ℳ . X 2 Albrecht Dhaer' rhapſodiſche Bemerkungen zu 3 8 B. Be ll's Abhandlungen uͤber den Ack erbau. Berlin, 1804. In der Realſchulbuchhandlung. ₰ ℳ* A 4 Vorrede zur Ueberſetzung. 6 Ich hielt es für ſchicklicher, meine Bemerkun⸗ gen über dieſes Werk in einem Nachtrage an⸗ zuhängen, als durch Anmerkungen die Leſung deſſelben zu unterbrechen. Statt der Vorrede bitte ich alſo auch die⸗ ſe Bemerkungen bis Seite 19. zu leſen, oder auch, wenn man will, den ganzen Nachtrag der Leſung des Werks vorhergehen zu laſſen. Dieſer Theil betrifft größtentheils Staats⸗ wirthſchaft und Finanzweſen in Hinſicht auf Ackerbau; der zweite Theil, der wahrſcheinlich IV bald erſcheinen wird, und dann in der Uleberſez⸗ zung gleich nachfolgen ſoll, wird Gegenſtände des praktiſchen Ackerbaus enthalten. Wie nütz⸗ lich das Nachdenken über die Verhältniſſe ſei⸗ nes Gewerbes zum Staat jedem praktiſchen Ak⸗ kerbauer ſey, zeigte ſchon Münchhauſen im Aten Bande ſeines Hausbaters trefflich. Do Kriege, welche England geführt hat, um das von Cromwell gegründete Handelsſyſtem zu behaup⸗ ten und zu erweitern, hat die Brittiſche Staatsſchuld, ſeit Wilhelms des Dritten Regierung, auf 450 Mil⸗ lionen Pfund gebracht. Ehe ein ſyſtematiſches Schuldenmachen den Brit⸗ ten geläufig geworden war, borgte die Regierung Gelder und machte Schulden auf einen Credit, der den Gläubigern keine ſpecielle Hypothek verſicherte; man nannte Schulden dieſer Art in ſpätern Zeiten unfundirte Schulden, und als dieſer Credit wankend wurde, verpfändete man gewiſſe Einkünfte des Staats zur Bezahlung der Zinſen der angeliehenen Capitale; man nannte dies fundirte Schulden. Indem man auf dieſe Weiſe fundirte Staats⸗ ſchulden contrahirte, wurden folgende Hauptbedin⸗ gungen dabey feſtgeſetzt. 1) Die Regierung oder das Parlement ſoll weder jetzt noch für die Zukunft verpflichtet ſeyn, den Herleihern oder deren Erben die empfangenen Capitalien zurück zu zahlen. Nachtr. zu Bell's Verſ. I. Th. — 2— 2) Die Regierung verpflichtet ſich aber, contrakt⸗ mäßige Zinſen den Gläubigern des Staats zuzu— ſichern und auszuzahlen. Man nannte dieſe Zinſen eine Annuität, und die Dokumente, die darüber den Gläubigern gegeben wur⸗ den, Stocks. Dieſe Zinſen oder Annuität ſind ſeit der Revo⸗ lution von 8 auf 6, 5 und 4 pro Cent des wirklich dem Staate übergebenen Capitals geſunken; und un⸗ ter des Herrn Pellbams Adminiſtration, etwa im Jah⸗ re 1753, von 4 auf 3 pro Cent herabgeſetzt. Man nannte dies die 3 pro Cent Stocks reduced. Als aber in der Folge wiederholte Kriege mit Frankreich die Regierung nöthigten, neue Staats⸗ ſchulden zu machen, war ſie unter verſchiedenen vor⸗ theilhaften und nachtheiligen Ulmſtänden gezwungen neue Gelder zu 3, 4 und 5 pro Cent aufzunehmen. Auch hier wurden jene zwey Hauptbedingungen zur Grundlage des Contrakts gemacht, der mit den Gläu⸗ bigern geſchloſſen wurde, und es entſtanden 3, 4 und 5 pro Cent conſolidirte Stocks, oder neue fun⸗ dirte Schulden, für welche 3, 4 und 5 pro Cent Annuität bezahlt, und gewiſſe Staats Einkünfte, die aus neuen Taxen hervorgingen, verpfändet wurden. Im Jahre 1697 beliefen ſich die ſämmtlichen Staatsſchulden Großbritanniens auf etwa 21 ½ Mil⸗ lion Pfund; es wurden bis 1701 etwa 5 Millionen davon abgetragen. Der Schuldenbeſtand blieb alſo im Anfange des vorigen Jahrhunderts 16 ⅞ Million Der Krieg, welcher 1701 ausbrach, und andere Umſtände, häuften die Schulden dergeſtalt, daß ſie ſich 1722 auf 55 ¾ Millionen beliefen. Während des Friedens von 1722 bis 1739 wurden 85 Millionen abgetrogen; es blieben alſo 4675 Millionen. Der Krieg, der 1739 ausbrach, häufte bis 1746, wo durch den Aachener Frieden die Ruhe wie⸗ der hergeſtellt wurde, die Schulden wieder bis auf 7845 Millionen. In dem Frieden bis 1755 wurden 6 Millionen Schulden abgetragen: ſo daß beym An⸗ fange des ſiebenjährigen Krieges die fundirten Schul⸗ den Großbritanniens ſich auf 7255 Millionen Pfund beliefen. Der ſiebenjährige Krieg hatte die Schulden auf 139 ⅞ Millionen vermehrt; während eines Irjährigen Friedens wurden 11 ⅞ Millionen Schulden abgetra⸗ gen: ſo daß 1775 die ſämmtlichen Schulden Groß⸗ britanniens auf 128 Millionen Pfund ſich beliefen— eine Schuld, unter deren Laſt damals, nach der öf⸗ fentlichen Meinung, England erliegen mußte. Wer hätte es alſo glauben ſollen, daß ſeit dem in einem Zeitraume von 28 Jahren, 322 Millionen neue Schul⸗ den gemacht werden konnten, ohne den Brittiſchen Credit zu untergraben, und daß, nachdem die Schul⸗ denlaſt auf 450 Millionen geſtiegen iſt, immer noch Capitaliſten ſich finden, die begierig genug ſind, ihr Geld in Brittiſche Fonds, als den beſten Zufluchts⸗ Ort für die öffentliche Pecuniar⸗Sicherheit, zu tragen. A 2 —- 4— Das Steigen und Fallen der Stocks iſt kein Be⸗ weis von dem Steigen und Sinken des öffentlichen Engliſchen Staats⸗Credits; er entſteht vorzüglich: 1) aus einer unvortheilhaften Bilanz mit dem feſten Lande, und 2) aus neuen Handeilsunternehmungen, die von ſolchem Umfange ſind, daß die cirkulirende Geldmaſſe in England nicht zureicht, um die neuen merkantiliſchen Engagements zu realiſiren. Ich be⸗ merke, daß das Steigen und Fallen der Stocks ſel⸗ tener von Spekulationen und Proceduren der Beſitzer wirklicher Stocks herrührt, die ſich ſolche bloß erwor⸗ ben, um die damit verbundene Annuität zu ihrem jährlichen Auskommen zu machen, ſondern häufiger aus Contrakten ſolider Handelshäuſer ſowohl, als der ſogenannten Stock Jobbers, wobey ein idealiſcher Beſitz von Stocks zum Grunde gelegt worden. Wenn nun der große Umſang dieſer Contrakte durch die plötzliche Dazwiſchenkunft einer nachtheiligen Geld⸗ bilanz mit dem feſten Lande, oder durch Erweiterung des Gebiets zu neuen Handelsſpekulationen überraſcht wird, wo das handelnde Publikum, ſtatt des baaren Gel⸗ des, Stocks zum einheimiſchen Ausgleichen anbieten, oder Stocks verkaufen muß, um mit dem Ausländer fer⸗ tig zu werden; ſo entſteht daraus die natürliche Fol⸗ ge, daß der Capital⸗Preis der Brittiſchen Staats⸗ Obligationen oder der Stocks beträchtlich ſinken kann, obgleich der Staats⸗Credit derſelbe iſt und die auf den Stocks haftende Annuität pöllig ſicher ſtehet. Die Stocks in England ſind als ein cirkulirendes Me⸗ dium zu betrachten, und ſind folglich demſelben Han⸗ — 5— delseinfluſſe unterworfen, der auf dem feſten Lande die Proportion des Goldes zum Silber ſo oft ver⸗ ändert. So lange das Steigen und Fallen des Engliſchen Staats⸗Credits keinen Einfluß auf das Steigen und Fallen der Engliſchen Stocks hat, rührt letzteres le⸗ diglich von Vorfällen und Veränderungen in der Handelswelt her, nach welchen dem Kaufmanne bald der Beſitz von Stocks, bald der Beſitz von baarem Gelde vortheilhaft iſt. In jedem Falle werden die Stocks im Preiſe ſinken, wo Subſidien oder auswär⸗ tige Handels⸗ Entwürfe den Engländer nöthigen, große Summen auswärks zu ſenden, und dadurch eine nachtheilige Geldbilanz und einen nachtheiligen Geld⸗Cours mit dem feſten Lande zu veranlaſſen. Als im Jahre 1795 die Franzoſen im Begriff ſtan⸗ den, in Holland einzudringen, und die Engliſche Ar⸗ mee zwiſchen der Ems und Weſer ihr Hauptquartier genommen hatte, waren die Wechſel, welche Brook Watſon, als General⸗ Commiſſär der Engliſchen Ar⸗ mee, auf die Engliſche Schatzkammer ausſtellte, von ſo ungeheurem Umfange, daß der Engliſche Cours auf 520 Thaler für 100 Pfund hexabſank(Das eta⸗ blirte Pari iſt 603 Thaler für 100 Pfund.) Die Handels⸗ und Commiſſariats⸗Wechſel von Bremen und Hamburg auf England ſollen in dieſem Jahre ſich auf 20 Millionen Pfund belaufen haben. Der Verluſt, den England mit dem feſten Lande durch dieſen nachtheiligen Wechſel⸗Cours in dieſem Jahre — 6— hatte, würde ſich demnach über 1 Million Pfund be⸗ laufen haben. Die Geldbilanz wurde dadurch ſo nach⸗ theilig für England, daß große Summen baaren Geldes dem feſten Lande zugeſchickt werden mußten, und weil man keine Stocks gebrauchen konnte, um mit dem feſten Lande zu liquidiren: ſo entſtand dar⸗ aus die natürliche Folge, daß viele Stocks⸗Inhaber den idealiſchen oder wirklichen Beſitz der Stocks ver⸗ kaufen mußten, um durch baare Remeſſen ihren Cre⸗ dit decken zu können— und, im Verhältniß der Geldnoth, welcher die Bank nur in geringem Maaße zu ſteuern vermochte, mußte der Preis der Stocks ſinken. In der Regel finden wir auch, daß der Preis der Stocks mit einem nachtheiligen oder vortheilhaf⸗ ten Engliſchen Cours ziemlich gleichen Schritt hält. Ich habe, ſeit Erſcheinung meines Buchs über Engliſche Landwirthſchaft, eine Menge Buchhändler⸗ Anträge erhalten, um Engliſche landwirthſchaftliche Schriften, die man mir theils vorſchlug, theils mei⸗ ner Auswahl überließ, unter meiner Anleitung über⸗ ſetzen zu laſſen, und ſie mit Anmerkungen und Erläu⸗ terungen zu begleiten. So angenehm mir dieſes in gewiſſer Hinſicht ſeyn mußte, ſo habe ich doch keinen dieſer Anträge angenommen. Denn kein mir vorge⸗ ſchlagenes, kein wir bekannt gewordenes Engliſches Werk, war von der Art, daß es ohne vollſtändige Kenntniß der Engliſchen landwirthſchaftlichen Verfaſ⸗ ſung überhaupt, und der beſondern Local⸗ Verhält⸗ niſſe, unter welchen der Schriftſteller ſchrieb, ver⸗ ſtändlich genug, und ohne Reduction jener Verhält⸗ niſſe auf die unſrigen praktiſch nützlich hätte werden können. Vielmehr konnten die beſten jener Schriften, bey einer leider! noch zu häufigen, nicht genug über⸗ legenden Nachahmungsſucht vielen ſchädlich werden. Was unſer verewigter Münchhauſen im Jahr 1765, in ſeiner Vorrede zum 2ten Bande des Haus⸗ vaters, von dem Geſchmack ſeiner Zeit ſagt, hätte ſich ſo ſchnell, als der Kleiderſchnitt, wieder bey uns erneuern können. Ich kann nicht umhin, dieſe Stelle wörtlich hierher zu ſetzen. „Eine dritte Warnung: ſey vorſichtig und nicht „zu voreilig in Ueberſetzung fremder Werke, richte nich billig an alle meine Landsleute, bey denen eine „gewiſſe Art von Ueverſetzungsſeuche herrſcht.“ * „Wie wir überhaupt nur ſuchen und vorziehen, „was fremd und ausländiſch heißet, ſo glauben wir nauch faſt, daß bloß fremde Nationen richtig den⸗ „ken und was Gründliches vortragen können.“ „Sobald kommt nicht, ſonderlich im Engliſchen „und Franzöſiſchen, ein Werk zum Vorſchein, wel⸗ „ches nur einigermaßen Beyfall findet; ſo veranſtal⸗ „tet ſchon ein gewinnſuchender Verleger, und ein da⸗ „von ſeinen Unterhalt erwartender Ueberſetzer eine „Deutſche Auflage. „Ein Buch, das auf dem Titelblatt die Nach⸗ „richt führt: aus dem Engliſchen oder Franzöſiſchen „überſetzt, wird ſchon mehr Abgang finden, als an⸗ „dere in der Materie mit mehrerer Gründlichkeit in „unſerer Mutterſprache geſchriebene“(Bey aller Deutſcher Originalität, womit unſere Schriftſteller prahlen, iſt dies noch immer der Geſchmack unſers Publikums). „Dieſer Mißbrauch hat auf die von der Land⸗ „wirkhſchaft handelnden Werke vornämlich einen übeln „Einfluß. Das Publikum würde wenig verlieren, „wenn es der leberſetzung z. E. des Mill'’s entbeh⸗ „ren müſſen. Derowegen wäre zu wünſchen: „I) Daß man in der Wahl derer zu überſetzenden „Werke recht ekel ſeyn möchte.“ „2) Daß Niemand eine Ueberſetzung übernähme, „als ein ſolcher, der nicht allein in beyden Spra⸗ „chen gleich geübt, ſondern auch in der Materie, „wovon gehandelt wird, völlig unterrichtet iſt.“ „,3) Daß ſodann der leberſetzer nicht ſowohl auf „die in der Urkunde gebrauchten Worte ſehe, ſon⸗ „dern wie er die Materie ſeinen Landsleuten auf „die gründlichſte und begreiflichſte Art vortragen „könne. Oder vielmehr „4) Daß man ſich nicht beruhige, eine wörtliche „Ueberſetzung zu liefern, ſondern ſich vielmehr be⸗ „mühe, das Brauchbare in einem kurzen auf un⸗ „ſere Landesart gerichteten Auszug oder Nachah⸗ „mung zu bringen.“ — 9— L „So hat es Dühamel mit dem Engliſchen „Werke des Tülls gemacht. Dieſer gab 1733 einen „Folianten heraus, und that darin Vorſchläge zu „Verbeſſerung des Feldbaues. Dühamel prüfte „das Werk, machte einen Auszug daraus, ſonderte „das Brauchbare, und was er ſeinen Landsleuten zu „wiſſen nöthig hielt, ab, und gab ſolches achtzehn „Jahr nachher, nämlich 1751 mit Beyfügung ſeiner „eigenen auf die Franzöſiſche Landesart gerichteten „Anmerkungen, in einem mäßigen Octavbande heraus, „unter dem Titel: Traité de la Culture des Terres „suivant les principes de Mr. Tull. Dieſes Werk „fand in Frankreich Beyfall; ſeine Regeln wurden „durchgehends angenommen, und man erſiehet aus „der in verſchiedenen Bänden herausgkommenen „Fortſetzung den dadurch geſtifteten Nutzen.“ „Statt deſſen, daß nun ein Deutſcher dieſem „Exempel folgen, und mehrere Jahre anwenden ſollte, „um die Regeln von beyden durch weitere Verſuche „und Erfahrungen zu prüfen und zu beſtätigen, „mithin in einem Auszuge zu zeigen, was ſich auf „unſere Deutſche Landesart ſchicken möchte, be⸗ „gnügte man ſich, alſofort von dem Franzöſiſchen „eine Deutſche Ueberſetzung zu liefern, und ich „zweifle, ob ein Deutſcher wird ſagen können, daß „er Nutzen daraus geſchöpft, oder neue, noch nicht „bekannte, mit Vortheil nachzuahmende Handgriffe „erlernt habe.“ „Dupuis Demportes hat es mit[dem Engli⸗ „ſchen Body of Husbandry eben ſo wie Düha⸗ „mel gemacht; ſeine lleberſetzung ins Franzöſiſche „iſt eigentlich ein neues Werk, alſo brauchbarer als „die Deutſche wörtliche Ueberſetzung, welche aufzu⸗ „kaufen ein jeder begierig war, und die ſo, wie vie⸗ „le andere ähnliche Werke, von den mehreſten ohne „Nutzen geleſen werden wird. Eben ſo iſt auch „Sprenger zu loben, welcher uns von des Dü⸗ „hamel Elemens d' Agriculture einen ſich auf „eigene Anmerkungen gründenden Auszug geliefert „hat, wobey er die, das Original koſtbar machen⸗ „de, an ſich überflüſſige Kupferſtiche wegläſſet.