8. — — 7 -, ſ/ J.“ G. Koppe, 4 am landwirthſchaftlichen Inſtitute zu Mögelin, Unterricht im Aderbau und in der Viehzucht. Ein Handbuch fuͤr Landleute und alle, welche es mit dem Landmanne gut meinen, beſonders im Preuſiſchen Stuate. Heragausgegebe von A. Thaer, Kdnigl. Dreuß. Stgatsrathe. Erſter Theill. oeoeeeee,,, e eeseee snooee Berlin, 1313. Bei Friedrich Braune 6. ner d theurs lcche Vi t gie lch 77 Vorrede des Hherausgeber g. —=—— Wenn gleich der Verfaſſer dieſes Buchs— mein theurer Freund und Gehuͤlfe beim landwirthſchaft— lichen Unterrichts-Inſtitute ſowohl, als bei der Wirthſchaftsfuͤhrung zu Moͤgelin— ſich fruͤh und ſchnell durch ſeine vorzuͤglichen Talente und Ener— gie zur Adminiſtration großer Guͤter mit dem gluͤck— lichſten Erfolge, zugleich aber, ohne Abbruch ſei— ner praktiſchen Thaͤtigkeit, zu einer wiſſenſchaft⸗ lichen Bildung, und ſomit zu den hoͤheren Kreiſen der buͤrgerlichen Geſellſchaft, hervorſtechend gegen viele darin geborne, erhob; ſo behielt er doch eine rege Liebe fuͤr die Umgebungen ſeiner Kindheit, fuͤr baͤuerliche Wirthſchaften und Verhaͤltniſſe bei. Ein rechtlicher und verſtaͤndiger Bauer blieb ihm um ſo mehr der achtungswertheſte Menſch, da 5 35 — ———IſIſIͤ —— — — r — IV die Verhaͤltniſſe dieſes Standes ſo niederdruͤckend waren, daß nur eine ſeltene Kraft und Stim— mung des Gemuͤths die menſchliche Wuͤrde in mora⸗— liſcher und intellectueller Hinſicht bei ihm aufrecht erhalten konnte. Je trauriger fuͤr ihn der Anblick des Bauern in den meiſten Preußiſchen Provinzen geweſen war, der hier weit tiefer als in ſeinem Vater⸗ lande, Sachſen, ſtand; um deſto groͤßer war ſeine Freude, Dankbarkeit und Eifer, wie er die Ab— ſichten unſers wahrhaft weiſen, vaͤterlichen Koͤnigs aus deſſen Edicten uͤber die Abaͤnderung der baͤuer— lichen Verhaͤltniſſe, und uͤber die Befoͤrderung der Landkultur vernahm. Sein regſter Wunſch war, daß ſie bald vollſtaͤndig erreicht werden moͤchten, und er fuͤhlte inneren Beruf, hiezu ſeinerſeits beizutragen, indem er ſeinen geliebten Landmann und nunmehrigen Mitbuͤrger uͤber die Benutzung der ihm daraus zufließenden, aber vielleicht ver— kannten Vortheile belehrte. Er widmete alſo die wenigen Stunden der Muße, welche ihm die bei dem Mögeliner Inſtitute erſt angetretene Lehrſtelle, und die zugleich uͤbernommene Direktion der hie— ſigen Wirthſchaft ließen, dieſer populaͤren Schrift. In Anſehung des Vortrages kam der ſoge— nannte katechetiſche und der geſchichtliche, dinger Lundel nnüßs nacht ton be licht V nach der Weiſe des Beckerſchen Noth- und Huͤlfsbuͤchleins mit auf die Wahl. Soll aber der Charakter der eingefuͤhrten Perſonen hierbei einigermaßen aufrecht erhalten werden, ſo iſt das Taͤndelnde, und eine in Hinſicht der Hauptſache unnuͤtze Weitlaͤuftigkeit, nicht zu vermeiden. Auch machte der geſchichtliche Vortrag eine Annahme von beſonderen Ortsverhaͤltniſſen nothwendig, die leicht Einſeitigkeiten oder Unangemeſſenheit fuͤr an⸗ dere Verhaͤltniſſe veranlaßt. Der Verfaſſer waͤhlte aus dieſer Urſach den zutraulichen Lehrton, und dieſer iſt, wie ich glaube, fuͤr den Zweck der Schrift richtig getroffen. Er iſt plan und an— ſprechend fuͤr den Bauersmann, ohne niedrig und gemein zu ſeyn. Auch iſt nichts geſagt, woran der natuͤrliche Verſtand eines Bauern abgleiten muͤßte. Was nun die Benutzung dieſes Buchs an— betrift— Ich verkenne den Werth mancher in Vorſchlag, zum Theil zur Ausfuͤhrung gebrach— ter Schulverbeſſerungen nicht. Aber vor allem ſcheint es mir fuͤr die Volkserziehung Noth zu thun, daß dem aus der Schule getretenen Bur— ſchen ein fernerer Unterricht und eine ihm ange— meſſene Bildung nicht abgeſchnitten ſey, vielmehr die Neigung dazu in ihm erhalten oder erweckt VI werde. Es wird genug ſeyn, wenn ihm dazu an den allgemeinen Ruhetagen, die nach gottlichen und menſchlichen Einrichtungen der Ruͤhe des Koͤrpers und der Erhebung des Geiſtes und Ge— muͤthes gewidmet ſeyn ſollen, Gelegenheit ver— ſchafft wird durch einen freien, ihn anſprechen⸗ den, ſein eigenes Nachdenken erweckenden Unter— richt; der unter der Aufſicht der Polizey-Obrig— keit ſtehen, und von einem verſtaͤndigen Manne, ſey er Prediger, Schulmeiſter, oder jeder andere, ertheilt werden muß. Dieſer moͤglichſt zwanglos erſcheinende Unterricht muß zuvoͤrderſt auf das erſte Beduͤrfniß des Landmannes— auf die Mit— tel zur Vermehrung ſeines Wohlſtandes gerichtet ſeyn. Von dieſem Grunde aus wird man jedes andere erreichen koͤnnen; aber es waͤre ein ver— gebliches Unternehmen, das Geiſtiſche ſtaͤrken zu wollen, ſo lange das Phyſiſche ſchmachtet. Fuͤr dieſen Unterricht waͤre dieſes Buch vorzuͤglich ge— eignet. Es muͤßte aber nicht, wie es der Bauer zu nennen pflegt, hergebetet, ſondern ſtuͤckweiſe vorgeleſen, und dann daruͤber verſtaͤndig geſprochen werden. Ferner aber iſt dieſes Lehrbuch fuͤr jeden klei— neren Landwirth vielleicht unter allen das brauch⸗ barſte, der Bildung genug hat, um ſich durch ‿ ndwit d dr ſch no giſit rchig denen, ſofte nuſte in B dm! get den, kt, ſtid ſt VII eigenes Leſen zu unterrichten, aber ſich dennoch nicht zu hoͤheren und rationellen Anſichten der Landwirthſchaftskunde zu erheben vermag. Er fin— det darin alles, was ihm noͤthig iſt, und was ſich nach dem jetzigen Stande unſres Wiſſens poſitiv ſagen laͤßt, klar und wahr geſagt und richtig gewuͤrdigt. Es iſt daher Landpredigern— denen, wenn ſie ihren Pfarracker ſelbſt bewirth— ſchaften, es zur Pflicht gemacht werden ſollte, muſterhaft zu wirthſchaften— allen gebilde— ten Beſitzern und Acquirenten kleiner Guͤter, die dem hoͤheren Studium der Agrikultur nicht viele Zeit widmen koͤnnen, vorzuͤglich zu empfehlen. So ſehr alle Weitſchweifigkeit vermieden wor— den, ſo konnte das Buch, ohne der Vollſtaͤndig— keit, der Verſtaͤndlichkeit und dem Eindrucke zu ſchaden, doch nicht enger konzentrirt werden. Es iſt alſo vielleicht manchem noch zu theuer; und das iſt ſchade! Wenn aber dieſe erſte Ausgabe, welche unter den jetzigen Zeitumſtaͤnden nicht ſtark ſeyn konnte, den gehofften Eindruck macht, ſo werden ſich wahrſcheinlich Mittel finden, eine zweite auf ſolchem Wege zu veranſtalten, daß es ſich jedermann zu einem ſehr wohlfeilen Preiſe verſchaffen koͤnne. 2 , — ——— 1 1 „ VIII Ihr lieben Landleute! nehmt dieſen leicht faßlichen aber gruͤndlichen Un— terricht dankbar auf, und ſeyd uͤberzeugt, daß darin nichts anderes geſagt iſt, als was eine langjaͤhrige, aufmerkſame, allenthalben beſtaͤtigte Erfahrung gelehrt hat, und daß der Verfaſſer keine andere Abſicht dabei hatte, als Euch wahr— haft nuͤtzlich zu werden. Mogelin, den 24. July 1812. A. Thaer. 1X Inhalts⸗Verzeichniß zum erſten Theil. Seite Einleitung uͤberhaupt..... XV Von den Nachtheilen der Felderzerſtuͤckelung und der gemeinſchaftlichen Weideberechtigung. XXXIV Iſt es beſſer ein großes oder ein kleines Gut zu beſitzen?..— 3..... XILV Von den Vortheilen, die ſich ein Landmann durch ein ganz einfaches Anſchreiben und Berechnen in ſeiner Haushaltung verſchaffen kann?..It Vom Ackerbau. Erſtes Kapitel. Von der noͤthigen Kenntniß des Bodens und den verſchiedenen Bodenarten...... 1 Zweites Kapitel. Von der Ableitung des Waſſers.... 15 Drittes Kapitel. Von der Verbeſſerung des Bodens durch Auffah⸗ ren anderer Erdarten, und vom Mergeln oder Lehmen..——.. 4 3 21 Vom Moder... 1 4.. 145 Viertes Kapitel. Vom Miſt oder Dunger. 443 Fuͤnftes Kapitel. Von der Bearbeitung des Boden... 71 Sechstes Kapitel. Vom Saͤen... 4— 92 Seite Siebentes Kapitel. Betrachtungen uͤber das Wachsthum der Pflan⸗ zen, vorzuͤglich der von dem Landwirthe ange⸗ bauten Gewächſe... 956 Achtes Kapitel. Fortſetzung und Vorſchlaͤge zur beſſern Einrich— tung der Bauerwirthſchaften..... 120 Anbau der einzelnen Fruͤchte... 2245 Neuntes Kapitel. Vom Weitzen. 3—.... 146 Zehntes Kapitel. Vom Roggen....„ 455 Eilftes Kapitel. Von der Gerfte. 163 Zwoͤlftes Kapitel. Vom Hafer..—. 2——.. 169 Dreizehntes Kapitel. Von den Huͤlſenfruͤchten.—.. 1272 Erbſen........ 174 Wicken. 3.—.——. 175 Linſen—.—...—.. 182 Bohnen....—... 183 Buchweitzen....... 186 dur eite 0 82 έ— d8 A XI Inhalt des zweiten Theils. (Erſcheint in vier Wochen.) Vom Anbau der Futtergewaͤchſe uͤberhaupt. Vierzehntes Kapitel. Vom Anbau der einzelnen Futtergewaͤchſe. Von den Kartoffeln(Knollen, Erdtoffeln, Nu⸗ deln ꝛc.). —— Kohlruͤben(Wrucken, Steckruͤben). —— weißen Ruͤben(Waſſeerruͤben). —— Mohrruͤben oder Moͤhren(Karotten, gelbe Ruͤben). —— Runkelruͤben. Vom Kohl, Kopfkohl oder Weißkraut. — rothen oder ſpaniſchen Klee, Kleber, Brabanter oder Kopfklee. Von der Luzerne und Esparſette. Vom Spoͤrgel(Kraniſch, Knoͤterich, Juling, Ku⸗ linka). Von den Wieſen. Funfzehntes Kapitel. XII Von der Viehzucht im Allgemeinen. Sechzehntes Kapitel. Von der Stallfutterung des Viehes. —— Pferdezucht. —— Rindviehzucht. —— Schaafzucht. —— Schweinezucht. Uäe li nterricht i m Ackerbau und in der Viehzucht. „ it, dor hyn an der Men a vis. udn Dod Diſ nd waden Dn ohn doden we denen kor gienm deg dre Einleitung, Jor wißt, lieben Landleute! daß Gott den Stamm— vater der Menſchen mit den Worten aus dem Para⸗ dieſe wies:„Im Schweiße deines Angeſichts ſollſt du dein Brod eſſen!“ Dieſen Beruf haben wir Landleute noch heute, und werden ihn behalten, ſo lange die Erde ſteht. Denn ohne Arbeit und Muͤhe traͤgt der fruchtbarſte Boden wenig Gewaͤchſe, die zur menſchlichen Nahrung dienen koͤnnten. Der Acker muß gepfluͤgt oder gegra⸗ ben, beſaͤet und bepflanzt werden, wenn wir uns und unſere Hausthiere ernaͤhren wollen. So lange die Anzahl der Menſchen, die auf der Erde lebten, noch klein war, konnte ſie ſich eher ohne Ackerbau behelfen. Sie hatten dann weite Strecken vor ſich, auf denen ſie die wenigen Nahrungsmittel zuſammen ſuchen konnten, die ohne Muͤhe erwuchſen. Vorzuͤglich aber bedienten ſie ſich der Thiere, die durch ihre Milch und ihr Fleiſch ihnen Nahrung, und durch XVI ihre Haͤute und Wolle Kleidung und andere Beduͤrf⸗ niſſe lieferten. Die Thiere naͤhrten ſich von dem Graſe, welches der Boden von ſelbſt hervorbrachte. Denn dieſer muß den Menſchen immer ernaͤhren. In dem Falle, daß er Viehfutter traͤgt, wird daſſelbe durch unſere Hausthiere zu menſchlichen Nahrungs⸗ mitteln umgewandelt. Die bekannten Erzvaͤter, Abraham, Iſaak und Jakob fuͤhrten noch ein ſolches Hirtenleben. Sie hat⸗ ten große Viehheerden, wohnten in Huͤtten oder Zel⸗ ten, und zogen mit ihren ganzen Habſeeligkeiten wei⸗ ter, wenn das Gras in einer Gegend abgefreſſen war— Sie ſuchten ſich zu ihrer neuen Wohnung eine Ge⸗ gend aus, wo ihr Vieh wieder Nahrung im Ueber⸗ fluß fand, und zogen auf dieſe Art beſtaͤndig herum. So machen es jetzt noch in den unbewohnten Gegen— den des Erdbodens mehrere Voͤlker. Ein ſolches Leben muß aber aufhoͤren, wenn die Menſchen ſich mehren. Es giebt dann nicht mehr weite Huͤtungsplaͤtze, auf die man nur hinzutreiben braucht, um ſein Vieh aufs Neue zu maͤſten. Von allen Seiten findet man die Weide ſchon mit dem Viehe anderer Leute beſetzt. Die Viehzucht giebt nun nicht mehr Nahrungsmittel genug fuͤr die Menſchen; ſie muͤſſen ſich entſchließen, den Boden aufzureißen und ihn mit Fruͤchten zu beſtellen, die ihnen gleich Fleiſch XVII Fleiſch und Milch zur Speiſe dienen koͤnnen, und— es entſteht Ackerbau. Aber ſchon der roheſte und unvollkommenſte Ak⸗ kerbau ſetzt mehrere Geſchicklichkeit und eine ganz an⸗ dere Lebensart voraus, als jenes herumziehende Hir⸗ tenleben. Der Ackerbauer braucht eine Menge Werk⸗ zeuge, womit er den Boden bearbeitet, ſein Gewaͤchſe aberntet, ſie reinigt, und vollends zur Nahrung zu⸗ bereitet. Er braucht aber auch feſte Wohnungen, in denen er ſich und ſeine Fruͤchte vor der uͤblen Witterung verbirgt. Der Saamen, welchen der Landmann aus⸗ ſaͤet, braucht lange Zeit, ehe er reife Fruͤchte traͤgt; der Boden, der einmal bearbeitet war, ackert ſich leichter, als der ganz wilde, noch nicht von Steinen und Holz gereinigte. Die herumziehende Lebensart paßt alſo gar nicht zum Ackerbau. Der Menſch er⸗ wirbt ſich durch die Urbarmachung des Bodens ein Eigenthum, das er lieb gewinnt, und er bauet ſich feſte Wohnungen. So entſtehen erſt einzelne Hoͤfe, dann ganze Doͤrfer. Die erſten, welche das Land baueten, thaten es gewiß nur aus Noth. Sie waren alſo zufrieden, wenn ſie nur das Nothduͤrftigſte zu ihrem Unterhalt erzielen konnten. So wie ſie ſich aber laͤnger mit dem Ackerbau beſchaͤftigten, erlangten ſie groͤßere Ue⸗ I. b XVIII bung in allen dazu noͤthigen Arbeiten und Geſchaͤf⸗ ten. Sie konnten dann eine groͤßere Flaͤche anbauen, und fingen an, mehr zu ernten, als ſie zu ihrem ei⸗ genen Unterhalte brauchten. So lange ſie nur die eigene Nothduufe hatten, beſaßen ſie nichts, was ſie an andere haͤtten verlie⸗ ren koͤnnen. Dasjenige an Lebensmitteln, was ſie fuͤr ſich ſelbſt nicht noͤthig hatten, konnten ſie nun an diejenigen hingeben, die ihnen ihre Beduͤrfniſſe dafuͤr verfertigten, welche ſie ſich ſo lange ſelbſt machen mußten. Es iſt unbequem, zugleich Schmidt, Stellmacher, Schuſter, Schneider und Zimmermann zu ſeyn. Man wird keine dieſer Arbeiten vollkommen erlernen, wenn man ſie jaͤhrlich nur eine kurze Zeit treiben kann. Man wird aber auch zur Verfertigung ſeiner Beduͤrfniſſe, eben weil man keine Geſchicklich⸗ keit in ſo vielerlei Arbeiten erwerben kann, viel mehr Zeit brauchen, die man nuͤtzlicher auf den Landbau wenden konnte. Der Ackerbau machte alſo dadurch gewiß ſchnelle Fortſchritte, daß zu manchen einzelnen Geſchaͤften ſich Leute fanden, die nur dieſe ausrichteten. Sie er⸗ langten dadurch eine groͤßere Uebung darin, und konn⸗ ten in einem Tage vielleicht ſo viel ausrichten, als ein Ungeuͤbter in dreien. Die eigentlichen Ackerbauer konnten ſich, nach⸗ — ,.–. —— —,— XIX dem die ſo nuͤtzliche Menſchenklaſſe der Handwerker und Kuͤnſtler entſtanden war, mit weit mehrerem Fleiße auf den Landbau und die Viehzucht legen. Sie konnten fuͤr ihren Ueberfluß an Fruͤchten, Milch und Butter mit weit groͤßerer Bequemlichkeit ſich die⸗ jenigen Dinge verſchaffen, die ſie zur Fortſtellung ihrer Wirthſchaft noͤthig haben, oder die ihnen zur Klei⸗ dung, Nahrung und Ergoͤtzlichkeit dienen. Die Noth und das Beduͤrfniß lehrten die Men— ſchen zuerſt den Acker bauen, ſie fuͤhrten aber auch zugleich manche Einrichtungen herbei, deren Entſte⸗ hung uns jetzt unbegreiflich erſcheinen wuͤrde, wenn wir nicht wuͤßten, wie es vor mehreren hundert Jah⸗ ren in unſerm Vaterlande hergieng. Diejenigen Einwohner, welche den Acker nicht baueten, Handwerker, Kuͤnſtler und Kraͤmer; fanden es bequemer, wenn ſie in groͤßerer Anzahl beieinander wohnten. Sie konnten ſich dann bei der Verferti⸗ gung mancher Dinge einer dem andern in die Haͤnde arbeiten. Einer konnte dem andern leichter das uͤber⸗ laſſen, was er verfertigte, und dagegen leichter von dem andern erhalten, was er brauchte, wenn ſie nicht weit von einander wohnten. So entſtanden die Staͤdte, die zur Betreibung der mehreſten Hand⸗ werke und Kuͤnſte weit eher geeignet ſind, als die Doͤrfer. Fuͤr die Landleute haben ſie den großen ·„ —.„ h —— ——— ſ— — —— XX Vortheil, daß ſie auf einem kleinen Platze alles be⸗ kommen koͤnnen, was ſie brauchen. Wohnten die Handwerker zerſtreut auf den Doͤrfern umher, ſo muͤßte man nach jeder einzelnen Sache laufen, ſtatt daß man jetzt alles mit Einem Gange erhalten kann. In jenen Zeiten, wo in unſern Gegenden die Menſchen zuerſt aus dem Stande der Wildheit in den geſitteten uͤbergiengen, und ſich nach und nach in die verſchiedenen Beſchaͤftigungen theilten, gab es aber außer jener natuͤrlichen Urſache noch einen andern Grund, warum ein großer Theil der Einwohner ſich in Staͤdten und groͤßeren Orten zuſammen geſellte. Dieſer war die groͤßere Sicherheit, in welcher ſie in großer Anzahl leben konnten. Denn in einem Lande, wo man vorher noch gar kein Eigenthum kannte; wo man entweder von einem Orte zum andern mit ſeinem Viehe zog, oder bloß von den wilden Thieren lebte, konnte es weder Obrig⸗ keiten noch andere heilſame Einrichtungen geben, die jetzt das Eigenthum des einzelnen Einwohners in Schutz nehmen. Das Recht des Staͤrkern galt damals allein. Wer mit Liſt oder Gewalt von ſeinen Nachbaren et⸗ was nehmen konnte, hatte nichts weiter zu fuͤrchten, als daß ſie es uͤber kurz oder lang mit ihm wieder ſo machen wuͤrden. XXI Traten mehrere zuſammen, die das einſahen, daß es ein elendes Leben ſey, wenn man nie wiſſe, ob man das morgen noch habe werde, was man heute erworben habe, ſo unterwarfen ſie ſich freiwillig einer gewiſſen Ordnung, und damit ſie ſich beſſer gegen an⸗ dere vertheidigen konnten, zogen ſie es vor, in großer Anzahl zuſammen zu ziehen, wo denn einer fuͤr alle zu ſtehen verſprach. Dies gieng nun freilich fuͤr die Handwerker und ſolche Leute leicht an, die von ihrer Haͤnde Arbeit lebten, aber fuͤr diejenigen, welche den Acker bebaue— ten, ſchickte ſich das Zuſammenziehen vieler an Einen Ort nicht. Ihr Acker war die Quelle ihres Unterhalts, den ſie nicht verlaſſen konnten. Daher war das Land immer noch der groͤßten Unſicherheit ausgeſetzt, als in den Staͤdten ſchon Ordnung und Sicherheit herrſch— ten. An die Einrichtung einer geſetzmaͤßigen Obrigkeit war noch nicht zu denken. Die Laͤnder hatten zwar Oberherren; dieſe hatten aber groͤßtentheils mit aus— waͤrtigen Kriegen ſo viel zu thun, daß ſie an die in⸗ nere Verfaſſung wenig denken konnten. Auch hatten ſie viel zu wenig Macht, allen Gewaltthaͤtigkeiten Ein⸗ halt zu thun. Es gab ſehr viele ruͤſtige Leute, die ſchlechter⸗ XXII dings nicht Luſt hatten, ſich ihre Beduͤrfniſſe zu er⸗ bauen, oder ſie durch ihrer Haͤnde Arbeit zu verdie⸗ nen. Sie thaten vielmehr ihr ganzes Lebenlang nichts, als rauben, wo ſie etwas erlangen konnten. Zu ih⸗ nen geſellten ſich immer ſo viele mit gleichem Sinne, daß ihre Anzahl ſehr groß war, und daß ſelbſt die Fuͤrſten jener Zeit nichts gegen ſie ausrichten konnten. Diejenigen Einwohner, welche in Staͤdte zuſam⸗ men zogen, ſicherten ſich vor den Gewaltthaͤtigkeiten dieſer Raͤuber, und litten hoͤchſtens dann, wenn ſie ihre Waaren von einer Stadt zur andern ſchaften, und unterweges angefallen wurden. Deſto mehr wa⸗ ren aber die Landleute den Beraubungen ausgeſetzt. Wo wollten dieſe mit dem Ihrigen hin? Die Fruͤchte des Landmannes ſtehen ja frank und frei da. Wenn die Macht der buͤrgerlichen Ordnung und der Geſetze ſie nicht ſchuͤtzt, ſo kann der Ackerbauer ſich vor Raub nicht ſicher ſtellen. Man kann ſich alſo denken, mit welchen Be⸗ ſchwerden die Landleute jener Zeit zu kaͤmpfen hatten. Da ſie ihres Eigenthums, oft ſelbſt ihres Lebens, nie ſicher waren, ſo konnten ſie nur wenig Luſt haben, den Ackerbau mit Luſt und Eifer zu treiben. Sie er⸗ baueten nur das Nothduͤrftige, weil der Ueber⸗ fluß jene Raͤuber nur mehr angereitzt haͤtte. Viele Landleute begaben ſich in jener Zeit, um m XXIII vor der Pluͤnderung Ruhe zu haben, unter den Schutz muthiger Maͤnner, die mit den Waffen umzugehen wußten, und die es auf ſich nahmen, die oͤffentliche Sicherheit herzuſtellen. Soldaten, wie wir ſie jetzt haben, gab es da⸗ mals nicht. Die Vertheidigung des Landes gegen auswaͤrtige und innere Feinde, wurde durch die da— mals ſogenannten Ritter beſorgt. Zu ſolchen nahmen die Landleute ihre Zuflucht, und damit dieſe ſich mit den noͤthigen Leuten erhal— ten konnten, uͤbernahmen es die Ackerbauer, das Land ihres Schutzherrn mit zu bearbeiten; ſie gaben ihm auch wohl noch etwas Beſtimmtes an Getreide und andern Fruͤchten. An andere Orte ſetzte der Landesherr ausgezeich⸗ nete Maͤnner des Ritterſtandes hin, auf die er ſich verlaſſen konnte, und denen er es zur Pflicht machte, auf Ordnung zu halten. Ihre Einkuͤnfte oder Be— lohnung fuͤr treu geleiſtete Dienſte wies er ihnen theils in Land an, welches die Ackerleute mit bearbeiteten, theils mußten dieſe ihnen ebenfalls noch andere Ab⸗ gaben entrichten. Der Bauer oder Landmann war erfreut, daß er zur Sicherheit ſeines Lebens gelangte und ſeinen Acker bauen konnte, ohne zu fuͤrchten, daß ihm ſeiner Haͤnde Arbeit und Lohn mit Gewalt genommen werde. Er XXIV unterwarf ſich alſo gern den Befehlen ſeines Be⸗ ſchuͤtzers, und gab und that fuͤr ihn, was er nur konnte. Und ſo entſtand allmaͤhlig das Verhaͤltniß zwiſchen Gutsherren und Bauern, die Einrichtung der Hofedienſte und der Abgaben der Bauern an die Rit⸗ tergutsbeſitzer. Eine lange Zeit hindurch war dafuͤr auch der Edelmann allein Soldat. Nach Erfindung des Schießpulvers und des Feuergewehrs wurde aber eine andere Art Krieg zu fuͤhren eingefuͤhrt, und der Rit⸗ terſtand allein war zur Vertheidigung des Landes nicht mehr zureichend. Die Buͤrger und Bauern mußten auch mit in den Krieg ziehen, ſo wie uͤber⸗ haupt alle Landesherren viel groͤßere Armeen zu un⸗ terhalten anfingen, als ehemals. Zur Unterhaltung dieſer Armeen und mancher andern Einrichtungen wurden die Abgaben in allen Laͤndern ſehr vermehrt, und mußten allerdings auch auf den Bauer fallen. Sie druͤckten ihn faſt noch mehr, wie die uͤbrigen Staͤnde, weil er von Alters her ſchon eine Laſt durch Hofedienſte und andere Abga⸗ ben fuͤr ſeine Vertheidigung zu tragen hatte, die nun freilich zwecklos war. Allein der Vertrag hatte durch die lange Dauer Unaufloͤslichkeit bekommen, wie alles, was mehrere Jahrhunderte beſtanden hat, und er ———⏑—ꝛ⏑—:B—B—B—B—P—PP4——— —— —— XXV konnte nicht aufgehoben werden, wenn nicht zugleich alle gute Ordnung dabei zu Grunde gehen ſollte. Diejenigen Menſchen, die jetzt die großen Guͤter beſitzen, an welche die Hofedienſte geleiſtet werden muͤſſen, haben dieſe mit allen den Rechten und Laſten geerbt oder gekauft. Es iſt alſo ihr wohlerworbenes Eigenthum, in deſſem Beſitz der Landesherr ſie ſchuͤtzen muß. Er kann nicht dem Einen nehmen, um es den Andern zu geben, ſondern muß als Vater aller ſei— ner Unterthanen, auch alle mit gleicher Gerechtigkeit behandeln. Daß unſer theurer Koͤnig weiß, wie ſehr die Laſt der Hofedienſte Euch, lieben Landleute! druͤckte, koͤnnt Ihr daraus erſehen, daß er ein Geſetz gegeben hat, nach welchem dieſe druͤckende Laſt Euch abge⸗ nommen wird. Es iſt gewiß das Merkwuͤrdigſte, was Ihr erlebt, und dieſer liebenswuͤrdige Monarch verdient dafuͤr Euren innigſten Dank. Er berief zur Berathſchlagung uͤber dieſen wich⸗ tigen Gegenſtand die kluͤgſten und erfahrenſten Maͤn⸗ ner aus allen Provinzen unſeres Vaterlandes vor ſeinen Thron. Darunter waren nicht blos Ritter⸗ gutsbeſitzer, ſondern auch kluge Bauern. Nachdem dieſe Maͤnner gemeinſchaftlich alles hin und her uͤberlegt hatten, wurde den vierzehnten Sep⸗ tember 1811 das Edikt publizirt, nach welchem nicht XXVI nur die Hofedienſte in gewiſſen Zeitraͤumen aufhoͤren muͤſſen, ſondern auch alle die verdruͤßlichen Leiſtungen und Abgaben, die ſo viele Gelegenheit zu Streitigkei⸗ ten gaben. Die Rittergutsbeſitzer werden fuͤr die Hofedienſte und andere Abgaben durch Land ent⸗ ſchaͤdiget. Auf dieſe Art ſchafte unſer vortreflicher Monarch die ungluͤcklichen Verhaͤltniſſe ab, die Euch, gute Land⸗ leute, druͤckten und Euch in Eurer Wirthſchaft zuruͤck hielten, ohne Euren Herren etwas zu nehmen. Denn dieſe erhalten Land von Euch, das Ihr recht gern vergeſſen koͤnnt, weil Ihr nun mit dem uͤbrigen ſchal⸗ ten und walten koͤnnt, wie Ihr wollt. Ihr muͤßt aber die Billigkeit der großen Guts⸗ beſitzer erkennen, mit welcher ſie dem landesherrlichen Willen die Hand boten und ſich zu dieſem Tauſch bereit erklaͤrten. Ihr muͤßt ſie bei den mancherlei neuen Einrichtungen in ihrer Wirthſchaft, die durch dieſe Umwandelungen noͤthig werden, moͤglichſt unter— ſtuͤtzen. Denn ob ſie gleich durch das Land, welches ſie erhalten, fuͤr die Dienſte entſchaͤdiget werden, ſo haben ſie doch jetzt in der erſten Zeit viele Sorge mit der Anſchaffung von Pferden und Zugvieh uͤber⸗ haupt, ſo wie mit der Errichtung neuer Gebaͤude. Seyd einander daher behuͤlflich, wo Ihr koͤnnt, damit jeder Theil ſeine Wirthſchaft aufs Neue recht ——— ☛☛̈—— XXVII bald in Orbnung bringe. Aller Schaden, den der Krieg verurſacht hat, wird verſchmerzt werden, wenn Ihr die Wohlthaten, welche Euch durch dieſe Veraͤn⸗ derung zu Theil werden, recht anwendet. Aber im Schlaraffenlande wohnen wir nicht, wo die Tauben ſchon gebraten ins Maul fliegen. Arbeit und Muͤhe macht die Umwandelung der Wirthſchaft— ſie erfordert auch Nachdenken. Wer die Haͤnde in den Schooß legen wollte, wuͤrde wenig Vortheil davon haben, daß er kuͤnftig keine Hofedienſte mehr zu leiſten braucht. Jetzt iſt die Zeit zur Thaͤtigkeit und zur Aufmerk⸗ ſamkeit fuͤr Euch. Alle bisher beſtandenen Verhaͤlt— niſſe mit dem Acker, der Weide und dergleichen hoͤren auf. Solche Berechtigungen, wodurch einer den andern in der Benutzung ſeines Eigenthums ſtoͤrte, ſind aufgehoben. Es geht Ackerland verloren, und die bisherige Feldereinrichtung kann ferner nicht ſo bleiben. Darum gebt acht, wie Ihr nun Eure Einrichtun— gen zu machen habt, um in Zukunft alle die Fehler zu vermeiden, die die bisherige Verfaſſung an vielen Orten hatte. Gegenwaͤrtiges Buch iſt recht eigentlich in der Abſicht geſchrieben, um Euch Fingerzeuge zu geben, worauf Ihr in Zukunft zu ſehen habt. Da wohl ſelten oder nie ein Dorf oder eine .— —— —— en— —— 6 KXVIII Feldmark ganz ſo iſt, wie eine andere, ſo kann auch nie ein Rath gegeben werden, der fuͤr alle Orte gleich brauchbar waͤre. Der Verfaſſer glaubt aber, daß es in den Preußiſchen Staaten nicht leicht ein Dorf geben werde, in welchem nicht das eine oder andere von dem, was dieſes Buch enthaͤlt, Nutzen bringen koͤnne. Sagt nicht: aus Buͤchern werden wir doch nichts lernen! Allein aus Buͤchern freilich nicht. Zugeben und geſtehen werdet Ihr aber, wenn Ihr klug ſeyd, daß man vom Ackerbau wenig weiß, wenn man nur in Einer Gegend geweſen iſt. Jedes Land und jeder Kreis, oft jeder Ort darin, hat gewiſſe Vor— theile, die andern Orten unbekannt ſind. Meint Ihr nicht, daß es nuͤtzlich ſey, alles das in ein Buch zu— ſammen zu tragen, was im Ackerbau und in der Vieh— zucht von den kluͤgſten Landwirthen in allen Gegen— den als das Beſte erprobt worden iſt? Ich bin eines Landmanns Sohn, und kenne die ganzen Umſtaͤnde, in welchen ein Bauer iſt. Ich ſpreche alſo nicht, wie der Blinde von der Farbe, ſondern weiß aus Erfahrung, daß alles das an irgend einem Orte anzuwenden iſt, was ich in dieſem Buche anrathe. Ich liebe den Stand, der mich erzogen hat, und wuͤnſche nichts mehr, als daß alle Mitglieder deſſel⸗ XXIX ben in Wohlſtand verſetzt werden moͤgten. Nehmt daher, lieben Freunde, dies Buͤchlein gern und willig auf! Gebt es vorzuͤglich Euren jungen Leuten als Leſebuch fuͤr die langen Winterabende in die Haͤnde. Denn ob es gleich von den Verbeſſerungen handelt, die Ihr jetzt bei der neuen Einrichtung Eurer Wirth⸗ ſchaften anbringen koͤnnt, ſo enthaͤlt es doch auch zugleich einen Unterricht uͤber den Ackerbau und die Viehzucht uͤberhaupt. Bei allen Kriegsdrangſalen lebt Ihr jetzt, Freunde, in einer gluͤcklichen Zeit gegen Eure Vorfahren. Alle Menſchen im Lande, Vornehme und Geringe, ſehen die Wichtigkeit Eures Standes jetzt mehr wie jemals ein, und preiſen Euch gluͤcklich, daß Ihr Euren Acker bauen koͤnnt. Glaubt mir, ich kenne die Herrlichkei— ten anderer Staͤnde ſo ziemlich, aber ich kann verſi⸗ chern, daß es mit der Gluͤckſeeligkeit derſelben eitel Gleisnerei und Schein iſt. Wie wohl iſt aber derje⸗ nige daran, dem die Vorſehung ein Stuͤck Land ver— lieh, auf welchem er ſeine Geſchaͤfte treiben und ſich und die Seinigen ernaͤhren kann. So lange Eure Beſitzungen nicht Euer voͤlliges Eigenthum waren, konntet Ihr freilich die Freude nicht ſo recht uͤber Eurer Haͤnde Arbeit fuͤhlen. Es mußte Euch immer der Gedanke einfallen: fuͤr wen — — ————— —.— 4 8 6 — — XXX arbeiteſt du? Werden deine Kinder auch die Fruͤchte deines Fleißes genießen? Mit dem Hofedienſt gab es auch manche Ver⸗ druͤßlichkeiten. Bald kam Klage uͤber Euren Knecht, daß er gefaullenzt habe, ohne Euer Verſchulden. Bald mußtet Ihr Euch bei dem Dienſt von den Aufſehern Eures Herrn ſchnoͤde behandeln laſſen, ohne daß dieſer etwas davon wußte. Ihr konntet in Euren Wirth⸗ ſchaften Euch ſelten etwas ernſtlich vornehmen, weil Ihr nie wußtet, ob nicht ein Hofedienſt kommen werde, der Euch in Eurem Vorhaben ſtoͤrte. Dies alles faͤllt jetzt weg. Ihr habt in Zukunſt nur blos fuͤr Euch zu ſorgen, und koͤnnt auf Euren Grundſtuͤcken anfangen, was ihr wollt. Ein Landmann, dem die Vorſehung ein Guͤtchen verlieh, auf welchem keine druͤckende Laſten ruhen, kann ſich vor allen andern Menſchen im Lande gluͤck⸗ lich preiſen. Er iſt bei ſeinen Geſchaͤften faſt immer in der freien Natur, die ſo viele Gelegenheiten dar⸗ bietet, den Menſchen aufzuheitern. Wmahr iſts wohl, daß bei den laͤndlichen Geſchaͤf⸗ ten auch manche Beſchwerden zu ertragen ſind, Hitze und Kaͤlte, Regen und Staub. Wenn die Stadt⸗ leute noch feſt ſchlafen, hat ſich der Landmann ſchon einmal muͤde gearbeitet. Auch fehlt es nicht an Un⸗ faͤllen, die ihn treffen koͤnnen. Er kann ſein Vieh tt XXNI einbuͤßen; ein Hagelwetter kann in einer Viertelſtunde ſeine ſchoͤnten Hofnungen auf die Ernte vernichten, und wer hat es im Kriege wohl ſchlimmer als der Landmann? Aber, wo waͤre wohl ein Stand, ein Beruf, der nicht ſeine Leiden und Beſchwerden haͤtte? Ein jeder kennt aber leichter ſeine eigene Noth, weniger die eines andern. Dem Landmann kann nicht leicht ein ſolches Ungluͤck treffen, daß er ganz zu Grunde gehen muͤßte. Sein Grund und Boden kann ihm nicht ge⸗ nommen werden, und ſo lange er den hat, kann er getroſt in die Zukunft blicken. Wie uͤbel ſind aber Handwerksleute daran, die keinen Verdienſt haben? die vielleicht nichts anders gelernt haben, als die Ar⸗ beiten zu ihrer Handthierung? Selbſt vornehmere Menſchen, Beamte des Koͤ⸗ nigs, die von Jugend auf an ein bequemes Leben gewoͤhnt waren, ſind durch den letzten Krieg in die groͤßte Noth gerathen. In eine ſolche Noth, in Sorge um das taͤgliche Brod, koͤnnen arbeitſame, Gott ver⸗ trauende Landleute, nicht leicht kommen. Koͤrperliche Beſchwerden, wie z. B. uͤble Witte⸗ rung, die der Landmann zu ertragen hat, ſind dem⸗ ſelben bei weitem nicht ſo unangenehm, als der ver⸗ haͤtſchelte Staͤdter glaubt. Er hat ſich ja von Ju— gend auf daran gewoͤhnt, und haͤlt ſich mehr in freier ———COC——.—O——————— XXXII Luft, wie in der Stube auf. Nur das Stubenſitzen macht empfindlich gegen jede kuͤhle Luft, ſo daß zur Herbſt⸗ und Winterzeit die Staͤdter den Schnupfen faſt gar nicht los werden. Seht die bleichen Geſich⸗ ter der armen Handwerksleute an! Seht ihre Kinder! —— Wie bluͤhend roth ſind dagegen die Eurigen! Wie ſtark und munter ſeht Ihr ſelber aus! Fuͤhlt und erkennet dieſe Vorzuͤge, Freunde! und ſehet nicht ſcheel, wenn es Euch vorkommt, daß an⸗ dere Leute es beſſer haͤtten, wie Ihr. Danket Gott fuͤr den Stand, in welchem er Euch geboren werden ließ, und preiſet ſeine Guͤte, nach welcher er das Herz des beſten Koͤnigs und ſeiner Raͤthe lenkte, Euch in ſolche Umſtaͤnde zu verſetzen, daß Ihr nun ein friedliches und ruhiges Leben fuͤhren, und Euch Eure Nothdurft leichter erwerben koͤnnt, wie bisher. Freuet Euch des jaͤhrlich wiederkehrenden Fruͤh⸗ lings, der Eure Felder mit hofnungsvollem Gruͤn, Eure Baͤume mit ſchneeweißer Bluͤthe ſchmuͤckt. Freuet Euch der ſchoͤnen Fruͤchte Eures Ackers, die Euch eine gute Ernte verkuͤndigen. Freuet Euch noch mehr, wenn Ihr Euch ſagen koͤnnt, daß Eure Muͤhe, Euer Nachdenken Urſache ſey, wenn Eure Aecker und Eure Wieſen Euch beſſere Fruͤchte tragen als vorher. Arbeitet und ſeyd fleißig fuͤr immer mehrere Ver⸗ ſchoͤnerung unſeres Wohnplatzes, die Erde. Suͤmpfe und 1c ſtlct?⸗ XXXIII itzen und Moraͤſte trocknet aus, nutzloſes Geſtruͤppe hauet zur ab, nichtsnuͤtzende Sandfluren beſaͤet mit Holzſaamen. pfen Keine Stelle bleibe unbenutzt, jede trage etwas zur ſich Vermehrung der menſchlichen Gluͤckſeeligkeit bey. So* derk erfuͤllt Ihr den Zweck Eures Lebens und thut, was gen! der Schoͤpfer der ganzen Welt von Euch fordert. In dem ſchoͤnen Gottesreiche iſt nichts ſchaͤdli⸗ und ches, nichts unnuͤtzes, wenn die geſchickte und thaͤ— an⸗ tige Hand des Menſchen es zum Seegen ſeines Ge⸗ ott ſchlechts verwandeln will. den das uch ein kure ruͤh⸗ uͤn, euet uch ehr, Euer Eure Ver⸗ mpfe 1 . XXXIV Von den Nachtheilen der Felderzerſtuͤckelung und der gemeinſchaftlichen Weideberech⸗ tigung. Als ſich in den fruͤheſten Zeiten die Einwohner ei— nes Dorfes in die Laͤndereien ihrer Feldmark theil— ten, glaubten ſie, es koͤnne keine Vertheilung gerech— ter ſeyn, als wenn jeder Einzelne ſo viele Ackerſtuͤcke bekaͤme, als der Boden Verſchiedenheiten habe. Da⸗ durch, meinte man, muͤſſe die moͤglichſte Gleichheit heraus kommen. Fuͤr jene Zeit, wo man im Ackerbau erſt den Anfang machte, und ihn nur aus Noth trieb, war dieſe Maaßregel auch hinreichend. Es war aber auch nothwendig, daß nun alle Ackerbeſitzer ihre Felder gleichmaͤßig behandelten, daß ſie alle zu gleicher Zeit, Wintergetreide, dann Sommergetreide baueten, und zu einer andern Zeit wieder das ganze Feld leer lie— gen ließen, um das Vieh gemeinſchaftlich darauf zu weiden. Dieſe Wirthſchaft ging ſo lange recht gut, als man nur das zur Bearbeitung mit dem Pfluge ſchick— lichſte Land aufbrach, und alles naſſe, entfernte oder XXNXV ſonſt zum Ackerbau untaugliche Land als Weide lie⸗ gen ließ. Das Vieh hatte dann noch Flaͤche genug, um ſich auf der Weide ſatt zu freſſen, und ſo viel Miſt zu machen, daß das wenige Ackerland geduͤngt werden konnte. Es baueten ſich aber nach und nach in den Doͤr⸗ fern mehrere Leute an. Jeder wollte etwas Feld ha⸗ ben, und ſo wurde nach und nach von der bisheri⸗ gen Weide mehr aufgebrochen. Auch entſchloſſen ſich wohl ganze Gemeinden dazu, von ihrer bisherigen Weide ſich ſolche Stellen als Ackerland auszuſuchen, die mit weniger Muͤhe urbar gemacht werden konnten. Genug auf die eine oder die andere Art wurde des Weidelandes immer weniger, weil ein jeder ein— ſah, daß es mehr Vortheil brachte, wenn man Ge— treide bauete, als wenn das Land zur Weide lag. Dadurch erwuchs aber der Nachtheil, daß das Vieh ſich nicht mehr auf den Weiden erhalten, und fuͤr das Ackerland den noͤthigen Miſt machen konnte. Natuͤr— lich mußte das ehemalige Verhaͤltniß des Viehes zum Ackerlande ſehr ſchnell aufgehoben werden, weil man die Weiden durch Aufbrechen verminderte und ein⸗ ſchraͤnkte, und gleichwohl mehr Vieh auftrieb. Dadurch hoͤrte endlich auch der fruͤhere Vortheil beim Getreidebau auf, und man ſahe ein, daß vie⸗ XXXVI les Ackerland nichts eintrug, wenn man es nicht ge⸗ hoͤrig duͤngen koͤnne. Dachte vielleicht ein aufgeklaͤrter kluger Land— mann:„ich will, um mein Vieh beſſer zu fuͤttern, Viehfutter auf dem Ackerlande bauen, damit ich wie— der mehr Miſt mache,“ ſo kamen die andern aus der Gemeinde und ſagten: Nein! das geht nicht, du mußt ſaͤen, was wir alle ſaͤen, ſonſt verdirbſt du uns die Weide. Nun ergab ſich alſo, daß die ehemalige vortref⸗ liche Einrichtnng, nach welcher ein jeder gleich viel gutes und ſchlechtes Land bekommen hatte, nach den veraͤnderten Umſtaͤnden ſehr ſchaͤdlich iſt. Außer dem bereits angefuͤhrten Nachtheile, daß jeder gleich allen uͤbrigen auf ſein Stuͤck ſaͤen muß, was die Feldein— richtung erheiſcht, entſteht noch mancher andere Scha— den aus dieſer Zerſtuͤckelung der Felder. Jeder iſt nur ſo lange Herr ſeines Landes, als die Fruͤchte darauf ſtehen. Nach der Ernte iſt es Gemeindeeigenthum. Man berechne einmal den Schaden, den dieſe Huthung mit den Gemeindeheer— den z. B., auf manchen Wieſen, thut. Dieſe liegen vielleicht zu naß, ſo daß ſie im Fruͤhjahre weich ſind. Wuͤrden ſie geſchont, ſo ſchadete ihnen dieſe naſſe Lage ſehr wenig. Aber die ganze Gemeinde hat bis bürd 5. gebenin leichh einei äben ge⸗ d⸗ ——C—⸗⸗⸗——————————. XXXVII Walpurgis das Recht der Huthung. Sie leiden viel⸗ leicht alle darutter, aber nicht alle ſehen den Scha⸗ den ein, und ſo laſſen ſie die Graswurzeln von dem Viehe in den Grund treten, machen die Wieſe un— eben, und ernten nicht die Haͤlfte Heu, als ſie ohne eine ſolche Mißhandlung koͤnnten. So nachtheilig iſt die Zerſtuͤckelung der Felder ebenfalls, wenn irgend etwas gemacht werden ſoll, wozu viele ihren Willen geben ſollen. Als z. B. es beſitzen zwanzig bis dreißig Nachbaren hintereinander Wieſen, und jeder hat einen langen ſchmalen Strei— fen in jedem Schlage. So iſt es im zweiten oder dritten Schlage ebenfalls. Alle dieſe Wieſen leiden von der Naͤſſe. Koͤnnte ſie weggeſchaft werden, ſo wuͤrden ſie nicht nur einen weit beſſern Heuertrag geben, ſondern das Heumachen ſogar wuͤrde ſehr er— leichtert werden. Haͤtte ein jeder ſeine Wieſe auf Einem Stuͤcke bei einander, ſo lohnte es der Muͤhe, Graͤben zu machen, und zu verſuchen, ob ſie trocken gelegt werden koͤnnen. Was kann man aber machen, wenn man ſeine Wieſen in drei oder noch mehr ſchma— len Streifen beſitzt?— Wer wird im Stande ſeyn, alle ſeine Nachbaren zu uͤberreden, daß ſie einen neuen Graben anlegen?— Da iſt niemand, der den Gra⸗ ben auf ſeiner Wieſe dulden, niemand, der ſich zu — —,— 5 —x— ——ö——— XXXVIII einer Verguͤtigung verſtehen will, und ſo laͤßt ſehr oft die ganze achtbare Gemeinde die ſaͤmmtlichen Wieſen im Waſſer liegen. Auf dem Ackerlande iſt es nicht beſſer. Nicht genug, daß ich ſchon pfluͤgen, ſaͤen und ernten muß, wie meine Nachbaren wollen, ſondern ich muß mir ebenfalls gefallen laſſen, daß meine Fruͤchte im Waſ⸗ ſer verſauern, wenn meine Feldnachbaren die Graͤben auf ihren Stuͤcken nicht heben. Oder die Richtung der Ackerbeete iſt vielleicht vom Anfange an ſo feh— lerhaft, daß es faſt ſcheinen moͤchte, man wollte ab— ſichtlich das Waſſer aufhalten. Haͤtte ein jeder ſein Ackerland in einer Flaͤche bei einander, ſo kann er die Waſſerfurchen da anlegen, wo ſie wirklich nuͤtzen, nicht da, wo der Nachbar ſein Beet hoch auftreibt, und man nicht im Stande iſt, das Waſſer durchzu— leiten. Noch hat dieſe Zerſtuͤckelung des Eigenthums die Unbequemlichkeiten, daß man nie auf ſeine Felder die gehoͤrige Aufmerkſamkeit haben kann. Es wird oſt Schaden vom Viehe anderer angerichtet, den ich bei der Ernte erſt finde. Das Hinziehen beim Pfluͤgen und in der Ernte von einem Stuͤcke auf das andere, iſt beſchwerlich und erſchwert die Arbeit. Alle Augen— blick iſt eine Fahre auszupfluͤgen und ein Vorende zu machen. XXXIX Saͤe ich auf mein Stuͤck reines Getreide, ſo kommt mein Nachbar und wirft mir etwas von ſei⸗ nem unreinen Saamen auf mein Stuͤck. Baue ich Futter auf meinem Felde, ſo werde ich beſtohlen. Alle haben Acker im Felde, ein jeder hat alſo auch das Recht hinein zu gehen. Mit zehn oder zwoͤlf Schritten iſt jemand, der mich beſtiehlt, in Sicher— heit. Wenn er mich aus der Ferne kommen ſieht, ſo kann er gemaͤchlich nur auf ſein Stuͤck gehen und mitnehmen, was er von meinem Acker geholt hat. Es wird mir immer ſehr ſchwer werden, ihm zu be⸗ weiſen, daß er mich beſtohlen habe. Dieſe und noch andere Nachtheile entſpringen aus dieſer Zerſtuͤckelung der Grundſtuͤcke. Es iſt wohl nicht leicht ein aufmerkſamer Ackersmann, der nicht wuͤnſchen ſollte, er habe ſeine Ackerſtuͤcke ſaͤmmtlich an einander haͤngend, und ſchwerlich wird ſich einer finden, der ſolches Land nicht gehoͤrig zu ſchaͤtzen wuͤßte, welches Gartenrecht hat, und mit welchem man ſchalten und walten kann, wie man will. Dieſe Wohlthat iſt Euch, lieben Landleute in den Preußiſchen Staaten! durch die neuern Koͤniglichen Verordnungen zu Theil geworden, daß Ihr Euer naͤch⸗ ſtes und beſtes Land gleich Eurem Garten in Zukunft behandeln koͤnnt, ein jeder wie er will. Ihr habt ———— 5 —— — — — 88 2——— ——,y— XL nun dadurch alle Freiheit erlangt, ſo viel Viehfutter anzubauen, als Ihr braucht. Denn wenn Ihr fuͤrs erſte nur den dritten Theil Eures Landes ganz nach Gutduͤnken beſtellen koͤnnt, ſo habt Ihr Land genug, um Eure ganze Wirthſchaft durch daſſelbe in beſſere Umſtaͤnde zu verſetzen, wie ich in der Folge zeigen werde. Aber auf die Gemeinweiden muß ich Euch noch aufmerkſam machen. So viele Nachtheile ſchon die gemeinſchaftliche Behuͤtung des Ackerlandes und der Wieſen hat, ſo laſſen ſie ſich doch nicht mit der jaͤm— merlichen Behandlung der Gemeinweiden vergleichen. Von dieſer will jeder Nutzen ziehen, ſo viel er kann, aber niemand will nur das Geringſte fuͤr ſie thun. Dieſe Grundſtuͤcke haben daher auch ein ſolches Anſehen, daß man oft nicht recht weiß, wofuͤr man ſie halten ſoll. Elendes Geſtruͤppe und Geſtraͤuch ſteht zerſtreut auf ihnen umher; Ameiſenhuͤgel bedecken die Oberflaͤche an den trocknen Stellen. Die feuch⸗ ten Stellen ſind von dem Viehe uneben und voller Loͤcher getreten. Noch naͤſſere Strecken bilden einen immerwaͤhrenden Sumpf, weil hier vollends niemand etwas zur Ableitung des Waſſers thun mag. In ſolcher Geſtalt erfuͤllen dieſe ſogenannten Weiden nur ſehr ſchlecht ihren Zweck, das Vieh zu vacch ſchr i untenn udi vord Viti daß e beinal And leen Aat ſe denn 1 XII erhalten. Ja manche Thierarten, wie die Schaafe, holen ſich hier eher den Tod, als Leben und Nah— rung. Gewoͤhnlich liegen dieſe Gemeinweiden in der fruchtbarſten Gegend der Feldmark. Was koͤnnte aus ihnen werden, wenn ſie vertheilt und in Aecker und Wieſen umgewandelt wuͤrden? Ich habe in dieſem Buche gezeigt, wie Ihr Eure Wirthſchaften einrichten koͤnnt, lieben Freunde, ohne dieſe Gemeinweiden zu beduͤrfen. Beherziget ja, was ich daruͤber ſage— und zwar aus vieljaͤhriger Er— fahrung ſage. Wenn Ihr Euch jetzt mit Euren Guts⸗ herren mit dem Ackerlande auseinander ſetzen werdet, welches dieſe fuͤr die Dienſte bekommen, ſo wird ſich ſehr oft die ſchoͤnſte Gelegenheit zeigen, daß Ihr auch unter einander Euch aus aller Gemeinſchaft der Weide und der Felder ſetzt. Laſſet dieſe Gelegenheit ja nicht voruͤber gehen, ohne ſie zu nuͤtzen! Hat ein jeder ſeine Wirthſchaft erſt wieder eingerichtet, ſo haͤlt es ſchwer, daß er nochmals eine Abaͤnderung macht. In niedrigen Gegenden, oder da, wo alles Land beinahe gleich fruchtbar iſt, ſollte man ſich das ganze Land theilen, und auf ſo viele Stuͤcke zuſammen legen, als Theilnehmer an der Feldmark ſind. Sehr gut wuͤrde es ſeyn, wenn ſich auch ein jeder dahin bauete, wo er ſein Land hat. Im Oderbruche ge— — 8—— ⸗ĩcäy—————— * N — e· — 6 —— KXLII ſchieht dies ſehr haͤufig, und man findet in dieſer Ge⸗ gend uͤberall einzelne Bauerhoͤfe. Ein ſolches Zuſammenlegen des Landes nennt man mit einem fremden Worte Separiren. In feuchten und fruchtbaren Gegenden ſollten alle Acker⸗ beſitzer danach trachten, ihre ſaͤmmtlichen Felder auf Einem Stuͤcke zu haben, ſollte ihnen der nothwen⸗ dige neue Bau auch einige Beſchwerden machen. Es iſt ſo angenehm als nuͤtzlich, ſeine ganzen Aecker, Wieſen und Weiden gleich einem großen Gar⸗ ten um ſeinem Hofe herum liegen zu haben, da dann alle die Unbequemlichkeiten wegfallen, welche vorhin von den zerſruͤckelten Feldbeſitzungen aufgezaͤhlt wor⸗ den ſind. Wer wuͤrde dann nicht alles anwenden, um alle Hinderniſſe aus dem Wege zu raͤumen, die ihm Waſſer oder etwas anderes in den Weg legen konnen, weil jeder ja nur fuͤr ſich ſelbſt zu arbeiten braucht? Es giebt viele Gegenden, wo dieſe Einrichtung bereits getroffen iſt. Jeder Landmann hat da um die Graͤnze ſeines Beſitzes einen Graben gezogen oder eine lebendige Hecke angelegt, und herrſcht in dieſem kleinen Reiche gluͤcklicher, wie mancher Koͤnig. Die Guͤter in ſolchen Gegenden haben außerordentlich an Werth zugenommen, ſeit jeder in der Naͤhe ſeines den Ake nicte ton t krupn telig te ſt He⸗ n XLIIA ganzen Landes wohnt, wodurch die Beackerung, die Miſt- und Erntefuhren, ſo wie alle Arbeiten erleich⸗ tert worden ſind. Freilich laͤßt ſich eine voͤllige Zuſammenlegung aller Grundſtuͤcke nicht gut ausfuͤhren, wo der Bo— den ſehr wechſelt, wo nur der kleinſte Theil gutes Ackerland iſt, der groͤßte aber ſo ſandig, daß er ſich nicht zu jeder Frucht ſchickt. Eine gaͤnzliche Separa⸗ tion iſt auch in der Regel mit ſo vielen Koſten ver— knuͤpft, daß ſie nicht von allen Landleuten zu bewerk⸗ ſtelligen iſt. Darum verordnete der guͤtige Landesva— ter ſehr weiſe, daß Ein Drittheil des Landes hutfrei werde, damit jeder Landmann Gelegenheit zum Futterbau habe. Fuͤr unſer Vaterland wird es jetzt auch in den mehreſten Faͤllen rathſam ſeyn, nur vor erſt das nie— drig liegende oder ſonſt kraͤftig geduͤngte Land zum Futterbau zu benutzen. Hingegen das viele leichte, ſandige Land ferner zu behuͤten. Im achten Kapitel habe ich Vorſchlaͤge gethan, wie das am beſten zu bewerkſtelligen iſt, und ich wiederhole hier meine Bitte, bei der neuen bevorſtehenden Feldeintheilung daran zu denken, wo meine in dieſer Schrift gemachten Vor⸗ ſchlaͤge anzuwenden ſind. Vor allen Dingen muͤſſen alle Gemeinden ſich 1 4 6 — XLiIV vereinigen, die zeither naſſe Wieſen im Fruͤhjahr behuͤ⸗ teten, dieſen ſchaͤdlichen Gebrauch einzuſtellen. Im Herbſt, nach der Heu- und Grummternte, iſt die Be⸗ huͤtung in trockenen Jahren eher anzurathen. Nicht weniger Aufmerkſamkeit verdienen die Ge— meinweiden, die in ihrer jetzigen Beſchaffenheit das Vieh im Sommer hoͤchſt kuͤmmerlich ernaͤhrten*). Die niedrig liegenden Stellen, die ſich entweder zu Wieſen oder als Ackerland, welches Gerſte und Fut— tergewaͤchſe traͤgt, ſchicken, muͤßten mit zu dem kuͤnf— tigen huthfreien Drittheil geſchlagen, und gleich die— ſen nach der im ſiebenten Kapitel enthaltenen An— weiſung behandelt werden. Die hoͤher liegenden Weiden, welche nur mit hoͤchſter Unſicherheit Futtergewaͤchſe tragen, muͤßten zu den zwei Drittheilen, die ferner behuͤtet werden, kommen. Gar zu ſandige Flaͤchen wuͤrden mit Holz beſaͤet, ſo wie gar zu naſſe, die nicht einmal gut als *) Man möuͤßte ſie an dieijenigen, welche zeither das Recht hatten, Vieh auf die Gemeinweiden zu treiben, ſo vertheilen, wie es dieſe Berechtigung mit ſich braͤchte. Da— mit aber die Nachtheile der großen Feldzerſtuͤckelung wenig— ſtens nicht vermehrt wuͤrden, muͤßte daran gedacht werden, jedem ſeinen Antheil auf Einem Stuͤcke anzuweiſen. XLV Wieſen zu benutzen waͤren. Hier in den Bruchmooren laſſe man Ellern oder Elſen aufwachſen, dort im Sande Kiehnen oder Kiefern, und Birken. Ich bin uͤberzeugt, daß manche Gemeinden durch dieſe Verwandelung der Gemeinweiden in Eigenthum eines Einzelnen es kaum ſpuͤren wuͤrden, daß ſie fuͤr die Dienſtleiſtungen an ihre Grundherrſchaft einen Drittheil ihres Landes abgeben muͤſſen. Sie wuͤrden durch Zulegung dieſer Gemeinweiden zu ihrem freien Beſitz, und durch gute Bewirthſchaftung des ganzen Gutes einen Wohlſtand erlangen, der ſie zu ſehr gluͤckliche Menſchen machen wuͤrde. ———— 1 — Iſt es beſſer ein großes oder ein kleines Gut zu beſitzen? „Geoße Guͤter, große Sorgen!