——— ——— ———— 7. 2.*4 J. G. Kop pe, . Lehrers am landwirthſchaftlichen Inſtitute zu Mögelin, Unterricht i m Ackerbau und in der Viehzucht. Ein Handbuch fuͤr Landleute und alle, welche es mit dem Landmanne gut meinen, beſonders im Preußiſchen Staate. Königl. Preuß. Staatzsra Zwetiter Theil. uu“ Berlin, 1313. Bei Friedrich Braunes. — T——— ¹——=— —— Z — 1 1 3 5 5 3 Inhalt des zweiten Theils. Seite. Vom Anbau der Futtergewächſe uͤberhaupt. Vierzehntes Kapitel. 1 6 Vom Anbau der einzelnen Futtergewaͤchſe. Von den Kartoffeln(Knollen, Erdtoffeln, 6 Nudeln zc.).. 10 —— Kohlruͤben(Wrucken, Steckruͤben). 37 —— weißen Ruͤben(Waſſerruͤben).. 47 —— Mohrruͤben oder Moͤhren(Ka⸗ rotten, gelbe Rüben).. 57 —— Runkelrüben 64½ Vom Kohl, Kopfkohl oder Weißkraut.. 69. — rothen oder ſpaniſchen Klee, Kle⸗ ber, Brabanter oder Kopfklee. 74 Von der Luzerne und Esparſette.. 91 Vom Spoͤrgel(Knickſch, Kraniſch, Knoͤte⸗ rich, Juling, Kulinka, Nettkamm). 98 +-— IV — Seite Von den Wieſen. Funfzehntes Kapitel..— 106 Von der Viehzucht im Allgemeinen. Sechzehntes Kapitel..... 121 Vom A Von der Stallfutterung des Viehes... 132 Einige allgemeine Regeln der Viehzucht und Viehhaltung, anwendbar fuͤr alle Hausthiere.. 152 3 Vi Von der Pferdezucht..- 162 3 —— Rindviehzucht.. 173 ufh —— Schaagfzucht. 3.. 2⁰7 un —— Schweinezucht... 3 4 230 ku riichen vnd ausſchleßt nung als! Den richt de ſclech zu tagen. Au rgen äſe, nr zur Wi . nndenich u räfe Orn Cerleden. 7 lang Luͤter M . II 8————— Seite —— Vom Anbau der Futtergewaͤchſe. Vierzehntes Kapitel. E. giebt in unſern Gegenden ſehr wenige Laͤndereien, auf denen ohne menſchliche Kunſt und Arbeit eine hin— laͤngliche Menge Viehfutter waͤchſt. Sie finden ſich nur in der Naͤhe von Stroͤmen, Fluͤſſen, Baͤchen und zuwei— len in Niederungen zwiſchen hochliegenden Feldern, dieſe reichen und fruchtbaren Graslaͤndereien, die dann bald ausſchließlich zur Weide, bald theilweiſe zur Heugewin— nung als Wieſen benutzt werden. Die mehreſten uͤbrigen Wieſen und Weiden, welche nicht die genannte natuͤrliche Lage haben, pflegen ſo ſchlecht zu ſeyn, daß ſie nur ein kaͤrgliches Viehfutter tragen. Auf den Ackerlaͤndereien konnte nach der bishe⸗ rigen Weiſe, wo das beſſere Land nie einen vollen Som— mer zur Weide liegen konnte, ebenfalls keine Graspflanze ordentlich auffkommen, und das Vieh mußte an den meh—⸗ reſten Orten, ſowohl im Sommer wie im Winter, Hun— ger leiden. So lange das der Fall iſt, kann weder vieler, noch guter Miſt erzeugt werden. Das Stroh vom eigent⸗ II. 1 24 — ——— 5 — ꝗb ÿYöJYöäͤ—— * 5 1 2 lichen Getreide iſt zwar die Grundlage des Miſtes, aber tien lediglich, ohne Heu, Klee, Gras und Wurzelgewaͤchſe, noch daſſelbe mit dem Viehe verfuͤttert, giebt einen ſehr ma⸗ gev gern Miſt. nit) Was kann der Landwirth aber ausrichten, wenn er andes ſich nicht recht viel guten Miſt verſchaft? Welch' ein vicht Nittel hat er ſonſt, durch welches er ſich eben ſo leicht der! und ſo dauernd aus Noth und Duͤrftigkeit heraus arbei— N ten kann? Ich kenne keinen ſicherern Weg fuͤr den Land⸗ mann ſich in Wohlſtand zu verſetzen, in einen ſolchen onn Wohlſtand, der nicht voruͤbergehend, alſo vergaͤnglich, ſtii ſondern bleibend iſt, als den: die Fruchtdarkeit ſeiner df Felder zu vermehren. Dies geſchieht doch hauptſaͤchlich the durch den Miſt.) Koͤnnte man Miſt fuͤr Geld bekommen, und man end waͤre vermoͤgend genng, die Auslage zu machen, ſo wuͤrde anvn man ſein Geld auf keine beſſere Weiſe verzinſet erhalten, ſeren als vom eigenen Acker. Selten iſt dieſe Gelegenheit zum geüln Ankauf des Miſtes vorhanden; und eben ſo ſelten, iſt in den der Landmann jetzt in ſolchen Umſtaͤnden, dafuͤr baares unn Geld ausgeben zu koͤnnen. Er kann aber ſeinen Zweck Lh dadurch erreichen, daß er in ſeiner Wirthſchaft andere güani Einrichtungen trift, ſich Viehfutter bauet, und dadurch. im ſeinen Miſthaufen verbeſſert und vermehrt. m Wie man den Miſt auf das beſte im Stalle und Gih, außer demſelben behandeln muͤſſe; wie man ſeiner Ver— 1 zettelung vorbeugen, und auf alle Art ihn zu vermeh— 1 ma ren bemuͤht ſeyn ſollte u. ſ. w., davon habe ich ſchon im 9 3 vierten Kapitel weitlaͤuftig geſprochen. Jetzt bleibt mir noch zu zeigen uͤbrig, wie man die verſchiedenen Futter⸗ gewaͤchſe am leichteſten und beſten anbauet, aus welchen mit Huͤlfe des Strohes, oder in Ermangelung deſſen, 9 anderer Einſtreuung, der gute Miſt erfolgt. Dieſe Ge— waͤchſe ſind außer den ſchon erwaͤhnten Huͤlſenfruͤchten ſu der Klee, Spoͤrgel, die Kartoffeln, Ruͤben aller Art, Moͤhren, der Kohl u. ſ. w. 1 Ehe ich aber von dem Anbau dieſer Gewaͤchſe ſelbſt etwas ſage, will ich noch einige Betrachtungen voraus ſchicken, die uns in den Stand ſetzen, uͤber den Anbau des Viehfutters auf den Getreidefeldern richtig zu ur⸗ theilen. 1 Die Erde iſt aller Menſchen, Thiere und Pflanzen h Ernaͤhrerin. Indem wir dem Erdboden unſere Saamen 1 anvertrauen, und ſie in ihm wachſen, danken wir un— ſere Nahrung ihm ganz allein. Ohne unſer Zuthun giebt er uns aber wenig; mehr giebt er den Menſchen in den heißeren Erdſtrichen, wo die Arbeit, der Hitze V wegen, laͤßiger iſt. Denken wir uns aber hier eine Wildniß, einen Wald, oder uͤberhaupt eine ganz unan⸗ gebauete Gegend. Was werden wir da finden, um un⸗ —— 4 ſern Hunger zu ſtillen?— Nichts als einige elende Bee— ren, Eicheln und dergl. Fruͤchte, die jetzt kein Menſch 6 anruͤhren mag. Aber auch Thiere— wenigſtens groͤße⸗ 9 V rer Art— werden ſich auf einer gleichen Flaͤche Landes 1 im wilden Zuſtande viel weniger ernaͤhren, als wenn ſie von Menſchen bearbeitet wird, und neben den menſch⸗ 4 lichen Nahrungsmitteln noch eine große Menge thieri⸗ ſcher Nahrung traͤgt. Das Wild, welches ſich auf einer Feldmark ernaͤhren wuͤrde, die hundert Menſchen mit ihren noͤthigen Hausthieren durch ſorgfaͤltige Bebauung Nahrung giebt, wuͤrde kaum fuͤr zehn Menſchen hin⸗ reichen. Der Schoͤpfer verband alſo die Vermehrung und Fortpflanzung des Menſchengeſchlechts mit der Bebauung der Erde. Durch klug angewendeten Fleiß traͤgt ſie uns zehn, ja dreißigfaͤltige Frucht. Wem ſollte wohl unbe— kannt ſeyn, zu welchem Ertrage fleißige Landleute auf einzelnen Stuͤcken eine Getreidefrucht bringen koͤnnen? Wer denkt nicht an einen gut genuͤtzten Garten, wo auf Einem Morgen oft mehr menſchliche Nahrungsmittel er⸗ zeugt werden, als auf fuͤnf ſchlecht beſtellten andern Norgen im freien Felde? Nicht anders iſt es mit den Nahrungsmitteln der Thiere oder dem Viehfutter. Laſſen wir Land zur Weide liegen, ohne etwas dafuͤr zu thun, ohne ein Futterge⸗ waͤchs darauf auszuſaͤen, ſo kommen anfangs nur we⸗ nige und kleine Graͤſer und Pflanzen zum Vorſchein. Es muß ſchon Boden der beſten Art ſeyn, wenn drei Morgen zu einer Kuhweide hinreichen ſollen. Saͤen wie aber eins der genannten Futtergewaͤchſe an, ſo koͤnnen wir auf jener Flaͤche von drei Morgen wohl drei Kuͤhe ernaͤhren. Durch unſere Muͤhe und Arbeit vermehren wir alſo auch hier bei der Ernaͤhrung des Viehes den Boden um zwei volle Drittheile. Denn n g 9 iſt es nicht einerlei, ob ich wirklich neun Morgen beſitze oder nur drei, wenn ich von drei Morgen eben ſo viel Vortheil habe? Wenn ich aber dadurch, daß ich dasjenige Land, welches ſonſt zur Viehweide diente, nun mit Futterge— waͤchſen beſtelle, und von einem Morgen ſo viel Vieh— futter erhalte, als von drei Morgen, die zur wilden Weide liegen, ſo folgt, daß ich nun auch von gleicher Flaͤche dreimal ſo viel Miſt erhalte, wie ſonſt. Denn der Miſt erfolgt nur aus der Futterung und der Ein— ſtreu. Bedenken wir noch, daß bei dem Weidegange das Vieh den ganzen Tag herum laufen mußte, um ſich die wenigen Biſſen zuſammen zu ſuchen, die zerſtreut auf der Weide herum ſtanden, ſo muß es uns gleich einfal— len, daß wenigſtens die Haͤlfte von dem Miſte, welcher aus dem Weidegraſe erfolgte, einzeln verzettelt wurde, wo er nur wenig zu Nutzen kam. Bloß die andere Haͤlfte wurde von dem Viehe in den Stall gebracht. Wird das Vieh alſo mit den angebaueten Gewaͤch— ſen ganz im Stalle gefuͤttert, ſo erhalten wir von einem Morgen, mit Futtergewaͤchſen ordentlich beſtellt, ſo viel Miſt, wie von ſechs Morgen wilder Weide bei hinlaͤng— licher Einſtreuung. Glaubt nicht, lieben Landleute, daß dies bloße Mei⸗ nungen und Vermuthungen ſind. In ſolchen Gegenden, wo man alles Vieh im Stalle fuͤttert, iſt man ſo feſ von der Wahrheit des hier Geſagten uͤberzeugt, daß nie— mand daran zweifelt. Jeder Zweifler koͤnnte ſich dort 6 auch ſogleich durch die großen Haufen fetten Miſtes ei⸗ nes andern belehren laſſen, ſo wie durch das ſchoͤne Ge⸗ treide, welches er in jenen Gegenden antreffen wuͤrde. Der Verfaſſer hat ſelbſt die Erfahrung gemacht, wie ſchnell ſich der Miſt dadurch vermehren laͤßt, wenn man ſo viel Futter anbauet, daß man das Vieh Sommer und Winter reichlich im Stalle ernaͤhren kann. Er fand eine Wirthſchaft vor, wo das Rindvieh im Sommer auf den Braach⸗ und nachher auf den Stoppelfeldern wei⸗ dete. Er ſieng an diejenigen Felder mit Futtergewaͤchſen aller Art zu bebauen, die ſonſt zur Weide beſtimmt wa⸗ ren. Mit dem dritten Theile Landes konnte er nun mehr ausrichten, als vorher mit dem Ganzen. Er kam da— durch in den Stand, nicht nur im Sommer das Vieh reichlich zu ernaͤhren, ſondern hatte nun auch Gelegen— heit, es fuͤr den Winter beſſer wie vorher zu verſorgen. Der Miſt mehrte ſich nicht allein zuſehends, ſondern nahm auch in der Guͤte zu. Die Futtergewaͤchſe fingen an immer beſſer zu gedeihen, ſo wie allmählig mehr Miſt uns Land kam. Aber auch die Stroh⸗ und Getreideern⸗ ten wurden von Jahr zu Jahr beſſer, ſo wie der beſſere Miſt endlich allen Feldern zu Theil wurde. Ich kann daher aus voller Ueberzeugung allen bra⸗ ven Landleuten, denen es mit der Verbeſſerung ihres Zuſtandes ein Ernſt iſt, den Anbau der Futtergewaͤchſe mancherley Art anrathen. Der große Verſorger und Ernaͤhrer der Menſchen ſcheint es zu wollen, daß der Menſch mit Huͤlfe der — 4 Thiere ſich ernaͤhren, und diejenigen Fruͤchte anbauen ſoll, die ſeine Speiſe ſind. Dies ſcheint mir außer an— derem ſchon daraus hervor zu gehen, daß die Getreide⸗ arten, die die hauptſaͤchlichſte Nahrung des Menſchen ſind, am beſten gedeihen, wenn ſie mit Futtergewaͤchſen im Wechſel angebauet werden. Erhalten wir nicht da⸗ durch einen Fingerzeig, wie wir unſere Einrichtungen zu treffen haben, um die Abſichten der Natur zu erreichen? Verweilt noch einige Zeit bei dieſem Gegenſtande. Denkt Euch recht lebhaft die Wechſelwirkung zwiſchen Viehzucht und Ackerbau. Die Thiere ſollen leben, aber auch ſie leben nur fuͤr den Menſchen, den Herrn der ſichtbaren Schoͤpfung. Sie, die Thiere, naͤhren ſich groͤßtentheils von Pflan⸗ zen. Dieſe beginnen den Anfang in der lebenden Welt, und werden den Thieren Mittel ihres Lebens. Die Pflanzen ſtehen auf der unterſten Stufe des Lebens, aber ſie leben doch. In ihnen bewegen ſich Saͤfte, wie im chieriſchen Koͤrper. Vom Keimen des Saatkorns bis zu dem Zeitpunkte, wo ſich neue Saatkoͤrner gebildet haben, ganz aͤhnlich denjenigen, welche man ausſaͤete, gehen die Pflanzen die wunderbarſten Veraͤnderungen durch, die nur deswegen ſo wenig beachtet werden, weil ſie taͤg— lich zu ſehen ſind. Dieſe wohlthaͤtigen Geſchoͤpfe, die Pflanzen, leben nun zwar in der Erde, aber ihre eigentliche Nahrung iſt doch nicht Erde, ſondern wird bloß in derſelben zube⸗ reitet, und beſteht aus Ruͤckſtaͤnden und Ueberbleibſeln 8 ehemaliger Thiere und Pflanzen, die wir unter dem Na⸗ men Modererde kennen gelernt haben. Daß dieſe in den verſchiedenen Bodenarten in verſchiedener Menge vorhanden iſt, habe ich im erſten Kapitel geſagt. Wir koͤnnen dieſe Pflanzennahrung aber auch ganz, oder doch groͤßtentheils, aus einem Boden heraus bringen, wenn wir ihn zum Anbau von Gewaͤchſen zwingen, ohne ihm durch den Miſt immer ſo viel wieder zu geben, als die Gewächſe ausziehen. Wir nennen einen ſolchen Boden ausgezehrt, mager, duͤrftig, ſchlecht. Damit aber unſer Land in den Zuſtand der Er⸗ ſchoͤpfung und des Mangels an Pflanzennahrung nicht komme, muͤſſen wir darauf bedacht ſeyn, immer ſo viel Miſt aufzufahren, als es bedarf. Dieſen Miſt erhalten wir nur durch die Thiere. Werden die Gewaͤchſe, welche ein Acker trug, durch un⸗ ſer Vieh in Miſt verwandelt, und in ſolcher Geſtalt dem Lande zuruͤck gegeben, ſo erhaͤlt dieſes dadurch mehr Pflanzennahrung, als es zur Erzeugung jener Gewaͤchſe hergab. Denn dadurch, daß ſie durch den Leib der Thiere gingen, werden ſie weit geſchickter, neuen Pflanzen zur Nahrung zu dienen, als wenn ſie blos vermoderten oder verweſeten, und ſo wieder zuruͤck auf das Land gebracht wurden. Dieſe Vermehrung der Pflanzennahrung erfolgt aber ſchneller und beſſer durch ſolche Gewaͤchſe, die im gruͤ— nen, ſaftigen Zuſtande vom Felde kommen und den Thie⸗ ren gefuͤttert werden. Die reifenden Getreidefruͤchte ge⸗ .—õ——. 9 ben lihren edelſten Theil, die Koͤrner, den Menſchen. Den Thieren verbleibt das Stroh, welches ihrem Koͤr— per allein weder Kraft noch Saft zur Miſtverwand⸗ 1 lung giebt. Sie muͤſſen alſo nahrhaftes Futter erhalten, wenn dieſes Stroh von den Halmfruͤchten in guten Miſt verwandelt werden ſoll. Und nur unter dieſer Bedingung trift ein, was ich eben ſagte, daß durch die Thiere, durch ihre Verwande⸗ lung der Pflanzen oder Gewaͤchſe in Miſt, die Pflan⸗ zennahrung in der Erde ſelbſt ſich jaͤhrlich mehre. Ohne dies wird der beſte Boden endlich ausgeſogen. Erhalten die Thiere aber recht viel kraͤftige Nah— rungsmittel, von denen ſie gedeihen und ſich wohl befin— den, ſo geben ſie uns Menſchen wieder mancherlei Nah— rungsmittel durch ihre Milch und ihr Fleiſch, und lie— fern uns unſere uͤbrigen Beduͤrfniſſe der Kleidung, Be⸗ quemlichkeit ꝛc. Gewaͤchſe, die wir alſo bloß fuͤr die Thiere anbauen, ſind darum noch fuͤr uns keinesweges als Nahrungsmittel verloren. Sie werden durch die Thiere zu unſern Nahrungsmitteln ebenfalls umgeſchaf⸗ fen; und dies ſind gerade diejenigen, mit denen vereint uns die Getreidefruͤchte die wohlſchmeckendſte Speiſe geben. 4 ——. — f 2 4 b ——: — 8 2—— ——————— —— 7 „ —— Die weit groͤßere Vermehrung des Miſtes, die aber durch den Anbau von Futtergewaͤchſen erfolgt, hat auch ſehr bald auf die Vermehrung des eigentlichen Getreides Einfluß. Denn je mehr Nahrung die Pflanzen im Bo⸗ den vorfinden, deſto beſſer gedeihen ſie. Je mehr Pflan⸗ 1 —— — 10 zen man anbauet, deſto mehr Thiere kann man ernaͤh⸗ ren. Beides, Pflanzen und Thiere, geben dem Men⸗ ſchen Nahrung. Je mehr alſo der Erdboden von jenen beiden hervorbringt, deſto mehr Menſchen werden ſich erhalten und des vernuͤnftigen Daſeyns erfreuen koͤnnen. Und ſo betrachtet erſcheint uns das Leben der Pflan⸗ zen und Thiere als eine ewig in einander geſchlungene Kette, an die ſich zuletzt der Menſch anſchließt. Eins kann ohne das andere nicht beſtehen. Werden die unter⸗ ſten Glieder dieſer Kette, die Pflanzen, heraus geriſſen, ſo iſt das ganze Band geloͤſet. Sie haben ſelbſt ein un⸗ vollkommenes Leben, aber ſie geben den vollkommneren Weſen Nahrung. Sie vermehren, darauf ſinnen, von einer kleinen Flaͤche eine große Menge zu gewinnen, heißt das menſchliche Leben ſelbſt vermehren. Vom Anbau der einzelnen Futtergewaͤchſe. Von den Kartoffeln(Knollen, Erdtoffeln, Nudeln ꝛc.) Wo ſoll ich anfangen, um die Vortreflichkeit dieſes Gewaͤchſes wuͤrdig zu preiſe?—— Menſchen und Thiere verzehren die Kartoffeln mit Wohlgeſchmack. Ja ſie werden in manchen Gegenden von uns bald haͤufiger als das Brod gegeſſen. Ihr wichtigſter Vorzug iſt aber der, daß ſie auf gleicher Flaͤche weit mehr Nahrungsmittel tragen, als 11 irgend ein anderes, von uns angebauetes Gewaͤchs, und mehr als das beſte Getreide. Von Einem Morgen Lan— des kann man recht gut achtzig bis hundert Scheffel Kartoffeln ernten; in einzelnen Faͤllen hat man ſchon mehr als das Doppelte gehabt. Nun ſind aber drei Scheffel Kartoffeln im Verbrauche ſo gut wie ein Scheffel Roggen. Bleiben wir alſo auch nur bei einer Kartoffelernte von achtzig Scheffeln auf dem Morgen ſtehen, ſo ſind dieſe ſo gut wie ſechs und zwanzig Scheffel Roggen, die man nicht auf Einem Morgen er— bauen kann. Als Futtergewaͤchs betrachtet, haben die Kartoffeln vor den uͤbrigen Gewaͤchſen der Art folgendes voraus: ¹) Sie nehmen mit den mancherley Bodenarten am erſten vorlieb. Man kann ſie im Sandboden bauen, der außer Roggen und Buchweitzen faſt kein Gewaͤchs weiter traͤgt; aber auch im feſteſten Thonboden gebauet, erhaͤlt man bei zweckmaͤßiger Bearbeitung noch eine gute Ernte von ihnen. 2) Sie haben viel weniger Feinde unter den Rau— pen und Wuͤrmern, als die Kohl⸗ und Ruͤbengewaͤchſe. Man hat alſo nicht zu beſorgen, daß man durch ſolche Thiere um die ganze Kartoffelernte kommen werde, wie es mit dem Kohl und den Ruͤben wohl zuweilen geſchieht. 3) Selbſt ungluͤckliche Witterung ſchadet den Kar— toffeln weniger, wie den andern Futtergewaͤchſen. Sie halten weit mehr Duͤrre aus, als die verpflanzten Ge⸗ waͤchſe. 12 4) Das Ausſtecken oder Legen der Kartoffeln kann faſt bei jeder Witterung geſchehen. Wie aͤngſtlich muß man dagegen die Witterung zum Pflanzen des Kohls und der Ruͤben wahrnehmen? Wie ſorgfaͤlkig muß man das Land zu dieſen letztern Gewaͤchſen vorbereiten?— Auch dies hat man bei den Kartoffeln nicht in dem Grade noͤthig. Sie gedeihen allerdings in dem lockern, gut zu— bereiteten Boden am beſten. Aber ſie ertragen es auch, daß man waͤhrend ihres Wachsthums den Boden noch vollends bearbeitet, wenn man es vorher nicht zur Ge— nuͤge gethan hat. 5) Endlich muß ich noch erwaͤhnen, daß die Kartof⸗ feln, wegen ihrer mehligen Beſchaffenheit, unter allen Fut— tergewaͤchſen dem Getreide am aͤhnlichſten ſind. Man kann ſie daher bei der Futterung des Viehes auch da ge— brauchen, wo man ſonſt Getreide zu geben gezwungen iſt. Zum Traͤnken der traͤchtigen Kuͤhe und zum Maͤſten der Schweine ſind die Kartoffeln gekocht, wie allen be⸗ kannt, ein herrliches Futter. Auch den Pferden kann man die Kartoffeln geben, und dadurch alles Kornfutter erſparen. Zum Brodbacken, zum Staͤrkemachen und zum Branntweinbrennen werden die Kartoffeln ſo gut wie Getreide gebraucht. Ich koͤnnte noch mehrere dergleichen Vorzuͤge auf— zaͤhlen, wenn ich nicht wuͤßte, daß jeder kluge Landmann ſchon feſt genug von der Vortreflichkeit dieſes Gewaͤchſes uͤberzeugt waͤre. Ich will daher zu der Anweiſung uͤber⸗ ————— ——————ÿÿõö,———— ——— 13 gehen, wie man die Kartoffeln am beſten und leichteſten anbauet. Zuerſt etwas von dem Boden, welcher den Kar⸗ toffeln am zutraͤglichſten iſt. Wenn ich gleich von ihnen angeruͤhmt habe, daß ſie zur Noth mit dem verſchiedenſten Lande vorlieb nehmen, ſo habe ich damit keinesweges behaupten wollen, als waͤre ein Boden ſo gut zu dieſem Gewaͤchſe wie der an— dere. Sehr feſter, thoniger Boden ſagt ihnen weniger zu, als ein muͤrber, mit Modererde wohl gemengter Lehmboden. Hat derſelbe eine etwas feuchte Lage, ſo iſt er um ſo paſſender dazu; aber Naͤſſe koͤnnen die Kartof⸗ feln gar nicht ertragen. Sie verfaulen dann ſchon, ehe ſie keimen, oder wenn ſie im beſten Wachsthum ſind. Auf einem ſolchen, der Naͤſſe nicht ausgeſetzten Lehmboden, geben ſie einen aͤußerſt ſichern und ſehr hohen Ertrag, der faſt von keiner Witterung abhaͤngig iſt, wenn man das Land dazu gehoͤrig tief bearbeitete. Denn in dieſem Falle koͤnnen ſie Monate lang eine große Duͤrre aushalten, wie ich aus Erfahrung weiß, und naſſe Witterung ſchadet ihnen eben ſo wenig, wenn man nur dafuͤr ſorgt, daß das Waſſer nirgends ſtehen bleibt. Je mehr ſich der Boden aber zum reinen Sande oder zum ſtrengen Thon hinneigt; alſo nicht aus der gluͤcklichen Miſchung beider Erdarten in ziemlich gleichem Verhaͤltniſſe beſteht, wie es bei dem Lehmboden der Fall iſt, um ſo unſicherer wird der Kartoffelbau auf einem 14 ſolchen, und um ſo mehr Aufmerkſamkeit erfordert die ganze Behandlung der Kartoffeln. Der ſtrenge, gebundene Thonboden muß zu Kar— toffeln ſehr oft und gut bearbeitet, und mit ſolchem Miſte geduͤngt werden, der ihn lockerer macht. Beobachtet man dies gleich im Fruͤhjahre gehoͤrig, und bereitet ſol— chen Boden zu den Kartoffeln ſo vor, daß ſie in ein wohl zerkruͤmeltes Land kommen, und verhuͤtet durch die nachfolgende Bearbeitung, daß es niemals in Schol⸗ len zuſammen trocknet, ſo werden die Kartoffeln ſehr gut hier wachſen, und werden durch ihre Beſchattung hernach den Boden unter ſich feucht und locker erhalten. Und dann kann man nicht nur eine gute Kartoffelernte erwarten, ſondern das Land ſelbſt wird durch dieſe Be— arbeitung und nachmalige Beſchattung zu allen nach— folgenden Getreidefruͤchten auf eine vortrefliche Weiſe vorbereitet. Je ſandiger und lockerer der Boden wird, um ſo weniger richtet man mit der Bearbeitung aus. Sie iſt darum gerade in ſolchem Lande nicht unnuͤtz; ſie wird fich, wie in der Folge gezeigt werden ſoll, immer reich— lich bezahlen, nur nicht ſo, wie im feſten Boden. Da—⸗ fuͤr muß man das Sandland aber recht zeitig beſtellen; man muß es weniger aber dafuͤr um ſo tiefer pfluͤgen; man muß die Kartoffeln etwas dichter darauf ausſtecken, damit ſie hernach durch eine dichte Beſchattung dem Austrocknen zuvorkommen, wenn man hier gute Kar⸗ toffeln erbauen will, — 15 Beobachtet man dies und duͤngt zugleich mit recht kraͤftigem, kurzen Miſt, ſo wird man auch bei ziemlicher Duͤrre auf Sandland noch gute Kartoffeln ernten. Denn dieſe koͤnnen weit mehr trockene Witterung aushalten, wie die Getreidearten. Ob das Land mit Unkraut aller Art angefuͤllt iſt, auf welches man Kartoffeln bringen will, braucht man gar nicht in Erwaͤgung zu ziehen. Denn es iſt gerade ein Hauptvortheil, den man durch ihren Anbau erreicht, daß man das Land dadurch von Unkraut reiniget. Ge⸗ rade das allerunreinſte, verwildertſte Land muß man zu den Kartoffeln nehmen, und es ſich gleich vornehmen, nicht eher zu ruhen, als bis man alles Unkraut zerſtoͤrt, und das Land ganz muͤrbe und klar gemacht hat. Ge— woͤhnlich erntet man dann in ſolchem vormals unreinem Lande beſſere Kartoffeln, wie in reinem, weil die Un⸗ krautswurzeln zur Duͤngung werden, wenn man ſie ſo ſehr beunruhigt, daß ſie verweſen muͤſſen, Wollt Ihr aber mit der Bearbeitung verwilder⸗ ten Landes Euren Zweck erreichen, lieben Freunde, ſo muͤßt Ihr ſie nicht verſchieben, bis Ihr die Kartoffeln pflanzen wollt. Ihr muͤßt ſchon im Herbſte damit den Anfang machen. Ihr pfluͤgt das Land dazu zeitig um, und laßt es in rauhen Furchen ungeegget liegen. Durch den Froſt wird es muͤrbe werden, und die Queckenwur⸗ zeln werden zum Theil erfrieren. Nach dem Abtrocknen wird dieſes Land im Fruͤh⸗ jahre tuͤchtig geegget und zum zweiten Male gepfluͤgt. 16 Waͤre es ganz mit Wuͤrzelunkraut uͤberzogen, ſo wuͤrde das erſte Pfluͤgen nur flach geſchehen muͤſſen. Waͤre es aber vorzuͤglich voller Saamenunkraut, wie Hederich ꝛc. ſo muͤßte man gleich im Herbſte recht tief pfluͤgen. Bei Wurzelunkraut wuͤrde aber die zweite oder die Fruͤhjahrs— furche am tiefſten gegeben werden muͤſſen. Auch wuͤrde wohl in dieſem Falle ein drittes Pfluͤgen noch ſehr zu— traͤglich vor der eigentlichen Ausſaat ſeyn. Bei mehr ſandigem Boden und vielem Hederich, reicht ein zweima— liges Pfluͤgen vor dem Pflanzen der Kartoffeln. Je tho— niger aber der Boden wird, um ſo noͤthiger wird ein oͤfteres Pfluͤgen vor der Saat, wie ich ſchon einmal ge— ſagt habe. Hat man durch die fleißige Bearbeitung das Land ſo weit vorbereitet, daß alle Schollen und ganze Furchen zerriſſen ſind; daß es durchaus wenigſtens locker und muͤrbe iſt, ſollten auch die Queckenwurzeln noch leben, wie gewoͤhnlich, ſo kann man zum Legen und Pflanzen der Kartoffeln ſchreiten. Vorher muß ich aber noch der Duͤngung gedenken. Man hat verſchiedene Gebraͤuche, wie und wann man den Miſt zu Kartoffeln faͤhrt. Manche behaupten, daß es beſſer ſey, den Miſt nicht eher aufs Land zu brin— gen, als bis man die Kartoffeln legen wolle; andere pfluͤgen ihn drei- oder viermal mit dem Lande, und fah⸗ ren ihn alſo auf, ehe ſie dem Lande die erſte Furche geben. Ich rathe ſo: beobachtet die fuͤr Euch ſchicklichſte Zeit 17 Zeit zum Miſtfahren; die beſten Wege und denjenigen Zuſtand des Miſtes, wenn er gehoͤrig gefault iſt. Denn nach meinen Erfahrungen macht es wenig Unterſchied, man pfluͤgt den Miſt mit dem Lande, oder man bringt ihn erſt beit der Ausſaat der Kartoffeln auf. War der Miſt nur gut, ſo wird er in beiden Faͤllen ſeine Wir⸗ kung aͤußern. Bei ſehr durch Quecken und andern Gras⸗ wurzeln verunreinigtem Lande wird die erſte Bearbeitung des Landes durch langen Miſt erſchwert, weil die Eggen ſich vollſchleppen und nicht eindringen; hingegen bei Land, welches voller Hederichsſaamen iſt, wird eine fruͤhe Duͤn⸗ gung gleich mit der erſten Pflugfurche das Keimen des Saamens ſehr befoͤrdern, welches man immer zu befoͤr⸗ dern ſuchen muß, wenn man das Land bearbeitet. Genug, einen ganz beſtimmten Rath uͤber die beſte Zeit der Miſtausfuhre zu Kartoffeln kann ich nicht geben, ſondern mache einen jeden aufmerkſam, die erwaͤhnten Umſtaͤnde und ſein Land zu betrachten, und ſich danach, ſo wie nach ſeiner Zeit, zu richten. Denn da zu Kar⸗ toffeln der Wintermiſt genommen wird, ſo iſt es wohl ſehr gut, wenn man ihn auch zum Theil im Winter ausfaͤhrt, um hernach deſto mehr Zeit zu andern Arbei⸗ ten zu haben, wenn die Witterung beſſer wird. Die Kartoffeln und alle Wurzelgewaͤchſe erfordern eine ſtaͤrkere und beſſere Duͤngung, als Getreide. Ich ſetze voraus, daß jeder gute Wirth ſeinen Miſt ſo ver⸗ packen und zurichten wird, als ich im vierten Kapitel von der Duͤngung gelehrt habe. Denn ein ſolcher ge⸗ II. 1 2 4 18 faulter Miſt iſt zu ihrem guten Gedeihen noͤthig; in ausgewaſchenem, rohen, ſtrohigen Miſt wuͤrden ſie nur ſchlecht wachſen. Kartoffeln erfordern Miſt, aber ſie geben ihn mit reichen Zinſen zuruͤck, d. h. wenn ſie verfuͤttert werden, ſo erlangt man mehr Miſt von ihnen, als ſie zu ihrem Wachsthum gebraucht haben. Ich will hier nicht eine beſtimmte Fuderzahl fuͤr den Morgen anſetzen, weil erſt⸗ lich die Fuder ſelbſt in jeder Gegend anders ſind, und weil es bei der Duͤngung zu Kartoffeln auf den Boden ſelbſt und auf die Fruͤchte ankommt, die man noch nach— her von dieſer Duͤngung ernten will. Iſt der Boden z. B. feſt und thonig, ſo wird man ihn durch eine ſehr ſtarke Duͤngung locker machen muͤſ⸗ ſen. Will man im zweiten Jahre nach den Kartoffeln eine gute Kleeernte, und danach vielleicht noch eine gute Weitzenernte halten, ſo muß man gleich bei der Duͤngung darauf Ruͤckſicht nehmen. Ein Drittheil Miſt mehr, wie zu Getreide, muß man in der Regel wohl immer zu Kartoffeln geben. Das Kartoffelland muß einmal ganz vorzuͤglich bearbeitet werden. Damit ſich nun aber auch die Arbeit reichlich bezahle, ſo iſt eine ſtarke Duͤngung noth⸗ wendig. Nach einer ſolchen keimen alle Unkraͤuter beſſer und leichter; die Kartoffeln geben in gut geduͤngtem Lande beinahe das Doppelte gegen mager geduͤngtes Land; alle folgende Fruͤchte gerathen um ſo beſſer, und man kann danach noch drei, vier bis fuͤnf gute Getreide⸗ und — d 19 Futterernten halten, wenn man die Fruͤchte in der von der Natur vorgeſchriebenen Ordnung folgen laͤßt. Auf thonigem Boden, der mit Einem Male eine ſehr ſtarke Duͤngung zu ſeiner Lockerung bedarf, aber dafuͤr auch den Miſt um ſo laͤnger an ſich haͤlt, kann man nach einer ſtarken Duͤngung zu Kartoffeln noch fol— gende Fruͤchte bauen: 1¹) Gerſte mit Klee, 2) Klee, 3) Weitzen, 4) Wicken oder Erbſen und 5) Roggen. Auf Boden, der mehr Sand hat, wie auf ſandigem Lehm— boden, der mit Modererde maͤßig vermengt iſt, kann man zwar nach einer ſchwaͤchern Duͤngung ſchon eine gute Kartoffelernte halten. Man darf aber auch nicht darauf rechnen, daß man ſo viele Fruͤchte wie auf dem vorigen Boden nach dieſer Duͤngung ziehen kann. Traͤgt der mehr lockere Boden zuerſt nach den Kartoffeln Som⸗ merweitzen, Hafer oder Gerſte mit Klee, zweitens Klee und drittens Roggen oder Weitzen, ſo wird man nun auch aufs Neue duͤngen muͤſſen. Wer wegen geringer Miſtvorraͤthe zu ſeinen Kar⸗ toffeln nicht ſtark duͤngen kann, aber doch gern recht viele Kartoffeln ziehen will, der wird die Wirkſamkeit des Miſtes dadurch vermehren koͤnnen, daß er den Miſt unmittelbar auf die Pflanzkartoffeln legt, ehe er ſie mit Erde bedeckt. Dies macht man ſo: nachdem das Land zu Kartoffeln voͤllig bearbeitet iſt, faͤhrt man erſt den Miſt auf. Man breitet ihn aus, und ſchreitet nun zum Legen der Kartoffeln. Man giebt einem Jungen eine Harke und laͤßt nun damit den Miſt immer in diejenige ——— — ——— 7 — 20 Furche ziehen, in welche die Kartoffeln gelegt werden. Dadurch wachſen die Kartoffeln gleich vom erſten An— fange an durch den Miſt durch, und haben ihn ſo nahe, als moͤglich. In beſonders zaͤhem Boden, wo man die Kartof— feln nicht nach dem Pfluge einlegt, ſondern einhackt, hat man den Gebrauch, daß man mit der Hand auf jede Kartoffel Miſt legt, ehe man ſie mit Erde bedeckt. Die ſchickliche und beſte Zeit zum Ausſtecken der Kartoffeln dauert ſehr lange. Man kann ſie den ganzen April und Mai durch legen; ja ich weiß, daß man zu Anfange des Juni Kartoffeln ausgeſteckt, und noch eine ſehr gute Ernte von ihnen erhalten hat. Man binde ſich daher ja nicht aͤngſtlich an eine gewiſſe Zeit, die ir⸗ gend in einer Gegend fuͤr die beſte gehalten wird, noch weniger richte man ſich bei der Ausſaat nach dem Mon⸗ denwechſel. Die beſte Zeit zur Ausſaat der Kartoffeln iſt in den beiden genannten Monaten die, wo man ſein Land recht gut dazu vorbereitet hat. Dies moͤglichſt gut vorher zu thun, rathe ich jedem an. Er wird ſich hernach die Be⸗ arbeitung der Kartoffeln ſelbſt ſehr erleichtern. Ob man gleich waͤhrend des Wachsthums der Kartoffeln Platz genug zur Bearbeitung hat, ſo iſt ſie doch immer um— ſtaͤndlicher, als wenn das Land noch gar nicht beſtellt iſt, und man die Kreutz und Queere mit den Ackergeraͤthen ziehen kann. Ich weiß wohl, daß manche ihre Kartoffeln in zaͤ⸗ ———ͤͤͤ 21 hes, rauhes Land legten, bloß weil ſie eine fruͤhe Aus⸗ ſaat fuͤr zutraͤglich hielten, und daß die Kartoffeln der— jenigen, welche ſich daran nicht gekehrt, ſondern ihr Land tuͤchtig bearbeitet hatten, eben ſo fruͤh aufliefen, ob ſie gleich zehn bis zwoͤlf Tage ſpaͤter in die Erde gekommen waren. Je reiner, muͤrber das Land iſt, in welches man die Kartoffeln legt, deſto eher kommen ihre Blaͤtter zum Vorſchein, und um ſo ſchneller wachſen ſie empor. Bloß ſandiges Land macht von dieſer Regel eine Ausnahme. Hier iſt eine fruͤhe Beſtellung, ehe das Land von der Sonnenhitze ausgetrocknet iſt, doch vortheilhaft. Dieſes Land braucht aber auch zu Kartoffeln bei weitem nicht ſo oft gepfluͤgt zu werden. Oft iſt ſchon ein einma⸗ liges Pfluͤgen hinreichend. Man bringt die Kartoffeln auf die verſchiedenſte Weiſe in die Erde. Kanche bereiten das Land dazu wie zu jeder andern Saat, und hacken ſie dann mit der Hacke ein. Andere nehmen den Spaten. Einer hebt damit die Erde auf, und der Andere wirft in dies Loch die Saat— kartoffeln hinein, die der Erſte mit der ausgehobenen Erde bedeckt. Die leichteſte und beſte Art iſt wohl die, die Saat⸗ kartoffeln in die Pflugfurche zu legen, und ſie durch den Pflug mit Erde zu bedecken. Jene Art der Ausſaat mit Hacke und Spaten ſchickt ſich mehr fuͤr kleine Leute, die kein Geſpann halten koͤnnen und ihr Land graben. Alle 22 diejenigen aber, welche Geſpann haben, thun beſſer, das Land vorher zu bearbeiten, damit dies Unterpfluͤgen angeht. Das Einlegen in die Pflugfurche ſelbſt muß mit einiger Sorgfalt geſchehen. Die Kartoffeln muͤſſen nicht ſo nach Gutduͤnken hingeworfen werden, ſondern man muß jede einzelne in den Rand der lockern Furche zur rechten Hand in der Entfernung eindruͤcken, als ſie liegen ſoll. Dies macht weniger Schwierigkeiten, als man glaubt, und geht erſtaunlich ſchnell. Es hat aber den Vortheil erſtlich, daß die Kartoffeln gleich weit von einander zu ſtehen kommen, weil ſie da liegen bleiben, und nicht von den Ochſen oder Pferden ſo leicht wegge⸗ riſſen werden koͤnnen. Dann kommen die Kartoffeln auch nicht auf den harten, feſten Untergrund, ſondern koͤnnen ihre erſten Wurzeln in lockrer Erde treiben. Nachlaͤßig in die Pflugfurche hingeſtreuet wird auch manche Kartoffel vom Pflugrade zerquetſcht. Ein wenig Schwierigkeit macht es, die an den Rand der Furche eingedruͤckten Saatkartoffeln mit Erde zu be— decken. Man muß den Pflug ſo einrichten, daß er ſtark ſtreicht. Man muß alſo das Streichbrett recht breit ſtel— len, oder ein kleines Brettchen ſo lange an das Streich⸗ brett befeſtigen, als man Kartoffeln unterpfluͤgt. Uebri⸗ gens kann der Pfluͤger viel zur ordentlichen Bedeckung der ausgelegten Kartoffeln thun, wenn er immer darauf achtet und den Pflug danach fuͤhrt. Gewoͤhnlich legt man die Kartoffeln in die zweite 0 290 Furche. Auf ſandigem Boden, wo man breite Furchen halten kann, kommen ſie auch weit genug aus einander zu ſtehen. Auf thonigem Boden, oder ſolchem, der ſehr voller Unkraͤuter iſt, thut man beſſer, ſie in die dritte Furche zu legen, und immer zwei leer zu laſſen. Die groͤßere Entfernung, in welcher ſie dann zu ſtehen kom— men, erleichtert die Bearbeitung; auch hat ein ſolcher Boden Kraft genug, um ſolche Stoͤcke zu treiben, daß ſie das ganze Land beſchatten koͤnnen. Man wird gewiß eben ſo viel Kartoffeln ernten, als wenn man ſie dichter gelegt haͤtte, und kann betraͤchtlich an der Ausſaat ſparen. Zur Saat ſelbſt nimmt man die Mittelkartoffeln, die man eigends dazu jedesmal ausſuchen ſollte. Ganz große auszuſtecken iſt Schade, weil das uͤbrige Fleiſch ohne Nutzen in der Erde verfault. Ganz kleine Kartof⸗ feln darf man aber deswegen nicht zur Saat nehmen, weil ſie nicht ihre voͤllige Reife erlangt haben, mithin nur kraͤnkliche, unvollkommene Stoͤcke hervor bringen wuͤrden. Will man aber doch ganz große Kartoffeln ausſtecken, ſo ſchneide man ſie durch. In Zeiten, wo die Kartoffeln im Fruͤhjahre ſehr rar ſind, kann man noch haushaͤlteriſcher mit der Saat zu Werke gehen, wenn man bloß die Augen der großen Kartoffeln ausſticht, dieſe ausſetzt, und das Fleiſch der Kartoffeln verbraucht. Dies kann man ohne alles Be⸗ denken thun. Man wird von ſolchen Augen eben ſo gute Kartoffeln ernten, als von ganzen Stuͤcken. 24 Nur muß das Land zu einer ſolchen Pflanzung um ſo ſorgfaͤltiger bereitet werden, damit dieſe kleinen Keim⸗ ſtuͤckchen in recht klares Erdreich kommen, wo ſie ihre Wurzeln mit Leichtigkeit treiben koͤnnen. Auch muß das Ausſtechen einige Zeit vor dem Legen geſchehen, damit ſie in einer trockenen, luftigen Kammer, duͤnn ausgebrei⸗ tet, etwas abwelken und in der Erde nicht faulen. Man kann ſie gegen das Fruͤhjahr von den Kartoffeln nehmen, die man taͤglich kocht. Dieſe Kartoffelaugen muß man jedoch dichter legen. Alle fuͤnf oder ſechs Zoll muß eins zu liegen kommen. Legt man ganze, unzerſchnittene Mittelkartoffeln, ſo iſt die beſte Entfernung einer Pflanze von der andern ein Fuß. Nach dem Pflanzen der Kartoſſeln laͤßt man das Land ſo lange ungeeggt liegen, bis der Hederich und an— deres Unkraut hervor gruͤnen, auch einzelne Kartoffel— pflanzen ſich zu zeigen anfangen. Dann eggt man das Land tuͤchtig. Das iſt die erſte Zerſtoͤrung des Un— krauts, wonach die Kartoffeln ſich ſehr bald voͤllig zei— gen werden. Bald iſt nun auch das Behacken nothwendig. Dies erſte Behacken iſt von erſtaunlicher Wichtigkeit. Je fruͤ⸗ her es geſchieht, deſſo beſſer iſt es fuͤr die Kartoffeln. Je weniger ſie uͤberhaupt jemals vom Unkraute leiden, um ſo beſſer wachſen ſie empor. Sie uͤberwinden es aber nie ganz, wenn ſie zu einer Zeit vom Unkraute unterdruͤckt wurden. Sie werden dann ſchwachhalmig, 23 und bilden nie ſolche ſtarke Stoͤcke, unter welchen ſich die Bollen vorzuͤglich anhaͤufen. Das Behacken kann entweder mit der Hand geſche— hen, oder eben ſo gut mit ſolchen Werkzeugen, die gleich den Pfluͤgen von Pferden gezogen werden. Auf Ritter⸗ guͤtern iſt dieſe letztere Art der Bearbeitung ſchon faſt allgemein, weniger wird ſie zur Zeit noch von Bauern angewendet. Letztere koͤnnen die Bearbeitung ihrer Kar⸗ toffeln mit der Hand freilich leichter erzwingen, als Be⸗ ſitzer ſehr großer Guͤter. Wolten ſie aber ſo viel Kar— toffeln anbauen, als ihnen zum Beſten ihrer ganzen Wirthſchaft anzurathen iſt, ſo werden die Bauergutsbe⸗ ſitzer ebenfalls nicht mehr im Stande ſeyn, ſie blos mit der Hand zu bearbeiten. Aber ſelbſt in dem Falle, lieben Landleute! daß es Euch dazu nicht an Haͤnden fehlte, rathe ich Euch doch noch zu der Bearbeitung mit dieſen Werkzeugen, weil ich glaube, daß ein jeder noch andere Arbeit vollauf ſin⸗ den wird, wo er ſeine Zeit nuͤtzlich anwenden kann, die er dadurch erſpart, daß er die Kartoffeln mit einem Pferde behackt. Dieſe Werkzeuge, welche dazu gehoͤren, ſind ſo ein⸗ fach, daß ſie ein guter Stellmacher und Schmidt nach⸗ machen koͤnnen, wenn ſie nur ein ſolches Inſtrument vor ſich haben, nach welchem ſie arbeiten koͤnnen. Da ſie aber auf den mehreſten Ritterguͤtern jetzt ſchon ange⸗ ſchaft ſind, ſo wird ein betriebſamer Landwirth wohl A —— — — 26 Gelegenheit finden, ſich eins danach machen zu laſſen, wenn es ihm ernſtlich darum zu thun iſt. Auch iſt gar nicht noͤthig, daß ein Einzelner ſich beide Werkzeuge, das zum Behacken und das andere zum Behaͤufeln, anſchaffe. Es koͤnnen ja viere zuſam⸗ men treten. Zwei halten das Hackeinſtrument und zwei das zum Behaͤufeln. Auf dieſe Art kämen auf einen nur wenige Koſten, und zwei ſolche gute Inſtrumente dauern ſehr lange, wenn man ſie ordentlich aufhebt. Nan findet ja auf dem Lande haͤufig den Gebrauch, daß ein paar Nachbarn gewiſſe Geraͤthe, die nicht haͤu— fig gebraucht werden, in Gemeinſchaft haben. Rollen, große zweiſpaͤnnige Eggen, Walzen, Schrauben zum Unterſchwellen ꝛc. haben oft zwei und noch mehr Nach— barn gemein; warum koͤnnte man es mit dieſen Werk— zeugen, die ebenfalls nur eine kurze Zeit gebraucht wer⸗ den, nicht eben ſo halten? Ich kenne eine Gegend in Sachſen, wo alle Bau— ern ihre Kartoffeln mit Pferden und ſolchen Werkzeugen behacken. Wenn nur erſt einer anfaͤngt, ſo werden die andern bald nachfolgen, weil die Sache wirklich ſo vor⸗ theilhaft iſt. Denn ſelbſt vor dem Handhacken hat das Bearbei— ten der Kartoffeln mit genannten Werkzeugen Vorzuͤge, ſo bald ich ſo viel Kartoffeln habe, daß ich zehn Tage daran hacken muͤßte, ehe ich damit fertig wuͤrde. Die in den letzten vier Tagen gehackten Kartoffeln leiden glles Fattof zätpun Unkrau in mei ſen, 27 7 gewoͤhnlich ſchon etwas vom Unkraute, weil dieſes gerade um dieſe Zeit am lebhafteſten waͤchſt. Habe ich aber ein paſſendes Inſtrument und ein gutes Pferd, ſo kann ich in Einem Tage ſechs Morgen Kartoffelland damit ſchwarz machen. Ich kann alſo den Zeitpunkt zu dieſer Arbeit auswaͤhlen, wo gerade das Unkraut eben recht hervorgekommen iſt. Da es aber in meiner Macht ſteht, es in ſo kurzer Zeit zu vernich⸗ ten, ſo brauche ich es nie ſo heran wachſen zu laſſen, daß es den Kartoffeln ſchaͤdlich wuͤrde. Iſt in acht oder zehn Tagen neues Unkraut hervor gekommen, ſo wiederholt man die Arbeit eben ſo ſchnell noch einmal, und ſollte es noͤthig ſeyn, ſogar zum drit— ten Male, oder ſo lange, bis die Kartoffeln ſo heran gewachſen ſind, daß ſie behaͤufelt werden muͤſſen. Das Haͤufeln gehet ſchwerer fuͤr das Pferd. Man kann ſo viel nicht in Einem Tage verrichten, wie beim Behacken. Aber die Arbeit wird auch ſo ſauber, wie ſelten mit der Handhacke. Man muß ſie nur mit Luſt verrichten und muß die Reihen ein paar Mal durch— gehen, und die Unkraͤuter ausziehen, die zwiſchen und an den Kartoffelſtauden ſtehen. Wie oft habe ich ſchon ſagen hoͤren: ich bauete gern mehr Kartoffeln, wenn ich es nur mit der Arbeit zwin⸗ gen koͤnnte. Aber gerade dann, wenn die Kartoffeln gehackt werden muͤſſen, iſt der Lein zu jaͤten und der Hirſen, der Kohl zu pflanzen, ſo daß man oft nicht weiß, was man erſt machen ſoll.