Gelchichte 9 volitiſchen Oekonomie 3 in Europa, von dem Alterthume an bis auf unſere Tage, nebſt einer kritiſchen Bibliographie der Hauptwerke über die politiſche Oekonomie. Von Adolph Blanqui(dem Aeltern), Mitglied des Inſtituts von Frankreich(Akademie der moraliſchen und politiſchen Wiſſen⸗ ſchaften), Profeſſor der induſtriellen Oekonomte an dem Conservatoire des Arts et Métiers, Director der Specialſchule des Handels in Paris. Aus dem Franzöſiſchen überſetzt, mit Anmerkungen verſehen, mit einem Auszug aus des Grafen G. Pecchio Geſchichte der politi⸗ ſchen Oekonomie in Italien vermehrt, und mit einem theils ergänzenden, theils berichtigenden Epilog begleitet von Dr. F. J. Buß, ord. öffentl. Profeſſor des Staats⸗ und Völkerrechtes und der Staatswiſſenſchaften an der Univerſitat Freiburg. Zweiter Band. Karlsruhe, 1841.. Druck und Verlag von Ch. Th. Groos. politile dem Altert tiner kritiſchen B die Adolph Miglied des Inſtituts von Fran Profeſſor der induf ſtrielle Direetor Aus dem Franzöſiſchen i Auszug aus des Gra⸗ nomie in Jtalien ye theils berichtigenden Nryfeſſor zes Smus 4 dh, öftnt, Zwei tetua Rut! und Gelchichte der politilchen Oekonomie in Europa, von dem Alterthume bis auf unſere Tage, nebſt einer kritiſchen Bibliographie der Hauptwerke über die politiſche Oekonomie. Von Adolph Blanqui(dem Aeltern), Mitglied des Inſtituts von Frankreich(Akademie der moraliſchen und politiſchen Wiſſenſchaften), Profeſſor der induſtriellen Oekonomie an dem Couservatoire des Arts et Métiers, Direetor der Specialſchule des Handels in Paris. Aus dem Franzöſiſchen überſetzt, mit Anmerkungen verſehen, mit einem Auszug aus des Grafen G. Pecchio Geſchichte der politiſchen Oeko⸗ nomie in Italien vermehrt, und mit einem theils ergänzenden, theils berichtigenden Epilog begleitet von Dr. F. J. Buß, rd. öffentl. Profeſſor des Staats⸗ und Völkerrechtes und der Staatswiſſenſchaften an der Univerſität Freiburg. Zweiter Band. Karlsruhe, 1841. Druck und Verlag von Ch. Th. Groos. Hauptfüc wig XIV.— rine.— Uebe Räthe von K. Findelhäuſern der gleichzeit bert, der Abb Hauptſtück X unter dem Schleichhand Löſung der Hauptſtüc mit der He Verderblich redte Philig Hauptſtück tung der Bo tiſchen Oekon insbeſondere Von der engl Hauptſtück X. den, welche il züglichſten Ur⸗ den Gang der Hauptſtück X ökonomiſti welche ſie gele der ökonom Riviere.— 2 Phlloſophen. “ Inhaltsanzeige des II. Bandes. Seite Hauptſtück XXVII. Von der politiſchen Oekonomie unter Lud⸗ wig XIV.— Ordonnanzen über den Handel.— Ueber die Ma⸗ rine.— Ueber die Gewäſſer und Forſte.— Schwarzer Codex.— Räthe von Kunſtverſtändigen.— Armengeſetze.— Gründung von Findelhäuſern.— Stiftung von Handelscompagnien.— Anſicht der gleichzeitigen Staatswirthſchaftsforſcher: Vauban, Boisguil⸗ bert, der Abbé von Saint⸗Pierre Hauptſtück XXVIII. Verbreitung des unter dem Namen Colbertismus Schleichhandel neutraliſirt.— Einfluß Löſung der ökonomiſchen Fragen.—. 3.. Hauptſtück XXIX. Von dem erſten Kampfe des Mercantilſyſtems mit der Handelsfreiheit, zwiſchen England und Holland geführt.— Verderbliche Wirkungen dieſes Kampfes.— Navigationsacte.— Be⸗ redte Philippika des Hrn. d'Hauterive gegen das Sperrſyſtem Hauptſtück XXX. Entſtehung des Credits in Europa.— Errich⸗ tung der Banken.— Einfluß, welchen ſie auf den Gang der poli⸗ tiſchen Oekonomie geübt haben.— Von den Umſchreibebanken und insbeſondere von der in Amſterdam.— Von den Zettelbanken.— Von der engliſchen Bank. 4.. 4 3 Hauptſtück XXXI, Von dem Syſtem Law's.— Von den Umſtän⸗ den, welche ihm die Entſtehung gegeben haben.— Von den vor⸗ züglichſten Urſachen ſeines Sturzes.— Einfluß, welchen es auf den Gang der politiſchen Oekonomie geübt hat... Hauptſtück XXXII. Von dem Syſtem Quesnay's und der bkonomiſtiſchen Schule.— Urſprung ihrer Lehren.— Dienſte, welche ſie geleiſtet haben.— Von den verſchiedenen Schattirungen der ökonomiſtiſchen Schule.— Gournay.— Mercier de la Rivière.— Turgot— Bewunderungswürdige Redlichkeit dieſer Philoſophen.— Einzelnheiten über Quesnay Mercantilſyſtems in Europa — Es wird durch den des Schleichhandels auf die 4t — IV— Seite Hauptſtück XXXIII. Von dem Miniſterium Turgot's— Refor⸗ men, welche er im Kreiſe der Oekonomie unternimmt.— Wider⸗ ſtände, auf welche er ſtößt.— Einfluß, welchen er auf den Gang . 77 der politiſchen Oekonomie ausgeübt hat... Hauptſtück XXXIV. Vonden Arbeiten Adam Smith's und von ihrem Einfluſſe auf die Fortſchritte der politiſchen Oekonomie.— Verſchieden⸗ heit ſeiner Lehren von jenen der Oekonomiſten.— Darſtellung der Schöpfungen, welche man ihm verdankt.— Seine ſchönen Beſtim⸗ mungen der Begriffe Werth, Arbeit, Capitale, Münze.— Unermeßliche Folgen ſeiner Entdeckungen..* Hauptſtück XXXV. Von dem Syſtem von Malthus über die Bevölkerung.— Darſtellung ſeiner Formeln.— Schilderung ſeiner Folgerungen.— Lehre Godwin's.— Sie hat den Fehler, eben ſo abſolut zu ſein, als die von Malthus.— Sie iſt humaner.— Merkwürdige Kühnheit des Buches von Godwin.— Von den verſchiedenen Schriften über die nämliche Frage.— Neue Ideen über die Bevölkerung von dem Hrn. Everett.— Von dem Buche über die Mildthätigkeit von dem Hrn. Duchätel.— Von der chriſtlichen Staatshaushaltung, von dem Hrn. von Villeneuve⸗Bargemont.— Verwahrungen des Hrn. v. Sismondi und des Hrn. Abbé de la Mennais's.—.. Hauptſtück XXXVI. Von dem Einfluſſe der Schriftſteller des 18. Jahrhunderts auf den Gang der politiſchen Oekonomie in Europa.— Geiſt der Geſetze.— Oekonomiſche Werke von J. J. Rouſſeau.— Oekonomiſche Anſichten Voltaire's.— Der Abbé Raynal........ Hauptſtück XXXVII. Von den ökonomiſchen Lehren der franzö⸗ zöſiſchen Revolution.— Sie haben ſämmtlich mehr einen ſocia⸗ len als gewerblichen Charakter.— Sie ſind kosmopolitiſch in der Theorie und beſchränkend in der Uebung.— Der Convent und das Kaiſerreich machen daraus Kriegswaffen.— Allgemeine Ueberſicht der Folgen der Continentalſperre.— Sie beſtand thatſächlich, ehe ſie noch beſchloſſen war.— Verderbliche Vor⸗ urtheile, welche ſie in Europa verbreitet hat.. Hauptſtück XXXVIII. Von der ökonomiſchen Revolution, welche in England durch die Entdeckungen Watt's und Arkwright's be⸗ wirkt wurde.— Oekonomiſche Folgen der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten.— Rückwirkung der franzöſiſchen Revolu⸗ tion auf das Finanzſyſtem Englands.— Zunahme der Auflagen.— Einſtellung der Baarzahlungen der Bank.— Entwicklungen und Miß⸗ bräuche des Credits.— Ungeheure Größe der Staatsſchuld.— Folgen des allgemeinen Friedens..... ** 90 103 132 144 Hauptſtück Wichtige: Darſtellun ſchaft gele politiſche Hauptſtück dem Anfa ton unter Schriften Mac Cu kiſſon.— Wade.— nufactu⸗ turen von mie in En Hauptſtück der franzöſ △ Oekonor 8 der ſocig Staatst Abhand Politiſe Haupiſtü vorzüglie Delabor Hauptſtü Simonij ſeiner A. Ihr Begt Kirghe.— ſicht und Hauptſtück Von dem ſo werke.— fähig zu ſe Owen.— 6 Harmony. 1 ſcaftsgelehr dauptfück ſchen Dekone len.— Jial n den deen Buche Von 1. von mondi . 103 er des mie in ke von — Der * franzo⸗ oeia⸗ zſch in nbent neine ſtand Vor⸗ .12 2 . 632 welche bs be⸗ eit der Revolu⸗ agen.— and Miß⸗ chuld.— — Seite „Hauptſtück XXXIX. Von J. B. Say und deſſen Lehren. Wichtige Folgen aus ſeiner Theorie von den Abſatzwegen.— Darſtellung der Dienſte, welche dieſer Schriftſteller der Wiſſen⸗ ſchaft geleiſtet hat.— Charakter ſeiner Schule.— Sie hat die politiſche Oekonomie in Europa populär gemacht... Hauptſtück XL. Von der politiſchen Oekonomie in England ſeit dem Anfange des 19. Jahrhunderts.— Syſtem Pitt's, von Thorn⸗ ton unterſtützt, von Cobbett angegriffen.— Lehren Ricardo's.— Schriften von James Mill.— Von Hrn. Torrens.— Von Hrn. Mac Culloch.— Von Hrn. Tooke.— Arbeiten des Hrn. Hus⸗ kiſſon.— Von Sir Henry Parnell.— Abhandlungen von Hrn. Wade.— Von Hrn. Poulett Scrope.— Oekonomie der Ma⸗ nufacturen von Babbage.— Philoſophie der Manufac⸗ turen von Dr. Ure.— Große Popularität der politiſchen Oekono⸗ mie in England..... 2.. 3. Hauptſtück XLI. Von den ſocialen Volkswirthſchaftsgelehrten der franzöſiſchen Schule.— Neue Principien der politiſchen Oekonomie von Hrn. v. Sismondi.— Neue Darſtellung der ſocialen Oekonomie von Hrn. Duneyer.— Chriſtliche Staatshaushaltung des Hrn. von Villeneuve⸗Bargemont.— Abhandlung von der Geſetzgebung, von Ch. Comte.— Politiſche Oekonomie von Hrn. Droz. 3. Hauptſtück XLII. Von der eklektiſchen politiſchen Oekonomie und ihren vorzüglichſten Organen.— Hr. Storch.— Hr. Ganilh.— Hr. Delaborde.— Hr. Florez Eſtrada. Hauptſtück XLIII. Von der politiſchen Oekonomie der Saint⸗ Simoniſten.— Erſte Schriften Saint⸗Simon's.— Kühnheit ſeiner Angriffe.— Theorien ſeiner Schüler.— Der Producteur— Ihr Begriff von dem Induſtrialismus— Sie gründen eine Kirche.— Ihre Angriffe auf das Erbrecht.— Allgemeine Ueber⸗ ſicht und Würdigung ihrer Arbeiten...... Hauptſtück XLIV. Von den utopiſtiſchen Volkswirthſchaftsgelehrten.— Von dem ſocietären Syſtem Fourier's.— Ueberſicht ſeiner Haupt⸗ werke.— Grundidee ſeiner Lehre.— Entwicklungen, deren ſie fähig zu ſein ſcheint.— Von dem ſocialen Syſtem des Hrn. Owen.— Seine fruchtloſen Verſuche zu New⸗Lanark und New⸗ Harmony.— Skizze der beſondern Anſichten dieſes Volkswirth⸗ ſchaftsgelehrten—......... 256 Hauptſtück XLV. Allgemeine Ueberſicht der Syſteme der politi⸗ ſchen Oekonomie.— Nationaler Charakter der verſchiedenen Schu⸗ len.— Italäniſche Schule.— Spaniſche Schule.— Franzöſiſche Schule.— Engliſche Schule.— Teutſche Schule...— 156 169 212 231 242 270 Seite Hauptſtück XLVI. Von den ökonomiſchen Verwicklungen, welche ſich aus der induſtriellen Befreiung ſeit 1789 ergaben.— Von den Nachtheilen der Mitwerbung.— Widerſpruch zwiſchen den Thatſachen und den Geſetzen.— Nothwendigkeit, ſie harmoniſch aus⸗ zugleichen.— Von den Revolutionen, welche in den Handels⸗ verhältnifſen ſeit dem 19. Jahrhundert bewirkt worden ſind.— Modificationen, welche hieraus für die politiſche Oekonomie Hervorgehen.............. 286 Kritiſche Bibliographte........... 303 I. Anhang. Auszug aus des Grafen Joſeph Peecchio Geſchichte der Staatswirthſchaft in Italien. Graf Mengotti Einleitung............ 391 Gaſparo Scaruffi............. 410 Bernardo Davanzati............ 413 Antonio Serra............. 414 Gian Donato Turbolo.......... 417 Gemintano Montanari.......... 1417 Saluſtio Antonio Bandini........120 Antonio Broggia....... 424 Ferdinando Galianit......... 141430 Girolamo Bellonit...... 435 Gian Francesco Pagninit....... 436 Pompeo Neri........... 439 Gian Rinaldo Carli......... 442 Antonio Genoyeſt........„.. 452 Franresco Algarotti............ 45/ Antonio Zanon......... 459 Ceſare Beccarig................ 461 Pietro Verci............467 Ferdinando Paoletti............ 471 Gian Batiſta Bageo....... F.... 474 Giammaria Ortes......... 484 Giambatiſta Gherardo Graf v. Arco....... 495 Filippo Briganti........... 498 Gaetano Filangieri................. 5,5603 Cantalupo, Caraccioli, Serofani....... 508 Maurizio Solera............ 512 Giambatiſta Corniani.......... 515 Lodooico Ricci.............. 317 Giuſeppe Palmieri...........524 Melchiorre Zuſtand der Melchiorre Valeriani Reſſi. Fabroni Boſellini Pecchio Charakter mie Parallele ſchaftoge Von dem auf die i ten Itali Oeſtreichiſch Toscana Königreich II. Anha⸗ über die Analyſen fe delle so 2 Vol. Von Fr. Von M. 1827. Von Gi — cruzia mira a g0verpa Von Ves! Von Luig lihri III. del meaie Epilog. Verzeichniß führten ——— —— — vi— Seite Melchiorre Delfico......„. 530 Zuſtand der Wiſſenſchaft in Italien von 1796 an.... 532 Melchiorre Gioja.......... 532 Valeriani............. 5342 Reſſi........... 542 Fabroni.......... 542 Boſellini........... 343 Pecchio ............. 341 Charakter der italiäniſchen Schriftſteller über die politiſche Oekono⸗ mie........... Parallele zwiſchen den italiäniſchen und den engliſchen Volkswirth⸗ ſchaftsgelehrten.... ͤ 548 Von dem Einfluß, welchen die volkswirthſchaftlichen Schriftſteller auf die im Lauf des 18. Jahrhunderts in den verſchiedenen Staa⸗ ten Italiens ausgeführten Reformen übten... 556 Oeſtreichiſche Lombardei. «* ....... 557 Toscana....... 5 5538 Königreich Neapel............ 53560 II. Anhang. Nachträgliche Ergänzung der italiäniſchen Literatur über die politiſche Oekonomie. Analyſen folgender Werke: von Carlo Boſellini: Nuovo esame delle sorgenti della privata e pubblica ricchezza. Modena 1816. 2 V.. Von Fr. Fuoco: Saggi economici. Pisa 1825. 1827 2 Bände 3627 Von M. Agazzini: La scienza dell' economia politiea. Milano 1827. 1 Vol....... 571 Von Giuſeppe Corvaja und Michele Parma: La banco cruzia o il gran libro sociale; novello sistema finanziario che mira a basare i governi su tutti gl'interessi positivi dei Sovernati. Milano 1840. 1 Vol...ä8575 Von Vesme: Ueber das römiſche Steuerweſen.... 577 Von Luigi Cibrario: Della economia politica del medio evo libri III. Torino 1839. 1 Vol. III. libro: Condizione economica del medio evo...... 5580 Epilog........... 622 Verzeichniß der Namen der in der kritiſchen Bibliographie ange⸗ führten Schriftſteller........8 6343 — Von der! den H Schwa Gründ Anſicht bert, de w enn „die Gei für die bung ſü wigs I des gro gierung handlur und der gend eim worden i genheit, ſeiner ga Stoßes bietenden niſter C vnd zue — 8) Hr. Ilanaui 443 414 . 417 .4 4⁰ . 42ʃ . 8,0 . 435 . 836 . 439 . 42 . 452 .4 459 . 461 467 71 47 44* 495 498 503 508 512 5145 5 ¾ Hauptſtück XXVII. Von der politiſchen Oekonomie unter Ludwig XIV.— Ordonnanzen über den Handel.— Ueber die Marine.— Ueber die Gewäſſer und Forſte.— Schwarzer Coder.— Räthe von Kunſtverſtändigen.— Armengeſetze.— Gründung der Findelhäuſer.— Stiftung von Handelscompagnien.— Anſicht der gleichzeitigen Staatswirthſchaftsforſcher: Vauban, Boisgutil⸗ bert, des Abbé von Saint⸗Pierre. Wenn, wie jüngſt einer unſerer Staatsmänner ³) ſchrieb, „die Geſetze immer das bedeutendſte und belehrendſte Denkmal für die Geſchichte ſind,“ ſo giebt es keine anziehendere Geſetzge⸗ bung für die politiſche Oekonomie, als die der Regierung Lud⸗ wigs XIV. Wir haben ſchon den herrſchenden Grundgedanken des großen Miniſters zur Kenntniß gebracht, welchem dieſe Re⸗ gierung ſo vielen Glanz verdankte; es iſt Zeit, die Regierungs⸗ handlungen hervorzuheben, welche der Ausdruck deſſelben waren, und deren Ganzes das ſchönſte Gebäude bildet, welches von ir⸗ gend einer Regierung der ökonomiſchen Wiſſenſchaft aufgeführt worden iſt. Einſam wahrlich inmitten der Ruinen der Vergan⸗ genheit, blieb dieſes Gebäude aufrecht; und es ſchaut noch von ſeiner ganzen Höhe auf unſere Inſtitutionen, welche trotz des Stoßes der Revolutioneu das Gepräge ſeiner Ehrfurcht ge⸗ bietenden Originalität noch nicht verloren haben. Dem Mi⸗ niſter Colbert gebührt die Ehre, damft Frankreich begabt, und zuerſt in ihrem vollen Umfang die Hilfsquellen der *) Hr. Thiers, Artikel Lau in der Eneyclopédie nrogressive. Blanqui, Geſchichte d. polit. Oekonomie. II. Bd. — 2— Gütererzeugung aufgefaßt zu haben. Sully hatte Frankreich in den engen Schranken eines ausſchließlich landbauenden und pa⸗ triarchaliſchen Syſtems feſthalten wollen; er hatte ſich mit allen ſeinen Kräften der Entwicklung der Manufacturen widerſetzt, und hatte in dem Handel nur eine fährliche Wagniß der Ausfuhr des Geldes geſehen. Die Strenge ſeiner politiſchen Oekono⸗ mie hatte ſelbſt unter der Regierung Ludwigs XIII. durch Aufwandverordnungen und Ordonnanzen eines für den Fort⸗ ſchritt des Vermögens feindlichen Charakters fortgedauert. Colbert eröffnete der einheimiſchen Arbeit die Bahn auf eine regel⸗ mäßige und verſtändige Weiſe, und wir dürfen nicht zweifeln, daß ſeine Geſetzgebung um ein Jahrhundert wenigſtens den Theorien der modernen politiſchen Oekonomie vorangeeilt iſt. Durch ihn erweiterte Frankreich ſeine Grenzen, und ſetzte ſich in Verbindung mit der Welt; es hörte auf, ausſchließlich land⸗ bauend zu ſeyn, und bereicherte ſich zugleich um den neuen Werth, welcher ſeinem Gebiet und ſeinen Bewohnern gegeben worden war.. Dieſe Epoche wird in den Jahrbüchern der Wiſſenſchaft ewig gefeiert bleiben, weil ſie die innige Vereinigung des materiellen und des ſocialen Fortſchritts nachgewieſen hat. Wie viele commer⸗ cielle Exiſtenzen haben ihren Urſprung dieſen ſchönen Verordnun⸗ gen über die Marine, über den Handel, über die Manufacturen verdankt, deren Erlaſſer nnd Organ Colbert war! Wenn man ſie mit Aufmerkſamkeit durchforſcht, ſo läßt ſich leicht erkennen, daß ſie der grundherrlichen Ariſtokratie eine furchtbare Rivalität dadurch aufgerufen haben, daß ſie allen Bürgern die Gelegenheit gab, ſich durch den bloßen⸗Einfluß der Arbeit ein Vermögen zu erſchwingen. Die Kräfte der Nation wurden dadurch verdop⸗ pelt, und Ludwig XIV. konnte im Laufe ſeiner langjährigen Re⸗ gierung unſer Land zu einer Macht erſten Ranges erheben; glücklich, wenn er nicht die unermeßlichen durch ſeinen Miniſter angehäuften Hilfsquellen misbraucht hätte! Unſere Zeit, ſo fruchtbar an waglichen Verſuchen, hat Nichts, was ſich mit der Kühnheit der Schöpfungen dieſer Epoche vergleichen ließe; man mochte ſie Alle durch einen Guß hervorgetreten nennen, ſo weiſe ſind ſie geleitet. Zuvöt walt au den Auſ melte, Paris aufgens und 1 anderers Stuadt Kranken in den in wele terungsp aus dem König w Koſten b donnanz das Lan ſchwier erſt dur gewußt regieru ſchere 2 ſenheit ſich noch Ich hal — *) Cdiet XVII., **) Edic *sn) Hr. 1Sb aus W bis! von a.) gen ben wig Men mwer⸗ dnun⸗ turen man onnen, alität enheit en zu erdoy⸗ 2n Re⸗ heben; iniſter , ſo it der man weiſe —n — — 3— ſind ſie unter ſich geordnet, und zu einem gleichen Ziel geleitet. Zuvörderſt zieht die Lage der Armen die Blicke der Staatsge⸗ walt auf ſich. Während in England man ſie prügelte, ſie unter den Auſpieien der drakoniſchen Geſetze Heinrichs VIII. verſtüm⸗ melte, ließ Colbert ein Edict ſeines Fürſten ergehen, um in Paris ein Zufluchtshaus zu ſtiften, wo die Dürftigen ſollten aufgenommen werden, als lebende Glieder Jeſu Chriſti, und nicht als unnütze Glieder des Staats*). Ein anderes Edict vom Juni 1662 will, daß ein Spital in jeder Stadt und in jedem Flecken des Königreiches für die armen Kranken, Bettler und Waiſen gegründet werde, welche dort in den Handwerken unterrichtet werden ſollen, in welchen ſie ſich ſollen befähigen können. Ermun⸗ terungsprämien werden den Geſellen bewilligt, welche Waiſen aus dem hospitium misericordiae heirathen werden: der Köoͤnig will in dieſem Fall, daß man ihnen das Meiſterrecht ohne Koſten bewillige. Die unter ſeiner Regierung erlaſſenen Or⸗ donnanzen beurkunden die ſteten Bemühungen dieſes Fürſten, das Landübel des Bettels in ſeinen Staaten auszurotten, eine ſchwierige Frage aller Zeitalter, und welche das unſerige erſt durch Einſperrungen und gerichtliche Verfolgungen zu löſen gewußt hat! Zu gleicher Zeit errichtete die Sorgfalt der Staats⸗ regierung die erſten Findelhäuſer,“) die ſpäterhin viel mörderi⸗ ſchere Aſyle für die Kindheit geworden ſind, als es die Verlaſ⸗ ſenheit ſelbſt für ſie ſeyn würde; und unſer Fortſchritt beſchränkt ſich noch jetzt darauf, die Opfer zu zählen!***) Ich habe geſagt, was Colbert für die Manufacturen gethan *) Edict vom April 1656, in der Colleetion von Iſambert, Band XVII., S 326. **½) Ediet vom Juni 1670. ***) Hr. Macculloch berichtet, daß in dem Findelhauſe zu Dublin auf 12,786 ausgeſetzte Kinder es 12,561 todte in weniger als ſechs Jahren, von 1791 bis 1797 gab.(principles of political economy, p. 232, Ausgabe von 1830). 1. — 4— hatte. Er hat die reglementäre Manie zu weit getrieben, und wir haben gegenwärtig Mühe, dieſe Ueppigkeit von Strafen zu begreifen, welche auf die Irrthümer der Chemie oder Mechanik geſetzt wurden, als wenn ſie Angriffe auf die Moral wären. Dennoch war eine ſolche Strenge vielleicht nothwendig für den Erfolg der Induſtrie, wie die Strenge der Regel für die entſte⸗ henden Mönchsorden; und Colbert hat ſie durch ſo viele Wohlthaten wieder gut gemacht, daß man eine große Verlegen⸗ heit fühlt, ſie ihm zum Vorwurf zu machen. Es deuchte ihm, daß die Disciplin der Werkſtätten das ſicherſte Mittel wäre, ſie vor den Gefahren ausländiſcher Mitwerbung zu ſichern, und er wußte ſie dabei mit einer unbeugſamen Strenge aufrecht zu er— halten. So verbreitete ſich durch ganz Europa der gute Ruf der franzöſiſchen Erzeugniſſe, und ihre Vorzüglichkeit ſäumte nicht, ſich auf den Märkten der Welt zu erweiſen. Die fran⸗ zöſiſche Induſtrie begann mit Meiſterwerken die glänzende Laufbahn, welche ſie zu durchlaufen nicht aufgehört hat, und wir erleben noch die glorreichen Ueberlieferungen ihres gefeier⸗ ten Gründers. Ein höherer und einziger Impuls beſtimmte auf dem ganzen Gebiete des Reichs die Bewegungen der Gü⸗ tererzeugung, geleitet durch eine Zucht, wie ein Heer, und wenn zuweilen das individuelle Genie auf Hinderniſſe bei der ſtrengen Gleichförmigkeit der Gewerbsvorſchriften ſtieß, ſo hat doch die Maſſe der Arbeiter bei deren Verkündung viel ge⸗ wonnen. Zudem hielt ſich Alles wechſelſeitig in den allgemeinen Anſichten Colbert's. Sein Genie ſchützte mit gemeinſamer Sorgfalt die Inte⸗ reſſen des Landbau's, der Induſtrie und des Handels. Das iſt ſein wahrer Ruhm, und während wir noch über die relative Wichtigkeit dieſer drei Hauptelemente des öffentlichen Wohlſtandes ſtreiten, ermuthigte er mit gleichem Eifer alle Zweige deſſelben. Die Declaration vom 25. Jänner 1671 verbot, das Zugvieh des Pächters wegzunehmen,*) wie Sully die Wegnahme der *)„Er wollte nicht, ſagt Necker, daß das Unglück mit der Unmacht ge⸗ ſtraft würde, es wieder gut zu machen.“ Ackerbaug 1656 ſchy des Stac herſtellun ganz der ſchon lat Verwalt weſen v und Fo iſt die genügte gung dur Fruchtban der Erzeu Colber! ließ ſie i chen ihm des Cana de Bou einſichts ſid, ſ ſicht. die fran übrigen ſchranke der Ind. den Hand le fait et ſterbliche ſetzhuch; ausgezeicht ) Auguſt *³) 9. Jät 48) Ich hten ntt⸗ keit ten, Die — 5— Ackerbaugeräthe unterſagt hatte. Die Ordonnanz vom Juli 1656 ſchrieb die Trockenlegung der Moräſte vor. Ein Beſchluß des Staatsraths vom 17. October 1665, welcher die Wieder⸗ herſtellung der Geſtüte verfügte, legte die Grundlagen jener ganz dem Landbau gedeihlichen Einrichtung, von welcher wir ſchon lange glückliche Früchte gezogen haben würden, wenn alle Verwaltungen von dem Geiſt ihres Urhebers durchdrungen ge⸗ weſen wären. Endlich das herrliche Edict über die Gewäſſer und Forſten,*) welche achtjährige Arbeiten Colbert koſtete, iſt die Grundlage unſers Code forestier geworden. Aber es genügte nicht, die natürlichen Schwierigkeiten der Gütererzeu⸗ gung durch den Landbau zu ebnen: was hätte ihm dieſe neue Fruchtbarkeit genützt, da er der Abſatzpunkte für den Verkauf der Erzeugniſſe beraubt war? Colbert hatte an die Wichtigkeit der Straßen gedacht, und er ließ ſie mit dem ganzen Luxus von Hilfsquellen ausbeſſern, wel⸗ chen ihm der Wohlſtand Frankreichs geſtattete. Die Eröffnung des Canals zwiſchen den beiden Meeren, der Plan zu dem Canal de Bourgogne kund alle jene kühnen Linien, die ſeither ſo einſichtsvoll auf der Karte unſeres Vaterlandes gezogen worden ſind, ſind ſchlagende Zeugniſſe ſeiner Sorgfalt in dieſer Hin⸗- ſicht. Seine Vorgänger ſchienen nur daran gedacht zu haben, die franzöſiſchen Provinzen unter ſich, und Frankreich von dem übrigen Europa zu ſcheiden: Colbert hatte zum Syſtem, die Zoll⸗ ſchranken niederzuwerfen und den Verkehr zu vervielfältigen. In der Induſtrie ſchafft er die Räthe der Kunſtverſtändigen; über den Handel verkündet er nach einander ſeine Declaration**) sur le fait et négoce de la lettre de change, und ſeine un⸗ ſterbliche Ordonnanz vom März 1673, unſer erſtes Handelsge⸗ ſetzbuch; aber vorzugsweiſe verdankt ihm die Schifffahrt die ausgezeichnetſten Dienſte. Vor der Ordonnance de la marine“*) 2) Auguſt 1669. **) 9. Jänner 1664. ***) Ich will nur den Eingang zu dieſer Ordonnanz anführen, um eine — 6— welche über ſie zum erſten Mal auf eine ſcharfe Weiſe die weſentlichen Regeln feſtſetzte, war der Seehandel in Frankreich faſt Nichts; Col⸗ bert allein gab ihm Schwung und Leben. Die Compagnien beider Indien, würdige Nebenbuhlerinnen der Hanſeſtädte, wurden unter ſeinen Auſpicien geſtiftet. Eine Colonie, abgegangen von La Rochelle, ſollte Cayenne bevölkern; eine andere uahm Beſitz von Canada, und legte den Grund zu Quebee; eine dritte ließ ſich auf Mada⸗ gascar nieder. Der Han elnach der Levante wurde wieder belebt, der nach dem Norden eröffnet, der mit den Colonien erweitert. Die Senegalcompagnie, Anfangs mit einem Monopol organiſirt, ſah bald ihren Handel in die freie Mitwerbung fallen, und der Code noir ⁴) war die erſte conſtitutionelle Charte jener unglücklichen Idee von der umfaſſenden und kühnen Art zu geben, mit welcher Colbert alle Fragen betrachtete: „Ludwig ꝛc. „Nach den verſchiedenen Ordonnanzen, welche wir gemacht haben, um durch gute Geſetze die Verwaltung der Rechtspflege und unſerer Finanzen zu regeln, und nach dem glorreichen Frieden, mit welchem unſere letzten Siege zu krönen es Gott gefallen hat, haben wir geglaubt, daß, um das Glückunſerer Unterthanen zu vollenden, nichts mehr erübrigte, als ihnen durch die Leichtig⸗ keit und Erweiterung des Handels, welcher eine der Hauptquellen des Völker⸗ glücks iſt, ihnen den Wohlſtand zu verſchaffen: und da der Seehandel der beträchtlichſte iſt, ſo haben wir Sorge getragen, die Küſten, welche unſere Staaten umgeben, mit einer Anzahl Hafen und mit Schiffen für die Sicher⸗ heit und Bequemlichkeit der Seefahrer zu verſehen, welche gegenwärtig in allen Hafen unſeres Reiches landen; weil es aber eben ſo nothwendig iſt, den Verkehr durch gute Geſetze zu befeſtigen, als ihn frei und bequem durch die Güte der Hafen und die Gewalt der Waffen zu machen, und weil unſere Ordonnanzen, die unſerer Vorgänger und das römiſche Recht nur ſehr wenige Beſtimmungen für die Entſcheidung der Streitigkeiten enthalten, die zwiſchen den Handelsleuten und Seefahrern entſtehen, ſo haben wir erachtet, daß, um für das Wohl der Schifffahrt und des Verkehrs nichts wünſchen zu laſſen, es wichtig ſei, das gerichtliche Herkommen über die Seeverträge, die bisher un⸗ ſicher war, zu beſtimmen, die Gerichtsbarkeit der Admiralitätsbeamten und die vorzüglichſten Pflichten der Seeleute zu regeln, und eine gute Polizei in den Hafen, an den Küſten und Rheden, welche im Umfang unſeres Gebietes liegen, zu errichten. Aus dieſen Gründen u. ſ. f.“ *) März 1685. Menſchen ſollte. Man ob das der die ſtimmung Männer in die ſe ſie, hör ihrigen. anlegen, kleine Po Marne Anordnu hatten in rigkeiten Holz To ſagen, der Mi diele be ſteigen Ohgle⸗ Ideen — *) N 4s) Hi ben hat: „Obwol Mannes e würde ma⸗ habe. Ein von Beme einigermaß einzige de ſchriebenen donnanzen Hiſſzauell le im zu zu erer hüg⸗ lker⸗ Ider nſete icher⸗ tig in g iſt durch nſere enige ſchen 6, um en, es er un⸗ n und izei in ebietes — 7˙— Menſchenraſſe, welche das erleuchtete Europa einſt befreien ſollte. Man weiß nicht, was man am meiſten bewundern muß, ob das Ganze dieſer umfaſſenden ökonomiſchen Geſetzgebung, oder die Beſtimmtheit der Erwägungen, auf welche ihre Be⸗ ſtimmungen gegründet waren. Colbert ſuchte ſich mit allen Männern zu umgeben, welche in den Materien heimiſch waren, in die ſeine kräftige Hand die Reform bringen wollte; er befragte ſie, hörte ihre Einwürfe, änderte ſehr oft ſeine Anſicht nach der ihrigen. Er ließ eine Baumſchule in der Vorſtadt Roule anlegen, und führte Marktſchiffe auf der Seine ein. Er ſchuf die kleine Poſt,*) und vervollkommnete die große; er ließ das Bett der Marne ausgraben und machte aus Dünkirchen einen Freihafen. Anordnungen, Edicte, Declarationen, Patente, Ordonnanzen hatten in weniger als 20 Jahren für die Löſung aller Schwie⸗ rigkeiten geſorgt, welche durch den Handel mit Getreide, Wein, Holz, Tabak, edlen Metallen erhoben worden waren. Man möchte ſagen, Frankreich habe ſich damals noch gar nicht gekannt, und der Miniſter Ludwigs XIV. habe es ihm ſelbſt geoffenbart, ſo viele bedeutende Gewerbsanſtalten ſah es in ſeinem Schoos auf⸗ ſteigen, und ſo zahlreiche Flotten aus ſeinen Hafen auslaufen. Obgleich der große Colbert nie Gelegenheit gehabt hatte, ſeine Ideen in ein Syſtem zu faſſen,**) und das, was man in unſerer *) Mai 1653. **) Hierüber ſagt Forbonnais, der deſſen Geſchichte am beſten geſchrie⸗ ben hat: „Obwohl die Mittheilung deſſen, was von den Papieren dieſes großen Mannes erübrigt, durch ſeine Familie mir bewilligt worden war, ſo würde man doch über die geringe Hilfe ſtaunen, die ich daraus gezogen habe. Einige Staatsentwürfe aus den letzten Jahren, kurze und in Form von Bemerkungen geſchriebene Gloſſen konnten meine Wißbegierde nur einigermaßen befriedigen. Seinen Geiſt wollte ich erforſchen, und das einzige Denkmal, welches davon übrig iſt, iſt auf zwei halbbrüchig ge⸗ ſchriebenen Blättern in Form von Noten aufbewahrt. Die Edicte, Or⸗ donnanzen und Beſchlüſſe über ökonomiſche Sachen waren meine einzige Hilfsquelle.“(Considérations sur les fnances de France, tome I., p. 271.) — 8— Zeit ein Programm nennt, herauszugeben, ſo läßt ſich doch in ihm einer der entſchloſſenſten Neuerer erkennen, deren die Ge⸗ ſchichte erwähnt. Geboren in der arbeitenden Klaſſe, und ledig⸗ lich durch ſein Verdienſt auf den Gipfel der Ehren geſtiegen, ar⸗ beitete er unabläſſig an der Verbeſſerung des Looſes der größten Zahl, und das Zeugniß der gleichzeitigen Schriftſteller beurkundet den Widerſtand, welchen er den Verſchwendungen Ludwigs XIV. entgegenzuſetzen den Muth hatte. Frankreich war ſo ſchoͤn ge⸗ worden, ehe dieſer Fürſt ſämmtliche Hilfsquellen verſchlungen hatte, mit welchen es von Colbert bereichert worden war!*) Nie hatte man deutlicher erkannt, was das Genie eines großen Volkes vermag, wenn es von Männern geleitet wird, die wür⸗ dig ſind, es zu begreifen und zu führen. Selbſt noch nach den Unfällen, welche das Alter des Königs ver⸗ folgten, ſelbſt nach der Widerrufung des Edicts von Nantes ſtieg Frankreich nicht wieder von der erhabenen Stelle herab, welche es erſchwungen hatte. Freilich war dieſes ein furchtbarer Schlag für Frankreich, der ihm fünf hundert Tauſende ſeiner gewerbflei⸗ ßigſten Kinder raubte; denn dieſer gräßliche Verluſt wurde nie mehr gut gemacht; aber die Gewohnheiten der Ordnung und Arbeit, von welchen ſie durchdrungen waren, verbreiteten ſich durch ganz Europa, und ſo hatte die große, von Colbert bewirkte Verjüngung *) Colbert ſprach ſich hierüber lebhaft gegen den König ſelbſt aus, in einer Denkſchrift, welcher ich folgende Stelle entnehme: „Hinſichtlich der Ausgabe bitte ich, obwohl dieſes mich gar nicht angeht, blos Ew. Majeſtät, Höchſtderſelben ſagen zu dürfen, daß Sie weder im Krieg noch im Frieden je Ihre Finanzen berathen hat, um Ihre Ausgaben zu beſchließen, was ſo außerordentlich iſt, daß gewiß kein Bei⸗ ſpiel der Art beſteht; und wenn Höchſtdieſelbe ſich die vergangenen Zei⸗ ten und Jahre ſeit den 25 Jahren darſtellen und vergleichen ließe, in wel⸗ chen ich Höchſtderſelben zu dienen die Ehre habe, ſo würde Sie finden, daß, obwohl die Einnahmen ſehr vermehrt worden ſind, doch die Ausga⸗ ben die Einnahmen um Vieles überſtiegen haben, und vielleicht möchte dieſes Ew. Majeſtät beſtimmen, das Uebermaß zu mäßigen und zu ſtrei⸗ chen, und dadurch ein wenig mehr Verhältniß zwiſchen die Einnahmen und Ausgaben zu bringen.“ nicht mehr vielleicht be von den land, die Erbe unſe Ideen, w daran, Schutz! ken und Sperre, und die kenden F als ſie zu geworden lich, weil ſeiner R Nantes u das Ausl Man Thatſas Oekono ſelbſt ſa und dur zu genüg Geld, w ten, gin⸗ der Prote werke, der zugleich un uns für ign Aus dieſen! — .8) Naephe fähr hundert die düchling — 9— nicht mehr den engen Charakter der Nationalität, welchen ſie ſonſt vielleicht behalten hätte. Ein jedes Volk empfing ſeinen Antheil von den Segnungen dieſes Staatsmanns; Teutſchland, Eng⸗ land, die Schweiz, Holland ernteten mit unſeren Verbannten das Erbe unſerer Manufacturen, und leider das der ausſchließenden Ideen, welche ihre Errichtung geleitet hatten. Niemand dachte daran, daß Colbert der Induſtrie nur einen proviſoriſchen Schutz hatte gewähren wollen, um ihr Zeit zu laſſen, zu erſtar⸗ ken und ſich zu befeſtigen. Man ſuchte den Fortſchritt in der Sperre, während er denſelben durch die Mitwerbung wollte, und die Sperre dauert noch, unter mehr oder minder beſchrän⸗ kenden Formen, weil es leichter iſt, Mitwerber auszuſchließen, als ſie zu überflügeln. So iſt das Syſtem Colberts europäiſch geworden; aber es wurde für Frankreich nur deßwegen verderb⸗ lich, weil es dasſelbe gerade in dem Augenblick der Repreſſalien ſeiner Nachbarn blos ſtellte, wo der Widerruf des Edicts von Nantes unſere Induſtrie entwaffnet ließ. Colbert hatte geſäet: das Ausland erntete. Man kann nicht Bedeutung genug der Erforſchung dieſer Thatſachen zuwenden, ohne welche die Geſchichte der politiſchen Oekonomie unter Ludwig XIV. unerklärlich wäre. Colbert ſelbſt ſah ſich mehr als Ein Mal durch das Unglück der Zeiten und durch die Nothwendigkeit, den Bedürfniſſen der Ereigniſſe zu genügen, gezwungen, ſein eigenes Werk aufzugeben. Das baare Geld, welches ſeine Tarife in Frankreich zurückzuhalten bezweck⸗ ten, ging Millionenweiſe während der langen Verfolgung der Proteſtanten hinaus, und mit ihnen die meiſten unſerer Ge⸗ werke, deren Geheimniß ſie mit ſich nahmen: wir verloren ſo zugleich unermeßliche Capitale,*) und die Gewerbszweige, welche uns für ihren Verluſt zu entſchädigen im Stande geweſen wären. Aus dieſen bedrängten Zeiten ſtammt der Urſprung der glänzendſten *) Macpherſon(Annales du commerce, t. II. p. 617) ſchlägt auf unge⸗ fähr hundert Millionen Franecs den Reichthum an Baarſchaft an, welchen die Flüchtlinge nach England gebracht haiten. — 1·10— ausländiſchen Manufacturen, und dieſer Durſt nach Monopolen, welcher das Mercantilſyſtem charakteriſirt. Es gab eine Zeit, wo man keine andere Bücher mehr ſchrieb, als um den Vor⸗ theil nachzuweiſen, das baare Geld anzuſammeln und die Ge⸗ fahr, es ins Ausland gehen zu laſſen. Selbſt die Holländer ver⸗ kündeten, nachdem ſie Manufacturen gegründet hatten, eifrig das Syſtem der Verbote, und die gleichzeitigen Schriftſteller Groß⸗ britanniens ſprechen nur dann jedes Mal gegen den Nachtheil des Austauſches, wo er ſich für ihr Land in eine Ausfuhr des Geldes auflöst.„Das ſicherſte Mittel, die Nation zu bereichern, ſchrieb Thomas Mun,) iſt, jedes Jahr an die Ausländer mehr Waaren zu verkaufen, als wir von den ihrigen verbrauchen.“ Lord Davenant, Sir Joſuah Child, Sir James Steuart, ſeine Landsleute, Melon und Forbonnais in Frankreich, Genoveſi und ſeine Schule in Italien, Uſtariz in Spanien haben die nämliche Sprache geführt, und es iſt nicht überraſchend, daß ganz Europa Vorurtheile ſanctionirt hat, welche das Gepräge einer gewiſſen Farbe des Patriotismus tragen. Die unwiderſtehliche Macht der Principien modifieirte gleich⸗ wohl ſchon in ihrem Urſprung dieſe ausſchließliche Tendenz der Regierungen auf dem Gebiet der Induſtrie. Wir ſehen ſie faſt ſämmtlich durch Handelsverträge, d. h. durch ein eigentliches Zugeſtändniß von Vorrechten, die Strenge der neuen Tarife mildern. Man möchte ſagen, ſie fühlen das Bedürfniß, ſich wechſelſeitig für das Unrecht zu entſchädigen, welches das Sperrſyſtem ihnen unfehlbar verurſachen muß. Und ſchon unter Lud⸗ wig XIV. verſuchte man nicht blos über ſolche Fragen die Contro⸗ verſe; ſondern die politiſche Oekonomie brachte auch höhere und gefährlichere Erörterungen in Anregung. Die Verſchwendungen des Endes dieſer Regierung hatten das öffentliche Elend auf den Gipfel gebracht. Alles, was das Genie Colbert's an Hilfsquellen geſchaffen hatte, war erſchöpft. Er ſelbſt war ge⸗ nöthigt, zu drückenden Auskunftmitteln zu greifen, um den An⸗ forderungen ſeines Herrn zu genügen, und mehr als einmal *) England's Treasure by forcigo trade, London 1664, p. 11. hatte er, gegen wel ſprache er Dingen er hinauswel des Land⸗ Livres und wer delt, ſo und mei So war ſtörte, un einen öffen Alleind Tode wie welche es ker zu üt in ſeinen verkünden ich ſeit habe, h ungefäh gebracht deren T. Almoſen dieſen un anderen 2 Auskommen in Verlege Theil, zu und Laien, *) Man w ſcließt, die( Narſchall von fennen, welch ich⸗ deuz e faſt liches rarife „ſc das Lud⸗ ntro⸗ und ngen auf 3 an rge⸗ An⸗ nmal — 11— hatte er, die Verzweiflung in der Seele, die Steuern erhöbt, gegen welche ſein Herz und ſeine Vernunft gleichmäßig Ein⸗ ſprache erhoben.„Man muß fünf Sous an den unnöthigen Dingen erſparen, ſagte er zu Ludwig XIV., und Millionen hinauswerfen, wenn es ſich um das Intereſſe oder den Ruhm des Landes handelt. Ein unnützes Gaſtmal von 3,000 Livres macht mir einen unglaublichen Kummer, und wenn es ſich um Millionen Goldes für Polen han⸗ delt, ſo möchte ich meine Frau und meine Kinder verpfänden, und mein ganzes Leben zu Fuß gehen, um dazu beizuſteuern.“ So war der Mann, deſſen Leichenzug ein verblendeter Pöbel ſtörte, und welchen man zur Nachtzeit zu Saint⸗Euſtache wie einen öffentlichen Feind beſtatten mußte. Allein dieſes edle Erbe der Freimüthigkeit ward nach ſeinem Tode wieder aufgenommen, und es fanden ſich edle Stimmen, welche es wagten, die Vertheidigung der Grundſätze und Völ⸗ ker zu übernehmen. Der Marſchall von Vauban ſäumte nicht, in ſeinem Projet d'une Dime royale ernſte Wahrheiten zu verkünden*).„Bei allen Nachforſchungen, ſagte er, welche ich ſeit mehren Jahren, wo ich mich darauf verlege, angeſtellt habe, habe ich ſehr wohl bemerkt, daß in dieſen letzten Zeiten ungefähr der zehnte Theil der Bevölkerung an den Bettelſtab gebracht worden iſt und wirklich bettelt; daß von den neun an⸗ deren Theilen es fünf giebt, die nicht im Stand ſind, jenem das Almoſen zu reichen, weil ſie ſelbſt bis auf ſehr Weniges in dieſen unglücklichen Zuſtand verſetzt ſind; daß von den vier anderen Theilen, welche erübrigen, drei ein ſehr beſchränktes Auskommen haben, und durch Schulden und Rechtsſtreite in Verlegenheit ſich befinden, und daß man in dem zehnten Theil, zu welchem ich alle Ritter, Magiſtrate, Geiſtlichen und Laien, den geſammten Adel und die Leute im Militär⸗ *) Man wird in der ausführlichen Bibliographie, welche dieſes Werk ſchließt, die Gründe finden, auf welche ich mich geſtützt habe, um den Marſchall von Vauban als den wahren Verfaſſer der Hime royale anzuer⸗ kennen, welche fälſchlich Boisguilbert zugeſchrieben wird. 12 und Civildienſt, die guten Handelsleute, die Rentenbeziehenden und wohlhabendſten Bürger rechne, nicht über hundert tau⸗ ſend Familien zählen kann, und ich glaubte nicht zu lügen, wenn ich ſagen würde, daß es deren nicht zehntauſend kleine oder große giebt, welche man ganz wohlhabend nennen könnte.“ Der Marſchall von Vauban war, wie Colbert, von der un⸗ gleichen Vertheilung der Steuern ergriffen, welche die größte Drangſal ſeiner Zeit war, und er beklagte den Mißbrauch der Privilegien, vermöge welcher die reichſten Klaſſen von den Auflagen befreit waren. Es kam ihm die Idee, daß die Ein⸗ künfte der Völker, welche mit ſo großen Koſten erlangt wurden, ſich vortheilhaft durch eine einzige, allgemeine, verhältnißmäßig gleiche Grundſteuer erſetzen ließen, welche auf den zehnten Theil der Naturaleinkünfte rückſichtlich der Früchte der Erde, in Geld aber rückſichtlich der anderen Vermögenstheile feſtge⸗ ſetzt werden ſollte, und welche er aus dieſem Grunde den Kö⸗ nigszehnten nannte. Man findet zahlreiche Beziehungen zwiſchen ſeinen ökonomi⸗ ſchen Anſichten und jenen, welche Turgot ein halbes Jahr⸗ hundert ſpäter geltend machen ſollte. Er verlangte die Aufhebung der Binnenzölle und die Herabſetzung der Tarife rückſichtlich der ausländiſchen Erzeugniſſe; eine Herabſetzung der Salzſteuer um die Hälfte, und die Aufhebung der indirec⸗ ten Steuern, mit Einſchluß des Kirchenzehntens. Es lagen in ſeinem Reformentwurf viele unausführbare Verbeſſerungen; aber die Grundmaximen, auf welche er geſtützt war, ehren zugleich ſeine Urtheilskraft und ſeinen Charakter.„Kein Staat, ſagte er, kann ſich halten, wenn die Unterthanen ihn nicht auf⸗ recht erhalten. Nun begreift dieſe Aufrechterhaltung alle Bedürfniſſe des Staats, zu welchen beizutragen folglich alle Unterthanen verpflichtet ſind. Aus dieſer Nothwendigkeit geht hervor: erſtens, eine natürliche Verbindlichkeit für die Unterthanen eines jeden Standes, im Verhältniß ihres Ein⸗ kommens oder ihres Gewerbes beizutragen, ohne daß irgend einer derſelben ſich billig davon befreien kann; zweitens, daß es tigen, d daß jede Beitrag theil de Allein der übe Menſch den ge Staats ſtück zu ſich Be⸗ gemeinf ein N ſchlech keine S des Sa in dem iſt, d eino Schr. Salz oft g naiye hören kannn, ſchaft lich rüh Ein a alter Lu Voisg 6) Die Steuard's: 1767, B. v — 13— daß es genüge, um die Regierung zu dieſer Abgabe zu ermäch⸗ tigen, daß Jemand Unterthan dieſes Staates ſey; drittens, daß jedes Privilegium, welches auf eine Befreiung von dieſem Beitrag geht, ungerecht und mißbräuchlich ſei, und zum Nach⸗ theil des Gemeinweſens nicht gelten könne und ſolle.“ Allein nicht bloß in dieſen allgemeinen Finanzanſichten glänzt der überlegene Geiſt Vauban's*) und ſeine warme Liebe für die Menſchheit; man findet auch in den kleinſten Einzelnheiten wieder den gewandten Kenner der Verwaltung und den aufgeklärten Staatswirth. Man braucht nur in der Dime royale das Haupt⸗ ſtück zu leſen, welches er der Salzſteuer gewidmet hat, in welchem ſich Betrachtungen der größten Tiefe mit den gewohnteſten und gemeinſten Einzelnheiten gemiſcht finden.„Das Salz iſt nach ihm ein Manna, mit welchem Gott das Menſchenge⸗ ſchlecht beſchenkt hat, und auf welches daher, deucht ihm, man keine Steuer hätte legen ſollen.“Dann fügt er hinzu:„Die Theurung des Salzes macht es ſo ſelten, daß es eine Art von Hungersnoth in dem Königreich erzeugt, welche dem gemeinen Volk ſehr fühlbar iſt, da es aus Mangel an Salz kein Fleiſch für ſeinen Gebrauch einſalzen kann. Es beſteht keine Haushaltung, welche nicht ein Schwein aufziehen könnte, was ſie jetzt nicht thut, weil ſie kein Salz zum Einſalzen hat; ſie ſalzen ſogar ihre Koſt nur halb, und oft gar nicht.“ Sollte man nicht glauben, wenn man dieſe naiven Bemerkungen liest, einen Schriftſteller des Alterthums zu hören? Und gleichwohl iſt das Buch Vauban's nur wenig be⸗ kannt, obwohl es die Hauptgrundlagen der Wirthſchaftswiſſen⸗ ſchaft enthält, deren neuzeitige Begründer zu ſeyn, wir uns täg⸗ lich rühmen. Ein anderer ſtaatswirtsſchaftlicher Schriftſteller aus dem Zeit⸗ alter Ludwigs XIV., und gleicherweiſe vergeſſen, Peter von Boisguilbert, hat mit den lebhafteſten Farben die Leiden und Noth *) Die ſchönſte Analyſe der Ideen Vauban's findet ſich in dem Werke Steuart's: Inquiry into the principles of political oeconomy, London 1767, B. V., chap. 11. 14— ſeiner Zeitgenoſſen, in einer Schrift unter dem Titel: Détail de la France sous Louis XIV., gezeichnet. Er hebt darin ohne Schonung die Urſachen des Verfalles hervor, deren Symptome allen Augen ſichtbar wurden, und er verweilt, wie Vauban, bei den Ungerechtigkeiten einer ſchlechten Vertheilung der Steuern, gegen welche der große Colbert ſelbſt vergebens proteſtirt hatte. Die Zölle werden hier nicht mehr geſchont, als in dem Buche Vaubanu's:„Sie verurſachen, ſagt er, ungefähr die nämlichen Wirkungen, wie die Hilfsgelder(aides), und noch mehr Uebel dadurch, daß ſie die Ausländer aus unſeren Hafen ver⸗ treiben, und ſie nöthigen, anderswo das zu ſuchen, was ſie früher bei uns ſuchten, oder die Verfahrungsweiſen unſerer Manufacturen dadurch zu lernen, daß ſie unſere Arbeiter an ſich ziehen.“ Die nämliche Richtigkeit des Urtheils zeigte ſich in allen anderen Würdigungen des Zuſtandes von Frankreich in dieſem Zeitraum, eines beklagenswerthen Zuſtandes, welcher allen hochherzigen Menſchen Thränen entlockte, und welcher mit glei⸗ cher Unruhe die Staatswirthſchaftsgelehrten und Dichter, Bois⸗ guilbert und Vauban, Fenelon und Racine erfüllt hatte! Ueberall nahm die Bevölkerung fortwährend ab:„Das gemeine Volk wird in dieſen letzten Zeiten, ſagte Vauban, durch den Krieg, die Krankheiten und durch das Elend der letzten Jahre ſehr gemin⸗ dert, welche eine große Anzahl derſelben vor Hunger ſterben ließen, und viele andere an den Bettelſtab brachten.“ Es läßt ſich jedoch nicht leugnen, daß die Regierung Lud⸗ wigs XIV., ſo verrufen ſie auch iſt, Reformen die Bahn er⸗ öffnet habe, welche in der Geſchichte der politiſchen Oekonomie wichtig waren. Die ſtreng organiſirte Induſtrie ließ Meiſter⸗ werke entſtehen, und verdoppelte unſere productiven Kräfte; der Handel erhob ſich zu einer Höhe, welche bisher unter der Herr⸗ ſchaft der fundamentalen Inſtitutionen unbekannt war, die den Glanz derſelben ſteigern mußten. Das Unrecht des Königs war, mehr Geld zu verſchwenden, als ihm die Steuern lieferten, und die Bildung von Capitalen zu hindern, welche das Werk Col⸗ ber''s ergänzt haben würden. Die Gewinnſte wurden ver⸗ ſchlungen, ehe ſie entſtanden, und ſchon öffnete ſich unter den Auſpicie Wiſeenſ Credits heure über d Entwie das J ſetzt w Sait geiſtr große hart ſ von B Frankr einigen Dürftig rückſich Ausbr ie den Sp kannte hatke, Zeiten — b — — * —— — 15— Auſpicien von Louvois, der Schlund der Anleihen, welche die Wiſſenſchaft von den Finanzen ändern und das Studium des Credits vervollkommnen ſollten. Frankreich war eine unge⸗ heure Werkſtätte geworden, aus welcher wir ſchon die Fragen über den Pauperismus hervortreten ſehen, trotz der geringen Entwicklung der Maſchinen und der Hinderniſſe, welche durch das Innungsſyſtem der Ueberfüllung der Induſtrie entgegen ge⸗ ſetzt wurden. Der Entwurf eines ewigen Friedens des Abbé von Saint⸗Pierre, als ein Utopien betrachtet, verſchließt eine Fülle geiſtreicher Blicke über dieſe ſocialen Schwierigkeiten, und die große ökonomiſtiſche Schule des 18. Jahrhunderts offen⸗ bart ſich ſchon ganz in den folgenden merkwürdigen Worten von Boisguilbert:„Obwohl die Pracht und der Ueberfluß in Frankreich äußerſt groß ſind, ſo kann dieſes, da es ſich nur bei einigen Privaten findet und der größte Theil in der äußerſten Dürftigkeit iſt, nicht den Verluſt aufwiegen, welchen der Staat rückſichtlich der größten Zahl erleidet*). Hauptſtück XXVIII. Ausbreitung des Mercantilſyſtems in Europa, unter dem Namen Colbert⸗ ismus.— Es wird durch den Schleichhandel neutraliſirt.— Ein⸗ fluß des Schleichhandels auf die Löſung wirthſchaftlicher Fragen. Kli Unrecht betrachtet man Colbert als den Gründer des Mercantilſyſtems; wir haben geſehen, daß dieſes Syſtem, deſſen Anmaßung iſt, immer zu verkaufen, ohne je zu kaufen, von den Spaniern ſtammte, und das Werk Karls V. war. Man kannte es ſchon durch ganz Europa, ehe es noch einen Namen hatte, und Colbert war kein Anhänger deſſelben in den erſten Zeiten ſeines Miniſteriums; denn ſämmtliche Verordnungen *) Détail de la France sous Louis XIV., chap. VII., 1. partie. — 16— aus dieſem Zeitraum waren der Freiheit des Handels günſtig. Erſt als er einen kräftigen Aufſchwung unſeren Manufacturen geben wollte, dachte er an den Vortheil, welchen man aus dem Verbot ausländiſcher Waaren ziehen könnte. Alle Fubri canten, welche bei dem Steigen des Preiſes der WPaaren bethei⸗ ligt ſind, wurden von dieſem Augenblick an ſeine Verbündeten, und ergriffen mit Eifer die Vertheidigung eines Syſtems, welches ihnen unermeßliche Gewinnſte ſicherte. Zu gleicher Zeit hatte die Staatscaſſe ihren Antheil durch die Gefälle, welchen die unde⸗ führten Artikel unterworfen wurden, und dieſes Ruündnis wir 5 noch mit, das öffentliche Vorurtheil zu befeſtigen. Nieman vide gewagt haben, ein Auskunftmittel zu misbilligen, das glück⸗ lich genug war, zugleich die Privaten und den Staat zu bereichern. Man erkannte in der That nicht auf der Stelle die wahre Na⸗ tur des Schadens, welcher durch die Annahme dieſes Syſtems dem Lande verurſacht worden iſt. Man ſah von allen Seiten ſich Fabriken erheben; der hohe Preis ihrer Erzeugniſſe de ſchaffte den Häuptern der Induſtrie beträchtliche Gelwinſte, u erhöhte ihre Capitale durch Anhäufung. Die ſeendeſiſhen Fa⸗ briken von Seidenwaaren, Spiegeln, Tüchern, Teppichen kann⸗ ten keine Rivalen, und ganz Europa war ihnen tributpflichtig ge⸗ worden; allein es kam eine Zeit, wo die Ausländer beaegen⸗ Repreſſalien zu brauchen, und die franzöſichen Waaren zur zu⸗ weiſen. Dem Tarif von 1667 antworteten die Holländer im Jahr 1671 mit dem Verbot der Einfuhr der franzoſiſchen Weine und Branntweine; und dieſer ganz comercielle Streit war nichts deſto weniger eine der Haupturſachen des Kriegs von 1672, weil man die Tarifſätze im Frieden von Nimwegen mildern mußte. Gleichwohl hatte die Anſteckung alle Völker ergriffen, und die Zollkriege haben ſeit dieſer Zeit fortwährend die Welt heimge⸗ ah. andere verderbliche Folge des Mer cantil⸗ oder Sperrſ Puhns war die unbedingte Unterwerfung der Arbeiter unter dir ditne liſten, und das Wachsthum des individuellen Elendes eeiderden allgemeinen Reichthum. Dieſer ſchreckliche Contraß hat ſeih die Staaten der Neuzeit fortwährend geſchreckt. Eine künſtliche ind hitz gen Ar ſonder! durch Das2 gen, d arme, ſpäter Zweiß nicht ſich ül gen, d ſie umle welche! wurden, dagegen Es laͤ tererzeu⸗ ſein Vat haben w dem V ſehr vo hat nic Erzeug lande 5 liefere *) Don meinen Irrtt vorgehoben: „Als wi werke ſehen, inmer den G Natonen in tts Richtzun und wit der Wanmni, Geſ nge⸗ ſtems apita⸗ der deim ſeither inüche — 17— und hitzige Erzeugung hat die Stelle der regelmäßigen und ruhi⸗ gen Arbeit der frühern Zeiten eingenommen, und durch einen ſonderbaren Widerſpruch hat man die Mittel zu verkaufen da⸗ durch beſchränkt, daß man die Fähigkeit zum kaufen ſchmälerte. Das Mercantilſyſtem iſt aus der falſchen Idee hervorgegan⸗ gen, daß ein Volk ſich bereichere, wenn es ausführe, und ver⸗ arme, wenn es einführe, ein Grundirrthum, deſſen Nachtheile ſpäter durch die Volkswirthſchaftsgelehrten aller Länder außer Zweifel geſetzt wurden. Als bloßer Geſchichtſchreiber werde ich nicht mehr die merkwürdigen Streitigkeiten verzeichnen, welche ſich über dieſe wichtige Frage erhoben haben; es wird genü⸗ gen, daran zu erinnern, daß die Verwicklungen, von welchen ſie umlagert iſt, ihren Urſprung den Privilegien verdanken, welche von Colbert an die franzöſiſche Induſtrie verſchwendet wurden, und welche ſich die Induſtrie der andern Nationen dagegen wiederum verleihen ließ. Es läßt ſich denken, daß, wenn die wahren Geſetze der Gü⸗ tererzeugung ihm beſſer bekannt geweſen wären, Colbert weder ſein Vaterland, noch Europa auf den gefahrvollen Weg geführt haben würde, auf welchen ſie gegenwärtig gebracht ſind. Nach dem Vorbild der Spanier hat ſich dieſer berühmte Miniſter zu ſehr von dem Einfluß des Metallgeldes einnehmen laſſen, und hat nicht geſehen, daß zuletzt jede Nation mit ihren eigenen Erzeugniſſen die Erzeugniſſe bezahle, welche ſie aus dem Aus⸗ lande bezieht, ob nun das Ausland Gold ſende, oder Waaren liefere. Er hat das Vorurtheil getheilt*), welches einem Zeit⸗ à *) Don Bernardo di Ulloa hat mit einer großen Deutlichkeit den allge⸗ meinen Irrthum ſeiner Landsleute rückſichtlich des Metallreichthums her⸗ vorgehoben: „Als wir uns, ſagte er, als Herren der neuen Welt und ſeiner Berg⸗ werke ſahen, glaubten wir mit Zuverſicht, daß dieſer leere Titel uns auf immer den Genuß dieſer Schätze ſicherte; es deuchte uns, als ſähen wir die Nationen in einer demüthigen Abhängigkeit bei uns den Ueberfluß unſe⸗ res Reichthums holen. Durch dieſes ſchmeichelhafte Luftgebilde getäuſcht, und mit der Schönheit und Wohffeilheit der ausländiſchen Stoffe zufrie⸗ Blanaui, Geſchichte d. polit. Oekonomie. II. Bd. 2 — 18— raum gemeinſam war, wo die jüngſt geſchehene Entdeckung der Erzgruben Amerika's ihren glücklichen Beſitzern eine Uebermacht gewährt hatte, welche von den andern Völkern beneidet wurde. Um ſeinen Antheil an dem in Europa verbreiteten Gold zu er⸗ langen, wollte Frankreich ſeine Rechnungen in baarem Gelde berichtigt haben, trotz des Gefolges von Bedrückungen jeder Art, mit welchen dieſe Entſchließung begleitet ſein mußte. Nie wurde, man muß es ſagen, irgend ein Paradoxon mit grö⸗ ßerer Begeiſterung aufgenommen, als jenes, auf welchem die ganze Theorie des Mercantilſyſtems beruhte. In Frankreich, England, Teutſchland, Italien, Spanien zeigten ſich alle Schrift⸗ ſteller einſtimmig, die Wunder der induſtriellen Iſolirung zu preiſen, ohne zu erwägen, daß dieſes Syſtem ſich dadurch zer⸗ ſtörte, daß es ſich generaliſirte, und daß die Hoffnung, zu ver⸗ kaufen, ohne zu kaufen, an dem Tage untergehen müßte, wo jede Nation ihre Nachbarn zwingen würde, zu kaufen, ohne zu verkaufen. Die verſtändigſten volkswirthſchaftlichen Schrift⸗ ſteller machten ſich zu Verbreitern dieſer Lehre, und es gab de⸗ ren ſo viele, daß die bloße Benennung ihrer Schriften mehre Blätter dieſes Werkes einnehmen wird*). Die Verwaltung ſäumte nicht, ſich ihren Ideen anzuſchließen, welche die ſämmt⸗ lichen Hinderniſſe hervorriefen, die der großen commerciellen Re⸗ form vorbehalten waren, deren Morgenröthe wir dämmernd er⸗ blicken. Wenn große Privatintereſſen unter der Herrſchaft dieſes Vorurtheils erzeugt wurden, ſo iſt dieſes noch gar kein Grund, um an den Verbeſſerungen zu verzweifeln, welche von dem Geſammt⸗ — den, verſäumten wir die Pflege unſerer Manufacturen; das Ausland ge⸗ wann bei einer Nachläſſigkeit, die ſo günſtig war, um die ſeinigen zu he⸗ ben, und entzog uns bald durch dieſes Mittel nicht blos Alles, was beide Indien uns an Gold und Silber mehre Jahre hindurch eingebracht hatten, ſondern ſogar die koſtbaren Stoffe unſeres Grundes und Bodens, deren ſeine Manufacturen nicht entbehren können.“ (Von der Wiederherſtellung der Manufacturen und des Handels von Spanien, p. 3.) *) Man ſehe die kritiſche Bibliographie an dem Ende dieſes Bandes. Ae! Zweck und de durch kann, durch dieſes er die der T der keine gegen in Ge man Ideal auf beſ mache, und ma günſtig Die h das Aus ahkaufen, les verka Geld zu eſes ,un ammr⸗ land ge⸗ en zü he⸗ was dedt ht hatten, ns, deren eiuren und Bandes. —-— ———— 19— intereſſe gebieteriſch gefordert werden.„Die Verabſchiedung eines Heeres, ſagt Adam Smith, zieht auch einige Uebelſtände nach ſich: ſollte man aber deßwegen in einem ewigen Kriegszuſtand beharren, aus Furcht, einige Soldaten zu entlaſſen?“ Das Mercantilſyſtem hat nur deßwegen ſo lange gelebt, weil es von Anfang an in eine dogmatiſche Form gekleidet war. Der Reichthum iſt, ſagte man, Geld; mit Geld verfügt man über die Arbeit, und liefert man den Arbeitern den Unterhalt. Das Gold iſt der Nerv des Kriegs und die QOuelle der Macht. Wer immer ſolches beſitzt, gebietet Jenem, der es nicht hat. Alle Bemühungen einer guten Regierung müſſen ſonach zum Zweck haben, möglichſt viel Geld der Nation zu verſchaffen; und da die Menge, welche ſich in jedem Staate befindet, nur durch den Bergbau oder die Einfuhr von außen ſich mehren kann, ſo muß man Bergwerke beſitzen, oder ausländiſches Geld durch den Ausfuhrhandel anſammeln. Nach dem Geſichtspunkt dieſes Syſtems iſt der Binnenhandel faſt ohne Bedeutung, weil er die Maſſe des Geldes nicht mehrt, und weil das Ergebniß der Tauſche gar keine günſtige Bilanz in Geld gibt. Was der Eine verliert, gewinnt der Andere; aber es ergibt ſich keine Zunahme des Reichthums. Der auswärtige Handel hin⸗ gegen zeigt den unermeßlichen Vortheil, die Handelsgeſchäfte in Geld zu berichtigen, deßwegen muß man ſie ſo regeln, daß man Viel ausführt, und ſehr Wenig einführt. Das ſchöne Ideal wäre, gar Nichts einzuführen; aber man hat ſich dar⸗ auf beſchränkt, zu fordern, daß eine Nation keine andere Tauſche mache, als jene, welche eine Bexichtigung in Geld verſchaffen; und man ſagt in dieſem Fall, daß die Handelsbilanz für ſie günſtig ſei. Die Folgen dieſes Syſtems laſſen ſich leicht ableiten: damit das Ausland unſer Gold nicht fortnehme, muß man ihm nichts abkaufen, was in Geld bezahlt werden muß, und wir müſſen Al⸗ les verkaufen, was wir nur immer abgeben können, um ſein Geld zu erhalten. Allein wenn es die Luſt ergriffe, ſeinerſeits 2. = 20— auch zu fabriciren, und ſich unſer zu enthalten? In dieſem Fall haben wir das Mittel, die Ausfuhr unſerer Rohſtoffe zu verbie⸗ ten, um es zu hindern, zu arbeiten, und es zu nöthigen, uns die Gewinnſte der Verarbeitung zu laſſen. Das ſind die nothwendigen Folgen dieſer politiſchen Oekonomie, welche ſich in Einſuhr- und Ausfuhrverbote auflöst, und welche die Ueberfüllung und die Noth auf allen Punkten begünſtigt. Leider iſt das Patent die⸗ ſer ſchönen Erfindung erloſchen, nach dem Ausdruck des Hrn. Huskiſſon; alle Nationen haben nach der Reihe die Ausfuhr der Rohſtoffe und die Einfuhr der Fabricate verboten. Sie ſind von nun an genöthigt, ſich auf ſich ſelbſt zurückzuziehen, und eine Zufluchtſtätte in dem Binnenhandel zu ſuchen, nachdem ſie die ſämmtlichen Kniffe der Verträge erſchöpft, und alle Repreſſalien der Tarife ausgeſtanden haben. Was hat man auf dieſem Schlachtfelde als Siegestrophäe geerntet? Den Pauperismus, die Zollkriege, die Handelskriſen und die Theurung aller Erzeug⸗ niſſe, welche die Vorſehung, ſo zu ſagen, auf unſere Pfade ge⸗ ſtreut hatte. Und gleichwohl hat das Mercantilſyſtem den einſtim⸗ migen Fluch überlebt, mit welchem es von den Oekonomiſten des XVIII. Jahrhunderts beladen worden war; es herrſcht noch gegenwärtig in den Räthen der Regierungen, und es hält noch unter der Maske eines betheiligten Patriotismus alle Menopole aufrecht, unter welchen Europa leidet und ſeufzt. Gleichwohl liegt es in der Natur ſchlechter Inſtitutionen, nicht geachtet zu ſein, und Proteſtationen hervorzurufen, welche endlich ihre Reform herbeiführen: der Schmuggel war für das Sperrſyſtem die beſtändigſte und nachdrücklichſte dieſer Proteſta⸗ tionen. Der Schmuggel iſt in unſern Tagen eine wahre Macht, halb Handels⸗, halb Kriegsmacht geworden, welche ihre Haupt⸗ ſtationen und officiellen Tarife, krieggewöhnte Soldaten und ge⸗ übte Führer hat. Er iſt eben ſo genau in ſeinen Lieferungen, als der gewiſſenhafteſte Handelsmann; er trotzt den Jahreszeiten und den bewachteſten Zolllinien ſo ſehr, daß die Verſicherungsge⸗ ſellſchaften, welche ihn ſchützen, weniger Unfälle zählen, als alle anderen. Der Schmuggel iſt in der That das einzige Mittel, welches den Induſtriezweigen bleibt, um ſich die verbotenen Er⸗ zeugniſ wendig ſchäften Europ welche der H gange ſich Schn traliſ ſichtba vorrech Streng Verletz deſto m mie, w lehrten Schm lichen dels nicht Schn dieſes tilſyſt varen ninental land mi ttug ver regelma — * ¹ 5 — 21— zeugniſſe zu verſchaffen, deren Verbrauch ihnen unerläßlich noth⸗ wendig iſt. Er iſt unabläſſig und zugleich mit dem von den Ge⸗ ſchäften gewonnenen Umfang gewachſen, und auf mehren Punkten Europa's hat er ſich mit einer Ordnung und Gewandtheit regulirt, welche an das Wunder grenzen. Dem Schmuggel verdankt es der Handel, unter dem Einfluß des Sperrſyſtems nicht unterge— gangen zu ſein: während dieſes Syſtem die Völker verurtheilte, ſich an den entlegenſten Quellen zu verſorgen, näherte der Schmuggel die Fernen ſich an, drückte die Preiſe herab, und neu⸗ traliſirte die verderbliche Wirkſamkeit der Monopole. Eine un⸗ ſichtbare und unabläſſig ſich erneuernde Mitwerbung hielt die Be⸗ vorrechteten im Athem, und entſchädigte die Conſumtion für die Strenge der Tarife. Obwohl ſchon ſein Daſein allein eine Verletzung des Geſetzes iſt*), ſo hat doch der Schmuggel nichts deſto weniger zur Löſung faſt aller Fragen der politiſchen Oekono⸗ mie, welche auf die Tauſche gehen, mitgewirkt. Während die Ge⸗ lehrten erörtern, und der Handel fleht, wirkt und entſcheidet der Schmuggel an den Grenzen; er ſtellt ſich mit der unwiderſteh⸗ lichen Macht fertiger Thatſachen ein, und die Freiheit des Han⸗ dels hat noch nie auch nur einen einzigen Sieg erkämpft, den er nicht vorbereitet hätte. Wenn man aufmerkſam die Epochen erforſcht, in welchen der Schmuggel gediehen iſt, ſo wird man ſich leicht überzeugen, daß dieſes ſtets in den Ländern und Zeiten geſchah, wo das Mercan⸗ tilſyſtem in Kraft war. Die americaniſchen Kolonien Spaniens waren zu jeder Zeit der Heerd deſſelben. Als Napoleon die Con⸗ tinentalſperre beſchloß, bedeckten ſich Rußland, Teutſchland, Hol⸗ land mit Schmugglern; der Kaiſer ſelbſt war genöthigt, den Be⸗ trug vermittelſt der Licenzen zu ermächtigen, welche die un⸗ regelmäßige Quelle ſo vieler Vermögen geworden ſind. Der —— * Chateau, maison, cabane, Nous sont ouverts partout; Si laloi nous condamne, Le peuple nous absout, Bôranger, chanson des Contrebandiers. Krieg von 1812, welcher an Rußland erklärt wurde, hatte zum Hauptgrund den Widerſtand, welchen die Ruſſen den Forderun⸗ gen der franzöſiſchen Sperre entgegengeſetzt hatten, und es war eine Zeitlang der Schmuggel die einzige Hilfsquelle des europäi⸗ ſchen Handels. Wenn bei dieſem flüchtigen Ueberblick der Revo⸗ lutionen der ökonomiſchen Wiſſenſchaft es uns geſtattet wäre, einzelne und erſt jüngſt vorgefallene Thatſachen anzuführen, ſo würden wir leicht nachweiſen, daß man dem Schmuggel allein die dem Sperrſyſtem auferlegten Beſchränkungen verdanke. Un⸗ ſere Muſſelinfabrikanten haben die bedingungsweiſe Einfuhr ausländiſcher Baumwollengeſpinnſte erſt erwirkt, nachdem ſie lange Zeit durch Unterſchleif ſich damit verſehen hatten; und un⸗ ſere Zölle auf die Pferde wurden erſt nach dem öffentlichen Ge⸗ ſtändniſſe*) herabgeſetzt, daß der Schmuggler auf ſeine Waare ſtieg, und mit ihr davon ſprengte. Wie viele Waaren, die gegen⸗ wärtig ſelten und theuer ſind, würden ihren Zoll herabgeſetzt ſe⸗ hen, wenn der Schmuggel ſie auf das Pferd nehmen und die Grenze damit überſetzen könnte! Es würde eine beträchtliche Vervollkommnung in den Unterſchleifen genügen, um lalle Tarife in der Welt umzuſtürzen, und jede Nation zu zwingen, ſich an die Art der Erzeugung zu halten, welche ihrem Boden oder dem Geiſt ſeiner Bewohner eigenthümlich iſt. Das Mereantilſyſtem war nicht glücklicher in ſeinen hart⸗ näckigen Verſuchen, das Geld fremder Länder an ſich zu zie⸗ hen, als die Waaren derſelben auszuſchließen. Vergebens ver⸗ boten die Geſetze die Ausfuhr des Goldes unter ſchweren Strafen; vergebens haben die Regierungen, wie in England, verſucht, die Wage zu ihren Gunſten herabzudrücken, und ha⸗ ben Verzeichniſſe der Ausfuhren bekannt gemacht, welche die ih⸗ rer Einfuhren überwogen: England hat aber deßwegen keine Guinee mehr behalten, und es iſt gegenwärtig das Land, in welchem man das wenigſte Metallgeld antrifft. Spanien, das claſſiſche Land der Abſperrung, hat fortwährend dem geſamm⸗ *) Dieſes Geſtändniß wurde in einer der Sitzungen der parlemen⸗ tariſchen Seſſion von 1836 gemacht. ten Eur tallgeld Preis! die Sch Furcht, zahlen, einem zu ber ſie am die Er wohlſeꝛ daß das wohlfei⸗ machen Die Ge eigniſſe verſuch einzum gabs mi de von d Waar ren ir ihren Spaͤte fuhr de hoten ga zu gerbel der fran⸗ Das Ni⸗ Zolgefäll Erzeuger unſern Tu zu verſchl — 5) J. B. — 23— ten Europa das Gold geliefert. Das Papiergeld hat das Me⸗ tallgeld jedes Mal verdrängt, wo ſeine Gegenwart deſſen Preis herabgedrückt hat, trotz der Todesſtrafe, von welcher die Schmuggler getroffen wurden. Das kömmt daher, weil die Furcht, die ausländiſchen Waaren mit edeln Metallen zu be⸗ zahlen, eine leere Furcht iſt; die edeln Metalle gehen nie aus einem Lande in das andere, um angebliche Waarenrechnungen zu berichtigen, ſondern um den Markt zu ſuchen, auf welchem ſie am theuerſten verkauft werden. Es iſt uns immer angenehm, die Erzeugniſſe zu verbrauchen, welche das Ausland beſſer oder wohlfeiler liefert, als wir, ſo vollkommen verſichert wir auch ſind, daß das Ausland ſich mit Sachen bezahlt machen wird, welche wir wohlfeiler erzeugen, als daſſelbe.„Ich ſage, daß es ſich ſo vezahlt machen wird, weil die Sache gar nicht anders gehen kann.“*) Die Geſchichte iſt ganz voll von Widerlegungen, welche die Er⸗ eigniſſe der Politik von jeher gegeben haben, als dieſe letztere es verſucht hat, ſich in Intereſſen der Ausſchließung oder des Grolls einzumiſchen. Als Philipp II., nachdem er der Herr Portu⸗ gal's geworden war, ſeinen neuen Unterthanen jeden Verkehr mit den Holländern verbieten wollte, ſo holten dieſe letztern, von den Stapelplätzen Liſſabon's ausgeſchloſſen, wo ſie mit den Waaren Indiens ſich zu verſehen gewohnt waren, dieſe Waa⸗ ren in Indien ſelbſt, und das, was gethan worden war, um ihren Ruin herbeizuführen, ward der Urſprung ihrer Größe. Später begannen, als der Nationalconvent Frankreichs die Ein⸗ fuhr der rohen Häute aus Spanien unter dem Vorwande ver⸗ boten hatte, daß ſie denen Frankreichs ſchadeten, dieſelben ſelbſt zu gerben, und dieſes Gewerbe ging mit einem großen Theil der franzöſiſchen Kapitale und Arbeiter nach Spanien über. Das Nämliche geſchah im Königreich Neapel, wo die hohen Zollgefälle, die wir von der Wollen dieſes Landes erhoben, die Erzeuger genöthigt haben, ſich dieſes zu Nutze zu machen, d. h. unſern Tüchern einen Abſatz weg von der höchſten Wichtigkeit zu verſchließen. *) J. B. Say, Traité d'économie politique, tome I., p. 257. — 24— Die Gebrechen des Mercantilſyſtems ſind mit äußerſter Au⸗ genfälligkeit von den Schriftſtellern der ökonomiſtiſchen Schule hervorgehoben, und ohne Erwiederung von Ad. Smith*), von J. B. Say**) und von den gefeierteſten Schriftſtellern wider⸗ legt worden. Dieſes Syſtem hält ſich gegenwärtig nur noch durch die Schwierigkeiten, deren Urſprung ſein langer Beſtand war. Kein aufgeklärter Menſch glaubt mehr in Europa an die Wunder der Handelsbilanz; allein die ſchweren Verwicklungen, welche dieſes Syſtem erzeugt hat, laſſen ſich nicht löſen, ohne die zahlreichen Intereſſen zu verletzen, welche die ängſtliche Klugheit der Regierungen anzugreifen ſich weigert. Zudem innig ver⸗ knüpft mit den Einnahmen der Staatscaſſe, findet die Lehre von den hohen Zöllen Schuͤtzer in den Staatsmännern, welche befürchten, zugleich die Staatseinkünfte und die Privatunter⸗ nehmungen zu gefährden. Erſt durch die Fortſchritte des öf⸗ fentlichen Credits wird das Mercantilſyſtem untergehen; an dem Tage, an welchem ſeine Folgerungen an ihre äußerſten Grenzen werden getrieben worden ſein, indem ſie eine allge⸗ meine Ueberfüllung in den Induſtrien erzeugen, wird man wohl zu dem Syſtem der Freiheit zurückkommen, welches allein das Gleichgewicht zwiſchen der Erzeugung und Verzehrung wiederherſtellen kann. Hauptſtück XXIX. Von dem erſten Kampf des Mercantilſyſtems mit der Freiheit des Han⸗ dels zwiſchen England und Holland.— Verderbliche Wirkungen dieſes Kampfes.— Navigationsacte.— Beredte Strafrede des Herrn d'Hauterive gegen das Sperrſyſtem. — Es gab in Europa eine Zeit, wo das Mercantilſyſtem und das der Handelsfreiheit ſich unter den Fahnen zweier mächti⸗ *) Inquiry into the nature and causes of the wealth of nations. B. IV. **.) Traitée d'économie politique, tome I., p. 218— 280. ——— ger Nati das erſt ſch dieſ thums! Bewohr ſetzes ei des Be Voltes iſt, die gebiet Hungen Nöthen noth he Reicht Rogger Durch chen 2 Petty mehr der d gar waͤre. ſtrien Willi der A Einſich Stadte des Han Viiſſinge meiſtern ſer Zwei⸗ mit einen welche w Frieden vo nehmen lie ren, welch dan⸗ ſes ern ind ti⸗ Dus. ger Nationen, Englands und Hollands, gegenüber ſtanden. Als das erſtere das zweite zum Kampfe herausforderte, ſo hatte ſich dieſes letztere ſchon zu einer ſehr hohen Stufe des Reich⸗ thums und Glanzes durch die freie Entwicklung der Arbeit ſeiner Bewohner und ohne die Hilfe irgend eines beſchränkenden Ge⸗ ſetzes erhoben. Die Holländer ſtellten der Welt ein ſchlagen⸗ des Beiſpiel davon dar, was das Genie eines arbeitſamen Volkes vermag, wenn es durch Handelseinrichtungen unterſtützt iſt, die auf den Grundſatz der Freiheit gebaut ſind. Ihr Staats⸗ gebiet erzeugte faſt keine Cerealien, und gleichwohl war die Hungersnoth ihnen ſo unbekannt, daß Europa ſich in ſeinen Nöthen an ſie wandte.„Mag anderswo auch die Hungers⸗ noth herrſchen, ſagte der Verfaſſer des Buches über den Reichthum Hollands, zu Amſterdam werdet ihr Weizen, Roggen und andere Getreidearten finden; dort fehlen ſie nie.“ Durch ihre Schifffahrt waren die Holländer die unentbehrli⸗ chen Vermittler des Welthandels geworden. Sir William Petty ſchätzte im Jahr 1690 die Tonnenzahl ihrer Schiffe auf mehr als 900 tauſend Tonnen, d. h. auf ungefähr die Hälfte der ganzen Tonnenzahl Europa's, und gleichwohl hatten ſie gar kein Erzeugniß auszuführen, das ihnen eigen geweſen wäre. Ihr Land war das allgemeine Magazin aller Indu⸗ ſtrien, und ihre Fahrzeuge waren, nach dem Ausdruck des Sir William Temple, die Fuhre des Oceans. Die Theilung der Arbeit ward bei ihnen mit einer bewunderungswürdigen Einſicht geübt; nicht nur Handelsleute, ſondern auch ganze Städte beſchäftigten ſich ausſchließlich mit einem einzigen Zweig des Handels. Middelburg, zum Beiſpiel, trieb den Weinhandel, Vliſſingen den mit Weſtindien; Saardam war mit Schiffsbau⸗ meiſtern bevölkert; Sluys mit Heringsfiſchern. In jedem die⸗ ſer Zweige beſtand eine thätige Mitwerbung, und alle wurden mit einer Geſchicklichkeit und einer Sparſamkeit betrieben, welche würdig ſind, als Muſter zu dienen. Als nach dem Frieden von Aachen der Stadthouder eine Art Unterſuchung vor⸗ nehmen ließ, zu dem Zweck, die nützlichen Anſichten zu erfah⸗ ren, welche ihm ſeine Mitbürger vortragen konnten, ſo ſetz⸗ — 26— ten die erfahrenſten Handelsleute, welche er berieth, in die erſte Reihe der Urſachen des frühern Wohlſtandes von Holland die Grundſätze der Duldung, d. h. der politiſchen⸗ und Handelsfrei⸗ heit, welche ſich die Vereinigten Niederlande zum Geſetz gemacht hatten. Wenn ſpäter dieſes Land von der hohen Stufe her⸗ abſtieg, auf welche es dieſe liberale Politik gehoben hatte, ſo darf man dieſes lediglich der Einführung der Monopole, na⸗ mentlich jenem der oſtindiſchen Kompagnie, zuſchreiben, welches die Quelle der ſchmählichſten Mißbräuche, ich hätte beinahe ge⸗ ſagt, eine Pflanzſchule von Verbrechen geworden war. Damals vorzüglich hat Großbritannien geglaubt, dem Wohl. ſtand der Holländer ſeinen berüchtigten Act of Navigation entgegenſetzen zu müſſen, welcher der engliſchen Marine das Mo⸗ nopol der Transporte durch unbedingte Verbote in einem gewiſſen Fall und in andern Fällen durch ſtarke Auflagen auf die fremde Schifffahrt ſicherte. Es wurde allen Fahrzeugen verboten, deren Eigenthümer, Kapitäne und drei Viertheile der Bemannung nicht engliſche Unterthanen ſein würden, in den Niederlaſſungen und Kolonien Großbritanniens oder an deſſen Küſten Handel zu treiben, bei Strafe der Confiscation des Schiffs und der La⸗ dung. Andere beſchränkende Maaßregeln ergänzten dieſes Sy⸗ ſtem der Ausſchließung, aus welchem der erbittertſte Seekrieg hervorging, den die Geſchichte erwähnt. Frankreich ſpielte da⸗ bei ſeine Rolle gegen die Holländer durch die Verkündung des Tarifs vom Jahr 1664, und ſeit dieſer Zeit haben die gebil⸗ detſten Nationen Europa's nicht aufgehört, an Anſtrengungen ſich zu überbieten, um ſich zu ſchaden, ſtatt mit einander auf recht⸗ lichen Grundlagen den Handel zu treiben. Dieſe wechſelſeitigen Schranken haben jeden ergiebigen und regelmäßigen Handel un⸗ ter ihnen faſt ganz vernichtet, und den Händen der Schmugg⸗ ler die Haupteinfuhr der engliſchen Waaren nach Frank⸗ reich und der franzöſiſchen Waaren nach England überlaſ⸗ ſen. Der Handel, lange Zeit dem Monopol bevorrechteter Handelsgeſellſchaften hingegeben, iſt ſeither in Bedrückungen und Beraubungen jeder Art ausgeartet. So ſahen unſere Väter drei große Handelsgeſellſchaften in Indien um den Anbau der Gewürze länder h häume hindern, welche d die Mit Artifel ten, ur man e dieſes fang de in der welche in dem als dere liche Ab in Ind lands bloße ſchoft wenig Uet mit de Tage tionsa niens! welches Adam S und noch Exgebniſ einer rer Durchfüh! — *),Da! eictzun, liſten dand wealth of! — 22— Gewürze durch die gewaltthätigſten Mittel ſtreiten. Die Hol⸗ länder haben mit einer ruchloſen Strenge die Gewürznelken⸗ bäume auf den Molukken ausgerottet, um ihre Rivalen zu hindern, an den Ernten Theil zu nehmen. Die einzige Idee, welche dieſe Geſellſchaften mit Befangenheit erfüllte, war die, die Mitwerbung auszuſchließen, ſich des Monopols gewiſſer Artikel zu bemächtigen, und die Verſorgung damit zu beſchrän⸗ ken, um deren Preis auf eine enorme Höhe zu ſteigern. Wenn man einen ſchlagenden Beweis von dem zerrüttenden Einfluſſe dieſes Syſtems und von deſſen Streben, den natürlichen Um⸗ fang des Feldes des Handels zu beſchränken, ſo würde man ſie .in der Thatſache finden, daß die amerikaniſchen Handelsleute, welche gegenwärtig frei mit den Beſitzungen der Niederlande in dem oſtindiſchen Archipelagus handeln, mehr Schiffe brauchen, als deren die holländiſchen Monopoliſten brauchten. Die neu⸗ liche Abſchaffung des Privilegiums der engliſchen Compagnie in Indien hat eben ſo ſehr beigetragen, die Beziehungen Eng⸗ lands mit der hindoſtaniſchen Halbinſel zu erweitern. Eine bloße Schifferſtation, die Inſel Singapore, iſt unter der Herr⸗ ſchaft der Handelsfreiheit eine Niederlaſſung erſten Ranges in weniger als zwanzig Jahren geworden. Ueberall, wo der Grundſatz der Freiheit ſich im Kampfe mit dem des Monopols fand, ſind die nämlichen Ergebniſſe zu Tage gekommen. Vergebens behauptet man, daß die Naviga⸗ tionsacte die Quelle der gewerblichen Entwicklung Großbritan⸗ niens war; dieſe Acte läßt ſich nur als ein Opfer betrachten, welches dem Handel zu Gunſten der Politik auferlegt worden iſt. Adam Smith hat ſie nur in dieſer Beziehung gerechtfertigt*, und noch gegenwärtig läßt es ſich gegenüber den endgiltigen Ergebniſſen ihrer Annahme bezweifeln, daß dieſe Acte das Werk einer verſtändigen Politik geweſen iſt. Das Hauptergebniß ihrer Durchführung war, mit jedem Tag mehr den Handel Englands mit *)„Da die Sicherheit des Staats von größerer Wichtigkeit iſt, als ſein Reichthum, ſo iſt die Navigationsacte vielleicht die verſtändigſte aller eng⸗ liſchen Handelsordnungen.“ Inquiry into the nature and causes of the wealth of nations. B. IV. chapt. 2. — 28— den andern europäiſchen Nationen zu beſchränken, und dieſes Reich zu nöthigen, in ſeinen Kolonien Abſatzwege zu ſuchen, welche die Ausſchließung der Ausländer es bei ihnen verlieren ließ. Der Wohlſtand Großbritanniens hat ſeit dieſer Zeit ange⸗ fangen, auf künſtlichen Grundlagen zu ruhen; es mußte be⸗ trächtliche Flotten unterhalten, um ferne Niederlaſſungen zu ſchützen, deren Emancipation unabläſſig droht, ſeine an das Syſtem der Monopole gewöhnte Induſtrie im Herzen zu ver⸗ wunden. Erſt noch vor zehn Jahren hat Hr. Huskiſſon im engliſchen Parliament dieſe gefährlichen Wahrſcheinlichkeiten her⸗ vorgehoben; und gleichwohl ſind weder England, noch Europa, von den verderblichen Lehren Karls V. geheilt. Dieſe Lehren. haben die Völker gewöhnt, als nützliche Maaßregeln alle jene zu betrachten, welche einen Charakter der Feindſeligkeit gegen ihre Nachbarn darſtellten; ſie haben in alle Geſetzbücher ein neues Völ⸗ kerrecht übergehen laſſen, vermöge deſſen das Wohl eines Jeden das Unglück des Andern zum vorzüglichſten Element zu haben ſcheint. Welches ſeither auch die Umwälzungen geweſen ſeien, welche die Welt erregt haben, dieſes verhängnißvolle Vorurtheil iſt daſſelbe geblieben während des Krieges der Vereinigten Staaten Ame⸗ rika's, während der franzöſiſchen Revolution, nach der Eman⸗ cipation der ſpaniſchen Kolonien, nach der Griechenlands, und ſogar nach der Eroberung Algiers. Vergebens ſind die bevor⸗ rechteten Kompagnien, die eine nach der andern, unterlegen; ver⸗ gebens hat in Südamerika das Monopol die Bevölkerung ver⸗ thiert und gezehntet, während die Freiheit ſie in Nordamerika verzehnfachte und bereicherte: das Mercantilſyſtem ſetzt ſeine Verheerungen fort, und erfährt von den vorgerückteſten Regie⸗ rungen nur ſanfte Angriffe und unſichere Streiche.„Die Theo⸗ rie der Prohibitivgeſetze, ſagt Hr. d'Hauterive*), iſt mit blu⸗ tiger Schrift in die Geſchichte aller Kriege geſchrieben, welche ſeit vier Jahrhunderten überall die Induſtrie mit der Stärke in Kampf bringen, die eine unterdrücken, die andere zerrütten, die politiſche Moral herabwürdigen, die ſociale Moral befle⸗ *) Elémens d'économie politique, p. 199. ken und ſſſtem, haß ner nennt, der Irn verderl der Ur aus d ſchicht haben gegen ſchritte Glei ſyſtem derblich bare? Frank kräftig ten 3 Kapi zulän engli ſende der; Zuſal der 2 ⁴) Die in der ue Lrauting vessels, recompe hersons whousand deutſch: anf die und and cken und das menſchliche Geſchlecht verzehren. Das Kolonial⸗ ſyſtem, die Sklaverei, der Haß des Geizes, den man National⸗ haß nennt, die Kriege des Geizes, die man Handelskriege nennt, haben aus dieſer Büchſe der Pandora die Fluth der Irrthümer, der falſchen Maximen, der überſchwänglichen verderbenden und ſchlecht vertheilten Reichthümer, des Elends, der Unwiſſenheit und der Verbrechen hervorgehen laſſen, welche aus der menſchlichen Geſellſchaft in einigen Zeiträumen die Ge⸗ ſchichte der neuern Völker, ein ſo gehäſſiges Gemälde gemacht haben, daß man nicht wagt, dabei zu verweilen, aus Furcht, gegen die Entwickelung der Induſtrie und ſelbſt gegen die Fort⸗ ſchritte der Geſittung ſich erklären zu müſſen.“ Gleichwohl trug, trotz dieſes düſtern Gemäldes, das Sperr⸗ ſyſtem in ſich die Keime einer Verjüngung, welche deſſen ver⸗ derbliche Wirkungen bedeutend gemildert hat. Der unbeſtreit⸗ bare Aufſchwung, welchen es der Gütererzeugung in England, Frankreich und Holland, zumal im Beginn gegeben hat, hat kräftig mitgewirkt, den Stand der Gewinnſte in allen geſchätz⸗ ten Zweigen der Induſtrie zu erhöhen, und hat unermeßliche Kapitale ihr zufließen laſſen, welche nur zu bald ſich als un⸗ zulänglich erwieſen. So wurden die holländiſche und die engliſche Bank berufen, durch den Credit für die täglich wach— ſenden Bedürfniſſe der Induſtrie und des Handels beider Län⸗ der zu ſorgen. Das Schickſal dieſer Banken ſteht in innigem Zuſammenhange mit der Navigationsacte, mit der Gründung der Manufacturen*), und erklärt ſich auf eine natürliche *) Die Conſtitutionsacte der Bank von England(2. Juli 1694) führt in der urſprünglichen Conceſſionsurkunde folgenden Titel:„An act for granting to their majesties several duties upon tonnage of ships and , ale and other liquors, for securing certain vessels, and upon beer to such recompenses and advantages in the said act mentioned, persons as shall voluntarily advance the sum of fifteen hundred thousand pounds, towuards carrying on the war with France.“ Teutſch: Ein Act, um zu gewähren Ihren Majeſtäten verſchiedene Gefälle auf die Tonnenladung der Schiffe und Fahrzeuge, und auf Bier, Ale und andere Getränke, um gewiſſe in der genannten Aecte erwähnte Weiſe durch die Vortheile, welche aus ihnen für die Kompag⸗ nien hervorgingen, die unter dem Schutze des Credits in Stand geſetzt wurden, nicht unter der Langſamkeit der Rückzahlungen aus beiden Indien zu leiden. Eben ſo forderte vom Credit Lud⸗ wig XIV. ſterbend die Vergütung der Fehlgriffe und Verſchwen⸗ dungen ſeiner Regierung, welche, wie Jedermann weiß, das Syſtem Law's erzeugten. Hauptſtück XXX. Entſtehung des Credits in Europa.— Einrichtung der Banken.— Ein⸗ fluß derſelben auf den Gang der politiſchen Oekonomie.— Von den Um⸗ ſchreibebanken und beſonders von der in Amſterdam.— Von den Zet⸗ telbanken.— Von der engliſchen Bank. Wenige Revolutionen haben auf den Gang der Geſittung einen Einfluß ausgeübt, der jenem der Gründung des Credits in Europa gleich wäre. Dieſes war eine neue Eroberung des Genie's des Menſchen, und eine unermeßliche Kraft, gefügt zu allen jenen, über welche er verfügen konnte. Woher kam dieſe Kraft? Durch welches Zuſammentreffen der Umſtände trat ſie hervor, ſogar in dem Augenblick, wo die Entdeckung der Berg⸗ werke Amerika's ſie überflüſſig zu machen ſchien? Wie iſt ſie, nach ſo vielen Wohlthaten, ſo fruchtbar an Kataſtrophen ge⸗ worden, daß aufgeklärte Geiſter ſo weit gegangen ſind, ihr Daſein zu verfluchen? Ihre eigentliche Quelle verliert ſich in die Nacht der Zeiten. Man weiß, daß es Banquiers in Rom und Athen gab, daß es deren im Mittelalter gegeben hat, und daß öffentliche Banken 1157 zu Venedig, 1349 zu Barcelona, 1407 zu Genua, 1609 zu Amſterdam, 1619 zu Hamburg und Belohnungen und Vortheile ſolchen Perſonen zu ſichern, welche freiwillig die Summe von fünfzehn hundert tauſend Pfund zur Führung des Krieges mit Frankreich vorſchießen werden.“(Gilbart, The history and prin- elples of Banking. London 1834, p. 297.) 1694 ſachen und d Die Specl beriſch licher Hand cher Noh⸗ traten unern aus a gen zu um ih machte erſten Sperr der det g fühll Bedt R dieſer raͤun hatte Arhein Neuern Erleich hatte, behalte ter ihr auf M ſpreche „Das — 31— 1694 in England gegründet worden ſind. Das ſind die That⸗ ſachen und die Data: es bleibt uns nun noch übrig, die einen und die andern zu erklären. Die erſte Wirkung der Entdeckung der neuen Welt war, den Speculationen in Beziehung auf Amerika einen wahrhaft fie⸗ beriſchen Schwung zu geben. Die durch den Köder unermeß⸗ licher Gewinnſte angelockten Kapitale floſſen dieſer Art des Handels zu, zum Schaden vieler anderer Gewerbe, die nützli⸗ cher und vor Allem minder waglich waren. Bis dahin unbekannte Rohſtoffe, der Zucker, die Baumwolle, der Tabak, die Gewürze traten in die Conſumtion, und wurden der Gegenſtand eines unermeßlichen Handels; zahlreiche ausgerüſtete Schiffe gingen aus allen Hafen Europa's aus, um dorthin mit reichen Ladun⸗ gen zurückzukehren; allein man mußte ihre Rückkehr erwarten, um ihre Gewinnſte zu ernten, und die Länge der Seereiſen machte beträchtliche Vorſchüſſe nothwendig. Auch entſtanden die erſten Banken ſämmtlich in Seeſtädten. Später machte das Sperrſyſtem dadurch, daß es den Mannfacturen einen Theil der Kapitale zuzog, welche dem auswärtigen Handel zugewen⸗ det geweſen waren, jeden Tag die Nothwendigkeit des Credits fühlbarer, und die neuen Banken entſtanden ferner aus den Bedürfniſſen der Arbeit. Nichts iſt einfacher und ſinnreicher, als das Grundprincip dieſer Banken, deren Gründung in zwei ſehr geſchiedene Zeit⸗ räume die alte und neue Staatswirthſchaft trennt. Bei den Alten hatte die Gütererzeugung keine anderen Hilfsquellen, als in der Arbeit der Sklaven und in den Kapitalen der Wucherer; bei den Neuern hatte ſie als Stütze die Freiheit des Arbeiters und die Erleichterungen des Credits. Sobald man wahrgenommen hatte, daß die Baarſchaft, welche die Handelsleute in der Caſſe behalten mußten, um ihre Zahlungen beſtreiten zu können, un⸗ ter ihren Händen ein unproductives Kapital wurde, ſann man auf Mittel, einen Gewinn daraus zu ziehen, indem man das Ver⸗ ſprechen an die Stelle der Baarſchaft ſetzte, und die Banken ſchuf. „Das Gold und Silber, welche in einem Lande umlaufen, ſagt — 32— in dieſer Beziehung Adam Smith*), laſſen ſich genau mit ei⸗ ner großen Straße vergleichen, welche, ſo ſehr ſie dient, Ge⸗ treide und Futter auf den Markt zu ſchaffen, gleichwohl Nichts durch ſich ſelbſt erzeugt, nicht einmal ein einziges Korn Ge⸗ treides. Die Operationen einer verſtändigen Bank geben da⸗ durch, daß ſie gewiſſermaßen einen Weg in die Luft eröffnen, dem Lande die Gelegenheit, einen großen Theil ſeiner großen Straßen in fette Weiden und Getreideland zu verwandeln, und dadurch den jährlichen Ertrag ſeines Gebiets und ſeiner Arbeit zu erhöhen. Man muß aber dennoch bekennen, daß, wenn der Handel und die Induſtrie eines Landes ſich etwas durch die Hilfe des Papiergeldes erheben können, auf dieſe Weiſe, ſo zu ſagen, auf den Flügeln des Ikaros getragen, ſie doch in ihrem Gang nicht ganz ſo geſichert ſind, als wenn ſie ſich auf den feſten Boden des Goldes und Silbers ſtützen.“ Dieſe Stelle Smith's charakteriſirt auf eine genaue und ma⸗ leriſche Weiſe die wahren Eigenſchaften des Credits. Allein die erſten Banken Europa's wagten nicht, mit den Flügeln des Ikaros zu fliegen, und ihre furchtſamen Verſuche waren von den waglichen Operationen der Banken unſerer Tage weit entfernt. Sie nannten ſich beſcheiden Depoſitenbanken und ihre Kiſten verſchloſſen immer in Baarſchaſt Summen, welche dem Betrage ihrer Zettel gleich waren. Dieſe Zettel waren nichts als durch Indoſſirung übertragbare Beſcheinigungen, wie un⸗ ſere Wechſelbriefe, und ſie boten Anfangs keinen andern Vor⸗ theil, als die Erſparung des Transports der Baarſchaften. Je⸗ der Gulden in Papier hatte ſeine Garantie in Metallgeld; nur waren die Münzen von einem authentiſch anerkannten Gewicht und Feingehalt, um den Inhabern der Handelspapiere jede Ungewißheit zu benehmen, und der Münze der Bank eine Firi⸗ tät zu geben, welche ihr den Vorzug vor allen andern gab. Vergebens verſchlechterten die benachbarten Staaten ihre Mün⸗ zen, oder ließen ſich durch herabgeſetzte Geldſorten überſchwem⸗ *) Inquiry into the nature and causes of the wealth of nations. B. I1I. chapt. 2. men: d Tran dieſem Zahlur poſiten ſchrän Papie ſein. Di und der 2 nicht; große Der C tete, w welche daß je ſteher für ſei wegli ches len( piers ein o einfas mußte die von ihnen d Gewinn großen? des üben allen Lä der uml neue Mü geſchmolz ſchien, u Blanqui, -— 33— men: die bloße Stipulation der Bezahlung in einer Ordre oder einem Transfert auf die vom Staate geſchützte Depoſitenbank ſicherte dieſem Papier einen entſcheidenden Vorzug, und bald wurden alle Zahlungen in Bankgeld bedungen. Gleichwohl waren die De⸗ poſitenſcheine durch den Betrag der eingelegten Summen be⸗ ſchränkt, und der Umlauf hatte dadurch, daß er vermittelſt des Papiers geſchah, nur den Vortheil, bequemer und raſcher zu ſein. Die Bank von Amſterdam wurde zuerſt auf dieſe einfachen und regelmäßigen Grundlagen gegründet; denn was wir von der Bank zu Venedig und von der zu Genua wiſſen, läßt uns nicht zweifeln, daß dieſe Banken etwas Anderes waren, als große Einnahmeverwaltungen zum Gebrauche der Regierungen. Der Geiſt, welcher die Gründung der Bank zu Amſterdam lei⸗ tete, war durchaus verſchieden. Die geſchickten Handelsleute, welche den Gedanken hiezu faßten, hatten verſtändig überlegt, daß jede Erſparung bei der Ausgabe der Unterhaltung des ſtehenden Kapitals eines Landes eine Quelle der Verbeſſerung für ſein Einkommen iſt. Alles nun, was man nicht in dieſes unbe⸗ wegliche Kapital einlegt, tritt in das umlaufende Kapital, wel⸗ ches die Rohſtoffe und die Arbeitslöhne liefert, und welches al⸗ len Gewerbszweigen Schwung gibt. Die Subſtitution des Pa⸗ piers an die Stelle der Gold⸗ und Silbermünze war eine Art, ein äußerſt koſtſpieliges Handelswerkzeug durch ein anderes einfacheres und wohlfeileres zu erſetzen. Dieſer erſte Vortheil mußte Handelsleuten auffallen, welche ſo aufgeklärt waren, wie die von Amſterdam; allein dieſes war nicht der einzige, welchen ihnen die Organiſation der Bank bot, aus welcher ſie ſo viele Gewinnſte ziehen ſollten. Holland war damals noch mit einer großen Menge abgenützten und beſchnittenen ausländiſchen Gel⸗ des überſchwemmt, welches ſein ausgebreiteter Handel ihm aus allen Ländern Europa's einbrachte, und welches den Werth der umlaufenden Münze auf neun Procente unter die gute neue Münze herabgeſetzt hatte. Auch wurde dieſe letztere ein⸗ geſchmolzen und alsbald ausgeführt, wie ſie im Umlauf er— ſchien, und die Kaufleute wußten nicht, wo ſie Baarſchaft finden Blanqui, Geſchichte d. polit. Oekonomie. II, Bd. 3 — 34— ſollten, um ihre Wechſel zu zahlen, deren Werth zu großer Gefährde ihrer Intereſſen, von Tag zu Tag ſchwankender wurde. Dieſes war der erſte Gegenſtand, welcher die Sorgfalt der Gründer der Anſtalt auf ſich zog. Die Bank nahm die guten oder ſchlechten ausländiſchen Münzen, und die Münze des Lan— des ſelbſt nur nach dem Fuß ihres innern Werthes an, und ſie entſchied ſich dahin, daß man ſie nur gegen gute Münze von geſetzlichem Feingehalt mit Abzug der Koſten der Prägung und Verwaltung austauſchen ſollte. Das Geld der Bank erlangte daher einen entſchiedenen Vorzug vor der umlaufenden Münze, und dieſer Umſtand erhöhte beträchtlich die Nachfrage nach den Zetteln der Bank. Die Stadt Amſterdam war für ihre Zahlung ver⸗ antwortlich, und die Erleichterungen, welche die Anwendung dieſer Zettel dem Handel darboten, ſteigerten allmälig den Preis über ihren wirklichen Werth. Gleichwohl wurde dieſer Vorzug nur inſofern anerkannt, als das entſprechende Geld in den Kiſten der Bank niedergelegt blieb, aus welcher man es zudem nur mit Nachtheil zurückziehen konnte, weil man eine beſtimmte Summe als Koſten der Aufbewahrung, oder vielmehr für das Herausnehmen bezahlen mußte. Später gab die Bank Credit auf ihre Bücher gegen die Hinterlegungen von Gold⸗ und Sil⸗ berſtangen, und dieſe Combination brachte neue Erleichterun⸗ gen zu allen jenen, welchen ſchon ihre Creditſcheine darboten. Man begreift leicht, daß, da der Werth dieſer Scheine durch⸗ aus auf dem Vorhandenſein der dagegen gegebenen Gelder be⸗ ruhte, die Bank ſtrenge die Bewachung der Kiſten beaufſichti⸗ gen, und die Regierung der Verſuchung widerſtehen können mußte, in einem Zeitpunkt der Noth daraus zu ſchöpfen. Auch war die Leitung der Anſtalt vier Magiſtraten anvertraut, welche alljährlich erneuert, den Stand des Schatzes bei dem Antritt ihres Amtes unterſuchten, ihn mit der Lage der Bücher verglichen, und zwar unter eidlicher Verpflichtung. Jedermann weiß, daß, als bei dem Einrücken der Franzoſen im J. 1672 die Bank den Betrag der hinterlegten Gelder an die Berech⸗ tigten auszahlen wollte, die aus ihren Gewölben zurückgenom⸗ menen welcher der öff gründe ſen, w ben ha ſenſche nachge Indu fliegen geſcha pital in pation Eigent die Lei gegründ cen G miſchen weit er derleg Die welche jedoch Ohne übertr laufs; Gewinn wandlun lich bei! les aus aber doch duction; thums d hen Sch thun, u 35— menen Gelder noch die Spuren eines Brandes an ſich trugen, welcher mehre Jahre vorher ausgebrochen war. So begann der öffentliche und Privatcredit ſich durch das Vertrauen zu gründen, und man muß den Männern Ehre widerfahren laſ⸗ ſen, welche den neuern Geſellſchaften dieſes edle Beiſpiel gege⸗ ben haben. Von dieſem Tage an hatte die ökonomiſche Wiſſen⸗ ſenſchaft einen ungeheuern Schritt voran gethan. Es war nachgewieſen, daß man des Metallgeldes nicht bedürfte, um die Induſtrie und den Handel zu entwickeln, weil einige Millionen fliegender Blätter genügten, um ihre Stelle bei allen Handels⸗ geſchäften zu vertreten. Der Credit wurde ſo ein wahres Ka⸗ pital in den Händen der Arbeiter, und bereitete ihre Emanci⸗ pation dadurch vor, daß er ſie mit einer Art unbegrenzten Eigenthums, dem achtbarſten aller, ausrüſtete; denn es iſt auf die Leiſtung der Arbeit und die Achtung der Verpflichtungen gegründet. Nichts wird künftighin die Wirkung des menſchli⸗ chen Geiſtes hemmen, wie in den unglücklichen Zeiten des rö⸗ miſchen Wuchers und der Feudalhörigkeit; und die Geſchichte, weit entfernt, die Theorien der politiſchen Oekonomie zu wi⸗ derlegen, wird ſie nur mit jedem Tag beſtätigen. Die Bank von Amſterdam und die anderen Umſchreibebanken, welche auf ähnliche Grundlagen gegründet wurden, waren jedoch nur ein erſter Verſuch auf den Wegen des Credits. Ohne Zweifel gaben ſie dem Gold und Silber unter der Form übertragbarer Beglaubigungsſcheine eine Macht regeren Um— laufs; aber abgeſehen von dem aus dem Agio hervorgehenden Gewinnſte ward der Werth der Geldkapitale durch ihre Ver⸗ wandlung in Creditſcheine nicht vermehrt. Europa blieb ledig⸗ lich bei den Hilfsquellen ſeines Metallgeldes, die zwar um al⸗ les aus Amerika eingeführte Gold und Silber angewachſen, aber doch unzureichend waren, um dem Bedürfniſſe der Pro⸗ duction zu entſprechen, welches dieſes neue Element des Reich⸗ thums dort hervorgerufen hatte. Man hatte einen gro⸗ ßen Schritt gethan; allein man mußte einen noch größern thun, und die Depoſienbanken wurden Zettelbanken. Da 3. 36— die Scheine der erſteren als Münzen angenommen wurden, we⸗ gen des Vertrauens, welches man auf die Garantie der hin⸗ terlegten Gelder hatte, warum hätte man dieſes Vertrauen nicht noch etwas höher dadurch treiben ſollen, daß man die Anzahl der Scheine bis zum Betrag einer Summe vermehrte, die ſtärker war, als der Betrag der Einlagen? Welcher Ue⸗ belſtand konnte daraus für die Inhaber dieſer Papiere hervor⸗ gehen, rückſichtlich deren man ſicher war, ſie in Geld einge⸗ löst zu erhalten, ſobald man nur den Wunſch äußerte? Sah man nicht alle Tage die Scheine eines Banquiers mit allen Vorrechten des Geldes umlaufen, ſo daß ſie ſogar Zinſe, wie das Geld ſelbſt, trugen?. Es handelte ſich nur noch darum, durch ſichere Berechnun⸗ gen zu beſtimmen, wie groß auf eine gegebene Maſſe von Ge⸗ ſchäften die Menge der Scheine ſein müßte, welche ſich zur Ein⸗ löſung einſtellen würden, um ſtets in der Kaſſe die Geld⸗ ſumme zu haben, die nöthig war, um dieſes zu beſtreiten. Die geringſte am Reſervefonds bewirkte Erſparung wurde eine Wohlthat für die Arbeit, und konnte dazu dienen, die neuen Induſtriezweige zu nähren. Man hatte es in ſeiner Hand, darüber durch die Ausfuhr zu verfügen, um das dem auswär⸗ tigen Handel gewidmete Kapital zu vermehren. Es iſt ge⸗ rade, wie wenn man den allgemeinen Reichthum des Landes um eben ſo viel vermehrt hätte, und es koſtete nur den Druck oder den Stich der Scheine, durch welche das Geld erſetzt war. Hier beginnt ſich die völlige Richtigkeit der Vergleichung des Cre⸗ dits mit den Flügeln des Ikaros, welche Adam Smith ſo dich⸗ teriſch aufgefaßt hatte, zu zeigen. Niemand vermag anzuge⸗ ben, in welchem Verhältniſſe die in einem Lande im Umlauf begriffene Geldſumme zu dem Geſammtbetrag des jährlichen Ertrages ſteht, welchen ſie umlaufen macht. Sollen die Zettelbanken den Drittheil, den Vierttheil, den Fünfttheil oder die Hälfte ihres Kapitals in Baarſchaft zurückbehalten, um bereit zu ſein, unverzüglich den Theil ihrer ausgegebenen Scheine einzulöſen, welche kommen würden, um ſich in baa⸗ res Geld zu verwandeln? Bedroht ſie nicht eine beſtändige Gefahr löſung der W ſes P. beſteht tage d Vorſe Gewi ſona⸗ deley nicht der 2 Gläub Vor banken geben, dieſe! walter Disee Neif wele durq und ihren vorr Say, klaufte wickelu für die Gierig zur äu Emiſſt Münze ſſt, als ſtrimen in dieſe — 37— Gefahr, ſich gegenüber einer bleidenden Chance der Ein⸗ löſung zu befinden? Denn vorzüglich durch das Discontiren der Wechſel, d. h. durch das Vorſchießen des Geldes auf die⸗ ſes Pfand geben die Banken ihre Scheine aus. Ihr Gewinn beſteht darin, einen Zins von dieſen Scheinen bis zum Verfall⸗ tage dieſer Wechſel zu beziehen. Die Zahlung allein macht die Vorſchüſſe zur Bankzurückfließen, welche ſie gemacht hat, mit dem Gewinn des Zinſes, welchen ſie voraus erhoben hat. Was würde ſonach geſchehen, wenn, nachdem ſie ihre Scheine gegen die Han⸗ delspapiere hingegeben hat, dieſe Papiere zu ihrer Verfallzeit nicht bezahlt würden! Welche Hilfsquelle würde den Inhabern der Bankſcheine noch übrig bleiben, wenn das Pfand ihrer Gläubiger in ihren Händen unterginge? Vorzüglich unter dieſem Geſichtspunkt ſind die Zettel⸗ banken weit entfernt, die nämlichen Gründe der Sicherheit zu geben, wie die Depoſitenbanken. Sie leiſten mehr Dienſte, als dieſe letzteren; aber ſie bieten weniger Garantien. Ihre Ver⸗ walter wiſſen nicht immer ſich der natürlichen Neigung zum Discontiren zu enthalten, d. h. einen geſicherten, unmittelbaren und greifbaren Gewinn vermittelſt eines bloßen Scheines zu machen, welcher nur eine Verſchreibung iſt. Die meiſten Banken ſind durch den Mißbrauch ihres eignen Princips untergegangen, und weil ſie nicht berechnet hatten, daß ſie durch Vermehrung ihrer Discontogeſchäfte ſich der Gefahr ausſetzten, ihre Geld⸗ vorräthe zu erſchöpfen. Adam Smith, James Steuart, J. B. Say, Storch und vorzüglich Hr. von Sismondi haben auf die klarſte und bewunderungswürdigſte Weiſe die ſämmtlichen Ver⸗ wickelungen dargeſtellt, welche ſowohl für das Publikum, als für die Banken aus den Irrthümern der Berechnung oder der Gierigkeit ihrer Actionäre entſtehen können. Sie haben bis zur äußerſten Evidenz nachgewieſen, daß jede übertriebene Emiſſion von Scheinen dieſe Anſtalten zu Anhäufungen der Münze in einem Verhältniſſe nöthigte, welches um ſo größer iſt, als die Unruhe der Inhaber ſie in größerer Zahl herbei⸗ ſtrömen machte. Die Nothwendigkeit, Gelder zu kaufen, legte in dieſem Fall den Banken Opfer auf, welche die Gewinnſte — 38— uͤberſtiegen, die ſie von den Discontogeſchäften bezogen hat⸗ ten, und ſie waren oft genöthigt, mit großen Koſten aus dem Auslande das Metallgeld zurück zu ziehen, deſſen Ausfuhr ihre übertriebenen Emiſſionen hervorgerufen hatten. Europa hat ſeit ei⸗ nem Jahrhundert merkwürdige Beiſpiele dieſer Kriſen des Geld⸗ umlaufes geſehen: die Einſtellung der Baarzahlungen von Seite der Bank von England und den Untergang der Provinzialbanken in dieſem Lande, ohne von dem Syſtem Law's und ſpäter von den Aſſignaten in Frankreich zu ſprechen, eine unermeßliche Umwälzung, welche wir wegen der ernſten Lehren, die ihre Ge⸗ ſchichte bietet, beſonders erforſchen werden. Deſſen ungeachtet hat der Credit alle dieſe Stürme überlebt, ähnlich dem Schießpulver, welches Straßen ſelbſt durch Felſen ſprengt, trotz den ſeinen Gebrauch begleitenden Gefahren. Wenn man in unſern Tagen den Umlauf des Papiers mit dem des Metallgeldes vergleicht, ſo bleibt man überwieſen, daß der Cre⸗ dit eine tiefe Umwälzung in den Beziehungen der Völker be⸗ wirkt hat. Jeder Augenblick enthüllt uns neue Stoffe, deren die Erzeugung ſich mit Hilfe des Credits bemächtigt, und welche der Credit allein an die Enden der Welt zu fördern geſtattet. Die koloſſalen Unternehmungen, deren Gang unſer Zeitalter eröffnet, der Geiſt der Aſſociation, welcher ſich wie ein Netz über die Oberfläche Europa's breitet, der Streit, welcher überall zwiſchen der Geſittung und den Trümmern der Bar⸗ barei ſich entſpinnt, Alles iſt das Werk des Credits; Alles ſtammt von dieſer ſo fruchtbaren und ſo einfachen Idee, wel⸗ che den Zettelbanken und hauptſächlich der Bank von Eng⸗ land die Entſtehung gab. Jedermann konnte ſeitdem ſein Haupt hoch tragen mit dem Stolze, welchen die Hoffnung einer ehrenhaften Unabhängigkeit gibt. Das Grundeigenthum ſah neben ſeinen Burgthürmen die Werkſtätten der Induſtrie ſich erheben: die Meere haben ſich mit Schiffen, und die fremden Küſten mit europäiſchen Kolonien bedeckt. Alles ging im ra⸗ ſchen Schritt voran, und die Welt hat ſeit zweihundert Jahren einen größern Weg zurückgelegt, als früher in zehn Jahrhun⸗ derten. Die Geſchichte iſt da, um zu beweiſen, daß dieſe Macht die gr iſ Ho müthi in de Die beſche Begi ſchie war tes Zinſe verdo zum;z die H Hera lang mer weil ſcho leit chen tral ſten Zei 179 Wich hruche welche Bank, ſetzten geld e lung d Jene v ten. S dieſe Macht des Credits jene iſt, welche künftighin in letzter Inſtanz die großen Streitigkeiten dieſer Welt entſcheiden muß, Zeuge iſt Holland, welches zuletzt den ſtolzen Ludwig XIV. gede⸗ müthigt, und England, welches Napoleon nach Sanct Helena in den Tod geſandt hat. Die Anfänge dieſer Macht waren nichts deſto weniger ſehr beſcheiden, ſelbſt in England, wo die erſte Zettelbank im Beginn ſich nach denen von Venedig und Genua zu geſtalten ſchien, und lange Zeit nur ein Büreau der Schatzkammer war. Im Jahr 1694 ſah man ſie nach einander ihr geſamm⸗ tes Kapital der Regierung leihen, und von ihr Sprocentige Zinſe fordern; ſpäter, im Jahr 1696, dieſes nämliche Kapital verdoppeln, und es noch einmal 1708 leihen, nachdem ſie es zum zweitenmal verdoppelt hatte. Vergebens verlieren ihre Actien die Hälfte ihres Werths; vergebens erleiden ihre Scheine eine Herabſetzung von 20 Procenten, und werden ſogar eine Zeit lang nicht mehr eingelöst: man zeichnet unermüdlich doch im⸗ mer neue Actien fort, trotz des maaßloſen Sinkens der erſten, weil der Staat der Hauptſchuldner der Bank iſt, und weil ſich ſchon der Einfluß der nationalen Garantie auf die Staatsan⸗ leihen fühlbar macht. Man hat bald die Wichtigkeit einer ſol⸗ chen Geſammthaftbarkeit begriffen, und das öffentliche Ver⸗ trauen wendet ſich dem Vermögen des Staat;, als dem ſicher⸗ ſten Anker des Heiles, zu. Die Bank von England hat ſeit dieſer Zeit Hauptfehler begangen, und ſelbſt zu einer Zeit, im Jahr 1797, gewagt, ihre Baarzahlungen völlig einzuſtellen, ohne an ihrer Wichtigkeit nur etwas zu verlieren, trotz dieſes erklärten Bank⸗ bruchs. Die Nation genehmigte den Beſchluß des Parliaments, welcher zu dem Bankbruche ermächtigte, und die Scheine der Bank, welche Papiergeld, wahre Aſſignaten geworden waren, ſetzten ſtets ihren Umlauf fort, als wären ſie immer in Metall⸗ geld einlösbar geweſen. Die Regierung nahm ſie bei Zah⸗ lung der Auflagen an, und mit dem Schuldgefängniß blieben Jene verſchont, welche durch dieſes Mittel ihre Schulden tilg⸗ ten. Man hätte glauben ſollen, daß von dieſem Tage an dieſe Scheine ſich übermäßig vermehren würden; allein die — 40 Acte des Parliaments und die öffentliche Klugheit hielten die Emiſſion derſelben in verſtändigen Schranken, und England konnte zwanzig Jahre hindurch des größten Theiles ſeines Me⸗ tallgeldes entbehren, ohne deßwegen aufzuhören, die erſte Han⸗ del treibende Nation der Welt zu ſein. Endlich führte die berühmte Acte des Herrn Peel gegen das Ende des Jahres 1819 die Wiedereröffnung der Baarzahlungen herbei, und fünf Jahr ſpäter, im Jahre 1824, zählte man in England ungefähr 700 Compagnien) organiſirt, oder im Be⸗ griff, es zu werden, mit einem Kapital von zehn Milliarden, deren Vierttheil im Jahr 1827 mit zwei Milliarden fünf hun⸗ dert Millionen conſtituirt wurde. In dieſem kurzen Zeitraum hatte Großbritannien dem Auslande eine Milliarde zwei hun⸗ dert fünfzig Millionen Francs geliehen. So groß ſind die wun⸗ derbaren Wirkungen des Credits**) und ſein Einfluß auf die *) A complete viens of the Joint stochcompuagnies formed during the gears 1824 and 1825 b„9 Henry English. **½) Ich mußte mich darauf beſchränken, hier ſummariſch die Umwälzung anzugeben, welche in Europa durch die Gründung der Umſchreibe⸗ und Zettelbanken bewirkt worden iſt, und die Hauptgrundlagen, auf welchen dieſe Banken beruhen. Sämmtliche Einzelnheiten ihrer Organiſation ſind auf das Vollſtändigſte dargeſtellt in Adam Smith, Inquiry in the nature and causes of the wealth of nations, B. II. ch. 2. und B. IV. ch. 3; in dem B. IV. von J. Steuart, Inquiry into the principles of politi- cal oeconomy, und in des Hrn. v. Sismondi Nouvoaux prin- cipes d'économie politique. t. II.; dieſer letztere iſt ein erklärter Feind der Banken; das ſind die drei Schriftſteller, welche man vorzugsweiſe über dieſen wichtigen Gegenſtand nachſehen muß. Storch, J. B. Say, Malthus, ſelbſt Ricardo, mußten von ihnen, zumal von den beiden erſtern, die ſchönen Ana⸗ lyſen entlehnen, welche ſie von der Phyſiologie der Banken gegeben haben. Für Jenen, welcher den Gegenſtand gründlich erforſchen will, ſind die History and principles of Banking von Hrn. Gilbart, die berüchtigte Flugſchrift Cobbet's unter dem Titel: paper against gold, ein wahres Meiſterſtück der Dialektik und finanzieller Beſtimmtheit, das Werk des Hrn. Thornton, An inquiry on the paper credit, und die Unterſuchung, welche von dem britiſchen Parliament bei dem Anlaß der Wiedererneuerung des Privilegiums der Bank veröffentlicht worden iſt, Documente, welche unerläßlich nachgeſehen werden müſſen. Die ganze Wiſſenſchaft des Credits liegt darin. Man kann — Entwich chen A Kapita Beleuc ſenwer det, f zu ve eben die W Land zwar, nomiſe tet:, reicht, nicht, ſehen, J fende? gegange tige Han ſtens, facturen gleichſam — auch, jedoch Tiel: La berathen, ————— — 41— Entwickelung der Gütererzeugung, daß, trotz dieſen beträchtli⸗ chen Ausfuhren des Metallgeldes und trotz dem ungeheuern Kapital, welches in den Unternehmungen des Bergbaus, der Beleuchtung, der Dampfſchiffe, der Spinnereien und der Ei⸗ ſenwerke ſteckt, England noch in unſern Tagen das Mittel fin⸗ det, fünf oder ſechs hundert Millionen auf ſeine Eiſenbahnen zu verwenden. Es commanditirt die Arbeiten des Friedens mit eben ſo großer Energie, als es vor fünf und zwanzig Jahren die Werke des Krieges betrieb. Und dennoch iſt England das Land Europa's, in welchem das wenigſte Metallgeld iſt, ſo zwar, daß man bei ihm wenigſtens an die Wahrheit jenes öko⸗ nomiſchen Sprichworts Ricardo's glauben könnte, welches lau⸗ tet:„Die Münze hat das Maximum der Vollkommenheit er⸗ reicht, wenn ſie im Zuſtande des Papiers iſt.“ Ich erkläre nicht, ich erzähle nur; ehe man hier Ricardo glaubt, muß man ſehen, was Law verſucht hat. Hauptſtück XXXI. Von dem Syſtem Law's.— Von den Umſtänden, welche ihm die Ent⸗ ſtehung gegeben haben.— Von den vorzüglichſten Urſachen ſeines Sturzes.— Einfluß, welchen es auf den Gang der politiſchen Oe⸗ konomie geübt hat. Im Anfang des achtzehnten Jahrhunderts war eine tief grei⸗ fende Veränderung in der politiſchen Oekonomie Europa's vor⸗ gegangen. Der außerordentliche Umfang, welchen der auswär⸗ tige Handel genommen hatte, und die Einführung des Sperrſy⸗ ſtems, hatten die Kapitale auf die Schifffahrt und die Manu⸗ facturen concentrirt. Man hätte ſagen mögen, daß die Erde, gleichſam als ein unfruchtbares Element, aufgegeben worden war, auch, jedoch mit Vorſicht, das Werk des Hrn. Giuſeppe de Welz unter dem Titel: La magia del credito svelata, 2 Vol. in 4. Napoli 1824. berathen. — 42— und es war noch die Rede von privilegirten Handelsgeſellſchaf⸗ ten, ſei es für den oſt⸗ oder weſtindiſchen Handel, ſei es für die Fabrication von Tüchern, Teppichen, Spiegelgläſern. Alle Fonds wandten ſich bald dieſen Unternehmungen zu, wegen der Begünſtigung und Gewinnſte, welche ihnen das Monopol ficherte. Ueberdieß glaubte jedes Volk bei ſeinem Betreten der Bahn der Tarife ſeine Production gegen die Rivalitäten ſei⸗ ner Nachbarn ſchützen, und ſeine Erhebung in ihrem Verfall ſuchen zu müſſen: Spanien vermittelſt der Sperren; England durch den Ausſchluß fremder Schiffe; Frankreich durch Bele⸗ gung derſelben mit differentiellen Zöllen. Alle wohlwollenden Gewohnheiten der Gegenſeitigkeit wurden durch Repulſivmaaß⸗ regeln erſetzt, ein wahres Bild des Kriegs ſelbſt im Schooße des Friedens. Um das Maaß des Unglücks voll zu machen, gingen nur zu wirkliche Kriege aus dieſen verderblichen Lehren hervor, für welche die Navigationsacte und der Tarif von 1664 nur das Vorſpiel waren. Zu der innern Beſchädigung, welche ſich die Nationen durch den Mißbrauch des Schutzſyſtemes zu⸗ fügten, ſollten bald noch die gräßlichen Uebel kommen, welche aus einem offenen und von der einen und andern Seite mit gleicher Erbitterung geführten Streite hervorgingen. Man hat geſehen, was in dieſer Art die Rivalität Englands und Hollands hatte erzeugen können, und von welchen Kataſtrophen die letz⸗ ten Jahre der Regierung Ludwigs XIV. getrübt wurden. Die Finanzen aller Völker waren erſchöpft; es gab keine Kapitale mehr, um den Krieg fortzuſetzen, keine, um die Induſtrie wie⸗ der zu heben. Ein einziges Volk hatte inmitten dieſer Unfälle eine ſtolze und unbeugſame Haltung, wie ſpäter England ge⸗ genüber Napoleon, bewahrt: das waren die Holländer; und ſie hatten, außer in ihrer Vaterlandsliebe, nur in ihrem Credit Hilfsquellen gefunden. Wir haben geſagt, welche ſinnreiche Anſichten ihre Gründung geleitet hatten, und die raſchen Entwicklungen darge⸗ ſtellt, welche die Bank von Amſterdam durchlief, trotz der Schranke, welche ihren Notenausgebungen durch die Nothwendigkeit ge⸗ ſetzt war, ein ihnen gleich geltendes Kapital in Metallgeld zu heſitzen von C und d Fro geblie den- Hollo und Nied gens ühr unſer ihrer ſtätig ſterbe Min hatte nur und Pt rei 1 erſ bra Ni⸗ Pro oher. daukt Das Die arden, Regen ſcch da missio anſprü⸗ dieſem — 43— beſitzen. Bald gaben die Zettelbanken, und zumal die Bank von England, allen Induſtriezweigen einen regern Schwung, und die Arbeit trat in eine neue Aera. Frankreich allein war unter dieſen großen Nationen zurück geblieben, und ſeine ſchlecht berathene Regierung überließ ſich den Ausſchweifungen der Revocation, während England und Holland unter den Auſpicien des Credits Wunder wirkten. Vauban und Boisguilbert haben in pathetiſchen Ausdrücken das traurige Niederliegen der productiven Macht Frankreichs in dieſen bekla⸗ genswerthen Zeiten geſchildert. Es bliebihnen Nichts mehr übrig, als die Augen zum Weinen, ſagten ſie von unſern Vätern, und wir müſſen wohl an die Wirklichkeit ihrer Leiden glauben, wenn ſie durch ſo edle Zeugniſſe be⸗ ſtätigt werden. In dieſem Zuſtande hinterließ Ludwig XIV. ſterbend unſer Vaterland. Bis zum letzten Augenblick hatte ſein Miniſterium von erbärmlichen Auskunftmitteln gelebt. Man hatte es genöthigt geſehen, lächerliche Stellen zu vermehren, nur um einiges Geld von den neuen Titularen einzubringen; und während England und Holland Geld zu drei oder vier Procenten liehen, ließen die Steuerpachter den König von Frank⸗ reich zehn, zwanzig und ſelbſt fünfzig Procente für das Geld zahlen. Die Maaßloſigkeit der Abgaben hatte den Grundbeſitz erſchöpft, der von ſeinen Arbeitern in Folge des Menſchenver⸗ brauchs durch den Krieg verwaist war; der Handel war faſt zu Nichts herabgeſunken; die Induſtrie, durch die Aechtung der Proteſtanten gezehntet, ſchien dazu verurtheilt, ſämmtliche Er⸗ oberungen zu verlieren, welche man dem Genie Colbert's ver⸗ dankte. Das war die Lage Frankreichs, als Ludwig XIV. ſtarb. Die Staatsſchuld belief ſich damals auf mehr als drei Milli⸗ arden, und der Bankbruch war nahe. Er wurde ſogar dem Regenten vorgeſchlagen, welcher ihn edel verwarf, und welcher ſich darauf beſchränkte, einen Ausſchuß(die berühmte Com- mission du visa), niederzuſetzen, um die Giltigkeit der Rechts⸗ anſprüche der verſchiedenen Staatsgläubiger zu prüfen. In dieſem Zeitpunkt machte John Law den Vorſchlag zu ei⸗ — 44— ner Zettel⸗ und Discontobank, und legte in unſerem Vater⸗ lande die erſten Grundlagen des Credits. Wir müſſen mit einiger Ausführlichkeit die ſo hohen und lange verkannten Ideen dieſes berühmten Mannes auseinan⸗ derſetzen, welcher den allen Menſchen ſeiner Art gemeinſa⸗ men Fehler hatte, nämlich den, ein Jahrhundert zu früh Recht zu haben, und zu ſterben, ohne verſtanden worden zu ſein. Seine erſte Jugend war abentheuerlich geweſen, aber ganz erfüllt von Fachſtudien, die er über den öffentlichen Credit in England, Holland, an der Quelle der großen Geſchäfte gemacht hatte. Er hatte in der Nähe geſehen was in einem Lande die Regſamkeit des Geldumlaufes vermag, und ſeine Ein⸗ bildungskraft hatte ihn, die Segnungen des Credits übertrei⸗ bend, glauben machen, daß der Ueberfluß an Metallgeld die Haupturſache des Reichthums der Staaten wäre, weil das Geld allein die Entwickelung ihrer Induſtrie und ihres Wohlſtandes herbeiführte. Dieß war, in einigen Rückſichten, das allgemeine Vorurtheil Europa's in der Zeit, in welcher er lebte, und die⸗ ſes Vorurtheil trug nicht wenig bei, die Annahme ſeiner Ent⸗ würfe zu begünſtigen. Es deuchte ihm, daß, wenn man einem Lande den Beſitz einer Maſſe Geldes ſichere, die genüge, um über die Arbeit zu gebieten, man es zur höchſten Stufe des Reichthums und der Macht erheben würde. Nun geſtatteten die Zettelbanken, das Metallgeld durch den Tredit zu ergänzen, welcher dem Papier den Werth und den Nutzen des Metallgeldes verſchafft, und da es für die Ausgebungen des Papiergeldes keine Grenzen gibt, ſo ſchien ihm künftighin der öffentliche Reich⸗ thum vor allen Hinderniſſen geſichert zu ſein. Das war der Irrthum Law's: die Uebertreibung eines gu⸗ ten Princips. Er hatte die Wirkung für die Urſache genom⸗ men, indem er dem Credit Ergebniſſe zuſchrieb, von welchen der Credit nur eine Folge iſt. Er hatte nicht erwogen, daß das Geld, Metallgeld oder Papier, mit der Menge der Werthe ſtets im Verhältniſſe ſtehen müßte, welche durch den Tauſch in Umlauf begriffen ſind, und daß das Metallgeld nicht geeignet wäre, ohne die Mithilfe der vorher beſtehenden Arbeit die In⸗ duſtrie b des Gell tauſchba den wir das um die R tale zu dit, d. oft du Darle an die Comm ſagte e größer hat, al ſcher i Alle Mitte Credi einer alle nop. Aber verſt ſter bank nem, ren Ge hundern mächtig der Ha Noten: wärtige erſchien — 8) Dur doch über — 45— duſtrie bei einem Volke entſtehen zu laſſen. Die Vermehrung des Geldes würde ohne die entſprechende Vermehrung der aus⸗ tauſchbaren Werthe nur den Preis aller Sachen ſteigern, ſtatt den wirklichen Reichthum einer Nation zu vergrößern. Allein das umfaſſende und ſichere Genie Law's hatte von vorne herein die Nothwendigkeit begriffen, der Arbeit wohlfeile Kapi⸗ tale zu liefern. Er hatte bemerkt, daß der individuelle Cre⸗ dit, d. h. jener der Banquiers und Geldhändler, der Induſtrie oft durch den Despotismus verderblich war, welcher von den Darleihern gegen die Arbeiter ausgeübt ward; und er wollte an die Stelle der Commandite des individuellen Credits die Commandite des Staatscredits ſetzen.„Vergeſſen Sie nicht,“ ſagte er dem Regenten,„daß die Einführung des Credits eine größere Veränderung unter die Mächte Europa's gebracht hat, als die Entdeckung Indiens; daß es an dem Staatsherr⸗ ſcher iſt, ihn zu geben, nicht aber, ihn zu empfangen.