“ ſagt das gemeine Sprichwort. Gleichwohl ſtreben die meiſten Men— ſchen danach, immer groͤßere Beſitzungen zu erhalten. Kann ich meine Unſtaͤnde durch ein groͤßeres Gut wahrhaft verbeſſern, ſo iſt das Beſtreben danach nicht nur erlaubt, ſondern ſogar loͤblich. Es iſt Pflicht jedes Menſchen, auf dem Wege der Redlich— keit und des Fleißes ſein Vermoͤgen taͤglich zu ver— mehren, damit er in den Zeiten der Noth fuͤr die Seinigen zu ſorgen im Stande iſt. Die taͤgliche Erfahrung lehrt indeſſen, daß es nicht immer einerlei iſt, ein großes Gut beſitzen, und ſich in guten Vermoͤgensumſtaͤnden befinden. Wir finden oft, daß Beſitzer kleinerer Grundſtuͤcke im Wohlſtande ſind, wenn ihre Nachbarn, die noch ein— mal ſo viel Feld beſitzen, gar nicht aus der Noth heraus kommen koͤnnen. Auf ſolche iſt dann das obige Sprichwort recht anwendbar.„Woran mag „das wohl liegen? Wer mehr Feld hat, muß doch nmehr ernten, als ein anderer, der weniger hat?“ XLVII „Es liegt alſo wohl nur an der Wirthſchaft, nund ſie wird liederlich gefuͤhrt, wenn der, welcher nein großes Gut beſitzt, in ſchlechtern Umſtaͤnden iſt, mals ein anderer, mit wenigem Acker.“ So pflegt man wohl zu ſchließen, aber ich glaube, daß man nicht ſelten ſolchen Wirthen unrecht thut, wenn man ſie liederlich ſchilt. Es kommen folgende Umſtaͤnde in Betrachtung, wenn ausgemacht werden ſoll, ob große oder kleine Guͤter fuͤr die Beſitzer derſelben beſ⸗ ſer ſind. Der Ackerbau, ſo wie er jetzt getrieben wird, iſt eine Handthierung, bei der es nicht, wie manche un— verſtaͤndige Staͤdter glauben, blos darauf ankommt, das abzuernten, was auf dem Felde gewachſen iſt. Will man etwas Erhebliches ernten, ſo ſind viele Vorbereitungen, viele Arbeiten und ſelbſt viele baare Ausgaben noͤthig. Dieſe Vorbereitungen muß ich ohnedies auf eine lange Zeit voraus machen, und es dauert oft zwei Jahre, ehe man den Gewinn von ſeinen Bemuͤhungen ziehen kann. Ein Stuͤck, welches ich im Sommer 1811 ge⸗ duͤngt und bearbeitet habe, giebt mir erſt im July oder Auguſt 1812 eine Ernte. Andere Geſchaͤfte ver⸗ hindern das Ausdreſchen im Herbſt, und erſt im Win⸗ ter kann ich einen ernſtlichen Verkauf machen, und 1 1 1 4 —— — — — — —y — XLVIII meine Auslagen fuͤr dies Stuͤck ſammt den Zinſen wieder einnehmen. Sehr oft findet ſich die Gelegen— heit zum Verkauf nicht ſogleich, und es dauert dann zwei volle Jahre, von der erſten Vorbereitung des Ackers bis zum Verkauf der Fruͤchte. Um nun dies abwarten zu koͤnnen, muß man ſo viel Geld oder Ge⸗ treide haben, von welchem man die Unkoſten der Be⸗ arbeitung, der Duͤngung und der Ernte, ferner die Abgaben beſtreiten kann. Ferner: das Geraͤthe, welches in einer Wirth⸗ ſchaft zur Beackerung und zu den uͤbrigen Haus⸗ und Hofgeſchaͤften noͤthig iſt, koſtet nicht nur bei der Anſchaffung, ſondern auch durch die Unterhaltung vieles Geld. Noch weniger darf das Zug- und Nutz⸗ vieh fehlen. Ohne hinlaͤngliches Geſpann kann die Bearbeitnng des Landes nicht ordentlich geſchehen, und ohne das noͤthige Nutzvieh fehlt es einer Wirth⸗ ſchaft nicht allein an Milch, Butter und Fleiſch, ſon— dern es kann auch das gewonnene Futter nicht in guten Miſt verwandelt werden, der vollends gar nicht beim Ackerbau zu entbehren iſt. Alle dieſe Dinge muͤſſen in jeder Wirthſchaft ſo gut und in ſolcher Menge vorhanden ſeyn, daß alle Arbeiten ordentlich und zu rechter Zeit geſchehen. Fehlt es an dem einen oder dem andern, und es muß deshalb W geno nchte 3ch men, tithe ſange duchb fruten ght — XILIX enſen deshalb manches ganz unterbleiben, manches ſchlecht gen- gemacht werden, ſo kann man von dem Acker den ann rechten Gewinn nicht ziehen. des Es iſt alſo nicht hinreichend, daß ich Feld beſitze. dies Ich muß auch noch Vermoͤgen haben, um mir Saa⸗ Ge. men, Vieh und Geraͤthe anzukaufen; ich muß Vor⸗ Bee, raͤthe haben, von denen ich mich und mein Vieh ſo die lange erhalten kann, bis ich etwas ernte; ich muß V auch baares Geld haben, um alle die Ausgaben be— th flrreite zu koͤnnen, die in einer Wirthſchaft das ganze üs, Jahr durch ziemlich bedeutend ſind. der V Sehr oft iſt dies alles, was ich hier genannt ung habe, ſo viel werth, als das Ackerland ſelbſt, um dut⸗ deſſentwillen es da ſeyn muß. Und nun werden wir die der Beantwortung obiger Frage, wegen des Vorzu⸗ ihen, ges groͤßerer oder kleinerer Guͤter, naͤher kommen. irth⸗ Vieles Land erfordert vieles Vieh, viele Arbeit, viele Ausgaben. Dies muß ein jeder, der ein Landgut V durch Kauf⸗ oder Erbſchaft uͤbernimmt wohl erwaͤgen. kot b Er muß ſich fragen: Kannſt du auch das noͤthige Vieh zur Bearbeitung dieſes Landes anſchaffen? Biſt du im Stande, ſo viel Miſt zu machen, daß alle t ſo alle Grundſtuͤcke tuͤchtig geduͤnget werden koͤnnen? Wirſt hen du auch die zur Verrichtung der Arbeit noͤthigen Leute ni erhalten und bezahlen koͤnnen? Haſt du auch noch I. d shalb L einen Nothpfennig an baarem Gelde, um die Abga ben, das Lohn und andere Auslagen bezahlen zu koͤnnen? Biſt du auch auf einen Ungluͤcksfall gefaßt, der dich bei deinem Viehe oder ſonſt in deiner Wirth⸗ ſchaft treffen kann? Nur derjenige, welcher ſich auf dieſe Fragen ein Ja! antworten kann, wird von ſeiner Wirthſchaft den gehoͤrigen Vortheil ziehen. Wer ſich aber geſte⸗ hen muß, daß es ihm an Vermoͤgen fehlt, um ſein Land mit Nachdruck zu beſtellen, der wird wohl thun, ſein großes Gut an einen andern zu verkaufen, der mehr Vermoͤgen hat, und ſich fuͤr ſeine Perſon ein kleineres auszuſuchen, zu deſſen Bewirthſchaftung ſeine Kraͤfte eher hinreichen. Er wird dann leichter vor⸗ waͤrts kommen, und bei Fleiß und Sparſamkeit da⸗ hin gelangen, daß er das Vermoͤgen zur Fortſtellung einer groͤßern Wirthſchaft zuſammen bringt. Wenn es dem Beſitzer vielen Landes bald an Vieh, bald an Saamen, bald an Geraͤthe oder Gelde fehlt, ſo muß er nothwendig jaͤhrlich zuruͤckkommen. Weil er ſein Land nicht gehoͤrig beſtellen kann, traͤgt es ihm auch weniger. Er nimmt aber nicht nur von dem einzelnen Morgen oder der einzelnen Hufe weni— ger baares Geld ein, ſondern erntet auch weniger Stroh und Futter. Darum bleibt er nach und nach II auch in der Duͤngung zuruͤck. Wenn ſein Nachbar von jeder Hufe vielleicht ſechzig Fuder Miſt ausfaͤhrt, ſo faͤhrt er nur vierzig aus. Dadurch werden ſeine Ernten immer ſchlechter. Weil jemand, der vieles Land, aber Vieh, Geld und andere Vorraͤthe wenig hat, nur zu thun hat, um das nothwendigſte zu ver⸗ richten, ſo kann er nichts thun, um ſeinen Miſt zu vermehren. Er kann keinem Streuling anſchaffen, kei⸗ nen Moder ausfahren, noch weniger Aſche oder der⸗ gleichen anfahren, und ſo entgeht ihm aller der Vor⸗ theil, welchen ſich ſein Nachbar, der in beſſern Um⸗ ſtaͤnden iſt, durch groͤßere Sorge fuͤr Vermehrung des Miſtes verſchafft. Fehlt es einem Landmanne ohnedies erſt an Ar⸗ beitsvieh, ſo iſt er oft gezwungen, die Thiere, welche er hat, uͤbermaͤßig anzuſtrengen und zu uͤbertreiben, wodurch ſie vor der Zeit zu Grunde gehen.— Kaum hat ein ſolcher die Ernte eingebracht, ſo muß er uͤber Hals und Kopf ans Dreſchen gehen, weil es aller— waͤrts fehlt. Jeden Preis, er ſey auch noch ſo ge— ringe, muß er nehmen, weil er ſich nicht helfen kann. Die Zeit, welche ſeine Nachbarn auf die Vorbereitung des Landes zur Herbſtſaat verwenden, bringt er fin der Scheune und beim Marktfahren zu. Die wich⸗ tigen Saatgeſchaͤfte aber macht er ſchlecht oder zur LII Unzeit. Iſt es da zu verwundern, wenn er ſchlecht erntet? Wer dies nicht ſo recht bedacht und ein großes Gut uͤbernommen hat, ohne die Mittel zur Fortſtel⸗ lung einer ſolchen Wirthſchaft in Haͤnden zu haben, muß herunter kommen, wenn er gleich der ordent⸗ lichſte und fleißigſte Mann iſt. Macht es Euch alſo, lieben Freunde, zur Regel: nie ein groͤßeres Gut anzunehmen, als Ihr durch Euer Vermoͤgen an Gelde, Vieh, Saamen, Ge⸗ raͤthe und andern Vorraͤthen gehoͤrig bewirth⸗ ſchaften koͤnnt. Nach den neuern Koͤnigl. Verordnungen gebt Ihr nun, lieben Landleute in den Preußiſchen Staaten! einen Theil Eures Landes fuͤr die Dienſte ab. Es iſt vielleicht einer oder der andere, der ſich ungern von ſeinen Grundſtuͤcken trennt, und lieber alles Feld behalten haͤtte. Ich glaube, daß nur wenige zur Zeit in ſolchen Umſtaͤnden waren, daß ſie ihr Land mit allem Nachdruck beſtellen konnten. Und dieſe, welchen es an Vermoͤgen dazu nicht gebricht, werden mit leich— ter Muͤhe ſo viel Acker zukaufen koͤnnen, als ſie nur haben wollen. Die großen Gutsbeſitzer werden recht gern einen Theil des Landes verkaufen, welches ihnen jetzt fuͤr die Dienſte anheim faͤllt. ht LIII Aber niemand laſſe ſich darauf ein, ſich mehr Laͤndereien anzukaufen, als er nach obiger Auseinan⸗ derſetzung gehoͤrig beſchicken kann. Erſt dann, wenn ſich mein Vermoͤgen verbeſſert hat, und ich Vorraͤthe aller Art, an Gelde, Getreide, Vieh und Futter habe, erſt dann iſt es klug, mehr Land zu erwerben. Dann werde ich im Stande ſeyn, daſſelbe ordentlich zu be— ſtellen und zu duͤngen, und werde auch gute Ernten davon haben. Ohne dies ladet man ſich durch vieles Land nur große Abgaben auf den Hals, und hat, wenn das Jahr um iſt, fuͤr ſeine Arbeit und Muͤhe weniger, als von einer kleinen Flaͤche gut beſtellten Landes. ſch thn Von den Vortheilen, die ſich ein Land⸗ lät mann durch ein ganz einfaches Anſchreiben und Berechnen in ſeiner Haushaltung me verſchaffen kann. ei ſchdi Ehe ich auf den Unterricht uͤber die eigentlichen Ge⸗ 6 mi ſchaͤfte des Ackerbaues komme, will ich noch einige dos in Worte mit Euch, meine lieben Ackersleute, davon dn w ſprechen, wie Euch das Schreiben und Rechnen, well wiih ches doch die meiſten in der Schule gelernt haben, taft fuͤr Eure Wirthſchaft nuͤtzlich werden kann. Vielleicht droht fragen dann wenige noch:„Was nuͤtzt es uns, daß vehre wir ſchreiben und rechnen koͤnnen? Wir koͤnnen ja 1 doch keinen Gebrauch davon machen! d Das Rechnen und Schreiben, meine Freunde, Ilſ kann Euch ſehr nuͤtzlich werden. Das hoffe ich Euch fann durch mehrere Beiſpiele zu beweiſen. Wenn Ihr alle Mandeln oder Schocke, die Ihr tlan einerntet, von jedem Stuͤcke beſonders aufſchreibt, ung, und dann die ganze Ernte zuſammen rechnet, ſo habt kt. Ihr erſtlich den Vortheil, daß Ihr genau uͤberſehen im. koͤnnt, wie Ihr Euch mit dem Strohe und Futter 1 einzurichten habt, um ordentlich durchzukommen. Frei⸗ and er ei⸗ LV lich muͤßt Ihr dann ſchon die Ernte von einigen Jahren aufgeſchrieben haben, damit Ihr erſt einen Ueberſchlag machen koͤnnt, wie viel fuͤr Eure Ver⸗ haͤltniſſe eine gute, und welches eine ſchlechte Futter⸗ ernte iſt. Habt Ihr es aber erſt einige Jahre ver⸗ ſucht, alles aufzuſchreiben, ſo wißt Ihr ſchon, wie ſich die Ernten gegen einander verhalten, und wie Ihr es anfangen muͤßt, um von dem reichen Jahre auf das knappe uͤberzuſparen. Wer ſeine Umſtaͤnde kennt, dem wird es leicht, ſich nach ihnen zu rechter Zeit zu richten. Wer aber den Mangel in ſeiner Wirth⸗ ſchaft erſt dann gewahr wird, wenn er einzureißen droht, fuͤr den iſt es gewoͤhnlich zu ſpaͤt, ihn abzu⸗ wehren. Ihr werdet alle wiſſen, wie viel man auf das ganze Jahr erſparen kann, wenn man jeden Tag nur eine Kleinigkeit weniger braucht. Das iſt alſo ein Vortheil des Anſchreibens der Ernte: man kann in Zeiten ſeine Einrichtung danach machen. Es laſſen ſich aber durch daſſelbe noch mehrere erlangen. Ich erſehe, welcher Miſt, welche Bearbei⸗ tung, welche Saatzeit mir die beſte Ernte gegeben hat. Alles dies bleibt ſich nun freilich nicht in je— dem Jahre gleich, ſondern es wird nach der Witte⸗ rung bald das eine oder das andere in jedem Jahre anders erſcheinen. Ich werde aber doch aus einer LVI ſolchen Zuſammenſtellung der Ernten mehrerer Jahre ren wichtige Lehren fuͤr mich ziehen koͤnnen, nach welchen ich mich richten muß. Ferner: wenn ich alles eingeerntete Getreide an⸗ geſchrieben habe, und nun auch wieder anmerke, was herausgedroſchen wird an Mandeln, ſo weiß ich erſt⸗ lich, ob mir jemand hinter meinem Ruͤcken etwas Ge⸗ treide in Garben verfuͤttert hat, welches oft die eige— nen Kinder der Landleute zu thun pflegen; dann er⸗ ſehe ich daraus, welches Getreide am beſten lohnt, enm und mache nun wieder Bemerkungen, ob dieſe oder jene Beſtellung und Duͤngung auf das Lohnen des Getreides vortheilhafter geweſen iſt. Ich weiß aber auch zu jeder Zeit, was ich noch zu dreſchen habe. tein Ich kann alſo wegen des Verkaufs in Zeiten meinen nan Ueberſchlag machen, und gute Wege und gute Preiſe dog zum Verfahren des Getreides benutzen. Dieſe Beiſpiele moͤgen beweiſen, welchen Nutzen ut das Anſchreiben des eingeernteten und ausgedroſche⸗ ſin nen Getreides hat. Aber ſo nuͤtzlich iſt es auch fuͤr dee alle andere Sachen in der Wirthſchaft. Schreibe ich alles auf, was die Pferde an Fut⸗ lt ter bekommen haben, was ihr theures Geſchirr koſtet baee u. ſ. w., ſo werde ich oft daruͤber erſtaunen, was de die Unterhaltung dieſer Thiere koſtſpielig iſt. Ich 1 hre den LVII werde vielleicht anfangen, daran zu denken, ob ich nicht wohlfeiler mit Ochſen auskommen koͤnnte. Hat man erſt angefangen uͤber die Hauptein⸗ nahme und Ausgabe in der Wirthſchaft etwas auf⸗ zuſchreiben, ſo wird man dadurch veranlaßt, auch auf einzelne Dinge eine groͤßere Aufmerkſamkeit zu richten. Man bauet vielleicht vielen Flachs und haͤlt dieſen Anbau fuͤr vortheilhaft, weil man mit einem Male ein gut Stuͤck Geld dafuͤr loͤſet. Wenn man aber einmal anfaͤngt zu rechnen: die Arbeit des Jaͤtens, des Ausziehens, des Abroͤffelns, Roͤſtens, Brechens, und Schwingelns, die der Flachs macht; ferner, wenn man erwaͤgt, daß er vielen Miſt braucht und keinen wieder giebt, ſo wird man oft finden, daß man ſich beſſer ſtehen wuͤrde, wenn man ſtatt Flachs, Roggen oder Gerſte oder Wicken und Klee bauete. Wer nichts anſchreibt, nie berechnet, was ihm vortheilhaft oder nachtheilig iſt, der thut manches zu ſeinem Schaden, und laͤßt Gelegenheiten vorbeigehen, wo er mehr vor ſich bringen koͤnnte. Dies Wenige moͤge dazu dienen, Euch die Nuͤtz— lichkeit des Anſchreibens fuͤr kleine Wirthſchaften zu zeigen. Wollt Ihr aber meinen Rath befolgen, und das in der Schule erlernte Schreiben und Rechnen in der Wirthſchaft anwenden, ſo werdet Ihr Euch „ LVIII auch manches Vergnuͤgen dadurch verſchaffen. Wenn Ihr alles bei der Feldbeſtellung recht gut macht; wenn Ihr mehr auf das Vieh zu halten anfangt, als Eure Vorfahren, und daher Futtergewaͤchſe bauet; wenn Ihr den Miſt zuſammen haltet und ordentlich zubereitet, ehe er ausgefahren wird, ſo kann es gar nicht fehlen: Ihr werdet von Jahr zu Jahr beſſere Ernten thun. Muß es Euch nicht lieb ſeyn, nach zehn Jah⸗ ren zu ſagen: ſonſt fuhr ich jaͤhrlich ſechzig Fuder Miſt aus, jetzt hundert Fuder; ſonſt erntete ich ſechzig Mandeln Roggen, jetzt achtzig— neunzig; ſonſt war mein Vieh in ſo elenden Umſtaͤnden, daß ich große Sorge hatte, um es von einer Zeit zur andern durch— zubringen, jetzt baue ich Klee, Kartoffeln, Ruͤben u. ſ. w., und mein Vieh iſt immer ſchlachtrecht—— Habt Ihr nun alles Merkwuͤrdige in Eurer Wirth⸗ ſchaft bemerkt, ſo koͤnnt Ihr ſo ſchoͤn uͤberſehen, wie es allmaͤhlig geſtiegen und jaͤhrlich beſſer geworden iſt. Es bleibt immer ein angenehmes Gefuͤhl, wenn man ſich ſelbſt ſagen kann, daß man etwas beſſer gemacht hat, als es vorher war. Niemand iſt wohl unter Euch, meine Lieben, der an der Nuͤtzlichkeit des Anſchreibens zweifelt. Die meiſten glauben aber vielleicht, daß es ſo kuͤnſt⸗ 1—᷑——ꝭOꝭC······—·nö— IIX lich und ſchwer ſey und von keinem gemeinen Manne auszufuͤhren. So ſcheint es freilich demjenigen, wel⸗ cher es noch nicht verſucht hat. Aber bedenkt nur, daß im ganzen Jahre in einer jeden Wirthſchaft viel vorgeht, viel ausgegeben und eingenommen, viel gemeſſen, verkauft und geſaͤet wird, hingegen an Einem Tage, in Einer Woche geſchieht doch von dem allen nur wenig. Wer es ſich zur Re⸗ gel macht, alle Sonntage dasjenige anzumerken, was in der Woche vorgefallen iſt, wird nicht leicht etwas vergeſſen, zumal wenn er ſich erſt im Aufmer— ken geuͤbt hat. Das, was in Einer Woche in einer gewoͤhnlichen Bauerhaushaltung vorfaͤllt, iſt ſehr bald angemerkt. Wer ſich dazu gewoͤhnt, wird es kinder⸗ leicht finden. Sollte ich hoͤren, daß Ihr dieſes Buch gern leſet, ſo ſchreibe ich wohl noch ein anderes, in wel— chem ich Euch ein Beiſpiel eines ganz einfachen und leichten Haushaltungsbuchs vorlege. In dieſem habe ich nur die Beſtellung des freien Feldes und den Bau der Getreidefruͤchte und der wichtigſten Futtergewaͤchſe gelehrt. Ich habe ferner bey der Viehzucht nur gezeigt, wie man Vieh auf— ziehen, fuͤttern und halten muͤſſe. Noch habe ich aber nichts davon geſagt, wie man krankes Vieh LX heilen koͤnne. Auch dies will ich in einem dritten Theile nachholen. Dann ſoll auch der Anbau der gebraͤuchlichſten Handelsgewaͤchſe und die Obſtzucht, auch wohl der Anbau der vorzuͤglichſten Gartenge— waͤchſe gelehrt werden. Nicht weniger will ich An— weiſung zur Bereitung mancher nuͤtzlichen Speiſen, wie des Syrups aus Moͤhren, des Weins und Eſ⸗ ſigs aus Obſt ec geben. Vom — — Vom Bom Ackerbagſu, Die wichtigſten Grundſtuͤcke eines Hofes oder Gutes ſind die Ackerlaͤndereien. Sie machen wohl faſt uͤberall den groͤßten Theil aus, und ſollen ſie ihrem Beſitzer etwas eintragen und doch in gutem Stande bleiben, ſo muͤſſen ſie mit ſehr vieler Sorgfalt behandelt werden. Dies iſt aber nicht ganz leicht, und der Beſitzer des kleinſten Hofes ſollte mehr uͤber die mannichfaltigen Ver— richtungen des Ackerbaues nachdenken, damit er alle Ge— ſchaͤfte ſo zweckmaͤßig als moͤglich verrichten lernte. In den folgenden Kapiteln wird die Kunſt, den Acker mit dem hoͤchſten Vortheil zu bauen, gelehrt werden. Erſtes Kapitel. Von der noͤthigen Kenntniß des Bodens und den verſchie⸗ denen Bodenarten. Jedem Landmanne iſt die große Verſchiedenheit des Bo— dens bekannt. Oft findet man auf einer Flaͤche, die I. 1 1 2 kaum Einen Morgen groß iſt, mehrere Bodenarten zu⸗ gleich. Manches Ackerland iſt ſo feſt, ſo aneinderhaͤngend, daß es bei trockener Witterung gar nicht, oder doch nur ſehr muͤhſam gepfluͤgt werden kann; anderes hingegen iſt wieder ſo loſe, daß bei trockener Witterung der Wind es fortwehet, und die Wurzeln der Pflanzen entbloͤßt. Zwiſchen dieſen beiden Bodenarten, dem feſten Thon und dem Flugſande, ſtehen nun unzaͤhlige andere in der Mitte, die ſich bald mehr der einen, bald mehr der an⸗ dern naͤhern. Was kann dem Landmanne wohl wichtiger ſeyn, als zu wiſſen, zu welcher Klaſſe ſein Ackerland gehoͤrt? Wem iſt wohl unbekannt, daß Sandboden anders be⸗ handelt werden muß, als Lehmboden? Wir wollen da— her die Hauptverſchiedenheiten des Bodens etwas ge⸗ nauer betrachten, dann wird ſich um ſo leichter die Be⸗ handlung der einzelnen Bodenarten angeben laſſen. Die beiden vorzuͤglichſten Erdarten, die unſer Acker— land ausmachen, ſind der Sand und der Thon. Sand nennt man die grobe, aus ganz kleinen Kieſeln beſtehende Erdart, die eine weiße oder doch weißgraue Farbe hat, wenn ſie von andern Erdarten getrennt iſt. Sie findet ſich faſt in allen Bodenarten. Der Thon hingegen iſt die feine Erdart, die ſich trocken zwiſchen den Fingern wie Mehl anfuͤhlt, wenn ſie zerrieben iſt. Im Winde fliegt ſie als Staub davon, wenn man einen Erdklos in der Hand zerkruͤmelt, und 3 im Waſſer loͤſet ſie ſich auf, das heißt, ſie macht es truͤbe. Außer dieſen beiden Erden beſteht die von dem Pfluge gelockerte Erdkrume noch aus einigen andern Erd⸗ arten, die jedoch ſelten auf der Oberflaͤche ſo bedeutend ſind als Sand und Thon. Hieher gehoͤrt der Kalk, den man ſo innig ver— miſcht mit dem Boden antrift, daß ſeine Gegenwart nicht leicht in die Sinne faͤllt. Mancher Ackerboden hat ihn in groͤßerer, mancher in geringerer Menge; zuwei— len fehlt er aber ganz. Er hat in vielen Faͤllen großen Einfluß auf die Fruchtbarkeit eines Landes. Noch wichtiger iſt aber der Ruͤckſtand, der ſich in dem Boden von ehemaligem Miſt oder den verweſeten Pflanzenwurzeln ſindet. Dieſer Ruͤckſtand, den wir Kodererde nennen wollen, macht einen Boden vor— zuͤglich fruchtbar, wenn er ſich in Menge darin findet, und giebt zuweilen demſelben die ſchwarze Farbe. Ich ſage zuweilen, denn nicht immer iſt ſchwar⸗ zer Boden darum auch ein fruchtbarer Boden, aber groͤßtentheils iſt die ſchwarze Farbe ein Zeichen der Frucht— barkeit. Wollt ihr euch die Entſtehung dieſer leichten, ſchwarzen Maſſe, die ich Modererde genannt habe, recht verſinnlichen, ſo achtet darauf, wie ſolcher Boden aus— ſieht, der noch nie, oder wenigſtens ſehr lange nicht, um— geackert geweſen iſt, wenn man ihn mit dem Spaten gerade abſticht. Da werdet ihr ganz oben unter dem Raſen einen ſchwarzen Streifen bemerken, der ſich im⸗ ———xxx—B—B—P—P—— 4 mer mehr verliert, je tiefer es kommt. Dieſer ſchwarze Streifen iſt durch die verweſeten Wurzeln und Blaͤt⸗ ter entſtanden, den man noch deutlicher in einem Walde ſehen kann, in welchem nicht viel Streuling geharkt iſt. Durch die jaͤhrlich abfallenden Baumblaͤtter erzeugt ſich auf der Oberflaͤche eine ganze Lage dieſer fruchtbaren Erde, und ihr muͤßt es derſelben allein zuſchreiben, wenn Land, welches lange zur Weide gelegen hat, oder welches mit Holz bewachſen war, zu Anfange ſo gute Ernten nach dem Umbrechen ohne Duͤngung giebt. Jetzt habe ich euch nun die hauptſaͤchlichſten Be— ſtandtheile des gewoͤhnlichen Ackerbodens genannt, den Sand, den Thon, den Kalk und die Modererde, oder den Ruͤckſtand von Miſt und verweſeten Gewaͤchſen, der ſich noch im Boden befindet. Der gute oder der ſchlechte, ſo wie der lockere, loſe und feſte Boden entſteht blos aus der Art und Weiſe, wie erwaͤhnte Erdarten unter einander gemiſcht ſind. Sand allein iſt, wie wir wiſſen, unfruchtbar, aber auch der Thon iſt, ohne Beimiſchung von Sand und Modererde, zum Ackerbau nicht tauglich. Wenn alle Erdarten ſo unter einander gemengt ſind, daß der Boden weder zu feſt, noch zu locker iſt; wenn ziemlich viel Modererde in diefer Miſchung iſt und etwas Kalk obendrein, ſo iſt der Boden ſo, wie ihn ſich der Ackers⸗ mann nur immer wuͤnſchen kann. Selten findet ſich aber ein ſolcher Boden. Ich habe vorhin geſagt, daß der Menge nach die 4— 8— 2— 2 2 1— 2— ————————. 9 Ackererde vorzuͤglich aus Thon und Sand beſteht. Daher entſtehen auch aus der mannigfaltigen Vermiſchung und Vermengung dieſer beiden Erdarten die Hauptunter⸗ ſchiede des Bodens. Man hat alſo von beiden, vom Thon und vom Sandboden, verſchiedene Klaſſen, je nach⸗ dem der Haupttheil aus Thon oder Sand beſteht. Thonboden uͤberhaupt heißt ſolcher Boden, der mehr Thon wie Sand enthaͤlt. Er kommt von verſchie— dener Farbe vor, ſehr haͤufig ins Dunkle fallend, oft aber auch grau. Iſt er ſehr mit Modererde durch— drungen, ſo naͤhert er ſich mehr der ſchwarzen Farbe, iſt dann der fruchtbarſte, den wir haben, und Weitzen— boden erſter Klaſſe. Den fruchtbarſten Boden der Art findet man in der Naͤhe großer Fluͤſſe, wo er durch ehemalige Ueber— ſchwemmungen abgeſetzt worden iſt. Fehlt es dem Thon an dieſer fruchtbaren Maſſe, der Modererde, nnd er iſt nicht mit genugſamen Sande gemengt, ſo wird das Uebermaß von Thon ſchoͤdlich. Ein ſolcher Boden bearbeitet ſich ſo wohl in der naſſen, wie in der trockenen Witterung ſchlecht, und das Wachs— thum der Pflanzen iſt darauf ſehr von der Witterung abhaͤngig. Hat man nicht Mittel in der Naͤhe, die na— tuͤrlichen Fehler dieſes Bodens zu verbeſſern, etwa durch Auffahren eines guten Sandmergels, ſo hat er oft einen geringern Werth als lehmiger Sandboden. Der Weitzen⸗ boden zweiter Klaſſe pflegt gewoͤhnlich die genannten Ei— genſchaften zu haben. — Beſteht der Boden zur Haͤlfte aus Sand, zur Haͤlfte aus Thon, ſo nennt man ihn Lehm*). Dieſe Bodenart findet ſich haͤufiger als der fruchtbare, mit NKodererde gehoͤrig gemengte, Thonboden. Kann dieſer Boden gut geduͤngt werden, ſo iſt er ſehr fruchtbar, und man kann faſt alle Fruͤchte mit Vor— theil auf ihm anbauen. Iſt derſelbe von langen Zeiten her in gutem Duͤn— gungszuſtande gehalten worden, ſo verdient er oft noch in die erſte Klaſſe als Weitzenboden geſetzt zu werden. Fehlt es aber an Miſt, ſo wird er Weitzenboden zwei— ter Klaſſe. Steigt der Antheil des Sandes in einem Boden, ſo daß er den Thon uͤberwiegt; kann er aber gut ge— duͤngt werden, oder hat vielleicht von Natur eine ſtarke Beimiſchung von Modererde und eine feuchte Lage, ſo iſt dies Gerſtenboden erſter Klaſſe. Bei geringerer Duͤngung und einer hoͤheren, trocke— nern Lage, wird der ſandige Lehmboden Gerſtenboden zweiter Klaſſe. Sandboden ſchlechthin heißt aller Boden, in wel— chem der Sand im Uebermaaß vorhanden iſt. Iſt er noch mit ziemlich vielen Thontheilen vermiſcht, ſo iſt er *) Auf dieſen Unterſchied bitte ich zu achten. In vielen Gegen⸗ den nennt man allen thonigen Boden Lehmboden. Wenn ich in der Folge von Thonboden oder Lehmboden rede, ſo verſtehe ich immer nur ſolchen darunter, den ich hier ſo genannt habe. 7 lehmiger Sandboden. Ein ſolcher kann bei einer feuchten Lage noch ſehr fruchtbar ſeyn, wenn er reich an Modererde iſt, oder doch oft und reichlich geduͤngt werden kann. Vereinigen ſich alle dieſe Umſtaͤnde bei einem Boden der Art, ſo verdient er in die zweite Klaſſe des Gerſtenbodens geſetzt zu werden. Bei einer hoͤhern, trockenern Lage lohnt ein lehmi— ger Sandboden dennoch unter den mehrſten Umſtaͤnden Muͤhe und Beſtellung reichlich, und pflegt dann gewoͤhn⸗ lich als Haferland zweiter*) Klaſſe angeſehen zu wer— den. Hat Sandboden ſo wenig Thon, daß er durch oft wiederholtes Bearbeiten zu locker zum Getreidebau wer— den duͤrfte, ſo kann er nur mit großer Unſicherheit Som⸗ mergetreide tragen. Will man ſolchen Boden ja noch zum Getreidebau nuͤtzen, ſo muß man ihn mehrere Jahre nacheinander liegen laſſen, damit er ſich beraſe, vom Weideviehe dicht getreten werde, und nur ſelten eine Ernte von ihm nehmen. Sandboden ohne alle Thontheile wird Flugſand, den der Wind bei trockener Witterung unaufhoͤrlich be— wegt. Dieſer kann fuͤr benachbarte, beſſere Felder ſehr ſchaͤdlich werden, indem ihn der Wind dahin treibt. Ihn *) Zur erſten Klaſſe des Haferlandes würde ich entweder ſolchen magern Thonboden zählen, der nicht mit Vortheil Weitzen zu tragen vermag, oder feuchten, reichen Niederungsboden, der zum Winterge⸗ treide zu loſe iſt. 8 mit Holz beſaͤen und auf dieſe Art befeſtigen, iſt das ein— zige Mittel, von ſolchem Boden einigen Nutzen zu zie⸗ hen, oder ihn doch wenigſtens fuͤr andere Felder un⸗ ſchaͤdlich zu machen. Obgleich die mehreſten Bodenarten unſers Acker— landes zu einer oder der andern der angegebenen Klaſ— ſen gehoͤren, ſo muß ich doch noch des Moorbodens beſonders gedenken, der nicht fuͤglich unter obige Boden— arten gebracht werden kann. Moorboden, Torf, oder Bruchboden findet ſich haͤufig an niedrigen Stellen, in der Naͤhe von Elsbuͤſchen ꝛc. Seine Farbe iſt ſchwarz oder rothbraun. Im trockenen Zuſtande iſt er ganz ſtaubicht oder pulvericht. Dieſe Bodenart iſt von verfaultem Holze, von ver— ſchiedenen Waſſergewaͤchſen und deren Wurzeln entſtan⸗ den. Sie ſteht oft mehrere Fuß tief. Man findet in ihr gewoͤhnlich unzergangene Holzwurzeln oder Faſern, vorzuͤglich dann, wenn ſie noch oft unter Waſſer ſteht. Nach der Erklaͤrung, die ich von der Modererde ge— geben habe, koͤnnte man zwar den Moorboden ſo nen— nen. Dieſer unterſcheidet ſich aber durch eine nachthei— lige Eigenſchaft, die er theils dadurch erhalten hat, daß er groͤßtentheils unter Waſſer ſtand, theils aber auch von den Pflanzen ſelbſt, aus denen er entſtanden iſt. Vermoͤge dieſer nachtheiligen Eigenſchaft, die ich eine Saͤure nennen will, wachſen die Pflanzen nicht ſo leb— haft auf ihm, als man erwarten ſollte. Kann man je— doch dem Waſſer gehoͤrig Abfluß verſchaffen, ohne den ——e fahe r J dorf wie je en, fanden doden den noch 9 Boden zu trocken zu machen, und befaͤhrt ſolchen Bo⸗ den mit kalkigten Erden oder Kalk, auch andern aͤhn⸗ lichen Duͤngungsmitteln, ſo wird jene Saͤure abnehmen, und ſeine Fruchtbarkeit iſt unerſchoͤpflich. Fuͤr Winterfruͤchte wird der Moorboden ohne Auf— fahren von Sand ſich aber deswegen nicht ſchicken, weil der Froſt die Getreidewurzeln zu leicht aushebt. Noch unterſchieden von dieſem Moorboden iſt der Torf, der zwar auch beinahe auf die Weiſe entſteht, wie jener; er iſt aber bei weitem noch nicht ſo zergan— gen, oder die Theile der Gewaͤchſe, aus welchen er ent— ſtanden iſt, ſind noch nicht ſo verweſet, wie im Moor— boden. Der Torf iſt daher eine mehr ſchwammige Maſſe, die man in holzarmen Gegenden ordentlich ausſticht, trocknet und zum Brennen verwendet. Nach der Beſchreibung der vorzuͤglichſten Bodenar— ten brauche ich wohl kaum zu erinnern, daß man dieſe ſelbſt ſelten ſo findet, daß alles das genau darauf paßt, was ich von den einzelnen Klaſſen geſagt habe. Will ich den Lehmboden beſchreiben, ſo muß ich ſolche Merkmale angeben, daß man im Stande iſt, ihn vom Thon, und Sandboden zu unterſcheiden. Im Felde ſelbſt aber findet man dieſe Unterſchiede nicht ſo auffal— lend, ſondern der Uebergang von einer Bodenart zur andern iſt ſo allmaͤhlig, daß man nicht eine Linie an— nehmen kann, von der ſich ſagen laͤßt: hier hoͤrt der Thonboden auf und nun faͤngt der Lehmboden an. Die 10 verſchiedenen Erdarten ſind auf einem kleinen Flecke oft ſo wunderbar durcheinander gemiſcht, daß man daruͤber erſtaunen muß. Aufmerkſame Landleute, die bei ihren Geſchaͤften auf alles achten, werden aber gewiß ſchon bei der Be⸗ arbeitung des Landes ſo viele Bemerkungen uͤber die ſe Sache gemacht haben, daß ſie mich durch Huͤlfe derſel⸗ ben im vorhergehenden verſtanden haben. Ich will ihnen nun noch eine kurze Anleitung geben, wie man auf verſchiedene Weiſe beurtheilen kann, zu welcher Art von Boden ein Acker gehoͤrt. Die aͤußern Merkmale, wenn ein Boden ſich ſchwer pfluͤgt, wenn er nach der Naͤſſe Riſſe bekommt und der— gleichen mehr, erwaͤhne ich nicht weiter, weil nach ſol— chen ſchon jeder Pflugjunge zu urtheilen verſteht. Will man aber genau ausmitteln, wie viel Sand oder Thon ein Boden enthaͤlt, ſo wiegt man ſich eine beſtimmte Menge, z. B. 1 18 uͤber Feuer getrockneter Erde ab, die man aus der vom Pfluge bearbeiteten Ober⸗ flaͤche gleichmaͤßig nimmt Dieſe Erde ruͤhrt man ganz klein und thut ſie in eine tiefe Schuͤſſel. Hier gießt man ſo viel reines Waſſer auf, daß ſolches etwa 2 Zoll uͤber der Erde ſteht und ruͤhret nun die Erde mit dem Waſſer tuͤchtig durcheinander. Darauf gießt man behut— ſam das getruͤbte Waſſer ab, ohne von der zu Grund fallenden Maſſe etwas abfließen zu laſſen. Dies Auf— gießen, Umruͤhren und Abgießen mit gleicher Behutſam— keit wiederholt man ſo lange, bis das Waſſer hell und — . 9 8 —, zand eine neter ber⸗ ganz gießt Zoll dem ehut⸗ rund Auf⸗ tſam⸗ l und 11 klar ablaͤuft. Dies iſt ein Zeichen, daß aller Thon aus— gewaſchen iſt und daß lediglich der Sand zuruͤck geblie— ben iſt. Den Ruͤckſtand trocknet man gehoͤrig und wiegt ihn zuruͤck, ſo erfaͤhrt man mit ziemlicher Genauigkeit, wie viel Sand und wie viel Thon in einer Erde iſt. Die Modererde, die in einem Boden enthalten iſt, fließt mit dem Thon ab. Man ſieht ſie im Waſſer beim Abſchlemmen des Thons; vorzuͤglich bleiben die weniger feinen Theile dieſer Maſſe als ſchwarze Flocken auf dem Sande bis zuletzt zuruͤck. Der Kalk iſt bald innig mit dem Thon verbunden, bald bleibt aber auch etwas davon im Sande zuruͤck. Die genaue Abſcheidung und Be— ſtimmung dieſer beiden Beſtandtheile eines Bodens erfor⸗ dert ſchon ein mehr kuͤnſtliches Verfahren, welches nur ſelten von dem Landmanne angewendet werden kann. Ob ein Boden Kalk enthalte, erfaͤhrt man, wenn man getrocknete Ackererde von feſter, thoniger Beſchaf— fenheit in kleinen Stuͤckchen in ein mit Waſſer gefuͤlltes Glas fallen laͤßt. Zerfallen dieſe Stuͤckchen bald, ſo iſt es ein ſicheres Zeichen, daß Kalk darin enthalten iſt. Bleiben ſie aber lange unzerfallen im Waſſer liegen, ſo iſt nur ſehr wenig oder gar kein Kalk darin vorhanden. Der Kalk iſt oft ſehr wichtig in einem Boden. Spaͤ— terhin, wenn ich auf den Mergel kommen werde, will ich mich weitlaͤuftiger uͤber ſeine Wirkung erklaͤren. Im Sandboden kann der Kalk zuweilen ſchaͤdlich wirken, indem er bei trockener Witterung ſolchen Boden noch trockener macht, als er ſeiner Natur nach ſchon zu 12 ſeyn pflegt. Im lehmigen oder thonigen Boden iſt hin⸗ ſh gegen der Kalk immer ſehr wuͤnſchenswerth. 1 Ein kalkiger Thonboden zeichnet ſich auch dadurch um aus, daß er an der Luft leicht zerfaͤllt und ſich daher jn leichter bearbeitet. dun Ein gutes Mittel auf die Beſtandtheile eines Acker— gen bodens zu ſchließen, iſt, wenn man auf die Kraͤuter und tnuj Pflanzen achtet, die wild auf einem ſolchen wachſen. rite Bocksbart und grauen Klee findet man nur auf ſandi— gem Boden; Hederich iſt am haͤufigſten auf lehmigem dct Sandboden, und die eigentliche Ackerdiſtel findet ſich nur nähe auf gutem Lehmboden. Die wilde Brombeere, eine Art ge gelber Klee(Medicago luputina), Winde oder Pade⸗ winde und andere mehr, verrathen einen kalkigten Boden. Dot t So wichtig die Beſtandtheile eines Bodens fuͤr ſeine d Fruchtbarkeit ſind, ſo ſind doch noch viele andere Um— de ſtaͤnde, die ein Landmann beachten muß, wenn er den der Werth eines Bodens richtig beſtimmen und ihn gehoͤrig viel behandeln will. hen Der Untergrund oder diejenige Erdart, die zu⸗ 6 naͤchſt unter der beackerten Oberflaͤche ſteht, gehoͤrt vor in allen hieher. Je tiefer ein Boden, der nach ſeinen Be⸗ ſtandtheilen dem Ackersmann erwuͤnſcht iſt, ſteht, deſto V ung beſſer iſt er. Kann der Pflug wenigſtens bei ſeiner tief— ſm ſten Stellung nie eine ſchlechtere Erdart herauf bringen, d ſo wird ein ſolcher Boden viel fruchtbarer ſeyn, als 1 wenn unter einer flachen Thon⸗ oder Lehm⸗Schicht ſich m V — 13 ſehr bald Kies oder Sand befindet. In trockenen Jah⸗ ren findet man auf ſolchem flachen Boden haͤufig ſoge— nannte Schrind⸗ oder Schein⸗Stellen, auf wel⸗ chen bei anhaltend heißer Witterung die Gewaͤchſe ver— dorren. Hat aber eine ſandige Oberflaͤche einen thoni⸗ gen oder lehmigen Untergrund, ſo iſt ſie gewiß frucht— barer, als wenn der Sand ſich auf eine große Tiefe erſtreckte. Die Lage der Oberflaͤche, ob ſie eben oder huͤge⸗ licht iſt; ob die Huͤgel ſteil ſind oder ſich nur ſanft, all— maͤhlig erheben— hat ebenfalls auf die mehrere oder geringere Fruchtbarkeit eines Bodens großen Einfluß. Eine ebene Lage des Ackerlandes hat immer viele Vorzuͤge vor der huͤgelichten. Ebene Felder beackern ſich leichter, als die huͤgelichten, von denen ohnedies der Miſt und die fruchtbare Erde nach jedem Regen in die Tiefen fließt. Bei einer groͤßern Erhoͤhung der Fel— der, oder bei einer bergigten Lage, kommt noch wieder viel darauf an, nach welcher Himmelsgegend der Ab— hang iſt. Die Morgen- und Mittagsſeiten eines Ber— ges ſind fruchtbarer als die Mitternachtsſeite, weil letz⸗ tere die Sonne weniger hat. Die Beſtandtheile eines Bodens ſelbſt, dann der Un— tergrund und eine ebene oder huͤgelichte Lage, haben zu— ſammen großen Einfluß auf ſeine groͤßere oder geringere Feuchtigkeit. Dieſe ableiten zu koͤnnen, wenn ſie zuviel wird, ſie aber bei trockener Witterung auch moͤglichſt im Boden zu erhalten, iſt wohl das Beſtreben eines 14 jeden Landwirths. Daß der Thonboden uͤberhaupt, wie aller feſte Boden, die Feuchtigkeit mehr an ſich haͤlt, iſt zwar bekannt, aber es giebt doch auch Faͤlle, wo Acker— flaͤchen viel feuchter ſind, als man es den Beſtandtheilen ihres Bodens nach erwarten ſollte. Dies iſt gewoͤhnlich der Fall, wenn ſie nicht viel hoͤher als ein vorbeifließen— des oder ſtehendes großes Waſſer liegen. Ebenes Sandland kann durch einen ſolchen Umſtand ungemein gewinnen, weil es dadurch eine weit groͤßere Duͤrre auszuhalten im Stande iſt. Noch wird der Boden beſſer oder ſchlechter, je mehr er rein von großen oder kleinen Steinen, oder damit an— gefuͤllt iſt. Wo ſchon lange ein fleißiger Ackerbau eingefuͤhrt war, wird man dieſe Hinderniſſe in der Beſtellung ſchon laͤngſt entfernt haben. Sie finden ſich aber doch in vie— len, weniger bebauten Gegenden noch haͤufig. Sie koͤn— nen einen ſonſt guten Boden ſehr verſchlechtern, weil bei der Bearbeitung deſſelben viele Werkzeuge verdorben wer⸗ den, und weil das Wegfahren derſelben viele Arbeit macht. Eben ſo koͤnnen gewiſſe, ſchwer zu vertilgende Unkraͤuter den Werth des Ackerlandes ſehr herabſetzen. Quecken und Wurzelunkraut kann man durch fleißige Bearbeitung bald zerſtͤͤrfn, aber Saamenunkraut, wel⸗ ches vielleicht in zehn Jahren nicht genug zu vertilgen iſt, wie Hederich, Wildhafer und die Wucherblume, ver⸗ mindert den Ertrag eines Ackers auf viele Jahre hinaus. and ißige wel⸗ ilgen ver⸗ naus. 15 Zweites Kapitel. Von der Ableitung des Waſſers. Unter den mancherlei Naturkraͤften, die zuſammen er— fordert werden, wenn etwas wachſen ſoll, iſt gewiß die Feuchtigkeit oder das Waſſer eine der wichtigſten. Fehlt es den Gewaͤchſen gaͤnzlich an aller Feuchtigkeit, ſo ver— dorren ſie. Aber ſo wie ein verſtaͤndiger Hausvater gern in al— len Dingen die Mittelſtraße haͤlt, ſo hat auch der große Haushalter in der Natur alles ſo eingerichtet, daß von allen Dingen nur ein gewiſſes Maaß oder Verhaͤltniß wohlthaͤtig wirkt. Uebermaaß wird auch in der Natur bei den unentbehrlichſten und wohlthaͤtigſten Erſcheinun⸗ gen ſchaͤdlich. So auch uͤberfluͤßige Feuchtigkeit im Acker. Das Waſſer iſt wunderbar auf der Erde vertheilt. Sicht⸗ bar wird es uns in Fluͤſſen, Seen und aͤhnlichen Stel— len, aber taͤglich und ſtuͤndlich ſteigt es in Dunſtgeſtalt aus der Erde, den Gewaͤchſen und den meiſten Koͤrpern in die Luft, aus der es ſich in Geſtalt des Regens, des Schnees und Hagels wieder zur Erde herab laͤßt. Als ein hoͤchſt fluͤſſiger Koͤrper bewegt ſich das Waſſer immer nach den niedrigſten Stellen, und haͤuft ſich auf ihnen ſehr oft ſo an, daß ſie ganz untauglich zum Ackerbau werden wuͤrden, wenn des Menſchen thaͤtige Hand nicht Anſtalten zur Ableitung dieſes ſtauenden Waſſers machte. Da nun ſolche Stellen gewoͤhnlich die reichſten und 16 fruchtbarſten zu ſeyn pflegen, wenn man das Waſſer immer zur rechten Zeit von ihnen entfernen kann; da ferner ohne Ableitung des Waſſers weder Duͤngung, Beſtellung noch eine andere Verbeſſerung helfen kann, ſo muß dieſe wichtige Arbeit allen andern vorgehen. Zur Ableitung des Waſſers dienen die Graͤben. Man begehet haͤufig bei der Anlage derſelben den Feh⸗ ler, daß man ſie aus Sparſamkeit des Landes zu ſchmal anlegt. Wenn es aber darauf ankommt, ein Stuͤck Land trocken zu legen, muß es auf ein Paar Quadratruthen Land, die ein Graben mehr erfordert, nicht ankommen. Bei allen Graͤben hat man darauf zu achten, daß ſie gehoͤrig geraͤumt und noͤthigen Falls erweitert werden. Findet man aber fuͤr noͤthig, zur Ableitung des Waſſers von irgend einer Acker⸗ oder Wieſenflaͤche einen großen, neuen Graben anzulegen, ſo thut man wohl, vorher ei— nen geſchickten Feldmeſſer zu Rathe zu ziehen, der mit dem Nivelliren*)» umzugehen weiß, alſo das Gefaͤlle abzuwiegen verſteht. Bei kleinern und kuͤrzern Graͤben iſt dies nicht noͤthig; ein gutes Augenmaaß wird lehren, wie ein Graben in jedem beſtimmten Falle angelegt wer— den muß, um den vorgeſetzten Zweck zu erreichen. Sehr *) Das Nirveelliren iſt diejenige Kunſt, durch die man erfährt, wie hoch ein Theil des Feldes über den andern liegt. Wer dieſe Kunſt verſteht, kann genau berechnen, wie tief ein Graben an den verſchiedenen Stellen gemacht werden müſſe, um das Waſſer von einem beſtimmten Orte abzuleiten. 