“ „Wenn wir alle fremde von der Landwirthſchaft „handelnde Werke nachleſen, ſo bemerken wir in je⸗ „dem viel Gutes; vieles aber auch, welches ſich auf „unſere Landesart nicht anwenden läſſet, und oft „werden Handgriffe gelehret, die von der annoch „mangelhaften Einrichtung gewiſſer Zweige der Haus⸗ „haltungen in fremden Ländern einen deutlichen Be⸗ „weis geben, und wo unſere deutſche Landesmanier „einen großen Vorzug hat. Es kommen alſo alle „diejenigen ſchlecht an, welche die fremden Moden, „weil ſie fremd ſind, bey ſich einführen und nach⸗ „machen. Ich ſage daher nicht zu viel, wenn ich „behaupte, daß, wenn ein Blatt in ſolchen Schriften „einen brauchbaren Unterricht giebet, dagegen zehen „oder zwanzig der folgenden Blätter überflüſſig, un⸗ „zulänglich und unbrauchbar ſind. Die Bemühung „derjenigen Monatſchriften, welche das Wichtigſte „aus dergleichen Werken in kleinen Abhandlungen — II— „Auszugsweiſe Ueſern, ſcheinen alſo einen Vorzug vor „den Werken ſelbſt zu haben; es wäre aber zu wün⸗ „ſchen, daß diejenigen, welche dergleichen Abhandlun⸗ „gen auswählten, ſelber erfahrne und gründliche „Hauswirthe wären, mithin in der Auswahl ſorgfäl⸗ „tiger und gewiſſenhafter ſeyn möchten, um nichts „einzurücken, als für deſſen Zuverläſſigkeit ſie Ge⸗ „währ leiſten können.“ „Ich wünſchte ferner, daß bey Ueberſetzungen „alle Kunſtwörkter, die Namen von Thieren, von „Pflanzen und von beſondern Maſchinen und Hand⸗ „griffen aus der Grundſprache beybehalten, oder we⸗ „nigſtens mit angeführt werden möchten.“ „Es wird nicht ſelten der ganze Verſtand undeut⸗ „lich oder mißverſtändlich, wenn dergleichen Wörter „wörtlich überſetzt werden, z. B. wenn man für das „Engliſche Pine apple, ſtatt Ananas, Fichten⸗Äpfel oder gar Fichten⸗Zapfe ſetzte.“ „Wer einigermaßen der Grundſprache mächtig iſt, „kann aus dem in der Urkunde gebrauchten Worte „eher, wovon die Rede iſt, errathen, als aus einer „zweifelhaften Ueberſetzung.“ Ich hatte mir längſt vorgenommen, nach Münch⸗ hauſens nützlicher Vorſchrift zu verfahren, und aus den vorzüglichſten Engliſchen landwirthſchaftlichen Wer⸗ ken erklärende, Deutſchen Verhältniſſen anpaſſend ge⸗ machte, Ueberſetzungen Auszugsweiſe zu liefern; hatte aber wegen anderer unternommenen Arbeiten bisher keine Muße; ob es gleich mein Vorſatz bleibt, in der Folge ſo etwas in einer beſondern periodiſchen Schrift zu leiſten. Mit dem vorliegenden Werke habe ich indeſſen eine Ausnahme gemacht, theils weil ſolches in Eng⸗ land eine ausgezeichnete Senſation erregt hatte, theils weil mehrere deutſche Männer, die ich als compe⸗ ktente Richter anerkannte, und die es früher, als ich, laſen, ſolches dem Hrn. Verleger ſehr empfohlen hat⸗ ten. Es ſchien mir vorzüglich geeignet, die noch fort⸗ daurenden Mißverſtändniſſe über das Verhältniß des Ackerbaues zum Staat in England, und die ſich darauf gründenden falſchen Urtheile über die Ver⸗ ſchiedenheit dieſes Verhältniſſes bei uns, zu berichti⸗ gen. Zwar kann nicht alles in dieſem Buche enthal⸗ tene einen directen Bezug auf uns, und die ſta⸗ kiſtiſch politiſche Lage deutſcher Staaten überhaupt und deutſchen Ackerbaues insbeſondere haben. Da aber jede Nachricht vom geſelligen Leben, von Na⸗ tional⸗ Gebräuchen, von häuslicher Einrichtung, von Haus⸗ und Garten⸗Geräth, von Kleider⸗ und Stie⸗ felform, von jeder Bequemlichkeit, Zierde und Fri⸗ volität, die aus England kommt, begierig von un⸗ ſerm Publikum in Städten ſowol als auf dem Lande aufgenommen wird; ſo ſchmeichle ich mir, daß das landwirthſchaftliche Publikum auch das nicht ohne alles Intereſſe leſen werde, was England darſtellt, wie es in landwirthſchaftlicher Hinſicht iſt, wenn es gleich keine directe Anwendung auf unſere Verhält⸗ niſſe litte. Vielleicht trug es unvermerkt etwas bei, mich leb⸗ hafter für dieſes Buch zu intereſſiren, daß der Verf. ein in England ſehr geſchätzter praktiſcher Wundarzt und auch ein in Deutſchland durch leberſetzungen bekannter mediciniſcher Schriftſteller war. Es iſt in der That merkwürdig, daß in England äußerſt viele Aerzte, nicht nur praktiſche Landwirthe ſind und werden, ſondern daß auch die Landwirthſchaftswiſ⸗ ſenſchaft durch die berühmteſten Medieiniſchen Schrift⸗ ſteller ſehr große Aufklärung erhalten hat. Cullen, Hunter, beide Darwin, Withering, Fordyre, Wil⸗ kingſon, und viele andere in der Arzneikunde berühm⸗ te Namen, ſind ſämmtlich auch Schriftſteller und Leh⸗ rer des Ackerbaues, die von dem denkenden Land⸗ wirthe nicht minder wie von den Aerzten geſchätzt. werden. Unzählige berühmte und glückliche Aerzte beſchäftigen ſich mit der Landwirthſchaft. In Ame⸗ rika iſt dies vielleicht noch häufiger, und Benjamin Ruſh macht es den Aerzten gewiſſermaßen zur Pflicht die Landwirthſchaft zu treiben, dieſe nur zu ihrem eigentlichen Gewerbe zu machen, und ihren Nach⸗ baren durch ihre medieiniſchen Kenntniſſe auf eine uninterreſſirte Art nützlich zu werden. Dem erſten Anblicke nach ſcheinen beide Wiſſen⸗ ſchaften etwas ſehr heterogenes zu haben. Genauer betrachtet aber wird man finden, daß ſie nur in An⸗ ſehung des Objekts verſchieden ſind; ſubjectiviſch aber ſich einander auf eine auffallende Weiſe gleich kom⸗ men. Beide erfordern dieſelben Vorkenntniſſe aus — 14— der Naturwiſſenſchaft, der Chemie, der Minergalien⸗ Thier⸗ und Pflanzen⸗Kunde, und aus den meiſten Theilen der reinen und angewandten Mathematik. Sie ſind nicht nur beide Erſahrungswiſſenſchaften, ſondern ſie haben auch in der Art ihrer Begründung und Erweiterung noch eine beſondere auszeichnende Aehnlichkeit. Reine Verſuche nemlich, worauf viele andere Erfahrungswiſſenſchaften ſich gründen müſſen und können, ſind in beiden nicht wohl möglich Denn zu reinen Verſuchen wird durchaus eine Entfernung aller unbekannten Potenzen erfordert, welche auf das Reſultat des Verſuchs einen Einfluß haben, und ſol⸗ ches verändern können. Sie ſind folglich nur im La⸗ boratorium und unter der geſchloſſenen Klocke des Na⸗ turforſchers möglich, aber ſo wenig beym Acker, als beym menſchlichen Körper, welche beyde der Einwir⸗ kung ſo vieler unbekannter Kräſte ausgeſetzt ſind. Die einzige Art von wahren Verſuchen— denn die Beobachtung des Erſolgs, der aus der Vermiſchung unbekannter und ungemeſſener Potenzen herauskommt, iſt kein Verſuch zu nengen— welche ſich hier anwen⸗ den laſſen, ſind die komparativen, wo man näm⸗ lich alle übrigen Umſtände, die möglicher Weiſe auf den Verſuch Einfluß haben können, bey den verſchie⸗ denen einzelnen Theilen des Verſuchs, möglichſt gleich zu erhalten ſucht, und nur einen Umſtand veräu⸗ dert, folglich mit Recht ſchließt, daß der veränderte Erfolg durch dieſen veränderten Umſtand herbeyge⸗ führt ſey. Da aber Verſuche dieſer Art in der Land⸗ wirthſchaft, ihrer Schwierigkeit und Koſtſpieligkeit, — 15— und der Medizin, der ſeltnen Gelegenheit wegen, wo ſie ſich ohne Verletzung des Gewiſſens vornehmen laſ⸗ ſen, noch zu ſelten ſind— und überdem der größte Theil der Landwirthe nur erndten, der größte Theil der Aerzte nur die Kranken hergeſtellt ſehen, nicht die Wiſ⸗ ſenſchaften durch Verſuche bereichern will; ſo würden beyde Wiſſenſchaften noch ſehr arm an Grundſätzen ſeyn, wenn man nur Thatſachen, durch ſolche Verſuche aus⸗ gemacht, dafür annähme. Es giebt aber eine gewiſſe Art zu denken und zu ſchließen, wodurch man von der ſcharfſinnigen Beobachtung einer großen Menge von Erſcheinungen endlich auf den Grund dieſer Er⸗ ſcheinungen, wo nicht mit völliger Gewißheit, doch mit einem ſehr hohen Grade von Wahrſcheinlichkeit hingeführt, wenigſtens in den Stand geſetzt wird, dieſe Erſcheinung unter gewiſſen Nebenbedingungen oft nach Geſallen bervorzubringen. Dieſe Art zu ſchließen ſucht die Aehnlichkeit auf, welche zwiſchen mehreren ihrer Gegenſtände Statt finden kann, und bemerkt wiederum ihre Verſchiedenheit. Sie verſucht, ob das, was Erfahrung bey dem einen gelehrt hat, auch bey dem andern zutreffe, und ſchließt daraus auf Aehnlichkeit oder Unähnlichkeit, erregt Muthma⸗ ßungen über die Wirkungsart der Mittel, die dieſes oder jenes Reſultat bewirkten, und vergleicht ſie mit denen, wovon ſie bey einer andern Gelegenheit Ge⸗ brauch gemacht hatte. Und ſo zeichnet ſie den Gang der fernern Beobachtung vor, die die erſten Verſuche berichtigen, zu anderen Anleitung geben und die Grenzen der Kunſt weiter hinausrücken ſoll. Dieſe Art, in die Geheimniſſe der Natur einzudringen, nann⸗ te man in der altmodiſchen Logik, nach Baco von Verulam, die Induktion.— Ich weiß nicht, wie ſie nach der modernſten heißt, und ob ſie überhaupt jetzt in der Philoſophie, wo alles unbedingt ſeyn ſoll, noch gilt.— Genug, dieſe Art und Form, nach viel⸗ fach zuſammengeſetzter Analogie zu ſchließen, iſt das, was die Heil⸗ und Ackerbau⸗Kunde bis jetzt wiſſen⸗— ſchaftlich begründen kann. Die Fertigkeit und Sicher⸗ heit in dieſer Schlußform zeichnet den denkenden Arzt und Landwirth aus, und verſchafft in der Regel den glücklichen Erfolg; ſie ähnelt freylich oft nur der Ahndung, dem Zuflüſtern des Genius. Da alſo ohngefähr dieſelben Vorkenntniſſe, der⸗ ſelbe Scharfſinn im Beobachten, und dieſelbe Form zu⸗ 8 denken und zu ſchließen, bey der Heil⸗ und Ackerbau⸗ Kunde erforderlich ſind; ſo iſt es nicht ſo unglaub⸗ lich und unnatürlich, daß derſelbe Kopf, der in die eine tief eindrang, auch in der andern neue Aufſchlüſſe geben könne, wenn er Veranlaſſung hat, ſeine Ta⸗ lente darauf zu verwenden, wie manche meiner Gön⸗ ner wähnten. Daß dieſe Veranlaſſung ſich in Deutſch⸗ 3 land ſelten, in England häufig findet, hat ſeine Grün⸗ de, die nicht hierher gehören. Wir gehen zurück zu unſerm vorliegenden Werke. In der Vorrede erzählt der Verfaſſer die beſon⸗ deren Umſtände ſeines Lebens, die fruͤh eine Neigung fuͤr den Ackerbau in ihm erregten, und ihn in den Stand ſetzten, dieſe auch während ſeiner praktiſch⸗ chirur⸗ A *— chirurgiſchen Laufbahn zu befriedigen. Er bemterkke auf ſeinen Reiſen durch das Königreich, wie wenig die Verbeſſerung des Ackerbaues mit der Zunahme der Bevölkerung gleichen Schritt halte, und legte ſeine Gedanken, Beſorgniſſe und beynahe alle die Meinun⸗ gen, die in dieſem Buche vorgetragen ſind, dem gro⸗ ßen Adam Smith vor, der ſie nicht nur ſämmtlich billigte, ſondern ſie auch dem Publikum vorgelegt wünſchte. Das iſt auffallend, weil ſich A. Smith in ſei⸗ nem klaſſiſchen Werke über National⸗Reich⸗ thum, zwar für den Ackerbau, als erſte Angelegen⸗ heit und Bedürfniß des Staats, und für die vollkom⸗ menſte Freyheit und Unbeſchränktheit deſſelben erklär⸗ te, ihn doch aber nicht, wie der Verf., auf eine aus⸗ gezeichnete Weiſe vor andern Induſtriezweigen begün⸗ ſtiget haben wollte. Aber Smith konnte, als er je⸗ nes Werk ſchrieb, noch nicht vorausſehen, daß durch gewiſſe politiſche Mißgriffe, und durch den großen Einfluß, welchen das Handelsintereſſe in die Staats⸗ verwaltung erhielt, der Ackerbau im Verhältniß der übrigen Induſtriezweige, und der durch dieſe ſich ſo vermehrenden Voiksmenge, ſo weit zurück bleiben wür⸗ de; bemerkte dieſes gefährliche Ereigniß vielleicht ſpä⸗ terhin, und war daher froh, durch die Herausgabe dieſer Schrift, eine Gelegenheit zu bekommen, ſeine gegenwärtige Meynung darüber zu äußern. Dieſer Zug würde wenigſtens dem Charakter dieſes ruhigen, vorurtheilsfreyen Forſchers unpaſſend ſeyn. Kachtr. zu Bell's Verſ. 1. Th. B *— 18— Ich übergehe manche in der Vorrede erwähnte wichtige Gegenſtände, weil wir in der Folge Gele⸗ genheit haben werden, Reflexionen darüber anzu⸗ ſtellen. Die erſte Abhandlung, über die Beſteurung des Einkommens, liegt zu weit außer den Grenzen der Landwirthſchaft, als daß wir dabey lange ver⸗ weilen ſollten. Der Verf. will, daß der größte Theil der Staats Bedürfniſſe oder der Steuern von dem reinen Einkommen eines jeden, es erfolge vom Grund und Boden, vom Capital⸗Vermögen oder vom Ge⸗ werbe, nach einem beſtimmten Verhältniſſe gehoben werde; dagegen die unendliche Mannichfaltigkeit von Abgaben, vorzüglich die auf die Lebensbedürfniſſe, wegfallen ſollen. Es iſt wohl gewiß, daß keine natürlichere und billigere Abgabe erfunden werden könnte, als dieſe. Nach dem Verhältniſſe meines Einkommens genieße ich der Vortheile der bürgerlichen Verfaſſung, und der Sicherheit des Eigenthums. Je größer der Na⸗ kional⸗Reichthum, je zahlreicher die Claſſe der Rei⸗ chen und Vermögenden, je vervielfachter und geſpann⸗ ter der Gewerbsbetrieb iſt, um deſto verwickelter wird die Verwaltung des Staats, die Aufrechthaltung der Geſetze und der Gerechtigkeit, und deſto ſtärker muß die bewaffnete Hand zum Schutz gegen einheimiſche und — 19.