— Wie willig muß man alſo eine Gelegenheit ergreifen, dieſer Arbeit ſich zu uͤberheben, oder ſie doch mit weit weniger Menſchen⸗ haͤnden ausrichten zu koͤnnen. Wer dies Behacken mit dem Pferde noch nicht geſehen hat und es anfangen will, der ſey nur nicht aͤngſtlich, ſondern beginne die Arbeit in der feſten Ueber⸗ zeugung, daß er eben ſo gute Kartoffeln danach ernten werde, als wenn er es mit der Hand verrichtete. Man denke aber ſchon bei der erſten Bearbeitung des Landes zu Kartoffeln darauf, und bereite das Land ſehr gut dazu vor. Denn ehe man ſich die noͤthige Fertigkeit zum Ge⸗ brauch dieſer Inſtrumente erworben hat, iſt es doch gut, Lwenn man ſie zuerſt nur in klarem Lande braucht. Hat man ſich erſt einige Uebung verſchaft, ſo wird man auch mit unreinem und kloͤßigen, ſcholligen Lande fertig werden. Sind die Kartoffeln behäufelt, ſo beduͤrfen ſie keiner weiteren Pflege. Man huͤte ſich nur, ihnen das Kraut zu fruͤh abzuſchneiden. Ein Gebrauch, der leider ſehr haͤufig angetroffen wird. Die Kartoffeln muͤſſen ihr Kraut ſo lange behal⸗ ten, bis ſie reif ſind. Dies iſt dann der Fall, wenn das Kraut eine gelbe Farbe annimmt. Da nun eine Kartoffelart immer fruͤher reif wird, wie die andere, ſo muß man fruͤhe und ſpaͤte Sorten zugleich anbauen; dann kann man das Kraut von allen nuͤtzen und kann es abſchneiden, ehe es ganz trocken wird. Haͤtte man an, n ſonder uffln rufge 29 aber nur eine Kartoffelſorte, ſo wuͤrde das letzte Kraut voͤllig trocken ſeyn, ehe man es verfuͤttert haͤtte. Man wird dann aber auch nicht leicht eine Miß— ernte an den Kartoffeln erleben, wenn man fruͤhe und ſpaͤte Sorten hat. In dieſem Falle trift vielleicht der fruͤhen Art bei dem Anſetzen der jungen Kartoffeln ſehr trockene Witterung, und ſie geben nicht viel heraus. Um ſo beſſer lohnen dann aber die ſpaͤten, welche zu einer andern Zeit anſetzen und wachſen, und viel guͤnſtigeres Wetter treffen koͤnnen. Selbſt fuͤr das Ausgraben der Kartoffeln ſind fruͤhe und ſpaͤte Sorten gut. Wenn die ſpaͤten vielleicht noch ganz gruͤn ſind und am beſten wachſen, ſind die fruͤhen vielleicht ganz reif, und man kann ſie ſchon einernten. Denn ſollen ſich die Kartoffeln recht gut aufheben laſ⸗ ſen, ſo muß man ſie nicht eher ausnehmen, als bis ſie reif ſind. In naſſen Sommern gruͤnen die ſpaͤten Kar⸗ toffeln bis in den November hinein. Darum muß man halb fruͤhe, halb ſpaͤte auspflanzen. Man waͤhlt zum Aufnehmen der Kartoffeln, wenn es irgend angeht, trockenes Wetter. Nicht nur deswe⸗ gen, weil die Arbeit dann weit beſſer von ſtatten geht, ſondern weil die aus feuchter Erde genommenen Kar⸗ toffeln ſehr unrein ſind und leicht faulen, wenn ſie hoch aufgeſchuͤttet liegen. Man kann ſich zum ſchnellern Aufnehmen ebenfalls der Huͤlfe des Pfluges bedienen. Man faͤhrt das erſte Mal mit dem Pfluge hart an der Reihe hin, doch ſo, 530 daß man in dieſem erſten Pflugſtreifen keine Kartoffeln umlegt. Zum zweiten Male ſtellt man den Pflug recht tief, und wendet die ganze Reihe herum. Dadurch kom— men die Kartoffeln groͤßtentheils zu Tage. Man ſtellt nun Kinder und ſchwache Perſonen an, die ſie aufſam— meln. Hat man zu dieſer Arbeit recht trockenes, war⸗ mes Wetter getroffen, ſo wird man in Einem Tage auf dieſe Art eine große Menge Kartoffeln herausbringen. Das Aufbewahren der Kartoffeln in Gruben iſt ſehr unſicher. Bald erfrieren ſie darin, bald verfaulen ſie, oder es zieht ſich bei naſſer Witterung und loſem Sandboden Waſſer in die Gruben. Hat man gute Keller, ſo ſind ſie da am beſten auf⸗ gehoben. Selten aber wird der Landmann ſo viel Kel⸗ lerraum haben, daß er darin alle ſeine Kartoffeln ber⸗ gen koͤnnte. Ich kann aber aus Erfahrung mehrerer Jahre die folgende Art der Aufbewahrung als voͤllig ſicher vor Froſt und Faͤulniß empfehlen. Man ſucht ſich in der Naͤhe ſeines Gehoͤftes einen trockenen und erhabenen Platz, am beſten im Garten, jedoch an einer Stelle, wohin man mit dem Wagen kommen kann. Reiner Sandboden darf aber auf dieſer Stelle nicht ſeyn. Am beſten iſt lehmiger Sandboden, oder ſandiger Lehmboden. Nun uͤberlegt man zuerſt, wie viel man in eine Grube bringen will. Beſſer iſt immer, man legt meh— rere Gruben an. Sonſt iſt es gleich. Man kann zehn— zwanzig oder dreißig Wispel in eine Grube auf die zu 3¹ beſchreibende Art bringen. Es dauert aber nur lange, ehe man ſie voͤllig bedecken kann, und eben ſo iſt es, wenn man ſie hinein ſchaft. Ein Bauer wird am beſten zwei, drei bis vier Wispel mit Einem Male vergraben. Ob ich gleich dieſe Art der Aufbewahrung auch vergraben nenne, ſo werden hierbei doch eigentliche Gruben nicht gemacht, ſondern die Kartoffeln werden auf eine oben naͤher beſchriebene Stelle, die man vor⸗ her mit Stroh belegt hat, auf der platten Erde aufge— ſchuͤttet. Man ſchaufelt die Kartoffeln auf einen Haufen, daß derſelbe die Form eines Daches erhaͤlt, und ſchuͤttet auf, ſo viel als man will. Iſt nachher dieſer Haufen ordent⸗ lich zurecht gemacht, ſo daß er voͤllig dachfoͤrmig da liegt, ſo bedeckt man ihn auch von den Seiten uͤberall mit Stroh. Dies muß allein die Kartoffeln vor Froſt ſchuͤtzen; es muß alſo nicht zu ſparſam aufgelegt werden Wenn es von der Erde zuſammen gepreßt iſt, die nachher auf⸗ geworfen wird, ſo muß es noch wenigſtens ſechs Zoll oder eine Viertelelle dick ſeyn. Iſt dies Stroh uͤberall ſorgfaͤltig auf die Kartoffeln gelegt, ſo ſticht man rings um den Haufen, einen Schritt von dem Strohe entfernt, einen Graben ab. Die Erde aus demſelben legt man Spate bei Spate von unten nach oben auf den Haufen, und wirft ſo viel Erde auf, daß ſie uͤberall eine halbe Elle ſtark den Haufen bedecke. Dadurch entſteht ein Graben um den Haufen, der zu⸗ 7 32 gleich alle Beſchaͤdigungen des Viehes von dem Haufen abhaͤlt. Die Erde um den Haufen ſchlaͤgt man mit einer ſogenannten Flurklatſche, oder mit einem eigends dazu gemachten Brette, dicht und feſt, und der Haufen iſt fertig. Darum iſt aber reiner Sand zu der Verferti⸗ gung eines ſolchen Haufens nicht brauchbar, weil er ſich nicht dicht ſchlagen laͤßt, und weil er ablaufen und vom Winde weggewehet wuͤrde, wenn er ausgetrock⸗ net waͤre. Es glaubt vielleicht mancher, dem es erinnerlich iſt, wie tief der Froſt im Jahre 1803 in den Boden gedrun⸗ gen war, daß die Kartoffeln in ſolchen Haufen, wo ſie nach meiner Anweiſung nur eine ſchwache Bedeckung von Erde erhalten, bei ſtarkem Froſt erfrieren muͤßten. Denn in dem erwaͤhnten Winter war der Froſt uͤber eine Elle tief in die Gruben eingedrungen. Ich kann aber jedem Zweifler aus meiner und vie⸗ ler andern Menſchen Erfahrung verſichern, daß die Kar⸗ toffeln in den eben beſchriebenen Haufen, wenn ſie nur recht ſorgfaͤltig von unten und von den Seiten mit Stroh verwahrt ſind, den ſtaͤrkſten Froſt aushalten, ohne daß er ihnen ſchadet. Die Urſache iſt dieſe: In die Erde dringt der Froſt ſehr tief ein, und dieſe ſchuͤtzt wenig gegen ſtarken Froſt. Aber durch dichtes, trockenes Stroh geht er nicht. Iſt alſo nur ſo viel Erde auf die Haufen geworfen, daß das Stroh recht ſehr zu⸗ ſammen gepreßt wird, ſo haͤlt dieſes allen Froſt ab. Ihr ¹ 4 —— ——ÿ;‧—— — ——— 33 Ihr werdet dies mir auf mein Wort glauben, wenn Ihr zuruͤckdenkt, wie der Froſt in die gewoͤhnlichen Gru⸗ ben eindringt. Nicht wahr, in den Ecken und an den Seiten der Grube ſind die Kartoffeln gewoͤhnlich erfro— ren? In der Mitte, wo die Stroh⸗ oder andere Decke lag, da ſind ſie unverſehrt. In dem erwaͤhnten Jahre 1803 war der Froſt in manchen Gruben an den Seiten bis auf den Grund gedrungen, und in der Mitte der Grube waren dann allein unerfrorne Kartoffeln. Iſt das nicht der ſicherſte Beweis, daß die Erde nicht gegen das Eindringen des Froſtes ſichert? Wenn es aber ſonach erwieſen iſt, daß die Kartof⸗ feln in ſolchen Haufen ſicher vor Froſt liegen, ſo wird wohl niemand die uͤbrigen Vortheile verkennen, die dieſe Art der Aufbewahrung vor der in Gruben hat. Denn Feuchtigkeit und Faͤulniß trift die Kartoffeln in ſolchen Haufen gar nicht. Es iſt ſogar viel leichter und beque⸗ mer, ſie ſo aufzubewahren. Man kann das Ausgraben der Grube ſparen. Sollte auch das Bedecken etwas mehr Arbeit machen, welches ich zugebe, als das gewoͤhnliche Zuwerfen in Gruben, ſo laſſen ſich die Kartoffeln aus ſolchen Haufen auch viel leichter ausnehmen. Man hat nicht das beſchwerliche Ausleſen und Ausheben aus der tiefen Grube, ſondern kann ſie auf ebener Erde ſo be— quem wie in einem Keller einraffen und einſacken. Der einzige Aufwand hierbei iſt das Stroh, welches dieſe Verbergungsart erfordert. In einer guten Wirth⸗ ſchaft wird ja aber doch vieles Stroh eingeſtreuet. Und II. 1 3 54 dazu iſt es immer noch eben ſo gut brauchbar, wenn man es nachher trocknet, wenn es von den Kartoffeln abgenommen wird. Bis jetzt bauete man nur in ſehr wenigen Gegen⸗ den ſo viel Kartoffeln, daß man ſein ſaͤmmtliches Vieh reichlich damit fuͤttern konnte. Man war ſchon ſehr zu— frieden, wenn man fuͤr Menſchen und zu Schweinefut⸗ ter genug hatte. An das Rindvieh kamen aber nur we⸗ nige. Hoͤchſtens gab man den traͤchtigen Kuͤhen einen Trank von Kartoffeln, damit ſie beſſer eutern ſollten. Kein Futtergewaͤchs iſt aber fuͤr ſolche Gegenden ſo ſicher, als dieſes, wo der Boden groͤßtentheils nur leh— miger Sandboden iſt. Keins kann auf dieſem Boden das Heu ſo leicht erſetzen. Daher beachte man ja ſorg— faͤltig, was ich hier uͤber den Anbau der Kartoffeln, und fruͤher uͤber die Einrichtung der Wirthſchaft uͤberhaupt geſagt habe, und fange da, wo es an Futter gebricht, unverzuͤglich den Kartoffelbau an ins Große zu treiben. Dies wird gar nicht ſchwer halten, menn man alles ge— nau befolgt, was ich in dieſem Buche gelehrt habe. Hat man es nur erſt dahin gebracht, daß man den Kuͤhen taͤglich vier Metzen Kartoffeln geben kann, ſo wird man ſchon viel mehr Milch von ihnen erhalten, und die Vortheile des Kartoffelbaues immer beſſer einſe— hen. Will man aber ſo viel auf ein Rind taͤglich geben, ſo braucht es auf die ganze Winterzeit reichlich zwei Wiſpel. Kann man nebenbei noch etwas Heu geben, ſo —rn———— 35 iſt das ſchon ein ſehr gutes Futter. Ohne Heu und bei bloßem Stroh, ſind vier Metzen Katoffeln fuͤr ein ſtar⸗ kes Rind nicht hinreichend. So viele Vortheile man auch aus der Viehzucht bei dem angegebenen Kartoffelfutter an Milch oder Arbeit gegen die ehemalige Strohfutterung ziehen wird, ſo ſind ſie doch kaum ſo viel werth, als der kraͤftige fette Miſt, den man von dieſer Futterung erhaͤlt. Auf dieſen muß man vorzuͤglich ſehen, und man kann ſchon froh ſeyn, wenn man dieſen beſſern Miſt als reinen Gewinn vom Kartoffelbaue ſich anrechnen kann. Aber welcher vielfaͤltige, andere Gewinn wird fuͤr Euch daraus hervor gehen, wenn Ihr Euch mehr auf den Kartoffelbau legt? Ihr koͤnnt Eure Kaͤlber und Euer Jungvieh damit aufziehen. Reinliche, geſchnittene Kartoffeln freſſen die Abſetzekaͤlber bei etwas Heu und feinem Haͤckſel in den erſten ſechs oder acht Wochen ſchon. Koͤnnt Ihr die jungen Thiere zwei oder drei Jahre damit fort fuͤttern, ſo ſollt Ihr an dem Gedeihen derſelben Eure Freude haben. Die Zugochſen halten ſich bei einer Kartoffelfutte— rung ſo gut, wie bei Hafer. Sie muͤſſen aber eben ſo viel wie die Kuͤhe erhalten. Bei Heu nemlich taͤglich vier Metzen, und ohne Heu noch mehr, wenn ſie im— merfort in recht guten Umſtaͤnden bleiben ſollen. Die Schaafe koͤnnen mit Kartoffeln gemaͤſtet, und auch bloße Zuchtſchaafe damit ſo gut wie mit Heu un⸗ terhalten werden. — — — 8 b7 — 36 Selbſt die Pferde beſinden ſich bei der Kartoffelfut⸗ terung wohl, und man kann alles Kornfutter durch die— ſelbe erſparen. Mehr daruͤber, wie dieſe einzelnen Thierarten mit den Kartoffeln zu fuͤttern ſind, werde ich ſagen, wenn ich von der Viehzucht reden werde. Doch nicht einmal dann muß ein guter Landwirth mit dem Kartoffelbau und Futterbau aufhoͤren, wenn er ſeine gewoͤhnlichen Haushaltsthiere reichlich erhalten kann. Kann er es nur irgend erzwingen, uͤberfluͤßiges Futter zu bauen, ſo kann er damit Vieh maͤſten. Auch daruͤ⸗ ber wird mehr bei der Viehzucht geſagt werden. Glaubt nicht, lieben Landleute, daß ich etwas Un⸗ erhoͤrtes von Euch fordere, wenn ich Euch ſo ſehr zu dem Kartoffelbau rathe. Ihr habt Landsleute, die nicht nur ſo viel Kartoffeln bauen, daß ſie ihr Vieh ordent⸗ lich damit erhalten koͤnnen, ſondern noch viel mehrere, mit denen ſie Vieh maͤſten. Dies thun unter andern die Bauern im Oderbruche. Mancher verdient an ſolchem Maſtvieh jaͤhrlich uͤber 10 Rthlr. Ja es giebt dort einen Schulzen, der jaͤhrlich mehr als hundert Wiſpel Kartoffeln erbauet, und darum nur allgemein der Nudelſchulze heißt. Fuͤrwahr, ein ehrenwerther Beiname, auf den der brave Mann ſtolz ſeyn kann!—— Er fing natuͤrlich auch nicht damit an, gleich zuerſt ſo viel Kartoffeln zu bauen, ſondern viel weniger. Er ſahe aber ſehr bald den Vortheil ein, den 37 9 7 die Ochſenmaſtung, und vorzuͤglich der daraus folgende Miſt fuͤr ſeinen ganzen Feldbau hatten. Darum gab er ſich Muͤhe, von Jahr zu Jahr immer mehr zu bauen, und brachte es dadurch zu der ungeheuren Menge, die ich Euch eben genannt habe. Von den Kohlruͤben(Wrucken, Steckruͤben). Nach den Kartoffeln ſind wohl von den Gewaͤchſen, welche die Hacke zu ihrem Gedeihen beduͤrfen, fuͤr uns die Kohlruͤben die wichtigſten. Auch ſie gedeihen in ſolchem Boden vorzuͤglich, der den Kartoffeln der liebſte iſt, im lockern, tiefen Lehmbo⸗ den. Jedoch wachſen ſie bei maͤßig feuchter Witterung noch im lehmigen Sandboden zu ſehr anſehnlicher Groͤße. In ſehr ſtrengem Thonboden ſind ſie faſt ſo un⸗ ſicher, wie im Sandboden. Man muß den erſtern dann eben ſo ſorgfaͤltig bearbeiten und ſo ſtark duͤngen, wie ich bei den Kartoffeln gelehrt habe, wenn die Kohlruͤben auf ihm gut gedeihen ſollen. Man muß die Kohlruͤbenpflanzen im Garten ziehen. Dies iſt nicht ſo ſchwierig, als das Erziehen der Kohl⸗ pflanzen. Der Kohlruͤbenſaamen wird in der Mitte Aprils, auch wohl erſt gegen das Ende des Monats, in gut ge⸗ grabenes Gartenland ausgeſaͤet, weil die Erfahrung lehrt, daß die ſpaͤt gepflanzten Kohlruͤben ſicherer gerathen, als u —— 3 3 6 4 — 5 — 38 die fruͤher ausgeſetzten. Erſtere werden auch außerdem noch feiner und wohlſchmeckender. Haͤtte man den Pflanzenſaamen erſt gegen Ende Aprils ausgeſaͤet, ſo wuͤrden die Pflanzen gegen Johan⸗ nis groß genug zum Verpflanzen ſeyn. Man thut aber wohl, eine Pflanzenſaat ſchon in der Mitte Aprils vor⸗ zunehmen, weil man nicht wiſſen kann, welche Zufaͤlle die ſpaͤte Saat treffen koͤnnten. Dieſen Saamen noch fruͤher auszuſaͤen, kann ich darum nicht anrathen, weil die fruͤhen Kohlruͤbenpflan⸗ zen leicht ſtoͤckerig oder holzig werden, von denen man nie ſchoͤne Kohlruͤben erhaͤlt. Indeß die Pflanzen heran wachſen, muß man das Land vorbereiten, wohin ſie gepflanzt werden ſollen. Hat man Zeit, daſſelbe ſchon im Herbſte zum erſten Male zu pfluͤgen, ſo iſt es gewiß ſehr rathſam. Doch iſt es nicht ſchlechterdings nothwendig. Bei ſandigem Lehmboden oder eigentlichem Lehmboden, der aber recht mit Moder⸗ erde vermengt iſt(welche Bodenarten ganz vorzuͤglich fuͤr Kohlruͤben paſſen), hat man bis zu Johannis im Fruͤh— jahre Zeit genug, um das Land gehoͤrig muͤrbe und klar zu machen. In einer Wirthſchaft, wo man den Kartoffelbau mit Nachdruck treibt, wird man im zeitigen Fruͤhjahre ſelten ſo viel Miſt vorraäͤthig haben, daß man ihn auch zu Kohlruͤben mit der erſten Furche unterackern kann. Wer es kann, wird ſich wohl dabei befinden. Wer ihn aber nicht hat, erlangt nach der Beſtellung des Som⸗ 9 — 39 mergetreides Zeit genug, um dann den Miſt zu Kohlruͤ— ben auszufahren. Man muß den Miſt zu Kohlruͤben eben ſo reichlich, wie zu Kartofſeln geben, wenn ſie recht gut wachſen ſol⸗ len. Man faͤhrt ihn gewoͤhnlich auf das zum Pflanzen fertige Land, ſtreuee ihn recht gleich und pfluͤgt ihn un— ter, wenn man zur Pflanzung ſelbſt pfluͤgt. Es verſteht ſich wohl ohne neue Erinnerung, daß man nur immer wohl verrotteten Miſt zu ſolchen Gewaͤchſen nehme, der auf die von mir beſchriebene Weiſe auf dem Miſthofe behandelt worden iſt. Strohiger, roher Miſt wuͤrde wenig fuͤr das erſte Gewaͤchs nuͤtzen, wenn man ihn nur mit der Saat zugleich in die Erde braͤchte. Das Land zu Kohlruͤben, ſo wie zu jeder aͤhnlichen Pflanzung, muß weit beſſer wie zu Kartoffeln zugerich⸗ tet werden. Es muß nicht nur eben ſo tief wie zu Kar⸗ toffeln gepfluͤgt ſeyn, ſondern es muß frei von allen Erdkloͤßen, Schollen oder unzerriſſenen Furchen ſeyn, weil ſich nur in ganz klarem Lande die Pflanzen ordent⸗ lich anbringen laſſen. Nahet die Zeit des Pflanzens heran, ſo muß man ſich ſo dazu in Bereitſchaft halten, daß man ſogleich damit anfangen kann, wenn guͤnſtige Witterung eintritt. Ein jeder maͤßige Gewitterregen muß wahrgenommen werden, der das Land einigermaßen anfeuchtet. Waͤre man nicht zu dieſer Arbeit ſogleich bereit; wollte man dann erſt anfangen, Miſt zu fahren, oder das Land zu pfluͤgen und zu eggen, wenn es ſich zu 40 Regen anlaͤßt, ſo wuͤrde wahrſcheinlich der guͤnſtige Augenblick verſchwinden, und man muͤßte ſeine Pflanzen in ausgetrocknetes Erdreich ſetzen, wo ſie ſehr ſchlecht anwachſen wuͤrden. Ein beſorgter Landwirth macht ſich daher in Zeiten ſo bereit, daß er ſeine Pflanzung anfangen kann, ſo wie ein Regen kommt. Er laͤßt dann alle andere Arbeit ſo lange ruhen und nimmt ſo viel Menſchen an, als er nur auftreiben kann, um ſeine Pflanzen in die feuchte Erde zu gleicher Zeit zu bringen. Um Johannis iſt die beſte Zeit, die Kohlruͤben aus⸗ zupflanzen. Ich weiß wohl, daß bei ſehr trockener Wit⸗ terung noch vierzehn Tage nach Johannis gewartet wer— den mußte, ehe man zur Pflanzung kommen konnte, und daß dennoch die Kohlruͤben ſehr groß wurden. Ja, recht fleißige Landleute pflanzen Kohlruͤben nach Fruͤh⸗ lein oder Fruͤhgerſte, und erhalten immer noch ſehr gute Kohlruͤben. Zu einer ſo ſpaͤten Verpflanzung ſaͤet man den Pflanzenſaamen erſt im Mai aus. Solche ſpät gepflanzte Kohlruͤben ſtehen zwar den Braachruͤben an Groͤße nach, ſie werden aber weit zaͤr— ter und feiner, und ſind daher vorzuͤglich zum Kochen zu gebrauchen. Das Verpflanzen der Kohlruͤben ſelbſt geſchieht auf folgende Weiſe: Man zieht die Kohlruͤbenpflanzen aus, und, da ſie gewoͤhnlich ſehr große Blaͤtter treiben, ſo ſchneidet man dieſe etwas ab. Um die Wurzeln beſſer vor dem Aus⸗ ts ſ gedec Laͤng einan mſ 4¹ trocknen zu ſchuͤtzen, verfertigt man einen Brei, in wel⸗ chen man ſie tunkt, ehe man ſie in die Koͤrbe legt. Zu dieſem Brei nimmt man Miſtjauche und wirft ſo viel zuſammengekehrten Gaſſenkoth, feinen Lehm und kurzen Niſt hinein, bis ein ziemlich dicker Brei entſteht, der ſich an die Wurzeln anlegt und ihr Anwachſen befoͤrdert. So packt man die Pflanzen in Koͤrbe, oder, waͤren es ſehr viele, auf einen Wagen, und ſchaft ſie, wohl zu— gedeckt, auf den Acker. Hier legt man ſie auf die ganze Laͤnge des Stuͤcks, welches beflanzt werden ſoll, aus— einander, damit ein jeder Pflanzer ſie zur Hand habe, und ſchreitet nun zur Pflanzung ſelbſt. Einer pfluͤgt das Land, die uͤbrigen bepflanzen immer ſo viel, als der pfluͤgt, damit die Pflanzen ſogleich an die feuchte Erde angedruͤckt werden. Man ſetzt die Pflanzen auf die Mitte der Pflug⸗ furchen, wodurch ſie in regelmaͤßige Reihen zu ſtehen kommen. Werden nur kleine, ſchmale Furchen gehalten, welches beſſer iſt, ſo bepflanzt man immer die dritte Furche, ſonſt eine um die andere. Die Kohlruͤbenpflanzen ſelbſt werden nicht, wie die Kohl⸗ und Runkelruͤbenpflanzen, gerade ſondern ſchraͤge in die Erde geſteckt. Die Kohlruͤben lieben dieſe Lage. Die langen Wurzelenden reißt man ein wenig ab, wenn man ſie nicht ordentlich mit einſetzen kann. Fuͤnf bis ſechs Menſchen bepflanzen auf dieſe Art, wenn die Pfianzen einmal gezogen ſind und auf dem ganzen Stuͤcke vertheilt liegen, beinahe ſo viel, als einer 4 2 mit zwei raſchen Pferden pfluͤgt, wenn nur immer die dritte Furche bepflanzt wird. Sie muͤſſen freilich ſehr fleißig ſeyn. Sonſt iſt die Arbeit ſo leicht, daß ich oft zwoͤlfjaͤhrige Kinder mit pflanzen ließ. Es gehoͤrt einige Uebung dazu. Hat man ſich dieſe erſt zu eigen gemacht, ſo kann man auch bei dieſer Arbeit ſehr viel verrichten und ſie doch gut machen. Es kommt hier vorzuͤglich auf ein gutes Feſt— druͤcken der feuchten Erde an die Wurzel an, welches ge⸗ uͤbte Pflanzer mit einem einzigen Drucke verrichten. Dieſe Art, gleich nach dem Pfluge zu pflanzen, hat den großen Vorzug, daß die Pflanzen unmittelbar in die feuchte, friſch aufgepfluͤgte Erde kommen, in welcher ſie viel leichter anwachſen, als wenn das Land erſt einige Stunden gelegen hat und ausgetrocknet iſt. Sonſt pfluͤgt man nemlich das Land hintereinander fertig, egget es auch wohl, und bezeichnet darauf die Reihen, in welchen die Pflanzen zu ſtehen kommen ſol— len, mit einem Linienzieher(faule Gerte, Knollenharke). Ich halte aber die erſte Art, gteich auf die friſche Pflug⸗ furche zu pflanzen, fuͤr beſſer. Es geht raſcher, weil eine Arbeit die andere treibt, und die Pflanzen wachſen leichter an. Kommt bald nach dem Pftlanzen etwas truͤbes, feuch⸗ tes Wetter, ſo werden die meiſten Pflanzen angehen. Bei nachfolgender Duͤrre vertrocknen immer einige Pflan⸗ zen. Um an deren Stelle andere nachzupflanzen, muß gute künne ander Titt bel die hat ar ir Alcher dnige wwandet rauf di nnn ſoh harte) jflag⸗ weil chſen euch⸗ ehen. flan⸗ wuſ V — 435 man die Pflanzung durchgehen, ſo wie ein Regen das Land feucht gemacht hat. Dies Nachpflanzen muß ja nicht lange verſchoben werden, wenn es nuͤtzen ſoll. Sind die erſten Pflanzen ſchon ordentlich herangewachſen, ſo laſſen ſie die Spaͤt— linge nicht aufkommen, ſondern unterdruͤcken ſie. Nan huͤte ſich vor dem zu dichten Pflanzen, wenn man gute Gewaͤchſe der Art ziehen will. Das Sprich— wort: wer viel ſaͤet oder pflanzet, kann viel ernten, iſt nur halb wahr. Kartoffeln, alle Ruͤbengewaͤchſe, auch Kohl, gedeihen nicht, wenn ſie zu dicht ſtehen. Beſſer iſt immer, ſie werden etwas zu weit von einander ge⸗ pflanzt. Es laͤßt ſich nicht eine beſtimmte Entfernung angeben, weil es auf die Guͤte des Bodens und auf die ſtaͤrkere oder ſchwaͤchere Duͤngung dabel ankommt. Je beſſer der Boden von Natur iſt, und je ſtaͤrker man ihn geduͤngt hat, deſto weitlaͤuftiger muß man ihn be— pflanzen. Daher koͤnnen die Reihen auf reichem Boden eine gute Elle auseinander ſeyn. Auf den Reihen ſelbſt aber koͤnnen die Pflanzen dann Dreiviertelelle weit von ein⸗ ander zu ſtehen kommen. Kommt nur irgend gluͤckliche Witterung und das Land wurde gehoͤrig beſtellt, ſo waͤchſt bei einer ſolchen Entfernung das ganze Land zu, ſo daß man zu gewiſſen Zeiten, wenn die Blaͤtter noch aufrecht ſtehen, kaum hinein gehen kann. Sind die Pflanzen angewachſen, und der Hederich faͤngt an auszugruͤnen, ſo eile man mit dem Behacken. —— —— ————— 44 Hier iſt die Handhacke wohl beſſer als die Pferdehacke, zumal wo das Land noch vielen Hederichsſaamen in ſich ſchließt. Dies erſte Behacken iſt, wie bei den Kartoffeln, ſehr wichtig. Wenn die Witterung trocken iſt, ſo muß man es behutſam verrichten, damit man die Pflanzen⸗ wurzeln nicht losreiße. Man warte aber ja nicht bei trockener Witterung mit dem Behacken, bis es regnet, aus Furcht, man moͤchte das Land zu trocken machen. Ich kann aus Er⸗ fahrung verſichern, daß behackte Pflanzen bei der groͤß⸗ ten Duͤrre doch beſſer wachſen, als unbehackte. Nach dem erſten Behacken laͤßt man bald das zweite ſolgen, weil um dieſe Jahreszeit das Wachsthum der Gewaͤchſe ſehr ſchnell vor ſich geht. Eigentliches Be— haͤufen der Kohlruͤben iſt nicht nothwendig, ob es gleich beſſer iſt, bei dem letzten Behacken die Erde etwas an die Pflanzen anzuziehen. Gewoͤhnlich wird ein zweima⸗ liges Behacken hinreichen; nur wenn das Land ver— queckt iſt, wird ſich ein drittes ſehr reichlich bezahlen. Mit dem Abblatten der Kohlruͤben hat es eine gleiche Bewandniß, wie mit dem fruͤhen Abſchneiden des Kar— toffelkrauts. Nimmt man ihnen die Blaͤtter zu fruͤh, ſo buͤßt man an den Ruͤben ein. Wohl kann man aber die gelblichen, abſterbenden Blaͤtter von Zeit zu Zeit abnehmen, und ſich dadurch ein gutes Futter verſchaffen. Man breche die Blaͤtter aber dicht an der Ruͤbe ab, und laſſe den Maͤgden nicht zu, daß ſie ſolche halb durch⸗ reißen. 45 Ein Hauptuͤbel des Kohlruͤbenbaues, wie des Kohl⸗ baues, ſind die Raupen. Nehmen dieſe uͤberhand, ſo freſſen ſie ganze Pflanzungen kahl. Die Kohlruͤben erholen ſich zwar leichter, wie der Kohl, ſie erreichen doch aber nie die Groͤße, wenn ſie einmal abgefreſſen wurden, als ſie ſonſt erhalten haͤtten. Gegen dieſe Feinde kann ich Euch kein ſicheres Mittel angeben, lieben Freunde! Laſſet Euch auch niemals verleiten, ſolchen Leuten Glauben beizumeſſen, die Euch ein geheimes Mit⸗ tel dagegen lehren wollen. Wenn Euer Kohlruͤbenland entfernt von andern Pflanzungen der Art liegt, ſo koͤnnt Ihr Euch vielleicht dadurch helfen, daß Ihr durch Eure Kinder die Raupen ableſen laſſet, ehe ſie ſich ausbreiten. Ich weiß, daß viele ſich dadurch geholfen haben. Das Ausnehmen der Kohlruͤben iſt ſehr leicht. Sie haben die Neigung, mehr aus der Erde heraus zu wach⸗ ſen, als tief hinein. Sie ſtehen daher nicht ſehr feſt, und koͤnnen mit Miſtforken oder andern Werkzeugen ſehr leicht ausgehoben werden. Wenn ſie gerathen, geben ſie einen ſehr großen Ertrag. Der Menge nach mehr wie Kartoffeln, von einer und derſelben Flaͤche Landes. Sie ſind zwar mehreren unſerer Hausthiere ein ſehr angenehmes Futter, jedoch vorzuͤglich dem Rindviehe ſehr angenehm, welches ſie faſt lieber als Kartoffeln frißt. Man muß aber etwas mehr von ihnen fuͤttern, wenn ſie eben ſo viel als Kartoffeln ausrichten ſollen. Mit ſechs Metzen Kohlruͤben fuͤttert man nicht beſſer, 45— — 46 als mit vier Metzen Kartoffeln, zumal wenn dieſe von einer mehlreichen, guten Art ſind. Die Kohlruͤben laſſen ſich nicht ſo lange aufbewah— ren, als die Kartoffeln, wenigſtens nicht, wenn ſie hoch uͤber einander liegen. Bis Weihnachten halten ſie ſich wohl, nachher aber fangen ſie an zu ſtocken oder zu fau— len. Sie halten ſich noch am beſten, wenn man ſie mit Sand vermengt im Keller aufſchuͤttet. Dies iſt freilich dann nicht moͤglich, wenn man ſie in großer Menge und zum Viehfutter anbauet. Mit denen, die man zum Verſpeiſen aufheben will, kann man es aber ſo machen. Auch im Freien halten ſie ſich, wenn man ſie im trocknen Gartenboden einſchlaͤgt. Dies macht man auf dieſe Art: Man wirft einen Graben aus, der nur wenig tiefer zu ſeyn braucht, als die Vertiefung iſt, welche man beim guten Umgraben des Landes vor ſich hat. In dieſe Vertiefung ſetzt man nun zwei Reihen Kohlruͤben uͤber einander hin. Jetzt wirft man ſie mit Erde zu, und erhaͤlt dadurch einen neuen Graben, in welchen man auf eben die Art wieder zwei Reihen Kohlruͤben ein— ſetzt, wie das erſte Mal. Dies ſetzt man ſo lange fort, als man will und Kohlruͤben da ſind. Auf dieſe Art halten ſich die Kohlruͤben bis in den Fruͤhling voͤllig friſch. Sie frieren zwar; da ſie aber mit Erde von allen Seiten bedeckt ſind, ſo thauen ſie in derſelben nur allmaͤhlig auf, und erleiden durch den Froſt gar keine Veraͤnderung. Es iſt bekannt, daß dieſe —.— e im auf venig valche t. In kruͤbm de zl, man ein⸗ fort, den aber ſee den diſe V 47 Ruͤbe vor allen Gewächſen der Art am wentgſten em— pfindlich gegen den Froſt iſt. Die Kohlruͤben, die man zum Saamenziehen brau— chen will, hebt man in einem guten Keller oder in einem gewoͤhnlichen Erdkeller auf, wo man ſie einzeln in fri⸗ ſchen Sand legt. Sind die Froͤſte voruͤber, ſo ſetzt man ſie auf gutes ſonnenreiches Gartenland, und nimmt den Saamen vor Voͤgeln in Acht, der uͤbrigens leicht zu er⸗ ziehen iſt. Von den weißen Ruͤben(Waſſerruͤben). So gut wie die ſandigen Bodenarten unter den Halm, und Huͤlſenfruͤchten einige haben, die auf ihnen beſſer gedeihen, wie im ſtrengen Thonboden, ſo giebt es auch unter dieſer Klaſſe von Gewaͤchſen, von welcher jetzt die Rede iſt, ſolche, die ſich mehr fuͤr lockern Bo— den ſchicken. Dies iſt gleich der Fall mit der weißen Ruͤbe. Dieſe waͤchſt noch auf dem eigentlichen Sandboden gut, ob ſie gleich ihre volle Groͤße nur auf lehmigem Sandboden erreicht. Die weißen Ruͤben verlangen eine ſpaͤte Beſtellung. Die fruͤh geſaͤeten werden in der Regel von Wuͤrmern angefreſſen, und geben ſelten einen hohen Ertrag. Dieſe Ruͤben ſchicken ſich daher als zweite Frucht auf ſolchem Lande, wo man ein Wickengemenge fruͤh geſaͤet, und die⸗ ——— O— oj, ——.— 4————————ö— ——ꝛV ℳ— * — — — —— —— 483 ſes gruͤn verfuͤttert hat. Noch beſſer gerathen ſie aber im reinen Braachlande, welches man im Fruͤhjahre meh— rere Male gut bearbeitet und geduͤngt hat. Denn eine gute Bearbeitung und Duͤngung des Landes verlangen die weißen Ruͤben ſo gut, wie die andern Braachgewaͤchſe, wenn ſie einen guten Ertrag geben ſollen. Man glaubt zwar an manchen Orten, dieſe Ruͤben brauchten weniger Duͤngung. Man erntet aber auch dort nie gute Ruͤben. Die Bearbeitung des Landes zu weißen Nuͤben kann ſpaͤter angefangen werden, wie zu den andern Gewaͤch⸗ ſen dieſer Klaſſe, wenn man mehrere zugleich bauet. Die weißen Ruͤben ſaͤet man am liebſten erſt im July. Bis den 15. July ſollte man aber damit fertig ſeyn, weil die ſpaͤter geſaͤeten doch nicht ihre volle Groͤße er— langen, noch weniger Feſtigkeit. War das Land, welches man zu den Ruͤben nimmt, vorher noch in einiger Kraft, ſo kann man guten kurzen Miſt zu denſelben erſt mit der letzten Furche unterpfluͤ— gen. Bei ganz magerem Lande ziehe ich es aber vor, den Miſt einige Male mit dem Lande zu pfluͤgen und zu eggen, damit er ſich darin ſchon gehoͤrig vertheilt habe, wenn der Saamen hinein kommt. Die zarten Ruͤben⸗ pflaͤnzchen werden dann um ſo leichter den Erdfloͤhen entwachſen koͤnnen, die ihnen ſehr ſchaͤdlich werden. Da man den feinen Saamen ſogleich auf das Land ſaͤet, und die Pflanzen nicht erſt, wie bei den andern Ruͤbenarten, auf Gartenbeeten erzieht, ſo iſt darum eine ——ᷣ::ꝛ:möꝛ —— —— 49 eine feine Bearbeitung und Zerkruͤmelung um ſo noth⸗ wendiger. Treibt man den Ruͤbenbau ins Große, und will mit Gewißheit einen Thetl ſeines Winterfutters daher nehmen, ſo muß man eine doppelte Ausſaat machen, die erſte etwa den 4. July, die andere den 144. oder 16. July. Wenn man das Land vorher durch zwei oder drei⸗ maliges Pfluͤgen ſchon ziemlich gut zu den weißen Ruͤben vorbereitet hat, ſo pfluͤgt man nun zur Saat mit recht ſchmalen Furchen, die man nachher einfach mit der Egge uͤberzteht, ehe man den Saamen einſaͤet, damit er nicht ſo tief mit Erde bedeckt werde. Nach dem Ausſaͤen des Saamens zieht man auch nur einmal mit den Eggen uͤber, weil das viele Eggen bei der Saat den Ruͤben nicht zutraͤglich iſt. Damit die Ruͤben bald und zugleich aufgehen, muß man das Land gar nicht austrocknen laſſen. Dies wird man am beſten verhuͤten, wenn man recht fruͤh pfluͤgt, und ehe man vom Felde wegzieht, auch jeden Tag ſo vlel beſaͤet und einegget, als man gepfluͤgt hat. Da die Hitze in dieſer Jahreszeit am ſtaͤrkſten zu ſeyn pflegt, ſo muß man mit dieſer Arbeit fruͤh um ſieben Uhr jeden Tag ſchon fertig ſeyn, welches man auch recht wohl moͤglich machen kann, da es fruͤh um zwei Uhr ſchon Tag genug iſt, um pfluͤgen zu koͤnnen. Es iſt unglaublich, welchen wohlthaͤtigen Einfluß es auf das ebenmaͤßige Aufgehen des Saamens hat, wenn man alle Arbeiten bei der Aus⸗ ſaat im Morgenthau verrichtet. II. 50 Das Ausſaͤen des Ruͤbenſaamens iſt eine große Kunſt. Er darf nicht zu dicht kommen, ſonſt wird nichts aus den Nuͤben. Leere Stellen duͤrfen aber noch weniger bleiben, weil man dann das Land ohne Nutzen ſo gut beſtellt haͤtte. Ein gutes Huͤlfsmittel zur beſſern Vertheilung des Saamens iſt, daß man ſich den Saamen mit trockenem feinen Sande vermenge, damit man ſtaͤrker greifen kann. Man muß ſich aber vorher den Saamen genau zu dem Lande abmeſſen, welches man beſaͤen will. Zwei Pfund Saamen ſind voͤllig hinreichend auf den Morgen, ja faſt noch zu viel, Obgleich die Ruͤben zu ihrem Gedeihen Feuchtigkeit noͤthig haben, ſo iſt es ihnen doch ſehr ſchaͤdlich, wenn bald nach der Ausſaat ein Platzregen das Land dicht ſchlaͤgt. Diejenigen, welche in feuchtes Land geſaͤet wer⸗ den, gedeihen weit beſſer, als die, welche in trockenes Erdreich eingeegget wurden und bald nachher Regen erhiel⸗ ten. Je ſandiger der Boden iſt, deſto weniger ſchadet indeſſen ein Regen nach der Saat. Die weißen Ruͤben haben auch unter der zahlreichen Thierklaſſe, die wir mit dem Namen Inſekten bezeichnen, ihre Feinde, jedoch ſind ſie verſchteden von denen, die die Kohlruͤben und den Kohl verheeren. Gleich nach dem Aufgehen drohen den jungen Ruͤ⸗ benpflaͤnzchen die Erdfloͤhen, die nicht ſelten ganze Felder rein abfreſſen. Darum rieth ich oben eine doppelte Aus⸗ ſaat der Ruͤben an, damit man noch Zeit hat, das abge— freſſene Land umzupfluͤgen und aufs Neue zu beſaͤen. Es 5¹ iſt beſſer, man wendet die Arbett und den wenigen Saa⸗ men noch einmal an, als daß man das Land halb unge⸗ nuͤtzt liegen laͤßet. Mittlerweile kann ſich das den Erdfloͤhen guͤnſtige Wetter geaͤndert haben, und man kann bet guͤnſtiger Wit⸗ terung noch eine ziemlich gute Ruͤbenernte machen, wenn man auch erſt Ende July geſaͤet haͤtte. Es ſoll ein gutes Mittel gegen die Erdfloͤhen ſeyn, wenn man dtie jungen Ruͤben des Nachts walzt. In den Gegenden, wo man die Ruͤben in großer Menge anbauet, bedient man ſich allgemein dieſes Mittels. Durch das Walzen bei der Feuchtigkeit der Nacht, werden die Erd⸗ floͤhen in die Erde gedruͤckt und kommen zum Theil um. Haben die Ruͤben nur erſt vier Blaͤtter, ſo entwach— ſen ſie den Erdfloͤhen bald. Spaͤter werden ſie aber zu⸗ weilen von ſchwarzen Raupen befallen, die Pfeifer heißen, und ebenfalls ganze Felder kahl freſſen. Sie ſind aber doch ſeltener, wie die Kohlraupen. In unſern Gegenden uͤberlaͤßt man die weißen Ruͤ— ben nach der Beſtellung ihrem Schickſal, und kuͤmmert ſich nicht weiter um ſie. Wenn man glaubt, daß ſie halb⸗ wege erwachſen ſind, ſo faͤngt man an, ſie auszuziehen. Nicht alſo iſt es in den Laͤndern, wo man die Ruͤben beſſer achtet. Dort wuͤrde man denjenigen ſo gut fuͤr einen erzliederlichen Wirth erklaͤren, der ſetne Ruͤben unbe⸗ hackt ſtehen lteße, als wir es bei uns mit einem ſolchen machen, der ſeine Kartoffeln oder Kohlruͤben im Unkraute umkommen laͤßt. —— ——— 6 1 1 1 — — — — 5² Das Behacken der weißen Ruͤben, wenn ſie zeitig geſaͤet ſind, iſt hoͤchſt noͤthig. Geſchieht es nicht, ſo fin— det ſich auf dem gut geduͤngten Ruͤbenlande bei feuchter Witterung eine Menge Gras und Unkraut ein, in wel chem die Ruͤben, wie man ſagt, vergruſen. Dann wird man nicht allein nur ganz ſchlechte Ruͤben ernten, ſondern das Land wird auch gleich wieder verwildern, wenn man es vorher auch noch ſo gut beſtellt hatte. Erfolgte aber auch eine ſolche Verwilderung nicht, indem trockne Witterung das Aufkommen des Unkrautes verhindert, ſo hat man doch kein Mittel in Haͤnden, den Ruͤben denjenigen Platz zu verſchaffen, den ſie zur Errei— chung einiger Groͤße noͤthig haben, wenn man ſie nicht behackt. Denn ſelbſt der geſchlckteſte Saͤemann kann den Saamen nicht ſo vertheilen, daß nicht an einzelnen Stel— len die Ruͤben zu dicht zu ſtehen kommen ſollten. Das Behacken und Verduͤnnen der dicht ſtehenden Nuͤben iſt hier ſo nothwendig, wie bei den Kohlruͤben. Man muß alle diejenigen Pflanzen ohne Schonung weg,⸗ hauen, die nicht Platz genug haben, wodurch man macht, daß alle Ruͤben in gehoͤriger Entfernung von einander zu ſtehen kommen, und eine anſehnliche Groͤße erreichen koͤn⸗ nen. Das Land erhaͤlt dann etne eben ſo gute Bearbei⸗ tung, wie bei dem Kohlruͤbenbau und wird dieſe ſorgfaͤl⸗ tige Behandlung durch die nachfolgenden guten Getreide⸗ ernten reichlich bezahlen. Das Behacken ſelbſt iſt nicht ſchwierig. Am beſten wird es mit zweizinkigen Hacken verrichtet. Die beſte eitig ter beſt — 2 9 Zeit dazu iſt dann, wenn die Pflanzen ſo groß ſind, wie Kohlruͤbenpflanzen, die man auspflanzt. Kann man es erzwingen, ſo kann ſogar ein zweites Behacken ſehr nuͤtzlich werden. Die ausgehackten Ruͤben wirft man nicht weg, ſondern ſammelt ſie und nimmt ſie mit nach Hauſe. Zu ſolchen Arbeiten muͤſſen die Landleute ihre Kinder anziehen. Sie ſind leicht und werden gewiß von ihnen gut verrichtet werden, wenn man ſie ordentlich anweiſet. Es wird fuͤr manchen Vater zwar uͤberfluͤßig ſeyn, wenn ich hier lehre, wie man Kinder zum willigen Fleiß gewoͤh⸗ nen ſoll. Fuͤr andere aber wird das folgende nuͤtzlich ſeyn koͤnnen, wenn ſie dadurch auf die Fehler aufmerkſam gemacht werden, die ſie jetzt begingen. Unſere Kinder ſind urſpruͤnglich der Arbeit gar nicht abgeneigt. Sie vergeſſen ihre Spiele und bieten ihre Huͤlfe an, wenn ſie noch muͤßig herum laufen. Dieſe Luſt der Kinder ſollte man beſſer zu nuͤtzen ſuchen, indem man ſie ſchon fruͤh zu leichten Beſchaͤfttgungen brauchte, und ihnen viele Wohlthaten nur unter der Bedingung zukommen ließe, wenn ſie dies oder jenes verrichtet haͤtten. Man möuͤßte jedoch hterbet nie vergeſſen, daß man von Kindern die anhaltende, beſtaͤndige Thaͤtigkeit nicht erwarten kann, die ein Erwachſener zu leiſten vermag. Kindern muß man zuerſt nie mehr Arbett aufgeben, als ſie mit frohem Muthe verrichten koͤnnen. Indem man ſie, wie ich eben ſagte, fuͤr Arbeiten, die ſie ordentlich ver⸗ richteten, durch eine Kleinigkeit belehnte, muͤßte man ſie —⸗—ꝛ—⸗————. õöü—————= 54 damit bekannt machen, daß jede Arbeit ſich bezahlt macht und nuͤtzlich iſt. Man muͤßte ihnen ſagen, daß die Arbeit keinesweges eine Plage, ſondern eine Wohlthat iſt, bei der der Menſch ſich gluͤcklich fuͤhlt. Dies wird aber freilich nur Eindruck auf ein Kind machen, wenn es an dem Beiſpiele des Vaters ſieht, daß dieſer alle Arbeit mit Freudigkeit verrichtet. Betrachtet dieſer aber die Arbeit ſelbſt als eine Quaal, die nur da waͤre, um dem Menſchen das Leben gleich der Suͤnde zu erſchweren, ſo kann er nicht verlangen, daß ſein Sohn mit Luſt an die Arbeit gehen ſoll. Er wird ſchon zeitig einen geheimen Widerwillen gegen jede nuͤtzliche Beſchaͤftigung fuͤhlen; er wird ſich derſelben entziehen, ſo lange er kann. Kommt endlich die Zeit heran, wo Kinder ſolcher Eltern nothgedrungen etwas arbeiten muͤſſen, ſo thun ſie nur unter den Augen ihrer Eltern oder Dienſtherren etwas, und trachten beſtaͤndig danach, jede Minute hinter dem Ruͤcken derſelben mit Faullenzen hinzubringen. Dann klagen die Eltern uͤber die Faulheit und Wi⸗ derſpenſtigkeit der Jungen. Sind ſie aber nicht ſelbſt Schuld daran?— Man verſuche es nur und gebe ſeinen Kindern ein neues Kleidungsſtuͤck nur dann, wenn ſie gewiſſe Arbeiten zur Zufriedenheit der Eltern verrichten; man geſtatte ihnen Vergnuͤgungen nur unter derſelben Be⸗ dingung; man belohne ſie aber auch zuweilen unvermuthet, und ohne, daß man ihnen etwas verheißen hat, wenn ſie ſich beſonders aufmerkſam und fleißig gezeigt haben; vor t 55 allem gehe man ihnen aber mit einer gewiſſen Freudigkeit zur Arbett voran, und man wird ſehen, daß die Kinder ſich ſehr bereitwillig zu ſolchen Arbeiten finden laſſen, die ihren Kraͤften angemeſſen ſind. Doch wieder zum Ruͤbenbau zuruͤck. Sind die Ruͤben ein⸗, oder, wenn es noͤthig war, zweimal behackt worden, ſo erlangen ſie eine ſehr anſehn⸗ liche Groͤße, und da ſie dichter wie die Kohlruͤben ſtehen koͤnnen, ſo giebt ein Morgen mit guten weißen Nuͤben mehr heraus, als ein Morgen Kohlruͤben auf gleichem Bo⸗ den. So nahrhaft ſind die weißen Ruͤben aber nicht, wie jene. Das Aufnehmen der weißen Ruͤben iſt eine ſehr leichte Arbett. Bauet man die roth, oder grünkoͤpfichte lange Art an, ſo kann man ſie mit der bloßen Hand aus⸗ ztehen, weil ſie mehrere Zolle aus der Erde hervor ragen. Da faſt gar keine Erde an thnen haͤngen bleibt, ſo iſt es eine wahre Freude, die ſchoͤnen, glatten Ruͤben aufzu⸗ nehmen. Man ſchneidet das Kraut ab und verwahrt ſie in einer trockenen Kammer. Auch kann man ſie in einen Scheunentaß bringen, und mit Stroh gegen den Froſt verwahren. Sie halten ſich an einem trockenen Ort faſt beſſer, wie die Kohlruͤben, vorzuͤglich wenn ſie fruͤh geſaͤet wurden, alſo ihre voͤlltge Reife erlangten. Den Ruͤbenſaamen erzieht man ſich noch in dem Jahre, wo man ihn braucht, wenn man die Ruͤben etwas 56 fpaͤt ſaͤet. Bei den uͤbrigen Ruͤbenarten geht dies bekannt⸗ lich nicht an. Die Saatruͤben, d. h. diejenigen, von denen man im Fruͤhjahre den Saamen ziehen will, hebt man im Keller im Sande auf. Man kann ſie jedoch auch mit den Kar⸗ toffeln zugleich in den beſchriebenen Erdhaufen verbergen, oder in kleinen Gruben fuͤr ſich aufheben. Dieſe ſo durchgewinterten Saatruͤben ſetzt man im Fruͤhjahre in den Garten auf kraͤftiges Land, welches der Sonne ordentlich ausgeſetzt iſt. Hier wachſen ſie ziemlich ſchnell, und man wird gegen Ende des Juni den Saa⸗ men abnehmen koͤnnen. Da ihm die Vogel ſehr nach— ſtelen, ſo muß man ihn zeitig in Sicherheit bringen. Am beſten, indem man ihn im gelbreifen Zuſtande auf Laken legt und auf einem luftigen Boden vollends trocknet. Wer die Ruͤben mit Sicherheit anbauen will, muß ſich immer einigen Vorrath von Saamen halten. Er bleibt, gut aufbewahrt, mehrere Jahre gut. Ohne dieſe Vorſicht kann man ſonſt in große Verlegenheit kommen, wenn einmal der Saamen nicht geraͤth, oder wenn ſeine Reife durch ein ſpaͤtes Fruͤhjahr und naſſe Witterung auf⸗ gehalten wird. Fuͤr die Milchkuͤhe ſind die weißen Ruͤben ein herrli⸗ ches Futter. Weniger gut ſind ſie fuͤr dite Zugochſen, weil ſie ſo waͤßrig ſind. Man kann auch in die Stoppel des zeitig abgeernte⸗ ten Getreides Ruͤben ſaͤen, die dann Stoppelruͤben heißen. Auf recht muͤrbem, tief gelockertem und wohl geduͤngtem B. 1 n hlee Rlb ſun nlat vith 57 Boden, lohnt ſich eine ſolche Ausſaat in den mehreſten Jahren reichlich. Wenigſtens ſchaft man ſich durch ſie ein gutes Herbſtfutter fuͤr die Kuͤhe, indem man ihnen dieſe Spaͤtruͤben mit ſammt dem Kraute giebt. Starke Ruͤben, wie diejenigen, welche man nach obiger Anwei⸗ ſung anbauet und behandelt, kann man freilich im Stop⸗ pellande nicht erwarten. ——— Von den Mohrruͤben oder Moͤhren (Karotten, gelbe Ruͤben). Auch dieſe Ruͤbenart iſt, wie die vorige, nur ein Ge⸗ waͤchs fuͤr den lockern und ſandigen Boden. Mit leichte⸗ rer Muͤhe laſſen ſich noch weiße Ruͤben im thonigen Bo⸗ den bauen; Mohrruͤben aber ſehr ſchwer. Sie verdienen es aber, daß man ſich in den Gegen⸗ den um ſo mehr auf ihren Anbau lege, wo man den Bo⸗ den dazu hat. Bis jetzt wurden ſie nur in den Gaͤrten als Gemuͤſe gebauet. Man kann ſie aber eben ſo dreiſt aufs Feld bringen, wie die andern Futtergewaͤchſe. Wenn man ſie gut behandelt, ſo geben ſie eben ſo vlel Futter heraus, als Kartoffeln auf gleichem Lande. Sie haben obendrein vor den andern Ruͤbengewaͤch⸗ ſen manche Vorzuͤge. Es frißt ſie kein Inſeckt ab. Auch iſt ihr Wachsthum weniger von der Duͤrre abhaͤngig. Wenn ſie erſt eingewurzelt ſind, ſo holen ſie ihre Nah⸗ ——— ——— 7 58 rung hauptſaͤchlich aus der Tiefe, und leiden wenig von der Trockenheit. Die Mohrruͤben geben ferner fuͤr die Haushaltung des Landmannes den bekannten Moͤhrenſyrup oder Saft, den man an die Speiſen ſtatt des gewoͤhnlichen Zuckerſy⸗ rups nehmen kann, wodurch ſich vieles Geld erſparen laͤßt. Als Viehfutter betrachtet, kommen ſie in der Nahr⸗ haftigkeit gleich nach den Kartoffeln. Sie werden aber von allem Viehe noch lieber wie dieſe gefreſſen. Die Pferde lieben ſie vor allen Wurzelgewaͤchſen. Giebt man ihnen Mohrruͤben vollauf und Heu dazu, ſo kann man ſie ſo ſtark wie bei Kornfutter arbeiten laſſen, und ſie werden ſich doch in Kraft erhalten. Viele Wirthe glauben ſogar, daß die Mohrruͤben den Pferden noch ganz beſonders geſund ſind, und fuͤttern anbruͤchige Pferde damtt, um ſie wieder herzuſtellen. Die uͤbrigen Thtere der Landwirthſchaft— ſogar das Federvieh— verzehren die Moͤhren als Leckerbiſſen. Auf tiefem und lockerem Lehmboden kann man die Mohrruͤben bei ſorgfaͤltiger Bearbettung ſchon bauen. Noch letchter aber auf ſandigem Lehm⸗, lehmigem Sand⸗ oder eigentlichem Sandboden. Eine gewoͤhnliche tiefe Beackerung, wie ſie zu den Kartoffeln und Ruͤben erforderlich iſt, reicht zu den Moͤh— ren noch nicht. Man muß zu ihnen entweder graben, oder mit zwei Pfluͤgen hinter einander gehend pfluͤgen, ſo daß der zweite ſehr tief geſtellt iſt, und die Erde aus der Furche des erſten heraus hebt. Hat man mit dem erſten 6 59 Pfluge fuͤnf Zoll tief gepfluͤgt, und der ihm folgende hebt noch drei Zoll Erde auf, ſo wird das Land acht Zoll tief gelockert, welches nothduͤrftig hinreicht. Dies Doppeltpfluͤgen nimmt man, wo moͤglich, im Herbſte vor. Den Winter uͤber laͤßt man das Land in rauhen Furchen liegen, und egget es erſt im Fruͤhjahre nach dem Abtrocknen. Man duͤngt das Land mit recht kurzem Miſt, in welchem ſich kein Unkrautsſaamen angehaͤuft hat, der das Land verunreinigen koͤnnte. Denn man kann es wohl als Regel gelten laſſen, daß man die Moͤhren nur in ziemlich reines Land brin⸗ gen muß. Iſt daſſelbe mit Quecken uͤberzogen, oder mit Saamenunkraut angefuͤllt, ſo baue man vorher Kartoffeln oder andere Wurzelgewaͤchſe. Die Moͤhren wuͤrden hier mehr Jaͤtelohn koſten, als ſie einbringen koͤnnen. Weil ſie fruͤh geſaͤet werden muͤſſen, ſo hat man nicht Zeit, das Unkraut vorher einige Male unterzupfluͤgen, wie es bei den uͤbrigen behackten Gewaͤchſen fuͤglich geſchieht. Den Miſt zu den Mohrruͤben pfluͤgt man in der gewoͤhnlichen Tiefe unter. Dadurch bereitet man auch das Land vollends zur Ausſaat vor, und haͤlt darauf, daß in recht ſchmalen Furchen gepfluͤgt werde. Iſt das Land von einer fruͤhern Duͤngung noch in Kraft, ſo ſaͤet man die Mohrruͤben auch wohl aus, ohne friſch zu ihnen zu duͤngen, blos um zu verhuͤten, daß mit dem friſchen Miſt nicht der Wuchs des Unkrautes be⸗ lebt werde. Nach Kartoffeln pflegen ſie am beſten zu gerathen. Man braucht dann auf ſandigem Boden im 60 Fruͤhjahre nicht noch einmahl zu pfluͤgen, ſondern ſäͤet ſie gleich nach dem Eggen aus. Man ſaͤet die Moͤhren gern ſo fruͤh als moͤglich, damit ſie noch in das von der Winterfeuchtigkeit durch⸗ drungene Land kommen und bald aufgehen. Darum iſt das beſchriebene tiefe Pfluͤgen vor Winters ſo nothwen⸗ dig. So wie das Land im Fruͤhjahre maͤßig abgetrocknet iſt, ſaͤtt man den Moͤhrenſaamen aus. Nach dem Pfluͤgen des Landes zur Saat egget man daſſelbe einmal uͤber, und ſaͤet nun erſt den Saamen auf. Im lockern ſandigen Boden iſt es gut, das Land vorher zu walzen, dann den Saamen zu ſaͤen, darauf wieder zu eggen, und noch einmal zu walzen. Da ſich der Saamen wegen ſeiner haarigen Bedek⸗ kung ſehr in Klumpen an etnander haͤngt, ſo iſt ſeine Ausſaat ſchwierig. Man erleichtert ſich dieſe, indem man ihn mit gefiebten Saͤgeſpaͤnen mengt und durch einander reibt. Man muß ſich aber freilich vorher den Saamen abgemeſſen oder abgewogen haben, damit man weiß, wie viel man nimmt. Iſt der Saamen friſch und gut, ſo ſind drei Pfund Saamen auf den Morgen hinreichend. Es dauert ziemlich lange, ehe der Moͤhrenſaamen aufgeht. Man werde aber nur nicht aͤngſtlich, wenn er bei trockener Fruͤhlingswitterung etwas lange liegt. Iſt man nur ſicher, daß der Saamen gut war, ſo kommt er gewiß. Die Moͤhrenpflanzen ſind anfangs ſo klein, daß man ſie gar nicht ſieht, oder vielmehr, man kann ſie nicht von glic : Mohre der ub Jäten dnen nicht, fange Wenn Arbeit lch. welt t ſch man war krau dem weißen T ohne hirie ilen 6 T wende verdi zur E 61 von dem Unkraute unterſcheiden, welches mit ihnen zu⸗ gleich zum Vorſchein kommt. Dieſes Unkraut iſt ein großes Hinderniß bei dem Mohrruͤbenbau, und macht ihn ſchwieriger, als den Bau der uͤbrigen behackten Gewaͤchſe. Denn da es nur durch Jaͤten wegzuſchaffen iſt, ſo macht es viele Arbeit, ehe man einen Morgen davon reintget. Unterbleiben darf es aber nicht, und zwar muß man damit ſo fruͤh als moͤglich an— fangen, um den jungen Moͤhrenpflanzen Luft zu ſchaffen. Wenn man es mit dem Jaäͤten nur erzwingen kann: die Arbeit bezahlt ſich gewiß durch die Mohrruͤben ſehr reich⸗ lich. Man kann aber deswegen den Moͤhrenbau nie ſo weit treiben, als den Kartoffelbau. Bald nach dem Jaͤten werden die Moͤhren anfangen, ſich zu heben. Man wird nun bald ſehen koͤnnen, was man auf dem Felde hat, welches ſo lange nicht moͤglich war, als ſie im erſten Unkraute ſtanden. Ehe das Un— kraut zum zweiten Male ſich ermannt, komme man mit dem Hacken zuvor, und mache es eben ſo, wie bei den weißen Ruͤben. Da, wo die Pflanzen zu dicht ſtehen, haue man ſie ohne Gnade weg, und verſchaffe dadurch jeder Pflanze den gehoͤrigen Platz. Eine Pflanze muß von der andern nach allen Seiten hin wenigſtens vier Zoll entfernt ſeyn. Nach drei Wochen wird ein zweites Behacken noth⸗ wendig. Man nimmt alles ſich zeigende Unkraut weg, verduͤnnt die Ruͤben nochmals, und laͤßt ſie nachher bis zur Ernte wachſen. Dieſe etwas muͤhſame Art, die Mohr⸗ 62 ruͤben zu dauen, ſichert aber faſt bei jeder Witterung eine gute Ernte, weshalb ich ſie mit Recht jedem empfehlen kann. Auf Boden, der ſich ſonſt zu den Mohrruͤben etgnet, und von fruͤheren Zeiten noch Duͤngertheile enthaͤlt, kann man durch dieſe Beſtellung wohl zwoͤlf Winſpel vom Morgen ernten, alſo weit mehr, als Kartoffeln, von welchen ſchon die Haͤlfte eine gute Ernte vom Morgen iſt. Ich glaube wohl, daß diejentgen uͤber die angegebene Ernte ſtaunen werden, die keine andern Mohrruͤben gebauet haben, als ſolche, die ſie blos einmal jaͤteten. Das Behacken, wenn es zu rechter Zeit geſchieht, und mit kraͤftiger Duͤngung verbunden wird, thut bei allen dieſen Gewaͤchſen Wunder. Auf rajoltem Lande wachſen die Mohrruͤben ſehr gut, weil ſie da nicht vom Unkraute leiden, und in der Tiefe Lockerheit genug finden, um nach Belieben einzudringen. Wenn man alſo Gelegenheit hat, Gartenland zu rajolen, ſo wird man es am allerbeſten durch Mehrruͤben nuͤtzen. Auf ganz reinem, gegrabnem Gartenlande, welches man jaͤhrlich zu duͤngen pflegt, bauet man die Mohrruͤben auch als zweite Frucht. Man ſaͤet den Saamen im Fruͤh⸗ linge mit anderem Saamen zugleich aus, deſſen Fruͤchte zeitig zur Reife kommen. Die erſte Haͤlfte des Sommers nehmen dieſe das Land ein und machen hernach den Moͤh⸗ ren Platz. Am häͤufigſten nimmt man hierzu den Fruͤhflachs und Mohn. Den Leinſaamen ſaͤet man im Maͤrz oder April— aber freitlich nur auf ſonnige, vor Froſt geſchuͤtzte Aecker, weil der junge Flachs leicht erfriert.