17 ſſer Sehr wichtig iſt es, die Seitenwaͤnde eines Gra⸗ da bens gehoͤrig ſchraͤge zu machen, damit ſie von dem ng, durchfließenden Waſſer nicht ſo leicht einſtuͤrzen. Die ſo Regel iſt: der Graben muß oben doppelt ſo weit ſeyn, als er tief iſt, und die Sohle oder die untere Breite en. deſſelben muß noch zu der doppelten Tiefe hinzu gerech— eh⸗ net werden. Z. E. Soll ein Graben 2 Fuß tief werden nal und die Sohle 1 Fuß breit, ſo muß er oben 5 Fuß nd Breite haben, wenn er ſtehen ſoll. In ſandigem Boden den reicht auch dies noch nicht. 1. Die Waſſerfurchen, die man auf beſtellten Aeckern aß anlegt und in die Feldgraͤben leitet, muß man nie von en. Abhaͤngen oder Huͤgeln gerade herunter fuͤhren, ſondern ſers ſchraͤge gegen die Richtung des Abhanges, ſonſt reißt gen, das Waſſer leicht Loͤcher in dem lockern und beſtellten ei⸗ Acker. Dieſe Waſſerfurchen muͤſſen aber vorzuͤglich in mit ebenen, niedrigen Gegenden mit Sorgfalt angelegt wer— füͤll den, und an kleinen Anhoͤhen die gehoͤrige Tiefe erhalten, aͤben weil ſie ſonſt voͤllig nutzlos ſind. Unachtſame Knechte, ren, denen man die Verfertigung auftraͤgt, ſind oft ſo unver⸗ ver⸗ ſtaͤndig, den Auswurf aus dieſen Furchen nicht ordentlich zu vertheilen, ſondern machen wohl gar am Rande der dehr Furche einen kleinen Damm, der das Waſſer aufhaͤlt. — Dieſen Fehler muß man zu vermeiden ſuchen. fährt, Sind viele ſolcher Waſſerfurchen zu ziehen, ſo kann dieſt man ſich die Arbeit ſehr leicht machen, wenn man nach in den voͤlliger Beſtellung des Feldes dieſe Furchen zuerſt mit eiten einem tief geſtellten Pfluge zieht. Darauf geht ein 1. 1 2 18 Menſch mit einer Schaufel und Harke hinterher, wirft die Erde vollends aus, und vertheilt ſie mit der Harke. Daß dieſe Arbeit geſchehen muß, ehe der Saamen keimt, brauche ich wohl nicht zu erinnern. Bei ſogenannten waſſergallichten, waſſerſuͤchtigen Feldern und Wieſen ſind die gewoͤhnlichen Waſſerfurchen aber nicht zureichend, oder ſie erfordern doch ſo viele Arbeit, die nach jeder Beſtellung von neuem noͤthig iſt, daß es wohl der Muͤhe lohnt, das ſchaͤdliche Grund⸗ waſſer auf eine andere Art zu entfernen. Die Art der Ableitung, die ich hier beſchreiben will, koſtet zwar bei der erſten Anlage etwas mehr, dafuͤr ſichert ſie aber auch zehn, funfzehn bis zwanzig Jahre vor aller ſtauenden Naͤſſe, und hat das Gute, daß ſie den Ackerfruͤchten keinen Platz wegnimmt. Alles dies erreicht man durch verdeckte Abzuͤge oder Graͤben. Da ſie nur an we⸗ nigen Orten bekannt ſind, ſo werde ich ihre Anlage hier beſchreiben. Große, offene Kanaͤle oder Graͤben, die das Waſſer aufnehmen, ſind auch hier noͤthig. Sie muͤſſen aber vorzuͤglich gutes Gefaͤlle haben, wenn eine ſolche Anlage von Nutzen ſeyn ſoll. Es iſt alſo noͤthig, daß man vor— her den Zuſtand der großen Ableitungsgraͤben wohl un— terſuche, und den Abfluß des Waſſers darin auf alle Art befoͤrdere. Hat man demnach in der Naͤhe ſeiner an Naͤſſe leidenden Grundſtuͤcke ſolche Abzugsgraͤben(wo ſie nicht ſind, muͤſſen ſie natuͤrlich erſt angelegt werden), dann ————. ——,.———— L ———— 1———— ——,———— —— ——————..—— — —— 19 5 irft; 6 macht man durch das ganze Ackerſtuͤck in einer Entfer⸗ 44 te nung von drei oder vier Ruthen flache Graͤben, die ſich 1 nt, ſaͤmmtlich in den tiefern, offenen Graͤben endigen. Die Richtung dieſer kleinen Graͤben muß ſich theils 3* nach dem Hauptgraben, theils nach dem Abhange des hen Feldes richten. Die Tiefe dieſer zu verdeckenden Graͤben ele iſt verſchieden anzulegen. Iſt im Untergrunde Thon und ſt oben eine loſere, ſandige Erdſchicht, ſo geht man gern d⸗ bis auf den Thon, doch muß man immer den Waſſer— der ſtand in den Hauptgraͤben dabei vor Augen haben. Die bei Sohle dieſer kleinen Graͤben muß allezeit etwas hoͤher ich ſeyn, als der gewoͤhnliche Waſſerſtand in den offenen den Graͤben. Unter einen Fuß Tiefe kann man ſie aber nicht urch wohl anlegen, und zwei Fuß Tiefe wird ſelten noͤthig we⸗ oder zulaͤßig ſeyn. Die gewoͤhnlichſte Tiefe wird alſo hier wohl auf 13 Zoll angenommen werden koͤnnen. Dieſen Graͤben giebt man nur ſehr wenig Gefaͤlle, aſſer und macht ſie nicht gern ſehr lang, damit ſie ſich nicht aber verſtopfen. Das Ausgraben ſolcher Graͤben, die verdeckt llage werden ſollen, geſchieht ganz anders, als wenn man vor⸗ offene Graͤben anlegt. Jene werden oben breit angelegt lun⸗ und laufen unten ſo ſpitz zu, daß ihre untere Breite Art nur 3 Zoll betraͤgt, wenn ſie oben 13 Zoll breit ſind. Es kommt jedoch auch hierbei darauf an, womit man Naͤſſe ſie ausfuͤllen will. Will man rauhe Feldſteine dazu neh— nicht men, ſo muß man ſie unten wohl etwas breiter machen. dann Fuͤllt man ſie aber mit gruͤnem Reiſig an, ſo iſt die ——— 20 angegebene Breite von 3 Zoll nicht nur hinreichend, ſon⸗ dern beſſer. Darum iſt aber nothwendig, daß man ſich zum Herausholen der untern Erde einen ganz eigenen Spaten machen laͤßt, der oben breit iſt und unten nur die noͤthige Breite des Grabens hat. Hat man nun das ganze Feld oder die Wieſe mit ſolchen Graͤben durchzogen, ſo ſorgt man dafuͤr, daß man den untern Theil derſelben mit etwas ausfuͤllt, was in der Erde ſelbſt ſo viele Zwiſchenraͤume laͤßt, daß ſich das Waſſer darin allmaͤhlig abziehen kann. Man kann dazu Feldſteine nehmen, die man ſo einſetzt, daß das Waſſer noch durchziehen kann; am beſten und bequemſten iſt es aber wohl, wenn man gruͤnes Reißholz zum Aus⸗ fuͤllen nimmt, welches man gewoͤhnlich in der Naͤhe naſ⸗ ſer Felder ohne Beſchwerde erhalten kann. Mit dieſem Reißholz oder mit Steinen werden die Graͤben jetzt ſo weit angefuͤllt, daß der Pflug daruͤber hingehen kann, ohne etwas zu beruͤhren. Dann deckt man die ausgeworfene Erde wieder daruͤber her. Zuerſt legt man den Raſen umgekehrt, damit die feine Erde nicht die Zwiſchenraͤume ausfuͤllt, und zuletzt bringt man die feine Erde oben auf. Auf dieſe Art kann man ein naſſes Feld auf ſehr viele Jahre trocken machen, und hat blos darauf zu achten, daß die verdeckten Abzugsgraͤben da offen ge⸗ halten werden, wo ſie ſich in den offenen Graͤben en⸗ digen. Gruͤnes Ellern⸗Reißholz dauert wohl zwanzig Jahre Q—QOQp ñAQpnᷓꝛỹ————n—————---—--:õnͤñ——— 21 in einem feuchten Boden, weshalb es ſich am beſten zum Ausfuͤllen ſolcher Graͤben ſchickt. Nur dann, wenn man das Waſſer auf ſeinem Ak— kerlande ganz in ſeiner Gewalt hat; wenn man es zu der Zeit, wenn es uͤberhand nimmt, ſogleich entfernen kann, wird man den gehoͤrigen Vortheil von einer guten Duͤngung und Beſtellung haben, daher iſt nichts ſo wichtig fuͤr den Landwirth, als die noͤthigen Anſtalten zur Entwaͤſſerung ſeiner Felder und Wieſen zu treffen. Dritees Kapitel. Von der Verbeſſerung des Bodens durch Auffahren anderer Erdarten, und vom Mergeln oder Lehmen. ie Im vorletzten Kapitel habe ich weitlaͤuftig davon geſpro— er chen, daß die Urſachen der Fruchtbarkeit oder Unfrucht— ckt barkeit eines Bodens groͤßtentheils in der Zuſammen—⸗ rſ ſetzung und Mengung der Erdarten unter einander zu de ſuchen ſey. Wir wiſſen alle, daß Thon allein ſo wenig wie reiner, ausgewaſchener Flußſand zum Ackerbau taug— lich iſt. Koͤnnte man es daher moͤglich machen, dieſe ir mangelhafte Beſchaffenheit eines Bodens dadurch abzu— zu aͤndern, daß man diejenige Erdart herbeyſchafte, die ge⸗ einem Ackerboden fehlt, ſo wuͤrde man jedes unfrucht— en⸗ bare Land in gutes verwandeln koͤnnen. Wer ſieht aber nicht auf den erſten Blick die Schwie⸗ ahte rigkeiten ein, die dieſem Verfahren im Wege ſtehen?—— V — d——— 22 Wie lange muß man fahren, ehe man auf einen Mor⸗ gen nur 2 Zoll hoch andere Erde auffaͤhrt? Und wie ſelten hat man die Erdarten ſo in der Naͤhe, die man gerade fuͤr einen gewiſſen Boden wuͤnſcht? Hierzu kommt noch der Umſtand, daß gerade die beiden Erdarten, die den Hauptbeſtandtheil des Ackerlan— des ausmachen, Sand und Thon, ſich dann nicht gut mit einander vermiſchen laſſen, wenn ſie jede fuͤr ſich ſind. Der Thon vermiſcht ſich nie innig mit dem Sande, wenn er nicht von Natur damit gemengt war, und recht feiner Thon auf Sandland gefahren, bleibt ebenfalls in zuſammenhaͤngenden Klumpen, wenn er auch noch ſo oft mit dem Sande gepfluͤgt wird. Um nun dieſe Vermiſchung leichter zu bewerkſtelli— gen und dem Ackerbauer die Verbeſſerung ſeiner Felder zu erleichtern, gab uns die Natur den Mergel, der in viel geringerer Menge aufgefahren zu werden braucht, um die natuͤrlichen Fehler des Bodens nach dem Willen des Landmannes zu verbeſſern. Ueber den Mergel ſind die Begriffe noch ſehr man— gelhaft. In vielen Gegenden kennt der Landmann die— ſes vortrefliche Mittel zur Verbeſſerung des Ackerbaues wohl, aber er hat ganz irrige Meinungen davon. In andern Gegenden wieder iſt die Sache noch ganz unbe⸗ kannt. Ich habe fruͤher geſagt, daß der Kalk in jedem Ackerboden, der etwas thonig iſt, von großer Wichtigkeit ſey. Den zu ſehr gebundenen Boden macht er muͤrber — —— ſ-“ ——⅓ꝛ„..—————.——. em keit ber 0 o und alſo zum Wachsthum der Gewaͤchſe geſchickter. Doch außer dieſer Eigenſchaft des Kalkes, den Boden aufzu⸗ lockern, hat er auch noch die, daß er die Zergehung des Miſtes befoͤrdert, daß er uͤberhaupt die Modererde eines Bodens reitzt, ihre Nahrungstheile an die auf demſelben gebauten Gewaͤchſe abzugeben. Nun ſeht, der Mergel iſt eigentlich weiter nichts, als eine Erdart, die ungewoͤhnlich viel Kalk in ſich ent— haͤlt. Findet ſich auf der beackerten Oberflaͤche ein ſol— cher Boden, ſo kann das Uebermaaß des Kalkes ſo gut ſchaͤdlich werden, als jedes Uebermaaß in der Natur. Man findet aber in unſern Gegenden ſolchen uͤbermaͤßig mit Kalk gemengten Boden aͤußerſt ſelten auf der Ober— flaͤche. Deſto haͤuſiger trift man aber die mit dem Kalke innig vermengte Erde, die man Mergel nennt, im Un— tergrunde an, ſo daß man ſie beinahe auf jeder Feld⸗ mark findet. Die Kennzeichen des Mergels ſind dieſe: ¹) Er zerfaͤllt an der Luft: Wenn eine lehmige Erde durch laͤngeres Liegen an der Luft ohne Froſt in Pulver zerfaͤllt, ſo iſt dies ein ſicherer Beweis, daß ſie ſo viel Kalk enthaͤlt, um Mergel genannt zu werden. 2) Will man ſich noch ſicherer von der Anweſenheit des Kalkes uͤberzeugen, oder gar erforſchen, wie viele Theile Kalk in ſolchem Boden ſind, ſo uͤbergießt man ihn mit Saͤuren. Man kann dazu gewoͤhnlichen aber ganz ſcharfen Weineſſig nehmen. Uebergießt man Mer⸗ gel in einem Glaſe mit dieſem Eſſig, ſo wird man mit 24 Ziſchen ein Schaͤumen und Aufbrauſen gewahr werden. Dies ruͤhrt daher, weil der Eſſig den Kalk aufloͤſet. Sicherer und beſſer iſt es indeß, zu einer genauen Probe ſich Salpeterſaͤure(Scheidewaſſer) oder Salzſaͤure in einer Apotheke zu kaufen. Will man genau wiſſen, wie viel Kalk im Boden iſt, ſo darf man nur die Erde, die man zu dieſer Probe nimmt, vorher trocknen und wiegen. Dann gießt man ſo lange Weineſſig oder Scheidewaſſer, in welches man etwas Waſſer gethan hat, zu, als man ein Aufbraͤuſen bemerkt, und nimmt an, daß aller Kalk dann ſich der Fluͤſſigkeit mitgetheilt hat und in derſelben enthalten iſt, wenn dies nicht mehr erfolgt. Die Fluͤſſigkeit von die⸗ ſem Mergel muß man nun behutſam durch ein Papier laufen laſſen, und dann alle zuruͤckbleibende Erde wieder ganz trocken machen. Es verſteht ſich von ſelbſt, daß man alles ganz genau von dem Papiere losmachen muß, durch welches man den auf den Mergel gegoſſenen Eſſig ablaufen ließ, und daß man ſich uͤberhaupt ſehr vorſehen muß, nichts von dem Probemergel zu verſchuͤtten. Alle zuruͤckbleibende Erde, der Thon ſowohl wie der Sand, wird dann wieder gewogen. So viel am Gewicht fehlt, iſt Kalk darin enthalten, indem derſelbe in fluͤſſiger Ge— ſtalt mit dem Eſſig oder verduͤnntem Scheidewaſſer ab⸗ gelaufen iſt. Wenn 3 Loth Lehmmergel z. B. durch dies Aufgie⸗ ßen mit ſcharfem Weineſſig 2 Loth am Gewicht verloren hat, ſo folgt daraus, daß der Kalk den vierten Theil in —— — —— 8 4 4— 8— 1— ——— 5 4—„.—— —yy———————— 1 ————Q—;———„4.4..—-· 25 dieſem Mergel ausmacht. Ein ſolcher iſt ſchon ſehr gut, und fuͤr ſandigen Lehm- und lehmigen Sandboden iſt ein Mergel noch brauchbar, der in einem Pfunde nur 5— 6 Loth Kalk enthaͤlt. 3) Ein drittes Kennzeichen des Mergels geben fol— gende in die Augen fallende Umſtaͤnde: Wenn in einer lehmigen Erdſchicht, die gewoͤhnlich roͤthlich zu ſeyn pflegt, ſich weiße oder weißliche Adern finden; wenn man im Lehm viele ſichtbare, einzelne Kalk— ſtuͤckchen entdeckt; oder wenn man findet, daß eine vor— her ganz feſt an einander haͤngende Lehmſchicht ſich leich— ter loͤſet, gleichſam losblaͤttert, ſo hat man wenigſtens die Vermuthung fuͤr ſich, daß man Mergel gefunden habe. Dieſe Kennzeichen ſind die ſicherſten. Die Farbe iſt nur ein ſehr truͤgliches Kennzeichen des Mergels. Sehr lange richtete man ſich blos darnach, und man nannte nur immer in jeder Gegend vorzugsweiſe den weißen Lehm Mergel oder Kalk, und glaubte auch, daß die Guͤte des Mergels mit ſeiner dem Kalke aͤhnlichen Farbe ſteige. Man vergaß aber, daß vieler Toͤpferthon auch weißgrau ausſieht, und gar keinen Kalk enthaͤlt. Der Mergel kommt in allen Farben vor: weiß, gtau, blau, gelb, braun ꝛc. In Niederungen findet man zuweilen ſogenannten Erdkalk, der allerdings weiß ausſieht und oft ſo kalk— haltig iſt, daß er, gleich den Kalkſteinen, gebrannt und zum Bauen, oder auch zur Duͤngung, aber erſt nach dem Brennen, angewendet werden kann. 26 Aber nicht blos in der Farbe und im Kalkgehalt iſt der Mergel ſehr verſchieden, ſondern auch in der Feſtig— keit und Lockerheit. Je nachdem den Haupttheil Sand oder Thon ausmacht, iſt er lockerer oder feſter. Nanchen Mergel muß man beinahe Steinen gleich mit Hacken losbrechen, manchen kann man ganz gemaͤchlich mit dem Spaten losgraben. Wie entdeckt man den Mergel? Wenn Graben ge— macht werden, oder man graͤbt zu einem andern Behuf Gruben, ſo gebe man wohl auf die Erdſchichten acht, die man auswirft. Oft findet ſich der Mergel da, wo Leute, die keine Kenntniß von der Sache haben, es am wenigſten vermuthen. In ſandigen, aber unebnen, huͤgelichten Gegenden findet man den Mergel haͤufig unter rothen Lehmhuͤgeln. Gewoͤhnlich zeigt ſich auf ihnen die wilde Brombeere in Menge; auch andere Gewaͤchſe, Winde oder Paͤdewinde, Merk oder faule Grete, gelbe Luzerne und andere mehr, wachſen auf ſolchen Stellen ſehr haͤufig, und laſſen ihre Wurzeln bis zu dem Mergel hinunter gehen. In ebe— nen, flachen Gegenden findet man ihn gewoͤhnlich mehr an den niedrigern Stellen. Kann man einen Erdbohrer erhalten, ſo thut man wohl, wenn man ſich das leichte Verfahren mit dieſem Inſtrumente zeigen laͤßt. Hat man aber keine Gelegen⸗ heit dazu, ſo muß man ſich die Muͤhe nicht verdrießen laſſen, mit dem Spaten an ſolchen Stellen Gruben zu machen, wo man den Mergel vermuthet, oder wo man —— 5 —— ———˖——˖— ——— 27 iſt ihn doch gern haͤtte. Es kann wohl ſeyn, daß man zu⸗ 9⸗ V weilen ſechs und mehrere Fuß tief erſt Mergel findet. eil Je flacher er ſteht, je weniger Abraum auf ihm liegt, d.. deſto wohlfeiler wird das Mergeln. Je tiefer man ihn nit ſuchen muß, deſto theurer. ch Iſt jemand ſo gluͤcklich, durch ſolche Nachforſchun— gen einen brauchbaren Mergel auf ſeinen Grundſtuͤcken e⸗ zu finden, ſo hat er ſich ein ſehr gutes Mittel verſchaft, f die Fruchtbarkeit ſeiner Felder zu vermehren. Nichts iſt ; im Stande, eine Wirthſchaft ſo ſchnell in Huͤll und Fuͤll 0 zu verſetzen, als der Mergel, wenn er mit Klugheit an— m gewendet wird. Man hat Beiſpiele, daß nicht nur einzelne Doͤrfer, en ſondern ganze Gegenden dadurch zu Reichthum und Wohl— n. habenheit gelangt ſind, wenn ſie anfingen, den Mergel in zu brauchen. In Hollſtein, einem Lande, welches dem de, Koͤnige von Daͤnemark gehoͤrt, fing man das Mergeln ir, ungefaͤhr vor vierzig Jahren in der Preetzer Probſtei zu— hre erſt an. Von dieſen fleißigen und klugen Bauern, die be⸗ dieſe Gegend bewohnen, lernten es alle Landleute in je⸗ ehr nem Lande in kurzer Zeit, und die Probſteier ſind da— durch ſo beruͤhmt geworden, daß man ſie weit und breit nan herholen laͤßt, um auch an andern Orten das Mergeln ſem zu zeigen. en⸗ In Hollſtein hat ſich ſeit der Zeit das Mergeln oder ßzen Lehmen, wie man es dort nennt, ſo verbreitet, daß man n n denjenigen fuͤr einen ſehr ſchlechten Wirth halten wuͤrde, der es unterlaſſen wollte. man 28 Man glaube aber nicht, daß ſchlechterdings eine Anweiſung an Ort und Stelle dazu noͤthig iſt, um dieſe Arbeit zu unternehmen. Ich werde fortfahren, das Verfahren dabei anzugeben, und glaube, daß jeder kluge, nachdenkende Landmann nach dieſem Unterrichte das Mer⸗ geln in einer Gegend anfangen kann, wo es noch nie verſucht wurde. Ich habe geſagt, daß der Mergel ſehr verſchieden iſt. Eines Theils erſchwert dies zwar das Aufſuchen und Auffinden eines fuͤr einen gewiſſen Boden paſſenden Kergels. Andern Theils aber hat man es dadurch auch wieder in ſeiner Gewalt, fuͤr jede Bodenart den fuͤr ſie paſſenden Mergel auszuwaͤhlen. Wir bleiben dabei ſtehen, daß die Fruchtbarkeit eines Ackerlandes zum groͤßten Theile darauf beruht, wie die verſchiedenen Erdarten, aus welchen es beſteht, zuſam— men gemengt ſind. Von dieſem Geſichtspunkte muß man ausgehen, wenn man den fuͤr einen gewiſſen Boden paſ⸗ ſenden Mergel aufſuchen will. Thoniger oder ſtrenger und feſter Boden bedarf eines lockernden Mittels, welches ihn muͤrber macht. Fuͤr ſolchen iſt ein Sandmergel oder ein ſehr kalkhaltiger Mer⸗ gel am beſten. Wollte man auf ſolchen Boden einen Mergel auffahren, der zum groͤßten Theile aus Thon und Lehm beſtaͤnde, und nur einen geringen Kalkgehalt an ſich haͤtte, ſo wuͤrd eder Nutzen ſehr unbedeutend ſeyn. Sandiger und loſer Boden hingegen bedarf mehr Feſtigkeit. Hier iſt mergelichter Lehm und Thonmergel 29 an ſeiner Stelle. Er kann hier einen Zoll ſtark aufge⸗ fahren werden, und wird dann vorzuͤglich eine ſehr ſtarke Wirkung aͤußern, wenn der Boden recht viel Modererde enthaͤlt. Der kalkige Lehm laͤßt eine innige Vermiſchung und Verbindung mit dem Sande zu, weil er bis in die klein— ſten Theile zerfaͤllt, ſtatt daß bloßer Lehm nur in gan— zen Klumpen fuͤr ſich allein bleibt. Dieſe Regeln werden aufmerkſame Landleute als Fingerzeige benutzen, wie ſie bei der Mergelung ſelbſt den Mergel am beſten zu vertheilen haben. Es wird ſich zwar ſelten der Mergel ganz genau paſſend finden und ſo, wie man ihn gerade fuͤr das Ackerſtuͤck wuͤnſcht, welches man eben mergeln will. Aber ſo aͤngſtlich braucht man auch gar nicht bei der Auswahl zu ſeyn. Man muß jedoch wiſſen, nach welchen Regeln man die Ver⸗ theilung zu beſorgen hat. Denn ſo gut wie ſelten eine Ackerbreite auf einer weiten Strecke ſich voͤllig gleich bleibt, ſo iſt auch der Mergel in einer Grube nicht immer gleich. Wie leicht wird es alſo dem aufmerkſamen Arbeiter werden, fuͤr jede Bodenart des zu mergelnden Ackerſtuͤcks den am meiſten paſſenden Mergel auszuwaͤhlen?—— Daß man nicht gedankenlos bei der Sache verfahren darf, iſt aller⸗ dings wahr. Aber welche Arbeit geht gut von ſtatten, oder wird nuͤtzlich angewendet, bei der man ſeinen Ver⸗ ſtand nicht braucht? Ein verſtaͤndiger Landmann wird es in der Beur⸗ — 3— — 2 2 1 3 f 30 theilung der verſchiedenen Mergelarten bald dahin brin— gen, daß er weiß, welchen Mergel er auf den mehr ſan— digen Theil ſeines Feldes, und welchen er auf den mehr thonigen zu bringen hat. Man hilft ſich auch noch damit, wenn man einen un⸗ paſſenden Mergel hat, daß man ihn ſtaͤrker oder ſchwaͤ— cher auffaͤhrt, je nachdem Mergel und Boden ſich zu einander ſchicken. Es giebt Mergel, der aus drei Thei— len Kalk und nur einem Theile Thon und Sand beſteht; es giebt andern, der noch kalkhaltiger iſt. Auf ſtrengen Thonboden kann ich einen ſolchen weit ſtaͤrker auffahren, als auf Sandboden. Wollte man auf Sandboden ſolchen kalkhaltigen Mergel einen Zoll hoch auffahren, ſo wuͤrde man das Land ganz verderben. Von ſolchem Mergel ſind auf Sandboden ſchon fuͤnf bis zehn Fuhren auf dem Morgen hinreichend. Hingegen auf ſtrengen Thonboden kann ein ſolcher Mergel mit dem groͤßten Vortheil dop— pelt ſo ſtark aufgefahren werden. Wenn man eine Mergelgrube anlegen wlll, verfaͤhrt man auf dieſe Weiſe: Man waͤhlt auf demjenigen Theil ſeines Feldes, wo man den Mergel durch vorherige Unterſuchungen ſchon entdeckt hat, ſich die erhabenſte Stelle aus. Wenn der Mergel unter einer Anhoͤhe eben ſo gut iſt, hat eine ſolche Stelle zur Mergelgrube deswegen den Vorzug, weil ſie ſich leichter ebnet, und man nicht in Gefahr kommt, durch Waſſer in der Arbeit geſtoͤrt zu werden. Sollte ſich aber auch bei naſſer Witterung Waſſer darin anhäu⸗ 31 fen, ſo kann man es von einer Anhoͤhe leichter entfer⸗ nen, als von einer Niederung. Den Abraum oder die Erde, welche uͤber dem Mer— gel liegt, muß man zuerſt wegfahren. Hat man auf dem Stuͤcke, wo man mergeln will, niedrige Stellen, wo das Waſſer die Winterung gewoͤhnlich verdirbt, ſo erhoͤhet man dieſe durch die Abraumerde, und in dieſem Falle bezahlen ſich die Koſten des Abraͤumens recht gut. Uebrigens muß man ſich die Arbeit des Abraͤumens da— durch zu erleichtern ſuchen, daß man dann, wenn an einer Stelle der Mergel bis auf den Grund herausge⸗ bracht iſt, die Raͤumerde dahin wirft. Man erſpart da⸗ durch nicht nur die Arbeit des Wegfahrens, ſondern eb— net ſich auch zugleich das Land. Ich habe wohl zuweilen geſehen, daß man den Mer⸗ gel aus der Grube an den Rand derſelben geworfen hat, und alſo gar nicht mit dem Wagen in die Grube fuhr. Wenn der Mergel nicht ſehr kalkhaltig iſt, und wenn nicht ein großes Andringen des Waſſers dieſes Auswer⸗ fen des Mergels nothwendig macht, ſo muß man auf dieſe Art die Arbeit nicht anfangen. Der mergelichte Lehm, den man weit haͤufiger wie den eigentlichen Kalkmergel antrift, muß viel zu ſtark aufgefahren werden, wenn er wirken ſoll, als daß es moͤglich waͤre, durch bloßes Auswerfen aus Gruben die noͤthige Menge davon zu gewinnen. Je bequemer man ſich die Grube zum Aus⸗ und Einfahren anlegt, deſto ſchneller wird die Arbeit gehen. Auf zwanzig Fuder 32 Raͤumerde, die man mehr oder weniger ausfahren muß, kommt es dabei nicht an, wenn man eine betraͤchtliche Grube machen will. Wie groß eine Mergelgrube angelegt werden muͤſſe, laͤßt ſich im Allgemeinen nicht gut beſtimmen. Es haͤngt dies davon ab, ob der Mergel tief oder flach liegt, ob er in bedeutenden Lagen vier bis fuͤnf Fuß ſtark ſteht, oder nur in Schichten zwei Fuß ſtark. Ferner: ob das zu bemergelnde Stuͤck groß oder klein iſt. Als Regel kann man annehmen, daß die Koſten geringer kommen werden, wenn man eine Grube ſo anlegt, daß recht viel daraus bemergelt werden kann. Denn das Abraͤumen iſt bei kleinen Gruben faſt eben ſo bedeutend, als bei großen. Eine abgeraͤumte Grube muß man alſo ſo viel als moͤglich zu nuͤtzen ſuchen. Es wird nun noch noͤthig, daß ich daruͤber einige Regeln angebe, wie ſtark man den Mergel auffahren muß. Von der noͤthigen Aufmerkſamkeit auf das Land, was gemergelt werden ſoll, und auf den Mergel, den man auffährt, habe ich bei dieſer ganzen Anweiſung zum Mergeln wiederholt geſprochen, und ſie allein muß die⸗ ſes Geſchaͤft zum guten Gelingen bringen. Auch bei der Beſtimmung einer ſchwaͤchern oder ſtaͤr⸗ kern Aufbringung des Mergels, kommt wieder die Be— ſchaffenheit des Landes wie des Mergels in Betrachtung. Habe ich ſandigen Lehmboden oder lehmigen Sandbo⸗ den, und finde einen Mergel, der nur zum fuͤnften oder ſechſten Theile Kalk enthaͤlt, und uͤbrigens Thon und Sand I muß, kliche uͤſſe, aͤngt ob teht, das egel men viel men bei viel einige ffahren Land, , den g zum p die⸗ er ſtaͤr⸗ de Be⸗ chung. zandbo⸗ ten odet don und Sand 335 Sand zu ziemlich gleichen Theilen, ſo kann ich dreiſt auf den Morgen 60 bis 70 kleine zweiſpaͤnnige Fuder auf⸗ fahren. Nimmt der Kalkgehalt in einem Mergel zu, ſo daß vielleicht der vierte oder gar der dritte Theil Kalk iſt, ſo werden 40, und bei einem Drittheil Kalk, ſchon 30 Fuder auf den Morgen reichen. Beſtaͤnde ein Mergel gar zur Haͤlfte aus Kalk, ſo muͤßte man bei ſandigem Boden ihn nur in geringer Menge aufbringen; bei ſtrengem Thonboden hingegen koͤnnte man einen Mergel, der uͤber die Haͤlfte aus Kalk beſteht, ſchon ziemlich ſtark aufbringen, und man wuͤrde einen ſolchen gebundenen Boden dadurch viel muͤrber machen. Auf Thonboden wuͤrde ein Mergel, der im Ueber⸗ maaße Thon enthaͤlt, Kalk und Sand aber nur wenig, vielleicht voͤllig nutzlos ſeyn; dahingegen ein ſolcher ganz vorzuͤglich fuͤr Sandboden paßt. Ein ſandiger Mergel, der zum groͤßten Theile aus Sand und Kalk beſteht, wuͤrde ganz unuͤbertreflich fuͤr Thonboden ſeyn, wuͤrde ihn lockern, die in ihm liegenden Duͤngertheile reitzen und ein viel lebhafteres Wachsthum aller Fruͤchte hervor bringen. Im Sandboden wuͤrde ein ſolcher, in großer Menge aufgebracht, den Boden noch trockener machen, als er ohnedies ſchon iſt, und hat man keinen andern, ſo muß man ihn auf ſandigen Boden nur in ſehr gerin— ger Menge auffahren; es koͤnnen in vielen Faͤllen ſchon vier bis fuͤnf Fuder auf den Morgen reichen. In Summa: man muß ſich vorher, ehe man mer⸗ J 1 3 1 34 gelt, fragen, welche Eigenſchaften dem Ackerlande fehlen, mit welchem man dieſe Verbeſſerung vornehmen will. Finde ich nun, daß es dem einen Stuͤcke an Lockerheit gebricht; das andere iſt zu loſe; ein drittes hat eine ge⸗ wiſſe nachtheilige Eigenſchaft, die man Saͤure nennt, und welche ſich dadurch aͤußert, daß der Miſt auf ſolchem Lande nie recht wirkſam iſt: dann ſehe ich erſt auf mein Verbeſſerungsmittel, den Mergel ſelbſt. Den feſten Bo— den lockere ich mit einem ſandigen Kalkmergel, den gar loſen Boden mache ich feſt mit Lehm- und Thonmergel, dem ſauren Boden, der vielen unzergangenen Miſt und ſaure Modererde enthaͤlt, benehme ich dieſe nachtheilige Eigenſchaft durch einen recht kalkhaltigen Mergel. Durch dieſen letztern geht im Boden beinahe eben das vor, was geſchieht, wenn man ungeloͤſchten Kalk mit allerhand faulenden Dingen vermengt. Wenn man ein Aas, ein krepirtes Thier z. B., mit 4 ungeloͤſchtem Kalk in eine Grube wirft, oder ungeloͤſch— ten Kalk mit Menſchenkoth vermengt, ſo verliert dieſer ſehr bald ſeinen Geruch, und ein faulendes Aas wird in kurzer Zeit in Duͤngung uͤbergehen und voͤllig verweſen. ½ So wirkt ein kalkhaltiger Mergel in dem erwaͤhnten ſauern Boden; die Saͤure vergeht und die ſeit langer Zeit darin unwirkſam geweſene Modererde kann nun 4 8 frei auf das Wachsthum der Pflanzen einwirken. 3 In einem großen Theile von Pommern hat der V * Boden die erwaͤhnte Saͤure in dem Maaße, daß weder Erbſen, Klee und aͤhnliche Gewaͤchſe auf ihm fortkom⸗ diſes nit 35 hlen, men, wenn er ſich auch gleich ſeiner uͤbrigen Beſtand⸗ wil. theile wegen und in Hinſicht ſeiner feuchten Lage ſehr thei gut dazu ſchickt. Aller Miſt iſt nicht vermoͤgend, dieſe e Je⸗ nachtheilige Eigenſchaft zu entfernen. Aber der Mergel und thut auf jenem Boden Wunder. chem Nach der Mergelung traͤgt er nicht nur alle Futter⸗ nein gewaͤchſe, ſondern das eigentliche Getreide, Weitzen, Bo⸗ Roggen, Gerſte und Hafer, waͤchſt nach dem Auffahren gat dieſes wohlthaͤtigen, haͤufig verbreiteten Verbeſſerungs⸗ gel, mittels, faſt noch einmal ſo gut wie vorher. und Das Mergeln iſt eine Arbeit, die der Landmann lige vornehmen muß, wenn er gerade keine wichtigen Beſtel⸗ ürch lungsgeſchaͤfte hat. Die Zeit des Ausbringens ſelbſt iſt was ziemlich gleich. Der Sommer, und zwar die Zeit zwi⸗ thand ſchen der Sommerbeſtellung und der Ernte, dann wieder der Herbſt nach vollendeter Saatbeſtellung, ſchicken ſich „mit vorzuͤglich gut dazu. Iſt der Froſt im Winter nicht zu loͤſc⸗ ſtark, ſo kann man dieſe Arbeit den groͤßten Theil des dieſer Winters hindurch fortſetzen. ed in Faͤhrt man den Mergel ſtark auf, funfzig bis ſechzig eſen. oder ſiebzig Fuder auf den Morgen, ſo macht man von hnten einem Fuder nur etwa zwei Haufen. Iſt das ganze langer Land befahren, ſo waͤhlt man zum Ausſtreuen oder Brei⸗ nun ten trockenes Wetter, damit er ſich gut vertheilt. Kann man ihn ſo ausgeſtreuet den Winter uͤber liegen laſſen, t der ſo werden alle Kloͤße vom Froſt zerfallen. Im Fruͤh— wedet jahr kann man, wenn das Land gehoͤrig abgetrocknet iſt, etkom⸗ vor dem Unterpfluͤgen des Mergels das Land etwas 36 raſch uͤbereggen, wodurch die noch nicht zerfallenen Stuͤcke vollends zerkleinert werden. Darauf pfluͤgt man ihn flach unter. Wuͤrde der Mergel aber erſt im Fruͤhjahre aufgefah⸗ ren und man wollte das Land mit Wintergetreide beſaͤen, ſo muß man ja ſorgen, daß der ausgeſtreuete Mergel, vorzuͤglich wenn er in Stuͤcken bricht, auf alle Art ge— pulvert und klein gemacht werde, ehe man ihn unter⸗ pfluͤgt. Dies Pulvern und Zerkleinern geſchieht mit Walzen und Eggen. Auf dies genaue Zertheilen des aufgefahrenen Mer⸗ gels und auf das genaue und innige Vermiſchen mit der Erdkrume, kommt ſehr viel an. Man muß zu dem Ende das bemergelte Land mehrere Male hintereinander pfluͤ⸗ gen und eggen, und dazu moͤglichſt trockene Witterung waͤhlen. Hat man ſo viel Miſt, daß man mit dem Nergel zugleich etwas aufbringen kann, ſo wird man die Wirkſamkeit beider erhoͤhen. Auf ſolches Land, welches man vor dem Winter mit Mergel befuhr, und wo der Mergel im Fruͤhjahre ganz zerfallen war, kann man ſchon eine Sommerfrucht einſaͤen. Faͤhrt man den Mergel aber erſt zu Anfange des Fruͤhlings auf, da thut man wohl, man bearbeitet das Land den Sommer durch gut mit dem Mergel, und ſaͤet im Herbſt Roggen oder Weitzen ein. Kann man recht viele Aufmerkſamkeit und Zeit auf die Bearbeitung ſolchen Landes ſchon im Fruͤhlinge wenden, ſo wird es gegen Johannis vorbereitet genug ſeyn, um mit Buch⸗ Yer⸗ der Ende terung it dem d wan Vinter tjahre rfrucht lnfange arbeitet gel, und in man rbeitung wird(6 git Buch 37 weitzen beſaͤet zu werden, der dann aber nicht reif wer⸗ den darf, ſondern gruͤn abgefuͤttert wird. Nach dieſem Buchweitzen wird man ein ganz vorzuͤglich muͤrbes Land erhalten, in welchem der Roggen zur Bewunderung wach⸗ ſen wird. Das Mergeln iſt eine ſo wichtige Sache, daß man ſie den Landleuten nicht genug empfehlen kann. Mage—⸗ res, ſchlechtes Sandland kann durch Auffahren eines guten Thon⸗ oder Lehmmergels ſo ganz umgeaͤndert wer⸗ den, daß man es nach dieſer Verbeſſerung kaum wieder erkennen wird. Was alle Miſtduͤngung allein nicht ver⸗ mochte, wird nach der Mergelung moͤglich. Land, wel⸗ ches vorher nur Roggen und Hafer trug, wird faͤhig, gute Gerſte und Klee, auch andere Futtergewäͤchſe, zu tragen. Aber nicht allein deswegen, weil der Mergel an und fuͤr ſich das Land ſo ausnehmend verbeſſert, iſt das Auf⸗ fahren deſſelben anzurathen, ſondern auch, weil es dem Landmanne ſo wohlfeil und leicht wird, als kaum irgend eine andere Verbeſſerung. Er braucht nichts, um ſich dieſes Mittels zu bedienen, als Kenntniß des Mergels, um ſich ihn aufzuſuchen; Luſt zur Arbeit, um ſie anzu⸗ fangen, und einiges Arbeitsvieh. Die noͤthige Kenntniß wird er erlangen, wenn er nur will und den Anfang macht.„Wer nichts angreift, lernt nichts.“ Wer aber den guten Willen hat, ſich belehren zu laſſen, wird in vorſtehendem ſo viel davon begriffen haben, als noͤthig iſt, um den Anfang zu ma⸗ — —— —— 1 7 38 chen. Faͤngt er aber die Sache erſt an, ſo wird er waͤh— rend der Arbeit ſelbſt dasjenige noch lernen, was ſich hier auf dem Papiere nicht gut deutlich machen laͤßt. Viele Menſchen haben die Art, ſich alles ſehr ſchwer vorzuſtellen, was ſie noch nicht geſehen oder ſelbſt gemacht haben. Hoͤren ſie nun etwas, was fuͤr ſie nuͤtzlich waͤre, kennen es aber nicht aus Erfahrung, ſo ſehen ſie da uͤberall Schwierigkeiten, wo andere, die es uͤben, entwe⸗ der gar nichts Schwieriges finden, oder das wenige Muͤhſame ſo geſchickt zu bezwingen wiſſen, daß es ihnen gar nicht hinderlich iſt. Welch' eine unſaͤgliche Muͤhe macht das Streuhar— ken! Erſt wird die Streu oft Stunden weit hergeholt, dann wird ſie wieder als Miſt aufs Feld gefahren. Wollte jemand einmal alle die Muͤhe zuſammen rechnen, die es ihm macht, Einen einzigen Morgen mit Streuduͤnger zu befahren, ſo wuͤrde er uͤber die Zeit erſtaunen, die dazu erfordert wird. Aber es iſt uns einmal bekannt; wir haben es von Jugend an gemacht; darum ſehen wir uͤber das Schwere weg. Und doch ſagen alle Landleute, welche Streumiſt in großer Menge ausfahren: ja, das Streu waͤre wohl gut, wenn wir nur unſer Vieh brav fuͤttern koͤnnten, damit es auch wirklich zu Miſt wuͤrde. Viel weniger Muͤhe macht es, Einen Morgen Land zu mergeln, als das Streuling zur Beduͤngung deſſelben anzufahren und den Miſt wieder auszufahren. Ein Land⸗ mann kann mit zwei Pferden und drei Menſchen faſt alle Tage einen halben Morgen befahren, wenn der —.=—— —— har⸗ holt, ollte die es uͤnger n, die kannt; en wir dleute, , das ˖brav uͤrde. Land ſſelben Land⸗ en faſt un det 59 Mergel nur nicht gar zu viel Abraum auf ſich hat. Ausgaben an baarem Gelde macht ihm dieſe Verbeſſe⸗ rung alſo gar nicht, er muͤßte ſich denn einen Tageloͤh⸗ ner dazu annehmen, oder doch zum Dreſchen, damit er Zeit gewoͤnne, mit Ruhe bei dieſer Arbeit zu bleiben. Welch' ein Unterſchied iſt aber im Erfolge zwiſchen einer Mergelung und einer gewoͤhnlichen Duͤngung mit trockenem Streumiſt! Wenn dieſer zur Noth zwei ſchlechte Ernten giebt, ſo wirkt eine Mergelung, wenn ſie gut vollfuͤhrt wird, auf zwanzig und mehrere Jahre. Ich koͤnnte außer dem oben erzaͤhlten Beiſpiele von den Hollſteinſchen Bauern noch gar viele Gegenden und Laͤnder nennen, wo die Landleute erſt durch das Mer⸗ geln ihren Ackerbau, und dadurch ihre ganzen Umſtaͤnde gehoben haben. Wollte ich aber bloß entfernte, unbe⸗ kannte Gegenden anfuͤhren, ſo koͤnnte man mir vielleicht ſagen: das geht wohl dort, aber bei uns nicht. Ich habe aber gar nicht noͤthig, ſo weit auszuho— len, um dasjenige zu beweiſen, was ich von dem Mer— gel geruͤhmt habe. Mitten in der Churmark, die als ſandig allgemein bekannt iſt, hat der Mergel alles das bewirkt, was man nur von ihm erwarten kann. Herr Staatsrath Thaer, der ein eben ſo gelehrter als erfahrner Landwirth iſt, ließ im Jahre 13810 eine große Flaͤche auf ſeinem Gute Moͤgelin mergeln. Er beſaͤete dies gemergelte Land mit Roggen und Weitzen, und lies auch gleich im Fruͤhjahre auf die junge Saat ſpaniſchen oder rothen Klee ausſaͤen. Wem iſt nicht das ——————õ————ÿ— 40 allgemeine Mißrathen des Roggens vom vorigen Jahre bekannt? Und hier nach dem Mergel war Roggen ge⸗ wachſen, der fuͤnf Fuß hoch war und ſo aausgezeichnet gut lohnte, daß kein Roggen, auf Duͤngerfeld gewachſen, ihm gleich kam. Der Klee war zum Theil beinahe einen Fuß hoch in dem Roggen aufgewachſen, und in dieſem Augenblick hat er ſich ſo ausgebreitet, das ganze Land ſo dicht belegt, daß er im kuͤnftigen Jahre gewiß eine vortrefliche Ernte geben wird. Was war das aber fuͤr Land, fragt wohl jemand, auf dem der Mergel ſo außerordentlich wirkſam war?—— Es war ein lehmiger Sandboden, der nur vor zwey oder drey Jahren noch den Bauern zu Reichnow gehoͤrte, die dieſes Land alle drey Jahre einmal mit Roggen beſaͤe— ten, und kaum etwas uͤber die doppelte Einſaat darauf ernteten. Es lag ſo weit vom Dorfe Reichnow, daß ſie nie eine Gabel Miſt dahin brachten, und nun, nach der Mergelung, uͤbertraf es bei der Ernte alle Miſtfel⸗ der des Dorfes Reichnow. Der Mergel lag mitten auf dieſem Lande unter einem unfruchtbaren Lehmhuͤgel. Ob gleich Herr Staats⸗ rath Thaer alle die Arbeiten fuͤr Geld machen ließ, ſo kam ihm das Befahren des Morgen Landes doch ſo wenig, daß er nicht im Stande geweſen waͤre, die ſchlechteſte Duͤngung dafuͤr anzuſchaffen. Ein kleiner Gutsbeſitzer, der mit ſeinen Leuten ſelbſt arbeitet, kann eine ſolche Verbeſſerung noch wohlfeiler haben. Er braucht ſich 41 nur mit ſeinen uͤbrigen Arbeiten etwas anzuſtrengen, ſo wird er leicht ſo viel Zeit eruͤbrigen, um zur Herbſt— oder Winterzeit ein paar Wochen auf das Mergeln zu wenden. Ich kann mich aber von dieſem Gegenſtande nicht wegwenden, ohne noch etwas davon zu ſagen, wie man gemergeltes Land in der Folge behandeln muß. Man muß nicht glauben, daß die Fruchtbarkeit unerſchoͤpflich ſey, die ſich nach dem Mergel zeigt. Wir duͤrfen nur auf die Urſache zuruͤckgehen, die die Wirkung des Mergels hervor bringt, den Kalk, und etwas uͤber die Art und Weiſe nachdenken, wie dieſer das Wachsthum der Gewaͤchſe befoͤrdert, ſo wird es uns gleich einleuchten, daß noch etwas mehr als bloßer Mer— gel ins Land kommen muͤſſe, wenn man den hoͤchſten Vortheil von dieſer Verbeſſerung ziehen will. Wir wiſſen, daß der im Mergel enthaltene Kalk auf die Modererde eines Ackerbodens reitzend einwirkt, d. h. die Ruͤckbleibſel von Miſt, Wurzeln und Faſern, die ſo fein mit der Erde gemengt ſind, daß man ſie mit bloßen Augen kaum in der Erde erkennen kann, wer— den von dem Kalk angegriffen, und gehen nun ſchnel— ler in einen ſolchen Zuſtand uͤber, in welchem ſie den Gewaͤchſen Nahrung geben koͤnnen. Man kann ſagen, daß faſt in jedem Ackerlande einige ſolcher Theile enthal— ten ſind, die erſt mit Kalk in Verbindung kommen muͤſ— ſen, wenn ſie ſchnell das Gedeihen der Gewaͤchſe befoͤr⸗ dern ſollen. Ein Boden hat ſolcher Theile mehr in ſich, 4² ein anderer weniger. Auf recht fruchtbarem Boden, der viel Modererde in ſich enthaͤlt, der eine zeitlang zur Weide gelegen hat, wird durch das Mergeln ein Wachs⸗ thum bewirkt werden, wie durch keine Duͤngung. Auch wird auf einem ſolchen die Wirkung des Mergels laͤnger dauern. Ein magerer armer Boden, der nur wenig Moder⸗ erde in ſich hat, wuͤrde aber erſchoͤpft werden, wenn man nach dem Mergeln nicht bald wieder duͤngen wollte. Wo man dies letztere bei ſolchem Boden unterließ, da hat man wohl nachtheilige Wirkungen vom Mergel erlebt, und es hat ſich daher das Spruͤchwort gebildet: der Mer— gel macht reiche Vaͤter und arme Soͤhne. Wer wuͤrde aber ſo undankbar gegen ein Land ſeyn wollen, welches ihm nach der Mergelung eine reiche Stroh- und vielleicht eine eben ſo reiche Futterernte ge— geben hat, und wuͤrde nicht gern den aus dieſem Strohe und dem Futter gewonnenen Miſt auf daſſelbe fahren?— Und dann, wenn Miſt und Mergel wechſelſeitig aufge— bracht werden, kann der fleißige Landmann von jedem dieſer vortrefflichen Verbeſſerungsmittel eine weit hoͤhere und anhaltendere Wirkung erwarten, als ſie einzeln, jedes fuͤr ſich aufgebracht, aͤußern werden. Durch den Mergel verſchaft man ſich mehr Stroh; man macht das Land faͤhig, Futtergewaͤchſe zu tragen, die es vorher nicht getragen haͤtte. Futter und Stroh zuſammen ernaͤhren das Vieh, geben mehr Miſt. Mehr Miſt giebt wieder mehr Stroh und Koͤrner, und ſo be⸗ der zur chs⸗ Auch inger der⸗ nan Wo hat ebt, NRer⸗ ſeyn reiche te ge⸗ btrohe n!