und von welchem Tage ab, eine neue Betriebs⸗Nachweiſung abgegeben worden ſei, daß der fruͤher erklaͤrte Betriec mit Anfang des neuen aufgehoͤrt habe, und bezeichnen auf dem erſten Betriebsplan die⸗ jenigen Maiſchungen, welche abweichend von der ur⸗ ſpruͤnglichen Erklaͤrung, nicht vollzogen oder verarbeitet worden ſind. Die Steuerhebeſtelle ſtellt hierauf die Steuerberechnung, nach den wirklich ſtatt gefundenen Maiſchungen, feſt. Wird der Betrieb fuͤr den laufenden Monat gaͤnzlich abgebrochen, ſo faͤllt zwar die Abgabe einer neuen Deklaration weg, doch muß, um den Min⸗ derbetrag der Steuerzahlung zu juſtifiziren, das vorer⸗ waͤhnte Atteſt der Reviſionsbeamten auf dem zuruͤckzu⸗ gebenden Betriebsplan ſelbſt ausgefertigt werden*). §. 369. Angeblicher Mangel an Schrot oder Be⸗ Abaͤnde⸗ triebsmaterial wird nicht als eine Veranlaſſung betrach⸗ rung des tet, bei welcher die Abaͤnderung des deklarirten Be⸗ Betriebes triebes im Laufe des Monats gerechtfertigt erſcheint y Reſcript an die Koͤnigliche Regierung zu Poſen. vom 30. Julius 1821. 13591. wird bei angebli⸗ chen Schrot⸗ mangel nicht zu⸗ laͤſſig er⸗ achtet. Verſtaͤr⸗ kung des Betriebes. Nuͤckgabe der Be⸗ triebsde⸗ klaration. Steuer⸗ zahlung nach Ab⸗ lauf des Monats. 30² oder geſtattet iſt, da von dem Branntweinbrenner ver⸗ langt werden kann, daß er ſich den Schrotbedarf fuͤr den deklarirten Monat, unabhaͤngig von zufaͤlligen Be⸗ hinderungen in den Muͤhlen, ſichere, und beliebige Be⸗ triebsveraͤnderungen innerhalb der monatlichen Friſt, auch wenn ſie bei der Steuerbehoͤrde gehoͤrig angemeldet wer⸗ den, mit der monatlichen Vorausdeklaration, als einem Grundprinzip der Maiſchſteuer, in der Regel nicht ver⸗ einbar ſind*). In welchen Faͤllen die Deklaration eines ſtaͤrkeren Betriebes im Laufe des Monats zulaͤſſig iſt, haben wir bereits§. 326 nebſt denjenigen Vorſchriften angefuͤhrt, die bei Abaͤnderung der Deklaration von dem Brennerei⸗ Inhaber zu beobachten ſind. §. 370. Nach Beendigung des Betriebes wird die monatliche Deklaration, welche, ſo lange noch auf derſelben verzeichnete Gewerbsverhandlungen zu vollzie— hen ſind, ſtets in der Brennerei, und zwar an dem, von der Steuerbehoͤrde beſtimmten Ort, haͤngen muß, der Steuerhebeſtelle zuruͤck gegeben, die ſolche zu den Bele⸗ gen ihrer Regiſter nimmt, dagegen dem Brenner das zeither bei dem Steueramte deponirte Duplikat aushaͤn⸗ digt. Die Verpflichtung zur Ruͤcklieferung der Be⸗ triebsdeklaration iſt dem Brenner, nach F. 3 des Re⸗ gulatives vom 1. Dezember 1820, ausdruͤcklich aufer⸗ legt, und es wuͤrde deren Unterlaſſung nach§. 90 der Steuerordnung geahndet werden koͤnnen. Dagegen iſt es den Steueraufſehern erlaubt, dieſe Betriebsplaͤne gegen Empfangſchein abzunehmen, und den Steueraͤmtern zu uͤberliefern**). §. 371. Die Steuerzahlung geſchieht poſtnume⸗ rando fuͤr den deklarirten und abgelaufenen Monat(§. 7 des Regulativs). Sie iſt daher am Tage der letzten Einmaiſchung verfallen, auch wenn dieſer der letzte Tag des Monats iſt, und kann es nicht darauf ankommen, ob das Abbrennen in die erſten Tage des naͤchſten Mo⸗ *) Reſcript a. d. Koͤnigl. Prov.⸗Steuer⸗Direkt. zu Muͤnſter. vom 6. Oktober 1827 18754. *y) Reſcript an die Koͤnigliche Regierung zu Minden. vom 29. Auguſt 1821. 16808. 303 nats faͤllt, da die Steuerzahlung auf der Einmaiſchung ruhet. Der Steuerbetrag wird zur Haͤlfte in Courant, zur Haͤlfte in Kaſſen⸗Anweiſungen eingezahlt. Wer die geſetzliche Quote der Kaſſen⸗Anweiſungen nicht beibringt, hat fuͤr jeden Thaler einen Silbergroſchen Straf⸗Agio zu entrichten. §. 372. Ueber die Steuerzahlung wird von dem Steuerempfaͤnger Quittung in ein dazu beſtimmtes, von der Behoͤrde unentgeldlich geliefertes Quittungsbuch er⸗ theilt, bei welcher Quittung zu beachten iſt, daß die Nummer des Heberegiſters, ſo wie die eigenhaͤndige Un⸗ terſchrift des Einnehmers beigeſetzt ſind. §. 373. In jedem Falle, wo der Brenner den Termin der Zahlung am Schluſſe des Monats ver⸗ ſaͤumt hat, gehet die Beguͤnſtigung, die Steuerzahlung erſt nach abgelaufener Betriebsfriſt zu leiſten, verloren, und die Steuerbehoͤrden ſind angewieſen, einen weiteren Betrieb dann nur gegen Vorausbezahlung der Steuer ferner zu geſtatten. Wo außerordentliche Hinderniſſe die prompte Ein⸗ haltung des geſetzlichen Termins in einzelnen Faͤllen nicht moͤglich machen, hat der Brenner die veranlaſſende Urſache, ſo wie den Zeitpunkt der zu leiſtenden Zahlung der Steuerbehoͤrde vorab anzuzeigen, welche, nach blilli⸗ ger Erwaͤgung der Umſtaͤnde, auch in ſolchen Faͤllen den fernern Kredit, bei ſonſtiger Sicherheit und Zuver⸗ laͤſſigkeit des Brenners, nicht verweigert. §. 374. Bei der Steuerzahlung bleibt diejenige Quantitaͤt Maiſchraum außer Betracht, die, nachdem die deklarirte Quartzahl ſummirt iſt, keine vol⸗ len zwanzig Quart ausmacht. Es iſt daher eine ir⸗ rige Meinung, wenn der Brenner glaubt, daß der, von jedem einzelnen Bottiche uͤberſchießende Inhalt, in ſo fern derſelbe nicht 20 Quart betraͤgt, von der Steuerzahlung ausgeſchloſſen ſei. Fuͤr die richtige Berechnung und Erhebung der Steuern ſind die Hebebeamten, mit der geleiſteten Kau⸗ tion und ihrem Vermoͤgen, dem Staate geſetzlich ver— antwortlich, welcher, wenn durch die Reviſion der Re⸗ giſter ermittelt wird, daß bei irgend einer Poſt zu we— nig erhoben iſt, das Fehlende lediglich und ohne Weite⸗ Quittung uͤber ge⸗ leiſtete Zahlung. Steuer⸗ zahlung vor Be⸗ ginn des Betriebes. Was bei der Steu⸗ erzahlung außer Be⸗ tracht bleibt. Verpflich⸗ tung der Rendan⸗ ten fuͤr richtige Erhebung der Steuer. Negreß derſelben an den Steuer⸗ pflichtigen bei ſtatt gefundener Minder⸗ Zahlung. 304 res vom Rendanten einziehek, der ſeinen Regreß an den Steuerpflichtigen zu nehmen angewieſen iſt. §. 375. Es liegt wohl in der Billigkeit begruͤndet, daß der Brenner eine ſolche Nachzahlung, die von dem Hebe⸗ beamten zur Ausgleichung eines fruͤhern Verſehens gelei⸗ ſtet werden mußte, unweigerlich reſtituirt, da er jeden⸗ alls jetzt nur dasjenige erlegt, wozu er auch fruͤher ge⸗ ſetzlich verpflichtet geweſen waͤre. Dennoch iſt mehrere Male der Fall vorgekommen, daß der Steuerpflichtige dem Einnehmer die Nachzah⸗ lung unter dem Vorwand verweigert hat, daß er bei Abgabe der Deklaration die ihm abgeforderte Steuer er⸗ legt habe, und zu Erſtattung eines, erſt ſpaͤter ermittel⸗ ten Defekts, ſich um ſo weniger verpflichtet halte, da nicht die Verwaltungs⸗Behoͤrde, ſondern die Perſon des Einnehmers denſelben in Anſpruch nehme. Der Hebebe⸗ amte hat ſich daher genoͤthigt geſehen, die gerichtliche Entſcheidung daruͤber ausſprechen zu laſſen, die, in den uns bekannt gewordenen Faͤllen, jedesmal dahin erfolgt iſt, daß der Steuerpflichtige ſchuldig erkannt worden, die von dem Rendanten zu wenig erhobenen und an die Verwaltungs⸗Behoͤrde aus eignen Mitteln gezahlten Defekte, ſammt den Koſten der Prozedur zu erlegen, in⸗ dem eben ſo wohl, als die richtige Erhebung zu den Pflichten der vom Staate beſonders dafuͤr angeſtellten Beamten gehoͤrt, es Sache des Steuernden iſt, die ge⸗ ſetzlich publizirten Steuertarifs zu kennen, und bei jeder Steuererlegung ſelbſt zu unterſuchen, ob auch derjenige Abgabenbetrag, welchen das Geſetz vorſchreibt, von ihm gefordert worden; da auch uͤberdies im entgegengeſetzten Falle, von zu viel entrichteter Steuer, dem Steuerpflich⸗ tigen der Erſatz des Ueberhobenen bei gehoͤriger Rekla⸗ mation nie verweigert wird. 305 §. 376. Wir geben nachſtehend eine Tabelle fuͤr Tabelle die Erhebung der Maiſchſteuer nach den verſchiedenen 3 Erbe⸗ Saͤtzen, aus welcher der Steuerbetrag fuͤr jeden Maiſch⸗ ungi der bottichraum leicht erſichtlich iſt. ſteuer. r 2 S zu zu 1 S ½ zu zu S2 1Sg. 6Pf. 1Sg. Apf S 2 1 Sg. 6 Pf. 1 Sg. 4 Pf Quart. Th. Sg. Pf. Th. Sg. Pf Quart. Th. Sg. Pf. Th. Sg. Pf. 1'— 1 4½ 7000 17,15— 1516 8 —— 2 8 8000 20—— 17 23 4 6— 4— 9000ʃ 22/15/— 20—— —— 5 4 10000 25/——]22 6 8 65— 6 8 11000] 27 /15— 24113 4 —— 8— 12000 30—— 26/ 20— 6— 9 45 13000 32 15— 28 26 8 —— 10 8 1400035—— 31 3 4 6— 12— 15000 37 15— 33 10— —— 13 4 1 16000 40,—— 35 16 8 6,— 20— 17000] 42/15— 37, 23 4 —— 26 8 18000 45—-— 40—— 6 1 3 4 19000 47715— 42 6 8 — 110— ½ 20000 50—— 44 13 4 6 1/16 85 30000 75—— 66 20— — 1 23 4 ½ 40000 100— 1 88,26 8 6 2—— 50000 125-—— 111 3 4 — 2 6 81 60000]150—— 13310— — 413 4 7⁰0001175-—— 155,168 — 6 20— 8S0000,200—- ſ17723 4 —j 8 26 8½ 90000225—- 200—— —[11/ 3 4½100000250—— 222] 6 8 — 13 109 200000500] 444,13 4 §. 377. Um auf die Berechtigung, nach dem Berechti⸗ minderen Abgabenſatze ſteuern zu duͤrfen, Anſpruch zu gung zu machen, gehoͤrt, außerdem daß aus eignen Erzeugniſſen, Sabluna taͤglich nicht uͤber 900 Quart Maiſchraum verſchwehlt deren Ab⸗ wird, auch noch die Erfuͤllung der Bedingung, daß die gaben⸗ Brennerei waͤhrend der Sommermonate gaͤnzlich außer ſatzes 20 füͤr land⸗ wirth⸗ ſchaftliche Brenne⸗ reien. Erneuerte Deklara⸗ tion. Uebertra⸗ ung der Betriebs⸗ handlun⸗ gen aus der vormo⸗ natlichen Nachwei⸗ ſung. 306 Betrieb geweſen iſt. Wer daher im Winter nach dem niedern Steuerſatz gebrannt hat, deſſen Brennerei muß mit dem 1. Mai ruhen; brennt er dennoch einen oder einige Sommermonate, oder ununterbrochen fort, ſo wird zwar von einer Nachzahlung der Steuer fuͤr die ver⸗ floſſene Zeit abgeſtanden, der erhoͤhete Steuerſatz tritt aber fuͤr ſeine Brennerei mit dem 1. Mai ein, und wird ſo lange fort erhoben, als nicht ſechs volle Som⸗ mermonate(Mai bis Oktober einſchließlich) die Bren⸗ nerei ganz ſtill geſtanden hat*). Auch kann derjenige zum minderen Steuerſatz nicht zugelaſſen werden, der an einem Tage uͤber 900 Quart Maiſchraum deklarirt, und dies dadurch ausgleichen will, daß er an einem andern Tage eben ſo viel unter 900 Quart deklarirt, da die Bedingung, daß nicht uͤber 900 Quart Bottichraum deklarirt werden darf, fuͤr jeden einzelnen Betriebstag gilt*). Wenn uͤbrigens die Bedingungen der Zulaſſung ei⸗ ner landwirthſchaftlichen Brennerei zu dem durch die Allerhoͤchſte Kabinetsordre nachgegebenen minderen Steu⸗ erſatz vorhanden ſind, ſo macht es keinen Unterſchied, ob das Gut, mit welchem die Brennerei verbunden iſt, zur Stadt oder zum platten Lande gehoͤrt en). §. 378. Mit der Steuerzahlung, welche wohl von den meiſten Brennern in den letzten Tagen des Monats geſchieht, wird am fuͤglichſten die Deklaration fuͤr den naͤchſten Betriebsmonat gleichzeitig abgegeben. Sie unterſcheidet ſich von der des erſten Monats lediglich dadurch, daß in derſelben diejenigen Gewerbs⸗ handlungen vor der Linie rekapitulirt werden, deren Aus⸗ füͤhrung in den neuen Monat faͤllt, obſchon die Einmaiſchung bereits nach der fruͤheren Deklaration vollzogen war. Es gewaͤhrt dies den Vortheil, daß die fruͤhere Betriebs⸗ Nachweiſung ſofort nach Ablauf des Monats an die Hebeſtelle zuruͤckgegeben werden kann, und es wird ver⸗ mieden, gleichzeitig zwei Deklarationen mit einem Male in der Brennerei aushaͤngen zu muͤſſen. Auch wird da⸗ *)**) Cirkular⸗Reſcript vom 6. Maͤrz 1824. **) Reſcript an die Koͤnigliche Regierung zu Potsdam. vom 10. April 1824. 3468. ———— 307 durch erreicht, daß alle Einmaiſchungen in dem Monate, wo ſie geſchehen, zur Verſteuerung kommen, und der Monatsbetrieb jedesmal vollſtaͤndig uͤberſehen werden kann*). §. 379. Jede von dem Steuerpflichtigen in An⸗ ſpruch genommene Reſtitution muß nach§. 58 der Steuerordnung binnen einem Jahre, vom Tage der Einzahlung an gerechnet, bei der Steuerbehoͤrde ange⸗ meldet werden. Eine ſpaͤtere Reklamation findet ge⸗ ſetzlich keine Beruͤckſichtigung. Erſtattungsfaͤhig ſind die gegen die Tarifſaͤtze durch Rechnungsfehler zu viel erhobenen Betraͤge. Dieſe wer⸗ den entweder von dem Einzahler in gehoͤriger Friſt re⸗ klamirt, oder koͤnnen auch von der Steuerbehoͤrde zu⸗ ruͤckgezahlt werden, wenn durch Reviſion der Regiſter und Belege die ſtatt gefundene Ueberhebung entdeckt und feſtgeſtellt worden iſt*). Nuͤckzah⸗ lung irr⸗ thuͤmlich erhobener Gefaͤlle. §. 380. Außerdem findet Erlaß oder Verguͤtung Erſtattung der Steuer ſtatt, wenn nach§. 8 des Regulativs vom der Steuer 1. Dezember 1820 durch einen außerordentlichen, un⸗ verſchuldeten Zufall ein deklarirter, unangebrochen gewe⸗ ſener Maiſchbottich gaͤnzlich unbrauchbar geworden; z. B. wegen nicht vorherzuſehender, fuͤr den Augenblick nicht zu vermeidender Beſchaͤdigung des Bottichs aus⸗ gelaufen iſt, oder weil, wegen einer ſolchen Beſchaͤdigung der Blaſe, die Maiſche nicht abgebrannt werden kann. Treten andere außerordentliche Umſtaͤnde ein, welche ei⸗ nen Erlaß der Steuer von deklarirten, aber wirklich nicht ſtatt gehabten Einmaiſchungen ausnahmsweiſe zu erfor⸗ dern ſcheinen, ſo hat fuͤr ſolche Faͤlle das Koͤnigliche Fi⸗ nanzminiſterium ſich die Entſcheidung uͤber die Zulaͤſſig⸗ keit derartiger Ruͤckzahlungen vorbehalten w). So wenig wegen angeblichen Schrotmangels eine Abaͤnderung des Betriebes waͤhrend der deklarirten Pe⸗ riode zulaͤſſig iſt G. 369), eben ſo wenig kann angeb⸗ *) Reſcript an die Koͤnigliche Regierung zu Frankfurt. vom 1. Auguſt 1828. 13925. **) Reſeript an die Koͤnigliche Regierung zu Potsdam. vom 2. Oktober 1828. 18185. ***) Reſcript a. d. Koͤnigl. Prov.⸗Steuer⸗Direkt. zu Muͤnſter. vom 6. Oktober 1827. 18784. 20* fuͤr unbe⸗ nutzt ge⸗ bliebenen Maiſch⸗ raum. Verfah⸗ ren bei Ge⸗ ſuchen um Er ſtat⸗ tung. Krediti⸗ rung der Brannt⸗ wein⸗ ſteuer. 3⁰8 liches Sauer⸗ oder Skinkendwerden der Maiſche hin⸗ laͤnglichen Grund zur Erſtattung der eingezahlten Steuer abgeben*). Unfaͤlle, bei welchen der fertige Lutter oder Branntwein verloren gehet, z. B. durch Feuer oder Auslaufen, begruͤnden in der Regel ebenfalls keinen An⸗ ſpruch auf Ruͤckzahlung der Steuer. §. 381. Die Reklamation um Erſtattung ge⸗ zahlter Steuer muß der Brenner ſchriftlich anmel⸗ den, und mit denjenigen Beweisſtuͤcken belegen, aus de⸗ nen die Rechtmaͤßigkeit ſeiner Anforderung erſichtlich iſt. Namentlich iſt bei Maiſchſteuer-Erſtattungen der Nach⸗ weis nothwendig, daß die Unterbrechung des Betriebes wirklich zur angegebenen Zeit und aus der an⸗ gefuͤhrten Urſache ſtatt gefunden, daß die fuͤr die⸗ ſen Zeitraum deklarirten Maiſchungen nicht vollzogen worden ſind, ſo wie, daß der Steuerbetrag fuͤr die in Anſpruch genommene Ruͤckzahlung wirklich erhoben und bezahlt iſt. Der Brenner uͤbergiebt das ſo be⸗ gruͤndete Erſtattungsgeſuch der Steuerhebeſtelle oder dem Hauptamte ſeines Bezirks, von welcher es zur Pro⸗ vinzial⸗Behoͤrde befoͤrdert wird, die nach vorheriger Pruͤ⸗ fung uͤber die Zulaͤſſigkeit der nachgeſuchten Erſtattung das Naͤhere beſtimmt, und in den dazu geeigneten Faͤl⸗ len die Zahlungsanweiſung veranlaßt. §. 382. Da eines Theils wohl anerkannt wird, daß die Abgabe vom Branntwein dem Beſitzer groͤßerer Brennerei⸗Anlagen vorzuͤglich deshalb beſchwerlich faͤllt, weil er durch dieſelbe einen bedeutenden Vorſchuß leiſten muß, den er, oft erſt ſpaͤt, nur beim Verkauf des Branntweins wieder einziehen kann, auch der Verluſt der Zinſen dieſes Vorſchuſſes das Fabrikat ſelbſt vertheuert; da andern Theils es nicht minder wuͤnſchenswerth erſcheint, bei niedern Getreidepreiſen der Induſtrie zu geſtatten, ſtarke Quantitaͤten Branntwein auf Spekulation zu brennen, und dem Landwirth es moͤglich zu machen, bei ploͤtzlich vermehrtem Viehſtand oder Ausſicht auf reichliche Erndte, große Frucht⸗Vorraͤthe in Branntwein zu verwandeln, der jedenfalls ſicherer und bequemer aufzulagern iſt, als *) Reſcript a. d. Koͤnigl. Prov.⸗Steuer⸗Direkt. zu Koͤnigsberg. vom 1. Oktober 1825. 17599. 309 Getreide, ſo wird auch auf Branntweinſteuer zeitwei⸗ ſer Gefaͤlle⸗Kredit geſtattet, und dadurch dem Bren⸗ ner ein Betriebskapital erhalten, welches außerdem, fuͤr dieſen unbenutzt, in den Branntweinvorraͤthen bis zu de⸗ ren Verkauf gefeſſelt liegen muͤßte. Die Bedingungen, an welche dieſe Bewilligung ge— knuͤpft iſt, finden ſich in nachſtehendem Regulativ des Koͤnigl. Finanz⸗Miniſterii vom 27. Dezbr. 1825. Die Kreditbewilligung iſt hier von der Erklaͤrung abhaͤngig gemacht, daß der Brenner ein Lager ſelbſt verfertigten Branntweins von gewiſſem Umfang haͤlt, ohne daß jedoch der Mitverſchluß deſſelben durch die Steuerbehoͤrde in allen Faͤllen nothwendig iſt. Der Zeitpunkt, mit welchem die Kreditperiode beginnt und endet, hat den Vortheil fuͤr ſich, daß die ſechs Wintermonate, wo hauptſaͤchlich ge— brannt wird, in dem Anfang der Kreditperiode liegen, und der Branntweinbrenner noch ſechs folgende Monate, in denen der Brennereibetrieb meiſt ruhet, Zeit hat, ſein Fabrikat vortheilhaft zu verkaufen; daß auch ferner der Ablauf des Kredits in die Zeit nach der Erndte faͤllt, wo dem Landwirthe eher Geldmittel, als vor derſelben, zu Gebote ſtehen. §. 383. Um den Brennerei⸗Inhabern, welche nicht Negulativ zum alsbaldigen Abſatz des erzeugten Branntweins Ge⸗ de ſüni⸗ legenheit finden, jedoch zur bequemern und laͤngern Auf⸗ lichenu. bewahrung des Ueberfluſſes an Getreide und Kartoffeln ſteril vom beabſichtigen, derartige Vorraͤthe auf Branntwein zu 27. Dezbr. verarbeiten, ſolches zu erleichtern, haben des Koͤnigs 1iesdäübe Majeſtaͤt mittelſt Kabinetsordre vom 13. d. M. folgende n 35 Beſtimmungen zu genehmigen geruhet: Brannt⸗ a. Brennerei⸗Inhaber, welche jaͤhrlich uͤber 600 Rthlr. wein⸗ an Branntweinſteuer entrichten, koͤnnen, ſo lange ſie ein Lager von mindeſtens 50 Eimer ſelbſt fabrizirten Branntwein, nicht unter 50 Prozent Tralles vorraͤthig haben, einen Kre⸗ dit auf die zu entrichtende Maiſchſteuer vom er⸗ ſten Oktober des einen, bis zum letzten Septem⸗ ber des nachfolgenden Jahtes bewilligt erhalten. b. Wer die Kredit⸗Bewilligung in Anſpruch nimmt, weiſet der Steuerbehoͤrde den nach a. erforderlichen Lagerbeſtand nach. ſteuer. c. e. 310 Gleich bei dem Antrage auf Kredit und vor der Bewilligung deſſelben muß der Steuerpflichtige auf die Hoͤhe des zu kreditirenden Steuerbetrags der Steuerbehoͤrde Sicherheit leiſten. Die Sicher⸗ heitsleiſtung kann geſchehen, durch Deponirung ei⸗ ner gleichgroßen Summe in Staatspapieren nach dem Nennwerthe, Ausſtellung eines acceptirten Wechſels, auf ſichere inlaͤndiſche Handlungshaͤuſer, oder auf andere annehmbare Weiſe; doch nur in dem Maaße, daß, wenn die Steuer in dem Zah⸗ lungstermine nicht baar entrichtet wird, das Un⸗ terpfand gleich realiſirt werden kann. Auch kann die Sicherheitsleiſtung dadurch ge⸗ ſchehen, daß ein, der kreditirten Steuer im Geld⸗ werthe gleichkommendes Branntwein⸗Quantum un⸗ ter ſichern Mitverſchluß der Steuerbehoͤrde geſetzt, und ihr ein Fauſtpfand darauf, im geſetzlichen Sinne, eingeraͤumt wird. In dieſem Falle hat der Steuerpflichtige den Keller, in welchem der Brannt⸗ wein ohne Vermiſchung mit andern Vorraͤthen in geaichten, von der Steuerbehoͤrde bezeichneten Faͤſ⸗ ſern ſicher niedergelegt werden kann, anzuweiſen, und ſich den anzuordnenden Controle⸗Maaßregeln zu unterwerfen. Auch, wo das Lager nicht unter Mitverſchluß der Steuerbehoͤrde ſteht, kann ſolche durch einen Ober⸗ beamten von Zeit zu Zeit Ueberzeugung nehmen, daß eine, der Kreditſumme von drei Thalern drei und dreiviertel Groſchen fuͤr den Eimer entſprechende, Eimerzahl an Branntwein ſich wirklich im Beſitz des Brennerei⸗Inhabers befinde, und fuͤr das Feh⸗ lende binnen vier Wochen die Steuer-Entrichtung verlangt werden. Wenn dagegen im Laufe der Kreditbewilligung der Lagerbeſtand ſich ſo erhoͤhet, daß ein groͤßerer Kre⸗ dit, wie anfangs verlangt und ſicher geſtellt wor⸗ den, gegeben werden kann, dann ſteht dem Bren⸗ nerei⸗Inhaber frei, ſolchen zu nehmen, nur muß alsdann auch die Sicherheit nach den zu c ent⸗ haltenen Grundſaͤtzen erhoͤhet werden, wenn es ver⸗ langt wird. 311 f. Vor Ablauf des Monats September, oder dem Zeitpunkte, mit welchem die Kredit⸗Bewilligung ablaͤuft, wird mit dem Steuerpflichtigen abgerech⸗ net, und die kreditirte Steuer ohne Ruͤckſicht auf den noch vorhandenen Lagerbeſtand berichtigt. Eine Uebertragung der alsdann noch vorhandenen Lager⸗ beſtaͤnde in die, von da ab laufende, neue Kredit⸗ Periode wird nicht geſtattet. Dagegen ſoll dem Steuerpflichtigen von der zu entrichtenden Steuer fuͤr jeden Eimer, den er von ſeinem Lager, Behufs der zu bewirkenden Ausfuhr, in die oͤffentliche Niederlage einer Packhofsſtadt bringt, die, fuͤr den ausgefuͤhrten inlaͤndiſchen Branntwein, nach Maaß⸗ gabe ſeiner Staͤrke bewilligte Steuerverguͤtung ab⸗ geſchrieben werden und unerhoben bleiben. Auf den, ſolchergeſtalt zum Packhof gebrach⸗ ten Branntwein, finden ſodann die allgemeinen Vorſchriften der Zollordnung wegen des Packhof⸗ Lagers Anwendung. Wer den hierin enthaltenen Beſtimmungen zuwider handelt, oder die aufgeſtellten Bedingungen nicht erfuͤllt, dem iſt die Steuerverwaltung befugt, die Kredit⸗Bewilligung fuͤr immer zu entziehen. §. 384. Derjenige Brennerei⸗Inhaber, welcher Verfahren Kredit⸗Bewilligung in Anſpruch nimmt, hat den be⸗ bei Nach⸗ treffenden Antrag ſchriftlich dem Hauptamte ſeines Be⸗ ſuſchuns zirks einzureichen, welches ſein Geſuch hoͤheren Orts Brannt⸗ vorlegt, und ihm die Genehmigung deſſelben, ſo wie wein⸗ die Bedingungen nach Maaßgabe ſeines Antrags be⸗ kenede⸗ kannt macht. Berechti⸗ Wer nicht gleich einen Kredit von einer beſtimmten gung der Hoͤhe auf das ganze Kreditjahr im Voraus in Anſpruch Brenne⸗ zu nehmen und Sicherheit dafuͤr zu ſtellen vermag, kann reipaͤchter ſich ſpaͤterhin, waͤhrend eines jeden der 6 Wintermonate zun Kedit erklaͤren, wie viel er auf die fuͤr dieſen Monat ſchuldige gung. Steuer geſtundet zu ſehen wuͤnſcht, hat aber dann die zu ſtellende Sicherheit wegen des hiernach fuͤr jeden Monat zuſaͤtzlich bewilligten Kredits vom Ablauf des⸗ ſelben Monats an verhaͤltnißmaͤßig zu verſtaͤrken. Bei Ertheilung des Gefaͤllekredits macht es keinen Unter⸗ ſchied, ob der, den Kredit nachſuchende Brennerei⸗In⸗ haber Eigenthuͤmer oder nur Paͤchter derſelben iſt, 8 5 312² da die Bewilligung jedenfalls nur an die gehoͤrige Sicherheitsleiſtung gebunden iſt*). Sicher⸗§. 385. Die Beſtellung der nach o des Kredit⸗ beitslet. Regulativs erforderlichen Sicherheit wird moͤglichſt er⸗ hard für leichtert. In einzelnen Faͤllen kann, bei angeſeſſenen und Bewellt. der Behoͤrde durch ihre Zuverlaͤßigkeit vollkommen be⸗ gungen, kannten Perſonen, ganz davon Abſtand genommen, oder ſie doch auf andere, nach allgemeinen Grundſaͤtzen guͤl⸗ tige Weiſe beſchraͤnkt, auch darf die perſoͤnliche Buͤrg⸗ ſchaft anderer zahlungsfaͤhigen Perſonen angenommen werden, ohne gerade in allen Faͤllen darauf zu beſtehen, daß ein verhaͤltnißmaͤßiges Branntwein⸗Quantum unter Mitverſchluß der Steuerbehoͤrde geſtellt werde*). Wo aber der Branntwein ſelbſt als Buͤrgſchaft fuͤr die kreditirte Steuer unter Mitverſchluß der Behoͤrde geſtellt iſt, wird der Geldwerth deſſelben nach Maaßgabe ſeiner Guͤte und mit Ruͤckſicht auf die etwanige Ent⸗ fernung vom Marktorte, durch Uebereinkunft des Eigen⸗ thuͤmers mit dem Hauptamte feſtgeſetzt; auch hat der revidirende Beamte ſtets darauf zu ſehen, daß der Vor⸗ rath, mit verſteuertem Branntwein gehoͤrig nachgefuͤllt werde**). Wrlanae§. 386. Wenn Branntwein nach Ablauf der Kre⸗ Packbof ditperiode zu einem Packhofslager, Behufs Erlangung nach abge⸗ der Ausfuhr⸗Bonifikation, gebracht werden ſoll, und der laufener, Brennerei⸗Inhaber im Bereich eines andern Hauptamts⸗ Preditfriſt. Bezirks wohnt, als demjenigen, wo der Packhof ſich be⸗ findet, ſo muß der Transport nach Reviſion und Ver⸗ ſiegelung durch das vorgedachte Amt auf einen Zuſage⸗ ſchein deſſelben nach dem deklarirten Packhofsamte ge⸗ ſchehen. Das letztere atteſtirt auf dem zuruͤck zu ſen⸗ denden Zuſageſchein die Reſultate der wiederholt vorge⸗ nommenen Reviſion in Hinſicht auf Menge und Staͤrke, ſo wie die richtige Ablieferung des Branntweins. Auf den Grund des zuruͤckgelieferten Zuſageſcheins ſtellt das Hauptamt den Betrag der Verguͤtung feſt, welche als Bonifikation, nach den daruͤber geltenden,§. 390 bis 396 abgehandelten Beſtimmungen, gewaͤhrt wird*err). *) Reſeript an die Koͤnigliche Regierung zu Oppeln, vom 4. Maͤrz 1826. 3801. „*)***)***½) Cireular⸗Reſeript vom 3. Januar 1826. 88. 313 §. 387. Bei Ertheilung des Steuer⸗Kredits ſtehet Kontroll⸗ als Regel feſt, daß der Brenner ein Lager von 50 Ei— kena der mer Branntwein zu 50 Prozent Staͤrke vorraͤthig hal— ſende bei ten muß. Die Steuerbehoͤrde iſt von der Erfuͤllung Kredit⸗ dieſer Bedingung ſich zu uͤberzeugen befugt. Welchen Bewill—⸗ Gebrauch ſie von dieſer Befugniß machen will und ob gungen. ſie auch das Vorhandenſeyn eines hoͤhern Lagerbeſtandes fordern kann, richtet ſich nach der Art und Weiſe der Sicherheitsbeſtellung, welche folgende Faͤlle unterſchei— den laͤßt. Iſt auf die Hoͤhe des Steuerkredits durch Staats⸗ papiere, Wechſel, oder ſonſt durch ein, an dem Verfall⸗ tage realiſirbares Unterpfand Sicherheit geleiſtet, ſo kommt es nur in ſo weit darauf an, zu kontroliren, daß jene 50 Eimer auf dem Lager ſind, damit der Kredit nicht etwa auch von ſolchen in Anſpruch genom⸗ men werde, welche ihren Branntwein nicht gleich ab⸗ ſetzen und uͤberhaupt nicht in Vorrath brennen, oder nie Lager halten; ohne daß ſich der Lagerbeſtand nach der Hoͤhe des Kredits zu richten braucht. Wird Branntwein ſelbſt als Unterpfand unter Mit⸗ verſchluß der Steuerbehoͤrde gegeben, ſo wird, vorausge⸗ ſetzt, daß die Menge nicht unter 50 Eimer iſt, ein wei⸗ terer Lager⸗Vorrath nicht kontrolirt; der Geldwerth des unter Mitverſchluß gegebenen Branntweins muß aber dem Betrage der kreditirten Steuer gleich kommen. Wo dagegen gar keine Sicherheitsbeſtellung gefor⸗ dert iſt, weil man es mit angeſeſſenen, ſonſt zuver— laͤſſigen Perſonen zu thun hat, oder wo ſich die Steuer⸗ behoͤrde mit perſoͤnlicher Buͤrgſchaft eines Dritten fuͤr die kreditirte Steuer begnuͤgt, da tritt die Beſtimmung d. des Kredit⸗Regulatives in Anwendung*). §. 388. Nach vorſtehenden Anordnungen iſt die Erwejfe⸗ Dauer der Kredit⸗Periode auf ein Jahr feſtgeſetzt. Nach rung des deſſen Ablauf muß entweder die Steuer gezahlt, oder Brannt⸗ der Branntwein ſelbſt nach dem Packhoflager gebracht ene werden, wobei alsdann, wenn der Branntwein nach dem hener dee Auslande zu verfuͤhren beſtimmt wird, die zu gewaͤhrende *) Reſcript an die Koͤnigliche Regierung zu Oppeln. vom 25. May 1826. 9949. 314 mwei⸗ und Gefaͤlle⸗Verguͤtung von der verſchuldeten Maiſchſteuer drezibrig⸗ in Abrechnung koͤmmt. riſr Um indeſſen den Speculationen zu leichterer Auf⸗ bewahrung groͤßerer Getreide⸗Vorraͤthe bei niedrigen Preiſen durch Verwandlung in Branntwein, ohne Steuer⸗ Vorſchuß, die gewuͤnſchte Befoͤrderung noch weiter, als dieß nach dem Kredit⸗Regulativ vom 27. Dezbr. 1825 bei Bewahrung der Vorraͤthe auf dem Privatlager durch einjaͤhrigen, und bei Deklarirung auf das Pack⸗ hoflager durch ferneren zweijaͤhrigen Kredit geſchehen iſt, zu verſchaffen, hat des Koͤnigs Majeſtaͤt das Finanz⸗ miniſterium authoriſirt, in Faͤllen, wo dergleichen Spe⸗ culationen von einiger Bedeutung ſind und Lager⸗Vor⸗ raͤthe von mindeſtens 100 Eimer uͤber Jahr und Tag beſtanden haben, die Ablieferung zu einem Packhoflager aber, nach oͤrtlichen Umſtaͤnden nicht gut zu einer Kredit⸗ verlaͤngerung benutzt werden konnte, ſolche jedoch wirklich erforderlich iſt, den Steuer-Kredit auch außer⸗ halb des Packhofes auf ein oder zwei Jahre zu verlaͤn⸗ gern*). Wenn daher Antraͤge auf außergewoͤhnliche Kreditverlaͤngerung ſtatt finden, ſo werden dieſelben von den Provinzialbehoͤrden dem Koͤniglichen Finanzminiſterio begutachtend und berichtlich zur Entſcheidung vorge⸗ tragen**). §. 389. Ein derartiger dreijaͤhriger Kredit wird nicht auf den ganzen, von dem Brenner in einem Jahre zu zahlenden Maiſchſteuerbetrag, ſondern nur auf drei Thaler drei und dreiviertel Groſchen Maiſchſteuer fuͤr jeden Eimer Branntwein von mindeſtens 50 Prozent Staͤrke ertheilt, welchen der Brenner wirklich drei Jahre lang auf dem Lager behaͤlt, vorausgeſetzt, daß das Kreditlager im Laufe der dreijaͤhrigen Kreditperiode nie⸗ mals unter 100 Eimer herabſinkt, und daß der gela⸗ gerte Branntwein waͤhrend dieſer Zeit bis auf das Nach⸗ fullen unveraͤndert derſelbe bleibt und nicht etwa davon verkauft und der Abgang durch friſchen Branntwein wieder erſetzt wird. ————— *) Landtags⸗Abſchied fuͤr die Provinz Weſtphalen. d. d. Berlin d. 13. July 1827. **) Reſeript a. d. Koͤnigl. Prov.⸗Steuer⸗Direkt. zu Muͤnſter. vom 22. November 1927. 20803. 315 Unter dieſer Vorausſetzung hat alſo der dreijaͤhrige Kredit die Folge, daß, wenn z. B. ein Brenner am er⸗ ſten Oktober 1828 ein Lager von 100 Eimer Brannt⸗ wein bis zum erſten Oktober 1829 bis auf 300 Eimer vermehrt, ihm 937 Rthlr. 15 Sgr. Maiſchſteuer laͤng⸗ ſtens bis zum erſten Oktober 1831, in ſo fern er bis dahin noch nichts davon verkauft hat, geſtundet werden koͤnnen. Verkauft er fruͤher davon, ſo muß der Abgang gleichzeitig mit 3 Rthlr. 33½ Sgr. vom Eimer verſteuert und ſobald das Lager dadurch wieder bis auf 100 Ei⸗ mer herabſinkt, die ganze kreditirte Steuerſumme, auch wenn die Kredit⸗Periode noch nicht abgelaufen waͤre, berichtigt werden*). §. 390. Um einerſeits den, vor der gegenwaͤrtigen Gefaͤlle⸗ Zollverfaſſung beſtandenen, durch die ſpaͤtere Arrondirung Werade der aͤußern Grenzen und deren Beſetzung, ſo wie durch den Jufasr. die Steuerverfaſſungen der Nachbarlaͤnder beſchraͤnkten halb Lan⸗ oder erſchwerten Verkehr der, den Grenzen nahe liegen- des ver⸗ den Brennereien mit dem Auslande aufrecht zu halten, Küteden andrerſeits auch der erhoͤhten Induſtrie des Gewerbes ree ie ene einen groͤßern Markt und Konkurrenz mit fremden Laͤn⸗ Weingeiſt. dern zu ſichern, wird von dem außerhalb der Preußi⸗ ſchen Staaten, ſee⸗ oder landwaͤrts verfuͤhrten Branntwein oder Weingeiſt die im Lande erhobene Fa⸗ brikationsſteuer den Exportanten zuruͤck verguͤtet. Die Beſtimmungen, unter welchen dies geſchiehet, ergiebt die nachſtehende, in die Amtsblaͤtter der Monarchie aufge⸗ nommene Bekanntmachung: §. 391. Das Geſetz wegen Beſteuerung der in⸗ Bekannt⸗ laͤndiſchen Getraͤnke⸗Fabrikation ꝛc. vom 8. Febr. 1819 mmachung beſtimmt§. 30. r. znigl. . Finanz⸗ Verguͤtung der Gefaͤlle bei Verſendungen ins Aus⸗ Miniſterit land findet in der Regel nicht Statt. Erfor⸗ vom 26. dern jedoch oͤrtliche Verhaͤltniſſe zur Erhaltung Des. 1825. des Handelsverkehrs im Großen ſolche Verguͤtungen, ſo ſollen dieſe Verhaͤltniſſe be⸗ ruͤckſichtigt, und beſondere Beſtimmungen des⸗ halb ertheilt werden. *) Reſcript a. d. Koͤnigl. Prov.⸗Steuer⸗Direkt. zu Muͤnſter. vom 10. Mai 1828. 9545. Verguͤ⸗ tungsſaͤtze nach Maaß⸗ gabe des Alkohol⸗ gehaltes. Steuer⸗ quantum. Zuſage⸗ ſcheine. 316 Hiernach iſt bisher in Betreff der Verguͤtung auf die erlegte Fabrikations⸗Steuer vom inlaͤndiſchen Brannt⸗⸗ wein da, wo deſſen Abſatz nach dem Auslande von ei⸗ niger Bedeutung war, das Naͤhere im Einzelnen ange⸗ ordnet worden. Damit jedoch ein Jeder, dem daran gelegen, mit den wegen der gedachten Verguͤtung beſte⸗ henden Vorſchriften ſich bekannt machen koͤnne, werden ſolche, mit Seiner Koͤnigl. Majeſtaͤt Genehmigung, hier⸗ durch zur oͤffentlichen Kenntniß gebracht: 1) 2) 3) Fuͤr das Quart des im Inlande gefertigten Brannt⸗ weins ſoll, wenn er unmittelbar von dem Brennerei⸗ Inhaber nach dem Auslande abgeſetzt wird, bei ei⸗ ner Alkohol⸗Staͤrke von mindeſtens fuͤnf und drei⸗ ßig Prozent nach Tralles eine Steuerverguͤtung nach folgenden Saͤtzen gewaͤhrt werden; als bei einer Staͤrke: von 35 bis 39 Prozent.. neun Pfennige, „ 40 bis 44 ⸗... zehn ⸗ „ 45 bis 49„⸗... eilf ⸗ „ 50 bis 54„⸗ ein Groſchen— ⸗ „ 55 bis 59 ⸗ ein ⸗ einen Pfennig, „ 60 bis 64 ⸗ ein ⸗ zwei Pfennige, „ 65 bis 69 ⸗ ein ⸗ drei 7 „ 70 bis 74 ⸗ ein ⸗ vier 2 * 75 bis 79 ⸗ ein ⸗ fuͤnf e „ 80 und 81 ⸗ ein ⸗ ſieben ⸗ „ 82 und 838 ⸗ ein ⸗ acht ⸗ „ 84 und 85 ⸗ ein ⸗ neun ⸗ „ 86 und 87 ⸗ ein ⸗ zehn 2 „ 88 und 89 ⸗ ein eilf ⸗ * „ 90 Grad und daruͤber zwei Groſchen. Nur diejenigen Brennerei⸗Inhaber haben Anſpruch auf die vorſtehende Verguͤtung, welche die Maiſch⸗ ſteuer nach dem vollen Satze von ein und einem halben Sgr. fuͤr 20 Quart Maiſchraum entrichten, und mindeſtens nach Verhaͤltniß einer Production von 100 Eimern Branntwein, zu 50 Prozent Staͤrke, jaͤhrlich ſteuern. Behufs der Ausfuhr⸗Verguͤtung erhaͤlt der Brenne⸗ rei⸗Beſitzer von dem Koͤniglichen Provinzial⸗Steuer⸗ Direktor, oder in den Provinzen, wo die Steuer⸗ Verwaltung mit den Regierungen verbunden iſt, 4) 5) 6) 317 von der betreffenden Regierungs⸗Abtheilung, einen, fuͤr eine beſtimmte Friſt geltenden Zuſage⸗Schein, worin die Punkte, uͤber welche der Ausgang des Branntweins erfolgt, beſtimmt ſind. Im Falle mehrerer oder uͤber verſchiedene Ausgangspunkte eintretenden Verſendungen koͤnnen von dem Haupt⸗ Amte, in deſſen Bezirk die Brennerei liegt, beglau⸗ bigte Abſchriften des Zuſage⸗Scheines in der er⸗ forderlichen Anzahl ertheilt werden. Die Ausfuhr darf in der Regel nur uͤber ein Haupt⸗ Zoll⸗Amt geſchehen. Jede Verſendung wird mit dem Zuſage-Schein oder einer beglaubigten Abſchrift deſſelben bei dem⸗ jenigen Haupt⸗Amte, welches die Fabrikationsſteuer erhoben hat, zur Reviſion geſtellt. Dieſe iſt ſpeziell auf Staͤrke und Menge des Branntweins zu rich⸗ ten, und der Befund, ſo wie die zu bewirkende Verſiegelung am Spund und Zapfen der Gebinde, nebſt deren Zahl und Nummer, und demnaͤchſt der unter Begleitung wirklich erfolgte Ausgang, wer⸗ den auf dem Zuſageſchein amtlich vermerkt, ſo fern der Ausgang bei dem naͤmlichen Haupt⸗Amte geſchieht. Wenn dagegen der Ausgang in einem anderen Haupt⸗Amts⸗Bezirke erfolgt, ſo wird von dem Haupt⸗Amte, in deſſen Bezirk die Brennerei liegt, das Reſultat der Reviſion und die Verſiegelung auf dem Zuſageſchein vermerkt, mit welchem der Branntwein, binnen einer zu beſtimmenden Friſt, an das Ausgangs⸗Amt geht. Bei dieſem wird die ſpezielle Reviſion wiederholt, und wenn ſie, nach unverletzt befundenen Siegeln, mit dem Reſultate der erſten Reviſion uͤbereinſtimmt, ſolches auf dem Zuſage⸗Schein atteſtirt, ingleichen der wirkliche Ausgang beſcheinigt, und der mit dieſen Vermer⸗ ken verſehene Zuſage⸗Schein an das Haupt⸗Amt abgeliefert, welches denſelben alsbald demjenigen Haupt⸗Amte zuruͤckſendet, in deſſen Bezirk die Fa⸗ brikations⸗Steuer erhoben worden. Von dem letztgedachten Haupt⸗Amte wird, auf den Grund und unter Beifuͤgung der Zuſage⸗ Scheine, die Verguͤtungs-Berechnung aufgeſtellt Aus⸗ gangs⸗ punkt und Reviſion, Minimum der Ausfubr⸗ Magxi⸗ mum der Ausfuhr. Anſpruchs auf Steuer⸗ Verguͤ⸗ tung. Stempel⸗ und Gebuͤhren⸗ freiheit der Zuſage⸗ Scheine. Authoriſa⸗ tion der Nebenaͤm ter zur Abferti⸗ gung. Transport auf Zoll⸗ ſtraßen und in den Tages⸗ ſtunden. 318 und in doppelter Ausfertigung an den Koͤniglichen Provinzial⸗Steuer⸗Direktor, oder an die Regie⸗ rungs⸗Abtheilung zur Anweiſung eingereicht. 7) Eine Steuer⸗Verguͤtung findet jedoch nur bei Ver⸗ ſendungen, die mindeſtens einen Eimer Brannt⸗ wein enthalten, Statt. 8) Der Betrag der einem Brennerei⸗Inhaber zuge⸗ billigten Ausfuhrverguͤtung kann in einem Jahre nicht uͤber zwei Drittheile der von ihm ent⸗ richteten Branntweinſteuer betragen, wobei nach Maaßgabe der Umſtaͤnde der am Anfange des Jahres vorhandene Branntwein⸗Beſtand mit in billige Ruͤckſicht gezogen werden ſoll. 9) Eine erwieſene Defrandation der Fabrikations⸗ Steuer oder eine heimliche Wiedereinbringung des zur Ausfuhr deklarirten Branntweins zieht, außer der geſetzlichen Beſtrafung, den Verluſt des An⸗ ſpruchs auf Steuer⸗Verguͤtung fuͤr die Zukunft nach ſich. §. 392. Die Zuſageſcheine und die beglaubten Abſchriften davon, welche erfordert werden, wenn meh⸗ rere Transporte raſch hinter einander, oder uͤber verſchie⸗ dene Aemter gleichzeitig dirigirt werden, unterliegen bei ihrer Ausfertigung weder Stempel noch Gebuͤhren*). §. 393. Iſt der Verkehr auf einer ſolchen Zoll⸗ ſtraße bedeutend, wo ſich kein Hauptzollamt befindet, ſo hat das Koͤnigl. Finanz⸗Miniſterium ſich vorbehal⸗ ten, ausnahmsweiſe auch die Ausfuhr uͤber dazu beſon⸗ ders authoriſirte Nebenaͤmter zu geſtatten**). §. 394. Die Ausfuͤhrung des Branntweins, fuͤr welchen Gefaͤlle-Verguͤtung in Anſpruch genommen wird, iſt nur auf Zollſtraßen und nur in den§. 8. der Zollordnung vom 26. Mai 1818 angefuͤhrten Tages⸗ ſtunden geſtattet. Wer das Ausland in dieſer Zeit nicht erreichen kann, deſſen Abfertigung muß beim Amte bis zum naͤchſten Tage verſchoben werden; auch darf das Fuhrwerk, was ohnedies bis zur Grenze geleitet wird, von der direkten Ausgangsſtraße, ſo lange ſie in dem dieſſeitigen Gebiete laͤuft, nicht abweichen. *)*) Cirkular⸗Reſcript vom 3. Januar 1826. 87. 319 §. 395. Wenn Brennereien, deren Betrieb groͤß⸗ Uebertra⸗ tentheils auf den auslaͤndiſchen Abſatz gerichtet iſt, in gung der dem einen Jahre nicht Gelegenheit finden, ſo viel Brannt⸗ nnSchlu wein nach dem Auslande zu verſenden, um das Maxi⸗- vorhande— mum der Bonifikation(zwei Drittheile der nen erlegten Steuer) in Anſpruch zu nehmen, ſich da⸗ Brannt⸗ gegen fuͤr die Folgezeit Ausſicht zu erweitertem Ver⸗ 6 triebe zeigt, ſo erfolgt auch auf den Antrag des Bren⸗. ners am Schluſſe des Jahres die amtliche Ermittelung der vorhandenen Branntweinbeſtaͤnde, und es wird die Steuer davon nach dem Maaßſtabe von 1 ½ Sgr. füͤr das Quart, bei der letzten Abrechnung fuͤr das laufende Jahr, dem Steuerquanto des folgenden Jahres zugeſetzt. Bei dieſer Ermittelung hat jedoch die Steuerbe⸗ hoͤrde zu pruͤfen, ob auch der vorhandene Beſtand nicht die eigene Produktion, nach Maaßgabe der Steuer ge⸗ gen die Exportationsquanta verglichen, uͤberſteigt, in welchem Falle hoͤchſtens die Differenz zwiſchen beiden, als Beſtand aus der eignen Fabrikation, zu uͤbertragen bleiben wuͤrde*). §. 396. In ſo fern, welcher Fall jedoch nicht Ausnab⸗ leicht eintreten duͤrfte, eine Gewerbanſtalt von bedeuten⸗ Ge far dem Umfange lediglich fuͤr den auswaͤrtigen Abſatz eta⸗ 1eee⸗ blirt werden ſollte, hat ſich das Koͤnigl. Finanz⸗Mini⸗ welche ſterium vorbehalten, auf den begruͤndeten Antrag der lediglich Behoͤrden, und wenn die darin feſtzuſetzenden Kontrole⸗ fuͤr aus⸗ Maaßregeln uͤberzeugend nachweiſen, daß aus einer ſol⸗ ladäſehen, chen Brennerei ein inlaͤndiſcher Debit nicht ſtatt findet, duziren. fuͤr derartige Fabrikanſtalten, wo es das Beduͤrfniß er⸗ fordert, die Bedingung, daß die Summe der Boni⸗ fikation zwei Drittheile der gezahlten Branntweinſteuer jaͤhrlich nicht uͤberſteigen ſoll, ganz aufzuheben*). §. 397. Es wird dieſe Bonifikation ausnahms⸗ Gefälle⸗ weiſe auch auf inlaͤndiſchen Liqueur oder die nachgeahm- Verguͤ⸗ ten Sorten auslaͤndiſcher geiſtigen Fluͤſſigkeiten, z. B. kung auf Franzbranntwein, Rum, Spriet ꝛc. unter den in der tiſch⸗gei⸗ Bekanntmachung F. 391 vorgeſchriebenen Bedingungen gige Fluͤſ⸗ auf beſondere Antraͤge geleiſtet; obſchon ſie in der Re⸗ ſeseeiten⸗ gel nicht von denjenigen in Anſpruch genommen werden Spriek, *)**) Cirkular⸗Reſcript vom 3. Januar 1826. 87. Franz⸗ brannt⸗ wein, Rum ꝛc. Gefaͤlle⸗ Verguͤ⸗ tung auf verſetzte Brannt, ſchaͤftigen, auf das nach 320 kann, welche zugekauften inlaͤndiſchen, rohen Brannt⸗ wein verarbeiten. Solche Fluͤſſigkeiten duͤrfen jedoch we⸗ der mit Zucker, noch mit andern extraktiven Stoffen verſetzt werden, wodurch ſie an ſpezifiſcher Schwere zu⸗ nehmen, und verhinden wuͤrden, daß ihr ſpirituoͤſer Ge⸗ halt durch den Alkoholometer ermittelt werden kann*). §. 398. In wie fern Liqueur⸗Fabriken, oder den⸗ jenigen Brennereien, welche ſich mit Anfertigung von veredeltem oder verſetztem Branntwein gleichzeitig be⸗ dem Auslande verſendete Fa⸗ weine und brikat eine Steuer⸗Verguͤtung gewaͤhrt werden kann, Liqueure. Brannt⸗ weinals Schiffs⸗ Proviant. Bonifika⸗ tion auf Brannt⸗ wein, wel⸗ cher zu Eſ⸗ ſig fuͤr techniſche daruͤber ſind allgemeine Beſtimmungen wohl deshalb nicht feſtgeſetzt, weil, wie vorher geſagt, in dem mit Zucker verſetzten Branntwein die Anwendung des Alko⸗ holometers zu Ermittelung des geiſtigen Gehaltes keinen richtigen Maaßſtab abgeben kann und es daher an dem noͤthigſten Kuͤlfsmittel fehlt, den fuͤr die betreffende Quantitaͤt bei der Ausfuhr zu verguͤtenden Steuerbetrag feſtzuſtellen. Sind jedoch Deſtillir-Anſtalten im Gro— ßen vorhanden, welche, ohne den Branntwein aus der Maiſche ſelbſt zu ziehen, hauptſaͤchlich fuͤr das Ausland gewiſſe Gattungen veredelter Branntweine oder Liqueure aus der Vermiſchung von Alkohol und Zuckerſyrup ver⸗ fertigen und verſenden, ſo hat auch hier das Koͤnigliche Finanz⸗Miniſterium ſich vorbehalten, fuͤr einzelne Faͤlle durch die nach der Staͤrke des Fabrikats zu ermittelnde Ruͤckverguͤtung, ſei es auf Maiſchſteuer oder Blaſenzins, den Abſatz dieſer veredelten Produkte in das Ausland zu erleichtern**). §. 399. Auf Branntwein, welcher als Schiffs⸗ Proviant eingenommmen und dadurch exportirt wird, findet Gefaͤlle⸗Verguͤtung nicht ſtatt*un). §. 400. Um der inlaͤndiſchen Induſtrie der Blei⸗ zucker⸗ und Bleiweißfabrikation, der chemiſchen Darſtel⸗ lung von Mineralfarben, z. B. des Schweinfurter⸗ Gruͤns, ſo wie bei der Incarnatfaͤrberei, die Konkurrenz mit dem Auslande zu erleichtern, hat das Koͤnigliche Finanz⸗Miniſterium einzelnen, mit ſolchen Fabriken in *) 4) Cirkular⸗Reſeript vom 3. Januar 1826. 87. ***) Reſcript a. d. vom 16. April 1826. Koͤnigl. Steuer⸗Direkt. zu Danzig. 6540. 321 Verbindung ſtehenden Brennereien nachgegeben, den zu dieſer Fabrikation noͤthigen Eſſig aus Branntwein be⸗ reiten zu koͤnnen, ohne daß derſelbe durch die Maiſch⸗ ſteuer weſentlich betroffen wird. Es wird naͤmlich, in ſofern die Beſitzer derartiger Anſtalten durch Zuverlaͤßig⸗ keit und Rechtlichkeit das Vertrauen der Behoͤrde ge⸗ nießen, denſelben als Erſatz der gezahlten Maiſchſteuer, die naͤmliche Ruͤckverguͤtung von dem dazu ver⸗ brauchten Branntwein, wie fuͤr den in das Aus⸗ land verſendeten, zugeſtanden. Um die Quantitaͤt des verbrauchten Branntweins fuͤr dieſen Zweck zu ermitteln, und hiernach die zu ge⸗ waͤhrende Ruͤckverguͤtung feſtzuſtellen, wird, bei dem je⸗ desmaligen Anſatz zu Eſſig, der Branntwein durch einen Ober⸗Kontroleur nach Staͤrke und Menge unterſucht, und in deſſen Gegenwart zu der angeſetzten Bleimaſſe gebracht, oder, bei der Farbenbereitung, durch Vermi⸗ ſchung mit andern Ingredienzen für den Genuß un⸗ brauchbar gemacht, und dadurch der Behoͤrde die Ueber⸗ zeugung gewaͤhrt, daß derjenige Branntwein, worauf die Verguͤtung der Maiſchſteuer gezahlt werden ſoll, lediglich zu techniſchen Zwecken verwendet worden iſt. Die der⸗ geſtalt vermiſchte Menge Branntwein wird, mit Angabe der Staͤrke, von dem Ober⸗Kontroleur auf dem Be⸗ triebsplane bemerkt; bei der Steuerzahlung wird die Ge⸗ faͤlle⸗Verguͤtung dafuͤr durch die Hebeſtelle berechnet und abgeſetzt, dergeſtalt, daß nur die Maiſchſteuer, nach Abzug der Bonifikation, von dem Brenner gezahlt wird*). Die Bereitung des Eſſigs unterliegt hier keiner weitern ſteuerlichen Kontrole. §. 401. Wer jedoch Lutter oder Branntwein zur Fabrikation von Eſſig zum Verkauf verarbeitet, oder zu andern, als den vorgenannten Zwecken verwendet, hat davon, wie jeder andere Brenner, die Maiſchſteuer zu entrichten, indem das Geſetz den Branntwein, ohne Unterſchied der Staͤrke oder Beſtimmung, fuͤr ſteuerpflichtig erklaͤrt, Lutter und Branntwein aber ein *) Reſcript a. d. Koͤnigl. Prov.⸗Steuer⸗Direkt. zu Koͤln. vom 5. Februar 1828, 2226. 21 Zwecke verwendet wird. Kontrole des Brannt⸗ weinver⸗ brauches. Steuer⸗ pflichtig⸗ keit des Lutters oder des Brannt⸗ weins zu anderen Zwecken. Fixation der Maiſch⸗ ſteuer. Brannt⸗ wein⸗ bereitung Treſtern, aus Obſt, 322 und daſſelbe Produkt, nur im Grade des Weingeiſtge⸗ haltes verſchieden ſind, und mithin deſſen ſpaͤtere Be⸗ nutzung fuͤr andere Zwecke eine Abgabenbefreiung nicht begruͤnden kann*). §. 402. Die nach den§g§. 5. und 14. des Ge⸗ ſetzes und der Ordnung vom 8. Februar 1819 nach⸗ gelaſſene Fixation des Blaſenzinſes beabſichtigte damals, entlegenen Brennereien von geringem Umfange den Betrieb zu erleichtern, welcher durch taͤgliche Deklaration, Fort⸗ ſchaffung und Zuruͤckbringung des Helmes, zu der viel⸗ leicht entfernten Hebeſtelle, ſehr erſchwert worden waͤre; zugleich auch die Koſten der Beaufſichtigung theilweis zu mindern, welche gegen die, von einer derartigen Brennerei zu zahlende Steuer im Mißverlaͤltniß geſtanden haben wuͤrden. Der Fixations⸗Vertrag aber ſelbſt, konnte je⸗ doch nur mit der, fuͤr den Steuernden laͤſtigen Bedin⸗ gung abgeſchloſſen werden, den Betrieb der kleinen Ge⸗ werbeanſtalt fuͤr laͤngere Zeit im Voraus verbindlich zu erklaͤren. Schon um deshalb ſind dieſe Ausnahmen des Geſetzes von jeher wenig benutzt worden, und gegen⸗ waͤrtig, wo die Anmeldung des Betriebs monatlich nur einmal zu geſchehen braucht, die Ablieferung der Bla⸗ ſenhelme in der Regel nicht mehr Statt findet, kann fuür den Brenner der Abſchluß einer Firxation auf Maiſchſteuer ein vorzugsweiſes Intereſſe nicht mehr ge⸗ waͤhren.. Es wird indeſſen auch jetzt noch die Fixirung der Maiſchſteuer auf Verlangen und in den geſetzlichen Schranken, jedoch nur mittelſt Genehmigung des Koͤ— niglichen Finanz⸗Miniſterii, geſtattet. §. 403. Die Abweichungen, denen gegen die Ver⸗ ſteuerung des Maiſchraumes der Brennereibetrieb aus andern als mehligten Subſtanzen, z. B. aus Treſtern, Obſt, Beeren ꝛc., unterliegt, ſind bereits aus dem unter den Beeren ꝛc. Anlagen abgedruckten Regulativ vom 21. Auguſt 1825 erſichtlich; wir holen hier nur Folgendes nach. *) Reſeript a. d. Koͤnigl. Prov.⸗Steuer⸗Direkt. zu Koͤln. vom 21. Maͤrz 1828. 5446. ———D— ————— ͤ—— —₰ ᷣ 75 323 Es beſtehet bei gleichem Betriebe nur ein Satz, ſowohl fuͤr ſtaͤdtiſche als fuͤr landwirthſchaftliche Bren⸗ nereien, und es koͤmmt nicht darauf an, ob das Ma⸗ terial, woraus Branntwein bereitet werden ſoll, Er⸗ zeugniß des eigenen Bodens, oder durch An⸗ kauf erworben iſt. Da das verbrauchte Material hier das Prinzip der Steuererhebung bildet, mithin der Kontrole unterliegt, ſo muß naͤchſt dem Orte und Raum der Aufbewahrung, außer dem zum Verbrauch deklarir⸗ ten, auch noch der uͤbrige Geſammtvorrath desjenigen Materials, was in dem laufenden Monat nicht ver— wendet wird, angegeben werden. Die Formulare zu dieſen Nachweiſungen, ſo wie zu den Betriebsdeklaratio⸗ nen, werden von der Steuerbehoͤrde unentgeldlich ge⸗ liefert. Die Abgabe der Deklaration muß, wie bei der Maiſchbrennerei, drei Tage vor Anfang des Betriebes ſich in den Haͤnden der Steuerſtelle befinden. Das Minimum der Deklaration iſt auf reſp. ſieben und vierzehn Eimer des zu verſchwellenden Materials feſt⸗ eſetzt. 3 Außer den,§. 323 u. 324 beruͤhrten Verpflichtun⸗ gen der Steuerſtelle, hat dieſelbe bei Feſtſtellung derartiger Nachweiſungen vorzuͤglich dahin zu ſehen, daß in der Erklaͤrung von den, im Regulativ angenommenen Be⸗ triebs⸗Grundſaͤtzen, in Bezug auf Dauer und Zahl der Material⸗ und Lutterabtriebe, Staͤrke der Blaſenfuͤllung und dem ſich daraus ergebenden Material⸗Bedarf, nicht abgewichen iſt, und ſie iſt befugt und dazu angewieſen, derartige Betriebserklaͤrungen zu berichtigen oder zur Abaͤnderung zu remittiren, da ſie dafuͤr verantwortlich und der Kaſſe verhaftet iſt, daß der Materialbedarf fuͤr die erklaͤrten. Betriebstage und Betriebsgeraͤthe nach den Vorſchriften des Regulativs, der feſtgeſtellten Betriebs⸗ faͤhigkeit gemaͤß, richtig ermittelt, und der Steuerbetrag dafuͤr richtig angeſetzt ſey. Außerdem beſtimmt ſie auch, daß, wenn und wie die Deſtillirgeraͤthe in den betriebsloſen Perioden außer Gebrauch geſetzt werden. §. 404. Groͤßere Freiheit des Gewerbebetriebs ge⸗ waͤhrt die, fuͤr ſolche Brennereien nach§. 12 des vor⸗ genannten Regulativs nachgelaſſene Fixation der Steuer. Sie beruhet, wie jeder Vertrag, auf dem freien Ueber⸗ 21* Fixation der Bren⸗ nereien aus nicht mebligten Subſtan⸗ zen. Bedin⸗ gungen. Abſchluß. 324 einkommen beider Theile, und hat ſo lange verbindliche Kraft fuͤr Jeden, als die feſtgeſetzten Bedingungen er⸗ fuͤllt werden. Um einen derartigen Vertrag einzugehen, bedingt die Steuerbehoͤrde nach den Grundſaͤtzen des Regu⸗ lativs: a. Daß im Firxationsvertrag, fuͤr deſſen Dauer kein Wechſel der Geraͤthe, und kein unterbrochener Ge⸗ brauch einzelner derſelben geſtattet, alſo auch bei beabſichtigter Verwendung einer beſondern Blaſe zur Deſtillation des Lutters, dieſe Blaſe nur un⸗ unterbrochen fuͤr die dazu deklarirte Zeit benutzt werden darf. b. Daß diejenigen Geraͤthe, auf welche der Firations⸗ Vertrag nicht lautet, unter ſteuerlichem Verſchluſſe bleiben. c. Daß die im Fixations⸗Vertrage begriffenen Geraͤthe immer ſogleich nach Ablauf der, fuͤr jedes derſelben beſtimmten Betriebszeit, wieder außer Gebrauch ge⸗ ſetzt werden muͤſſen. Endlich muß dem Abſchluſſe die Kenntniß der Produktionsfaͤhigkeit der in der Deſtilliranſtalt vorhan⸗ denen Geraͤthe vorausgehen, was nothwendig erſcheint, um zu verhindern, daß nicht eine groͤßere Betriebsfriſt in Anſpruch genommen wird, als nach Maaßgabe des zu verſchwellenden Materials und der Konſtruktion der Brenngeraͤthe ausreichend iſt. Zum Abſchluß eines derartigen Fixations⸗Vertrages, welcher doppelt ausgefertigt werden muß, erſcheint der Brennerei⸗Inhaber ſelbſt, oder durch einen Bevollmaͤch⸗ tigten, bei der Steuerhebeſtelle, wenn es ſich von dem erſten Vertrage uͤberhaupt, oder von dem erſten Ver⸗ trage auf Geraͤthe⸗Benutzung handelt, die noch nicht Gegenſtand eines ſolchen Vertrages geweſen, oder die in ihrer Betriebsfaͤhigkeit erſt neu feſtgeſtellt worden ſind. Spaͤterhin kann der Brenner, wie bei der Maiſch⸗ ſteuer⸗Deklaration, den Vertrag, ausgefuͤllt und von ihm vollzogen, der Steuerſtelle zur Pruͤfung, Mitvollziehung und Ruͤckgabe des einen Exemplares ziſſenden, ohne daß ſein perſoͤnliches Erſcheinen dort erforderlich iſt. 325 Die Formulare zu den Firations⸗Vertraͤgen wer⸗ den von der Behoͤrde unentgeldlich geliefert. Das vor⸗ geſchriebene Muſter findet ſich unter den Anlagen ab⸗ gedruckt. §. 405. Bei Verarbeitung von Zuckerwaſſer auf Branntwein wird in aͤhnlicher Weiſe verfahren. Wenn der Brenner die Quantitaͤt der zu verſchwellenden Fluͤſ⸗ ſigkeit in Oxhoften angegeben, und die nach§. 32 be⸗ ſtimmte Steuer praͤnumerando erlegt hat, ermittelt die Hebeſtelle, nach Maaßgabe der Konſtruktion und des Inhaltes ſeiner Geraͤthe, wie viel Blaſenfuͤllungen noͤ⸗ thig ſind, um das verſteuerte Zuckerwaſſer auf Brannt⸗ wein zu verarbeiten, und wie viel Zeit jede Blaſenfuͤl⸗ lung zum Abtriebe erfordert; ſie ſtellt alsdann den Bla⸗ ſenbetrieb nach Tagen feſt. Wer jedoch nicht ununter⸗ brochen arbeiten laſſen will, dem iſt auch geſtattet, nur waͤhrend der geſetzlichen 14 Stunden zu brennen. Wer ſich des Zuckerwaſſers zum Abkuͤhlen von Branntweinmaiſche, die aus anderen Materialien berei⸗ tet worden, bedient, mithin die Branntwein⸗Bereitung aus mehligten und nicht mehligten Subſtanzen mit ein— ander verbindet, hat die Verwendung jenes Zuckerwaſ⸗ ſers beſonders zu deklariren, und den dafur feſtgeſtellten Steuerſatz neben der Maiſchſteuer zu entrichten(§. 126)*). §. 406. Der Bereitung des Branntweins aus Kar⸗ toffel⸗, Getreide⸗ oder Zuckerſyrup, Malzwurze oder an⸗ deren konzentrirten Fluͤſſigkeiten, in welchen ſich groͤßere Brannt⸗ wein⸗ bereitung ausZucker⸗ waſſer. Brannt⸗ wein⸗ bereitung a 8 Mengen Schleimzucker aufgeloͤſet befinden, die mithin Karoſfel⸗ auch eine verhaͤltnißmaͤßig groͤßere Ausbeute an Brannt⸗ wein, als Getreidemaiſche liefern koͤnnen, iſt in den Ge⸗ ſetzen nicht beſonders gedacht, nnd es muß daher eine derartige Gewerbanſtalt ſich vorab der Erlaubniß der Behoͤrde, den Betrieb überhaupt beginnen zu duͤrfen, ver⸗ ſichern. Bisher ſind derartige Methoden nur ver⸗ ſuchsweiſe angewendet worden, und die Feſtſtellung des Steuerſatzes iſt nach den§. 34 entwickelten Grund⸗ *) Cirkular⸗Reſeript vom 25. Dezember 1827. 23948. ſyrup, Malz⸗ wuͤrze ꝛc. 2 Erhebung des Bla⸗ ſenzinſes von Deſtillir⸗ anſtalten und Liqueur⸗ fabriken. Steuer⸗ ſatz. Erhe⸗ bungs⸗ Tabelle. 326 ſaͤtzen geſchehen. Die Gaͤhrungsfriſt wird nach Maaß⸗ gabe des Beduͤrfniſſes und dem Verlangen des Brenners auf 8 bis 12 Tage fuͤr jeden einzelnen Bottich erwei⸗ tert; die Kontrolirung beginnt erſt, wenn die Gaͤhrbot⸗ tiche mit geſtellter Maiſche gefuͤllt ſind, ſie werden als⸗ dann unter amtlichen Verſchluß genommen, der an dem Tage, wo die Deſtillation der Maiſche erfolgen ſoll, von dem Beamten geloͤſt wird. §. 407. Die Erhebung des Blaſenzinſes, wie ſolche das Geſetz vom 8. Februar 1819 fuͤr die Branntweinbereitung im Allgemeinen vorſchrieb, fin⸗ det nur noch bei Deſtilliranſtalten Anwendung, wo fertige Branntweine mittelſt Zuſatzes aromatiſcher In⸗ gredienzen noch ein oder mehrere Male deſtillirt und dadurch veredelt werden C. 29). Der Betrieb wird tage⸗, wochen- oder monatweiſe deklarirt, die Steuer vor Anfang deſſelben erlegt, und die Betriebsfriſt ſelbſt in das von dem Steueramte unent⸗ geldlich zu liefernde Verſteuerungsbuch eingettagen. §. 408. Es wird von den Deſtilliranſtalten nur der ein⸗ fache Steuerſatz(§. 2. des Geſetzes vom 8. Februar 1819) erhoben; die Konſtruktion der Deſtillirgeraͤthe und ihre groͤßere oder mindere Produktionsfaͤhigkeit macht hierbei keinen Unterſchied*). Nebenſtehende Tabelle dient zur Erhebung des Blaſenzinſes. Wir bemerken hierzu, daß der uͤberſchießende Rauminhalt, welcher nicht volle vier Quart betraͤgt, bei der Steuerberechnung außer Betracht bleibt. *) Reſcript an die Koͤnigliche Regierung zu Potsdam. vom 29. Maͤrz 1824. 6659. 327 Blaſen⸗ Vlaſrigins Blaſen⸗ Bügjerpins . au ◻ au Inhalt. 24 Stunden. Inhalt. 24 Stunden. Quart. Th. Sg. Pf. Quart.[Tvb. Sg. Pf. 4—-— 11 7 120 1 16 10 8[— 3 1 124 1 18 5 12— 4 8 128 1 20— 16— 6 3 132 121 7 20 1— 7 10 136 1[[23 1 24— 9 4 140 1 24 8 28— 10 11 144 1[26 3 32— 12 6 148 1 27 10 36— 14 1 152 1 29 4 40— 15 7 156 2— 11 44— 17 2 160 2 2 6 48— 18 9 164 21 4 1 52— 20 4 168 2 5 7 56— 21 10 172 2 712 60— 23 5 176 2 8 9 64— 25˙— 180 2 10 4 68— 26 7 184 2 11 10 72— 28 1 188[ 2 13 5 76— 29 8 192 2 15/— 80 1 1 3 196 2 16 7 84 1* 2110 200 2 181 88 1 4 4 300 1 3 27 2 92 1 5 11 400 5 6 3 96 1 7 6 500 6 15 4 100 191 1 600 7 24 4 104 1 107 700]% 9 3 5 108 1 12[ 2 800 10 12 6 112 1 13 9 900 11 121 7 116 1 15 4 1000 13 7— 7 § 409. Bei der Verſteuerung nach dem Deſtillir⸗Blaſen⸗ Betriebs⸗ zins iſt eine zwoͤlfſtuͤndige Betriebsfriſt nicht ge⸗ friſt, vier⸗ ſtattet; es muß vielmehr bei der Deklaration auf un⸗ nd man unterbrochene 24(Stunden ſein Bewenden be⸗ 3'gſtundt⸗ halten, da das in dieſer Hinſicht weder aufgehobene 328 noch ſuspendirte Steuergeſetz vom 8. Februar 1819 und die dem Deſtillirblaſenzins eigenthuͤmliche Kontrole eine Theilung dieſer Friſt auf zwei Tage, mit dazwiſchen liegender Ruhe des Betriebes fuͤr die Nacht, nicht ge⸗ ſtattet*). Berechti⸗ Wenn aber der Deſtillateur woͤchentlichen oder gung zur monatlichen ununterbrochenen Betrieb deklarirt hat, Benutz 3 der ſieuer ſo ſtehet ihm der Anſpruch auf die§. 