— auswärtige Feinde ſeyn. Britannien braucht ſeine See⸗ und Landmacht faſt allein zur Deckung ſeines Handels. Der Arme bedarf wenigern Schutzes, und fordert auch wenigern Aufwand von der Regierung. Dieſer Grundſatz iſt auch wohl in allen neueren Finanz⸗Syſtemen anerkannt. Nur hat man Beden⸗ ken getragen, dieſe Steuer direkte vom Einkommen zu heben; theils, weil dieſes ſo ſchwer auszumitteln war; theils, weil man durch indirekte Abgaben aller⸗ ley Nebenzwecke zu erreichen hoffte. Man nahm an, daß die Ausgabe eines jeden ſich nach dem Einkom⸗ men richte, und legte die Steuren daher auf die Be⸗ dürfniſſe. Aber eines Theils trifft es nur bey dem Armen zu, daß ſeine Ausgabe ſich nach ſeiner Ein⸗ nahme richtet, weil mancher ſein jährliches Einkom⸗ men nicht verzehrt, ſondern es zurück legt, und in⸗ dem er dieſes Geld aus der Cirkulation berausnimmt, und dadurch dem gemeinen Beſten ſchadet, noch oben⸗ drein frey ausgehet; andern Theils konnten auch nicht alle Ausgaben beſteuert werden. Folglich treffen dieſe Steuern nicht jeden im gerechten Verhältniſſe. Zu⸗ dem haben ſie das Ueble, daß ſie der Defraudation ſo ſehr unterworfen ſind, und deshalb nicht nur ei⸗ nen großen Aufwand zu ihrer Erhebung erfordern, ſondern auch die Moralität der Nation verderben. Nachdem man die Unzweckmäßigkeit aller Kün⸗ ſteleyen, um durch Vertheilung der Auflagen auf ge⸗ wiſſe Artikel, dieſen oder jenen Handels⸗ und Indu⸗ ſtriezweig zu heben und einen andern niederzudrücken, B 2 eingeſehen hak, wuͤrden ſich wohl die meiſten Finanz⸗ Adminiſtrationen geneigt finden laſſen, alle Staats⸗ bedürfniſſe durch eine direkte Auflage auf das Ein⸗ kommen zu heben; wenn man nur ein ſicheres Mittel hätte, ſolches zu erforſchen. In verſchiedenen klei⸗ nern Staaten hat man es von alten Zeiten her den Bürgern auf Eid und Gewiſſen überlaſſen, eine ge⸗ wiſſe Quote von ihrem aktiven Vermögen jährlich in den öffentlichen Schatzkaſten einzulegen, und man iſt bisher überzeugt, daß dieſes von dem bey weitem größern Theile mit ſtrenger Religioſität geſchehe. Bey einer Nation, wo dieſes ſeit uralten Zeiten ſo her⸗ gebracht iſt, wo die Staatslaſten mäßig ſind, und wo die Ueberzeugung herrſcht, daß die öffentlichen Gelder treu und zweckmäßig verwandt werden, glau⸗ be ich in der That, daß eine beſondere Gewiſſenhaf⸗ tigkeit in dieſem Stücke ſich vererbe. Aber unmög⸗ lich würde die Einſührung dieſer Beſteurungsmethode da ſeyn, wo es gleichſam ſchon zum guten Ton ge⸗ worden iſt, die Staats⸗Einkünſte zu defraudiren. Des Verf. beſonderer Vorſchlag, das Einkom⸗ men eines jeden durch nachbarliche Taxatoren aus⸗ mitteln zu laſſen, mag da anwendbar ſeyn, wo noch ein gewiſſer Grad von öffentlichem Geiſte(public spirit) herrſcht, und wo ſich jeder ehrliche Mann in einer Gemeinde zur Uebernahme dieſes Geſchäfts in⸗ nig verpflichtet fühlt. Wo das nicht iſt, wo ſich eine gewiſſe Gleichguͤltigkeit gegen das allgemeine Beſte eingewurzelt und dem kleinlichen Egovismus Platz ge⸗ macht hat, da würden ehrliche und friedſame Män⸗ ner ſich um die Verwaltung dieſes Amts hinweg zu ſchleichen ſuchen, corruptible und druckſüchtige aber an ihre Stelle treten. Vielleicht iſt in England die Sache nicht ſo ganz unmöglich, weil doch immer neben einer großen Corruption der Sittlichkeit, zumahl in der Hauptſtadt, auf dem Lande noch ein hoher Grad von öffentlichem Geiſte herrſcht, und durch man⸗ che Einrichtungen, z B. die der Jurys, erhalten wird. Geſetzt auch, daß mancher Gelegenheit fände, unter dem wahren Verhältniſſe ſeines Einkommens tarirt zu werden, ſo wird man bey keiner andern Beſteurungsart die Defraudationen verhüten. Wer ſich unerlaubter Mittel bediente, dieſes zu erreichen, und wer dazu mitwirkte, den müßte die unerläß⸗ liche Strafe der höchſten Infamie treffen.— Wirk⸗ lich hat man auf des Verf. Vorſchläge in England Rückſicht genommen, und die Verwechſelung mancher Auflagen gegen eine neu eingerichtete Einkommen⸗ Steuer war im Werke, ehe der jetzige Krieg 1803 wieder ausbrach. Die glücklichen Wirkungen einer ſolchen Beſteurungsart auf alle Induſtriezweige ſetzt der Verfaſſer in ein klares Licht. Ein jedes Gewerbe erfordert ein Betriebs⸗Capi⸗ tal. Wer das höchſte Betriebs⸗Capital einem Ge⸗ werbe widmen kann, wird bey gleichen Kenntniſſen und gleichem Fleiße den größten Vortheil oder reich — 22— haltigſten Ertrag davon haben. Aber über die Gren⸗ ze des Betriebs⸗Capital, wird Niemand ſein Gewer⸗ be, auch mit dem beſten Willen, Kenntniſſen und Fleiße ausdehnen können. 1 Dieſe allgemein anerkannte Wahrheit iſt bey der Landwirthſchaft, ſelbſt von manchen Schriftſtellern, die philoſophiſch darüber ſchreiben wollten, überſehen wor⸗ den Man hat geſagt, das Hauptproblem, was die Läandwirthſchaft zu löſen habe, ſey: mit den möglichſt geringſten Koſten, den möglichſt größten Ertrag aus einem beſtimmten Boden herauszubringen.— Man hat damit viel zu ſagen geglaubt, und hat gar nichts, oder etwas ganz Falſches geſagt. Soll es nur ſo viel heißen, als man müßte den möglichſt höchſten rei⸗ nen Ertrag herausbringen, ſo verſteht ſich das von ſelbſt. Will man aber damit andeuten, dieſer reine Ertrag ſtehe im umgekehrten Verhältniſſe mit den Ko⸗ ſten, und er werde um ſo größer ſeyn, je geringer die Köſten ſind; ſo kann nichts falſcher ſeyn. Auch iſt es nicht richtig, wenn man damit nur ſagen wollte, man müſſe nach Verhältniß der Koſten, den höchſten Ertrag hervorzubringen ſuchen. Wenn ich auf ein Stück Landes 100 Thlr. an Koſten verwende, und mir ſolches 200 Thlr. Ertrag giebt, ſo gewinne ich nach Verhaältniß mehr, als wenn ich 1000 Thlr. an Koſten hineinſtecke, und 1500 Thlr. Ertrag davon habe. Im erſten Fall nämlich hundert, im zweyten nur funfzig Prozent. Aber dennoch gewinne ich im erſtern Falle nur 100 Thlr, im zweiten 500 Thlr. durch mein Gewerbe von meinem Lande. Die meiſten Menſchen, ſelbſt Schriftſteller, ſehen den Ackerbau aus einem ganz beſondern Geſichtspunkte an. Wenige haben ihn unter die Kategorie eines Ge⸗ werbes geſetzt, ſondern ihm ganz andre Grundſätze untergeſchoben, als den Manufakturen und Fabriken. Und dennoch verhält er ſich in allen Stücken wie dieſe. So viele Stadtbewohner, wenn ſie im Som⸗ mer aus dem Thore kommen, und die mit reichen Früchten prangenden Felder ſehen, verdanken die glück⸗ liche Erndte lediglich dem Grund und Boden und der ſchönen Witterung. Was es aber gekoſtet hat, die⸗ ſen Boden erſt zur Fruchtbarkeit zu bringen, und dann darin zu erhalten, erwägen ſie ſelten. Auf Boden und Witterung, meinen ſie, komme faſt alles an, das bischen Arbeit finde ſich von ſelbſt. Aus dieſer dun⸗ keln, ſchiefen Anſicht rühren ohne Zweifel viele un⸗ richtige Vorſtellungen und Fehlſchlüſſe her. Das landwirthſchaftliche Gewerbe verhält ſich in keinem Stücke anders, als das Manufaktur⸗ und Fabriken⸗Gewerbe. Man muß nur den Grund und Boden als das rohe Material deſſelben betrachten, durch deſſen Verarbeitung vegetabiliſche und thieri⸗ ſche Produkte von mehrerem oder minderem Werthe hervorgebracht werden, je nachdem die Verarbeitung mit meherem oder minderem Aufwande von Arbeit und Verſtande betrieben wird. So wie aus einer beſtimmten Quantität und Qualität von Lein, durch die Verarbeitung in höchſt grobe und höchſt ſeine Leinewand, der einſache und zehnfache Werth her⸗ porgebracht werden kann, ſo kann das ebenfalls von einer beſtimmten Ackerflache geſchehen, und die Pro⸗ duktion eines Morgen Landes in Brabant oder um Braunſchweig ſteht mit der eines Morgen Landes gleicher Quantität in der Altmark in ähnlichem Werth⸗ verhältniſſe, wie ein Stück feine Holländiſche Leine⸗ wand mit einem Stücke Sackleinen. Die höhere oder geringere Produktion des Grund und Bodens rührt einzig und allein von dem mit Verſtand darauf verwandten mehreren oder minderen Aufwand von Arbeit oder Koſten her. Der arme, geizige oder furchtſame Landwirth, der nach jenem Princip mit den möglichſt geringſten Koſten oder Ar⸗ beit den möglich höchſten Ertrag zu erhalten ſucht, wird immer den geringſten hervorbringen; hingegen wird der der beſte Landwirth ſeyn, der für ſich ſelbſt den größten Vortheil machen und für das allge⸗ meine Beſte die größte Quantität von Produktion lie⸗ fern kann, und der das meiſte Geld in ſeiner Wirth⸗ ſchaft anlegt. Vorausgeſetzt nämlich, daß er es mit Kenntniß, Uleberlegung und ökonomiſcher Drdnung thue: denn in einigen Beyſpielen, die man vom Ge⸗ gentheil anführt, ermangelte es an dieſer ſich von ſelbſt verſtehenden Bedingung. Je mehr alſo nach Verhältniß des Flächen⸗In⸗ halts am Betriebs⸗Capital auf den Ackerbau ver⸗ wandt wird, je höher wird die Produktion deſſelben ſeyn, und umgekehrt. Es kommt daher, um in ei⸗ nem Staate eine höhere Produktion des Ackerbaues — 25— zu bewirken, vor allem darauf an, daß ſich ein möglichſt großes Capital in den Händen der acker⸗ bautreibenden Claſſe nicht nur befinde, ſondern daß dieſe auch veranlaßt werde, es im Ackerbau anzu⸗ legen. Letzteres wird nicht anders geſchehen, als wenn der Landwirth keine vortheilhaftere Art es zu benutzen findet, d. h. wenn der Ackerbau ihm vor⸗ theilhafter iſt, als jeder andre Gebrauch, den er da⸗ von machen, als jedes andre Gewerbe, welches er mit dieſem Capital betreiben könnte. Man weiß kaum, ob man über die dumme Ein⸗ falt lachen, oder über die böſe Einfalt ſich ärgern ſoll, wenn man von vielen Leuten, ſogar Schriftſtel⸗ lern, beſonders denen, die in gewiſſen öffentlichen Blättern ſo gern ihren Senf zu Markte bringen, unter die Urſachen der höheren Kornpreiſe noch im⸗ mer die größere Wohlhabenheit des Landmannes als Haupturſach derſelben aufgeführt findet. Wenn es mit dieſer Wohlhabenheit wirklich richtig iſt, wenn es etwas mehr bedeutet, als daß er ſeiner jämmer⸗ lichen Armuth jetzt minder unterliegt, wenn er dadurch in den Stand geſetzt iſt, einen Vorſchuß zu machen, der erſt nach drey oder vier Jahren mit billigen Zin⸗ ſen wieder herauskömmt; ſo gebt ihm nur durch Wegräumung der unüberwindlichſten Hinderniſſe Ge⸗ legenheit und Ausſicht, ſein Capital vortheilhafter in ſeinem Gewerbe zu verwenden, als es auf land⸗ übliche Zinſen zu legen, und ihr werdet bald eine für die vermehrte Bevölkerung zureichende, überflüſ⸗ — 26— ſige Quantikät von Produkten auf euren Märkten ſehen. Der arme Landwirth bleibt immer ein ſchlech⸗ ter Wirth. Denn ein guter, ein verbeſſernder Wirth muß mehr Geld anlegen, als er in demſelben Jahre wieder heraus bekommt. Er darf nicht auf augen⸗ blickliche Wiederkehr des Capitals, ſondern nur auf reichliche Zinſen Rechnung machen. Glaubt ihr viel⸗ leicht es könne, es dürfe niemand ein größeres Ca⸗ pital mit Vortheil in den Ackerbau verwenden?— Nun ſo dürft ihr auch nicht über Theurung der Prei⸗ ſe, über Seltenheit der Lebensmittel klagen. Denn ſo waren ſie noch nicht theuer genug, um ſie mit Vortheil zu produriren. Aber das iſt falſch!— Mit Verſtand und Gelde, und nach Hinwegräu⸗ mung der ärgſten Hinderniſſe, läßt ſich zu wohlfei⸗ lern Preiſen und doch mit größerem Vortheil mehr produriren. Die Quantität der Produkte, die über den nothwendigen Bedarf vorhanden iſt, macht aber allein den wohlfeilern Preis derſelben. Das Capital, was zur Betreibung des Acker⸗ baues verwandt wird, muß in dem Verhältniſſe ſich, vermehren, wie die Bevölkerung, und folglich die Bedürfniſſe des Staats zunehmen. Denn die Pro⸗ duction muß um ſo viel vergrößert werden, und dies geht ohne Vergrößerung des Capitals nicht an. Um gewiſſer Leſer willen, bey denen ich Staats⸗ wirthſchaftliche Begriffe nicht vorausſetzen kann, muß ich ſagen, daß Kapital und arbeitende Kräfte hier gewiſſermaaßen gleichbedeutend ſind. Wenn ein ttem Nleh⸗ Lirhh ahte gen⸗ ülf jel⸗ 9 1 : — 27— Menſch, der jährlich hundert Thaler verdienen kann, ſeine Arbeit auf ſeinen eigenen Ackerbau verwendet, ſo iſt es eben das, als wenn er ſie für einen andern thäte, und 100 Rthlr. für ſeine Arbeit bezahlt er⸗ hielte. Genug, die Arbeit dieſes Menſchen iſt 100 Rthlr. Werth, und er konnte allenthalben ſoviel da⸗ für erhalten, wenn er ſeine Zeit und ſeine Kräfte ei⸗ nem andern widmen wollte. Wenn alſo das auf den Ackerbau verwandte Ka⸗ pital vor hundert Jahren groß genug war, der Land⸗ wirth mehreren Geldes zur Produktion der Bedürf⸗ niſſe damals nicht bedurfte, ſo iſt es nun, nachdem obendrein der Aufwand um ein drittel oder— wie gewiß in England der Fall iſt— um die Hälfte zu⸗ genommen hat, nicht mehr hinreichend. Es iſt ſelbſt nicht genug, daß das Betriebs⸗Capital des Acker⸗ baues ſich nur in demſelben Verhältniſſe mit der Quan⸗ tität und Qualität der Bedürfniſſe vermehre. Jenes muß ſtärker ſteigen, beſonders wenn ſich der Flächen⸗ Inhalt des Ackers nicht vermehrt. Denn um von ei⸗ nem Morgen zehn Scheffel zu gewinnen, wird ein ge⸗ ringerer Aufwand erfordert, als um zwanzig Schef⸗ fel davon zu erndten. Oder vielmehr: die erſten zehn Scheffel erfordern mehrentheils weniger Aufwand, als die zweiten zehn Scheffel, die ich mehr davon er⸗ halten will. Die erſten erfolgen mehr von Grund und Boden, die zweyten mehr von der Arbeit. Es ver⸗ hält ſich damit wie bey gröberen und verfeinerten Fabrikwaaren. Am Werthe der erſtern hat das „— 28— Material, am Werthe der letztern die Arbeit mehr Antheil. In England geſchahe dies nun nicht in gehöri⸗ ger Maaße, höchſtens nur in einzelnen Grafſchaften und Diſtrikten Die in einem kurzen Zeitraume ſich ſo ſchnell erhebenden Manufakturen, Fabriken, ſo wie der ſteigende Handel, der vortheilhafte Colonieen⸗An⸗ bau und die, Schiffahrt machten eine größere Produk⸗ tion nöthig, entzogen aber dem Ackerbau das dazu erforderliche Kapital. Jeder Wohlhabende konnte ſein Geld vortheilhafter als in der Landwirthſchaft anle⸗ gen. Dazu kam, daß im Parlemente und in der Re⸗ gierung das Handelsintereſſe über das Intereſſe der Grundeigenthümer die Oberhand bekam, und alles nur aus dem merkantiliſchen Geſichtspunkte betrachtet wurde. Man ſahe den Ackerbau nur als ein unter⸗ geordnetes Gewerbe an, welches dem größeren Ge⸗ winn des Handels und der Fabriken nachſtehen müſſe. Wo beyde in Colliſion kamen, entſchied man zum Vor⸗ theil der letztern und die weſentlichen Begünſtigungen, welche man zu Ende des ſiebzehnten Jahrhunderts dem Ackerbau ertheilt hatte, wurden wieder aufge⸗ hoben. Hieraus iſt dann natürlich die Folge entſtanden, daß der Ackerbau geringe, oder wenigſtens geringere Fortſchritte im ganzen Reiche machte, als er im Ver⸗ hältniß der übrigen Gewerbe hätte machen müſſen, weil der Betrieb deſſelben für den Wohlhabenden min⸗ der vortheilhaft war. Und dies hat dann die Eng: länder dahin geſuͤhrt, daß ſie jetzt alles in großem Ueberfluß, aber häufig nicht ſatt zu eſſen haben, und mit allen ihren Schätzen und ihrer ganzen Schif⸗ fahrt gar leicht außer Stand ſeyn können, ſich die nothwendigſten Lebensbedürfniſſe zu verſchaffen, wenn nicht ſehr kräſtige und angemeſſene Hülfsmittel zur Verbeſſerung des Ackerbaues angewandt werden. Zu allem, was dem Ackerbau das nöthige Be⸗ triebs⸗Capital entzog, iſt in England nun noch die große Staatsſchuld gekommen. Es iſt die Meinung vieler, daß auf dieſer großen Staatsſchuld der Reich⸗ thum der Nation beruhe. Denn wenn das Vermö⸗ gen der Nation nicht in dieſen öffentlichen Fonds, ange⸗ legt und benutzt werden könnte, ſo gäbe es ja gar keinen Ausweg dafür, und es ließe ſich kein Nutzen da⸗ von ziehen. Ob dieſes in geringerer Maaße richtig ſey; ob nicht immer noch das Kapital einer Nation zu ande⸗ ren Unternehmungen vortheilhafter benutzt werden könne, als dadurch, daß es ſich die Nation ſelbſt ver⸗ zinſet, laſſe ich unentſchieden. Aber ſo viel iſt gewiß und unſer Verfaſſer beweiſt es, wie mir deucht, ſehr klar, daß die enorme Höhe der Staatsſchuld, der des⸗ halb zwar nie erlöſchende aber immer wankende Cre⸗ dit derſelben und das hierauf begründete Kaufen und Verkaufen der Stocks oder Staatsobligationen— dieſes den Engländern ganz eigenthümliche