— aufge⸗ jedem oͤhere jedes troh; ragen, Stroh Mehr ſo be⸗ 43 tritt der Landmann die Stufe, von der er allein zu Wohlſtand und in beſſere irdiſche Umſtaͤnde verſetzt wer⸗ den kann. Um ſo nothwendiger wird dieſe leichtere Art, die Fruchtbarkeit des Ackerlandes zu befoͤrdern, da durch die neuern Geſetze und Einrichtungen das Streuharken zum großen Theil aufhoͤren wird. Ich bin uͤberzeugt, daß die Zeit, welche zeither auf das Einſammeln der Streu verwendet wurde, mit unendlichem Gewinn auf die Mer⸗ gelung zu verwenden iſt. Der fleißige und aufmerkſame Landmann, der den rechten Mergel fuͤr ſein Land aus— ſucht und ſich in den Handgriffen uͤbt, die bei dem Auf— ſuchen, Ausgraben, Ausfahren und der ganzen Behand⸗ lung des Mergels noͤthig ſind, wird bald ſo viel Stroh ernten, daß er keiner Waldſtreu bedarf, und die Koͤrner, die er durch die Mergelung mehr als gewoͤhnlich erntet, werden ihm ſeine Thaͤtigkeit und Geſchicklichkeit belohnen. Vom Moder. Faſt eben ſo wichtig wie der Mergel iſt der Moder, welcher ſich in unebenen Gegenden in den Niederun— gen angehaͤuft findet. Dieſer Moder iſt zum Theil von den Duͤngerthei— len entſtanden, die das Thau- und Regenwaſſer herun— ter geſpuͤlt hat. Zum Theil hat er aber ſeinen Urſprung von den Gewaͤchſen, die an niedrigen, ſumpfigen Stellen alljaͤhrlich wachſen, und wieder abſterben und vermodern. Ja er ſcheint oft ſogar von untergegangenen Holzungen — 44 entſtanden zu ſeyn, wenn man in ſolchem Moder eine große Menge Baumwurzeln, Baumſtaͤmme und unver⸗ weſete Zweige findet. Hat der Moder ſeine Entſtehung den beiden letztern Urſachen zu danken, ſo wird er zwar mehr Saͤure bei ſich haben, als wenn er auf die zuerſt angegebene Art ſich angehaͤuft hat; er wird aber in allen Fällen es ver— dienen, daß man ihn als Duͤngungs⸗ und Verbeſſerungs⸗ mittel zu gewinnen ſucht und ausfaͤhrt. Man kann ihn erhalten und ausfahren, wenn bei anhaltender Duͤrre das Waſſer vertrocknet iſt, und in dieſem Falle muß man alles aufbieten, um ihn wenig— ſtens ſo weit aufs Trockne zu bringen, daß bei eintre— tender, naſſer Witterung der Moder doch nicht wieder uͤberſchwemmt wird. Zuweilen wird es aber moͤglich ſeyn, einen Sumpf, der den Moder enthaͤlt, dadurch trocken zu machen, daß man verſchiedene Graͤben anlegt. Da der Moder verſchiedenen Urſachen ſeine Entſte— hung verdankt, ſo iſt er auch ſelbſt verſchieden, und kann nicht auf gleiche Weiſe als Verbeſſerungsmittel aufgefah— ren werden. Iſt er aus einem Sumpfe oder Moore, ſo wird er viele unverweſete Wurzeln und Faſern, und jene nachtheilige Eigenſchaft enthalten, die unter dem Namen„Saͤure“ bekannt iſt. In dieſem Zuſtande kann er noch keine nuͤtz⸗ liche Wirkung auf die Fruchtbarkeit des Landes aͤußern. Man muß erſt ein Duͤngungsmittel aus ihm bereiten. Zu dem Ende bringt man ihn an den Rand des eine ver⸗ tern Art 45 Sumpfes oder Moores, aus welchem er gewonnen wurde, und thuͤrmt ihn in vier bis fuͤnf Fuß hohe, lange Hau— fen auf. Hat er ſo ein halbes Jahr lang gelegen, ſo kann man ihn umarbeiten, giebt den Haufen aber doch dieſelbe Geſtalt, und laͤßt ihn wieder ein halbes Jahr lie— gen. Ein runder Haufen, der gar zu breit iſt, iſt darum nicht ſo gut, weil dann der Moder nicht recht von der Luft und Witterung getroffen werden kann, die ſeine Verweſung befoͤrdern und ſeine Saͤure wegſchaffen. Bei einer ſolchen Behandlung wird ein torfiger, faſri— ger und ſaurer Moder binnen Jahresfriſt tuͤchtig zum Auffahren auf das Ackerland geworden ſeyn. Hat man Mergel in der Naͤhe, und will dieſen un— ter den Moder mengen, ſo wie er ausgebracht wird, ſo wird die Miſchung dieſer beiden Erdarten eine Duͤngung geben, die den beſten Miſt fuͤr Sandboden und ſandigen Lehmboden uͤbertrift. Man verfertigt dann eben ſolche Haufen, wie ich ſchon beim bloßen Moder angegeben habe, und bringt abwechſelnd eine Lage Mergel und eine Lage Moder. Der im Mergel enthaltene Kalk wird nicht nur die Faͤulung befoͤrdern, ſondern vorzuͤglich die Saͤure ver— zehren, die ſolcher Moder in ſich hat. Nachdem beides eine zeitlang mit einander vermengt geweſen iſt, wird man ein muͤrbes, leichtes Duͤngungsmittel wegfahren koͤnnen, welches alle Eigenſchaften zur Verbeſſerung eines magern Landes in ſich vereint. Sind Kalkſteinbruͤche in der Gegend, wo der Mo⸗ 4 6 der ausgebracht wird, und man will das Geld anwen⸗ den, ſo verpackt man den gebrannten, ungeloͤſchten Kalk mit ſolchem Moder. Es verſteht ſich jedoch, daß die oberſte Schicht Moder ſeyn muß, um den Kalk ſo viel als moͤglich zur Aufloͤſung und Verbeſſerung des Moders zu nuͤtzen. Moder aus Seen, Pfuͤtzen, Pfuͤhlen und Teichen, der von den angrenzenden Feldern dahin geſchwemmt iſt, ſchickt ſich vielleicht eher, gleich aufs Land gefahren zu werden, ſo wie man ihn ausbringt. Doch muß man darauf achten, ob er ſchon oͤfter trocken gelegen hat, oder nur ſehr ſelten. Iſt er faſt immer mit Waſſer bedeckt geweſen, ſo wird man ebenfalls wohl thun, wenn man ihn erſt einige Zeit in großen, langen Haufen liegen laͤßt, ſo daß er muͤrbe wird und zerfaͤllt. Auch dieſen kann man mit Mergel vermiſchen, und wird dadurch beides, Mergel und Moder, zur eigentlichen Duͤngung tauglicher machen. Hat man den Moder erſt ausgebracht, und auf die beſchriebene Art zubereitet, ſo iſt bei ſeiner Anwendung ſelbſt weniger Vorſicht noͤthig, wie bei dem Mergel. Da er aus verweſeten Gewaͤchſen, ja zuweilen von wirkli— chem Miſt entſtanden iſt, ſo kann man ihn auch als wirklichen Duͤnger oder Miſt anſehen, und ihn auf ganz ausgeſogene, magere Felder fahren. Auf ſandigem Boden iſt er gewiß beſſer als langer Miſt. Kann man dieſen Moder ſo ſtark auffahren, daß auf den Morgen dreißig bis vierzig Fuder kommen, ſo 47 erhaͤlt ein ſchlechtes Land durch dieſe Verbeſſerung gewiß doppelten Werth. Hat man ihn aber nicht in der Menge, und kann vielleicht auf den Morgen nur acht bis zehn Fuder ganz klaren, zerfallenen Moder aufbringen, ſo thut man beſſer, dieſen erſt dann aufs Land zu fahren, wenn es ſchon voͤllig zur Saat vorbereitet und gepfluͤgt iſt. Man vertheilt ihn ſo ſorgfaͤltig, daß uͤberall etwas hinkommt, ſaͤet darauf den Saamen aus und egget das Land tuͤchtig. Dies Fahren ſchadet dem Lande gar nichts. Wird die Bearbeitung ſonſt gut verrichtet, ſo wird man von den wenigen Fahrgeleiſen keinen Nachtheil ſpuͤren. Der klare Moder wirkt aber ſo gewiß beſſer, als wenn er durch Unterpfluͤgen mehr in die Tiefe gekommen waͤre, Moorigte Grundſtuͤcke, die man oft in der Naͤhe von Sandhuͤgeln antrift, und die oft eine zwey bis drey Fuß hohe Lage Moderboden haben, ſind gewoͤhnlich von gerin⸗ gem Werth fuͤr ihren Beſitzer, weil ſie ſelbſt dann noch wenig tragen, wenn man durch viele Graͤben die Feuch⸗ tigkeit von ihnen entfernt. Der Boden wird dann wie⸗ der bei trockener Witterung ganz pulvericht und ſtau⸗ bicht, ſo daß die Pflanzen darauf kuͤmmern. Wegen ſei— ner großen Lockerheit giebt er auch den Wurzeln nicht Haltung genug, und Winterfruͤchte, wie Klee, laſſen ſich auf ihm gar nicht bauen. Am beſten gedeihet noch der Kohl und manche Ruͤbengewaͤchſe auf dieſem Boden. Die Halmfruͤchte geben nur Stroh auf ihm, aber keine Koͤrner. — Hat man in der Naͤhe ſolcher Felder einen lehmi— gen, mergelichten Sand, ſo befahre man ſie mit ſolchem, und man wird ſich einen Boden bereiten, der zu allen Fruͤchten tauglich iſt und beinahe unerſchoͤpflich an Frucht— barkeit. Hat der Sand, den man zu dieſem Auffahren nimmt, etwas Thon- und Kalktheile, ſo wird die Ver— beſſerung um ſo vollkommner. Doch iſt es nicht unum— gaͤnglich noͤthig. Auch der bloße Flugſand, in hinlaͤng— licher Menge aufgebracht, wird dieſem leichten Boden mehr Haltbarkeit geben, ſo daß er ſich endlich, wenn der Sand gehoͤrig mit dem Moderboden vermiſcht iſt, zu Klee und Winterfruͤchten vortreflich eignet. Viertes Kapitel. VWom Miſtoder Duünger. Wichtig— ſehr wichtig ſind dem Landmanne die im vorigen Kapitel genannten Verbeſſerungsmittel. Er kann durch ihre Anwendung ſeinen feſten, unbearbeitbaren Bo⸗ den muͤrbe, den zu ſehr loſen, feſt machen; er kann die ſchlummernden Kraͤfte im Boden aufreitzen, und nach— theilige Eigenſchaften deſſelben entfernen. Dieſe Verbeſſerungsmittel ſetzen den Landmann alſo in den Stand, ſein Land empfaͤnglich und tauglich fuͤr alle Fruͤchte zu machen, die es ſeinen uͤbrigen Verhaͤlt— niſſen nach tragen kann. Aber ein Land, das jaͤhrlich oder 49 beon oder doch ſehr oft Fruͤchte traͤgt, giebt an dieſelben im⸗ ſchem, mer einen Theil ſeiner Fruchtbarkeit ab. Der fruchtbarſte allen Boden von Natur laͤßt am Ende nach, das Wachsthum rucht⸗ der auf ihm geſaͤeten Gewaͤchſe zu befoͤrdern, wenn ihm fahren nicht etwas gegeben wird, was die aufgezehrten Kraͤfte Ver⸗ wieder erſetzt. num⸗ Dteſes Belebungsmittel der Pflanzenwelt, dieſes NRah⸗ aͤng⸗ rungsmittel des Ackers, ſo zu ſagen, iſt der Miſt. Durch doden ihn werden wir in den Stand geſetzt, die natuͤrliche der Fruchtbarkeit des Ackers nicht nur zu erhalten, ſondern, zu wenn wir allen Fleiß auf dte Gewinnung des Miſtes wenden, ſo koͤnnen wir die Fruchtbarkeit unſerer Felder von Jahr zu Jahr vermehren. Darum iſt er dem Land— manne die wichtigſte Sache, und es gtebt beim Ackerbau keine wichtigeren Geſchaͤfte, als diejenigen, welche zur Her⸗ beiſchaffung, Bereitung und Anwendung des Miſtes ver⸗ richtet werden. Werden ſie gut ausgerichtet, ſo wird noth⸗ wendig die Fruchtbarkett der Felder vermehrt, und der die im Gewinn des Landwirths erhoͤht. r kann Wir wollen, um dieſe Sache mit aller der Aufmerk⸗ en Bo⸗ ſamkeit zu betrachten, die ſie verdient, zuerſt unterſuchen, inn die woraus der Miſt etgentlich beſteht. Es ſcheint vielleicht nach⸗ uͤberfluͤßig, dies zu thun, weil Miſt eine Sache iſt, die jedem hinlaͤnglich bekannt ſcheint. Aber die bekannteſten un alſo Dinge werden gerade am wenigſten beachtet. ich für Der Miſt iſt eine Miſchung von den Auswuͤrfen und Abgaͤngen der Thiere, dem Koth und Urin, und denjent⸗ Vethält⸗ fihrtt gen Dingen, die man ihnen einſtreut, es ſey dies nun oder 1 4 —————— —y————-— 50 Stroh, Laub, Kiehnnadeln oder anderes Einſtreu. Dies wußten alle. Aber die Anwendung davon?—— Der Miſt entſteht alſo von dem verfuͤtterten Heu (Graſe, Klee, Ruͤben ꝛc.), Stroh und andern Din⸗ gen, die man einſtreut. Auch dies glauben alle gewußt zu haben. Ich muß aber daran zweifeln, weil man gewoͤnlich ſagt: ich muß mir mehr Vieh anſchaffen, um mehr Miſt zu machen; ſtatt daß ſie ſagen ſollten: ich muß mehr Futter und Streuling anſchaffen, um mehr Miſt zu machen. Das Vieh muß man nur als Mittel betrachten, das Futter in Miſt zu verwandeln. An und fuͤr ſich vermehrt das Vieh den Miſt nicht. Es verzehrt das Futter und ernährt ſich davon, und dasjentge, was es nicht zu ſeiner Ernaͤh⸗ rung braucht, giebt es als Miſt zuruͤck. Wer nun die Sache genauer erwaͤgt, wird es ſo un— noͤthig nicht finden, zu unterſuchen, woraus der Miſt ei⸗ gentlich hervor geht. Haͤtten das alle diejenigen gethan, die den guten Willen hatten, den Miſt zu vermehren, ſo wuͤrden ſie auf die rechten Mittel gefallen ſeyn. Weil ſie aber ſahen, daß man von vielem Vtiehe vielen Miſt er⸗ haͤlt, ſo uͤberſahen ſie die wichtige Urſache, welche das Vieh ernaͤhrt und den Miſt giebt, das Futter, und dach⸗ ten nur auf die Vermehrung des Viehes. Sie erhielten aber dadurch eher weniger Miſt, als mehr, weil mehreres Vieh zu ſeiner Ernaͤhrung auch mehr Futter bedarf. Haͤt⸗ ten ſie zuerſt das Futter vermehrt, und nur dann mehr Vieh angeſchaft, wenn ſie das Futter mit dem bisherigen —— — ⁸△½ ——;—x:———————ᷣ—ÿ—ꝛ—xx ñ ͦäää V 51 dies Viehe nicht mehr bezwingen konnten, ſo wuͤrden ſie ge⸗ der wiß ihren Zweck erreicht haben. Dann waͤren aber das eu mehrere Vieh und der mehrere Miſt nur aus den groͤßern in⸗ Futtervorraͤthen entſtanden, wte es der Manur der Sache nach auch etgentlich ſeyn ſollte. nuß Es ergiebt ſich hieraus die Lehre, daß es kein ande⸗ nuß res Mittel gtebt, den Miſt zu vermehren, als mehr Fut⸗ en; ter und mehr Streuling anzuſchaffen. Man kann recht ind viel zur Vermehrung des Miſtes dadurch bettragen, wenn das man alle Verzettelung des Miſtes vermeldet, und alle kter Dinge zuſammen haͤlt, die zur Miſtberettung tauglich ſind. das Aber dies vermehrt die eigentliche Miſtmenge doch nicht, ahrt und iſt ſchon von jedem guten Landhaushalt zu fordern, räͤh/ wenn auch gleich durch einen ſtarken Futterbau auf eine ernſtlichere Weiſe der Miſt vermehrt wird. d un⸗ Zwiſchen Miſt und Miſt iſt ein gewaltiger Unter⸗ nſt er ſchied. Die Bewohner der Heidegegenden fahren, der Fu⸗ ſethan, derzahl nach, oft erſtaunlich viel Miſt aus. Was iſt die⸗ en, ſo ſer Miſt aber? Oft nicht einmal naſſes Streuling, wel— all ſe ches ein halbes Jahr auf dem Hofe gelegen und vom ſt er⸗ Viehe betreten iſt. e das Die Guͤte des Miſtes haͤngt erſtlich und ganz vorzuͤg dach lich von dem Futter ab, welches das Vieh erhaͤlt. Gutes hieten Futter giebt guten Miſt, heißt es hier. Dann kommt greres aber auch ſehr viel darauf an, was man einſtreuet, wie Hi ſtark man einſtreuet, und wie man den Miſt ferner be— a meht handelt. vhetgn Miſt von Stroh und wenigem„trockenen Heu iſt ein ——y—— 5² ſchlechter, duͤrrer Miſt. Erhaͤlt das Vieh aber gutes Gras, oder Klee im Sommer und im Winter Nuͤben, Kohl und Kartoffeln, ſo giebt es von dieſem Futter einen ſaf⸗ tigen Miſt, der den vom trockenen Futter ſehr uͤbertrift. Miſt von Maſtvieh, welches mit Getreide gemaͤſtet wird, iſt am aller kraͤftigſten, und Pferde, die mit Koͤr⸗ nern gefuͤttert werden, geben einen weit beſſern Duͤnger, als andere, deren Nahrung aus Heu und Stroh beſteht. Im vierzehnten Kapttel wird gelehrt werden, wie der Landwirth ſetne Wirthſchaft einrichten muß, um von dem ſaftigen Futter ſo viel zu erbauen, als zur hinlaͤnglichen Erhaltung ſeines Viehes noͤthig iſt. Zum Einſtreuen iſt zwar eigentlich das Stroh am beſten, doch ſind alle andere gewoͤhultche Streumittel, Laub, Nadeln, Schilf und dergl. bei einer kraͤftigen Vieh⸗ futterung ſehr gut brauchbar, um einen guten Miſt aus ihnen zu bereiten. Nadelſtreu iſt, wo man ſie haben kann, dem Laube vorzuztehen. Doch iſt dtes letztere auch nicht zu verachten; es muß nur recht mit dem Miſte vermengt werden und zur Faͤulniß auf den Hof kommen, ehe der Miſt ausge⸗ fahren wird. In Gegenden, wo es viele Elsbruͤche giebt, ſind die Segge und das Schilf, welche in ſolchen oft in großer Menge wachſen, Streumittel, die man dem Strohe gleich ſchaͤtzen kann. In trockenen Jahren, oder bet ſtarkem Froſt, muͤſſen fleißige Wirthe von dieſen Graͤſern ſo viel einſam⸗ meln, als ſie nur immer koͤnnen. 4—— 3—— 8——— 8—————————— ———— n— ———[O——— 53 Alle Staͤngel von Gartengewaͤchſen, das Kartoffel⸗ kraut, Tabacksſtruͤnke, getrocknetes Unkraut, ja ſogar recht ſehr duͤrre Quecken oder Paͤden koͤnnen zum Einſtreuen mit Nutzen fuͤr die Miſtvermehrung verwendet werden. Alle Gewächſe, von denen man weiß, daß ſie bald in Ver⸗ weſung und Faͤulniß uͤbergehen, muß man auf die Miſt⸗ ſtaͤtte zu bringen ſuchen. In einigen Gegenden iſt es uͤblich, mit einer Art von breiter Hacke das Heidekraut abzuhacken oder, wie es dort heißt, abzuplaggen, und dieſes auf den Hof zum Einſtreuen anzufahren. Dies iſt die ſchlechteſte Art, den Miſt zu vermehren. Ich will nicht ſagen, daß der Miſt davon nicht brauchbar werden ſollte, wenn er gehoͤrtg vom Koth und Urin der Thiere durchnaͤßt wird, aber das Land, wo dieſes Streumtttel gewonnen wird, iſt auf ſehr viele Jahre verdorben. Man begnuͤgt ſich nicht damit, das lange Heidekraut zu nehmen, ſondern ein Theil der Wurzeln, mit derjenigen Erde, in welcher noch die meiſte Modererde enthalten iſt, wird mitgenommen. Daher waͤhrt es ſo außerordentlich lange, ehe man auf den abge⸗ plaggeten Stellen wieder etwas wachſen ſieht. Rechnet man hierzu die große Muͤhe und Arbeit, die⸗ ſes Streumittel oft Stundenwelt herzuholen, ſo laͤßt ſich erwarten, die Landleute jener Gegenden werden dieſen Gebrauch einſtellen. Wenn ſie nur die halbe, vielleicht noch weniger Zeit auf die Mergelung verwenden, die ſie ſonſt mit dem Abhauen und Anfahren der Heldeplaggen hinbrachten, ſo werden ſie auf ihren Ackerlaͤndereien ſelbſt 54 ſo viel Stroh erbauen, als ſie zum Einſtreuen brauchen. Die Laͤndereien, die ſie jetzt zum Plaggenhieb benutzten, koͤnnen ſie entweder umbrechen oder zur Weide fuͤr ihr Vieh, vielleicht auch zur Holzſaat, anwenden. Obgleich alle Gewaͤchſe, wenn ſie verweſen und ver⸗ faulen, zur Duͤngung fuͤr andere, neue Gewaͤchſe werden, ſo iſt es doch nicht klug genug gehandelt, wenn man in den eigentlichen, thieriſchen Miſt ſo viel von den genann⸗ ten Streumitteln bringt, daß ſie dartn trocken liegen. Gu— ter Miſt wird nur dann, wenn der Koth und der Urin der Thiere alles Streuling durchdringen, ſo daß die ganze Maſſe in Gaͤhrung uͤbergeht. Man wird aber nicht leicht einen ſolchen Ueberfluß von Streultng fuͤr das ganze Jahr herbeiſchaffen, wenn man dem Viehe recht ſaftiges Futter giebt, wovon ſie viel urtniren, und wenn man die Jauche nicht, wie unkluge Landwirthe wohl thun, davon fließen laͤßt, ſondern huͤbſch ſammelt und den ſtrohigen, trockenen Miſt damit begießt. Denn es iſt zur Gewinnung eines recht brauchbaren Miſtes noch nicht genug, wenn ich fuͤr gute Futterung meiner Thiere und fuͤr hinlaͤngliches Streuling ſorge; ich muß den Miſt auch noch nach dem Ausbringen auf den Hof mit Sorgfalt behandeln. Hierbei werden von den mehreſten Landwirthen große Fehler begangen. Sie ſchuͤt⸗ ten den Miſt vor die Viehſtaͤlle ohne Ordnung hin, unbe⸗ kuͤmmert, ob er im Waſſer ausgelaugt wird, oder ob er aus Mangel an Feuchtigkett verbrennt und verdorrt. Ich kann nicht glauben, daß alle die, welche ſo ver⸗ ——————,——— —-—-————————˖—OO—QOñęꝗ—V—————— 55 en. fahren, nur jemals daran gedacht haben, wie theuer der en, Miſt einer Seits iſt, und welchen Werth er durch eine ihr gute Behandlung erhalten kann. Es ſcheint vielleicht man— chem ſonderbar, daß ich den Miſt theuer nenne, well er ver, in vielen Gegenden gar keinen Preis hat und niemals en, für Geld gekauft wird. Ich gebe aber einem jeden zu ſn bedenken, welch' eine Menge Stroh dazu gehoͤrt, um einen n⸗ Miſthaufen nur von dreyßig oder vierzig Fudern zuſam⸗ u, men zu bringen. in Ich rathe jedem, der noch nie uͤber die Theurung des ne Miſtes nachgedacht hat, für ſich einmal ſeinen jaͤhrlichen tt Strohgewinn zu berechnen, der doch ſaͤmmtlich in den ihr Miſthaufen kommt. Er ſchlage das Schock Stroh zu lt dem ntedrigſten Preiſe an, wie es verkauft wird, und er uie wird ſich maͤchtig wundern, wie viel blos vom Strohe eie allein an Geldwerth zur Miſtberettung kommt. duer Will man mir etwa einwenden:„das Stroh iſt ja zum Theil vom Viehe gefreſſen oder doch eingeſtreuet wor⸗ den, um den Thieren ein trockenes, weiches Lager zu ann machen, alſo hat es ja ſeinen Nutzen ſchon gebracht;“ ins ſo antwortete ich darauf: Gut! Nun ſage mir an, wel— ic chen Nutzen du von deinem Vtiehe haſt. Berechne mir d alle Milch, alle Butter; berechne mir, was du durch Zu⸗ d wachs junger Thiere oder durch gemaͤſtete und geſchlach⸗ ſci tete, ausgemerzte Thiere gewonnen haſt; berechne mir alle unöi⸗ Arbeit, die dir das Zugvieh gethan hat. Setze alles, was cb er du in deiner Wirthſchaft verbraucht haſt, ſo hoch an, als du es nur irgend haͤtteſt verkaufen koͤnnen. ſo ver 56 Dann ſage mir aber auch ferner, was deine ſaͤmmt— lichen Thiere außer dem Strohe erhalten haben. Berechne mir das Heu nach den uͤblichen Preiſen; die Weide, das Gartengras, den Klee oder anderes gruͤne Futter, die Ruͤ⸗ ben, Kartoffeln, die Leinkuchen— genug alles, was du ihnen gegeben haſt. Setze alles ſo gut zu Gelde an, wie du die Nutzung des Viehes angeſetzt haſt, und vergleſche beide Summen mit einander. Ich ſtehe dafuͤr, du wirſt ſtaunen, welchen Verluſt du jaͤhrlich erletdeſt, dadurch, daß du Stroh, Heu und anderes Futter mit deinem Viehe verfuͤtterſt. Aber nicht deswegen muß man ſolche Berechnun⸗ gen anſtellen, um ſich verleiten zu laſſen, dem Viehe weniger zu geben, oder gar etwas von dem Strohe oder anderem Futter zu verkaufen. Alles, was der Acker an Stroh, Heu und Viehfutter traͤgt, muß der Menſch als ein hetliges Etgenthum des Ackers betrachten, daß er thm nie entziehen darf, ſondern immer in Miſt verwandelt zuruͤck geben muß. Die Koͤrner und edleren Fruͤchte, die zur menſchlichen Nahrung dienen, ſind des Menſchen Et⸗ genthum. Vergreift er ſich am Eigenthum des Ackers, ſo verſuͤndigt er ſich an ſeinen Nachkommen. Jene Berechnung des Viehfutters und des Ertrages aus der Viehzucht werde alſo nur in der Abſicht ange— ſtellt, um den Werth des Miſtes kennen zu lernen. Alles das Futter, welches das Vieh nicht durch ſeine Nutzung bezahlt, bezahlt es uns durch ſeinen Miſt. Eine ſolche Berechnung beweiſet augenſcheinlich die — — ——— .———*——————;—C—. un—O——————,†† Q—————— 5⁷ mnt⸗ Theurung des Miſtes und in den mehreſten Faͤllen wird hne V dem Landmanne das vierſpaͤnnige Fuder Miſt 1 Rthl. Kas 12 Gr.— vielleicht noch mehr koſten. Es fragt ſich: hat ie der Miſt fuͤr den Ackerbau auch wieder dieſen Werth? du oder, mit andern Worten: ernte ich von einem Fuder he aus vielfaͤltiger Erfahrung antworten, daß man in der vle Miſt auch fuͤr 1 Rthl. 12 Gr. Fruͤchte?—— Ich kann rſt Regel, und eine Rethe von Ernten mehrerer Jahre durch⸗ aß einander gerechnet, von jedem Fuder Miſt wohl einen groͤ— he ßeren Vortheil hat. V Es mache nur jemand den Verſuch. Er duͤnge ein n⸗ V Ackerſtuͤck zwanzig Jahre lang gar nicht und ein anderes izhe von gleicher Groͤße und gleicher, natuͤrlicher Guͤte, miſte deed er dagegen alle drey, vier oder ſechs Jahre regelmaͤßig. an b Nun ſchreibe er die Ernten beider Stuͤcke genau auf; die als Koͤrner, das Stroh und andere Gewaͤchſe. Uebrigens bear⸗ hhn beite er beide Stuͤcke gleich gut. deitt Nach Verlauf von einer Reihe Jahren rechne er die dſe V Ernten, die er von jedem einzelnen Stuͤcke hatte, zuſam⸗ Ei⸗ men. Nun wird er ſehen, wenn er dasjenige, was das 3 geduͤngte Stuͤck mehr getragen hat, mit dem Miſte ver⸗ gleicht, den es erhalten hat, wie hoch ſich das Fuder Miſt nges bezahlt gemacht hat. nge⸗ Die Folge eines ſolchen Verſuchs wuͤrde ergeben, daß lles ich den Preis fuͤr ein Fuder Miſt mit 1 Rthl. 12 Gr. nicht aag zu hoch angegeben habe, ſondern daß es vom Landmanne w hoͤher genuͤtzt wird. Den Unterſchled, welcher zwiſchen 8d zwei ſolchen Ackerſtuͤcken außerdem noch ſtatt finden wuͤrde, —— —— 2—————— ———— 1—y—— ————————— 58 wenn man ſie zwanzig Jahre lang auf die angegebene Weiſe behandelt haͤtte, mag ich noch gar nicht in An⸗ ſchlag bringen. Das regelmaͤßig geduͤngte waͤre im Stande, bet neuer, maͤßiger Duͤngung alle Fruͤchte fort zu tragen, und das in ſo langer Zeit ungeduͤngte, aber oft beſaͤete Stuͤck, wuͤrde ſo ſehr ausgezehrt ſeyn, daß man es mit großem Ueberfluß von Duͤnger vielleicht in zehn Jahren kaum dem immer gut geduͤngten Stuͤcke gleich machen koͤnnte. Dergleichen Betrachtungen muͤſſen uns antreiben, auf das Zuſammenhalten des Miſtes und auf eine gute Be⸗ handlung deſſelben allen Fleiß anzuwenden. Von der Be⸗ handlung des Miſtes auf dem Hofe, wenn er aus dem Stalle kommt, will ich noch folgendes erinnern: Vor allem iſt eine gute Miſtſtelle erforderlich. Dieſe muß ſo eingerichtet ſeyn, daß der Miſt weder zu trocken, noch zu naß liege. Etns iſt ſo ſchaͤdlich als das andere. Kann ich das Regenwaſſer nicht von der Miſtſtelle abhalten; zieht es ſich wohl gar in der Gegend, wo der Miſt liegt, zuſammen, ſo daß der Miſt im Waſſer ſchwimmt, ſo erhalte ich nicht guten Miſt zum Ausfahren auf das Land, ſondern naſſes Stroh. Die beſte Kraft des Miſtes, die Jauche, muß man dann wohl weglaufen laſſen, ohne den geringſten Nutzen von ihr zu haben. Außerdem ver⸗ hindert die uͤberfluͤßige Feuchtigkeit noch die Gaͤhrung des Miſtes. Liegt der Miſt aber zu trocken, vielleicht gar auf einer abhaͤngigen Stelle, von der die Jauche abfließt, ſo buͤßt ſſtelle do der mmt, f das Aſtes, ohne mver⸗ g des 59 man nicht nur letztere ein, ſondern der Miſt faͤngt an zu brennen, ſtatt daß er faulen ſollte, welches ihm ſo ſchaͤd— lich als das Liegen in der Naͤſſe iſt. Nur ein ſolcher Miſtplatz iſt zur guten Miſtbereitung geſchickt, wo ich das Regenwaſſer zwar vom Miſte abhal⸗ ten kann, wo mir aber doch von der eigentlichen Miſt⸗ jauche nicht ein Tropfen verloren geht, ſondern in eige⸗ nen Verttefungen oder Gruben ſich ſammelt, aus denen man ſie ausſchoͤpfen und auf den Miſt zuruͤck gießen kann. Die Jauche wird in der Regel viel zu wenig vom Landmanne geachtet. Sie verdient es gewiß, daß man ſie in eigenen Gruben auf alle Art ſammelt. Bei gewoͤhn— licher Futterung des Viehes und bei reichlicher Einſtreuung wird man ſie ſaͤmmtlich auf den Miſt gießen koͤnnen. Bei ganz beſonders ſaftiger und nahrhafter, gruͤner Futterung kann ſie aber zuweilen in ſolchem Ueberfluß vorhanden ſeyn, daß der Miſt ihrer nicht alle bedarf; dann kann man ſelbſt mit der Jauche duͤngen und ſie bei muͤßigen Stunden in den Garten tragen, wo ſie den Graswuchs außerordentlich befoͤrdern wird. Doch muß ich hierbei an— merken, daß die Jauche in dem Zuſtande, wie ſie aus dem Viehſtalle laͤuft, noch nicht recht zur Duͤngung taug— lich iſt. Sie muß erſt einige Zeit faulen oder gähren, ehe ſie mit dem hoͤchſten Vortheil angewendet werden kann. In manchen Läͤndern fahren die Bauern die Jauche ſogar auf das Ackerland. Sie ſammeln ſie in eigends da⸗ zu gemauerten oder ausgeſchaalten Gruben, die ſie mit Bohlen bedecken. In dieſe Gruben werfen ſie allen Keh⸗ 60 richt, allen kurzen Miſt, oder was ſonſt in der Haushal⸗ tung abfaͤllt, und fahren immer diejenige Grube nur aus, die ſchon voͤllig gegohren iſt. Hat der Wirth ſeinem Miſthofe diejenige Geſtalt ge— geben, dte ich oben angegeben habe, ſo muß er bei dem Austragen des Miſtes darauf achten, daß derſelbe nicht zu breit umher geſchuͤttet, ſondern mehr hoch aufeinander geſchichtet werde. Am beſten iſt es wohl, man bringt alle Mtſtarten, Rind, Schweine⸗ und Pferdemiſt, Lagen⸗ weiſe durchetnander. Gaͤhren und vermiſchen ſich dieſe Miſtarten ſaͤmmtlich miieinander, ſo wird man daraus ei⸗ nen ſo guten, ſich gleich bleibenden Miſt erhalten, daß in der Wirkſamkett zwet Fuder deſſelben dret Fudern ſolchen Miſtes gleich ſind, der von jeder Vtehart beſonders zer⸗ ſtreut auf dem Hofe herum lag, von Wind und Sonne entweder ausgedorrt oder vom Waſſer ausgewaſchen wurde. Hat der Miſt ſo in Haufen gepackt eine Zeit lang gelegen, ſo wird er in den Zuſtand uͤbergehen, in welchem man ihn nach meinen und vieler Wirthe Erfahrungen am vorthellhafteſten ausfaͤhrt. Er darf nicht ganz vermodern, es muß aber auch inwendig nichts rohes mehr vom Strohe oder der Einſtreu uͤberhaupt zu ſpuͤren ſeyn. Die Probe iſt: wenn man ihn mit einer Miſtforke oder Gabel auf⸗ nimmt, ſo muß das Stroh gutwtllig durchgehen und ſich nicht zerren, es muß auch noch nicht ſo verfault ſeyn, daß es durch die Gabel gleichſam wie Moder durchgeht. Dann haͤtte der Miſt ſchon zu lange gelegen, und man wuͤrde nicht nur an der Menge viel einbuͤßen, ſondern ein ſolcher 6¹ moderartige Miſt wuͤrde den feſten Thon, oder Lehmbo⸗ den nicht ſo gut lockern, als halb zergangener Miſt. Die Zeit, in welcher der Miſt dieſe Gahre erhaͤlt, iſt nach der Witterung, nach der Art des Miſtes und nach den verſchtedenen Haufen verſchieden. In warmer Witterung, bei wentger Etnſtreu und guter Futterung wird der Miſt, beſonders wenn er etwas hoch aufgepackt iſt, eher faulen, als bei kalter Witterung und trockenem Vieh⸗ futter. Damit man nun nie andern Miſt als gut ge⸗ faulten auszufahren braucht, ſo iſt es noͤthig, daß man mehrere Miſthaufen auf dem Miſthofe anlegt, und nicht ganz friſchen aus dem Stalle auf ſolchen bringt, der ſeine Gaͤhrung bald vollendet hat. Es ſcheint manchem vielleicht zu muͤhſam, ſich mit dem Miſte ſo viele Muͤhe zu geben. Aber ich rathe jedem, der es noch nicht verſucht hat, nur vier bis fuͤnf Jahre ſetnen Miſt auf dieſe Art zu behandeln. Ich denke, er ſoll an ſeinen Fruͤchten den Unterſchled bald merken, und hoffe, er wird dieſe Art der Miſtbehandlung nicht wieder aufgeben. Uebrigens ſcheint es ſchwieriger, als es iſt. Die noth⸗ wendige Auffuͤllung und Erhoͤhung des Miſthofes kann die meiſten Umſtaͤnde machen. Aber was kann man in zwei langen Sommertagen nicht ausrichten, wenn man ſeine Leute zuſammen nimmt?— Man muß ſich wundern, wie mancher Wirth lebenslang einen Miſtplatz duldet, der et⸗ nem Moraſte gleicht; wo er bei jedem Fuder Miſt, welches er ausfaͤhrt, ſein Vteh auf eine unbarmherztge Weiſe an⸗ 62 ſtrengen muß, um den von Waſſer triefenden, ſchweren Miſt von ſeiner Stelle weg zu bringen. Mit funfzig Fu der Erde iſt ein gewoͤhnlicher Bauerhof ſo weit zu erhoͤ— hen, daß dieſe Quaal fuͤr das Arbeitsvieh aufhoͤrt. In zwei Tagen iſt dieſe heran zu fahren, wenn man fleißig iſt, und die beſſere Lage, die der Miſt dadurch er⸗ haͤlt, bezahlt dieſe Arbeit gewiß in einem Jahre reichlich wieder. Das eigentliche, ordentliche Aufſchichten und Durch⸗ einandermengen des Miſtes zu einem regelmaͤßigen Hau⸗ fen iſt noch leichter. Wenn man den Miſſtt einmal traͤgt, ſo iſt es wohl ſo ziemlich einerlet, ich werfe ihn unor⸗ dentlich hin, oder ich ſchuͤtte ihn nach einer gewiſſen Ord⸗ nung. Und, zugegeben, daß es etwas Muͤhe macht und einige Aufmerkſamkeit erfordert, wer wollte aber beide nicht bet einer Sache anwenden, auf der entweder reich⸗ liche Ernten oder aͤrmliche und kuͤmmerliche Fruͤchte beru— hen? Was hilft die moͤglichſte Sorgfalt beim Pfluͤgen und Eggen, wenn ich nicht gehoͤrig duͤngen kann? Unbegreiflich iſt mir daher immer die Sorgloſigkeit geweſen, mit welcher ſo viele Landwirthe ihren Miſt be⸗ handeln. Sie thun oft gar nichts, um den einmal ge⸗ wonnenen Miſt noch brauchbarer zu machen, aber, was noch ſchlimmer iſt, ſie nehmen auch nicht einmal den zu⸗ ſammen, den ſie erhalten koͤnnten. So findet man in vielen Doͤrfern den Gebrauch, daß das Vieh in den Mtt⸗ tagsſtunden gar nicht auf den Hof gelaſſen wird, ſondern auf der Straße ſtehen bleibt, oder gar ins Waſſer geht. ſen z dght taj u Pandü drne don Uein ſen 63 Nehmen ſie es ja noch auf den Hof, ſo thun ſie doch nichts, um den wenigen Miſt zuſammen zu halten, ſon⸗ dern laſſen das Vieh den Koth auf dem Hofe verzetteln, wo es nur Luſt hat. Auf dtieſe Weiſe geht eine erſtaun— liche Menge Miſt verloren, der vertrocknet oder von Wuͤr⸗ mern aufgezehrt wird. Tretbt man das Vieh ja noch aus, ſo muß man doch ſo viel Miſt von ihm zu erhalten ſu⸗ chen, als möͤglich iſt, wenn es nach Hauſe kommt, und muß es daher jedesmal in den Stall nehmen. Der Miſt, der aber dennoch bei dem Austreiben ent— weder auf dem Hofe oder auf der Straße vom Viehe ab⸗ faͤllt, muß zuſammengekehrt werden. Man wirft thn ent, weder auf den Miſthaufen, oder ſammelt ihn ſammt an⸗ dern Abgaͤngen und der nuͤtzlichen Aſche in flachen Gru⸗ ben, wohin man zuweilen Miſtjauche gteßt. Hiervon wird man einen herrlichen, kurzen Miſt erhalten, von welchem ein Fuder wentgſtens ſo gut iſt, als zwei Fuder gewoͤhn⸗ licher Miſt. Dieſen kurzen Miſt gebraucht man am vortheilhafte⸗ ſten zum Ueberſtreuen auf bereits gruͤne Saaten, oder man egget ihn blos mit dem Saamen ein, damit er nicht ſo tief untergeackert wird. Welche Fruͤchte man am ltebſten uͤberduͤngt, werde ich in der Folge angeben. Den Federviehmitſt muß man auch in die erwaͤhnte Grube bringen. So kann man auch ferner alle Abfaͤlle vom Schlachten dahin bringen. Lauge, Seifenwaſſer und Urin werden nicht zwecklos weggegoſſen, ſondern auf die⸗ ſen kurzen Duͤnger geſchuͤttet, den man zuwellen noch mit 64 Holzerde eder dergl. uͤberwerfen kann, wenn man viel Feuchtigkeit zum Uebergießen hat. Ich kenne Landleute, die nicht nur alle die hier em— pfohlene Aufmerkſamkeit auf ihren Miſt verwenden, ſon— dern ſogar noch Miſt zukaufen, wo ſie ihn erhalten koͤn⸗ nen. Ich habe immer gefunden, daß diejenigen die wohl⸗ habendſten waren, die den meiſten Miſt kauften. Der viele Miſt, den ſie auf ihre Felder brachten, war alſo gewiß eine wichtige Urſache ihres Wohlſtandes. Eigentlichen Miſt kann man ſelten anders als in großen, volkreichen Staͤdten kaufen. Es giebt aber noch andere Duͤngungsmittel, die man faſt in jeder Gegend kaufen kann. Dahin gehoͤrt vor allen die Seifenſte⸗ deraſche. Ich kenne eine Gegend, wo die Seifenſiederaſche ſo theuer iſt, daß den Landleuten ein Wispel oder eine Fuhre 5 bis 6 Rthl. zu ſtehen kommt, ehe ſie ſolche auf das Land bringen koͤnnen. Dennoch wird ſie ſehr haͤufig gekauft und iſt dort zuweilen ſo rar, daß man in einem Umkreiſe von fuͤnf bis ſechs Meillen keine auftreiben kann. Jene fleißigen Landwirthe befolgen folgende Regeln bet der Anwendung der Aſche: Sie ſtreuen die Aſche nur als ein klares Pulver aufs Land. Klumpen und Stuͤcke werden ſorgfaͤltig auseinan⸗ der geſchlagen. Zu dem Ende muß ſie moͤglichſt trocken werden, ehe ſie ausgeſaͤet wird. Auf einen Morgen reicht ein Fuder reiner Aſche allenfalls zu; beſſer iſt aber, wenn auf den Morgen 1 ½ Fuder kommen. Wollte an viel ſier em⸗ a, ſon ten kan⸗ e wohl⸗ er viele gewiß als in rnoch Segend jenſie⸗ raſche ſo der eine olche auf ͤr häufg in einem en kann. geln bei ver aufs useinane trocken en rächt ee, wmmn Polle alt 99 65 Wollte man dieſe geringe Duͤngung der Menge nach ſo behandeln, wie gewoͤhnlichen Miſt und ſie ſo tief unter⸗ pfluͤgen, ſo wuͤrde ſie auf die erſte Frucht wenig wirken. Sie wird erſt dann ausgeſtreuet, wenn das Land voͤllig fertig zur Saat gepfluͤgt iſt. Man nimmt ſie in Mul⸗ den oder ſchmutzigen Saͤelaken, und ſucht ſie eben ſo gleich⸗ maͤßig auf den Acker zu vertheilen, wie Getreide, das man dahin ſaͤet. Sie wird darauf mit dem Saamen einge⸗ egget. Hat man guten Moder, ſo thut man wohl, ſolchen mit der Aſche zu vermengen, und beides einen Sommer durch in ſolchen Haufen liegen zu laſſen, als ich im vort⸗ gen Kapitel beſchrieben habe. Zur Roggenſaat im Herbſt faͤhrt man dann dieſe Duͤngung auseinander und behan⸗ delt ſie, wie die Aſche ſelbſt; nur muß man verhaͤltniß⸗ maͤßig ſtärker duͤngen, je nachdem man der Aſche viel oder wenig Moder zugeſetzt hat. Auch der ungeloͤſchte Kalk kann zu einem guten Duͤngungsmittel werden. Im vorigen Kapttel habe ich angerathen, wie man ihn mit Moder vermengen ſoll. Aber auch, wenn man keinen Moder hat, kann man den Kalk anwenden. Man bedeckt ihn dann gewoͤhnlich mit anderer guten Erde, die man irgend zu erhalten ſucht, damit er ſich darin loͤſche und in Pulver zerfalle. Bei der Anwendung des Kalks gllt faſt alles das, was ich von dem Mergel als Reiz⸗ und Belebungsmittel der im Boden vorraͤthigen Duͤngertheile geſagt habe. Der reine Kalk muß abwechſelnd mit Miſt angewendet wer⸗ I. 15 1 66 den, wenn man Vortheil von einer ſolchen Duͤngung ha⸗ ben will. Der Gips iſt mit großem Nutzen zur Duͤngung zu verwenden, jedoch nicht auf dieſelbe Art, wie die bisher ge⸗ nannten Duͤngungsmittel, mit dem Boden zu vermiſchen. Man ſtreuet den fein gemahlenen Gips auf breitblaͤtterichte Gewaͤchſe, Klee, Luzerne, Wicken und Erbſen aus, zu einer Zeit, wenn ſie ſchon ſo hoch erwachſen ſind, daß ſie das Land gleichmaͤßig bedecken. Wan waͤhlt dazu windſtilles Wetter und eine Zeit, wo die Blaͤtter ganz vom Thau durchnaͤßt ſind, alſo ſpaͤt am Abend oder am fruͤhen Morgen. Man nimmt auf den Morgen ein bis zwei Schefl. feinen Gips. Die Hauptſache bei dieſem Beſtreuen mit Gips iſt, daß ſich der Staub recht auf die Blaͤtter anſetze. Es iſt erſtaunlich, wie dtes Wentge ſo maͤchtig wirkt. Vorzuͤglich anzurathen iſt dieſe Duͤngung fuͤr den ſpantſchen Klee. In den Gegenden, wo ſie einmal eingefuͤhrt iſt, hat man ſich ſo von dem großen Nutzen des Gipſens uͤberzeugt, daß es niemand unterlaͤßt. In der Naͤhe von Salzwerken kauft man auch die Abgaͤnge von der Salzbereitung unter dem Namen Duͤn⸗ geſalz, und faͤhrt ſie auf den Acker. Die letzt genannten Duͤngungsmittel ſind aber nicht in allen Gegenden zu ſolchen Preiſen zu haben, daß ſie der Landmann mit Vortheil ſich erkaufen koͤnnte. Ich will aber hier noch eine Duͤngung angeben, die gerade fuͤr ſchlechte, ſandige Gegenden anwendbar iſt. Dies iſt die Duͤngung durch untergepfluͤgte gruͤne Saaten. 67 Man wendet ſie da an, wo man wegen weiter Ent⸗ fernung vom Hofe oder Dorfe mit dem Miſt nicht gut hinkommen kann, oder wo man doch uͤberhaupt wegen ſchlimmer Wege, oder wegen ſtetler Berge, eine ſehr be⸗ ſchwerliche Ausfuhr des Miſtes hat, und verfaͤhrt dabei folgendermaßen: Man bearbeitet das Ackerſtuͤck, welches man auf dieſe Art duͤngen will, in den erſten Fruͤhjahrsmonaten zwei oder dreimal, je nachdem das Land an und fuͤr ſich feſter oder loſer iſt, auf die gewoͤhnliche Weiſe. In der Mitte oder gegen Ende Juni muß es zur Saat fertig ſeyn. Dann beſaͤet man es mit Buchweitzen oder Spergel(Ku⸗ linka, Kraniſch, Julink). Iſt der Boden ſehr ſandig, ſo nimmt man Spergel, iſt er etwas mehr lehmig, Buchweitzen. Beide Saaten ſind nicht theuer, und wenn man ſich den Spergel ſelbſt zuzieht, ſo iſt dieſer am wohlfetlſten. Wenn dieſe Gewaͤchſe in voller Bluͤthe ſtehen, ſo walzt man ſie nieder und pfluͤgt ſie unter. Damit wird das Land auch zugleich zur Saat gepfluͤgt, und, nachdem es ſich etwas geſetzt hat, mit Roggen beſaͤet. Dieſe Duͤn⸗ gung iſt zwar nicht nachhaltend, ſie wird nur eine Roggen⸗ ernte tragen; aber in den angegebenen Faͤllen einer wei⸗ ten Entfernung oder einer bergigen Lage eines Ackerſtuͤcks iſt ſie doch anzurathen. In der Naͤhe des Dorfes wird die Anwendung dieſer Duͤngung weniger vortheilhaft ſeyn. Dann wird man immer beſſer thun, die gruͤnen Gewaͤchſe erſt dem Viehe .— 4 68 zu geben und den Miſt davon auf das Land zu fahren, welches ſie trug. In dem einzigen Falle iſt das Unter⸗ pfluͤgen des Buchweitzens anzurathen, waͤre es auch ganz in der Naͤhe, wenn man ſieht, daß er ſehr kurz bleibt und das Abmaͤhen kaum lohnen wuͤrde. Seine zwar kurzen aber ſaftigen Staͤngel werden im Lande faulen, und ſo doch einigen Nutzen als Duͤngung geben, ſtatt daß ſie bei der Ernte, ihrer Kuͤrze wegen, ſich beim Abmaͤhen auf das ganze Stuͤck verſtreuen wuͤrden, und groͤßtenthetls lie⸗ gen bleiben duͤrften. Billig ſchließe ich dieſes Kapitel damit, daß ich auch etwas uͤber die Verthetlung des Miſtes auf den Acker und uͤber das Unterpfluͤgen deſſelben ſage. Wie oft ſoll man duͤngen? Die beſte Antwort auf dieſe Frage waͤre wohl die: je oͤfter je beſſer. Aber es ſoll hier blos ausgemacht werden, ob es beſſer iſt, zehn Fuder Miſt z. B. auf ein Ackerſtuͤck mit einem Male zu bringen und dann in ſechs Jahren nichts weiter, oder ob es nicht beſſer iſt, alle drey Jahre die Haͤlfte, alſo fuͤnf Fuder aufzubringen? Meine lieben Leſer ſind ſchon daran gewoͤhnt, daß wir bei Beantwortung ſolcher Fragen nicht gerade zu das Eine oder das Andere als allein gut empfehlen. Dieſelben Ruͤckſichten auf den Boden, die bei der Mergelung genom⸗ men werden muͤſſen, kommen auch hierbei in Betrachtung. Strenger Thonboden, der von Natur wenig Moder⸗ erde hat; ferner magerer Lehmboden, der ganz feinen Sand her änen wühe oger unnze. 69 bei ſich fuͤhrt und deshalb ſo ſehr leicht verdichtet, ſind die dier Bodenarten, die mit einem Male eine ſtarke Duͤ ngung dand erfordern, ſollte ſie auch nicht ſo oft gegeben werden koͤnnen. und Wird der Miſt ſtark aufgefahren, ſo geht in der Erde zzen noch etne Art Gaͤhrung vor ſich, die auf die Lockerung dieſer Bodenarten nicht anders als vortheilhaft einwirken ſie kann. Lagergetreide iſt auf ihnen nicht zu beſorgen, weil auf alles langſamer, aber auch feſter, auf dieſen Bodenarten lie waͤchſt. Wird hingegen der Miſt nur ſchwach aufge— bracht, ſo unterbleibt in dieſem bindenden Boden die Gaͤh uch rung des Miſtes. und Es ergiebt ſich alſo hieraus die Regel, daß man Thon⸗ boden und magern Lehmboden mit einem Male ſtark duͤn— gen muͤſſe, ſollte es auch nur ſelten geſchehen koͤnnen. t auf Lehmigen Sandboden und fruchtbaren, mit Moder⸗ er es erde wohl gemengten Lehmboden, duͤnge man lieber ſchwaͤ⸗ eha cher mit einem Male, aber dafuͤr oͤfterer. Wollte man ale zu einen lockern, fruchtbaren Lehmboden ſehr ſtark duͤngen, ſo der ob wuͤrde ſich leicht in den erſten Jahren nach der Duͤngung fünf Lagergetreide erzeugen, welches, wie bekannt, den Koͤrner⸗ ertrag ſehr vermindert. Dafuͤr wird aber eine oft wieder⸗ daß holte Duͤngung— etwa alle drey oder vier Jahre— u das ſehr zutraͤglich ſeyn. ſebben Lehmiger Sandboden iſt locker genug. Er bedarf enom alſo nicht, wie der Thon, und magere Lehmboden, des tung. Auflockerns durch Miſt. Bei trockener Witterung, wie Noder dei ſehr fruchtbarer, wuͤrde eine große Menge Miſt, zumal Sn unzergangener, leicht ſchaͤdlich werden; entweder die Duͤrre ———OQ—QCQCOOLBäBÿjÿ—— 70 des Bodens vermehren, oder die Gewaͤchſe uͤppig treiben. Der Sand zerſetzt den Miſt ohnedies ſehr bald. Wollte man alſo nur von ſechs Jahren zu ſechs Jahren duͤngen, ſo wuͤrden die letzten Fruͤchte wenig von der Duͤngung gewinnen. Nach dieſen Erfahrungen muß man ſich im Allgemeinen richten, wenn es darauf ankommt, zu beſtim⸗ men, ob man den Miſt ſtark oder ſchwach auffahren ſoll, ob man oft und wenig mit einem Male, oder ſelten und deſto ſtaͤrker duͤngen ſoll. Es muͤſſen immer auch andere Umſtaͤnde noch in Er— waͤgung gezogen werden. Vor allem eigentlich die Miſt⸗ vorraͤthe, dann aber auch die Fruͤchte, welche man nach dem Miſt bauen will. Nicht alle Gewaͤchſe verlangen zu ihrem vollkommenen Gedeihen gleich viel Miſt. Kartof⸗ feln, Lein, Hanf, Kohl, Ruͤben u. ſ. w. erfordern ein wett ſtaͤrker geduͤngtes Land, als die eigentlichen Getreldearten. Ich werde davon mehr ſagen, wenn ich auf den Anbau dieſer Gewaͤchſe ſelbſt komme. Soll der Miſt bald ſeine volle Wirkung auf das Land zeigen, ſo muß man ihn innig mit der Ackerkrume zu vermengen ſuchen. Llegt er in Klumpen einzeln ver— theilt in der Erde, ſo kann man nur wenig von ihm ſpuͤ⸗ ren. Er muß alſo beim Breiten oder Streuen ſorgfaͤltig zerriſſen und zertheilt, und dann, wo moͤglich, einige Male mit dem Lande gepfluͤgt und geegget werden, um die Zer⸗ kleinerung waͤhrend ſeines Verrottens zu befoͤrdern. Man pfluͤge den ausgeſtreueten Miſt auch nicht zu tief unter. In thonigem Boden geht die Gaͤhrung um reiben. Vollte ingen, ngung ſch im eſtim⸗ ſoll, und Er⸗ Niſt⸗ nach en zu artof⸗ nwett jarten. Andau s Land me zu ver⸗ ſpuͤ gfältig Male le Zer⸗ icht zu nng um 71 ſo langſamer vor ſich, je tlefer er liegt. Man huͤte ſich aber, langen, ſtrohtgen Miſt durch die Pfluͤge auf Hau⸗ fen zu ſchleppen, oder gar ganz auf die Oberflaͤche heraus. Um dies zu verhindern, laſſe man Kinder oder andere ſchwache Perſonen hinter dem Pfluge hergehen, und den Miſt durch leichte Harken in die Furchen ziehen. Bei feuchter Witterung und von Natur lockerem Boden kann man den Miſt auch lange ausgebreitet liegen laſſen; man wird dann vielleicht eine beſſere Wirkung von ihm wahr⸗ nehmen, als wenn man ihn gleich untergepfluͤgt haͤtte. Auf allen Bodenarten, denen es an natuͤrlicher Locker— heit fehlt, iſt das Unterpfluͤgen des Miſtes, ſo wie man ihn ausgefahren hat, beſſer; faͤhrt man im Winter Miſt, wo man ihn nicht unterpfluͤgen kann, ſo kann man ihn gleich hinter dem Wagen her breiten, wenn die Erde nicht mit Schnee bedeckt iſt. Aber auf den Schnee ihn auszu⸗ breiten, iſt nach der Erfahrung aller klugen und nachden⸗ kenden Landwirthe nicht rathſam. Fuͤnftes Kapitel. Von der Bearbeitung des Bodens. Die gewoͤhnlichſten Werkzeuge, womit der Landmann ſei⸗ nen Boden bearbettet, ſind der Pflug, der Haaken, die Egge und die Walze. Dieſe Werkzeuge ſind in einer Gegend ſo, in einer andern anders gebauet. Oft ſind dieſe Abweichungen und —— — 72 Abaͤnderungen deswegen, weil der Boden ſie nothwendig machte, und dann ſind ſie zu loben; ſehr oft hat der Pflug in einer Gegend aber ohne allen Grund und Ur— ſache eine beſondere Form, blos weil er einmal gebraͤuch⸗ lich iſt. Es iſt ein gewoͤhnlicher Fehler der Landleute, daß ſie ſelbſt dann an ihren Werkzeugen keine Veraͤnderung vor⸗ nehmen wollen, wenn ſie auch wiſſen,, daß irgend etwas beſſer ſeyn koͤnnte. Jeder glaubt in der Regel, der Pflug, mit dem er von Jugend auf gepfluͤgt hat, ſey der beſte in der Welt. Man muß zwar zugeben, daß geſcheute Landleute in jeder Gegend ihren Pflug ſo zu ſtellen wiſſen, daß ſie leidliche Arbeit mit verrichten koͤnnen. Es kann aber auch niemand ableugnen, daß die Pfluͤge mancher Gegen⸗ den vor denen in andern große Vorzuͤge haben. Man wird es ſich ſelbſt und dem armen Vlehe weit leichter ma— chen koͤnnen, wenn man nicht ein blindes Vertrauen auf die Vortreflichkett ſeines Pfluges ſetzt, ſondern waͤhrend der Arbeit mit demſelben auf ſeine Fehler achtet. Um dies zu koͤnnen, ſollen hier die Eigenſchaften eines guten Pfluges angegeben werden: 1) Er muß gut in den Boden greifen. Pfluͤge, die bei einiger Haͤrte des Bodens ſich hinten aufhe— ben, ſind fehlerhaft gebauet. 2) Er muß ſich gut und leicht ſtellen laſſen. Schmale und breite Furchen, tief und flach, muß man pflügen koͤnnen, ohne dazu viele Vorkehrungen ä. 73 e zu treffen. Das Verſetzen eines Nagels, oder ein 4 anderer kleiner Handgriff muͤſſen hinreichend ſeyn, d um die genannten Veraͤnderungen an einem Pfluge eb iu hervor zu bringen. Muß man erſt viele Anſtalten machen, lange keilen, ſo unterbleibt es nicht nur, udaß ſe ſondern es geht auch ſehr viel Zelt daruͤber verloren. Alg vor⸗ 3) Ein guter Pflug muß eine reine, breite nietwas Furche machen. Pfluͤge, die an der Landſeite oder de flug, da, wo das Pflugkolter oder Meſſer den Streifen ab⸗ mie in geſchnitten hat, tiefer eingreifen als an der Furchen— ſeite, d. h. da, wo das Schaar die Furche aufgeho⸗ leute ben hat, lockern das Land nicht gleichmaͤßig und ge— ſh daß hen ſchwer; denn 1 aber 4) muß ein guter Pflug auch leicht gehen. Dies Schegen⸗ wird bewirkt, wenn das Vordergeſtell mit dem Hin⸗ 8n Man terpfluge im rechten Verhaͤltniſſe ſtehen; wenn der ra'r ma⸗ Hinterpflug ſo gebaut iſt, daß ſich die Erde nicht 1aen auf darin anhaͤuft; wenn das Streichbrett eine allmaͤhlige fhrend Woͤlbung hat und mit Eiſen beſchlagen iſt; wenn a Um uͤberhaupt alle die Theile eines Pfluges, welche auf aulten der Erde ſtreifen, mit Eiſen beſchlagen ſind. Iſt das Eiſen erſt glatt geſchliffen, ſo gleitet es viel leichter lüge durch die Erde durch als Holz, an welches die feuchte ufhe⸗ Erde ſich immer anſetzt. 