“ Alle ſeine Ideen wandten ſich daher, von Anfang an, den Mitteln zu, der Regierung die Beherrſchung des öffentlichen Credits dadurch zu ſichern, daß er in ihre Hand die Leitung einer allgemeinen Bank legte, welche die Beſtimmung hatte, alle Einnahmen des Staats zu beziehen, und ſämmtliche Mo⸗ nopole auszubeuten, mit welchen er ausgeſtattet werden würde. Aber ſei es, daß die Finanztheorien damals nur von Wenigen verſtanden wurden, ſei es, daß die Neuheit des Plans die Gei⸗ ſter erſchreckt hatte, Law erlangte nur das Recht, eine Privat⸗ bank zu gründen, vollkommen ähnlich in vielen Rückſichten je⸗ nem, was in unſern Tagen die Bank Frankreichs iſt, und de⸗ ren Geſellſchaftsfonds ſechs Millionen betrug, getheilt in zwölf⸗ hundert Actien zu fünftauſend Francs. Dieſe Bank war er⸗ mächtigt, Wechſel zu discontiren, ſich mit den Abrechnungen der Handelsleute zu befaſſen, und an den Inhaber zahlbare Noten in Geld von dem Gewicht und Feingehalt des gegen⸗ wärtigen auszugeben. Kaum war dieſe Bank gegründet, ſo erſchien der Credit wieder von allen Seiten*), das Vertrauen *) Dutot beſchreibt die von Law's Bank bewirkten Vortheile, die er je⸗ doch übertreibt, wie folgt: — 46— gewann ſelbſt das Ausland, und der Wucher übte nicht mehr ſeine Verheerungen. Die Regierung fügte ihre Sanction zu der des Publikums, indem ſie die Noten der Law'ſchen Bank als baares Geld annahm. Das war der erſte Verſuch, den man in Frankreich mit dieſem neuen Gelde machte, und man darf kühn behaupten, daß der Gebrauch deſſelben allgemein gewor⸗ den wäre, wenn es nicht ſo raſch in Mißbrauch ausgeartet ſein würde. In der That erlangten, ſeit der Regent das Edict vom 10. April 1717 gegeben hatte, welches die Pächter und Erhe⸗ ber der Steuern verpflichtete, die Noten der Bank in Metall⸗ geld zu bezahlen, ſo oft ihnen ſolche vorgezeigt würden, dieſe Noten ein bedeutendes Gewicht; das Silber ſtellte ſeinen Um⸗ lauf ein, und flüchtete ſich in die Kaſſen der Provinzen oder „Der Ueberfluß verbeitete ſich bald in den Städten und auf dem Lande; er entzog beide dem Druck der Schulden, welche die Armuth zu machen genöthigt hatte, er erweckte wieder die Induſtrie, gab den Werth wieder al⸗ len Grundſtücken zurück, welcher durch dieſe Schulden ausgeſetzt worden war, er ſetzte den König in den Stand. ſeinen Unterthanen mehr als zwei und fünfzig Millionen Abgaben der früheren Jahre bis auf 1716 nachzulaſſen, und für mehr als fünf und dreißig Millionen während der Regentſchaft ge⸗ tilgter Gefälle: er ſetzte das Intereſſe der Renten herab, vertilgte den Wucher, brachte die Ländereien auf den 80 und 100ſten Pfennig, er machte Gebäude in den Städten und auf dem Lande ſich erheben, die alten ausbeſ⸗ fern, welche in Trümmer gefallen waren, die Grundſtücke umbrechen, den Stoffen Werthe geben, welche aus dem Schoos der Erde gezogen wur⸗ den, und welche ſolche früher nicht hatten, er rief unſere Bürger zurück, welche das Elend genöthigt hatte, anderswo ihren Lebensunterhalt zu ſu⸗ chen; endlich zog dieſer Ueberfluß ausländiſchen Reichthum an; Schmuck, Edelſteine, und alles das, was den Prunk und die Pracht begleiten konnte, kamen uns von dem Auslande zu. Mögen nun dieſe auffallende Erſcheinungen oder dieſe Wunder durch die Kunſt, durch das Vertrauen, durch die Furcht oder durch Luftgebilde erzeugt worden ſein, wenn man will, man kann doch nicht umhin, zu geſtehen, daß dieſe Kunſt, daß dieſes Vertrauen, daß dieſe Furcht, oder daß dieſe Luftgebilde alle dieſe Wirk⸗ lichkeiten erzeugt hatten, welche die frühere Verwaltung nie geſchaffen haben würde.“ (Réflexions politiques sur les finances et sur le commeree de France, tome ler.) in die um ſo und ni dollſtän Millio Die C Nachf als n Müh üͤberſ So lltopit hatte i noch j centrik Laufbe forder Anden derw very noſſ des We ſo Hof gün ten n für ei werden und wi zu ſpiel Scho dem Eh ſand ſei der Beſt delsprivi — 47— in die der Bank, um hier die Einlöſungen zu beſtreiten, die um ſo weniger gefordert wurden, als das Papier bequemer und nicht ſo theuer zu verſenden war. Der Erfolg war ſo vollſtändig und ſo entſcheidend, daß die Bank bis zu fünfzig Millionen Noten mit einem Kapital von ſechs ausgeben konnte. Die Einlagen von Gold und Silber wuchſen täglich mit der Nachfrage nach den Noten. Man fragte darnach ſelbſt mehr, als man jetzt darnach fragt, wo die Noten der Bank ſo viele Mühe haben, zu cireuliren, ſobald ſie den Bezirk von Paris überſchritten haben. So hatte Law in weniger als zwei Jahren die glänzendſten Utopien des öffentlichen und Privatcredits verwirklicht. Er hatte in einem ungeheuern Maaßſtab Ergebniſſe erzielt, welche noch jetzt, nach hundert Jahren, auf einige Handelsſtädte con⸗ centrirt ſind; er war in einem einzigen Zug an das Ziel einer Laufbahn gelangt, welche mehre Raſtplätze von Generationen fordern zu müſſen ſchien. Das wird eine ewige Ehre für ſein Andenken ſein, aus allen Stücken, ohne dabei ein einziges Rä⸗ derwerk auszulaſſen, einen Mechanismus organiſirt zu haben, der ſo verwickelt war, wie jener der Zettelbanken, und ſeine Zeitge⸗ noſſen, Opfer ſo vieler Finanztäuſchungen, mit dem Syſtem des Vertrauens und der Noten vertraut gemacht zu haben. Wer könnte ſagen, wie groß ſeine Freude war, als er den ſo raſchen Erfolg ſeines Werkes, die Arbeit ermuthigt, die Hoffnung wieder entſtehen, und Frankreich ſeinen Bemühungen günſtig zulächeln ſah! Allein dieſe Tage des Triumphs ſoll⸗ ten nur von kurzer Dauer ſein, und die Vorſehung behielt ihm für eine ſehr nahe Zukunft grauſame Vergeltungen vor. Wir werden davon, wie von einer Lehre, Vortheil ziehen, die ernſt und würdig iſt, in der Geſchichte der Wiſſenſchaft eine Rolle zu ſpielen.. Schon genügte die in Paris gegründete Zettelbank nicht mehr dem Ehrgeize Law's. Er verfolgte immer den erſten Gegen⸗ ſtand ſeiner Wünſche, die Gründung einer Nationalbank mit der Beſtimmung, die Staatseinkünfte zu beziehen und die Han⸗ delsprivilegien zu benützen, welche ihr zu bewilligen der Re⸗ gierung gefallen würde. Die Möglichkeit, Noten für eine zehn Mal höhere Summe auszugeben, als die Hilfsvorräthe an Metall⸗ geld betrügen, erſchien ihm jetzt als zu beſchränkt. Er hatte den Gedanken gefaßt, in eine gemeinſame Aſſociation ſämmt⸗ liche Kapitaliſten Frankreichs zu vereinigen, und von ihnen alle Elemente des öffentlichen Reichthums in eine Commandite zu⸗ ſammenlegen zu laſſen, von dem Grundeigenthum an bis zu den Eventualitäten des Kolonialhandels. Welche ſchönere Hypo⸗ thek, als Frankreich! und welchen Werth mußte eine ſolche Garantie erlangen, wenn der dem niederſten Grundeigenthü⸗ mer geſicherte Credit den Verbeſſerungen jeder Art eine unbe⸗ grenzte Laufbahn eröffnen würde! Allein Law konnte dieſen Entwurf in ſeiner majeſtätiſchen Einfachheit dem Publikum nicht vorlegen; das Nationalvertrauen war nicht genug aufgeklärt, um es zu geſtatten. Er mußte, wenn man ſo ſagen kann, ſeine univerſelle Bank auf irgend eine Inſtitution gründen, welche den Vorurtheilen ſeiner Zeitgenoſſen angepaßt war, und das Unglück wollte, daß die Koloniſationswuth, welche damals ſehr in der Mode war, ihm den Anlaß lieferte, eine Handels⸗ compagnie an den Ufern des Miſſiſſippi zu gründen. So ent⸗ ſtand die weſtindiſche Compagnie mit einem Kapital von hundert Millionen, zuſammengeſetzt aus zwei Mal hundert tauſend Actien zu fünfhundert Franes, unter der Form von auf den Inhaber lautenden Noten, auf dem Weg der Indoſſirung über⸗ tragbar. Um die Verwirklichung derſelben zu begünſtigen, glaubte Law durch das Conceſſionsedict(Auguſt 1717) alle Actionäre ermächtigen laſſen zu müſſen, den Betrag ihrer Zeich⸗ nung, einen Vierttheil in Metallgeld und die drei andern Viert⸗ theile in damals ſehr geſunkenen Rentenſcheinen, bekannt un⸗ ter dem Namen Staatsſcheine(billets d'Etat), einzuzah⸗ len. Dieſer Umſtand gab ihnen einige Beliebtheit und hob all⸗ mälig wieder den öffentlichen Credit; allein das Gelingen des Unternehmens hing in der That von dem Colonialerfolg der Com⸗ pagnie ab, und wie groß auch die Leichtgläubigkeit der Zeitge⸗ noſſen geweſen ſein mag, die Dividenden beſtanden ſtets nur aus dem Intereſſe der Staatsſcheine, welches von der Regierung an die 2 bare Op gangen, einzuziel ging ein Staatöſ würden ſitzung, der Br dem E Endl Gründu wurde de Zukunſt gen Mon Kapital Noten C zu müſſe Städten hieß, ſe nicht de nach Fr heilloſeſ Agiotage der weſt lich gefal Höhe erhe bunftauf! Betrag des *) Man n dem Namen Gebridern„ durch ein Ke beſſer geſche machen mußt Blanaui, G 49— an die Actionäre bezahlt wurde. Bald beabſichtigte eine furcht⸗ bare Oppoſition, aus dem Schooße der Parlemente hervorge⸗ gangen, der neuen Bank das Recht zu beſtreiten, die Steuern einzuziehen und die öffentlichen Zahlungen zu leiſten, und es er⸗ ging ein Verbot an die Beamten der Staatskaſſe, gegen Geld die Staatsſcheine einzuwechſeln, welche ihnen präſentirt werden würden. Es bedurfte einer vom Konig gehaltenen Gerichts⸗ ſitzung, um hier Ordnung zu ſchaffen, ohne von der Mitwerbung der Brüder Päris zu reden, welche das Anti-système*) unter dem Einfluß der Parlementsanhänger organiſirten. Endlich wurde am 4. December 1718, anderthalb Jahre nach ihrer Gründung, Law's Bankals königliche Bankerklärt, und das Kapital wurde den Actionären baar heimgezahlt. Der König übernahm für die Zukunft die Garantie der Noten, deren Ausgebung ſich in eini⸗ gen Monaten auf eine Summe erhob, die größer war, als das Kapital der frühern Bank. Leider glaubte Law, um den neuen Noten Credit zu verſchaffen, vom Regenten ein Edict erwirken zu müſſen, welches die Transporte des Geldes zwiſchen den Städten verbot, wo ſich Büreaus der Bank befanden. Dieſes hieß, ſeinem Papiergeld einen Zwangscurs geben, und das war nicht der einzige Irrthum Law's. Es lag in ſeinem Geſchick, nach Frankreich mit den nützlichſten Gebräuchen des Credits den heilloſeſten ſeiner Mißbräuche, die Agiotage, einzuführen. Die Agiotage entſtand aus den Verhältniſſen der königlichen Bank zu der weſtindiſchen Bank. Da die Actien dieſer Compagnie beträcht⸗ lich gefallen waren, verpflichtete ſich Law, welcher ſie auf der Höhe erhalten wollte, ſie über dem Pari in einem gegebenen Zeit⸗ punkt aufzukaufen, indem er ſich erbot, eine Prämie zu zahlen im Betrag des Unterſchieds zwiſchen dem Börſenpreiſe und dem Pari. *) Man nannte Anti-système wegen der Oppoſition gegen die unter dem Namen des Syſtems bekannten Ideen Law's, den von den vier Gebrüdern Päris von Grenoble gebildeten Verein, um die Law'ſche Bank durch ein Kapital von hundert Millionen zu ſtürzen, deſſen Intereſſen, beſſer geſichert als die der Bank, natürlich die Actien der letzteren fallen machen mußten Blanaui, Geſchichte d. polit. Oekonomie. II. Bd. 4 — 50— Jedermannn wollte den Gewinn wagen, welcher daraus hervor⸗ ging, und die Actien ſtiegen. Sie ſtiegen noch weit mehr, als Law, im Beſitz der Gunſt des Regenten, zu dem Privilegium der weſt⸗ indiſchen Compagnie noch den Alleinhandel nach Oſtindien fügen ließ, mit der Ermächtigung, ein neues Capital auszugeben, das fähig wäre, der Größe dieſer Aſſociation zu genügen. Geſchickte Combinationen machten, weil ſie neu waren, das Metallgeld in die Kiſten des ſchottiſchen Neuerers ſtrömen. Er gab den Actio⸗ nären Zeit, um den Betrag ihrer Aectien einzuzahlen, ohne daran zu denken, daß die Zeit ihm ſelbſt fehlen würde, um ſein Werk zu voll⸗ enden, und daß man ihm bald die Zerrüttung des Landes vorwer⸗ fen würde; endlich aber gab er Zeit, die Zeit, von welcher die Amerikaner unſerer Tage geſagt haben, daß ſie Geld werth ſei, time is money. Die Speculanten kauften zugleich Actien und Hoff⸗ nungen, und Law verdoppelte ſeine Anſtrengungen, um den einen und den andern Werth zu geben. Das in großen Strömen in die Kaſſen des Staats gefloſſene Geld gab ihm die Idee zu einer Umprägung der Münzen: er ließ ſich die ausſchließ⸗ liche Fabrication derſelben durch ein Edict bewilligen, deſſen Ver⸗ leihung der Bank fünfzig Millionen koſtete. So begannen dieſe wechſelſeitigen Zugeſtändniſſe zwiſchen der Regierung und dem Syſtem, indem die erſtere ſtets bewilligte, und das zweite un⸗ abläſſig verſprach, mit der nämlichen Unüberlegtheit und der nämlichen Sorgloſigkeit für die Zukunft. Gleichwohl wurden ungeheure Gewinnſte in Folge der Umprägung der Münzen ge⸗ macht, und ſo wenig die indiſche Compagnie ihren Antheil an den Dividenden geliefert haben möchte, ſo wäre die königliche Bank doch auf unerſchütterliche Grundlagen geſtützt geweſen. Die Begier⸗ lichkeit der Hofleute und die Thorheit der Speculanten entſchieden anders. Schon waren die Actien zu einer Höhe geſtiegen, welche we⸗ der die von der Compagnie gebotenen Garantien, noch auch die übertriebenſten Ausſichten auf Gewinn rechtfertigten. Dieſes war nur noch ein Spiel, deſſen Geſchichte zu bekannt iſt, als daß es nothwendig wäre, die Einzelnheiten derſelben anzugeben. Es genügt zu ſagen, daß das Steigen der Actien wahrhaft fabelhafte Vermögen inprove welche des La⸗ Grund künfte gleiche tien au kannte konnte hoͤchſte üͤhelge Forder er ein und ery nes Büt ſagen, k ſo groß unbeſcht vocheir verfüh nerm Regen eine zu Millio das an war, al die Acti Staatogl Nentenſch Gleichwol mit welche booſung ſi gen ſie auf ihres Nen fernerhin! ten, ſo ſeh⸗ — improviſirte, und in dem Eigenthum Verſetzungen herbeiführte, welche gleichwohl nicht ſämmtlich für den allgemeinen Wohlſtand des Landes ohne Vortheil geweſen ſind. Die Ariſtokratie der Grundbeſitzer, müde, Ländereien zu beſitzen, deren beſcheidene Ein⸗ künfte ſich nicht mit den blendenden Gewinnſten der Agiotage ver⸗ gleichen ließen, tauſchte ihre Wieſen und Waldungen gegen Ak⸗ tien aus; die Löhne erhoben ſich zu einer bis dahin noch nie ge⸗ kannten Höhe, und die Waaren, welche die Magazine überfüllten, konnten dem Andrang der Käufer nicht genügen. Law ſchien den höchſten Gipfel ſeiner Wünſche erſtiegen zu haben. Wenn einige uͤbelgeſinnte Rivalen ſeine Noten kauften, um ihn durch ſtarke Forderungen der Einlöſung in baarem Gelde zu beunruhigen, ſo ließ er ein Edict geben, welches den Werth des Metallgeldes herabſetzte, und er vereitelte die Verbündungen gegen ihn durch die Kühnheit ſei⸗ nes Bündniſſes mit der Regierung. Nie wurden, man darf es wohl ſagen, kühnere Verſuche mit einer ſolchen Raſchheit und nach einem ſo großen Maaßſtabe gemacht; nie hatten waglichere Theorien eine unbeſchränktere Staatsgewalt zu ihrem Dienſte. Es erübrigte nur noch ein letzter Verſuch, allerdings der gefährlichſte, aber auch der verführeriſchſte aller, die Heimzahlung der öffentlichen Schuld. Je⸗ ner mußte weniger, als irgend ein anderer, Hinderniſſe von Seite des Regenten finden; aber er hatte den Fehler, ohne Vorſicht und auf eine zu voreilige Weiſe ausgeführt zu werden. Fünfzehn hundert Millionen konnten in einem Lande nicht ſo leicht verrückt werden, das an die ungeheuern Operationen des Credits weniger gewöhnt war, als England und Holland. Dieſes hieß auch Vieles wagen, die Actien der indiſchen Compagnie an die Stelle der Titel der Staatsgläubiger zu ſtellen, und ſie, wie man zur Zeit ſagte, ihre Rentenſcheine gegen die Nebel am Miſſiſſippi einzutauſchen. Gleichwohl würde die Maaßregel ohne die Wuth gelungen ſein, mit welcher das Publikum ſich in die Speculationen ſtürzte, deren Looſung ſie wurde. Kaum waren die Actien ausgegeben, ſo ſtie⸗ gen ſie auf das Dreifache, Fünffache und ſelbſt auf das Zehnfache ihres Nennkapitals. Man hätte ſagen mögen, daß die Franzoſen fernerhin nicht mehr wiſſen würden, wo ſie ihr Geld anlegen ſoll⸗ ten, ſo ſehr drängten ſie ſich, um für jeden Preis Verſchreibungen 4. — 52— von dem neuen Anleihen zu erlangen. Die zweite Emiſſion ſah zu fünf tauſend Livres hundert tauſend Actien von fünfhundert Franes ſich verwirklichen. Es war eine allgemeine Tollheit, erregt zu⸗ dem durch die den Unterzeichnern bewilligte Freiheit, in zehn mo⸗ natweiſen Einzahlungen ihre Verbindlichkeit zu erfüllen. Es ge⸗ nügte, Draufgelder zu zahlen, wie ſo ſinnreich Hr. Thiers“) ſagte, um ſich zehn Actien ſtatt einer einzigen zu ſichern. Die Gläubiger des Staats waren nicht die letzten, ſich zu ihrer Spolia⸗ tion herzugeben, und die Geſchichte des Syſtems iſt ganz voll von den Räubereien, welche in unſerem Lande würdig die Laufbahn der Agiotage eröffnet haben. Wir können hier die Ergebniſſe dieſer großen Finanzumwäl⸗ zung nur gedrängt darſtellen, welche große Uebel erzeugte, wie alle Umwälzungen, welche aber auch große Güter, dauerbafte Güter als Vergütung für vorübergehende Uebel ſchuf. Die öffentliche Moral erlitt hauptſächlich dadurch große Erſchütterungen, die nur zu geeignet waren, ehrenhafte Leute von dem langen und dornigen Wege der Arbeit abzulenken.„Die Wechſel des Vermögens wa⸗ ren ſo raſch, ſagt Hr. Thiers**), daß die Jobber, wenn ſie Actien nahmen, um ſie wieder zu verkaufen, ſchon dadurch, daß ſie dieſelben nur einen einzigen Tag behielten, Zeit hatten, un⸗ geheure Gewinnſte zu machen. Man nennt einen derſelben, wel⸗ cher beauftragt, Actien zu verkaufen, zwei Tage ausblieb. Man glaubte die Actien geſtohlen; durchaus nicht: er erſtattete ehrlich den Betrag derſelben; aber er hatte ſich Zeit genommen, eine Million für ſich zu gewinnen. Dieſe Fähigkeit, welche die Ka⸗ pitale hatten, ſo raſch Vermögen zu erzeugen, hatte einen Han⸗ del herbeigeführt: man lieh die Fonds auf die Stunde, und forderte einen Zins, der beiſpiellos war. Die Jobber konnten den geforderten Zins zahlen und doch noch einen Gewinn für ſich ſelbſt machen. Man konnte im Tag ſelbſt eine Million gewinnen. Es iſt ſonach nicht erſtaunlich, daß die Be⸗ dienten plötzlich ſo reich als Herren wurden: man ſagt von einem, *) Notice sur Lat, in der Enegcloyédie progressive, pago 80. *) Der oben angeführte Artikel Lauv. ſer G welcher, Kutſche Die higfache ſvarniſt naten: Kaufle tauſer zehn e einigel ſein, un zeit un Wuthd Jedo ſie vor unendle möglic Millie resE nügt der! hörde gebni blick Banf Austan ließ er dann en Bankno Allein! bruch d ihrer Ae beſit, H Erſchein hervorg em, — 53— welcher, als er bei ſchlechtem Wetter ſeinem Herrn begegnete, ſeine Kutſche anhalten ließ, und ihm anbot, einzuſteigen.“ Die Thorheit kam auf den Punkt, daß die Actien auf das Drei⸗ ßigfache ſtiegen, und daß die Agiotage, wie ein Strudel, alle Er⸗ ſparniſſe des Reichen und des Armen in weniger als einigen Mo⸗ naten verſchlang. Es gab bald nicht mehr Treſſen genug bei den Kaufleuten, um die neue Ariſtokratie zu verbrämen, welche aus die⸗ ſer Gährung der Börſe hervorging, und die ſechs Mal hundert tauſend Actien der indiſchen Compagnie kamen dahin, mehr als zehn eingebildete Milliarden zu repräſentiren. Man muß Zeuge einiger hartnäckiger Finanzvorurtheile der Gegenwart geweſen ſein, um ſich eine Vorſtellung von dem Wahnſieber der Law'ſchen Zeit und von der tiefen Verblendung zu machen, in welche die Wuth der Speculationen die verſtändigſten Leute geſtürzt hatte. Jedoch nahte der Augenblick der Kriſe heran, ohne daß Jemand ſie vorauszuſehen wagte, nicht einmal Law ſelbſt, welcher an die unendliche Dauer ſeines Syſtems zu glauben ſchien. Es gab keine mögliche Garantie mehr für ein Kapital, das auf mehr als zehn Milliarden gebracht war, und ſelbſt wenn der Miſſiſſippi ein wah⸗ res Eldorado geweſen wäre, ſo hätten vierhundert Millionen kaum ge⸗ nügt, um ein Intereſſe von 4 oder 5 Procent der idealen Ziffer der Actien zu ſichern. Man war bald genöthigt, von der Be⸗ hörde aus eine Menge Maaßregeln aufzulegen, welche das Er⸗ gebniß des Vertrauens hätten ſein ſollen, und von dieſem Augen⸗ blick an war das Vertrauen erſchüttert. Law glaubte die Noten ſeiner Bank durch Edicte in der Höhe erhalten zu müſſen, welche deren Austauſch gegen Gold⸗ und Silberſtoffe in Paris verbot; ſodann ließ er befehlen, daß die Steuern in Noten bezahlt werden ſollten; dann endlich, daß die Gläubiger das Recht haben ſollten, auch in Banknoten die Zahlung ihrer Schuldforderungen zu verlangen. Allein dieſe eiteln Auskunftsmittel beſchleunigten nur den Aus⸗ bruch der Kataſtrophe. Die Klügſten beeilten ſich, den Betrag ihrer Actien oder ihrer Noten zu realiſiren, d. h. in Grund⸗ beſitz, Hausgeräthe, Häuſer zu verwandeln, und man ſah dann eine Erſcheinung, die jener ganz entgegengeſetzt war, welche wir ſchon hervorgehoben haben, man ſah die Inhaber der Effeeten nach allen ſoliden Werthen rennen, während früher ſie gar zu glücklich ſchie⸗ nen, ſich dieſer Werthe zu entledigen, um Papiere zu haben. Die Preiſe ſtiegen faſt plötzlich zu einer bis dahin noch nie gekannten Höhe, und der Zufluß zur Bank, um Einlöſungen in Geld zu er⸗ langen, wurde von Tag zu Tag beträchtlicher. Man glaubte, dieſe Gefahr dadurch zu beſchwichtigen, daß man einen Zwangs⸗ curs für die Noten einführte, und, um das erſchütterte Vertrauen aufrecht zu erhalten, Dividenden ankündigte, welche nicht bezahlt werden konnten. Nachher kamen thörichte Maaßregeln: das Ver⸗ bot, Edelſteine und Diamanten zu tragen, aus Furcht, man möchte ſolche für Actien oder Banknoten kaufen; die Confiscation der al⸗ ten Geldſorten, und die Hausſuchungen, um ſie zu entdecken. Das Sinken der Actien ging nichts deſto weniger raſchen Schritts vor⸗ an, zur großen Verzweiflung der Unglücklichen, welche wirkliche Güter gegen Scheinvermögen ausgetauſcht hatten, und unter dem Lärm der Saturnalien aller neu Bereicherten, welche ihr Vermögen durch Ankäufe von Ländereien oder durch Anlegungen im Aus⸗ land befeſtigt hatten. Das berüchtigte Edict vom 5. März 1720 brachte dieſes Gerüſte von Gewaltmaaßregeln auf ſeine Höhe, welches auf Law's Syſtem die etwas parteiiſche Rüge der Nach⸗ welt geworfen hat. Indem dieſes Edict durch liſtige Combinatio⸗ nen die Noten der Bank den Actien der indiſchen Compagnie, d. h. Werthe, welche gegen wahrhafte Verſchreibungen erlangt worden waren, ganz vorzugsweiſe erdichteten und eventuellen Werthen ver⸗ ähnlichte, entſtand ein wahrer Bankbruch, was in Abrede zu ſtellen, noch kein Geſchichtſchreiber verſucht hat. Wir würden Mühe haben, gegenwärtig zu begreifen, zu welchen traurigen Auskunfts⸗ mitteln nach dieſem letzten Schlag herabzuſteigen Law ſich genöthigt glaubte. Die verzweifelten Edicte, deren Erlaſſung er bewirkte, erinnnern an einige der Schreckenmaaßregeln von 1793), einbe⸗ *) Es war verboten, mehr als fünfhundert Franecs baar zu bewahren, und zwar bei einer Geldſtrafe von zehntauſeud Francs. Keine Arbeit von Gold ſollte mehr als eine Unze wiegen. Man beſtimmte das Gewicht al⸗ ler Artikel der Goldſchmiedekunſt, das der Platten, Zuckerbüchſen, der Leuch⸗ ier. Das Lächerliche ſtritt hier mit dem Gehäſſigen um den Vorzug. griffen und die bei dier bedauer dahin, Anford Du ten N deſſer genw meßli nicht Finan⸗ Hande welche ſchleuu verbic ſchwe einbe ſett die beſe diel unn oͤffn geſa ühen erhöhn digen machte bei der ſchütte — A Ches 8 nomie griffen die Angeberei gegen die Inhaber von Gold und Silber, und die Verwirrung des Münzſyſtems. Die Wiſſenſchaft kann bei dieſen Verirrungen eines erliegenden genialen Mannes nur bedauern, daß er, ſo zu ſagen, gegen ſeinen Willen durch die Noth dahin geführt wurde, in der er ſich befand, ſeine Operationen den Anforderungen des Hofes und der Finanznoth unterzuordnen. Dutot, Forbonnais, Steuart und Hr. Thiers*) haben die letz⸗ ten Momente des Syſtems und die falſchen Combinationen, welche deſſen Sturz entſchieden, vollkommen auseinander geſetzt. Was ge⸗ genwärtig gewiß bleibt, iſt, daß die Law'ſche Bank Frankreich uner⸗ meßliche Dienſte geleiſtet haben würde, wenn der Regent aus ihr nicht ein Werkzeug für die Steuererhebung, eine nachgiebige Finanzmaſchine gemacht hätte, ſtatt ihr die Unabhängigkeit eines Handelsinſtituts zu laſſen. Wenn man bedenkt, daß dieſe Bank, welche in der Abſicht errichtet worden war, den Umlauf zu be⸗ ſchleunigen, auf den Punkt gekommen war, den des Goldes zu verbieten und den Werth der Münzen zu verfälſchen, ſo iſt es ſchwer, ein ſolches Ende mit den gedeihlichen Anfängen zu ver⸗ einbaren, welche es nicht vorausſehen ließen. Vom 21. Mai 1721 an ſetzte man fortſchreitend die Actien der indiſchen Compagnie und die Noten der königlichen Bank herab: dieſes hieß den Bankbruch beſchließen, ſtatt ihn zu erwarten und über ſich ergehen zu laſſen; dieß hieß, zu den Gläubigern der Regierung ſagen, daß man ſie unwürdig betrogen hatte, und daß man ihnen frech die Augen öffnete. Allein das Publikum ärntete in der That nur, was es geſäet hatte. Hatte es nicht den Werth der Actien bis zu einer übertriebenen Höhe geſteigert, und demnach künſtlich ihren Preis erhöht, ſo zwar, daß es die Zahlung der Zinſen in dem nothwen⸗ digen Verhältniß zu einem ſo ungeheuern Kapital unmöglich machte! Es begegnete der Law'ſchen Bank, was wir in Amerika bei der letzten Kriſe geſehen haben, welche jüngſt dieſes Land er⸗ ſchüttert hat. Die meiſten Banken ſind untergegangen, weil ſie ) Réftexions polltiques sur les finances et le commerce; Recher- ches sur les finances de France; Recherche des principes de l'éco- nomie politique; der ſchon angeführte Artikel Law. — 56— ihre Emiſſionen zu ſehr vervielfältigt, d. h, zu ſehr auf das Steigen des Preiſes der Ländereien und auf die Fortſchritte einer Civiliſation ſpeculirt haben, welche nie anders als mit dem Schritt des Menſchen vorangehen kann. Unter was im⸗ mer für einem Geſichtspunkte man das Syſtem betrachte, man wird ſich überzeugen, daß, wenn Law den wahren Grundſätzen des Credits treu geblieben wäre, welche er in ſeinen Consi- dérations sur le numéraire*) ſo trefflich entwickelt hatte, er Frankreich vor einem Jahrhundert zum erſten Rang der Fi⸗ nanzmächte erhoben, und vielleicht die ſchauderhaften Kataſtro⸗ phen verhütet hätte, von welcher das Ende des achtzehnten Jahrbunderts erſchüttert worden iſt. Er allein konnte, ſo lange Banken beſtanden, ungeſtraft zehnmal ſo viele Noten in Um⸗ lauf ſetzen, als ſeine Bank Kapitale in Metallgeld enthielt, und trotz der Unvorſichtigkeit ſeines Benehmens in Beziehung auf die indiſche Compagnie wird er gleichwohl die Ehre ewig bewahren, in Frankreich die erſten induſtriellen Werthe geſchaf⸗ fen zu haben. Schon dieſe Schöpfung allein war ein hoher und großartiger Gedanke. Die kleinſten Kapitale fanden künftighin eine An⸗ lage, und die Arbeiter, bis dahin zur Ungewißheit des Lohns verurtheilt, wurden endlich zu den Privilegien des Eigenthums zugelaſſen. Die Actien der Bank und der indiſchen Compag⸗ nie boten den ſparſamen Menſchen die Vortheile einer Spar⸗ kaſſe mit den Chancen eines Gewinnes einer großen Han⸗ delsgeſellſchaft. Der Gedanke Law's erſcheint in dieſer Bezie⸗ hung als bewunderungswürdig. Der öffentliche Credit war an die Stelle des Privatcredits geſetzt. Der Zins für das Geld fiel auf den niederſten Fuß; und dadurch verſchwand die wirk⸗ ſamſte Urſache der Ungleichheit der Stände. Leider theilte der *) In dieſer Schrift, welche in das Franzöſeſche überſetzt und 1790 wie⸗ der aufgelegt wurde, hat Law mit vollkommener Klarheit ſeine Ideen über den Credit auseinander geſetzt. Viele Volkswirthſchaftsgelehrten haben aus ihr nützliche Nachweiſungen geſchöpft, ohne dem Verfaſſer die Gerechtigkeit widerfahren zu laſſen, welche ihm gebührte. ſchottit rühmt daß e⸗ das( Jerth glaub tigen hafte als theile Law, was! würde war, der F ihn ue heimz noſſer er n Shſt zeiti des folg „Be die zu p kteihe⸗ Gefahl des Ueꝛ mit de ren die ſation au Erſchütte — 8) Duto *s) Niste — 57— ſchottiſche Finanzmann den Irrthum, welcher mehren ſeiner be⸗ rühmteſten Zeitgenoſſen gemeinſam war, indem er vorausſetzte, daß es genügte, das Geld zu vermehren, um den Zins für das Geld bherabzudrücken; und er verſchlimmerte dieſen erſten Irrthum durch den noch größern und ganz perſönlichen Irrthum, zu glauben, daß man das Papiergeld(die Banknoten) vervielfäl⸗ tigen könne, ohne das Kapital zu berückſichtigen, welches dafür haften ſollte. Der Erfolg begünſtigte ſeine Täuſchung länger, als es möglich ſchien; denn wir haben geſehen, daß die Vor⸗ theile des Papiers in Frankreich ſo gut begriffen wurden, daß Law, ſelbſt im Beginn ſeiner Operationen, das wagen konnte, was keine Discontobank gegenwärtig zu verſuchen ſich erkühnen würde, eine Emiſſion von Noten, die zehnmal beträchtlicher war, als das Geldkapital. Das Vertrauen war allgemein; der Fehler Law's war, es zu mißbrauchen. Der Regent riß ihn nach und nach dazu hin, in der Abſicht, die Nationalſchuld heimzuzahlen, und er zwang ihn, nach dem Ausdruck eines Zeitge⸗ noſſen*),„ſieben Stockwerke auf Fundamente zu bauen, welche er nur für drei angelegt hatte.“ Die wahren Wirkungen des Syſtems ſind uns gegenwärtig kaum richtig bekannt. Die gleich⸗ zeitigen Schriftſteller ſprechen ſämmtlich davon mit jener Affectation des Schauders, welcher nur zu oft die größten Namen ver⸗ folgt, wenn die Hand des Unglücks ſchwer auf ihnen ruhte. „Bei dem Aufgeben dieſes Spiels, ſagt Hr. Lemontey**), hatten die glücklichen Spieler ein zu großes Intereſſe, ihre Gewinnſte zu verheimlichen, und die unglücklichen, ihre Verluſte zu über⸗ treiben. Die Würdiger dieſer verwickelten Kriſe waren der Gefahr ausgeſetzt, die Gewaltſamkeit des Hülfsmittels mit der des Uebels zu verwechſeln, und was nur verrückt war, mit dem, was zerſtört war..... Gleichwohl erfuh⸗ ren die in der Mitte liegenden Provinzen, wo die Civili⸗ ſation am meiſten zurückgeblieben war, dadurch eine heilſame Erſchütterung. Dieſe armen und unempfindlichen Landſchaften, *) Dutot. **) Histoire de la régence, tome I., page 356. wo man Handel und Geld faſt unbekannt, die Früchte der Erde faſt werthlos, und die Erhebung der Steuern ſo mühſam als unergiebig geſehen hatte, durchdrangen ſich mit einem neuen Leben. In Beziehung auf den Reichthum, den Preis der Bo⸗ denerzeugniſſe, die Summe der Steuern, das geſellſchaftliche Leben und die politiſche Wichtigkeit, ſchreibt ſich die Wieder⸗ geburt dieſes ungeheuern Staatsgebiets von der Kataſtrophe Law's her, und ſeine von 1720 an fortſchreitende Geſittung iſt ein beſſeres Denkmal daran, als die Banknoten, welche man dort noch in einigen Hütten aufbewahrt.“ Die Haupturſache des Sturzes des Syſtems war daher die zu große Emiſſion von Banknoten und von Aktien der indi⸗ ſchen Kompagnie. Fictive Kapitale waren unfähig, reelle In⸗ tereſſen zu liefern: es ergab ſich daraus nur die übertriebene Steigerung des Preiſes aller Dinge, und eine allgemeine Verrück⸗ ung der Vermögen, welche um ſo gefährlicher war, als ſie raſcher verlief. Aehnliche Kataſtrophen haben ſeither die näm⸗ lichen Mißbräuche des Credits in den beiden Welten bezeich⸗ net. Unſere Väter haben die Aſſignaten, nachdem ſie über das Maaß vervielfältigt worden waren, mit Krachen, trotz der Garantie der ſogenannten Nationalgüter, fallen geſehen; Eng⸗ land hat ſeinerſeits eine große Geldkriſe erlitten, weil es in den Darleihen ſeiner Bank an ſeine Regierung die natürliche Grenze des Metallgeldes überſchritten hatte. In dem Augenblick, wo ich ſchreibe, hat ſo eben eine noch ſchwerere Kriſe die geſammte Circulation in den Vereinigten Staaten umgeſtürzt, und man glaubt ſi ſich in die Zeit Law's verſetzt, wenn man die Urſachen dieſer Störung erforſcht, welche faſt identiſch dieſelben ſind, wie die des Sturzes des Syſtems. Vergebens ſtraft der Convent die Nichtannahme des Papiergeldes mit dem Tode; vergebens genehmigt das britiſche Parliament das Falliment der Bank und beſchleunigen die Vereinigten Staaten den Bankbruch der ihrigen: dieſe furchtbaren Angriffe befeſtigen nur die Funda⸗ mentalbaſen der Theorie des Credits. Der Credit ſoll nur die ſoliden Werthe repräſentiren, und die Solidität läßt ſich nur nach dem Vertrauen würdigen, das nie durch die Gewalt be⸗ ſchloſſen ſowürd Bedürf der ind haben. ein, de Lände Gleich haften Eigen wurde velche der U ſchaft, offenbe chen gen Staa gläu Jin T der ſten Lan zud der neuen ter N fer ih ihnen! welches und pe derman und zwa anderen fahren! — 59— ſchloſſen wird. Wenn Law in ſeinen Operationen frei geweſen wäre, ſo würde er die Emiſſionen ſeiner Noten und Aktien in den durch die Bedürfniſſe des Umlaufs und durch die wahrſcheinlichen Einkünfte der indiſchen Compagnie angezeigten Verhältniſſen eingehalten haben. Seine erſten Erfolge waren blendend. Er bildete ſich ein, daß er ganz Frankreich in kleine Münze auflöſen, und alle Ländereien unter der Form von Papier in Umlauf ſetzen könnte. Gleichwohl war die Wirkung, welche er von dieſem rieſen⸗ haften Verſuche erlangte, keineswegs unfruchtbar. Die unzähligen Eigenthumswechſel, welche unter dem Einfluß des Syſtems bewirkt wurden, begannen die Zerſtückelung des Grundeigenthums, aus welcher Frankreich ſo große Vortheile gezogen hat. Der Geiſt der Unternehmung bemächtigte ſich aller Klaſſen der Geſell⸗ ſchaft, und die Macht der Aſſociation, bis dahin unbekannt, offenbarte ſich durch neue und kühne Combinationen, von wel⸗ chen unſere gegenwärtigen Creditoperationen nur Nachahmun⸗ gen ſind. Ohne die Verſchwendungen des Hofes wäre die Staatsſchuld durch die Heimzahlung an einen Theil der Staats⸗ gläubiger beträchtlich herabgeſetzt worden, und das Sinken des Zinſes würde bald geſtattet haben, die anderen zu zahlen. Das Grundeigenthum trat zum erſten Mal aus dem Zuſtand der Erſtarrung hervor, in welchem es ſo lange das Feudalſy⸗ ſtem erhalten hatte. Das war ein wahres Erwachen für den Landbau, und der Boden erhob ſich von dieſem Augenblicke an zu dem Rang einer productiven Macht. Er war jetzt von dem Syſtem der todten Hand zu dem des Umlaufes übergegangen. Die neuen Grundeigner, faſt ſämmtlich aus den Reihen der Arbei⸗ ter hervorgegangen, bauten den Boden mit dem ganzen Ei⸗ fer ihrer Gewohnheiten und mit der Leichtigkeit, welche ihnen die Fülle der Kapitale gab. Auch ſchien das Gewitter, welches ihn erſchüttert hatte, ihn nur aufgefriſcht zu haben, und von da an begann für ihn eine neue Aera. Je⸗ dermann wandte ſich ihm, als dem ſicherſten der Werthe, zu, und zwar in dem Grade, daß trotz den Verrechnungen, welchen die anderen Induſtrien während des Scheiterns des Syſtems er⸗ fahren hatten, ein neues Syſtem faſt unmittelbar auf jenes — 60= folgte, welches ſo eben untergegangen war, nicht ohne einen hellen Glanz zu verbreiten, ehe es vorüber gegangen war, wie es. Man ahnet leicht, daß es ſich von dem Syſteme Ques⸗ nay's oder der Oekonomiſten handelt. Hauptſtück XXXII. Von dem Syſtem Quesnay's und der ökonomiſtiſchen Schule.— Ur⸗ ſprung ihrer Lehren.— Dienſte, welche ſie geleiſtet haben.— Von den verſchiedenen Schattirungen der ökonomiſtiſchen Schule.— Gournay.— Mercier de La Rivière— Turgot.— Bewunderungs⸗ würdige Redlichkeit dieſer Philoſophen.— Einzelnheiten über Quesnay. Die traurige Entwickelung des Law'ſchen Sypſtems ließ ganz Frankreich in eine wahrhafte Betäubung verſunken. Man wußte von jetzt an nicht mehr, welchen Grundſätzen man trau⸗ en ſollte, nachdem man ſo viele Vermögen raſch entſtehen und erſterben geſehen hatte. Die Einen beklagten den Untergang der Manufacturen, welche ſo mühſam von Colbert gegründet worden waren; die Anderen wandten ſich ein Jahrhundert zu⸗ rück, und erinnerten ſich der patriarchaliſchen Grundſätze Sul⸗ ly's: Landbau und Viehzucht ſind die Brüſte des Staates; und man muß bekennen, daß die Umſtände der Wie⸗ derkehr dieſer Anſichten ſehr günſtig geworden waren. Von allen induſtriellen Werthen, welche unter der entzündeten Atmoſphäre des Syſtems aufgeſchoſſen waren, erübrigte nichts mehr, als der Ruin, die Zerrüttung und der Bankbruch. Das Grundeigen⸗ thum allein war in dieſem Sturme nicht untergegangen. Es hatte ſich ſogar verbeſſert, indem es die Hand wechſelte, und ſich nach einem ungeheuern Maaßſtab, zum erſten Mal vielleicht ſeit dem Lehensweſen, zerſplitterte. Die Bedeutung, welche es ſo plötzlich erlangte, erhöhte beträchtlich ſeinen Preis, und bald wandtef täuſchte gütung mögen, ſeines Börſe No demſe die O Luru trat. funder das C die Ve thum das net, war Una Re ſchen und di nieder en — 61— wandte ſich die Thätigkeit der in Beziehung auf Speculationen ent⸗ täuſchten Geiſter dem Anbau des Bodens zu, um von ihm die Ver⸗ gütung für die Leiden des Syſtems zu verlangen. Man hätte ſagen mögen, daß Jedermann nöthig hatte, im Schatten ſeiner Rebe und ſeines Feigenbaumes von den Schlägen und Schwankungen der Börſe auszuruhen. Noch nie war ein Uebergang ſchroffer. Man ſchritt gleichwohl zu demſelben über einen Haufen Bücher. Es regnete Schriften über die Circulation, den Credit, die Induſtrie, die Bevölkerung, den Luxus; Jeder wollte die Kriſe erklären, aus welcher man hervor⸗ trat, und glaubte zu ſeinem Troſt, die Löſung dieſes Räthſels ge⸗ funden zu haben. Man hatte einige Zeit hindurch geglaubt, daß das Geld vorzugsweiſe der Reichthum ſei, und daß man durch die Vermehrung des Papiers, welches es repräſentirte, den Reich⸗ thum ſelbſt vermehrte. Aber die Vertheuerung aller Dinge und das Sinken des Papiers hatten die Augen der Blindeſten geöff⸗ net, und wie es bei ſolchen Umſtänden zu geſchehen pflegt, man war von dem Vorurtheil zum Abſcheu, von dem Fanatismus zum Unglauben übergegangen. Es gab künftighin keinen wahren Reichthum mehr, als den Boden, und keine ſicheren Einkünfte, als die, welche aus ſeinem Schooße hervorgingen. Aus dieſer Reaction iſt das Landbauſyſtem hervorgegangen, welches bekannter iſt unter dem Namen: das Syſtem der Oekonomiſten oder Quesnay's, welcher der vorzüglichſte Gründer deſſelben war. Es iſt dieſes auch das erſte Syſtem, welches eine Schule gebildet und welches ſich mit einer dogmatiſchen Schärfe formulirt hat, die in den Annalen der Wiſſenſchaft ziemlich ſelten iſt. Wir werden es ganz einfach in den Perſonen und Sachen zuſam⸗ menfaſſen. Wenn es nur eine Darſtellung rein wirthſchaftlicher Lehren geweſen wäre, ſo würde es vielleicht nicht in einem ſo ho⸗ hen Grade die Aufmerkſamkeit der Staatsmänner erlangt haben; aber es ſtellte ſich von vorn herein als das Werkzeug einer politi⸗ ſchen Reform dar, welches die Einnahme der Steuern erleichtern und die Uebel wieder gut machen ſollte, von welchen Frankreich niedergedrückt wurde. Es kam nach den Mißgeſchicken Law's — 62— und den etwas rohen Verſuchen des Abbé Terrap*²) im Fache der Finanzen: man nahm es mit Gunſt als eine Neuheit auf, bis es ſich durch das Recht der Eroberung befeſtigen würde. uUnd wahrlich ſeine erſten Manifeſte erſchienen wie eine Offen⸗ barung. Jedes Volk hatte, nach der Reihe, die Macht der In⸗ duſtrie, die Freiheit des Handels geprieſen; noch keines ſchien an den Landbau gedacht zu haben, außer unter dem ausſchließlich idylliſchen Geſichtspunkt. Noch Niemand hatte die Idee gehabt, daß die Regierung ſich mit dem Anbau der Felder beſchäftigen, und einige auf ſeine Arbeiten bezüglichen Maaßregeln der Verwaltung ergrei⸗ fen ſollte. Alles, was man bis dahin in dieſer Art gethan hatte, be⸗ ſtand in ſchlechten Anordnungen gegen die Ausfuhr des Getrei⸗ des, oder um die Einfuhr deſſelben zu hindern, wie die Kornge⸗ ſetze, welche in England beſtehen. Und gleichwohl war die Agri⸗ cultur ſtets durch eine Art dichteriſcher Ueberlieferung als die Nährmutter der Völker angeſehen worden. Gegen das Jahr 1750 verſuchten zwei Männer von hohem Geiſte, Hr. von Gour⸗ nay und Quesnay, die Analyſe dieſer fruchtbaren Macht zu un⸗ ternehmen: ſtatt ſie zu beſingen, erklärten ſie dieſelbe. Sie raub⸗ ten der Erde ihre geheimnißvollen Wirkungsarten, und wenn ſie auch nicht die beſte Theorie davon gaben, ſo bereiteten ſie doch we⸗ nigſtens die Elemente derſelben für die Nachwelt. Ihr Ausgangspunkt war bewunderungswürdig gewählt. Sie wollten zuerſt die wahren Grundſätze der Bildung des Vermögens und ſeiner natürlichen Vertheilung unter die verſchiedenen Klaſſen der Geſellſchaft feſtſtellen. Es deuchte ihnen, daß dieſes Vermögen ſämmtlich aus einer einzigen Quelle, der Erde, flöſ⸗ ſen, weil ſie es war, welche den Arbeitern ihren Lebensunterhalt und die Rohſtoffe für alle ihre Gewerbe lieferte. Die auf den *) Der Abbé Terray war nicht ſo widerſinnig und mitleidslos, wie die meiſten ſeiner Zeitgenoſſen ihn ausgegeben haben. Er antwortete eines Tages einigen Opernſängern, welche ihren rückſtändigen Gehalt forder⸗ ten:„Es iſt gerecht, Jene, welche weinen, vor Jenen zu bezahlen, welche ſingen.“ ———— Landbe ſie ſel einen ſtehen ſen wend in war nen Au ten, heite etwa ware dieſe — 63— Landbau verwandte Arbeit erzeugte nicht bloß die Nahrung für ſie ſelbſt während der ganzen Dauer des Werkes, ſondern auch einen Ueberſchuß an Werth, welcher zu der Maſſe des ſchon be⸗ ſtehenden Vermögens hinzugefügt werden konnte; ſie nannten die⸗ ſen Ueberſchuß den Reinertrag. Der Reinertrag ſollte noth⸗ wendig dem Eigenthümer des Grundes gehören, und bildete in ſeiner Hand ein völlig verfügbares Einkommen. Welches war nun der Reinertrag der anderen Gewerbe? Hier begin⸗ nen die Irrthümer dieſer geiſtreichen Männer; denn in ihren Augen waren die anderen Induſtrien unproductiv, und konn⸗ ten, nach ihnen, weder zur Maſſe der Dinge, welche ſie bear⸗ beiteten, noch zu dem allgemeinen Einkommen der Geſellſchaft etwas hinzufügen. Fabrikanten, Handelsleute, Arbeiter, Alle waren die Geſchäftsführer, die Lohnempfänger des Landbaus, dieſes ſouverainen Schöpfers und Vertheilers aller Güter. Dit Erzeugniſſe der Arbeit Jener ſtellten nach dem Syſtem der Oe⸗ konomiſten nur den Erſatz für ihre Verzehrungen während der Arbeit dar, ſo, daß nach vollendeter Arbeit die Geſammt⸗ ſumme des Vermögens ſich durchaus als die nämliche fand, wie früher, wofern die Arbeiter oder die Herren nicht das in Vorrath zurückgelegt, das heißt, erſpart hatten, was ſie zu verzehren berechtigt waren. So war demnach die der Erde zuge⸗ wandte Arbeit die einzige Erzeugungskraft des Vermögens, und die der andern Induſtrien wurde als ſteril angeſehen, weil aus ihr keine Vermehrung des allgemeinen Kapitals hervor⸗ ging. Kraft dieſes Syſtems nahmen die Oekonomiſten als eine zugleich ſociale und natürliche Nothwendigkeit den Vorzug der Grundeigner vor allen andern Klaſſen der Bürger an. Sie ſollten die Geſammtheit der reichen Erzeugniſſe ernten, von welchen ſie unter dem Namen Lohn den Nichtgrundeignern ihren Antheil zuwieſen, und der Umlauf des Vermögens hatte in der Geſellſchaft nur durch den beſtändigen Austauſch der Arbeit und der Dienſte der Einen gegen den verfügbaren An⸗ theil des Einkommens der Andern Statt. Was wurde nun nach dieſer Hypotheſe— denn dieſes iſt gegenwärtig nur noch — 64— Hypotheſe— die Grundlage der Beſteuerung? Es war augenfällig, dls un daß man keine Steuern auf Leute legen konnte, die auf den Lohn Menge beſchränkt waren, wenn man nicht ihre Exiſtenz an ihrer Wur⸗ b reien i zel angreifen wollte: auch erklärten die Oekonomiſten, daß die gen( Steuer ausſchließlich von den Grundeignern getragen, und von ih⸗ 3.. rem Reinertrag vorweg erhoben werden müßte. Das allgemeine heitin Intereſſe aller Klaſſen war ſonach, die Erträgniſſe des Land⸗ Smill baues zu vermehren, weil die Grundeigner darin ein beträcht⸗ velch licheres Einkommen fanden, das an alle Lohnberufe vertheilt poihe werden konnte. Die Bevölkerung wurde durch die Fülle der en Lebensmittel ermuntert, und nahm zu, und ſo erwahrte ſich die E von der neuen Schule der heiligen Schrift entlehnte Marime: Fhrha Qui operatur terram suam, satiabitur*). in den Wir haben nicht nöthig, zu ſagen, worin die Oekonomi⸗ vngen ſten ſich betrogen. Ihr Hauptirrthum ſtammte daher, daß ſie dem Landbau allein die Fähigkeit beilegten, anhäufbare Er⸗ Um zeugniſſe zu ſchaffen. Die ſchönen Analyſen von Adam Smith konor haben ſeither das Verzeichniß der Quellen des Vermögens er⸗ und„ gänzt, indem ſie nachwieſen, daß der reelle ſociale Werth der Tauſchwerth wäre, und daß jedes Mal ein Gewinn für die*) 4 Geſellſchaft entſtände, wenn man durch die Arbeit dieſen Werth b deſii vermehrte. Das Getreide würde einen ſehr geringen Nutzen„0 haben, wenn man daraus kein Brod bereitete, und das Holz auf u würde keinen großen Werth haben, wenn der Tiſchler und der 1 Meublenfabrikant es nicht zu Zimmergeräthen verarbeiten würden. zer Die Erfahrung hat ſogar bewieſen, daß die Induſtrie und der dausr Handel der Vermehrung des Tauſchwerthes viel günſtiger ſind, ſeht als der Landbbau, ſei es, durch die Theilung der Arbeit, man u welche hier leichter durchführbar iſt, ſei es, durch die Vervoll⸗ weil ſ kommnung der Maſchinen. Wie wären die Städte der Heerd ina des Reichthums und der Geſittung geworden, wenn der Land⸗ a bau allein die Gabe hätte, Werthe zu ſchaffen; und wie ließe paben ſich das Vermögen Venedigs und Genua's erklären, welche kein 1 etſes; Staatsgebiet hatten? Kann nicht vielmehr vermittelſt des Han⸗ worden *) Prov. C. XII. vers. 2. 8 65— dels und der Manufacturen ein Land jährlich eine viel größere Menge von Lebensmitteln einführen, als ſeine eigenen Lände⸗ reien ihm liefern könnten? Die Theorie von den Abſatzwe⸗ gen(débouchés), die ſeit der Zeit der Oekonomiſten durch J. B. Say ſo trefflich entwickelt worden iſt, hat dieſe Wahr⸗ heit in ihr volles Licht geſetzt und würdig vollendet, was Ad. Smith, unſer Aller Lehrer, ſo glücklich begonnen hatte. Allein welches Licht haben auf dieſe wichtige Frage die kühnen Hy⸗ potheſen der ökonomiſtiſchen Schule geworfen! Welche un⸗ ermeßlichen Folgen haben wir aus dem ſo einfachen Satze gezogen, daß das Vermögen der Nationen nicht in den unver⸗ zehrbaren Vermögenstheilen, wie Gold und Silber*), ſondern in den durch die unabläſſige Arbeit der Geſellſchaft wieder er⸗ zeugten verzehrbaren Gütern beſtehe! Um das Maaß des Glücks voll zu machen, fanden die Oe⸗ konomiſten, ergriffen von dem Zuſtand der Unterordnung und Niedrigkeit der nicht Grund beſitzenden Klaſſen, ſo wie ſie *) Dieſer Satz iſt in der folgenden Stelle von Mercier de la Riviére beſtimmt ausgeſprochen: „Man erlaube mir, hier noch einmal zu wiederholen, daß das Geld nicht auf unſere Hände regnet, nicht auf unſern Feldern wild wächſt. Um Geld zu haben, muß man es kaufen, und nach dieſem Ankauf iſt man nicht rei⸗ cher, als man vorher war; man hat nur in Geld einen Werth empfan⸗ gen, der jenem gleich iſt, den man in Waaren gegeben hat. Eine land⸗ bauende Nation iſt ſehr reich, ſagt man uns, wenn man bei ihr viel Geld ſieht; man ſagt freilich dieſes mit Recht; allein man hat Unrecht, wenn man nicht auch ſieht, daß ſie gleich reich war, ehe ſie dieſes Geld erwarb, weil ſie die Werthe beſaß, mit welchen ſie dieſes Geld gezahlt hat; ſie kann ſelbſt dieſen Reichthum an Geld nicht genießen, ohne es für immer verſchwin⸗ den zu machen, wofern ſie ihn nicht durch die Wiedererzeugung der Werthe erhält, deren Verkauf oder Tauſch ihr ein Vermögen in Geld verſchafft haben: dieſes Vermögen in Geld iſt fonach nur ein zweites und ein erſtes Vermögen repräſentirendes Vermögen, an deſſen Stelle es geſetzt worden iſt.“ (Ordre naturel et essentiel des sociétées politiques. t. II. p. 338.) Blanqui, Geſchichte d. polit. Oekonomie. II. Ad. — 5 — 66— ihnen nach ihrem Syſtem erſchienen, Nichts gerechter und unerläßlicher, als für ſie die unbedingte Freiheit der Induſtrie und des Handels anzuſprechen. Die Wohlfeilheit der Lebensmittel und der Ueberfluß an Rohſtoffen konnten ihnen nur durch die unbeſchränkte Mitwerbung der Verkäufer geſichert werden. Dieſe Mitwerbung war das einzige Mittel, die Induſtrie zu ſpornen, und den Anbau des Bodens durch die Aufhebung aller Schranken anzueifern; eine Lehre, welche die neue Schule in dieſen, ſpäter ſo ungeſchickt gedeuteten Worten zuſammenfaßte: Laſſet machen, laſſet gehen(Laissez faire, laissez passer.) Von dieſer Zeit an fielen die meiſten Schranken, welche die Entwicklung des Landbaues hemmten, und es begann der allge⸗ meine Krieg gegen die Innungen und Mauthen, dieſe beiden Veſten des Privilegiums, welche ſämmtliche Vorrechte in ihrem Schooße bergen! Die ökonomiſtiſche Schule hat noch viele andere, eben ſo bedeutende Dienſte geleiſtet, indem ſie die vorzüglichſten Erſcheinungen der Vertheilung des Vermögens analyſirten. Bei dieſem Anlaſſe hat der Doctor Quesnay, der Leibarzt Ludwigs XV. und das Haupt dieſer Schule, ſein berühmtes Tablean économique herausgegeben, welches in dem Ami des Hommes des Marquis von Mirabeau ſo ſchwerfällig ausgelegt, und in der Physiocratie von Dupont de Nemours wieder abgedruckt wurde. Dieſes Tableau économique, deſſen erſte Probebogen zu Verſailles von der Hand des Königs ſelbſt, mit der Aufſchrift: Arme Bauern, armes Reich; armes Reich, armer König, gedruckt wurden, ſtellte eine Reihe von Formeln dar, die von Ziffern ſtrotzten, in welchen der Verfaſſer die Ver⸗ theilung der Grundrente ſo angab, wie ſie ihm aus der Anſicht bervorzugehen ſchien, die er ſich von den allgemeinen Geſetzen der Gütererzeugung gebildet hatte. Es iſt dieſes von dem ganzen Syſtem derjenige Theil, welcher das größte Aufſehen erregt hat, und welcher gegenwärtig am meiſten vergeſſen iſt, weil er auf irrig erkannten Grundlagen beruht. Nichts vermag den Enthuſiasmus zu ſchildern, welchen deſſen Be⸗ kanntmachung unter den Anhängern der Seecte erregte. Dupont de Re Entſte möger heit, bezüg giebt Müt wurd weil Geo eine die) zu er baren ſprach gar De tritt das éco. ſät lan entd wel zur einig Drig Die glieder beſonde iſt die Das Meinun Großen Der daß de ihn ve ind ———— — 67— de Nemours nannte es„jene erſtaunliche Formel, welche die Entſtehung, die Vertheilung und die Wiedererzeugung des Ver⸗ mögens darſtellt, und welche dazu dient, mit ſo großer Sicher⸗ heit, Raſchheit und Schärfe die Wirkung aller auf das Vermögen bezüglichen Operationen zu berechnen.“ Mirabeau ſetzte hinzu:„es giebt drei wunderbare Erfindungen in der Welt, die Schrift, die Münze und das tableau économique.“ Dieſes Tableau wurde erläutert, erweitert und entwickelt von allen Einge⸗ weihten mit der nämlichen Sicherheit, wie die Lehrſätze der Geometrie in unſern Schulen. Man lernte es auswändig, wie eine Art Katechismus, aus dem jede Klaſſe von Staatsbürgern die Pflichten erlernen ſollte, welche ſie in der ſocialen Hierarchie zu erfüllen hatte. Allein gegenwärtig, wo wir dieſe unfrucht⸗ baren Berufe nicht mehr zugeben, von welchen der Verfaſſer ſprach, bietet ihre mehr oder weniger ſcharfſinnige Claſſifikation gar kein Intereſſe mehr für die Wiſſenſchaft. Der herrſchende Gedanke der ökonomiſtiſchen Schule tritt noch entſchiedener in dem Werkchen Quesnay's hervor, das unter dem Titel: Maximes générales du gouvernement économique d'un royaume agricole(Allgemeine Grund⸗ ſätze der wirthſchaftlichen Verwaltung eines landbauenden Staates) wieder ausgegeben wurde. Man entdeckt darin ſchärfer die politiſchen Abſichten dieſer Schule, welche man mit einigem Grund einer ſyſtematiſchen Hinneigung zur unbeſchränkten Regierungsform beſchuldigt hat. Wir wollen einige dieſer Marimen angeben, vereinzelt, wie ſie es in dem Originalwerk unter der Form von Aphorismen ſind: Die ſouveraine Staatsgewalt ſei einzig und erhaben über alle Einzeln⸗ glieder der Geſellſchaft und über alle ungerechten Unternehmungen der beſonderen Intereſſen; denn der Zweck der Herrſchaft und des Gehorſams iſt die Sicherheit Aller und das erlaubte Intereſſe Aller. Das Syſtem der Gegenkräfte bei einer Regierung iſt eine verderbliche Meinung, welche Nichts gewahren läßt, als die Zwietracht unter den Großen und die Erdrückung der Kleinen. Der Staatsherrſcher und die Nation ſollen nie aus dem Geſicht verlieren, daß der Boden die einzige Quelle des Reichthums iſt, und daß der Landbau ihn vervielfältige. Denn die Vermehrung des Reichthums ſichert die der 5. — 88— Bevölkerung; die Menſchen und der Reichthum machen den Landbau ge⸗ deihen, erweitern den Verkehr, beleben die Induſtrie, vermehren und verewigen den Reichthum. Die Beſteurung ſei nicht zerrüttend, oder, verglichen mit der Maſſe des Einkommens der Nation, unverhältnißmäßig; die Vermehrung der Steuer folge der Vermehrung des Einkommens, ſie werde unmittelbar auf den Reinertrag der Grundſtücke und nicht auf den Lohn der Menſchen, auch nicht auf die Bodenerzeugniſſe gelegt, wo ſie die Erhebungskoſten ver⸗ mehren, den Handel gefährden und jähr ich einen Theil des National⸗ reichthums zerſtören würde. Die Steuer werde nicht mehr von dem Vermögen der Pächter der Grundſtücke erhoben; denn die Vorauslagen des Landbaus eines Reichs müſſen als ein unbewegliches Gut betrachtet werden, welches man ſorgſam für die Erzeugung der Auflage, des Ein⸗ kommens und des Unterhalts allen Klaſſen der Staatsbürger bewahren ſoll; ſonſt artet die Auflage in Plünderung aus, und verurſacht eine Zerrüttung, welche einen Staat raſch zum Untergange bringt. Die dem Getreidebau gewidmeten Ländereien ſollen möglich in große Güter vereinigt werden, welche von reichen Landwirthen bebaut wer⸗ den; denn es giebt weniger Auslage für den Unterhalt und die Wiederherſtellung der Bauten und im Verhältniß weit weniger Koſten und einen viel größern Reinertrag bei den großen, als bei den kleinen Unter⸗ nehmungen des Landbaues. Die Menge der kleinen Pächter iſt für die Bevölkerung nachtheilig. Die geſichertſte Bevölkerung, die geneigteſte für die verſchiedenen Arbeiten, welche die Menſchen in verſchiedene Klaſſen theilen, iſt jene, welche durch den Reinertrag unterhalten wird. Jede fuͤr ſie gemachte Erſparung bei den Arbeiten, welche vermittelſt Thiere, Ma⸗ ſchienen, Flüſſe u. ſ. f. ſich ausführen laſſen, gereicht der Bevölkerung und dem Staat zum Vortheil, weil ein größerer Reinertrag den Menſchen für andere Dienſte oder andere Arbeiten mehr Gewinn ſchafft. Man erleichtere die Abſatzwege und die Verſendungen der Bodenerzeug⸗ niſſe und der Gewerkswaaren durch die Wiederherſtellung der Wege und durch die Schifffahrt auf Kanälen, Strömen und auf der See; denn je mehr man an den Koſten des Handels erſpart, deſto mehr erhöhet man das Einkommen des Staatsgebiets. Man ſchmälere nicht den Wohlſtand der unterſten Klaſſen der Staats⸗ bürger; denn ſie könnten dann nicht genug zur Verzehrung der Bodenerzeug⸗ niſſe beitragen, welche nur im Inland verzehrt werden können, was die Wiedererzeugung und das Einkommen der Nation ſchmälern hieße. Die Grundeigenthümer und Jene, welche Gewinn bringende Berufe ausüben, ſollen ſich nicht unfruchtbaren Erſparungen hingeben, welche von dem Umlauf und der Vertheilung einen Theil ihrer Einkünfte oder ihrer Gewinnſte abſchneiden würden. Nan laſt ſch zaudul mit den gebſunmen un mterfuchen, 7 und don jenen, Paüon, welh inde ſch dn Grrkönite. Nun haltt nauſtefürdi und des aus Die Negie nit den für grofe Auslag ibermäßig zu Juslagen der Nicthimer: Man erwa Staats ledig d Finangy valche wede da E w verg von Fin der Dis Dieſe V Land de reien un Die vor Nl Poliit a der Auf lichen Aus weil in einem an ihren Be Ir Ir Geiſtr werfen, zuvödder rufe dhrer — 69— Man laſſe ſich nicht durch einen ſcheinbaren Vortheil des wechſelſeitigen Handels mit dem Ausland täuſchen, wobei man bloß nach der Bilanz der Geldſummen urtheilt, ohne das Mehr oder Minder des Gewinns zu unterſuchen, welcher aus den Waaren ſelbſt ſich ergibt, die man verkauft, und von jenen, welche man gekauft hat Denn oft iſt der Verluſt für die Nation, welche einen Ueberſchuß an Geld empfängt, und dieſer Verluſt findet ſich zum Schaden der Vertheilung und der Wiedererzeugung der Einkünfte. Man halte die ganze Freiheit des Handels aufrecht; denn die ſicherſte, ge⸗ nauſte, für die Nation und für den Staat einträglichſte Polizei des inländiſchen und des auswärtigen Handels beſteht in der vollen Freiheit der Mitwerbung. Die Regierung ſei weniger beſchäftigt mit der Sorge zu ſparen, als mit den für die Wohlfahrt des Reichs nöthigen Operationen; denn ſehr große Auslagen können durch die Vermehrung des Vermögens aufhören, übermäßig zu ſeyn. Allein man darf die Mißbräuche nicht mit bloßen Auslagen verwechſeln; denn die Mißbräuche könnten die ſämmtlichen Reichthümer der Nation und des Staatsherrſchers verſchlingen. Man erwarte Hülfsquellen für die außerordentlichen Bedürfniſſe eines Staats lediglich von dem Wohlſtand der Nation, und nicht von dem Credit der Finanzmänner; denn die Geldvermögen ſind geheime Reichthumner, welche weder König, noch Vaterland kennen. Der Staat vermeide Anleihen, welche Finanzrenten bilden, welche ihn mit verzehrenden Schulden belaſten, und welche einen Verkehr oder Handel von Finanzen durch die Vermittlung der Handelspapiere veranlaſſen, wo der Disconto die ſterilen Geldvermögen immer mehr und mehr ſteigert. Dieſe Vermögen trennen die Finanz von dem Landbau, und berauben das Land derjenigen Reichthümer, welche für die Verbeſſerung der Lände⸗ reien und für den Betrieb des Landbaues nöthig ſind. Die Grundſätze, welche man ſo eben geleſen hat, gehören vor Allem, wie man wohl ſehen konnte, dem Kreiſe der Politik an. Der Verfaſſer ſcheint dabei ſich nur mit der Zahlung der Auflagen, mit der Bevölkerung, den Anleihen, den öffent⸗ lichen Ausgaben vorzugsweiſe zu befaſſen. Das kömmt daher, weil in der That die Oekonomiſten die Viſeenſchaft mit einem andern Auge, als wir ſelbſt, und faſt ausſchließlich in ihren Beziehungen zu der Verwaltung und Regierung betrachteten. Ihr Zweck war, die ſociale Theorie zu gründen, und alle Geiſter dem Joche einer ſchirmreichen Staatsgewalt zu unter⸗ werfen, die dem Despotismus ziemlich nahe ſtand. Sie wollten zuvörderſt auf unbewegliche Grundlagen das Grundeigenthum — 70— ſtützen, welches ihnen als die erſte aller Arten des Eigenthums erſchien; aber ſie achteten das perſönliche Eigenthum nicht geringer, und nahmen keine Pflichten ohne Rechte, keine Dienſte ohne Vergütung an. Das Intereſſe des Staats⸗ herrſchers war natürlich nach ihnen das nämliche, wie das des Volkes; ein König war ihnen lediglich ein Familienvater. Sie gefielen ſich darin, Ludwig XV. zu zeichnen, wie er den Landbau durch ſeine Gegenwart ermuntert, und auf ſeinem Wege Fülle und Frieden verbreitet. Mercier de la Riviére wagte ſogar auszurufen:„Es iſt phyſiſch unmöglich, daß eine andere Regierung, als die eines Einzigen beſtehen könne. Wer ſieht nicht, wer fühlt nicht, daß der Menſch gebildet iſt, um ſich durch eine despotiſche Staatsgewalt regieren zu laſſen? — Schon dadurch allein, daß der Menſch berufen iſt, in Geſellſchaft zu leben, iſt er beſtimmt, unter dem Despotismus zu leben.— Dieſe Regierungsform iſt die einzige, welche der Geſellſchaft ihren möglich beſten Zuſtand verſchaffen kann*).“ Der Abbé Baudeau, einer der begabteſten Verkünder der neuen Schule, theilte die Anſichten von Mercier de la Riviére. Er hatte geglaubt, wie dieſer, daß es leichter wäre, einen Fürſten zu überzeugen, als eine Nation, und daß der Sieg der wahren Principien weit mehr durch die ſouveraine Macht eines einzigen Menſchen geſichert ſei, als durch die ſchwer zu erwirkende Ueberzeugung eines ganzen Volkes. Der Zufall wollte, daß ſie unter ihren Zeitgenoſſen mehr als einen dieſer reformirenden Fürſten fanden: die Kaiſerin Katharina in Rußland, den Kaiſer Joſeph II. in Oeſtreich, den Großherzog Leopold von Toskana, den Markgrafen Karl Friedrich von Baden. Es bildete ſich allmählig in Frankreich eine Pflanzſchule von Staatsmännern, die von ihren Maximen durchdrungen waren, Hr. von Gournay, Hr. von Trudaine, Hr. von Malesherbes, Hr. d'Argenſon und der gefeierte Turgot, welcher ihre Tugenden und Talente in ſich vereinigte. Alle dieſe Ehren⸗ männer nahmen nicht ohne Rückhalt die patriarchaliſchen *) Ordre naturel et essentiel, etc. tome I, pag. 199, 280, 281. kehren nach in miſti glänze dante. ausge Mau ihne und im Sell Ahnu ßiget blinde ihr W arm, die K kräftig zu Gum meinen in unſer . hinreiße — ⁴) Or ₰ — 171— 6 Lehren von Mercier de la Riviére an; aber ſie ließen nach und m nach in die Regierung die Grundſätze der Duldung der ökono⸗ ne miſtiſchen Schule durchdringen, und gaben das Vorſpiel ⸗ glänzender Verſuche in einigen Provinzen, ſei es als Inten⸗ ds danten, oder als Miniſter, für die durch die franzöſiſche Revolution er. ausgeführten Reformen. Die Mißbräuche der Innungen, der dn Mauthen, der Frohnden, der fiscaliſchen Maaßregeln, wurden von wem ihnen mit einer unermüdlichen Beharrlichkeit hervorgehoben; diere und in ihrem Eifer für wiſſenſchaftliche Eroberungen brachten ſie eine im Vorübergehen die höchſten ſocialen Fragen in Anregung. önne⸗ Selbſt ihre Irrthümer waren nützlich, und ihre unbeſtimmteſten kiſ Ahnungen ſcheinen ſtets etwas Prophetiſches zu haben.„Mä⸗ ſen ßiget euere Begeiſterung, rief Mercier de la Riviére aus, „ in blinde Bewunderer der falſchen Erträgniſſe der Induſtrie! Ehe mus ihr Wunder verkündet, öffnet die Augen, und ſehet, wie Viele der arm, wenigſtens unbemittelt ſind, dieſelben Arbeiter, welche 9)¹ die Kunſt beſitzen, zwanzig Sous in einen Werth von tauſend der Thalern zu verwandeln: auf weſſen Gewinn geht ſonach dieſe ſee maaßloſe Vermehrung der Werthe? Wie! Jene, durch enen deren Hände ſie bewirkt wird, kennen nicht den ie Wohlſtand! Ha! Trauet dieſem Contraſte nicht!*)“ eraine Allerdings ſchrieb Mercier die Leiden der Induſtrie nur t die der Noth des Landbaues und der Unzulänglichkeit des der Reinertrages zu; allein obwohl er ſich über die Urſachen iinn täuſchte, ſo hob er doch ſehr richtig die Wirkungen hervor; und der Contraſt, gegen welchen er Mißtrauen empfahl, umſchloß ti 1 das Problem, welches zu löſen der gegenwärtigen Epoche noch dan nicht gelungen iſt. zi Adam Smith hat nichts geſchrieben, das ſo beſtimmt und h kräftig wäre, wie die ſchönen Beweiſe der Oekonomiſten 4 zu Gunſten der Freibeit des Handels. Dieſe Ideen der allge⸗ von 3. . meinen Verbrüderung unter den Nationen, ſo allgemein verbreitet ſlhe in unſern Tagen, wurden von Mercier de la Riviére mit einer bha hinreißenden Begeiſterung und einer Kraft des Geiſtes entwickelt, *) Ordre naturel et essentiel, tome II, p. 407. 281. — 22— welcher man künftighin Nichts beizufügen vermag. Es läßt ſich ſogar denken, daß dieſer merkwürdige Schriftſteller die Regie⸗ rungen mächtig unterſtützt hätte, die beſte Grundlage für die Umlegung der Steuern zu finden, wenn er nicht durch die Lehre von dem Reinertrag und von den als ſteril angeſehenen Klaſſen ſich hätte beherrſchen laſſen. Die Auflage, ſagte er, iſt ein Theil des reinen Einkommens der Nation, verwendet auf die Bedürfniſſe ihrer Regierung. Was nun aber nur ein Theil des Reinertrags iſt, kann nur von dem Reinertrag erhoben werden; man kann folglich die Auflage nur von Jenen fordern, welche ſich als Beſitzer der Geſammtheit der Reinertrage finden, von welchen die Auflage einen Theil ausmacht. Dem gemäß betrachteten die Oekonomiſten jede perſönliche Auflage als willkürlich und ungerecht, und ſie trafen alle indirekten Abgaben mit einer gemeinſamen Verwerfung. Was würden ſie erſt geſagt haben, wenn ſie in unſern Tagen in England jährlich dieſe Steuern ungefähr eine Milliarde, und in Frankreich mehr als fünf⸗ hundert Millionen abwerfen geſehen hätten? Dieſer Grundirrthum, welcher ſpäter die Grundlage der Finanzlehren der conſtituirenden Verſammlung trotz den Bemü⸗ hungen Röderer's und einiger ſeiner Collegen wurden, war das Ergebniß einer falſchen Auffaſſung der Grundſätze über das Vermögen. Die ſpäterhin von Adam Smith geſchaffene Lehre vom Werthe würde die Oekonomiſten belehrt haben, daß die Arbeit ſo gut, als der Boden, eine Quelle des Vermögens iſt, und daß ſie Unrecht hatten, die materielle Vermehrung, welche aus einem dem Erdreiche vertrauten Fruchtkorn hervorgeht, der Vermehrung der durch die Vorgänge der Gewerksarbeit und des Handels erzeugten Werthe nicht gleich zu ſtellen. Dieſe unglück⸗ liche Lehre vom Reinertrag verſchloß ihnen die Augen über eine Fülle von Wahrheiten, welche ſie aus der Beobachtung der Thatſachen abgeleitet hätten, wenn ſie die ſtrenge Methode der Schriftſteller befolgt haben würden, welche auf ſie gefolgt ſind. Allein auf ihrem falſchen Wege machten ſie nichts deſto weniger bewunderungswürdige Entdeckungen, wie jene Alchymiſten, welche ſo viele nützliche Stoffe entdeckten, während ſie den Stein ———. —— 2 der We jener N gegenwä Frankrei mit den Kenntniſ Ehrfurch von dem wenn di punkt ge Man ſüchtigen Vertrauli klopädiſte Voltaire in ſeinen nitvier Aufrufen ück mit ſheilig iſ gewi philoſox Euroda mit L die W miſte lebelſt ernſte gramm ſch gie⸗ die lehre aſch i des diriſſe ettrags mn hann ſicch als elchen en die ) und einer haben, teuern fünf e der Bemü⸗ ar das r das Lehre „ diß nögens trung, orgeht, eit und ugläck⸗ het eine ung der hode det agt ſind. weniget ymiſten den Stein -—— — 73— der Weiſen ſuchten. Wir verdanken ihnen ſogar die Arbeiten jener Männer, welche ſie überragt haben, und Niemand zweifelt gegenwärtig daran, daß ſelbſt Adam Smith, welcher einige Zeit in Frankreich ſich aufhielt, und welcher in innigen Verhältniſſen mit den Oekonomiſten lebte, nicht von ihnen ſeine erſten Kenntniſſe entlehnt habe. Er ſpricht in ſeinen Schriften nur mit Ehrfurcht von ihnen, und er hatte die Abſicht, ſein großes Werk von dem Nationalreichthum dem edeln Quesnay zu widmen, wenn dieſer volkswirthſchaftliche Schriftſteller noch in dem Zeit⸗ punkt gelebt hätte, wo er es herausgab. Man hat die Oekonomiſten häufig einer umwälzungs⸗ ſüchtigen Tendenz beſchuldigt, indem man nämlich auf die innige Vertraulichkeit ſah, die zwiſchen dieſen Gelehrten und den Ency⸗ klopädiſten herrſchte. Man darf jedoch nicht vergeſſen, daß Voltaire auf eine arge Weiſe ihre Lehren über die Beſteurung in ſeinem Homme aux quarante écus(der Mann mitvierzig Thalern) verſpottet, und daß Montesquieu ihren Aufrufen zu Gunſten der Freiheit des Handels in einem Haupt⸗ ſtück mit der Aufſchrift: welchen Nationen iſt es nach⸗ theilig, Handel zu treiben, geantwortet hatte. So viel iſt gewiß, daß die ökonomiſtiſche Schule eben ſo viel, als die philoſophiſche Schule zur Reform der ſocialen Ordnung in Europa beigetragen hat. Während die(ſ. g.) Philoſophen mit Lebhaftigkeit die Mißbräuche jeder Art angriffen, ohne auf die Wahl der Waffen zu achten, begnügten ſich die Oekono⸗ miſten, mit einer durchaus magiſtralen Ruhe die weſentlichen Uebelſtände hervorzuheben. Sie beobachteten eine würdige und ernſte Zurückhaltung inmitten des praſſelnden Feuers der Epi⸗ gramme oder der Strafreden, mit welchen die Encyklopädie die Vergangenheit verfolgte, und ſie lebten zugleich in gutem Einverſtändniſſe mit dem Hof, ohne Höflinge zu ſeyn, und mit den Philoſophen, ohne Schimpfer zu ſeyn. Ihr unparteiiſcher Ernſt brachte ihnen die Achtung aller Parteien, und Ludwig XVI. ſelbſt nannte Quesnay ſeinen Denker*. Er wohnte zu *) Er hatte ihm als Wappen drei Dreifaltigkeitsblümchen(fleurs de pensée) gegeben, mit dem Wahlſpruch: Propter eæeogitationem mentis. — 14— Verſailles im Palaſt des Königs, welcher ſo der Verſammlungs⸗ ort der kühnſten Reformer geworden war.„Während ſich die Gewitter unter dem Halbgeſchoſſe Quaisnay's zuſammenzogen und zerrannen, ſagt Marmontel in ſeinen Denkſchriften, kritzelte er ſeine Lehrſätze und Berechnungen über die Landwirthſchaft auf das Papier, ſo ruhig, ſo gleichgiltig bei dieſen Bewegungen des Hofes, als wenn er ihm hundert Meilen fern geweſen wäre.“ Er miſchte ſich nie in irgend eine Intrigue, und er ſtarb in einem Alter von 80 Jahren, hinterlaſſend einen Namen, verehrt in ganz Europa, welches die Tragweite ſeiner Lehre nicht begriff. Quesnay ſchrieb wenig und faſt immer auf eine ſpruchreiche und dunkle Weiſe. Er warf ſeine Ideen ſeinen Anhängern wie ein Orakel hin, ohne den Anſchein, darauf ein Gewicht zu legen, und gleichſam nur, um ihnen zu denken zu geben. Allein ſeine Formeln wurden gierig geſammelt und entwickelt von der zahl⸗ reichen Plejade ſeiner Nachfolger. Aus ihrer Mitte ging die Looſung zu allen den ſocialen Reformen hervor, welche in Europa ſeit achtzig Jahren ausgeführt oder verſucht worden ſind, und man könnte ſagen, daß bis auf einige Maximen die franzöſiſche Revolution nur ihre Theorie in der Thätigkeit geweſen iſt. Sie ſtellen ſich in der That mit dem Vortheil einer gedrungenen und geſchloſſenen Schaar unter den nämlichen Fahnen dar. Sie haben ein gemeinſames Looſungswort, eine gemeinſame Lehre, und jene dogmatiſche Sprache, welche auf das Volk immer ihren gewohnten Einfluß ausübt. Ihre Principien werden überall in den nämlichen Ausdrücken, mit der nämlichen mathematiſchen Schärfe verkündet, und Quesnay verſchmäht es nicht, zu ſcheinbaren Zahlencombinationen zu greifen, um ſeine Aphor⸗ ismen zu rechtfertigen. Drei Seiten genügen, um die neue Wiſſenſchaft, wie ſie dieſelbe nennen, zuſammenzufaſſen, und gleichwohl verdünnt ſie Mirabeau, der Vater, in zwei ungeheuern Quartbänden. Die Hauptſache iſt, daß ſie überallhin durchdringt. Sie iſt nach ihnen dem König eben ſo unerläßlich nothwendig, als dem beſcheidenſten Bürger. Man verbreitet ſie in der Form von Tabellen, Inſtructionen, Dialogen, Abhand⸗ lungen, Briefen, Artikeln in Tageblättern. Die Ephémérides ſu ei nomnic ſind di ſelbſt Stand erniedr Nan f beginnt ſch ſ Straße mehren keeren? handels von Sei dem ſch. Jahrhun die d Ohſtem einverſta⸗ dangen Handel Erfnde passer den Kr Nothwe Lesn ſeinen ſcarfſ lichen rungen Bezug Truda Nuan Rau den Ab gs⸗ die gen zelte auf ngen are. ad in eren hegrif. he und wie ein legen, ſeine zahl⸗ rungenen dar. Sit ie Lehre, ner ihen herall in natiſchen ft, zu Aphor⸗ neue fjaſſen, in zwä eralhhin erläßlich reitet ſe ühmd ewenides — 75— du citoyen, das Journal d'agriculture, das Journal éco- nomique verbreiten ſie ohne Furcht vor der Cenſur, ſo ſehr ſind die Oekonomiſten als Freunde der Ordnung gekannt, ſelbſt bis zu dem Grad, daß ſie ihr die Freiheit opfern. Der Stand des Landwirths, bisher ſo beſcheiden und ſo ungerecht erniedrigt, erhebt ſich zum erſten Rang der ehrenhafteſten Berufe. Man fordert von allen Seiten Verkehrsmittel, und von da beginnt jener Fieberdrang nach Straßen und Kanälen, welches ſich ſo glücklich in unſern Tagen wieder entzündet. Die großen Straßen vermehren ſich, wie durch einen Zauberſchlag. Auf mehren Punkten wird die Frohn abgeſchafft; die Waide auf leeren Feldern wird aufgehoben; die Freiheit des Getreide⸗ handels wird gefordert. Das Land hat endlich eine Beachtung von Seite ſeiner Städte erwirkt, und der Landbau tritt aus dem ſchmählichen Zuſtand hervor, in welchem er ſeit mehren Jahrhunderten ſchmachtete. Die Oekonomiſten waren gleichwohl nicht alle über das Syſtem Quesnay's völlig einig. Sie waren über die Lehren einverſtanden; wichen aber in den Anſichten über die Anwen⸗ dungen aus einander. Hr. von Gournay, der Sohn eines Handelsmanns und ſelbſt Handelsmann, war der eigentliche Erfinder des berühmten Sprichworts: Laissez faire et laissezn passer(Laſſet machen, laſſet gehenz; er iſt es, der den Krieg gegen die Monopole begann, und der vor Allem die Nothwendigkeit nachwies, die Zölle von den Urſtoffen abzuſchaffen. Qresnay, der Sohn eines Landwirths, hatte ganz beſonders ſeinen Blick dem Landbau zugewendet, und ſo wurde er zu ſeinen ſcharfſinnnen Hypotheſen über den Einfluß der landwirthſchaft⸗ lichen Güterrzeugung mit ihrem ganzen Gefolge von Folge⸗ rungen geführt, ſowohl in Betreff der Beſteurung, als in Bezug auf die Arber Hr. von Malesherbes, der Abbé Morellet, Trudaine, der Doctor„ice, Hr. Joshua Tucker gehörten zu der Nuance von Gournay; Trosne, Saint⸗Peravy, Mira⸗ beau, der Vater, Dupont Nemours folgten vorzugsweiſe den abſoluten Ideen Quesnay'e Mercier de la Riviére und der Abbé Baudeau, mehr Politiker un nicht ſo abſtract, neigten ſich 76— der Herrſchaft der Staatsgewalt zu, und wollten ſie faſt aus⸗ ſchließlich mit der Leitung der ſocialen Bewegung bekleiden. Turgot ging ſeinen eigenen Weg, abſtammend von ihnen allen, und berufen, ihre Ideen durch raſche und entſcheidende Anwen⸗ dungen in's Leben zu führen. Er war elklektiſch und praktiſch, wie ein Philoſoph und Staatsmann. Was aber vor Allem dieſe hochherzige Familie von Freunden der Menſchheit auszeichnete, das war die bewunderungswürdige Rechtlichkeit eines jeden ihrer Mitglieder, und ihre aufrichtige Uneigennützigkeit in Allem. Sie ſtrebten weder nach Glanz, noch Aufſehen. Sie griffen keine der beſtehenden Gewalten an, und haſchten nicht nach dem Beifall des Volkes, obwohl ſie von einer tiefen Sympathie für dasſelbe beſeelt waren.*) Es waren wahre Philanthropen in der edelſten Bedeutung dieſes Wortes. Ihre Bücher ſind vergeſſen, aber ihre Anſichten haben gekeimt, wie eine fruchtbare Saat, und die Lehren, welche ſie vortrugen, haben die Runde durch die Welt gemacht, die Induſtrie entfeſſelt, den Landbau wieder hergeſtellt, und die Freiheit des Handels vorbereitet. Nach Quesnay kam Turgot; nach Turgot Adam Smith; die Wiſſenſchaft geht von da an den Gang eines Rieſen. *) Sie haben es verdient, daß man auf ſie die folgenden drei Verſe angewandt hat: Secta fuit servare modum, finemque tueri Naturamque sequi, vitamque impendere vero, Nec sibi sed toto genitos se credere mundo. Von d des entl theil Er n Verw Schor Verbe auf w witten NMaaf ſtand ten, faſt aus⸗ helleiden. nen allen, e Anwen⸗ praktiſch, llem dieſe zzeichete, eden ihrer lem. Sie feine der Beifall goͤſelbe delſten aber nd die Welt eſtellt, p kam ht von zrei Verſe —-— 27— Hauptſtück XXXIII. Von dem Miniſterium Turgot's.— Reformen, die er in dem Kreiſe der Oekonomie unternimmt.— Widerſtände, auf welche er ſtößt.— Einfluß, welchen er auf den Gang der politiſchen Oekonomie ausge⸗ übt hat Das Miniſterium Turgot's war nur die Lehre der Oeko⸗ nomiſten in der Thätigkeit. Es war das erſte Mal, daß die Wiſſenſchaft das Glück hatte, einem Miniſter zu begegnen, der bereit war, alle ihre Ideen zu verwirklichen und alle ihre Er⸗ fahrungen im Leben zu verſuchen. Turgot weihte ſich dieſer Aufgabe mit dem Eifer eines Jüngers und mit der gewiſſen⸗ haften Ausdauer eines Magiſtrates. Der gefeiertſte ſeiner Vorgänger, Colbert, hatte ſelbſt mit der Unterſtützung eines Willens, wie der eines Ludwig XIV. war, viel weniger ge⸗ wagt; darum wird es ein anziehendes Schauſpiel ſein, Turgot im Kampfe mit allen ökonomiſchen Vorurtheilen der alten Zeiten zu ſehen, die er alle mit Einem Schlage entwurzeln wollte. Die Folgen dieſes heroiſchen Verſuches verdienen mit gleicher Sorgfalt von Völkern und Regierungen erwogen zu werden; denn es erfordert nichts Geringeres, als eine Revolution, um deren Erfolg zu ſichern. Turgot war der Zögling der Oekonomiſten und der An⸗ hänger ihrer Lehren, vorzüglich in allem dem, was die Freiheit des Getreidehandels und die Grundſteuer betraf. Seine Werke enthalten eine Menge von Artikeln, in denen er ſich als Ver⸗ theidiger der Hauptgrundſätze des Syſtems von Quesnay zeigt. Er war es jedoch nicht unbedingt, und ſeine Erfahrung in der Verwaltung hatte ihn mehr als einmal fühlen laſſen, wie viele Schonungen er ſelbſt in die Ausführung der unerläßlichſten Verbeſſerungen bringen mußte. Aber die hitzigen Widerſtände, auf welche er ſtieß, empoͤrten ſein Rechtsgefühl, und ließen ihn, mitten im Kampfe der Meinungen, nicht immer das paſſende Maaß beobachten. Ihn hatte frühe der bejammernswerthe Zu⸗ ſtand des Landvolkes ergriffen, das unter der Laſt von Zehn⸗ ten, Frohnen, Erpreſſungen jeder Art erdrückt ward. In den — 78— Städten hatte das Elend der arbeitenden Klaſſen ihn nicht we⸗ niger in der Seele geſchmerzt, und das Regiment der Innun⸗ gen, dieſes der Achtung des perſönlichen Eigenthums ſo widerſtrebende Regiment, hatte im höchſten Grade ſeinen Unwillen erregt. Er machte ſich auch, kaum an das Staatsruder ge⸗ langt, mit der Haſt eines Mannes an's Werk, der nicht lange zu dauern fürchtet, und der wenigſtens im Vorbeigehen alles mögliche Gute thun will. Die Reformedicte folgen ſich Schlag auf Schlag, mit weitläufigen Beſtimmgründen verſehen, vielleicht zu weit⸗ läufig, um nicht als furchtſam zu gelten, und mehr wiſeenſchaftlichen Abhandlungen als Bekanntmachungen der Staatsgewalt ähnlich. Aber welche Widerſtände waren auch zu beſiegen, welche Vor⸗ urtheile zu widerlegen, welche Verbündungen aufzulöſen! Tur⸗ got traf Alles: Adelige, Finanzmänner, Bürger, Prieſter, Rechts⸗ gelehrte, Monopoliſten, er wollte Alles unter das Joch ſeiner Reformen beugen und ſchien an Nichts zu verzweifeln.„Ich wage daher zu haften,“ ſagte er zum Könige,„daß die Nation in zehn Jahren nicht mehr zu erkennen ſein wird“*). Getreu den Gewohnheiten der Oekonomi⸗ ſten, wandte er gleich von Anfang an ſeine Blicke auf das Landvolk, und glaubte die widerſinnige Geſetzgebung angreifen zu müſſen, welche die Getreideausfuhr verbot, überzeugt, daß der freie Umlauf des Getreides das beſte Mittel ſei, dem Mangel zuvor zu kommen. Gerade von dieſer Seite aber erhoben ſich gegen ihn die heftigſten Widerſtände, die unentwirrbarſten Schwie⸗ rigkeiten. Der Zufall wollte es, daß die Entfeſſelung des Ge⸗ treidehandels mit einem Fehljahr zuſammenfiel, und das Volk, gewöhnt an ſeine Verpflegungsmittel wie über eine heilige Hin⸗ terlage zu wachen, empörte ſich auf mehren Punkten gegen die Ausfuhren, die es mit Hungersnoth zu bedrohen ſchienen. Dieſe Ausfuhren waren eigentlich nur innere;z denn ſie fanden nur von Provinz zu Provinz ſtatt, und konnten Frankreich des Be⸗ ſitzes ſeines Getreides nicht berauben. Turgot hatte vielmehr Einfuhren des Getreides aus dem Auslande begünſtigt; aber *) Denkſchrift an den König, in der Sammlung von Dupont de Nemours Bd. VII. —y— was dung ler, abſti geg die nicht we⸗ Innun⸗ huns ſo Unwillen uder ge⸗ ct lange zmoͤgliche fSchlag, zu wei⸗ aftlichen ihnlic Vor⸗ Tur⸗ ichts⸗ ſeiiner „Ich die nnen omi⸗ aj dis agreifen daß der dlzuvor gegen Schwie⸗ es Ge⸗ Voll, Hin⸗ die Hieſe nur Be⸗ mehr aber temouts — 70— was vermochten dieſe Beweisgründe gegen Furcht und Verleum⸗ dung! Und was war von der Menge zu erwarten, wenn Schriftſtel⸗ ler, wie der Abbé Galiani und Hr. Necker, in die Kampfbahn her⸗ abſtiegen, um die thörichteſten Vorurtheile zu vertheidigen? Tur⸗ got griff in der Verzweiflung zur Gewalt, und ließ Truppen gegen die meuteriſchen Banden ziehen, die das Land bedeckten, die Getreidezufuhren wegnahmen, und auf Plünderung des Ge⸗ treides ausgingen. Dieß war das Ergebniß des erſten Verſuchs einer Reform, den dieſer Miniſter, ein Ehrenmann, machte, von dem Ludwig XVI. ſagte:„Niemand liebt das Volk, als Turgot und ich.“ Er wollte das Brod jedem Munde zugänglich machen, und ward als Feind des Staates verhöhnt. Man ſtellte ihn als Beſchützer der Wuche⸗ rer und als Mitſchuldigen der großen Güterbeſitzer dar. Man führte einige verfehlten Stellen*) ökonomiſtiſcher Schrift⸗ ſteller an, die, um den reinen Ertrag des Ackerbaues zu vermehren, die Nothwendisgkeit eines hohen Preiſes des Getrei⸗ des behauptet hatten, und Turgot ward angeklagt, das Volk auszuhungern, um ein widerſinniges Utopien gelingen zu ma⸗ chen. Er konnte nur durch königliche Gerichtsſitzungen über die Oppoſition des Parlements ſiegen. Zu Rouen befand ſich der Getreidehandel ganz in den Händen einer Geſellſchaft von 112 Händlern. Sie durften allein in dieſer Stadt Getreide kau⸗ fen und verkaufen. Eine Genoſſenſchaft von 90 Laſtträgern ge⸗ noß unter ihren Befehlen ausſchließlich des Rechtes, die Säcke zu verführen; eine andere Genoſſenſchaft hatte das Vorrecht, für den Verbrauch der Einwohner zu mahlen. Alles war Monopol, Miß⸗ brauch, Tyrannei. Hier wollte Turgot die Art anlegen; aber je⸗ der Schlag, den er verſuchte, fiel auf ihn ſelbſt zurück. Wenn man die langen Eingänge zu allen Verordnungen liest, die er er⸗ gehen ließ, ſo weiß man nicht, ſoll man mehr über die Geduld *) Quesnay hatte geſagt:„Man glaube ja nicht, daß die Wohlfeilheit der Bodenerzeugniſſe für den gemeinen Mann einträglich iſt; Mangel und Theurung iſt Elend, Ueberfluß und Theurung iſt Wohlſtand.“ (Maximes générales du gouvernement économiques, XIX, XX). Allein wie laſſen ſich Theurung und Ueberfluß mit einander vereinbaren? — 80— der Menſchen erſtaunen, welche die darin hervorgehobenen Er⸗ preſſungen ertrugen, oder über die Thorheit derjenigen, welche dieſen großen Miniſter hindern wollten, ihnen ein Ende zu machen. Den nämlichen Widerſtänden begegnete er auch, als er, nachdem er den Getreidehandel freigegeben hatte, verſuchte, die Mißbräuche abzuſchaffen, welche den Weinhandel hemmten. An die Gleichheit der Bürger und der Departemente vor dem Geſetze gewöhnt, wie wir es ſeit der Verfaſſung gebenden Verſammlung ſind, haben wir Mühe, heut zu Tage das wüthende Geſchrei zu begreifen, das vorzüglich im Süden die Reform der örtlichen Vor⸗ rechte empfing, die im Betreff der Weine ſo zahlreich waren. Was ſollen wir erſt zu dem Kampfe ſagen, der in Betreff der Aufhebung der Frohnen zwiſchen dem Großſiegelbewahrer Mi⸗ romesnil und Turgot ſich erhob? Man muß in den geſammelten Schriften des Letztern ſehen, mit welcher Begeiſterung des Styls und der Vernunft er die Härte eines Syſtems hervorhob, das der unglücklichſten und ärm⸗ ſten Klaſſe noch die Laſt der Erbauung und Unterhaltung der Straßen auferlegte*). Und wie viel hatte er nicht ſchon käm⸗ pfen müſſen, nur um dieſe Straßen ſelbſt durchzuſetzen? Wir wiſſen zu wenig in Frankreich, daß wir dem ökonomiſtiſchen, dem Landbauſyſtem die Idee der erſten großen Verbindungswege, mit welchen das Land begabt worden iſt**), und dem muthigen Tur⸗ got ihre Ausführung verdanken. Als die Rede davon war, die Laſten derſelben unter die verſchiedenen Klaſſen der Bürger zu vertheilen, übernahm Turgot, getreu ſeinem Wahlſpruch, die Vertheidigung der Aermſten: Hr. von Miromesnil bekümmerte ſich um das Loos der Reichſten. Hier iſt eine Probe ihres Zwiegeſpräches, das der erſtere unter dem Titel: Bemerkungen, der letztere *) Band VIII. der Ausgabe Dupont's von Nemours p. 178— 262. „*)„Man erleichtere die Abſatzwege und die Verſendungen der Boden⸗ erzeugniſſe und Gewerkswaren durch die Ausbeſſerung der Wege und durch die Schifffahrt der Kanäle, Ströme, und der See; denn je mehr man an den Koſten des Handels erſpart, deſto mehr erhöht man das Einkommen des Staatsgebietes.“(Maximes générales du gouverne- ment économidue, XVII.)— n Er⸗ welche nde zu als er, te, die Andie Gaſede mmlang ſſchreih hen Var⸗ ch waren. Jetref der ahet N⸗ tern ſehen, unſt er die und irn⸗ haltung der ſton tän⸗ zen! Vi niſtiſchen, dungewege, thigen Tur⸗ „die baſte vertheilen, fheidigung hum das ſprüͤches, letztere — 262. r Boden⸗ er Wege nn je woßr man das gouverhe- —&1— unter der Form von Erwiderungen verfaßte. Wir bedauern, daraus nur dieſes Bruchſtück anführen zu können; aber dieſes Bruchſtück gehört der Geſchichte der Wiſſenſchaft an. Der Großſiegelbewahrer:„Die Güterbeſitzer, die auf den erſten Blick den glücklichſten und vermöglichſten Theil der Un⸗ terthanen des Königs zu bilden ſ cheinen, ſind auch derjenige Theil, welcher die ſtärkſten Laſten trägt, und der aus der Nothwendigkeit, in welcher er ſich befindet, die Menſchen zu gebrauchen, die nur ihre Arme für ihren Unterhalt beſitzen, ihnen die Mittel dazu liefert.“ Turgot:„Daraus, daß der Güterbeſitzer den Schlag von der Zerrüttung ſeines Pächters nachempfindet, folgt noch nicht, daß dieſer Pächter nicht noch viel unglücklicher ſei, als ſein Herr ſelbſt. Wenn ein Poſtpferd, erſchöpft von Anſtrengung, niederſtürzt, ſo ſtürzt der Reiter auch mit; aber das Pferd iſt doch noch mehr zu beklagen. Die Güterbeſitzer geben durch ihre Ausgaben den Menſchen zu leben, die nur ihre Arme beſitzen; aber die Güter⸗ beſitzer genießen um ihr Geld alle Annehmlichkeiten des Lebens. Der Tagelöhner arbeitet und erwirbt durch ſeinen Schweiß den kümmerlichſten Unterhalt. Aber wenn man ihn zwingt, um⸗ ſonſt zu arbeiten, nimmt man ihm ſelbſt die Quelle, von ſeiner Ar⸗ beit durch die Ausgabe des Reichen zu leben.“ Der Großſiegelbewahrer:„Die Güterbeſitzer ziehen aus den gut unterhaltenen Landſtraßen nicht allein den Vortheil. Die Reiſenden, die Fuhrleute, und ſelbſt die Bauern, die zu Fuß gehen, gewinnen gleichmäßig dadurch. Die Reiſenden legen mit weniger Zeitaufwand und mit weniger Unkoſten einen größern Weg zu⸗ rück, und die Fuhrleute ermüden ihre Pferde weniger, und nützen ihre Fuhrwerke nicht ſo ſehr ab; der einfache Bauer, der zu Fuße geht, geht leichter auf einer ſchönen Straße, als auf einem ſchlech⸗ ten Wege. Daraus geht hervor, daß alle Unterthanen des Kö⸗ nigs den Vortheil der großen Straßen verhältnißmäßig genießen.“ Turgot:„Die Reiſenden gewinnen bei der Schönheit der Straßen dadurch, daß ſie ſchneller befördert werden. Die Schön⸗ heit der Straßen zieht die Reiſenden an, vergrößert ihre Zahl; dieſe Reiſenden geben Geld aus, verzehren die Le⸗ bensmittel des Landes, was immer den Grundbeſitzern zu gut Blanqui, Geſchichte d. volit. Oekonomie. II. Bd.— 6 82— kömmt. Was nun die Fuhrleute betrifft, ſo werden ihre Fuhr⸗ löhne in dem Verhältniß nicht ſo theuer bezahlt, als ſie min⸗ der lange auf dem Wege ſind, und ſie ſchonen ihre Fuhrwerke und Pferde mehr. Aus dieſer Verminderung der Fuhrkoſten geht die Leichtigkeit hervor, die Bodenerzeugniſſe weiter zu verſenden und beſſer zu verkaufen. So iſt der ganze Vortheil für den Güterbeſitzer, der ſein Bodenerzeugniß beſſer verkauft. Rück⸗ ſichtlich der Bauern, die zu Fuße gehen, wird der Herr Großſiegelbewahrer mir erlauben zu glauben, daß das Ver⸗ gnügen, auf einer gut gepflaſterten Straße zu gehen, für ſie die Mühe nicht aufwiege, die ſie gehabt haben, ſie ohne Lohn zu bauen.“ In dieſem flüchtigen Austauſch von Gründen würdigten Beide, der Großſiegelbewahrer und Turgot, die wirklichen Folgen der Verbeſſerung der Straßen nur unvollſtändig. Sie ſprachen alle Beide wie Menſchen, welche die richtige Theorie des Volksvermögens nicht kennen, aber welcher Unterſchied der Sprache in dem, was die Intereſſen der arbeitenden Klaſſen betrifft! Welches lebhafte Mitgefühl bei Turgot! Welche kalte Gleichgültigkeit bei dem Andern! Gleichwohl ſieht man hier, was die Lehren der Oekonomiſten ſchon erzeugt hatten, und auf welchen Boden die Fragen der Staatswirthſchaft geführt worden waren! 8 Turgot erhielt ſie darauf während der ganzen Dauer ſeines Miniſteriums, und verfolgte unwandelbar, eine nach der an⸗ dern, und, ſo zu ſagen, nach einem ſchon zum voraus beſchloſ⸗ ſenen Programme, die Löſung aller derer, welche die Schule von Quesnay angeregt hatte. Nach dem Edikt über die Aufhebung der Frohnen kam das berühmte Edikt vom Februar 1776, das Hauptzwerk Turgot's, die Freigebungsurkunde der arbeitenden Klaſſen. Der Geſchicht⸗ ſchreiber hat heut zu Tage das Andenken an dieſe große Kühnheit nur noch zu feiern, auf welche beinahe unverzüglich die Rück⸗ kehr des Monopols und der Vorrechte folgte*); die aber einige Jahre ſpäter mit Hülfe einer Revolution obſiegte. Die Auf⸗ *r*) Das Edikt von 1776 wurde drei Monate nach ſeiner Verkündung widerrufen. hebu wie merk Vert Men ihn dem un un wi nicj eife nige eine unge Fuhr⸗ min⸗ verke geht nden den Rüc⸗ Herr Ver⸗ Mühe jen.“ gten hen Sie eorie d der laſſen e alte hier, en, und geführ r ſeines der an⸗ beſchloſ⸗ Schule am das urgot's, eſchicht⸗ Kühnheit die Rück⸗ er einige Die Auf⸗ Verkündung —— —— — 83— hebung der Innungen war eine große, ſchöne Maaßregel; aber wie ſehr ward ihr Verdienſt erhöht durch die Ausdrücke dieſer merkwürdigen Einleitung, der edelſten vielleicht, welche je die Verwaltung der Viſſenſchaft entlehnt hat!„Indem Gott dem Menſchen Bedürfniſſe gab, ſagte der Eingang, indem er für ihn das Hülfsmittel der Arbeit nothwendig machte, hat er aus dem Recht zu arbeiten das Eigenthum jedes Menſchen gemacht, und dieſes Eigenthum iſt das erſte, das heiligſte und unverjährbarſte aller. Wir wollen demnach dieſe willkürlichen Einrichtungen abſchaffen, welche dem Dürftigen nicht erlauben, von ſeiner Arbeit zu leben; welche den Wett⸗ eifer und den Gewerbfleiß vertilgen, und die Talente derje⸗ nigen unnütz machen, welche die Umſtände vom Eintritt in eine Innung ausſchließen; welche den Kunſtfleiß mit einer ungeheuren Abgabe belaſten, beſchwerlich den Unterthanen, ohne irgend einen Nutzen für den Staat; welche endlich durch die Leichtigkeit, die ſie den Mitgliedern der Innungen ge⸗ ben, ſich unter einander zu verbünden, die ärmſten Mit⸗ glieder zu zwingen, dem Geſetze der Reichſten ſich zu unter⸗ werfen, ein Werkzeug des Monopols werden, und Umtriebe begünſtigen, deren Wirkung iſt, den Preis der für den Un⸗ terhalt des Volkes nothwendigſten Bodenerzeugniſſe über ihr natürliches Verhältniß hinaufzutreiben.“ Alles Uebrige iſt in dieſem Ehrfurcht gebietenden und ern⸗ ſten Style geſchrieben, welcher keinen Mißbrauch ſchonte, und welcher ſie alle im Angeſichte der Menſchen, die über die lange Unterdrückung ihrer Väter und über die Wiederſinnigkeit ſo vieler nutzloſen Plackereien erſtaunt waren, brandmarkte. Was wir ſchon oben*) über dieſen Gegenſtand geſagt haben, er⸗ laubt uns, nicht tiefer in dieſe Frage einzugehen, welche für die Zukunft gelöst iſt, und deren Löſung im höchſten Grade die Sanction der Erfahrung und der Zeit erlangt hat. Nachdem Turgot den Landmann von der Frohn und den Handwerker vom Meiſterrecht befreit hatte, wollte er den Han⸗ *) Man ſehe das Hauptſtück XIX. dieſes Werkes, das den Inſtitu⸗ tionen des heiligen Ludwig gewidmet iſt. 6. — 84— deltreibenden dem Wucher entreißen; und er leitete dieſe Re⸗ form mit der waglichen Höhe der Anſichten ein, die ſeinen Cha⸗ rakter auszeichnete. Er hatte 1769 eine äußerſt merkwürdige Denkſchrift über die Gelddarleihen herausgegeben, in der die weſentlichen Fehler der den Zinsfuß beſchränkenden Geſetz⸗ gebung hervorgehoben waren, und die ſeither durch Jeremy Bentham(in ſeiner Schrift,„Defence of usury“ London 1787. Buß) ſiegreich widerlegt worden iſt: er wollte noch mehr thun, und um das Werk zu vollenden, welches er ſo gut be⸗ gonnen hatte, rief er die Errichtung einer Discontokaſſe ins Leben, welche durch den niederen Zinsfuß die übertriebenen Forderungen der Inhaber von Kapitalen neutraliſiren ſollte. Er kam ſelbſt auf den Gedanken, den Hypotheken Oeffent⸗ lichkeit zu geben, ſo daß, wie er ſagte, es unmöglich geweſen wäre, daß die Güterbeſitzer ihre Schulden nicht bezahlten; und die Sicherheit des Credits würde den Zinsfuß herabge⸗ drückt haben. Mag er Recht oder Unrecht gehabt haben, die⸗ ſes zu hoffen, man kann die Sorgfalt nicht zu ſehr loben, mit der er auf alle Reformen ſann, welche in unſerem Vaterlande die Arbeit und die Gütererzeugung befördern konnten. Noch blieb Turgot eine große Probe zu beſtehen, die der Reform der Beſteuerung; und bei dieſer Gelegenheit hätten ihm beinahe die irrigen Meinungen der Oekonomiſten ſchlimme Mißgriffe verurſacht. Die abſolute Lehre von dem Reinertrag konnte in der That ſehr unſchuldig ſein, ſo lange ſie aus dem engen Kreiſe der Abſtractionen nicht heraustrat; aber es lag eine große Gefahr darin, dem Triumph einer bloßen Hypotheſe zu Liebe das ganze fiscaliſche Syſtem Frankreichs von Grund aus um⸗ zuſtürzen. Turgot, eingenommen von der Idee einer allge⸗ meinen Erleichterung der armen Klaſſen und von dem Bedürf⸗ niß, alle Zweige der Induſtrie zu entfeſſeln, überredete ſich, daß, wenn er alle Steuern auf eine einzige Grundſteuer zurück⸗ führen wuͤrde, er allein den Reinertrag, d. h. die jährlichen Erzeugungen der natürlichen Erdarbeit erreichen würde. ſe Re⸗ l Cha⸗ ürdige in der Heſetz⸗ ſeremy 1. mehr ut be⸗ ſe ins henen ollte. ent⸗ eſen ten; bge⸗ die⸗ oben, ſerem rdetn ie der en ihm limme n der reiſe roße jebe um⸗ lige⸗ ürf⸗ ſic, rruc⸗ lichen — 835— Sein Plan war, davon einen Theil den Steuern zu wid⸗ men, und den andern in den Händen der Eigenthümer, der geborenen? Vertheiler des Lohns, ganz nach der Theorie von Quesnay, zu laſſen. Aber die Güterbeſitzer erſchracken mit Recht vor einem Verſuche, welcher ihr Einkommen in ſeiner Quelle angriff und ihre Grundbeſitzungen entwerthete, da ſie der Zielpunkt aller Steuern geworden waren. Der Entwurf Turgots war zudem noch ungerecht in dem Sinne, daß das wirkliche Einkommen, das durch andere Arbeiter, als die Land⸗ wirthe, geſammelt worden war, von der Beſteurung befreit war, als ob es nicht auch ein Einkommen wäre, was es doch wahrhaft war. So ließ man die Güterbeſitzer die fiscaliſchen Folgen einer irrigen Lehre tragen, und richtete ſie in der be⸗ ſten Abſicht von der Welt zu Grunde, indem man ſie ganz vorzugsweiſe als Erzeuger der Güter verkündigte. Es war ein großes Unglück für die Wiſſenſchaft, daß Turgot mit ei⸗ ner ſo großen Uebereilung eine ſo gewagte und durchaus falſche Theorie anzuwenden ſtrebte, wie wenn ihre Richtig⸗ keit mit einer mathematiſchen Strenge erwieſen geweſen wäre. Und ſelbſt in dieſem Falle gebot die Vergangenheit einem Staatsmann große Schonungen. Wie ſtark auch die Gluth ſeines Glaubens ſein mochte, er durfte zu ſolchen Reformen nicht mit der Hitze eines Anhängers, ſondern mit der Vor⸗ ſicht eines Geſetzgebers ſchreiten. Sein Irrthum, ſpäter von der conſtituirenden Verſammlung getheilt, hat Frankreich in ein Abgrund von Leiden geſtürzt, indem er mehre Jahre hindurch die Regierung unermeßlicher Hülfsquellen beraubte, die ſie in den indirekten Abgaben gefunden hätte, deren Prin⸗ cip auf der Erzeugung des beweglichen Vermögens wie die Grundſteuer auf der Erzeugung des landwirthſchaftlichen Ver⸗ mögens beruht. Turgot wollte keine Anleihen mehr, und doch war ſeine Disconto⸗ kaſſe keine Einleitung zur Wiederherſtellung eines großen öf⸗ fentlichen Credits. Die Schule der Oekonomiſten leugnete den Einfluß des öffentlichen Credits auf den öffentlichen Wohlſtand. Sie gab nicht zu, daß man ſelbſt für nützliche Zwecke, auf — 86— das jährliche Einkommen des Staats vorgreifen dürfte, und weil ſie von dem goldenen Zeitalter geträumt hatte, ſo dachte ſie nicht daran, daß man je auch Tage der Noth durchzukäm⸗ pfen haben würde. Dieſes philoſophiſche Vertrauen hatte Turgot beſeelt, als er die Zünfte aufheben ließ. Er war weit entfernt, zu denken, daß dieſer große Emancipationsact, welchen man übrigens nicht genug preiſen kann, furchtbare Verwicklungen in ſeinem Gefolge haben würde, deren Lö⸗ ſung einſt einen kühnern, wenn auch nicht redlichern Geiſt, als den ſeinigen erfordern würde. Er war ſo gliücklich, jener Menge der an die Scholle der Werkſtätte gebundenen Geſellen die Freiheit der Arbeit wieder zu geben! Er weih⸗ ſagte der franzöſiſchen Nation, die in den Beſitz ſo vieler lebendiger Kräfte wieder eingeſetzt worden war, ſo glänz⸗ ende Geſchicke! Wer hätte ihm geſagt, daß nach einem halben Jahrhundert die Mitwerbung der Arbeiter das Sinken der Löhne, den Pauperismus und alle die Leiden erzeugen würde, die den Glanz unſerer Geſittung trüben! Er trat mit eben ſo feſtem Schritte auf, wenn er nach den Utopien der Schule haſchte, als wenn er auf die Abſchaffung der Miß⸗ bräuche losging, und der Geiſt fühlt ſich von allem dem nie⸗ der gedrückt, was er allein mit ſeinen Kräften als Miniſter unternahm in einer Zeit, in der die Miniſter nicht viel ver⸗ mochten. Er hatte die Aufhebung der Klöſter; die gleiche Ver⸗ theilung der Abgaben; ein einziges bürgerliches Geſetzbuch für das ganze Reich; die Einheit des Maaßes und Gewichtes; eine neue Ordnung des öffentlichen Unterrichtes; die Einfüh⸗ rung eines Cataſters entworfen, ohne von einer Menge we⸗ niger umfaſſender Maaßregeln zu ſprechen, welche die Sorg⸗ falt eines Staatsmanns eben ſo ſehr, als die Erleuchtung eines Gelehrten beurkunden.„Er verfuhr, ſagt Sénac de Meilhan, wie ein Wundarzt, der an den Leichnamen operirt, und dachte nicht daran, daß er an empfindenden Weſen ope⸗ rirte: er ſah nur die Sachen, und beſchäftigte ſich nicht genug mit den Perſonen. Dieſe ſcheinbare Härte hatte zur Quelle die Reinheit ſeiner Seele, welche ihm die Menſchen als von einem Schurk Auch näckige Hof; ſtände Prit grüͤn Ford trag Parl Fortz welch zu be Mini er i wini war bra and Si an *) groß. Jahry ten ber von B mit S Mar Anlaſſe Mi T P und achte käm⸗ hatte war sact, dbare Li⸗ Geiſt, clich, enen eih⸗ eler nz⸗ nem iken gen mit der Miß⸗ nie⸗ iniſter lver⸗ Ver⸗ tzbuch htes; füh⸗ we⸗ org⸗ ung de rirt, ope⸗ enug welle von d — 87— einem gleichen Eifer für das öffentliche Wohl beſeelt, oder als Schurken mahlte, die aber gar keine Schonung verdienten.“ Auch fanden von allen Seiten die Entwürfe Turgot's hart⸗ näckige Widerſtände. Ein großer Theil derſelben kam vom Hof; noch mehre von der Stadt. Die meiſten dieſer Wider⸗ ſtände waren ungerecht und ſchmählich, weil ſie durch das Privatintereſſe erregt waren*); einige hingegen ſcheinen ge⸗ gründet geweſen zu ſeyn, weil der reformirende Miniſter den Forderungen der Vergangenheit nicht hinlänglich Rechnung ge⸗ tragen hatte. Der erſte Keim der Oppoſition kam von den Parlementen, welche als die Vertheidiger aller Ideen des Fortſchrittes zu viele Leute zu betrachten gewöhnt ſind, und welche gegen Turgot die erbittertſte Fehde führten, die er zu beſtehen hatte. Man kann dieſen wahrhaft tugendhaften Miniſter nicht genug ehren wegen des Muthes, mit welchem er in dem langen Kampf ausharrte, von dem ſeine ad⸗ miniſtrative Laufbahn beſtürmt war. Einer ſeiner Freunde warf ihm vor, zu viele Uebereilung in ſeine Reformen ge⸗ bracht zu haben:„Wie können Sie mir dieſen Vorwurf machen? antwortete er. Sie kennen die Bedürfniſſe des Volkes, und Sie wiſſen, daß man in meiner Familie mit fünfzig Jahren an der Gicht ſtirbt.“ Die ganze Erklärung ſeiner Haltung liegt in dieſen Wor⸗ ten. Turgot hatte keinen andern Fehler, als den, zu früh *) Unter den nützlichen Schöpfungen Turgot's, welche gleichwohl einen großen Lärm erregten, muß man die Errichtung der erſten öffentlichen Fahrpoſten, deren Mitbewerbung die alten Inhaber des Monopols der Fahr⸗ ten verletzte, erwähnen. Es war dadurch ein unermeßlicher Dienſt allen Klaſſen von Bürgern geleiſtet; der Miniſter wurde nichts deſtoweniger deßwegen mit Spottliedern verfolgt. Man kann darüber nach Anlaſſe erſchien: Ministre ivre d'orgueil, Toi, qui sans t'émouvoir, puisse ta poste absurde aller un si grand train, Qu'elle te mène à tous les diables. folgendem Epigramm urtheilen, das bei dieſem tranchant du souverain, fais tant de misérables, — 8s8— und um jeden Preis den Erfolg deſſen zu wollen, was ihm haben für ſein Vaterland nützlich zu ſeyn ſchien. Seine Liebe zu beſſer Verbeſſerungen erſtreckte ſich auf Alles, auf die Dichtkunſt, Art N. Erziehung, Aſtronomie.„Da ſieht man es, ſagte ihm einmal jede der Abbé Morellet, Sie machen es in der Phyſik ganz ſo, über wie in der Staatsverwaltung, Sie kämpfen mit der Natur, übert die ſtärker iſt, als Sie, und welche nicht will, daß der Menſch ſeln. ein ſtrenges Maaß in irgend Etwas habe.“ Bis zu ſeinem wie letzten Athemzug beharrte er trotz ſeinen betrogenen Erwar⸗ die tungen und den geſcheiterten Planen ſeiner Verwaltung bei brau den Lehren der Oekonomiſten mit der ganzen Energie einer um! religiöſen Ueberzeugung. Er huldigte der Philanthropie ſo zurücj ſehr, daß er wollte, ſeine Dienerſchaft ſollte eben ſo bequem woh⸗ nehm nen, wie er, und er machte deßhalb bedeutende Ausgaben kung in ſeiner Wohnung. di Turgot hinterließ eine Menge Schriften, welche von Du⸗— lun pont de Nemours ſorgfältig geſammelt wurden*). Die Leiter von der Verwaltung aller Zeiten und Länder werden daraus nütz⸗ V des liche Belehrungen ſchöpfen; denn nie nahm dieſer Miniſter dac eine Frage auf, ohne daß er ſie ergründet hätte, und faſt.. Ha ſeine ſämmtlichen Eingänge in die Edicte ſind vollſtändige 1 bin Abhandlungen des Stoffs. Aber das bedeutendſte ſeiner Werke die iſt ſein Traité de la formation et de la distribution des Ba richesses(Abhandlung über die Erzeugung und che Vertheilung des Vermögens)'; und obwohl er ganz das ſein Gepräge der Ideen der Oekonomiſten trägt, ſo ſieht man welc doch darin ſchon die erſten Vorzeichen einer Spaltung bervor⸗ rung brechen, welche zur Theorie von Adam Smith führt. Die Thei⸗ volitj lung der Arbeit, die eigentlichen Funktionen des Geldes, die Ehre Vorgänge des Handels ſind hier mit einer merkwürdigen Deut⸗ und ni lichkeit und Gedrängtheit dargeſtellt. Die wiſſenſchaftlichſten untheil Kenner der politiſchen Oekonomie im neunzehnten Jahrhundert Hälfte Einfluſf *) Dieſe Sammlung beſteht aus neun Bänden in—8, welche von 1808 Raynal bis 1811 erſchienen ſind. Dupont ſandte eine Lebensbeſchreibung Turgot's in ihrer voraus, welche aber nicht die von Condorcet verfaßte Lebenskunde erreicht. klätter, ihm be zu kunſt, inmal ſeinem rwar⸗ g bei einer ſo voh⸗ ben Du⸗ eiter nütz⸗ vniſter d ſot ändige Verke des und z das man vor⸗ hei⸗ die eut⸗ ſſten dert 1808 tgors rreicht — 89— haben den Einfluß des Zinsfußes auf alle Unternehmungen nicht beſſer nachgewieſen.„Man kann es, ſagte Turgot, als eine Art Niveau betrachten, unter welchem jede Arbeit, jeder Anbau, jede Gewerksthätigkeit, jeder Handel aufhören. Es iſt wie ein über ein weites Land ergoſſenes Meer: die Gipfel der Berge überragen die Waſſer, und bilden fruchtbare und angebaute In⸗ ſeln. Wenn dieſes Meer verläuft, ſo erſcheinen in dem Maaß, wie es fällt, die Gelände am Abhang, dann die Ebenen und die Thäler, und bedecken ſich mit Erzeugniſſen jeder Art. Es braucht das Waſſer nur um einen Schuh zu ſteigen oder zu fallen, um unermeßliche Strecken zu überſchwemmen oder dem Anbau zurück zu geben. Es iſt die Fülle der Kapitale, welche alle Unter⸗ nehmungen belebt, und der niedere Zinsfuß iſt zugleich die Wir⸗ kung und die Anzeige der Fülle der Kapitale.“ Die Abhandlung über die Erzeugung und Verthei⸗ lung des Vermögens erſchien neun Jahre vor dem Werke von Adam Smith, und war nicht ohne Einfluß auf die Lehren des berühmten ſchottiſchen Volkswirthſchaftsgelehrten. Turgot dachte, wie er, über das Gelddarleihen, über die Freiheit des Handels, über die Gewerbefreiheit, über den Einfluß der Ver⸗ bindungsmittel, über die Elemente des Preiſes der Dinge, und über die Bildung der Kapitale. Es iſt ein wahrer Ruhm, ſo auf der Bahn der Vorgänger des größtenSchriftſtellersgeweſen zu ſeyn, wel⸗ cher die Wiſſenſchaft geehrt hat, und in ſo vielen Rückſichten als ſein Vorläufer gelten zu können; aber die unbeſtreitbarſte Ehre, welche Turgot zukömmt, wird ſtets die ſein, das Feld der Erfah⸗ rungen für die erſten Theorien eröffnet zu haben, welche in der politiſchen Oekonomie kühn formulirt worden ſind; es wird die Ehre ſein, ſie der Probe der praktiſchen Ausführung unterlegt, und nicht bloß die Gelehrten, ſondern die Völker zu ihrer Be⸗ urtheilung gerufen zu haben. Die ganze Literatur der letzten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts trägt das Gepräge dieſes Einfluſſes. Montesquieu, D'Alembert, Marmontel, Condorcet, Raynal, Condillac, J. J. Rouſſean, ſelbſt Voltaire ſprechen in ihren Schriften von der politiſchen Oekonomie; die Tage⸗ blätter, die Sammlungen jeder Art weihen ihr von dieſer Zeitan eine — 90— Stelle. Man beginnt von jetzt an zu begreifen, daß es eine Phy⸗ ſiologie des Geſellſchaftskörpers gebe, wie es eine Lebenslehre des phyſiſchen Körpers gibt, und daß Geſetze beſtehen, nach welchen die Nationen gedeihen oder verfallen, wie die einzelnen Menſchen. Die Wirthſchaftswiſſenſchaft trat nunmehr in die Räthe der Regierungen: ſie wird nicht mehr heraustreten, ſo⸗ bald Adam Smith ihr das Siegel ſeines Genie's aufgeprägt haben wird. Hauptſtück XXXIV. Von den Arbeiten Adam Smith's und von ihrem Einfluſſe auf die Fort⸗ ſchritte der politiſchen Oekonomie.— Verſchiedenheit ſeiner Lehren von jenen der Oekonomiſten.— Darſtellung der Schöpfungen, welche man ihm verdankt.— Seine ſchönen Beſtimmungen der Begriffe Werth, Arbeit, Kapitale, Münze.— Unermeßliche Folgen ſeiner Entdeckungen. Das Hauptverdienſt der Oekonomiſten war, die höchſten Fragen der politiſchen Oekonomie anzuregen, und das Turgots, ihre praktiſche Löſung vermittelſt der Gewalt der Verwaltung zu verſuchen. Man hat geſehen, mit welchem Talent und mit wel⸗ cher tugendhaften Beharrlichkeit dieſe Philoſophen ſich dem Dienſte einer Wiſſenſchaft geweiht hatten, welche ihnen in ihrem Schooße die Geſchicke des Menſchengeſchlechtes zu ver⸗ ſchließen ſchien; aber nicht ihnen war die Ehre vorbehalten, ihren Grund auf eine feſte und dauerhafte Weiſe zu legen. Sie hatten nur unter einem falſchen Lichte die Haupterſcheinungen ⸗wahrge⸗ nommen, und ihre Irrthümer hatten wenigſtens dazu gedient, eine gründliche Prüfung der Fragen hervor zu rufen, welche zu löſen, ſie ſich nicht im Stande geſehen hatten. Statt nach der experimentalen Methode und mit der Beobacht⸗ 'ung der Thatſachen zu verfahren, hatten ſie als unfehlbare Dogmen gewiſſe Formeln verkündet, welche ihnen dazu dienen ſollten, alle Erſcheinungen der ſocialen Phyſiologie zu erklären. Wenn ſie auf ihrem Wege einen Beweisgrund trafen, der fähig war, ihre ſie ſih, d ihr Syſte ken, ind Lehrſprue ermeßli und der daß ihr rekten und fein Gegenſt lenkt, un Ein ſt viele Der Zeit, w Reichth fähr zur nen lie von G ſe w wurd ren ve beiden Liebe: haft n in Bezi punkt du die nam Die Dek gende Kre und aus und eniſch die Geſchie ſeines Buch wealth olf und die e Phy⸗ nolehre „nach zelnen in die n, ſo⸗ geprägt Fort⸗ mvon velche griffe olgen chſten rgend, ung zu it wel⸗ h dem ihrem uver⸗ ihren atten rge⸗ ient, he zu acht⸗ lbare ienen läten. fähig —- 91— war, ihren Glauben an dieſe Dogmen zu ändern, ſo bemühten ſie ſich, denſelben durch geiſtreiche oder gewagte Hypotheſen an ihr Syſtem anzuknüpfen, und ſie fielen, ohne es nur zu bemer⸗ ken, in den Abgrund von Utopien. Man hat geſehen, daß ihr Lehrſpruch über den Reinertrag ſie gehindert hatte, den un⸗ ermeßlichen Antheil anzuerkennen, welchen die Manufakturen und der Handel an der Erzeugung des Vermögens nehmen, und daß ihre Theorie des Eigenthums ſie zur Aufhebung aller indi⸗ rekten Steuern geführt hatte. Sie hatten alle Fragen berührt, und keine derſelben gelöst; aber ſie hatten auf die ſchwierigſten Gegenſtände die Aufmerkſamkeit des geſammten Europa's ge⸗ lenkt, und Europa folgten ihrem Aufruf. Ein ſchottiſcher Philoſoph aus jener Schule, aus welcher ſo viele Denker hervorgegangen ſind, lehrte zu Glasgow, zu gleicher Zeit, wie die Oekonomiſten zu Paris, die Grundſätze über den Reichthum der Nationen. Es war um das Jahr 1752, unge⸗ fähr zur Zeit, wo Quesnay ſein tableau économique erſchei⸗ nen ließ, und den Grund ſeiner Lehre legte. Aber der Profeſſor von Glasgow hatte ſich früh gewöhnt, die Thatſachen zu erforſchen, ſie zuſammen zu ſtellen, Folgerungen daraus zu ziehen; auch wurde er zu Ergebniſſen geführt, die ganz verſchieden wa⸗ ren von jenen, welche die Oekonomiſten erlangt hatten. Die beiden Schulen hatten nichts mit einander gemein, als die gleiche Liebe zum Guten, die gleiche Rechtlichkeit, die nämliche gewiſſen⸗ haft treue Anhänglichkeit an die Intereſſen der Wahrheit. Da in Bezug auf Alles, was die Wiſſenſchaft betrifft, der Ausgangs⸗ punkt durchaus verſchieden war, ſo konnten die Ergebniſſe nicht die nämlichen ſein, und bald zeigte ſich die völligſte Uneinigkeit. Die Oekonomiſten gaben nur der Erde eine Vermögen erzeu⸗ gende Kraft. Adam Smith fand dieſe Macht in der Arbeit, und aus dieſer lichtvollen Idee ließ er die unvorgeſehenſten und entſcheidendſten Folgerungen entſpringen. Hier beginnt die Geſchichte der Revolution, welche durch das Erſcheinen ſeines Buches: Inquiry into the nature and causes of the wealth of nations(Unterſuchung über die Natur und die Urſachen des Reichthums der Nationen) — 92— bewirkt wurde, das 1776, d. h. vierundzwanzig Jahre nach der Eröffnung ſeines Curſes,(London, 2 Voll. 4) erſchien. Es wird bald die Zeit kommen, wo dieſes berühmte Werk alle ſeine Früchte tragen und ſein merkwürdiges Datum in alle Geiſter eingegraben ſein wird. Verſuchen wir es ſonach, die logiſche und ſtrenge Methode des großen Schriftſtellers nachzuahmen, der der Verfaſſer desſelben war, und mit einem flüchtigen Zug die Wichtigkeit dieſer ſchönen Arbeit für die Zukunft der Geſittung würdigen zu machen. Bei der Erforſchung der Urſachen des Reichthums der Natio⸗ nen anerkannte Adam Smith, daß dieſer Reichthum nicht blos von der Fruchtbarkeit ihres Bodens, ſondern auch von der Arbeit ihrer Bewohner ſtammte. Blos die Arbeit konnte das Land reichlich und regelmäßig productiv machen, und ferner verdankte der Arbeit die menſchliche Geſellſchaft die Erzeugniſſe ihrer Ma⸗ nufacturen und die Gewinnſte ihres Handels. Adam Smith faßte ſeine Anſicht zuſammen in dem Wort, daß die jährliche Arbeit einer Nation die Urquelle wäre, aus welcher ſie ihre Reich⸗ thümer, d. h. die für ihre Verzehrung nothwendigen Erzeugniſſe oder jene zöge, vermittelſt welcher ſie ſich die durch die andern Natio⸗ nen erſchaffenen Erzeugniſſe erwarb. Der Reichthum beſtand in dem Tauſchwerth der Sachen, und man war um ſo reicher, als man mehre Sachen von dieſem Werth beſaß oder erzeugte. Wie gab man aber nun den Sachen einen Tauſchwerth? Da⸗ durch, daß man an ihnen durch die Arbeit eine Nützlichkeit ent⸗ wickelte, welche ſie ohne dieſelbe nicht gehabt haben würden. Der Reichthum konnte ſonach geſchaffen, vermehrt, erhalten, ange⸗ häuft, zerſtört werden. Dieſe einfache Begriffsbeſtimmung warf mit einem einzigen Stoß die Lehre der Oekonomiſten um, und ſetzte wieder alle arbeitenden und ehrenhaften Berufe in ihre Stelle zurück, welche Quesnay als die Tributpflichtigen und Un⸗ tergeordneten des Grundeigenthums betrachtete. Niemand ward von dem Gaſtmahle des Lebens verſtoßen; die Arbeit hatte überall Zutritt, und hörte auf, unfruchtbar zu ſein; die von Quesnay unter dem Namen der Culturkoſten(reprises) des Grund⸗ eigners beibehaltene Feudalknechtſchaft wurde tödtlich getroffen. Da die anerkannt einzige Und hier beiten ſei die Anho dern er ſammel wurdel Zuglei der Fel dient ge und der und ein rungsm kungen Adam Augen worde feine groß mäch ten, mach ren und/ ſaßes And fe hat, ſie⸗ beiter ei gen kann dürfniſſe ben Fall gefertigte was das ſchen. C ach der is wird e ſeine Geiſter logiſche en, der Jug die eſittung Natio⸗ os von rbeit Land dankte Ma⸗ Smith liche Reich⸗ ugniſſe Nato⸗ beſtand reicher, tzeugte. 2 Da⸗ eit ent⸗ . Der ange⸗ warf , und ihre dun⸗ ward berall nesnay Grund⸗ öffen. — 93— Da die Arbeit einmal als die Quelle eines jeden Reichthums anerkannt war, ſo wurden die Oekonomie, Erſparung das einzige Mittel, ihn anzuhäufen, d. h. die Kapitale zu ſchaffen. Und hier benützte Adam Smith mit ſeiner hohen Einſicht die Ar⸗ beiten ſeiner Vorgänger. Er beſchränkte die Kapitale nicht, wie die Anhänger des Mercantilſyſtems, auf Gold und Silber; ſon⸗ dern er befaßte darunter die durch die Arbeit der Menſchen ange⸗ ſammielten Reichthümer jeder Art, zumal wenn ſie verwendet wurden, um deren neue mit Hilfe einer neuen Arbeit zu ſchaffen. Zugleich gab er von der Arbeit die ſchönſte Analyſe, welche je aus der Feder irgend eines Schriftſtellers gefloſſen iſt. Dieſe Analyſe dient gewiſſermaßen ſeinem unſterblichen Werke als Vorderſeite, und der Verfaſſer hat darin eine Beſtimmtheit der Folgerungen und einen Adel der Sprache entwickelt, die wahrhaft bewunde⸗ rungswürdig ſind. Hier wurden zuerſt die wunderſamen Wir⸗ kungen der Theilung der Arbeit hervorgehoben, die vor Adam Smith oft geahnt, aber nirgend mit jener unwiderſtehlichen Augenfälligkeit und jener vertraulichen Einfachheit nachgewieſen worden waren, welche für den Zweifel und die Bedenklichkeit keine Ausflucht belaſſen. Andere hätten ihre Beiſpiele in den großen Arbeiten der Induſtrie geſucht; Adam Smith dagegen be⸗ mächtigt ſich einer Stecknadel, beſchreibt ihre verſchiedenen Sei⸗ ten, und zeigt, wie zehn Arbeiter in einem Tag 48,000 Stecknadeln machen können, ſtatt 400 oder 500, d. h. 100 Mal weniger, als ſie de⸗ ren ohne dieſe Theilung machen würden. Nach dieſem beſcheidenen und ſchlagenden Beiſpiel durchgeht er die Vortheile des Grund⸗ ſatzes der Theilung der Arbeit und hebt ſie auf eine ſo lebendige und feſte Weiſe hervor, daß ſeither Niemand mehr daran gedacht hat, ſie zu beſtreiten.„Es findet ſich, ſagt er, daß ein jeder Ar⸗ beiter eine große Menge ſeiner Arbeit hat, über welche er verfü⸗ gen kann, abgeſehen von dem, was er davon für ſeine eigenen Be⸗ dürfniſſe verwendet; und da die anderen Arbeiter auch in demſel⸗ ben Fall ſind, ſo iſt er im Stande, eine große Menge der von ihm gefertigten Waaren gegen eine große Menge der ihrigen, oder was das Nänliche iſt, gegen den Preis dieſer Waaren auszutau⸗ ſchen. Er kann dieſe anderen Arbeiter reichlich mit den Dingen — 94— verſehen, deren ſie bedürfen, und er findet ſich gleichmäßig bereit, ſich nach ihnen zu richten, ſo daß man unter den verſchiedenen Klaſſen der Geſellſchaft einen allgemeinen Ueberfluß herrſchen ſieht*).