und von ihnen zum Erſtaunen hoch getriebene Spiel— einen — 30— zu beträchtlichen Theil des Nationalvermögens ver⸗ ſchlinge und es anderen Gewerben entreiſſe. Dieſe Stocks oder Staats⸗Obligationen werfen nicht nur beträchtliche Zinſen von dem Einkaufs⸗ Ca⸗ pitale ab, ſondern es kann auch derjenige, welcher eine zureichende Summe Geldes darauf zu verwenden hat, durch das Ankaufen derſelben, wenn ſie niedrig ſtehen, und das Verkaufen, wenn ſie ſteigen, ſich große Vortheile machen; wofern er anders das Staats⸗ Barometer, welches das Steigen und Fallen dieſer Stocks anzeigt, richtig zu beobachten verſteht. Die⸗ ſes Negoz oder dieſes Spiel iſt für alle Capitaliſten äußerſt anziehend, und wer nicht Betriebſamkeit und Kenntniſſe genug hat, ſein Vermögen irgend einem andern Gewerbe zu widmen, der findet hier Gelegen⸗ heit, es vortheilhaft zu benutzen. Handel und Ma⸗ nufakturen warfen bisher immer einen zu hohen Ge⸗ winn ab, als daß, trotz dieſer Stocks⸗Speculation, ihnen das Capikal im Ganzen entzogen ſeyn ſollte. Der Ackerbau hingegen und beſonders die Verbeſſe⸗ rung der Ländereyen hat es, nach der einſtimmigen Mei⸗ nung aller Beobachter, einen Zeitraum hindurch em⸗ pfinden müſſen, daß er nicht einträglich genug ſey, . um demſelben ein beträchtliches Capital zu widmen. Der reiche Eigenthümer fand es nicht nur vor⸗ theilhafter, ſein Vermögen in den Stocks anzulegen, als es zur Verbeſſerung ſeines Guts zu verwenden, ſondern die ſo allgemein einreißende Spielſucht, dieſe Begierde ohne Arbeit und Kenntniſſe ſich zu bereichern, — 31— fand auch bey dieſem hohen Spiele in den Fonds mahr ihre Befriedigung. Derjenige Pächter, welcher kein zureichendes Vermögen ſelbſt beſaß, war nicht im Stande die Zinſen zu bezahlen, welche der Capitaliſk, um ſein Geld aufs möglich höchſte zu benutzen, von ihm forderte. Der Sohn des wohlhabend geworde⸗ nen Pächters fand es ſeinem Vermögen nicht mehe angemeſſen, hinter dem Pfluge herzugehen, ſondern. anſtändiger in der Hauptſtadt auf Gentlemans Fuß zu leben und ſein Geld in den Fonds anzuloͤgen, wenn er nicht Betriebſamkeit genug hatte, ein anderes Ge⸗ ſchäft zu unternehmen. Dieſe Stockjobberey, die in England von hohen und niedrigen Perſonen, die ein gewiſſes Vermögen in Händen haben, ſo erſtaunlich betrieben wird, und bey welcher man ſich häufig unerlaubter Mittel be⸗ dienet, hält der Verf. deshalb dem Ackerbau und jedem Gewerbe ſehr verderblich. Bisjetzt kennt man ſie auſſerhalb England nur wenig, ob es gleich rei⸗ che Leute in Deutſchland giebt, die ihr Vermögen nicht beſſer zu benutzen wiſſen, als daß ſie es in die Engliſchen Fonds geben, und in London einen Commiſſionär halten, der für ſie in den Stocks ſpie⸗ len muß. Sollten in Deutſchland aber die Staats⸗ Dbligationen ohne Namen des Creditors, auf den Inhaber gerichtet, häufiger werden, und der Cre⸗ dit dieſer Staaten zugleich wechſelsweiſe fallen und ſteigen, ſo möchte das Spiel in den Haupt⸗ und Handels⸗Städten bald Nachahmer finden, und ſich — 32— durch ganz Deutſchland verbreiten; weſches denn, da unſre Gewerbe noch ſo ſehr des Capitals bedür⸗ fen, von höchſt übeln Folgen ſeyn kann. Die Vermehrung der Staatsſchulden ſelbſt, und die daraus erfolgende Erhöhung der Zinſen, iſt für alle Gewerbe und beſonders für die Landesverbeſſe⸗ rung ſchon an ſich ein großes Uebel. Wer ſein Geld durch Zinſen eben ſo hoch benutzen ſkann, als wenn er es in einem Gewerbe anlegt, wählt lieber den bequemern Weg. Wer Geld zur Betreibung eines Gewerbes, zur Verbeſſerung ſeines Guts aufnehmen und hohe Zinſen zahlen muß, kann nicht dabey be⸗ ſtehen. Daher ſteht der Werth der Güter faſt im⸗ mer im umgekehrten Verhältniſſe mit dem Zinsfuße, und ein geringer Zinsfuß iſt eine weſentliche Bedin⸗ gung, um die Gewerbe in einem Staate empor zu bringen. Man hat geſagt, daß durch höhere Zinſen das Vermögen der Nation vergrößert und ſo viel mehr Geld in Umlauf geſetzt werde. Aber das auf dieſe Weiſe vermehrte Geld hat nur einen täuſchen⸗ den Werth, kann zum Bedruck anderer in demſelben Staate dienen, vermehrt aber nie den Reichthum der Nation. Dieſer kann allein durch zweckmäßig ver⸗ wandte Arbeit und erhöhte Produktion vergrößert werden, ſo daß dadurch von inländiſchen Erzeug⸗ niſſen an den Ausländer, dem Werthe nach, mehr geliefert werden kann, als man von ihm erhält. In England kamen nun die ungeheuren Laſten hinzu, welche ſich auf dem Ackerbau täglich mehr zu⸗ ſam⸗ ſammen häuften; vor allem der ungeheure Betrag der Armentoxe, dem ſich die Städter und jedes an⸗ dre Gewerbe, in Verhältniß gegen die ackerbautrei⸗ bende Claſſe, faſt ganz entzogen. Und nun endlich die fehlerhaften Maaßregeln in Betracht des Kornhandels, wodurch man den le und ſeine übrigen Produkte oft wohlfeiler zu ver⸗ kaufen, als ſie ihn koſteten; ihm wenigſtens nicht den Vortheil zugeſtand, den er durch ſein Capital und ſeine Arbeit in jedem anderen Gewerbe hätte erlangen können; Maaßregeln, deren unglückliche Fol⸗ gen ich in der zweyten Abtheilung des zweiten Ban⸗ des meiner Engliſchen Landwirthſchaft aus⸗ führlich gezeigt habe. Hierdurch iſt nun der Ackerbau und überhaupt die Produktion aller Lebensmittel, im Verhältniß der ſich täglich vermehrenden Conſumtion, ſo ſehr geſun⸗ ken, daß Britannien in den glücklichſten Erndte⸗Jah⸗ ten nicht feinen völligen Bedarf hat, in mittelmä⸗ ßigen beträchtlichen Mangel leidet, und bey wahrem Mißwachſe der Hungersnoth ausgeſetzt iſt. Gewiſſermaaßen ſcheint nun zwar das Uebel ſei⸗ ne Mittel in ſich ſelbſt hervorzubringen, indem die ſehr hohen Preiſe des Getreides den Ackerbau ſeit einigen Jahren wieder begünſtigt haben. Dies hat ſchon beygetragen, den Muth und das Vermögen des Landwirths wieder zu heben, und den Betrieb Nachtr. zu Bel's Verſ. I. Th. C — 34— des Ackerbaues lebhafter zu machen. Denn wirklich regt ſich bey den großen Güterbeſitzern ſeit einigen Jahren wieder mehr patriotiſche Anſtrengung für die Verbeſſerung des Ackerbaues, und die Pächter bekommen neue Thätigkeit, da ſie wieder Geld in Händen haben. Allein das gewährt kein feſtes Zutrauen, und kann deshalb ohne beſondre Begünſtigungen nicht von Dauer ſeyn. England muß, ſo lange der Acker⸗ bau ſich nicht wieder in ſein gerechtes Verhältniß ge⸗ ſetzt hat, um der Gefahr des wirklichen Mangels zu begegnen, nun beſtändig die Einfuhr begünſtigen, und bey wohkffeileren Preiſen im Auslande beſtändig ankaufen, damit Potrath da ſey, ſo bald Mangel entſteht. Die Speculation der Engliſchen Kaufleute iſt auch dahin gerichtet, und ſie haben Magazine im In⸗ und Auslande, die ſie öffnen, und woraus ſie herbey führen können, ſo bald der Preis hoch genug wird. Nun aber kann der Engliſche Landwirth bey den ungeheuren Laſten, die auf dem Ackerbau ruhen, und bey dem in England täglich ſich vermindernden Werthe des Geldes, mit dem auswärtigen Kornbau, ohnerachtet der hinzukommenden Fracht und Speſen, nicht Preis halten. Und obgleich die ſämmtliche Zu⸗ fuhr, welche England erhalten kann, vormals höch⸗ ſtens auf eine dreywöchentliche Conſumtion, bey der letzten enormen Anſtrengung höchſtens auf 6 Wochen zureichte, ſo iſt die Ankunft des fremden Getreides in den Seehafen doch ſchon hinreichend, den Preis -— 3— aich kieſer herabzuſetzen, als er nach den Koſten des Acksr⸗ baues und nach dem Ertrage der Erndte für den Eng⸗ d ſ liſchen Landwirth ſeyn ſollte. Der Ackerbau wird 8 hihe alfo aus Gewohnheit und Nothwendigkeit von einer gewiſſen Claſſe zwar fort getrieben werden, aber er wird bey ſo vielen anderen Gewerbszweigen und ſo vielen anderen Wegen, ſein Geld höher zu benutzen, u nie ein Gegenſtand der Spekulation werden können, iit und man wird daher nie diejenige Energie darauf leer verwenden, die er erforderke, wenn die nach Veihält⸗ a niß der Bevölkerung und Conſumtion äußerſt klei⸗ MI ne Ackerfläche in England, den Bedarf für die Na⸗ „ tion liefern ſollte. 1 me Da aber die Gefahr, worin ſich der ganze Staat nd dadurch befindet, ſehr groß iſt, ſo werden beſon⸗ ule dre, künſtliche Mittel und Begünſtigungen, um in den Ackerbau mehr zu heben, unumgänglich erfor⸗ ſfe derlich. Das große Mittel, wodurch man den Acker⸗ ug bau vor hundert Jahren ſo mächtig hob, nämlich 7 das Verbot der Ein fuhr des fremden Korns, und die Prämie auf die Ausfuhr des inländiſchen u iſt jetzt nicht mehr anwendbar; weil, wie geſagt, „ England nun ſelbſt bey guten Erndten der Einfuhr ſen, des fremden Getreides nichkt mehr entbehren kann, u⸗ und an Ausfuhr gar nicht zu denken iſt, indem auf h⸗ V auswärtigen Märkten, auch bey den glücklichſten 2 der Erndten, das in England erbauete Getreide nicht hen mehr Preis halten kann. des Ohne Zweifel wäre jenes große Miktel immer erſprießlich und zureichend geblieben, wenn man es C 2 1 — 36— mit ſtrenger Conſequenz ununterbrochen angewendet, und nicht zu leichtſinnig, ohne die äußerſte Noth, die wirklich in den erſten Zeiten nicht vorhanden war, davon abgegangen wäre, und dadurch dieſes wichtige Grundgeſetz durchlöchert, und bald gänzlich hätte zerfallen laſſen. Der Ackerbau würde dann in einem beſtaͤndigen gerechten Verhältniſſe mit dem Be⸗ darſe der Nation geblieben ſeyn, weil er immer in gleichem Maaße, wie andere Gewerbe, vortheilhaft ge⸗ weſen wäre, und die darauf verwandten Koſten, nebſt; den Zinſen des Betriebs⸗Capitals und einem billigen Vortheil, immer und ſicher hätte abwerfen müſſen. Mit dem verminderten Werthe des ſich im— mer mehr auhäufenden Geldes, mit den zuneh⸗ menden Auflagen, dem erhöheten Preiſe der Arbeit und aller Bedürfniſſe des Landwirths, wäre in ge⸗ höriger Proportion auch der Preis der Produkte ge⸗ ſtiegen, und durch dieſen ſteigenden Preis die Nei⸗ gung mehr zu produciren im rechten Maaße erhal⸗ ten worden. So wie man aber dem Landwirth die Sicherheit raubte, Preiſe zu erhalten, die jene Koſten und jenen gerechten Vortheil, nach Verhältniß der heurigen Erndte bezahlten, machte die Energie in Be⸗ treibung des Ackerbaues wenigſtens einen Stillſtand, den ſie doch auf keine Weiſe machen durfte, wenn der Bedarf für die ſo ſchnell zunehmende Bevölke⸗ rung ferner durch ſie ſollte erhalten werden. Das angemeſſenſte, einfachſte Mittel, einmal ver⸗ nachläſſigt, bleibt nicht mehr anwendbar! Es müſ⸗ ſen andere mehr zuſammengeſetzte, mehr raffinirte, entferntere und koſtſpieligere hervorgeſucht werden. Aus dieſem Geſichtspunkte muß man die Vor⸗ ſchläge anſehen, die der Verf. in dem Zten Abſchnitte über die Verbeſſerung des Ackerbaues thut. Sie kön⸗ nen nur auf die beſonderen gegenwärtigen Verhält⸗ niſſe dieſes außerordentlichen, dieſes durch alle Indu⸗ ſtriezweige ſo hoch geſpannten, ſo enorm bevölkerten, reichen und mächtigen, aber der Hungersgefahr nun faſt jährlich ausgeſetzten Reichs paſſen. Der Staat ſoll jährlich 2½˖ Million Pfund Ster⸗ ling(15 Millionen Thaler!!!) hergeben, und ſolche der Diſpoſition eines Nationalackerbau⸗Büreaus und der ihm untergeordneten Provinzial⸗Büreaus über⸗ laſſen, um den Ackerbau allmäaͤhlig auf ſeinen noth⸗ wendigen Standpunkt zu heben!— Der Name die⸗ ſer Summe erregt vielleicht das Erſtaunen Deutſcher Leſer, aber ſie wäre in Hinſicht ihres Nutzens nur eine Kleinigkeit für die Brittiſche Nation, wäre ein ſicherer höher Gewinnſt für dieſelbe, wenn der Zweck zuverlaſſig und dauernd dadurch erreicht werden könnte. Man bedenke, daß 7 bis 8 Millio⸗ nen Pfund Sterling nun im Durchſchnitt eine Reihe von Jahren hindurch(im Jahre 1801. 13 Millionen Pfund) für fremdes Getreide außer Landes gegangen ſind, und daß dabey nur durch ſtrenge Erſparungen und Entbehrungen Hungersnoth abgewandt werden konnte, ſo daß die Regierung bloß an Prämien für die Einfuhr 2 ½ Million bezahlte. Jene im Lande blei⸗ — 39.— bende, ſofort in Circulation kommende Summe mehr aufzubringen, kann dieſer reichen Nation keine Schwie⸗ rigkeit machen. Es iſt ein bloßer V Vorſchuß, den ſie lake und der ihr ſchuell wieder zurück kommt. In wie farm die Art. und Weiſe der Verwen⸗ dung, die der Verf, vorſchlägt, für die Brittiſchen Verhältniſſe zweckmäßig ſey, wage ich nicht zu ent⸗ ſcheiden. Die Einrichtung der Provinzial⸗Ackerbau⸗ Büreaus und die Vereinigung derſelben in ein natio⸗ nales und centrales, welches mit dem Parlemente und der Regierung in naher Verbindung ſtehen, und ge⸗ wiſſermaßen eine Comité der geſetzgebenden und aus⸗ übenden Gewalt ausmachen müßte, ſcheint mir, ſo wie es in der Vorrede des Buchs weiter ausgeführt worden, ſehr gut Perrchner zu ſeyn, vorausgeſetzt, daß man für alle und jede Provinzial⸗ Büreaus eine hinlängliche Anzahl thätiger, kenntnißreicher, vorur⸗ theilsfreier, unbeſtechlicher, unpartheyiſcher, rechtſchaf⸗ fener und eifrig patriotiſcher Männer finden kann. Aber dieſe M Männer müſſen ſich ohne pecuniäres In⸗ tereſſe, und wo es nöthig iſt, mit Hintanſetzung ih⸗ rer eigenen Angelegenheiten der Sache eifrig wid⸗ men und, auch bey einem minder in die Augen fal⸗ lenden Erfolge aich zu früh erkalten; nicht durch Schwierigkeiten, Widerſprüche und Ueberſtimmung ibrer Meinungen ſich ab ſchrecken laſſen. Eine große Forderung!— die aher⸗ nothwendig erfüllt werden muß, wenn der Cſſect geſichert ſ ſeyn ſoll. Ob ſich in allen Graſſchaſten Englands eige Hinreichende Zahl * nit. 1 ſolcher Männer fände?— Der biedere Charakter, der noch unter einem großen Theile der Conctry⸗ Squires anzukreffen ſeyn ſoll, ließe dieſes hoffen, wenn unter ihnen nur nicht zugleich zu viele ein⸗ gewurzelte Vorurtheile herrſchten. In Deutſchland ſcheint der bisherige Erfol landwirthſchaftlicher Aſ⸗ ſociationen wenig von einer ähnlichen Einrichtung erwarten zu laſſen; man muß aber auch erwägen, daß dieſe ſehlerhaft organiſirt, in ihrem Vermögen zu beſchränkt und von der Regierung zu wenig un⸗ terſtützt waren. 