5) Endlich wuͤrde ich von einem guten Pfluge ſſen. noch verlangen, daß er dauerhaft ſey. Mit d nuß einem Inſtrumente, welches leicht zerbricht, kann Jung man nie tuͤchtig arbeiten. Soll das Land aber gut gepfluͤgt werden, ſo muß ein Pflug vielen Wider⸗ ſtand auszuhalten vermoͤgen. Muß ich bei hartem Boden blos deswegen flach pfluͤgen, weil ich ſonſt fuͤrchten muͤßte, den Pflug zu zerbrechen, ſo wird nur eine ſchlechte Beſtellung zu Stande kommen. Um ſich einen guten, dauerhaften Pflug anzuſchaffen, muß man ein Paar Thaler mehr oder weniger gar nicht anſehen. Iſt er einmal angeſchaft, ſo hält er auch laͤnger aus, als ein wohlfeiler. Rechnet man den Aufenthalt, den es verurſacht, wenn an den Pfluͤgen beſtaͤndig etwas zu flicken iſt, ſo wird man gern etwas mehr an ein Werk— zeug wenden, mit dem man eine lange Zeit ohne Aufent⸗ halt fortarbeiten kann. Landleute ſollten, wenn ſie reiſen, auf die verſchiede⸗ nen Pfläge und andere Werkzeuge achten, die man in an— dern Gegenden antrift Finden ſie, daß ein Pflug eine beſſere Furche macht, als der thrige, oder daß er leichter geht, ſo muͤßten ſie ſich nach einer Gelegenhelt umſehen, mit einem ſolchen Pfluge zu ackern. Wer wird das nicht jedem Fremden gern erlauben, der ihn freundlich darum anſpricht? Wer viel ſelbſt gepfluͤgt hat, wird dann am leichteſten einſehen, warum ein Pflug beſſer geht, wenn er mit ihm arbeitet. Oft iſt eine ganz unbedeutende Klei⸗ nigkeitt dte Urſache davon, die man gar nicht bemerkt, wenn man den Pflug blos ſieht. Arbeitet ein geuͤbter Pfluͤger aber ſelbſt mit ihm, ſo wird er leicht die Urſache ſeiner Vollkommenheit entdecken, und ſeinen eignen Pflug darnach abaͤndern koͤnnen. jun teren üben 7⁵ Düda Die beſte Gelegenheit zu ſolchen Verglelchungen haben harten junge Landwirthe waͤhrend ihres Soldatenlebens. Im ſpaͤ⸗ ic ſonſt teren Alter, wenn ſie die Wirthſchaften ihrer Eltern ſchon vird nur uͤbernommen haben, findet ſich ſelten Gelegenheit fuͤr ſie zu weiten Reiſen. Fahren ſie auf Maͤrkte, ſo gebricht es ſchaffn, ihnen oft an Zeit, ſich unterweges viel aufzuhalten. ar nicht Wendeten aber die Bauernſoͤhne in den Jahren, wo laͤnger ſie oft zu ihren Regimentern reiſen oder als Soldaten enthalt, marſchteren, mehr Aufmerkſamkeit auf das, was ſie an etwas andern Orten Neues ſehen, ſo koͤnnten ſie dteſe Zeit ſehr Werk⸗ nuͤtzlich fuͤr ihre Zukunft anwenden. Sie erzaͤhlen ſo gern Aufent⸗ von dem ſchoͤnen Viehe oder dem ſchoͤnen Getretde, was ſie anderwaͤrts ſehen. Sie ſollten ſich aber nicht damit eſchiede⸗ begnuͤgen, dieſe Dinge anzuſehen. Sie ſollten ſich ſelbſt in an⸗ oder andere fragen: warum iſt das Vieh hier beſſer? warum fung eine iſt der Acker beſſer beſtellt? warum iſt hier beſſeres Ge, blchter treide? un ſhen Gewoͤhnlich ſchiebt man alles auf die Landesart, wor— as nich unter man den Boden und die Verhaͤltniſſe der Wirth— darum ſchaft verſteht. Wuͤrde man aber dieſe Fragen ſich ſelbſt nn am gruͤndlich beantworten, oder, wo dies nicht zureichte, ſich wenn ſo lange erkundigen, bis man eine genuͤgende Antwort de Klel darauf erhalten haͤtte, ſo wuͤrde man ſehr oft finden, daß bemerkt, dasjenige, was nach dem Sprachgebrauche unter Landes⸗ geuͤbter art verſtanden wird, oft nichts iſt als beſonderer Fleiß, nſach womit man den Acker beſtellt, den Duͤnger zuſammen haͤlt, Pfux Futter fuͤr das Vieh bauet, und alle Geſchaͤfte der Land— wirthſchaft mit Luſt verrichtet. Haͤtte man dies durch genaue Erkundigungen und durch genaues Aufmerken auf alle Umſtaͤnde heraus ge⸗ in bracht, ſo muͤßte man ja ſehr thoͤricht ſeyn, wenn man nicht Luſt bekaͤme, von ſolchen Leuten etwas zu lernen, da die den Ackerbau ſo vollkommen verſtehen. Nichts iſt ein⸗ 3 faͤlttger, als wenn man ſich einbildet, die Pfluͤge, die Eggen, mit denen man von Jugend auf gearbeitet hat, 4 waͤren die beſten, oder die Gebraͤuche, die man zeither 3 beim Ackerbau angewendet hat, koͤnnten durch keine ande⸗ 4 ren uͤbertroffen werden Der Landmann lernt nie aus. hn Schon fruͤh muß er anfangen zu denken, und muß alles, was er thut, pruͤfen, ob er es auch recht macht; die n Werkzeuge, mit denen er oder ſein Bieh arbeitet, muß er ic ſich ſo umzuſchaffen ſuchen, daß er ſich und den armen unvernuͤnftigen Thieren die Arbett damit erleichtert. El⸗ ir tern ſollten daher von Jugend auf ihre Kinder dazu ge⸗ 7 woͤhnen, auf die ſie umgebenden Gegenſtaͤnde zu achten. 7 Waͤren ſonach die Kinder daran gewoͤhnt, ſo wuͤrde mein nd oben geaͤußerter Wunſch, die jungen Soldaten moͤchten 5 ihre Kenntniſſe in der Landwirthſchaft durch ihre Reiſen vermehren, in Erfuͤllung gehen. Die in vtielen Gegenden 7 ſo aͤußerſt fehlerhaft gebauten Pfluͤge wuͤrden bald ſo abge⸗ 1 aͤndert werden, daß ſie den beſſern gleich kaͤmen. mn Außer dem Pfluge bedient man ſich in vielen Gegenden R. zum Umbrechen des Landes noch des Haakens. Der d Haaken oder Ruhrhaaken iſt, wie der Pflug, ſehr ver⸗ ſchleden. In der Regel iſt dies Werkzeug jedoch beſſer zur d zweiten Furche, als zum erſten Umbrechen des Landes. 11 gen und taus ge⸗ enn man lernen, z iſt ein⸗ ge, die tet hat, zelther ande⸗ e aus. alles, t; die muß er arwen et. E⸗ dazu ge⸗ wachten. de mein moͤchten Reiſen genden dabges egenden Der ſehr ver: eſſer zur ides. 97 Die Eggen dienen dazu, die Erdklöße zu zerkleinern, den Saamen einzueggen und das Unkraut zu zerſtoͤren. Man hat ſie mit hoͤlzernen und eiſernen Zinken, mit beweglichen und feſtſitzenden Balken. Alle dieſe verſchiede⸗ nen Arten ſind zu manchen Arbeiten und zu der verſchie— denen Beſchaffenheit des Bodens ſehr brauchbar. An den Orten, wo das Land leicht verqueckt oder ſich ſonſt ſchwer bearbeiten laͤßt, iſt es gut, neben den kleinen einſpaͤnntgen Eggen, eine oder zwei groͤßere fuͤr zwet oder drei Pferde anzuſchaffen. Mit dieſen ſchweren Eggen wird man durch zweimaltges Ueberziehen mehr ausrichten, als wenn man mit leichten Eggen ſechs oder achtmal uͤber⸗ zieht. Die Walze iſt in manchen Gegenden ganz unbe, kannt. Sie verdient es aber, daß man ſie ſich allenthal⸗ ben anſchaffe. Wo man ihre Wirkung einmal kennen ge⸗ lernt hat, und es gleichſam landuͤblich geworden iſt, zu walzen, haͤlt man dieſe Arbeit fuͤr ſo unentbehrlich, wie das Pfluͤgen und Eggen. Mir iſt ein Beiſpiel bekannt, daß der Beſitzer eines Rittergutes in einer Gegend anfing zu walzen, wo es noch nie geſehen worden war. Die Bauern jener Gegend wur⸗ den durch den guten Erfolg dieſer Arbeit ſehr bald bewo— gen, ſie auch anzuwenden Jetzt findet man dort ganze Doͤrſer, wo der Gebrauch der Walze eingefuͤhrt iſt. Dieſes Werkzeug kann ſich ein jeder, der irgend et⸗ was mit der Axt und dem Beile umzugehen weiß, ſelbſt machen. Man nimmt dazu ein ſechs bis acht Fuß langes, 78 gerades und eine Elle ſtarkes Stuͤck kiehnen Holz. Dies bearbeitet man ſo viel, daß der Durchmeſſer der Walze zwoͤlf bis funfzehn Zoll bleibt. Dadurch wird der Splint ſo ziemlich herunter gehauen werden, wenn man ein ker⸗ niges Stuͤck genommen hat. Es verſteht ſich von ſelbſt, daß dieſe Walze ſehr regelmaͤßig rund gearbeltet werden muß. Zum Geſtell nimmt man zwet etwas gebogene Hoͤl⸗ zer, von der Staͤrke und Form gewoͤhnlicher Miſtbergen⸗ baͤume. Sie koͤnnen 2 ⅛ bis drey Fuß lang ſeyn. Nach⸗ dem man ſie etwas bearbeitet hat, bohrt man in der Mitte ein Loch zu den Zapfen der Walze. Dieſe Zapfen ſind das Einzige, was der Schmidt an einer Walze zu machen hat. Sind ſie einmal angeſchaft, ſo halten ſie mehrere Walzen aus und werden immer wie, der in die neue eingeſchlagen, wenn die alte unbrauchbar geworden iſt. Man laͤßt ſie ungefaͤhr einen Fuß lang machen und ſchlaͤgt ſie ſo weit ein, daß ſie noch zwey Zoll vor— ſtehen. Auf dieſe Zapfen kommen die gebogenen Hoͤlzer, die man wieder durch zwei Stangen miteinander verbindet. So iſt die Walze zum gewoͤhnlichen Gebrauche fertig. An die Stangen werden die Pferde angeſpannt. Man hat die Walzen freilich haͤufig von eichenem Holze. Da dieſes aber immer rarer wird und oft ſehr theuer iſt, ſo wird man ſich die Walzen von Kiehnbaͤumen leichter anſchaffen koͤnnen. Die Walze kann auf mancherlei Art beim Ackerbau Egger trocke und b can nradc * den b werder Boder tenie hen führe 79 . Des gebraucht werden. Auf ſchwerem Boden werden mit der⸗ r Wah ſelben die Erdkloͤße zertruͤmmert. Am beſten geht dies t Splint nach einem maͤßtgen Regen. Wenn dadurch die Kloͤße ein ker⸗ erweicht und vom Winde hernach etwas abgetrocknet ſind, en ſelbſ, ſo faͤhrt man raſch mit der Walze daruͤber hin, und ſie werden werden zermalmt werden. Auf loſem, ſandigem Boden braucht man die Walze ne Häͤl⸗ dazu, um den durch die Bearbeitung aufgelockerten Boden bergen⸗ wieder etwas zuſammen zu druͤcken, damitt ſich die Feuch⸗ Nach, tigkeit laͤnger darin halte. Es iſt unglaublich, wie ſehr Mtte man dadurch bei trockener Fruͤhlingswitterung das eben⸗ maͤßige Keimen und Aufgehen des Saamens befoͤrdern Udt an kann. Es verſteht ſich, daß Pfluͤgen, Eggen und Walzen gſthi ſo ſchnell auf einander folgen muͤſſen, daß die Feuchtigkeit ren the des Landes beiſammen bleiben kann. Fnniür Dies Walzen der Sommerung unmittelbar nach dem Eggen, iſt jedoch nur bet lehmigem Sandboden und bei naüh trockener Witterung anzurathen. Bei feuchter Witterung l d und einem mehr thontgen Boden verſchiebt man es lieber b ſo lange, bts das Getreide voͤllig aufgegangen iſt. Dann he, ii unterlaſſe man es nie. vüde Es wird dadurch nicht nur die Feuchtigkeit im Bo⸗ 9. dt den beſſer zuſammen gehalten werden, ſondern alle Kloͤße werden zertruͤmmert, und die Stetine in den lockern ihne Boden eingedruͤckt. Dadurch verſchaft man ſich ein voͤllig jt ebenes Land, auf welchem ſich die Erntearbeiten, das Maͤ⸗ duͤumen hen wie das Harken, mit weir groͤßerer Genautgkeit aus⸗ fuͤhren laſſen. Ackrbal O Auf ſolchem Boden, der mit ſehr viel Modererde ge⸗ mengt iſt, und dabei eine naſſe Lage hat, braucht man die Walze auch im Fruͤhlinge, um die Winterung wieder feſt zu druͤcken, deren Wurzeln durch den Froſt aus dem lockern Boden herausgezogen worden ſind. Ich komme nun auf die Bearbeitung des Landes durch Pflug und Egge wieder zuruͤck. Durch das Pfluͤgen will man mehrere Abſichten er— reichen. Man will das Land auflockern, man will es mit Miſt vermengen und zugleich das Unkraut zerſtoͤren. Wird die Arbeit in der rechten Zeit und auf die rechte Weiſe verrichtet, ſo hat es keinen Zweifel, daß die angegebenen Zwecke dadurch erreicht werden. Um das Land gehoͤrig aufzulockern, iſt ein mittleres tiefes Pfluͤgen noͤthig. Man muß ſich wundern, wie ge— dankenlos manche Landleute daruͤber hinweg ſehen und ihr Land nicht pfluͤgen, ſondern die obere Narbe nur ein we— nig abſchaͤlen, gleichſam um es ſchwarz zu machen. Wer ſich von der Nothwendigkeit uͤberzeugen will, daß man das Land bis zu einer gewiſſen Tiefe pfluͤgen ſollte, und tiefer, wie bisher, der gehe nur einmal den Getreide⸗ wurzeln nach, und unterſuche, wie tief ſie eindringen, wenn ſie das Land tief genug gelockert finden. In gegra⸗ benem Gartenlande findet man, daß die Getreidewurzeln zehn bis zwoͤlf Zoll tief gehen. Noch nothwendiger iſt das tiefe Auflockern des Landes zu den Futtergewaͤchſen, zu den Kartoffeln, Ruͤben, dem Kohl und Klee. Ein einen mit tung kann ehm 1 ſ valee locker derer Braͤ Mal Diͤn ſch lumme 6 uyf aus; fom ausge und: bereit werde J. 8¹ dererde ze 3 Ein tief gepfluͤgter Acker hat mancherlei Vorzuͤge vor 5 einem flach zepſüügten Die Wurzeln Eünnem ſich darin ſ us dn mit mehrerer Leichtigkeit ausbreiten; bei trockener Witte— rung haͤlt ſich die Feuchtigkeit laͤnger darin; bei naſſer kann eine tiefe Krume mehr Feuchtigkeit aufnehmen, ehe ſie den Gewaͤchſen ſchaͤdlich wird. Durch allmaͤhliges ndes dn tieferes Pfluͤgen und verhaͤltnißmaͤßiges Duͤngen, kann man den Werth eines Ackerbodens erhoͤhen. ijre a Man muß aber behutſam verfahren, wenn man ls mit einem bisher flach gepfluͤgten Acker eine tiefere Krume n. Wid geben will. Dies muß nur nach und nach geſchehen, te Wiſſ und man muß es nicht mit Einem Male bewerkſtelligen eͤenen wollen. Der Untergrund iſt nicht, wie der bisher ge⸗ lockerte und von Zeit zu Zeit geduͤngte Boden, mit Mo— mitlat dererde durchdrungen, ſondern ganz roh und unfruchtbar. nſe g Brächte man nun von dieſer armen Erde mit Einem — und ij Male zu viel herauf, ſo koͤnnte ſie nicht ſogleich mit t an we Duͤngertheilen fruchtbar gemacht werden, und man wuͤrde n. ſich alſo in dieſem Falle durch das Vertiefen der Acker— will, daß krume Schaden zuziehen. en ſollt Die beſte Zeit dazu, einen Acker tiefer als bisher Getrelde zu pfluͤgen, iſt der Herbſt, ſo daß die aus der Tiefe her— ndeingen aus geholte Erde in rauhen Furchen oben auf zu liegen In gegto kommt, und den ganzen Winter durch der Witterung dewurſet ausgeſetzt wird. Waͤhrend dieſer Zeit werden Froſt, Luft er iſtdo und Sonne dies feſte Land muͤrber machen, und es vor— n, zu de bereiten, mit der uͤbrigen Krume innig vermengt zu werden. En f. 1 6] ———- 4 82 Zu ſolchen Gewaͤchſen, die den ganzen Sommer durch bearbeitet werden, Kartoffeln, Ruͤben ꝛc. kann man dies Vertiefen nicht nur auf die beſchriebene Art im Herbſt immer ohne Bedenken thun, ſondern es iſt zu ihrem Gedeihen beinahe unumgaͤnglich noͤthig. Wie oft ſoll man einen Acker pfluͤgen, ehe man ihn beſaͤet? Man findet faſt in allen Gegenden, daß man zu den verſchiedenen Getreidearten nach einem einmal eingefuͤhrten Gebrauche das Land auch verſchieden pfluͤgt. So pfluͤgt man zu Weitzen gern einmal oͤfter wie zu Roggen; zu Gerſte oͤfter wie zu Hafer, und zu den Huͤlſenfruͤchten gewoͤhnlich nur einmal. Im Ganzen ge— nommen laͤßt ſich hiergegen nichts einwenden, ſondern die Erfahrung beſtaͤtiget jaͤhrlich die Richtigkeit dieſes Verfahrens. Man muß ſich jedoch an einen ſolchen Gebrauch nie ſo binden, daß man durch nichts davon abzugehen bewo— gen werden kann. Man hat die Abſicht, durch das Pfluͤ— gen den Boden zu lockern, das Unkraut zu vertilgen, und den Boden mit dem Miſt zu mengen. Dieß muß man immer vor Augen haben, wenn man fragt: wie oft ſoll der oder jener Acker gepfluͤgt werden? Gewoͤhn⸗ lich wird es freilich reichen, wenn man zu Weitzen in der Brache viermal, zu Roggen dreimal, zu Gerſte drei⸗ und viermal, und zu Hafer zweimal pfluͤgt. Es koͤn— nen aber Faͤlle eintreten, wo die Witterung bei einem Pfluͤgen unguͤnſtig war; wo das Land ſehr mit Unkraut angefuͤllt iſt, oder wo andere Umſtaͤnde der guten Be⸗ Ie man ih nal daß mi e u einma in pfluͤgt ſi wie zu mau den münzen ge⸗ 2d ſoadern zcheit dieſe brauch hi Sehen bewo⸗ 1g das Pfl- ertilge „ß muf mgt: we mn Gewoͤhr⸗ ußzeiten i Ujerſe die n, Es k zubei einm at Unkrau J utn d 83 arbeitung hinderlich waren. Dann muß man von der Regel abgehen und lieber einmal mehr pfluͤgen und eg— gen, als ein Stuͤck beſaͤen, das noch nicht gehoͤrig zu— bereitet iſt. Im entgegengeſetzten Falle koͤnnen die Witterung und die vorige Bearbeitung des Landes ſammt den Fruͤch⸗ ten, die vorher darauf ſtanden, den Boden in ſolchen muͤrben Zuſtand verſetzt haben, daß man fuͤglich eine Furche ſparen kann. Auch dieſen Umſtand benutze man bei ungluͤcklicher Witterung weiſe, und gebe lieber eine Furche ſolchem reinen Lande weniger, als daß man zur Unzeit ſaͤet. Von der letzteren Freiheit mache man jedoch nur in den angegebenen Nothfaͤllen Gebrauch. Sonſt wird ſich eine beſſere Bearbeitung des Landes immer reichlich be— zahlen. Man unterlaſſe ſie daher nicht, und beſtrebe ſich, ſein ganzes Land in einen gartenaͤhnlichen Zuſtand zu verſetzen. Die Zerſtoͤrung des Unkrauts macht gewoͤhnlich bet der Bearbeitung die mehreſten Schwierigkeiten. Es iſt vorzuͤglich zweierlei Art, Saamen- und Wurzelunkraut. Zu erſterem gehoͤrt alles dasjenige, was ſeinen Saa⸗ men entweder vor der Ernte oder waͤhrend derſelben von ſelbſt ausſaͤet, oder was mit dem Getreide zugleich aus— geſaͤet wird. Mit dem Getreide zugleich ſaͤet man die Raden, Vogelwicken, Trespe, Lolch ꝛc. aus. Dieſe Un⸗ kraͤuter kann man los werden, wenn man reinen Saa—⸗ men ausſaͤet, und dies ſo lange wiederholt, bis alle der 34 Unkrautsſaamen zerſtoͤrt iſt, der ſich im Miſte und zum Theil im Acker ſelbſt befand. Man kauft ſich entweder reinen Saamen, oder man laͤßt ſich durch die Kinder ihn rein leſen. Mancher erſchrickt vielleicht vor der Arbeit, die es macht, den Saamen rein zu leſen. Aber die Sache iſt ſo ſchwierig nicht. Man nimmt die Kinder, welche das Getreide und Unkraut gehoͤrig unterſcheiden können, in der Ernte mit auf das Feld und laͤßt ſie Aehren leſen. Wenn ſie fleißig ſind, werden ſie leicht von jeder Getrei— deart ein paar Scheffel zuſammen leſen. Um ihnen Luſt zu machen, ſchenke man ihnen fuͤr jede Metze etwas be— ſtimmtes. Man ſey aber darin etwas ſtrenge, und halte darauf, daß ſie auch nicht Einen Unkrautshalmen mit Saamen oder eine andere Getreideart mit aufnehmen. Hat man ſich auf dieſe Art von jeder Getreideart reinen Saamen verſchaft, ſo ſaͤe man ihn abgeſondert von unreinem Getreide auf recht gutes Land, von wel⸗ chem man hoffen darf, eine gute Ernte zu erlangen. Haͤlt man nun dies davon erhaltene Getreide wieder von allem unreinen entfernt, ſo wird man ſehr bald die Freude haben, ganz reines Getreide auf ſeinen Feldern zu ſehen. Welche Wonne iſt das fuͤr einen Landmann, den ſein Beruf am Herzen liegt? Wie muß er ſich freuen, wenn er endlich nur ganz reine Frucht verkaufen kann, und nun einen viel hoͤhern Preis erhaͤlt, als alle die, welche ſtatt Getreide Unkrautsſaamen verkaufen? Des Menſchen Beruf iſt rege Thaͤtigkeit. Er muß dſel ba l wedt Da 85 Jund zun daher immer aufs Neue wieder anfangen, reines Ge⸗ ſennnät treide zu leſen; denn da ſein Miſt, ſein Acker, ſelbſt Knder ſein Boden und ſeine Scheunen noch von fruͤher her voller Unkraut ſind, ſo wird auch bald in das reinſte dies Getreide wieder Unkrautsſaamen kommen, und er wird dhache ſ mehrere Jahre damit zu kaͤmpfen haben, ehe er ihn voͤl— iche das lig los wird. Bei fortgeſetzter Bemuͤhung wird er aber Am, in gewiß ſeinen Zweck erreichen. al leſen. Schwerer wird die Zerſtoͤrung des Unkrauts, wenn Aetrei⸗ daſſelbe von der Art iſt, daß es ſeinen Saamen abfal— in Luſt len laͤßt, bevor das Getreide geerntet wird. Dahin Has be⸗ gehoͤrt der Hederich, der Flughafer, die Kornblume, die andhalte Wucherblume ꝛc. In unſern Gegenden iſt der Hederich ſanen wit das gemeinſte und gefaͤhrlichſte Unkraut. Sein Saamen nywen. hat eine ſo feſte Schaale, daß er zwanzig ja funfzig rreideatt Jahre in der Erde liegen kann, ohne zu verderben. Wird eſondert er aber durch das Pfluͤgen an die Oberflaͤche gebracht, Coon wil ſo ſpringt dieſe Schaale auf und der Saamen keimt. rrlenge Es iſt ein Irrthum, wenn manche Landleute glau— wieder ben, daß der Hederich aus den Wurzeln wachſe, wie Jald die die Quecken. Sie duͤrfen nur die eben aufgelaufenen Feldern Pflanzen aus der Erde ausheben, ſo werden ſie ſich ſehr dmann, leicht davon uͤberzeugen, daß der Hederich nur aus dem w fteun, Saamen empor wachſen kann. zu kun Wenn man einen Acker von dieſer Landplage befreien ale d will, ſo muß man auch ganz anders verfahren, als wenn es mit Wurzelunkraut angefuͤllt iſt. Hier gilt die Re— a fuß gel: man muß ſolch unreines Land recht oft mit ſolchen 86 Gewaͤchſen beſtellen, in denen der Hederich ſich leicht und mehrere Male zerſtoͤren laͤßt; man muß zuweilen ſolche Fruͤchte auf dieſem Lande bauen, die vor der Saamenreife des Hederichs abgeerntet werden, wie Wicken und Buchweitzen zu Heu oder Gruͤnfutter; end⸗ lich muß man, ehe Sommergetreide in dieſes unreine Land geſaͤet wird, daſſelbe vorher ſehr oft pfluͤgen, und unmittelbar nachher eggen und walzen, damit vor der Einſaat des Getreides moͤglichſt viel Hederich auflaufe und untergepfluͤgt werde. Vorzuͤglich muß man auf ſolchem Lande recht viel Hederichsſaamen zum Auflaufen bringen, welches man zur Winterung vorbereitet. Man muß alſo alle Pflug— furchen, die man dem Lande giebt, abeggen. Denn je klarer das Land verarbeitet wird, deſto mehr Saamen kommt zum Aufgehen. Man werde aber nicht verdruͤßlich, wenn man ſich einige Zeit Muͤhe gegeben hat und doch keine bedeutende Abnahme an Hederich oder anderem, aͤhnlichen Unkraute ſpuͤrt. Denn ob ich gleich vorzuͤglich den Hederich genannt habe, ſo zerſtoͤrt man auf die angegebene Weiſe doch auch die uͤbrigen, mit dem Hederich zugleich genannten Unkraͤuter. Setzt man ſeine Bemuͤhungen unverdroſſen fort; huͤtet man ſich vor dem Ausſaͤen dieſer Unkraͤuter mit dem Getreide, und vermeidet auf alle Art, daß ſie nicht in den Miſt kommen; ſucht man ſie nebenbei noch aus dem ttrſch das d Nur in fa 7 . a inn an d yf duͤtt glach ſehr! Stit durc Juſſ lin ſol man( ſe w deſen wird näth lee Din leicht veilen der wie end⸗ rreine und der aufe viel nan Aug⸗ m je amen ſich tende raute annt doch uten fort; mit nicht ˖aus 87 dem Getreide zu jaͤten, ſo wird man gewiß dieſe fuͤrch— terliche Plage los werden. In der kalten Herbſt- oder Fruͤhlingswitterung hilft das oͤftere Pfluͤgen zur Vertilgung des Hederichs nichts. Nur in warmer Witterung kommt er zum Aufgehen, in kalter keimt er gar nicht. Zur Zerſtoͤrung der Quecken oder Paͤden muß man ein anderes Verfahren anwenden. Wenn es zur Vertil⸗ gung des Saamenunkrauts nothwendig iſt, nach jedem Pfluͤgen zu eggen, ſo wuͤrde man bei verquecktem Lande das Uebel dadurch nur aͤrger machen. Man wuͤrde durch das Pfluͤgen die langen Queckenwurzeln in mehrere kleine Stuͤcke ſchneiden, und durch das baldige Eggen dieſe gleichſam in die lockere, feuchte Erde vertheilen, wo ſie ſehr bald anwurzeln und ihre Mutterſtoͤcke an Laͤnge und Staͤrke uͤbertreffen werden. Aber man lege ein verquecktes Land in rauhe, lockere Furchen, in welchen die Wurzeln nicht hinlaͤnglichen Zuſammenhang in der lockern Erde haben; man egge ein ſolches Land nie eher, als kurz vor dem Pfluͤgen; man laſſe die Quecken nie ſo lange ungeſtoͤrt liegen, daß ſie wieder foͤrmlich anwachſen koͤnnen; man waͤhle zu dieſen Arbeiten vorzuͤglich die heiße Jahreszeit: und man wird die Quecken verſchwinden ſehen, ohne daß man noͤthig hat, eine einzige abzuharken. Sie werden im Acker ſelbſt verrotten, und ſonach ſogar eine Art von Duͤngung geben. Man muß aber nicht glauben, daß man dieſe voll⸗ 83 kommene Reinigung durch die landuͤblichen drey Fur— chen, die vielleicht noch zur Unzeit gegeben werden, erreicht. Hat man ein ſehr verwildertes Feld, ſo kann man ſchon im Herbſt den Anfang mit dem Pfluͤgen machen, wenn man es gleich erſt den kauͤnftigen Herbſt zu beſaͤen gedenkt. Man giebt ſolchem Lande die erſte Furche am beſten in der Art, daß man nur eine Furche um die andere pfluͤgt, d. h. immer einen ſolchen Strei⸗ fen, als die Furche breit iſt, ſtehen laͤßt und die aufge⸗ pfluͤgte Furche flach daruͤber legt. Dies Pfluͤgen hat den Nutzen, daß das Land ſo am beſten der Luft, dem Froſt und der Witterung aus— geſetzt iſt; daß die Quecken außer allen Zuſammenhang geriſſen werden und daß es im Fruͤhlinge leichter abtrock— net. Nach voͤlliger Abtrocknung egget man ſolches Land queer uͤber die Furchen, wodurch dieſe zerriſſen werden und das Land ſich wieder ebnet. Iſt das Stuͤck breit genug, ſo pfluͤgt man zum zweiten Male in die Queere, und verfaͤhrt uͤbrigens ſo, wie oben angegeben worden, ſorgt aber ja, daß nach einem heftigen Sommerregen das dicht geſchlagene Land bald wieder aufgepfluͤgt werde, damit die Quecken nicht wieder ausgruͤnen. Es muͤßte ein ſehr ungluͤcklicher naſſer Sommer ſeyn, wenn eine ſolche Bearbeitung die Quecken nicht ganz vertilgte. Wie dieſe noch durch den Anbau der Kartoffeln, der Ruͤben- und Kohlgewaͤchſe zu vertilgen ſind, werde ich bei dieſen Gewaͤchſen anfuͤhren. Die Braache, oder derjenige Theil des Feldes, wel⸗ 89 cher den Sommer uͤber zur Aufnahme der Winterſaat vorbereitet wird, iſt eigentlich von unſern Vorfahren urſpruͤnglich dazu beſtimmt worden, die Bearbeitung des Landes mit beſonderer Sorgfalt vorzunehmen. Man ſahe bald ein, daß das mehreſte Land verwildere, wenn man es Jahr aus Jahr ein mit Getreide beſaͤen wollte. Die Urſachen davon liegen am Tage. Alle unſere Getreidearten muͤſſen im Herbſt oder im zeitigen Fruͤhlinge in die Erde gebracht werden, wenn ſie zu rechter Zeit reifen ſollen. Man kann das Land dazu alſo nicht anders als im Herbſt oder Fruͤhlinge bearbeiten. Denn wenn wir uns alles beſaͤet denken, ſo iſt in der waͤrmſten Jahreszeit, im Sommer, alles Land mit Fruͤchten bedeckt. Es iſt aber bekannt, daß zu einer guten Beſtellung und Bearbeitung des Landes folgende Umſtaͤnde zuſammen treffen muͤſſe: a) Trockenheit; bei naſſer Witterung verdirbt man alles thonige Land, wenn man es arbeitet. b) Waͤrme. Ohne dieſe kommt der Miſt nicht in Gaͤhrung; ohne dieſe keimen die Unkraͤuter nicht; ohne ſie verrotten die Stoppeln und andere Ruͤck— ſtaͤnde voriger Ernten nicht, und ohne Waͤrme kann das Land nur ſehr wenig fruchtbar machende Stoffe aus der Luft anziehen. Nun iſt aber durch die Erfahrung hinlaͤnglich bekannt, daß die gewoͤhnliche Witterung des Herbſtes wie des Fruͤhlings mehr naß, als trocken, mehr kalt, als warm iſt, mithin iſt die Lockerung und Zerkruͤmelung des Lan— 9⁰ des in dieſen Jahreszeiten nie mit ſolcher Vollkommen⸗ heit moͤglich, als in der heißen und trockenen Sommer— witterung. Daher iſt der Gebrauch, das Land von Zeit zu Zeit bei der beſten Witterung tuͤchtig zu bearbeiten, ganz vortreflich und unter manchen Umſtaͤnden beinahe nothwendig. Leider! ſcheint man aber an den mehreſten Orten ganz vergeſſen zu haben, warum man das Land hauptſaͤchlich unbeſaͤet liegen laͤßt, und bearbeitet die Braache auf eine hoͤchſt erbaͤrmliche Weiſe. Weil es an den mehreſten Orten an Weide fuͤr das Vieh und an anderem Futter fehlt, ſo muß dieſer Theil des Feldes bis gegen die Ernte hin dazu dienen, daß die Thiere ſich auf ihm kuͤmmerlich ernaͤhren. Der Haupt— zweck, kraͤftige Bearbeitung, faͤllt hier weg, denn erſt gegen Johannis hin faͤngt man mit dem Umbrechen an, und richtet ſich ſo ein, daß man bis zur Ernte damit fertig wird. Ja zuweilen wird ein Theil der Braache gar erſt nach der Winterungsernte gepfluͤgt. Der thonige und lehmige Boden iſt bis dahin ſo feſt geworden, daß er in großen Schollen beim Pfluͤgen bricht. Die Quecken koͤnnen darin nicht zerſtoͤrt werden, denn es fehlt an Zeit; die Unkraͤuter im Boden koͤnnen nicht keimen, weil ſie in den trockenen Kloͤßen einge— ſchloſſen liegen, mithin faͤllt der Hauptzweck der Braache weg. Der Juni und Juli ſind die beiden Monate, wo man unreines Land wohl dreimal pfluͤgen und eben ſo oft eggen ſollte, wenn man die Braache ſo bearbeiten wollte, wie es auf feſtem Boden von Zeit zu Zeit noth⸗ wendi ruͤhrel Yocke Ernte geben leck ſchon nit ſi nii vr r en lige derſam weune nicht man beitun hes d teln; . habe durch erwer mann nmen⸗ mmer⸗ eit eiten, einahe reſten Land t die 9¹ wendig iſt. Bei unſerer bisherigen gewoͤhnlichen Weiſe ruͤhren wir den ganzen Auguſt unſere in der groͤßten Trockenheit umgebrochene Braache nicht an, weil die Ernte uns daran hindert. Zu Anfange des Septembers geben wir die zweite Furche. Mittlerweile haben ſich die Quecken wieder angewurzelt, die Witterung wird nun ſchon wieder kuͤhler, in der Regel auch feuchter, und wir ſaͤen unſere Winterung in eben ſo verquecktes Land, wie vor drei Jahren. Wir haben unſer Land der beſſern Bearbeitung we— gen liegen laſſen, und haben dieſe beſſere Bearbeitung verſaͤumt. Wir duͤrfen uns alſo auch nicht wundern, wenn wir von einer ſolchen Braache die guten Fruͤchte nicht erleben, die man ſonſt wohl darnach erhaͤlt. Wie man dieſe Fehler vermeiden kann; wie man die Bear— beitung des Landes mit der beſſern Ernaͤhrung des Vie⸗ hes vereinigen kann, werde ich in den folgenden Kapi⸗ teln zeigen. Sechſtes Kapiteel. Vom Saäaͤen. Wenn ich hier einige Worte uͤber das Saͤen ſage, ſo habe ich nicht die Abſicht, dieſe Arbeit zu lehren(nur durch Uebung kann man ſich die dabei noͤthige Fertigkeit erwerben), ſondern nur die Aufmerkſamkeit des Land⸗ mannes auf dieſen Gegenſtand zu richten, und die wich⸗ 92 tigſten Umſtaͤnde anzufuͤhren, auf welche es hierbei an⸗ kommt. Nichts iſt bei der Ausſaat des Getreides ſo wichtig, als jedesmal das gehoͤrige Maaß zu treffen, d. h. jeden Acker mit jeder Getreideart immer ſo zu beſaͤen, daß davon die ergiebigſte Ernte oder der groͤßte Ertrag zu erwarten iſt. Bei den wenigſten Geſchaͤften des Ackerbaues laſſen ſich ganz beſtimmte Regeln geben, und das eigene Nach— denken iſt wohl bei keinem Stande nothwendiger, als bei dem, der das Land bauet. Nan nehme an, daß jemand, der jaͤhrlich ſechzig Morgen beſtellt, auf den einzelnen Morgen nur zwei Metzen mehr ſaͤet, als er ſollte, ſo wirft er achtehalb Scheffel Getreide weg, wel— ches fuͤr einen ſchwachen Menſchen auf ein Jahr zu Brodgetreide hinreicht. Wie viel betraͤgt dies in einem ganzen Lande? Oft wird der Schaden einer fehlerhaften Einſaat aber dadurch noch groͤßer, daß ſie die Ernte obenein ſchwaͤcht. Ich will daher dem ferneren Nachdenken aller ge⸗ ſcheuten Landleute folgende Regeln vorlegen, die beim Saͤen zu beobachten ſind: ¹) Recht gut geduͤngtes, dabei lockeres und von Natur fruchtbares Land, beſaͤet man am beſten nur ſchwach. 1 Bis jetzt findet man an den mehreſten Orten den entgegengeſetzten Gebrauch.„Wer ſtark iſt,“ meint inſaat enein b ge⸗ beim und eſten den meint 93 man,„der kann ſtark tragen,“ und ſonach beſaͤet man gerade das beſte Land am ſtaͤrkſten. Um das Fehlerhafte dieſes Gebrauchs einzuſehen, muͤſſen wir uns ein wenig auf fruchtbaren Feldern umſehen, wie die im Fruͤhjahr uͤppig hervor treibenden Pflanzen ihr Wachsthum beginnen. Wir bemerken, daß auf ſolchen Feldern die Pflan— zen eine große Neigung haben, ſich nach allen Seiten auszubreiten. So wie in der Erde ihre Wurzeln erſtar⸗ ken, ſo kommen uͤber der Erde ſo lange neue Zweige und Schoͤßlinge hervor, bis der Boden damit bedeckt iſt. Dadurch erſtarken die Stoͤcke gehoͤrig, ſie treiben kraͤf— tige, feſt ſtehende Halme, und ein ſchwach beſaͤetes Land giebt hier den hoͤchſten Ertrag. Ganz anders iſt es dagegen, wenn ſolches frucht⸗ bare Land ſehr dicht beſaͤet wird. Die Pflanzen fangen eben ſo lebhaft an zu wachſen; ſie haben aber nicht Platz genug, ſich auszubreiten. Von allen Seiten her draͤngt eine die andere. Sie machen daher nicht breite, ſtarke Stauden auf der Erde, ſondern ſchießen in die Hoͤhe. Dadurch uͤbereilen ſie ſich aber gleichſam im Wachsthum; ſie haben zu ihrer Haltung keinen feſten Stamm. Feuchte und fruchtbare Witterung macht, daß die ſchwach aufge⸗ ſchoſſenen Halme umfallen und Lagergetreide geben, oder bleiben ſie ja ſtehen, ſo koͤnnen ſich nicht hinlaͤnglich voll— kommene Aehren ausbilden und— die Ernte wird an Koͤrnern geringer. 2) Dagegen iſt auf thonigem oder Lehmboden, der nicht ſehr mit Modererde gemengt iſt, und eben — — —— A* 8 1 1—.— 94 nicht ſehr reichlich geduͤngt werden kann, die ſtaͤrkſte Beſaamung die beſte. Bei dieſem Boden iſt auf das Beſtauden weniger zu rechnen. Er iſt nicht locker genug dazu; auch finden die jungen Pflanzen darin nicht ſo viel Nahrung. Eine ſchwache Ausſaat waͤre hier fehlerhaft. Man wuͤrde ſich dadurch die Ernte nicht nur uͤberhaupt ſchwaͤ— chen, ſondern es iſt auch hoͤchſt wahrſcheinlich, daß leere Stellen ſolchen Bodens bei trockener Witterung mehr zuſammen duͤrren, als dicht beſaͤete, daß alſo auch deswe⸗ gen die Ernte geringer ausfallen koͤnnte. 3) Ganz ſchlechter, magerer und ſandiger Boden iſt wieder ſchwach zu beſaͤen, weil es ihm an Kraft gebricht, eine große Pflanzenmenge zu ernaͤhren. Außer dieſen Hauptregeln ſind noch manche andere Umſtaͤnde bei Beſtimmung der Ausſaat in Betracht zu ziehen. So kommt es z. B. beim Wintergetreide ſehr auf die Zeit der Ausſaat an. Saͤet man ſehr fruͤh, zu Ende des Auguſts oder zu Anfange des Septembers, ſo kann man dreiſt auf jeden Morgen vier Metzen weniger einſaͤen, als man nach Michaelis dahin geſaͤet haben wuͤrde. Je ſpaͤter man die Ausſaat macht, deſto ſtaͤrker muß man einſaͤen. Der Froſt und die Naͤſſe ſind dem Keimen des ſpaͤt im November oder wohl gar im De— cember geſaͤeten Roggens ſchaͤdlich. Auf Boden, wo man zu Michaelis den Morgen mit Einem Scheffel reichlich beſaͤet haͤtte, wuͤrde man zu Ende Novembers aͤrkſte veniger finden Man ſchwi⸗ leere mehr we⸗ iger m an hren. andere ct zu hr auf , zu 5, ſo niger haben gaͤrker dem De⸗ „ wo cheffl unbers 95 wenigſtens vier Metzen auf jeden Morgen mehr einſaͤen muͤſſen. Aber nicht bloß, wie ich oben angegeben habe, die Kraft und Lockerheit eines Bodens an ſich muͤſſen die Menge der Einſaat beſtimmen, ſondern auch der jedes⸗ malige Zuſtand, in welchem er zur Saat vorbereitet iſt. Je feiner ein Boden verarbeitet iſt; je weniger Kloͤße und Schollen ſich darin finden, deſto weniger Koͤrner gehen auf ihm nutzlos verloren, und um ſo ſchwaͤcher kann er beſaͤet werden. Rauhes, verraſetes, noch nicht fein gearbeitetes Land muß alſo ſtark beſaͤet werden. Da— her ſaͤet man auch auf einfaͤhrig umgebrochenes Dreeſch— land wohl Einen Scheffel Hafer mehr auf den Morgen, als man auf klar bearbeitetes Land ſaͤet. Bei der Winterung ſchadet indeſſen eine etwas zu ſtarke Ausſaat weniger, wie bei Sommergetreide. Ueber— ſaͤetes Sommergetreide giebt bei trockener Witterung ei— nen erbaͤrmlichen Ertrag. Bei der Ausſaat des Sommergetreides muß man vorzuͤglich auf die Feuchtigkeit achten, die das Land gerade zur Zeit des Beſaͤens hat. Iſt anhaltende Duͤrre zu befuͤrchten, ſo iſt eine etwas ſtaͤrkere Ausſaat doch anzurathen, weil man darauf rechnen muß, daß viele Koͤrner verderben werden. Bei fruchtbarer Witterung nimmt man billig eine ſchwaͤchere Einſaat, weil jedes ge— ſunde Korn eine Pflanze verſpricht. Endlich iſt auch auf die Beſchaffenheit des Saatkorns ſelbſt eine ſehr wichtige Ruͤckſicht zu neh⸗ — — ————— —— 6— — — 96 men. Iſt dies vollkommen reif geworden, trocken in die Scheune gebracht und auf dem Boden wohl geluͤftet worden, ſo iſt es in ſolchen Umſtaͤnden, wie gutes Saa— mengetreide ſeyn muß. Jeder Landmann muß ſich Muͤhe geben, nur ſolches Getreide auszuſaͤen. Korn von Lagergetreide, oder von ſolchem, welches wegen duͤrrer Witterung nothreif wurde, muß man nie ausſaͤen, ſo wenig wie naß eingebrachtes und mulſtriges Getreide. Auf den Saamen muß ein Landwirth zuerſt Bedacht nehmen, und ſich dieſen ſo rein, ſo trocken, ſo wohl auf dem Boden aufgehoben als moͤglich zu ver— ſchaffen und zu erhalten ſuchen. Wie viel man ungefaͤhr von jeder Getreideart auf den Magdeb. Morgen aus— ſaͤtt, werde ich angeben, wenn ich auf den Getreidebau ſelbſt kommen werde. Siebentes Kapitel. Betrachtungen uͤber das Wachsthum der Pflanzen, vorzuͤglich der von dem Landwirthe angebauten Gewaͤchſe. Bis jetzt habe ich blos von den Geſchaͤften des Land— mannes geſprochen und von den Mitteln, die in ſeiner Gewalt ſtehen, die Fruchtbarkeit ſeiner Felder zu ver— mehren und zu erhalten. Ich habe aber noch wenig von den bewundernswuͤrdigen Erſcheinungen geſagt, die wir wahrnehmen, wenn wir die Art und Weiſe genauer betrach⸗ zcken( geluͤftet 5 Saa⸗ Müͤhe velches an nie ſtriges zuerſt ocken, ver⸗ gefaͤhr aus⸗ eidebau füglich Land⸗ ſeiner u vel⸗ weni gt, die genautt betrach 97 betrachten, unter welcher das Wachſen der von uns ange⸗ baueten Gewaͤchſe erfolgt. Dem Menſchen iſt auf der Erde eine große Macht gegeben. Er kann, wenn er mit Bedacht, Klugheit und Ausdauer verfaͤhrt, Suͤmpfe in fruchtbare Wieſen ver— wandeln und unfruchtbare Einoͤden in herrliche Getreide⸗ felder. Er kann ferner von einer Stelle, die er ganz vor⸗ zuͤglich duͤngt und bearbeitet, Ernten ziehen, die man ganz fuͤr unmoͤglich halten wuͤrde, haͤtten wir nicht alle ſchon ſo viele Beiſpiele von hoher Fruchtbarkeit erlebt. Aber ſo viel der Menſch einer Seits durch ſeinen Fleiß und durch ſein Nachdenken uͤber ſeinen Wohn⸗ platz, die Erde, vermag, ſo ſehr iſt er doch auf der andern Seite bei ſeinen Handlungen immer an gewiſſe, unwandelbare Geſetze gebunden, nach welchen die Ge— waͤchſe wachſen, und nach welchen die Erde ihren Schooß zur Ernaͤhrung aller Menſchen, Thiere und Pflanzen oͤfnet. So vermag der Menſch z. B. nichts uͤber die Witterung. Er kann bei der Beſtellung ſeiner Felder zwar darauf hinarbeiten, den widrigen Einwirkungen unguͤnſtiger Witterung theils zuvorzukommen, theils weni⸗ ger ſchaͤdlich zu machen, aber die Witterung ſelbſt geht ungehindert ihren Gang, den ihr der Schoͤpfer der gan⸗ zen Natur einmal vorgeſchrieben hat. Aber ſo wenig der Menſch uͤber die allgewaltigen Naturerſcheinungen vermag, die wir bei der Witterung wahrnehmen, ſo wenig vermag er auch uͤber die beſon⸗ dern Eigenſchaften einer jeden Pflanze. Ein Gewaͤchs 7. 2 ——————äxä— 9⁵ gedeihet im Sande, das andere nur im ſtrengen Thon⸗ boden; eins liebt trockene Stellen, das andere waͤchſt nur im Sumpfe. Nie wird es dem Menſchen gelingen, dieſe beſon— dern Eigenſchaften der Pflanzen nach ſeinem Willen abzu⸗ ändern. Aber er muß ſich mit dieſen Eigenſchaften bekannt machen; er muß darauf achten, unter welchen Umſtaͤnden ſeine angebauten Gewaͤchſe gedeihen und unter welchen ſie nicht gedeihen, dann kann er eben ſo viel ausrichten, als wenn er Mittel wuͤßte, die Natur der Pflanzen umzuäͤndern. Dieſer Gegenſtand iſt von erſtaunlicher Wichtigkeit fuͤr den ganzen Ackerbau. Ich werde mich daher ein wenig lange dabei aufhalten und will mich bemuͤhen, die wichtigſten Erfahrungen hier zuſammen zu ſtellen, die die Menſchen uͤber die beſondere Neigung unſerer Gewaͤchſe, nur in dieſem Boden, nach einer ſolchen Duͤngung, nach einer gewiſſen Bearbeitung ſogar, und nach einer deſondern Vorfrucht gut zu gedeihen, ſeit langen Zeiten gemacht haben. Damit ich mich am leichteſten verſtaͤndlich mache, wollen wir gemeinſchaftlich einen Blick in die Natur thun, und von ihr abzulernen ſuchen, wie wir uns bei dem Anbau der Erde verhalten muͤſſen, wenn wir ſo viel als moͤglich nutzbare Gewaͤchſe von ihr erhalten wollen. Zuerſt finden wir, wenn wir unſern Verſtand bet der Betrachtung der Werke Gottes brauchen, daß jede Thn⸗ vichi beſon⸗ abzu⸗ haften elchen unter viel r der igkeit er ein en, die die di waͤchſe ngung, h einer langen mache, Natur ins bei wir ſo rhalten and be aß jae 99 Bodenart ihre eigenthuͤmlichen Gewaͤchſe hat, die nur auf ihr ausſchießlich gut gedeihen. Die Eiche gedei⸗ het dort nicht mehr recht gut, wo die Kiehnbaͤume noch ſehr gut wachſen. Man ſieht es ihr an ihren trocke⸗ nen Aeſten an, daß ſie nicht auf ihrer Stelle ſteht. Die Eller oder Elſe wird an ſolchen Stellen nie zu einer bedeutenden Groͤße gelangen, wo die Birke in kur— zer Zeit empor waͤchſt. So iſt es aber nicht blos mit dieſen maͤchtigen, hervorragenden Gewaͤchſen, den Baͤu— men, ſo iſt es mit den kleinſten Pflaͤnzchen, die der Un— kundige kaum unter ſeinen Fuͤßen bemerkt. Man betrachte eine Weideflaͤche, die des Menſchen Hand noch nie beruͤhrte. Man unterſuche den Boden, und gebe auf die Gewaͤchſe acht, die man auf ihm fin— det; man wiederhole dieſe Unterſuchungen recht oft, und man wird finden, daß jede Bodenart ihre eigenthuͤmli⸗ chen Graͤſer und Kraͤuter— ſchaͤdliche und nuͤtzliche— habe. Wer ſolche Vergleichungen oft macht, und auf die Verſchiedenheit der Pflanzen achtet, erlangt dadurch ein Mittel, von den Gewaͤchſen auf den Boden ſelbſt zu ſchließen, der ſie im freien Zuſtande erzeugte. Auf Flugſand waͤchſt faſt gar nichts, weil der Wind ihn nicht ruhig liegen laͤßt. Wird der Sand nur etwas gebundener, ſo findet man den Bocksbart, die ſogenann⸗ ten Katzenpfoͤtchen und aͤhnliche Sandgewaͤchſe auf ihm; wird er noch beſſer und naͤhert ſich ſchon mehr dem leh— migen Sandboden, ſo ſindet man einige Kleegewaͤchſe, den f 1 44 100 grauen Klee, den weißen und gelben Klee, und ſehr viele andere Pflanzen auf ihm. Je feſter, je thonhaltiger der Boden wird, deſto weniger findet man die Gewaͤchſe auf ihm, die nur im lockern, ſandigen Boden wachſen. Aber es finden ſich andere in zahlloſer Menge, die ſchlechterdings nicht auf dem Sandboden fortkommen. So wie es nun mit den wildwachſenden Pflanzen iſt, ſo iſt es gewiſſermaßen auch mit denen, die wir anbauen. Ein Boden ſagt dieſem Gewaͤchſe mehr zu, ein anderer jenem. Durch Duͤngung und Bearbeitung, auch Mengung der Erdarten, koͤnnen wir zwar unſern Ackerboden ſo umſchaffen, daß er ſehr verſchiedenartige Gewaͤchſe zu tragen vermag, wir haben aber immer noch Bodenarten genug, die ſich mit manchem Gewaͤchſe gar nicht vertragen. Weitzen auf Sandboden zu bauen, desgleichen Kohl und Hanf, wenn er nicht eine ſehr niedrige Lage hat, wird ſich niemand einfallen laſſen, ſo wenig wie Buch⸗ weitzen, Waſſerruͤben und Moͤhren oder Mohrruͤben auf ſtrengem Thonboden. Merkwuͤrdig iſt uͤbrigens, daß gerade die unentbehrlichſten Fruͤchte in unſern Gegenden, Kartoffeln und Roggen, mit allen Bodenarten vorlieb nehmen. Sie gerathen freilich in einer Bodenart immer beſſer wie in der andern, ſie paſſen jedoch eher zu ver⸗ ſchiedenartigem Lande, wie die genannten Gewaͤchſe. Nicht weniger wie die Lockerheit oder Feſtigkeit des Bodens, hat noch ſeine Trockenheit oder Feuchtigkeit einen 101 großen Einfluß auf das Wachsthum der Pflanzen. Manche Gewaͤchſe ſind nur fortzubringen, wenn ſie einen feuch— ten Standort haben. Sie verſchwinden oder gehen aus, ſobald man die Feuchtigkeit wegſchaft. Andere Gewaͤchſe hingegen ſterben ab, ſo wie die Naͤſſe im Boden uͤber⸗ hand nimmt. So lieben die Kartoffeln zwar einen fri— ſchen, feuchten Boden, ſo wie aber nach anhaltendem Regen das Waſſer nur ein paar Tage auf einer Stelle ſteht, die mit Kartoffeln bepflanzt iſt, ſo ſterben ſie ab und vergehen. Weitzen kann im Herbſt und Winter viel mehr Naͤſſe ertragen als Roggen, daher man allgemein auf niedrigern Stellen, die ſich ſonſt eben nicht zum Weitzen⸗ bau ſchicken, lieber Weitzen als Roggen bauet. Die Natur muß hierin des Landwirths Lehrerin ſeyn. Er muß fleißig auf alles achten, was um ihn vorgeht. Er muß ſeinem Boden nur ſolche Gewaͤchſe anvertrauen, die ſich fuͤr ihn ſchicken, und muß ſich Muͤhe geben, durch gute Duͤngung, gute Bearbeitung und Vermi⸗ ſchung einer Erdart mit der andern, die Mannichfaltig— keit der Gewaͤchſe zu vermehren, die er mit Vortheil anbauen kann. Es iſt gewiß ſehr wichtig, daß man auf jedem Bo⸗ den ausmittelt, welche Getreidearten man am vortheil— hafteſten auf ihm anbauen kann. Die Gewohnheit bringt es oft ſo mit ſich, gewiſſe Laͤndeveien in regelmaͤßiger Ordnung immer mit derſelben Frucht zu beſaͤen. Man hat vielleicht einen gewiſſen, immer wiederkehrenden 102 ſchlechten Ertrag. Aber man achtet gerade am wenig⸗ ſten darauf, weil man ſich daran gewoͤhnt hat. Finge man den Bau ſolcher Fruͤchte erſt an, und haͤtte den Ertrag, ſo wuͤrde man ſehr bald ihren Anbau einſtellen. Nicht ſo iſt es damit, was das Alter geheiligt hat. So giebt es Gegenden in Pommern, die faſt immer ſchlechten Roggen ernten. Der Boden iſt im zeitigen Fruͤhjahre und in der Bluͤthezeit dieſem Gewaͤchſe ſelten guͤnſtig, hingegen iſt dort der feuchteren Lage wegen der Sommerfruchtbau, der Gerſte und des Hafers, weit ſicherer, wie in andern Gegenden. Man ſollte alſo bil— lig dort mehr Sommerung wie Winterung bauen, da— hingegen wir bei letzterer beſſer gehen. So wichtig wie es iſt, jeden Acker mit der zu ihm paſſenden Frucht zu beſaͤen oder zu bepflanzen, eben ſo wichtig iſt es, nur ſolche Fruͤchte nacheinander zu bauen, die ſich wohl vertragen. Mit andern Worten: man kann auf einem ſo eben geduͤngten Acker nicht nach Will⸗ kuͤhr ſaͤen, was man will, wenn man die Abſicht hat, erſt nach mehreren Jahren wieder zu duͤngen, ſondern man muß die Fruͤchte in einer gewiſſen Ordnung auf ein⸗ ander folgen laſſen. Die Erfahrung hat uns hier eben— falls gelehrt, wie wir verfahren muͤſſen, nur haben wir nicht immer gehoͤrig auf ihre Lehren geachtet, ſondern laſſen uns von Gewohnheiten beherrſchen, unbekuͤmmert darum, ob ſie dem Gange der Natur gemaͤß ſind, oder nicht. Unmittelbar nach der Duͤngung ſaͤen wohl nur ſehr hat, dern ein⸗ eben⸗ mwir ndern nmert oder t ſihr 103 wenige im erſten Jahre Gerſte, im zweiten Weitzen, ſon— dern ſie kehren es um, und ſaͤen erſt Weitzen und dann Gerſte. Niemand macht ſich aber ein Bedenken daraus, zu Erbſen und Wicken im Fruͤhjahre den Miſt zu fah⸗ ren, und das Land im Herbſt mit Weitzen zu beſaͤen. So wird es auch niemanden einfallen, in der Braache Gerſte oder Hafer zu bauen, hingegen Erbſen, Wicken, Klee, Kartoffeln, Kohl, Lein ꝛc. bringt man allgemein in die Braache, und erntet nach manchem der genann⸗ ten Gewaͤchſe eben ſo gute Winterung, als man nach reiner Braache geerntet haben wuͤrde. Tauſende beobachten den Gebrauch, die Braache mit ſolchen breitblaͤttrigen Gewaͤchſen, nie aber mit Getreide zu bebauen. Wuͤrde man ſie aber fragen: warum thut Ihr das? warum ſaͤet Ihr nicht lieber in der Stelle Roggen, Gerſte oder Hafer? ſo wuͤrden ſie ſagen: das geht nicht, der Roggen geraͤth nicht. Keiner hat aber jemals ſich ſelbſt ernſtlich gefragt: warum es nicht geht? warum es nicht gleich iſt: ich ſaͤe Getreide auf Getreide, ſo lange ich will, oder ich mache eine Abwechſelung mit andern Fruͤchten. Man fuͤhrt hoͤchſtens die Erfahrung an, daß auf Stadtfeldern, wo in der Regel keine Braache gehalten wird, und man Jahr aus Jahr ein Getreide bauet, daſſelbe ſo ſchlecht lohne, und dabei der Acker ſelbſt ſo mit Unkraͤutern angefuͤllt werde, daß ſolche Laͤndereien bei allem Ueberfluß von Duͤngung doch nur einen hoͤchſt erbaͤrmlichen Ertrag geben. EEEEEEEEEII1AéęꝑẽqzEqE 104 Manche Landwirthe ſagen nun zwar:„darum iſt die Braache nothwendig; das Land muß ſo gut ruhen, wie Menſchen und Thiere, wenn es gute Fruͤchte tragen ſoll.