11 des Geſetzes freien vom 8. Februar angeordneten ſteuerfreien Tage zu, Tage. ſo daß fuͤr die volle Woche nur die Steuer von ſechs Tagen, fuͤr den Kalendermonat von fuͤnf und zwanzig Tagen erhoben wird**). Mantiſära§. 410. Die Rektifikation des Branntweins, Lramef, ohne Zuſatz von Ingredienzen oder aͤtheri⸗ weins iſt ſchen Oelen, oder die Verſtaͤrkung deſſelben auf Spi⸗ dem De⸗ ritus oder Alkohol wird auch dem Deſtillateur ſtillateur ſteuerfrei, jedoch unter denjenigen Kontrole⸗Maaßre⸗ erarhen geln geſtattet, welche die Steuerbehoͤrde, um die richtige Ausfuͤhrung der Betriebs⸗Deklaration zu ſichern, anzu⸗ ordnen fuͤr gut findet*). Steuer⸗ Außer der Kohle zur Entfuſelung iſt bei dem De⸗ liahtig⸗ ſtillateur jeder Zuſatz ſteuerpflichtig, der entwe⸗ Gebrauch der in der Blaſe mit dem Branntwein vermiſcht, oder von Ingre⸗ in beſondere Abtheilungen der Kuͤhlgeraͤthe gebracht wird, dienzer. um von den Alkoholdaͤmpfen durchſtrichen zu werden. Das Deſtillat an der Oeffnung des Schlangenrohres darf daher, wo ſteuerfreie Benutzung der Geraͤthe zur Branntwein⸗ rektifikation in Anſpruch genommen worden iſt, keinen gxomatiſchen oder aͤtheriſchen Geſchmack, ſondern nur den des rohen Branntweins oder Weingeiſtes zeigen. Die Steuerpflichtigkeit der Deſtilliranſtalten wird mithin durch jedweden Zuſatz bedingt, er beſtehe aus einheimiſchen oder fremden Gewuͤrzen, Extrakten, Tinkturen, Balſamen, aͤtheriſchen Oelen, Saͤuren, Liquor oder Naphten. *) Reſcript an die Koͤnigliche Regierung zu Oppeln. vom 8. Mai 1827. 8739. **) Reſeript an die Koͤnigliche Regierung zu Potsdam⸗ vom 4. Oktober 1822. 19493. ***) Cirkular⸗Reſcript vom 25. April 1829. 7908. 329 §. 411. Steuerfrei iſt den Deſtillateurs die Bereitung Benutzung der Deſtillir⸗Geraͤthe zur Verfertigung aͤthe⸗ ristuhlz riſcher Oele und wohlriechender Waͤſſer ohne Weingeiſt⸗ Waſſer zuſatz, unter den noͤthigen Kontrole⸗Maaßregeln, ge⸗ und ôthe⸗ ſtattet, auch wenn ſie dieſe Fluͤſſigkeiten zur Liqueurberei⸗ riſcher tung auf kaltem Wege benutzen*)(§§. 252 und 254). Suerfiſt Eben ſo iſt das Digeriren von Branntwein(§. 253), Dige⸗ ſowohl anderwaͤrts, als auch auf den Deſtillirblaſen, riren des ſteuerfrei nachgegeben, ſo lange Helm und Kuͤhlgeraͤthe nicht Brannt⸗ benutzt werden, ſondern nur eine Art von Abkochung wene wi ſtatt findet, bei welcher keine Duͤnſte uͤbergehen, die Keentzen. durch Waſſer gekuͤhlt oder verdichtet werden*. §. 412. Außer Kontrole und ſteuerfrei iſt, nach Steuer⸗ §. 7. des Geſetzes vom 8. Februar 1819, fuͤr das La⸗ freie Be⸗ .. 4 5 nutzung boratorium jeder Apotheke eine Blaſe von 15 Quart der Deſtil⸗ Inhalt. lirgeraͤthe Das Koͤnigliche Finanz⸗Miniſterium hat ſpaͤter in Apothe⸗ dieſe Steuerfreiheit unter nachſtehenden Beſtimmungen 3 erweitert: 1. Den Apothekern in den Staͤdten, in ſo fern ſie ſich den sub 2 enthaltenen Bedingungen unterwerfen, kann außer jener ſteuerfreien Blaſe von 15 Quart In⸗ halt, zu pharmazeutiſchen Zwecken, zur Bereitung der deſtillirten Waͤſſer nach der Groͤße ihres De⸗ bits eine Blaſe von 60 bis 80 Quart, und wenn ſie ſich mit Bereitung aͤtheriſcher Oele abgeben, noch eine dritte von 100 bis 120 Quart, welche jedoch nach§. 16 bis 20 der Ordnung zum Ge⸗ ſetz zu behandeln, und den Steueraͤmtern anzuge⸗ ben, zu vermeſſen und zu bezeichnen ſind, zum ſteuerfreien Gebrauch, und zwar ohne beſondere Dela⸗ ration und Verſiegelung, oder Ablieferung der Helme fuͤr die Zeit, wo ſie außer Gebrauch ſind, aber doch unter allgemeiner Aufſicht der Steuerbehoͤrde, verſtattet werden. *) Reſeript a. d. Koͤnigliche Regierung zu Potsdam. vom 14. Julius 1827. 13535. **) Reſcript a. d. Koͤnigl. Prov.⸗Steuer⸗ Direkt. zu Koͤnigsberg. vom 25. Oktober 1828. 21889. 330 2. Apotheker, welche dieſe Befugniß in Anſpruch neh⸗ men, muͤffen vor dem betreffenden Steueramte auf ihren geleiſteten Eid erklaͤren, daß ſie ſich mit der Fabrikation von einfachem oder verſetztem Brannt⸗ wein, der nicht in die Kathegorie der Arzneimittel gehoͤrt, ſo wie mit dem Schank und Verkauf des⸗ ſelben nicht befaſſen wollen, auch duͤrfen ſie keine Maiſchgefaͤße halten, und ihre Blaſen mit keinen Abzugskrahnen verſehen ſein. 3. Apotheken, welche mit der ihnen ſchon durch das Geſetz freigegebenen Blaſe von 15 Quart nicht zu⸗ frieden ſind, und ſich groͤßerer Blaſen auch zur Bereitung von Alkohol bedienen wollen, ſind in Anſehung derſelben allen den Kontrolen, welche fuͤr die Branntweinbrenner und Deſtillateurs ſtatt fin⸗ finden, ſo wie dem Blaſenzins unterworfen, und koͤnnen dergleichen Blaſen zu den sub 1 beſtimm⸗ ten Zwecken nur auf beſondere Deklaration ſteuer⸗ frei in Gebrauch ſetzen*). Steuer⸗§. 413. Unter denſelben Bedingungen wird ſeiie ne auch chemiſchen Laboranten, Parfuͤmerie⸗, Farbe⸗, Kat⸗ von Deſtil, tun⸗ oder Tuchfabrikanten die ſteuerfreie Benutzung von lirgeraͤthen Deſtillirgeraͤthen, ſie ſeien von Glas, Holz oder Metall, zu andern zu Bereitung chemiſcher, durch trockne oder naſſe Deſtil⸗ aisecten, lation zu gewinnender Produkte, zu Verfertigung von Brannt⸗ Alkohol oder aromatiſchen Waͤſſern ohne Weingeiſtzuſatz, weinberei⸗ z. B. Roſenwaſſer; zur Darſtellung von Holzeſſig, Sal⸗ tung oder miakgeiſt, Liquor, Naphta, zum Reinigen oder Entfaͤr⸗ „hranate ben des Holz⸗ oder Fruchteſſigs, ferner Landwirthſchaf⸗ lation. ten fuͤr die Zeit, wo die Brennerei ruhet, zum Waſſer⸗ kochen oder Daͤmpfen von Futterkraͤutern oder Knollen⸗ gewaͤchſen, geſtattet. Aus dem Vorſtehenden iſt es jedoch erſichtlich, daß eine derartige Benutzung von Deſtillirgeraͤthen die Er⸗ laubniß der Steuerbehoͤrde vorausſetzt, ſo wie, daß die Geraͤthe ſelbſt unter Kontrole und Aufſicht ſtehen, an— gemeldet, vermeſſen und inventariſirt ſeyn muͤſſen, wie ſolches fruͤher abgehandelt iſt. ») Cirkular⸗Reſcript vom 16. Auguſt 1819. 12057. 331 §. 414. Es iſt ein anerkannter Vorzug der Preuſ⸗ ſiſchen Abgabegeſetze, daß ſie neben dem finanziellen Intereſſe auch den Zweck erfuͤllen, die gewerbliche In⸗ duſtrie der Einwohner des Staates ſelbſt zu ſchuͤtzen, und dahin zu wirken, daß die Beduͤrfniſſe der Konſum⸗ tion aus den eignen Erzeugniſſen des Inlandes produzirt; daß mithin fuͤr Gegenſtaͤnde des Verbrauchs kein Geld in andere Staaten gefuͤhrt werde, ſo lange dieſe Gegen⸗ ſtaͤnde aus den eignen Bodenerzeugniſſen zu gewinnen ſind. Wir finden daher auch fuͤr dieſen Fall Brannt⸗ wein und Bier des Auslandes mit einer hohen Abgabe belegt, ſo daß beide Erzeugniſſe, die Konkurrenz mit den im Lande fabrizirten, nicht auszuhalten vermoͤgen. Fuͤr den doppelten Zweck, ſowohl das von der Be⸗ ſteuerung erwartete Einkommen der Staatskaſſe zu ſichern, als auch den rechtlichen Verkehr des, dem Geſetz genuͤgenden Gewerbtreibenden gegen eine ſolche Konkurrenz ſeiner Gewerbsgenoſſen zu ſchuͤtzen, die ihre Entſtehung unlautern Mitteln verdankt, iſt die Kontro⸗ lirung des Gewerbebetriebes unausbleiblich noͤthig. Haͤtte man es nur mit Beſteuerung eines Gewer⸗ bes zu thun, deſſen Produkte uͤberall durch einfache, gleichmaͤßige Fabrikationsakte dargeſtellt werden, oder wollte man der Induſtrie Feſſeln anlegen und die Fort⸗ ſchritte des Betriebes hindern, ſo wuͤrde man beide Zwecke mit einfachen Kontrolemaaßregeln leicht zu er⸗ reichen im Stande ſeyn. Anders verhaͤlt es ſich jedoch mit der Beſteuerung eines Gewerbes, welches eine vielſeitige Ausbildung er⸗ reicht hat, und fuͤr deren Entwickelung von der Ver⸗ waltungsbehoͤrde ein ſo freier Spielraum gelaſſen iſt, wie dies bei dem Brennereigewerbe durch die Maiſch⸗ ſteuer Statt findet. Wir haben geſehen, daß die Ver⸗ waltung, wo der finanzielle Zweck des Geſetzes mit mildern Grenzen der an ſich erforderlichen Beaufſichti⸗ gung des Gewerbes nur irgend vereinbar iſt, dieſe mil⸗ dernden Ausnahmen im Intereſſe der Gewerbtreibenden ſo weit als moͤglich eintreten laͤßt. Dagegen liegt es in der Natur der Sache, daß, je mehr derartige Beguͤn⸗ ſtigungen als Ausnahmen von der Regel geſtattet wer⸗ den, die Erfindungskraft dahin trachtet, im erlaubten Wege die Steuer zu vermindern, oder ſolche auf uner⸗ Kontrole des Gewerbe⸗ betriebes, deren doppelter Zweck. Grund⸗ zuͤge der Kontrole. 332 laubtem Wege ganz zu umgehen. Die Verwaltung iſt dann genoͤthigt, die Steuer⸗Kontrole ebenfalls auszu⸗ dehnen, damit die, im Intereſſe des Gewerbtreibenden nachgelaſſenen Beguͤnſtigungen, die beſtimmten Schran⸗ ken nicht uͤberſchreiten. §. 415. Es iſt jedoch dabei der entſchiedene und oft ausgeſprochene Wille der hoͤchſten Verwaltungs⸗Behoͤrde, daß die Kontrolirung der Gewerbanſtalten mit der mindeſten Belaͤſtigung des Publikums ausgeuͤbt werde, damit ſie ſich nicht in kleinliche Details und Formalitaͤten verliere, welche zur Be⸗ foͤrderung der Staats⸗Intereſſen nichts beitragen, wohl aber in ihrer Ausfuͤhrung dem Steuernden laͤſt ig erſcheinen muͤſſen und dadurch Gewerbe am Gedeihen hindern, in welchem der Staat vorzugsweiſe eine ſichere Gewaͤhr der von ihm verlangten oder er⸗ warteten Einnahme findet. Bei Handhabung derjenigen Kontrole⸗Maaßregeln, die zum Schutz der Geſetze unerlaͤßlich ſind, wird ſtets der Grundſatz als leitend anerkannt, daß die Kontrolen nur als Mittel zu den vorgenannten Zwecken vorge⸗ ſchrieben ſind; daß daher, wenn die Erreichung der Letztern vollkommen geſichert iſt, auch Jene milder ge⸗ handhabt werden koͤnnen, weshalb auch da, wo die feſte Ueberzeugung vorhanden iſt, daß einzelne Kontrole⸗ Maaßregeln entbehrlich, oder gewiſſe Ausnahmen und Erleichterungen zulaͤßig ſind, dieſe von der Verwaltungs⸗ Behoͤrde gern gewaͤhrt werden. Eine weſentliche Verminderung der beſtehenden, nur auf das wirkliche Beduͤrfniß berechneten Kontrole⸗ formen wuͤrde daher allgemein nicht eintreten koͤnnen, oyne den Ertrag der Steuer zu Gunſten unredlicher, und zum Ruin ehrlicher Fabrikanten zu gefaͤhrden; den⸗ noch finden wir bei unbefangener Vergleichung mit der Geſetzgebung anderer Laͤnder, daß die Steuer⸗Kontrole im Preußiſchen immer noch diejenige iſt, welche neben der groͤßeren Freiheit, die ſie der Ausuͤbung des Gewer⸗ bebetriebes geſtattet, den redlichen Steuerpflichtigen am mindeſten belaͤſtigt, den unredlichen Verkehr ſchnell auf⸗ findet und der Willkuͤhr oder Chikane der Beamten den wenigſten Spielraum geſtattet. Eine am Schluß ge⸗ gebene kurze Ueberſicht, wie die Kontrole der Ge⸗ 333 traͤnkefabrikation in andern großen Staaten geſchieht, wird dieſe Angabe naͤher rechtfertigen und wir duͤrfen dabei noch auf den, ſchon in den§§. 12 u. 36 gefuͤhr⸗ ten Beweis, daß auch die Hoͤhe der Beſteuerung im Preußiſchen den Steuerſaͤtzen andrer Staaten uͤberall nachſteht, als Ergaͤnzung der Behauptung einer vor⸗ zugsweiſe guͤnſtigen, billigen Anſpruͤchen genuͤgenden Stel⸗ lung der Preußiſchen Getraͤnkefabrikanten, Bezug nehmen. §. 416. Die vom Staat angeſtellten Kontrolebe⸗ amten ſind durch ihren Beruf faſt taͤglich verpflichtet, mit ihren Mitbuͤrgern in naͤhere Beruͤhrung zu treten; ihre Pflicht gebietet, auf ſtrenge Erfuͤllung der geſetzlichen Vorſchriften zu halten und jede entdeckte Ab⸗ weichung der vorgeſetzten Behoͤrde anzuzeigen. Es muß einleuchten, daß jede Kontrolirung, wenn ſie auch mit moͤglichſter Schonung geuͤbt wird, dennoch immer einige Unbequemlichkeit fuͤr den Kontrolirten mit ſich fuͤhrt, und nur daraus wird die unangenehme Erfahrung aͤlte⸗ rer und neuerer Zeit erklaͤrlich, daß der Widerwille ge⸗ gen jede Unbequemlichkeit ſo haͤufig ein unangemeſſenes Benehmen gegen den Beamten herbeiffuͤhrt, deſſen Pflichtmaͤßigkeit man irrig jene Unbequemlichkeit bei⸗ mißt, ſtatt bei ruhiger, partheiloſer Pruͤfung der gegen⸗ ſeitigen Verhaͤltniſſe die eigentliche Veranlaſſung zu er⸗ kennen. Ja es geht wohl hin und wieder ſo weit, daß man den Steuerbeamten die Ausuͤbung ihrer Dienſt⸗ obliegenheiten zu erſchweren ſich beſtrebt und wohl gar ſich ein Verdienſt aus einer gelungenen Taͤuſchung macht. §. 417. Die Amtsfuͤhrung des Beamten aͤußert durch deſſen ſtete Beruͤhrung mit den Steuerpflichtigen einen entſchiedenen Einfluß auf den Eindruck, den das Steuergeſetz ſelbſt auf jene macht. Daher verlangt die Behoͤrde von dem Beamten unnachſichtlich, daß er das Publikum mit demjenigen Anſtand und mit der Be⸗ ſcheidenheit behandle, wie ſolche das gegenſeitige buͤrger⸗ liche Verhaͤltniß uͤberhaupt bedingen; daß er alſo in kei— nem Falle irgendwo unbeſcheiden oder anmaaßend auftrete. Da man von dem Beamten ſtets die ſtrengſte Pflichterfuͤllung fordert, ſo wird jeder, aus Vernachlaͤßi⸗ gung oder aus Nebenruͤckſichten hervorgegangene Miß⸗ brauch ſeines Amtes, ſo wie jede andere Unge⸗ Steuer⸗ beamte, deren Ver⸗ haͤltniß zu den Steuer⸗ pflichtigen. Verpflich⸗ tungen der Beam⸗ ten im Allgemei⸗ nen, ſo wie gegen das Publikum im Beſon⸗ deren. Be⸗ ſchwerde⸗ fuͤhrung 334 buͤhr hart geahndet. Eben ſo wie er angewieſen iſt, auf Geſetzesuͤbertretungen zu wachen, eben ſo wird auf der anderen Seite von ihm erwartet, daß er dem Entſtehen ſolcher Uebertretungen durch Aufſicht, Be⸗ lehrung und Zurechtweiſung moͤglichſt entgegen wirkt. Die Beſtrafung geſetzwidriger Handlungen iſt eine durch die Nothwendigkeit gebotene, doch immer nur ungern geuͤbte Maaßregel, und dem Staate liegt mehr daran, das Einkommen der Gefaͤlle durch geregelte Aufſicht ſicher geſtellt zu ſehen, als durch Anwendung von Straf⸗ beſtimmungen, der Kontrolirung Anſehen und Nachdruck zu verſchaffen. Deshalb wird bei der Auswahl des Perſonals mit der ſtrengſten Vorſicht verfahren und namentlich wird als Steuerbeamter außer denjenigen, die ſich durch wiſ⸗ ſenſchaftliche Ausbildung ein Anrecht erworben, Niemand angeſtellt, deſſen Sittlichkeit und Rechtlichkeit, Geſchick und Treue, Nuͤchternheit und Unverdroſſenheit nicht be⸗ reits durch einen neunjaͤhrigen, tadelfreien Militaͤrdienſt bewaͤhrt ſind. Außerdem werden bedeutende Summen aufgewendet, um jaͤhrlich eine Anzahl Beamte, welche zu Kontrolirung der Fabrikationsſtellen vorzugsweiſe be⸗ ſtimmt ſind, durch beſonders dafuͤr angeſtellte Lehrer in den Gewerben der Brauerei und Brennerei theoretiſch und praktiſch unterrichten zu laſſen. Es laͤßt ſich von ſolchen Beamten erwarten, daß ſie mit, moraliſcher Fuͤhrung und angemeſſener Haltung in den Grenzen der Pflicht, ſtrenge Unpartheilichkeit ver⸗ binden und dadurch dem Geſetze, ſo wie ſich ſelbſt, Achtung und Anſehen zu erwerben wiſſen werden, und es iſt daher nur billig, wenn das oͤffentliche Urtheil den Beamten ehrt und ihm, auch im außerdienſtlichen Ver⸗ kehr, die Achtung ſeiner Mitbuͤrger, als Anerkenntniß der Berufstreue, zu Theil wird. Unverkennbar hat die morali⸗ ſche Kraft des Preußiſchen Steuerbeamtenperſonals eine erhebliche Steigerung gegen die Vorzeit gewonnen und es iſt aus dieſer Steigerung auch die erfreuliche Wirkung ſichtbar geworden, in deren Folge ſich faſt uͤberall die Gewerbtreibenden zu Annaͤherung gegen die Beamten geneigt finden. §. 418. Wenn jedoch, bei der nicht unbedeutenden Anzahl des Perſonals, hin und wieder einzelne Faͤlle vor⸗ 335 kommen moͤgen, wo Beamte Anmaßung oder Unbeſcheiden⸗ gegen heit zeigen, oder ihre Nachfragen und Reviſionen uͤber den Beamte. Zweck des Gegenſtandes ausdehnen, ſo findet jede ange⸗ brachte Klage daruͤber, wenn ſie nicht zu richterlicher Entſcheidung gelangen muß, bei der vorgeſetzten Ver⸗ waltungsbehoͤrde eine alsbaldige Abhuͤlfe. In den Steuer⸗ geſetzen iſt der Beſchwerdefuͤhrung gegen Beamte aus⸗ druͤcklich gedacht, und es ſind daruͤber wiederholte Be⸗ kanntmachungen in den Amtsblaͤttern zur naͤhern Be⸗ lehrung der Steuerſchuldigen erſchienen. Gegen ver— meintliche oder begruͤndete Vexationen gewaͤhrt daher der Staat den erforderlichen Schutz, und der Gewerb⸗ treibende hat wohl zu beachten, welche Nachtheile fuͤr ihn entſtehen koͤnnen, wenn er in ſolchen Faͤllen ſich eine eigenmaͤchtige Selbſthuͤlfe zu Schulden kommen laͤßt, ſtatt den geſetzlichen Weg der Beſchwerdefuͤhrung einzuſchlagen.— §. 419. Dieſer wird dadurch betreten, daß dieje⸗ Rechts⸗ nigen Thatſachen, welche den Inhalt der Klage ausma⸗ gang chen, durch Beweismittel oder Zeugen feſtgeſtellt, und er Be⸗ dieſe, mit der Geſchichtserzaͤhlung des Vorfalls beglei⸗ urun. tet, demjenigen Hauptamt eingereicht werden, welchem der verklagte Beamte untergeben iſt. Der Klagefuͤhrer darf verſichert ſein, daß, ohne weitere Belaͤ⸗ ſtigung fuͤr ihn, jede Beſchwerde ſtreng unter⸗ ſucht, und der ſchuldig befundene Beamte, nach Maaß⸗ gabe der Schwere des Vergehens, im Disziplinar⸗Wege beſtraft, bei Wiederholungen entlaſſen oder kaſſirt wird. Findet ſich, bei den Entſcheidungen des Hauptam⸗ Reeurs⸗ tes, der klagende Gewerbtreibende nicht hinreichend be⸗ inſtanzen. friedigt, ſo kann er ſeine Beſchwerde bei der Provinzial⸗ Behoͤrde, und nach dieſer, bei dem Ober⸗Praͤſidium der Provinz oder bei dem Koͤniglichen Finanz⸗Miniſte⸗ rium wiederholt anbringen. Es ſind jedoch, um weitere Ruͤckfragen zu vermeiden, dieſen letzteren Antraͤgen ſtets die vorangegangenen Beſcheide der Behoͤrden, welchen die Klage zuerſt vorgetragen wurde, in Urſchrift oder Ab⸗ ſchrift beizufuͤgen, damit die Rekursinſtanz von dem ganzen Verhaͤltniß der Sache in Kenntniß geſetzt wird, und ſofort zu entſcheiden im Stande iſt. §. 420. Indem ſo fuͤr den Schutz gegen Unge⸗ Verpflich⸗ buͤhr geſorgt iſt, wird aber auch von dem Gewerbtrei⸗ tungen des Gewerb⸗ treibenden gegen die Beamten. Reviſion der Gewerbs⸗ raͤume und Betriebs⸗ lokalien. Zeitpunkt der Reviſion. Offnes Aushaͤn⸗ gen 336 benden gegenſeitig verlangt, daß er den Beamten in ſeinen dienſtlichen Ausuͤbungen nicht nur nicht hindere, ſondern ihm mit Beſcheidenheit und Achtung der amtlichen Rechtsverhaͤltniſſe begegne, und diejenige Aus⸗ kunft und Huͤlfleiſtung bereitwillig gewaͤhre, welche jener zu Erfuͤllung ſeiner Obliegenheiten geſetzlich zu fordern befugt iſt. Ebenſo, wie der Beamte fuͤr Ueber⸗ tretung ſeiner Befugniſſe beſtraft wird, trifft auch jeden Steuerpflichtigen die geſetzliche Ahndung, der ſeine Obliegenheiten gegen den Beamten nicht erfuͤllt, oder wohl gar wiſſentlich derſelben zuwider handelt. §. 421. Die Reviſionsbefugniß der Steuerbeamten er⸗ ſtreckt ſich zunaͤchſt auf die Unterſuchung derjenigen Raͤume, worin das Gewerbe der Brennerei oder Brauerei ſelbſt betrieben wird, in denen mithin die dazu erforderlichen Gefaͤße und Geraͤthe aufgeſtellt ſind. Zu dieſen Raͤumen gehoͤren auch diejenigen Loka⸗ lien, wo ſich Neben⸗Gefaͤße befinden, z. B. Hefenbot⸗ tiche, Lutter⸗Reſervoirs, Dampftonnen, Maiſch⸗Tienen, oder Reſervoirs in den Kellern, die mit dem Betrieb in Verbindung ſtehen. Ferner in mahlſteuerpflichtigen Staͤdten die zu Lagerung des Brennſchrotes, bei Bren⸗ nereien aus nicht mehligten Subſtanzen, die zur Aufbe⸗ wahrung des Vorrathmaterials, bei Brauereien, die zur Aufbewahrung der geſchroteten Malzbeſtaͤnde beſtimmten Kammern oder Speicher. §. 422. Woder Betrieb ununterbrochen Tag und Nacht fortgehet, iſt der Beamte dieſe Raͤume zu jeder Zeit und Stunde zu beſuchen befugt. Eben ſo dann, wenn auch nur wahrgenommen wird, daß darin Beſchaͤftigung ſtatt findet. Iſt eine verlaͤngerte Brennfriſt geſtattet, ſo erſtreckt ſich die Reviſions⸗Befugniß bis zu deren Beendigung, auch knuͤpft die Behoͤrde an eine derartige Bewilligung die Be⸗ dingung, daß dem Beamten freiſtehe, noch eine Sunde nach beendetem Betriebe die Gewerbanſtalt in Reviſion nehmen zu koͤnnen. Iſt eine Gewerbanſtalt außer Betrieb, ſo beginnt die Reviſionsbefugniß Morgens 6 Uhr und en⸗ det Abends um 9 Uhr. Waͤhrend dieſer Zeit muͤſſen dem Beamten die Betriebsraͤume ſofort geoͤffnet werden. (. 49 der Steuerordnung.) §. 423. Der Beamte pruͤft ſodann, ob der Grundriß der Gewerbeanſtalt, ſo wie die laufenden Betriebs⸗Nach⸗ 337 weiſungen, Betriebs⸗Deklarationen oder Fixationsvertraͤge nach§§. 3 u. 11 des Regulativs vom 1. Dezbr. 1820 an derjenigen Stelle der Brennerei angeheftet ſind, welche die Steuerbehoͤrde dafuͤr bezeichnet hat. Sie muͤſſen ſo lange, als die darinn eingetragenen Gewerbshandlun⸗ lungen irgend einer Art dauern, unverruͤckt dort er⸗ halten, und duͤrfen unter keinen Umſtaͤnden aus dem Brennereilokale entfernt werden*); die Aufbewahrung im Nebengelaß, oder in einem andern Zimmer, iſt nicht geſtattet. Das offene Anheften der Betriebs⸗Nachweiſungen, ohne alle Bedeckung, fuͤhrt in den meiſten Brennereien den Nachtheil herbei, daß durch entſtehende Naͤſſe und Daͤmpfe das Papier feucht wird, oder ſich aufloͤſet, der Betriebsplan beſchmutzt, und die Schrift undeutlich erſcheint, ſo daß ſelbſt die Reviſions⸗Bemerkungen der Beamten nicht eingetragen werden koͤnnen. Dagegen iſt fuͤr das Reinhalten des Betriebsplans der Brenner nach§. 11 des Regulativs verantwortlich, und um jeden Nachtheil, der fuͤr ihn hieraus entſtehen koͤnnte, zu vermeiden, iſt in mehreren Gegenden die zweckmaͤßige Vorrichtung ge⸗ troffen, daß die Tafel, an welche die Betriebs⸗Nach⸗ weiſung in der Brennerei vorſchriftlich anzuheften iſt, mit Leiſten verſehen, und zwiſchen dieſelben ein helles weißes Glas vorgeſchoben wird, welches die Betriebs⸗ nachweiſungen ſammt dem Grundriß ohne andere Be⸗ feſtigung haͤlt, die augenblickliche Einſicht fuͤr Jeder⸗ mann nicht hindert, und doch den Einfluß von Staub und Feuchtigkeit abwehrt. Beſſer noch iſt es, wenn das Glas foͤrmlich eingerahmt iſt, und dieſe Vorrich⸗ tung die Form eines Schraͤnkchens erhaͤlt. Da der Betriebsplan an einem hellen, gehoͤrig be⸗ leuchteten, zunaͤchſt in die Augen fallenden Orte, und nur in einer gewiſſen Hoͤhe der Brennerei angebracht werden muß, dieſer Platz aber gewoͤhnlich durch Hand⸗ habung der kleinern Geraͤthe, als Rinnen, Schoͤpfen, Eimer ꝛc., oft beruͤhrt wird, und dadurch die Glasſchei⸗ ben des Kaſtens haͤufig zerbrechen, ſo iſt auch in einigen *) Reſcript an die Koͤnigliche Regierung zu Minden. vom 29, Auguſt 1821. 16808. 22 der Betriebs⸗ nachwei⸗ ſungen und Grund⸗ riſſe. Aushaͤn⸗ gen derſel⸗ ben in Schraͤnken oder Kaſten. Fig. 41. Aufbe⸗ wahren der Duplikate uͤber De⸗ klaratio⸗ nen von Inventa⸗ rien der Material⸗ Konten ꝛc. Neviſion der Betriebs⸗ Geraͤthe 338 Gegenden die Einrichtung von der Steuerbehoͤrde als zweckmaͤßig erkannt worden, ſtatt der Glasfenſter eine hoͤlzerne Thuͤre an jene Kaſten anzubringen, auf deren Außenſeite mit Oelfarbe in deutlicher Schrift, nach Maaßgabe des Inhalts, die Worte: Betriebsnach⸗ weiſung, Fixationsvertrag, Verſteuerungs⸗ buch ꝛc. gezeichnet ſind. Es iſt dieſe Thuͤre durch Baͤnder an dem untern Theile des Kaſtens gehalten und bildet bei ihrem Aufſchlagen zugleich ein Pult, auf welchem der Reviſions-Beamte, ohne ſich aus der Ge⸗ werbeanſtalt zu entfernen, die noͤthigen Bemerkungen auf den Betriebsplan eintragen kann. Wir geben die Anſicht eines derartigen Kaſtens durch Fig. 41. Uebrigens kann es von dem Brenner ver⸗ langt werden, innerhalb der Brennereien durch Kapſeln, Schraͤnkchen oder auf andere Weiſe, ſolche Vorkehrungen zu treffen, daß der Abſicht des Geſetzes genuͤgt und die Deklaration deutlich und trocken erhalten werde, ohne daß Letztere daducch dem Anblick entzogen wird*). §. 424. Wie wir fruͤher erwaͤhnten, hat der Bren⸗ ner auch die Duplikate uͤber die urſpruͤnglich abgegebenen Deklarationen ſeiner Geraͤthe, oder die ſchriftlichen Mel⸗ dungen uͤber Ab- und Zugang, ſo wie die Vermeſſungs⸗ verhandlungen zu aſſerviren; eben ſo in mahlſteuerpflich⸗ tigen Staͤdten die Material-Konten, in welche die fuͤr ihn ſteuerfrei geſchroteten Quantitaͤten Getreide einge⸗ tragen werden. Der Beamte kann bei ſeiner Anweſenheit deren Vorzeigung verlangen, und es wird daher ſehr zweck⸗ maͤßig ſeyn, wenn ſowohl dieſe Papiere, als auch alle uͤbrigen Schriftſtuͤcke, welche auf dieſe Gewerbeanſtalt Bezug und ein ſteuerliches Intereſſe haben, ſich in dem Kaſten, wo der Betriebsplan aufgehaͤngt iſt, bewahrt finden, damit dem revidirenden Beamten deren Einſicht ohne weitere Nachfrage, zu jeder Zeit offen ſteht. §. 425. Der revidirende Steuerbeamte iſt ange⸗ wieſen, ſich bei ſeiner Ankunft ſofort und ohne allen Aufenthalt in die Gewerbeanſtalt zu begeben, *) Reſcript an die Koͤnigliche Regierung zu Stettin. vom 17. Dezember 1821. 24591. 339 und er kann verlangen, daß ihm der Inhaber, oder deſſen Stellvertreter dahin folge, auch ihm zur Stelle diejenige Auskunft gebe, welche zur Aufklaͤrung oder Verſtaͤndigung, bei anſcheinend abweichendem Betriebe gegen die Deklaration, nothwendig ſein koͤnnte. Es iſt des Beamten naͤchſte Sorge bei der Revi⸗ ſion, im Allgemeinen Ueberzeugung zu nehmen, daß die Geraͤthe und Gefaͤße einer Brennerei ſich in derjenigen Ordnung und Stellung befinden, wie ſie der im Bren⸗ nereilokale aufgehaͤngte Grundriß bezeichnet, ſo wie, daß der Betrieb mit der Deklaration voͤllig uͤbereinſtimmend iſt. Er iſt befugt, ſich alle zum Inventario gehoͤren⸗ den Geraͤthe vorzeigen zu laſſen, ſie moͤgen in oder au— ßer Gebrauch ſein, im Brennlokal oder außerhalb deſſelben ſtehen, oder zu ſteuerfreien Zwecken benutzt wer⸗ den. Er hat darauf zu achten, daß die Brenngeraͤthe und Maiſchbottiche, außer der unveraͤnderten Stellung, ſich in demjenigen Zuſtande befinden, wie ſie angege⸗ ben, vermeſſen und bezeichnet ſind, daß der Verſchluß der außer Gebrauch geſetzten Geraͤthe unverletzt iſt, daß keine unangemeldeten Gefaͤße zum Gewerbebetrieb ge⸗ braucht werden, und daß die angemeldeten Deſtillir⸗ und Maiſchgefaͤße nur mit denjenigen Fabrikationsakten beſchaͤftigt ſind, welche fuͤr den Zeitpunkt der Reviſion die feſtgeſtellte Betriebs⸗Nachweiſung geſtattet. §. 426. Bei dem Einmaiſchen in der Brennerei, welches in den geſetzlich erlaubten und waͤhrend der de⸗ klarirten Stunde beginnen muß, iſt der Brenner nicht gehalten, auf die Ankunft eines Steuerbeamten zu war⸗ ten, vielmehr kann er dieſelbe ſofort vornehmen, wenn nicht die Maiſchgefaͤße unter Verſchluß liegen. In die⸗ ſem Falle darf die Abnahme des Verſchlußes, den ein glaubwuͤrdiger Mann als unverletzt rekognoszirt hat, durch den Steuerpflichtigen ſelbſt, nach§. 24 der Steuer⸗ ordnung, jedoch nur dann vorgenommen werden, wenn auf die Ankunft des, zur Entſiegelung beſtimmten Beam— ten, eine Stunde lang vergeblich gewartet worden iſt. Die Haupt⸗Kontrole zur Steuerſicherung bei der Branntweinbrennerei richtet ſich gegen den Maiſchberei⸗ tungs⸗Prozeß, die Kontrole der Deſtillation iſt eine bei⸗ huͤlfliche, da ſie nur das Mittel darbietet, heimliche Maiſchungen zur Entdeckung zu bringen. Durch ſie 22* und Gefaͤße. Reviſion der Einmai⸗ ſchungen. Beobach⸗ tung der Gaͤh⸗ rungspe⸗ rioden. 340 werden die Steuerbeamten in den Stand geſetzt, zu er⸗ kennen, daß der Inhalt der Deſtillir-Geraͤthe kein an⸗ derer ſei, als deklarirte und in ſteuerbarem Raum bereitete Maiſche. Es erſtreckt ſich daher die Reviſion bei den Einmaiſchungen darauf, zu ſehen, daß die de⸗ klarirte Frucht, nach Gattung und Menge wirklich ver⸗ braucht und in den Bottich gebracht wird. Der Be⸗ amte kann, wo erhebliche Abweichungen hierunter gegen die Erklaͤrung wahrzunehmen ſind, verlangen, daß das Getreideſchrot vor der Einmaiſchung, ſei es verwo⸗ gen oder vermeſſen werde, und dadurch die Richtigkeit der Erklaͤrung gegen den Verbrauch ſich herausſtelle. Ueber den Zeitpunkt, in welchem Abkuͤhlen oder Stellen voll⸗ zogen ſein muß, iſt eine beſtimmte Friſt nicht vorge⸗ ſchrieben, da dies in der Regel an demſelben Tage er⸗ folgt, an welchem die Einmaiſchung begonnen hat G. 111). Der Reviſions⸗Beamte hat darauf zu halten, daß, wo das Abkuhlen der Maiſche theilweiſe auf Vormaiſch⸗ bottichen, Kuͤhlſchiffen, Kuͤhlwannen ꝛc. geſchiehet, noch vor dem Stellen die ganze Maiſche in den verſteuerten Gaͤhrungsbottich zuruͤck gebracht, und nicht etwa ein Theil davon anderswo zur Gaͤhrung aufgeſtellt, oder zu andern Zwecken verwendet wird. Auch hat er ferner zu kontroliren, daß das Stellen der Maiſche mit Bier⸗ oder Preßhefe oder mit ande⸗ ren Gaͤhrungsmitteln ſtets in den verſteuerten Maiſch⸗ oder Gaͤhrungsbottichen geſchiehet, und er darf, wo nicht beſondere, nach dem Betriebsplan geſtattete Aus⸗ nahmen anders beſtimmen, es nie zugeben, daß dem Maiſchgut die Hefe auf den Vormaiſchbottichen oder Kuͤhlſchiffen zugeſetzt wird. Eben ſo darf zum Abkuͤh⸗ len und Stellen der Maiſche, ohne beſondere Deklara⸗ tion, keine außerdem beſteuerte Fluͤſſigkeit, als Zucker⸗ waſſer, Weinhefe ꝛc., verwendet werden(§F. 126). §. 427. Die Beobachtung der Gaͤhrungsperioden, in welchen die Maiſche zur Reviſionszeit angetroffen wird, gehoͤrt ebenfalls zu den Verpflichtungen des Be⸗ amten. Es ſoll durch dieſe Beobachtung die Gewiß⸗ heit feſtgeſtellt werden, daß ſich in den Bottichen keine andere, als ſolche Maiſche befindet, deren Grad der Reife mit der Deklaration uͤbereinſtimmt; wovon die Ueberzeugung aus dem Zuſtande derſelben, mit dem Zeitpunkte der geſchehenen Einmaiſchung verglichen, ſich herausſtellt. §. 428. Die Unterſuchung, in wie fern die zur Benutzung erlaubten Nebengefaͤße und Hefenbottiche fuͤr den geſtatteten Zweck gebraucht werden, und mit dem deklarirten Inhalte gefuͤllt ſind, gehoͤrt nicht minder zu der Beſchaͤftigung des Reviſions⸗Beamten bei ſeiner An⸗ weſenheit in der Brennerei, als das Nachſehen der au— ßer Gebrauch ſtehenden Bottiche und Deſtlllixgeraͤthe, ſie moͤgen verſchloſſen ſein oder nicht, und ſich in der Brennerei, oder, mit Genehmigung der Steuerbehoͤrde, in andern Raͤumen befinden. §. 429. Obſchon eine beſtimmte Groͤße der Maiſch⸗ Reſervoirs nicht vorgeſchrieben iſt, auch in denſelben keine andere als reife, niemals gaͤhrende Maiſche, ge⸗ funden werden darf, ſo iſt es dennoch der Kontrole zu wiſſen noͤthig, ob das zur Reviſionszeit in dem Reſer— voir befindliche Maiſchquantum mit der an dieſem Tage deklarirten Maiſchmenge in Verhaͤltniß ſtehet. Da der Inhalt dieſer Gefaͤße durch Vermeſſung ermittelt, auch ihre Formen gewoͤhnlich regelmaͤßig ſind, ſo geſchiehet jene Reviſion leicht und ſicher dadurch, daß eine Tafel berechnet wird, aus der die Menge der darinnen befind⸗ lichen Fluͤſſigkeit fuͤr jeden Zoll Hoͤhe, mit Huͤlfe eines gewoͤhnlichen Zollſtockes gefunden und kontrolirt werden kann, ob der Stand der Maiſche im Reſervoir dem In⸗ halt der darinnen ausgeleerten deklarirten Maiſchbottiche, nach Abzug der davon bereits abgeſchwellten Blaſen⸗ fuͤllungen entſprechend iſt*). §. 430. Bei Verarbeitung der Maiſche auf den Deſtillirgeraͤthen iſt der Beamte darauf zu ſehen ange— wieſen, daß ſich die Letzteren nur in denjenigen geſetzlichen, oder durch bewilligte Ausnahmen nachgelaſſenen Tagen und Stunden im Gange befinden, fuͤr welche ihr Be⸗ trieb auf der Nachweiſung verzeichnet iſt, ſo wie ferner, daß die Deſtillirgeraͤthe uͤberhaupt nur fuͤr den erklaͤrten und bewilligten Zweck gebraucht werden. *) Reſcript a. d. Koͤnigl. Prov.⸗Steuer⸗Direkt. zu Stettin. vom 4. Februar 1827. 1893. Unterſu⸗ chung der Huͤlfs⸗Ge⸗ faͤße. Kontroli⸗ rung der Maiſch⸗ Reſer⸗ voirs. Konkroli⸗ rung der Deſtillir⸗ Geraͤthe. Nieder⸗ ſchreibung des Nevi⸗ ſionsbe⸗ fundes. 312 So duͤrfen, wo z. B. beſondere Weinblaſen vor⸗ handen ſind, dieſe nicht zum Abluttern, umgekehrt, die Maiſchblaſen nicht zum Weinen gebraucht werden, ohne daß dies in der Deklaration ausdruͤcklich bemerkt iſt G. 355). Wo nur einerlei Deſtillirgeraͤthe vorhanden ſind, und die geſetzliche Betriebszeit nicht uͤberſchritten wird, iſt es der Wahl des Brenners uͤberlaſſen, entweder mit dem Weinen des Lutters vom vorigen Tage, oder mit dem Abtreiben der Maiſche zu beginnen. Nach beendeter Betriebsfriſt werden die Deſtillir⸗ geraͤthe von der Schlempe geleert, und der Beamte uͤberzeugt ſich bei ſeiner Anweſenheit, daß ein/ uͤberſchrit⸗ tener Gebrauch von denſelben nicht gemacht wird, oder worden iſt. §. 431. Iſt die Reviſion vollendet, ſo ſchreibt der Beamte in den dazu beſtimmten Spalten des Betriebs⸗ planes, oder des Verſteuerungsbuchs, den Befund der Gewerbeanſtalt waͤhrend ſeiner Anweſenheit nieder; wo⸗ bei er ſpeziell detaillirt, welche Bottiche gefuͤllt, leer oder verſchloſſen, ob oder womit die Blaſen beſchaͤf⸗ tigt waren. Es wird nicht zulaͤßig erachtet, daß die Reviſions⸗ beamten ſich blos auf die Einſchreibung ihres Namens, als Dokument der bewirkten Reviſion, be⸗ ſchraͤnken, vielmehr ſoll darauf gehalten werden, daß der jedesmalige Befund im Weſentlichen in den Betriebsnachweiſungen vermerkt wird*). Der Beamte muß zu dieſem Behuf ſtets Schreibmaterialien bei ſich fuͤhren, und der Brenner kann verlangen, daß er ſeine Anwe⸗ ſenheit bezeuge. Es ſtehet dem Gewerbtreibenden frei, von der Nie⸗ derſchreibung dieſes Befundes Kenntniß zu nehmen und es liegt ſogar in ſeinem Intereſſe, dies jedesmal zu thun, um einen vielleicht vorgekommenen Irrthum durch den Beamten auf der Stelle berichtigen zu laſſen, wel⸗ cher Irrthum, wenn derſelbe erſt durch die Verwal⸗ tungsbehoͤrde bei Reviſion der Regiſter zur Sprache *) Neſcript a. d. Koͤnigl. Prov.⸗Steuer⸗Direkt. zu Muͤnſter. vom 26. Oktober 1827. 19459. 34³ koͤmmt, den Brenner leicht einer unangenehmen Ver⸗ antwortlichkeit ausſetzen koͤnnte. §. 432. Sobald der Betrieb einer Brennerei fuͤr laͤngere Zeit ruhet, oder wenn, bei fortgeſetztem Be⸗ triebe, auch nur einzelne Betriebstheile außer Gebrauch kommen, werden die Maiſchbottiche oder Deſtillir-Ge⸗ raͤthe von der Steuerbehoͤrde unter amtlichen Verſchluß genommen, oder anderweit unter Aufſicht geſtellt, ſo, daß deren mißbraͤuchliche Benutzung nicht zu beſorgen ſtehet. §. 433. Bei der gegenwaͤrtigen Beſteuerung des Rauminhaltes ſind es vorzugsweiſe die Maiſchbottiche, welche waͤhrend des Nichtgebrauchs unter amtliche Auf⸗ ſicht geſtellt werden. Nach§. 5 des Maiſchſteuer⸗Regu⸗ lativs ſoll dasjenige Maiſchgefaͤß, welches laͤnger als einen Tag außer Benutzung bleibt, ſchief geſtellt, das⸗ jenige, welches uͤber drei Tage nicht gebraucht wird, verſiegelt werden. Die Ausfuͤhrung der erſtern Beſtimmung findet in einzelnen Brennereien, wo in dem, an Hoͤhe und Breite beſchraͤnkten Lokale oft Bottiche von einem großen Um⸗ fange und Inhalt vorhanden ſind, Schwierigkeiten, und ſie muͤſſen daher verſiegelt werden. Doch hat es auch keinen Anſtand, von dem Schiefſtellen und Verſiegeln der nach der Reihefolge zu durchmaiſchenden Bottiche, ſo lange der Betrieb ununterbrochen fortlaͤuft, ſelbſt wenn auch nur, wie im Sommer, ein Bottich jedesmal deklarirt wird und die anderen laͤnger als drei Tage außer Gebrauch ſind, Abſtand zu nehmen; da der Steuerverwaltung unbenommen iſt, die§. 5 des Maiſch⸗ ſteuer-Negulatives vorgeſchriebenen Sicherheits⸗Maaß⸗ regeln, wo ſie ſolche unnoͤthig findet, auch außer An— wendung zu laſſen. An den zum Maiſchbetrieb, wenn auch nur fuͤr einen Bottich, deklarirten Tagen iſt das Steuer⸗Intereſſe durch die Reviſionsbefugniß um ſo mehr geſchuͤtzt, da ohnedies durch das Schiefſtellen der aliche ihr Gebrauch nicht unbedingt verhindert werden ann*). *) Reſcript an die Koͤnigliche Regierung zu Frankfurt. vom 28. Mai 1828. 11035. Aufſicht uͤber die außer Ge⸗ brauch ſte⸗ henden Ge⸗ raͤthe. Schiefſtel⸗ len der Maiſchtie⸗ nen. Verſchluß der Maiſch⸗ tienen. Verſiege⸗ lung der Deſtillir⸗ geraͤthe. 344 §. 434. Der Verſchluß der Maiſchtienen wird, kurz und ſicher, auf den Boden derſelben ange⸗ bracht, indem ein ſchmaler Streifen Papier, auf wel⸗ chem der Datum der Verſiegelung und die Unterſchrift des Reviſionsbeamten vermerkt ſind, an beiden Enden durch Siegellack mit dem Dienſtſiegel des Beamten an⸗ geheftet wird*). Feuchtigkeit und Naͤſſe ſind jedoch oft Veranlaſſung, daß das Papier reißt oder ſich loͤſt, weshalb in ſolchen Faͤllen ein Streifen Leinwand vor⸗ zuziehen iſt. Kann jedoch der Bottich, wenn derſelbe laͤngere Zeit außer Gebrauch kommen ſoll, wegen des zu fuͤrch⸗ tenden Austrocknens und Zerfallens nicht leer gelaſſen, ſondern muß er mit Waſſer theilweiſe gefuͤllt werden, ſo geſchiehet der Verſchluß dadurch, daß die Papier⸗ oder die Leinwandſtreifen, wie vorangefuͤhrt, durch die aufzulegenden Decken an dieſe und die aͤußere Oberflaͤche des Bottichs angeheftet werden. Bei dem Auflegen der Decken muß jedoch ſo viel Zwiſchenraum gelaſſen werden, daß man ſowohl den Inhalt des Bottichs leicht erkennen, als auch von Zeit zu Zeit, das darinnen be⸗ findliche Waſſer wechſeln kann. §. 435. Die Verſiegelung der Deſtillirgeraͤthe ge⸗ ſchiehet nach der Beſtimmung des Koͤniglichen Finanz⸗ Miniſterii dadurch, daß: 1. ein feſter Bindfaden quer uͤber die obere Oeffnung der Blaſe durch zwei, zu dem Ende einen halben Zoll vom Rande ab, gebohrte Loͤcher ſtraff durch⸗ gezogen, und deſſen beide Enden hinter dem Kno⸗ ten, auf ein untergelegtes Papier, mit dem in Siegellack abzudruckenden Dienſtſiegel des Beamten angeſiegelt werden; 2. daß eine gleiche Verſiegelung an der obern Oeff⸗ nung des Kuͤhlrohres, in welche ein hoͤlzerner Pfro⸗ pfen geſteckt worden iſt, durch den ebenfalls zwei Loͤcher gebohrt ſind, Statt findet; oder daß an der Stelle dieſer Verſchlußart: *) Reſcript an die Koͤnigliche Regierung zu Frankfurt. vom 1. Auguſt 1828. 13925. 345 3. ein Bindfaden durch die ganze Oeffnung des Bla⸗ ſenhelmes, ebenfalls ſtraff angezogen und zuſam⸗ mengeknuͤpft iſt, und deſſen beide Enden hinter den Knoten auf ein untergelegtes Papier angeſiegelt werden. Iſt dem Brenner die Blaſe zu irgend ei⸗ nem Behuf freigegeben, ſo muͤſſen die Kuͤhlgeraͤthe verſiegelt ſeyn. §. 436. Es kann zwar die Steuerbehoͤrde, jetzt eben ſowohl, wie beim fruͤheren Beſtehen des Blaſen⸗ zinſes, die Ablieferung der Blaſenhelme fordern, da§. 14 des Geſetzes und§§. 21 und 24 der Steuerordnung vom 8. Februar 1819 die Wahl uͤberlaſſen, wie die Gefaͤße außer Gebrauch geſetzt werden ſollen; doch ſoll dieſe Ablieferung der Helme bei Maiſchbrennereien in der Regel nicht verlangt werden. Sie findet aber noch bei den Deſtillir-Anſtalten, Liqueurfabriken und denjenigen Brennereien ſtatt, deren Betrieb ſich nach den Beſtimmungen des Regulativs vom 21. Auguſt 1825 richtet. Die Steuerbehoͤrde iſt jedoch auch hier befugt, wenn von der Brennerei der Sitz der Hebeſtelle weit entfern iſt, und daher das Hin⸗ und Hertragen der Helme nach§. 24 der Steuerordnung Schwierigkeiten findet, zu geſtatten, daß die Helme bei einer dritten Perſon auch am Orte der Brennerei aufbewahrt werden, wenn dieſe Perſon die ſchriftliche Verpflichtung uͤbernimmt, das ihr anzuver⸗ trauende Geraͤth vor Anfang der naͤchſtfolgenden Be⸗ triebszeit unter keinem Vorwand an irgend Jemand zu verabfolgen, uͤber die Stunde des Empfanges gewiſſen⸗ hafte Anſchreibung zu fuͤhren und den naͤchſtkommenden Steuerbeamten vorzulegen, auch die in Verwahrung ge⸗ nommenen Geraͤthe den Beamten auf Erfordern vorzu⸗ zeigen. Auch darf, wenn nicht der vorbeſchriebene Ver⸗ ſchluß angewendet wird, die Aufbewahrung des Helmes in dem Gehoͤfte der Brennerei durch Einſchließung in einen beſondern Raum, oder in einen Kaſten geſchehen, den der Beamte verſiegelt, oder von dem er den Schluͤſſel an ſich nimmt. §. 437. Nach F. 24 der Steuerordnung iſt der Brenner gehalten, die Materialien zum Verſchluß in Abliefe⸗ 1 rung der Blaſen⸗ helme. Deren Niederle⸗ gung am dritten Ort, Einſchlie⸗ ßung in Naͤume oder Kaſten. Verpflich⸗ tung des Gewerb⸗ guter brauchbarer Eigenſchaft zu liefern; er muß deren treibenden fuͤr ſichere Erhaltung des Ver⸗ ſchluſſes⸗ Verletzung des amtli⸗ chen Ver⸗ ſchluſſes, deren Folgen. Wieder⸗ bolung der Reviſion. 346 ſonach immer vorraͤthig halten. Sle beſtehen in Bind⸗ faden und Siegellack, und es liegt ganz in ſeinem In⸗ tereſſe, daß der Bindfaden feſt und ſtark, das Sagellack von guter Beſchaffenheit ſey, da e. fuͤr die ſichere Er⸗ haltung des Verſchluſſes, ſo lange derſelbe von dem Steuerbeamten nicht abgenommen oder erneuert wird, geſetzlich verantwortlich iſt. Es iſt daher auch noͤthig, daß bei der Siegelanle⸗ gung durch den Beamten, der Brenner ſich ſelbſt uͤber— zeuge, in wie fern der Verſchluß tuͤchtig und feſt, den Vorſchriften gemaͤß angebracht iſt, und daß er, bei et— waniger Unſicherheit der Anlegung, dieſe Erinnerung dem Beamten mittheilt. §. 438. Eine Verletzung dieſes amtlichen Ver⸗ ſchluſſes, ſei ſie auch ohne alle Abſicht oder Verſchulden des Steuerpflichtigen geſchehen, iſt durch das Geſetz ſtets mit Strafe verpoͤnt, wenn der Brenner nicht außer⸗ dem, daß er darthun kann, wie dieſe Verletzung durch einen, ohne ſein Wiſſen und Willen entſtandenen Zufall veranlaßt iſt, davon dem naͤchſten Steuerbeamten oder der Steuerhebeſtelle ſofort Anzeige gemacht hat. Der Brenner muß daher taͤglich nachſehen, ob die verſchloſſenen Geraͤthe ſich noch in demjenigen Zuſtande befinden, wie ſie ihm von dem Steuerbeamten uͤberge⸗ ben worden ſind; wenn aber der Bindfaden, ſei es durch Verfaulen, Maͤuſefraß oder zufaͤlliges Zerreiſſen, geloͤſt, oder die Siegel durch Waͤrme, Kaͤlte oder Abſtoßen ver⸗ letzt ſind, ſo hat er ſofort zur Feſtſtellung des Thatbe⸗ ſtandes unverdaͤchtige Zeugen herbei zu rufen, und nach— dem dieſe von dem Vorfall Kenntniß genommen haben, unter Berufung hierauf, das Geſchehene dem naͤchſten Steuerbeamten oder der Steuerhebeſtelle ſchriftlich anzu⸗ zeigen. Nur unter Beobachtung dieſer Vor⸗ ſchriften iſt der Brenner, bei Verletzung des Verſchluſ⸗ ſes, außer allem Strafanſpruch. §. 439. Wie oft die Reviſion einer Gewerbean⸗ ſtalt wiederholt werden ſoll, haͤngt von dem Ermeſſen des Beamten, oder von den ihm ſpeziell ertheilten In⸗ ſtruktionen ab. Vorſchriftlich ſoll jede Brennerei, ſo lange ſie im Betriebe ſich befindet, mindeſtens am drit⸗ ten Tage, der Reviſion unterworfen werden. — Gewerbeanſtalten, welche ruhen, werden nach dem Ermeſſen der Aufſichts-Beamten von Zeit zu Zeit re⸗ vidirt. §. 440. Naͤchtliche Reviſionen finden, außter bei ununterbrochenem oder verlaͤngertem Betriebe, auch dann ſtatt, ſobald in dem Gewerblokal gearbeitet wird. Wo daher Feuer, Licht, Geraͤuſch, oder andere Umſtaͤnde wahrgenommen werden, welche vermuthen laſſen, daß eine Gewerbshandlung vorgenommen wird, ſind die Beamten zur Reviſion bei Nachtzeit ohne Weiteres be⸗ fugt; und der Brennerei⸗ oder Brauerei⸗Inhaber hat, bei eingeſchloſſenem Gehoͤfte, dafuͤr zu ſorgen, daß in ſolchen Faͤllen dem Beamten der Eingang in die Ge⸗ werbeanſtalt zu jeder Zeit, ohne großen Aufenthalt, offen ſtehe. §. 441. Reviſionen von Raͤumen außerhalb der Gewerbeanſtalt, von Geraͤthen oder Gefaͤßen, welche nicht zum Gewerbebetrieb gehoͤren, oder dazu nicht de⸗ klarirt ſind, Unterſuchung von Brauereien oder Brenne⸗ reien zur Nachtzeit und in Perioden, wo ſie außer Be⸗ trieb ſind, werden in der Regel nicht vorgenommen, und nur auf einen begruͤndeten Verdacht, daß Unter⸗ ſchleife begangen werden, findet eine außerordentliche Re⸗ viſion ſtatt, welche§. 54 der Steuerordnung als Haus⸗ ſuchung bezeichnet. Sie kann nur, entweder durch den Ober⸗Inſpektor oder Ober⸗Kontroleur geleitet wer⸗ den, wenn nicht zu deren Abhaltung der Einnehmer oder Aufſeher den ſchriftlichen Auftrag des Oberbeamten erhalten hat, auch muß jedesmal, vor deren Anfang, ein Kommunal- oder Polizeibeamter requirirt werden, und die Hausſuchung ſoll ſtets in deſſen Gegenwart ſtatt finden. Auch dieſe Reviſion darf ſich nicht uͤber den Zweck der Sache ausdehnen, und ſoll mit moͤglich— ſter Schonung ausgefuͤhrt werden, ſo daß z. B. bei dem Verdacht verheimlichter Maiſchbottiche, die Wohn⸗ oder Schlafzimmer des Gewerbtreibenden keinen Gegen⸗ ſtand der Unterſuchung abgeben. Unangenehm bleiben derartige Maaßregeln dennoch immer fuͤr denjenigen, welcher auf unbegruͤndeten, oder numnehr widerlegten Verdacht denſelben ausgeſetzt ge⸗ weſen iſt. Um daher jede Veranlaſſung zu ſolcher Maaßnahme zu vermeiden, liegt es im Intereſſe des Befugniß der Be⸗ amten zu nachtlichen Reviſio⸗ nen. Haus⸗ ſuchung. Aufbe⸗ wahrung der Geraͤ⸗ the und Gefaͤße au⸗ ßerhalb der Ge⸗ werbs⸗ raͤume. Kontroli⸗ rung des Betriebs⸗ materials landwirth⸗ ſchaftli⸗ cher, nach dem nie⸗ deren Ab⸗ 348 Brenners, daß er den Reviſions-Beamten mit den, der Brennerei zunaͤchſt liegenden Raͤumen, Lokalien, den darin befindlichen Geraͤthen oder Gefaͤßen und deren Be⸗ nutzung, bekannt macht; damit ſich in ihm ſelbſt die moraliſche Ueberzeugung bilde, daß in dieſer Gewerbe⸗ anſtalt das Steuer⸗Intereſſe nicht gefaͤhrdet iſt, ſo ſehr ihn auch unrichtige Muthmaßungen zu einer derartigen Annahme verleiten moͤchten. §. 442. Vorſchriftlich ſollen zwar die Geraͤthe und Gefaͤße, auch wenn ſie ſich nicht im Betriebe be⸗ finden, in den Gewerbs⸗Raͤumen aufbewahrt werden, doch kann es auch unter Mitwiſſen der Steuer⸗Beam⸗ ten geſchehen, daß z. B. die Bottiche waͤhrend des Nichtgebrauchs in Kellern, Helme, Haͤhne und Kuͤhlge⸗ raͤthe, wenn deren Ablieferung nicht beſonders verfuͤgt iſt, in anderen, gegen Diebſtahl oder Einbruch ge⸗ ſicherten Lokalien, niedergelegt werden. Fuͤr die unver⸗ letzte Erhaltung des amtlichen Verſchluſſes iſt jedoch der Brenner, wie fruͤher angefuͤhrt, verantwortlich. Eben ſo kann das Umſtuͤrzen der Maiſchbottiche in der Bren⸗ nerei geſchehen, wo es zweckmaͤßig erſcheint; auch wird das Reinigen derſelben außerhalb des Betriebslokals nicht als eine Veraͤnderung des Standpunktes, im geſetzlichen Sinne, betrachtet. §. 443. Ueber das Betriebsmaterial derjenigen landwirthſchaftlichen Brennereien, die nach dem vermin⸗ derten Abgabenſatz brennen, hat die Steuerbehoͤrde die Aufſicht zu fuͤhren, damit die Ueberzeugung gewaͤhrt werde, daß die Fabrikation aus Erzeugniſſen der dazu gehoͤrenden Ackerwirthſchaft geſchieht. Um jede Belaͤſtigung fuͤr das Publikum zu ver⸗ gabenſatz meiden, welche eine aͤngſtliche Ausfuͤhrung die⸗ ſteuernder ſer Kontrole herbeifuͤhren wuͤrde, ſind die Hebeſtellen an⸗ Brenne⸗ gewieſen, nach abgelaufener halbjaͤhriger Betriebszeit, reien. die nach den Deklarationen verſchwellten Quantitaͤten Getreide oder Kartoffeln zu berechnen, um hiernach, mit Huͤlfe ihrer Lokalitaͤts-Kenntniß, im Allgemeinen beur⸗ theilen zu koͤnnen, ob die verſchwellte Frucht mit dem eignen landwirthſchaftlichen Gewinn, nach Abzug des Saat⸗ und des Wirthſchaftbedarfs, im Verhaͤltniſſe ſtehet, oder nicht. Findet das Steueramt in einzel— nen Faͤllen Bedenken, in Anſehung dieſes Verhaͤltniſſes ☛— RM 349 zum eignen Ertrage, ſo wird eine Nachweiſung der verbrauchten Quantitaͤten dem Landrathe zum Gutach⸗ ten, in wiefern dieſelben aus eignen Bodenerzeugniſſen herruͤhren, vorgelegt, nach deſſen Entſcheidung der Ge⸗ genſtand entweder erledigt iſt, oder die Nachzahlung der Steuer gefordert werden kann*). §. 444. Da nach§. 2 des Geſetzes vom 30. Mai 1820 in mahlſteuerpflichtigen Staͤdten dasjenige Ge⸗ treide oder Malz, welches zum Brauen oder Brennen verwendet, und bereits durch Erhebung der Getraͤnke⸗ ſteuer betroffen wird, der dort angeordneten Abgabe von Gemahl nicht unterworfen iſt, ſo werden an ſolchen Or⸗ ten dem Brauer und Brenner Freizettel uͤber das fuͤr ſeinen Betrieb noͤthige Getreide⸗ oder Malzſchrot aus⸗ gefertigt. Damit nicht andere Perſonen, mißbraͤuchlich auf den Namen von Branntweinbrennern oder Brauern, Frei⸗ zettel loͤſen, kann die Steuerbehoͤrde eine ſchriftliche De⸗ klaration verlangen. Es darf dieſe Deklaration uͤber 24 Centner Gewicht nicht enthalten, da uͤber groͤßere Quan⸗ titaͤten ein Freizettel nicht ertheilt wird. Wer daher mehr noch, als hier angefuͤhrt, auf einmal zur Muͤhle ſendet, muß fuͤr jede Menge uͤber 24 Centner eine be⸗ ſondere Deklaration abgeben, wogegen er fuͤr jede Poſt einen beſondern Mahlfreizettel erhaͤlt. Die auf Mahlfreizettel abgelaſſenen Fruͤchte, deren Art und Quantitaͤt der Brenner nach Wahl und Be⸗ darf beſtimmt, werden der Gattung und dem Gewicht nach in das, fuͤr jede Gewerbsſtelle beſtimmte Mate⸗ rial⸗Conto eingetragen, wovon ein Exemplar dem Brenner ausgehaͤndigt, und von demſelben bei der naͤch⸗ ſten Deklaration zur Muͤhle, der Steuerhebeſtelle wieder⸗ um vorgelegt wird, damit dieſe den fernerweiten Zugang bemerke. Das Material⸗Conto des Brenners muß dem Steuerbeamten bei ſeiner Anweſenheit in der Brennerei auf Verlangen vorgezeigt werden, damit er von dem ſtatt gefundenen Zugang Kenntniß erhalte. *) Reſcript an die Koͤnigliche Regierung zu Aachen. vom 14. Februar 1824. 2960. Kontroli⸗ rung des Betriebs⸗ materials in mahl⸗ ſteuer⸗ pflichtigen Staͤdten. Material⸗ Conto. Reviſion des Be⸗ triebsma⸗ terials. Getreide⸗ Brennerei bei gleich⸗ zeitigem Betriebe der Bier⸗ brauerei. 350 Am Schluſſe des Monats wird die zum Ver⸗ ſchwellen deklarirte, und daher als verdraucht angenom⸗ mene Quantitaͤt Getreide, dem Gewichte nach ſummirt, oder, wo nach Scheffeln deklarirt iſt, auf Gewicht re⸗ duzirt, mit der auf Mahlfreizettel geſchroteten Menge verglichen, und hierdurch der fuͤr den naͤchſten Monat bleibende Beſtand an Getreideſchrot feſtgeſtellt, deſſen Vorhandenſein, wo es erforderlich ſcheint, durch Reviſion der Naturalbeſtaͤnde ermittelt wird. Dieſe Ermittelung des Abganges, Zuganges und Beſtandes, wird von dem Reviſionsbeamten entweder notirt, oder in die durch Vordruck bezeichneten Kolum⸗ nen des abgelaufenen Betriebsplans eingetragen; der fuͤr den folgenden Monat vorhandene Beſtand, wird in die naͤchſte Brenndeklaration uͤbernommen. §. 445. In denjenigen Faͤllen, wo der Steuer⸗ pflichtige mit der Getreide⸗Branntweinbrennerei ge⸗ meinſchaftlich Bier- oder Malz-Eſſigbrauerei, fuͤr welche in dem laufenden Jahre Gewerdſteuer entrichtet wird, betreibt, darf zu der erſteren nicht reines Malzſchrot fuͤr ſich allein, ſondern nur mit einem Zuſatz von rohem Getreide verwendet werden.(Allerh. Kabinetsordre vom 10. Januar 1824,§. 3.) Es muß daher, bevor das Betriebsmaterial zur Muͤhle gelangt, vorab das zu verbrauchende Malz, mit rohem, unge⸗ malztem Getreide gleichfoͤrmig gemiſcht ſeyn. Kartoffelbrennereien iſt jedoch als Zuſatz der Gebrauch von reinem Malzſchrot, auch bei gleich⸗ zeitigem Betrieb der Brauerei, uneingeſchraͤnkt geſtattet. Jedoch muß das zu dieſer Verwendung beſtimmte Malzſchrot in anderen Raͤumen, als in denjenigen, aufbe⸗ wahrt werden, welche zur Aufſpeicherung des Braumalz⸗ ſchrotes dienen. In welchem Verhaͤltniß der Zuſatz des rohen Getreides zum Malzſchrot, oder des Letzteren zu den zu verarbeitenden Kartoffeln ſtehet, iſt der Wahl des Brenners uͤberlaſſen. Diejenigen Brenner, welche zugleich Brauereien be— ſitzen, ſind durch das Hauptſteueramt den Steuerhebe⸗ ſtellen bekannt gemacht, und dieſe ſind in mahlſteuer- pflichtigen Staͤdten angewieſen, die Abfertigung zu verſagen, wenn auf gemalzte Fruͤchte, im unvermiſch⸗ ten Zuſtande, Mahlfreiſcheine in Anſpruch genommen 351 werden. Daß dem Brenner unbenommen iſt, lediglich Ge⸗ treide im rohen Zuſtande ohne Zuſatz, oder Vermiſchung von Malz, zu verarbeiten, verſtebet ſich von ſelbſt. Die Aufbewahrungsraͤume des Malzes unterliegen der ſteueramtlichen Reviſion, wie ſolches bereits(§. 422) angegeben worden iſt. §. 446. Da bei dem Branntweinbrennen aus Obſt, Treſtern ꝛc. ꝛc., nach Maaßgabe des Regulativs vom 21. Auguſt 1825, eigentliche Einmaiſchungen nicht ſtatt finden, folglich in den Gewerb-Anſtalten weder Maiſchtienen, noch andere, der Aufſicht unterworfene Nebengefaͤße vorhanden ſind, ſo beſchraͤnkt ſich die Kontrole einfach darauf, zu beaufſichtigen, daß die zur Branntweinbereitung beſtimmten Betriebsmaterialien zur Verſteuerung kommen. Der Beamte richtet ſein Au⸗ genmerk auf Unterſuchung der zur Verſteuerung er⸗ klaͤrten Material-Vorraͤthe, nach Gattung und Menge, ſo wie derjenigen Beſtaͤnde, welche zwar im Beſitz des Brenners ſind, fuͤr den laufenden Monat aber nicht in Benutzung kommien ſollen, ſo wie auch ſolcher Quan— titaͤten, die waͤhrend des Betriebs-Monats durch Ankauf oder Gewinnung dem fruͤher erklaͤrten Vorrathe zugehen. §. 447. Wie die Reviſion dieſer Material⸗Vor⸗ raͤthe im Allgemeinen geſchiehet, daruͤber giebt§. 6 des genannten Regulativs Anleitung; wir bemerken zur Er⸗ gaͤnzung noch Folgendes: Es iſt zwar den Steuerbeamten aufgegeben, die erklaͤrten Beſtaͤnde an Treſtern, Obſt ꝛc., ſo viel es thun⸗ lich, vor Beginn des deklarirten Betriebs zu revidiren, wo dies jedoch nicht der Fall ſeyn kann, hat der Bren⸗ ner auch nicht darauf zu warten, ſondern iſt befugt, ſeine Blaſen in Gang zu ſetzen, ſobald die in der De⸗ klaration oder dem Fixationsvertrag feſtgeſetzte Betriebs⸗ friſt eintritt. Sind keine anderen Vorraͤthe, als diejenigen, woruͤ⸗ ber die Deklaration lautet, vorhanden, ſo wird der Be⸗ fund von dem Beamten fuͤr die Uebereinſtimmung mit der Deklaration beſcheinigt; bei unverſteuertem Vorrath oder neuem Zugang, geſchiehet dies in dem Material⸗Vor⸗ rathsverzeichniſſe, wovon ein Exemplar dem Brenner ein⸗ gehaͤndigt wird. Die letztern Quantitaͤten werden unter amtlichen Kontroli⸗ rung der Obſt, Tre⸗ ſter⸗ ꝛc. Brenne⸗ reien. Neviſion der 9Kate⸗ rial⸗Vor⸗ raͤt he. Kontroli⸗ rung der Deſtillir⸗ Geraͤthe. Kontroli⸗ rung der fixirten Treſter⸗ Brenne⸗ reien. 35² Verſchluß genommen, wozu der Brenner Vorrichtung und Material zu liefern hat. Sind die Vorrathsgefaͤße nicht geaicht, ſo muͤſſen ſie vermeſſen werden, in ſo fern ihre weitere gleichartige Benutzung vorher zu ſehen iſt. Koͤmmt die Vorrathsermittelung des Steuerbeam⸗ ten mit der Angabe des Brennerei⸗Inhabers nicht uͤber⸗ ein, und glaubt ſich der Letztere dabei verkuͤrzt, ſo hat er dies der Steuerhebeſtelle anzuzeigen, welche nach Ent⸗ leerung der Gefaͤße eine nochmalige Vermeſſung ver⸗ anlaßt. Befindet ſich Vorrathsmaterial außerhalb des Ge⸗ hoͤftes der Bxennerei, ſo kann zwar deſſen Aufbewahrung in Faͤſſern von unbekanntem Inhalt geſchehen, auch die Verſiegelung an jenem Orte bewirkt werden; wird es aber in die Brennerei zum Verbrauch gebracht, ſo muß es in die dort befindlichen vermeſſenen Vorraths⸗Gefaͤße uͤbergefuͤhrt werden. §. 448. Die Kontrole der, bei ſolchen Brennereien gebraucht werdenden Deſtillir⸗Geraͤthe bleibt derjenigen gleich, welche bei beſondern Deſtillir-Anſtalten oder Liqueur⸗Fabriken vorgeſchrieben iſt, und beſteht einfach darin, daß der Reviſionsbeamte ſich uͤberzeugt, daß dieſe Geraͤthe nur in der angegebenen und erlaubten Friſt, und auch nur zu dem erklaͤrten Zweck ſich im Gange befinden, daß mithin nicht mehr Blaſenabtriebe vorge⸗ nommen werden, als die Quantitaͤt des verſteuerten Materials, der Beſchaffenheit des Deſtillir⸗Apparates nach, erfordert. Der Beamte nimmt, wo die Ablieferung ein⸗ zelner Theile der Geraͤthe nicht vorgeſchrieben iſt, nach beendetem Betriebe Helme, Kuͤhlroͤhren und Blaſen unter Verſchluß, und entſiegelt dieſelben, ſobald ein neuer Be⸗ trieb beginnen ſoll.. §. 449. Bei derartigen Brennereien, wenn ſie auf Fixationsvertraͤge arbeiten, erſtreckt ſich die Reviſion le⸗ diglich auf die Gattung des Materials; auf die Beſchaͤftigung der Deſtillirgeraͤthe aber nur in ſo weit, als noͤthig iſt, nach abgelaufenem Vertrag deren fernerweiter Benutzung durch Verſchluß, oder Ablieferung der Helme vorzubeugen. Es bedarf daher weder der Unterſuchung uͤber die Quantitaͤt der verbrauchten Stoffe, noch einer Kontrole uͤber den Blaſengang, da es in der Wahl des Brenners liegt, zu welchem Zeitpunkt er es 353 genehm findet, Luttet oder Material abzutreiben, voraus⸗ geſetzt, daß nicht beſondere Weinblaſen deklarirt oder vorhanden ſind. §. 