4 3 S4is Eine halbe Million Pfund Sterling will der Verf. auf Prämien verwandt haben, und thut über die Vertheilung derſelben vorläufige Vorſchläge. Als eine Grundregel nimmt er an, daß man keine Prämie unmittelbar auf den Getreidebau ſetzen ſolle: denn ohnerachtet dieſer unverkennbar ſein er⸗ ſter Zweck iſt, ſo werde doch gerade durch die über⸗ triebene Extenſion die Intenſion, durch die ſtarke Ausſaat die höchſte Produktion deſſelben vermindert und verfehlt. Es iſt von allen Beobachtern des Ackerbaues in England allgemein anerkannt, daß man um ſo dürftigere Getreideerndten habe, je mehr Land man dem Getreidebau widmet, und daß nur diejenigen Gegenden einen reichen Ueberſchuß anhal⸗ tend liefern, wo weniger als die Hälfte des Landes, aber abwechſelnd zum eigentlichen Getreidebau, das librige zur Viehfutterung, und andern für den Menſchen nahrhaften Gewächſen verwandt wird. — 40— Ich kann dies nicht oft genug wiederholen, weil ſich ſo viele von dem Gedanken noch nicht losmachen können, daß der Anbau anderer Früchte und die ſtarke Viehzucht die Urſache des mangelnden Getrei⸗ des in England ſey. Die einſtimmige Meinung aller beobachtenden Land⸗ und Staatswirthe, die eviden⸗ teſte Erfahrung von ganzen Provinzen, die angeſtell⸗ ten tauſendfältigen Verſuche in einzelnen Wirthſchaf⸗ ten beweiſen, daß die Produktion des Getreides bey der Wechſelwirthſchaft von der ganzen Fläche dieſer Wirthſchaft anhaltend immer höher iſt, als wo Ge⸗ treide allein gebauet wird. Ein oder zwey Jahre werde ich freilich mehr Getreide gewinnen können, wenn ich die ganze Feldflur damit beſäe; damit iſt es aber vorbey, und das erſchöpfte zuſammen ge⸗ ballete und verwilderte Land giebt nur dürftigen Körnerertrag, im Verhältniß deſſen, was verbeſſernde Früchte trug oder zu Graſe lag. Ueber den Nutzen der Prämien ſind die Meinungen ſehr getheilt, und auch meine eigene iſt ſchwankend darüber. Wenn eine Sache vortheilhaft iſt, ſo kömmt es nur darauf an, daß man ſie ken⸗ nen lerne und ſich davon überzeuge. Wenn dieſes gehörig bewirkt wird, und die Schwierigkeiten, die ihr etwa im Wege ſtehen, gehoben ſind, ſo muß ſie ſich von ſelbſt einführen. Iſt ſie nicht vortheilhaft für den, der ſie betreiben ſoll, kann er an ihrer Stelle etwas Einträglicheres vornehmen, ſo läßt ſich auch kaum denken, daß ſie dem allgemeinen Beſten wahrhaft nützlich ſeyn könne, und deshalb durch Prämien befördert werden müſſe. Angenommen aber, daß eine Sache für den Unternehmer nicht vor⸗ theilhaft, aber doch um des gemeinen Beſtens willen zu befördern ſey, ſo wird die Sache doch nur eine ſo lange Dauer haben, eine ſo weite Ausdehnung erhalten, als Competenten genug durch die Größe und Dauer der Prämie dazu angereitzt werden. Die Prämie muß ſo groß ſeyn, daß jeder Mitbewerber durch die Hoffnung die Prämie zu erhalten ſich reich⸗ lich entſchädiget findet. Sie muß immer fortdauern, weil mit dem Aufhören der Prämie auch die Sache zu Ende ſeyn würde. Häufig wird gewiß der für das allgemeine Beſte davon zu hoffende Vortheil zu theuer bezahlt werden, und man wird es am Ende vielleicht bereuen, die Induſtrie der Nation auf einen Erwerbszweig geleitet zu haben, der ihr nicht ange⸗ meſſen und vortheilhaft war. Ein Beyſpiel giebt un⸗ ter andern der in den Preußiſchen und in verſchiede⸗ nen andern nachahmenden Staaten durch Prämien, und ſogar durch Zwangsmittel, in Gang gebrachte, aber eben ſo ſchnell wieder ſtockende Seidenbau. Prämien können meines Erachtens höchſtens nur dadurch nützlich werden, daß, durch das Beyſpiel ei⸗ niger, andern die Rützlichkeit einer landwirthſchaft⸗ lichen Operation in einem gewiſſen Uakreiſe augen⸗ ſcheinlich dargeſtellt werde. Da neue uüngewohnte Vorrichtungen im Anfange immer koſtſpieliger ſind, Anſchaffung der Werkzeuge von entferntern Orten her, Belehrung, ſtete Aufſicht und Ulebung der Ar⸗ beiter erfordern, ſo kann die Prämie einen Erſatz die⸗ ſer außerordentlichen Koſten geben Es ſcheint mir aber, als laſſe ſich dies in den meiſten Fällen zweckmäßiger bewirken, wenn man denen, die ſich zur Ausführung einer neuen Cultur bereitwillig finden, Inſtrumente und Saamen ſchenkt, dann aber etwa denjenigen unter ihren Arbeitern, die ſich Fertigkeit in den Handgriffen erwerben und Fleiß beweiſen, kleine Belohnungen giebt. UIm z. B. das ſo nützli⸗ che Behacken der Rüben und Möhren einzuführen, wäre es vielleicht hinreichend, denen Handarbeitern, die in einem Tage eine gewiſſe Fläche gehörig behak⸗ ken lernten, nach Verhältniß ihrer Geſchicklichkeit, eine Belohnung von einigen Thalern zu geben. Beſtimmt ausgeſetzte Prämien erregen, meiner Bevbachtung nach, leicht Mißtrauen. Wenn die Sa⸗ che ſo ausgemacht gut iſt, denkt mancher, warum muß ſie denn erſt durch Prämien hervorgebracht wer⸗ den?— Das Arbeiten nach einer Prämie erregt oft eine üble Meinung der Nachbarn. Der muß ſehr hungrig nach dem Gelde ſeyn, ſagt man, muß nichts beſſerers zu thun wiſſen, der ſeine Zeit und Arbeit verwendet, um das angelobte Geld zu erhalten. Man ſagt das oft mit Unrecht, weil man nur auf das Geld, nicht auf den Ertrag, den die Sache giebt, — 43 ſiehet, oft aber auch wohl mit pollem Rechte. Die Unſicherheit, endlich, ob man unter denen ſeyn werde, die die Prämie wirklich erhalten, ob man nicht als Mitkompetent einem andern, dem es beſſer glückt, nachſtehen werde, ſchreckt oft die ſolideſten Leute ab, und verurſacht, daß nur eine gewiſſe Agt von Men⸗ ſchen, die man Windbeutel zu nennen pflegt, untern den Competenten auftritt, und dadurch theils die Sa⸗ che ſelbſt, theils das Prämienerringen auf lange Zeit in ein übles Licht ſetzt. Indeſſen iſt die Denkungsart⸗ darüber verſchieden, in Oberſachſen 3. B. anders als in Niederſachſen, und ſelbſt die Manier, womit eine Zuerkennung des Preiſes geſchiehet, die öffentliche Meinung, welche man von den Richtern hegt, hat großen Einfluß. In England hält man die Prämien für ehrenvoller, als im Durchſchitt in Deutſchland, und ſelbſt die höchſten Perſonen treten unter den WMlks bewerbern auf. Der zweyte Vorſchlag des Verfaſſers iſt der: zwey Millionen Pfund jährlich zu zins⸗ freyer Anleihe auf zehn Jahr für diejeni⸗ gen zu beſtimmen, die zur Verbeſſerung ihrer Ländereyen eine Summe anwenden wollen. Auf den Engliſchen Acker ſoll dieſemnach bis auf zehn Pfund vorgeliehen werden. Dies iſt ein Vorſchlag, der, mit der Wegräumung der Hinderniſſe des beſſern Ackerbaues verbunden. gewiß hinreichend wäre, den Ackerban eines jeden Staats in den blü⸗ bendſten Zuſtand zu verſetzen, und jeden Fleck Landes nutzbar zu machen. Es käme nur darauf an, daß uns der Verf. auch Maaßregeln angäbe, wie Miß⸗ bräuche hierbey vermieden, und die Wiederbezahlung des Geldes nach zehn Jahren geſichert werden könn⸗ te. Ob dies von der Adminiſtration und Aufſicht der vorgeſchlagenen Provinzial⸗Büreaus zu erwarten ſey, zumal bey Pächtern, iſt eine Frage, die ich nicht zu entſcheiden wage. Nur ſo viel iſt gewiß, daß, wenn ein Staat auch eine nach Verhältniß minder be⸗ trächtliche Summe zu dieſem Zwecke ausſetzte, aber durch gute Vorkehrungen Mißbräuche verhütete, ohne die Theilnahme zu dieſem Anlehn zu ſehr zu erſchwe⸗ ten, die Wirkung davon erſtaunlich ſeyn müßte Ei⸗ nes völlig zinsfreyen Anlehns bedürfte es nicht ein⸗ mal, da die meiſten Verbeſſerungen doch nach drey Jahren ihre Zinſen zu tragen anfangen. Alſo vielleicht nur auf drey Jahr zinsfrey, dann drey Jahr zu mäßigen Zinſen, und nun dieſe mit einem jährlichen Abtrage des Capitals, ſo daß ſolches in einem Zeitraume von 25 Jahren auf eine faſt un⸗ merkliche Art ſamt den Zinſen amortiſirt wäre! So bald nämlich der Abtrag anfängt, vermindern ſich die Zinſen, und die Abbezahlung wird progreſſive ſtärker. Der Staat ſchöſſe folglich höchſtens drey⸗ jährige Zinſen zu, und in manchen Fällen könnten auch dieſe unmerklich nachbezahlt werden. Die Haupturſach der unterbleibenden Berbeſſe⸗ rungen des Grund und Bodens iſt, wo keine andre — 45— Hinderniſſe im Wege ſtehen, der Mangel an Capital oder die Gelegenheit dieſes auf eine andre Weiſe beſ⸗ ſer und augenblicklich zu benutzen; da, in der Land⸗ wirthſchaft angelegt, der Nutzen erſt ſpäter nach⸗ kommt, und der an ſeine Armſeligkeit gewohnte Land⸗ mann von dem ſpäter nachkommenden Nutzen keinen Begriff hat. So bald ihm indeſſen Geld dazu an⸗ geboten wird, unter Bedingungen, deren Erfüllung ihm leicht ſcheint, wird er die Sache in einem an⸗ dern Lichte ſehen und ſchon zugreiſen. Wenn er ſelbſt mit ſeinen Leuten und Geſpann die dazu erforderliche Arbeit verrichten kann, ſo wird er angeſtrengter ar⸗ beiten, weil ihm ſeine Arbeit durch das vorgeliehene Geld gleichſam bezahlt wird, er folglich einen un⸗ mittelbaren Verdienſt davon hat. Eine dazu vom Staate ausgeſetzte Summe wür⸗ de für das Ganze mächtig wuchern, und die Maſſe des National⸗Reichthums auf vielfache Weiſe ver⸗ mehren. Denn, außer der Verbeſſerung des Grund und Bodeus und der vermehrten Produktion, wird dieſes in ſchnelle Cirkulation geſetzte Geld allenthal⸗ ben Thätigkeit und Verdienſt erwecken. Wenn die Staatskaſſen dieſes Geld nicht vorrä⸗ thig und überflüſſig hätten, würde es durch eine auf Landes⸗Credit gehörig geſichertes Anlehn leicht her⸗ bey zu ſchaffen ſeyn. Das Geld der Capitaliſten würde folglich im Lande auf die höchſt mögliche und wohlthätigſte Weiſe benutzt werden. Eine beſondere Landescultur⸗Caſſe, gut und pünktlich verwaltet, wür⸗ — 46— de ſich das Zutrauen der Nation und des Auslandes erwerben. Die Mitglieder jener Provinzial⸗Büreaus oder einer ökonomiſchen Landes⸗Societät müßten es ſich allerdings zur Pflicht machen, diejenigen Gegenſtände aufzufinden, welche zu einer Verbeſſerung vor an⸗ dern geeignet ſind. Es würde ihnen unter den mei⸗ ſten Umſtänden eine angenehme Pflicht ſeyn, durch ihre Vermittelung ihren thätigen Nachbaren und Un⸗ tergebenen aufzuhelfen, die Cultur in ihrem Umkreiſe zu vermehren, und unfruchtbaren wenig benutzten Boden zu hoher Fruchtbarkeit zu bringen. Die Vor⸗ ſchläge, die Aufmunterungen, die nöthigen Anwei⸗ ſungen und eine gewiſſe Art von Aufſicht könnte man von ihnen allein erwarten; aber die Pruͤfung der Vorſchläge wäre die Sache des Central⸗Bü⸗ reaus, oder eines beſondern Landes⸗Deconomie⸗Col⸗ legiums ‚welches nöthigenfalls ſeinen der Sache ge⸗ wachſenen Commiſſarien eine beſondere Unterſuchung an Ort und Stelle auftrüge. Die Gegenſtände der bezweckten Verbeſſerung werden mannichfaltig, dem Locale nach verſchieden ſeyn müſſen. Urbarmachungen wüſter Ländereyen, Abwäſſerungen ſumpfiger Gegenden und Moore; Durchſtiche von Flüſſen, wodurch vieles Land gewon⸗ nen, Eindammungen, wodurch vieles gegen Ueber⸗ ſchwemmungen geſichert wird, Befriedigungen, ioo ſie nützlich ſind, Anlagen von Schwemm⸗ und Be⸗ wäſſerungs⸗Wieſen, ſind große Gegenſtände, die An⸗ —+— lehne aus der Landes⸗Cultur⸗Caſſe vor allen erfok⸗ derten. Es giebt aber auch manche kleinere, mehr ſpecielle, auf welche einzelnen Landwirthen, beſonders aus der armern Claſſe, Vorſchüſſe zu geben wären, 3 B die Trockenlegung feuchter Ländereyen durch ver⸗ deckte Abzüge, das Befahren mit Mergel mit Moo⸗ der und anderen Erdarten, die Anlegung eines Kalk⸗ ofens und Kalkduͤngung überhaupt— kurz alle die Gegenſtände der Eultur, die ihre Koſten nicht gleich in dem erſten Jahre wieder bringen, und deshalb von den Unvermögenden nicht unternommen werden kön⸗ nen. Vielleicht gehört hierher auch eine beträchtliche Vermehrung des Viehſtapels, eine zweckmäßige Ber⸗ beſſerung der Rare, die Errichtung nützlicher Gebäude, die Einführung zweckmäßiger Werkzeuge u. ſ. w. Es iſt beinahe unmöglich, daß ein Staat, der zugleich die Hinderniſſe der Verbeſſerungen wegzu⸗ räumen weiß, und eine Reihe von Jahren hindurch eines glücklichen Friedens genießt, durch eine gut verwaltete Landes⸗Cultur⸗Caſſe ſeinen Ackerbau nicht zum höoöchſten Flor bringen ſollte. So evident es erwieſen, ſo allgemein es aner⸗ kannt iſt, daß ein höherer Betrieb der Manufaktu⸗ ren und Fabriken ſich nur auf einen höheren Acker⸗ bau ſicher begründen könne, nur ſo begründet dauer⸗ haft und für die Stärke des Staats und die Glück⸗ ſeligkeit der Nation wahrhaft vortheilhaft ſeyn kön⸗ ne; ſo häufig iſt dieſe Wahrheit überſehen worden. Wenn nur in mittleren Jahren die nothdürftigen Le⸗ bensmittel gewonnen wurden, ſo war gleich das Fa⸗ brikweſen das erſte Augenmerk der Staatsverwaltun⸗ gen. Man hielt ſich überzeugt, daß ihr Betrieb ſelbſt den Ackerbau heben, daß die vermehrte Con⸗ ſumtion die Produktion von ſelbſt vergrößern müſſe. In einigen beſondern Fällen iſt dies richtig. So lange aber, nach dem Flächen⸗Inhalt des baulichen Bodens, nicht Menſchen genug vorhanden ſind, und ein Theil deſſelben gar nicht oder gar zu geringe benutzt wird, ſo lange es noch an Kapital fehlet, um den Boden in einträgliche Kultur zu ſetzen, hat meiner Ueberzeugung nach kein Staat gegründete Veranlaſſung, das Fabrikweſen über den Grad zu ſpannen den es etwa natürlich annimmt, und da⸗ durch dem Ackerbau Capital und arbeitende Hände künſtlich zu entziehen. Der Ackerbau aufs höchſte getrieben, verſchafft immer und ewig dem Staate die höchſte innere Stärke und Sicherheik, den unwandel⸗ barſten Reichthum und die möglichſte reelle Gläück⸗ ſeligkeit den Unterthanen. Daß andere Gewerbe den Ackerbau mehr heben, daß dieſer im Stande ſey mehr hervorzubringen, als die Bedürfniſſe ſeiner An⸗ bauer erfordern, daß es ihm folglich an Abſatz und Ermunterung fehlen würde, wenn es an Conſumen⸗ ten fehlte, iſt eine unläugbare Wahrheik. Aber da⸗ für braucht man nicht zu ſorgen, weil die ewige Er⸗ fahrung gelehrt hat, daß ſich da Menſchen erzeu⸗ gen, gen, wo Rahrung für ſie iſt, und daß dieſe Men⸗ ſchen Arbeit und Verdienſt ſuchen und aufzufinden wiſſen, wenn man ſie nur ſchalten und walten läßt und — ſie wie vernünftige Menſchen behandelt! Die Möglichkeit, daß andere Gewerbszweige über das Verhältniß der Produktion hinaus gehen und die Stufen, worauf ſich beyde wenigſtens zugleich hinan heben ſollten,(und eigentlich letzterer der Vorſchritt bliebe), überſpringen können, beweiſen manche ältere Staaten; beweiſt England jetzt auf die unwiderſprech⸗ lichſte Weiſe— England, dem es ſo manche andere Regierungen in Ländern, wo der Ackerbau noch viel weiter zurück iſt, in Anſehung der Ausdehnung der Mannfakturen und wo möglich des Handels ſo gern gleich thun möchten! Man muß das