“ Ich antworte hierauf: eine Braache, ſo behandelt, wie ich im Kapitel von der Bearbeitung des Bodens angegeben habe, wo die Bearbeitung ſchon im Herbſt oder doch im zeitigen Fruͤhjahre anfaͤngt, und den gan— zen Sommer durch fortgeht; wo alſo gewiß das Wur⸗ zelunkraut ganz, und ſehr vieles Saamenunkraut vernichtet wird, hat allerdings ihre ganz beſondere Vor⸗ zuͤge, und iſt fuͤr manche Beſchaffenheit des Bodens das beſte Mittel, einen ſolchen zur hoͤchſten Tragbarkeit zu bringen. Aber wir taͤuſchen uns, wenn wir die guten Folgen einer ſolchen Braache der Ruhe zuſchreiben. Die Pul⸗ verung, Luftung, Zerkruͤmelung des Bodens, verbunden mit der Vernichtung des Unkrauts— dieſe machen die Braache ſo wichtig. Denn die Ruhe kommt weniger in Anſchlag. Eigentliche Ruhe, ein Zuſtand des Ackers, in welchem gar nichts auf ihm wuͤchſe, kommt auf gu— tem Boden im Sommer gar nicht vor. Es werden kaum vierzehn Tage nach dem Pfluͤgen vergehen, ſo werden ſich verſchiedene Pflanzen auf dem Braachacker zeigen, deren Saamen in ihm verborgen lag. Aber dieſe Pflanzen, Unkraͤuter oder Weidegraͤſer, ſind ganz anderer Art, als diejenigen, welche der Acker nach unſerer Wirthſchaftsweiſe traͤgt. 105 ſ de Nehmen wir dazu die Erfahrung, daß nach Erbſen, wie I Wicken und Buchweitzen beſſerer Roggen waͤchſt, als nach agen Hafer oder Gerſte, ſo muß uns dies darauf leiten, die Abwechſelung mit verſchiedenen Gewächſen als delt eine nothwendige Sache beim Ackerbau anzuſehen. dens Wollen wir uns davon recht uͤberzeugen, daß der eriſt Acker einer eigentlichen Ruhe gar nicht bedarf, ſo duͤr— gan⸗ fen wir nur unſere Gaͤrten betrachten. Wir bauen hier ur⸗ Jahr aus Jahr ein Fruͤchte, und es wird nach funfzig aut Jahren nicht einmal noͤthig, das Land ruhen zu laſ⸗ or⸗ ſen. Aber abwechſeln muͤſſen wir die Gewaͤchſe. Das das Land, welches in dieſem Jahre Kartoffeln trug, wird im an kuͤnftigen Jahre nicht gern wieder damit beſtellt. Es wird viel beſſer Bohnen, Erbſen und dergl. tragen. olgen Da nun alles Gartenland urſpruͤnglich unſerm Ak— Pul⸗ kerlande gleich war, ſo iſt es gar keinem Zweifel unter⸗ unden worfen, daß wir mit dem freien Felde eben das machen en die koͤnnen, wie mit dem Garten, wenn wir es ſo behan⸗ er in deln, wie Gartenland; wenn wir es ſo tief bearbeiten, kers, ſo gut und ſo oft duͤngen, und— die Fruͤchte ſo ab⸗ gu— wechſeln, wie es ihre Natur verlangt. rden Denn an dieſem letzterem Umſtande liegt es gewoͤhn— lich, wenn die Beſitzer von Stadtlaͤndereien, wie oben acker angefuͤhrt iſt, bei oͤfterer Duͤngung dennoch nur ſchlecht ernten. Sie verlangen von ihren Feldern nur immer iſe⸗ dieſelben Fruͤchte, oder doch ſehr aͤhnliche, und nehmen Ackr keinen Wechſel mit ihren Saaten vor, auf den das genaue Aufmerken auf die Natur den Landmann leiten ſollte. 106 Wir werden die Regeln eines naturgemaͤßen Frucht⸗ wechſels auffinden, wenn wir diejenigen Gewaͤchſe etwas genauer betrachten, die wir anbauen, und wenn wir ſie deshalb in gewiſſe Klaſſen bringen. Wir koͤnnen fuͤglich drei ſolcher Abtheilungen anneh⸗ men. In die erſte Klaſſe kommen die Getreidearten, Weitzen, Roggen, Hafer, Gerſte ꝛc. In die zweite die Huͤlſenfruͤchte, Erbſen, Wicken, Linſen, ferner der Klee, auch Buchweitzen ꝛc. In die dritte Kartoffeln, Kohl, Ruͤben, Taback ꝛc. Alle die Gewaͤchſe, welche ich in eine Klaſſe zuſam⸗ men geſtellt habe, ſind ſich in der Art ihres Wachs⸗ thums, in ihrem aͤußern Bau, und in der Art und Weiſe, wie wir ſie gewoͤhnlich anbauen, ſehr aͤhnlich. Alle Getreidearten wachſen in geraden, hohen Halmen auf, und ihre Fruͤchte haben zu einander eine große Aehnlichkeit. Die Huͤlſenfruͤchte und der Klee machen nicht hohe Halme. Sie haben breite Blaͤtter, legen ſich oft an die Erde, und ihre Saamen ſind ſehr verſchieden von den eigentlichen Getreideſaamen. Die Gewaͤchſe der dritten Klaſſe unterſcheiden ſich dadurch von den beiden erſten, daß ſie ohne ein Behak⸗ ken und Bearbeiten waͤhrend ihres Wachsthums, und ohne vorzuͤgliche tiefe Lockerung des Bodens gar nicht gedeihen. Die Kunſt des Landmannes muß nun zwiſchen die⸗ 107 ucht ſen Gewaͤchſen eine ſolche Abwechſelung auf ſeinen Fel— twas dern bei ihrem Anbau veranſtalten, daß ſich nur immer t ſie ſolche Fruͤchte folgen, die auf einander paſſen, wenn man den Duͤnger recht kluͤglich benuͤtzen und das Land rein nneh⸗ und locker erhalten will. Die Eigenſchaften der in jede Abtheilung zuſammen ſitzen, geſtellten Gewaͤchſe ſind folgende: Die Getreidearten haben ſchmale Blaͤtter. Ihre cken, Wurzeln ſind feine, fadenartige Buͤſchel, die ſich nach allen Seiten hin, doch weniger in die Tiefe, mehr durch c. die Haarwurzeln flach unter der Oberflaͤche ausbreiten. ſam⸗ Die langen, ſchmalen Halme gehen gerade in die Hoͤhe. achs⸗ Sie beſchatten den Boden nur wenig und laſſen ſehr t und leicht Unkraͤuter unter ſich aufkommen, die dann zur ic. voͤlligen Reife gelangen, entweder ihren Saamen gleich hohen auf den Acker ausfallen laſſen, oder mit abgeerntet er eine werden, und ſo ihren Saamen in den Miſt bringen. Die ſchmalen Blaͤtter der Halme vertrocknen allmaͤhlig; richt es faͤllt von dieſen Gewaͤchſen nichts ab, was dem Lande ih oft eine Duͤngung ſeyn koͤnnte. Man findet den Boden hieden danach in einem feſten, zuſammen geballeten Zuſtande, der mehrere Male gepfluͤgt und geegget werden muß, en ſch wenn er aus ſeinem kloͤßigten Zuſtand in einen feinen Shib und muͤrben Zuſtand verſetzt werden ſoll. 5, und Ihre Blaͤtter vertrocknen eher, als die Frucht voͤllig u nicht reif iſt. Die Gewaͤchſe muͤſſen alſo alle Nahrung zur Bildung des Korns aus dem Boden ziehen, welches bei m 3 den Huͤlſenfruͤchten anders iſt, die bis zur Reifung ihrer ——— 108 Schoten gruͤne Blaͤtter behalten, durch welche ſie aus der Luft Feuchtigkeit und Nahrung einziehen. Die Getreideſaamen ſind ſich ſaͤmmtlich ſehr aͤhn— lich, ſo wie ihr Stroh. Daher kann man auch anneh⸗ men, daß dieſe Gewaͤchſe ziemlich dieſelben Nahrungs⸗ theile aus dem Boden ziehen. Weitzen und Hafer haben wenigſtens eine weit groͤßere Aehnlichkeit mit einander, als Weitzen und Erbſen. Ganz anders iſt es mit den Huͤlſenfruͤchten, den Erbſen, Wicken, Buchweitzen ꝛc. Die Wurzeln dieſer Gewaͤchſe ſind kleine Roͤhren, die tief in den Boden ein— dringen. Die Staͤngel ſelbſt ſchießen nicht in die Hoͤhe. Sie ſind nicht ſtark genug, die breiten Blaͤtter zu tra— gen; ſie legen ſich daher an die Erde nieder. Gerathen ſie gut, ſo bedecken ſie den Boden dicht, und das Land iſt nach ihnen deshalb viel muͤrber als nach den Ge⸗ waͤchſen der vorigen Gattung. Die roͤhrenfoͤrmigen Wur⸗ zeln lockern den Boden auf, durch die abfallenden Blaͤt— ter erhaͤlt er einige Duͤngung und durch die dichte Decke, die ein gutes Erbſen- oder Wickenfeld dem Boden giebt, wird das Ausdorren vom Winde oder der Sonne ver⸗ huͤtet. Dieſe Fruͤchte hinterlaſſen alſo den Boden fuͤr das Halmgetreide in ſolchem Zuſtande, wie es ſich fuͤr daſſelbe am beſten ſchickt. Man findet daher auch, daß ſie an ſehr vielen Orten ſtatt der Braache angebauet wer⸗ den, und daß die Winterung ſehr gut danach geraͤth. Beinahe eben ſo wie die Huͤlſenfruͤchte aͤußert ſich der Klee auf den Boden. Findet er Nahrung genug, ſe aus aͤhn⸗ anneh rungs⸗ haben ander, —, den dieſer ein⸗ Höhe. u tra⸗ erathen 6 Land en Ge⸗ n Wur⸗ n Buͤt⸗ Decke, giebt, ne ver⸗ en fuͤr ſich fuͤr h, daß tet wer⸗ fath. hert ſi genu, 109 ein voͤllig reines, tief gelockertes Land, ſo uͤberzieht er das ganze Land. Die Kleewurzeln durchziehen die ganze Ackerkrume, es fallen eine Menge Blaͤtter ab, und durch die Beſchattung, die der Klee macht, wird das Land muͤrbe erhalten. Obgleich der Klee eine Menge Futter liefert, ſo iſt es doch ganz von dem Halmgetreide ver— ſchieden; es wird gewoͤhnlich gruͤn abgehauen, und es iſt an dem auf den Klee folgenden Wintergetreide gar nicht zu ſpuͤren, daß es nicht nach reiner Braache geſaͤet iſt. Ich muß aber hierbei erinnern, daß ich nur gutſtehenden Klee im Sinne habe, in welchem ſich nicht Ouecken— unkraut eingeniſtet hat. Wo das die Oberhand hat, da wird freilich nach dem Klee elende Winterung wachſen. Wie man den Klee bauen muͤſſe, um ihn in reines Land zu bringen, werde ich ſpaͤterhin zeigen. Ob nun gleich dieſe Gewaͤchſe, Huͤlſenfruͤchte und Klee, den Boden in beſonders lockerm und guͤnſtigem Zu⸗ ſtande hinterlaſſen, und ſich alſo recht gut als Vorfruͤchte vor dem Getreide eignen, ſo vermißt man bei ihrem An— baue doch noch die Gelegenheit, den Boden kraͤftig zu bearbeiten. Dieſe Gelegenheit bieten uns nun die Kartoffeln, der Kohl, mehrere Ruͤbenarten, Taback ꝛe dar. Alle dieſe Gewaͤchſe gedeihen ohne eine ganz beſonders ſorgfaͤltige Bearbeitung waͤhrend ihres Wachsthums nicht. Wie nuͤtzlich ſie dem Landwirthe ſind, brauche ich hier wohl nicht zu ſagen. Sie werden ihm aber doppelt wichtig, weil er durch ſie ſein Land an und fuͤr ſich ſehr —— 110 hoch nuͤtzt und noch dazu durch ihren Bau Gelegenheit erhaͤlt, ſeinem Lande von Zeit zu Zeit eine vorzuͤgliche Lockerung zu geben, ohne welche gutes Land in kurzer Zeit verwildert. Der Bau dieſer Fruͤchte macht unter gewiſſen Be— dingungen die Braache ganz entbehrlich. In der erſten Zeit ihres Wachsthums wird beim Behacken faſt alles Saamenunkraut eines Bodens zum Keimen gebracht; es wird mehrere Male zerſtoͤrt, und ſind ſie erſt heran ge⸗ wachſen, ſo geben ſie dem Boden ebenfalls den wohlthaͤ⸗ tigen Schatten, den ich ſchon von den Gewaͤchſen der vorigen Klaſſe geruͤhmt habe. Selten wird wohl eine Braache zur Winterung ſo bearbeitet werden und ſo rein ſeyn, wie ein gut bearbeitetes Kartoffel⸗ Kohl- oder Tabacksfeld. Es laͤßt ſich freilich nicht gut beſtimmen, welche Klaſſe der beſchriebenen Gewaͤchſe fuͤr den Landmann die nuͤtzlichſte iſt. Er kann ohne die eine wie die andere nicht gut wirthſchaften. Das Getreide iſt wohl in den meiſten Verhältniſſen am wichtigſten. Es liefert die beſten Nahrungsmittel fuͤr Menſchen und Vieh; das Stroh iſt zum Decken, zu Hechſel und zur Einſtreu gar nicht zu entbehren, und die Fruͤchte dieſer Art werden am haͤufigſten gekauft. Des Landwirths ganzes Beſtreben muß alſo dahin gehen, von dem Getreide ſo viel als moͤglich zu ernten. Daß zu guten Ernten gute Duͤngung gehoͤrt, iſt allbekannt, daß aber auch die Duͤngung allein noch nicht hinreichend 111 genhei iſt, um von einem und demſelben Boden Jahr aus Jahr üͤgliche ein gutes Getreide zu ernten, haben wir im vorigen kurjer an dem Beiſpiele mancher Ackerbuͤrger kleiner Staͤdte geſehen. Wer ſich noch genauer davon uͤberzeugen will, en Be⸗ der kuͤmmere ſich genau um den Ertrag ſolcher Felder, etſten die ohne Abwechſelung und Braache immer Getreide tra⸗ alles gen, und er wird zur Erkenntniß kommen. ht, es In dem abwechſelnden Bau des Getreides mit den in ge⸗ Huͤlſenfruͤchten und Klee ſteckt das ganze Geheimniß, lthaͤ⸗ beiderlei Gewaͤchſe immerfort gut zu ernten. Wird zur der beſſern Verarbeitung des Landes in gewiſſen Zwiſchen— laine raͤumen noch eine behackte Frucht angebauet, ſo wird win auch ſogar die Braache entbehrlich, und das Land kann Jahr aus Jahr ein, wie der Garten, Fruͤchte tragen, ohne ſich zu verſchlechtern. uh Nach den bemerkten Eigenſchaften der Gewaͤchſe wird man bei dieſer Abwechſelung ungefaͤhr ſo zu ver⸗ dder dmann anner fahren haben: Alle fuͤnf, ſechs oder ſieben Jahre, je nachdem das niſen Land mehr oder weniger zu Unkraut geneigt iſt, baue utt man eine ſolche Frucht, wozu das Land oft und tief ge— en, zu pfluͤget wird, und welche noch mehrere Male behackt 1 werden muß. 4 In dies reine, gelockerte Land ſchickt ſich nun eine hr Saspaibeart, mit welcher man zugleich den Klee ausſäet. b dß Denn der Klee gedeihet nur in reinem, gut geduͤngtem Lande, und wird nur in ſolchem eine gute Vorfrucht vor ehin, der Winterung. reichend 5 A 7 9 6 1 112 Nach Taback und Kohl kann man Roggen und Weitzen ſaͤen, ganz vorzuͤglich wird aber in dieſem, durch die ſorgfaͤltige Bearbeitung ganz klaren, Lande die Gerſte gedeihen. Nach Kartoffeln iſt es nur in ſeltenen Faͤllen rathſam, Roggen zu ſaͤen. Er wird gewoͤhnlich im Kar⸗ toffellande ſehr leicht, hingegen Gerſte gedeihet danach uͤber alle Maaßen. Die Winterung findet nach dem Klee eine vorzuͤgliche Stelle. Nach dieſer Winterung kann man Erbſen oder Wicken folgen laſſen. Darauf wieder Winte⸗ rung, und wenn man will, nach dieſer Winterung Hafer. Die Fruͤchte werden alſo in dieſer Ordnung aufein— ander folgen: Erſtes Jahr Kartoffeln, Taback, Kohl, Ruͤben ꝛe. wozu ſtark geduͤngt werden muß. Zweites Jahr Gerſte; allenfalls Roggen, wenn das Land ſandig iſt. Iſt es Lehmboden, oder guter lehmiger Sandboden, ſo iſt Gerſte vorzuziehen, in welche zugleich Klee geſaͤet wird. Drittes Jahr Klee. Zeitig umgebrochen und mit Winterung beſaͤet. Viertes Jahr Winterung. Fuͤnftes Jahr Erbſen oder Wicken, wozu man gern etwas duͤngt. Sechstes Jahr Roggen, und Siebentes Jahr Hafer. Bei einer ſolchen Aufeinanderfolge der Fruͤchte iſt ganz auf die beſondern Eigenſchaften der von uns ange⸗ bauten Gewaͤchſe Ruͤckſicht genommen. Die — 2—— 113 gen und Die alle ſieben Jahre wiederkehrende behackte Frucht n, durch erſetzt die Braache. Durch ihren Bau wird das Land tief Gerſt geackert, vom Unkraut aller Art gereiniget. u Fälle Dte Gerſte kommt dahin, wo ſie ganz vorzuͤglich ge⸗ im Kar⸗ raͤth, ſo wie der Klee, der nach ſolchen Vorfruͤchten auch tdanach auf Boden wäͤchſt, wo er ſonſt nicht empor kommen dem Klee wuͤrde. ann man Die Winterung hat nach dem gut ſtehenden Klee Winte⸗ eine eben ſo gute Stelle; die ſtarken Kleewurzeln mit dem Hafer. Blaͤtterabfall duͤngen das Land. Zu Erbſen und Wicken aufein⸗ duͤngt man, wenn gleich ſchwaͤcher, wie zu Kartoffeln oder Taback, und ſaͤet wieder Roggen. Zuletzt macht der ben d. Hafer den Beſchluß. Es iſt hterbei die Regel beobachtet, daß ſich niemals wenn dad zwei reine Getreidearten aufetnander folgen, ausgenommen mlehmage zuletzt. Hler iſt es deswegen unſchaͤdlich, weil nach dem e zugloch Hafer gleich wieder die ſtarke Duͤngung und gute Bear— beitung der behackten Frucht kommt. und mi Bei einer ſolchen Fruchtfolge iſt fuͤr Menſchen und Vieh im richtigen Verhaͤltniſſe geſorgt. Es wird bei die⸗ ſer Abwechſelung nie zu fuͤrchten ſeyn, daß das Halmge⸗ man gern treide nicht lohne, oder daß das Unkraut ſehr uͤberhand nehme. Vorzuͤglich wird die Viehzucht gewinnen, und vor allen der Miſthaufen, wenn die erwaͤhnte behackte Frucht und der Klee verfuͤttert werden. Früch Die angegebene Fruchtfolge iſt nur als ein Beiſpiel uns ung angefuͤhrt. Ich will damit nicht ſagen, daß man alles Land auf dieſe Art beſtellen ſoll. Ich wollte nur zeigen, -e J. 1 842 ———ÿõ——— 114 wie man ſich ungefaͤhr einrichten kann, um ſein Land un⸗ ausgeſetzt zu beſaͤen, und dennoch gutes, ſchweres, loh⸗ nendes Getreide zu ernten. Man kann ſich noch auf mancherlei Art einrichten; man wird aber immer ſehr wohl thun, wenn man ſich bet der Auswahl der Fruͤchte nach ihren Eigenſchaften richtet. Ich habe ſchon mehrere Gruͤnde angefuͤhrt, warum man Halmgetreide ohne Abwechſelung und Braache nicht immerfort auf ein und daſſelbe Feld bringen darf. Der Boden wird nach ihm zu kloͤßig, das Unkraut ſiedelt ſich an, u. ſ. w. Man hat aber auch große Urſache zu vermu⸗ then, daß die Getreidearten dem Lande mehr Nahrungsthelle rauben, als andere Gewaͤchſe. Man kann ſich dies bald erklaͤren, wenn man ein abgeerntetes Roggen, oder Hafer⸗ feld mit einem Erbſen, Wicken, und Kleefelde vergleicht. Bet letzterem finden wir eine Menge abaefallener Blaͤt⸗ ter, ſtarke Wurzeln und dergl., die noch zum Theil ſaftig ſind, wie die Kleewurzeln, und in Faͤulniß und Verwe⸗ ſung uͤbergehen, ſo wie ſie untergepfluͤgt werden; die Ge⸗ treidefelder haben nichts als duͤrre Stoppeln, die ſchwer in Verweſung uͤbergehen. Auch hat man die Erfahrung gemacht, daß alle Fruͤchte dem Lande mehr Nahrungstheile oder Kraft entnehmen, wenn ſie reif, weniger wenn ſie gruͤn abgemaͤhet werden. Darum haben aufmerkſame Landwirthe auch gefunden, daß der Klee, der immer gruͤn abgemaͤhet wird, dem Lande beinahe gar keine Kraft raube, wenn er unter den rech⸗ ten Verhaͤltniſſen gebauet wird. 115 du So waͤchſt auch nach gruͤn abgemaͤheten Huͤlſenfruͤch⸗ k ten, Buchweitzen, oder einem Gemenge aus dieſen Ge⸗ ai waͤchſen, allezeit ein ſchwereres und beſſeres Getreide, als rwui wenn jene Gewpaͤchſe reif abgeerntet wurden. R Wenn wir uͤber die Eigenſchaften der uns nuͤtzlichen Gewaͤchſe ordentlich nachdenken; wenn wir erwaͤgen, wie 1 der abwechſelnde Anbau derſelben ihr Gerathen und Ge— eni deihen befoͤrdert, ſo koͤnnen wir nicht umhin, wir muͤſſen de die Guͤte der Vorſehung preiſen, die ſo viele Anſtalten it ſich traf, um unſern Lebensgenuß zu vermehren, und uns un— ermu, ſere Ernaͤhrung zu erleichtern. tthelle Der Acker bedarf Duͤngung, wenn er uns Nahrungs⸗ ·8 dald mittel liefern ſoll. Das Vieh, welches unſern Acker Hafer pfluͤgt, welches uns mit Fleiſch, Milch und Butter, auch rgeicht andern Guͤtern verſorgt, liefert uns den Duͤnger. Soll ꝛer Blit es uns aber Milch und Fleiſch im Ueberſluß geben, ſo be⸗ ell ſſtg darf es reichlicher Nahrungsmittel. Veru Und dieſe findet es an den Erdgewaͤchſen, den Kar⸗ die Ge toffeln, dem Kohl, den Ruͤben, Moͤhren; ferner am Klee e ſchwer und zum Theil an den Huͤlſenfruͤchten. Durch den An— bau dieſer Gewaͤchſe wird aber auch ſelbſt der Anbau der eFeuͤchte Getreidearten, die doch hauptſaͤchlich die Nahrung des tnehmen, Menſchen ausmachen, erleichtert und befoͤrdert. So be— t werden⸗ trachtet iſt der abwechſelnde Anbau der Futtergewaͤchſe und gefunden des Getreides ein Mittel, die Abſichten der Vorſehung zu dem Land befoͤrdern, und Leben und Wohlſeyn unter den Menſchen den rc zu vermehren und zu verbreiten. Die Getreidearten, Roggen, Weitzen, Gerſte und 116 Hafer, ſind, wie wir geſehen haben, dem Landmanne ſehr wichtige und nuͤtzliche Gewaͤchſe. Iſt aber ihr Korn ab⸗ gedroſchen, ſo iſt das uͤberbleibende Stroh, als eigentliches Viehfutter betrachtet, von ſehr geringem Werthe. Man kann die Thiere kaum dabei am Leben erhalten; eigentliche dutzung geben ſie von einer bloßen Strohnahrung faſt gar nicht. Das eigentliche Heu iſt zwar ein ſehr gutes Viehfut⸗ ter, aber wo hat man das in ſolcher Menge? Es laͤßt ſich aber ganz entbehren, oder doch zum Theil, wenn man fuͤr das Vieh auf die oft erwaͤhnte Weiſe ſorgt, und auf dem Ackerlande Viehfutter in Abwechſelung mit dem Ge⸗ treide bauet. Dann entſteht aus dem Getreideſtroh und den Futtergewaͤchſen der Miſt, welcher von allen Land⸗ leuten als das Hauptmittel angeſehen wird, den Acker zu bauen; das Viteh befindet ſich in guten Umſtaͤnden, und bezahlt durch retchliche andere Nutzungen ſein erhaltenes Futter. Soll nun die weiſe Abſicht des gaͤtigſten Koͤnigs er⸗ reicht werden, die er dabei hatte, als er nach den neuen Geſetzen und Verfuͤgungen den dritten Theil alles Landes von Huth, und Triftgerechtigkeit befreite, ſo muß der Landmann in der Einrichtung ſeiner Wirthſchaft nach den Regeln verfahren, die ich hier eben angegeben habe. Fut⸗ tergewaͤchſe muͤſſen auf dieſem dritten Theile in einer klug berechneten Abwechſelung mit dem Getreide angebaut werden. Dann wird der fleißige Wirth ſich in den Stand ge⸗ 117 Kſth ſetzt ſehen, beſſeres Vieh als bisher aufziehen zu koͤnnen; mn ah er wird gut genaͤhrtes Vieh mit mehrerer Arbeit anſtren⸗ tüches gen koͤnnen, und ſeine Felder ſo bearbeiten, wie es noͤthig Nun iſt. Milch und Butter werden ſich vermehren, er wird entliche zuweilen eine baare Einnahme davon haben, und verkauft i ſaſt er ſein ausgedientes Vieh, ſo wird man ihm mehr dafuͤr bezahlen, weil es in beſſern Umſtaͤnden ſeyn wird. ehfut Da er ſein Zugvieh nicht mehr auf dem Hofedienſt z laͤßt und den damit verbundenen beſchwerlichen Reiſen abzu— uman quaͤlen braucht, ſo wird er mit mehrerer Sorgfalt junge d auf Thiere behandeln, ſie nicht in fruͤher Jugend uͤbernehmen, n Ge⸗ und dadurch wetit anſehnlichere Thiere erkangen, als bisher. ch wd Durch den vermehrten und verbeſſerten Miſt, den Land ihm die mehr verfuͤtterten Gewaͤchſe geben, werden ſelne lcker zu Felder jaͤhrlich in beſſere Umſtaͤnde kommen. Er wird in, und reichere Ernten halten, und ſo nach und nach in den haltenes Wohlſtand gelangen, in welchen der Koͤnig alle ſeine lie⸗ ben Bauern verſetzt zu ſehen wuͤnſcht. nigt a,, Zum Schluſſe dieſes Kapitels muß ich noch eine irrige neuen Meinung mancher Landleute widerlegen, die man bet ih— Landes nen hin und wieder antrift. Sie glauben, daß es ſuͤnd— uß der lich waͤre, ſo vieles und ſchoͤnes Land mit Futtergewaͤchſen nach den fuͤr das Vteh zu beſtellen. be. Fb Dieſe Meinung ſcheint ſich aus ſolchen Zeiten her zu iner kug ſchreiben, wo wegen Mangel an Brodkorn große Theu⸗ angebau rung und Hungersnoth entſtanden war. Man glaubte in der Folge dieſem Mangel nicht beſſer vorbeugen zu koͤnnen, Suund g als wenn man alles Land mit Getrelde beſtellte. 5 5—— xx— — 118 Aber diejenigen, welche daher eine Wohlfeilheit und Ueberfluß an Brodkorn erwarten, ſind gewiß nur ſehr kurzſichtige Menſchen, die von dem ganzen Weſen des Ackerbaues wenig verſtehen. Ohne Miſt iſt der Ackerbauer ein ohnmaͤchtiger Menſch, und kann nur wenig ausrichten. Nun iſt aber klar und in dem vierten Kapitel hinlaͤnglich bewieſen, daß der Miſt bloß aus dem Futter entſteht, welches das Vieh ver⸗ zehrt, und aus der Einſtreu, ſie beſtehe aus Stroh oder anderen Dingen. Waͤren uͤberall gute Wieſen und Wei⸗ den genug, auf welchen ſich das Vieh im Sommer reich— lich ernaͤhren kͤnnte, und man koͤnnte ſo viel Heu auf— fahren, um es auch im Winter reichlich zu fuͤttern, dann wuͤrde man ohne weitere Muͤhe ſo viel Miſt erhalten, als zur Ausduͤngung des Feldes noͤthig iſt. Aber wie viel Doͤrfer giebt es jetzt noch, die Wieſen und Welden in der Menge beſitzen? Und wie wenig gtebt es uͤberhaupt ſolches Land, welches ohne des Menſchen Muͤhe in reicher Menge Futter fuͤr das Vieh traͤgt? Was daher daran fehlt, muß auf andere Art erſetzt werden, und es muß ein Theil des Ackerlandes zur Erzie⸗ lung des Viehfutters dienen. Habe ich mir nun durch gute Futterung meines Viehes einen Vorrath guten, kraͤf⸗ tigen Miſtes verſchaft, und kann mein Ackerland beſſer duͤngen, ſo werden mir zwei Morgen gut geduͤngtes Land mehr Getreide geben, als drei Morgen ſchlecht geduͤngtes. Ich werde alſo auf dieſem wenigen, gut geduͤngten Lande, mehr Getreide erbauen, was aber noch wichtiger iſt, J eit und Aur ſehr 2 in des d lenſc, aAar und Auh der dh ver, 78 oder d Wel⸗ antreich⸗ 4/ aufe annt dann odnn, als zsiſe bit R den i drthauht 3d racer Gerſebt Erzie⸗ en durch 1 krä⸗ anr bſer ni5 Land uüͤngtes 4 Lande, 3 ſh — ———— õ———õ——-—-— 119 mehr zum Verkauf uͤbrig haben, well ich erſtlich nicht ſo viel auszuſaͤen habe, und weil ich manche eigene Beduͤrfniſſe meiner Wirthſchaft nicht wie vorher mit Ge— treide zu beſtretten brauche, wie z. B. Pferdefutter, ſon⸗ dern ſolche mit andern Fruͤchten, wie Erbſen oder Wicken, befriedigen kann. Mithin iſt es thoͤricht, wenn man glaubt, durch den vermehrten Anbau von Viehfutter anf den Ackerlaͤndereien wuͤrde zu wenig Brodgetreide gebauet werden. Ein Feld mit Klee, NRuͤben oder Kartoffeln hat fuͤr die Wirthſchaft gewoͤhnlich einen hoͤhern Werth, als ein eben ſo großes Stuͤck des beſten Weitzens. Ferner ſteht ja ſchon in der Bibel:„Der Menſch lebt nicht allein vom Brod.“ Das Viehfutter, welches man anbauet, hat fuͤr eine Ackerwirth⸗ ſchaft zwar vorzuͤglich deshalb hohen Werth, weil es den Miſt vermehrt. Aber wird die Kuh, welche reichlich gefuͤt⸗ tert wird, nicht viel mehr Milch geben? Und werde ich nicht fuͤr ein gemaͤſtetes Rind beinahe noch einmal ſo viel erhalten, wenn ich es verkaufe, als fuͤr ein mageres? Sind denn aber Milch, Butter und Fletſch nicht ſo gut Nah⸗ rungsmittel fuͤr den Menſchen, als Brod? Oder iſt das Geld, welches ich fuͤr Milch, Butter und Kaͤſe oder fet— tes Vieh mehr bet einer guten Viehfutterung einnehmen kann, nicht eben ſo gut, als das, welches ich fuͤr Weitzen, Roggen oder Gerſte geloͤſet habe?—— — ——— — — ——— ——ͤͤ — — Achtes Kapitel, welches dieſe Materie weiter abhandelt, und Vorſchlaͤge zur Einrichtung der Bauerwirthſchaften enthaͤlt. Im vorigen Kapitel habe ich Betrachtungen uͤber das Wachsthum der Pflanzen, und uͤber die beſondern Eigen⸗ ſchaften der von uns angebaueten Gewaͤchſe angeſtellt. Ich habe gezeigt, in welcher Ordnung die Fruͤchte auf einander geſaͤet werden muͤſſen, wenn wir den Miſt auf das Hoͤchſte benutzen, von unſern Feldern Jahr aus Jahr ein gute Fruͤchte ernten und zugleich die Viehzucht heben, auch vor allen Dingen das Mittel der Fruchtbarkeit, den Miſt, ver⸗ mehren wollen. Von dem Beiſpiele der Fruchtfolge erinnere ich blos ſo viel noch, daß es ſich auf mannigfaltige Art abaͤndern laͤßt, und dennoch das dadurch erreicht werden kann, was man immer im Auge haben muß, wenn man ein Land alljaͤhrlich beſtellen will. Die Hauptſache bleibt immer die: von Zeit zu Zeit das Land durch eine behackte Frucht tuͤchtig zu bearbetten; dann zu vermeiden, daß ſo wenig wie moͤglich zwei Halmfruͤchte, die ich in die erſte Klaſſe ſtellte, ſich folgen, und endlich ſorgen, daß zwiſchen dem reinen Getreide eine breitblaͤtterichte Frucht, die ich in die zweite Klaſſe ſtellte, gebaut werde. Wird dies gehoͤrig beobachtet, und wird ein anſehnli⸗ cher Theil des Landes blos zu Viehfutter verwendet, um den noͤthigen Miſt herbei zu ſchaffen, ſo kann das huth— freie Land gleich einem Garten immerfſort benutzt werden, — — nther das ön Ehhen 39 t. Jc uun nander a höchſte d gute th vor Dr, ber⸗ ouch blot lhändern In, was rain Land 16 immer 2 Frucht da wenig 94 Klaſſe en dem u in de s uſehnt endet, un nnas huc n werd 121 und ſonach liegt in Befolgung dieſer Regeln der Grund zu hoͤherem Wohlſtande. Man muß aber nicht blindlings das Geſagte nachah⸗ men wollen. Man muß dadurch uͤberhaupt zum weiteren Nachdenken ſich antreiben laſſen, und ſich ſelbſt fragen: welche Erfahrungen haſt du bisher gemacht? Welche Ge⸗ waͤchſe gertethen ſchlecht, wenn du ſie nach andern baue— teſt, und welche gertethen dagegen wieder beſſer?— Nach den Antworten, die hierauf die eigene Erfahrung giebt, und nach den Regeln, die das vortge Kapitel ent⸗ haͤlt, muß man nun ſeinen Acker mit ſolchen Fruͤchten beſtellen, die ſich fuͤr den Boden, fuͤr die Gegend und die ganzen Verhaͤltniſſe am beſten ſchicken. Doch hat das bisher Geſagte mehr Bezug auf die Beſtellung des kuͤnftigen huthfreien Landes. Es muͤſſen aber auch mit den uͤbrigen Zweidrittheilen des Lander andere Einrichtungen getroffen werden. Erſchreckt nicht davor, lieben Landleute! wenn ich Euch anrathe, hin und wieder von Euren bisherigen Ge⸗ wohnheitten und Gebraͤuchen beim Ackerbau abzugehen. Seht, Euer guter Koͤnig hat Euch durch die neuen Geſetze einen Weg eroͤfnet, aus Eurer bisherigen Duͤrftigkeit Euch heraus zu arbeiten und zu Wohlſtand zu gelangen. Kaum werdet Ihr im Stande ſeyn, es ganz zu faſſen, wie gut er es mit Euch meint. Erſt Eure Kinder und Enkel wer⸗ den es einſehen, welch' eine Wohlthat die neueren Ein⸗ richtungen fuͤr Euch ſind. Damit Euch aber Eure Kinder ſegnen; damit ſie einſt 122 ſagen koͤnnen: dem Koͤnige und unſern lieben Eltern dan⸗ ken wir es, daß es uns ſo wohl geht! ſo macht nun auch gleich mit Euren ganzen Beſitzungen, die Euer freies Ei⸗ genthum werden, ſolche Einrichtungen, welche fuͤr Euch ſelbſt und vorzuͤglich fuͤr Eure Nachkommen die vortheil⸗ hafteſten ſind. Legt den Glauben ab, als muͤßte das, was bisher bei Euch Sitte war, auch alletn gut ſeyn. Seht, der Hofe⸗ dienſt und aͤhnliche Laſten ſind alt genug, aber waren ſie darum gut?—— Alſo braucht Euren Verſtand, laßt Euch rathen, Einrichtungen zu treffen, durch die Eure Wirthſchaften gewinnen. Seht nicht blos auf heute und morgen bet dem was Ihr thut, ſondern rechnet auch zu— weilen auf weiter hinaus. Muͤhe und Arbeit duͤrft Ihr fretilich nicht ſcheuen. Ihr gewinnt ja Zeit genug, da Ihr nun mit Niemanden mehr zu thun habt, ſondern blos mit Eurem Eigenthum. Der Koͤnig verlangt keinen beſſern Dank von Euch, als den, daß Ihr ſeine Wohlthaten recht anwendet, und alles thut, um Euch recht bald in denjentgen gluͤcklichen Zuſtand zu verſetzen, um deſſentwillen er alles das gethan hat. Hoͤrt daher auf die Rathſchlaͤge, die ich Euch in fol⸗ gendem geben werde, und wendet in Eurem Dorfe ein jeder davon an, was ſich fuͤr Euch ſchickt. Vieles und ſchlecht gefuͤttertes Vieh bringt dem Land⸗ manne nichts ein, wohl aber gut gefuͤttertes. Wenn ich Pferde oder Ochſen habe, die nur ſo eben noch leben; die en dan in auch ies Er ir Luc vorthal ther be er Hofes tten ſie „laßt Eure te und uch zu ſcheuen, emanden genthum. ic, als und ales Zuſtand at. in fol⸗ orfe ein em Lande Tenn 1— eben; ſe 123 zwar zu gewiſſen Zeiten, wenn eben reichliche Nahrung auf der Weide iſt, bei Fleiſch und Kraͤften ſind, die aber dann, wenn dieſe Weide vertrocknet oder uͤberſchwemmt iſt, ſich nur ſo hinſchleppen— ſolche Thiere koͤnnen nicht viele Arbeiten verrichten. Mit Kuͤhen iſt es nicht beſſer. Bei guter Weide werden ſie etwas melken, nachmals aber trocken ſtehen. Blsher freilich, wo der Landmann mit einem Theile ſeines Viehes zu Hofe dienen mußte, und mit dem andern Theile ſeine eigene Wirthſchaft fortſtellte, war er oft ge— zwungen, mehr Vieh zu halten, als er wollte. Er hatte dann oft große Sorge um die Erhaltung deſſelben, wenn eine ſchlechte Futterernte geweſen war, oder der Winter lange anhielt. In Zukunft faͤllt dieſer Zwang weg, und nun halte ein jeder nur ſo viel Vieh, als er mit Sicherheit und reichlich ernaͤhren kann. Wir haben im vierten Kapitel geſehen, wie falſch das gemeine Sprichwort iſt: viel Vieh giebt vielen Miſt. Wir haben uns davon uͤberzeugt, daß der Miſt nur aus dem vom Viehe gefreſſenen Futter und der Einſtreu entſteht. In dem einzigen Falle hat jenes Sprichwort etwas Wah⸗ res, wenn ſich das Vieh auf Gemeinwetden ernaͤhrt. Aber der Miſt, welchen das Vieh von dieſen Ge⸗ meinweiden nach Hauſe traͤgt, iſt aͤußerſt unbedeutend. Ich rathe jedem, der ſein Vieh lieb hat und ſeiner Wirth⸗ ſchaft aufhelfen will, es im Sommer ſo gut, wie im Win— ter, im Stalle zu fuͤttern. Da das eine Drittheil des N 124 Feldes frei von aller Huth und Trift wird,] ſo fehlt es nicht an Gelegenheit, Futter fuͤr das Vieh fuͤr den Som— mer zu erbauen. Ich werde in der Folge weitlaͤuftiger von der Stall⸗ futterung des Viehes ſprechen, und fuͤhre dies wenige nur hiermit an. Im erſten Anfange, wo es noch an der noͤthigen Einrichtung der Wirthſchaft fehlt, und wo man nicht im Stande iſt, alles noͤthige Sommerfutter zu erbauen, ſollte man doch wenigſtens darauf denken, die melkenden Kuͤhe zu Hauſe zu behalten. Endlich mache man es auch mit dem Zugvtehe ſo, und laſſe blos das Jung⸗ vieh auf die Weide gehen. Ich denke, durch dieſen An— fang wird man ſich bald ſo von den Vortheilen der Som⸗ merſtallfutterung uͤberzeugen, daß man endlich auch das Jungvieh im Stalle behalten wird. „Was ſolten wir aber mit unſern Weiden machen?“ fragt vtelleicht einer oder der andere;„wir haben ſo viel „ſchlechtes Land, wo weder Klee noch Wicken wachſen, „wo wir alſo kein Gruͤnfutter erbauen koͤnnen.“ Dieſer Einwurf iſt ſehr vernuͤnftig. Ich will ihn zu beantworten ſuchen. Auf Sandfeldern paßt der Futterkraͤuterbau nicht. Auf ſolchen Feldern iſt es aber uͤberhaupt mit dem Rind⸗ viehe nichts. Es wird jedoch ſelten eine Gemeinde ohne alle Niederungen ſeyn, in welchen wenigſtens ſo viel Fut— ter erbauet werden kann, um die nothwendigſten Kuͤhe zu 125 fehlt es erhalten, die ſo viel Milch und Butter hergeben, als die Som⸗ Wirthſchaft braucht. Das Drittheil des Feldes, welches huthfrei wird, kann e Stal nun da genommen werden, wo der Boden am beſten iſt, nige nur und wo er ſich zum Anbau des Futters ſo gut wie zum an der Getreidebau ſchickt. Auch ſind ja Wicken und Klee nicht vo man die einzigen Futtergewaͤchſe. Buchweitzen oder Heidekorn kter zu und Spoͤrgel ſind Gewaͤchſe, die auf lehmigem Sandbo— n, die den, ja auf bloßem Sandboden recht gut gedeihen. Im mache Kapitel von der Mergelung haben wir auch geſehen, daß Jung⸗ manche ſcheinbar ſchlechte Felder durch das Befahren mit en An⸗ Mergel zum Kleebau geſchickt gemacht werden koͤnnen. Some Sind die zwei Drittheile des Feldes, welche noch fer⸗ uch dat ner der Huth und Trift unterworfen bleiben, ſandtg und ſchlecht, ſo muß mit ihnen eine ganz andere Wirthſchaft angefangen werden, als bisher. Ganz ſchlechter Sandboden wird durch vieles, oft achem!” wiederholtes Pfluͤgen noch lockerer, als er ohnedies ſchon bn von Natur iſt. Nach der bisherigen Art zu wirthſchaften patzſe wurde alles Land im Braachjahre mit Roggen beſaͤet, dann mit Hafer oder Buchwettzen. Nun wurde es wie⸗ h der gebraacht, und ſo ging es immer fort. Bei dieſer Weiſe gab der Sandboden einen erbaͤrmlichen Ertrag, ja es ließe ſich vielleicht erweiſen, wenn der Miſt gerechnet wird, den u ui dies Land erhalten hat, daß das ſchlechte, ſandige Land h ſehr oft den Ertrag der beſſern Felder mit aufgezehrt 6 19 habe. 3ihen Bei der neuen bevorſtehenden Einrichtung nehme ————— 126 man aber beſſer auf die Natur und Beſchaffenheit des Landes Ruͤckſicht. Ganz ſchlechte, zeither ſechsjaͤhrige Roggenfelder, beſaͤe man lieber gleich mit Kiehnen oder Birken, und ſchließe ſie ganz vom Ackerbau aus, wenn nicht beſondere Umſtaͤnde es anders erheiſchen. Die uͤbri⸗ gen beſſern Sandfelder nuͤtze man zur Schaafweide auf folgende Weiſe: Man beſaͤe ſie ſeltener wie bisher, und laſſe ſie meh⸗ rere Jahre hintereinander zur Weide liegen. Ein ſolches Verfahren iſt ganz der Natur des Sandlandes angemeſ⸗ ſen. Iſt es durch das Beweiden in mehreren Jahren et⸗ was feſter geworden, und es hat ſich ein Raſen darauf gebildet, ſo traͤgt es wieder ein paar ſo gute Getreideern⸗ ten, wie man ſie durch alles Pfluͤgen und viele Duͤngung nicht hervorgebracht haben wuͤrde. Das Niederlegen des Sandbodens zu Weide iſt in den Faͤllen wichtiger, als ſelbſt das gewoͤhnliche Miſten, wenn ich das Sandland nicht mit einem paſſenden Mer⸗ gel oder Moder befahren kann. Treffen nun ganze Ge— meinden eine Uebereinkunft mit einander, wie ſie thre ſchlechten und magern Felder, die vieles Pfluͤgen und Duͤngen nicht lohnen, gemeinſchaftlich zur Weide nieder⸗ legen wollen, ſo werden große und bequeme Weideflaͤchen entſtehen, die das Huͤten des Viehes, welches am beſten Schaafe ſeyn koͤnnen, ſehr erleichtern werden. Nach der jetzigen Art das Land zu behandeln, kam das ſchlechte Haferland gar nicht zum Beraſen. Auch das dreijaͤhrige Roggenland hatte nicht Zeit dazu. Jetzt wird nhelt des hojährige nen oder 3, wenn Dee uͤb veide auf ſie meh⸗ ſolches ingemeſ⸗ hren et⸗ darauf raddeern Däͤngung de ſſt in ſe Mitten den Mer fanze Ge⸗ ſie lhre jen und e nieder deflächen zam beſten eln, kan Auch des Jett uld 127 man ſehr klug verfahren, wenn man das ganze ſandige Land in ſechs Felder theilt; vier Felder jaͤhrlich behuͤtet und zwei zum Getreidebau benutzt. Zuerſt, wenn das Land nach den vier Weidejahren aufgebrochen wird, kann es am vortheilhafteſten mit Buch⸗ weitzen beſaͤct werden. Gleich unmittelbar in die Buch⸗ weitzenſtoppel muͤßte Roggen kommen. Man kann auf beſſerem Boden zwar auch vor dem Roggen Hafer neh, mehmen; der Roggen wird in der Regel aber beſſer nach Buchweitzen, als nach Hafer gerathen. Will man ſich nun eine recht gute Weide bereiten, ſo ſaͤtt man im Fruͤhjahr auf die Roggenſaat weißen Klee; den Saamen werden die Kinder einſammeln koͤnnen, wenn man ſie auf eine ſanfte, ltebreiche Art dazu anweiſet. Alle Mitglieder etner Gemetnde muͤßten zu dieſer Kleebe⸗ ſaͤung angehalten werden. Dann wuͤrde ſolches Land, wie bisher, nicht bloß Weide heißen, ſondern es wuͤrde eine Weide ſeyn, welche fuͤr Schaafe ganz unuͤbertreflich, aber auch in Ermangelung derſelben fuͤr Rindvieh wenigſtens dreimal ſo viel Nahrung hergeben wuͤrde, als die jetztgen mit Bocksbart bewachſenen Lehden. Wo vieles Gras waͤchſt kann vieles Vteh weiden; wo ſich vieles Vteh ernaͤhrt, da hinterlaͤßt es auch vielen Miſt,— alſo wißr, den dieſe Felder nach ihrem Umbruch auch ganz anderes Getreide tragen, wie bisher. Es ſagen hierauf vielleicht manche:„Ich ernte in der Art aber in ſechs Jahren nur zwetmal Getreide, ſtatt daß ich jetzt in ſechs Jahren auf meinem Haferlande vier Ern⸗ ————¼ 128 ten halten konnte; und vier Ernten muͤſſen doch beſſer ſeyn, als zwet.“ Ich glaube zu beweiſen, daß man ſich taͤuſcht, wenn man meint, vier Ernten auf ſchlechtem Sandboden in der bishe— rigen Art waͤren beſſer, wie zwei nach meinem Vorſchlage. Der Menſch arbeitet um des Vortheils willen, und er muß das, wenn er ſich ernaͤhren ſoll. Jede Arbeit, die ihm jetzt oder in der Folge nichts einträͤgt, iſt unnoͤ— thig. Man muß ſeine Kraͤfte nur da brauchen, wo ſie Gewinn bringen. Auch der Landmann muß beim Acker⸗ bau ſeine Thaͤtigkeit vor allen ſolchen Gegenſtaͤnden wid⸗ men, die ihm dieſelbe am beſten bezahlen. Acker, der Arbeit und Duͤnger nicht bezahlt, ſollte gar nicht, oder doch nur ſo bebaut werden, daß man Vortheil oder reinen Ueberſchuß davon haͤtte. Nun iſt aber durch vielfaͤltige Erfahrungen bekannt, daß trockener Sandboden, wenn nicht ganz beſondere Ver— haͤltniſſe da ſind, durch zu oft wiederholtes Beackern ſo loſe und unfruchtbar wird, daß er kaum die doppelte Ein— ſaat wieder glebt. In dieſem Falle iſt faſt immer beim Anbau ſolcher Felder Verluſt fuͤr den Landmann. Um uns dies beſſer zu verſinnlichen, wollen wir eine Ertrags⸗ oder Ernteberechnung anlegen. Wir wollen dadurch aus⸗ machen, ob es rathſamer iſt, vom Boden, wie wir ihn hier im Sinne haben, in ſechs Jahren vier oder nur zwei Ernten zu nehmen. Zuerſt den Ertrag der vier Ernten nach der bisheri⸗ gen Weiſe. Wir — ich beſſe V Jenn man aii dishe⸗ nrſchlage 1er, und T Nhbet, a unni, h wo ſe ini Acker, min wid⸗ , der din, oder ſa reinen S'ekannt, d ſere Var 2 cenn b. goſte En an'r beim nar Um amerttage⸗ dodich alb ſor wir ihe aclur iue z dh Gr 129 Wir nehmen zu dieſer Vergleichung Einen Magde⸗ burger Morgen. Soll Sandland in ſechs Jahren vier Fruͤchte abtragen, ſo muß es wenigſtens mit vier Fudern Miſt geduͤngt werden. Rechnen wir ganz billig das Fuder nur zu 1 Thaler, ſo betraͤgt dies 4 Rthlr.— Gr.— Pf. Das Ausfahren, Aufladen und Streuen des Miſtes. 1 1—*‿— Dies Land zweimal mit Roggen zu beſaͤen, jedesmal einen Schefl. alſo zwei Schefl. à 1 Rthlr. 2„=—„—„ Das dreimalige Pfluͤgen und Eggen zu jeder Roggeneinſaat A ½ à 1 Rethlr..... 2 1—„— Die Haferausſaat 1 Scheffel 8 Metzen à 14 Gr...„—„, 21 ⸗— Das zweimaltge Pfluͤgen dagu—„ 16»-—„ Die Heidekornausſaat fuͤr das letzte Jahr 12 Metzen à Scheffel 16 Get—˙„ 12— Das zweimalige Pfluͤgen daagu—„ 16—„ Die doppelte Ernte des Roggens Abmaͤhen, Einfahren, Binden ꝛc. A à 6 Gr....— ⸗ 16 ⸗—„ Die doppelte Ernte der Somme⸗— rung....— 16 ⸗— ⸗ Das Ausdreſchen von jeder Ernte nur 4 Gr... 16— Summa 13 Rthlr. 17 Gr.— Pf, J.[9 3] 130 Die ſaͤmmtlichen Unkoſten eines Morgen Landes nach der bisher gewoͤhnlichen Art zu beſtellen, betragen demnach 13 Rthlr. 17 Gr., wobet auf die Abgaben von dieſem Lande nicht Ruͤckſicht genommen iſt, da ſie doch dieſelben bleiben, ich beſaͤe daſſelbe in ſechs Jahren viermal oder nur zweimal. Wir wollen nun einmal die Ernte von dieſem Lande berechnen, und ſehen, welchen Gewinn der Landmann von ihm hat. Im erſten Jahre nach der Duͤngung wird von Einem Morgen geerntet hoͤchſtens 3 Mandeln, Ausdruſch 3 Schfl. g Metzen à 1 Rthlr. 3 Rthlr. 12 Gr.— Pf. Hafer 2 Mandeln, Ausdruſch 4 Schfl. 8 Metz. à 14 Gr.. 2 4 45— Zweite Roggenernte: 2 Mandeln, Ausdruſch? Schfl. 8 Metz..... 2 2 12— 3 Mand. Heidekorn, Ausdruſch 3 Schfl. à 16 Gr.. 2„,—„— Zuſammen von dieſen Fruͤchten 1 Schock 1 Mandel Stroh A Schock 3 Rthlr.... 5 18„— Summa 14 Rthlr. 9 Gr.— Pf. Aus dieſer Rechnung geht hervor, daß der Morgen ſolchen Landes auf dieſe Art bewirthſchaftet in ſechs Jah⸗ ren nur Siebzehn Groſchen eintraͤgt, welches auf das einzelne Jahr noch nicht 3 Groſchen Ertrag vom Morgen bringt. 131 Landes mi Die Weide, welche dieſes Land dabei giebt, kann bei⸗ gen demnac nahe gar nicht in Anſchlag kommen. Denn da es gar von dieſen keine Zeit zum Liegen hat, ſondern immerfort gepfluͤgt wer⸗ voch deeſelben den muß, ſo bleibt es viel zu loſe, als daß ſich eintge viermal o Weidegraͤſer darauf anſiedeln koͤnnten. Aber auch jene ſiebzehn Groſchen Ertrag ſind es nur dieſem dane ſcheinbar. Denn die vier Fuder Miſt erfolgen nicht aus Landmemm dem geernteten Strohe. Will man auf dieſem Lande eine ſolche Wirthſchaft fortſetzen, ſo muß man immer noch pon Elnen Wieſen, Weiden oder beſſeres Land dabei haben, von denen ah 3 Schfl der fehlende Miſt gewonnen werden kann. zr.— Pf Vielletcht ſagt mancher wer wird aber den Miſt und die Arbeit, die ich an mein Land verwende, zu Geld an⸗ =: ſchlagen? Ich kaufe ja keinen Miſt und das Pfluͤgen und Eggen verrichte ich ja auch mit eigenem Geſpann; es koſtet mir daher auch nichts. 