“¹ Nachdem Ad. Smith einmal die Theilung der Arbeit zergliedert hatte, ſo mußte er erklären, durch welche Combinationen die Erzeug⸗ niſſe der Arbeit unter ihnen vermittelſt des Geldes ausgetauſcht wur⸗ den. Wer ſollte das regeln, was man unter dem Preis der Dinge verſteht? Welches ſind die Elemente dieſes Preiſes? Welches ſind die Verrichtungen des Geldes? Wichtige Fragen, die er mit einer unvergleichlichen Ueberlegenheit und Deutlichkeit gelöst hat. Er iſt es, der in der That zuerſt ſiegreich den Einfluß des Angebots und der Nachfrage auf das Steigen und Fallen der Preiſe behauptet hat, zu gleicher Zeit, wo er die Functionen des Geldes bei dem Umlauf der Erzeugniſſe erklärte. Die Anwendungen, welche er von ſeiner Theorie auf die Banknoten und auf das Papiergeld gemacht hat, ſind von der höchſten Wichtigkeit in der Praxis, und können als eine der nützlichſten Eroberungen der Wiſſenſchaft be⸗ trachtet werden. Es iſt künftighin unmöglich, über das Münz⸗ ſyſtem zu ſchreiben, ohne die Grundlagen anzunehmen, welche er auf eine ſo unzerſtörbare Weiſe gelegt hat. Die Bahn brechend, enthüllte Adam Smith die Geheimniſſe der Conſtitution der Banken und leitete ſelbſt aus den Folgen ihrer Gründung die Grundſätze ab, auf welchen ſie beruhen mußten, wenn ſie nicht verderblich werden ſollten. Jedermann, welcher die Wiſſenſchaft des Credits ergründen will, muß ſeine Studien mit jenem der Analyſen beginnen, welche der berühmte ſchottiſche Volkswirth⸗ ſchaftlehrer von den Zettel⸗ und Unmſchreibebanken gegeben hat. Das ſind vollſtändige Abhandlungen, welche man nie über⸗ treffen wird, weil ſie weder eine Lücke, noch etwas Ueberflüſſiges enthalten. Vor Allem aber ruht in der vollkommenen Deutlich⸗ keit ſeiner Begriffsbeſtimmungen das Hauptverdienſt von Ad. Smith. Sie ſind überhaupt auf die ſtrenge Beobachtung der *) Inquiry into the nature and causes of the wealth of nations. B. I., ch. I. Thatſc aus di iſt, un ter de wird len ko W ſentl welc wer oder! ren ſic nützlich nichts Nichts brauch Verha gedrü heißt Sa ſtellt mer den weie ſond gew lungs ner vo chen P. welchen fäligen Grenze unterſu Gewin hierau bereit, ledenen erſchen gliedert erzeug⸗ hi wur⸗ is der Welches niteiner Er iſt 5 und znuptet idem he er rgeld „und ft be⸗ Münz⸗ lche er rechend, on der ung die je nich enſchaff en der wirth⸗ gehen über⸗ ſiges ulich⸗ Ad. g der Jalohs. — 95— Thatſachen geſtützt. Hat er ſie einmal aufgeſtellt, ſo leitet er dar⸗ aus die Folgerungen mit einer Methode ab, die ihm eigenthümlich iſt, und welche allein genügen würde, ihm einen hohen Rang un⸗ ter den ſchönſten Geiſtern der neuern Zeiten zu ſichern. Man wird darüber nach einer raſchen Darſtellung ſeiner Lehre urthei⸗ len können. Wie wir ſchon geſehen haben, iſt nach dem Verſaſſer die we⸗ ſentliche Eigenſchaft, welche das Vermögen ausmacht, und ohne welche es nicht dieſen Namen verdienen würde, der Tauſch⸗ werth. Der Tauſchwerth iſt verſchieden von dem Gebrauchs⸗ oder Nützlichkeitswerth, in dem Sinn, daß man mit dem erſte⸗ ren ſich viele Dinge verſchaffen kann, während der zweite, obwohl nützlich, nicht der Gegenſtand eines Tauſches ſein kann. Es gibt nichts Nützlicheres, als das Waſſer; aber man kann darum faſt Nichts kaufen. Ein Diamant hingegen kann, obwohl nur wenig brauchbar, zum Ankauf einer Menge von Waaren dienen. Das Verhältniß, welches zwiſchen zwei Tauſchwerthen beſteht, aus⸗ gedrückt in einem ausbedungenen Werth, welcher das Geld iſt, heißt Preis. Der Nennpreis der Dinge iſt von ihrem Sachpreiſe verſchieden, welcher die Menge der Arbeit dar⸗ ſtellt, welche ſie gekoſtet haben. Der Preis der Reichthü⸗ mer hängt von zufälligen Umſtänden ab, welche den beſtehen⸗ den oder laufenden Preis von dem natürlichen Preis ab⸗ weichen machen. Der Preis beſteht gewöhnlich aus drei be⸗ ſondern Beſtandtheilen: dem Arbeitslohn, dem Unternehme⸗ gewinn und der Rente des Grundes, welcher den Verwand⸗ lungsſtoff der Arbeit geliefert hat. Nachdem Ad. Smith mit ei⸗ ner vollkommenen Ordnung dieſe ſo einfachen und ſo ſinnrei⸗ chen Prolegomena aufgeſtellt hat, beſtimmt er die Geſetze, nach welchen ſich natürlich der Satz der Löhne richtet, und die zu⸗ fälligen Umſtände, welche ihn für den Augenblick aus den Grenzen dieſes natürlichen Standes heraustreten laſſen. Er unterſucht ſodann die Geſetze, nach welchen ſich der Satz der Gewinnſte beſtimmt, und die Ausnahmen von dieſen Geſetzen; hierauf beſtimmt er die Landrente, welche wir Pachtrente — 96— nennen, und welche die Oekonomiſten den Reinertrag hießen. Nachdem das Vermögen einmal erzeugt iſt, theilt es Adam Smith in zwei Theile: in jenen, welcher unmittelbar oder dem⸗ nächſt verzehrt werden ſoll, und jenen, welcher als Kapital verwendet werden ſoll, um ein Einkommen zu liefern. Das Kapital iſt ſtehend(ixe) oder eingelegt(engagé), wenn man es in ein Gewerbe mit allen ſeinen Werkzeugen der Gü⸗ tererzeugung verwandelt; es iſt umlaufend(circulant, roulant), wenn man ſich deſſen bedient, um den Lohn der Ar⸗ beiter zu zahlen und die Ankäufe der Verwandlungsſtoffe zu erneu⸗ ern. Die auf den Boden verwendeten Beſſerungen bilden einen Theil des ſtehenden Kapitals; das Geld, die Lebensmittel gehören zum umlaufenden Kapital. Das erſtere verwandelt ſich bisweilen in das zweite, und das zweite nimmt dagegen zuweilen den Weg, der es mit dem erſten verſchmelzt. Das Geld erſcheint gleich⸗ ſam als das Werkzeug dieſer doppelten Metamorphoſe; aber die Banknoten, die Verſchreibungen erſetzen es oft, und ſelbſt mit Vortheil. Dieſer Vortheil hängt von den Bedingungen ab, unter welchen man es darleiht, und folglich von dem Zins⸗ fuße. Adam Smith nimmt in dieſer Beziehung die liberalen Theorien Turgot's an, und erweist durch unwiderlegbare Gründe ihre unbeſtreitbare Billigkeit. Die Arbeit iſt jetzt in allen Stücken bewehrt: ſie iſt im Beſitz der Kapitale: wir wollen ſie ſonach an's Werk gehen ſehen. Nichts iſt einfacher und bewunderungswürdiger, als die Art, mit welcher Adam Smith ihre Wunder entwickelt, und wir haben ſein von der Fabrikation der Stecknadeln entnommenes Beiſpiel angeführt. Aber ſeine zahlreichen Muſterungen des Heeres der Arbeiter mögen uns edle Gegenſtände der For⸗ ſchungen darbieten! Wie natürlich hat er Rechenſchaft von dem Fortſchritt der Nationen durch die Fortſchritte der Thei⸗ lung der Arbeit gegeben! Wie glücklich hat er in Folge dieſer Theilung die Nothwendigkeit der Austauſchungen herbei⸗ geführt! Wie erfolgreich erklärt er das Wachsthum des Ver⸗ mögens, die Vervollkommnung der Erzeugniſſe und ihren von Tag z das C tionen Menſe throp mehr derſel zu ve ſtimn der! der A dieſe n gebniß regeln Handel die Sc eine v erzeug Sei ſentli hatte Arbe jeder winn und werb. keine Dinge Welche alle di lernter lange; Tugen *) 8 Bl ertrag Adam er dem⸗ npital Das ), wenn der Gü⸗ rulunl, der Ar⸗ erneu⸗ Theil ehören veilen Weg, gleich⸗ aber ſelbſt zungen n Ins⸗ iberalen Gründe iſ in rk gehen als die ind wir menes en des For⸗ ft von Thei⸗ Folge hertei⸗ des Ver⸗ hren von —,——— — 97— Tag zu Tag annehmbarer werdenden Preis! Er iſt es, der das Geheimniß der Maſchinen, dieſer mächtigen Modifica⸗ tionen des menſchlichen Armes, dieſer Wohlthäterinnen der Menſchheit, aufgedeckt hat, welche ein ausgezeichneter Philan⸗ throp*) zu verkennen, das Unrecht beging. Keiner hat mit mehr Fähigkeit die manchfachen, unendlichen, dauerhaften Dienſte derſelben hervorgehoben, ohne ihre vorübergehenden Nachtheile zu verhehlen. Zu gleicher Zeit ſtellte Adam Smith mit Be⸗ ſtimmtheit die Grenzen ihrer Anwendung auf, und bewies, daß der Umfang des Marktes der ſtändige Regler der Theilung der Arbeit ſein müſſe. Mehr als ein Fabrikvolk ſah, weil es dieſe weiſen Lehren vergeſſen hatte, furchtbare Kriſen als das Er⸗ gebniß der Sperrung des Umlaufs und der reſtrictiven Maaß⸗ regeln ausbrechen. So gelangte Adam Smith zur Freiheit des Handels auf einem Wege, ganz verſchieden von jenem, welchen die Schule Quesnay's gegangen war; allein er wurde durch eine viel richtigere Würdigung der Erſcheinungen der Güter⸗ erzeugung dahin geführt. Seine Lehre von den Staatsabgaben unterſchied ſich auch we⸗ ſentlich von der der Oekonomiſten. Nachdem er bewieſen hatte, daß jede Erzeugung von der mit Kapitalen unterſtützten Arbeit komme, war es ihm nicht ſchwer, nachzuweiſen, daß, weil jeder Bürger fähig ſei, Werthe zu erzeugen, und folglich Ge⸗ winnſte zu machen, er dem Staat ſeinen Beitrag an Unterſtützung und Steuern ſchulde. Jeder erlangte die Freiheit ſeines Ge⸗ werbes gegen die Mittragung an den Staatslaſten, und es gab keine ſterilen Berufe mehr, weil Jedermann fähig war, den Dingen einen Tauſchwerth vermittelſt der Arbeit zu geben. Welche Ermuthigung für die unbemittelten Menſchen und für alle die, welche nicht auf die Gunſt eines Erbes hofften! Sie lernten daraus, um welchen Preis man ſeine Unabhängigkeit er⸗ lange; die Sparſamkeit war nicht mehr eine Art afketiſcher Tugend, ſondern die Genoſſin der Arbeit und die Quelle der *) Hr. v. Sismondi. Blanqui, Geſchichte d. volit. Oekonomie 1 Bd. 7 -— 98— Kapitale. Statt der den Erzeugungen des Landbaus durch die Natur des Bodens und den Umlauf der Jahrzeiten geſetzten Schranken hatte man vor ſich den unbegrenzten Horizont der Tauſchwerthe, d. h. den unendlichen Reichthum. Ad. Smith hatte ohne Zweifel alle dieſe Folgen nicht vorausgeſehen, und viele Schriftſteller hatten vor ihm eben ſo wahre Grundſätze aufge⸗ ſtellt; allein er hat zuerſt gezeigt, warum ſie wahr waren. Er hat noch mehr gethan: er hat die wahre Methode angegeben, die Irrthümer hervorzuheben. Sein Werk beſteht aus einer Reihenfolge von Beweiſen, welche mehre Sätze zum Rang un⸗ beſtreitbarer Grundſätze erhoben, und auf immer eine Menge von Irrthümern vernichtet haben, welche bisher als Grund⸗ ſätze gegolten hatten. Er iſt es, welcher das Sperrſyſtem und die Lehre vom Reinertrag mit ihrem Gefolge von Träu⸗ mereien über die Beſteuerung und eingebildeter Klaſſeneinthei⸗ lungen zertrümmert hat. Endlich zeigte dieſer unſterbliche Volkswirthſchaftslehrer, und das iſt vielleicht einer der größ⸗ ten Dienſte, die er der Induſtrie geleiſtet hat, wie das Privat⸗ intereſſe, der Feſſeln entkedigt, nothwendig die Beſitzer der Ka⸗ pitale ſtimme, bei dem gleichen Stand aller Dinge, die der einheimiſchen Induſtrie günſtigſte Kapitalanlage vorzuziehen, weil ſie auch die einträglichſte für ſie iſt. Es iſt wahr, Adam Smith hat ſich bisweilen in eine Menge Abſchweifungen verloren, die nicht geſtatten, dem Faden ſeiner Ideen bequem zu folgen. Sobald er auf einen alten Miß⸗ brauch, ein ſchädliches Vorurtheil, ein irriges Syſtem ſtößt, ruht er nicht, bis er ſie gerichtet hat, und dieſe theilweiſen Scharmützel leiten ihn oft von ſeinem Operationsplan ab. Al⸗ lein nie verläßt er auf immer einen Gegenſtand, ehe er ihn Ferſchöpft hat, und er ſtellt gewöhnlich die nämliche Idee unter allen Formen dar, bis der Leſer ſich mit ihr vertraut gemacht hat. Er hatte ſo viele Widerſtände zu beſiegen und ſo viele falſchen Lehren zu bekämpfen! Die Oekonomiſten ſelbſt, welche er achtete, und welche ſicher auf den Gang ſeiner Ideen eingewirkt haben, ſind nicht jene, welche ihm ſeine Aufgabe am leichteſten gemacht haben. Er hatte gegen die unzähligen Werke; welche verſtand der ein der Th ſtrengu Ausſic welche und e entſchi erzeug⸗ welche hauptet ſachen mit im angefar viel, o haben, Ada⸗ Oeior die w gen ſ ſchon ganze lung lyſen und m vollende an Ruh hatten ſ laſſen; bergewi die Wire herrliche er nicht durch die geſetten ont der nith hatte ind viele e aufge⸗ aren. Er ngegeben, aus einer kang un⸗ Menge Grund⸗ dem und Träu⸗ ſeveinthei⸗ wnſterhliche der groſ⸗ das Pribat⸗ gerder Ka⸗ ge, de de ziehen weil eine Menge Haden ſeine allen Mi⸗ yſten ſüßt theilweiſn an ab. A- hbe er Uin Idee unter t gemaßt ſo iel en ſebi ter Ideen fgabe an gäblige Werke zu kämpfen, welche ſie eben nach einander herausgegeben und welche ſich in ganz Europa verbreitet hatten, gut oder ſchlecht verſtanden, mit dem Anſehen der ehrwürdigſten Namen, wie der eines Gournay, Turgot, Trudaine. Er mußte die meiſten der Theorien zerſtören, welche ſie eben mit ſo großen An⸗ ſtrengungen gegründet hatten, und mit ihnen unter ungünſtigen Ausſichten kämpfen: dieß war der erſte merkwürdige Zwieſpalt, welcher unter den Gründern der Volkswirthſchaftslehre ausbrach, und er hat nicht wenig dazu beigetragen, die allgemeine Un⸗ entſchiedenheit des Publikums über ökonomiſche Gegenſtände zu erzeugen. Wem ſollte es glauben, Quesnay oder Smith, welche beide mit gleicher Zuverſicht entgegengeſetzte Lehren be⸗ haupteten, und beide übereinſtimmend die Autorität der That⸗ ſachen anriefen? Allein man vergißt, daß jede Wiſſeenſchaft mit innern Streitigkeiten unter ihren berühmteſten Häuptern angefangen hat, und daß dieſe harten Prüfungen faſt eben ſo viel, als ihre Entdeckungen zu den Fortſchritten beigetragen haben, auf welche wir gegenwärtig ſo ſtolz ſind. Adam Smith hatte gleichwohl nicht die Ehre, die politiſche Oekonomie auf Einen Wurf zu ſchaffen, und die Ehrfurcht, die wir ſeinem Andenken weihen, darf uns nicht hindern, ge⸗ gen ſeine Vorgänger und Nachfolger gerecht zu ſein. Iſt doch ſchon eine ſo große geſchichtliche Thatſache der Beweis der ganzen Theorie der Werthe, der Wirkungen der Arbeitsthei⸗ lung und der wahren Functionen des Geldes! Solche Ana⸗ lyſen könnten zur Unſterblichkeit eines Schriftſtellers genügen, und man kann kühn dasjenige rügen, was ſeine Schriften Un⸗ vollendetes enthalten, wenn man das dargeſtellt hat, was ſie an Ruhm und Anſehen verdient haben. Die Oekonomiſten hatten ſich zu ſehr von der Wichtigkeit des Bodens einnehmen laſſen; Adam Smith gab der Arbeit ein zu ausſchließliches Ue⸗ bergewicht bei der Schaffung der Erzeugniſſe. Er verkannte die Wirkſamkeit der Erde und die der Kapitale, und trotz ſeinen herrlichen Darſtellungen der Mitwirkung der Maſchinen, gibt er nicht die auf die Realität der Dinge gegründetſte Theorie 7. — 100— derſelben. Indem er die Eigenſchaft des Bermögens bloß den in materiellen Subſtanzen fixirten Werthen beilegte, ſtrich er aus dem Buch der Hervorbringung jene unbeſchränkte Maſſe geiſtiger Werthe, der Töchter des moraliſchen Kapitals geſittigter Völker, und welche einen Theil ihrer Ausſtattung und ihres Ruhmes bilden. Er ſetzte mit Einem Federzuge Anwälte, Aerzte, Ingenieure, Künſtler, Staatsbeamten, lauter Erzeuger wirklicher Dienſte ab, und die gegen materielle Erzeug⸗ niſſe austauſchbar ſind, weil ſie davon leben und gemächlich leben, wenn ſie Verdienſt genug haben, um ſich edel lohnen zu laſ⸗ ſen. Er hatte nicht gewahrt, daß das Talent dieſer Menſchen ein aufgeh inftes Kapital iſt, ſehr fähig, Gewinnſte in Gold und Silber zu geben, und ſebr nützlich der Staatsgeſellſchaft, welche hinwieder ihre Dienſte benützt. Der Einfluß des Handels und die Art ſeiner Einwirkung auf die allgemeine Gütererzeugung ſcheinen durch Ad. Smith auch nicht hinlänglich gewürdigt worden zu ſein, und einige ſei⸗ ner ſchönſten Beweiſe ſind wie ein Nebenwerk an einem Orte aufgeſtellt, welchen ſie nicht einnehmen ſollten. Von der Art ſind die Grundſätze über den Sach⸗ und Nennpreis der Dinge, welche ſich in einer Abhandlung über den Preis der edeln Metalle während der vier letzten Jahrhunderte fin⸗ den, und die Begriffe über die Münzen, welche der Verfaſſer in das Hauptſtück von den Handelsverträgen verſtellt hat. Es iſt die Unordnung, welche um einen reichen Erzgang Statt findet, wo die Bruchſtücke des reinſten Metalls bisweilen bei dem grobſten Erze durcheinander lagern. Auch werden die Unterſuchungen über das Weſen und die Urſachen des Nationalreichthums nicht allgemein von Jedermann verſtanden, und wir möchten nicht rathen, mit dieſem Buche das Studium der Wiſſenſchaft zu eröffnen. Man muß es mehre Male leſen, um ſeine ſchöne Anlage zu ahnen, und die Ergebniſſe, welche es erzeugt hat, nach ihrem richtigen Werth zu ſchätzen. Erſt dann wage man einige der Sätze zu beſtreiten, welche Ad. Smith unter der dogmatiſchſten Form ausgeſprochen hat; von der Art iſt jener, nach melchem das Privatintereſſe, wenn es von jeder Schranke ſiigſte B für die! in Engle ordentlie Früchte geͤßlic währen handel Vermu chung! dieſe U von Si durch de So er ten Gen Strom Landſch verder! üch ei ſende, und b komm eines in ſein und G. iſt das telches ausſehen maſchine, Buch, ge⸗ nöthigt, ſigen We Menſchen giehen, w nicht met oß den iich er Maſſe itals attung erzuge lauter Erzeug⸗ leben, zu laſ⸗ lſchen Gold haft, kung mith ſei⸗ einem n der nyreis Preis ree fin⸗ erfaſſer at. Es Statt fen bei en die chen mann Buche nehre gniſſe, Erſt Swilh eer Art jeder Schranke entfeſſelt iſt, ihm ſtets die für die Geſammtheit gün⸗ ſtigſte Verwendung der Kapitale zu beſtimmen ſchien, weil ſie für die Unternehmer am einträglichſten iſt. Dieſe Lehre, welche in England den Sieg behalten und der Induſtrie einen außer⸗ ordentlichen Aufſchwung gegeben hat, beginnt gleichwohl bittere Früchte zu tragen; ſie hat ungeheure Reichthümer neben einer gräßlichen Armuth geſchaffen: ſie hat die Nation bereichert, während ſie oft einen Theil ihrer Bürger ganz grauſam be⸗ handelte. Iſt dieſes das ſociale Ziel des Wachsthums des Vermögens, oder iſt dieſes nicht vielmehr eine unſelige Abwei⸗ chung von dem ſocialen Weg? Kann man wirklich Reichthum dieſe Uebertreibung der Gewinnſte nennen, welche nach Hrn. von Sismondi von dem Antheil der Armen und nach uns durch das Kapital von der Arbeit vorerhoben werden? So entſtand die univerſelle Mitwerbung aus der unbeſchränk⸗ ten Gewerbefreiheit, und aus dieſer Mitwerbung ergoß ſich ein Strom von Reichthümern über die Welt, welcher zwar viele Landſchaften befruchtet, welcher aber in mehr als einem Lande verderbliche Spuren ſeines Durchganges hinterlaſſen hat; ähn⸗ lich einem prächtigen und geheimnißvollen Wagen, deſſen Rei⸗ ſende, die er dahin trägt, nicht einmal die Vorübergehenden ſehen und beklagen können, welche er zermalmt. Die Sache iſt dahin ge⸗ kommen, daß man ſich frägt, ob man ſich über die Fortſchritte eines Reichthums Glück wünſchen oder betrüben muß, welcher in ſeinem Gefolge ſo viel Elend führt, und welcher die Spitäler und Gefängniſſe eben ſo ſehr, als die Paläſte vermehrt. Das iſt das große Problem des neunzehnten Jahrhunderts, jenes, welches Adam Smith nicht vorausgeſehen hatte und nicht vor⸗ ausſehen konnte, zu einer Zeit, wo die Dampf⸗ und die Spinn⸗ maſchine, dieſe beiden Koloſſe der engliſchen Induſtrie, wie ſein Buch, gerade erſt entſtanden waren! Wir ſind gegenwärtig ge⸗ nöthigt, einen Regulator zu ſuchen, und einen Zügel dieſen rie⸗ ſigen Werkzeugen der Hervorbringung anzulegen, welche die Menſchen nähren und aushungern, welche ſie kleiden und aus⸗ ziehen, welche ſie unterſtützen und zermalmen. Es handelt ſich nicht mehr ausſchließlich darum, wie zur Zeit Smiths, die Er⸗ — 102— zeugung zu beſchleunigen; man muß ſie künftighin beherrſchen und in verſtändigen Schranken zurückhalten. Es handelt ſich nicht mehr vom abſoluten, ſondern vom relativen Reichthum; die Menſchlichkeit gebietet, daß man aufhöre, den Fortſchritten des öffentlichen Wohlſtandes Maſſen von Menſchen zu opfern, welche ihn nie genießen werden. So wollen es die ewigen Ge⸗ ſetze der Gerechtigkeit und Sittlichkeit, die zu lange bei der ſocia⸗ len Vertheilung der Gewinnſte und Mühen verkannt wurden, und wir werden nur noch einwilligen, den Namen Reichthum der Summe des nationalen Erzeugniſſes zu geben, welches un⸗ ter alle Erzeuger billig vertheilt iſt. Das iſt die franzöſiſche Nationalökonomie, welcher anzugehören wir bekennen, und dieſe wird die Runde durch die Welt machen. In der Geſtalt, wie ſie erſchien, bewirkte gleichwohl die Lehre von Adam Smith eine völlige Umwälzung in dem Gang der politiſchen Oekonomie. Seine Anſichten über die Kolonien erlangten ein großes Gewicht durch die Ereigniſſe, welche in Amerika geſchahen, und ſeine Analyſen der Banken bereiteten das Wiedererwachen Europa's in Beziehung auf den öffentlichen Credit vor. Die Induſtrie verdankte ihm die Aufhebung faſt aller ihrer Schranken, und der Handel den Anfang einer Her⸗ abſetzung aller Tarife. Es blieben übrig die Fragen über den Landbau und die Bevölkerung, welche dieſer große Volks⸗ wirthſchaftslehrer nur berührt hatte, und deren Löſung unſere Kinder angeht; allein die gefährlichſten Vorurtheile waren vor ſeiner gewaltigen Beweisführung verſchwunden, und ihre Herr⸗ ſchaft iſt für immer geendigt. Handelsbilanz, Sperrſyſtem, Landbauſyſtem, Alles wurde in den Abgrund der Träumereien hinabgeſtürzt; Adam Smith hat Alles durch ſeine ſtrenge Logik und ſeine unparteiiſche Beobachtung der Thatſachen ent⸗ werthet. Eine einzige Ungewißheit überlebte ſeine Lehren: welches Verhältniß beſteht zwiſchen der Bevölkerung und den Lebensmitteln? Warum wächſt das Privatelend in unſern Staatsgeſellſchaften zugleich wie der öffentliche Reichthum? Warum leuchtet die Sonne der Induſtrie nicht für Jedermann? Zwei engliſche Schriftſteller werden uns, jeder in ſeiner Art, die Erllo vir don ſie zu hi Schulen großen reißend Schrech Ueder das ſeiner win's. Malth. von C Frage. rett. Duch Hru. v. u des ſäte! men. größten für Wir! grundlag Ehren ge dung der unterwor und wie haben, ein ungleich rrſchen t ſich thum; hritten pfern, en Ge⸗ ſoeia⸗ vurden, hthum es un⸗ öſiſche und die zang nien e in teten lichen d fan r Her⸗ der den Volks⸗ unſere en vor Herr⸗ yſtem, reien Logik ent⸗ Fren: den iſern zum? ann? Artt, —— — 103— die Erklärung dieſer ſocialen Anomalie geben; man ahnt, daß wir don Godwin und Malthus reden wollen. Es iſt Zeit, ſie zu hoͤren; denn nach Adam Smith wurden ſie Häupter von Schulen mit gleichem Rechtsanſpruch: ſie haben beide einen großen Gedanken gehabt, einen Gedanken, beſtimmt und dahin⸗ reißend, welcher Beachtung gebietet, und welcher zeitenweiſe Schrecken einflößt. Hauptſtück XXXV. Ueber das Syſtem von Malthus über die Bevölkerung.— Darſtellung ſeiner Formeln.— Schilderung ſeiner Folgerungen.— Lehre God⸗ win's.— Sie hat den Fehler, ebenſo abſolut zu ſein, als die von Malthus.— Sie iſt humaner.— Merkwürdige Kühnheit des Buches von Godwin.— Von den verſchiedenen Schriften über die nämliche Frage.— Neue Idee.n über die Bevölkerung, von Hrn. Eve⸗ rett.— Von dem Buche über die Mildthätigkeit, von Hrn. Duchàtel.— Von der chriſtlichen Staatshaushaltung, von Hrn. v. Villeneuve⸗Bargemont.— Verwahrungen des Hrn. v. Sismondi und des Hrn. Abbé de la Mennais. * Wenige Jahre waren verfloſſen ſeit der Bekanntmachung des Werkes von Adam Smith, und ſchon waren ſeine Lehr⸗ ſätze von den Volkswirthſchaftsgelehrten aller Länder angenom⸗ men. Seine lichtvolle und eindringliche Begründung hatte den größten Theil der Träume zerſtreut, welche viele Geiſter noch für Wirklichkeiten nahmen. Man war endlich über die Haupt⸗ grundlagen der Wiſſenſchaft einig. Die Arbeit war wieder zu Ehren gebracht; der Tauſchwerth war beſtimmt; die Anwen⸗ dung der Kapitale war von nun an regelmäßigen Geſetzen unterworfen. Man wußte, wie das Vermögen ſich erzeugt, und wie es verzehrt wird; aber noch blieb, wie wir geſagt haben, ein Problem zu löſen: Warum iſt das Vermögen ſo ungleich in dem geſellſchaftlichen Körper vertheilt? Warum 104— gibt es immer Unglückliche? Und dieſes Problem wurde einſt aufgeworfen von der furchtbaren Hand des franzöſiſchen Vol⸗ kes, als eine Kampf⸗Ausforderung an alle Regierungen Euro⸗ pa's. Turgot, der verſucht hatte, es zu löſen, war unter der Arbeit erlegen, und die franzöſiſche Revolution hatte Ströme von Blut vergoſſen, um deſſen Löſung zu finden, ohne glückli⸗ cher zu ſein, als Turgot. Kam das Uebel von der Natur oder von der Geſellſchaft? War es ohne Abhilfe, oder ſollte es vielmehr mit Hilfe der Zeit gelingen, es zu heilen? Ueberraſcht von dem, was die Geſetze über die Sitten und den Zuſtand der Völker vermö⸗ gen, hatten ausgezeichnete Schriftſteller gedacht, daß die Leiden des Menſchen ſein eigenes Werk ſeien, und daß es von ihm abhänge, ihnen Grenzen zu ſetzen, viel weniger dadurch, daß er ſeine Leidenſchaften, als daß er die politiſchen Einrichtungen ändere. Man war im Jahr 1798; ein denkwürdiger Verſuch war eben in Frankreich angeſtellt worden, und man hatte ge⸗ ſehen, in einer kleinen Anzahl von Jahren, wie die kühnſten Reformen, um die Neihe unterſtützt durch Vernunftgründe oder durch Gewalt, das menſchliche Geſchlecht den gleichen Unge⸗ wißheiten und Ungleichheiten bloßgeſtellt ließen, wie in der Vergan⸗ genheit. Man hatte die vereinzelndſte Zerſtückelung des großen Grundeigenthums an die Stelle des alten Syſtems der Con⸗ centration geſetzt; man hatte die Macht den ärmſten Maſſen hin⸗ gegeben, welche ſich weder das Maximum, noch die Zwangs⸗ anleihen, weder den Bankbruch, noch die Aufhebung der indi⸗ recten Auflagen verſagt hatten; und doch gab es immer Arme, Leute, gehüllt in Lumpen, Greiſe ohne Brod, Frauen ohne Hülfe, Findelkinder, Uebelthäter, öffentliche Dirnen. Was blieb jetzt noch zu thun übrig nach dem, was man gethan hatte? Welche Monar⸗ chie würde das verſuchen, was nicht einmal die Verwegenheiten des Jahres 1793 hatten durchſetzen können? Die Philoſophen und Volkswirthſchaftsgelehrten, vom Staunen ergriffen, fühlten jene bittere Enttäuſchung, welche auf politiſchen Revolutionen folgt, als plötzlich ganz kurz auf einander zwei Schriften von zwei in verſchiedener Art berühmter Männer erſchienen, die — des Hrn. GLondon the prine Hr. Go geſellſcha⸗ und den ergtiffen ſchaftlich die ſein ſie zu u win ül ſtimmte lichen, u keit leicht über d dem vor ein Geſ ſter. D einer e woht, eine Egois Leider ruht, gen el zu drin ſein we doher in gen prüf lichkeit de Dieſe Charakter ſch redner zu verände *) Eingern de einſt n Vol⸗ Euro⸗ ter der Ströme güͤckli⸗ lſchaft? ilfe der das die ermo⸗ Leiden ihm aß er ngen rſuch ge⸗ zuſten oder Wx⸗ Vergan⸗ großen er Con⸗ ſen hin⸗ wangs⸗ er indi⸗ Arme, Hülft, t noch onar⸗ heiten vphen ühlten ionen n von , die — 105— des Hrn. Godwin: Inquiry concerning political justice. (London 1792.), und die des Hrn. Malthus: An Essay on the principle of population.(Londeu 1798. 4.) Hr. Godwin ſchrieb in ſeinem Werke alles Uebel in der Staats⸗ geſellſchaft der Unvollkommenheit der politiſchen Einrichtungen und den Gebrechen der Regierungen zu. Malthus war mehr ergriffen von dem Widerſtande, den der Menſch dem geſell⸗ ſchaftlichen Fortſchritte entgegenſetzt durch die Leidenſchaften, die ſeiner Natur einwohnen, und durch ſeine geringe Neigung, ſie zu unterdrücken. Das Leſen eines Artikels des Hrn. God⸗ win über die Verſchwendung und den Geiz.*) be⸗ ſtimmte ihn, ſeine Ideen über dieſen Gegenſtand zu veröffent⸗ lichen, und nach einigen bei einer Arbeit von ſolcher Wichtig⸗ keit leicht begreiflichen Ueberarbeitungen, erſchien„der Verſuch über das Princip der Bevölkerung“ in England in dem vorletzten Jahre des XVIII. Jahrhunderts, gewiſſermaßen ein Geſammtüberblick der allgemeinen Enttäuſchung der Gei⸗ ſter. Dieſes Buch hat ein großes Aufſehen erregt, weil es auf einer einfachen, leicht zu verſtehenden und feſtzuhaltenden Idee ruht, und man hat es gräßlich mißverſtanden, weil es mehr als eine ſchlechte Neigung des Menſchen zu begünſtigen ſcheint, den Egoismus, die Hartherzigkeit, die Gleichgültigkeit gegen die Leiden ſeiner Mitmenſchen. Die Principien, auf denen es be⸗ ruht, haben deſſenungeachtet die Sanction mehrer Regierun⸗ gen erhalten, und ſie ſtreben ſo raſch in die Einrichtungen zu dringen, daß bald nur noch ihre Eroberungen zu verzeichnen ſein werden, ſtatt ihre Giltigkeit zu erörtern. Wir müſſen ſie daher in ihrer ganzen Nacktheit darſtellen, bevor wir ihre Fol⸗ gen prüfen, eine doppelte Aufgabe, welche die volle Unpartei⸗ lichkeit des Geſchichtſchreibers in Anſpruch nimmt. Dieſe Lehre ſtellt ſich mit dem unbiegſamen und abſoluten Charakter der Schickſalsnothwendigkeit dar. Der Verfaſſer hat ſich redneriſcher Vorſichten überhoben, er ſtellt, ohne die Miene zu verändern, es als eine augenſcheinliche, ſtetige, nothwen⸗ dige Thatſache auf, daß das menſchliche Geſchlecht blind dem *) Eingerückt in eine Nummer des Tageblatts the Inquirer. — 106— Geſetze der unbegrenzten Vermehrung gehorche, während ſich die Unterhaltsmittel, die es leben laſſen, mit ihm nicht in denſelben Proportionen vermehren. Dieſe Thatſache ſcheint ihm ſo erwieſen, daß er ſich nicht ſcheut, ſie als ein mathematiſches Axiom zu formuliren, und er behauptet, daß die Menſchen in geometriſcher Progreſſion und die Lebensmittel in arithmetiſcher zunehmen. Es würde ſonach ein Zeitpunkt eintreten, wo die Vorräthe nicht mehr für die Erdenpilger hinreichen würden, wenn jene verhängnißvolle Corrective, welche man Krankheiten, Elend, Tod nennt, nicht regelmäßig dazwiſchen träten, um das Gleich⸗ gewicht wieder herzuſtellen. Malthus-ſprach dieſes Urtheil über die Unglücklichen in unmenſchlichen Worten aus:„Ein Menſch, ſagte er*), der in einer ſchon occupirten Welt geboren wird, wenn ſeine Familie nicht die Mittel hat, ihn zu ernähren, oder wenn die Geſellſchaft ſeine Arbeit nicht nöthig hat, dieſer Menſch hat nicht das mindeſte Recht, irgend einen Theil von Nahrung zu verlangen, und er iſt wirklich zu viel auf der Erde. Bei dem großen Gaſtmahle der Natur iſt durchaus kein Gedecke für ihn gelegt. Die Natur ge⸗ bietet ihm abzutreten, und ſie ſäumt nicht, ſelbſt dieſen Befehl zur Ausführung zu bringen.“ Das iſt der Grund der Lehre von Malthus über die Bevölkerung. Wir müſſen nun ſehen, auf welche Beweisgründe er verſucht hat, dieſe Lehre aufzubauen. Statt ſtrenge zu beobachten, was in den geſittigten Staatsgeſell⸗ ſchaften, die ſchon lange her beſtehen, geſchieht, verſetzt ſich der Ver⸗ faſſer nach Amerika, in die Vereinigten Staaten, in ein noch unan⸗ gebautes, fruchtbares, unermeßliches Land, wo die Bevölkerung alle 25 Jahre ſich verdoppelt. Dieß iſt das Land, welches er als Vor⸗ bild der übrigen Welt wählt, und er nimmt nun ohne Bedenken an, daß das Menſchengeſchlecht mit derſelben Geſchwindigkeit überall *) Dieſe gräßliche Stelle wurde von Malthus in den letzten Ausgaben ſeines Buches unterdrückt; allein der Geiſt ſeiner Lehre iſt deßwegen nicht weniger mit einer kräftigen Wahrheit zuſammengefaßt, und er hätte eher die Lehre, als die Sprache ändern ſollen. ſonſ zune wicklung die Bevo dieſe an Krankhe zu viel derr ſe Geſchi chen d daß in Vergle Und fer in dieſer und Gr auf den ſten auf Nenſch Gelurt Liebe zut gen ware ren Haupt der Unglü als das El⸗ haben, küm lingen werd ſchen Ausdre end ſich nictt in int ihm atiſches chen in getiſcher wo die en, wenn „Elend, Gleich⸗ il über fenſch, wird, äͤhren, bthig einen ch zu Natur ur ge⸗ dieſen uund der ſen nun ſe Lehre tsgeſeln⸗ er Ver⸗ unan⸗ ng alle Vor⸗ en an, berall sgaben en nicht tie ehet —-— 107— ſonſt zunehmen würde, wenn nicht die Gewalt der Dinge dieſe Ent⸗ wicklung in gewiſſen Schranken hielte. Hat ſich aber einmal wirklich die Bevölkerung zur Höhe der Nahrungsmittel erhoben, und fangen dieſe an, zu mangeln, ſo beginnen, nach Malthus, die Laſter, Krankheiten, Drangſale aller Art über die Menſchen, die zu viel ſind, herein zu ſtürmen, und die Bevölkerung vermin⸗ dert ſich ſo lange, bis es Lebensmittel für Jedermann gibt. Die Geſchichte in der Hand, bemüht er ſich zu beweiſen, daß die glei⸗ chen Folgen immer aus den gleichen Lagen gefloſſen ſeien, und daß in dem barbariſchen, wie in dem geſittigten Zuſtande nie ein Vergleich zwiſchen der Dürftigkeit und dem Tode beſtanden habe. Und ferner, wenn der Tod nur allein käme! Aber er erſcheint in dieſer traurigen Lage nie, ohne von einem Gefolge von Verbrechen und Greueln aller Art begleitet zu ſein; ohne ſeine Trauerfahne auf den Hoſpitälern, den Strafarbeitshäuſern oder Blutgerü⸗ ſten aufzupflanzen. So ſchildert den Tod Malthus, ſo wie wir ihn ſchon oft geſehen haben, ohne es zu wagen, mit Malthus zu glau⸗ ben, daß er komme in ſolcher Geſtalt auf den Befehl Gottes ſelbſt und als eine Nothwendigkeit unſerer ſtaatsgeſellſchaftlichen Ord⸗ nung. Wir beginnen damit, die von Malthus behauptete doppelte Progreſſion zu beſtreiten; ehe wir aber dieſen Grundirrthum ſei⸗ nes Syſtems hervorheben, müſſen wir ſehen, welche ſchrecklichen Folgerungen er daraus ableitete. Er verkündete zuerſt die Ge⸗ fahr der Almoſenſpenden, der bleibenden oder zeitweiſen, öffentli⸗ chen oder Privatunterſtützungen; er verbot die Ehe, außer gewiſſen Menſchen, und verdammte Tauſende von Kindern noch vor der Geburt zum Tode. Die aus einer religiöſen. Geſinnung oder aus Liebe zur Wohlthätigkeit den Armen zugewandten Unterſtützun⸗ gen waren in ſeinen Augen nur mörderiſche Begünſtigungen, de⸗ ren Hauptergebniß ſei, die Trägheit zu ermuntern und die Zahl der Unglücklichen zu vermehren; denn nichts vermehrt ſich ſo ſehr, als das Elend, ſagte er, und die Leute, welche Nichts zu verlieren haben, kümmern ſich ſehr wenig um das, was aus ihren Abkömm⸗ lingen werden werde. Dieſes hatte ſchon Montesquieu in ironi⸗ ſchen Ausdrücken geſagt:„Die Leute, welche gar nichts haben, wie — 108— die Bettler, haben viele Kinder: denn es koſtet dem Vater nichts, ſein Gewerbe ſeinen Kindern zu geben, welche ſchon bei der Ge⸗ burt Werkzeuge dieſes Gewerbes ſind.“*) Aber Montesquieu hatte aus dieſer allgemeinen Neigung der Proletarier zur Sorg⸗ loſigkeit Nichts gefolgert: er hatte ſich darauf beſchränkt, ſie ſcharf zu bezeichnen, ohne ihre Urſache zu erforſchen. Malthus glaubte dieſe Urſache in den Ermunterungen gefunden zu haben, welche der Faulheit durch die Wohlthätigkeit geboten wurden, und ſeinen Blick in die Armenhäuſer und Findelhäuſer werfend, zeigte er alle Arten des Elends, welches der Mißbrauch der öffentlichen Wohlthätigkeit erzeugt hatte. Er wandte ſich von nun an an die ſtolzeſten und edelſten Gefühle des Menſchen und ſuchte den Vor⸗ zug der Vorſicht vor allen andern dem Alter oder den Gebrechlich⸗ keiten gebotenen Hilfsmitteln zu beweiſen. Noch nie bis jetzt war ein Syſtem in ſo unbedingte Aus— drücke gefaßt worden. Selbſt die Oekononiſten ließen ei⸗ nige Modificationen an ihrer Theorie vom Reinertrag zu: al⸗ lein Malthus erkannte keine Kapitulation als möglich in dem Kampf der Menſchen gegen die Natur: dieſe kläglichen Verhand⸗ lungen ſollten ſtets mit Todesurtheilen endigen. Er unternahm es daher unter dem Namen eines moraliſchen Zwanges eine der Ehe nur wenig günſtige Theorie zu predigen. Er ſuchte den arbeitenden Klaſſen zu beweiſen, daß durch die Vermehrung der Kinder ſie ſich Mitwerbungen ſchüfen, welche das Fallen der Löhne herbeiführen würden, und daß das ſicherſte Mittel, die Ka⸗ pitaliſten zu einem Vergleich zu nöthigen, wäre, ihnen nicht die ſtete Gelegenheit zu verſchaffen, die Arbeiter im Abſtreich zu wäh⸗ len. Der Staat ſelbſt war dabei betheiligt, unbeſonnenen Ehen heilſame Hinderniſſe entgegen zu ſetzen, weil die unvermeidliche Folge dieſer Verbindungen die Vermehrung der Laſter und des Elends jeder Art war. Leider gewahrte Malthus nur zu bald, daß die Eheloſigkeit nicht die Geburten hinderte; ſie machte ſie blos ungeſetzlich, und das war ein weiteres Uebel. Was ſollte alſo geſchehen, um dem Wachsthum der Bevölkerung eine Schranke *¼) Esprit des Lois, liv. XXIII., ch. XI. zu ſetzen, bindern! durch nie und glo müſſen, ſetz zu ſprund den ſe undd raum ſpiels und be hen kön folglich den die welcher ſagte) Stren rollte in di hen, ſtarb D Auff men Veriꝛ eine! men.. chen Ha er, den? — *) Nach Stetölihkei de auf 100, in zindelha 12581 in ſ nichts, er Ge⸗ zquieu Sorg⸗ t, ſie althus haben, en, und zeigte ntlichen an die Vor⸗ hlich Aus⸗ in ei⸗ 1 al⸗ dem chand⸗ rnahm es eine hte den ng der en der ie Ka⸗ ht die waͤh⸗ khen liche des ald, ſie ollte tanke — 109— zu ſetzen, weil man künftighin doch nicht die Geburt der Kinder bindern konnte? Malthus ſah dieſes Hinderniß, und ließ ſich da⸗ durch nicht ſchrecken. Er waffnete ſich mit einem ſtoiſchen Muthe, und glaubte den Kindern den Schutz der Geſetze entziehen zu müſſen, ſelbſt noch ehe ſie geboren werden. Er ſchlug vor, ein Ge⸗ ſetz zu geben, welches ausſprechen ſollte,„daß kein Kind, ent— ſprungen aus einer Ehe, die erſt nach dem Jahr geſchloſſen wor⸗ den ſei, das auf die Verkündung dieſes Geſetzes folgen würde, und daß kein uneheliches Kind, das zwei Jahre nach dieſem Zeit⸗ raum geboren würde, ein Recht auf die Unterſtützung des Kirch⸗ ſpiels haben ſollte. Dieſes würde, ſagte er, ein klarer, deutlicher und beſtimmter Wink ſein, deſſen Bedeutung Niemand mißverſte⸗ hen könnte. Niemand würde getäuſcht oder verletzt werden, und folglich hätte Niemand das Recht, ſich zu beklagen.“ Sonach wur⸗ den die Kinder in der Wiege für den Irrthum verantwortlich, welcher ihnen das Daſein gegeben hatte. Warum ſchaudert ihr, ſagte Malthus, euere Wohlthätigkeit iſt grauſamer, als meine Strenge, und euere Findelhäuſer ſind nichts als Katakomben. Er rollte zugleich die traurigen Tafeln der Sterblichkeit der Kinder in dieſen Pflegehäuſern auf, und man war gezwungen, zu geſte⸗ hen, daß ſie faſt alle dort in dem erſten Jahre nach ihrer Geburt ſtarben*). Dieſe ſchauerlichen Zuſammenſtellungen erregten ein großes Aufſehen in Europa. Malthus verfolgte ſie mit einer unbeugſa⸗ men Beharrlichkeit. Er wollte die Menſchheit über ihre eigenen Verirrungen aufſchrecken, und alle Menſchen von Gemüth zwingen, eine heilſame Selbſteinkehr vor ihrer Verehelichung vorzuneh⸗ men. Durch die Niederdrückung des allen Regierungen natürli⸗ chen Hanges, die Wohlthätigkeitsanſtalten zu vermehren, hoffte er, den Mißbräuchen dieſer Inſtitutionen ein Ziel zu ſetzen, welche, *) Nach den Berechnungen des Hrn. Benoiſton de Chäteauneuf, war die Sterblichkeit der Findelkinder 1817 in Madrid 67 auf 100, 1811 in Wien 92 auf 100, in Brüſſel von 1802- 1817 im Jahresdurchſchnitt 79 auf 100, im Findelhaus zu Dublin ſtarben von 1791— 1797 von 12,785 Kindern 12,361 in fechs Jahren. Welche Hinſchlachtung! — 110— nach ihm, nur dazu dienten, die ſocialen Krankheiten zu verſchlim⸗ mern, ſtatt ſie zu heilen. Die Eheloſigkeit, früher verachtet, wie ein ſelbſtſüchtiges Standesgelübde, wurde wieder zu Ehren ge⸗ bracht, und beinahe zum Rang einer Tugend erhoben. Man ſchloß die Spitäler, die Pflegeſtätten; man hörte auf, Almoſen zu ſpen⸗ den; man kümmerte ſich im Kreiſe der Wohlthätigkeit und der öf⸗ fentlichen Unterſtützungen um nichts mehr. Die Härte allein war künftighin den wahren Grundſätzen der Wiſſenſchaft, den Geſetzen der Natur gemäß: die Gefühlloſigkeit wurde als Spſtem aufgeſtellt. Man muß bekennen, daß eine ſolche Neuerung die edeln und zarten Gemüther tief empören mußte, für welche das Vergnügen, Wohl⸗ thaten zu verbreiten, ein Bedürfniß jeder Zeit iſt. Auch erhob ſich von allen Seiten her gegen die Lehre von Malthus ein allgemeiner Schrei der Mißbilligung. Es fehlte nur wenig, und der Verfaſ⸗ ſer wäre als ein gemüthloſer Menſch bezeichnet worden, welcher ſchaamlos der Menſchheit die ſchauderhafte Ironie ſeines Sy⸗ ſtems in's Geſicht warf. Es war dieſes das erſte Mal, ſagte man, daß man es wagte, ſo das Lob der Peſt, des Kriegs, der Hungersnoth und aller Drangſale auszuſprechen, welche über die Menſchheit verheerend hereinbrechen, indem man ſie als natür⸗ liche Geſetze darſtellte, beſtimmt, das Gleichgewicht zwiſchen der Bevölkerung und den Nahrungsmitteln zu erhalten. Die Prie⸗ ſter, die Frauen, die Philoſophen empörten ſich gegen die Kühn⸗ heit einer ſolchen Annahme, und Malthus ſah ſich lange Zeit, trotz ſeinen Privateigenſchaften, den verleumderiſchſten Anſchuldigun⸗ gen ausgeſetzt. Der Sturm hat ſich endlich über dem Grabe dieſes großen Schriftſtellers gelegt, und die Gerechtigkeit der Nachwelt hat für ihn begonnen. Er ſelbſt geſtand in ſeinen letzten Tagen, daß er die Folgerungen ſeines Grundſatzes übertrieben habe.„Es iſt ſehr wahrſcheinlich, ſagte er, daß, als ich den Bogen zu ſehr auf die eine Seite gebogen fand, ich geneigt wurde, ihn zu ſehr auf die andere Seite zu biegen, in der Abſicht, ihn gerade zu machen; aber ich werde ſtets geneigt ſein, aus meinem Werke verſchwinden zu machen, was durch zuſtändige Richter betrachtet werden wird, als habe es eine Tendenz, den Bogen zu hindern, wieder gerade zu wer⸗ —— den, und zuſetzen. ten Aus⸗ len unte der zu heit zu gen all Die w es hei tet.2 dem C nicht ge er nicht ahlreic weniger ſind, b wenigen verzehr hen du mer b kräfti zuſch man! welche annqh Entded die Au den noch indem es/ unbekannte wordenen 2 riln ſeine A und die Thäͤl „Zei erbärml ten, ſch mit w Vem man ſchlin⸗ t, wie en ge⸗ ſchoß ſpen⸗ der öf⸗ nwar eſetzen eſtellt. zarten Vohl⸗ — 111— den, und den Fortſchritten der Wahrheit ein Hemmniß entgegen⸗ zuſetzen.“ Und in der That haben wir geſehen, daß er in den letz, ten Ausgaben ſeines Buches die härteſten und empörendſten Stel⸗ len unterdrückt hatte. Sein Hauptirrthum iſt, faſt ausſchließlich der zu großen Vermehrung der Gattung die Leiden der Menſch⸗ heit zugeſchrieben, und, ſo zu ſagen, zum Voraus die Regierun⸗ gen aller Länder von jedem Vorwurf freigeſprochen zu haben. Die moraliſchen Urſachen ſind gewöhnlich zuſammengeſetzt, und es heißt ſie verkennen, wenn man ſie nur von Einer Seite betrach⸗ tet. Malthus hat ferner die Zunahme der Productionsmittel unter dem Einfluß der Arbeit und durch die Mitwirkung der Maſchinen nicht genug in Anſchlag gebracht. Er hat ſich geſtellt, als gewahrte er nicht, daß die Bevolkerungen unſerer Zeit, obwohl ſie unendlich zahlreicher ſind, als die der vergangenen Zeiten, nichts deſto weniger weit mehr Annehmlichkeiten genießen, beſſer gekleidet ſind, beſſere Wohnungen und Nahrung beſitzen, und daß ſie weniger als je der Gefahr ausgeſetzt ſind, ſich unter ſich ſelbſt zu verzehren. Vielleicht haben ſie mehre moraliſche Leiden auszuſte⸗ hen durch das Uebermaaß der Verſuchungen, welche ſie nicht im⸗ mer befriedigen können; allein dieſe Verſuchungen ſelbſt ſind ein kräftiger Sporn, welchem man einen großen Theil der Fortſchritte zuſchreiben muß, die alle Induſtriezweige gemacht haben. Nimmt man die Hypotheſe von Malthus an, ſo führt in dem Maaße, in welchem ſich die Bevölkerung dem Niveau der Nahrungsmittel annähert, die Nachfrage nach den neuen Erzeugniſſen nützliche Entdeckungen herbei, bei welchen die ganze Menſchheit gewinnt; die Auswanderungen führen nach und nach das Menſchengeſchlecht den noch nicht in Beſitz genommenen Erdſtrichen zu, welche es, indem es ſie bevölkert, befruchtet, und die Geſittung dringt ſo in unbekannte Länder, welche die für ihren Anbau nothwendig ge⸗ wordenen Vorſchüſſe hundertfach erſtatten werden. So hat Ame⸗ rika ſeine Auen und Wälder durch europäiſche Pflanzer beurbart, und die Thäler ſeiner großen Ströme, wo noch vor nicht langer „Zeit erbärmliche Horden von Jägern und Menſchenfreſſern irr⸗ ten, ſich mit wohlhabenden Städten bedecken geſehen. Wenn man mit einiger Aufmerkſamkeit die Karte der Erdkugel — 112— und die Fruchtbarkeit einer großen Anzahl kaum erkundeter Erd⸗ ſtriche unterſucht, ſo befürchtet man für das Menſchengeſchlecht nicht mehr die Uebel, mit welchen es durch die Vorausſagen von Malthus bedroht iſt. Selbſt die Auswanderung erſcheint nur noch als eine äußerſte Nothhilfe gegenüber den Verbeſſerungen, welche das Genie des Menſchen nie ermangelt, an die Erde zu verſchwenden, weil es in ihr neue Gewinnſte in dem Maaße findet, als ſie berufen iſt, neuen Anforderungen zu genügen. Hr. Ricardo*) hat in dieſer Beziehung den Gegnern von Malthus Nichts zu wünſchen übrig gelaſſen, und wir ſind über⸗ zeugt, daß der Verfaſſer des Buchs von der Bevölkerung ſelbſt gegen die Folgerungen ſeines eigenen Syſtems beruhigt werden mußte, wenn er nach ihrem wahren Werthe die ſchö⸗ nen Analyſen über den Fortſchritt des Landbaues würdigte, die von ſeinem berühmten Mitbürger dargelegt wurden. Es macht ſich zudem ein beſtändiger Austauſch der Fabrikerzeug⸗ niſſe gegen die natürlichen unter allen Völkern, ſo daß der Handel die Unzulänglichkeit des Landbaues heilt, und ein ein⸗ ſichtsvolles und arbeitſames Volk nie ohne Lebensmittel läßt. Die mit jedem Tage inniger werdenden Beziehungen, welche unter den geſittigten Nationen entſtehen, machen ihnen alsbald alle nützlichen Entdeckungen zum Gemeingut; Zeugen davon ſind die Dampfſchifffahrt, die Gasbeleuchtung, die Eiſenbahnen, welche man faſt zu gleicher Zeit in Europa, Aſien, Amerika und ſelbſt in Afrika annehmen ſieht. So durchfurchen gegenwärtig Dampf⸗ boote das rothe und adriatiſche Meer, ſegeln den Nil, den Ganges und Miſſiſippi, wie die Seine und Themſe hinauf, und bringen zum voraus für den Fall einer Hungersnoth das Getreide des ſchwarzen Meeres und der Vereinigten Staaten unſern volkreichen Städten nahe. Malthus iſt nicht der Erſte, welcher einen Schrei des Ent⸗ ſetzens über das Anwachſen der Bevölkerung ausgeſtoßen hat, und wir könnten mehr als einen Schriftſteller ſeines Vaterlandes anführen, welcher ſchon vor hundert Jahren in der Schreibart eines Jeremias die unmittelbaren Gefahren dieſer Zunahme *) In ſeinem Werke: Priuciples of politica! economy and taxatlon. heklagt! dem An. tig und Die Verdien als die bindun deter Frank welche dem B ſelbſ, haben, Edelmu belehrt, Armuth entdeckt geregel der E bens Malt welch theil jeder dürf gen, nicht ſchlie größe zurufe als ur folglic gerech paan gerad d r Erd⸗ ſhlecht en von nt nur ungen, Erde Maaße nügen. n von über⸗ rung uhigt ſchü⸗ igte, Es eug— der ein⸗ Die water d alle nd die welche ſelbſt ampf⸗ anges rzum rzen dten Ent⸗ hat, ndes bart ahme Kallob. — 113— beklagt hat. Was würden dieſe Propheten des Unglücks bei dem Anblick des Englands unſerer Tage ſagen, das reich, mäch⸗ tig und zweimal bevölkerter iſt? Die Lehre von Malthus wird aber deßwegen nicht minder das Verdienſt haben, die Aufmerkſamkeit der Regierungen ſowohl, als die der Bürger auf die Gefahr unvorſichtiger ehelicher Ver⸗ bindungen und ohne einſichtsvolle Unterſcheidung verſchwen⸗ deter Unterſtützungen gelenkt zu haben. Schon hat dieſe Lehre Frankreich von der Nachahmung der fehlerhaften Geſetze bewahrt, welche in England die Armentaxe geſchaffen, und welche dort aus dem Bettel ein gelohntes Gewerbe gemacht haben. In dem Lande ſelbſt, in welchem dieſe Geſetze ſo lange ſouverain geherrſcht haben, ſind ſie jüngſt abgeändert worden, und der öffentliche Edelmuth, künftighin durch die Erfahrung der Vergangenheit belehrt, lernt das unverſchuldete Unglück von der freiwilligen Armuth unterſcheiden. Das Chriſtenthum, haben wir geſagt, entdeckte die Wohlthätigkeit; die politiſche Oekonomie hat ſie geregelt. Die klugen Menſchen haben ferner über die Folgen der Ehe nachdenken gelernt, und dieſer feierliche Act des Le⸗ bens wird nicht mehr ſo leichtſinnig angeſehen, wie früher, ehe Malthus die ungeheure Verantwortlichkeit würdigen gelehrt hatte, welche er auferlegt. Indem die Geſellſchaft ſich bei der Ver⸗ theilung der öffentlichen Unterſtützungen ſtrenger zeigte, hat ſie jeden Bürger aufgefordert, durch Erſparung ſelbſt für die Be⸗ dürfniſſe ſeiner alten Tage und der Zeit ſeines Leidens zu ſor⸗ gen, und wenn ſie nach dem Rath von Malthus auch noch nicht gewagt hat, die verlaſſenen Kindern geöffneten Aſyle zu ſchließen, ſo hat ſie doch wenigſtens Maaßregeln ergriffen, um eine größere Zahl von Müttern zu den Pflichten der Natur zurück⸗ zurufen, welche ſie oft weniger durch einen Fehler des Herzens, als unter dem Einfluſſe des Elends verkennen. Man muß es folglich Malthus verzeihen, daß er ſtark geſchlagen hat, ſtatt gerecht zu ſchlagen, und den Bogen zu ſehr auf eine Seite ge⸗ ſpannt hat, wie er es ſelbſt ſagte, um ihn von der andern gerade zu machen. Er hat dem ganz natürlichen Zuge ge⸗ Blanqaui, Geſchichte d. polit. Oekonomie, II. Bd. 8 — 114— folgt, einen einfachen und ergreifenden Gedanken zu generali⸗ ſiren, und ihn wie ein Geſpenſt in die erſchreckte Welt zu wer⸗ fen. Sein Zweck war, den Schrecken zu benützen, welchen ein ſolcher Gedanke einflößen mußte, um ſeinen Zeitgenoſſen eine größere Thätigkeit in allen Dingen zu gebieten, und ihnen den ökonomiſchen Sinn des drohenden Rufs von Boſſuet: Voran! Voranl nachzuweiſen. Man hat geſehen, daß Malthus zur Herausgabe ſeines Wer⸗ kes durch das Leſen der politiſchen Schriften des Hrn. God⸗ win, dieſes kräftigen Utopiſten, beſtimmt worden war, welcher die Regierungen für ſämmtliche Unvollkommenheiten der Menſch⸗ heit ausſchließlich verantwortlich machen wollte. Dieſes war auch die Lehre von J. J. Rouſſeau, und er hatte es in dogma⸗ tiſchen Ausdrücken an dem Tage ausgeſprochen, wo er geſagt hatte:„Alles iſt gut, wenn es aus der Hand des Schöpfers bervorgeht; Alles entartet unter den Händen des Menſchen.“ Condorcet hatte die Kühnheit weiter getrieben, und er hatte ſich nicht geſcheut, zu behaupten, daß, wenn der Menſch der Natur folgen wollte, er in's Unendliche die Grenze ſeines Daſeins auf der Erde zurückſchieben würde. Godwin bildete ſich ein, daß er nur die Folgerungen aus ihren Ideen ziehe, wenn er die Aufhebung der Regierungen, der Religionen, des Eigen⸗ thums, der Ehe und der minder wichtigen Inſtitutionen vor⸗ ſchlage, welche aus jenen ſtammen. Man muß ſich an dieſe Uebertreibungen zurück erinnern, um ſich die Uebertreibung des Syſtems von Malthus zu erklären. Die menſchlichen In⸗ ſtitutionen, ſagt er, ſind, welche Uebel ſie auch immerhin der Ge⸗ ſellſchaft verurſachen können, doch in der That nur leichte und oberflächliche Urſachen, Nichts als Federn, welche auf dem Waſſer oben auf ſchwimmen, im Vergleich mit jenen tiefern Quellen des Uebels, welche aus den Geſetzen der Natur und der Leidenſchaft eines Geſchlechtes für das andere ſtammen. Weit entfernt, daß die Leiden der Menſchheit der Unerfahrenheit der Regierungen und ihrem Sträu⸗ ben gegen die Reformen zugeſchrieben werden müſſen, muß man vielmehr der Ueberwucherung der Bevölkerung ſämmtliche Uebel zurechnen ſten wüt Elend n ſchleuden geſtachel Ordnun Rufe d die wol ſein ſie haltun klarte Verunt wenn ſi den, aus Es laͤ in einen deſſen? ſchien, zöſiſchen geſchri und d Refor meine trug Malth dem E ſten ge ihrem gleichſan ſtigen S ger der nen, un *) Ch. Malthus. erali⸗ ver⸗ en ein eine n den oran! 8 Wer⸗ n. God welcher Menſch⸗ ſes war dogma⸗ er geſagt Söchöpfers enſchen.“ hatte ſich er Natur eins auf in, daß er die Eigen⸗ nen vor⸗ an dieſe treibung hen In⸗ er Ge⸗ te und auf ˖mit en der s für en der Sträu⸗ uß man he Uebel — 115— zurechnen, von welchen ſie niedergebeugt iſt.„Der Ehrgeiz der Für⸗ ſten würde der Werkzeuge der Zerſtörung ermangeln, wenn das Elend nicht die niederen Klaſſen des Volkes unter ihre Fahnen ſchleuderte. Malthus glaubte, daß die unabläſſig von der Noth geſtachelte Menge nur durch den härteſten Despotismus in der Ordnung erhalten werden könne; nach ſeiner Anſicht waren die Rufe der Demagogen, indem ſie um die beſtehende Staatsgewalt die wohlhabenden Klaſſen der Geſellſchaft verſammelten, deren Da⸗ ſein ſie bedrohten, die Urſachen aller ſchlechten Geſetze und der Er⸗ haltung aller Mißbräuche. Er begriff nicht, daß eine aufge⸗ klärte Nation lange Zeit die fehlerhaften Inſtitutionen und die Veruntreuungen einer verdorbenen Regierung ertragen könnte, wenn ſie ſich nicht von noch ärgeren Uebeln durch einen blin⸗ den, ausgehungerten Pöbel bedroht glauben würde*). Es läßt ſich leicht begreifen, mit welcher Gunſt dieſe Lehre in einem Lande, wie England, aufgenommen werden mußte, deſſen Ariſtokratie in der Zeit, wo das Buch von Malthus er⸗ ſchien, einen erbitterten Kampf mit den Grundſätzen der fran⸗ zöſiſchen Revolution zu beſtehen hatte. Baböuf hatte noch nicht geſchrieben; aber man erinnerte ſich der Pamphlete Marat's, und der blutigen Verſuche unſerer Niveleurs. Man hatte die Reformer dieſer Schule am Werk geſehen, und das allge⸗ meine Gefühl des Schauders, welchen ſie eingeflößt hatten, trug nicht wenig zu dem glücklichen Erfolg der Lehre von Malthus bei. Seine Theorie von der Bevölkerung wurde mit dem Enthuſiasmus einer Partei gefeiert; denn ſie ſtellte die tief⸗ ſten geſellſchaftlichen Ungleichheiten und all das Elend, das ſie in ihrem Gefolge nachſchleppen, unter den Schutz der Vorſehung, ſie gleichſam als ihr eigenes Werk betrachtend. Die dem Volk gün⸗ ſtigen Schriftſteller ſtellten ſich auf die eine Seite, die Anhän⸗ ger der Privilegien verſchanzten ſich auf der andern, die Ei⸗ nen, um dieſes neue Dogma der Fatalität anzugreifen, die *) Ch. Comte, Notice historique sur la vie et les travaux de Malthus, vorgeleſen im Inſtitut am 28. December 1836. 8. — 116— Andern, um es zu vertheidigen. Dieſes war keine Erörterung mehr, ſondern ein Kampf, aus welchem die Wahrheit geſund und ſicher hervorzugehen viele Mühe gehabt hätte, wenn die Zeit, welche Alles an ſeine Stelle ſetzt, nicht die Parteien ge⸗ zwungen hätte, endlich anzuerkennen, was Uebertriebenes in ihren reſpectiven Anſprüchen liege. Godwin war ſchon viel ge⸗ mäßigter in ſeinen Unterſuchungen über die Macht der Zunahme der Bevölkerung, als in ſeiner Abbandlung über die politiſche Gerechtigkeit; und Malthus ſelbſt hatte ſich, wie wir geſagt haben, vor competenten Richtern, d. h. vor den Ereigniſſen, verbeſſert, welche ſeine Ideen geän⸗ dert hatten. Seine Lehre konnte in der That keine ſtrenge Prüfung in den abſoluten Ausdrücken aushalten, in welchen er ſie darge⸗ legt hatte. Dieſe Richterſprüche der Aechtung, gegen Kinder, gegen Greiſe und Gebrechliche geſchleudert, verdienten nicht, durch das öffentliche Gewiſſen ſanctionirt zu werden. Eine in⸗ nere Stimme rief jedem Menfchen zu, daß die gebietendſten und ſüßeſten Gefühle, das der Liebe, das der Vaterſchaft, ihm nicht durch den Schöpfer als eine Quelle der Bitterkeit und des Elends hatten gegeben werden können. Die Fehler und Verbre⸗ chen durften nicht den nämlichen Urſprung, wie die Tugenden haben. Die einfachſte Analyſe der menſchlichen Arbeit genügte, um einerſeits nachzuweiſen, daß, wenn die Bevölkerung in Folge ihrer Zunahme eine größere Menge von Nabrungsmitteln for⸗ dere, ſie in ſich ſelbſt die Mittel beſitze, dafür zu ſorgen. Man ſah alltäglich einen Menſchen allein durch ſeine Arbeit Erzeugniſſe ge⸗ nug ſchaffen, um zehn ſeiner Mitmenſchen zu ernähren. Man be⸗ baute neue Ländereien, wann das Bedürfniß von Lebensmitteln bei ihnen den Kapitalen des Landbauers regelmäßige Gewinnſte ſicherte. Die Geſetze zu Gunſten der Armen, welche Malthus als ſo heillos hervorgehoben hatte*), durften nur als ein Erſatz für die Almoſen betrachtet werden, welche durch die Klöſter ge⸗ *) Malthus nannte dieſe Geſetze„ein Uebel, gegen welches die Natio⸗ nalſchuld mit all dem Schrecken, welchen ſie einflößt, nur von geringer Bedeutung iſt.“ ſpendet tismus Laſter u nen deren Di tigt. zuglei ſich au niſcher ſogar *) l’ manki terung geſund un die jen ge⸗ nes in dill ge⸗ chider bandlong zus ſelbi Nichtern, en geän⸗ fung in darge⸗ Kinder, richt, Line in⸗ gen und im nicht und des Verbte⸗ Tugenden genügte, in Folge tteln for⸗ Man ſah gniſſe ge⸗ Man hi⸗ zmitteln rwinnſte hus als Erſatz ſter ge⸗ die Nalio⸗ — 117— ſpendet worden waren, deren Einkünfte der engliſche Proteſtan⸗ tismus confiseirt hatte, und nicht als eine Ermuthigung zum Laſter und zur Faulheit. Der Verfaſſer hatte immerhin ſagen moͤ⸗ gen,„daß man der Natur die Sorge überlaſſen ſolle, den Ar⸗ men für das Verbrechen der Dürftigkeit zu ſtrafen“; Niemand betrachtete deßwegen die Dürftigkeit als ein Verbrechen und den Reichthum als eine Tugend. Hr. Godwin hat mit einer großen Ueberlegenheit des Gei⸗ ſtes dieſen ganzen Theil der Lehre von Malthus widerlegt, welche von der engliſchen Ariſtokratie ſo günſtig aufgenommen worden war, weil ſie mit ihren natürlichen Sympathien vollkom⸗ men übereinſtimmte.„Wehe über das Land, ſagte er, wo ein Menſch aus der Klaſſe des Volkes ſich nicht verheiraten kann, ohne die Ausſicht zu haben, ſeine Würde und Unabhängigkeit zu verlieren! Wehe über das Land, wo, wenn unvorgeſe⸗ hene Unfälle dieſen Menſchen niederdrücken, man ihm zuruft, daß er gar kein Recht habe, Unterſtützungen anzuſprechen, welche ihm helfen, ſich aus ſeiner ſchwierigen Lage zu ziehen! Man kann verſichert ſein, daß irgend ein gefährliches Gebre⸗ chen in der geſellſchaftlichen Ordnung liege, dort, wo ein ſol⸗ cher Menſch nicht eine billige Hoffnung haben wird, ſeine Fa⸗ milie durch die Arbeit ſeiner Arme zu ernähren, obwohl er in dem Augenblick ſeiner Verheiratung Nichts beſaß“*). Und weit entfernt, den Regierungen die Sorgloſigkeit oder die Härte für das Unglück zu empfehlen, glaubte Godwin richtig, daß es ih⸗ nen zuſtehe, Tag und Nacht an den Verbeſſerungen zu arbeiten, deren der geſellſchaftliche Körper bedürfe. Die Erfahrung hat auch fortwährend dieſe Anſicht gerechtfer⸗ tigt. Das Volksvermögen wächſt faſt in allen Ländern Europa's zugleich fort, wie die Bevölkerung, und dieſe Erſcheinung zeigt ſich auf eine ſo allgemeine und compacte Weiſe, daß ein amerika⸗ niſcher Volkswirthſchaftsgelehrter, Hr. Alexander Everett, ſogar das Wachsthum der Bevölkerung als die weſentliche Ur⸗ *) Inquiry concerning the power of increase in the numbers of mankind.(Lond. 1821.) Book VI., chapt. VI. — 118— ſache ſeiner Fortſchritte in jeder Art betrachtete. Er war der An⸗ ſicht, daß, weil die Erzeugniſſe der Arbeit ſtets im Verhältniſſe zur Arbeit ſelbſt und folglich zur Bevölkerung ſtehen, die Nahrungs⸗ mittel für die Individuen nur von der mehr oder minder billigen Vertheilung der Gewinnſte unter den bei den verſchiedenen Gewer⸗ ben Beſchäftigten abhängen. Dieſe Gewerbe ſelbſt entwickeln ſich jeden Tag mehr auf einem beſchränkten Staatsgebiete, entweder durch die Vervollkommnung des Landbaus, oder durch die Aus⸗ dehnung des Handels. Die jungen Aeſte geben, anſtatt den Stamm zu erſchöpfen, ihm neue Kraft, und werden Elemente des Wohlſtands, ſtatt, wie Malthus annimmt, eine Urſache des Un⸗ tergangs und der Entartung zu ſein. Uebrigens ſtammen die Schreckniſſe über die Entwicklung der Be⸗ völkerung aus einer viel frühern Zeit, als die war, in welcher das be⸗ rühmte Werk von Malthus erſchien. Die früheren Schriften über po⸗ litiſche Oekonomie ſind ganz von der Unruhe durchdrungen, welche unſere Väter bei dem Anblick der großen Familie, zu deren Vermeh⸗ rung ſie übrigens ſo kräftig beitrugen, folterte. Ihre Rufe über das Elend ließen ſich vorzugsweiſe in den Hauptſtädten vernehmen, und mehr als ein König von Frankreich hielt es in ſeiner Beſtür⸗ zung für nothwendig, den Umfang der Stadt Paris zu beſchrän⸗ ken, deren unabläſſig hinausgeſchobenen Schlagbäume noch weiter hinauszurücken ſtreben. Dieſelbe Erſcheinung wurde in London beobachtet, einer Stadt, welche ſo ſehr bevölkert iſt, als gewiſſe Kö⸗ nigreiche, und in welcher mehr als eine Million von Zehrern be⸗ quem auf einem Raume lebt, welcher nicht für die Ernährung von fünfhundert Menſchen genügen würde, wenn er beſtimmt wäre, dafuͤr zu ſorgen. Allein dieſe eiteln Schreckniſſe verſchwinden vor der Widerſinnigkeit der angeblichen Zunahme der Bevölkerung in geometriſcher Progreſſion. Malthus ſelbſt hat anerkannt, daß man gar keine Nation anführen könne, deren Bevölkerung ſich nicht durch phyſiſche oder moraliſche Einflüſſe unter dem Niveau gehalten habe, welches durch die Erzeugniſſe des Bodens beſtimmt war; ohne dieſes würden wir bleibende Hungersnöthe oder perio⸗ diſche Epidemien geſehen haben, während dieſe Drangſale im All⸗ gemeinen nur in den Zeiträumen herxvorgebrochen ſind, in wel⸗ chhen die ren, ale dem jug alle fün als das hundert regelm ben wi Sitter ſchen, wande Mal gungen dem Gr heit er thum d eingeſe Gattur nem W Jucht fahre gegen jeden heilig Kinde menge Gefay künfnig. alle and wurden welches und ar Theil ni religiöſe *) De An e zur ings⸗ ligen ewer⸗ lnſcc weder eAus⸗ t den te des Un⸗ . Be⸗ sͤbe⸗ rpo⸗ elche meh⸗ er das hmen, Beſtür⸗ ſchrän⸗ weiter London iſſe Koö⸗ ern be⸗ g von wäre, vor g in daß ſich veau immt erio⸗ nAll⸗ wel⸗ V V — 119— chen die verſchiedenen Staaten unendlich weniger bevölkert wa⸗ ren, als ſie es gegenwärtig ſind. Das Beiſpiel, welches Malthus dem jugendlichen Amerika entnommen hat, wo die Bevölkerung alle fünfundzwanzig Jahre ſich verdoppelt, iſt nicht ſchlagender, als das Schwedens, wo, nach Hrn. Godwin, ſie ſich nur alle hundert Jahre verdoppelt. Die Geſellſchaften durchſchreiten nicht ſo regelmäßige Perioden, wie die Geſtirne und die Jahreszeiten, ha⸗ ben wir geſagt; und die politiſchen Inſtitutionen üben mit den Sitten einen Einfluß, welcher das natürliche Streben der Men⸗ ſchen, arithmetiſch oder geometriſch ſich zu vermehren, tief um⸗ wandelt. Malthus hat ſonach vergebens den Krieg den häuslichen Nei⸗ gungen, der öffentlichen und Privatmildthätigkeit, der Kindheit, dem Greiſenalter in dem ſchlecht verſtandenen Intereſſe der Menſch⸗ heit erklärt. Der Himmel hat weder gewollt, daß der Reich⸗ thum das Monopol aller Genüſſe, auch die der Liebe und der Ehe eingeſchloſſen, haben ſollte, noch daß ein Theil der menſchlichen Gattung als Opfer dem andern hingegeben werden ſollte; mit Ei⸗ nem Worte, die Geſellſchaft ſoll eben ſo wenig ein Kloſter, als ein Zuchtgehege ſein. Gleichwohl hat durch Uebertreibung der Ge⸗ fahren der Bevölkerung Malthus wenigſtens die Regierungen gegen die Mißbräuche der Wohlthätigkeitsanſtalten verwahrt, und jedem Menſchen fühlbar gemacht, daß das Geſellſchaftsgeſetz ihm heilige Pflichten der Vorſicht und Erhaltung für ihn und ſeine Kinder auferlege. England hat von da an die Reform ſeiner Ar⸗ mengeſetze begonnen, und die andern Länder haben ſich gegen die Gefahr ihrer Nachahmung ſicher geſtellt. Die Mildthätigkeit wird künftighin eben ſo rege, aber aufgeklärter ſein. Sie wird ſich, wie alle andern Tugenden, unter Regeln ſtehend glauben, und ſchon wurden dieſe Regeln in Frankreich in einem Werke verzeichnet*), welches zugleich an der ſtrengen Vorſicht von Malthus und an der hochherzigen Menſchenliebe Godwin's Theil nimmt. Man möchte ſogar ſagen, daß dieſer Vergleich den religiöſen Geiſtern ungenügend erſchien, für welche die Wohlthätig⸗ *) De m charitèé, pur M. Duchätel. 9. 0 — 120— keit die heiligſte der Pflichten iſt. Einer unſerer ehrenwertheſten Magiſtrate*) hat unter dem Titel:„chriſtliche Staatshaus⸗ haltung“ ein oft beredtes und immer aufrichtiges Manifeſt ge⸗ gen die Lehren von Malthus erlaſſen. Er greift ſie allerdings weit mehr als Apoſtel, denn als Volkswirthſchaftsgelehrter und Staatsmann an; allein er hat ſehr gut ihre Unfähigkeit hervorge⸗ hoben, die Bevölkerungen ſittlich zu machen, und das Eindringen der Leiden zu verhüten, welche die Menſchheit heimſuchen. Schon mehre Jahre vor dem Erſcheinen ſeines Buches hatte eine Ver⸗ wahrung, welche in Europa Anklang fand, der öffentlichen Rüge die Lehre von der unbeſchränkten Arbeit der Arbeiter und das von den Gewerksherren gegen ſie ausgeübte Recht der Ent⸗ laſſung bezeichnet. Hr. v. Sismondi hatte ſich nicht geſcheut, ein Geſetz vorzuſchlagen, kraft deſſen die Gewerbsunternehmer gehalten ſein ſollten, für ſämmtliche Bedürfniſſe ihrer Arbeiter im Zuſtand der Geſundheit, der Krankheit, in allen Lebensaltern unter der Bedingung zu ſorgen, daß dieſe Letzteren ſich nur mit der Ermächtigung der Erſteren ſich ver⸗ heirathen dürften. Er ſchritt ſonach bis zu den Zünften und Mei⸗ ſterrechten zurück, und forderte von den arbeitenden Klaſſen ihre Freiheit gegen ihr Brod. So ernſt und ſchwierig, ſo ſchreckend iſt die Frage, wenn man ſich der Verſuche von 1793 und der Lei⸗ den von 1830, der Ludditen von Mancheſter und der Aufrüh⸗ rer von Lyon erinnert! Sämmtliche Regierungen Europa's haben ſeit dieſem Augen⸗ blick unabläſſig gegen das Princip der Unordnung und der Stö⸗ rung angekämpft, welche die Ungewißheit dieſer Frage überall nach ſich zieht. Vergebens iſt die Gütererzeugung mit dem Schritt des Rieſen vorangeeilt: die Abſatzwege bieten ihr nicht immer einen günſtigen Abfluß und die Vertheilung der Gewinnſte macht ſich nicht mit jener augenfälligen Billigkeit, welche alle Ue⸗ berzeugungen und alle Intereſſen wieder vereinigt. Der mora⸗ liſche Zwang von Malthus verhindert nicht eine einzige un⸗ vorrſichtige Ehe, und verhütet nicht eine einzige uneheliche Geburt. *) Hr. von Villeneuve⸗Bargemont, ehemaliger Präfect. Die Rat Menſche von Sie nen, als über iſt hat; u gefund ſind g ihnen hoffen am W zu löſe ſeren( den Co Schule weiter dröhne des † über beſch die weil des Don hat und! theſten p aus⸗ feſt ge⸗ dings er und vorge⸗ dringen Schon ne Ver⸗ rtlichen r und Ent⸗ heut, hmer drer heit, daß ver⸗ Mei⸗ nihre reckend er dei⸗ Lufrüh⸗ lugen⸗ Stu⸗ berall dem nicht mnſte Ue⸗ pra⸗ un⸗ vurtt. — 121— Die Rathſchläge des Hrn. Duchätel ergehen nur an die gebildeten Menſchen, und das Einſchreiten des Geſetzes, ſo wie es Hr. von Sismondi fordert, wird eben ſo ſehr von unſern Inſtitutio⸗ nen, als von unſern Sitten zurückgewieſen. Die Erörterung hier⸗ über iſt noch auf dem nämlichen Punkte, wo ſie Malthus gelaſſen hat; und obwohl dieſer Schriftſteller, wie Turgot, eine Regierung gefunden hat, die bereit war, ſeine Verſuche zu begünſtigen, ſo ſind gleichwohl dieſe Verſuche noch nicht ſchlagend genug, um von ihnen eine wahrhaft wiſſenſchaftliche und entſcheidende Löſung zu hoffen. Wir werden bald berathende Verſammlungen, kühne Neuerer am Werke finden, die es verſuchen werden, den gordiſchen Knoten zu löſen, und die Vertheilung der Gewinnſte der Arbeit auf beſ⸗ ſeren Grundlagen aufzuführen: die conſtituirende Verſammlung, den Convent, die Saint⸗Simoniſtiſche Schule, die ſocialiſtiſche Schule und viele andere; in was haben ihre großen Verſuche uns weiter gebracht? Wir hören, wie eine aus dem Abgrund herauf dröhnende Stimme das ernſte Wort des Hrn. v. La Mennais, des Paters Bridaine der politiſchen Oekonomie; allein er klagt über die Arbeiter eben ſo ſehr, als über die Gewerbsherren, und beſchränkt ſich darauf, den Einen die Mildthätigkeit, den Andern die Ergebung zu empfehlen. Seine heftigen Parabeln mahnen bis⸗ weilen an die philoſophiſche und politiſche Geſchichte des Abbé Raynal; aber man hat noch nicht die Unfälle von St. Domingo vergeſſen. Nicht die fieberiſche Beredtſamkeit Raynal's hat die Neger entfeſſelt, ſondern der Verſtand von Wilberforce und die Weisheit des engliſchen Parliaments. —- 122— Hauptſtück XXXVI. Von dem Einfluſſe der Schriftſteller des 18ten Jahrhunderts auf den Gang der politiſchen Oekonomie in Europa.— Geiſt der Geſetze. — Oekonomiſche Werke von J. J. Rouſſeau.— Wirthſchaftliche Anſich⸗ ten Voltaire's.— Der Abbé Raynal. Es iſt gerecht, den Philoſophen des 18ten Jahrhunderts einen Theil der Ehre zuzuſchreiben, welche auf die Volks⸗ wirthſchaftsgelehrten rückſichtlich ſämmtlicher Reformen fällt, die am Ende dieſes Jahrhunderts ausgeführt oder verſucht worden ſind. Ihre Schriften enthielten den Keim derſelben, und obwohl darin eine ſchwankende Ungewißheit über die meiſten ſocialen Fragen herrſcht, welche durch die Schule Quesnay's, durch die von Adam Smith und ſelbſt durch Malthus auf⸗ gegriffen worden ſind, ſo kann man doch nicht anders als zu⸗ geſtehen, daß Montesquieu, Rouſſeau, Voltaire, der Abbé Ray⸗ nal die Vorläufer dieſer großen Meiſter in der Wiſſenſchaft der Volkswirthſchaft waren. Der unermeßliche Glanz, in wel⸗ chem die literariſchen Werke der Encyclopädiſten ſtrahlten, ſcheint die Aufmerkſamkeit der Nachwelt ausſchließlich auf ſich gezogen zu haben; allein der Theil, der uns gegenwärtig entgeht, der⸗ jenige, welchen man am wenigſten liest, iſt der wahre Aus⸗ gangspunkt aller volkswirthſchaftlichen Theorien der Neuzeit. Sie ſind da im embryonenartigen Zuſtand, ſämmtlich bereit, unter der brennenden Atmoſphäre der franzöſiſchen Revolution ausgeboren zu werden, und es genügt das ungeübteſte Auge, um ſie zu erkennen und zu bezeichnen. Montesquieu nimmt den erſten Rang unter den Publi⸗ ciſten ein, welche ihre Blicke auf die höchſten Fragen der poli⸗ tiſchen Oekonomie geworfen haben; und obwohl er ſich oft täuſcht, obwohl er in vielen Beziehungen die Vorurtheile ſei⸗ ner Zeitgenoſſen getheilt hat, ſo verdanken wir ihm doch die erſten wahrhaft neuen und kühnen Andeutungen, welche über den Einfluß des Handels bekannt gemacht worden ſind, und ei⸗ nige m gibt es Würditg der Sk Freihei auf di gewag theuer aus dieſer Verdi ten: ſ Wir gerhand der dur kunde, quieu's ſich ha zum L foſtr bilde Seel verſe daß Men wir/ zu ſehl Juf; dei in den K tet ſch ſo nen Aufr zu machen ſchloſſen; *) Esprit, *t) Boprit f den ſete. Anſch⸗ underts Volks⸗ füll, rſucht , und eiſten nays, auf⸗ 8 zu⸗ Nay⸗ nſchaft wel⸗ ſcheint gezogen :, der⸗ Aus⸗ euzeif. ereit ution ugt⸗ bli⸗ oli⸗ oft ſei⸗ die über nd ei⸗ -— 123— nige merkwürdige Analyſen der Theorie des Geldes. Was gibt es, ſelbſt noch gegenwärtig, Wahreres, als jene ſchöne Würdigung des Charakters der Abgaben!„Die Kopfſteuer iſt der Sklaverei natürlich; die Steuer von den Waaren iſt der Freiheit natürlicher, weil ſie ſich auf eine minder directe Weiſe auf die Perſon bezieht.“ Es iſt Montesquieu, der es zuerſt gewagt hat, zu ſagen, daß die freieſten Regierungen auch die theuerſten ſeien*), und wenn dieſe Lehre in unſern Tagen aus andern Gründen, als aus denen wahr iſt, von welchen dieſer große Mann ſprach, ſo hatte er nichts deſto weniger das Verdienſt, ſie entdeckt zu haben. Er hat angefangen, zu ſchrei⸗ ten: ſpäter hat man nur die Bewegung erklärt. Wir haben ſeit dreißig Jahren das Colonialſyſtem und den Ne⸗ gerhandel heftig angegriffen; allein was gibt es, abgeſehen von der durch das engliſche Parliament erlaſſenen Freilaſſungsur⸗ kunde, Beredteres auf der Welt, als das Hauptſtück Montes⸗ quieu's über die Negerſklaverei!„Diejenigen, von denen es ſich handelt, ſagt er**), ſind ſchwarz von der Fußſohle bis zum Scheitel, und ſie haben eine ſo breit gedrückte Naſe, daß es faſt unmöglich iſt, ſie zu beklagen. Man kann ſich nicht ein— bilden, daß Gott, welcher ein ſehr weiſes Weſen iſt, eine Seele, zumal eine gute Seele, in einen ganz ſchwarzen Körper verſenkt haben ſollte... Wir können unmöglich annehmen, daß dieſe Leute da Menſchen ſeien, weil, wenn wir ſie als Menſchen annähmen, man anfangen würde, zu glauben, daß wir ſelbſt keine Chriſten ſeien. Kleine Geiſter übertreiben gar zu ſehr die Ungerechtigkeit, welche man den Afrikanern angethan hat: denn wenn ſie ſo arg wäre, wie ſie ſagen, ſollte es da nicht in den Kopf der europäiſchen Fürſten gekommen ſein, welche un⸗ ter ſich ſo viele unnütze Uebereinkömmniſſe ſchließen, daraus ei⸗ nen Aufruf zu Gunſten des Mitleids und des Erbarmens zu machen!“ Dieſes Uebereinkömmniß wurde, Gott ſei Dank, ge⸗ ſchloſſen; allein wer könnte leugnen, daß es hauptſächlich der erha⸗ *) Esprit des lois, liv. XIII., chap. XII. **F) Esprit des lois, liv. XV., chap. V. — 124— benen Ironie der Schutzrede Montesquieu's zu verdanken ſei! Die politiſche Oekonomie hat den theuren Preis der Negerarbeit und die beziehungsweiſe Ueberlegenheit des Anbaues durch freie Hände erwieſen; Montesquieu hat es beſſer gemacht; er hat den Schauder gegen die Sklaverei eingeflößt; er hat ſie gebrand⸗ markt; er hat ſie auf die Stirne gezeichnet; die Geſetzgeber hatten nur ſeinen Richterſpruch in die Regiſter einzutragen. Der Geiſt der Geſetze hatte ſchon dieſe ernſte Frage, noch lange vor den Rednereien Raynals und vor den Beſchlüſſen des Convents entſchieden. Ich beeile mich, an Montesquieu die Schuld der Wiſſenſchaft und der gegenwärtigen Epoche abzutragen. Man höre ſeine Begriffsbeſtimmung vom Handel, von welcher man glauben ſollte, daß ſie irgend einer Thronrede von dieſem Jahre in Frankreich oder England entnommen worden ſei:„Die natür⸗ liche Wirkung des Handels iſt, zum Frieden zu führen. Zwei Nationen, welche unter ſich Handel treiben, machen ſich wech⸗ ſelſeitig abhängig: wenn die eine ein Intereſſe hat, zu kaufen, ſo hat die andere ein Intereſſe, zu verkaufen, und alle Ver⸗ bindungen ſind auf wechſelſeitige Bedürfniſſe gegründet.“ Iſt das nicht in zwei Zeilen das Programm der Politik der Neu⸗ zeit? Wir gehen mit großen Schritten der Verwirklichung dieſes großen harmoniſchen Gedankens entgegen, welchen aus⸗ zuſprechen Montesquieu'n gegeben war, ohne daß er die Rich⸗ tigkeit deſſelben nachzuweiſen vermochte. Dieſe Aufgabe wurde an die Volkswirthſchaftsgelehrten überwieſen, und vielleicht nie unterſchieden ſich ihre Arbeiten ſchärfer von jenen der Philoſo⸗ phen des achtzehnten Jahrhunderts, als in allem dem, was Be⸗ zug auf dieſen Gegenſtand hat. In der That, Montesquieu hat nicht ſobald die wahren Grundlagen des Handels der Na⸗ tionen dargeſtellt, als die Beweisführung ihm entgeht, und er in die ärgſten Widerſprüche verfällt“):„Die Freiheit des *) Die vollſtändigſte Widerlegung der Irrthümer Montesquieu's in der politiſchen Oekonomie verdankt man dem Hrn. Grafen Deſtutt de Tracy, deſſen trefflicher Commentar über den Geiſt der Geſetze faſt dem Buche gleich geachtei wird. handels bewillig mehr di deßweg „Der neutra wiht des dieſes ahner weiſe fuhren von de welche ſich ſe mer w äußer geleij niibt den H häte, i ſagen, niſſe zu kann.“ ſeil und inde den and⸗ geber ragen. , voch hlüſſen nſchaft ſeine auben ſre in atür⸗ Zwei wech⸗ taufen, Ver⸗ du N er Neu⸗ klichung en aus⸗ ie Rich⸗ wurde icht nie piloſo⸗ 9 Be⸗ quieu r Na⸗ ind er t des 3 in der Tracy, faſ dem — 125— Handels iſt in ſeinen Augen nicht eine den Handeltreibenden bewilligte Befugniß, zu thun, was ſie wollen; das wäre viel⸗ mehr die Sklaverei. Was den Handelsmann hemmt, hemmt deßwegen noch nicht den Handel.“ Später fügt er hinzu: „Der Staat muß zwiſchen ſeiner Mauth und ſeinem Handel neutral ſein, und ſo verfahren, daß ſich dieſe beiden Dinge nicht kreuzen; dann erſt genießt man die Freiheit des Handels.“ Der hochherzige und aufgeklärte Inſtinkt dieſes gefeierten Schriftſtellers ließ ihn die wahren Grundſätze ahnen; allein die Vorurtheile ſeiner Zeit entzogen ſie zeiten— weiſe ſeinen Blicken: dafür zeugt ſeine Anſicht über die Ein⸗ fuhren und Ausfuhren, die mit den veraltetſten Irrthümern von der Handelsbilanz behaftet iſt.„Ein Land, ſagt er, welches immer weniger Waaren ſendet, als es empfängt, ſetzt ſich ſelbſt in's Gleichgewicht, indem es verarmt; es wird im⸗ mer weniger empfangen, bis zu dem Punkt, wo es in einer äußerſten Armuth gar nichts mehr empfängt.“ Dieſe ſonderbare Behauptung findet ſich freilich in einem Hauptſtück, welches überſchrieben iſt: welchen Nationen iſt es nachtheilig, Handel zu treiben; und Montesquieu bezeichnet Japan als eines der Länder, mit welchem zu han⸗ deln, die wenigſten Nachtheile bringt,„weil die übermäßige Menge deſſen, was es empfangen kann, die übermäßige Menge deſſen erzeugt, was es ſenden kann;“ allein man muß deßwegen nicht minder bedauern, daß ſolche Irrthümer ein Werk entſtel⸗ len, deſſen Bekanntmachung der Menſchheit ſo große Dienſte geleiſtet hat. Anderswo*) ruft der Verfaſſer aus:„Es iſt nicht an mir, über die Frage abzuſprechen, ob Spanien, da es den Handel mit Indien nicht ſelbſt betreiben kann, beſſer daran thäte, ihn den Ausländern frei zu geben. Ich will nur ſo viel ſagen, daß es ihm fromme, dieſem Handel ſo wenige Hinder⸗ niſſe zu machen, als ſeine Politik ihm nur immer geſtatten kann.“ So hat Montesquieu, von entgegengeſetzten Theorien hin und her gezogen, die Freiheit und die Sperren vertheidigt, *) Esprit des lois, liv. XXI., chap. XXIII. — 126— und ſo haben ſeine Werke allen philoſophiſchen, ökonomiſchen und politiſchen Parteien als Rüſtkammer gedient, weil man darin Gründe für alle Parteiintereſſen findet, wie man zur Zeit der Gährung die Hefe mit einer Menge unreiner Erzeugniſſe, den edelſten Flüſſigkeiten untermengt, aufſchäumen ſieht. Es war ſchwierig, nicht viele verſchiedene Dinge zu verwechſeln, wenn man ſie auf eine ſo lebhafte Weiſe anregte, wie der unſterbliche Verfaſſer des Geiſtes der Geſetze es that, und dieſe Betrach⸗ tung erklärt es ſehr gut, warum es nicht den nämlichen Männern gegeben war, die Fragen zu ſtellen und ſie zu löſen. Die Phi⸗ loſophen des achtzehnten Jahrhunderts haben die Löſung des ſocialen Problems nur durch das Prisma ihrer Einbildungskraft und gleichſam als Dichter trübe erblickt: die Volkswirthſchafts⸗ gelehrten allein haben die experimentale Methode angewendet, und wirklich iſt erſt unter ihren Händen die politiſche Oeko⸗ nomie eine Wiſſenſchaft der Beobachtung geworden. Man findet in den wirthſchaftlichen Werken von J. J. Rouſ⸗ ſeau die nämlichen Widerſprüche und dieſelben Ungewißheiten, wie bei Montesquieu. Er befehdet, wie dieſer, den Luxus, und bemüht ſich vorzüglich, die Wunder des Landbaues zu rühmen. Der Handel und die Finanzen ſcheinen ihm nur geeignet zu ſein, die Völker zu entnerven und zu verderben.„Sobald man nur gewinnen will, ſagt er*), gewinnt man immer mehr dabei, ein Spitzbube, als ein ehrlicher Mann zu ſein. Jene, welche das Geld unter den Händen haben, lernen bald, es un⸗ terſchlagen, und was ſind alle Ueberwacher, welche man ihnen gibt, als andere Spitzbuben, welche man ſchickt, um mit ihnen zu theilen?“ Um dieſes verderbliche Treiben zu verhin⸗ dern, ſchlug J. J. Rouſſeau vor, die Staatsbeamten in Natu⸗ ralien zu beſolden, und die öffentlichen Dienſte frohnweiſe lei⸗ ſten zu laſſen. Das iſt nach ihm der Geiſt, welcher in einem guten Wirthſchaftsſyſtem herrſchen ſollte:„Wenig an das Aus⸗ land denken, ſich wenig um den Handel kümmern, das Stem⸗ pelpapier aufheben, das Vieh beſteuern, vor Allem die Lände⸗ *) Du gouvernement de Pologne, chap. XI. reien! am E ſollte waltur ohne Die rücht ſein men nur, die vor? leicht Weiſe ruhmſ det in niß ſt nen den fähr bild das lich daß Gen hau aliſch trieben elere werdet: euch das lißt ſih erwirken der Wei *) Du cen arin der den war venn büche trach⸗ innern e Phi⸗ J des sfraft afte⸗ ndet, deko⸗ ouſ⸗ eiten, und ymen. net zu Sobald rwehr Jene, es un⸗ ihnen iynen bin⸗ atu⸗ lei⸗ nem lus⸗ eem⸗ ide⸗ — 422 reien beſteuern, wie es die Phyſiokraten vorſchlugen; denn am Ende ſoll, wer erzeugt, bezahlen.“ Und ferner ſollte die Grundſteuer nach ſeinem Willen nur ein in Staatsver⸗ waltung genommener Zehnte ſein,„damit der Staat Geld habe, ohne daß die Bürger genöthigt wären, ſolches zu geben.“ Dieſe politiſche Oekonomie war die natürliche Folge der be⸗ rüchtigten Paradoxien, deren beredter Verbreiter Rouſſeau zu ſein nie aufgehört hat. Sie führte geradewegs zu dem Regi⸗ ment von Sparta und den Geſetzen des Lykurgos.„Pflegt nur, ſagte er*), die Wiſſenſchaften, die Künſte, den Handel, die Induſtrie; habet geregelte Truppen, feſte Plätze, Akademien, vor Allem ein gutes Syſtem der Finanzen, welches das Geld leicht in Umlauf ſetzt, welches euch viel Geld zuführt: auf dieſe Weiſe werdet ihr ein Volk bilden, ränkeſüchtig, feurig, gierig, ruhmſüchtig, knechtiſch und ſchelmiſch, wie die anderen; ihr wer⸗ det in alle politiſchen Syſteme eingehen, man wird euer Bünd⸗ niß ſuchen, man wird euch durch Verträge binden; es wird kei⸗ nen Krieg in Europa geben, in welchen hineingezogen zu wer⸗ den ihr nicht die Ehre haben werdet. Wenn ihr aber unge⸗ fähr es vorziehet, eine freie, ruhige und verſtändige Nation zu bilden, ſo haltet eure Völker zu dem Landbau und zu den für das Leben nothwendigen Gewerben an: machet das Geld verächt⸗ lich und, wo möglich, unnütz.“ Rouſſeau dachte nicht daran, daß man, um die Völker zur Pflege der zum Leben nöthigen Gewerbe anzuhalten, Kapitale bedürfe, wie ſolche auch dem Land⸗ bau ſelbſt nothwendig ſind, wofern er nicht nach der patriarch⸗ aliſchen Art der heroiſchen Zeiten und der kleinen Länder be⸗ trieben werden ſoll. Es genügt nicht, auszurufen:„Bauet euere Felder gut, ohne euch um das Uebrige zu kümmern; bald werdet ihr Gold ernten, und mehr, als davon nothwendig iſt, um euch das zu verſchaffen, was euch mangelt;“ ſchon dieſes Ergebniß läßt ſich nur durch den Handel und durch die Speculationen erwirken, zu welchen es großer Kapitale bedarf. Auch ward der Weiſe von Genf durch ſein Syſtem dahin geführt, die Auf⸗ *) Du gouvernement de Pologne, chap. XI. - 128— hebung der Städte, d. h. der Geſittung ſelbſt zu fordern, ge⸗ gen welche er die Feindſeligkeiten in jener denkwürdigen Ab⸗ handlung eröffnet hatte, die durch die Akademie von Dijon ge⸗ krönt worden war. Rouſſeau wollte Steuern auf die Waaren gelegt wiſſen, wie wir jüngſt ſolche auf die Spielhäuſer gelegt ſahen; ſodann dachte er an den Schleichhandel, und ſchlug zu deſſen Verhü⸗ tung vor, Spitzen und Geſchmeide, welche ſich gar zu leicht verſtecken laſſen, von jedem Zoll zu befreien. Traurige Mit⸗ tel, um jene Ungleichheit der geſellſchaftlichen Stellungen zu verhindern, deren Geſpenſt ihn ſchreckte, und welche mit der Geſittung weſentlich verbunden iſt!„Wenn, zum Beiſpiel, ſagte er*), die Regierung den Gebrauch der Kutſchen unter⸗ ſagen kann, ſo darf ſie mit noch ſtärkerem Grund eine Steuer auf die Kutſchen legen; ein verſtändiges und nützliches Mittel, ihren Gebrauch zu rügen, ohne ihn aufhören zu machen. Dann kann man die Steuer als eine Art Geldbuße betrachten, deren Ertrag für den Mißbrauch entſchädigt, welchen ſie ſtraft.“ Wer ſollte es glauben, daß nach einem ſolchen Ausfall, der eines alten römiſchen Cenſors aus den ſtrengſten Tagen der Republik würdig wäre, Rouſſeau die Vertheidigung der Regierungen ge⸗ gen gewiſſe Volkswirthſchaftsgelehrten übernommen habe, welche ſie von aller Theilnahme an den gewerblichen Angelegenheiten des Staates ausſchließen wollen!„Man muß, ſagt er, der⸗ gleichen Ideen verwerfen. Wenn bei einer jeden Nation Jene, welchen der Souverain die Regierung der Völker anver⸗ traut, ihre Feinde von Staatswegen wären, ſo würde es ſich nicht der Mühe lohnen, aufzuſuchen, was ſie thun ſollen, um ſie glücklich zu machen“**). Und er hatte Recht. Was ſoll man denn aus dieſem zuſammenhangloſen Gemenge von Leh⸗ ren folgern, die liberal bis zur Anarchie, und wie man in unſern Tagen ſagt, gouvernemental bis zur Willkür ſind! *) De P'èconomie politique, am Ende des Artikels. **) Das iſt die letzte Phraſe ſeines Artikels Economie politique, in der Encyklopädie. Daß d nig gei nicht g ſchönſt war. Die kondm dem ſeinig unde hat, d plätze Thale ihren g machen zu Gut behaup leben, ein A er un Quel Nati Ausl ſchen nen! unſer verlie wir un ⁴) di ren orga Francs gets aus Wdelle ü Ausgat Blana ge⸗ Ab⸗ ge⸗ „wie dann derhü⸗ bich ſe Ni⸗ ngen zu mit der eiſpiel, unter⸗ Steuer Mittel, machen. achten, gtraft.” er eines Repblik ngen ge⸗ — welche enheiten er, der⸗ en Jent, anver⸗ es ſic n, um ſoll Leh⸗ an in ſind! e, in der — 129— Daß die wahren Grundſätze der ſocialen Phyſiologie noch we⸗ nig gekannt waren, weil die entſcheidenden Erfahrungen noch nicht gemacht waren, und daß die politiſche Oekonomie für die ſchönſten Geiſter noch eine Wiſſenſchaft der Einbildungskraft war. Die Ausflüge Voltaire's auf das Gebiet der politiſchen Oe⸗ konomie bieten uns einen neuen Beweis für dieſe Wahrheit. In⸗ dem er die Theorien Anderer angriff, hatte er Gelegenheit, die ſeinige über dieſe wichtigen Gegenſtände auseinander zu ſetzen, und es ſchmerzt mich, ſagen zu müſſen, daß er ſich darauf beſchränkt hat, den Firniß ſeiner eleganten Proſa auf die veraltetſten Gemein⸗ plätze ſeiner Epoche aufzulegen. Sein Mann mit vierzig Thalern), verfaßt in der Abſicht, die Phyſiokraten, und zumal ihren geſchickteſten Sprecher, Mercier de la Riviore, lächerlich zu machen, iſt nur eine witzige Auffriſchung ſämmtlicher Vorurtheile zu Gunſten der Handelsbilanz und Sperrmaaßregeln. Voltaire behauptet hier, daß die Kleinen nur von dem Luxus der Großen leben, und er iſt der Anſicht von Ludwig XIV., daß die Fürſten ein Almoſen ſpenden, wenn ſie viel verſchwenden.„Ueberall, ſagt er**), macht der Reiche den Armen leben. Das iſt die einzige Quelle der Induſtrie und des Handels. Je gewerbfleißiger die Nation iſt, deſto mehr gewinnt ſie vom Ausland. Wenn wir dem Auslande jährlich für die Handelsbilanz zehn Millionen abha⸗ ſchen würden, ſo gäbe es in zwanzig Jahren zweihundert Millio⸗ nen mehr im Staat. Allein es iſt nicht gewiß, daß die Bilanz unſeres Handels uns immer günſtig ſei; es gibt Zeiten, wo wir verlieren.— Ich habe viel von Bevölkerung ſprechen hören. Wenn wir uns einfallen ließen, doppelt ſo viel Kinder zu zeugen, als wir *) Die Oekonomiſten hatten behauptet, daß in einem nach ihren Leh⸗ ren organiſirten Staat eine jährliche Durchſchnittsſumme von hundertzwanzig Francs(vierzig Thalern) zur Erhaltung der Exiſtenz eines jeden Bür⸗ gers ausreichen müßte. Daher der Titel, welchen Voltaire der burlesken Widerlegung ihres Syſtems geben zu müſſen glaubte. **) Man ſehe den Homme aux quarante écus, tome XIV., page 12, Ausgabe von Dupont. Blanqui, Geſchichte d. polit. Oekonomie. NI. Bd. 9 —- 130— deren zeugen; wenn wir ſtatt zwanzig vierzig Millionen Einwohner hätten, was würde geſchehen?— Es würde dahin kommen, daß jeder nur zwanzig Thaler auszugeben hätte, oder aber der Boden müßte das Doppelte von dem liefern, was er gegenwärtig liefert, oder es müßte doppelt ſo viele Arme geben, oder man müßte dop⸗ pelt ſo viel Gewerbsthätigkeit haben, und das Doppelte vom Aus⸗ lande gewinnen, oder man müßte die halbe Nation nach Ame⸗ rika ſchicken, oder die eine Hälfte der Nation müßte die andere auffreſſen.“ Obwohl dieſe Zeilen ſehr leicht ſind, ſo enthalten ſie nichts deſto weniger den Kern der wirthſchaftlichen Lehren, welche in dem Zeitraum beliebt waren, wo die erſten Schriften der Phyſiokraten erſchienen. So dachte man damals faſt in ganz Europa, und Vol⸗ taire war nur das Echo der Zeitgenoſſen, als er in ſeiner Ver⸗ theidigung des Weltkinds ſchrieb: „Sachez surtout que le luxe enrichit „Un grand Etat, s'il en perd un petit. „Cette splendeur, cette pompe mondaine, „D'un réègne heureux est la marque certaine. „Le riche est né pour beaucoup dépenser; „Le pauvre est fait pour beaucoup amasser.“ Es iſt weit von dieſen elaſtiſchen Lehren zu den erſten Analy⸗ ſen der Gütererzeugung von Adam Smith, allein es war ſchon viel, daß man ihnen eben ſo viel Platz in ſämmtlichen Werken von einiger Wichtigkeit einräumte, und daß die ſchönſten Geiſter unſerer Literatur ſich zu den Organen derſelben gemacht hatten. Als die Gründer der Wiſſenſchaft die Hand an die in den Bü⸗ chern der Philoſophen zerſtreuten Materiale legten, fanden ſie die öffentliche Meinung für die Erörterungen des ſocialen Intereſ⸗ ſe's vorbereitet, und ſie brauchten bloß das Wort zu ergreifen, um ſich vernehmen zu laſſen. Mercier de la Riviére war ſicher nicht ſo beredt, als J. J. Ronſſeau, und gewiß iſt Adam Smith kein ſo großer Schriftſteller, als Montesquieu; aber dieſe Oekono⸗ miſten hatten vor den Philoſophen den Vortheil einer gedrun⸗ genern Dialektik und einer ſicherern und auf dem Boden der That⸗ — —— ſachen fe alsbald e von den pädiſten, als umz jenem d won, de die W erſten Freihe hier er aber no Schnee! ſchaamle würden. wo iſt die aus anſpree die M erzeug fühlt beitete ganz gegen vols un volle St ciellen G etwas un nal die Kahnt, Staaten beitende A n Araly⸗ dar ſchon Werfen n Geiſtr tt hatten. den Bü⸗ nden ſie Intereſ⸗ ifen, um her nicht mith kein Detono⸗ er gedrun⸗ der That⸗ — — 131— ſachen feſter gegründeten Methode. Dieſes gibt ihren Werken alsbald einen eigenen Charakter von Ernſt, und dieſe wurden beſſer von den Regierungen aufgenommen, als die Werke der Eneyklo⸗ pädiſten, kühner Tadler, welche bemühter erſchienen, zu zerſtören, als umzugeſtalten. Auch iſt der Triumph dieſer letzteren lange jenem der Oekonomiſten vorangegangen, und die politiſche Revolu⸗ tion, deren erſte Apoſtel ſie waren, hat Zeit gehabt, die Runde durch die Welt zu machen, ehe die ökonomiſche Umwälzung nur noch ihre erſten Schlachtfelder gewählt hatte. Die bürgerliche und religiöſe Freiheit iſt in faſt ganz Europa geſichert; die Handelsfreiheit hat hier erſt noch zu entſtehen. Es gibt ein politiſches Völkerrecht; aber noch kein induſtrielles. Die Nationen beachten einen Morgen Schnee's auf der Grenze, welche ſie ſcheidet, und ſtehlen ſich darneben ſchaamlos ihr literariſches Eigenthum, wie es nur Flibuſtier thun würden. Hier laſten maaßloſe Steuern auf dem Handel; anders⸗ wo iſt der Handel weniger beſteuert. Man ſah Staatsherrſcher die ausſchließliche Herrſchaft über die Mündung eines Stroms anſprechen; andere wollen die Meere ſchließen, die Haven ſperren, die Münzen verſchlechtern; Alles iſt noch Anarchie in der Güter⸗ erzeugnng, während Ordnung in der Politik herrſcht. Raynal itt der erſte volkswirthſchaftliche Schriftſteller des acht⸗ zehnten Jahrhunderts, deſſen Werke das Bild dieſes innern Kam⸗ pfes beider Revolutionen darbieten. Wenn man ihn liest, ſo fühlt man, daß er vorzugsweiſe an der politiſchen Revolution ar⸗ beitete; er deklamirt, wie ein Volkstribun; er redet an, er ſchmäht ganz nach Art der Demagogen; allein ſeine heftigen Strafreden gegen den Negerhandel, ſeine lebhaften Schilderungen des Mono⸗ pols und ſeiner Folgen in beiden Indien, weiſen ihm eine ehren⸗ volle Stelle unter den Gründern der induſtriellen und commer⸗ ciellen Emancipation an. Obwohl ſeine Andeutungen zeitenweiſe etwas unbeſtimmt und nicht ganz vollendet ſind, ſo hat doch Ray⸗ nal die wirthſchaftliche Revolution des neunzehnten Jahrhunderts geahnt, deren erſte Epiſode die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten bildet. Man ſieht, daß er glücklichere Tage für die ar⸗ beitenden Klaſſen geträumt hat, ſei es nun, daß er ſie uns auf ei⸗ 9. — 132— nem Schiff irrend, oder in einer Werkſtätte eingeſperrt ſchildert; ſei es, daß er ſich über die Mißbräuche der europäiſchen Ueber⸗ macht gegen die ſchwachen Stämme des amerikaniſchen Feſtlands entrüſtet. Man liest ihn gegenwärtig wohl nicht mehr; man behandelt ſeine Schriften wie Gerüſte, welche der Baumei⸗ ſter in dem Maaße abträgt und wegnimmt, wie ſein Gebäude ſich erhebt; allein die philoſophiſche Geſchichte wird gleichſam wie eine Erinnerung an die erſten Bemühungen bleiben, welche der Vertheidigung der Arbeit und der Regeneration der Arbeiter gewidmet waren. Dieſes Buch ſcheint auf der Breſche geſchrie⸗ ben zu ſein; es waltet darin ein Feuer des Styls, welches das Annahen der Revolutionen verkündet; es iſt die letzte vor dem Kampf hingeworfene Herausforderung. Es bleibt uns ſonach übrig, die Kämpfer am Werke zu ſehen; es iſt ein erhabenes und krampfhaftes Werk, wo Alles Werkzeug der Zerſtörung und des Krieges ward; wo die Philoſophie ſelbſt glaubte, nach der Art greifen zu müſſen, um die Stätte aufzuräumen, auf welcher un⸗ ſere Kinder zu bauen berufen ſein werden. Hauptſtück XXXVII. Von den wirthſchaftlichen Lehren der franzöſiſchen Revolution.— Sie haben ſämmtlich mehr einen ſocialen, als gewerblichen Charakter.— Sie ſind kosmopolitiſch in der Theorie, und beſchränkend in der Uebung. — Der Convent und das Kaiſerreich machen daraus Kriegswaffen.— Allgemeine Ueberſicht der Folgen der Continentalſperre.— Sie beſtand thatſächlich, ehe ſie noch beſchloſſen war.— Verderbliche Vor⸗ urtheile, welche ſie in Europa verbreitet hat. 1 Es iſt ein berühmtes Wort des Abbé Sieyes, welches ſehr gut die Strebung der politiſchen Oekonomie am Anfang der franzöſiſchen Revolution charakteriſirt:„Was iſt der dritte Stand? ſagte er.— Nichts.— Was ſoll er ſein?— Al— les.“— Dieſes tiefe Wort umſchloß die Geſinnung des achtzehn⸗ ten Jahrhunderts; es brachte das vergeſſene Programm Tur⸗ got's wie fäͤhig wa⸗ ſprochen, nach der ſammlur vernichte aufgeho Emanc ner an Mißbr. küßn al ſchaftlich et, und nicht me Die u denkwür ten zur! rechte, Zu gle Grund Provi Frank Geſch öffnet keine nung gegliel bis zur Experiꝛ Widerſt licher V und For männern Im G Alles no kühn am' ildert; Ueber⸗ ſtlands zman aumei⸗ ude ſich eichſam welche Arbeiter jeſchrie⸗ es das r dem ſonach 8s und ind des der Art cheer un⸗ .— Sie arakter.— er Uebung. waffen.— .— Gi liche Vor⸗ welches Anfang er dritte — Al⸗ chtzehn⸗ m Tur⸗ — 133— got's wieder zu Ehren, und verkündete den Eintritt der Macht, die fähig war, es auszuführen. Auch war dieſes Wort kaum ausge⸗ ſprochen, als man ſich an's Werk machte; und einige Monate nach der Eröffnung der Seſſion hatte die conſtituirende Ver⸗ ſammlung ſchon über die Privilegien gerichtet, die Binnenzölle vernichtet, das Syſtem der Grenzzölle gemildert, die Zünfte aufgehoben, alle Bürger der Beſteuerung unterworfen, und die Emancipation der Arbeit vorbereitet. Noch nie zu irgend ei⸗ ner andern Zeit hatte man eine ſolche Ernte von veralteten Mißbräuchen gemacht, und einen ſo feſten Willen geäußert, kühn auf der Bahn der Reformen vorzuſchreiten. Der geſell⸗ ſchaftliche Bau wurde, ſo zu ſagen, noch einmal durchgearbei⸗ et, und es gab nicht eine einzige bedeutende Inſtitution, welche nicht mehr oder minder tief geändert wurde. Die unſterbliche Nacht des 4. Aug. 1789 ſah die meiſten diefer denkwürdigen Veränderungen eintreten. Einige Stunden genüg⸗ ten zur Abſchaffung der Innungen, der todten Hand, der Lehens⸗ rechte, der Geburtsprivilegien, der fiscaliſchen Ungleichheiten. Zu gleicher Zeit legte die conſtituirende Verſammlung den Grund zu einer Gebietseintheilung, welche die Vorrechte der Provinzen dadurch zerſtörte, daß ſie die nationale Einheit ſchuf. Frankreich konnte künftighin, wie ein einziger Menſch, ſeinen neuen Geſchicken zuſchreiten, welche ihm die Revolution ſo eben er⸗ öffnet hatte. Die Arbeit war frei; die Bürger waren es auch; keine Laufbahn war ihrer Fähigkeit verſperrt; keine Hoff⸗ nung ihrem Ehrgeize verſagt. Die Centralregierung, kräftig gegliedert, konnte ihre Befehle von einem Ende des Reiches bis zum andern vollziehen laſſen. Die in Paris beſchloſſenen Experimente ſtießen in den Departementen auf keinen ernſtlichen Widerſtand, und ſo begann jene Reihe mehr oder minder glück⸗ licher Verſuche, welche eben ſo viele Gegenſtände für Studien und Forſchungeu den Volkswirthſchaftsgelehrten und Staats⸗ männern geliefert haben. Im Gebiete der Induſtrie, des Handels, der Finanzen, war Alles noch zu machen: die conſtituirende Verſammlung ging kühn an's Werk. Der Aufhebung der Innungen folgte die — 134— Einführung der Patente; die Abſchaffung der Binnenzölle ward von einer Linderung in der Einrichtung der Grenzzölle beglei⸗ tet; die Grundſteuer wurde auf das Princip der Gleichheit al⸗ ler Franzoſen vor dem Geſetz begründet. Allerdings gab es viele Irrthümer, begangen in dieſer Periode gewagter Verſuche, die gar zu häufig mitten unter der Herrſchaft der lebhafteſten poli⸗ tiſchen Vorurtheile gemacht wurden; allein dieſe Irrthümer ſelbſt ſind für uns Gegenſtände ernſter Belehrung geworden, und die Wiſſenſchaft benützt ſie gegenwärtig wie einen Leuchtthurm, der die Beſtimmung hat, uns vor neuen Schiffbrüchen zu wahren. Wie groß aber auch die Kühnheit und die Originalität der Reformer von 1799 war, ſie waren noch gar zu ſehr von den Grundſätzen durchdrun⸗ gen, welche zu dieſer Zeit in der philoſophiſchen und ökonomiſchen Welt herrſchten, um nicht ihrem Einfluß nachzugeben, wenn ſich die Gelegenheit bot, dieſelben zur Anwendung zu bringen. So beſtimmten die Ideen der Phyſiokraten die conſtituirende Verſammlung, trotz den verſtändigen Einwendungen Röde⸗ rer's und einiger vorgerückten Geiſter, die ganze Laſt der Steu⸗ ern auf das Grundeigenthum zu wälzen. Kaum ging man darauf ein, damit Steuern und Zölle von beweglichem Vermögen zu verbinden. Frankreich ſah ſich mit Einem Federzug unermeß⸗ licher Hilfsmittel beraubt, welche es aus den Abgaben hätte zie⸗ hen können, die allen Producenten auferlegt worden wären, die nicht von ihren Renten lebten, und es mußte bald in den Aſſignaten einen Erſatz für dieſes freiwillige Deficit ſuchen, welches zu dem Defſicit der alten Monarchie gefügt worden war. Die Creirung der Aſſignaten war eine ſtürmiſche, aber ergiebige Quelle vortheilhafter Aenderungen in unſerer ſo⸗ cialen Ordnung. Sie hat die Theilung des Bodens begün⸗ ſtigt, und dem Anbau eine Menge von Ländereien zurückgege⸗ ben, welche ehedem unfruchtbaren Verwendungen gewidmet wa⸗ ren. Sie hat die Zahl der Producenten vermehrt, indem ſie ihnen das erſte Element der Gütererzeugung, den Boden, und den kräftigſten Reiz zur Arbeit, Eigenthum, verſchaffte. In den Berichten der ausgezeichnetſten Mitglieder unſerer großen be⸗ rathende Tage ei genſtäͤnd von hal rechtigt anziehe verdie als d nen ſamn durch die E durch Eingri der S mächti ben. runge Chem ſchüß G mit Ver nige zu l Maz regeln Noty In der mußte neten Höhe d teſten ſich an verſetze Biliigt ward glei⸗ t al⸗ b es ſuche, poli⸗ ſelbſt ind die der die je groß 1799 drun⸗ ſchen ſich So rende öde⸗ Steu⸗ darauf gen Wu eermeß⸗ itte zie⸗ wären, hald in Defieit gefügt aber ſo⸗ egün⸗ kgege⸗ et wa⸗ :m ſie n, und In den hen be⸗ —-— 135— rathenden Verſammlungen werden die ernſten Männer unſerer Tage einen reichen Stoff für Studien über dieſe wichtigen Ge⸗ genſtände finden. Mirabeau, Necker, Röderer, Dallarde, Cam— bon haben uns Arbeiten hinterlaſſen, welchen die Nachwelt Ge⸗ rechtigkeit widerfahren zu laſſen beginnt, und welche unter den anziehenden Denkmalen der politiſchen Oekonomie zu glänzen verdienen. Was gibt es Günſtigeres für das Gewerbweſen, als die Geſetzgebung der Erfindungspatente und als die ſchö⸗ nen Erörterungen, welche darüber in der conſtituirenden Ver⸗ ſammlung Statt fanden? Später ſicherte der Nationalconvent durch einen Beſchluß das literariſche Eigenthum; er befeſtigte die Einheit des Maaßes und Gewichtes in ganz Frankreich durch die Annahme des Decimalſyſtems, und er vergütete edel die Eingriffe, welche die Umſtände ihn zwangen, in das Vermögen der Staatsbürger durch rieſige Schöpfungen zu machen, die mächtig beigetragen haben, das Vermögen des Staates zu he⸗ ben. Es gab eine Zeit, wo er es wagte, die gewerblichen Erobe⸗ rungen wie die kriegeriſchen zu beſchließen; der Telegraph, die Chemie, die Phyſik ſtanden unter den Befehlen ſeiner Aus⸗ ſchüſſe, wie der Sieg unter den Befehlen ſeiner Generale. Gleichwohl können wir die furchtbaren Auskunftmittel nicht mit Stillſchweigen übergehen, zu welchen zu greifen ſich dieſe Verſammlung genöthigt ſah, um gegen die Coglition der Kö⸗ nige anzukämpfen. Der Tag der Gerechtigkeit beginnt für ſie zu leuchten, und Jedermann weiß, daß in ihren Augen das Maximum, die Requiſitionen, die gezwungenen Anleihen keine regelmäßigen Hilfsquellen, ſondern durch die unbeugſamſte Noth gebotene Maaßregeln des öffentlichen Wohles waren. In der äußerſten Gefahr, in welcher das Vaterland ſchwebte, mußte man für das Dringendſte ſorgen, und gleichwohl zeich⸗ neten ſich ihre gewaltthätigſten Beſchlüſſe ſtets durch eine Höhe der Anſichten aus, welche man ſelten bei den aufgeklär⸗ teſten Regierungen in den ruhigſten Zeiten trifft. Man muß ſich an den Ausgangspunkt dieſer großen Maaßregeln zurück verſetzen, um ihre ſtrengen und unvermeidlichen Folgen mit Billigkeit zu würdigen. Man ſtelle ſich ſonach den Convent 136— bloß auf die Güter der Geiſtlichkeit und der Ausgewanderten beſchränkt vor, um dem geſammten Europa und dem Bürgerkrieg die Spitze zu bieten. Um den Werth dieſer Güter in Umlauf zu ſetzen, hatte er die Aſſignaten erſonnen, welche die Vertretung dieſes Werthes waren, und welche vermittelſt der Ankäufe in den Schatz zurückſtrömen und verbrannt werden ſollten; allein nur wenige Leute kauften die Güter. Vergebens vermehrte man die Aſſignaten durch Anticipation; je mehr man creirte, deſto mehr entwerthete man dieſelben. Man mußte den Ge⸗ brauch des Metallgelds verbieten, und die Edikte des Regen⸗ ten gegen das Gold und Silber wieder erlaſſen, wie man es am Ende des Syſtems von Law geſehen hatte. Täglich ſtie⸗ gen die Preiſe mit den Emiſſionen des Papiergeldes. Damals war es, wo man das Maximum feſtſtellen wollte; altein die Waaren verſchwanden. Es iſt gegenwärtig ein Leichtes, ſich im Namen der Wiſſen⸗ ſchaft über die Verletzungen zu entrüſten, welche ſie in dieſen erregten Zeiten über ſich ergehen laſſen mußte. Wir ſprechen davon noch jetzt unter dem Einfluſſe des Schreckens unſerer Väter; allein wenn man nach dem Bankbruch Cambon mit ei⸗ ner ſo feſten und ruhigen Hand das große Buch der Staats⸗ ſchuld wieder eröffnen, und unter das nämliche Niveau die Gläu⸗ biger aller Epochen treten laſſen ſieht, indem er ihre Garantie an die Erhaltung des neuen Regime's knüpft, ſo kann man ſich eines Gefühls der Bewunderung und Hochachtung nicht enthal— ten. Der Zins war auf einen einzigen Fuß zurückgeführt; alle Schuldforderungen waren in eine ewige Rente verwandelt, die nicht heimzahlbar war, wofern die Regierung ſie nicht rückkaufen wollte, wenn ſie unter Pari herabgehen würde, was einer wahren Til⸗ gung gleich galt. Die Wiſſenſchaft des öffentlichen Credits erſtand ſelbſt im Schooße der Verſammlung wieder, welche deſſen Grab gegraben zu haben ſchien. Zu gleicher Zeit ver⸗ ſuchte der Convent die große Reform des Pauperismus durch zahlreiche zu Gunſten der dürftigen Klaſſen erlaſſene Beſchlüſſe. Er erklärte die Erziehung als eine Nationalſchuld; und wenn gachher dieſes große Princip auch keine volle Anwendung ge⸗ 8 mel funden lichen ſeiner die N mäßi Sper Krieg urthe weni noch frag gen ſch — . ſtar nur nen übrr ſo ſe iſt in haltun zunehr ſtreitba unſerer die Ver ſchleud regel: ſo viel — 137— len funden hat, ſo bleibt es doch ewig wie ein Denkmal der amt⸗ kian lichen Fürſorge Frankreichs für die Beſſerung des Looſes aller uümf ſeiner Kinder. Man möchte ſagen, der Convent arbeitete für auns die Menſchheit, ſo weit war ſein Geſichtskreis, ſo hoch und edel n den waren ſeine Gedanken. N lt Inmitten aller dieſer wirthſchaftlichen Verſuche, welche von mü unſern großen Verſammlungen gemacht worden ſind, gibt es nur creirte, einen einzigen, welcher die Sanction der Erfahrung auch nur n Ge⸗ auf eine ganz kurze Zeit nicht erlangen konnte: das iſt die legen⸗ Freiheit des Handels. Sie allein blieb den Franzoſen an ed während des Zeitraums, wo ſie dieſe Verſuche alle machten, un⸗ ſie⸗ bekannt. Die conſtituirende Verſammlung nahm ein ſehr ge⸗ mals mäßigtes Mauthſyſtem an; neigte ſich aber ſichtlich zu dem die Sperrſyſtem. Der Convent machte ſich aus den Mauthen eine Kriegswaffe, vorzüglich gegen England gerichtet, und ſeine Vor⸗ ſen⸗ 6 urtheile, unter dem Kaiſerreich ſorgſam gepflegt, haben nicht ieſen wenig zu dem Sieg der engherzigen Ideen beigetragen, welche techen noch gegenwärtig in Frankreich in Beziehung auf die Handels⸗ nſerer fragen herrſchen. Es iſt dieſes ein Unglück, welches man nicht nit d⸗ genug beklagen kann. Es wäre ſo wichtig für die Wiſſen⸗ taat⸗ ſchaft geweſen, wenn dieſer große Rechtsſtreit, der ſchon ſeit Gläu⸗ 4 mehren Jahrhunderten anhängig iſt, wenigſtens in erſter In⸗ arantie ſtanz entſchieden worden wäre! Weit entfernt, hat die Freiheit nan ſich nur die Binnenmauthen umgeſtürzt; ſie hat der Arbeit nur ei⸗ enthal⸗ nen Theil ihrer Feſſeln abgeſprengt, und was davon noch er⸗ t; alle übrigt, reicht hin, um alle Fragen der politiſchen Oekonomie ie nicht ſo ſehr zu verwickeln, daß ſie beinahe unlösbar werden. So vollte, iſt in England die Armentaxe eine der Haupturſachen der Aufrecht⸗ Til⸗ haltung der Korngeſetze, welche prohibitiv ſind; und die immer redits zunehmenden Verlegenheiten unſers Handels ſind das unbe⸗ velche ſtreitbare Ergebniß des künſtlichen Lebens, welches die Tarife ver⸗ unſerer Induſtrie gegeben haben. Napoleon, welcher ſie durch durch die Verhängung der Continentalblokade endgiltig auf dieſen Weg Hüſſe. ſchleuderte, verhehlte ſich nicht die ſchweren Folgen dieſer Maaß⸗ wenn regel:„Es hat uns viele Ueberwindung gekoſtet, ſagte er, nach ng ge⸗ ſo vielen Jahren von Geſittung zu den Grundſätzen zurückzu⸗ —— — 138— kehren, welche die Barbarei der erſten Zeitalter der Nationen charakteriſiren; allein wir wurden genöthigt, dem gemeinſamen Feind dieſelben Waffen entgegen zu ſetzen, deren er ſich gegen uns bediente.“*) Die Continentalſperre läßt ſich als den letzten Ausdruck des von Frankreich von dem Beginn der Revolution angenommenen Wirth⸗ ſchaftsſyſtems betrachten. Obwohl Napoleon daraus nur einen le⸗ gitimen Akt von Repreſſalien gegen die britiſche Regierung hatte machen wollen, ſo wurde doch das Decret von Berlin die Grund⸗ lage des Gewerbs⸗ und Handelsſyſtems Frankreichs und des feſt⸗ ländiſchen Europa's während der ganzen Dauer des Kaiſerreichs. Dieſes Decret, welches England in die Acht legte, machte die Mauthſchranken fallen, welche die anderen Nationen ſchieden. Es gründete eine Art von Föderation unter ihnen gegen den ge— meinſamen Feind, und öffnete das geſammte Feſtland, indem es eine Inſel ſperrte. Zum erſten Mal ſchien die Freiheit aus dem Uebermaaß der Abſperrung empor zu ſteigen. Die ver⸗ ſchiedenen Staaten Europa's, unter dieſelben Handelsgeſetze durch Eroberung oder Verträge geſtellt, bildeten nur noch ein einziges Volk von Erzeugern, und nie nahm die Entwickelung ihrer Manufacturen einen höhern Schwung, als unter dem Ein⸗ fluß dieſer Mitwerbung, welche ſie Alle befeuerte. Das waren die ſchönſten Tage der franzöſiſchen Induſtrie, und dennoch beſaß Frankreich damals Belgien, Italien, Rheinpreußen, deren Tuch⸗, Seide⸗, Leinwandfabriken, eifernd mit den unſerigen, weit ent⸗ fernt, ihrer Blüthe zu ſchaden, ihren Glanz und Werth erhöh⸗ ten. Die Continentalſperre hätte die Aera der Handelsfreiheit in Europa eröffnet, wenn ſie aus einem Gedanken des Kriegs und der Repreſſalien hätte entſtehen können, wie jener war, welcher den Kaiſer begeiſtert hatte. Allein das endgiltige Ergebniß dieſes Syſtems war, die eu⸗ ropäiſche Induſtrie zu gewöhnen, vom Zollſchutz und von Ta⸗ rifen zu leben. Alle unſere Manufacturen nahmen einen un⸗ *) Botſchaft Napoleon's an den Senat bei Ueberſendung des Decrets von Berlin, am 21. November 1806. geheuer Erzeug konnte, ropa, und d denwe Mär keine um dem gege ihrer bracht dreifa tertſte wenn unfäh lutior geſch henl tät Gen wer. hun, ſetze ſchüt Erzeu Gegne die alte Induſtr die eig Monopo aus der bedient Man ſchen R vtionen nſamen gegen es von Vitih⸗ anen k⸗ ing hatte Grund⸗ des feſt⸗ ſerreichs. achte die ſchieden. n den ge⸗ d, indem iheit aus die ver⸗ lsgeſetze noch ein vicelung em Ein⸗ aren die h beſaß Tuch⸗ eit ent⸗ erhoh⸗ reiheit riegs war, eu⸗ Ta⸗ nun⸗ Decrete — 139— geheuern Aufſchwung, ermuntert durch die Ausſchließung der Erzeugniſſe, deren Rivalität ihnen am gefährlichſten werden konnte, und durch die ſichern Abſatzwege, welche uns ganz Eu⸗ ropa, beinahe unſern Waffen unterworfen, bot. Das Eiſen und die Steinkohle Belgiens, die Tücher Hollands, die Sei⸗ denwaaren Italiens, die Linnenzeuge Teutſchlands, auf unſern Märkten, wie franzöſiſche Waaren, zugelaſſen, hemmten damals keineswegs die Entwickelung unſerer heimiſchen Fabriken: war⸗ um bedurfte es denn, um ſie in der Höhe zu erhalten, nach dem Frieden von 1815, der täglich ſteigenden Tarife, gerichtet gegen dieſelben Völker, deren Mitwerbung Frankreich während ihrer Vereinigung mit ſeinem Gebiet gar keinen Schaden ge⸗ bracht hatte? Jedes derſelben hat ſich ſeither hinter einem dreifachen Mauthenkreis abgeſperrt, und wir ſahen den erbit⸗ tertſten Gewerbskrieg auf die politiſchen Kriege folgen, als wenn der allgemeine Friede ein Luftgebilde, ein Utopien wäre, unfähig, je in's Leben zu treten. Vergebens hatte die Revo⸗ lution die Arbeit durch die Aufhebung der Aemter der Zunft⸗ geſchwornen und der Meiſterrechte entfeſſelt: durch das Beſte⸗ henlaſſen des Sperrſyſtems hat ſie eine wahre Handels feudali⸗ tät aufrecht erhalten, welche gewiſſen Klaſſen von Producenten Gewinnſte ſichert, die auf Koſten der Geſammtheit erlangt werden; ſie hat dieſen innern Fehden der Arbeit die Entſte⸗ hung gegeben, in welchen ſo viele Arbeiter als Opfer der Ge⸗ ſetze unterliegen, die gemacht zu ſein ſcheinen, um ſie zu ſchützen. Der große Irrthum dieſes Syſtems iſt, die fremden Erzeuger, d. h. die Schöpfer tauſchbarer Erzeugniſſe, eher als Gegner, denn als Klienten behandelt zu haben. Man benützte die alten politiſchen Grolle zur Erhaltung der Vorurtheile der Induſtrie, indem man unter die Auſpicien des Patriotismus die eigennützigen Berechnungen des Privilegiums und der Monopole ſtellte. Der Convent und das Kaiſerreich hatten aus der Sperre eine Kriegswaffe gemacht: unſere Geſittung bedient ſich ihrer fort nach zwanzig Friedensjahren. Man darf daher nicht in den großen Arbeiten der franzöſi⸗ ſchen Revolution den Keim der wirthſchaftlichen Reformen — 140— ſuchen, deren Morgenröthe unter uns aufzuleuchten ſcheint. Alles, was die franzöſiſche Revolution in dieſer Abſicht gethan hat, hat ſie auf eine indireete und mittelbare Weiſe gethan; ſie hat es in ihre Codes gefaßt, und gerade deßwegen finden ſie ſich in vielen Rückſichten nicht mehr in Harmonie mit un⸗ ſern Bedürfniſſen. Die Aufhebung des Rechtes der Erſtgeburt, die beinahe abſolut gleiche Erbtheilung in gerader Linie, die Geſetzgebung über die Handelsgeſellſchaften, die Einheit des Maaßes und Gewichtes ſind unbeſtreitbare Wohlthaten; al⸗ lein die Gleichheit vor dem Geſetz hört auf, eine Wahrheit zu ſein, wenn man die Arbeiter jeder Ordnung, die ſchon rückſichtlich des Lohnes dem Kapital tributpflichtig ſind, es in Beziehung auf die Verzehrung noch mehr werden ſieht. Bei dem gegenwärtigen Zuſtand der Geſetzgebung ſchützt keine Garantie die Arbeit in ihren Beziehungen zu dem Reichthum, welcher ſie befehligt und lohnt; keine Garantie ſichert dem Lohnarbeiter die freie Verfügung über ſeinen Lohn. Der Preis der Arbeit ſtrebt unabläſſig zum Sinken, und der der Verzeh⸗ rungen zum Steigen, weil der eine und der andere wirklich durch den einen der vertragenden Theile allein beſtimmt werden. Die franzöſiſche Revolution fand ſich, wie wir, gegenüber die⸗ ſem ſchauerlichen Problem, deſſen Löſung ſie durch Strafen er— trotzen wollte; allein die Strafen waren eben ſo unmächtig, als die Geſetze, um damit zu Ende zu kommen. Das Maximum hat die Hungersnoth erzeugt; die willkürliche Feſtſetzung der Löhne hat die Arbeit unterdrückt. Die Schenkungen an die Ar⸗ men haben den Bettel geſchaffen; die Ausſchließung der aus⸗ ländiſchen Erzeugniſſe hat den Monopolen die Bahn eröffnet. Die kühnen Verſuche dieſer Epoche ermangeln nicht der Aehn⸗ lichkeit mit jenen, welche Turgot unter der Monarchie im In⸗ tereſſe der arbeitenden Klaſſen gewagt hatte. Der einzige Un⸗ terſchied, welcher ſie trennt, iſt, daß die Reformer des Con⸗ vents, mächtiger als der Miniſter Ludwigs XVI., den That⸗ ſachen und Widerſtänden gar keine Rechnung trugen, vor wel⸗ chen Turgot zurück zu weichen genöthigt geweſen war. Man fönnte ſagen, in ihren Augen war die menſchliche Gat⸗ tung ei ſo vie zerſtör beuf! terlaſ heite wer Lab fen wir wan Küh um zu er bürft wenn geſetz, ſtand de — *) His eint. than han; uden un⸗ edukt, de it des n; al⸗ Pyrheit ſchon , es ſie kei hum, dem Preis erzeh⸗ durch eerden. er die⸗ fen er⸗ ig, als imum g der ie Ar⸗ aus⸗ net. ehn⸗ In⸗ Un⸗ Lon⸗ hat⸗ wel⸗ Man Gat⸗ bt. ne — 441— tung eine träge Materie, fähig, alle Experimente zu beſtehen, ſo viele widerſinnige, anarchiſche, und für jede Geſellſchaft zerſtörende Syſteme ſchlugen ſie vor. Marat, Saint⸗Juſt, Ba⸗ beuf haben uns merkwürdige Denkmale dieſer Monomanie hin⸗ terlaſſen, welche die Geiſter verwirrte, die gierig nach Neu⸗ heiten und geneigt waren, die ausſchweifendſten ſocialen Träu⸗ mereien in Ausübung zu bringen, wie man in einem chemiſchen Laboratorium chemiſche Proceſſe und Verbindungen von Stof⸗ fen verſucht. Es gab bald nur noch einziges Wort in dem wirthſchaftlichen Wörterbuch der franzöſiſchen Sprache; das war das berühmte Wort Danton's: Kühnheit, noch einmal Kühnheit und immer Kühnheit. Als die Gemeinde Paris kam, um von dem Nationalconvent die Einführung des Maximums zu erbitten, ſo ſagte deſſen Präſident:„Es handelt ſich von der dürftigen Klaſſe, für welche der Geſetzgeber Nichts gethan hat, wenn er nicht Alles gethan hat. Man wende hier nicht das Recht des Eigenthums ein; das Recht des Eigenthums kann nicht das Recht ſein, ſeine Mitbürger auszuhungern. Die Früchte der Erde gehören, wie die Luft, allen Menſchen.“*) Marat war viel weiter geweſen, und wir könnten ähnliche Ue⸗ bertreibungen dieſes Beſeſſenen anführen, wenn die Nachwelt, welche für ihn begonnen hat, ihn nicht ſchon in die Reihe der Wahnſinnigen geſtellt hätte. Saint⸗Juſt war der kühnſte und höchſte Ausdruck dieſer Schule von Tribunen, welche den Gracchen nachgebildet war, und gegen welche dieſe gefeierten Aufrührer gemäßigte Men⸗ ſchen waren. Die Schriften, welche er hinterlaſſen hat, ent⸗ halten ſeine geſammte wirthſchaftliche Anſicht, ſo energiſch von dem Sprecher der Gemeinde Paris zuſammengefaßt, und ſo be⸗ ſtimmt in den von dem Nationalconvent während der Herrſchaft der Bergpartei erlaſſenen Beſchlüſſen formulirt. Es war Babeufvor⸗ behalten, dieſe Lehren noch weiter zu treiben und offen das Acker⸗ geſetz, die Abſchaffung des Eigenthums und den permanenten Auf⸗ ſtand der Armen gegen die Reichen zu predigen. Allein dieſe Ver⸗ *) Histoire parlémentaire de la révolution, tome XXVI., page 52. — 142— meſſenheiten hatten kein anderes Ergebniß, als auf lange hin die beſten Geiſter von jeder ſocialen Speculation zu entfernen, ſo ſehr beſorgten ſie, ſich mit den wahnwitzigen Demagogen der anarchiſchen Schule zuſammengeworfen zu ſehen. Eine ernſte Lehre iſt überdieß aus allen waglichen Verſuchen der franzöſi⸗ ſchen Revolution hervorgegangen: die, daß man nicht ſo leicht die Sitten, wie die Inſtitutionen umbilde, und daß die ſchön⸗ ſten Geſetze nicht genügen, um jedem Bürger eine gedeihliche Stellung zu verſchaffen, wenn er nicht durch ſeine Arbeit und Sittlichkeit dazu mitwirkt. Dieſe verführeriſchen Träume ſind von da an verſchwunden. Alles, was die Philanthro⸗ pie der Geſetzgeber über öffentlichen Reichthum und Wohl⸗ ſtand beſchließen konnte, wurde beſchloſſen, und es ward aner⸗ kannt, daß das Staatsvermögen andern Geſetzen, als de⸗ nen der Gewalt und Tyrannei, folge. Hätte man auch nur dieſen Schritt gethan, ſo liegt darin ſchon ein unermeßlicher Fortgang; denn er hat die Regierungen und die Individuen gezwungen, anderswo, als in legislativen Programmen, die Ele⸗ mente ihrer Größe und ihrer Zukunft zu ſuchen. Was erübrigt ſonach von allen dieſen glänzenden und hoch⸗ herzigen Träumen, welche die Welt ſeit Turgot bis in unſere Tage herein erſchüttert haben, und welche ſocialen Eroberun⸗ gen hat die politiſche Oekonomie gemacht, welche endlich einige Glorie auf ſie geworfen haben? Wir werden deren zwei denk⸗ würdige anführen können, die Emancipation der engliſchen und ſpaniſchen Kolonien in Amerika und die Abſchaffung der Ne⸗ gerſklaverei; zu dieſen kann man vielleicht noch fügen die Aufhebung der Zunftvorrechte, d. h. die Befreiung der Arbeit. Wir haben noch zwei andere Siege zu erringen: die Befrei⸗ ung der Arbeiter und die des Handels, ein Werk, ſchwierig und verwickelt in einer Zeit, wie der unſerigen, wo die Re⸗ gierungen ſelbſt dir Vorurtheile des niedern Volkes gegen die Handelsfreiheit theilen, und ſie als der heimiſchen Arbeit feind⸗ lich anſehen. Von allen wirthſchaftlichen Irrthümern der Re⸗ volution hat dieſer allein ſie überlebt, zäher als je, und ſich ſiegreich auf den Trümmern der andern erhoben. Man ver⸗ theid gen tione werl Das den tert ben e hin ernen, en der ernſte anzöͤſ⸗ leicht ſchän⸗ deihliche beit und zme ſind lanthro⸗ Wohl⸗ aner⸗ ls de⸗ ich nur flicher viduen ie Ele⸗ nd hoch⸗ unſere roberun⸗ h einige ei denk⸗ hen und er Ne⸗ en die lrbeit. efrei⸗ ierig Re⸗ n die feind⸗ Re⸗ d ſich n ver⸗ — 143— theidigt ſie nicht mehr, weder die Sklaverei, noch die Innun⸗ gen(?), noch die privilegirten Handelsgeſellſchaften; der Na⸗ tionalhaß iſt faſt in allen Formen verſchwunden, um den ge⸗ werblichen Wetteiferungen und Eiferſuchten Platz zu machen. Das Schlachtfeld liegt nicht mehr in den Ebenen, es liegt in den Werkſtätten. Hier tobt der Krieg fort, unterrichtet, erbit⸗ tert, unermüdlich, und erntet ſeine Opfer in allen Parteien, die bemüht ſind, ſich zu ſchaden, ſtatt ſich zu unterſtützen; ein wah⸗ rer Krieg, wo die Streitenden ſich ſinnreicher und gewaltiger Maſchinen bedienen, welche auf der Wahlſtatt des Pauperis⸗ mus Millionen Arbeiter laſſen, keuchend, Männer und Frauen, mitleidlos für das Alter, für die Kindheit! Dieſer Krieg iſt gegenwärtig der letzte Ausdruck der alten politiſchen Oekonomie in Europa, und das letzte Nachdröhnen des großen ſocialen Streites, der von der franzöſiſchen Revolution erregt worden iſt. Es iſt dieſes nicht bloß ein internationaler Kampf; es iſt ein ernſter Streit zwiſchen den verſchiedenen Klaſſen der Arbeiter. Frankreich gibt ſich allerdings das Anſehen, als wetteifere es mit England; allein das Kapi⸗ tal kämpft viel hitziger mit dem Arbeiter. Unter dem Vor⸗ wand, dem Vaterlande in dem erſten dieſer Kämpfe den Sieg zu erringen, hält man bei der Arbeit eine Organiſation auf⸗ recht, welche mit ihren Bedürfniſſen und den Fortſchritten der Geſittung nicht mehr im Einklange iſt. Auch gibt es in der Wiſſenſchaft von 1789 bis 1814 nichts Neues, außer der Er⸗ fahrung der fertigen Thatſachen und der Leichtigkeit, die Folge⸗ rungen daraus zu ziehen, um voran zu ſchreiten und das Werk unſerer Väter zu vollenden. Gleichwohl wird bald aus dem Schooße der Induſtrie eine unwiderſtehliche Macht hervorſtei⸗ gen, beſtimmt, wie der Speer des Achilleus, die Wunden zu heilen, welche ſie geſchlagen haben wird; eine Macht, ausge⸗ boren aus unſern Handelsfehden, und welche zuletzt ſie alle aus⸗ löſchen wird: es iſt dieſes die Aſſociation, herüber gebracht aus England, wo das Uebermaaß der von dem Krieg dringend geforderten Steuern ihm die Mittel geliefert hat, ſie durch viele Wunder zu beſtreiten; allein es iſt gut, zu den Haupturſachen — 144— dieſes neuen Elements geſellſchaftlichen Fortſchrittes zurückzu⸗ ſteigen und die Thatſachen zu erforſchen, welche ſeinen Ein⸗ tritt vorbereitet haben. Hauptſtück XXXVIII. Von der wirthſchaftlichen Revolution, welche in England durch die Ent⸗ deckungen Watt's und Arkwright's bewirkt wurde.