— Dieſer Flachs 4 63 wird gewoͤhnlich halb gruͤn gezogen und kommt ſchon An⸗ fangs July vom Lande. Die Moͤhrenpflanzen bekommen dadurch Luft, und durch das Ausraufen des Flachſes wird der Boden locker gemacht, wonach die Moͤhren lebhaft wachſen. Hat man Zelt, ſie noch einmal zu behacken, ſo werden ſie um ſo ſtaͤrker werden. Eben ſo iſt es mit dem Mohn. Auch dieſer reift zeitig und uͤberlaͤßt fuͤr den Spaͤtſommer den Mohrruͤben das Land allein. Auch hier unterlaſſe man das Behacken und Verduͤnnen der Mohrruͤben nicht, wenn man eine gute Ernte halten will. Man kann den Moͤhrenſaamen auf dieſe Art noch unter mehrere Fruͤchte ausſaͤen, und ſo zwet Ernten in Einem Jahre halten. Man uͤberſehe aber nicht, daß ich ſagte, dies waͤre nur in jaͤhrlich gegrabenem und eben ſo oft geduͤngtem Lande vortheilhaft. Durch fleißtge Duͤngung und Bearbeitung kann man⸗ ches moͤglich gemacht werden, was ſonſt gar nicht ausfuͤhr⸗ bar waͤre. Iſt man aber mit ſeinem Lande noch nicht in dieſen fetten Zuſtand gekommen; hat man nur immer noch damit zu kaͤmpfen, dem Ueberhandnehmen des Un⸗ krautes zu wehren, ſo denke man nicht an eine Moͤhren⸗ ernte nach einer Vorfrucht, ſondern raͤume ihnen das Land allein vom erſten Fruͤhlinge an ein, und reintge es dabet gut. Das Ausgraben der Mohrruͤben iſt etwas umſtaͤnd⸗ licher als das Ausziehen der langen weißen Ruͤben. Man verrichtet es am beſten mit Spaten; auch wohl mit Miſt⸗ 4222 —— 6 4 forken. Man bricht das Kraut von den Moͤhren ab, ver⸗ fuͤttert es, und hebt die Moͤhren entweder in ſolchen Hau⸗ fen auf, wie ich bei den Kartoffeln angegeben habe, oder ſchuͤttet ſie in einen Scheunentaß, wo man ſie von allen Seiten mit Stroh gegen den Froſt wohl verwahrt. Von den Moͤhren, die man zum Saamenziehen brau⸗ chen will, bricht man das Kraut nicht ab, ſondern ſchnei⸗ det nur das meiſte ab, ſo daß noch das ſogenannte Herz an der Ruͤbe bleibt. Man hebt ſie auf, wie die weißen Saatraͤben, ſetzt ſie im Fruͤhjahre in den Garten aus, und erzieht ſich ſo den Saamen, welches gar nicht ſchwer iſt, da er in der Regel leichter geraͤth, als der Saamen der andern Ruͤbenarten. Von den Runkelruͤben. Dieſe Ruͤbenart hat auch den bei den Mohrruͤben geruͤhmten Vorzug, daß ſie nicht von den Raupen oder Erdfloͤhen verheert wird. Sie verdient alſo ſchon deswe⸗ gen, daß man ſie zugleich mit dem Kohl und den Kohl⸗ ruͤben anbaue, damit man nicht an Winterfutter Mangel leide, wenn die letzt genannten Gewaͤchſe durch die Rau⸗ pen verheert worden ſind. Je mehrerlei Arten Futterge— waͤchſe man anbauet, deſto weniger kommt man in Fut⸗ ternoth, weil dann immer das umgeſchlagene Gewaͤchs von der reichen Ernte eines andern erſetzt wird. Fuͤr alle Bodenarten iſt der Bau der Runkelruͤben aber ———— 8 ———————— und umae ver⸗ Hau⸗ der len au⸗ nei⸗ erz hen nd 2 65 aber nicht vortheilhaft. Nur in folgenden muß man ſie anbauen: 1) Im tiefen, gut mit Modererde gemengten Thon⸗ und Lehmboden; 2) im torfigen, maͤßig feuchten Bruchboden, den ich Seite 8. des erſten Theils beſchrieben habe. 3) im tiefen, gut geduͤngten und feucht liegenden Sand— boden, wie man ihn in der Naͤhe der Fluͤſſe und Baͤche, oder an den Bruͤchern und Seen angren⸗ zend findet. Sehr feſter Thonboden kann durch gute Bearbeltung und ſtarke Duͤngung auch zu dem Runkelruͤbenbau geſchickt gemacht werden. Der trockene, ſandige Lehm, und lehmige Sandbo— den, der ſich auf der Hoͤhe am haͤufigſten findet, traͤgt weit ſicherer Kartoffeln als Runkelruͤben, oder die ſchon beſchrtebenen Ruͤbenarten. Eine feuchte Lage macht natuͤr— lich auch dieſe Bodenarten zu den Runkelruͤben geſchickt. Tiefe und gute Beackerung iſt den Rankelruͤben eben ſo nothwendig, wie den uͤbrigen Pflanzgewaͤchſen. Nur auf Boden unter No. 2. kann man das fletßige Pfluͤgen ſparen, weil es dieſem gar nicht an Lockerheit fehlt. Wer Kohl, und Nunkelruͤben zugleich bauet, muß das Land zu den letzteren fruͤher zurecht machen. Es wird immer gut ſeyn, die Bearbeitung dazu ſchon im Herbſt anzufangen. Die Runkelruͤben muͤſſen zeitig aufs Land geſetzt werden, ſollen ſie anders recht ſtark wachſen. Auf Thon⸗ und Lehmboden ſollte man den Miſt zu II. f 35 2 66 zu den Runkelruͤben ſchon im Herbſt aufbringen und mit der erſten Furche unterackern, damit er dieſes Land locker mache. Ein viermaliges Pfluͤgen, zweimal im Herbſt, zweimal im Fruͤhjahre, wird auf dieſem Lande nothwen— dig ſeyn. Um die Pflanzen recht zeitig zu haben, ſaͤet man den Saamen ſo fruͤh als moͤglich auf ein recht ſonniges Gar⸗ tenbeet. Damit er um ſo eher keume, weicht man ihn vor der Ausſaat ein paar Tage in Waſſer ein. So wie die Pflanzen heran gewachſen ſind, gewoͤhn⸗ lich im Anfange des Mai, ſchreittet man zum Pflanzen. Man verfaͤhrt uͤbrigens, wie ich bei dem Bepflanzen des Kohlruͤbenlandes angegeben habe; d. h. man pflanzt gleich auf die friſch aufgepfluͤgte Furche, in derſelben Entfernung wie die Kohlruͤben. Das Eintauchen der Pflanzenwurzeln in den dort erwaͤhnten Brei iſt auch hier ſehr rathſam. Das Einſetzen der Pflanzen geſchieht aber auf eine andere Art, wie bei den Kohlruͤben. dan bedient ſich zum Verpflanzen der Runkelruͤben eines Pflanzſtocks, mit dem man ein gerades Loch bohrt und die Pflanze hinein ſetzt. Dieſe Pflanzſtoͤcke macht man von hartem Holze, etwas laͤnger als einen Fuß, und verſieht ſie mit einer ſtumpfen Spitze. Bei ſehr großer Duͤrre muß man die Pflanzen angießen, wenn man Waſſer herbei ſchaffen kann. Man kann den Saamen auch gleich auf das Land ausſtecken. Dies wird ſich jedoch nur auf den von Na⸗ tur lockern Bodenarten ausfuͤhren laſſen, weil man thoni⸗ ————:ʒ—& n— 67 ges Land ſchwerlich ſchon ſo fruͤh klar und fein bearbeitet hat, als zu dieſer Beſtellungsart erforderlich iſt. Wollte man den Saamen auf rauhes, kloͤßigtes Land ausſtecken, ſo wuͤrde daſſelbe bis dahin, daß man es be⸗ hacken koͤnnte, ſo verwildern, daß es ſchwerlich durch Hak⸗ ken zu reinigen ſeyn duͤrfte. Auf muͤrbem, relnem Lande hat ein ſolches Ausſtek⸗ ken des Saamens den Vorzug, daß jede Pflanze glelch auf der Stelle ſtehen bleiben kann, wo ſie gewachſen iſt, und daß die Wurzeln gar nicht verletzt werden, welches ſich bet dem Verpflanzen auf die gewoͤhnliche Art gar nicht vermeiden laͤßt. Die Ruͤben werden unſtreitig groͤßer, wenn ſie nicht verpflanzt worden ſind, falls die oben an— gegebenen Bedingungen dieſe Beſtellungsart erlauben. Das Ausſtecken des Saamens verrichtet man ſo: Man pfluͤgt das Land in ſchmalen Furchen und ſehr tief, wie immer zu dieſen Gewaͤchſen. Nachher egget man es eben. Nun nimmt man den Lintenzieher und mackt die Rethen, in welche die Pflanzen ſtehen ſollen. Jede Perſon verſieht ſich mit einem Maaße, noie weit die Pflan⸗ zen auf der Reihe von einander entfernt ſtehen ſollen, etwa 12 bis 18 Zoll, und nun geht das Ausſtecken an. Es geht faſt ſchneller wie das Pflanzen. Iſt der Saamen recht gut, ſo legt man in jedes Loch nur Ein Korn, ſonſt zwei. Oder man legt immer nur eins, dann aber alle 8 Zoll Ein Korn. Die uͤberfluͤßigen Pflanzen hauet man beim Behacken weg. Das fruͤhe Behacken, noͤthigenfalls auch das Jaͤten — △-‿ 68 bet der letzten Art zu beſtellen, iſt nothwendige Bedingung zum Gerathen der Runkelruͤben. Die mehreſten Runkelruͤben wachſen aus der Erde heraus, darum iſt das Behaͤufen uͤberfluͤßig. Man behacke ſie nur ſorgfaͤltig, und halte ſie vom Unkraute rein. Das Abblatten der Runkelruͤben iſt, wenn es zu fruͤh geſchieht, ihnen allerdings ſchaͤdlich, und verhindert, daß ſie zu ihrer voͤlligen Groͤße gelangen. Ende Auguſts oder im Anfange des Septembers kann es jedoch unbedenklich einmal geſchehen, wenn ſie recht zeitig gepflanzt oder ge⸗ ſteckt worden ſind. Die Blaͤtter ſind, wie die ganze Ruͤbe, den Kuͤhen ein ſehr gedeihliches Futter. Auch die Schweine freſſen ſie lieber, wie die Kohl- und weißen Ruͤben. Das Aufnehmen der Runkelruͤben geſchieht, wie bei den Kohlruͤben, wenn ſie gepflanzt wurden; ſind aber die Saamenkoͤrner gleich auf das Land ausgeſteckt worden, ſo wachſen die Ruͤben ſo lang und noch laͤnger wie Moͤhren in die Erde, und man graͤbt ſie dann beſſer mit dem Spa— ten aus. Das Kraut muß man ja rein von dieſen Ruͤben ab⸗ ſchneiden, weil es ſonſt ſehr leicht Faͤulniß veranlaßt. Vor dem Froſt muß man ſie mehr wie jede andere Ruͤbe in Acht nehmen, well ſie ſehr leicht dadurch verdorben wer⸗ den. In trockenen Kellern oder in einer Scheunenbanſe, zwiſchen Stroh gepackt, laſſen ſie ſich lange aufbewahren. Es iſt bekannt, daß man aus dem Safte dieſer Ruͤ— ben einen Syrup kochen kann. Sogar Zucker laͤßt ſich daraus bereiten. Es iſt wohl moͤglich, daß einer oder der ngung Erde hacke et 69 andere Gelegenheit findet, zur Zuckerbereltung Runkelruͤ⸗ ben zu verkaufen, wenn immer mehr Zuckerfabriken der Art entſtehen. Verkauft man aber die Runkelruͤben, ſo muß man in der Stelle Miſt oder anderes Futter wieder kaufen. Ohne dies wuͤrde jede Wirthſchaft endlich durch dieſen Handel Schaden leiden. Der Syrup aus dieſen Ruͤben ſteht fuͤr Landleute dem Moͤhrenſafte nach, weil dieſe nicht im Stande ſind, ihm ſeinen widrigen Geſchmack zu benehmen. Sie werden da— her beſſer thun, wenn ſie ſich ihren Syrup aus Moͤhren kochen. Vom Kohl, Kopfkohl oder Weißkraut. Wer Kohl zum Viehfutter anbauen will, muß es nur auf den Bodenarten thun, die ich fuͤr tauglich zu den Runkelruͤben angegeben habe. Vorzuͤglich eignen ſich zum Kohlbau gewiſſe niedrige Laͤndereien, auf welchen das Winterwaſſer lange zu ſtehen pflegt. Iſt man nur ſicher, daß ſie im Laufe des Som— mers nicht unter Waſſer geſetzt werden, ſo kann man ſolches Land faſt durch nichts ſo gut, wie durch Kohl nuͤtzen. Was ich von der Duͤngung und uͤbrtgen Zubereitung des Landes zu Runkelruͤben geſagt habe, gilt auch vom Kohllande. In ſolchen naſſen Niederungen, wo der tor⸗ fige Boden gleichſam ſchwammig iſt und man keln Zug⸗ vieh aufbringen kann, muß man ſich des Spatens bedte⸗ nen, und das Land zu Kohl umgraben. — ——— ——— 4 — — ————'yy —— 8 — — 70 Auch die Regel: Den Kohl ſo fruͤh als moͤglich zu pflanzen, hat derſelbe mit der vorigen Ruͤbenart gemein. Daher muß das Land in allen Stuͤcken, wie dort gelehrt worden, behandelt werden. Das Erztehen der Kohlpflanzen iſt wegen der Erdfloͤ⸗ hen ſehr ſchwierig. Das beſte Mittel dagegen iſt immer noch, daß man friſche, unausgelaugte Holzaſche auf die Pflanzen ſtreuet. Etn anderes Mittel gegen dieſe kleinen Soringer iſt dieſes: Man nimmt kurze Holzſtaͤbchen, umwickelt ſie mit Werg, und tunkt ſie in Wagentheer. Solche Staͤbchen ſetze man in ziemlicher Anzahl auf das Pflanzenbeet. So wie man nun gelegentlich voruͤber geht, ſo beunruhige man die Erdfloͤhen, daß ſie zum Thetl an die Staͤbe ſprin⸗ gen. So werden ſich viele in den Theer verwickeln und darin umkommen. Noch ein Mittel iſt dieſes: Man kaufe ſich in der Apotheke kalkhaltige Schwefelleber, laſſe ſie in Waſſer zer— gehen und beſprenge die Pflanzen damit. Wenn man die Kohlpflanzen zum Verſetzen ausgezo⸗ gen hat, ſo tauche man ihre Wurzeln auch in den mehr erwaͤhnten Bret, damit ſie leichter anwachſen. Man pflanzt ſie mit demſelben Pflanzſtock, wie die Runkelruͤben. Das Behacken des Kohls iſt ihm eben ſo nothwen—⸗ dig, wie den uͤbrigen verpflanzten Gewaͤchſen, ſobald er angewachſen iſt. Zum zweiten Male behaͤufelt man den Kohl etwas. zu ein. hrt fioͤ⸗ ner die iſt — 1 Das zu dichte Pflanzen des Kohls iſt noch ſchaͤdlicher, wie der Ruͤbengewaͤchſe, zumal wenn man eine große Art hat. Er muß von allen Seiten vielen Platz haben, wenn er zuerſt große Stauden bilden, und hernach große Koͤpfe ſchließen ſoll. Die Raupen, welche ich ſchon bet den Kohlruͤben an⸗ gefuͤhrt habe, ſind noch weit ſchaͤdlicher fuͤr den Kohl; denn wenn ſie dort auch die Blaͤtter wegfreſſen, und da⸗ durch machen, daß die Ruͤben nicht ihre volle Groͤße er— langen, ſo koͤnnen ſie den Ruͤben in der Erde ſelbſt nichts anhaben. Dieſe treiben ohnedies bald wieder neues Kraut. Ein ganz abgefreſſenes Kohlfeld erholt ſich aber hoͤchſt ſelten, und in dem Jahre, wo ſie ſehr haͤufig ſind, dieſe verheerenden Thierchen, erlangt man nicht leicht Koͤpfe. Kann man daher durch fleißiges Ableſen der Raupen der Verwuͤſtung zuvor kommen, ſo bezahlt ſich hier dieſe Muͤhe noch beſſer, wie bei den Kohlruͤben. Mit dem Abblatten des Kohls hat es wieder dieſelbe Bewandniß, wie bei den Runkel und Kohlruͤben. Mit gehoͤriger Vorſicht kann man die Blaͤtter, welche gelb werden und abſterben, ſchon ſehr zeitig anfangen abzuneh⸗ men, ohne daß es dem Wachsthum des Kohls ſchaden wird. Hingegen das gewaltſame Abreißen der gruͤnen Blaͤtter zu einer Zeit, wo er noch im beſten Wachsthum iſt, kann ſehr nachtheilig werden, und man kann dann nicht auf große Koͤpfe rechnen Als Nedenfutter moͤgen die abſterbenden Kohlblaͤtter immer genützt werden. Aber 72 zum Hauptfutter verſorge man ſich ſo lange mit anderem, als Buchweitzen, Spoͤrgel oder weißen Ruͤben, bis der Kohl ſein Wachsthum ordentlich vollendet hat. Wenn man den Kohl aberntet und nach Hauſe faͤhrt, ſo darf man ihn nicht in hohe Haufen aufthuͤrmen, wenn er gut bleiben ſoll. Er wird, wenn er in Haufen uͤberetnan⸗ der liegt, ſehr leicht warm und fault, in welchem Zuſtande er nicht nur einen Thetl ſeiner Nahrungsfaͤhigkeit einbuͤßt, ſondern auch noch außerdem der Butter einen unangeneh⸗ men Geſchmack mittheilt. Am beſten dauert er, wenn man ihn auf recht dichten Raſen im Garten Kopf bei Kopf ſo hinſtellt, daß die Struͤnke nach oben gekehrt ſind. So haͤlt er ſich lange, weil der Regen nicht in den Kopf eindtingen kann, und weil es in dieſer Zeit zu kalt iſt, als daß der Raſen faulen ſollte. Haͤtte man keinen ſchicklichen Raſenplatz in der Näͤhe der Wohnung, ſo legt man Stroh unter und ſtellt die Koͤpfe eben ſo auf; ſonſt wuͤrde ſich Erde anhaͤngen und ſie verunreinigen. Friert es auch etwas, ſo ſchadet es dem Kohl nicht. Che ſehr ſtarker Froſt eintritt, wird man den Koht in der Regel verfuͤttert haben. Fuͤr das Rindvieh, vorzuͤglich fuͤr Milchkuͤhe, iſt der Kohl ein ſehr gutes Futter. Man nehme ſich aber ſehr mit demſelben in Acht, und gebe dem Viehe niemals zu viel mit einem Male. Es blaͤhet kein Futter das Rind— vieh ſo leicht auf, als der Kohl. So ſehr man auch ge— gen das Verfuͤttern des jungen Klees warnt, und zwar mit Recht, ſo halte ich dieſen lange nicht fuͤr ſo gefaͤhr⸗ 73 lich, als den Kohl.— Man muß zwar auch die Ruͤben deshalb vorſichtig verfuͤttern, aber ſo leicht blaͤhet ein Rind nicht davon auf. Die noͤthigen Kohlpflanzen muß man ſich ſelbſt erzie— hen, und muß ſich nicht auf das Kaufen verlaſſen. Man kann ſonſt nicht pflanzen, wenn die Wttterung guͤnſtig und das Land gehoͤrig vorbereitet iſt, ſondern wenn man die Pflanzen bekommen kann. Sehr oft muß man aus Noth ſich mit elenden, ausgeſuchten Pflanzen begnuͤgen, und ſie dennoch theuer bezahlen. Daher laſſe man ſich die Muͤhe des Saamen, und Pflanzenztehens nicht verdrleßen. Man ſucht zu den Saat— koͤpfen im Herbſt maͤßig große, recht dicht gewachſene Koͤpfe aus, zieht ſie mit der Wurzel aus, und hebt ſie in einem trockenen Keller auf. Die faulenden Blaͤtter nimmt man ihnen von Zeit zu Zeit ab, damit nicht der ganze Kopf davon angeſteckt werde. Im Fruͤhjahre bringt man ſie auf gut geduͤngtes, ſon⸗ niges Gartenland. Man braucht nur wenige Stauden, um ſich den noͤthigen Saamen zu ztehen; da er aber bis— wellen mißraͤth, ſo muß man ſich etwas Vorrath von die⸗ ſem Saamen halten. Das Kaufen des Kohlſaamens iſt ſehr mißlich, weil man von den Leuten, die damit handeln, ſo leicht betro⸗ gen werden kann. Dieſe verkaufen nicht nur alten, ver⸗ dorbenen Saamen, ſondern ſtatt Kohlſaamen erhaͤlt man wohl Kohlruͤben,, Braunkohl, oder andern Saamen, weil er ſich nicht gut von einander unterſcheiden laͤßt. —— ———— 4——*—ÿj—— 7— ——— 4 8 — —— 2——--— 74 Vom rothen oder ſpaniſchen Klee, Kleber, Brabanter oder Kopfklee. Die Futtergewaͤchſe, welche ich bis jetzt beſchrieben habe, machen die im ſiebenten Kapitel ſogenannte dritte Klaſſe der von dem Landwirthe angebaneten Gewaͤchſe aus, oder diejenigen, bei deren Anbau man dem Lande eine eben ſo ſorgfaͤltige Bearbeitung geben kann, als wenn es den Sommer durch unbeſaͤet bliebe und gebraacht wuͤrde. Alle dieſe Gewaͤchſe ſind als Winterfutter vorzuͤglich zu ge⸗ brauchen. Die Gegenden, denen es an Heu gebricht, koͤnnen ihr Vteh damit, zur Noth bei bloßem Stroh, ſehr gut erhalten. Jetzt werde ich den Bau derjenigen Gewaͤchſe lehren, die vorzuͤglich das Gruͤnfutter fuͤr den Sommer hergeben. Zuerſt alſo vom Klee(Kleber). Er wäͤchſt in allen abgewaͤſſerten Thon- und Lehm⸗ bodenarten; bei einer feuchten Lage auch noch im lehmt⸗ gen Sandboden. Auf den eigentlichen Sand paßt er ſich aber nicht. Auf moorigem Niederungsboden, der groͤßten— theils aus Modererde beſteht, wird er gewoͤhnlich vom Froſt in die Hoͤhe gezogen, ſo lange dleſer Boden noch nicht mit Sand, oder beſſer, mit mergelichtem Lehm be— fahren iſt. Fuͤr den Thon; und Lehmboden iſt der Klee ein herr⸗ liches Gewaͤchs. Es giebt eine erſtaunliche Menge des beſten Futters, und verbeſſert den Boden ſelbſt fuͤr die eber, leben yritte üͤchſe hande wenn dürde. lu ge⸗ licht, ſehr ſehren, ben. lehm⸗ 'mt⸗ ſcch iten⸗ oom noch be⸗ herr⸗ des r di 7 65 thm folgenden Getreidearten, jedoch nur unter dieſen Be⸗ dingungen: 8 1) Wenn der Boden tief bearbeiſtet, und die ganze Ackerkrume wohl mit Modererde und Duͤngertheilen durch⸗ drungen iſt. Auf Boden, der nur flach bearbeitet wurde, wo unter der Pflugſohle durch den Tritt des Arbeitsvie hes die Erde ſich verdichtet hat, koͤnnen die Pflanzen nicht tief genug eindringen. Daher erfrieren ſie bei hefti⸗ gen Blachfroͤſten, oder bei trockener Witterung trocknet die flache Erdkrume ſehr bald ſo tief aus, als die Kleewurzeln gegangen ſind, und der Klee verwelkt. Aber auch wohlgeduͤngten oder von Natur frucht⸗ baren Boden verlangt der Klee. Findet er nicht Nah⸗ rung im Boden, ſo treibt er wenige, ſchwache Halme; ſo bleiben auch ſeine Wurzeln nur duͤrftig; er kann das Land nicht gehoͤrig uͤberziehen und beſchatten. Er hinterlaͤßt ſonach auch wenig im Boden zuruͤck; die Sonnenſtrahlen kann er nicht vom Boden abhalten. Sie trocknen ihn zuſammen und dann lockert er das Land auf keine Weiſe. Weil er ſich nicht ausbreiten kann, ſo finden ſich Unkraͤu⸗ ter ein, die mit einer ſchlechtern Beſchaffenheit des Landes vorlleb nehmen und daſſelbe uͤberzlehen. 2) Daß der Klee nur auf reines Land geſaͤet werden müſſe, iſt eine zweite Bedingung, wenn er ein Verdeſſe⸗ rungsmittel des gebundenen Bodens werden ſoll. Saa⸗ menunkraut ſchadet dem Klee wenig, mit Wurzelunkraut, namentlich mit den Quecken, vertraͤgt er ſich nicht. Wo dieſe dte Oberhand gewinnen, da muß der Klee weichen. ——— — ———— 8 —— ——q — — — y 3 — — 76 Die Quecken oder Paͤden wuchern nirgends ſo ſehr als in dem lockern Kleelande. Dieſe muß man alſo ſorg⸗ faͤltig vorher aus dem Lande geſchaft haben, welches man mit Klee beſaͤen will. Recht guter Klee erſtickt zwar auch die Quecken; der Fall iſt aber ſo ſelten, daß man nicht darauf bauen kann. Denn weit oͤfterer, und bei der min⸗ deſten unguͤnſtigen Witterung, nehmen die Quecken das Land ein. 3) Eine dritte nothwendige Bedingung des Kleebaues iſt, daß er nicht zu oft auf ein und daſſelbe Land komme. Oefter als alle ſechs oder ſieben Jahre ſollte man den Klee niemals wiederkehren laſſen, wenn ſich das Land nicht ganz beſonders zum Klee eignet. In dieſer Zwiſchenzeit muß das Land wentgſtens Ein Mal eine tuͤchtige, tiefe Bearbeitung erhalten, bei welcher alle Schol— len zertruͤmmert, und das Land voͤllig gepulvert wird. Dieſe Bearbeitung gebe man nun durch eine gute Som⸗ merbraache oder durch die vorher, beſchriebenen Futterge⸗ waͤchſe, ſo muß dann der Klee bald derſelben folgen, ehe das Land wieder verdichtet oder unrein wird. Nur unter ſolchen Bedingungen kann man ſich der geruͤhmten Vortheile des Kleebaues erfreuen, und nur unter ihnen wird er ein vorzuͤgliches Mittel, zur Befoͤrde⸗ rung des Wohlſtandes aller Ackerbauer. Wer den Klee haͤufig anbauen wollte und die angegebenen Bedingungen nicht beruͤckſichtigen koͤnnte, oder wollte, wuͤrde fuͤr die Dauer mehr Schaden wie Vortheil davon haben. Ihr werdet nun immer mehr einſehen, lieben Land⸗ 77 do ſe V ſeh leute, warum ich im ſiebenten Kapitel ſo weitlaͤuftig von ſeg den Etgenſchaften der verſchiedenen Gewaͤchſe, und welche man Beſchaffenheit des Bodens einem jeden zutraͤglich iſt, ge— aucj ſprochen habe. Ich wollte Euer Nachdenken auf dieſe 8. Unterſchlede leiten, damtt ich Euch um ſo leichter ſagen une kann, unter welchen Umſtaͤnden der Anbau eines Gewaͤch⸗ dl das ſes vortheilhaft iſt oder nicht. Ihr werdet nun von ſelbſt darauf fallen, daß kein b dauss Land zum Klee ſich beſſer ſchicke, als das, welches durch 1 9 A Dhand behackte Gewaͤchſe recht ſorgfaͤltig gereinigt worden iſt. uſolte Da zu dieſen Gewaͤchſen ſtark geduͤnget werden muß, ſo Ndas iſt es noch kraͤftig genug fuͤr den Klee. Der Miſt hat bieſer ſich durch die haͤufige Bearbettung nun erſt recht dem gan⸗ ane zen Lande mitgetheilt, und der Klee findet hier einen herr⸗ 4 loch lichen Standort. o widd Man ſaͤet ihn mit Gerſte gewoͤhnlich aus, weil dieſe uSem, ganz vorzuͤglich in dieſem lockern Lande geraͤth. Sonſt iſt tetge⸗ es auch ganz gleich, man ſaͤet ihn mit einer Getreidefrucht 2 de aus, mit welcher man will, wenn ſich das Land nicht recht zur Gerſte ſchickt. der Haͤtte man aber Luſt, den Klee auf ſolches Land zu unur bringen, welches man einen Sommer gebraacht und mit de⸗. Winterung beſtellt hat, ſo geht auch dies ſehr gut. Der ſilee Klee waͤchſt vortreflich an, wenn man ihn im Fruͤhjahre, gen ſobald das Land abgetrocknet iſt, auf die junge Roggen⸗ dee oder Weitzenſaat ausſaͤet. Hat man unmittelbar zur Win⸗ terung gut geduͤngt, ſo wird hter der herrlichſte Klee. and⸗ Man uͤberzieht die Winterſaat vor der Ausſaat des Klee⸗ 78 ſaamens mit den Eggen, welches ich ſchon als ſehr zu⸗ traͤglich fuͤr die Winterung auf jedem gebundenen Boden empfohlen habe. Saͤet man den Klee, wie gewoͤhnlich, unter die Gerſte, welche nach Roggen folgt, ſo daß der Klee das Land im dritten Jahre nach der Duͤngung, gewoͤhnlich im Braach⸗ jahre, einnimmt, ſo gehoͤrt ſchon ganz vorzuͤgliches Land, eine ſehr gute Duͤngung, und eben ſo fleißige Bearbeitung dazu, wenn der Klee hier recht gut gerathen ſoll. Sel⸗ ten werden ſich dieſe drei Stuͤcke mit etnander vereinigt finden. Wo aber eins fehlt, da iſt der Kleebau mißlich. Gewoͤhnlich iſt das Land durch die zwei Getreideernten ſo erſchoͤpft, daß der Klee nicht mehr Kraft genug findet, oder es iſt nicht moͤglich, das Land zu der Gerſten- und Kleeſaat gehoͤrig zu bearbetten: in beiden Faͤllen ſetzt man ſich der Gefahr aus, durch den Klee das Land zu verwil⸗ dern, und dann ſchlechte Ernten danach zu erhalten. Allen dieſen Nachthetlen entgeht man, und bringt den Getreide, und Futterbau in eine fuͤr beide wohlthaͤtige Verbindung, wenn man den Klee unmittelbar in das muͤrbe und reine Land nach Hackfruͤchten bringt, und dann eine ſolche Folge der Fruͤchte waͤhlt, als ich in dem oft erwaͤhnten ſiebenten Kapiltel fuͤr das beſſere huthfreie Land angerathen habe. Bei der Ausſaat des Saamens ſelbſt hat man zu be— obachten, was ich ſchon beim Ruͤbenſaͤen erwaͤhnt habe. Den feinen Saamen kann man nicht ſo tief mit Erde bedecken, wie den Getreideſaamen. Man muß daher das 2—j ſehr zu⸗ Boden Herſte nd im kaach⸗ Nand, teltung . Se hereinigt aüßlich. wernten ffindet, 6 und at man (verwie e. angt den haͤtge 1 das dann n öſt Land be⸗ habe. Erde t daß 79 zur Saat gepfluͤgte Land erſt glatt eggen, ehe man den Klee ausſaͤet. Der Klee ertraͤgt am wenigſten eine ſtarke Bedeckung mit Erde. Soll der Kleeſaamen ſich recht gleichmaͤßig uͤber das ganze Land vertheilen, ſo ſaͤe man ihn nur bei windſtil⸗ lem Wetter aus. Da im Fruͤhjahre die Naͤchte gewoͤhn— lich ruhig zu ſeyn pflegen, und der Wind am Tage immer am ſtaͤrkſten iſt, ſo muß man die Kleeſaat in den Mor— genſtunden vornehmen, ehe ſich der Wind erhebt. Man ſaͤtt den Klee nur in ſchmalen Wuͤrfen aus, die man gut uͤberwerfen kann, und nimmt auf den Morgen hoͤchſtens acht Pfund guten Saamen. Nach der Ausſaat des Kleeſaamens uͤberzieht man das Land bloß einmal mit leichten Eggen. Bet recht trok⸗ kener Witterung und lockerm Boden walzt man ihn auch ein. Sollte das Wetter ſo trocken ſeyn, daß man beſorgt, der Kleeſaamen moͤchte nicht aufgehen, ſo kann man die Ausſaat deſſelben ſo lange verſchteben, bis man Regen vermuthet. Es ſchadet nicht, wenn die Sommerung, unter welche man den Klee ſaͤet, auch ſchon ein Paar Zoll lang iſt. Trift den ausgeſaͤeten Saamen ein tuͤchtiger Regen, ſo waͤchſt er ſehr gut an. Es iſt aber immer miß⸗ lich, ſich darauf zu verlaſſen. Beſſer thut man wohl, die Beſtellung ſo einzurichten, daß Pfluͤgen und Eggen, noͤthi⸗ genfalls auch Walzen, ſich ſchnell folgen, ehe das Land ausgetrocknet iſt. Iſt der Klee nur erſt einmal aufgegangen, ſo haͤlt 80 er unter dem Schatten der Sommerung eine betraͤchtliche Hitze aus, ohne zu verdorren. Bei feuchter Witterung uͤberzteht er das Land bald, und waͤchſt oft ziemlich lang in der Gerſte auf. Nach der Getreideernte bekommt er noch mehr Luft, und wird ſich vor dem Winter noch gehoͤrig ausbreiten und ſtarke Wurzeln treiben. Dies verhindere man nicht dadurch, daß man die junge Kleeſtoppel zu fruͤh mit dem Viehe betreibt. Gegen Michaelis kann man das Vieh bei trockener Witterung, wo es nicht tief in den Boden eintritt, den Klee etwas abfreſſen laſſen. Die Schaafe halte man aber lieber ganz vom Kleelande zuruͤck, weil dieſe die Herzen der jungen Pflanzen mit abbeißen. Manche glauben, der Klee muͤſſe mit langem Miſt bedeckt werden, wenn er im Winter nicht erfrieren ſoll. Dies iſt aber weder nothwendig noch ſchuͤtzt es vor dem Erfrieren. Bereitet Euer Land ſo vor, wie ich Euch gelehrt habe und ſorgt fuͤr eine fruͤhe Ausſaat des Klees, damit er im erſten Jahre tiefe Wurzeln ſchlagen kann, ſo werdet Ihr Euch am beſten vor dem Erfrieren des Klees ſichern. Eine neue Duͤngung durch den aufgeſtreueten Miſt bedarf der Klee eben ſo wenig, der in wohlgeduͤngtes Land geſaͤet iſt. Haͤtte man aber recht viel von dem kurzen Miſt, deſ⸗ ſen Bereitung ich Seite 63. des erſten Theils gelehrt habe, eine Mengung aus Aſche, Auskehrigt, Gaſſenkoth u. ſ. w., die man einen Sommer lang fleißig mit Miſtjauche begoſ⸗ ſen und oft umgearbeitet hat, und man brauchte dieſe Duͤn⸗ 81 raäͤchtliche Duͤngung nicht noch nothwendiger an andern Stellen, ſo tterung wird man durch ein ſchwaches Ueberſtreuen des Klees da— lang in mit ſeinen Wuchs ungemein befoͤrdern. Man muͤßte vorzuͤglich ſolche Stellen mit dieſer unvergleichlichen Duͤn— ar uſt, gung unterſtuͤtzen, die aus irgend einem Grunde zum löreiten Klee noch zu duͤrftig ſind. zn vicht d Haͤtte man ſich im Sommer recht viel Miſtjauche Pnſt den geſammelt, nach der Anweiſung, die dazu bei der Vieh⸗ us Dej zucht folgen wird, und man brauchte ſie nicht zum Be— Voden gießen des Miſtes, ſo wird man den zweiten Kleewuchs Schaafe ſehr befoͤrdern, wenn man das Kleeland nach dem erſten 1, well V Hieb damit begießt. Kann man gepulverten Gips bekommen, ſo unter— n Mſt V laſſe man ja nicht, den Klee damit zu beſtreuen. Dies zen ſell. V geſchieht im Mai, wenn der Klee ſchon ſo weit erwach— yor d8en ſen iſt, daß ſeine Blaͤtter den Boden ziemlich bedecken. ih Euch V Man waͤhlt dazu einen Morgen oder Abend, wo der Klees, Klee ſehr ſtark bethauet iſt, und man daher ſicher iſt, Inn, o daß der feine Staub an den naſſen Blaͤttern haͤngen Kles V bleibt. Man nimmt auf den Morgen einen Berliner Miſt V Scheffel Gipsmehl. Dieſe anſcheinend ſchwache Duͤn— Land gung thut die wunderbarſte Wirkung, nicht allein auf den Klee, ſondern auch auf junge Erbſen und Wicken, „ deſ⸗ aber immer auf dieſelbe Art ausgeſtreuet, als ich hier habe, angegeben habe. . w, Iſt das Wetter im Fruͤhlinge guͤnſtig, ſo wird der beg-e Klee in der Mitte des Maimonats ſo weit heran ge— eder wachſen ſeyn, daß man zur Noth den Anfang mit dem d II. 1 6 4 V V 3 3² Abſchneiden deſſelben machen kann. Es ſchadet nicht, wenn man damit etwas fruͤh anfaͤngt. Man muß nur den jungen, blaͤtterreichen Klee nicht allein fuͤttern, ſon— dern zu Haͤckſel geſchnitten ihn mit Strohhaͤckſel zugleich vorſchuͤtten. So wird er dem Viehe ein ſehr gedeih⸗ liches Futter. Faͤngt man fruͤh an, den Klee abzuſchneiden, ſo waͤchſt er ſehr bald wieder nach, und man hat dann laͤn— ger gruͤnen Klee, als wenn man ſo lange wartet, bis der Klee hart genug iſt, um dem Viehe allein gegeben werden zu koͤnnen. Iſt der Klee erſt eine Viertelelle hoch, ſo fange man immer an, ihn abzuſchneiden. In dieſem jungen Zuſtande futtert er zwar ſehr gut, man muß ihn aber mit großer Behutſamkeit unter die gehoͤrige Menge Strohhaͤckſel bringen, weil ohne dieſe Vorſicht das Vieh davon aufblaͤht. Erſt dann kann der Klee allein, ohne Stroh, gefuͤttert werden, wenn er Bluͤ— theknospen anſetzt. Dies iſt auch der rechte Zeitpunkt zum Abmaͤhen des Klees zu Heu, wenn einzelne Bluͤthen losbrechen. Will man damit ſo lange warten, bis der Klee in voller Bluͤthe ſteht, ſo wird man zwar eine groͤßere Menge Kleeheu ernten, es iſt aber von geringerer Guͤte. Gutes Kleeheu iſt fuͤr alles Vieh ein vortrefliches Futter. Es uͤbertrift, wenn der Klee zeitig gemaͤhet wurde, das beſte Wieſenheu. Hat man es nur erſt einen Winter gefuͤttert und geſehen, wie herrlich ſich das Vieh —**—— 1——— 7—— 83 it nicht,— das un dabei befinder, ſo wird man gewiß alles aufbieten, um , ſ davon ſo viel als moͤglich zu enten 4. V Man trocknet den Klee auf dieſe Weiſe: Nach dem 1 Abmaͤhen laͤßt man den gruͤnen Klee ruhig ſo lange in heded⸗ Schwaden liegen, bis er von der obern Seite etwas an— gewelkt iſt. Man befuͤrchte nicht, daß die untere Seite he ſ der Schwaden indeſſen gelb werde, wenn der Klee auch in län⸗ noch ſo gut ſtand. u, bi Bei guter Witterung iſt die obere Seite in zwei egeben Tagen ſo weit abgetrocknet, daß man die Schwaden nun rulell umwenden kann. Man bedient ſich dazu der Harken⸗ 1 ſtiele, noch beſſer langer Gabeln, die man unterſteckt aut, und das Schwad umlegt, ohne die Kleeſtaͤngel in ihrer zer die Lage zu veraͤndern. e dieſe Bei recht heiterer Witterung verrichtet man dieſe zunn dit Arbeit erſt gegen Abend, damit kein Blatt verloren gehe. er Bli⸗ Hat der Klee bei guter Witterung wieder zwei Tage auf der andern Seite gelegen, ſo wird er trocken genug zum maͤhen Einſetzen in kleine Windhaufen ſeyn. echen. Man muß eilen, ihn bald in dieſe Haufen zu brin— gvoller gen. Er braucht dazu noch nicht ſehr trocken zu ſeyn, Renge weil er in dieſen Haufen noch vollends trocknet, aber man hat ihn vor einfallendem Regenwetter ſo ziemlich liches gerettet, wenn er von der Erde auf iſt. nähet In dieſe Windhaufen legt man den Klee auch erſt einen gegen Abend ein, um allen Blaͤtterabfall zu verhuͤten. 5Vieh Dieſe Haufen ſetzt man etwa fuͤnf Fuß hoch locker auf, 84 damit die Luft ſie durchſtreiche, weshalb man ſie mehr ſpitz als breit machen muß. In dieſen Haufen bleibt das Kleeheu bis zur voͤlli— gen Trockniß ſtehen. Bei den ſaftigen Kleeſtaͤngeln dauert es oft ſehr lange, ehe man es einfahren kann. Man uͤbereile ſich jedoch nicht damit, und warte es ruhig ab, ſollte auch ein Regen ein paar Tage anhalten. Wenn die Haufen nur gut geſetzt, und von allen Seiten zugerun— det ſind, ſo zieht der Regen nicht ſehr ein. Aendert ſich das Wetter, ſo ſetze man ſeine Haufen um, d. h. man lege das Heu auf eine andere Stelle, das trockene unten, das naſſe oben, und mache eben wieder ſolche Haufen. Dies Umſetzen dieſer Haufen iſt auch bei der beſten Witterung von Zeit zu Zeit noͤthig. Theils durch den naͤchtlichen Thau, theils durch die eigene Laſt des Heues werden dieſe Haufen von Tage zu Tage dichter und das Austrocknen geht dann langſamer; auch faͤngt der unter dem Haufen ſtehende Klee an zu verderben, und die un— tere Lage des Haufens dazu. Daher iſt nach mehreren Tagen ein Umſetzen und Auflockern der Haufen nicht zu unterlaſſen. Sind die Kleeſtaͤngel ſo trocken geworden, daß ſie leicht durchbrechen, ſo iſt das Heu zum Einfahren gut. An einem heitern, windigen Tage ſtoͤßt man nun dieſe Haufen mit einer Gabel um, ſo daß das unterſte Heu recht an die Luft kommt und ladet es gleich aus dieſen Haufen auf den Wagen. Wollte man es gleich anderem Heue foͤrmlich ſtreuen meht voͤlli auert Man gab, an die gerun⸗ tt ſch man inten, ffen. beſten h den Heues nd das eunter ie un⸗ reren nicht j ſe gut. dieſe Heu dieſen treuen * ——-—— —— R— ———-— 85 und mit den Harken durchruͤhren, ſo wuͤrde man ſehr viele Blaͤtter einbuͤßen, die am Klee das beſte ſind. Es waͤhrt auf dieſe Art freilich etwas lange, ehe man das Heu einſcheuern kann; die Arbeit, die es in— deſſen fordert, iſt ganz unbedeutend. Nur außer Acht darf man es nie laſſen, und man muß die Haufen taͤg⸗ lich einmal durchgehen, damit man gleich naͤchhelfe, wenn der Wind etwas in Unordnung gebracht hat. Ehe man den Klee zu Heu abmaͤhet, uͤberlege man wohl, wie viel man noch zum Gruͤnfutter oder zum Saamen vom erſten Wuchs braucht. Obgleich der Klee nicht mehr gut fuͤttert, wenn er ſchon einige Zeit in voller Bluͤthe ſtand, ſo wird man doch nicht immer an— deres Gruͤnfutter genug haben und ſich doch damit be— gnuͤgen muͤſſen, etwas hartſtaͤngelichten Klee zu fuͤttern. Denn die Wicken ſind nicht immer um dieſe Zeit gehoͤ⸗ rig heran gewachſen, ſo wenig wie der zweite Kleeſchnitt. Man laſſe ſich daher lieber etwas zu viel vom erſten Wuchs ſtehen, als zu wenig, damit man nicht in Fut— ternoth komme. Es iſt auch ſehr rathſam, eine Kleinigkeit vom er⸗ ſten Wuchs zu Saamen ſtehen zu laſſen, wenn ſich der Klee nicht gelagert hat. Denn obgleich der zweite Wuchs in der Regel beſſern Saamen giebt, ſo iſt man doch nicht ſicher, ob nicht im Spaͤtſommer eine ſo ge— waltige Duͤrre einfaͤllt, daß der Saamen nicht ſeine Vollkommenheit erlangen kann. Oder naſſe Witterung verhindert das Reifen des Saamens. Genug es iſt im⸗ 8——— — — — — — — —— 1 —-—— 36 mer gut, einige Quadratruthen vom erſten Kleewuchs zum Saamen zu laſſen. Denn Kleeſaamen iſt oft eine ſehr geſuchte, theure Waare. Man kann, wenn man die Gewinnung des Klee⸗ ſaamens ordentlich verſteht, vieles Geld daraus loͤſen. Die Reife des Saamenklees iſt dann eingetreten, wenn die groͤßten Koͤpfe ſchon anfangen, den Saamen fallen zu laſſen. Man maͤhet ihn im Thau ab, damit man nicht durch die Senſe den reifen Saamen ab— ſchlaͤgt. Auf alle Koͤpfe kann man mit dem Abmaͤhen nicht warten, daß ſie auch vollkommen reif ſeyn ſollen. Wenn nur die mehreſten Koͤpfe ſchwarzbraun ſind, ſo iſt er reif. Auf den Schwaden laͤßt man den Saamenklee ſo lange liegen, bis die darin befindlichen gruͤnen Blaͤtter trocken ſind. Dann bringt man ihn im Thau anf kleine Gelege zuſammen. Wollte man dies bei der Trocken— heit thun, ſo wuͤrden die reifſten Huͤlſen ſich abreißen. Das Einfahren ſelbſt geſchieht aber in der groͤßten Hitze. Damit man dabei keinen Verluſt an Saamen erleide, belegt man den Wagen mit großen Tuͤchern oder Pla— nen, in welchen man die abgeriebenen Huͤlſen ſammelt. Dieſen trocknen Klee wirft man vom Wagen ſogleich auf einen reinen Scheunenflur und driſcht ihn ab, ehe er wieder feucht wird. Wollte man ihn erſt uͤber anderes Getreide hinpanſen, ſo wuͤrde man wieder etwas Saa— men einbuͤßen. Die abgedroſchenen Huͤlſen oder Kappen kann man 2-— 4 4 wuche entweder gleich ſo ausſaͤen, oder man reiniget ſie vol— lends. Dieſes Ausdreſchen des Kleeſaamens verſchiebt heure man bis zu bequemer Zeit. Klee⸗ Am beſten iſt es, wenn man dieſe Huͤlſen in der n. Sonne trocknet. Man kann es zwar auch im Backofen eten, thun, man muß ſich dann aber ſehr in Acht nehmen, amen daß man den Saamen nicht verbrennt. Zum Trocknen dawit in der Sonne braucht man große leinene Tuͤcher oder mad⸗ Planen, die man an ſolche Stellen legt, wo ſie der däͤhen Sonne ſehr, dem Winde aber wenig ausgeſetzt ſind. plen. Man ſchuͤttet die Kleehuͤlſen ein Paar Zoll hoch auf, „ſo und ruͤhrt ſie einige Male um. Haben ſie einige Stunden die Sonnenwaͤrme ge— e ſo noſſen, ſo geht man mit ihnen auf den Scheunenflur und läͤtter faͤllt mit den Dreſchflegeln uͤber ſie her. Wenn ſie ein⸗ kleine mal tuͤchtig durchgearbeitet ſind, ſo werden ſich manche ocken⸗ von den Huͤlſen zu Pulver zerſchlagen haben. Man Iihen ſiebt nun alles durch ſolche Siebe, welche den Kleeſaa— Fibe men und den feinen Staub, aber nicht die Kleehuͤlſen dd, durchlaſſen. Was in den Sieben zuruͤckbleibt, wird ſo Pla⸗ lange gedroſchen, bis ſich alles klein geſchlagen hat und elt durch die Siebe gegangen iſt. Was üuͤbrig bleibt, trock— eich net man den andern Tag noch einmal, und faͤhrt auf eer dieſe Weiſe fort, ſo lange man noch Kleehuͤlſen hat. eres Trocknet man die Kleehuͤlſen im Backofen, ſo ſchuͤt— zan⸗ tet man ſie locker in Saͤcke und bringt ſie ſo hinein. Auch bei recht ſtarkem Froſte werden die Huͤlſen ſo trok— nnn ken, daß man ſie zu Pulver ſchlagen und durchſieben 83 kann. Man muß ſie zu dem Ende eine Nacht durch, wenn es eben recht ſtark friert, ſchwach auf einem Scheu— nenſlur ausbreiten und durchfrieren laſſen. Da wir aber nicht in jedem Winter, Gott ſey Dank! ſolchen ſtrengen Froſt erleben, ſo bleibt es immer mißlich, ſich darauf zu verlaſſen. Am ſicherſten geht man immer, wenn man die Kleehuͤlſen im September aus der Sonnenwaͤrme driſcht. Das Reinigen des Kleeſaamens, wenn erſt alles zu Pulver und Staub gedroſchen iſt, geht ſehr leicht. Man hat dazu nichts noͤthig als ein Sieb, welches den Saa— men zwar leicht, aber nicht ſehr ſchnell durchfallen laͤßt. Man kann daſſelbe Sieb dazu brauchen, welches man zum Sieben beim Dreſchen der Huͤlſen brauchte. Man waͤhlt zu dieſer Reinigung des Saamens von der Spreu einen Tag, an welchem der Wind gerade uͤber den Scheunenflur ſtreicht, wo er nicht in einzelnen Stoͤ— ßen heftig anfaͤllt, ſondern gleichmaͤßig zieht. Man trift die Vorrichtung, daß man in die Tenne⸗ wand ein Loch bohrt, in welches man einen Harkenſtiel oder einen andern glatten Stock befeſtigt. Auf demſel— ben bewegt man das Sieb hin und her und oͤfnet das Scheunenthor wie die hintern Zugloͤcher ſo, daß der Windzug gerade dorthin trift, wo man ſiebt. Indem man nun den Saamen ſammt der Spreu durch das Sieb fallen laͤßt, faͤllt der Saamen vermoͤge ſeiner Schwere gerade herunter, die leichte Spreu wird aber vom Winde weggefuͤhrt. Man aͤndert ſeine Stelle R urch, cheu⸗ aber igen fin man urme nne⸗ ſtiel ſel das 89 nicht, damit kein Saamen in die Spreu falle und laͤßt einmal alles durch das Sieb auf die angegebene Art laufen. Iſt das geſchehen, ſo unterſucht man, wie weit die Spreu ganz rein von Saamen iſt und ſchaft ſie weg. Diejenige ſchwerere Spreu aber, in welcher noch Saa— men iſt, ſiebt man noch einmal oder vielmehr ſo lange durch, bis der Saamen ganz rein iſt. Durch dieſe ein⸗ fache und leichte Art bleibt gar kein Saamen in der Spreu, welches wohl geſchieht, wenn man dieſe mit dem Kleeſaamen gleich anderem Getreide wurft. Hat man zu dieſer Arbeit einen paſſenden Tag ge— waͤhlt, ſo geht ſie ſo ſchnell, daß ein Menſch in vier Stunden mit leichter Muͤhe drei Berliner Scheffel Saa— men reinigen kann. Der Klee iſt allen Thierarten des Landmanns ein ſehr angenehmes Futter im gruͤnen, wie im getrockneten Zuſtande. Pferde, Rindvieh, Schaafe und Schweine verzehren ihn mit großer Begierde. Der gruͤne Klee macht alles Vieh ſehr leicht wohl⸗ beleibt. Die Kuͤhe geben danach fette Milch und die Pferde und Ochſen arbeiten bei gruͤnem Klee ſo gut, wie bei Kornfutter. Ein ſtarkes Rind braucht taͤglich hundert Pfund gruͤnen Klee zu ſeiner Saͤttigung. Von hundert Pfund gruͤnen Klee erhaͤlt man unge⸗ faͤhr zwanzig Pfund Kleeheu. Beobachtet man dasje⸗ 9⁰ nige, was ich uͤber den Anbau des Klees gelehrt habe, ſo erntet man von einem Morgen Klee, wenn er gut geraͤth, wohl dreißig Centner Kleeheu in zwei Schnitten. Da man aber nicht erwarten kann, daß die Witterung alle Jahre gleich guͤnſtig iſt, ſo wollen wir dreißig Centner Kleeheu oder zwei Fuder à funfzehn Centner ſchon eine ſehr gute Ernte vom Morgen nennen. Laſſet uns danach berechnen, wie viel Klee man anſäen muß, um Futter fuͤr ſein Vieh im Sommer genug zu haben. Man kann annehmen, daß der Klee vom 15. Mai bis den 15 Auguſt, alſo drei Monate, als Gruͤnfutter gebraucht werden kann. Giebt ein Morgen dreißig Centner Kleeheu, ſo hat eine Kuh daran hundert und funfzig Tage zu freſſen. Man wird alſo auf drei Kuͤhe zwei Morgen mit Klee brauchen, um ſie drei Monate lang ganz im Stalle zu erhalten. Es bliebe zwar bei einer Ernte von dreißig Centnern noch etwas uͤbrig, wenn man ganz genau rech⸗ nen wollte; weil aber durch ungluͤckliche Witterung dies Gewaͤchs eben ſo gut wie andere umſchlagen kann, ſo nehmen wir an, daß zum bloßen Gruͤnfutter fuͤr drei Stuͤck großes Vieh immer zwei Morgen Klee noͤthig ſind. Fuͤr ſechs Stuͤck alſo vier Morgen, fuͤr neun Stuͤck ſechs Morgen u. ſ. w. Wie man ſich uͤbrigens mit der Ausſaat der Wicken oder des Buchweitzens einrichten muͤſſe, daß dieſe Ge— waͤchſe jedesmal als Gruͤnfutter erwachſen ſind, wenn ſt habe, er gut üitten. rrung reißig tontner man nommer n Ma Dutter no hat reſſen. it Klee alle zu doreißig rech⸗ dies „ſo drei othig neun dicker Ge⸗ went 01 der erſte oder auch der zweite Kleeſchnitt zu Ende gehen, werde ich in dem Kapitel von der Viehzucht und Stall⸗ futterung lehren. Von der Luzerne und Esparſette. Eben ſo gut, wie den Klee, freſſen alle unſere Haus⸗ thiere dieſe beiden Gewaͤchſe gruͤn und getrocknet. Sie ſind deshalb in vielen Stuͤcken dem Klee ſehr aͤhnlich, in andern ſind ſie ſehr von ihm unterſchieden. Ob ſie ſich gleich ihrer Natur nach nicht ſo wie der Klee zum allgemeinen Anbau ſchicken, ſo kann es doch ſehr viele Faͤlle geben, wo es auch dem Beſitzer eines kleinen Gutes vortheilhaft iſt, ſie anzubauen. Darum konnte ich ſie nicht ganz uͤbergehen, ſondern will das Nothwendigſte uͤber ihren Anbau bemerken. 