450. Beſitzer von Deſtillirgeraͤthen, die nicht Bkanntweinbrenner oder Liqueurfabrikanten ſind, denen die Benutzung der Geraͤthe zu ſteuerfreien Zwecken(§H. 412 u. 413) geſtattet iſt, ſtehen nur unter allgemeiner Steuer⸗ Konttole. Von ihnen wird die Nachweiſung uͤber den Zeitpunkt der Benutzung nicht gefordert, auch ſind ſie fuͤr ihren Betrieb ant beſtimmte Tage und Stunden nicht gebunden, ſo wie die Ablieferung der Helme, oder der Verſchluß der Blaſen, gewöhnlich nicht ſtatt findet, ſondern nur ausnahmsweiſe angewendet wird. Dagegen ſind die Steuerbeamten befugt, in den ge⸗ ſetzlich vorgeſchriebenen Stunden zu jeder Zeit von dem Betriebe Kenntniß zu nehmen, um die Ucbetzeugung zu gewinnen, daß nur die erlaubte Beſchaͤftigung Gegenſtand der Benutzung ſey. Auch muͤſſen dieſe Deſtillirgeraͤthe, ſelbſt wenn ſie ganz außer Gebtauch ſich befinden, dem Beamten auf Erfordern ſtets vorgezeigt werden. K. 451. In Brennereien, welche Schleimzucker, Getreideextrakt, Syrup ꝛc. verarbeiten, werden, wenn erſt der Steuerſatz feſtgeſtellt iſt, nachdem die Maiſche mit Hefe geſtellt worden, bei der in Anſpruch genom⸗ menen etweiterten Gaͤhrungsftiſt von 8— 12 Tagen, die Tienen unter amtlichen Verſchluß genommen, den am Tage des Abbreunens der Beamte oder der Brennei loͤſt, wie ſolches§§. 24 und 26 der Steuerordnung vor⸗ ſchreiben. Die Blaſen und uͤbrigen Deſtillirgeraͤthe wer⸗ den ruͤckſichtlich der Bettiebszeit und der Kontrole⸗ Maaßregeln den Maiſchbrennereien gleich geſtellt. §. 452. Nach§. 16 des Geſetzes vom 8. Febkuat 1819, koͤnnen beſtehende Brenneteien, im Grenzbezirke, nur mit Genehmigung der Steuerbehoͤrde fottgeſetzt, neue nur mit deren Authoriſation angefangen und be⸗ trieben werden. Es ſind daher die Branntweinbrennereien im Gtenz⸗ bezirke denjenigen Verfuͤgungen unterworfen, welche die Zollordnung und deren ergaͤnzende Beſtimmungen fuͤr den Verkehr ſteuerbaret Gegenſtaͤnde innethalb des Grenzbezirks anordnen. 23 Konkroli⸗ rung der zu ſteuer⸗ freien Zwecken benutzt werdenden Deſtlllir⸗ Geraͤthe. Kontroli⸗ rung der Brenne⸗ reien, welche Schleim⸗ Zucker, Staͤrke⸗ ſyrup lc. verärbei⸗ ten. Brannt⸗ weinbren⸗ Anlegung oder Fort⸗ dauer. 354 Kontobuch§. 453. Der Brenner iſt namentlich gehalten, J ueha, über Fabrikation und Debit ein Kontobuch zu fron und fuͤhren, wozu die Steuerbehoͤrde das Schema liefert, und Debit. darin die An⸗ und Abſchreibungen richtig einzutragen. Die Beſtaͤnde an Branntwein unterliegen der Reyiſion der Steuerbeamten und muͤſſen auf Erfordern denſelben vorgezeigt werden. Zeitweis wird von den Ober⸗Beam⸗ ten das Konto abgeſchloſſen und der Befund durch Ver⸗ merk notirt. Bezette⸗§. 454. Da nach§§. 6 und 16 der Zollordnung mgnder ſteuerpflichtige Gegenſtaͤnde nicht ohne Legitimation im wein. Grenzbezirk transportirt werden duͤrfen, ſo iſt fuͤr jede, transporte innerhalb des Grenzbezirkes bewirkte Branntwein⸗Ver⸗ im Grenz ſendung von dem Brenner ein ſteueramtlicher Transport⸗ bezirk. ſchein zu extrahiren, welcher die Ladung bis an den Beſtimmungsort begleitet. Dieſer Legitimationsſchein wird von dem naͤchſten Anmeldeamt, der Steuerhebe⸗ ſtelle, oder der dazu befugten Ortsbehoͤrde auf ſchriftli⸗ ches Verlangen unentgeldlich ausgefertigt, wenn nicht etwa dem Brenner ausnahmsweiſe die Befugniß geſtat⸗ tet iſt, den, in ſeiner Brennerei gewonnenen Branntwein ſelbſt mit guͤltigen Transportſcheinen zu bezetteln. Tages⸗§. 455. Die Verſendung abgabepflichtiger Gegen⸗ ſtunden, ſtaͤnde, mithin auch des Branntweins und Biers, darf in Welche im Grenzbezirke nur in den,§. 8 der Zollordnung be⸗ port im ſtimmten Tagesſtunden erfolgen, in welcher Beziehung Grenzbe⸗ im Januar, Februar, Oktober, November und Dezember zirk geſtat, die Zeit von ſieben Uhr Morgens bis ſechs Uhr Abends, tet wird. im Maͤrz, April, Auguſt, September von fuͤnf Uhr Morgens bis acht Uhr Abends, im Mai, Juni, Juli von vier Uhr Morgens bis zehn Uhr Abends angeſehen wird. Wo eine Ausnahme dringend nothwendig iſt, muß dieſelbe durch Erlaubniß der Steuerbehoͤrde ge⸗ ſtattet ſeyn. Trans⸗§. 456. Die, durch Allerhoͤchſte Kabinetsordre vom port⸗Kon⸗ 19. November 1824 vorgeſchriebene Transport⸗ trole nr Kontrole im Inneren beſtimmt in Bezug auf urds in Branntwein, daß jede Verſendung deſſelben, ſobald dem Bin⸗ ſie das Gewicht von einem Zentner oder 36 Quart nenlande. uͤberſteigt, durch Frachtbrief, von dem Abſender aus⸗ geſtellt, bezettelt ſeyn ſoll. 355 Dieſer Frachtbrief muß, nach der daruͤber unterm 24. November 1824 erlaſſenen Verordnung des Koͤnig⸗ lichen Finanz⸗-Miniſterii, enthalten: Vor⸗ und Zunamen des Waarenfuͤhrers und des Waarenempfaͤngers, Angabe der Menge von Brannt⸗ wein nach Eimer und Oxhoft in Buchſtaben, Zei⸗ chen und Nummer der Faͤſſer, Beſtimmungsort und Ablieferungstermin, den letzteren mit Buchſtaben, Vor⸗ und Zunamen des Verſenders, den Verſen⸗ dungsort, Tag und Jahr der Ausſtellung. Es darf dieſer Frachtbrief weder Raſuren noch Aus⸗ laſſungen enthalten; er muß waͤhrend der Verſendung in den Haͤnden des Waarenfuͤhrers ſich befinden, den Trans⸗ port begleiten, und bei der Ablieferung dem Empfaͤnger eingehaͤndigt werden, der ſolchen ein Jahr lang aufzube⸗ wahren, und den Steuerbeamten auf Erfordern vorzu⸗ zeigen hat. Iſt die Ladung mit der im Frachtbriefe angegebe⸗ nen Menge nicht uͤbereinſtimmend, ſo wird es angeſehen, als ob der Transport ohne Bezettelung geſchehen ſei; fuͤr mangelhafte Ausſtellung der Frachtbriefe iſt der Ver⸗ ſender, fuͤr Uebereinſtimmung der Ladung mit dem In⸗ halte des Frachtbriefes, der Waarenfuͤhrer verantwortlich. Weder der Verſender des ſelbſt fabrizirten Brannt⸗ weins, noch deſſen Empfaͤnger ſind verpflichtet, uͤber dieſen Verkehr im Binnenlande der Steuerbehoͤrde Mel⸗ dung zu machen. Iſt der Transport nach dem Grenz⸗ bezirke oder nach dem Auslande beſtimmt, ſo wird bei der, der Grenze am naͤchſten liegenden Steuerabfertigungs⸗ ſtelle ein amtlicher Legitimationsſchein auf den Grund des Frachtbriefs extrahirt. §. 457. Fuͤr die Sicherung der Braumalz⸗ ſteuer waren durch das Geſetz vom 8. Februar 1819 die einfachſten Kontrolemittel in der Vorausſetzung hin⸗ reichend erachtet worden, daß bei dem ſo maͤßigen Steuerſatz(§. 36) fuͤr die Umgehung dieſer Abgabe ein beſonderer Reiz nicht vorhanden ſein koͤnne. Deswegen wurde, nach§. 29 der Steuerordnung, von dem Brauer auch nur die Erklaͤrung uͤber die Quantitaͤt des zu ver⸗ brauchenden Malzes verlangt, und er nicht zu der An— gabe verpflichtet, welche Menge Bier er aus derſelben zu ziehen beabſichtigte. Eben ſo wenig waren die Ma⸗ 23* Brau⸗ malz⸗ ſteuer, deren Kon⸗ trolirung. Anmel⸗ dung, Ver⸗ zeichnun meſſung ꝛc. zeichnung, der Raͤume und Ge⸗ raͤthe. 356 terialbeſtaͤnde an Malzſchrot der Kontrols unkerworfen. Wenn nun auch von Seiten der Steuerpflichtigen we⸗ der uͤber die Abgabe, noch uͤber die Kontrole eine Be⸗ ſchwerde gefuͤhrt werden konnte, ſo wurde doch nach einem Zeitraum von vier Jahren, ſeitdem das Geſetz vom 8. Februar 1819 promulgirt war, fuͤr die Steuer⸗ verwaltung die Nothwendigkeit fuͤhlbar, der Konttole dieſes Steuerzweiges mehr Haltung und Gleichfoͤrmig⸗ keit zu verſchaffen, da leider die Erfahrung gelehrt hatte, daß es vielſeitig verſucht worden war, die Ein⸗ fachheit der angeordneten Maaßregeln fuͤr die Sicherheit der Steuer zur Steuer⸗Umgehung mißbraͤuchlich und dermaßen zu benutzen, daß ſelbſt zum Schutz des recht⸗ lichen Gewerbe⸗Betriebes und der daraus entſtehenden Ungleichfoͤrmigkeit es nothwendig erſchien, durch beſtimm⸗ tere Formen die geſetzliche Abgaben⸗Erhebung zu ſichern, ohne dem Gewerbe ſelbſt irgend einen laͤſtigen Zwang aufzulegen. Dieſen Zweck erfuͤllte die, in der Anlage F. abgedruckte Allerhoͤchſte Kabinetsordre vom 10. Januar 1824, welche nebſt den betreffenden Abſchnitten des Ge⸗ ſetzes und der Ordnung vom 8. Februar 1819 nun⸗ mehr ſaͤmmtliche Beſtimmungen umfaßt, die bei der Ver⸗ arbeitung des Braumalzes auf Bier oder Eſſig mit dem Steuer⸗Intereſſe in Beruͤhrung treten, und die wir ge⸗ genwaͤrtig naͤher kommentiren. §. 458. Was uͤber Anmeldung, Vermeſſung, Be⸗ Veraͤnderung und Transport, der Gewerbs⸗ Raͤume und der Brenngeraͤthe, in den§g. 290 bis 294 abgehandelt worden, findet, nach den geſetzlichen Beſtim⸗ mungen, auch auf diejenigen Pfannen, Bottiche ꝛc., An⸗ wendung, welche in der Brauerei vorhanden ſind, oder gebraucht werden, mit der Ausnahme, daß der Grund⸗ riß der Gewerbsraͤume nicht abgegeben, mithin auch die Stellung der Geraͤthe nicht deklarirt zu werden braucht. Die Kuͤhlgeraͤthe und uͤbrigen Gefaͤße, welche in den Brauereien benutzt werden, ooſchon ihrer in der Steuerordnung§. 28 nicht woͤrtlich gedacht wird, gehoͤ⸗ ren unbezweifelt ebenfalls auch zu denjenigen Brauge⸗ raͤthſchaften und Bottichen, die der Brauer der Steuer⸗ behoͤrde anzumelden verpflichtet iſt. Jede unrichtige oder unterlaſſene Angabe, obſchon ſie ſcheinbar der Behoͤrde nicht dasjenige Intereſſe, als 351 bei den Brennerei⸗Anlagen der Fall iſt, gewaͤhren mag, kann demohngeachtet diejenigen nachtheiligen Folgen ver⸗ anlaſſen, welche die Strafbeſtimmungen der Steuerord⸗ nung enthalten. §. 459. Wer eine Brauerei in Betrieb er⸗ klaͤrt, welche der Steuerbehoͤrde angemeldet, und von ihr inventariſirt iſt, empfaͤngt das Formular zur Deklara⸗ tion dazu von dem Steueramte unentgeldlich, und giebt in derſelben die Gattung und Quantitaͤt des ein⸗ zumaiſchenden Malzes nach dem Gewicht, ſo wie die Tonnen⸗ oder Quartzahl des daraus zu ziehen⸗ den Bieres, ſammt dem Zeitpuukt an, wenn die Einmaiſchung beginnen ſoll. Zu dem Bierzuge iſt jedoch nicht zu rechnen, die⸗ jenige Fluͤſſigkeit, welche ohne erneuerten Malzzuſatz, durch bloßes Aufgießen von kaltem oder heißem Waſſer, nach Ablaſſung der Bierwuͤrze auf die bereits ausgezo⸗ genen Trebern gewonnen, ſpaͤter mit der Grundhefe vom Kuͤhlſchiff in Gaͤhrung gebracht, und unter dem Namen von Nachbier, Biergeſpuͤhl, Duͤnnbier, Co⸗ vent ac. verbraucht wird*). Wird aber der dritte Guß entweder fuͤr ſich, oder ſammt den Trebern nochmals auf die Pfanne geſchla⸗ gen, mit erneuertem Hopfen⸗Zuſatz gekocht, oder auf das Kuͤhlſchiff gebracht, wie in manchen Gegenden ge⸗ braͤuchlich iſt, ſo gehoͤrt derſelbe zu dem Bierzug, und muß in der Deklaration angegeben werden. §. 460. Bei Anfertigung dieſer Deklaration gelten, was Ausſtellung und Verbindlichkeit betrifft, dieſelben Vorſchriften, die bei den Brennerei⸗Betriebs⸗ Nachweiſungen zu beobachten ſind(§§. 316.318.). Es iſt der Wahl des Brauers freigegeben, nach jedesmali⸗ gem Ermeſſen, Gattung oder Menge des zu verbrauchen⸗ den Malzes zu beſtimmen; auch iſt er unbeſchraͤnkt, aus dem verſteuerten Malzſchrot die ihm gut duͤnkende Quantitaͤt Bier zu ziehen, ohne demnach an ein be⸗ ſtimmtes Maaß gebunden zu ſeyn, oder bei jeder Be⸗ *) Reſcript an die Koͤnigliche Regierung zu Stralſund. vom 6. Maͤrz 1824. 4745. Deklara⸗ tion zum Betriebe. Deklara⸗ tion des Mate⸗ rials nach Gewicht, des Pro⸗ duktes nach dem Maaß. Deklara⸗ tion, deren Anferti⸗ gung. 358 ſchickung das fruͤher verſteuerte Malzquantum, ſammt dem damals erklaͤrten Bierzug, beibehalten zu muͤſſen. Keiivunet In welchem Zeitpunkte die Deklaration des naͤch⸗ gabe. ſten Gebraͤudes abgegeben werden muß, ingleichen unter welchen Bedingungen und in welcher Friſt Abaͤnderungen der fruͤhern Erklaͤrungen zulaͤſſig ſind, beſtimmen die §§. 30 und 31 der Stzuerordnung. Steuer⸗§. 461. Steuerpflichtig zum Satz von zwanzig pflichtig Groſchen fuͤr den Zentner iſt jede Gattung von Brau⸗ reit de3. ſchrot, ſie beſtehe aus gemalzten oder ungemalzten treides und Fruͤchten, da nach§. 18 des Geſetzes vom 8. Febr. 1819 des Brut⸗ jede Bierbereitung aus Getreide der Abgabe unterliegt. togewich⸗ Die Verſteuerung des Malzſchrotes geſchieht tes. nach Brutto⸗Gewicht, ſo daß fuͤr den Sack nichts abgerechnet wird, wogegen diejenige uͤberſchießende Quantitaͤt, welche kein Sechszehntel Zentner ausmacht, bei der Steuerzahlung außer Betracht bleibt.(Aller⸗ „ hoͤchſte Kabinetsordre vom 2. Juni 1827.) Steuer⸗ Die Steuerzahlung erfolgt praͤnumerando, wenn zahlung, nicht in groͤßern Brauereien bei taͤglich wiederholtem gleichfoͤrmigem Betriebe durch hoͤhere Bewilligung ein zeitweiſer Gefaͤlle-Kredit nachgelaſſen iſt. Die einmal gezahlte Steuer wird nicht erſtattet, ſie koͤmmt aber, ſobald angemeldet und nachgewieſen iſt, daß die dekla⸗ rirte Einmaiſchung nicht ſtatt gefunden, bei der naͤch⸗ ſten Steuerzahlung in Anrechnung(§. 30 der Steuer⸗ ordnung). Einmai⸗§. 462. Die Einmaiſchungen duͤrfen,(nach§. 32 ſchunge⸗ der Steuerordnung, nur in den F. 331 angefuͤhrten deen De. Stunden beginnen; da aber nach abgelaufener Deklara⸗ klaration. tionszeit noch eine Stunde lang die Ankunft eines Steuerbeamten abgewartet werden muß, ehe eingemaiſcht werden darf(§. 33 der Steuerordnung), ſo ergiebt ſich hieraus, daß in den Brau⸗Deklarationen, Einmaiſchungen nicht ſpaͤter, als bis auf neun Uhr Abends an⸗ gemeldet ſein koͤnnen, damit durch das Abwarten einer Stunde der aͤußerſte Termin, bis wohin Einmai⸗ ſchungen uͤberhaupt nur vorgenommen werden duͤrfen, nicht uͤberſchritten wird*). *) Reſcript a. d. Koͤnigl. Prov.⸗Steuer⸗Direkt, zu Koͤln. vom 21. Maͤrz 1827. 5790. 359 §. 463. Wird bei einem Gebraͤude das Malz nicht auf einmal gemaiſcht, ſondern die Fabrikation in mehreren Perioden mit Nachmaiſchen betrieben, ein Fall, der nur in einigen Gegenden und auch dort nur ausnahmsweiſe vorkoͤmmt, ſo muß in der abzugebenden Deklaration ausdruͤcklich bemerkt werden, in wie viel Abtheilungen dieſes Nachmaiſchen geſchiehet, und wel— ches Gewicht Malz zu jeder Nachbeſchickung verwendet wird. §. 464. Nach Abgabe der Dellaration erhaͤlt der Brauer von der Steuerhebeſtelle ein Verſteuerungsbuch, in welches die Anmeldung, das Gewicht und die Gattung des Malzes, ſo wie der Zeitpunkt der beginnenden Ein⸗ maiſchung eingetragen worden iſt. Es dient dies Ver⸗ ſteuerungsbuch zugleich als Quittung der geleiſteten Steuerzahlung, welche bei jedesmaliger Erhebung von dem Steuer⸗Empfaͤnger eigenhaͤndig atteſtirt werden muß. Das Verſteuerungsbuch erhaͤlt nach jedem Viertel⸗ jahres⸗Abſchnitt der Brauer neu zugeſtellt, und es muß daſſelbe in der Brauerei an einem hellen, dem Beamten leicht zugaͤnglichen Orte aufbewahrt werden. Dieſe Aufvewahrung geſchieht am beſten auf die⸗ jenige Weiſe, welche wir bei den Vetriebsplaͤnen der Brennereien(§§. 423 und 424) eroͤrtert haben, und es werden am zweckmaͤßigſten auch die amtlichen Notizen uͤber Anmeldung, Vermeſſung und Veraͤnderung der Ge⸗ raͤthe dort niedergelegt, damit ſie zur Einſicht des Be⸗ amten jederzeit vorhanden ſind. §. 465. Jede Brauerei ſoll mit einer gleicharmi⸗ gen Waage und mit geaichtem Gewicht von fuͤnf Zentner verſehen ſeyn; es duͤrfen daher ſogenannte Schnellwaagen oder Bruͤckenwaagen, auch wenn ſie auf Preußiſches Gewicht eingerichtet ſind, zur ſteuerlichen Verwiegung des Braumalzes nicht angewendet werden. Dieſe Waage muß in der Brauerei dann vorraͤthig gehalten werden, ſobald dieſelbe zum Betriebe ekklaͤrt iſt, ſie darf aber außer dieſer Zeit an andern Orten und zu andern Zwecken benutzt werden. Es kann auch von der Steuerbehoͤrde nachgegeben werden, daß die Ziehkraft der Waage und der Gewichts⸗ beſtand ſelbſt unter fuͤnf Zentner in ſolchen Brauereien ſeyn darf, in welchen nur Einmaiſchungen von einem Deklara⸗ tion der Nachmai⸗ ſchungen. Brauver⸗ ſteurungs⸗ buch. Verpflich⸗ tung zur Haltung von Waa⸗ gen und Gewich⸗ ten. Ausnah⸗ men. Gewicht⸗ zunahme des Malzes durch Anfeuch⸗ ten. Beginn der Einmai⸗ ſchung. Erwarten des Reviſions⸗ beamten. 360 geringerem Gewicht Malzſchrot vorkommen; wo alſo bei⸗ ſpielsweiſe nicht uͤber zwei Zentner mit einemmale ein⸗ gemaiſcht werden, iſt auch nur eine Waage zu zwei Zentner Ziehkraft und ein Gewichtvorrath von dieſer Hoͤhe erforderlich; ſobald jedoch das Malzquantum zur einmaligen Einmaiſchung groͤßer iſt, muß auch der Ge⸗ wichtsvorrath groͤßer ſeyn, da eine theilweiſe Abwiegung unter fuͤnf Zentner in der Regel nicht geſtattet werden darf*). Fuͤr einen ſolchen Fall wird auch die leihweiſe Benutzung vom Gewicht, jedoch unter der Bedingung V nachgegeben, daß zur Stunde der Einmaiſchung das er⸗ forderliche Gewicht ſchon in der Brauerei vorhanden V ſeyn muß, und nicht erſt herbeigeholt werden darf. Die Geſtattung des Betriebes neuer Brauanlagen iſt jedoch unerlaͤßlich an die geſetzliche Beſtimmung geknüpft, vorab eine Waage mit fuͤnf Zentner Gewich⸗ ten in der Anſtalt vorraͤthig zu halten**). §. 466. Da die amtliche Verwiegung des Mal⸗ zes im geſchroteten Zuſtande geſchieht, ſo hat der Brauer, wenn er friſches Schrot verbraucht, dem im trocknen Zuſtande gewogenen Malz bei der Betriebserklaͤrung das⸗ jenige Gewicht hinzuzuſetzen, um welches es ſich nach dem Anfeuchten mit Waſſer vermehrt hat. Um einer wiederholten Verwiegung uͤberhoben zu ſeyn, braucht er nur fuͤr jedes Quart des zugeſetzten Waſſers 2 ⅞ Pfund Gewichtvergroͤßerung anzunehmen, §. 467. Als Beginn der deklarirten Einmai⸗ ſchung wiro nach dem geſetzlichen Begriff derjenige Zeitpunkt betrachtet, in welchem geſchrotetes Malz mit Waſſer vermiſcht wird, und es duͤrfen daher die noͤthi⸗ gen Vorarbeiten dazu, z. B. Waſſerkochen auf den Prannen, Einlaſſen von Waſſer in die Bottiche ꝛc., auch außer den deklarirten Stunden geſchehen. Es iſt nicht vorgeſchrieben, daß ein Steuerbeamter bei jeder Einmaiſchung nothwendig anweſend ſeyn muß; doch iſt der Brauer verpflichtet, deſſen Ankunft eine Stunde lang nach Ablauf des deklarirten Zeit⸗ — *) Reſeript g. d. Koͤnigl. Prov.⸗Steuer⸗Direkt. zu Poſen. vom 13. November 1827. 21035. **) Reſeript a. d. Koͤnigl. Prov.⸗Steuer⸗Direkt. zu Koͤnigsberg. vom 27. Maͤrz 1829. 4203. 361 punktes der Einmaiſchung abzuwarten. Iſt dieſer ver⸗ floſſen, und hat ſich kein Beamter eingefunden, ſo kann die Einmaiſchung, ohne daß es einer Verwiegung des Malzes bedarf, von dem Brauer unverweilt begonnen werden. Bei vorkommenden Differenzen der Zeitmeſſer, ent⸗ ſcheidet die der Brauerei zunaͤchſt gelegene oͤffentliche Uhr. §. 468. Der Aufſichtsbeamte, welcher eine zum Betrieb deklarirte Brauerei in Reviſion nimmt, hat außer der allgemeinen, in dem§. 50 der Steuerordnung enthaltenen Verpflichtung, nachzuſehen, ob die Geraͤthe ond Gefaͤße inventariſirt ſind, auch zu pruͤfen, ob das Berſteuerungsbuch vorhanden und in demſelben die Be— triebserklaͤrung durch die Steuerhebeſtelle eingetragen iſt; das Braumalz muß in ſeiner Gegenwart verwogen und mit Waſſer gemaiſcht werden, und es darf ſich in der Brauerei ſelbſt und den dazu gehoͤrenden Lokalien außer dem deklarirten und verſteuerten Schrot kein anderer ge⸗ ſchroteter oder zerquetſchter Malzvorrath befinden. §. 469. In wiefern der Beamte dem ganzen Brau⸗Prozeſſe beiwohnen, oder periodiſch zuruͤck⸗ kehren will, ſteht ganz in ſeinem Ermeſſen. Er hat ferner, wo es geſchehen kann, die Quantitaͤt des ge⸗ wonnenen Biers zu ermitteln, was am zweckmaͤßigſten auf den Kuͤhlſchiffen, oder wo dieſe nicht vorhanden ſind, auf den Stellbottichen geſchiehet, deren Inhalt vermeſſen, und durch außer- oder innerhalb in be⸗ ſtimmten Zwiſchenraͤumen angebrachte Marquen oder Naͤgel dergeſtalt bezeichnet iſt, daß der Spiegel der Fluͤſſigkeit in dem Gefaͤß gleichzeitig die Quantitaͤt des Biers ergiebt, welche mit der Angabe der Deklaration verglichen wird, wie wegen Koͤntrolirung der Maiſch⸗ reſervoirs§. 429 naͤher angedeutet iſt. Wo unmittelbar nach dem Stellen das Bier in kleineren Bottichen oder in Faͤſſern zur Gaͤhrung ge⸗ bracht wird, kann auch die Reviſion des Bierzuges in der Gaͤhrungskammer, oder im Keller Statt finden; je⸗ doch darf von einem ſolchen Gebraͤude, bevor es ge⸗ tonnt iſt, friſch nichts verkauft oder abgelaſſen wer⸗ den. Reviſion des Brauerei⸗ betriebes, Kontroli⸗ rung des deklarirten Mate⸗ rials. Kontroli⸗ rung des Bier⸗ zuges⸗ Abwei⸗ chungen zwiſchen Deklara⸗ 362 §. 470. Jede Abweichung von der, uͤber die Menge des zu ziehenden Bieres gemachten Erklaͤrung iſt ſtraffaͤllig, ſobald ſie zehn Prozent uͤberſteigt; der tion und Brauer darf daher weder mehr, noch weniger Bier Befund. ziehen, als er angegeben hat. Es iſt dieſe Kontrolemaaßregel deshalb nothwendig, damit einerſeits der Brauer in der Quantitaͤt des Bier⸗ zuges zum Malzverbrauch nicht auf ein beſtimmtes Verhaͤltniß oder Maaß beſchraͤnkt werde, andererſeits aber fuͤr den Fall, wo in der Abſicht, die Abweſenheit des Beamten fuͤr das Gelingen heimlicher Zumaiſchung zu benutzen, mehr Bier zu bereiten deklarirt ſeyn ſollte, als aus dem verſteuerten wenigen Malze mit gutem Erfolg gezogen werden kann, der Brauer durch eine, dieſe Abſicht bald errathende, anhaltend fixirte Aufſicht dann genoͤthigt werde, der abgegebenen Deklaration treu zu bleiben, aus der geringern Quantitaͤt Malz nun wirklich die groͤßere Menge, mithin ſchlechteres, duͤnnes und leichter umſchlagendes Bier zu ziehen, und dadurch aus der beabſichtigten Gefaͤlleverkuͤrzung keinen Nutzen gewinne. Die Deklaration und Reviſion des Bierzuges iſt daher eine, dem rechtlichen Gewerbebetrieb ſo zuſa⸗ gende, als unbeſchwerliche Maaßregel, da ohnedieß der Brauer jedesmal vorher weiß, wie viel Tonnen Bier er aus dem vorhabenden Gebraͤude zu ziehen beabſichtigt. Wenn von Seiten des Aufſichtsbeamten groͤßere Differenzen, als zehn Prozent, zwiſchen der Deklaration und dem Bierzug behauptet werden, die der Brauer fuͤr nicht vorhanden haͤlt, ſo kann verlangt werden, daß das Bier in geaichten Gefaͤßen vermeſſen wird. Eben ſo darf bei erheblichen Abweichungen der Brauer verlangen, daß die Reviſion des Biergewinnes erſt ſtatt finde, nachdem daſſelbe auf dem Kuͤhlſchiffe diejenige niedere Temperatur erlangt hat, bei welcher es ſtellrecht iſt, da bekanntlich vom Siedepunkt an bis zu dieſer Abkuͤhlung noch ein bedeutender Theil verdampft(§. 275). Kontrole§. 471. Die Allerhoͤchſte Kabinetsordre vom 10. des Malz⸗Januar 1824 verbindet den Brauer, das geſchrotete ſchrhkes Malz nur in beſtimmten dazu deklarirten Raͤumen und geſchrote, nur in ſolchen Quantitaͤten aufzubewahren, als fuͤr das ten Malz⸗ Beduͤrfniß des naͤchſt folgenden Tages deklarirt und ver⸗ beſtaͤnde, ſteuert iſt. Ein groͤßerer Vorrath wird in den Braue⸗ —————. 363 reien ohnedies wohl ſelten gehalten, da das vorher ge⸗ feuchtete Braumalz, wenn es geſchrotet iſt, ſich leicht erhitzt und dem Uebergang in die ſaure Gaͤhrung, oder dem Verderben ausgeſetzt iſt, wenn es nicht bald be⸗ ſtimmungsmaͤßig verbraucht wird. Wenn alſo, mit der⸗ jenigen Ausnahme, wo der Betrieb taͤglich, oder doch in kurzen Zwiſchenraͤumen wiederkehrt, in einer Braue⸗ rei mehr geſchrotetes Malz vorrraͤthig gefunden wird, als zum naͤchſten Brauen deklarirt iſt, da muß nothwendig der Verdacht entſtehen, daß man dieſes Schrot heimlich zu maiſchen, und ſo das Steuer-Inter⸗ eſſe zu uͤbervortheilen beabſichtige. Es wird daher durch die Verbindlichkeit, das Malzſchrot nur an dem ein fuͤr alle⸗ mal dazu beſtimmten, der Reviſion zugaͤnglichen Orte aufzubewahren, dabei auch nur deklarirte und verſteuerte Schrotmengen vorraͤthig zu halten, ein weſentliches, den Defraudationen vorbeugendes Kontrolemittel erlangt, ohne daß die Verwaltungsbehoͤrde genoͤthigt iſt, das Ge⸗ werbe ſelbſt einem laͤſtigen Zwange zu unterwerfen. §. 472. Um jedoch auch hier beguͤnſtigende Er⸗ leichterungen eintreten zu laſſen, wo Ausnahmen von der Regel zulaͤſſig oder erforderlich ſind, hat das Koͤnigliche Finanz⸗Miniſterium uͤber die Ausfuͤhrung der Allerhoͤch⸗ ſten Kabinetsordre vom 10. Januar 1824 Nachſtehen⸗ des feſtgeſetzt: Die Beſtimmung in der Koͤniglichen Kabinetsordre vom 10. Januar d. J. wegen der Brauſteuer⸗Kontrole sub 1, wonach Exrweiterte Beguͤnſti⸗ gung. Circular⸗ Reſ ſeript Aaus l. „alles Malzſchrot, welches ſich bei dem Brauer Fnangne⸗ „uͤber das zur Einmaiſchung, laͤngſtens fuͤr den viſerium⸗ „folgenden Tag deklarirte und verſteuerte Quan⸗ „tum vorfindet, ohne Ruͤckſicht auf die angebliche „Beſtimmung, als Gegenſtand einer beabſichtigten „Defraudation angeſehen werden ſoll“ iſt verſchiedentlich dahin verſtanden worden, daß einmal bei den Brauern, auch an den, dazu ein fuͤr allemal be⸗ ſtimmten und angezeigten Raͤumen, kein Malzſchrot vor⸗ handen ſein darf, welches nicht vorher deklarirt worden, und fuͤrs andere, daß Braumalzſchrot nicht fruͤher, als den Tag vor der Einmaiſchung in die Brauerei gebracht werden darf. om 27. April 1824. 2 364 Dies iſt jedoch unrichtig. Der Brauer, welcher Malzſchrot von der Muͤhle bekommt, kann ſolches an den dazu angezeigten Ort bringen, und bis dahin, wo er nach§. 30 der Steuerordnung die vorhandene Ein⸗ maiſchung deklariren muß, undeklarirt aufbewahren. Will er aber einmaiſchen, ſo muß er vorher in der nach die⸗ ſem§. beſtimmten Friſt alles bei ihm vorhabenden Malz⸗ ſchrot deklariren und die Brauſteuer davon entrichten, es muͤßte ihm denn, jedoch nur in mahlſteuerpflichtigen Staͤdten, oder ſonſt aus dringenden Gruͤnden ausnahms⸗ weiſe nachgegeben ſein, nur ſoviel davon zu verſteuern, als er laͤngſtens fuͤr den folgenden Tag verbrauen will, und den Reſt fuͤr folgende Gebraͤude unter Kontrole und Mitverſchluß der Steuerbehoͤrde einſtweilen unverſteuert aufzubewahren; in welchem Fall jedoch, wie ſich von ſelbſt verſteht, bis dahin, daß der Reſt gleichfalls zur Einmaiſchung und Verſteuerung deklarirt worden, jeder Zugang an neuem Malzſchrot ſofort bei der Ankunft der Steuerbehoͤrde angemeldet werden muß. Hiernach und mit Bezug auf die Steuerordnung vom 8. Februar 1819 ſind daher die Aufſichtsbeamten hinſichtlich der Brauſteuerdeklarationen und deren Kon⸗ trole folgendergeſtalt zu inſtruiren: 1. Wer eine Brauerei betreibt, iſt verpflichtet, dem Steueramte ſchriftlich anzuzeigen, wieviel Malz⸗ ſchrot er zu jedem Gebraͤude beſtimmt und vorraͤ⸗ thig hat, ſo wie, an welchem Tage und zu wel⸗ cher Stunde er einmaiſchen wird. Damit iſt zu⸗ gleich die Angabe zu verbinden, wieviel Bier er aus dem deklarirten Malzſchrot ziehen will, welche Angabe nur dazu dienen ſoll, ihn, wenn er, in der Abſicht heimlich nachzumaiſchen, eine groͤßere Quan⸗ titaͤt Bier, als dem verſteuerten Malzſchrot ange⸗ meſſen iſt, angiebt, durch anhaltende Aufſicht zu noͤthigen, daß er aus letzterm allein nun wirklich die groͤßere Menge, mithin ſchlechteres, eher dem Verderben ausgeſetztes Bier ziehe, und ſich dadurch ſelber ſtrafe. Wann die Brauſteuerdeklaration abgegeben wer⸗ den muß, beſtimmt§. 30 der Steuerordnung. 2. Kommt der Aufſichtsbeamte in eine Brauerei, welche nicht im Betrieb iſt, auch noch nicht zum Betrieb 4. 365 deklarirt hat, und er finbet, an dem zur Aufbewah⸗ rung des Malzſchrots ein fuͤr allemal angezeigten Ort, Malzſchrot vor, ſo iſt der Brauer deshalb noch nicht ſtraffaͤllig, der Aufſichtsbeamte wird jedoch davon und von der vorgefundenen Quantitaͤt zur Vergleichung bei der naͤchſten Deklaration des Brau⸗ ers Notiz nehmen. Findet ſich aber Malzſchrot an einem andern, als dem dazu angemeldeten Orte vor, es ſei wo oder wann es will, ſo iſt daruͤber ein Denunzia⸗ tions⸗Protokoll abzufaſſen. Hat der Brauer deklarirt, und zwar nur eine Ein⸗ maiſchung, ſo begiebt ſich der Aufſichtébeamte zur angezeigten Stunde dabin, laͤßt das Malzſchrot in ſeiner Gegenwart abwiegen, und uͤberzeugt ſich, daß weiter keins vorhanden iſt, oder er protokollirt uͤber den Mehrbefund. Wenn oͤfters als einmal an demſelben Tage, oder auch an dem folgenden Tage gemaiſcht werden ſoll, ſo iſt der Schrotbedatf entweder gleich fuͤr ſaͤmmtliche Einmaiſchungen an beiden Tagen vor⸗ raͤthig oder nicht. In jenem Fall kann der Auf⸗ ſichtsbeamte gleich bei der erſten Einmaiſchung das Malzſchrot fuͤr alle folgenden, ſoweit die Deklara⸗ tion reicht, abwiegen, und ſich uͤberzeugen, daß der Vorrath dadurch erſchoͤpft wird, oder er nimmt den Beſtand unter Verſchluß, und findet ſich in beiden Faͤllen zur Zeit der zweiten oder folgenden Einmai⸗ ſchungen wieder ein, laͤßt jedesmal ſoviel abwiegen, als nach der Deklaration erforderlich iſt, und uͤber⸗ zeugt ſich, daß nach der letztern Beſchickung nichts mehr uͤbrig bleibt. Wer eine Braudeklaration nach Maaßgabe des §. 29 der Steuerordnung fuͤr woͤchentliche, monat⸗ liche oder vierteljaͤhrliche Zeitabſchnitte abgiebt, und beiſpielsweiſe 6 Zentner zu jeder Beſchickung ange⸗ geben hat, darf hiernach nie mehr als 6 Zentner Malzſchrot in Beſtand haben. Berichtigungen der erſten Anmeldung ſind nach§. 31 der Steuerordnung am Tage vorher noch zulaͤſſig, und muß darauf bei der Kontrole des Malzſchrot⸗ vorraths nach 3— 5 Ruͤckſicht genommen werden. 366 7. Iſt dem Brauer erlaubt worden, außer dem ver⸗ ſteuerten Malzſchrot, noch anderes einſtweilen un⸗ verſteuert in Vorrath zu behalten, ſo nimmt der Aufſichtsbeamte ſolches an dem dazu beſtimmten Ort unter Mitverſchluß, und notirt die Menge des 8 unverſteuerten Vorraths, woruͤber noͤthigenfalls ein foͤrmliches Konto⸗Buch nit dem Brauer gefuͤhrt werden kann. 8. Welchen Einmaiſchungen, und wie lange der Auf⸗ ſichtsbeamte dem Braugeſchaͤfte beizuwohnen habe, um zu verhindern, daß die Beſchickung nicht durch heimliches, unverſteuertes Malzſchrot verſtaͤrkt, oder 6 damit nachgemaiſcht, oder weniger als die dekla⸗„ rirte Bier⸗Quantitaͤt gezogen werde, bleibt der ei⸗ ſ genen Beurtheilung der Aufſichtsbeamten, oder der ſpezielleren Inſtruktion durch die Ober⸗Inſpektoren J uͤberlaſſen*).. Aufbe⸗§. 473. Es gehet aus dieſer Beſtimmung hervor, d wahrung daß, ſo lange eine Brauerei nicht im Betriebe iſt, das ber aals Aufbewahren von geſchrotetem Malz, jedoch nur in den 3 Beſtaͤnde. deklarirten Raͤumen, in jeder beliebigen Quanti⸗ 1 taͤt geſchehen kann. Außerhalb dieſer Raͤume darf je⸗ doch zu keiner Zeit Malzſchrot vorhanden ſein. Das Vor⸗ 1 finden deſſelben an einem andern als dem deklarirten Orte und der zum Betrieb deklarirten Zeit, iſt mit einer Ordnungsſtrafe von einem Thaler fuͤr jeden Zentner be⸗ legt, wobei jedoch die Abſicht, daß daſſelbe mit Umge⸗ hung der Steuer unterſchleiflich verbraucht werden ſollte, nicht praͤſumirt, und deshalb von der Defrauda⸗ 3 I tionsſtrafe abgeſehen wird. Alles Malzſchrot jedoch, was unverſteuert zu einer Zeit vorgefunden wird, wo die Gewerbeanſtalt im Betrieb erklaͤrt iſt, wird als Gegen⸗ G ſtand beabſichtigter Defraudation angeſehen. a G Iſt daher ein Brauer durch die iſolirte Lage ſeiner Anſtalt, oder durch andere Verhaͤltniſſe, z. B. durch u G ſchwierigen weiten Transport von den Muͤhlen, oder durch deren Stillſtand wegen Windſtille und Waſſer⸗ mangel genoͤthigt, zeitweiſe vielleicht mehr geſchrotetes Malz vorraͤthig zu halten, als er fuͤr den naͤchſten Ver⸗ *) Cirkular⸗Reſcript vom 27. April 1824. 7043. 367 brauch deklarirt und verſteuert, ſo darf die Aufbewah⸗ rung deſſelben nicht in der Brauerei, den Wohn⸗ oder Wirthſchaftsgebaͤuden, oder den damit in Verbindung ſtehenden Raͤumen geſchehen, ſo lange die Steuerbehoͤrde eine derartige Ausnahme nicht beſonders geſtattet hat. Daß Malzbeſtaͤnde in Koͤrnern der Steuer⸗Kontrole nicht unterliegen, bedarf wohl kaum beſonderer Erwaͤhnung. §. 474. In mahlſteuerpflichtigen Staͤdten unter⸗ Kontrole liegt das auf Freiſcheine geſchrotete Braumalz denſelben des Mate⸗ Kontrolemaaßregeln, die wir§§. 444 und 445 bei dem rials in 27,75 mahl⸗ Brennereibetriebe angegeben haben. ſteuer⸗ Wie dort durch die Betriebsdeklaration der Ver⸗ pflichtigen brauch, ſo muß hier durch das Verſteuerungsbuch die Staͤdten. Verwendung zur Bier⸗ oder Eſſigfabrikation nachgewie⸗ ſen werden. §. 475. Bei dem gemeinſchaftlichen Betriebe von Brauerei Brauerei und Kartoffelbrennerei in klaſſenſteuerpflichtigen in Verbin⸗ Orten hat der Gewerbtreibende in beſonderem Kontobuch 8 83 den Zugang und den Verbrauch des Malzſchrotes nach⸗ Aartafele zuweiſen, welches von den Beamten mit den Erklaͤrun⸗ gen der Betriebsdeklarationen und den Brauverſteuerungs⸗ buͤchern verglichen, revidirt und abgeſchloſſen wird. In mahlſteuerpflichtigen Staͤdten dienen hierzu die Material⸗ Kontos. §. 476. Der Beamte hat das Zeugniß ſeiner Neviſions⸗ Anweſenheit, ſo wie das Reſultat der Reviſion auch bei befund, der Kontrolirung der Bierbrauereien in derſelben Art Wheſlen niederzuſchreiben, wie ſolches bei den Brennereien§. 431 ſchraung. erwaͤhnt worden iſt. Werden Hausſuchungen noͤthig erachtet, ſo treten die§. 441 angefuͤhrten Beſtimmungen ein. §. 477. Steuerfrei iſt die Bereitung des Bieres Steuer⸗ aus Kartoffeln oder Kartoffelfyrup, da nach den geſetz⸗ freie Bier⸗ lichen Beſtimmungen der Brauſteuer nur das Brauſchrot berefruna unterworfen iſt*). oſeln at. §. 478. Denſelben Bedingungen, wie das Gewerbe Steuer⸗ der Bierbrauerei, ſind nach§. 18 des Geſetzes vom pflichtig⸗ 8. Februar 1819 diejenigen Anſtalten unterworfen, wel⸗ keit der *) Reſcript a. d. Koͤnigl. Prov.⸗Steuer⸗Direkt. zu Danzig. vom 1. April 1827. 6076. 368 Matzeſſig⸗ che aus gemalztem Getreide Eſſig zum Verkauf Fabrika, im Großen bereiten. kion Was dahet, bevor eine Bierbrauerei in Betrieb ge⸗ ſetzt wird, zu beobachten iſt, und was die Steuerord⸗ nung dafuͤr vorſchreibt, das findet in jeder Beziehung auch auf Eſſigfabriken Anwendung, welche zum Ver⸗ kauf arbeiten, und es ſtehen derartige Gewerbeanſtalten gleich den Bierbrauereien unter ſteuerlicher Kontrole. Bei der Steuerpflichtigkeit des Malzſchtotes zur Eſſigbereitung iſt jedoch zu unterſcheiden: 1. ob Letztere zugleich mit der Bierbkauerei betrieben wird, in welchem Falle das Malzſchrot zu dem Einen wie zu dem Andern ohne Freilaſſung gerin⸗ ger Mengen zu verſteuern iſt; 2. db ſie nicht in Verbindung mit der Brauerei, aber in eigends dazu beſtimmten Anlagen, zum regel⸗ maͤßigem Verkauf in nicht unbedeutendem Umfange getrieben wird. Auch alsdann tritt die Steuer⸗ pflichtigkeit des Geſetzes§. 18 ein; doch kann als ein unbedeutender, ſteuerfrei zulaſſender Betrieb der⸗ jenige wohl betrachtet werden, wo nicht oͤftets, als hoöͤchſtens zweimal monatlich eingemaiſcht, und je⸗ desmal unter einem Zentner Malzſchrot dazu ver⸗ wendet wird*). Steuet⸗§. 479. Steuerfrei iſt die Beteitung des Eſſigs freie Be, qus rohem ungemalztem Getteide in klaſſenſteuet⸗ reſhingdes pflichtigen Orten, fernet aus Obſt, Beeren, Wein, Kar⸗ ſſigs. toffeln ꝛc. Wo dieſe Subſtanzen im Großen verarbeitet werden und einen Zuſatz von Malz erhalten, iſt nur dieſes der Brauſteuer unterworfen. In mahlſteuerpflichtigen Staͤdten abet iſt vom rohen Getreide die Schrotſteuer zu entrichten. Der Zu⸗ ſatz des Malzes iſt davon befreit, da ſowohl das Ge⸗ ſetz vom 8. Februar 1819 die Mahlſteuer auf Btau⸗ malz uͤbethaupt aufhebt, als auch das Geſetz vom 30. Mai 1820(§. 2 b) Braumalz von Mahlſteuer aus⸗ ſchließt. *) Reſeript a. d. Koͤnigk. Prov.⸗Steuer⸗Direkt. zu Breslau. vom 26. Dezember 1827. 24535. au 369 Wer lediglich zur eignen Konſumtion aus Malz Eſſig bereitet, ohne davon an Andere abzulaſſen, hat keine Steuer zu entrichten, unterliegt auch keiner beſon⸗ deren ſteuerlichen Kontrole. Eben ſo wird auch fuͤr die Eſſigbereitung im Gro⸗ ßen, ſie geſchehe lediglich aus Malz, oder aus andern Fruchtgattungen mit Malzzuſatz, ſobald dieſer Eſſig nur zur Gewinnung anderer Produkte, z. B. des Blei⸗ weißes, Bleizuckers, oder in Tuch⸗ oder Kattunfabriken zur Faͤrberei verwendet wird, keine Brauſteuer erhoben. Die Steuerbehoͤrde hat jedoch derartigen Anlagen vorab die Genehmigung zu ertheilen, und diejenigen Kontrolemaaßregeln anzuordnen und auszufuͤhren, welche den Verbrauch des Fabrikats zu dem angegebenen Zweck ſichern. 4§. 480. Die Bereitung des Haustrunkes in gewoͤhnlichen Kochkeſſeln iſt nach§. 21 des Ge⸗ ſetzes vom 8. Februar 1819 von Steuerentrichtung be⸗ freit, in ſo fern jeder einzelne, daran theilnehmende Hausſtand aus nicht mehr, als zehn Perſonen uͤber vierzehn Jahren beſtehet. Wer von dieſer Bewilligung Gebrauch machen will, muß dieß vor Ablauf des Jah⸗ res dem Steueramte des Diſtriktes ſchriftlich erklaͤren. Dieſe Anmeldung muß enthalten: Angabe der Perſonen, welche zur Familie gehoͤren, erforderlichen Falls durch die Ortsbehoͤrde beglaubigt, Anzahl der in jedem Monat oder Jahre zu machenden Gebraͤude, Menge des zu je⸗ dem Gebraͤude hoͤchſtens verwendet werdenden Malzes, nach dem Maaß, ſo wie Ort, Datum und Namens⸗ unterſchrift des Deklaranten*). Der Inhalt dieſer An⸗ meldung wird in den Erlaubnißſchein uͤbernommen, welchen, fuͤr die Dauer eines Jahres guͤltig, die Steuer⸗ hebeſtelle dem Deklaranten unentgeldlich einhaͤndigt. Brauern und Bierſchaͤnkern iſt die ſteuerfreie Haus⸗ trunkbereitung nicht zu geſtatten, da das Geſetz nir⸗ gend dieſe ſteuerfreie Bereitung in Braugefaͤßen ausge⸗ ſprochen, vielmehr(§. 20) die Beſteuerung dort aus⸗ druͤcklich vorher geſehen hat**). *) Cirkular⸗Reſcript vom 19. Sepkember 1819. 14768. **) Reſeript an die Koͤnigliche Regierung zu Danzig vom 16. Junius 1820. 10064. 24 Steuer⸗ freie Be⸗ reitung des Haustrun⸗ kes in Koch⸗ keſſeln. 370 Ueber den Begriff, was im geſetzlichen Sinne un⸗ ter gewoͤhnlichen Kochkeſſeln, in welchen die Bereitung des Haustrunks vorgenommen werden darf, zu verſtehen ſei, iſt entſchieden, daß darunter nur ſolche Keſſel zu rechnen ſind, welche zum gewoͤhnlichen Kochen der Speiſen dienen, mit Ausſchluß aller, zu oͤkonomiſchen oder fabrikatoriſchen Zwecken beſtimm⸗ ten, groͤßeren eingemauerten Keſſel*). Zu den beweglichen Keſſeln ſind jedoch auch diejenigen zu zaͤhlen, welche abwechſelnd bald in einen gemauerten Keſſelring geſtellt, oder in einem Hacken uͤber dem Feuer aufgehaͤngt werden, Keſſel, die, obſchon nicht mauer⸗ feſt, doch in gemauerte Heerde paſſen**). §. 481. Wenn es auf der einen Seite nicht ver⸗ kannt wird, daß der ſtrengere Begriff eines Kochkeſſels, mit Ausſchluß aller eingemauerten Keſſel, die Bereitung des ſteuerfreien Haustrunkes einigermaßen er⸗ ſchwert, ſo muß auf der anderen Seite erwogen wer⸗ den, daß durch eine allgemein geſtattete freie Bierberei⸗ tung in eingemauerten Keſſeln die Umgehung der Braumalzſteuer betraͤchtlich gefoͤrdert ſeyn wuͤrde, indem das Aufſicht-Perſonal nicht hinreichen duͤrfte, die ſich dann vervielfaͤltigenden Haustrunkbrauereien an Kontraventionen zu hindern, oder dieſe zu entdecken. Eben ſo iſt leicht zu ermeſſen, wie nachtheilig eine Erweiterung dieſer Abgabenfreiheit auf die Braumalz⸗ ſteuer⸗Einnahme im Allgemeinen einwirken muͤßte, da trotz der Beſchraͤnkung auf gewoͤhnliche Kochkeſſel, dennoch bis⸗ her folgende Quantitaͤten Braumalz zur Haustrunkberei⸗ tung ſteuerfrei verarbeitet worden ſind: Umfang der Haus⸗ trunkbrau⸗ ereien. In dem Jahre 1823 80972 Zentner. 2 ⸗ ⸗ 1824 88249 ⸗ = 2= 1825 97887= ⸗ ⸗ 1826 99882 ⸗ 7 1827 109752 ⸗ * ⸗ 1828 108526 ⸗ *) Reſeript a. d. Koͤnigliche Regierung zu Duͤſſeldorf. vom 16. Junius 1820. 10237. **) Reſcript a. d. Koͤnigl. Prov.⸗Steuer⸗Direkt. zu Muͤnſter. vom 21. April 1824. 8303. 371 Abgeſehen davon, daß dieſe Zahlen bei weitem nicht den wirklichen Verbrauch nachweiſen moͤchten, ſo iſt dennoch unverkennbar, daß bei noch groͤßerer Ausdeh⸗ nung der ſteuerfreien Bierbereitung ein betraͤchtlicher Einnahme⸗Ausfall entſtehen wuͤrde, ohne daß dem Ein— zelnen dagegen ein beachtenswerther Vortheil erwachſen koͤnnte, da ihm jene Beſchraͤnkung um ſo weniger von Wichtigkeit iſt, weil Jeder, der gewohnt iſt, ſeinen Bierbedarf ſelbſt zu brauen, ſich dieſe Erlaubniß mit ge⸗ ringen Koſten durch die nachgelaſſene Fixation(§. 482) leicht verſchaffen kann, und es gewiß fuͤr ihn min— der beſchwerlich iſt, ſich einer maͤßigen fixrirten Abgabe zu unterwerfen, als den Unterſuchungen uͤber Perſonenzahl ſeines Hausſtandes, oder dem Verdacht, Bier an Andere abgelaſſen zu haben, blos geſtellt zu werden; denn es iſt jede Verabreichung des ſteuerfrei gebrauten Bie⸗ res an andere Perſonen, als diejenigen des Hausſtandes, es ſeien nun Bauleute, Nachbarn, Huͤlfsarbeiter oder Gaͤſte, unterſagt, und wird eine ſolche Zuwiderhandlung mindeſtens mit Abnahme der Erlaubniß zu Fertigung des Haustrunks beſtraft, da nicht blos der Verkau f, ſondern auch das unentgeldliche Ablaſſen an an⸗ dere Perſonen, die nicht zum eigentlichen Hausſtande des Verfertigers gehoͤren, geſetzlich unzulaͤſſig iſt**). Wer daher die Erlaubniß zur ſteuerfreien Haus⸗ trunkbereitung erhalten hat und dennoch vielleicht bei außerordentlichen Gelegenheiten in den Fall koͤmmt, ſelbſt bereitetes Bier an Andere zu verſchenken, muß, ehe er ein ſolches Gebraͤude beginnt, das dazu noͤthige Malz verſteuern. Er giebt in dieſem einzelnen Falle die §. 459 erwaͤhnte Deklaration in doppelter Ausfertigung ab und erhaͤlt, mit der Steuerquittung verſehen, das eine Exemplar zuruͤck, welches hier die Stelle des §. 464 beſchriebenen Brauverſteuerungsbuches vertritt**). Ob, ſobald die Verſteuerung des Malzſchrotes ſtatt findet, die Bereitung des Bieres in beſonderen Brauanlagen, geſchiehet, oder in Brenngeraͤthen, oder in andern zu oͤkono⸗ *) Reſcript an die Koͤnigl. Negierung zu Magdeburg. vom 1. Auguſt 1820. 12887. **) Reſcript a. d. Koͤnigl. Prov.⸗Steuer⸗Direkt. zu Stettin. vom 19. Julius 1826. 13662. 24* Fixation der Brau⸗ ſteuer, deren Er⸗ weiterung. Bedarf des Cirkular⸗ Reſcript uͤber Fixa⸗ tion der Brau⸗ 372 miſchen Zwecken dienenden Keſſeln und Pfannen, wenn von deren Vorhandenſein die Steuerbehoͤrde Kenntniß hat, iſt ganz gleichguͤltig, doch unterliegen dieſe Gefaͤße waͤhrend der Fabrikation der ſteueramtlichen Kontrole, wel⸗ che fuͤr die Bierbrauereien vorgeſchrieben iſt. Wer aber ſolches Bier Anderen kaͤuflich uͤberlaͤßt, muß ſich vorab durch Erle⸗ gung der Gewerbeſteuer die Befugniß dazu verſchafft haben. §. 482. Die§. 20 des Geſetzes vom 8. Februar nachgelaſſene Brauſteuerfixation beſchraͤnkt ſich ledig⸗ lich auf Bereitung von Bier in Brauanlagen zum eigenen Hausſtandes, und die Steuerord⸗ nung§. 35 unterſagt, wie bei der ſteuerfreien Keſſel⸗ brauerei, jedes Ablaſſen von Bier an nicht zum Haushalt gehoͤrende Perſonen. Da es jedoch nicht zu vermeiden iſt, daß Arbeitern, die periodiſch fuͤr landwirthſchaftliche Zwecke, in der Erndte ꝛc., oder Handwerkern, die mit teparaturen an Gebaͤuden ꝛc. beſchaͤftigt ſind, neben dem Geldlohn ein Trunk gereicht werde, mitunter wohl auch ein dem Gute angehoͤrender Dorfkrug durch ſelbſt berei⸗ tetes Bier verlegt wird, ſo hat, um die daraus entſte⸗ henden Uebertretungen der geſetzlichen Vorſchriften zu vermeiden, oder im andern Falle den Steuerpflichtigen von der jedesmaligen Anmeldung der einzelnen Gebraͤude bei der, von laͤndlichen Wirthſchaften oft entfernt liegen⸗ den Hebeſtelle, zu entbinden, auch um der Fixation der Brauſteuer ſelbſt eine groͤßere Ausbreitung zu verſchaf⸗ fen, im Verfolg Allerhoͤchſter Kabinetsordre vom 2. Jan. 1827 das Koͤnigl. Finanzminiſterium Folgendes beſtimmt: §. 483.„Begehren Steuerpflichtige, welche in Brau⸗ anlagen ſich zur Bereitung des eignen Haustrunks zu brauen anheiſchig machen, und laͤndliche Grundbeſitzer, welche neben der Bereitung des eignen Haustrunks, von malzſteuer ihrem Bier auch an dauernd, oder zeitweiſe in ihrem Lohn vom 20. Januar 1828. ſtehende Tageloͤhner und Dienſtfamilien oder an beſtimmte Einwohner abgeben, auch einzelne laͤndliche Schankſtellen damit verlegen, die Fixation, dann iſt zuvoͤrderſt die An⸗ gabe ihres Perſonenſtandes, je nachdem derſelbe aus Fa⸗ miliengliedern oder Geſinde, Erwachſenen oder Kindern beſteht, ferner der andern Familien, auf welche ſich die Bierverabreichung gegen Firation erſtrecken, und ob ſie an dieſelben das ganze Jahr hindurch, oder nur zu wel⸗ chen Zeiten, und in welchem Maaß ſie geſchehen ſoll, 373 ſo wie der gegen das Steuerfixnm zu verlegenden Schankſtellen und ihres Debitsumfanges zu fordern, ohne daß es jedoch ſo genau darauf ankommt, wenn ſich die Perſonenzahl um ein oder einige Individuen im Verlauf des Fixationsvertrags veraͤndert, auch ein Trunk an Andere unentgeldlich verabreicht wird. Nicht minder kann eine ungefaͤhre Berechnung des, jaͤhrlich fuͤr die mit Bier zu verſehenden Perſonen und Schank⸗ ſtellen zu bereitenden Biers, und des dazu zu verwen⸗ denden Malzes, ſammt der Angabe erfordert werden, wie oft monatlich in den verſchiedenen Jahreszeiten regelmaͤßig gebrauet, und wieviel Malzſchrot gewoͤhnlich zu jedem Gebraͤude eingemaiſcht und Bier daraus gezogen zu werden pflegt. An dieſe Berechnung ſoll der zu fixirende Brauereibeſitzer demohngeachtet nicht ſtrenge gebunden, auch ſollen Abweichungen davon bei ungewoͤhnlichen, nicht vorherzuſehenden Veranlaſſungen nicht gehindert, noch derſelbe gehalten ſein, uͤber ſein Brauen Buch zu fuͤhren, oder auf den Grund jener Berechnung oder dieſer Braubuͤcher von den Aufſichtsbeamten regelmaͤßig kontrolirt werden, daher von der fruͤhern Vorſchrift, daß die fixirten Brauer gleichfalls Verſteuerungsbuͤcher halten, und darin alle Braumalz⸗Einmaiſchungen ein⸗ tragen ſollen, abgeſtanden wird. Jene Berechnung ſoll vielmehr von der Steuerbehoͤrde nur zur Pruͤfung und Beurtheilung gebraucht werden, welches Steuerfixum dem wahrſcheinlichen Bierverbrauche, der aus der fixir⸗ ten Brauerei zu verſorgenden Perſonen und Schankſtel⸗ len, nach Stand, Alter, Dienſtvertraͤgen, oͤrtlichen Ge⸗ wohnheiten und anderen Verhaͤltniſſen, entſprechend iſt. Damit wird alsdann bei Brauereien, welche noch nicht fixirt geweſen ſind, die durchſchnittlich bisher ge⸗ zahlte Brauſteuer verglichen, und mit Huͤlfe der obigen Data gepruͤft, ob ein hoͤheres oder niedrigeres Fixum ge⸗ rechtfertigt iſt. Der Durchſchniit der bisher gezahlten Brauſteuer an und fuͤr ſich ſelbſt, wird nur da als fixirte Steuer beibehalten, wo die Ueberzeugung vorhan⸗ den iſt, daß es bei der bisherigen Verſteuerung richtig und ordentlich zugegangen, und der Betrieb auch kuͤnf⸗ tig ohne erhebliche Veraͤnderung ſich im Ganzen gleich bleiben wird. Findet das Hauptſteueramt, nach ange⸗ ſtellter Pruͤfung, Bedenken, auf ein angebotenes Fixa⸗ 374 tionsquantum, als zu geringe, einzugehen, ſo macht daſ⸗ ſelbe die Gruͤnde dem Steuerpflichtigen bekannt, und erfordert Beſeitigung derſelben durch detaillirtere Ueber⸗ ſchlaͤge in der vorgelegten Berechnung, oder durch an⸗ dere Erlaͤuterungen. Kann ein, dem Angebote zum Grunde liegender geringer und unwahrſcheinlicher Malz⸗ verbrauch fuͤr den Kopf, oder eine eben ſo unwahrſchein⸗ liche Menge des angeblich vom Zentner Malzſchrot ge⸗ zogenen Biers, nicht naͤher begruͤndet, oder glaublich ge⸗ macht werden; ſo wird die Firxation verſagt; doch bleibt dem Steuerpflichtigen anheim geſtellt, dagegen an die hoͤhere Behoͤrde zu rekurriren. Haͤlt ſich indeſſen das Hauptamt uͤberzeugt, daß das Steuerfixum dem wahrſcheinlichen Konſumtions-Bedarf des darin einge⸗ ſchloſſenen Perſonals ꝛc. angemeſſen ſei, ſo kann auch ein geringes Ueberſchreiten, ſo lange es nicht mit verkaͤuflicher Ablaſſung von Bier verbunden iſt, uͤberſe⸗ hen werden. Nur da, wo eine Brauerei nicht bloß auf den Haustrunk, ſondern zugleich auf den Krugverlag fixirt wird, dieſer Krugdebit aber einen ſichern Voran⸗ ſchlag uͤber ſeinen Umfang und ſeine Staͤrke nicht zulaͤßt, wird die Vorlegung des mit den Kruͤgern gehaltenen oder zu haltenden Buches uͤber die empfangene Quantitaͤt Bier, zu einer Bedingung des Fixationsvertrags gemacht. Die Form und Faſſung der Fixationsvertraͤge er⸗ giebt ſich hieraus von ſelbſt, indem alles, was die Steuerbehoͤrde von dem Brauereibeſitzer, als Grundlage des Fixationsvertrags zu fordern berechtigt iſt, auch in denſelben aufgenommen werden muß, ohne daß ſie ſich jedoch uͤber die Grenzen ihrer Nachſicht ausdruͤcklich zu verpflichten hat. Veraͤnderungen des Braulokals und Veraͤnderungen oder Vermehrung des Braugeraͤthes waͤhrend der Fixa⸗ tion muͤſſen nach§. 28 der Steuerordnung und bei Vermeidung der§. 74 daſelbſt angedroheten Strafen der Steuerbehoͤrde angezeigt werden; dem Ermeſſen der⸗ ſelben bleibt es, die gewoͤhnlichen Reparaturen ausge⸗ nommen, uͤberlaſſen, ob ſie dergleichen Veraͤnderungen oder Vermehrungen mit der fernern Fortdauer des Fixa⸗ tionsvertrages vereinbar haͤlt. Auch bleiben die Ein⸗ maiſchungen an die§. 32 daſelbſt vorgeſchriebene Zeit gebunden. Fuͤr welchen Zeitraum und welche Vertraͤge auf ein oder mehrere Jahre guͤltig ſein ſollen, iſt dem 375 Ermeſſen der Provinzial⸗Steuerverwaltung uͤberlaſſen. Laͤngere als dreijaͤhrige Vertraͤge werden jedoch nicht ab⸗ geſchloſſen, auch bleibt der Steuerverwaltung vorbe⸗ halten, wenn ſie dazu Veranlaſſung findet, den Vertrag zu jeder Zeit wieder aufheben zu koͤnnen. Vorraͤthe an Bier oder Wuͤrze duͤrfen nach Ablauf der Fixationsperiode nur in ſo fern vorhanden ſein, als der Steuerpflichtige nachweiſen kann, gleich große ver⸗ ſteuerte Vorraͤthe bei Anfang der Fixation in dieſelbe mit hinuͤber genommen zu haben. Die Vertraͤge muͤſſen von dem Hauptamte oder Unter⸗Steueramte aufgenommen und abgeſchloſſen, und der Provinzialbehoͤrde zur Ge⸗ nehmigung vorgelegt werden. Die Vorausbezahlung der fixirten Steuer kann vierteljaͤhrlich oder monatlich ſtipulirt werden. Wird ſolche verſaͤumt, ſo iſt der Vertrag von Anfang der Friſt an, fuͤr welche die Vorausbezahlung haͤtte geleiſtet werden ſollen, als nicht vorhanden zu betrachten. In einzelnen Faͤllen und bei ſichern Steuerpflichtigen kann indeß ausnahmsweiſe nachgegeben werden, daß die Zah⸗ lung auch im Laufe eines jeden Quartals geſchehen darf*). Auch mit Schankwirthen, welche außer dem eige⸗ nen Hausbedarf das fuͤr ihren Krugdebit noͤthige Bier ſelbſt brauen, in ſo fern ſie die vorgenannten Beſtim⸗ mungen erfuͤllen, koͤnnen Firationsvertraͤge uͤber Brau⸗ malzſteuer abgeſchloſſen werden*); doch ſind deren Braugeraͤthſchaften den Beſtimmungen der Steuerord⸗ nung(§§. 28 und 74) in Bezug auf Anmeldung, Ver⸗ meſſung ꝛc. unterworfen, wogegen diejenigen Privatbraue⸗ reien, welche lediglich Bier zum Haustrunk, alſo zur ei⸗ genen Konſumtion, nicht aber zum Verkauf bereiten, von der Verpflichtung einer Anmeldung ihrer Geraͤthſchaften ausgenommen ſind. §. 484. Ruͤckzahlungen von Brauſteuer, die deswegen in Anſpruch genommen werden, weil das Bier umgeſchlagen oder verdorben iſt, finden geſetzlich nicht ſtatt. Außerordentliche Bewilligungen der Art, wo ſie aus⸗ nahmsweiſe noͤthig erſcheinen, koͤnnen nur auf beſondere Genehmigung des Koͤnigl. Finanzminiſterii geſchehen. *) Cirkular⸗Reſeript vom 20. Januar 1828. 11151. **) Reſcript a. d. Koͤnigl. Prov. Steuer⸗Direkt. zu Magdeburg. vom 9. Mai 4825. 8807. Ruͤckzah⸗ lungen oder Gefaͤlle⸗ verguͤtun⸗ gen auf Brau⸗ ſteuer fin⸗ den in der Regel nicht ſtatt. Gewerb⸗ ſteuer⸗ pflichtig⸗ keit der Bier⸗ und Eſſigbrau ereien. 376 Da bis jetzt mit inlaͤndiſchem Bier nach dem Aus⸗ lande ein Verkehr im Großen nicht beſtehet, und die zeitherige, gegen die Fabrikation unbedeutend zu nen⸗ nende Exportation die Geſtattung der§. 30 des Steuer⸗ geſetzes bedingten Ausnahme nicht rechtfertigen wuͤrde, ſo iſt bis jetzt auch als Regel eine Steuerverguͤtung auf inlaͤndiſches Bier, welches nach dem Auslande ver⸗ fuͤhrt wird, nicht zugeſtanden. Ueberhaupt iſt die Brau⸗ ſteuer ſo gering(§. 36), und trifft das Fabrikat ſo maͤßig, daß ſelbſt eine Verguͤtung bei etwanigem aus⸗ waͤrtigen Verkehr nicht noͤthig erſcheint, da in allen Laͤndern, wo aͤhnliche Steuern beſtehen, Preußiſches Bier die Konkurrenz immer auszuhalten vermag. Aber auch außerdem fehlt es bis jetzt an einem ſichern Maaßſtab, den Malzgehalt des Bieres aus dem Fabrikat zu kon⸗ troliren; die Verguͤtungsſumme wuͤrde ſich nicht auf feſte Regeln zu gruͤnden vermoͤgen, und der unerhebliche Vortheil, welchen der Einzelne haben koͤnnte, duͤrfte als⸗ dann nicht mit den Schwierigkeiten und Mißbraͤuchen in Verhaͤltniß ſtehen, die bei einer allgemein gewaͤhrten Gefaͤlleverguͤtung auf Bierausfuhr unvermeidlich hervor⸗ vortreten wuͤrden. Sollte jedoch eine Brauerei bedeu⸗ tenden Abſatz von Bier nach dem Auslande nachzu⸗ weiſen vermoͤgen, ſo wuͤrde deren Inhaber das Geſuch um Ausfuhrbonifikation dem Hauptamte ſeines Diſtrik⸗ tes einzureichen haben, welches daſſelbe berichtlich der Provinzialbehoͤrde uͤbergiebt, die in dem dazu geeigneten Falle, uͤber die Zulaͤſſigkeit einer Ausnahme die Entſchei⸗ dung des Koͤniglichen Finanzminiſterii einholt. §. 485. Die Gewerbe der Bierbrauerei und Eſſig⸗ brauerei unterliegen nach dem Geſetz vom 30. Mai 1820 auch der Gewerbeſteuer; es muß daher, bevor eine neu errichtete Brauanſtalt in Gang geſetzt wird, die Anmeldung zum Gewerbebetrieb bei der Gewerbſteuerbehoͤrde geſchehen. Der geringſte Steuerſatz betraͤgt jaͤhrlich zwei Tha⸗ ler und wird ſteigend ſo berechnet, daß je von vier und zwanzig Scheffel Brau⸗Malz zehn Groſchen als Gewerbe⸗ ſteuer fuͤr das kuͤnftige Kalender-Jahr in Anſatz kom⸗ men; es wird dabei, vom 1. Oktober ab, ein Jahr ruͤckwaͤrts gerechnet, ſo daß z. B. fuͤr das Kalender⸗ Jahr 1830 der Gewerbſteuerſatz einer Brauerei nach dem Braumalzſteuerbetrage berechnet wird, der vom 1. Ok⸗ 377 tober 1828 bis 30. September 1829 entrichtet iſt. Wo bei dem Betrieb einer Brauerei mehrere Theilnehmer konkurriren, oder dieſelbe von verſchiedenen Perſonen miethweiſe benutzt wird, oder einer Korporation, z. B. der Kommune, angehoͤrt, wird zwar die Gewerbeſteuer nur Einmal, mithin nicht von jedem Einzelnen erhoben, welcher die Anſtalt benutzt; ſie wird jedoch nach dem Umfange des darin betriebenen Gewerbes aller Theil⸗ nehmer berechnet, mithin der Betrag der Steuer nach derjenigen Quantitaͤt Braumalz feſtgeſtellt, welche im vorletzten Jahre in dieſem gemeinſchaftlichen Lokale uͤberhaupt auf Bier verarbeitet worden iſt. §. 486. Wer ſeine Brauerei, ſei es ganz oder nur fuͤr einzelne Gebraͤude, an Andere vermiethet, iſt ge⸗ halten, dies dem Steueramte ſchriftlich anzuzeigen. Nur dann iſt der Eigenthuͤmer von der ſubſidiariſchen Ver⸗ haftung einer, in ſeiner Gewerbeanſtalt vorgekommenen Unrichtigkeit befreit, indem in ſolchem Falle alle Ver⸗ pflichtungen auf den Paͤchter, fuͤr das waͤhrend der Miethzeit gefertigte Bier, uͤbergehen. §. 487. In Faͤllen, wo beim Brauereibetrieb nach §. 75 der Steuerordnung die Steuer und Strafe nach der— jenigen Malzmenge berechnet wird, welche zu einem ganzen Gebraͤude genommen zu werden pflegt, iſt die Frage mehr⸗ ſeitig aufgeworfen worden, was fuͤr ein volles Geb raͤude angerechnet werden ſoll, wenn der Raum der Bot⸗ tiche oder der Keſſel eine groͤßere Einniaiſchung zulaͤßt, als der Brauer gewoͤhnlich zu einem Gebraͤude deklarirt. Man wuͤrde zum Maaßſtab die Produktionsfaͤhig⸗ keit der Geraͤthe annehmen koͤnnen, wenn die Ermittelung dieſer Produktiousfaͤhigkeit nicht Schwierigkeiten faͤnde, da geſetzlich fuͤr den Bierzug ein beſtimmtes Verhaͤltniß des Waſſers zur trocknen Subſtanz nicht beſtehet, und mithin es der Willkuͤhr des Brauers uͤberlaſſen iſt, ohne Ruͤckſicht auf die Groͤße ſeiner Geraͤthe jede beliebige Quantitaͤt Malz zu einer Einmaiſchung zu deklariren. Es iſt deshalb zeither angenommen worden, daß, ohne Ruͤckſicht auf den Rauminhalt der Gefaͤße, dieje⸗ nige groͤßeſte Quantitaͤt Braumalz fuͤr ein volles Ge⸗ braͤude angeſehen werden muß, welche nach den Steuer⸗ tegiſtern in fraglicher Brauerei auf einmal deklarirt und verarbeitet worden iſt. Vermie⸗ thung der Brauerei an Andere. Was wird fuͤr ein volles Ge⸗ braͤude ge⸗ rechnet? 