— Wirthſchaftliche Folgen der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten.— Rückwirkung der franzöſiſchen Revolution auf das Finanzſyſtem Englands.— Zu⸗ nahme der Auflagen.— Einſtellung der Baarzahlungen der Bank.— Entwickelungen und Mißbräuche des Credits.— Ungeheure Größe der Staatsſchuld.— Folgen des allgemeinen Friedens. Während die franzöſiſche Revolution ihre großen ſocialen Verſuche auf einem Vulkane machte, begann England die ſei⸗ nigen auf dem Boden der Induſtrie. Das Ende des achtzehn⸗ ten Jahrhunderts ward hier durch bewunderungswürdige Ent⸗ deckungen bezeichnet, die beſtimmt waren, die Geſtalt der Welt zu ändern, und auf eine unverhoffte Weiſe die Macht ihrer Erfinder zu ſteigern. Die Bedingungen der Arbeit erlit⸗ ten die tiefſte Aenderung, welche ſie ſeit dem Beginn der Staatsgeſellſchaften erfahren hatten. Zwei künftighin unſterb⸗ liche Maſchinen, die Dampfmaſchine und die Spinnmaſchine, ſtießen das alte Handelsſyſtem um, und ließen faſt zu gleicher Zeit materielle Erzeugniſſe und ſociale Fragen erſcheinen, welche unſern Vätern unbekannt geweſen waren. Die kleinen Arbei⸗ ter wurden jetzt den großen Kapitaliſten tributpflichtig; der Spinnrahmen erſetzte das Spinnrad, und der Dampfeylinder trat an die Stelle des Dienſtes der Pferde. Zu gleicher Zeit be⸗ gannen die ſchönen Kanaliſationsverſuche des Herzogs von Brid⸗ gewater ihre Früchte zu tragen, und die Vervollkommnung der Verſendungen fiel mit der Vermehrung der Waaren zuſammen. Die Gewinnung des Eiſens und die anderer Metalle verbeſ⸗ ſerte ſi des Do Man! ſch a Die dieſer zuſuch Werꝛ ſchle die g ger ĩ ſcheint einen ihre C auszuſ viele, nen ne hin a noch genbe Glei zwei gen, 18te Bau liefe land ſamm ſagt 3 — *) V fünf tau der, im dieſe Jo Der G Bia ickzu⸗ Ein⸗ die Eni⸗ ſchaftliche kwirkung — Zu⸗ ank— öße der ſcialen ie ſei⸗ htvehn⸗ e Eri⸗ alt der Mact it erlik⸗ un der inſterb⸗ ſchine, leicher velche rbei⸗ der inder it be⸗ Brid⸗ g der mmenl. verbeſ⸗ — 145— ſerte ſich mit der der Steinkohlen, welche durch die Anwendung des Dampfes bei den Arbeiten des Ausbringens bethätigt wurde. Man könnte ſagen, daß England neue Bergwerke entdeckt, und ſich auf ein Mal mit unerwarteten Schätzen bereichert habe. Die gleichzeitige Generation, mehr bemüht, die Gewinnſte dieſer Eroberungen zu ernten, als die Urſachen derſelben auf⸗ zuſuchen, ſcheint die Verlegenheiten nicht nach ihrem wahren Werth gewürdigt zu haben, welche ſie in ihrem Gefolge nach⸗ ſchleppten. Dieſe Umwandlung der patriarchaliſchen Arbeit in die gewerbliche Feudalität, wo der Arbeiter, ein neuer Höri⸗ ger der Werkſtätte, an die Scholle des Lohnes gebunden er⸗ ſcheint, beunruhigte die engliſchen Erzeuger nicht, obwohl ſie einen Charakter von Plötzlichkeit hatte, der wohl fähig war, ihre Gewohnheiten zu ſtören. Sie waren weit entfernt, vor⸗ auszuſehen, daß die Maſchinen ihnen ſo viele Macht und ſo viele Sorgen bringen würden Der Pauperismus erſchien ih⸗ nen noch nicht unter den drohenden Formen, welche er ſpäter⸗ hin angenommen hat, und die mechaniſchen Gewerke hatten noch nicht jene Macht der Arbeit entwickelt, welche für den Au⸗ genblick ſo vielen Arbeitern ſo verhängnißvoll werden ſollte. Gleichwohl war die gewerbliche Revolution kaum dem Gehirn zweier genialer Menſchen, Watt's und Arkwright's, aufgegan⸗ gen, ſo ſetzte ſie ſich in den Beſitz Englands. Am Ende des 18ten Jahrhunderts wurde in Europa nicht ein einziges Stück Baumwollenzeugs verbraucht, welches uns nicht Indien ge⸗ liefert hätte, und fünf und zwanzig Jahre ſpäter ſandte Eng⸗ land deren dem Lande ſelbſt zu, aus welchem es bis dahin ſämmtliche Erzeugniſſe dieſer Art bezogen hatte.„Der Strom, ſagt J. B. Say, war zu ſeiner Quelle zurückgefloſſen“*). *) Vor der Erfindung der Spinnmaſchinen zählte Großbritannien nur fünf tauſend Baumwollenſpinnerinnen und drei tauſend Baumwollenwe⸗ ber, im Ganzen ungefähr acht tauſend Arbeiter; während gegenwärtig dieſe Zahl in England allein auf mehr als acht mal hundert tauſend anſteigt. Der Geſammtwerth der Baumwollengewebe wurde in dieſem Lande 1836 Blanqui, Geſchichte d. polit. Dekonomic. II. Bd. 10 So hatten zwei kleine, in umgekehrter Richtung umlauſende Cylinder genügt, um die Beziehungen Europa's zu Aſien und die ſeculären Ueberlieferungen der Arbeit von Grund aus zu ändern. Zu gleicher Zeit traf die Emancipation der Vereinig⸗ ten Staaten mit einem entſcheidenden Streich das Kolonialſy⸗ ſtem, und gab allen Herrſchaften der Mutterſtaaten die Looſung zum Rückzug. Die Stadt Briſtol, welche ſo heftige Petitionen gegen den Frieden mit den amerikaniſchen Aufrührern dem Par⸗ liament eingereicht hatte, bat einige Jahre nach der Unterzeich⸗ nung dieſes Friedens um die Ermächtigung, neue Baſſins gra⸗ ben zu dürfen, welche der Erweiterung ihres Handels mit den frei gewordenen Kolonien nothwendig geworden waren. bereitete ſich die allgemeine Unabhängigkeit des neuen Feſtlan⸗ des vor, deſſen letzte europäiſchen Geſetzen unterworfene Nie⸗ derlaſſung*) in dieſem Augenblick kämpft, um das Werk Frank⸗ lin's und Washington's zu ergänzen. wieſen, daß die Kolonien ihren Mutterſtaaten mehr ſchädlich, als nützlich ſeien, und daß mit einem freien und arbeitſamen- Volke größere Gewinnſte ſich machen laſſen, als mit knechtiſch unterworfenen und gedrückten Vaſſallen. Die Vereinigten Staa⸗ ten haben Europa dieſe volkswirthſchaftliche Lehre gegeben, welche die Runde durch die Welt machen, und die Kolonial⸗ generationen wegen des Zuſtands der Unterdrückung rächen wird, in welchem ihre Väter lebten. Die Weihſagungen Raynal's ſind Neiche und mächtige Nationen ſind an die Stelle der ſchwachen und precären Niederlaſſungen der Europäer in einem der beiden Indien getreten, und man möchte, wenn man auf den Zuſtand der Erſchlaffung in einigen alten Mutterſtaa⸗ ten hinblickt, ſagen, daß der reinſte Theil ihres Blutes rück⸗ kehrlos in die Adern ihrer Kolonien übergefloſſen ſei. eingetroffen. ———— auf die ungeheure Summe von acht hundert fünfzig Millionen Franes an⸗ geſchlagen. Man kann in dieſer Beziehung die Statiſtiken des Hrn. Mac⸗ Culloch, des Hrn. Porter und die auf Befehl des Parliaments herausge⸗ gebenen Actenſtücke vergleichen. *) Canada. Es war von da an be⸗ ende und zu nig⸗ iſy⸗ ſen onen Par⸗ zeich gra⸗ den So an⸗ tie⸗ nk⸗ be⸗ lich, men- giſſch Staa⸗ geben, lonial⸗ wird, s ſind Stelle jer in man ſtaa⸗ rück⸗ s an⸗ Mae⸗ ausgs⸗ — — 147— Hierin liegt, wie ſehr darunter auch der Stolz des alten Kontinents leide, eine unermeßliche Umwälzung, deren Folgen uns zu erreichen beginnen. Wir ſind unſern frühern Vaſſallen rückſichtlich einer Menge von Rohſtoffen und eigenthümlichen Erzeugniſſe tributpflichtig, ohne welche die Arbeit unſerer Ma⸗ nufakturen nicht mehr zu beſtehen vermöchte. Amerika ſendet uns die Ballen Baumwolle, mit welchen ſich unſere zahlreichen Zeugfabriken ſpeiſen, und die Farbhölzer, welche zu ihrem Drucke dienen. Der Kaffee, Cacao, die Chinarinde, welche das Fieber heilt, die Arzneiſtoffe, welche es geben, kommen uns alle vom Auslande. Unſere Bedürfniſſe bringen uns täglich mehr in die Abhängigkeit von den überſeeiſchen Völkern; die Stadt Lyon bebt bis in ihre Fundamente bei den Stößen, welche Philadelphia oder New⸗York erſchüttern. Ein Bank⸗ bruch in Neu⸗Orleans kann zehn Handelsleute in Liverpool zu Grunde richten. Die außerordentliche Entwickelung, welche die Erfindung der Maſchinen der Gütererzeugung gab, fordert im⸗ mer ſich erweiternde Abſatzwege, welche man in der Ferne auf⸗ ſuchen, und durch das Sinken der Preiſe den im Gewerbeweſen vorgerückteſten Nationen abſtreiten muß. Die Märkte ſind Schlachtfelder geworden. Die Diplomatie feilſcht nicht mehr um Provinzen, ſondern um Tarife, und die Heere gleichen, wenn ſie aufbrechen, Schwärmen von Fourrieren, welche, um dem Handel Quartier zu machen, ausziehen. So Großes hat die Emancipation der neuen Welt bewirkt, deren Kolonien bald nur noch unſere großen eurepäiſchen Manufacturen ſein werden. Kein Zeitalter hat in ſo kurzer Zeit ſolche wirthſchaftliche Umwälzungen verlaufen geſehen, und es darf nicht überraſchen, daß ſo ungewohnte Verwandlungen alle Syſteme verwirrt haben. Eine ſo feierliche Widerlegung der ganzen alten Schule Karl's V. war dieſes raſche Gedeihen der Vereinigten Staaten! Was wurden im Angeſicht dieſes großen Ereigniſſes die Theorien der Handelsbilanz und die adminiſtrativen Gewohnheiten des Ko⸗ lonialſyſtems? Man hatte demnach ſo viele gehäſſige Kriege und ſo viele noch gehäſſigere Maximen nur zu dem Zwecke aufrecht 10. — 148— erhalten, um einſt zu dem erniedrigendſten Widerruf genöthigt zu werden! Dieſe den Handel ſchützenden Geſetze waren ſo⸗ nach nur ein ſchauderhafter Mißbrauch der Stärke! Nie— man muß es bekennen,— hat die menſchliche Eitelkeit eine blu⸗ tigere Niederlage erlitten, und trotz der auffallenden Ueberra⸗ ſchung der Lehre haben ſich die Anmaßungen der Mutterſtaa⸗ ten nur wenig gemildert. Sie müſſen ſämmtlich dieſen Kelch der Bitterkeit noch trinken, ehe ſie von ihren despotiſchen Ge⸗ wöhnungen abgehen; ähnlich in dieſem Punkte den Monarchien göttlichen Rechtes, welche bis zu dem Augenblick glauben, daß alle Rechte auf einem Schwert ruhen, wo dieſes Schwert in ihrer Hand zerbricht. Die Revolution Amerika's iſ aber nicht die einzige entſchei⸗ dende wirthſchaftliche Thatſache am Ende des achtzehnten Jahr⸗ bunderts. Wir haben geſehen, daß die Erfindung der beiden Maſchinen Watt's und Arkwright's die Bedingungen der Ar⸗ beit dadurch völlig geändert hatte, daß ſie die Mechanik an die Stelle der menſchlichen Arme, und die großen Aſſociationen an die Stelle der kleinen Gewerbe ſetzte. Dieſer einzige Schlag mußte alle Gewerbsinnungen tödtlich verwunden, und ihre ſchlendrianartigen und rohen Rechtsſatzungen abtragen; aber es konnte nicht fehlen, er mußte auch zugleich auf das Finanz⸗ ſyſtem Europa's zurück wirken. Da der natürliche Zweck der Auflagen darin beſteht, das Einkommen zu erreichen, wo es ſich finde, ſo ahnt man leicht, daß ſich die Finanzwiſſenſchaft beeilte, das neue Feld auszubeuten, welches ſeine Ernten ihr anbot. Die äußerſte Zunahme der gewerblichen Erzeugniſſe wandte dieſem jungen Zweige des öffentlichen Reichthums die Aufmerkſamkeit der Geſetzgeber und Staatsmänner zu, und ſo iſt in England die Erhöhung der indirekten Abgaben mit der Entwickelung der Fabrikerzeugung gleichen Schritts ge⸗ gangen. Man ſtrebte jetzt plötzlich nicht mehr dahin, die La⸗ ſten des Volkes zu lindern; es erſchien vortheilhafter, ihnen die Stärke zu geben, ſie zu ertragen. Weil es nicht mög⸗ lich iſt, die Bürde zu erleichtern, ſo laßt uns das Laſtthier ſtärken, ſagte ein engliſcher Miniſter, und die⸗ ſes We ern Re aufgeho ſperren haben, Arbeit En fahru der Nevoll harer die ind abgeſche erklären ganz e werfen ſelbe taufte Grur tikel digen licher ausge then Vergl des I. wieſen gleichen man die Handels im Ver genwärt welchem ſteuern leben; nen lag iore aber nanz⸗ d der vo es ſchaft ihr niſſe die und mit ge⸗ La⸗ hnen Rög⸗ das d die⸗ — 149— ſes Wort charakteriſirt ſehr richtig die Finanztaktik der neu⸗ ern Regierungen. Die Völker, wie die Einzelnen, haben aufgehört, ſich in dem engen Kreis der Entbehrungen abzu⸗ ſperren; ſie haben mehr Bedürfniſſe, weil ſie mehr Mittel haben, ſie zu befriedigen: ſie brauchen nur das Maaß der Arbeit zu mehren. England war zu dieſem Punkt ſeiner wirthſchaftlichen Er⸗ fahrungen gelangt, als es ſeinen Antheil an der Reaction der Ideen übernehmen mußte, welche durch die franzöſiſche Revolution verbreitet worden waren. Wahrlich, ein ſonder⸗ barer Contraſt zweier Völker, von denen das eine ſich auf die indirekten Abgaben ſtürzte, während ſie von dem andern abgeſchafft wurden! Und dieſe Antipathien laſſen ſich leicht erklären. Die Ariſtokratie, allmächtig in England, fand es ganz einfach, auf die Arbeit die ganze Laſt der Auflagen zu werfen; die Demokratie, ſiegreich in Frankreich, beging die⸗ ſelbe Ungerechtigkeit gegen das Grundeigenthum. Hier ver⸗ kaufte man die Güter der Ausgewanderten und zehntete das Grundeigenthum; anderswo beſteuerte man die geringſten Ar⸗ tikel der Verzehrung und bis zu der den Lungen nothwen⸗ digen Luft. Es darf nicht überraſchen, daß ein unverſöhn⸗ licher Krieg zwiſchen zwei ſo entgegengeſetzten Grundſätzen ausgebrochen iſt, und dieſer Krieg hat erſt aufgehört zu wü⸗ then in dem Augenblick, wo die politiſche Oekonomie einen. Vergleich, gegründet auf die wahrhafte Analyſe der Elemente des Volksvermögens, erwirkt hat. Als Adam Smith vachge⸗ wieſen hatte, daß die Fabrikanten und Handelsleute mit dem gleichen Rechte Erzeuger ſind, wie die Landwirthe, mußte man die Nothwendigkeit wohl anerkennen, die Fabrik⸗ und Handelsproduction, wie die des Landbaus und jede derſelben 4 im Verhältniß zu ihrem Einkommen zu beſteuern. Was ge⸗ genwärtig noch zu entſcheiden iſt, iſt bloß, zu wiſſen, bis zu welchem Punkt die Billigkeit und die Analyſe die Klaſſen be⸗ ſteuern laſſen, welche vom Lohn und nicht von den Gewinnſten leben; und deßwegen iſt die Frage, welche Anfangs zwiſchen der Ariſtokratie und dem Bürgerſtande aufgeworfen ward, in die Kampfbahn der Volksleidenſchaften herabgeſtiegen. Die langen Revolutionskriege zwiſchen Frankreich und Eng⸗ land haben dadurch, daß ſie beide Länder in die Nothwen⸗ digkeit äußerſter Maaßregeln der Noth und waglicher Ver⸗ ſuche geworfen haben, eben ſo viel, als die volkswirthſchaft⸗ lichen Schriftſteller, zur Löſung mehrer wichtiger Probleme beigetragen. Wir ſind weit entfernt, z. B. mit Ricardo an⸗ zunehmen, daß die Erhöhung der Abgaben die Haupturſache der Entwicklung der Fabrikerzeugung in England geweſen ſei. Niemand arbeitet bloß, um Steuern zu zahlen, und es iſt unter dieſer Bedingung keine Gütererzeugung möglich; allein man kann nicht leugnen, daß das Bedürfniß, ſich eine Menge unentbehrlicher Verzehrungsgegenſtände zu verſchaffen, welche durch die Steuern erreicht werden, bei den meiſten Men⸗ ſchen ſehr kräftige Stimmungen zur Arbeit erregen mußte. Leider mißbrauchte die engliſche Regierung, durch die Anfor⸗ derungen des Krieges verleitet, dieſe Stimmungen, welche bald ungenügend wurden, und die Wuth der Auskunftsmittel ſchien am Ende des Jahrhunderts wieder zu erwachen, wie ſie am Beginn deſſelben geherrſcht hatte. Die ausſchweifend⸗ ſten Finanztheorien wurden als poſitive Regierungsmaximen verkündet. Die Steuern halfen dem Mangel des Staats⸗ ſchatzes nicht mehr ab: man mußte zu den Anleihen grei⸗ fen, ſie vermehren, ſie auf tauſend ſinnreiche Weiſen ver⸗ binden, um die unabläſſig anwachſenden Deficite zu decken; daher entſtand die Theorie von dem Tilgungsſtamm, dieſes Luftgebilde, deſſen Wiege und Grab England in einigen Jahren ſein ſollke*). *) Hr. Pebrer(Taxation, Revenue, Expenditure, Power, Statistics and Debt of the Whole British Empire, London 1833) ſchätzt auf un⸗ gefähr fünfzig Milliarden Francs die Summe der von der engliſchen Regierung vom Beginn der franzöſiſchen Revolution bis zum Frieden von 1815 bezogenen Einkünfte und verbrauchten Anleihen. Dieſes iſt eine Summe, fünfmal ſtärker, als die ganze Maſſe des Metallgeldes, welches Die E öffentliche den, daß gen übe Ehre do ſtͤndige terung ſich zu hervord graben würdig⸗ der Gi ſolche T jenes iſt wohl es führen bruch- ſtanden ſchritt gen, jeder nanzo ten ſ behau pital das J licher Königre eine ſol als die Anleihen So er dirten in Eurohe im gtoßte „in Eng⸗ hwen⸗ Ver⸗ ſchafe Nkodleme ardo an⸗ pturſache eſen ſei. es iſt ;allein Menge „welche n Men⸗ mußte. e Anfor⸗ „ welche mfiswitel ihen, wie ſchweifend⸗ gomarimen es Staatz⸗ eihen grei geiſen ver⸗ zu decken; um, dieſes in einigen er, Stutisties ätzt auf un⸗ der engliſchen zum Frieden ieſes iſt ein des, welches Die Engländer haben nicht weniger die Ehre gehabt, den öffentlichen Credit der Neuzeit in Europa dadurch zu grün⸗ den, daß ſie bewieſen, er könne ſehr gut die kritiſchſten La⸗ gen überleben, und ſelbſt einem großen Volke helfen, mit Ehre daraus hervorgehen. In der That hatte, trotz des be⸗ ſtändigen Steigens der Auflagen und Anleihen, die Bevöl⸗ kerung Englands nicht aufgehört, zu wachſen, ſein Landbau, ſich zu bereichern, und ſeine Induſtrie mit jedem Tage mehr hervorzubringen. Neue Kanäle wurden eröffnet, Docks ge⸗ graben, koloſſale Unternehmungen mit einer bewunderungs⸗ würdigen Raſchheit ausgeführt; das Nationalkapital war mit der Gütererzeugung ſelbſt angewachſen, und zwar auf eine ſolche Weiſe, daß gegenwärtig das engliſche Volk vielleicht jenes iſt, welches über das höchſte Einkommen verfügt, ob⸗ wohl es ungeheure Steuern bezahlt. Was es zum Bankbruch führen ſollte, leitete es zum Vermögen, und ſelbſt ſein Bank⸗ bruch— denn es hat dieſe Prüfung, wie Frankreich, be⸗ ſtanden— war für England nur ein weiterer Anlaß zum Fort⸗ ſchritt und eine Quelle von Verbeſſerungen. Man kann ſa⸗ gen, daß es ihm gegeben war, die hergebrachten Syſteme in jeder Hinſicht umzuſtürzen, und die Welt durch ſeine Fi⸗ nanzoperationen eben ſo ſehr, als durch die Verfahrungsar⸗ ten ſeiner Induſtrie in Staunen zu ſetzen. Pitt wagte zu behaupten, daß das durch die Anleihen geſchaffene fictive Ka⸗ pital in ein fires Kapital verwandelt worden ſei, und für das Publikum eben ſo vortheilhaft werde, als wenn ein wirk⸗ licher Schatz von gleichem Betrage zu dem Vermögen des Königreichs gefügt worden wäre. Was iſt widerſinniger, als eine ſolche Behauptung, und was iſt ferner überraſchender, als die wunderbar ergiebigen Ergebniſſe dieſer vermehrten Anleihen, unter deren Laſt England erliegen ſollte! So erfanden die Engländer, nicht zufrieden mit der fun⸗ dirten Schuld, die ſchwebende Schuld, vermittelſt je⸗ in Europa in jenem Zeitraume beſtand, in welchem doch die edeln Metalle im größten Ueberfluſſe vorhanden waren. — 152— ner ungeheuren Emiſſionen von Schatzſcheinen, deren An⸗ wendung, in friedlichen Zeiten verſtändig geregelt, eine der bequemſten und ſicherſten Hilfsquellen der neuern Staaten ge⸗ worden iſt. Die Staatsmänner haben den Volkswirthſchafts⸗ gelehrten begreiflich gemacht, daß oft eine große Erſparung darin liege, durch Vorauserhebung im Jänner das Einkom⸗ men des Decembers verwenden zu können; und die Kühn⸗ heit eines durch den Zuſtand der Kriſe, in welcher ſich Eng⸗ land befand, gerechtfertigten Verſuches, hat geſtattet, eine nützliche Finanzeinrichtung an die Stelle der läſtigen Aus⸗ kunftmittel der vergangenen Zeiten zu ſetzen. Die ſchwebende Schuld iſt das Aſyl aller unthätigen Kapitale und der Hilfs⸗ vorrath der conſtitutionellen Regierungen geworden. Es iſt nicht mehr nöthig, zum voraus der Arbeit entzogene Kapi⸗ tale aufzuhäufen, um unvorgeſehene Bedürfniſſe zu decken. Wer hätte von ſolchen Dingen die Schule der Phyſiokraten und ſelbſt die Adam Smith's überzeugen können, ehe die wahr⸗ haft rieſenhaften Verſuche Großbritanniens geſtattet hatten, daran zu glauben, und ihre Stärke und Schwäche anzuer⸗ kennen! Daſſelbe Staunen ergriff die wirthſchaftende Welt bei der Kunde von der Einſtellung der Baarzahlungen der Bank von England im Jahr 1797. Wahrlich, wenn irgend eine Lehre ſinnreich und gründlich war, ſo war es die von Adam Smith über die Conſtitution der Banken, und über die Nothwen⸗ digkeit für ſie, die Ausgaben ihrer Noten bei der Strafe zu beſchränken, ſonſt mit großen Koſten Münze kaufen zu müſſen, nachdem ſie ihre Noten herabgeſetzt geſehen haben: einmal jedoch fand ſich die Bank von England, erſchöpft durch die Discontirungen der Schatzkammerſcheine, genöthigt, ihre Baarzahlungen einzuſtellen. Das war ein wahrer Bankbruch, weil die Scheine an den Inhaber und in Gold zahlbar wa⸗ ren; und ein ſolcher Bankbruch ſchien in der Lage, in wel⸗ cher ſich gerade England befand, die gräßlichſten Kataſtro⸗ phen nach ſich ziehen zu müſſen. Und gleichwohl war es nicht ſo, weil die Regierung den klugen Gedanken hatte, — auf dieſen der Bank waren. ſchen den die Ausf haben, 1 Reben. in wele war, e Löhne u ſein, we erzeugte .Von ei Erſcheinu Erfahrun naten un verſichert des Law' die letzt Bani v Höhe e galten; in Müt len Ele land ge erzeugun doppeln, reich, tron nen von( den kräftig ſchuf. Kei ſchaftlehre Baarzahlun ſaattete, ſie auftunehme gen ſollten hwen⸗ Strafe en zu ben: urch ihre ruch, wa⸗ wel⸗ aſtro⸗ ar es hatte, — 153— auf dieſem Abhang anzuhalten, und nicht übermäßig die Noten der Bank zu vermehren, die in Papiergeld verwandelt worden waren. Kaum gewahrte man einen geringen Unterſchied zwi⸗ ſchen dem Preisſatze des Goldes und dem des Papiers, und die Ausfuhr der Münze ſchien keine andere Folge gehabt zu haben, als dem Geldreichthum eine produetivere Beſtimmung zu geben. Als ſpäter die Emiſſionen die Grenzen überſchritten, in welchen die Fertigung des Papiergeldes gehalten worden war, ergab ſich daraus lediglich ein allgemeines Steigen der Löhne und der Preiſe. Die Nation ſchien reicher geworden zu ſein, weil der Satz der Löhne höher war, und dieſe Erhöhung erzeugte eine allgemeine Ueberreizung der Nationalarbeit. Von einer andern Seite, und während dieſe merkwürdigen Erſcheinungen in England hervortraten, wurden entgegengeſetzte Erfahrungen in Frankreich ſchmerzlich gemacht. Die Aſſig⸗ naten und Mandate erſuhren, obwohl ſie auf Nationalgüter verſichert waren, eine in den Finanzjahrbüchern ſeit dem Sturze des Law'ſchen Syſtems unerhörte Entwerthung. Sie fielen auf die letzte Stufe der Entwerthung gegenüber den Noten der Bank von England, welche ſich, trotz des Bankbruchs, in ihrer Höhe erhielten. Die einen, austauſchbar gegen Ländereien, galten gar Nichts mehr; die anderen, beraubt ihrer Garantie in Münze, behielten ihren Nennwerth. Frankreich war bei al⸗ len Elementen des Wohlſtands in die Anarchie geſtürzt; Eng⸗ land gedieh bei allen Elementen der Anarchie. Die Güter⸗ erzeugung ſchien in dieſem Lande ſich in dem Maaße zu ver⸗ doppeln, als man ihm ſeine Münze entzog; ſie war in Frank⸗ reich, trotz des Verkaufs der Güter, gelähmt, welcher Millio⸗ nen von Grundeignern und folglich, wie wir geſagt haben, den kräftigſten Sporn zur Gütererzeugung, das Eigenthum, ſchuf. Kein Zeitraum war fruchtbarer an ernſten Wirth⸗ ſchaftslehren, als jener, welcher auf die Wiedereröffnung der Baarzahlungen folgte, als der Friede von 1815 England ge⸗ ſtattete, ſie, kraft der berühmten Acte des Hrn. Peel, wieder aufzunehmen. Die Folgen dieſer Herſtellung der Baarzahlun⸗ gen ſollten für Großbritannien viel unheilvoller werden, als es die Einſtellung derſelben geweſen war, oder vielmehr, als ſie es nach dem Anſchein hätte werden ſollen. Das engliſche Volk hatte ſich an die kleinen Banknoten gewöhnt, und ſie als Geld angenommen. Die Grundeigenthümer, die Beamten der Regierung, die Rentner, die Beſoldeten jeden Ranges hatten ſich in der Täuſchung einer Vermehrung ihres Vermögens ge⸗ wiegt, weil ſie höhere Pachtzinſe, Vortheile oder Renten bezo⸗ gen. Der plötzlich, wie eine Fluth, den Nationalmarkt über⸗ ſchwemmende Wiedereintritt der Münze fand zahlreiche, unter der Herrſchaft des Papiergeldes und bei dem Steigen des Curſes abgeſchloſſene Verträge vor; Mancher, der unter dieſen Be⸗ dingungen den Vertrag eingegangen hatte, war genöthigt, die Zahlung in baarem Gelde zu leiſten. Man ahnet leicht, von welcher Störung dieſe finanzielle Entwickelung, welche vorzüg⸗ lich die Güterpachte traf, und welche im umgekehrten Sinn der definitiven Kriſe unſeres Papiergeldes glich, begleitet ſein mußte. Man mußte der Zerrüttung der Pächter durch heroiſche Mit⸗ tel ſteuern, und die vom Lohne lebenden Arbeiter wurden durch die Korngeſetze verurtheilt, die Schulden der Landwirthe an die Grundeigner zu tilgen. Dieſe Kriſe war nicht die einzige, welche das britiſche Volk traf, und Europa war jetzt im Begriff, Zeuge von mehr als einer Revolution in der Zeit zu ſein, wo der Friede unter⸗ zeichnet wurde, welcher nach dem Anſchein alle ſchließen ſollte. Man hat geſehen, wie die Continentalſperre der franzöſiſchen Fabrikation, welche künftighin faſt allein die Abſatzwege des Feſtlands beſitzen ſollte, einen außerordentlichen Schwung ge⸗ geben hatte. England hatte ſich unter dem Einfluſſe derſelben Blo⸗ kade der Meere und aller Kolonialmärkte bemächtigt, welche ihm ſeine Ueberlegenheit zur See ſicherte. Es war daraus auch für England eine große Fabrikthätigkeit hervorgegangen, wel⸗ cher überdieß der Schleichhandel ſeine Unterſtützung lieh. Plötz⸗ lich bricht der Friede herein, wie es ein völliger und urplötz⸗ licher Krieg nur gethan hätte; und die Verträge, welche der Welt die Ruhe wieder geben, bereiten dem Handel neue Kämpfe, tauſendmal ernſter und unlösbarer, als der Kampf der Waffe gewieſen, an die T welches d ſich gehwr ten abzute „langen; Beute v wandelt der Ma noch ein zöſiſchen engliſch g ändert. Die eu das ganz liliſchen; vor Kurk terthanen dem ſie dende! ren, in land d Feſtland fen ſein ödeten das Mo Nichts ve fer ſeiner ſchöpften? ſtokratie a ſchung für bot ihrer die in der Theilung gen, die r, als gliſche ſie als en der hatten ens ge⸗ n bezo⸗ it üder⸗ , unter Curſes u Be⸗ zt, die „von rzüg⸗ in der nußte. Mit⸗ durch an die he Volk nehr als e unter⸗ mſollte. zöſiſchn ege des ing ge⸗ Blo⸗ welche auch „wel⸗ Pläg⸗ rplötz⸗ ſche der A1 neue Kampf —-— 155— der Waffen. Frankreich, auf ſeine frühern Grenzen zurück⸗ gewieſen, wird mit einem dreifachen Mautheordon faſt bis an die Thore ſeiner Hauptſtadt umgeben, und England, welches die Kolonien mit ihren Bedürfniſſen verſorgte, ſieht ſich gezwungen, deren Markt an die befriedeten Mutterſtaa⸗ ten abzutreten. Spanien verſucht, Südamerika wieder zu er⸗— langen; die Holländer nehmen Java wieder, Jeder will ſeine Beute wieder ergreifen, und der Krieg der Bajonette ver⸗ wandelt ſich in einen unedeln Krieg der Viſitireiſen und der Mauthner. Die Bedingungen der Arbeit wurden ſonach noch einmal in ganz Europa durch den Umſturz der fran⸗ zöſiſchen Herrſchaft und durch die Eröffnung der ſo lange engliſch geweſenen Meere für den Handel aller Nationen ge⸗ ändert. Die europäiſche Verwaltung gab damals ein Schauſpiel, das ganz geeignet war, die Völker zur Erforſchung der po⸗ litiſchen Oekonomie zu ermuntern. Man ſah Staaten, welche vor Kurzem, trotz der Rivalität von Nachbarn, die ihre Un⸗ terthanen waren, gediehen, gegen dieſelben Nachbarn, nach⸗ dem ſie frei geworden waren, mit jedem Tag ſtrenger wer⸗ dende Beſchränkungen begehren, und ſich ihre Grenzen ſper⸗ ren, indem ſie ihnen die ihrigen unterſagten. Man ſah Eng⸗ land durch die Tarife ſeiner Verbündeten mehr von dem Feſtlande verdrängt, als daſſelbe es früher durch die Waf⸗ fen ſeiner Feinde geweſen war, und das Elend ſeine ver⸗ ödeten Werkſtätten beſtürmen, als ſeine ſiegreiche Politik ihm das Monopol der Welt zu ſichern ſchien. Es blieb ihm Nichts von ſo vielen Anſtrengungen, als die beſtürzende Zif⸗ fer ſeiner Staatsſchuld und ſeiner durch die Steuern er⸗ ſchöpften Bevölkerungen, welche ihnen eine unerbittliche Ari⸗ ſtokratie auferlegt hatte. Welch' ein herrlicher Stoff der For⸗ ſchung für die Volkswirthſchaftsgelehrten! Welche Thatſachen bot ihrer Beobachtung dieſe lange Reihe von Ereigniſſen, die in der Geſchichte der Wiſſenſchaft neu auftraten, die Theilung des Grundeigenthums, die Aufhebung der Innun⸗ gen, die indirecten Abgaben, die Staatsanleihen, die Staats⸗ — 156— ſchuldentilgung, das Papiergeld, die Einſtellung und Wieder⸗ eröffnung der Baarzahlungen der Bank von England und vor Allem dieſer erſtaunliche Kontraſt entgegengeſetzter Er⸗ gebniſſe bei ähnlichen Urſachen und ähnlicher Folgen bei ent⸗ gegengeſetzten Urſachen! Von dieſer Zeit an ſah man ein, daß es in der ſocialen Phyſiologie nichts Abſolutes gebe; ſie trat daher natürlich in die Reihe der beobachtenden Wiſ⸗ ſenſchaften, und ihre Ausſprüche mußten weit mehr auf die Erfahrung und die Vergleichung vollendeter Thatſachen als auf primitive Theorien gegründet werden. Ich ſcheue mich nicht, zu behaupten, daß erſt aus dieſer umfaſſenden Ency⸗ klopädie, welche mit 1789 beginnt und mit 1830 endet, die po⸗ litiſche Oekonomie ihre koſtbarſten Bauſtoffe und die feſteſten Grundlagen ihrer Lehren bezogen hat. Die Volkswirthſchafts⸗ gelehrten behandeln erſt von dieſer Zeit an die poſitiven Fra⸗ gen, und greifen ernſtlich in die menſchlichen Angelegenhei⸗ ten ein; ſie treten von dem dürren Boden der Abſtractionen ab, um ſich zur praktiſchen Uebung zu erheben, d. h. um nützlich und wahrhaft volksthümlich zu werden: eine ausge⸗ zeichnete Ehre, welche vorzüglich einem unſerer Landsleute, dem J. B. Say,. gebührt. Hauptſtück XXXIX. Von J. B. Say und deſſen Lehren.— Wichtige Folgen ſeiner Theorie von den Abſatzwegen.— Darſtellung der Dienſte, welche dieſer Schrift⸗ ſteller der Wiſſenſchaft geleiſtet hat.— Charakter ſeiner Schule.— Sie hat die politiſche Oekonomie in Europa populär gemacht. Es war unmöglich, daß die großen Verſuche, welche in Frank⸗ reich und England während des langen Kampfes gemacht wurden, den dieſe beiden Nationen gegen einander beſtanden haben, der politiſchen Oekonomie nicht neue Elemente von Beobachtungen lieferten, und nicht zu ihrer Förderung beitrugen. Adam Smith hatt biſenſchaf wir haben gen zur Lüſ war, das das Feld zen ſch Licht übe Arbeit, er hatte lange geu Erſt nach beſchränkte rer erſten perismus jenigen, war nur gens. E ergänzen Gewinn wechſeln nen leh Die volutior alle Sh zu ihren hart nel durch den durch das Menge inr welchen di ment war Theorien Naſſe neu ſollte dieſe und welch Wieder⸗ nd und ter Er⸗ bei ent⸗ an ein, 8 gebe; en Viſ⸗ auf die cheenn abs ue mich Ency⸗ die po⸗ eſteſten hafts⸗ Fra⸗ enhei⸗ tionen h. um alsge⸗ dalenke, Theorie Schrift⸗ — Sie Frank⸗ purden, en, der hiungen Adam -— 157— Smith hatte allerdings die weſentlichen Grundlagen dieſer Wiſſenſchaft mit einer feſten und ſichern Hand gelegt; allein wir haben geſehen, daß er ſeinen Nachfolgern hochwichtige Fra⸗ gen zur Löſung hinterlaſſen hatte. Was vor Allem noch zu thun war, das war, die Grenzen der Viſſenſchaften zu ſetzen, und das Feld genau zu beſtimmen, auf welches ihre Unterſuchun⸗ gen ſich ausdehnen ſollen. Adam Smith hatte das hellſte Licht über die Theorie der Banken, über die Theilung der Arbeit, über die Grundlagen des Werthes der Dinge gelegt; er hatte wahre Entdeckungen gemacht; allein er hatte nicht lange genug gelebt, um ihre Anwendungen zu beobachten. Erſt nach ſeinem Tode konnte man die Wirkungen der un⸗ beſchränkten Mitwerbung beurtheilen, welche er als einer ih⸗ rer erſten Apoſtek verkündet hatte; und der verwickelte Pau⸗ perismus unſerer Tage ſtörte noch nicht die Heiterkeit der⸗ jenigen, in welchen er lebte. Die politiſche Oekonomie war nur die Wiſſenſchaft von der Erzeugung des Vermö⸗ gens. Es war einem Franzoſen vorbehalten, das Werk zu ergänzen, und uns in die Geheimniſſe der Vertheilung der Gewinnſte zu gleicher Zeit einzuweihen, wo er uns die ſo wechſelnden Erſcheinungen der Verzehrung der Erzeugniſſe ken⸗ nen lehrte. Die Lage Frankreichs war nach den Stürmen unſerer Re⸗ volution für dieſes Studium ſehr günſtig. Hatte man ncht alle Syſteme verſucht, und die gewagteſten Grundſätze bis zu ihren letzten Folgerungen fort getrieben? Hatte man nicht hart neben dem Bankbruch die Verſchleuderung der Kapitale durch den Krieg, die augenblickliche Zerſtörung des Handels durch das Maximum, die Blokade der Meere und jene Menge induſtrieller und finanzieller Kataſtrophen geſeben, von welchen die Geſchichte der Zeit ganz voll iſt? Der Mo⸗ ment war gekommen, zu folgern, und in Ein Lehrganzes die Theorien zuſammen zu faſſen, welche natürlich aus dieſer Maſſe neuer und unerhörter Thatſachen hervortraten. Man ſollte dieſe ökonomiſche Sturmfluth ohne Gleichen in der Welt, und welche gleichwohl als die Vorläuferin einer allgemeinen — 158— Verjüngung erſchien, erklären. Dieſes that J. B. Say, als er die erſte Ausgabe ſeines Traité d'économie polilique unter Bonaparte's Conſulat erſcheinen ließ. Von dieſem Buche ſchreibt ſich in der That in Europa die Schöpfung einer ein⸗ fachen, ſtrengen und verſtändigen Methode her, die politi⸗ ſche Oekonomie zu ſtudieren, und der Zeitpunkt iſt für uns gekommen, ſie zu beurtheilen. Das Hauptverdienſt dieſes Werkes war, genau die Grund⸗ lagen der Wiſſenſchaft beſtimmt zu haben. J. B. Say ſchied von ihr die Politik aus, mit welcher die Oekonomiſten des achtzehnten Jahrhunderts ſie unabläſſig zuſammen gewor⸗ fen hatten, und die Verwaltungslehre, von welcher die Teutſchen ſie untrennbar glaubten. So auf ihre genaueſten Grenzen zurückgeführt, lief die politiſche Oekonomie nicht mehr Gefahr, ſich in die Abſtractionen der Metaphyſik und in die Einzelnheiten der Büreaukratie zu verlieren. J. B. Say machte ſie dadurch unabhängig, daß er ſie davon ablöste, und er bewies, daß ihr Studium eben ſo wohl den Monarchien, als den Republiken fromme. Ueberall fühlte man das Be⸗ dürfniß, ihre Geſetze zu kennen, weil unter allen Regierungs⸗ formen die Erzeugung des Vermögens die fruchtbarſte Quelle des Wohlſtandes der Staaten war. Zugleich ſtellte er ihre Grundſätze auf die klarſte und geordnetſte Weiſe dar, und ſchuf die künftighin von allen Volkswirthſchaftsgelehrten Eu⸗ ropa's angenommmene Kunſtfprache. Seine Theorie von dem auf die Nützlichkeit gegründeten Werth ergänzte die von Ad. Smith, und obwohl ſie, wie alle Theorien, einige Lücken auszufüllen hinterließ, diente ſie nichts deſto weniger, die ſchwierigſten Fragen mit der ganzen Sicherheit zu löſen, de⸗ ren ſie fähig ſind. Welche Streitfragen ſich ſeitdem auch über mehre Punkte ſeiner Lehren erhoben haben, Jedermann anerkennt gegen⸗ wärtig den Vorzug ſeiner Methode vor allen denen ſeiner Zeitgenoſſen. Die politiſche Oekonemie iſt in ſeinen Augen nur eine Wiſſeenſchaft, welche von der Erzeugung, Verthei⸗ lung und Verzebrung des Vermögens handelt. Das Vermö⸗ zen erer die ganze thätigkei die Hau Anhäufn ſchert; ſchen, dieſer welche ſame eine he der Ark kommnet ben, we den ſind Was Namen welche fühtt, Dieſe Beobe Erzer welch Kein Ernte einem ſo nel ſich ei welche Natione ter ſich den Sie ſchen iſt wie ein 4). n, als lilique Buche ter ein⸗ politi⸗ für uns Grund⸗ ay ſchied miſten gewor⸗ her die zeſten mehr in die machte ind er chien, 3s Be⸗ ierungs⸗ Quelle er ihre ar, und eten Eu⸗ von dem von Ad. Lücken r, die I, de⸗ Punkte gegen⸗ ſeiner Augen Verthei⸗ Vermo⸗ — 159— gen erzeugt ſich vermittelſt der drei großen Zweige, welche die ganze menſchliche Arbeit umfaſſen: durch Landbau, Gewerbs⸗ thätigkeit und Handel. Die Kapitale und die Ländereien ſind die Hauptwerkzeuge der Gütererzeugung: durch Erſparung und Anhäufung erlangt man die erſteren; das Grundeigenthum ſichert die freie Wirkſamkeit der andern. Die Arbeit des Men⸗ ſchen, verbunden mit der der Natur und der Maſchinen, gibt dieſer ganzen Geſammtheit der Hilfsquellen das Leben, aus welcher allein das Vermögen ausſtrömt, die der gemein⸗ ſame Fonds der Staatsgeſellſchaften ſind. Smith hatte auf eine bewunderungswürdige Weiſe die Vortheile der Theilung der Arbeit nachgewieſen: J. B. Say hat ſein Werk vervoll⸗ kommnet, und einige Mißbräuche dieſer Theilung hervorgeho⸗ ben, welche ſpäter vom Hrn. von Sismondi übertrieben wor⸗ den ſind*). Was aber dem franzöſiſchen Schriftſteller einen unſterblichen Namen ſichert, das iſt ſeine Theorie von den Abſatzwegen, welche auf das Ausſchließungsſyſtem den letzten Streich ge⸗ führt, und den Sturz des Kolonialſyſtems beſchleunigt hat. Dieſe ſchöne Theorie hat, ganz gegründet auf die gewiſſenhafte Beobachtung der Thatſachen, bewieſen, daß die Nationen die Erzeugniſſe nur mit Erzeugniſſen zahlen, und daß alle Geſetze, welche ihnen verbieten, zu kaufen, ſie hindern, zu verkaufen. Kein Unglück iſt daher ohne Gegenſtoß in der Welt; wenn die Ernte auf einem Punkte mißräth, leiden die Manufacturen auf einem andern; und wenn der Wohlſtand in einem Lande herrſcht, ſo nehmen alle ſeine Nachbarn daran Theil, ſei es wegen der ſich einſtellenden Nachfragen, ſei es wegen der Wohlfeilheit, welche aus dem Ueberfluſſe an Erzeugniſſen hervorgeht. Die Nationen ſind daher im Glück, wie im Unglück, ſolidariſch un⸗ ter ſich verbunden; die Kriege ſind Thorheiten, welche ſelbſt den Sieger zerrütten, und das allgemeine Intereſſe der Men⸗ ſchen iſt, ſich wechſelſeitig zu unterſtützen, ſtatt ſich zu ſchaden, wie eine blinde Politik ſie nur zu lange dazu gedrängt hat. *ο) Nouvenux principes u'économie politique. — 160— Wir beginnen, die Folgen dieſer wahrhaft weiſen und erhabe⸗ nen Lehre zu begreifen, und ſchon läßt ſich an der ängſtlichen Sorgfalt der Regierungen, den Krieg zu vermeiden, ermeſſen, daß die Grundſätze von J. B. Say in die Räthe der Könige durchgedrungen ſind. Sein glorreichſter Titel iſt, als eine po⸗ ſitive und das materielle Intereſſe berührende Wahrheit das nachgewieſen zu haben, was bisher nur als ein philoſophiſches Uopien erſchienen war, und dieſes Verdienſt iſt um ſo größer, als Montesquieu, Voltaire*), La Fontaine, unſere ſchönſten Geiſter, ſich zu dem entgegengeſetzten Irrthum bekannt haben. Das Sperrſyſtem kann vor ſo überwältigenden Gründen, durch welche J. B. Say ſeine Vernichtung hervorgerufen hat, nicht mehr länger beſtehen.„Man kauft, ſagt er, jedes Mal mehr, wenn man mehr einnimmt. Ein Handelszweig, welcher gedeiht, liefert etwas, mit welchem man kaufen kann, und ver⸗ ſchafft ſonach allen andern Handelszweigen Verkäufe; dagegen leiden, wenn eine Zahl von Manunfacturen oder gewiſſe Arten des Handels erliegen, die meiſten andern dabei.. Eine Na⸗ tion iſt in ihrem Verhältniß zu der Nachbarnation in dem näm⸗ lichen Fall, wie eine Provinz im Verhältniß zu einer andern Provinz, wie eine Stadt im Verhältniß zum Land: ſie iſt da⸗ bei betheiligt, es gedeihen zu ſehen, und ſicher, von ſeinem Wohl⸗ ſtande Gewinn zu ziehen. Daher haben mit Recht die Verei⸗ nigten Staaten geſucht, den wilden Stämmen, von welchen ſie umgeben ſind, Induſtrie zu geben: ſie haben gewollt, daß ſie ihnen Etwas entgegen zu geben hätten; denn man gewinnt Nichts von Völkern, welche euch Nichts zu geben haben.“ Welche Erfahrungen haben wir nicht erſt machen müſſen, um zu dieſen hochherzigen Folgerungen zu gelangen! Auch rief J. B. Say *) Man liest in dem Dictionnaire philosophique im Artikel Patrie Folgen⸗ des:„So beſchaffen iſt die menſchliche Lage, daß die Größe ſeines Vater⸗ landes wünſchen, ſo viel iſt, als ſeinen Nachbarn Uebles wünſchen... Es iſt klar, daß ein Land nicht gewinnen könne, ohne daß ein anderes dabei verliere. Glücklicherweiſe iſt dieſes Alles heut zu Tage nicht mehr ſo klar. in Ende ſ ei ih di viegen vier rilt ſit dieſet E dor den me dorand, d gefolgt u hen, wozl rict in e Studium Schrüt den ren nachzue hen Rütlic ſcheidende ſem in der aller Zeite lich in de dewunde Leg dis welche hervorg Rolle den ve tererze nen ge nen ge die Ge ſtrie, u lung fi ſuß au Staats den, ſdii de d nhabe⸗ gſtlichen rmeſſen, Künige ne po⸗ it das hiſches größer, hönſten aaben. inden, hat, Mal ſcher ver⸗ egen Arten Na⸗ väm⸗ andern iſt da⸗ Wohl⸗ Verei⸗ ſchen ſie daß ſe gewinnt Welche dieſen Say Folgen⸗ Vater⸗ . Es aß ein Uat. — 161— am Ende ſeiner Laufbahn aus:„Vierzig Jahre ſind verfloſſen, ſeit ich die Volkswirthſchaft ſtudire, und welche Jahre! Sie wiegen vier Jahrhunderte rückſichtlich der Erwägungen auf, welche ſie entſtehen ließen.“ Dieſer Schriftſteller hatte vor allen ſeinen Vorgängern und vor den meiſten ſeiner Zeitgenoſſen den unſchätzbaren Vortheil voraus, dem Gang der Ereigniſſe als verſtändiger Beobachter gefolgt zu ſein, und die zahlreichen Erfahrungen benützt zu ha⸗ ben, wozu dieſe Ereigniſſe ihm Anlaß boten. Auch hat er ſich nicht in einer rein theoretiſchen und abſtracten Weiſe auf das Studium der Ereigniſſe beſchränkt: man erkennt bei jedem Schritt den praktiſchen Mann, gewöhnt, den Folgen ſeiner Leh⸗ ren nachzugehen, und dieſe letzteren der mehr oder minder gro⸗ hen Nützlichkeit ihrer Anwendungen unterzuordnen. Der unter⸗ ſcheidende Charakter ſeiner Schriften, die Klarheit, glänzt vor Al⸗ lem in den Fragen, welche von den Volkswirthſchaftsgelehrten aller Zeiten und Länder verwirrt worden waren, und vorzüg⸗ lich in der über das Geld. Er ſetzt ihre Elemente mit einer bewunderungswürdigen Beſtimmtheit auseinander, und wider⸗ legt bis zur Vernichtung jene ungeheure Maſſe von Schriften, welche in Italien, Spanien, Frankreich und England in der Zeit hervorgeſchoſſen ſind, wo die Regierungen um die Reihe die Rolle übernahmen, falſche Münze zu prägen. Wenn er von den verſchiedenen Klaſſen von Arbeitern ſpricht, welche zur Gü⸗ tererzeugung zuſammen wirken, ſo merkt man, daß er mit ih⸗ nen gelebt habe, daß er ihre Bedürfniſſe kenne, und daß er ei⸗ nen genauen Begriff von ihren Leiden habe. Ihm verdanken die Gelehrten ihre Wiedereinſetzung in die gewerbliche Indu⸗ ſtrie, und obwohl die geiſtigen Erzeugniſſe keiner Anſamm⸗ lung fähig ſind, ſo hat J. B. Say doch ihren heilſamen Ein⸗ fluß auf den Wohlſtand der Staaten nachgewieſen. Bloß die Staatsbeamten und die Dienſte, welche ſie der Geſellſchaft lei⸗ ſten, haben geringere Gunſt bei dieſem berühmten volkswirth⸗ ſchaftlichen Schriftſteller erfahren; die Entrüſtung, welche er bei dem Anblick des mit Steuern überlaſteten Englands fühlte, Blanqui, Geſchichte d. volit. Oekonomie. 1I. Bd. 11 — 162— und ſein Haß gegen den Despotismus des Kaiſerreiches, ha⸗ ben ihm weder geſtattet, gegen den Kaiſer gerecht zu ſein, noch mit richtigem Blick den Zwiſchenraum zu meſſen, welcher den Gebrauch vom Mißbrauch ſcheidet. J. B. Say war, trotz der Höhe ſeines Geiſtes, den politiſchen Leidenſchaften nicht unzu⸗ gänglich, und obwohl ſeine Schriften nur wenige Spuren der Vorurtbeile darſtellen, welchen er während unſerer langen po⸗ litiſchen Reactionen Preis gegeben war, ſo kann man doch nicht umhin, anzuerkennen, daß er mehr als einmal Rachegefühlen nachgegeben hat, welche übrigens in dieſen aufgeregten Zeiten wohl entſchuldbar waren. Allein dieſe hochherzigen Rachegefühle treten in ſeinen Schrif⸗ ten mehr in einigen epigrammatiſchen Blitzen, als in leiden⸗ ſchaftlichen Theorien auf. Die Gegenſtände, welche uns gegen⸗ wärtig am aufregendſten berühren, ſogar jene, welche zu jeder Zeit das Vorrecht hatten, am heftigſten die Geiſter zu erſchüttern, die Fragen über den Arbeitslohn, die Bevölkerung, ſcheinen ihn kaum zu erregen; er geht an ihre Unterſuchung mit ſeiner natürlichen Strenge, und er nimmt in Beziehung auf ſie ganz die Anſichten von Malthus an. An dieſer Stelle werden künf⸗ tighin ſeine Schriften verwundbar ſein, und unfehlbar von der Schule des Hrn. v. Sismondi überflügelt werden, trotz den Irrthümern, welche ſie begangen, und der Unmöglichkeit, in welche ſie ſich bis jetzt befunden hat, eine Abhilfe für die Ue⸗ bel zu finden, welche ſie ſo lebhaft geſchildert hat. J. B. Say hat zu ſehr die Gütererzeugung als unabhängig von den Erzeugern betrachtet. Er ließ ſich durch die Wunder des engliſchen Ge⸗ werbsweſens, der großen Fabrikinduſtrie, verführen, und hatte nicht Zeit, alle die Drangſale zu würdigen, welche ſie in ihrem Gefolge führt. Er folgte dem Vorurtheil der Zeit⸗ genoſſen, welches den Lohn als genügend anſah, nicht weil er leben ließ, ſondern weil er am Sterben hinderte. Seine Stu⸗ dien über die Vertheilung der Gewinnſte der Arbeit ſind durch den Einfluß des Kapitals beherrſcht, und ſeine Betrachtungen über die Wirkungen der öffentlichen Verzehrungen tragen zu ſichtlich das Gepräge ſeines Grolls gegen die Mißbräuche der Tyrann ſteller hat: d ſchreib Einwi Alle lär g fen, cher ſchrä konon ſein, hat in runge ſie auf ſchrän 3 bewiee tes d 73 auf dung habe tet, dieſen greift die 2 den I. höchſten Arbeite ſchaftst genſeiti volitiſch ſande: 6, ha⸗ n, noch her den totz der unzu⸗ ren der In yo⸗ och wih gefühlen n Zeiten Schrif⸗ leiden⸗ gegen⸗ er Zeit üttern, ceinen ſeiner ſie ganz den wnf⸗ rvon der trotz den hkeit, in r die Ue⸗ Say hat erzeugern hen Ge⸗ n, und elche ſie er Zeit⸗ weil er ee Stu⸗ d durch huungen agen W zuche der — 163— Tyrannei. Es gab zwei Mächte, welche dieſer große Schrift ſteller ungleich, obwohl mit gleicher Ungerechtigkeit, behandelt hat: die Kapitale, indem er ihnen einen zu großen Einfluß zu⸗ ſchreibt, und die Regierungen, indem er ihnen jede ergiebige Einwirkung auf das Glück der Bürger abſpricht*). Allein Niemand hat in dem Grade die politiſche Dekonomie popu⸗ lär gemacht, wie J. B. Say. Vergebens hat man ihm vorgewor⸗ fen, ſie auf die engen Verhältniſſe der Chrematiſtik(Berei⸗ cherungskunſt) oder der Wiſſenſchaft von dem Vermögen be⸗ ſchränkt zu haben, er hat ſehr gut bewieſen, daß die politiſche Oe⸗ konomie erſt von dem Tage angefangen hatte, eine Wiſſenſchaft zu ſein, an dem ihre Grenzen ſcharf gezogen werden konnten, und er hat in ſeinen letzten Schriften gegen den Entwurf ſeine Verwah⸗ rung eingelegt, welchen man ihm untergeſchoben hatte, nämlich ſie auf die abſtracte Analyſe der Geſetze der Gütererzeugung be⸗ ſchränken zu wollen**). Er verabſcheute vor Allem die Hy⸗ *)„Die unbedeutende Verwaltung des Kardinals de Fleury, ſagt er, bewies wenigſtens, daß an der Spitze einer Regierung es ſchon viel Gu⸗ tes thun heiße, wenn ſie nur nichts Uebles thut.“ (Vorrede, p. XLVIII.) **)„Der Gegenſtand der politiſchen Oekonomie, ſagt er, ſcheint bisher auf die Kenntniß der Geſetze beſchränkt geweſen zu ſein, welche die Bil⸗ dung, Vertheilung und den Verbrauch des Vermögens beherrſchen. So habe ich ſie ſelbſt noch in meinem Traité d'économie politique betrach⸗ tet, der 1803 zum erſten Mal errchien. Gleichwohl kann man felbſt in dieſem Werke ſehen, daß dieſe Wiſſenſchaft Alles in der Geſellſchaft er⸗ greift. Seitdem es bewieſen worden iſt, daß das geiſtige Eigenthum, wie die Talente und die erworbenen perſönlichen Fertigkeiten einen integriren⸗ den Beſtandtheil des Geſellſchaftsvermögens bilden, und ſeit die in den höchſten Functionen geleiſteten Dienſte ihre Analogie mit den niederſten Arbeiten haben; ſeit die Beziehungen des Individuums zu dem Geſell⸗ ſchaftskörper, und die des Geſellſchaftskörpers zu den Individuen, ihre ge⸗ genſeitigen Intereſſen klar aufgeſtellt worden ſind, fand es ſich, daß die politiſche Oekonomie. welche nur die materiellen Bande zu ihrem Gegen⸗ ſtande zu haben ſchien, das geſammte ſociale Syſtem umfaſſe.“ (Cours complec d'économie politique pratique. tome I., p. 7.) 11. — 164— potheſen und Syſteme als die Quelle faſt aller Leiden, welche auf den Bevölkerungen gelaſtet haben, und die politiſche Oe⸗ konomie erſchien ihm nur deßwegen als wahrhaft nützlich, weil ſie berufen war, ohne Einrede die heilloſen Vorurtheile zu wi⸗ derlegen, von welchen die Menſchheit ſo hart heimgeſucht wird. Auch läßt er nicht einen einzigen Einwand unbeantwortet, und der Nutzen ſeiner Werke beſteht weit mehr in den Irrthümern, welche er vernichtet, als in den Wahrheiten, welche er ent⸗ deckt hat. J. B. Say hat das erſte vollſtändige Programm der politiſchen Oekonomie entworfen, und ſelbſt die Schrift— ſteller, welche nicht ſeine Grundſätze theilen, haben gerne die Vortrefflichkeit ſeiner Methode und die ſtrenge Richtigkeit ſei⸗ ner Folgerungen anerkannt. Vermöge dieſer Methode erklärt man ſich jetzt leicht die Handelskriſen, welche Frankreich und England in verſchiedenen Zeiträumen verheert haben, und man kann ihre Wiederkehr durch wirkſame Maaßregeln verhüten oder wenigſtens ihre Wirkungen dadurch mildern. Der Einfluß von J. B. Say hat mehr, als der irgend ei⸗ nes gleichzeitigen Schriftſtellers mitgewirkt, die Luſt für das Studium der politiſchen Oekonomie in Frankreich und in Eu⸗ ropa zu verbreiten. Seine Theorien, ſo natürlich auf die po⸗ litiſchen Fragen anwendbar, wurden mit Eifer unter der Re⸗ ſtauration wie ein Werkzeug der Oppoſition und der Fehde ſtudiert, und vielleicht danken ſie einen Theil ihres Erfolgs den Dienſten, welches ſie in den parlementariſchen Discuſſionen dieſer Zeit leiſteten. Die Publiciſten ſuchten darin entſchei⸗ dende Beweisgründe gegen die Unermeßlichkeit der der Nation aufgelegten Steuern, und ſie gewöhnten ſich an dieſe kleinlichen Analyſen des Budgets, welche ſpäter in Zänkereien um Ziffern und um Portefeuilles ausgeartet ſind. J. B. Say wollte nicht, daß die Regierungen Unternehmer von öffentlichen Arbeiten werden ſollten, und er rügte ſtreng ihre Einmiſchung in die gewerblichen Angelegenheiten des Landes. Die meiſten Aufla⸗ gen erſchienen ihm als Drangſale, wie Hagelſchlag, Brand und Kriegsunglück, und obwohl ſeine Philanthropie aufrichtig und tief war, ſo zeigte er ſich doch der Staatsgewalt feindlicher, als — den arb dauer, ten. 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Die ganze franzöſiſche Preſſe durchdrang ſich mit ſeinen Lehren, ohne ihren Urheber zu kennen, der zu⸗ rückgezogen lebte, umgeben von ſeiner Familie und einem klei⸗ nen Kreiſe von Freunden, während ſeine Werke, faſt in alle Sprachen überſetzt, in weniger als zwanzig Jahren fünf Auf⸗ lagen nach einander erlebten, obwohl ſie in einer beträchtlichen Menge von Exemplaren abgezogen worden waren. In der That wurden auf den Ruf von J. B. Say in Frank⸗ reich die erſten Angriffe gegen das Wirthſchaftsſyſtem der Re⸗ ſtauration gerichtet. Die Reaction von 1815 wollte das Erſt⸗ geburtsrecht, die Subſtitutionen, die Innungen, die Privile⸗ gien wieder einführen; ſpäter verſuchte ſie, auf dieſem Boden geſchlagen, eine grundherrliche Ariſtokratie, halb feudal, halb induſtriell, wieder zu gründen, indem ſie den Zollſatz auf Ei⸗ ſenwaaren erhöhte, welcher den Preis der Waldungen und das Einkommen der Waldbeſitzer ſteigerte. Später kamen die Korn⸗ geſetze, der Zoll von dem aus dem Auslande eingeführten Vieh, das Anleihen der Emigrirten, die Unterſchiedszölle von dem Kolonialzucker; und jede dieſer Maaßregeln war ſchon zum Voraus in Hauptſtücken des Traité d'économie politique gebrandmarkt, welche das Gepräge der tiefſten Einſicht an ſich trugen, und weder zu dieſem Zweck, noch für dieſen Anlaß ge⸗ macht worden waren. Ganz Europa gewann bei dieſen her⸗ ben Lehren, welche für Frankreich beſtimmt zu ſein ſchienen, weil ſie in einem franzöſiſchen Buche vorgetragen wurden; und mehr als einmal fand ſich der Verfaſſer in einen lebhaften Kampf mit den größten Volkswirthſchaftsgelehrten ſeiner Zeit verwickelt. Malthus, Ricardo, Hr. v. Sismondi, Hr. Storch verfochten gegen J. B. Say denkwürdige Sätze über einige Punkte der Lehre; allein alle anerkannten willig in ihm den — 166— unermüdlichſten Athleten der Wiſſenſchaft und ihren berühmte⸗ ſten Fortpflanzer nach Adam Smith. J. B. Say war ein Anhänger der Ideen von Malthus über die Bevölkerung; er nahm ſie voll, offen, ohne Einſchränkung an, und machte ſie in Frankreich bis zu dem Zeitpunkte gel⸗ tend, wo die Saint⸗ſimoniſtiſchen Lehren gegen ſie den erſten Streich führten. Er ließ ſich nur wenig von den Uebertreib⸗ ungen des engliſchen Manufacturſyſtems befangen, und ſchrieb die Wunde des Pauperismus in dieſem Lande rein politiſchen Urſachen zu. Die Ueberfüllung der Märkte erſchien ihm ledig⸗ lich als die Folge der Handelsſperrungen. Man verkaufte nach ſeiner Anſicht an einem Punkte nicht genug, weil man an ei⸗ nem andern nicht hinlänglich erzeugte. Die Erzeugung und Verzehrung waren in ſeinen Augen nur correlative Operatio⸗ nen, und er ſuchte für die Noth gewiſſer Länder in nichts An⸗ derem den Grund, als in dem Mangel der Erzeugung in den Ländern, mit welchen ſie Verbindungen unterhielten. Die Er⸗ fahrung hat uns ſchon belehrt, daß man nicht auf dieſe Grundlage allein Handelsverbindungen gründen, und daß ein Volk nicht ausſchließlich den Zufälligkeiten des auswärtigen Handels das Loos ſeiner Manufacturen Preis geben dürfe. Auch bemühte ſich J. B. Say beharrlich, nachzuweiſen, daß die beſten Verzehrer der Erzeugniſſe einer Nation die einheimiſchen Erzeuger ſelbſt ſeien, welchen der Tauſchhandel regelmäßige und beſtändige Abſatzwege ſichere, wenn die Unerfahrenheit der Regierungen kein Hinderniß entgegenſetzen würde. Die Analyſen, welche er von dem Mechanismus des Tauſchhandels gegeben hat, haben das hellſte Licht auf ſämmtliche Fragen ge⸗ worfen, welche ſich darauf beziehen, Fragen, die ſehr bedeutend ſind, weil auf ihnen der Wohlſtand der Nationen beruht.„Faſt alle ſeit einem Jahrhundert in den vier Welttheilen geführten Kriege wurden für eine Handelsbilanz geführt, welche nicht beſteht. Und woher ſtammt die dieſer angeblichen Handelsbilanz zugeſchriebene Wichtigkeit? Von der ausſchließlichen Anwen⸗ dung, Silber Dure es J. Nation 3 dern. von L laſſer Schr ſtehen baut meiſte gramn ben, u nung! dieſem Geſich löhne Hart von los, wele wen lies als alles den hetrif welche Europe *) Tr *⁵) 9 8 Elend ge vrrgützun Hilfsgue ühmie⸗ us üher inkung te gel⸗ erſten ertreib⸗ ſchrieh tiſchen ?dig⸗ nach ei⸗ und atio⸗ An⸗ den e Er⸗ dieſe daß ei ärtigen dürfe. daß die miſchen mäͤßige renheit Die ndels 1 gk⸗ tend Faſt hrten nicht bilanz nwen⸗ dern. Dieſes unermeßliche Werk, deſſen — 167— dung, welche man von dem Worte Kapital auf Gold und Silber gemacht hat.“*) Durch ſo einfache und ſchlagende Zuſammenſtellungen gelang es J. B. Say, den Krieg unvolksthümlich zu machen, und die Nationalvorurtheile, welche ihn zu verewigen ſtrebten, zu mil⸗ Idee allein ſchon den Abbé von Saint⸗Pierre in die Reihe der Viſionaire hatte verweiſen laſſen, ward unter unſern Augen vollbracht. Weit entfernt, neue Schranken zwiſchen den Völkern zu erheben, ſtrebt man, die noch be⸗ ſtehenden abzutragen; man ſchlägt Brücken über Grenzſtröme, man baut gemeinſame Eiſenbahnen über die Grenzen, man hebt die meiſten Beſchränkungen auf. Dieſer ſchöne Theil des Pro⸗ gramms von J. B. Say trat noch vor ſeinem Tode in's Le⸗ ben, und wir ſehen täglich die Fortſchritte der öffentlichen Mei⸗ nung den Vollzug des übrigen Theiles begünſtigen. Es ging dieſem Schriftſteller nur ab, von einem mehr ſocialen und höhern Geſichtspunkte die Fragen des Pauperismus und der Arbeits⸗ löhne zu betrachten. Man fühlt, wenn man ihn liest, etwas Hartes und Abſtoßendes, welches an die abſtracten Formeln von Malthus und Ricardo erinnert. Seine Logik iſt mitleid⸗ los, wenn es ſich darum handelt, das Unglück zu unterſtützen, welches ihm verdient zu ſein ſcheint, und man möoͤchte ſagen, wenn man ſeine ſtrengen Warnungen vor der Wohlthätigkeit liest**), daß ſie mehr Ermuthigungen für die Liederlichkeit, als Tröſtungen für das Unglück gewährte. Allein rückſichtlich alles deſſen, was die großen Grundſätze der Wiſſenſchaft bei den Fragen über Mauthen, Münzen, Staatscredit, Kolonieu betrifft, iſt dieſer Schriftſteller der ſicherſte Führer geworden, welchem man nur folgen kann, und der klaſſiſchſte Schriftſteller Europa's. 4*⁴) Traité d'économie politique, tome III., p. 261. **)„Iſt der Menſch, welcher durch ſeine Sorgloſigkeit und Faulheit in's Elend gerieth, nachdem er ſeine Kapitale aufgebraucht hat, berechtigt, Un⸗ terſtützung zu verlangen, wenn ſeine Fehler ſelbſt die Menſchen ihrer Hilfsquellen berauben, deren Induſtrie ſeine Kapitale nährten?“ (Traité d'économie politique, liv. III., chap. VII.) — 168— Das letzte ſeiner Werke, welches auch das bändereichſte iſt*), zeigt bedeutende Aenderungen der früher von dem Verfaſſer ausgeſprochenen Anſichten. Es herrſcht darin weniger Bitter⸗ keit gegen die Regierungen; ſei es, weil Hr. Say in gewiſſen Fällen die Nützlichkeit ihres Einfluſſes erkannt hatte, ſei es, weil er geglaubt hatte, einige Opfer der Stellung bringen zu müſſen, welche er einnahm. Alle jene, welche ſeinen Charak⸗ ter kannten, werden vorweg die erſte Vorausſetzung an⸗ nehmen, welche ſich überdieß durch merkwürdige Stellen beſtä⸗ tigt, wo es augenfällig iſt, daß dieſer Schriftſteller einer neuen Ueberzeugung folgte. So hatte er bei einem wichtigen Anlaſſe behauptet, daß die Arbeit der Sklaven wohlfeiler ſei, als die der freien Menſchen, und er hatte die Ehrlichkeit, öffentlich an⸗ zuerkennen, daß er ſich geirrt hatte. Er verzieh nicht das Be⸗ harren im Irrthum, und er ließ keine Gelegenheit unbenützt, die ſchlechten Bücher über die politiſche Oekonomie zu brand⸗ marken. Die Irrthümer in dieſer Wiſſenſchaft erſchienen ihm verderblicher, als in jeder andern, und er verfolgte ſie überall, wo er deren zu ſehen glaubte, ſelbſt bei den berühmteſten Ne⸗ benbuhlern, in der Hoffnung, die politiſche Oekonomie auf un⸗ erſchütterlichen Grundlagen aufzuführen. Allein es iſt Zeit, die Arbeiten dieſer gefeierten Volkswirthſchaftsgelehrten her⸗ vorzuheben. ) Es führt den Titel: Cours complet d'économie politique pratique, 6 vol. in— 8. Man ſehe die Bibliographie am Ende dieſes Bandes. ———— Das. gelehrten mung ih politiſche Schwun volksthi wirthſe laſſen, tigſten fen. Einſte Jahr Unterf da gin⸗ Schoos Bewegun rität der unterſtütze desgenoſſi terſuchu des Reie Schrift ſeit ungefü ſtein), Wefiſſe Vitter⸗ aewiſſen e ſei es, dningen zu en Chatii⸗ ſezung an⸗ dellen beſt⸗ einer neuen gen Anlaſe i, als die entſich an⸗ das Be⸗ inbenützt, u brand⸗ enen ihm e überall, teſten Ne⸗ ie auf un⸗ 3 iſt Zeit, —y= ——— rten he- e pratique, Bandes. — 169— Hauptſtück XL. Von der politiſchen Oekonomie in England ſeit dem Anfang des 19ten Jahrhunderts.— Syſtem Pitt's, von Thornton unterſtützt, von Cob⸗ bett angegriffen.— Ricardo's Lehren.— Schriften von James Mill.— Von Hrn. Torrens.— Von Hrn. Mac⸗Culloch.— Von Hrn. Tooke.— Arbeiten des Hrn. Huskiſſon.— Von Sir Henry Parnell.— Abhandlungen des Hrn. Wade.— Von Hrn. Poulett Scrope— Oekonomie der Manufacturen, von Babbage.— Philoſophie der Manufacturen, von Dr. Ure.— Große Popularität der politiſchen Oekonomie in England. Das lange Namensverzeichniß der engliſchen Volkswirthſ chafts⸗ gelehrten nach der Zeit von Ad. Smith und die Uebereinſtim⸗ mung ihrer Werke beweiſen, wie lebhaft und fruchtbar der der politiſchen Oekonomie durch ihren berühmten Gründer gegebene Schwung geweſen war. Die Ideen, welche er nicht lange vorher volksthümlich gemacht hatte, trugen ſchon ihre Früchte. Die wirthſchaftlichen Fragen wurden nicht mehr dem Zufalle über⸗ laſſen, und die Regierung ſelbſt fühlte das Bedürfniß, ihre wich⸗ tigſten Beſchlüſſe der Controle der Wiſſenſchaft zu unterwer⸗ fen. Man hatte dafür ein ſchlagendes Zeugniß zur Zeit der Einſtellung der Baarzahlungen der Bank von England im Jahr 1797. Dieß war der erſte Anlaß, wo man Theorien zur Unterſtützung einer großen Finanzmaaßregel anrief, und von da ging die Erörterung aus der Einſamkeit der Bücher in den Schoos des Parliaments über. Einmal mitgetheilt, ließ die Bewegung nie wieder nach; Jedermann glaubte zu der Auto⸗ rität der Grundſätze greifen zu müſſen, um ſeine Meinung zu unterſtützen, und die Tribüne wurde eine der mächtigſten Bun⸗ desgenoſſirnen der politiſchen Oekonomie. So muß die Un⸗ terſuchung über die Natur und über die Urſachen des Reichthums der Nationen als die Quelie aller gu⸗ Schriften betrachtet werden, welche über dieſen Gegenſtalnd ſeit ungefähr fünfzig Jahren erſchienen ſind. — 170— Vor dem langen Kampfe zwiſchen Frankreich und England unter dem Einfluſſe unſerer Revolution von 1789, hatten die Lehren von Adam Smith nur Eine große und feierliche Anwen⸗ dung empfangen: die Emancipation der Vereinigten Staaten. Man begann allerdings, die Vortheile der Theilung der Arbeit und der Anwendung der Maſchinen zu begreifen; aber noch keine ernſte Frage hatte die Theorien des berühmten Schotten über die Conſtitution der Banken und über die Krankheiten des Münzfyſtems auf die Probe geſtellt: das wagliche Genie Pitt's ſollte den Bankbruch wagen, auf daß man die ganze Richtigkeit der Analyſen erkennen möchte, welche Ad. Smith von der Er⸗ ſcheinung des Umlaufs gegeben hatte. Hierauf erſchien in ver⸗ ſchiedenen Zwiſchenräumen eine Menge von Werken, um die Lehren Smith's anzugreifen oder zu vertheidigen, und die öf⸗ fentliche Meinung begann, ſich unter dem Lärm dieſer denk⸗ würdigen Streitigkeiten zu bilden. Eines der anziehendſten in dieſer Zeit erſchienen Werke*) von Henry Thornton hatte zum Zweck, die Einſtellung der Baarzahlungen zu rechtfertigen; und obwohl es von Irrthümern wimmelt, ſo hat doch kein An⸗ derer je mit mehr Klarheit die Vortheile des Geldumlaufs, ſo⸗ wobl in Papier, als in Münze, zum Verſtändniß gebracht. Der Verfaſſer behauptete in dieſem Werke, daß die Banken die Arbeit unendlich begünſtigen und die Gütererzeugung ver⸗ mehren können, ohne der Baarſchaft zu bedürfen, unter der ein⸗ zigen Bedingung, ihre Emiſſionen mit Klugheit zu regeln. Er verkündete die Wohlthaten des Credits in Gegenwart einer Maaßregel, welche ſchien, ihn vernichten zu müſſen, und die Zukunft hat dafür geſorgt, ſeine höchſt verſtändigen Weihſagun⸗ gen zu rechtfertigen. Gleichwohl ſah gegen das Ende des Jahres 1810 England, durch die Anſtrengungen erſchöpft, welche es gemacht hatte, um die Macht Napoleon's zu ſtürzen, all ſein Gold auf das Feſt⸗ land ausgeführt, um die Coalitionen zu beſolden, und der Preis *) An Inquiry into the nature and eſfects of the paper credit of Great-Britain. Londen, 1802. der Leben des von Damals welche n und die nen keir Jeden, nach it Feuer ringen marchat Verſtan als eine allein di Zeitgene Stelle ſen. W kräftige es viel der Le völker gründ ſchen gen n Menſ das h Seine gefängn ſtandes nug von ſich in d Faſt zu Schriften 9) Paper of England England hatten die he Anwen⸗ Staaten. der Arbeit abet noch en Schotten antheiten des Genie Pitts eNichtigkeit an der Er⸗ en in ver⸗ um die d die öf⸗ ſer denk⸗ ndſten in ton hatte hffergen; h iein An⸗ mlaufs, ſo⸗ iß gedrach. die Banken eugung ver⸗ ter der ein⸗ regeln. Et wart einer , und die eihſagun⸗ England, zatte, um das Feſt der Preis t credi ol — 171— der Lebensmittel ſtieg auf eine Höhe, welche die Fortführung des von Pitt erdachten Finanzſyſtems böchſt ſchwierig machte. Damals erſchienen die berüchtigten Briefe Cobbett's*), welche mit unbändiger Kraft die Mißbräuche des Papiergeldes und die Finanztäuſchungen der Regierung angriffen. Wir ken⸗ nen kein anziehenderes Studium, als das dieſes Buches für Jeden, welcher die Vortheile und Nachtheile des Creditſyſtems nach ihrem wahren Werthe würdigen will. Niemals hatte das Feuer eines Schriftſtellers mit einem ſo ſchwierigen Stoff zu ringen, und noch nie ſeit Pascal's Provinciales und Beau⸗ marchais' Mémoires hatte man mehr Witz zum Dienſte des Verſtandes geſtellt. Die politiſchen Parteien konnten Cobbet als einen Pamphletiſten ohne Haltung und Würde angreifen; allein die Nachwelt, gerechter gegen ihn, als er es gegen ſeine Zeitgenoſſen geweſen war, wird ihm eine ſehr ausgezeichnete Stelle unter den populären Volkswirthſchaftsgelehrten anwei⸗ ſen. Wenn alle Fragen der politiſchen Oekonomie mit dieſer kräftigen und naiven Klarheit behandelt worden wären, ſo gäbe es vielleicht gegenwärtig nicht einen einzigen ſtreitigen Punkt der Lehre, und dieſe Wiſſenſchaft wäre allen Klaſſen der Be⸗ völkerung zugänglich geworden. Cobbett ſuchte ſeine Beweis⸗ gründe nicht in beſtreitbaren Hypotheſen oder in den dogmati⸗ ſchen Abhandlungen der Schriftſteller, welche ihm vorangegan⸗ gen waren; er griff bloß mit den Hilfsquellen des geſunden Menſchenverſtandes an, und ſeine unbeugſame Logik brachte das hellſte Licht in die Tiefe der ſchwierigſten Erörterungen. Seine ökonomiſchen Flugſchriften, faſt alle aus dem Staats⸗ gefängniſſe von Newgate datirt, ſind Meiſterwerke des Ver⸗ ſtandes und der Schreibart, und können nicht ſorgfältig ge⸗ nug von den Menſchen ſtudirt werden, welche begierig ſind, ſich in die Geheimniſſe des öffentlichen Credits zu verſenken. Faſt zu gleicher Zeit bereicherte ſich England mit den erſten Schriften des Hrn. Ricardo, welche einen ſo ſtrahlenden Glanz *) Paper against Gold, or the History and mystery of the Bunk of England. Dieſe ſcharfe Flugſchrift erlebte ſieben Auflagen. - 172— auf die politiſche Oekonomie werfen ſollten. Man war im Jahr 1809; das Steigen des Preiſes von Gold und das Fallen im Wechſelcurſe, welche dieſes Jahr Statt fand, hatten die öffentliche Aufmerkſamkeit mächtig in Anſpruch genommen. Ricardo gab eine Flugſchrift unter dem Titel heraus: Der hohe Preis der Goldbarren, ein Beweis der Werthabnahme der Banknoten). Er bewies darin wiſſenſchaftlich den von Cobbett behaup⸗ teten Satz, d. h. die Nachtheile einer zu großen Emiſſion des Papiergeldes. Er zeigte, daß das Steigen und Fallen des Curſes nur relative Grenzen ſind, und daß, ſo lange die Circulation in einem Lande einzig aus Gold-⸗ und Sil⸗ bermünzen oder auch aus Münzen dieſer Art umſetzbarem Pa⸗ pier beſtehe, unmöglich der Curs um eine ſtärkere Summe über den Curs anderer Länder ſteigen oder unter denſelben fallen könne, als die iſt, welche für die Koſten der Einfuhr von Münzen oder von Barren im Fall der Seltenheit, oder für die Koſten der Ausfuhr eines Theils des überflüſſigen Metalls im Fall des Ueberfluſſes nöthig iſt. Wenn aber ein Land ein unumſetzbares Papiergeld ausgibt, wie dieſes da⸗ mals der Fall in England war, ſo kann dieſes Papier nicht ansgeführt werden, wenn es auf dem Platze überflüſſig an⸗ ſchwillt, und deßwegen wird es, ſo oft der Wechſelcurs gegen das Ausland ſinkt, oder der Preis der Metallbarre über ſeinen Preis in ausgemünztem Metall um die Summe ſteigt, welche für die Ausfuhr der Münzen nöthig iſt, offenbar, daß man zu viel Papier ausgegeben hat, und daß ſein Preis im Verhältniß zu dem Uebermaaß der Emiſſionen gefallen iſt. Ricardo wirkte viel zu der Ernennung eines Ausſchuſſes mit, welcher be⸗ auftragt war, dieſe Frage zu unterſuchen, und die Maaß⸗ regeln, welche er vorſchlug, um dem Uebel abzuhelfen, wur⸗ *) The high price of bullion a proof of the depreciation of Bank- notes. Dieſe Schrift, gegenwärtig ziemlich ſelten, iſt eines der merkwür⸗ digſten Documente der politiſchen Oekonomie durch ihre Einfachheit und ihre ſcharfe und praktiſche Beſtimmtheit. den, obe willigkeit Vaterland genommer Bei di ſtem, ne rall, ſon heit der uigt. ſchränk müſſen; ten, ſo weniger weil es deſſelben ſtete, ohr iſt es w Erfolg Das nomy nomi hat in gemack Werk dereh ſtractig zu Habt Streiifre werde ich ſes Werk Einkomme Steigen d — *) Dieſer Titel hat: P don, 1816. war im und das d hatten nommen. u Der deis der den dehan⸗ gen Emiſſen und Fallen F, ſo lange „ And Sil⸗ barem Pa⸗ te Summe denſelben er Einfuhr aheit, oder terllſſigen enn aber ein edieſes de Japier kicht erflüſſig an⸗ elcurs gegen über ſeinen igt, welt nan zu viel hältniß 34 do wirk lcher he⸗ Naaß⸗ —n, wur⸗ of Bank- merkwuͤt⸗ cheit und — 173— den, obwohl ſie Anfangs von der Unwiſſenheit oder Bös⸗ willigkeit vertagt worden waren, ſpäter mit dem Beifall ſeines Vaterlandes und aller aufgeklärten Freunde der Wahrheit an⸗ genommen. Bei dieſem Anlaſſe erſann dieſer Schriftſteller ein Bankſy⸗ ſtem, nach welchem die Noten nicht gegen ausgemünztes Me⸗ tall, ſondern gegen Barren austauſchbar ſein ſollten. Die Sicher⸗ heit der Noteninhaber fand ſich ſo mit der der Banken verei⸗ uigt. Dieſe letzteren waren genöthigt, ihre Emiſſionen zu be⸗ ſchränken, um nicht ihre Garantie in Barren vermehren zu müſſen; und da die Barren nicht den Curs des Geldes hat— ten, ſo waren die Banken dem Verlangen der Heimzahlung weniger ausgeſetzt. Nichts war ſinnreicher, als dieſes Syſtem, weil es alle Vortheile des Credits darbot, ohne die Gefahren deſſelben zu haben, und alle Garantien einer Goldmünze lei⸗ ſtete, ohne die Koſten der Ausprägung nach ſich zu ziehen: auch iſt es wahrſcheinlich, daß man mit dieſem Syſteme einſt mit Erfolg in mehr als Einem Lande einen Verſuch machen wird“). Das Hauptwerk Ricardo's: Principles of political eco- nomy and taxation(Grundſätze der politiſchen Oeko⸗ nomie und der Beſteuerung), das im Jahr 1819 erſchien, hat in der ökonomiſchen Welt tiefe, aber verſchiedene Eindrücke gemacht. Einige Schriftſteller haben es als das merkwürdigſte Werk betrachtet, welches ſeit Adam Smith erſchienen iſt; An— dere haben ihm vorgeworfen, die politiſche Oekonomie in Ab⸗ ſtractionen verſenkt und mit algebraiſchen Formeln überladen zu haben. Als bloßer Geſchichtſchreiber und wenig geneigt, in Streitfragen mich einzulaſſen, die gegenwärtig erſchöpft ſind, werde ich mich darauf beſchränken, die unterſcheidenden Züge die⸗ ſes Werkes hervorzuheben. Ricardo behauptet darin, daß das Einkommen den Erzeugungskoſten durchaus fremd ſei; daß das Steigen der Löhne das Fallen in den Gewinnſten und nicht in *) Dieſer Plan iſt in einer Schrift von Ricardo dargelegt, welche den Titel hat: Proposals for an economical and secure Currency. Lon- don, 1816. — 174— dem Preiſe der Waaren, und daß das Sinken der Löhne das Steigen in den Gewinnſten und nicht das Fallen in den Prei⸗ ſen nach ſich ziehe. Nachdem er den Satz aufgeſtellt hatte, daß die Veränderung der Gewinnſte im umgekehrten Verhältniß zu dem der Löhne ſtehe, ſo ſuchte er die Umſtände aufzufinden, welche den Preisſatz der Löhne und folglich den der Gewinnſte beſtimmen. Er glaubte ſie in den Koſten der Erzeugung der zur Verzehrung des Arbeiters nothwendigen Artikel gefunden zu ha⸗ ben. So hoch auch der Preis dieſer Artikel ſei, ſo iſt es klar, daß der Arbeiter davon immer eine Menge empfangen muß, die für ſeine Exiſtenz und die ſeiner Familie hinreicht. Gleichwohl folgt, weil die Rohſtoffe immer den Haupttheil des Unterhalts des Arbeiters bilden, und ihr Preis ein beſtändiges Streben hat, im Verhältniß zu der beſtändig zunehmenden Unfruchtbar⸗ keit der Ländereien, zu welchen man in den weit vorgeſchritte⸗ nen Staatsgeſellſchaften ſeine Zuflucht nehmen muß, zu ſteigen, daß die Löhne auch eine ſtändige Neigung haben müſſen, mit der Zunahme des Reichthums und der Bevölkerung zu ſteigen, ſo wie die Gewinnſte, zu fallen“*). Kurz, die Grundlehre Ri⸗ cardo's über die Grundrente iſt auf die Behauptung zurückführbar, daß der Gewinn, welchen ein Grundeigner von ſeinem Gute bezieht, das heißt, das, was ihm ſein Pächter zahlt, ſtets nur den bei der Gleichheit der Koſten beſtehenden Ueberſchuß des Erzeugniſſes von ſeinem Gute über das Erzeugniß der in dem⸗ ſelben Lande angebauten ſchlechteſten Ländereien darſtellt. Dieſe auf merkwürdige Ausführungen geſtützte Anſicht wurde von Malthus und J. B. Sop heftig angegriffen; und gleich⸗ wohl kamen dieſe Schriftſteller auf verſchiedenen Wegen zu den nämlichen Folgerungen: Ricardo's Gegner behaupteten bloß, daß, wenn die ſchlechten Ländereien angebaut würden, der Umfang der Bedürfniſſe der Geſellſchaft und der Preis, welchen ſie zu zah⸗ len im Stande ſei, um Getreide zu erhalten, geſtatten, eine Grund⸗ rente bei den beſten oder beſt gelegenen Ländereien zu finden. *) Notice par la vie et les ourrages de Ricardo, par M. Constan- cio, page 32. —-—— Sagen, ſeien we drücken ſten der ſeien, welche Der weiter ſein der S Noher; Theori anzuerk ſenſchaf ſteller ſe abſtract nem N nen w bringe gerne phyſi meln viel unten ſtoße R Nicor und al Loos de Nicardo — 4) J. B 84)„d erllärt, de gebe, welch Des, t. II. ähne das den Prei⸗ hatte, daß hältnig zu zufzufinden, Gewinnſte ungder zar unden zu ho iſt es klar n muß, die Rleichwohl Unterhalts Streben ruchtbar⸗ heſchritte⸗ u ſteigen, ſſen, wit A Kagen, adahte R⸗ wräcfühedar, ſeinem Gute hlt, ſtetz nar kberſchuß del F der in dem⸗ arſtell. lnſicht wurde und gleih⸗ egen zl den bloß⸗ daß, er Unfang ſee zu zoh⸗ ine Grund⸗ zu finden. M. Constal- — 175— Sagen, daß die ſchlechten Ländereien die Urſache des Gewinns ſeien, welchen man bei den guten macht, hieß mit andern Aus⸗ drücken den ſchon bekannten Grundſatz annehmen, daß die Ko⸗ ſten der Erzeugung nicht die Urſachen des Preiſes der Dinge ſeien, ſondern daß dieſe Urſache in den Bedürfniſſen liege, welche die Erzeugniſſe befriedigen können.*) Der über dieſen Punkt erhobene Streit war daher nichts weiter, als ein Wortſtreit; nichts deſto weniger hat Ricardo in ſein Buch ſo hohe Betrachtungen über den wirklichen Einfluß der Steuern in Betreff der Einkünfte, Gewinnſte, Löhne und Roherzeugniſſe niedergelegt, daß man ſelbſt dann, wenn man die Theorie des Verfaſſers beſtreitet, nicht umhin kann, das Licht anzuerkennen, welches er über dieſen ſchwierigen Theil der Wiſ⸗ ſenſchaft verbreitet hat. Es iſt bedauerlich, daß dieſer Schrift⸗ ſteller ſich zu oft in gewagte Hypotheſen verſetzt hat, um daraus abſtracte und unanwendbare Folgerungen zu ziehen: gleich ei⸗ nem Mechaniker, welcher die Wirkung der Maſchinen berech⸗ nen würde, ohne die Reibung und die Stoffe in Anſchlag zu bringen, aus welchen ſie gebaut ſind. Ricardo generaliſirte zu gerne; er warf ſich oft in eine Art von ökonomiſcher Meta⸗ phyſik, ganz umſtarrt von ſchwierigen Beweisgründen und For⸗ meln, welche man der Viſſenſchaft ſchuld gibt, obwohl dieſe viel dabei zu leiden hatte.„So hat man, ſagte J. B. Say, unter dem Vorwand, ſie zu erweitern, ſie in das Leere ge⸗ ſtoßen“**). Nach unſerer Anſicht iſt der größte Vorwurf, welchen man Ricardo machen kann, der, den Reichthum auf eine abſtracte und abſolute Weiſe betrachtet zu haben, ohne Rückſicht auf das Loos der Arbeiter, welche zu ſeiner Erzeugung beitragen. Hr. Ricardo zeigte ſich weit mehr mit der collectiven Macht der *) J. B. Say, Traitéè d'économie politique, tome II., p. 358. **)„Das Haupt der neuen Schule, Hr. Ricardo, ſagt man, hat ſelbſt erklärt, daß es in England nicht mehr als fünf und zwanzig Perſonen gebe, welche ſein Buch verſtanden haben.“ Sismondi, Noveaux princi- pes, t. II., p. 374. -— 176— Nationen beſchäftigt, als mit dem individuellen Wohlſein der Bürger, welche ſie bilden, und ſeine ſtrenge Logik hat die Men⸗ ſchen zu ſehr als Werkzeuge betrachtet, ſtatt ſie als fühlende Weſen zu behandeln. Sein Buch verführt bei dem erſten Le⸗ ſen durch ſeine dogmatiſchen und ſcharf beſtimmten Formen. Er behandelt darin die menſchlichen Fragen nach Art der Gelehr⸗ ten, welche die Theorie der chemiſchen Verhältniſſe gegründet haben, und welche ſich verſichert halten, in der Analyſe gewiſſer Salze die nämlichen Mengen Säure und Baſe wieder zu finden, welche ſie durch die Syntheſe darin combinirt haben. Er war der Meinung, die Subſidien für einen einjährigen Krieg durch eine gleichgeltende Erhöhung der Steuern zu erheben, und er hielt es für bequem und ausführbar, die Staatsſchuld durch eine Umlage auf das Kapital zu tilgen. Ricardo iſt ſicher der Mann, welcher ſeit Adam Smith die meiſten neuen Ideen in der politſchen Oekonomie hatte; allein ihn werden allein jene überleben, welche er mehr der Beobachtung der Thatſachen, als den Kühnheiten ſeiner Speculationen verdankte. Die letzte Schrift, welche er über den Landbau herausgab*), enthält Blicke der größten Tiefe in Bezug auf den Einfluß des Preiſes des Ge⸗ treides auf die Gewerbsgewinnſte und die Löhne und über die Wir⸗ kungen der Steuern auf den Landbau und die Manufacturen. Dieſe Arbeit allein würde genügen, um ihren Verfaſſer in die erſte Reihe der Volkswirthſchaftsgelehrten zu ſtellen. Mit ſeinen Eigenſchaften, und ſogar mit ſeinen Fehlern, mußte Hr. Ricardo natürlich eine Schule gründen; dieſe Schule zählt ſchon mehre berühmte Schüler, unter welchen man nur die HHrn. Mill, Torrens und Mac⸗Culloch anzuführen braucht. James Mill, welchen die Wiſſenſchaft jüngſt ver⸗ loren hat, iſt haupiſächlich durch ſeine vortreffliche Geſchichte des britiſchen Indiens bekannt; er hinterließ unter dem Titel: Elements of political economy, London 1821. ein Elemen⸗ *) Es hat den Titel: protection to agriculture. Es iſt eine Flug⸗ ſchrift von ungefähr 100 Seiten, ein wahres Meiſterſtück der Logik und Erörterung. tarwer Dunkel ſtellt, n Titus den C zuctie nes gen Eklex Volk Wich dahin Wiſeer 1834, erfüllt wird! Umſtä mache geſet an gig ein der e Men⸗ fühlende ſten Le⸗ nen. Er Gelehr⸗ geegtündet egewiſſe zu finden, Er war rieg durch „und er ild durch ſicher der Neen in allein jene ſachen, als ſezeShrift K Iock Rr iiſes de G⸗ über dieVi⸗ Nanufacturen. erfaſet in de len. inen Fehlern, dieſe Schul n man nur anzufühten füngſt ver⸗ Geſchichte dem Titel: ein Elewen⸗ iſt eine du tder dogi u V J— tarwerk über die politiſche Oekonomie, welches etwas an die Dunkelheit ſeines Lehrers mahnt, und ſeine Lehre gedrängt dar⸗ ſtellt, wie die Schriften des Juſtinus die verlorenen Bruchſtücke des Titus Livius gedrängt darſtellen. Hr. Torrens weicht mehr von den Grundlehren dieſer Schule in ſeinem Essay on the pro- duction of wealth(London 1821) ab, und nimmt die Lehren ſei⸗ nes berühmten Landsmanns nur mit bedeutenden Beſchränkun⸗ gen an. Dieſer Schriftſteller zeigt ſich überhaupt als einen Eklektiker; er legt den Wortſtreitigkeiten, welche zu lange die Volkswirthſchaftsgelehrten getrennt haben, keine übertriebene Wichtigkeit bei, und erklärt ſehr gut, wie die meiſten derſelben dahin gelangt ſind, ſich über die weſentlichen Grundlagen der Wiſſenſchaft auszugleichen. Das Buch, welches er im Jahr 1834, on wages and combinations, herausgegeben hat, ganz erfüllt von einer edeln Sympathie für die arbeitenden Klaſſen, wird mit Nutzen über die Frage der Maſchinen und über die Umſtände, welche die Löhne in Fabrikſtaaten ſteigen oder fallen machen, berathen werden. Der Verfaſſer greift darin die Korn⸗ geſetze lebhaft, wie es Ricardo gethan hatte, mit einer an einem großen Grundbeſitzer ſehr ehrenwerthen Unabhän⸗ gigkeit an. Dem Hrn. Mac⸗Culloch) war die Ehre vorbehalten, die Ideen Ricardo's dadurch volksthümlich zu machen, daß er ſie mit der ganzen Ueberlegenheit ſeines vorzugsweiſe poſitiven und praktiſchen Geiſtes umarbeitete. Schon hatte der Verfaſſer eine vortreffliche Ausgabe von Adam Smith's Werken mit An⸗ merkungen herausgegeben; es gebührte ihm daher mehr, als je⸗ dem andern unter uns, Ricardo's Grundſätze bekannt zu ma⸗ chen, und durch weniger abſtracte Analyſen die Arbeiten die⸗ ſes berühmten Volkswirthſchaftsgelehrten zu ergänzen. Leider *) Man hat von ihm folgende Werke: A discourse on the rise, pro- gress, peculiar objects and importance of political economy,(Lon- don 1825), und Principles of golitical economy,(Edinburgh 1815). Buß. Blauqui, Geſchichte d. polit. Oekonomie, M. Bd. 12 — 178— ſcheint uns Hr. Mac⸗Culloch den unbeugſamen Abſolutismus des Manufacturſyſtems angenommen zu haben, welches darin beſteht, die Gütererzeugung ohne Schonung für den Erzeuger, wo nicht aus Gleichgültigkeit für die Menſchheit, doch wenig⸗ ſtens durch Mißbräuche der Principien fördern zu laſſen. Hr. Th. Tooke iſt der experimentirenden Methode von Adam Smith treuer geblieben*), und hat ſich nicht auf eine ſo enge Weiſe, wie mehre ſeiner Vorgänger, an die kritte⸗ ligen Begriffsbeſtimmungen der Worte Werth, Brauchbar⸗ keit, Reichthum gehalten, deren ſcharfer und anwendbarer Sinn ſeit lange feſtgeſtellt worden iſt. Als praktiſcher Mann, als in der Kenntniß der Geſchäfte gewandter Handelsmann, bemächtigt er ſich der am rechtmäßigſten anerkannten Lehren, und wendet ſie unmittelbar auf die gewerblichen Fragen an, wie Hr. Mac⸗Culloch die glücklichſten Anwendungen der Statiſtik auf die politiſche Oekonomie zu machen verſtanden hat**). So machten die engliſchen Volkswirthſchaftsgelehrten, indem ſie keine Gelegenheit verſäumten, die Wiſſenſchaft nutzbar zu machen, ſie volksthümlich, und haben ſie von dem Standpunkt der Utopien zum erſten Rang nützlicher Kenntniſſe erhoben. Zwei engliſche Miniſter, Hr. Huskiſſon und Hr. Henry Parnell, haben auch mit Erfolg zu dieſem nützlichen Ergebniſſe mitgewirkt. Der erſte dieſer Staatsmänner, deſſen jüngſt einge⸗ tretenen und frühen Verluſt die Wiſſenſchaft noch beweint, hat, wie wir ſehen werden, eine gewiſſe Aehnlichkeit mit Turgot. Ergrif⸗ fen von den traurigen Folgen des Sperrſyſtems und von den Mißbräuchen des Schutzſyſtems hatte er ſich entſchloſſen, eine kühne Hand an dieſes alte Gebäude zu legen, das unſerer Zeit *) Man wird vor Allem ſeine beiden Schriften mit Intereſſe leſen, von denen die erſte den Titel hat: Thoughts and details on the high and low prices of the last thirty years. London 1833, und die zweite: Con- diderations on the state of Currency. London. **³) Man ſehe deſſen Dictionary of commerce and navigation, und ſeine Statiſtik Englands(statist. Acunt etc.), wo ſchwere Fragen der politiſchen Oekonomie oft mit einer großen Geſchicklichkeit, trotz den na⸗ türlichen Schwierigkeiten der alphabetiſchen Ordnung, behandelt ſind. der wele ſehe als Ale gehnij gebilde Punſch Nich ökonom ſtem de ſondern Lehre — 179— dam unwürdig und den Fortſchritten der Geſittung verderblich iſt. — Allein er wußte den Geiſt der Reform mit der Klugheit des * Geſetzgebers zu verbinden, und unternahm nie eine Verbeſſe⸗ . rung, ohne vorher ſich mit den gewiſſenhafteſten Belegen ad un umgeben zu haben und zu pünktlichen Unterſuchungen ge⸗ auj in ſchritten zu ſein. Die politiſche Oekonomie hätte glorreiche und ie diſ glückliche Tage geſehen, wenn dieſer muthige und beredte Mi⸗ uücbin niſter lange genug gelebt hätte, um die Reformen zu einem Vedäunt guten Ende zu führen, welche er unternommen hatte. 1 rann Gerade dieſe echt britiſchen Züge der Verwaltung dieſes Mi⸗ hnafn, V niſters, einerſeits die wagliche Entſchloſſenheit, ſich ſtützend auf 3 die klare Erkenntniß der Nothwendigkeit wirthſchaftlicher Re⸗ behre, V formen, und andererſeits die ruhigſte Umſicht, die ſich mit ei⸗ ih, wi nem Wall von Thatſachen umgibt, um der Erfahrung Alles, ſit auf 1 der Speculation Nichts als die an die ſicherſte Schlußfolgerung . So aus analogen Zuſtänden ſich lehnende Ausſicht in die Zukunft em ſi zu überlaſſen, mußten den wirthſchaftlichen Anſichten Huskiſ⸗ nacen, ſon's das verheißungsvollſte Fortleben in der Uebung ſeines Uogien Vaterlandes ſichern. Auch haben wirklich die ökonomiſchen und politiſchen Lehren, Henry welchen Hr. Huskiſſon während ſeiner zu kurzen miniſteriellen rgebniſe Laufbahn Geltung verſchaffte, nach ſeinem Tode in den Räthen ſ tinge der britiſchen Regierung fortgegolten, und die Langſamkeit, mit hat, wie welcher wir ſie haben durch die geſitteten Staaten annehmen Ergrif ſehen, muß weit mehr den Widerſtänden des Privatintereſſe's, von den als dem böſen Willen der Verwaltung zugeſchrieben werden. en, eine Alle guten Köpfe ſind gegenwärtig über die unfehlbaren Er⸗ rer geit V gebniſſe der Herabſetzung der Steuern einverſtanden, und die gebildeten Regierungen beeilen ſich, in dieſer Hinſicht dem ſen, von Wunſche der Völker zuvor zu kommen. üih und Nicht nur wegen des mächtig ändernden Eingreifens der he. Cor ökonomiſchen Politik Huskiſſon's in das ganze ökonomiſche Sy⸗ und ſein ſtem der am rieſenhafteſten wirthſchaftenden Nation der Erde, ragen der ſondern auch wegen der weltgeſchichtlichen Nachwirkung dieſer 6 den na- Lehre und Uebung auf die anderen Staaten Europa's wird es tt ſind. 12. — 180— nothwendig, das Leben dieſes großen, weit ausblickenden Staatsmannes und deſſen Früchte für die Geſittung der Welt näher zu betrachten. Das Leben und die Arbeiten eines Mannes, welcher ein großer Miniſter bei einem großen Volke war, ſind ſtets der Aufmerkſamkeit und der Achtung aller gebildeten Völker wür⸗ dig. Allein wenn dieſer Miniſter in ſchwierigen Zeiten gelebt hat, wo die höchſten ſocialen und politiſchen Fragen durch das Wort und die Waffen verhandelt wurden; wenn der Antheil, welchen er an dieſen denkwürdigen Verhandlungen genommen hat, ebenſo glorreich für ſein Vaterland, als gewinnbringend für die Menſchheit war: ſo tritt ein ſolches Leben aus dem Gewühl der gewöhnlichen Ereigniſſe heraus und verdient in allen ſeinen Phaſen als eine ernſte Lehre und eine nützliche Anleitung erfaßt zu werden. So war die Laufbahn William Huskiſſon's, des erſten praktiſchen Reformers, welchen Eng⸗ land im wirthſchaftlichen Kreis erzeugt hat, und ſein geſchick⸗ teſter Geſchäftsmann, ſelbſt nach dem Ausſpruch Canning's, welcher ſein Amtsgenoſſe und Freund war. Noch nie gab es in unſerem Jahrhundert mit ſeinen kurzen Exiſtenzen eine voll⸗ ſtändigere, eine würdiger erfüllte. Fünfunddreißig Jahre po⸗ litiſcher Arbeiten, kaum unterbrochen durch die parliamentari⸗ ſchen Wechſel, in den höchſten Stellen; die kühnſten Reformen, vorgeſchlagen, vertheidigt und ausgeführt mit einer bewunde⸗ rungswürdigen Beharrlichkeit; neue Principien, geſetzt an die Stelle der alten Maximen bei einem an die unbedingte Verehrung der Vergangenheit gewöhnten Volke; das ſind die weſentlichen Gründe des Anſpruchs Huskiſſons auf die Achtung der Staats⸗ männer und auf die Werthſchätzung der gebildeten Menſchen aller Länder. Was Turgot in Frankreich zu verwirklichen ver⸗ gebens geſtrebt hatte, hat Huskiſſon in England ausgeführt: er ließ die Grundſätze der Wirthſchaftswiſſenſchaft in die Räthe der Fürſten und in die Geſetze ſeines Vaterlandes eintreten. Es gibt zwei merkwürdige Umſtände in der Laufbahn dieſes gefeierten Miniſters: er war faſt arm geboren, der zweite von vier Söhnen eines Landedelmannes, ſodann hatte er die ſchoͤn⸗ — ſten milie, dem durch Anze ihn ris 14 beſe mac jung Ohei Schu niſſe die fi bei d Volke goß Er ſche in Mo Sp lich ver ſch Seil 1789 nen T du ſit hunge klage Glaub ſ, ſc ahnt des glikenden der Welt cher ein ſets der ker wür⸗ en galett durch das Antheil enommen hringend us dem dien in nütliche Tilliam chen Eng⸗ n geſchick⸗ inning', nie gab es eine vol⸗ Jahre po⸗ liamentari⸗ Reformen, er bewunde⸗ ſetzt an die Verehrung weſentlichen der Staats⸗ Menſchen rklichen ver⸗ ageführt: er in de Räthe es eintreten. nuftahn dieſe der zweite bol er die ſchn⸗ = 181— ſten Jahre ſeiner Jugend in Frankreich verlebt. Seine Fa⸗ milie, aus der Grafſchaft Stafford ſtammend, brachte ihn bei dem Austritt aus der Kindheit in eine Dorfſchule, wo er ſich durch eine merkwürdige Geſchicklichkeit im Rechnen, ein frühes Anzeichen ſeiner künftigen Anlagen, auszeichnete. Später berief ihn einer ſeiner Oheime, der Dr. Gem, der ſich ſeit lange in Pa⸗ ris niedergelaſſen hatte, im Jahr 1783, in einem Alter von 14 Jahren, zu ſich, und vollendete ſeine Erziehung mit einer beſondern Sorgfalt, in der Hoffnung, einen Arzt aus ihm zu machen, und ſeine Kundſchaft ihm zu hinterlaſſen. Allein der junge Huskiſſon hatte andere Ideen. Die Freunde ſeines Oheims waren faſt lauter Philoſophen der eneyklopädiſchen Schule; Franklin und Jefferſon ſtanden in einem innigen Verhält⸗ niſſe mit ihm. Der amerikaniſche Krieg war gerade zu Ende; die franzöſiſche Revolution in ihrem Beginn. Huskiſſon war bei der Erſtürmung der Baſtille, wo er die Regungen des Volksgefühls an dieſem berühmten Tage mitfühlte, und die große Bewegung von 1789 gewann bald ſeine Sympathien. Er folgte ihr und erforſchte ſie mit Eifer, ſich unter die Men⸗ ſchen und Dinge miſchend: er ließ ſich in einen Club, jedoch in einen der gemäßigtſten, aufnehmen, in welchem er einige Male das Wort nahm, und ſich ſehr geläufig in franzöſiſcher Sprache ausdrückte. Dieſer Umſtand ſeines Lebens, ſo natür⸗ lich und einfach, gab ſpäter in England den Text zu tauſend verleumderiſchen Anklagen gegen den Clubſprecher, nachdem er ſich zur hohen Stelle eines Miniſters aufgeſchwungen hatte. Seine Feinde gingen darauf aus, den unſchuldigen Club von 1789 mit dem der Jacobiner zu verwechſeln, um Huskiſſon als ei⸗ nen Terroriſten anzugeben, der unwürdig ſei, im Rathe der Krone zu ſitzen. Bei den Wahlkämpfen, die an Ränken und Schmä⸗ hungen immer ſo fruchtbar ſind, erhob ſich dieſe lügenhafte An⸗ klage immer wieder gegen ihn, und veranlaßte ein politiſches Glaubensbekenntniß voll Würde:„Wenn es ein Verbrechen iſt, ſagte er, mit 19 Jahren die Geſchicke der Menſchheit ge— ahnt und geglaubt zu haben, daß man die Freiheit gegen den Despotismus vertheidigen könne, ohne in die Anarchie zu fal⸗ len, ſo bin ich dieſes Verbrechens ſchuldig, welches mir mit ei⸗ ner Menge großer Menſchen und guter Bürger gemeinſam iſt.“ Er ſchrieb zu gleicher Zeit an einen ſeiner Freunde:„Ich habe einer Sitzung der Jacobiner als Neugieriger beigewohnt, wie ich in Spanien einem Stiergefecht zugeſchaut haben würde.“ Und wahrlich ſelbſt ſchon in dieſer Zeit zog die beſondere Na⸗ tur ſeines Geiſtes Huskiſſon zu den poſitiven Studien hin, welche dann auch ohne Unterbrechung die Beſchäftigung ſeines ganzen Lebens fort gebildet haben. Man hat von ihm eine Art Manifeſt's an das franzöſiſche Volk, in welchem er, in weihſagenden Worten, die Gefahren der Ausgebung der Aſſig⸗ naten ſogar in dem Augenblick hervorhob, wo dieſe Ausgebung gerade beſchloſſen worden war. Es iſt merkwürdig, an dieſem ganz franzöſiſchen Ausgangs⸗ punkt das ökonomiſche Auftreten desjenigen zu beobachten, wel⸗ cher dereinſt der Regler der Handelsintereſſen Großbritanniens ſein ſollte. Die Klarheit ſeines Geiſtes, ſeine praktiſche Ge⸗ ſchäftskenntniß, ſeine geraden und feſten Anſichten machten ſich da ſchon mit eben ſo vielem Glanz bemerkbar, als 30 Jahre ſpäter im Schooße des britiſchen Parliaments. Huskiſſon urtheilte ſchon damals, wie die Nachwelt: er ſah mit jenem ſichern Gei⸗ ſtesblick, welcher ihn ſtets inmitten der politiſchen Stürme aus⸗ zeichnete, die Folgen unſerer erſten Revolutionsmaaßregeln im Gebiet der Finanzen voraus.„Wenn ihr aus der gegenwär⸗ tigen Kriſe werdet herausgetreten ſein, ſprach er zu unſern Mitbürgern in einer am 29. Auguſt 1790 gehaltenen Rede, ſo errichtet eine Nationalbank, und dann wird ein Fonds von 50 Millionen in Geld genügen, euch einen Credit zu geben, welchen ihr gegenwärtig nicht mit drei Milliarden Grundkapi⸗ tal erlangen könnet.“ Der Mann, welcher dieſes vor einem halben Jahrhundert ahnte, war ſchon ein höherer Geiſt; auch wurde ſein Verdienſt bald gewürdigt, Huskiſſon wurde zum Privatſekretär des Lords Gower, des damaligen engliſchen Bot⸗ ſchafters in Paris, ernannt. Er war es noch, als die revolutionäre Bewegung, welche am 20. Juni vorbereitet worden war, am 10. Auguſt ausbrach, und d Nähe glückli der T ſchaft laſſer die gehe nicht geru feind pathie kenner als er Theil nachde war ernar chen reich mit Lan rück S Dun ten war mit i endigte und der das, wo merkſan Arheitel und der emſig, nehmen dir miei⸗ nſen it "Jc vyde wohnt, vie en würde,“ ſondere Na⸗ tudien hin, gung ſeines N ihm eine em er, in der Nſiig⸗ Ausgebung Ausgangs⸗ achten, wel⸗ britanniens ntiſche Ge⸗ machten ſich 30 Jahre ſon urtheille ſichern Gei⸗ türme aus⸗ Fregeln in gegenwar⸗ zu unſern Rede, ſo nds von t geben, indkapi⸗ einem auch e zum n Bot⸗ welche sbrach, —- 183— und den Bruch mit England entſchied. Huskiſſon hatte in der Nähe dieſe ſchrecklichen Vorgänge geſehen, bei welchen er ſo glücklich war, den Hrn. v. Champeceenetz, den Gouverneur der Tuilerien, zu retten, welcher ſich in die engliſche Geſandt⸗ ſchaftswohnung geflüchtet hatte. Er mußte ſonach Paris ver⸗ laſſen und den Truggebilden entſagen, welche in allen Herzen die erſten ſchönen Tage der franzöſiſchen Revolution hatten auf⸗ gehen laſſen. Huskiſſon war aus der Faſſung gebracht, aber nicht verwandelt. Die von den Drohungen Europa's hervor⸗ gerufenen Frevel ſtimmten ihn der Sache der Freiheit nicht feindlich, noch weniger erkälteten ſie ſeine hochherzigen Sym⸗ pathien für Frankreich, welches ein mehrjähriger Aufenthalt ihn kennen und achten gelehrt hatte. Huskiſſon war faſt Franzoſe, als er nach London zurückkam, und wir können einen großen Theil des Reformgeiſtes anſprechen, welchen er heim brachte, nachdem er ihn in unſerem Vaterlande geſchöpft hatte. Kaum war er zurückgekehrt, ſo wurde er zum Vorſtand des Büreau's ernannt, welches mit den Geſchäftsbeziehungen zu den zahlrei⸗ chen Ausgewanderten beauftragt war, die täglich aus Frank⸗ reich ankamen, und er entledigte ſich dieſer zarten Sendung mit vollkommener Artigkeit und allem Wohlwollen für unſere Landsleute. So gab er edel dem Unglück das Gaſtrecht zu⸗ rück, welches er von der Wiſſenſchaft empfangen hatte. Seine beſcheidenen Functionen brachten ihn mit Pitt und Dundas in Verkehr, welche auch alsbald die hohen Eigenſchaf⸗ ten ſeines Geiſtes erkannten. Am Schluſſe des Jahres 1793 war er durch Canning ausgezeichnet worden, und verband ſich mit ihm durch eine Freundſchaft, welche nur mit ihrem Leben endigte. Im Jahr 1795 zum Unterſtaatsſecretär des Kriegs und der Kolonien ernannt, zeigte ſich Huskiſſon von da an als das, was er während ſeiner ganzen Laufbahn war, als einen auf⸗ merkſamen und umſichtigen Beobachter, als einen unermüdlichen Arbeiter, ſich mit gleichem Eifer der Erforſchung der Menſchen und der Thatſachen zuwendend, und in ſeiner Amtsführung ſo emſig, daß er in Folge einer langen Krankheit ſeine Entlaſſung nehmen wollte, indem er, wie er ſagte, lieber ſeine Stelle auf⸗ — 184— geben, als ſie ſchlecht bekleiden möchte. Obwohl er in jener Zeit ſchon Mitglied des Parliaments war, ſo wagte er doch ſelten, zu ſprechen, entweder aus Mißtrauen in ſeine Kraft, oder, weil er es vorgezogen hatte, ſich tief in den Geſchäften zu unterrichten, ehe er den Stürmen der Erörterung entgegentreten wollte. Can⸗ ning ſprach damals für ihn, wie es ihm oft auch in der Folge ge⸗ ſchah, indem der erſtere die Materialien für den Kampf bereitete, den der zweite beſtand; wobei Huskiſſon, wenn ich ſo die Wiſ⸗ ſenſchaft einem Gewerb vergleichen darf, den Dienſt eines Sach⸗ walters(Avoué), welcher die Rechtsſachen vorbereitet, und Can⸗ ning den des Advocaten verſah, welcher ſie in öffentlicher Rede verſicht. Auch gewannen ſie dieſelben faſt immer, auf einander geſtützt, und es brauchte nichts weniger, als ihre mächtige Ver⸗ bindung, um der Unermeßlichkeit der Aufgabe zu genügen, welche ſie ein Vierteljahrhundert hindurch ſo muthig gefördert haben. Es war in der That keine gewöhnliche Aufgabe, die Angele⸗ genheiten Großbritanniens in dem erbitterten Kampfe zu leiten, welchen es gegen die franzöſiſche Revolution beſtand. Dieſe Um⸗ wälzung begann ſich in dem General Bonaparte in dem Augen⸗ blick zu perſonificiren, wo die Bank Englands, genöthigt, ihre Baarzahlungen einzuſtelleu und ein wahres Papiergeld zu ſchaf⸗ fen, die Aſſignaten rechtfertigen, und ihren Tribut an die Noth abzutragen ſchien. So begannen die großen volkswirthſchaftli⸗ chen und finanziellen Erfahrungen unſeres Jahrhunderts, nur unterbrochen durch den Bankbruch und die Continentalſperre, Erfahrungen, welche in unſern Tagen unter andern Namen fort⸗ dauern, und welche uns ſeit dem Tode Huskiſſon's weder Frieden, noch Waffenruhe gelaſſen haben. Dieſer große Miniſter wurde früh hineingezogen, und früh faßte er den Gedanken, ſie zu einem erwünſchten Ende zu führen. Es war gegen den Schluß des Jah⸗ res 1809, im tiefſten Kriege; der Oberſt Wardle hatte gerade eine ſehr heftige Motion über den wirthſchaftlichen Zuſtand der Nation gewagt, und trug auf nichts Geringeres, als eine Schmälerung des Budgets um 400 Mill. Francs an. Dieſer Antrag gab Huskiſ⸗ ſon den Anlaß, alle öffentlichen Dienſte durchzugehen, und ihre Bedürfniſſe mit einer Beſtimmtheit und einer Höhe der Anſichten darzuleg ſten Rau ſache we alle, eit ohne ſe ſeinen Sache gung, Erfol ern S Die Zeit au ihm da wahrhe dem Se und ba niſter ſchh de Er ho den; walt gen; Lauf abfa⸗ Nach ben, fangen fiſſon i heftiger Reforme verträͤgli Gharakter auch ſollte ker, einft Geldumla blieben un jenr Ji ſelten, 1 er, weil er nierrichen, oll. Can⸗ ar dülg g⸗ ahf herätene ſo de Wi⸗ teines Sah⸗ itet und Can⸗ enlicher Rede auf einander nihüge Ve⸗ enügen wilhe rdert haben. he die Angele⸗ nife ſ leien ind. Dieſe Um⸗ in den Auga⸗ genüchigt ihr iergeld u ch⸗ ut an die Nuh liswitthſhril⸗ rhunderts, nu ntinentalſpert⸗ en Namen fon⸗ zweder rieden, Miniter vunde en, ſi z einem Schluß des Iü⸗ atte gernde til and der Miin eSchmälerung ag gab Husli⸗ hen, und jhre det Amüchten ———— —. 185— darzulegen, welche ihm alle Stimmen gewannen, und ihn zum er⸗ ſten Rang der Staatsmänner erhoben. Keine weſentliche That⸗ ſache war ſeinen ſtrengen Unterſuchungen entgangen; er hatte ſie alle, eine nach der andern, den Beweis in der Hand, zergliedert, ohne ſeinem Gegner die geringſte Ausflucht zu laſſen, wobei er ſeinen Schwung mäßigte, aus Furcht, in einer durchaus poſitiven Sache ſich hinreißen zu laſſen, und ſich weit mehr an die Ueberle⸗ gung, als an die Leidenſchaften der Verſammlung wandte. Der Erfolg war vollſtändig, und der Antrag ward mit einer ungeheu⸗ ern Stimmenmehrheit verworfen. Die parliamentariſche Stellung Huskiſſon's war von dieſer Zeit an auf der Höhe der erſten Würden des Staats. Man bot ihm das Amt eines Staatsſecretärs Irlands an, das damals wahrhaft die Würde eines Virekönigs war; er blieb lieber bei dem Schatzkammeramt, wo ſeine Talente nützlicher ſein konnten, und bald folgte er dem Geſchicke Canning's, als dieſer große Mi⸗ niſter ſich von dem Lord Caſtlereagh trennte. Perceval bemühte ſich vergebens, ihn zurück zu halten; Huskiſſon war unbeugſam. Er hätte in den Geſchäften bleiben können, ohne mit ſeinen Freun⸗ den zu brechen, deren mehre ihm ſogar riethen, der neuen Ver⸗ waltung die Unterſtützung ſeiner Finanzkenntniſſe nicht zu verſa⸗ gen; allein er wollte lieber ſich mit ihnen zurückziehen, und ſeine Laufbahn im Alter von 40 Jahren opfern, als von ſeinen Lehren abfallen und ſeine Ueberzeugungen verrathen. Wharton war ſein Nachfolger. Canning wurde von Lord Bathurſt erſetzt, demſel⸗ ben, welcher ſpäter ſich ſo mitleidlos gegen den glorreichen Ge⸗ fangenen auf St. Helena zeigte. Im Jahr 1810 finden wir Hus⸗ kiſſon wieder in der Oppoſition, wo er die Mißbräuche um ſo heftiger bekämpfte, als er ihre Urſachen beſſer erkannte, und nur Reformen verlangte, welche mit der Aufrechthaltung der Dienſte verträglich waren. Wenn eine Oppoſition dieſen ehrenwerthen Charakter hat, ſo tritt ſie ungeſäumt an's Staatsruder zurück; auch ſollte Huskiſſon bald dort wieder auftreten, gewandter, ſtär⸗ ker, einflußreicher, als je. Er hatte gerade über das Syſtem des Geldumlaufes eine Flugſchrift herausgegeben, welche berühmt ge⸗ blieben und würdig iſt, neben den Arbeiten Ricardo's zu glänzen. — 186— Dieſe Schrift, ſtoffreich in ihrer Kürze, erlebte ſieben Ausgaben in einigen Wochen, und wurde die Grundlage aller Finanzmaaß⸗ regeln, welche nach der Wiederkehr des Friedens angenommen wurden. Die Fragen dieſer Art, ſtets ſo entſcheidend in dem Schickſal der Völker, erregen nie eine ſo große Aufmerkſamkeit, als der Lärm der Siege und der Sturm perſönlicher Discuſſionen. Wie we⸗ nige unter der Menge Jener, welche dieſes leere Gelärme feſſelt, finden ſich, welche über die Wege und Mittel des Friedens und des Kriegs, über die Umlegung der Steuern, über die Anlei⸗ hen, über die Grundlagen des öffentlichen Credits nachgedacht ha⸗ ben! Wie Wenige wiſſen, was den Nationen ein diplomatiſcher Irrthum, ein Kriegsfieber einiger Monate, einiger Tage koſte! Das iſt die Belehrung, welche den Maſſen abgeht, und welche man unerläßlich beſitzen muß, um den Gang der politiſchen Er⸗ eigniſſe und die Haltung der Regierungen richtig zu beurtheilen. Dieſe Belehrung ſtrebte Huskiſſon unter ſeinen Mitbürgern zu verbreiten, wenn er die Wucht der Discuſſionen im Schooße des Parliaments übernahm, oder wenn er zur Preſſe griff, um ſein Vaterland über ſeine wahren Intereſſen aufzuklären.„Die Mehrzahl der Irrthümer, deren Opfer wir ſind, ſchrieb er in ſei⸗ ner berühmten Flugſchrift über den Geldumlauf, ſtammen daher, daß die ausgezeichnetſten Männer ſich nicht die Mühe nehmen, dieſe Gegenſtände aufzunehmen und ſorgfältig zu erforſchen. Man lebt von Vorurtheilen, und findet es einfacher, die Fragen durchzuſchneiden, als ſie zu ergründen; allein vergebens, dieſe Fragen werden unter der Hand, welche ſie berührt, ſich immer wieder aufbäumen.“ In der gleichen Zeit gab die Motion Hor⸗ ner's für die Wiederaufnahme der ſeit 1797 eingeſtellten Baar⸗ zahlungen der Bank Huskiſſon Gelegenheit, die wahren Grund⸗ lagen des Credits darzulegen.„Ich höre ſagen, rief er am Schluß dieſer denkwürdigen Rede aus, daß das Glück unſeres Vaterlandes von der Erhaltung des gegenwärtigen Syſtems des Geldumlaufs, d. h. von der grenzenloſen Vermehrung eines nicht heimzahlbaren Papiers abhänge! Das Parliament könnte ſonach nach Willkür Regen oder ſchönes Wetter beſchließen, und in ei⸗ nem ent Münze it nicht dacht. nicht fo ſchende gen w den 5 den z komme Das war, dungen. lich, ol des De England zehn N lionen welche einen Pferd nem nicht die W dieſen anzuw ſammel landes dem RNü ſch ſelbſ als in do ein einzig den zu b Ländern Charattere beugen! Ausgaben nanzmaaß⸗ genommen n Schiſal asder därm n. Wie we⸗ laͤrme feſſelt des Friedens er die Anlei⸗ hgedacht ha⸗ plomatiſcher Tage koſte! und welche itiſchen Er⸗ beurtheilen. ibütgern zu Schooße des uif, um ſen lären. Kie ieb er in ſei⸗ nmen daher, ühe nehmen, erforſchen. die Fragen eens, dieſe ſch immer jon Hor⸗ en Baar⸗ Grund⸗ f er am unſeres ſems des ines nicht te ſonach und in ei⸗ —-— 187— nem entwertheten Papier eben ſo gut, als in klingender Münze ſtets befriedigte Gläubiger zahlen! Dieſe Erfindung iſt nicht neu; man hatte ſchon zur Zeit Law's daran ge⸗ dacht. Allein Sie werden dieſe verhängnißvollen Proben nicht fortſetzen.“ Gleichwohl ſcheiterte der Antrag an der herr⸗ ſchenden Partei, welche ihre Aſſignatenplatte noch nicht zerſchla⸗ gen wollte. England hatte ſich an den Bankbruch, wie an den Kriegszuſtand, gewöhnt; es ſollte erſt mit dem Frie⸗ den zu den regelmäßigen Gewohnheiten des Credits zurück⸗ kommen. Das Miniſterium, aus welchem Huskiſſon ausgeſchieden war, überließ ſich nun fortan den ärgerlichſten Verſchwen⸗ dungen. Die übermäßigſten Anfor derungen drängten ſich täg⸗ lich, ohne Widerſtand zu finden, und öffneten den Abgrund des Deficits, welchen nach fünf und zwanzig Friedensjahren England noch nicht zu ſchließen vermocht hat. Man verlangte zehn Millionen, um eine Kaſerne zu bauen, und dieſe Mil⸗ lionen wurden, trotz dem Einſpruche Huskiſſon's, verwilligt, welcher nachwies,— das waren ſeine Worte,—„daß es einen jährlichen Miethzins von 1200 Fr. für Mann und Pferd koſten würde, um ein gewiſſes Mittelding zwiſchen ei⸗ nem Palaſt und einem Stall zu bauen.“ Huskiſſon hörte nicht auf, mit dieſer zugleich poſitiven und maleriſchen Kraft die Vergeudungen des Kriegsbudgets zu verfolgen, und in dieſen undankbaren Kämpfen die Kenntniſſe gewinnbringend anzuwenden, welche er in der Verwaltung der Geſchäfte ge⸗ ſammelt hatte. So legte er in dem Schooße ſeines Vater⸗ landes den Keim der Reformen nieder, welche er ſpäter bei dem Rücktritt in's Miniſterium ausführen ſollte, ſtets treu ſich ſelbſt, ſtets gemäßigt, ſtets poſitiv, ſowohl im Angriff, als in der Vertheidigung, ohne in ſeinem Leben auch nur ein einziges Mal genöthigt zu ſein, ſeine Lehren und Re⸗ den zu verleugnen, oder zu ändern. Ein in repräſentativen Ländern gewiß ſeltenes Vorrecht, wo es nur den großen Charakteren zuſteht, die Meinung zu leiten, ſtatt ſich ihr zu beugen! -— 188— So hatte ſich, noch ehe er in die Bahn der Reformen eintrat, welche ſeinen Namen verherrlicht haben, Huskiſſon ſchon als einen Geiſt zu erkennen gegeben, beſtimmt und feſt, vor⸗ ſchreitend und vorſichtig, unfähig, die Rechte der Menſchheit ſelbſt den Intereſſen ſeines Vaterlandes zu opfern. Er wußte wohl, daß es nur Ein ehrenwerthes und ſicheres Mittel gebe, an das Staatsruder zurückzutreten, das, es zu verſtehen, mit Würde aus der Verwaltung zu treten, nachdem man ſie ohne Hoch⸗ muth und Schwäche als eine Laſt, nicht als eine eitle Ehre⸗ geführt hat. Auch hörten ſeine Committenten an verſchie⸗ denen Punkten Englands,— denn er war der Vertreter von drei Städten,— nie auf, ihn durch ihre faſt einſtimmi⸗ gen Wahlentſcheidungen im Parliament zu erhalten, und ſeine Unabhängigkeit durch Dankadreſſen, durch glänzende Empfangs⸗ feſte und ſogar nach engliſcher Sitte durch officielle Geſchenke zu ehren. Wahrlich, es gibt wenige Beiſpiele einer ſo edeln und loyalen Haltung, als die Huskiſſon's in ſeinen Beziehun⸗ gen zu den Wählern! Als 1824 Canning, welcher als Mini⸗ ſter auf Lord Londonderry gefolgt war, ſeine Stelle als Abge⸗ ordneter für Liverpool niederlegte, ſo richteten ſich Aller Augen für ſeine Erſetzung auf Huskiſſon, welcher ſein Freund und der innigſte Vertraute aller ſeiner Gedanken war. Allein Huskiſ⸗ ſon war ſeit 10 Jahren Vertreter von Chicheſter, und er zau⸗ derte lange, ſich von Committenten zu trennen, welche ihn ſtets mit ihrem Vertrauen und ihren Sympathien geehrt hatten. Blos Rückſicht auf das Staatsintereſſe konnte ihn zu einer Trennung beſtimmen, deren Wichtigkeit er ſeinen Wählern mit einem Freimuth, voll Adels und Einfachheit, darlegte. Dieſe Letzteren antworteten ihm mit einer ſehr ſchmeichelhaften Adreſſe, welche ſogar den Beifall der politiſchen Gegner Huskiſſon's ge⸗ wann. Siebzehn Jahre ſpäter legten bei der Kunde von ſei⸗ nem Tode dieſe nämlichen Wähler, aus eigenem Antrieb, die Trauer an, ſchloſſen zum Zeichen ihres Schmerzes ihre Han⸗ delsgewölbe und errichteten ihm auf Subſcription ein Denkmal in ihrer Kirche. So verſteht ein großes Volk ſeine großen Diener zu ehren. Huski dat an, denken wich er nen ſie finden ten la verbre Selb wiſſe Opfer Man! unſere noch un ſönliche brachte benen von 8 wiede Kohl viehe ſtürz Taxe welc Min deren rief? und ij So keit, der liament gemacht, men kon ges erlie ſend mal das Scht Reformen iiſon ſchon feſt, vor⸗ Menſchheit rußte wohl, tbe, an das mit Wurde ohne Hohh⸗ eitle Ehre, n verſchie⸗ Vertreter einſtimmi⸗ und ſeine mpfangs⸗ Geſchenke ſo edeln Beziehun⸗ als Mini⸗ als Aoge⸗ Aller Angen ind und der ein Hudliſ⸗ und er zau⸗ che ihn ſtets ehrt hatten. zu einer ilern mit te. Dieſe nAdreſſe, ſſor's ge⸗ e von ſei⸗ ntrieb, die ihre Hau⸗ in Dewkwal eine Roßen — 189— Huskiſſon nahm gleichwohl nicht ohne Bedingungen das Man⸗ dat an, welches ihm die Wähler von Liverpool anboten.„Be⸗ denken Sie, ſagte er ihnen, ſo lange es noch Zeit iſt, ehe Sie mich ernennen. Die Sonderintereſſen Ihrer großen Stadt kön⸗ nen ſich mit den Geſammtintereſſen Englands im Widerſtreit finden, und ich werde dieſe letztern ſtets vor den Ihrigen gel⸗ ten laſſen.“ Edle Worte, welche man nicht genug ehren und verbreiten kann in dieſen Zeiten einer ſchmalen und örtlichen Selbſtſucht, wo mehr als Ein Candidat niederkniet, wie ge⸗ wiſſe Schriftſteller in ihren Vorreden, um Frankreich wie ein Opfer den hinkenden Intereſſen eines Bezirks hinzuſchlachten! Man erinnert ſich nicht mehr der Nacht des 4. Auguſt's, wo unſere Väter in einem ſo kühnen Aufſchwung auf dem damals noch unbefleckten Altar des Vaterlandes das Opfer ihrer per⸗ ſönlichen Vorrechte und der Vorrechte ihrer Provinzen dar⸗ brachten. Was haben wir aus dieſer hochherzigen und erha⸗ benen Wetteiferung gemacht? Wer denn ſollte das Frankreich von 89 in dieſem eigennützigen Gedränge von Bittwerbenden wieder erkennen, welche gegen einander für die Vorrechte ihrer Kohlen, ihrer Eiſenwaaren, ihrer Leinenzeuge, ihres Schlacht⸗ viehs, ihres Zuckers, alle gegen die Geſammtintereſſen des be⸗ ſtürzten Vaterlandes rechten, das unter einem Hagel ſteriler Taxen erdrückt wird? Iſt es der Geiſt oder die Materie, welche fürderhin in unſerem Lande herrſchen ſoll, und welches Miniſterium wird uns von dieſer gewerblichen Anarchie retten, deren unreinen Schleier Huskiſſon zerriß, als Gott ihn zu ſich rief? Hier in der That iſt es, wo man ihn am Werke ſehen und ihm Nachfolger wünſchen muß. So lange der Krieg gedauert hatte, hatte die Nothwendig⸗ keit, den Kampf gegen Napoleon zu beſtehen, das britiſche Par⸗ liament gegen jede gewerbliche oder finanzielle Reform taub gemacht, welche die Wirkſamkeit des Landes nach außen hem⸗ men konnte. Allein bald unter der Wucht eines einzigen Sie⸗ ges erliegend, hatte Großbritannien Fragen zu löſen, die tau⸗ ſend mal ernſter als die der Politik waren, weil ſie nicht durch das Schwert entſchieden werden. Seine Finanzen waren über⸗ — 190— ſchuldet: man mußte zu Erſparungen greifen. Die Freiheit der Meere ſchuf ſeiner Marine eine univerſelle Mitwerbung; es ward nothwendig, ſie durch eine umſichtigere Gütererzeu⸗ gung und durch minder läſtige Verſendungen zu beſiegen. Es erſchien ferner dringend, die Baarzahlungen wieder aufzuneh⸗ men, welche ſeit faſt zwanzig, Jahren von der Londoner Bank eingeſtellt worden waren. Die Regierung war genöthigt, faſt in demſelben Augenblick dreiſt die ſchwierigſten Probleme der politiſchen Oekonomie, die Reform der Beſteuerung, die Grün⸗ dung des Credits, die Geſetzgebung über die Schifffahrt und das Zollweſen, die über den Getreidehandel in einer na⸗ hen Zeit die unermeßliche Frage des Pauperismus, ſo ſchwan⸗ ger mit Aufſtänden und Aufruhr, aufzunehmen. Das waren die Stürme, welchen Huskiſſon die kühne Stirne zu bieten im Begriff war. Er hatte ſie vorgeſehen, er wurde durch ſie gar nicht erſchüttert. Von der Sitzung von 1819 an legte er dem Parliament eine wahrhaft bewunderungswürdige Ueberſicht der Finanzen aller Völker Eu⸗ ropa's vor, und vertheidigte die Nothwendigkeit, die Baarzah⸗ lungen wieder aufzunehmen, welche von den erſten Jahren des Krieges an eingeſtellt worden waren. Das folgende Jahr griff er die in Englaud ſo mächtigen Vorrechte des Grundeigen⸗ thums an, und entwickelte eine Reihe von einzelnen Motionen, um den im Landbau beſchäftigten Arbeitern zu Hilfe zu kom⸗ men; er widerſetzte ſich ſpäter den Geſetzen gegen die Coa⸗ litionen der Arbeiter, weil er jene als unnütz und gefähr⸗ lich anſah, zumal in Beziehung auf die Löhne, und machte den Unternehmern der Induſtrie die Unmöglichkeit begreif⸗ lich, länger die Geſetze aufrecht zu erhalten, welche die Aus⸗ fuhr der Maſchinen verboten. Alle dieſe Reformverſuche fanden viele Hinderniſſe in den bevorrechteten Klaſſen, welche von den Mißbräuchen des be⸗ ſtehenden gewerblichen Syſtems lebten; allein das Geſchrei erhob ſich noch viel ſtärker, als Huskiſſon die Nothwendig⸗ keit behauptete, die berüchtigte Navigationsakte abzuändern, auf welcher ſo lange die Handelsübermacht Englands beruht hatte. Dieſe Acte belegte mit Repulſivzöllen die durch fremde Schiffe der Ge brach das el land den, o ſtem ſelbſt ſagte Welt Dien/ wollen komme rine zu rend do ren nac verführ denken um ei gegen alten uns den! der; ſparn Di niens martig num liche gangszoͤl ſett, und dem Smu fen, daß d darin beſtey nem unendli den auilind Freiheit werbung; itererzeu⸗ egen. Es aufzuneh⸗ oner Bank üihigt, fan obleme der die Grün⸗ ffahrt und einer na⸗ ſchwan⸗ aren die Begriff ſchüttert. vahrhaft zier Eu⸗ Baarzah⸗ ahren des Iähr goff rundeigen⸗ Motionen, fe zu kom⸗ die Coa⸗ nd gefäht⸗ nd machte begreif⸗ die Aus⸗ ein den des be⸗ Geſchrei oihwerdig⸗ byoändetn, nds veroht zurh ſtende — 191— Schiffe eingeführten Waaren, und hatte ihre lange Dauer nur der Geduld oder der Schwäche Europa's verdankt. Ein Tag brach an, wo die Vereinigten Staaten mit Repreſſalien gegen das engliſche Monopol ſich verwahrten Portugal und Hol⸗ land ahmten ſie nach. Das Beiſpiel drohte, anſteckend zu wer⸗ den, als Huskiſſon die Nothwendigkeit geltend machte, ein Sy⸗ ſtem zu ändern, welches vor ſeiner eigenen Nachahmung von ſelbſt ſtürzte.