8 Die Luzerne(auch ewiger Klee, Dauerklee, Pfer— deklee) verlangt einen Boden, der in betraͤchtlicher Tiefe ſich gleich bleibt und nicht ſehr verſchiedene Erdlagen im Untergrunde hat. Am wenigſten iſt ſolcher Boden paſ— ſend dazu, der einen kieſigen oder thonigen Untergrund hat, auf welchem das Waſſer anſtauet. Ein Thon⸗ oder Lehmboden, der auf grobem Sande liegt, taugt auch nicht zu der Luzerne, weil ſie dann in der Tiefe zu wenig Nahrung findet. Hat man alſo nicht einen Boden, der wenigſtens —————————— 92² drei Fuß tief ſich ſo ziemlich gleich bleibt, ſo iſt es nicht rathſam, ein Luzernefeld anzulegen. Der groͤßte Vorzug der Luzerne beſteht in ihrer langen Dauer, wenn ſie erſt recht eingewurzelt iſt und darin, daß ſie bei der groͤßten Duͤrre dennoch fortwaͤchſt, weil ihre Wurzeln in der Tiefe ihre vorzuͤglichſte Nahrung ſuchen. Findet ſie in der Tiefe kein Hinderniß, keine feſte Thon- oder Kies⸗ ſchicht, in welche ihre Wurzeln nicht zu dringen vermoͤ— gen oder kein unergruͤndliches Sandmeer, in dem keine Nahrung zu ſuchen iſt, ſo dauert ſie wohl funfzehn bis zwanzig Jahre. Wegen dieſer langen Dauer ſchickt ſich die Luzerne aber nicht wohl in das freie Feld, ſondern mehr fuͤr den Garten, oder fuͤr ſolche Winkel, die ſich wegen ihrer Lage nicht gut pfluͤgen laſſen. Hat man ſolche Stellen, ſelbſt auf dem Felde, wo der Untergrund jene Fehler nicht hat und die beackerte obere Erdkrume iſt in der gehoͤrigen Kraft, ſo ſaͤume man nicht, ſie mit Luzerne anzuſaͤen. Sie werden damit einen Futterertrag geben, der alles uͤbertrift, was man bis dahin zu erhalten gewohnt war. Die Luzerne iſt das fruͤheſte Futtergewaͤchs. Sie kann in der Regel zehn Tage fruͤher geſchnitten werden, als der rothe Klee. Sie waͤchſt auch laͤnger wie dieſer im Spaͤtſommer und Herbſt, und kann in Einem Jahre wohl vier Mal geſchnitten werden. Wenn aller Raſen vertrocknet iſt und der Klee die Blaͤtter haͤngt, waͤchſt die Luzerne lebhaft fort. Sie 93 4 naͤhrt das ieh faſt beſſer wie der Klee und blaͤhet es nicht ſo leicht auf. erſt Will man ſich alle dieſe Vortheile verſchaffen und ugten ein Luzernefeld anlegen, ſo muß man folgendes beobach⸗ 1 der ten. Zuerſt erwaͤge man, daß ein Futterfeld angelegt de in werden ſoll, welches fuͤr eine lange Reihe von Jahren ies⸗ beſtimmt iſt. Darum muß man einige mehrere Muͤhe nema⸗ der erſten Anlage nicht ſcheuen. jkeine Soll die Luzerne eine lange Dauer haben, ſo muß in bis ſie das Land ganz allein einnehmen. Kommt Unkraut dazwiſchen, ſo entſtehen ſogleich leere Stellen, und dann prne V iſt es ſehr bald um dieſelbe geſchehen. Es iſt daher ſehr den wichtig, die Luzerne auf ſolches Land auszuſaͤen, wel⸗ Phrer ches durch vorherige gute Bearbeitung voͤllig vom Un— kraute gereiniget iſt und damit nicht neues in ihr aufkom— 7 wo men kann, ſo muß ſie in den erſten Jahren gejaͤtet werden. zckerte Am liebſten ſaͤet man die Luzerne auf ſolches Land, äume welches das Jahr vorher behackte Fruͤchte getragen hat. Lamit Man ſaͤet ſie ebenfalls nicht allein, ſondern, wie den. nan rothen Klee, mit andern Gewaͤchſen aus. Am beſten ſchicken ſich dazu Erbſen, Buchweitzen oder ein Wicken⸗ Sie gemenge. en, 3 Man ſaͤet ſie im Mai auf eben die Art wie den iſer Klee, d. h. nachdem man das rauhe, aufgepfluͤgte Land hre etwas geebnet hat, damit der Saamen nicht ſo tief komme. Sind die mit der Luzerne ausgeſaͤeten Ge— di waͤchſe ſo weit erwachſen, daß ſie bluͤhen, ſo hauet man Oe ſie ab und verfuͤttert ſie gruͤn. Nach zehn Tagen wird 94 ſich die Luzerne wieder hinlaͤnglich zeigen. Jetzt ver⸗ wende man alle Aufmerkſamkeit auf dieſelbe, daß ſich kein Unkraut einniſte und jaͤte ſie ſorgfaͤltig. Sollten durch fehlerhaftes Saͤen leere Stellen ge⸗ blieben ſeyn, ſo ſaͤe man ſie nach und ſorge auf alle Art fuͤr einen dichten Stand der Luzernepflanzen. Sie wer⸗ den im erſten Sommer noch ein oder zweimal empor vachſen, geben aber nur einen ſchwachen Schnitt. Im Maͤrz des folgenden Jahres beſtreuet man die Luzerne mit Aſche, Ofenruß oder mit dem oft erwaͤhn⸗ ten kurzen Miſt. Im zweiten Sommer muß man eben— falls alles Aufkommen von Quecken oder Raſen verhuͤten und das Luzernefeld fleißig jaͤten. In dieſem Jahre giebt ſie erſt einen maͤßigen Ertrag. Den reichlichen Lohn fuͤr alle auf ſie gewendete Muͤhe und Duͤngung faͤngt ſie erſt im dritten Jahre zu geben an. Sie erfordert nun kein Jaͤten mehr, wenn man ſie zwei Jahre lang recht rein hielt. Sie iſt ſtark genug geworden, um alles Unkraut zu erſticken. Die einzige Pflege, die die Luzerne ferner noͤthig hat, iſt, daß man ſie ein Jahr ums andere auf die an⸗ gegebene Art duͤngt, und in jedem Fruͤhjahre das Land mit eiſernen Eggen tuͤchtig egget, wodurch die obere Erdkrume etwas aufgelockert, und mit der kurzen Duͤn— gung vermengt wird. Ein ſo behandeltes Luzernefeld giebt funfzehn bis zwanzig Jahre lang einen immer gleich bleibenden, ſehr hohen Futterertrag. Will man ſie zu Heu machen, ſo 95 verfaͤhrt man auf dieſelbe Weiſe, wie beim Klee angege⸗ ben iſt, nur mit dem Unterſchiede, daß die Luzerne fruͤ— her gemaͤhet werden muß. Sie wird ſonſt zu hartſtaͤn⸗ gelicht. Will man von der Luzerne Saamen zlehen, ſo darf es vor dem dritten Jahre nicht geſchehen. Man laͤßt dann gleich vom erſten Wuchs etwas ſtehen, und ggiebt Acht, ob einige Stoͤcke davon ausgehen. Man ſaͤet ſie ſogleich nach, um alle leere Stellen zu verhuͤten. Fangen endlich viele Stoͤcke an zu vergehen, ſo iſt es Zeit, ein Luzernefeld wieder umzubrechen. Dies iſt eine ſchwere Arbeit, weil die Wurzeln ſehr ſtark werden. Mit dem gewoͤhnlichen Pfluge wird man es nicht umpfluͤgen koͤnnen. Man muͤßte ſich entweder einen ſehr ſtarken Pflug zu verſchaffen ſuchen, oder muß ſich zum Graben bequemen. Der ſehr hohe Ertrag, wel⸗ chen ein Luzernefeld an Getreide giebt, verlohnt ſich der Muͤhe eines ſorgfaͤltigen Umbruchs ſchon. Man wird danach ohne neue Duͤngung eine ſehr gute Weitzen— und Haferernte halten. Aehnlich in der Dauer iſt die Esparſette der Lu— zerne. Sehr unaͤhnlich iſt ſie ihr aber in dem Boden, welchen ſie verlangt. Die Luzerne verlangt zwar einen tiefen, gleichbleibenden und kraͤftigen Boden, macht ſich uͤbrigens aber weniger aus den Bodenarten ſelbſt, in de⸗ nen ſie waͤchſt, verlangt wenigſtens keinen Beſtandtheil des Bodens ausſchließlich. Die Esparſette aber waͤchſt auf dem fruchtbarſten — —— — —— — — 96 Boden nicht, wenn er keinen Kalk enthält. Iſt der aber in großer Menge darin enthalten, dann ſey er uͤbrigens fuͤr die mehrſten andern Gewaͤchſe noch ſo unfruchtbar: Esparſette traͤgt er doch. Man muß daher keinen Verſuch mit dem Anbau der Esparſette machen, wenn man den Boden nicht kennt und weiß, daß ſehr viel Kalk in ihm enthalten iſt. Solcher Boden findet ſich nicht leicht anders, als in der Naͤhe von Kalkſteinbruͤchen. Man unterſucht den Boden auf ſeinen Kalkgehalt, wie den Mergel. Man nimmt Scheidewaſſer und ſieht, wie viel dieſes von dem ausgetrockneten Boden aufloͤſet. Man muß es aber vor— her mit Waſſer verduͤnnen, ehe man es auf den Boden gießt. Fuͤr die gebirgigten, unfruchtbaren Gegenden in der Naͤhe der Kalkſteinbruͤche, iſt die Esparſette ein wohlthaͤ— tiges Geſchenk der guͤtigen Vorſehung. Sie waͤchſt dort auf den ſteilſten Anhoͤhen. Selbſt auf Felſen, wenn dieſe nur ſo viel Krume haben, daß ſie einwurzeln kann. Sie dringt mit ihren Wurzeln in die Spalten und Ritzen der Kalkſteine ein, und ſucht ſich in ihnen ihre Nahrung. Wer alſo dort Grundſtuͤcke hat, kann ſie durch nichts ſo gut, als mit Esparſette nuͤtzen. Sie wird ihm jaͤhrlich eine gute Heuernte geben, und wird durch die von ihr in zwoͤlf bis funfzehn Jahren abfallenden Blaͤtter das Land auch fuͤr ein paar Getreideernten empfaͤnglich machen. Will man ſich ein recht dichtes Esparſettefeld ma⸗ chen, aber igens bar: bau icht lten als den Nan eem or⸗ en 97 chen, ſo bearbeite man das Jahr vor der Ausſaat das Land zu Kartoffeln tuͤchtig. Im folgenden Fruͤhjahre ſaͤtt man den Saamen mit Hafer oder einer andern Sommerfrucht aus. Iſt der Untergrund Kalk, wie ſchon geſagt, ſo hat man eben nicht noͤthig, ſich viel mehr um die Esparſette zu bekuͤmmern. Sie wird dann munter fort wachſen. So oft wie die Luzerne kann ſie aber nicht geſchnitten werden. Sie giebt gewoͤhnlich jaͤhrlich einen guten, und dann noch einen ſchwachen Schnitt. Kann man ſie von Zeit zu Zeit im Fruͤhjahre ein wenig duͤngen, ſo wird ſie um ſo beſſer wachſen. Die Esparſette iſt gruͤn und getrocknet allen unſern Hausthieren ein ſehr angenehmes Futter. Die Pferde brauchen bei gutem Esparſetteheu wenig Hafer. Der Saamen der Esparſette iſt nicht, wie der der andern Kleearten, klein, ſondern mit den ihn umſchließen⸗ den Huͤlſen noch groͤßer, wie unſere Getreidearten. Man muß daher dem Maaße nach auch mehr wie Getreide auf den Morgen ſaͤen, und wenigſtens zwei Scheffel. Darum koſtet die Beſaamung aber doch nicht viel mehr, wie die des Kleelandes, weil der Saamen leicht zu er— zeugen iſt. 98 Vom Spoͤrgel(Knickiſch, Kraniſch, Knoͤterich, Juling, Kulinka, Neetkamm). Ich mache den Beſchluß dieſer Anweiſung zum An⸗ bau der Futtergewaͤchſe mit einer Pflanze, die wieder ganz eigends fuͤr den Sandboden geſchaffen iſt. Sie iſt unter den obigen Namen an vielen Orten bekannt, an andern weiß man aber nicht, daß ſie, ausgeſaͤet und or— dentlich angebauet, ein herrliches Futterkraut iſt, ob ſie gleich als Unkraut wohl allerwaͤrts bekannt iſt. Die Art, welche man anbauet, waͤchſt hoͤher, wie die wildwachſende. Sonſt iſt ſie der wilden ſehr aͤhnlich. Was der Buchweitzen unter den Huͤlſenfruͤchten iſt, das iſt der Spoͤrgel als Futtergewaͤchs fuͤr den Sand⸗ boden. Auf Thon⸗ und Lehmboden, auch auf dem feucht liegenden, lehmigen Sandboden baue man im— merhin Kartoffeln, Kohl, Klee, Ruͤben ꝛc. mit einem Worte: reich zutragende Gewaͤchſe. Aber fuͤr den tro— ckenen, magern, lehmigen Sandboden und den eigent⸗ lichen Sand, verachte man den Spoͤrgel nicht. Hier iſt er ſicherer, alſo auch vortheilhafter anzubauen, als jene Gewaͤchſe. Der Spoͤrgel wird als Futtergewaͤchs vielfaͤltig be⸗ nutzt. Man giebt ihn dem Viehe gruͤn, trocknet ihn und macht ihn zu Heu; man weidet ihn auch ab. Er waͤchſt ſehr ſchnell, dauert aber nur Ein Jahr, darum muß man ihm das Land gleich ganz einraͤumen. Seines ſchnellen Wachsthums wegen, und auch weil er erich, n An⸗ vieder Sie iſt „ an nd ör⸗ ob ſe „wie nlich. n iſ, Sand⸗ jdem in im einem en tro⸗ igent⸗ er iſt jene im TITTTTF—— —õ—— 5. 99 ſo ſpaͤt im Herbſt noch waͤchſt, ſchickt er ſich ſehr gut zur zweiten Frucht, nachdem das Land in dem Jahre ſchon eine abgetragen hat. Man thut aber wohl, ihn in ſolchen Gegenden, wo man ihn ſtark anbauet, nicht mit einem Male auszuſaͤen, ſondern zu verſchiedenen Zeiten. Eine gar zu fruͤhe Ausſaat liebt der Spoͤrgel nicht. Am beſten ſaͤet man den erſten in der Mitte Mais oder im Anfange des Junius aus, und wiederholt die Aus⸗ ſaat alle drei Wochen. Den letzten kann man ſelbſt noch im Anfange des Auguſts ausſaͤen, auf Land, wel— ches Roggen getragen hat. Eine eigene Duͤngung verlangt der Boden zu die— ſem Gewaͤchſe gerade nicht, wenn er noch von ſonſt in Kraft iſt, ob freilich auch der Spoͤrgel immer beſſer in wohlgeduͤngtem Lande, als in magerem, kraftloſem waͤchſt. Am beſten ſchickt ſich der Spoͤrgel auf den Sand— boden, der im Herbſt mit Roggen beſaͤet werden ſoll, als Vorfrucht. Boden dieſer Art wird durch ein zwei⸗ maliges Pfluͤgen locker genug fuͤr den Spoͤrgel werden. Man verfaͤhrt uͤbrigens bei der Einſaat des Saa— mens, wie bei allen kleinen Saamen, d. h. man egget das Land vorher recht fein und klar, und ſaͤet dann erſt den Saamen auf, braucht auch die Walze bei der Beſtellung, um den Saamen in die Erde einzudruͤcken, und das Land beſſer zu ebnen. Nan ſaͤet auf den Morgen etwa zwei bis drei Metzen Saamen. Iſt der Spergel bis zum Bluͤhen heran gewachſen, 4 8 1 8 * 8. 1 — 100 ſo fuͤttert man ihn ab. Man maͤhet ihn und ziehet ihn nicht gern aus, wie es auch wohl gebraͤuchlich iſt, weil die gruͤnen Wurzeln und Stoppeln das Land noch et— was duͤngen. Wird er aber ausgezogen, ſo hinterlaͤßt er dem Lande gar nichts. Man kann den Spoͤrgel auch trocknen und' zu Heu machen. Laͤßt man ihn dazu etwas laͤnger ſtehen, ſo daß ein Theil ſchon anfaͤngt, Saamen anzuſetzen, ſo erntet man wohl mehr Heu, in der Regel entzieht man aber dem darauf folgenden Roggen auch mehrere Kraft des Bodens. So viel Saamen, als man zur Ausſaat braucht, kann man mit leichter Muͤhe ziehen, weil er ſehr viel Saamen anſetzt. Das Stroh von dieſem Saamenſpoͤrgel wird von dem Viehe faſt lieber wie gutes Heu gefreſſen. Man kann den Spoͤrgel zur Verbeſſerung des Lan⸗ des, auf welches man ihn ſaͤet, und doch zugleich auch zur Erhaltung des Viehes anwenden, wenn man ihn abhuͤtet. Man treibt des Vieh auf, wenn er eben an— faͤngt zu bluͤhen. Betreibt man ihn blos mit Rindvieh und laͤßt ihn durch daſſelbe zwar abfreſſen, jedoch nicht bis in den Grund treten, ſo waͤchſt er noch zu ziemli— cher Hoͤhe wieder heran, wenn man ihn ſchont. Dann thut man am beſten, ihn im gruͤnen Zuſtande, wenn er wieder in Bluͤthe getreten iſt, unter zu pfluͤgen. Auf entfernten und bergigten Feldern, auf welche man mit dem Viehe nicht gut hinkommen kann, oder wenn man gemengt mit ſeinen Grundſtuͤcken zwiſchen s Lan⸗ h auch an ihn n an⸗ dvieh nicht temli⸗ Dann wenn. velcht oder iſchen 101 den Laͤndereien anderer Leute liegt, wodurch die Behuͤ— tung mit dem eigenen Viehe immer erſchwert wird, kann man den Spoͤrgel auch gleich als Duͤngung unterpfluͤ— gen, wenn er in Bluͤthe getreten iſt. Bei dem Unter— pfluͤgen dieſes und aͤhnlicher gruͤnen Gewaͤchſe vermeidet man aber das tiefe Pfluͤgen und laͤßt das Land drei bis vier Wochen liegen, ehe man es mit Roggen beſaͤet, damit dieſe Duͤngung in Faͤulniß geraͤth. Da die Gewinnung des Spoͤrgelſaamens ſo leicht iſt, und man keinen Saamen ſo wohlfeil erhalten kann, ſo hat man das ganze ſchlechte Sandland, welches kaum Bocksbart traͤgt und eine erbaͤrmliche Weide iſt, weil auch der weiße Klee noch zu gut auf demſelben iſt, und nicht darauf fortkommt, auf folgende Art durch den Spoͤrgel verbeſſert: Man pfluͤgte dieſes Land im Fruͤhjahre flach um, und beſaͤete es mit Spoͤrgelſaamen. Nachdem der Spoͤr— gel etwas heran gewachſen war, fing man an, es mit den Schaafen zu behuͤten. Dieſe fanden durch den jun— gen Spoͤrgel Nahrung darauf, duͤngten das Land durch ihren Urin und Pferch etwas, und im folgenden Jahre fand man dies Land als Weide doch beſſer, als vor— her. Wurde es hernach drei bis vier Jahre hinter ein— ander mit Schaafen behuͤtet, ſo kam es doch in ſolche Umſtaͤnde, daß es eine leidliche Roggenernte trug. Der Menge nach erhaͤlt man freilich von einem Morgen mit Spoͤrgel beſtellt nie ſo viel Futter, als Ein Morgen Klee, Wicken oder Buchweitzen heraus giebt. 102 Man muß aber bedenken erſtlich, daß die genannten Fut⸗ tergewaͤchſe auf ſolchem Boden, der Spoͤrgel traͤgt, faſt gar nicht fortkommen, und zweitens, daß man vom Spoͤr⸗ gel auch bei weitem nicht ſo viel zur Saͤttigung des Viehes braucht als vom Klee und den Wicken. Der Spoͤrgel iſt erſtaunlich nahrhaft und wird von Kuͤhen und Schaafen mit der groͤßten Begierde gefreſſen. Die Milch der Kuͤhe bei der Spoͤrgelfutterung oder Weide iſt faſt die fetteſte. Vor allem ſchickt ſich der Spoͤrgel als Herbſtfutter. Wenn man von gut geduͤngtem, lehmig-ſandigem Lande den Roggen abgeerntet hat, ſo pfluͤge man die Stoppel bald um, egge das Land glatt und beſaͤe es mit Spoͤr— gel, wenn feuchte Witterung ein baldiges Aufgehen des Saamens verſpricht. Die Ausſaat koſtet nicht viel, wenn man ſich den Saamen ſelbſt zieht, und in den mehrſten Jahren hat man um Michaelis dann von dieſem ſpaͤt geſaͤeten Spoͤrgel eine ſchoͤne Zubuße zum Herbſtfutter. Hier habe ich Euch nun, lieben Landleute! den An— bau einer ziemlichen Menge Futtergewaͤchſe gelehrt. Ich habe Euch damit bekannt gemacht, welches ſich auf die⸗ ſen und welches ſich wieder beſſer auf einen andern Bo— den ſchickt. Es kann Euch nun nicht ſchwer werden, diejenigen auszuwaͤhlen, die ſich fuͤr jeden von Euch ſchicken. Un— terlaßt nicht, immer mehrere zugleich anzubauen, damit en Fut⸗ 2 faſt Spoͤr⸗ g des dvon keſſen. dder futter. Lande toppel Spoͤr⸗ eun des weng ehrſten m ſoaͤt futter. damit 103 das Mißrathen des einen durch den reichen Ertrag des andern erſetzt werde. Die Vortheile des Futtergewaͤchsbaues werdet Ihr zuerſt an dem beſſern Zuſtande Eures Viehes wahrneh⸗ men. Es wird Euch mehr Arbeit thun koͤnnen; ver— kauft ihr ein Stuͤck, ſo werdet ihr mehr dafuͤr erhalten, als jetzt, wo Ihr es in magerem Zuſtande zu Markte bringen muͤßt. Euer Tiſch wird reichlich mit Butter und Kaͤſe verſorgt werden. Ihr werdet ſelbſt aus uͤber⸗ fluͤßiger Milch und Butter manchen ſchoͤnen Thaler Geld einnehmen koͤnnen. Aus der Maſtung und der Zuzucht jungen Viehes werdet Ihr ebenfalls vieles Geld einnehmen. Dieſe Vortheile der beſſern Erhaltung des Viehes fallen ſo leicht in die Augen, daß uͤber ſie wohl niemand wegſehen wird. Weniger wird aber der Gewinn des Futterbaues beachtet, der aus dem mehreren und beſſe— ren Miſt fuͤr die ganze Wirthſchaft hervorgeht. Ueberſeht dieſen wichtigen Umſtand ja nicht! Man kann dies deswegen ſehr leicht, weil der vermehrte und verbeſſerte Miſt erſt nach einiger Zeit durch beſſere Ge— treidefruͤchte ſichtbar wird. Wenn ich 1812 Futter baue und 1813 den Miſt von dieſem Futter ausfahre, ſo kann ich freilich erſt 1314 das Getreide davon ernten. Es dauert alſo etwas lange, ehe man das baare Geld fuͤr das Getreide einnimmt, welches man dann mehr bauet, wenn man im Stande iſt, beſſer zu duͤngen, wie vorher. Aber darum iſt Muͤhe und Arbeit nicht verloren. Miſt iſt ſo gut, wie baares Geld. Wende 104 ich ihn auf eine kluge Art in meiner Wirthſchaft an, ſo traͤgt er mir gewiß beſſere Zinſen, als wenn ich an ſeiner Stelle einige hundert Thaler baares Geld auf Zinſen ausgeliehen haͤtte. Wie wuͤrde es mich freuen wenn ich durch dieſes Buch etwas dazu beitragen koͤnnte, daß Ihr, guten Landleute, in beſſere Umſtaͤnde kaͤmet. Wenn ich hoͤrte, daß Ihr anfingt, Mergel aufzuſuchen und auszufahren; wenn Ihr den Miſt beſſer behandeln lerntet, das Land mehr von Unkraut aller Art reinigen lerntet; und vor allen Dingen wenn Ihr Euch fleißiger auf den Futter⸗ bau legtet— gewiß, ich wuͤrde mit Vergnuͤgen an die Zeit zuruͤck denken, die ich auf dieſe Schrift verwendet habe. Jetzt wuchſen auf den Braachen und Angern oder Gemeinweiden kaum ſo viele Graͤſer und Kraͤuter, daß ſich das Vieh durch ſie vom Hungertode retten konnte. Wie herrlich muͤßte es ſeyn, wenn man von nun an alles beſſere Land in unſerm lieben Vaterlande gleich einem Garten mit Fruͤchten aller Art beſtellt faͤnde. Hier ein Stuͤck Kartoffeln, dort ein Stuͤck Klee; dane— ben Gerſte, Weitzen und Roggen. An andern Stellen faͤnde man wenigſtens Wicken, Buchweitzen und Spoͤr— gel mit Roggen und Hafer abwechſelnd angebauet. In den Viehſtaͤllen faͤnde man ſtatt des jetzigen klei— nen, elenden Viehes, ſchoͤnes, glattes und ſtarkes Vieh, welches mit den eben beſchriebenen Futtergewächſen im Sommer ſo gut wie im Winter im Stalle gefuͤttert —— V. 105 t an, wuͤrde. Auf dem Hofe ſaͤhe man uͤberall Ordnung und an Reinlichkeit zum Nutzen der ganzen Wirthſchaft walten. auf V Der Miſt wuͤrde regelmaͤßig vor den Viehſtaͤllen aufge— V ſchichtet liegen, nicht zerſtreut auf dem ganzen Hofe um— ieſes her. Von Zeit zu Zeit wuͤrde der ganze Hof abgekehrt uten und aller Miſtabfall wieder dahin gebracht, wohin er dete gehoͤrt. Nten; Sagt, muͤßte es nicht eine rechte Freude ſeyn, in Land unſern Gegenden zu reiſen? Wie kurz wird dem Reiſen— d vor den der Weg, wenn er zwiſchen beſtellten Feldern durch— ltter⸗ geht? Wenn er uͤberall nur Landleuten mit muntern, die raſchen Pferden, mit wohlgenaͤhrten, halbfetten Ochſen ndet begegnet, die mit freundlichen Geſichtern ihre wohlan⸗ ſehnlichen Thiere bei der Arbeit leiten? Wie wuͤrde unſer oder geliebter Koͤnig ſich freuen, wenn er dieſe Veraͤnderung 1, daß— des Zuſtandes der Landleute erlebte! Wenn er das Land fonnte. durchreißte und uͤberall um ſich her Spuren von Fleiß un an und Wohlſtand entdeckte! gleich 4 Ihr macht ihm, dem edlen Menſchenfreund, dem unde. wahren Vater aller ſeiner Unterthanen, gewiß die ſe dane⸗ Freude. Dazu ſeyd Ihr viel zu gute Preußen, die ihre elen Anhaͤnglichkeit an ihren Regenten ſo oft bewieſen haben, pbr⸗ 4 da, wo es Euch Aufopferuugen koſtete. Um ſo mehr . werdet Ihr den Willen des Koͤnigs jetzt zu vollziehen klei⸗ ſuchen, da Ihr ſelbſt den groͤßten Vortheil fuͤr Euch ih, und Eure Nachkommen davon erwarten eoͤnnt. im ttert — Voöonden Wieſen. Funfzehntes Kapitel. Ior wundert Euch vielleicht, Freunde! daß ich bisher ſo viel von dem Bau der Futtergewaͤchſe auf dem Acker⸗ lande geſagt habe, ohne die natuͤrlichen Futterfelder, die Wieſen, zu erwaͤhnen. Glaubt nicht, daß es deswegen geſchehen iſt, weil ich den Futtergewinn auf den Wieſen gering achte. Ich wollte Euch aber zeigen, auf welche Art Ihr ſo viel Futter erbauen koͤnnt, als Ihr nur immer wollt und zu dieſer Abſicht iſt der Futterbau auf dem Ackerlande dem Wieſenbau allerdings vorzuziehen. Denn Wieſen ſind Grundſtuͤcke, die wegen ihrer niedrigen Lage nicht mit Sicherheit zum Ackerbau ge— braucht werden koͤnnen, ſich aber vorzuͤglich zum Gras— wuchs eignen. Die Natur muß ſie alſo ſchon gebildet haben. Ich kann zwar ſehr viel zu ihrer Verbeſſerung thun. Ich kann ſie abwaͤſſern, wenn ſie zu naß ſind, bewaͤſſern, wenn ſie zu trocken ſind, aber es ſteht nicht in meiner Gewalt, Wieſen anzulegen, ſo viel ich will, ſondern ich kann nur ſehr wenige Grundſtuͤcke dazu geſchickt machen. Koͤnnte man alſo das nahrhafte Vieh⸗ futter, welches dem Heue gleich kommt, nicht auf dem * 107 mehr trocknen Ackerlande erbauen, ſo koͤnnte man in der Viehzucht nie weiter gehen, als der Heugewinn auf den Wieſen erlaubte. Ja, in manchen Gegenden, wo die Natur keine Wieſen geſchaffen hat, wuͤrde man den Ackerbau, ohne den Anbau der im vorigen Kapitel be⸗ ſchriebenen Futtergewaͤchſe, auf eine hoͤchſt elende Art treiben koͤnnen. Weil dieſe Futtergewaͤchſe das Wieſenheu erſetzen koͤnnen, gebuͤhrt ihnen alles Lob. Es verſteht ſich aber von ſelbſt, daß man die Pferde hinter dem Wagen ſpan— nen wuͤrde, wenn man blos dem Futterbau auf dem Felde Fleiß widmen wollte, hingegen die Wieſen vernach⸗ laͤßigte. Dieſe von der Natur gebildeten Futterfelder verdienen die Aufmerkſamkeit jedes Landwirths im hohen Grade, der in ſeiner Wirthſchaft vorwaͤrts kommen will. Eine Wieſe, die in der Naͤhe eines Fluſſes oder Baches liegt, die im Fruͤhlinge uͤberſchwemmt wird, den Sommer, bei duͤrrer Zeit, aber dadurch, weil ſie dem Waſſer ſo nahe liegt, in ihrer Tiefe immer Feuchtigkeit genug zum Wachsthum des Graſes behaͤlt, dabei aber feſt, nicht ſumpfigt iſt, giebt in der Regel einen reichen Heuertrag. Auch ſolche Wieſen tragen gewoͤhnlich vieles und gutes Gras, die in einer huͤgelichten Gegend zwi— ſchen Ackerlaͤndereien liegen, und von dieſen die bei Thau⸗ wetter und Regenguͤſſen herabfließende Geile oder herab⸗ geſpuͤlten Duͤngertheile erhalten. Wer Grundſtuͤcke der Art beſitzt, hat einen wichti⸗ gen Schatz. Sie ſind aber ſelten. Weit haͤufiger finden — 108 ſich die Wieſen entweder von Naͤſſe oder Duͤrre leidend. Hat eine Wieſe eine zu naſſe Lage, ſo entſtehen folgende Nachtheile: 1) Es wachſen auf einer ſolchen nur ſchlechte, nah— rungsloſe Graͤſer, die das Vieh nur aus Hunger frißt. 2) Durch das Ueberſtehen des Waſſers bei warmer Witterung faulen die Wurzeln der beſſern Grasarten, oder werden von dem Weideviehe in den Grund getre— ten, weshalb naſſe Wieſen auch nur wenig Gras tra— gen koͤnnen. 3) Die Unebenheit, die durch dieſes Durchtreten des Viehes eine Wieſe erhaͤlt, verhindert das Abmaͤhen des Graſes noch obendrein. Man erhaͤlt alſo auf dieſen Wieſen nicht einmal das Gras, was gewachſen iſt. 4) Das Trocknen des Heues iſt auf ſolchen Wieſen ſehr ſchwierig. Bei naſſer Witterung muß das abge— hauene Gras oft ſehr weit geſchaft werden, ehe man eine Stelle findet, die ſich zum Heumachen ſchickt. Wieſen der Art haben dieſer Nachtheile wegen ge— woͤhnlich einen geringen Werth. Ja, es ſind mir Faͤlle bekannt, wo die Gewinnung des Heues auf naſſen Wie— ſen mehr Koſten machte, als das Heu werth war. Dieſe Wieſen ſind durch gute Ableitung des Waſ⸗ ſers unendlich zu verbeſſern. Wie man dies aber ver— richten muͤſſe, kann nur ganz deutlich bei jedem naſſen Grundſtuͤcke ſelbſt gezeigt werden. Die Regeln, die ich im zweiten Kapitel von der Ableitung des Waſſers uͤber⸗ haupt gegeben habe, ſind auch hier zu befolgen. eidend, ſtehen nah⸗ ißt. tmer irten, getre⸗ tra⸗ des des ſeſen 109 In der Regel kann ſich ein einzelner Landwirth ſel⸗ ten das uͤberfluͤſſige Waſſer vom Halſe ſchaffen. Es muͤſſen ſich ganze Gemeinden dazu vereinigen, um die Hauptabzugsgraͤben anzulegen, in welche dann ein jeder kleinere Graͤben von ſeinen Grundſtuͤcken leiten kann. Zu ſolchen Anlagen bereitwillig die Hand bieten, um jeden ſeiner Nachbaren den Genuß von ſeinem Eigen— thum zu erleichtern, iſt Pflicht jedes guten Menſchen und Chriſten. Das Waſſer, welches im Uebermaaß allen Grund⸗ ſtuͤcken, alſo auch den Wieſen ſchaͤdlich wird, kann dann wieder ſo vortheilhaft fuͤr die Wieſen benutzt werden, daß man wohl den Heuertrag verdoppeln kann, wenn man es ganz nach ſeinem Willen lenken, es eben ſo leicht auf die Wieſen und wieder hinunter leiten kann. Dieſe freie Leitung des Waſſers auf die Wieſen, die man zu jeder Zeit nach dem Beduͤrfniß in ſeiner Gewalt hat; wo man die Wieſen trocken legen kann, wenn man will, und ſie wieder mit Waſſer verſorgt, wenn ſie an der Duͤrre leiden, nennt man die Wieſenbewaͤſ⸗ ſerung. Wem wird es nicht ſogleich einleuchten, daß die Wie⸗ ſen dann den hoͤchſten Ertrag geben muͤſſen, wenn ich ihnen die Feuchtigkeit zufuͤhren kann, wenn ich will? Die Gelegenheit, ſolche Anlagen zu machen, findet ſich ſehr haͤufig, ſie wird aber ſelten genuͤtzt. Faſt jede Wieſe, die an einem Bache, Fließe oder Graben liegt, kann zu einer ſolchen Waͤſſerungswieſe gemacht werden. 110 Hat ein fließendes Waſſer ein ſtarkes Gefaͤlle, ſo iſt es ſehr leicht, es um die Wieſe, an den hoͤhern Stellen derſelben, herum zu fuͤhren, und uͤber die niedriger lie⸗ gende Wieſe ſtroͤmen zu laſſen. Sehr oft ſchickt ſich aber auch ſchon ein fließendes Waſſer zur Bewaͤſſerung, das ſcheinbar wenig Gefaͤlle hat. Das Augenmaaß truͤgt aber niemals ſo ſehr, als wenn man daruͤber urtheilen will, ob eine Gegend des Feldes niedriger oder hoͤher liege, als eine andere. Ich mache Euch hier auf ſogenannte oberſchlaͤchtige Waſ⸗ ſermuͤhlen aufmerkſam. Um eine ſolche anzulegen, braucht man ein Fließ, oft nur auf 500 Schritte mit hoͤheren Ufern zu verſehen, und es an der Stelle anzuſpannen, wo das Waſſer auf das Muͤhlrad fallen ſoll. Nicht ſel— ten faͤllt das Waſſer nun zehn Fuß hoch hinunter, und vorher, ehe dieſe Muͤhle angelegt war, floß es im Fließe ſcheinbar faſt uͤberall gleich. Nun denkt einmal, wohin Ihr das Waſſer leiten koͤnnt, wenn Ihr es nur halb ſo hoch wie zu einer oberſchlaͤchtigen Muͤhle noͤthig iſt, alſo etwa fuͤnf Fuß oder nur vier Fuß, anſpannen koͤnnt?—— Wenn Ihr nun einen neuen Graben anlegt, der das ange⸗ ſpannte Waſſer um die hoͤher und trocken liegenden Grundſtuͤcke führt, ſo koͤnnt Ihr es auf Eure Wieſe hinleiten, au welche Stelle Ihr wollt. Ja, Ihr koͤnnt oft ſolche Stellen dadurch in herrlichen, fruchtbaren Wieſengrund verwandeln, die vorher wenig Werth fuͤr Euch hatten. ſ 111 iſt es Es wuͤrde mich zu weit fuͤhren, wenn ich hier die Stellen ganzen Arbeiten zur Anlage der Wieſenbewaͤſſerung be⸗ er lie⸗ ſchreiben wollte, und ich wuͤrde doch demjenigen, der gar keinen Begriff davon hat, nicht deutlich werden. endes Ich konnte aber nicht unterlaſſen, aufmerkſame Land— efaͤlle V leute zu erſuchen, auf den Lauf des an ihren Wieſen , als V vorbeifließenden Waſſers mehr zu achten. Vielleicht fin— d des det mancher Gelegenheit, ohne viele Umſtaͤnde eine Be— Jch waͤſſerung ſeiner Wieſe anzulegen. Er wuͤrde ſich ver⸗ Waſ⸗ dient um ſeine ganze Gegend machen, und er wuͤrde, aucht haͤtte er die Leitung des Waſſers nur erſt angefangen, eren ſehr bald auf die Regeln geleitet werden, die dabei zu anen, beobachten ſind. t ſl V Denn glaubt nicht, Freunde! daß eine ſolche Be⸗ u, und waͤſſerung blos die Sache reicher und großer Gutsbe— Fleße ſitzer iſt, und daß dazu koſtbare Daͤmme und Schleuſen in allen Faͤllen gehoͤren. In vielen Gegenden iſt eine Waͤſſerungsanlage von jedem einzurichten, der nur et— 4 was mit der Zimmermannsarbeit beſcheid weiß, und huß hin und her eine waſſerdichte Schleuſe anzulegen ver— Ber ſteht, die man ſo haͤufig an Teichen und Fiſchbehaͤltern nge⸗ ſehen kann. den. Es giebt in Deutſchland Laͤnder, wo alle Bauern zeſe ihre Wieſen waͤſſern, wo man die ungewaͤſſerten Wieſen unnt ſo ſelten, als bei uns die bewaͤſſerten findet. Dort er— ni zwingt man die Bewaͤſſerung oft mit ſo großen Koſten, fr wenn ſie durch die natuͤrliche Lage der Wieſe erſchwert wird, daß man faſt eine eben ſo große Wieſe dafuͤr 112 kaufen koͤnnte. Man weiß aber, daß man durch die Bewaͤſſerung wenigſtens noch einmal ſo viel Heu ern— tet, als vorher, oft aber weit mehr. Bei uns iſt freilich die Entfernung und Ableitung des Waſſers in den mehreſten Gegenden nothwendig, ehe man an andere Verbeſſerungen der Wieſen denken kann. Dieſe auf alle Weiſe zu bewirken, ſcheue man weder Muͤhe noch Koſten. Iſt man ſo gluͤcklich, eine naſſe Wieſe trocken ge⸗ legt zu haben, ſo iſt das erſte, was ferner geſchehen muß, daß man die Wieſe ebnet. Iſt der Boden wie gewoͤhnlich, ein loſer Moorboden, ſo wird man viel ausrichten, wenn man die Wieſe mit ſcharfen Eggen tuͤchtig egget und dann die Walze braucht. Wenn man die Wieſe vor dem Walzen mit Heu⸗ ſaamen beſtreuete, ſo wuͤrde bald ein beſſerer Graswuchs erfolgen. Waͤren die Unebenheiten auf einer Wieſe aber ſehr groß, ſo daß ſie voller ſogenannter Kaupen waͤre, oder der Boden waͤre ſo feſt, daß die Eggen ihn nicht zwingen koͤnnten, ſo muͤßte man die Ebnung auf andere Art veranſtalten. Man muͤßte entweder Erde auffahren, oder die Wieſe foͤrmlich umbrechen und beſtellen. Das Auffahren der Erde wuͤrde am beſten im Winter bei Froſtwetter geſchehen. Man muͤßte die Erde auch gleich auf dem Froſte ausbreiten. Beim Aufthauen wuͤrde ſie ſich dann in die Vertiefungen einſchwemmen, und ſich innig an den Wieſengrund anſchließen. Waͤre rch die u ern⸗ tung endig, enken man en ge⸗ cehen wie viel ggen Heu. swuche t ſeht waͤre, nicht dere ren, 113 Waͤre der Wieſenboden moorig, ſo wuͤrde zum Auf⸗ fahren ſchon bloßer Sand zutraͤglich ſeyn. Am beſten waͤre freilich ein mergelichter Lehm, wenn er in der Naͤhe zu haben waͤre. Da aber auf den Morgen wenigſtens achzig bis hundert Fuhren aufgefahren werden muͤſſen, wenn es nachhaltig helfen ſoll, ſo kann man wenig auf die Erde ſelbſt ſehn, die man dazu nimmt, ſondern thut am beſten, die naͤchſte dazu anzuwenden. Eine ſo mit Erde befahrne Wieſe muͤßte man nun im Fruͤhlinge, nach dem Abtrocknen, vollends ebnen; die hervorragenden Kaupen muͤßten abgeſtochen, und, wo moͤg— lich, muͤßte nachher alles geegget werden. Das Ausſaͤen von Heuſamen waͤre eben ſo nothwendig. Die Arbeit wuͤrde freilich in der angegebenen Art bedeutend ſeyn, aber man koͤnnte nach eintgen Jahren von einer ſolchen Wieſe auch gewiß das Dreifache an Heu ernten. Eine andere Art, ſolche Wieſen zu ebnen, iſt die, ſie ein Jahr, oder, wenn es noͤthig iſt, laͤnger zu pfluͤgen oder zu graben, und daburch zu ebnen. Dieſen Zweck erreicht man gewiß durch die Beſtellung am vollkommen⸗ ſten. Es iſt aber hierbet zu bedenken, daß man die Gras⸗ narbe(Gruſe) dadurch zerſtoͤrt und verdirbt, und dann auf laͤngere Zeit nicht das dichte, ſogenannte Untergras wieder erhaͤlt, welches ſich auf gut benarbeten Wieſen findet. War die Wieſe vorher, wie leider ſehr häufig der Fall iſt, voller Loͤcher, ſo findet ſich der dichte Raſen ohne⸗ dies nicht, und man thut wohl, wenn man die Wieſe im II. 1 8 1 114 trockenen Herbſt zeitig umbricht. Im Fruͤhjahre ſaͤet man auf dieſes Land Hafer, egget es tuͤchtig, und ſtreuet nach⸗ her Heuſaamen, Klee und dergl. aus, und bei moorigem Boden wird die Ebnung mit Huͤlfe der Walze mit einer einzigen Beſtellung der Wieſe zu bewirken ſeyn. Weniger leicht wird es aber geſchehen, wenn der Wieſenboden thoniger iſt; dann wird man die vollkom⸗ mene Ebnung vielleicht erſt in drei Jahren zu Stande bringen. Im erſten Jahre nach dem einfaͤhrigen Um⸗ bruch muͤßte man auf die umgebrochene Grasnarbe Hafer ſaͤen. Im zweiten Jahre beſtellte man das Land mit Kartoffeln oder Kohl, wenn es naß iſt. Koͤnnte man zu dieſen Fruͤchten etwas Miſt aufbringen, ſo wuͤrde die nachmalige Beraſung ſehr dadurch befoͤrdert werden. Im dritten Jahre ſaͤete man auf das wohlverarbei⸗ tete und klein gehackte Land wieder Hafer oder Gerſte, und zugleich Klee- und Heuſaamen. Die Duͤngung zu den Wurzelgewaͤchſen wird ſich gewiß durch den baldigen, reichen Heuertrag einer ſo behandelten Wieſe reichlich be⸗ zahlen. Man wuͤrde zwar die angegebenen drei Fruͤchte auf gutem Wieſenboden auch ohne Duͤngung ziehen; das Land wuͤrde aber dadurch ſo erſchoͤpft werden, daß es erſt nach langer Zeit ſich ganz wieder erholen und dichtes Gras tragen wuͤrde. Auf eine aͤhnliche Weiſe muͤßte man auch verfahren, wenn man die vom Viehe uneben getretenen Gemeinwei⸗ den in Wieſen verwandeln wollte. Sollten ſich ſolche Grundſtuͤcke aber auf keine Weiſe iet mun et nach⸗ vorigem it einer un der polleom⸗ Stande en Um⸗ he Hafer ind mit nan zu de die erarbe Gerſte, gung zu halbigen, glcch be⸗ Fruͤchte ; das es erſt Gras hren, inwei Weſſe 115 ſo weit abwaͤſſern laſſen, daß ſie auf die beſchriebene Art beackert und bearbeltet werden koͤnnen, ſo vermeide man um ſo mehr das Behuͤten dieſer Wieſen mit dem Rindvieh. Die btsherigen Loͤcher werden durch die Ueber⸗ ſchwemmung allmaͤhltg weggeſchaft werden, und ſolche Wteſen werden zwar, ſo lange ſie an Naͤſſe leiden, immer nur ein kraftloſes Futter geben; man wird aber doch die Menge deſſelben durch gänzliche Schonung mit dem Viehe ſehr vermehren. So nuͤtzlich wie das Ebnen der naſſen Wieſen iſt, ſo nothwendig iſt auch das Ausroden aller Straͤucher und alles Holzes, welches ſich haͤufig auf ihnen findet. Ein Grundſtuͤck, welches einmal zur Wieſe beſtimmt iſt, ſoll kein Holz tragen. Holz, und Graswuchs laſſen ſich nicht mit einander vereinigen, ohne daß beide nicht leiden ſollten. Es gehen gewiß im ganzen Lande mehrere hundert Fuder Heu verloren, weil man auf den Wieſen allerhand Straͤucher duldet. Wer ſie bisher noch auf ſelnen Wieſen hatte, rode ſie aus und werfe auf dieſe Stelle etwas Heu⸗ ſaamen, damit ſie bald benarben. Die hohen, trockenen Wieſen leiden wieder an andern Uebeln, wie die naſſen, wie ſchon dieſe Benennung er⸗ giebt. Gewoͤhnlich geben ſie ein ſehr ſuͤßes, nahrhaftes Heu. In trockenen, heißen Sommern ſind ſie aber faſt dem Verdorren ausgeſetzt, und geben einen ſehr geringen Ertrag. Kann man dieſe dewaͤſſern, ſo wird man ſich außerordentliche Vortheile durch eine ſolche Anlage ver⸗ ſchaffen, 116 Auch auf ihnen findet man Unebenheiten. Sie ſind aber von anderer Art, wie auf den naſſen Wieſen. Ent⸗ weder Maulwurfshuͤgel ſind beraſet, oder die Ameiſen ha⸗ ben ihre Wohnung in ſolcher Anzahl hier aufgeſchlagen, daß man beim Maͤhen ſelten zehn Hiebe aus freier Hand thun kann, ſondern immer befuͤrchten muß, einen kleinen Huͤgel mit der Senſe wegzuhauen. Ordentliche Wirthe vertheilen die von den Maunlwuͤr⸗ fen aufgeworfene Erde in jedem Fruͤhlinge, und ſuchen die Maulwuͤrfe wegzufangen. Dies Verthetlen der lockern, friſchen Maulwurfshaufen iſt ſehr leicht; deſto umſtaͤnd⸗ licher aber iſt es, dieſe kleinen Huͤgel wegzuſchaffen, wenn ſie ſchon beraſet ſind. Will man dieſe Arbeit ordentlich verrichten, ſo nimmt man einen ſcharfen Spaten, ſpaltet einen ſolchen Huͤgel damit in vier Theile, hoͤhlt unter dem Raſen den Huͤgel aus, und wirft die Erde auf die Wieſe umher. Man tritt nachher den Raſen mit den Fuͤßen nieder, ſo daß die ganze Wieſe wieder eben wird. So umſtaͤndlich dieſe Arbeit iſt, ſo hat ſie doch den großen Vortheil zur Folge, daß der Raſen nicht verletzt wird, welches nothwendig geſchteht, wenn man die Huͤgel ge⸗ radezu abſticht. Auf der abgeſtochenen Stelle waͤchſt im erſten Jahre gar nichts, und erſt nach laͤngerer Zeit iſt ſie wieder ordentlich beraſet. Sehr oft giebt es aber zur Ebnung einer ganz mit Maulwurfshaufen und Ameiſenhuͤgeln bedeckten Wieſe gar kein anderes Mittel, als ſie umzubrechen, und ein paar Jahre zu beackern. Man bauet am beſten Hafer oder ——ny— 4 117 ie ſnd Wickengemenge, dann Kartoffeln oder Ruͤben darauf, und Ent. ſaͤet nachher Klee mit Grasſaamen mit dem Hafer aus. en ha— Wenn ſchon das Duͤngen der naſſen Wieſen nothwendig hlagen, war, ſo iſt es hier bet den trocknen um ſo noͤthiger, wenn Hand man die genannten Fruͤchte in dem Umbruch anbauen ileinnn will. w Zuweilen iſt es noch beſſer, ſolche Grundſtuͤcke immer 4 aulwuͤr unter dem Pfluge zu behalten, wenn ſie gar zu trocken hen die liegen, und man nicht im Stande iſt, ſie zu bewaͤſſern. lockan, Man behandelt ſie dann eben ſo, wie ich fuͤr das huth— 1 ſtaͤnd⸗ b freie Drittheil vorgeſchlagen habe, und bauet abwechſelnd 4 wenn Getreide und Futterkraͤuter auf ihnen an. entlich Hat man mit ſeinen Wieſen erſtlich die genannten ſpaltet Grundverbeſſerungen vorgenommen, ohne welche keine an⸗ er dem dere von Nutzen ſeyn wuͤrde; ſind ſie nemlich trocken ge— ⸗Weeſe legt, geebnet und von Straͤuchern und Geſtruͤppe gerei— Füßen niget, ſo fange man auch an, fuͤr eine Duͤngung dieſer 5 8¹ wichtigen Grundſtuͤcke zu ſorgen. Man unterlaͤßt dies in großen unſern Gegenden, weil die Wieſen ohne Duͤngung doch wird, jaͤhrlich etwas Gras tragen. Wer aber ſeine Wirthſchaft b d ge⸗ ernſtlich verbeſſern, und den ſicherſten Anfang dazu mit b t im V dem vermehrten Futtergewinn machen will, darf die Duͤn⸗ t iſt gung der Wieſen nicht unterlaſſen. Er wird hier mit der V wenigſten Arbeit die Menge des nahrhaften Viehfutters mit vermehren. e gar Alle die Duͤngungsmittel, die ich fuͤr den Ackerboden pa genannt habe, ſchicken ſich auch fuͤr die Wieſen, jedoch ohe immer das eine beſſer, als das andere. 