Gerede nur zu oft leſen, daß Englands höhere Acker⸗ Cul⸗ tur abhängig von Fabriken und Schiffahrt ſey, und ein gewiſſer Rerenſent glaubt mir eine große Beleh⸗ rung gegeben zu haben, wenn er dieſe Sage nach⸗ ſpricht. Allein eine genauere Kenntniß der Engliſchen Cultur⸗ Geſchichte, und der Engliſchen Lokal⸗Ver⸗ häaltniſſe zeigt gerade das Gegentheil. Der ſchon ſeit Jahrhunderken im Vergleich gegen andere Staaten—— die Niederlande ausgenommen— bey weitem höher getriebene Ackerbau, die dadurch entſtandene größere Bevölkerung begründete in England, neben der ſo an⸗ gemeſſenen geographiſchen Lage, den hohen Flor an⸗ derer Gewerbe und der Schiffahrt; und die vormali⸗ ge beträchtliche Kornausfuhr verſchaffte der Nation Nachtr. zu Bell's Verſ. I. Th. D — 50— den erſten Fond zu demjenigen Capitale, womit ſie onachher ihre Fabriken und ihren Handel betrieb. So lange ein gehöriges Verhältniß ſtatt fand, ging alles glücklich, ſeitdem aber der Ackerbau im Verhältniß der übrigen Gewerbe zurück blieb, ward England in den unſicheren, abhängigen Zuſtand verſetzt, den un⸗ 4 ſer Verf. beſchreibt. England iſt zwar darum noch nicht geſunken und hat Mittel genug, ſeinen Ackerbau wieder in Ver⸗ hältniß mit ſeiner Bepölkerung zu ſetzen. Es hat durch ſeinen Reichthum und ſeine Schiffahrt das große De⸗ ficit an Lebensmitteln bisher decken können, und es iſt bis jetzt nur entſetzliche Theurung und Mangel, aber keine Hungersnoth mit allen ihren Folgen ent⸗ ſtanden. Aber man denke ſich einen verhältnißmäßi⸗ gen Defekt eine Reihe von Jahren hindurch, in ei⸗ nem andern bevölkerten Staate, und die Folgen wer⸗ den fürchterlich ſeyn. Hunger und Seuchen, Raub und Aufſtand würden dann die Nation um ſo mehr zuſammen ſchmelzen, je künſtlicher ihre Maſſe ver⸗ mehrt wäre. Denn alle mögliche Zuſfuhr vom Aus⸗ lande giebt einer großen Nation auf dem feſten Lan⸗ de, wie A. Young ſagt, kaum ein Frühſtück. Der größte Theil von Deutſchland hat dies noch im vori⸗ gen Jahrhunderte mehrmals erſahren, und wenn gleich der wahre Deſekt in den Jahren 1740 und 1772, nach Verhältniß der Menſchen Zahl, in Deutſch⸗ land nicht ſo groß als 1801 in Engand war; ſo waren die Folgen für den Wohlſtand und die Be⸗ völkerung von Deutſchland doch unendlich wichtiger⸗ — 51— und letzteres hat durch dieſe Hungerjahre, die allemal, Seuchen in ihrem Gefolge haben, wenigſtens in An⸗ ſehung der Bevölkerung mehr gelitten, als durch al⸗ le Kriege, die auf Denlſchem Boden ſeitdem geführt wurden, een 1 Die Gefahr iſt jetzt wahrſich ncheenerigge Oöb⸗ ne eigentliche Mißerndten gehabt zu haben, hat man ſeit einigen Jahren eine nahe an Mangel grenzen⸗ de Seltenheit und Theurung der Lebensmittel in ei⸗ nem großen Theile von Deutſchland verſpürt. Alle Journale und Zeitungen, beſonders der Reichsganzei⸗ ger, ſind voll davon, und von allerley Betrachtun⸗ gen über die Urſachen dieſer Theurung und die dage⸗ gen anzuwendenden Mittel. Letztere ſind von der, Art, wie ſie die ärgſte Stupidität und die gänzliche, Unkenntniß aller Staatswirthſchaftlichen Grundſätze nur ausdenken kann. Die wahre und einzige Urſach liegt darin, daß ſich der Ackerbau nicht im Verhält⸗ niß der Bevölkerung, beſonders der ſtädtiſchen, ge⸗ hoben hat, und nicht mehr den leberfluß liefert, der zur Erhaltung wohlfeiler Preiſe bey der vermehrten Geld⸗Cirkulation nöthig iſt. Ohnerachtet es mit den Fabriken in Deutſchland bis auf wenige einzelne Or⸗ te, wo man ſie im Treibbette in die Höhe zwingt, nicht fort will, ſo hat doch die Menſchenzahl und mit derſelben die Manufakturen, das Gewerbe und der Luxus zugenommen. Die Vermehrung der Men⸗ ſchen haben wir unwiderſprechlich der veryollkommneten Arzeneykunſt und der Verbreitung richtigerer Grund⸗ ſätze in der phyſiſchen Erziehung zum großen Theil zu 8 2 verdanken. Wenn gleich die von Jahrzehent zu Jahr⸗ zehent ſich einander verdrängenden mediciniſchen Sy⸗ ſteme und ſchulgerechten Curmethoden einander ſo gerade entgegengrſetzt ſind, daß es den Anſchein hat, als müßte nothwendig durch die eine oder die an dre eine große Menſchenzahl, die den Aerzten in die Hände fiel, gemordet ſeyn, ſo iſt dies doch nicht der Fall. Wenn gleich alle Krankheiten jetzt im ver⸗ dickten inflammatoriſchen Blute, jetzt in den erſten Wegen, dann in den Nerven, bald im mangeln den Sauerſtoff, bald in derherabge⸗ ſtimmten Erregung ihren Grund haben ſollten, und fonach Blutlafſen, Brechen und Purgi⸗ ren, Nervenſtärkungen, Säuren und Reiſtz⸗ mittel in den Schriften und auf den Lehrſtühlen der Aerzte— oft ſogar eines und deſſelben jedesmal in⸗ fallibeln Mannes— an der Tagesordnung waren; ſo hatte es doch damit in der Praris im allgemeinen nicht ſo gar biel zu bedeuten, und eine gewiſſe ra⸗ tionelle Empirie hat bey der wirklichen Behand⸗ lung der Kranken über die Syſteme— ſelbſt ihres ſchnellen Wechſels wegen— die Oberhand behalten; ſo daß man beſtimmt ſagen kann, es ſterben jetzt we⸗ niger Menſchen an hitzigen Krankheiten, beſonders Iunge Leute und Kinder, unter den Händen der Aerz⸗ te, gleichviel ob dieſe Hänianer, Stollianer oder Brow⸗ mianer ſind. Weit mehrere Krankheiten werden im erſten Anfange erſtickt, da jedermann gelernt hat, den Anzeigen der Natur mehr zu folgen, dieſe durch ein diätätiſches Verhalten zuunterſtützen und ihr nicht — 33— zurch widerſtrebende Arzneymittel entgegen zu wür⸗ ken, wie die Menſchen noch vor 50 Jahren thaten. Kinder kommen weit mehr auf und bleiben geſunder; viele erhielt die Inokulation der Kinderpocken am Le⸗ ben, die der natürlichen Anſteckung vormals unter⸗ lagen. Jetzt wird die Kuhpocken⸗Impfung durch die wahrſcheinliche völlige Ausrottung der Kinderpocken mehrere Menſchen am Leben erhalten, als die blu⸗ tigſten Kriege durch ganz Europa tödten. Alſo ent⸗ ſteht durch Verminderung der Sterbefaͤlle Vermeh⸗ rung der Menſchenzahl; die vermehrten Bedürfniſſe des Einen geben dem Andern Verdienſt; wer nichts erwerben kann, findet in den großen ſtehenden Hee⸗ 4 ren ſeinen Platz, in denen man ſelbſt die Eben mehr zuläßt. Menſchen kommen folglich gewiß immer mehr. — Schafft ihnen Lebensmittel! iſt der Zuruf der Menſchheit an alle Staaten, auch in Deutſchland. Der rohe Ackerbau, ſo wie er war und größ⸗ tentheils noch iſt, konnte einer geringern Menſchen⸗ zahl hinreichende Lebensmittel geben, wenn kein be⸗ ſonderer Mißwachs entſtand. Allenfalls blieb von einem Jahre zum andern ein kleiner Uleberſchuß, der eine ſchlechtere Erndte deckte. In den meiſten Ge⸗ genden blieb immer ein Aufbruch aus altem Anger zu machen, der als Neubruch reiche Erndten gab. Hiermit iſt es an den meiſten Orten aber vorbey, wenigſtens ſo lange nicht Hauptveränderungen in der ganzen Wirthſchaftsart gemacht werden. Denn die Weide iſt ohnehin ſo kärglich, und das Land ver⸗ —-— 84— ſpürt den Mangel an Dünger. Man hat angefan⸗ gen die Brache zum größken Theile zu beſtellen, aber ohne größeren Düngerſtand den Boden deſto ſtärker erſchöpft und mit Unkraut verwildern laſſen. Bey dem gewöhnlichen alten Gange der Dinge wird alſo die Produktion gewiß nicht ſtärker werden; wie ſie es müßte, wenn nicht über lang oder kurz Mangel dertſtehen ſoll, Die. Wirthſchaftsverbeſſerungen, welche man an einzelnen Drten gemacht hat, ſind viel zu unbedeu⸗ tend für das Ganze. Sie ſind, als Beyſpiele, von Wichtigkeit— aber man muß die Sache noch anders angreifen, wenn ſie genug würken ſollen. Es giebt manche ſonſt vernünftige, aber ſo ver⸗ ſtädterte Menſchen, daß ſie die Wirkung eines ver⸗ beſſerten Ackerbaues gar nicht einſehen können. Sie geben es zu, daß man durch mehrere Düngung und Bearbeitung zwey oder drey Einſaatmaaß vom Acker mehr erhalten könne; aber das ſcheint ihnen unbe⸗ deutend. Schon der Ertrag eines Saatmaaßes mehr iſt von großer Wichtigkeit für das Ganze, ſo bald er allgemein iſt. Geſetzt man habe in einer Pro⸗ vinz oder einem Diſtrikte bisher im Durchſchnitt fünf⸗ fältig geerndtet, und das habe für den Bedarf von ei⸗ ner Million Menſchen zugereicht. Man bringt es nun dahin, nur um eins mehr zu erndten, ſo giebt dies Nahrung für 250,000 Menſchen mehr; denn die Einſaat muß in beyden Fällen abgehen. Vermehrt man die Erndte um ſo viel, ohne daß ſich die Men⸗ ſchenzahl in demſelben Verhältniſſe vermehrte, ſo müß⸗ te ein großer Ueberfluß entſtehen, und das Getreide unter ſeinen natürlichen Werth ſinken, wenn es keine auswärtige Abnehmer hätte. Hingegen würde der Mangel und die Theurung groß werden, wenn ſo viel Menſchen mehr entſtänden, und nicht mehr Ge⸗ treide, als für die Million vormahls zureichte, er⸗ bauet würde. Nun aber wird niemand, der von den Operatio⸗ nen des Ackerbaues nur einigen Begriff hat, bezwei⸗ ſeln, daß durch mehrere Anſtrengung und beſonders durch ein beſſeres Verhältniß zwiſchen Fruchtbau und Düngererzeugung ein Saatkorn mehr anhaltend ge⸗ wonnen werden könne. Man kann ſich hiervon in der Wirthſchaft eines jeden nur etwas fleißigern Acker⸗ bauers ſofort überzeugen Und da, wenige glückliche Gegenden ausgenommen, im ganzen Deutſchlande bisher im Durchſchnitt höchſtens fünffältig geerndtet worden, ſo würde durch den höheren Ertrag eines Saatkorns ein Viertheil an Lebensmitteln mehr erzeugt, dem Mangel der ͤbermäͤßigen Theurung und der be⸗ ſtändigen Furcht vor Hungersnoth gewehret ſeyn, was auf jede andre Art gewiß nicht erreicht werden wird. Und wäre dieß dann nicht der Mühe werth, daß Regierungen ernſthafte, wirkſame, große Maaßre⸗ geln zu dem Zwecke nähmen?— Nur keine Klein⸗ lichkeiten! Wenn kleine Urſachen große Wirkungen, wie man ſagt, hervorgebracht haben, ſo waren es ei⸗ gentlich nicht jene, die dieſe bewirkten, ſondern andre — 56— Kräfte, die zufällig in Mitwirkung kamen, und durch jene höchſtens in Anregung gebracht wurden. Will man mit Sicherheit etwas bewirken, ſo muß man die Mittel dem Zweck angemeſſen wählen. Dekonomiſche Profeſſoren auf Univerſitäten, ökonomiſche Sorietäten in den Städten, die über tauſend Künſteleyen, nur nicht über die Vermehrung der Fruchtbarkeit des Bo⸗ dens, berathſchlagen, wollen es nicht thun. Der Bo⸗ ard of Agriculture in London verſprach als ein Zuſammentritt der ausübenden und geſetzgebenden Macht, als Vereinigung der politiſchen Parteyen zur Verbeſſerung des Ackerbaues piel; aber wie man ihn mit dreytauſend Pfund jährlich dotirte, wie man ihn als ein Spielwerk, welches man gewiſſen Leuten vor⸗ geworfen hatte, behandelte, konnte nichts heraus⸗ kommen. Er hat indeſſen im erſten Anfange viel ge⸗ leiſtet; aber nicht durch ſich ſelbſt, ſondern durch ſeinen Stifter und erſten Präſidenten Sir J. Sin⸗ clair, der ſich der guten Meynung, die man im In⸗ und Auslande von dem Inſtitut hatte, zu bedienen wußte, und in kurzer Zeit wenigſtens eine große Maſſe von ſchätzbaren Nachrichten zuſammenbrachte. Dhne mah Verhältniß der Größe und des Reich⸗ thums des Staats eine ſo große Summe, wie unſer Verfaſſer fordert, jährlich aufzuwenden und zu ver⸗ ſchenken, ließe ſich viel thun, wenn man nur ernſt⸗ lich Hand ans Werk legte, ein Anlehn zur Landes⸗ verbeſſerung bewilligte, durch öffentlichen Credit be⸗ günſtigte, und eine, unſern Zeiten und Bedürfniſſen 1 N angemeſſene Legislatur, in Anſehung Landwirthſchaft⸗ licher Gegenſtände einführte, und dieſe der Gewalt veralteter Obſervanzen und römiſcher Nechfsentſchei⸗ dungen entzöge— wenn man das Salus Populi su- prema lex esto, aber unter der immer möglichen Entſchädigung alter wohl hergebrachten Gerechtſamen, geltend machte. Es kommt bey uns nur darguf an⸗ daß der Landmann das Vermögen habe, ſeinen Acker zu verbeſſern, und in Benutzung deſſelben nicht einge⸗ ſchränkt ſey. Alles übrige werde ſich leicht finden. So lange jenes aber nicht iſt, werden alle die gethanen Vorſchläge zur Vervollkommnung der Landwirthſchaft und Vermehrung der, Produktion wenig belfen, und bis dahin kann man dem größten Theil unſrer Land⸗ leute die Apathie gegen alle Verbeſſerungen nicht ver⸗ argen. Was der Verfaſſer in der IVten Abhandlung über den Mangel an Lebensmitteln und die Theurung, beſonders in Anſehung der angeblichen lIrſachen der⸗ ſelben, ſagt, iſt vielleicht nicht ſo gründlich, nicht ſo ſtreng erwieſen, wie manches andre, was wir darüber haben; aber es iſt meines Exachtens einleuchtender, als überredender und populärer, irgend etwas, das ich kenne. Es iſt nur für Engländer geſchrieben, und paßt genau nur auf engliſche Verhältniſſe Mit einer kleinen Abänderung können wir uns aber das meiſte aneignen. — 88— Wir ſehen, daß eben daſſelbe Geſchwätz über die Urſachen der Theurung, und die Mittel ihr abzu⸗ belfen, in den engliſchen Bierhäuſern und Aſſembleen, zwiſchendurch doch auch im Parlemente getrieben wird, wie in den unſrigen, und daß dieſes Geſchwätz zum Theil mit die Urſach ſey, warum man keine beſſere Maaßregeln ergreift, oder die fehlerhaften nicht auf⸗ giebt. Es muß jedem Landwirthe angenehm und nützlich ſeyn, die Schwäche dieſer veralteten, aber tief eingewurzelten Meynungen, und die auffallendſten Ge⸗ gengründe kennen zu lernen. Man hat bey uns die Invektiven und Karikatur⸗Kupfer gegen die engliſchen Pächter in manchen Journalen und mit großem Bey⸗ fall aufgenommen; ſo iſt es aber auch gut, daß man wiſſe, was denkende Leute in England darüber ur⸗ theilen. In ſofern iſt dieſe Abhandlung für uns nütz⸗ lich und intereſſant. Uebrigens werden die, welche Münchhauſen, Fiſcher, Büſch und Normann nicht hörten, durch dieſen brittiſchen Wundarzt von ihrer Taubheit nicht geheilet werden. Man erſiehek daraus, daß nach den Begriffen der Städter der Landmann nichts ſo ſehr als recht ſchlechte Erndten wünſche, und daß der Kornhändler ſein Getreide heimlicher Weiſe verbrenne, damit es theuer werde. Der ſchlechte Kornertrag rührk, ihrer Ueberzeugung nach, daher, daß der Landmann zu reich geworden ſey, folglich auf ſeinen Acker nichts mehr verwende, dann aber ſein Getreide in der Er⸗ wartung immer höherer Preiſe zurückhalte, bis es ver⸗ — 39— dorben iſt. Bey uns ſagt man noch: wenn der Bauer nicht muß, ſo rührt er weder Hand noch Fuß, und ſonach muß er in den allerkümmerlichſten Umſtänden ſeyn, um Getreide zu produciren. Der Verfaſſer giebt ſich die Mühe, ſolche Meynungen ganz ernſthaft zu widerlegen. Aber werden Leute, die ſo etwas hervor⸗ bringen, wohl irgend einen vernünfligen Grund ein⸗ fehen können oder wollen?