„Unſer Erfindungspatent iſt erloſchen, ſagte er offen; auf dieſem ſchlimmen Wege beharren, heißt vom Welthandel fordern, daß er ein doppeltes, dem allgemeinen Dienſt der Verſendung gewidmetes Kapital habe; das heißt wollen, daß ein amerikaniſches Schiff zu uns mit Ballaſt komme, und befrachtet heimfahre; das heißt die engliſche Ma⸗ rine zwingen, nur bei der Heimkehr Fracht zu nehmen, wäh⸗ rend das nämliche Fahrzeug mit halben Koſten engliſche Waa⸗ ren nach Amerika und amerikaniſche Erzeugniſſe nach England verführen könnte. Was würde man von einem Fuhrmann denken, welcher ſeine Wagen leer von London abgehen ließe, um eine Ladung in Birmingham zu nehmen? Das iſt der gegenwärtige Stand der Schifffahrt unter der Herrſchaft der alten Geſetze, welche abzuändern, die Repreſſalien der Welt uns zwingen. Statt von zwei Fahrten eine zu verlieren, wer⸗ den wir mit Einem Stein zwei Würfe machen, und die Lage der Zehrer der Welt wird ſich um den Betrag des ganzen Er⸗ ſparniſſes verbeſſern, welches an der Fracht bewirkt worden iſt. Dieſe Motion hatte den Erfolg, in den Haven Großbritan⸗ niens auf den Grund der Reciprocität die Schiffe aller aus⸗ wärtigen Nationen zuzulaſſen, welche die Schiffe Englands auf dem Ynämlichen Fuß, wie die ihrigen, behandeln würden. Die Ein⸗ gangszölle wurden von einer Menge der Einfuhrartikel herabge⸗ ſetzt, und der Schatz bereicherte ſich um den ganzen Betrag der dem Smuggel entzogenen Prämien. Man begann zu begrei⸗ fen, daß das ſicherſte Mittel, den Schutz wirkſam zu machen, darin beſtehe, ihn gemäßigt zu machen. Huskiſſon hatte mit ei⸗ nem unendlichen Talent den Satz vertheidigt, daß die Zölle von den ausländiſchen Fabrikaten nur den Betrag des den Rohſtoffen — — 192— der nämlichen Fabrikate Englands auferlegten Zolles ausmachen dürfen. Er machte, als er dieſe Sprache führte, immerhin noch ein ſeiner Klugheit von den Vertheidigern des Sperrſyſtems abge⸗ trotztes Zugeſtändniß; denn nach ſeiner Anſicht ſollte Nichts die Einfuhr der Rohſtoffe hindern. Er wußte, daß, je wohlfeiler ſie ſind, deſto mehr Hilfsquellen die nationale Arbeit zu ih⸗ rer Verfügung hat. Kraft dieſer Lehre brachte er die Bill über die Seidenwaaren ein, welche in Europa einen ſo gro⸗ ßen Wiederhall fand, und welche die Eröffnung einer neuen Zeitrechnung in der Handelspolitik Englands bezeichnete. Von allen Gewerbszweigen, welche damals in England des Zoll⸗ ſchutzes genoſſen, welkte der der Seidenwebereien, welcher am meiſten geſchützt war, ſeit vielen Jahren in einem Zu⸗ ſtande wahrer Erſchlaffung dahin. Die Fabrikanten, ruhig unter dem Schatten der Tarife, hatten ſich gar nicht ange⸗ ſtrengt, gegen die franzöſiſche Geſchicklichkeit zu kämpfen, und ſie erhoben vorweg von dem Verbrauch ihres Vaterlandes eine von Huskiſſon auf mehr als 200 Millionen Fr. ver⸗ anſchlagte Auflage. Dieſer große Miniſter entſchloß ſich, ſeine Mitbürger von einem ſo läſtigen Tribut zu befreien, und der Erzeugung der Seidenmanufacturen einen kräftigen Auf⸗ ſchwung dadurch zu geben, daß er ſie den Stachel der aus⸗ ländiſchen Mitwerbung fühlen ließ. Man glaube jedoch ja nicht, daß er ſich ohne Vorſicht auf dieſes ſtürmiſche Meer gewagt habe. Er forderte eine Unterſuchung(Enquéte), aber keine, wie die in Frankreich(welche immer,— es iſt mir leid, es ſagen zu müſſen— engherzig und parteiiſch ſind, weil man dabei ſtets nur die Betheiligten einvernahm), ſondern eine ernſte, umfaſſende und tiefe, zu welcher Männer aller Gewerbszweige und ſelbſt Ausländer berufen wurden. Nachdem er ſo die öffentliche Aufmerkſamkeit aufgerufen und die Grundlagen jener denkwürdigen Discuſſion vorbe⸗ reitet hatte, ging Huskiſſon mit ſicherem Schritt auf den Feind los. Es war in der That der Feind, welchen er im An⸗ geſicht hatte, und die Erörterung war ein wahrer Krieg in zwei Feldzügen. Huskiſſon erlag in dem erſten. Das Ober⸗ haus, vilegi daß ten d ſämn bünd gene wur des gege welch den ſo bewun ſprech Aender wickelt tige u ſer A Dieſe werd den lung welc daß Nütz ben, der 2 zum 2 die M des Gl. es auße fteie ein Bü ments lichen Ban nusmachen nnoch ein ins abge⸗ Nichts die wohlfeiler beit zu ih⸗ et die Bill nen ſo gro⸗ einer neuen nete, Von des Jol⸗ „welcher nem Zu⸗ , ruhig ht ange⸗ fen, und terlandes F. ver⸗ ſich ſeine teien, vnd ffigen Auf⸗ el der aus⸗ e jedoch jn nſche Meer uste), abet t mir leid ſind, weil , ſondern nner aller en. aufgerufen ion vorbe⸗ den Feind er in Wo⸗ er Krieg in Das Obei⸗ — 193— haus, in England der treue Wächter des alten Arſenals der Pri⸗ vilegien, verſtümmelte dergeſtalt die Bill über die Seidenwaaren, daß Huskiſſon ſie lieber zurückzog. Es erhob ſich von allen Punk⸗ ten des Königreiches ein Schrei der Mißbilligung von Seiten ſämmtlicher Monopole, welche ſich gegen den frechen Reformer ver⸗ bündet hatten, der die heilige Arche verletzte. Dieſer Miniſter, ſo genau, ſo gewiſſenhaft, ſo ängſtlich in ſeinen Unterſuchungen, wurde als ein fanatiſcher Neuerer und als ein Feind des Vaterlan⸗ des behandelt. Tauſende von Petitionen legten Verwahrungen gegen ſeine Reformplane ein, unterzeichnet ſogar von Jenen, welche am meiſten dabei verlieren mußten, wenn ſie vertagt wer⸗ den ſollten. Huskiſſon, genöthigt, ſich zu vertheidigen, hielt mehre bewunderungswürdige Reden.„Wenn ich von Verbeſſerungen ſpreche, ſagte er, ſo verſtehe ich jene ſtufenweiſen, überlegten Aenderungen, welche in einer Staatsgeſellſchaft alter und ver⸗ wickelter Bildung die ſicherſten Schutzmittel gegen unvorſich⸗ tige und gefährliche Neuerungen ſind. Zu Veränderungen die⸗ ſer Art mit aller unſerer Kraft mitzuwirken, iſt unſere Pflicht. Dieſen Grundſätzen treu bleibend, bei denſelben beharrend, werden wir die hohe Stellung bewahren, deren wir uns unter den geſittigten Nationen erfreuen. Wie haben wir dieſe Stel⸗ lung mit dem ganzen Ruhm, mit dem ganzen Einfluß, mit welchem ſie ſo gerecht umgeben iſt, anders erworben, als dadurch, daß wir die Erſten auf dieſer edeln Laufbahn der Ehre und der Nützlichkeit fortſchritten! Unſer Vaterland kann nicht ſtehen blei⸗ ben, während alle andern Völker um uns in der Induſtrie, in der Wiſſenſchaft und in allen Fähigkeiten fortſchreiten, welche zum Wachsthum der Stärke der Reiche beitragen, und welche für die Menſchen der in Geſellſchaft die Mittel des Genuſſes und des Glückes vermehren. Wir werden es nicht können, ſo lange es außerhalb des Bereichs der Mauern des Parliaments eine freie Preſſe gibt, um alle Einflüſſe der öffentlichen Meinung in ein Bündel zu ſammeln, und ſo lange im Schoos des Parlia⸗ ments noch eine freie Erörterung beſtehen wird, um dieſe näm⸗ lichen Einflüſſe zu leiten und zu beherrſchen.“ Blanqui, Geſchichte d. polit. Oekonomie. II. Bd. 13 — 194— Auch erſchien die Bill, welche das erſte Mal vor dem Ober⸗ haus geſcheitert war, ohne eine Veränderung in der nächſt⸗ folgenden Seſſion wieder, und erlangte die Mehrheit. Die zahlreichen Reden, welche Huskiſſon bei dieſem Anlaſſe hielt, verdienen von allen Miniſtern erwogen zu werden, welche be⸗ gierig ſind, ſich durch die großen Reformen berühmt zu ma⸗ chen, die die Macht eines Volkes beleben und verjüngen. Die Erbitterung, mit welcher die Bill angegriffen wurde, war auf das Aeußerſte geſtiegen. Die Reizung ging bis zur Drohung, bis zu Schmähungen, zu anonymen Briefen, ohne je die See⸗ lenruhe Huskiſſons zu ſtören.„Halten Sie nur Stand, ſchrieb ihm Canning; die Leute, welche Sie verfolgen, ſind dieſelben, welche Galilei an die Inquiſition auslieferten, und welche das Leben Turgot's vergiftet haben.“ Huskiſſon ſetzte dieſem Ge⸗ ſchrei der Privatintereſſen die große Stimme des Geſammtintereſ⸗ ſe's entgegen, und ſeine mild ſpöttiſche Laune fing die Gegner der Reform in ihren eigenen Schlingen. Er ſetzte die einen den an⸗ dern entgegen, und brachte ihre Anmaßungen unter einander, indem er ſie zur wechſelſeitigen Befehdungen brachte. Ich kann der Luſt nicht widerſtehen, einige Bruchſtücke aus dieſen ſo ein⸗ fachen, ſo bündigen, ſo witzigen Reden anzuführen, welche zu⸗ gleich eine Idee von ſeinen Anſichten und ſeiner Art geben werden. „Seit der Zuſtand unſerer Finanzen, ſagte er, uns geſtattet hat, darauf zu ſinnen, die Steuern herabzuſetzen, haben wir an⸗ fangen müſſen, den armen Klaſſen zu Hilfe zu kommen, welche ganz beſonders die Laſt des Krieges, im Verhältniß zu der Zu⸗ nahme der Verbrauchsſteuern, getragen hatten. So hat man die Zölle vom Salz und Malz, ſodann von dem Leder ermäßigt; endlich hat man die Lotterie aufgehoben. Andere Steuerermä⸗ ßigungen haben der Lage der Mittelklaſſen einige Erleichterung gebracht: das Parliament hat deren zu 175 Millionen bewil⸗ ligt. Wir wiſſen, daß Nichts peinlicher für einen Steuerpflich⸗ tigen iſt, als ſein Geld zum Steuererheber zu tragen, ohne etwas Anderes dagegen zu erhalten, als eine Empfangsbeſchei⸗ nigung; auch iſt es unſere Pflicht, bei den Auflagen zu unter⸗ ſuchen Induß Arbeit Ziel, über hat g ſihe wie nen. renn heleh. ten ſii Wollen geordn Kanzle⸗ der M terwer die Se fel de mache Zeite ren diens rade Gegr denwe für D wart, ndhr ſ Ihr ſo ſollet d nicht op nen pat machen Höhe! Todten n Ober⸗ nächſt⸗ t. Die ſe hielt, eche he⸗ zu ma⸗ hen. Die war auf Drohung, die Ser⸗ ſchrieb ſelben, he das m Ge⸗ intereſ⸗ ner der 4 den an⸗ mmander, Ich tann en ſo ein⸗ welche zu⸗ Art geben z geſtattet wir an⸗ n, welche der Ju⸗ zhat man näßigt; erermä⸗ hterung n bewil⸗ veryflich⸗ en, ohne agobeſchei⸗ w unter⸗ — 195— ſuchen, welches jene ſind, deren Ermäßigung der nationalen Induſtrie am meiſten zu gut käme, und ihr neue Quellen der Arbeit mit neuen Abſatzwegen eröffnen würde. Das iſt das Ziel, nach welchem wir ſtreben, indem wir Ihnen die Bill über die Seidenwaaren vorlegen. Ein ehrenwerthes Mitglied hat geſagt, daß England durch die Ueberlegenheit der franzö⸗ ſiſchen Fabriken würde erdrückt werden, weil die Seidengewerbe, wie gewiſſe Früchte, nur in gewiſſen Klimaten gedeihen kön⸗ nen. Dieſe Sprache wundert mich in dem Munde des eh⸗ renwerthen Vertreters von Taunton; denn gerade er hat uns belehrt, daß dieſe Stadt, welche gegenwärtig den Seidenarbei⸗ ten ſich widmet, vor 40 Jahren ganz mit der Fabrikation von Wollenwaaren beſchäftigt war. Ich weiß nicht, was der Ab⸗ geordnete von Taunton in dieſer Zeit war; wenn aber der Kanzler der Schatzkammer vorgeſchlagen hätte, dem Syſteme der Mitwerbung die Baumwollenmannfacturen jener Zeit zu un⸗ terwerfen, welche durch das Einfuhrverbot geſchützt waren, wie es die Seidenmanufacturen gegenwärtig ſind, ſo würde ohne Zwei⸗ fel der Vertreter von Taunton gerufen haben:„Was wollt ihr machen! Ihr wollt die Wollenfabriken ruiniren, welche zu allen Zeiten der Ruhm des Landes waren! Ihr hofft alſo mit eu⸗ ren koſtſpieligen Maſchinen gegen die Baumwollenfabriken In⸗ diens zu kämpfen, wo die Handarbeit ſo wohlfeil iſt!“ Ge⸗ rade nur Beweisgründe von dieſer Kraft ſind es, welche unſere Gegner der Annahme der gegenwärtigen Bill über die Sei⸗ denwaaren entgegenſetzen. Wenn der ehrenwerthe Abgeordnete für Taunton Mitglied des Parliaments in jener Zeit geweſen wäre, von welcher ich ſpreche, ſo würde er ausgerufen haben: „Ihr ſollet die Königin unſerer Induſtrien nicht angreifen! Ihr ſollet den Anzug unſerer Frauen nicht ändern! Ihr ſollet den heimiſchen Flanell dem exotiſchen Baumwollenzeug nicht opfern! Ich glaube ſogar, daß er über dieſen Punkt ei⸗ nen pathetiſchen Aufruf an die Weisheit unſerer Ahnen hätte machen können, welche die Achtung für die Wolle bis zu der Höhe trieben, daß ſie im Namen des Geſetzes verordneten, die Todten dürften in keinen andern Leichentüchern, als wollenen, 13. — 196— beerdigt werden. Allein ich frage Sie, welche Wirkung hat auf unſere Seidengewerbe das Verbotſyſtem geäußert, welches man gern beibehalten möchte? Das Monopol hat hervorge⸗ bracht, was es gewöhnlich hervorbringt, Unmacht und Unfrucht⸗ barkeit. Der Wetteifer, welcher Entdeckungen ſchafft, die Gei⸗ ſter erregt und die Erzeugniſſe veredelt, iſt gänzlich verſchwun⸗ den. Ich muß es zur Schmach Englands bekennen, dieſer übermäßige Schutz hat uns unter alle unſere Rivalen in der Fabrikation der Seidenſtoffe herabgebracht. Gerade ſo wäre es der Baumwolleninduſtrie ergangen, wenn dieſes verab⸗ ſcheuungswürdige Syſtem auf ſie angewandt worden wäre. Meine innigſte Ueberzeugung iſt, daß das einzige Mittel, allen unſern Gewerbszweigen einen neuen Aufſchwung zu geben und dem Lande die Laſt der Abgaben zu erleichtern, darin beſtehe, offen in die Bahn der Reformen einzutreten, welche ich Ihnen vorzuſchlagen die Ehre habe. Es iſt ferner Zeit, das Aerger⸗ niß einer Geſetzgebung aufhören zu laſſen, welche dem letzten Acciſegehilfen geſtattet, den Wagen eines Bügers anzuhal⸗ ten oder deſſen Haus zu umwühlen, weil dieſer im Verdacht ſteht, Seidenwaaren als Contrebande zu haben.“ „Glauben Sie nicht, ſagte er zum Schluß, daß der An⸗ trag, der Ihnen unterbreitet iſt, das Ergebniß eines thö⸗ richten Enthuſiasmus für irgend eine abſolute Theorie der politiſchen Oekonomie iſt; ich habe zu oft die Gelegenheit gehabt, mich von der Unſicherheit der Theorien in der Ue⸗ bung des öffentlichen Lebens zu überzeugen, um der Sklave ſolcher Lehren zu ſein; allein die Erfahrung und Beobach⸗ tung haben mich gelehrt, daß eine freiſinnige Handelspolitik ſtrebe, die Urſachen von Mißverſtändniſſen unter den Völ⸗ kern verſchwinden zu machen, und an ſie alle in höchſter Gabe die Künſte, Wiſſenſchaften und die Geſittung zu ver⸗ theilen. Das am weiteſten vorangeſchrittene Volk hat das größte Intereſſe, ſich am hochherzigſten zu zeigen. Was mich betrifft, ich möchte es gegen die andern ſein, ſicher, daß ich, wenn ich ſo handle, geſchickt auch den Intereſſen meines Vater⸗ landes dienen würde.“ Es bücher bei de denfal fülltel hekän rüah ſcher befi hebl kung hat veelches ervorge⸗ unfrucht⸗ die Gei⸗ eſchwun⸗ , dieſer en in der ſo wäre verab⸗ waͤre. allen n und eſtehe, Ihnen erger⸗ letzten azuhal⸗ Lerdacht der An⸗ nes thö⸗ eorie der elegenheit der Ue⸗ Sklave Beobach⸗ lspolitik n Völ⸗ hüchſer zu ver⸗ hat das zas wich daß ic, es Vater⸗ — 197— Es gibt wenige Beiſpiele in den parliamentariſchen Jahr⸗ büchern von einem Erfolg, jenem gleich, welchen Huskiſſon bei der Erörterung dieſer Bill errang. Die zahlreichen Sei⸗ denfabrikanten, welche die Gallerien des Unterhauſes über⸗ füllten, Baring und jene ſeiner Collegen, welche den Antrag bekämpft hatten, konnten ihre Beifallsbezeugungen nicht zu⸗ rückhalten, und beeiferten ſich, den Miniſter zu beglückwün⸗ ſchen, der eben eine ſo edle Sprache geführt hatte; er ſelbſt, befürchtend, ſeinen Sieg zu mißbrauchen, forderte, daß die Auf⸗ hebung des Einfuhrverbots erſt vom Julius 1826(er ſprach im März 1824) vollzugsreif werden ſollte, um den Fabri⸗ kanten Zeit zu geben, ſich zu dem Kampfe zu rüſten, den ſie zu fürchten vorgaben.„Das Datum kümmert mich we⸗ nig, ſagte er, wenn nur der Grundſatz feſtgeſtellt iſt.“ Al⸗ lein dieſer zweijährige Waffenſtillſtand wurde benützt, um die entſcheidende Maaßregel, welche Huskiſſon gerade durchgeſetzt hatte, zu lähmen und ihm Verdrüßlichkeiten jeder Art zu bereiten. Er mußte den Rückſchreitenden Stand halten, welche ihn als ei⸗ nen unruhigen, verwirrten Kopf behandelten und den Radi⸗ calen, welche ihn mit ſich im Widerſpruch fanden. Man ſtellte ſich an, für Capitulationen des Gewiſſens jene ge⸗ wandten Schonungen zu nehmen, welche die Politik der wah⸗ ren Staatsmänner auszeichnen. Das war in der That der unterſcheidende Charakter Huskiſſon's. Keine Provocation ließ ihn je davon abgehen, nicht einmal diejenigen, welche ihm die Gunſtbezeugung einer Ovation von Seite des Volks verſchafft haben würde. Eines Tages, wo er wegen der Unterſchiedszölle, mit welchen Preußen die fremden Schiffe belegt hatte, angegriffen wurde, wagte einer ſeiner Gegner ſogar zu ſagen, daß eine ſolche Maaßregel, als das freche Werk eines kleinen teutſchen Fürſten, mit Kanonenſchüſſen müſſe widerlegt werden: da ſagte Huskiſ⸗ ſon:„Ich laſſe als unwürdig, hervorgehoben zu werden, das Unpaſſende des Ausdrucks fallen, der gebraucht wurde, wo von einem Fürſten die Rede war, welcher unſer Verbündeter und der ſämmtlicher Großmächte Europa's iſt. Allein ich hoffe, daß ich nicht mehr ein Glied des Raths von Eng⸗ — 198— land ſein werde, wenn dort als Grundſatz aufgeſtellt wer⸗ den wird, daß es eine Regel der Unabhängigkeit und Sou⸗ verainetät für den Starken und eine andere für den Schwa⸗ chen gebe, und wenn England, die Ueberlegenheit ſeiner See⸗ macht mißbrauchend, für ſich, ſei es im Frieden, ſei es im Krieg, Seerechte anſprechen wird, welche es bei Andern in den nämlichen Umſtänden mißkennen wird. Solche Anmaßun⸗ gen würden die Verbündung ſämmtlicher Völker der Welt herbeiführen und rechtfertigen, um ſie umzuſtürzen“ So verfolgte Huskiſſon den Gang ſeiner Reformen, ohne ſich durch die Zudringlichkeiten der Parteien erſchüttern oder zerſtreuen zu laſſen. Weit entfernt, auf den Lorbeeren des Jahres 1824 auszuruhen, eröffnete er 1825 ſchon wieder ei⸗ nen neuen Feldzug, welcher der letzte nicht ſein ſollte, und welcher eben ſo glorreich, als die früheren war. Nach der Bill über die Seidenwaaren ſtellte er auf eine weitere und vollſtändigere Weiſe die Politik Englands dar, ſo wie er ſie geltend zu machen beabſichtigte. Dieſes Mal ſollte er alle Induſtrien ſeines Vaterlandes die Muſterung durchgehen laſſen, und er that es mit einer Feſtigkeit des Geiſtes und einer bewunderungswürdigen Kenntniß der Verfahrungsarten und Bedürfniſſe einer jeden derſelben. Die Baumwolle, Wolle, Seide, das Eiſen, das Papier, die Töpferwaare, die Kry⸗ ſtallgläſer, bis zu den Handſchuhen herab, Nichts war ſei⸗ nem Späherblick entgangen; er redete zu allen dieſen In⸗ tereſſen die ruhige und unparteiiſche Sprache der Principien, und legte ihnen deren Joch in einem Ton wohlwollender und ſtrenger Autorität auf, welcher auf alle Gemüther den lebhafteſten Eindruck machte. Unterwegs aber verſäumte Hus⸗ kiſſon keine Gelegenheit, die Mißbräuche des Zollſchutzes zu brandmarken, und er erheiterte das Unterhaus mehr als ein⸗ mal mit witzigen Anführungen, welche unter ſeinen Händen furchtbare Beweisgründe wurden. Ich will nur an die Ein⸗ fuhr einer ägyptiſchen Mumie erinnern, welche die Mauth⸗ beamten in London in große Verlegenheit brachte: die Ei⸗ nen wollten ſie als Rohſtoff taxiren, die Andern als Fa⸗ brikat; Anſicht brifat gangs kiſſon Di fenbe dern Kra den Maj für ſten hohe ließ, geruf in du hen ſchich Grr ſtüt ſein lit ren nig er her der bei d ter bi neuen wickelt und b von d Gehen barkei ll wer⸗ nd Sou⸗ Schwa⸗ ner See⸗ ſei es im indern in Anmahn⸗ der Welt 10 men, ohne ttern oder heren des vieder ei⸗ lte, und r. Nach e weitere ſo wie ſollte er durhgehen eiſtes und rungsarten ale, Wolle die Ky⸗ war ſei⸗ ieſen In⸗ rineipien, wollender ther den fe Hus⸗ tzes zu als ein⸗ Händen die Ein⸗ Mauth⸗ die Ei⸗ als Fa⸗ — 199— brikat; es fand eine lange Debatte Statt, bei welcher die Anſicht der Letztern ſiegte, und die Mumie wurde als Fa⸗ brikat betrachtet. Man mußte für dieſe Leiche einen Ein⸗ gangszoll von 5000 Fr. bezahlen,„ohne Zweifel, ſagte Hus⸗ kiſſon, in der Abſicht, die einheimiſche Fabrikation zu ſchützen!“ Die hochherzige und freiſinnige Haltung ſeines Geiſtes of⸗ fenbarte ſich nicht blos bei rein wirthſchaftlichen Fragen, ſon⸗ dern auch bei allen andern. Nachdem er mit aller ſeiner Kraft die Reform der Geſetze über den Kornhandel, über den Wucher, über die Verbündungen der Arbeiter, über die Maſchinen, über die Schifffahrt begünſtigt hatte, ſtimmte er für die Emancipation der iriſchen Katholiken, ſpäter zu Gun⸗ ſten der Juden; und der Papſt drückte dankbar ihm ſeine hohe Achtung aus, indem er ihn in Rom ſelbſt ſich vorſtellen ließ, wohin ihn ſeine zerrüttete Geſundheit drei Jahre ſpäter gerufen hatte. Hier iſt der Moment, das ſchmerzliche Ereigniß in dunkler Ferne nahen zu ſehen, welches England dieſes gro⸗ ßen Staatsmannes durch eine Art beweinenswerthen Ge⸗ ſchickes berauben wird, indem es ihn auf der Eiſenbahn zu Grunde gehen ließ, deren Schöpfung er ſo mächtig unter⸗ ſtützt hatte. Huskiſſon hatte keinen ſtarken Körperbau, und ſeine Geſundheit hatte zahlreiche Anfälle durch Urſachen er⸗ litten, welche ſeinen gewöhnlichen Arbeiten ganz fremd wa⸗ ren. Schon als Kind hatte er einen Arm gebrochen; we⸗ nige Tage vor ſeiner Verehelichung, im Jahre 1799, ſtürzte er vom Pferde und beſchädigte ſich ſtark. Einige Zeit nach⸗ her wurde er in einem Wagen in London ſelbſt, in der Nähe der Gardekaſerne, umgeworfen. Ein anderes Mal erlitt er bei dem Ueberſpringen eines Grabens eine Verrenkung; ſpä⸗ ter brach er ſich den Arm; im Jahre 1817 erhielt er einen neuen Beinbruch. Auf einer ſeiner Reiſen in Frankreich ver⸗ wickelte ſich bei dem Ausſchiffen ſein Fuß in ein Ankertau, und beinahe wäre er zu Grunde gegangen. Es war ihm von dieſen zahlreichen Unfällen eine gewiſſe Unſicherheit im Gehen und eine mit Kraftloſigkeit verbundene nervöſe Reiz⸗ barkeit geblieben. Nachdem ſeine Aerzte ihm eine Reiſe nach — 200— dem Feſtlande angerathen hatten, begab er ſich nach Paris, welches er ſeit dem 10. Auguſt 1792 nicht mehr geſehen hatte; er ſtieg in demſelben Hôtel de Monaco ab, aus wel⸗ chem er als ein bloßer Geſandtſchaftsſecretär geſchieden war, und er kam dahin als ein in der Achtung ſeines Vaterlan⸗ des hochgeſtellter Miniſter zurück! Welche Ereigniſſe! Welche Kataſtrophen hatten Europa zwiſchen dieſen beiden Beſuchen erſchüttert! Allein Huskiſſon war ſeinen Erinnerungen von 89, ſeinen edeln Freunden aus dem 18. Jahrhundert treu ge⸗ blieben. Man hätte glauben ſollen, in ihm einen Franzo⸗ ſen zu hören, welcher nach einer langen Verbannung Frank⸗ reich wieder ſah, einer jener ſeltenen Ausgewanderten, wel⸗ cher Nichts vergeſſen, aber Viel gelernt hatte. Sein Aufenthalt bei uns dauerte nicht lange. Er mußte bald nach England zurückeilen, wo ſchon die Kriſe von 1826 ausbrach, deren Gegenſtoß ſich in ganz Europa fühlbar machen ſollte, als die erſte warnende Kunde von der Unverträglichkeit des Sperrſyſtems mit dem der Gütererzeugung gegebenen Schwung. Andere eben ſo wichtige Fragen, wie das Ausgeben der Bank⸗ ſcheine unter 5 Pfund, die neuen Beziehungen zu Südame⸗ rika, die Organiſation der Actiengeſellſchaften, zogen die Auf⸗ merkſamkeit Huskiſſon's an; allein es war ihm vorbehalten, einen Triumph zu feiern, der würdig war, ſeine ſtaatswirthſchaft⸗ liche und politiſche Laufbahn zu ſchließen, indem er noch einmal die Nützlichkeit der liberalen Maaßregeln verfocht, welche er in der Bill über die Seidenwaaren hatte annehmen laſſen. Er hatte in der Zeit, wo er dieſe Bill vollziehen mußte, zahlreichen und gereizten Petitionären zu antworten. Einige ſeiner Gegner überhäuften ihn mit den gehäſſigſten Namen, und beſchuldigten ihn, daß er die, Exiſtenz einer halben Mil⸗ lion Arbeiter dem Erfolg einer Theorie opfere. Andere rüg⸗ ten mit Bitterkeit ſeine mitleidloſe Logik als das Zeichen ei⸗ nes böſen Herzens, und riefen auf ſein Haupt den öffentlichen Zorn herab. Huskiſſon, ſtets ruhig und unerſchütterlich, übertraf ſich ſelbſt in der Vertheidigung der Bill durch das bered⸗ teſte Manifeſt, welches je zu Gunſten der Handelsfreiheit ver⸗ kündet w u ihnen ſrahlt i nien. I Sie die les iſt Induſt Schre tige? dem? Smug des ſp Cann Antheil antragte gen von Gegenſt jenem: Stütze hen, die V nach tiſch Freut greiff bewur hat, d dnge ſen dief ſid, ſi zu erhebe Verleumt nicht auf meinen 2 Maaßreg Wer ſch Paris, geſehen s wel⸗ n war, dterlan⸗ Welche Beſuchen gen von treu ge⸗ Franzo⸗ Frank⸗ „ wel⸗ e bald öbrach, ſollte, teit des hwung. Van⸗ Sidawe⸗ die Auf⸗ orbehalten, virthſchaft⸗ och einmal welche er ten laſſen. en mußte, . Einige Namen, hen Mil⸗ eere rüg⸗ eichen ei⸗ fentlichen ibertraf 6 bered⸗ iheit ver⸗ —— — 201— kündet worden war.„Alſo die Sperre wollen Sie, ſagte er zu ihnen; wohlan! ich will Sie dieſelbe erkennen laſſen. Sie ſtrahlt in dieſem Augenblick in ihrem vollen Glanz in Spa⸗ nien. In dieſem glücklichen Vaterland der Beſchränkungen können Sie die Theorien unſerer Antireformer am Werke ſehen. Al⸗ les iſt unter ihren Streichen untergegangen, der Landbau, die Induſtrie, der Handel, die Schifffahrt; das Elend mit ſeinen Schrecken irrt über dieſes ſchöne ehedem in Europa ſo mäch⸗ tige Land, ſeitdem es ſeine Politik war, kein Erzeugniß aus dem Ausland einzulaſſen, gar keines, außer die, welche der Smuggel einbringt. Die Weisheit unſerer Gegner iſt jener des ſpaniſchen Volkes würdig.“ Canning glaubte das Wort nehmen zu müſſen, um ſeinen Antheil an der Verantwortlichkeit bei den von Huskiſſon be⸗ antragten Maaßregeln zu übernehmen, und um ſeinen Colle⸗ gen vor böswilligen Verdächtigungen zu vertheidigen, deren Gegenſtand er geweſen war. Es war ein ſchöner Anblick, an jenem Tage dieſe beiden edeln Kämpen zu ſehen, wie ſie die Stütze ihrer Talente der Sache des ſocialen Fortſchrittes lie⸗ hen, und von der ganzen Höhe einer ſolchen Sendung gegen die Vorurtheile des Privatintereſſe's kämpften. Canning war, nach ſeiner Gewohnheit, dabei zugleich anmuthig, witzig, ſpöt⸗ tiſch und ſtolz.„Ich komme, ſprach er, meinem ehrenwerthen Freunde nicht zu Hilfe: ich ſehe zu ſehr ein, daß man ihn an⸗ greift, weil er, der Erſte, mit einer von dieſem ganzen Hauſe bewunderten Ueberlegenheit des Geiſtes die Mittel aufgeſucht hat, die Handelspolitik unſeres Vaterlandes zu verbeſſern. Nie⸗ drige Perſönlichkeiten vermögen ihn nicht zu erreichen; wir laſ⸗ ſen dieſes niedrige Mittel den kleinen Geiſtern, welche unfähig ſind, ſich zu den hochherzigen Anſichten wahrer Staatsmänner zu erheben, und welche ſich für ihre Unmächtigkeit durch die Verleumdung, Schmähung entſchädigen. Noch einmal, ich werde nicht auf eine erſchöpfte Debatte zurückkommen; allein ich will meinen Antheil von der Verantwortlichkeit bei dieſer großen Maaßregel, deren Ehre ungetheilt dem Hrn. Huskiſſon gebührt. Wer ſich auf die hochgehenden Fluthen der Geſittung hinaus⸗ — 202— wagt, darf die Erregtheit der Wellen nicht fürchten, und ſich um ein wenig Schaum nicht kümmern. Thuen wir unſere Pflicht, möge da kommen, was wolle!“ Die Bill wurde mit einer Mehrheit von 222 Stimmen gegen 40 angenommen. Der durch die Rede Huskiſſon's erzeugte Eindruck war ſo tief geweſen, daß Canning, als er um 2 Uhr Morgens heimkam, noch folgendes Billet an die Frau Huskiſſon ſchreiben zu müſ⸗ ſen glaubte, um ihr zu dem von ihrem Gemahl errungenen Sieg Glück zu wünſchen.„Mylady, ich will nicht ſchlafen ge⸗ hen, ohne Ihnen die Bewunderung auszudrücken, welche mir die an dieſem Abend von Huskiſſon geſprochene Rede eingeflößt hat. Ich kann Sie, ohne Compliment und Uebertreibung, ver⸗ ſichern, daß dieſes die ſchönſte Rede iſt, welche ich je im Un⸗ terhauſe gehört habe, und welche unſern Freund in den erſten Rang der Redner und Staatsmänner erhebt. Das iſt ein Mei⸗ ſterſtück erſten Rangs, und ich wünſche von ganzem Herzen, daß die Nachricht Ihnen eine gute Nacht bringe.“ So ehren ſich hochſtehende Männer durch die Gefühle einer zärtlichen Brü⸗ derſchaft, und antworten, ſich Gerechtigkeit widerfahren laſſend, der Wuth des Neides. Die Wähler von Liverpool hatten auf dieſen Umſtand nicht gewartet, um Huskiſſon ihre Achtung für ſeine Perſon und ihre Dankbarkeit für die ihnen geleiſteten Dienſte zu bezeugen, wie es ſchon die von Chicheſter gethan hatten. Sie ſandten ihm auch ihr Geſchenk, welches er mit den Worten an⸗ nahm:„Die ſüßeſte Belohnung, welche ein Bürger in einem freien Lande empfangen kann, wo er eine verantwortliche Gewalt ausübt, iſt die herzliche und uneigennützige Unterſtützung derjenigen von ſeinen Mitbürgern, deren Beifall ihm am meiſten ſchmeicheln darf, weil es unabhängige und aufgeklärte Bürger ſind.“ Als Huskiſſon dieſe Huldigung empfing, war er ſchon 30 Jahre am Staatsruder: glückliches Land, wo man den Staatsmän⸗ nern Zeit läßt, die Staatsverwaltung zu erlernen, und ſie zu führen, wenn ſie dieſelbe erlernt haben! Jedoch hatte die durch die falſchen Speculationen nach Ame⸗ rika und durch die übermäßigen Emiſſionen der Provinzialban⸗ ken veranlaßte Handelskriſe eine wirkliche Noth unter den ar⸗ beitenden Die Hut dort ern Miniſte treides, ſtigerer ſoottete ſpiel, mente völker ben. Stimn gen ¹ und erg eine tie in's Lie allen e Es iſt wenn ſee de letzte Bo ſchen hinei Sein komn farto nen, gegen! Glanz d ſollte jas ſezgebun beiden R laß einer wurde, volſtäͤndi⸗ und ſich ir unſere purde mit enommen. ar ſo tief heimkam, aiu miſ⸗ errungenen hlafen ge⸗ elche mir eingeflößt ng, ver⸗ im Un⸗ erſten n Mei⸗ en, daß ren ſich en Brü⸗ a laſerd, hatten df lchtung für eten Dienſte han hatten. Vorten an⸗ einem freien valt ausübt, jenigen von ſchmeicheln ind.“ Al 30 Jahre taatsmän⸗ und ſie zu nach Awe⸗ vinzialbad⸗ ter den al⸗ — 203— beitenden Klaſſen erzeugt. Das Getreide war außer dem Preis. Die Hungersnoth ging durch die Manunfacturbezirke und erregte dort ernſtliche Unruhen. In dieſer ſ chwierigen Lage beantragte das Miniſterium die Zulaſſung eines Theils des ausländiſchen Ge⸗ treides, welches in den Niederlagen vorräthig war, unter gün⸗ ſtigeren Bedingungen, als es die Strenge der Korngeſetze ge⸗ ſtattete. Das war ein der Erwägung höchſt würdiges Schau⸗ ſpiel, die Widerſtände zu ſehen, welche Huskiſſon im Parlia⸗ mente zu heſiegen hatte, obwohl er für die verhungernde Be⸗ völkerung nur die Gnade forderte, nicht vor Hunger zu ſter⸗ ben. Es gab kein Getreide, keine Arbeit mehr: es fanden ſich Stimmen, um das eine und die andere zu verſagen, 82 ge⸗ gen 214; allein Huskiſſon hatte die Frage in ſo beſtimmten und ergreifenden Ausdrücken geſtellt, daß das Korngeſetz dadurch eine tiefe Wunde empfing. Seit ſeine traurigen Wirkungen in's Licht geſetzt wurden, iſt dieſes unmenſchliche Monopol von allen edeln Stimmen Englands unabläſſig angegriffen worden. Es iſt dieſes die wichtigſte Wirthſchaftsfrage dieſes Landes; wenn es Huskiſſon nicht vergönnt war, ſie zu löſen, ſo hat er ſie doch wenigſtens auf die Tagesordnung gebracht, und ihre letzte Stunde wird ungeſäumt annahen. Bald folgten andere Reformen auf dieſe wahrhaft patrioti⸗ ſchen Anſtrengungen; denn Huskiſſon lebte nicht in den Tag hinein, und ſtand nie auf dem Wege der Verbeſſerungen ſtill. Seine Gegner ließen ihm eben ſo wenig Zeit, zu Athem zu kommen. Kaum hatte er die Bill durchgeſetzt, um die Schiff⸗ fahrtsgeſetze umzugeſtalten, ſo zwangen ihn ſtürmiſche Petitio⸗ nen, wieder in die Kampfbahn hinabzuſteigen, und ſein Werk gegen unabläſſige Angriffe zu vertheidigen. So hatte er mit Glanz die berühmte Bill über die Seidenwaaren befeſtigt; er ſollte jetzt von Neuem kämpfen, um die in der Schifffahrtsge⸗ ſetzgebung gebrachten Aenderungen aufrecht zu erhalten. Die beiden Reden, welche er über dieſe Frage hielt, die aus An⸗ laß einer Motion des Generals Gascoyne wieder vorgebracht wurde, wurden in alle Sprachen überſetzt, und bilden einen vollſtändigen Lehrgang über die Handelspolemik zum Gebrauch — 204— reformluſtiger Miniſter. Noch nie hatte ſeit der unſterblichen Einleitung Turgot's zu dem Edict über die Abſchaffung der Zünfte Europa ſo edle Klänge aus amtlichem Munde vernom⸗ men. Der Haupturheber dieſer Schilderhebung, der General Gascoyne, zog, bewältigt von dem hohen Geiſte Huskiſſon's und von der niederſchlagenden Evidenz der Thatſachen, ſeine Motion zurück, welche für immer aufgegeben war. Einige Debatten anderer Art brachten auf einen Augenblick Waffenruhe in die wirthſchaftlichen Kämpfe, in welche Huskiſſon unaufhörlich verwickelt war: das waren die Emancipation der Sklaven, und die Organiſation der richterlichen Verwaltung in Neuſüdwales. Huskiſſon brachte auch zu dieſen Verhand⸗ lungen, wie zu allen andern, ſeinen erhabenen, klar ſehenden, praktiſchen Geiſt. Wir ſehen ihn um die Reihe berufen, die Tilgung der Staatsſchuld, die Privilegien der oſtindiſchen Com⸗ pagnie, die Charte der engliſchen Bank mit Hilfe der bewunde⸗ rungswürdigſten Unterſuchungen(Enquétes) verhandeln, welche je eine Nation geehrt haben. Er gab dieſen unermeßlichen Arbeiten einen Impuls aller Momente. Er verglich die Zeugniſſe, ſtellte die Thatſachen zuſammen, und zog die Folgerungen daraus mit einer ganz beſondern Scharfſicht, welche eben nur dem Genie ei⸗ gen iſt. Niemand war gewandter, die Berechnungen des Privat⸗ intereſſe's zu vereiteln und die amtlichen Lügner außer Faſ⸗ ſung zu bringen. Er hatte ſtets den Blick auf die Zukunft gewandt, und er begriff nicht, daß man zur gehörigen Zeit nicht verwilligen wollte, was man ſpäter mit Erniedrigung ab⸗ treten müßte. Die hohen und mächtigen Herren der oſtindiſchen Compagnie hatten ihn als Plünderer verſchrieen, weil er eine Un⸗ terſuchung ihrer Verhältniſſe(eine Enquéte) verlangt hatte, und kaum hatte er geſprochen, ſo waren ihre Privilegien nicht mehr. Die Seidenfabrikanten hatten ihn als einen öffentlichen Feind und als den Urheber ihres Untergangs verfolgt, und gleichwohl ſtand drei Jahre nach ſeiner berühmten Bill von 1826 dieſe Indu⸗ ſtrie in voller Blüthe; ſie führte ihre Erzeugniſſe in beträcht⸗ licher- Menge durch den Haven von Briſtol aus. Er iſt es, welcher die Freiheit dem Handel nach China und Indien zwrückgeg fen hat, terungen bahn he Heil de i ſuch Oyyoſ Staat türlic als w in G Schwu aber el niß, v fand m bald ge beſtimn merkſa ſuchte über⸗ noch pool das ſch nahe That loiſc gagen erhob insgeme der Verj Er ha einige M ſagungen waren zun glorreichen grif imm erblichen ung der vernom⸗ General liſſon's i, ſeine Angenblick Huskiſſon ation der rwoſtung erhand⸗ henden, en, die Com⸗ wunde⸗ welche Arbeiten ſe, ſellte rraus wi Genie ei⸗ es Privat⸗ ußer Faſ⸗ e Zukunft rigen Zeit gung ah⸗ tindiſchen eine Un⸗ tte, und hr. Die und als hl ſtand ſe Indu⸗ beträche⸗ Er iſt es, ad Indien — 205— zurückgegeben, und alle die Steuerermäßigungen hervorgeru⸗ fen hat, welche dem engliſchen Volke ſo beträchtliche Erleich⸗ terungen gebracht haben. Bis zum letzten Augenblick ſeiner Lauf⸗ bahn hat er unaufhörlich zu Gunſten der Arbeit, für das Heil der arbeitenden Klaſſen gefochten, ohne die Volksgünſt zu ſuchen, ohne ſie zu fürchten. Er hat einige Zeit in der Oppoſition geglänzt; allein ſeine eigentliche Stelle war am Staatsruder. Sein Ernſt, ich möchte beinahe ſagen, ſeine na⸗ türliche Aengſtlichkeit, verbot ihm eine feurigere Rolle. Nicht als wenn es ihm an Energie, an ſittlicher Kraft gefehlt hätte, im Gegentheil; er geſteht ſelbſt, daß er genöthigt war, ſeinen Schwung in den etwas heftigen Discuſſionen zu mäßigen; aber er fürchtete, als leidenſchaftlich zu erſcheinen, aus Beſorg⸗ niß, verdächtig zu werden. Wenn er ſeine Reden begann, fand man ihn kalt, faſt unbeholfen, verlegen, eintönig; aber bald gewannen ſeine Ideen ihre Herrſchaft wieder, und ſeine beſtimmte, klare und methodiſche Erörternng zwang die Auf⸗ merkſamkeit dem Hauſe und Achtung ſeinen Gegnern ab. Er ſuchte überdieß nie, Jemanden zu verletzen; er wollte lieber überzeugen, als reizen. Obwohl er weder das Feuer Canning's, noch die kunſtvoll vorbereitete Beredtſamkeit des Lords Liver⸗ pool hatte, ſo übte er doch einen unbeſtreitbaren Einfluß auf das Unterhaus durch die geſchickte Art aus, mit welcher er die ſchwierigſten Fragen darſtellte, und der Faſſungskraft Aller nahe brachte. An die praktiſchen Menſchen verſchwendete er Thatſachen und zog daraus ſo ſinnig die Folgerungen, daß die logiſchen Leute der Richtigkeit ſeiner Deductionen Nichts ent⸗ gegen zu ſetzen wußten. Sein ruhiger und einfacher Vortrag erhob ſich zuweilen bis zu der Großartigkeit, zumal in ſeinen insgemein entſcheidenden Schlußreden, welche die Entſcheidung der Verſammlung im Sturm gewannen. Er hatte vor ſeinem ſo gräßlichen und frühen Ende noch einige Momente unausſprechlicher Freude, Alle ſeine Voraus⸗ ſagungen waren in Erfüllung gegangen; alle ſeine Gegner waren zum Schweigen gebracht. Er erntete die Früchte ſeiner glorreichen Arbeiten, welche zuſammen zu faſſen ein letzter An⸗ griff ihm die Gelegenheit gab, wo er den gedeihlichen Wohl⸗ — 206— ſtand des Landes unter dem Einfluß der Reformen darlegte. Das war ſein Abſchied vom politiſchen Leben. Der jüngſt er⸗ folgte Tod Canning's hatte ihn mit einem ſchrecklichen Schlage getroffen, und ſeit dieſem ſo lebhaft gefühlten Verluſt war ſeine Geſundheit ſtets im Sinken. Er blieb bei dem Eintritt des Herzogs von Wellington in die Verwaltung nur deßwegen im Miniſterium, um dort ſeine von den Tories bedrohten Lehren zu vertheidigen, und er legte eilig ſeine Stelle nieder, ſobald er einen Gewiſſensgrund hatte, um ſeine Entlaſſung zu nehmen. Seine letzten Worte im Parliament trugen das Gepräge einer tiefen Traurigkeit. Man verhandelte die Regentſchaftsbill, welche natürlich an die Vergänglichkeit der menſchlichen Dinge mahnte:„Niemand weiß beſſer, als wir, rief Huskiſſon aus, wie ſehr das Leben der Staatsmänner gebrechlich und unſicher iſt. Man denke an den Lord Liverpool! Er ſprach am 16. Fe⸗ bruar in dem Oberhaus in der ganzen Fülle ſeiner Kraft und ſeines Talents; und am 17ten war er eine Leiche. Im Anfang des Monats Auguſt war Hr. Canning noch hier, ſeine Pflich⸗ ten erfüllend, mit welchem Eifer, wiſſen Sie; acht Tage ſpä⸗ ter war er nicht mehr!“ Die Aerzte, beſtürzt über die Verän⸗ derung, welche ſich in der Geſundheit Huskiſſon's zeigte, rie⸗ then ihm eine neue Reiſe auf das Feſtland. Er begab ſich da⸗ hin in Begleitung ſeiner Gattin, durchreiste raſch einen Theil Teutſchlands, ging durch Tyrol nach Italien, beſuchte Rom und Neapel, und kaum war er zurückgekommen, ſo brach die Juliusrevolution aus. Huskiſſon begrüßte freudig dieſe große nationale Bewegung, und ſprach laut ſeine Bewunderung für die edle Haltung der Pariſer Bevölkerung aus. In dieſem Zeitpunkt gingen neue Wahlen in England vor, und ſeine Committenten von Liverpool luden ihn ein, mit ſeiner Gegen⸗ wart die Eröffnung der Eiſenbahn zu beehren, welche ihre Stadt mit Mancheſter verbinden ſollte. Der glänzende Empfang, welchen ihm die ganze Bevölkerung bereitete, ſollte die letzte Huldigung der Hochachtung und Ver⸗ ehrung ſein, welche er von ſeinen Mitbürgern empfing. Eine ungeheure Menge drängte ſich um ihn auf ſeinem Gange zum Stadthaus und in alle Quartiere, welche er beſuchte; überall bemühte hänglich welche e 15. Sep für die ſter bef hatte! für der mende gen, d hereits rückgele ſer zu um mit Zug pl Stunde welcher der ein genblie der, o der g. konnte malm aus, Zeuge rannte Folge nommel Brei ze viele M Beſinnu einen C ſe, nahr und erg Der U nicht f rlegte. t er⸗ Schlage e ſeine ſitt des xgen im Lehren ſobald nehmen. he einer ftshill, Dinge aus, ſicher 6. Fe⸗ t und nfang Riich⸗ d ſdi⸗ Verän⸗ gie, rie⸗ ſich da⸗ en Deil zte Rom drach die ſe große ung für dieſem ſeine Gegen⸗ he ihre zlkerung ud Ver⸗ g. Eine ange zum 1 überall — 207— bemühte man ſich, an ihn die lebhafteſten Bezeugungen der An⸗ hänglichkeit und Dankbarkeit für die Dienſte zu verſchwenden, welche er dem Handel ſeines Vaterlandes geleiſtet hatte. Der 15. September 1830, ein Tag der Trauer und der Klage, war für die Eröffnung der Eiſenbahn von Liverpool nach Manche⸗ ſter beſtimmt worden; der Verwaltungsausſchuß der Eiſenbahn hatte vier von eben ſo vielen Locomotiven gezogene Feſtwagen für den Dienſt der Magiſtrate und der an der Feſtfahrt Theil neh⸗ menden Perſonen beſtimmt. Huskiſſon befand ſich im erſten Wa⸗ gen, der in einiger Entfernung von den drei andern dahinflog, und bereits die Hälfte des Wegs zwiſchen den beiden Städten zu⸗ rückgelegt hatte. Man hatte gehalten, um ſich friſch mit Waſ⸗ ſer zu verſorgen, und Huskiſſon hatte dieſe Zwiſchenzeit benützt, um mit zweien ſeiner Freunde auszuſteigen, als der hintere Zug plötzlich mit einer Raſchheit von zwölf Meilen in einer Stunde auf dem Parallelweg neben der Bahn heraneilte, auf welcher Huskiſſon ſtand. Dieſer ſchwang ſich auf, um wie⸗ der einzuſteigen; allein da ſich der Wagenſchlag gerade im Au⸗ genblick öffnete, wo er ihn ergriffen hatte, ſiel er rücklings nie⸗ der, ohne daß man nur Zeit gehabt hätte, es zu bemerken, und der ganze Zug fuhr ihm über den Körper. Seine Gemahlin konnte das Krachen ſeiner unter der Wucht der Locomotiven zer⸗ malmten Knochen hören; ſie ſtieß einen Schrei der Verzweiflung aus, welchen Keiner von Jenen, die ihn hörten, ſagt ein Zeuge dieſer Scene, in ſeinem Leben je vergeſſen wird. Man rannte herbei: Huskiſſon lag ausgeſtreckt, faſt unerkennbar. In Folge der Lage, welche er im Augenblick ſeines Sturzes ge⸗ nommen hatte, hatten die Räder ihm Bein und Schenkel zu Brei zermalmt, ohne das Kniee zu erreichen: und man hatte viele Mühe, ihn ganz wegzuheben. Kaum war er wieder zur Beſinnung gekommen, ſo forderte er einen Geiſtlichen, fügte einen Codieill zu ſeiner letzten Willensurkunde, unterzeichnete ſie, nahm ſie noch einmal, um einen Punkt auf ein i zu ſetzen, und ergab ſich mit der vollkommenſten Reſignation in ſein Loos. Der Unfall war am Mittag geſchehen; die Aerzte hielten es nicht für angezeigt, eine Amputation vorzunehmen, welche gar — 208— keine Ausſicht auf einen Erfolg gewährte, und der unglückliche Huskiſſon ſtarb nach einem neunſtündigen Todeskampf in den Armen ſeiner Gemahlin und ſeiner Freunde.„Ich habe den Troſt, ſagte er, die Augen ſchließend, nie das geringſte feind⸗ ſelige Gefühl gegen irgend Jemanden empfunden zu haben.“ Dieſes Wort faßt uns den Geiſt ſeines geſammten Privat⸗ lebens zuſammen, ernſt, wohlwollend und einfach, wie ſein öffentliches Leben. Die Kunde dieſes verhängnißvollen Ereigniſſes drang überall hin, und erzeugte eine unnennbare Beſtürzung. Sämmtliche Anſtalten des Feſtes hörten im nämlichen Augenblicke auf, und gaben andern Gefühlen Raum. In Liverpool und Man⸗ cheſter wurden die Magazine, zum Zeichen der Trauer, ge⸗ ſchloſſen; in dem Haven wurden alle Flaggen auf Halbmaſt geſenkt: eine allgemeine Stille herrſchte plötzlich über dieſe Volks⸗ maſſe, welche aus weiter Ferne herangeſtrömt war, um der Erffönung der Eiſenbahn beizuwohnen. Sonderbares Ver⸗ hängniß, welches von ſechshunderttauſend Menſchen, welche bei dem Feſte vereinigt waren, den erhabenſten mitleidlos traf. Ganz Europa theilte die einſtimmigen Klagen, welche ein ſolcher Verluſt in England erregte, ein Verluſt, zu⸗ mal unerſetzlich für die Wiſſenſchaft, welche langehin kei⸗ nen ſo fähigen und gewiſſenhaften Experimentator finden wird, wie Huskiſſon. Noch nie ſeit Turgot hatte die politiſche Oe⸗ konomie einen beredteren Fürſprecher in den Räthen der Re⸗ gierung gehabt; allein Huskiſſon war gründlicher und unter⸗ richteter, als Turgot. Dieſer gehorchte einem gewiſſen hoch⸗ herzigen und philoſophiſchen Inſtinkt; Huskiſſon behandelte die politiſche Oekonomie als eine Wiſſenſchaft der Anwendung und der Thatſachen, und rief die Reformen erſt dann hervor, wenn er alle ihre Folgen berechnet hatte. Turgot handelte aus Begeiſterung; Huskiſſon aus Ueberlegung. Allein wel⸗ cher Unterſchied auch in den Zeiten! Die erſten Umbildner mußten den Enthuſiasmus heben; die der Gegenwart bedür⸗ fen vor Allem der Reife; was wird den Umbildnern von Morgen Bedürfniß ſein! Die Finanz⸗ und Mauthfragen verbleich welche Mitwe cialen Herr Henry ſteller nem2 cial r Keim ſeggebu delsintel Regierun ſictige faſſer len lichen T haltung ſer Zuſt ſcheint. Ales, die G beruht Gründ ſten C Steuer hervor, er für Anwend nicht ſeyr — **) Hier kisson et: zum I. Bar enihaltenen von Seite ſchoben ha *⁵½) Sei wurde vor Blangui, tungläckliche iamyf in den Ic heie den grangſt ſein⸗ de ſu häürn. unnten Pue⸗ eniac, die ſin iſſs drug ibenul zung. Sänmtlice Augenblice auf verpool und Man⸗ der Trauer, ge⸗ hen auf Halbmaſt iher dieſe Voll⸗ nt war, un der Sonderterts Ver⸗ Muiſcen, welche henſen wiledlos Klagen, valhe ein Verluſt, zu⸗ he langehin t ztor finden vin e poliſche De Näthen der Re her und unta⸗ gewiſen polj⸗ ehandelle di Aawendung dant hervor, pt handelte Alein wel⸗ n Umbildner wart bedür⸗ bildnern von Mauihftagen — 209— verbleichen in der That ganz vor den ſchauerlichen Fragen, welche die Zukunft uns unter den Namen Pauperismus und Mitwerbung bereitet! Möchten doch auch dieſe großen ſo⸗ cialen Probleme finden ihren Huskiſſon!*) Herr Huskiſſon hat einen würdigen Nachfolger in Herrn Henry Parnell gefunden**). Dieſer ausgezeichnete Schrift⸗ ſteller hat das ganze wirthſchaftliche Syſtem Englands in ei⸗ nem Werke durchgegangen, welches den Titel hat: On finan- cial reform(Von der finanziellen Reform), das den Keim aller Vervollkommnungen enthält, deren die engliſche Ge⸗ ſetzgebung im Fache der Finanzen, der Mauthen und der Han⸗ delsintereſſen fähig iſt. Dieſe Arbeit iſt ein Muſter für alle Regierungen, welche Luſt haben, Mißbräuche auf eine vor⸗ ſichtige und fortſchreitende Weiſe aufzuheben. Der Ver⸗ faſſer legt darin die Geſammtheit der auf jede Frage bezüg⸗ lichen Thatſachen, und die Uebelſtände dar, welche an die Er⸗ haltung des gegenwärtigen Zuſtands geknüpft ſind, ſo oft die⸗ ſer Zuſtand ihm den allgemeinen Intereſſen entgegen zu ſein ſcheint. Er zeigt ſich kühner, als Huskiſſon, in Beziehung auf Alles, was die Freiheit des Handels berührt, und nie wurden die Grundſätze, auf welchen die Nothwendigkeit dieſer Freiheit beruht, mit bündigeren Entwickelungen und unwiderſtehlichern Gründen unterſtützt. Sir Henry Parnell hob mit dem äußer⸗ ſten Grad von Evidenz die Vortheile der Ermäßigung der Steuern, ſowohl von den Rohſtoffen, als von den Fabrikaten hervor; er hat eine neue Aera der Wiſſenſchaft eröffnet, indem er für jede wirthſchaftliche Frage ein beſonderes Syſtem der Anwendung auf die Art befolgte, daß ihre Löſung in einer nicht ſehr fern liegenden Zukunft hervorgerufen wird. *) Hier endet die unverkürzte Uebertragung der Notice sur M. Hus- kisson et sur sa réforme économique, von welcher ich in der Vorrede zum I. Bande geſprochen, und die ich mit Weglaſſung einiger auch in ihr enthaltenen Sätze aus dem Text der Geſchichte der politiſchen Oekonomie von Seite 180 an mit einem von mir vorausgeſchickten Uebergang einge⸗ ſchoben habe. Buß. *) Seine Abhandlung über die Finanzreform in England wurde von Hrn. Benjamin Laroche in's Franzöſiſche überſetzt. Blanqui, Geſchichte d. polit. Oekonomie. M. Bv. 14 — 210— Zwei engliſche Publiciſten, die zur nämlichen Schule gehö⸗ ren, Hr. Wade und Hr. Poulett Scrope, haben jüngſt) kleine populäre Darſtellungen herausgegeben, in welchen die politiſche Oekonomie der Faſſungskraft der arbeitenden Klaſſen nahe gebracht wurde. Dem Werkchen des Hrn. Wade geht eine geſchichtliche Ueberſicht der Lage der Arbeiter voraus, und der Verfaſſer hat darin mit einer großen Ueberlegenheit die Fra⸗ gen über Löhne, Pauperismus, Korngeſetze und den Einfluß der Erziehung auf die Maſſen behandelt. Hr. Poulett Scrope hat ſich als unbedingten Gegner der Lehren von Malthus über die Bevölkerung erklärt, und ſich zu hohen Betrachtungen über die Erſcheinungen der Vertbeilung des Vermögens erhoben. Sein Buch iſt eines von jenen, in welchen die Urſachen der öffentlichen und Privatarmuth, ſo wie die Wirkung der Beſchränkungen rückſichtlich des Verkehrs am beſten dargeſtellt ſind.„Das Glück der Menſchheit, ruft der Verfaſſer am Ende aus, kann vermittelſt der Vorſicht leicht die Zunahme der Bevölkerung erreichen und ſogar noch übertreffen. Die Lehre der HH. Wade und Scrope weicht weſentlich von jener ab, welche ungefähr zur gleichen Zeit in den Wer⸗ ken des Hrn. Babbage(Abhandlung über das Maſchinen⸗ und Fabrikenweſen, deutſch von Friedeberg, 1833), und des Doctor's Ure: The philosophy of manufactures: or an ex- position of the scientific, moral and commercial economy of the Factory system of Great Britain.(Lond. 1835. 12.), (Die Philoſophie der Manufacturen: oder Dar⸗ ſtellung der wiſſenſchaftlichen, ſittlichen und com⸗ merciellen Oekonomie des Fabrikweſens Großbri⸗ tanniens) entwickelt iſt. Das Buch des Hrn. Babbage iſt nichts Anderes, als eine Reihe geiſtvoller Andeutungen über die Theilung der Arbeit *) Im Jahr 1833.(Das Buch des Hrn. Wade hat den Titel: Hi- story of the middle and working classes, II. edit. London 1834, in — 12; das von Hrn. Scrope: Principles of political economy, dedu- ced from the natural laws of social welfare, and applied to the pre- sent state of Britain. London 1833, in— 12. Buß.) das Erze geſeh ben ſi zeuge ihnen Spitäl⸗ heiten Klage 1) T ooͤöͤſͤſͤſſſqqqqqqqqͤͤͤͤ»ͤ»ͤ»ͤʒ»ʒͤʒäʒGʒGʒQ-------4- ——————,—õ— —-— 211— gehö⸗ und die Anwendung der Maſchinen: das des De. Ure iſt eine ngſt*) Hymne zur Ehre des Fabrikſyſtems, welches dieſer Schriftſtel⸗ en die ler als das günſtigſte für die Linderung der Lage der arbeiten⸗ Klaſſen den Klaſſen verkündet. Babbage glaubte wenigſtens, daß für de geht die Fabrikanten noch Vieles zu thun übrig bleibe, um die ge⸗ , und werblichen Entdeckungen zu nützen, und um den ſittlichen Zu⸗ die Fra⸗ ſtand der Arbeiter zu verbeſſern; Dr. Ure aber, der entſchiedenſte Einſluß Vertheidiger der großen Induſtrie, verhehlt gewandt die Un⸗ vollkommenheiten und betrachtet ſie als die letzte Grenze der gner der Geſittung. ſich zu Das iſt der herrſchende Charakter der engliſchen ökonomiſchen heilung Schule, und mit Grund wirft man ihr vor, daß ſie den mit en, in der Fabrikarbeit weſentlich verbundenen Verwickelungen, trotz ſo wie der ernſten Warnungen der Armentaxe und der periodiſchen hrs am Kriſen, von welchen England ſeit vierzig Jahren heimgeſucht uft der- wird, nicht genug Rechnung trage. Bei dem Anblick dieſer eicht die Tauſende von ſchwächlich abwelkenden Kindern und verdorbe⸗ rireffen. nen Mädchen, welche in den engliſchen Fabriken aufſchießen, veſentlich erſtaunt man in einem Werke, welches den Titel: Philoſo⸗ den Wer⸗ phie der Manufacturen führt, eine Stelle der Art zu leſen, Naſchinen⸗ wie folgende:„Wenn die Kinder zu Hauſe arbeiten, ſo ſind ſie und des den ganzen Tag hindurch bei ihren Eltern eingeſchloſſen; ſie dr an ex- lernen weder die Menſchen, noch die Sachen kennen, welche ſie economy umgeben. So iſt das einzige Gefühl, welches ſie faſſen können, 335. 12.), das der Selbſtſucht“*). Allein die engliſche Schule hat in der er Dar⸗ Erzeugung des Vermögens nur ein Element der Nationalmacht geſehen, und die Volkswirthſchaftsgelehrten dieſer Schule ha⸗ we ae ben ſich zu ſehr daran gewöhnt, die Arbeiter als bloße Werk⸗ zeuge der Gütererzeugung zu betrachten. Kaum entſchlüpft als eine ihnen ein Schrei des Mitleids bei dem Anblick der überfüllten r Arbeit Spitäler und der mit allen Opfern unſerer ſocialen Ungleich⸗ heiten angefüllten Gefängniſſe. Sie verſchließen ihr Ohr der Tiel: lli⸗ Klage und laſſen ſich durch die Gaukelei der Geſittung blenden, on 1834, in— om;, ded*) The philosophy of manufactures by Dr. Ure. D. III. chapt. 111 d to the Pro- 14. — 212— — ohne ſich zu fragen, ob dieſer ſchimmernde Bau nicht mit Thrä⸗ nen gekittet iſt, und ob die Grundlage deſſelben ſo feſt ſteht, daß man von Erſchütterungen Nichts zu fürchten hat. Zum Glück hat Frankreich auch hier ſein gewohntes Vorrecht wieder angeſprochen, die Rechte der Menſchheit zu vertheidigen, und während Großbritannien mit Rieſenſchritten auf der Bahn der Induſtrie vorangeht, mahnen unſere Schriftſteller ſie an die ge⸗ heiligten Grundſätze einer billigen Vertheilung der Gewinnſte der Arbeit. Wir treten in die ſociale Aera der politi⸗ ſchen Oekonomie. Hauptſtück XLI. Von den ſocialen Volkswirthſchaftsgelehrten der franzöſiſchen Schule. — Neue Principien der politiſchen Oekonomie, von Hrn. von Sismondi.— Neue Darſtellung der ſocialen Oekono⸗ mie, von Hrn. Dunoyer.— Chriſtliche Staatshaushaltung, von Hrn. von Villeneuve⸗Bargemont.— Abhandlung von der Geſetzgebung, von Ch. Comte.— Politiſche Oekonomie, von Hrn. Droz. Es waren ſchon mehre Jahre verfloſſen, ſeit die Lehren von Adam Smith, von Malthus und die der gewerblichen Schule ohne Erörterung in ganz Europa angenommen worden waren, als Hr. von Sismondi den erſten ernſtlichen Angriff gegen die Mißbräuche dieſer Lehren machte, ſo ſehr er auch dasjenige annahm, was ſie Unbeſtreitbares und Poſitives hat⸗ ten*). Erſchüttert von dem Contraſt des großen Ueberfluſſes mit dem äußerſten Elend, deſſen Zeuge er in England geweſen war, erſtaunt, die Vervollkommnungen des Gewerbweſens faſt ausſchließlich einigen Menſchen zu gut kommen zu ſehen, ohne *) Davon zeugt ſein erſtes Werk, welches den Titel hat: de la Ri- chesse commerciale, das 1803 erſchien, im nämlichen Jahre, wo auch die erſte Ausgabe des Traité von J. B. Say herauskam. genügen Urſacher der In Anſicht angepat rung d ein en an all theil i wirken jenem geführt von ſei Als! ſichtsput ſchaft u Mitwer Bevölk von T müſſer ſtufen allerd das gar n unzur die M Hr. v. Malthu doch wer der Ind. ein geree Einkomn wit jede Maſchin in eine zeichen nit Thrä⸗ fi ſeht t. Zum hi wieder gen, und Bahn der an die ge⸗ Gewinnſte er politi⸗ Schule. on Hrn. Dekono⸗ altung, von der dmie, dod te Lehren verblichen nworden Angriff er auch ees hat⸗ erfluſſes geweſen ens faſt en, ohne de la Ri- — 213— genügende Vortheile für die Geſammtheit, forſchte er nach den Urſachen dieſer Anomalie, und glaubte ſie in der Conſtitution der Induſtrie ſelbſt gefunden zu haben, welche nach ſeiner Anſicht den allgemeinen Bedürfniſſen der Arbeiter nur ſchlecht angepaßt iſt.„Ich wollte beweiſen, ſagte er, daß die Vermeh⸗ rung der Gütererzeugung nur inſofern ein Gut iſt, als auf ſie ein entſprechender Verbrauch folgt; daß zugleich die Erſparung an allen Mitteln der Erzeugung nur inſofern ein ſocialer Vor⸗ theil iſt, als jeder von denjenigen, welche zur Erzeugung mit⸗ wirken, von der Erzeugung ein Einkommen fortbezieht, welches jenem gleicht, das er davon bezog, ehe dieſe Erſparung ein⸗ geführt worden war; was nur geſchehen kann, wenn er mehr von ſeinen Erzeugniſſen verkauft.“ Als Hr. von Sismondi unter dieſem neuen und kühnen Ge⸗ ſichtspunkt die gewerbliche Verfaſſung der europäiſchen Geſell⸗ ſchaft unterſuchte, ſtieß er auf die unermeßlichen Fragen der Mitwerbung, der Handelsbeſchränkungen, der Banken und der Bevölkerung. Die Mitwerbung unter den Arbeitern ſchien ihm von Tag zu Tag mehr das Fallen der Löhne herbeiführen zu müſſen, während die von den Banken gelieferten Maſchinen ſtufenweiſe die Nachfrage nach der Arbeit minderten. Es gab allerdings eine größere Maſſe von erzeugten Vermögen; allein das Einkommen der arbeitenden Bevölkerungen ward dadurch gar nicht vermehrt, und ſonach wurden ihre Unterhaltsmittel unzureichend; daraus ergaben ſich alle Drangſale, von welchen die Menſchheit in den geſittigten Staaten getroffen ward, und Hr. von Sismondi ſah ſich dahin geführt, die Theorien von Malthus, wenn auch nicht als ein unvermeidbares Verhängniß, doch wenigſtens als eine Folge der unvollkommenen Conſtitution der Induſtrie anzunehmen. Da das öffentliche Glück nach ihm an ein gerechtes Gleichgewicht zwiſchen der Bevölkerung und dem Einkommen geknüpft iſt, und das Einkommen der Arbeiter ſich mit jedem Tag durch die Mitwerbung und den Gebrauch der Maſchinen beſchränkt findei, ſo mußte die Geſellſchaft unfehlbar in eine Reihe von Kataſtrophen ſtürzen, deren vorläufige An⸗ zeichen von allen Seiten erſchienen. — 214— Sah man nicht überall im Innern die Mitwerbung mit ihrem ſchmählichen Gefolge, dem Sinken der Löhne, den Handelsbe⸗ trügereien, der innern Schlechtigkeit der Erzeugniſſe; und nach außen die Mauthkriege, den Schleichhandel und alle Verbrechen, welche er nach ſich zieht? Dieſe neue Tendenz der Induſtrie, der Sieg durch die großen Bataillone und der fruchtloſe Kampf der Arbeiter gegen die Capitale haben den Hrn. von Sismondi zu beredten Blättern begeiſtert. Er ſtößt einen Schrei des Entſetzens bei dem Anblick der Banken aus, welche neue Waffen zu den ſchon ſo gut ge⸗ ſtählten der Unternehmer der Gewerbe fügen. Wenn nur wenigſtens dieſe ephemeren Schöpfungen productiver Werkzeuge der großen Familie der Arbeiter zu gut kämen! Allein dieſes iſt keineswegs der Fall; die Banken vermehren nur die ſchon beſtehenden Mittel, die Lage des Arbeiters zu verſchlimmern; ſie vermehren die Maſchinen, drücken den Tagelohn herab, und indem ſie die Gütererzeugung auf eine ſchrankenloſe Kampfbahn werfen, erleichtern ſie jene kläglichen Ueberfüllungen, auf welche Kriſen im Handel und Zerrüttung in den Manufacturen folgen. Die ganze Geſchicklichkeit beſteht künftighin darin, um den möglich niederſten Preis zu verkaufen; man traut ſich Patriotismus zu, weil man ausländiſche Fabriken ruinirt hat; allein man hat die inländiſchen Manufacturen nicht beſſer geſchont. Man hat productivere, aber koſtſpieligere Maſchinen an die Stelle jener geſetzt, welche früher beſtanden; man hat einen Nachlaß an dem Zins für die Miethe der Häuſer, an dem für das Darleihen der Capitale, an dem Einkommen der Grundeigner erwirkt. Eine jährliche Fabrication von hundert tauſend Franes, welche auf eine Million geſteigert wird, macht neun mitwerbende Fabriken untergehen; die neuen Maſchinen vernichten das von den alten repräſentirte Capital. Es ergibt ſich ein Verluſt am Einkommen für die Geſellſchaft durch die Herabſetzung des Zinſes vom Gelde, durch die Minderung der Gewerbgewinnſte, durch den Verluſt des Miethzinſes von allen Fabriken, durch die Beſchränkung der Geſammtzahl der Arbeiter und der Löhne eines jeden. Es entſteht ſonach eine Minderung in dem Verbrauch aller dieſer Klaſſen; und w die N vermel eben Käͤufe welch brau gnü⸗ C daß engl größt dieſes entſte Sona welche beſtim ware Züng cher eine die eine näm Erze werl der g nie i darf, beſtimn die von ſätzen welche 9) 8 d'cond nit ihrem andelͤbe⸗ und nach erbrechen, e goßen gegen de Blättern em Anblich ſo gut ge⸗ Genn nur gertzeuge in dieſes die ſchon nern; ſie nd indem nwerfen, ce Kriſen lgen. Die den möglich otismas zu, nan hat die Man hat Stelle jener laß an dem rleihen der rkt. Eine elche auf Fabriken den alten nkommen m Gelde, n Verluſt ankung der Es entſteht er Klaſſen; — 215— und während der Fabrikant mit aller ſeiner Kraft ſich bemüht, die Menge der Zeuge, welche er zum Verkauf ausſetzt, zu vermehren, und die Güte derſelben zu erhöhen, ringt er ganz eben ſo eifrig, ganz eben ſo wirkſam dahin, die Anzahl der Käufer der einen oder der andern zu vermindern, und alle jene, welche verarmen, zu beſtimmen, ihre Kleider länger zu ge⸗ brauchen, und ſich mit immer gröbern Eigenſchaften zu be⸗ gnügen.*). Es iſt folglich, nach dem Hrn. von Sismondi, nicht wahr, daß der Kampf der individuellen Intereſſen, welcher von der engliſchen Schule ſo hoch geprieſen wird, hinreicht, um das größte Gut Aller hervorzubringen, weil unter dem Einfluſſe dieſes Kampfes wir täglich die ſchwierigſten Verwicklungen entſtehen, und die ſchreiendſten Ungerechtigkeiten vorgehen ſehen. Sonach hatte Malthus Recht, den für dieſe gewerblichen Opfer, welche auf dem Altar der Mitwerbung gefeiert werden, vor⸗ beſtimmten Menſchen Vorſicht zu rathen; und unſere Väter waren nicht ſo ſchlecht berathen, wenn ſie in den Banden der Zünfte und der Meiſterrechte dieſe verhängnißvolle Ueberwu⸗ cherung der Gütererzeugung zurückhielten, welche die Welt in eine Wahlſtatt umgeſchaffen hat, wo die großen Unternehmer die kleinen auffreſſen. Wenigſtens gab es unter dieſem Regiment einen natürlichen Zügel für die Ehe, man belegte mit den nämlichen Feſſeln die Vermehrung der Menſchen und die der Erzeugniſſe; man hielt in verſtändigen Schranken die Mit⸗ werbung der Arbeiter und die der Waaren. Der größte Fehler der gegenwärtigen ſocialen Organiſation iſt der, daß der Arme nie wiſſen kann, auf welche Nachfrage nach Arbeit er zählen darf, und daß das Vermögen zu arbeiten für ihn nie ein beſtimmtes und geſichertes Einkommen iſt. Das iſt in Kurzem die von dem Hrn. von Sismondi in ſeinen Neuen Grund⸗ ſätzen der politiſchen Oekonomie aufgeſtellte Lehre⸗ welche von ihm mit einer Ueberlegenheit des Talents entwickelt *) Sismondi in ſeinem Tralté du Revenus sociat, in der Reuue o'économie politique, tome IV, p. 220. — 216— wurde, der es gleichwohl nicht gelang, die paradoxe Seite ſeines Syſtems zu verhehlen. Wir geben gerne zu, daß eine Familie, welche nur ein Einkommen von tauſend Franes hat, nur tauſend Francs aus⸗ geben werde, welches immerhin auch der Preis der Lebensmittel ſei, welche ſie einkaufen muß. Allein wenn ſie ſich mit dieſen tauſend Francs mehre Gegenſtände verſchafft, als ſie deren vor der Minderung ihrer Erzeugungskoſten dafür erhielt, ſo wird ſie in der That eines größern Wohlſtands genießen; ſie wird mehre Erzeugniſſe einkaufen, und größere Nachfragen nach Arbeit eröffnen. Wenn z. B. der Zucker im Preiſe ſinkt, ſei es durch einen Fortſchritt der Kunſt, ſei es durch eine Entdeckung in der Natur, ſo wird der Theil des Einkommens, welcher früher zum Ankauf des Zuckers verwendet wurde, zu andern Ankäufen verwendet werden, und neue Gewerbszweige oder die Entwicklung jener, welche ſchon beſtehen, begünſtigen können. Wenn die Fortſchritte der Manufacturen, die Vervollkommnung der Maſchinen oder die Vermehrung der Mittel der Arbeit durch die Banken wahre Drangſale wären, wie ließe ſich denn die fortſchreitende Entwicklung des öffentlichen Wohlſtandes und jenes Wachsthum des Wohlſeins erklären, welches bis in die Reihen der niederſten Arbeiter hinab gedrungen iſt? Sind nicht vielmehr alle an den Koſten der Erzeugung gemachten Erſpar⸗ niſſe Eroberungen, welche die geſammte Geſellſchaft allerdings zu ungleich, aber gleichwohl auf eine unbeſtreitbare Weiſe genießt? Hr. von Sismondi ließ ſich durch das Verführeriſche einer einfachen, ergreifenden Idee hinreiſſen, wie die von Malthus war, als er ſein berüchtigtes Princip der Bevölkerung verkündete; und er glaubte das wahre Princip des öffentlichen Glücks in ſeiner Theorie von dem ſocialen Einkommen ge⸗ funden zu haben. Allein es hat, um die Wahrheit zu ſagen, der berühmte Volkswirthſchaftsgelehrte nur eine der Wunden des Induſtrialismus aufgedeckt, wenn er zu ſeinen letzten wirklichen Schranken gedrängt wird. Tief erſchüttert von dem Anblick der Misbräuche hat er den Gebrauch ſelbſt angegriffen, welchen er für ſämmtliche Leiden der modernen Geſellſchaft verantw Ausdrüc ſah er bekenner Sein der V ich an die C der? der? ſcheint über Zuſtand verſchiel Und in „* wieſen, gehäſſig um die ohne il ſchader der S 1 der Cr Ausku könnte maſchi koſten klappe, der Mo Die Ver ſeine Bef hat uns Härten die zu milder! Verderben dung, noch ie ſeines nur ein nes aus⸗ ensmittel di dieſen deren vor ſo wird ſie wird gen nach tt, ſei ds rtdetung welcher andern oder die können. umnung eit durch denn die ndes und bis in die zind nicht Erſpar⸗ allerdings re Weiſe ihreriſche die von Iterung ttlichen en ge⸗ ſagen, Zunden letzten on dem egriffen, ellſchaft ———— — 217— verantwortlich machen wollte; und nachdem er in pathetiſchen Ausdrücken die Leiden der arbeitenden Klaſſen beſchrieben hatte, ſah er ſich genöthigt, ſeine Unnacht, ihnen abzuhelfen, zu bekennen. b Sein bewunderungswürdiges Buch endet mit einem Schrei der Verzweiflung:„Ich geſtehe, ſagte er, daß ich, nachdem ich angegeben habe, wo nach meiner Anſicht das Princip, wo die Gerechtigkeit iſt, in mir nicht die Kraft fühle, die Mittel der Ausführung zu beſtimmen; die Vertheilung der Gewinnſte der Arbeit unter Jene, welche dazu mitwirken, ſie zu erzeugen, ſcheint mir verfehlt zu ſeyn; allein es ſcheint nir faſt über die menſchlichen Kräfte hinauszugehen, einen Zuſtand des Eigenthums zu begreifen, der von jenem ganz verſchieden iſt, welchen uns die Erfahrung zu erkennen gibt.“ Und in der That, Hr. von Sismondi hat treffend nachge⸗ wieſen, daß der Anbau der Tropengewächſe durch Sklaven gehäſſig und zerrüttend ſei; allein er hat Nichts vorgeſchlagen, um die große Frage der Emancipation der Neger zu löſen, ohne ihrer Subſiſtenz ſelbſt und ihrer eigenen Sicherheit zu ſchaden. Er hat mit ſeltener Vollkommenheit und tiefer Kenntniß der Sache die Misbräuche des Papiergeldes und die Gefahren der Creditpapiere hervorgehoben; allein ſein Werk bietet gar kein Auskunftsmittel, welches man bei ihrem Gebrauche anwenden könnte. Wir wiſſen bloß, daß es ſich um eine mächtige Dampf⸗ maſchine handelt, welche eine Exploſion machen und Opfer koſten kann; allein der Verfaſſer ſpricht von keiner Sicherheits⸗ klappe, und die Folgerung wäre ſonach, auf die Anwendung der Maſchine zu verzichten, um ihren Gefahren zu entgehen. Die Vervollkommnungen der Mechanik haben im hohen Grade ſeine Beſorgniſſe und zeitenweiſe ſeinen Zorn erregt; aber er hat uns keine praktiſche und ernſte Ausſicht geboten, um die Härten dieſer Uebergangsperioden und dieſer langen Feierzeiten zu mildern, welche ganze Bevölkerungen an den Rand des Verderbens drängen. Das kömmt daher, weil es ſociale Wunden gibt, Töchter der Zeit und der Sitten, langſam in ihrer Bil⸗ dung, noch langſamer in ihrer Heilung, und über welche beredt zu — 218— klagen, wie ein Jeremias, nicht genügt, damit ſie von ſelber verſchwinden. Gewiß ſind nicht alle Capitaliſten ohne Gemüth, und alle Arbeiter ohne Vorſicht; aber wie viele voreilige Heiraten! Wie viele Kinder, die nicht hätten geboren werden ſollen! Wie viele Erndten, zerſchlagen von Gewittern! Wie viele unvorgeſehene Kriege! Wie viele ſchwer vorzuſehende Kriſen! Das iſt es, was mit jedem Tage die Theorien des Volkswirthſchaftsgelehrten und die Berechnungen des Staats⸗ manns durchkreuzt. Das ſind Krankheiten, welche das Wachs⸗ thum begleiten, welche es aber nicht hemmen. Hr. von Sismondi war der Geſchichtſchreiber dieſer vorüber⸗ gehenden und ſchmerzlichen Seite der Entwicklungen der neu⸗ zeitigen Induſtrie. Kein Schriftſteller hatte bis auf dieſen Tag eine edlere und rührendere Sympathie für die arbeitenden Klaſſen gezeigt; keiner hat mit mehr Kraft die Selbſtſucht der Reichen und die Sorgloſigkeit der Menſchen, welchen die Intereſſen der größten Zahl anvertraut ſind, gebrandmarkt. Sein Buch iſt das beſte kritiſche Werk, welches in der Literatur der politiſchen Oekonomie beſteht; aber ein beſſeres Werk wird jenes ſeyn, welches es widerlegen ſoll. Die oberflächlichſte Beobachtung der Thatſachen genügt, um nachzuweiſen, daß die Lage der arbeitenden Klaſſen gegenwärtig weit vorzuziehen iſt demjenigen Zuſtand, in welchem ſie vor der Entdeckung der großen Maſchinen der neuzeitigen Induſtrie waren. Die Arbeiter, ſelbſt jene, welche am ſchlechteſten bezahlt ſind, nehmen indirect an den Segnungen der Geſittung Theil; ſie gehen auf reinern, beſſer beleuchteten Straßen; ſie empfangen unentgeltlich die Wohlthat des Volksunterrichts; ſie reiſen bequemer und wohl⸗ feiler als ihre Väter, und jeder Tag ſieht den Reichthum oder wenigſtens den Wohlſtand zu zahlreichen Klaſſen gelangen, deren Erbtheil er ohne die Vervollkommnung der Maſchinen nie geworden wäre. Der Hauptfehler der Methode des Hrn. von Sismondi iſt der, zu ſehr zu generaliſiren, wie Ricardo ſelbſt, ſein gefeierteſter Gegner. Er ſchont Nichts; er geht geradezu auf ſein Ziel los, und zieht bisweilen aus einem verſtändigen Grundſatz übertriebene Folgen. Der Misbrauch, welchen man von den gemacht ſchon re wiſſen, genüge dieſes Die wagl gezö einſe nun! Hr. v ſtrenge an, zu ein No ſeinen Erzeu nehme einen einer than ſeine Und Land die für G cer ſ neien das G düglich hat vor tenen K traurig iſt eine Gedecke on ſelber Gemüth, voreilige werden rn Wie rpuſehende eorien des es Staats⸗ as Wachs⸗ vorüher⸗ der neu⸗ eſen Tag beitenden ſucht der lchen die andmarkt. Lieratur Wert wird erflächüchſte en, daß die rzuziehen iſ tdeckung der Die Arbeiter, men indireet auf reinern, tgeltlich die und wohl⸗ pthum oder ngen, deren ſchinen nie Hrn. von aardo ſelbſt, ht geradezu verſtändigen eelchen man — 219— von den Banken in England und in den Vereinigten Staaten gemacht hat, wo ſie nur dienen, Jene zu bereichern, welche ſchon reich ſind, und die Maſchinen zu vervielfältigen, ohne zu wiſſen, wie man ihre Erzeugniſſe abſetzen werde, ſchien ihm zu genügen, um die Verfluchungen zu begründen, mit welchen er dieſes koſtbare Werkzeug des öffentlichen Vermögens belaſtet. „Dieſe ſo leicht errungenen Capitale, ſagt er, ermuntern zu waglichen Unternehmungen, rückſichtlich deren die Urheber gezögert haben würden, wenn ſie ihre eigenen Capitale hätten einſetzen müſſen.“ Dieſes iſt allerdings wahr; allein muß man nun daraus die Nothwendigkeit folgern, die Banken aufzuheben? Hr. von Sismondi iſt rückſichtlich der Maſchinen nicht vor den ſtrengen Folgerungen ſeines Syſtems zurückgewichen. Er ſteht nicht an, zu erklären, daß eine neue gewerbliche Vervollkommnung ein Nationalunglück wäre; denn die Zahl der Zehrer kann nach ſeinen Anſichten nicht wohl zunehmen, und die Zahl der Erzeuger würde durch die Anwendung neuer Maſchinen ab⸗ nehmen. Er fragt, was England werden ſollte, wenn es von einem König regiert würde, welcher für ſich allein, vermittelſt einer ungeheuern Kurbel, das ganze Geſchäft ſeiner Unter⸗ thanen verrichten würde, die vor Hunger ſterben würden, weil ſeine mächtige Mechanik ihnen ihre Arbeit entzogen haben würde. Und wir antworten gerne, daß England ein ganz glückliches Land ſeyn würde, weil es ſich in Betreff ſeines Unterhalts auf die Sorgfalt eines Fürſten verlaſſen könnte, der fähig wäre, für ſich allein ſo viele unermeßliche Arbeiten auszuführen. Gleichwohl, und ungeachtet des paradoxen Charakters, wel⸗ cher ſie auszeichnet, haben die Anſichten des Hrn. von Sismondi neien großen Einfluß in Europa ausgeübt. Er hat, der Erſte, das Geheimniß jener ſocialen Leiden geoffenbart, welche vor⸗ züglich in den Fabrikländern zuſammengehäuft ſind, und er hat vor den Gefahren der Banken lange vor den jüngſt eingetre⸗ tenen Kataſtrophen gewarnt, welche ſeine Weihſagungen ſo traurig gerechtfertigt haben. Dank ihm, die Lage des Arbeiters iſt eine koſtbare und geheiligte Sache geworden; er hat ſein Gedecke am Mahle des Lebens gehabt, von welchem ihn die — 220— Theorien von Malthus hatten ausſchließen wollen; und künftig⸗ hin werden die Fortſchritte des Reichthums nur inſofern als wahrhaft nützlich angeſehen werden, als die Wohlthaten derſelben ſich über alle jene verbreiten werden, welche dazu werden mitgewirkt haben. Das Princip iſt aufgeſtellt; den Geſetzgebungen ſteht es nun zu, die Folgerungen daraus zu ziehen. Schon ſind hohe gewerbliche und Handelsfragen in das Gebiet der parlementariſchen Erörterung gefallen; ſie werden dort ungeſäumt unter den Auſpicien der neuen ökonomiſchen Schule*) mit der Hochherzigkeit der Gefühle und mit der Höhe der Anſichten gelöst werden, welche ein ſpecielles Schwurgericht von Gelehrten charakteriſiren müſſen. Hr. von Sismondi hat einen wahrhaften Muth bewieſen, als er, der Erſte, mit feſter Hand die Gefahren des künſtlich und blind productiven Syſtems hervorhob, das von England geprieſen und von den meiſten Volkswirthſchaftsgelehrten Eu⸗ ropas angenommen worden iſt. Sicher hätte, wenn es nur eines Mannes von Herz bedurft hätte, um die öffentlichen Sympathien auf das Loos der Arbeiter, der Opfer einer ſelbſt⸗ ſüchtigen und parteiiſchen gewerblichen Organiſation zu rufen, dieſer Mann in Frankreich nicht gefehlt: aber man ſollte die verborgenen Fehler dieſes Syſtems erklären, man ſollte zeigen, wie das Privatelend zu gleicher Zeit wie der öffentliche Reich⸗ thum ſteige, und durch welchen betrübenden Contraſt die Ge⸗ winnſte der Arbeit ſich öfter in den Händen des Müßiggangs als am Heerde des Arbeiters aufhäufen. Hr. von Sismondi hat dieſes Problem nicht gelöst; allein er hat das hellſte Licht darüber verbreitet, und es kühn den Volkswirthſchaftsgelehrten und Staatsmännern hingeſtellt. Die Prohibitionen begannen von da an, ſich unter einem ganz andern Geſichtspunkt, als früher, zu zeigen; der künſtliche Impuls, welchen ſie der Erzeugung geben, fand ſich durch die Schranken aufgewogen, welche ſie *) Zeuge davon ſind die Frage über die Gefängniſſe, die über die Skla⸗ verei, die über die Arbeit der Kinder in den Fabriken, die großen Unter⸗ nehmungen für den öffentlichen Nutzen, u. ſ. f. dem Ver alles da als Unt kräftig die M ſobald die M Vielle mälde übert abhing Europ⸗ Kereuzzu unſerer ſind. feierlich unſerer eine te und di Au herzit die Verf Hrn. Unte haben zwar tiſche des Sr. den ſtärl die arhein welche er — ³) Maj Bulhs ſeiner d künftig⸗ ofern als Lohlihaten lche dazu tellt, den zu ziehen. das Gebiet erden dort Schule*) Huhe der urgericht en, als ich und ngland en Eu— es nur entlichen er ſelbſt⸗ zu rufen, ſollte die te zeigen, he Reihh⸗ die Ge⸗ ßiggangs Sismondi lſte Licht gelehrten nen von früher, zeugung riche ſie die Skla⸗ gen Unter⸗ — 221— dem Verbrauche ſetzen. Man hat geſehen, daß der Arbeiter als Zehrer alles das verliert, was die Inhaber der geſchützten Gewerbszweige als Unternehmer gewinnen. Die Mitwirkung der Maſchinen, ſo kräftig und ſo nützlich ſie iſt, wenn ſie zum Zweck hat, die Zeit und die Mühe der Menſchen zu ſparen, erſchien als mörderiſch, ſobald man bewies, daß ſie gar zu oft zu ihrem Ergebniß hat, die Menſchheit in dem Anſtoß des Räderwerkes zu zermalmen. Vielleicht hat Hr. von Sismondi, tief erſchüttert von dem Ge⸗ mälde der Leiden, die in den Fabrikländern ſo gemein ſind, Uebel übertrieben, welche nicht alle von der nänlichen Urſache abhingen; aber es wird eine ewige Ehre ſeines Namens ſeyn, Europa die Warnung verkündet*), und ſich an die Spitze eines Kreuzzuges zu Gunſten der Klaſſen geſtellt zu haben, welche von unſerer ſocialen Ordnung am ungerechteſten verwahrlost worden ſind. Wir werden bald ſeinen Schreckensruf, wiederholt mit feierlicher Stimme von den Saint⸗Simoniſten, im Schooße unſerer Städte und in dem Tumult unſerer Aufſtände vernehmen; eine traurige Warnung, welche die Politik nicht verkennen, und die Wiſſenſchaft nicht länger unfruchtbar laſſen darf! Auch haben ſich zahlreiche Schriftſteller bemüht, dem hoch⸗ herzigen Aufruf des Hrn. von Sismondi zu folgen. Unter die gebildetſten Anhänger ſeiner Lehren zählt Frankreich den Verfaſſer der chriſtlichen Staatshaushaltung, den Hrn. Vicomte Alban von Villeneuve⸗Bargemont, deſſen Unterſuchungen über den Pauperismus weniger Erfolg gehabt haben, als ein ſo empfehlungswerthes Werk verdiente, und zwar wegen der augenfälligen Unzulänglichkeit des therapeu⸗ tiſchen Theils. Hr. von Villeneuve ſteigert noch die Klagen des Hrn. von Sismondi über das Fabrikſyſtem; er malt mit den ſtärkſten Farben die Drangſale jeder Art, von welchen die arbeitenden Klaſſen niedergedrückt ſind; allein die Heilmittel, welche er vorſchlägt, ſind mehr die eines Apoſtels, als die eines *) Man ſehe namentlich die Hauptſtücke XII, VIII und IX des VII. Buchs ſeiner neuen Grundſätze der politiſchen Oekonomie. 222 Volkswirthſchaftsgelehrten oder eines erfahrenen Verwaltungs⸗ beamten.*) Wie groß auch in der That die Hilfsquellen des religiöſen Geiſtes ſeyn mögen, ſie vermögen nicht alle ſocialen Wunden zu heilen. Die chriſtliche Mildthätigkeit kann nicht ganz allein die materiellen Bedürfniſſe der Menſchheit befriedigen. Es iſt allerdings wünſchenswerth, daß ſie in die Politik und in die Sitten eindringe; ſelbſt wenn man aber auch vorausſetzt, daß ſie ſchon tief dort eingedrungen ſei, müßte man noch unter⸗ ſuchen, ob ihre Einmiſchung wirkſam genug wäre, um ein Uebel zu heilen, das ſo veraltet iſt, und den geſittigten Staats⸗ geſellſchaften ſo weſentlich einwohnt, wie das unter dem Namen des Pauperismus generaliſirte Elend. In einem Zeitalter, welches uns ſchon ſehr fern abliegt, herrſchte der religiöſe Geiſt als ſouverain, ohne dem menſchlichen Elend abhelfen zu können; und wenn man in Europa auch weniger Arme zählte, *) Ich will bloß ein Bruchſtück aus ſeiner Vorrede anführen, welches mir das ganze Werk gedrängt zu enthalten ſcheint: „Was mir als gewiß erſcheint, ſagt er, iſt, daß die Zeiten des Mono⸗ pols und der Unterdrückung ohne Rückkehr vorüber ſind, und daß ein gro⸗ ßer Uebergang annaht. Dieſer kann nun aber nur auf zwei Weiſen bewirkt werden: entweder durch das gewaltſame Losbrechen der proletariſchen und leidenden Klaſſen gegen die Inhaber des Grundeigenthums und der Indu⸗ ſtrie, d. h. durch eine Rückkehr in den Zuſtand der Barbarei; oder aber durch die praktiſche und allgemeine Anwendung der Grundſätze der Gerechtigkeit, Menſchlichkeit und Mildthätigkeit! Das ganze Genie der Politik, alle Anſtrengungen der rechtſchaffenen Leute müſſen ſonach dahin ſtreben, dieſen Uebergang auf dem Wege der Ueberzeugung und Weisheit vorzubereiten. Augenfäͤllig iſt dieſes eine neue Phaſe des Chriſtianismus*), wrlche die Welt verlangt. Die chriſtliche Mildthätigkeit, endlich in der Politik, in den Geſetzen, in den Inſtitutionen und Sitten zur Ausführung gebracht, kann allein den ſocialen Zuſtand vor den ſchrecklichen Gefahren bewahren, welche ihn bedrohen: außer dem, wir ſagen es kühn, iſt Alles nur Täuſchung oder Lüge.“ *) Die Saint⸗Simoniſten gaben eine Zeit lang ihrer Lehre den Namen: Neuer Chriſtianismus. So lautet der Titel einer der Schriften von Saint⸗Simon. — als in wenige Gle eine g eigent die C ſolch oder einen vern faſſe tig d gen z theilen die de legt, groß lein chen Hei M anl 9 Fran ſern; ſeitig und jebi Nau Rel ltungs⸗ ligiöſen Lunden Hallein Es iſ in die iöt, daß h unter⸗ um ein Staats⸗ Namen alter, igiöſe en zu ählte, welches 3 Moho⸗ ein gro⸗ en bewirkt ſchen und der Indu⸗ aber durch jechtigkeit itik, alle n, dieſen bereiten. ſche die Politik, ebracht, ffahren ihn, iſt n: Neuer —- 223— als in unſern Tagen, ſo kömmt es daher, weil es damals weniger Einwohner gab. Gleichwohl darf man nicht zweifeln, daß das öffentliche Elend eine große ſociale Thatſache ſei, die, den Staaten der Neuzeit eigenthümlich, mehr und mehr in dem Maaße hexvortritt, als die Geſittung ſich verbreitet. Muß man annehmen, daß eine ſolche Thatſache unvermeidlich und vom Schickſal verhängt ſei, oder daß es von den menſchlichen Inſtitutionen abhänge, ſie in einem günſtigen Sinne zu ändern? Wenn die Politik hier Nichts vermag, wird die Religion hier mehr vermögen? Der Ver⸗ faſſer der chriſtlichen Staatshaushaltung hat aufrich⸗ tig dieſe letzte Hoffnung gefaßt, und es ſchmerzt mich, ſa⸗ gen zu müſſen, daß das Leſen ſeines Buches nicht geſtattet, ſie zu theilen. Seine Folgerungen ſind ungefähr die nämlichen, wie die des Hrn. von Sismondi: Alles wird in die Hand Gottes ge⸗ legt, und der Verfaſſer würde ſich gerne zum Gebete flüchten, ſo groß iſt ſeine Inbrunſt und ſo aufrichtig ſeine Frömmigkeit; al⸗ lein was vermögen Wünſche gegenüber der ſchauerlichen und ſte⸗ chenden Wirklichkeit? Vergebens erinnert Hr. v. Villeneuve mit Heimweh an das frühere Syſtem der Innungen und an das Mönchsleben, welche verſtändig die Zunahme der Bevölkerungen anhielten: zu was führt es, das zurück zu ſehnen, was mit den ge⸗ genwärtigen Sitten nicht mehr in Einklang, mit Einem Worte, was nicht mehr möglich iſt? Ja, allerdings iſt es leicht, die Ver⸗ legenheiten augenfällig darzuſtellen, welche die Gelehrten und Staatsmänner empfinden, dieſes ſchauderhafte Problem zu löſen; allein die Hand der Prieſter unſerer Tage*) iſt noch weit un⸗ *.) Hr. Guizot hat dieſe Unfähigkeit in einem jüngſt von der Revue Française bekannt gemachten Bruchſtücke ſehr gut ausgeſprochen:„In un⸗ ſern Tagen, ſagt er, haben durch den Lauf der Ereigniſſe, durch wechſel⸗ ſeitige Mißgriffe die Religion und die Geſellſchaft aufgehört, ſich zu verſtehen und neben einander fortzugehen. Die Ideen, Gefühle, Intereſſen, welche jetzt in dem zeitlichen Leben vorwiegen, wurden und werden alltäglich im Namen der Ideen, Gefühle, Intereſſen des ewigen Lebens verworfen. Die Religion ſpricht den Fluch über die neue Welt aus, und hält ſich abge⸗ — 224— mächtiger, uns eine billige Löſung zu geben. Hr. v. Villeneuve konnte aus dieſer gegebenen Thatſache Nichts hervorgehen laſ⸗ ſen, obwohl er mit Malthus und dem Apoſtel Paulus den mo⸗ raliſchen Zwang*), die Enthaltſamkeit, die Mäßigkeit und an⸗ dere Tugenden der Art ausgehungerten Leuten predigt. Er ſieht ſich dadurch genöthigt, die religiöſe Eheloſigkeit zurück zu wün⸗ ſchen, ſo ſehr er auch die Lehren von Malthus angreift, welche die Enthaltſamkeit aus andern Gründen anrathen, und die Dienſte der Maſchinen, trotz der Erleichterung zu beklagen, welche ſie in die gröbſten Arbeiten der arbeitenden Klaſſen gebracht haben. Die politiſche Oekonnomie hat ſonach gar kein neues Licht von dieſer beredten Wehklage erhalten, in welcher Hr. v. Villeneuve ſämmt⸗ liche ſocialen Leiden der Menſchheit beweint hat, ohne ein wirkſa⸗ mes Mittel zu ihrer Heilung vorzuſchlagen. Sein Schluß iſt folgender: 1) Sittlicher, religiöſer und gewerblicher Unterricht, un⸗ entgeltlich und mit der Zwangsverbindlichkeit, ihn zu be⸗ nützen, ertheilt durch Armenſchulen, welche auf Gemeinde⸗ koſten gehalten werden; 2) Spar⸗ und Hilfskaſſen, errichtet auf Koſten der Fabrik⸗ ſtädte und Gemeinden, oder mildthätiger Vereine, mit der Verbindlichkeit von Seite der Arbeiter, einen Theil ihres Lohnes einzulegen, wenn der Satz dieſes Lohnes es ohne Nachtheil geſtatten wird; 3) Gründung von Innunngen der Arbeiter, welche, ohne die Induſtrie zu hemmen, und die verderblichen Folgen der frühern Meiſterrechte und Zünfte zu haben, den Geiſt der Aſſociation und der wechſelſeitigen Unterſtützungen begün⸗ ſtigen, Garantien für Unterricht und gute Aufführung ge⸗ ſchieden; die Welt iſt nahe daran, den Fluch und die Trennung anzu⸗ nehmen.“ *)„Die Enthaltſamkeit von der Ehe kann den Armen nie wirkſamer eingegeben werden, als durch das religiöſe Gefühl.“ (Econ. pol. chréèét. tome I., p. 235.) *n) Economie politique chrétienne, tome III., p. 156. — be er Alle men 4 gemei vilegt konot ſagt Seine lindern Wohlſ der S als ve ſo me des ich ſ Eng ten für gem V durc Schl weil der G belader Schwa jenige Nramn wider Hr. Vla eneuve en laſ⸗ en mo⸗ nd an⸗ r ſieht wün⸗ lche die Dienſte e ſie in t. Die dieſer mt⸗ ſſa⸗ iſt abrit⸗ it der ihres ohne ie die t der t der Fün⸗ ben und die beklagenswerthe Einrichtung der Geſellenzeit erſetzen würden.“ Allein es ſpringt in die Augen, daß dieſe übrigens heilſa⸗ men Palliativen gar keine bedeutende Wirkſamkeit auf die all⸗ gemeine Mitwerbung, auf den Mißbrauch der politiſchen Pri⸗ vilegien, auf den Streit der großen Kapitale gegen die klei⸗ nen Vermögen und auf die ungleiche Vertheilung der Steu⸗ ern haben würden. Hr. Droz ſcheint uns den wahren Charakter der politiſchen Oe⸗ konomie richtiger gewürdigt zu haben.„Nehmen wir nur nicht, ſagt er, das Vermögen für den Zweck; es iſt nur Mittel. Seine Wichtigkeit geht aus der Fähigkeit hervor, Leiden zu lindern, und die koſtbarſten Vermögen ſind jene, welche dem Wohlſein der größten Zahl der Menſchen dienen. Das Glück der Staaten hängt weniger von der Menge der Erzeugniſſe, als von der Art ab, wie ſie vertheilt ſind. Kein Land iſt ſo merkwürdig, als England in Beziehung auf die Bildung des Vermögens; in Frankreich iſt ſeine Vertheilung beſſer: ich ſchließe daraus, daß es mehr Glück in Frankreich, als in England gebe. Wenn man gewiſſe Volkswirthſchaftsgelehr⸗ ten liest, ſo ſollte man glauben, daß die Erzeugniſſe nicht für die Menſchen, ſondern die Menſchen für die Erzeugniſſe gemacht ſeien.“. Von der Art iſt die Richtung, welche der Viſeenſchaft durch die Volkswirthſchaftsgelehrten der neuen franzöſiſchen Schule gegeben wurde, die ich die ſociale Schule nenne, weil ſie alle Fortſchritte auf die allgemeine Vervollkommnung der Geſellſchaft, ohne Anſehen des Stammes, der Caſte bezieht, beladend mit dem nämlichen Fluch den Handel mit den Schwarzen und die Ausbeutung der Weißen. Hr. Droz iſt der⸗ jenige von allen Schriftſtellern dieſer Schule, welcher ihr Pro⸗ gramm am beſtimmteſten formulirt hat, ohne Feindſeligkeit wider die Gegenwart und ohne Täuſchungen über die Zukunft. Hr. von Sismondi, ein vorzugsweiſe kritiſcher Geiſt, hatte 15 Blanqui, Geſchichte d. polit. Oekonomie. II. Bd. — 226— Vorurtheile auszurotten, welche zu Gunſten der geachtetſten Namen in der Viſeenſchaft verbreitet worden waren, und er vermochte es nicht, ſich zu enthalten, in ſeinem hochherzigen Eifer ſich mehr als Ein Mal zum Paradorxen hinreißen zu laſſen. Auch er glaubte ſich, nachdem er, nach dem Aus⸗ druck von Malthus, den Bogen zu ſehr auf eine Seite ge⸗ ſpannt gefunden hatte, in die Nothwendigkeit verſetzt, ihn auf die andere Seite mit Gewalt zu biegenz das iſt der Grund, warum ſeine Lehren nicht alle die Früchte getragen haben, welche die Menſchheit davon erwarten durfte. Er hat zu Vieles von den Regierungen gehofft, wie Hr. v. Vil⸗ leneuve zu Vieles von der Vorſehung erwartet hatte; allein die Vorſehung und die Regierungen haben dem Menſchen ſtrenge Bedingungen geſetzt! Zwei in verſchiedenen Beziehungen bemerkenswerthe Werke, der Traité de législation von Ch. Comte, und der neue Traité d'économie sociale des Hrn. Dunoyer haben die Volkswirthſchaftsgelehrten zu richtigern, wenn auch nicht zu ſo lockenden Auſichten von der eigentlichen Schwierigkeit wirth⸗ ſchaftlicher Fragen zurückgebracht. Ch. Comte, treu der von J. B. Say befolgten experimentirenden Methode, hat durch geſchichtliche Thatſachen, die er auf die geſchickteſte Weiſe ausgewählt, und auf das Sinnreichſte verglichen hat, nachgewieſen, daß die meiſten Hemmniſſe gegen ſociale Ver⸗ beſſerungen gerade von Jenen ſtammten, welche am meiſten dabei gewinnen ſollten, und welche beſtändig ſich verſchwo⸗ ren, um ihre Durchführung zu verhindern. Er hat gezeigt, wie die verderblichen Gewohnheiten der Sklaverei die Her⸗ ren dadurch verdorben hatten, daß ſie die Sklaven verthier⸗ ten, und wie viele Widerſtände bei jeder Eroberung der Ge⸗ ſittung die Menſchen von Hingebung erwarteten, die ſich in die Vorhut ſtellten.„Denn, ſagt er*), die Natur der Dinge oder der Menſchen wandelt ſich nicht nach unſern Wünſchen. Die Gründer der Sklaverei haben es nie dahin *) Traité de législation, tome IV., p. 503. gebracht nen das welche eine gle Staatsg Die E Natur ſie mi Es eines Geſittu erwogen die Leh Staatsh Hr. T ner ende nomie; rungen den Lo ler, ral d zwiſch nes ſind, nunge bar ſiu die An danke oder we den iſt. mächtige mit gute kein We Sache, welche den kei etſten ad er zigen n zu Aus⸗ 3 ge⸗ „ihn ſt der ragen Er YVil⸗ lein hen —-— 227— gebracht, die Herren von allen Uebeln zu befreien, oder ih⸗ nen das Monopol der Genüſſe zu ſichern; den Menſchen, welche es verſucht haben, die Freuden und Schmerzen auf eine gleichheitliche Weiſe unter ſämmtliche Mitglieder einer Staatsgeſellſchaft zu vertheilen, iſt es nicht beſſer gelungen. Die Erſteren ſind geſcheitert, weil ſie gegen die menſchliche Natur zu ſtreiten hatten; die Zweiten ſind geſcheitert, weil ſie mit den nämlichen Hemmniſſen zu kämpfen hatten.“ Es deuchte mir, daß ein ſolches Geſtändniß in dem Munde eines Schriftſtellers, deſſen ganzes Leben den Arbeiten der Geſittung geweiht war, verdiene, durch hochherzige Geiſter erwogen zu werden, welche geneigt wären, mit Begeiſterung die Lehren des Hrn. von Sismondi oder der chriſtlichen Staatshaushaltung anzunehmen. 4 Hr. Dunoyer hat noch mit größerer Kraft die Träumer von ei⸗ ner endeloſen Vervollkommnungsfähigkeit in der politiſchen Oeko⸗ nomie geſcholten. Nach ihm gebührt die Initiative der Verbeſſe⸗ rungen in allen Dingen den Nationen.„Es ſind Landwirthe, welche den Landbau vervollkommnen; die Künſte werden durch Künſt⸗ ler, die Wiſſenſchaften von Gelehrten, die Politik und Mo⸗ ral durch Politiker und Moraliſten gefördert. Es beſteht bloß zwiſchen den Dingen, welche die beſondere Angelegenheit ei⸗ nes Jeden und jenen, welche die Angelegenheit Jedermann's ſind, bloß der Unterſchied, daß bei den erſteren die Vervollkomm⸗ nungen für denjenigen, welcher ſie erfindet, unmittelbar anwend⸗ bar ſind, während bei den zweiten, nämlich bei den politiſchen, die Anwendungen nur dann Statt finden können, wenn der Ge⸗ danke des Publiciſten der gemeinſame Gedanke des Publikums oder wenigſtens eines ſehr beträchtlichen Theiles deſſelben gewor⸗ den iſt. Bis dahin kann man zu ihrer Verwirklichung nur un⸗ mächtige Verſuche machen. Es iſt möglich, daß eine Regierung mit gutem Willen es unternehme, ſie anzuſtellen; allein ſie wird kein Werk errichten, das fortdauert. Es iſt möglich, daß die Sache, trotz der Staatsgewalt, durch eine Partei verſucht werde, welche ſie ſtürzt und erſetzt; allein die glücklichſten Aufſtände wer⸗ den keinen größern Erfolg haben, als die wohlwollendſten Zuge⸗ 15. — 228— ſtändniſſe. Die Sache wird ſich erſt tief in die Länge begründen, in dem Maaß, wie ſie in die Ideen und Gewohnheiten der großen Zahl übergehen wird*)... So würde es ſelbſt in dem ſocialen Zu⸗ ſtand, der am freieſten von Gewaltthätigkeiten iſt, ſehr ſchwierig zu verhüten ſein, daß nicht Ungleichheiten in den Stellungen entſtehen; und wenn dieſe Ungleichheiten einmal eingeführt ſind, ſo iſt es noch ſchwieriger, ſie zu verwiſchen. Man gelangt ſtets nur mit äu⸗ ßerſter Mühe von einer niedern Stellung zu einem auch nur etwas höhern Stande, und die Familien, welche einmal in eine gewiſſe Erniederung geſunken ſind, laufen Gefahr, in ihr ſchon deßwe⸗ gen zu beharren, weil ſie ſich darin befinden.“ Das iſt der ſtrenge Charakter der Lehren des Hrn. Dunoyer, welche man am beſten der waglichen Philanthropie des Hrn. von Sismondi und den religiöſen Predigten der HH. v. Ville⸗ neuve und von La Mennais entgegenſetzen kann. Hr. Dunoyer iſt eben ſo ſehr, wie dieſe hochherzigen Schriftſteller, von einer lebhaften Sympathie für die leidenden Klaſſen durchdrungen, aus welchen der größere Theil der Menſchheit beſteht; auch er möchte für ſie gluͤcklichere Tage und mildere Geſchicke wünſchen; allein ſein kalter Verſtand zwingt ihn, die Schwünge einer unüberlegten Empfindſamkeit nieder zu halten, und nicht blindlings die Mög— lichkeit eines für Alle gleichen Zuſtandes des Glücks anzunehmen, gerade, als wenn alle Menſchen den nämlichen geiſtigen und ſitt⸗ lichen Werth und dieſelben Rechte auf eine geſicherte Ruhe hät⸗ ten, welche jedes Princip der Thätigkeit, Ehrſamkeit und Tu⸗ gend zerſtören würde. Hr. Dunoyer hatte den Muth, den Völ⸗ kern die ernſteſten Wahrheiten zu ſagen, welche Andere an die Kö⸗ nige richten. Er hat ſehr gut nachgewieſen, daß Unvorſichtigkeit und Vermeſſenheit darin liege, wenn man allen Menſchen einen Ocean von Glückſeligkeit verheißen würde, deſſen Geſtade zu er⸗ blicken, nur einer kleinen Zahl vergönnt iſt. Die Geſittung, welche nichts Anderes iſt, als der Fortſchritt auf der Bahn zum allgemeinen Wohl, iſt ſelbſt ſtrengen, langſamen, abgeſtuften Be⸗ dingungen unterworfen, welche vor Allem die Mitwirkung Jener *) Nouveau traitè d'économie sociale, tome I., p. 9. vorausſe ſih dahe die unv chen Fo ihm un fung h dieſe V keine dürfni ter, n nem zu bell Hr. Satzmi ſtimmth ſchrei, ſicherde Fortſch nichtfe vertre mögl theile auf e ſern. der gen f Geſur dern? Das C ten ſch Staflo nicht mi den Th⸗ gen giſe Klaſſen welchen nden, roßen Zu⸗ eig zu ehen; dnoch it äͤu⸗ etwas ewiſſe hwe⸗ her, ern. lle⸗ yer ner aus chte lein egten Mög⸗ hmen, dſitt⸗ hät⸗ Tu⸗ Völ⸗ Ki⸗ gkeit inen er⸗ ung, zum Be⸗ Jener — 229— vorausſetzen, welche glücklicher gemacht werden ſollen. An ſie hat ſich daher dieſer Volkswirthſchaftsforſcher gewendet, um ihnen die unvermeidlichen Geſetze des gewerblichen und geſellſchaftli⸗ chen Fortſchritts hervor zu heben. Dieſer Fortſchritt erſcheint ihm unmöglich ohne die Ungleichheiten, deren völlige Abſchaf⸗ fung herbeiführen zu müſſen, man mit Unrecht glaubt. Durch dieſe Ungleichheiten beſteht die Theilung der Arbeit, ohne welche keine Gütererzeugung beſtände, welche ausreichen würde, die Be⸗ dürfniſſe der Geſellſchaft zu befriedigen. Wo wären die Arbei⸗ ter, wenn Alle Unternehmer ſein wollten? Was würde aus ei⸗ nem Heere werden, wenn alle Soldaten das Amt der Heerführer zu bekleiden ſich anmaaßen würden? Hr. Dunoyer hat dieſen in der Zeit, in welcher wir leben, kühnen Satz mit einer ungewöhnlichen Kraft der Logik undeiner ſ eltenen Be⸗ ſtimmtheit der Sprache entwickelt. Er kümmerte ſich nicht um das Ge⸗ ſchrei, welches er erregen konnte, beruhigt über ſeine Abſichten und ſicher der Zuſtimmung der aufgeklärten Freunde des wirthſchaftlichen Fortſchrittes. Seine etwas derbe Moral iſt den Verbeſſerungen nicht feindlich, welche mit unſerem verwickelten Geſellſchaftszuſtande verträglich ſind, und er geſteht offenherzig, daß, wenn es auch nicht möglich iſt, allen Menſchen eine gleiche Summe materieller Vor⸗ theile zu verſchaffen, es doch durchführbar und zeitenweiſe leicht iſt, auf eine relative Weiſe die beſondere Lage eines Jeden zu verbeſ⸗ ſern. Allein Jeder muß durch die Uebung der ſocialen Tugenden, wie der Arbeit, Sparſamkeit, Vorſicht dazu helfen, da dieſes Bedingun⸗ gen für das Gelingen ſind, wie die Mäßigkeit eine Bedingung der Geſundheit iſt. Die Geſellſchaft kann ſo wenig allen ihren Mitglie⸗ dern Vortheile ſichern, als die Aerzte allen ihren Kranken Heilung. Das Gegentheil behaupten, hieße allen menſchlichen Leidenſchaf⸗ ten ſchmeicheln, und ihren Ausbruch unter den Auſpicien der Strafloſigkeit vorbereiten! Hr. Dunoyer anerkennt deßwegen nicht minder, daß die Haupturſachen des Elends von der unglei⸗ chen Theilung herſtammen, welche von Anfang an in das Vermö⸗ gen geſchehen iſt, von der urſprünglichen Enterbung der zahlreichſten Klaſſen der Geſellſchaft, von dem Zuſtand der Knechtſchaft, in welchem ſie Jahrhunderte hindurch gehalten worden ſind, von — 230— den Auflagen, mit welchen man ſie erdrückt, von den Geſetzen, welche ſie hindern, von ihrer Arbeit den möglich größten Ge⸗ winn zu ziehen, und von dem Inbegriff der fehlerhaften Inſti⸗ tutionen, welche ſie in ihrem Auskommen oder in ihrer Sittlichkeit angreifen*).„Gleichwohl, fügt der Verfaſſer hinzu, haftet der Zuſtand der niedern Klaſſen nicht bloß an den Beſchädigungen, welche der höhere Theil der Geſellſchaft gegen ſie verſchuldet ha⸗ ben kann; er wurzelt auch in den Fehlern, welche ihnen eigen ſind, in ihrer Apathie, ihrer Sorgloſigkeit, ihrer Unkunde der Urſachen, welche den Preis der Arbeit ſteigen oder fallen machen. Ihre Noth iſt mindeſtens eben ſo ſehr ihr eigenes Werk, als das der Klaſſen, welche man anklagen kann, ſie unterdrückt zu haben; und wenn die Geſellſchaft ſich urſprünglich auch auf gerechteren Grundla⸗ gen erhoben hätte, wenn die Starken ſich gegen die Schwachen auch jeder Art von Herrſchaft enthalten hätten, ſo zweifle ich doch nicht, daß ſich im Grunde der Geſellſchaft eine mehr oder minder zahl⸗ reiche Klaſſe von Elenden entwickelt haben würde.“ Wahrlich, das ſind Warnungen, ſtreng und ganz geeignet, die Ueberſpannung der Philoſophen herabzuſtimmen, welche den Fehler der Inſtitutionen als die ausſchließliche Urſache der ſittli⸗ chen und phyſiſchen Leiden mehrer Millionen Menſchen bezeichnen zu können glauben. Hr. Droz, dem als Volkswirtbhſchaftsfor⸗ ſcher und Moraliſten Niemand edle Gefühle beſtreiten wird, hatte ſchon ahnen laſſen, daß die Wiſſenſchaft und die Verwaltung nicht allein für alle Bedürfniſſe der Menſchheit ſorgen können. Als er beſtimmt ausſprach, daß die politiſche Oekonomie zum Zweck habe, den Wohlſtand möglich allgemein zu machen, hat er ſich gar keine Täuſchungen über die Grenzen ihres Einfluſ⸗ 5 ſes gemacht, welcher jenem des Geſetzes in den conſtitutionellen Ländern ziemlich ähnlich, d. h. der weſentlichen Bedingung einer vollkommenen Uebereinſtimmung zwiſchen allen Gewalten unter⸗ worfen iſt. Zum Unterſchied von den vorzüglichſten Gründern der ſocialen ökonomiſchen Schule, welche alle Verantwortlichkeit rückſichtlich des öffentlichen Elendes auf die Regierungen oder auf *) Nouveau traitè d'économie sociale, tomc I., p. 487. die Inſt geglaub kerunge Träghe ten die winnſt Werke öffner Geſch den? größt mondi gedeck rer W gerufe Reicht andere doyye trage Geg dem folg wel Bli Von de nen. Hr. D Jahrhl die W Geſeten, ſten Ge⸗ en Inſti⸗ ütlicheit haftet der dagunzen, hude he⸗ digen ſid, rrſachen, Pre Noth Hlaſen, d wenn rundla⸗ en auch richt, rzahl⸗ eignet, de den er ſiul⸗ zeichnen zaftsfor⸗ rd, hatte ug nicht n. As n Zwech achen, Finfluiſ pnellen einer unter⸗ ündern llichteit der auf —-— 231— die Inſtitutionen wälzten, haben die HH. Dunoyer und Droz geglaubt, daß dieſe Verantwortlichkeit durch die regierten Bevöl⸗ kerungen getheilt werden müſſe, welche nur zu oft die Kraft der Trägheit den nützlichſten Reformen entgegen ſetzen. Sie woll⸗ ten die Cooperation der Arbeiter bei der Vertheilung der Ge⸗ winnſte der Arbeit und die Mitwirkung aller Kräfte bei dem Werke, das zur Beſſerung aller Exiſtenzen beſtimmt iſt. Hier er⸗ öffnet ſich, wenn wir uns nicht täuſchen, eine neue Phaſe der Geſchichte der Wiſſenſchaft, und wir wiſſen nicht, welchen von den Volkswirthſchaftsforſchern, die ſie herbeigeführt haben, der größte Dank gebühre, ob Jenen, welche mit den HH. von Sis⸗ mondi und v. Villeneuve die Beſchwerden der armen Klaſſen auf⸗ gedeckt, oder Jenen, welche dieſe Klaſſen zu dem wahren Gefühl ih⸗ rer Würde und Pflichten, wie die HH. Droz und Dunvyer, zurück⸗ gerufen haben. Die beiden erſteren Schriftſteller beſchuldigten den Reichthum, und warfen ihm ſeine Selbſtſucht vor; die beiden anderen ſchalten die Armuth, und rügten ihre Sorgloſigkeit: eine doppelte Aufgabe, ſchwierig zu löſen, welche aber einſt ihre Früchte tragen wird, wenn der Zeitpunkt eines Vergleichs zwiſchen der Gegenwart und der Vergangenheit, zwiſchen dem Kapitaliſten und dem Arbeiter kommen wird! Dieſer Vergleich wurde ohne Er⸗ folg von den Volkswirthſchaftsforſchern der Schule verſucht, welche ich die eklektiſche nennen werde: wir wollen jetzt einen Blick auf ihre ausgezeichnetſten Organe werfen. Hauptſtück XLII. Von der eklektiſchen politiſchen Oekonomie und ihren vorzüglichſten Orga⸗ nen.— Hr. Storch.— Hr. Ganilh.— Dr. Delaborde.— Hr. Florez Eſtrada. — Die großen Volkswirthſchaftsforſcher am Ende des 18ten Jahrhunderts, Verfaſſer berühmter Darſtellungen, aus welchen die Wiſſenſchaft zum erſten Mal unter einer methodiſchen Form — 232— hervorging, hatten faſt alle abſolute Theorien angenommen, welche die Erfahrung und die Thatſachen nothwendig umwandeln mußten. So hatten die Phyſiokraten den Boden als die ein⸗ zige Quelle der Werthe angeſehen; Adam Smith hatte dieſes Vorrecht nur der Arbeit eingeräumt; Ricardv unterordnete alle Erſcheinungen des Umlaufes des Vermögens ſeiner Theorie von der Rente; Hr. von Sismondi der vom Einkommen; J. B. Say dem Umfang der Abſatzwege, d. h. der Freiheit des Han⸗ dels; Malthus ſchrieb den größten Theil der ſocialen Krankhei⸗ ten dem Uebermaaß der Bevölkerung zu; Godwin legte die⸗ ſelben der Gleichgiltigkeit der Regierungen zur Laſt. Es war nichts deſto weniger augenfällig, daß, wenn alle dieſe Urſachen zu⸗ ſammen auch theilweiſe einen Einfluß auf die ſociale Entwickelung hatten, doch keine derſelben als ausſchließliche Urſache betrachtet werden könne, d. h. daß die Lehren der Staatswirthſchaftsforſcher nur in gewiſſen Fällen und unter gewiſſen Bedingungen anwend⸗ bar ſeien. Während ſie ſich befehdeten, um ihre Syſteme gegen einander zu verfechten, entſtanden ſchon unter ihren Schülern ſo⸗ gar intermediäre Nüancen, ein wahrer Ausfluß jener lebhaften und abſtechenden Farben, welche beſonders die Stifter der Schu⸗ len auszeichnen. Die Schriftſteller, deren Werke am beſten dieſe Uebergangsnüancen darſtellen, ſind in Europa ſehr zahlreich. Sie haben kein Gepräge, welches ihnen eigenthümlich wäre; ſie haben Nichts erfunden, Nichts entdeckt; aber ſie haben bewunderungs⸗ würdig das Werk ihrer Vorgänger vervollkommnet, und die Rauhheiten der abſoluten Theorien gemildert, vor welchen die Vernunft oder die Vorurtheile der Zeitgenoſſen zurückwichen. Hr. Heinrich Storch iſt in die erſte Reihe dieſer eklektiſchen Volkswirthſchaftsforſcher zu ſtellen, da er in gutem Glauben die Wahrheit eben ſo gut in dem Landbauſyſtem, als in dem gewerb⸗ lichen ſucht, und geneigt iſt, allen beiden Zugeſtändniſſe zu ma⸗ chen. Als ſcharfſichtiger Beobachter und paſſend geſtellt“), um *) Hr. Storch war Lehrer des Großfürſten Nikolaus, des gegen⸗ wärtigen Kaiſers von Rußland. Er ſprach mit einer Unabhängigkeit, verſtänd Hr. St Vermö hellſte z ſpr men, Belä ſolch ſeine polit Mitt niſſe ſie in beit ge hatte: Hr. S ander, Rußl ſes Tra⸗ meiſ reich tion nenn len werꝛ thun ches! Habt. der Faů — belche g. verderblie *) Na des Arts und Gal — 233— nen, verſtändig eine Menge ſpecieller Thatſachen zu beurtheilen, wußte deln Hr. Storch von ſeinen Vorgängern als ein ſchon durch eigenes ein⸗ Vermögen reicher Mann zu entlehnen, und verbreitete das eſes hellſte Licht über die Sklaverei in den Ländern, wo darüber alle zu ſprechen am ſchwierigſten erſchien. Er gehört, genau genom⸗ nder men, gar keiner Schule an, und er hätte durch die Wichtigkeit der .B.. Beläge, welche er der Viſſenſchaft geliefert hat, verdient, eine Han⸗ ſolche zu gründen, wenn die Kühnheit ſeines Geiſtes dem Umfang khei⸗ ſeiner Kenntniſſe entſprochen hätte. In ſeinen Augen hatte die die⸗ politiſche Oekonomie kein anderes Ziel, als den Menſchen die war Mittel zu verſchaffen, ihre moraliſchen und phyſiſchen Bedürf⸗ zu⸗ niſſe zu befriedigen, und ſie zu lehren, gut zuerzeugen, um ng ſie in Stand zu ſetzen, mit Gewinn zu verzehren. Durch die Ar⸗ tet beit gelangt man dahin, wie Jedermann weiß; allein bis dahin her hatte man lediglich die Wirkung der freien Arbeit erforſcht: d⸗ Hr. Storch hat die Erſcheinungen der Zwangsarbeit ausein⸗ en andergeſetzt, d. h. der Arbeit der Leibeigenen, welche jetzt noch in ſo⸗ Rußland ſo allgemein iſt, daß ſie zum nationalen Reichthum die⸗ ten ſes Reiches mächtig beiträgt. So zählt der Verfaſſer unter den ihh⸗ Transportmitteln das Schlittenfuhrwerk auf, das bei den dieſe meiſten Völkern Europa's unbekannt iſt. Es giebt nichts Sinn⸗ Sie reicheres, als ſeine Theorie von dem relativen Reichthum der Na⸗ haben tionen, welche er leihende, borgende und unabhängige nngs⸗ nennt, ſo wie auch ſeine ſchönen Analyſen der Rente der Ta⸗ die lente und Eigenſchaften; Analyſen, die um ſo beachtungs⸗ die werther ſind, als ſie die Superiorität dieſes Elements des Reich⸗ thums nachweiſen, welches gar zu lange verkannt war, und wel⸗ ches moraliſches Kapital zu nennen ich zuerſt vorgeſchlagen hen habe. Das moraliſche Kapital iſt nichts Anderes, als die Summe die der Fähigkeiten jeder Art, durch welche die Nationen ſich berei⸗ rb⸗— na⸗ welche gleichmäßig ſein Vaterland und ſeinen Charakter ehrt, von den um verderblichen Folgen der Sklaverei in allen Staaten. *) Man ſehe den Bericht über meine Vorleſungen am Conservatoire egen⸗ des Arts et Métiers, entworfen und herausgegeben von den HH. Blaiſe und Garnier 1837, 1. Band, 8. — 234— chern, indem ſie ſich ſittigen, und welche ihnen geſtattet, ſich mit jedem Tag mehr zu bereichern und zu ſittigen. In der Zeit, wo Hr. Storch ſeine vor den ruſſiſchen Großfürſten gehaltenen Vorleſungen herausgab, war die Lehre Ricardo's über den Pachtzins(ausbedungene Grundrente, Pachtrente), welchen er Landrente nennt, noch nicht erſchienen; und ich bekenne, daß die Theorie des ruſſ. Volkswirthſchaftsforſchers mir viel ein⸗ facher und natürlicher erſcheint, als die des berühmten britiſchen Schriftſtellers. Hr. Storch nennt Grundrente den für den Ge⸗ brauch eines Grundſtücks bezahlten Preis; urſprüngliche Rente die Rente eines unbebauten Grundſtückes, gegründet auf das aus⸗ ſchließliche Recht, welches der Eigentbümer hat, über ſein Eigen⸗ thum zu verfügen; und Rente des gebeſſerten Landes den Pachtzins für die Beſſerungen nach dem laufenden Preis, verbun⸗ den mit der urſprünglichen Rente.„Die Rente von den frucht⸗ baren Ländereien, ſagt er, beſtimmt den Betrag der Rente von allen andern Ländereien, welche ſich mit ihnen in Mitwerbung be⸗ finden. So lange daher der Ertrag der fruchtbaren Ländereien für die Nachfrage genügt, können die minder fruchtbaren Län⸗ dereien, welche in der Mitwerbung ſind, nicht angebaut wer⸗ den, oder geben wenigſtens keine Rente. Sobald aber die Nachfrage die Menge der Erzeugniſſe überſteigt, welche die fruchtbaren Ländereien liefern können, ſteigt der Preis des Er⸗ zeugniſſes, und es wird möglich, die minder fruchtbaren Gründe anzubauen, und daraus eine Rente zu ziehen.“*) Es iſt merkwürdig, daß dieſe Lehre, genau genommen, die näm⸗ liche iſt, wie die, welche Ricardo faſt zu gleicher Zeit in Eng⸗ land entwickelte, ſo ſehr er auch folgerte, daß es die am minde⸗ ſten fruchtbaren Ländereien ſind, welche den Satz der Rente aller anderer beſtimmen. Es würde zu lange aufhalten, wenn man hier die Gründe ableiten wollte, welche mich beſtimmen, vorzugsweiſe die Theorie des Hrn. Storch anzunehmen; allein ich betrachte die Entwickelungen, mit welchen er ſie begleitet hat, als eine der merkwürdigſten Arbeiten, welche die politiſche Oekonomie verherrlicht haben. *) Cours d'économie politique, liv. III., chap. XII. Sc ihn Mi keine ſprüc keit eu dieſer von S Man Gani Oekon —- 235— Storch war weniger originell, aber tiefer in ſeiner Darſtel⸗ lung der Theorie vom Gelde, wo er verſucht hat, die Schwebe zwiſchen den übertriebenen Anhängern der Banken und den aus⸗ ſchließlichen Anhängern des Metallgeldes zu halten. Er hatte die Mißbräuche der Ausgaben des Papiers und des Kipper⸗ geldes in der Nähe geſehen, und ſeine alte Erfahrung geſtattete ihm nicht, ſich über die Nachtheile der Aſſignaten zu täuſchen, mit welchem Namen ſie zu taufen auch den Regierungen belieben möchte. Gleichwohl läßt ſich ſeine Phyſiologie der Banken nicht mit der unſterblichen Arbeit von Adam Smith über denſelben Gegenſtand vergleichen. Hr. Storch hat die Beweiſe des gro⸗ ßen ſchottiſchen Volkswirtbſchaftsforſchers ergänzt; er hat ſie mit einer Menge von Beiſpielen, genommen aus der Finanz⸗ geſchichte aller Völker, ergänzt, und er hat, der Erſte, die Or⸗ ganiſation faſt aller Banken Europa's kennen gelehrt In ſei⸗ nem Werke kann man ſie ernſtlich kennen lernen und ſcharf die Klippen unterſcheiden, welchen ſie zu mißtrauen haben. Der letzte Theil dieſes bedeutenden Buches iſt der Lehre von der Ver⸗ zehrung gewidmet. Der Verfaſſer hat hier ſehr gut die Gründe entwickelt, aus welchen der Handel und die Induſtrie ſich ra⸗ ſcher als der Landbau bereichern. Was er von den Wirkun⸗ gen der Leibeigenſchaft, beſonders in Rußland, dem einzigen Lande vielleicht, wo die Leibeigenſchaft noch als ſociale Inſti⸗ tution beſteht, ſagt, verdient von den Volkswirthſchaftsgelehr⸗ ten erwogen zu werden, und macht der Unabhängigkeit dieſes Schriftſtellers die größte Ehre. Nicht ohne Grund haben wir ihn unter die Eklektiker geſtellt: ſeine hohe Vernunft, die Mäßigung ſeines Charakters, ſeine große Gelehrſamkeit, welche keiner frühern Arbeit fremd zu ſein ſcheint, geben ihm An⸗ ſprüche auf dieſe Benennung, welche durch eine Unparteilich⸗ keit edel gerechtfertigt wird, die um ſo lobenswerther iſt, als dieſer Gelehrte, wie man weiß, kaiſerlicher Lehrer an dem Hofe von St. Petersburg war. Man muß ferner unter die Eklektiker den unermüdlichen Ganilh, den Verfaſſer der Syſteme in der politiſchen Oekonomie, zählen, jüngſt in einem ſehr hohen Alter ge⸗ — 236— ſtorben, ohne eine wahrhaft originale Schoͤpfung hinterlaſſen zu haben. Ganilh war mehr Finanzmann, als Volkswirth⸗ ſchaftsgelehrter, und feine Arbeiten haben weit mehr zu den Fortſchritten der Finanzwiſſenſchaft, als zur Förderung der po⸗ litiſchen Oekonomie beigetragen. So konnten auch die meiſten ſeiner Werke nicht die Umſtände überleben, welche ſie hatten entſtehen geſehen. Er ſchrieb unter der Herrſchaft der Cenſur, und ſuchte die durch die kaiſerliche Empfindlichkeit gebotenen Schonungen mit den Intereſſen der Wahrheit zu verſöhnen, welche ihn aufrichtig beſeelten. Nichts ſchien damals die ernſte Wichtigkeit der Fragen anzuzeigen, welche unſere Zeit zu löſen haben würde: Hr. Ganilh folgte ruhig dem gewohnten Ge⸗ leiſe der Debatten zwiſchen dem Roh⸗ und dem Reinertrag, zwiſchen dem Sperrſyſtem und der Freiheit des Handels; al⸗ lein Frankreich, zerſtreut durch den Lärm der Schlachten, ſchenkte ſeinen zahlreichen Schriften nur eine geringe Aufmerkſamkeit.*) Sein Verdienſt beſteht darin, an der Zukunft der Wiſſenſchaft nicht verzweifelt zu ſein, und für ſie die Kette der Zeiten, welche durch das Getöſe der Waffen zerriſſen war, wieder an⸗ geſchloſſen zu haben. Ganilh trieb politiſche Oekonomie nach Art der von der Welt zurückgezogenen Einſiedler, welche für ſich ſelbſt ſchreiben, ohne ſich um die Wirkung zu kümmern, welche ihre Bücher hervorbringen werden, und ohne ſie mehr den Bedürfniſſen ihrer Zeit anzueignen. Seine Werke ſind für die Wiſſenſchaft, was die Reſumés für die Geſchichte ſind. Er iſt der einzige Volkswirthſchaftsgelehrte der Kaiſerreichs. Der Verſuch über den Geiſt der Aſſociation von dem Hrn. Grafen Delaborde, der 18V8 erſchien, hat weit mehr Erfolg gehabt. Dieſes Buch iſt vor Allem durch die Richtig⸗ *¼) Hr. Ganilh hinterließ außer ſeinem Exposé des systèmes en éco- nomie politique, erſchienen im Jahr 1809, einen Essai politique sur le revenu publie, eine Flugſchrift sur le Revenu national als Antwort auf einige Finanzmaaßregeln des Hrn. v. Villèle; eine Théorie d'écono- mie politique und einen Dictionnaire d'économie politique, ein unvoll⸗ ſtändiges und werthloſes Werk, keit ſei gung de Inſtitu ſichten, lung an T len dieſe wele Reg chen kratit gebun kannte gieru riellen Theil der Aſo Arb He die wo ohr *), war die ttreckte: hätte al heiten le Eigenthiü terin der rin des ol⸗ — 237— keit ſeiner Vorausſehungen und durch ſeine treffliche Würdi⸗ gung der der Entwickelung des öffentlichen Wohlſtandes günſtigſten Inſtitutionen merkwürdig. Alle Kräfte waren, wie alle An⸗ ſichten, in Frankreich getheilt, als Hr. Delaborde dieſe Darſtel⸗ lung der Vortheile des Geiſtes der Aſſociation herausgab, reich an Thatſachen und voll lichtvoller Blicke über die wahren Quel⸗ len der gewerblichen und politiſchen Macht der Staaten. In dieſem Buche findet man ſo treffend ausgeſprochen die Leiden, welche die Induſtrie und der Handel unter dem militäriſchen Regiment zu erdulden hatten*), die neuen Förmlichkeiten, wel⸗ chen ſie ſich unterwerfen mußten, und die Säumniſſe der Büreau⸗ kratie, welche unglücklicher Weiſe aus der Verwaltung in die Geſetz⸗ gebung über die Arbeit übergetragen wurden. Hr. Delaborde aner⸗ kannte nichts deſtoweniger die Nützlichkeit der Einmiſchung der Re⸗ gierung in die Fragen vom öffentlichen Reichthum und von der mate⸗ riellen Erzeugung; allein er wollte ſie nach den Grundſätzen von der Theilung der Arbeit, ohne Despotismus, ohne Eingriff auf das der Induſtrie ausſchließlich heimgefallene Gebiet. So faßte er Aſſociationen für den öffentlichen Credit; Aſſociationen für die Arbeit; Aſſociationen für den Schutz der Arbeit auf. Das Heer hatte hier ſeine Rolle, wie der Handel die ſeinige, wie die Beamten der Regierung die ihrige hatten. Der Verfaſſer wollte, daß ein arbeitſames Land mäßig regiert werde, und ohne die unbedingte Lehre des Laissez-faire und des Lais- sez- passer anzunehmen, glaubte er, daß Gewinn darin liege, auf die individuelle Intelligenz und auf die Mitwerbung der Intereſſen zu zählen. *)„Der größte Fehler der kaiſerlichen Regierung, ſagt Hr. Delaborde, war dieſe beſtändige Eiferſucht auf die Induſtrie und den Handelv; ſie er⸗ ſtreckte ihren Geiſt der Beherrſchung auf die geringſten Exiſtenzen, und ſie hätte alle Zweige der Induſtrie ausbeuten wollen, wie ſie alle Angelegen⸗ heiten leitete. Man ſah ſie als Händlerin mit Zucker, Kaffee, Zitſen, als Eigenthümerin aller Waldungen, Verkäuferin der Hämmel, als Verwal⸗ terin der Kanäle, als Unternehmerin öffentlicher Arbeiten, als Verwalte⸗ rin des Vermögens der Gemeinden, Hoſpitale, als Spielpächterin n. ſ. f.“ (De l'esprit d'association, p. 440 —-— 238— Dieſe verſtändigen Lehren ſind nach und nach in die Gei⸗ ſter eingedrungen, und wir haben ſeither in Frankreich die Sparkaſſen, die Verſicherungsgeſellſchaften, die Geſellſchafts⸗ handlungen, zugleich Wirkung und Urſache des wachſenden Wohlſtands der Nation, zunehmen geſehen. Hr. Delaborde hat ſehr glücklich nachgewieſen, welchen Einfluß auf dieſen Wohl⸗ ſtand die Mitwirkung der Ausländer haben könnte, welche in unſere Aſſociationen durch die Hoffnung, hier ihre Kapitale fruchtbar anzulegen, angezogen würden. Dieſe Anſicht, kühn zur Zeit, wo ſie ausgeſprochen wurde, beginnt in Frankreich in dem Grade volksthümlich zu werden, daß man zu einer Zeit vorgeſchlagen hat, zwiſchen der Bank Frankreichs und der Bank Englands Be⸗ ziehungen zu gründen, durchaus jenen ähnlich, welche zwiſchen mehren Handelshäuſern durch die Vermittelung der conti cor- renti beſteben. Dieſes hieß ſich zu den Reformen vorbereiten, aus welchen einſt die neuen Geſchicke der Induſtrie und des Han⸗ dels hervorgehen werden, wenn die allgemeine Mitwerbung, auf jede Nation die Erzeugniſſe ihrer Manufacturen zurück⸗ ſtauchend, ſie ſämmtlich zwingen wird, einen Vertrag zu unter⸗ zeichnen, welcher von dem Geiſt des Monopols und der Ab⸗ ſperrung frei ſein wird. Und was ſind gegenwärtig dieſe Un⸗ ternehmungen der Dampfſchiffe, der Eiſenbahnen, der Kanali⸗ ſation, welche alle Staaten durch einander tributpflichtige Ver⸗ bindungslinien zu vereinigen ſtreben, anders, als der Anfang der großen Verſchmelzung der europäiſchen Intereſſen? Noch nie vielleicht erhielt eine ökonomiſche Lehre in einem ſo hohen Grade, wie die von der Aſſociation, die Sanction der Erfahrung und der Ereigniſſe. Selbſt ihr Eklekticismus, d. h. der Vergleich, welchen ſie zwiſchen den Thatſachen und Grund⸗ ſätzen zu Stande brachte, ſollte ihren Erfolg begünſtigen helfen. Auch hat ſie nicht aufgehört, von Sieg zu Sieg zu ſchreiten, und wir haben in wenigen Jahren ganz Europa von dem Geiſt der Aſſociation die Verwirklichung einer Menge von Unternehmungen fordern geſehen, welche nicht bloß die Kräfte der Privaten, ſondern ſelbſt die Macht der Regie⸗ rungen zu überſchreiten ſchienen. Es gibt künftighin nichts Unmög Erober eines dem W nen, C ſtehen chen Mer wech plöß Urw den, boote! Theile zufäll Umwe rung, heite Hiſfe neu. als das 7 dieſ ren ter Oe welch des H berühn Er beg au prüf dieſe un verwirf rien vo Darſtel — 239— Unmögliches mehr für dieſe Heere von Arbeitern, welche zur Eroberung der Reichthümer mit den angeſammelten Kräften eines ganzen Volkes ſchreiten, und welche auf ihrem Wege nach dem Willen der Induſtrie Ströme zu bändigen, Berge zu eb⸗ nen, oder von der einen zur andern Seite zu durchgraben ver⸗ ſtehen. Man hatte bis zu dieſem Tage es nur verſucht, Sa⸗ chen zu aſſociiren; ſeitdem man es aber unternommen hat, Menſchen zu aſſociiren, hat Alles um uns ſeine Geſtalt ge⸗ wechſelt. Es gibt Länder, welche dieſer mächtige Hebel faſt plötzlich unkennbar gemacht hat; Zeuge iſt Nordamerika, deſſen Urwälder durch Eiſenbahnen und Ströme durchſchnitten wer⸗ den, die, jüngſt noch einſam, jetzt durch Flotillen von Dampf⸗ booten durchflogen werden. Es bilden ſich gegenwärtig zwei Theile des öffentlichen Reichthums, einer, welcher dem Fiscus zufällt, der andere, welcher zur Arbeit zurückfließt; eine tiefe Umwälzung, welche unabläſſig die Induſtrie und die Regie⸗ rung, die Erzeugung und Verzehrung auf den Fuß der Gleich⸗ heit einander gegenüber ſtellt! Selbſt die Wohlthätigkeit hat neue Hilfsquellen von dem Geiſt der Aſſociation entlehnt, und unſere neuzeitige Geſittung hat keine ſchönere Blume in ihrem Kranze, als dieſe zahlreichen philanthropiſchen Vereine, deren Princip das Chriſtenthum und deren Mittel die Aſſociation iſt. Der ökonomiſche Eklekticismus iſt ſelbſt nach Spanien gedrungen, dieſem alten Boden der abſoluten Lehren, und einer ſeiner eh⸗ renwertheſten Geächteten, Hr. Florez Eſtrada, hat uns un⸗ ter dem Titel: Eklektiſcher Lehrgang der politiſchen Oekonomie, eine der merkwürdigſten Darſtellungen gegeben, welche ſeit der von J. B. Say erſchienen ſind. Die Methode des Hrn. Florez Eſtrada hat einige Aehnlichkeit mit der des berühmten ruſſiſchen Volkswirthſchaftsgelehrten Heinrich Storch. Er beginnt damit, die Anſichten ſeiner Vorgänger gewiſſenhaft zu prüfen, welche er nach dem Grade des Werthes, welchen dieſe Unterſuchung zu ſeiner Anerkennung brachte, annimmt oder verwirft. So hat er wahrhaft neue Betrachtungen zu den Theo⸗ rien von Malthus über die Bevölkerung gefügt. Seine ſchöne Darſtellung der Lehren Ricardo's über die Rente iſt von einer — 240— Reihe feiner und ſinnreicher Analyſen begleitet, welche dieſes Stück der Kritik zu dem Rang originaler Schöpfungen erhe⸗ ben. Kein Schriftſteller hat vor dem Hrn. Florez Eſtrada die Fragen über die Beſteuerung mit dieſer tiefen Scharfſicht be⸗ handelt, welche ihn auszeichnet; und obwohl der Verfaſſer hier eine beſondere Aufmerkſamkeit den in ſeinem Vaterland beſte⸗ henden Auflagen gewidmet hat, ſo werden doch die Staatsmän⸗ ner aller anderen Länder in dieſer Arbeit nützliche Andeutun⸗ gen und koſtbare Belehrungen finden. Hr. Florez Eſtrada hat bis zur äußerſten Augenfälligkeit die Ungleichheitlichkeit und Ungerechtigkeit des fiscaliſchen Syſtems nachgewieſen, welches gegenwärtig auf allen Nationen Europa's laſtet, und die Noth⸗ wendigkeit gezeigt, in daſſelbe in einer nicht fernen Zukunft entſchei⸗ dende Abwandlungen zu bringen. Er hat mit neuen Blicken alle Erörterungen über die Banken, die Creditpapiere, den Um⸗ lauf ergänzt, indem er dieſe Fragen an dem Punkt wieder auf⸗ nahm, wo ſie Ad. Smith, Ricardo, J. B. Say und Hr. v. Sismondi gelaſſen hatten. Der eklektiſche Lehrgang der politiſchen Oekonomie würde ein vortreffliches Buch zum Studium ſein, wenn nicht einige Dunkelheiten deſſen einfache und ſtrenge An⸗ ordnung ſtören würden. So wie es iſt, läßt ſich gleichwohl dieſes Buch vielleicht als die nöthige Ergänzung aller jener Werke be⸗ trachten, die ihm vorangegangen ſind: methodiſch mit Say, ſo⸗ cial mit Sismondi, algebraiſch mit Ricardo, experimental mit Ad. Smith, unterſcheidet der Verfaſſer ſich in vielen Rückſichten von allen dieſen großen Meiſtern, und theilt ihre Vorzüge, ohne in alle ihre Fehler zu fallen.