378 Straf⸗§. 488. Wenn zwiſchen den Beſtimmungen murhe der Geſetze und den Handlungen desjenigen, der Sn, den Geſetzen zu gehorchen verbunden iſt, Widerſpruͤche Nothwen⸗ ſich ergeben, ſo entſtehet der Begriff einer geſetz⸗ digkeitund widrigen Handlung. Sobald dieſe Handlung einen Folgen. Nutzen oder einen Vortheil fuͤr den Thaͤter verſpricht, ſo iſt in der Regel das bloße Verbot, ſie zu bege⸗ hen, nicht hinreichend, und das Geſetz muß viel⸗ mehr, außer dem Gebot der Unterlaſſung oder der Voll⸗ ziehung, noch eine Strafe feſtſetzen, welche den Ueber⸗ treter trifft, ſobald er die geſetzwidrige That begehet. Die Abſtufungen der Strafe regeln ſich nach der Groͤße des Nachtheils, der fuͤr den. Staat oder eine beſtimmte Klaſſe der buͤrgerlichen Geſellſchaft aus der verbotwidri⸗ drigen Handlung entſpringt, wobei jedoch nicht das ein⸗ zelne vollfuͤhrte Vergehen allein in Betracht gezogen wird, ſondern vielmehr die Abſicht des Geſetzes dahin gerichtet iſt, kuͤnftige Vergehen zu hindern, die zu befuͤrchten ſeyn wuͤrden, wenn die Strafe nicht em⸗ pfindlich waͤre, und wenn nicht die Furcht, welche ſie einfloͤßt, den Reiz zur Wiederholung des Vergehens minderte. Denn das Uebel, welches aus dem einzelnen ſtattgefundenen Vergehen entſpringt, iſt weniger in Be⸗ tracht zu ziehen, als die gegruͤndete Beſorgniß, daß die gelungene Vollfuͤhrung einer verbotnen Handlung, ſo lange ſie ungeſtraft bleibt, den ferneren Genuß des ge⸗ habten Vortheils von Neuem hoffen, mithin Wieder⸗ holung fuͤrchten laͤßt; daher hat auch die Strafe we⸗ niger den Erſatz der Beſchaͤdigung, als die kuͤnftige Verhinderung unerlaubter Handlungen im Auge. Je mehr der Geſetzesuͤbertreter hoffen kann, er werde un⸗ entdeckt bleiben, um ſo groͤßer iſt der Reiz zum Ver⸗ gehen, deſſen Wiederholung ihm Vortheil verſpricht, und um ſo mehr muß die Geſetzgebung hier durch er⸗ hoͤhete Strafen dieſe Hoffnung der Gewinnerzielung daͤmpfen. Wird eine verbotene Handlung dennoch wie⸗ derholt begangen, ſo iſt dieß ein Zeichen, daß die bis⸗ herige Strafe nicht hinreichend war, das Anſehen der Geſetze gegen Uebertretungen zu ſchuͤtzen, und es tritt daher bei erhoͤheter Strafbarkeit, auch ein mit derſelben ſteigendes Strafmaaß in Anwendung. 379 §. 489. Wenn wir dieſe allgemeinen Begriffe mit denjenigen Strafbeſtimmungen, die fuͤr Uebertretungen der Steuergeſetze beſtehen, in Vergleich ſtellen, ſo finden wir, daß jene Strafbeſtimmungen ſich lediglich in den Grenzen der Nothwendigkeit halten, und daß ſie ein unerlaͤßliches Erforderniß ſind, ſowohl das Ueber⸗ treten der geſetzlichen Vorſchriften zu hindern, als auch, wo ein ſolches dennoch ſtatt gefunden, die Folgen des dadurch dem Staats⸗ und Gewerbs⸗Intereſſe zugefuͤgten Nachtheils auszugleichen und fuͤr kuͤnftige Zeit wirkungs⸗ los zu machen. Man ſpricht wohl uͤber die Haͤrte der Steuerſtra⸗ fen und wie ſie in manchen Faͤllen mit dem angerich— teten Schaden nicht im Verhaltniß ſtehen; erwaͤgt man aber, welcher große Spielraum dem unerlaubten Raffinement bei dem Gewerbebetriebe der Brannt⸗ weinbrennerei und Bierbrauerei offen ſtehet, und wie eine ſchlau berechnete Taͤuſchung auch den ſorgfaͤltigen Beamten hintergehen kann, wie dadurch alle Kontrole⸗ maaßregeln wirkungslos bleiben, und vielleicht laͤngere Zeit hindurch dem Staate die ſchuldige Steuer ver⸗ kuͤrzt worden iſt, wofuͤr er keinen Erſatz findet, wenn er nicht durch erhoͤhete Abgaben die Laſten der uͤbrigen Buͤrger mehren will, ſo wird man billigerweiſe der An⸗ ſicht beitreten, daß zu Aufrechthaltung des Ge⸗ ſetzes und des rechtlichen Gewerbebetriebs, und bei dem weiten Spielraume des letztern, die zu ſeinem Schutze erforderlichen Steuerſtrafen nothwendig ſtreng ſeyn, mithin unvermeidlich empfindliche Folgen fuͤr den Uebertreter ſich nach ziehen muͤſſen; es wird die geſchaͤrfte Ahndung durch die Nothwendigkeit gerecht⸗ fertigt, daß derjenige, welcher die Geſetze zum Nach⸗ theil des geſelligen Verbandes, dem er angehoͤrt, ab— ſichtlich verletzt, auch durch die volle Schwere der Strafbeſtimmungen getroffen werden muß. Der Staat hat kein Intereſſe, zu ſtrafen; er ziehet von den Strafen ſelbſt keinen Nutzen, wohl aber trifft ihn der Nachtheil, den Buͤrger an Gut und Ehre verletzen zu muͤſſen, wenn dieſer den Geſetzen unterthan, und von ihnen Schutz verlangend, dennoch andererſeits ihnen ſelbſt Hohn ſpricht, indem er ſie abſichtlich zu umgehen oder zu uͤbertreten unternimmt. Strafbe⸗ ſtimmun⸗ gen wegen Uebertre⸗ tung der Steuer⸗ Geſetze. 380 Straf⸗§. 490. Die Steuergeſetzgebung unterſcheidet Hektunoen, zweierlei Gattungen von Strafen, die mit dem Namen datſons, Defraudationsſtrafe und Ordnungsſtrafe be⸗ ſtrafe, legt ſind. Außerdem treten in beſonderen Faͤllen bei Ordnungs Konkurrenz mehrerer Vergehen die Beſtimmungen der defrafe allgemeinen Strafgeſetzgebung in Anwendung. wendung. Die Verurtheilung in die Defraudationsſtrafe ſetzt jedesmal die begonnene, verſuchte, oder voll⸗ endete Umgehung der dem Staate ſchuldi⸗ gen Abgaben voraus; die Anwendung der Ord⸗ nungsſtrafe ruͤgt die Kontraventionen, welche die Verletzung von Formalitaͤten betreffen, die zum Schutz der Kontrole angeordnet ſind, deren Unterlaſſung daher eine Statt gefundene Gefaͤlleverkuͤrzung weder annimmt, noch in ſich ſchließt. Bei wiederholten Defraudationen treten jedesmal geſchaͤrftere Strafbeſtimmungen ein; bei Kontraventionen iſt die Schaͤrfung der Strafe im Wiederholungsfalle nur in einzelnen beſtimmten Faͤllen geſetzlich geboten. Betrag§. 491. Die Strafe der Defraudation beſtehet dd. das erſtemal in einer Geldbuße, welche dem tions⸗ vierfachen Betrage derjenigen Gefaͤlle gleich ſtrafe. koͤmmt, die geſetzlich von dem Gegenſtande, uͤber wel⸗ chen die Unterſuchung Statt findet, zu entrichten ge⸗ weſen waͤren. Außerdem iſt durch beſondere Geſetzes⸗ beſtimmungen geboten, in gewiſſen Faͤllen neben die⸗ ſer Defraudationsſtrafe noch eine außerordentliche Strafe in Anwendung zu bringen. Schaͤr⸗§. 492. Bei dem erſten Wiederholungs⸗ fung falle nach vorhergegangener Beſtrafung wird die Strafe der Strafe der Defraudation auf den achtfachen Betrag der Ab⸗ inn erſten gaben beſtimmt, und es darf der zum zweitenmale einer holungs, Defraudation uͤberfuͤhrte Brenner, Brauer, Deſtillateur falle, oder Eſſigfabrikant drei Monate lang, nachdem das Urtheil rechtskraͤftig und executirt worden, das Ge⸗ werbe weder ſelbſt ausuͤben, noch zu ſeinem Vor⸗ theil ausuͤben laſſen. Dieſe geſchaͤrfte Strafe koͤmmt jedoch nur dann in Anwendung, wenn ein Vergehen derſelben Art wiederholt begangen worden iſt, oder nach den Worten des Allgemeinen Landrechts: bei der 381 Wiederholung gleicher Verbrechen*). Wer da⸗ her Brauerei und Brennerei gemeinſchaftlich betreibt und wegen Malzſteuerdefraudation beſtraft iſt, befindet ſich noch nicht im Wiederholungsfalle, wenn er wegen heimlicher Einmaiſchung in der Brennerei zur Unter⸗ ſuchung gezogen wird, obgleich beide Uebertretungen zu den Steuerdefraudationen gehoͤren. Die Suspenſion oder das zeitweiſe Verbot des Gewerbebetriebes wird in jedem Falle erkannt, wenn bei Verkuͤndung des erſten gerichtlichen Strafur⸗ theiles oder eines Reſolutes der Adminiſtrationsbehoͤrde der Angeſchuldigte auf die Erhoͤhung der Strafe auf⸗ merkſam gemacht worden iſt, welche er im Fall der Wiederholung ſeines Vergehens zu erwarten hat. Iſt dieſe Warnung von der Behoͤrde zu machen unterlaſſen worden, ſo trifft den Uebertreter nur die, fuͤr das wie⸗ derholte Vergehen beſtimmte, erhoͤhete Geldſtrafe. §. 493. Im dritten Defraudationsfalle nach vorhergegangener zweimaligen Beſtrafung iſt der ſechszehnfache Betrag der nicht erlegten Abgaben als Strafe verwirkt, ſo wie der ſchuldig befundene Ge⸗ werbtreibende des Rechts, zu brennen und zu brauen, fuͤr immer verluſtig wird und das Ge— werbe nie weiter, weder ſelbſt ausuͤben, noch durch einen Andern zu ſeinem Vortheil ausuͤben laſ⸗ ſen darf. §. 494. Die Einſtellung, oder das gaͤnzliche Verbot des Gewerbebetriebs findet, im Falle wieder⸗ holter Defraudation, nicht blos auf denjenigen An⸗ wendung, welcher das Gewerbe fuͤr eigene Rech⸗ nung ausuͤbt, ſondern auch auf den, der einem An⸗ dern dabei hilft, oder das Gewerbe fuͤr deſſen Rech⸗ nung betreibt; denn das Geſchaͤft eines Gehuͤlfen, Ge⸗ ſellen oder Knechtes, iſt gleichfalls ein Gewerbebetrieb, und es folgt daraus, daß auch er an deſſen Ausuͤbung, wenn er das Geſetz wiederholt uͤbertritt, zur Strafe ver⸗ hindert werden muß. Der wiederholt beſtrafte Ge⸗ huͤlfe darf daher weder in eine andere Brauerei, Bren⸗ nerei oder Deſtilliranſtalt eintreten, noch ein ſolches Ge⸗ ²⁴) Theil II. Tit. 20.§. 32. Schaͤr⸗ fung der Strafe im zweiten Wieder⸗ holungs⸗ falle. Verbot des Ge⸗ werbebe⸗ triebes; deſſen Folgen. 382 ſchaͤft fuͤr ſeine Rechnung betreiben; eben ſo darf der wiederholt beſtrafte Inhaber einer ſolchen Gewerbe⸗ anſtalt nicht bei dem nachfolgenden Beſitzer der ſeinigen, oder in einer anderen, als Gehuͤlfe oder Knecht ſich ver⸗ dingen oder beſchaͤftigt werden. dſen. F. 495. Wer ſich eines Anderen zur Ausfuͤhrung nabme an einer Gefaͤlleverkuͤrzung bedient, oder ihm dabei hilft, Steuer⸗ wird eben ſo beſtraft, wie derjenige, welcher die Defrau⸗ vergehen. dation ſelbſt begangen hat. Er erſcheint hier als Ur⸗ heber, Theilnehmer oder Mitwiſſer. Obſchon in die Steuerordnung dieſe ſpeziellen Strafbeſtimmungen nicht uͤbernommen worden ſind, ſo folgt doch ihre Anwendung ſchon aus allgemeinen Strafrechts⸗Grundſaͤtzen, welche durch die Steuerordnung keinesweges abgeaͤndert werden. Es hat ſonach Jeder, welcher an der Ausfuͤhrung des Vergehens Theil ge⸗ nommen, oder Wiſſenſchaft davon gehabt, auch die volle darauf geſetzte Strafe verwirkt, wie dies ausdruͤcklich in dem§. 64, Tit. 20, Th. II. des allgemeinen Land⸗ rechts und dem Artikel 59 des Code des delits et des peines beſtimmt und feſtgeſetzt iſt. Bei Maiſch— ſteuerdefraudationen kann jedoch, im Falle der Konkurrenz mehrerer Theilnehmer, die außerordentliche Strafe von ein⸗ hundert Thalern nur einmal gegen ſaͤmmtliche Theilnehmer welche zu deren Entrichtung ſolidariſch verpflichtet blei— ben, erkannt werden, wogegen die gleichzeitig verwirkte Defraudationsſtrafe in den geeigneten Faͤllen fuͤr jeden Betheiligten, zum vollen Betrage feſtgeſetzt wird*). Verpflich⸗§. 496. Der Gewerbtreibende Brauer, Brenner, tung des Eſſigfabrikant oder Deſtillateur muß fuͤr die zu ſeinem Gewerb⸗ Hausſtande gehoͤrenden oder in ſeinem Hauſe anweſen— freibene den und beſchaͤftigten Perſonen, durch welche eine uner⸗ den her laubte Gewerbshandlung begangen worden iſt, wenn es werbs⸗ verwirkte Geldſtrafe betrifft, mit ſeinem Vermoͤgen haf— handlun⸗ ten, und er iſt zu deren Zahlung verpflichtet, wenn dieſe gen der, Geldſtrafe von dem eigentlichen Kontravenienten wegen dir ſanen Zahlungsunfaͤhigkeit nicht eingezogen werden kann. ſtande ge⸗ Durch die Allerhoͤchſte Kabinets⸗Ordre vom 6. Ok⸗ hoͤrenden tober 1821 iſt dieſe Beſtimmung naͤher dahin deklarirt *) Reſcript a. d. Koͤnigl. Prov.⸗Steuer⸗Direkt. zu Breslau. vom 23. Juni 1826. 11313. 383 worden, daß, wenn die verbotwidrige Handlung oder Un⸗ Perſonen terlaſſung in den Geſetzen mit einer Geldſtrafe verpoͤnt zu haften. iſt, der ſubſidiariſch Verhaftete ſelbige in dem Falle zu zahlen verpflichtet iſt, wo ſie wegen Unvermoͤgen des eigentlichen Verbrechers nicht zur Vollziehung gebracht werden kann; ſo daß die Verwandlung dieſer Geldbuße in koͤrperliche Strafe an dem eigentlichen Verbrecher erſt dann zu vollziehen iſt, wenn der ſubſidiariſch Ver⸗ haftete, zur Zahlung der Geldbuße ebenfalls nicht im Stande ſein ſollte. §. 497. Die Defraudationsſtrafe erfolgt Vergehen bei der Branntweinſteuer und Braumalzſteuer auf jede der De⸗ entdeckte Verheimlichung desjenigen Fabrika⸗ feehation tionsaktes, mit welchem die Steuerpflichtig⸗- malz⸗ und keit in naͤchſter Beruͤhrung ſteht, in Maiſch⸗ Brannt⸗ brennereien alſo auf undeklarirte heimliche wein⸗ Einmaiſchungen, in Deſtilliranſtalten und nKaure Treſterbrennereien bei heimlicher Benutzung ches konſu⸗ der Deſtillirgeraͤthe zu beſteuerten Zwecken, mirt iſt. oder bei heimlichem Materialvorrath; in Bier⸗ und Eſſigbrauereien begruͤndet die Verwendung von Brauſchrot ohne Steuerentrichtung das Vergehen der Defraudation. §. 498. Heimliche Einmaiſchungen, welche Heimliche wegen beabſichtigter Gefaͤlle⸗Verkuͤrzung als Defrauda⸗ Einmai⸗ tionen beſtraft werden, geſchehen meiſtentheils an Orten(chenger und in Naͤumen oder Geraͤthen, die der gewoͤhnlichen Weiſe ſol⸗ Reviſion der Steuerbeamten nicht unterliegen. Auch che voll⸗ werden ſie wohl in den zum Betrieb des Gewerbes zwar fuͤhrt, oder angezeigten Raͤumen und Gefaͤßen, aber entweder zu ei⸗ verlucht ner Zeit unternommen, welche fuͤr den Gewerbebetrieb erden. nicht angemeldet iſt, oder bei deklarirtem Betrieb, in ſol⸗ chen Maiſchgefaͤßen, welche, der Betriebsdeklaration zu⸗ folge, an dem betreffenden Tage keine Maiſche enthal⸗ ten duͤrfen, mithin ohne Vorwiſſen oder Genehmigung der Steuerbehoͤrde benutzt worden ſind. Auch iſt verſucht worden, zwiſchen zwei deklarirten Einmaiſchungen eines und deſſelben Bottichs eine dritte heimliche dadurch zu bewerkſtelligen, daß man durch Stellen des Maiſchgutes mit ſtarkem Ferment bei hoͤ⸗ herer Temperatur die Gaͤhrungsfriſt in dem Maaße abkuͤrzt, daß die Maiſche, welche bei viertaͤgiger Gaͤh⸗ 384 rungsfriſt erſt in 72 Stunden nach der Einmaiſchung deſtillitt werden ſollte, ſchon in 20— 24 Stunden voͤllig reif war, ſofort auf die Blaſe gebracht, der leere Bottich aber ſogleich wieder eingemaiſcht, und die Gaͤh— rung wieder ſo beſchleunigt wurde, daß die Deſtillation der dritten Einmaiſchung an demienigen Tage geſche⸗ hen konnte, an welchem, nach der Betriebs⸗Nachweiſung, die der zweiten erfolgen ſollte. Ferner ſind heimliche Maiſchungen durch Verwechſelung der Stellung oder der Bezeichnungen der Bottiche, bewirkt, endlich auch in Ge⸗ faͤßen vorgenommen worden, deren Vorhandenſein in den Brennerei⸗Raͤumen zwar bekannt, deren Benutzung als Maiſchbottiche aber weder deklarirt, noch geſtattet war, z. B. Lutter⸗Reſervoirs, Schlempe⸗ und Hefen⸗Gefaͤße, oder Kuͤhlſchiffe, Vormalſchtienen und Maiſchreſervoirs. Maiſche darf in den drei erſteren Behaͤltern niemals aufbewahrt werden, in den drei letztern blos waͤhrend des dafuͤr erlaubten Zeitraums; zu keiner Zeit aber im Zuſtande der Gaͤhrung, ſondern nur vor dem Beginn oder nach Beendigung derſelben. Jedes Vorfinden von Maiſche in einem Raume, der keine ent⸗ halten durfte, wird als Steuerverkuͤrzung betrachtet, und demnach, außer Konfiskation der benutzten Geraͤthe, ne⸗ ben der Defraudationsſtrafe mit der auf heimliche Ein⸗ maiſchungen geſetzten außerordentlichen Strafe von Ein⸗ hundert Thalern geahndet. Anderwei⸗§. 499. Als geſetzwidrige Vergroͤßerung des dekla⸗ te Ueber⸗ rirten und verſteuerten Gaͤhrungsraumes, oder als betungen, Maiſchbereitung in nicht deklarirten, oder ohne ter die Ka⸗ Anmeldung veraͤnderten Gefaͤßen, mithin als thegorie unerlaubte und unverſteuerte Einmaiſchung, wird es an⸗ der beim- geſehen, wenn auf den Bottich waͤhrend der Einmai⸗ lchen Eine ſchung oder waͤhrend der Gaͤhrung, Aufſatzhoͤlzer, Auf⸗ me ſe t ſatzkraͤnze, Bretter, Leiſten oder andere Vorrichtungen, werden. ſeien ſie von Holz, Stroh oder Metall, angebracht wor⸗ Vergroͤße⸗ den ſind, um das Ueberſteigen der gaͤhrenden Maiſche runssde zu verhindern, indem die Benutzung derartiger Kraͤnze rungsrau die Vermuthung gegen ſich hat, daß ein groͤßerer als mes durch der verſteuerte Raum gebildet, mithin mehr eingemaiſcht Aufſatz⸗ als verſteuert, und dadurch ein Theil der Abgabe unter⸗ kraͤnze, ſchlagen worden iſt. Gleichfoͤrmig wird als heimliche Maiſchberei⸗ tu ng betrachtet und geahndet, das Ausſchoͤpfen oder Auffangen gaͤhrender Maiſche aus deklarirten Botti⸗ ſchen in Nebengefaͤße. Nach§. 5 der Allerhoͤchſten Ka⸗ binetsordre vom 10. Januar 1824 ſoll jedoch in ſolchen Faͤllen die geſetzliche Defraudationsſtrafe neben der au— ßerordentlichen Strafe von einhundert Thaler, ſammt der Konfiskation der Geraͤthe, nur alsdann eintreten, wenn die Abſicht einer Verkuͤrzung der Steuer nachgewie⸗ ſen wird. Das Auffangen oder Abſchöpfen gaͤhrender Maiſche kann aber in foͤrmliche Steuerdefraudation uͤbergehen, weil bei Beſtimmung der Maiſchſteuer auf das Beduͤrf⸗ niß des leeren Steigraums im Maiſchbottich, ſchon ge⸗ rechnet iſt. Wer alſo in demſelben weniger Steigraum, als fuͤr das Ganze crforderlich iſt, leer laͤßt, und das Fehlende dadurch erſetzt, daß er einen Theil der Maiſche in einem beſonderen Nebengefaͤß ſteigen laͤßt, der hat, wenn er das Nebengefaͤß nach vollendeter Gaͤhrung wieder in den Hauptbottich ausleert, in dem letzteren mehr einge⸗ maiſcht, als er ohne das Nebengefaͤß haͤtte einmaiſchen koͤnnen; er hat ſeinen ſteuerbaren Maiſchraum vermehrt, ohne fuͤr die Vermehrung die geſetzliche Steuer zu be⸗ zahlen, und da dies eine Gewerbshandlung iſt, wodurch der Staat an Steuer verkuͤrzt wird, ſo iſt nach§. 60 der Steuerordnung und F. 11 des Maiſchſteuer⸗Regu⸗ latives eine Defraudation begangen. Das Geſetz gebie⸗ tet unbedingt, daß jeder Maiſchraum deklarirt und ver⸗ ſteuert werden ſoll; wer dies durch eine abſichtliche Handlung unterlaͤßt, begehet eine Steuerdefraudation, ohne Ruͤckſicht darauf, ob er die Abſicht hatte, die Steuer zu verkuͤrzen. Aber auch abgeſehen von der Verkuͤrzung der Steuer wird dennoch das Abgaͤhren aufgefange⸗ ner oder abgeſchoͤpfter Maiſche in einem dazu nicht angezeigten Nebengefaͤße mit der Konfiskation deſſelben und der Strafe von hundert Thalern belegt, weil die Allerhoͤchſte Kabinetsordre vom 10. Januar 1824 jede Einmaiſchung oder Zubereitung von Maiſche in anderen, als den angeſagten Ge⸗ faͤßen, auch wenn keine Defraudation vor⸗ 25 Abſchoͤ⸗ pfen oder Auffangen der Maiſche. — 386 handen iſt, unter Androhung jener Strafe ver⸗ bietet*). Verwech⸗§. 500. Endlich gehoͤrt auch in die Kathegorie ſelung der dieſer Vergehungen, bei vorhandener Deklaration die Kur bineg Einmaiſchung zu einer andern Zeit oder in einem deklarirten andern Bottiche, als nach Maaßgabe der feſtgeſtell⸗ Bottiche, ten Betriebsnachweiſung angeſagt und geſtattet worden Tage, iſt. Doch wird hierbei unterſchieden, ob dieſe Einmai⸗ Stunden. ſchung nur in anderen als den deklarirten Stunden, oder in andern als den deklarirten Tagen vollzogen wurde. Im erſtern Fall iſt eine Abweichung des Betriebes nach§. 78 der Steuerordnung vorhanden, der zweite Fall iſt jedoch durch die vorher erwaͤhnte Aller⸗ hoͤchſte Kabinetsordre vorgeſehen, welche auf Zubereitung von Maiſche an anderen als den deklarirten Tagen ne⸗ ben Konfiskation der Geraͤthe eine Geldbuße von ein⸗ hundert Thaler feſtgeſetzt hat. urtbeils⸗§. 501. In allen vorgenannten Geſetzesuͤber⸗ Auszude tretungen hat der hoͤchſte Gerichtshof gegen die An⸗ der binc geklagten die Defraudationsſtrafe, Konfiskation ſcheidun⸗ der veraͤnderten, unangemeldeten oder unerlaubter Weiſe gen uͤber gebrauchten Geraͤthe, ſo wie nach§. 11 des Regula⸗ vorge⸗ tivs vom 1. Dezember 1820 und§. 66 der Steuerord⸗ nonäne nung die Erlegung einer Geldſtrafe von einhundert Tha⸗ *ler in letzter Inſtanz erkannt. Die aus den Urtheilen gezogenen Entſcheidungs⸗ grunde fuͤr die§§. 499 und 500 erwaͤhnten Faͤlle,(bei den Uebrigen iſt durch den Thatbeſtand die Abſicht der Defraudation ſchon erwieſen), ſind Folgende: a. Der an einem Maiſchbottich angebrachte Aufſatz⸗ kranz iſt theils als Brenngeraͤthe ſelbſt, theils als eine damit vorgenommene Veraͤnderung anzuſehen, auch zu dem Zweck angebracht, um die uͤberflie⸗ ßende Maiſche aufzuhalten, alſo mehr Raum fuͤr die Maiſche zu gewinnen. Das Vorfinden von friſcher Maiſche in einem nicht allein nicht deklarirten, ſondern uͤberhaupt in einem der Steuerbehoͤrde nicht angezeigten Gefaͤße *) Reſcript a. d. Koͤnigl. Prov.⸗Steuer⸗Direkt. zu Poſen. vom 12. April 1828. 7377. 387 iſt aber nach§. 66 der Steuerorduung und§. 11 des Regulativs vom 1. Dezember 1820, außer Kon⸗ fiskation der Geraͤthe, durch eine Geldſtrafe von einhundert Thaler und der Strafe der Defraudation verpoͤnt. Bedient man ſich zum Auffangen oder zum Aus— ſchoͤpfen gaͤhrender Maiſche eines nicht dektlarirten Gefaͤßes, ſo wird dadurch eine, die vorerwaͤhnten Geſetzesſtellen verletzende Kontravention begangen, da auf das Steigen der Maiſche die gehoͤrige Ruͤck⸗ ſicht genommen iſt, indem§. 1 des Regulativs vom 1. Dezember 1820 den noͤthigen Raum, wel⸗ cher der Verſteuerung nicht unterworfen iſt, dazu freigelaſſen hat. Zu dem Thatbeſtande einer derartigen Kontravention gehoͤrt die bloße That, auch ohne Abſicht, die Defraudation zu bege⸗ hen, und macht es in einem ſolchen Falle kei— nen Unterſchied, ob in dem nicht deklarirten Gefaͤße ſelbſt eingemaiſcht, oder die uͤberlaufende Maiſche eines andern Gefaͤßes bloß hineingegoſſen worden iſt, da das Letztere immer eine Benutzung vorausſetzt, das Auffangen uͤbergaͤhrender Maiſche aber nicht zulaͤßig iſt. Die Verwechſelung der Tage oder der Maiſchge⸗ faͤße bei vorhandener Deklaration ziehet nach§. 60 der Steuerordnung die in den§§. 61 und 66 be⸗ ſtimmte Strafe der Defraudation fuͤr den Brannt⸗ weinbrenner nach ſich, weil eine Gewerbshandlung entweder gar nicht oder unrichtig angezeigt iſt, und weil ferner nach§. 11 des Regulativs vom I. De⸗ zember 1820 durch jede Einmaiſchung in anderen, als den dazu deklarirten Geſaͤßen, oder zu einer an— deren, als der in§. 5 beſtimmten Zeit, außer der gewoͤhnlichen Defraudationsſtrafe und der Konfis⸗ kation der Geraͤthe, die feſtgeſetzte hoͤchſte Geld⸗ ſtrafe verwirkt iſt. Auch zu dem Thatbeſtande einer ſolchen Kontravention gehoͤrt, nach dem Sinn und Zweck der angefuͤhrten Steuergeſetze, nur die bloße That, und es kommt nicht dar⸗ auf an, ob die Abſicht, eine Defraudation 25 Bet der außeror⸗ dentlichen Sitrafe von hun⸗ dert Tha⸗ tung 388 zu begehen, vorhanden geweſen, oder ob der Kontravenient ſich im Irrthume befunden habe. §. 502. Wir ſehen, daß bei Beſtimmung der, durch die Allerhoͤchſte Kabinetsordre vom 10. Januar 1824 feſtgeſetzten Strafe von einhundert Thaler auf das unrichtige Einmaiſchen oder auf die Zuberei⸗ von Maiſche in anderen als den fuͤr dieſen ler iſt die Zweck und fuͤr dieſen Tag deklarirten Gefaͤßen, ab⸗ Abſicht der Ge⸗ ſetzesuͤber⸗ tretung ausge⸗ ſchloſſen. ſichtlich kein Unterſchied gemacht iſt, ob die Kon⸗ travention aus Vorſatz oder aus Verſehen began⸗ gen wurde, weil fuͤr die Verhuͤtung von Uebertretungen der Steuergeſetze es mehr als zur Vorbeugung anderer Verbrechen, nothwendig iſt, gewiſſe Handlungen mit Strafe zu bedrohen, ohne die Motive, wodurch ſie ver⸗ anlaßt wurden, zu beachten. Es iſt mithin wohl im Auge zu halten, daß die Strafe von einhundert Thaler geſetzlich auch da eintritt, wo gar keine Defrauda⸗ tion ſtatt gefunden hat, ſogar ſelbſt bei dem voll⸗ ſtaͤndigen Beweiſe, daß eine Verletzung des Steuer⸗ Intereſſes weder bewirkt noch beabſichtigt, und die Abweichung von der Deklaration lediglich durch ein Verſehen oder durch einen Irrthum herbeigefuͤhrt wurde; z. B. bei zufaͤlliger Verwechſelung der zum Einmgiſchen deklarirten Bottiche, oder beim Auffangen von Maiſche, welche aus Verſehen zu warm, und mit zu vieler Hefe geſtellt iſt, ſo daß ſie, gegen alle Regeln des gewoͤhnlichen Betriebes, aus dem Bottich uͤberlaͤuft. Daß man uͤbergelaufene Maiſche lieber wegſchuͤtten, oder als Viehfutter verbrauchen ſoll, dieſelbe aber in keinem Falle in beſondern Gefaͤßen abgaͤhren laſſen, und ſpaͤter in den Bottich zuruͤckbringen darf, haben wir bereits §. 127 u. 333 erwaͤhnt, und es bleibt uns nur noch zu bemer⸗ ken uͤbrig, daß in bedeutenderen Brennereien, wo wegen der groͤßern Zahl vorhandener Bottiche leicht ein Irr— thum oder eine Verwechſelung eintreten kann, jedesmal vor der Einmaiſchung eine Vergleichung mit der Deklara⸗ tion rathſam erſcheint, damit dem Beginn des Betriebes die Gewißheit vorhergehe, daß weder unrichtige Bottiche ein⸗ gemaiſcht werden, noch in der Deklaration ſich eine irr— thuͤmliche Angabe des Einmaiſchungstages, oder der Nummern der Bottiche eingeſchlichen habe. 389 §. 503. Bei heimlichen Einmaiſchungen werden Gefaͤlle und Defraudationsſtrafe in der Art berechnet, daß von dem Tage ab, wo die letzte deklarirte Be⸗ nutzung geſchehen, oder der Verſchluß angelegt worden iſt, fuͤr jeden dritten Tag, bis zur Zeit der Ent⸗ deckung, eine Einmaiſchung angenommen wird. War das mißbraͤuchlich benutzte Gefaͤß gar nicht ange— meldet, ſo werden nach ermitteltem Rauminhalt, Gefaͤlle und Strafe von jeder entdeckten und erwieſenen heimlichen Einmaiſchung berechnet. Gefaͤlle und Strafe werden dann nach dem vollen Rauminhalt der mißbraͤuchlich benutzten Gefaͤße, nicht aber nach der Quantitaͤt der bei der Entdeckung etwa vorgefundenen Maiſche beſtimmt, weil das Geſetz den Maiſchraum, nicht die Maiſche beſteuert. Bei Feſtſetzung der auſſerordentlichen Strafe von einhundert Thaler, ſei es in Verbindung mit der Defrau⸗ dationsſtrafe oder ohne dieſelbe, macht es keinen Unter⸗ ſchied, ob nur ein oder mehrere Bottiche oder Ge⸗ faͤße, zmit undeklarirter Maiſche gefuͤllt, gleichzeitig ent⸗ deckt worden ſind, da die Strafe von einhundert Thaler ohne Nuͤckſicht auf die Anzahl der benutzten Bottiche ſo oft feſtgeſetzt wird, als deklarationswidrige Einmai⸗ ſchungen wiederholt werden, oder einzelne zur Ent⸗ deckung gelangen. §. 504. Die Strafe der heimlichen oder deklara⸗ tionswidrigen Einmaiſchung trifft auch in Defraudations⸗ faͤllen diejenigen Brennerei⸗Inhaber, welche nach Maaß⸗ gabe des Regulativs vom 21. Auguſt 1825 Brannt⸗ wein aus Obſt, Beeren, Wein und Abfaͤllen bereiten, wie ſolches§. 14 gedachten Regulativs beſtimmt, und werden Gefaͤlle und Strafe nach der Gattung und Quantitaͤt der unangemeldeten, verheimlichten, oder ohne Gefaͤllezahlung verbrauchten Betriebs⸗Materialien be⸗ rechnet. §. 505. Die fuͤr heimliche Einmaiſchung feſtge⸗ ſetzte Geldſtrafe von einhundert Thalern erhaͤlt der An— zeiger oder Entdecker, wer er auch ſei, nachdem ſolche von dem Beſtraften eingezogen iſt, durch die Steuerbehoͤrde als Belohnung unverkuͤrzt ausgezahlt. Berech⸗ nung der Gefaͤlle und der Strafe bei heimlichen Einmai⸗ ſchungen. Strafe der Defrau⸗ dation in Treſter⸗, Obſt⸗, Wein⸗ Brenne⸗ reien. Befugniß zur Be⸗ zugnahme der auf heimliche Einmai Es haben daher nicht nur alle Beamte, ſon⸗ ſchung ſeſt— dern jede Privatperſon, mithin auch das Geſinde geſetzten Geldbuße von hundert Thaler⸗ Konfiska⸗ tion der Geraͤthe Defrauda⸗ tionen des Blaſen⸗ zinſes. Brau⸗ malz⸗ ſteuer⸗ Defrauda⸗ tionen. Berech⸗ nung der Strafe. 390 des Brenners darauf Anſpruch, ſobald durch einen von ihnen der Steuerbehoͤrde die geſchehene heimliche Einmaiſchung, ſei es muͤndlich oder ſchriftlich, angezeigt worden iſt, ſo daß ſie die Veranlaſſung zur Entdeckung gegeben haben. Iſt bei mildernden Umſtaͤnden oder im Wege der Gnade der Betrag von einhundert Thaler auf eine geringere Summe ermaͤßigt, ſo gebuͤhrt dann dem Denuncianten der verminderte Strafbetrag ebenfalls un⸗ verkuͤrzt. §. 506. Auf Konfiskation der Geraͤthe oder Gefaͤße wird erkannt, wenn Brau- und Brenngeraͤthe entweder gar nicht angemeldet, oder die damit vorge⸗ nommenen Veraͤnderungen der Steuer⸗Behoͤrde nicht an⸗ gezeigt worden ſind; wenn die Bezeichnungen unter— laſſen, zerſtoͤrt oder verfaͤlſcht wurden; wenn die Einmai— ſchungen in anderen, als den fuͤr dieſen Tag deklarirten Maiſchbottichen, zu anderer als der geſetzlich beſtimm⸗ ten Einmaiſchungszeit, oder außer den angezeigten Raͤumen geſchehen. Die geſetzlichen Beſtimmunzen ma⸗ chen hierbei keinen Unterſchied, ob dieſe Gefaͤße oder Geraͤthe einem Anderen, als dem Kontravenienten, ei— genthuͤmlich angehoͤren, und es iſt daher dasjenige Gefaͤß, mit welchem die Geſetzesuͤbertretung begangen, dem Fiskus verfallen, ohne Ruͤckſicht darauf, ob der zeitige Inhaber Eigenthuͤmer oder Paͤchter deſſelben iſt*). §. 507. Bei Defraudationen des Blaſenzinſes in Deſtilliranſtalten, oder da, wo die Benutzung von Deſtillirgeraͤthen zu ſteuerfreien Zwecken geſtattet war, wird nach§. 67 und 68 der Steuerordnung die Strafe von demjenigen Zeitpunkte an gerechnet, wo die miß— braͤuchliche Benutzung ſtatt gefunden hat. §. 508. Die Berechnung der Strafe von Brau⸗ ſteuer⸗Defraudationen richtet ſich nach dem Gewichte des unverſteuert verbrauchten Malzes. Hat der Brauer ohne Anmeldung und Verſteuerung einge⸗ maiſcht, ſo wird, wenn nicht ein beſtimmter Satz feſt— ſtehet, wie viel zu einem ganzen Gebraͤude der beabſich— teten Biergattung genommen wird, die Quantitaͤt des Malzverbrauches nach der,§. 487 angefuͤhrten Ermit⸗ *) Reſcript a. d. Koͤnigl. Prov.⸗Steuer⸗Direkt. zu Breslau. vom 3. Januar 1828. 24893. 391 telung bemeſſen; indem, wie ſchon dort erwaͤhnt, die zu einem ganzen Gebraͤude erforderliche Quantitaͤt Schrot nicht allein durch den Inhalt der Gefaͤße, ſondern auch durch die Natur und Staͤrke des zu brauenden Bieres beſtimmt wird, mithin bei gleichem Inhalt der Gefaͤße und bei gleichem Bierzuge in zwei verſchiedenen Brau⸗ ereien dennoch abweichende Quantitaͤten Malz fuͤr ein volles Gebraͤude gerechnet zu werden pflegen. Daß dieſelbe Strafberechnung auch auf ſteuerpflichtige Eſſig⸗ brauereien ganz gleiche Anwendung findet, unterliegt keinem Zweifel. §. 509. Die ordentliche Strafe der Defrauda⸗ unterſchei⸗ tion von Brauſteuer bei Uebertretung der Beſtimmungen dung der Allerhoͤchſter Kabinetsordre vom 10. Januar 1824, toollendeer wonach alles Malzſchrot, welches ſich uͤber die, zur beabſich⸗ Einmaiſchung laͤngſtens fuͤr den folgenden Tag dekla⸗ tigten De⸗ rirte und verſteuerte Quantitaͤt vorfindet, als Gegenſtand frauda⸗ einer beabſichtigten Defraudation angeſehen werden tion. ſoll, findet volle Anwendung, wenn die Defraudation durch Einmaiſchung oder Nachmaiſchung mit dergleichen unverſteuertem Malzſchrot wirklich begangen worden iſt. Dagegen wird in dem Fall, wo die Einmaiſchung noch nicht Statt gefunden, nur der Thatbeſtand des verſuch⸗ ten, aber nicht vollfuͤhrten Vergehens als begruͤndet an⸗ genommen, und der Brauer wegen des, durch obige Beſtimmung geſetzlich begruͤndeten Verdachtes der beab⸗ ſichtigten Defraudation, dafern er ſolchen nicht durch vollſtaͤndigen Gegenbeweis entkraͤften kann, in die außerordentliche Strafe der Defraudation, nach den Vorſchriften des Allgem. Landrechtes, Theil II. Tit. 20 §. 40 dc., genommen, und verwirkt uͤberdieß noch fuͤr jeden Zentner des, außer dem dazu deklarirten Orte ge⸗ fundenen Malzſchrotes, unter allen Umſtaͤnden, die Ord⸗ nungsſtrafe von einem Thaler*)**). §. 510. Nach F. 1 der Allerhoͤchſten Kabinets⸗ Gewichts⸗ ordre vom 10. Januar 1824 kann jede Quantititaͤt Mac⸗ Brauſchrot, welche ſich bei der Einmaiſchung uͤber die we *) Neſcript a. d. Koͤnigl. Prov.⸗Steuer⸗Direkt. zu Koͤnigsberg. vom 12. Auguſt 1826. 14481. **) Reſcript an die Koͤnigliche Regierung zu Potsdam. vom 29. Oktober 1827. 20333. 392 Strafan⸗ verſteuerte und deklarirte Menge vorfindet, als ſlraffaͤllig aßch e⸗ erachtet werden, und es beginnt daher der Strafanſpruch, grundek. ſobald bei der Reviſion der Mehrbefund gegen die De⸗ klaration die geſetzlich ſteuerfreie Quantitaͤt von einem ſechszehntel Zentner(§. 461) uüberſteigt, es ſei denn, daß durch beſondere Beſtimmungen bei Verſteuerung groͤßerer Poſten ein weiterer Gewichtsuͤberſchuß, nach dem Pro⸗ zentdetrag des deklarirten Malzſchrotes abgemeſſen, als ſtraffrei geſtattet oder erklaͤrt worden. Konſiska⸗§. 511. Die Konfiskation, oder ſtatt derſelben ſeon der die Erlegung des Werthes von Braumalz, Getreide, Prisde⸗ oder denjenigen Betriebsmaterialien, mit welchen die lien findet Gefaͤlleverkuͤrzung von Bier- oder Branntweinſteuer be⸗ nicht ſtatt. gangen worden iſt, iſt geſetzlich nicht ausgeſprochen, in⸗ dem die Defraudation hier meiſtentheils in dem Akte der Einmaiſchung ohne vorherige Verſteuerung liegt, und dadurch der Gegenſtand, welcher der Konfiskation unter⸗ liegen wuͤrde, gewoͤhnlich zu der Zeit ſchon verbraucht iſt, wo die Konfiskation eintreten muͤßte. Strafe der§. 512. Nach dem Gewerbſteuergeſetz(§. 19 a) Gemderber liegt jedem Gewerbtreibenden ob, vor dem Beginn eines Konte Gewerbes, gleichviel ob daſſelbe der Gewerbſteuer unter⸗ vention, liege oder nicht, der Gewerbſteuer⸗Verwaltungsbehoͤrde Anzeige von dem beabſichtigten Gewerbebetriebe zu thun. Wer daher dies unterlaͤßt, den trifft entweder die daraus folgende Strafe der Gewerbſteuer⸗Defraudation mit dem vierfachen Betrage der einjaͤhrigen Steuer, oder bei ei⸗ nem wirklich ſteuerfreien Betriebe eine Ordnungsſtrafe (Gew. Steuergeſetz§. 39 4). Waltet außerdem eine Defraudation der Branntwein⸗ oder Brauſteuer vor, ſo tritt der Defraudationsſtrafe, nach beiden Steuerge⸗ ſetzen(fuͤr Gewerbe⸗ und Branntwein⸗Steuer), die Kon⸗ fiskation ſaͤmmtlicher Geraͤthe noch hinzu. Straf⸗§. 513. Wer die in den Fiyxationsvertraͤgen feſt⸗ Tcheiehäde geſetzten Bedingungen zum Nachtheile der Gefaͤlle ver— Fixations⸗ letzt, hat die Defraudationsſtrafe verwirkt, und es ſind vertraͤge, auch die Vertraͤge von dieſem Zeitpunkte ab aufge⸗ hoben. Strafe§. 514. Injurien, muͤndliche oder ſchrift⸗ der Inju⸗ liche, welche Beamten, die in Ausuͤbung des Dienſtes rt Aone begriffen waren, von den Steuerpflichtigen zugefuͤgt ſind, im Dienſt. werden nach Art. 222 und 224 des in den Rheinpw⸗ 393 vinzen geltenden Strafgeſetzbuches, nach der Allerhoͤchſten Kabinets⸗Ordre vom 5. Juli 1819, oder nach den Be⸗ ſtimmungen des Landrechts und nach Maaßgabe des, von der richterlichen Behoͤrde zu beurtheilenden Falles, mit Gefaͤngniß von einem Monate bis zu zwei Jahren, oder mit einer Geldſtrafe von ſechszehn bis zwei hun⸗ dert Franken, oder einer Gefaͤngnißſtrafe von vier Tagen bis zu ſechs Monaten geahndet. §. 515. Widerſetzlichkeit gegen die, in Aus-Widerſetz⸗ uͤbung des Dienſtes begriffenen Beamten ziehet eine lihtet⸗ Strafe von zehn bis funfzig Rthlr. oder verhaͤltnißmaͤ⸗ un e. ßige Gefaͤngnißſtrafe nach ſich. Da die Wahl der ſtrafung Strafgattung der entſcheidenden Behoͤrde, nach derſelben. §. 89 der Steuerordnung, uͤberlaſſen iſt, ſo haͤngt es auch lediglich von ihrem Ermeſſen ab, in wie fern ſie in dem Falle einer Widerſetzlichkeit von dem Beklagten die Strafe durch Geldzahlung einziehen, oder jene mittelſt gefaͤnglicher Haft abhbuͤßen laſſen will. Die Widerſetzlichkeit begreift zwei Faͤlle, indem ſie entweder handelnd, oder unterlaſſend iſt, daher poſitiv oder negativ ſeyn kann. Der erſte Fall waltet vor, wenn der Beamte in Ausuͤbung ſeiner Amtspflichten durch die thaͤtige Oppo⸗ ſition des Steuerpflichtigen abgehalten, ihm z. B. der Eintritt in die Gewerbeanſtalt verwehrt wird. Der zweite Fall wuͤrde vorhanden ſeyn, wenn der Beamte durch die, von dem Steuerpflichtigen ver⸗ ſagte oder unterlaſſene Huͤlfsleiſtung an Ausuͤbung ſeiner Dienſtobliegenheiten gehindert wird; wenn alſo z. B. eine im Betrieb befindliche Gewerbeanſtalt zur Nacht⸗ zeit nicht geoͤffnet wird, oder der Steuerpflichtige bei einer Vermeſſung die Beſchaffung der erforderlichen Handreichung ꝛc. unterlaͤßt oder ablehnen wollte. Sind mit Widerſetzlichkeiten thaͤtliche Belei⸗ digungen verbunden, ſo treten die dafuͤr geltenden allgemeinen Strafbeſtimmungen außerdem noch in Kraft. § 516. Wer einem Steuerbeamten, mit dem er Beſte⸗ als Steuerpflichtiger in dienſtlicher Beruͤhrung ſteht, Behuſger Geld oder Geldeswerth, letzterer beſtehe in Waaren, Ma⸗ Veſte⸗ terialſen, oder worin er wolle, ſchenkt, oder ihm chung. daſſelbe auch nur zum Geſchenk anbietet, von 394 Strafe. dem wird angenommen, daß er durch Beſtechung des Beamten das Staats-Intereſſe zu gefaͤhrden beab— ſichtigt habe, und er hat den vier und zwanzigfachen Geldwerth des geſchenkten oder des angebotenen Gegen⸗ ſtandes, wo aber ein Werth nicht zu ermitteln iſt, zehn Thaler Strafe zu erlegen. Strafe der Es iſt daher wohl im Auge zu behalten, daß der Pichte Steuerbeamte nicht befugt iſt, fuͤr eine amtliche Hand⸗ rigen Be, lung, ſelbſt wenn ſie nicht zu ſeinen unmittelbaren Dienſtleiſtungen gehoͤrt, irgend ein Entgeld zu verlangen, oder auch nur anzunehmenz denn er iſt von dem Staate fuͤr ſeine Dienſtleiſtungen aus koͤmmlich beſoldet, und ihm daher ausdruͤcklich verboten, ein anderes Ein⸗ kommen als dasjenige, was ihm ſeine Dienſtſtellung oder eignes Vermoͤgen gewaͤhrt, zu beziehen. Der Be⸗ amte, welcher Geſchenke annimmt, wird um den vier⸗ fachen Betrag des Empfangenen beſtraft, und hat, bei erheblichem Verdacht einer begangenen oder vorgehabten Pflichtwidrigkeit, Kaſſation verwirkt, die im Falle einer klar erwieſenen Verletzung der Amtspflicht, noch durch drei⸗ bis ſechsjaͤhrige Zuchthaus⸗ oder Feſtungsſtrafe ge⸗ ſchaͤrft wird.(Allgem. Landrecht, Theil II. Tit. 20. §§. 360. 36 1.) Auch iſt es dem Steuerbeamten bei Straſe nach⸗ theiliger Verſetzung verboten, ohne Genehmigung ſeiner Vorgeſetzten mit Steuerpflichtigen, die ſeiner Aufſicht oder Reviſion unterliegen, Schuldverbindungen oder Fa⸗ milien⸗Verhaͤltniſſe einzugehen, und er darf, bei eben der Strafe, keine Handlung oder ſonſt buͤrgerliche Nahrung treiben, die ihn zur Verabſaͤumung oder Uebertretung ſeiner Amtspflichten verleiten koͤnnte.(Allgem. Landrecht, Theil II. Tit. 20.§ᷣ§. 456. 457.) Ganz irrig und geſetzwidrig iſt daher die, hin und wieder, aufgefaßte Meinung, daß man ſich mit dem ſubalternen Steuerbeamten fuͤr ſtrengere oder mildere Wahrnehmung ſeiner Verrichtungen abfinden muͤſſe oder abfinden koͤnne, und mithin dieſem die Befugniß zu— traut, uͤber Unregelmaͤßigkeiten oder Geſetzwidrigkeiten hinwegſehen zu duͤrfen. Man erwaͤgt hierbei nicht, daß, wo eine Kontravention oder Defraudation Statt gefun⸗ den hat, der Beamte ſeiner vorgeſetzten Behoͤrde, bei ſchwerer Verantwortlichkeit, daruͤber Anzeige erſtatten 395 muß; er darf dieſe alſo nicht unterlaſſen, ſelbſt wenn auch ſeiner Meinung nach fuͤr die Strafloſigkeit des betreffenden Falles vollguͤltige Gruͤnde vorhanden ſeyn ſollten; denn es hat ein Steuerbeamter weder das Recht, noch die Befugniß, von Befolgung der geſetz⸗ lichen Vorſchriften eigenmaͤchtig zu diſpenſiren, da Ausnahmen von dieſen Beſtimmungen beſonderer Er⸗— laubniß beduͤrfen, und dieſe ſtets nur von der, dem Re— viſionsbeamten vorgeſetzten Verwaltungsbehoͤrde ausge⸗ hen koͤnnen.— Auch wuͤrde bei einer entdeckten Kontravention dem Steuerpflichtigen ſelbſt der bewieſene Umſtand, daß die Geſetzwidrigkeit durch den Beamten fruͤher nicht geruͤgt, oder gar zugelaſſen worden ſei, weder zur Entſchuldigung gereichen, noch einen Mil⸗ derungsgrund fuͤr ihn abgeben. Gegen etwanige Unbilden oder Chikanen einzelner Beamten ſchuͤtzen die von der Verwaltung angeordne⸗ ten Maaßregeln(§. 418), welche außer der dem Be⸗ leidigten gebuͤhrenden Privatgenugthuung, die Strafe der Injurien, der Degradation oder Kaſſation nach ſich zie⸗ hen(Allgem. Landrecht, Theil II. Tit. 20.§. 362). Der Steuerpflichtige hat daher weder ein Inter⸗ eſſe, noch einen Nutzen, dem Beamten irgend ein Geſchenk anzubieten, oder ſich mit demſelben in Dar— lehns- oder Schuldverhaͤltniſſe einzulaſſen; wohl aber ſetzt er ſich dadurch jedesmal in den Nachtheil, von dem betreſſenden Beamten der Beſtechung angeklagt, und vielleicht fuͤr ſeine gute Meinung empfindlich ge— ſtraft werden zu koͤnnen. §. 517. Aufſichtbeamte duͤrfen ſich auch Aufſicht⸗ mit Gelderhebungen durchaus nicht befaſſen, beamte wenn ſie nicht von der Behoͤrde mit der Stellvertretung büefes ſih eines Steuerempfaͤngers ausdruͤcklich beauftragt ſind. Es erhebung iſt daher keine Ungefaͤlligkeit von Seiten eines Beamten, nicht be— wenn er ſich weigert, die ſchuldige Steuer von dem faſſen. Steuerpflichtigen, um dieſem vielleicht Zeit und Trans— portkoſten zu ſparen, anzunehmen und ſolche der Hebe⸗ ſtelle zu uͤbergeben, indem er ſich durch dieſe Annahme leicht einem Disciplinar-Verfahren ausſetzen koͤnnte. §. 518. Außer den vorgenannten Faͤllen iſt die Anderwei⸗ 4 8 4 5 te Kontra Verletzung aller uͤbrigen geſetzlichen Beſtimmungen, aller de rronec 396 deren Be⸗Kontrolemaaßregeln oder Formalitaͤten mit Ordnungs⸗ ſtrafung, ſtrafen oder außerordentlichen Geldſtrafen belegt. Sie werden von der entſcheidenden Behoͤrde entweder fuͤr ſich allein, oder bei Gefaͤlle-Umgehung, in Verbindung mit der Defraudationsſtrafe zuerkannt. §. 519. Wir haben verſucht, in der unter An⸗ lage G. befindlichen alphabetiſchen Zuſammenſtellung, eine Ueberſicht derjenigen Handlungen zu geben, deren Begehen oder Unterlaſſen ein Strafverfahren begruͤnden, und mithin Nachtheil fuͤr den Steuerpflichtigen herbei⸗ fuͤhren kann. Zugleich iſt dort der Nachweis der geſetzlichen Strafbeſtimmungen, ſo wie der Maaßſtab der Strafbe⸗ betraͤge beigefuͤgt, auf welche nach den Buchſtaben der Geſetze erkannt werden kann. Es richtet ſich jedoch, wo eine Gradation der Geldbuße vorgeſchrieben iſt, das Strafmaaß jedesmal nach dem beſtimmten vorliegenden Falle, ſo wie nach der ſpeziell zu beurtheilenden Anklage, es wird in allen Entſcheidungen die Anwendung der hoͤ⸗ heren oder niedrigeren Geldbußen durch die erſchweren⸗ den oder erleichternden Umſtaͤnde bedingt, unter welchen das angeſchuldigte Vergehen unternommen, beab⸗ ſichtigt oder vollbracht worden iſt. Die Nuͤge der außer jener Ueberſicht etwa noch vorkommenden Faͤlle wird nach F. 90 der Steuerordnung bewirkt, nach wel⸗ cher eine Steuer⸗Polizeiſtrafe fuͤr alle mit Kontrolirung der Steuern zuſammen haͤngenden Formenverletzungen eintritt, deren beſondere Beſtrafung im Geſetz nicht an⸗ geordnet iſt. §. 520. Obſchon ſich der Fall ſelten ereignen moͤchte, daß ein Steuerbeamte eine vermeintliche Unregelmaͤßigkeit in einer Gewerbeanſtalt ruͤgen zu muͤſſen glaubt, welche unrichtige gar nicht vorhanden iſt, daß daher eine Anklage ledig⸗ oder irr, lich aus unrichtiger Anſicht, mangelnder Kenntniß oder thuͤmliche Beurtheilung des Gewerbebetriebs entſtehet, deren Folgen Anklagen. ſpaͤter dem Steuerpflichtigen nachtheilig ſein, und ihm Unannehmlichkeiten oder Muͤhe,⸗ſie zu widerlegen, verur⸗ ſachen koͤnnen, ſo iſt dennoch dieſer Fall zuweilen ſchon vorgekommen, und es liegt in dem Intereſſe des Steuer⸗ pflichtigen, ſich gegen ſolchen Nachtheil durch Vorſichts— waaßregeln zu bewahren. 397 Wenn daher der Beamte bei Reviſion einer Ge⸗ werbeanſtalt eine Unregelmaͤßigkeit oder eine Abweichung von dem deklarirten Betriebe wahrgenommen zu haben glaubt, die wirklich nicht vorhanden iſt, ſo muß der Gewerbtreibende moͤglichſt den Irrthum des Beamten durch Auseinanderſetzung der Gruͤnde, wodurch ſich dieſe Wahrnehmung als unrichtige Meinung ergiebt, auf der Stelle aufzuklaͤren, verſuchen. Beharrt jedoch der Beamte auf ſeiner Behauptung, ſo hat der Brenner oder Brauer das Recht zu verlangen, daß Jener in ſeiner Klageverhandlung diejenigen Gruͤnde anfuͤhre und beſtaͤ⸗ tige, die der Steuerpflichtige ihm bereits mundlich aus⸗ einander geſetzt hat. Außerdem hat er aber, um einen vollen Beweis gegen die Anklage bei der Inſtruktion fuͤh⸗ ren zu koͤnnen, entweder durch die Ortsbehoͤrde, zwei guͤltige Zeugen, welche nicht zu ſeinem Hausſtande ge— hoͤren, oder durch Sachverſtaͤndige den Befund der Ge⸗ werbeanſtalt, in Bezug auf den ſtreitigen Punkt, ſofort in Augenſchein nehmen zu laſſen. Entweder wird dieſer Befund niedergeſchrieben, und von den Anweſenden unterzeichnet, oder der Angeſchul⸗ digte beruft ſich bei der Inſtruktion, auf die Ausſage der, von ihm alsdann vorzuſchlagenden, Schutzzeugen. Angenommen z. B., daß ein Beamter bei der Re⸗ viſion die in einem Bottiche befindliche Schlempe, oder die zufaͤllig in einem, in der Brennerei vorhandenen Ge⸗ faͤße, aus Getreide und Waſſer oder Schlempe beſte— hende, zur Viehfuͤtterung oder zu irgend einem anderen Zwecke beſtimmte Miſchung fuͤr heimlich bereitete Mai⸗ ſche anſaͤhe, ſo wuͤrde, wenn der Beamte ſeine Mei— nung behauptet, und auch der Vorſchlag des Brenners, einen Theil auf die Blaſe zu bringen und zu deſtilliren, um ſich durch die Branntweinwaage zu uͤberzeugen, daß nur Waſſer uͤbergehe, und keine geiſtigen Theile in der Fluͤſſigkeit enthalten ſind, auch keinen Eingang findet, zur Sicherung gegen eine ſolche Anklage nothwendig ſein, ſofort durch andere Zeugen die Angabe des Brenners zu erhaͤrten, und einen Theil dieſer Miſchung in Gegen⸗ wart Anderer zu deſtilliren, welche ſich uͤberzeugen muͤſ⸗ ſen, daß nur Waſſer, keineswegs aber Lutter oder Brannt⸗ wein in die Vorlage uͤbergehe, mithin jene Fluͤſſigkeit ——— 398 nicht in gegohrener Maiſche beſtehe, die zur Brannt⸗ zweinbereitung beſtimmt war, oder ſein konnte. Feſtſtel⸗§. 521. Sobald in einer Gewerbanſtalt eine Ab⸗ lung des weichung oder Unregelmaͤßigkeit gegen den deklarirten e e Betrieb, oder ein gar nicht deklarirter Betrieb entdeckt Defrauda wird, oder wenn unangemeldete Geraͤthe vorgefunden tionen und werden, ſo hat der Beamte den Thatbeſtand feſtzuſtellen, Kontra⸗ und im Falle einer wirklichen Defraudation, ohne wei⸗ ventionen. tern Zeitverluſt ſich der Geraͤthe oder Gefaͤße, mit wel⸗ chen das Vergehen veruͤbt worden iſt, ſammt deren In⸗ halt durch Beſchlagnahme zu verſichern. Beſchlag⸗§. 522. Die Beſchlagnahme geſchiehet durch nahme. Aufdruͤckung des amtlichen Steuerſiegels oder durch Ver⸗ ſchluß, fuͤr deſſen unverletzte Erhaltung der Gewerbtrei⸗ bende bei Vermeidung der in den§§. 67 und 69 der Steuerordnung angedroheten Strafen, verhaftet iſt. Verhaf⸗ Iſt der Defraudant Auslaͤnder, oder der Flucht tung des verdaͤchtig, und kann er nicht entweder ſelbſt, oder durch Serene andere Perſonen hinreichende Buͤrgſchaft, zur Sicherſtel⸗ lung der verwirkten Strafe leiſten, ſo wird er perſoͤnlich verhaftet, und dem naͤchſten Gericht zur Aufbewahrung uͤbergeben. Wo eine Kontravention lediglich durch Ordnungs⸗ ſtrafe ohne Konfiskation geſetzlich verpoͤnt iſt, findet in der Regel perſoͤnliche Verhaftung, ſo wenig als eine Be⸗ ſchlagnehmung ſtatt, es ſei denn, daß das Geraͤth, das Gefaͤß, die Maiſche, das Material oder das Malz, in ſeiner vorgefundenen Beſchaffenheit zur Feſtſtellung des Thatbeſtandes nothwendig erhalten, und bis zur ausge— machten Sache unter Siegel gelegt werden muß. Fin— det der Gewerbtreibende Bedenken, die Aufbewahrung der in Beſchlag genommenen Objekte zu uͤbernehmen, oder nimmt der Beamte Anſtand, ſie ihm zu uͤbergeben, ſo werden ſie, bis nach ausgemachter Sache, bei der naͤchſten Orts⸗ oder Steuerbehoͤrde deponirt. Freilaſ⸗§. 523. Eine Freilaſſung der in Beſchlag genom⸗ ſung mit menen Objekte iſt nur dann nach§. 92 der Steuer⸗ Velchlas ordnung zulaͤßig, wo eine Verdunkelung des Sachver⸗ Objekte. haͤltniſſes nicht mehr zu befuͤrchten ſtehet. Wenn daher z. B. ein Bottich mit heimlich berei⸗ teter Maiſche vorgefunden wird, ſo koͤnnen ſowohl der Bottich als die Maiſche, nicht eher freigegeben und 399 mithin die letztere nicht eher auf Branntwein verarbeitet werden, als bis der Kontravenient vor dem Beamten, oder dem Steueramte, in Gegenwart von Zeugen, die protokollariſche Erklaͤrung abgegeben hat, daß er die ge⸗ gen ihn anhaͤngig gemachte Klage, in specie, daß ſich in jenem Bottich eine nicht deklarirte, zur Branntwein⸗ Bereitung beſtimmte, heimliche Einmaiſchung befunden habe, rechtsbeſtaͤndig anerkennt, und bis ihm auch zum Abbrennen dieſer Maiſche die beſondere Erlaubniß der Steuerbehoͤrde gegeben worden iſt. Bei Braumalzſteuer⸗Kontraventionen wuͤrde derſelbe Fall eintreten. Wenn z. B. neben dem deklarirten Brau⸗ malz ſich noch außerdem anderes, zur heimlichen Nach⸗ maiſchung beſtimmt, vorfindet, ſo wird das Uebergewicht mit Beſchlag belegt, und der Gewerbtreibende kann es nur verbrauen, wenn er entweder die davon verſchuldete Steuer und Strafe bei dem Steueramte deponirt, oder ſich, wie vorgedacht, der angeklagten Defraudation durch protokollariſche Vernehmung fuͤr ſchuldig erklaͤrt. Uebrigens muß der Werth der, nach dem Geſetz zu konfiszirenden Gegenſtaͤnde, wenn ſolche freigegeben wer⸗ den ſollen, deponirt oder dafuͤr Buͤrgſchaft geſtellt wer⸗ den, ſobald die Steuerbehoͤrde dieß zur Sicherung ihres Intereſſes fuͤr noͤthig erachtet. §. 524. Die Steuerbeamten ſind verpflichtet, ohne in die Beurtheilung der Strafbarkeit ei⸗ ner Handlung uͤberhaupt einzugehen, jede Abwei— chung gegen die Betriebserklaͤrung, jede Unregel⸗ maͤßigkeit, ſo wie jede Uebertretung irgend ei⸗ ner, in den Steuergeſetzen gegebenen Vorſchrift, die bei Reviſion der Gewerbeanſtalten, oder bei ſonſtiger Aus⸗ uͤbung des Dienſtes, zu ihrer Kenntniß gelangt, durch ſchriftliche Verhandlung, in der Gewerbeanſtalt, in dem Hauſe oder in dem Orte, worin ſich dieſelbe befindet, ſofort nach der Entdeckung feſtzuſtellen. Jedwede Anklage ſetzt eine Thatſache voraus, und dieſe bleibt daher in umfaſſender Vollſtaͤndigkeit und Klarheit durch die Anklage⸗Verhandlung zu ent⸗ wickeln. Eine ſolche muß demnach folgende Angaben enthalten: Ort, Tag und Stunde der Aufnahme und der Kontraventions⸗Entdeckung, Namen, Wohnort, Stand oder Gewerbe des Beklagten, Angabe und Gegenſtand Anklage⸗ Verhand⸗ lung, de⸗ ren Form, Aufnahme und Inhalt. Wabrhaf⸗ tigkeit der Anklage. Strafe der falſchen Denuncia⸗ tion. Vorleſung der Klage⸗ Verhand⸗ lung nach deren Auf⸗ nahme. Beſtaͤti⸗ gung der That⸗ ſachen durch Un⸗ terſchrift des Be⸗ klagten. der begangenen Defraudation oder Kontravention, An⸗ gabe der Gruͤnde, der Beweismittel oder der Ueberfuͤh⸗ rungsſtuͤcke fuͤr das vorhandene Vergehen, Anfuͤhrung der Geſetzesſtellen, wider welche gehandelt worden, ſammt der Bemerkung, ob ein in Beſchlag genommener Gegenſtand unter Siegel gelegt oder ſonſt amtlich ver— wahrt iſt. Die Anklageakte wird von dem denunciirenden Beamten, oder, wenn mehrere Beamte gleichzeitig bei einer Entdeckung wirkſam geweſen ſind, von jedem Ein— zelnen durch Unterſchrift des Namens und des Dienſt⸗ grades vollzogen, und erhaͤlt dadurch amtliche Glaub⸗ wuͤrdigkeit vor der unterſuchenden oder entſcheidenden Behoͤrde. Sollte der Fall eintreten, daß ein Steuerbe— amte der ſchriftlichen Aufnahme einer Anklage-Verhand⸗ lung nicht hinreichend kundig waͤre, ſo wird dieſe Ver⸗ handlung mittelſt protokollariſcher Erklaͤrung des Denun⸗ cianten vor dem Steueramte, dem Ober⸗Kontroleur oder dem Hauptamte aufgenommen. §. 525. Jede Anklage, die der Beamte nie— derſchreibt, muß von ihm auf ſeinen Amtseid be— kraͤftigt werden koͤnnen;z ſie muß daher auch in den kleinſten Einzelnheiten, der Wahrheit getreu ſeyn, und die eigenen Wahrnehmungen muͤſſen ausdruͤcklich von dem geſondert werden, was aus Mittheilungen Anderer hervorgegangen iſt. Die wiſſentliche Aufnahme falſcher Angaben iſt ein ſchweres Verbrechen, welchem außer ſchimpflicher Kaſſation, die Strafe mehrjaͤhrigen Gefaͤngniſſes folgt. (Allg. Landrecht, Theil II. Tit. 20.§§. 333. 1405.) §. 526. Der Beamte iſt verpflichtet, dem Ge⸗ werbtreibenden, deſſen Stellvertreter oder Gewerbsgehuͤlfen, oder uͤberhaupt demjenigen, der das Vergehen unmittelbar begangen, oder daran Theil genommen hat, ſo wie dem, wel⸗ cher fuͤr die Folgen des Vergehens geſetzlich etwa mit verant⸗ wortlich iſt, nachdem er ihm in der Gewerbeanſtalt den Ge⸗ genſtand der Anklage nachgewieſen, dieſe Verhandlung vorzuleſen, oder zur Durchleſung vorzulegen, und uͤber die Richtigkeit des Inhalts dieſer Verhandlung, ſo viel die Thatſachen betrifft, deſſen genehmigende Unterſchrift zu verlangen. Iſt der Gewerbtreibende oder deſſen Stell⸗ vertreter abweſend, ſo geſchiehet die Vorleſung der Klage 401 Verhandlung an die einheimiſchen Gatten, erwachſenen Kinder oder Hausgenoſſen. Durch die Unterſchrift beſtaͤtigt der Gewerbtrei⸗ bende, daß die gegen ihn gerichtete Klage, wie ſolche vorgeleſen worden, oder von ihm eingeſehen iſt, Wahr⸗ heit enthalte, daher ſich der Beſchuldigte vor der Unterſchrift verſichern muß, den Inhalt der Anklage ge⸗ nau verſtanden zu haben, damit er nicht ſpaͤter in den Fall gerathe, etwas zu widerrufen, was er fruͤher durch eigene Unterſchrift anerkannt hatte. Dieſe Unterſchrift des Angeſchuldigten hat jedoch auf Strafmaaß oder Freiſprechung keinen Einfluß; die Behoͤrde entſcheidet nicht nach der Anklagever⸗ handlung, ſondern erſt, nachdem die Unterſuchung durch anderweite Inſtruktion ergeben hat, daß das be⸗ hauptete Vergehen wirklich ſtatt gefunden habe.— §. 527. Verweigern der Angeklagte oder deſſen Angehoͤrige, nach guͤtlicher Aufforderung die Unterſchrift 9 dieſer Verhandlung, ſo wird dies von dem protokolliren⸗ den Beamten am Schluß bemerkt. Es wird dadurch die Beweiskraft der Anklageverhandlung nicht geſchwaͤcht, da der Beamte auf ſeinen geleiſteten Dienſteid die Wahtheit und Richtigkeit des Inhaltes derſelben verſichert, welche Verſicherung vor der inſtruirenden oder entſcheidenden Behoͤrde ſo lange Glauben hat, als der Beſchuldigte nicht im Stande iſt, ſolche durch direkte Beweismittel des Gegentheils zu ſchwaͤchen oder zu ent⸗ kraͤften. §. 528. Iſt in der Gewerbeanſtalt oder in dem Hauſe, wo die Verhandlung aufgenommen wird, Nie⸗ mand anweſend, ſo waͤhlt der Beamte herbeigerufene Verwet⸗ erung der Unter⸗ ſchrift. Feſtſtet⸗ lung des Thatbe⸗ ſtandes in Zeugen, oder requirirt die Ortsbehoͤrde, um die Richtig⸗ Abweſen⸗ keit des Thatbeſtandes unter der Verhandlung zu be⸗ glaubigen. §. 529. Von dem denunciirenden Steuerbeamten wird die Anklageverhandlung dem votgeſetzten Haupt⸗ amte eingereicht, welches zur Vorladung, naͤheren Unter⸗ ſuchung und Inſtruktion der Sache einen Termin be⸗ ſtimmt, oder die Inſtruktion zu fuͤhren, einem andern Steuerbeamten uͤbertraͤgt. §. 530. Der anklagende Beamte kann nicht Inſtruent der von ihm anhaͤngig gemachten Prozeſſe 26 k heits⸗ faͤllen⸗ Abgabe der An⸗ lage⸗Ver⸗ handlung. Inſtruk⸗ tion der Anklage, von wem ſolche zu fuͤhren. Vorla⸗ dung des Beſchul⸗ digten. 