12 Ueber die Theurung des Miſtes und ſeinen Werth habe ich im Kapitel von der Duͤngung genug geſagt. Der Preis, welchen ich hier bei dieſer Vergleichsrechnung fuͤr den Miſt angeſetzt habe, iſt ſo geringe, daß auch ein gar nicht ſtarkes Fuder unter Bruͤdern ſo viel werth iſt. . Haͤtte man kein anderes Land als ſolches Sandland, er aber vielleicht Wieſen genug, die vieles Heu geben, aus dem man eine große Menge Miſt gewinnt, ſo wird es dder Morze ecs 30 in vielen Faͤllen allerdings vortheilhaft ſeyn, den Miſt 1 ſech hes alf u auf ſolches Land zu fahren. Hat man aber beſſeres Land, 0 hs welches den Miſt beſſer bezahlt, ſo thut man wohl, das 2¹0 Molh 11 — 132 leichte Sandland nach der weiter unten angegebenen Me⸗ thode zu bewirthſchaften, und das beſſere Land ganz vor⸗ zuͤglich zu duͤngen. Um ſich zu dieſer veraͤnderten Einrich⸗ tung zu entſchließen, iſt es gut, wenn man ſolche verglei⸗ chende Berechnungen macht. Nicht anders iſt es mit der Arbeit. Koſtet ſie nicht unmittelbar ſo viel baares Geld, als ich angeſetzt habe, ſo betragen meine ganzen Unkoſten bei der Wirthſchaft fuͤr ſolches Land wentgſtens ſo viel, als hier berechnet iſt. Ich muß mein Vieh fuͤttern, welches den Pflug oder die Egge zieht, und muß Leute darauf halten, die die Arbeiten ver⸗ richten. Genug die Beſtellung koſtet gewiß ſo viel, als ich angegeben habe, und daher muß ſie auch gerechnet werden. Denn ich koͤnnte ja weniger Geſpann halten, brauchte weniger Geſchirr, weniger Geſinde ꝛc., oder ich koͤnnte ja in der Stelle, wo ich dies undankbare Land beſtelle, etwas anderes mit meinem Geſpann und meinen Leuten thun, wobei mehr Vortheil heraus kommt. Wenn man ſich dazu entſchließen will, meinen Vor⸗ ſchlag auszufuͤhren, und dies Land in Zukunft nach einer andern Art zu bewirthſchaften, ſo wird die Arbeit gleich um die Haͤlfte geringer. Man theile alſo, wie ſchon fruͤ⸗ her geſagt, alles Sandland in ſechs Felder. Vier behuͤte man, und zwey koͤnnen beſaͤet werden. Die Koſten der Beſtellung wuͤrden dann folgende ſeyn: 135 ſen Ne Einen Morgen zu Heidekorn dreimal zu pfluͤgen und ang dor zu eggen nach den vier Weldejahren. 2 Rthlr.— Gr. En 12 Metzen Heidekorn Einſaat à 16 Gr.— ⸗ 12 4 vxxgi Die Buchweitzenſtoppel zu Roggen einmal zu pfluͤgen und den Saamen gut ſe nict einzueggen—= 12⸗ de, ſ Die Roggeneinſaat Ein Scheffel. 1⸗— aft fir Das doppelte Abmaͤhen, Harken, Bin⸗ t. Ych den, Einfahren à 3 Gcet.— ⸗ 16 s Egge Das Ausdreſchen jeder Frucht 4Gr.— ⸗ 8⸗ n ver⸗ Summa 4 Rthlr. , als Ernte: rrechnet 3 Mandeln Heldekorn, Ausdruſch 3 halten, Schfl. à 16 Gr.. 2 Rthl.— Gr. der ich 3 Mandeln Roggen, Ausdruſch wie ire Land nach der erſten Berechnung 3 Scheffel meinen 3 Metzen à 1 Rthlr. 3 ⸗ 19. 1 3 Mandeln Stroh à 13 Gr.. 2.* 6⸗ en Vor⸗ Summa 7 Rthlr. 13 Gr. c einer Werden die 4 Rthlr. Beſtellungskoſten von dieſen gleich 7 Rthlr. 13 Gr. abgezogen, ſo ergiebt ſich ein reiner Er⸗ un frü⸗ trag von 3 Rthlr. 13 Gr. in ſechs Jahren, dies beträgt behüte auf das einzelne Jahr 15 Gr., alſo jaͤhrlich 12 Gr. reinen Gewinn mehr als nach der vorigen Wirthſchaftsweiſe. Wollte man mir den Vorwurf machen, daß ich hier keinen Miſt in Rechnung gebracht, hingegen in der vorigen Beſtellungskoſten, Rechnung dafuͤr 5 Rthlr. angeſetzt hätte, ſo antworte ich hierauf: ten der ——— 134 1) Nach jener Wirthſchaftsweiſe kann dies Land nicht ſo vieles Stroh tragen, als zur Herbeiſchaffung des noͤthi— gen Duͤngers erforderlich iſt. Nach der von mir empfoh⸗ lenen Art liegt das Land aber vier Jahre ununterbrochen zur Weide. Es kann ſich alſo Vieh darauf ernaͤhren, und es wird vom Morgen in vier Jahren ſchon zwei Fuder Duͤnger hergeben. Es trage ihn nun wirklich auf den Hof, oder laſſe ihn auf der Weide fallen,— genug dem Lande kommt er doch zu Gute. Mehr bedarf aber das Land bei dieſer neuen Wirth⸗ ſchaftsart auch nicht, als in zwoͤlf Jahren vier Fuder Duͤnger, um den berechneten Ertrag zu geben. Giebt der Morgen alſo in den acht Weidejahren vier Fuder Miſt, ſo erhaͤlt ſich das Land ſelbſt, und braucht keine Huͤlfe von Wieſen oder Weiden. Fuͤr die Ausfuhr des Miſtes, die ich dort mit 1 Rthlr. angeſetzt habe, rechne ich die Vieh⸗ nutzung. Es kommen in den acht Weidejahren auf den Morgen jaͤhrlich 3 Gr. Fuͤr dieſen Preis wird ſich kein Schaͤfereibeſitzer beſinnen, Weldeland der Art fuͤr ſeine Schaͤferet zu miethen. 2) Bin ich uͤberzeugt, daß ich bei dieſem Beweiden des Sandlandes mit mehrerer Sicherheit den zuletzt be⸗ rechneten Ertrag erwarten koͤnnte, als nach der bisherigen Wirthsſchaftsweiſe den zuerſt berechneten. Ich waͤre nur der Erfahrung gefolgt, wenn ich nach der Weide einen hoͤhern Ertrag angenommen haͤtte. Man kann dem Sand⸗— lande faſt keine groͤßere Wohlthat erwelſen, als es von Zelt zu Zeit beweiden zu laſſen. Drei bis vier Jahre Ruhe —— õ—-õmõmõ—————— 135 gennd nit ſind beinahe ſo viel werth, wie eben ſo vlele Fuder Miſt. ds näth Ich wollte aber die Rechnung nicht ſo ſtellen, daß irgend mir enyfti eine Uebertretbung ſichtbar wuͤrde. Ich hatte vorzuͤglich untettrce die Abſicht, darzuthun, daß man ſich gewoͤhnlich taͤnſcht, ähren, un wenn man bet der Landwirthſchaft nur immer die ganze zwel Fuder Ernte berechnet, und die Koſten nicht anſetzt, die zur h auf den Hervorbringung dieſer Ernte noͤthig waren. ſenug dem Im Allgemeinen muß ich aber von der Welde auf magern, leichten Sandfeldern noch ſagen, daß ich der Vlrth⸗ Metinung bin, ſie ſchicke ſich fuͤr Rindvieh immer nur Fuder ſchlecht. Die Freßwerkzeuge der Rinder ſind nicht ſo be— ziebt der ſchaffen, daß ſie ganz kurze Graͤſer und Pflanzen anfaſſen er Mit, koͤnnen. Soll ſich ein Rind auf der Weide gut ernaͤhren, Hhülfe von ſo wird eine ſolche immer von der Art ſeyn muͤſſen, daß aſtes, de das Gras darauf zu einiger Groͤße kommt. die Veeh⸗ Deſto beſſer ſchickt ſich dieſe knappe, aber kraͤftige n auf di und geſunde Weide des Sandlandes fuͤr Schaafe. In dſich kein niedrigen, naſſen Gruͤnden holen ſich die Schaafe leicht den für ſeue Tod; dahingegen ſinden ſie auf magern und trockenen Fel⸗ dern immer noch zu ihrer Ernaͤhrung genug. Hat eine Bewelden Gemeinde viele ſolche Sandfelder und noch keine Schaafe, uletzt ber ſo thut ſie wohl, lieber etwas Rindvieh abzuſchaffen und Kshergen dagegen Schaafe anzukaufen. Den Boden kann der waͤre nur Menſch nicht immer umaͤndern, aber er muß ihn ſo zu üde ena nuͤtzen ſuchen, daß er nach ſeinen Beſtandtheilen und den en Omd Verhaͤltniſſen der Wirthſchaft den hoͤchſten Vortheil von . ihm zieht. s von d — 10 Man glaubt zwar, die Schaafe ſtuͤrben leicht und die 136 Zucht des Rindviehes ſey ſicherer. Giebt man aber den erſteren eine ſolche Weide, wie nach meinem Vorſchlage zur Bewirthſchaftung der Sandfelder entſtehen wuͤrde, ſo hat es mit der Sterblichkeit der Schaafe keine Gefahr. Ich werde in der Folge, wenn ich auf die Viehzucht zu reden komme, die Mittel an die Hand geben, wie man alle Thierarten des Landmannes, alſo auch die Schaafe, behandeln muß, um ſie geſund zu erhalten. Ich wuͤnſche, daß bei der neuen Feldereintheilung die Vorſteher der Gemeinden und die Kluͤgern meine Vor⸗ ſchlaͤge uͤberdenken, ſie pruͤfen und anzuwenden ſuchen, was ſich dazu eignet. Am beſten wird es in den mehreſten Faͤllen ſeyn, wenn das Drittheil des Feldes, welches nach des Koͤnigs Willen huthfrei wird, von allen drey Feldern zu gleichen Theilen genommen wird, ſo daß diejentgen Grundſtuͤcke dazu kommen, die dem Dorfe am naͤchſten liegen und in dem beſten Duͤngungszuſtande ſind. Wenn das Land aber in der Naͤhe des Dorfes ſchlechter iſt, ſo verſteht es ſich von ſelbſt, daß das beſſere dazu den Vorzug verdtent, ſollte es auch entfernter liegen. In dieſem großen Garten baue man Viehfutter und Getreide in regelmaͤßtger Abwechſelung, nach den Regeln, die ich daruͤber angegeben habe. Den groͤßten Theil des Miſtes fahre man auf dieſe Felder und ſuche ſich dadurch, ſo wie durch gute Bearbeitung, nur recht vieles Viehfutter zu verſchaffen. Die entfernten, ſandigen Felder wuͤrden dafuͤr, daß n aber dn Vaſſſ vürde, ne Gefuh. lehjucht u wie man Schauff nthellung ne Vor ſuchen, n ſeyn, Koͤnigs gleichen eundſtuͤck n und in and aber ſt es ſch ne, ſollte ter und Regeln, heil des dadurch, ziehfutter fuͤr, d 137 ſie weniger Miſt erhalten, mehr geſchont. Nach vierjäͤhri⸗ ger Ruhe und Beweidung geben ſie, wenn ſie ſehr ſandig ſind, eine Buchweitzen und eine Roggenernte. Iſt der Boden mehr gebunden, ſo kann man auch ſtatt des Hei⸗ dekorns Hafer nehmen. Buchweitzen wird aber wegen der beſſeren Vorbereitung des Landes zum Roggen vorzuziehen ſeyn. Waͤre der Boden aber von der Beſchaffenheit, daß man ihn lehmigen Sandboden nennen koͤnnte; daß er alſo blos mager und vielleicht voller Unkraut iſt, ſo braucht man ihn nicht vier Jahre liegen zu laſſen, ſondern kann ihn drey Jahre nach einander beſaͤen und drey Jahre beweiden. Um aber von dieſem Lande auch wirklich die Vortheile etner Weide zu haben, ſo iſt immer vorzuziehen, es hintereinander mit Getreide zu beſtellen, und dann eben ſo hintereinander drey Jahre zur Weide liegen zu laſſen. Ohne dieſes Verfahren koͤnnen ſich keine Weidegraͤſer ordentlich einniſten. In der Aufeinanderfolge der Ge⸗ treideſaaten muß man wteder die Regeln in Anwendung bringen, die uns von der Natur vorgeſchrieben ſind. Unmittelbar nach den drey Weidejahren koͤnnte man in das aufgebrochene Land Hafer ſaͤen, der nach der Weide am beſten geraͤth. Waͤre das Land ſehr mit Hederichsſaa⸗ men angefuͤllt, ſo koͤnnte man der Schaͤdlichkeit dieſes Un⸗ krauts dadurch zuvor kommen, daß man zu dem Hafer nur einmal pfluͤgte, welches fuͤr den Hafer hinreichend iſt, wenn es gut geſchieht. Fuͤr den Hederich bleibt das Land aber zu feſt und zu rauh bei der einfaͤhrigen Beſtel⸗ 138 lung, als daß er ſich in demſelben ſehr wohl befinden wuͤrde. Nach dem Hafer muͤßte aber ein breitblaͤttrichtes Ge⸗ waͤchs kommen. Waͤre das Land ziemlich thonhaltig, auch wohl noch in Duͤngerkraft, ſo koͤnnte man Erbſen und Wik⸗ ken ſaͤnn. Wollte man dies Land duͤngen, ſo wuͤrde man am beſten den Duͤnger nach dem einfaͤhrigen Hafer zu den Huͤlſenfruͤchten fahren. Koͤnnte man aber den Duͤnger dieſem Lande noch nicht geben; oder es waͤre zu Wicken und Erbſen nicht thonhallig genug, ſo ſaͤet man Buchweitzen oder Spoͤrgel. Hter iſt der Ort, die im vierten Kap. angerathene gruͤne Duͤngung anzuwenden. Sieht man, daß der Buchweitzen nicht geraͤth, oder man iſt nicht im Stande, dem Lande auf eine audere Art eine Duͤngung zu geben, ſo pfluͤgt man entweder den Buchweitzen oder den Spoͤrgel als Duͤngung unter. Die letzte Frucht von der Weide iſt immer Roggen. Je mehr Fleiß auf dieſes Weideland als ſolches gewendet wird, durch Duͤngung, wenn man ſie entrathen kann, aber vorzuͤgiich durch Beſaͤen mit weißem Klee, deſto beſſer wird die Weide ſeyn. Bei thonhaltt⸗ gem Boden wird ſie allerdings auch für Rindvieh eine ſehr reichliche und gedeiyliche Nahrung liefern. Die Muͤhe und den Aufwand, um eine gute Weide zu ſchaffen, verwendet man nicht alletn fuͤr eine beſſere Benutzung der Wetde, ſondern auch fuͤr eine hoͤhere Be⸗ nutzung des Landes zum Getreidebau. Je beſſer die Weide war, deſto mehr Vieh konnte ſich darauf ernaͤhren. Wo lhefden ſchtes Ge. Atg, uuch und We⸗ irde man haftt i de noch n nicht poͤrgel. Hrüͤne weitzen n Lande ſo pflügt rgel als Leide iſt eland als man ſee welßem onhaltt⸗ eih eine e Wede e beſſete here de ‚de Wade ren. A 139 vieles Vieh weidete, da miſtete es viel und das Land wurde viel geduͤngt. Daher wird die Ernte nach den Weidejah⸗ ren beſſer ſeyn, wenn die Weide gut war. Ich rathe daher auch an, den Miſt, welchen man etwa ſolchem Lande geben kann oder will, nicht dann aufzufahren, wenn es zum erſten Male umgebrochen wird, ſondern zu der zweiten Saat, zu den Huͤlſenfruͤchten. Das Land wird dann noch in ztemlicher Kraft zu Graſe niedergelegt, und deshalb in den Weidejahren um ſo beſſer den Graswuchs befoͤrdern. Wollen ganze Gemeinden dieſen Vorſchlag beherzi⸗ gen und ihre neueren Einrichtungen der Felder danach ordnen, ſo muß ich hier noch ermahnen, daß ſie bei der neuen Feldeintheilung diejenigen Grundſtuͤcke zuſammen legen, mit denen ſie dieſe abwechſelnde Weide, und Ge⸗ treidebaubenutzung einfuͤhren wollen. Es kann wohl kom⸗ men, daß nach der bisherigen Verfaſſung ein oder das andere Mitglied der Gemeinde ſeine Felder nicht ſo liegen haͤtte, daß ſie zu ſechs gleichen Theilen in den neuen Fel⸗ dern vertheilt waͤren. Hter muͤſſen ſie ſuchen, eine Gleich⸗ heit heraus zu bringen. Sollte auch einer oder der andere etwas mehr gewinnen, vielleicht durch beſſeres Land oder andere Zufaͤlle, ſo muͤſſen die andern es ihm nicht benei⸗ den, oder aus Eigenſinn vielleicht gar der guten Sache hinderlich werden. Wer wuͤrde ſo lieblos gegen ſeinen Naͤchſten ſeyn wollen, und ihm nicht einen kleinen Vor⸗ theil goͤnnen, der aus dem Zuſammentreffen gluͤcklicher Umſtaͤnde ihm zu Theil wird? Wenn das ganze Dorf 140 gewinnt, ſo iſt der Einzelne ſchon der allgemeinen Men⸗ ſchenliebe wegen verpflichtet, einen kleinen Vortheil auf⸗ zugeben. Durch wohl uͤberlegtes Znſammenlegen des ſchlechten ſandigen Landes werden dann große und bequeme Weide⸗ faͤhhen entſtehen, wo man das Vieh nicht zu jagen braucht, ſondern wo es ruhig weiden kann. Das huthfrete Drit⸗ theil wird als Weide vielleicht gar nicht benutzt, mithin koͤnnen alle Winkel zwiſchen Graͤben oder an andern Stel⸗ len, wohin man nicht gut mit einer großen Heerde Vteh treiben kann, mit zu dem huthfreien Felde geſchlagen werden. Wo es die Umſtaͤnde nicht geſtatten, ſechs Felder aus ſammtlichem geringen Lande zu machen, kann man eben ſo gut fuͤnf oder ſieben Felder machen. Bet fuͤnf Feldern wuͤrden jaͤhrlich zwei in der angegebenen Art mit Getreide beſaͤtt, und drei laͤgen als Weide. Bet ſieben Feldern wuͤrden jaͤhrlich drei mit Getreide oder Huͤlſenfruͤchten beſaͤet, und viere laͤgen zur Weide. Wenn ich bei dieſer Bewirthſchaftungsart wenig Ge⸗ wicht auf die Duͤngung zu legen ſcheine, und ſie nicht als unumgaͤnglich noͤthig angenommen habe, ſo folgt daraus nicht, daß ich es fuͤr uͤberfluͤßig halte, dieſes Land zu mi⸗ ſten. Aber ich habe die Umſtände der mehreſten Land⸗ leute, die ſandiges Land beſitzen, im Sinne, und weiß, daß ſie fuͤrs Erſte vollauf zu thun haben, um das Drit⸗ theil, welches nun Jahr aus Jahr ein beſtellt wird, in nen Men. nhl af ſclechen ne Weden orauch, ele Drit⸗ müthi Stal⸗ e Vieh hlagen der aus an eben Feldern Gerrelde Feldern fruͤcten ig Ge⸗ ht als daraus zu mb⸗ Land⸗ d weiß, s Diit⸗ erd, N 141 dieſe Kraft zu ſetzen, welche zum jaͤhrlichen Fruchttragen erforderlich iſt. Wird das ſandige und magere Land beweidet, und nur ſo ſelten beſaͤet, als ich angegeben habe, ſo kann es einige Zeit beſtehen, ohne Duͤnger zu erhalten. Mehrt ſich aber der Futtergewinn auf den beſſern Feldern, und folglich auch der Miſt, und man kann auf das Weideland etwas bringen, ſo wird er bei dieſer Wirthſchaftsart mehr Vortheil bringen, als bei der bisherigen. Zur erſten Einrichtung dieſer neuen Ordnung der Dinge muß vorzuͤglich das bisherige Weideland genommen werden, welches niemals geackert worden iſt. Alle bishe⸗ rige Gemeinweiden ſind nach einer ſolchen Einrichtung uͤberfluͤßig. Sie muͤſſen aber vorher unter die Mitglieder der Gemeinde, nach ihren Rechten an denſelben, getheilt ſeyn. Die niedrigen naſſen Stellen der bisherigen Gemein⸗ weiden muͤſſen zu dem hutfreien Felde genommen werden. Wenn ſie abgewaͤſſert werden, von Geſtruͤppe und Unkraut gereinigt, auch geebnet, ſo werden ſie gewiß einige Fruͤchte ohne Duͤngung tragen. Ste werden dann die erſte Ver⸗ anlaſſung werden, die Futtervorraͤthe zu vermehren. Die trockenern und ſchlechtern Stellen der bisherigen Gemeinweiden muͤſſen mit zu den zwey Drittheilen des Landes geſchlagen werden, auf welchen ich die abwechſelnde Weide mit Getreidebau angerathen habe. Sie werden zu⸗ erſt aufgebrochen, und muͤſſen dazu dienen, dem Land⸗ manne den Ausfall an ſeiner Getreideernte zu erſetzen, den 142 er bei der erſten Umwandelung unvermeidlich haben wuͤr⸗ de, weil, der neuern Einrichtung wegen, marches Land eine Frucht tragen muß, wozu es eben nicht Kraft genug beſitzt. Die guten Folgen des Beweidens, die ſich gewiß auf dem bisher ſo häufig gepfluͤgten Sandlande ſehr bald ein⸗ ſtellen werden, kann man doch nicht eher als nach dem Beweiden erwarten. Bis dahin muß man ſich ſuchen, ſo viel als moͤglich durch das bisherige Weideland zu helfen. Hernach, wenn das huthfreie Drittheil erſt in Ordnung iſt, und recht vieles Futter fuͤr das Vieh liefert; wenn der Miſt durch Sommerſtallfutterung der Kuͤhe, Ochſen und Pferde ſich gemehrt hat, dann wird dieſes Land auch die Quelle der Fruchtbarkeit fuͤr das ſchlechtere Land werden. Es wird immer mehreren Duͤnger erhalten kͤnnen, und ſonach in ſeiner Fruchtbarkeit von Jahr zu Jahr zunehmen. Das ſandige Land ſchickt ſich bei der Weidewirthſchaft vor allem zur Mergelung. Mit dieſem Huͤlfsmittel nach der Anweiſung verfahren, wie ich im dritten Kapitel ge— lehrt habe, kann man ſich auf dieſen ſchlechten Feldern ohne Duͤngung Ernten verſchaffen, uͤber die man erſtau⸗ nen wird. Das Stroh von dieſen Ernten verwende man aber haushaͤlteriſch zu Miſt! In dieſen verwandelt, gebe man dann dem Lande wieder, was es trug; die Koͤr⸗ ner ſehe man als Belohnung fuͤr Muͤhe und Arbeit an, das Stroh und Futter uͤberhaupt betrachte man als ein heiliges Eigenthum des Ackers, welches man demſelben nie haben w naxches Oin Kut enn h gewſß af ze bald en s nach den ſuchen, ſ u helfen, etſt in h lieſert, er Kuͤhe, rd dieſes ſchlechter er erhalten n Jahr zu wiethſcha nittel nach fapltel ge⸗ Feldern an erſtau⸗ ende mon erwandelt ; die Kir Arbeit an an als mſelben ſe 143 entziehen darf, man muͤßte denn eine Gelegenheit haben, ſich den Miſt auf eine wohlfeilere Art anzuſchaffen. Hier habe ich Euch nun, lieben Landleute! einen Weg angegeben, den Ihr betreten muͤßt, wenn Eure Wirth⸗ ſchaften recht bald die Wohlthaten empfinden ſollen, die ihnen nach des Koͤnigs Wunſch und Willen zu Theil wer⸗ den ſollen. Ich will alles, was ich in dieſen beiden Ka⸗ piteln weitlaͤuftig geſagt habe, hier noch einmal kurz wie⸗ derholen. Nehmt zu dem huthfreien Drittheil des Feldes, wenn es ſich ſonſt ſchickt, das naͤchſte Land am Dorfe. Das niedrige, mit Graͤben durchſchnittene, oder ſonſt in Win⸗ keln herum ltegende Land, ſchickt ſich recht gut dazu. Dieſes Land duͤngt vor allen; damit aber der Miſt ſich ſchnell mehre, ſo bauet auf dieſem Lande Futter aller Art; Kartoffeln, Klee, Wicken, Erbſen, Gemengefutter, Ruͤ⸗ ben, Kohl u. ſ. w. Dieſes Futter bauet in einer gewiſ⸗ ſen Ordnung, die die Eigenſchaften der Gewaͤchſe erhei— ſchen, adwechſelnd mit dem Getreide. Auf dieſe Art wer⸗ det ihr beides— Stroh und nahrhaftes Viehfutter— in ſolcher Menge erhalten, daß Ihr Euer Vieh reichlich da⸗ mit ernaͤhren koͤnnt. Dte hoͤhern, trockenern aber mehr zuſammenhaͤngen⸗ den Felder verſchone man mit vielem Beſaͤen. Man laſſe ſie mehrere Jahre ungeſtoͤrt zur Welde liegen, daß die Weidegraͤſer Zeit haben, ſich zu bewurzeln. So werden ſie 144 endlich eine Weide, vorzuͤglich fuͤr Schaafe, in der That werden. Jetzt hatten ſie als Braache wohl den Namen, man konnte aber oft keinen Grashalm auf ihnen finden. Auf dieſem Lande ſchränke man die Ausſaat und die Be⸗ arbeitung ein, und vermehre ſo den reinen Ertrag. So wie ſich die Duͤngervorraͤthe mehren, und die beſſern Fel⸗ der des Miſtes weniger beduͤrfen, ſo gebe man endlich auch den ſchlechten Feldern Duͤnger, verſaͤume aber nicht, den Mergel aufzuſuchen, und ihn zur Vermehrung der Fruchtbarkelt zu benutzen. Anbau nn der djr en Mne, en inden ind die Pe rtrng. C) beſſern ge⸗ nan endlch aber nich, hrung de 145 Anbau der einzelnen Fruͤchte. Wenn der Landmann ſeinen Boden kennt; wenn er weiß, wie er ihn am beſten und bequemſten vom Waſſer befreit, durch Duͤngung und Auffahren anderer Erdar⸗ ten verbeſſert; wenn er die Miſtbereitung verſteht, und alle die Dinge kennt und benutzt, die den Miſt vermeh⸗ ren und uͤberhaupt duͤngen, ſo wird er durch gute Bear⸗ beitung des Landes von ſeinem Lande ſich gute Ernten verſchaffen koͤnnen. Aber alle dieſe mannichfaltigen Kenntniſſe und Ge⸗ ſchicklichkeiten allein machen noch immer nicht den guten Ackerwirth. Wir haben in den letzten Kapiteln geſehen, wie viel darauf ankommt, daß die Felder gut eingetheilt ſind, und die Fruͤchte aufeinander paſſend ſich folgen. Ein guter Landwirth muß nie vergeſſen, daß er von ſeinen Feldern einen reinen Ueberſchuß haben muß, wenn er ferner beſtehen ſoll; er muß daher die Unkoſten berechnen, die dieſe oder jene Frucht bei ihrem Anbau verurſacht, und durch ſolche vergleichende Berechnungen muß er aus— machen, wie er zu verfahren hat, um recht viel reinen Vortheil von ſeinem Ackerbau zu haben. 1. I. 10 1 Naͤchſtdem muß er aber noch beſonders die einzelnen Gewaͤchſe genauer kennen, die er bauet. Er muß wiſ⸗ ſen, welchen Boden ſie verlangen, wie man das Land zu ihnen beſonders zubereiten muͤſſe, zu welcher Zeit ſie am beſten geſaͤet werden,— dieſe und dergleichen Ge— genſtaͤnde mehr ſollen in den folgenden Kapiteln abgehan⸗ delt werden. Neuntes Kapitel. Bom Weitzen. Der Weitzen iſt die edelſte unſerer Getreidefruͤchte. Sie iſt am ſchwerſten, hat das meiſte feine Mehl, und wird daher am theuerſten bezahlt. Wo der Boden den Anbau des Weitzens vortheilhaft macht, muß man alle Sorgfalt auf die Erzielung dieſer Frucht verwenden, weil ihr Ver⸗ kauf das meiſte Geld bringt. Man hat verſchiedene Weitzenarten. Der Hauptun⸗ terſchied iſt zwiſchen Sommer- und Winterweitzen. Aber auch unter dem Winterweitzen giebt es mancherlei Abar⸗ ten, weißen, braunen und gelben. Welche von dieſen verſchiedenen Arten die beſte iſt, laͤßt ſich nicht geradezu angeben. Man thut wohl, in jeder Gegend die Sorte anzubauen, die von den Baͤckern am meiſten geſucht und am beſten bezahlt wird. Der Weitzen erfordert durchaus einen Thon- oder Lehmboden, wenn er eine reichliche und ſichere Ernte ———— 147 die einzehe Er muß a. geben ſoll. Man kann wohl zuweilen auſ niedrigen, mit nan das em Aedsrelde ßt edengtei dfeidern⸗ eine leidliche elchr zun Weitzenernte erhalten, mit Sicherheit uüßt ſich der Weitzen⸗ egſlechen bau aber nur auf einem feſtern, thonigern Boden treiben. Der Weitzen verlangt aber noch vor allen Getreide— arten einen wohl durchduͤngten Boden. Iſt ein Acker, der uͤbrigens thonig genug zum Weitzenbau waͤre, in ſchlechtem Duͤngungszuſtande, ſo wird man nicht viel Freude an der Weitzenernte erleben. In unſern gewoͤhnlichen Wirthſchaften kommt der Weitzen in das friſch geduͤngte Braachland; das Land muß dazu ſehr ſorgfaͤltig bearbeitet, und wenigſtens vier⸗ teln abgehe c. mal in der dazu paſſendſten Jahrszeit und Witterung . nnd eſ gepfluͤgt werden. den Aia In der Stoppel einer andern Getreideart, alſo nach dle Sorjit Roggen, Gerſte oder Hafer, wuͤrde der Weitzen immer vel ir dn nur ſchlecht wachſen, wenn man auch gleich friſch zu der Weitzenſaat duͤngte. Hingegen kann er fuͤglich nach den er Haupun breitblaͤttrichten Gewaͤchſen, nach Erbſen und Wicken, iiben. air geſaͤet werden, und wird auch wirklich in ſehr vielen Ge— herei Aba genden danach gebauet. von diſß Dann iſt auch nicht noͤthig, den Miſt unmittelbar it gerad zum Weitzen zu fahren. Es iſt faſt rathſamer, zu jenen d die Ern Huͤlſenfruͤchten den Miſt zu geben, damit ſie recht uͤppig geſucht un wachſen. Je mehr ſie den Boden bedecken, deſto mehr wird er gelockert, und deſto mehr Blaͤtter, Ranken und Thon⸗t Wurzeln hinterlaſſen ſie dem Lande, und um ſo beſſer ſchere En geraͤth der Weitzen. 148 Will man die Wicken⸗ oder Erbſenſtoppeln recht kluͤg⸗ lich fuͤr die Weitzenſaat vorbereiten, ſo muß man mit dem Umpfluͤgen derſelben eilen, ſo bald die Fruͤchte vom Lande ſind. In manchen Gegenden ſind ſie darauf ſo erpicht, daß ſie das Land ſchon pfluͤgen, ehe die Wicken oder Erbſen ganz trocken ſind. Sie legen ſie indeß an die Seite und pfluͤgen immer darauf los. Der Grund dieſes Verfahrens iſt der. Thoniges, feſtes Land haͤlt ſich unter der Decke gut ſtehender Huͤl⸗ ſenfruͤchte feucht und muͤrbe. So wie dieſe Decke durch das Abmaͤhen der Fruͤchte dem Lande genommen wird, ſo trocknet daſſelbe durch die gewoͤhnliche Erntehitze ſehr bald feſt, und wird kloͤßig. Je mehr man alſo mit dem Umpfluͤgen eilt, je beſſer wird ſich das Land pfluͤgen und zu Weitzen vorbereiten laſſen. Da reife Fruͤchte jeder Art das Land mehr ausſau— gen und mitnehmen, als ſolche, die im gruͤnen Zuſtande abgeerntet werden, ſo kann man auch die Wicken gruͤn abernten, wenn ſie ſo eben recht vollkommen in Bluͤ⸗ the ſtehen. Man kann ſie entweder gruͤn verfuͤttern oder zu Heu machen. In dem Falle des Gruͤnabmaͤhens und der noͤthigen Vorſicht bei der Beſtellung des Landes geraͤth der Weitzen ſo gut, wie nach einer reinen Braache. Werden die Huͤlſenfruͤchte reif, ſo iſt zwar eine kleine Einbuße in der Regel an der Weitzenernte. Dieſe Ein⸗ buße ſteht aber mit dem Gewinn der Huͤlſenfruͤchte in keinem Verhaͤltniß, da ſie in gutem Weitzenboden eine in ect i nuß man me Früchteten ſſe daruf he die Vcn ſie indeß u Thoaige, hender Hil Decke durg men wird, ntehitze ſeht Mſo wit den pfͤgen um mehr ausſau inen Zuſtande Wicken grun men in B⸗ fuͤttern oder jnabmaͤhens des Lande en Braact r eine klele Disſe Er ſenſtuchen zenboden tl — 149 anſehnliche Menge Futter geben, wodurch die Menge des Miſtes ſehr vermehrt wird. Eine beſſere Vorfrucht vor dem Weitzen als die Huͤlſenfruͤchte iſt der Klee. Wenn derſelbe das ganze Land gleichmaͤßig bedeckt hat; wenn er dicht und voll ſtand, ſo hinterlaͤßt er das Land in einem ganz beſon⸗ ders reinen, muͤrben Zuſtande. Zu Ende Auguſts, wenig⸗ ſtens im Anfange des Septembers, muß aber das Klee⸗ land umgepfluͤgt werden, wenn eine einfaͤhrige Beſtel⸗ lung zu Weitzen hinreichen ſoll. Man pfluͤgt ſolches Land aber mit ganz beſonderer Aufmerkſamkeit, ſo daß nicht Kanten ſtehen bleiben. Auch pfluͤgt man das Land zur vollen Tiefe, die die Ackerkrume hat, und haͤlt nicht zu ſtarke Furchen. So aufgepfluͤgt laͤßt man es bis gegen Michaelis liegen. Die Kleewurzeln werden inzwiſchen in Faͤulniß uͤbergehen, auch wird die an die Oberflaͤche gebrachte Krume in der Zeit mit hinlaͤnglicher Feuchtigkeit durchdrungen, und faͤhig zur Aufnahme des Saamens ſeyn. Man egget den Saamen ſcharf ein, und wird gewiß nach einer ſolchen Beſtellung ſehr guten Weitzen ernten. Ich halte aber nach mehreren Erfahrungen ein drey bis vierwoͤchentliches Liegen des Kleelandes nach dem Um⸗ pfluͤgen, ehe es beſaͤet wird, fuͤr ganz nothwendig. Die⸗ ſes Liegen muß aber in der waͤrmern Jahreszeit treffen, wo noch Fäulniß vor ſich gehen kann. Im October wuͤrde es ſchon weniger nuͤtzen. Damit ich aber nicht mißverſtanden werde, und man 150 glaube, als wachſe nach jedem Klee guter Weitzen, auch wenn er duͤnn ſtand und das Land mit Quecken oder anderem Unkraut angefuͤllt war, ſo wiederhole ich hier nochmals, daß ich nur ganz reines, mit Klee dicht beſtandenes Land zur einfaͤhrigen Beſtellung genannt habe. Stand der Klee nicht dicht, ſo daß der Boden an verſchiedenen Stellen in Schollen zuſammen getrocknet iſt, oder es hat ſich Wurzelunkraut eingeniſtet, ſo iſt kein Rath, als das Land ſchon im July umzu— pfluͤgen, und ihm drey gute Furchen zu geben, wenn man es mit Winterung beſaͤen will. Sonſt kann man es auch ſpaͤter umpfluͤgen, und dann im Fruͤhjahr mit einer Sommerfrucht beſtellen. Eine große Plage beim Weitzenbau iſt der Brand. Oft ſieht ein Weitzenfeld im Fruͤhlinge ſehr hofnungs— voll aus, und man hat die ſchoͤnſte Ausſicht auf die Ernte. Wird der Weitzen aber brandig, ſo erntet man ſtatt ſchoͤner gelben Koͤrner, einen ſchwarzen Staub. Man hat verſchiedene Mittel dagegen angerathen. Manche Leute machen aus ihrem Mittel ein Geheimniß, welches aber ſelten eins iſt, oder ſie ſind gar ſo unver— ſtaͤndig, daß ſie dieſes Uebel durch Beobachtung gewiſſer Gebraͤuche und Herſagen nichts bedeutender Worte, wel— ches ſie Sympathie nennen, verhuͤten wollen. Kluge Leute muͤſſen nie auf dieſe thoͤrichte Weiſe handeln. Wenn wir fleißig darauf Achtung geben, wie das Wachſen der Gewaͤchſe vor ſich geht; wenn wir uns bemuͤhen, von jeder Erſcheinung, die wir wahrnehmen, ſdißer, u vecten ode de ic hr mit gle: Beſellug ſo daß we zuſammen eingenſſtt ly umzu , wenn ann man jahr wit Brand hofnungs⸗ die Ernte man ſint b. angerathen heheimniß, ſo unver⸗ g gewiſer Corte, ve len. Kuh ndeln. 1, wee d in wit w wahrneien 151 den Grund oder die Urſache aufzuſinden; wenn wir dadurch mehr Kenntniß von der Natur uͤberhaupt erlan⸗ gen, ſo werden wir am Ende einſehen, daß alles in der⸗ ſelben nach unwandelbaren Geſetzen geſchieht. Dieſe laſ— ſen ſich durch ſinnloſe Woͤrter, durch ſonderbare Grimaſ⸗ ſen, oder aͤhnliche Dinge, nicht aufheben oder abaͤndern. Der Brand im Weitzen iſt zweierlei Art, Staub⸗ drand und Kornbrand. Die Urſachen ſeines Entſte⸗ hens ſind nicht immer dieſelben. Bald ruͤhrt er von ſchlechtem, unreifen Saamen her; bald entſteht er mehr durch unguͤnſtige Witterung in der Bluͤthe; bald liegt die Urſache ſeiner Entſtehung wieder mehr im Boden ſelbſt und in der Zubereitung des Bodens. Weil der Brand alſo mehrere Urſachen hat, die ihn hervorbringen, ſo kann auch ein einziges Mittel in allen Faͤllen nie dagegen ſchuͤtzen. Wer aber das folgende gehoͤrig beim Weitzenbaue beobachten will, wird wenig vom Brande zu fuͤrchten haben. ¹1) Man waͤhle nur voͤllig reifen, vollkommen aus— gewachſenen und ganz trockenen Weitzen zum Saamen, der nicht geſchwitzt hat. Um dieſen zu erhalten, ſucht man ſich unter ſeinem Weitzen auf dem Felde ſchon den⸗ jenigen aus, der die vollkommenſten Aehren hat, und beſtimmt ihn zur Saat. Dieſen laͤßt man ſo lange auf den Halmen ſtehen, bis er hinlaͤnglich reif iſt. Dann maͤhe man ihn und laſſe ihn voͤllig trocken werden. Iſt dieſer Zeitpunkt eingetreten, ſo eile man, um ihn ſogleich herein zu ſchaffen, und nun nehme man, 152 was man an Arbeitsleuten auftreiben kann, und dreſche gleich ſo viel ab, als man zur Saat braucht. Damit dies recht ſchnell gehe, auch damit man nur die beſten Koͤrner erhalte, ſo dreſche man den Weitzen nicht gleich rein aus, ſondern ſchlage ihn bloß vor. Im Winter driſcht man das Stroh von dieſem Saatweitzen dann voͤllig rein. Auf dieſe Art erhaͤlt man die groͤßten und ſchoͤnſten Koͤrner, die man ganz duͤnn auf einen luftigen Boden ſchuͤttet, ſie dort recht oft umharkt, und bis zur Aus⸗ ſaat aufbewahrt. So behandelten Saatweitzen kann man ohne weite⸗ res trocken ausſaͤen, und der Brand wird wenigſtens nicht vom Saamen herruͤhren. Da der Landmann aber die gute Witterung, welche die angegebene Behandlung des Saatweitzens erfordert, nicht in ſeiner Gewalt hat, ſo iſt 2) das Einmachen oder Einbeitzen des Saatweitzens ein gutes Mittel gegen den Brand. Da es wenig ko— ſtet, ſo kann man es auch bei ſolchem Weitzen anwenden, der nach obiger Vorſchrift behandelt iſt, aber man ver— geſſe nie, daß dieſes Einbeitzen nur ein Nothbehelf iſt. Die gute Behandlung des Saatweitzens bleibt die Haupt⸗ ſache. Nan muß ſie nie unterlaſſen, in Hofnung, ſchlechtes Saatkorn durch das Einbeitzen wieder gut zu machen. Das Einkalken verrichtet man auf folgende Weiſe: Man mißt ſich ſo viel Weitzen ab, als man eben ind deeſ Dami die beſen ücht glic m Winte zen darn ſchoͤnſte / Boden ur Ausg⸗ weite⸗ ewigſtens ann abet handlung walt hat, tweitzens venig ko⸗ wenden, an ver⸗ ehelf iſ. Haupt⸗ Hofnung, r gut zu Wäſe man eön 153 ausſaͤen will, und ſchuͤttet ihn auf einen laͤnglichen Hau⸗ fen. Hier beſprenge man ihn unter immerwaͤhrendem Umſchaufeln mit Miſtjauche, ſo daß alle Koͤrner davon naß werden. Dann nimmt man auf einen Berliner Scheffel Weitzen ein halbe Metze ungeloͤſchten Kalk und eben ſo viel geſiebte feine Aſche, auch wohl noch ein Pfund Kochſalz und ſchaufelt dies mit dem naſſen Weitzen durcheinander. Iſt dies geſchehen, ſo bringt man den Weitzen auf einen hohen, ſpitzen Haufen, und laͤßt ihn ſo zwoͤlf Stunden liegen. Nach dieſer Zeit reißt man den Haufen auseinander, und der Weitzen iſt zur Saat fertig. 3) Endlich iſt noch ein gutes Mittel gegen den Brand, alten Weitzen auszuſaͤen. Dies iſt vorzuͤglich rathſam, wenn man einmal bei der Weitzenernte recht gluͤckliche Witterung getroffen hat, und man recht viel Weitzen auf die Art eingebracht und abgedroſchen hat, als ich unter No. 1. angegeben habe. Von ſolchem Weitzen hebe man ſich die Ausſaat auf das kuͤnftige Jahr auf. Ich kenne Wirthe, die es ſich zur Regel gemacht haben, nie andern als alten Weitzen auszuſaͤen, und ſie wiſſen wenig vom Brande. Es iſt keinem Zweifel unterworfen, daß der Weitzen recht gut Ein Jahr lang zur Saat brauchbar bleibt. Nothwendig bleibt aber immer ein ſolches Einernten, als unter No. 1. angegeben iſt. Auch muß ein ſolcher Weitzen auf dem Boden wohl in Acht genommen wer⸗ den, daß er gar nicht andumpfe. 154 Alle dieſe Mittel haben einen und denſelben Grund, worauf ſie beruhen: man will nur von vollkommenen, reifen Koͤrnern Weitzenpflanzen erziehen; die unreifen oder ſchlechten Koͤrner, die den Brand erzeugen wuͤrden, will man entweder entfernen, oder ihre Keimkraft toͤd⸗ ten. Denn nach dem erſten Mittel erhaͤlt man nur die ſchwerſten, vollkommenſten Koͤrner aus dem Stroh; die leichten bleiben darin ſitzen. Durch das Einkalken will man die kraͤnklichen und ſchlechten Koͤrner vollends toͤd⸗ ten, und verhindern, daß ſie nicht aufgehen. Dies ge— ſchieht auch, wenn man alten Weitzen ausſaͤet. Nur vollkommen reife, ſchwere Koͤrner werden ihre Keimkraft ein ganzes Jahr lang behalten. Die leichten und ſchlech— ten dagegen werden gar nicht keimen, alſo keine ſchwaͤch— liche Pflanzen hervorbringen. Eine gute Bearbeitung, verbunden mit kraͤftiger Duͤngung des Landes macht, daß die dem Boden an— vertrauten Gewaͤchſe lebhaft wachſen. Sie werden ſtark und kraͤftig werden, und jedem ſchaͤdlichen Einfluſſe der Witterung eher Trotz bieten koͤnnen, als ſchwaͤchliche Pflanzen, die einen weniger gut bearbeiteten oder geduͤng⸗ ten Boden haben. Man verſaͤume daher nie etwas bei der Zurichtung des Weitzenlandes. Vorzuͤglich ſorge man fuͤr Ableitung der Feuchtigkeit. Saͤet man dabei ſolchen Saamen aus, als angegeben iſt, ſo wird man ſehr ſelten etwas vom Brande zu beſorgen haben. ben Grun lkonnenn, e unrfn ſen wärda mkraft tid dan nur die Stroh; de alken wil ends toͤd, Dies ge⸗ Nur eimkraft d ſchlech⸗ ſchwaͤch⸗ kraͤtiger zoden an⸗ rden ſtatf fluuſſe der waͤchliche geduͤng⸗ zrichtung Ableitung men aus, was vom 155 Ehe ich mich vom Weitzenbau wegwende, muß ich noch ein wenig angewendetes, aber ſehr gutes Mittel angeben, den Wuchs des Weitzens im zeitigen Fruͤh⸗ linge zu befoͤrdern. Dies iſt das Uebereggen der jungen Weitzenſaat. Man unternimmt es im Fruͤhlinge, ſo wie das Land ſo weit abgetrocknet iſt, daß die Pferde oder Ochſen nicht mehr eintreten. Man egget ſo lange, bis die Kru— ſte, die ſich von der Winternäſſe gebildet hat, durchriſſen iſt. Man fuͤrchte nicht, daß man Weitzenpflanzen aus⸗ ziehen werde. Dieſe haben um dieſe Zeit ſchon ſo lange Wurzeln, daß man durch ein gewoͤhnliches zwey oder dreyzinkiges Eggen ſelten eine Pflanze ausreißen wird. Man wird finden, daß einige Tage nach dem Eggen der Weitzen ſo lebhaft anfangen wird zu wachſen, wie ohnedies nicht geſchehen ſeyn wuͤrde. Ein ſolches Eggen iſt auf einigermaaßen gebundenem Boden auch dem Rog— gen im Fruͤhlinge ſehr zutraͤglich. Zehntes Kapitel. Vom Roggen. Fuͤr unſere Gegenden iſt der Roggen die Hauptfrucht. Sie giebt uns Brod, und ihr Stroh iſt zu mancherlei Gebrauch in der Haushaltung durch kein anderes zu erſetzen. — —— — . 156 Außerdem, daß durch den Roggen ſehr viele unſe— rer Beduͤrfniſſe befriedigt werden, hat er vor den andern Getreidearten den Vorzug, daß er ſich mit den verſchie— denartigſten Bodenarten vertraͤgt. Selbſt der elendeſte Sandboden traͤgt nach einigen Ruhe- und Weidejahren noch leidlichen Roggen. Er wird daher auch ſo allge— mein und in ſolcher Menge angebauet, daß ſein Gera— then oder Mißrathen es in der Regel beſtimmt, ob die Ernte eine gute, mittelmaͤßige oder ſchlechte iſt. Es giebt, wie beim Weitzen, mehrere Roggenarten, die ſich jedoch im Ganzen ſehr aͤhnlich ſind. Selbſt Sommer⸗ und Winterroggen iſt eine und dieſelbe Art; denn man kann aus Sommerroggen Winterroggen ma— chen, wenn man ihn ſpaͤt ausſaͤet, und umgekehrt, aus Winterroggen wird endlich Sommerroggen, wenn man ihn erſt im Februar und endlich im Maͤrz ausſaͤet, und dieſelbe Saat nur immer wieder im Fruͤhlinge zur Aus⸗ ſaat braucht. Hauptſaͤchlich kann man zwei Abarten vom Roggen annehmen, unter welche ſich die mehreſten Roggenarten, die andere Namen fuͤhren, bringen laſſen, Stauden— roggen und gewoͤhnlicher Landroggen. Der Stau⸗ denroggen hat bei einer recht fruͤhen Ausſaat den Vor— zug, daß man ihn viel ſchwaͤcher ausſaͤen kann, weil er ſich ſehr ſtark beſtaudet; uͤberdieß giebt er viel laͤngeres Stroh als der gewoͤhnliche Landroggen. Obgleich der Roggen faſt in allen Bodenarten ge⸗ bauet werden kann, ſo iſt doch nicht ein Boden ſo paſ⸗ 157 tie mi ſend fuͤr ihn, wie der andere. Zu ſtrenger Thonboden dn uden paßt eigentlich nicht zum Roggenbau; am beſten geraͤth en erchi der Roggen im Lehm- und lehmigen Sandboden. Der er elendeſe Sandboden ſelbſt giebt aber auch durch keine andere deidejren Frucht einen ſicherern Ertrag als durch Roggen. ſo alhe Man ſaͤet den Roggen in reines Braachland, nach ein Gena Huͤlſenfruͤchten und Klee. An vielen Orten wird er je— „ od de doch auch in ſeine eigene Stoppel geſaͤet, und heißt dann Stoppelroggen, ſo wie es auch zuweilen gebraͤuchlich iſt, enarten, ihn nach Gerſte oder Hafer unmittelbar zu ſaͤen. Selbſt Unter allen Getreidearten ertraͤgt es der Roggen de Art; noch am erſten, in ſeine eigene Stoppel geſaͤet zu wer⸗ gen wa⸗ den. Weitzen nach Weitzen wuͤrde einen erbaͤrmlichen hrt, aus Ertrag geben. In ſandigen Gegenden, wo das Som— enn man mergetreide wegen der zu befuͤrchtenden Duͤrre ſelten ge— et, und raͤth, findet man den Stoppelroggenbau. Daruͤber iſt zur Aus aber uͤberall nur Eine Stimme, daß der Roggen weder in ſeine eigenen Stoppel, noch nach Weitzen, Gerſte und Yoggen Hafer ſo lohne, wie nach der Braache, nach Huͤlſen— enarten, fruͤchten und Klee. Er waͤchſt als Stoppelroggen oft auden⸗ ziemlich lang in Stroh, hat aber immer nur leichte Stau⸗ Koͤrner, weshalb man jederzeit wohl thut, die im ſieben— en Vot⸗ ten Kapitel angegebenen Regeln zu befolgen, und eine weil t Getreideart hoͤchſt ſelten unmittelbar nach einer andern lingre zu bauen. In mehr thonigem Boden geht der Stop⸗ pelroggenbau ſchon deswegen nicht, weil das Land bei arten gt der beinahe nothwendigen einfaͤhrigen Beſtellung ſehr nſu bald ganz verwildern wuͤrde. ————————— 158 Hingegen ſind naͤchſt der Braache alle die Gewaͤchſe, 1 welche ich als gute Vorfruͤchte vor dem Weitzen genannt 9 habe, auch geſchickt, das Land zum Roggenbau vorzu— hn bereiten; Klee, Wicken, Erbſen, und beim Roggen noch Heidekorn, erſetzen dann die Braache vollkommen, wenn dh das Land rein von Unkraut iſt und gut geduͤngt werden d kann. 4 Fuͤr Sandboden iſt nebſt dem Heidekorn auch der ſe Spoͤrgel eine ſehr paſſende Vorfrucht vor dem Roggen. an Das Heidekorn vorzuͤglich hinterlaͤßt das Land in einem i ſehr lockern Zuſtande, und daß man den Spoͤrgel als un eine Duͤngung unterpfluͤgen koͤnne, habe ich ſchon an di einem andern Orte geſagt. Ich werde uͤber den Anbau 3 dieſes Gewaͤchſes noch beſonders ſprechen. Sogenannter Dreeſch, oder Land, welches einige ſ Jahre zur Weide gelegen hat, giebt eine ſehr gute Rog— ſ genernte, wenn es dazu ordentlich gebraacht worden iſt. Nach drei- oder vierjaͤhriger Beweidung waͤchſt auf Sand⸗ ä boden beſſerer Roggen, als wenn dies an und fuͤr ſich m lockere Land ſehr oft gepfluͤgt und faſt jaͤhrlich beſaͤet 4. wird. Er wird vorzuͤglich ſchwer und lohnend in ſolchem 1 aufgebrochenen Weidelande. Der ſchlechteſte Sand ſelbſt kann nach vier-oder 9) fuͤnfjaͤhriger Beweidung durch eine einfaͤhrige Beſtel— i lung zum Roggen vorbereitet werden. Es muß aber fi etwas fruͤh geſchehen, damit die Graswurzeln mit dem 1 en von den Schaafen gefallenen Duͤnger noch in eine Ver⸗ weſung uͤbergehen koͤnnen, ehe die Kaͤlte eintritt. Zu 159 eGenich Anfange Auguſts ſollte dieſes Land jedesmal umgebro— en genannt chen werden, und dann bis den 5ten September in rau— bal vorzu, her Furche liegen, ehe es mit Roggen beſaͤet wuͤrde. oggen voch Die einfaͤhrige Beſtellung des Weidelandes reicht nen, wenn aber nicht mehr zu, ſo wie der Boden ſchon ſo viel gt werden Thon enthaͤlt, daß man ihn lehmigen Sandboden nennen kann. Dann muß er den ganzen Sommer durch ſehr auch de ſorgfaͤltig gepfluͤgt werden, ſo wie ich bei der Braache Noygen angegeben habe, oder, man bricht dies beweidete Land n einem im Herbſt auf, pfluͤgt es im Fruͤhjahre noch zweimal gel als um, und beſaͤet es mit Heidekorn, ſo wie ich angerathen üen an habe. Nach dem Buchweitzen wird dann eine einfaͤhrige Xröan Beſtellung zu Roggen hinreichen. Es iſt merkwuͤrdig, daß der Roggen nicht leicht in ſolchem Lande geraͤth, welches mit Kartoffeln beſtellt 3 en war. Waͤchſt er auch ja noch lang im Stroh danach, ute Jog⸗ ſo bekommt er doch in der Regel ſpitze, ſchwache Aehren, odd ſ die flache, leichte Koͤrner enthalten. Man thut daher if Snnd wohl, nach Kartoffeln in jedem Boden, der ſich nur fu i einigermaßen zur Gerſte ſchickt, dieſe dem Roggen vor— h beſtet zuziehen. ſolchem Auch muß ich erinnern, daß im Thon, und Lehm⸗ boden ein gar zu klares Eggen im Herbſt zum Roggen her⸗ oder nicht vortheilhaft iſt. Ganz fein beſtelltes Land der Art :Beſil fließt beim Aufthauen ſo feſt in einander, daß es einer nuß cher Tenne gleicht, wodurch die erſte Fruͤhlingswaͤrme von mit dem den zarten Pflanzenwurzeln abgehalten wird. Beſſer iſt eine Ver daher, den Lehmboden im Herbſt nur ſo zu eggen, daß 8 ritt. 9 — 160 alle Saamenkoͤrner bedeckt werden und einzelne Kloͤße, die zuruͤck bleiben, nicht zu achten. Dafuͤr egge man das Land aber im Fruͤhlinge noch einmal, wie ich ſchon beim Weitzen angegeben habe, ſo wie das Land abgetrocknet iſt. Nun werden die Kloͤße vollends zerfallen und den Roggenwurzeln zur Nahrung dienen koͤnnen. Der Roggen hat eine lang dauernde Saatzeit. Er wird in unſern Gegenden vom July an bis um Weih— nachten ausgeſaͤet. Wenn die Landleute in manchen Ge— genden ihre guten Gruͤnde haben koͤnnen, ihn ſo ſpaͤt auszuſaͤen, ſo koͤnnen ſie uns darin doch nicht zum Muſter dienen. Nach meinen Erfahrungen hat eine fruͤhe Saat in der Regel unbezweifelte Vorzuͤge. Dieſe wird gewiß viel oͤfter gerathen als mißrathen. Es meinen zwar einige, daß im Sandboden der fruͤh geſaͤete Roggen ſich uͤberwaͤchſt. Ich weiß aber nicht, daß mir einer vorgekommen waͤre, mit dieſer Behaup⸗ tung, der aus eigener Erfahrung geſprochen haͤtte. Man ſpricht zuweilen ſo etwas hin, vielleicht ſehr oft, und denkt nie daruͤber nach, bloß darum, weil man es ſelbſt ſo oft gehoͤrt hat. Unter Ueberwachſen kann man doch nichts weiter verſtehen, als das ſtarke Beſtauden des Roggens, welches nach einer fruͤhen Ausſaat immer geſchieht, aber gewiß nicht ſchaͤdlich werden kann. Sollte aber auch gar kein Vortheil aus der fruͤhen Saat hervor gehen, ſo iſt der ſchon genug, daß ich an jedem Morgen fuͤglich vier Metzen Meb weiß wege im ter Jah⸗ wird ſchor voͤll kann mißer ten ſelte Geg einge wird Sch ſaͤen ange man werfe Oept volle zehn ſeyn. Wint merro I. 161 dalne Klh dane l, Metzen Einſaat ſparen kann, wenn ich fruͤh ſaͤe. Ich weiß aber aus Erfahrung, daß mancher Roggen bloß des⸗ 11 m wegen ſchlecht gerleth, weil er ſpaͤt geſaͤet war, und ſich 4 6 im Herbſt nicht gehoͤrig beſtauden konnte, um dem Win⸗ n de gi ter Trotz