*) Als ſpaniſcher Bürger mußte Hr. Florez Eſtrada natürlich die Intereſſen ſeines Vaterlandes im Auge. haben, und er hat mit einer ſeltenen Beſtimmtheit die Wunden des ökonomiſchen Syſtems hervorgehoben, welches Spanien ſeit Karl V. be⸗ herrſcht. Die Fragen über den Zehnten, die Subſtitutionen, das Recht der Erſtgeburt, die Majorate ſind nirgends mit *) Der eklektiſcheLehrgang der politiſchen Oekonomie des Hrn. Florez Eſtrada wurde mit ſeltener Geſchicklichkeit von Hrn. L. Gali⸗ beri, Director der Revue Britannique, in's Franzöſiſche überſetzt. dieſes erhe⸗ da die hit be⸗ er hier beſte⸗ smäͤn⸗ eutun⸗ da hat t und elches Noth⸗ ſhei⸗ icen Um⸗ auf⸗ ondi hen ſein, An⸗ dieſes kke be⸗ y, ſo⸗ nit Ad. en von hne in ürlich hat ſchen be⸗ onen, mwit es Hry. Gali⸗ t — — 241— einer größern Ueberlegenheit, als in ſeinem Buche behandelt. Hier kann man noch beſſer, als in dem Werke von Jovella⸗ nos*), die wahren Urſachen des Verfalls Spaniens und des Schadens erforſchen, welchen dieſem ſchönen Lande die ſchlech⸗ ten ökonomiſchen Geſetze verurſacht haben, von welchen es ſeit beinahe drei Jahrhunderten heimgeſucht iſt. Hr. Florez Eſtrada beurtheilt ſie mit einer Höhe der Anſichten, welche ſich bis auf die fiscale Organiſation der Hauptmächte Europa's er⸗ ſtreckt; und ſeine ſchönen Analyſen des Einfluſſes der Steuern auf die verſchiedenen Gewerbszweige werden gleichſam der noth⸗ wendige Ausgangspunkt aller Reformen bleiben, deren dieſe Steuern fähig ſind. Das ſind die weſentlichen Anſprüche des Verfaſſers auf den Dank der Volkswirthſchaftsgelehrten, und wir bedauern, daß er nicht die ſocialen Fragen aufgenommen hat, über welche Niemand ein helleres Licht verbreiten konnte, als er. Hr. Florez Eſtrada gehört durch ſeine Lehren der eng⸗ liſchen Schule an; er iſt Anhänger des Syſtems von Malthus, und ſeine Theorie von der Grundrente iſt lediglich die Ricardo's, jedoch vervollkommnet und durch gleich ſinnreiche Vergleichun⸗ gen und Beiſpiele erläutert. Hr. Florez Eſtrada zeigte ſich übrigens mehr als Eklektiker rückſichtlich der Perſonen, als in Beziehung auf die Sachen. Die Gütererzeugung ſcheint ſeine Blicke weit mehr, als die Verzehrung angezogen zu haben, und obwohl er vorgeſchlagen hat, zu dem gewöhnlichen Programm der politiſchen Oekonomie eine auf die Tauſche bezügliche Einthei⸗ lung hinzu zu fügen, ſo iſt ſeine Kritik doch vor den Verwickelun⸗ gen ſtehen geblieben, welche jeden Tag das von England über⸗ triebene und in Frankreich ſchon eingebürgerte Induſtrieſyſtem entſtehen läßt. Die meiſten der eklektiſchen Volkswirthſchafts⸗ gelehrten, mit Ausnahme des Hrn. Delaborde, haben dieſe Zu⸗ rückhaltung getheilt, welche wir Aengſtlichkeit nennen würden, wenn es für uns nicht erwieſen wäre, daß nach der Anſicht dieſer Schriftſteller die Freiheit der Arbeit und die des Han⸗ dels ausreichen müßten, um ſämmtliche ſocialen Schwierigkeiten *) Informe en el expediente de la ley agraria, Blanqui, Geſchichte d. polit. Oekonomie. II. Ad. 16 —-— 242— unſerer Zeit zu einem guten Ende zu führen. Allein jedes Zeit⸗ alter hat ſeine Aufgabe zu löſen, und wenn der letzte Zeit⸗ punkt eingetreten iſt, ſo kann man nicht von dem Schwanken zwi⸗ ſchen gleich unmächtigen Lehren eine ernſte und dauernde Lö⸗ ſung hoffen. Bei dem gegenwärtigen Zuſtande der Dinge iſt die eklektiſche politiſche Oekonomie nur noch eine Wiſſenſchaft der Beobachtung, während der Gang der Ereigniſſe eine po⸗ litiſche Oekonomie der Thätigkeit fordert. Wenn die Regie⸗ rungen, durch die Fluth entgegengeſetzter Intereſſen beſtürmt, der Wiſſenſchaft kategoriſche Antworten abfordern, ſo darf dieſe letztere nicht im Unbeſtimmten beharren, oder ſich zu Diſſerta⸗ tionen flüchten: man muß handeln; man muß die nöthig ge⸗ wordenen Reformen mit jener unparteiiſchen und vorſichtigen Kraft ausführen, welche Hrn. Huskiſſon auszeichnete. Das war das kühne Unternehmen einer künftighin, trotz ih⸗ rer Irrthümer, berühmten Schule, deren Verſuche geſcheitert ſind, weil ſie des Maaßes ermangelten, obwohl ſie eine leuch⸗ tende Spur hinter ſich ließen. Dieſe Schule iſt die Saint⸗ Simon'’s, welche der alten politiſchen Oekonomie das werden wollte, was die conſtituirende Verſammlung dem alten Régime war, und welche, wie dieſe Verſammlung, in einem Sturme verſchwand. Hauptſtück XLIII. Von der politiſchen Oekonomie der Saint⸗Simoniſten.— Erſte Schrif⸗ ten Saint⸗Simons.— Kühnheit ſeiner Angriffe.— Theorien ſeiner Schüler.— Der producteur.— Ihr Begriff von dem Induſtria⸗ lismus.— Sie gründen eine Kirche.— Ihre Angriffe auf das Erb⸗ recht.— Allgemeine Ueberſicht und Würdigung ihrer Arbeiten. Als die erſten Schriften der Saint⸗Simoniſten an's Licht traten, erwarteten alle durch die Volkswirtſchaftsforſcher auf⸗ geſtellten Fragen eine Löſung. Europa hatte noch nie einen ſo thätigen Antheil an dieſer Polemik, trotz der Ungewißheiten, — 243— genommen, welche ſie in ihrem Gefolge hatte, und welche je⸗ den Tag die von den Häuptern der verſchiedenen Schulen un⸗ terhaltenen Debatten vermehrten. Zu gleicher Zeit hatte die ungeheure Entwickelung der Induſtrie, hervorgerufen durch den allgemeinen Frieden, neue Verwickelungen entſtehen laſſen, wel⸗ chen man durch wirkſame und den Umſtänden anpaſſende Maaß⸗ regeln abhelfen ſollte. Der Zeitpunkt war gekommen, zu han⸗ deln, wie wir ſchon geſagt haben: zahlreiche Wunden ſchmerz⸗ ten den geſellſchaftlichen Körper; der Pauperismus ergriff im- mer mehr und mehr die Fabrikländer; man hatte ſchmerzliche und unerwartete Handelskriſen beſtanden, ohne Hoffnung, ſie auf langehin verſchwinden zu ſehen. Von allen Seiten erho⸗ ben ſich Erörterungen über die Löhne, die Findelkinder, die Abſatzwege, ohne daß die Regierungen es wagten, die Initia⸗ tive jener entſcheidenden Maaßregeln zu ergreifen, welche das Uebel zerſtören oder verſchlimmern, je nach der Geſchicklichkeit, 3 mit welcher ſie angewendet werden. In dieſem Zuſtande fand der Saint⸗Simonismus Frankreich und Europa, als ſeine er⸗ ſten Schriften die öffentliche Aufmerkſamkeit zu erwecken began⸗ nen. Die Lehren dieſer Schule haben einen zu großen Ein⸗ fluß auf den Gang der politiſchen Oekonomie ausgeübt, als daß man ſie mit Stillſchweigen übergehen dürfte, ſogar gegen⸗ über den ſtürmiſchen Kämpfen, welche ſie erregt haben. Ein originaler und während ſeines ganzen Lebens verkannter Mann wurde, wahrſcheinlich ohne es zu wiſſen, was auch dagegen ſeine Schüler geſagt haben mögen, der Gründer der Secte der Saint⸗Simoniſten: das war der Graf von Saint⸗Si⸗ mon, ein Sprößling des berühmten Geſchlechtes dieſes Namens, in ſeiner Jugend zu dem Heereszug nach Amerika hingeriſſen, und während ſeiner übrigen Laufbahn, ſei es durch das Unglück der Zeiten, ſei es durch perſönliche Verirrungen zu einer un⸗ ſichern und ärmlichen Exiſtenz herabgedrückt. Es ſcheint, daß inmitten der Wechſelfälle ſeines Schickſals Saint-Simon, ſchon von Entwürfen zu einer Reform eingenommen, den Plan einer Reorganiſation der Geſellſchaft auf Grundlagen entworfen hatte, 16. — 241— welche ihm vor allen denen den Vorzug zu verdienen ſchienen,„Da die die Volkswirthſchaftsgelehrten ſeiner Zeit theilten. Er vnc ſchritt an dieſes Werk nach einander durch die Herausgabe einer nit Reihe kurzer und kerniger Aufſätze, welche ſeine Ideen unter ein⸗ der f ſchneidenden und maleriſchen Formen zuſammenfaßten. In einer für i dieſer regeneratoriſchen Flugſchriften“) ſchlug er vor, die geiſtliche ſeine Gewalt den Händen der Gelehrten, die weltliche Gewalt den wen Händen der Grundeigner zu übergeben, und die betreffenden B „Regierungen zu bezahlen. Allein ſeine Rathſchläge hatten wenig de Erfolg in dieſem Zeitraum; es war gegen das Ende der Re⸗. gierung Napoleons, und die Umſtände waren Utopien dieſer alle Art nicht ſehr günſtig. Saint⸗Simon fand ein freieres Feld im Kün Anfang der Reſtauration, und es war im Jahr 1819, wo er nem die erſte ſcharfe und kühne Darſtellung ſeiner gewerblichen 4 Theorien erſcheinen ließ. Die kleine Schrift, welche er unter 9 dem Titel Parabole herausgab, war äußerſt merkwürdig von † vgir Seite eines Mannes ſo hoher Abkunft, ſo beſcheiden übrigens von auch ſein gegenwärtiges Vermögen war. Saint⸗Simon ent⸗ wickelte hier unter der Form einer ſpöttiſchen Hypotheſe ſeine mi Lieblingslehre über den Vorzug der gewerblichen Beſchäftigungen ri vor allen andern Berufen der Geſellſchaft. Er ſtellte ſich an, d nicht zu begreifen, wie die in den Künſten und Manufacturen b geſchickteſten Leute in dem Staat nicht die vortheilhafteſten Stellen w in ihrer Eigenſchaft als Schöpfer aller Erzeugniſſe und folglich ih aller Reichthümer einnehmen ſollten; und die untergeordnete J Lage, in welcher er ſie ſah, ſchien ihm die verkehrte Welt w. zu ſeyn. Man leſe, wie er ſich hierüber in ſeiner Parabel d ausdrückt, von der wir wörtlich einen Auszug anführen, um 4 zugleich eine Idee von ſeiner Schreibart und ſeinen praktiſchen 15 Anſichten zu geben: ſg „Ich nehme an, ſagt er, daß Frankreich plötzlich ſeine fünfzig erſten Prin Phyſiker, ſeine fünfzig erſten Chemiker, ſeine fünfzig erſten Maler, Bau⸗ Ange künſtler, Aerzte, mit Einem Wort, ſeine dreitauſend erſten Künſtler, Ge⸗ 8 lehrten und Gewerbsmänner verlöre. 1 die eine *) Lettre d'un habitant de Genève à ses contemporains. win — 245— „Da dieſe Männer die weſentlichſten Erzeuger in Frankreich ſind, die, weiche die wichtigſten Erzeugniſſe geben, die, welche die für die Nation nützlichſten Arbeiten leiten, und welche ſie in den ſchönen Künſten, in den Gewerben und Handwerken productiv machen, ſo ſind ſie wirklich die Blüthe der franzöſiſchen Geſellſchaft: ſie ſind von allen Franzoſen die nützlichſten für ihr Vaterland, die, welche ihm den größten Ruhm erwerben, welche ſeine Geſittung und ſein Wohl am meiſten fördern. Frankreich bedürfte wenigſtens einer ganzen Generation, um dieſes Uebel wieder gut zu machen; denn die Menſchen, welche ſich in den Arbeiten einer poſitiven Nützlichkeit auszeichnen, ſind wahre Anoma ien, und die Natur iſt nicht verſchwen⸗ deriſch an Anomalien, zumal dieſer Art. „Gehen wir zu einer andern Annahme über: ſetzen wir, daß Frankreich alle Männer von Genie behalte, welche es in den Wiſſenſchaften, ſchönen Künſten und Gewerben beſitzt; daß es aber das Unglück hätte, an Ei⸗ nem Tag Monsieur, den Bruder des Königs, ſeine Hoheit, den Herzog von Angouléme, ſeine Hoheit, den Herzog von Berri, ſeine Hoheit, den Herzog von Orleans, ſeine Hoheit, den Herzog von Bourbon, die Frau Herzogin von Angouléème, die Frau Herzogin von Berri, die Frau Her⸗ zogin von Orleans, die Frau Herzogin von Bourbon und die Mademoiſelle von Condé zu verlieren; „Daß es zugleich verlöre alle Großbeamten der Krone, alle Staats⸗ miniſter, alle Mattres des requêètes, alle Marſchälle, alle Cardinale, Erz⸗ biſchöfe, Biſchöfe, Großvicare und Domherren, alle Präfecten und Unter⸗ präfecten, alle Beamten der Miniſterien, alle Richter und dazu die zehntau⸗ ſend reichſten Grundeigner unter Jenen, welche auf adeligem Fuße leben. „Dieſer Unfall würde gewiß die Franzoſen betrüben, weil ſie gut ſind, weil ſie nicht gleichgiltig das plötzliche Verſchwinden einer ſo großen Zahl ihrer Landsleute ſehen könnten; allein dieſer Verluſt von dreißig tauſend Individuen, die für die bedeutendſten des Staates angeſehen werden, würde ihnen nur in einer rein ſentimentalen Beziehung Kummer bringen; denn es würde gar kein Uebel für den Staat daraus hervorgehen. „Einmal aus dem Grund, weil es ſehr leicht ſeyn würde, die Stellen wieder zu beſetzen, welche erledigt worden wären. Es gibt eine Menge Franzoſen, die im Stand ſind, die Functionen eines Bruders des Königs ſo gut zu verſehen, als Monsieur; viele ſind fähig, die Stellen von Prinzen ganz eben ſo gut zu bekleiden, als ſeine Hoheit, der Herzog von Angouléme, der Herzog von Orleans, u. ſ. f. „Die Vorzimmer des Schloſſes wimmeln von Höflingen, die bereit ſind, die Stellen der Großbeamten der Krone einzunehmen; die Armee beſitzt eine große Menge Militäre, die ſo gute Heerführer wären, als unſere wirklichen Marſchälle. Wie viele Commis wiegen unſere Staatsminiſter auf! Wie viele Verwaltungsbeamten ſind fähiger, die Angelegenheiten der — 246 Departemente zu beſorgen, als die Präfecten und Unterpräfecten, die gegenwärtig in Thätigkeit ſind; wie viele Anwälte ſind eben ſo gute Rechts⸗ gelehrten, als unſere Richter! Wie viele Pfarrer ſind eben ſo tüchtig, als unſere Cardinale, als unſere Erzbiſchöfe, als unſere Biſchöfe, als unſere Großvicare und als unſere Domherren! Was die zehn tauſend Grundeigner betrifft, ſo hätten ihre Erben gar keine Lehrzeit nöthig, um die Honneurs ihrer Salons ſo gut zu machen, als ſie.“ Dieſe kühne Flugſchrift machte Aufſehen genug, um die Be⸗ ſorgniß der Magiſtrate zu erwecken, und um eine Freiſprechung zu erhalten, trotz ihren gerichtlichen Verfolgungen. Dieß war das Programm der induſtriellen Macht, welche Saint⸗Simon zu gründen ſich vornahm, und auf daſſelbe folgten bald an⸗ dere Schriften, die ſeither durch den Hrn. Olinde Rodri⸗ gues, einen ſeiner Schüler, gewiſſenhaft geſammelt worden ſind. Die auffallendſten dieſer Schriften hatten den Titel: Organisaleur, Culéchisme des industriels, Systeme industriel.„Wir fordern, ſagte er, alle Gewerbtreiben⸗ den auf, die für das öffentliche Wohl eifrig beſorgt ſind, und welche die beſtehenden Verhältniſſe zwiſchen den allge⸗ meinen Intereſſen der Geſellſchaft und jenen der Induſtrie kennen, nicht mehr länger zu dulden, daß man ſie mit dem Na⸗ men„Liberale“ bezeichne; wir laden ſie ein, eine neue Fahne aufzuſtecken, und auf ihre Banner die Deviſe zu ſchreiben:„Induſtrialismus.“ Die Bezeichnung„Li⸗ beralismus,“ welche durch die Trümmer der patriotiſchen und bonapartiſtiſchen Partei gewählt, angenommen, und aus⸗ gerufen worden iſt, hat drei große Uebelſtände für die Men⸗ ſchen, deren weſentliches Beſtreben iſt, durch friedliche Mit⸗ tel eine feſte Ordnung der Dinge einzuführen. Wir maßen uns nicht an, zu ſagen, daß die Patrioten und Bonapar⸗ tiſten der Geſellſchaft nicht Dienſte geleiſtet haben; ihre Kräftig— keit war nützlich; denn man mußte zerſtören, bevor man auf⸗ bauen konnte. Aber gegenwärtig iſt der revolutionäre Geiſt, der ſie angeregt hat, dem öffentlichen Wohle geradezu ent⸗ gegen; gegenwärtig kann eine Bezeichnung, die nicht einen dem aufrühreriſchen Geiſte durchaus widerſprechenden Geiſt —- 247— anzeigt, den aufgeklärten und wohlgeſinnten Menſchen nicht zukommen.“ Wir haben dieſe verſchiedenen Stellen angeführt, um auf⸗ merkſam zu machen auf das ſonderbare Gemenge der ſich widerſprechenden Geſinnungen, welche die ſaint⸗ſimoniſtiſche Lehre in dieſer erſten Periode ihrer Entwickelung auszeichnete. Von da an hat dieſe Schule nicht aufgehört, eine Art blin⸗ der Ehrfurcht für die Vorſchriften der Autorität zu beken⸗ nen, und zwar bis zu dem Grade, ſie mit einer Oberauf⸗ ſicht über alle Verfahrungsweiſen der Arbeit zu bekleiden, und ſo eine allgemeine Intervention der Verwaltung in die Intereſſen aller Privaten zu ſchaffen. Man begreift ohne Mühe, daß Saint⸗Simon um ſo mehr Hang zu dieſem Despotismus der Staatsgewalt hatte, als ſie nach ſeinen Ideen den Händen der Gewerbtreibenden natürlich zufallen ſollte. Wir haben hier gar nicht den rein religiöſen Theil der Leh⸗ ren Saint⸗Simon's zu prüfen, ſo wie er aus ſeinem Nou- veau Christianisme hervorgeht, einem ſehr merkwürdigen Werke, in welchem der Verfaſſer die dringende Nothwen⸗ digkeit ausgeſprochen hat, das Loos der zahlreichſten und ärmſten Klaſſen zu verbeſſern. Noch weniger wollen wir die Verwandlung dieſer ganz induſtriellen Schule in eine Me⸗ tropolitankirche rügen, die ihre Lehren und Caſuiſten hatte. Dieſer Theil der Geſchichte der Saint⸗Simoniſten gehört in die Geſchichte der religiöſen Verirrungen, ſo wie die Ver⸗ ſuche der Emancipation des Weibes und das Gefolge von Kühnheiten, womit ſie begleitet waren. Unſer Zweck iſt nur, die ökonomiſchen Arbeiten der Secte und die aus dieſen Ar⸗ beiten erlangten Ergebniſſe hervor zu heben. In der That alsbald nach dem Tode Saint⸗Simons veröffentlichten ſeine Schüler unter dem Namen:„Le Producteur,“ eine perio⸗ diſche Sammlung, beſtimmt zur Verbreitung der Lehren des Meiſters, wobei ſie aber dieſelben den Bedürfniſſen der Zeit anpaßten, und mit Schonungen, welche ſie nach der Revolution von 1830 abzulegen für gut fanden. Wie — 248— es ſich auch damit verhalte, die Herausgeber dieſer Samm⸗ lung hatten es dahin gebracht, unter den gebildetſten Män⸗ nern der Preſſe Ideen zu verbreiten, die der Entwickelung der induſtriellen Macht günſtig waren, und den Zauber zu ſchwächen, der damals ausſchließlich an den politiſchen Mit⸗ teln haftete. Sie griffen mit einfachen und kräftigen Grün⸗ den das durch die Reſtauration übertriebene alte Prohibitiv⸗ ſyſtem an; ſie hoben mit einem ruhigen und würdigen Stolze die Wichtigkeit der Rolle der Gelehrten, der Ge⸗ werbtreibenden und der Künſtler hervor, einer neuen Trini⸗ tät der Religion der Liebe und der Arbeit, die ſie zu grün⸗ den ſich vornahmen. Von dieſer Epoche an verläuft ein wahrer Wechſel in den abſoluten Ideen der ſtreitenden Preſſe, der Leiterin der populären Meinung in Frankreich: die mi⸗ litäriſchen Beſtrebungen verlieren viel von ihrer Herrſchaft: der Krieg wird genöthigt, Rechenſchaft abzulegen, und zum erſten Male ſeit langer Zeit fängt man an, zu bemerken, daß außer den privilegirten Klaſſen des Vermögens und der Politik eine zahlloſe Maſſe von Arbeitern beſteht, an welche die Reihe gekommen iſt, auf den Schauplatz der Welt zu treten, und dort ihre rechtmäßigen Vertreter zu haben. Die Saint-Simoniſten waren auf dieſem Punkte, als die Juliusrevolution ausbrach. Ich glaube nicht, den Ein⸗ fluß ihrer erſten Schriften zu hoch anzuſchlagen, wenn ich behaupte, daß es unter ihrer Eingebung geſchah, daß die Wirren der Zeit jenen ſocialen Charakter annahmen, von wel⸗ chem Europa ſich ſo lebhaft ergriffen zeigte. Der Producteur hatte aufgehört, zu erſcheinen, aber nur, um überflügelt zu werden. Eine neue Darlegung der ſaint⸗ ſimoniſtiſchen Lehre, reiflich erörtert im Rathe der Hohenprieſter des gro⸗ ßen Kollegiums, verkündigte kühn die Aufhebung des Erb⸗ rechtes und die Klaſſenabtheilung der Stellungen nach dem Maaße der Fähigkeiten. Man fühlt, wie ſehr dieſer Lehrſatz der menſchlichen Eitelkeit ſchmeicheln mußte, die immer ge⸗ neigt iſt, ſich mit Wohlwollen zu beurtheilen, und welche ſchmeichelnde Folgerungen aus der Aufhebung des Erbrechts —,—— die Mel hatten. ſtände, hatten, nützigt vratt der dritt einen ihrer ungel Aufftc ens: keit! legern und d als welch Ung darg dan vern mei die übe fel Stel Mln. die gle der Arn „Die von ſich viel em welche bewirkt „Den — 249— in⸗ die Menſchen ziehen konnten, die dabei Nichts zu verlieren ſin⸗ hatten. Die Saint⸗Simoniſten benützten geſchickt die Um⸗ ung ſtände, welche den aufrühreriſchen Maſſen einen Sieg gegeben 1 hatten, verherrlicht durch die bewunderungswürdigſte Uneigen⸗ Nit nützigkeit, von welcher die Geſchichte meldet. Sie erklärten als un⸗ praktiſche Männer das berühmt gewordene Wort von Sieyes: tiv⸗ der dritte Stand iſt Alles, und ſie wollten, daß der igen dritte Stand von 1830 nicht auf die kleinlichten Verhältniſſe Ge⸗ einer Bürgerſchaft zurückgeführt werde. Aber während ſie in ni⸗ ihrer Sprache nach den friedlichſten Formen haſchten, gingen die N⸗ ungebildeten Maſſen gerade auf ihr Ziel los, und ſtrebten durch n Aufſtände nach der Verwirklichung dieſes trügeriſchen Verſprech⸗ , ens:„Jedem nach ſeiner Fähigkeit, jeder Fähig⸗ keit nach ihren Werken.“ Es fehlte nicht an kühnen Aus⸗ legern, um den betrübenden Contraſt des Elendes der einen n„ und des Ueberfluſſes der andern hervortreten zu laſſen. Mehr , als Ein Gaſſentribun wies leicht die hohen Vortheile nach, er welche die Menſchheit von der Abſchaffung dieſer verhaßten he Ungleichheiten gewinnen müſſe, die als wahre Beraubungen dargeſtellt wurden. Das war jedoch durchaus nicht der Ge⸗ danke der Saint⸗Simoniſten, als ſie ihr berühmtes Symbol als veröffentlichten. Sie hatten weder im Sinne, die Güterge⸗ Fin⸗ meinſchaft zu predigen, noch, was man ihnen ſpäter vorwarf, ich die Gemeinſchaft der Frauen; und das Manifeſt, das ſie hier⸗ die über an die Deputirtenkammer richteten, läßt gar keinen Zwei⸗ el⸗ fel über ihre wahren Abſichten. Folgendes iſt die merkwürdigſte ur Stelle dieſes Aktenſtücks: zu„Unter dem Syſtem der Gütergemeinſchaft verſteht man im Allgemeinen en die gleiche Theilung ſowohl des Productionskapitals ſelbſt, als der Fruch d⸗ der Arbeit Aller unter alle Mitglieder der Geſellſchaft. b⸗„Die Saint⸗Simoniſten weiſen dieſe gleiche Theilung des Eigenthums em von ſich, welche in ihren Augen eine viel größere Gewaltthätigkeit, eine ſah viel empörendere Ungerechtigkeit ſein würde, als die ungleiche Theilung, ge⸗ welche urſprünglich durch die Gewalt der Waffen, durch die Eroberung lche bewirkt worden iſt. „Denn ſie glauben an die natürliche Ungleichheit der Menſchen, und be⸗ — 250— trachten dieſe Ungleichheit als die unerläßliche Bedingung der geſellſchaft⸗ lichen Ordnung. „Sie weiſen das Syſtem der Gütergemeinſchaft zurück; denn dieſe Ge⸗ meinſchaft wäre eine offenbare Verletzung des erſten der Sittengeſetze, wel⸗ che zu lehren ſie die Sendung übernommen haben, und welches will, daß in Zukunft Jeder nach ſeiner Fähigkeit geſtellt, und ihm nach ſeinen Werken vergolten werde. „Aber kraft dieſes Geſetzes fordern ſie die Abſchaffung aller Privilegien der Geburt, ohne Ausnahme, und folglich auch die Abtragung des Erbrechtes, des größten dieſer Vorrechte, desjenigen, welches ſie ge⸗ genwärtig alle umfaßt, und deſſen Wirkung iſt, dem Zufall die Verthei⸗ lung der ſocialen Privilegien unter die kreine Zahl Jener zu überlaſſen, welche ſich dieſelben anmaßen wollen, und die zahlreichſte Klaſſe zur Ver⸗ derbtheit, zur Unwiſſenheit, zum Elend zu verdammen. „Sie fordern, daß alle Werkzeuge der Arbeit, die Ländereien und Ka⸗ pitale, welche gegenwärtig den zerſtückelten Fonds des Privateigenthums bilden, durch Aſſociation und hierarchiſch auf die Weiſe gebraucht werden ſollen, daß die Aufgabe eines Jeden der Ausdruck ſeiner Fähigkeit und ſein Reichthum das Maaß ſeiner Werke ſei. „Die Saint⸗Simoniſten wollen nur in ſo fern einen Angriff gegen die Verfaſſung des Eigenthums machen, als ſie für Einige das gottloſe Vor⸗ recht des Müſſiggangs heiligt, d. h. das Recht, von fremder Arbeit zu le⸗ ben; als ſie dem Zufall der Geburt die ſociale Klaſſeneintheilung der In⸗ dividuen überläßt.“ Ungeachtet dieſer Proteſtation der Saint⸗Simoniſten ließ ſich leicht erkennen, daß ihre Angriffe auf die Vererbung des Eigenthums auf eine wahre Beraubung der Familien hinaus⸗ liefen. Sie bedrohten alſo die Bürger in dem Genuß desjeni⸗ gen ihrer Rechte, das als das heiligſte betrachtet wird; ſie ver⸗ letzten die Väter in ihrer ſüßeſten Hoffnung, und ſie trafen die Geſellſchaft ſelbſt in ihrem Vermögen dadurch, daß ſie bei dem Menſchen den mächtigſten Sporn zur Arbeit und Sparſamkeit abſtumpften. Wer ſollte denn in jedem Lande die Verrichtun⸗ gen eines Vertheilers der Genüſſe und der Functionen aus⸗ üben? Welche Intelligenz ſollte ſich ſo erhaben, und welcher Geiſt ſollte ſich ſo unparteiiſch finden, um vor Irrthümern und Ungerechtigkeiten geſichert zu ſein? Das durfte nicht weniger, als ein Hoheprieſter, ſo unfehlbar als der Papſt, und ferner ein ſouveräner Spender der Erträgniſſe der Arbeit ſein. Die Eingewe rigkeit hoͤchſt und M monisr auf, halter dern Läch Gri volle noch Saint alle i rüſtet ten heira Kind Un ſoll deu ſer Fan len reg ben gen derſt Kunff ren: rien ſammen ausbree Angeſie Zorne. eſellſchaft⸗ dieſe Ge⸗ ſetze, wel⸗ hes wil,, ach ſeinen briyvilegien ung des es ſie ge⸗ Verthei⸗ berlaſſen, ur Ver⸗ nd Ka⸗ thums werden it und gen die ſe Vor⸗ za l⸗ det In⸗ ten ließ ung des hinaus⸗ desjeni⸗ ſie ver⸗ afen die dei dem ſamkeit ichtun⸗ n aus⸗ welcher ern und veniger, d ferner in. Die — 251— Eingeweihten der Lehre wichen auch nicht vor dieſer Schwie⸗ rigkeit zurück, und ſie gaben ſich unter dem Namen eines „höchſten Vaters“ dieſen ſouveränen Spender der Freuden und Mühen. Von dieſem Augenblick an artet der Saint⸗Si⸗ monismus in eine Art von weltlicher Theokratie aus, und hört auf, ſich innerhalb der Schranken wirthſchaftlicher Utopien zu halten. Man betrachtet ihn nicht mehr als eine Schule, ſon⸗ dern als eine Kirche, und ſchon wird er durch die Macht des Lächerlichen verfolgt, das in Frankreich unbarmherzig allen Gründern von Kirchen anhaftet. Zu gleicher Zeit bringen vollends die thörichten Verſuche der Emancipation der Frauen noch das in Mißachtung, was Gutes und Nützliches in den andern Saint⸗Simoniſtiſchen Vorſchlägen liegen konnte. Man zieht ſie alle in eine gemeinſchaftliche Verwerfung. Man lacht und ent⸗ rüſtet ſich über dieſen Kampf zwiſchen zwei ausgezeichne⸗ ten Perſonen der Secte, von welchen die eine, ein ver⸗ heiratheter Mann, verlangt, es ſolle in der Familie jedes Kind ſeinen Vater kennen dürfen, während die andere, ein Unverheiratheter, behauptet, daß die Frau einzig berufen ſein ſolle, ſich über dieſe ſchwierige Frage zu erklären. Ernſte zeute ſehen nur noch eine Ausſchweifung des Geiſtes in die— ſer Ausgelaſſenhett frecher Vorſchläge, die zur Zerrüttung der Familie und des Eigenthumes führen. Die Magiſtrate füh⸗ len ſich dadurch beunruhigt, die Geſellſchaft wird dadurch er⸗ regt. Umſonſt organiſiren die Saint⸗Simoniſten Tempel, ge⸗ ben das Löſungswort ihres Räthſels in beredten Vorträ⸗ gen, wo ihre Rede Reiche und Arme durch eine Art unwi⸗ derſtehlicher Blendung hinreißt; vergebens ſelbſt haben ſie die Kunſt, Anhang zu ſammeln und ihre Proſelyten zu vermeh⸗ ren: ihr Verfall naht heran und ihre verſtändigſten Theo⸗ rien werden mit den Verirrungen ihrer Einbildungskraft zu⸗ ſammen geworfen. Die Aufſtände, welche von allen Seiten ausbrechen, gelten als die Frucht ihrer Aufregungen, und im Angeſicht des Blutes, welches fließt, weicht das Lachen dem Zorne. Die Behörde läßt die Säle für ihre Conferenzen ſchlie⸗ — 252— ßen, und die Gerichte verfolgen ſie als Störer der öffent⸗ lichen Ruhe. Welch' ein trauriges Ende für Anfänge, die ſich ſo günſtig darſtellten! Wer hätte glauben können, daß die wiſſenſchaft⸗ lichen Darſtellungen der Verfahrungsarten der Induſtrie, wie ſie durch den Producteur bekannt gemacht worden waren, zu ihrem Schluſſe haben ſollten die freie Frau und die Schöpfung eines oberſten Vaters! Aber trotz dieſen Ungereimtheiten hatte ein tiefer Gedanke die Zerſtreuung der Saint⸗Simoniſten über⸗ lebt, ausgeſchieden von dem unreinen Zuſchlag der Sinnlichkeiten der Straße Monſigny.*) Dieſer Gedanke war durch eines der Hauptorgane der Secte ſo gefaßt worden:„Die Geſell⸗ ſchaft beſteht, nach ihnen, nur aus Müßigen und Arbeitern. Die Politik muß die moraliſche, phyſiſche und intellectuelle Ver⸗ beſſerung des Schickſals der Arbeiter und den fortſchreitenden Verfall der Müßigen zum Zwecke haben. Die Mittel ſind, was die Müßigen betrifft, die Aufhebung aller Privilegien der Ge⸗ burt, und in Beziehung auf die Arbeiter die Claſſification nach den Fähigkeiten und die Vergeltung nach den Werken.“ Die Saint⸗Simoniſten begriffen ſehr wohl, daß es ihnen unmöglich ſein würde, in dem gegenwärtigen Zuſtande der Geſellſchaft raſch zu ihrem Ziele zu gelangen; auch verkündeten ſie ſelbſt die Nothwendigkeit eines gemeſſenen Uebergangs und ſie wie⸗ ſen die Idee einer unmittelbaren Aufhebung des Erbrechts zurück. Ihr Plan war, Anfangs die Aufhebung des Erb⸗ rechts in der Seitenlinie in den entfernten Graden der Ver⸗ wandtſchaft hervorzurufen, um unmerklich die Gemüther an entſcheidendere Reformen zu gewöhnen. Sie wollten zur Ver⸗ minderung der Auflagen den dem Staate erworbenen Betrag *) In dieſer Straße hatten die Saint⸗Simoniſten die Metropole ihres Cultus errichtet, als ſie ſich zu Prieſtern machten. Dort gaben ſie ſehr beſuchte Abendgeſellſchaften und Conferenzen, welche es nicht minder wa⸗ ren. Man darf glauben, daß die trunkene Freude über dieſe Salonser⸗ folge nicht wenig zu der Hinneigung zum Epikurismus beigetragen habe, welche dieſe merkwürdigen Menſchen irre geführt hat. des Eige und den wenden, Budget träftige offentl dorch vor i die S förder die N Saint Sie Verb üus ſerd nen lich mu ein din im ſam gion müthe moniſt iſt viel nen dar Cyoche tung al vohl d Verehra fent⸗ inſtig haft⸗ wie ihrem geines hatte über⸗ kkeiten eines eſell⸗ tern. Ver⸗ nden was Ge⸗ nach Die wöglich ellſchaft e ſelbſt ie wie⸗ ebrechts 3 Erl⸗ Ver⸗ er an Ver⸗ etrag ihres ſie ſehr det wa⸗ Nlonser⸗ en habe, des Eigenthums, welches deſſen Vermögen vergrößern würde, und den Ertrag der Gefälle für Erbſchaften in gerader Linie ver⸗ wenden, die bedeutend vermehrt worden wären. Mittelſt dieſes Budgets neuer Schöpfung gaben ſie allen Induſtriezweigen einen kräftigen Aufſchwung, gruben Kanäle, zogen Straßen, errichteten öffentliche Denkmale und gründeten die Lehranſtalten, welche durch die Bedürfniſſe des Landes gefordert wurden. Man kann noch gegenwärtig nicht ohne eine lebhafte Theil⸗ nahme die Anſichten leſen, die ſie jeden Tag in dem Tageblatt le Globe, das ihr Eigenthum geworden war, darſtellten. Durch eine ziemlich merkwürdige Sonderbarkeit hatte dieſes Tageblatt vor ihnen einem Verein ausgezeichneter Männer gehört, welche die Sturmfluth von 1830 damals eben an das Staatsruder ge⸗ fördert hatte. Was der frühere Globe für den Gedanken, für die Mittelklaſſen zu erobern geſucht hatte, das forderten die Saint⸗Simoniſten für die Arbeit, für die niederen Klaſſen. Sie nahmen einen thätigen Antheil an allen Entwürfen zur Verbeſſerung, die durch die verjüngende Bewegung des Ju⸗ lius begünſtigt wurden. Ihr Blatt, umſonſt zu mehren tau⸗ ſend Exemplaren ausgetheilt, behandelte mit einer unbeſtritte⸗ nen Ueberlegenheit die Fragen über die Finanzen, über öffent⸗ liche Arbeiten, Banken, Aſſociation, Pauperismus, und man muß geſtehen, daß noch nie irgend ein Verein von Gelehrten eine ſolche Maſſe von Ideen in Umlauf geſetzt hatte. Aller⸗ dings waren dieſe Ideen nicht immer richtig und auch nicht immer ausführbar; es fanden ſich unter denſelben oft auch ſelt⸗ ſame, deren Ausdruck das Gepräge eines erkünſtelten Neolo⸗ gismus an ſich trugen; aber in dem Maaße, wie ſich die Ge⸗ müther beruhigten, hat die Nachwelt, die für die Saint⸗Si⸗ moniſten beginnt, die Scheidung des Zuſatzes gemacht, und es iſt viel reines Metall im Grunde ihres Tiegels geblieben. Ih⸗ nen danken wir die gewerbliche Tendenz der gegenwärtigen Epoche und die vielleicht gegenwärtig zu ausſchließliche Rich⸗ tung aller Thätigkeiten zu dieſem Ziele. Dadurch, daß ſie ſo⸗ wohl durch ihre Predigten, als auch durch ihre Analyſen die Verehrung der Arbeit wieder herſtellten, haben ſie auf die ar⸗ — 254— beitenden Klaſſen die gar zu lange gleichgiltig gebliebene Sorg⸗ falt der Regierung und der höheren Klaſſen gelenkt. Ihre ſcharfſinnigen Darſtellungen der Theorie über die Banken, ihre originellen Anſichten über das Pfandrecht, über die Unzuläng⸗ lichkeit des öffentlichen Unterrichts, über die Findelkinder ha⸗ ben die mit der ökonomiſchen Wiſſenſchaft unvertrauteſten Menſchen mit den Grundprincipien dieſer Wiſſenſchaft bekannt gemacht. Während die Volkswirthſchaftsgelehrten über die Theo⸗ rien ſtritten, unterzogen ſich die Saint-Simoniſten mit Muth den Wechſelfällen der Praxis, und machten auf eigene Wagniß und Gefahr die die Zukunft vorbereitenden Verſuche. Ihre perſönliche Uneigennützigkeit glich ihrem religiöſen Enthuſias⸗ mus für die Sache, die ſie ergriffen hatten, und trotz den ent⸗ gegengeſetzten Anſchuldigungen, die auf ihnen geruht haben, iſt es eine erwieſene Thatſache, daß ſie arm oder zu Grunde ge⸗ richtet aus ihren Tempeln und ihren Werkſtätten geſchieden ſind. Ich will nichts von dem unglücklichen Verſuche ſagen, den ſie an ſich ſelbſt machten, indem ſie ſich auf die Höhen des Dorfes Menilmontant zurückzogen, in der Abſicht, dort die Arbeit zu verherrlichen. Es war ein bedauernswürdiges Schauſpiel, geſchickte Chemiker, ausgezeichnete Ingenieure, originelle und tiefe Denker, zur letzten Stufe der Handarbeiten herab⸗ gedrückt und durch eine Verirrung ihres eigenen Willens zu den gemeinſten Arbeiten des häuslichen Lebens erniedrigt zu ſehen. Durch dieſe Handlungsweiſe entwürdigten ſie die In⸗ telligenz und verkannten die erſten Regeln der Theilung der Arbeit. Was hätten ſie geſagt, ſie, die ſo ſtrenge hierar— chiſchen, wenn die arbeitenden Klaſſen, die Pflugſchar oder den Hammer der Induſtrie verlaſſend, ſich der Domainen der Intelligenz bemächtigt hätten, während die Oberprieſter der induſtriellen Religion ſich demüthig Handarbeiten ergaben? Welch' ein Widerſpruch in den Handlungen und in den Wor⸗ ten! Und dieſes war nicht der einzige: man wird überraſcht, wenn man ihre Lehren ſtudirt, von der Unabhängigkeit der Grundſätze und von dem Abſolutismus der Vorſchriften; man hat N mit de klang der A Dogn furch ſer hatt und mat Aen Thel hen, zum g des.. ſch ſeh daß ein eine nel heſonder machte,; dhen gefa zu hemme ren, und noch nich ner in derſten kann bei dabei he tes thut kähnen? mangeln Smori dir en Srd füt ßer Sorg⸗ Ihre ihre läng⸗ rha⸗ teſten taunt Theo⸗ Muth rigt zu le In⸗ g der jerar⸗ oder der der ben? Wor⸗ raſcht, it der ; man 255— hat Mühe, dieſe Entwürfe von Emaneipation der Arbeiter mit den ſtrengen Regeln, die ihnen auferlegt wurden, in Ein⸗ klang zu bringen. Die Saint-Simoniſten haben einen Punkt der Aehnlichkeit mit den Phyſiokraten, von denen ſie auch das Dogma des leidenden Gehorſams und einer abgöttiſchen Ehr⸗ furcht für die Staatsgewalt entlehnt zu haben ſcheinen. Die⸗ ſer Irrthum war jedoch weniger ſchädlich, als nützlich. Man hatte ſich in Frankreich unter der Reſtauration zu ſehr gewöhnt, und leider mit einigen Gründen, die Staatsgewalt zu rügen: man beobachtete ſie mit Mißtrauen, man gehorchte ihr mit Aerger. Eine ſyſtematiſche Feindſeligkeit nahm den größten Theil ihrer Maaßregeln auf, oder lähmte die Wirkungen derſel⸗ ben, ſo, daß die öffentliche Gewalt jeden Tag ſchwächer ward, zum großen Schaden der Wohlfahrt und der Würde des Lan⸗ des. Die Saint⸗Simoniſten, gegen welche die Staatsgewalt ſich ſehr undankbar gezeigt hat, lehrten das franzöſiſche Volk, daß eine Regierung zu etwas gut ſei: es war dieſes wahrlich eine neue Erſcheinung für die Zeit, die damals verfloß, und beſonders im Augenblick, wo ſich Jeder ein Verdienſt daraus machte, zum Sturze der Dynaſtie beigetragen zu haben, die ſo eben gefallen war. Der Saint⸗Simonismus ſuchte alle Hände zu hemmen, welche mit zerſtörenden Werkzeugen bewaffnet wa⸗ ren, und welche ein erſter, barſch aufgehaltener Aufſchwung noch nicht von dem Niederreißen entwöhnt hatte; er wollte fer⸗ ner im Herzen der höhern Klaſſen jene Mitgefühle für die nie⸗ derſten erwecken, welche ſie ſelten empfunden hatten. Man kann bei dieſem edeln Streben ſcheitern, wenn man Irrthümer dabei begeht; und wer begeht nicht deren, ſelbſt wenn er Gu⸗ tes thut? Aber es bleibt immer eine lichte Spur von dieſen kühnen Verſuchen, welche die folgenden Generationen nie er⸗ mangeln, wieder aufzunehmen. Gegenwärtig haben die Saint⸗ Simoniſten, in der Welt zerſtreut, die Uebung der Berufe wie⸗ der ergriffen, zu welchen ſie ſich individuell durch ihre erſten Studien beſtimmt hatten; ſie bauen Eiſenbahnen, ſie machen für ihr Vaterland nützliche Reiſen; ſie ſind Unternehmer gro⸗ ßer Gewerbsanſtalten, und überall ſieht man ſie an der Spitze — 256— von Entwürfen der Verbeſſerung. Sie ehren ihre Vergangen⸗ heit ſogar durch die Würde ihres Stillſchweigens, zufrieden, die wichtigſten Fragen der gegenwärtigen Zeit geſtellt und die Hauptelemente ihrer Löſung vorbereitet zu haben. Europa, welches ſie ſchmählich mißhandelte, befolgt ihre Rathſchläge, und die Regierung, welche ſie verfolgte, verwendet ſie. Behan⸗ delt man denn ſo Beſiegte? Hauptſtück XLIV. Von den utopiſtiſchen Volkswirthſchaftsgelehrten.— Von dem ſocie⸗ tären Syſtem Fourier's.— Ueberſicht ſeiner Hauptwerke.— Grund⸗ idee ſeiner Lehre.— Entwickelungen, zu deren Aufnahme ſie fähig zu ſein ſcheint.— Von dem ſocialen Spſtem des Hrn. Owen.— Seine fruchtloſen Verſuche zu New⸗Lanark und New⸗Harmony.— Skizze der beſondern Anſichten dieſes Volkswirthſchaftsgelehrten. * In der chronologiſchen Ordnung ſind die Saint⸗Simo⸗ niſten nicht die erſten Volkswirthſchaftsgelehrten, welche als Re⸗ former im neunzehnten Jahrbundert auftraten. Schon einige Jahre vor dem Erſcheinen ihrer Schriften hatten zwei in ver⸗ ſchiedener Beziehung merkwürdige Männer, die HH. Fourier und Owen, den Grund zu einer Reform gelegt, welche von dem erſten ſocietär, und von dem zweiten ſocial genannt wurde; dieſe gegründet auf die Gütergemeinſchaft, jene auf die Aſſo⸗ ciation. Alle beide gingen von dem nämlichen Punkte aus, ohne nach dem nämlichen Ziel zu ſtreben; beide wurden von der Unbehaglichkeit der gegenwärtigen Geſellſchaft, von den Fehlern unſerer Sitten, von den Leiden der größten Zahl un⸗ ſerer Mitmenſchen und von der Nothwendigkeit, ihnen ein Ende zu machen, ergriffen; aber über die Mittel waren ſie weſent⸗ lich verſchiedener Meinung. Die Saint⸗Simoniſten haben mehr Lärm und mehr Glück gemacht, weil das Haupt ihrer Schule, das zuerſt ſeinen Schülern geraubt wurde, glühende und ent⸗ ſchloſſene um den Verjüng! Die 3 Vorrecht die Auft rier iſt Owen ſchieden Saint⸗ geknüpf mehre 3⸗ ſie ſtellen ſation da rier, aus Mann m an Kühn Ausdaue eiale Pr dionom daß er Träum aller U wird un Four welchen Er hatt ſchoften u in der W des Hande niſe der lichen Arn den. Che Vorſehung unter den Ylangui, angen⸗ ieden, d die wopa, „ und dehan⸗ eie⸗ und⸗ ig zu Seine lizze Siwo⸗ iis Re⸗ einige in ver⸗ zurier on dem wurde; Aſſo⸗ 2 aus, 1 von nden l un⸗ Ende eſent⸗ mehr Schule, nd ent⸗ 257— ſchloſſene Anhänger hinterließ, welchen Nichts gemangelt hätte, um den Sieg ſeinen Lehren zu ſichern, wenn irgend eine große Verjüngung hätte daraus hervorgehen können. Die Ideen Fourier's und Owen's haben nur ſehr ſpät das Vorrecht jener geräuſchvollen Oeffentlichkeit erlangt, welche die Aufmerkſamkeit und bisweilen den Erfolg gebietet. Fou⸗ rier iſt vor etwas mehr als Einem Jahre geſtorben, und Hr. Owen lebt noch. Dieſer doppelte Umſtand erklärt das ver⸗ ſchiedene Intereſſe, welches ſich an die Verkündigungen der Saint⸗Simoniſten und an die Schriften Owen's und Fourier's geknüpft hat. Gleichwohl ſind die Verſuche dieſer beiden Denker um mehre Jahre früher, als die erſten Arbeiten Saint-Simon's, und ſie ſtellen ſich mit einer vollſtändigern und umfaſſenderen Organi⸗ ſation dar, als es die der ſaint⸗ſimoniſtiſchen Schule war. Fou⸗ rier, aus welchem deſſen Schüler gegenwärtig einen großen Mann machen wollen, übertrifft ſichtbar ſeine beiden Rivalen an Kühnheit ſeiner Anſichten und an bewunderungswürdiger Ausdauer ſeines Charakters; beſſer, als ſie, glaubte er das ſo⸗ ciale Problem gelöst zu haben, und klagte alle gleichzeitigen ökonomiſchen Lehren der Unfruchtbarkeit an, ohne zu bemerken, daß er auch nur, wie ſie, ſeinen Theil von Ungewißheiten und Träumereien zu der allgemeinen Sammlung aller Zweifel und aller Utopien der Geſittung beibringe. Eine raſche Prüfung wird uns darüber entſcheiden laſſen. Fourier war ſchon frühe von den Lügen der Convenienz, von welchen die ſociale Ordnung heimgeſucht iſt, ergriffen worden. Er hatte ſeine Kindheit im Kampfe mit gebieteriſchen Leiden⸗ ſchaften und anſpruchsvollen Lehrherren geſehen; ſpäter hatte ſich in der Welt ſeine Redlichkeit bei dem Anblick der Schurkereien des Handels, der Zwiſtigkeiten der Familie und der Verderb⸗ niſſe der Politik empört. Er war von dem Contraſt der red⸗ lichen Armuth und des wohlhabenden Laſters erſchüttert wor⸗ den. Ehe noch ſeine Vernunft ihm bewieſen hatte, daß die Vorſehung höhere Entwürfe gehabt haben müſſe, hatte ſein Herz unter den Widerſprüchen und herben Enttäuſchungen unſerer Ge⸗ Blanqui, Geſchichte d. polit. Oekonomie. NI. Bp. 17 258— ſellſchaft geſeufzt. Wie denn! Im Angeſicht dieſes berrlichen Schauſpiels der Natur, dieſer Sonne, welche Allen leuchtet, dieſer ſo ſchwellenden und wohlſchmeckenden Früchte, dieſer ſo klaren Vunden, gibt es Menſchen, welche im Dunkel leben, die in den Spitälern, in den Kerkern ſchmachten, welche vor Hun⸗ ger und Durſt ſterben! Es gibt Menſchen, tauſendmal un⸗ glücklicher, als die Thiere, weil ſie auch die moraliſche Folter noch neben dem phyſiſchen Wehe auszuſtehen haben! Alles ſollte in dieſer Welt, die für den Menſchen geſchaffen iſt, den re⸗ gelmäßigen Gang gehen, nur die Menſchheit ſelbſt nicht! Die Wobnſtätte ſollte nur deßwegen ſo ſchön, und das Licht der Geſtirne ſo glänzend ſein, um die unnennbaren Schmer; en des Herrn der Schöpfung zu umſchließen und zu beſcheine en! Welche Gottesläſterung und welche Widerſinnigkeit! Getroffen von dieſem Widerſtreit, wie von einer Offenba⸗ rung, erforſchte Fourier deren Urſachen mit dem beharrlichen und tiefen Scharfſinne, der ihn auszeichnete. Es deuchte ihm, daß die Leidenſchaften, behaftet mit der ganzen Wucht unſerer Ungerechtigkeiten, dazu dienen können, uns zum Guten zu füh⸗ ren, und daß es leicht ſei, ſie, wie jede lebendige Kraft, da⸗ durch nutzbar zu machen, daß man ihnen eine geiſtige und ver⸗ nünftige Wirkſamkeit zutheilt; ſo legte er den Grund ſeines Syſtems in dem erſten ſeiner Werke, der Théorie des qua- tre mouremens. Dieſe vier Bewegungen erhielten die Na⸗ men ſociale, animale, organiſche und materielle Bewegung. Die Theorie der erſten ſollte die Geſetze erklären, nach welchen Gott die Anordnung und Abfolge der verſchiede⸗ nen ſocialen Mechanismen auf allen bewohnten Weltkoörpern regelte. Die Theorie der zweiten ſollte die Geſetze erläutern, nach welchen die Vorſehung die Leidenſchaften und Inſtincte an alle auf den verſchiedenen Weltkörpern geſchaffenen Weſen ver⸗ theilt. Die Theorie der dritten ſollte Rechenſchaft von den Geſetzen geben, nach welchen der Schöpfer der Dinge die Ei⸗ genſchaften, Formen, Farben und den Geſchmack an die Stoffe vertheilt. Endlich ſollte die Theorie der materiellen Bewegung, eine wahrre neue Kosmogonie, die Geſetze der Gravitation nach den Id ſten Ar anſpru war de recht, ner E zu gk keiner laſſer zurüc Welt die M webe! Fou⸗ renden vertheil umbilde eine for dungen den ſei adgeſtte unterſch nba⸗ chen ihm, gerer ſüh⸗ h, da⸗ no ver⸗ ſeines qua- ie Na⸗ rielle klären, chiede⸗ rpern utern, tte an ver⸗ n den Re Ei⸗ Stoffe wegung non nach —-— 259— den Ideen des Verfaſſers kund geben. Es läßt ſich auf den er⸗ ſten Anblick nicht leicht errathen, zu welchen Anwendungen dieſe anſpruchsvolle Schauſtellung von Theorien führen könnte; das war der erſte Mißgriff Fourier's, und er hatte noch mehr Un⸗ recht, darauf zu beharren. Er verwandelte die Schwünge ſei⸗ ner Einbildungskraft in geometriſche Theoreme, deren Beweis zu geben er allein im Stande war, und über welche er gar keinen Streit zuließ. Man mußte glauben oder ſich bannen laſſen. Fourier trat vor keiner Celebrität, vor keinem Namen zurück. Die Philoſophen waren die Schmach der Welt: die Welt war ſeit fünf Jahrtauſenden im Argen. Die Wiſſenſchaft, die Moral, die Politik aller Jahrhunderte waren nur ein Ge⸗ webe von Verkehrtheiten und Albernheiten. Fourier lebte ſo mehre Jahre, entzündet von jenem verzeh⸗ renden Fieber des Haſſes und der Anſchwärzung gegen die Vergangenheit, welches ihn bis zu den letzten Augenblicken ſei⸗ nes Lebens nicht verlaſſen hat. Sein Styl, viel ſonderbarer, als der der Saint⸗Simoniſten, ſchien eine Herausforderung an die franzöſiſche Sprache; er ſtrotzte von wunderlichen Redens⸗ arten und wahrhaft cabaliſtiſchen Ausdrücken. Gleichwohl ge⸗ lang es ſeinem vorherrſchenden Gedanken, mitten durch dieſe Dunkelheiten durchzubrechen. Fourier wollte die Aſſociation über die Zerriſſenheit vorherrſchend machen, und die vereinzel⸗ ten Kräfte durch das, was er leidenſchaftige Anziehung (attraction passionnée) nannte, gliedern. Sein Zweck war, die Menſchen, wie er ſagte, in Kapital, Arbeit und Ta⸗ lent zu aſſociiren. Um dahin zu gelangen, combinirte er die Bemühungen der Landwirthe, kürzte die Stunden der Arbeit, vertheilte die Alter und Verrichtungen nach Serien, und umbildete die erdrückende Arbeit der verſchiedenen Berufe in eine fortwährende, mit Vergnügen und angenehmen Empfin⸗ dungen gewürzte Zerſtreuung. Es iſt nicht leicht, ſelbſt nach⸗ dem ſeine Schüler ſeinen Theorien die kritiſchen Digreſſionen abgeſtreift haben, unter welchen ſie erſtickt wurden, ſcharf zu unterſcheiden, was der Verfaſſer wollte; man begreift viel leich⸗ 17. — 260— ter, was er nicht wollte. Er hoffte dennoch, Gelegenheit zu finden, einige ſeiner Ideen auszuführen, als er ſeinen Traité de l'associatiön domestique agricole erſcheinen ließ, in wel⸗ chem ſich auf einer unermeßlichen Linie die unitariſchen leidenſchaftigen Reihen(séries unitaires passion- nées) entwickeln, welche er an die Stelle der gegenwärtigen Iſolirung der Arbeiter geſtellt hatte. Statt unſerer traurigen, ſo zerſtreuten, ſo unreinlichen, ſo ſchlecht gebauten Dörfer dich⸗ tete ſich Fourier an jeder Oertlichkeit einen ungeheuern Bau, phalanstére genannt, bewohnt durch die aſſociirten Phalangen von Arbeitern jeder Art. Die leidenſchaftige Anzie⸗ hung, die Sehnſucht nach Wohlſein konnten nicht ermangeln, dieſen Aſſociationen(welche er zu achtzehnhundert Menſchen wollte) die Vortheile des neuen Lebens begreiflich zu machen, in welches ſie eintraten. Keine Strohhütten, keine Schoppen mehr; ſondern ein einfaches und bequemes Gebäude, überragt von ei⸗ nem Richtthurm, verſehen mit ſeinem Telegraphen und geſchmückt mit einer Uhr. Alle Communicationen ſollten im Sichern, in Straßengalerien, die im Sommer gelüftet und im Winter ge⸗ heizt werden, geſchehen. Jede Familie ſollte ſich nach ihrem Ver⸗ mögen einwohnen und demgemäß leben. Es war dieſes nicht die Einrichtung eines Kloſters, nicht die Disciplin einer Kaſerne, ſondern eine Aſſociation, in welcher jeder Societär ſeinen An⸗ theil haben ſollte an dem Gewinn von einem Keller, der an die Stelle von dreihundert Kellern treten, von einem Speicher, der dreihundert Speicher erſetzen, von einer Küche, welche drei⸗ oder vierhundert Küchen vertreten ſollte. Biss hieher gleicht der Gedanke Fourier's ſehr demjenigen, was wir in den Collegien, in den Manufacturen, an den Orten einer großen Vereinigung von Menſchen ſehen, wo das gemeinſame Leben unbeſtreitbare Erſparungen und Vortheile verſchiedener Arten erzeugt. Aber wovon ſollen, reich oder arm, die Bewohner eines Phalanſtére's leben? Fourier ließ ſich durch dieſe Schwierig⸗ keit gar nicht aufhalten. Jeder Grundeigner ſollte für ſeine Län⸗ dereien transmiſſible Actien empfangen, die deren Werth vertreten ſollten; von da an fielen die Mauern, die lebendigen Gehäge, die Zäune, eigenthu ſtücke ve elte Arl ten wei nen un Theilt bend, geneh wie in der Arbeit Vollkol ten die alle Er treffen. chere triebs len. won taliſt ſchon den, beiter arbei lung das gegeben würdige nützliche nimmt des Ver den, da beiten w lichkei werden it zu raité wel⸗ hen ion- tigen iigen, dich⸗ Bau, angen zie⸗ gzeln, cen in ehr; ei⸗ nückt 1, in e ge⸗ Ver⸗ icht die aſerne, en An⸗ an die r, der oder was einer ſame ener yner jerig⸗ eLän⸗ rireten ge, die — 261— Zäune, welche die Güter trennen. Die Zerſtücklung des Grund⸗ eigenthums verſchwand vor dieſer Syntheſe. Fünfhundert Theil⸗ ſtücke verwandelten ſich in ein einziges Gut; es gab keine verſtück⸗ elte Arbeit, keinen irländiſchen Landbau mehr. Im Innern tra⸗ ten weite Werkſtätten an die Stelle der kalten und ſtaubigen Scheu⸗ nen unſerer Weiler. Die Aufgabe eines Jeden war durch eine Theilung der Arbeit vereinfacht, nicht mehr unbedingt und blei⸗ bend, wie die der Volkswirthſchaftsgelehrten, ſondern mild, an⸗ genehm und abwechſelnd, wie die Erholungen großer Herren, wie eine der Geſundheit zuträgliche Uebung. Im Landbau, in der Induſtrie folgte Jeder ſeiner Neigung, und da die Arbeiter unabläſſig bei einander in der Nacheiferung nach Vollkommenheit, Schnelligkeit und Hingebung lebten, ſo muß⸗ ten die Erzeugniſſe ihrer Arbeiten natürlich und nothwendig alle Erzeugniſſe der beſtändigen und erzwungenen Arbeit über⸗ treffen. Die phalanſteriſche Aſſociation gab ſonach viel beträchtli⸗ chere Gewinnſte, als alle veralteten Arten ſelbſtſüchtigen Be⸗ triebs: es handelte ſich nur darum, ſie billig zu verthei⸗ len. Hier ſcheint uns der Verfaſſer den Geiſt der Aſſocia⸗ tion zu weit getrieben zu haben. Er nimmt an, die Kapi⸗ taliſten des Phalanſtére's, dabei betheiligt, ihre Arbeiter zu ſchonen, ohne welche die Kapitale unfruchtbar bleiben wür⸗ den, werden ihnen einen billigen Antheil geben, und die Ar⸗ beiter, überzeugt von der Unmöglichkeit, ohne Kapitale zu arbeiten, werden ihrerſeits die Kapitaliſten in der Verthei⸗ lung der Gewinnſte ſchonen. Es wird folglich ein Loos für das Kapital, eines für die Arbeit, eines für das Talent gegeben. Aber wie läßt ſich die Arbeit, das Talent gerecht würdigen? Nach ihrer Nützlichkeit; denn Fourier gibt den nützlicheen Künſten den Vorzug vor den angenehmen. Er nimmt Arbeiten der Nothwendigkeit, des bloßen Nutzens und des Vergnügens an. Die erſten ſollen am meiſten gelohnt wer⸗ den, da ſie überhaupt die mühſamſten ſind; die angenehmen Ar⸗ beiten werden einen Theil ihrer Belohnung in ihrer Annehm⸗ lichkeit ſelbſt finden. Die Handarbeiter ſollen beſſer belohnt werden, als die Künſtler. Fourier gedachte ſonach die ar⸗ — 262— men Klaſſen aus dem Stande des Elends, in zwelchen ſie geſunken waren, zu erheben, und er bildete ſich ein, die Urſa⸗ chen des Haſſes oder des Neides, welche ſie ſeit dem Beginn der Welt von den Klaſſen der Reichen trennen, verſchwinden zu machen. Es ſollte keine Armen mehr geben. Die ge⸗ ringſte Gabe abſtoßender Arbeit ſollte einen hohen Lohn abwerfen, und die univerſelle Harmonie ſollte ungeſäumt zwiſchen zu lange ſich feindlich geweſenen Kaſten eintreten. Der große Mann in den ſchönen Künſten, in den Wiſſen⸗ ſchaften, in der Induſtrie ſollte der Auserwählte aller Pha⸗ langen, der Belohnte aller Arbeiter ſein. Keine Rechts⸗ ſtreite, keine Spitäler, keine Kerker, keine ſocialen Undank⸗ barkeiten oder Härten mehr! Ich vergeſſe noch zu ſagen: keine Heere, keine Kriege mehr! oder vielmehr welche Heere! welche Kriege! Heere auser⸗ wählter Gewerkender, ſchreitend zur Ausführung der rieſen⸗ hafteſten Arbeiten, auf der ganzen Oberfläche des Erdkreiſes, die einen durchſchneidend den Iſthmus von Suez, die andern durchgrabend die Landenge von Panama, dieſe grabend das Bett von Strömen, jene verbindend Seen, austrocknend Mo⸗ räſte oder ausbeutend die Bergwerke. Man hat geſehen, was die Dörfer ſein ſollten; man denke erſt, was die Städte werden müſſen! Die Sympathien, welche die Phalangen ver⸗ einigen, werden über den Beziehungen einer höhern Ordnung wachen, welche zwiſchen den Staaten eintreten werden, und wenn ihre individuellen Kräfte dazu nicht hinreichen werden, ſo werden Heere aufbrechen, fürder nicht mehr, um zu verheeren und zu plündern, wie gegenwärtig, ſondern um anzubauen und zu verſchönern. In politiſcher Beziehung allgemeines Wahlrecht, unbedingte Freiheit, völlige Gleichheit, Mangel ei⸗ ner Regierung mit Einem Wort. Für was noch an die Stürme denken, wenn man alle Winde abſperrt, ausgenom⸗ men die Zephyre? Der Verfaſſer konnte aus dem nämlichen Geſichtspunkt den ewigen Lenz verkünden. Man darf jedoch nicht mit Ironie von den Träumen Fou⸗ rier's reden. Ein Mann, der ſein ganzes Leben an den Cult einer ſol der Mer die Fan einer ſe arbeitet würfe als ei ner C ein C Fouri ihre welche Art Jt materie treten. ger gel für al indem Ehrfu der 2 einer achtu die d wird der Strei theilen gegen ger, d die Kin Friſche Werth ches er erſte Fol ſie alle ger zu, en ſie Urſa⸗ eginn inden 2 ge⸗ Lohn ſäumt reten. „was Städte ver⸗ dnung „und erden, keren auen ines ei⸗ die nom⸗ lichen a Fou⸗ en Cult — 263— einer ſolchen Idee ſetzt, welcher die Leidenſchaften zum Wohl der Menſchheit wirken laſſen will, welcher es unternimmt, die Familien und Intereſſen zu aſſoeiiren, und welcher mit einer ſolchen Kraft an der Abſchaffung der ſocialen Leiden arbeitet, iſt kein gemeiner Träumer, obwohl alle ſeine Ent⸗ würfe an das Utopien grenzen. Ein Utopien iſt oft Nichts, als eine vorangeſchrittene Anſicht, verkündet im Angeſicht ei⸗ ner Generation, welche ſie noch nicht faßt, und beſtimmt, Hein Gemeinplatz für die Generation zu werden, welche folgt. Fourier hat den Grund zu einer Theorie gelegt, welche ihre Früchte zu tragen beginnt; denn ſelbſt die Menſchen, welche ſie nicht erforſcht haben, gehorchen ihr durch eine Art Inſtinkts, indem ſie unter allen Arten von Formen, bei materiellen oder moraliſchen Intereſſen, in Vereine zuſammen⸗ treten. Die ſocietäre Schule hätte noch weit mehr Anhän⸗ ger gewonnen, wenn Fourier nicht eine ſo tiefe Mißachtung für alle Schriftſteller der Welt zur Schau getragen hätte, indem er die erſte Pflicht jedes verſtändigen Menſchen, die Ehrfurcht vor den Ahnen, verſäumte. Man hat Ahnen in der Wiſſenſchaft, wie in der Natur, und es iſt der Beweis einer ſchlechten Neigung oder ſchlimmer Grundſätze, Ver⸗ achtung ihnen zu beweiſen. Die Arbeit dieſer Ahnen, welche die der Zeitalter iſt, ſo mangelhaft ſie auch immer ſein mochte, wird zudem nicht in Einem Tage abgetragen, und das war der Irrthum Fourier's, ſich einzubilden, daß er auf Einen Streich, trotz den Inſtitutionen, Gewohnheiten und Vorur⸗ theilen, dahin gelangen würde. Auch flüchtete er ſich, zumal gegen das Ende ſeiner Laufbahn, zur Kinderwelt, als fähi⸗ ger, den Eindruck ſeiner Lehren aufzunehmen. Was er über die Kinder ſagt, hat eine bewunderungswürdige Genauigkeit, Friſche und Zartheit. Er legt mit Recht einen unendlichen Werth auf ihre Erziehung, und obwopl das Syſtem, wel⸗ ches er vorſchlägt, uns nicht naturgemäß erſcheint, weil ſeine erſte Folge wäre, die Kinder ihren Eltern zu entreißen, um ſie alle gemeinſam zu erziehen, ſo geben wir nichts deſtoweni⸗ ger zu, daß es die geiſtreichſten Anſichten enthält, welche — 264— man je über dieſen ſchwierigen Gegenſtand ausgeſprochen hat. Es wäre verwegen, vorauszuſagen, welches die nahen Fol⸗ gen der ſocietären Theorie Fourier's ſein werden. Wir haben dieſes Syſtem noch nicht in der Wirkſamkeit geſehen; keine An⸗ lage eines Phalanſtére's geſtattete, eine entſcheidende Er⸗ fahrung in dieſer Beziehung zu machen. Nichts würde mehr Intereſſe verdienen, als die genaue Zergliederung des ſocia⸗ len Einkommens einer dieſer Muſteranſtalten, wobei wir nur bedauern müſſen, daß die Regierung ſelbſt nicht zur Grün⸗ dung einer ſolchen ermuntert hat. Welcher Schlag für die Neuerer, wenn unter einem ſolchen Patronat ein ernſtlicher Verſuch geſcheitert wäre; aber auch welcher Lichtblick, wenn er gelungen ſein würde! Fourier ſtarb mit gebrochenem Herzen, weil er dieſe Gunſt nicht von ſeinen Zeitgenoſſen erlangen konnte, und in ſeiner Verzweiflung klagte er die Volks⸗ wirthſchaftsgelehrten an, ſo viel es an ihnen gelegen hatte, die Ausführung ſeines Gedankens hintertrieben zu haben. Was konnten ſie aber dabei gewinnen, wenn ſie einen Verſuch von einer ſolchen Wichtigkeit verhinderten? Die Anklage fällt dem⸗ nach von ſelbſt, und die Urſache des Unglücks ſteigt bis zum Urheber des Syſtems zurück, dem es nicht gegeben war, hier⸗ über einen Hauptverſuch zu machen, weil die Umſtände oder ſeine Kräfte ihm nie geſtatteten, ſich hiefür zu entſcheiden. Sein Buch wird fortleben als die kühnſte kritiſche Arbeit, welche gegen die politiſche Oekonomie der Neuzeit erſchienen iſt; allein es war nicht glücklicher, als ſie, in der Entdeck⸗ ung der ſocialen Löſungen. Denn ſolche Löſungen ſind Töch⸗ ter der Zeit und erſcheinen nur in langen Zwiſchenräumen, angeeignet auf einen Augenblick vielleicht den weſentlich be⸗ weglichen Bedürfniſſen der Menſchheit, und wandelbar, wie ſie. Hr. Owen hat ſich in England an die Unterſuchung des nämlichen Problems gemacht, dem Fourier die Forſchungen ſeines Lebens geweiht hatte, ohne glücklicher, als dieſer, zu ſein. Ihre Lehren, welche man oft mit einander verwech⸗ ſelt hat, gleichen ſich nur in wenigen Punkten. Die coope⸗ —— rativen ten faſt? cietärs Hr. Owe durch gu die wit Aaſtalt ſuch a⸗ cher T als Hr etwas ſtrenge Rechtsſt ziehung gebniſſen ſonſt hä gen der den Vo billigſt Hry. völker dieſen nufact ſolute ſeiner ich ihr Hr. fung de Reiten a Schenken die aller clamatoriſ chen zu ſ˖ in der Me Verſuche beit wat prochen en Fol⸗ t haben eine An⸗ ende Er⸗ ude mehr des ſocia⸗ i wir nur ur Grün⸗ für die rnſtlicher k, wenn Herzen, erlangen Volks⸗ en hatte, en. Was rſuch von fäll dem⸗ gt dis zum war, hier ſtände oder entſcheiden. che Arbeit, erſchienen r Entdeck⸗ ind Toͤch⸗ nräumen, tlich be⸗ wie ſie. ung des ſchungen eſer, zu verwech⸗ coope⸗ — 265— rativen Geſelſſchaften des engliſchen Socialiſten hat⸗ ten faſt Nichts mit den Phalangen des franzöſiſchen So⸗ cietärs gemein. Nicht durch ökonomiſche Reformen ſuchte Hr. Owen die Lage der Arbeiter zu verbeſſern, ſondern eher durch gute Maaßregeln der Verwaltung und der Sittlichung, die mit Umſicht und Feſtigkeit ausgeführt werden ſollen. Die Anſtalt zu New⸗Lanark, ganz unrichtig als ein ſocialer Ver⸗ ſuch aufgefaßt, war nur eine große Manufactur, an wel⸗ cher Trunkſucht, Verſchwendung und Zuchtloſigkeit herrſchte, als Hr. OQwen ſeine Grundſätze der Regeneration und einer etwas puritaniſchen Strenge auf ſie anwandte. Er machte ſtrenge Anordnungen, verhängte Geldbußen, verglich kleine Rechtsſtreitigkeiten auf gütlichen Wege, und gelangte in Be⸗ ziehung auf Erzeugniſſe und Ordnung zu befriedigenden Er⸗ gebniſſen, wie ſie ein thätiger und umſichtiger Fabrikherr auch ſonſt hätte erlangen können. Zugleich wurden die Wohnun⸗ gen der Arbeiter reinlicher; Magazine wurden eröffnet für den Verkauf von Verzehrungsgegenſtänden zu dem möglich billigſten Preiſe und von der beſten Art. Das Syſtem des Hrn. Owen, angewandt durch ſechszehn Jahre auf die Be⸗ völkerung New⸗Lanarks von mehr als 2000 Seelen, brachte dieſem Philanthropen einen glänzenden Ruf und ſeiner Ma⸗ nufactur zahlreiche Beſucher; aber er wagte gar keine ab⸗ ſolute Idee, aus Furcht, die argwöhniſchen Empfindlichkeiten ſeiner Mitbürger zu verwunden, und erſt in Frankreich hörte ich ihn ernſte Wahrheiten der britiſchen Ariſtokratie ſagen. Hr. Owen nahm nichts deſtoweniger vermeſſen die Abſchaſ⸗ fung des Eigenthums an. Er wollte alle ſocialen Ungleich⸗ heiten aufheben, und forderte zugleich die Schließung der Schenken, die Reform des Unterrichtes, die der Kirche, die aller Mißbräuche. Seine Lehre hatte ſonach etwas De⸗ clamatoriſches und Unbeſtimmtes, und ſeine Vorſchriften gli⸗ chen zu ſehr den Geboten eines Predigers. So lange er in der Manufactur zu New⸗Lanark anweſend war, wo ſeine Verſuche gemacht wurden, herrſchte dort Ordnung, die Ar⸗ beit war dort einträglich, die Disciplin erhielt ſich; allein - 266— nach ſeiner Abreiſe nahm Jeder wieder ſeinen gewohnten Gang, und das Syſtem verſchwand. Hr. Owen hoffte, daß Verſuche auf einer jungfräulichen Erde beſſer gelingen wür⸗ den, und war daher nach Amerika gegangen, um dort ſeine berühmte Anſtalt zu New⸗Harmony zu gründen. Er brachte eine Menge Proſelyten beiderlei Geſchlechts mit ſich, und die Anlage ſeines Gutes ſchien glücklich gewählt. Gleich⸗ wohl hatten nach kurzer Zeit die menſchlichen Leidenſchaften ihre Herrſchaft wieder gewonnen; es fanden ſich in dieſer ver⸗ jüngten Geſellſchaft Niederträchtige, Eiferſüchtige, Müſſige, Un⸗ mäßige, wie in der unſerigen, und die Heiterkeit des Grün⸗ ders wurde dadurch mehr als Ein Mal getrübt. Eine Reiſe, welche er nach Schottland machen mußte, vollendete den Ruin der Anſtalt, in welcher die Anarchie herrſchte, und welche endlich an einen teutſchen Illuminaten, Namens Rapp, ver⸗ kauft wurde. Miß Martineau, welche dieſe Congregation 1835 beſuchte, berichtet, daß die Trümmer der Oweniſtiſchen Kolonie einem Kloſter mähriſcher Brüder gleichen, und daß es dem neuen Oberhaupt nur dadurch gelungen ſei, ſie zu⸗ ſammenzuhalten, daß er ſie von jeder fremden Berührung, nach Art des Dictators Francia in Paraguay, abſchloß. Trotz dieſen ſtarken Erſchütterungen ſeines Syſtems war die Po⸗ pularität des Hrn. Owen nur geſtiegen. Mehre Ausgaben ſei⸗ ner Theorien, glücklicher, als ihre Ausführung, waren raſch ver⸗ griffen, und man ſprach allenthalben nur von den durch den neuen engliſchen Reformer verſprochenen Herrlichkeiten. Es war zur Zeit der philoſophiſchen Reaction, welche in Frank⸗ reich durch die Verſuche der Jeſuiten, und in England durch die Erörterung der Bill über die Emancipation der Katho⸗ liken erhoben ward. Hr. Owen ſchleuderte ein heftiges Ma⸗ nifeſt gegen ſämmtliche Religionen, welchen er die Schuld ſämmtlicher Leiden der Menſchheit zuſchrieb, und ſonderbar! dieſe kühne Schrift, welche zu dreißigtauſend Exemplaren abgezogen und in allen Tageblättern verbreitet wurde, ließ ihn Nichts von dem Wohlwollen mehrer Sou⸗ veraine verlieren, welche ſeinen Verſuchen Theilnahme be⸗ geigt hat England einer öf cher ſie Hr. Or er wos beunrr der I ſtreng Reich Refor beliebi Die ſtändig die Ver richtete. rung d ten de dieſe Bedü mit H in de Noth ſes Erzel beit! ſtürze, Ulebeln Weiſe! heit un⸗ ſetzen, n laſſe*). nen vor 3) R. nal de! dort Er ſch, leich⸗ haften rver⸗ „ Un⸗ jrün⸗ keiſe, duin lche ver⸗ tion ſchen daß ie zu⸗ drung, oß. die Po⸗ zen ſei⸗ ſch ver⸗ rch den n. Es Frank⸗ durch datho⸗ Ma⸗ r die und auſend creitet c Son⸗ hwe be⸗ —-— 267— zeigt hatten. Der Herzog von Kent, Bruder des Königs von England, einer ſeiner eifrigſten Bewunderer, geruhte ſogar, in einer öffentlichen Verſammlung den Vorſitz zu führen, in wel⸗ cher ſie vorgetragen werden ſollten. Das kömmt daher, weil Hr. Owen ein unerſchütterlicher Anhänger der Ordnung war; er mochte immerhin die ſocialen Unvollkommenheiten und den beunruhigenden Contraſt zwiſchen dem großen Reichthum und der Armuth hervorheben: Jedermann wußte, daß er durch eine ſtrenge Zucht zu ſeinen Zwecken gelangen wollte, welcher er den Reichthum ſelbſt unterworfen haben würde, und dieſe Art von Reform konnte ſelbſt von den abſoluten Regierungen nicht miß⸗ beliebig angeſehen werden. Die ökonomiſchen Anſichten des Hrn. Owen wurden am voll⸗ ſtändigſten in einer Denkſchrift zuſammengefaßt, welche er an die Vertreter der verbündeten Mächte am Kongreſſe von Aachen richtete. Er ſtellte dort ganz gedrängt die ungeheure Vermeh⸗ rung dar, welche ſeit wenigen Jahren in den mechaniſchen Kräf⸗ ten der Gütererzeugung eingetreten war, und er erklärte, daß dieſe Kräfte mehr als genügend ſeien, um ſehr reichlich alle Bedürfniſſe der Bevölkerung der Erde zu befriedigen. Er hob mit Kraft die verderblichen Folgen des Mangels jeder Ordnung in der Erzeugung und Vertheilung des Vermögens hervor, die Nothwendigkeit, die Mitwerbung durch die Einheit des Intereſ⸗ ſe's zu erſetzen; er wieß endlich nach, wie eine Ueberfülle von Erzeugniſſen dadurch, daß ſie die arbeitenden Klaſſen der Ar⸗ beit beraubt, ſie in ein gräßliches Elend mitten im Ueberfluſſe ſtürze, und wie es dringend nothwendig geworden ſei, dieſen Uebeln dadurch abzuhelfen, daß man die Dinge auf eine ſolche Weiſe organiſire, daß ſie die Handarbeit durch die mechaniſche Ar⸗ beit unterſtützen, ſtatt die letztere an die Stelle der erſtern zu ſetzen, wobei man das Daſein der arbeitenden Klaſſen ohne Schutz laſſe*). Hr. Owen hatte zu verſchiedenen Zeiten Subſeriptio⸗ nen vorgeſchlagen, beſtimmt, Ackerbau⸗ und Fabrikanſtalten an⸗ *) Man ſehe eine Reihe merkwürdiger Artikel über Owen in dem Jour- nal de la science sociale, par M. B. Dulary. — 268— zulegen, gegründet auf die Einheit der Erzeugung und Verzeh⸗ rung; allein das Parliament, das darüber berathen wurde, gab dieſen Entwürfen keine Folge. Man vermuthet, daß die⸗ ſes der Urſprung der Landbaukolonien zu Frederiksoord in Holland habe ſein können, welche übrigens noch nicht befrie⸗ digende Ergebniſſe in dem Grade geliefert haben, wie man erwartet hatte. Gleichwohl fühlte der unermüdliche Reformer ſich gar nicht abgeſchreckt, und nach einer Reihe von Wechſel⸗ fällen, welche wenigſtens die äußerſte Schwierigkeit dieſer ſocia⸗ len Improviſationen beweiſen, kam Hr. Owen, nachdem er ganz Europa durchreist hatte, um ſeine Programme auseinander zu ſetzen, jüngſt nach Frankreich zurück, ein wenig entmuthigt über die Menſchen und entſchloſſen, wie der ſterbende Fourier, ſich an die Kinder zu wenden. Vor Allem durch die Kindheit iſt es möglich, zu einer ernſten Reform der beſtehenden ökonomiſchen Ordnung zu gelangen. So lange die Kinder einer gewerblichen Geſellſchaft nach dem Zufall werden erzogen werden, und faſt alle für liberale Berufe, deren Zahl beſchränkt iſt, ſo wird es auf vielen Punkten Mangel an Fä⸗ higkeiten geben, während auf mehren andern eine Ueberfüllung eintreten wird. Nachdem man alle Syſteme verſucht, die Regie⸗ rungen, die Inſtitutionen, die Methoden, die Völker und Könige gerügt hat, wird man unvermeidlich dahin geführt, anzuerken⸗ nen, daß die Intelligenz den Hilfsquellen fehle, nicht aber die Hilfsquellen der Intelligenz. Drei Viertheile der lebendigen Kräfte der Geſellſchaft ſchmachten in einer kläglichen Abſpan⸗ nung, und es gibt noch mehr Nichts erzeugende Menſchen, als unfruchtbare Länder eien. Die Regierungen können allerdings nicht allen Bürgern ein angenehmes und freundliches Daſein gewähren; aber nicht ſo ſchwierig wäre es, als man ſich's denkt, ihnen die Gewinnung der Mittel zu erleichtern, ſich ein ſolches zu verſchaffen. Der perſönliche Werth der Men⸗ ſchen in allen Berufen ſcheint uns einer unbegrenzten Stei⸗ gerung durch eine Erziehung fähig zu ſein, welche die Kind— heit Nichts von der Entwickelung ihrer Fähigkeiten verlieren laſſen würde. Fourier und Owen ſtimmen in dieſem Punkte iberein, die Uebe betrachte ginnen nicht in Geiſtes welche zieehur an di gen Wenn würde aſtrop es doch ſſche? treffen Träghe Einrei welche ihr a⸗ dieſer in d weld dahiꝛ loſig ſie denke berzeh⸗ wurde, ß die⸗ ord in befrie⸗ e man fformer Wechſel⸗ r ſocia⸗ er ganz der zu über h an nſten So ufall deren mFä⸗ üllung Regie⸗ Könige uerken⸗ ber die ndigen bſpan⸗ n, als dings aſein ſchs ſch Men⸗ Stei⸗ 2 Krd⸗ zerberen a Purtte — 269— überein, und man kann gleichſam als eine Entdeckung ſelbſt die Uebertreibungen ihrer Zuverſicht in dieſer Beziehung betrachten. Die große Aſſociation muß in der Schule be⸗ ginnen und ſich nach außen fortſetzen: wahrlich, herrſchen nicht in der Schule die wirklichen Superioritäten des Geiſtes und der Arbeit, trotz der unbedingten Gleichheit, welche alle Beziehungen leitet? Man brauchte nur der Er⸗ ziehung der Kinder die Sorgfalt zuzuwenden, welche man an die Polizei der Erwachſenen verſchwendet, um in weni⸗ gen Jahren die Geſtalt der ökonomiſchen Fragen zu ändern. Wenn man das moraliſche Kapital der Nationen erhöhen würde, ſo würde man ihre Hilfsquellen ſteigern, und die Ka⸗ taſtrophen verhüten, von welchen ſie heimgeſucht werden. Gibt es doch Anordnungen der Geſundheitspolizei, um die phy⸗ ſiſche Anſteckung zu verhüten, warum ſollte man nicht ſolche treffen, um die moraliſche Anſteckung der Unwiſſenheit, der Trägheit und Unfähigkeit zu verhüten? Ihr klagt über das Einreißen der Armuth, die an euere Pforten pocht, und welche euere Spitäler und Kerker überfüllt: allein was macht ihr aus euern Kindern? Welchen Reichthum hofft ihr denn aus dieſen Myriaden verlaſſener Geſchöpfe entſtehen zu ſehen, welche in dem Kothe euerer Städte und Dörfer aufſproſſen, oder welche in dem unreinen Dunſtkreiſe eurer Manufacturen bleich dahin welken? Achtet die Utopiſten, welche euch der Sorg⸗ loſigkeit anklagen und erröthet ob deren Irrthümern; denn ſie ſetzen ihr Leben daran, für Millionen Undankbarer zu denken. Hauptſtück XLV. Allgemetne Ueberſicht der Syſteme der politiſchen Oekonomie.— Natio⸗ naler Charakter der verſchiedenen Schulen.— Italiäniſche Schule.— Spaniſche Schule.— Franzöſiſche Schule.— Engliſche Schule.— Teutſche Schule. ——— Wae nahen dem Ende unſerer Bahn. Wir haben in ra⸗ ſchem Schritt die Geſchichte der Verſuche durcheilt, welche bei den geſittigten Völkern gemacht worden ſind, um die phyſiſche und moraliſche Lage des Menſchen zu verbeſſern. Griechenland, Rom, das Mittelalter, die neuern Zeiten ſind nach einander vor unſerem Blicke vorübergegangen, und über⸗ all hat ſich das nämliche Problem uns dargeſtellt: überall der Kampf des Sklaven und des Herrn, des Reichen und des Armen, des Unternehmers und des Arbeiters. Dieſer Kampf, welcher noch unter neuen Geſtalten andauert, gab ſämmtlichen Syſtemen der politiſchen Oekonomie, welche ſich gefolgt ſind, die Entſtehung, von dem O1νανν vG Neno⸗ phon's an, welcher vorſchlug, die Sklaven auf der Stirne zu brandmarken, um ihnen die Flucht zu erſchweren, bis zur ſocietären Theorie Fourier's und zu den cooperativen Geſell⸗ ſchaften Owen's. Der Geiſt wird beſtürzt über die Mono⸗ tonie dieſer ſocialen Verſuche, die, obwohl immer gehemmt, doch unabläſſig wieder entſtanden, um zu ſterben und wieder zu erwachen von Geſchlecht zu Geſchlecht. An den beiden En⸗ den der chriſtlichen Zeitrechnung, und an den Enden der Welt, im alten Rom und in den Vereinigten Staaten fin⸗ det man immer wieder die Sklaverei, ſo wie ſie fortgeführt wurde von den Barbaren und fort erhalten von der Feuda⸗ lität; und man ſollte glauben, daß die Menſchheit ſtehen geblieben ſei, wenn man die äußerſte Langſamkeit ihrer Er⸗ rungenſchaften und ihre Sorgloſigkeit, ſie zu erhalten, be⸗ trachtet. Gleichwohl hat der ſociale Fortſchritt nie geſtockt Natio⸗ hule.— hule.— in ra⸗ welche m die iſſern. ſind über⸗ berall und Hieſer , gab he ſih keno⸗ tirne zu bis zur Geſeln Mono⸗ hemmt, eder zu n En⸗ der i⸗ fführt jeuda⸗ ſtehen er Er⸗ n, be⸗ geſtockt — 271— ſeit dem Alterthum, obwohl er in gewiſſen Zeiträumen ver⸗ worren und ungeordnet erſcheint. Der Eintritt des Chriſten⸗ thums, der Einbruch der Barbaren, die Kreuzzüge, ſelbſt die Verfolgungen gegen die Juden, die Gründung des Bundes der Hanſeſtädte, die Befreiung der Communen, die Organiſation der Gewerbsinnungen durch den heiligen Ludwig, die induſtrielle und commercielle Erhebung der italiäniſchen Freiſtaaten, die Entdeckung Amerika's, der Proteſtantismus haben ſtufenweiſe Aenderungen in den Gang der politiſchen Oekonomie gebracht. Die Verſuche haben nicht aufgehört, während die Theorien ſtets vorangingen. Wir haben dieſe mühſamen Entwickelungen der Wiſſenſchaft in den Thatſachen beobachtet: jetzt mahnt die Zeit, ſie in Syſteme zuſammen zu faſſen. Dieſe verſchiedenen Syſteme haben immer etwas von dem Cha⸗ rakter der Nationen entlehnt, bei welchen ſie entſtanden ſind. Italien, welches die Ehre hatte, die Fackel aller Wiſſenſchaf⸗ ten wieder anzuzünden, iſt das erſte, das ſich dem Studium der politiſchen Oekonomie hingab. Während die meiſten großen Staaten Europa's noch den Finanzgriffen und dem Elend bloß geſtellt waren, entſtanden in Venedig, Mailand und Genua Banken; man entwarf in Florenz die erſten Budgets der Staats⸗ ausgaben und Einnahmen, man ſubſtituirte dem Adel des De⸗ gens den Adel der Seide und Wolle. Treffliche Schriften über die Münzen enthüllten die Geheimniſſe des Credits und ſchu⸗ fen die Wiſſenſchaft der Finanzen. Selbſt die Leiden der Halb⸗ inſel haben die Fortſchritte der politiſchen Oekonomie begün⸗ ſtigt, indem ſie die Italiäner unter Karl V. den verderblichen Einfluß der Monopole, der hohen Steuern und der Sperren fühlen ließen. Im Jahr 1582 gab Gasparo Scaruffi ſeine Arbeit über die Münzen und über das wahre Ver⸗ hältniß zwiſchen dem Gold und Silber heraus. Er ſchlug die Schöpfung eines allgemeinen Mediums des Um⸗ laufs und die Stempelung für alle Goldſchmiedearbeiten vor. Der Neapolitaner Serra, der 1613 ſeine kurze Abhand⸗ lung über die Urſachen, welche in den Reichen Gold und Silber im Ueberfluß hervorbringen 2922= können, ſchrieb, begriff ſchon die produktive Macht der In⸗ duſtrie. Bandini, der Vorläufer Quesnay's und der Phy⸗ ſiokraten, hob die Vortheile einer einzigen Steuer als der leichteſten und erſparendſten hervor; Broggia ließ die erſte methodiſche Schrift über die Theorie des Steuerweſens er⸗ ſcheinen. Allein der berühmteſte der italiäniſchen Volkswirth⸗ ſchaftsgelehrten iſt unſtreitig der Profeſſor Genoveſi, wel⸗ chen man mit Recht als den Rivalen Adam Smith's betrach⸗ ten kann, wenn auch nicht wegen der Richtigkeit ſeiner Lehren, doch wenigſtens wegen des Aufſchwungs, welchen er dem Unterricht der Wiſſenſchaft in ganz Italien zu geben ge⸗ wußt hat. Kein Schriftſteller ſtellt wirklich genauer den Charakter der italiäniſchen ökonomiſchen Schule dar. Dieſe Schule war von jeher philoſophiſch und reformluſtig geweſen; ſie gefällt ſich in den Wechſelfällen der Politik und ihre Rathſchläge er⸗ gehen nicht ſo oft an die Völker, als an die Könige. Geno⸗ veſi hatte den Muth, ſie auf dieſer gefährlichen und ehrenhaf⸗ ten Linie zu halten. Er hat für die Freiheit des Getreidehan⸗ dels, für die Abſchaffung der Geſetze über den Geldzins, und für die Beſchränkung der Zahl der Mönchsorden gekämpft. Er hat den Vorzug der Arbeit vor der Ergiebigkeit der Berg⸗ werke zum Zweck der Bereicherung der Nationen verkündet. Er ſah im Jahr 1764 die Emancipation der Vereinigten Staaten Amerika's und den Sturz des Kolonialſyſtems klar voraus. Seine hohe Sittlichkeit, ſeine Beredtſamkeit, ſeine umfaſſende Gelehrſamkeit haben ſtets eine Menge Schüler zu ihm hingezogen, und obwohl ſeine Lehren dem Merkantilſyſtem günſtig waren, ſo kann man ihn doch als den Gründer der politiſchen Deko⸗ nomie in Italien betrachten. Algarotti, einer ſeiner berühm⸗ teſten Nachfolger, hat uns die erſte Zergliederung der Erſchei⸗ nungen der Tbeilung der Arbeit gegeben, deren Theorie der Marcheſe von Beccaria faſt in dem nämlichen Zeitpunkt er⸗ gänzen ſollte, wo ſie in England die ſchönen Beweiſe Adam Smith's erhielt. Beccaria nannte in ſeiner maleriſchen Sprache das Eiſen den Metallvater; er war übrigens ein Anhän⸗ ger der nays. Dit vom G liäͤniſch Smith' geiſtrei viele man i Bettel ten die Erſtere dig ſeien jeder ſyf fundet in des Erb rühmt⸗ Italien Abhilfe Abſtand Städte ſinkt d thum, der Th neratio Bevölk, durch d die Ehe, einem E dem Ver⸗ nige, und Filan der Freih ſtehenden druck der Blanau — 273— ger der franzöſiſchen Oekonomiſten aus der Schule Ques⸗ nay's. Die Forſchungen über die politiſche Oekonomie vom Grafen Verri haben nicht minder zum Erfolg der ita⸗ liäniſchen Schule beigetragen. Verri iſt der Vorgänger Adam Smith's. Seine gedrungene und kräftige Schreibart, ſeine geiſtreichen und ſchlagenden Gleichniſſe haben ſeinen Werken viele Popularität gegeben, trotz den bedeutenden Lücken, die man in ihnen trifft. Vasco und Riccti, welche über den Bettel und über die Woylthätigkeitsanſtalten ſchrieben, vertre⸗ ten die Theorien von Godwin und Malthus in Italien. Der Erſtere behauptete, daß die Regierungen den Armen Hilfe ſchul⸗ dig ſeien; der Zweite ſtellte die Schädlichkeit und die Gefahr jeder ſyſtematiſchen und zwangsweiſen Unterſtützung auf. Man findet in Vasco die ſaint⸗ſimoniſtiſche Idee von der Abſchaffung des Erbrechts. Ortes, ſein Zeitgenoſſe, wurde zu hoch ge⸗ rühmt; allein dieſer Schriftſteller hat das Verdienſt, zuerſt in Italien das Einreißen des Pauperismus und die Mittel der Abhilfe dagegen hervorgehoben zu haben. Er hat ſehr gut den Abſtand zwiſchen dem Elend und dem Ueberfluß in den großen Städten hervortreten laſſen. Nach ihm„erhält ſich, ſteigt und ſinkt die Bevölkerung ſtets in dem Verhältniß zu dem Reich⸗ thum, aber nie geht ſie dem Reichthum voraus. Die Generationen der Thiere ſind durch die Wirkſamkeit der Menſchen, die Ge⸗ nerationen der Menſchen aber durch die Vernunft begrenzt. Die Bevölkerungen mindern ſich durch übermäßige Auflagen und durch die Sklaverei. Die Eheloſigkeit iſt ſo nothwendig, als die Ehe, um die Bevölkerung zu erhalten. Die Eheloſigkeit einem Eheloſen vorwerfen, wäre das Nämliche, wie die Ehe dem Verehelichten vorwerfen. Die Arbeitshäuſer verſorgen Ei⸗ nige, und verwahrloſen Viele.“ Filangieri war in Italien einer der fähigſten Vertheidiger der Freiheit des Handels, der ſtandhafte Feind der zahlreichen ſtehenden Heere. Nie vielleicht hatte ſich der weltbürgerliche Aus⸗ druck der italiäniſchen Schule lebendiger geoffenbart, als in die⸗ Blanaui, Geſchichte d. polit. Oekon omie. 13. Bd. 18 — 274— ſem Schriftſteller, wenn nicht in den zahlreichen Schriften des Melchiorre Gioja, dieſes Atlas der Wiſſenſchaft in Italien. Sein gefeierter Nuoro prospetlo delle scienze economiche hatte zum Zweck, alles das in ein wiſſenſchaftliches Syſtem zu bringen, was die Schriftſteller über die politiſche und Privatöko⸗ nomie gedacht, die Regierungen über ſie ſanctionirt, und die Völ⸗ ker in ihr ausgeführt haben. Er hat darin die Anſichten al⸗ ler italiäniſchen und ausländiſchen Schriftſteller geprüft. Es iſt dieſes eine wahre Eneyklopädie der Wiſſenſchaft; aber ſie iſt nicht immer unparteiiſch, zumal nicht gegen die Franzoſen. Der unterſcheidende Charakter der ökonomiſchen Schule der Italiäner beſteht hauptſächlich in ihrer weiten und umfaſſenden Art, die Gegenſtände zu betrachten. Sie beſchäftigen ſich nicht mit dem Reichthum unter dem abſtracten und abſoluten Ge⸗ ſichtspunkt, ſondern in Hinſicht auf das gemeine Wohl. Soll ihnen eine ökonomiſche Maaßregel als wichtig erſcheinen, ſo muß ſich nicht bloß eine Geldfrage daran knüpfen, ſondern ein moraliſches oder politiſches Intereſſe. Die Staatsgeſellſchaften ſind in ihren Augen keine Bankierhäuſer und die Arbeiter keine Maſchinen. Sie betrachten den Menſchen als ewigen Gegen⸗ ſtand ihrer Sorgfalt und Forſchung. Sie ſind eben ſo ſehr Publiciſten als Volkswirthſchaftsgelehrte. Montesquieu vertritt am beſten in unſerer Sprache das wahre Vorbild des Volks⸗ wirthſchaftsforſchers in der ihrigen. Die Fragen, in welchen ſie ſich auszeichneten, ſind die über die Münzen, die Freiha⸗ ven, den Landbau, die Leihhäuſer, die Wohlthätigkeitsanſtalten. Wenn ihre zahlreichen Werke keinen ſo großen Widerhall ge⸗ funden haben, ſo muß man dieſes den argwöhniſchen Vorſichten faſt aller ihrer Regierungen und der perſönlichen Stellung der Schriftſteller zuſchreiben, von denen die einen Miniſter, die an— deren Räthe, einige Geiſtliche waren; allein die politiſche Oe— konomie verdankt ihnen ihre Verbreitung in Europa und vor⸗ treffliche Abhandlungen über eine Menge bedeutender Einzeln⸗ heiten. Die meiſten dieſer Volkswirthſchaftsgelehrten hatten der Inquiſition Rom's, der Venedias, den Vorurtheilen ihrer Zeit und dem Despotismus ihrer Regierungen zu trotzen. Sie ————— haben; wiſſern die pol ſale A vom TW In Fiscu⸗ Lande cher l der N lag do grundhe niß, S Sperrſy ſtectt he Quelle. den ver Untern⸗ ſter un hoben die ton Schad Es gil Verwe daß S gewiſe machen. Haͤrten? deren und um alle? Jluſione eben ſo⸗ eine vert gemacht und nich des alien. niche en zu atöo⸗ e Vü⸗ Hien A⸗ üft. Es der ſie iſ zoſen. cule der nfaſfenden ſch nicht luten Ge⸗ öhl. Sol heinen, ſo ondern ein ſelſchſten heitr keine hen Geger⸗ en ſo ſeh ieu vernit des Volii⸗ in welhen ie Freih⸗ sanſualten derhall ge⸗ Vorſichten llung der , die an⸗ ſche Oe⸗ ud vor⸗ kinzeln⸗ hatten ihrer . Sie —- 275— haben gegen die beſtehenden Mißbräuche geſchrieben, und ge⸗ wiſſermaßen auf der Breſche. Ihr Leben war ein Kampf und die politiſche Oekonomie blieb für ſie die ſociale, die univer⸗ ſale Wiſſenſchaft: ſonſt iſt ſie überall nur die Wiſſenſchaft vom Vermögen. In Spanien wurde ſie immer als die Bundesgenoſſin des Fiscus betrachtet. Die ganze ökonomiſche Geſetzgebung dieſes Landes trägt das Gepräge eines ausſchließlichen Charakters, wel⸗ cher bis zur Vertreibung der Mauren und bis zur Entdeckung der Neuen Welt zurückſteigt. Die Freiheit der Induſtrie er⸗ lag dort ſchon früh der Errichtung der Manufakturen mit grundherrlichem oder königlichem Monopol, und das Bedürf⸗ niß, Spanien den Markt Amerika's zu ſichern, gab dort dem Sperrſyſtem die Entſtehung, welches ſeither ganz Europa ange⸗ ſteckt hat. Alle ökonomiſchen Drangſale fließen aus dieſer Quelle. Durch die übermäßige Verfolgung der Mauren und Ju⸗ den vernichteten die Spanier auf der Halbinſel den Geiſt der Unternehmung und Speenlation; durch Vermehrung der Klö⸗ ſter und Mönche gaben ſie der Faulheit eine Prämie und er⸗ hoben den Bettel zum Rang eines Gewerbs. Die Majorate, die todte Hand, der Haß gegen die Ausländer haben gleichen Schaden dem Landbau, der Induſtrie und dem Handel gebracht. Es gibt vielleicht kein Land in der Welt, wo die ökonomiſche Verwaltung mehre Ugbel erzeugt hat; und man könnte ſagen, daß Spanien an ſich ſelbſt alle ſchlechten Syſteme verſucht habe, wie gewiſſe erperimentirende Naturforſcher an ſich Verſuche mit Giften machen. Was ließ ſich Nützliches anſtreben unter der Drohung der Härten der Inquiſition und im Angeſicht der Bergwerke Amerika's, deren unerſchöpflicher Ertrag ganz beſonders improviſirt erſchien, um alle Irrthümer wieder gut zu machen, um über alle Gefahren Illuſionen zu machen! Dieſer Wohlſtand war für Spanien eben ſo verderblich, als ſeine größten Unfälle. Er hat es in eine verhängnißvolle Sicherheit eingewiegt; er hat es glauben gemacht, daß die Macht der Staaten in den edeln Metallen, und nicht in der Arbeit ruhe; er hat die widerſinnigen Vorur⸗ 18. — 276— theile über die Handelsbilanz und die drakoniſchen Geſetze gegen die Ausfuhr des baaren Geldes erzeugt; er hat mit Blumen die Ränder des Abgrundes bekleidet, von welchem einſt dieſe Monarchie verſchlungen werden ſollte. In jenen Schriften ſelbſt, die unter dem Einfluſſe dieſer be⸗ klagenswerthen Vorurtheile erſchienen, muß man auch die Er⸗ klärung des Verfalls Spaniens und des Fortſchrittes der ſchlech⸗ ten Wirthſchaftslehren in dieſem Lande ſuchen. Faſt alle von Prieſtern oder Beamten des Fiscus verfaßt, ſind dieſe Abhand⸗ lungen wahre Manifeſte gegen die Grundprincipien von dem Vermögen der Nationen. Unterdrückung im Innern und Aus⸗ ſchließung nach Außen, iſt ihr Wahlſpruch. Wenn man ſie liest, möchte man ſagen, daß die Menſchheit nur für die Laune einiger Familien oder einiger Körperſchaften geſchaffen ſei. Deſ⸗ ſenungeachtet drang gegen das Ende des 18. Jahrhunderts die philoſophiſche Bewegung, die von Frankreich ausgegangen war, nach Spanien, und erzeugte dort eine für die politiſche Oekonomie günſtige Reaction unter der Regierung Karls III. Commiſſäre wurden ernannt, um die amerikaniſchen Beſitzun⸗ gen zu erforſchen: Kanäle wurden gezogen, Straßen in dem Mutterſtaate angelegt, und die Bank von San Carlos ſchien die Spanier in die Vortheile des Kredits einweihen zu wollen. Zu gleicher Zeit ſuchten Cabarrus, Jovellanos, Dan⸗ vila, Martinez de la Mata, Sempere und Guari⸗ nos, und in unſeren Tagen Valle Santoro, Florez Eſt⸗ rada, und mehre ausgezeichnete Mitglieder der Cortes die Na⸗ tion zu den lange verkannten Grundſätzen der politiſchen Oeko⸗ konomie zurückzurufen. Allein alle dieſe Bemühungen waren unmächtig gegen die Verſtocktheit der nationalen Vorurtheile und gegen die Leiden, von welchen Spanien ſeit dem Beginn des 19. Jahrhunderts niedergedrückt worden iſt. Das Sperrſyſtem brachte ihm den Verluſt ſeiner ſchönſten Kolonien; die Gewerbsmonopole haben ſeine ſämmtlichen Manufakturen zerſtört; der Zehnte, die Ma⸗ jorate haben ſeinen Landbau mit Unfruchtbarkeit geſchlagen; der Krieg hat verſchleudert, was ihm noch an Kapitalen erübrigte, und di macht, men. fen, folgen gräßl einzig ſchlec Vorb lehrte ſce Hande das L. litiſche den be konnte In Schick gen, ewig win ligen nung keit; die Land von! Erſta hatte. dieſer bau zu zung geüh! gen*) — 9) eſetze mit einſt er be⸗ e Er⸗ ſchech⸗ le von lbhand⸗ dn dem Aus⸗ in ſie Laune Deſ⸗ derts angen liiiſche 1s III. eſihun⸗ in dem hien die wollen. „Dar⸗ Huari⸗ ez Eſ⸗ die Na⸗ Oeky⸗ n die jeeiden, nderts m den haben ie Ma⸗ gen; der rübrigte, —-— 277— und die Anarchie lähmt noch die Anſtrengungen, welche es macht, um ſeinen Rang unter den Nationen wieder einzuneh⸗ men. Noch nie bot ein Volk ein treffenderes Beiſpiel der Stra⸗ fen, welche auf die Irrthümer in der politiſchen Oekonomie folgen, und nie büßten die Bürger eines Landes auf eine gräßlichere Weiſe die Fehler ihrer Regierung. Es gibt nicht eine einzige ſociale Wunde dieſer Monarchie, die nicht das Ergebniß einer ſchlechten Lehre wäre, und man könnte ſagen, daß ſie als warnendes Vorbild dadurch allen andern gedient hat, daß ſie dieſelben be⸗ lehrte, von ihren Verſtößen Nutzen zu ziehen. Die ökonomi⸗ ſche Schule Spaniens iſt in der That jene, welche die meiſten Handelsvorurtheile in der Welt verbreitet, und Spanien iſt das Land, welches am meiſten dadurch gelitten hat. Seine po⸗ litiſche Oekonomie iſt noch die nämliche, wie die Karls V., und den beredten Proteſtationen von Jovellanos und Florez Eſtrada konnte es nicht gelingen, ſie zu erſchüttern. In Frankreich hat die politiſche Oekonomie glücklichere Schickſale erlebt. Es iſt nicht Ein Jahrhundert dahin gegan⸗ gen, ohne daß ſich hier nicht edle Stimmen für den Sieg der ewigen Grundſätze der Gerechtigkeit in der Vertheilung der Ge⸗ winnſte der Arbeit erhoben hätten. Von der Regierung des hei⸗ ligen Ludwig an ſicherten die Körperſchaften jeder Gewerbsin⸗ nung, wenn auch nicht jedem Arbeiter, eine gewiſſe Unabhängig⸗ keit; der Arbeiter ward einer ſtrengen Zucht unterworfen, allein die Innung wenigſtens war frei. Unter Heinrich IV. kam der Landbau an die Reihe, und die Bauern, befreit von einer Menge von Bedrückungen, gingen zum erſten Mal aus dem Zuſtand der Erſtarrung hervor, in welchen ſie die Feudalherrſchaft verſenkt hatte. Man ſieht, wenn man die Schriften Sully's liest, daß dieſer große Miniſter ſyſtematiſch dahin arbeitete, den Land⸗ bau zu entfeſſeln, und daß dieſer Mutterzweig der Gütererzeu⸗ gung ſchon in ſeinem Geiſte den Rang behauptete, welcher ihm gebührt. Colbert organiſirte die Induſtrie auf neue Grundla⸗ gen*); er gab ihr Ermunterungen und Geſetze, und wir haben *) Man ſehe das Hauptſtück XXVII. dieſer Geſchichte. = 2— nachgewieſen, daß er gegen die Intereſſen des Landbaus nicht ſo ſeindſelig geſinnt war, als man ſich denkt. Später kamen die Periode Law's, die Begründung und die Stürme des Cre⸗ dits, ſchmerzliche Erfahrungen, welche wenigſtens den Vortheil hatten, Frankreich mit einem der Hauptelemente ſeines künfti⸗ gen Reichthums bekannt zu machen. Die Oekonomiſten des 18. Jahrhunderts ergänzten dadurch vollends das Werk der vorgehenden Jahrhunderte, daß ſie die erſte Wirthſchaftstheo⸗ rie darſtellten, welche für die Wiſſenſchaft als Einleitung diente. Dieſes war gleichſam eine Löſung, Europa gegeben, und ſeit dieſer Zeit ſchien der menſchliche Geiſt keine Raſt mehr zu ha⸗ habeu. Jedermann begriff, daß die ſociale Wiſſenſchaft die ſchlichteſten Bürger eben ſo angehe, als die erlauchteſten Häup⸗ ter. Die Geſellſchaft wollte ſich ſelbſt kennen lernen; ſie er⸗ forſchte die Erſcheinungen ihrer eigenen Phyſiologie, und ſo ge⸗ lang es Frankreich, von Verſuch zu Verſuch, ſelbſt auf Koſten ſeiner Leiden, die Aufgabe der Zukunft mit ſeiner gewohnten Beſtimmtheit aufzuſtellen, für alle Völker und Regierungen. Die politiſche Oekonomie iſt in Italien philoſophiſch und in Spanien fiscaliſch geweſen, und erſt in Frankreich hat ſie den organiſirenden und ſocialen Charakter angenommen. England gab ihr eine ausſchließlich induſtrielle Phyſiogno⸗ mie und Tendenz. Die politiſche Oekonomie wird in dieſem Lande nur als die Wiſſenſchaft von dem Vermögen angeſehen. Die engliſchen Schriftſteller haben das Vermögen und den Reich⸗ thum auf eine abſtracte und von den Leiden, welche deſſen Er⸗ zeugung nur gar zu oft begleiten, unabhängige Weiſe betrach⸗ tet. Man hat ihnen mit Recht vorgeworfen, das Wohl der Arbeiter von den Fragen über Manufacturen und Maſchinen zu ſehr getrennt zu haben, und ſich für die Leiden der arbei⸗ tenden Klaſſen gefühllos zu zeigen. Die meiſten neuern Schrift⸗ ſteller dieſer Schule haben, auf die Reize der Schreibart, ſo mächtig für den Sieg ſelbſt ihrer Lehren, verzichtend, die po⸗ litiſche Oekonomie wie die Algebra behandelt, und die Behaup⸗ tung gewagt, daß alle Sätze der Wiſſenſchaft mit einer mathe⸗ matiſchen Schärfe ſich beweiſen laſſen. Dieſe Tendenz hat ſie nicht zu hat ihne gen ihr der vol zu den Englä Cayi eben eine! geleh ren ku Wil Schule ihre Le ten der Englät entwich Wohl kriſen der komr ſtem der niſſe fried mal! dieſes nung ein un pelten tigen es in wit Ka ſchine, tet he mit C nicht amen Cre⸗ rtheil ünfti⸗ en des ti der ſitheo⸗ diente. un ſeit zu ha⸗ ift die Haͤup⸗ ie er⸗ ſo ge⸗ Koſten ohnten ungen. und in ſie den ſiogno⸗ dieſem geſehen. Reich⸗ en Er⸗ etrach⸗ l der hinen bei⸗ rift⸗ 4 ſo e po⸗ haup⸗ nathe⸗ hat ſie — 279— nicht zu den menſchenfreundlichſten Löſungen geführt, aber ſie hat ihnen geſtattet, mit einer unbeugſamen Logik die Folgerun⸗ gen ihrer Grundſätze zu verfolgen. So iſt es ihnen gelungen, der volkswirthſchaftlichen Sprache eine Schärfe zu geben, die zu den Fortſchritten der Ideen vieles beigetragen hat. Die Engländer ſind es, welche die Begriffe Gütererzeugung, Capital, Mitwerbung, Credit und eine Menge andere eben ſo wichtige am genaueſten beſtimmt haben. Sie haben eine Kunſtſprache geſchaffen, welche von allen Volkswirthſchafts⸗ gelehrten Europa's zuletzt angenommen wurde, und welche ih⸗ ren künftigen Arbeiten zum Ausgangspunkte dienen wird. Wir haben das Grundgebrechen dieſer ſtrengen und poſitiven Schule und die Gefahr der Verwickelungen hervorgehoben, welche ihre Lehren erzeugt haben. Dadurch, daß ſie alle ſocialen Rückſich⸗ ten dem Bedürfniß, Vermögen zu ſchaffen, opferten, haben die Engländer übermäßig die Güter erzeugende Kraft der Nation entwickelt, aber ſie haben nicht in gleichem Verhältniß das Wohl der Arbeiter erhöht; glücklich dieſe, wenn die Handels⸗ kriſen ſie nicht zu Opfern der Mitwerbung oder des Sinkens der Löhne gemacht haben! Der Augenblick iſt noch nicht ge⸗ kommen, um zu behaupten, bis zu welchem Punkt dieſes Sy⸗ ſtem der Aufreizung der Verzehrung dadurch zur Entwicklung der Gütererzeugung mitwirken konnte, daß es mit den Bedürf⸗ niſſen den Eifer für die Arbeit erhöhte, welcher allein ihre Be⸗ friedigung geſtattet. Das beſtändige Wachſen der Auflagen, zu⸗ mal der auf die Gegenſtände der Verzehrung, hat die Einwohner dieſes Landes zu einem beſtändigen Fieber der Vervollkomm⸗ nung verdammt. England iſt eine unermeßliche Gewerbsanſtalt, ein univerſelles Comptoir geworden. Gebettet auf einem dop⸗ pelten Lager von Steinkohle und Eiſen, geöffnet dem auswär⸗ tigen Handel durch mehr als hundert vortreffliche Haven, hat es in ſeinem Schooße Männer von Genie gefunden, welche es mit Kanälen und Straßen durchfurcht, welche die Dampfma⸗ ſchine, wenn auch nicht erfunden, doch allgemein verbrei⸗ tet haben, welche ihr Vaterland mit dem Spinngewebe und mit Eiſenbahnen begabt haben. Es hat ſeinen Credit auf ſo — 280— breite Baſen gelegt, daß das Nationalvermögen dadurch wie durch eine Erwerbung an Metall angewachſen iſt; es hat den Unterricht mit ſo freigebiger Hand ausgeſtreut, daß keine Fähigkeit hier Gefahr laufen darf, unangebaut zu bleiben. Zur Fülle ſeines Glücks hat diefes Reich in den meiſten ſei⸗ ner Miniſter hervorragende Intelligenzen gefunden, welche ſich dem Dienſte der Wiſſenſchaft geweiht und mit ſeltener Fähigkeit ihre ſchwierigſten Vorſchriften ausgeführt haben. So iſt England das klaſſiſche Land der wirthſchaftlichen Er⸗ fahrungen, und von dieſem großen Laboratorium ſtrömen ſie gegenwärtig in die Welt aus. Die teutſchen volkswirthſchaftlichen Schriftſteller haben die Wiſſenſchaft von einem philoſophiſchen und politiſchen Ge⸗ ſichtspunkt betrachtet, welcher ſie gänzlich von den andern europäiſchen Schriftſtellern unterſcheidet. Es fehlt wenig, ſo wäre in ihren Augen die politiſche Oekonomie nur die Wiſ⸗ enſchaft der Verwaltung, die Wiſſenſchaft vom Staat, der Inbegriff der Kameralwiſſenſchaften, wie ſie dieſelbe tennen. Sie begreifen darunter immer die Diplomatie, das onſtitutionelle Recht, die Statiſtik und ſelbſt die Staatspo⸗ izei, ſonderbare Amalgame, in welchen ſicher die beſten Köpfe ich verloren hätten, wenn nicht die Schwierigkeit des Ge⸗ genſtandes ſelbſt ihnen eine heilſame Zurückhaltung auferlegt hätte*). Man zählt unter ihnen eine große Anzahl von An⸗ ———— .“h) Den Vorwurf, welchen Hr. Blanqui hier den teutſchen Volkswirth⸗ ſchaftsgelehrten macht, als wärfen ſie Ungehöriges in die politiſche Oeko⸗ nomie zuſammen, iſt ganz falſch. Bekanntlich hat keine Nation die Eney⸗ klopädie der Wiſſenſchaften gründlicher bearbeitet, als die teutſche, und eine ſo ſcharfe Begrenzung der einzelnen Wiſſenſchaften vorgenommen und ih⸗ ren Geſammtorganismus ſo unterſcheidend gezeichnet. Dieſes gilt namentlich auch von den Staatswiſſenſchaften, und der Gruppe jener, welche ſich mit der Wirthſchaft beſchäftigen. Man hat hier nur zu viel geſchieden, in⸗ dem man zu ſehr von dem Bilde des Lebens abſtrahirte, und man unter⸗ ſcheidet nun: I. eine Wirthſchaftslehre mit völligem Wezblick von der Einwirkung der Regierung. Dieſe zerfällt Il. ger Col ſan he Na wel kloß non tun er tn 2 walt p irr mie di rechts, cher da hinein, nicht m ſoon, d V nen, n wie hat keine eiben. ſei⸗ welche eltener haben. en Er⸗ nen ſie n die Ge⸗ dern ſo Wiſ⸗ „der jeſelbe 2, dos aatoͤpo⸗ n Köpfe des Ge⸗ zuferlegt von An⸗ lkswirth⸗ he Oeko⸗ je Ency⸗ und eine und ih⸗ nentlich ſche ſich den, in⸗ n unter⸗ pon der — —j—— — 281— hängern des Syſtems von Quesnay, namentlich den Hrn. Schmalz, welcher in dieſen letzten Jahren ein Syſtem her⸗ — 1) in die bürgerliche Wirthſchaftslehre, d. h. die Lehre von der Wirthſchaft der Einzelnen als ſolcher, oder der in Familien verbundenen Individuen: 2) ſociale Wirthſchaftslehre, d. h. die Lehre von der Wirth⸗ ſchaft aller Einzelnen zuſammen II. eine Wirthſchaftslehre mit Rückſicht auf die Einwirkung der Regierung. Dieſe zerfällt: 1) in die Volkswirthſchaftslehre(Nationalökonomien), Lehre von der Wirthſchaft eines Staats als ſolchen, wozu Regierung und Volk gehören; 2) in die Regierungswirthſchaftslehre(Finanzwiſſen⸗ . ſchaft), Lehre von der Wirthſchaft der Regierung als ſolcher. 11I. eine Wirthſchaftslehre, wo die Regierung als in die bürger⸗ gerliche und ſo ciale Wirthſchaft eingreifend betrachtet wird, wenn Colliſionen zwiſchen den wirthſchaftenden privaten Einzeln⸗ oder Ge⸗ ſammtperſonen eintreten, welche von der Staatsgewalt nach der Idee und der Aufgabe des Staats entſchieden werden müſſen. Dieſer Zweig heißt die wirthſchaftliche Polizei. Das iſt die ſcharfe Gliederung der Wirthſchaftswiſſenſchaft. Der Name Cameralwiſſenſchaft iſt ein traditioneller Collectivname, welcher vermieden werden ſollte. Ganz irrig iſt es, und deutet auf keinen ſcharfen Begriff der Ency— klopädie der Staatswiſſenſchaften, wenn Hr. Blanqui die politiſche Oeko⸗ nomie der teutſchen Schule einmal faſt mit der Wiſſenſchaft der Verwal⸗ tung, einem vagen, in Teutſchland nicht, wohl aber in Frankreich bekann⸗ er Ausdruck, das andere Mal mit der Wiſſenſchaft vom Staat, alſo der in Teutſchland ſogenannten Staatslehre vergleicht, da doch die Ver⸗ waltungswiſſenſchaft und die Staatslehre ganz verſchieden ſind. Eben ſo irrig iſt es, wenn Hr Blanqui glaubt, daß in der politiſchen Oekono⸗ mie die Diplomatie, d. h. die Wiſſenſchaft von der Praxis des Völker⸗ rechts, das conſtitutionelle Recht, d. h. jener Theil des Staatsrechts, wel⸗ cher das Verfaſſungs⸗ und Regierungsrecht behandelt, endlich die Sta⸗ tiſtik als ſolche behandelt, da bloß die Finanzſtatiſtik als Hilfswiſſenſchaft hinein gezogen wird. Solche Vorwürfe ſollte ein Franzoſe den Teutſchen nicht machen, da die Franzoſen furchtbar an der eneyklopädiſchen Confu⸗ ſion, die Teutſchen aber nicht daran leiden. Wie viel hätte das gegenwärtige Werk des Hrn. Blanqui gewon⸗ nen, wenn er der Betrachtung eines jeden Zeitalters nicht ein mechani⸗ — 282— ausgegeben hat, welches man beſtimmt glauben ſollte, die Lehren der Phyſiokraten wieder berzuſtellen. Die HH. Pro⸗ feſſoren Rau in Heidelberg und Pölitz in Leipzig haben auf die vollſtändigſte Weiſe die Grundſätze der politiſchen Oekonomie ſo dargeſtellt, wie ſie in Teutſchland verſtanden werden; nicht als ob Teutſchland anmaaßlich behauptet hätte, ſeine beſondere Wiſſenſchaft und vollkommenere Verfahrungs⸗ weiſen bei der Erzeugung und Vertheilung des Vermögens zu haben, ſondern weil in dieſem Lande die politiſche Oe⸗ konomie ſtets in ihren Beziehungen zu dem Staats⸗ und Verwaltungsrecht betrachtet wurde. Mehre Schriftſteller hat⸗ ten ſogar den Gedanken gehabt, ihr eine theologiſche Grund⸗ lage zu geben, und nirgend erſcheint ſie mit einem zahlrei⸗ chern Gefolge von Entwicklungen und Anwendungen. Der Hr. Graf v. Soden, welcher ſie Staatshaushaltungs⸗ kunde nennt, theilt ſie in Theorie, Geſetzgebung und Verwaltung ein. Die Finanzen, die Polizei, die Erzie⸗ hung nehmen darin einen großen Raum ein. ſches, ſteifes, ſondern ein ſich wie eine Wurzel durchziehendes Schema zu Grunde gelegt hätte. Dann wären ihm nicht ganze große Seiten der Wirthſchaft der Völker ausgeblieben, und Anderes wäre nicht wiederholt unter die Feder gekommen. Das erſchwert gerade das Studium der franzöſiſchen ſtaatswiſſen⸗ ſchaftlichen Werke, daß ſie meiſt ohne Methode und genaue Syſtematiſir⸗ ung angelegt ſind. Man braucht nur die jüngſt erſchienenen Vorleſungen des Hrn. Roſſi über politiſche Oekonomie zu leſen, um ein nagelneues, ſchlagendes Beiſpiel für dieſe Behauptung zu haben. Ich weiß wohl, daß wiſſenſchaftliche Armuth ſich hinter einer ſolchen teutſchen Syſtematiſirung oft verhüllt; allein eine ſolche ſtrenge Ordnung als ſolche iſt ſchon etwas ſehr Werthvolles, und es zeugt immer von einer Beherrſchung der Wiſſeenſchaft, wenn das ſie nachzubilden berufene Buch in ſeiner Eintheilung ſich als ei⸗ nen tüchtigen Anatomen des zu behandelnden wiſſenſchaftlichen Zweiges zeigt. Nie iſt ein Vorwurf ungerechter geweſen, als der hier von Hrn. Blanqui gegen die politiſche Oekonomie der teutſchen Schule gemachte. Daß übrigens die Teutſchen auch beſondere wirthſchaftliche Fragen praktiſch zu behandeln verſtehen, gibt er ſelber zu, und er findet dafür vor Allen glänzende Beläge bei meinem Landsmann, dem Herrn Staats⸗ rath Nebenius. Buß. allg die gro lah Grl hatte durch terſu Oeko lichen auf! land tein Vo ſem eine verda biet de einem, wickelte wägung Nalch mehr de nicht an , die Pro⸗ haben tiſchen ganden hätte, hrungs⸗ moͤgens he Oe⸗ ⸗ Und er hat⸗ jrund⸗ blrei⸗ Der ngs⸗ g und Erzie⸗ chema za eiten der viederholt aswiſſen⸗ tematiſir⸗ rleſungen gelneues, ohl, daß tiſrung as ſehr nſchaft, als ei⸗ weiges n Hrn. aachte. Fragen et dafuͤt Staats⸗ Dieſe Tendenz der teutſchen politiſchen Oekonomie, in das Gebiet des Publiciſten einzugreifen, iſt in Europa faſt allge⸗ mein geworden. Schon in ſeinem Cours complet hatte ſich J. B. Say zu einer Menge von Abſchweifungen über die öf⸗ fentlichen Verzehrungen, über die vom Staat ausgeführten Ar⸗ beiten, über den Unterricht der Jugend, über die Ausgaben für die Flotte und das Heer verleiten laſſen. Der Fortſchritt des allgemeinen Vermögens hatte ihm die Nützlichkeit und ſogar die Nothwendigkeit des Einſchreitens der Regierung bei den großen Unternehmungen öffentlichen Nutzens erwieſen. Er er⸗ lahmte nach und nach von der Strenge der ausſchließenden Grundſätze, welche ihn ſo lange dieſes mächtige Einſchreiten hatten zurückweiſen machen. England brachte ſeinerſeits da⸗ durch, daß es zum erſten Mal die Bahn parliamentariſcher Un⸗ terſuchungen(Enquétes) betrat, neues Licht in die politiſche Oekonomie, und bewies auf die unbeſtreitbarſte Weiſe die ſämmt⸗ lichen Dienſte, welche man von dem Einfluſſe der Regierungen auf die Gütererzeugung erwarten konnte. Dennoch blieb Teutſch⸗ land ſeinen metaphyſiſchen Gewohnheiten treu, und wir kennen keinen größern Gegenſatz, als die Schriften ſeiner größten Volkswirthſchaftsgelehrten gegen die Beſtimmtheit der franzö⸗ ſiſchen Schriftſteller und gegen die ſtrengen und didaktiſchen Formen der Volkswirthſchaftsgelehrten Englands. Die Entwickelung der Induſtrie und des Handels in Teutſch⸗ lang hat nichts deſtoweniger ſeit mehren Jahren angefangen, die zu ſpeculative Tendenz der ökonomiſchen Wiſſenſchaft in die— ſem Lande zu ändern. Hr. Krauſe, welchem ſeine Landsleute eine beachtungswerthe Arbeit über den preußiſchen Zollverein verdanken, iſt aus den metaphyſiſchen Regionen auf das Ge⸗ biet der Anwendungen herabgeſtiegen, und hat Anſichten von einem großen Intereſſe für den Landbau, namentlich einen ent⸗ wickelten Plan einer Territorialbank dargelegt, die uns der Er⸗ wägung würdig erſcheint. Die HH. Zachariä, Hermann, Malchus, Nebenius, Buchholtz haben immer mehr und mehr den Weg praktiſcher Reformen betreten, und wir können nicht anders, als anerkennen, daß Teutſchland fortwährend auf — 284— die ſicherſte und aufgeklärteſte Weiſe weiter ſchreitet. Der von Preu⸗ ßen organiſirte teutſche Zollverein iſt die umfaſſendſte und kühnſte ökonomiſche Reform, welche ſeit einem Jahrhundert ausgeführt wurde. Der vorzugsweiſe eklektiſche Geiſt der Teutſchen hat ſie frühe vor der Einſeitigkeit der Syſteme bewahrt, und ſie haben das Glück gehabt, die Erfahrungen ihrer Nachbarn zu benützen, ohne ihre Vorurtheile anzunehmen. Da ſie ſich immer gleich weit von dem ausſchließlichen Syſtem der Spanier, dem Manufactur⸗ ſyſtem der Engländer und von den anticommercialen Gewalt⸗ thätigkeiten der franzöſiſchen Revolution entfernt gehalten ha⸗ ben, ſo konnte die Reform unter ihnen vorgehen, ohne die künſt⸗ lichen Exiſtenzen zu erſchüttern, welche gegenwärtig in andern Ländern ſo viele Hemmniſſe den Verbeſſerungen entgegenſetzen. Weniger abſolut, ſind die Teutſchen in ihren Bewegungen we⸗ niger gehemmt; ſie haben keine Opfer zu bringen, keine In⸗ tereſſen zu opfern: die Reform ſtrömt dort in vollem Bett, wie über ein jungfräuliches Erdreich, und vielleicht werden, wäh⸗ rend die Erörterung in den durch praktiſche Gewohnheiten ge⸗ feierten Staaten fortdauert, in dem Lande der Metaphyſik die entſcheidendſten Verſuche gemacht werden. Welches aber auch die charakteriſtiſchen Unterſchiede ſein mö⸗ gen, die gegenwärtig die Syſteme der politiſchen Oekonomie in Europa trennen, ſie werden ſich alle nach und nach in eine ge⸗ meinſame Anſchauung, die von der Nothwendigkeit einer billi⸗ gern Vertheilung der Erträgniſſe der Arbeit, verſchmelzen. Selbſt in den Ländern, wo die Preſſe und die Tribüne ſtumm ſind, belehrt ein prophetiſcher Inſtinkt die Regierungen über die wah⸗ ren Bedürfniſſe der Völker, und legt ihnen die Verpflichtung auf, ſie zu befriedigen. Die früher den Arbeiten des Kriegs zugewandte Kraft ſtrebt jetzt den gewerblichen Unternehmungen zu; die Lage des Arbeiters wird geehrt, und wir gehen raſch der Abſchließung eines neuen Vertrages, ſei es zwiſchen den Arbeitern, ſei es unter den Nationen, entgegen. Das Indivi⸗ duum ſtrebt nach ſeinem Antheil an der collectiven Macht der Maſſen, und wir begreifen keinen andern ſocialen Zuſtand mehr, als den, welcher jedem ein mit ſeinen perſönlichen Talenten und ſeiner Die Schwe löſen, Es h.⸗ allge dürf lun mo bür Preu⸗ kühnſte geführt efrühe SGlück ne ihre veit von zufaetur⸗ Gewalt⸗ lten ha⸗ e künſt⸗ andern nſetzen. n we⸗ e In⸗ t, wie wäh⸗ ten ge⸗ gyſit die ſein mi⸗ onomie in n eine ge⸗ iner bili⸗ en. Selbſt umm ſind, die wah⸗ flichtung Kriegs mungen n raſch en den Indivi⸗ iht der d mehr, aten und —-— 285— ſeiner täglichen Arbeit im Verhältniß ſtehendes Loos ſichert. Die Regierungen ſelbſt ſind genöthigt, ihren Unterhalt im Schweiße ihres Angeſichts zu gewinnen, und Schwierigkeiten zu löſen, über welche ſie noch vor wenigen Jahren ſpotten konnten. Es hat ſich unter ihnen ein heilſamer Wettetfer in den dem allgemeinen Wohl zuträglichen Maaßregeln erhoben; und man dürfte ſchwerlich einen einzigen bedeutenden Act der Verwal⸗ lung anführen, welcher nicht den Fortſchritt des öffentlichen Ver⸗ mögens und die Verbeſſerung des Looſes der niederſten Staats⸗ bürger zum Zweck hätte. Wie viele Schöpfungen dieſer Art hat die politiſche Oekonomie nicht ſeit dem Anfang des 19. Jahrhun⸗ derts in's Leben gerufen! Die Ordnung iſt wieder in den Fi⸗ nanzen eingetreten, und das Vertrauen auf die öffentlichen Ver⸗ pflichtungen iſt eine heilige Sache geworden; die Sparkaſſen ha⸗ ben den Erſparniſſen des Armen ein Aſyl geboten; Geſellſchaf⸗ ten der Wohlthätigkeit und wechſelſeitiger Hilfe haben ſich in allen gebildeten Ländern vermehrt; der Handel hat die Völ⸗ ker ſich angenähert, welche der Krieg allzulange getrennt hatte. Keine ökonomiſche Schule wagt öffentlich das Aus⸗ ſchließungsſyſtem zu vertheidigen, und Niemand glaubt mehr daran, daß ein Land ſich bei dem Ruin ſeiner Nachbarn be⸗ reichere. Die reſpectiven Glaubensüberzeugungen der alten Secten werden ſich bald in eine univerſelle Religion, in ei— nen induſtriellen und friedlichen Katholicismus verſchmelzen, welcher die großen Arbeiten der Vergangenheit zum Gewinn und zur Befriedigung der Bedürfniſſe der Zukunft zuſammen faſſen wird. Wenn eine Linie von Eiſenbahnen Marſeille mit Moskau verbinden wird, dann wird es keine teutſche und keine franzöſiſche politiſche Oetonomie mehr geben, und die preußiſchen Mauthen werden eingeſunken ſein. Man wird nicht mehr über das ſtreiten, was uns gegenwärtig ſo ſehr beſchäftigt, außer um zu bedauern, daß man ſo lange be⸗ rathen habe, ſtatt zu handeln. Hauptſtück XLVI. Von den ökonomiſchen Verwickelungen, welche ſich aus der induſtriellen Befreiung ſeit 1789 ergaben.— Von den Nachtheilen der Mitwerbung. — Widerſpruch zwiſchen den Thatſachen und den Geſetzen.— Noth⸗ wendigkeit, ſie harmoniſch auszugleichen.— Von den⸗Revolutionen, welche in den Handelsverhältniſſen ſeit dem 19. Jahrhundert bewirkt worden ſind.