402 ſein; ſo wenig als er das aus ſeiner Anklage entſte⸗ hende Reſultat abfaſſen darf. Iſt jedoch eine ſchleunige Vernehmung des Denunciaten erforderlich, und außer dem Klaͤger ein zweiter Beamte nicht anweſend, ſo wird die naͤchſte Polizei- oder Gerichtsbehoͤrde zur Abhaltung der Vernehmung requirirt, und nur in dem Falle, wo auch dies nicht geſchehen kann, iſt der anklagende Beamte befugt, unter Zuziehung von Zeugen, die noͤthigen Verhandlun⸗ gen aufzunehmen, deren Richtigkeit durch die Unterſchrift jener Zeugen bekraͤftigt wird. In denjenigen Bezirken, wo den Hauptaͤmtern be⸗ ſondere Juſtizbeamte beigeordnet ſind, inſtruiren dieſe in der Eigenſchaft gewoͤhnlicher Unterſuchungsrichter alle Steuer⸗Kontraventionen, deren richterliche Eroͤrterung entweder von der Verwaltungsbeboͤrde noͤthig befunden, oder von dem Angeſchuldigten verlangt wird. In ſolchen Faͤllen, wo gerichtliche Entſcheidung nicht verlangt wird, und die fuͤr das Vergehen als or— dentliche Strafe zu erkennende Geldbuße zehn Thaler nicht uͤberſteigt, geſchieht uͤberall die Unterſuchung durch das Hauptamt, oder durch die von demſelben dazu delegirten Beamten. Vergehungen, welche nach den Strafbe⸗ ſtimmungen der Steuergeſetze mit Arreſtſtrafe geahn⸗ det werden ſollen, und Vergehen, bei denen gemeine Verbrechen, z. B. Faͤlſchung, thaͤtliche Wider⸗ ſetzlichkeit ꝛc. ꝛc. konkurriren, werden ohne Unterſchied von dem Unterſuchungsrichter des Hauptamtes inſtruirt, der nach geſchloſſener Inſtruktion die Akten ſpruchreif, entweder der Verwaltungsbehoͤrde, oder dem kompetenten Gericht, zur Abfaſſung eines Reſolutes oder Erkennt⸗ niſſes, einreicht. Die Inſtruktion erſtreckt ſich gleichzeitig uͤber den, bei dem ſtattgefundenen Vergehen fuͤr die Geldſtrafe ſubſidia⸗ riſch verhafteten Inhaber der Gewerbeanſtalt, oder den, nach der Anklage mitverſchuldeten Theilnehmer. §. 531. Die Vorladung an den Beſchuldigten ge— ſchieht entweder muͤndlich durch einen Steueroeamten, bei einem muthmaaßlichen Strafbetrag uͤber 50 Thaler jedoch, oder bei Perſonen hoͤheren Standes in der Regel ſchriftlich. Der Vorgeladene iſt verbunden, ſowohl die geſchehene Inſinuation auf Verlangen ſchriftlich anzu⸗ erkennen, als auch zur angegebenen Stunde und an dem 403 beſtimmten Orte ſich zur Vernehmung perſoͤnlich einzu⸗ finden, und er kann nur in Abweſenheitsfaͤllen ſich durch einen beſonders dazu bevollmaͤchtigten Stellvertreter er⸗ ſetzen laſſen. Iſt der Vorgeladene zur beſtimmten Zeit zu erſchei— nen verhindert, ſo hat er dies zeitig der inſtruirenden Behoͤrde ſchriftlich zu melden, und die Anſetzung eines anderweiten Termins nachzuſuchen. Erſcheint der Angeklagte nicht, ohne ſein Außen⸗ bleiben gerechtfertigt zu haben, und laͤßt derſelbe die wiederholte Aufforderung, ſich zu geſtellen, unbeachtet, ſo wird angenommen, daß er zu ſeiner Vertheidigung nichts vorzubringen habe; die Richtigkeit der Anklage wird durch Beweiſe, Zeugen, oder Urkunden, entweder be⸗ ſtaͤtigt oder widerlegt, und ſodann in einem Reſolut, oder in einem Erkenntniß uͤber das angeſchuldigte Ver⸗ gehen in contumaciam abgeurtheilt. §. 532. Es ſtehet jedoch dem Angeſchuldig⸗ ten, ſowohl nach der Aufforderung, ſich zur In⸗ ſtruktion bei der Steuerbehoͤrde zu geſtellen, als noch waͤhrend der Inſtruktion ſelbſt, frei, darauf anzutragen, daß Unterſuchung und Entſcheidung der kompetenten Gerichtsbehoͤrde uͤberlaſſen wer⸗ de. Nach dieſer Provokation auf gerichtliches Verfahren hoͤrt die Kompetenz der Verwaltungs⸗Be⸗ hoͤrde zur Unterſuchung dieſer Anklage auf, und die Ak— ten werden in dem Zuſtande, wie ſie ſich befinden, dem Unterſuchungsrichter des Hauptamtes, oder, wo ein ſol⸗ cher nicht angeſtellt iſt, der betreffenden Gerichtsbehoͤrde zur weitern Inſtruktion und Entſcheidung uͤberſendet, welche daher nunmehr in die Stelle der Adminiſtration tritt. Das gleiche Recht ſteht auch der Verwal⸗ tung zu, wenn ſolche von der Befugniß, ſelbſt zu ent— ſcheiden, keinen Gebrauch machen will. §. 533. Waͤhrend der Inſtruktion, ſie werde durch die Verwaltungs⸗Behoͤrde, oder durch das Gericht ge⸗ fuͤhrt, iſt der Beſchuldigte in ſeinen Vertheidigungs⸗ mitteln nirgend beſchraͤnkt. Alle Thatſachen, welche gegen die Anklage vorzubringen ſind, alle muͤndlichen oder ſchriftlichen Beweismittel, die der Beſchuldigte darlegt, muͤſſen unterſucht, ſo wie die von ihn vorgeſchlagenen Schutzzeugen vernom⸗ 26* Provoka tion auf gerichtliche Unterſu⸗ chung, ab⸗ ſeiten des Beſchul⸗ digten und der Ver⸗ waltungs⸗ behoͤrde. Inſtruk⸗ tion der Anklage, deren Zweck. à V Reſolut erſter In⸗ ſtanz. Entſchei⸗ dungs⸗ kompetenz. 404 men und gehoͤrt werden; auch kann er ſich durch ei⸗ nen Anwalt vertreten und eine ſchriftliche Ver⸗ theidigung den Akten vor dem Spruch beifuͤgen laſ⸗ ſen, damit, auch in ſein em Intereſſe, der Zweck der Unterſuchung auf das Vollſtaͤndigſte gefoͤrdert und er⸗ reicht werde. Dieſer Zweck iſt, durch deutliche und vollſtaͤndige Darſtellung des Sach- und Rechtsverhaͤltniſſes Auf⸗ klaͤrung uͤber die Richtigkeit der Anklage zu er⸗ reichen, mithin die Wahrheit zu erforſchen. Um dahin zu gelangen, hat der mit der Unterſuchung beauftragte Beamte es ſich zur erſten Pflicht zu rechnen, par⸗ theilos zu handeln, und unbefangen die An⸗ ſicht feſtzuhalten, daß er durch ſeine Eroͤrterungen nur das Zweifelhafte, ſo viel wie moͤglich, zur Gewißheit bringen ſoll. Er muß ſich demnach huͤten, durch wechſelnd ſich darſtellende Verhaͤltniſſe verleitet, waͤh⸗ rend der Unterſuchung eine eigne Meinung geltend zu machen, oder dieſelbe auf einen ge⸗ wiſſen Punkt der Schuld oder Schuldloſig⸗ keit unter erſchwerenden oder erleichternden Umſtaͤnden hinfuͤhren zu wollen, wodurch er ſehr leicht, entweder den Verklagten weſentlich verletzen wuͤrde, oder die Korrektions⸗Gewalt in Erreichung der ihr noth⸗ wendigen Maaßregeln und Zwecke hindern koͤnnte. §. 534. Iſt in dem Falle, wo keine Provokation auf gerichtliches Gehoͤr waͤhrend der Inſtruktion Statt gefunden, die Unterſuchung geſchloſſen, und ſind weder neue Thatſachen zu ermitteln, noch neue Beweismittel oder Entſchuldigungsgruͤnde beizubringen, ſo wird der Gegenſtand der Anklage durch ein Reſolut der Ver⸗ waltungsbehoͤrde abgeurthellt. Dieſes Reſolut wird, wenn es ſich um einen Strafbetrag handelt, welcher, einſchließlich des Werthes der etwa konfiszirten Gegenſtaͤnde, bis zehn Thaler betraͤgt, von dem Hauptamte, bei hoͤhern Betraͤgen aber, ingleichen da, wo das Geſetz unter verſchiedenen Abſtufungen einen hoͤhern Betrag als zehn Thaler Geld⸗ ſtrafe beſtimmt, von der Provinzialbehoͤrde er⸗ laſſen. Die Entſcheidungsbefugniß der Letzteren in erſter Inſtanz iſt unbeſchraͤnkt. 405 Das Reſolut enthaͤlt den Gegenſtand der An⸗Inhalt des klage, die Geſetzesſtellen, gegen welche gehandelt Reſolutes. worden iſt, und in ſeinen Entſcheidungsmomen⸗ ten die Geſchichtserzaͤhlung des Vergehens, die Darlegung der Beweismittel fuͤr oder gegen die Anklage, die Unhaltbarkeit und Widerlegung der gefuͤhrten Anklage oder Vertheidigung, ſo wie die Anfuͤhrung der, aus dem Geſammtinhalte der gepflogenen Verhandlungen hervor⸗ gehenden Gruͤnde, weshalb wie geſchehen und nicht anders, geurtheilt werden konnte. Bei vorhandenen Defraudationen, oder wo die Wie⸗ derholung einer Formalitaͤtsverletzung ſtrenger verpoͤnt iſt, muß die Warnung vor den geſchaͤrfteren Strafbeſtimmun⸗ gen fuͤr die Wiederholung in dem Reſolut gleichzeitig enthalten ſein, ſo wie auch daſelbſt die zulaͤſſigen Rekurs⸗ inſtanzen ſammt dem Zeitpunkt, binnen welchem das Reſolut ſeine Rechtskraft erlangt, angegeben werden. §. 535. Die Publikation der Reſolute ge⸗ Publika⸗ ſchiehet durch die Hauptaͤmter, welche den Angeſchul⸗ tion der digten zu einem beſtimmten Termine vorladen; oder ſie Neſpiufe. erfolgt im Auftrage des Hauptamtes durch die Steuer⸗ Tublita, beamten, entweder in den Geſchaͤftslokalen der Steuer⸗ handlung. hebeſtellen, oder auch in der Behauſung des Gewerb⸗ Warnung treibenden ſelbſt. Iſt die Unterſuchung durch den In⸗ Wor dem ſtruktions⸗Richter der Steuerverwaltung geleitet worden, lungsfalle ſo geſchiehet auch durch dieſen die Publikation des Re⸗ ſolutes. Bei der Publikation wird dem Beklagten die Hauptausfertigung des Reſolutes, nachdem ſolches vorgeleſen worden, eingehaͤndigt; eben ſo wird er durch Vorleſung der betreffenden Geſetzesſtellen auf die ſchaͤrferen Strafbeſtimmungen, welche der Wiederholung des Vergehens folgen, aufmerkſam gemacht, und daß dieſe Vorleſung geſchehen, wird in der daruͤber aufgenommenen Publikationsverhand⸗ lung, die der Beklagte durch ſeine Unterſchrift zu vollziehen hat, ausdruͤcklich angefuͤhrt. Iſt der Denunciat im Publikationstermine nicht erſchienen, und hat ihm daher die Belehrung uͤber die Folgen einer Wiederholung des Vergehens, nicht perſoͤn⸗ lich vorgetragen werden koͤnnen, ſo genuͤgt es, wenn demſelben das Straf⸗Reſolut und gleichzeitig eine Ab⸗ ſchrift derjenigen Geſetzesſtellen, welche die Strafbeſtim⸗ ————— Publika⸗ tion der Reſolute an Ab⸗ weſende und Aus⸗ laͤnder. 406 mungen bei etwaniger Wiederholung des Vergehens ent⸗ halten, in vim publicati zugefertigt werden, da der Zweck, daß Denunziat mit den Folgen dieſer Wieder⸗ holung bekannt gemacht werde, durch die gehoͤrig nach⸗ gewieſene Inſinuation einer ſolchen Zufertigung erreicht wird*). Die Warnung vor dem Wiederholungsfalle, mithin die Vorleſung ſchaͤrferer Strafbeſtimmungen unterbleibt daher uͤberall, wo in dem Reſolut nicht entweder die ordentliche Strafe der Defraudation, oder eine außer⸗ ordentliche Strafe erkannt, oder im Geſetz ſelbſt eine ſchaͤrfere Strafbeſtimmung fuͤr die Wiederholung aus⸗ geſprochen iſt; mithin bei allen Reſoluten, wo Formali⸗ taͤtsverletzungen durch Ordnungsſtrafen geahndet werden. §. 536. In Abweſenheit desjenigen, uͤber wel⸗ chen ein Reſolut abgefaßt iſt, geſchiehet die Publikation deſſelben an Ehegatten, Verwandte, Gewerbs⸗ gehuͤlfen, Diener, oder auch an andere, in der Behauſung des Verurtheilten wohnende Perſonen, ſofern ſie ſich zur Empfangnahme und Aushaͤndigung willig und bereit erklaͤren. Wird dies verweigert, oder iſt nach wiederholtem Verſuch der Publikation, keine an⸗ nehmungsfaͤhige Perſon anzutreffen, ſo geſchiehet die Inſinuation an die Ortsbehoͤrde. Bei Publikation von Straf⸗Reſoluten gegen Unmuͤndige, ſind die Aeltern oder Vormuͤnder derſelben zuzuziehen. Iſt der Kontravenient Auslaͤnder, welcher kein geſetzliches Domizil im Lande gewaͤhlt hat, ſo geſchiehet die Ueberſendung des Reſolutes durch den Poſtverkehr, und die Poſtbeſcheinigung dient als Inſinuations⸗Doku⸗ ment. Kommt das Reſolut zuruͤck, erfolgt keine Rekurs⸗ ergreifung, oder bleibt es unbeachtet und iſt auch eine Buͤrgſchaftleiſtung nicht vorhanden, aus welcher Strafe und Koſten gedeckt werden koͤnnen, ſo wird nach be— ſchrittener Rechtskraft der Verurtheilte als entflohener Kontravenient betrachtet, und den Steuer- und Polizei⸗ beamten aufgegeben, denſelben, ſobald er die diesſeitigen Staaten betritt, perſoͤnlich zu verhaften. ²) Reſcript a. d. Koͤnigl. Prov.⸗Steuer⸗Direkt. zu Koͤln. vom 16. September 1828. 18964. 407 §. 537. Unterwirft ſich der Beklagte dem Re⸗ ſolut erſter Inſtanz, ſo hat daſſelbe zehn Tage nach erfolgter Publikation guͤltige Rechtskraft beſchritten; es wird vollſtreckt, und ein ſpaͤterer Rekurs gegen daſſelbe, oder Provokation an das Gericht iſt nicht mehr zu⸗ laͤßPig, und wird weder von der Verwaltungs⸗, noch von der Gerichtsbehoͤrde angenommen. §. 538. Binnen zehn Tagen, von der Publi⸗ kation des erſten Reſoluts angerechnet, ſteht aber dem Beklagten noch frei, entweder auf gerichtliche Unterſuchung zu provociren, oder den Rekurs an die hoͤhere Verwaltungsbehoͤrde zu ergreifen. Bei Reſoluten, die in erſter Inſtanz von den Hauptaͤmtern abgefaßt ſind, bildet die Provinzial⸗ behoͤrde, bei Reſoluten, die von dieſer erlaſſen ſind, das Koͤnigliche Finanz⸗Miniſterium die geſetz⸗ liche Rekursinſtanz. Iſt die Sache in erſter Inſtanz durch Reſolut der adminiſtrativen Behoͤrde entſchieden, und von dem Be⸗ klagten der Rekurs an die hoͤbere Inſtanz ergriffen, ſo urtheilt auch die Verwaltungsbehoͤrde uüͤber den vorlie⸗ genden Fall ferner ab, und macht von dem Recht, das Gericht entſcheiden zu laſſen, in zweiter Inſtanz kei— nen Gebrauch. §. 539. Wird von dem Beſchuldigten gegen das Reſolut erſter Inſtanz in der weitern Verthei⸗ digung das Rechtsmittel der gerichtlichen Entſcheidung gewaͤhlt, ſo hat er dieß entweder bei Rechts⸗ kraft der Reſolute. Rekurser⸗ greifung. Rekurs⸗ Inſtanzen. Rechts⸗ mittel der gerichtli⸗ chen Ent⸗ ſcheidung. der Publikation, oder doch binnen zehn Tagen nach Inſtanzen⸗ derſelben, dem Hauptamte ſchriftlich anzuzeigen, und es werden hierauf die Akten, wie vorbemerkt, der Ge⸗ richtsbehoͤrde uͤbergeben, welche entweder die Unterſu⸗ chung ergaͤnzt, fortſetzt, oder von Neuem beginnen laͤßt. Ihr iſt alsdann die Entſcheidung der Anklage lediglich anheim geſtellt. Die Verwaltungsbehoͤrde konkurrirt da⸗ bei in einzelnen Faͤllen nur in ſofern durch einen Depu⸗ tirten, um dem Inſtruenten oder dem Richter die voll— ſtaͤndige Information uͤber die Sache ſelbſt, oder uͤber techniſche Gegenſtaͤnde zu erleichtern. Gegen die, von den Gerichtshoͤfen in erſter In⸗ ſtanz erlaſſenen Erkenntniſſe kann in der geſetzlichen Friſt Appellation eingelegt, und gegen Appella⸗ zug. ————— Rechts⸗ kraft ge⸗ richtlicher Erkennt⸗ niſſe. Rekurs⸗ ſchrift, de⸗ ren Ab⸗ gabe und Inhalt. 408 tionsurtheile, nach Maaßgabe der Gerichtsverfaſſung, entweder das Rechtsmittel der Kaſſation, oder die Reviſion angemeldet werden. §. 540. Ein gerichtliches Erkenntniß, wenn keine Appellation eingelegt wurde, oder wenn die In⸗ ſtanzen erſchoͤpft ſind, iſt nach der rheiniſchen Gerichtsverfaſſung rechtskraͤftig, binnen zehn Tagen nach deſſen Verkuͤndigung in oͤffentlicher Sitzung des Gerichts; nach der Preußiſchen, binnen zehn Tagen nach der Verkuͤndigung des Urtheils durch den Inqui⸗ renten. So lange jedoch in den geſetzlichen Friſten Appellation eingelegt, und das Erkenntniß der letzten Inſtanz noch nicht publizirt und rechts⸗ kraͤftig geworden iſt, kann ein fruͤheres gericht⸗ liches Urtheil nicht vollſtreckt werden, §. 541. Ergreift der Beſchuldigte gegen das Reſolut erſter Inſtanz den Rekurs, reſpektive an die Provin⸗ zial⸗Behoͤrde, oder an das Koͤnigliche Finanz⸗Miniſterium, ſo muß er innerhalb der zehntaͤgigen Friſt, von der Publikation angerechnet, dem betreffenden Haupt⸗ amte den Rekurs nicht nur anmelden, ſondern es muß demſelben zugleich von dem Rekursnehmer eine Schrift uͤbergeben werden, in welcher die Gruͤnde und Thatſachen, ſo wie die weitern Vertheidigungsmittel, aus welchen Beſchwerde gegen das Reſolut erſter Inſtanz gefuͤhrt werden ſoll, buͤndig und vollſtaͤndig dargeſtellt ſind. Das Reſolut ſelbſt iſt in Urſchrift oder beglaubigter Abſchrift beizufuͤgen. Wenm dieſe Rekursſchrift in den erſten zehn Ta⸗ gen nach der Publikation des Reſolutes nicht vollendet und uͤbergeben werden kann, ſo iſt bei der Rekursan⸗ meldung, welche jeden Falls waͤhrend dieſer Periode geſchehen muß, davon Erwaͤhnung zu thun, und eine erweiterte Friſt nachzuſuchen, welche nach billigem Ermeſſen von dem Hauptamte, jedoch nicht uͤber den Zeitraum von vier Wochen hinaus, geſtattet wird*). Es kann die Anmeldung und Uebergabe der Rekursſchrift zur Einſendung an das Hauptamt auch *) Cirkular⸗Reſeript vom 28. September 1825. 18836. 409 bei derjenigen Steuerſtelle geſchehen, welche das Reſolut erſter Inſtanz verkuͤndet hat. Eben ſo iſt die Ergrei⸗ fung des Rekurſes an die hoͤhere Inſtanz zulaͤſſig, wenn auch der Verklagte weder neue Vertheidigungsgruͤnde, noch anderweite Beweismittel vorzubringen hat. Es be⸗ darf in ſolchen Faͤllen dann nicht der Anfertigung einer Rekursſchrift, vielmehr iſt nur bei Anmeldung des Re⸗ kurſes ſchriftlich, oder vor dem Beamten zum Protokoll zu erklaͤren, daß der Beklagte die Inſtruktion der Sache ſeiner Seits fuͤr geſchloſſen halte, jedoch die hoͤhere Ent⸗ ſcheidung in Anſpruch nehme, dabei aber anf Einrei⸗ chung einer beſondern Rekursſchrift verzichte. §. 542. Es iſt eine unrichtige Meinung, wenn man glaubt, daß Rekursgeſuche, woruͤber die hoͤheren Verwaltungsbehoͤrden zu entſcheiden haben, denſelben auch von den Rekursnehmern unmittelbar eingereicht werden muͤſſen, und daß hierdurch eine guͤnſtigere Ent⸗ ſcheidung herbeigefuͤhrt oder veranlaßt werde. Es fuͤhrt dieſer Irrthum nur Zeitverluſt und Koſten⸗ vermehrung, zum Nachtheil des Verklagten herbei, und es iſt daher durch die Amtsblaͤtter bekannt gemacht, daß alle Rekursſchriften gegen die von Verwaltungs⸗ behoͤrden in Unterſuchungen wegen Steuer⸗Kontra⸗ ventionen ergangenen Strafreſolute, bei derjenigen Be⸗ hoͤrde, welche dem Angeſchuldigten das Strafreſolut erſter Inſtanz bekannt gemacht hat, eingereicht werden muͤſſen, und daß Rekursgeſuche, die dem entgegen, un⸗ mittelbar bei der entſcheidenden Behoͤrde eingereicht wer⸗ den, an den Rekurrenten ſelbſt mit der Anweiſung re⸗ mittirt werden ſollen, das Geſuch der vorſtehend bezeich⸗ neten Behoͤrde einzureichen. Dieſe Vorſchrift wird auch bei Publikation eines Reſolutes dem Betheiligten jedes⸗ mal bekannt gemacht*). Die hoͤhere Behoͤrde kann nemlich, ohne Kenntniß von dem Inhalte der verhan⸗ delten Akten zu nehmen, uͤber derartige Geſuche nicht entſcheiden, und iſt daher ſtets genoͤthigt, ſie an die erſte Inſtanz zur erlaͤuternden Berichtserſtattung zu remit⸗ tiren. Dieſe Berichtserſtatttung muß nicht nur die Dar⸗ ſtellung der Sache bis zur erſten Entſcheidung, ſondern ↄQ˖·¶·C— *) Cirkular⸗Reſcript vom 28. September 1825, 18836. Rekurs⸗ verfahren. —————ͤ—— Stempel⸗ pflichtig⸗ keit der Reſolute, Erkennt⸗ niſſe, Rekurs⸗ ſchriften. 410 auch die Pruͤfung der in der Rekursſchrift vorgetrage⸗ nen Gruͤnde oder Beweiſe enthalten. Sind neue That⸗ ſachen oder Rechtfertigungsmittel vorgebracht, oder an⸗ derweite Zeugniſſe angerufen, ſo muͤſſen ſolche erſt ge— pruͤft und gehoͤrt werden, und durch erſchoͤpfende Erle⸗ digung aller, fruͤher vielleicht unberuͤhrt gebliebenen, oder ſpaͤter zur Sprache gekommenen Beweismittel, fuͤr oder ge⸗ gen die Anklage, werden die Akten vervollſtaͤndigt, und Alles, was uͤber den Gegenſtand verhandelt worden iſt, wird ſammt der urſpruͤnglichen Rekursſchrift und ei— ner ausfuͤhrlichen Relation, der hoͤheren Behoͤrde vorgelegt, die ſich nunmehr im Beſitz Aller dazu ge— hoͤrenden Materialien befindet, um ſelbſtſtaͤndig und le⸗ diglich auf den Grund der verhandelten Akten urtheilen zu koͤnnen, ohne fuͤr etwanige Strafmilderung an eine fruͤhere Entſcheidung irgend gebunden zu ſein. §. 543. Die Reſolute der Verwaltungsbehoͤrden werden, wenn der Strafbetrag, einſchließlich des Werthes der etwa fuͤr konfiszirt erklaͤrten Gegenſtaͤnde, bis fuͤnf Thaler betraͤgt, ohne Stempel, wo aber der Strafbetrag, einſchließlich des Konfiskationswerthes, mehr als fuͤnf Thaler ausmacht, auf einem Stempelbogen von funf⸗ zehn Groſchen ausgefertigt. Der Reſolutſtempel wird nur einmal verwendet, und das auf Stempelpapier aus⸗ gefertigte Exemplar dem Beklagten ausgehaͤndigt. Ver⸗ langen Theilnehmer, wenn uͤber ſie in dieſem Reſolut gleichzeitig erkannt worden iſt, Abſchriften, ſo unterliegen dieſe der Stempelpflichtigkeit nach dem Tarifſatze be⸗ glaubigter Abſchriften. Dieſe Vorſchriften gelten nur von den in erſter Inſtanz abgefaßten Reſoluten, wo⸗ gegen bei den Rekurſen, zu den Geſuchen nur der Ein— gabeſtempel, zu den Beſcheidungen der Beſcheidsſtempel erforderlich iſt*)**). Rekurs⸗Geſuche koͤnnen daher auf ungeſtempeltes Papier geſchrieben werden, ſobald der in erſter Inſtanz erkannte Strafbetrag unter funf⸗ zig Thaler iſt. Anderweite Sporteln werden bei den von den Ver⸗ waltungs⸗Behoͤrden geleiteten Unterſuchungen wegen De⸗ *) Cirkular⸗Reſcript vom 29. Oktober 1828. 22519. **) Circular⸗Reſcript vom 22. Auguſt 1828. 15845. — — 2 78 —— ———·— ,—— 411 fraudationen oder Kontraventionen gegen die indirekten Steuergeſetze, nicht erhoben. Zu den Urtheilsſpruͤchen der Gerichtsbehoͤrden in Steuerſtrafſachen wird, wenn der Strafbetrag funfzig Thaler nicht uͤberſteigt, ein Stempel von funfzehn Gro⸗ ſchen, bei hoͤheren Strafſummen ein Stempel von fuͤnf bis funfzig Thaler verwendet. §. 544. Die Rekursreſolute werden in derſel⸗ Publika⸗ ben Weiſe, wie die Reſolute erſter Inſtanz(§. 535) tion de dem Beklagten publicirt; gegen dieſelben ſtehet, als Ent⸗ Reſolute ſcheidungen letzter Inſtanz, ein weiteres Rechtsmittel und defi⸗ nicht offen, und ſie ſind nach der Publikation voll⸗ nitiven Er⸗ ſtreckbar. kenntniſſe. Es iſt mithin in denjenigen Unterſuchungen, in welchen von den Hauptaͤmtern in erſter, und auf eingelegten Rekurs von den Provinzialbehoͤrden in zweiter Inſtanz entſchieden worden, ein nochmali⸗ ger Rekurs an das Koͤnigliche Finanz⸗Miniſterium nicht zulaͤſſig*). Ebenſo ſind die gerichtlichen Erkenntniſſe letzter In⸗ ſtanz ſofort nach der durch die Gerichtsbehoͤrde erfolg⸗ ten Publikation vollſtreckbar, oder, wo es bei der erſten gerichtlichen Entſcheidung belaſſen iſt, die dann rechts⸗ kraͤftig gewordenen Urtheile. Dem Verurtheilten ſtehet jedoch hier noch der Weg Weg der der Gnade offen, und es wird mit dem Exekutions— Gnade. Verfahren in der Regel dann eingehalten, wenn glaub⸗ haft nachgewieſen iſt, daß dieſer Weg betreten worden. Dieſer Nachweis wird durch Vorzeigung der be⸗ treffenden Schriftſtuͤcke an die, die Vollſtreckung leitende Behoͤrde, ſo wie durch Zeugniß desjenigen Poſtamts ge⸗ liefert, durch welches dieſe Schriftſtuͤcke an ihre Addreſſe befoͤrdert worden ſind. §. 545. Durch den Nachweis eines eingereichten Maaß⸗ Begnadigungsgeſuches wird die Steuerbehoͤrde demohn- regeln zur geachtet nicht verpflichtet, ſich von Einziehung der Hicherns Straſe und Koſten abhalten zu laſſen, und es werden Strafen. daher in denjenigen Faͤllen, wo ſolches nothwendig er⸗ *) Reſcript a. d. Koͤnigl. Prov.⸗Steuer⸗Direkt. zu Koͤln. vom 28. April 1826. 7596. Buͤrg⸗ ſchaftslei⸗ ſtung. Voll⸗ ſtreckung rechtskraͤf⸗ tiger Re⸗ ſolute und Erkennt⸗ niſſe. Terminal⸗ Zahlung. 412 ſcheint, vorlaͤufige Maaßregeln zur Sicherung der verwirkten Strafen, Gefaͤlle oder Koſten ge⸗ nommen, was ſelbſt dann ſchon zulaͤßig iſt, wenn von dem Reſolute der Verwaltungsbehoͤrde auf gerichtliches Urtheil angetragen wird. Dieſe Maaßregeln richten ſich nach den jedesmaligen Umſtaͤnden, und beſtehen entwe⸗ der in Depoſition der Strafe, Annahme eines Fauſt⸗ pfandes, oder in Arreſtanlegungen auf Forderungen, Hy⸗ potheken⸗Einſchreibungen auf Grundbeſitzungen, ſo wie uͤberhaupt in Anwendung derjenigen geſetzlichen Beſtim⸗ mungen, wodurch verhindert wird, daß ein Schuldner nicht zum Nachtheil des Glaͤubigers ſein Vermoͤ⸗ gen verkuͤmmere. Auch kann, wo es fruͤher nicht geſchehen iſt, nach §. 91 und 92 der Steuerordnung, gegen den der Flucht Verdaͤchtigen, Perſonalarreſt verhaͤngt werden. um dieſe vorlaͤufigen Exekutionsmaaßregeln zu ſuspendiren, nimmt auch die Verwaltungsbehoͤrde die Buͤrgſchaft einer als zahlungsfaͤhig bekannten und ſichern Perſon an, welche ſich durch geſetzlich guͤltigen Akt verbindet, fuͤr die aus dem betreffenden Prozeſſe zu zahlenden Gefaͤlle, Koſten und Strafe nach angelang⸗ ter letzten Entſcheidung, als Selbſtſchuldner zu haften, und dieſe Betraͤge nach fruchtlos gebliebener Aufforde⸗ rung an den Verurtheilten, der Verwaltungsbehoͤrde un⸗ weigerlich auszuzahlen. §. 546. Die Vollſtreckung von den in Rechts⸗ kraft uͤbergegangenen Reſoluten oder gerichtlichen Er⸗ kenntniſſen, welche durch die Steuerbehoͤrde bewirkt oder veranlaßt wird, geſchieht dann, wenn auf die an einen Verurtheilten ergangene Aufforderung die Zahlung der verwirkten Gefaͤlle und Strafen, ſo wie der aufge⸗ laufenen Koſten, im guͤtlichen Wege nicht erfolgt. §. 547. Iſt der Verurtheilte nur augenblicklich zu zahlen außer Stande, und kann er, entweder durch ſich ſelbſt, oder durch einen Buͤrgen, Sicherheit fuͤr die verſchuldete Summe nachweiſen, ſo wird von der Ver⸗ waltung auch ein billiger Zahlungsausſtand nach⸗ gegeben, ſo wie dann, wenn die zu zahlenden Betraͤge mit einem Male nicht aufgebracht werden koͤnnen, unter gleichen Bedingungen Terminalzahlungen geſtattet werden. — A S——— n „ 413 §. 548. Leiſtet jedoch der Schuldner der Zahlungs⸗ Beſchlag⸗ Aufforderung gar keine Folge, ſo wird nach nahmebes Maaßgabe der in den verſchiedenen Provinzen geltenden ge⸗ liars. ſetzlichen Beſtimmungen, die Exekution durch Beſchlag⸗ nahme des Mobiliar⸗Vermoͤgens, zu welchem alles bewegliche Beſitzthum, alle baaren und ausſtehenden Forderungen, mit der im folgen⸗ den§. erwaͤhnten Beſchraͤnkung gehoͤren, ausgefuͤhrt, und es werden aus der durch oͤffentlichen Verkauf ent⸗ ſtandenen Loͤſung ſowohl die Koſten der Prozedur, als auch die verſchuldeten Gefaͤlle und Strafe entnommen. Iſt der Erloͤs nicht hinreichend, ſaͤmmtliche Betraͤge zu decken, ſo werden daraus zunaͤchſt die Koſten der Exekution, ſodann die einfachen Gefaͤlle gezahlt, welche ein geſetzliches Prioritaͤtsrecht vor den Koſten der Unter⸗ ſuchung und den verwirkten Strafbetraͤgen haben, de⸗ ren Einziehung, ſo weit es thunlich, aus dem Ueber⸗ reſt erfolgt. §. 549. Von der Auspfaͤndung des Mobi⸗ Aus⸗ liars zu Deckung der Abgaben bleibt nach der Aller⸗ nahmen. hoͤchſten Kabinets⸗Ordre vom 30. November 1825 das fuͤr den Schuldner und die bei ihm lebenden Kindek und Eltern nothwendige Beitwerk, die nothduͤrftigen Klei⸗ dungsſtuͤcke derſelben, ſo wie ein fuͤr das eigene Be⸗ duͤrfniß unentbehrliches Stuͤck Milchvieh, ausgeſchloſſen. §. 550. Die Subhaſtation von Grundſtuͤk⸗ Subbaſta⸗ ken findet zu Buͤßung von Steuerſtrafen nicht Statt. tion von Inwiefern dieſelbe fuͤr Koſten und Gefaͤlle verhaͤngt wird, lin nodie richtet ſich nach der Beurtheilung des einzelnen vorlie⸗ nicht genden Falles. Statt. §. 551. Wenn der Veruttheilte ſelbſt den Ver⸗ Freiwillige kauf eines Grundſtuͤcks vorziehet, um dem Eintreten der Subbaſta⸗ Gefaͤngnißſtrafe vorzubeugen, ſo wird die Verwandlung tion. der Geldbuße in Haft ausgeſetzt, ſobald nachgewieſen iſt, daß der Verurtheilte den Verkauf des Grundſtuͤcks eingeleitet oder in Antrag gebracht hat. Wird die freiwillige Einleitung zum Verkauf zu⸗ ruͤck genommen, oder bleibt derſelbe ohne Erfolg, oder iſt endlich das Grundſtuͤck dergeſtalt verſchuldet, daß daraus die Berichtigung der Geldbuße nicht erwartet werden kann, ſo wird der Kontravenient als un⸗ Nieder⸗ ſchlagung unein⸗ ziehbarer Koſten. Verwand⸗ lung der Geldbuße in gefaͤng⸗ liche Haft. 414 vermoͤgend angeſehen, und die Geldbuße in Gefaͤng— niß verwandelt*). §. 552. In Anſehung des Koſtenpunktes bei Verurtheilungen iſt durch die Allerhoͤchſte Kabinets⸗ ordre vom 20. Oktober 1825 feſtgeſetzt, daß zur Bei⸗ treibung der Unterſuchungskoſten in der ganzen Mo⸗ narchie gleichlautend nach Vorſchrift des§. 622 der Preußiſchen Kriminal-Ordnung verfahren werden ſoll. Dieſer beſtimmt: „Niemand darf durch Unterſuchungskoſten außer Nahrungsſtand geſetzt, noch duͤrfen deſſen Grundſtuͤcke, wenn er kein ſchweres Verbrechen begangen hat, blos der Koſten wegen, ſogleich zum Verkauf geſtellt, vielmehr muͤſſen in allen Faͤllen, wenn dieſes zu beſorgen iſt, billige Terminal⸗Zahlungen geſtattet werden. Kann ein Verbrecher, der in die Koſten verurtheilt worden, ohne Zerſtoͤrung ſeines Nahrungsſtandes gar nichts davon be⸗ zahlen, ſo müſſen alle Sporteln und Gebuͤhren des un— terſuchenden Gerichtes, und alle Diaͤten, oder andern Emolumente der Gerichtsperſonen und Subalternen, ſo wie der Stempel und das Porto niedergeſchlagen werden.“ §. 553. Iſt durch den Erfolg des Exekutionsver⸗ fahrens der ſchuldige Betrag nicht vollkommen gedeckt, oder iſt die Auspfaͤndung ohne alles Reſultat geblieben, ſo wird die Summe der verſchuldeten Geldſtrafe, wo dies nicht im gerichtlichen Urtheile fuͤr den Unvermoͤgen⸗ heitsfall bereits alternative erkannt iſt, in Gefaͤngniß⸗ ſtrafe verwandelt, und dieſe an dem Verurtheilten vollſtreckt. Bei notoriſcher Zahlungsunfaͤhigkeit des Beklagten wird jedoch das vorbeſchriebene Exekutions⸗ verfahren nicht eingeleitet, ſondern vielmehr auf den Grund eines, von der Behoͤrde ausgeſtellten Zeugniſſes der Unvermoͤgenheit des Debenten, die Verwandlung der Geldbuße in Gefaͤngnißſtrafe ſofort bei dem Gerichte nachgeſucht. Nach Th. II. Tit. 20§. 88 des allgemeinen Landrechts wird jeder Strafbetrag von fuͤnf Rthlr. ei⸗ ner Gefaͤngnißſtrafe von acht Tagen gleich geſtellt, *) Cirkular⸗Reſcript vom 12. Junius 1826. 9323. ———— 415 und durch die Allerhoͤchſte Kabinetsordre vom 18. Sep⸗ tember 1824 iſt beſtimmt, daß bei Verwandlung der Geldbuße in gefaͤngliche Haft dieſer Maaßſtab von den Gerichtsbehoͤrden in der ganzen Monarchie angenommen werden ſoll. Die Vollſtreckung der Gefaͤngnißſtrafe geſchiehet durch dasjenige Gericht, welche die Dauer derſelben feſt⸗ geſetzt hat, ohne daß dieſe Vollſtreckung von der Ver⸗ waltungsbehoͤrde beſonders in Antrag gebracht wird. §. 554. Lediglich fuͤr die zu zahlenden Koſten ſoll, nach der Allerhoͤchſten Kabinetsordre vom 20. No⸗ vember 1825, bei erwieſener Unvermoͤgenheit, Gefaͤngniß⸗ ſtrafe nicht verhaͤngt werden, ſo wie dieſelbe auch als Surrogat der ſchuldigen Steuergefaͤlle nicht angewendet wird, mithin fuͤr den einfachen Gefaͤllebetrag Niemand verhaftet werden darf. Eben ſo wenig wird der Werth eines zu konfiszi⸗ renden, jedoch nicht vorhandenen Gegenſtandes durch Gefaͤngnißſtrafe ſubſtituirt*). §. 555. Das Maximum der Dauer der fuͤr Steuerdefraudationen zu verhaͤngenden gefaͤnglichen Haft, oder nach Befinden der Umſtaͤnde der Zuchthausſtrafe darf, welches auch der nach Gelde berechnete Strafbe⸗ trag ſeyn moͤge, die Dauer von zehn Jahren nicht uͤberſchreiten. §. 556. Vergehen gegen die Steuergeſetze ſind im Bereich der in den Rheinprovinzen geltenden Ge⸗ richtsverfaſſung verjaͤhrt, wenn zwiſchen dem Tage, wo das Vergehen veruͤbt ward, und dem Tage der Entdeckung drei volle Jahre verfloſſen ſind, und wenn daruͤber in dieſer Zwiſchenzeit, weder eine Unter⸗ ſuchung, noch ein anderes Verfahren gegen den Urheber des Vergehens vorgenommen worden ſind. Im Gebiete des Preußiſchen Rechtes iſt die Verjaͤhrungsfriſt auf fuͤnf Jahre feſtgeſetzt. Wenn dennoch, wegen einer, ſpaͤter erſt entdeckten Defraudation, eine Unterſuchung eingeleitet wird, ſo ge⸗ ſchieht es lediglich, um den Betrag der verſchuldeten einfachen Gefaͤlle zu ermitteln und einzuziehen, da *) Cirkular⸗Reſcript vom 23. September 1828. 16753. Fuͤr Koſten, Gefaͤlle und Konfiska⸗ tionswerth findet Ge⸗ faͤngniß⸗ ſtrafe nicht Statt. Dauer der gefaͤngli⸗ chen Haft. Verjaͤh⸗ rung der Vergehen gegen die Steuer⸗ geſetze. ————O————— Ueberſicht des ge⸗ richtlichen und des admini⸗ ſtrativen Verfah⸗ rens in Steuer⸗ Prozeß⸗ Angele⸗ genheiten. 416 auf die Abgaben ſelbſt, wovon hier die Rede iſt, nur die allgemeinen Verjaͤhrungsfriſten anwendbar ſind⸗ Ifſt jedoch ein fruͤheres Urtheil uͤber das Vergehen erfolgt, ſo iſt die Strafe nach Rheiniſcher Gerichtsver⸗ faſſung erſt in fuͤnf, nach der Preußiſchen in dreißig Jahren, als verjaͤhrt anzuſehen. §. 557. Als Schlußbetrachtung gehen wir noch zu Beurtheilung der ſo oft aufgeworfenen, doch fuͤr das Publikum noch nicht genuͤgend eroͤrterten Frage uͤber, ob bei Anklagen und Unterſuchungen wegen Verletzung der Steuergeſetze, die Entſchei⸗ dung der adminiſtrativen, oder die der gericht⸗ lichen Behoͤrde dem Intereſſe des Beſchul— digten am vortheilhafteſten, mithin welcher Rechtsweg in ſolchen Faͤllen zu betreten ſei? Aus den vorangefuͤhrten Beſtimmungen haben wir erſehen, daß es der Wahl des Beklagten uͤberlaſſen iſt, ob derſelbe ein ihm angeſchuldigtes Vergehen im Wege der gerichtlichen Unterſuchung beurtheilt wiſſen will, dder die Entſcheidung daruͤber der kompeten⸗ ten Verwaltungsbehoͤrde anheim ſtellt. Welchen Rechtsweg von beiden ein Angeklagter in ſeinem Intereſſe betreten ſoll, daruͤber ſind faſt immer die Betheiligten zweifelhaft, und oft erwaͤhlen ſie nach dem adminiſtrativen Urtheil erſter Inſtanz, das fernere gerichtliche Verfahren, oder provociren bei Einleitung der Unterſuchung ſofort darauf, in der Meinung, da⸗ durch eine guͤnftigere Entſcheidung ihrer Sache zu er⸗ langen. Erwaͤgen wir jedoch, daß nach dem Buchſtaben des Geſetzes und nach den§. 501 angefuͤhrten Ent⸗ ſcheidungsgruͤnden von Erkenntniſſen des hoͤchſten Ge⸗ richtshofes, bei ſolchen Vergehen in der Regel und wo nicht das Gegentheil im Geſetz ausdruͤcklich geboten iſt, ſchon die bloße Vernachlaͤſſigung der im Geſetze vorgeſchriebenen Form der Handlung, den Thatbeſtand eines Steuervergehens bildet, daß mithin die Strafbarkeit in ſolchen Faͤllen ſchon da begruͤndet iſt, wo ſelbſt jede ſtraͤfliche Ab⸗ ſicht einer Geſetzesuͤbertretung von der Annahme ausgeſchloſſen bleibt(§. 502), ſo finden wir im All⸗ gemeinen, daß die Urtheile der Gerichtshoͤfe wohl ————— 8 417 nur in wenigen Faͤllen guͤnſtigere oder mildere Anſichten uͤber die Strafbarkeit vorwalten laſſen koͤnnen; indem ihre Entſcheidung lediglich durch ſtrenge Auslegung und Anwendung der Geſetzesſtellen ſelbſt und bloß durch den vorhandenen oder ermittelten Thatbeſtand bedingt wird, ohne in techniſche Beurtheilung des Gewer⸗ bebetriebes ſpeziell einzugehen. Bei der Ruͤge von Steuer⸗Kontraventionen im ad⸗ miniſtrativen Wege, ſind jedoch die Grenzen milde⸗ rer Anwendung der Strafgeſetzgebung ſchon dadurch moͤg⸗ lichſt erweitert, daß den Dirigenten der Haupaͤmter die Befugniß zuſtehet, Anklage⸗Verhandlungen uͤber Kleinig⸗ keiten, bis zu einem Thaler Gefaͤlle, oder minder wichtige Formverletzungen, da auf ſich beruhen zu laſſen*), wo durch die Thatſache oder durch die Unterſuchung, die ſtattgefundene Kontravention ſich abſichtlos, oder ent⸗ ſchuldigt darſtellt. Wenn aber auch bei ſummariſcher Unterſuchung und Verurtheilung, die in erſter Inſtanz erkennenden Verwaltungsbehoͤrden in ihren Strafbeſcheiden bei der geſetzlich vorgeſchriebenen Strafe ſtehen zu bleiben, im Allgemeinen angewieſen ſind, ſo iſt dieß nothwendig, damit die Folgen der Uebertretung geſetzlicher Vorſchrif⸗ ten in ihrer ganzen Strenge zur lebendigen Kenntniß des betreffenden Individuums oder des Publikums ge⸗ langen, und nicht etwa unzeitige Nachſicht oder Hin⸗ neigung zu einer nicht rechtlich begruͤndeten Abweichung von den geſetzlichen Strafbeſtimmungen, einen Reiz zur Wiederholung entſtehen laſſe und ſomit die Kraft des Geſetzes in ſeiner Ausfuͤhrung ſelbſt laͤhme. Dagegen wird in den adminiſtrativen Rekurs⸗Inſtan⸗ zen, wo der Gegenſtand der Anklage es irgend zu⸗ laͤßt, und wo namentlich eine techniſche Beur⸗ theilung des Gewerbebetriebes die Ueberzeugung gewaͤhrt, daß in dem zur Entſcheidung vorliegenden Falle die Abſicht einer Gefaͤlleverkuͤrzung nicht vorge⸗ waltet habe, ſtets dahin gewirkt, daß die Beſtimmungen der Strafgeſetzgebung in moͤglichſt mildem Maaße zur Anwendung gebracht und demgemaͤß die in erſter In⸗ *) Cirkular⸗Reſcript vom 14. November 1827. 13284. 27 4 1 418 7 ſtanz feſtgeſetzten Strafen, ſo welt als thunlich, ermaͤßigt werden. Auch darf bei dieſen Behoͤrden auf die hoͤhere oder geringere Geiſtes⸗Kultur des Angeſchuldigten Nuͤck⸗ ſicht genommen werden. Außerdem hat der Rekurs an die Finanzbe⸗ hoͤrde den unverkennbaren Vortheil fuͤr ſich, daß der⸗ ſelbe die oft lange Dauer und Weitlaͤufigkeit einer gerichtlichen Unterſuchung und die, in Bezug auf den ſtreitigen Gegenſtand, oft ſehrbetraͤchtlichen Koſten vermeidet. Wie die Nothwendigkeit ſtrenger Strafbeſtimmun⸗ gen, im Gegenſatz des gewaͤhrten, moͤglichſt freien Spiel⸗ raums, fuͤr die rechtliche Induſtrie nicht zu beſtreiten ſeyn duͤrfte, ſo iſt auch die Schonung und Milde nicht zu verkennen und hinreichend erwieſen, mit welcher die Verwaltungs⸗Behoͤrde da, wo es ihr nur moͤg⸗ lich iſt, von ihrem Strafrechte Gebrauch macht; wir koͤnnen daher nach unſerer Ueberzeugung nur der Mei⸗ nung vorzugsweiſe beitreten, daß bei Anklagen wegen Uebertretung der Steuergeſetze, es dem Intereſſe des Beſchuldigten am guͤnſtigſten erſcheint, in ſol⸗ chen Faͤllen, wo gerichtliche Unterſuchung nicht aus⸗ druͤcklich geboten iſt, oder von der Verwaltung ge⸗ waͤhlt wird, ſtets auf die Entſcheidung der Fi⸗ nanzbehoͤrde, auch in der Rekurs⸗Inſtanz, zu provoziren. Wir verwahren uns bei dieſer Aeußerung gegen die aus dem Vorſtehenden vielleicht zu ziehende Folge⸗ rung, daß wir hier, ſtatt eine individuelle Meinung oder eine rein perſoͤnliche Anſicht auszuſprechen, nur im In⸗ tereſſe der Verwaltung ſchreiben, oder, durch Dienſtver⸗ haͤltniſſe und Ruͤckſichten gebunden, eine freimuͤthige Aeußerung uͤber dieſen Gegenſtand, ſelbſt wenn dieſelbe der Anſicht der adminiſtrativen Behoͤrde entgegengeſetzt ſein koͤnnte, nicht ausſprechen duͤrften. Wenn wir bis⸗ her auf der einen Seite ſtreng den geſetzlichen Beſtim⸗ mungen in ihrer Auslegung gefolgt ſind, ſo iſt auch anderſeits unſer Streben dahin gerichtet geweſen, in der vorliegenden Schrift wiſſentlich Nichts uner⸗ waͤhnt zu laſſen, was der Brenner oder Brauer bei Ausuͤbung ſeines Gewerbes in ſeinem Vortheil, als ein Recht, als eine Bewilligung, oder Beguͤn⸗ ſtigung in Anſpruch zu nehmen befugt iſt, und wir glauben daher, vollen Anſpruch auf die Wahrhaftigkeit 419 unſerer Verſicherung machen zu duͤrfen, daß unſere An⸗ ſicht uͤber den vorliegenden Punkt, lediglich aus leben⸗ diger Ueberzeugung, aus der geſammelten mehrjaͤhrigen Erfahrung vieler Faͤlle, ſo wie aus der Bekanntſchaft mit dem Geiſt der Verwaltung und ihrer Korrektions⸗ Maaßregeln geſchoͤpft iſt, und daß wir dieſe Anſicht le⸗ diglich im Intereſſe der Betheiligten vorge⸗ tragen haben. §. 558. Der Vollſtaͤndigkeit halber heben wir hier aus dem Geſetz vom 7. Maͤrz 1822 folgende, auch dem Gewerbtreibenden zu wiſſen noͤthige Beſtim⸗ mungen uͤber Anwendung des Stempels aus. Alle Geſuche, Beſchwerdeſchriften, Bittſchriften und Q Eingaben, die im Intereſſe eines Privaten an Behoͤrden oder Beamte der Abgabenparthie eingereicht werden, muͤſſen auf einem Stempelbogen von fuͤnf Groſchen ge⸗ ſchrieben, oder mit demſelben umlegt ſein. Ausgenommen ſind ſolche Geſuche, welche nach Geld geſchaͤtzt werden koͤnnen, und den Betrag von funfzig Thaler nicht erreichen; ſie unterliegen keinem Stempel und werden auf gewoͤhnliches Papier geſchrieben. Die Beſcheide auf derartige Eingaben werden nach dem Ermeſſen der Behoͤrde und nach Maaßgabe des verhandelten Gegenſtandes auf Stempelpapier zu fuͤnf oder funfzehn Groſchen ausgefertigt. Sind ſteuerpflichtige Geſuche oder Bittſchriften auf den tarifmaͤßigen Stempelbogen nicht geſchrieben, oder nicht damit umlegt, ſo wird die ſtattgefundene Kontra⸗ vention dadurch geahndet, daß der tarifmaͤßige Stem⸗ pel des Beſcheides auf ein ſolches Geſuch um funfzehn Groſchen erhoͤhet, mithin dazu der Stempel von zwan⸗ zig Groſchen, oder einem Thaler, verbraucht und von dem Betheiligten eingezogen wird. Quittungen uͤber geleiſtete Zahlungen ſind mit ei⸗ nem Zwoͤlftel Prozent des Betrages woruͤber ſie lauten, ſtempelpflichtig, ſofern dieſelben zum Belage einer Rech⸗ nung vor einer oͤffentlichen Behoͤrde dienen; mithin ſind Quittungen uͤber gezahlte Ausfuhr⸗Verguͤtung dem Stem⸗ pel unterworfen, dagegen aber Quittungen uͤber Ruͤck⸗ zahlung irrthuͤmlich erhobener Gefaͤlle, ausdruͤcklich vom Stempel befreit; eben ſo Zuſageſcheine fuͤr die Brannt— wein⸗Ausfuhr und deren beglaubte Abſchriften. 27* Stempel⸗ pflichtig⸗ keit der Eingaben, Beſcheide, uittun⸗ gen. Verglet⸗ chung der Preußiſchen Brannt⸗ wein⸗ und Brauſteuer⸗ Verfaſſung mit der Ge⸗ ſetzgebung anderer Staaten über dieſe Gewerbe⸗ Frankreich. 120 §. 559, Indem vorſtehend die Geſetgebung über dlie Beſtenerung des Branntweins und des Braumalzes in den Preußliſchen Staaten, und die zu ihrer Ausfuͤhrung und Auf⸗ rechthaltung vorgeſchriebenen Kontrole⸗Maaßregeln, wie wir hoffen zu duͤrfen vermeinen, bis in ihre kleinſten Einzelheiten dargeſtellt worden ſind, glauben wir auch durch uͤberzeugende Beweiſe die in der Einleitung ausgeſprochene Behauptung ge⸗ rechtfertigt zu haben: daß das Preußiſche Steuerſyſtem der Induſtrie des Ge⸗ werbebetriebes den moͤglichſt freien Spielraum geſtattet, ſie nirgend beſchraͤnkt, wohl aber uͤberall anregt; daß die Erhebung und Kontrolirung der Abgaben mit beſonderer Nuͤckſicht auf den Steuerpflichtigen moͤglichſt einfach und unbeſchwerlich angeordnet iſt, und daß alle Kontrolefor⸗ men und Sicherheits⸗Maaßregeln vermieden oder beſeitigt werden, deren Auübung dem Fortſchreiten des Gewerbe⸗ betriebes irgend ein Hinderniß, oder einen Zwang dar⸗ bieten koͤnnte. Obſchon in der Darſtellung des Gewerbebetriebes, dieſer ohne alle Nuͤckſicht auf Steuerverfaſſung vorgetragen worden iſt, ſo ſind wir dennoch nicht in den Fall gekommen, bei der ſpetern Kommentirung der Preußiſchen Steuergeſetzgebung, durch dieſelbe, irgend eine der ſo mannigfach verſchiedenen Fa⸗ brikations⸗Methoden beſchraͤnkt oder verboten, ſo wie irgend eine Klaſſe der Gewerbtreibenden vorzugsweiſe beguͤnſtigt zu ſehen. Wie daher im Allgemeinen die freie Ausuͤbung des Brennerei⸗ und Braueret⸗Gewerdes, im Großen wie im Klei⸗ nen, uberall geſtattet und geſichert iſt, ſo wird auch auf der anderen Seite durch dieſes Abgabenſyſtem als Grundſatz der Gerechtigkeit die Gleichheit vor dem Geſetz aufrecht erhalten. Lebendiger noch wird die Ueberzeugung von dem Vorſtehenden beſtaͤtigt, wenn man mit der Preußiſchen, die Geſetzgebung an⸗ derer Staaten, und zwar ſolcher Staaten vergleicht, wo die aus dem Volke gewaͤhlten Repraͤſentanten, ſelbſt die Geſetzgeber ſind. In Frankreich, England und den Niederlanden werden vom Branntwein und Braumalz aͤhnliche Abgaben, wie in Preußen, erhoben; die Hoͤhe derſelben haben wir bereits erwaͤhnt(§. 12 und 36), und es bleibt uns nur noch eine Darſtellung der Kontroleformen und der Strafgeſetzgebung uͤbrig, die man in jenen Laͤndern zur Sicherung des Steuerintereſſes in Ausfuͤh⸗ rung zu bringen fuͤr noͤthig erachtet. §. 560. In Frankreich iſt zwar der Fabrikant mit Steuer und Kontroleformen nicht uͤbermaͤßig beſchwert; deſto laͤſtiger aber ſind fuͤr das Publikum die Abgaben und die Sicherheits⸗ Maaßregeln, ſobald das Fabrikat zur Konſumtion uͤbergehet; weil es nicht nur bis zum gaͤnzlichen Verſchwinden unter Steuer⸗ Kontrole ſtehet, ſondern auch bei jedem Beſitzeswechſel einer neuen Beſteuerung unterliegt, welche zuſammengenommen die Preußiſchen Abgaben berweitem uͤberſteigen. Steuern werden beim Uebergang aus einer Hand in die andere(droits de mouve- ment), dann beim Eingang in die Staͤdte(droits d'entrée, octrois et dixièmes), dann beim Verkauf oder Ausſchank (droits de détail) erhoben und bilden im Ganzen das unter 424 dem Namen: droits reunts ſo laͤſfig gefumdene Abgabenſyſtem, was in ſeiner ganzen Strenge und Beſchwerlichkelt noch heute beſtehet; obſchon die Reviſion dieſer Geſetzgebung zu verſchle⸗ denen Zeiten lebhafte Debatten in der Deputirten⸗Kammer veranlaßt hat, deren weſentlichſtes Ergebniß jedoch nur gewe⸗ ſen, daß an die Stelle der fruͤheren Benennung: droits reu- nis, fuͤr dieſes Abgabenſyſtem der Name: contributions in⸗ directes gegenwaͤrtig getreten iſt. §. 561. Wie in England zum groͤßten Nachtheil der Ackerbau treibenden Klaſſe, jede Anlage einer landwirthſchaffli⸗ chen Brennerei unbedingt verboten iſt, wie üherhaupt der Brennereibetrieb dort nur in einzelne große Fabrikations⸗An⸗ ſtalten zuſammen gedraͤngt, und dadurch gleichſam ein Mono⸗ pol fuͤr die Beſitzer großer Betriebs⸗Kapitalien gebildet wird, iſt wohl bekannt; weniger aber die Strenge und Peinlichkeit der Kontroleformen und Strafbeſtimmungen, welche, wie alle Geſetze in England buchſtaͤbliche Anwendung finden. Zur naͤhern Kenntniß derſelben liefern wir nachſtehend in getreuer Ueberſetzung, einen Auszug der in England geltenden Beſtim⸗ mungen uͤber Beſteuerung des Branntweins ⁵*). §. 562. Niemand in ganz England darf ohne Erlaub⸗ niß der Acciſe⸗Kommiſſarien eine Blaſe zur Deſtillation, Rek⸗ tifikation oder Kompoſition beſitzen. Die Erlaubniß, brennen zu duͤrfen, muß jaͤhrlich nachgeſucht und erneuert werden; wer dies unterlaͤßt oder fortbrennt, zahlt 500 Pfund Sterling**).— Niemand erhaͤlt die Erlaubniß, brennen zu duͤrfen, der nicht Hausbeſitzer oder Eigenthuͤmer eines Gutes iſt, welches inner⸗ halb, oder doch weniger als eine Viertelmeile von einer Markt⸗ ſtadt liegt, die mindeſtens 500 Wohnbaͤuſer hat.— Die Er⸗ laubniß wird verſagt fuͤr jede Blaſe, deren Koͤrper ohne Helm nicht mindeſtens einen Rauminhalt von 400 Gallon(1600 Quart) haͤlt.— Kein Brenner, deſſen Spiritusblaſe ohne Helm weniger als 3000 Gallon(12,000 Quart) faßt, darf mehr als 2 Maiſch⸗ und 2 Lutterblaſen halten, bei Konfiskation und 100 Pf. Strafe fuͤr jede Blaſe.— Von Sonnabend Abend 11 Uhr bis Montag Morgens 1 Uhr iſt jeder Betrieb der Brennerei bet 50 Pf. Strafe verboten.— Form und Groͤße, Stellung, Oeffnung, Verſchluß, Verbindung, Roͤhren, Haͤhne der Maiſch⸗, Lutter⸗ oder Branntwein⸗Reſervoirs, werden von den Acciſe⸗Kommiſſarien vorgeſchrieben.— Jede Ab⸗ weichung von dieſer Vorſchrift ziehet 200 Pf. Strafe, ſo wie außerdem 20 Pf. Strafe fkir jeden Tag nach ſich, an welchem ein vorſchriftwidriges Gefaͤß in der Brennerei geblieben iſt.— 9) An Acl 10 repeal the DuHles paxable in respees of Spirits distilled in England and of Licencees for disrilling rectifying, or compounding such Spirits and fer he Sale of Spirits, and to impose other Duties in lieu thereof and to provide othe? Regulatione for she Collecrion of the said Duses and fos the Sale of Spirits, end for the Ware- housing of such Spiriee withoue Payment of Duty for Exportation 27th. Jane 1825. ) Ekn Pfund Sterling betolgt 6 Rehlr. 20 Gr. Preußiſch Courant. England. Parla⸗ mentsakte vom 27. Juni 1825 422 Anßer Helm und Blaſe wird wahrend des Nichtgebrauches die Thuͤre des Ofenbeerdes unter Verſchluß gelegt.— Wer die Schloͤſſer oder Vorrichtungen dazu den Beamten nicht bezahlt, wer die Verſchlußanlegung hindert, oder den Verſchluß irgend eines Theiles der Geraͤthe nicht im Stande erhaͤlt, oder ver⸗ letzt, zahlt 200 Pf. Straſe.— Der Ausgang jedes Kuͤhl⸗ rohres endet in den Lutter,, Branntwein⸗ oder Spiritusbe⸗ haͤlter, welcher durch den Beamten verſchloſſen und nur die⸗ ſem zugaͤnglich iſt. Jeder andere Ausgang, jedes anderweite Auslaufen von Lutter, Branntwein oder Spiritus, iſt mit 200 Pf. verpoͤnt.— Jede Blaſe muß einen Ausleerungshahn haben, der von dem Beamten verſchloſſen, und nur von die⸗ ſem, jedoch nicht oͤfter als einmal in ſechs Stunden, geoͤffnet werden darf. Wenn der Hahn nicht vorſchriftlich angebracht iſt, geoͤffnet, beſchaͤdigt oder veraͤndert wird, ſind 30 Pf. Strafe zu erlegen.— Jeder Gaͤhrbottich muß am Boden eine Oeffnung haben, welche mit einer Roͤhre in Verbindung ſtehet, deren Ausgang unmittelbar in den Maiſchreſervoir oder Maiſchaufbringer fuͤhrt. Jede andere Oeffnung oder Leitung aus dem Gaͤhrbottich ziehet 200 Pf. Strafe nach ſich.— An allen Gaͤhrbottichen befinden ſich Viſirloͤcher, um den Inhalt des Gefaͤßes nach Art und Menge jederzeit unterſuchen zu koͤnnen. Sind dieſe nicht vorſchriftlich angebracht, erhalten, oder veraͤndert, oder finden ſich die Niveaus der Blaſen, Bottiche und Gefaͤße, ſo wie der Ort ihrer Aufſtellung oder ihre Groͤße, ohne ſchriftliche Anmeldung veraͤndert, ſo ſind 200 Pf. Strafe verwirkt.— Der Beamte d.n jederzeit verlangen, daß das Waſſer aus dem Kuͤhlfaß abgelaſſen werden ſoll; wer dies verweigert, oder das Kuͤhlfaß fruͤher als zwei Stunden nach dem Ablaſſen wiederum fuͤllt, hat 200 Pf. Strafe ver⸗ wirkt.— Auf jedes fortzurollende Faß, deſſen ſich der Bren⸗ ner zur Aufbewabrung von Branntwein oder Spiritus be⸗ dient, muß bei Strafe der Konfiskation leſerlich eingebrannt, eingeſchnitten oder aufgemalt ſein und erhalten werden: In⸗ halt, Namen, Firma, Wohnort.— Bevor der Bren⸗ ner die Erlaubniß zum Gewerbebetrieb nachſucht, bat er in einer ſchriftlichen Deklaration Raͤume und Gewerbſtaͤtten anzumelden. Dieſe Anmeldung muß enthalten: Namen, Wohnort, Ort des Gewerbebetriebes, Beſchreibung aller Ge⸗ faͤße und Geraͤthe, ihres Zwecks, Angabe der Haͤuſer, Raͤume und Orte, wo Deſtillation, Rektifikation oder Kompoſition ge⸗ ſchiehet.— Name und Firma des Brenners muß uͤber der Thuͤr ſeiner Gewerbſtaͤtte mit mindeſtens drei Zoll langen Buchſtaben ganz ausgeſchrieben, an einem in die Augen fallen⸗ den Ort angebracht, und eben ſo muß jedes zum Gewerbebe⸗ trieb dienende Gefaͤß, jede Thür eines Zimmers oder Raums, in welchem ein Theil des Gewerbes betrieben, oder Spiritus aufbewahrt wird, mit dem Namen und der Nummer, den es ſeinem Zweck und Gebrauch nach fuͤhrt, leſerlich bezeichnet ſein, und dieſe Bezeichnung erhalten werden, bei 50 Pf. Strafe.— Unangemeldete Geraͤthe werden konfiszirt und ziehen 500 Pf. Strafe nach ſich.— Jede Brennerei muß mindeſtens eine Viertelmeile von der anderen entfernt ſeyn, bei Strafe von 423³ 500 Pf. für jede Woche, wo ein ſolches Efabliſſement dem entgegen beſtanden hat.— Bei 200 Pf. Strafe darf kein Bren⸗ ner oder Deſtillateur auf demſelhen Grundſtuͤck gleichzeitig Bier⸗ oder Eſſigbrauerei, Weinfabrikation oder Zucker⸗Naffi⸗ nerte betreiben; eben ſo wenig darf aus den Betriebs⸗Raͤu⸗ men der Brennerei eine Verbindung, ein Ausgang oder Weg in oder durch einen geſchloſſenen Hof, Garten, Feld, Durch⸗ gang, einen andern Weg oder Ort, oder nach einem Gehoͤfte füuhren, wo ein gleichartiges Gewerbe oder ein Branntwein⸗ ſchank getrieben wird.— Verheimlichte Geraͤthe werden kon⸗ fiszirt; fuͤr jeden Ort, wo ſie gefunden werden, und fuͤr jedes zur Branntweinbereitung dienliche Gefaͤß, Blaſe oder Bottich find 200 Pf. Strafe verwirkt.— Der Zutritt zur Gewerb⸗ anſtalt, ſo wie zu ſämmtlichen, dem Brenner gehoͤrenden Loka⸗ len und deren Nebengebaͤuden, iſt bet Tag und Nacht unbe⸗ ſchraͤnkt geſtattet. Wird dem Beamten auf ſein Verlangen die Gewerbanſtalt nicht unverzuͤglich geöffnet, ſo iſt er befugt, Thuͤren und Fenſter aufzubrechen, oder ſonſt mit Gewalt ſich einen Weg zu bahnen, um den Zugang zu der Anſtalt zu ge⸗ winnen. Die Reviſionsbefugniß nach verborgenen Roͤhren, Haͤbnen, Leitungen, erſtreckt ſich außer den Brennerei⸗Gebaͤuden auch auf diejenigen der Nachbarſchaft, und er iſt befugt, Bo⸗ den, Mauern oder Scheidewaͤnde aufzubrechen, um nach ver⸗ borgenen Roͤhrenleitungen zu ſuchen.— Wird der Beamte am Eintritt in die Anſtalt, oder an deren Neviſion verhindert, ſo ſind 200 Pf. Strafe verwirkt.— Hat der Brenner nicht fuͤr Leitern und Licht geſorgt, die zur Vollfuͤbrung der Revi⸗ ſion gebraucht werden, ſo ſind 100 Pf. verwirkt.— Wer ro⸗ bes oder gemalztes Getreide brennt, darf nicht gleichzettig Kar⸗ toffeln, Zucker, oder ein anderes, zur Branntweinbereitung die⸗ nendes Material auf Branntwein verarbeiten, bei Vermeidung einer Strafe von 200 Pf. und Konfiskation der Maiſche, Wuͤrze oder des Branntweins.— Zucker und Kartoffeln duͤr⸗ fen nur nach beſonderer Erlaubniß auf Branntwein verar⸗ beitet werden, doch ohne irgend einen Zuſatz oder eine Bei⸗ miſchung von robem oder gemalztem Getreide. Findet ſich nach abgegebener Anmeldung zur Kartoffelbrennerei, zu irgend einer Zeit Mehl, Schrot, Malz, rohes Getreide oder Getreide⸗ Maiſche in der Brennerei, oder in einem dazu geboͤrenden Ma⸗ gazin oder anderen Raum vor, ſo ſind 200 Pf. Strafe ver⸗ wirkt.— Wer Maiſche, Lutter, Branntwein oder Spiritus einen andern Weg, oder in ein anderes Gefaͤß, was mit dem vorherigen Fabrikationsakt nicht durch Noͤbrenleitung verbun⸗ den iſt, laufen laͤßt, oder dergleichen wegbringt, hat die Kon⸗ fiskation der Geraͤthe und der Gefaͤße, und außerdem 200 Pf. Strafe, oder 20 Pf. füͤr jedes Gallon Maiſche, Lutter, Branntwein oder Spriet verwirkt, welches nicht in den vorge⸗ ſchriebenen Behaͤlter gefloſſen iſt.— Einmaiſchung und De⸗ ſtillation duͤrfen nie gleichzeitig, ſondern muͤſſen dergeſtalt in verſchiedenen Perioden geſchehen, daß keine Blaſe fruͤher in Gang geſetzt werden darf, als 12 Stunden nach vollendeter Einmaiſchung, und nachdem ſaͤmmtliche Wuͤrze oder Maiſche auf den Gaͤhrbottich gebracht worden iſt; eben ſo darf waͤh⸗ 424 rend der Brennperlode keine Einmaiſchung vorgenommen werden, bet 500 Pf. Strafe.— Sechs Stunden vor Be⸗ ginn jeder Maiſchung muß eine ſchriftliche Anzeige uͤber Tag und Stunde der Maiſchung abgegeben werden; ſechs Stunden nach beendeter Einmaiſchung muß ſchriftlich angezeigt werden, wie viel Material nach Menge und Gewicht verbraucht wor⸗ den ſind, bei 50 Pf. Strafe fuͤr jeden Unterlaſſungsfall.— Wer das Produkt zweier Einmaiſchungen in einen Gaͤhrbottich zu⸗ ſammenbringt, hat 200 Pf. Strafe verwirkt.— Der Bren⸗ ner muß im Voraus die Staͤrke ſeiner Wuͤrze deklariren, die nicht unter 50 und nicht uͤber 90 Grad nach dem in England vorgeſchriebenen Sacharometer ſein darf. Iſt die Wuͤrze in den Gaͤhrbottich gebracht, ſo wird ſie auf die fruͤher deklarirte Staͤrke reduzirt; dann muß aber, ehe dieſelbe mit Hefe ge⸗ ſtellt werden darf, der Brenner eine ſchriftliche Deklaration uͤbergeben, enthaltend Nummern der Bottiche, welche die Wuͤrze faſſen, Staͤrke der letzteren, Menge und Hoͤhe des Gaͤhrungs⸗ Raumes zwiſchen dem Viſtrloch und der Oberflaͤche der Fluͤſ⸗ ſigkeit. Jede unrichtige Angabe iſt mit 200 Pf. verpoͤnt, eben ſo der Mehrbefund, wenn er 5 Prozent uͤberſteigt.— Wenn nach vollendeter Reviſion ſpaͤterhin ſtaͤrkere Wuͤrze oder mehr, als der fruͤhere Befund ergiebt, in einem Gaͤhrbottich vorge⸗ funden wird, ſo werden dem Brenner die hoͤheren Abgaben kontirt, und er hat 200 Pf. Strafe verwirkt.— Wer Hefe oder Gährungsmittel zum Stellen der Matſche bereiten will, muß mindeſtens ſechs Stunden zuvor ſchriftliche Anzeige ma⸗ chen uͤber die Zeit, wenn, und uͤber das Gefaͤß, worin es ge⸗ ſchiehet, uͤber die Gaͤhrbottiche, in welche die Hefe, und wie⸗ viel davon in jeden koͤmmt. Das Verhaͤltniß von 5 Gallons Hefe zu 100 Gallons Wuͤrze, darf jedoch nicht uͤberſchritten werden. Jede Unterlaſſung der Deklaration ziehet, ſo wie jede Abweichung davon, 200 Pf. Strafe nach ſich.— Iſt die Maiſche zur Deſtillation reif, ſo giebt der Brenner die ſchriftliche Erklaͤrung ab, daß ſaͤmmtliche Maiſche in den Gaͤhrbottichen geſammelt iſt. Der Aufſichtsbeamte iſt dann verbunden, binnen 12 Stunden nach Uebergabe der Deklara⸗ tion den zeitherigen Blaſenverſchluß abzunehmen. Unrichtiger Befund der Deklaration in Bezug auf Maiſche, und eigen⸗ maͤchtiges in Gang ſetzen der Blaſe vor Ablauf von 12 Stun⸗ den, ziehet 200 Pf. Strafe nach ſich.— Acht Stunden vor dem Ablaſſen der Maiſche aus dem Gaͤhrbottich muß der Brenner durch ſchriftliche Deklaration Nummer des Gaͤhrbot⸗ tichs, ſo wie Tag und Stunde der Ausleerung angeben; der Beamte oͤffnet hierauf die zeither verſchloſſenen Haͤhne der Maiſchblaſe und des Maiſchaufbringers, und es muß in ſei⸗ ner Gegenwart in dieſelbe alle in dem Gaͤhrbottich befindliche Maiſche abgelaſſen werden, worauf, wenn die Menge der Maiſche revidirt iſt, die Haͤhne wieder verſchloſſen werden. Wenn Maiſche ohne dieſe Anzeige oder aus anderen Bottichen in den Maiſchaufbringer geleitet wird, ſind 200 Pf. Strafe verwirkt.— Der Reviſtonsbeamte iſt befugt, aus jedem be⸗ liebigen Gaͤhrbottich eine Probe Maiſche bis 20 Gallon (80 Quart) zu entnehmen, um ſie auf einer, der Steuer⸗ 425 verwaltung gehorenden Blaſe ablutkern zu laſſen. Eben ſo ſſt jeder Oberbeamte zu verlangen befugt, daß der Brenner in ſelner Gegenwart eine beliebige Quantitaͤt Maiſche gus einem ihm bezeichneten Gaͤhrbottich entnehme und ſofort abluttere. Dieſer Lutter muß, bis er von dem Beamten nach Menge und Staͤrke unterſucht iſt, unvermiſcht in dem Lutter⸗Reſervoir bewahrt bleiben. Die Unterlaſſung dieſer Verpflichtung ziehet 200 Pf. Strafe nach ſich.