118 Wohl verrotteter, gewoͤhnlicher Miſt, den man auf die ganze Wieſe recht gleichmäßig ausbreitet, thut die herr⸗ lichſte Wirkung. Sind die Wieſen der Ueberſchwemmung ausgeſetzt, ſo kann man ihn nicht wohl eher als im Fruͤh⸗ jahre aufbringen. Sonſt iſt es beſſer, dies im Herbſt bald nach der Grummternte zu thun. Seine beſte Kraft wird ſich dann um ſo eher der Wieſe mittheilen. Noch beſſer als gewoͤhnlicher Miſt iſt fuͤr Wieſen ein kurzer Mengemiſt, den man ſich auf folgende Art be⸗ reiten kann: Man macht in der Naͤhe des Hofes, oder auf dem Hofe ſelbſt, eine flache, zwei Fuß tiefe Grube. In dieſe ſchuͤttet man allen Auskehricht und den Gaſſen— koth, welchen man im Sommer auf den Dorfplaͤtzen und ſonſt zuſammenfegt. Ferner ſchuͤttet man aus der Haus⸗ haltung alles auf, was man ſonſt wohl wegzugießen pflegt, als: Seifenlauge vom Waſchen, Abfaͤlle vom Schlachten, Blut ꝛc. Urin und dergl. Auch Spreu und Abgaͤnge vom Reinigen des Getreides oder andern Saamen, die man wegen des darin enthaltenen Unkrautſaamens nicht in den eigentlichen Miſt bringen darf, ſchuͤttet man zu dieſem Mengeduͤnger fuͤr Wieſen, wo die Unkraͤuter fuͤr das Acker⸗ land nicht ſchaͤdlich ſind. Ein ſolcher Miſt ſchickt ſich vorzuͤglich fuͤr hohe, trok— kene Wieſen. Man ſäͤhrt ihn ſo ſtark auf, daß auf den Morgen zwei Fuder, von denen jedes die Laſt elnes Wiſpel Roggens hat, komme. ſan muß aber bei dem Aus— ſtreuen dieſes Miſtes fuͤr eine recht gleichmaͤßige Verthei⸗ lung ſorgen. Zu dem Ende muß man dieſen Mengemiſt an auf e herr⸗ mung Fruͤh⸗ Herbſt Kraft en ein ltt bes „oder Hrube. aſſen⸗ und Haus⸗ pflegt achten, ge vom ſe man in den leſem lcker⸗ rok⸗ den ſpel Aus⸗ tthei⸗ emiſt 4 119 vor dem Ausfahren wenlgſtens einmal durchgearbeitet haben.. Eben ſo gut wie dieſer Mengeduͤnger wuͤrde eine Mi⸗ ſchung von Moder und Mergel ſeyn, von der ich S. 45 des erſten Theils geſprochen habe. Ganz vorzuͤglich ſchickt ſich jedoch zur Wieſenduͤngung die Seifenſiederaſche. Sie iſt unvergleichlich auf feuchten, jedoch nicht ganz ſumpfigen Wleſen, welche mit Moos uͤberzogen ſind. Das Moos verliert ſich nach der Aſchen⸗ duͤngung, und es zeigen ſich da, wo ſie hingekommen iſt, die ſchoͤnſten Kleearten und andere beſſere Graͤſer, wo vor— her nur Segge und audere ſauere Graͤſer wuchſen. Nan faͤhrt die Aſche im Maͤrz auf, wenn der Schnee weggeſchmolzen iſt. Man kann ſie aber ſelten ſo brauchen, wie ſie vom Seifenſieder kommt, weil ſie gewoͤhnlich noch zu naß iſt, und ſich nicht gut vertheilen laͤßt. Man muß ſie alſo fruͤher anfahren und ſie trocknen laſſen, damit ſie ein klares Pulver werde. Kann man auf den Morgen nur eln Fuder, ſo ſchwer wie ein Wiſpel Getreide, bringen, ſo hilft es ſchon viel. Man muß ſie dann aber mit Mulden oder Koͤrben ſo gut wie Saamen ausſaͤen, damit uͤberall etwas hin— komme. Beſſer iſt es, wenn man ſie ſtaͤrker, auf den Morgen ein und ein halbes Fuder oder zwei Fuder, drin⸗ gen kann. Es iſt gewiß nicht zu viel geſagt, wenn ich behaupte, daß man in vielen Gegenden, wo man ſich bisher gar nicht um die Wieſen kuͤmmerte, durch die Abwaͤſſerung, 120 durch die Ebnung, durch die Ausrodung alles Geſtruͤppes, und durch eine von Zeit zu Zeit wiederholte Duͤngung, ſich noch einmal ſo viel Heu verſchaffen kann, als man bisher erntete. Man kann ſich alſo die Erhaltung des Viehes durch dieſe vermehrte Aufmerkſamkeit auf die Wie⸗ ſen ſehr erlelchtern. Um ſo weniger wird man den ver⸗ kehrten Gebrauch ferner betbehalten, die Wieſen im Fruͤh⸗ linge durch das Vieh zu ruiniren. Bei naſſer Witterung, wenn das Vieh eintritt, muͤſ⸗ ſen die Wieſen nie betrieben werden. Man verdirbt ſonſt in fuͤnf Tagen, die man weidet, das Futter, welches fuͤr daſſelbe Vieh wenigſtens funfzehn Tage gereicht haͤtte. Im trocknen Herbſt, nach der Grummternte, kann man die Wieſen zwar eine kurze Zeit mit dem Rindviehe betreiben, man muß aber ſogleich davon bleiben, wenn der Boden durch regnigte Witterung aufgeweicht iſt. Die Behuͤtung der Wieſen mit Schaafen ,„ die weni⸗ ger eintreten, kann laͤnger fortgeſetzt werden. Auch kann man dieſe mit weniger Schaden im Fruͤhlinge auftreiben. teuͤppes, ingung, s man ug des e Wte⸗ in ver⸗ Fruͤh, t, mäß⸗ eht onſ hes ſil an iun die gredden, Boden ie wenl h kam eben. —— EEEEE——— 121 —————: Von der Viehzucht im Allgemeinen. Sechszehntes Kapitel. Glacklch iſt der Landmann, der durch gute Duͤngung und Beſtellung ſeine Felder dahin gebracht hat, daß alle Fruͤchte auf demſelben zur Bewunderung ſeiner Nachbarn und zu ſeiner Freude wachſen. Der. Sommer wird ihm dann zur unerſchoͤpflichen Quelle von Vergnuͤgen, wenn er von Zeit zu Zeit ſeine Fluren beſucht. Die beſchwerlichen Arbeiten der Ernte werden ihm ſuͤß und leicht, wenn er uͤberall findet, daß ſeine Arbeit und Muͤhe ſich ſo reichlich belohnen. Der Anblick der vielen Mandeln, mit denen ein gutes Getreidefeld prangt, wird ſein Herz mit Dankbarkeit gegen Gott, dem Geber alles Guten, erfuͤllen, der ſeine Bemuͤhungen ſo reichlich ſegnete. Aber der Sommer iſt kurz, und noch kuͤrzer die Zeit, in welcher die Felder mit Fruͤchten aller Art bedeckt ſind. Haͤtte der Landmann alſo bei ſeinem Berufe und durch ſetne Geſchaͤfte keine andere Freuden, als die uͤber ſeine Feldfruͤchte, ſo muͤßte er doch den groͤßten Theil des Jah⸗ res freudeleer zubringen. So iſt es aber nicht. Jede Jahreszeit hat fuͤr den fleißigen Landwirth ihre eigenen 122 Vergnuͤgungen, und ſelbſt der traurige Winter liefert ſei⸗ nen Antheil dazu. Was dem thaͤtigen und froͤhlichen Landmanne im Som⸗ mer ſein Feld iſt, das ſind ihm im Winter ſeine Vieh⸗ ſtaͤle. So wie er ſich im Sommer uͤber ſeine Fruͤchte freuet, ſo freut er ſich im Winter uͤber das gute Gedeihen ſeines Viehes. Sagt, lieben Freunde! ob es Euch nicht wahre Wonne iſt, Eure Fohlen und Kaͤlber auf dem Hofe herum ſpringen zu ſehen? Fahrt Ihr nicht gern, wenn Eure Pferde gleichſam vor dem Wagen ſpielen und ſo muthig elnherſchrelten, daß man es ihnen gar nicht an⸗ ſieht, ob ſie ziehen oder nicht? Wie gut pfuuͤgt ſichs nicht mit Ochſen, die man beinahe immer an der Leine halten muß, damit ſie nicht davon laufen? Und, wem ſollte es nicht Freude machen, wenn er Kuͤhe hat, die große volle Euter haben, vor denen ſie kaum gehen koͤnnen? Es iſt gewiß keiner, der mir nicht zugeſtaͤnde, daß ihn der Anblick ſeines gut gefuͤtterten Viehes Freude mache. Bei ſolchem Viehe werden alle Ackerarbeiten auch von dem Geſinde gern und willig verrichtet; von Krankheiten hoͤrt man ſelten etwas. Kommt ein Stuͤck zum Verkauf, ſo reißen ſich die Kaͤufer darum, und man bekommt es gut bezahlt; an Butter und Kaͤſe gebricht es ſolchen Haushal⸗ tungen nicht; ja es wird noch wohl mancher Thaler da⸗ fuͤr geloͤſet. Da ich nun aus eigener Erfahrung weiß, wie wohl ſich der Landwirth befindet, der fuͤr Viehfutter ſorgt, und dadurch alle ſeine Hausthiere in gutem Stande erhaͤlt, ſo bedon tlende M I ſe im mm A. dder zu Dih ten D und b rener dachte, rermate nn, auch cher nich dß hren war härte vende tole Ana hen nodh Gr Jfert ſei⸗ 1 Som⸗ Veeh⸗ heächte addeihen hrnicht nn hoſe wenn Jund ſo uht an⸗ aicht mRalten mte es g vole 2' 4, daß 4emache t dem 3e böt 1, ſo n' gt hab⸗ da⸗ pvohl und st, ſo 123 bedaure ſch jedesmal ſolche Landleute, die ich mit kleinen, elenden Pferden und rauhen, magern Ochſen begegne, und die zu Hauſe von ihren Kuͤhen kaum ſo viel haben, daß ſie im Sommer ihr Brod mit Butter beſtreichen koͤnnen, im Winter aber entweder trockenes Brod eſſen muͤſſen, oder zu Schmalz und Oel gezwungen ſind. Fruͤherhin dachte ich immer, wenn ich ſolch elendes Vieh ſahe: ach! die armen Leute haben gewiß recht ſchlech⸗ ten Boden, vielleicht nur Sandland und keine Wieſen, und bedauerte ſie von Herzen. Da ich aͤlter und erfah⸗ rener wurde, und mehr uͤber Grund und Urſache nach⸗ dachte, fand ich oft das Gegentheil von dem, was ich vermuthet hatte. Ich fand dieſes ſchlechte Vieh an Or⸗ ten, wo durchaus kein Sandboden war, und wo es oft auch nicht an Wieſen fehlte. Bei genauerer Erkundigung nach der Wirthſchaft ſol⸗ cher Landleute fand ich denn, daß die guten Leute es nur nicht anzufangen wußten, ſich Viehfutter anzubauen, oder daß ſie nicht konnten, weil ſie nicht Freiheit hatten, mit ihrem Lande zu machen was ſie wollten. Ihre Weide war nicht viel werth, weil ſie der ganzen Gemeinde ge⸗ hoͤrte und ſie zwar ein jeder nuͤtzen, aber nichts an ſie wenden wollte. Daher war ſie entweder zu feucht, oder voller Geſtruͤppe, Straͤucher und Maulswurfshaufen, auch Ameiſenhuͤgel. Die Wieſen lleferten nicht hinlaͤngliches Heu zur Ernaͤhrung des Viehes im Winter. Kam nun noch dazu ein trockener Sommer, wo die Wieſen wenig Gras trugen, oder der Winter hielt lange an, oder es 124 war eine ſchlechte Strohernte geweſen, ſo konnten ſie nur mit Aungſt ihr Vieh anſehen. inc Bis jetzt waren freilich die Umſtaͤnde ſo, daß auch ciht der aufmerkſamſte und beſte Landwirth oft keine Mittel dnd- hatte, dieſer Futternoth ein Ende zu machen. Wohnte er ſ 6 unter einem Ritterguthsbeſitzer, ſo hatte dieſer die Ge⸗ 6 Nſ rechtigkeit, dte Felder nach gewiſſen Regeln mit den Schaa⸗ gunge 4 fen zu behuͤten; wohnte er in einem Dorfe mit andern ia 1 Bauern allein, ſo mußte er ſich in die einmal hergebrachte nute 6 Ordnung des Ortes fuͤgen, und konnte fuͤr ſich allein ſeine Felder nicht mit Futtergewäͤchſen beſtellen. Denn haͤtte er Ncjl auch wirklich hin und her eine Getreideernte miſſen wollen V gegebe und an die Stelle Vtehfutter geſaͤet, ſo wuͤrde er ſich un⸗ ſre 1 endlichen Verdruß und Schaden zugezogen haben. Das ſa 3 Getreide ſeiner Feldnachbarn waͤre zu gleicher Zeit reif duf 1 geworden und haͤtten ſie es abgeerntet gehabt, ſo waͤre and das Vieh auf die Stoppeln getrieben worden. Mithin der waͤre die ganze Heerde auf ein einzelnes Futterfeld gefal⸗ Lar len, weil die Futtergewaͤchſe gewoͤhnlich nicht mit dem V— Getreide zugleich retfen. et Dazu kam noch, daß die mehreſten Leute uͤber den gen 1 Anbau der Futtergewaͤchſe ganz verkehrte Meinungen he⸗ dan gen. Bald glaubt man, es gehoͤre ein ganz beſonderer„ fa Boden dazu, wenn ſie gerathen ſollen. Andere meinen, ſch das Getreide gerlethe nicht nach manchen Futtergewaͤch⸗ er 4 ſen. Die wenigſten aber wiſſen, wie man ſie ſaͤen oder de pflanzen, das Land dazu bearbeiten oder duͤngen muß, wie n ſie behackt oder gejaͤtet werden muͤſſen und dergl. mehr. I i ſie nur Iß auch wtte. N nte et 9 Ge, 6 5chaa⸗ n ndeen d oͤrachke dii ſeine nnitte er Tſrvollen d h un⸗ dh Das wuit ref Zio ware 2Mthſ A0 gefa⸗ Aitt dan vir den geen he⸗ tderer heinen, wäch⸗ in oder lh, we iehr 125 Genug, es gab jetzt Urſachen genug, die es unmoͤglich machten, den Thieren mehr Futter zu geben, als ſie ſich ſelbſt auf der Gemein⸗ Braach, und Stoppelweide holten und als die Wieſen an Heu fuͤr ſie trugen. Aber, Dank ſey es der landesväͤterlichen Fuͤrſorge des beſten Koͤnigs: es iſt eine beſſere Zeit erſchienen. Es ſind nun Verfuͤ⸗ gungen getroffen, daß auch der geringſte und aͤrmſte Land⸗ mann ſein Stuͤckchen Feld nach ſeinem beſten Wiſſen be⸗ nutzen kann. Der Koͤnig will, daß alle ſeine Unterthanen zu Wohlſtand kommen und hat eben deswegen das Geſetz gegeben, daß der dritte Theil des Landes von allen Be⸗ ſchraͤnkungen frey ſeyn ſoll. Nunmehro kann kein eigen⸗ ſinniger oder neidiſcher Nachbar es Euch ferner wehren, auf dem huthfreien Drittheil Klee, Kartofſeln, Ruͤben und anderes Viehfutter anzubauen. Die natuͤrliche Ordnung der Dinge iſt wieder eingetreten. Ein jeder benutzt ſein Land ſo, wie es ihm gut duͤnkt. Jetzt kommt es nur noch darauf an, daß alle Land⸗ leute recht bald ſich Kenntniſſe uͤber den Bau der Futter⸗ gewaͤchſe erwerben. Sie muͤſſen dann bald den Anfang damit machen, ſich mit Eifer auf die Erzeugung des Vieh⸗ futters auf den Ackerlaͤndereten zu legen. Sie werden ſich gewiß ſehr bald von den Vortheilen dieſes Baues uͤberzeugen, und werden uͤber die Menge Futter erſtaunen, die ein Morgen, mit den im vorletzten Kapltel angegebe⸗ nen Futtergewaͤchſen beſtellt, heraus giebt. Ihr eigener Vortheil wird ſie hoffentlich antretben, ihre ganze Einrich⸗ — — —— — 126 tung ſo oder doch auf aͤhnliche Art zu machen, wie ich mehrmals angegeben habe. Daß der Futterbau und dle dadurch verbeſſerte Vieh⸗ haltung wirklich der rechte Weg iſt, Eure Wirthſchaften in beſſere Umſtaͤnde zu bringen, muß Euch Eure eigene Erfahrung ſo gut, wie Euer Verſtand ſagen. Wer unter Euch kam bisher in ſeiner Wirthſchaft vorwaͤrts? Waren es nicht diejenigen, die fleißig einſtreueten, Streuling von allen Orten herbei fuhren, auf das Vieh etwas wendeten und auf alle Art den Miſt zu vermehren ſuchten?—— Noch nie habe ich einen Landwirth gekannt, der durch ſeine Wirthſchaft zu etwas gekommen waͤre, ohne daß er etwas auf das Vieh und auf die Miſtgewinnung gehal⸗ ten haͤtte. Es giebt wohl zuweilen Leute unter Euch, die durch Hetrath oder Erbſchaft baares Geld erlangt haben und darum wohlhabend ſind. Aber ein ſolcher Wohlſtand iſt weſentlich unterſchteden von dem Wohlſtande eines guten Landwirths. Der letztere hat ſeinen Reichthum nicht im Geldſchrank, aber man entdeckt ihn auf ſeinem Hofe, in ſeinen Viehſtaͤllen, in ſeiner Scheuer, auf dem Kornboden und auf ſeinen Feldern. Wenn Ihr Euch genau darum kuͤmmert, wie ſolche Leute es anfangen, bei denen alles in Huͤll und Fuͤll iſt, und deren Ackerſtuͤcke faſt immer das beſte Getreide in der Flur tragen, ſo werdet Ihr zwar auch Sparſamkeit bei ihnen antreffen, aber ſie werden die Erſparung doch nicht auf das Vieh ausdehnen. Sie moͤgen lieber zwan⸗ zig Thaler baares Geld nicht haben, wenn ſie dadurch Mhfe ſch ug Veej⸗ rraften andgene W nter ſd aten s. von Sdeten 187—— 8 aurch uii er uthehale 19„die osthaben E liund r elnes W thun Aurinem n dem ſon ſche Neiß⸗ im ia woakeit un doch d wan⸗ durc 127 gezwungen wuͤrden, ihrem Viehe etwas abzubrechen. Denn ſie wiſſen recht gut, daß ſie ihren Wohlſtand der beſſeren Viehfutterung und dem daraus erfolgenden beſ⸗ ſern und mehreren Miſt zu danken haben. Solche brave Leute laſſet Euch zum Muſter dienen! vorzuͤglich wenn Ihr erſt angehende Landwirthe ſeyd. Er, mannt Euch und braucht dazu die jetzige vortheilhafte Veraͤnderung. Ich werde Euch nun in folgendem uͤber die Viehzucht ſelbſt belehren. Beherziget, was ich Euch daruͤber ſage, und findet Ihr, daß ich Recht habe, ſo macht davon in Eurer Wirthſchaft Gebrauch. Eine ſehr wichtige Regel bei der Viehzucht iſt dieſe: Halte nur ſo viel Vieh, als Du reichlich ausfuͤttern kannſt. Ich habe hieruͤber ſchon etwas im Kapitel von der Duͤngung geſagt, und will nun weitlaͤuftiger davon ſprechen. Das Huͤten auf Gemeinweiden und in Gemeinſchaft uͤberhaupt, hat die ungluͤckliche Meinung in Umlauf ge⸗ bracht, als ob vieles Vieh vielen Nutzen gewährte, man moͤge es uͤbrigens ſo ſchlecht halten, als man wolle. Wo recht viele und dabei gute Gemeinweiden ſind, da benutzt man ſolche allerdings beſſer, wenn man ſie mit vielem, als wenn man ſie mit wenigem Viehe betreibt; und wenn einmal kein anderer Rath iſt, und das Vieh auf keine andere Art ernaͤhrt werden kann, ſo handeln diejenigen allerdings klug, die auf ſolche Weiden ſo viel Vieh auf⸗ treiben, als ſie nur koͤnnen. 128 So wie ich aber mit meinem Viehe auf meinen eigen nen Futtergewinn eingeſchraͤnkt bin, ſo thue ich unrecht, wenn ich vieles, aber ſchlechtes Vieh halte. Ich wuͤrde vielleicht von der Haͤlfte mehr Nutzen haben und beſſern Miſt machen. Denn ſeht, ein jedes Thier braucht zu ſei⸗ ner Ernaͤhrung ein gewiſſes Maaß von Nahrung, von der es weder eine Nutzung geben kann, noch Kraft zur Arbeit erlangt. Nur von demjenigen Futter, welches ein Thier uͤber ſeinen nothwendigen Bedarf zur Erhaltung ſeines Lebens erhaͤlt, giebt es Nutzung. Ich will dies deutlicher durch ein Beiſpiel machen. Gebt zwei Kuͤhen taͤglich 10 Pfd. Heu und uͤbrigens nichts wie Stroh, ſo werden ſie leben, aber Milch koͤn⸗ nen ſie von dieſem Futter nicht geben. Schaft aber eine Kuh ab, und gebt der andern das ganze Heu und das gehoͤrige Stroh; 5 Pfd. Heu taͤglich frißt ſie nun wieder zur Erhaltung ihres Lebens, aber von 5 Pfd. kann ſie Milch geben. Es iſt alſo klar, daß fuͤr den Landmann ein groͤßerer Vortheil heraus kommen muß, wenn er ſein Vieh ſo erhaͤlt, daß es neben der nothduͤrftigen Erhaltung ſeines Koͤrpers noch ſo viel Nahrung erhaͤlt, von welcher es Nutzung geben kann. Dieſe Nahrung, oder die Futtermenge fuͤr ein ein⸗ zelnes Stuͤck auf einen Tag, hat ihre Grenzen, die ſich nach der Groͤße des Thieres richten. Als Regel kann man annehmen, daß dann ein Stuͤck Vieh gehoͤrig ge⸗ fuͤttert werde, wenn es bei der Nutzung, die es giebt, oder bei der Arbelt, die es verrichtet, immer in wohlbe⸗ leibtem ten elgen unrecht, wuͤrde beſſern zu ſei⸗ „von tt zur hes ein haltung l dies rigens h koͤn⸗ er eine und das n wieder kann ſie andmann tr ſein haltang weſcher en ein, die ſich kann tig ge geebt, wohlbe⸗ leibtem 129 leibtem Zuſtande bleibt, ſo daß man es eher fett, als mager nennen kann. Außer dem Vortheile, der dem Landwirth durch hin⸗ laͤngliche und reichliche Futterung ſeiner Thiere aus der daher folgenden mehreren Nutzung erwaͤchſt, ſind noch mehrere Umſtaͤnde vorhanden, die dafuͤr ſprechen, lieber zu wenig, als zu viel Vieh zu halten. Die Sorgfalt vermindert ſich, wenn ich weniger Vieh habe auf eine geringere Anzahl Thiere. Wenn ich das Futter nur zwei Pferden gebe, welches ich ſonſt dreten gab, ſo kann ich dieſe beide nun beſſer warten, da dies eine fehlt; ich kann ſie alſo beſſer putzen, den Haͤckſel kuͤrzer ſchneiden ꝛc. Bei wenigem Vieh kann ich auch weniger Ungluͤck haben. Einmal ſchon deswegen, weil ich uͤberhaupt eine kleinere Anzahl habe. Geſetzt, ich haͤtte funfzehn Stuͤck Vieh, finde aber bei genauer Ueberlegung, daß zehn Stuͤck alle mein Futter noch in Miſt verwandeln koͤnnen, ſchaffe alſo fuͤnf Stuͤck ab, ſo muß mich ſchon deswegen bei mei⸗ nem Viehe ein moͤgliches Ungluͤck ſeltener treffen. Dann aber kommt dazu, daß die zehn Stuͤck Thiere, welche das Futter bekommen, welches ſonſt funfzehn er⸗ halten mußte, ſich weit beſſer befinden muͤſſen, als dieſe, welche daran nur kuͤmmerlich genug hatten. Die beſſer gefuͤtterten zehn Stuͤck werden alſo auch bei gleicher An⸗ zahl ſeltener krank werden. Ferner: habe ich ſo viel Vieh, daß ich auch bei der reichſten Futterernte das Futter nur ſpaͤrlich einthetlen 11 1 9 130 muß, ſo komme ich mit demſelben Viehe in die groͤßte Noth, wenn einer ſchlechten Futterernte ein langer, anhal⸗ tender Winter folgt. Habe ich mich aber ſo eingerichtet, daß ich in guten Jahren auch bei ſehr reichlicher Futte⸗ rung nicht alles Futter bezwingen kann, ſo werde ich fuͤr ſchlechtere Ernten etwas aufſparen, und kann mein Vieh immer gleich gut fuͤttern. Wie wichtig eine immer gleich bleibende Futterung iſt, wird allen aufmerkſamen Land⸗ leuten aus der Erfahrung bekannt ſeyn. Auf die Menge des Miſtes hat es, wie wir ſchon fruͤher geſehen haben, mit dem auf eigenem Acker erbaue⸗ ten Futter gar keinen Einfluß, man verfuͤttert daſſelbe mit zehn oder funfzehn Stuͤck. Die mehreren Stuͤcke, welche daſſelbe Futter und Streuſtroh erhalten, als die wenigen, koͤnnen eher die Menge des Miſtes vermindern, weil ſie zur Erhaltung ihrer Koͤrper mehrere Nahrung brauchen. Mit der Arbeit iſt es aber eben ſo, wie ich oben an dem Beiſptele zweier Kuͤhe mit der Milch gezeigt habe. Zwei gut gefuͤtterte Pferde oder Ochſen ziehen ſo viel, als vier ſchlecht gefuͤtterte, und brauchen doch das dop⸗ pelte Geſchirr zu ihrer Anſpannung. Mithin iſt es ſehr rathſam, daß der Landmann ſein kleines, ſchlecht ge— haltenes Vieh nach und nach mit beſſerem, ſtaͤrkerem Viehe vertauſche, ſollte er auch einige Stuͤcke weniger halten, welches er aber bei ordentlichem Fleiß, den er auf den Anbau der Futtergewaͤchſe verwendet, kaum noͤ⸗ thig haben wird. ſe gröͤßte , anhal⸗ erichtet, Futte⸗ wich fuͤr n Vieh 1 glec Lnnd⸗ Ir ſchon N'thaue/ vaſſelbe ghtuͤck, muls die Fändern, ndahtung ben an r habe. zo vie⸗ ds dob⸗ ſehr ſt ge⸗ kerem eniger pen er m n⸗ 13¹ Eine zweite wichtige Regel iſt dieſe: Vergliß nicht, daß du dein Vieh nicht al⸗ lein der Arbeit oder der Milchnutzung wegen haͤltſt, ſondern daß der Miſt von deinen Thie⸗ ren eben ſo wichtig wie die andern Nutzun, gen derſelben iſt. Ohne Miſt laͤßt ſich kein Ackerbau fuͤr die Dauer treiben. Man muß ſich alſo denſelben ſelbſt erzeugen oder kaufen. Dies letztere geht nur an wenigen Orten; die eigene Miſtgewinnung iſt alſo jeder großen oder kleinen Wirthſchaft nothwendig. Leſet nach, meine Freunde, was ich S. 55 des erſten Theils uͤber die Theurung des Miſtes geſagt habe. Der Miſt hat einen nirgends oder doch hoͤchſt ſelten geſchaͤtzten Werth. Die eigentliche ſogenannte Viehnutzung durch Milch, Fleiſch oder Wolle iſt ſehr wichttg, aber ich halte die Be⸗ nutzung des Viehes durch den Miſt fuͤr wichtiger. Durch denſelben kann der Landmann immer aufs Neue Getrelde und Viehfutter erbauen, ſetne Wirthſchaft hat alſo immerwaͤhrenden Vorthell vom Miſte. Nicht ſo iſt es mit Milch, Butter, Fleiſch und andern Nutzungen der Viehzucht. Sie bringen Geld oder helfen zur Unter⸗ haltung der Wirthſchaft das Ihrige beitragen; ſo wie ſie aber verzehrt ſind, oder das Geld iſt fuͤr ſie eingeſtrichen, ſo ſind ſie fuͤr den Acker verloren, und kommen nicht wie⸗ der in ihn zuruͤck. Meine Abſicht iſt nun kelnesweges, die Nutzungen der Viehzucht herunter zu ſetzen. Sie ſind zur Fortſtel⸗ 132 lung der Wirthſchaft eben ſo nothwendig, und ſind als die eigentliche Belohnung fuͤr die an das Vieh gewendete Sorgfalt und Futter zu betrachten. Ich wollte blos die Wichtigkeit des Miſtes fuͤr das eigentliche Ackerland mehr beleuchten, weil ſo wenige Menſchen ſeinen Werth ganz zu ſchaͤtzen wiſſen. Und habe ich Euch, meine lieben Le⸗ ſer, nun hinlaͤnglich uͤberzeugt, daß der Miſt eine Haupt⸗ nutzung der Viehzucht iſt, ſo wird eine dritte Regel der Viehzucht ſo heißen: Richte deine Wirthſchaft ſo ein, daß Du von Deinem Futter die groͤßte Menge Miſt erhaͤltſt. Dies kann nur geſchehen, wenn das Vieh den Miſt nicht auf den magern Weiden verzettelt, ſondern blos im Stalle oder Hofe bleibt, wo denn der Koth und Urin gehoͤrig mit Stroh und anderem Streuling vermengt wer⸗ den koͤnnen, und in Gaͤhrung und Faͤulniß uͤbergehen, alſo bei der Stallfutterung des Viehes. Ich hoͤre im Geiſte alle die Einwendungen, die Ihr machen koͤnnt, wenn ich Euch die Stallfutterung anpreiſe. Wir wollen ſie mit einander durchgehen, und ſie pruͤfen, ob ſie gegruͤndet oder nur ſcheinbar ſind. Erſtlich werden mir einige ſagen:„Wir ſind froh, „daß wir den Sommer erreichen. Wir hatten kaum „Futter genug fuͤr den Winter, wo ſollten wirs fuͤr den „Sommer hernehmen?“ ——öö——yyÿÿÿÿ y 1—ᷣᷓj 5 133 Antwort: Bei Eurer jetzigen Art zu wirthſchaften glaube ich Euch dies gern. Ihr thatet ja gar nichts, um Viehfutter anzubauen. Ihr brachtet das Heu von Euren Wieſen, welche nicht gehoͤrig abgewaͤſſert und voller Un— ebenheiten und Geſtruͤppe waren, nothduͤrftig herein, und das war alles. Aber verſucht es und befolgt die Anweiſung, die ich Euch in dieſem Buche gebe. Wendet das huthfreie Drit⸗ theil dazu an, die Euch genannten Futtergewaͤchſe in Ab⸗ wechſelung mit dem Getreide anzubauen. Macht erſt ei⸗ nen kleinen Anfang. Behaltet zuerſt die milchenden Kuͤhe zu Hauſe, bis Ihr mit Eurer ganzen beſſern Wirth⸗ ſchaftseinrichtung allmaͤhlig ſo weit gekommen ſeyd, daß Ihr auch die Pferde und Ochſen und zuletzt das Jung⸗ vieh im Stalle ernaͤhren koͤnnt. Habt Ihr es bis dahin gebracht, dann koͤnnt Ihr die Gemeinweiden abſchaffen, vertheilen und in Ackerland und Wieſen verwandeln. Dann werdet Ihr zuverlaͤſſig ſo viel Futter erbauen, daß Ihr es mit Eurem btsherigen Viehe nicht einmal bezwingen koͤnnt. Aber nur allmaͤhltg gelangt Ihr dahin. Mit Einem Male richtet der Land' wirth ja in keiner Sache viel aus, deſto mehr aber, wenn er mit feſtem Vorſatz mit dem gehoͤrigen Fleiße auf einen Zweck hin arbeitet. Wollt Ihr vorher mit der Stallfutterung einen klei⸗ nen Anfang machen, ehe Ihr Klee geſaͤet habt, ſo bringt auf gut geduͤngtes Land im zeitigen Fruͤhjahre ein Wicken⸗ gemenge, auf ſandigen Boden Buchweitzen. Wiederholt 134 eine ſolche Ausſaat alle vierzehn Tage oder drei Wochen. Schlaͤgt ja eine Ausſaat um, ſo geraͤth die andere dafuͤr um ſo beſſer und Ihr koͤnnt ſie dann anfangen zu fuͤt⸗ tern, wenn die Gewaͤchſe in Bluͤthe ſtehen. Ihr werdet ſtaunen uͤber die viele Milch, welche Eure Kuͤhe nach ſol— chem Futter geben werden und es wird Euch das thoͤrigte der Meinung einleuchten, daß ein ſolches Verfuͤttern der Feldfruͤchte Suͤnde ſey, wie ich ſchon S. 117 und 179 des erſten Theils und 7— 10 des zweiten Theils bewieſen habe. Habt Ihr mittlerweile Euch auf den Anbau der behackten Gewaͤchſe gelegt und durch dieſe, oder durch eine gute Braachbearbeitung einen Theil Eures Feldes ſo zugerichtet, wie es der Klee verlangt, ſo koͤnnt Ihr die— ſen anſaͤen und ſchon mehr Vieh im Stalle erhalten. Der Klee kommt zeitiger als die Wicken und giebt auch wohl mehr Futter heraus, als dieſe. Allein koͤnnt Ihr Euch jedoch nicht auf ihn verlaſſen. Ihr muͤßt bei dem beſten Anſchein noch etwas Wicken und Buchweitzen ſo ausſaͤen, daß Ihr ſie dann gruͤn verfuͤttern koͤnnt, wenn zu vermuthen iſt, daß der Klee nichts heraus geben wird. Dies iſt faſt allemal der Fall nach dem erſten Abmäͤhen des Klees, wenn trockene Witterung danach einfaͤllt. Eine zweite Einwendung wäre vielleicht die:„wenn „wir auch zugeben, daß ſich das Futter fuͤr das Vieh „zur Sommernahrung auf die angegebene Art anbauen „laͤßt, ſo gehoͤrt dazu doch Land. Wo ſollen wir das n. 7 135 „aber hernehmen, da wir ohnedies den dritten Theil, „manche von uns die Haͤlfte, abgeben muͤſſen?“ Vergeßt nicht, Freunde! daß das Vieh zur Weide noch viel mehr Land braucht, um ſich zu ernaͤhren, als wenn man auf einem Theil des Landes ſchickliche Futter⸗ gewaͤchſe bauet, und dieſe dem Viehe in den Stall zu⸗ faͤhrt. Ich habe Euch bei der Anweiſung zum Kleebau geſagt, daß man von zwei Morgen mit Klee beſtellt drei Kuͤhe ein ganzes Vierteljahr oder drei Monate lang im Stalle erhalten kann. Wicken⸗ und Buchweitzen, Gemenge oder Spoͤrgel geben etwas weniger heraus, aber doch gewiß ſo viel, daß zwei Morgen dieſer Gewaͤchſe das Futter fuͤr jene drei Kuͤhe auf zwei Monate hergeben werden. Ihr braucht alſo fuͤr jede Kuh einen Morgen und ſechszig Ru⸗ then Land, um ſie von der Mitte Mai bis zur Mitte Octobers, als die gewoͤhnliche Weidezeit, im Stalle zu erhalten. Mit dieſem Futter wird ſie ohnedies noch weit beſſer genaͤhrt, als wenn ſie auf die gewoͤhnliche ſoge⸗ nannte gute Weide getrieben worden waͤre. Und von dieſer Weide muͤßt Ihr Einer Kuh doch drei Morgen einraͤumen, wenn ſie ſich darauf erhalten ſoll. Bleiben wir bei unſerm obigen Beiſpiele mit den drei Kuͤhen ſtehen, ſo braucht Ihr fuͤr ſolche neun Mor⸗ gen Weideland, ſtatt daß Ihr bei der Stallfutterung nur vier Morgen noͤthig habt. Ihr habt alſo hier fuͤnf Mor⸗ gen uͤbrig, auf welchen Ihr entweder Winterfutter bauen, oder im Sommer mehr als noch einmal ſo viel Vieh 136 ernaͤhren koͤnnt, als wenn Ihr es unbeſtellt und blos zur Weide liegen ließet. Nur dann laͤßt ſich das Behuͤten des thonigen Lan⸗ des mit Rindvieh entſchuldigen, wenn man es gar nicht anders nuͤtzen darf, weil zehn oder zwanzig andere mit mir zugleich das Recht haben, es zu behuͤten. Ich hoffe aber diejenigen Gemeinden, welche zeither das ſchoͤnſte Land ſo ſchlecht nuͤtzten, werden ihren wahren Vortheil einſehen lernen und dieſe Gemeinheiten unter ſich verthei⸗ len, wodurch ſie ſich unendlichen Gewinn verſchaffen koͤnnen. Drittens.„Aber wo nehmen wir Zeit her, das viele Futter im Sommer fuͤr das Vieh herein zu ſchaffen?“ Fragt vielleicht mancher.„Um dieſe Jahreszeit giebt es „ohne dies ſo viele Arbeiten, daß man manchmal nicht „weiß, was man zuerſt machen ſoll. Sollte man nun „gar noch viele Zeit auf die Herbeiholung des Futters „verwenden, ſo werden der Lein und der Hirſen im Un⸗ „kraute ſtehen und die Kartoffeln unbehackt bleiben muͤſſen.“ Antwort: Ihr gewinnt ſehr viel Zeit dadurch, daß Ihr aufhoͤrt, zu Hofe zu dienen. Aber auch ungerechnet dies und damit ich zugleich denen antworte, die bisher keinen Hofedienſt hatten, ſo wollen wir einmal einen Blick auf Eure bisherige Wirthſchaft werfen. Hatte einer von Euch fuͤnf Kuͤhe, die auf die Weide getrieben wur⸗ den, ſo mußte er eine Magd halten, die den groͤßten Theil des Sommers auf den Wegen, Rainen oder Fahren, und an den Graͤben und Ackerraͤndern herum lief, um dort 137 noch ſo viel Gras zu ſuchen, damit die Haushaltung die noͤthige Milch und Butter erhielt, die von der Weide allein nicht zureichend geweſen waͤren. Selten reichte das, was die Magd auf dieſe Art herbei trug; die Wirthin oder Eure Kinder ſchaften gewoͤhnlich noch Gras aus dem Garten und vom Felde an. Richtet Ihr nun Eure Wirthſchaft ſo ein, daß Ihr das Futter ſo gut wie Getreide, mit eben der Sorgfalt und Ordnung anbauet, ſo iſt es ja weit leichter, es dort abzumaͤhen, als wenn Eure Maͤgde es mit Sicheln zu⸗ ſammenſtoppeln. Gebt ihnen Senſen und Karren und ſchickt ſie auf ein gutes Klee⸗ oder Wickenſtuͤck. In einer halben Stunde haben ſie dort eine tuͤchtige Karre voll gemaͤhet und aufgepackt. Steht das Arbeitsvieh auch im Stalle, ſo karrt der Knecht mit, und holen ſie ſo des Morgens und des Abends jedes Mal eine Karre, taͤglich vier Karren, ſo werden ſie Futter genug fuͤr acht Stuͤck großes Vieh anſchaffen. Wer mehr Vieh haͤtte, wuͤrde noch mehr Zeit erſparen, wenn er das Futter täglich mit einem Wagen herein holen ließe, den man fuͤglich mit Kuͤhen beſpannen kann. Auf dieſe Art wuͤrde das Gruͤnfutter des Morgens und des Abends herein geſchaft, damit es immer friſch bliebe, und die Leute koͤnnten den ganzen langen Tag andere Geſchaͤfte verrichten. An den Orten, wo die Stall⸗ futterung des Viehes ſeit undenklichen Zeiten eingefuͤhrt iſt, wird es auch wirklich ſo gehalten. Denkt nur daran, welch' eine Menge Maͤdchen jetzt 138 des Sommers auf dem Felde herum liefen, um das bts⸗ chen Gras zuſammen zu ſuchen, wovon die Kuͤhe noch einige Milch gaben! Berechnet nebenbei den Schaden, welchen ſie bei ſolchen Gelegenheiten dem Getreide durch Niedertreten deſſelben, auch wohl durch Ausraufen und Abſchneiden anrichteten! Das Ausziehen des Unkrautes aus dem Getrelde, namentlich des Hederichs, iſt zwar eine nuͤtzliche Arbeit, die ſich ſchon durch das Viehfutter bezahlt, als wozu dies Unkraut mit beſſerem Futter vermiſcht, recht gut angewen⸗ det werden kann. Dies Ausjaͤten muß dann aber mit Ordnung geſchehen; man darf nur ſo lange in das Ge⸗ treide hinein, als es nicht lang iſt. Jetzt liefen die Maͤgde aber im ganzen Felde herum, ſuchten nur immer etwas Gras zum Nachhauſebringen zu erhalten; ſie frag— ten alſo nicht danach, wo ſie den Hederich oder anderes Unkraut ohne Schaden des Getreides ausziehen konnten. Wo ſie am erſten Gras zuſammen bringen konnten da fielen ſie ein, unbekuͤmmert darum, ob ſie nicht dreimal ſo viel Schaden anrichteten, als das Futter werth war, welches ſie nach Hauſe brachten. Habt Ihr nun aber eigene Futterfelder und koͤnnt das Jäͤtekraut als bloße Zu⸗ gabe betrachten, ſo koͤnnt Ihr Eure Maͤgde beſtimmte Flecke anweiſen, wo ſie den Hederich zum Vortheil Eures Getreides eben ſo ſorgfaͤltig ausziehen muͤſſen, als aus dem Flachs. Dann wird das Ausziehen dieſes haͤßlichen Unkrautes gewiß von großem Nutzen ſeyn, und Eure Fel⸗ der werden nach und nach ganz davon befreiet werden. 139 Viertens. Aber,„ſagt wohl ein anderer, unſer Vieh „iſt einmal ans Weiden gewoͤhnt. Wird es im Stalle „auch geſund bleiben?“ Antwort: Wenn Ihr folgendes beobachter, ſo wird Euer Vieh bei der Stallfutterung weit geſuͤnder als auf der Weide bleiben. Macht in Eure dunſtigen Staͤlle Luftzuͤge. Es iſt dazu nicht noͤthig, daß Ihr einen neuen Stall bauet. Schlagt zwei einander gegen uͤber ſtehende Lehmfaͤcher aus, am beſten die oberſten, und bringt ſogenannte Luken an, die mit breternen Thuͤrchen verſchloſſen werden koͤnnen. Am Tage, wenn die Sonne warm ſcheint, macht Ihr dieſe Thuͤren zu, damit die Flitegen Euer Vieh nicht aͤng⸗ ſtigen. In den Morgen- und Abendſtunden aber, ſo wie die ganze Nacht durch, bleiben dieſe Luken offen, damit die friſche Luft durch den Stall ſtreicht. Denn dieſe iſt ſchlechterdings zum guten Gedeihen aller Creaturen er— forderlich. Dann zweitens ſchaft den Miſt recht oft unter dem Viehe weg. Wolltet Ihr daſſelbe in der Jauche ſtehen laſſen, die von reichlicher Gruͤnfutterung nothwendig ent⸗ ſteht, ſo wuͤrde es ſich bei allem Ueberfluß von Futter doch nur ſchlecht befinden. Am beſten iſt wohl, Ihr treft die Einrichtung, daß der Miſt alle Morgen ausgeworfen wird. Geſchieht dies regelmaͤßig einen Tag wie den an⸗ dern, ſo iſt dies Ausmiſten eine ganz unbedeutende Arbeit. Befolgt Ihr dies, ſo braucht Ihr um die Geſund— heit des im Stalle gehaltenen Viehes nicht beſorgt zu 140 ſeyn. Es wird ſich gewiß beſſer als auf der Weide be⸗ finden. Nebenbei koͤnnt Ihr ja das Vieh auch taͤglich eintge Stunden auf dem Hofe ſtehen laſſen, wo ſich der Miſt ja leicht zuſammen bringen laͤßt, den es dort verliert. Fuͤnftens.„Wo ſollen wir aber Stroh hernehmen, „theils zu Beifutter neben den gruͤnen Gewaͤchſen, theils „zum Einſtreuen?“ fragen mich wohl andere. Antwort: Wer nach meinem Nathe die Stallfut⸗ terung nur allmaͤhlig einfuͤhrt, zuerſt nur die Kuͤhe und nach und nach das uͤbrige Vieh im Stalle behaͤlt, be⸗ kommt Zeit und Gelegenheit genug, ſich mehr Stroh auf den Laͤndereien zu erbauen, die er bet der Stallfutterung gegen die Weide erſpart. Werden die zeitherigen Gemein⸗ weiden, die durch die Stallfutterung unnoͤthig ſind, nach und nach aufgebrochen, ſo kann auf dieſen vieles Stroh gebauet werden. Noch iſt nothwendig, daß ein Landwirth, der die Stallfutterung einfuͤhren will, alles das befolge, was ich uͤber das Befahren des Landes mit Mergel, uͤber beſſere Behaadlung des Miſtes, uͤber beſſere Bearbeitung des Landes und uͤber eine beſſere Folge der Fruͤchte gelehrt habe. Dadurch allein ſchon werden ſeine Getreide, und Stroh⸗Ernten ſtaͤrker ausfallen. Gelangt er aber vol— lends erſt dahin, daß der durch die Stallfutterung ihm zugewachſene fette Miſt in ſeinen Aeckern zu treiben an⸗ fängt, ſo wird es ihm nicht laͤnger an Stroh fehlen und er wird von Jahr zu Jahr ſo wohl dieſes als das beſſere Futter immer mehr erbauen. 141 Um aber dahin recht bald zu gelangen, muß ein ſorg⸗ ſamer Wirth ſich im erſten Anfange nach ſolchen Dingen umſehen, die er mit dem Strohe zugleich einſtreuen kann. So muß er z. B. weder Kartoffelkraut noch ausgeeggete QAuecken verbrennen, ſondern trocknen und zum Einſtreuen anwenden. Kein Unkraut muß er ungenutzt wegwerfen; was ſich nicht zum Futtern ſchickt, kann wenigſtens ein— geſtreuet werden. Koͤnnte ich aber weder Kiehnnadeln noch Laub, nicht Schilf noch Stroh zum Einſtreuen anſchaffen, ſo wuͤrde ich mir auf folgende Art helfen. Ich wuͤrde den Raſen von den Dorfplaͤtzen flach abſtechen, und den unterſtreuen. Der Miſt muͤßte dann freilich noch oͤfter heraus, aber er wuͤrde gewiß ſehr gut auf den Acker wirken. Man muͤßte dieſen Erdmiſt, ſo zu ſagen, auf dem Hofe in hohen Haufen aufſchichten; waͤre er zu ſchmierig, ſo koͤnnte man noch andere Erde, Holzerde z. B. darunter mengen. So muͤßte man ihn im Sommer acht Wochen lang liegen laſſen, und ihn zuweilen mit Jauche begießen. Waͤhrend dieſer Zeit wuͤrde der Raſen gewiß verrotten, und die ganze Maſſe wuͤrde eine vortrefliche Duͤngung gewaͤhren. Dieſe Art der Miſtbehandlung iſt freilich muͤhſam. Ich fuͤhre ſie auch nur als Beiſptel an, daß dem nach⸗ denkenden und fleißigen Landwirthe ſehr viele Mittel ſich darbieten, ſich ohne Stroh eine Zeit lang mit ſeinem Viehe zu behelfen. Nur guter Wille und Fleiß gehoͤren dazu, dann kann man bei acht oder zwoͤlf Stuͤck Vieh vieles moͤglich machen, was ein großer Guthsbeſitzer nicht — — —ꝑ ——e ———— 2 3———— ¹—————.— *. — — — — —— ₰—— — —— 142 ſo leicht ins Werk richten kann, well ſeine Leute ſich der Sache nie ſo annehmen, als wenn der Wirth und die Wirthin ſelbſt Hand ans Werk legen. Ich glaube, daß ich hier die erheblichſten Einwen⸗ dungen genannt habe, die Ihr mir gegen die Sommer⸗ ſtallfutterung Eures Viehes machen koͤnnt. Ihr koͤnntet zwar noch die Beſchwerden vorſchuͤtzen, die es Euch ma⸗ chen wuͤrde, den noͤthigen Saamen zu den Futtergewaͤch⸗ ſen anzuſchaffen. Dies haͤlt jedoch jetzt nirgends ſchwer, ſich den erſten Saamen zu verſchaffen, da in jeder be— traͤchtlichen Stadt Kaufleute eigends damit handeln und da faſt auf allen ordentlich bewirthſchafteten Ritterguͤtern die eine oder die andere Art gezogen wird. Wenn Ihr nur den erſten Saamen angekauft habt, dann mußt Ihr Euch Euren Bedarf ſelbſt erziehen, weshalb ich auch bei der Anweiſung zum Anbau der Futtergewaͤchſe daruͤber das Noͤthige geſagt habe. Ich wiederhole es nochmals, lieben Landleute: bei Fleiß und gutem Willen iſt Euch die Einfuͤhrung der Stallfutterung immer moͤglich, wenn Ihr Thon, oder Lehmboden— oder wenigſtens ſandigen Niederungsboden habt. Fleißig ſeyd Ihr ja, das iſt zur Genuͤge bekannt, fletßiger als ein anderer Stand im Lande. Und den gu⸗ ten Willen habt Ihr gewiß auch, wenn Ihr die Hin⸗ derniſſe entfernt ſeht, die Euch bis jetzt bei Eurem Acker⸗ bau druͤckten. Ihr ſtellt Euch aber manchmal eine Sache, die Ihr h der die 143 noch nicht kennt, ſehr ſchwer vor. So geht es Euch auch vielleicht damit, wenn Ihr daran denkt, Euer Vieh nun auch im Sommer wie im Winter im Stalle zu fuͤt⸗ tern. Darum macht nur erſt den Anfang mit wenigen Stuͤcken. Ich denke, habt Ihr es erſt mit einigen ein paar Jahre verſucht, ſo werdet Ihr einſehen, daß ich Euch wohl gerathen habe, und Ihr werdet gewiß dafuͤr ſorgen, daß Ihr Euer ganzes Vieh im Stalle fuͤttern koͤnnt. Damit Ihr mir aber nicht Schuld gebt, daß ich Euch zu etwas rathe, was nicht uͤberall ausfuͤhrbar iſt, ſo erklaͤre ich hier ganz beſtimmt, daß ich die gaͤnzliche Stallfutterung nur fuͤr diejenigen nuͤtzlich halte, die Thon⸗ Lehm, oder fruchtbaren Sandboden in Niederungen be⸗ ſitzen. Wo der groͤßte Thetl des Feldes aus trockenem Sandboden beſteht, da wuͤrde das Gruͤnfutter nicht mit Sicherheit gerathen. Hier wird es alſo beſſer ſeyn, eine ſolche Wirthſchaft zu treiben, als ich fruͤher fuͤr das Sand⸗ land empfohlen habe. Auf den beſſeren Feldern kann man aber doch ſo viel Gruͤnfutter bauen, um die Kuͤhe oder das Arbeitsvieh im Stalle zu fuͤttern. Ich werde bei Gelegenheit der Schaafzucht noch einmal von dieſem Sandlande ſprechen und werde hier noch das Verfahren fuͤr diejenigen beſchreiben, die einen Theil ihres Rindvie⸗ hes oder alles im Stalle fuͤttern wollen. Das erſte Gruͤnfutter iſt der rothe Klee. Haͤtte man Luzerne angebauet, ſo wuͤrde dieſe noch um acht oder zehn Tage fruͤher gemaͤhet werden koͤnnen. So lange die Kleearten die Bluͤthenknospen noch nicht zeigen, giebt r 144 man ſie dem Viehe nicht allein, ſondern unter Stroh geſchnitten, damit ſich das Vieh allmaͤhlig an das gruͤne Futter gewoͤhne und nicht aufblaͤhe(berſte). In gewoͤhnlichen Jahren kann man den rothen Klee um den 20. Mat anfangen zu ſchneiden. Hat man eini⸗ germaßen feuchten Boden, ſo bleibt der erſte Schnitt den ganzen Junt durch gruͤn. Zum erſten Jult muß man aber Wicken oder ein Wickengemenge bereit halten, weil in den wenigſten Jah⸗ ren der zweite Wuchs des Klees dann ſtark genug ſeyn wird, um die gehoͤrige Menge Futter zu liefern. Zu dem Ende ſaͤet man die Wicken im Anfange des Aprils aus, wenigſtens einen Theil, und wiederholt eine ſolche Aus⸗ ſaat alle vierzehn Tage oder drei Wochen bis zu Ende Mat. Mißraͤth eine Saat, ſo giebt die andere dafuͤr um ſo mehr. Gegen Ende des July wird der Klee zum zweiten Male geſchnitten werden koͤnnen. Bei guͤnſtiger Witte. rung wird er ſich ziemlich den ganzen Auguſt durch hal— ten. Dies wird um ſo eher der Fall ſeyn, wenn man das Vieh auf die Stoppeln triebe, wenn ſie grasreich ſeyn ſollten und man wollte der Ernte wegen weniger Zeit auf das Hereinholen des Futters verwenden. Zu Ende des Auguſts muß die Kleeſtoppel umgebro⸗ chen werden, wenn ſie mit Winterung beſäet werden ſoll, oder der Klee wird nunmehro nicht Futter genug herge⸗ ben, weil er um dieſe Zeit im Wachsthum nachlaͤßt. Es muß alſo auf jedem Falle anderes Futter bereit ſeyn. Hierzu Stroh gruͤne Klee eini⸗ tt den dr en en Jah ug ſeyn zu dem 3 aus, Aus⸗ Endt e defuͤr weiten r Witte urch hal⸗ enn man grasteich weniger ngebro en ſoll, hetge⸗ ßt. E eyn. Hierzu —IWIęêêęę‧—— 145 Hierzu ſchickt ſich nun nichts beſſer, als der Buch⸗ weitzen und der Spoͤrgel, weil auch die Wicken ſo ſpaͤt ſelten ordentlich wachſen. Aber gerade der Buchweitzen waͤchſt ſpaͤt am uͤppigſten. Will man ihn im September bluͤhend haben, ſo ſaet man ihn erſt gegen Ende des Junt aus. Fuͤr die letzte Haͤlfte des Septembers muß man den Buchweitzen aber erſt nach den 10. Juli ſaͤen; ſonſt wird er bei warmer Witterung fruͤher reif. Den Spoͤrgel ſaͤet man um dieſelbe Zeit, wie den Buchweltzen aus; ja es kann oft vortheilhaft ſeyn, die⸗ ſen in die geduͤngte Rockenſtoppel auszuſaͤen, wo er dann doch gegen Michaelis heran gewachſen ſeyn wird. In heißen und trockenen Sommern geht mit Mi—⸗ chaelis das Maͤhefutter gewoͤhnlich zu Ende; in feuchten und kuͤhlen kann man aber ein Buchweitzengemenge noch bis den 14. October gruͤn haben. Bringt man aber Win⸗ terung nach ſolchem Gemenge, ſo rathe ich, ſo lange nicht zu warten, ſondern ſich etnzurichten, daß man gleich nach Michaelis das Land mit Roggen beſaͤen kann. Hat man ſich mit allem Fleiß auf den Anbau der Kartoffeln, der Ruͤben oder des Kohls gelegt, ſo braucht man um Michaelis kein Maͤhefutter mehr. Etwas gruͤ— ner Spoͤrgel als Zugabe fuͤr Milchkuͤhe iſt den ganzen October durch ſehr erwuͤnſcht. Uebrigens aber giebt es von den Ruͤben und Kartoffeln um dieſe Zeit eine Menge Abfaͤlle zur Futterung. Das Kartoffelkraut kann man in der Regel von den 17 10 -—— 4—— 146 fruͤhen Sorten ſchon im Anfange des Septembers ab⸗ ſchneiden; von den ſpaͤten gegen Ende dieſes Monats. Es iſt doch anzurathen, auch dieſes zu verfuͤttern. Am beſten geſchieht dies, wenn man es auf einer Haͤckſellade klein ſchneidet, und kleine weiße Ruͤben ebenfalls mit ſchnei⸗ det oder ſtampft, und ſie mit dem Kartoffelkraute zugleich verfuͤttert. Von den Kohlruͤben und Runkelruͤben kann man um Michaelis die Blaͤtter ziemlich ſtark abblatten, ſo auch vom Kohl, wo man ihn anbauet. Hat man weiße Ruͤ⸗ ben angebauet, ſo faͤngt man, wenn dieſe Blaͤtter und das Kartoffelkraut verzehrt ſind, an, dleſe nach und nach auszuziehen, und verfuͤttert ſie mit Strohhaͤckſel. Bei dem Einbringen der Ruͤben und des Kohls er⸗ haͤlt man zuerſt das Kraut zum Futter; nachher kommt erſt der Kohl ſelbſt an die Reihe, dann welße Ruͤben, endlich Kohl, Runkel, und Mohrruͤben. Die Kartoffeln hebt man bis zuletzt auf, weil ſie ſich am beſten halten. Mit dem Anbau des Klees und der Wicken richte man ſich ſo ein, daß man in guten Jahren etwas davon trocknen und zu Heu machen kann. Haͤtte man auch gleich Wieſenheu, ſo wird man jenes beſſere Kleeheu ſehr gut zur Aufzucht junger Thiere brauchen koͤnnen. Oder man ſpart es uͤber und hebt es fuͤr ſolche Jahre auf, wo irgend ungluͤckliche Witterung ein oder das andere Futtergewaͤchs zum Mißrathen bringt. Das ſaͤmmtliche gewonnene Wieſenheu, auch das gute Stroh, wie z. B. das mit Klee durchwachſene Gerſten⸗ eks ab: Nonats. . Am ſellade ſchnei⸗ ugleich man ſo auch he Ri⸗ er und d nach er⸗ kemmt Ruͤben, dartoffeln halten. in richte z davon an auch heu ſeht Oder eauf, andere 9s gute Gerſten⸗ 5 1 147 ſtroh, ferner Wicken, und Erbſenſtroh, theilt man ſo ein, daß man den ganzen Winter durch taͤglich etwas neben den Wurzelgewaͤchſen geben kann. Man verfuͤttert beides, Heu und Wurzelgewaͤchſe, vorthetlhafter, und es iſt dem Viehe gedeihlicher, wenn es immer von beiden etwas be— koͤmmt. Die Wurzelgewaͤchſe allein ohne Heu oder das eben genannte Stroh, bekommen den Thieren nie ſo gut. Die Freßluſt erhaͤlt ſich beſſer bei thnen, und bei Kuͤhen hilft etwas Heu neben den ſaftigen Wurzeln noch, daß die Butter wohlſchmeckender wird. Es verſteht ſich von ſelbſt, daß ich hier Gegenden im Sinne habe, die Wieſenheu ernten, wenn ich dieſen Rath gebe, daſſelbe mit den Wurzelgewaͤchſen zugleich zu verfuͤttern. Daraus folgt ſtaber noch nicht, daß man ſchlechterdings Heu neben Kartoffeln oder aͤhnlichen Ge⸗ waͤchſen geben muͤſſe. Man kann auch recht gut alles Rindvieh mit bloßem Stroh und Wurzeln durchwin— tern: man muß ihm aber dann von letzteren mehr geben, als man bei Heu noͤthig hat. Sehr wichtig iſt es fuͤr jede Wirthſchaft, daß man gleich im Herbſt einen Ueberſchlag macht, wie man ſein Futter eintheilen muß, um reichlich bis zur gruͤnen Fut⸗ terung damtt auszureichen. Um dies zu koͤnnen iſt aber freilich noͤthig, daß man befolgt hat, was ich uͤber das nothwendige und nuͤtzliche Anſchreiben geſagt habe. Ein ſolcher Ueberſchlag macht ſich ſehr leicht, und man braucht, um dies zu koͤnnen, kein großer Rechen⸗ meiſter zu ſeyn. Man muß dann aber auch nach dem — —— 1 5 A 1 1 * — —— — — —. — ——— 148 Ueberſchlage das Futter taͤglich heraus geben. Das Heu bindet man, und zu den Kartoffeln oder uͤbrigen Wur⸗ zeln ſchaft man ſich Koͤrbe, von denen man weiß, was ſie halten. Geſetzt: die Abfaͤlle an Blaͤttern, der Spoͤr⸗ gel und die kleinen weißen Nuͤben reichten fuͤr das Vieh den Oktober durch, ſo nehme ich zu Ende dieſes Monats den Kalender zur Hand und zaͤhle nach, wie viele Tage noch bis zum 20. Mait ſind, und ich werde finden, daß gerade 200 Tage heraus kommen. Ich will annehmen, es habe jemand folgendes Vieh: 4 Pferde, 3 Ochſen, 9 Kuͤhe, und 3 Stuͤck Jungvieh. An Futter habe er geerntet: 16 Fuder Heu à 15 Centner. 