— Ich will nur einige Umſtände und Bemerkungen des Verf., die nicht klar genug, zum Theil aber auch— nicht ganz richtig ſcheinen, ausheben. Das alte Grasland umzubrechen hält er nicht für rathſam und vortheilhaft. Unter altem Graslande verſteht der Engländer nicht unkultivirte vernach⸗ läſſigte, gewöhnlich gemeinſchaftliche Aenger, ſondern reiche fette Weiden, die in den Marſchgegenden und fruchtbaren Thälern liegen, dann die großen Raſen⸗ plätze in den Parcks und um die Wohnſitze der Reichen und Vornehmen, die ein beſonderer Stolz und die größte Naturſchönheit der Engländer ſind. Ohner⸗ achtet der Ertrag ſolches alten Graslandes, wenn es mit Getreide beſtellet wird, außerordentlich! iſt, und eine erſtaunliche Pacht 3 bis 10 Pfund vom engliſchen Acker giebk, ſo iſt der Verfaſſer doch dagegen. Er meint, mit dem Aufbruche dieſes Graſes würde die Hauptſchönheit Englands zerſtört ſeyn, die reichen Gutsbeſitzer würden das Land völlig verlaſſen und ſich in die Städte begeben, der Verluſt an thieriſchen Produkten werde durch Vermehnung des Getreidebaues kaum erſetzt werden. Dann ſtecke in dieſen Grasplätzen ein Hauptkapital der Nation, werde wie ein Schatz danin aufbewahret, und man dürfe ſolches ohne die höchſte Noth, die doch nicht vorhanden ſey, wenn man andre Maaßregeln wähle, nicht angreifen. Viele Engländer ſcheinen in Anſehung dieſer Ra⸗ ſenplätze große Vorurtheile zu haben. Sie meinen, daß eine ſehr lauge Reihe von Jahren dazu gehöre, einen ſolchen dichten Raſen zu erzeugen, und er ſey, wenn er einmal aufgebrochen worden, nicht wieder herzuſtellen. Dies rührt von den fehlerhaften, er⸗ ſchöpfenden und geizigen Vexfahren der Pächter her, denen man einmal den Aufbruch deſſelben verſtattet hatte, und die nun ohne zu düngen eine lange Reihe der erſchöpfendſten Früchte davon nahmen, und dann das Land dem Gutsbeſitzer, der es nicht wieder in Cultur ſetzen konnte, ausgezehrt zurück ließen. Sol⸗ che zerſtörte, vormals ſchöne Auen liegen nun wie ſchlechtes, nutzloſes Ackerland manchem als ein ab⸗ ſchrelkendes Beyſpiel por Augen. Nur ein Gutsbe⸗ ſitzer, der in xruinirten Umſtänden iſt, der ſeinen Landſitz nicht mehr ſchätzt, entſchließt ſich der hohen Pacht wegen zur Ergreifung eines ſolchen Mittels. Wer es thut, ſetzt ſich in ſchlechten Credit, und ein wohlhabender Country⸗Squire, noch mehr ein Lord, würde ſich beleidiget halten, wenn man ihm einen ſolchen Vorſchlag thäte.— Zwar haben gute Agri⸗ kultoren den Engliſchen Gutsbeſitzern zu erweiſen ge⸗ — 6— focht, daß jener üble Erfolg nur vom Mißbrahuche herruͤhre, von zu langer Beackerung, entzogemet Dungung und fehlerhafter Behandlung. Der dritte Band der Communikakions tothe Boardent⸗ halt faſt lauter Auffätze hierüber, um zu zeigen, wie man das aufgebrochene Lund, nach dem man etliche Erndten davon genommen, behandeln müfſe, um bald wieder ein dichtes ſchönes Gras darauß hervorzubrin⸗ gen. Aber die Bedenklichkeik, es Pächtern zu über⸗ laſſen, iſt dadurch noch nicht gehoben, und wenn durch die Pflugfurchen nur die ſchöne Ebenung dier ſer Plätze etwas verlieren ſollte, ſo hält man den Verluſt für zu groß— kurz die Meinung und das Vorurthe il der Vornehmen iſt einmal dagegen, und es gehört zum guten Ton, dieſe Auen ſeiner Ahnen zu erhalten. Der Verf. rechnet, daß 3 00,000 Aek⸗ ker und zwar des beſten Landes, in dieſem Zuſtande ſiegen, die zwar als Viehweiden nicht unproduk⸗ tiv ſind, aber durch Wechſelwirthſchaft unendlich hö⸗ her benutzt werden, und die Nation allein aus ihrer Verlegenheit ziehen könnten. Aber es ſind, nach dem Verfaſſer, Pnhauhighee Suthantittel da. So iſt der Verf. auch gegen die Urbarmachung des wüſten Landes. Er hälk zwar eine Theikung die⸗ ſer Gemeinheiten für höchſt nützlich, weil ſie dann als Weideland produktiver gemacht werden könnten; aber ihren Aufbruch will er nicht. Er nimmt an, daß 14 Millionen Aecker in Britannien mit Getreide beſtellt würden, und dieſe Fläche halt er ſchon für zu — 62— groß. Das National⸗Intereſſe ſey, die Quantität dieſes Landes eher zuz verringern als zu vermehren, weil das Capital und die Arbeit, die darauf verwandt werden könnte, noch zu klein dafür ſey. Drey Mil⸗ lionen Aecker ſeyn höchſtens auf eine meiſterhafte, energiſche Weiſe kultivirt, und dieſe producirten mehr, als alles übrige. Wenn ſtatt der drey Millionen nur ſieben Millionen auf gleiche Weiſe behandelt würden, ſo ſey die Nation aus aller Verlegenheit in Anſehung ihres Getreides, und werde noch einen beträchtlichen Ueberfluß zur Ausfuhr haben. Wenn ein nach gewöhnlicher Art kultivirter Ak⸗ ker 17 Buſbel Ertrag gebe, ſo bringe ein in voll— kommner hoher Cultur befindlicher b0 Buſhel— bey⸗ nahe 25 Scheffel vom Magdeb. Morgen— hervor. Dies ſey erwieſen und kein wahrer Ackersmann be⸗ zweifle es. Das in höchſter Cultur befindliche Land ſchlage überdem bey keiner Jahrswitterung fehl, da⸗ hingegen das gewöhnlich behandelte ganz dem Zufall der Witterüng überlaſſen ſey. Auch meyrexe Engliſche Schrifiſteler, die über die Legislatur des Ackerbaues geſchrieben haben, be⸗ ſonders Michell, erklären ſich durchaus gegen den Aufbruch des wüſten Landes und die Theilung der Gemeinheiten. Der Ackerbau, ſagen ſie, habe zu we⸗ nig Capital und zu wenig arbeitende Hände; beydes vermindre ſich jährlich, indem ſie ihm von andern Ge⸗ werben entzogen würden, und die zu beackernde Flä⸗ che wolle man vermehren.„Mit dem Pfluge“ ſagt Michell in ſeiner Legislation of agrikulture, die ich nur im Auszuge kenne„iſt nicht zu ſpaßen. Er iſt „die große Quelle des National⸗Wohlſtandes, weil „durch ihn Capikal und Hände vortheilhaft benutzt „werden. Aber er iſt verderblich, wenn man ihn „ohne hinlängliche Unterſtützung von beyden brauchk. „Wer ſein Landgut in Kraft erhalten will, ſorgt da⸗ „für, ſeinen Pächtern nicht mehr Land einzuräumen, „als ſite in Dünger und frey von Unkraut erhalten „können. Wenn das Vermögen derſelben vermindert „würde, wenn Krieg, Seuchen, Auswanderung die „Dörfer entvölkerte, ſo würde man die Ackerfläche „zu vermindern ſuchen müſſen. Ein kluger Gutsherr „wird den ackerbaren Boden ſeiner Pächter nicht „vergrößern, bis ſie beweiſen können, daß ſie wohl⸗ „habend genug ſind, und Arbeiter genug haben, mehr „zu beſtellen, und daß ihr bisheriger in vollkommne⸗ „ſter Beſaamung ſey. Dieſelben Grundſätze ſollte eine „Nation befolgen, und wenn die Regierungen nicht im „Stande ſind und nicht ſeyn dürſen, den Gebrauch, „den jeder von ſeinem Grund und Boden machen „ſoll, vorzuſchreiben, ſo ſollten ſie doch zu neuen „Aufbrüchen nicht aufmuntern, bis der alte Boden die „höchſtmögliche Cultur erhalten hat, und bis ein „vermehrtes Capital und Bevölkerung die mehrere „Arbeit völlig beſtreiten kann. Aber wie der Pächter, „ſo wie er ärmer wird, immer einen Platz nach dem „andern weiter aufzubrechen wünſcht, ſo iſt auch ei⸗ „ne Regierung, jemehr ſich ihre Umſtände verſchlim⸗ „mern, um deſto geneigter, die Hülfsquellen künfti⸗ „ger Generationen für ſich zu Sfene um ihren ge⸗ „Henürnien Mangel zu decken. „Man ſagt vielleicht, daß die Arbeiter ſich ver⸗ „mehren würden, wenn man ihnen mehr Arbeit ver⸗ „ſchaffen könnte. Aber wenn das Capital nicht ver⸗ „mehrt iſt, ſo wird nicht mehr Nachfrage nach ihnen „ſeyn, die Ackerfläche mag ſich vergrößert oder ver⸗ „ringert haben. Der einzige Unterſchied beſtehet dar⸗ „in, daß mehr Land auf eine ſchlechtere Weiſe be⸗ ſtellt wird. So ſehr ich mit unſerm Verſaſſer und Michell darin übereinſtimme, daß in jedem kultivirten, bevöl⸗ kerten und in Anſehung der Landwirthſchaftlichen Verhältniſſe wohl geordneten Staate, der intenſive Ackerbau vor dem extenſiven den Vorzug habe, dem allgemeinen Beſten ſowohl als dem Einzelnen vor⸗ theilhafter ſey, ſo geht erſterer in ſeinen Berechnungen doch zu weit, und ich kann ihm darin nicht beypflichten. Der höhere Ertrag eines vollkommenen kultivirten Bodens geht zwar weit über die gewöhnlichen Be⸗ griffe, und daß bey der vollkommenen Kultur, die der Engländer und auch der Deutſche an einigen Orten kennet, das Doppelte von dem, was er bey der ge⸗ wöhnlichen mittelmäßigen Beſtellung giebt, im Durth⸗ ſchnitt von gleichem Boden geerndtet werde, iſt meine vollkommenſte Ueberzeugung. Auch kann ein ſo kom⸗ plet behandeltes Feld, außer Hagelſchlag, kaum ein Unglück treffen und keine Art von Witterung ſeinen Ertrag bekrächtlich herunterſetzen. Aber höher tndcht⸗ her —-— 65— ich es im Durchſchnitt doch nicht annehmen, und der Ertrag von 60 Buſhel vom Acker iſt zwar nichts ganz außerordentliches, aber doch über das gewöhn⸗ liche, was man auch durch die beſte Kultur dem Bo⸗ den abgewinnen kann. Ein Land überdem, welches noch ſo vielen wüſten dder ſchlecht benutzten Flächenraum, wie England, hat; wo man neben dem eal der höchſten Kultur noch eine elende, ärmliche Beſtellung in weit größerer Maaße ſiehet, wo die ſtatiſtiſchen und politiſchen Verhältniſſe noch eine große Abänderung erhalten müſſen, ehe die viel weitere Ausdehnung der vollkom⸗ menen Kultur nur möglich wird— muß ſich, meines Erachtens, auf eine andere Weiſe helfen, um ſich ſeine nöthige Produktion zu ſichern. Es kann und muß ſeinen Ackerbau noch extenſiv vornehmen: kann es intenſiv zugleich geſchehen, deſto beſſer! Der Verfaſſer ſagt: zu beyden fehlt das Kapital und die arbeikenden Hände.— Aber wo Aufbrüche von wü⸗ ſten aber guten Landes, oder zum Getreidebau gut gelegener Yenger zu machen ſind, da laſſe man ſo viel altes Getreideland beſaamt wieder zu Graſe und zur Viehweide liegen, als man aufgebrochen hat, und ſo wird auch die dem Engländer eben ſo noth⸗ wendige und ebenfalls ſchon mangelnde Erzeugung khieriſcher Lebensmittel geſichert ſeyn. Tan hat in einigen Gegenden Englands eine Art von Koppel⸗ wirthſchaft, beſonders in Yorckſhire. Aber ſie iſt ſelten und irrequlär, und über das gerechte Verhältniß Nachtr. zu Bell's Verſ. I. Th. — 66— der Viehweide zum Ackerbau hat der Engländer nur noch dunkele Begriffe. Die Theilung der Geſchäfte iſt ſehr vortheilhaft in allen ſeinen Gewerben einge⸗ führt; aber bey dem Ackerbau iſt ſie zu weit ge⸗ trieben; die Viehzucht und Ackerwirthſchaften ſind zu ſehr getrennt, wie ich im dritten Theile meines Werks über engliſche Landwirthſchaft ausführlicher zeige. Durch mehrere Einführung der Koppelwirth⸗ ſchaft ließe ſich in manchen Diſtrikten viel ausrichten, in andern würde es freylich eine ganz neue Umlegung der Pachthöfe und Austheilung des Landes erfordern. Doch ich beſitze nicht die Lokalkenntniſſe, und habe nicht die Abſicht, den Engländern darüber etwas vorzuſchlagen; mein Zweck iſt nur, meines Autors Vorſchläge zur Verbeſſerung des Ackerbaues auf Deutſchland anzuwenden. Und da würde, meiner Ue⸗ berzeugung nach, jeder Staat, der noch überflüſſigen Flächenraum von gutem Boden hat, bey Einführung der Koppelwirthſchaft und mehrerer Ausdehnung des artbaren Bodens ſicherer gehen, als bey zu ſchneller Betreibung der höhern, gartenmäßigen Kultur. Daß dieſe in einzelnen Fällen rathſam ſeyn, und größeren Vortheil von einem kleineren Platze, als von einem dreyfach größeren gewähren kann, davon iſt zwar niemand überzeugter wie ich; aber dieß muß man der Willkühr und der Induſtrie eines jeden überlaſſen. Wenn der Staat durch ſeinen Vorſchuß und Kredit etwas thun will, ſo wende er es unter vorgedachten Umſtänden hauptſächlich dazu an, allen Grund und Boden wenigſtens in den Stand zu ſetzen, daß er —— dur häße inge ge⸗ ſind ines cer — 6⁷— urbar gemacht, und in den Umlauf gebracht werden könne, damit er zur höheren und geringeren Kulrur Breich geſchickt ſey. Was unſer Verfaſſer über die Größe der Pachk⸗ höfe oder Wirthſchaften in Hinſicht auf das allge⸗ meine Beſte ſagt, daß nämlich nur von den größeren eine hinreichende Produktion zu erwarten ſey, hat man in England, alles Geredes vom Gegentheil ohnerachtet, allgemein anerkannt. Ich glaube die Gründe für und wider die größeren und kleineren Wirthſchaften in meinem Buche über engliſche Wirth⸗ ſchaft zwar konrentrirt, aber deutlich genug darge⸗ ſtellt zu haben 2ter(B. 2te Abth. 91.) Wenige von der Natur ſehr begünſtigke und vorzüglich kultivirte Provinzen ausgenommen, wuͤrde ſich der Staat auf die Produktion unſerer as wohntichen Bauerwirth⸗ ſchaften nicht verlaſſen konnen. er Ueberſchuß, den ſie für die Staͤdte liefern, iſt zu gering. Aber darum bedürfte es auch der großen Wirthſchaften nicht, die wir in Deukſchland ſo nennen; dieſe ſind meh⸗ rentheils zu groß, um auf die h höchſtmögliche Art benutzt zu werden. Nicht gerade, weil dieß an ſich unmöglich wäre; aber mehrentheils fehlt es dem Eigenthümer ſowohl als dem Pächter an einem zu⸗ reichenden Betriebs⸗ Kapital, und an einer ſolchen Ueberſicht des Ganzen, die jeden einzelnen Theil zu⸗ gleich mit ins Auge faßt. Man glaubt daher auch, daß ſolche große I Wirthſchaften unmoͤglich mit eigenen Kräften und ohne Frohnden betrieben werden könn⸗ E2 — 69— ten, und man hat Recht, wenn man kein höheres Betriebs⸗Kapital anlegen kann, und der Oberauf⸗ ſeher kein Mann von ungewöhnlicher Thätigkeit und Scharfſinn iſt. Aber dann kann man auch keine vollkommene Produktion von dieſen Wirthſchaften erwarten. Der Verfaſſer meint, daß Pachthöfe von 4oo bis 600 engl. Aeckern(600 bis 900 Magdeb. Morgen) die zweckmäßigſten wären, ohne jedoch alle kleinere, beſonders in der Nachbarſchaft von Städten, auszuſchließen, und darin ſtimme ich ihm völlig bey. Auch das, was der Verfaſſer über völlige, un⸗ beſchränkte Freiheit des Getreidehandels ſagt, ſtimmt zu ſehr mit dem überein, was ich im zweyten Bande meiner engliſchen Landwirthſchaft und in verſchiedenen Stellen der Annalen geſagt habe, als daß ich mich dabey verweilen ſollte. Ich glaube, daß das, was er ſagt, zur Ueberzeugung mancher, die noch zu feſt an alten eingeſogenen Vorurtheilen hängen, beytragen kann, weil