— In jedem Fall, wo ein Probe⸗ brennen in der Anſtalt des Brenners oder der Steuerverwal⸗ tung Statt gefunden hat, wird der Alkoholgebalt des gewon⸗ nenen Lutters auf Normalſpriet(58 Prozent Tralles) berech⸗ net. Zeigt dieſe Berechnung, daß aus der Maiſche mehr Spi⸗ ritus gezogen werden kann, als die Deklaration des Brenners, ſo wie die vor Beginn und nach Beendigung der Gaͤhrung ſtattgefundene Reviſion der Maiſche durch den Sacharometer vor der Ablutterung ergab, ſo ſind 200 Pf. Strafe verwirkt; doch wird in dieſem Falle dem Brenner der Werth der Maiſch⸗ probe bezahlt, oder der gewonnene Lutter zuruͤckgegeben.— Wer aus zwei Gaͤhrbottichen Maiſche gleichzeitig ablaͤßt, hat 200 Pf. Strafe verwirkt.— Vier Stunden eher, als Lutter, Branntwein oder Spiritus aus den betreffenden Aufnahme⸗ gefaͤßen abgelaſſen wird, muß durch eine ſchriftliche Anmel⸗ dung Tag und Stunde der Ausleerung angegeben werden. Der Beamte oͤffnet hierauf den Verſchluß der Pumpen oder Roͤhren, und, nachdem, er Menge und Staͤrke dieſer Fluͤſſig⸗ keit gepruͤft hat, muß der ganze Inhalt unverzuͤglich in die Aufbringe⸗Gefaͤße, oder in das Spiritus⸗Magazin gebracht werden. Wird Branntwein, Lutter oder Spiritus, dieſer Vor⸗ ſchrift entgegen, abgelaſſen, ſo ſind 200 Pf. Strafe ver⸗ wirkt.— Der aus jedem einzelnen Gaͤhrbottich gewonnene Lutter muß in den Reſervoirs ſo lange abgeſondert und un⸗ vermiſcht bewahrt werden, bis Menge und Staͤrke deſſelben durch den Beamten ermittelt iſt. Bevor eine weitere Maiſch⸗ abſchwellung beginnt, muß der Lutter der vorherigen Deſtillation in den Branntweinaufbringer uͤbergelaſſen ſein; eben ſo der Branntwein oder Spiritus jeder einzelnen Deſtillation, nach⸗ dem Menge und Staͤrke unterſucht iſt, in die fuͤr ihre Auf⸗ nahme beſtimmten Behaͤlter, bei 200 Pf. Strafe.— Die Steuerberechnung geſchiehet zunächſt auf den Grund der Er⸗ mittelungen des Sacharometers, nach Prozenten der Maiſche, und dem Verhaͤltniß ihrer, durch die Gaͤhrung verminderten, ſpezifiſchen Dichtigkeit, ſo daß fuͤr jede 5 Grad, welche, nach vollendeter Gäͤhrung, die Maiſche durch den Sacharometer leichter befunden wird, als entweder die Deklaration des Brenners beſagte, oder die Reviſion vor dem Zuſatz der Hefe zu dieſer friſch bereiteten Wuͤrze ergeben hatte, 1 Gallon Nor⸗ malſpiritus auf 100 Gallon Maiſche, mit Abzug von zwei Prozent auf die ganze Quantitaͤt, zur Steuerzahlung notirt wird. Eben ſo wird nach beendeter Deſtillation Menge und Staͤrke des Lutters unterſucht und der daraus berechnete Al⸗ kohol⸗Gehalt zur Verſteuerung notirt. Ergiebt dieſe Berech⸗ nung weniger, als die Ermittelung nach den Prozenten der Matſche, 5 wird der Steuerberechnung die Deklaration des 426 Brenners zu Grunde gelegt.— Wer Lutter, Branntwein oder Spiritus mit Zucker, Syrup oder anderen Stoffen in der Brennerei vermiſcht, ſo daß der geiſtige Gehalt durch den Alkoholometer nicht erkennbar iſt, hat Konfiskation des ver⸗ miſchten Branntweins und 200 Pf. Strafe verwirkt.— Wer die Steuer nicht in dem vorgeſchriebenen Termin bezahlt, ver⸗ wirkt 20 Pf. und den doppelten Betrag der geforderten Steuer.— Nach Ablauf jeder Brennperiode muß der Deſtil⸗ lateur bei 200 Pf. Strafe eine Nachweiſung uͤbergeben, in welcher enthalten ſein ſoll: Menge der Maiſche, die aus den Gaͤbrbottichen abgenommen iſt, Menge des gewonnenen Spi⸗ ritus, und Menge des noch undeſtillirt uͤbrig gebliebenen Lut⸗ ters oder Branntweins; eben ſo die Menge des im abgelau⸗ fenen Quartal verbrauchten Malzes.— Bei Strafe von 200 Pf. und der Konfiskation darf ein Brenner keinen ande⸗ ren, als ſelbſt bereiteten Spiritus in ſein Magazin aufneh⸗ men.— Richtige Waage, Maaß und Gewicht muͤſſen in dem Magazin fuͤr den Gebrauch des Reviſionsbeamten ſtets vorhan⸗ den ſein, bei 100 Pf. Strafe.— Die Buchfuͤhrung uͤber Zu⸗ und Abgang von Spiritus in das Magazin und aus demſelben, beſorgt der Beamte. Minder⸗ oder Mehrbefund gegen den Buͤcherabſchluß ziehet 20 Schilling Strafe fuͤr jeden Gallon, im letzteren Falle auch die Konfiskation des Mebr⸗ befundes nach ſich.— Geringere Quantitaͤten, als 30 Gallon, duͤrfen aus dem Magazin nicht, und auch nur gegen Erlaub⸗ nißſchein verſendet werden, bei 200 Pf. Strafe.— Spiritus, zur Ausfuhr beſtimmt, wird ſteuerfrei im oͤffentlichen Lagerhaus verwahrt.— Rektifikateurs oder Liqueurfabrikanten duͤrfen keine Blaſe von geringerem Inhalt, als 120 Gallon,(480 Quart) balten und keine Maiſche bereiten; auch keinen Spiritus ohne Erlaubnißſchein bei ſich aufnehmen, bei Konfiskation und 500 Pf. Strafe.— Die Deſtillation jeder Blaſe muß binnen 16 Stunden beendet ſein und nach der Beendigung der Helm abgenommen werden, bei 100 Pf. Strafe.— Niemand in England darf inlaͤndiſchen Spiritus von jemand anders, als einem patentirten Brenner oder Liqueurfabrikanten kaufen oder abernehmen, bei Strafe der Konfiskation und 300 Pf. fuͤr jede Zuwiderhandlung.— In den Magazinen der Rektifika⸗ teurs, Liqueurfabrikanten oder Spiritushaͤndler hat der Be⸗ amte unbeſchraͤnkte Reviſionsbefugniß, und ihre Vorraͤthe ſte⸗ ben ſowohl beim Zugang, als beim Abgang, unter immer⸗ waͤbrender Kontrole.— Keine Quantitaͤt Spiritus uͤber ein Gallon darf ohne amtlichen Transportſchein verſendet werden, bei Strafe der Konfiskation und 20 Schilling Geldbuße fuͤr jedes Gallon.— Wer Spiritus ohne Bezettelung annimmt, oder transportirt, zahlt 200 Pf. Strafe; außerdem wird der Spiritus, ſo wie ſaͤmmtliche Transportmittel an Pferden, Karren, Fahrzeugen, Booten ꝛc. konfiszirt.— Wer einen Transportſchein mißbraͤuchlich benutzt, zahlt 500 Pf. und un⸗ terliegt außerdem der Strafe der Faͤlſchung.— Das Hauſiren mit Spiritus iſt bei 100 Pf. Strafe verboten.— Bei De⸗ fraudationen hefreit die Denunziation, den Tbeilnehmer der Defraude, von aller Strafe.— Thaͤtliche Widerſetzlichkeit = ☛̈ 08 —.,—,——„f 427 wird mit ſiebenjaͤhriger Deportation beſtraft.— Beſtechung der Beamten zieht 500 Pf. Strafe nach ſich.— Die Denun⸗ ziation der Beſtechung befreit von der Strafe.— Wer den Beamten bei der Ausuͤbung ſeiner Befugniſſe hindert, oder beſchwerlich faͤllt, zahlt 200 Pf. Strafe.— Die Hälfte aller Straf⸗ und Konfiskations⸗Betraͤge gebuͤhrt dem Denun⸗ zianten, die zweite Haͤlfte fließt in die Staatskaſſe. §. 563. Im Koͤnigreich der Niederlande unterliegt die Branntweinfabrikation den nachfolgenden Beſtimmungen und Kontrolemaaßregeln, die wir aus dem daruͤber erſchienenen Geſetz hier auszugsweiſe mittheilen*). Kein zur Branntweinbereitung dienendes Material darf ohne Bezettelung in der Brennerei aufbewahrt werden. Der Verbrauch des Betrlebsmaterials wird durch die Quantitaͤt der verſteuerten Maiſche und das Verhaͤltniß der Waͤſſrigkeit zur trocknen Subſtanz kontrolirt. Waͤhrend der Monate Ok⸗ tober bis Maͤrz, einſchließlich, werden 14 Pf. 1 Unze Schrot auf das Baril Maiſche gerechnet; vom 1. April bis 15. Juni 13 Pf. 6 Unzen, und vom 15. Juni bis zum letzten Septem⸗ ber 12 Pf. 6 Unzen fuͤr jedes Baril Maiſche**).— Findet ſich bei Reviſion der Materialbeſtaͤnde gegen die Deklaration ein Unterſchied von mehr als ₰ Prozent, ſo iſt fuͤr jedes Pfund 25 Cents Strafe verwirkt.— Die Gewichtsvergroͤße⸗ rung des Materials durch Sand oder Erde ꝛc. wird mit 50 bis 100 Gulden beſtraft.— Wer Brennerei betreiben will, muß Raͤume und Geraͤthe, ſo wie die Gattung des Materials, das verarbeitet, und die Art des Branntweins, der fabrizirt werden ſoll, ſchriftlich richtig deklariren.— Jede Blaſe muß wenigſtens eine Inhaltsfaͤhigkeit von 3 Baril(gleich 262 Quart) baben. Wer undeklarirte Geraͤthe beſitzt, die zuſammengenom⸗ men einen Brennereibetrieb moͤglich machen, zablt 100 Gulden Strafe.— Kupferſchmidte, Boͤtticher oder Zimmerleute, wel⸗ che Brenngeraͤthe verfertigen und ſolche zur heimlichen Brannt⸗ weinbereitung benutzen, oder an Andre abgeben, zablen 400 Gulden Strafe.— Alle Geraͤthe, die vicht in Benutzung ſind, werden in Gegenwart des Brenners durch zwei Beamte verſiegelt. Es wird daruͤber ein Akt aufgenommen und jedes Siegel mit 3 Cents bezahlt. Eigenmaͤchtige Abnabme, oder Aenderung des Verſchluſſes, oder Wegſchaffung von Geraͤthen, die außer Gebrauch geſetzt waren, zieht 100 bis 400 Fl. Strafe nach ſich.— Ueber der Thuͤre der Brennerei muß der Name des Inhabers, ſo wie das Wort: Brennerei, letzteres auch uͤber jedem Ein und Ausgang der Gewerbsraͤume, mit lesba⸗ rer Schrift angebracht und erhalten werden, bei 10 Gulden Strafe.— In jeder Brennerei muß eine Waage mit 200 Pf. Gewicht, bei Vermeidung von 20— 50 Fl. Strafe, ſtets vor⸗ handen ſein.— Die Brennereien werden unterſchieden in *) Wet van den 268ten Auguntus 1822, houdende belasting op hesr Binnenlandsch Gedisteleerd. **) Auf Preußiſchen Gewichtfuß reduzirt, iſt daher das Verhältniß der trocknen Subſtanz zur Waſſrigkeit in den verſchiedenen Jahveszeiten auf reſpektive 1 zu 75/7, 1 zu 8, und 1 zu 8 1 feſtgeſetzt. Brannt⸗ weinſteuer und Kon⸗ trole in de Niederlan den. y r 428 eigentliche und in landwirthſchaftliche Brennereien. Die erſteren ſind diejenigen, welche ein beſonderes Gewerbe bilden und lediglich zur Konſumtion und zum Handel arbeiten, auch aus den Betriebsmaterialien alle geiſtige Stoffe extrahiren. Zu den landwirthſchaftlichen Brennereten werden diejenigen gerechnet, die mit Viehmaſtung verbunden ſind und nur eine einzige Blaſe haben, auf welcher ſaͤmmtliche Deſtilliroperatio⸗ nen ausgefuͤhrt werden. Die Brennereien werden in 6 Klaſ⸗ ſen nach der Groͤße der Blaſen unterſchieden. Zu der erſten Klaſſe gehoͤren Blaſen von 15 Baril*) und mehr Inhalt; zur zweiten Klaſſe von 10 bis 15 Baril; zur dritten von 3 bis 10 Baril; zur vierten diejenigen unter 5 Baril. Dieſe Bren⸗ nereien duͤrfen bloß Getreide verarbeiten. Die fuͤnfte Klaſſe bilden diejenigen Brennereien, welche ausſchließlich aus andern Subſtanzen, als Getreide, Branntwein bereiten. Die ſechste Klaſſe begreift die Deſtillateurs und Liqueurfabrikanten in ſich, welche jedoch nicht gleichzeitig Brantweinbrennerei treiben duͤr⸗ fen. Die Zahl und Groͤße ihrer Blaſen iſt unbeſchraͤnkt. Die Brennereien der erſten vier Klaſſen werden ferner in zwei Kathego⸗ rien unterſchieden, je nachdem dieſelben blos mit Maiſchblaſen, oder mit Maiſch⸗ und Weinblaſen gleichzeitig arbeiten. In Brennereien, wo nur Maiſchblaſen vorhanden ſind, darf Lut⸗ tern und Weinen nicht an einem und demſelben Tage geſche⸗ hen, bei 100 Fl. Strafe.— Wer ſeine Brennerei in eine unrichtige Kathegorte deklarirt hat, oder zu einem anderen, als dem deklarirten Gebrauch benutzt, zablt 400 Fl.— Waͤh⸗ rend des Betriebes der Brennerei oder der Deſtilliranſtalt iſt der Gewerbtreibende verbunden, den Beamten Proben von der in der Blaſe enthaltenen Fluͤſſigkeit abzulaſſen, bei 400 Fl. Strafe fuͤr jeden Weigerungsfall.— Veraͤnderung des Ortes oder der Stellung der Maiſchbottiche wird mit 20 Fl. fuͤr jede Kufe beſtraft.— Die Maiſchbottiche duͤrfen nicht mit heißer Luft oder Dampf erwaͤrmet, auch nicht in heißes oder kochen⸗ des Waſſer geſtellt werden, bei 400 Fl. Strafe.— Wer die, zur Preßhefenfabrikation beſtimmten Gefaͤße mehr, als bis zu dem erlaubten und bezeichneten Raum anfuͤllt, zahlt 400 Fl. Strafe.— Die Benutzung von Aufſakzkraͤnzen iſt erlaubt, wenn der Brenner ſolche deklarirt und den Rauminbalt ver⸗ ſteuert; werden undeklarirte Aufſatzkraͤnze benutzt, oder groͤ⸗ ßere, als die deklarirten und verſteuerten, ſv ſind 400 Fl. Strafe verwirkt.— Werden kleinere Aufſatzkraͤnze, als die deklarirten, verwendet, ſo ſind 50 Fl. Strafe verwirkt.— Wer den Rand durch Hoͤlzer oder Bloͤcke, oder andre Mittel erhoͤhet, zahlt 400 Fl. Strafe.— Maiſch⸗Reſervoirs duͤr⸗ fen nicht groͤßer ſein, als der Inhalt der Blaſe; ſollen ſie gaͤhrende Maiſche enthalten, ſo werden ſie den Maſſch⸗ blaſen gleich verſteuert; dienen ſie aber blos zur Auf⸗ nahme reifer Maiſche, ſo ſind ſie ſteuerfrei; doch darf die Maiſche in ihnen nur ſo lange verbleiben, als erfor⸗ *) Ein Bartl(Vat) iſt gleich 8715 Quart Preußiſth. 429 derlich iſt, um ſie in den Waͤrmer oder in die Blaſe zu bringen.— Eine deklarationswidrige Einmaiſchung, nachdem die reife Malſche in die Reſervoirs abgelaſſen iſt, ziehet 200 Fl. Strafe nach ſich.— Wenn in dem Reſervoir undeklarirte gaͤhrende Maiſche angetroffen wird, ſind 400 Fl. Strafe ver⸗ wirkt.— Maiſchwaͤrmer werden ausnahmsweiſe geſtattet, doch darf ihr Inhalt nicht groͤßer, als die dazu geboͤrende Maiſchblaſe ſeyn; ſie muͤſſen zwiſchen Blaſe und Schlange ſtehen, duͤrfen keine Kommunikation mit der Feuerung haben, der Deckel muß platt ſein, die Maiſche in demſelben darf nicht anders, als durch das Helmrohr des Blaſenkeſſels erwaͤrmt werden. Das Rohr des Maiſchwaͤrmers darf nicht in Schlan⸗ genwindungen, ſondern muß in gerader Linie(Stichrohr) durch den Maiſchwaͤrmer gehen, auch darf nie andere, als vollendet reife Maiſche, und nur waͤhrend die Maiſchblaſen im Kochen ſind, aufgebracht werden. Jeder Verſtoß gegen dieſe Beſtim⸗ mungen, desgleichen das Unternehmen, die Maiſche in dem Waͤrmer zu deſtilliren, ziehet 400 Fl. Strafe nach ſich.— Fede Blaſe darf nicht mehr als zwei Oeffnungen, eine zum Aufſetzen des Helms und eine zum Ablaſſen der Schlempe oder des Waſſers baben. Das Vorhandenſein jeder andern Oeffnung wird mit 400 Fl. beſtraft.— Die Fuͤllung und Ab⸗ ſchwellung der Maiſche muß in einer ununterbrochenen Folge geſchehen, bei 400 Fl. Strafe.— Bevor eine Brennerei in Be⸗ trieb erklaͤrt werden kann, muß der Inhalt von Blaſen, Bot⸗ tichen, Waͤrmern, Kraͤnzen, Kufen und Reſervoirs, durch trok⸗ kene und naſſe Vermeſſung ermittelt werden. Wer waͤhrend der Vermeſſung heimlich Waſſer in die Gefaͤße bringt, zahlt 400 Fl. Strafe.— Wer die Vermeſſung oder Bezeichnung weigert, zahlt 200 Fl.— Brenngeraͤthe aller Art, ſo wie die Feuerungsanlagen, duͤrfen ohne Deklaration bei 400 Fl. Strafe weder verkauft, cedirt, verliehen, abgebrochen, zerſchlagen, re⸗ parirt, veraͤndert, vergroͤßert oder verkleinert werden.— Die Brennzeit in Brennereien ohne Maiſchwaͤrmer iſt fuͤr die erſte Klaſſe von 6 Uhr Morgens bis 10 Uhr Abends; fuͤr die zweite Klaſſe von 7 Uhr Morgens bis 9 Ubr Abends; die der dritten Klaſſe von 8 Uhr des Morgens bis 8 Uhr des Abends; die der vierten Klaſſe zwiſchen 8 Uhr des Morgens und 6 Uhr des Abends.— Bei Maiſchwaͤrmerapparaten iſt die Brenn⸗ friſt der erſten Klaſſe von 7 Uhr Morgens bis 9 Uhr Abends; die der zweiten Klaſſe von 8 bis 8 Uhr; die der dritten Klaſſe von 8 bis 6 Uhr; die der vierten Klaſſe von 8 bis 4 Uhr. In dieſer Zeit muß das Fuͤllen und Reinigen mit bewirkt werden. Die Brenner der beiden erſten Klaſſen duͤrfen auf jeder Blaſe taͤglich nicht uͤber drei Fuͤllungen, die der dritten und vierten Klaſſe taͤglich nicht mehr, als vier Fuͤllungen auf⸗ bringen und abbrennen.— Die Deklaration des Brenners muß die Zahl und die Dauer der Blaſenabtriebe enthalten, je⸗ der Blaſenabtrieb muß in gleicher Zeit geſchehen, mit Aus⸗ nahme des erſten, welcher eine Stunde laͤnger dauern darf.— An Sonn, und Feſttagen iſt das Feueranzuͤnden, alſo die De⸗ ſtillation oder der Brennbetrieb, bei 400 Fl. Strafe verboten.— Dieſen Beſtimmungen unterliegen alle Brennereien, ſie moͤ⸗ 430 gen aus Getreide oder andern Stoffen Branntwein bereiten.— Das Kuühlfaß muß mit einem Deckel verſehen ſeyn, den der Beamte verſchließen oder verſiegeln kann.— Eben ſo iſt waͤhrend des Nichtgebrauches das Schlangenrohr verſiegelt, und darf bei 100 Fl. Strafe nicht benutzt werden, ſo lange der Beamte nicht den Verſchluß abnimmt.— Die Ueberſchrei⸗ tung der Brennfriſt wird nicht beachtet, wenn ſolches eine halbe Stunde nicht uͤberdauert, und der Branntwein, der in die⸗ ſem Zeitpunkt aus der Schlange laͤuft, die Staͤrke eines Grades nicht uͤberſteigt. Mit der Strafe von 400 Fl. iſt je⸗ doch jede Verlaͤngerung verpoͤnt, wenn der ausfließende Branntwein mehr als einen Grad Staͤrke zeigt. Dieſelbe Strafe verwirkt der Brenner, wenn die Brennfriſt um mehr als eine halbe Stunde berſchritten wird, gleichviel, welche Staͤrke das noch uͤbergehende Phlegma enthaͤlt.— Der Aus⸗ gang des Kuͤhlrohrs muß ſtets offen erbalten werden, und dem Beamten zugaͤnglich ſein, der zu jeder Zeit Proben des Deſtillates abzunehmen befugt iſt. Jede Zuwiderhandlung ziebt 400 Fl. Strafe nach ſich.— Die Betriebsdeklaration des Brenners muß den Zeitraum von mindeſtens 14 Tagen, oder hoͤchſtens einen Monat umfaſſen; ſie muß außer Na⸗ men, Wohnort, Benennung ꝛc., enthalten, den Tag und die Stunde, an welchen Feuer unter die Waſſerkeſſel gemacht wird, den Zeitpunkt des Beginnens und der Beendigung jeder Ein⸗ maiſchung, Anzahl, Nummern und Inbhalt der jedesmal be⸗ nutzten Bottiche und Hefengefaͤße, die Zahl der Maiſchwaͤr⸗ mer, Maiſch⸗ und Weinblaſen und Blaſenabtriebe; ferner An⸗ abe der Stunden, in welchen jede einzelne Blaſenfuͤllung vor ſch gebet, der Stunde, an welcher Feuer unter die Blaſe ge⸗ legt wird, den Zeitraum, welchen jeder Blaſenabtrieb erfordert, und die Angabe der Stunde, in welcher die letzte Deſtillation vollendet iſt, ſo wie Tage und Stunden, an welchen der Lut⸗ ter auf Branntwein verarbeitet, und Feuer unter die Wein⸗ blaſe gelegt wird. Jede unrichtige Angabe in der Deklaration, in Bezug auf Nummern und Inhalt der Bottiche oder Bla⸗ ſen, ziehet 50 Fl. Strafe nach ſich.— Wird vor Anfang der deklarirten Stunde eine Blaſe gefuͤllt, oder Feuer angezuͤndet, ſo ſind fuͤr jeden Fall 100 Fl. Strafe verwirkt. Jede Abwei⸗ chung von der Deklaration in Hinſicht auf Maiſchung und Betriebszeit, eben ſo jede undeklarirte Benutzung von Botti⸗ chen, Blaſen, Kraͤnzen ꝛc. ziehet 400 Fl. Strafe nach ſich.— Wer ohne Deklaration einmaiſcht oder brennt, oder außer den deklarirten Stunden Maiſche, Lutter oder Branntwein in der Blaſe aufbewahrt oder deſtillirt, eben ſo jeder, der uͤber⸗ fuͤhrt wird, ſich mit heimlicher Bereitung geiſtiger Getraͤnke zu beſchaͤftigen, den trifft die vorangefuͤhrte Strafe. Die Ent⸗ deckung einer beimlich betriebenen Brennerei ziehet nach ſich, die Konfiskation der Maiſche, ſaͤmmtlicher Branntweinvor⸗ raͤthe, ſaͤmmtlicher Geraͤthe, welche vernichtet werden, ſo wie des Hauſes und der Keller.— Das Vorfinden von Maiſche an nicht deklarirten Orten, ſo wie von anderen in Bearbeitung begriffenen Subſtanzen, aus denen Branntwein durch Deſtillation bereitet werden kann, wird ohne Ruͤckſicht —ͤͤ—* 431 auf die Entſchuldigung, z. B. der Hefefabrikallon, als beim⸗ liche Brennerei betrachtet und beſtraft.— Wer eine halbe Stunde nach beendeter Deſtillation den Helm der Blaſe nicht abgenommen, oder das Feuer unter derſelben nicht ausgeloͤſcht bat, zahlt 100 Fl. Strafe.— Die Steuerberechnung und Erhebung geſchiehet folgendermaaßen: Bei dem Steueramte wird, auf den Grund der abgegebenen Betriebsdeklarationen, jedem Brenner ein Konto eroͤffnet, in welchem ihm, nach Maaßgabe des verbrauchten Materials, die ans demſelben ge⸗ wonnene Quantitaͤt Branntwein als Steuerdebet angeſchrieben wird. Die Branntweinausbeute, oder das Verhaͤltniß der verwendeten trocknen Subſtanz zum Alkoholertrag wird fuͤr die erſten; vier Klaſſen der Brenner folgendermaaßen an⸗ genommen. Von einem Barill Schrot wird als Brannt⸗ weinertrag kontirt in den Monaten Oktober bis Maͤrz ein⸗ ſchließlich 7 Litrons 78 Des Branntwein zu 10 Grad. Vom erſten April bis 15. Juni 7 Litr. 52 Des; endlich vom 15. Juni bis Ende September 6 Litrons 40 Des. Land⸗ wirthſchaftlichen Brennereien werden nur vier Fuͤnftel des nach dieſen Grundſaͤtzen berechneten Steuerbetrages kontirt. Die Brenner der fuͤnften Klaſſe, welche Branntwein aus an⸗ derm Material als Getreide bereiten, zahlen die Steuer eben⸗ falls nach der erfahrungsmaßig aus dieſen Subſtanzen zu ge⸗ winnenden Menge Alkohol; jedoch ſoll auf keinen Fall die darnach normirte Abgabe den Betrag von 70 Cents für das Barill*) des zu jeder Einmaiſchung benutzten Bottichraums überſteigen.— Nach beendeter Deklaration kann durch Reviſion die Menge des gewonnenen Branntweins in den Kellern oder Magazinen unterſucht werden. Findet ſich gegen die geſetzliche Ausbeuteannahme Ueberſchuß oder ein Minderbefund bis zehn Prozent, ſo wird in beiden Fällen der geſetzliche Steuerbetrag notirt.— Betraͤgt der Minderbefund mehr als 10 Prozent, ſo wird die fehlende Quantitaͤt mit der doppelten Steuer be⸗ troffen.— Branntweinſteuer⸗Kredit wird denjenigen Bren⸗ nern gegen Buͤrgſchaft ertheilt, welche als Groshaͤndler pa⸗ tentirt ſind, und ein immerwährendes Lager von mindeſtens 20 Barills Branntwein halten; außerdem muß der aus jeder De⸗ klaration reſultirende Steuerbetrag vor Ablauf der zweiten Dekla⸗ rationsperiode bezahlt werden; jedoch iſt es zulaͤſſig, den unver⸗ ſteuerten Branntwein in oͤffentlichen Niederlagen zu deponiren, außerhalb Landes zu fuͤhren, oder an Andere, mit Kredit ver⸗ ſehene Groshaͤndler zu überlaſſen, auf welche die Steuerſchuld alsdann uͤbergehet. Die Beſtimmungen fuͤr Steuerkredit, und die Kontrole⸗Maaßregeln fuͤr den Uebergang aus einer Hand in die andere, ſo wie fuͤr den Transport im Innern und außerhalb Landes, ſind zu weitlaͤuftig und vielfaͤltig, um ſie auszugsweiſe geben zu koͤnnen. Fuͤr wen deren Kenntniß naͤ⸗ heres Intereſſe hat, den muͤſſen wir auf das Geſetz ſelbſt ver⸗ „ Mithin für 20 Quart Maiſchraum 2 Groſchen 9 Pfennige. — ——HO—V———„.— 432 7 weiſen.— Dlie Quirtungen uͤber bezahlte Steuer, Transport⸗ ſcheine und Ausfuhrſcheine unterliegen dem Stempel. §. 564. Zu einer Vergleichung der Beſteuerung und Kontroleformen bei Bier⸗ und Eſſigbereitung in anderen Staaten wird es hinreichen, nachſtehenden Auszug aus dem Niederlaͤndiſchen Brauſteuer⸗Geſetz*) mitzutheilen. Bei 400 Fl. Strafe iſt verboten, Braumalz in verſchie⸗ denen Abtheilungen einzumaiſchen, oder Einmaiſchungen zu wiederholen, zu vermehren oder zu erneuern, wenn ſolches nicht vorher deklarirt iſt.— Ohne Deklaration und die nach deren Abgabe erhaltene Bezettelung darf Brauſchrot nicht in die Brauerei eingebracht oder niedergelegt werden. Jedes Raſin(Niederlaͤndiſch Gewicht) Malzſchrot, welches uͤber De⸗ klaration und Bezettelung vorgefunden wird, zahlt 3 Fl. Strafe.— Vor Beginn des Betriebes einer Brauerei muß uͤber Raͤume und Geraͤthe dieſelbe Deklaration abgegeben wer⸗ den und dieſelbe Ermittelung des Inhalts durch Vermeſſung, auch dieſelbe Bezeichnung der Geraͤthe, Thuͤren, Naͤume ꝛc. ſtatt finden, wie ſolches das Branntweinſteuer⸗Geſetz vor⸗ ſchreibt, bei Vermeidung der dort angedrohten Strafen.— Wer Braugeraͤthe beſitzt und nicht deklarirt, bat 100 Fl. Strafe verwirkt. Ausgenommen ſind Kupferſchmiede oder Boͤttcher, die ihres Gewerbes halber derartige Geraͤthe zum Verkauf fertigen.— So lange die Braueret nicht in Be⸗ trieb deklarirt iſt, werden die dazu gehoͤrenden Geraͤthe ver⸗ ſiegelt. Wer die Siegel verletzt, zahlt 100— 400 Fl. Stra⸗ fe.— In Brauereien, die ſich in Kommunen mit einer Einwohnerzahl von 5000 Seelen und daruͤber befinden, duͤr⸗ fen die Maiſchbottiche einen geringeren Inhalt, als 20 Baril (1747 Quart), nicht faſſen, iſt die Einwohnerzahl unter 5000, ſo muͤſſen die Bottiche mindeſtens 10 Baril Nauminhalt faſ⸗ ſen(mithin ſind alle kleineren, ſo wie alle Keſſelbrauereien unterſagt). Der Gebrauch von Aufſatzkraͤnzen bei Braubotti⸗ chen ziehet eine Strafe von 400 Fl. nach ſich.— Was uͤber Veraͤnderung der Geraͤthe, Wechſel, Ceſſion, Verkauf, Bezeich⸗ nung der Raͤume ꝛc. das Branntweinſteuer⸗Geſetz vorſchreibt, findet auf Brauereibetrieb gleiche Anwendung.— Wer brauen will, muß eine Deklaration folgenden Inhalts einreichen: Ort, Datum, Namen, Firma, Bezeichnung der Brauerei, Stunde, wenn Feuer unter den Keſſel angemacht und ausgeloͤſcht wird, Nummer und Inhalt der Waſſer⸗Wuͤrzkeſſel und der Maiſch⸗ bottiche, Stunde, wenn die Maiſchung beginnt, die Wuͤrze ge⸗ kocht wird und dies Geſchaͤft beendet iſt, ob Koͤrbe zum Durchſeihen, ob Klaͤrmittel angewendet worden, ob die Mai⸗ ſche mit den Trebern gekocht wird oder nicht, Gattung des Biers, Stunde der letzten Aufkochung und Zeitpunkt des Ein⸗ tonnens.— Eine, nach den verſchiedenen Bierſorten berech⸗ 4*) Wet van den 2den Augudbtus 1822, houdende belasting op de binnen- landsche Bieren en Azijnen, t. 433 nete Tabelle beſtimmt die Zeit, welche dem Brauer fuͤr den Beginn und füͤr die Dauer der Einmaiſchung in den Botti⸗ chen, mit Ruͤckſicht auf Inhalt und Anzahl der Bottiche und Keſſel, geſtattet iſt. Der Tarif enthaͤlt als Norm ein Maxi⸗ mum und ein Minimum, wie lange jedes Gebraͤude Bier dauern darf. Das Maximum der Zeit wird nur Brauereien bewilligt, welche ſich der Klaͤrbottiche bedienen. Die Dauer der bewilligten Brauzeit richtet ſich nach der Bierſorte(weiß, gelb, braun), die gebraut wird, nach dem Inhalt der Maiſch⸗ gefaͤße und nach der Anzahl und dem Inhalt der dazu gehoͤ⸗ renden Braukeſſel. Die laͤngſte Dauer eines Gebraͤudes iſt auf 24, die mindeſte auf 7 Stunden beſchraͤnkt. Fuͤr die Vor⸗ arbeiten ſind außerdem mindeſtens 3, hoͤchſtens 8 Stunden Zeit geſtattet.— Will der Brauer mehr Malz einmaiſchen, als mit der Inhaltsfaͤhigkeit ſeiner Bottiche im Verhaͤltniß ſtehet, oder will er den Maiſchbottich laͤngere Zeit, als nach dem Tarif geſtattet iſt, benutzen, ſo wird die Steuer verbaͤltnißmaͤßig erhoͤbet.— Wer eine der deklarirten Opera⸗ tionen eine Stunde fruͤher oder ſpaͤter unternimmt, als ange⸗ geben, zahlt 400 Fl. Strafe.— Die Verlaͤngerung des Ko⸗ chens oder des Tonnens, ſobald ſie eine Stunde des deklarir⸗ ten Zeitpunktes uͤberſchreitet, ziehet eine Strafe von 100 Fl. nach ſich.— Wenn nach Beendigung der deklarirten Brau⸗ friſt aus den Maiſchbottichen noch Nachbier ablaͤuft, ſind 400 Fl. Strafe verwirkt.— Wenn der Inhalt des Waſſerkeſſels denjenigen des Maſſchbottichs nicht uͤber ein Zehntel erreicht oder uͤberſteigt, ſo wird die von dem Rauminhalt des Maiſch⸗ bottichs zu zahlende Steuer um ein Drittel erhoͤhet. Ueber⸗ ſteigt der Inhalt des Waſſerkeſſels denjenigen des Maiſchbot⸗ tiches um mehr als ein Zehntel, ſo wird die Steuer um 35 Cents von jedem Baril des Waſſerkeſſelinhaltes erhoͤhet. Sind mehrere Keſſel in einer Brauerei vorhanden, ſo muß zum Gebrauch ſtets der groͤßte deklarirt werden.— Wer einen Klaͤr⸗ bottich zu einem anderen, als dem deklarirten Zweck, wer un⸗ deklarirte Vraugeraͤthe benutzt, oder ohne Deklaration brauet, zahlt 400 Fl. Stkafe.— Die Einmaiſchung des Braumalzes darf vom 1. April bis letzten September nur zwiſchen 4 bis 12 Uhr Vormittags unternommen werden, in den uͤbrigen Monaten zwiſchen 6 bis 12 Uhr Vormittags.— Aus den Bottichen oder Keſſeln muͤſſen eine Stunde nach Ablauf der zum Faſſen deklarirten Friſt ſaͤmmtliche Trebern entfernt ſein, bei 25 Fl. Strafe.— Als verheimlichtes Brauen wird be⸗ trachtet und mit Konfiskation und 400 Fl. beſtraft: wenn obne Deklaration Malz oder mehligte Subſtanzen, die zur Bierbereitung dienen, eingeweicht vorgefunden, oder kochendes Bier irgendwo getroffen wird, ſei es in der Brauerei oder in anderen Lokalen.— Mit derſelben Strafe wird nach der Stunde, welche auf das Eintonnen folgt, belegt, das Vorhan⸗ denſein von Bier in Kuͤhlſchiffen oder in anderen nicht dekla⸗ rirten Raͤumen; eben ſo, wenn die Malztrebern noch heiß in den Keſſeln oder Bottichen vorgefunden werden; desglei⸗ chen das Vorhandenſein von heißem Waſſer in den Brau⸗ 28 Eſſigfabri⸗ kation. 434 Pfannen oder Keſſeln, ohne Ruͤckſicht auf Beſtimmung oder Zweck. §. 563. Die Eſſigfabrikanten zerfallen in drei Klaſſen. Zu der erſten Klaſſe gehoͤren diejenigen, welche Eſſig aus ungegohrner Bierwuͤrze, ſie ſei gekocht oder ungekocht, bereiten, gleichviel, ob dieſe Wuͤrze in ihren eigenen Anſtalten, oder in anderen Brauereien fuͤr ihre Rechnung fabrizirt worden iſt. In der zweiten Klaſſe ſind diejenigen Eſſigfabrikanten begriffen, die den Eſſig aus einer Fluͤſſigkeit bereiten, welche aus mehligten Subſtanzen durch Gaͤhrung gezogen worden und unter dem Namen Wajie bekannt(5) iſt. Zur dritten Klaſſe wird jede kuͤnſtliche Fabrikation gerechnet, wobei der Eſſig in ſogenannten Zwillingsbottichen(tweelingskuipen), oder in anderen Gefaͤßen, jedoch nicht aus vorgenannten Subſtanzen bereitet wird.— Pri⸗ vatperſonen, welche Eſſig aus Aepfel⸗ oder Birnenſaft bereiten, werden nicht als Eſſigfabrikanten betrachtet und unterliegen kei⸗ ner Formalttaͤt.— Alle fuͤr Bierbrauereien gegebenen Vorſchrif⸗ ten, betreffend: Bezeichnung der Brauereien, der Utenſilien, ſie ſeien in oder außer Betrieb, der Thuͤruͤberſchriften ꝛc., ſind auf alle drei Klaſſen der Eſſigfabrikanten anwendbar.— Die Orte, in welchen die Bierwuͤrze zur Saͤuerung aufgeſtellt wird, muͤſſen von den andern Braus⸗Lokalen getrennt ſeyn; ſei es, daß die Brauerei einem Fabrikanten der erſten Klaſſe eigen⸗ thuͤmlich gehoͤre, ſei es, daß er ſie nur gemiethet habe.— Jeder Eſſigfabrikant der erſten Klaſſe, ſei er zugleich Brauer oder nicht, iſt verpflichtet, das Bier, welches er in das Eſſig⸗ fabrikations⸗Lokale, niemals unter der Quantitaͤt von 70 Ba⸗ rils, bringen läßt, nach Menge und Eigenſchaft jedesmal zu deklariren. Jedes auf dieſe Art deklarirte Baril iſt einer Steuer von 70 Cents unterworfen.— Die Eſſigfabrikanten der erſten Klaſſe genießen eine Steuer⸗Ermaͤßigung von? Cents fuͤr jedes in die Eſſigfabrik eingebrachte Baril Bier. Waͤhrend der erſten ſechs Tage, in welchen die Biere in der Eſſigfabrik ſich befinden, duͤrfen die Fabrikanten eine Miſchung derſelben nur im Beiſein der Beamten vornehmen, welchen Letztern das Recht zuſteht, die Bierwuͤrze nach Qualitaͤt und Quantitaͤt zu unterſuchen. Verlangen die Beamten die Miſchung derſelben mit anderen, ſchon in Saͤuerung uͤbergegangenen Bieren, ſo muß der Fabrikant ſolches vornehmen.— Die Transportbeſcheinigungen uͤber das, aus der Brauerei in die Eſſigfabrik gebrachte Bier, muͤſ⸗ ſen, nach Ablauf von ſechs Tagen, der Steuerſtelle zuruͤckgegeben werden.— Die Fabrikanten der zweiten Klaſſe muͤſſen ſich den Vorſchriften hinſichts der Inhaltsfaͤhigkeit der Bottiche unter⸗ werfen, welche fuͤr die Brauer in Stadten von mehr oder we⸗ niger als 5000 Seelen, gegeben worden ſind.— Die Steuer vom Eſſig iſt dieſelbe, wie diejenige vom Biere; die Inhalts⸗ faͤhigkeit der Bottiche, deren Betrieb der Eſſig fabrikant dekla⸗ rirt hat, giebt die Grundlage derſelben ab. Die Deklaration iſt der der Brauer gleich. Den Fabrikanten der zweiten Klaſſe wird ein Steuererlaß von einem Zehntheil auf die Inbalts⸗ faͤbigkeit der Bottiche bewilliget, denjenigen der dritten Klaſſe achtzehn Prozent.— Jeder Mehlſtoff, der in eine Fabrik 435 zweiter Klaſſe gebracht wird, muß mit einer Bezettelung be⸗ gleitet ſein.— Alle fuͤr die Brauereien erlaſſenen Vorſchrif⸗ ten in Betreff der Eichung, Ausmeſſung der Bottiche, Faͤſſer und Keſſel, des Verkaufens, Verleihens, der Vernichtung, Veraͤnderung, Vergroͤßerung oder Verkleinerung dieſer Geraͤ⸗ the, finden auf die zur Eſſigbereitung beſtimmten Geraͤthe An⸗ wendung.— Wer Aufſatzkraͤnze gebrauchen will, muß ſolche deklariren. Ihr Gebrauch giebt Anlaß zur Steuer⸗Erhoͤhung. — Der undeklarirte Gebrauch zieht eine Strafe von 400 Gul⸗ den nach ſich.— Werden andere als deklarirte Kraͤnze ge⸗ braucht, deren Umfang nicht groͤßer iſt, als der des deklartr⸗ ten, ſo tritt eine Strafe von 5350 Gulden ein.— Die Arbei⸗ ten in den Kufen zur Bereitung des Eſſigs in den Fabriken zweiter Klaſſe, duͤrfen niemals volle 60 Stunden dauern. Nach Ablauf dieſer Zeit muß die Gaͤbrung beendiget und die Treber eine Stunde darauf aus der Fabrik entfernt ſein.— Die Fa⸗ brikanten der zweiten Klaſſe ſind hinſichts der Stunden des Feueranzuͤndens unter den Keſſeln zur Waſſerkochung, den fuͤr dieſen Zweck den Brauern gegebenen Vorſchriften unterwor⸗ fen.— Kein Eſſigſtoff, aus Meblſubſtanzen gezogen, darf gekocht noch erwaͤrmt werden, waͤhrend 10 Tagen, welche der Gaͤhrung folgen. Die Uebertretung dieſer Vorſchrift wird als heimlicher Brauereibetrieb beſtraft.— In den eben er⸗ waͤhnten 10 Tagen darf die Fluͤſſigkeit Waye ohne Deklara⸗ tion nicht erwaͤrmt noch gekocht werden, bei 200 Fl. Strafe.— Was wegen undeklarirter Benutzung von Material und Ge⸗ raͤthen bei der Bierbrauerei beſtimmt iſt, findet auch auf Eſſig⸗ fabrikation gleiche Anwendung.— In Eſſigfabriken darf kein Deſtillirapparat vorgefunden, auch darf die in dieſen Fabriken bereitete Fluͤſſigkeit nur zu Eſſig verwendet werden, bei 400 Fl. — Dem Eſſigfabrikanten zweiter Klaſſe iſt gleichzeitiger Be⸗ trieb von Bierbrauerei oder Branntweinbrennerei in demſelben Gewerbslokal verboten.— Eſſigfabrikanten der dritten Klaſſe muͤſſen vor Anfang des Betriebes eine Deklaration uͤber Um⸗ fang und Lage der Anſtalt und der Gaͤhrungskufen und der Benutzung der letzteren abgeben. Jaͤhrlich dreimal muß dieſe Deklaration in Bezug auf die Zwillingsbottiche wiederholt werden.— Die unangemeldete Abweichung von der Deklara⸗ tion, oder die unterlaſſene Abgabe derſelben, wird außer der Steuer mit 400 Fl. beſtraft.— Die Abgabenberechnung ge⸗ ſchiebet auf gleiche Weiſe nach Inhalt der Deklarationen und des biernach verbrauchten Maiſchraumes zu dem Abgabenſatz von 70 Centimen fuͤr jedes Barill(oder 2 Gr. 9 Pf. fuͤr zwanzig Quart) von dem Inhalte der Maiſch⸗ oder Gaͤhrku⸗ ſen, wie ſolches bei der Branntweinbereitung vorgeſchrieben iſt.— Bevor dem Bier⸗ oder Eſſſgbrauer ein Konto eroͤffnet wird, muß er ſich verpflichten, mit ſeiner Perſon und mit ſei⸗ nem Vermoͤgen fuͤr Zahlung der Gefaͤlle zu haften. Wenn der Steuerbetrag eines Monats 200 Fl. nicht uͤberſteigt, muß die Gefällezablung in den erſten 20 Tagen des folgenden Mo⸗ nats geſchehen. Betraͤgt die Steuer 200 bis 500 Fl., ſo wird fuͤr die Haͤlfte ein weiterer Kredit von einem Monat, bei dem 436 Steuerbetrag von 500. bis 1000 Fl. von zwei Monaten ge⸗ ſtattet. Bei groͤßeren Abgabenſummen werden Abſchlagszah⸗ lungen bis zum fünften Monat zugelaſſen.— Der Eſſigfa⸗ brikant, welcher nicht aus Bier Eſſig bereitet, iſt verpflichtet, die Steuer ſechs Monate nach Anfang des deklarirten Betrie⸗ bes zu zahlen. Betraͤgt die von dem Bier⸗ oder Eſſigbrauer zu zablende Steuer uͤber 2000 Fl., ſo muß fuͤr dieſen Betrag noch beſondere Buͤrgſchaft geſtellt werden. ————y— Auszug aus dem Geſetz vom 8. Februar 1819. §. 1. Einer Steuer ſind folgende Gegenſtaͤnde unterwor⸗ fen, wenn ſie im Inlande erzeugt werden: 1) der Branntwein, 2) das Braumalz. §. 2. Die Steuer vom Branntwein ſoll durch einen Bla⸗ ſenzins in dem Maaße erhoben werden, daß von jedem Quart Branntwein(zu 50 vom Hundert Alkohol nach dem. Alko⸗ holometer von Tralles) welcher bei dem als Regel angenom⸗ menen Betriebe gewonnen werden kann, 1 gGr. 3 Pf. entrich⸗ tet wird. Als Regel wird angenommen, daß der in 24 Stunden erzeugte Branntwein von 500 Alkohol ſich zum Blaſenraum wie 1 zu 4 verhaͤlt, wonach der Blaſenzins 1 gGr. 3 Pf. auf Vier Quart Blaſeninhalt fuͤr jene Zeit betraͤgt. §. 5. Bei abgelegenen Brennereien von unbedeutendem Umfange kann eine Fixation des Blaſenzinſes geſtattet werden. §. 6. Zur Entrichtung des Blaſenzinſes als Branntwein⸗ ſteuer iſt ein jeder verpflichtet, der Deſtillir⸗Geraͤthe zur Be⸗ reitung von Branntwein oder Liqueurs benutzt. Eine Benu⸗ tzung der Deſtillir⸗Geraͤthe zu dieſem Zweck wird allemal ver⸗ muthet. §. 7. Frei von der Steuer iſt fuͤr eine jede Apotheke eine Blaſe fuͤr das Laboratorium bis zu 15 Quart Inhalt. §. 8. Blaſen, welche der Gewerbtreibende auf einige Zeit zum Waſſerkochen oder zu einem anderen außergewoͤhnlichen Zwecke benutzen will, ſollen ohne Entrichtung einer Steuer dazu freigegeben werden, wenn der Inhaber die Maaßregeln befolgt, welche die Steuerbeboͤrde vorſchreibt, um die Ueberzeu⸗ gung zu erbalten, daß ſie nicht zur Branntweinbereitung be⸗ nutzt werden. §. 9. Der Blaſenzins muß in der Regel auf einen Zeit⸗ raum von 24 Stunden voraus entrichtet werden. Es ſtehet aber, wenn die Deſtillir⸗Geraͤthe auf laͤngere Zeit im Gange 1 Beſtim⸗ mung des Brannt⸗ wein⸗ Blaſen⸗ zinſes. Fixation. Wem die Entrich⸗ tung des Blaſenzin⸗ ſes obliegt. Ausnahme. Freigabe der Blaſen zu ſteuer⸗ freien Zwecken. Wann und für welchen Zeitraum der Blaſen⸗ vdee Steuerſatz. Aufſicht der Steuerbe⸗ hörde Einſchrän⸗ kungen beim Betriebe der Brennerei und bei Haltung von Bren⸗ nereigerä⸗ then. Unterſagte Haltung v. Deſtillir⸗ Geräthen. Beſteuerung des Brau⸗ malzes. Wann die Steuer zu zahlen iſt. Ausnah⸗ men. Haustrunk. Gefällever⸗ itungen. II bleiben ſollen, dem Skenerpflichtigen frei, thn auch auf delie⸗ bige laͤngere Zeit, jedoch immer von 24 zu 24 Stunden fort⸗ laufend voraus zu bezahlen. §. 10. Wer erklaͤrt, auf ein Monat, naͤmlich 30 Tage, oder auf eine laͤngere Zeit ſein Deſtillir⸗Geraͤth benutzen zu wollen, dem ſoll verſtattet ſeyn, den Blaſenzins erſt am letzten Monatstage zu entrichten. Wer aber den Zahlungstermin ein⸗ mal verabſaͤumt hat, kann in der Folge auf dieſe Erleichterung nicht mehr Anſpruch machen. §. 11. Wird wochen⸗ oder monatsweiſe die Verſteuerung angemeldet, ſo wird der Blaſenzins fuͤr eine volle Woche auf ſechs Tage, und fuͤr einen ganzen Kalendermonat auf 25 Tage berechnet. §. 12. Bei Verſteuerungen uͤber 24 Stunden findet ein verhaͤltnißmaͤßiger Erſatz der entrichteten Steuer Statt, wenn wegen eines außerordentlichen Unfalls die Deſtillation nothwen⸗ dig aufhoͤren mußte. §. 44. Das vorhandene Brenngeraͤthe und die Raͤume, in welchen Brennerei betrieben wird, ſtehen unter Aufſicht der Steuerbehoͤrde. Von derſelben werden die Deſtillir-Geraͤthe fur die Zeit, waͤhrend welcher das Abziehen von Branntwein nicht geſtattet iſt, auf angemeſſene Weiſe außer Gebrauch geſetzt. §. 15. Wer Deſtillir⸗Geraͤthe fertig oder zum Verkaufe vorraͤthig baͤlt, kann das Branntweinbrennen weder an demſel⸗ ben Orte, noch im Umfange von 2 Meilen treiben. §. 16. Innerhalb des Grenzbezirks koͤnnen fruͤher beſtan⸗ dene Brennereien nur erbalten und fortgeſetzt, und neue nur angelegt und betrieben werden, unter Beobachtung der Vor⸗ ſchriften, welche die Verwaltung anzuordnen noͤthigs erachtet, um das Abgaben ⸗Intereſſe zu ſichern. §. 17. Wer durch rechtskraͤftiges Urtheil das Recht Brannt⸗ wein zu brennen verloren hat, darf ſich kein Deſtillir⸗Geraͤthe ganz oder theilweiſe halten. §. 18. Wer Bier aus Getreide verfertigt, ſoll von jedem Zentner Malzſchrot, welches zum Bierbrauen verwendet wird, 16 gGr. entrichten. Iſt mit der Bierbrauerei zugleich eine Eſſigbereitung ver⸗ bunden, oder wird Eſſig aus Malz in eigends dazu beſtimm⸗ ten Anlagen im Großen zum Verkauf bereitet, ſo muß auch von dem Malzſchrot zu Eſſig, dieſe Steuer entrichtet werden. §. 19. Die Verſteuerung des Braumalzes muß erfolgen, bevor die Einmaiſchung geſchieht. §. 20. Wer in Brauanlagen lediglich zum Bedarf ſeines Hausſtandes zu brauen ſich verpflichtet, kann die Erlaubniß dazu, gegen Vorausbezablung einer Abfindungsſumme, auf einen be⸗ ſtimmten Zeitraum erhalten, §. 21. Die Verfertigung des Haustrunkes in gewoͤhnli⸗ chen Kochkeſſeln iſt von der Steuerentrichtung ganz frei, wenn die Zubereitung allein zum eignen Bedarf in Familien von nicht mehr als zehn Perſonen uͤber vierzehn Jahren geſchieht. §. 30. Verguͤtungen der Gefaͤlle bei Verſendungen in das Ausland finden in der Regel nicht ſtatt. Erfordern jedoch III örtliche Verhaͤltniſſe zur Erhaltung des Handelsverkehrs im Großen ſolche Verguͤtungen, ſo ſollen dieſe Verhaͤltniſſe be⸗ ruͤckſichtigt und beſondere Beſtimmungen desbalb ertheilt werden. §. 31. Eine Befreiung von den angeordneten Abgaben oder eine Schadloshaltung wegen behaupteter Exemtionen fin⸗ det nicht ſtatt. Auszug aus der Ordnung zum Geſetz vom 8. Febr. 1819. §. 2. Wo es auf die Ausmittelung des Gehalts an Al⸗ kohol im Fabrikate ankommt, ſoll dazu allein der Alkoholome⸗ ter von Tralles gebraucht werden. §. 14. Eine Figxation des Blaſenzinſes, wo ſolche nach §. 5. des Geſetzes Statt finden kann, haͤngt von dem freien Uebereinkommen der Verwaltung mit dem Steuerpflichtigen ab. In dem Fixations⸗Vertrage ſind zu dem Ende die gegenſeiti⸗ gen Bedingungen beſtimmt auszudruͤcken. Jedenfalls kann aber die Steuerbehoͤrde den Fiyxations⸗ Vertrag als aufgehoben betrachten, wenn die Brenngeraͤthe veraͤndert worden, oder wenn eine Erweiterung des Betriebes, der dem Abkommen zum Grunde lag, Statt gefunden hat. §. 15. Wenn wegen eines Unfalls die Deſtillation unter⸗ brochen werden muß, ſo iſt dies ſogleich dem Steueramte an⸗ zuzeigen, welches die Richtigkeit der Angabe an Ort und Stelle unterſuchen, und das Deſtillir⸗Geraͤth vorſchriftsmaͤßig außer Gebrauch ſetzen laͤßt. Die Steuerverguͤtung erfolgt durch Ruͤck⸗ zahlung fuͤr diejenige Zeit, wäͤhrend welcher noch zu brennen war, nach erfolgter Genehmigung der Regierung. §. 16. Jeder Inhaber einer Brennerei oder eines einge⸗ richteten Deſtillir⸗Geraͤths iſt gehalten, innerhalb eines Ter⸗ mins, welchen jede Regierung bekannt machen ſoll, dem Steu— eramte eine Nachweiſung einzureichen, worin die Raͤume zur Brennerei, die Brenngeraͤthe, als: Blaſen, Schlangen, Kuͤb⸗ ler, Helme, Maiſchwäͤrmer und Maiſchbottiche, ingleichen der Quartinbalt der Blaſen, Maiſchwaͤrmer und Maiſchbotiche genau und vollſtaͤndig angegeben ſeyn muͤſſen. Gleiche Verpflichtung zur Anzeige binnen drei Tagen liegt ihm ob, wenn neues Ge⸗ raͤthe angeſchafft, oder wenn das vorhandene ganz oder zum Theil abgeaͤndert, oder in ein anderes Lokal gebracht wird. §. 17. Inbaber von Brennereien, ſo wie andere Perſo⸗ nen, wenn letztere Deſtillir⸗Geraͤthe, naͤmlich Blaſen, Helme und Kuͤhler bloß beſitzen, oder ſolche verfertigen, oder Handel damit treiben, duͤrfen dieſelben weder ganz noch tbeilweiſe, we⸗ der neu noch ausgebeſſert, aus ihren Haͤnden geben, bevor ſie es dem Steueramte ihres Wohnorts angezeigt und daruͤber eine Beſcheinigung von dieſem erhalten baben. §. 18. Die vorbandenen, die kuͤnftig aus den Fabrikations⸗ Stellen verkauften, die vom Auslande eingebenden und die umgeaͤnderten Blaſen werden von den Steueraͤmtern nachge⸗ meſſen, der Quartinhalt wird darauf eingegraben, und ſie ſo⸗ 1* Exemtior nen. Alkoholo⸗ meter. Fipation. Vergütung für unter⸗ brochenen Betrieb. Ermitte⸗ lung der Brenngerä⸗ the, und Aufſicht darauf. Vermeſſung der Blaſen. IV wohl als die Helme und Kuͤhler, werden mit Nummern, und ſo weit es thunlich iſt, mit einem Stempel verſehen. Auch die Maiſchbottiche muß der Brennerei⸗Inhaber numeriren, und die Zahl, ſo wie den Quartinhalt darauf deutlich mit Oelfarbe be⸗ zeichnen oder eingraben. Raum⸗§. 19. Bei Vermeſſung der Blaſen iſt derjenige innere inhalt. Raum, welchen ſie vom Boden bis zur aͤußerſten Muͤndung des Randes haben, ohne allen Abzug, auszumitteln. Steuer⸗§. 20. Die Steueraͤmter ſind verpflichtet, eine amtliche Aneelicherde Beſcheinigung der geſchehenen Anmeldung, der Vermeſſung, ih⸗ der Maniet, res Ergebniſſes, und der Art der Bezeichnung zu ertheilen, dung und worin die Beſchaffenheit der Brenngeraͤthe genau beſchrieben Vermeſfung. ſeyn muß. Dieſe Beſcheinigung dient zur Ausweiſung uͤber den Beſitz der Geraͤthe. Aufſicht auf§. 21. Die zu den Brennereien gehoͤrigen Geraͤthe muͤſ⸗ die Blaſen, ſen in den Brennerei⸗Raͤumen zuſammen aufbewahrt werden. Einmaiſchungen außerhalb der angegebenen Naͤume, auch in andern als den verzeichneten Maiſchbottichen, ſind verboten. Deſtillir⸗Geraͤthe, vornehmlich Blaſen, ſtehen ſo lange, als ſie nicht zum Gebrauch angemeldet werden, dergeſtalt unter beſonderer Aufſicht der Steuerbehoͤrde, daß ihre Benutzung nicht erfolgen darf. Bei Perſonen, welche blos damit han⸗ deln, oder ſie zum Handel verfertigen, ſind ſolche dieſer Auf⸗ ſicht nicht unterworfen. Verfahren§. 22. Wer ſteuerbare Deſtillir⸗Geraͤthe benutzen will, B kei der erbaͤlt unentgeltlich ein Verſteuerungsbuch, in welchem die und 3 Brenngeraͤthe und die Raͤume verzeichnet werden. Der Brenn⸗ Verſteue, berechtigte iſt gehalten, in den dazu beſtimmten Spalten des rung. Verſteuerungsbuchs jedesmal vor der Einmaiſchung, den Tag, wann die Cinmaiſchung Statt hat, die Gattung und Scheffel⸗ zahl des gemaiſchten Getreides, oder anderer Fruchtarten ein⸗ zutragen, das Verſteuerungsbuch bei Anmeldungen des Bren⸗ nereibetriebes mitzubringen, imgleichen daſſelbe an einem dazu beſtimmten Orte reinlich und dergeſtalt aufzubewahren, daß es dem revidirenden Beamten zu jeder Zeit zugeſtellt werden kann. Von vier zu vier Monaten wird ſolches vom Brennerei⸗ berechtigten an das Steueramt gegen ein neues abgeliefert; je⸗ doch kann das alte, nach davon gemachtem Gebrauche bei der Negiſter⸗Reviſion, als Eigenthum zuruͤckverlangt werden. Deklara⸗§. 23. Sollen die Blaſen in Gang geſetzt werden, ſo tion. zeigt der Brennereibeſitzer dem Steueramte, innerhalb der Dienſt⸗ ſtunden, die Stunde an, wann dies geſchehen ſoll; ingleichen, wie lange ſte nach Maaßgabe der geſetzlichen Beſtimmungen im Gange bleiben ſollen. Das Verſteuerungsbuch wird dem Amte dabei mit vorge⸗ legt, welches darin die jedesmalige Anmeldung nach ihrem gan⸗ zen Umfange eintraͤgt, und den Betrag der Steuer vermerkt. Unterbleibt die Vorlegung des Verſteuerungsbuches, ſo muß der Anmeldende gewaͤrtigen, daß die Freimachung des Deſtillir⸗ Geraͤths nicht erfolgt. 1 Freima⸗§. 24. Sind die Deſtillirgeraͤthe durch Ablieferung eines chung des Theils derſelben außer Gebrauch geſetzt, ſo veranlaßt das V Steueramt die Auslieferung des aufbewahrten Geraͤths in ber angezeigten Stunde. Iſt die Brennerei uͤber eine halbe Meile vom Orte der Aufbewahrung des Geraͤtbs entlegen, ſo wird fuͤr das Hin⸗ und Herbringen deſſelben jedesmal eine Stunde fuͤr jede halbe Meile an Zeit zugegeben. Wenn die Deſtillir⸗Geraͤthe an Ort und Stelle außer Gebrauch geſetzt ſind, ſo beſtimmit das Steueramt, nach Maaß⸗ gabe der fruͤheren Anmeldungen Anderer, wenn ſich ein Be⸗ amter zur Aufhebung des Verſchluſſes in der Brennerei ein⸗ finden wird. Der Brenner iſt nicht gehalten, laͤnger als eine Stunde uͤber die beſtimmte Zeit auf den Beamten zu warten, und kann nach deren Ablauf, wenn ein bekannter und glaub⸗ wuͤrdiger Mann gegenwaͤrtig iſt, und dieſer den Verſchluß als unverfehrt anerkannt hat, denſelben abnehmen. Der Beſitzer der Brennerei muß die Materialien zur Verſiegelung oder zum Verſchluſſe, und zwar in guter brauchbarer Eigenſchaft liefern. §. 25. Dem Steuerpflichtigen ſteht es frei, vor Ablauf der Verſteuerung, ſie von Neuem anzumelden und die Steuer fuͤr einen weitern Termin zu entrichten, geſchieht dies nicht, ſo muß er das Deſtillir⸗Geraͤth, welches er von der Steuerbe⸗ hoͤrde empfing, zur Stunde abliefern. Wird die Ablieferung unter 24 Stuuden verſpaͤtek, ſo folgt daraus die Nachzahlung eines Blaſenzinſes von 24 Stunden. Bei laͤngerem Verzuge muß der Blaſenzins doppelt erlegt werden. §. 26. Findet Verſchluß in der Brennerei Statt, ſo ſoll ſich ein Steuerbeamter daſelbſt einfinden, und nach Ablauf der Verſteuerungsfriſt den Verſchluß ohne Aufenthalt vornehmen. §. 27. Jede Brauerei ſoll mit einer Waage mit eiſernem gleicharmigen Balken, worauf wenigſtens 5 Zentner auf einmal abgewogen werden koͤnnen, und mit den erforderlichen geeich⸗ ten Gewichten verſehen ſeyn. Bis ſolche angeſchafft worden, kann der Betrieb der Brauerei verſagt werden. §. 28. Ein jeder, welcher Bier und Eſſig zum Verkauf brauet,(Geſetz§. 18.) iſt in eben der Art, wie oben§. 16. in Abſicht der Brenngeraͤthe vorgeſchrieben worden, verpflich⸗ tet, das Steueramt in Kenntniß davon zu ſetzen, wie viel Pfannen und Bottiche er beſitzt, und welche Veraͤnderungen in der Folge damit oder in Anſehung des Raumes vorgehen. Inhaber von Brauereien und andere Perſonen, wenn Letztere Braupfannen bloß beſitzen, oder ſie verfertigen, oder Handel damit treiben, duͤrfen dieſe Pfannen nur unter Beob⸗ achtung eben der Beſtimmungen aus den Haͤnden geben, wel⸗ che im§. 17. in Anſehung der Deſtillir⸗Geraͤthe vorgeſchrie⸗ ben ſind. §. 29. Wer eine Brauerei betreibt, iſt verpflichtet, dem Steueramte ſchriftlich anzuzeigen, wie viel Malzſchrot er zu jedem Gebraͤude nehmen, an welchem Tage und zu welcher Stunde er einmaiſchen wird, und die Steuer von der ange⸗ meldeten Beſchickung gleichzeitig zu entrichten. Es ſtebt dem Steuerpflichtigen frei, dieſe Anzeige, ſo oft er brauet, zu machen, oder im Voraus fuͤr einen beſtimmten Zeitraum. Im letztern Falle kann er die Steuer fuͤr den gan⸗ Deſttllir⸗ Geräths. Verlänge⸗ rung der Anmel⸗ dung. Verſteue⸗ rung des Braumal⸗ zes. Erforderniß einer Waage. Anzeige vorhande⸗ ner Brau⸗ pfannen und Bottiche. Verfahren bei der Verſteue⸗ rung. Steuerzah⸗ lung. Anmel⸗ dung. Berichti⸗ gung derſelben. Verſtär⸗ ung. Verminde⸗ rung. Einmai⸗ ſchung. Erwarten des Steuerbe⸗ amten. Nachmai⸗ en, Brauen zum Haus⸗ bedarf. Fixation. Haustrunk. Reviſions⸗ befugn iß der Steuerbe⸗ amten. In Brenne⸗ reien und Brauereien. VI zen Zeitraum voraus bezahlen, oder fuͤr jede Maiſchung be⸗ ſonders, vor deren Eintritt. §. 30. Die Anmeldung muß, wenn des Vormittags ge⸗ maiſcht werden ſoll, ſpaͤteſtens am Nachmittag des vorherge⸗ benden Tages, und wenn Nachmittags gemaiſcht werden ſoll, ſpateſtens am Vormittage deſſelben Tages drei Stunden vor⸗ her, in beiden Faͤllen auch waͤhrend der Dienſtſtunden erfolgen. §. 31. Berichtigungen dieſer Anmeldungen beim Amte ſind zulaͤſſig, wenn ſie mindeſtens an dem der beabſichtigten Veraͤnderung vorhergehenden Tage geſchehen. Soll die Beſchickung darnach verſtaͤrkt werden, oder ſollen neue Gebraͤude hinzutreten, ſo wird die Steuer davon gleich⸗ zeitig entrichtet. Soll ein Gebraͤude eingeſtellt, oder die Beſchickung ver⸗ mindert werden, ſo bringt der Steuerſchuldige die ſchon ent⸗ richtete Steuer bei der naͤchſten Zahlung in Anrechnung. §. 32. Die Einmaiſchungen duͤrfen nur geſchehen in den Monaten vom Oktober bis einſchließlich Maͤrz von Morgens 6 bis Abends 10 Uhr, in den uͤbrigen Monaten aber von Morgens 4 bis Abends 10 Uhr. §. 33. Der Brauer iſt verpflichtet, die Ankunft eines Steuerbeamten zur angezeigten Stunde des Einmaiſchens(§. 32.) abzuwarten. Findet ſich derſelbe ein, ſo muß alsdann ſogleich das Malz in deſſen Gegenwart abgewogen, und mit der Ein⸗ maiſchung vorgeſchritten werden; der Brauer darf aber die Einmaiſchung erſt, nachdem eine Stunde gewartet worden, ohne deſſen Gegenwart verrichten. §. 34. In der Regel ſoll die ganze Beſchickung auf ein⸗ mal eingemaiſcht werden, ſo daß keine Nachmaiſchung Statt finden darf. Wird aber eine Brauerei regelmaͤßig mit Nachmaiſchen be⸗ trieben, ſo muß ein fuͤr allemal angezeigt werden, in wie viel Abtheilungen, und mit welchem Gewichte fuͤr jede Beſchickung, gemaiſcht werden ſoll. 3 §. 35. In den Faͤllen§. 20 und 21 des Geſetzes iſt ein jedes Ablaſſen der zubereiteten Getraͤnke an nicht zum Haus⸗ halt gehoͤrige Perſonen unterſagt. Die Fixation(§. 20 daſelbſt) geſchieht nach freiem Ueber⸗ einkommen mit der Steuerbehoͤrde. Wer von der Bewilligung im§. 21 des Geſetzes Gebrauch machen will, muß ſolches der Steuerbehoͤrde zuvor in jedem Jahre anmelden, und daruͤber einen Anmeldungsſchein ſich er⸗ theilen laſſen. §. 49. Das Gebaͤude, in welchem eine Brennerei oder Brauerei betrieben wird, wohin auch die Raͤume, in welchem die Gefaͤße zum Einmaiſchen, Kochen und Daͤmpfen des Ma⸗ terials aufgeſtellt ſind, gehoͤren, kann, ſobald darin gearbeitet wird, zu jeder Zeit, ſonſt aber nur von Morgens 6 Uhr bis Abends 9 Uhr, von den Steuerbeamten, Behufs der Reviſion beſucht, und muß ihnen zu dem Behufe ſogleich geoͤffnet werden. §. 50. In demſelben erſtreckt ſich ihre Reviſionsbefugniß darauf, nachzuſehen: daß keine andere, als die verſtenerten Oeſtkllirgeraͤlhe im Gange ſind; daß die Brenngeraͤthe, ingleichen Braupfannen und Bottiche unveraͤndert ſo dieſelben ſind, wie ſie angegeben, auch bezeichnet worden; daß keine unangemeldete Geraͤthe vorhanden; daß die Ein⸗ tragungen der Einmaiſchungen in das Verſteuerungs⸗ buch gehoͤrig geſchehen ſind; daß außer Gebrauch ge⸗ ſetzte Geraͤthe ſich noch in dieſem Zuſtande befinden, und daß, in Brauereien insbeſondere, nur zur an⸗ Pneldetzn Zeit und Stunde eingemaiſcht, auch die Einmaiſchung gehoͤrig verſteuert ſey. Vei §. 51. Wer Deſtillir⸗ Geraͤthe beſitzt, welche nicht im Ge⸗ Beſitzernvon brauch ſind, iſt dennoch verbunden, ſie dem Steuerbeamten auf Weſtiltir Erfordern vorzuzeigen, damit er ſich uͤberzeugen koͤnne, daß Gercthen. ſie noch in dem Zuſtande befindlich ſind, in welchen ſie zur Verhuͤtung des Gebrauchs geſetzt worden. Die Deſtillir⸗Geraͤthe derjenigen, welche ſolche bloß verfer⸗ tigen, Air damit handeln, ſind hierunter nicht zu verſtehen. G. 17. §. 53. Außer dem§. 49. beſtimmfen Fall koͤnnen Revi⸗ Im dlrge ſionen und Nachſuchungen nur von Morgens 6 bis Abends 6 9 Uhr Statt finden. §. 54. Iſt gegruͤndeter Verdacht vorhanden, daß Unter⸗ Hausſu⸗ ſchleife, um dem Staate die verſchuldeten Gefaͤlle zu verkuͤrzen, chung. begangen worden, und deshalb eine foͤrmliche Hausſuchung erforderlich, es ſey bei Perſonen, welche Brennerei, Brauerei, Wein⸗ und Tabacksbau betreiben, oder bei Andern: ſo iſt dazu ein ſchriftlicher Auftrag eines Oberbeamten, oder einer noch hoͤhern dem Steueramte vorgeſetzten Behoͤrde erforderlich, und ſie darf nur unter Zuziehung eines Gemeindebeamten an ſol⸗ chen Orten Statt finden, die zur Begehung des Unterſchleifs oder Verheimlichung von Beſtaͤnden ſteuerpflichtiger Gegenſtaͤnde geeignet ſind. §. 55. Diejenigen, bei welchen revidirt wird, und deren Verpflich⸗ Gewerbsgehuͤlfen ſind verbunden, ſich ruhig und beſcheiden zu nune der. verhalten, und den revidirenden Beamten diejenigen Huͤlfs⸗ ſtung. dienſte zu leiſten oder leiſten zu laſſen, welche erforderlich ſind, um die Reviſion in den vorgeſchriebenen Grenzen zu vollziehen. §. 56. Die Dienſtſtunden, in welchen die Steuerbeamten Verpflich⸗ zur Abfertigung der Steuerpflichtigen bereit ſeyn muͤſſen, be⸗ nundenfde ſtimmt die Verwaltung. Als Regel wird feſtgeſetzt, daß, wo amten bei die Steueraͤmter mit zwei oder mehreren Kaſſenbeamten beſetzt Ausfüh⸗ ſind, die Dienſtſtunden folgende ſeyn ſollen: runaares in den Wintermonaten October bis Februar einſchließ⸗ gegen das lich, Vormittags von 8 bis 12 Uhr, und Nachmit⸗ Publikum. tags von 1 bis 5 Uhr. In den uͤbrigen Monaten von 7 bis 12 Uhr, und von 2 bis 5 Uhr. An andern Orten ſind die Dienſtſtunden auf die Bereite Vormittagszeit von 9 bis 12 Uhr eingeſchraͤnkt. Aufedtn, Wenn es noͤthig iſt, muß auch anßer dieſer Zeit die Abferti⸗ Tüne. gung der Steuerpflichtigen moͤglichſt bewirkt werden. — VIII Abwelchungen von vorſtehenden Beſtimmungen ſollen an den Orten, wo dergleichen Statt finden, beſonders bekannt ge⸗ Indt macht werden. Aaſtind he§. 