240 Ctner. 25 Wispel Kartoffeln oder. 600 Scheffel. 12 ½— Kohlruͤben oder. 3 300— ſo kann er ſeinem Viehe den ganzen Winter durch fol—⸗ gendes Futter geben: Auf ein einzelnes Pferd taͤg⸗ lich 1o Pfd. Heu, auf 4 Pferde taͤglich 40 Pfd., betraͤgt auf 200 Tage 72 Ctner. 80 Pfd. Heu. Auf einen Ochſen taͤglich 8 Pfd. Heu, auf 3 Ochſen taͤglich 24 Pfd. betraͤgt auf 200 Tage 43— 70— 116 Ctner. 40 Pfd. 149 Ha 116 Ctner. 40 Pfd. Vun, Auf eine Kuh täͤglich 5 Pfd. was Heu, auf 9 Kuͤhe taͤglich 45 Pfd. poe betraͤgt auf 200 Tage 81— 90— gieh Auf 3 Stuͤck Jungvieh ſo viel nats wie auf 2 Kuͤhe, taͤglich 10 Pfd. dage Heu 18— 20— daß 216 Ctner. 40 Pfd. Es bleiben bei dieſer Futterung 24 Ctner. Heu uͤbrig, Vieh: die aber nothwendig fuͤr die Pferde bei naſſer Witterung im Sommer, dann auch fuͤr den Monat October ge⸗ braucht werden, in welchem die Pferde ihr volles Heu erhalten muͤſſen. Das Rindvieh wuͤrde nun von den Wurzelgewaͤchſen neben dem ſchon berechneten Heu taͤglich erhalten koͤnnen: tner. Ein Ochſe 3 Metzen Kartoffeln, betraͤgt Scheffel auf 3 Ochſen in 200 Tagen 112 Scheffel. — V Eine Kuh taͤglich 4 Metzen, betraͤgt auf h ſol⸗ b 9 Kuͤhe in 200 Tagen 450— Drei Stuͤck Jungvieh gleich 2 Kuͤhen, alſo taͤglich 8 Metzen 100— 662 ⅝ Scheffel. . An Wurzelgewaͤchſen behaͤlt man alſo uͤbrig 237 ½ Heu. Scheffel. Rechnet man von dieſen die Saatkartoffeln mit 40— 50 Scheffel ab, ſo wird man die uͤbrig blet⸗ denden wohl fuͤr die Schweine und die Hauswirthſchaft brauchen. Es iſt unglaublich, welche Vortheile man ſich dadurch — 4 1 4 58* 5 3 4 ——— ———— —— 5 — 150 verſchaft, wenn man gleich im Herbſt einen ſolchen Ue⸗ berſchlag macht. Wird jedem einzelnen Stuͤcke auf die ganze Winterzeit jeden Tag nur eine unbedeutende Klei⸗ nigkeit mehr gegeben, ſo beträgt es auf 200 Tage und das ganze Vieh erſtaunlich viel. So koͤnnte man hier den Ochſen und Kuͤhen taͤglich recht gut 1 Metze fuͤr das Stuͤck mehr geben, und ſie wuͤrden noch nichtz zu ſtark gefuͤttert. Es waͤren dazu aber, das Jungvieh mit ge⸗ rechnet, noch uͤber 7 Wispel Wurzelgewaͤchſe noͤthig, die eine Wirthſchaft nach unſerm Beiſpiele nicht miſſen kann, wenn ſie ſich ihre noͤthigen Schweine erziehen und maͤſten ſoll. Die hier angenommene Futterung iſt keinesweges als eine ſolche zu betrachten, die ich fuͤr beſonders vortheilhaft halte. Bet den Pferden reicht das Heu allein bet weitem nicht zu, ſondern ſie muͤſſen Kornfutter nebenbei erhalten. Ich wollte nur ein Beiſpiel von einer Futterberechnung und Futtereinthetlung geben. Das fuͤr Ochſen und Kuͤhe angeſetzte Futter iſt fuͤr das gewoͤhnliche Landvieh ſchon an⸗ ſehnlich genug, und ich wuͤnſche jedem Landmanne Gluͤck, der es dahin gebracht hat, ſeinem Rindviehe ein ſolches Futter geben zu koͤnnen. Kleinere Kuͤhe werden dabet ſehr gut milchen, und die Ochſen Kraft zu Arbeit haben. Waͤre in einer Gegend aber vorzuͤglich ſtarkes Vieh, ſo muͤßte es mehr erhalten, wenn es eine reichliche Nu⸗ tzung gewaͤhren ſollte. Ihr ſehet hieraus, wie viele Wurzelgewaͤchſe zu einer ſolchen Winterfutterung gehoͤren. Ihr muͤßt aber beden⸗ 151 ken, daß darum doch keine große Flaͤche Landes dazu er⸗ forderlich iſt, 9o0 Schfl. zu ernten. Bei ziemlich gutem Boden, guter Duͤngung und Bearbeitung erntet Ihr dieſe Menge von 9 Morgen. Mit dein angeſetzten Heu der 240 Ctner., wuͤrdet Ihr lange nicht ſo viel ausrichten, als mit dieſen Wurzelgewaͤchſen, und Ihr wuͤrdet wenigſtens 16 Morgen Wieſen dazu abernten muͤſſen. Laßt alſo immerhin den Futterbau Muͤhe und Arbeit verurſachen. Wie reichlich wird ſie nicht belohnt!—— Bedenkt nur: neun fletßig angebauete Morgen Kartoffeln oder Kohlruͤben geben ſo viel Futter wie 20— 26 Mor⸗ gen Wieſen! Und dies Futter koͤnnt Ihr auf ſolchen Grundſtuͤcken bauen, die auf keine Weiſe in Wieſen zu verwandeln ſind. Habt Ihr es dahtn gebracht, das Vieh im Sommer wie im Winter reichlich fuͤttern zu koͤnnen, ſo wer⸗ det Ihr gern damit arbeiten: denn es hat Kraft und Muth zur Arbeit. Ihr werdet beim Verkauf eines uͤber⸗ fluͤßtges Stuͤckes einen anſehnlichen Thaler Geld loͤſen; Eure Weiber werden Euren Tiſch hinlaͤnglich mit Mtlch, Butter und Kaͤſe verſorgen, ja ſie werden wohl noch manche baare Einnahme davon haben, fuͤr die ſie kleine Beduͤrfniſſe in der Haushaltung beſtreiten koͤnnen. Am wichtigſten wird aber der Vortheil fuͤr Euch ſeyn, der Euch aus der Vermehrung und Verbeſſerung des Miſtes erwaͤchſt. Durch Sommerſtallfutterung und durch Wurzelgewaͤchsbau erhaltet Ihr in etnigen Jahren gewiß das doppelte an Miſt. Koͤnnt Ihr aber doppelt 152 duͤngen, ſo werdet Ihr auch doppelt ernten. Durch ſol⸗ chen fetten Miſt koͤnnt Ihr auch diejenigen Felder zum Futterbau geſchickt machen, die von Natur zu ſchlecht dazu ſind. m Durch die reichliche und tzu allen Zeiten gleich blei— ſt bende Futterung werdet Ihr Euch vor Ungluͤcksfaͤllen bet n Eurem Viehe ſichern. Die Beſchaͤdigungen der Feld⸗ R fruͤchte, welche zeither durch das Weidevieh verurſacht wurden, werden wegfallen und Ihr koͤnnt Holz und Ar⸗ ne beit an den vielen Zaͤunen erſparen, die Ihr wegen des T Weideviehes unterhalten mußtet. Fti tt, n Einige allgemeine Regeln der Viehzucht und Viehhal— ſ tung, anwendbar fuͤr alle Hausthiere. S 1)„Man fuͤttere das Vieh das ganze Jahr durch gleichmaͤßig.“ Ich habe dieſe Regel ſchon im.„ Vorigen Beiſpielsweiſe erwaͤhnt. Jetzt will ich noch weit⸗„ laͤuftiger daruͤber ſprechen.„ Der meint es nicht gut mit ſeinem Viehe, der vor Gewalt fuͤttert, ſo lange er große Futtervorraͤthe hat, c und dann wentg giebt, wenn das Futter knapp wird. dl Dieſen Fehler begehen gewoͤhnlich Dienſtboten im Herbſt 1 und Anfange des Winters, ſo lange ſie uͤberall Futter in Huͤll' und Fuͤll' wahrnehmen. Nichts iſt ſchaͤdlicher, als eine ſolche Unordnung, ſo 153 wohl fuͤr die Nutzung des Viehes, als auch fuͤr ſeine Ge⸗ ſundheit. Auch wenn man nicht, wie in dem angefuͤhr⸗ ten Beiſpiele der Futterberechnung, ſein Vteh im Som⸗ mer im Stalle fuͤttert, ſo muß man doch immer einen ſolchen Ueberſchlag nach der Ernte machen, um zu wiſſen, wie viel man taͤglich das ganze Jahr durch geben kann. Rechnet man auf die Weide, ſo thut man immer beſſer, man richtet ſich auf einen ſpaͤten Fruͤhling eln. Behaͤlt man auch einmal Futter uͤbrig, ſo wird man es immer vortheilhaft verbrauchen koͤnnen. Denn oft folgt auf zeltige, ſchoͤne Witterung im Fruͤhlinge nach einiger Zeit wieder ſo unfreundliches Wet⸗ ter, daß es dem Viehe gewiß ſehr gut bekoͤmmt, wenn man ihm etwas im Stalle geben kann. Es ſollte alſo jeder Wirth, der ſein Vieh austreibt, auf einige Vorraͤthe an Stroh und Heu halten, um ſich in Nothfaͤllen helfen zu koͤnnen. 2)„Beobachte in der Futterung deines „Viehes eine gewiſſe Ordnung nach der Zeit, „und gieb ihm ſein Futter einen Tag wie den „andern zu gleichen Stunden.“ Das Vieh muß nicht allein freſſen, ſondern es muß nachher auch das verzehrte Futter ordentlich verdauen, ſoll es ihm anders recht zu Gute kommen. Daher muͤſ⸗ ſen von einem Futter zum andern einige Stunden Zett verſtreichen, in welchen die Verdauung vor ſich gehen kann. Je ordentlicher und regelmaͤßiger alles, Freſſen, Saufen und das Verdauen erfolgt, deſto vortheilhafter ——:—“— 154 wird das Vieh das Futter verzehren. Hierin liegt die ganze Kunſt, mit wenigem Futter viel auszurichten. Im Winter wauͤrde z. Beiſpiel das Rindvieh folgen⸗ dermaaßen zu fuͤttern ſeyn: Von ſechs— ſieben Uhr erhielte es ſein Morgen⸗ futter in zwel Portionen. Dann laͤßt man es in Ruhe bis gegen eilf Uhr, wo es vorher getraͤnkt und nachher wieder gefuͤttert wird. Abends um fuͤnf Uhr wuͤrde es wieder getraͤnkt und erhielte ſein Nachtfutter. Zu den— ſelben Stunden kann man auch die Schaafe im Winter fuͤttern. Bei den Pferden muß aber fruͤher angefangen werden, auch muß man des Abends laͤnger fuͤttern, weil ſie langſamer freſſen und in der Regel am Tage arbeiten. Aber dteſelbe Regel muß auch bei ihnen beobachtet werden: ſie muͤſſen alle Tage zu gleichen Stunden an—⸗ und abgefuͤttert werden. Den habe ich immer fuͤr einen ſchlechten Knecht gehalten, der den Pferden den ganzen Tag Futter einſchuͤttete, ſo oft ſie die Krippe leer hatten. Man muß die Pferde daran gewoͤhnen, daß ſie ihr Mor⸗ gen⸗Mittag und Abendfutter hinter einander weg freſ⸗ ſen, und dann muͤſſen zwiſchen jedem neuen Futter meh— rere Stunden verſtreichen, in welchen ſie verdauen koͤnnen. Es iſt daher den Dienſtboten nie zu geſtatten, einmal fruͤh um fuͤnf Uhr, das andere Mal um ſieben Uhr mit dem Fuͤttern anzufangen. Wie man die Futterungszeiten einmal beſtimmt hat, ſo muͤſſen ſie auch immer richtig gehalten werden. Ich weiß aus vieljaͤhriger Erfahrung, wie nuͤtzlich eine ſolche regelmaͤßige Einrichtung bei der 1 4 14 4 N 1 1 1 A 5 1 n E 5 1 * 1 I 6 1 1 NN 4 86 5 3 3 L— 8 * 1 1 — —y— ———— —— — — ————— ——————— —————————— die 185 Viehhaltung iſt. Am allerpuͤnktlichſten muß Maſtvieh gefuͤttert werden. 3)„Halte dein Viehſo reinlich als moͤglich.“ Das fleißige Putzen iſt das halbe Pferdefutter, ſagt man im Sprichwort und welchem Landmanne ſollte es unbekannt ſeyn, wie nuͤtzlich das Reinhalten der Haut für das gute Gedeihen der Pferde iſt? Man glaube aber ja nicht, als ſey die Reinlichkeit nur bei den Pferden nothwendig; ſie iſt faſt eben ſo wichtig bei den andern Thieren. Das Rindvieh ſollte man noͤchentlich ebenfalls ein paar Mal ſtriegeln, und taͤglich die Haut mit Strohwi⸗ ſchen reiben laſſen. Man wende mir nicht ein, daß es dazu an Zeit fehle. Einen Ochſen oder eine Kuh zu ſtriegeln, welche einmal daran gewoͤhnt ſind, iſt eine ſo leichte Arbeit, daß ſie ein zehn bis zwoͤlfjaͤhriger Knabe recht gut verrichten kann. Solche Kinder wiſſen oft kaum, womit ſie die Zeit hinbringen ſollen, und verfallen aus Langerweile auf dumme Streiche. Gewoͤhnlich ſind ſie gern beim Viehe. Sorgt der Vater fuͤr gutes Futter, ſo daß Kuͤhe und Och⸗ ſen in guten Umſtaͤnden ſind, ſo wird ſich der kleine Sohn damit gegen ſeine Kameraden etwas wiſſen, daß ſeiner Eltern Vieh beſſer iſt, als anderer Leute. Er wird es gewiß gern woͤchentlich ein paar Mal ſtriegeln, um es vollends recht gut ausſehend und glatt zu machen, wenn die Eltern es nur verſtehen, Kinder mit Ernſt und Liebe zur Arbeit anzuhalten. Außer dem Reinhalten der Haut 156 gehoͤrt zur Reinlichkeit bei der Viehhaltung auch das ſorg⸗ faͤltige Auswiſchen der Krippen vor jedesmaligem Ein⸗ ſchuͤtten neuen Futters. Ferner gehoͤrt dazu die moͤglichſte Sorgfalt fuͤr ein trockenes und weiches Lager der Thiere. Bei gruͤner und ſaftiger Futterung wird, zumal bet Mangel an Streuling, das taͤgliche Ausmiſten ſehr dienlich ſeyn. Zur Befoͤrderung der Reinlichkeit gehoͤrt endlich, daß man den Viehſtall zuweilen von allem Staube und Spin⸗ nengewebe ſaͤubere, welches ſich an der Decke oder den Waͤnden anzuſetzen pflegt. Man laͤßt zu dem Ende das Vteh auf den Hof und nimmt einen Beſen mit langem Stiele, mit welchem man alles abfegt und dann die Krippen wieder ſorgfaͤltig auswiſcht. Durch Entfernung alles Staubes und Spinnengewebes verhuͤtet man nicht nur, daß der Staub den Thieren nicht auf den Leib faͤllt, ſondern auch Feuersgefahr. 4)„Sorge fuͤr einen ſolchen Viehſtall, der „im Winter das Vieh vor der Kaͤlte ſchuͤtzt, wo „man aber im Sommer ſtets friſche Luft ein⸗ „laſſen kann.“ Sagt nicht, lieben Landleute: wie ſollen wir bei unſern Umſtaͤnden neue Staͤlle bauen?—— das iſt ganz und gar nicht nothwendig. Aus Euren alten Staͤllen koͤnnt Ihr Euch ſelbſt ſolche machen, die fuͤr die Geſund⸗ heit Eurer Thiere zutraͤglich ſind. Eure jetzigen Staͤlle haben gewoͤhnlich den Fehler, daß ſie im Winter zu kalt, und dagegen im Sommer zu ein⸗ janz len und⸗ iler, er zu 157 warm ſind. Erſteres ruͤhrt daher, weil die Waͤnde ent⸗ weder gleich zu duͤnn gemacht ſind, oder weil der Lehm nach und nach wieder abgefallen iſt; und luftig ſind ſie nicht im Sommer, weil es dazu an gehoͤrigen Oefnungen fehlt. Die meiſten Staͤlle ſind nur von einer Seite ge⸗ kleibt, und nur ſelten ſind die Lehmfächer inwendig voͤllig ausgefuͤllt. Daher ſind die Waͤnde voller feiner Ritzen, durch welche die Kaͤlte eindringt. Die Decken ſind eben⸗ falls nicht feſt. Sie ſind gewoͤhnlich mit Stangen oder Latten belegt, auf welche Heu oder Stroh geſchichtet wird. Iſt aber gerade keines vorraͤthig, oder es iſt zum Theil verfuͤttert, ſo ſchlaͤgt von oben eine gewaltige Kaͤlte auf das arme Vieh. Beide Fehler koͤnnt Ihr ſehr lelcht und mit gerin— gen Koſten abhelfen. Iſt die Lehmwand zu duͤnn, ſo ſchaft Lehm an und nagelt inwendig ſchwache Latten dicht an einander, und werft die Zwiſchenraͤume mit Lehm aus. Ohne ſolche Latten wuͤrde der friſch angeworfene Lehm auf dem trocknen nicht halten, ſondern immer abfallen. Dadurch wird die Wand ſo dick werden, daß ſie einen ſehr ſtarken Froſt abhalten kann. Mit der Decke macht es eben ſo. Spaltet ſoge⸗ nanntes Schaalholz, belegt die Balken auf der geſpaltenen Seite dicht damit, und ſchlagt die obern runden Seiten mit Lehm aus, ſo daß auch oben eine ebene Flaͤche ent⸗ ſteht. Dadurch werdet Ihr uͤber Eurem Viehſtalle eine reinliche Decke bekommen, die den Stall im Winter warm haͤlt, und durch welche nicht Heu und Stroh von oben 158 herab in den Stall herunter haͤngen, wie bei einer bloßen Lattendecke, wodurch ſo leicht Feuer enſtehen kann, wenn Ihr des Abends mit der Laterne in den Stall geht. Beide Veraͤnderungen an Euren Staͤllen werden Euch in dieſer Art wenig baares Geld koſten. Die Ar⸗ beit koͤnnt Ihr ſelbſt verrichten und nur das Holz wuͤrdet Ihr kaufen muͤſſen, wenn Ihr nicht ſelbſt es haͤttet. Wie man aber die Staͤlle fuͤr den Sommer luftig machen kann, dabdurch, daß man in den obern Lehmfaͤ⸗ chern einander gegenuͤber ſtehende Luken anbringt, habe ich ſchon fruͤher angegeben. Glaubt mir, lieben Freunde, man ſtellt ſich eine ſolche Abaͤnderung oft ſehr ſchwer vor, weil man wohl zwanzig Jahre lang die Sache ſo ſah und ſich dadurch ſo daran gewoͤhnte. Aber verſucht es; nehmt eine ſolche Arbeit mit Huͤlfe einiger Verwandten in den langen warmen Tagen vor der Ernte vor, und Ihr werdet Euch wun⸗ dern, wie viel Ihr ausrichten werdet, wenn Ihr es ernſt⸗ lich angreift. Bei der Gelegenheit muß ich Euch noch auf eine andere Abaͤnderung in Euren Staͤllen aufmerk⸗ ſam machen, die dann nothwendig werden duͤrfte, wenn das Vieh recht reichlich ſaftiges Gruͤnfutter im Stalle erhaͤlt. Es wird ſich in dieſem Falle nemlich die Jauche ſo anhaͤufen, daß alles Einſtreuen kaum helfen wuͤrde, wenn man der Jauche nicht Abfluß verſchafft. Dies iſt aber auf eine leichte Art ſo zu bewerkſtelligen: Man bringt zuerſt allen Miſt und alle gute Erde ſorgfaͤlttg aus dem Stalle. Dann ehnet man mit Schippe M 3 . 55 —(— 1 ———— oßen henn den Ar, det iſtig wfäͤ⸗ habt ſche näig aran Arbeit zrwen wun⸗ eenſt noch merde wenn häͤl. ſo enn aber Erde hiye 159 und Radehacke den Stall ſo, daß die Thiere mit den Vorderfuͤßen hoͤher, wie mit den Hinterfuͤßen zu ſtehen kommen. Beſtaͤnde der Grund aus Thon, ſo wuͤrde er feſt genug werden. Waͤre er aber ſandig, ſo wuͤrde man den Stall mit recht kleinen Steinen abhaͤngig pflaſtern muͤſſen. Hinter den Staͤnden des Viehes legt man eine Rinne an, in welche ſich die Jauche hinunter ziehen kann. Dieſer Rinne giebt man das Gefaͤlle nach dem Hofe zu. Dicht an der Schwelle auf dem Hofe graͤbt man ein Loch, ſo groß, daß ein altes Bierviertel oder ein anderes Faß ganz hinein geht, in welches man die Jauche aus dem Stalle unter der Schwelle durch leitet. Den Grund einer ſolchen Grube, wohin man ein Faß ſetzen will, ſchlaͤgt man mit Lehm aus. Gut iſt es auch, wenn man die Oefnung zwiſchen dem Faſſe und der Grube mit Lehm dicht ausſchlaͤgt, damit ſich die Jauche nicht in die Erde zieht, wenn das Faß entzwei gehen ſollte. Auf die Oefnung des Faſſes paßt man einen guten Deckel auf, damit kein Thier hinein treten kann, und ſchoͤpft die Jauche zum Begießen des Miſtes, oder zur Duͤngung der Grasplaͤtze in dem Garten heraus, ſo oft ſie ſich anhaͤuft. 5). Eine fuͤnfte wichtige Regel der Viehzucht iſt: willſt du ſchoͤne große Thiere erziehen, ſo laß ſie das gehoͤrige Alter erreichen, ehe du ſie anſpannſt oder beſpringen laͤßt. Nichts iſt ſchaͤdlicher als das zu fruͤhe Anſpannen junger Pferde oder Ochſen. Ich will nicht ſagen, daß 160 ein Bauer ſo lange damit warten ſoll, als ein großer Guthsbeſitzer. Weil er mit allen Thieren entweder ſelbſt arbeitet, oder doch unter ſeinen Augen mit arbeiten laͤßt, welches in einer großen Wirthſchaft nicht immer angeht, und weil er leichtere Arbeiten hat, als ein großer Guths⸗ beſitzer, ſo kann er junge Zugthiere immerhin etwas fruͤ⸗ her anſpannen, wie dieſer, aber vor Ende des dritten Jahres ſollte man weder von einem Fohlen noch Stiere ernſtliche Arbeit verlangen. Ich weiß wohl, daß es immer mehr koſtet, je laͤn⸗ ger man ein junges Thier muͤßtg gehen laͤßt. Aber dieſe vermehrten Koſten ſind doch nur als eine Erſparniß an⸗ zuſehen, indem ein Thier einen immer hoͤhern Werth er⸗ langt, je groͤßer es waͤchſt. Daher muß man ſich lieber ſo lange zu behelfen ſuchen, und ein ausgedientes Zug⸗ thier ein Jahr laͤnger halten, damit das junge ſein Wachs⸗ thum groͤßtentheils vollende. Iſt ein junges Pferd oder ein Ochſe erſt, wie man ſagt, in den Haufen getrteben, ſo wird nie was rechts daraus. Es wird bald wieder unbrauchbar und man hat nie eine rechte Stuͤtze im Zuge an ihm. Verkauft man ein ſolches Thtier, ſo bekommt man wenig dafuͤr und es frißt doch daſſelbe Futter, wie ein ordentlich ausgewachſenes. Daher glaube ich, iſt keine Erſparung beſſer angewendet, als wenn durch ſie es moͤg— lich wird, ein junges Thtier ein Jahr laͤnger zu fuͤttern, ehe man es zum Zuge gebraucht. Eben ſo iſt es mit Ferſen, die man zu fruͤh zum Bullen laͤßt. Wird eine ſolche im zweiten Jahre beſprun⸗ gen, großet ſelbſt läͤßt, geht, uths⸗ fruͦ itten tiere laͤn dieſe jan⸗ her⸗ Keder 8 Jug⸗ Wachs d oder Krieben, wieder n Joge kommt r, wie kelne moͤg' ütteen, ih un V heſprun gen⸗ —— B—O——————— 161 gen, ſo wird ſelten eine ſtarke, viele Milch gebende Kuh daraus, laͤßt man ſie aber erſt im dritten Jahre beſprin⸗ gen, ſo erlangt man zwar ein Jahr ſpaͤter erſt eine Kuh, aber dafuͤr auch eine ſolche, die das Futter durch ihre Mllch reichlich bezahlt. So lange freilich das Rindvieh ganzer Gemeinden zuſammen gehuͤtet wird, und die Bullen immer unter der Heerde bleiben, hat man es nicht in ſeiner Gewalt, das zeitige Zukommen der Ferſen zu verhuͤten. Nur wer ſein Vteh immer im Stalle hat, kann die beſte Zeit aus⸗ waͤhlen, wenn er eine junge Ferſe zum Bullen bringen will. 6).„Halte vor allem das junge Vieh gut, und fuͤttere es in den erſten Lebensjahren reich⸗ lich.“ Gegen dieſe Regel wird ſehr oft geſuͤndiget. Man glaubt, weil das ſogenannte ledige oder guͤſte Vieh nicht zieht und keine Mllch giebt, ſo braucht es auch nicht viel Futter zu bekommen. Das junge Vieh haͤlt ſich doch, ſagen die mehreſten, wenn es nur halbwege was zu freſſen hat. Nur die groͤßte Futternoth kann eine ſolche Aufzucht des jungen Viehes entſchuldigen. Denn wenn der Land⸗ mann ſo wenig Futter hat, daß er kaum ſein Arbeitsvieh und das Nutzvieh erhalten kann, welches ihm zu ſetner eigenen Speiſung nothwendig iſt, ſo kann er freilich nicht auf laͤngere Zeiten vor ſich ſehen, ſondern muß nur ſeine Beduͤrfniſſe auf heute befriedtgen. In allen andern Faͤllen kann man aber nicht ver⸗ II. f 21 162 kehrter handeln, als wenn man das Vieh in den erſten Lebensjahren vernachlaͤßigt. Gerade in der fruͤheſten Ju⸗ gend brauchen die Thiere unſern Beiſtand vorzuͤglich, wenn ſie zu bedeutender Staͤrke und Größe gelangen ſollen. Je⸗ der Stilleſtand im Wachsthum iſt ihnen ſchaͤdlich. Iſt ein junges Thier einmal verbuttet oder verkuͤmmert, ſo hilft am Ende alles Futter nichts. Gute Landwirthe wenden ihr beſtes Futter zunaͤchſt an das Jungvieh. Sie wiſſen aus Erfahrung, daß ſie nur von vollkommen ausgewachſenen Thieren Arbeit, Mllch, Wolle— Ertrag uͤberhaupt zu ihrer Zufriedenheit erwar⸗ ten koͤnnen. Und um ſich ſolchen zu erziehen, ſcheuen ſie keinen Aufwand, welchen die Aufzucht junger Thiere noth⸗ wendig macht. Von der Pferdezucht. Ein Pferd iſt fuͤrwahr ein ſchoͤnes Thier, wenn es von Jugend auf gut gehalten wird. Das Ebenmaaß ſei⸗ ner Glieder, ſeine Munterkeit und die geſchickten Bewe⸗ gungen ſeines Koͤrpers machen, daß man es nur mit Vergnuͤgen ſieht. Als Zugthier des Landmannes iſt es gelehriger, ſchnel⸗ ler, ausdauernder und geſchickter wie ein Ochſe. Vor dem Pfluge, vor der Egge oder vor dem Wagen ge⸗ ſpannt, iſt es gleich brauchbar, vorzuͤglich aber zu weiten Reiſen weit paſſender wie ein Ochſe. erſte en Ju wenn Je⸗ Iſ ſo gäͤcht ſie Mlch, twar⸗ en ſie noth⸗ enn es aß ſei Bewe⸗ ir mit ſchnel⸗ Vor T 9* wäͤten 163 Jedoch hat ein! Pferd dieſe Vorzuͤge, Schnelligkelt und Ausdauer auf weiten Reiſen nur dann, wenn es ein verhaͤltnißmaͤßiges beſſeres Futter bekommt, wie ein Ochſe. Bei gleicher Futterung iſt ein Pferd nicht viel ſchneller als ein ſolcher, und denn hat letzterer gewiß ein beſſeres Anſehen, als ein Pferd, welches gewoͤhnliches Ochſenfut⸗ ter erhaͤlt. Da nun ſehr viele Pferde in unſern Gegen⸗ den nur ein ſolches Futter erhalten, ſo paßt auf ſie das Lob nicht, welches ich oben den Pferden ertheilte; ſie er⸗ regen durch ihren Anblick nur Mitleid und den Wunſch, daß ihr Beſitzer ſtatt vier ſolcher ſchlecht gefuͤtterten Pferde, nur zwei beſſer gefuͤtterte halten moͤchte. Es iſt darum nicht noͤthig, daß der Landmann jetzt ſeine kleinen Pferde mit einem Male abſchaffe, und groͤ⸗ ßere ankaufe, das wuͤrde ihm nicht moͤglich ſeyn, und wo ſollten auch die großen Pferde jetzt herkommen? Aber er fange an, die jungen Pferde beſſer zu behandeln, ſo, wie ich es in der Folge lehren werde. Habt Ihr Euch, meine Freunde, durch einen fleißigen Futterbau recht viel Futter verſchaft, ſo daß Ihr Eure Pferde reichlich im Stalle damit verſorgen koͤnnt, ſo werden die bei reichli⸗ cher Nahrung aufgezogenen jungen Pferde groͤßer werden als de Alten, von denen ſie gefallen ſind. Das den Pferden angenehmſte Futter ſind die Koͤr⸗ ner der Getreidearten und Huͤlſenfruͤchte. Die Wicken und ein Wickengemenge ungedroſchen zu Haͤckſel geſchutt⸗ ten, und unter andern Haͤckſel von Roggenſtroh gemengt, 164 giebt ein vortrefliches Pferdefutter, wobei ſie, neben gutem Heufutter, bei Fleiſch und Kraͤften bleiben. Im Sommer befinden ſich die Pferde bei gruͤnem Klee oder Luzerne, auch bei gruͤnen Wicken oder Gemenge, vorzuͤglich wenn es ſchon anfaͤngt Schoten anzuſetzen, ſo wohl, wie bei Koͤrnerfutter, und ſie koͤnnen bei einem ſolchen Futter eben ſo ſtark arbetten. Man muß nur die Vorſicht anwenden, daß man dieſe Gewaͤchſe nicht zu fruͤh anfaͤngt zu fuͤttern, ſondern allemal den Pferden erſt dann ſie giebt, wenn ſie Bluͤtheknospen anſetzen. Auch muß man nur allmaͤhlig von der trockenen zur gruͤnen Futterung uͤbergehen, und zuerſt das gruͤne Futter ganz kurz ſchneiden, und mit Strohhaͤckſel vermengen. Taͤg⸗ lich ſetzt man denn etwas gruͤnes Futter zu und nimmt weniger Stroh, bis man es endlich ganz weglaͤßt. Bei Beobachtung dieſer Vorſicht ſchadet ein ſolcher Wechſel des Futters ſogar ſolchen Pferden nichts, die ſtarkes Koͤrner⸗ futter bekommen haben. Kann man dieſe Gewaͤchſe, Klee, Luzerne, Wicken, oder ein Gemenge aus Wicken, Gerſte und Hafer, nicht im gruͤnen Zuſtande bezwingen, ſo mache man ſie zu Heu und gebe ſie den Pferden. Man wird dann weniger Koͤr⸗ ner fuͤr ſie brauchen, um ſie in gutem Stande zu erhal— ten, als wenn ſie ſchlechtes ſaures Heu erhielten. Dies wird Euch jedoch ſchon zur Genuͤge bekannt ſeyn. Das ſchwerſte wird immer ſeyn, von dieſen Futter— gewaͤchſen recht viel zu erbauen. Wentger bekannt duͤrfte es aber ſeyn, daß man auch im Winter die Pferde mit 165 gutem Wurzelgewaͤchſen eben ſo gut wie mit Koͤrnern erhalten e kann. Die Kartoffeln und Mohrruͤben ſind dazu am beſten. 9 Man waͤſcht ſie und giebt ſie, etwas klein geſchnitten, den Pferden roh ohne Haͤckſel. Heu muͤſſen die Pferde Nen bei einer ſolchen Futterung aber reichlich bekommen. Es nem dienet ihnen zum Ausreiben der Zaͤhne und bewahrt ſie de vor Durchfall, welchen ſie ſonſt von einer ſo waͤßrigen lu Nahrung allerdings bekommen wuͤrden. Kann man ihnen a das Heu aber neben den Kartoffeln oder Moͤhren ſo ge— ben, daß ein Pferd taͤglich acht bis zehn Pfund davon dur erhaͤlt, ſo befinden ſie ſich hierbei ſo wohl, wie bei der mie beſten Haferfutterung. lig⸗ Ihr ſeht, wie ſehr die Futtergewaͤchſe uͤberhaupt, und mmt dann vorzuͤglich die Wurzelgewaͤchſe Eure Aufmerkſamkeit d verdienen! Wie vortheilhaft der Anbau derſelben iſt! Wie dl des vieles Getreide freſſen die Pferde nicht jaͤhrlich in unſerm äütnen Lande allein?— Koͤnnen wir dies zum Theil erſparen, indem wir unſere Pferde mit anderem Futter eben ſo gut dcken, erhalten, wie viel Menſchen koͤnnen dann von dem Ge— nict tretde leben, welches die Pferde ſonſt gefreſſen haͤtten? u Hau Denn ſeht, ein Morgen Landes giebt, mit Kartoffeln Flr⸗ oder Moͤhren beſtellt, gerade noch einmal ſo viel Pferde⸗ uhe futter, als ein anderer Morgen mit Hafer beſtellt. Ich will dies ſogleich beweiſen. kant V Das muß ſchon recht guter Hafer ſeyn, wenn man Futter von etnem Morgen uͤber die Einſaat zehn Scheffel dre⸗ durſte ſchen will. Giebt man einem Pferde taͤglich drei Metzen ade mi d 166 Hafer, ſo reicht man mit dieſen zehn Scheffeln drei und funfzig Tage lang. Nehmen wir die Ernte an Kartoffeln von einem Mor⸗ gen zu ſiebzig Scheffel an, welches gar nicht viel iſt, eben⸗ falls wieder uͤber die Einſaat, und geben einem Pferde taͤglich acht Metzen Kartoffeln, ſo reicht dies fuͤr ein Pferd 140 Tage lang, faſt dreimal ſo lange, als der Hafer. Dieſes Pferd wuͤrde bei gleichem Heufutter bei acht Me⸗ tzen Kartoffeln ſich eben ſo wohl befinden, als bei drei Metzen Hafer. Es kann aber, um nach obiger Behaup⸗ tung von der Kartoffelernte eines Morgens noch einmal ſo lange Pferdefutter zu haben, als von einem Morgen Hafer, taͤglich zehn und eine halbe Metze Kartoffeln er⸗ halten, wobei es ſich maͤſten wird. Achtet ja auf dieſen Vortheil Freunde, den eine ſolche Futterung verheißt. Jetzt gebt Ihr Land fuͤr die Hofe⸗ dienſte ab. Es bedarf aber nur Eurer Aufmerkſamkeit und Eures Fleißes, um von dem Euch verbletbendem Lande mehr Vortheil zu ziehen, als Euch das ganze jetzt gebracht hat. Wo gutes Wieſenheu im Ueberfluß gewonnen wird; ferner, wo niedrig liegende Weiden zu keiner andern Be⸗ nutzung ſich ſchicken, da kann die Aufzucht junger Pferde zum Verkauf fuͤr den Landmann ſehr eintraͤglich ſeyn. Es giebt Gegenden in unſerm Vaterlande, wo recht ſchoͤne Pferde gezogen werden, wie z. B. im Havellande. Wer Pferde ziehen will, muß vor allen Dingen auf die Zuchtpferde ſehen. Der Landmann thut in der Regel und ſor⸗ en, ede erd fer. Me⸗ drei alp⸗ mal gen et⸗ ſolche Hefe amket endem e jett vwird, m Be⸗ ſfetde Es ſchoͤne den uij r N 167 beſſer, er legt es auf die Erziehung guter Arbeitspferde, weniger auf Reitpferde, an. Manche laſſen ſich deswegen verleiten, nach einem ſchoͤnen Hengſte zur Bedeckung ih⸗ rer Stuten zu ſtreben, weil zuweilen ein Reitpferd ſehr theuer bezahlt wird. Dies iſt in mancherlei Art nachthetllig. Paßt die Stute nicht zu dem Hengſt, iſt vielleicht plump gebauet, wenn dieſer feinknoͤchicht iſt, ſo wird das von einer ſolchen Paarung fallende Fohlen oft unanſehn⸗ licher erſcheinen, als die Stute. Es wird auch manche gute Eigenſchaften derſelben, nach welchen ſie ein gutes Ackerpferd war, nicht haben. Mithin wird ein ſolches Pferd nichts weniger als theuer bezahlt werden. Zu einem guten Arbeitspferde ſchickt ſich ein ſolches Pferd am beſten, welches eine breite Bruſt hat, dabet gerade nicht plumpe dickknochichte, aber doch ſtarkſehnigte gute Fuͤße, ferner ein gut abgerundetes, im Verhaͤltniß zu dem ganzen Koͤrper ſtehendes Kreutz, und ein mehr rundes als herabhaͤngendes Rippengewoͤlbe. Man ſehe ſich daher nach einem Hengſte mit dieſen Eigenſchaften um, und achte weniger auf einen kleinen, ſogenannten ſchoͤnen Kopf und auf feine Fuͤße. Eine traͤchtige Stute kann mäͤßig arbeiten bis gegen das Ende ihrer Traͤchtigkeit. Man muß natuͤrlich die Vorſicht anwenden, daß man ſie vor Schlaͤgen oder Stoͤ⸗ ßen in Acht nimmt und nicht ans Deichſel ſpannt. Sehr zutraͤglich wird es fuͤr das junge Fohlen ſeyn, wenn man der traͤchtigen Stute einige Zeit vor dem Wer⸗ fen Schroot oder Leinkuchenkraut giebt. Sie wird davon — * 1 1 4 — 1 4 ] 9 1„ 1 ¹ d 4 3 3 8 4 14 A H 1 5* — I 1 ¹ N 1 3 1 1* 17 A 1 1 5 4 8 2 9 4 1 A A 3I 4 L. 4t 168 reichliche Milch erhalten. Man thut wohl, ein ſolches Schrootſaufen der Stute neben ihrem gewoͤhnlichen Futter ſo lange fort zu geben, bis das Fohlen anfaͤngt ein we⸗ nig zu freſſen. Bet der Geburt der Stute iſt ſelten mehr zu thun, als ſie in einen Verſchlag oder beſondern Stall zu brin⸗ gen, wo ſie nicht von andern Pferden beunruhigt werden kann. Eine Huͤlfe wird ſelten dienlich ſeyn, wenigſtens muß man damit bei den Geburten der Thiere nicht ſehr ſchnell bei der Hand ſeyn. Erſt dann, wenn man ſieht, daß irgend eine ungewoͤhnliche Lage des Fohlens die Ge⸗ burt erſchwert, kann man verſuchen, daſſelbe in eine zum Ausgang geſchicktere Lage zu bringen, und immer mit großer Behutſamkeit. Iſt das Fohlen einige Wochen alt, ſo kann die Stute wieder maͤßig arbeiten. Man nehme dieſe aber vor Er⸗ hitzung bet der Arbeit in Acht, halte wenigſtens das Foh⸗ len ſo lange vom Saugen ab, bis die Stute wieder ab⸗ gekuͤhlt iſt. Laͤnger als ein Vierteljahr ſollte man ein Fohlen nicht ſaugen laſſen. Ob es gleich durch laͤngern Genuß der Mllch fleiſchicht und fett wird, ſo wird es doch dauerhaf⸗ ter, koͤrnigter, wenn man es bald mit anderem Futter naͤhrt. Damitt es nach dem Abſetzen nicht herunter komme, gewoͤhnt man es bei der Stute ſchon an das Freſſen. Die Fohlen lernen es gewoͤhnlich ſptelend an Heu oder Brod. Das beſte Futter fuͤr ein eben abgeſetztes Fohlen iſt Hafer mit recht feinem Strohhäckſel und feines, gutes 169 Heu. Im erſten Jahre ſollte man es moͤglich zu machen ſuchen, demſelben taͤglich etne halbe Metze Hafer, und ſo viel Heu, als es zur Saͤttigung braucht, zu geben. Im zweiten und dritten Jahre kann man ein Fohlen nicht nur faſt ganz ohne Koͤrner erhalten, ſondern es giebt dauerhaftere Pferde, die in diefer Zeit bei Heu und hoͤchſtens Scheunenfutter leben. Bet gutem Koͤrnerfutter wachſen ſie zwar beſſer, werden aber nicht ſo dauerhaft. Das Heu aber, welches ein junges Pferd erhaͤlt, muß denn auch ganz vorzuͤglich nahrhaft ſeyn. Ausge⸗ laugtes, auf den Wieſen ſchwarz gewordenes Heu, oder Heu von Sumpfwieſen, kann einem Thiere zwar als Ne⸗ benfutter gegeben werden, zur alletnigen Nahrung eines Fohlens taugt es aber nicht. Gutes Klee⸗- oder Luzern— auch Wickenheu und gut getrocknetes Heu von trockenen, ſuͤßen Wieſen kann allein die Koͤrnernahrung erſetzen. Im Sommer giebt man den zwei: und dreijaͤhrigen Fohlen Gruͤnfutter im Stalle. In dem Falle, daß man Weiden hat, die man nicht anders benutzen kann, bringt man die Fohlen darauf, man achte aber auf die Witte⸗ rung und den Zuſtand der Thiere. Wird das Gras knapp auf ſolchen Weiden, ſo gebe man ihnen im Stalle etwas Gruͤnfutter zu. Uebrigens halte man dieſe jungen Thiere von Jugend auf reinlich, bereite ihnen einen trock⸗ nen Sand und putze ſie fleißig. Je mehr man auf ſie haͤlt und es ihnen an nichs, weder an Futter noch an Wartung und Pflege, in dieſem Alter fehlen laͤßt, deſto beſſer wachſen ſie. —— 5————— 170 Die Hengſtfohlen laͤßt man ſchneiden, wenn ſie zwei Jahr alt ſind. Man waͤhlt dazu maͤßig warme Witte⸗ rung, am beſten im April oder Anfangs Mati. Damit man das Thier nicht durch den Schnitt einbuͤße, waͤhle man ja einen vorſichtigen nuͤchternen Menſchen dazu, ſollte er auch beſſer bezahlt werden muͤſſen. Einige Tage nach dem Schnitt muß das Thier ſehr ſorgfaͤltig in Acht genommen werden, weill dieſe Zeit eigentlich die gefaͤhr⸗ lichſte iſt. Man muß die Wunde oͤfnen, muß das Thier maͤßig bewegen, es mit dem Futter in Acht nehmen ꝛc. Gegen Ende des dritten Jahrs kann man anfangen, ein junges Pferd anzuſpannen. Man gewoͤhne es allmaͤh⸗ lig ans Ziehen, und nehme ſich dabei in Acht, daß es ſich nicht verſchtedene Untugenden angewoͤhnt. Beißen, Schla⸗ gen, Strangſchlaͤgerey, Stetigkeit ꝛc. werden den Pferden groͤßtentheils durch ungeſchickte Behandlung in der Ju⸗ gend angewoͤhnt. Man muß ein junges Thier zwar mit Ernſt behandeln— mit Spielen verdirbt man es auch— man muß es aber nicht grauſam ſchlagen oder ſtoßen, oder es gleich zum Ziehen großer Laſten gebrauchen. Im vierten Jahre kann ein Pferd bei den gewoͤhnlt⸗ chen Feldarbeiten ſchon ordentlich mit arbeiten. Soll es aber recht dauerhaft werden, ſo muß man es in dieſem Alter wo moͤglich vor langen Reiſen in Acht nehmen, und vorzuͤglich vor uͤbermaͤßigem Jagen. Iſt man ja zu einer weiten Reiſe mit ſelnen Pferden gezwungen und muß ein vierjaͤhriges Thier mit nehmen, ſo mache man oft Halt, und fahre in einem Futter nicht zu weit. 171 Da junge Pferde gewoͤhnlich etwas hitzig ſind, ſo greifen ſie ſich bet weiten Maͤrſchen uͤber die Gebuͤhr an und koͤnnen ſich eine Krankheit zuziehen. Hat es ſich aber erſt ordentlich an alle Strapatzen gewoͤhnt, und es iſt in fruͤher Jugend ſo behandelt worden, als eben gelehrt iſt, ſo dauert ein Pferd auch recht lange. Kommt kein beſonderer Unfall dazwiſchen, ſo bleibt ein ſolches Pferd bis zwanzig Jahre brauchbar. Die Aufmerkſamkeit und Schonung, die ein Landmann alſo auf ein junges Thier wendet, werden ihm durch eine ſo lange Dauer reichlich bezahlt. Ich brauche wohl kaum zu erwaͤhnen, daß zu einer ſo langen Brauchbarkeit des Pferdes außer der ſorgfaͤlti⸗ gen Aufzucht noch eine immerwaͤhrende gute Behandlung gehoͤrt. Zu dieſer gehoͤrt vorzuͤglich die hoͤchſte Reinlich⸗ keit und Ordnung beim Fuͤttern. Aber auch im Arbeiten muß man eine aͤhnliche regel⸗ mäͤßige Ordnung halten. Wenn es die Geſchaͤfte irgend zulaſſen, ſo muß alle Tage zu gleichen Stunden an, und wieder ausgeſpannt werden. Bei einer ſolchen nach Stunden beſtimmten Futte⸗ rung und einer eben ſo genauen Arbeitszeit richtet man viel aus, ohne die Pferde anzugreifen. Nichts nimmt die Pferde mehr mit, als wenn ſie zuweilen uͤbermaͤßig lange, oder ſehr ſtrenge arbeiten muͤſſen. Es hilft ihnen nicht, wenn man ſie nachher auch ganz muͤßig ſtehen laͤßt. Sie uͤberwinden eine Anſtrengung dadurch allein ſogleich noch nicht. Giebt man den Pferden ein gutes Futter, 172 ſo kann man jeden halben Tag fuͤnf Stunden ohne Un⸗ terbrechung mit ihnen arbeiten. Laͤnger ſollte man ſie aber auch nur in ſehr ſeltenen und nothwendigen Faͤllen arbeiten laſſen. Ueber alle Maaßen lieblos aber iſt es, wenn Land⸗ leute bei ihren Marktfuhren in die Stadt ſich dort hin⸗ ſetzen, wohl gar ſaufen und ſpielen und die armen Thiere indeſſen auf den Straßen ſtehen, hungern und frieren laſſen. Geht es dann nach Hauſe, ſo jagen ſolche lieder⸗ liche Wirthe gewaltig, und eine einzige ſolche Reiſe greift die Pferde ſtaͤrker an, als wochenlanges, maͤßiges Arbei⸗ ten. Sie holen ſich auf dieſe Art Krankheiten, an denen ſie fruͤh oder ſpaͤt endlich zu Grunde gehen. Von den verſchiedenen Krankheiten des Pferdes und deren Heilung ſage ich hier nichts, will aber in einem dritten Theile neben andern nuͤtzlichen Rathſchlaͤgen eine Anweiſung geben, die oft vorkommenden Pferdekrankhei⸗ ten zu erkennen und zu heilen, wenn ich hoͤre, daß dieſer zweite Theil dem lernbegierigen Landmann gefaͤllt. Beſſer iſt es immer, jeder befolgt die hier angegebenen Regeln zur guten Futterung und Wartung der Pferde, wodurch den mehreſten Krankheiten derſelben vorgebeugt wird. Dies iſt immer leichter, als eine entſtandene Krankheit heilen. A 1 f 5 1 9 8— l—— 2 5 2 2 173 Von der Rindviehzucht. So nuͤtzlich die Pferde dem Landmann als Zugvieh ſind und ſo viele Freude dieſe herrlichen Thiere demjeni⸗ gen gewaͤhren, wer ſie von Jugend auf ordentlich fuͤttert und wartet, ſo muß man doch zugeben, daß das Rind⸗ vieh noch nuͤtzlicher iſt. Ja man thut kaum zu viel, wenn man ſagt, es iſt dem kleinen Landwirthe, dem Beſitzer einiger Hufen, ganz unentbehrlich. Die Pferde haͤlt man der Ackerarbeiten wegen; durch ſie wird es moͤglich, Ertrag vom Acker zu ziehen. Ihrer koſtbaren Unterhaltung wegen ſchraͤnkt ſich ein jeder mit ihnen ein, und haͤlt ſo wenig, als moͤglich, weil ſie, im Grunde betrachtet, bei der Landwirthſchaft ein nothwen⸗ diges Uebel ſind. Ganz anders iſt es dagegen mit dem Rindvieh. Mit dieſem kann man den Acker ſo gut, wie mit den Pferden beſtellen, außerdem aber liefert es Milch, Butter, Kaͤſe und Fleiſch in die Haushaltung. Was haͤttet Ihr wohl fuͤr ein Labſal im Sommer, wenn Ihr nicht die kuͤhlende, wohlſchmeckende Milch haͤt⸗ tet? Vergeht wohl im ganzen Jahre ein Tag, wo der Landwirth nicht etwas auf ſeinen Tiſch braͤchte, was er vom Rindvieh hat? Daß man mit gut gefuͤtterten Ochſen alle Feldarbei⸗ ten, ſelbſt das Eggen, verrichten kann, iſt bekannt. Aber auch kleine Reiſen kann man mit gut gehaltenen Ochſen machen, wenn es gleich mit ihnen langſamer geht. Wer⸗ 174 den die Ochſen alt, ſo kann man ſie maͤſten und theurer verkaufen, als ſie in ihrem beſten Alter werth waren; fuͤr ein ausgedientes Pferd bekommt man faſt gar nichts. Zu allen dieſen Vorzuͤgen der Ochſen kommt noch, daß ihre Unterhaltung weit wohlfeiler iſt, als die der Pferde. Mit Heu kann man einen Ochſen nicht nur in ſehr gutem Stande erhalten, ſondern er kann damit gemaͤ⸗ ſtet werden; ein Pferd iſt bei bloßem Heufutter keinesweges ein ſchoͤnes Thier. Es wird davon traͤge und unanſehn⸗ lich, verrichtet auch eben nicht mehr Arbeit als ein Ochſe. Den Miſt duͤrfen wir bei dieſer Vergleichung auch nicht uͤbergehen. Der Pferdemiſt iſt gemengt mit ande⸗ rem Miſt, oder fuͤr manche Bodenarten allein, ſehr ſchaͤtz⸗ bar. Aber fuͤr weit mehrere Bodenarten paßt der Rin⸗ dermiſt mehr als jener. Er bedarf es nicht, daß man ihm andern Miſt zuſetzt. Er iſt fuͤr ſich allein ſchon dem Lande das herrlichſte Duͤngungsmittel. Ich trage nach allen dieſen Umſtaͤnden alſo kein Bedenken, das Rindvieh fuͤr das nuͤtzlichſte Hausthier des Landmanns zu erklaͤren. Ich werde in folgendem die wichtigſten Regeln ſorgfaͤltig angeben, die bei der Aufzucht, Futterung, Wartung und Benutzung des Rindviehes zu befolgen ſind. Will man recht brauchbare junge Rinder aufziehen, Ochſen, die groß und ſtark werden, gut arbeiten und end— lich bald fett werden, und Kuͤhe, die viele und gute Milch geben, ſo muß man mehr auf die alten Thiere achten, die man zur Zucht gebraucht, als blsher geſchehen iſt. 175 heure Fehler und Maͤngel erben, wie beſondere Vorzuͤglichkeiten, zfuͤt fort. Etne gute Milchkuh zieht wieder eine gute Milch⸗ kuh, wenn man ein Ferſekalb von thr abſetzt. Es iſt dies loch, ja eine, allen Landleuten bekannte Sache, daß es bei den det Kuͤhen ganz erſtaunlich auf die Art ankommt. in V—— maͤ⸗ Ich glaube aber, man achtet zu wenig darauf, daß eges die Kuh nur den halben Antheil an den guten oder ſchlech⸗ ehn⸗ ten Eigenſchaften ihres Kalbes hat. Die andere Haͤlfte 3 erbt dieſes vom Bullen. Man wird alſo von der beſten uch Milchkuh nicht wieder eine ſolche aufziehen koͤnnen„ wenn de⸗ ſie nicht von einem Bullen beſprungen wurde, der auch itz von einer guten Milchkuh gefallen war. War die Mutter u⸗ eines Bullen eine ſchlechte Milchkuh, ſo werden alle von m V ihm gefallenen Kaͤlber etwas von dieſem Fehler erben. den So iſt es auch umgekehrt, wenn man die Abſicht nach hat, gute ſtarke Arbeitsochſen aufzuziehen. Laßt die Kuͤhe heh aber nur von einem kleinen, unanſehnlichen Bullen be⸗ en ſpringen, die Kuͤhe moͤgen dann noch ſo ſtark ſeyn, ſo ſäat werden die aus dieſer Paarung entſtehenden Ochſen im⸗ und mer etwas Fehlerhaftes von dem Bullen erben.— Die Auswahl eines guten Bullen fuͤr eine Gemeinde iſt daher eine ſehr wichtige Sache fuͤr dieſelbe. Eine ·, ſchlechte, fehlerhafte Kuh ſchadet zwar ihrem Beſitzer in d ſo fern, daß er von ihr nicht ſo viel Nutzen zieht, als 1 er koͤnnte. Ein fehlerhafter Bulle iſt aber weit ſchaͤdli⸗ cher, weil von ihm jaͤhrlich wohl 30— 40 Kuͤhe beſprun⸗ gen werden, deren Kaͤlber ſaͤmmtlich ſeine Fehler erben. ten, 176 Wenn große Gemeinden einen Bullen ankaufen, ſoll⸗ ten ſie alle mit ſorgfaͤltig erforſchen, von welcher Art er gefallen iſt. Erfahren ſie mit Gewißheit, daß er von einer milchreichen Kuh gefallen iſt, und er iſt ſonſt fehler⸗ fret gewachſen, hat auch die gehoͤrige Staͤrke, ſo muͤſſen ſie ſich einen ſolchen um jeden Preis zu verſchaffen ſu⸗ chen; keine Erſparung iſt wohl ſchlechter angebracht, als bei dem Ankauf eines Zuchtrindes. Iſt in einem Orte einmal ein ganz vorzuͤglicher Bul⸗ le, ſo muͤßte man ſuchen, von der beſten Kuh des Dor⸗ fes ein Bullenkalb von demſelben zu erhalten.. Der Beſitzer der Kuh muͤßte dann ein ſolches Kalb ausgezeichnet gut fuͤttern, wofuͤr ihn die Gemeinde durch einen guten Preis, welchen ſie fuͤr dieſen jungen Bullen bezahlen muͤßte, hinlaͤnglich entſchaͤdigte. Achtete man denn ferner bei einer neuen Aufzucht wieder darauf, daß man nur von ganz vorzuͤglichen Kuͤhen Bullenkaͤlber ab⸗ ſetzte, ſo wuͤrde man endlich eine Art Rindvieh erhal⸗ ten, die alles in ſich vereinigte, was der Landmann wuͤnſchen kann. So wie man jetzt in ganzen Gemeinden mit der An⸗ ſchaffung der Bullen verfaͤhrt, iſt es nicht moͤglich, eine gute Art Rindvieh zu erhalten. Man kauft die Bullen nur immer da, wo ſie am wohlfeilſten zu haben ſind, und erhaͤlt dann entweder verkruͤppelte, kleine Thiere, oder zu junge, die ſich ſogleich ruiniren, wenn ſie eine ſo große Heerde Kuͤhe beſpringen ſollen. Obendrein wird der Ge⸗ meinde n, ſoll Art et er von fehler⸗ nuͤſſen en ſu⸗ t, alt er Bul⸗ es Doh Kald durch Buller te man auf, daß aälber ab eh ethal andmann de An ſch, eine Bullen ſind, ke, oder ſo große der Ge melnde 177 meindebulle an vielen Orten noch ſchlecht gefuttert. Im Fruͤhjahr, wenn die mehreſten Kuͤhe rindern(ochſen), kann ein ſolches Gemeinderind kaum gehen. Bei einer ſolchen Wirthſchaft iſt an keine gute Aufzucht zu denken. Jeder Wirth in einer Gemeinde ſollte eine Ehre darin ſetzen, wenn der Bulle in dem Jahre recht gut waͤre, in welchem ihn die Reihe zu ſeiner Erhaltung trift. Wer ſein eigenes Vieh ſchlecht fuͤttert, ſchadet nur ſich, wer aber ein ſolches Gemeinderind ſchlecht haͤlt, verſuͤndiget ſich an allen ſeinen Nachbaren fuͤr mehrere Jahre. Die Vorſteher der Gemeinden, die Schulzen und Dorfgerichtsperſonen, muͤßten daher ſorgfaͤltig darauf wachen, daß die Bullen von denen gut gehalten wuͤr— den, die ſie zu fuͤttern haben. Sie muͤßten zu gewiſſen Zeiten die Bullen beſehen, und muͤßten eine Strafe fuͤr ein ſolches eigennuͤtziges Gemeindeglied feſtſetzen, das durch ſchlechte Erhaltung des Bullen das ganze Dorf in Schaden bringt. Sie möuͤßten feſtſetzen, daß derje⸗ nige ein ganzes Jahr lang nicht an den oͤffentlichen Ver⸗ ſammlungen der Gemeinde Theil nehmen duͤrfe, welcher uͤberwieſen werden koͤnnte, daß durch ſeine Schuld das Gemeinderind in ſchlechten Umſtaͤnden ſey. An manchen Orten begeht man auch wohl den Feh⸗ ler, daß man zu wenig Bullen haͤlt. Mir ſind Faͤlle bekannt, wo auf 100 Kuͤhe nur Ein Bulle gehalten wurde. Das iſt offenbar zu viel. Ueber 60 Kuͤhe kann II. 1 42 41 178 ein Bullen nicht wohl beſtreiten. Beſſer iſt es noch, wenn auf 40 bis 50 Stuͤck Kuͤhe einer gehalten wird. Vor vollendetem dritten Jahre muß man einen Bul⸗ len nicht ſpringen laſſen. Beſſer iſt es noch, wenn man ihn erſt dann, wenn er vier Jahr alt iſt, recht ordent⸗ lich gebraucht, und ein Jahr vorher ihn blos neben einem aͤltern zuweilen ſpringen laͤßt. Muß man ihn aber aus Noth gleich nach vollendetem dritten Jahre bei einer ſtarken Kuhheerde gebrauchen, ſo muß man ihm Hafer fuͤttern. Auch das zu fruͤhe Zulaſſen der Ferſen iſt ſchaͤdlich. Es laͤßt ſich aber nicht gut eine Zeit feſtſetzen, in wel— cher man ein fuͤr allemal eine Ferſe ſpringen laſſen ſollte. Es kommt ſehr darauf an, wie ſie von Jugend auf ge⸗ fuͤttert worden iſt. Iſt ſie ſehr gut gehalten worden, ſo wird ſie ſchon bei einem Alter von zwei und einem halben Jahre eine anſehnliche Groͤße erlangt haben. Iſt dies, ſo kann man ſie unbedenklich beſpringen laſſen. Bei geringer Groͤße eines ſolchen Thieres von zwei und einem halben Jahre thut man wohl, es erſt ein halbes Jahr ſpaͤter zum Bullen zu laſſen. Eine Kuh geht neun Monat oder vierzig Wochen traͤchtig. In der letzten Zeit der Traͤchtigkeit muß man ſie beſſer fuͤttern, wo moͤglich auch taͤglich einen Trank von Oelkuchen oder Kleie zu ſaufen geben. Noch wich⸗ tiger iſt die Befolgung dieſer Regel bei einer Ferſe, die zum erſten Mal kalben ſoll. Eine ſolche muß wohl acht Wochen vorher einen ſolchen Trank bekommen, damit —————.