zu bieten. Jetzt haben wir freilich ſeit mehreren t Nähmn Jahren faſt bis Weihnachten kein Froſtwetter gehaht, wie wird es aber dann mit der ſpaͤten Saat, wenn im October atzeit. E ſchon einzelne Froͤſte kommen, und im November ſchon um Wii⸗ voͤlltger Winter iſt? Mir iſt nicht ein einziger Fall be⸗ nchen Ge kannt, daß der Roggen bloß der fruͤhen Ausſaat wegen ſo ſpat mißrathen war. Ich weiß wohl, daß zuwellen eine ſpaͤ⸗ icht zum tere Saat Vorzuͤge haben kann; aber dieſer Fall iſt zu dat en ſelten, um ihn als Regel gelten zu laſſen. In unſern ge Gegenden ſollte billig alles Wintergetreide gegen Michaelis mißtathe eingeſaͤet ſeyn. Geſchieht die Ausſaat um dieſe Zeit, ſo der ſii wird man einen Magdeb. Morgen mit einem Berliner aber nich, Scheffel, mit zwet oder vier Metzen daruͤber reichlich be— „Hehau ſaͤen koͤnnen, nach den Regeln, die ich im ſechsten Kapitel tr. Am angegeben habe. Je ſpaͤter man ſaͤet, deſto mehr muß oft, und man einſaͤen, weil man viele Koͤrner als verloren weg— es ſelbi werfen muß, die der Froſt vernichtet. Zu Anfange des Septembers wird man hoͤchſt ſelten noͤthig haben, Einen zts weite vollen Scheffel auf den Morgen zu ſaͤen. Zwoͤlf bis vtier— a, welche zehn Metzen werden in vielen Faͤllen ſchon hinreichend ber gewſ ſeyn. h gar kin In gebirgigen Gegenden, wo der Winterroggen den n, ſoſ Winter nicht gut uͤberſteht, ſaͤet man gewoͤhnlich nur Som äglch ur merroggen. Fuͤr ſolche Gegenden iſt er etne wohlthaͤtige Mau I. 1 21 1 — „ 162 Frucht. Auch kann man in manchen ebenen Gegenden zuweilen wohl in Verhaͤltniſſen ſeyn, wo es vortheilhafter iſt, Sommerroggen zu bauen als Winterroggen. Oft ge⸗ ſchleht es aber aus Vorurtheil und Gewohnheit, und man wuͤrde an vielen Orten bei dem Winterroggenbau ſich beſ⸗ ſer ſtehen. Denn da der Sommerroggen im erſten Fruͤhjahre be⸗ ſtellt werden muß, wo der Pflug nur ſo eben wieder in die Erde kann, ſo wird man ſelten ſolche Witterung oder ſolchen Zuſtand des Landes abwarten koͤnnen, die erfor⸗ derlich bei jeder guten Beſtellung ſind. Man wird daher in den mehreſten Faͤllen den Sommerroggen in naſſes, nicht gehoͤrig abgetrocknetes Land ſaͤen muͤſſen, und des, halb den Queckenwuchs dadurch ſehr befoͤrdern. Es ſcheint hierauf das bekannte Sprichwort Bezug zu haben: Sommerroggen und Ziegenmiſt, Laſſen den Bauer wie er iſt. Ob man gleich im Roggen ketnen Brand hat, ſo han— delt man doch weißlich, wenn man auf die gute Einbrin⸗ gung des Saamenroggens allen Fleiß verwendet, und we⸗ nigſtens in den Hauptſachen die Regeln befolgt, die ich zur Behandlung des Saatweitzens angegeben habe. Man kann zwar nicht verlangen, daß man ſich den noͤthigen Saatroggen eben ſo, wie den Saatweitzen, ſogleich vor dem Schwitzen abdreſchen ſoll, da dies wohl in keiner Wirthſchaft ausfuͤhrbar ſeyn duͤrfte, indem der Bedarf an Saamen von dieſer Frucht ziemlich betraͤchtlich zu ſeyn pflegt. Aber man muß ſich doch wentgſtens ſchon auf dem 163 Per Felde den reinſten und vollkommenſten Roggen zur Saat mn. d ausſuchen„dieſen dann vorzuͤglich reifen laſſen, und eilen, 2 um ihn bet recht trockener Erntewitterung einzuſcheuern. hinm Statt des Brandes hat der Roggen in manchen Jah⸗ ain ſti ren vieles ſogenanntes Mutterkorn, auch wird er leicht vom Honigthau befallen. Beide Krankheiten oder Unfaͤlle ſind Fuühein nicht vom Landwirth zu verhuͤten, da ſie Folgen einer un⸗ hen wiür guͤnſtigen Witterung ſind. Gute Beſtellung und Duͤn⸗ Rtterung a gung ſchuͤtzen nach meinen Erfahrungen vor beiden Uebeln „ die afn nicht. Ste ſind aber auch bei weitem nicht ſo gefaͤhrlich, wird daſ wie der Brand im Weitzen. in naſſ „ und de Eſza Eilftes Kapirel. nia Von der Gerſte. Von der Gerſte giebt es ſchon mehrere und bedeutendere hat, ſo in Abarten, als vom Roggen und dem Weitzen. Vorzuͤglich aute Enir werden die zweizeilige oder große Gerſte, und die et, und w vierzetlige oder kleine Gerſte angebauet. Seltener zt, dieſt findet man ſchon die Wintergerſte, und die nackte und Him⸗ dabe. Mu melsgerſte. Wenn gleich dleſe Gerſtenarten in Anſehung en noͤthige ihres Baues und ihrer aͤußern Geſtalt unter einander ver⸗ ſogleich w ſchieden ſind, auch wohl einen andern Boden und ver⸗ hl in kwr ſchiedene Behandlung bei threm Anbaue erfordern, ſo ha⸗ r Bedaf ben ſie doch noch vieles mit einander gemein. lich zu ſin Alle Gerſtenarten lieben einen lockern, reinen und hen afftn gutgeduͤngten Boden, Hat ein ſolcher dabei eine etwas 164 ſeuchte Lage, ohne daß jedoch das Waſſer ſich anhaͤuft, ſo giebt die Gerſte einen ſehr hohen Ertrag. Es iſt nicht ungewoͤhnlich, daß man von einen Morgen recht guter Gerſte zwanzig Scheffel dreſchen kann, aber zehn Schef⸗ fel vom Morgen iſt eine Ernte, die man gewoͤhnlich im Durchſchuttt erhaͤlt, wenn man die Gerſte in ſolches Land bringt, welches ihr vorzuͤglich zuſagt. Dies iſt dasjenige Land, welches das Jahr vorher mit behackten Gewaͤchſen, Kartoffeln, Kohl, Ruͤben und dergl. beſtellt war. Roggen und Weittzen gedethen beide in der Regel nicht recht gut in dteſem Lande, wozu noch der Umſtand kommt, daß man jene Gewaͤchſe ſelten zeitig genug abernten kann, um die Winterung zu rechter Zeit nach ihnen einzuſaͤen. Der Hauptfeind der Gerſte iſt in unſern Gegenden der Hederich. Dieſes gefaͤhrliche Unkraut iſt aber in dem gut bearbetteten Kartoffellande auf mannichfaltige Art zer⸗ ſtoͤrt, und die Gerſte hat daher in dieſem Lande viel weni— ger von ihm zu fuͤrchten, als wenn ſie nach der gewoͤhn— lichen Weiſe in die Weitzen, oder Roggenſtoppel geſaͤet wird. Bisher war es freilich nicht moͤglich, ſein Land jedes Mal mit einer ſolchen Frucht zu beſtellen, die ſich am beſten fuͤr daſſelbe ſchickte. Jetzt aber kann auf das huth⸗ frete Drittheil ein jeder ſaͤen, was ſeinem Lande am ange⸗ meſſenſten und ihm ſonſt am vorthellhafteſten iſt. Saͤet man die Gerſte in dies reine und lockere Land, welches im vorigen Jahre ſo fleißig bearbettet wurde, ſo wird man 165 de eine ganz andere Meinung von derſelben erhalten, als u m man jetzt hatte, da man ſie blos in unretnes Stoppelland ſaͤcte. Hier war ihr Ertrag freilich ſehr unſicher, weil ſie zhn etſ oft vom Unkraute uͤberwachſen wurde. Dort wird ſie aber wixni 1 einen ſicherern und hoͤhern Ertrag, als Winterung, nach ſolches dud jenen Gewaͤchſen geben. Sie verdraͤngt auch die Winte⸗ rung eigentlich nicht, wie ich im ſiebenten Kap. angegeben hahr dahe habe; ſie kommt nur fruͤher wie jene, und die Winterung Rüͤben un folgt nun der Sommerung, nachdem das Land vorher then bedd Klee oder Wicken getragen hat. vozu noch Die große oder zwetzeilige Gerſte verlangt einen tten zelti mehr thonigen Boden. Nach der Winterung gebauet, echter Jit wuͤrde ſie in jedem ſandigen Lehmboden ſchon einen erbaͤrm⸗ lichen Ertrag geben, nach behackten Fruͤchten kann ſie aber Gegendn mit mehrerem Vortheil in dieſem Boden, wie die kleine ber in dem Gerſte, gebauet werden. In manchen Gegenden ſaͤet man ge Att ze die große Gerſte ſchon im Maͤrz, wenn die Witterung es vlel wen zulaͤßt. Es verſteht ſich, daß dann das Land ſchon im er gewahn Herbſt durch mehrmaliges Pfluͤgen dazu vorberettet ſeyn pyel geſäe muß, wenn ſie nach Winterung geſaͤet wird. Nach behack⸗ ten Fruͤchten iſt das Land zu einer ſo fruͤhen Ausſaat am and jedes geſchickteten. Hat die Bearbeitung der Roggen; oder ſich am Weitzenſtoppel im Herbſt nicht ſchon geſchehen koͤnnen, das huth ſo muß das Land im Fruͤhjahre mehrere Pflugfurchen am ange erhalten, und die Ausſaat verzieht ſich bis in die Mttte ſt. Sie Mai. Auf ſtrengem Thonboden wird nach der Winterung , velhi zur Gerſte wohl am beſten viermal gepfluͤgt. vitd Nu Die kleine oder vierzeilige Gerſte wird auf 166 Lehmboden oder lehmigen Sandboden vortheilhafter als große Gerſte ſeyn, wenn man Gerſte uͤberhaupt nach der Winterung ſaͤet. Sie geraͤth aber ebenfalls in dem gut behackten Wurzelgewaͤchslande am beſten. Eine Abart der kleinen Gerſte wird unter dem Na⸗ men Fruͤhgerſte ſchon im Maͤrz oder April geſaͤet; die ſpaͤte und gewoͤhnliche kleine Gerſte gedeihet aber am beſten, wenn ſie in den letzten Tagen des Mai, oder in den erſten des Junt geſaͤet wird. Fuͤr die mit Hederichsſaamen angefuͤllten lehmigen Sandfelder iſt die kleine Gerſte wegen dieſer ſpaͤten Ausſaat eine ſehr nuͤtzliche Frucht. Man hat Zeit, das Land dazu mehrere Male zu bearbeiten. Dadurch wird der Hederich zum Aufgehen gebracht, und kann mehrere Male untergepfluͤgt werden. Fingen die Landleute auch noch an, die Gerſte zu jaͤten, ſo wuͤrden ſie dieſes ſchaͤdliche Unkraut anfangs vermindern, endlich ganz zerſtoͤren. Um den Hederich bei der kleinen Gerſte ſo unſchäͤd⸗ lich als moͤglich zu machen, hat man ſich auf verſchiedene Art zu helfen geſucht. Zuweilen ſchwemmt man die He⸗ derichsſchoten im Waſſer ab. Man ſchuͤttet zu dem Ende die zur Ausſaat beſtimmte Gerſte in ein großes Gefaͤß, uͤbergießt ſie dort mit Waſſer, ſo daß ſolches einen Fuß hoch uͤber der Gerſte ſteht, und ruͤhrt die Gerſte im Waſ— ſer tuͤchtig um. Die Spreu, die Hederichsknoten und andere Unkrautſaamen werden oben auf ſchwimmen„ dlie Gerſte aber zu Boden ſinken. Man nimmt mit einem 169 hihte t Siebe das Abgeſchwemmte ab, und behaͤlt unten die hugt. Gerſte rein. i im g Damtt aber auch der im Boden in unendlicher Menge llegende Hederichsſaamen weniger ſchade, pfluͤgt man die t den N Gerſte auf die gewoͤhnliche Art in ſchmalen Furchen unter, keſt; d und laͤßt das Land ungeegget mehrere Tage liegen, ſo lange, tam beſtn, bis der Hederich zum Theil ſchon aufgegangen, oder doch den erſte ſchon ziemlich gekeimt iſt. Dann erſt egget man das chsſaaman Land. Der flach gewurzelte Hederich wird dabei zerſtoͤrt; ſte wegen die tiefer untergepfluͤgte Gerſte leidet aber gar nicht . Man Es verſteht ſich jedoch, daß dies nur in ganz klarem, earbeiten. von Wurzelunkraute reinem Lande angehe, welches nur acht, und ein leichtes Eggen erfordert. Bei ganz trockener Witte⸗ ingen die rung iſt dies Verfahren jedoch nicht anzurathen, weil eines ſo wuͤtden Thells das Land durch ſo langes Liegen in rauhen Fur⸗ n, endlic chen zu ſehr ausdorren wuͤrde, andern Thetls koͤnnte dann der eigentliche Zweck nicht erreicht werden, weil bei zu eunſchide großer Duͤrre der Hederich gar nicht keimt. erſcheden Die von mir vorgeſchlagene Fruchtfolge und der ver⸗ dſe He⸗ mehrte Anbau behackter Gewaͤchſe, wuͤrden ohne andere em Ende wichtige Folgen auch noch den Vortheil bringen, daß der „Gejiß, Hederich, dieſe gefaͤhrliche Landplage, endlich ganz vermin⸗ lnen Fuj dert wuͤrde. Mir ſind Doͤrfer bekannt, deren Etnwohner m Wüſ dadurch, daß ſie recht viele Kartoffeln und Ruͤben an⸗ ooten und baueten, und dabet allen aufkommenden Hederich umhack⸗ nen, de ten; daß ſie keinen Hederichsſaamen auf den Miſt ſchuͤt— mit einen teten und ihr Sommergetreide ordentlich jaͤteten, den He— derich ſo vertilgten, daß er auf ihren Fluren nun ſchon 168 in ſehr geringer Menge anzutreffen iſt. Das Ausjaͤten des Hederichs belohnt ſich ohnedtes noch durch das Fut— ter, welches zwar nicht dem Klee oder gutem Graſe gleich zu ſetzen iſt, aber dennoch ſehr reichlich dite Muͤhe des Nachhauſeſchaffens verlohnt. Bei der Ernte der Gerſte iſt faſt immer ein großer Verluſt, weil die Aehren bei trockener Witterung ſo leicht abbrechen. Am ſchlimmſten iſt dies mit der vierzetligen oder kleinen Gerſte. Um dies Abbrechen der Aehren zu verhuͤten, iſt es gut, dieſe Gerſte in mondhellen Naͤchten oder doch in den Abend- und Morgenſtunden aufzubinden, wenn die Wit⸗ terung anhaltend trocken iſt. Doch geht dies nur bei ſol— chem Wetter, wenn in den Naͤchten nur ſehr wentg Thau faͤllt. Stark bethauete Gerſte verdirbt leichter als ſolche, die vom Regen feucht iſt. Die Wintergerſte iſt ſechszetlig und wird ſehr zei⸗ tig im Auguſt geſaͤet. Sie verlangt einen reichen, mit Nodererde wohl gemengten Thonboden, giebt in einem ſolchen aber auch einen recht hohen Ertrag. Sie reift ſchon zu Ende des Junt, und hat bei Mangel an Gerſte dann einen vorzuͤglichen Preis, weil ſie fruͤher vermalzt werden kann. Es iſt aber dennoch ſelten rathſam, ſie anzubauen, wetl ſie das Land faſt zwey Jahre allein erfor— dert. Die nakte Gerſte iſt zwetzeilig, die Himmels⸗ gerſte vierzeilig. Beide Arten haben das Eigene, daß ihr Saamen ſich aus den Spelzen loͤſet, wenn er reif iſt, ds Ausſie z des fu Graſe geic 2Nähe we ein guit ng ſo laſct vlerzelge n, iſt es hin den die Wit⸗ tr bei ſol enig Thau als ſolche dſehr zi chen, mit in einem Sie reiſt n Gerſte vermaltt ſam, ſe ſein erfor immels gene, daj er reif ſ 169 und dann keine ſtaͤrkere Huͤlſe als Weitzen hat. Ein Scheffel Frucht von dieſen Gerſtenarten iſt daher auch ſo ſchwer wie Roggen, und eben ſo nahrungsreich. Sie ver⸗ dienen alſo mehr angebauet zu werden. Man ſaͤet ſie im April auf gutes, reiches Land, welches ein Jahr vorher Kartoffeln oder aͤhnliche Gewaͤchſe getragen hat. Bei keiner Getreideart iſt das rechte Maaß der Aus⸗ ſaat ſo wichtig, wie bei der Gerſte. Zwey oder drey Metzen zu viel ausgeſaͤet auf den Morgen, ſind nicht nur an und fuͤr ſich deswegen ein Verluſt, weil man den Saa— men unnoͤthig wegwirft, ſondern eine zu dichte Ausſaat fuͤhrt noch den Verluſt herbet, daß man obendrein noch ſchlechter erntet. In der Regel iſt bet der Gerſte eine ſchwaͤchere Ausſaat erwuͤnſchter, als eine ſtarke, well ſie nicht gehoͤrig vollkommene Aehren und Koͤrner hervor bringt, wenn ſie zu dicht ſteht. Auf gut zubereitetem, rei⸗ nem Lande iſt ein Berliner Scheffel hinreichend auf den Morgen; bei weniger klarem und feinem Lande ſaͤet man zwey bis vier Metzen mehr ein. Zwbölftes Kapitek. Von dem Hafer. Auch vom Hafer giebt es mehrere Arten, die ſich jedoch nicht ſo unaͤhnlich ſind, als die Gerſtenarten. Der gewoͤhnlichſte Hafer iſt der gemeine weiße; in einigen Gegenden findet man jedoch auch den ſchwarzen 170. Hafer ziemlich haͤufig. Auf ganz ſchlechtem Sandboden bauet man auch wohl noch den Rauhhafer, eine leichte und ſchlechte Frucht, an deren Stelle man lieber Buch⸗ weltzen bauen ſollte.* Nach der bisherigen Weiſe kommt der Hafer ins Sommerfeld auf ſolches Land, welches zu mager zur Gerſte iſt, oder welches zu derſelben entweder zu naß oder zu trocken iſt. Und eben deswegen, weil der Hafer auf ſol⸗ chen Stellen, wo eine andere Getreideart nur ſehr ſchlecht gerathen wuͤrde, noch eine gute Ernte geben kann, iſt er uns eine ſehr ſchaͤtzbare Frucht. Er iſt weniger empfind⸗ lich gegen Trockenheit und Naͤſſe, wie die Gerſte, und nimmt auch zur Noth mit einem rauhen Lande vorlieb, welches man wegen unguͤnſtiger Witterung nicht klar und fein genug zubereiten konnte. Man glaube aber nicht, daß der Hafer nicht eben ſo gern in gut zubereitetem und geduͤngtem Lande wachſe, wie jede andere Getreitdeart. Er wird immer einen hoͤhern Ertrag geben, wenn man das Land dazu gut, als wenn man es ſchlecht vorbereitet. Fuͤr neues oder ſogenanntes Rhodeland, welches aus der Weide oder Holzgrund aufgebrochen wird, ſchickt ſich der Hafer als erſte Frucht beſſer, als jedes andere Ge⸗ waͤchs. Nan kann ihn dreiſt auf die einfaͤhrig umge⸗ brochene Narbe ſaͤen, nur muß man eine ſtaͤrkere Einſaat nehmen, weil es nicht moͤglich ſeyn wird, jedes Korn mit Erde zu bedecken, und muß mit dem Eggen nicht faullenzen. 172 Emthi Der Hafer lebt eine fruͤhe Ausſaat. Spaͤt geſaͤeter jei ht Hafer waͤchſt zwar oft lang im Stroh, gliebt aber in der lel dut Regel nur leichte Koͤrner. Es iſt daher noͤthig, daß man das Land zum Hafer vor dem Winter voͤllig zubereite, aſt vorzuͤglich auf leichtem Sandboden, wenn es die Umſtaͤnde r ur Gafe irgend zulaſſen, damit man im Fruͤhjahre ſogleich den aß oder z Hafer einſaͤen kann. Dies hat folgende Vortheile: fer auf e Man braucht das Land im Fruͤhjahre dann nicht zu he ſchlc ſehr zu ruͤhren, es trocknet daher weniger aus, und die in, iſt er Winterfeuchtigkeit haͤlt ſich laͤnger darin. Manche Unkraͤu— empfind⸗ ter gedeihen in dem feſten Lande bet weitem nicht ſo gut, ſte, und wie im gelockerten, dahingegen der Hafer ſehr munter e vorlied, fortwaͤchſt, wenn man nur ſo viel Krume macht, daß er klar und anwurzeln kann. Auf lockerem Sandboden kann man das Land zu Ha⸗ ht eben ſo fer im Herbſt voͤllig fertig zur Saat pfluͤgen, und es in de wachſe rauhen Furchen liegen laſſen. Im Fruͤhjahre egget man en hohern ihn dann bloß ein. Auf lehmigen oder thonigen Feldern als wenn geht dies aber nicht, weil ſolches Land von der Naͤſſe beim Aufthauen ſo verdichtet oder zuſammen ſchwimmt, ches aus daß man den Saamen nicht mit lockerer Erde wuͤrde be⸗ hickt ſich decken koͤnnen. Hier muß man den Hafer nach voͤlliger dere Go Abtrocknung flach unterpfluͤgen. ig ungy Von der Ernte des Hafers muß ich noch bemerken, e Einſaat daß man nicht wohl thut, wenn man den Hafer zu reif des Korn auf dem Halmen werden, oder ihn zu lange in Schwa⸗ gn nih den liegen laßt. Man thut dies, vorzuͤglich das Letztere, in der Abſicht, damit ſich der Hafer beſſer dreſche, und . 17²2 meint, daß ohne ein ſolches Abroͤſten dies nicht gut gehe. Nach meiner Erfahrung iſt dies falſch. Das Haferſtroh wird durch zu große Reife ſowohl wie durch zu langes Liegen auf dem Schwade verdorben, und bei gutem Ha— fer iſt dann bei trockener Wttterung durch das Aufbinden immer ein großer Koͤrnerverluſt. Die Koͤrner, die aber bei dem Aufbinden abfallen, ſind die beſten, und gehen groͤßtentheils verloren; diejeni⸗ gen aber, welche bet Hafer, der in der Gelbreife abgemaͤ⸗ het iſt, und nach gehoͤrtger Abtrocknung des Strohes und des Futters darin eingefahren wurde, noch am Strohe bleiben, ſind die ſchlechten, unretfen. Dieſe kommen aber nicht um, ſondern werden mit dem Haferſtrohe vom Viehe gefreſſen. Das Haferſtroh iſt, gut eingebracht, ein vortrefliches Viehfutter fuͤr Rindvteh und Schaafe. In Gegenden, wo keine Wieſen ſind, aber viele Wurzelgewaͤchſe gebauet werden, vertritt es, mit dieſen zuſammen, die Stelle des Heues. Dreizehntes Kapitel. Von den Huͤlſenfruͤchten. Zu den Huͤlſenfruͤchten zaͤhlen wir hier die Erbſen, Wicken, Bohnen, Linſen und Buchweitzen oder Heidekorn. Von ihrem großen Nutzen, wenn ſie abwechſelnd mit Getreide aut g Pyxfertu au langes tem Ha nufbinden Gabſalln diejene nabgemi L)yes und Strohe un aber 2s Viehe refliches genden, jgebaut eelle des Wickn, . Von Hetrede 173 und den behackten Fruͤchten angebauet werden, habe ich ſchon oͤfter geſprochen. Die Koͤrner dieſer Gewächſe ſind zum Theil ſchon fuͤr Menſchen ein ſehr gutes Nahrungsmittel; fuͤr unſere Hausthiere ſind ſie aber ſaͤmmtlich faſt noch gedeihlicher, als das eigentliche Getreide. Das Stroh von ihnen iſt, als Viehfutter betrachtet, immer dem weißen Strohe oder dem vom Getretde vorzuziehen. Neben allen dieſen Vorzuͤgen ſind ſie fuͤr uns Land— wirthe aber vorzuͤglich deswegen wichtig, weil wir durch ihre Huͤlfe unſer Land alljaͤhrlich nuͤtzen koͤnnen. Roggen, Gerſte und Hafer in ununterbrochener Folge fort zu ſaͤen, geht, wie wir geſehen haben, nicht an, wenn auch Miſt in Menge vorhanden iſt; noch weniger ertraͤgt ſolches Land den fortwaͤhrenden Getreidebau, welches man nur in drei, vier oder ſechs Jahren einmal duͤngen kann. Als Zwi⸗ ſchenfruͤchte oder Vorbereitungsfruͤchte fuͤr das Getreide ſind die Huͤlſenfruͤchte von unvergleichlichem Nutzen. Ste machen den Boden durch ihre Beſchattung und ihre Wur— zeln locker, ſie duͤngen ihn durch die abfallenden Blaͤtter und zuruͤckbleibenden Ranken, und da ſie andere Nahrungs⸗ theile aus dem Boden ztehen, als Getreide, ſo wird der— ſelbe durch ſie faſt gar nicht entkraͤftet oder ausgeſogen, wenn ſie nur nicht zu oft auf ein und daſſelbe Land ge⸗ ſaͤet werden. Um nun von den Hulſenfruͤchten alle die geruͤhmten Vortheile zu erlangen, ſollte man ſie nur nach einer Ge— treidefrucht bauen, niemals nach behackten Fruͤchten oder 174 Klee. Sie gerathen zwar in ſolchem Lande, allein daſſelbe ſchickt ſich beſſer fuͤr eine Getreidefrucht, und nach dieſer letzteren wachſen Huͤlſenfruͤchte dann noch eben ſo gut. Evbſenm. Sie ſind fuͤr Menſchen eine gute Speiſe, wenn ſie weich kochen. Sonſt koͤnnen ſie, unter den Roggen ge⸗ mengt, gemahlen werden, und geben ein hohes, ſockeres Brod, ſind aber zum Maͤſten und Viehfutter uͤberhaupt ganz vorzuͤglich zu gebrauchen. Es giebt ebenfalls mehrere Arten von Erbſen, groͤßere und kleinere, fruͤhe und ſpaͤte, die jedoch in den Haupt⸗ ſachen ſich gleich ſind. Die Erbſen wachſen im Thonboden bei gutem Duͤn⸗ gungszuſtande deſſelben recht gut, gerathen aber im Lehm⸗ boden ſicherer, und geben bet feuchter Witterung noch im lehmigen Sandboden einen guten Ertrag. Man thut in den mehreſten Faͤllen wohl, den Miſt zu Erbſen unmitttelbar zu fahren. Man kann dann dieſe Arbelt, das Abfahren des Miſtes, in der ſchecklichſten Zeit, im Winter machen, und fuͤr dte auf die Erbſen folgende Winterung wird es zutraͤglicher ſeyn, wenn der Miſt ſchon mehrere Male mit dem Lande gepfluͤgt worden iſt, als wenn er unmittelbar zur Saat der Winterung gefahren waͤre. Sollten die Erbſen auch wirklich weniger Koͤrner anſetzen, und durch die gute Duͤngung mehr ins Stroh getrteben werden, ſo ſchadet es nicht, weil dann gerade die dichte Decke der Erbſen auf dem Boden es macht, ein daſeh nach dieſe o gut. wenn ſe oggen ge lockies ſberhann groͤßet⸗ Haupt⸗ m Dine im Lehm noch im zen M unn dieſe ken Zelt folgende ſt ſchon ſt, as gefahtin Koͤrnet Stroſ gerade magt, 175 daß die nachfolgende Winterung ſehr gut geraͤth. Eben daſſelbe gilt auch von den Wicken. Man pflegt die Erbſen oft nur einfaͤhrig zu beſtel— len, d. h. man pfluͤgt die Stoppel des Getreides um, ſaͤet die Erbſen auf die Furche und egget ſie ein. Bei recht reinem und lockerm Boden iſt eine ſolche Beſtellung hin⸗ laͤnglich, allein bei feſterm, mehr thonhalttgem Boden muß man oͤfter pfluͤgen. Am beſten auf dieſe Art. Man pfluͤgt im Herbſt das Land regelmaͤßig und ziemlich tief um, faͤhrt den Miſt den Winter uͤber auf. Hat man dazu kurzen, gut gefaulten Miſt genommen, und iſt der Boden nicht gar zu thonig oder naß, ſo ſaͤet man die Erbſen auf den ausgeſtreueten Miſt aus und pfluͤgt ſie flach unter. Die Erbſen kommen dann in die obere, vom Froſt und der Witterung gelockerte Krume, haben aber unter ſich noch eine Erdlage, in welcher ſich die Winterfeuchtig— kett laͤnger erhaͤlt, in welche ihre Wurzeln ſehr bald ein— dringen, und dann einer groͤßeren Duͤrre Trotz bieten koͤnnen, als wenn ſie auf die einfaͤhrige Furche oben auf geſaͤet werden. Die Erbſen verlangen zwar eine fruͤhe Ausſaat, jedoch eile man auch nicht uͤberall ſo ſehr damit als gewoͤhnlich geſchieht. Bei der Ausſaat dieſer oder jener Frucht muß man ſich uͤberhaupt mehr nach der Beſchaffenheit des Lau⸗ des und nach der Witterung, weniger nach dem Kalender richten. Naſſes Land, welches von der Winternaͤſſe noch nicht abgetrocknet iſt, ſollte man ohne die hoͤchſte Noth nie beſtellen, ſollte ſich die Ausſaat der Erbſen daruͤber 176 auch bis in den Mat verſchieben. Je ſandiger und der Austrocknung unterworfener der Boden iſt, deſto vortheil⸗ hafter iſt eine fruͤhe Ausſaat; je thontger und naͤſſer, deſto ſchaͤdlicher. Das Erbſenſtroh iſt ein herrliches Viehfutter, vorzuͤg⸗ lich fuͤr Schaafe, wenn es trocken eingebracht iſt. Hat man Mangel an Heu, und legt in dieſem Falle einen hohen Werth auf dieſes und aͤhnliches Stroh, ſo thut man wohl, wenn man die Erbſen abmaͤhet, ehe die ſpaͤten Schoten die gehoͤrige Reife haben. Die Blaͤtter werden dann mehr am Strohe bleiben, und es wird gewiß weit gedeihltcher werden, als wenn man mit dem Maͤhen bis zur Reife aller Schoten wartet. W icken, Die Wicken ſind als Viehfutter betrachtet noch vor⸗ zuͤglicher, als die Erbſen. Sie wachſen auf denſelben Bo⸗ denarten, wie die Erbſen, ſo wie auch alles das auf ihren Anbau paßt, was ich von dieſen geſagt habe. Man ſollte ſie, wenn man durch ihren Anbau das Land zu Getreide gehoͤrig vorbereiten will, ebenfalls in friſch geduͤngtes Land ſaͤen, damit ſie recht uͤppig wachſen, das Land dicht beſchatten und dadurch muͤrbe machen. Die Wicken koͤnnen zwar eben ſo fruͤh wie die Erbſen geſaͤtt werden. Iſt es aber mehr auf langes Wickenſtroh als auf gute Schoten abgeſehen, ſo iſt bei den Wicken eine ſpaͤtere Ausſaat vorzuziehen. Man kann ſie zu An⸗ fange des Junt ausſaͤen, und ſie werden noch zur rechten Zett —— wund de ſ vorthel ſſer deſt vur ſt. Hat ille Anen hut mun iee ſpäͤtnn werden iß wel hen bie voch bor⸗ zhen Bh duf ihren au das falls ia pachſen machen Erbſen kenſtuh Picm zu Aw rechten Jal 177 Zeit reif. Saͤet man ſie aber auch ſpaͤter, ſo koͤnnen ſie als gruͤnes Futter, oder zu Heu abgemaͤhet, einen ganz vorzuͤglichen Ertrag geben; reif wuͤrden ſie aber nur in ſeltenen warmen Sommern werden. Man thut uͤberhaupt wohl, bei dieſem und aͤhnlichen Gewaͤchſen eine doppelte oder dreifache Ausſaat zu ma⸗ chen. Geraͤth eine Saat nicht, ſo erntet man gewoͤhn— lich von den andern um ſo reichlicher. Noch mehr iſt dies nothwendig, wenn man die Wicken in der Abſicht anbauet, um ſie gruͤn zu verfuͤttern. Dann muß man von vierzehn Tagen zu vierzehn Tagen nur einen Theil ausſaͤen, um immer friſches Futter zu haben. Die Wicken geben ein feineres, zarteres Stroh als die Erbſen. Es iſt daher, gut getrocknet, noch mehr als Stellvertreter des Heues anzuſehen. Man eilt zu dem Ende auch mit dem Abmaͤhen, ehe die Blaͤtter ſaͤmmt⸗ lich abgefallen ſind, und achtet es nicht, wenn auch ei⸗ nige Schoten noch nicht vollkommen reif ſeyn ſollten. Ein Gemenge von Wicken und Hafer, auch wohl noch mehreren Gewaͤchſen durcheinander, iſt vorzuͤglich auf ſolchen Boden auszuſaͤen, der eine feuchte Lage hat, und von Natur reich an Modererde oder tuͤchtig ge— duͤngt iſt. Auf ſolchem Boden lagern ſich die Wicken ſehr leicht und faulen. Um dies zu verhuͤten, iſt jenes Gemenge ſehr paſſend. Der Hafer, oder eine andere Getreideart, haͤlt die Wicken aufrecht, und ein ſolches Wickfutter iſt gruͤn und getrocknet ganz herrlich fuͤr alle Arten Vieh zu gebrauchen. Man muß aber nicht mehr 1.—[ 22 3 178 Hafer dazu nehmen, als zum Aufrechthalten der Huͤl⸗ ſenfruͤchte noͤthig iſt, ſonſt wuͤrde der Vortheil— Vor— bereitung des Landes zur Winterung, dadurch nicht er⸗ reicht. In manchen Gegenden, wo der Wickenbau bisher noch nicht ſehr bekannt war, koͤnnte man gegen denſel⸗ ben vielleicht den Einwand haben, daß es an Gelegen— heit fehlen wuͤrde, die Wicken zu verkaufen. Dieſe Be⸗ ſorgniß iſt aber voͤllig grundlos. Es kann wohl ſeyn, daß man in einigen Gegenden die Wicken nicht wie Rog— gen, Gerſte und Hafer auf den Markt bringen kann. Das iſt aber auch gar nicht nothwendig. Man muß ein ſo gutes Gewaͤchs, wie die Wicken, ſelbſt verfuͤt— tern, und in der Stelle deſto mehr von den genannten Getreidearten verkaufen. Denn es iſt wohl nicht leicht eine Wirthſchaft ſo klein, daß man dem Zugviehe nicht etwas Koͤrner geben ſollte. Zu Pferdefutter ſind die Wicken aber ganz unuͤbertreflich. Diejenigen, welche keine Pferde halten, werden wohl unter ihren Bekann⸗ ten einen haben, der Pferde haͤlt, und ihnen gern Rog— gen fuͤr ihre Wicken giebt, wenn es an Gelegenheit zum Verkauf fehlen ſollte. Ich weiß aber, daß ſie oft theu— rer wie Roggen verkauft worden ſind. Man baue ſie alſo dreiſt an, es wird ſich ſchon Gelegenheit zum Ab— ſatz auf eine oder die andere Art finden. In Gegenden, wo es an Wieſen fehlt, kann man die Wicken zu Heu nuͤtzen. Man ſa3ͤet ſie zu dieſem Behuf, wie oben ſchon geſagt, in gut geduͤngtes und der H — Dor nich e u dsher denſe Gelege jeſe Re hl ſenn ie Nog kann n muß verfüt nannten Bekame n Roh eit zun ft thau baue ſ um M. un man deeſen tes un 179 fein bearbeitetes Land, vor der letzten Haͤlfte des Mat an, bis zu der letzten Haͤlfte des Juni zu verſchiedenen Zeiten aus. Sind ſie heran gewachſen, ſo maͤhet man ſie dann ab, wenn ſie ſchon anfangen Schoten anzu⸗ ſetzen, aber noch bluͤhen. Giebt man ſich nun rechte Muͤhe, dieſe gruͤne Wicken gut zu trocknen, und huͤtet ſich, daß ſie im halbtrockenen Zuſtande nicht ſehr naß werden, ſondern ſetzt ſie bald in kleine Haufen, wenn das Wetter unbeſtaͤndig iſt, ſo erlangt man ein Heu, welches allem Wieſenheue vorzuziehen iſt. Es ſcheint vielleicht manchem Schade, eine Frucht abzuhauen, ehe ſie ihr Wachsthum vollendet hat. Man denke aber nur ein wenig uͤber die Sache nach, und er— innere ſich deſſen, was ich in den oft angezogenen ſie— benten und achten Kapiteln geſagt habe. Der Landmann muß mehr wie jeder andere Gewerbs⸗ mann die Zukunft bedenken, wenn er aus ſeiner Wirth— ſchaft den hoͤchſten Vortheil ziehen will. Wollte er nur immer Ein Jahr vor Augen haben, gerade dasjenige, in welchem er dieſe oder jene Frucht ausſaͤet, und wollte niemals fragen: wird mir das, was ich in dieſem Jahre thue, im kuͤnftigen nicht ſchaden? ſo wuͤrde er bald ſo in den Tag hinein wirthſchaften, daß er ſich in kurzer Zeit zu Grunde richtete. Wir machen in dieſem Jahre Miſt, um nach zwei Jahren deſto mehr Getreide zu dreſchen und mehr Geld einzunehmen. Wir bauen in einem einzelnen Jahre nur immer etwas Flachs oder Toback, weil wir wiſſen, daß wir dadurch weniger Stroh ———j,——— 8 ————j 180 und Futter ernten, und unſere Felder endlich ganz ent⸗ kraͤften wuͤrden, wenn wir ſolche Gewaͤchſe ein paar Jahre hintereinander in großer Menge anbauen wollten. Wir ließen zeither den dritten Theil unſers Feldes braach liegen, groͤßtentheils deswegen, weil wir wußten, daß wir nur unter dieſer Bedingung alle drei Jahre zweimal Getreide auf unſer mageres Land bringen durften. So koͤnnte ich noch eine Menge Beiſpiele aus unſe⸗ rer Wirthſchaftsweiſe anfuͤhren, aus welchen hervorgehet, wie wichtig fuͤr den Landmann die Zukunft iſt, und wie ſelten er das thun darf, was ihm fuͤr den Augenblick den hoͤchſten Vortheil bringt. Wir wollen das auf un⸗ ſer Wickenheu anwenden. Werden die Wicken reif, ſo geben ſie ſchoͤne Koͤr— ner, die man verkaufen kann, und das Stroh iſt dann immer noch ein gutes Viehfutter. Aber reife Wicken zehren auch mehr aus, als gruͤn abgemaͤhete. Ich ernte alſo auch weniger Winterung hinter reif geworde⸗ nen, als hinter gruͤn gemaͤheten Wicken, und dann iſt dieſes Wickenheu doch ein ganz anderes Futter als das Wickſtroh, von dem die Koͤrner abgedroſchen ſind. Neh⸗ men wir auf dieſe beiden Umſtaͤnde gehoͤrig Ruͤckſicht, ſo werden wir finden, daß der Unterſchied des Werths zwiſchen dem Heu von einem Scheffel Wickenausſaat und den reifen Wicken, die man davon erntet, nur ſehr unbedeutend iſt. Wir irren uns ſehr leicht, wenn wir Futter und Getreide mit einander vergleichen, und letz⸗ teres nach dem Marktpreiſe rechnen, erſteres, das Fut⸗ — — t ganz ene ein pau u wolten des braac zten, d e zweimal ten. aus unſe, vorgehe, und wie ggenblick auf un⸗ aͤne Kär⸗ ˖iſt dann Vicken te. I geworde⸗ —dann ſſ als das .. Neh⸗ dͤckſicht, Perths rnausſgat nur ſehr venn wit und let das Ful 181 ter, aber ſo erbaͤrmlich geringe, daß man ſchon durch die Nutzungen des Viehes mehr Vortheil davon hat, ohne noch zu berechnen, daß jedes Futter, und je beſſer es iſt um ſo mehr— die Menge des Miſtes vermehrt, und dadurch in Zukunft auch die Getreideernten. Ich muß Euch bei dieſer Gelegenheit daran erinnern, lieben Landleute, daß Ihr bis jetzt den dritten Theil Eures Feldes, die Braache, auch noch mit deswegen liegen ließet, um Euer Vieh vor der Ernte darauf zu weiden. Ich brauche wohl nicht erſt zu beweiſen, wie wenig ſich daſſelbe von dieſen Weiden holte. Aber leben muß Euer Vieh; es muß beſſer leben wie bisher, wenn Ihr vorwaͤrts kommen wollt. Darum erſchreckt nicht davor, wenn ich Euch, wie hier z. B. anrathe, eine geſaͤete und bearbeitete Frucht, wie die Wicken, fuͤr das Vieh gruͤn und getrocknet abzumaͤhen. Ich verlange nichts von Euch, als daß Ihr jaͤhrlich einige Scheffel Wicken ausſaͤet, von denen Ihr keine reifen Koͤrner wie⸗ der erntet. Dieſe Ausſaat koͤnnt Ihr Euch auf viel— faͤltige Art erbauen, wenn Ihr meine Vorſchlaͤge zu Her⸗ zen nehmt. 6 Aber bei den Wicken, die Ihr gruͤn abmaͤhet, koͤnnt Ihr nie ſo rechnen: wenn ich von jedem Scheffel Wik⸗ kenausſaat fuͤnfe wieder dreſche, ſo habe ich viere zum Verkauf. Sondern Ihr muͤßt die Rechnung ſo ſtellen: Ich brauchte zeither einen Theil meines Landes zur Weide fuͤr mein Vieh. Dieſe Weide war aber ſo ſchlecht, daß es ſich kaum das Leben darauf erhielt. Ich will 182 nun dieſes Land, welches ſonſt zur Weide beſtimmt war, zum Theil mit Futter anſaͤen, und will mein Vieh davon im Stalle naͤhren. Dazu brauche ich Ausſaat, und muß einige Muͤhe bei der Beſtellung anwenden. Dies V iſt es aber auch alles, was mir das Futter koſtet, denn. triebe ich mein Vieh aus, ſo haͤtte ich das Land gar nicht zum Futterbau, ſondern es laͤge zur wilden Weide. Wer iſt, der da zweifelt, daß er von ſechs Morgen Land mit Wicken angeſaͤet, ſechs Kuͤhe nicht eben ſo lange V fuͤttert, als ſich zwey andere Kuͤhe auf dieſen ſechs Mor— b gen ernaͤhren werden, wenn ſie blos braach liegen? Man gewinnt alſo bei gleichem Viehe vier Morgen Land bei b jedem Stuͤck von ſechs Morgen, die man nach ſeinem V Gefallen benutzen kann. b Linſen. Die Linſen ſind weniger als Viehfutter wichtig. Im Gemenge mit Wicken werden ſie aber doch auch. haͤufig dazu angebauet. Sie ſind aber als ein ſehr be⸗ V liebtes Nahrungsmittel fuͤr Menſchen bekannt, und wer— den in der Regel theurer als Erbſen bezahlt. Sie lieben einen ſandigen Lehm- oder lehmigen V Sandboden. Thon⸗ und Lehmboden ſagt ihnen weni— ger zu. Sie gerathen am beſten, wenn man ſie reihen⸗ 1 weiſe ausſaͤet und behackt. Wer Kinder hat, kann ſie in ziemlicher Menge anbauen, und von ihnen behacken V laſſen.. Im lockern Boden gerathen ſie auch gut, wenn ſie ———— ——— mt war ih dbon at, und . De t, denn and gat Wedde Morgen h lange Mor⸗ 9 Man und bei ſeinem gvichtig. ) auch gehr be⸗ 9d wer⸗ ymigen d weni greihen unn ſe ehackn zenn ſ 183 blos auf die gewoͤhnliche Art breit ausgeſaͤet werden; im feſtern Boden kann man ſich ihr Gerathen nur durch das Behacken ſichern. Man laͤßt zu dem Ende auf dem Lande, wohin man ſie ſaͤen will, kleine Rinnen durch Hacken ziehen, die ſechs bis acht Zoll von einander entfernt ſind und ſtreuet ſie da ein. Will man die Muͤhe des Rinnenziehens erſparen, ſo pfluͤgt man das Land dazu recht ordentlich, daß die Furchen recht gerade zu liegen kommen, und ſaͤet ſie darauf aber etwas ſchwach ein. Dadurch wird man ſo viel Platz behalten, um ſie hacken zu koͤnnen. In dem auf dieſe Art behackten Linſenlande waͤchſt nachher die herrlichſte Winterung.— Das Stroh von den Linſen iſt beſſer wie das von den uͤbrigen Huͤlſen⸗ fruͤchten, weil es feiner und blattreicher iſt. Bohneen. Unter dem Namen Bohnen verſtehen wir in unſern Gegenden mehrere, zum Theil verſchiedenartige Ge⸗ waͤchſe. In den Gaͤrten ziehen wir erſtlich die Schmink⸗ bohne(Phaſeole, Vitsbohne), und die ihr ganz aͤhnliche Staudebohne. Es leidet keinen Zweifel, daß man dieſe auch im Felde anbauen kann. Da ſie aber ſo ſehr leicht erfrieren, ſo paſſen ſie mehr fuͤr den Garten. Ein von dieſen ganz verſchiedenes Gewaͤchs iſt die auch haͤufig in den Gaͤrten angebauete Saubohne, oder große Bohne, die allgemein verbreitet und bekannt iſt. 184 Dieſer ſehr aͤhnlich, nur viel kleiner iſt die Pfer⸗ debohne, und dieſe verſtehe ich hier, wo ich vom Feld⸗ baue rede, unter dem Namen Bohne uͤberhaupt. Dieſe Frucht iſt An herrliches Pferdefutter, aber auch nicht weniger gut zum Maͤſten der Schweine zu gebrauchen, wozu man ſie verkaufen kann, wenn man viel von ihr anbauet. Das Stroh dieſer Bohne iſt ein gutes Schaaf⸗ und Rindviehfutter. Saͤet man dieſe Bohnen im Ge— menge mit Wicken aus, ſo halten ſich letztere an den ſtaͤrkeren Bohnenſtaͤngeln, und dies Gemenge mit den Koͤrnern geſchnitten erſpart bei den Pferden alles wei— tere Kornfutter. Die Bohnen ſind unter den Huͤlſenfruͤchten, was der Weitzen unter den Getreidearten iſt: das paſſende Gewaͤchs fuͤr den ſtrengen Thon- und Lehmboden. Wenn Erbſen und Wicken mehr einen lockern Boden lieben, ſo gedeihen Bohnen, auf die gehoͤrige Art behandelt, im feſten Thonboden am beſten. Will man ſich von den Bohnen ſelbſt eine gute Ernte ſichern, und das Land dadurch zu Weitzen ſo gut wie durch eine Braache vor⸗ bereiten, ſo verfaͤhrt man auf folgende Art: Das Land wird im Herbſte gut geduͤngt und zwei⸗ mal gepfluͤgt. Die letzte Furche laͤßt man ungeeggt den Winter uͤber liegen und giebt ſie ein wenig tief. Im Fruͤhjahre, wenn das Land gehoͤrig abgetrocknet iſt, eggt man es recht fein. Nun pfluͤgt man zur Saat, und pfluͤgt die Bohnen unter. Man ſaͤe ſie aber nicht auf die gewoͤhnliche Art wie anderes Getreide aus„ ſondern laſſe eine d 1 tie gehen 4 men Sie behaͤu boden nach ötasc ide d an h aunt d auch i goͤrauce diel von nes Ecn den in 6 Ure an 1 m mit ¹ tills ffren, 2 3 prſſe Inn. Vm e in lä e behandeh ¹ih von w u das(u saache u 1 ulnd zu neeggt i nief P dt iſt, 0 V aönat, m nicht i ſonden / ——õö 185 laſſe ſie durch Kinder in die Furche ſtreuen. Man beſaͤet eine Furche um die andere. Damit man ſie aber nicht zu tief mit Erde bedecke, ſo pfluͤge man ſo flach, wie es gehen will, etwa drey Zoll tief.* Durch dieſes Ausſtreuen in die zweite Furche kom— men die Bohnen, gleich Kartoffeln, in Reihen zu ſtehen. Sie werden daher auch ſo gut wie jene behackt und behaͤufelt. Dieſes Behacken des feſten Thon⸗ oder Lehm⸗ bodens iſt dieſem ſehr zutraͤglich, und der Weitzen geraͤth nach gut behackten Bohnen eben ſo gut, wie nach reiner Braache. Es iſt ordentlich merkwuͤrdig, welchen Einfluß eine Frucht vor der andern auf die folgende bei gleicher Be⸗ arbeitung hat. Zu Kartoffeln bearbeite man das Land noch ſo ordentlich: der Weitzen oder Roggen wird nie ſo gut wie nach gut behackten Bohnen werden. Man ſaͤet in einigen Gegenden die Bohnen auch aus, wie alles andere Getreide, und bearbeitet ſie dann nicht. Dieſe breite Ausſaat iſt aber auf ſolchem Boden, wie ich ihn fuͤr Bohnen uͤberhaupt am paſſendſten halte, weniger zutraͤglich, als jene Ausſaat in Reihen und die nachfolgende Bearbeitung. Die Bohnen beſchatten den Boden nicht ſo dicht, wie gute Erbſen und Wicken. Ich wuͤrde daher vorziehen, wenn einmal eine breite Ausſaat ſeyn ſollte, ein Gemenge von Bohnen und Wicken aus⸗ zuſaͤen, wodurch der Boden beſſer beſchattet wird, wenn die Wicken gut gerathen. Buchweitzen oder Heidekorn. Obgleich das Heidekorn nicht eigentlich zu der Klaſſe von Huͤlſenfruͤchten gehoͤrt, wie die eben beſchriebenen, ſo hat er doch viele Eigenſchaften mit ihnen gemein, und verhaͤlt ſich auf die ihm folgenden Halm⸗ oder Getreide— fruͤchte ganz ſo wie jene. Er lockert das Land durch ſeine Wurzeln, beſchattet es gut, wenn er geraͤth und hinterlaͤßt es demnach in einem guͤnſtigen Zuſtande fuͤr. eine Getreidefrucht. Das Heidekorn iſt fuͤr die Sandgegenden ein wich— tiges Geſchenk des guͤtigen Schoͤpfers, der auf ſo man— nichfaltige Art fuͤr die Erhaltung des menſchlichen Ge— ſchlechts geſorgt hat. Auf Boden, der zu Gerſte und Hafer noch zu loſe iſt, gedeihet Buchweitzen ganz herr— lich, wenn man gluͤckliche Witterung trift. Ich habe im achten Kapitel angegeben, auf welches Land ich den Buchweitzen vorzuͤglich zu ſaͤen rathe, nemlich auf das vierjaͤhrig beweidete Sandland, wenn man nach meinem Vorſchlage die bisherige Feldordnung abaͤndert, und die leichtern, ſandigen Felder mehrere Jahre nacheinander beweidet. Dies Weideland pfluͤgt man zum erſten Male im Herbſteunm. Im Fruͤhjahre pfluͤgt man es noch zwei— mal und egget es nach jeder Pflugfurche gut. Die Ausſaat des Heidekorns macht man nicht auf einmal, ſondern am beſten auf zwei oder dreimal, wenn man vieles Land damit beſtellt. Man kann vom funf— zehnten Mai an bis den ſiebenten Juni in jeder Woche einen dieſe v Frucht eine an d. Bluͤthe ſetzt da die ang zuſaen, then eit dekorn reiche ſchlecht drei in ſo kan die an Man V doch w b und,- Heideke aus me O ᷣ Dera gefuͤtte als gr. Gruͤnf Er wa heit au V nein, und Getrede 1d durc äth und ide füt n wich⸗ oman⸗ en Ge⸗ rſte und n herr⸗ ſch habe ich de auf dos weinem und de inander Ml h zwei et auf wen jfäuf Lat 187 einen Theil ſeines Heidekorns ausſaͤen und wird durch dieſe verſchiedene Ausſaatszeit dem Mißrathen dieſer Frucht vorbeugen, welchem ſie allerdings haͤufiger, wie eine andere Frucht ausgeſetzt iſt. Das Heidekorn leidet nemlich ſehr leicht in der Bluͤthe von Morgenwinden, auch von Gewittern, und ſetzt dann nur wenige Koͤrner an. Beobachtet man aber die angegebene Vorſicht, es zu verſchiedenen Zeiten aus⸗ zuſaͤen, ſo wird das Gerathen einer Saat das Mißra⸗ then einer andern aufheben. Denn ſo leicht wie Hei⸗ dekorn mißraͤth, eben ſo leicht kann man auch eine ſehr reiche Ernte davon erhalten, die man vom Hafer auf ſchlechtem Sandboden nie erwarten kann. Geraͤth von drei in einem Jahre gemachten Saaten nur Eine gut, ſo kann man ziemlich ruhig ſich gefallen laſſen, wenn die andern beiden Saaten nur wenige Koͤrner geben. Man wird gegen eine Haferernte auf dieſem Boden denn doch wenigſtens das mehrere Stroh als Ueberſchuß haben, und,— was noch wichtiger iſt— der Roggen hat nach Heidekorn eine weit vorzuͤglichere Stelle, als nach Hafer aus mehrmals angegebenen Gruͤnden. Das Stroh des reifen Buchweitzens iſt fuͤr alle Thierarten ein angenehmes Futter. Aber auch gruͤn gefuͤttert iſt er dem Rindviehe nicht weniger angenehm, als gruͤne Wicken. Er ſchickt ſich vor allen als ſpaͤtes Gruͤnfutter, und dazu kann man ihn noch im July ſaͤen. Er waͤchſt ſehr ſchnell, ſteht ſehr viel Hitze und Trocken⸗ heit aus, und giebt unter allen Futtergewaͤchſen auf 188 Sandboden, die maͤhbar ſind, das meiſte Gruͤnfutter. Da die Ausſaat wohlfeiler iſt, wie die jedes andern Ge⸗ treides oder jeder andern Huͤlſenfrucht, ſo ſchickt er ſich auch deswegen gut als Futtergewaͤchs. Zum Reifwerden ſollte man auf den Morgen nie mehr als zwoͤlf Metzen ſaͤen. Zu Gruͤnfutter kann man einen vollen Scheffel nehmen, weil er dann mehr vor die Senſe giebt. Der rechte Zeitpunkt der Reife des Buchweitzens iſt ein wenig ſchwer zu beſtimmen, weil bald die erſten, bald die letzten Bluͤthen beſſere Koͤrner anſetzen. Ganz ohne Verluſt an Koͤrnern wird man ſelten durchkom⸗ men. Man muß daher die Ernte dann beginnen, wenn man die meiſten Koͤrner zu erhalten hoft, und muß ſich bei dem Aufbinden und beim Einfahren huͤten, ſehr mit dieſer Frucht zu reißen, weil die Koͤrner leicht abgehen. Die Koͤrner des Heidekorns geben die allgemein beliebte Heidegruͤtze, die ein ſehr wohlſchmeckendes Ge— richt iſt. Aber auch als Pferdefutter, ferner fuͤr Maſt⸗ und Federvieh, iſt dieſe Frucht herrlich zu gebrauchen. Daß man den gruͤnen Buchweitzen auf entfernten oder hochliegenden Feldern, wohin die Duͤngerausfuhr ſchwierig iſt, auch als Duͤngung unterpfluͤgen kann, habe ich ſchon an einem andern Orte geſagt. Man walzt ihn zu dem Ende nieder, wenn er in voller Bluͤthe ſteht und pfluͤgt ihn unter, wodurch das Land nun gleich zur Saat gepfluͤgt iſt. -——— V“ LLLIA IALerAdgS e 1hnanalherJeakrséenAAAhn InnTnnnn Rnarantdanatddn nnſnnnſ 3 4 5 10 6 8 b L 9 V Solour& Grey Cortrol Chart Blue Cyan Green Vellow Hed Magenta Wnio Gfeyv Grere)((.2974 la.