57. Es iſt Pflicht eines jeden Steuerbeamten, er ſey lung, Be⸗ Staats⸗ oder Gemeindebeamter, den Steuerſchuldigen anſtaͤn⸗ ſeidenheit dig zu behandeln, bei ſeinen Dienſtverrichtungen beſcheiden zu ve nediſd⸗ verfahren, ſeine Nachforſchungen und Reviſtonen nicht uͤber den Zweck der Sache auszudehnen. Von den Steuerſchuldigen wird aber auch erwartet, daß ſie ihrerſeits zu keinen Beſchwerden uͤber ihr Betragen gegen die Steuerbeamten Anlaß geben werden. nuſdeölun, Insbeſondere duͤrfen die Steuerbeamten unter keinen Um⸗ remunera⸗ ſtaͤnden fuͤr irgend ein Dienſtgeſchaͤft, ein Entgeld oder Geſchenk, tionen und es ſey an Geld, Sachen oder Dienſtleiſtung, es habe Namen eſchenken, wie es wolle, verlangen oder annehmen. nicht ange⸗ Steuerpflichtige duͤrfen dergleichen dagegen unter keinen boten wer⸗ Umſtaͤnden und unter keinerlei Vorwand geben oder nur an⸗ den dürfen. tragen, ohne ſich ſtraffaͤllig zu machen. Richtige Be⸗§. 58. Die Beamten müͤſſen bei der ihnen anvertrauten rehuinen. Steuererhebung ſich genau nach den vorgeſchriebenen Säͤtzen der richten und ſind dafuͤr verantwortlich. Die bei gehoͤriger An⸗ Gefalle. meldung zur Verſteuerung durch die Schuld der Hebungsbe⸗ hoͤrden gar nicht oder unzureichend erhobenen Gefaͤlle, ſollen daher nicht von dem Steuerſchuldigen, ſondern von dem Er⸗ hebungsbeamten eingezogen, und dieſem ſoll nur das Recht auf Erſtattung gegen jene vorbehalten werden. Rückzah⸗ Zu viel erhobene Gefaͤlle ſollen dagegen aus der Staats⸗ lunh dn kaſſe zuruͤckgezahlt werden, wenn binnen Jahresfriſt, vom Tage hebungen. der Verſteuerung an gerechnet, der Anſpruch auf Erſatz ange⸗ meldet und beſcheinigt wird. Geſchieht dies nicht, ſo geht nach Ablauf dieſer Friſt der Anſpruch verloren. Außer den beſtimm⸗ ten Steuerſaͤtzen wird nichts erhoben; Quittungen und Beſchei⸗ nigungen der Steuerbehoͤrden werden gebuͤhrenfrei ertheilt. liobertee⸗§. 59. Die Vergehen der Steuer⸗ und Gemeindebeamten, tungeneund welche an der Steuerverwaltung Theil haben, ſollen nach Strafen. den Vorſchriften des allgemeinen Landrechts Th. 2. Tit. 20. Diehiiden Abſchnitt 8, und nach den ſpaͤter erfolgten Abaͤnderungen und Beamten. Deklarationen dieſer Vorſchriften beſtraft werden. Vergehen§. 60. Brauer und Branntweinbrenner, imgleichen die⸗ der Steuer⸗ jenigen, welche den Wein⸗ und Tabacksbau betreiben, verfallen Peichtigen. in die Strafe der Defraudation, wenn ſie Gewerbshandlungen, fummun, von deren Ausuͤbung in jedem einzelnen Falle oder in beſtimm⸗ gen allge, ten Faͤllen dem Staate, nach Maaßgabe des Geſetzes vom meiner Art. heutigen Tage, eine Abgabe zu entrichten iſt, entweder gar 8 nicht oder unrichtig anzeigen. Whefteelidae§. 61. Die Strafe der Defraudation beſteht in einer iſter Jall. Geldbuße, welche dem vierfachen Betrage der vorenthaltenen Gefaͤlle gleich kommt. Die Abgaben ſind uͤberdem von der Strafe unabhaͤngig zu entrichten. 2ter Fall.§. 62. Im Falle der Wiederholung, nach vorhergegange⸗ ner Beſtrafung, wird die Strafe auf den achtfachen Betrag IX der Abgaben beſtimmt, und außerdem darf der Schuldige, wenn er Brenner oder Brauer iſt, das Recht zu brennen oder zu brauen, in einem Zeitraum von drei Monaten weder ſelbſt Waden, noch durch einen Andern zu ſeinem Vortheil ausuͤben laſſen. §. 63. Im dritten Falle der Uebertretung, nach vorherge⸗ gangener zweimaliger Beſtrafung, iſt der ſechszehnfache Be⸗ trag der nicht erlegten Abgaben als Strafe verwirkt, und iſt der Schuldige ein Brenner oder Brauer, ſo darf er das Ge⸗ werbe des Brennens oder Brauens nie und zu keinen Zeiten weder ſelbſt ausuͤben, noch durch einen Andern zu ſeinem Vor⸗ theile ausuͤben laſſen. §. 64. Im Falle des Unvermoͤgens zur Entrichtung der Geldſtrafe, tritt verhaͤltnißmaͤßige Gefaͤngnißſtrafe nach den Be⸗ ſtimmungen des allgemeinen Landrechts ein. §. 65. Wer ohne Befugniß dazu zu haben Brennerei oder Brauerei betreibt, und ſich dabei zugleich einer Handlung ſchuldig macht, die als Defraudation zu beſtrafen iſt, dem wer⸗ den außer der Defraudations⸗Strafe, die Brennerei⸗ oder Brauereigeraͤthe konfiszirt. §. 66. Wenn die Brenngeraͤthe, oder die damit vorgenom⸗ mener Veraͤnderungen nicht, wie vorgeſchrieben iſt,(§. 16.) an⸗ gezeigt werden, ſo iſt die Konfiskation der verſchwiegenen, ver⸗ aͤnderten oder anders wohin gebrachten Stuͤcke davon die un⸗ mittelbare Folge. Auf gleiche Weiſe erfolgt die Konfiskation der Geraͤthe, wenn die befohlenen Bezeichnungen(§. 18.) un⸗ terlaſſen, zerſtoͤrt oder verfaͤlſcht worden ſind, auch wenn die Einmaiſchungen in andern als den bekannten Maiſchbottichen (§. 21.) oder außer den angezeigten Raͤumen geſchehen. Ueberdem hat der Brenner eine Geldſtrafe von 25 bis 100 Rthlr. verwirkt, welche im Wiederholungsfalle verdoppelt wird. Sind unangezeigte Deſtillir⸗Geraͤthe zum Brennen auch be⸗ nutzt worden, ſo wird die dadurch begangene Defraudation noch beſonders nach den Beſtimmungen§. 61, 62, 63 und§. 67 beſtraft. §. 67. Sind Deſtillir⸗Geraͤthe, welche von der Steuerbe⸗ hoͤrde außer Gebrauch geſetzt worden, eigenmaͤchtig wieder in Gang gebracht, ſo ſoll die Berechnung der Gefaͤlle und der Defraudationsſtrafe von der Stunde an geſchehen, in welcher der letzte Verſchluß Statt fand, bis zur Zeit der Entdeckung. Eben daſſelbe findet, wenn ein Brenner andere gleicharti⸗ ge Theile der Deſtillir⸗Geraͤthe, ſtatt der außer Gebrauch ge⸗ ſetzten, zur Deſtillation benutzt hat, in ſo fern Anwendung, als nicht eine groͤßere Gefaͤlleverkuͤrzung ermittelt wird. §. 68 Iſt eine Blaſe, die zu einem andern Gebrauche frei⸗ gegeben worden zum Brennen benutzt, ſo wird der Blaſenzins und die Strafe wie§. 67 berechnet, und dem Beſitzer die Blaſe niemals wieder unverſteuert freigegeben. §. 69. Eine Verletzung des amtlichen Verſchluſſes der De⸗ ſtillir⸗-Geraͤthe zieht, auch wenn kein Verdacht einer Steuerkon⸗ travention dabei obwaltet, dennoch eine Geldſtrafe von 2 bis 20 Rthlr. nach ſich, falls nicht glaubwuͤrdig dargethan wird, Zter Fall. Unvermö⸗ genheit. Beſondere Strafbe⸗ ſtimmun⸗ gen, in An⸗ ſehung der Brenne⸗ reien. Berechnung der Gefälle und Stra⸗ fen. Unbefugte Benutzung freigegebe⸗ ner Geräthe. Verletzung des Ver⸗ ſchluſſes. 4 1 Verletzung des Fixa⸗ tions⸗Ver⸗ trages. Verlieren, Beſchmu⸗ tzen des Verſteue⸗ xungsbu⸗ ces. Aushändi⸗ gung von Deſtillir⸗ Geräthen ohne An⸗ zeige. Strafbe⸗ ſtimmun⸗ gen in Anſe⸗ hung der Brauereien. Einmai⸗ ſchen ohne Anmel⸗ dung. Nachmai⸗ ſchen X daß die Verletzung durch einen vom Steuerſchuldigen nicht ver⸗ ſchuldeten Zufall entſtanden, und davon ſogleich nach der Ent⸗ deckung Anzeige geſchehen iſt. §. 70. Wer die im Figxationsvertrage(§. 14.) feſtgeſetzten Bedingungen zur Benachtheiligung der Gefaͤlle verletzt, hat die Strafe der Defraudation verwirkt, auch wird dadurch der bis⸗ herige Vertrag aufgehoben. §. 71. Wird in den Faͤllen, wo nach§. 13 des Steuerge⸗ ſetzes vom heutigen Tage eine zwoͤlfſtuͤndige Verſteuerungsfriſt verſtattet worden iſt, dieſer Zeitraum, welcher jedenfalls von 6 Uhr Morgens bis 6 Uhr Abends hindurch unabweichlich be⸗ ſtimmt wird, uͤberſchritten, oder in andern Stunden als von 6 bis 6 gebrannt: ſo iſt neben der verwirkten Strafe der De⸗ ſraudation, die Verſtattung einer ſolchen Verſteuerungsfriſt ver⸗ loren, und ſelbige ſteht fuͤr den Kontravenienten nie wieder zu erlangen. §. 72. Brennereiberechtigte, welche die Vermerkung der Einmaiſchungen in das Verſteuerungsbuch nicht gehoͤrig und vollſtaͤndig, wie§. 22 vorgeſchrieben worden, bewerkſtelligen, werden, wenn das Verſteuerungsbuch unrichtig befunden wird, oder abhanden gebracht iſt, mit 2 bis 50 Thalern beſtraft. Im erſteren Wiederholungsfalle tritt Verdoppelung der Strafe, und im dritten Uebertretungsfalle uͤberdem der Verluſt der Befugniß zur Betreibung der Brennerei ein. Auch derjenige, welcher ſein Verſteuerungsbuch nicht rein⸗ lich aufbewabrt, oder nicht bereit haͤlt, ſolches jederzeit dem Re⸗ viſionsbeamten gleich vorlegen zu koͤnnen, wird ſchon deshalb um 1 bis 5 Rthlr. beſtraft, wenn auch nicht erweislich iſt, daß ſolches um eine Kontravention zu verbergen, weggeſchafft oder beſchaͤdigt worden. §. 73. Brennerel⸗Inhaber, ſo wie andere§. 17 gedachte Perſonen beſonders alle Kupferſchmiede, welche Deſtillir-Ge⸗ raͤthe, der Beſtimmung§. 17 entgegen, ohne Anzeige beim Steueramt und daruͤber erhaltene Beſcheinigung, einem andern uͤbergeben, verfallen in eine Strafe von 5 bis 20 Rthlr., wel⸗ che bei Wiederholungen von 20 bis auf 50 Rthlr. erhoͤht wird. §. 74. Wenn die Braupfannen und Bottiche, oder die da⸗ mit vorgenommenen Veraͤnderungen nicht, wie§. 28 vorge⸗ ſchrieben iſt, angezeigt werden, ſo tritt die Konfiskation der verſchwiegenen, veraͤnderten oder anderswo hingebrachten Ge⸗ raͤthe ein. Ueberdem hat der Brauer eine Geldſtrafe von 25 bis 100. Rthlr. verwirkt, welche im Wiederholungsfalle verdoppelt wird. Sind unangezeigte Braupfannen und Bottiche zum Brauen auch benutzt worden, ſo wird die dadurch begangene Defrau⸗ dation noch beſonders nach§. 61, 62 und 63 beſtraft. §. 75. Hat ein Brauer ohne vorhergegangene Anmeldung und Verſteuerung eingemaiſcht, ſo wird die Steuer und die Strafe nach der Beſchickung, die zu einem ganzen Gebraͤude genommen zu werden pflegt, voll berechnet. Hat er aber bloß eine Nachmaiſchung unbefugterweiſe vorgenommen, ſo wird er, is mag eine Verkuͤrzung der Gefaͤlle ermittelt werden oder XI nicht, allemal in eine Strafe von 5 Thalern genommen, welche bei Wiederholungen verdoppelt wird. Die Strafe der De⸗ fraudation beſteht unabhaͤngig hiervon, wenn eine Verkuͤrzung der Gefaͤlle Statt gefunden hat. §. 76. Wer bloß zum eigenen Hausbedarf zu brauen die Befugniß erhalten hat, und Bier gegen Bezahlung im Hauſe ausſchenkt, oder außer ſeiner Wohnung an Perſonen, welche nicht zum Hausſtande zu rechnen ſind, gegen Bezahlung oder Vergeltung uͤberlaͤßt, hat, ſo fern die Steuer⸗ und gewoͤhnliche Defraudationsſtrafe nicht hoͤher ermittelt wird, zehn Thaler Strafe zu erlegen, und wird mit Nuͤckſicht bierauf bei Wieder⸗ bolungen nach den allgemeinen Beſtimmungen§. 62, 63 be⸗ ſtraft. 3 tt 77. Wem die freie Zubereitung von Bier aus Malz⸗ ſchrot verſtattet iſt, der verfaͤllt, wenn er es unterlaͤßt, jaͤhrlich einen Anmeldungsſchein ſich deshalb auszuwirken,(§. 35.) in eine Ordnungsſtrafe von 1 bis 3 Rthlr., die bei Wiederholun⸗ gen von 2 bis zu 10 Rtblr. ſteigt. §. 78. Hat ein Brauer zu einer andern Zeit, als welche vorgeſchrieben(§. 32.) und von ihm angezeigt worden, oder vor Ablauf der Stunde, welche auf den Steuerbeamten ge⸗ wartet werden muß,(§. 33.) eingemaiſcht, ſo verfaͤllt er in eine Strafe von 2 Nthlr., welche bei Wiederholung auf 5 bis 20 Rthlr. erhoͤht wird. Außerdem muß, wenn nicht die Be⸗ ſchickung fuͤr ein volles Gebraͤude angemeldet ſeyn ſollte, die Steuer und die Strafe fuͤr ſo viel Malzſchrot erlegt werden, als zu einem vollen Gebraͤude mehr genommen zu werden pflegt, wie im vorliegenden Falle angemeldet worden. §. 79. Brauerei⸗Inhaber und andere im§. 28 erwaͤhnte Perſonen, beſonders Kupferſchmiede, welche Braupfannen, der Vorſchrift des§. 28 zuwider, ohne Anzeige bei dem Steuer⸗ amte und daruͤber erhaltene Beſcheinigung, einem andern uͤber⸗ geben, fallen in eine Strafe von 5 bis 20 Rthlr., welche bei iederholung von 20 bis 50 Rthlr. zu erhoͤhen iſt. §. 83. Wer Brauerei als Gewerbe, und Branntwein⸗ brennerei, Weinbau und Tabacksbau betreibt, muß fuͤr ſein Geſinde, Diener, Gewerbsgehuͤlfen und ſeine im Hauſe. befind⸗ liche Ehegattin, Kinder und Anverwandten, was die verwirkten Strafen betrifft, mit ſeinem Vermoͤgen haften,(Deklaration vom 19. Oktober 1812.) jedoch nur dann, wenn die Geldſtrafe wegen Unvermoͤgens des eigentlichen Verbrechers, ſo wie auch die an deren Stelle zu erkennende Gefaͤngnißſtrafe nicht zur Vollziehung gebracht werden kann. §. 84. Treten bei einer Kontravention gegen die Steuer⸗ verordnungen andere Verbrechen hinzu, ſo kommen die Vor⸗ ſchriften des allgemeinen Landrechts Th. 2. Tit. 20.§. 54 bis 57 in Anwendung. §. 85. Iſt mit einer Defraudation zugleich eine Verle⸗ tzung beſonderer Vorſchriften dieſer Ordnung verbunden, ſo tritt die darauf geſetzte Strafe in der Regel der Strafe der Defraudation hinzu. §, 86. Wer, um dem Staate die ſchuldigen Gefaͤlle zu Mißbrauch der Begün⸗ ſtigung für den Haus⸗ bedarf brau⸗ en zu dürfen. Unterlaſſe⸗ ne Anmel⸗ dung der Hauskrunk⸗ zuberei⸗ tung. Abweichun⸗ gen von der deklarirten Einmai⸗ ſchungszeit. Aushändi⸗ gung von Brauerei⸗ Geräthen ohne Anzeige. Vertre⸗ tungsver⸗ bindlichkeit für ver⸗ wirkte Geldſtrafen. Zuſammen⸗ treffung mehrerer Verbrechen. Strafe der XII Fälſchung entziehen, ſich verfaͤlſchter und uͤberhaupt unrichtiger Papiere Katlichend oder Beſcheinigungen bedient, ſoll dafuͤr beſonders mit der Pepicrund durch die allgemeinen Strafgeſetze fuͤr ſolche Faͤlſchungen geord⸗ gungen. neten Ahndung durch das Gericht, welches das fuͤr dergleichen Vergehen Zuſtaͤndige iſt, belegt werden. Des Ver⸗§. 87. Die vorbeſtimmte Strafe trifft auch denjenigen, odchtnſfe, welcher in gleicher Abſicht, durch Abnahme, Verletzung oder zeichnung. ſonſtige Unbrauchbarmachung des amtlichen Verſchluſſes, wo⸗ durch Deſtillir⸗Geraͤthe außer Gebrauch geſetzt worden, mit oder auch ohne Anlegung eines andern, durch eigenmaͤchtige Veraͤnderung des auf Veranlaſſung der Steuerbehoͤrde einge⸗ grabenen Vermerks der Groͤße einer Branntweinblaſe, durch Veraͤnderung oder Nachahmung der Stempel oder Nummern auf den Geraͤthen eine Faͤlſchung begeht. Strafe der§. 88. Wer einem zur Wahrnehmung des Steuerinter⸗ Beſtechung eſſe verpflichteten Beamten, mit welchem er im Amte zu thun der Sieuer⸗ hat, Geld oder Geldeswerth zum Geſchenke anbietet, oder * wirklich macht, ſoll den vierundzwanzigfachen Betrag des an⸗ gebotenen oder gegebenen Geſchenks zur Strafe erlegen. Iſt uͤber den Betrag nichts auszumitteln, ſo tritt eine Geldbuße von Zehn Thalern ein. Strafe der§. 89. Eine jede Widerſetzlichkeit gegen die in Ausuͤbung wideren ihres Amtes begriffenen Perſonen, moͤgen es Steuer⸗ oder an⸗ gen Steuer⸗ dere zur Wahrnehmung des Steuerintereſſe verpflichtete Beamte beamte, ſeyn, ſo wie auch eine Verſagung der Huͤlfsleiſtung, deren die Beamten bei ihrem Reviſions⸗Geſchaͤfte abſeiten der Gewerbe⸗ treibenden beduͤrfen,(§. 55.) ſoll an dem Schuldigen mit 10 bis 50 Thalern, oder mit verhaͤltnißmaͤßiger Gefaͤngnißſtrafe geahndet werden. Die Wahl der Strafgattung bleibt nach den Umſtaͤnden eines jeden einzelnen Falles der Behoͤrde uͤberlaſſen, welche in der Sache ſelbſt zu entſcheiden hat. Sind aber mit einer ſol⸗ chen Widerſetzlichkeit zugleich wirkliche oder thaͤtliche Beleidi⸗ gungen veruͤbt, ſo treten die dafuͤr geltenden allgemeinen Straf⸗ eſtimmungen in Kraft. Milde⸗ Jeder etwanige Mißbrauch der Amtsgewalt von Seiten rungs⸗ der Beamten, wirkt eine Milderung der Strafbarkeit desjeni⸗ grund. 2 1 gen, der ſich widerſetzt hat. Strafe der§. 90. Die Uebertretung aller andern, in dieſer Ordnung ttlebertnſen, gegebenen Vorſchriften, worauf keine beſondere Strafe geſetzt ger Vor, worden, ſoll mit einer Geldbuße von 1 bis 10 Rthlr. geahn⸗ ſchriften. det werden. §. 91. Sobald ein Uebertreter der Steuergeſetze betroffen Wetfalder oder auf andere Weiſe eine Kontravention zuverlaͤßig bekannt ZAontrade⸗ wird, muͤſſen die Steuerbeamten ſich ohne Zeitverluſt der Waa⸗ nienten. ren und Sachen, woran das Verbrechen veruͤbt worden, durch Beſchlagnahme verſichern, in ſo fern es zum Beweiſe der be⸗ gangenen Kontravention ſowohl an ſich, als in Bezug auf den Beſchlag⸗ Betrag der defraudirten Gefaͤlle erforderlich iſt, oder auch be⸗ nehmung. gruͤndete Beſorgniß entſteht, daß ſonſt wegen der zu erlegen⸗ den Gefaͤlle, der verwirkten Strafe und der Koſten die Staats⸗ kaſſe nicht geſichert ſey. 4 4 4 A XIII Iſt der Beſchuldigte der Flucht verdaͤchtig, ſo iſt er per⸗ ſoͤnlich anzuhalten, und dem naͤchſten Gericht zu uͤbergeben. §. 92 Eine Freilaſſung der in Beſchlag genommenen Waaren und Sachen iſt zulaͤßig, wenn eine Verdunkelung des Sachverhaͤltniſſes davon nicht weiter zu beſorgen, und wenn entweder nach dem obwaltenden Verhaͤltniß wahr⸗ ſcheinlich iſt, daß der Kontravenient dem Staate auch ohne Sicherheitsleiſtung werde fuͤr das Vergehen gerecht werden kͤnnen, oder genuͤgende Sicherheit geleiſtet iſt. Ob Perſonalarreſt fortzuſetzen oder zu verhaͤngen ſey, bleibt der richterlichen Beurtheilung nach Beſchaffenheit der Perſon und des Falles uͤberlaſſen. §. 93. Bei der Unterſuchung und Beſtrafung der Steuer⸗ vergehen finden die daruͤber in der Verordnung wegen Ein⸗ richtung der Provinzialbehoͤrden vom 26. Dezember 1808, §. 34 und 45, und in dem Anhange zur allgemeinen Gerichts⸗ ordnung,§. 243, 244, 250, 251 und 253 enthaltenen Vor⸗ ſchriften Anwendung, jedoch mit folgenden Modalitaͤten: a. die Steueraͤmter fuͤhren die Inſtruktion der Sache nach Anleitung des eben allegirten§. 233 im An⸗ hange zur allgemeinen Gerichtsordnung. Die Ent⸗ ſcheidung gebuͤhrt der Regierung des Bezirks. Es koͤnnen die Steueraͤmter Strafreſolute nur abfaſſen, in ſo fern ihnen ſolches beſonders uͤbertragen wird, und zudem die geſetzliche Strafe Zehn Thaler nicht uͤberſteigt; dem Angeſchuldigten ſteht es frei, waͤhrend der ſum⸗ mariſchen Unterſuchung bis zu deren Schluß auf ge⸗ richtliche Unterſuchung und Abfaſſung eines foͤrmli⸗ chen Erkenntniſſes anzutragen; c. dem Angeſchuldigten iſt auch unbenommen, binnen Zehn Tagen gegen ein Reſolut des Steueramts den Rekurs an die vorgeſetzte Regierung, und gegen ein Reſolut der Regierung den Rekurs an das Miniſte⸗ rium der Finanzen zu ergreifen. Hat jedoch der An⸗ geſchuldigte einmal dieſen Weg gewaͤhlt, ſo muß er bei dem, was auf den eingelegten Rekurs feſtgeſetzt wird, ſich beruhigen, und kann nicht weiter auf den Antrag einer gerichtlichen Unterſuchung zuruͤckgehen; d. in den Rheinprovinzen, ſo fern dort noch eine ab⸗ weichende Gerichtsverfaſſung beſteht, desgleichen in dem Großherzogthum Poſen, iſt indeſſen die§. 250 des Anhangs der allgemeinen Gerichtsordnung an⸗ geordnete Kompetenz der Untergerichte nicht anwend⸗ bar. Es wird daher den dortigen Juſtizbehoͤrden zur Pflicht gemacht, dergleichen Steuerkontraventionsſa⸗ chen, wenn die Akten von den Regierungen an ſie abgegeben werden, an diejenigen Gerichte zu verwei⸗ ſen, welche nach dortiger Verfaſſung dafuͤr kompe⸗ tent ſind. §. 94. Bei der Verkuͤndung eines jeden Straferkenntniſſes oder Reſoluts iſt der Angeſchuldigte auf die Erhoͤhung der S Verhaf⸗ tung. Freilaſſung in Beſchlag genomme⸗ ner Objekte und arre⸗ tirter Kon⸗ travenien⸗ ten. Reſſortver⸗ hältniß der unterſu⸗ chenden und entſcheiden⸗ den Behör⸗ den. Provoka⸗ tion auf ge⸗ richtliche Entſchei⸗ dung. Recursͤ⸗ Inſtanzen. Publikation der Entſchei⸗ dungen. 4 1 Vollſtrek⸗ kung. Anwendung dieſer Ordnung. Behörden. Abaͤnde⸗ rung des Blaſenzin⸗ ſes in Maiſch⸗ ſteuer⸗ XIV Strafe aufmerkſam zu machen, welche er nach gegenwaͤrtiger Verordnung im Falle einer Wiederholung ſeines Vegehens zu erwarten hat, und daß dieſes geſchehen, in der Verhandlung zu erwaͤhnen. Wird ſolches unterlaſſen, ſo hat die Behoͤrde eine Ord⸗ nungsſtrafe von 5 bis 10 Thalern verwirkt, den Uebertreter aber trifft bei der Wiederholung des Vergehens dennoch die erhoͤhte Geldſtrafe. §. 95. Die Vollſtreckung rechtskraͤftiger Erkenntniſſe ge⸗ ſchieht von den Gerichten, die der Reſolute aber von den Steuerbehoͤrden. Die Regierungen koͤnnen nach Umſtaͤnden, der Vollſtreckung Anſtand geben, und die Gerichte haben dem, Se von den Regierungen deshalb an ſie ergehet, Folge zu eiſten. §. 96. Die Vorſchriften dieſer Ordnung ſollen in dem Maaße, wie das Geſetz vom heutigen Tage zur Ausfuͤhrung gelangt, auch in allen Provinzen ohne Ausnahme befolgt, und es muß auch in den Provinzen, worin das allgemeine Land⸗ recht, die allgemeine Gerichtsordnung und die allgemeine Kri⸗ minalordnung noch nicht eingefuͤhrt ſind, nach den in dieſer Ordnung aufgenommenen Vorſchriften erkannt werden. §. 97. Die Erhebung der jetzt angeordneten Steuern und deren Kontrolirung geſchieht im Grenzbezirk durch die Zoll⸗ aͤmter und die dazu gehoͤrigen Beamten(Zollordnung vom 26. Mai v. J.§. 9 bis 12.) im Innern des Landes durch Steu⸗ aͤmter(ebendaſelbſt§. 14.) welche in groͤßeren und gewerbrei⸗ chen Staͤdten eingerichtet und denen zur Sicherheit der Ge⸗ faͤlle, Steueraufſeher und Oberaufſeher, ingleichen, zur Erleich⸗ terung der Steuerpflichtigen, Ortseinnehmer nach dem Erfor⸗ derniß zugeordnet werden ſollen. Anlage WB. Interimiſtiſches Regulativ uͤber die Beſteuerung des inlaͤndiſchen Branntweins, vom Iſten Dezember 1820. ——ʒ:——— In Beruͤckſichtigung der Beſchwerden, welche die Erhe⸗ bung der Steuer von inlaͤndiſchem Branntwein durch den Blaſenzins veranlaßt hat, und aus der Betriebszeit, ſo wie aus der unſichern Beſtimmung der Blaſenzinsſaͤtze nach der Erzeugungsfaͤhigkeit der zum ſchnelleren Betriebe verſchieden⸗ XV artig eingerichteken Brenngeraͤthe hervorgegangen ſind, haben des Koͤnigs Majeſtaͤt, nach erfordertem Gutachten des Staats⸗ raths, durch eine allerhoͤchſte Kabinetzordre vom 20. Novem⸗ ber c. befohlen, daß ein neues Geſetz vorgelegt werden ſoll, wonach die Beſteuerung des Branntweins nach dem Quartin⸗ halt der zur Maiſchfertigung benutzten Bottiche feſtgeſtellt, und bis dieſes Geſetz emanirt worden, ſchon vorlaͤufig nach der⸗ ſelben Grundlage bei der Branntwein⸗Beſteuerung verfahren werden ſoll. Es ſind daher nachfolgende Beſtimmungen vom 1. Ja⸗ nuar 1821 an, zur Anwendung zu bringen. §. 1. An Steuer iſt ein gGroſchen von zwanzig Quart Inhalt des Bottichs bei jeder Einmaiſchung Behufs der Branntwein⸗Fabrikation zu erlegen. Es wird mithin, da die Abgabe von einem Quart Branntwein 1 gGr. 3 Pf. nach dem Geſetz vom 8. Februar 1819 betragen ſoll, angenommen, daß, um ein Quart Branntwein zu 50 p. C. Alkohol(nach Tral⸗ les) zu erzeugen, mit Ruͤckſicht auf das Aufſteigen der Maiſche bei der Gaͤhrung, 25 Quart Maiſchraum erforderlich ſey. §. 2. Wer eine Brennerei in Betrieb ſetzen will, iſt ver⸗ pflichtet, mindeſtens drei Tage vor der erſten Einmaiſchung, ſeinen Betriebsplan, nach einem dazu vorgeſchriebenen Muſter, welches hierbei liegt, fuͤr einen vollen Kalendermonat, oder, ſo fern der Betrieb zuerſt waͤhrend des Laufes des Monats ſeinen Anfang nehmen ſoll, bis zu Ende des Kalendermonats dem Steueramte zu erklaͤren, und bei dem Betrieb genau und ohne alle Abweichung die Erklaͤrung zu befolgen. §. 3. Die Erklaͤrung muß deutlich geſchrieben, und ohne daß darin etwas abgeaͤndert, oder ausgeloͤſcht iſt, zwiefach dem Steueramte uͤbergeben werden. Beide Exemplare werden vom Amte genehmigt und vollzogen, das eine bleibt bei demſelben, das andere wird dem Brennerei⸗Inhaber zuruͤckgegeben, wel⸗ cher gehalten iſt, noch vor Anfang der erſten Einmaiſchung, daſſelbe, an einem hellen Orte in der Brennerei, welchen der Steuerbeamte dazu auswählt, auf einer Tafel offen anzuhef⸗ ten, und dort, ſo lange der Betrieb deklarirt iſt, unbeſchaͤdigt zu erhalten, damit der Aufſichtsbeamte und Jedweder, der in die Brennerei eintritt, alsbald ſolches einſehen kann. Wenn die Betriebszeit abgelaufen iſt, wird dieſes Exemplar an das Steueramt zuruͤckgeliefert und kann alsdann gegen das erſte umgewechſelt werden. §. 4. Dem Brennerei⸗Inhaber iſt geſtattet, die Maiſche am dritten und(oder) vierten Tage nach der Einmaiſchung abzubrennen, darnach die Deklaration einzurichten. Ein fruͤheres oder ſpaͤteres Abbrennen der Maiſche, iſt in der Regel nicht geſtattet. Wird in außerordentlichen Faͤllen eine Ausnahme noͤthig, ſo muß zuvor dem Steueramte davon Anzeige geſchehen, und deſſen ſchriftliche Genehmigung dazu er⸗ tbeilt ſeyn. Solches kann bei Unter⸗Steueraͤmten nur unter Mitunterſchrift des Ober⸗Kontroleurs geſchehen, und muß die Genehmigung ebenfalls an der Tafel in der Brennerei ange⸗ ſchlagen werden. Steuerſatz. Anmeldung des Betrie⸗ bes. Abgabe der Dekla⸗ ration. Vollziehung und Aufbe⸗ wahrung der Dekla⸗ ration Gährungs⸗ Perioden der Maiſche. Ausnah⸗ men. A XVI raums, der tig nicht mehr zugelaſſen. Die Einmaiſchungen duͤrfen nur in zu denuben⸗ der§. 32 der Steuerordnung vom 8. Februar 1819 beſtimm⸗ den Vottiche. ten Zeit geſchehen. Reihefolge Dem Brennerei⸗Inhaber bleibt zwar freigeſtellt, wie oft der deriarir⸗ und wann er waͤhrend des Monats, fuͤr welchen er deklarirt, ten Vottiche. die deklarirten Maiſchgefaͤße und Blaſen, benutzen will; die Aufbewah⸗ Benutzung der deklarirten Maiſchgefaͤße muß jedoch in einer rung von regelmaͤßigen Reihefolge, dergeſtalt geſchehen, daß in dem zu⸗ in Radchen erſt geleerten Maiſchbottich, die Einmaiſchung auch wieder zu⸗ Gerathen, erſt begonnen wird. Waͤhrend des Betriebs der Brennerei Schiefſtel⸗ darf die angezeigte Stellung der Maiſchgefaͤße in dem Brenn⸗ ren, Ver⸗ hauſe nicht veraͤndert werden. Etwanige Maiſchwaͤrmer und ſchließen, Maiſchreſervoirs muͤſſen beſonders deklarirt werden und duͤr⸗ Reerdenh. fen nie andere als reife Matſche, auch nur waͤhrend der Zeit, wo die Maiſchblaſen in Betrieb ſind, enthalten. Sind ſaͤmmtliche deklarirte Maiſchgefaͤße nach einander abgebrannt, ſo kann eine neue Einmaiſchungsperiode, zwar erſt nach einer beliebigen deklarirten Friſt, wieder begonnen wer⸗ den. Iſt aber zwiſchen mehreren Einmaiſchungen ein Zwi⸗ ſchenraum von der Art, daß ein oder das andere Maiſchge⸗ faͤß einen Tag oder laͤnger dergeſtalt außer Gebrauch bleibt, daß an demſelben Tage, wo es leer geworden, nicht wieder darin eingemalſcht wird, ſo muß es fuͤr den Tag oder die Tage des Nichtgebrauchs ſchief geſtellt, oder wenn derſelbe laͤnger, als drei Tage dauert, nach Befinden der oͤrtlichen Um⸗ ſtaͤnde, durch Verſchluß oder Verſiegelung, von Seiten des Steueramts, außer Gebrauch geſetzt werden. ebliche§. 6. An den Tagen, wo Branntweinblaſen zum Betrieb Weſenebiehe deklarirt ſind, darf in der Regel von 7 Uhr Abends bis 5 Uhr feiſt. Nacht⸗ Morgens nicht gebrannt werden, es muͤßte denn, nach dem brennenz Ermeſſen der Steuerbehoͤrde, der Maiſchinhalt der verſteuerten Verſchluß Maiſchbottiche, welche an dieſem Tage abgebrannt werden ſol⸗ Gewerb⸗ len, in 14 Stunden nicht verarbeitet werden koͤnnen, in wel⸗ anſtalten. chem Fall der Steuerbeamte in der Deklaration zu bemerken hat, wann, und auf wie lange das Nachtbrennen nachgegeben worden iſt. Ob die Blaſen fuͤr den ganzen Monat der De⸗ klaration außer Verſchluß bleiben, oder waͤhrend ihres Nicht⸗ gebrauchs unter Verſchluß zu ſetzen ſind, bleibt gleichfalls dem Ermeſſen des Steueramts, nach der Dauer des Nichtgebrauchs und den oͤrtlichen Umſtaͤnden uͤberlaſſen. Fuͤr die Zeitraͤume, wo nicht deklarirt worden, koͤnnen die Blaſen und die Maiſchbottiche unter Verſchluß geſetzt werden. rermin der§. 7. Die Steuer fuͤr den deklarirten Monat muß in der Steuerzab⸗ Regel am letzten Tage deſſelben entrichtet werden. Wer aber lung. dieſen Zahlungstermin einmal verabſaͤumt hat, kann in der Folge auf dieſe Erleichterung nicht mehr Anſpruch machen, ſondern muß die Steuer bei jeder fernern Deklaration voraus bezahlen. XVII §. 8. Eine Verguͤtung oder ein Erlaß der Steuer kann nur dann erfolgen, wenn dem Inhaber der Brennerei durch emen außerordentlichen, unverſchuldeten Zufall ein verſteuerter, unangebrochener Maiſchbottich gaͤnzlich unbrauchbar geworden, und muß alsdann dem Steueramte ſogleich davon Anzeige ge⸗ macht werden, um die Richtigkeit der Angabe an Ort und Stelle zu unterſuchen. Daß die Maiſche ſauer geworden, wird jedoch als ein ſolcher Zufall nicht angenommen. §. 9. In Anſehung der Branntweinſteuer ſolcher Gewerb⸗ treibenden, welche neben der Branntweinfabrikation, oder auch ohne dieſelbe, Branntwein uͤber Ingredienzen abziehen, oder Branntwein aus Weinhefen, Zuckerwaſſer oder andern Sub⸗ ſtanzen, welche vorher keine Zubereitung durch Einmaiſchen beduͤrfen, oder aus Weintreſtern, Obſt und andern nicht meh⸗ † ligten Subſtanzen brennen, bei deren Einmaiſchung die Gaäͤh⸗ rungszeit an keine vorher zu beſtimmende zwei⸗ oder dreitaͤgige Friſt gebunden werden kann, bleibt es einſtweilen bei den bis⸗ herigen Beſtimmungen. Deſtillirgeraͤthe, welche ausſchließlich zu anderm Gebrauch, als zur Branntwein⸗ oder Liqueur⸗Fabrikation, gehalten wer⸗ den, hoͤren zwar auf, ſteuerpflichtig zu ſein und unter der bis⸗ verigen engern Kontrole, ſo weit ſolche fuͤr die Branntwein⸗ brenner und Liqueur⸗Fabrikanten hiernach fortdauert, zu ſtehen, bleiben aber, zur Verhuͤtung etwanigen Mißbrauchs, einer all⸗ gemeinen Aufſicht von Seiten der Steuerbehoͤrde unterworfen. §. 10. In Folge der angeordneten Beſteuerung der Maiſchbottiche ſtatt des Blaſenzinſes, kommen aus dem Ge⸗ ſetze vom 8. Februar 1819, wegen Beſteuerung des inlaͤndi⸗ ſchen Branntweins und der dazu gehoͤrigen Ordnung, einſt⸗ weilen folgende Paragraphen nicht mebr zur Anwendung, außer wo in den Faͤllen des§. 9 dieſes Regulativs etwa noch Bezug darauf zu nehmen ſein moͤchte; und zwar aus dem Geſetz die Paragraphen 2 bis 4 und 9 bis 13, aus der Ord⸗ nung die Paragraphen 1, 3 bis 13(alles einſchließlich), 15, 22, 23 und 23.— §. 11. Die biernach ferner in Kraft bleibenden§§. der Steuerordnung erbalten folgende zuſaͤtzliche oder abaͤndernde Beſtimmungen. Was darin von dem Deſtillir⸗ oder Brenn⸗ geraͤthe und deſſen unbefugtem Gebrauch zum Brennen geſagt worden, gilt im Allgemeinen auch von dem Maiſchgeraͤth und deſſen unbefugtem Gebrauch zum Maiſchen. Der nach§. 16 einzureichenden Nachweiſung uͤber die Raͤume zur Brennerei, die Brenngeraͤthe ꝛc., iſt ein einfacher Grundriß desjenigen Raumes, in welchem ſich die Maiſchgefaͤße befinden, und ihrer Stellung in demſelben, nach dem beiſpielsweiſe anliegenden Schema, doppelt beizufuͤgen. Ein Exemplar, vom Steuer⸗ amte beſcheinigt, muß in derſelben Art, wie im§. 3 dieſer Verordnung wegen der Deklaration beſtimmt worden, in der Brennerei aufgehängt, und die darin bezeichnete Stellung waͤhrend jeder Betriebszeit ſo lange unveraͤndert beibehalten werden, als etwanige Abaͤnderungen dem Steueramte nicht mittelſt Einreichung eines abgeaͤnderten Grundriſſes angezeigt 2 Steuererlaß oder Erſatz. Beſtim⸗ mungen für Deſtillir⸗ Anſtalten. Für Brannt⸗ weinfabri⸗ ation aus nicht meh⸗ ligten Sub⸗ ſtanzen. Steuerfreie Benutzung von Deſtillir⸗ Gerathen. Aufhebung früherer Beſtimmun⸗ gen. Bezug⸗ nahme auf Beſtimmun⸗ gen der Steuer⸗ ordnung. Unbefugter Gebralich der Maiſch⸗ gerathe. Nachweis der Räume und Geräthe. Grundriß der Betriebs⸗ Anſtalt. Vermeſſung der Bottiche. A V 1 4 A Reviſtonsbe⸗ fugniß der Beamten. Defrauda⸗ tionsſtrafe. Strafe für heimliche, unangemel⸗ dete Ein⸗ maiſchung. Berechnung der Gefalle und De⸗ frauda⸗ tionbſtrafe. Strafe der Abweichung von den erklärten Betriebs⸗ ſtunden. Ver⸗ ſteuer ungs⸗ buch. Deklara⸗ tion. XVIII worden ſind. Was 5§. 48 und 19 wegen Vermeſſung der Blaſen angeordnet worden, gilt auch von den Matſchbottichen. Die den Steuerbeamten im§. 50 beigelegte Reviſions⸗ befugniß erſtreckt ſich auch auf die Kontrole der puͤnktlichen Beobachtung der Deklaration in allen ihren Theilen. Zu den Faͤllen, wo nach§. 60 die Defraudationsſtrafe eintritt, gehoͤrt auch der, wenn Gewerbshandlungen, von deren Ausuͤbung dem Staat nach dieſem Regulativ eine Abgabe zu entrichten iſt, entweder gar nicht, oder unrichtig angezeigt werden. Jede Einmaiſchung in andern, als dazu deklarirten Ge⸗ faͤßen, oder außer den angezeigten Raͤumen, oder zu einer an⸗ dern, als der im§. 5 dieſes Negulativs beſtimmten Zeit, oder an andern, als den fuͤr jeden Bottich deklarirten Tagen, obne Nuͤckſicht auf die Groͤße deſſelben, zieht, außer der gewoͤhnli⸗ chen Defraudationsſtrafe und der Konfiskation der Geraͤthe, noch die im§. 66 feſtgeſetzte hoͤchſte Geldſtrafe von 100 Rthl., welche dem Entdecker ganz zu Theil werden ſoll, nach ſich. Die§§. 67 und 68 andern ſich dahin, daß, wenn Maiſch⸗ gefaͤße, welche von der Steuerbehoͤrde außer Gebrauch geſetzt waren, eigenmaͤchtig zum Einmaiſchen benutzt worden ſind, die Berechnung der Gefaͤlle und der Defraudationsſtrafe in der Art geſchehen ſoll, daß auf jeden dritten Tag, von da ab, wo der letzte Verſchluß Statt fand, bis zur Zeit der Entdeckung, eine Einmaiſchung angenommen wird. Der§. 71 andert ſich dahin ab, daß Abweichungen von den deklarirten Stunden, wo eingemaiſcht, oder angefangen werden ſoll, die Maiſche abzubrennen, desgleichen Abweichun⸗ gen von den deklarirten Tagen des Blaſenbetriebs, oder der im§. 6 dieſes Regulativs beſtimmten, oder vom Steueramte weiter nachgegebenen Brennzeit, nach Analogie des§. 78 der Steuerordnung, mit 2 Rthlr., und bei Wiederholungen mit 5 bis 20 Rthlr. beſtraft werden. Was im§. 72 von dem Verſteuerungsbuch geſagt wor⸗ den, iſt kuͤnftig auf die Deklaration zu beziehen. Anlage C. Allerhoͤchſte Kabinets⸗Ordre vom 20ſten Juni 1822, betreffend die Anwendung der Strafgeſetze bei Maiſchſteuer⸗Kontraventionen. Aus Ihrer, des Finanz⸗Miniſters, Anzeige vom 27ſten April d. J. geht hervor, daß die Gerichtsbehoͤrden, im Wider⸗ 3. 9 D 6 4 ſpruch mit dem Verfahren der Finanzbehoͤrden, Anſtand neh⸗ men, bet Malſchſtener⸗Konkravenkionen nach dem durch die Amtsblaͤtter der Regierungen zur oͤffentlichen Kenntniß ge⸗ brachten interimiſtiſchen Regulativ vom 1ſten Dezember 1820 zu erkennen, und nach wie vor auf das Geſetz vom 8ten Fe⸗ bruar 1819 zuruͤckgehen zu muͤſſen glauben. Ich beſtimme da⸗ her, daß bis zur Promulgation des neuen Getraͤnkeſteuerge⸗ ſetzes, durch welches im Weſentlichen die jetzige Beſteuerungs⸗ weiſe beibehalten werden wird, die Gerichte eben ſo, wie die Steuerbehoͤrden gehalten ſeyn ſollen, bei Beurtheilung und Entſcheidung der Kontraventionen gegen das gedachte Regulativ vom 1ſten Dezember 1820 ſich nach den darin enthaltenen Strafbeſtimmungen zu achten, und nur in ſo weit auf diejenigen des Geſetzes vom 8ten Februar 1819 zuruͤckzugehen, als es mit dem Regulativ vertraͤglich iſt. Hiernach werden Sie das Noͤ⸗ thige verfuͤgen. Anlage D. Allerhoͤchſte Kabinets⸗Ordre wegen Beſteuerung des in⸗ laͤndiſchen Branntweins, vom 10. Januar 1824. Nach dem Antrage des Staatsminiſteriums habe Ich nunmehr definitiv genehmigt, daß in die Stelle des durch das Geſetz vom 8. Februar 1819 angeordneten Blaſenzinſes eine Maſſchbottich⸗Steuer eingefuͤhrt und bei deren Erhebung nach dem vorlaͤuftg von mir gebilligten Regulativ vom 1ſten De⸗ zember 1820 verfahren werde. Um jedoch den geſetzlichen Steuerſatz von 1g9Gr. 3 Pf. vom Quart gewonnenen Brannt⸗ weins zu erreichen, und dabei dem laͤndlichen Gewerbe eine Erleichterung zu gewaͤhren, ſetze Ich folgende naͤhere Maaß⸗ regeln ſeſt: 1. Die Abgabe von der Bereitung des Branntweins aus Getrelde oder mehligten Subſtanzen, ohne Unterſchied der Staͤrke oder Beſtimmung deſſelben, ſoll von den zur Ein⸗ maiſchung oder Gaͤhrung der Maiſche benutzten Gefaͤßen mit Einem Silbergroſchen Sechs Pfennigen, ür jede zwanzig Ouart ihres Raum⸗Inhalts und fuͤr jede Einmaiſchung, erhoben werden. 2. Landwirthſchaftliche Brennereien, die nur vom 1ſten No⸗ vember bis 1ſten Mai im Gange ſind, nur aus ſelbſt ge⸗ wonnenen Erzeugniſſen brennen und an Einem Tage nicht uͤber 900 Quart Bottich⸗Raum zum Einmatſchen anſagen, 2/ Abgabeſatz. Aufhebung der Gewerbe⸗ Steuer. Brannt⸗ weinberei⸗ tung aus andern als mehligten Stoffen. Strafe der Einma⸗ ſchung in andern als den deklarir⸗ ten Gefaßen. Zeitpunkt der Aus⸗ fuhrung⸗ XX entrichten einen Silbergroſchen Vier Pfennige fuͤr 20 Quart Maiſchraum. 3. Die Gewerbeſteuer der Branntweinbrenner, wie ſie durch das Geſetz vom 30ſten Mai 1820 angeordnet iſt, wird ne⸗ ben der Steuer von der inlaͤndiſchen Branntweinbereitung ferner nicht erhoben.— 4. Fuͤr die Branntweinbereitung aus andern, als mehligten Subſtanzen, iſt ſtatt des Blaſenzinſes eine gleichmaͤßige Steuer von der zu verarbeitenden Subſtanz, nach deren Quaniitaͤt, feſtzuſetzen und zu erheben. Sie haben dieſer⸗ halb das Erforderliche zu verfuͤgen und zugleich Sorge zu tragen, daß da, wo ſolche Branntweinbereitung nur eine Nebennutzung des Wein⸗ und Obſtbaues iſt, eine aͤhnliche Erleichterung, wie unter Nro 2, eintrete. 5. Die Einmaiſchung oder Zubereitung von Maiſche, die dem Steuer Beamten gar nicht angeſagt, oder die an an⸗ dern Tagen, in andern Raͤumen, oder in andern Gefaͤ⸗ ßen, als den angeſagten, vorgenommen wird, ſoll an und fuͤr ſich mit einer Geldbuße von Hundert Thalern und der Konfiskation der gebrauchten Gefaͤße beſtraft werden, die geſetzliche Defraudationsſtrafe daneben aber nur als⸗ dann eintreten, wenn die Abſicht einer Verkuͤrzung der Steuer nachgewieſen wird⸗ Dieſe Beſtimmungen ſollen vom 1ſten Februar d. J. an in Kraft treten, weshalb Sie ſolche ungeſaͤumt bekannt zu machen baben. Nach Ablauf des Jahres haben Sie uͤber den Erfolg der gegenwaͤrtig angeordneten Maaßregeln und uͤber deren Beibehaltung oder Modifikation an Mich zu berichten und dann das Regulativ vom 1ſten Dezember 1820, als Ge⸗ ſetz abgefoßt, mit Aufnahme der nach vorſtehender Maaßgabe bleibenden Beſtimmungen, zu Meiner Vollziehung einzu⸗ reichen.— Anlage F. Regulativ vom 21. Auguſt 1825, zur Hebung und Kon⸗ trole der Steuer von der Branntwein⸗Fabrikatidn aus Obſt, Beeren, Wein und aus den Abfaͤllen davon. 8 In Gemaͤßbeit des Allerhoͤchſten Koͤniglichen Befehls vom 10. Januar 1824,§. 4, werden nachfolgende Vorſchriften ſuͤr ₰ die Hebung und Kontrole der Steuer von der Branntwein⸗ XXI Fabrikatlon aus Obſt, Beerenfruͤchten und Wein, und aus den Abfaͤllen davon, zur einſtweiligen allgemeinen Achtung, er⸗ theilt, mit dem Vorbehalte der in dem definitiven Getraͤnke⸗ Steuer Geſetz demnaͤchſt etwa fuͤr nothwendig erachteten Ab⸗ aͤnderungen. §. 1. Die Steuer wird zwar nach dem Maaßſtabe§. 2 des Geſetzes vom 8. Februar 1819, jedoch von der Menge des Stoffes erhoben, welcher zur Branntwein⸗Bereitung verwen⸗ det wird. Sie betraͤgt demnach: a. fuͤr einen Eimer eingeſtampfter Weintreber, Kern⸗ obſtes, oder auch Treber, von Kernobſt und Bee⸗ renfruchten aller Art, vier Silbergroſchen; b. fuͤr jeden Eimer Trauben⸗ oder Obſtweins, Wein⸗ hefen und Steinobſtes, acht Silbergroſchen. §. 2. Der Betrieb fuͤr den ganzen Kalendermonat muß im Voraus deklarirt werden, es mag den ganzen Monat hin⸗ durch ununterbrochen, oder nur in einem Theile deſſelben ge⸗ brannt werden wollen. Die Deklaration darf fuͤr einen Mo⸗ nat nur auf Stoffe von einem und demſelben Steuerſatze ge⸗ richtet ſein, auch darf in demſelben Monate nicht zugleich, oder abwechſelnd, aus Getreide oder Kartoffeln gebrannt werden; wer jedoch fuͤr den ganzen Betrieb die Steuer§. 1. Lit. b. entrichtet, iſt in der Wahl der nicht mehligten Stoffe und deren Abwechſelung keiner Beſchraͤnkung unterworfen*). *) Das Königliche Finanz⸗Miniſterium hat die Beſchränkung der De⸗ klaration gleichbeſteuerter Betriebsſtoffe in ein und demſelben Monat durch nachfolgende Beſtimmung erlautert †): Um in den Gegenden der Rheinprovinzen, wo Wein⸗ und Obſt⸗ bau getrieben wird, die Maiſchbrenner, welche ſelbſt gewonnene Wein⸗ Abgange und Obſtfrüchte für eigene Rechnung, oder Andern, die keine Brennerei⸗Gerathe haben, zugehörende Vorrathe der Art, in Auf⸗ trag und Lohn derſelben, verſchwellen wollen, nicht zur Verzichtlei⸗ ſtung darauf oder auf die Maiſchbrennerei während eines ganzen Monats, durch das Verbot des Uebergangs von einem verſchieden be⸗ ſteuerten Material auf das andere, mittelbar zu nöthigen, wird der §. 2 des Regulativs vom 21. Auguſt 1825 darin abgeandert, daß im Lauf eines Monats zweierlei verſchieden beſteuertes Material, alſo entweder Getreide oder Kartoffeln, gegen Maiſchbottichzins, und Wein und Weinhefe oder Steinobſt, gegen 8 Sgr. für den Eimer, oder Getreide, wie vorher, und Weintreſter, Kernobſt oder Treber von Kernobſt oder Beerenfrüchten, gegen 4 Sgr. für den Eimer, oder je zwei andere dieſer Gattungen, dergeſtalt nacheinander auf Branntwein verarbeitet werden darf, daß 1. fur jede verſchieden beſteuerte Subſtanz eine beſondere Dekla⸗ ration ausgeſtellt wird; 2. beide Deklarationen nicht durch einander laufen, ſondern die eine vom Anfang bis zu einem gewiſſen Tage im Monat, und die andere von da an bis zu deſſen Ende läauft; 3. beide Deklarationen drei Tage vor dem erſten Anfang des Be⸗ triebes im Monat gleich mit einander, oder auch nur eine, und erſt drei Tage, bevor der Vetrieb mit der anders beſteuer⸗ en Subſtanz beginnen ſoll, die andere übergeben werden ann; †) Cirkular⸗Reſcript vom 10. Junius 1827. 6083. Steuerſatz. Betriebszeit und Be⸗ triebsart im Allgemei⸗ nen. 1 Vetriebs⸗ Deklara⸗ tion. Brennzeit. XXII Wer in einem Jahr nicht mehr als 15 Eimer Stoffe der erſten, oder 7 Eimer der zweiten Art, zu Branntwein ver⸗ wenden kann, oder will, muß dieſen Vorrath innerhalb eines Kalendermonats abbrennen, auch darf uͤberhaupt wenigey fuͤr einen Monat nicht deklarirt werden. §. 3. Wegen der Betriebs⸗Deklarationen iſt§. 2 und 3 des Maiſchſteuer⸗Negulativs zu beobachten, nur daß ſie nach dem anliegenden Muſter abgefaßt ſein muͤſſen. Die Ausſtel⸗ lung geſchieht von dem Eigenthuͤmer, oder, wenn er die Bren⸗ nerei nicht ſelbſt betreibt, von ſeinem Paͤchter oder Verwal⸗ ter. Im Falle der Schreibunfaͤhigkeit muͤſſen ſie mit ſeinem von der Ortsbehoͤrde zu beſcheinigenden Handzeichen verſehen werden. Mangelhaft gefertigte Deklarationen giebt die Steuer⸗ hebeſtelle dem Ausſteller zur Vervollſtaͤndigung zuruͤck. Als Tag der Einreichung bei der Steuerſtelle kann auch in ſolchen Faͤllen nur derjenige Tag gerechnet werden, an welchem ſie von der Letztern angenommen wird. §. 4. In Anſehung der Brennzeit wird es zwar im All⸗ gemeinen eben ſo gehalten, wie nach§. 6 des Maiſchſteuer⸗ Regulativs. Wenn die Anzahl der deklarirten Blaſenfuͤllun⸗ gen, welche nicht unter zwei an einem Tage ſein darf, jedoch der Produktionsfaͤhigkeit der Blaſe, innerhalb der 14ſtuͤndigen Brennzeit nicht entſpricht, ſo muß die Dauer der Brennzeit auf das wirkllche Beduͤrfniß vermindert, und das Ende der⸗ ſelben in der Deklaration angegeben werden. Zur Beurtheilung der Produktions⸗Faͤbigkeit der Blaſen werden folgende erfahrungsmaͤßige Grundſaͤtze angenommen: a) daß jede Fuͤllung der Blaſe fuͤr einen Abtrieb min⸗ deſtens— 1. an geſtampften Weintrebern oder an geſtampf⸗ tem Kernobſt und geſtampften Trebern von Kernobſt zwei Drittheile, 2. an gepreßter Weinhefe ein Drittheil, 3. an fluͤſſiger Weinhefe ein balb, und 4. an Steinobſt, oder Beeren, oder Wein drei Viertheile des vollen Rauminhalts der Blaſen fordert;— b) daß zu einer Blaſe 1. auf Weinhefen ſechs Stunden, 4. daß der Betrieb auf eine anders beſteuerte Subſtanz nicht eher beginnen darf, als bis der zum Verbrauch zuerſt dekla⸗ rirte Vorrath von anderm Material vollſtändig zum Abtrieb gelangt iſt. Wer alſo auf Getreide oder Kartoffeln und nicht mehligte Subſtanzen, nacheinander im Laufe eines Monats deklarirt, darf den Betrieb auf letztere nicht eher beginnen, bis die Maiſche oder das Brennſchrot vollſtandig aufgearbei⸗ tet iſt; auch darf während der Dauer des letztern Vetriebes weder Brennſchrot, noch Getreide⸗ oder Kartoffelmatſche bei ihm vorgefunden werden;„ 5. daß der Breuner für jede Subſtanz, in Anſehung der Dekla⸗ ration und des Betriebes, den eigenthumlichen Steuer, und Kontrole⸗Vorſchriften nachkömmt. XXIII 2. auf die uͤbrigen§. 1 genannten Stoffe vier Stunden, 3. auf Lutter ſechs Stunden hoͤchſtens bei ganz ſchlechter Einrichtung der Deſtil⸗ lir⸗Geraͤthe noͤthig ſind, und daß: ) ſechs Deſtillationen auf geſtampfte Weintrebern oder Kernobſt, oder Abfaͤlle von Kernobſt, ſo wie -d) fuͤnf Deſtillationen auf jeden andern der,§. 1 ge⸗ nannten Stoffe, wenigſtens ſo viel Lutter liefern, als erforderlich iſt zu einer Fuͤllung derſelben Blaſe. Eine ſtaͤrkere Blaſenfuͤllung, weniger Zeit fuͤr jeden Abtrieb, und mehr Abtriebe zum Gewinn eines Lutter⸗Aufguſſes ſind zulaͤßig; entgegen ge— ſetzte Ausnahmen jedoch nur mit Bewilligung des Haupt⸗Amtes. §. 5. Außer der Betriebs⸗Deklaration und gleichzeitig mit derſelben uͤbengiebt der Brennerei⸗Inhaber an die Steuer⸗ hebeſtelle ein, nach dem ferner beiliegenden Muſter zu ferti⸗ gendes Verzeichniß ſeiner uͤbrigen, in die Betriebs⸗Deklaratio⸗ nen nicht aufgenommenen Vorraͤthe an Material der, im§. 1 bezeichneten Gattung, mit Angabe der Art und Menge in je⸗ dem Gefaͤße, und des Aufbewahrungsortes, in doppelter Aus⸗ fertigung. §. 6. Die Reviſion der Vorraͤthe an Material geſchieht von den Steuerbeamten in nachfolgender Art: Es werden da⸗ bei alle, dergleichen Vorraͤthe enthaltende Gefaͤße fuͤr voll an⸗ genommen; bei eingeſtampften Weintreſtern, Kernobſt und Treſtern von demſelben, fuͤr die obere unbrauchbare Schicht, jedoch 10 Prozent von dem Inhalte des Gefaͤßes in Abzug gebracht. Der Inhalt des Gefaͤßes wird, wenn es geaicht iſt, nach dem Aichzeichen, ſonſt aber nach der Vermeſſung durch die Steuerbeamten, oder, wenn ſie ſchon einmal von ihnen ver⸗ meſſen ſind, nach dem daran angebrachten Steuerzeichen, ſo lange ſolches als unverfaͤlſcht erkannt wird, beſtimmt. Jedes, wie angegeben, revidirte Gefaͤß verſieht der Steuerbeamte mit einer, dem Verderben durch Feuchtigkeit nicht leicht ausgeſetz⸗ ten Marke, am beſten von Holz, auf welcher Name und Wohnort des Deklaranten, die Nummer des Gefaͤßes und deſſen Rauminhalt bemerkt iſt. In den obern Nand des Ge⸗ faͤßes muß ein Loch gebohrt ſein; durch dieſes Loch wird ein Bindfaden gezogen, und deſſen beide Enden werden mit dem Siegel des Steuerbeamten in Lack, oder auf andere angemeſ⸗ ſene Weiſe, auf jene Marke verſiegelt. Der Brennerei⸗Inhaber beſorgt Vorrichtung und Material zu dieſer Bezeichnung. Das in der Betriebs⸗Deklaration angegebene Material außerbalb der Brennerei muß beim Abgeben der Deklaration wenigſtens an dem Ort der Brennerei befindlich ſein. 3 Der Reviſions⸗Befund wird von dem Steuerbeamten in der Betriebs⸗Deklaration unter ſeiner Unterſchrift bemerkt. Ergiebt ſolcher fuͤr die, auf die Betriebszeit des Kalendermo⸗ Beſondere Material⸗ Vorraths⸗ Verzeich⸗ niſſe. Reviſton der Material⸗ Vorräaärhe. a. im Allge⸗ meinen. b. nach der Vetriebs⸗ Deklara⸗ tion. V 3 XXIV nats erklaͤrte Geſammt⸗Material⸗Menge einen Mebrvorrath von und uͤber ein Zehntheil, und beſtaͤtigt ſich dieſes Ergebniß bei einer Nachmeſſung, ſo wird gegen den Deklaranten ein Strafverfahren eingeleitet. Geringerer Mehrbefund hat, wie c. nach den Material⸗ Vorraths⸗ Verzeich⸗ niſſen. Verhalten wegen der Material⸗ Vorräthe. Verfahren wenn Mate⸗ rial verdor⸗ ben iſt. Verfahren bei Unter⸗ brechung des Blaſen⸗ ganges. Minderbefund, nur Berichtigung der Betriebs⸗Deklaration zur Folge. Die Steuerzeichen an den Gefaͤßen muͤſſen wenigſtens, bis der Inhalt derſelben ganz abgebrannt iſt, unverletzt erhal⸗ ten werden.— Das nach§. 5 abzugebende Verzeichniß derjenigen Ma⸗ terial⸗Vorraͤthe, welche fuͤr die Betriebsfriſt nicht zur Ver⸗ wendung kommen, wird von dem revidirenden Beamten nach ſeinem Befunde beſcheinigt, in einem Exemplare bei der Steu⸗ erbebeſtelle zuruͤckbehalten, im zweiten Exemplar aber dem Brennerei⸗Inhaber zuruͤck gegeben, der ſolches aufbewahrt und bei Aufſtellung ſeiner ferneren Betriebs⸗Deklarationen be⸗ nutzt. §. 7. Waͤhrend der Betriebszeit, und ſo lange die Bren⸗ nerei nicht unter Siegel gelegt worden iſt, darf weder in der Brennerei, noch in den uͤbrigen Raͤumen des Brennerei⸗Inha⸗ bers, anderer, als der deklarirte Vorrath von den,§. 1 bezeich⸗ neten Stoffen, ſich vorfinden. Werden neue Vorraͤthe waͤh⸗ rend dieſer Zeit angeſchafft, ſo muͤſſen ſolche der Steuerbehoͤrde angemeldet und unter gehoͤriger Reviſion in dem Verzeichniß §. 5 in Zugang gebracht werden. Eben ſo muß jede andere Verwendung des in dieſen Verzeichniſſen enthaltenen Mate⸗ rials, als unter gehoͤriger Deklaration zum Branntweinbren⸗ nen, der Steuerbehoͤrde angezeigt und nachgewieſen werden; es muͤßte denn auf ferneren Brennereibetrieb bis zum naͤch⸗ ſten Septembermonat ganz verzichtet werden, in welchem Falle die Material-Kontrole, von der Verzichtung ab, bis dahin aufboͤrt. §. 8. Material, welches bei der Reviſion verdorben und untauglich zur Verwendung anf Branntwein gefunden werden moͤchte, iſt von dem revidirenden Steuerbeamten, wenn es mehr, als die oben nach§. 6 zu verguͤtende Schicht begreift, entweder mit Zuſtimmung des Brennerei-Inhabers aus dem Aufbewahrungsgefaͤß ſogleich auszuſondern, und von der Vor⸗ rathserklaͤrung§. 3 oder 5 abzuſetzen, oder aber, wenn der Brennerei⸗Inhaber dieſes nicht will, oder nicht zugegen iſt, das ganze Gefaͤß, worin ſich dieſes verdorbene Material be⸗ findet, aus der Vorrathserklaͤrung auszuſcheiden. Außerdem kann auf angebliches Verdorbenſeyn von Material keine Ruͤck⸗ ſicht genommen werden. §. 9. Wird durch Unfall an Deſtillir⸗Geraͤthen eine Un⸗ terbrechung des Blaſenganges unvermeidlich, und will der Brennerei⸗Inhaber ſolchen ſich zu gut gerechnet wiſſen, ſo muß er von der Unterbrechung und deren Anlaß ſogleich, wenn ſie eintritt, den Steuerbeamten des Orts unterrichten, oder aber, wenn kein Steuerbeamter am Orte ſich befindet, durch zwei ihm nicht verwandte und nicht in ſeinen Dienſten ſtehende, auch ſonſt unverwerfliche Zeugen Kenntniß nehmen laſſen, und deren Beſcheinigung daruͤber und uͤber die Zeit, zu wel⸗ — —————————½ 12 XXV cher ſie von der Unterbrechung Einſicht genommen haben, un⸗ verzuͤglich, ſammt einem dazu von der Steuerbehoͤrde ein fuͤr allemal beſtimmten Theile des Deſtillir-Geraͤthes, an die Steuerhebeſtelle ſenden. Die Betriebs⸗Deklaration tritt damit außer Kraft, und es muß fuͤr den Wiederanfang des Betriebes eine neue De⸗ klaration abgegeben werden. .S. 10. Wenn der Betrieb nur fuͤr die Tageszeit erklaͤrt iſt, ſo muß nach Ablauf der Stunde, mit welcher der Blaſen⸗ gang, gemäß der Betriebs⸗Deklaration, jeden Tag ſchließen ſoll, ein von der Steuerbehoͤrde zu beſtimmendes Stuͤck des Deſtillir⸗Geraͤthes entweder an die Steuerbebeſtelle, wenn dieſe nicht mehr als eine viertel Meile vom Brennereiorte entfernt iſt, oder an eine von der Steuerbehoͤrde dafuͤr gut geheißene Perſon des Ortes abgegeben werden. Eine dazu willfaͤbrige Perſon zu ſuchen, iſt Sache des Brennerei⸗Inhabers; ſie fuͤr den Zweck anzuerkennen, oder nicht, haͤngt von der Steuerbehoͤrde ab. Findet ſich keine ſolche, beiden Theilen genehme Perſon im Orte, oder in der naͤchſten Umgebung, ſo kann entweder mit Genehmigung des Hauptamtes geſtattet werden, das aus der Brennerei zu ent⸗ fernende Stuͤck des Deſtillir-Geraͤthes außerhalb der Bren⸗ nerei an einen andern Ort, im Gehoͤfte des Brennerei⸗Inha⸗ bers niederlegen zu laſſen, oder es muß Abſendung an die Steuerhebeſtelle eintreten. Was hierunter geſcheben ſoll, be⸗ merkt die Steuerhebeſtelle in der Betriebs⸗Deklaration. Das ſo an eine Perſon im Orte abgelieferte, oder bei dem Bren⸗ nerei Inhaber niedergelegte Stuͤck des Deſtillir⸗Geraͤthes darf von dem Orke der Aufbewahrung vor Anfang der Betriebs⸗ zeit des folgenden Tages nicht entfernt werden. Iſt jedoch der Aufbewahrungsort von der Brennerei entlegen, ſo wird auf die Zeit des Transportes von dort zur Brennerei fuͤr jede viertel Meile Entfernung eine balbe Stunde gut gethan; und das Geraͤth kann um ſo viel fruͤher abgeholt werden, wie es duch um ſo viel ſpaͤter bei der Ablieferung am Aufbewah⸗ rungsorte eintreffen darf. Sobald aber die Brennerei, gleichviel ob ſie nur fuͤr die Tageszeit, oder auch des Nachts im Gange geweſen iſt, auf eine Woche oder laͤnger ganz außer Betrieb kommen ſoll, muͤſſen die von der Steuerbehoͤrde beſtimmten Stuͤcke des Deſtillir⸗ Geraͤthes von dem Brennerei⸗Inhaber, gleich nach dem letzten aus der Betriebs⸗Deklaration zulaͤßigen Blaſengange, an die Steuerhebeſtelle geſendet werden, welche letztere dieſe Stuͤcke ſogleich unter gehoͤrig ſicherndes Siegel legt, und ſo außer Gebrauch geſetzt, dem Brennerei⸗Inhaber zur Aufbewahrung zuruck giebt, deſſen uͤbrige Geraͤthe dann, ſo weit noͤthig, von dem revidirenden Beamten in der Brennerei ebenfalls außer Gebrauch geſetzt werden. §. 11. Die Steuerberechnung fur den Monat geſchieht nur auf Thaler und Silbergroſchen, mit Weglaſſung deſſen, was unter einem Silbergroſchen iſt. Wegen der Steuerent⸗ Außer⸗ gebrauch⸗ ſetzung des Deſtillir⸗ Geräthes a. für die Zeit der Ruhe außer den täglichen Betriebs⸗ ſtunden. b. für län⸗ geres Still⸗ ſtehen des Betriebes. Steuerbe⸗ rechnung und Erhebung. XXVI richtung gilt daſſelbe wie bei der Maiſchſteuer nach§. 7 des Regulativs fuͤr dieſe. Fixgtion§. 12. Fuͤr Brennereibetrieb, der ununterbrochen wenig⸗ ſtens ſieben Tage fortgehen ſoll, kann auch, und zwar auf dieſe oder laͤngere Zeit innerhalb jeden Kglendermonats, Fixa⸗ tion der Steuer eintreten. Dieſe wird dann berechnet nach Maaßgabe der zu verwendenden Material⸗Gattung und der⸗ jenigen Menge dieſes Matertals, welche waͤhrend der erklaͤrten Betriebszeit ohne Unterbrechung mit den zum Gebrauch be⸗ ſtimmten Deſtillir-Gerathen nach ihrer Betriebsfaͤhigkeit§. A in Branntwein umgewandelt werden kann. Bei dieſer Be⸗ rechnung fuͤr fortgeſetzten Betrieb auf Steuer⸗Fixatlon ſind in Nuͤckſicht auf Ruhe, Reinigung und naͤchtliche Stoͤrung und Erſchwerungen des moͤglichſt ſchnellen Ganges a) auf jede volle Woche nur 6mal 21 Betriebsſtunden; b) auf jeden vollen Kalendermonat nur 24mal 21 Be⸗ triebsſtunden, und c) fuͤr jeden Tag uͤber eine volle Woche nur 21 Be⸗ triebsſtunden, alſo beiſpielsweiſe fuͤr eine volle Wo⸗ che und 3 Tage, oder überhaupt fuͤr 10 Tage nur 9mal 21 Betriebsſtunden in Anſchlag zu bringen. Es wird von dem Hauptamte des Bezirkes mit dem Brennerei⸗Inhaber, der darauf einzugehen wuͤnſcht, ein Fixa⸗ tions⸗Vertrag abgeſchloſſen, auf die Bedingung 1) der, vicht zu uͤberſchreitenden Dauer des Brennereibe⸗ triebes; 2) waͤhrend dieſer Betriebszeit a) keine anderen Deſtillir⸗Geraͤthe zu benutzen, als die dazu namentlich beſtimmten; b) dieſe Geraͤthe auf keine Weiſe in ihrer Beſchaffen⸗ heit und Einrichtung zu veraͤndern; c) keine andere, als die dazu erklaͤrte Material⸗Gat⸗ tung von einerlei Steuerſatz zu verwenden; d) der Steuerentrichtung am Monatsſchluſſe des Be⸗ triebes nach dem Satze jener Gattung fuͤr diejenige Material⸗Menge, welche den obigen Grundſaͤtzen gemaͤß fuͤr die vorbeſtimmte Betriebszeit, mit den dafuͤr erklaͤrten Geraͤthen, als erforderlich ſich be⸗ rechnet. Die Steuer⸗Kontrole beſchraͤnkt ſich alsdann allein dar⸗ auf, die Geraͤthe nur waͤhrend der Betriebszeit außer Ver⸗ ſchluß zu laſſen, und dahin zu ſehen, daß keine hoͤher be⸗ ſteuerten Material⸗Gattungen zur Verwendung auf Brannt⸗ wein kommen. Die oben vorgeſchriebene Material⸗Kontrole ruht fuͤr ſo fixirte Brennereien, und ſie ſind nicht gehalten, beſondere Be⸗ triebs⸗Deklarationen abzugeben, oder ihre Material⸗Beſtaͤnde nachzuweiſen.. Anwendung§. 13. Auf die im gegenwaͤrtigen Regulativ behandelte der Steuos⸗ Steuer bleiben in voller Anwendung die§§. 6, 8, 14, 15, 16, gebung 47, des Geſetzes vom 8. Februar 1819, und die§§. 16, 17, XXVII 18, 19, 20, 21, 36, 57, 58, 59, 60, 61, 62, 63, 64, 65, 66, vohnos Fe auf dieſes 67, 68, 70, 73 und 83 bis 97 der Steuexordnung von dem⸗ ſelben Tage. Es kommen ferner in Anwendung die§§. 14 und 15 der Ordnung nach Maaßgabe der 6§. 9 und 12 des gegenwaͤrti⸗ gen Regulativs. Was im§. 72 der Ordnung von den Steuerbuͤchern ge⸗ ſagt iſt, gilt von den Betriebs⸗Deklarationen und Material⸗ Vorrathsangaben dieſes Regulativs. Die Reviſions⸗Befugniß der Steuerbeamten,§§. 