— 1.— v——— —— noch, vird. Bul⸗ man dent⸗ neben n ihn Iahre an ihm däͤdlich. wel⸗ ſollte. auf ge⸗ worden, d ainem den. Iſt laſen. vei und halbes Tochen ß man Trank wich⸗ ſe, die hl acht damſt 179 ſie ein recht ſtarkes Euter bekomme. Unterlaͤßt man dieſe Vorſicht, ſo kann man ſich eine gute Milchkuh verder⸗ ben. Zu dieſem Trank kann man auch gekochte Kar— toffeln nehmen. Hierin beſteht die ganze Kunſt, welche eine gute Wirthin zur Erlangung einer guten Milchkuh anzuwen— den hat. Sie fuͤttere ein Ferſenkalb von guter Art im⸗ mer gut, laſſe es nicht zu fruͤh beſpringen und halte nachher auf das ordentliche Traͤnken bei dem Eutern der Ferſe, damit die Milchgefaͤße(Milchadern im gemeinen Leben genannt) ſich recht erweitern, dann wird ſie ihren Zweck gewiß erreichen. Alles Fuͤttern und Eingeben ge⸗ wiſſer Kraͤuter iſt Quackſalberei! Es gehen zuweilen nichtswuͤrdige Menſchen auf den Doͤrfern herum, und bieten Mittel zum Verkauf aus, nach welchen die Kuͤhe ganz beſonders gut milchen ſollen. Bald Kraͤuter zum Eingeben, zum Raͤuchern, auch wohl zum Vergraben, unter die Schwellen. Man laſſe ſich ja von dieſen Betruͤgern nicht um ſein Geld bringen. Sie haben keine andere Abſicht als etwas zu erhaſchen, und ihr ganzer Kram iſt nur Lug und Trug, durch wel⸗ chen ſie leichtglaͤubige Leute bethoͤren. Dieſe Art Landſtreicher, welche mit ſolchen Kraͤu— tern fuͤr Kuͤhe handeln, ſuchen gefliſſentlich den Glauben an Hexerei zu erhalten, ja ſie beſtaͤrken leichtglaͤubige Menſchen noch in dieſem Wahne. Giebt eine Kuh we— nig Milch, oder will dieſe nicht leicht zu Butter wer⸗ den, wird vielleicht zu fruͤh ſauer— ſo heißt es gleich: 180 das ruͤhrt von boͤſen Leuten her. Ihr habt eine Nach⸗ barin, die hat von Euch Milch bekommen, und hat Euch dieſen Streich geſpielt. Nun bieten ſie Mittel dagegen an. Da ſoll der Stall geraͤuchert werden, in den vier Ecken ſoll dies und jenes eingegraben, und die Thuͤren ſollten bekreutzt werden. Kommt jemand in Euer Haus, und ſucht Eure Weiber durch dergleichen einfaͤltiges Gewaͤſch zu aͤngſtigen, ſo werft ihn zum Hauſe hinaus, oder fuͤhrt ihn zur Obrigkeit, damit er ſeine Strafe erhalte und einen andern Lebenswandel er⸗ greife, wo er ſich auf eine ehrlichere Art ernaͤhrt. In Eurem Kuhſtall habt Ihr gar keine kuͤnſtliche und geheime Mittel, die es ohnedies nicht giebt, anzu⸗ wenden, um Eure Kuͤhe geſund zu erhalten, und vielen Nutzen von ihnen zu ziehen. Eure eigene Vernunft muß Euch ſagen, daß eine ſolche Behandlung des Vie⸗ hes, wie ich Euch hier lehre, die natuͤrlichſte und beſte iſt. Bei einer ſolchen werdet Ihr weit ſeltener Un— gluͤcksfaͤlle haben, daß ſie aber nicht ganz und gar aus— bleiben werden, muͤßt Ihr einſehen, wenn Ihr daran denkt, daß alles Irdiſche vergaͤnglich iſt. Was kann es ſchaden, wenn jemand ein neugebohrnes Kalb ſieht, oder Milch vor Sonnenaufgang von Euch erhaͤlt?—— auf großen Guͤtern kann gar kein Kalb abgeſetzt werden, ohne daß viele fremde Menſchen es ſehen, die dort im— mer in den Kuhſtall kommen; und wenn es ſchaͤdlich waͤre, die Milch vor Sonnenauf⸗ZLoder Untergang zu verkaufen, ſo muͤßten ſolche Leute ſchon lange zu miſ⸗ 181 94 chen aukgehoͤrt haben, die ihre Milch in die Stadt ver⸗ Nre kaufen, und damit in aller Fruͤhe abgehen. 8 Dieſer und aͤhnlicher Irrthuͤmer entſchlagt Euch ganz, n meine Freunder Wenn Ihr gzegen das Vieh nur immer h das Eurige thut, es regelmaͤßig fuͤttert, wartet und w pflegt, ſo werdet Ihr Freude und Gewinn von der ſche Viehzucht haben. a zum maütr Eine Kuh, die Kraft hat, und wo das Kalb in der adela gewoͤhnlichen Lage, mit dem Kopfe auf den Vorderfuͤſ⸗ ſen, zum Vorſchein kommt, gebaͤrt leicht und am beſten ſliche ohne alle Huͤlfe. Mit dieſer muß man uͤberhaupt bei anhhe der Geburt eines jungen Thieres nicht eilig ſeyn, weil düi man durch Unvorſichtigkeit der Kuh leicht Schaden zu— dernunſ fuͤgen kann. Nur bei einer widernatuͤrlichen Lage kann des Vie man ſich der Huͤlfe eines geſchickten Hirten bedienen, und beſt der jedoch auch mehr dadurch helfen muß, daß er das nr Un⸗ Kalb in eine beſſere Lage zu bringen ſuche, und weniger zat aud⸗ mit Gewalt ziehe. t daran Nach dem Kalben kann man der Kuh zwar etwas kann es Mehltrank von verſchlagenem Waſſer reichen, man gebe h,’de ihr aber ja nicht zu viel mit Einem Male. Ein Eimer — auf voll waͤre ſchon ſchaͤdlich. Unerfahrne Maͤgde glauben— terden/ zuweilen einer Kuh eine rechte Guͤte zu thun, wenn ſie ert ime ihr recht viel zu ſaufen geben. Dies muß man ja choͤdlch verhuͤten. gang zu Will man das Kalb abſetzen, ſo hat man zwei Ar⸗ u mi ten. Entweder man laͤßt es vier Wochen an der Kuh 182 ſaugen, oder man nimmt es gleich weg und traͤnkt es mit Milch auf. Die erſte Art, und zwar die gewoͤhnlichſte in unſern Gegenden, hat das Unangenehme, daß Kuh und Kalb ſich ſehr abquaͤlen, wenn ſie ſo ſpaͤt von einander ge⸗— bracht werden, und daß ſich die Kaͤlber leicht uͤberſaugen und davon krank werden. Um dies zu verhuͤten, nimmt man der Kuh das Kalb gleich nach der Geburt und gewoͤhnt es ans Sau⸗ fen, welches um dieſe Zeit wenigſtens eben ſo leicht geht, als nachdem es vier Wochen an der Kuh getrun⸗ ken hat. Im erſten Anfange laͤßt man es auf die be⸗ kannte Art an einem Finger ſaugen, den man in die warme Kuhmilch haͤlt. Denn Erſparung muß man nicht dabei machen wollen. Das Kalb muß dieſelbe Milch von der Kuh erhalten, die es ſich ſelbſt wuͤrde geſogen haben, wenn man es bei der Kuh gelaſſen haͤtte. Ja, um ein ganz vorzuͤgliches Thier aufzuziehen, muß man dem Kalbe nicht allein vier Wochen lang die Milch geben, wie ſie von der Kuh koͤmmt, ſondern man darf auch hernach demſelben nicht alle Milchnahrung ent⸗ ziehen, ſondern muß einige Wochen lang es wenigſtens noch zum Theil abgeſahnte Milch trinken laſſen, in die man allmaͤhlig Waſſer gießt und etwas Roggenmehl ein⸗ ruͤhrt, von Tage zu Tage mehr Waſſer und weniger Nilch nimmt, bis man es ganz unmerklich an das reine Waſſer gewoͤhnt. Kann man aber nicht ſo viel Milch an ein Kalb wenden, um es ſechs bis acht Wochen lang, 183 oder noch laͤnger, in der letzten Zeit wenigſtens etwas Milch geben zu koͤnnen, ſo muß man doch immer die Milch nur ganz allmaͤhlig einem Kalbe entziehen, damit s nicht zu ſehr herunter komme. Dies gilt auch, wenn nan es an der Kuh drei oder vier Wochen ſaugen ließ. Der Uebergang von der wohlſchmeckenden Milch zu an— berem Getraͤnk muß immer ganz unmerklich ſeyn. Ne— ben dem Getraͤnke eines Abſetzekalbes, es ſey nun Milch oder ein Trank aus Milch, Waſſer und Roggenmehl, oder blos aus letzteren beiden, giebt man ihm feines blaͤtterreiches Heu und feinen Haͤckſel von Sommerſtroh mit Hafer oder Kleie angemengt; in den erſten Tagen kann man einem ſolchen Kalbe auch wohl gekruͤmeltes Brod unter den Haͤckſel mengen. Ich weiß wohl, daß vielen Landleuten dieſe Art, Kaͤlber abzuſetzen, theuer vorkommen wird. Vorzuͤglich ungern werden ſie daran gehen, dem Kalbe laͤnger als drei bis vier Wochen Milch zu ſaufen zu geben. Sie werden ſagen: wir ſind froh, daß wir einen Tropfen Milch fuͤr uns erhalten. Wenn wir ſie ſo lange dem Kalbe geben wollten, ſo muͤßten wir noch laͤnger darben. Bei der jetzigen Wirthſchaftsart, wo die Kuͤhe ſo erbaͤrmlich gehalten werden, haben ſie Recht. Werdet Ihr aber meinen Rath befolgen, auf alle Art fuͤr Ver— mehrung und Verbeſſerung des Viehfutters zu ſorgen, ſo wird die Milch bei Euch nicht ſo rar ſeyn, wie jetzt. Ihr werdet Euch denn wohl bewogen finden, ſie einem Kalbe laͤnger als bisher zu geben, wenn Ihr Freude an 184 ſchoͤnem Viehe findet und die Vortheile kennen lernt, die eine mit aller Sorgfalt aufgezogene Kuh vor den gewoͤhnlichen hat. Hat man ein Abſetzekalb ganz von dem Genuſſe der Milch entwoͤhnt, ſo gebe man ihm ein halbes Jahr lang recht feinen Haͤckſel von Sommerungsſtroh und Klee⸗ oder feinem Gartenheu. Kann und will man nach einiger Zeit Hafer geben, waͤre es auch nur eine viertel hoͤchſtens eine halbe Metze, ſo wird es um ſo ſchneller wachſen. Doch kann man fuͤglich Statt des Hafers klein geſchnittene Runkelruͤben, Kohlruͤben oder Kartof— feln unter den Haͤckſel mengen. Außerdem legt man auch ſehr gutes Heu lang in der Raufe vor, und giebt bey einem vierteljaͤhrlichen Alter des Kalbes blos reines Waſſer zu ſaufen, wenn man ſo lange Schroot- oder Kleientrank gegeben haͤtte. Kann man es irgend moͤg⸗ lich machen, ſo gebe man im erſten Jahre den Kaͤlbern blos trocknes Futter. Muß man aber gruͤnes Futter geben, ſo ſuche man zu verhuͤten, daß die Kaͤlber davon nicht den Durchfall bekommen. Dies wird geſchehen, wenn man nur allmaͤhlig zur gruͤnen Futterung uͤber⸗ geht, und wenn man ihnen nur gutes, trockenes, nicht naſſes oder erhitztes Gruͤnfutter giebt. Haͤtte man eine recht gute Weide, wo die Kaͤlber ruhig freſſen koͤnnten, ohne viel herum zu laufen; wo reines Waſſer in der Naͤhe ſo wie Schatten wäre, ſo koͤnnte man ſie bei einem halbjaͤhrigen Alter auf eine ſolche Weide bringen. Waͤre ſie aber ſchlecht oder der 183 ernt V Weg dahin weit, ſo ziehe ich die Erhaltung des Kalbes den im Stalle vor. Auch im zweiten und dritten Jahre muß man das uſſe junge Rindvieh nicht vernachlaͤſſigen. Manche thun ahr dies, indem ſie ſich damit entſchuldigen, daß ſie ſagen: und das Arbeitsvieh und Nutzvieh ginge vor; von dem muͤß⸗ nachh ten ſie leben. Aber aus dem Jungvieh wird beides, ertel Nutz⸗ und Arbeitsvieh. Aus ſchlechten Ferſen und nelle Stieren werden ſchlechte Kuͤhe und Ochſen. dfets Wie ſchaͤdlich es ſey, die Ferſen zu fruͤh zum Bul— ttof len zu laſſen, habe ich ſchon geſagt. Nicht weniger maen ſchaͤdlich iſt aber auch das zu fruͤhe Anſpannen der gedt Stiere. Soll ein großer ſtarker Ochſe werden, ſo muß and man dem Stiere vor vollendetem dritten Jahre gar kein dder Joch auflegen. Im vierten Jahre kann man ihn zum miͤg⸗ Ziehen anlernen, aber noch nicht voͤllig gebrauchen. Erſt üͤbeen im fuͤnften Jahre ſollte man ihn foͤrmlich anſpannen. Futter Dann wuͤrden aber auch die Leinochſen nicht ſo rar ſeyn, davon wie jetzt, wenn man erſtlich die Kaͤlber ſo behandelte, zehen als gelehrt worden, und dann wieder mit dem Anſpan⸗ · über nen ſo lange wartete. Fuͤr einen ſo behandelten Och⸗ 6 niht ſen bekaͤme man denn auch beim Verkauf immer noch 50— 60 Thaler, ſtatt daß man ſich jetzt mit 20— 30 lber Thalern begnuͤgen muß. Daß zwei ſtarke Ochſen mehr w. ziehen, wie drei ſchwache, iſt bekannt. 8 „ſb aine Ueber die Futterung und Wartung des Rindviehes Nr habe ich ſchon fruͤher, als ich von der Stallfutterung.. — N 186 und der Haltung des Viehes uͤberhaupt handelte, das wichtigſte geſagt. Ich verweiſe hier alſo nochmals dar⸗ auf, was ich dort von der regelmaͤßigen Eintheilung des Futters fuͤr das ganze Jahr ſo wohl, als fuͤr den einzel— nen Tag geſagt habe. Hier will ich aber uͤber einige hieher gehoͤrende Regeln bei der Rindviehfutterung noch einiges mittheilen. Ein Rind bedarf zu ſeiner Ernaͤhrung und guten Erhaltung der Koͤrner von Getreide gar nicht. Ich halte es fuͤr reine Verſchwendung und Unwirthlichkeit, den Ochſen oder Kuͤhen ungedroſchenes Getreide entwe⸗ der zu Haͤckſel geſchnitten, oder lang in die Raufen zu geben. Iſt man aus Mangel an anderem Futter zu dieſer koſtbaren Futterung gezwungen, ſo iſt dies ein Uebel, dem man ſehr leicht abhelfen kann, wenn man ſich mit Fleiß auf den Bau der Futtergewaͤchſe legt. Klee, Wicken, Spoͤrgel, gruͤner Buchweitzen— im gruͤnen wie im trockenen Zuſtande— das ganze Heer der Ruͤben— arten mit ihren Blaͤttern, Kohl und Kartoffeln ſind dem Viehe vielleicht angenehmer, als ein ſolches Gar⸗ benfutter; es erhaͤlt ſich dabei in hoͤchſter Milchergiebig⸗ keit, verrichtet die haͤrteſten Arbeiten, ja es kann damit voͤllig fett gemaͤſtet werden. Saͤmmtliche Futtergewaͤchſe haben aber vor dem Getreide den großen Vorzug, daß eine gleiche Flaͤche, ein Morgen z. B. mit ihnen beſtellt, noch einmal ſo viel Futter liefert, als wenn man das reife Getreide dazu verwenden wollte. Die uͤbrigen Vor⸗ das dar⸗ des zel⸗ nige ch uten Jc hkeit itwe⸗ zu weſer Mebel, ch mit Kle⸗ en wie 187 theile des Futtergewaͤchsbaues hier in dieſem Falle nicht einmal zu erwaͤhnen. Bauet der Landmann mehrere der genannten Fut⸗ tergewaͤchſe zugleich, ſo muß er ſich bei ihrer Verfutte⸗ rung nach dem Viehe richten, welches er hat, um jedes aufs beſte zu benutzen. Ein Futtergewaͤchs iſt beſſer fuͤr Maſtvieh, das andere fuͤr Zugvieh; noch andere ſind fuͤr Milchvieh vorzuziehen. Fuͤr Maſtvieh ſchickt ſich z. B. recht fettes Heu und Kartoffeln; fuͤr Zugochſen wuͤrde man weniger ſaf⸗ tige Gewaͤchſe mehr trockenes Futter geben muͤſſen; da⸗ hingegen gerade die waͤßrigſten Gewaͤchſe, wie die Ruͤ⸗ benarten, fuͤr Milchkuͤhe beſſer ſind, als trockenes Fut⸗ ter, weil ſie mehr Milch davon geben. Gruͤnes Gras, gruͤne Wicken, Buchweitzen und Spoͤrgel, ſind fuͤr Milchkuͤhe ein noch beſſeres Futter wie fuͤr Maſt- und Arbeitsvieh. Hat man alſo zu einer und derſelben Zeit mehrere Sorten Futter zugleich, ſo kann man auch dieſe Regel befolgen. In manchen Gegenden glaubt man, die Kartoffeln koͤnne man den Kuͤhen nur gekocht geben. Es iſt zwar richtig, daß ein Trank von Kartoffeln den Kuͤhen ſehr gut bekommt, aber nothwendig iſt dies Kochen der Kartof⸗ feln gar nicht. Wo das Holz theuer iſt, und wo man viele Kartoffeln verfuttern kann, da wuͤrden große Keſſel dazu gehoͤren, und vieles Holz erforderlich ſeyn, um ſie zu kochen. Man ſtampft ſie daher und giebt ſie ihnen, ſo wie alle andere Wurzelgewaͤchſe, am beſten roh. So 188 viel wuͤrde ich indeſſen Kartoffeln kochen, um den tra⸗ genden Kuͤhen den ihnen ſo dienlichen Trank zu berei— ten, in welchen man noch etwas Kleie miſchen kann. Die Futtergewaͤchſe haben nicht alle gleiche Nahr⸗ haftigkeit. Ihr wißt welch ein gewaltiger Unterſchied ſchon zwiſchen Heu von hohen, trocknen, und wieder— von naſſen, ſauren Wieſen iſt. Ein noch groͤßerer Unter⸗ ſchied iſt zwiſchen den Wurzelgewaͤchſen. Eins hat im⸗ mer mehr Waſſer in ſich als das andere, und man braucht alſo von den mehr waͤßrigten eine groͤßere Men⸗ ge, wenn ſich die Thiere eben ſo gut wie bei einer klei— nern Maſſe beſſeren Futters befinden ſollen. Ich will hier kurz angeben, wie viel ein Rind großer Art von V unſerm gewoͤhnlichen Landvieh taͤglich an Futter verſchie— dener Art erhalten muß, wenn es ſich bei einem ſo wohl, wie beim andern befinden ſoll. Gutes Wieſenheu muß eine große Kuh oder ein gro⸗ ßer Ochſe bekommen taͤglich. 20 Pfd. Klee⸗ und Wickenheu... 18— Gruͤnen Klee„90— 100— Gras.. 90— 100— Wicken, Buchweitzen gruͤn 90— 100— Spoͤrgel gruͤn... 70— 30— Gute mehlreiche Kartoffeln. 40 Pfd. oder gegen 7 Metz. Runkelruͤben, etwa. 4... 12— Kohl⸗ oder Steckruͤben.. 2o 11— Weiße Rübenl 1 Schfl. Mohrruͤben. 3—= 9— tra⸗ berei⸗ hahr⸗ chied leder Unter, R m⸗ in gro⸗ Netz. 189 Daß bei den Wurzelgewaͤchſen Strohhaͤckſel mit ge⸗ fuͤttert werden muß, verſteht ſich. Noch beſſer aber iſt es, wie ich ſchon an einem andern Orte geſagt habe, wenn man lieber weniger Wurzelgewaͤchſe in einem Tage giebt, als hier angegeben ſind, und an deren Stelle taͤg⸗ lich einige Pfunde Heu fuͤttert, weil denn die Milch weit wohlſchmeckender iſt, als von bloßen Wurzelgewaͤch— ſen. Bei einem ſolchen Futter wird ein gewoͤhnlicher, aber ſtarker Ochſe gut arbeiten, und dabei Fleiſch behal— ten, und eine Kuh wird ſehr reichlich Milch geben. Bei einer ganz kleinen Art Rindvieh wird man etwas weni— ger auf den einzelnen Tag geben koͤnnen. Fruͤher habe ich ſchon die Berechnung gemacht, daß man einen Morgen ſechszig Quadratruthen Klee und Wicken zum Gruͤnfutter auf fuͤnf Monate fuͤr ein Rind brauche. Auf die ſieben Wintermonate wird man die Kartoffeln oder Ruͤben von einem reichlichen Morgen Landes brauchen, um ein Rind ganz damit ohne Heu zu erhalten. Man brauchte alſo fuͤr ein jedes ſtarke und erwachſene Rind zwei und einen halben Morgen Landes mit Klee, Wicken oder Buchweitzen und behack⸗ ten Wurzelgewaͤchſen beſtellt, wenn man es lediglich im Stalle erhalten will. Bei ganz beſonders gluͤcklichen Futterjahren wird etwas von dieſem Futter uͤbrig blei⸗ ben, womit man ſich bei ungluͤcklichen Futterernten hel⸗ fen muß. Wer Wieſenheu erntet, braucht natuͤrlich ſo viel anderes Futter weniger, als ihm dies erſetzt. Auch muß 190 ich bemerken, daß ein thaͤtiger kleiner Landwirth, der alles zu Rathe nehmen gelernt hat, beinahe ein Stuͤck Vieh von dem Unkraute erhalten kann, welches er beim Behacken der Wurzelgewaͤchſe, oder beim Jaͤten des Ge⸗ treides durch ſeine Kinder und Leute einſammeln laͤßt, ferner von dem Graſe, welches er an Wegen, Graͤben und Ackerraͤndern in muͤßigen Stunden abſchneiden kann. Es giebt verſchiedene Unkraͤuter, die man mit gro⸗ ßem Vortheil verfuͤttern kann, und die ſchon deswegen die Muͤhe des Ausziehens lohnen, den Vortheil unge— rechnet, daß man das Land dadurch reiniget und ver⸗ beſſert. Dahin gehoͤren die Diſteln im jungen Zuſtande, die Saudiſteln, der Hederich, der Ackerſenf, der wilde Spoͤrgel, das Hirſengras, die Weide oder Paͤdeweide, die Miere und andere mehr. Nachdem ich Euch, lieben Landleute! ſo vielfaͤltig die Vortheile zu Gemuͤthe gefuͤhrt habe, die ein groͤ— ßerer Futterbau Euch gewaͤhren wird, glaubt Ihr ge— wiß nicht mehr, daß das Ackerland unnuͤtz verwendet wuͤrde, wenn man bloßes Viehfutter darauf bauete. Ich bin aber der Meinung, daß man es auch, blos nach dem Geldgewinn berechnet und nicht auf die Ver⸗ beſſerung und Vermehrung des Miſtes Ruͤckſicht genom⸗ men, durch Futtergewaͤchſe eben ſo hoch nuͤtzt als durch Getreide. Des Beiſpiels halber wollen wir eine Vergleichung aaſtellen. Nicht wahr, es iſt eine gute Weitzenernte, „der Stuͤc beim Ge⸗ aßt, ben ann. rde wegen unge⸗ ber⸗ inde, wilde veide, efälti — ti⸗ ſr ges vendet allete. llos Ver⸗ nom⸗ zurch cchung gernte/ 191 wenn man vom Morgen 3 Scheffel driſcht?— Ihr wißt, daß 2½ Morgen Land mit Futtergewaͤchſen erforderlich zur reichlichen Ernaͤhrung eines Rindes ſind. Nehmen wir eine Weitzenernte von 8 Schfl. fuͤr den Morgen an, ſo tragen 2½ Morgen 20 Scheffel. Nehmen wir den Preis an zu 1 Thlr. 12 Gr. Cour. bringen drittehalb Morgen 30 Thlr., der einzelne Morgen 12 Thlr. Wenn eine Kuh das Futter von drittehalb Morgen Land mit Klee, Wicken und Wurzelgewaͤchſen beſtellt, verzehrt, ſo giebt ſie gewiß auf 40 Wochen lang im Durchſchnitt einen Tag wie den andern gerechnet taͤg— lich 6 Quart Milch. Dies betraͤgt 1640 Quart à 6 Pf. — 35 Thaler. Da aber nicht uͤberall Gelegenheit iſt, auch zu dieſem niedrigen Preiſe die Milch zu verkaufen, ſo wollen wir annehmen, die Milch wird verbuttert. 14 Quart Milch geben 1 Pfd. Butter à 5 Gr., dies betraͤgt 25 Thlr. Der Kaͤſe von dieſer Milch wird doch wohl 5 Thlr. werth ſeyn, und ſo haben wir auch 30 Thlr. Ertrag von einer Kuh. Auf die Molken und das Kalb iſt hier gar nicht gerechnet. In dieſer Art nimmt man alſo fuͤr einen Morgen Futter ſo gut wie fuͤr einen Morgen Weitzen 12 Thlr. baares Geld ein. Ich weiß recht gut, daß es muͤhſamer iſt und laͤn⸗ ger dauert, ehe man die 30 Thlr. fuͤr Butter und Kaͤſe einnimmt, als jene 30 Thlr. fuͤr Weitzen. Die Muͤhe und Anſtrengung beim Futterbau laͤugne ich gar nicht ab, noch weniger will ich durch dieſe Vergleichung den Weitzenbau herabſetzen, aber ich wollte nur denen zei⸗ 192 gen, wie der Futterbau Geld eintrage, die da meinen, er bringe nichts ein. Zu dieſer irrigen Meinung kann jemand nur deshalb verleitet werden, weil ein guter Wirth nicht leicht Futter unmittelbar verkauft, ſondern es erſt durch ſein Vieh aufzehren laͤßt, damit er den Miſt davon behaͤlt. Aber alle Nutzung des Viehes an Milch, Arbeit, Fleiſch, Wolle ꝛc. kommt doch lediglich von dem Futter her. Die mehrere Muͤhe des Futterbauens ſammt der Muͤhe des Futtereinfahrens, in Vergleichung mit dem Weitzenbau, wird durch den beſſern und mehreren Miſt uͤberreichlich bezahlt, den das Futter in vorbeſchriebener Art von zwei und einem halben Morgen zuruͤcklaͤßt. Das Weitzenſtroh von demſelben Lande koͤnnte fuͤr ſich allein entweder gar nicht zu Miſt gemacht werden, oder es wuͤrde nur einen hoͤchſt erbaͤrmlichen Miſt geben. Aber nicht auf eine Art von Gewaͤchſen iſt der fortdauernde Wohlſtand des Landmanns gegruͤndet. Bei⸗ des, Futterbau und Getreidebau, muͤſſen kluͤglich mit einander verbunden werden. Durch den erſtern wird das Vieh ernaͤhrt, das Ackerland zu den Getreidefruͤch⸗ ten vorbereitet, und der Miſt vermehrt und verbeſſert; der Getreidebau liefert Brodkorn, Marktgetreide, Stroh zum Decken, zum Haͤckſelſchneiden und zur Einſtreuung. So viel uͤber die Ernaͤhrung des Rindviehes. Jetzt einiges uͤber die verſchiedene Benutzung deſſelben zum Zuge, zur Milch⸗ und Buttergewinnung und zur Maſtung. In neinen, kann guter ndern den es an diglich nt der ſt dam Mſſ ebener Daß allein oder e ſt der Bei⸗ ſch mit n wird defrüch cheſſet, Stroh zuung. Jetzt ugt, ung. 4) — 193 In der Regel werden zum Ziehen nur die Ochſen gebraucht. Wenn man dieſe Thiere in fruͤher Jugend ſo behandelt, als ich angegeben habe, ſo werden ſie bei einem Futter, als ich fuͤr ſie erforderlich angegeben habe, nicht viel weniger arbeiten, als Pferde. Im Pfluge ziehen manche die Ochſen den Pferden vor, weil ſie ru⸗ higer gehen. Bei der Arbeit mit Ochſen befolge man die Regel, daß man in der heißen Jahreszeit vorzuͤglich nur des Morgens und Abends mit ihnen arbeite. In der Hitze werden ſie ſehr mitgenommen. In kleinen Wirthſchaften koͤnnen Kuͤhe ſo gut wie Ochſen zum Zuge gebraucht werden. Wo man nicht ſo viel Land hat, um ein Geſpann Ochſen das ganze Jahr hindurch taͤglich zu beſchaͤftigen, da thut man wohl, die Ackerarbeit ganz mit Kuͤhen zu verrichten. Kuͤhe lernen das Ziehen ſehr leicht, und gehen im Zuge einen raſchern Schritt, als Ochſen. Wenn man ſie nur ſonſt gut fuͤttert, ſo geben ſie beym Ziehen doch noch einige Milch und kommen dabei gar nicht herun⸗ ter. Man hat denn doch den wichtigen Vortheil, daß man zu keiner Zeit unnuͤtzes Vieh fuͤttern darf, wie es mit Ochſen wohl der Fall iſt, die nicht das ganze Jahr hindurch ordentlich beſchaͤftiget ſind. Es verſteht ſich von ſelbſt, daß die Kuͤhe zu der Zeit, wenn ſie hoch traͤchtig ſind, ſehr ſorgfaͤltig beim Zuge behandelt werden muͤſſen. Da in kleinen Wirth⸗ ſchaften der Eigenthuͤmer ſelbſt ackert oder uͤberhaupt mit II.- 13 194 dem Geſpann arbeitet, ſo hat er ja ſein Vieh immer ſelbſt unter Augen, und hat nichts daran zu fuͤrchten, daß liebloſes Geſinde durch Stoßen, Schlagen ꝛc. eine traͤchtige Zugkuh beſchaͤdigen. Mir ſind ſehr viele Ge⸗ genden bekannt, wo man die Kuͤhe zu dieſer doppelten Abſicht haͤlt. Die Leute befinden ſich wohl dabei, und man findet die ſtaͤrkſten und beſten Kuͤhe dort, weil ſie gut gepflegt werden koͤnnen. Die Milchnutzung der Kuͤhe iſt eine der wichtigſten bei der ganzen Rindviehzucht. Daß vorzuͤglich der klei⸗ nere Landwirth durch dieſe ſeinen Tiſch mit Speiſen da⸗ her verſorgen muß, habe ich ſchon oben erwaͤhnt. Das Streben nach vieler Milch iſt wohl keiner Wirthin zu verdenken, es iſt vielmehr ſehr loͤblich. Nur muß keiner auf ſolche thoͤrichte Mittel verfallen, die Milch zu vermehren, von welchen ich auch ſchon fruͤ— her geſprochen habe. Weder Johanniskraut noch Fuͤnf⸗ fingerwurzel, weder Raͤuchern noch andere Quackſalberey vermehren die Milch. Ein reichliches, gleichmaͤßiges Fut⸗ ter, welches den Kuͤhen das ganze Jahr hindurch faſt einen Tag wie den andern gereicht wird; eine gute Er⸗ ziehung und Behandlung der Ferſen von Jugend an, ſo wie uͤberhaupt alles, was ich uͤber die Wartung des Viehes geſagt habe, ſind die einzig untruͤglichen Mittel, ſich viele Milch zu verſchaffen. Aber auch gute, geſunde Milch, die viel Sahne hat, und ſich leicht zu Butter ſchlaͤgt, erhaͤlt man nur immer rchten, eine Ge⸗ delten und ell ſe htigſen er klei⸗ en da⸗ kemer . Nur en, de on fta⸗ Fünf⸗ alber es Fut ich fſ ute Er. d an, g des Rittel, Sahne aan nut 195 durch Befolgung meiner Futterungsregeln, von denen ich hier noch ein paar ausheben will, da ſie vorzuͤglich fuͤr die Guͤte der Milch und Butter wichtig ſind. Die Wurzelgewaͤchſe verfuͤttere man immer mit et⸗ was Heu zugleich, und im Sommer beim Gruͤnfutter gebe man den Kuͤhen zuweilen gutes trockenes Futter, zumal wenn man wegen anhaltender, naſſer Witterung das Futter einige Zeit hindurch naß einfahren muß. Wer nun alles ſo befolgt, wird ſich gewiß nicht uͤber den kraͤnklichen Zuſtand ſeiner Kuͤhe beklagen duͤr— fen, wodurch die Milch eine ſchlechte Beſchaffenheit an— genommen haͤtte. Wohl aber ſuche er die Urſache ſchlech⸗ ter Milch in den Milchgefaͤßen oder in der Behandlung der Milch ſelbſt. Eine gute Behandlung der Milch beim Milchen, beim Abſahnen und Buttern iſt ganz nothwendig, wenn gute Butter erfolgen ſoll. Zuerſt iſt erforderlich die groͤßte Reinlichkeit beim Milchen ſelbſt, wie bei der Behandlung der Milchgefaͤße. Man muß moͤglich fuͤr ein trockenes, weiches Lager fuͤr die Kuͤhe ſorgen, damit die Euter nicht von Miſt ver⸗ unreiniget werden, und ſo die Milch gleich den Miſtge⸗ ſchmack annehme. Waͤre das Euter einmal unrein ge⸗ worden, ſo muͤßte man es vor dem Milchen abwaſchen. Aber auch die Milcherin waſche ſich jedes Mal vor dem Milchen ihre Haͤnde rein. Die Milchgelten und Milchkannen muͤſſen nach je— desmaligem Milchen ſehr ſorgfaͤltig ausgewaſchen und — 196 dann an der Luft ausgetrocknet werden, damit ſich die Milch nicht ins Holz ziehe, und ſo durch ihre Saͤure die ſuͤße Milch anſtecke und verderbe. In die Ritzen der Gefaͤße ſetzt ſich die Milch leicht an; oft ruͤhrt die uͤble Beſchaffenheit der Milch, ſehr ſchnell ſauer zu werden, blos davon her. Wenn Eure Maͤgde Euch zuweilen zu bereden ſuchten, als haͤtten ſogenannte boͤſe Menſchen Schuld, wenn die Butter nicht werden wollte, ſo hatten ſie ſelbſt durch Unreinlich— keit der Gefaͤße dieſe uͤble Beſchaffenheit der Milch ver— anlaßt. Ihr muͤßt Euch alſo ja nicht auf ſolch einfaͤlti— ges Gewaͤſch verlaſſen, ſondern die Sache ſelbſt unter⸗ ſuchen, wo es ſich denn oft anders finden wird. Auch der Ort, der Milchkeller oder die Milchkam⸗ mer, wo die Milch zum Abſahnen hingeſtellt wird, ver⸗ dient Eure Aufmerkſamkeit. Ein ſolches Gemach muß, wo moͤglich, hell ſeyn. An den Waͤnden und der Decke darf kein Schmutz geduldet werden. Die friſche Luft muß immerwaͤhrend durchſtreichen, damit ſich in einem ſolchen Behaͤltniß kein unangenehmer Dunſt anhaͤufe. Am beſten ſind freilich Keller von Mauerziegeln fuͤr den Sommer. Wo Feldſteine haͤufig ſind, kann man die Seitenwaͤnde auch von dieſen aufſetzen laſſen. Die Anlage eines ſolchen Kellers iſt freilich etwas koſtſpielig, wer ſie aber beſtreiten kann, laſſe ſich das Geld nicht dauern. Ein guter kleiner Keller iſt außerdem, daß man einen Ort fuͤr die Milch im Sommer erhaͤlt, in jeder Haushaltung ſehr nuͤtzlich. ſich de Saͤute leicht ſehr Eure haͤtten Butter reinlich⸗ ſch ver⸗ infaͤli⸗ unter⸗ Uichkan⸗ td, ver⸗ ch muß, er Decke ſhe Luft n einem aufe. erziegeln un man . Die ſpieli d nicht aß man in jeder —+ 197 Im Winter muß man die Milch in die Stube neh— men und ſie da ſorgfaͤltig mit reinen, weißen Tuͤchern bedecken, damit kein Staub hinein falle. Des Nachts, wenn alles in Ruhe iſt, nimmt man die Bedeckung aber weg, weil die Sahne dann beſſer ausgeſchieden wird, wenn die Luft zutreten kann. Die Gefaͤße, in welchen man die Milch zum Ab— ſahnen hinſtellt, muͤſſen recht weit, aber nicht tief ſeyn, damit die Milch nicht hoch uͤber einander ſtehe. Am beſten ſind hierzu die ſogenannten Milchaͤſche von Stein— gut, welche an vielen Orten ſehr wohlfeil zu erhalten ſind. Wo ſie nicht verfertigt werden, muß man ſich von den Toͤpfern lieber eigends dazu gemachte, und ſehr gut gebrannte irdene Geſchirre verſchaffen, die die Form jener Aeſche haben. Hoͤlzerne, flache Gefaͤße ſind ſehr dauerhaft. Sie muͤſſen aber vor allen anderen recht rein gehalten, und nach jedesmaligem Gebrauch an der Luft getrocknet wer— den. Bei unreinlicher Haltung zieht ſich ſonſt die Milch in die Ritzen zwiſchen den Staͤben ein, ſaͤuert und ſteckt ſogleich die ſuͤße Milch an, wenn ſie hinein gegoſſen wird, wodurch nicht nur die Sahne zum Theil verloren geht und die Butter einen ſchlechten Geſchmack bekommt, ſondern das Buttern ſelbſt iſt dann ſehr beſchwerlich und dauert oft wohl einen halben dag. Die Sahne oder den Rahm muß man nicht lange auf der Milch ſtehen laſſen, wenn dieſe erſt geſaͤuert iſt. Sobald man ſieht, daß alle Sahne abgeſchieden iſt, muß 198 man mit dem Abſahnen eilen. Wuͤrde die Milch zu ſauer, ſo nimmt die Sahne einen ſchlechten Geſchmack davon an und giebt auch weniger Butter. Um recht wohlſchmeckende Butter zu bereiten, darf die abgenommene Sahne auch nicht zu lange ſtehen, ehe ſie verbuttert wird. Der Ort, wo man ſie aufbewahrt, muß weder kalt noch warm ſeyn. Im Sommer muß man daher die Sahne immer an einen kuͤhlen Ort, und im Winter an einen etwas erwaͤrmten Ort ſtellen. Kaͤlte und Waͤrme verhindern beide das Abſcheiden der Buttertheile von der Milch. Bei großer Hitze im Sommer thut man am beſten, man ſetzt die Sahne die Nacht durch in eißkaltes Waſ⸗ ſer, wenn man fruͤh buttern will, und waͤhlt dazu die Kuͤhle des Morgens. Im Winter erwaͤrmt man vorher das Butterfaß, jedoch nehme man ſich in Acht, daß man die Butter nicht verbruͤhe, welches geſchieht, wenn man kochendes Waſſer ins Butterfaß gießt, dies ſogleich aus— ſchuͤttet, und nun die Sahne eingießt. Man muß damit einige Minuten warten, damit das Faß erſt wieder abkuͤhle. Iſt die Butter fertig, ſo muß ſie ſo lange gewa— ſchen werden, als ſich das Waſſer truͤbt. Erſt dann iſt ſie zum Einlegen und Einſalzen fertig, wenn nach allem Umruͤhren mit Waſſer daſſelbe hell und klar bleibt. Bei dem Durchruͤhren mit dem Salze nimmt man alle Unreinigkeiten ſorgfaͤltig heraus, und vermiſcht ſie recht fleißig mit dem Salze. Soll ſie eingeſchlagen wer⸗ ich zu cmack darf „ehe vahrt, :muß t, und ſtelle, den der beſten, Waſ⸗ a de vorher daß man enn mab iich aus ß damit wieder gewa⸗ ann iſt allem nt man ſſcht ſe en wer⸗ 199 den, alſo lange dauern, ſo nimmt man etwas mehr Salz und legt ſie ſo dicht wie moͤglich ein. Wird die Butter aber gleich verbraucht, ſo ſalzt man ſie weniger. Die ſaure Milch(Schlipper- oder Schlappermilch) wird verkaͤſet. Die Art und Weiſe iſt allen guten Wir— thinnen bekannt. Auch bei dieſem Geſchaͤfte zeichnet ſich eine reinliche Hausfrau vor unordentlichen aus. Sie wird aus dieſer Milch einen wohlſchmeckenden Kaͤſe be⸗ reiten, der nicht nur zur Unterhaltung der eigenen Haus— genoſſen dient, ſondern auch von andern geſucht und gekauft wird. Nicht weniger vortheilhaft als durch Milchkuͤhe, wird das Futter noch durch Maſtung des Rindviehes benutzt. Im Oderbruche ſind die Bauern ſo von den Vor— theilen der Maſtung uͤberzeugt, daß ſich ein jeder ſchon deswegen bemuͤht, ſo viel Kartoffeln und anderes Vieh— futter als nur immer moͤglich zu erbauen. Sie nehmen dazu nicht blos ihr eigenes ausgemerzte Vieh, ſondern kaufen ſich im Herbſt mageres Vieh an, oder nehmen ſolches von Schlaͤchtern fuͤr ein gewiſſes Futtergeld in Futter. Das Maͤſten und die Benutzung des Futters auf dieſe Art, hat noch Vorzuͤge vor der Kuhwirthſchaft.— Statt daß ich eine Kuh das ganze Jahr verſorgen und eben ſo lange warten muß, ehe ich den ganzen Gewinu an Butter oder Milch von ihr erhalte, ſo dauert die 200 Zeit einer Maſtung nur funzehn bis ſechszehn Wochen. Man kann alſo vorzuͤglich ſolches Futter mit Maſtvieh verfuͤttern, welches nur zu einer Zeit im Jahre in recht großer Menge vorraͤthig zu ſeyn pflegt, und welches ſich nicht gut ſehr lange aufheben laͤßt. Hieher gehoͤren ganz eigentlich die Wurzelgewaͤchſe. Im Herbſt, wenn ſie eingeerntet werden, hat man oft große Muͤhe, ſie unter zu bringen, wenn ſie gut gera— then ſind. Wendet man bei dem Verbergen nicht alle Vorſicht an, ſo iſt man doch immer in Gefahr, theils durch Froſt, theils durch Faͤulniß welche einzubuͤßen. In dieſem Falle iſt alſo eine Maſtung ſehr vortheil— haft. Die Feldarbeiten gehen zu Ende. Man kann mehr Zeit auf die Haus- und Hofgeſchaͤfte verwenden, und auch in ſo fern iſt Maſtung, die man im Herbſt anfaͤngt und gegen das Fruͤhjahr vollendet, ſehr bequem. Sehr wichtig iſt auch, daß man ſich zu einer Ma— ſtung nach freiem Willen gerade ſo viel Vieh anſchaft, als man zur Verzehrung des eingeernteten Futters bedarf. Nicht ſo leicht geht dies immer bei dem ſoge— nannten Nutzvieh. Will ich von einer Kuh recht viel Milch erhalten, ſo muß ich ſie lange vor dem Kalben ſchon gut fuͤttern, und muß uͤberhaupt fuͤr eine gleichbleibende gute Futte— rung ſorgen. Milchkuͤhe ſo eben anzukaufen, wenn man Futter genug hat und ſie wieder verkaufen, wenn es verzehrt iſt, geht ſelten; uͤberhaupt kommt bei einem ſolchen Handel nicht viel heraus. Hat man ſeine Wirth⸗ gera⸗ t ale theils heil⸗ kann nden, Herdſt equem. t Ma⸗ ſchaft, utters 201 ſchaft einmal auf vier bis ſechs oder acht Kuͤhe einge⸗ richtet, ſo muß man ſich mit dem Futter auch gleich auf das ganze Jahr einrichten. In einem ungluͤcklichen Futterjahre muß man daher, will man ſeine guten Kuͤhe behalten, und nicht zu einem Spottpreiſe losſchlagen, ihnen etwas an ihrem Futter abbrechen und ſo an der Nutzung verlieren. Wo ſich alſo irgend Gelegenheit ſindet, mit Maſt⸗ vieh etwas zu verdienen— und die iſt in unſerm gan— zen Lande— da halte man nur ſo viel Nutzvieh, als man auch bei der ungluͤcklichſten Witterung reichlich er— naͤhren kann. Dasjenige Futter aber, welches man in guten Futterjahren nicht mit dieſem Viehe bezwingen kann, verwende man zur Maſtung. Wenn man erſt anfaͤngt, den Wurzelgewaͤchsbau ins Große zu treiben, ſo fange man die Maſtung mit dem eigenen ausgemerzten Viehe an. Man wird dann an einem Stuͤcke gegen den magern Verkauf 10— 15— 20 Thaler, ja wohl noch mehr verdienen, und auf dieſe Art am ſchnellſten die auf dieſe Gewaͤchſe ver— wandte Muͤhe bezahlt erhalten. Denn geſetzt, es ver— kaufte jemand gewoͤhnlich zu Michaelis einen Ochſen und eine Kuh, die ihm uͤbrig geworden ſind. Nun habe er ſich aber auf den Kartoffelbau gelegt, und hat gegen ſonſt an zwoͤlf Winſpel mehr geerntet. Er muß nun ſehen, wie er es macht, daß ier noch einige Zeit ohne das Geld fortwirthſchaften kann, welches er zu der genannten Zeit fuͤr beide Stuͤcke Vieh erhalten haͤtte, △ An* 202 und muß ſie maͤſten. Im Februar iſt er damit zu Stande, und nun erhaͤlt er gewiß dreißig Thaler fuͤr beide mehr, als bei dem magern Verkauf. So ſchnell hat man den baaren Vortheil der beſſern Futterung von anderem Viehe nicht zu erwarten. Hat man aber ſelbſt kein Vieh uͤbrig, und doch uͤberfluͤßiges Futter, ſo kaufe man ſich Maſtvieh. In den mehreſten Faͤllen wird man wohl thun, lieber Och⸗ ſen als Kuͤhe zu kaufen, weil man erſtere leichter ver⸗ kaufen kann, wenn ſie recht fett ſind und ſie beſſer in großen Staͤdten bezahlt erhaͤlt. Man kaufe auch nicht zu alte abgetriebene Ochſen, ſondern lieber juͤngere, die noch bei Fleiſch ſind. Letz⸗ tere ſind zwar theurer im Ankauf, ſie werden aber auch leichter fett, und gelten dann wieder ſo viel beim Ver⸗ kaufe mehr, ſo daß man an ihnen doch mehr als an elendem Viehe verdient. Ihr macht mir vielleicht den Einwurf: wenn mit der Maſtung noch ſo viel zu verdienen iſt, was hilft es demjenigen, der kein Geld in Haͤnden hat, um Vieh anzukaufen. Zu vier Stuͤck braucht man wenigſtens 100 Thaler, ja wohl 120— 130 Thaler; wo ſolten wir das nach dem Kriege in unſerer Wirthſchaft uͤbrig haben? Ich glaube Euch gern, lieben Landleute! daß viele von Euch dieſes Geld nicht baar liegen haben. Ich denke aber, ein Mann, der einen eigenen Hof hat, und ſich allen Menſchen als ein ehrlicher, braver Mann ge— zeigt hat, findet immer jemanden, der ihm zu einer ſo ———— —; als an u mit hlff Veh ſgſtend en vi: pben! viele Ich „und n 96 ner ſo 203 vortheilhaften Anwendung das Geld vorſchießen wird. Macht Bekanntſchaft mit wohlhabenden Schlaͤchtern in den Staͤdten. Nehmt von ihnen magere Ochſen auf die Maſt, und laßt Euch ein beſtimmtes Futtergeld geben. Denn das iſt Hauptbedingung des Wurzelgewächs⸗ baues, daß dieſe Gewäͤchſe in der Wirthſchaft verfuͤttert werden, die ſie erbauete. Der Verkauf derſelben, ohne eine Gelegenheit zum Ankauf von Miſt, kann einer Wirth⸗ ſchaft Schaden bringen. Aber verfuͤttert und in den Miſthaufen gebracht, werden ſie zum Segen fuͤr den Ackerbau, und ein gutes Huͤlfsmittel zur Befoͤrderung Eures Wohlſtandes. Bei der Maſtung ſelbſt iſt folgendes zu beobachten: Zuerſt muͤſſen bei Maſtvieh alle Regeln, die ich uͤber die puͤnktliche Futterung und Wartung des Viehes uͤber⸗ haupt gegeben habe, noch viel genauer befolgt werden. Das Futter muß den zur Maſt aufgeſtellten Rin⸗ dern immer friſch, reinlich und einen Tag wie den an⸗ dern gegeben werden. Die Krippen muͤſſen ſorgfaͤltig rein gehalten werden. Das Tagesfutter muß in viele kleine Portionen getheilt, und ihnen puͤnktlich nach der Uhr gegeben werden. Einen Theil des Futters verzehrt das Vieh blos zur Erhaltung ſeines Lebens. Nur von dem uͤber dieſe Nothdurft genoſſenen Futter ſetzt es Fleiſch an oder giebt Milch ꝛc. Je mehr Futter Ihr alſo einem Thiere ſo beibringen koͤnnt, daß es daſſelbe noch ordentlich ver⸗ dauet, deſto mehr ſetzt es Fett oder Fleiſch an. Koͤnnt 204 Ihr die Maſt in 100 Tagen beendigen, ſo werdet Ihr weniger Futter brauchen, als wenn ſie 120 Tage ge⸗ dauert haͤtte. Denn wenn dies Thier auch daſſelbe Fut⸗ ter verzehrt haͤtte, welches in 120 Tagen zu demſelben Fett⸗- und Fleiſchanſatz gehoͤrt haͤtte, ſo hat es doch auf 20 Tage beim Futter zur nothduͤrftigen Erhaltung ſeines Lebens gebraucht, welches man alſo dann gewinnt, wenn man ein Thier durch ſtaͤrkeres Fuͤttern 20 Tage fruͤher fett machen kann. Dieſe Futtermenge hat aber ihre Grenze. Mehr muß ein Thier nie erhalten, als es mit Appetit ver— zehrt. Ueberfrißt ſich ein Maſtrind und ſteht nachher nur zwei Tage, wo es ſchlecht frißt, ſo verbringt man das ganze Futter auf dieſe zwei Tage unweißlich, weil dann ein Thier nicht zunimmt, wenn es mehr zu ſich genommen hat, als es verdauen kann. Darum iſt die große Puͤnktlichkeit beim Futtern, die kleinen Portionen und die regelmaͤßige Ruhe nach dem Freſſen noͤthig, wo— durch der Appetit rege erhalten und die Verdauung be⸗ foͤrdert wird. Die Futterung des Maſtviehes geſchieht am beſten in folgender Ordnung. Nachdem man ausgemittelt hat, wie viel man auf den einzelnen Tag geben will, theilt man das ganze Wurzelfutter in neun Portionen, das Heu in zwei. Fruͤh um fuͤnf Uhr wird das erſte Futter, um halb ſechs Uhr das zweite, um ſechs Uhr das dritte gegeben. Dann wird friſch geſtreuet und die Thiere bleiben in 205 Ruhe bis gegen zehn Uhr, wo man ihnen eine Portion Heu vorlegt. Nachdem ſie dieſe verzehrt haben, werden ſie getraͤnkt, und erhalten nun um eilf Uhr die erſte Portion Wurzelgewaͤchſe; von einer halben Stunde zur andern die beiden uͤbrigen. Danach bleiben ſie wieder in Ruhe bis Abends fuͤnf oder ſechs Uhr, wo man ih⸗ nen Waſſer vorhaͤlt und die letzten Futterportionen in der nemlichen Ordnung verfuͤttert. Abends um neun Uhr legt man ihnen die zweite Portion Heu vor. Hat man eine ſolche Ordnung einmal angefangen, ſo muß man ſie regelmaͤßig halten. Haͤtte man alſo die Abſicht, einem Rinde taͤglich einen halben Scheffel Kar— toffeln, und zehn Pfund Heu zu geben, ſo wuͤrde man mit einem Male immer gegen eine Metze Kartoffeln, und in jeder Portion fuͤnf Pfund Heu zu geben haben. Dies iſt eine Futterung, bei der ſchon ein ziemlich ſtar⸗ ker Ochſe ſehr zunehmen wuͤrde. Haͤtte man nicht Heu genug um taͤglich zehn Pfund zu geben, koͤnnte vielleicht nur fuͤnf Pfund geben, ſo muß man in der Stelle mehr Kartoffeln, vielleicht zehn Metzen taͤglich auf ein Stuͤck rechnen, und dann ſo viel Sommerungsſtroh vorlegen, als die Thiere zur Luſt freſ— ſen moͤgen. Sehr nuͤtzlich fuͤr die Zunahme der Thiere iſt das Reinigen der Haut. Man ſtriegelt ſie mit einer abge⸗ legten Pferdeſtriegel und laͤßt ſie außerdem recht oft mit Strohwiſchen abreiben, ſo daß ſich nirgendo Schmutz anhaͤuft. — 4* ¹ 1 4 1 3 h 5 4 NS . 1 1 4 1 1 4 1 3 1 P 4 * 4 I 1 b 4 1ſ 8 I 4 A 1 p 4 8 A 3 ¹ 2 3' 1 5 1 17 . H 1 1 7 A N . 