er das Nachtheilige aller der Beſchrän⸗ kungen, und den zweckwidrigen Effekt, den ſie hervor⸗ bringen, in ein ſo helles Licht ſtellt. Es iſt und bleibt ewig eine Thorheit, durch Regulationen des Korn⸗ handels gleichmäßige Preiſe bewirken zu wollen. Der Preis des Getreides richtet ſich, wie der einer jeden Waare, nach der Quantität, worin ſie vorhanden iſt, und nach der Nachfrage. Iſt viel Getreide vorhanden, ſo muß es wohlfeil werden, um ſo mehr, da es eine Sache iſt, die ſich ohne großen Verluſt nicht aufbe⸗ wahren läßt, und eine ſo große Konkurrenz von Rhereg Dbenuf. geit m ich kin ſchaften öfe von Nagdeb. och ale kädten, — 69— Verkäufern hat. Iſt wenig vorhanden, ſo muß es theuer werden, um ſo mehr, da keiner es entbehren will. Und doch ſind dieſe Regulationen nur zu wirk⸗ ſam, um von der mehreren Produktion deſſelben ab⸗ zuſchrecken. Sie rühren noch aus den Zeiten her, wo man glaubte, Getreide wachſe genug von ſelbſt. Wie man in einer gewiſſen Gegend vor etlichen Jahren den Aufkauf des Getreides auf dem Lande unterſagte, um den Landmann zu zwingen, daß er ſein Getreide ſelbſt zu Markte brächte, waren die ſogenannten Kornlieferanten, die immer das meiſte Korn zu Markte brachten, gelähmt, und es kam gar kein Getreide in die Städte. Bäcker und Brauer mußten umher gehen und die Nothdurft aufſuchen; überboten ſich einer den andern, und die Preiſe ſtiegen zu einer Höhe, worauf ſie nie gekommen wären, wenn man der Sache ihren Lauf gelaſſen hätte. Der Verf. geht ſo weit, daß er alle Policey⸗ Regulationen und Taxen für das Brodt auch nach⸗ theilig erklärt. Ich würde ihm beypflichten, wenn das Bäckerey⸗Gewerbe auch völlig frey wäre, und je⸗ dermann mit Brodt handeln könnte, der wollte Da es aber in den Städten nur auf die Bäckergilde be⸗ ſchränkt iſt, und dieſe ſelbſt hier und da nur aus ei⸗ ner beſtimmten Anzahl beſtehet, ſo könnte unter ihnen gar leicht eine Uebereinkunft zur übermäßigen Ver⸗ theurung des Brodts getroffen werden. Wo Con⸗ kurrenz genug vorhanden iſt, da bedarf es keiner Taxen, die Preiſe ſetzen ſich ſelbſt auf die billigſte Weiſe Beſchränkt man aber die Freyheit auf der einen Seite, ſo muß es auch auf der andern geſchehen. In England wird in den größeren Städten der Preis, den. ein Brodt von gewiſſem beſtändigen Ge⸗ wichte haben ſoll, nach Verhältniß der Kornpreiſe be⸗ ſtimmt. Wir ſetzen mehrentheils das Gewicht feſt, welches ein Brodt von gewiſſem beſtändigen Preiſe nach jenem Verhältniſſe haben ſoll. Hat man hier⸗ durch den Bürgern die Veränderung des Preiſes we⸗ niger merklich machen, hat man ſie lehren wollen, mit einem Brodte von minderm Gewichte aber gleichem Preiſe eine gleiche Zeit auszukommen?— Wenn die Veränderung des Gewichts nicht ſehr beträchtlich iſt, ſo mag das gehen. Aber zu falſchem Gewichte und Betrügereyen giebt die Einrichtung Veranlaſſung, wenn die Policey nicht ſehr häufig Unterſuchungen und Nachwägungen anſtellt. Denn wie kann ein je⸗ der wiſſen, wie viel ein Brodt für 3 Gre zu jeder Zeit wiegen ſoll?— Man muß es auf Glauben an⸗ nehmen. Iſt das Gewicht des Brodts hingegen be⸗ ſtändig, ſo merkt ein jeder bald, wenn es zu leicht iſt; der veränderte Preis aber wird zu leicht bekannt, als daß ein Bauer ſich unterſtehen dürfte, mehr zu fordern. Uebrigens iſt die Brodt⸗Taxe ein durch Be⸗ ſchränkung des Brodthandels nothwendiges, aber gewiß die Theurung vermehrendes llebel. Die Taxe wird an beſtimmten Tagen mehrentheils feſtgeſetzt, und zwar nach dem Marktpreis der letzten Tage. Dieſen aber auf etliche Tage zu erhoͤhen, ſteht leicht in der Gewalt derer, die dabey intereſſirt ſind. Die erhöhete Brodttaxe macht bald einen e höheten Markt⸗ preis, und ſo geht die Sache, beſonders wenn das Getreide ſich ſelten macht, immer weiter fort. So ſehr der Verf. ſeine Landsleute aufmuntert, ihren Getreidebedarf ſelbſt zu erzeugen, ſo überzeu⸗ gend er ihnen darthut, daß es eine Thorheit ſey, ganz Europa oder vielmehr den ganzen Erdkreis mit Fabrikwaaren verſorgen, die Lebensmittel aber von andern Nationen kaufen zu wollen, und ſo gewiß es iſt, daß die Engländer ihr Getreide, auch bey einer ie weit größeren Bevölkerung, ſelbſt erbauen könn⸗ n; ſo wird doch dies ſo bald noch nicht geſchehen. 3e Handelsgeiſt, welcher bey dieſer Nation über⸗ hand genommen hat; die Hoffnung, viel mit ſeinem Gelde zu gewinnen und ſchnell reich werden zu kön⸗ nen, bey denen, die etwas in Händen haben; die wirkliche Gelegenheit dazu; der Stolz der großen und reichen Landeigenthümer, die ganz von ihrer Gnade abhängige und daher arme Pächter zu haben wün⸗ ſchen, der Luxus, die ſybaritiſche Lebensart der Ver⸗ mögenden,— werden es kaum zulaſſen, daß das minder einträgliche und doch längern Vorſchuß er⸗ fordernde, das einfach ſcheinende und doch viele Kennt⸗ niſſe vorausſetzende, das Ausdauer, Aufmerkſamkeit und ordentliche Lebensart verlangende Gewerbe des Ackerbaues in gehöriger Vollkommenheit ſich über — 72— das Reich verbreite. Die Regierung und Geſetz⸗ gebung hat zu viel Gegenſtände, die für den Au⸗ genblick dringender ſind. Wenn ſchreyender Mangel da iſt, ſo beſchäftigt man ſich freylich ganz mit den Mitteln, ihn zu heben; aber iſt die Noth vorüber, ſo vergißt man auf die Mittel zu denken, die ihrer Wiederkehr vorbeugen könnten. Daher geſchiehet auch von dieſer Seite für den Ackerbau nichts bedeu⸗ tendes. England wird alſo noch lange einer Getrei⸗ de⸗Zufuhr, vielleicht einer immer ſtärkeren, bedürfen. Das alles überwiegende Kaufmanns⸗Intereſſe ver⸗ langt das ſogar. Durch dieſe Einfuhr wird ein beträchtlicher Theil des Tributs, den der ganze Erdkreis dem Engliſchen Genie für Fabriken zahlt, denjenigen Ländern zuge⸗ wandt, die den Britten Lebensmittel, auch andre landwirthſchaftliche Produkte liefern. Der Handel iſt dadurch für dieſe Länder, ſeit einer Reihe von Jah⸗ ren, activ geworden, und der ſo offenbar vermehrte National⸗Reichthum des nördlichen Europa hat kei⸗ ne andre Urſach, als dieſe. Der Verf meint, es ſey nur die Unſicherheit des jährlichen Abſatzes, wel⸗ che dieſe Länder verhindere, ſo viel Getreide zu er⸗ bauen, als durch Schiffe weggeführt werden könne. Dieſe Sicherheit haben wir, wie es ſcheint, doch wol, und wir würden das doppelte und dreyſache an Ge⸗ treide, wo nicht in jedem Jahre, doch in einem Zeit⸗ raume von zwey oder drey Jahren zu annehmlichen Prei⸗ ſen verkaufen können, wenn wir es zur Hand hät⸗ ten. Beſonders würde es an jedem Orte, wo ſich — 23— ein feſter Kornhandel etablirte, und immer Waare genug zu haben wäre, an Nachfrage nie fehlen, weil die fremden Kaufleute ſich immer zuerſt an ſolche Or⸗ te, an ſolche Häuſer wenden, womit ſie in Verkehr ſtehen, und wopon ſie prompt bedient werden. Die Engländer ſind es zwar nicht allein, welche unſer Getreide brauchen, aber ſie bezahlen es uns am theu⸗ erſten, und wir können es ihnen am wohlfeilſten liefern. ſ Unſre Financiers ärgern ſich über die unbegreif⸗ lich wohlfeilen Preiſe der Engliſchen Fabrikwaaren, weil ſie unſre Fabriken nicht aufkommen laſſen. Laßt uns ſie doch wieder ärgern mit unſern wohlfeilen Ge⸗ treide⸗Preiſen in Verhältniß der ihrigen, und das Emporkommen ihres Ackerbaues, welchen der Hun⸗ ger endlich bewirken könnte, dadurch verhüten! Wenn die Engländer ihre Fabrikate, wir unſre rohen Pro⸗ dukte ſo viel wohlfeiler geben können; ſo iſt das ja der deutlichſte Fingerzeig, daß wir ihnen das Fabri⸗ ciren überlaſſen, unſer Capital und unſre Arbeit aber ganz auf das Produciren verwenden müſſen. Hät⸗ ten wir letzteres ſchon aufs höchſte getrieben und könn⸗ ten unſer Vermögen auf die Produktion nicht mehr völlig verwenden, ſo wäre es ein anderes, und dann würden wir auch mit unſern Manufakturen leichter Schritt halten können. Aber von dem Ziele ſind wir noch weit entfernt. Man hat geſagt: die Getreideausfuhr ſey zu ſchwierig, die Koſten der Verſendung zu hoch, als daß ein Staat den Kornhandel vortheilhaft betreiben könnte.— Aber dafür ſorgen ja die, die hungern! Sie holen es von den Seeküſten und größeren Ströh⸗ men ab, und bis dahin bezahlen ſie ja alle Koſten reichlich.— Wie nützlich iſt der Verdienſt, den die Getreidefracht dem Lande giebt; wie trefflich greift ſie in den Ackerbau ein! Wenn dieſer ruht, ſo werden Menſchen und Pferde, Gaſtwirthe und Zöllner durchs Frachtfahren beſchaͤftigt. Die Engländer und Hollän⸗ der verdienen mit Seefracht, wir mit Landfracht. Durch Kanäle und Aufräumung der Flüſſe kann ſie ſehr erleichtert werden.— Und befindet ſich der Gräber ſchlechter, als der Wulſinnede Wie viel fichbre gehen wir, wenn wir das UIn⸗ entbehrlichſte, das Rokhwendige ſelbſt haben, im Ueberfluſſe haben, und nur dieſen gegen das Entbehr⸗ ſche gegen dus nur Behaoliche vertauſchen. Unſer eohes Material, welches uns die Natur überfluͤſſig gegeben hat, iſt der Grund und Boden; unſere angemeſſene Fabrikate ſind: Korn, Fleiſch, Büttter, Käſe, Wolle, Thierhänte, Holz, Lein, Hanf, Dehlſaat und andre Handelsgewächſe; die mehr ver⸗ arbeiteten: allenfalls guter Branntewein, mittelmäßige Leinen⸗ und Wollenwaare. Höhere Verfeinerungen ſollten wir höchſtens nur gelegenklich bey Muße trei⸗ ben. Aber in Baumwolle und Seide, die wir ſo weit herholen, aus der dritten und vierten Hand kaufen müſſen, werden wir es andern Nationen nie gleich thun. — 25— Ein Handelsverein der Staaten iſt zur Vervoll⸗ kommnung der Menſchheit ſo nothwendig, wie der bürgerliche Gewerbsverein zur Vervollkommnung der Staaten. Wenn jeder alle ſeine Bedürfniſſe ſich ſelbſt ſchaffen, ſich ſelbſt bereiten will, ſo bleibt alles in Rohheit, jede Verfeinerung, jede Ausbildung, jeder höhere Lebensgenuß fällt weg.. Gewiß, wir hätten den beſſeren Theil gewählet, wenn wir unſere Produkte nur gerade auf gegen Fa⸗ brikate vertauſchten. Aber wir können bey dem Handel gewinnen, wenn wir nur wollen. In jeder Hinſicht ſind die Vorzüge des Ackerbau kreibenden Staates groß. Sicherung des Nothwen⸗ digen, Geſundheit, Kraft, edle Einfalt der Sitten, Ruhe und Sicherheit im Innern, die tüchtigſte Maſſe zum Widerſtand gegen Angriffe von außen, ſind ſeine unverkennbaren Eigenſchaften. Hohe, vielleicht die höchſte, gewiß die reinſte Geiſteskultur kann damit beſtehen. Warum will man die Staaten, die die Natur dazu geeignet hat, das Ideal nicht erreichen laſſen 7 Manufakturen und ſtädtiſche Gewerbe können al⸗ lerdings dadurch die Bevölkerung und das Vermoͤgen des Staats vermehren, daß ſie den Menſchenuͤberfluß des platten Landes aufnehmen und ihm Arbeit geben, wenn dieſer Ueberfluß wirklich da iſt. Iſt er aber nicht vorhanden, ſo kann das ſtädtiſche Gewerbe, wie wir in den manufakturreichen Provinzen Englands, und ſelbſt hin und wieder auch ſchon in Deutſchland ſehen, das platte Land von Menſchen erſchöpfen; wenn das ſtädtiſche Gewerbe durch auffallend größeren Vortheil zu ſehr das Ulebergewicht über das ländliche bekommt. Denn große Städte müſſen immer vom Lande rekrutirt werden, weil ein großer Theil ihrer Einwohner durch ausſchweifende und ungeſunde Le⸗ bensart vor der Zeit ſtirbt, ſich nicht verheyrathet, und im Durchſchnitt von den Kindern der Manufak⸗ turarbeiter weniger aufkommen. Hume hat geſagt, und unzählige haben es ihm nachgeſprochen, daß der hohe Betrieb der Manufak⸗ turen deshalb dem Staate ſo nützlich ſe, weil ſie in der Noth Soldaten liefern könnten, wenn man dem Ackerbau keine Menſchen mehr entziehen dürfe. Dieſe Soldaten können allerdings die Muſterrolle vollſtän⸗ dig machen, aber eben dadurch die Regierung in der Berechnung der wahren Stärke ihrer Armee hinter⸗ gehen. Ihre Geſundheit iſt durch unordentliches Le⸗ ben und durch die Art ihrer Beſchäftigung geſchwächt, und unfähig, die Strapatzen des fortdaurenden Krie⸗ ges auszuhalken. Sie füllen daher bald die Hoſpitä⸗ ler, aber nicht die Linien der ſtreitbaren Maänner aus. Sie helfen durch ihre Unterhaltung den Schatz des Staats erſchöpfen, ohne ſeine wahre Stärke zu vermehren. Der vervollkommnete, mit Ener⸗ gie betriebene Ackerbau iſt es allein, der bey unſern langen Kriegen ausdaurende willige Menſchen, und einen immer neuen Zuwachs derſelben liefern könnte. könnte. Denn dieſer höher betriebene Ackerbau kann außer dem Nothwendigen noch einen großen Ueberfluß von Menſchen ernähren und ihn nützlich beſchäftigen, wenn er einen vorkheilhaften Abſatz ſeiner Produkte außerhalb Kundes findet. Wenn es die Noth erfordert, ſo zann er aber auch Menſthen und Pferde entbehre⸗, ſeine Arbeit vermindern, und doch das Nothwendige liefern, ohne, wie es bey Fabriken der Fall ſeyn würde, in völligen Stillſtand zu kommat. Aber wünſcht man nicht allenthalben den Acker⸗ vau empor kommen zu ſehen?— Fromme Wiünſche! wenn man nichts thut, um die ihm entgegen ſtehen⸗ den Hinderniſſe aus dem Wege zu räumen, und täg⸗ lich ſelbſt neue erſchafft. Die einzige Methode, ein Gewerbe in Aufnahme zu bringen, iſt die: es vor⸗ theilhaft zu machen; und dem Ackerbau mißgönnt man jeden Vortheil. Der Ackerbauer ſoll ſich kein Kapital zur Verbeſſerung ſeines Bodens erwerben, weil der Baumwollenſpinner vorerſt darunter leiden würde. Den Abſatz jeder Fabrik außerhalb Landes ſucht man ängſtlich zu befördern, damit Geld ins Land komme. Den Abſatz des Ackerbaues hemmt man, damit des Geldes im Lande nicht zu viel werde. Wie kalt ſpricht man von den Hinderniſſen, die dem Ackerbau, der freyen Benutzung der Ländereyen ent⸗ gegen ſtehen! Wie viel Bedenklichkeiten hat man, den Eigenſinn eines Einzelnen nicht zu kränken, der ſeine wohlerworbenen Gerechtſamen gegen ein billiges Nachte zu Bell's Verſ. I. Th. — 73— Aequivalent nicht aufgeben will, wenn auch eine ganze Provina darum ihren rohen, unproduktiven Ackerbau beybehalten muß! Wie wenig aber bedenkt man ſich ſonſt, wenn es darauf ankommt den freyen Gebrauch des Eigenthuns zu beſchränken, um dem allgemeinen Beſten einen Aeinen Vortheil zu ver⸗ ſchaffen! — Univ-Bibl. Giessen “.—,*——— 3—— 7 ——————*——————. 5 4 1 3— 1 1 I 8 3 1 3 S. 1 .„ 5. 6 4 ——. 8 27 1 4 8 N* f 1 4ℳ 4 . .. 4 6 4 — 7 —— 4. —————jj —— 0eg 1000/9 enukM eluebers ped MolleA 61 81 21 vr 81 ti 1