— Modiſicationen, welche hieraus fuͤr die politiſche Oe⸗ konomie hervorgehen. Der Augenblick iſt in der That gekommen, zu handeln; denn Alles geht mit raſchem Schritt voran, und die Bewe⸗ gung, welche uns dahin reißt, läßt uns kaum Zeit, um uns zu blicken. Es erübrigt nichts mehr von dem frühern ſo⸗ cialen Zuſtande, auf welchem ſich die Inſtitutionen unſerer Väter ſtützten; ein halbes Jahrhundert hat genügt, um die Geſtalt der Erde und den Schauplatz der Erfahrungen neu zu geſtalten. Die Unbehaglichkeit der gegenwärtigen Geſell⸗ ſchaft hängt zumal von der Unverträglichkeit ab, welche zwi⸗ ſchen den alten Syſtemen und den neuen Intereſſen beſteht. Die ökonomiſchen Grundſätze, welche uns leiten, ſtammen von mehr als zwei Jahrhunderten her, und unſere gewerbliche Verfaſſung hat nichts mehr mit jener aus der Zeit gemein, in welcher ſie in die Welt traten. Wohin immer wir auch den Blick wenden mögen, dieſer Contraſt tritt uns entgegen, und weihſagt eine Verjüngung. Die Prüfung, welche wir „hierüber jetzt anſtellen wollen, ſoll der Schluß dieſer Ge⸗ ſchichte ſein und deren Lehre zuſammenfaſſen. Der erſte Streich wurde von der franzöſiſchen Revolution geführt. Sie iſt es, die in Einer Nacht das Recht der Erſt⸗ geburt, die Subſtitutionen, die Majorate, die Zehnten und die Vorrechte jeder Art abſchaffte. Auf das alte Syſtem der Concentration des Grundeigenthums ließ ſie deſſen äußerſte Theilung folgen, deren Uebertreibung gegenwärtig die erſten Segnungen in Zweifel ſetzt. Sie entfeſſelten die Arbeit durch Aufh bung wir Verr pital ſehe unt der wo heb heit der noch alte tionel wurd Men Frei ſcha ten uſtriellen verbung. KNoih⸗ olutionen, t bewirtt liſche O⸗ deln; ſewe⸗ uns ſo⸗ ſerer die neu Heſell⸗ e zwi⸗ beſteht. en von ebliche emein, r auch gegen, e wir Ge⸗ ution Erſt⸗ und m der ußerſte eerſen it durch — 287— Aufhebung der Zünfte, und ließ den Handel durch Aufhe⸗ bung der Binnenzölle wieder aufleben. Allein ſeither haben wir auf dieſem Gebiete die unbeſchränkte Mitwerbung, die Vervielfältigung des Bodenbetriebs mit unzureichendem Ka⸗ pital und den Landbau in iriſcher Weiſe heranwachſen ge— ſehen. Eine einzige Kaſte war vor 1789 der Beſteuerung unterworfen; die Gleichheit vor dem Geſetz hat ihr alle an⸗ dern unterworfen. Die Vertheilung iſt allerdings billiger ge⸗ worden; allein die Laſt iſt auffallend angewachſen. Die Auf⸗ hebung der Aemter der Zunftgeſchwornen gewährte dem Ar⸗ beiter die Freiheit, aber ſie hob auch die Verantwortlichkeit der Meiſter auf. Die Revolution gab viel: ſie forderte aber noch mehr. So war von den erſten Schritten an die ganze alte ſociale Organiſation tief verwandelt, und die neuen Inſtitu⸗ tionen blieben den alten Gewohnheiten unterworfen, oder wurden dem Zufall bloß geſtellt. Bei aller Emancipation der Menſchen ließ man ihnen die Feſſeln an den Füßen: die Freiheit ſollte für ſie noch verderblicher werden, als die Knecht⸗ ſchaft. Statt den Krieg gegen ihre Meiſter zu führen, führ⸗ ten ſie ihn unter ſich. Jedermann kennt die unvorgeſehenen Verwicklungen, welche aus dieſem Zuſtande der Dinge hervorgegangen ſind. Es war wahrlich ein ſchönes Schauſpiel, die Kampfbahn allen Fähigkeiten eröffnet zu ſehen; allein welche Verrechnungen! Wie viele Hoffnungen getäuſcht! Wie viele unglückliche Un⸗ ternehmungen! Die Einen, ſich der Ehe, wie dem verheiße⸗ nen Lande zuſtürzend, erzeugten nur den Pauperismus, und ernteten nur das Elend; die Andern, ſich ohne Erfahrung in die Wechſelfälle der Induſtrie wagend, trafen dort nur den Bank⸗ bruch, und glaubten ſich durch Zwangsmaaßregeln zu retten. Sonderbare Verblendung, welche ſie als ein Heilmittel für ihre Leiden gerade das Drangſal ſelber anrufen ließ, das die Leiden ihrer Väter erzeugt hatte, und das nach Allem nur die Wiederauferſtehung eines Privilegiums war! Das war der Ausgangspunkt des erſten und verderblichſten Widerſpruchs unſerer gewerblichen Geſetzgebung; indem man unſerer In⸗ — 288— duſtrie die Freiheit wieder gab, gab man ſie dem Handel nicht zurück, und die Verzehrung wurde durch falſche Maaß⸗ regeln angegriffen, welche man ergriff, um die Elemente der Gütererzeugung zu vermehren. Weit entfernt, von dieſer fal⸗ ſchen Bahn abzutreten, hat ſich Frankreich jeden Tag hier tiefer eingelaſſen, ſo daß man an die Stelle der alten Feu⸗ dalariſtokratie eine Ariſtokratie der Mauthen geſetzt hat, welche von den Monopolen, zum Nachiheil der Maſſen der Arbei⸗ ter, Gewinn zieht. Das Ergebniß dieſes Syſtems war, die Häupter der Induſtrie in eine bleibende Feindſeligkeit unter ſich ſelbſt zu bringen, und die Arbeiter in die Noth zu ver⸗ ſetzen, gegen einander eine ewige Mitwerbung auf den Ab⸗ ſtreich zu erheben, d. h. ihre Ausſichten auf Elend und Ent⸗ behrungen zu vermehren. Der Zehnte wird in unſeren Ta⸗ gen in den Werkſtätten erhoben; unſere Eiſenwerke nnd Spin⸗ nereien ſind Adelsſchlöſſer geworden, in welchen, gekleidet in ihre goldenen Rüſtungen, die hohen und mächtigen Herren der neuern Induſtrie ſitzen. Das beſtehende Kolonialſyſtem iſt eben ſo unverträglich mit der wahren Lage der Kolonien. Es gibt keine Kolonien mehr in der wahren Bedeutung des Worts; der Negerhandel iſt durch feierliche Verträge verboten: die Sklaverei ward durch das engliſche Parliament abgeſchafft, und in der neuen Welt hat jüngſt eine ſchwarze Republik mit ihrem Mutterſtaat auf glei⸗ chem Fuß unterhandelt. Die Engländer und Spanier haben ihre ſchönſten Beſitzungen in den beiden Amerika's verloren. Und gleichwohl beſteht das Kolonialſyſtem fort: in Erman⸗ gelung eines Körpers hält man ſich an den Schatten; man vermißt ſich, gegen freie Nationen die despotiſchen und aus⸗ ſchließlichen Gewohnheiten zu bewahren, welche man gegen unterworfene Niederlaſſungen angenommen hatte. Die Er⸗ fahrung und die politiſche Oekonomie mögen immerhin nach⸗ weiſen, daß man mehr gewinnen würde, wenn man auf ei⸗ nem liberaleren Fuße unterhandelte; die Routine ſiegt und der Widerſpruch lebt fort. Der Handel eines großen Volks bleibt fortwährend den übelverſtandenen Intereſſen einiger kleinen jene ſchwim ſen; d daß die Sel dem 2 hat ſe der de nie's duſtrie ſchen w chenland berei ha ſtantino⸗ Gunſten Dampff Mittelr Volter nicht der er iſt nie Zeiten volle gefang das V Die nicht di und wel nen. O. brauchen ſchen, ch Eine gan gegenwa welche Blangn Handel Maaß⸗ ute der ſer fal⸗ ag hier ten Feu⸗ t, welhe er Arbei⸗ war, die keit unter zu ver⸗ den Ab⸗ d Ent⸗ en Ta⸗ Spin⸗ idet in herten güch nit nen mehr handel iſ ard durch Welt hat auf gl⸗ ier haben verloren. Erman⸗ 7 man d aud⸗ gegen Er⸗ nach⸗ If ei⸗ und Volls einiger — 289— kleinen Inſeln untergeordnet, wie ein Schiff angebunden an jene Leichen, welche an dem Eingange unſerer Rheden ſchwimmen. Unterdeſſen verwickeln ſich und leiden die Intereſ⸗ ſen; die Sklaverei gährt und man ſcheint nicht zu gewahren, daß die Kolonien uns entgehen. Selbſt die großen Handelswege haben ihre Revolution ſeit dem Beginn dieſes Jahrhunderts erfahren. Das Mittelmeer hat ſeinen Scepter wieder erobert, und Alerandrien wird wie⸗ der der Stapelplatz des indiſchen Handels. Ein Blitz des Ge⸗ nie's Napoleon's hat in Egypten wieder die Fackel der In⸗ duſtrie angezündet, die ſeit mehr als einem Jahrtauſend erlo⸗ ſchen war. Algier hat ſich unſeren Waffen gebeugt, und Grie⸗ chenland iſt aus ſeinen Ruinen empor geſtiegen. Die Seeräu⸗ berei hat ihre Verwüſtungen aufgegeben, und ſelbſt in Con⸗ ſtantinopel dringt der Geiſt der Reform jeden Tag mehr zu Gunſten unſeres Einfluſſes und unſerer Ideen ein. Unſere Dampfſchiffe beſtreichen frei die unermeßliche Küſtenſtrecke des Mittelmeers, und unverhoffte Verbindungen knüpfen ſich unter Völkern an, die ſich lange unbekannt geblieben waren. Sind nicht alle dieſe Ereigniſſe beſtimmt, tiefgehende Aendernngen in der europäiſchen politiſchen Oekonomie hervorzubringen? Und iſt nicht zu beſorgen, daß wir, beharrend bei einer für andere Zeiten gemachten Geſetzgebung, durch irgend eine verhängniß⸗ volle Kataſtrophe überraſcht werden? Hat nicht Venedig an⸗ gefangen, von dem Tage an zu verfallen, wo die Portugieſen das Vorgebirge der guten Hoffnung umſegelten? Die Aenderungen, welche wir ſo eben angegeben haben, ſind nicht die einzigen, welche ſeit fünfzig Jahren eingetreten ſind, und welche das Intereſſe der Volkswirthſchaftsgelehrten verdie⸗ nen. Ohne das Gebiet materieller Thatſachen zu verlaſſen, brauchen wir unſere Blicke nur auf die Bewegung der phyſi⸗ ſchen, chemiſchen und mechaniſchen Wiſſenſchaften zu werfen. Eine ganze neue Welt wurde hier entdeckt, und wir verzehren gegenwärtig für mehre hunderte Millionen Francs Erzeugniſſe, welche unſere Väter kaum gekannt hatten. Die allgemeine Er⸗ Blanqui, Geſchichte d. polit, Oekonomie. II. Bd. 19 — 290— zeugung der Baumwollenzeuge beläuft ſich auf ungefähr zwei Milliarden; die des Zuckers auf mehr als fünf hundert Mil⸗ lionen. Wenn ihr die Zunahme der Induſtrie in Wolle, Lein⸗ wand, Eiſen, Steinkohle, Spiegelglas, und die ungeheure Ent⸗ wickelung dieſer Tauſende von häuslichen Manufacturen im Schooße unſerer großen Städte rechnet, ſo werdet ihr unge⸗ ſäumt anerkennen, daß alle Elemente der Gütererzeugung ver⸗ ändert ſind, und daß dieſe neue Welt neuer Geſetze bedarf. Jeder Tag bringt uns ſeine Entdeckung, und während die Han⸗ delsſchiffe die Zufuhr der Rohſtoffe vervielfältigen, lehrt das Genie der Mechanik ſparſamere Proceſſe, um ſie zu verarbeiten. Die zahlreicher gewordenen Austauſchungen haben ihrerſeits wieder Aenderungen in dem Syſteme des öffentlichen und Pri⸗ vateredits herbeigeführt. Die Noth macht nach und nach die Geiſter mit der Organiſation der Banken, mit den Staatsan⸗ leihen bekannt, und das Vertrauen, ehedem noch ſo langſam ſich nahend, überſchreitet jetzt bisweilen die Schranken der Möglich⸗ keit bei den großen Speeulationen unſerer Zeit. Die Macht der Aſſociation kennt keine Grenzen mehr. Sobald ſich ein Hinderniß einſtellt, ſtrömt ein Heer von Belagerern herbei, um es zu heben, und ſcheint ſelbſt des Widerſtandes der Natur zu ſpotten. Hier verbindet eine hängende Brücke zwei Berge; wei⸗ terhin ſtrebt ein wunderſamer Tunnel unter dem Bett eines großen Stromes durch; dort fliegt irgend ein Kanal*) von Kulm zu Kulm, wie eine imaginäre Linie, den Raum hin⸗ durch. Die Regierungen haben ſich mit Eifer dieſen kühnen Wer⸗ ken angeſchloſſen, und um nur von Einem Lande zu ſprechen, wir haben in wenigen Jahren Frankreich, das ſich kaum von den Wirren ſeiner letzten Revolution erholt hatte, ſeine Denk⸗ male wieder vornehmen und vollenden, ſeine Kanäle verviel⸗ fältigen, ſeine Eiſenbahnen eröffnen, ſeine Flußbette graben und unermeßliche Summen für die Erweiterung ſeiner Haven vo⸗ tiren geſehen. So werden in jedem Lande wahre Entdeckun⸗ *) Der des Erieſee's in den Vereinigten Staaten. gen g biets zu gl mand tung öffent Schr bei d habe klan⸗ größt haften wurde Napol auf eit wieder zurück Trüm ſchen noch ihre men vielf eigen ſchie veren Hem Stren thum einſt eilf N welche ud d ernſte geleh zwei Mil⸗ Lein⸗ eEnt⸗ en im ungx⸗ ng ver⸗ bedarf. ie Han⸗ brt das rheiten. erſeits Pri⸗ ch die atsan⸗ am ſch dglic⸗ Macht ſch en en herh, eNatur zu erge; wei⸗ Bett eines nal?) von Naum hir hnen Ver⸗ Iſprechen faum von ne Denk⸗ verviel⸗ aben und daben ⸗ Lnidecun⸗ — 291— gen gemacht, welche an Werth die Vergrößerungen des Ge⸗ biets erreichen, und welche das Privatvermögen der Einwohner zu gleicher Zeit mit dem Staatsvermögen vergrößern. Nie⸗ mand kann von jetzt an die Wichtigkeit der amtlichen Einſchrei⸗ tung der Regierung bei den großen Unternehmungen für den öffentlichen Nutzen mehr leugnen. Wenn die Staatsgewalt einen Schritt weiter thun und die Initiative einer großen Reform bei denjenigen unſerer Geſetze ergreifen würde, welche aufgehört haben, mit der gegenwärtigen Tendenz der Geſittung in Ein⸗ klang zu ſtehen, ſo würde die politiſche Oekonomie einen ihrer größten Siege errungen haben. Unſere bürgerlichen Geſetze haften noch zu ſehr an dem Zeitraum, in welchem ſie gegeben wurden, und an dem Princip, welches ſie eingegeben hat. Napoleon, welcher ſeinen Namen dieſem Geſetzbuch gab, folgte auf ein Regiment des Kampfes und der Spoliation; er wollte wieder eine Ariſtokratie errichten, und trat in die Feudalität zurück, ohne zu erwägen, daß eine neue Macht ſich auf ihren Trümmern erhoben hatte, und künftighin über die Welt herr⸗ ſchen würde; das war die Induſtrie. Ihre Schwingen waren noch unter dem Schutze Englands geborgen; allein ſie begann ihren Schwung von jenen großen Gewerksſtätten herab zu neh⸗ men, welche der Geiſt der Arbeit ſeither in ganz Europa ver⸗ vielfältigt hat. Vergebens ſchienen die Vorrechte des Grund⸗ eigenthums, ſorgfältig gepflegt, beſtimmt, die alten Kaſtenunter⸗ ſchiede und die Oberherrſchaft des Herrn über den Hörigen zu verewigen: der Handel entrann durch den Wechſelbrief den Hemmungen des Hypothekenſyſtems und gedieh unter der Strenge des Geſetzes zu gleicher Zeit, als das Grundeigen⸗ thum an ſeinen Gnaden ſtarb. Dieſe ungeheure Frage wird einſt verhandelt werden. Bei einer Hypothek von mehr als eilf Milliarden, die auf dem Boden Frankreichs ruht, und welche es lähmt, muß der unabhängigere Gang der Induſtrie und des Handels, die immerhin noch ſehr gefeſſelt ſind, ein ernſter Gegenſtand der Erwägungen für die Volkswirthſchafts⸗ gelehrten und Staatsmänner ſein. Es läßt ſich ein ganz goldenes 19. — 292— Zeitalter für den Landbau von der Vervollkommnung der Ge⸗ ſetzgebung in ſeinem Betreff zu hoffen. Vorzugsweiſe aber den großen Arbeiten der Communicatio⸗ nen wendet ſich die gegenwärtige Sorge der Völker zu. Die Iſolirung, welche ſie ſo lange in die Barbarei verſenkt gehal⸗ ten hatte, weicht den mit jedem Tage inniger werdenden Be⸗ ziehungen, und das Sinken des Preiſes der Transporte fügt einen unermeßlichen Werth zu bis jetzt verſchmähten Erzeug⸗ niſſen. Gleichwohl darf man nicht hoffen, daß die großen Schwierigkeiten der politiſchen Oekonomie in einer nur wenig fernen Zukunft werden gelöst werden. Jene, welche ihr zu lö⸗ ſen übrig bleiben, gehören von jetzt an der Praxis an, und dort können die kleinſten Verſehen die beklagenswertheſten Fol⸗ gen nach ſich ziehen. Nachdem man mehr als Ein Jahrhun⸗ dert über die größere oder geringere Wichtigkeit der Einwir⸗ kung der Regierungen geſtritten hat, muß man ſie überall an's Werk führen, wo die iſolirten Kräfte der Privaten unzurei⸗ reichend geworden ſind. In den Finanzen hat die Praxis mehr als Eine feierliche Widerlegung der Theorien geliefert. Wer „hätte es zum Beiſpiel geſagt, als der Dr. Price ſeine ſcharf⸗ ſinnige Theorie von der Schuldentilgung entwickelte, daß die⸗ ſes für ſo wirkſam erachtete Auskunftsmittel einſt unter die un⸗ fruchtbarſten Finanzcombinationen gereiht werden würde? Als Frankreich, in das fiscaliſche Syſtem der Reſtauration gezogen, das Kolonialmonopol dadurch zu ſchützen glaubte, daß es mit über⸗ großen Zöllen den ausländiſchen Zucker belegte, wer hätte es glauben können, daß dieſe ſo lebhaft geforderte Begünſtigung die Haupturſache des Verfalls der Kolonien ſein würde? Eng⸗ land hat beinahe zwei Jahrhunderte hindurch geglaubt, daß das ſicherſte Mittel, die Zahl der Armen zu mindern, wäre, eine Armenſteuer zu haben, und gerade die Armenſteuer hat den Pauperismus erzeugt. Es hat ſich herausgeſtellt, daß Groß⸗ britannien, nachdem es mehr als vier Milliarden Francs auf die Unterſtützung ſeiner Armen verwendet hatte*), gezwun⸗ *) Man ſehe die Statiſtik Englands von Hrn. Porter, und in's Franzöſiſche überſetzt von Hrn. Chemin Dupontés. S. 79. gen dieſe die ſchen E ihre wün nen ſch der gezl ſer treten ten. geit näher nen und ſono dell fän fort zu lan⸗ eine tigh vorh zu gierun *) T Es fi Iione vond worf könn r Ge⸗ leatio⸗ Die Rhal⸗ en Be⸗ ree füg Erzeug⸗ großen er wenig t zu lö⸗ n, uud en Fol⸗ hrhun⸗ einwir⸗ all an's nzurei⸗ is mehr 1. Wer i ſcharf⸗ daß die⸗ e die un⸗ de? Als ggen, das nit über⸗ hätte es nſtigung 2 Eng⸗ aß das „eine at den Groß⸗ nes ouf gehwun⸗ wund ins — 293— gen iſt, auf ſeinem Wege wieder umzukehren, ſeine Geſetze in dieſer Beziehung ſtreng zu revidiren, und nicht ohne Gefahr die Drangſal zu bekämpfen, welche ein Irrthum ſeiner politi⸗ ſchen Oekonomie hat entſtehen laſſen. Es iſt das tiefgehende Studium der Thatſachen, welches nach ihrem wahren Werthe die Folgen der ökonomiſchen Theorien würdigen ließ. Da die meiſten dieſer Theorien nur Inductio⸗ nen aus früheren, ſchlecht beobachteten Thatſachen ſind, ſo iſt es ſchwer, anzunehmen, daß dieſe Thatſachen nicht auf die Genauigkeit der Folgerungen ſollten eingewirkt haben, welche man daraus gezogen hatte. Seit ſich die Aufmerkſamkeit der Regierungen die⸗ ſer Seite zugewandt hat, konnte die Wiſſenſchaft ſicherer auf⸗ treten, und die Verwaltung mit größerer Sicherheit vorſchrei⸗ ten. Wie hätte man Auflagen auf gerechte Grundlagen zu der Zeit einführen können, wo man noch gar keine auch nur an⸗ nähernde Angabe über die Unternehmegewinnſte der verſchiede⸗ nen Gewerbe, über die Vertheilung der Gewinnſte unter ihnen und über die Anzahl der Arbeiter hatte, aus welchen ihr Per⸗ ſonal beſteht! Kennen wir ſchon lange her die Zahl der Fin⸗ delkinder, die Bevölkerung unſerer Spitäler und unſerer Ge⸗ fängniſſe? Und gleichwohl ſind dieſe Grundlagen jeder Re⸗ form und ſelbſt jeder guten Verwaltung noch am leichteſten zu gewinnen, und die Wichtigkeit der andern iſt ſchon ſo lange her gewürdigt, daß der große Colbert die Ausführung einer Arbeit dieſer Art befohlen hatte*). Man geht künf⸗ tighin an keine Frage der politiſchen Oekonomie mehr, ohne vorher ernſte Unterſuchungen über alle Thatſachen angeſtellt zu haben, welche ſich daran knüpfen. Als die engliſche Re⸗ gierung die übergroßen Zölle herabſetzen wollte, welche auf *) Dieſer große Gedanke Colbert's hat ſeine Ausführung erhalten. Es findet ſich in dem Departement der Handſchriften der königlichen Bibliothek eine Reihe von ungefähr hundert Bänden Statiſtik, welche von den Intendanten der Provinzen unter den Befehlen des Miniſters ent⸗ worfen wurden, und welche noch jetzt unſern Präfecten als Muſter dienen könnten. — 294— den Seidenwaaren Frankreichs laſteten, ſo geſtattete eine feier⸗ liche Enquéte ſämmtlichen Intereſſen, ſich vernehmen zu laſ⸗ ſen, und dieſe Unterſuchung iſt eine vollſtändige Abhandlung über den Gegenſtand geworden. Die Eröͤrterung der Er⸗ neuerung des Privilegiums der Bank hat Veranlaſſung zu einer ähnlichen Arbeit, vielleicht zu der merkwürdigſten gege⸗ ben, welche je über eine Finanzfrage geliefert worden iſt. Dem Entwurf, ein Communicationsſyſtem mit Indien über das rothe Meer zu gründen, ſind gleicherweiſe die gründ⸗ lichſten Unterſuchungen vorangegangen. Endlich war die große Unterſuchung, die aus Anlaß der Reviſion der Armenge⸗ ſetze vorgenommen wurde, die Looſung für eine analoge Ar⸗ beit in allen Ländern Europa's: jedes Volk wollte die Schwere ſeiner Wunden kennen lernen, und die Mittel für deren Heilung aufſuchen. Da die politiſche Oekonomie berufen iſt, alle dieſe Aufgaben ei⸗ nes ſocialen Intereſſe's zu löſen, ſo klärt ſie ſich jeden Tag mit neuem Lichte auf, ſelbſt in den Ländern, welche einer unbeſchränkten Regierung unterworfen ſind. Das Budget der Ausgaben, das der Mittel und Wege, das Rechnungsgeſetz geſtatten, den wah⸗ ren Stand des Staatsvermögens zu würdigen; durch den jähr⸗ lich abgeſtatteten Bericht über die bürgerliche und Strafrechts⸗ pflege kann man ſich eine genaue Idee von dem Gang der Angelegenheiten und von dem Stande der Sitten machen; die Ergebniſſe des Volksunterrichts, die Budgets der Gemeinden, die Ortsſtatiſtiken, ausgeführt mit äußerſter Sorgfalt in ei⸗ nigen Departements*), laſſen den Beweisgründen der Rou⸗ tine und des Vorurtheils gar keinen Schlupfwinkel mehr. Die gewerblichen Nachweiſungen ſind ſeltener. Die Regie⸗ rung, von der Anſicht durchdrungen, daß alle auf die Gü⸗ tererzeugung bezüglichen Fragen der Wachſamkeit des Privat⸗ intereſſe's überlaſſen werden ſollen, hat erſt ſehr ſpät, und Anfangs ſehr unvollſtändig die Thatſachen bekannt gemacht, deren Bewahrerin ſie war, ſo die Tabellen über die Ein⸗ *) Z. B. die des Oberrheins, welche wenig zu wünſchen übrig läßt. und Au Zahl d wenig der V hande die und Eine Ero zei ſr in ei gen W nicht in u rühm die b wilii Welt zu de läſſi thäti feier⸗ laſ⸗ dlung Er⸗ ng zu gege⸗ en iſ. über gründ⸗ große tenge⸗ Ar⸗ die für nei⸗ euem aniten , das nwah⸗ en jähr⸗ frechts⸗ ing der en; die einden, in ei⸗ Rou⸗ mehr. legie⸗ Gü⸗ eivat⸗ und nacht, Ein⸗ läßt. — 295— und Ausfuhr der Waaren, über das Erträgniß des Bergbau's, die Zahl der Gewerksanſtalten jeder Art. Man wußte noch vor wenigen Jahren Nichts von der Lage der Niederlagsorte, von der Wichtigkeit des Tranſits, von dem Umfange unſers Küſten⸗ handels. Nach und nach jedoch klären ſich in dem Maaß, wie die Thatſachen genauer geſammelt werden, die Fragen auf, und gehen einer Löſung entgegen, welche man von dem bloßen Einfluß der Principien nie hätte hoffen dürfen. Gründliche Erörterungen im Schooße der Kammern haben in den letzten Zeiten die Belehrung ergänzt, welche ſich ſchon aus den Fort⸗ ſchritten der Statiſtik ergab, und die politiſche Oekonomie iſt in eine neue Zeitrechnung eingetreten, ganz voll von Erfahrun⸗ gen und Anwendungen. Wohin immer man ſeinen Blick auch wende, es iſt unmöglich, nicht über alle die Fortſchritte zu ſtaunen, welche bewirkt worden ſind, ſeit der Friede den Regierungen und Bevölkerungen ge⸗ ſtattet hat, ihre Aufmerkſamkeit auf die Reformen zu ſammeln, welche dem Geſammtwohl günſtig ſind. Man hat allerſeits be⸗ griffen, daß die materielle Macht nur eine Gehilfin der mora⸗ liſchen Vervollkommnung ſei, und daß die Erzeugung des Vermögens nur inſofern als wahrhaft nützlich gelten ſollte, als daraus eine größere Summe der Wohlfahrt und der Sittlich⸗ keit für die Arbeiter hervorgeht. So hat man ſelbſt in Eng⸗ land ſchon die Stunden der Arbeit für die Kinder gemin⸗ dert, und von den phyſiſchen Wiſſenſchaften neue Mittel nrichtung der Werkſtätten gefordert. Die n nicht mehr der Laune der Gefängnißwär⸗ ter überlaſſen; ſie ſind umfaſſende Gewerksanſtalten geworden, in welchen täglich mit einer Sorgfalt, die man nicht genug rühmen kann, Verſuche der Beſſerung vorgenommen werden, die bald ihre Früchte tragen werden. Amtliche Reiſende, Frei⸗ willige dieſer ſchönen Sache der Humanität, haben die beiden Welten durchwandert, um dort die Methoden zu ſtudiren, die zu dem Zwecke verſucht wurden, die vor Kurzem noch ganz vernach⸗ läſſigten Verbrecher zum Guten zurück zu führen. Die Wohl⸗ thätigkeit ſelbſt hat Rath von der Wiſſenſchaft gefordert: ſie iſt der geſunden Ei Gefängniſſe wurde minder verſchwenderiſch mit Unterſtützungen geworden. Die Findelhäuſer öffnen nicht mehr mit beiden Flügeln die Pforten ihrer Friedhöfe; es haben einige ſinnreiche Förmlichkeiten ge⸗ nügt, um die Mütter zu dem Gefühl ihrer Pflichten zurück zu ru⸗ fen, und den Steuerpflichtigen beträchtliche Summen zu erſpa⸗ ren. Die Lotterie wurde aufgehoben: die öffentliche Verwerfung hat die Spielhäuſer ſchließen laſſen. In der rein materiellen Ordnung hat die politiſche Oekonomie eben ſo überraſchende Veränderungen und unverhoffte Fort⸗ Eine ganz neue Bevölkerung von In⸗ habern eines beweglichen Eigenthums hat ſich dem Grund⸗ eigenthum gegenüber erhoben und nimmt täglich mit einer beiſpielloſen Raſchheit zu. Die durch ihre Induſtrie geſchaf⸗ fenen Reichthümer bieten zahlreiche Abſatzwege den Erzeug⸗ niſſen des Landbaus und unermeßliche Hilfsquellen dem öf⸗ fentlichen Schatze. So erklärt ſich die fortſchreitende Zunahme der indirecten Auflagen, die beſtimmt ſind, das induſtrielle Vermögen der Nationen zu erreichen, und mit ihm zu ſtei⸗ gen. Jedes Jahr ſieht man die Ziffer ſteigen, welche den Ertrag dieſer Steuern darſtellt: die Briefpoſt, der Stempel, der Tabak, die Zölle, die Octrois, die Trankſteuern geben immer höhere Einkünfte, weil ſie mit der anſteigenden Be⸗ wegung des öffentlichen Reichthums im Verhältniß ſtehen. Die nämliche Erſcheinung zeigt ſich in allen geſittigten Ländern und die Schöpfungen der Manufactur⸗ und Handelsinduſtrie haben in gewiſſen Ländern, wie in England, in den Vereinigten Staaten, eine ſolche Entwickelung gewonnen, daß die indi⸗ recte Steuer dort faſt die einzige Baſis des Einnahmenbud⸗ gets dieſer Staaten geworden iſt. Zu gleicher Zeit begün⸗ ſtigt dort die Sparſamkeit die Vervielfältigung der Kapitale, und geſtattet, unter den Auſpicien der Aſſociation, Arbeiten zu unternehmen, welche neue Erſparungen und unbegrenzte Alle Grenzen ſcheinen ſich vor dieſen Heeren von Arbeitern zu erweitern: man entdeckt unbekannte Erzlager; man treibt Urwaldungen ab; man ſchafft Er⸗ zeugniſſe, welche als fabelhaft erſchienen. ſchritte hervorgerufen. — Reichthümer erzeugen. In Frankreich ha⸗ ben die des Zu der Lei ſich di heuern begint gen, aufre ſo E durch uner. hande tale richtet Einha men, zehnt ſeine End Frankre n. Die Pforten ten ge⸗ zu ru⸗ erſpa⸗ verfung fonomie e Fort⸗ on In⸗ Nrund⸗ einer ſchaf⸗ zeug⸗ öf⸗ ahme trielle ſtei⸗ ſe den dempel, geben den Be⸗ en. Die Ländern induſtrie einigten e indi⸗ tenbud⸗ begün⸗ pitale, rbeiten grenzte rdieſen betannte afft Er⸗ treich ha⸗ —— — 207 ⸗ ben die Runkelrüben und der Maulbeerbaum den Verbrauch des Zuckers und der Seide verdoppelt; in England droht der Lein unſere Leinenzeuge auszuſtechen; in Belgien erweitert ſich die Fabrication der Maſchinen ſchon nach einem unge⸗ heuern Maaßſtabe, und ſcheint nichts deſto weniger kaum zu beginnen. Wer dürfte es im Angeſichte dieſer Ergebniſſe wa⸗ gen, die Möglichkeit zu behaupten, ein ökonomiſches Syſtem aufrecht zu erhalten, das für andere Bedürfniſſe und unter ſo verſchiedenen Umſtänden entſtanden iſt? Es ſind kaum fünf und zwanzig Jahre, ſo war Europa durch einen allgemeinen, in den Jahrbücheru der Geſchichte unerhörten Krieg in ſeinen Grundfeſten erſchüttert. Der See⸗ handel war vernichtet, die Manufacturen leidend, die Kapi⸗ tale vergeudet; der Credit ſchien für immer zu Grunde ge⸗ richtet. Plötzlich verkündet Frankreich den Grundſatz der treuen Einhaltung ſeiner Verpflichtungen; es borgt enorme Sum⸗ men, um ſeine Schulden zu zahlen, und kaum iſt ein Jahr⸗ zehnt verfloſſen, ſo hat es ſeine Kräfte wieder gewonnen, ſeine Induſtrie wieder erhoben und ſeinen Handel an die Enden der Welt getragen. In dem Augenblick, wo ich die⸗ ſes Werk endige, betragen die Kapitale, welche in den ge⸗ werblichen Unternehmungen angelegt ſind, mehr als zwei Mil⸗ liarden Francs in dieſem Lande; ſie haben eine doppelte Summe in England erreicht, und die Maſſe der Kapitale, welche in den Staatsanleihen aller Völker vorgeſchoſſen ſind, läßt ſich auf nicht weniger, als das Fünffache dieſer Summe anſchlagen. Die Schöpfung der Kanäle*) und die Verbeſſe⸗ rung der Straßen haben den Werth einer unermeßlichen Menge *)„Es iſt durch ſichere Angaben feſtgeſtellt, daß der Kanal du Midi um zwanzig Millionen das jährliche Einkommen der Gegenden erhöht hat, durch welche er geht, und um mehr als vier Millionen die Einnah⸗ men des Schatzes. Es iſt gleicherweiſe feſtgeſtellt, daß der Kanal du Centre um eine Summe von fünf bis ſechs Millionen die Landrente Frankreichs erhöht hat.“ (Hr. Pillet Will: be la dépense et du produit des canaux, p. 61.) -— 298— von Gütern um das Dreifache geſteigert, und man ſah in einigen großen Städten den Boden ſich zu dem ungeheuern Preiſe von tauſend Francs für das Quadratmétre erheben. Das Nationalkapital iſt überall mit einer ſolchen Raſchheit und in ſo außerordentlichen Verhältniſſen geſtiegen, daß man kühn behaupten darf, vor fünf und zwanzig Jahren werde das franzöſiſche Eigenthum ſeinen Werth verdreifacht haben. Die nämliche ſteigende Bewegung offenbart ſich in ganz Eu⸗ ropa; und ohne die gewaltſame Beihilfe irgend einer innern Revolution genügt der Friede, um die niedrigſten Stellungen durch die Begünſtigung der Entfeſſelung der Arbeiter vermittelſt der wachſenden Erträgniſſe ihrer Arbeit zu heben. Es laſ⸗ ſen ſich auf eine ſichere Weiſe die Aenderungen nicht ermeſ⸗ ſen, welche jeden Tag in dieſer Art vorgehen; allein ihre Zahl vermehrt ſich ſo regelmäßig, daß die Verfaſſung der Geſellſchaft am Ende ganz erneuert werden wird. So werden die anſtößigſten ſocialen Ungleichheiten, und vielleicht einſt die letzten Spuren des Proletariates verſchwinden. Die Wiſſenſchaft der politiſchen Oekonomie hat das Recht, einen ſchönen Theil dieſes Fortſchrittes und der friedlichen Stimmungen, in welchen ſich Europa befindet, für ſich an⸗ zuſprechen. Der Geiſt der Eroberung und Vergewaltigung hat ſeine Zeit durchgelebt. Die kriegeriſchſten Nationen haben ihre Thätigkeit dauerhaftern Arbeiten zugewandt, und die wahre Va⸗ terlandsliebe beſteht künftighin darin, ſein Vaterland eher zu bereichern, als die Nachbarländer zu verheeren. Die Macht iſt auf die Seite des Reichthums getreten; die Rohheit iſt un⸗ fähig geworden, die Ruhe der gebildeten Länder zu ſtören. Jetzt iſt es rühmlich, die Natur zu bekämpfen; durch Bändi⸗ gung der Ströme, durch Ausbeutung der Bergwerke, durch Er⸗ öffnung von Kanälen und Straßen erweist ein Volk ſeine Ue⸗ berlegenheit, und ſiegt über ſeine Rivalen. Die Menſchen wer⸗ den bald nur noch in dem Verhältniſſe der Dienſte gelten, welche ſie leiſten können, nicht aber in dem der Ehrſucht, welche zu äußern es ihnen belieben dürfte. Alles, was das Wachsthum der Segnungen in den verſchiedenen Klaſſen der Geſellſo die öffe gegang ker leb Oekon Erde zeugr ſche vor nichf ropaͤi graph binati der S den brücke man ſah in geheuern erheben. Raſchheit aaß man n werde dt haben. ganz Eu⸗ er innern tellungen rmittelſt Fs laſ⸗ ermeſ⸗ n ihre g der verden inſt die Kecht, iedüchen ſch an gung hat aben ihte ahre Va⸗ eeher zu e Macht t iſt un⸗ ſtören. Bãndi⸗ irch Er⸗ ene Ue⸗ hen wer⸗ e gelten, Eyrſuch was das Klaſſen der — 299— Geſellſchaft erleichtern kann, verdient größere Anſprüche auf die öffentliche Sorgfalt, als die nur gar zu ſelten in Erfüllung gegangenen Verheißungen der glühendſten Neuerer. Die Völ⸗ ker leben nicht von Ambroſia, und obwohl man der politiſchen Oekonomie vorgeworfen hat, daß ſie die Stirne derſelben zur Erde beuge, indem ſie ſich zu ausſchließlich mit materiellen Er⸗ zeugniſſen beſchäftige, ſo weiß gegenwärtig doch Jeder, daß das ſicherſte Mittel, die Würde des Menſchen zu heben, das iſt, ſie vor der Noth ſicher zu ſtellen. Der Reichthum allein, oder doch wenigſtens der Wohlſtand, ſchafft jene Muſſe, in welcher der Staatsbürger frei aufathmet, und würdig die Frucht ſeiner Arbeit genießt. Was bis auf dieſen Tag Großes und Nütz⸗ liches in der politiſchen Oekonomie geſchehen iſt, hatte zum Zweck, den Menſchen ein wenig mehr Muſſe mit weniger Mühe zu verſchaffen, und folglich die Entwickelung der Intelligenz bei den verwahrlosteſten Klaſſen zu begünſtigen. Iſt zudem nicht die größte Summe perſönlicher Unabhängigkeit bei den Staatbürgern die ſicherſte Garantie der Freiheit? Herrſcht der Despotismus bei den reichen oder bei den armen Völkern? Es beſteht gegenwärtig nicht ein einziges Dorf, welches nicht unmittelbar oder mittelbar an den Segnungen der gewerblichen Geſittung Theil nimmt. Sobald eine nützliche Entdeckung auf einem Punkte angewandt wird, ſo macht ſie die Verzehrung auf einem andern entſtehen, und der Handel verführt in die entle⸗ genſten Cantone unſerer Provinzen die ſinnreichſten und neue⸗ ſten Erzeugniſſe unſerer Städte. Die politiſche Oekonomie hat bis zur letzten Evidenz die glücklichen Wirkungen jener Re⸗ action nachgewieſen, welche uns die ſo zahlreichen und ſo ma⸗ nichfaltigen Arbeiten der Communication, von denen das eu⸗ ropäiſche Gebiet durchfurcht wird, eingebracht haben. Die Geo⸗ graphie ſpielt eine bedeutende Rolle bei den ökonomiſchen Com⸗ binationen der neuern Zeiten. Man weiß, was die Mündungen der Schelde, des Rheins, der Donau gelten! Man überſetzt den Rhein nicht mehr mit Heeren; man ſchlägt keine Geſtell⸗ brücken über die Donau, um große Schlachten zu ſchlagen: man baut dort Dampfſchiffe. Alle dieſe militäriſchen Ströme — 300— ſind Handelslinien geworden. Der Kampf entſpinnt ſich jetzt zwiſchen dieſen Strömen und Eiſenbahnen, als letzter Ausdruck des gewerblichen Fortſchritts. Wer hätte im Jahr 1804 ge⸗ ſagt, als in einem unbekannten Winkel von Wales eine Dampf⸗ maſchine zum erſten Mal auf Eiſenſchienen ſich in Bewegung ſetzte, um am Schleppſeil ein Geleit von Wagen zu ziehen, daß hier der Anfang einer Umwälzung ſei, die beſtimmt iſt, die Geſtalt der Welt zu ändern! Hunderte von Millionen ſind ſeither dem Dienſte dieſer wunderſamen Maſchine gewidmet worden, welche vielleicht gegen die vervollkommneten Locomo⸗ tive der Zukunft nicht mehr iſt, als was die Luntenflinten ge⸗ gen die Feuergewehre unſerer Tage waren. Allein welche Fra⸗ gen laſſen jetzt ſchon die Veränderungen entſtehen, welche in Folge dieſer bewunderungswürdigen Maſchinen eintreten! Auf einem Punkt der Werth des Grundeigenthums verzehnfacht, und vielleicht auf einem andern Punkte auf einen Zehntheil herab⸗ geſetzt; hier neue Wege des Abſatzes; anderswo der Verluſt aller Abſatzwege. Fünf Mal hundert tauſend Reiſende wan⸗ dern, wo man früher deren kaum einige Tauſende zählte, und die Annäherung der Entfernungen gibt Revolutionen Raum, ähnlich denen, welche Verrückungen des Gebietes nach ſich zie— hen würden. Das ſind die neuen Phaſen, unter denen nun⸗ mehr die politiſche Oekonomie die induſtrielle und ſociale Be⸗ wegung erforſchen muß, über welche die Menſchheit ihr Rech⸗ nung abfordern wird. Sie muß ſtets das Auge auf dieſes große Geſetz der billigſten Vertheilung des Ertrags der Arbeit ge⸗ heftet haben; ſo lange es noch Tauſende von Menſchen geben wird, welche der erſten Bedürfniſſe des Lebens beraubt ſein werden im Schooße einer Geſellſchaft, reich an ſo vielen Ka⸗ pitalen und Maſchinen, wird immer noch etwas zu thun er⸗ übrigen, und das Tagewerk des Volkswirthſchaftsgelehrten wird noch nicht vollbracht ſein. Die Geſittung iſt berufen, mit gemein— ſamem Schutz, wie die Sonne, den Reichen und den Armen, den Starken und den Schwachen, den Bewohner der Städte und den des Landes zu decken. Die politiſche Oekonomie muß der Geſittung die Maaßregeln angeben, die zu ergreifen ſind, um weitern. Zum was au genwär roya, zende dem mand die E theilt ßen S bei der wonnen ſich jel wohne gerſtau nährt ſſcher ten ihr nu Stätte kaum d verzehre thun er briterze Nroduet ich jetz lusdruck l ge⸗ Dampf⸗ wegung giehen, iſt, die nen ſind gewidmet Locomo⸗ zten ge⸗ e Fra⸗ he in Auf , und herab⸗ Lerluſt wan⸗ ae, und Raum, ſt ze⸗ ꝛen nun⸗ ciale Be⸗ or Rech⸗ ſes große beit ge⸗ en geben übt ſein en Ka⸗ un er⸗ n wird gemein⸗ Armen, Städte mie muß ergreifen -— 301— ſind, um jeden Tag mehr die Segnung dieſes Schutzes zu er⸗ weitern.. Zum Schluſſe will ich ein ſchlagendes Beiſpiel für das anführen, was auf dieſer edeln Bahn noch zu thun erübrigt. Es iſt ge⸗ genwärtig unbeſtreitbar, daß der öffentliche Reichthum in Eu⸗ ropa, und vorzüglich in Frankreich, auf eine raſche und glän⸗ zende Weiſe ſich vermehrt hat. In welchem Verhältniſſe zu dem frühern Vermögen der verſchiedenen Länder, weiß Nie⸗ mand; man weiß eben ſo wenig, in welchem Verhältniſſe ſich die Gewinnſte unter die verſchiedenen Klaſſen der Arbeiter ver⸗ theilt haben. Nur ſo viel iſt gewiß, daß die Bevölkerung der gro⸗ ßen Städte, und vorzugsweiſe der Fabrik⸗ und Handelsſtädte, bei dem allgemeinen Fortſchritt des Reichthums weit mehr ge⸗ wonnen hat, als die des Landes. Unſere Städte verſchönern ſich jeden Tag mit neuen Bauten; die Bürger, welche ſie be⸗ wohnen, genießen mehr Annehmlichkeiten, als früher; der Bür⸗ gerſtand wohnt dort beſſer, er iſt beſſer gekleidet, beſſer ge⸗ nährt. Die Greiſe, welche das allgemeine Ausſehen der ſtädt⸗ iſchen Bevölkerungen ſeit einem halben Jahrhundert beobach⸗ ten konnten, ſind über den Abſtand erſtaunt, welcher zwiſchen ihrer gegenwärtigen Phyſiognomie und der Phyſiognomie der Vergangenheit herrſcht. Die Bannmeile eines jeden großen Gewerb⸗ und Handelsheerdes, von Havre, Rouen, Lille, Mül⸗ hauſen, Saint⸗Quentin, Lyon, Marſeille bedeckt ſich mit reichen Vorſtädten und reizenden Landhäuſern. Die Dörfer allein bleiben unregſam, und bewahren von Geſchlecht zu Geſchlecht ihr ärmliches und monotones Ausſehen. Man ſieht dort nur Miſt und Unrein⸗ lichkeit; überall einſtürzende Mauern, mit Stroh gedeckte Wohnun⸗ gen, ſchlecht gekleidete und noch ſchlechter erzogene Kinder. Wenn ihr nun erwäget, daß gegenwärtig die Bewohner dieſer traurigen Stätten zwei Dritttheile der franzöſiſchen Bevölkerung bilden, und kaum den vierten Theil der Erzeugniſſe unſerer Manufacturen verzehren, ſo werdet ihr willig anerkennen, daß noch Vieles zu thun erübrigt, um ihre Lage zu verbeſſern, und um unſern Fa⸗ brikerzeugniſſen Abſatz zu ſichern. Iſt es kein Stoff, über ein Productionsſyſtem nachzudenken, welches uns nöthigt, Zehrer — 302— an den Enden der Welt aufzuſuchen, wenn wir vor unſeren eigenen Thüren, im Schooße unſeres Vaterlandes, Arbeiter ha⸗ ben, welche an Allem darben! Wir können unſere Leinenzeuge nicht verkaufen, und viele Tauſende unſerer Mitbürger haben kein Weißzeug! Wir fordern Prämien für die Ausfuhr des Zuckers, und es gibt Greiſe und Kinder, welche dieſen Stoff nie gekannt haben, welche ihn vielleicht nie kennen lernen wer⸗ den! Hundert Morgen Landes werden in der Sologne und in den Landes weniger theuer verkauft, als eine Grube in Paris, um ſich beerdigen zu laſſen! Das ſind ſonderbare Contraſte: die politiſche Oekonomie ſtrotzt davon, und dennoch beginnt eine neue Geſchichte, voll von noch ſonderbarern Contraſten für ſie in dem Augenblick, wo dieſe endet. unſeren ier ha enzeuge r haben ühr des en Stoff en wer⸗ nd in den ris, un ſte: die nt eine ürf b b Kritiſche Bibliographie der politischen Oekonomie. Ww ich nie phie de ſtändigſt da kein den iſt. beſteht, gangen, zen un wird ſ mit w chem Dieſer untern langn Werk ſind: thek 3 Table hiblioth Nachd ich ſpre fünfzehn ffftcation nach de Katal Ilangu Bibliograpbie. Wi ich in meiner Einleitung angekündigt habe, habe ich nicht den Plan gehabt, hier eine vollſtändige Bibliogra⸗ phie der politiſchen Oekonomie zu geben, wohl aber die voll⸗ ſtändigſte, welche für das Studium der Wiſſenſchaft beſteht(?), da kein weſentlich bedeutendes Buch darin ausgelaſſen wor⸗ den iſt. Sämmtliche Werke, aus welchen dieſe Bibliographie beſteht, ſind nach einander vor meinem Blicke vorüber ge⸗ gangen, und ich habe verſucht, den Werth derſelben mit kur⸗ zen und charakteriſtiſchen Noten zu bezeichnen. Der Leſer wird ſonach zum Voraus wiſſen, welcher Art das Buch iſt, mit welchem er es zu thun haben kann, und bis zu wel⸗ chem Punkte es ihm frommen wird, es zu durchforſchen. Dieſes iſt eine Arbeit, welche man bis jetzt noch nicht zu unternehmen verſucht hat(2); einmal, weil ſie lang und langweilig ſein mußte, und dann, weil die meiſten älteren Werke über die politiſche Oekonomie ſehr ſelten geworden ſind: man braucht nur zu ſagen, daß die Königliche Biblio⸗ thek zu Paris nicht einmal ein einziges Originalexemplar des Tableau économique von Quesnay beſitzt. Die Privat⸗ bibliotheken haben mir größere Hilfe geleiſtet. Nachdem ich einmal Beſitzer der Bücher geworden war, und ich ſpreche hier mit einiger Autorität von einer Lectüre von fünfzehn Jahren, ſo ſchien es mir nothwendig, irgend eine Claſ⸗ ſification aufzuſtellen, entweder in chronologiſcher Abfolge, oder nach der Sachordnung, wie der Abbé Morellet in ſeinem Katalog, oder nach der alphabetiſchen Ordnung der Na⸗ Blanqui, Geſchichte d. polit. Oekonomie. H. Bd. 20 — 306— men der Verfaſſer. Nach vielen fruchtloſen Verſuchen mußte ich meinen Entſchluß ändern und mich auf eine bloße Auf⸗ zählung von den Titeln der Werke beſchränken, ohne irgend eine methodiſche Ordnung anzunehmen. Die chronologiſche Ordnung würde die Verwirrung bei den gleichzeitigen Bü⸗ chern, die zu gewiſſen Zeiten ſehr hänfig waren, nicht ver⸗ hindert haben; die ſachliche Ordnung ſetzte nicht minder in Verlegenheit wegen der Schriftſteller, welche verſchiedenartige Gegenſtände abgehandelt haben, wie die Finanzen, Zölle, den Pauperismus, den Handel, die Innungen; endlich iſt mir die alphabetiſche Ordnung als ungenügend erſchienen wegen der großen Anzahl von Schriften, deren Verfaſſer anonym ſind. Ein Repertorium der Namen, dem Katalog nachgetra⸗ gen, wird das Nachſchlagen erleichtern, und ohne Mühe die Werke auffinden laſſen, deren der Leſer bedarf. Ich habe gewiſſenhaft die Titel dieſer Werke in der Sprache wieder gegeben, in welcher ſie geſchrieben ſind, und bloß die der ausländiſchen Bücher franzöſiſch verzeichnet, welche in die franzöſiſche Sprache überſetzt worden ſind, ſo daß man des Nachleſens der Originale überhoben iſt*). Man darf den apo⸗ logetiſchen oder kritiſchen Bemerkungen Glauben ſchenken, mit welchen ich ſie, geleitet von einer wahrhaft weltbürgerlichen Unparteilichkeit, begleitet habe. Leider der teutſchen Sprache unkundig, mußte ich, um mein Bücherverzeichniß zu ergän⸗ zen, zu der Gefälligkeit meines gelehrten Freundes, des Hrn. Theodor Fir, meine Zuflucht nehmen, welcher es gefälligſt übernommen hat, für mein Werk die Bibliographie der teutſchen Volkswirthſchaftsgelehrten zu bearbeiten. Ich habe bloß jene ſtudiren können, welche überſetzt worden ſind, und ich theile ſeine Anſicht über die anderen als die ſicherſte Angabe mit, welche in Beziehung auf dieſelben alle gebil⸗ deten Leſer nur wünſchen können. *) Auch in Beziehung auf die in die franzöſiſche Sprache übertragenen Werke hat der Bearbeiter meiſtens den Titel in der Urſprache angegeben. Buß. Die E cher politiq der Athe vorgeht. De lin les m 1 Vo Die wittelm gaben, ſchöyft N Abhan Boul Ham kal G werder Fent Ze. T n mußte hhe Auf⸗ e irgend ologiſche gen Bü⸗ ncht ver⸗ inder in denartige ölle, den iſt mir wegen monym getra⸗ ihe die Sprache loß die ein die nan des den apo⸗ nken, mit rgerlichen Sprache u ergäͤn⸗ des, des elcher es ographie n. ch en ſind/ ſicherſte gebil⸗ retragenen angegehen. Bibliographie. Die Staatshaushaltung der Athener, vier Bü⸗ cher, von Auguſt Böckh. Berlin 1817. 2 Bde. 8. (In die franzöſiſche Sprache überſetzt unter dem Titel: Economie politique des Athéniens, traduit de l'allemand, de Boe ckh, par M. La- ligant. 2 vol., in— 8. Paris 1828.) Das gelehrte Werk des Hrn. Profeſſors Böckh iſt eine wahre Auf⸗ hellung der Politik und der Hilfsquellen der griechiſchen Freiſtaaten. Es iſt die lichtvollſte Darſtellung, welche über die ökonomiſche Wiſſenſchaft der Athener beſteht, ſo wie ſie aus deren Geſetzen und Inſtitutionen her⸗ vorgeht. De vimpot du vingtième sur les satecessions et de l'impol sur jes marchandises ches les Romains, par Bouchaud, 1766. 1 Vol. in— 8. Dieſe Denkſchrift, mit langweiligen Noten überladen, iſt in einem mittelmäßigen Styl geſchrieben; allein man findet darin brauchbare An⸗ gaben, mit einer genauen Nachweiſung der Quellen, aus welchen ſie ge⸗ ſchöpft wurden.. Man kann mit Nutzen über den nämlichen Gegenſtand die lateiniſche Abhandlung Burmann's: De vectigalihus populi romani, und die von Boulenger: De tributis et vectigalibus populi romani berathen. Hamberger, de pretiis rerum apad veleres Romanos dispu- tatio, Gottingae, 1754. 4. Ein ſehr beſtrittenes Thema über einen Gegenſtand, der nie aufgeklärt werden wird; aber reich an Angaben und Beobachtungen. Xenophon's 01νHoc,(z. B. in der Ausgabe von Zeune. Lipsiae 1782. p. 1— 134. Buß.) und deſſen Schrift: IIo 0 1 m⁵εᷣ ι r⁵⁹ οσ⁴ν ω⅛ ᷑ 3v.ℳoC(in der Ausgabe von Zeune. Lipsiae, 1778. p. 75— 99. Buß.) Ariſtoteles orene?(. B. in der Ausgabe: Aristoteles graece e; recensione Im. Beklkeri, edidit Academia Borussica Berolini, 1831. 2 Voll. p. 1252— 1342. Buß.) Man findet darin eine Skizze der Ideen der Alten in der politiſchen Oekonomie; allein es iſt zu bedauern, daß das Buch des nämlichen Ver⸗ faſſers über die Verfaſſung Athen's verloren gegangen iſt. 20. — 308— Platon 0110 71 eOl dAle aopot enc, (z. B. in der Stereotypausgabe von Tauchnitz, Leipzig, 1818. Vol. V. Buß.) Wir haben einige der Träume dieſes Weiſen über die ökonomiſchen Fra⸗ gen angeführt. Er hatte die Bedeutſamkeit derſelben geahnt. Histoire du commerce el de 32 navigalion des Aneiens, par Huet, ancien évéque d'Avranches, 1763, 1 Vol. in— 8. Ein Elementarwerk, völlig verdunkelt durch das des Hrn. Heeren über den nämlichen Gegenſtand.(Ideen über die Politik, den Ver⸗ kehr und den Handel der vornehmſten Völker der alten Welt. 3. Ausgabe. Göttingen, 1815. 3 Bände. Buß.) Reitemeier, über den Bergbau der Alten. Ein Werk, voll koſtbarer Einzelangaben über den Metallreichthum der Griechen und Römer. Oeuvres de ˙bο de Saint-Pierre. Die Schriften dieſes vortrefflichen Mannes, welche der Cardinal Du⸗ bois ſelbſt die Träume eines Redlichen nannte, beſtehen aus einer Menge von Verſuchen über allerlei Gegenſtände. Hier folgen die Titel der wich⸗ tigſten:. Méêmoire pour l'οtablissement d'une taille proportionelle, 1717, in— 12. und in— 4., wieder abgedruckt unter dem Titel: Pro- gjet d'une taille tarifée. Mémoire sur les pauvres mendians et sur les moyens de les faire subsister, 1724, in— 8. Meéèmoire sur les billets d'état. Mèémoire pour diminuer le nombre des procòs. Paris, 1725. 8. Er ſchlug hiefür die Einführung eines gleichförmigen Geſetzbuchs für das ganze Königreich vor. Les annales politigues. Londres, 1757, 2 voll., in— 8. Sie enthalten den gedrängten Inhalt ſeiner Schriften, namentlich ſei⸗ nes Projet de paiæ perpétuelle, 3 voll., in— 12. Die meiſten ſeiner Träume haben ſich verwirklicht. Thoughls and details on the high and low prices of lhe last thirty gears, by Thomas Tooke. London, 1823, in— 8. Dieſe Sammlung enthält merkwürdige Einzelnheiten über das Stei⸗ gen und Fallen der Preiſe. Sie geht hauptſächlich auf idie Korngeſetze, welche die Plage Englands ſind. Nouredu causes user d le plu— noye Dier von Exe ökonomt der Mo Ideen i Du shs par] Anwe veralteter es bedurft det ſich di Cours d termi des! 4 vL C Nau. bedeute drücken Elamen plicat lives— Das die argen Vir poſition gehört. 4 de«a, ig, 1818. ſchen Fra⸗ lens, par — d. . Heeren den Ver⸗ ten Welt. hum der nal Du⸗ t Menge der wich⸗ . Nn?, tel: Pro- ens de les 1725. 8. zbuchs für §. entlich ſei⸗ the last za— 8. das Stei⸗ Korngeſehe, —-— 309— Noureau traité d'économie sociale, ou simple exposition des causes sous l'influence desquelles les hommes parviennent à user de leur force avec le plus de liberté, c'est-à-dire avee le plus de facilité et de puissance; par Barth. Charles Du- noyer. Paris, 1830, 2 vol. in— 8. Dieſes vortreffliche Werk, von welchem nur eine ſehr kleine Anzahl von Exemplaren in Umlauf geſetzt wurde, gehört der neuen franzöſiſchen ökonomiſchen Schule an, welche die Fortſchritte der Induſtrie von denen der Moral und des gemeinen Wohles nicht trennt. Es iſt reich an neuen Ideen und ernſten Wahrheiten. Du système d'impot fondé sur les principes d'économie politique, par M. le vicomte de Saint-Chamans. Paris, 1820, in-S. Anwandlung eines ausgezeichneten Schriftſtellers, welcher dem Dienſt veralteter Lehren der politiſchen Oekonomie mehr Geiſt zugewandt hat, als es bedurfte, um ein vortreffliches Werk zu ſchreiben. In ſeinem Buche fin⸗ det ſich die gewandteſte Apologie des Mercantilſyſtems. Cours d'économie politique, ou Exposition des principes qui der terminent la prospérité des nations; par Henri Storch, avec Jes notes explicatives et critiques de J. B. Say. Paris. 1823, 4 voll. in— 8.,(früher St. Petersbourg, 1815. Buß.) (Teutſch: Handbuch der Nationalwirthſchaftslehre, von Rau. Hamburg, 1819, 20. 3 Bde. Buß.) Eines der beſten Werke aus der Schule von Adam Smith. Es enthält Anſichten von höchſtem Intereſſe über die Leibeigenſchaft in Rußland und über die Sklaverei in allen Ländern. Die Bemerkungen über die Banken, die im 4. Bande enthalten ſind, müſſen mit beſonderer Aufmerkſamkeit geleſen werden. Hr. Storch hat überdieß über das Nationaleinkommen eine bedeutende Schrift herausgegeben, in deren Vorrede er in heftigen Aus⸗ drücken ſeinen Groll gegen J. B. Say, ſeinen Commentator, ausläßt. Elomens d'économie politigue, suivis de quelques vues sur'ap- plication des principes de cette science aux règles administra- tives; par le comte d' Hauterive. Paris, 1817, S. Das Werk des Hrn. Grafen d'Hauterive ſtellt mit vieler Klarheit die argen Nachtheile einer ſchlechten Vertheilung der Steuer dar. Wir kennen keinen kräftigern Gegner der Sperrgeſetze, und ſeine Op⸗ poſition iſt um ſo muthiger, als der Verfaſſer der Adminiſtration an⸗ gehört.. — 310— De la nature de la richesse et de l'origine de la valeur, par Mr. Auguste Walras. Paris, 1831, in— 8. Dieſes Buch enthält einige neue Anſichten über die Theorie vom Werthe; es wird mit Nutzen als ein Werk der Kritik nachgeſchlagen wer⸗ den. Die Schreibart deſſelben iſt bisweilen ſchwerfällig und dunkel. Inguirs coneerning the power of increase in the numbers of mankind, by W. Godwin. London 1821. Franzöſiſch: Re- cherches sur la population et sur la faeulté d'accroissement de l'espéce humaine, contenant une réfutation des doctrines de M. Malthus sur cette matiére; par M. Godwin, traduit de Tanglais par F. S. Constancio. Paris, 1821, 2 vol. in— S. Das Buch Godwin's hat geringeres Aufſehen gemacht, als das von Malthus, deſſen Widerlegung es iſt; gleichwohl enthält es kühne und hochherzige Anſichten. Es iſt in einem lebendigen und dichteriſchen Styl, mit einem Feuer, einem Spott und einer Kraft des Ausdrucks geſchrieben welche ihm den Charakter einer Flugſchrift gibt, obwohl es ein ganz ſpe⸗ cielles Werk iſt. Dissertation historique et politigue sur la populalion des an- eiens lemps comparée à celle du notre, dans laquelle on prouve qu'elle a élò plus grande autrefois que de nos Jours. par M. Wallace, membre de la société philosophique d'Edim- bourg, traduit par M. E. 1769. 1 vol. in— 8. Der Verfaſſer hat ſich mehr mit der Bevölkerung der Alten, als mit der der Neuern beſchäftigt; aber ſein Buch iſt eines der reichſten an anek⸗ dotiſchen Thatſachen über das Privatleben und die häuslichen Ausgaben der Alten. An historical Inguirg into the produeltion and consumplion of the precious metals, by Willlam Jacob. London, 1831, 2 vol. in 8. (Teutſch von K. Th. Kleinſchrod. Leipzig, 1838. Buß.) Ein Werk voll Intereſſe's, unvollſtändig in vielen Hinſichten, aber reich an koſtbaren Anſichten und einzelnen Forſchungen, das beſte in ſeiner Art; eine franzöſiſche Ueberſetzung würde Ausſichten auf Erfolg haben. Traité de la richesse indiriduelle et de la richesse publiçue, par Louis Say. Paris, 1827, in— 8. Der Verfaſſer iſt der Bruder des berühmten Volkswirthſchaftsgelehr⸗ en J. B. Say. Er entfernte ſich ſchon weit von den Grundſätzen ſei⸗ nes Bruders, als er dieſes Werk herausgab; aber er entfernte ſich davon noch t g † la Gconon Meiſte New Fæal l tr Refon femms pprach merkvi Titel: t Owen. De la an. der el die ſo nur a mögli Prina 180 O. einer he ſandes iſ die! let, alg An k un A f „ par Mr. V dorfe von lagen wer⸗ V unkel. möers of I ſſch: Re- oissement etrines de aduit de in= 8. das bon ine und n Styl, hrieben nz ſpe⸗ tes an- elle on s jours. Lüm- , als mit —n an anek⸗ Ausgaben zumplion n, 1831, 4 en, aber in ſeiner haben. ublisue, zsgelehr⸗ dſätzen ſei⸗ ſich davon - 311— noch weiter durch die Herausgabe einer Flugſchrift mit dem Titel: Etudes sur la richesse des nations et réfulation des principales erreur's en 6conomie politique. Paris, 1836, in 8. Ein wahres Pamphlet gegen die Meiſter der Wiſſenſchaft, ſeinen Bruder mit begriffen. New rieu of the socielg, by Rob ert Owen. 1 Vol. in-S. Eæamen imparlial des nourelles vues de M. Owen el de ses etablissemens d Neu-Lanark, par H enry-Grey Mac nab; traduit de'anglais par Laffon de Ladebat. Paris, 1821. Dieſe beiden Werke geben die Darſtellung der Lehren des ſchottiſchen Reformers. Ich hörte ihn ſelber ſagen, daß die Grundidee ſeines Sy⸗ ſtems die Reform der Erziehung vom zarteſten Alter an ſei. Er ſprach von den in New⸗Lanark gemachten Verſuchen nur wie von einem merkwürdigen Experiment, aber ohne Zukunft. Die Nachahmungen davon, welche in Amerika, namentlich in New⸗Harmony, gemacht wurden, hat⸗ ten übrigens gar keinen Erfolg. Es erſcheint ſeit einiger Zeit in England ein Tageblatt unter dem Titel: the Neuw Moral World, zur Unterſtützung der Ideen des Hrn. Owen. De la foélicité publique, ou Considérations sur le sort de hom- mes dans des différentes époques de Thistoire; par M. le mar- quis de Chastellux. Paris, 1822, 2 voll. in— 8. Der Verfaſſer gehört der philoſophiſchen Schule des 18. Jahrhunderts an. Er iſt einer der erſten Schriftſteller, die es gewagt haben, das Joch der elaſſiſchen Ueberlieferungen abzuſchütteln, und einen ernſten Blick auf die ſocialen Inſtitutionen des Alterthums zu werfen. Sein Buch enthält nur allgemeine Anſichten, aber ſo erhaben, hochherzig, kühn, daß es un⸗ möglich iſt, ſie nicht zu bewundern, ſelbſt wenn man ſie auch nicht theilt. Principes dconomie polilique; par N. T. Canard. Paris, 1801, in— 8. Dieſe Denkſchrift des Hrn. Canard wurde 1801, in Ermangelung einer beſſern, gekrönt. Ich erinnere mich, daß J. B. Say ſich dieſes Um⸗ ſtandes nicht erinnern konnte, ohne in einige Laune zu fallen: gleichwohl iſt die Arbeit Canard's nicht ohne Verdienſt. Der Verfaſſer beging den Feh⸗ ler, algebraiſche Formeln in die ökonomiſchen Beweisführungen zu bringen. An historical view of the domesltie econong of Great-Brilain and Ireland from the earliest to the present times: with stimate of their efficient strength, arising a comparative e and agriculture;, their manufactures from their populosity, — 3142— and trade in every age; by George Chalmers. Edin- burgh, 1812, in— 8. Dieſes Werk verdient ein beſonderes Intereſſe durch die Betrachtun⸗ gen, welche es über die ökonomiſchen Folgen der großen Ereigniſſe ent⸗ hält, die England von der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bis zum Anfange des 19ten bewegt haben, nämlich der Emancipation der Verei⸗ nigten Staaten, der Gründung der Schuldentilgungskaſſe, der Einſtellung der Baarzahlungen, der Revolutionskriege und des Friedens von Amiens. An Outlines of the science of nolilical econom; by Nassau W. Senior. London, 1836,(aus der Eneyclopaedia metropoli- tana. 4. Buß.), in's Franzöſiſche überſ. von dem Grafen Ar⸗ rivabene: Principes fondamentaux de l'économie politique, par M. N. W. Senior. Paris, 1836, in 8. Dieſe Schrift iſt der kurze Inhalt der Vorträge über politiſche Oeko⸗ konomie, die der Verfaſſer an der Univerſität Oxford auf dem 1825 von Hrn. Drummond geſtifteten Lehrſtuhle gehalten hat. Hr. Senior, wel⸗ cher ein ſehr ausgezeichneter Kopf iſt, betrachtet hier ein wenig zu ſchroff die ſocialen Unvollkommenheiten als ein unheilbares Uebel, und er ver⸗ theidigt die Grundſätze mit einer Unbeugſamkent der Sprache, die vielleicht eben ſo grauſam iſt für die Leute, welche er vertheidigt, als für jene, welche er angreift. Trailé de l'economie poliligue, par Antoine de Mont- chrétien, sieur de Vatteville. Rouen, 1615, in— 4. Dieſes Werk, gegenwärtig ſehr ſelten, zerfällt in drei Bücher, welche von den Manufacturen und von der Verwendung der Menſchen, von dem Handel und von der Schifffahrt handeln. Es bietet kein weiteres Intereſſe, als das, die Ideen der Zeit über dieſe wichtigen Angelegenheiten kurz darzuſtellen. Principles of polilical economgf, deduced from the natural laws of social welfare, and applied to the present state of Britain. By G. Poulett Scrope. London 1833. in— 12. Der Verf. iſt ein Anhänger der radicalen Schule, und ſo ſtellt ſein Buch in beſtimmter Gedrängtheit die ökonomiſchen Principien der Güter⸗ tererzeugung in ihren Beziehungen zu den Intereſſen der arbeitenden Klaſ⸗ ſen dar. Er iſt ein erklärter Feind der Lehre von Malthus. An Ingçuirg into the nature and causes of the wealth of nations. By Ad. Smilh. Lond.(I. 1776., II. B. 4., II. 1779., III. 1784 von Buchanan. 1814. 3 B., die beſte neueſte Ausgabe von Mac-Culloch 1828. IV. B.) Teutſch von J. F. Schil⸗ ler. Le Dörrit Fränzöſ dann v⸗ et Sur don. I Das ſcaftsforſe betrachtet. gen und Reichthums Es lefehen bon Garni br. Nac⸗C. merkungen her History of II. ed. 1 Dieſer V nur einen klei die auf die I voyvläte Da lich in ihrer haben. 4An Inquir into the Lauder (Teutſche Considers Dieſe beid wal das letzte in essoy on vbich the actual eir London, 11 An essay on On wages a Ale Vert der Anſchten Edin- trachtun⸗ niſe ent⸗ bis zum et Verei⸗ inſtellung n Amiens. sauW. etropoli- fen Ar⸗ litique, Oeko⸗ 5 von wel⸗ ſchroff er ver⸗ elleicht welche Mont- n- 4. er, welche , von dem tereſ, als rrzuſtellen. natural state of 7— 12. fellt ſein Güter⸗ den Klaſ⸗ nalions. I. 1784 gabe von .Schil⸗ —— - 313— ler. Leipz. 1776— 78. Ch. Garve, fortgeſetzt von Aug. Dörrien. Breslau 1794— 96. IWV. 3te A. 1810. III“ Fränzöſiſche Ueberſetzung vom Abbé Blavet. Yverd. 1781; dann von Germ. Garnier: Recherches sur la nature et sur les causes de la richesse des nations, seconde edi- tion. Paris, 1822, 6 vol., in— 8. Buß.) Das große Werk von Adam Smith wird von allen Volkswirth⸗ ſchaftsforſchern als der wahre Ausgangspunkt der Wiſſenſchaft in Europa betrachtet. Dieſes Buch iſt in der That, trotz ſeinen langen Ausführun⸗ gen und Abſchweifungen, das erſte, welches die wahren Urſachen des Reichthums der Nationen und die Vorgänge der Induſtrie zergliedert hat. Es beſtehen davon mehre franzöſiſche Ueberſetzungen, von denen die beſte von Garnier iſt; die von Roucher und Blavet ſtehen weit unter ihr. Hr. Mac⸗Culloch hat in England eine Ausgabe von Smith mit An⸗ merkungen herausgegeben; ſie iſt die vorzugsweiſe elaſſiſche Ausgabe. History of the middle and working classes, by John Wade. II. ed. London, 1834, in— 12. Dieſer Verſuch über die Lage der arbeitenden Klaſſen nimmt leider nur einen kleinen Theil des Werkes ein, und auch dieſer Theil enthält nur die auf die Armen ſich beziehenden legislativen Acte; das Uebrige iſt eine populäre Darſtellung der politiſchen Oekonomie, klar und leicht verſtänd⸗ lich in ihrer Kürze. Eine franzöſiſche Ueberſetzung würde gewiß Erfolg haben.. An InquiryY inlo lhe nature and origin of pubtie weallh and into the means and causes of its increase, by the earl of Lauderdale. Edinburgh, 1804, in— 8. (Teutſche abgekürzte Ueberſetzung. Berlin, 1808. Buß.) Oonsiderations on thestate of cuσωf 1813. Dieſe beiden Werke des Lords Lauderdale ſind noch gegenwärtig, zu⸗ mal das letztere, ſelbſt nach den Schriften Ricardo's, geſchätzt. An essay on lhe produclion of weallh; with an Appendix in which the principles of political economy are applied to the actual circumstances of this country; by R. Torrens. London, 1821. in— 8. An essay on the exlternal eorn-trade. 1 Vol. 1815. On wages and combinalion. London, 1834. Alle Werke des Hrn. Torrens ſind bemerkenswerth durch die Höhe der Anſichten und durch die Gefühle edler Sympathie für die arbeitende — 314— Klaſſe. Man kann ihnen einige Dunkelheit vorwerfen; der Verfaſſer ſucht die Mitte zwiſchen den Lehren Ricardo's und denen von Malthus ein⸗ zuhalten.„Der erſte, ſagt er, generaliſirt zu viel und der zweite zu we⸗ nig; unter den Händen des Einen hat die Wiſſeenſchaft eine Einfachheit, welche nicht natürlich iſt; unter den Händen des andern wird ſie ein Chaos.“ Traité d'économie politique, par M. le comte Destutt de Tracy. Paris, 1823, in— 8.— Das beſte Handbuch über die politiſche Oekonomie, das ich kenne. Hr. Deſtutt de Traey hat einen ökonomiſchen Commentar über den Geiſt der Geſetze herausgegeben, und der Commentator hat ſich immer auf der Höhe des Buchs gehalten. Man kann dieſen Commen⸗ tar nicht oft genug leſen. Elements of polilical economg, by J. Mill. London 1821. (2te Ausg., 1826. Teutſch von Jacob. Halle, 1824. Buß.) Franzöſiſch als Elémens d'économie politique, traduit de Tanglais par J. E. Parisot. Paris 1823. in— 8. Die Ideen, welche Hr. Mill in dieſem Werke in einer ſententiöſen und dogmatiſchen Form dargeſtellt hat, finden ſich in ſeiner ſchönen Ge⸗ ſchichte des britiſchen Indiens, angewandt auf die großen Intereſ⸗ ſen Englands, wieder. An Inquirg into the principles of polilical economg: being an essay on the science of domestic Policy in free nations etc., by James Stewart. London 1767. 2 Vol. in 4. Teutſche Ueberſetzungen: Hamburg 1769—70. gr. 4. Tübin⸗ gen 1769— 72. Neue Aufl., Tüb. 1786. Franzöſiſch: Re- cherche des principes de l'économie politique, ou Essai sur la science de la police intérieure des nations libres; par J. Ste- Wwart. Paris 1789. 5 vol. in— 8. Das Werk Stewart's hat großes Aufſehen gemacht, ſelbſt nach der Erſcheinung der Arbeit von Adam Smith.(Hr. Blanqui irrt hier: denn die 1. Ausgabe von Stewart's Buch iſt von 1767, die von Smith's Werk aber erſt von 1776. Buß.) Gleichwohl iſt es ein Buch, welches man mit Mißtrauen leſen muß; denn es wimmelt von Paradoxen über eine Menge von Fragen; allein bis auf Ricardo hat kein engliſcher Volkswirthſchaftsgelehrter ſich zu dieſer Höhe erſchwungen. Stewart iſt hauptſächlich merkwürdig durch die Klarheit ſeiner Beweiſe und durch die Freimüthigkeit, mit welcher er die kühnſten Schwierigkeiten angreift. Théorie d bek. I Das W riiſch. di dieſes Buch ere Anſicht für ſein V hat, eine! beſonderer La Scién mation, applicat par Mie Der Titl ddel und erhal was ſih auf! Italiäner, ho Buch erſchien La scienza Nuoro pro delle id Zione pr lano 181 Dieſer) nen, wenn de luſt Italien! reich an den macht hätte 3. B. Say, I erfahren. Er iſ hauptſächlich ge richt ſeinen V ſeinen Angrife Nrankreich(w ſadiu. Soria della tico degl ſer ſucht us ein⸗ zu we⸗ achheit, ſie ein att de enne. mmentar tor hat mmen⸗ 821. ß.) de iöſen Ge⸗ atereſ⸗ being aations in 4. Tübin⸗ . Re- ai sur .Ste- h der hier: nith's elches nüber gliſcher art it urch die ft. — 315— Théorie des riohesses sociales, par le comte Frédérik Skar- bek. Paris, 1822, 2 vol. in— 8. Das Werk des Grafen Friedrich Skarbek iſt zu ausſchließlich theo⸗ retiſch. Die politiſche Oekonomie forderte in der ganz neueſten Zeit, wo dieſes Buch erſchien, ausgedehntere praktiſche Entwickelungen und poſitiv⸗ ere Anſichten für die Anwendung. Der Verfaſſer, ein Pole, hätte das für ſein Vaterland leiſten können, was Hr. Storch für Rußland gethan hat, eine beſondere Darſtellung der Fragen über politiſche Oekonomie, in beſonderer Beziehung auf Polen. La science de P'conomie polilique, ou Principes de la for- mation, du progrès et de la décadence de la richesse, et application de ces principes à l'administration des nations; par Michel Agazzini. Paris et Lopdres, 1822, in— 8. Der Titel dieſes Werkes iſt etwas anmaaßend; allein ſeine Lehren ſind edel und erhaben. Vorzüglich kann man mit Nutzen alles das berathen, was ſich auf die Anlegung der Steuern bezieht. Der Verfaſſer, obwohl Italiäner, hat franzöſiſch geſchrieben, nicht ohne einige Eleganz.(Das Buch erſchien in italiäniſcher Sprache 1827 in Mailand unter dem Titel: La scienza dell' economia politica. Buß.) Nuoro prospetto delle scienze economiche, ossia somma totale delle idee teoriche e pratiche in ogni ramo d'amministra- zione privata et pubblica, da Melchiorre Gioja. Mi- lano 1815. 6 vol. in— 4. Dieſer Proſpectus, in 6 Quartbänden, könnte als etwas lang erſchei⸗ nen, wenn der Verfaſſer, ein Mann von Geiſt, deſſen jüngſt erfolgten Ver⸗ luſt Italien bedauert, daraus nicht eine wahre ökonomiſche Encyklopädie, reich an den koſtbarſten Belägen und an den originalſten Citationen, ge⸗ macht hätte. Seine ſtrenge Kritik ſchont keinen Namen; Adam Smith, J. B. Say, Malthus haben um die Reihe das Feuer ſeiner Epigramme erfahren. Er iſt der Geoffroy der politiſchen Oekonomie; ſein Spott erging hauptſächlich gegen die volkswirthſchaftsgelehrten Schriftſteller, welche nicht ſeinem Vaterlande angehörten, während ſeine große Gelehrſamkeit ſeinen Angriffen einen Schein von Unparteilichkeit gab. Sein Buch iſt in Frankreich(wohl auch in Teutſchland, Buß) zu wenig gekannt und ſtudirt. Soria della Economia pubblica in Ilalia, ossia Epilogo cri- tico degli economisti italiani, preceduto da un' introduzione; — 316— di Giuseppe Pecchio. II. Edizione. Lugano, 1832, 1 Vol. 8. (Der Graf ſtarb 1835; über ihn ſehe man: C. Ugoni, Vita e seritti di Giuseppe Pecchio. Parigi, 1836. Franzöſiſch von L. Gallois. Pa- ris, 1830. Teutſch von mir, als Anhang zu der Ueberſetzung der gegen⸗ wärtigen Schrift Blanqui's. Buß.) Eine treffliche bibliographiſche Ueberſicht der italiäniſchen Schriftſteller über die politiſche Oekonomie. Sie iſt ein nothwendiger Anhang zu Cu- stodi's Scrittori classici Italiani di Economia politica. Milano, bei Destefanis, 1803—4. Parte antica, 7 Bände, Parte moderna, 42 Bände; der 50. Band, 1816, gibt das Regiſter. Lettres sur O'Amérique du Nord, par Michel Chevalier. Paris, 1836, 2 Vol. 8. Der Verfaſſer gehört zu jener glänzenden Plejade der Saint⸗Simo⸗ niſten, deren Schriften ſo vielen Glanz auf wirthſchaftliche Gegenſtände geworfen haben. Dieſe Briefe ſind nur ein ſinnig gewählter Rahmen, um die gewerblichen Vorurtheile aller Art hervorzuheben, welchen unſer Va⸗ terland als Beute verfällt. Die Fragen über das Bankweſen und die öf⸗ fentlichen Arbeiten ſind hier mit einer in unſern Tagen wahrhaft ſeltenen Unabhängigkeit des Geiſtes behandelt. Dieſes Buch gehört der neuen volkswirthſchaftlichen Schule Frank⸗ reichs an, welche die Verbeſſerung des Schickſals der größten Zahl zum Wahlſpruch genommen hat. The present state of Great-Britain and North- America with regard to the agriculture, population, trade and ma- nufactures, impartially considered ete. London, 1767. 8. Eine Schrift, wichtig zum Nachſchlagen, jedoch nicht ſo unparteiiſch, wie der Titel beſagt. Recherches sur les mogens de supprimer les impots, préeé- dées de l'examen de la nouvelle science; par M. Bearde de l'Abbaye. Amsterdam, 1770, 1 Vol.; 8. Prüfung des Syſtems der Phyſiokraten in Form einer ſtrengen Kritik über das alsbald anzuführende Buch von Mercier de la Ri⸗ vière. De oplimo reipublicae slalu degue nora insula Utopia, scrip- sit Thomas Morus. Lovanii, 1517. 4. (Es gibt davon 3 engliſche und 3 franzöſiſche Ueberſetzungen, und eine teutſche.) Dieſes iſt ein ſchwärmeriſches Irrgebilde des Geiſtes, in welchem man gute Anſichen alsgvriſce E und ſelbſt in ſchläägt naiv L'ordre ne eier d zn— 1 Dieſer zugsweiſe Doules; furel⸗ NMa5!) Ditſes mißtiſchen er nur die p Streben, die tere ſpäter au Considérali cieles, in— 8. Einer! ſchäftigt ſcc weſens. T verſchwemn Réeréalic tations interloc 1770. Eine ſe Getreidehan De la dise Prévos Dieſes vollswirthſt der Verſaſ migecdeilt Tableau et la 1832, seritti s5, Pa- rgegen⸗ riftſteller zu Cu⸗ ano, bei Bände; alier. Simo⸗ ſtände n, um * Va⸗ die öf⸗ Atenen Ftank⸗ ahl om Umerica nd ma- 7. 8. arteiſſch, préeë- de de rengen a Ri⸗ zcrip- n, und dem man — 312— gute Anſichten und glühende Wünſche für das allgemeine Wohl findet; eine allegoriſche Excogitation in dem Geſchmack des Platoniſchen Staats, und ſelbſt in ver Beredtſamkeit ihm ähnelnd. Der ehrenwerthe Kanzler ſchlägt naiv die Theilung der Güter vor. L'ordre naturel et essentiel des sociétés poliliques, par Mer- cier de la Rivière. Londres et Paris, 1767, 2 Vol. in— 12. Dieſer iſt der fähigſte Ausleger des ökonomiſtiſchen Spſtems, vor⸗ zugsweiſe der Verbreiter der Ideen Quesnay's im Volk. Doutes proposés auæ philosophes économisltes sur Uordre na- turel et essenliel des sociétés poliliques, par M. l'abbé de Mably. La Haye, 1748. in— 12. Dieſes Werk Mably's bezeichnet einige der Irrthümer der ökono⸗ miſtiſchen Schule; allein da er ſelbſt der Wiſſenſchaft fremd war, ſo hob er nur die politiſchen Irrthümer ſeiner Gegner hervor, beſonders ihr Streben, die abſolute Gewalt übermäßig zu begünſtigen, wie dieſes Letz⸗ tere ſpäter auch die Saint⸗Simoniſten thaten. Considéèrations sur quelques parlies du Méècanisme des so- eietés, par le marquis de Casaux. Londres 1785. 2 Vol. in— 8. Einer der Anhänger der ökonomiſtiſchen Schule. Sein Buch be⸗ ſchäftigt ſich faſt ausſchließlich mit der Unterſuchung des engliſchen Steuer⸗ weſens. Man findet darin hie und da einige bemerkenswerthe Stellen, verſchwemmt in einem Schwall von Declamationen. Récréalions économiques, ou Lettres de l'auteur des représen- tations aux magistrats, à M. le chevalier Zanobi, principal interlocuteur des dialogues sur le commerce des blés. 1770. in— 8. Eine ſehr witzige Flugſchrift gegen das Werk Galiani's über den Getreidehandel. De la diselte, par Benjamin Bell], traduit de Panglais par Prévost de Genève. 1804. 1 Vol. in— 8. Dieſes kleine Buch enthält ſehr anziehende Einzelnheiten über die volkswirthſchaftlichen Fragen rückſichtlich der engliſchen Landwirthſchaft. Der Verfaſſer erklärt, daß er ſein Manuſcript dem berühmten Ad. Smith mitgetheilt habe, und verſichert, deſſen Beifall erlangt zu haben. Tableau historigue et politique des pertes que la révolulion et la guerre ont causées au peuple français dans sa po- — 318— pulation, son agriculture, ses colonies, ses manufactures et son commerce, par Sir Francis d'Ivernoy. Mars, 1799, 2 vol. in— 8. Es iſt ärgerlich, daß dieſes Buch, zu London gedruckt, den Charakter einer gegen die Regierung der franzöſiſchen Nation gerichteten Flugſchrift hat; allein abgeſehen von der Parteianſicht, welche es dictirt hat, werden unſere Landsleute darin mehr als Einen ernſten Anlaß für Beirachtungan und Belehrung finden. Eoonomie poliligue chréetienne, ou Recherches sur la nature et les causes du paupéèrisme en France et en Europe, et sur les moyens de le soulager et de le prévenir; par le vicomte Alban de Villeneuve-Bargemont. Paris, 1834. 3 vol. in— 8. Hr. von Villeneuve iſt ein kräftiger Gegner des engliſchen In⸗ duſtrieſyſtems. Er erſchreckt vor dem Fortſchritte der engliſchen Manu⸗ facturen und der Leiden, welche ſie in ihrem Gefolge haben; allein die Mittel der Abhülfe, welche er vorſchlägt, paſſen nicht mehr in unſere Zeit. Die Religion hat ihre ſchönen Tage gehabt*); die Induſtrie wird auch die ihrigen haben. Ihre Entwickelung gleicht jener eines Heeres, deſſen ſchöne Stellungen man erſt begreifen kann, wenn es ſeine Entwickelungen voll⸗ endet hat. Manufactures and machinerg of Great-Brilain, by Charles Babbage.(Encyclopaedia metropolitana. Vol. IV.) Lon- don 1833. (Teutſch von nFriedenberg, Berlin 1833. Franzöſiſch von Ed. Biot. Paris, 1833; in— 8. Buß.) Dieſes Werk iſt eine Hymne auf die Maſchinen. Der Verfaſſer hebt ihre merkwürdigſten Ergebniſſe mit einer mathematiſchen Genauigkeit hervor, und zeigt ſehr gut, was Alles der menſchliche Geiſt an phyſeſcher Erleich⸗ terung und moraliſcher Würde dadurch gewinnen muß, daß er ſich durch die Maſchinen ſeiner rohſten Arbeiten entledigt. De l'Esprit d'ssociation dans lous les intéréts de eommu- nauté, par le Comte Alexandre Delaborde. Paris, 1818; in— 8. Was der Verf. vor zwanzig Jahren rieth, das führt man gegenwärtig aus, und mißbraucht es ſogar. Der Aſſociationsgeiſt hat ſich Europa's *) Sie wird noch ſchönere haben, da bei größern androhenden Leiden die Menſchen ihres Troſtes bedürfen. Buß. bemächtigt ur Verwirrunge nur ſeine Se Essdi sur France, Kmile Das! Landsleute ſich bemül quellen ih griffen we Hiücburs ville helles-N Eine anz die politſche Des Colonie ris, 1832 Ein erne wud man ſe erinnern. Du Houre la polit J. F. P Ein kü deur des N Discours des Pa Amster Die erf Tagen über Gründe fär Flat com neurien rents J. B De in unſer — 319— es et bemächtigt und erzeugt Wunder. Wir ſind ſchon ſo weit, daß wir ſeine 799 Verwirrungen befürchten; allein das Buch des Hrn. Delaborde ſchlug 3 nur ſeine Segnungen vor. rakter Essai sur les moyens d'accroitre ta richesse lerritoriale en ſchrift France, notamment dans les départemens méridionaux, par verden Emile Béres, du Gers, Paris, 1830, in— 8. tungen Das Buch des Hrn. B res wird vielleicht einmal beitragen, unſere Landsleute im Süden aus dem Schlummer zu wecken. Der Verfaſſer hat ſich bemüht, ihnen die beſten Mittel anzugeben, aus den herrlichen Hilfs⸗ püüürs quellen ihres Landes Gewinn zu ziehen. Möchte er von ihnen allen be⸗ e, et griffen werden! ar le Discours sur les Métropoles grecoues, par M. de Bougain- aris, ville, tiré des mémoires de l'Académie des inscriptions et belles-lettres. In⸗ Eine anziehende Denkſchrift über einen rein geſchichtlichen Gegenſtand. mu⸗ Die politiſche Oekonomie kann daraus einiges Licht gewinnen. Des Colonies agricoles, par Huerne de Pommeuse. Pa- die ris, 1832, in— 8. höne Ein ernſtes Buch über einen unausführbaren Gegenſtand; gleichwohl voll⸗ wird man ſich des Buches ſelbſt noch nach dem Aufgeben des Verſuchs erinnern. Du gouprernement des Romains, considéré sous le rapport de arles la politique, de la justice, des ſinances et du commerce; par Lon J. F. Bilhon. Paris, 1807, in— 8. Ein kühner Verſuch, nach dem Buche Montesquieu's sur la gran- Biot. deur des Romains. Wir rathen immer zu dem Buche Montesquieu's. öt ihre Discours prononcèés au Parlement d'Angleterre dans la Chambre zervor, des Pairs pour et contre la liberté du commerce au Levant. rleich⸗ Amsterdam, 1756, in— 12. durch Die erſte amtliche Wiederholung der Debatten, welche noch in unſern Tagen über dieſelbe Frage fortdauern. Man hat ſeither wohl keine neue h. Gründe für oder gegen die Monopole aufgefunden. ris, Etat commercial de la France au commencement du die- neuvième Siècle; ou du Commerce français, de ses er- artig reurs et des amélioriations dont il est susceptible; par. pas J. Blanc de Volx. Paris, 1803, 3 vol. in— 8. Dieſes Buch trägt ſtark das Gepräge der ausſchließlichen Ideen, welche enſchen in unſern berathenden Verſammlungen während der Dauer der Feind⸗ ſeligkeiten der Revolution vorgeherrſcht haben. Man muß es leſen, und wäre es auch nur, um ſich von der Gefahr der Vorurtheile zu überzeugen, welche einen Ehrenmann mißleiten können, ſelbſt wenn er das Wohl ſei⸗ nes Vaterlandes träumt.— Engçuète sur les fers, sur les sueres, sur les houilles, par le ministre du commerce, 1828 et 1832; 3 vol. in— 4. Enęuòte de 184, sur les colons, sur les laines el sur plu- sieurs autres articles importans. 3 vol. in— 4. Die Enquéte von 1834 wurde in einem viel freiſinnigern Geiſte ge⸗ leitet, als die Enquéten von 1828. Dieſe letzteren hatten zum anerkann⸗ ten Zweck die Aufrechthaltung der Tarife; die erſtere ſuchte die Einfuhr⸗ verbote aufzuheben. Der Miniſter ließ ihnen die Denkſchriften der Han⸗ delskammern beifügen, welche einen Inbegriff der wirthſchaftlichen Mei⸗ nungen des Landes im Jahr 1834 bilden. Das ſind ſehr anziehende und des Nachſchlagens würdige Aktenſtücke. Report from select commillee on the silk-trade, in folio 1050 pages, ordered by the house of Commons to be printed in the year 1832. Dieſe Enquéte des britiſchen Parliaments über die Seidenwaarenfrage läßt ſich als eine vollſtändige Abhandlung über den Gegenſtand betrachten. Eine gelungene Tabelle erleichtert ihre Benützung. Smugęling laid open in all ils eætensive branches; with pro- posals for the effectual remedy of that most iniquitous prao- tice. London, 1763, in— 8. Ein Nothſchrei des Monopols gegen die Mitwerbung der Schleichhänd⸗ ler. Die Mittel, welche hier vorgeſchlagen wurden, um hier Ordnung zu ſtiften, hatten gar keinen Erfolg. Tableau géenéral du commerce de la France avec ses cοο- nies et les puissances etrangères, publié par l'administra- tion des douanes. Die Bekanntmachung dieſes Aktenſtücks begann erſt im Jahr 1818 in Frankreich, und zwar in unvollſtändigen und angabenarmen Heften. Erſt vom Jahr 1829 an hat die Regierung mit vollen Händen alle Nachwei⸗ ſungen geſpendet, welche fähig ſind, das Publikum über die Natur unſe⸗ rer Ein⸗ und Ausfuhr aufzuklären.. Die bloße Vergleichung der alljährlich über die nämlichen Artikel be⸗ kannt gemachten Ziffern iſt ſchon für ſich allein ein des Volkswirthſchafts⸗ gelehrten würdiges Studium. pio de 1 Das ſ Ausſpruch, cet's. principes de tou- diſfére eux, Franc Eine über die⸗ det ſch ein De UImpo par Jea semblée Der Ver ſteuerung aue Denkſchrift The philo- ufe, m ot Gre (Frar Ein; Mißbräue myſtiſchen anziehend engliſch zuführen 4 slalisl lent religio merou Das deſchäftig kahender N und e T lehrte 1, und zeugen, ohl ſei⸗ par le —4. r plu- eiſte ge⸗ terkann⸗ infuhr⸗ Han⸗ Nei⸗ hende 1050 d in ffrage ahten. h pro- prao- ichhänd⸗ rung zu cblo- stra- 8 in Erſt hwei⸗ unſe⸗ jel be⸗ ſchafts⸗ — 321— Vie de Turgot. London, 1786, in— 8.(anonyme.) Das ſchönſte Lob, welches man dieſer Schrift machen kann, iſt der Ausſpruch, daß ſie Turgot's würdig iſt. Sie iſt das Werk Condor⸗ eet s. Principes de l'Administralion politique, ou de l'Administration de toutes les sociétés civiles, de tous les états, quelques différences politiques, morales et physiques qu'il y ait entre eux, la manidère de les appliquer, et leur application à la France. 1787, 3 vol., in— 8. Eine etwas unbeſtimmte Zuſammenſtellung allgemeiner Vorſchriften über die Frage des Luxus, die der Auflagen, über den Landbau; hier fin⸗ det ſich ein drohendes Kapitel gegen die Eheloſen. De UImpot progressif et du morcellement des Patrimoines, par Jean-Baptiste-Moise Jollivet, ex-député de l'As- semblée nationale-1législative. 1793, 1 vol., in— 8. Der Verfaſſer ſpricht ſich mit Energie gegen die fortſchreitende Be⸗ ſteuerung aus: die Erfahrung hat ſeine Befürchtungen nicht beſtätigt. Seine Denkſchrift enthält intereſſante Berechnungen. The philosophg of manufacturęs: or an exposition of the scien- tific, moral and commercial economy of the Factory system of Great-Britain, by Andrew Ure. London, 1835, 12. (Franzöſiſch, paris et Bruxelles, 1836, 2 vol. in— 12.) Ein ziemlich oberflächliches Werk über die Technologie, in welchem die Mißbräuche des engliſchen Induſtrieſyſtems mit einer anſpruchvollen und myſtiſchen Parteilichkeit ſehr gemildert dargeſtellt werden. Die wenigen anziehenden Thatſachen, welche man hier findet, ſind wörtlich aus den engliſchen amtlichen Enqusten ausgezogen, welche der Verfaſſer an⸗ zuführen unterlaſſen hat. A statistical account of the British empire, exhibiting its ex- tent, physical capacities, population, industry, and civil and religions institutions. By J. R. M' Culloch, assisted by nu- merous contributors. London, 1837, 2 Vol., in— 8. Das iſt die beſte kritiſche Statiſtik Großbritanniens. Der 2. Band beſchäftigt ſich beſonders mit der Darſtellung der aus den Manufacturen fließenden Hilfsquellen des Landes, und mit der Prüfung ſeiner Einkünfte und Ausgaben. Der Verfaſſer hat eine Zuſammenſtellung der Armengeſetze und erhabene Betrachtungen über die Verwaltung der Rechtspflege beigefügt. Wir kennen kein Werk, das des Nachdenkens des Volkswirthſchaftsge⸗ lehrten würdiger wäre. Blanqui, Geſchichte d. polit. Oekonomie. II. Bd. 21 — 322— Dignité du commerce et de Pétat de commergçgant; par An- quetil du Perron. 1789, 1 Vol., in— 8. Ein Werk voll ſehr verſtändiger Handelsanſichten. Observations de la Chambre du Commerce de Normandie sur le traité de commerce entre la France el PAnglelerre. 1788, 1 Vol., in— 8. 4 Gemäßigte Proteſtation gegen den Handelsvertrag von 1786. Man forderte darin Prämien für die Fabrikate und freie Einfuhr der Rohſtoffe. Lettre d la Chambre du commerce de Normandie, sur le Memoire qu'elle a publié rélativement au traité de com- merce avec l'Anglelerre. 1788, 1 vol., in— 8. Ein Commentar voll merkwürdiger Thatſachen über die Folgen des im Jahr 1786 mit England abgeſchloſſenen Handelsvertrags. Dieſer Brief hat zum Zweck, ihn zu vertheidigen. De vè'Industrie frangaise, par M. le comte Chaptal. 1819, 2 vol, in— 8. Ein Inventar des nationalen Reichthums, vermiſcht mit vielen wirth⸗ ſchaftlichen Irrthümern. Der Graf Chaptal war ein Anhänger der Handelsbilanz; gleichwohl ließ ihn ſein hoher Geiſt die Uebelſtände der Handelsſperre fühlen. De PEconomie des anciens gourernemens comparée à celle des gourernemens modernes, par M. Prévost. Berlin, 1783, in— 8. Dieſe Denkſchrift enthält einige merkwürdige Einzelnheiten über die politiſche Oekonomie der Alten. Roéflewions sur le plan dune Rêégence des impots indirecls réunis, par M. Papillon de Latapy. Paris, 1805, in- 8. Dieſe Denkſchrift hat zum Zweck, die Erhebung der indirecten Abga⸗ ben zu centraliſeren, ein Plan, der ſeither ausgeführt worden iſt. A DioteonaryY praetical, Cheorelical and historical of the com- merce and commercial narigation; by J. R. Mac-Cul- Loch. II. Edition. London, 1834, 1 vol., in— 8. Dieſe umfaſſende Sammlung von Aktenſtücken enthält mehre Artikel von einer ſolchen Wichtigkeit, daß man ſie als beſondere Werke betrachten könnte. Dahin gehören die Artikel: Geſchichtlicher Abrißüber die oſt⸗ indiſche Compagnie; Allgemeineeberſichtder Banken, und eine Menge anderer. Der Verfaſſer bereitet eine dritte Ausgabe des Buches. Das — Pörterbuch ternehmung ſchaft von; geführt wir Tableau les In⸗ 1763 Eine den Hand Anecdole Ialiren nances orec de ferre,& par M. Eine Ge der Handelsd als ein Ruſt fnden ſch ĩ Recherch par M. Eine Gewerbe! Reflexio cipes ception ris, 17 Der2 aus praktif zur Verthei ſciiedenen. Consider Ancier 1w. Ean dinss ſe r An- Landie Aerre. Na ohſtoffe Sur le com- n des Brief 319, dirth⸗ e der d der celle Berlin, ber die dreels „-S8. Abga⸗ om- ul- rtikel chten oſt⸗ deine Das — 323— Wörterbuch des Hrn. Mac⸗Culloch gab die Idee zu einer ähnlichen Un⸗ ternehmung, welche in Frankreich nach demſelben Plan durch eine Geſell⸗ ſchaft von Mitarbeitern unter der Leitung des Hrn. Guillaumin aus⸗ geführt wird. Tableau gènéral du commerce de PEurope avec"'Afrigue, les Indes-Orientales et vdAdmérique, fondé sur les traités de 1763 et 1783. 1787, 1 vol., in— 8. Eine Kolonialſtatiſtik, in welcher ſich einige allgemeine Anſichten über den Handel mit Amerika finden. Anecdote sur la vie polilique de Burke et sur sa mort, re- latirement à ses Recherches et d ses calculs sur les Fi- nances et le commerce de la France depuis un sièécle; avee des Rapprochemens sur U'tat progressif de d'Angle- terre, et sur les moyens de ruiner la nalion frangaise, par M. Papillon Latapy. 1 vol., in— 8., an VIII. Eine Gelegenheitsſchrift, verfaßt unter dem Einfluß der Vorurtheile der Handelsbilanz. Es iſt ein heftiges Manifeſt gegen England, würdig, als ein Muſter der wirthſchaſtlichen Ideen der Zeit gekannt zu werden. Es finden ſich übrigens einige gute Ideen darin. Recherches et considéralions sur la Population de la France, par M. Moheau. Paris, 1778, in— 8. Eine mit einigen merkwürdigen Thatſachen über die Ungeſundheit der Gewerbe untermiſchte Declamation. Roflewions philosophiques sur d'impot, oùð J'on discute les prin- cipes des économistes et ouù T'on indique un plan de per- ception patriotique, par Jérome Tifaut Delanoue. Pa- ris, 1775, in— 8. Der Verfaſſer iſt ein Gegner der Oekonomiſten. Als ein durch⸗ aus praktiſcher Mann ſetzte er den Theorien dieſer Philoſophen einen Plan zur Vertheilung der Auflagen entgegen, welcher den Hilfsquellen der ver⸗ ſchiedenen Klaſſen der Staatsbürger anpaſſender war. Considérations historiques sur Vempire de la mer ches les Aneiens et les Modernes, par M. le baron Malouet. 1810, 1 vol., in— 8. Eine wirthſchaftliche Flugſchrift gegen England. Ein klägliches Werk eines ſehr geiſtreichen Mannes. 21. Nemoire sur la conduite de la France et de l'Angleterre a ragard des Neutres. Imprimerie impériale. 1810, 1 vol., in— 8. Ein ſehr merkwürdiges halbofficielles Manifeſt zu Gunſten der Con⸗ tinentalſperre; es wird dem Hrn. d'Hauterive beigelegt. Considerations sur le Céelibat, relativement à la politique, à la population et aux bonnes moeurs, par Poncet de la Grave. 1801, 1 vol., in— 8. Dieſes Werkchen von 140 Seiten gewährt eine ſehr merkwürdige Ue⸗ berſicht der Geſetzgebung des Alterthums und der Neuzeit gegen die Ehe⸗ lofen. Der Verfaſſer, ein feuriger Lobredner der Ehe, hat ſeine Arbeit mit einem Geſetzentwurf beſchloſſen, kraft deſſen die Eheloſen in einem Alter von 25 bis zu 70 Jahren als unfähig erklärt werden ſollten, irgend ein öffentliches Amt zu bekleiden, und ferner als unfähig, ein Teſtament zu machen und ihre Eltern zu beerben; Alles übrige zeugt von dieſer Strenge. Filature, commerce et priæ des laines en Angleterre, ou Cor- respondance sur ces matières entre MM. Banks, Arthur Young et plusieurs grands propriétaires d'Angleterre, tra- duit de l'anglais par M. C. P. 1790, 1 vol., in— 8. Intereſſante Angaben über den Wollenhandel. Bilan gènéral et raisonné de l'Angleterre depuis 1600 Jjusçu' d la fin de 1761, ou Lettre d M. L. C. D sur le produit des terres ct du commerce de l'Angleterre, par M. V. D. M. 1762, 1 vol., in— 8. Eine ökonomiſtiſche Flugſchrift gegen den Luxus Großbritanniens. Sie bietet wenig Belehrendes. Annales statistiques des Etats- Unis, par Adam Seybert, traduit de l'Anglais par Scheffer. 1820, 1 vol., in— 8. Eine nützliche Sammlung, voll Belegen, die unerläßlich ſind, um mit Erfolg die Beziehungen Europa's zu den Vereinigten Staaten zu würdigen. Das Hauptſtück über die Staatsländereien, die Kapi⸗ tel über die Einkünfte, die Münze und die Ausgaben laſſen we⸗ nig zu wünſchen übrig. Prospecltus d'un noureau Dictionnaire de commerce, par M. abbé Morellet. 1769, 1 vol., in— 8. Der Proſpectus des Abbé Morellet galt lange für ein Syſtem der politiſchen Oekonomie. Man kann ihn jedoch nur als eine Samm⸗ lung im del vorkor ſchaftslehr beſchäftigt auf, wo eine Refu liani u tion et! Limpo tage Du Cb lettre bIé, pe Die zi gegen den nennt, ber gen den tung die ren. Par Théorie roni Die Werk ve jener B gierung zu würd Reche eirili Eine fuhrverbo Fortſchrit Der dieſem L ferner in Gebtüde Gere De! H elerre a 1 vol., der Con⸗ que, à dela rige le⸗ die Ehe⸗ eit mit Alter d ein ent zu renge. Cor- thur ) tra- 160⁰ sur le e, par anniens. bert, 8. d, um ten zu Kapi⸗ en we⸗ ar M. Syſtem Samm⸗ — 325— lung im Allgemeinen beſtimmter und ſcharfer Definitionen der im Han⸗ del vorkommenden Kunſtausdrücke in ihren Beziehungen zu der Wirth⸗ ſchaftslehre betrachten. Die Vorbereitungsarbeiten für ſein Wörterbuch beſchäftigten den Verfaſſer 20 Jahre hindurch: er gab ſie erſt zur Zeit auf, wo die Revolution von 1789 ausbrach. Man verdankt ihm noch eine Réfutation des dialogues sur le commerce des blés des Abbate Ga⸗ liani und eine Analyſe des Werks des Hrn. Necker sur la législa- tion et le commerce des grains. L'impot terrilorial ou La diæme rogale avee tous ses avan- tages, par M. Linguet. 1787, 1 vol., in— 8. Du commerce des grains, nouvelle édition augmentée d'une lettre à M. Tissot, sur le mérite politique et physique du blé, par le même, 1789. Die zweite dieſer Schriften iſt wegen der Strafrede des Verfaſſers gegen den Gebrauch des Brods, welches er ein ſchleichendes Gift nennt, berühmt geblieben. Lin guet declamirte zu ſeiner Zeit viel ge⸗ gen den Anbau der Kartoffeln, welche, nach ihm, durch ihre Verbrei⸗ tung die furchtbaren Eigenſchaften des Getreides erlangen ſoll⸗ ten. Parmentier war in ſeinen Augen ein Feind des Vaterlandes Théorie et pratique du commerce et de la Marine de don Ge- ronimo de Ustariz. Paris, 1753, in— 4. Die Ueberſetzung dieſes Werks iſt von Forbonnais, und obwohl das Werk von Irrthümern wimmelt, ſo betrachten wir es doch als eines jener Bücher, welche am fähigſten ſind, die in Spanien ſeit der Re⸗ gierung Karls V. geübte politiſche Oekonomie in ihrem richtigen Werthe zu würdigen. Recherche des causes de la richesse el de la misère des peuples cirilisés. par le baron de Morogues; in— 4. autographié. Eine Compilation, verfaßt in der Abſicht, nachzuweiſen, daß die Ein⸗ fuhrverbote die Grundlage des ganzen gewerblichen Wohlſtandes, und die Fortſchritte des Volksunterrichts die Quelle aller Drangſale ſind. Der Verfaſſer, welcher übrigens ein gut geſinnter Mann iſt, führt in dieſem Buche eine heftige Fehde gegen das Agioſpiel. Der Verfaſſer gab ferner in dem Nouveau cours complet d'agriculture, der bei den HH. Gebrüdern Pourrat erſcheint, einen ſehr merkwürdigen Artikel über das Getreide, abgeſehen von ſeiner Vorliebe zu dem Sperrſyſtem. De PEconomie politique et Morale de pespèce humaine, Par Herrenschwand. Londres, 1796, 2 vol., in— 4. ——— — 326— De PEconomie polilique moderne, Discours fondamental sur la populalion. Londres, 1786, in— 8, par le même. Dieſer Schriftſteller gehört der teutſchen landwirthſchaftlichen und adminiſtrativen Schule an; er bildet den Uebergang zwiſchen der Schule Quesnay's und der Adam Smith's. Man kann ihn eher als einen Phi⸗ lanthropen betrachten, durchdrungen von den Lehren Mirabeau's, des Vaters, denn als einen ſcharfen Beobachter der Thatſachen, auf welchen gegenwärtig die wahren Theorien der Wi enſchaft ruhen. Obwohl er ein Teutſcher war, ſo ſchrieb er gleichwohl ſranzöſiſch. Sein Buch über die Bevölkerung, Ludwig XVI. gewidmet, wimmelt von Paradoxen über den Luxus; es läßt ſich gegenwärtig gar kein günſtiges Ergebniß aus demſelben ziehen. Du Gouvernement consideré dans ses Rapports avec le com- merce, ou de l'Administration commerciale opposée à l'co- nomie politique; par F. L. A. Ferrier. Paris, 1821, in— 8. Dies iſt der Zoilos der Schule von Adam Smith und der Pindaros der Mauth, bei welcher er eine vortheilhafte Anſtellung hatte. Er ſchreibt mit Geiſt, und ſeine Beweisgründe entbehren nicht eines gewiſſen Feu⸗ ers; allein ſie verſchwinden vor der leichteſten Prüfung. Er iſt ein Bureauwirthſchaftsgelehrter. Storia del commercio e della Navigazione, dal principio del mondo sino ai giorni nostri di Michele de Jorio. Napoli, 1778. Eine lange und langweilige Compilation, welche weit unter dem Werk des Biſchofs von Avranches(Huet) über den nämlichen Gegen⸗ ſtand ſteht. De la Dépense et du Produit des canauæ et des chemins de Ier, de l'influence des voies de communication sur la prospérité industrielle de la France; par M. le comte Pi- let-Will. Paris, 1837, 2 vol., in— 4., dont un de plan- ches. Eine ſehr gelehrte Schutzrede zu Gunſten der Kanäle gegen die Eiſenbahnen: vorzüglich beachtenswerth, weil ſie ſich immer auf Be⸗ rechnungen ſtützt. Die Zeit allein kann ihr Recht oder Unrecht geben; denn die Erfahrungen ſind noch nicht gemacht; aber ſie machen ſich alle Tage. Mrueil les M 7 vol. Eine übrigent zen übe Pssai ste G jete Reſle me dam Ei ben. 7 nlal sur 6. hen und r Schule nen Phi⸗ au's, des fwelchen bwohl er zuch über aradoxen Ergebniß com- Gco- 8et, daros hreibt Feu⸗ iſ ein pio del Napoli, er dem Gegen⸗ — 3224 Rooueil des Réglemens générauæ et particuliers, concernant les Manufactures et Fabriques du Royaume. Paris, 1730, 7 vol., in— 4. Eine unermeßliche und doch unvollſtändige Sammlung. Sie iſt übrigens die beſte zum Nachſchlagen und zum Verſtändniß aller Fra⸗ gen über die Induſtrie. Essai sur la marine et sur le commerce, par M. D*r*. Am- sterdam, 1743, in— 12. Einige intereſſante Angaben über beide Gegenſtände. Sie möchten jetzt weniger Werth haben. Rêfleæions sur la nécessité de comprendre l'etude du com- merce et des finances dans celle de la polilique. Amster- dam, 1756, in— 12. Ein Bedürfniß, welches wir zur Stunde noch nicht genug begriffen ha⸗ ben. Dieſes Buch verdiente eine neue Auflage. Retablissement des manufactures et du commerce d' Espagne; traduit de l'Espagnol, de D. Bernardo de UIlloa. Am- sterdam, 1753, in— 12. Ein Buch, das über den Verfall der Gewerbe und des Handels in Spanien, und über alle volkswirthſchaftlichen Fragen, welche damit zuſammenhängen, mit Erfolg nachgeſchlagen werden kann. England's treasure by; foreign trade, or the balance of our foreign trade is the rule of our treasure. By Thomas Mun. London, 1664, in— 12. Einer der umſichtigſten und claſſiſchſten Vertheidiger des Mercan⸗ tilſyſtems. Seine Nachfolger haben ſeine Beweisgründe nur wieder⸗ holt Histoire des grands chemins de lempire romain, contenant P'origine, progrès et étendue quasi- incroyable des chemins militaires pavés, depuis la ville de Rome jusqu' aux extré- mités de son empire; par Nicolas Bergier. Bruxelles, 1728, 2 vol., in— 4. Dieſes iſt das vollſtändigſte Werk, welches über das Communica⸗ tionsſyſtem bei den Römern beſteht, und der Volkswirthſchaftsgelehrte findet hier eben ſo Vieles zu benutzen, als der Ingenieur. — 328— Résumé des Méemoires qui ont concouru pour le prix accordé en Tannée 1777, par PAcadémie des sciences, arts et bel- les-lettres de Chalons-sur- Marne, et dont le sujet était: Les moyens de détruire la mendicité en France, en rendant les mendians utiles à T'Etat, sans les rendre malheureux; 1779, 1 vol, in— 8. Ein treffliches Buch, noch immer weit erhaben über alle in un⸗ ſern Tagen gemachten Verſuche. Seine Schreibart iſt etwas declamato⸗ riſch; allein das Werk iſt voll geiſtreicher Anſichten und einzelner Anga⸗ ben, welche man nicht genug zu bedenken vermag. LEEurope et ses Colonies en décembre 181 9. Paris, 1820; 2 vol. in— 8., signé à mopolite. Dieſer Kosmopolit ſcheint tief von den gehäſſigen Gefühlen durch⸗ drungen zu ſein, welche lange unter uns gegen die engliſche Nation geherrſcht haben, und es iſt zu bedauern, daß ſeine Vorurtheile in die⸗ ſer Hinſicht ihn ſchwere Irrthümer hatten begehen laſſen. Sein Werk ſteht an Verdienſt ſehr tief unter dem des Lords Brougham über denſelben Gegenſtand. la fin du second volume par un Cos- Mèêmoires de Jean de Witt. La Haye, 1709, in— 12. Die Denkſchriften dieſes großen Publiciſten haben ſeit ihrem Erſchei⸗ nen eine Art religiöſen Erfolgs erlangt. Der Verfaſſer hebt in ihnen mit einer ſeiner langen Erfahrung würdigen Ueberlegenheit die Urſachen des Wohlſtands und des Verfalls der Nationen, beſonders des gegen ihn undankbaren Hollands, hervor. Origine e progressi del cittadino Romano, di Duns. Dieſes Werk, voll Scharfſinns und Gelehrſamkeit, bietet ſehr geiſt⸗ reiche Anſichten über den ſocialen Zuſtand der Römer. Histoire erilique du gouvernement romain, par l'abhé Big- non. Weniger tief, als das vorige, verdient gleichwohl dieſes Buch ein emſiges Studium. Etat des Pauvres ou Hisloire des classes travpaillantes de la Société en Angleterre, depuis la conquéête jusqu' à l'époque actuelle, etc.; extrait de l'uvrage publié en Anglais par Sir Morton Eden; par Larochefoucauld- Lian- court. Paris, an VIII., in— 8. Dieſer Auszug hätte die Kunde von dem Buch mehr verbreiten ſollen, X nehes vot ſtand der Ar Sir Fr. Mo don, 1797. An Inquir. bdy Hen Lord T Kolonien je ganz beſond Die m herbeigeführn wertheſten un De la Disel ens de pre pécher les par P. Là Eine gewit faſſer war Und den Stadt, un frage ſudieren De Peétat et ladelphie, Die Colo Vorurtheilen Principes d 8as, flls. Der Verſ ſchaft auf, all gen, deren N. den. Dieſes 9 Frankreich. Considerafion Compagnies — t. Müüägſice einige hodern Ein ſdig8 Beleg. accokdé et bel- tetait: eendant ureux; in un⸗ xelamato⸗ er Anga⸗ Erſchei⸗ mihnen Urſachen gen ihn geiſt⸗ Big- h ein le la oque par Kan- ſollen, — 329— welches vortrefflich iſt, und welches allen Unterſuchungen über den Zu⸗ ſtand der Armen zum Muſter dienen ſollte. Leider iſt das Werk des Sir Fr. Morton Eden nicht weniger als 3 Quartbände ſtark. Lon⸗ don, 1797. An Ingquiry into the colonial policy of the European powers by Henry, now lord Brougham. 1808; 2 vol., in— 8. Lord Brougham hat auf die Politik der Europäer gegen ihre Kolonien jenen feſten und ſichern Blick geworfen, welcher ſein Talent ganz beſonders auszeichnet. Die meiſten der Ereigniſſe, welche die Emancipation der Kolonien herbeigeführt haben, ſind in dieſem Werke, vielleicht dem beachtens⸗ wertheſten unter allen des edeln Lords, vorausgeſehen. De la Diselte et de la Surabondance en France; des moy- ens de prévenir l'une, en mettant l'autre à profit, et d'em- pécher les trop grandes variations dans le prix des grains; par P. Labouliniére. Paris, 1821, 2 vol., in— 8. Eine gewiſſenhafte Arbeit eines gebildeten Magiſtrats. Der Ver⸗ faſſer war Unterpräfeet zu Etampes, einer den Getreidehandel treiben⸗ den Stadt, und er konnte ganz beſonders die praktiſche Seite der Korn⸗ frage ſtudieren. De l'etat et du sort des colonies des anciens peuples. Phi- ladelphie, 1779, in— 8.„ Die Colonien der Alten ſind in dieſem Werke zu ſehr nach den Vorurtheilen der Neuzeit beurtheilt. Principes conomie politique, par A. de Carrion-Ni- sas, fils. Paris, 1825, in— 12. Der Verfaſſer ſtellt nur einen Theil der Grundſätze dieſer Wiſſen⸗ ſchaft auf; allein er erklärt im Vorübergehen mehre Finanzerſcheinun⸗ gen, deren Urſachen bis auf dieſen Tag nicht gehörig erkannt wur⸗ den. Dieſes Handbuch enthält einen geſchichtlichen Abriß über die Bank Frankreichs. Considéèrations sur la Commerce, et en particulier sur les Compagnies, Sociétés et Maitrises. Amsterdam, 1758, in — 12. Alltägliche Allgemeinheiten, wo hie und da Blitze des Talents und einige hochherzige Anſichten über die Gewerbefreiheit durchſchimmern. Ein lediglich von dem geſchichtlichen Geſichtspunkt merkwürdiger Beleg. — 330— Essai politique sur le Revenu public des peuples de Panti- Luuüne 7. 3 quité, du moyen-àge, des sciêécles modernes, et spéciale- zun der ment de la France et de l'Angleterre, depuis le 15e siécle ſcaften.— jusqu'au 19e; par M. Charles Ganilh. Paris, 1806, 2 vol. mächte der in— 8. Von der Des Syteémes d' Economie polilique, de leurs incoenvéniens, de vuha leurs avantages, et de la doctrine la plus favorable aux teichg. progréès de la richesse des nations, par le même. Paris, und Eit 1809, 2 vol., in— 8. Tranzpo⸗ Théorie de l'Eoonomie polilique; 2 vol., in— 8., 1816, par 1a. 1 A 61f.— le méme. Vergleichun De la science des Finances; 1 vol., 1824, par le mèême. bau in Kor 88 Dietionnaire de l' Eoonomie politique; in— 8., 1826, par le G ajahra méme.— hen und ihr Hr. Ganilh war ein fleißiger volkswirthſchaftlicher Schriftſteller; n. Ke allein alle ſeine Schriften baben etwas Unbeſtimmtes und Unvollſtändiges, 3 1 4 welches ihrem Erfolg bei den Männern des Fachs geſchadet hat. Das oüldand beſte ſeiner Werke iſt ſeine Ueberſicht der Syſteme in der politi⸗ Banken.— ſchen Oekonomie; das ſchlechteſte iſt ſein Worterbuch, ein ſeiner und der 4 unwürdiges Werk. rics und Syſtemen Dissertazione sopra le poste degli Antichi. Firenze, in— 4. Von den! Brauchbare Angaben über die Verkehrsmittel der Alten; allein das von den 2 Werk ſteht tief unter dem Werk Bergier's. in den Ve Rerue öritannique, ou choix d'articles tirés des meilleurs lt. écrits périodiques de la Grande-Bretagne. unſt. . 1,— egiums— Dieſe Sammlung, gegenwärtig aus 70 Bänden beſtehend, hat mehre denen Eyſe Reihen von ſehr beachtenswerthen Artikeln über verſchiedene Fragen der— Nergleich politiſchen Oekonomie geliefert. Wir wollen die Titel der wichtigſten vöſterung 6. angeben: Frankreich un I. Reihe. Vergleichung des Ertrags der hohen und niedern Steu⸗ Bodenerzeugn ern.— Miniſterielle Anträge auf die Herabſetzung der Zölle.— Von ers ohne Mi den fundirten Schulden.— Von dem Ertrag der Zölle vom Kaffee. Von den Kolonien und dem Kolonialſyſtem.— Von dem Recht der Erſtgeburt und den Subſtitutionen.— Von der freien Arbeit und von der der Sklaven.— Von den Wohlthätigkeitsanſtalten.— Grund⸗ ſätze der politiſchen Oekonomie von Mac⸗Culloch.— Von der Aus⸗ wanderung.— Die Armen Irlands.— Handels⸗ und Finanzlage Banken Fran wintſdaftich in England. den gewaͤhne ſeiner poli ſetzen und e lanti- péeiale- de siécle 6, 2 vol. nens, de able aux . Paris, 16, par me. har le iſteller; undiges, 4. Das voliti⸗ en ſeiner „in 4. allein das meilleurs hat mehre ragen der ichtigſten n Steu⸗ — Von n Kaffe. Kecht der veit und Grund⸗ der Aut⸗ Finanglage — 331— Englands.— Geſchichte und Grundſätze der Lebensverſicherungen.— Von dem beſten Syſtem der Staatsanleihen.— Mittel, den Wohl. ſtand der niedern Klaſſen zu ſichern.— Gewerbs⸗ und Landbaugeſell⸗ ſchaften.— Vergleichung der engliſchen Finanzlagen mit denen der Haupt⸗ mächte des Feſtlands.— Bemerkungen über den Handel Chinag's.— Von der Freiheit des Handels.— Von der letzten Handelskriſe.— Kornhandel.— Handel nach der Südſee.— Wiederkehr des Gedei⸗ hens des Handels in England.— Handelspolitik und Mauthen Frank⸗ reichs.— Minderung der Ausbeute der Gold⸗ und Silberbergwerke, und Einfluß dieſer Minderung auf den Welthandel.— Von dem Transport auf Kanälen, Schienenwegen und Dampfwagen.— Von den Arbeitern und Maſchinen in Frankreich.— Bergbau der neuen Welt.— Bemerkungen über die Fortſchritte der Dampfſchifffahrt.— Vergleichung der Induſtrie Frankreichs mit der Englands.— Berg⸗ bau in Kornwallis und in Amerika.— Beginn, Fortſchritt, gegen⸗ wärtiger Zuſtand und Zukunft der Baumwollenfabriken in England. — Gewerbliche Thätigkeit Englands im Jahr 1828.— Von den Stra⸗ ßen und ihrer Bauart.— Lage des Landvolkes in England. II. Reihe. Entſtehung, Fortbildung und Verfall des Handels und Wohlſtandes Hollands.— Die Bank Englands und die ſchottiſchen Banken.— Die Armen Großbritanniens.— Die Bilanz des Kriegs und der Aufſtände.— Vergleiche zwiſchen den Staatsausgaben Frank⸗ reichs und denen der Vereinigten Staaten.— Von den verſchiedenen Syſtemen der Koloniſation, von ihren Urſachen und Ergebniſſen.— Von den Urſachen der Noth der Landbevölkerung in England, und von den Mitteln, ihr abzuhelfen.— Koloniſation der freien Neger in den Vereinigten Staaten. III. Reihe. Von den öffentlichen Straßen und Wagen Großbri⸗ tanniens.— Von der Bank und von der Verlängerung ihres Privi⸗ legiums— Von den Vortheilen und Nachtheilen, welche die verſchie⸗ denen Syſteme der Communication durch Dampf mit Indien bieten. — Vergleichung der Zunahme der productiven und unproductiven Be⸗ völkerung Großbritanniens.— Von den Baumwollemanufacturen in Frankreich und England.— Von den Koſten der Erdarbeit und den Bodenerzeugniſſen in Großbritannien.— Von der Erzeugung des Zuck⸗ ers ohne Mitwirkung der Sklaven.— Vergleichung der Bilanz der Banken Frankreichs und Englands.— Handels⸗, Gewerbs⸗ und land⸗ wirthſchaftlicher Reichthum Großbritanniens.— Von der Beſteuerung in England.— Von den Eiſenbahnen, Kanälen und Dampfwagen auf den gewöhnlichen Straßen.— Von der Emancipation Indiens und ſeiner polititſchen und commerciellen Zukunft.— Von den Kornge⸗ ſetzen und von der Freiheit des Handels.— Von den Handelsbezie⸗ — —- 332— hungen Frankreichs und Englands.— Von den Banken und dem Paviergeld in den Vereinigten Staaten.— Von den verſchiedenen Syſtemen der Lebensverſicherungen in Frankreich und England.— Von der Ueberwucherung der Bevölkerung und der Kapitale in England, und von den Mitteln, ſie nutzbar zu machen.— Von den Eiſenbah⸗ nen und von ihrem Einfluß auf das Steigen des Preiſes des Grund⸗ eigenthums.— Urſprung und Fortſchritt der Baumwollenmanufactu⸗ ren in England.— Von den Straßen und Eiſenbahnen in Frank⸗ reich, und von den Mitteln, ſie zu verbeſſern.— Handels⸗ und Ge⸗ werbsfortſchritt Preußens und des teutſchen Bundes.— Von den Ur⸗ ſachen der Entwickelung der Induſtrie Preußens und des teutſchen Bundes.— Von den Urſachen der Entwickelung der Induſtrie in Groß⸗ britannien.— Die Dampfboote auf der Donau.— Von den An⸗ kündigungen und ihren Beziehungen zu den ſchönen Künſten, dem Han⸗ del und der Schifffahrt.— Von der Sklaverei, von ihrem Urſprung und ihren Ergebniſſen bei den Völkern des Alterthums und der Neuzeit. De la Bourse et des spéculalions sur les effets publics, par A. S. G. Coffinières. Paris, 1824, in— 8. Eine ehrenwerthe Verwahrung gegen die Mißbräuche des Agioſpieles, welche das Schickſal aller frühern Proteſtationen hatte. Dieſes Werk wird zur Zeit wichtig und zu beachten ſein, wenn man der Räuberei der Börſenſpeculationen ernſtlich ein Ende machen wollen wird. Die Ge⸗ ſetzgebung über den Gegenſtand iſt hier mit Ordnung zuſammenge⸗ faßt. Considérations sur les richesses et le luwe. Amsterdam, 1789, in— 8. Eine Flugſchrift gegen den Abbé Terray. Es finden ſich darin Betrachtungen über das Steuerweſen der Alten. Opinion d'un eréaneier de PEtat, par Clavière. Londres, 1789, in— 8. Merkwürdige Betrachtungen über die Staatsanleihen. Der Verfaſ⸗ ſre zeigt ſich hier allen Maaßregeln durchaus widerſtrebend, welche die Errichtung einer Bank in Frankreich zum Zweck hatten; er verſichert, daß die Staatsanleihen ſämmtlich in den republikaniſchen Staaten ih⸗ ren Anfang genommen haben, und dieſer Urſprung beunruhigt ihn. Er ſchrieb 1789, war Miniſter 1792, und ſtarb 1793 auf dem Blut⸗ gerüſte. Intéréts de la France dans PInde, contenant: 1) l'ndication des titres de propriété de nos possesions d-Asie; 2) les 6po- ques de les act après in— 8. Eine in Indien gegenwär Recherc licils Paris, Ein Vortheile gelehrten ge Procès- re examine As nac gen die ind miſſion, wel ſteuer hera⸗ berieth lar Wag. Die handlung The hisl John Ein bert Ham verdient. Pæposs du Ao; tenant hanques duit et ewolum R Ma Pars Eine lung der ind dem hhiedenen land.— England, Eiſenbah⸗ Geund⸗ anufactu⸗ in Ftand⸗ und Ge⸗ in den Ur⸗ teutſchen in Groß⸗ den An⸗ em Han⸗ trſprung nd der 8, par joſpieles, Terk wird averei der Die Ge⸗ ſammenge⸗ nsterdam, ſich darin Londres, r Verfaſ⸗ velche die zerſichert, aaten ih⸗ higt ihn. em Blut⸗ indication ) les dpo- — 333— ques de nos succés et de nos revers dans ces contrées; 3) les actes relatifs à la rétrocession de nos établissemens après la paix de 1783, par Labarthe. Paris, 1816, in— 8. Eine treffliche Ueberſicht der ach! zu raſchen Ereigniſſe, welche uns in Indien in die traurige Stellung gebracht haben, welche wir dort gegenwärtig einnehmen. Recherches sur les praies causes de la misère et de la fo- licité publique, ou de la Population et des subsistances. Paris, 1815. in— 8. Ein Gegner von Malthus, widerlegt er ſehr gut die angeblichen Vortheile der Eheloſigkeit, welche durch den engliſchen Volkswirthſchafts⸗ gelehrten gefeiert worden waren. Procès-verbal des séances de la Commission instituee pour evaminer les impöts sur les boissons, in— 8. Als nach der Revolution von 1830 ein allgemeiner Schrei ſich ge⸗ gen die indirecten Abgaben erhob, ernannte die Regierung eine Com⸗ miſſion, welche unterſuchen ſollte, ob es kein Mittel gebe, die Trank⸗ ſteuer herabzuſetzen; dieſer Ausſchuß, aus Sachkennern zuſammengeſetzt, berieth lange über den beſten, in dieſer Beziehung einzuſchlagenden Weg. Die Sammlung ſeiner Protokolle bildet eine beachtungswürdige Ab⸗ handlung über die in Frankreich ſo delicate Frage von der Trankſteuer. The historg of the public revenue of the British empire, by John Sinclair, Esq. London, 1785, in— 4. Ein Werk, das nicht ſo klar und beſtimmt iſt, als das von Ro⸗ bert Hamilton, aber durch die Freiſinnigkeit ſeiner Lehren Beachtung verdient. Eæposé de l'Administration géênérale et locale des finances du Royaume-Uni de Grande-Brelagne el d'Irlande, con- tenant des documens sur l'échiquier, la dette nationale, les hanques, la navigation, les consommations, ete; sur le pro- duit et l'emploi des contributions, droits, taxes, péages et émolumens perçus par l'administration de l'état, le clergé, la magistrature, les comtés, etc. ete.; par M. A. B ailly. Paris, 1837, 2 vol., in— 8. Eine treffliches Werk, das vollſtändigſte, welches über die Verwal⸗ lung der Finanzen Großbritanniens beſteht. Der Verfaſſer iſt ein Mann — 334— vom Fache, welcher aus den Quellen geſchöpft hat, und welcher alles Vertrauen verdient. Wir verdanken ihm eine Histoire ſinancière de la France bis zum J. 1789, in 2 Bänden. Magia del ecredilo svelata, instituzione fondamendale di pubb- lica utilita, da Giuseppe de Welz. Napoli, 1824, 2 vol., in— 4.. Dieſes iſt der erſte italiäniſche Volkswirthſchaftsforſcher, welcher mit Küͤhnheit die Fahne des Credits aufgepflanzt hat. Wenn auch ſeine Ideen hierüber üvertrieben ſind, und zwar bis zu dem Grade, daß er behauptet, der Credit vermehre wirklich die Kapitale, ſo hat er den⸗ noch der Wiſſenſchaft einen wahren Dienſt geleiſtet, indem er die Auf⸗ merkſamkeit ſeiner Landsleute auf die Vortheile eines beſſer verſtandenen Umlaufsſyſtems lenkte. Sein Buch enthält Nachrichten über ſämmtliche Finanzminiſter in Frankreich und England ſeit mehr als drei Jahrhunderten. An Inquirg into the nature and effeets of the paper eredlil of lhe Great-Britain, by Henry Thornton. London, 1802, in— 8. Eine Gelegenheitsſchrift, herausgegeben zur Vertheidigung der Ein⸗ ſtellung der Baarzahlungen von Seite der Bank Englands. Es iſt eine Scheinvertheidigung zu Gunſten des Papiergeldes; allein es enthält über den Credit tiefe Betrachtungen, welche ſelbſt Ricardo nicht verleugnet haben würde. Dieſe Flugſchrift iſt ſehr ſelten geworden. Des Finances d' Angleterre, par Henry Lasalle, 1 vol., in — 8, 1803. Ein zu ſeiner Zeit nützliches Buch, ſeither aber überflügelt durch die Werke des Sir Henry Parnell, des Hrn. Pebrer und des Orn. Bailly. Du commerce et de la compagnie des Indes, par Dupont, 1769, 1 vol., in— 8., Hme édition, augmentée de l'histoire du système de Law. Eine der beſten Schriften über das Syſtem Law's. Die Frage über den indiſchen Handel iſt in dem Werke nur beiläufig behandelt. Meèemoires sur la compagnie des Indes, par M. le comte de Lauraguais; 1 vol., in— 8., 1770. Dies iſt eine leidenſchaftliche Prüfung des Syſtems von Law, die kür⸗ zeſte und eine der merkwürdigſten von allen. Discours colonies Ein A gen über d marine ein Viele Grundſteu Etat acl norz Merk Bank Eng erkärt. g ten ſeines An Inquir nal debl burgh, 1 rich La Eines d worden ſind wohl es kei Tacation of lhe don, 10 Fra 2 vol. Eine verfaſung kann ſie a d'Angleter Vertrauen haben. Reflegions Dutot. Dutot d ded bewunder dit Reſe welche d her alles diere de ipubb- 824, 2 velchet enn auch ,rade, daß t er den⸗ die Auf⸗ tandenen ſter in eredil andon, er Ein⸗ 8; allein ardo vicht vol,, in durch die Bailly. upont, istoire ailäufig ate de die kür⸗ — 335— Discours sur les Finances, le commerce, la marine el les eolonies, 1 vol., in— 8., 1802. Ein Werk, brauchbar zum Nachſchlagen, hauptſächlich bei den Fra⸗ gen über die Schifffahrt und bei den zwiſchen der Kriegs⸗ und Handels⸗ marine einzuführenden Beziehungen. Viele Irrthümer über die Beſteuerung: der Verfaſſer wollte keine Grundſteuer. Etat actuel de la Grande-Bretagne, par Arthur 0'Con- nor; 1 vol., in— 8., 1804. Merkwürdige Angaben über die Einſtellung der Baarzahlungen der Bank Englands, eine Einſtellung, welche der Verfaſſer als Bankbruch erklärt. Hr. O'Connor iſt ein iriſcher Patriot, welcher in Folge der Wir⸗ ren ſeines Vaterlandes verbannt worden iſt. An Inquirg concerneng the rise and progress of the natio- nal debt of Greal-Britain, by Robert Hamilton. Edin- burgh, 1813, III. Ausgabe, 1818. Franzöſiſch von Hein⸗ rich Laſalle. Paris, 1817, in— 8.. Eines der beſten Werke, welche über dieſen Gegenſtand geſchrieben worden ſind. Es wird alltäglich wie ein amtlicher Beleg berathen, ob⸗ wohl es kein ſolcher iſt. Tawation, Revenue, Eapenditure, Power, Statisties and Debt of the whole British Empire, by Pablo Pebrer. Lon- don, 1833. Franzöſiſch von Jacobi. Paris und London, 1834. 2 vol., in— 8. Eine koſtbare Sammlung der für das Studium der Wirthſchafts⸗ verfaſſung Großbritanniens nöthigſten ſtatiſtiſchen Aktenſtücke. Man kann ſie als die Ergänzung des Tableau von Baërt und der Histoire d'Angleterre des Hrn. von Montveran betrachten. Ich würde mehr Vertrauen zu dem Werk des Hrn. Bailly über den nämlichen Gegenſtand haben. Réflewions politiques sur les finances et le commerce, par Dutot. La Haye, 1738, 2 vol., in— 12. Dutot iſt jener Schriftſteller, welcher am tiefſten das Syſtem Law's und die Urſachen ſeines Sturzes analyſirt hat. Sein Buch iſt mit einer bewunderungswürdigen Klarheit geſchrieben, und enthält über den Cre⸗ dit Reflexionen, welche würdig ſind, von Allen durchdacht zu werden, welche die ſchwierige Wiſſenſchaft von den Finanzen ergründen wollen. — 336— Etude du erédit public el des dettes publigues, par L. C. A. Dufresne Saint-Leon. Paris, 1824, in— 8. Eines der beſten Elementarwerke, welche wir über die praktiſche Fi⸗ nanzwiſſenſchaft beſitzen. Es iſt mit einem Talent des Styls und einer Beſtimmtheit der Anſichten geſchrieben, welche bei Stoffen dieſer Art ſehr ſelten ſind. Der Verfaſſer war lange Zeit in den Büreaus des Schatzes angeſtellt geweſen, und ſein Buch iſt die Frucht ſeiner reichen Erfahrung. Report from the Commiltee Secrech on the Bank of Eng- land Charter, in folio 486 pages, ordred by the Parlia- ment to be printed. Dieſes iſt die Enquéte, welche bei der Gelegenheit des Erlöſchens des Privilegiums der Bank Englands angeordnet wurde. Man findet hier die bis in Einzelnſte eingehenden Nachweiſungen über ſämmtliche Opera⸗ tionen dieſer Anſtalt. Wenige Bücher enthüllen beſſer die Geheimniſſe der Finanzverfaſſung der Engländer. Oeuvres de J. Laww, contenant les principes sur le numéraire, le commerce, le crédit et les banques. Paris, 1790, in-8. Dieſer einzige Band enthält ſämmtliche Schriften Law's. Seine Lettres sur les Banques ſollten das Vade⸗mecum aller Je⸗ ner ſein, welche das Studium der Finanzfragen in der politiſchen Oeko⸗ nomie beginnen. Seine Considérations sur le numéraire ſind ein wahres Meiſter⸗ werk, welches ſelbſt nicht durch die ſchönen Analyſen von Adam Smith übertroffen worden ſind. Law war ein Mann von Genie, deſſen einziger Fehler war, ein Jahr⸗ hundert zu früh geboren worden zu ſein. Histoire du Systéeme des Finances sous la minoritlé de Louis XV., pendant les années 1719 und 1720, par Du- verney. Dieſes iſt die merkwürdigſte Chronik des Agioſpiels und der Agio⸗ ſpieler, die ganze Dauer des Law'ſchen Syſtems hindurch. De Law et de son systéeme de Finances, par M. Thiers; 1 vol, in— 8., in der Encyclopedié progressive. Dieſer Artikel iſt unſtreitig das ſchönſte Werk hiſtoriſcher Kritik, wel⸗ ches über Law geſchrieben worden iſt. Nirgends wurde das Syſtem kla⸗ rer und mit einer gewiſſenhafteren Treue auseinandergeſetzt. Histoire finaneière de la Francé depuis origine de la mo- ——— narchie 1829, Eine! ſie legt die Nachſchlag Le Secr livres gabe Das gerkriegs endgillige faſfer zahl welche in Man liest viele vert gute Autga ſelten. Trailé de Chas mani tref Die das dir bier ein On fin nel Lat Eit lungen Es waltung tigkeit? De Ræpe 8 1 L. C. 4A. und einer Art ſeyr angeſtellt 3. of Eng- Parlia- chens des det hier Opera⸗ niſſe der éraire, in— 8. aller Je⸗ den Oeko⸗ Meiſter⸗ im Smith ein Jahr⸗ rilé de ar Du- r Agio⸗ iers; tit, wel⸗ ſem kla⸗ la mo- — 337— narchie jusqu'à l'année 1828, par J. Bresson. Paris, 1829, 2 vol., in— 8. Eine gedraͤngte, raſche Muſterung unſerer finanziellen Jahrbücher: ſie legt die Thatſachen dar, vernachläſſigt aber die Urſachen. Gut zum Nachſchlagen. Le Secret des Finances de France, descouvert et départi en 3 livres, par N. Froumenteau, in— 12., 1581. Ohne An⸗ gabe des Druckortes. Das iſt das Protokoll der Plünderungen und Verheerungen des Bür⸗ gerkriegs während der Religionsſtreitigkeiten, welche Frankreich vor der endgiltigen Throngelangung Heinrichs IV. verwüſtet haben. Der Ver⸗ faſſer zählt hier mit einer unverwüſtlichen Kaltblütigkeit die Opfer auf, welche in allen Provinzen den Freveln der Kriegsleute unterlegen ſind. Man liest hier ſtets nur die heilloſen Worte: So viele gehenkt, ſo viele verbrannt, als wenn dieſes etwas ganz Natürliches wäre. Die gute Ausgabe, jene, welche den Namen des Verfaſſers trägt, iſt ziemlich ſelten. Traitò des Finances et de la fausse monnaie des Romains, de M. Chassipol, auquel on a adjoint une Dissertation sur la manière de discerner les médailles antigues d'avec les con- trefailes, par M. Beauvais. Paris, 1740, in— 12. Dieſe kleine Abhandlung wurde von Colbert aufgetragen, welcher das Finanzſoſtem der Römer kennen zu lernen wünſchte. Man findet hier einige koſtbare Angaben.. On financial reform in Greal-Brilain, by Sir Henry Par- nell. 2. d. ed. London, 1830. Franzöſiſch von Benjamin Laroche. Paris, 1832, in— 8. Eine umfaſſende und gelehrte Ueberſicht der wirthſchaftlichen Einrich⸗ zungen Englands, von einem Mann, welcher ſie genau kennt. Es iſt dieſes das Programm der Reformen, welche die engliſche Ver⸗ waltung jeden Tag mit einer ſo merkwürdigen Beharrlichkeit und Rich, tigkeit der Anſichten ausführt. Der Verfaſſer iſt gegenwärtig Miniſter. Eæposé des principes&lémentaires et raisonnés sur le meilleu système d'emprunls publics, et sut le meilleur mode d'amor- Blanaui, Geſchichte d. polit, Oekonomie. II. Bd. 22 “ — 338— tissement, précédé de notions générales et spéciales sur la dette publique, par J. B. Juvigny. Paris, 1833, in— 8. Es iſt dieſes ein treffliches Elementarbuch zur Erbauung der Leute welche Nichts von den Börſegeſchäften verſtehen. Conversations on polilical economy, in which the elements of that science are familiarly explained. By the author of con- versations on chemistry(by Mistress Marcet). London, 1816, 1 vol., in— 8. 2. ed. London, 1817. „Es iſt dieſes die einzige Frau, ſagte Hr. Say, welche über die wolt. tiſche Oekonomie geſchrieben hat, und ſie hat ſich vielen Männern über⸗ legen gezeigt;“ allein damals hatte die Miß Harriet Martineau noch nicht. ihre 8 Bände IIlustrations of political economy, von welchen eine fran⸗ zöſiſche Ueberſetzung erſchienen iſt, herausgegeben.*) Man ſchreibt der Frau Marcet von Genf noch ein anderes Anfangs⸗ werk über die politiſche Oekonomie zu, unter dem Titel: 1⸗ John Hopkins's Notions on political econom, by the author of „Conversations on political economy.“ London, 1833, in- 12. Dieſes iſt ein kleines Handbuch über die politiſche Oekonomie, in ei⸗ ner einfachen und vertraulichen Form, welches ferner durch ſeine Be⸗ ſtimmtheit an zieht, die keineswegs die Tiefe ausſchloß. Mémoire sur le crédit public, par M. Papion. Tours, 1808, in— 8. Dieſe Denkſchrift wurde Napoleon überreicht. Sie enthält nichts An⸗ ziehendes. Ouelle influen ce ont les diverses espèces d'impots sur la mora- lité, Pact ivilé et l'industrie des peuples? par M. de Mon- thion. Paris, 1808, in— 8. Partioularitès sur les ministres des ſinances, par le mème. Ein vorzugsweiſe ehrlicher Mann, immer unterrichtend, immer geiſt⸗ reich, ſelbſt wenn er irrt; aber er irrt ſelten. Das erſte dieſer beiden Werke wird natürlich ſo oft wieder auf die *) Die IIlustrations of political economy erfüllen 25 Bändchen; dazu kommen noch die IIlustrations of taxation, 5 Bändchen, dann die Poor- Jaws and paupers illustrated, 5 Baͤndchen; alle 1834. Buß. “ Tägesord beſchäftig Essai 5 la Ri rie (Tel lin, 18 Eit die Ver Da fälligen Baͤnden, zoſen. Origine M. Le Dieſes genſtand; Folgen de Deoutes Mab Re ten irri Dieſe De 70 vale téri in- De vi Da widmet, Alle ſtere häͤlt De rA ur! N Steue treton Ssur la n— 8. er Leute enis of ok con- London, die poli⸗ In über⸗ och nicht. te fran⸗ fangs⸗ nor ok -12. „in ei⸗ ne Be⸗ 1808 3 ichts An⸗ mora- Mon- Ne. geiſ⸗ auf die . dod Pook- ê f 339 Tagesordnung kommen, als man ſich mit der Reform des Steuerweſens beſchäftigen wird. Essai sur P'etat acluel de l'Administration des Finances el de la Richesse nationale de la Grande-Brelagne, par Frédé- rie Gentz, Londres et Hambourg, 1800, in— 8. (Teutſche Ueberſetzung in ſeinem hiſtoriſchen Journal. Ber⸗ lin, 1800. Buß.) Ein gutes Buch, richtige Grundſätze: beſtimmte Anwendungen für die Verwaltung der Staaten. Das Werk hat nur 275 Seiten, und trägt das Gepräge einer augen⸗ fälligen Parteilichkeit für England; allein es hat den Werth von zehn Bänden, und ſein Studium iſt vom größten Intereſſe fur einen Fran⸗ zoſen. Origine des Postes ches les Anciens el ches les Modernes, par M. Lequin de la Neuville. Paris, 1768, in— 12. Dieſes Buch enthält einige anziehende Einzelnheiten über den Ge— genſtand; allein man findet darin nicht die geringſte Ueberſicht über die Folgen der erlangten Verbeſſerungen. Doutes proposés auæ philosophes économistes, par TAbbé de Mably. Paris, 1768, in— 12. Mably hatte vollkommen eingeſehen, worin die Lehre der Phyſiokra⸗ ten irrig war; allein es war ihm nicht möglich, es ihnen zu beweiſen. Dieſe Ehre gebührt ausſchließlich dem Schotten Smith. De Fordre social, ouvrage suivi d'un traité élémentaire sur la valeur, l'argent, la circulation, l'industrie et le commerce in- térieur et extérieur, par M. Le Trosne. Paris, 1777, in— 8. De pinterét social. par Ie mème, 1777. 1 vol., in— 8. Das zweite Werk iſt eigentlich mehr der politiſchen Oekonomie ge⸗ widmet, als das erſte. Alle beide gehbren der ökonomiſtiſchen Schule an; allein das er⸗ ſtere hält ſich mehr an die ſociale Politik. De vAdministralion provinciale et de la Roforme de l'impot, par lemeêeme. Bale, 1788, 2 vol., in— 8. Anwendung der bkonomiſtiſchen Lehren auf die Reform des Steuerweſens. Man weiß, daß das Utopien der Oekonomiſten die Per⸗ tretung aller Steuern durch eine einzige Grundſteuer war. 22 — 340 Elemens de la Politigue, ou recherche des vrais prineipes de P'économie sociale, par le comte du Buat. Londres, 1773, 6 vol., in— 8. 