4 1 . — — ᷣ —— — — 7 206 Bei der Futterung in der angegebenen Art achte man darauf, ob die Maſtrinder das Futter mit recht vollem Appetit verzehren, oder ob ſie anfangen, etwas uͤbrig zu laſſen. Laſſen ſie etwas uͤbrig, ſo mache man die Portio⸗ nen ſo lange kleiner, bis ſie rein ausfreſſen. Spuͤrt man aber, daß ſie noch nicht voͤllig genug haben, ſo mache man die Portionen etwas ſtaͤrker, jedoch nur um ein weniges, und halte ſie immer ſo, daß rein ausge— freſſen werde. So wie es nicht mehr geſchieht, muß man etwas abbrechen. Wer dies alles befolgt und nur geſundes Vieh zur Maſt aufgeſtellt hat, wird die Maſtung in drei bis vier Konaten zu einer bedeutenden Hoͤhe treiben. Sein Vieh wird zuſehends beſſer werden, und er wird gewiß ſehr vortheilhaft verkaufen. Wir wollen annehmen, ein Ochſe werde ſechszehn Wochen gemaͤſtet, und erhielte, einen Tag in den an⸗ dern gerechnet, taͤglich acht Metzen Kartoffeln und zehn Pfund Heu, ſo betraͤgt dies ſechs und funfzig Scheffel Kartoffeln und zehn Centner Heu. Wird ein ſolcher Ochſe nach der Maſtung zwanzig Thaler theurer bezahlt als beim Ankauf, ſo benutzt man den Centner Heu zu zwoͤlf Groſchen, und den Scheffel Kartoffeln zu ſechs Groſchen Courant. Es giebt keine Art, wo mit demſelben Gewinn das Futter an Vieh gewendet werden kann, als dieſe. Er⸗ haͤlt man ſein Futter ſo bezahlt, als hter berechnet, und 207 behaͤlt den vortreflichen fetten Miſt davon, ſo kann man ſich durch kein anderes Gewaͤchs ſo viel Vortheil fuͤr die ganze Wirthſchaft verſchaffen, als hier durch die Futtergewaͤchſe. Aber ſelbſt bei einem geringeren Gewinn, ſo daß man den Scheffel Kartoffeln z. B. nur mit vier Gro⸗ ſchen durch Maſtung bezahlt erhaͤlt, wird man noch großen Vortheil von dem Kartoffelbau haben. Von der Schaafzucht. Ob die Schaafe dem Landmanne gleich nicht in ſo vielerlei Hinſicht wie die Rinder nuͤtzen, ſo koͤnnen ſie ihm doch unter manchen Unſtaͤnden auch ſehr eintraͤg⸗ liche Thiere werden. Ihre Zucht gehoͤrt vorzuͤglich in alle die Gegenden hin, wo das Land ſandig und ſchlecht iſt, wo man alſo nur wenig Futtergewaͤchſe fuͤr das Rindvieh erbauen kann. Sandiges Land iſt locker genug; ja es kann durch zu viele Bearbeitung zu locker werden. Das Beweiden deſſelben, wodurch es dicht getreten wird, iſt ihm daher ſehr erſprießlich. Da aber dieſes loſe Land nur kleine magere Kraͤuter und Graͤſer hervorbringt, die ein Rind kaum anfaſſen kann, ſo ſchickt es ſich beſſer zur Schaaf⸗ wie zur Rindviehweide. Ja es iſt vortheilhaft, bei vie⸗ lem ſolchen Lande nur das allernothwendigſte Rindvieh 208 zu halten, dagegen aber ſo viel Schaafe, als ſich auf der Weide gut erhalten koͤnnen. Gerade dieſe knappen, aber ſuͤßen und kraͤftigen Weiden auf Sandland ſind das Element der Schaafe. Sie koͤnnen mit ihren ſpitzen Maͤulern auch die kleinſten Grasſpitzen abbeißen. Sie freſſen den ganzen Tag und erhalten denn doch ſo viel, daß ſie davon gut leben koͤn— nen. Genug, ſie befinden ſich wohl auf Sandboden, und dieſer gewinnt ſeinerſeits auch mehr durch die Schaafhuͤ⸗ tung, weil die Schaafe alle eben aufſproßende Haͤlm— chen erreichen koͤnnen, und ſie daher ſchon in fruͤher Jugend abbeißen, ſo bleibt darum ihr Trieb ſtaͤrker. Denn wenn die Sandgraͤſer einmal bis zur Reife ge— kommen ſind, ſo wachſen ſie in dem Jahre wenig mehr. Hingegen immer nieder gehalten, treiben ſie bei feuchter Witterung immer fort. Es waͤchſt alſo dann mehr Nahrung fuͤr Thiere auf gleicher Flaͤche in einem Jahre, wenn durch das immer wiederholte Abfreſſen kein Staͤngel zur Reife gelangt, welches bei der Rindviehhuͤtung auf Sandboden ſich gar nicht verhuͤten laͤßt. Wo Thiere viel freſſen, da miſten ſie viel. Und auch hierin hat der Schaafmiſt auf der Weide Vorzuͤge vor dem Rindviehmiſt. Letzterer faͤllt in breiten Kuchen nieder und bedeckt ganze Stellen, wo in dem Jahre kein Thier wieder frißt. Die Schaaflorbeeren zerſtreuen ſich einzeln und verderben nirgends die Weide. Sie ſind ihr vielmehr ſehr zutraͤglich, und ſie wird durch das Behuͤten mit Schaafen von Jahr zu Jahr beſſer. Man 209 Man beſehe nur ſolche Stellen, die drei oder vier Jahre lang mit Schaafen beweidet wurden. Man wird keinen Schritt thun koͤnnen, ohne Schaafmiſt zu ſehen, der gut vertheilt auf dem Lande herum liegt, und der auf das nach der Weide folgende Getrelde gute Wirkung hat. Es iſt ja eine bekannte Sache, daß auch ſchlechte Laͤndereten wieder eine gute Roggenernte geben, wenn ſie nach drei oder vierjaͤhriger Beweidung umgebrochen werden. Man wird mir vielleicht hier etnwenden: ja, die Schaafe ſind nuͤtzliche Thtere, wenn es mit ihnen gluͤck⸗ lich geht. Darin ſind ſie aber den Bienen gleich, daß man viel Vortheil von ihnen haben kann; man kann aber auch alle einbuͤßen. Nicht ſo, lieben Freunde! die Schaafhaltung, die ich Euch lehren will, laͤßt ſich mit der Btenenzucht nicht ver⸗ gleichen, ſondern eben ſo ſicher, als ein anderer Zweig der Wirthſchaft. So wie es zeither mit den Schaafen gehalten wurde, und aus Noth gehalten werden mußte; wo man vorerſt nur fuͤr Rindviehweide ſorgte, und den armen Schaafen die elendeſten, magerſten Weiden anwieß; wo Ihr bei knappen Zeiten kaum Euer Rindvieh vor dem Hunger⸗ tode retten konntet, da wurden natuͤrlich die Schaafe zu⸗ erſt ein Raub des Mangels und Elends. Auf das Rind⸗ vieh mußtet Ihr freilich deswegen eher ſehen, well Ihr damit Euren Acker beſtellt, oder Euren Tiſch mit Milch und Butter verſorgen mußtet. Ihr werdet mir nicht gern zugeben wollen, daß die II. 14 1 Ä V 1 1” 210 Schaafe bei Euch jemals verhungert ſind, Ihr werdet ſagen, ſie waͤren verhuͤtet geweſen. Aber laßt einmal ſehen, wie es damit eigentlich zugeht. Ich bin der Mei⸗ nung, daß Hunger die erſte Urſache des Verhuͤtens iſt. Denn ſeht! das Schaaf findet auf allen ſeinen Wei⸗ deplaͤtzen Kraͤuter und Pflanzen, die ihm ſchaͤdlich ſind, und die es nicht beruͤhrt. Die Euch allen bekannte Wolfs⸗ milch, das Bilſenkraut und mehrere andere ſtehen auf allen Dorfplaͤtzen, wo Schaafe vorbei getrieben werden. Keines ruͤhrt ſie an, weil der Schoͤpfer ihnen das Ver⸗ moͤgen gegeben hat, ſolche Nahrungsmittel zu unterſchei⸗ den, die ihnen ſchaͤdlich ſind. Die Thtere ſind ſich frei⸗ lich der Urſachen nicht bewußt, aber ſie ſind durch dieſes Vermoͤgen entweder unwiderſtehlich zur Verabſcheuung ei⸗ nes Gewaͤchſes oder zur Verrichtung irgend einer kuͤnſt⸗ lichen Handlung gezwungen; es iſt ſo genau mit ihrer ganzen Natur verbunden, daß ſie im freien Zuſtande im⸗ mer davon geleitet werden. Dieſes Vermoͤgen der Thiere nennen wir Inſtinkt. Wir finden es faſt bei allen Thieren. Die Schwalbe bauet ſich ihr Neſt wie kein anderer Vogel auf eine aͤu⸗ ßerſt kuͤnſtliche Weiſe; die Gans rupft ſich Federn aus, wenn ſie bruͤten will; die kuͤnſtliche Ordnung im Innern eines Bienenſtocks iſt bewundernswuͤrdig. So wie dieſe Thiere durch ihre ſeit der Schoͤpfung ihnen mitgetheilte unwillkuͤhrliche innere Neigung dieſe kuͤnſtliche Verrichtungen ausuͤben, ſo vermeidet auch ein Schaaf ſo lange ſchaͤduche Nahrungsmittel, als der Hun⸗ 211 ger bei ihnen nicht ſtaͤrker iſt, als der Inſtinkt. So wie aber die Noth nirgends ein Gebot anerkennt, ſo ver⸗ laͤßt auch den Schaafen die ihnen vom Schoͤpfer mit⸗ getheilte innere Kraft, ſchaͤdliche Nahrungsmittel zu flie⸗ hen, wenn der Hunger bei ihnen zu ſtark wird. Nun ſind es fretlich keine giftigen Gewaͤchſe, an denen ſich das Schaaf gewoͤhnlich faul frißt, wie man ſagt, ſondern die Schaafe holen ſich den Tod auf ſolchen Plaͤtzen, die im Fruͤhjahre und bet naſſer Witterung unter Waſſer ſtehen, wo es aber bei trockener Witterung ſchnell wegfaͤllt. Durch dieſes ſchnelle Zuruͤcktreten des Waſſers wird das an ſolchen niedrigen Stellen gewachſene Gras mit Schlamm bedeckt, oder er bleibt daran haͤngen. Freſſen die Schaafe davon, ſo werden ihre Eingeweide verderben, und ſie werden uͤber kurz oder lang krank und ſterben dahtn. So lange dieſe Thiere auf hoͤhern Stellen, wo ſuͤßes, geſundes Gras wäͤchſt, noch Nahrung genug finden, ruͤh⸗ ren ſie dieſes verdorbene Futter nicht an. Wenn aber alle Berge und Huͤgel bei trockener Witterung gleichſam wie verſengt daliegen; wenn die Schaafe deswegen ſchon lange Noth gelitten haben, ſo fallen ſie auch uͤber verdor⸗ benes Gras her, und in ſofern iſt alſo doch der Hunger die erſte Veranlaßung ihres Todes. Aber wenn Ihr den Rath befolgt, welchen dies Buch enthaͤlt; wenn Ihr Euer Rindvieh im Stalle zu erhalten ſucht, und fuͤr daſſelbe Futter auf dem beſten Lande bauet, ſo behaltet Ihr das ſchlechtere, hoͤher und trocken liegende Land, lediglich zur Schaafwelde. Dies behandelt wie ich ——yy— 212 angegeben habe; beſuͤet es mit weißem Klee, und laßt es drei bis vier Jahre zur Huͤtung unangeruͤhrt liegen; vertheilt die Gemeinweiden, und macht es mit dem ſandigen Theil derſelben wie mit ſolchem Ackerlande; den beſſern und feuchter liegenden Theil trocknet aus und bauet Futter und Getreide darauf, das ganz naſſe beſaͤet mit Ellern; ſorgt ferner mehr wie bisher fuͤr Ableitung des Waſſers, ſo werdet Ihr ſo viel reichliche geſunde Schaafweide er⸗ halten, daß die Schaafe das verdorbene Gras nicht beruͤh⸗ ren werden.: Auf ſolchen mit Fleiß angelegten Weiden braucht Ihr die Schaafe kaum vor dem Thau in Acht zu nehmen. Wenn Ihr ſie nicht mit Schaafen uͤberſetzt, ſo daß wie⸗ der Hunger unter thnen einreißt, ſo koͤnnen ſie hier Tag und Nacht bleiben. Ihr werdet dann wentg oder keine Krankheiten unter ihnen erleben. Aber ſo gut wie eine immer gleich bleibende Nah⸗ rung dem Rindvieh und allen Thieren nothwendig iſt, wenn ſie geſund bleiben und reichen Ertrag geben ſollen, ſo verlangen die Schaafe den Sommer durch maͤßige Weide und im Winter reichliches Futter. Hungerzeiten ſind ihnen ſehr ſchaͤdlich. Jeder Landmann, der Schaafe haͤlt, muß ſich alſo nicht damit begnuͤgen, daß der Hirte die Schaafe taͤglich austreibt. Er muß auch auf die Weide achten, ob ſie hinreichend zur Erhaltung ſetner Thiere iſt. Im Herbſt muß man mitt dem Einfuttern nicht ſo lange warten, bis die Schaafe vor Mattigkeit uͤber ihre eigene Fuͤße fallen, ſondern ſo wie die Wit⸗ 213 1du terung ſchlecht und die Weide taͤglich knapper wird, muß thellt V die Winterfutterung angehen, ſo daß die Schaafe niemals Thel herunter kommen. und Eine aͤhnliche Futtereintheilung auf die ganze Winter⸗ itter zeit und auf den elnzelnen Tag; ein regelmaͤßiges Einfut⸗ lan; tern derſelben nach Zeit und Stunde muß man bei der aſtrs, Schaaffuͤtterung ebenfalls beobachten. Obgleich die Win⸗ de i terfutterung der Schaafe nie ſo lange dauert, als die des beräo) Rindviehes, ſo nehme man ſich doch in Acht, ſie zu kurz zu berechnen. Gerade im April kann oft das ſchlechteſte JIhr V Wetter einfallen, wo die Schaafe ihr Futter wie um mmen. Weihnachten haben muͤſſen. Hat man nun darauf gerech⸗ nie V net, daß ſie um dieſe Zeit ſich ſchon voͤllig auf der Weide r d erhalten ſollen, ſo laͤßt man ſie vielleicht in zehn Tagen r ͤnet ſo herunter kommen, daß ſie ſich den ganzen Sommer V durch kaum wieder erholen. eh) Die Weiden ſind im Herbſt, oft bis ſpat um Weih⸗ d9 ſt nachten, wenn nur die Felder nicht mit Schnee bedeckt ſolln, ſind, immer beſſer als im Fruͤhjahr. Denn noch hat der nißg Froſt um dieſe Zeit ſelten alle Graͤſer zerſtoͤrt. Haben czuinn aber die Blachfroͤſte im Winter alles weiß und kahl ge⸗ ztuuft macht, ſo erholen ſich die Weidegraͤſer erſt bei recht war⸗ Hrte mer, fruchtbarer Witterung voͤllig. Daher iſt es unver, f die ſtäͤndig, im zeitigen Fruͤhjahre, ſobald nur der Schnee ſene weggeſchmolzen iſt, zu verlangen, daß die Schaafe ſich uten auf der Weide erhalten ſollen. Bevor nicht junges Gras rigit gewachſen iſt, koͤnnen ſie nach einem ſtrengen Winter we⸗ 1B nig oder nichts von den Weiden erhalten. 214 Ehe man die Schaafe auf die eine oder andere Art Noth leiden laͤßt, bequeme man ſich lieber dazu, einige abzuſchaffen, und ſo lange weniger zu halten, bis man im Stande iſt ſie beſſer zu verſorgen. Es kommt hier dieſelbe Regel in Anwendung, die ich uͤber das zu viele Viehhalten ſchon fruͤher genauer auseinander geſetzt habe. Laßt Euch von dieſer Regel nicht abbringen, wenn Euch auch ſelbſt ſogenannte gelernte Schaͤfer eines andern belehren wollten. Unter dieſen Menſchen findet Ihr nur ſehr wenige, die da ordentlich wiſſen, was zum Beſten derjenigen Thiere gereicht, die ihnen ihren Lebensunter⸗ halt gewaͤhren. Mir ſind Schaͤfer vorgekommen, die nicht eher anfingen ernſtlich im Winter zu fuͤttern, als bis die Schaafe ſchon Noth gelitten hatten, weil ſie in der wi⸗ derſinnigen Meinung ſtanden, der Talg muͤſſe erſt weg von den Schaafen, wenn ſie ſich im Winter gut halten ſollten. Laſſet Euch von ſolchen unwiſſenden Menſchen, die ſehr groß und wichtig mit ihrer Kunſt thun, nicht irre leiten. Es iſt nichts weniger als ein Geheimniß, wie man Schaafe behandeln muß, um ſie immer geſund zu erhalten, und einen ſichern Ertrag von ihnen zu ziehen. Jeder Menſch mit geſundem Verſtande, der das ihm un⸗ tergeordnete Vieh beobachten gelernt hat, kann ſich ſelbſt die Regeln geben, nach welchen Schaafe behandelt wer⸗ den muͤſſen. Sie ſind ganz kuͤrzlich folgende: Sorge fuͤr eine trockene, ſuͤſſe und geſunde Weide. 213 te An Ueberſetze dieſe nicht mit Schaafen, damit ſie nie einge Noth leiden. man Bei ganz ſchlechter und naſſer Witterung im Som⸗ hier mer, vorzuͤglich nach der Schur, gieb ihnen noch etwas diele trockenes Futter. hie. Fange die Winterfutterung allmaͤhlig an, ſo wie das wena Gras anf den Weiden abnimmt, und warte damit nicht, andern bis ſie ſchon wirklich Noth leiden. hr nur V CTheile das Winterfutter ſo ein, daß du auch auf ein deka) ſpaͤtes Fruͤhjahr gefaßt biſt, und gieb ihnen einen Tag unt, wie den andern Futter bis zur Saͤttigung. richt Laß dieſe von der Natur mit einem ſo dichten Pelze 6 e verſehene Thiere nicht in warmen dunſtigen Staͤllen ſchwi⸗ t wv tzen, ſondern raͤume ihnen einen kuͤhlen luftigen Stall ein. ſt dg Wer dieſe Regeln befolgt, wird finden, daß die Schaafe halten mit derſelben Sicherheit wie Rindvieh gehalten werden koͤnnen. Jetzt moͤgen noch einige beſondere Regeln zur , e Aufzucht, Wartung und Fuͤtterung der Schaafe folgen. t itre V— , wie Auch bei den Schaafen findet derſelbe Unterſchied nd n ſtatt, den ich beim Rindvieh ſchon erwaͤhnt habe. Es ehen iſt nicht etnerlei, ich habe dieſe oder jene Schaafart. Eine Art trägt entweder beſſere oder mehrere Wolle, oder ſie elbſt wird vielleicht groͤßer und ſtaͤrker und leichter fett. Man muß alſo danach trachten, ſich eine Art Schaafe anzu⸗ ſchaffen, von der man recht viel Vortheil ziehen kann. Es kommt hier wieder vorzuͤglich auf die Boͤcke oder Stoͤre an, weil durch einen einzigen Bock fuͤnf und zwan⸗ wer⸗ dde. 216 zig bis dreißlg Schaafe beſprungen werden. Iſt er alſo von ſchlechter Art, ſo erhaͤlt man viele ſchlechte Nach⸗ koͤmmlinge von ihm, ſo wie man aber auch von einem Bock guter Art, ſich recht bald alle ſeine Schaafe von dieſer Art ſchaffen kann. Es iſt nicht meine Abſicht, Euch, lieben Landleute, anzurathen, daß Ihr, ſo wie große Schaͤfereybeſitzer, ſpa⸗ niſche Boͤcke anſchaffen ſollt. Dieſe Schaafart wäͤre fuͤr Euch nicht vortheilhaft. Wohl ſeht Euch aber nach Boͤk— ken von guten Landſchaafen um, die recht wollreich ſind und deren Wolle auch nicht ſehr grobhaarig iſt. Fangt nur an mehr darauf zu achten, als bisher, ſo werdet Ihr bald den großen Unterſchted gewahr werden, der ſelbſt zwiſchen vierzig bis funfzig Stuͤck Eurer eigenen Schaafe iſt. Macht es hier eben ſo, wie ich beim Rindvieh an— gegeben habe. Laßt nur von recht wollreichen Schaafen Boͤcke gehen, oder kauft auch ſolche, die bei andern da⸗ fuͤr beruͤhmt ſind. Haltet dann ja darauf, daß Ihr eine gute Art fortpflanzt, wenn Ihr einmal einen guten Bock erhalten habt. Dte Boͤcke muͤſſen ebenfalls ſehr gut von Jugend auf gepflegt, und im Ganzen eben ſo wie Bullen behandelt werden. Verbuttete Thiere koͤnnen keine ſtarke Jungen zeugen. Man laſſe alſo auch einen Stoͤr das gehoͤrige Alter erreichen, ehe man ihn zum Springen braucht. Am beſten waͤre wohl, wenn man ſie zwei und ein halb Jahr alt werden ließe. Mit ein und einem halben Jahre ſind ſie ſelten ausgewachſen. — —— ſente, ſpr de ſit dok⸗ ſind Fangt erdet ſeldſj chaaft dh m daafen —n da t eine Bock nd auf andelt ngen ſrige uch. hald Jahre 217 Wenn die jungen Mutterſchaafe recht reiche Weiden hatten, ſo koͤnnen ſie wohl mit ein und einem halben Jahre zum Bock kommen. Bei ſchlechterer Futterung aber wartet man fuͤglich noch ein Jahr laͤnger, damit ſie or⸗ dentlich auswachſen. Ein Schaaf geht zwanzig bis ein und zwanzig Wo⸗ chen traͤchtig. Die beſte Lammzeit iſt der Februar, weil dann die Laͤmmer bald groß genug werden, um mit den Muͤttern im zeitigen Fruͤhjahr auf die Weide zu gehen. Die Schaafe muͤſſen aber Futter genug bekommen koͤnnen, damit die Laͤmmer Mllch genug erhalten. Iſt das nicht herbet zu ſchaffen, ſo iſt freilich eine ſpaͤtere Lammzeit beſſer, weil denn doch wenigſtens bei zeitiger Fruͤhltngs⸗ witterung die Laͤmmer ſich eher von der Milch der Schaafe ernaͤhren koͤnnen. So wie die traͤchtigen Kuͤhe vor dem Kalben mit beſſerem Futter verſorgt werden muͤſſen, ſo muͤſſen auch tragende Mutterſchaafe ganz vorzuͤglich gepflegt werden, wenn die Lammzeit heran ruͤckt. Bei einer fruͤhen Lamm⸗ zeit, im Februar oder Maͤrz, wo die Schaafe noch gar kein Gras erlangen koͤnnen, ſind ihnen zur Milchvermeh⸗ rung die Kartoffeln ein ſehr dienliches Futter. Wenn ſie dieſe neben gutem Heu bekommen, ſo ſaͤugen ſie davon ſo gut wie bei guter Weide. Giebt man ihnen dieſe Kar⸗ toffeln nur als Zugabe neben dem Heu und Stroh, ſo giebt man taͤglich auf fuͤnf Stuͤck eine Metze. Werden die Lämmer zeitig geboren, ſo muß man ih⸗ nen nach drei oder vier Wochen auch anfangen etwas fei⸗ 218 nes und blaͤtterreiches Heu zu] geben. Damit ſie dies aber auch alletn behalten, muß man die Alten eäglich auf eine Stunde von ihnen abſcheiden. Auch gut getrocknetes Laub von Ulmen oder Ruͤſtern, von Weiden, Eichen, Linden ꝛc. freſſen die jungen Läͤmmer ſehr gern, doch ler⸗ nen ſie auch bald Hafer freſſen, wenn man ihnen dieſen geben will. Im Sommer raͤumt man den Schaafmuͤttern mit den jungen Laͤmmern immer die beſte und naͤchſte Weide ein, das Geltevieh muß dieſen immer auf der Weide fol⸗ gen, wenn nicht fuͤr die erſteren ganz beſondere Weide⸗ plaͤtze ſind. Setzt man die Läͤmmer ab, ſo muß man ihnen eine nahe und geſchonte Weide eingeben. Gewoͤhnlich wartet man damit bis zur Stoppelweide. Kommen die Lämmer aber ſchon im Februar, ſo iſt es beſſer, ihnen vor der Ernte eine friſche Kleeweide einzuraͤumen. Im Winter erhalten die Laͤmmer, nun ſchon Jaͤhr— linge genannt, das beſte Futter. Nach ihnen kommen die Mutterſchaafe und zuletzt die Hammel. 1 Alle Gewaͤchſe, die ich als Rindviehfutter angegeben habe, ſind auch gutes Schaaffutter. Die Schaafe ſind aber etwas eckler in der Auswahl des Futters, als das Rindvieh. Man muß ihnen alſo immer das feinſte und am beſten eingebrachte Heu geben. Mulſtriges Heu und Stroh und anderes, welches auf dem Felde ſchon halb verfault iſt, ſollte es nachher gleich trocken eingebracht ſeyn, ſchadet den Schaafen weit leichter, wie dem Rind⸗ des auf netes hen, ler⸗ ſſen mdi Vedde e fol⸗ Dedde⸗ ane wartet mmer de de Jihe mmen egeben 7 ſind das 219 vieh. So vorſichtig, wie man alſo bei der Auswahl der Schaafweide ſeyn muß, wird man zu ſeinem Vortheil auch bet der Auswahl des Heues und Winterfutters ſeyn muͤſſen. Recht bläͤtterreiches, junges Kleeheu iſt den Schaafen faſt das liebſte Futter; naͤchſt dem das Heu von hohen, ſuͤßen Wieſen. Das lange fette Heu iſt ihnen weniger angenehm; fuͤr Mtlchkuͤhe iſt dies aber um ſo beſſer. Wenn man ſich auf das noͤthige Heu als Winterfut⸗ ter fuͤr die Schaafe einrichten will, ſo muß man darauf ſehen, ob man recht viel Erbſen, und Wicken, oder ande⸗ res gutes Sommerungsſtroh hat, auch ob man Kartoffeln genug geerntet hat, um den Lammſchaafen auf ein Vier⸗ teljahr lang taͤglich auf fuͤnf Stuͤck eine Metze geben zu koͤnnen. Iſt dies letztere und hat man Stroh genug, ſo reicht Ein Centner Heu auf das Stuͤck, Hammel, Schaafe und Jaͤhrlinge uͤberein gerechnet, fuͤr den Winter. Im Falle, daß jemand nicht viel Sommerungsſtroh an die Schaafe zu wenden haͤtte, koͤnnte er doch mit einem Centner Heu auf daß Stuͤck reichen, wenn er ihnen dafuͤr Wurzelgewaͤchſe giebt. Ja er kann ihnen dieſe ſo viel geben, daß er auf das Stuͤck mit einem halben Centner Heu reicht, und die Schaafe werden ſich eben ſo wohl als bei bloßem Heu befinden. Sogar bei bloßem Stroh und Wurzelgewaͤchſen kann man Schaafe nutzbar durchwintern, doch iſt es immer beſſer, wenn man ihnen wenigſtens etwas Heu geben kann. Alle Ruͤbenarten und die Kartoffeln werden ſehr gern ——— 220 von den Schaafen gefreſſen. Die Ruͤben ſchneidet man thnen. Die Kartoffeln gtebt man ihnen ganz oder eben⸗ falls geſchnitten; doch muß man dieſe Gewaͤchſe ſorgfaͤltig von der ihnen anklebenden Erde ſaͤubern. Geſtampft freſ⸗ ſen die Schaafe die Kartoffeln nicht ſo gern; wenigſtens muͤſſen ſie nicht ſehr klein gemacht werden. Haͤckſel braucht man nicht unter die Wurzelgewaͤchſe zu miſchen. Man giebt ihnen dieſe allein in reinen Troͤ⸗ gen und legt ihnen darauf das Stroh lang vor, welches ihnen bei dieſem Futter ſehr dienlich iſt. Giebt man einem Schaafe täͤglich eine halbe Metze Kartoffeln und Stroh genug, ſo wird man nur wenig Heu zu geben brauchen, um die Schaafe in ſehr guten Umſtaͤnden zu erhalten. Ihr fragt vielleicht, ob ſich die Schaafe bel der Kar⸗ toffelfutterung auch geſund erhalten?—— So geſund, meine Freunde! wie bei dem beſten Bergheu. Ich habe daruͤber viele Jahre die Erfahrung mit einer weichlichen Schaafart gemacht. Ich ließ den Mutterſchaafen Kartoffeln geben; ſie bekamen viele Milch danach und zogen herrliche Laͤmmer. Ich fuͤtterte auch zehn Jahre lang die Maͤrzſchaafe den ganzen Winter durch mit Kartoffeln und bloßem Stroh. Zuweilen blieben davon einige uͤbrig, wenn ſie nicht ge⸗ ſchlachtet wurden, und ſie blieben eichelgeſund. Was man ſonſt wohl davon geſagt hat, daß die Wurzelgewaͤchſe den Schaafen ein zu waͤßriges Futter waͤren; daß dieſe Thiere nur bei trockenem Futter geſund bleiben koͤnnten: iſt eitel 221 unkluges Gewaͤſch, erfunden von denen, die uͤber alles urtheilen wollen, eben weil ſie gar nichts verſtehen. Die erſte Veranlaſſung zu dieſer Furcht vor der Schaͤd⸗ lichkeit der Kartoffeln ſcheint der Umſtand zu ſeyn, daß man oft die Erfahrung macht, daß die Schaafe ſich in Niederungen faul freſſen. Aber nicht die Niederung an und fuͤr ſich war die Urſache, ſondern das verſchlammte Gras, weelches ſich freilich nur in Niederungen fin⸗ den kann. Ein eben ſo grundloſer Glaube iſt der, man duͤrfe die Schaafe nicht viel ſaufen laſſen. Weil man ſahe, daß Schaafe, die ſich an friſchen, ſaftigen Kraͤutern ſatt freſ⸗ ſen, wenig ſaufen, und daß ſie allenfalls eine lange Zeit leben koͤnnen, ohne zu ſaufen; ferner, weil man dann die Erfahrung machte, daß ſolche vom Waſſer abgehaltene Thiere mit Macht uͤber alle Pfuͤtzen herfielen, wenn man ſie nicht bewachte, und ſich davon den Tod holten, ſo glaubte man, das Saufen uͤberhaupt ſey ihnen ſchaͤdlich. Es iſt aber eine grauſame, unnatuͤrliche Behandlung die⸗ ſer Thiere, ſie in der großen Hitze durſten zu laſſen. Man ſorge nur fuͤr eine reinliche Traͤnke, als z. B. in einem Fließe oder Bache, oder ſchoͤpfe gutes Brunnenwaſſer in Troͤge und gebe den Schaafen taͤglich zu ſaufen, ſo wer⸗ den ſie ſchlechtes, verdorbenes Waſſer ſo gut verabſcheuen, wie verdorbenes Futter, wenn ſie reines und geſundes haben. So zieht ſich der Menſch oder ſeinen Thieren oft Krankheiten zu, weil er ſich von Vorurtheilen quäͤlen laͤßt, 222 8 uͤber deren Grund oder Ungrund er kaum nachzudenken wagt. Ein genaues Aufmerken auf ſeine eigene Natur, Nauf ſeine Thiere, ihr Wohlſein und ihre Leiden, ſo wie auf alles, was um ihn vorgeht, wuͤrde ihn oft von ſelbſt darauf hinleitten, einzuſehen, daß er in vielen Stuͤcken thoͤricht handelt. Nachdem was ich Euch bisher uͤber die Schaafzucht geſagt habe, muß Euch einleuchten, daß ſie weder ſo miß⸗ lich, noch ſo kuͤnſtlich iſt, als mancher von Euch vielleicht geglaubt hat. Beherziget wohl, was ich Euch uͤber die Ernaͤhrung der Schaafe mit Wurzelgewaͤchſen geſagt habe. Der Umſtand, daß Schaafe ohne Heu bel Stroh und Kartoffeln nutzbar durchgewintert werden koͤnnen, iſt fuͤr die Sandgegenden ſehr wichtig. An der Sommer⸗ weide fuͤr Schaafe fehlt es hter nicht, wohl aber oͤfter an Heu, um die Schaafe auch im Winter zu erhalten. Kar⸗ toffeln wachſen auf ſolchem Boden aber doch, und ſonach koͤnnen ſie zum Winterfutter angebauet werden. Nicht weniger gedeihen Moͤhren und weiße Ruͤben auf Sand⸗ boden. Mit dieſen und Buchweitzenſtroh will ich die Schaafe recht gut fuͤttern. Der Miſt der Schaafe uͤbertrift allen andern. Alle Fruͤchte wachſen uͤppig in ihm. Am wirkſamſten iſt er freilich auf den mehr thonigen Feldern, aber ſelbſt ſan— diger Acker traͤgt ſehr gut nach dieſer Duͤngung. Man darf ihm ſolche nur nicht ſtark mit einem Male, ſondern muß ſie ihm oͤfter geben. —j———————— 223 Recht eigentlich paßt aber der Schaafmiſt fuͤr die naſ⸗ ſen, ſauern Gruͤnde, die in Sandgegenden in der Naͤhe der Bruͤche oder Seen und Pfuͤhle liegen. Dieſe Que— ckenbeete im eigentlichen Sinne, koͤnnen durch keine an⸗ dere Duͤngung zu einem ſolchen Ertrage gebracht werden, als durch Schaafmiſt. Nach ihm tragen ſie die ſchoͤnſten Wurzelgewaͤchſe, Kohl, Flachs, Klee, Erbſen und Wicken. Haͤtte jemand aber ſolche verqueckte Gruͤnde nicht, ſo wird der Schaafmiſt zum Vortheil des ganzen Miſthau⸗ fens am beſten mit den andern Miſtarten vermengt, und auf Haufen gepackt, wie an ſeinem Orte gelehrt worden iſt. Obgleich auch bei der Schaafhaltung die Regel: halte lieber zu wenig wie zu viel Vieh! nicht uͤberſehen werden darf, ſo bin ich der feſten Ueber⸗ zeugung, daß Ihr mehr Schaafe auf Euren Laͤndereien erhalten koͤnnt, als bisher, wenn Ihr die Schaafweiden nach meinem Vorſchlage behandelt und ſie anſaͤet. Im erſten Anfange koͤnnt Ihr freilich nicht erwarten, daß gleich die guten Weiden da ſeyn ſollen, die ich Euch hier verſprochen habe. Euer Sandland iſt jetzt durch das ewige Ruͤhren vtel zu loſe geworden; es enthaͤlt viel zu wenig Graswurzeln, als daß ſogleich das laͤngere Liegen viel hel— fen kann. Aber nach ſechs oder acht Jahren ſollt Ihr wohl die Folgen ſpuͤren. Es wird ſich immer mehr Gras auf dieſen Laͤndereten einfinden; davon werden die Schaafe immer beſſer leben koͤnnen; ſie werden natuͤrlich immer mehr pferchen, und ſo wird der Graswuchs ſich jaͤhrlich 8——„ ,„ 224 beſſern, mit demſelben aber auch die Getreidearten„ die darauf folgen. Zuerſt wird Ein Morgen ganz ſchlechtes Sandland kaum fuͤr ein Schaaf Weide geben. Nach laͤngerer Ruhe, einiger Duͤngung, vielleicht auch durch Ueberfahren mit Mergel, und dadurch, daß man den Graswuchs vermehrt, indem man mit der letzten Getreideſaat weißen Klee aus⸗ ſtreuet, wird man die Weide ſo verbeſſern koͤnnen, daß eln Morgen fuͤr zwet, ja vielleicht fuͤr dret Schaafe Weide giebt. Dies wird ſich natuͤrlich auch danach richten, ob der Boden mehr Thon hat, oder faſt ganz reiner Sand iſt. Lehmtger Sandboden kann ſchon eine ſehr gute Schaaf⸗ welde geben, wenn er mit Mergel befahren iſt. Des Beiſpiels halber wollen wir einmal auszumitteln ſuchen, wie viel Schaafe auf einem Bauergute von ſechs⸗ zig Morgen gehalten werden koͤnnen, welches zwei Drit⸗ theile, oder vterzig Morgen Sandland hat, welches keine Gerſte ohne eine Mergelung tragen koͤnnte. Ein Drit⸗ theil oder zwanzig Morgen werden nun huthfret. Es wird wechſelsweiſe zum Getreidebau und Futterbau fuͤr das Arbeitsvieh und die Haushaltskuͤhe genuͤtzt. Die 40 Morgen wuͤrden in 6 Theile getheilt, von dem jeder 6 Morgen 120 Quadratruthen groß iſt. Ein Theil wuͤrde nach meinem Vorſchlage mit Buch⸗ weitzen und Spoͤrgel beſaͤet; darauf und auf den zweiten Theil kaͤme Roggen, in welchen im Fruͤhjahre weißer Klee eingeſaͤet wuͤrde. Vier volle Theile, zuſammen 26 Morgen, 120 Quadratruthen laͤgen zur Weide. So —õ—nu n, die noͤland Ruhe, mit nehrt, aug 1, daß Wedt en, oh Sand caafe mitten ſechs i Dit es keine Drt⸗ . E du flr 7, von Buch, veiten weſßer een 26 So 225 So lange das Weideland noch nicht mit Klee angeſaͤet iſt, werden ſich auf demſelben nicht mehr als 30 Schaafe halten koͤnnen. So wie aber jaͤhrlich ein neuer Theil beſaͤet zum Abweiden kommt, kann dieſe Anzahl ſteigen. Sind alle vier Theile angeſaͤet, ſo werden ſich 350 Stuͤck Schaafe darauf beſſer erhalten, wie vormals 20 Stuͤck. Dieſe 50 Schaafe wuͤrden an Winterfutter brauchen, wenn ſie hauptſaͤchlich mit Kartoffeln und Stroh erhal— ten wuͤrden: Auf 4 Monat oder 120 Tage das volle Futter; an Heu taͤglich ½ Pfd. auf das Stuͤck, betraͤgt taͤglich 25 Pfd. zu⸗ ſammen. 27⅞ Ctner. Auf 60 Tage oder 2 Monat das halbe Futter 72— 344 Ctner. Heu. Auf 4 Monat oder 120 Tage das volle Futter; an Kartoffeln taͤglich auf 3 Stuͤck 1 Metze, betraͤgt taͤglich 1 Schfl. 1 Metze, zuſammen 127 Schfl. 8 M. Auf 60 Tage oder 2 Monat das halbe Futter, taͤglich 35 Metze, zuſammen 32—— — 159 Schfl. 3 M. Kartoffeln oder den Ertrag von 2 Morgen guten Landes. Rechnet man den Ctner. Heu zu 12 Gr. ſo betraͤgt dies 17 Thlr. 6 Gr. den Scheffel Kartoffeln 4 Gr. 26— 14— 43 Thlr. 20 Gr. II. 1 25 1 226 Das geringſte an Wolle, welches 50 ſo gefuͤtterte Schaafe bei einer ſolchen Sommerweide geben, ſind fuͤnf Stein. Bei Befolgung der im Eingange erwaͤhnten Regel, fuͤr gute Zuchtſtoͤre zu ſorgen, wird dieſe Wolle unter Bruͤ— der mit 3 Thlr. der Stein bezahlt, dies betraͤgt 40 Thlr. 10 Merzſchaafe und Hammel, die jaͤhr⸗ lich uͤbrig ſind, à 2 Thlr. 20— 60 Thl. in Sum. Zieht man hiervon das berechnete Winterfutter ab, ſo bleiben noch 16 Thlr. 4 Gr., die allein aus dem Weidelande jaͤhrlich baar eingehen. Vertheilt man die⸗ ſes Geld auf die 26 Morgen 120 Ruthen, ſo bringt der einzelne Morgen 14 Gr. 6 Pf. durch die Weide ein. Dies iſt eine Nutzung des Landes von dieſer Be⸗ ſchaffenheit, mit der man nach der S. 180 angeſtellten Berechnung zufrieden ſeyn kann. Nach der jetzigen Be⸗ nutzung dieſes Landes zum Getreidebau traͤgt es, wie ich dort bewieſen habe, jaͤhrlich 3 Gr. der Morgen. Der Getreidebau nach meinem Vorſchlage wird reinen Gewinn, auf das einzelne Jahr vertheilt, jaͤhrlich 15 Gr. bringen Vertheilen wir den Ertrag der 4 Jahre, wo das Land zur Weide liegt, ebenfalls auf die ganzen 6 Jahre des Umlaufs, ſo traͤgt dies fuͤr den Morgen auf ein Jahr 9 Gr. 3 Pf., und dies zu den 15 Gr. Ertrag aus dem Getreide hinzu gerechnet, ſo kommt ütterte . ſind kommt 05 22⁷ eine Benutzung dieſes Landes nach Abzug der Unkoſten von 1 Thlr. 8 Pf. jaͤhrlich heraus, welche die jetzige Benutzung um das vierfache uͤbertrift. Auf dieſe Art habt Ihr durch die Schaafe ein Mit⸗ tel, auch das ſchlechte Land, welches ohne hinlaͤngliche Wieſen ſonſt gar nicht zum Getreidebau genuͤtzt werden koͤnnte, auf eine eintraͤgliche Art zu nuͤtzen, und es obendrein noch durch ſich ſelbſt jaͤhrlich zu verbeſſern, welches gewiß geſchieht, wenn Ihr in 6 Jahren nicht mehr als einmal Buchweitzen und einmal Roggen darauf bauet, und dieſes Stroh ſammt dem Miſt von dieſer Weide dem Lande gebt, welches Stroh und Weide hergab. In dem Anſchlage oder der Berechnung des Ertra— ges aus 50 Schaafen habe ich alles nur ſehr maͤßig ge⸗ rechnet. Bei einer guten wollreichen Schaafart und ei⸗ nem ſolchen Winterfutter werden 50 Schaafe wohl 6 Stein Wolle geben, und fuͤr 2 Thlr. verkauft man einen Hammel auch nicht, der bei ſolchem Futter aufgewachſen iſt. Aber ich will in keinem Stuͤcke uͤbertreiben, oder Euch einen Ertrag vorrechnen, der ſehr unſicher iſt. Wendet Ihr noch mehr an Sandland, fahrt Ihr einen guten Mergel auf; ſo werdet Ihr es dadurch ſo verbeſſern, daß Ihr noch die berechneten Kartoffeln auch auf dem Weidelande erbauen koͤnnt. Es wuͤrden dem Weidelande zwar drei Morgen abgenommen, aber nach einer Mergelung iſt der Graswuchs auf dieſem Lande gewiß ſo viel ſtaͤrker, daß dennoch die 30 Schaafe dar— auf leben koͤnnen. Und kommt denn der Miſt von den ———.——— ———— —————— — —— 228 verfuͤtterten Kartoffeln wieder auf dieſes Land, ſo kann es ſich immer fort allein in gutem Stande erhalten, und kann endlich die ganze Schaͤferey ohne alles Wieſenheu ſich Sommer und Winter von dieſen 40 Morgen erhal⸗ ten. Wir wollen aber nur annehmen, daß die Kartof⸗ feln noch darauf erbauet werden. Es werden 160 Schfl. nach der Berechnung gebraucht. Von gutem lehmigen Sandboden koͤnnten dieſe ſchon auf 2 Morgen erbauet werden. Unſer Schaafweideland haben wir aber ſchlech⸗ ter angenommen, und es werden 3 Morgen noͤthig ſeyn, um dieſe 160 Scheffel Kartoffeln darauf zu erziehen. Rechnen wir außer der Saat, die von dem Ertrage abgezogen wird, nach 3 Thlr. Bearbeitungskoſten auf den Morgen, ſo gehen 9 Thlr. von den 26 Thlr. 14 Gr. ab, womit die Kartoffeln in Ausgabe gebracht ſind, und es bleiben uͤbrig 17 Thlr. 14 Gr., die als Ertrag dem Lande zu Gute kommen. Vertheilen wir auch dieſe auf die ganzen 4o Morgen,— und das muͤſſen wir, weil der Miſt von dem ſaͤmmtlichen Lande kommt,— ſo kommt auf einen Morgen hiervon 10 Gr. 6 Pf. Vor⸗ hin haben wir gefunden, daß durch Getreidebau und Weide der Morgen 1 Thlr. 3 Pf. traͤgt, wenn er ſo behandelt wird, als ich gelehrt habe. Dadurch, daß die Kartoffeln auch auf dem Lande gebauet werden, bringt jeder Morgen reinen Ertrag 1 Thlr. 11 Gr. 2 Pf. Wer ſein Sandland ſo verbeſſern kann, darf ſich nicht uͤber den geringen Ertrag deſſelben beklagen. 123J3O -, 225d5 de kann , und enheu erhal⸗ artof⸗ Scfl. wigen rbauet ſchech⸗ ſeyn, iehen. rtrage a auf 14 Gr. d, und ag dem ieſe auf :, weil — ſo Ver⸗ eu und mer ſo daf dle bringt ff ſch 229 Vor der Schaafſchur muͤßt Ihr Eure ganze Auf— merkſamkeit auf das Waſchen der Wolle richten. Glaubt nicht, daß Ihr dadurch etwas gewinnt, wenn Ihr das Gewicht der Wolle durch den Schmutz vermehrt, der darin bleibt. Der Tuchmacher, der die Wolle kauft, kann ſie mit dieſem Schmutz nicht verarbeiten; er kann ihn alſo natuͤrlich nicht mit bezahlen. Er giebt Euch allemal ſo viel weniger fuͤr den Stein, als nach ſeiner Schaͤtzung in der ganzen Wolle Unreinigkeiten ſind. Koͤnnt Ihr es ihm aber verdenken, wenn es das Gewicht des Schmutzes in Gedanken immer hoͤher anſchlaͤgt, als es eigentlich betraͤgt? Er ſucht ſich vor Nachtheil zu ſichern, ſo gut er kann. Bringt Ihr aber reinliche, gut gewaſchene Wolle zum Verkauf, ſo werdet Ihr bald redliche Abkaͤufer fin— den, die Euch gern den Werth Eurer beſſern Wolle nach Wuͤrden bezahlen, weil es auch fuͤr ſie beſſer iſt, gleich reine Waare zu erhalten. Zuletzt noch ein Paar Worte uͤber das Behuͤten der Roggenſaat durch Schaafe. Wenn der Roggen zeitig genug geſaͤet wurde, und die Pflanzen ſich gehoͤrig beſtaudet haben, ſo iſt das Abfreſſen dieſes Herbſtwuchſes ganz unſchaͤdlich. Er wuͤrde den Winter uͤber doch verfaulen; wird er aber bei Froſtwetter von den Schaafen abgefreſſen, ſo kann man ſich dadurch eine betraͤchtliche Erſparung an Win⸗ terfutter machen. .————.— E— — 230 Das muß man ſich aber zur Regel machen, nur ſo lange auf der Saat zu huͤten, als der Boden feſt genug gefroren iſt, um keine Spuren der ſpitzen Fuͤſſe der Schaafe zu erhalten. Wenn der Sandboden durch lange anhaltenden trockenen Froſt ganz muͤrbe wird oder bei Thauwetter, thut man doch beſſer, die Schaafe von den Roggenfeldern abzuhalten, weil ſie dann die Herzen der Pflanzen angreifen, oder manche Pflanze vertreten. Die Futtererſparniß, die man durch das Saathuͤten bei der dazu dienlichen Witterung macht, muß man als ein Mittel betrachten, die Einbuße an Futter bei kargen Futterernten, durch große Duͤrre z. B. veranlaßt, zu uͤbertragen. Man muß alſo darum nooch nicht von ſei— ner gewoͤhnlichen Futterregel abgehen, und taͤglich etwas mehr geben, ſondern muß lieber etwas Futter zu uͤber⸗ ſparen ſuchen. Von der Schweinezucht. Auch die Schweine ſind dem Landmanne ſehr nuͤtz⸗ liche Thiere. Wenn er ſie gleich nicht zum Ziehen und Milchen brauchen kann, ſo verſorgen ſie doch ſeine Haushaltung mit Fleiſch, Wurſt, Speck und Fett, ohne welche in unſern Gegenden niemand eine Wirthſchaft fuͤhren kann. Es kann aber auch mancher Thaler Geld aus dem Verkaufe derjenigen Schweine geloͤſet werden, die man nicht ſelbſt zum Schlachten braucht. —— 231 nur ſt In einer Haushaltung, die aus ſechs bis acht Men— Henug ſchen beſteht, und wo vier bis fuͤnf Kuͤhe gehalten wer— ſe dee den, fuͤttert man einige Schweine mit Kuͤhentrank und durch Molken auf, ſo daß man ihre Unterhaltung kaum gewahr oder wird. Außerdem ſuchen die Schweine nebſt den Huͤh— fe von nern manches verzettelte Koͤrnchen auf dem Hofe auf, Herzen was ſonſt umkommen wuͤrde; die Koͤrner, welche in den reten. Stoppeln liegen bleiben, und die Kartoffeln, welche beim athüten Ausgraben verwuͤhlt worden ſind, wuͤrde man ohne nan als Schweine gar nicht zu Nutze bringen. kargen Ein Landmann, dem nichts klein und unbedeutend ſt, zu ſeyn muß, was ihm Vortheil bringt, wird daher auch on ſeis auf die Schweinezucht ſeine Aufmerkſamkeit richten, und h etwas ſo viel von dieſen Thieren halten, als er mit den Ab⸗ zu über⸗ gaͤngen der Haushaltung, mit einigen Kartoffeln und etwas Spreu ernaͤhren kann. Getreide fuͤttert man ungern in Schweine, es muͤßte denn gar wenig gelten, oder die Schweine muͤßten ſehr theuer ſeyn. In beiden Faͤllen kann man auch reines Getreide auf die Schweine 3 wenden, wobei ſie, vorzuͤglich in der Jugend, ſehr gut hr uüt⸗ empor wachſen. zehen Fuͤr gewoͤhnlich ſind aber die Kartoffeln, die Ruͤben— h ſeine arten, vorzuͤglich Runkelruͤben und Moͤhren, das eigent— ohne liche Schweinefutter. Am beſten iſt es, man kocht dieſe Ge— hſchft waͤchſe, und ſtampft ſie zu einem Brei, in welchen man er Gebd V Spreu von Leinknoten, von Klee, von Buchweitzen ꝛc. verden, dann einruͤhrt, wenn derſelbe noch bruͤhend heiß iſt. Im Sommer giebt man dieſen Thieren Molken —— ——— —— —y—— 232 und Kuͤchentrank zu ſaufen, nebenbei aber gruͤnen Klee, Salat, der alt und hart geworden iſt, Mohn, der aus⸗ gezogen wird; auch verſchiedene Unkraͤuter als Molde, Saudiſtel, Hederich ꝛc. Man thut wohl, dergleichen gruͤne Sachen zu ſtampfen, und mit dem Trank zu vermengen. Halbjaͤhrige Schweine, und noch aͤltere vorzuͤglich, halten ſich bei einem ſolchen Futter herrlich. Dieſe Thiere ſind ſo gefraͤßig, daß ſie deswegen zum Sprich— wort geworden ſind. Die jungen Ferkel, ſo lange ſie noch kein Vierteljahr alt ſind, muß man aber doch ſchon mit mehrerer Sorgfalt behandeln, und ihnen beſſeres Futter geben. Giebt man ihnen in der erſten Zeit etwas Getreide, ſo wachſen ſie ſchnell auf; ſind ſie aber auch einmal verbuttet, ſo bleiben ſie oft mehrere. Monate lang ſo, daß man gar keine Zunahme ſpuͤrt. Hat man Gelegenheit Ferkel oder junge Schweine gut abzuſetzen, ſo kann eine Zuchtſau vielen Vortheil bringen, wenn ſie gut iſt. Um ſich eine ſolche zu ver⸗ ſchaffen, kauft oder zieht man ſich ein Ferkel von einer ſolchen Art zu, welche in der Gegend am beliebteſten iſt. Gewoͤhnlich fallen die langgeſtreckten Schweine am beſten in die Augen, ob ſie gleich nicht ſo dicken Speck, an⸗ ſetzen, als die kurzen Schweine. Ein ſolches Sauferkel fuͤttert man vorzuͤglich gut, damit es recht groß wachſe, laſſe es aber nicht vor an— derthalb Jahren zum Beier. In dieſer Zeit iſt ein Schwein, bei guter Haltung von Jugend auf, ziemlich 233 Klee, erwachſen, und eine ſolche Sau wirft dann gewoͤhnlich 93 gleich zum erſten Male zehn Ferkel oder ſo viel als ſie e, Zitzen hat— zuweilen wohl eins mehr oder weniger. ahe Bei dem erſten Zulaſſen einer Sau zum Beier, t zu richte man es gleich ſo ein, daß die Ferkel zu einer guͤn⸗ ſtigen Zeit kommen. Dieſe iſt entweder der Ausgang olc, des Winters(Lichtmeß), oder die Zeit vor der Roggen⸗ diſe ernte, wenn man jaͤhrlich zweimal Ferkel ziehen will. eric⸗ Denn das iſt Hauptſache, daß eine Sau nicht zur de ſe Unzeit wirft. Ferkel, die nach Michaelis bis Weihnach⸗ ſcen ten kommen, koſten erſtaunlich viel, und werden doch ſetts ſelten durch den Winter gebracht. Da eine Sau vier dwas Monat traͤchtig geht, ſo muß man ſie zu Michaelis und auch zu Marien zum Beier laſſen, wenn die Ferkel zu jenen ſdondte Zeiten kommen ſollen. Sie haben dieſes fuͤr ſich: Zu Lichtmeß nahet der Winter ſich ſeinem Ende. hweine Werden die Ferkel bei der Sau nur in gutem Neſt ortheil erhalten, ſo ſchadet ihnen einige Kaͤlte nicht. Fangen ver⸗ ſie erſt an zu freſſen, ſo iſt die Witterung noch milder einer geworden. Auch koͤnnen die um dieſe Zeit geborenen ten ſt. Ferkel eher etwas unfreundliche Witterung ertragen, beſten weil ſie gleich daran gewoͤhnt ſind. an⸗ Noch leichter und wohlfeiler iſt die Aufzucht des zweiten Wurfs um Jakobi. Wenn ſie einige Wochen gut, alt ſind, koͤnnen ſie mit der Sau auf die Stoppeln ge— an⸗ trieben werden. Da finden ſie gleich volle Nahrung, ſt ein und werden vor Eintritt des Winters ſtark genug, um emlich 2344 ihn auszuhalten. Um Lichtmeß verkauft man denn die⸗ ſen Wurf gewoͤhnlich ſehr vortheilhaft. Soll eine Sau aber jaͤhrlich in der angegebenen Art zweimal Ferkel bringen, und jedes Mal gegen zehn Stuͤck aufſaͤugen, ſo muß ſie ganz vorzuͤglich gepflegt werden. Mit dem Futter, welches man den andern Schweinen giebt, darf man ſie nicht abſpeiſen. Man muß ihr ſchlechterdings etwas Getreideſchroot geben, ſonſt wird ſie elend, kann die vielen Ferkel nicht ernaͤh— ren, und rauſcht nicht wieder zur rechten Zeit. Bei einer guten Futterung einer ſolchen Sau nimmt man aber auch ſo viel Geld fuͤr die Ferkel ein, die ſie zieht, als man für Butter und Kaͤſe von einer Kuh einzunehmen pflegt. Sind die Ferkel nicht im Preiſe, oder man will an eine Zuchtſau nicht ſo viel Futter wenden, ſo laͤßt man ſie jaͤhrlich nur einmal ferkeln und zwar um Johannis, wo die Ferkel am wenigſten koſten. Setzt man die Ferkel von der Sau ab, welches nach ſechs Wochen gewoͤhnlich geſchieht, ſo fuͤttere man ſie ſo gut als moͤglich. Je ſchneller ſie in der fruͤhen Jugend empor wachſen, deſto weniger koſtet im Ganzen ihre Aufzucht. Saure Milch bekommt den Ferkeln ſehr gut. Ne⸗ benbei giebt man ihnen taͤglich etwas Roggen oder Gerſte. Hat man ſie nur ſechs oder acht Wochen lang recht gut gefuͤttert, ſo kann man ihnen dann auch ſehr bald ſchlech— teres Futter geben. In der erſten Zeit ſcheint ihnen der un die⸗ den Art eyfiegt andern Nan geden, dernaͤh⸗ welches te man ſruͤhen Ganzen Ne⸗ Herſte. ht gut ſchlech een der N 235 Kartoffeltrank nicht gut zu bekommen, bei dem ſiee ſich hernach ſo wohl befinden. Recht trockene gute Streu, am beſten von Roggen— ſtroh, iſt den Ferkeln und jungen Schweinen beinahe eben ſo zutraͤglich, als das gute Futter. Sie gedeihen nie, wenn man ſie im Schmutz liegen laͤßt. Zur Maſt ſtellt man nicht gern zu junge Schweine auf, weil dieſe dann bei dem beſſern Futter wohl tuͤchtig wachſen, aber keinen Speck anſetzen. Will man blos ein Fleiſchſchwein maͤſten, ſo kann man zwar ein Jaͤhri— ges dazu nehmen. Soll es aber guten Speck aufſetzen, ſo muß es gegen zwei Jahr alt ſeyn. Bei der Maſt ſelbſt ſind dieſelben Regeln, wie bei der Rindviehmaſtung zu beobachten. Man glaube nicht, daß man darum die Schweine nicht mit derſelben Puͤnkt⸗ lichkeit zu fuͤttern brauche, weil ſie an und fuͤr ſich un⸗ reinliche und gefraͤßige Thiere ſind. Man muß den Maſtſchweinen ihr Futter in kleinen Portionen und oft vorſchuͤtten— man muß damit Zeit und Stunde hal— ten, und der Trog muß immer rein gehalten werden, wenn die Maſtung ſchnell vorwaͤrts gehen ſoll. Will man bloße Fleiſchſchweine haben, ſo braucht man nichs wie gekochte Kartoffeln zur Maſtung zu neh— men. Recht ſtarken Speck erlangt man aber allein durch die Kartoffelmaſtung nicht. Im Anfange fuͤttert man ſie zwar damit, nach acht oder zehn Wochen faͤngt man aber an, unter die Kartoffeln etwas Getreideſchroot zu mengen. So wie dieſe Thiere immer fetter werden 236 und weniger freſſen, ſetzt man mehr Schrvot zu, und nimmt Kartoffeln ab, bis man ihnen am Ende bloßen Schrootbrei giebt, oder gequollenes Getreide. lene Erbſen oder Bohnen maͤſten am beſten. 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