49 bis 51 und 53 bis 55 der Ordnung, erſtreckt ſich auch auf die Naͤume und Gefaͤße, in welchen das ſteuerpflichtige Brannt⸗ wein⸗Material dieſes Regulativs, oder wo Theile des Deſtil⸗ lir⸗Geraͤthes zur Außergebrauchſetzung aufbewahrt werden. In den Faͤllen§§. 67 und 68 der Ordnung wird die ver⸗ kuͤrzte Steuer und deren Mehrfaches als Strafe von derjeni⸗ gen Materialmenge berechnet, welche ſeit dem letzten Ver⸗ ſchluſſe des gemißbrauchten Deſtillir⸗Geraͤthes bis zur Zeit der Entdeckung auf dieſem Geraͤth hat zu Branntwein verwandelt werden koͤnnen. Die Vorſchrift§. 69 der Ordnung tritt nicht minder in Kraft auch fuͤr den Verſchluß oder die Bezeichnung der Ma⸗ terial⸗Gefaͤße§. 6 des gegenwaͤrtigen Regulativs. Eben ſo findet der§. 90 der Ordnung auch volle An⸗ wendung auf Uebertretung aller in dieſem Negulativ gegebenen Vorſcheiften, welche nicht ſchon anderweit in den Geſetzen ver⸗ oͤnt iſt. 3§. 14. Da das Material, von deſſen Beſteuerung zur Branntweinbereitung das gegenwaͤrtige Regulativ ſpricht, eben ſo wie die Getreide⸗ oder Kartoffelmaiſche, von welcher das Regulativ vom 1. Dezember 1820 und die Koͤnigliche Aller⸗ hoͤchſte Beſtimmung vom 10. Januar 1824 handeln, der ei⸗ gentliche Gegenſtand der Beſteuerung, und unangemeldeter Vorrath von jenem Matertal der unangemeldeten oder der Deklaration zuwider laufenden Maiſchzubercitung gleich zu be⸗ handeln iſt, ſo findet auch auf ſolchen unangezeigten Vorrath der§. 11 des Regulativs vom 1. Dezember 1820 und der§. 5 des Allerhoͤchſten Befehls vom 10. Januar 1824 Anwendung. Das Vorhandenſein von ſolchem Material in der Bren⸗ nerei, oder in den uͤbrigen Raͤumen des Brennerei⸗Inhabers, oder das Vorhandenſein von ſolchen, dem Brennerei⸗Inhaber erweislich zugehoͤrigen und in den Naͤumen anderer Perſonen in ſeinem Wohnorte ſich vorfindenden Material, es befinde fich daſſelbe wo es wolle, verwirkt daher gegen den Brennerei⸗ Inhaber, wenn ſolcher Material⸗Vorrath und deſſen Aufbe⸗ wahrung an dem Orte, wo daſſelbe gefunden wird, nicht durch die Betriebs⸗Deklaration§. 3, oder durch das beſondere Vorrathsverzeichniß§. 5 gerechtfertigt iſt, eine beſondere Strafe von Ein Hundert Thalern, welche ganz dem Entdecker zu Theil wird, und neben der die Strafe der Steuerverkuͤrzung eintritt, wenn nicht ganz offenbar zu Tage liegt, daß keine Steuerumgehung beabſichtiget worden. Re An ggulativ. wendung des Regu⸗ lativs vom 1. Dezember 1820, und der Allerhöch⸗ ſten Beſtim⸗ mu 40. n8 vom anuar 1824. 4 Behandlung 2 des Brenne⸗ rei⸗Betrie⸗ bes aus Ge⸗ treide und Kartoffeln. Aufbewah⸗ rungsort der geſchro⸗ teten Mali⸗ beſtände. Deklaration des Bier⸗ zuges. Vermi⸗ ſchung des Malzſchro⸗ tes zum Bierzuge. XXVIII §. 15. Brennereien, welche außer den§. 1 genann⸗ ten Stoffen auch Getreide, Kartoffeln ꝛc. auf Branntwein verarbeiten, ſind in dieſer Hinſicht ganz nach den fuͤr die Branntweinbereitung aus ſolchen Materialien beſtehenden Vor⸗ ſchriften zu behandeln. 4 Anlage F. Allerhoͤchſte Kabinets-Ordre wegen Beſteuerung der Bierbrauereien, vom 10. Januar 1824. Die Mangelhaftigkeit der durch das Geſetz vom 8. Februar 1819 angeordneten Kontrole fuͤr die Brauſteuer, und die dar⸗ aus entſtehende Ungleichfoͤrmigkeit der Beſteuerung zum Nach⸗ theil der gewiſſenhafteren Gewerbtreibenden, veranlaſſen Mich, auf den Antrag des Staatsminiſterii, Folgendes zu beſtimmen: 1. Jeder Brauer iſt verbunden, ſeinen Vorrath an Malz⸗ ſchrot nur an einem gewiſſen, ein fuͤr allemal zu beſtim⸗ menden Ort, welcher zu jeder Zeit der Reviſion der Steuerbeamten unterliegt, aufzubewahren. Alles Malz⸗ ſchrot, welches ſich ſowohl an dieſem Orte, als ander⸗ waͤrts bei dem Brauer uͤber das zur Einmaiſchung, laͤng⸗ ſtens fuͤr den folgenden Tag, deklarirte und verſteuerte Quantum vorfindet, ſoll, ohne Ruͤckſicht auf die angeb⸗ liche Beſtimmung, als Gegenſtand einer beabſichtigten Defraudation angeſehen und die Aufbewahrung an ei⸗ nem andern als dem dazu deklarirten Ort, abgeſehen von der Defraudationsſtrafe, mit einer Ordnungsſtrafe von Einem Thaler fuͤr den Zentner geahndet werden. 2. Die Deklaration des Brauers, Behufs der Verſteuerung, ſoll ſich auch darauf erſtrecken, wieviel Bier er aus dem angegebenen und zu verſteuernden Malzſchrot ziehen will. Abweichungen von dieſer Angabe, welche 10 Prozent uͤberſteigen, ſollen eben ſo, wie Abweſchungen von der an⸗ gemeldeten Zeit der Einmaiſchung, beſtraft werden⸗ 3. Beim gemeinſchaftlichen Betriebe der Brauerei und Brennerei darf zu letzterer reines Malzſchrot nicht ver⸗ wendet werden. Ein Gemenge von Schrot aus gemalztem und ungemalztem Getreide iſt zulaͤſſig, die Miſchung muß jedoch vor dem Schroten auf der Muͤhle in den Koͤrnern geſchehen. Wird neben der Brauerei Branntwein aus Kartoffeln gebrannt, ſo ſoll zwar der Gebrauch von rei nem Malzſchrot zu letzterem Behuf geſtattet werden, das hierzu ſowohl, als zur Brauerei zu verwendende, muß jedoch beſonders deklarirt und aufbewahrt werden, und ſind auch die Raͤume fuͤr jenes unter Aufſicht und Kon⸗ trole der Steuerbeamten zu ſetzen. —-— XXIX Anlage G. Strak⸗Tabelle. Erklaͤrung der Abkuͤrzungen. Z. O. Zoll⸗Ordnung vom 26. Mai 1818. St. O. Steuer⸗Ordnung vom 8. Februar 1819.(Anlage A.) G. v. 30. Mai 20. Geſetz vom 30. Mai 1820, wegen Entrichtung der Gewerbeſteuer. G. v. 30. Mai 20. Geſetz vom 30, Mai 1820, wegen Entrichtung der Mahl⸗ und Schlachtſteuer. M. R. v. 1. Dezember 1820. Miniſterial⸗Regulativ vom 1. Dezember 1820, wegen Beſteuerung des inlaͤndiſchen Branntweins.(Anlage B.) A. K. O. v. 10. Januar 1824. Allerhoͤchſte Kabinets⸗Ordre vom 10. Januar 1824, wegen Beſteuerung des inlaͤndiſchen Branntweins. (Anlage D.) A. K. O. v. 10. Januar 1824. Allerhoͤchſte Kabinets⸗Ordre vom 10. Januar 1824, wegen Beſteuerung der Bierbrauereien.(Anlage F.) M. R. v. 21. Aug. 1825. Miniſterial⸗Regulativ vom 21. Auguſt 1825, zur Hebung und Kontrole der Steuer von der Branntwein⸗Fa⸗ brikation aus Obſt, Beeren, Wein und aus den Abfaͤllen davon. (Anlage E.) A. K. O. v. 19. Nov. 1824. Allerhoͤchſte Kabinets⸗Ordre vom 19 No⸗ vember 1824, wegen der Erhebungsrolle der Abgaben und wegen Ergaͤnzung der Zoll⸗Ordnung. Allg. L. R. Allgemeines Landrecht. —— — —— Abbrennen deklarirter Maiſche, fruͤheres od. ſpaͤteres, als an den deklarirten oder erlaubten Stun⸗ den oder Tagen. Abbrennen der Maſſchbottige, außer der deklarirten Reihe⸗ folge. Ablieferung der Helme, ver⸗ ſpaͤtete, von Deſtillir⸗Anſtalten und Liqueurfabriken unter 24 Stunden. Ablieferung der Helme ꝛe. ꝛc. bei laͤngerm Verzuge, als 24 Stunden. Ablieferung der Helme, ver⸗ ſpaͤtete, von Brennereien, die auf nicht mehligte Subſtanzen arbeiten, ohne Verdacht der Gefaͤlle⸗Verkuͤrzung. Abkuͤblen der Maiſche mit an⸗ derweit beſteuerten Fluͤſſigkei⸗ ten, als Wein, Zuckerwaſſer, Molken ꝛc. ꝛc. Abſchoͤpfen, Auffangen der gaͤhrenden Maiſche in nicht de⸗ klarirte Gefaͤße. Ab⸗ oder Anſchreibung, unterlaſſene, der Fabrikation und des Debits im Konto⸗ oder Lagerbuch. Anmeldung, unterlaſſene, beim Eintreffen eines bezet⸗ telten Transports im Grenz⸗ bezirk, wie Ab⸗ oder Anſchrei⸗ bung ꝛc. ꝛc. Anmeldung, unterlaſſene, uͤber Deſtillir⸗ und Brenngeräthe, welche ohne Benutzung ſich im Beſitz von Privatperſonen be⸗ finden.. Anmeldung, unterlaſſene, uͤber den Beſitz von Deſtillir⸗ und Brenngeraͤthen und Gefaͤßen bei Gewerbtreibenden. 3 Anmeldung, unterlaſſene, uͤber Braugeraͤthe und Gefaͤße, im Beſitz von Privatperſonen. Anmeldung, unterlaſſene, uͤber Braugeraͤthe und Gefaͤße im Beſitz von Brauern. XXX M. R. v. 1. Dez. 2 Thaler Geldſtrafe. 4820.§. 11. St. O. S§. 78. M. R. v. 1. Dez. 2 Thaler Geldſtrafe. 1820.§. 11. St. O.§. 78. St. O.§. 25. Nachzahlung des 24 ſtuͤndigen Blaſen⸗ zinſes. St. O.§. 25. Erlegung des dop⸗ pelten Blaſenzin⸗ 8 ſes. M. R. v. 21. Aug. 1 bis 10 Thaler Geld⸗ 1825. ſtrafe. St. O.§. 90. St. O.§. 60. 61. Defraudationsſtrafe der darauf haf⸗ tenden, umgange⸗ nen Steuer. A. K. v. 10. Jan. Konfiskation der Ge⸗ 1824.§. 5. raͤthe und 100 St. O.§. 66. Pbale Geldſtra⸗ e. A. K. O. v. 19. Nov. 1 bis 10 Thaler Geld⸗ 1824. ſtrafe. Z. O. S§. 124 St. O.§. 66. Konfiskation der Ge⸗ raͤthe. St. O.§. 66. Konfiskation der Ge⸗ raͤthe und 25 bis 100 Thaler Geld⸗ 8 ſtrafe. St. O.§. 74. Konfiskation der Ge⸗ raͤthe. St. O.§. 74. Konfiskation der Ge⸗ raͤthe, und 25 bis 100 Thaler Geld⸗ ſtrafe. XXXI Aufbewahrung, unſichere oder unreinliche der Betriebsplaͤne, Ftxationsvertraͤge, Deklaratio⸗ nen, Verſteuerungsbuͤcher, ſo wie deren unterlaſſene Bereithal⸗ tung bei der Reviſion. Aufbewahrung, unterlaſſene dieſer amtlichen Papiere, Ab⸗ haͤndenkommen, oder Verlieren derſelben. Aufbewahrung, unterlaſſene der uͤbrigen ſteueramtlichen Be⸗ zettelungen, Vermeſſungs⸗Ver⸗ handlungen, Grundriſſe, An⸗ meldungs⸗Beſcheinigungen, ꝛc.ꝛc. Aufſatzkraͤnze, Aufſatzhoͤlzer, Benutzung derſelben zum Auf⸗ halten der uͤbergaͤhrenden Mai⸗ ſche, Benutzung, eigenmäͤchtige von Deſtillirgeraͤthen, welche unter Verſchluß liegen. Benutzung, eigenmaͤchtige von Brennblaſen, und Maiſchbot⸗ tichen, welche unter Verſchluß liegen. Benutzung von Blaſen, welche zu einem andern Zweck frei gegeben ſind, zu ſteuerpflichti⸗ ger Deſtillation⸗ Benutzung, unangemeldete von Kuͤhlrinnen, Kuͤhlraͤdern, Kuͤhl⸗ ſchaufeln, Maiſchkuͤhlern oder andern Vorrichtungen zum Ab⸗ kuͤhlen der Maiſche. Beſtechung der Steuerbeamten, durch Geſchenke, Entgeld, Sa⸗ chen oder Dienſtleiſtungen, Bereitung von Bier, ſtatt des zur Fabrikation deklarirten Eſ⸗ ſigs, oder umgekehrt. Betriebsanſtalt, verweigertes oder unterlaſſenes Oeffnen der⸗ ſelben bei der Reviſion. St. O.§. 72, St. O.§. 72, St. O.§. 90, A. K. O. v. 10. Jan, 1324.§. 5. St. O.§§. 61 6 7. M. R. v. 1. Dez. 1820.§. 11, St. O.§. 67. St. O.§. 68. St. O.§. 90. St. O.§. 88, St. O.§. 90, St. O.§. 89, 1 bis 5 Thaler Geld⸗ ſtrafe. 2 bis 30 Thlr. Geld⸗ ſtrafe, 1 bis 10 Thlr. Geld⸗ ſtrafe. Konfiskation der Ge⸗ faͤße, und 100 Thlr. Geldſtrafe. Defraudationsſtrafe. Defraudations, und 100 Thaler Geld⸗ ſtrafe. Defraudationsſtrafe, und Verluſt der ſteuerfreien Benu⸗ tzung. 1 bis 10 Thaler, Verluſt des Geſchen⸗ kes oder Ange⸗ botes, Erlegung des vier und zwan⸗ zigfachen Betra⸗ ges. Als Mini mum 10 Thaler Geldſtrafe. 1 bis 10 Thlr. Geld⸗ ſtrafe. 10 bis 50 Thlr. Geld⸗ buße oder verhaͤlt⸗ nißmaͤßige Gefaͤng⸗ nißſtrafe. 1 XXXII Betrieb der Brennerei, begon⸗ St. O.§§. 72 90. nener, ohne im Beſitz der ſteuer⸗ amtlich feſtgeſtellten Deklara⸗ tion zu ſein. Betriebszeit, Ueberſchreitung der geſetzlichen oder erlaubten, ohne Verdacht der Gefälle⸗ Verkuͤrzung. Betriebsfriſt, Ueberſchreitung der dekiarirten in Deſtillir⸗ Anſtalten. Bezeichnung der Brenngeraͤthe, unterlaſfene. 7 Bezeichnung der Brenngeraͤthe, verwiſchte oder zerſtoͤrte. Betriehsdeklarationen, Fixationsvertraͤge, Verſteue⸗ rungsbuͤcher, unrichtige Eintra⸗ gung, Verlieren derſelben. Beſchmutzen, Beſchaͤdigen, Nichtbereithalten, Aufbewahren derſelben an andern als an den vorgeſchriebenen Orten. Bierzug unter oder uͤber 10 Prozent der deklarirten Menge. Blaſen und Deſtillirgeraͤthe in Gewerbeanſtalten, unterlaſſene Anmeldnng derſelben. Blaſenbetrieb, ſteuerfreier, oh⸗ ne Anmeldung oder Erlaubniß unternommen⸗ Blaſenbetrieb, ſteuerpflichti⸗ ger, unangemeldeter. Blaſenbetrieb, Abbrennen von Maiſche ſtatt Lutter, oder um⸗ gekehrt. Blaſenbetrieb, in Brenne⸗ reien auf nicht mehligte Sub⸗ ſtanzen, abweichend von der Deklaration. Blaſen, Benutzung derſelben, zu andern als dem deklarirten oder erlaubten Zweck. Brauerei⸗Betrieb ohne alle Befugniß. M. R. 1820. St. O. St. O. St. O. St. O. St. O. St. O. A. K. O 1824. St. O. St. O. St. O. St. O. St. O. M. R. v. 21. Aug. 1825. St. O. St. O. St. O. 1 bis 10 Thlr. Geld⸗ ſtrafe. v. 1. Dez. 2 Thlr. Geldſtrafe. §⸗ 11. 3 §. 78.. §. 61. Defraudationsſtrafe. §. 66. Konfiskation der Ge⸗ raͤthe 25 bis 100 Thaler Geldſtrafe. §. 66. Konfiskation der Ge⸗ raͤthe, 25 bis 100 Thaler Geldſtrafe. §. 72. 2 bis 80 Thlr. Geld⸗ ſtrafe. §. 72. 1 bis 5 Thlr. Geld⸗ ſtrafe. . 9,o. Jan. 2 Thaler Geldſtrafe. §. 78. §. 66. Konfiskation der Ge⸗ raͤthe, 25 bis 100 Thaler Geldſtrafe. §. 90. 1 bis 10 Thaler. §. 61. 67. Defraudationsſtrafe. §. 90. 1 bis 10 Thlr. 1 bis 10. 21,2 Thlr §. 90. §. 68. Defraudationsſtrafe. §. 65. Defraudationsſtrafe, Konfiskation der Geraͤthe. XXXIII Braumalz, Vorfinden deſſel⸗ ben am deklarirten Orte, in groͤßerer Quantitaͤt, als erklaͤrt und verſteuert iſt. Braumalz, ben an nicht deklarirten Orten außer der Betriebszeit. Braumalz, deſſen Vorfinden eben da, waͤhrend der Betriebs⸗ zeit. Braumalz, Vorfinden des verſteuerten an nicht dekla⸗ rirten Orten oder Raͤumen. Braubottiche oder Braupfan⸗ nen, ſteuerpflichtige Benutzung der nicht deklarirten. Braugeraͤtbhe, undeklarirte, ſo lange ſie nicht im Betrieb ge⸗ weſen ſind, in Gewerban⸗ ſtalten. Braupfannen, uͤberlaſſen an Andere, ohne ſteueramtliche Er⸗ laubniß. Brenngeraͤthe, Aufbewahrung derſelben in andern als in den dazu beſtimmten Raͤumen. Brennerei⸗Betrieb, ohne alle Befugniß. Coneurrenz mehrerer Verbre⸗ chen bei Steuer⸗Defrauda⸗ tionen. Conto⸗soder Lagerbuch im Grenz⸗ bezirk, unterlaſſene oder nach⸗ laͤſſige Fuͤhrung. Defraudationsſtrafe. Defraudationsſtrafe. Vorfinden deſſel⸗ A. A. K. O. vom 10. Jan. 1824.§. 1. Allg. L. R. Th. II. Tit. 20.§. 40. Jan. 1824.§. 1. Defraudationsſtraſe, außerordentliche. „K. O. vom 10. Ordnungsſtrafe von 1 Thaler fuͤr je⸗ den Zentner. A. K. O. vom 10. Defraudationsſtrafe, Jan. 1824.§. 1. Allg. L. R. Th. II. Tit. 20§. 40. außerordentliche u. Ordnungsſtrafe von 1 Thaler fuͤr jeden Zentner. A. K. O. vom 10. Ordnungsſtrafe von Jan. 1824.§. 1. 1 Thaler fuͤr den Zentner. St. O.§§. 60. 61. Konfiskation der Ge⸗ 74. raͤthe, Defrauda⸗ tionsſtrafe und Geldbuße von 23 bis 100 Thaler. Konſiskation der Ge⸗ raͤthe, 25 bis 100 Thaler Geldſtrafe. 5 bis 20 Thaler Geldſtrafe. Konfiskation der Ge⸗ raͤthe. St. O.§. 74. St. O.§. 79. St. O.§. 66. Defraudatlonsſtrafe, Konfiskation vder Geraͤthe. Allgemeine Strafbeſtimmungen. St. O.§. 65. A. K. O. v. 19. Nov. 1 bis 40 Thaler⸗ 1824. Z. O.§. 121. Erſter Fall⸗ Geldbuße im vier⸗ St. O.§. 61. fachen Betrage der vorenthaltenen Ge⸗ faͤlle. Erlegung des acht⸗ fachen Betrages der nicht entrichte⸗ ten Abgaben, und Suspenſion des Gewerbes auf drei Monate. Zweiter Fall. St. O.§. 62. XXXIV Defraudationsſtrafe⸗ Dritter Fall. St. O.§. 63, Erlegung des ſechs⸗ zehnfachen Betra⸗ ges der umgange⸗ nen Steuer, auſ⸗ ſerdem Verbot des Gewerbebetriebes fuͤr immer⸗ Deſtillation, Beimiſchung an⸗ St, O.§9. 61. 68. Defraudationsſtrafe derer als einheimiſcher Gewuͤrze beim Brennen oder Rektifiziren des Branntweins. Deſtillateure, Mißbrauch der St. O.§. 68. zu ſteuerfreien Zwecken erlaub⸗ ten Benutzung von Deſtillirge⸗ raͤthen. des Blaſenzinſes⸗ Defraudationsſtrafe und Verluſt der freien Benutzung⸗ Deklaration des Inhaltes St. O.§§. 16. 66. Konfiskation der Ge⸗ der Maiſchgefaͤße und Brenn⸗ oder Deſtillirgeraͤthe, unrichtige⸗ Deſtillirgeraͤthe, deren Be⸗ St⸗ O⸗§. 90. nutzung zu ſteuerfreien Zwecken ohne Erlaubniß. raͤthe und Geld⸗ ſtrafe von 25 bis 100 Thaler. 1 bis 10 Thaler⸗ Einmaiſchung oder Zuberei⸗ A. K. O. v. 10. Jan. Konfiskation der Ge⸗ tung von Maiſche, welche nicht 1824.§. 5. deklarirt, oder an andern Ta⸗ gen, in andern RNaͤumen, oder in andern Gefaͤßen, als den an⸗ geſagten, vorgenommen iſt, oh⸗ ne Abſicht der Gefaͤlleverkuͤr⸗ zung. faͤße, 100 Thaler Geldbuße⸗ Einmaiſchung, wie vorge⸗ A. K. O. v. 10⸗Jan⸗ Defraudationsſtrafe, nannt, mit der nachgewieſenen 1824.§. 5. Abſicht der Steuerverkuͤrzung⸗ Einmaiſchen, fruͤheres, in St, O⸗§. 78. Brauereien, außer der dekla⸗ rirten oder geſetzlichen Zeit, oder vor Ablauf der Stunde, welche auf den Beamten ge⸗ wartet werden muß. Konfiskation der Geraͤthe und 100 Tblr. Geldſtrafe⸗ 2 Thaler Geldſtra⸗ fe⸗ Außerdem Zah⸗ lung der Steuer und Defraudati⸗ onsſtrafe fuͤr ein volles Gebraͤude⸗ Einmaiſchen in Brauereien St. O.§§. 78. 90. 1 bis 10 Thaler. oder Brennereien, verſpaͤtetes, unterlaffenes, ohne Anzeige. Ein maiſchen in Brennereien, A. K. O⸗ v. 10⸗Jan⸗ Konfiskation der Ge⸗ zu fruͤhes, um einen oder meh⸗ 1824.§. 5. rere Tage⸗ faͤße, 100 Thaler Geldſtrafe. Einmaiſchen in Brennereien, M. N. v. 1. Dez. 2 Thaler Geldſtrafe. zu fruͤhes, um mehrere Stun- 1820. den vor der erklaͤrten Be⸗ St. O.§. 78. triebsfriſt. —2 XXXV Einmaiſchen in Brennereien, außer den geſetzlichen Stunden. Einmaiſchen in Brennereien, unterlaſſenes, der deklarirten Bottiche ohne Anzeige. Einmaiſchen in Brennereien, von mehr oder minder, als d zum Betrieb erklaͤrten Quan⸗ titaͤt. Einmaiſchen in Brennereien, anderer Fruchtgattungen, als zum Verbrauch deklarirt ſind. Einmaiſchung von reinem Malzſchrot zur Branntwein⸗ brennerei, bei gleichzeitigem Brauereibetrieb. Einſchwaͤrzung von Brannt⸗ wein, welcher der Gefaͤllever⸗ guͤtung halber in das Ausland gefuͤhrt worden iſt. Eſſtgbereitung, ſtatt des zur Fabrikation deklarirten Biers. Faͤlſchung der Betriebsnach⸗ weiſungen, Verſteuerungsbuͤcher, Fixationsvertraͤge, Zuſage⸗ und Begleitſcheine, Legitimation⸗ und Transportſcheine der amtlichen Papiere, Bezettelungen, des Verſchluſſes und der Bezeich⸗ nung an Geraͤthen. Fixations⸗Vertrag auf nicht mehligte Subſtanzen, Verletzung deſſelben mit Gefaͤlle⸗Umge⸗ hung. Fixations⸗Vertrag, Mehrbe⸗ fund von Material in unan⸗ gemeldeten Gefaͤßen, ohne Ab⸗ ſicht der Steuer⸗Verkuͤrzung. Fixations⸗Vertrag, Mehrbe⸗ ſund von Betriebs⸗Materia⸗ lien ꝛc. ꝛc. mit nachgewieſener Abſicht der Steuer⸗Verkuͤr⸗ zung. Fixations⸗Vertrag, Abſchwel⸗ len geringerer Quantitaͤten, als zum Abbrennen uͤbernommen. M. R. v. 1. Dez. Defraudationsſtrafe, 1820.§. 11. Konfiskation der St. O.§. 66. Geraͤthe und 100 Thaler Geldſtrafe. St. O.§. 90. 1 bis 10 Thaler. St. O.§. 90. 1 bis 10 Thaler. St. O.§. 90. 1 bis 10 Thaler. St. O.§. 90. 4 bis 10 Thaler. Z. O.§. 111. Defraudationsſtrafe, Konfiskation, Ver⸗ luſt der Gefaͤlle⸗ Verguͤtung. St. O.§. 90. 1 bis 10 Thaler. Allgemeine Strafbeſtimmungen fuͤr das Verbrechen der Faͤlſchung. M. R. v. 21. Aug. Defraudationsſtrafe, 1825.§. 13. Aufhebung des St. O.§. 70. Vertrages. M. R. v. 21. Aug. Konfiskation der Ge⸗ 1825. S. 14. raͤthe u. 100 Thlr. M. R. v. 1. Dez. Geldbuße. 1820. S§. 11. A. K. O. v. 10. Jan. 1824.§. 5- M. N. v. 21. Aug. Konfiskation der Ge⸗ 1825.§. 14. raͤthe, Defrauda⸗ M. R. v. 1. Dez. tionsſtrafe, und 4820.§. 11. 100 Thaler Geld⸗ A.K. O. v. 10⸗Jan. buße. 43244. S§. 5. St. O.§. 90. 1 bis 10 Thaler. XXXVI Fixations⸗Vertraͤge uͤber Bla⸗ ſenzins oder Maiſchſteuer, Ver⸗ letzung der Bedingungen zur Benachtheiligung der Gefälle. Fixations⸗Vertrag auf Brau⸗ malzſteuer, Verletzung der Be⸗ dingungen ohne Steuer⸗Ver⸗ kuͤrzung. Frachtbrief, mangelhafte Aus⸗ ſtellung des zum Transport im Binnenlande dienenden. Frachtbrief, mangelhaſte Ue⸗ bereinſtimmung deſſelben mit der Ladung. 3 Frachtbrieſ, Verlieren deſſel⸗ ben, unterlaſſene Aufbewah⸗ rung, unterlaſſene Abſtempe⸗ lung, oder verſaͤumte Vorzei⸗ gung an die Steuerbehoͤrde. Freigemahl der Brenner, un⸗ verſteuertes Ablaſſen deſſelben an andere Perſonen. Gebrauch, eigenmaͤchtiger, von Deſtillir- oder Maiſchgeraͤthen, die unter Verſchluß liegen. Geraͤthe und Gefaͤße, Braue⸗ rei⸗, unangemeldet im Beſitz von Privatperſonen. Geraͤthe, desgleichen im Beſitz von Brauerei⸗Inhabern. Geraͤthe und Gefaͤße in Braue⸗ reien, unangemeldete Entfer⸗ nung, Verkauf ꝛc. Geraͤtbe und Gefaͤße, Brenn⸗, unangemeldete im Beſitz von Privatperſonen. „Geraͤthe und Gefaͤße, Brenn⸗, unangemeldete, im Beſitz von Brennerei⸗Inhabern. Geraͤthe und Gefaͤße in Brenne⸗ reien, unangemeldete Entfer⸗ und Verkauf ꝛc. Geraͤthe oder Gefaͤße aus an⸗ dern Bezirken, Annahme der⸗ ſelben ohne Anmeldung, Ver⸗ ſendung von Geraͤthen, ꝛc. ꝛc., ohne Abmeldung bei dem Steueramt. St. O.§. 70. Defraudationsſtrafe, Aufhebung des Vertrages. St. O.§. 90. 4 bis 10 Thlr., Auf⸗ 4 hebung des Ver⸗ trages. A. K. O. v. 19. Nov. 1 bis 10 Thaler. 1824. Z. O.§. 124. A. K. O. v. 19. Nov. 1 bis 10 Thaler. 1824. Z. O. S. 124. A. K. O. v. 19. Nov. 1 bis 10 Thaler. 1824. 3. O. S§. 124. Geſetz v. 30. Mai Konfiskation des Ge⸗ 1820.§. 17. treideſchrotes und St. O. F. 61. Defraudationsſtr. St. O.§§. 61. 67. Defraudationsſtrafe von der Zeit ab, wo der letzte Ver⸗ ſchluß ſtatt gefun⸗ den hat. St. O.§. 74. Konfiskation der Ge⸗ raͤthe⸗ St. O.§. 74. Konfiskation der Ge⸗ raͤthe, 25 bis 100 Thlr. Geldſtrafe. St O.§§. 17. 73. 35 bis 20 Thlr. Geld⸗ ſtrafe. St. O.§. 66. Konfiskation der Ge⸗ raͤthe. Konfiskation der Ge⸗ raͤthe, 25 bis 100 Thlr. Geldſtrafe. 5 bis 20 Thlr. Geld⸗ ſtrafe. 5 bis 20 Thlr. Geld⸗ buße. d St. O.§. 66. O D. St.§. 73. St. D.§. 73. XXXVII Geraͤthe und Gefaͤße in Breune⸗ reien und Brauereien; abſicht⸗ liche Veraͤnderung derſelben oh⸗ ne Anmeldung. Geraͤtheund Gefaͤße in Brenne⸗ reien und Brauereien, zufaͤllige Veraͤnderung derſelben ohne Anmeldung. Geraͤtbe, unterlaſſene Wieder⸗ herſtellung der verwiſchten oder verletzten Bezeichnung. Gewerbeſteuer⸗Defraudation. Unterlaſſene Anmeldung des ſteuerpflichtigen Brauereibetrie⸗ bes. Gewerbebetrieb uͤberhaupt, unterlaſſene Anmeldung deſ⸗ ſelben. Haustrunk, unterlaſſene An⸗ meldung der Bereitung. Haustrun k, Ablaſſen deſſelben an andere Perſonen gegen Be⸗ zahlung oder Entgeld. Huͤlfsleiſtung, verweigerte. Haustrunk, ſteuerfreie Berei⸗ tung deſſelben in gemauerten Keſſeln. Hefebereitung, fluͤſſige oder trockene, ohne Anmeldung und Erlaubniß. Hefenbottiche, Huͤlfsgefaͤ⸗ ße, Vormaiſchbottiche, Kuͤhlwannen, Gaͤhrbuͤt⸗ ten, Kuͤhlſchiffe, Ge⸗ brauch derſelben ohne Anmeldung. Haustrunk⸗Bereitung, un⸗ befugte, bei groͤßerem Haus⸗ ſtand als deklarirt oder geſetz⸗ lich erlaubt iſt. Injurien gegen Beamte, die in Ausuͤbung des Dienſtes be⸗ griffen ſind. Legitimationsſcheine und Frachtbriefe, mangelnde Ueber⸗ einſtimmung derſelben mit der Ladung. St. O.§§. 66, 74. Konſiskation der Ge⸗ raͤthe, 25 bis 100 Thlr. Geldſtrafe. ſtrafe. St. O.§. 90. St. O.§. 90. 1 bis 10 Thlr. Geld⸗ ſtrafe⸗. Geſetz vom 30. Mai Defraudationsſtrafe, 1820.§. 39. b. der Gewerbeſteuer. Geſetz vom 30. Mai 1 Thaler Geldſtrafe. 1820.§§. 19.39. a. St. O.§. 77⸗ St. O.§. 76. 1 bis 3 Thlr. Geld⸗ ſtrafe. Defraudations⸗, als Minimum 10 Thl. Geldſtrafe. St. O.§. 89. 10 bis 30 Thaler Geldbuße od. ver⸗ haͤltnißmaͤßige Ge⸗ faͤngnißſtrafe. St. O.§. 90. 1 bis 10 Thlr. Geld⸗ ſtrafe. St. O.§. 90. 4 bis 10 Thlr. Geld⸗ ſtrafe. A. K. O. v. 10. Jan. Konfiskation der Ge⸗ 1824.§. 5- faͤße und 100 Thlr. M. R. v. 1. Dez. Geldſtrafe⸗ 1820.§. 11. St. O.§. 66. St. O.§. 61. Defraudationsſtrafe. Allgemeine Straf⸗ Gefaͤngnißſtrafe von beſtimmungen. 4 Tagen bis zu 2 Jahren, Geldbuße von 16 bis 200 Franken. A. K. O. v. 19. Nov. 1 bis 10 Thaler Geld⸗ 1824. ſtrafe. Z. O.§. 1241 XXXVIII Legitimationsſcheine, Ver⸗ lieren derſelben, oder der Fracht⸗ briefe. Legitimationsſcheine, un⸗ terlaſſene Aufbewahrung oder Abſtempelung derſelben bei der Steuerbehoͤrde. Maiſchgefaͤße, unterlaſſene Umſtuͤrzung der leeren. Maiſche, Aufbewahrung der deklarirten in Deſtillirgeraͤthen, außer der Betriebszeit, ohne Erlaubniß. Maiſche, Stellen derſelben oder Hefegeben in andern, als in den verſteuerten Maiſchtienen. Maiſche, Abbrennen derſelben auf den dazu nicht deklarirten Weinblaſen. Maiſche gaͤhrende, Auffangen, Abſchoͤpfen, Aufbewahren in andern als in den deklarirten Gefaͤßen. Maiſche, undeklarirter Beſitz von Maiſche, welche nach der Betriebs⸗Erklaͤrung nicht vor⸗ handen ſein kann, auch wenn ſie ſich in deklarirten Gefaͤßen befindet. Maiſchwaͤrmer und Maiſch⸗ Reſervoirs, Fuͤllung derſelben außer der Blaſen⸗Betriebszeit mit verſteuerter Maiſche ohne ſteueramtliche Erlaubniß. Maiſchſteuer⸗Defraudation. Maiſchſteuer⸗Defraudation, Theilnahme anderer daran, durch wiſſentliches Aufbewah⸗ ren, Bereiten, Ablaſſen von unverſteuerter Maiſche, zu dem Zweck, um Branntwein zu brennen. Maiſchgefaͤße, unangezeigte Veränderung der deklarirten Stellung derſelben ohne boͤs⸗ liche Abſicht. A. K. O. v. 19. Nov. 1 bis 10 Thlr. Geld⸗ 1824. ſtrafe. Z. O.§. 124. A.K. O. v. 19. Nov. 1 bis 10 Thlr. Geld⸗ 1824. ſtrafe. Z. O.§. 124. 3 St. O.§. 90. 1 bis 10 Thlr. Geld⸗ ſtrafe. St. O.§. 78. 2 Thaler Geldſtrafe. M. R. v. 1. Dez. 1820.§. 11. A. K. O. v. 10. Jan. Konfiskation der Ge⸗ 1824.§. 5. raͤthe, 100 Thaler St. O.§. 66. Geldſtrafe. St. O.§. 90. 1 bis 10 Thlr. Geld⸗ ſtrafe. A. K. O. v. 10. Jan. Konfiskation der Ge⸗ 1824.§. 5. faͤße und 100 Tha⸗ ler Geldſtrafe. A. K. O. v. 10. Jan. Konfiskation, 100 1824.§. 5. Thlr. Geld⸗ u. De⸗ M. R. v. 1. Dez. fraudationsſtrafe. 13820. S. 11. St. O.§. 66. St. O.§. 78. 2 Thaler Geldſtrafe. A. K. O. v. 10. Jan. Konfiskation der Ge⸗ 1824.§. 5. faͤße, 100 Thaler M. R. v. 1. Dez. Geld⸗und Defrau⸗ 1320. S. 11. dationsſtrafe. St. O.§. 66. Wie Theilnahme an Vergehen, ſ. Theilnahme. St. O.§. 90. 1 bis 10 Thaler. XXXIX Maiſchgefaͤße, irrthuͤmliche Verwechſelung der zur Einmai⸗ ſchung deklarirten Bottiche ohne Steuer⸗Verkuͤrzung. Maiſchraum, undeklarirter, ge⸗ ſetzwidrige Benutzung deſſelben⸗ Material⸗Beſtand von Brenn⸗ ſchrot in mahlſteuerpflichtigen Staͤdten, Mehrbefund als nach dem deklarirten Verbrauch vor⸗ handen ſein kann. Material⸗Minderbefund. Mehr⸗ oder Minderbefund von Bier uͤber 10 Prozent gegen die zu ziehende Quantititaͤt. Materialien zum Verſchluß, mangelnder Vorrath daran. Material⸗Vorrath, heimlicher, in Brennereien, die auf nicht mehligte Subſtanzen arbeiten. Material⸗Vorrath, heimliche Aufbewahrung deſſelben, mit Abſicht der Gefaͤlleverkuͤrzung. Malzſchrot, Vorfinden deſſel⸗ ben in nicht deklarirten Raͤu⸗ men außer der Betriebszeit. Malzſchrot, ebendaſelbſt waͤh⸗ rend der Betriebszeit. Malzſchrot, unverſteuerter Vorrath in deklarirten Raͤumen wahrend der Betriebszeit. Malzſchrot, verſteuerter Vor⸗ rath in nicht deklarirten Raͤu⸗ men waͤhrend der Betriebszeit. Malzſchrot, Mangel deſſelben zu der fuͤr die Einmaiſchung erklaͤrten Zeit. Nachmaiſchungen beim Bier⸗ brauen, ohne Anmeldung oder Erlaubniß, ohne Gefaͤllever⸗ kuͤrzung. A. K. O. v. 10. Jan. Konfiskation u. 100 1824.§. 5. Thaler Geldſtrafe. A. K. O. v. 10. Jan. Konfiskation, 100 1824.§. 5. Thaler Geldbuße M. R. v. 1. Dez. u. Defraudations⸗ 1820.§. 11. ſtrafe. St. O.§. 66. St. O.§. 90. 1 bis 10 Thlr. Geld⸗ buße. Geſetz v. 30. Mat Konfiskation oder 1820.§. 17. Wertherlegung u. Defraudationsſtr. A.K. O. v. 10. Jan. 2 Thaler Geldſtrafe. 1824.§. 2. St. O.§. 78. St. O.§. 90. 1 bis 10 Thlr. Geld⸗ buße. M. R. v. 21. Aug⸗ Konfiskation der Auf⸗ 1823.§. 14. bewahrungs⸗Ge⸗ A. K.O. v. 10⸗Jan. raͤthe und 100 1824. S§. 5- Thaler Geldſtrafe. M. R. v. 21. Aug⸗ Koͤnfiskation der Auf⸗ 1825.§. 14. bewahrungs⸗Ge⸗ A.K. O. v. 10. Jan. raͤthe, 100 Thlr. 1824.§. 5. Geldbuße und De⸗ fraudationsſtrafe. A. K⸗O⸗ v. 10⸗Jan, Fuͤr jeden Zentner 1824. S§. 1- 1 Thaler Geld⸗ ſtrafe⸗ A.K. O. v. 10⸗Jan. 1 Thaler Ordnungs⸗ 1824.§. 1. ſtrafe f. d. Zentner Allg. L. R. Th. II. u⸗ außerord. De⸗ Tit. 20.§. 40. fraudationsſtrafe⸗ A.K. O. v. 10.Jan. Defraudationsſtrafe, 1824. S. 1⸗ außerordentliche⸗ Allg. L. R. Th. II. Tit. 20.§. 40. A⸗K. O. v. 10. Jan. 1 Thaler Ordnungs⸗ 1824. S- 1. ſtrafe fuͤr den Zentner⸗ St. O. S. 90. 1 bis 10 Thaler Geldſtrafe⸗ St. O.§. 75. 5 Thlr. Geldſtrafe⸗ Nachmaiſchung, unbefugte, mit Gefaͤlleverkuͤrzung. Neviſionoder Nachwiegung, verweigerte, des Braumalzes, Materialvorrathes, oder Ma⸗ terialbeſtandes außer der dekla⸗ rirten Betriebszeit. Steuerzahlung, verſaͤumter Termin. XL St. O.§. 75. St. O.§. 89. M. R. v. 1. Dez. 1820.§. 7. Defraudationsſtrafe u. 5 Thlr. Geldſtr. 10 bis 30 Thlr. Geld⸗ buße oder verhaͤlt⸗ nißmaͤßige Ge⸗ faͤngnißſtrafe. Verluſt des Kredits. Strafagio wegen nicht einge⸗ A. K. O. v. 14. Okt. 1 Sgr. fuͤr jeden zahlter Kaſſenanweiſungen. Transport von Bier und Branntwein auf Nebenwegen im Grenzbezirk. Transport, ebendaſelbſt außer den Tagesſtunden. Transportohne Legitimations⸗ Beſcheinigung oder ſteueramt⸗ liche Bezettelung im Grenzbezirk. Transport ohne Frachtbrief im Binnenlande. Theilnahme, wiſſenkliche, an Steuervergehen. Uebertretung aller andern Vorſchriften der Steuerordnung. Verarbeiten hoͤher beſteuer⸗ ter Stoffe, als zum Betrieb de⸗ klarirt ſind. Verletzun goder Vernichtung des Verſchluſſes, wovon der Steuer⸗ pflichtige keine Kenntniß hat. Verletzung, zufaͤllige, ohne ſo⸗ fortige Anzeige. Verletzung, abſichtlich zerſtoͤrter, verfaͤlſchter Verſchluß. Veraͤnderung des Brau⸗ oder Brennlokals ohne Anmeldung. Veraͤnderung der Geraͤthe und Gefaͤße oyne Anmeldung. Verkauf oder Verſendung der Geraͤthe ohne amtliche Anzeige. Vermeſſungs⸗Verhandlungen Beſchmutzen, Zerreißen, Ver⸗ lieren derſelben. Vergroͤßerung des Gaͤhrungs⸗ raumes, geſetzwidrige Benutzung deſſelben. 1 827. 3-O.§. 124. Z. O.§. 124. Z. O. S. 124. A. K. O. v. 19. Nov. 1824. ſtrafe. Z. O.§. 124.„ Allgemeine Strafbeſtimmungen fuͤr die Theilnahme an Vergehen. St. O.§. 90. 1 bis 10 Thlr. Geld⸗ ſtrafe. M. R. v. 21. Aug. Defraudationsſtrafe 1824. des Steuerunter⸗ St. O.§. 61. ſchiedes. St. O.§. 69. 2 bis 20 Thlr. Geld⸗ ſtrafe. St. O.§. 69. 2 bis 20 Thlr. Geld⸗ ſtrafe. St. O.§§. 86. 37. Allgemeine Strafbe⸗ ſtimmungen. St. O.§. 66. Konfiskation der Ge⸗ . raͤthe, 25 bis 100 Thaler Geldſtrafe. St. O.§. 66. Koynfiskation der Ge⸗ raͤthe, 25 bis 100 Thaler Geldſtrafe. St. O. S. 79. 5 bis 20 Thlr. Geld⸗ ſtrafe. St. O.§. 90. 1 bis 10 Thlr. Geld⸗ A. K. O. v. 10. Jan. 1824.§. 3. M. R. v 1. Dez. 1820.§. 41. St. O.§. 66. Thaler. 1 bis 10 Thlr. Geld. ſtrafe. 1 bis 10 Thlr. Geld⸗ ſtrafe. 1 bis 10 Thlr. Geld⸗ buße. ¹ bis 10 Thlr. Geld⸗ ſtrafe. Konfiskation, De⸗ fraudationsſtrafe und 100 Thaler Geldbuße. Vorfinden unangemeldeter Ge⸗ raͤthe, welche einen zur Brannk⸗ weinbrennerei dienenden Appa⸗ rat ausmachen, bei Privatper⸗ ſonen. Vorfindenderſelben bei Brannt⸗ weinbrennern. Verſendung von Branntwein im Grenzbezirk ohne Legitima⸗ tion. Verſendung von Branntwein im Binnenlande ohne Fracht⸗ brief. Vormaiſchbottiche, Benu⸗ tzung derſelben zum Stellen der Maiſche mit Hefe oder Gaͤhrungsmitteln. Widerſetzlichkeit gegen Be⸗ amte. Widerſetzlichkeit gegen Be⸗ amte unter erſchwerenden Um⸗ ſtaͤnden. Waage oder Gewichte in Bierbrauereien, unterlaſſene An⸗ ſchaffung derſelben. uruͤcklieferung der abgelau⸗ fenen Betriebsnachweiſung, ver⸗ abſaͤumte oder unterlaſſene. XLI St. O.§. 66. Konfiskation der Ge⸗ raͤthe. St. O.§. 66. Konfiskation der Ge⸗ raͤthe und 25 bis 100 Thaler Geld⸗ ſtrafe. Z. O.§. 124. 1 bis 10 Thaler⸗ A. K. O. v. 19. Nov. 1 bis 10 Thaler. 1824. 3. O.§. 124. A. K. O. v. 10. Jan. Konfiskation und 100 1824.§. 5. Thaler Geldſtrafe. St. O.§. 89. 10 bis 50 Thaler Geld⸗ oder ver⸗ haͤltnißmaͤßige Ge⸗ faͤngnißſtrafe. Allgemeine Strafbeſtimmungen. St. O.§. 27. Verſagung des Be⸗ triebs. St. O.§. 90. 1 bis 10Thaler Geld⸗ ſtrafe. XLII Anklage II. A Muſter zu Betriebs-Nachweiſungen in den Maiſchbrennereien“). *) Das Koͤnigliche Finanzminiſterium hat verordnet, da das im Maiſchſteuer⸗Negulativ vom 1. Dezember 1820(§. 2.) vorge⸗ ſchriebene Muſter zu Betriebs⸗Nachweiſungen den gegenwaͤrtigen Beduͤrfniſſen nicht mehr entſpricht, auch in den verſchiedenen Provinzen mancherlei von einander abweichende Formulare in Gebrauch geſetzt worden ſind, daß vom 1. Januar 1830 ab, ausſchließlich das nachſtehend abgedruckte Muſter zu Betriebs⸗ deklarationen bei Maiſchbrennereien dergeſtalt eingefuͤhrt werden ſoll, daß jeder Brenner die zu ſeinen Betriebs Nachweiſungen erforderlichen Exemplare des gedruckten Formulars bei der Hebe⸗ ſtelle ſeines Bezirkes unentgeldlich empfaͤngt, ſich aber dagegen auch nur dieſer und keiner anderen gedruckten oder ge⸗ ſchriebenen Muſter zu ſeinen Betriebs⸗Nachweiſungen bedienen darf. Ueber Einrichtung und Gebrauch des nachſtehenden Formulars iſt zu bemerken, daß das Matertalkonto auf der Titelſeite blos in mahlſteuerpflichtigen Staͤdten ausgefuͤllt wird; daß die Anga⸗ ben der Fruchtarten und Mengen, welche eingemaiſcht werden, als eine blos nachrichtliche, fuͤr den Brenner nicht dergeſtalt bindend iſt, daß er ſich im Laufe des Monats keine, durch Umſtaͤnde ge⸗ botene Abweichung davon ſollte erlauben duͤrfen; ſo wie ferner, daß in die Kolonnen fuͤr Hefengefaͤße und Blaſen, unter der General⸗Rubrik Betriebs⸗Nachweiſung, die Nummern derſelben in die Horizontalſpalten derjenigen Tage zu ſetzen ſind, an welchen ſie in Gebrauch ſeyn ſollen †). Hiernach erleiden die,§§. 319, 325 und 331 vorgetragenen Beſtimmungen eine, dem Intereſſe des Brenners zuſagende Ab⸗ aͤnderung, da ihm nunmehr weder die Bezahlung der Betriebs⸗ formulare obliegt, noch derſelbe zur Erklaͤrung oder Einhaltung einer beſtimmten Stunde, an welcher die Maiſchung beginnen ſoll, verpflichtet iſt; auch waͤhrend der Dauer der Deklaration eine Abweichung von der Qualitaͤt oder Quantitaͤt des deklarir⸗ ten Betriebsmaterials ſtraflos erachtet wird. †) Cirkular⸗Reſcript vom 20. Oktober 1829. 18700. XLIII Haupt⸗Inventarium No. Formularnummer Lit. Hebe⸗Regiſter No. V V Monat 18 Betriebs⸗Nachweiſung fuͤr die Brennerei des zu Straße Hausnummer Haupt Amtsbezirk Neben⸗Zoll⸗Amt Unter⸗Steuer⸗Amt Rezeptur ——444 Material⸗Konto. Branntweinſchrot zum erſten zum zweitem Mahlſteuerſatz. Mahlſteuerſatz.] Ztur. Ztnr. Beſtand aus dem Monat fuͤr den Monat.... Zugang waͤhrend des Monats Zuſammen Verbrauch nach umſtehender Betriebsnach⸗ weiſung waͤhrend des Monats Sollbeſtand Ende 18 XLIV Betriebs⸗Erklaͤrung. Die Einmalſchung beginnt: Num⸗ Hefen⸗ Blaſen ſind im Ge⸗ Datum mern Eingemaiſcht gefaͤße brauch: und ob der zu wird: A 8 Meno, vere braucs eaern Zum ags ernden uttern Z1 ſteuer⸗ Wochentag(V.) od. Maiſch⸗ und Wienen freien Nach⸗ bottiche Frucht⸗Men⸗ Wienen allein Zwecken mittage art ge Num⸗ Num⸗ Num⸗ Num⸗ N.) mern mern mern mern Aus dem vo⸗) rigen Monat ——— ſind noch ab⸗ zubrennen ——— Sonntag Dienſtag Mittwoch Donnerſtag Sonnabend Sonntag Montag Dienſtag Mittwoch Donnerſtag Freitag Sonnabend Montag———— Freitag Sonntag Montag Dienſtag ꝛc. V. Der Unterzeichnete erklaͤrt hiermit die vorſtehende Betriebs⸗Nachweiſung in allen ihren Theilen unter den im Maiſchſteuer⸗Regulativ vom 1. December 1820 und der Koͤniglichen Kabinets⸗Ordre vom 10. Jan. 1824 enthaltenen Vorſchriften, bei Vermeidung der auf Uebertretung derſelben geſetzten Strafen, insbeſondere der Strafe fuͤr unbefugte Einmaiſchungen von Einbundert Thaler, welche dem Entdecker ganz zu Theil wird, puͤnktlich beobachten zu wollen. den ten 18 (Unterſchrift.) XLV Reviſions⸗Befund. Von den zu verſteu⸗ Be⸗ Von Deſtillir⸗ ernden Maiſchbotti⸗ triebs⸗ geraͤthen fanden Name(Datumſ chen fanden ſich: Zuſtand ſich: Dude und nderar 5 Sonſtige Dienſt⸗ Stun⸗ 21= E Matſch⸗. leigenſchaftz de der S22= Gefaͤße Bemerkun⸗ des Revi⸗ 2S= ſin Be⸗ 3 gen. Beamten.] ſion. 1E2 zug auf s 83 ibre No. No.] No. No.] Nö. Fuͤllung N No 4 XLVI Inventarium und Abfertigung. Von den in der Brennerei vorhandenen Maiſch⸗ und Deſtillir⸗Geraͤthen ſind zum Betrieb erklaͤrt: f Anzahl Zu ver⸗ Bemerkungen. Mehaich⸗ Num⸗ Quart. der ſteuernder ung der mer. Inhalt. Einmai⸗ Maiſch⸗ . ſchungen! raum.* Ganz außer Gebrauch 2 Bemerkungen. bleiben: Vorſtehende Betriebs⸗Nachweiſung fuͤr den Monat eingereicht am iſt gepruͤft, feſtgeſtellt und in das Declarations⸗Regiſter ein⸗ getragen unter No. Die Steuer von dem oben berechneten Maiſch⸗ raum, der Quart betraͤgt, zu dem Satz von 1 Sgr. Pf. fuͤr 20 Quart Thaler Silbergroſchen. den ten 18 Steueramt. (Amtsſtempel.)(Unterſchrift.) XLVII Anlage I. Muſter zu Betriebs⸗Deklarationen in Brennereien aus nicht mehligten Subſtanzen. (Pagina XXII§. 3.) Haupt⸗Amts⸗Bezirk von Spezial⸗Steuer⸗Diſtrikt von Nummer des Inventariums. Nummer des Hebe⸗Regiſters. V N Deklaration des Betriebes der Branntweinbrennerei des zu„ Hausnummer fuͤr den Monat 18 Die Brenneret liegt Hebeſtelle Sie befindet ſich Sie enthaͤlt die Blaſe Nro. von Quart Inhalt, nebſt Helm Nro. und Kuͤhler Nro. Vorwaͤrmer. Den Maiſchbottich Nro. von Quart Inhalt. . beſondere Material⸗Behaͤlter Von den vorhandenen Geraͤthen bleiben außer Gebrauch In dieſer Brennerei werden außerdem gehalten Waͤhrend der Ruhe außer den taͤglichen Betriebsſtunden wird 4* XLVIII Material⸗Vorrath. Betrtebs⸗Angabe des Brennerei⸗Inhabers. Erklaͤrung des Brennerei⸗ Nr. Inhabers. Nummer Tage Dauer Zahl] des Der Vorratbsgefäß der in Gang des des der Ma⸗ Gat⸗ Der Borratbsge 2 3 hienden Blaſen⸗ Blaſen⸗ Bla⸗ſterial⸗ tung des Reihe⸗ſc⸗ laſe auf ganges. ganges ſſenab⸗ gefa⸗ Materi⸗folge Inhalt nach Ab⸗. an jedemſtriebe, ßes, als und zum 1dhaun—— Tage. taͤg⸗ aus Aufbe⸗ Ab⸗ für die obere lich. dem wah⸗ ſtriebe hicht⸗ Ma, Lut⸗ ge⸗ rungs⸗ nach—— ſeteerial. ter. brant ort. Nro. Eimer. Quart. wird. 4. 2. 3. 3. 4. 5 6. 7. 3. 9. 1 3 D Meine obige und vorſeitige Erklaͤrung iſt vollkommen richtig. Ich verpflichte mich, dem in der gegene ürtigen Betriebs⸗Deklaration angege⸗ benen Betriebs⸗Gange und im Falle der Abaͤnderung von Seiten der Steuer⸗Beboͤrde, nach Maaßgabe dieſer Aenserung, ſo wie aller Vor⸗ ſchriften des Regulativs vom 21. Aug. 1325, genau zu folgen, und wi⸗ drigenfalls die in dieſem Regulativ bezeichneten Strafen der Uebertretung verwirkt zu haben. den ten 18 Der Brennerei⸗Inhaber. XLlIX Reviſions⸗Befund der Steuer⸗Beamten. Der Reviſion Namen Stunde und Befund. Dienſt⸗ Tag. Eigen⸗ Vor⸗ Nach⸗ 2 kach ſchaft des Mittag. Beamten. 4 Eingetragen in das Deklarations⸗Regiſter unter Nro. den ten 182 Die Steuer⸗Hebeſtelle. Dem Vorſtehenden gemaͤß ſind zum Branntwein verwendet Eimer Quart Davon betraͤgt die Steuer zu Sgr. fuͤr jeden Eimer Rthlr. Sgr., welche empfangen zu haben beſcheinigt Die Steuer⸗Hebe⸗Stelle. L Anlage K. Material⸗Vorraths⸗Verzeichniß. (Pagina XXIII§. 5). Haupt⸗Amts⸗Bezirk von Spezial⸗Steuer⸗Diſtrikt von Werzeichnmnt ß derjenigen Vorraͤthe an Obſt und Beerenfruͤchten und Wein und den Abfaͤllen davon, welche der unterſchriebene Branntweinbrenner beſitzt, und fuͤr den Zeitraum ſeiner heutigen Betriebs⸗Deklaration nicht verwenden wird, alſo darin nicht aufgenommen hat. Erklaͤrung des Brennerei⸗Inhabers. Der Vorraths, Gefaͤße Inhalt Reviſions⸗ des Ma⸗ Num⸗ nach Abzug Befund. von 15. mer.—— terials⸗ Eimer Art. 1. 2. 3. 3. 4. 5. Gattung Aufbewahrungsort. Ll Anlage L. Muſter zum Fiyations⸗Vertrag uͤr Brennereien aus nicht mehligten Subſtanzen. b hlig z (Pag. XXVI§. 12.) Haupt⸗Amts⸗Bezirk von Spezial⸗Steuer⸗Diſtrikt von Nummer des Deklarations⸗Regiſters. Nummer des Hebe⸗Regiſters. Nummer des Inventariums. Auf den Grund des Regulativs vom 21ſten Auguſt 1825 erklaͤrt d unter⸗ zeichnete Brennerei⸗Inhaber zu hiermit, daß Branntweinbrennerei mit der Branntweinblaſe Nummer von Quart Rauminhalt Nummer von Quart Rauminhalt waͤbrend der Tage vom ten bis den ten 18„die bezeichneten Tage mit eingeſchloſſen, zur Be⸗ reitung von Branntwein aus in Betrieb ſetzen wird, und zwar ſo, verpflichtet ſich zugleich hiermit ohne allen Vorbehalt 1) fuͤr das dem Obigen gemaͤß zu verwendende Material ſpaͤteſtens am Schluſſe des Monats 18 der mitunterzeichneten Steuerhebe⸗ ſtelle gemaͤß des vorbezogenen Regulativs an Steuer zu zahlen: auch dem Anſpruche auf Nachzahlung§. 58 der Steuerordnung vom 8. Februar 1849 ſich zu unterwerfen fuͤr den Fall, daß die dem vorſtehenden Steueranſatze zum Grunde gelegte anderſeitige Berechnung, den Steuer⸗ anſatz zu niedrig ermittelt haben ſollte, wogegen fuͤr den entgegengeſetz⸗ ten Fall Antrag auf Erſtattung vorbehalten wird; 2) die obenerklaͤrte Betriebszeit nicht zu uͤberſchreiten, auch ſogleich mit Ablauf derſelben 3) woͤhrend jener Brtriebszeit nur die oben angegebenen Geraͤthe und nur in der erklaͤrten Art zu benutzen, auch dieſe Geraͤthe auf keine Weiſe in ibrer jetzigen Beſchaffenheit und Einrichtung zu verandern oder veraͤndern zu laſſen; 4) waͤbrend jener Betriebszeit keine andere als die dazu oben erklaͤrte Gattung Branntweinſtoff zu verwenden; 5) die Brennerei und das Gebaͤude, in welchem ſie ſich befindet, waͤhrend jener Betriebszeit gemaͤß§. 49 der Steuerordnung vom 8ten Februar 1819 den Steuerbeamten ſtets zugaͤnglich und offen zu balten. Es erklaͤrt ferner, mit den uͤber die Steuer fuͤr die Branntwein⸗ bereitung beſtebenden Geſetzen wohl bekannt zu ſein und zu wiſſen, daß namentlich auch der Strafe der Steuerverkuͤrzung§§. 60 und 61, und ferner der bezogenen Steuerordnung verfallen ſei, wenn von der obigen Erklaͤrung in irgend einer Art abweichen, oder den vorſtehend uͤbernomme⸗ nen Verpflichtungen nicht ganz genau nachkommen moͤgte. Die unterzeichnete Steuerhebeſtelle nimmt die vorſtehenden Erklaͤrungen an, und geſtattet d vorgenannten den Brennereibetrieb in der angegebenen Art füͤr den bezeichneten Zeitraum und unter den ein⸗ gegangenen Bedingungen, ganz dem Obigen gemaͤß⸗ Der dieſemnach geſchloſſene gegenwaͤrtige Vertrag iſt heute zu am ten 18 von beiden Theilen wie folgt unterzeichnet und in einer Ausfertigung der Steuerhebeſtelle, in einer zweiten aberd unter⸗ zeichneten Brennerei⸗Inhaber behaͤndigt worden. Die Steuer⸗Hebe⸗Stelle. D Brennerei⸗Inhaber LlII 1 2„, 3 4 3. 6 7 3 9 129 11 12 Es ſollen im Be⸗ Davon Gemaͤß Feſtſtellung der Produktions⸗ triebe ſein kommen Faͤhigkeit au. waͤhrend f wird die Bedarf der Blaſe ſind De⸗ Blaſe mit zu jedem Material⸗ Die Ab⸗(illa, Stoff gefuͤllt Abtriebe auf Abtriebe Bla⸗ oder trieb lundn⸗ bis zu wie zu einer ſe Be⸗ des des viel Theilen an⸗ Blaſenfuͤl⸗ Nro Tage⸗ triebs Stof⸗ Lut⸗ ihres vollen Wein dere Lut⸗ lung ahl. ſtun⸗ fes. ters Raum⸗ hefe. Stof⸗ ter. Lutter er⸗ den⸗ Inhaltes. fe⸗ forderlich. zabl.] St. St. mit! bis Stunden. auf Zahl. * Gegen den Inhalt des Vertrags nichts zu erinnern. Die Groͤße der Geraͤthe und ihre Produktions⸗Fähigkeiten ſind richtig angegeben. Der den ten 18 LIII 13 14 15 16 17 18 19] 20 21 Auf die. Stun⸗ Zu Aus der denzahl jedem Fuͤr die ſelben Anzahl Dieſe . u 5 der Bla⸗; Spalte. Ab. Zahl Abtriebe] Zahl ſenfuͤl⸗Deſtil⸗ 4 Maum⸗ triebe Spalte 13 Ab⸗ ungen lationen Be⸗ kom⸗ inbal werden!] iſt mithin triebe zur De⸗ſfordern merkun⸗ men Zeſ. an⸗ Material zu wird ſtillation] Jeit alſo aſe. Stoff verwenden. Lutter dieſer uͤber⸗ gen. Mate⸗ aufge⸗ gewon⸗ Lutter haupt rialab geben. nen. Maſſe. triebe. kaſſe. Stun⸗ Zabl.[Quarf.Quart. Eimer. Quart.]Quart. den. den ten 18 Die Steuer⸗Hebe⸗Stelle. LIV Nachtrag zu Seite 291 bis 296. — Die in§§, 351 bis 359 vorgetragenen Prinzipien uͤber geſetzliche Brennzeit, verlaͤngerte oder unbeſchraͤnkte Betriebsfriſt und Geſtattung beſonderer Weintage in den Maiſchbrennereien, ſind durch nachſtehende, ſo eben erſcheinende Bekanntmachung des Herrn Finanz⸗Miniſters Excel⸗ lenz*) als allgemeine Regel fuͤr den Umfang der ganzen Monarchie anwendbar erklaͤrt worden. Um das Brennereigewerbe von laͤſtigen Beſchraͤnkungen, ſo weit ſie nicht zur Sicherſtellung der Branntweinſteuer unumgänglich noͤthig ſind, auch in Hinſicht auf die Brennzeit zu befreien, wird, mit Aufhebung ent⸗ gegenſtehender Beſtimmungen, Folgendes daruͤber feſtgeſetzt und bekannt gemacht: §. 1. Es bleibt bei der geſetzlichen Regel, daß die an einem Tage deklarirte Maiſche entweder an dem dritten oder am vierten Tage nach der Einmaiſchung(den Tag derſelben mit eingerechnet) in der Zeit von 5 Uhr Morgens bis 7 Uhr Abends uͤber die Blaſe getrieben und abge⸗ luttert, und darnach die Betriebs⸗Nachweiſungen eingerichtet werden muͤſſen. Eine Verlaͤngerung dieſer Friſt muß bei dem Hauptamte des Diſtrikts beſonders nachgeſucht, und darf nur dann hoͤchſtens bis neun Uhr Abends zugeſtanden werden, wenn nachgewieſen wird, daß das Brenn⸗ geraͤth von einer Beſchaffenheit und Konſtruktion iſt, welche die Ablut⸗ terung der Maiſche aus den fuͤr den Maiſchtag angemeldeten Bottichen in 14 Stunden nicht zulaͤßt. Wer auch mit der bis 9 Uhr Abends ver⸗ laͤngerten Brennfriſt, zum bloßen Abluttern, nicht fertig werden zu koͤn⸗ nen behauptet, dem bleibt uͤberlaſſen, ſeine Einmaiſchungen ſo weit noͤ⸗ thig, doch nicht unter dem Minimum von 600 Quart Maiſchraum fuͤr —:ʒ⸗ʒÿ—ꝛᷣ— „ Bekanntmachung wegen der Brennzeit in den Maiſchbrennereien vom 29. Oktober 1829.„ LV jeden Tag zu vermindern, oder ſein Brenngeraͤth dergeſtalt zu verbeſſern, daß er der Vorſchrift genuͤgen kann, und nur, wenn nicht mehr als 600 Quart Maiſchraum fuͤr einen Maiſchtag angemeldet ſind, die Maiſche aber dennoch bis 9 Uhr Abends nicht ſollte abgeluttert werden koͤnnen, weil die Brenngeraͤthe wegenihrer eigenthuͤmlichen Beſchaffenheit, oder wegen raͤumlicher Beſchräͤnkung der Brennerei, oder aus ſonſtigen oͤrtlichen Ur⸗ fachen, eine Verbeſſerung durchaus nicht zulaſſen, darf daruͤber weiter, jedoch in keinem Falle uͤber 12 Uhr Nachts, bis in den folgenden Tag, hinausgegangen werden. Allgemeine Bedingung einer jeden Verlaͤngerung der Brennfriſt bis neun Uhr Abends oder daruͤber, iſt die dem Steuer⸗ Beamten einzuraͤumende Befugniß, auch innerhalb einer Stunde unmit⸗ telbar nach dieſer Verlaͤngerung die Brennerei, ohne die im§. 54 der Steuer⸗Ordnung beſtimmten Beſchraͤnkungen, revidiren zu koͤnnen. Von jedem, der eine ſolche Verlaͤngerung erhalten, wird angenommen, daß er dieſe Bedingung eingegangen ſei, auch wenn ſie ihm nicht beſonders waͤre vorgehalten worden, oder er ſich nicht ausdruͤcklich dazu verpflichtet haͤtte. Bis wohin die Verlaͤngerung in den zulaͤſſigen Faͤllen von dem Hauptamte bewilligt worden, muß in der Betrtebs⸗Nachweiſung von demſelben bemerkt werden. Brennereien, in denen ganz neue, oder behufs des ſchnelleren Maiſchbetriebes in der Konſtruktion weſentlich veraͤnderte Deſtillirgeraͤthe aufgeſtellt werden, haben auf eine Verlaͤngerung der vier⸗ zehnſtuͤndigen Brennfriſt zum Abluttern keinen Anſpruch. §. 2. Es ſoll nicht mehr darauf beſtanden werden, daß in der 44ſtuͤndigen Friſt eines gewoͤhnlichen Brenntags, nicht blos die Ablutte⸗ rung, ſondern auch die voͤllige Verarbeitung der Maiſche zu Branntwein mittelſt einer zweiten oder ferneren Deſtillation, beendigt werde, vielmehr ſoll es jedem Brenner, der nach der Einrichtung ſeines Brenngeraͤths nicht gleich beim erſten Blaſenzug fertigen Branntwein gewinnt, unbe⸗ nommen ſein, das Weinen oder Klaͤren, oder die fernere Bearbeitung des Lutters zu Branntwein, ohne daß dazu eine beſondere Erlaubniß er⸗ forderlich iſt, an einem auf den gewoͤhnlichen Brenntag(Luttertag) fol⸗ genden Tage(Weintag) fortzuſetzen, oder vorzunehmen, ohne, daß er an den Weintagen an eine gewiſſe Zahl von Blaſenabtrieben oder Stunden, ſondern nur an die allgemeine Beſchraͤnkung des Blaſenbetriebes auf die Zeit von 5 Uhr Morgens bis 7 Uhr Abends gebunden iſt. Es muß jedoch a. in der Betriebs⸗Nachweiſung von dem Gewerbtreibenden be⸗ ſtimmt angegeben werden, welche Blaſen, und an welchen Ta⸗ gen, und ob jede einzelne Blaſe zum Maiſchabtrieb, oder zur Deſtillation von Lutter oder Branntwein, oder zu beiderlei Be⸗ huf in Betrieb geſetzt wird; C. d. S. LVI Auf jedem Luttertag kann hoͤchſtens nur ein Tag als Weintag geſtattet werden. Wer den von mehreren Luttertagen geſam⸗ melten Lutter zuſammen abweinen will, darf dazu gleichfalls nur einen Tag beſtimmen, der nach einer im Lauf des Be⸗ triebsmonats ſich moͤglichſt gleichbleibenden Ordnung beliebig auf den jedesmaligen zweiten, dritten oder vierten Luttertag folgen kann. In Brennereien, wo nur mit einer Blaſe gearbeitet wird, kann zwar an den gewoͤhnlichen Brenn⸗ oder Luttertagen die Blaſe ſowohl zum Luttern als Weinen benutzt; an den Weintagen, die nicht zugleich Luttertage ſind, darf jedoch nur Lutter, und keine Maiſche auf derſelben verarbeitet werden. In Brennereien, wo mit zwei oder mebreren Blaſen gearbeitet wird, kann ein Luttertag zugleich zum Weinen des an demſelben oder an einem fruͤheren Luttertag gewonnenen Lutters benutzt werden; es duͤrfen jedoch an ſolchem Tage nur gewiſſe beſtimmte Glaſen zum Matſchabtrieb und andere zum Lutterabtrieb erklaͤrt und gebraucht, nicht aber auf einerlei Blaſen beiderlei Opera⸗ tionen vorgenommen werden. Der zum Weinen beſtimmte Tag muß jedesmal ein ſolcher ſein, an welchem die Brennerei in Bezug auf Maiſchbereitung oder Deſtillationen an ſich ſchon im Betrieb ſtehet, und nicht ohne den Gebrauch der Weinblaſe ganz ruhen wuͤrde. Nur in dem Fall, wenn auf einen Luttertag eine groͤßere Anzahl betriebslo⸗ ſer Tage folgt, als daß der Lutter bis zur nächſten Einmai⸗ ſchung oder bis zum naͤchſten Brenntage aufgehoben werden kann, darf der auf den Luttertag folgende Tag zum Weintag beſtimmt werden, auch wenn an demſelben die Brennerei ſonſt haͤtte unter Verſchluß geſetzt werden koͤnnen. f. Brennereien, in welchen nach erfolgter Bekanntmachung dieſe Verordnung die Strafe der Steuerdefraudation verwirkt wor⸗ den, haben auf Verlaͤngerung der Brennfriſt und beſondere Weintage keinen Anſpruch, ſondern koͤnnen auf die 14ſtuͤndige Brennfriſt und die gewoͤhnlichen Brenntage beſchraͤnkt werden. §. 3. Wo in Maiſchbrennereien der fertige Branntwein durch fer⸗ nere Deſtillation zu Spiritus rektifizirt wird, kann die Rektiſikation ohne Ruͤckſicht auf das Alter des zu rektifizirenden Branntweins, an allen den Tagen in der gewoͤhnlichen Brennzeit geſchehen, wo nach dem vorigen der Blaſenbetrieb zum Luttern oder Weinen zulaͤſſig iſt. Es muß jedoch in der Betriebs⸗Nachweiſung von dem Gewerbtreibenden angegeben LVII werden, an welchen Tagen und mit welchen Blaſen, die an ſolchen Ta⸗ gen ausſchließlich zu dieſem, und nicht auch zu anderm Bebuf, benutzt werden duͤrfen, rektifizirt wird. Auch darf dem in dieſer Art zu verar⸗ beitenden reinem Branntwein, vor oder waͤhrend der Deſttllation, keine fremde Beimiſchung oder Zuthat gegeben werden, wenn die Deſtillation nicht zur Blaſenzinsenkrichkung beſonders angemeldet worden. §. 4. Brennereien, in welchen die Maiſchblaſe mit einem Maiſch⸗ waͤrmer verbunden iſt, jedoch nicht auf einem Zug fertiger Branntwein gewonnen wird, ſind von den im§. 2 enthaltenen Befugniſſen nicht aus⸗ geſchloſſen. Inſofern unmittelbar aus der Maiſche in einem Abtrieb fertiger Branntwein gewonnen wird, kann uͤber den gewoͤhnlichen, zu je⸗ dem Maiſchtage gehoͤrigen Brenntag, und uͤber die Stunden von 5 Uhr Morgens bis 7 Uhr Abends nur aus beſonderer Erlaubniß hinausgegan⸗ gen werden, welche die Hauptaͤmter in Faͤllen, wo nachgewieſen wird, daß weder die 14ſtuͤndige, noch die 2ſtuͤndige Brennzeit den Verhaͤltniſſen der Brennerei entſpricht, und keine beſonderen Gruͤnde entgegenſtehen, zu ertheilen haben. §. 3. Brennerelen, welche auf Tag⸗ und Nachtbrennen fabrik⸗ maͤßig eingerichtet ſind, und mit Verarbeitnng der aus ihrer Betrtebs⸗ Nachweiſung hervorgehenden Maiſchmenge auf 24 Stunden fuͤr ihr De⸗ ſtillirgeraͤth volle Beſchaͤftigung haben, koͤnnen nach wie vor, im Fall nicht beſondere Gruͤnde entgegen ſtehen, die Erlaubniß zum Nachtbrennen er⸗ halten. LVIII Litterarut. Berzelius, Lehrbuch der Chemie, uͤberſetzt von Woͤhler. Dresden, Arnold. 16 Thlr. 18 Gr. Piſtorius, praktiſche Anleitung zum Branntweinbrennen. Berlin, Spenerſche Buchbandlung. 3 Thlr. Hermbſtaͤdt, chemiſche Grundſaͤtze der Kunſt, Branntwein zu brennen. 2te Auflage. Berlin, Amelang. 6 Thlr. 10 Gr. Dorn, Anleitung zur Kenntniß und Beurtheilung der wichtigſten Ope⸗ rationen der Branntweinbrennerei und Bierbrauerei. 2te Auflage. Berlin. Maurer. 20 Gr. 3 Poppe, Branntweinbrennerei. Tuͤbingen, Oſiander. 22 Gr. Hermbſtaͤdt, chemiſche Grundſaͤtze der Deſtillirkunſt. Berlin, Amelang. 2 Thlr. 20 Gr. Luͤdersdorf, das Weſen der Deſtillirkunſt. Berlin, Spener. 22 Gr. Hermbſtaädt, chemiſche Grundſaͤtze der Kunſt, Bier zu brauen. Berlin, Amelang. 3 Thlr. Hopfen und Malz, nebſt Bemerkungen uͤber Engliſche Malzbereitung. Quedlinburg, Baſſe. 12 Gr. Der Deutſche Porterbrauer. Berlin, Petri. 8 Gr. Beitraͤge zur Kenntniß der Engliſchen Malzbereitung. Halle, Hemmerde. 18 Gr. 1 Accum, Abhandlung uͤber die Kunſt zu brauen. Hamm, Schulz. 21 Gr. Poppe, Branntweinbrennerei und Eſſigfabrikation. Tuͤbingen, Oſiander. 22 Gr. 1 Scharl, Bierbrauerei im Koͤnigreich Baiern. Muͤnchen, Lindauer. 12 Gr. Munz, Bierbrauerei in allen ihren Theilen. Neuſtadt, Wagner. 2 Thlr. LIX Druckfehler und Berichtigungen. Zeile 9 von oben lies welchem ſtatt welchen. — 13 von unten l. dem ſtatt den. r Randvermerk, l. Liqueur ſt. Liquer. v. u l. trafen ſt. traf. l. war auch dort ſt. auch dort. l. mit den weiter ſt. den weiter l. Interimiſtiſches l. Brennern ſt. Brenner. 1 n 1 G 5 lies abgelaufenem ſt. abgelaufenen. tirt ſt. realiſirt u. l. von ſt. vom 5 l. zum Grunde liegt, da ferner der u. l. zum ſt. zu 4 v. u. l. gegen die der gewöhnllichen ſt. gegen die gewöhnliche 6 o. Komma ſt. Semikolon. 1. v. o. l. in dem ſt. in den .8. I. ſcheint ſt. erſcheint Vergleichung der Inſtrumente untereinander „diejenige ſt. ihre . iſt das Wort in zu ſtreichen. . u. l. einzelne Meere ſt. Seen .in ſich auf(wird hart) und „ſämtlichem ſt. ſämtlichen v. u. l. und bis auch ſt. auch von denen ſt. von den l. Um des jedesmaligen Abmeſſens 63 Zeile 76 Zeile 80 2— —:= Soe8 1 keiner Notiz. 13 Z3. 10 l. beſtatigten ſt. beſtätigte 14 Z. 4 l. Erfahrungen haben, die e 6 l. entwickelt worden —, 2 v. u. l. hinreichender Raumſt derjenige Raum 8 4, l. welches veranlaßt ſt. und dadurch veranlaſſen 9 J. 14 l. ſtark zu beſchaffen ſeien und in ſt. ſtark in 12. v. u. l. den ſtatt dem 4 v. u. l. Oeffnung ſt. Oeffnug ——————— —SdOSSS — OS—- 3. 8 l. wird am ſt. man am Z. 9 l. gewendetſt. wendet Z. 5 u. l. dem ſt. den 42 Zeile 11 v. u. l. dem ſt. den „Randbemerkung, lies Kartoffel⸗Quetſchapparat ſtatt Kartoffeln Quetſchapparat — 152 Zeile 7 l. auf trockenem mittlerem I. l. v 1Il ll l 1l1L LI lI I 1I I 1 l — ,— + 1 — 156— 18 Kolon ſt. Semikolon — 163— 14 v. u. l. erhaltſt. enthält — 168— v. u. l. dem ſt. den — 170— 3 v. u. l. wie dieſe Durchmeſſer ſich zu einander verhal⸗ ten ſt. 4 wie 1. — 196 Zeile 3 l. Vorhandene ſt. Verhandene. 12 l. an abfolutem ſt. im abſoluten — 532— 23 l. nach arſenichte Sa ure(weißen Arſenik) — 17 lI. der für jeden Tag zum ſt. der zum — 291— 3!. werden müſſe ſt. wird — 292— 10 l. einem Verluſte ſt. eines Verluſtes — 294— 4 iſt das Wort entweder zu ſtreichen — 334— 16 v. u. iſt das Komma zu ſtreichen — 336— 11 lI. denſelben ſt. derſelben — 336— 9 v. u. l. Stunde ſt. Sunde — 378 fehlt die Ueberſchrift Strafg eſetzgebung — 379 Zeile 13 v. u. I. nach ſich ſt. ſich nach ——— 10 v. u. l. wiederholt ab ſt. ab ——— Z v. u. l. Schwere der ſteigenden ſt. Schwere der — 397— 15 I. Ortsbehörde, oder zwei ſt. Ortsbehörde, zwei ——— 7 v. u. iſt auch zu ſtreichen. — 402— 21. Reſolut ſt. Reſultat Randbemerkung, l. Steuererſatz ſt. Steuerſatz Anlage, Seite 11, 2 —— XXVIII Randbemerkung zu 3, l. Branntweinbrennen ſt. Bierzuge Berlin, gedruckt bei C. Feiſter und W. Eiſersdorff. ———-———— vip, 1. Flhemomerten 2ag. 2. Az˖kokoloneter. 95 —— e— —= Santns Shi W gec. 5. Sefekore E. — Beg 14 4 48 4» 5 ſſ K 1 fſſf 1i 1 brandier aber dre Kellenng der Haasckgefänse ee Ter Brewvwerei der du 8 llacrck- Aingang. Aaservonn. SSS 2n iege S, 2 27 e a Lazen 2,: — ue gez u eekenkorn. — = 2— 4 — 2 4*4 2 — — 4 4 — 3 —— —