3 Oekonomiſtiſcher Schwall in 6 Bänden, untermiſcht mit Dialo⸗ logen, in welchen eine Menge gegenwärtig gelöster Fragen ſich oſt auf eine neue, originelle Weiſe behandelt findet. Physiocratie ou constitution naturelle du gouvernement le plus avantageux au geure humain; recueil publié par Dupont. Leyde et Paris, 1768, in— 8. Dieß iſt die Analpſe der berüchtigten arithmetiſchen Formel des Tableau économique Quesnay's, nebſt einem Commentar der Maximes générales du gouvernement économique d'un royʒaume agricole, von Demſelben. Man kann dieſes Buch als den Katechismus der öͤkonomiſtiſchen Secte betrachten. Die arithmetiſche Formel iſt nicht darin; allein ſie wurde wört⸗ lich in dem Werke Mirabeau's, des Vaters, abgedruckt, das den Titel: Ami des hommes hat. Eclaircissemens demandés a M. Nrr, sur les principes écono- miques, et sur ses projels de législalion; au nom des proprié- taires fonciers et des cultivateurs français, par M. l'Abbé Baudeau. 1775, in— 8. Oekonomiſtiſcher Doctrinär, einer der feurigſten Jünger dieſer Schule, und einer Derjenigen, welche ihre Grundſätze am beſten darge⸗ ſtellt haben. Der Abbé Baudeau hat unter dem Titel: Ephémérides du citoyen eine Sammlung für volkswirthſchaftliche Gegenſtände, nach den Ideen Quesnay's, herausgegeben. Dissertation sur FEiat du commerce en France depuis Hu- gues- Capet jusgu'd Frangois I.; par M. Cliquot Bler- vache. Paris, 1766, in— 8. Ein etwas ſchwerfälliges Werk. Man findet darin einige der Samm⸗ lung würdige Thatſachen. Roflegions sur la richesse future de la France et sur la direo- tion qu'il eonvient de donner à la prospérité du royaume, par M. le Vicomte d' Harcourt. Paris, 1826, in— 8. Dieſes Werk enthält einige brauchbare Anſichten. Der Verfaſſer behauptet darin die Möglichkeit, die Truppen zu öf⸗ fmtlichen wärtigen Schuld, knͤpfen, Verſtärkt Trailè 1781 Eir Eir konomie Anglia — Engla don, 1 Merkr England ſ Popular don m don, En 1 die arbe vereinſa 4 brie spec Tra adyy. Tu Ein Man fü miſten a mehren präge de ren groß Paper Eng de 8 4 die 7 ialo⸗ t auf Mlus pont. e des ximes von ort⸗ tel: no- ie- M dieſet darge⸗ eitoyen JIdeen Hu- ler- imm⸗ reo- bat zu öf⸗ — 341— fentlichen Arbeiten zu verwenden; er iſt kein ſehr großer Vertheidiger des aus⸗ wärtigen Handels, dagegen zeigt er ſich der Unterhaltung einer fundirten Schuld, als eines Mittels, die Rentner an das Schickſal des Staats zu knüpfen, ſehr geneigt. Man hat im J. 1830 geſehen, welche Hilfe dieſe Verſtärkung leiſtete. Traité des Richesses, par M. Isnard. Londres et Lausanne, 1781, 2 vol., in— 8. Ein Gegner der Oekonomiſten; ein wenig Schonredner, wie ſie. Einige anziehende Angaben über gewiſſe Punkte der politiſchen Oe⸗ konomie der Alten, namentlich über ihre Auflagen. Anglia restaurata: or the advantages of smuggling wool from England and Ireland to France, ete., by Cheshire. Lon- don, 1727, in— 4. 1 Merkwürdige Aufſchlüſſe über die Art, wie die Wollinduſtrie aus England ſich weggezogen hat. Popular political economoy, four lectures d don mechanies institution, by Thomas Hodgskin. don, 1827, in— 8.. Ein Beachtung verdienendes Muſter der Art, wie die Engländer für die arbeitenden Klaſſen die höchſten Fragen der politiſchen Oekonomie vereinfacht haben. 4A brief essag on the advanlages and disadrantages which re- speclivel; allend France and Great-Britain, wilh regard 10 Trade, with some proposals for removing the principal dis- a new method; by Josiah elivered at the Lon- Lon- advantages of Great-Britain in Tucker. The third edition. London, 1753, in— 8. Ein durch die Freiſinnigkeit ſeiner Anſichten ſehr bemerkenswerthes Werk. Man fühlt darin ſchon den Einfluß, welchen die franzöſiſchen Oekono⸗ miſten auf die Fortſchritte der Wiſſenſchaft geübt haben. Tucker ſtand mit mehren derſelben in Verbindung, und obwohl ſein Buch ſtark das Ge⸗ präge der nationalen Selbſtſucht trägt, ſo bringt er doch den neuen Leh⸗ ren große Opfer. Paper against gold: or the History and Myste England; by William Cobbet. London, 1821, 4. edi- tion. Dieſe Flugſchrift von 470 Seiten blitzt von Feuer und Kraft gegen die Bank Englands, und gegen das Syſtem der fundirten Schulden. ry of the bank of ——— ——¼ welchem er Nie wurden Finanzfragen mit einem ſolchen Luxus von Wiſen, ine Einge 3 Spott, Grimm und Verſtand behandelt. 4 Dieſes Buch beſteht aus einer Reihe von Briefen, vergleichbar mit Mèmoire den Lettres provinciales Paseal's, mit den Briefen von Junius und mit rembot den Denkſchriften von Beaumarchais. Es iſt ein Meiſterwerk des Styls und nution der Discuſſion; Abdrücke davon ſind ziemlich ſelten. The historg and principles of Banking; by James Gilbakt. hern II. edition. London, 1835, in— 8. Gens Die beſte Geſchichte der Entſtehung der europäiſchen Banken, weſche wir haben. Der Verfaſſer hat zu leichtweg von den Banken zu Vene⸗. Lettre. dig, Genua, Hamburg und Amſterdam geſprochen; allein man kann die⸗ 1779 ſes Studium durch das Nachleſen der Noten, welche der Senator Gar⸗. Dieſ nier zu ſeiner Ueberſetzung von Smith gefügt hat, durch die Nachrich⸗ mmärt ten, welche das Werk Storch' 5 begleiten und durch die Schriften von. ege J. B. Say ergänzen.. Defense: Das Buch Gilbart's wird hauptſächlich dazu dienen, die Organiſation Usure der Bank Englands kennen zu lernen.— le taux Essays and Treatises on sereral subjecls; by David Hume, Paris, 1 a new edition. Basil, 1793, 2 vol, in— 8. ditſes Hume's Verſuche entßalten einen rein philoſopbiſchen und einen dem Verſ 1 wirthſchaftlichen Theil. Der zweite, der einzige, von welchem wir hier zu ſere wide ſprechen haben, beſteht aus mehren Kapiteln, ohne Verbindung unter ſich, haben. 2 welche aber durch die Klarheit des Styls und durch die Gediegenheit der Folgerungen beachtenswerth ſind. Die anziehendſten beziehen ſich auf das 4 De d'en Geld, den Staatscredit, die Bevölkerung der Staaten des Alterthums. le mi Consideralions sur les chemins de fer; par M. J. Cordier. G Der Paris, 1830, in— 8.. 4 4 eine um Eines der erſten Werke, wenn nicht das erſte, welches die Wichtig⸗ das Zin keit der Eiſenbahnen in Frankreich begreiflich machte.“— Gründe, 4 short rieln of h rise, progress and esl ablishment of tho wngen,: eoolen manuf actures in England, ete. London, 1753, in— 8. Salmasi Dieſes Buch enthält einige merkwürdige Belege über die erſten 1 Idem Maaßregeln, welche in England zu Gunſten der Wollenmanufacturen er⸗ griffen worden ſind. ldem de An essag on the histong of eiril soosety; bar Adam Fergus- 3 dieſ son.(London, 1766. Buß.) Basil and Paris, 1789, in— 8. aler Ne (Nachdruck. Buß.). äh Dieſes Bucch gehört eher der Philoſophie der Geſchichte, als der Ge⸗ Hisloim Sein beſtes Hauptſtück, das, in cen ſchichte der politiſchen O konomife an. ne, einen ſer zu er ſich, eit der uf das ims. 1 dier. ichtig⸗ ²llb — 8. rſten er⸗ .— 343— welchem er die Vortheile der Theilung der Arbeit zeichnet, kann für eine Eingebung von Adam Smith gelten. Mèmoire sur les ſinances, contenant un moyen certain pour rembourser la masse de la dette de'Etat et assurer la dimi- nution des impôts. Paris, 1774, in— 8. Observations politigues et morales de Finances et de Com- merce, ou examen approfondi d'un ouvrage de M. R. de Genève, sur l'emprunt et l'impôt. Lausanne, 1780, in— 8. Lettres sur PEmprunt et OImpt; par Rilliet de Saussure, 1779, in— 8. Dieſe drei Schriften verdienen nachgeleſen zu werden in Bezug auf gegenwärtig gelbste Fragen, als Muſter der Träume unſerer Väter. Defense of usurg, London, 1787. Franzöſiſch: Defense de HUsure, ou Lettres sur les inconvéniens des lois qui fixent le taux de Pintérèt de l'argent; par Jérémie Bentham. Paris, 1828, in— 8. Dieſes iſt das Hauptwerk Bentham's; nirgends wurde mehr Geiſt dem Verſtande zur Verfügung geſtellt. Was uns wundert, iſt, daß un⸗ ſere widerſinnigen Geſetze über den Wucher dieſen Schlag noch überlebt haben. Turgot ſelbſt hatte den Streich nicht ſo kräftig geführt. De VPemploi de Pargent, ouvrage dédié au pape Benoit XIV. par le marquisde Maffei. Avignon, 1788. Der Marquis von Maffei ſuchte in dieſem Buche, in welchem er eine umfaſſende theologiſche Gelehrſamkeit entwickelt, zu beweiſen, daß das Zinsdarleihen eigentlich nie von der Kirche verboten war. Die Gründe, welche er für dieſe Anſicht anführt, werden vielleicht Jene über⸗ zeugen, welche der Logik Turgot's und Bentham's widerſtanden baben. Salmasii de usuris liber, Lugduni Batavorum, 1638, in— 8. Idem de modo usurarum, Lugduni Bat., 1639, in— 8. Idem de fonore Trapezitico; 1640. Dieſe drei Werke von Saumaiſe haben zu ihrer Zeit den Zorn aller Rechtsgelehrten erregt. Der gelehrte Verfaſſer vertheidigt darin mit vieler Kraft die Rechtmäßigkeit des Zinsdarleihens. Histoire genéraule des Finances ds France depuis le commen- cement de la monarchie; pour servir diutroduction à la lob anmuelle du budget de l'empire frangais; par M. Arnould. Paris, 1806, in— 4.. Ein mittelmäßiges Werk; in den Belegen ſind einige anziehende Zah⸗ lenangaben zu vergleichen. De la Balance du commerce et des relations commerciales exté- rieures de la France, dans foutes les parties du globe, parti- culièérement à la üin du régne de Louis XIV., et au moment de la révolution; le tont appuyé de notes et tables raisonnées, authentiques, sur le commerce et la navigation, la population, le produit territorial et de T'industrie, le prix du blé, le numé- raire, le revenu, la dépense et la dette publique de la France à ces deux époques, avee la valeur de ses importations et ex- portations progressives depuis 1746 jusqu'en 1788 inclusive- ment; 2 vol., in— 8., avec un vol, in— 4. de tableaux, par Arnould. Paris, 1792. Die in dieſem Werke angefuhrten Thatſachen ſind zu vergleichen, die Lehren außer Acht zu laſſen. 3 Système maritime et poliligue des Euaropéens dans te I Siome sicle, fondé sur leurs traités de paix, de commerce et de na- vigation; Paris, 1797, 1 vol., in— 8. Ein unter der Befangenheit der Handelsbilanz geſchriebenes Werk. 3 nérales suivant lesquelles les peuples prospèérent, dépérissent ou restent sta- tionnaires, par Charles Comte. Paris, 1827, 4 vol., in-8. Trailò de législalion, ou Exbosition des lois gé Dieſes Werk iſt eine wahre Darſtellung der ſocialen Oekonomie, deſ⸗ „ſen 4ter Band ganz der Frage über die Sklaverei gewidmet, mit Recht für den wichtigſten des Werkes gilt. Nirgend wurde dieſe Frage mit ei⸗ ner größern Unabhängigkeit des Urtheils und mit einer reichern Ver⸗ ſchwendung thatſächlicher Angaben ergründet. 3 Trailé de la Proprielé; par M. Ch arles Comte. Paris, 1834, 2 vol in— 8. Der Verfaſſer erklärt in ſeiner Vorrede, daß dieſes Werk nur die Fortſetzung des vorigen ſei; er unterſucht hier die Verhältniſſe, welche von Natur zwiſchen den Menſchen und den Dingen entſtehen, vermittelſt de⸗ ren ſie beſtehen können. Dieſer Plan geſtattet ihm, die Dinge zu unter⸗ Be ee ſuchen, u ſic an d Das geſchriebe ziehend. Traitẽ Pari Na ſchen ul lichen ten Auf Kumyfs ſchäöne gen darau ben, mite ſocigtionsen worden iſt. Le noure 6646 Dassic Hier es durch genannt Anziehun ſehen: a man wi Tauſch, Erzeugni Ein Staatsſch gen; wenn auf vierun Milliarden Analyse politi Dieſer anderes T Titel erſt Pluloson —— ———j— — 343— duld. ſuchen, und oft eine Menge von wirthſchaftlichen Fragen zu löſen, welche 3 ſich an das Eigenthum knüpfen. e Zaß⸗ Das Buch iſt mit Klarheit, ohne irgend eine Anmaßung des Styls⸗ geſchrieben; ſeine Leſung iſt trotz der Trockenheit des Gegenſtandes an⸗ . ziehend. exté- Traits de P'Association domesltigue agricole, par Ch. Fourier. wri paris, 1822, 2 vol., in— 8. onen— Nach dem Verfaſſer liegt das Uebel nicht in der Natur des Men⸗ unees, ſchen und in ſeinen angebornen Trieben, ſondern nur in den geſellſchaft⸗ lation, lichen Lagen, welche, ſtatt ſeinen Neigungen einen glücklichen und gerech⸗ mé- ten Aufſchwung zu kaſſen, ibnen gar zu oft nur Wege des Betrugs, des zuce Kampfs und der Widerrechtlichkeit öffnen. Das iſt nun eine große und ſchoͤne Idee; allein das Buch, in welchem Hr. Fourier die Folgerun⸗ 4 gen daraus zu ziehen verſucht hat, iſt in einem ſo dunkeln Styl geſchrie⸗ Ve- ben, mit einem ſo bizarren Neologismus und mit ſo unbegreiflichen Aſ⸗ bar ſociationsentwürfen, daß der Verfaſſer lange als ein Träumer betrachtet 8 worden iſt. die Le noureau monde industriel et sociétaire, ou invention du pro- cédé d'industrie attrayante et naturelle distribuée en séries zieme passionnées; par Ch. Fourier. Paris, 1829, 1 vol., in-8. e ua- Hierüber ſpricht ſich der Verfaſſer in der Vorrede ſo aus: Sobald es durch dieſen Verſuch nachgewieſen ſein wird, daß der Mechanismus, tiebenes 4 genannt Phalange der leidenſchaftigen Reihen, die gewerbliche Anziehung ſchaffe, ſo wird man die Nachahmung ſo raſch wie den Blitz ſehen: alle Wilden, alle Neger Afrika's werden die Induſtrie ergreifen; zuifant man wird ſchon zwei oder drei Jahre nachher den Zucker im at sta- Tauſch, Laſt für Laſt, gegen das Getreide und im Verhältniß die anderen ih-9. Erzeugniſſe der heißen Zone erhalten. . Ein anderer Vortheil unter tauſenden wird der ſein, plötzlich die k, de Staatsſchulden in jedem Lande, in Folge des vierfachen Ertrags, zu til⸗ Ae gen; wenn die Fraͤnkreichs, welche man auf ſechs Milliarden anſchlägt, 11 4 auf vierundzwanzig geſtiegen ſein wird, ſo wird der Fiseus leichter zwei S Milliarden von einer, als gegenwärtig eine von ſechs erheben. 33 Analyse raisonnée des principes fondamenlauæ de Economie de polilique. par J. Dutens. 1804, 1 vol., in— 8. „ Dieſer erſte Verſuch von Dutens wurde mit großen Aenderungen in ein r di anderes Werk umgeſchmolzen, welches 30 Jahre ſpäter unter folgendem welche Titel erſchien: telſt de⸗ .. 5.„.:4: 8 unter Philosophie de PEconomie polilägue, ou nouvelle exposition de 346 principes de cette science; par J. Dutens. Paris, 1835, 2 vol., in— 8. Die Grundſätze, welche der Verfaſſer in dieſem Werke aufgeſtellt hat, ſind weſentlich von jenen verſchieden, welche er in ſeiner Jugend verkün⸗ dete. Die Philoſophie der politiſchen Oekonomie iſt nichts An⸗ deres, als eine neue Ausgabe der Lehren Quesnay's, mit Abrechnung deſ⸗ ſen, was ſie Fortſchreitendes in Betreff der Handelsfreiheit und der Be⸗ ſteuerung hatten. Traots, chiefly relaling to Ireland; by Sir W. Petty. Dub⸗ lin, 1749, in— 9. Als ein furchtſamer Vertheidiger der Handelsfreiheit, prüft er haupt⸗ ſächlich den Zuſtand Irlands, und wendet auf dieſen Gegenſtand die erha⸗ benſten Grundſätze der politiſchen Oekonomie an. Ein Werk, reich an gut dargeſtellten Thatſachen. Sereral Essays in polilical Arithmelick; by William Petty. London, 1755, in— 8. Ddieſes Buch iſt eine Art kritiſcher Statiſtik Englands, wie das vo⸗ rige eine folche Irlands iſt. 3 Der Verfaſſer entwickelt hier im Vorübergehen ſehr gut die wahren Urſachen des Wohlſtandes der Holländer. De la Richesse commerciale, ou principes d'Econmie politi- que appliqués à la législation du commerce; par J. C. L. Simonde. Genève, 1803, 2 vol., in— 8. Das iſt das erſte Werk des Hrn. von Sismondi. Er war damals Anhänger Adam Smith's. Seine Ideen haben ſich ſeither geändert, und er hat das wichtigſte ſeiner Werke herausgegeben unter dem Titel: Noureaua principes d' Eoonomie poliligue, ou de la richesse dans ses rapports avece la population; par J. C. L. Si- monde de Sismondi. Paris, 1827, 2 vol., in— 8. Das beredteſte Manifeſt der radicalen Schule. Das Erſcheinen dieſes Buches hat in der wiſſenſchaftlichen Welt gro⸗ ßes Aufſehen erregt. Der Verfaſſer bekämpft darin das Syſtem der Ban⸗ ken, die Anwendung der Maſchinen, das engliſche Manufacturweſen; er verficht hier mit Wärme die Sache der arbeitenden Klaſſen; allein er ſchlägt kein Mittel der Abhilfe für ihre Leiden vor.„Ich bekenne es, ſagt er am Schluſſe, nachdem ich angeͤzeigt habe, wo in meinen Augen die Ge⸗ rechtigkeit iſt, traue ich mir nicht die Kraft zu, die Mittel des Vollzugs anzugeben.“ Niemand vermochte es mehr, als e allein man wird es nicht ſezald wagen. 3 Tyaué d niere d richess laguell damen matier Dieſ wirthſcha Auflagen ſehen hat (burs d¹ tiste: Gegen gen, welche gehalten hat aus. Die in dentenden. zahlreichen Caléchisr monire hudes les ſa 4 quil positi in— Es i logen. Es e ben Vollot belle, in ei maniére de laum den Eine die Stück, ſen Schw ſammthei Heupres Die 1835 tellt hat, verkün⸗ ichts An⸗ aung deſ⸗ der Ve⸗ 7, Dub⸗ r haupt⸗ ie erha⸗ etty. 1s vo⸗ wahren poliü- 4. C. L. ar damals dert, und kel: richesst L. 8 i- helt gro⸗ er Ban⸗ eſen; er allein er des, ſagt n die Ge⸗ Vollzugs 1 wud es 347 Traiuté dEeonomie politique, ou simple expesition de la ma- nière dont se forment, se distribuent et se consomment les richesses; cinquième édition, augmentée d'un volume et à laquelle se trouvent joints un Epitome des principes fon- damentaux de l'Economie politique et un Index raisonné des matières; par J. B. Say. Paris, 1826, 3 vol., in— 8. Dieſes Werk iſt der Haupttitel des Ruhms unſeres berühmteſten Volks⸗ wirthſchaftsgelehrten. Es erlebte noch bei Lebzeiten des Verfaſſers fünf Auflagen nach einander, welche er alle mit unendlicher Sorgfalt durchge⸗ ſehen hat. Es wurde in faſt alle Sprachen Europa's überſetzt. Cours complel d'Economie politigue pratigue; par Jean Bap- tiste Say. Paris, 1828, 6 vol., in— 8 Gegen das Ende ſeiner Laufbahn ſammelte J. B. Say die Vorleſun⸗ gen, welche er am Conservatoire des arts et métiers über ein Jahrzehnt gehalten hat; er gab ſie in 6 Bänden unter dem vorerwähnten Titel her⸗ aus. Die in ſeinem Trailé verbreiteten Ideen finden ſich in gewiſſen be⸗ deutenden Punkten geändert; allein das Werk iſt beſonders durch ſeine zahlreichen praktiſchen Anwendungen merkwürdig. Catéchisme d' Economie politique, ou instruetion familière qui montre de quelle façon les richesses sont produites, distri- busèes et consommées dans la société; ouvrage fondé sur les faits, et utile aux différentes classes dhommes, en ce qu'il indique les avantages que chacun peut retirer de sa position et de ses talenis. Par J. B. Say. Paris, 1815, in— 8.. Es iſt dieſes der Inbegriff der Grundſätze J. B. Say's in Dia⸗ logen. Es erübrigen uns außer dieſen Werken noch mehre Schriften deſſel⸗ ben Volkswirthſchaftsgelehrten. Das ſeltenſte von allen iſt eine Art No⸗ velle, in einer allegoriſchen Form, mit dem Titel: Olbie ou essai sur la manière de réformer les moeurs d'une nation, eine leichte Arbeit, welche kaum den großen Wirthſchaftsforſcher ahnen laſſen konnte. Eine Sammlung von Ausſprüchen und abgeriſſenen Gedanken, und die Stücke, zerſtreut in der Sammlung ſeiner nachgelaſſenen Werke, welche ſein Schwiegerſohn, Hr. Ch. Comte, herausgegeben hat, ergänzen die Ge⸗ ſammtheit ſeiner Werke.* Oeurres de Turgot Paris, 1811. 9 vol., in— 8 Die vollſtändige Sammlung der Warke Turgot's wurde von Du⸗ —— — .— 348— pont ve Nemours herausgegeben. Sie beſteht hauptſächlich aus fol⸗ genden Schriften: Lettre sur le Papier monnaie adressée à M. l'Abbé de Cicé. Turgot war erſt 22 Jahr alt, als er dieſen Brief ſchriebt. L.Article: Foires et Marchés de PEncyclopédie. Memoire sur la théorie des Valeurs. Eioge de M. de Gournay, Tun do fondateurs de l'Ecole des Economistes. Trarauæ divers de Turgot dans la Généralité de Limoges. Es iſt nicht eines dieſer Bruchſtücke, welches nicht Studium und Be⸗ wunderung verdiente. Rôflegions sur la formation et la aistribulion des Ri- chesses. G Dieſes iſt die merkwürdigſte der volkswirthſchaftlichen Schriften Tur⸗ got's, jene, welche am meiſten verdient hat, die Kette zwiſchen den Lehren Quesnay's und denen Smith's zu bilden. Lettre à M. de Trudaine sur les encouragemens d donner- auæ Manufactures. Méëmoire sur les prõts d'argent. Unwiderlegliche Beweisgründe gegen die Wuchergeſetze. Dieſe Denk⸗ ſchrift und die Bentham's haben die Frage erſchöpft. Des Fonctions des Bureauxg de Charite. Leltres sur la liberlé du commerce des grains, en opposition aux partisans des mesures restrictives. Edit portant suppression des Jurandes et des mailrises. Comparaison de l'impôot sur le rerens des propricslaires et de Pimpöt sur les consommalions. Turgot war ein durchaus praktiſcher Mann, und er hatte das ſeltene Glück, zu Limoges als Intendant und zu Paris als Miniſter Stellen zu bekleiden, welche die unmittelbare Anwendung ſeiner Lehren geſtattet haben. Seine verſchiedenen Denkſchriften ſollten ſtets in den Häuden der Staatsmänner ſein. Eiramen des arantages et des désavuntages de la prohibilion des loiles peintes. Marseille, 1755, in— 12. Riſleæio- bre ſe Bruxe Rêfleæic tes. Lettre pein Réyon. les en F Hefleuin lier su Obserral- elc., 8 eommel Praſet de non. 1 As zuführen, von den verder Einen, Weißzi lenzeuge dig cone Es brauſen dieſen G nigen Rr Vie litt 1801 Die wachen wir h geklär ſtändi aus fol⸗ le Cicé. * cole des noges. und Be⸗ Ri- n Tur⸗ Lehten onner- eſe Denk⸗ position 98. eg el de ſeltene ellen zu geſtattet den der ohibilion — 349— Rofteæions sur les arautages et les désavanlages de la li- bre fabricalion et de l'usage des loiles peintes en Franes. Bruxelles, 1758, in— 12. Roftewions sur les différens écrits sur l'usage des toiles pein- tes. Paris, 1758, in— 12. Lettre aux auteurs du Journal Encyclopédique sur les toiles peintes. 1795, in— 12.. Réponse à l'ouvrage intitulé: Réflexions sur les avantages et les désavantages de la libre fabrication des toiles peintes en France. Genòve, 1759, in— 12. Réfleæ'ions sur différens objets de commerce et en particu- lier sur les toiles peintes. Genève, 1750, in— 12. Obserrations sommaires et derniéres des marchands de Lyon, eto., sur l'ouvrage intitulé: Réflegions sur divers objets de commerce, et notamment sur les toiles peintes, in— 12. Projet de quatre arrèts du Conseil sur les toiles peintes. Avig- non. 1759. Als die Rede davon war, die Fabrikation der Zitſe in Frankreich ein⸗ zuführen, erhob ſich ein allgemeines Geſchrei gegen dieſe Erſindung, welche von den Händlern mit weißer Leinwand und mit farbigen Geweben als verderblich und unglückbringend ausgegeben wurde, von den Einen, weil ſie fürchteten, daß die neuen Zeuge dem Verbrauch des Weißzeugs ſchadeten, von den andern, weil ſie die Seiden⸗ und Wol⸗ lenzeuge ſehr theuer fort verkaufen wollten, mit welchen die Zitſe nothwen⸗ dig concurriren mußten. Es gibt vielleicht nichts Auffallenderes in der Welt, als dieſes Auf⸗ brauſen des Grimms, welches ſich in Tauſenden von Flugſchriften gegen dieſen Gewerbszweig Luft machte, die erſte Quelle des Wohlſtands derje⸗ nigen Provinzen, in welchen er am meiſten angegriffen wurde. Vie littéraire de Forbonnais; par T. De l'Isle de Sales 1801, an 9, 1 Vol., in— 8., Die Kenntniß dieſer Lebensbeſchreibung iſt für das Studium der zahl⸗ reichen wirthſchaftlichen Werke von Forbonnais unerläßlich, von welchen wir hier aus Rückſicht für die Dienſte, welche dieſer emſige und auf⸗ geklärte Volkswirthſchaftsforſcher der Wiſſenſchaft geleiſtet hat, ein voll⸗ ſtändiges Verzeichniß geben. De la ndéoessité, pour assurer la rentrèée des vnateso,s. 61'ς Na, surer le paiement de la detle publicsue. f55 — De deuæ droits uniques, l'un un dixme de nature, et l'autre Ossert, une taxe, par arpent, pour les habitations. mone De P'abolition de la laille dans les Campagnes.. b Tratta De la dissolution de la Compagnie des Indes. heſlee Edit sur les Coélibalaires. 4 of Mèmoire sur la Serviludle.. De la cession de l'Inde d la couronne d'Anglelerre. Ahs Obserrations sur Uslaris et nolre commerce arec PEspagne. 4 pl 4 Essai sur le trailé de commerce entre la France et la Hol- 4h- lande. The use Du Commerce de la France dans les Colomies. An essa Projet d'édit pour la Réforme des Finances.. in— Introduetion sur les Finances avec des lables caleulées. 4 Leltre's. Recherches et considérations sur les Finances de France, Rechere 2 vol., in— 4., 1758. grain Trois Mêmoires sur'Elat des finances en 1739, en 1765 in— et en 1776.. Traile De imposilions sur le luxye. 4 2 Vues générales sur lo systéme de Lavp. 3 Table Parallèle du systéème de Law avee celui d'Angleterre sur la. bar Compagnie de la mer du Sud. Dielio Mémoires sur ce que la France peut produire de rerenus. sin Essai sur celte queslion: La France doit-elle étre une puis- Essai sance commerciale? del Sur la liberté du commerce des grains avee l'eétranger. Des no Mémoire sur la mendicilé. Erir Travail sur les hypothèques. M Traileé Leitre eoncernant les monnaies d'Allemagne, par M. Grau-*- mann. Berlin, 1752, in— 12. Traite Osservazioni prevenlive al piano inlorno alle monete di Millano Cons Milano, 1766, in— 4. rI d'as- Pautre nayne, Hol- sur la mlls. puis- raAu⸗ lillano Nuoro lraltato del modo di regolar la moneta. Venezia, 1752, in— 4. Osserrazioni sopra il libro dell' origine e commercio della moneta. Roma, 1752, in— 4. Trattato de' tributi, delle monete, eto. Napoli, 1743, in— 8. Reflections on coin in general: on the coins of gold and silver of Great-Britain in particular, etc. London, 1762, in— 4. A discourse on mones. London, 1696, in— 8. 4A polilical and hislorioal essag on money. London, 1696, in— 8. The use and abuse of monegy. London, 1671. An essag upon money and coins, liwo parts. London, 1757, in— 8. Lettre sur la monnaie fielire, par Belloni. 1765, in— 8. Recherches sur la valeur des monnales et sur le prie des grains, arant et après le conoile de Franefort. Paris, 1762, in— 8. Traité des monnaies, par M. de Bettange. Avignon, 1760, 2 vol, in— 8 Table des monnaies courantes, par Abot de Basinghen. Paris, 1767, in— 12. Dictionnaire de la cour des Monnaies, par M. Abot de Ba- singhen. Paris, 1764, 2 vol., in— 4. Essai sur les qualilés des monnaies dlrangères, par M. Macé de Richebourg. Paris, 1764, in— folio. Des monnaies, augment et diminulion d'icelles, par François Grimaudet. Paris, 1586, in— 8. Traité des monnaies, par Henri Poulain. Paris, 1707, in— 12. Traité des monnaies, par Boizard. Paris, 1692, in— 12. Considérations sur les monnaies, par Mongez, membre de vInstitut national, suivies d'une notice sur les mon- ef.fH⁵² — 352— naies frangçaises. par Dibarrart. Paris, l'an IV. de la république française, 1 vol., in— 8. Die erſte dieſer Denkſchriften, vorgeleſen im Inſtitut, enthält einige anziehende Angaben über den Urſprung der Münzen und über ihre Präge⸗ koſten. Die zweite, die von Dibarrart, iſt eine geſchichtliche Ueberſicht der Münzveränderungen in Frankreich, von 1726 bis 1796. Observations sur la Déclaralion du 30. Oetobre 1785, et l'aug- mentation progressive du prix de matières d'or et d'argent, 4 depuis le 1er janvier 1726, par M. Burtrel de Pasquier. De la constitution monétaire, précédé d'observations sur le rap- port du comité des monnaies et suivi des lois monétaires, présenté à L'Assemblée nationale, par Mirabeau ainé, 1790, in— 8.. * Eine durch ihre Klarheit merkwürdige Darſtellung; ſie hat viel zu der Reform unſeres Münzſyſtems ſeit der Revolution beigetragen. Essai sur les monnaies anciennes ed modernes, par M. Rachon, 1792, 1 vol., in— 8., avec planches. Ein Werk, anziehender in Beziehung auf die Technologie, als auf die politiſche Oekonomie; gleichwohl ſehr würdig, verglichen zu werden. Essai sur les monnaies, ou réflexions sur le rapport entre Par- gent et les denrées, par Dupré de Saint-Maur. Paris, 1746, in— 4. Dieſes Buch wurde zu ſeiner Zeit viel zu ſehr gerühmt; man findet darin gleichwohl anziehende Angaben über die Münzen des Mittelalters und eine Ueberſicht der Aenderungen, welche im Preis der Dinge von 1202 bis 1742 Statt gefunden haben. Le vesprit du gouvernement économigue, par M. Boesnier de P'Orme. Paris, 1775, in— 8. Der Verfaſſer iſt ein Jünger der Schule der Oekonomiſten des 18. Jahrhunderts, aber klarer und kürzer, als ſeine Mitſchüler. Er machte minderes Aufſehen, als die anderen, und verdient vielleicht mehr, geleſen zu werden. Wir glauben zu der Aufzählung der Werke, welche wir ſchon ange⸗ führt haben, und welche die merkwürdigſten der ökonomiſtiſchen Schule ſind, bloß noch das einfache Verzeichniß der folgenden Schriften beifügen zu müſſen, welche auch dieſer Schule angehören. Dictionnaire 6conomique. Paris, 1767 et suiv., 3 vol., in fol. Fssai Sul la popi Principes vol., ir Elemens Aris au nomiq ris. 1 Alei Derd gahe der iñ gehen. Wit nit wenigen Storia dels tieo deg zione. l. ris, 182 Bearbei Hrn. 2 Eini tes Werk. iſt, und d Kein lien beſſer Discorse tonie Man miſten d ſein Buch nay's, erſe ten, deren? Esame e poletan Erh die vobi de la einige täge⸗ t der ang- gent, nier. rap- jres, in6, der die Lar- daris, darin 3 und 02 bis r de des ichte eſen nge⸗ hen diften — 353— Essai sur Vesprit de la législalion favorable à U'agriculture, à la populalion, au commerce. Paris, 1766, 2 vol., in— 8. Principes et observalions économiques. Amsterdam, 1776, 2 vol., in— 12. Elémens de la philosophie rurale. La Haye, 1767, in— 8. Aris au peuple sur son premier besoin, ou Petits traités éco- nomiques, par l'auteur des„Ephémérides du citoyen.“ Pa- ris, 1768, 3 parties, in— 12.. Alle dieſe Schriften ſind von dem Abbé Baudeau. Der Baron P. Cuſtodi hat 1804 in Mailand eine prächtige Aus⸗ gabe der italiäniſchen Volkswirthſchaftsgelehrten in 48 Bänden herausge⸗ geben. Wir glauben die berühmteſten derſelben nennen, und ihre Werke mit wenigen Worten würdigen zu müſſen. Storia della Economia puböblica in Ilalia, ossia epilogo eri- tico degli Economisti italiani, di G. Pecchio. II. edi- zione. Lugano, 1832, in-8.(Franz. von L. Gallois. Pa- ris, 1830, in— 8. Teutſch von Buß, in gegenwärtiger Bearbeitung der Geſchichte der politiſchen Oekonomie von Hrn. Blanqui, II. Band, I. Anhang.) Ein in einem trefflichen Geiſt der Kritik und Unparteilichkeit verfaß⸗ tes Werk. Seine Kürze ſchadet nicht ſeinem Verdienſt, welches ſehr groß iſt, und doch nicht die wiſſenswertheſten Einzelnheiten ausſchloß. Kein Buch macht mit dem Zuſtand der politiſchen Oekonomie in Ita⸗ lien beſſer bekannt. Discorso economioo, secritto dall' arcidiacono Salustio An- tonio Bandini, patrizio Sienese, 1737. Man hat behauptet, daß Bandini der Schöpfer der den Oekono⸗ miſten des 18. Jahrhunderts zugeſchriebenen Lehren geweſen ſei; allein ſein Buch iſt erſt im J. 1775, d. h. lange nach den Werken der Schule Ques⸗ nay's, erſchienen. Es enthielt übrigens der Verbeſſerung günſtige Anſich⸗ ten, deren Ausführung ſeinem Vaterlande Toscana ſehr nützlich geworden iſt Esame economico del sistema civile, di F. Briganti. Na- poletano, 2 vol., in— 8. Er hat zwei Bände der Widerlegung der Paradoxien Rouſſeau's über die politiſche Oekonomie gewidmet. Man liest gegenwärtig nicht leicht den einen oder andern in Allem, was die Wirthſchaftswiſſenſchaft betrifft. Blanqui, Geſchichte d. polit. Oekonomie. MI. Bd. 23 qqpqpꝑ ··˖·— ——— — 3⁵4 Della Moneta, di F. Galiani. Napoletano. Dialogues sur le commerce des ôlés, par le méme. Der Abbate Galiani iſt einer der bekannteſten Volkswirthſchaftsge⸗ lehrten Italiens, und gleichwohl ſind ſeine beiden Werke weit entfernt, den Ruf zu rechtfertigen, den er genoſſen hat. Die Zwiegeſpräche über den Getreidehandel ſind nur eine Schutzrede gegen die freie Ausfuhr, und ſein Verſuch über das Geld wurde in Eng⸗ land und Italien von den meiſten Schriftſtellern übertroffen, welche über denſelben Gegenſtand geſchrieben haben. Er ſchrieb an Hrn. Suard 1770 aus Anlaß ſeiner Zwiegeſpräche Folgendes:„Leſen Sie, die Sie von der Secte Diderot's und von der meinigen ſind, nicht das Weiße der Werke? Wohlan, Jene, welche nur das Schwarze der Schrift leſen, mö⸗ gen nichts Entſcheidendes in meinem Buche gefunden haben; allein le⸗ ſen Sie das Weiße, leſen Sie das, was ich nicht geſchrieben habe, und was doch darin ſteht, und dann werden Sie darin folgende Lehre finden: Bei jeder Regierung nimmt die Geſetzgebung über das Ge⸗ treideweſen den Ton des Geiſtes der Regierung an; unter einem Despo⸗ ten iſt die freie Ausfuhr unmöglich, der Tyrann hat zu viele Furcht vor den Verzweiflungsrufen ſeiner verhungerten Sklaven.“ Und gleichwohl hat Galiani die freie Ausfuhr bekämpft; allein er war Geſandtſchaftsſekretär. Er ſchrieb das Schwarze, man muß aber das Weiße leſen. Dissertaszione sopra il commercio di G. Belloni Romano, eon alcune note, dell' edizione di Bologna e d'una l'ettera dell' autore„Sulla moneta immaginaria.“ Der Papſt Benedict XIV. machte den Verfaſſer für dieſe Abhandlung von hundert Seiten, welche in mehre Sprachen überſetzt wurde, dabei aber ziemlich mittelmäßig iſt, zum Marcheſe. Er hat mit Kraft die Nützlich⸗ keit der Ausfuhrverbote des Geldes vertheidigt. Estratto de pensieri sopra l'agricollura, di F. Paoletti. Tos- cano, in— 8. F peri meszi di vender felici le socield, in— 8. Er war ein Dorfpfarrer, Anhänger der franzöſiſchen Oekonomi⸗ ſten, welcher Reformen in einem großen Maaßſtabe anrieth, und ſie in einem kleinen verſuchte. Saggio soprq il giusto pregio delle oose, la giusta palula della moneta e. sopra il commercio dei Romani, di G. F. Pagnini. Toscano. 1 Ein Werkchen von hundert Seiten, voll verſtändiger Anſichten. —— Sauhiy 30 alcuni Algart Verſuche b die Elegan ihnen eige Handels! zug geber Sein Franzoſen Essai Ssu grand Unter wirthſchaftlie Form iſt nen Rforma a Ricei. Dieſes phiſche Wei et zeigt ſeh Uebelſtänd überein, u Memorie proble argon Eri Della 2 in— Eines genſtand. Delle uni Vasecc Meémoire de la La feli prie. ſchaftsge⸗ fernt, den Schutzrede e in Eng⸗ velche über zuard 1770 ie von der Weiße der ſeſen, mö⸗ nlein le⸗ en habe, folgende das Ge⸗ Despo⸗ viele gerten kämpft; nan muß Romano, lettera handlung aabei aber Nütli ¹ Tos- — 355— Saggio sopra il commercio di F. Algarotti, Veneziano, con alcuni frammenti economici dello stesso autore. Algarotti iſt in der Literatur ein großer Herr, welcher ſich auf bloße Verſuche beſchränkt hat, die aber alle durch die Richtigkeit der Ideen, durch die Eleganz des Styls und einen gewiſſen Charakter von Evidenz, der ihnen eigen iſt, beachtenswerth ſind. Im Intereſſe der Induſtrie und des Handels der Europäer glaubte er Afrika vor Aſien und Amerika den Vor⸗ zug geben zu müſſen. Seine Denkſchrift über dieſen Gegenſtand möchte gegenwärtig, wo die Franzoſen Herren von Nordafrika ſind, des Studiums ſehr würdig ſein. Essai sur les Valeurs, par M. Solera. Piemontais, 1798, grand in— 8., p. 116. Unter dieſem Titel hat der Verfaſſer Betrachtungen von einem großen wirthſchaftlichen Intereſſe für ſein Vaterland Piemont herausgegeben. Ihre Form iſt neu und anziehend. Raforma degl' istituli pii della ciltd di Modena, di L. Ricci. Modenese, in— 8. Dieſes iſt der erſte Schriftſteller Italiens, welcher auf eine philoſo⸗ phiſche Weiſe die Frage von den Wohlthätigkeitsanſtalten behandelt hat; er zeigt ſehr gut die Mißbräuche der öffentlichen Mildthätigkeit und die Uebelſtände der Findelhäuſer. Seine Lehre ſtimmt mit der von Malthus überein, welche erſt 1798 im Druck erſchien. Memoria sulla libertd del commercio diretta a risolvere il problema proposto dall' accademia di Padova sullo stesso argomento, di M. Delfico. Napoletano, in— 8. Er iſt der entſchiedenſte Anhänger der Handelsfreiheit. Della monela, saggio politico di G. B. Vasoo. Piemonese, in— 8. Eines der originalſten Bücher über einen gegenwärtig erſchöpften Ge⸗ genſtand. Delle universitd delle arti e mestieri, dissertazione di G. B. Vasco; in— 8. Mémoire sur les causes de la mendicité et sur les moyens de la supprimer; par J. B. Vasceo. 8 La felicità pubblica, considerata nei coltivatori die terre pro- prie, di G. B. Vasco; in— 8. 23. — 356 1 usura libera; in— 8. Risposla al quesito: Quali siano i mezzi di prorredere dl so- stentamento degli operai soliti impiegar si nel lorcimenlo delte sete nei filatoj, qualora quesla olasse d'uomini cosi utale nel Piemonte viene ridotta agli estremi dell indigenza 3 per mancanza di laroro cagionata da scarsessd di sela: in— 8. 4 Annunzi ed estratti sopra dirersi oggelli di economia po- litiea. 3 Nuore tavpole dei vpilalis). Dieſer Schriftſteller iſt überall klar, leicht verſtändlich und methodiſch. Obwohl ſeine Schriften im Allgemeinen nur eine örtliche Bedeutung ha⸗ ben, ſo iſt es doch nützlich, ſie nachzuleſen. Annona, ossia piano economico di pubblica sussistenxa di D. G. Cuntalupo. Napoletano, in— 8. Eine der Freiheit des Getreidehandels günſtige Schrift. Riflessioni sulla pubblica feliciid relativamente al regno di Napoli; di G. Palmieri. Napoletano, in— 8. Osservazioni sulle lariſſe, con applicazione al regno di Na- poli, in— S. Della ricchesza nazionale, in— 8. Palmieri hat weder die Kühnheit Filangieri's, noch die freiſinnigen Anſichten des Profeſſors Genoveſi; als Miniſter einer abſoluten Monar⸗ chie, wollte er nur mit großen Schonungen zur Abſchaffung der Miß⸗ bräuche ſchreiten. Man darf nicht vergeſſen, daß er während der franzö⸗ ſiſchen Revolution ſchrieb, und daß dieſer Umſtand ihm viele Zurückhal⸗ tung auferlegen mußte. Delle leggi poliliche el economiche, di G. Filangieri. Na- poletano, in— 8. Ein großer Anhänger der Handelsfreiheit und ein Feind der ſtehen⸗ den Heere. Obwohl dieſes Werk nicht ſein Meiſterwerk iſt, ſo erkennt man doch 4 darin den überlegenen Mann, den beſtimmten poſitiven Geiſt des großen italiäniſchen Reformers. Lezioni di economia civile, di A. Genovesi. Napolitano. Oyuscoli Genover virthſchaftsf derblichen L eden ſo ſehr Vaterlande Sein Verächter gereizt hat Osserras lano, Brere Ha Hel libero Das erf in gerechtfer ſiſchen Oeko Flemenlie Dieſes iſche Oeior Et hat me Recheilt, n vorbringe rich, ſo Der 1793 an Medila: con: Das tiſchen O Hier Sullé leg Rifess caziot Consule D. Estro sts » 10 30- cimento ini cosi digensa di sefa: mia po- kthodiſch. ung ha⸗ aga di gno di di Na- eiſinnigen Monar⸗ der Miß⸗ franzö⸗ urückhal⸗ Na- ſtehen⸗ an doch großen itano. 357— Opuscoli di economia polilica. Genoveſi iſt das Haupt der großen Familie der italiäniſchen Volks⸗ wirthſchaftsforſcher. Obwohl er mit aller Kraft ſeines Talents die ver⸗ derblichen Lehren des Mercantilſyſtems vertheidigt hat, ſo muß man doch eben ſo ſehr anerkennen, daß er, der erſte, dahin gewirkt hat, in ſeinem Vaterlande die ökonomiſchen Studien zu verbreiten. Sein Lob der Ergebniſſe der Arbeit iſt eine feierliche Antwort an die Verächter der Wiſſenſchaft, welche ſeine Vorliebe für England vielleicht gereizt hatte. Osserrasioni prerentire al piano intorno alle monele di Mi- lano, di G. R. Carli; pubblicate nel 1766. Brere Ragionamenlo sopra i Bilanci economici delle nasioni. Del libero commereio de' grani. Das erſte dieſer Werke hat den Ruf Carli's begründet und das zweite ihn gerechtfertigt. Das dritte iſt eine Widerlegung der Lehre der franzö⸗ ſiſchen Oekonomiſten über die Kornfrage. Elementi di economia eivile di C. Beccaria. Milanese. Dieſes iſt die Sammlung der öffentlichen Vorleſungen über die poli⸗ tiſche Oekonomie, welche der berühmte italiäniſche Publiciſt gehalten hat. Er hat mehre Irrthümer der Schule der franzöſiſchen Oekonomiſten getheilt, namentlich in Betreff der Gewerkenden, welche er als eine nicht her⸗ vorbringende Klaſſe betrachtete; allein ſein Styl iſt ſo glänzend, ſo male⸗ riſch, ſo nervig, daß man ihm faſt ſeine Irrthümer verzeiht. Der gefeierte Verfaſſer des Werkes dei delitti e delle pene ſtarb 1793 an einem Schlaganfall. Meditazioni sull Eeonomin polilica di P. Verri. Milanese, con annotazione di G. R. Carli. Das iſt das Hauptwerk Verri's, eines der erſten Gründer der poli⸗ tiſchen Oekonomie in Italien und des Vorläufers Adam Smith's. Hier folgen die Titel der andern Schriften Verri's: Sulle legyi vincolanti prineipalmente uel commeroio de grani, Riflessioni di P. Verri, seritte nel anno 1769, con appli- cazione allo Stato di Milano; in— 8. Consulta sulla riforma delle monete dello slalo di Milano, di P. Verri; 1772, in-S. Eatratto del progetto di una tariffa della mercanszia per 10 stato di Milano; 1774, in— 8. 1 — 358— Memorie storiche sulla economia pubblica dello stato di Mi- lano, di P. Verri. Milanese, in— 8. Varj Opuscoli di Eeonomia pubblica, di P. Verri; in— 8. Memorie di pubblica economia, di S. Scrofani. Memol- res sur'eénomie publique. Pise, 1826, in— 8. Das Buch enthält vier Denkſchriften: 1) Ueber die Freiheit des Handels, oder über den Kornhandel, mit Be⸗ ziehung auf Sieilien. 2) Denkſchrift über denſelben Gegenſtand, enthaltend Angaben von That⸗ ſachen, welche dem Staate Toscana entlehnt ſind. 3) In der dritten Denkſchrift entwickelt er das Syſtem der Abgaben ſo⸗ wohl in Beziehung auf das Alterthum, als die Neuzeit. 4) Die letzte Denkſchrift enthält Betrachtungen über die Manufaeturen Italiens. Riflessioni sulle monefe, di G. B. Corniani. Bresciano, in— 8. Della legislazione relatiramente all' agricoltura. Seine erſte Schrift iſt ohne Bedeutung; die zweite gehört der fran⸗ zöſiſchen ökonomiſtiſchen Schule des 18. Jahrhunderts an. Lezione sulle monefe, di B. Davanzati. Fiorentino, in— 8. Notizia dè cambr, a M. Giulio del Caccia; in— 8. Davanzati iſt der zweite Italiäner, welcher nach Scaruffi über die Münzen geſchrieben hat; das iſt aber auch ſein einziges Verdienſt. Dieſer Schriftſteller iſt mehr bekannt als gewandter Ueberſetzer, denn als Volkswirthſchaftsforſcher. Discorso sopra le monele e della vera proporsione fra b'oro e Pargento, di G. Scaruffi. Reggiano, 1582, in— 8. Das älteſte Werk, welches in Italien über die politiſche Oekonomie aus Anlaß der Münzunordnungen herausgegeben wurde, welche auf die Eroberung Italiens durch Karl V. folgten. Der Verfaſſer hatte den Gedanken einer allgemeinen Münze für ganz Europa gefaßt'; man verdankt ihm die Erfindung der Garantie, d. h. des Stempels für ſämmtliche Gold⸗ und Silberwaaren. Trattato de' tribuli, di C. Broggia. Napoletano, in— 8. Tratlato delle monete, considerate ne' rapporti di legitima ri- duzione di circolazione e di deposito; 2 vol., in— 8. Hyuscol⸗ Brog heer ſie Der die Staat die Anles Mercant Della: nese Di über die ſchmiedd⸗ Gsserta rentine Eines ben worde s enthäl Dell ece mMano Riflessi nom RaHi0- pord Calco doll Err0- nell al; Hei fiu posi lemy Ei Merdo iſt ſe ſeine wirt di Mi- 1—8. lemoi- * mit Be⸗ von Dat⸗ gaben ſo⸗ facturen ciano, fran⸗ A— 8. über die er, denn 2 Poro 8. momie ff die gang . des 8. na ri- Opuscoli. Broggia's Abhandlung über die Abgaben iſt ein für die Zeit, in wel⸗ cher ſie geſchrieben ward, ſehr merkwürdiges Werk. Der Verfaſſer wurde lange verfolgt, trotz ſeinen Schmeicheleien gegen die Staatsgewalt. Er pries die Angebereien, und rieth ſeiner Regierung die Anlegung eines beträchtlichen Staatsſchatzes; er iſt ein Anhänger des Mercantilſyſtems. Della monela, trattato mercantile, di G. Montanari. Mode- nese, in— 8. Dieſer Schriftſteller gehört der zahlreichen Familie Jener an, welche über die Münzen geſchrieben haben. Sein Buch iſt mehr das eines Gold⸗ ſchmieds, als eines Wirthſchaftsgelehrten. Osserrazioni sopra il prezzo delle monete, di P. Neri. Pio- rentino, 1751, in— 8. Eines der beſten Bücher, welche je über den Gegenſtand herausgege⸗ ben worden ſind. Es ſollte das Handbuch aller Münzdirectoren ſein. Es enthält aber mehr Technologie, als Volkswirthſchaftslehre. Delr economia nazionale libri sei, di G. M. Ortes. Vene- ziano, 3 vol., in— 8. Riflessivni sulla popolazione delle nazioni, per raupporlo all eco- nomia nazionale; in— 8. Ragqionamento sulle scienxe ulili e sulle dilellevoli, per rap- porto alla felicitàã commune; in— 8. Calcolo sopra il ralore delle opinioni e sopra i piaëeri e dolori fella rita umana; in= 8. Eriori popolari intorno all economia nasionale, consider ali nelle presenti controrersie fra i laici ed i; chierici in ordine al possedimenlo de beni; in— 8. Dei fidecommessi a famiglie e a ohiese e a luoghi pii, in pro- posito del lermine di mani morle, introdolto a guesli ullimi tempi nell' economia naxionale, libri due; in— 8. Ein bald zu hoch und bald zu nieder geſtellter Schriftſteller. Das Merkwürdigſte in ſeinen Werken beſteht darin, daß er unſtreitig die erſte Idee des Syſtems von Malthus über die Bevölkerung hatte. Er iſt ſchwerfällig und weitſchweifig. Cuſtodi hat ihm viele Ehre erwieſen, ſeine Werke in 7 Bänden in der Sammlung der italiäniſchen Volks⸗ wirthſchaftsforſcher abdrucken zu laſſen. — 360— Lettere scelle sull Agricollura, sul commercio e sulle arti, di A. Zanon. Udinese, in— 8. Apologia della mercatura, in— 8. Er begann in einem Alter von 60 Jahren zu ſchreiben. Er ſchlug landwirthſchaftliche Schulen vor, und war ein Schutzredner des Han⸗ dels: allein ohne feſtgeſtellte Ideen, ohne Principien. Breve trallato delle cause che possono far abondare 1 regni d'oro e d'argento dove non sono miniere, di A. Serra. Calabrese, 1613, in—8. Er ſchreibt eine faſt ausſchließliche gewerbliche Macht dem Geld zu; allein er erklärt auch ſehr gut, wie Arbeit und Manufacturen das Geld in ein Land ziehen können. Anziehend zum Studium, als Vertreter der wirthſchaftlichen Anſich ten ſeiner Zeit. Dell' armonia polilico- economica tra la città ed il suo terriforio, di G. de' Conti d'Arco. Tirolese(nicht Mantovano, wie Hr. Blanaui ſagt), in— 8. Dell' annona, in— 8. Dell' influenza del commercio sopra i talenti e i costumi, in— 8. Risposta al quesito: Se in uno stato di terreno fertile favorir deb- basi maggiormente'estrazione delle materie prime, ovvero quella delle manifatture, in— S. Del diritto ai transitti, in— 8. Alle Werke dieſes Schriftſtellers ſind von demſelben Geiſt des Pe⸗ dantismus durchdrungen, mit Anführungen, Noten und endeloſen Ab⸗ handlungen überladen. De lbris quibusdam Hispanorum rarioribus. Man findet in dieſem Bücherverzeichniß, welches von dem gelehrten Bibliographen Aſſo verfaßt iſt, die Liſte einer großen Zahl ſpaniſcher Volkswirthſchaftsgelehrten aus dem 18. Jahrhundert, welche ſehr wenig bekannt wurden. Die Inquiſition hatte eine gute Ordnung darein ge⸗ bracht. Ocios de Espannoles emigrados. Londres, 1824, 7 vol., in— 8. Die Spanier, welche ſich nach den Ereigniſſen von 1823 nach Lon⸗ 8 doon geflüchtet hatten, haben unter dieſem Titel eine Sammlung beraus⸗ gegeben, deren 1. Band(p. 13 und 103) eine flüchtige Skizze der poli⸗ tiſhen Tage he nachleſe Discur pedi Cà T ſchaf Respi ore 5 Discur 8 M Discurs Madr Apendic la re cade pas noch d Verfa Mißb⸗ heimge heit he Nanso Mal Ein drungen den. Recre br 4 — — 361— tiſchen Oekonomie in Spanien, von dem Alterthume an bis auf unfere Tage herab, enthält. Die Freunde der Wiſſenſchaft können ſie mit Nutzen nachleſen. Discurso preliminar sobre la marina, navegacion, comercio ex- pediciones de la Republica de Cartago, por Don Rodrigue⸗ Campomanes. Madrid, 1756. Dieſe Rede iſt eine der beſten Schriften, welche wir über die wirth⸗ ſchaftliche Geſchichte Carthago's beſitzen. Respuesta fiscal, sobre abolir la tasa y establecer et comercio de granos, 1764. Der Verfaſſer fordert hier die Freiheit des Kornhandels. Discurso sobre el fomento de la edustria popular. De orden de S. M. y del Consejo. Madrid, 1775, in— 8. Discurso sobre la educacion popular de los artesanos i su fomenlo. Madrid, 1775, in— 8. Apendice dâ la educacion popular: Parte primera, que contiene la reflexiones conducentes à entender el origen de la de- cadencia de los oficios y artes en Espanna, durante el siglo pasado, segun la demonstraron los escritores coéëtanos, que se reimprimen en este Apendice, o cuyos pasages se dan à la letra. Madrid, 1775, 4 vol., in— 8. Dieſe 3 Werke, obwohl bloß von einem Intereſſe für Spanien, ſind den⸗ noch der ganzen Aufmerkſamkeit der Volkswirthſchaftsgelehrten würdig. Der Verfaſſer bekämpft hier die Zölle von Rohſtoffen, die Zünfte und die Mißbräuche jeder Art, mit welchen die ſpaniſche Induſtrie noch jetzt heimgeſucht iſt. Sein Buch möchte noch gegenwärtig den Reiz der Neu⸗ heit haben. Rapsodia economica, por el Marques de Santa Cruz de Marcenado. Ein originelles Buch, noch ſtark von ſpaniſchen Vorurtheilen durch⸗ drungen, deren mehre es aber bekämpfte. Es iſt ziemlich ſelten gewor⸗ den. Recreacion politicu. Reflexiones sobre el Amigo de los hom- bres en su tratado de Poblacion, considerado con respecto à nuestros intereses: obra postuma, presentada por D. Nieo- — 362— las de Arriquibar à la sociedad Bascongada en 1770. publicada en Vittoria 1779, dos tomos en— quarto. Der Verfäſſer bekämpft die von Mirabeau, dem Vater, in ſeinem Werk Ami des hommes zu Gunſten des Syſtems der großen Güter aus⸗ geſprochene Anſicht, welche er dem der kleinern vorzieht. Er hatte früher das Werk des Briten Davenant überſetzt, welchem er eine Vorrede voll verſtändiger Anſichten, mit Anwendung auf Spanien, beifügte. Discurso sobre la economia polilica, por don Anton Munoz. Madrid, 1779, in— 8. Die ſpaniſchen Kritiker nehmen ſämmtlich an, daß Munoz nicht der wahre Name des Verfaſſers iſt; allein ſein Werk enthält nichts deſto we⸗ niger vortreffliche Grundſätze und ſehr geiſtreiche Anſichten. Historia politica de los establecimientos ultramarinos de las na- ciones europeas, por don Eduardo Malo de Luque. Madrid, 1784, 85 y 86, 3 vol., in— 8. Ein Buch, welches tief unter des Abbé Raynal Histoire philoso- phique und unter dem Werke des Lords Brougham über denſelben Ge⸗ genſtand ſteht. Proyecto economico, en que se proponen varias providencias dirigidas à promover los intereses de Espanna; por D. Ber- nardo Ward. Madrid, 1789, in— 8. Der Verfaſſer iſt ein geborner Irländer, der ſich aber in Spanien naturaliſirt hatte; er hatte viel in ſeinem Adoptivvaterlande gereist, und würde ihm Dienſte erwieſen haben, wenn ſeine Plane ausgeführt worden wären. Sein Proyecto economico enthält vortreffliche Ideen über eine Menge gewerblicher Fragen, und wird als eine der merkwürdigſten Schrif⸗ ten betrachtet, welche je in Spanien über die politiſche Oekonomie er⸗ ſchienen ſind. Lecciones de economia civil, e del comercio, eseritas para el uso de los caballeros del Real Seminario de Nobles; por don Ber- nardo Joachim Danvilla. Madrid, 1779. Dieſer Vorleſungen ſind ſieben. Es iſt darunter eine ſehr merkwür⸗ dige über die Bevölkerung, und eine eben ſo originale über die Einthei⸗ lung der Perſonen in Eigenthümer und Nichteigenthümer. Memoria sobre los medios de fomentar solidamenle la agricul- tura en un pais, sin detrimenlo de la cria de ganados, y el Ei Spanie Respue por Ein magazi Memo 363 70. modo de remover los obstaculos que pueden impedirla, por Don José Cieilia. nem Der Verfaſſer ſchlägt in dieſer Denkſchrift, einem von der ökonomiſchen ans⸗ Geſellſchaft zu Madrid 1777 gekrönten Werk, die Reformen vor, welche üher für den ſpaniſchen Landbau unerläßlich ſind. Er gibt hier die Grundla⸗ voll gen eines Ruralcodex, deſſen Spanien zur Stunde entbehrt. Discursos criticos sobre las leyes y sus interpretes: incertidum- 107. bres y detrimentos de los Mayorazgos y otras disposi- ciones analogas en el bien comun: su ofensa à la poblacion, der agricnltura, artes y comercio: necesidad de remedio: tentativa ve⸗ de algunos medios; por don Juan-Francisco de Castro. Madrid, 1770. Ein vortreffliches Buch gegen die Majorate, eines der Drangſale 4 Spaniens. e. Respuesta fiscal sobre acopio de trigo para el consumo de Madrid, por don José Monino; 1769. h. Eine gründliche Arbeit über die Frage, ob die Stadt Madrid ein Korn⸗ magazin haben ſolle. Memorias historicas sobre la marina, comercio y artes de la anti- dias gua ciudad de Barcelona, publicadas por disposicion y à ex- Ber- pensas de la Real Junta, y consulado de comercio de la misma . eiudad; por don Antonio de Capmani. Madrid, 1779, danien 2 vol., in— 4. n Discurso economico politico, en defensa del trabajo mecanico de eine los menestrales, de la influencia de sus gremios en las cost- Schrif⸗ umbres populares. Madrid, 1778, in— 4. ie er⸗ Das erſte dieſer Werke verdient vor Allem Beachtung, wegen der wich⸗ igen Angaben von Thatſachen, die es über die Induſtrie und den Han⸗ del Barcelona's und über die Beziehungen ſeiner alten politiſchen Verfaſ⸗ T60 ſung zu der Geſetzgebung über die Arbeit enthält. Was ihm einen un⸗ er- ſchätzbaren Werth gibt iſt die Sammlung der Urkunden, mit welchen der Verfaſſer es bereichert hat. wüt⸗ Das zweite Werk Capmanis iſt nichts Anderes, als eine Apologie nihei⸗ der Corporationen und Zünfte. Das iſt ein unverzeihlicher Irrthum bei inem Zeitgenoſſen Turgot's. nwul Diseriacion sobre el aprecio que se debe hacer de las artes practicas, y de los que las exercen con honradez, inteligen — 364— cia y aplicacion, por don Antonio Arreta de Monte- seguro. Ein 1781 von der gelehrten Geſellſchaft zu Saragoſſa gekröntes Werk. 1 Eine Schutzrede für die nützlichen Gewerbe. Der Verfaſſer ſucht zu beweiſen, daß die mechaniſchen Arbeiten nicht entehren. Ein trauriges Land, wo man noch nöthig hat, Solches zu beweiſen! Reflexiones economico- politicas sobre las causas de las altera- ciones de precios que ha padecido Aragon,» discursos sobre los medios que pueden facilitar la Restauracion de Aragon, por don Thomas Anzano. Zaragoza, 1768. Die Betrachtungen des Verfaſſers über den Wechſel der Preiſe, der in Aragon zur Zeit eingetreten war, in welcher er ſchrieb, beweiſen, daß er den wahren Grundſätzen der Wiſſenſchaft über dieſen Gegenſtand nicht fremd war. 4 3 Memoria presentada à S. M. para la formacion de un banco na- cional, por mano del Excellentissimo Sennor Conde de Flori- dablanca, su primer secretario de Estado; por don Fran- cisco- Cabarrus. Madrid, 1782. Dieſe Denkſchrift für die Gründung einer Bank bietet nichts Anzie⸗ hendes, als ihr Ergebniß, welches die Bank von San Carlos war. Memoria sobre los montes pios, leida en la Real Sociedad eco- nomica de Madrid en 13 de Marzo de 1784. Der Verfaſſer rügt hier ſtreng die Leihhäuſer als Quelle der Ent⸗ ſittlic3hung und der Vermögenszerrüttung. Memoria sobre la union del comercio de la America con la Asig, leida por el Sennor don Francisco Cabarrus, en la junta general de la compannia de Caracas, de 3 de julio de 1784. Memoria sobre los pesos, leida en junta de la Direccion del Banco Nacional de San Carlos. Carta sobre los obstaculos que la naturalezd, la opinion„ la leues oponen à la felicidad publica, escritas por el Conde de Cabarrusal S. D Gaspar de Jovellanos. Madrid, 1813, in— 18. Die Sammlung dieſer Briefe gibt eine Ueberſicht ſämmtlicher Hemm⸗ niſſe, welche ſich dem Wohlſtand Spaniens entgegenſetzen; allein die Mit⸗ tel, w beinal Infor 9g tel, welche der Verfaſſer preist, um ſie verſchwinden zu machen, grenzen beinahe an Utopien. Informe de D. Gaspar de Jovellanos en el Eæpediente de la leu qagraria. Burdeos, 1820, in— 12. Jovellanos war kein Volkswirthſchaftsgelehrter, und er hat die wah⸗ ren Gründe des traurigen Zuſtandes ſeines Vaterlandes nicht angegeben; allein er hat deſſen Drangſale mit ſeltenem Scharfblick hervorgehoben, und ſein Buch wird noch langehin das Verdienſt der Neuheit, wie die Bücher vieler ſeiner Landsleute haben. Memoria sobre el establecimiento del monte pio de Hidalgos de Madrid, leida en la real sociedad de Madrid por Don Gaspar Melchior de Jovellanos, en 12 de Marzo de 1784 Carta al Sennor don Pedro Rodriguez Campomanes, remitliendo el proyecto de Erarios publicos, impreso en el siglo pa- sado, 1777. Réflerions sur la réduclion de la rente, et sur U'élat du crédit, par J. Laffitte. Paris, 1824, in— 8. Hr. Laffitte hat die Ehre, zuerſt in dieſer Schrift die Vortheile, welche aus einer Herabſetzung der Rente ſich ergeben müßten, zu einer Zeit her⸗ vorgehoben zu haben, wo die Gemüther dieſer großen Finanzmaßregel noch wenig geneigt waren. Seither vertagt, erſcheint die Frage nach mehr als einem Jahrzehnt wieder, und das Buch des Hrn. Laffitte ſcheint wie⸗ der ein neues Intereſſe zu gewinnen. Wir rathen deſſen Leſung den Per⸗ ſonen an, welche ſich ohne Anſtrengung mit den Theorien des Credits be⸗ kannt machen wollen. Report on the trade in corn and ond on the agriculture of the north of Europe, by William Jacob: ordered by the bouse of commons to be printed. 1826, in— folio. Dieſer Bericht enthält Aktenſtücke von der höchſten Wichtigkeit über den Kornhandel in Europa, und diente dazu, die übertriebenen Anſichten umzugeſtalten, welche man ſich über die Fruchtbarkeit der nördlichen Landſtriche gemacht hatte. Man findet hier die neueſten und zuverläſſig⸗ ſten Nachrichten über die Kornfrage. An essay on money, by C. R. Prinsep; 1818, in— 8. Dieſe Schrift von dem engliſchen Ueberſetzer des Traité d'économie politique von J. B. Say iſt in England ſehr geſchätzt, und verdient es auch durch ihre Klarheit und ihre treffliche Auseinanderſetzung des Gegen⸗ ſtandes. — 366— Des Banques de Naples, par Rocco. Naples, 1785, 2 vol. Intereſſant nachzuleſen, obgleich unvollſtändig und weitſchweifig. Principles of political economy, considered with a view to their practical application; by the rev. T. R. Malthus, M. A.- T.-R. S. London, 1820, in— 8. Franzöſiſch von Con- stancio. Paris, 1821, II. Dieſes Buch hat nicht den Erfolg gehabt, wie das Buch deſſelben Verfaſ⸗ ſers über die Bevölkerung. Es hat den großen Fehler, dunkel zu ſein und über die Pachtrente Lehren zu verbreiten, welche Ricardo's Theorie völlig widerlegt hat. An essay on the principle of population or a view of its past and present effects on human happiness, with an inquiry into our prospects respecting the future removal or mitiga- tion of the evils which it occasions. London, 1806,(2 vol. 5. Edit. 1831. Teutſch von Hegewiſch. Altona, 1807.) Franzöſiſch von Pierre Prévost. Genève et Paris, 1823, 4 vol, in— 8. Das Hauptwerk von Malthus, das, welches das größte Aufſehen machte, und die gewaltigſten Diskuſſionen in ganz Europa hervorrief. Sein berühmter Lehrſatz von der Zunahme der Bevölkerung in geometri⸗ ſcher Progreſſion, während die Nahrungsmittel nur in arithmetiſcher Pro⸗ greſſton ſich mehren, beginnt zahlreiche Widerlegungen zu erfahren; Eve⸗ rett, Godwin und Enſor haben ihn ſtark erſchüttert, und dieſe Lehre verliert mit jedem Tage an Credit. Deſßinitions in political economy;, preceded by an iaquiry into the rules which ought to guide political economists in the definition and use of their terms; with remarks on the de- viation from these rules in their writings; by the rev. T.-R. Malthus. London, 1827, in— 8. Malthus verſuchte in dieſem Werke die verſchiedenen Volkswirthſchafts⸗ forſcher mit einander in Widerſpruch zu bringen, um den Vorzug ſeiner Begriffsbeſtimmungen vor den ihrigen zu beweiſen. Sein kleines Buch enthält deren in der That eine Reihe, die ziemlich merkwürdig iſt durch die Zuſammenſtellungen, welche ſie darbietet; allein ſeine Neuerungen konn⸗ ten nicht durchdringen, beſonders ſeit J. B. Say ihre Unbegründetheit in den cing Lettres nachgewieſen hat, welche einen Theil ſeiner nachgelaſſe⸗ nen Werke bilden. Wir haben von Malthus noch folgende Werke: erfaſ⸗ ſein eorie Ja80 jry — 367— An Inquiry in to ihe Nature and Progress of rent, 1815. Observations on the effects of cornlaw, in— 8. Ch. Comte hat in den Denkſchriften der Akademie der moraliſchen und politiſchen Wiſſenſchaften des Inſtituts von Frankreich eine äußerſt merkwürdige Kunde von dem Leben und den Werken von Malthus(ge⸗ ſtorben 1834) gegeben. Er gibt dort die Titel von 2 oder 3 andern Schriften deſſelben Verfaſſers an; allein ſie ſind von geringer Bedeu⸗ tung. Opusoules de Saint-Aubin sur les Finances, le papier-monnaie, le crédit, etc., 1797, avec tables, 20 pièces, 1 vol. J. B. Say nannte ihn den Poſſenreißer der politiſchen Oe⸗ konomiez allein er iſt oft ein ſehr verſtändiger Poſſenreißer. Discussions et développemens sur quelques- unes des nolions de PEconomieè politiques, lraité dans la Phyjsiocratie. Leyde et Paris, 1776, 1 vol. Kennenswerth für das Studium der Oekonomiſten. Essai sur les entraves que le commerce éproube en Europe, par L. E. de Tollenare, de Nantes. Paris, 1820, 1 vol. Man ſollte glauben, wenn man dieſen Titel liest, daß der Verfaſſer die Beſchränkungen und die Hemmniſſe des Handels bekämpfe; gerade das Gegentheil, er wird zum Lobredner des Sperrſyſtems und der den Kolo⸗ nien bewilligten Vorrechte. Seine Ideen ſind aber nicht alle ſo illi⸗ beral. Traité des préts du commerce, ou de Pintérét légilime el illégi- time de Targent, par M*** docteur en théologie de Paris. Amsterdam, 1767, 4 vol. Ein Buch, welches nach denen Bentham's und Turgot's über denſel⸗ ben Gegenſtand nachzuleſen iſt. Eoonomie politique, ou Principes de la science des Richesses; par Joseph Droz. Paris, 1899, t vol., in— 8. Das klarſte, eleganteſte und geordnetſte Elementarbuch, welches wir kennen. Es hat viel beigetragen, in Frankreich das Studium der politi⸗ ſchen Oekonomie zu verbreiten. Le petit producteur français, par M. le baron Dupin. Paris, 1829, in— 18. Der Verfaſſer hat unter dieſem Titel eine Reihe von populären Schrif⸗ — 368— ten herausgegeben, in deren einer er das Sperrſyſtem mit einer äußerſt merkwürdigen Schärfe von Witz angegriffen hat. Political Arithmelich, containing observations on the present state of Great-Britain, and the principles of policy in the en- couragement of agriculture. London, 1774. Franzöſiſch von Freville. à Ia Haye, 1775, 2 vol., in— 8.(Teutſch von Chr. Jac. Kraus. Königsberg, 1777, gr.— 8. Buß.) Der Verfaſſer iſt ein furchtſamer Anhänger des Syſtems des Oeko⸗ nomiſten, welcher für England die Priorität ihrer Ideen anſpricht. Es iſt gegenwärtig nicht mehr nothwendig, eine ſolche Anmaßung zu wi⸗ derlegen. L'art de gagner la vie, ou Encyclopédie industrielle. traitant de toutes les ressources, indiquant tous les moyens pour faire, conserver ou augmenter sa fortune dans quelque état et dans quelque situation qu'on se trouve; par Mossé. Paris, 1826, in— 8. Dieſes Buch erlebte drei Auflagen. Es enthält Angaben von einem großen Intereſſe über die Vortheile und Nachtheile der verſchiedenen Ge⸗ werbe, und nützliche Fingerzeige für vermögensloſe Menſchen, welche ſich eine Stellung verſchaffen wollen. Enquéte faite par ordre du Parlement d' Angleterre, pour con- stater les progrès de P'industrie en France el dans plusieurs autres pays du continent. Paris, 1825, in— 8. Erſt durch die in England über unſer Gewerbsweſen angeſtellten En⸗ quêten haben wir dieſes letztere kennen gelernt. Die von 1825 gab die Loſung zu Nachforſchungen gleicher Art, welche wir endlich bei uns zu machen beliebt haben. Sie iſt als Ausgangspunkt trefflich zum Nach⸗ ſchlagen. Recherches historiques et criliques sur'Administralion publique et pripée des lerres chez les Romains, depuis le commence- ment de la république jusqu'au siècle de Jules-César; par Tauteur de la Théorie du luxe. Paris, 1779, in— 8. Ein äußerſt merkwürdiges Werk, das beſte vielleicht, welches je über dieſen Gegenſtand geſchrieben worden iſt. Es iſt vielen andern mehr ge⸗ ſuchten vorzuziehen. Gerſtner, über die Vortheile der Anlage einer Eiſenbahn zwiſchen der Moldau und Donau. Wien, 1824. Franzöſiſch unte de ſ Ger rat Ein lehrten Consice cir an D wickelu wenige R lan Hick Man Klaſſe im ſchoft, al he let Len E conſtit gende 0ʃ8e de F Des 18 Hitoi des zieurs en En⸗ an die ns zu Nach⸗ què ce⸗ öber hr R⸗ nbahn züſiſch — 369— unter dem Titel: Mémoire sur les grandes routes, les chemins de fer et les canauæ de navigation, traduit de T'allemand de Gerstner, et précédé d'une introduction par M. P. S. Gi- rard. Paris, 1827, in— 8. Ein gutes Buch, mit Nutzen zu vergleichen von Volkswirthſchaftsge⸗ lehrten und Ingenieuren. Considérations sur'accumulation des oapilaux et les moyens de circulation chez les peuples modernes, par J. Bosc. Paris, an X., in— 8. Der Verſaſſer zeigt ſich allen Maaßregeln geneigt, welche der Ent⸗ wickelung des öffentlichen Credits zuträglich ſind. Es finden ſich übrigens wenige neue Anſichten in dieſer Schrift. De v'agriculture des Anciens, traduit de PAnglais, de Adam Dickson. Paris, 1802, 2 vol., in— 8. Man findet hier koſtbare Aufſchlüſſe über die Lage der landbauenden Klaſſe im Alterthum; allein dieſes Werk behandelt mehr die Landwirth⸗ ſchaft, als die politiſche Oekonomie. De P'etat de la France, présent el à venir, par M. de Calonne. Londres, 1790, in— 8. Eine Flugſchrift des Miniſters dieſes Namens gegen die Arbeiten der conſtituirenden Verſammlung. Boiſſy d'Anglas antwortete ihm in fol⸗ gender Schrift: Observations sur Touvrage de M. de(alonne, intitulé: De d'élat présent et d renir de la Franco. Paris, 1791, in— 8. Eine verſtändigere Widerlegung der Schrift Calonne's ſindet ſich in dem Werke Röderer's, das den Titel hat: Systéme géndral des ſinances de France, adopté pur PAssemblée nationale. Paris, 1791. Des diſerentes banques de l' Europe, par M. Calenge. Paris, 1806, in— 12. Histoire de la Banque d' Angleterre, et considérations sur les gran- des Banques de circulation, par M. de Guer. Paris, 1810. in— 8. Histoire concise et aufhenlique de la Banque d Anglelerre, par Thomas Fortune. Londres, 1779, in— 8. La Banque de Hambourg, rendue facile auæ négocians de' tran- ger, par J. Buesch. Paris, 1801, in— 8. Blanqui, Geſchichte d. polit, Oekonomie. II. Bd. 24 - 370— Sur la Banque de France, abec une Théorie des Banques, rap- 4 port fait à la chambre de commerce par une commission P spécinle. Paris, 1806, in— 8. Réflerions sur la nécessité et les avantages de convertir la Ban- Jun que de France en Banque nalionale, et d'adopter le système Des fnancier de P'Angleterre; par M C... Paris, 1818, in- 8. b 1 Des Banques, de leur inſtuence pour faciliter la circulation ge des cupitaux, faire baisser le trop haut prix de l'intérét, et che des mesures à adopter pour que P'agriculture, l'industrie, le 2 commerce de la France et des divers états jouissent de l'a- vantnge de tels établissemens; par M. Sabatier. Paris- 1 Avril 1817, in— 8. in 3 Notice historigue sur les Financas de France(de l'an 1800 nu 1er avril 1814). Par M. le duc de Gaéte. Paris, Aunn 1818, in— 8. 4 rin Der Hr. Herzog von Gaëta ſpricht nur von Dingen, welche er ge⸗ 6 fehen, und an welchen er Theil genommen hat. Sein Buch iſt gewiß das 1 anziehendſte über die Finanzen des Kaiſerreichs. 6 Die Freiheit des Getreidehandels, von Reimarus. Frank⸗ furt, 1791. 1 (Derſelbe hatte ſchon früher geſchrieben:„Die wichtige Frage von der 4 freien Aus⸗ und Einfuhr des Getreides. Hamburg, 1771. Buß.) Franz.: Nouvelle exposition des principes sur la liberté du commerce des grains. Paris, 1793, in— S8. Ein begeiſterter Anhänger der Freiheit des Kornhandels. Sein Buch iſt übrigens voll Verſtandes und Originalität. 4 Considérations sur organisation sociale, appliquées à l'état„ civil, politique et militaire de la France et de l'Angleterre; à leurs moeurs, leur agrieulture, leur commerce et leurs fi- nances, à l'époque de la paix d'Amiens; par Mondenard. Paris 1802, 3 vol., in— 8. Dieſes Buch wurde aus Anlaß des Friedens von Amiens herausge⸗ ſan geben, zum Zweck, eine Annäherung zwiſchen Frankreich und England zu d bewirken. Man findet darin ſehr intereſſante Belege über den wirthſchaft⸗ 1 lichen Zuſtand beider Länder in dieſem Zeitraum. Histore de la monnaie, depuis les temps les plus réculés jus- e8, rap- mission la Ban- systéme 8, in-N. reulation térét, et lstrie, lo tde la- Paris 1800 Paris, er ge⸗ iß das Frani⸗ von der Franz.: rco des in Buch ſötat orre; 8 fi- nrd. usge⸗ urd N hſchaft és jus- 371 qu'au règne de Charlemagne, par M. le marquis Garnier. Paris, 1819, 2 vol, in— 8. Eines der beſten Werke über das Geld. Mit ihm muß man das Stu⸗ dium aller andern anfangen. Des Finances de la républigue française en Pan IX, par V. Ramel. Paris, an IX., in— 8. Ein ſpecielles Buch eines Mannes vom Fach, welcher den Vortheil gehabt hatte, an der Leitung des Zeitraums Theil zu nehmen, von wel⸗ chem er ſpricht. Du gourernement des Finances de France, daprées les lois constitutionelles et d'après les principes d'un gouvernement libre et représentatif; par Montesquiou. Puaris, 1797, in— 8. Ein unbedeutendes Werk. Man findet übrigens darin einige koſtbare“ Angaben von Thatſachen. Principes économigues de Louis XII. et du cardinal dm- boise, de Henri IV. et du due de Sullg, sur Ladministra- fion des ſinances, opposés au-r systèemes des docleurs mo- dernes. 1785. Sans nom d'auteur ni de ville. Eine gegen die Ideen Turgot's und Necker's gerichtete Flugſchrift. Du commerce frangais dans Uétat getuel de PEurope, ou Observations sur le commerce de la Frunce en Italie, dans le Levant, en Russie et dans la mer Noire; par J. B. Dubois. Paris, 1806. Der Verfaſſer war ein höherer Beamter in der franzöſiſchen Verwal⸗ tung. Sein Buch iſt durchaus reglementariſch und trägt das Gepräge der Routine der Büreaux. De la lique Hanséatique, de son origine, ses progréès, sa puis- zance et sa constitution politique, jusqu'à son déclin, etc.; par M. Mallet. Genève, 1805, 1 vol., in— 8. Eine ſehr gute Ueberſicht. Die eigentlichen Urſachen des Wohlſtandes und Verfalls der Hanſa ffind darin nicht vollſtändig entwickelt; allein das Werk enthält ſehr geiſt⸗ reiche Blicke. Ppenaieri di economia pubblica sopra le isole ex-Venete del mur Jonio. Venezia, 1808, in— 8. Der ungenannte Verfaſſer ſchlägt hier ein Steuerſyſtem in Ueberein⸗ 24. —-— 372— ſtimmung mit den Bedürfniſſen der joniſchen Inſeln vor, nachdem ſie durch Verträge von Venedig getrennt worden waren. Des impots indirects et des droits de consommalion, ou Es- sal sur l'origine et le systéème des impositions françaises comparé avecs celui de l'Angleterre; par M. d'Agoult, ancien évéque de Pamiers. Paris, 1817, in— 8. Ein intereſſantes Buch wegen der Angaben, welche es über die Fi⸗ nanzen des Kaiſerreichs und die Englands enthält. Histoire du Tarif de 1664, par Dufresne de Franche- ville. 1766, 3 vol. Eine zu lange Geſchichte eines ſchon zwei Jahre nach ſeiner Verkün⸗ dung abgeänderten Tarifs. Histoire philosophique et polilique des dlablissemens et du commerce des Européens dans les deuæ Indes; par Ray- nal. Ein großes, ſchönes Werk, trotz ſeinen Unvollkommenheiten und Red⸗ nereien. Der Verfaſſer hat nicht immer gedacht, wie er geſchrieben hatte; allein ſein Andenken iſt nichts deſto weniger ehrwürdig. Er iſt es, wel⸗ cher die erſten und ſtärkſten Streiche auf die Kolonialſklaverei geführt hat. Pefit traité contre lusure; par Thomas Culpeper. Am- sterdam, 1754, 1 vol. De la Banque d' Espagne, dite Saint-Charles, par le comte de Mirabeau. 1785, in— 8. Die beſte Darſtellung, welche wir von dieſer Anſtalt haben. Der Ver⸗ faſſer hat zahlreiche Betrachtungen über den Handel Spaniens beigefügt. Traitéè de l'usure et des intéréts. Cologne, 1769, 1 vol. Discours pour el contre la réduclion de l'intèérét naturel de Bargent; traduit de l'anglais. Wesel, 1757, 1 vol. Théorie de d'intérét de l'argent contre pabus d'imput alion d'u- sure. Paris, 1780, 1 vol. Dieſe fünf Werke enthalten Nichts, was ſich nicht in den Schriften Bentham's und Turgot's fände. Traité de la eirculalion du eredit, contenant une analyse dem ſie Es- aises dult, di F⸗ nehe- kerkün⸗ — 373— raisonnée des fonds d'Angleterre cte., par Pinto. Amster- dam, 1787, in— 8. Der Verfaſſer iſt der berühmte holländiſche Jude, welcher die Liebe zum Credit ſo weit trieb, daß er die Staatsſchulden als wahre Wohltha⸗ ten für die Völker betrachtete. Er war übrigens kein Mann ohne Ver⸗ dienſt. Man hat von ihm auch einen Essai sur le luxe; 1762, in— 8., in welchem er einen ſehr heftigen Ausfall gegen den Luxus der Holländer in ihren Landhäuſern macht. Lettre à M. de Tallegrand sur la traile des négres; par Wil- berforce. Londres, 1814, in— 8. Eine ſchöne Vertheidigungsſchrift, anch jetzt noch nützlich zu leſen, ſeit⸗ dem der Proceß gewonnen iſt. De la charité dans ses rapporls avbec potat moral et le bienèétre des elasses inférieures de la sociéte; par T. Duchàtel. Paris, 1829, in— 8. Ein in Rückſicht der Erhabenheit der Ideen und des Adels der Ge⸗ fühle ſehr ausgezeichnetes Buch. Der Verfaſſer ſcheint uns übrigens ein wenig zu ſklaviſch den Lehren von Malthus zu folgen. Roftewions sur le trailé de la dime royale de M. le Maréchad de Vauban. 1716, in— 8. Der Verfaſſer dieſes Buches hat zu beweiſen geſucht, daß der Herr von Vauban nicht der Verfaſſer der Dime royale war, und daß es ein widerſinniges, von Boisguilbert, wenn auch nicht geſchriebenes, doch ein⸗ gegebenes Buch war. Eaamen des Réefleaions politisues sur le commerce et les fi- nances de M. Dutot; par Duverney. Paris, 1740, 2 vol., Das iſt das Buch, welches mit der größten Ueberlegenheit der An⸗ ſichten das ganze Syſtem Law's darlegt, und hier vor Allem muß man es ſtudieren. Nirgends ſind die Urſachen ſeines Sturzes mit einer ſo großen Klarheit dargeſtellt worden. Duverney war ein Finanzmann von der höchſten Geſchicklichkeit, ein Verdienſt, das in unſern Tagen, wo das Vaterland gleichwohl deſſen ſo ſehr bedürfte, ſehr ſelten geworden iſt. Les mogens de détruire la mendicité en France, en rendant les mendians uliles ⁴ pEfat sans les rendre malheureud; par Malvaux. Paris, 1780, in— 8. 374 Memoire sur vindigence, et sur les moyens d'éteindre sans re- tour la mendicité; par Prestat. Paris, 1805, in— 12. Traité sur l'indigence. Quelles sont les principales causes de Tindigence? Moyens pour en arréter les progrès; par. D 6. Paris, 1805, in— 8. Idées d'un ciloyen sur les besoins, les droils el les deroirs des vrais paurres; par Beaudeau. Amsterdam, 1765, in— 8. Mémoire sur les mnoyens de détruire la mendicité en France; par Volland. 1790, in— 4. De la destruction de la mendicité; par Henrion de Bussy. Riom, 1790, in— 8. Rflewions sur la mendieité; par Gerdret; in— 12. Recueil des Mêémoires sur les Gtablissemens d'humanilé; traduit de l'anglais par Labaume, de Liancourt et autres, publié par Du quesnoy avec suite. Réflewions sur la mendicité, ses causes el les moyens de la dé- truire en France; par Montaignac. 1790, in— 12. Mémoires sur la mendicilé; par Bannefroy. Paris, 1791, in— 12. Esquisse dun ourrage en fareur des paurres, par Bentham, traduit et publié par Du quesnoy. Mémoires sur les dlablissemens publies de bienfaisance, de frarail et de correction; considèrés sur les rapports polili- gues et commerciaua; par Dillon. An II., in— 12, Histoire de Tadministralion des secours publies, par Dupin. Paris, 1821, in— 8. Police sur les mendians, les vagabonds, etc.; par de La Mo- randiòre. Paris, 1764, in— 12. Essai sur P'ölablissement des hopitauæ dans les grandes villes, par Locquean.„Paris, 1797, in— 8. Inquiries concerning the poor; by John Mac Farlanoe. Edin- burgh, 1782, in— 8. Nol ic cel das liche Mer Te- 1791, tham. 2, de olifi- pin. — 375— Notice des prineipauæ réglemens, publiés en Angleterre, con- cernant les pauvres; par Des Rotours. Paris, 1788, in— 8. De la charité légale, de ses causes, de ses effets, et spèciale- ment des maisons de travail et de la proseription de la men- dicité; par Naville. pParis, 1836, 2 vol., in— 8. Discourses upon trade, principally directed to the cases of in- terest, coinage, elipping and encrease of money; by Sir Dudley North. London, 1691. Eines der erſten Bücher über methodiſche politiſche Oekonomie, die in England erſchienen ſind. Hier muß man ſehen, mit welchen Schwierigkeiten die erſten elemen⸗ tariſchen Wahrheiten ſich Bahn zu brechen Mühe hatten. Treatise on raising the value of moneg; by Locke; 1691. Ein Werk, das geleſen zu werden verdient, ſowohl wegen des Na⸗ mens ſeines Verfaſſers, als weil ſich darin eine Theorie findet, welche der Ouesnay's ähnlich iſt. Rapport fait au nom de la section des ſinances, sur le pro- jet de loi rélalif auæe monnaies; par Joachim Lebreton. Paris, germinal an XI, in— 4. Discussion sur les effels de la demonétisation de l'or, rela- rement d la France; par FEr. Gerboux. Ein doppeltes zum Nachleſen gutes Aktenſtück. Obserrations politiijues el morates de Finance et de commerce, d'un ouvrage de M. R. de Ge- ou Examen approfondi Lausanne, 1780, in— 8. néève, sur l'emprunt et Timpoôt. Gute Lehren. Der Verfaſſer greift hier mit philoſophiſcher Wärme das Spſtem der Staatsanleihen an; allein er würdigte nicht ihre nütz⸗ lichen Wirkungen unter gegebenen Umſtänden. Mèmoire sur les effels de pimpõt indireel, sur le rer propriétaires de biena-fonds, qui a remporté le prix proposé le d'agriculture de Limoges, en 1767, enu des par la société roya par M. de Saint-Péravy. London, 1768, in— 12. Der Verfaſſer theilte die Anſicht der Oekonomiſten über die Steuerfrage. Da alle Erträgniſſe, nach ihnen, von dem Boden ſtammen, ſo ſollte man blos den Boden beſteuern. Die Aufhebung der indireeten — 376— Abgaben ſollte, nach dem Verfaſſer der Denkſchrift, den Grundeignern zu gut kommen; aber die Grundeigner glaubten nicht daran, und ſie hatten Recht. Moyens dertirper tusure, on projet d'établissement d'une caisse de prét public sur tous les biens de l'homme, con- tenant lettres- patentes de création du Mont-de-Piété de Paris en 1777. Dédié à Henri IV.; par M. Prevost de Saint-Lucien. Paris, 1778, in— 12. Heinrich IV. konnte nicht wohl die Widmung dieſes Buches verſa⸗ gen, das mehr als anderthalb Jahrhunderte nach ſeinem Tod erſchien. Das Intereſſanteſte, was der Verfaſſer hier gibt, iſt ein Verzeichniß aller auf das Zinsdarleihen und beſonders auf die Leihhäuſer bezügli⸗ chen Schriften(pag. 47— 50). Coup d'oeil sur la force et l'opulence de la Grande-Uretagne, où T'on voit les progrès de son commerce, de son agrieul- ture, avant et aprés l'avéènement de la maison de Hanovre; par le docteur Clarke, traduit de l'anglais par Marchena. Paris, 1802, Londres, 1801, in— 8. Ein ziemlich gutes Buch. Eine ſehr anziehende Prüfung der ver⸗ ſchiedenen Steuern Englands. Es iſt ein Manifeſt gegen die franzöſi⸗ ſche Revolution. A neup discourse of frade, by Josiah Child. London, 1668. Franzöſiſch unter dem Titel: Traité sur le commerce et sur les avanlages ui résullent de lo réäducltion de l'intérét de Pargent; par Josiah Child: avec un pefit Traité contre Tusure, de Thomas Culpeper, traduit de l'anglais,(par Vincent de Gournay et Butel-Dumont. Buß.) Am- sterdam, Berlin et Paris, 1754, in— 12 Die Abſichten der Verfaſſer waren gut; allein ſie hatten keine rich⸗ tige Idee von den eigentlichen Urſachen des Fallens des Geldzinſes, weil ſie annahmen, daß dieſes Steigen oder Fallen von dem Willen der Re⸗ gierung abhänge. Système d'un noureau gourernement en France; par M. de la Jonchère. Amsterdam, 1720, 2 vol., in— 12. In dieſem äußerſt originellen Buche ſetzt der Verfaſſer voraus, daß der König, um tauſend in Verlegenheit bringende Einzeln⸗ heiten zu vermeiden, die Errichtung einer Compagnie bewilligen werde, welche mit den jährlichen Ausgaben des Staats, mit Allem, was „ — die Fin lizei be Regier ditegeſe Man f Beſchre füͤhrer Stock den( His! ſa dt ſins d. licen! ſchaft de lein es Traile Plr E dn, v ſein W Hisl- st zudem hes ne 4p0¹0, ditig gter D hat d volle T”hc — 377— en zu die Finanzen und den Handel betrifft, und mit der Handhabung der Po⸗ hatten lizei beauftragt werden ſoll. Mit andern Worten, er ſchlägt vor, die Regierung an dieſe Handelsgeſellſchaft zu verpachten, und eine Comman⸗ ditegeſellſchaft zu bilden, welche das Geſchäft des Königs beſorgen ſoll. fune bon- Man findet in dieſem Buche eine vollſtändige, in's Einzelne eingehende Beſchreibung des Palaſtes und der Gemächer, welche von den Geſchäfts⸗ de führern der Geſellſchaft bewohnt werden ſollten: der Balcon des erſten t de Stocks ſollte mit einem Gitter von vergoldetem Eiſen umgeben ſein: den Garten ſollten Cascaden zieren. derſt Histoire genérale et particulière du risa ail en France hour de a réuuetion et Peætinction de tous les papiers royaua et bui des actions de la compagnie dtes Iuddes, qute le système des finances apait enfantés. La Haye, 1743, 4 vol., in— 12. 90 Dieſes iſt das kritiſche Inventarium aller auf Law's Spſtem bezüg⸗ 3 lichen Aktenſtücke. Dieſes Buch iſt mit Parteilichkeit und unter der Herr⸗ ul- ſchaft der Verſtimmungen geſchrieben, die auf den Bankbruch folgten; al⸗ re; 4 lein es iſt eines der intereſſanteſten Documente des Zeitraumes. enn. Traité philosophique et politique sur le Iuxe, par M. P'abbé 1 Pluquet. Paris, 1785, 2 vol., in— 12. ver⸗ Eine lange Homilie, in 2 Bänden, gegen den Luxus. Wenige Leh⸗ aziſ⸗ ren, viele Rednereien. Der Verfaſſer, welcher ein Geiſtlicher war, hätte ſein Buch überſchreiben ſollen: Eine Predigt gegen den Luxus. 1668. 1 Histoire abrégée des rérolulions du commerce, ou Précis hi- el sur storique et raisonné des changemens que le commerce a öl de éprouvés à l'occnsion des transmigrations, des conquétes, conlre des nouvelles découvertes et des révolutions politiques, de- „(Dar puis le commencement du monde jusqu'à nos jours. Paris, Am- 1803, in— 12. Ein hoffärtiger Titel für ein Schriftchen von 266 Seiten. Es iſt ein, rich⸗ zudem noch ſehr unvollſtändiges, Inhaltsverzeichniß zu einem Buch, wel⸗ weil ches noch zu machen iſt. Ne⸗ Apologie tu systéme de Colberl, on Observations juridico-po- litiques sur les jurandes et maitrises d'arts et métiers. Am- . de sterdam, 1771, 1 vol., in— 18. Der Verfaſſer hat ſich nur eine Seite der Frage angeſehen; allein er 6, daß hat daraus allen möglichen Vortheil gezogen. Sein Buch iſt eine geiſt⸗ azeln⸗ volle Schutzſchrift für die Innungen. Théorie du luxe, ou Traité dans lequel on entreprend d'étab- — 378— lir que le luxe est un ressort, non-seulement utile, mais mème indispensablement nécessaire à la prospérité d'un Etat. Londres, 1771, 1 vol., in— 8. Dieſes Buch iſt eine etwas übertriebene Apologie der Wirkungen des Luxus. Der Verfaſſer iſt ein Gegner der Oekonomiſten. Er weist ſehr gut nach, daß das, was man im Allgemeinen Luxus nennt, Nichts iſt, als die Befriedigung der Bedürfniſſe des Menſchen, welche der größte Stachel ſeiner Arbeiten ſind. Histoire des Monts-de-piété, aveo des réflexions sur la nature de ces établissemens, par M. Cerreti, docteur en droit. Padoue, 1752, 1 vol., in— 18. Ein kurzes, aber inhaltreiches Buch. Es enthält die Verordnungen und Conſtitutionsbullen für die Leihhäuſer. Der Verfaſſer behauptet, daß die Intereſſen der von dieſen Anſtalten gslieferten Darleihen keine wucherlichen ſind. Essai sur les causes de la diversité des lauæ de N'argent ches les peuples. Londres, 1757, 1 vol., in— 18. Der Verfaſſer ſchreibt den hohen Zinsfuß den geringen Garantien zu, welche die Borger den Darleihenden bieten. Er wünſchte eine ſtrengere Ge⸗ ſetzgebung gegen böswillige Schuldner. Essai sur les intérétls du commerce maritime, par M. D... La Haye, 1754, in— 18. Der Verfaſſer ſchlug hier eine Navigationsacte, ähnlich der eng⸗ liſchen, vor. De la propriété daus ses rapports arec le droit poliligue. Paris, 1792, in— 18. Der Verfaſſer fordert, daß die Nationalſouverainetät ausſchließlich in den Grundeignern ruhen ſolle. Manoires pour serrir d P'histoire du droit public de la France en malières dimpols, ou Recueil de ce qui s'est passé de plus intéressant à la Cour des aides, depuis 1756 jusqu'au mois de juin 1775; publiés par M. Auger, avocat, sous Tinspection de M. Gabriel Choart, président de la Cour des aides de Paris Bruxelles, 1779, in— 4. Dieſer koſtbare Band iſt die Sammlung aller Operationen von Ma⸗ lesherbes während ſeiner erſten Präſidentſchaft an der Acciſekammer, d. h. ein Vierteljahrhundert hindurch. Die handel den dur Vorſtell der ſtre Consi L0 1 nehm fand Vèen dop nist 1764 Die verſände Beſorgn Zunahm nach der gelebt! laarden Mém pal E beiten W europ ſten( das e Wirku On lh in- Hr ſorſcher nanga A lel cc 2 maig d'un en des weist Nichts größte nature droit. rungen alten ches jen zu, re Ge⸗ 3 D 1 4 der eng⸗ oliligue. ießlic in Brance 856 de squ'au 3 80us a Cour von Ma⸗ mer, d.. — 379— Dieſe Sammlung iſt ſehr ſelten geworden, weil ſie nicht in den Buch⸗ handel kam, und weil ſie nur mit ſtillſchweigender Erlaubniß gedruckt wer⸗ den durfte; auch ließ man nicht in ihrem ganzen Umfang die kräftigen Vorſtellungen einrücken, in welchen Malesherbes zu dem König die Sprache der ſtrengſten Wahrheit ſprach. Considèrations sur la libertlé du commerce, par M. Bergasse. Londres, 1788, in— 4.— Dieſe Denkſchrift hatte zum Zweck, gegen die Errichtung einer Unter⸗ nehmung öffentlicher Fahrpoſten Einſprache zu erheben. Der Verfaſſer fand hierbei Anlaß, die Vortheile der Freiheit im Handel nachzuweiſen. Meèomoire sur l'dministration des Finances de l'Angleterre depuis la paiæ; ouvrage attribué à M. Grenville, mi- nistre d'état, chargé de ce département dans les années 1763, 1764 und 1765. Mayence, 1778, in— 4. Dieſes Buch bezweckt, dem engliſchen Volk die Nothwendigkeit einer verſtändigen Finanzverwaltung hervorzuheben. Der Verfaſſer äußerte hier Beſorgniſſe über die Zukunft ſeines Vaterlandes, bei dem Hinblick auf die Zunahme der Staatsſchuld. Was würde er erſt geſagt haben, wenn er nach dem nordamerikaniſchen Krieg und nach der franzöſiſchen Revolution gelebt hätte, in Folge deren die engliſche Staatsſchuld auf beinahe 20 Mil⸗ liarden anſtieg? Mèémoires concernant les impositions et droils en Frurope, par M. Moreau de Beaumont. Paris, 1787, in— 4. Ein treffliches Buch, welches man gegenwärtig mit Nutzen neu bear⸗ beiten würde. Wer von uns kann ſich ſchmeicheln, gründlich das Steuerſyſtem aller europäiſchen Völker zu kennen? Und gleichwohl iſt dieſes eines der er⸗ ſten Elemente einer jeden guten angewandten politiſchen Oekonomie, und das einzige Mittel, die internationalen Beziehungen der Völker und die Wirkungen gewiſſer Zollmaaßregeln nach ihrem wahren Gehalt zu würdigen. On the State of ourrench, by Th. Tooke. London, 1 vol, in— 8. Hr. Tooke iſt einer der gebildetſten, umſichtigſten Volkswirthſchafts⸗ forſcher Englands. Seine Anſicht iſt von dem größten Gewicht in Fi⸗ nanzſachen.— 24 A letter to the Earl of Lirerpool on the present distréess of The country and the efficach of raising the standard of our sil- rer eurreney: par C. R. Prinsep. London, 1816. Dieſes merkwürdige Schreiben iſt ein unentbehrliches Stück der Dis⸗ — 380— zum euſſion, welche ſich in England nach den Ereigniſſen von 1814 und aus Fri Anlaß des Plans, die Baarzahlungen der Bank von Sugland wieder auf⸗ Es zunehmen, über das Papiergeld erhob. Wirthſ Obserrations on lhe condition of the labouring classes, by J. ttaut; Barton. herrſch Man findet in dieſer Schrift Betrachtungen von einem hohen In⸗ auf d tereſſe über die Lage der arbeitenden Klaſſen. nügen De Tinfluence des dirers impts, par M. de Monthyon; u in— 8..* S Ein treffliches Buch, kurz und gehaltvoll, wie alle des Verfaſſers. il Du papier- monnaie et des Bangues, par Sir Henry Par- un nell. Londres, 1832. mo Der Verfaſſer beſchäftigt ſich in dieſem Werke nach einander mit dem di Stand der Frage über das Geld, über die Provinzialbanken, die Actien⸗ Jnſichte geſellſchaften, das Syſtem der Banken in England, Schottland und Ir⸗ biweile land. Es iſt eine der beſten Arbeiten über den Gegenſtand. uns nic *(1) Grundſätze der Nationalökonomie, oder Theorie des Natio⸗ V fentlce nal⸗Reichthums(in den beiden frühern Ausgaben von 1805 V wad und 1809 Nationalwirtbſchaftslehre), von L. H. von Jakob 19 (†⁵ 1827). Halle, 1805. 3. ſehr verb. u. verm. Aufl., 1825. 6. Dieſes Werk behandelt in den vier Abtheilungen, aus welchen es be⸗ 18 ſteht, die Elemente des Nationalreichthums, die Bedingungen des Urſprungs deſſelben, und ſein Wachsthum im Allgemeinen. Es folgen ſodann die be⸗ erſer ſondern Urſachen des Wachsthums des Reichthumes, die Grundſätze ſeiner ſaun Vertheilung und endlich die Erſcheinungen der Güterverzehrung. V 48. * Die Staatsfinanzwiſſenſchaft, theoretiſch und praktiſch darge⸗ b d ſtellt von L. H. von Jakob. Halle, 1821, 2 Bde., in— 8.. 2. verm. Ausg. von J. J. H. Eiſelen. Halle, 1837. und! Dieſes Werk zeichnet ſich durch ſeine Klarheit und Einfachheit aus. n Der Verfaſſer bewährt darin ſehr ausgedehnte Kenntniſſe, und der neue 8 Herausgeber, Hr. Eiſelen, hat geſucht, die neuen Thatſachen der Finanz⸗ V tenlan welt beizufügen. Die Angaben, welche ſich auf Preußen beziehen, ſind duj d vor Allem intereſſant. b wir * Grundzüge einer allgemeinen Rechts⸗ und Wirthſchaftslehre, n zat (t) Alle mit einem Sternchen bezeichneten bibliographiſchen Artikel ſind Re von Hrn. Theodor Fix. und aus lder auf⸗ 8. by J. pdoßen In⸗ athyon; rfaſſers. y Par- mit dem Actien⸗ und Ir⸗ Natio⸗ 8n 1805 Jatob l.,. hen es be⸗ Urſorungs ann die be⸗ ſätze ſeiner . h darge⸗ in— 8. 1 * heit aus. der neue Finanz⸗ hen, ſind ftslehr 2 Artikel ſind — 381— zum Gebrauche für angehende Juriſten und Kameraliſten, von Friedem. Küttlinger. Erlangen, 1837, 2 Bdchen, in-S8. Es iſt dieſes ein Verſuch der Vereinigung zwiſchen dem Recht und der Wirtbſchaftslehre. Der Verfaſſer ſcheint mit der letztern nicht ſehr ver⸗ traut zu ſein. Man findet in ſeinem Buch mehre veraltete Ideen; auch herrſcht darin einige Verworrenheit. So folgt das Völkerrecht unmittelbar auf den wirthſchaftlichen Theil des Werkes, ohne daß dieſe Anordnung ge⸗ nügend gerechtfertigt wäre. Das Werk enthält übrigens eine große Maſſe von Materialien, deren Studium für die Anfänger nicht ohne Nutzen ſein wird. * Staatsweſen und Menſchenbildung umfaſſende Betrachtungen über die jetzt allgemein in Europa zunehmende National⸗ und Privatarmuth(in 4 Bänden), von F. H. Bodz⸗Rey⸗ mond. Berlin, 1837, 3 Bde., in— 8. Dieſes Buch, in vortrefflichen Abſichten verfaßt, enthält wenige neue Anſichten. Die Unvollkommenheiten der gegenwärtigen Geſellſchaft ſind bisweilen übertrieben, und die Mittel der Abhilfe für die Uebel ſcheinen uns nicht immer leicht anwendbar. Der Theil, welcher ſich auf das öf⸗ fentliche und Privatunterrichts⸗ und Erziehungsweſen bezieht, bietet bis⸗ weilen vortreffliche Anſichten ürer den Gegenſtand, und dieſer Tbeil des Buches des Hrn. Bodz iſt wahrhaft empfehlenswertb. * Handbuch der Finanzwiſſenſchaft und Finanzverwaltung, von C. A. Freiherrn von Malchus. Stuttgart und Tübingen, 1830, 2 Bde., in— 8. Die Steuern ſind einer der Hauptgegenſtaͤnde dieſes Werkes, deſſen erſter Theil Betrachtungen über die Tilgung und Verwaltung der Staats⸗ ſchuld enthält. * Die Syſteme der praktiſchen Politik im Abendlande, von Carl Vollgraff. Gießen, 1828, 4 Bde., in— 8. Hr. Vollgraff gibt dem Wort Politik den ausgedehnteſten Sinn, und begreift darunter, wie die Alten, Alles, was ſich auf die öffentlichen Angelegenbeiten bezieht. Dieſes Werk handelt von der politiſchen Oeko⸗ nomie aller Völker und Zeiten. Der 1. Band gibt die Unterſchiede an, welche die Völker des Mor⸗ genlandes von denen des Abendlandes trennen, und zwar in Beziehung auf Charakter, Klima und den Einfluß dieſer Unterſchiede auf ihre Staats⸗ wirthſchaft. Die Völker, ſagt Hr. Vollgraff, werden immer ſo regiert, wie es der moraliſche Zuſtand, in welchem ſie ſich befinden, verdient. Der 2. Band ſtellt die Politik der Griechen und Römer dar, mit zahlreichen Angaben über die Bildung, den Zuſtand der Geſittung, die Regierung, die Verwaltung, den geſellſchaftlichen Zuſtand, den kriegeri⸗ ſchen Geiſt u. ſ. f. bei den berühmten Völkern des Alterthums. — 382— Der 3. Band, gewidmet der Politik der neuern Zeit, umfaßt einen Theil der politiſchen Oekonomie der Neuzeit, und ſchließt mit einer Bib⸗ liographie der Werke, welche in den verſchiedenen Ländern Europa's über die politiſche Oekonomie und die Geſetzgebung der vergangenen Jahrhun⸗ derte und der gegenwärtigen Zeit erſchienen ſind. Der 4. und letzte Band enthält die Entwickelung der Syſteme der Politik der Neuzeit: er beſchreibt die Beziehungen der verſchiedenen Völ⸗ ker Europa's unter ſich, ihre Diplomatie und ihr Staatsrecht. Er ent⸗ hält auch ihre Inſtititutionen, und beſonders die der verſchiedenen Staa⸗ ten Teutſchlands. * Gewerbe⸗ und Handelsfreiheit, oder über die Mittel, das Glück der Völker, den Reichthum und die Macht der Staaten zu be⸗ gründen, von J. C. Leuchs. Nürnberg, 1827, 1 Bd., in— 8. Der 1. Theil enthält allgemeine geſchichtliche Betrachtungen. Er handelt von dem Urzuſtand der Menſchen, vom Urſprung und der Ein⸗ richtung der Staaten und der Inſtitutionen, welche beſtimmt ſind, den Handel und die Induſtrie zu begünſtigen. Der 2. Theit iſt der Unterſuchung der Anordnungen gewidmet, welche dem Gedeihen des Handels und des Gewerbeweſens günſtig ſind. Im 3. Theil zeichnet der Verfaſſer den Plan eines neuen gewerbli⸗ chen Syſtems. Hr. Leuchs iſt ein Anhänger der Handelsfreihet. ** Lehrbuch der politiſchen Oekonomie, von K. H. Rau. 3. ver⸗ mehrte und verbeſſ. Ausgabe. Heidelberg, 3 Bde. 8. 1. Band, enth. die Grundſätze der Volkswirthſchaftslehre, 3. Aufl., 1837; 1I. Band, enthaltend die Grundſätze der Volkswirtbſchaftspoli⸗ ik, 2. Aufl., 1839; III. Band, Grundſätze der Finanzwiſſen⸗ ſchaft, 1. Abth. 1832, 2. Abth. 1837. Der 1. Band dieſes wichtigen Werkes enthält die eigentliche politi⸗ ſche Oekonomie, oder die Theorie des Volks⸗Vermögens(die Volks⸗ wirthſchaftslehre).. Der 2. Band entbält die Verwaltungswiſſenſchaft(die Wirthſchafts⸗ volizei). Der 3. Band die Finanzwiſſenſchaft. Die Werke des Hrn. Rau ſind mit einer großen Klarheit und nach den anerkannteſten Grundſätzen unſerer Zeit verfaßt, in einem liberalen Geiſt gehalten, mit Beſtimmtheit und Schärfe geſchrieben. Die Lehren Smith's und Say's bilden die Grundlage des Buchs; allein der Verfaſſer gibt der politiſchen Oekonomie einen weitern Umfang, als Say: auch hat der Ver⸗ faſſer mehre Punkte aufgeklärt, welche die beiden berühmten Volkswirth ſchafts in den Anſich lich ni welche hinläl x — ſpria del! find h. Üüber d * Der als Theor heit: unres ſchas 4 faßt einen iner Bib⸗ pa's über Jahrhun⸗ ſteme der dennen Völ⸗ .Er ent⸗ enen Staa⸗ as Glück n zu be⸗ in— 8. en. Er er Ein. d, den welche ewerbli⸗ 3. ver⸗ 1. Band, 1, 1837 aftspoli⸗ zzwiſen⸗ he politi⸗ 9 Volkt⸗ ſchafts⸗ and nach Len Geiſ aSmih ſer got der at der Wer Volkswirh⸗ — 483 ſchaftsforſcher nicht genügend ergründet hatten. Man bemerkt überdieß in dem 3. Bande, welcher die Finanzwiſſenſchaft enthält, eine Menge neuer Anſichten über die Steuern, und praktiſche Blicke, welche man gewöhn⸗ lich nicht in Werken dieſer Art findet. Der raſche Erfolg des Werkes, welches in wenigen Jahren zur dritten Auflage kam, iſt übrigens ein hinlänglich bündiger Beweis ſeines Verdienſtes. * Geſchichtliche Darſtellung des Handels, der Gewerbe und des Ackerbaues der bedeutendſten handeltreibenden Staaten unſerer Zeit, von Guſtav v. Gülich. Jena, 1830, 2 Bde., in— 8. Dieſes Werk, mit Sorgfalt und Geywiſſenhaftigkeit bearbeitet, ent⸗ ſpricht ſeinem Titel. Es enthält koſtbare Unterſuchungen über den Han⸗ del und das Gewerbweſen. Die auswärtigen Verhältniſſe der Völker ſind hier vor Allem ausführlich behandelt, ohne daß deßwegen die Angaben üͤber den innern Handel vernachläßigt wären. * Der geſchloſſene Handelsſtaat. Ein philoſophiſcher Entwurf, als Anhang zur Rechtslehre und Probe einer künftig zu liefern⸗ den Politik, von J. G. Fichte. Tübingen, 1800, in— 8. Ein Werk, das merkwürdig genug iſt, um die Beachtung der Zeit⸗ genoſſen verdient zu haben. Es verdient noch nachgeleſen zu werden, trotz den Arbeiten, welche es überflügelt haben. * Materialien zur Aufſtellung einer vernunftmäßigen Theorie der Staatswirthſchaft, von J. A. Dori. Leipzig, 1799, in— 8. Die Materialien haben ſich ſeit der Erſcheinung des Werkes von Dori ſehr vermehrt; allein die ſeinigen werden mit Nutzen berathen werden. Handbuch der Staatwirthſchaft, von Th. H. A. Schmalz. Berlin, 1808. Franzöſiſch von Renry Jouffroy. Paris, 1826, 2 vol., in—9 8S. Hr. Schmalz wollte in Teutſchland, wie Dutens in Frankreich, die Theorien der Schule Qesnay's in ihrer ganzen urſprünglichen Einfach⸗ heit wieder erwecken. Allein warum denn dieſem ehrwürdigen Baum die unregelmäßige Rinde zurückgeben, welche ihm die Fortſchritte der Wiſſen⸗ ſchaft abgeſchält hatten? * Sypſtematiſches Handbuch der Staatswirthſchaft, mit vorzügli⸗ cher Rückſicht auf die Literatur derſelben, von Fr. Benedi et Weber. Berlin, 1804— 1805, in— 8. Es iſt nur ein Band davon in 2 Abtheilungen erſchienen. — 384— Die 60 erſten Seiten dieſes Buchs handeln von der öffentlichen Oe⸗ konomie. Das Uebrige gehört in die Polizeiwiſſenſchaft. Lehrbuch der politiſchen Oekonomie, von Demſelben Bres⸗ lau, 1813, 2 Bde., in— 8. Dieſes im Geiſte Smith's gehaltene Buch wurde zu ſeiner Zeit ſehr gut in Teutſchland aufgenommen. »Anfangsgründe der Staatswirthſchaft, von Chr. von Schlu b⸗ zer. Riga, 1805—7, 2 Bde., in— 8. Der Verfaſſer iſt ein Schüler von Adam Smith. * Materialien zu einer Finanz⸗Statiſtik der deutſchen Bundesſtaa⸗ ten von Höck. Schmalkalden, 1823, in— 8. Der Verfaſſer machte eine Zuſammenſtellung der verſchiedenen Fi⸗ nanzſyſteme der teutſchen Staaten. Er gibt überhaupt das Detail der Einküͤnfte, der Staatsausgaͤben und der Staatsſchulden. Das Buch ent⸗ hält gleichwohl mehre Lücken, welche durch neuere Arbeiten ausgefüllt worden ſind. * Neue Darſtellung der Cameralwiſſenſchaften, von A. A. Sopp. Mit Kupfern und Tabellen. Wien, 1808— 11, 3 Bde.(4 Bde., 1. enthält die Ruralinduſtrie, II. die techniſche Induſtrie, III. die mercantiliſche, und IV. die Regalienwirthſchaft, Buß;), in— 8. Der 1. Band enthält die Landwirthſchaft, der 2. die Gewerbswirth⸗ ſchaft und der 3. die politiſche Oekonomie. * Neue Grundlegung der Staatswirthſchaftskunſt, durch Prüfung und Berichtigung ihrer Hauptbegriffe von Gut, Werth, Preis, Geld und Volksvermögen, mit ununterbrochener Rückſicht auf die bisherigen Syſteme, von G. Hufeland. Gießen und Wetzlar, 1807— 13, 2 Bde., in— 8. Dieſes Werk iſt noch unvollendet. * Handbuch der Staatswirthſchaftslehre, von J. F. E. Lotz. Er⸗ langen, 1821, 1822, 3 Bde., in— 8.(2. Aufl., 1837). Dieſes iſt eine Entwickelung der Grundſätze der politiſchen Oekono⸗ mie in ihrer Anwendung auf den gegenwärtigen Zuſtand der Staaten und zugleich ein Handbuch für die Verwaltungsbeamten, welche ſchon die erſten Begriffe der Wiſſenſchaft haben. Die Theorie der Werthe und Preiſe iſt in dieſem Werke mit einer greßen Deutlichkeit dargeſtellt: eben ſo ſind auf eine bemerkenswerthe Weiſe die Fragen über den Credit, das Geld. terun⸗ Theil *De N * Di mit die! Irhr Das Gewerbe politiſche 3. beſchä faſſende Theor un 9 folgt §. B. nigkei und w gierun er all delsfr *lebe lichen Oe⸗ Bres⸗ Zeit ſehr Schli⸗ desſtaa⸗ nen Fi⸗ kail der uch ent⸗ sgefüllt Sopp. Bde., e, M. Buß) verbzwirth⸗ Prüfung th, hreis ſicht euf eßen und Wot. Er⸗ . en Dekond⸗ der Staaten weiche ſchon e Werthe und rgeſtellt: zen dan Lredih da — 385— Geld, die Handelsfreiheit behandelt. Der Verfaſſer zieht dei der Erdr terung der Steuern die directen Steuern den indirecten vor; dieſer Theil des Werkes läßt Manches zu wünſchen übrig. „ Der iſolirte Staat in Beziehung auf Landwirthſchaft und Na⸗ tionalökonomie, oder Unterſuchungen über den Einfluß, den die Getreide⸗Preiſe, der Reichthum des Bodens und die Abgaben auf den Ackerbau ausüben, von Joh. Heinr. von Thünen auf Tellow in Mecklenburg. Hamburg, 1826, 1 Bd., in— 8. Nebſt 2 Blättern gezeichneter Pläne. * Die Staatswirthſchaft auf der Grundlage der Nationalökono⸗ mie, in ihrer Anwendung auf innere Staats⸗ Verwaltung und die Begründung eines gerechten Auflagen⸗Syſtems, von J. G. Frhrn. von Seutter. Ulm, 1823, 3 Bde., in— 8. Das Spſtem des Verfaſſers iſt auf die individuelle Freiheit, auf die Gewerbs⸗ und Preßfreiheit gegründet. Der 1. Band handelt von der politiſchen Organiſation; der 2. von der innern Staats⸗Verwaltung, der 3. beſchäftigt ſich mit den Auflagen aller Art. Das Werk enthält um⸗ faſſende und demokratiſche Ideen. Theorie und Politik des Handels, von Karl Murhard. Göt⸗ tingen, 1831, 2 Bde., in— 8. Herr Murhard, ein fruchtbarer und unermüdlicher Publiciſt, folgt rückſichtlich ſeiner wirthſchaftlichen Theorien den Fußſtapfen von J. B. Say. Seine Grundſätze tragen das Gepräge der größten Freiſin⸗ nigkeit, und in dem angezeigten Werke ſucht er den Handel auf breite und vernunftmäßige Grundlagen zu bauen. Hr. Murhard prüft den Handel in ſeinen Beziehungen zu der Re⸗ gierung, zu den Auflagen und dann nach ſeinem eigenen Weſen, indem er alle Elemente clafficirt, auf welchen er ruht. Er vertheidigt die Han⸗ delsfreiheit oft mit Beredtſamkeit, immer mit großer Kraft. * Ueber das formale Princip der Staatswirthſchaft, als Wiſſen⸗ ſchaft und Lehre, von H. Eſchenmayer. Heidelberg, 1815, 50 S., in— 8. Eſchenmaver iſt einer der teutſchen Volkswirthſchaftsgelehrten, welche am meiſten zur Verbreitung der Lehre Smith's durch ſeine in die Heidelberger Jahrbücher und in die Leipziger Literaturzeitung eingerück⸗ ten Artikel beigetragen hat. Das eben angegebene Buch iſt abſtract und rein theoretiſch. 3 Blanaui, Geſchichte d. polit. Oekonomie. I1. Bd. 25 — 386— »Handbuch der Staatswirthſchaft, zum Gebrauche bei akademi⸗ ſchen Vorleſungen, nach Ad. Smith's Grundſätzen ausgear⸗ beitet von G. Sartorius. Berlin, 1796, in-S8. Gewiſſer⸗ maßen als neue Ausgabe deſſelben erſchien von ihm: Von den Elementen des National⸗Reichthums und von der Staats⸗ wirthſchaft, nach Ad. Smith; zum Gebrauch bei akad. Vor⸗ leſungen und beim Privatſtudium ausgearbeitet. Göttingen, 1806, in— 8. 1 Dieſes Werk iſt nach den Grundſätzen Smith's entworfen, und ent⸗ hält einige kritiſche Bemerkungen über mehre Punkte der Lehre des ſchot⸗ tiſchen Volkswirthſchaftsforſchers. Sartorius iſt einer der Schriftſteller, welche am meiſten zur Verbrei⸗ tung der wirthſchaftlichen Grundſätze Smith's in Teutſchland beigetragen haben. ⸗ Ueber National⸗Induſtrie und Staatswirthſchaft, nach Adam Smith bearbeitet von A. F. Lueder. Berlin, 1800— 4, 3 Bde., in— 8. Der nämliche Verfaſſer gab noch folgende Werke heraus: .Die National⸗Induſtrie und ihre Wirkungen. Ein Grund⸗ riß zu Vorleſungen. Braunſchweig, 1808. a Die Nationalökonomie oder Volkswirthſchaftslehre. Ein Hand⸗ buch zur Beförderung des Selbſtſtudiums dieſer Wiſſenſchaft. Nach dem Tode des Verfaſſers aus deſſen hinterlaſſenen Pa⸗ pieren herausgegeben. Jena, 1820, in— 8. Nur die neun erſten Bogen dieſes letzten Buches ſind von Lueder; das Uebrige wurde nach Aufzeichnungen verfaßt, die ſich nach ſeinem Tode vorgefunden haben. Die Lehren Smith's herrſchen in den drei angeführten Werken vor. „Ueber den heutigen Begriff, Umfang und Gegenſtand der Staatswiſſenſchaft. Programm von Ka rl Vollgraff. Marburg, 1824. 3 Ein kleines Werkchen von 30 Seiten, in welchem der Verfaſſer die Um⸗ riſſe der beiden politiſchen und bkonomiſchen Schulen zeichnet, welche ſich heute das Feld beſtreiten. Die Vertreter dieſer beiden Schulen ſind, nach Hrn. Vollgraff, einerſeits von Haller, der Verfaſſer der Reſtaura⸗ tion der Staatswiſſenſchaft, und andererſeits Pölitz, der Ver⸗ faſſer des Werks: Die Staatswiſſenſchaften im Lichte unſerer Zeit. wohl Urſorr der a Werk den! ² ed E Nation faſſer ſch * Ueber von Vor wirthſch Buß.). * Ver Ein * St 18 Kunſt ren ſit und ſt künften genz ſte ches kei⸗ enſchaft *Syj lebe * Grr ademi⸗ sgear⸗ zwwiſſer⸗ on den Staats⸗ . Vor⸗ ttingen, und ent⸗ des ſchot⸗ eerbrei⸗ eragen Adam f4, 3 Nrund⸗ n Hand⸗ enſchaft. nen Pa⸗ Lueder; em Tode ken vor. nd der raff. ze Um⸗ ſche ſich ad, mach Kauta- det Ver⸗ unſerer — 387— „Dikäopolitik, oder neue Reſtauration der Staatswiſſenſchaft mit⸗ telſt des Rechtsgeſetzes, von W. Fr. Krug. Leipzig, 1824, in— 8. Ein etwas metaphyſiſches Werk, in welchem die ſoeialen Fragen gleich⸗ wohl mit Tiefe behandelt ſind. Der Verfaſſer betrachtet den rationellen Urſprung der Staaten unter den folgenden drei Geſichtspunkten: entwe⸗ der als göttliche Schöpfung, oder als das Werk der Natur, oder als das Werk einer angemaßten Gewalt; er prüft am Ende ſeines Buches die in den neuern Staaten beſtehende Polizei. * Sypſtem der Staatswirthſchaft, von C. P. Freiherr Gans, edler Herr zu Putlitz. Leipzig, 1826, in— 8. Ein ziemlich oberflächliches Buch; der Verfaſſer ſpricht darin von dem Nationalreichthum, den Auflagen und von den Staatsſchulden. Der Ver⸗ faſſer ſcheint nicht mit der Wiffenſchaft fortgeſchritten zu ſein. „» Ueber Eneyeclopädie und Methodologie der Wirthſchaftslehre, von Peter Philipp Geier. Würzburg, 1818, in— 8. Von eben demſelben Verfaſſer iſt(bei Steinlein, Handbuch der Volks⸗ wirthſchaftslehre, S. 199, ſteht als Verfaſſer: Johann Sartorius. Buß.): * Verſuch einer logiſchen Begründung der Wirthſchaftslehre. Eine Skizze. Würzburg, 1822. Dieſe beiden Werke ſind rein theoretiſch; die Lehren Smith's und J. B. Say's dienen ihnen als Grundlage. * Staatswirthſchaftslehre, von K. S. Zachariä. Heidelberg, 1832, 2 Bde.(Der 5te Band der 40 Bücher vom Staate.) Ein ſehr originales Buch; man bemerkt darin eine große Zahl neuer Kunſtausdrücke, welche in Teutſchland nicht ungerügt blieben. Die Leh⸗ ren ſind hier überhaupt abſtract vorgetragen, ohne Rückſicht auf Ort, Zeit und ſtatiſtiſche Thatſachen. Hr. Zachariä hat zwei neue Arten von Ein⸗ künften aufgeſtellt: die Geiſtesrente, d. h die, welche aus der Intelli⸗ genz ſtammt, und die Creditrente. Im Ganzen iſt dieſes Werk, wel⸗ ches keineswegs des Verdienſtes ermangelt, wenig zum Unterricht der Wiſ⸗ ſenſchaft geeignet, und kann nur von Wirthſchaftsgelehrten geleſen werden. * Syſtem der Nationalökonomie, aus der Natur des National⸗ lebens entwickelt, von J. A. Oberndorfer. Landshut, 1822, in— 8. Derſelbe Verfaſſer hatte 1818 ein anderes Werk unter dem Titel: Grundlegung der Kameralwiſſenſchaften, Landshut, in-8., her⸗ ausgegeben. 25. —- 388— * Der öffentliche Credit, von Fr. Nebenius. Karlsruhe, 1820, 1. Bd., in— 8., 2. Auflage, 1829. Der Verfaſſer machte ſich durch zahlreiche Denkſchriften, durch ein Buch über den teutſchen Zollverein bekannt, und ſein Ruf als Volks⸗ wirthſchaftsforſcher iſt vollkommen begründet. Das Werk über den öf⸗ fentlichen Credit hatte einen verdienten Erfolg. Außer den ſehr ver⸗ ſtändigen Lehren enthält es eine Maſſe Angaben von Thatſachen, welche man mit Frucht benutzen kann. „Verſuch eines Syſtems der National⸗ und Staats⸗Oekonomie, mit vorzüglicher Berückſichtigung Teutſchlands, aus dem Gang der Völker⸗Kultur u. ſ. w., entwickelt von G. Fr. Krauſe. Leipzig, 1830, 2 Bde., in— 8. Dieſes iſt eine populäre Darſtellung der Grundſätze der politiſchen Oekonomie. Der Verfaſſer verfuhr chronologiſch, und leitete ſeine Lehren aus Thatſachen ab. Er gab eine Geſchichte der Entwickelung der poli⸗ tiſchen Oekonomie, indem er die Wechſel beſchrieb, welche Zeit und Na⸗ tur bei einem jeden Volke herbeigeführt haben. Er beginnt mit dem Hirten⸗ und Jägerleben, und zeigt den Uebergang zum Landbau; dann gelangt er zum Urſprung der Gewerbe und des Handels und zur regel⸗ mäßigen Organiſation des Lebensunterhalts. Zahlreiche Anmerkungen enthalten die wiſſenſchaftlichen Begriffsbeſtimmungen und die Erörterung mehrer wirthſchaftlicher Lehren. ⸗ Neue Unterſuchung der Nationalökonomie und der natürlichen Volkswirthſchaftsordnung, von Joh. Sch ön. Stuttgart, 1835, 1 Bd., in— 8. Vollſtändige Lehren, dargeſtellt mit großer Deutlichkeit. Hr. Schon bemühte ſich, alle Fragen der ſocialen Oekonomie ſcharf zu umſchreiben. Er beſeitigte die unnützen Erörterungen, und erleichterte durch eine me⸗ thodiſche Claſſiſication das Studium der Wiſſenſchaft. * Staatswirthſchaftliche Unterſuchungen, von Fr. B. W. Her⸗ mann. München, 1832, 1. Bd., in— 8. Der Verfaſſer hat die Wiſſenſchaft von einem ſehr hohen Standpunkt behandelt. Nach ihm iſt der öffentliche Geiſt für die Ausführung ſtaats⸗ wirthſchaftlicher Ideen unerläßlich; die Praxis muß ihn entwickeln, ſei es durch das Ocrgan der Regierung, ſei es durch die Liberalität der Staatsburger. Die ſtaatswirthſchaftlichen Unterſuchungen ſind mit Klar⸗ heu und Schärfe geſchrieben, und die Kapitel über den Preis der Waa⸗ ren, die Gewinnſte, das Einkommen und die Verzehrung ſind ſehr beach⸗ tenswerth. Adan n—s Flem Es Fr 8: 1820, d ein Volks⸗ n of⸗ t ver⸗ welche domie, Gang auſe. ſchen hren poli⸗ Na⸗ dem dann tegel⸗ ungen derung elichen uttgart, Schͤn hreiden. ine me⸗ Her⸗ dpunkt ſaats- ten, ſei wä de m Mal⸗ det Wan⸗ ſedt veach⸗ — 389— .Das Bedurfniß der Bolkswirthſchaft⸗ 1. Bd.: Die allgemei⸗ nen Grundſätze der Volkswirthſchaftslehre. 2.: Die Grund⸗ fätze der Volkswirthſchaftspflege, von K. Fr. Schenk. Stutt⸗ gart, 1831, 2 Bde., in—8. Dieſes iſt ein populäres Werk, in welchem der Verfaſſer ſich haupt⸗ ſächlich bemüht, die Fragen der politiſchen Oekonomie unter dem prakti⸗ ſchen Geſichtspunkt zu behandeln. Cours éelectique d'économie politithtee, par Don Alvaro Flores Estrada, traduit sur les mscr. originaux par M. I. Gali- bert. Paris, 1833, 3 vol., in— 8. Eine der beſten Darſtellungen der politiſchen Oekonomie, welche ſeit Adam Smith erſchienen ſind; ſie iſt hauptſächlich merkwürdig in dem. was die Theorie der Auflagen betrifft. Elementos de economia poltlica con aplicacion parliculur a Espanna por Valle-Santoro. Madrid, 1829, in— 4. Franzöſiſch: Elemens d'économie politigue, pur M. Valle- Santoro. Paris, 1 vol., in— 8. Ein treffliches Anfangswerk, nur bisweilen etwas dunket. Die Werke Ricardo's enthalten folgende Schriften, deren Verdienſt im Verlauf dieſes Werkes gewürdigt worden iſt, näm⸗ lich: The high price of Bullion, a proof of the depreciation of Bank noles. Essay on le influenge 0f& louc stoct. Proposals for an economical and seeure Curreney. On the Principles of Polilicat Eoonomꝗ and Taxalion. priee of corn on lhe profils of Pyrotection to Agricult ure. Kein Schriftſteller hat nach Hrn. Ricardo Finanzfragen mit mehr Talent behandelt, als Hr. Francis Horner in dem Edinburgh Review. Man ſehe(vol. I., p. 172;3 vol. II., p. 101, 402; vol. V., p. 104; vol. XVII., p. 339; vol. XVIII., p. 448; vol. XXXV., p. 468) die ausge⸗ zeichneten Artikel, welche er über dieſe Gegenſtände bekannt gemacht hat. De PAdministration des finances de la France, par M. Necker. 1784, 3 vol., in— 8. Dieß iſt das erſte aufrichtige Werk, welches uns die Finanzwiſſen⸗ — 390— ſchaft enthüllt bat, und ferner ein Akt des Muths eines guten Bürgers in dem Zeitpunkt, wo es erſchien. Sur la législalion et le commerce des grains, par M. Necker. Paris, 1775, 2 vol., in— 8. Hr. Necker hat in dieſer Schrift die Ideen Turgot's bekämpft. The Prineiples of political econom; with a sketch of the rise and progress of the science, bpy Mao-Culloch. Edinburgh, 1825. 1 vol., in— 8.(Teutſch von Weber; 1831.) Dieſem trefflichen Werke geht eine geſchichtliche Einleitung(A dis- sourse on the rise, progress, peculiar objects and importance of po- al ſitical economy. Bub.) voran, welche von Hrn. Prévoſt von Genf 1 in's Franzöſiſche üverſetzt worden iſt. Ihéorie des quatre mouremens, par M Fourier. 1808, 1 vol., in— 8.. Dieſes iſt das erſte Werk Fourier's. Sein Gedanke iſt darin noch 1 dunkel und verworren, und beginnt erſt in ſeiner Abhandlung über die G Association domestique agricole hervorzutreten. 3 5 Vices de nos procédés industriels, par Just Muiron. Paris, gear 1824, in— 8. enü Der Verfaſſer iſt einer der ausgezeichnetſten Schüler Fourier's. der Etudes de la science sociale, par M. Jules Lechevalier. Pa- ſc ris, 1834, in— 8. ½ I Der Verfaſſer hat hier die Lehren des Saint⸗Simonismus bekämpft, R deren Anhänger er eine kurze Zeit geweſen war. Dieſes Werk enthält im Anfang ein Programme ⁴Economie politique. Desltinée sociale, par V. Considérant. Paris, 1836, 2 vol., Si in— 8. E Der letzte Ausdruck des Syſtems der ſocietären Schule. 1 Ein Werk, geſchrieben in einem ungleichen Styl, in welchem aber. Blitze des Genies und ſehr beachtenswerthe Anſichten über den gegenwär⸗ deg tigen Zuſtand der Geſellſchaft leuchten. Der Verfaſſer wirft bier die itali Schuld der Leiden der Menſchheit auf alle Volkswirthſchaftsgelehrten, als der wenn es bei ihnen geſtanden hätte, ihnen ein Ziel zu ſetzen. Wir werden hen gleichwohl ſeinen bochherzigen Gefühlen und mehren ſeiner Darſtellungen ſele nicht minder Gerechtigheit widerfahren laſſen, die durch eine wahre Tiefe d ausgezeichnet ſind.. ſe —— —dqy—’— e rise burgh, 4A dis- of po- Genf 8, 1 noch t die Laris, 8. J. Pa- hekämpft, enthält 2 vol., em aber genwar⸗ ier die ten, als werden ellungen ee Veſt derte bloß durch ihre Erfa chen Leiſtungen der italiäniſchen Gelehrten zu geb der Literatur eine markige Gedrungenheit in ene I. Anhang. Auszug aus des Grafen Joſeph Peechio Geſchichte der Staats⸗ wirthſchaft in Italien.“) 4 Die Staatswirthſchaft beſtätigt die ſchon oft gemachte Bemerkung, daß die Uebung immer der Wiſſenſchaft vor⸗ gearbeitet hat. Als ſie im achtzehnten Jahrhundert kaum zu entſtehen begann, hatten die Nationen ſchon mehre Jahrhun⸗ hrung geblüht, welcher die Wiſſen⸗ Die italiäniſchen Republiken des onien, Holland arbeiteten, 3 ohne ein Buch, welches ſchaft ihre Gebote entlehnte Mittelalters, die Hanſeſtädte, Catal gewerkten, handelten, bereicherten ſich, 8 4) Der Titel des Buches d Storia della Economia pubb es im Jahre 1835 verſtorbenen Grafen iſt: lica in Italia, ossia epilogo critico degli Economisti italiani, preceduto da un' introduzioneé. Seconda edizionc. Lugano, Tipografia Ruggia e C. 1832. 490 S. Svo. Der Verfaſſer entſchloß ſich zu der Entwerfung dieſes epilogo storico degli economisti italiani, um nach der großen Sammlung der Werke der in 50 Bänden, die italiäniſchen Wirthſchaftsgelehrten vom J. 1582— 1804 i der Hr. Baron Cuſtodi anlegte, eine Ueberſicht der ſtaatswirthichaftli⸗ en, da dieſe Sammlung „in einer Zeit, wo die rieſenhaft anwachſende Maſſe yklopädiſcher Zuſammen⸗ faſſung fordert, und bei der vergleichenden Pflege der Staatswiſſenſchaf⸗ ten dem Auslande nicht zugemuthet werden kann, eine ſo große Samm⸗ lung theilweiſe veralteter Schriften durchzuarbeiten. Der Leſer wird es dem Bearbeiter gewiß zu gut halten, wenn er die ſelten geleſen wird 85 — 392— ſie dieſe Kunſt gelehrt hätte. Aber unter allen Nationen war beſonders das Italien der Neuzeit gewerbfleißiger, reicher, mächtiger, geehrter, noch ehe man nur den Namen dieſer Wiſ⸗ ſenſchaft kannte. Amalfi blühte ſchon im eilften Jahrhundert. Die Amalfitaner handelten nach Jeruſalem, ehe nur noch die Rede von den Kreuzzügen geweſen war. Ihre Schiffe brach⸗ ten ſchon das, was Paläſtina fehlte. Die Freiheit machte es gewerbfleißig, der Gewerbfleiß wohlhabend, der Wohlſtand be⸗ rühmt. Venedig beſaß das Monopol des Orients. Die Vene⸗ tianer holten mit ihren Gallionen die Waaren des Morgenlan⸗ des in den Haven Aſiens und Egyptens, und dann ſandten ſie dieſelben nach Augsburg, von wo ſie in das übrige Europa ſich vertheilten. Venedig wirkte 1204 zu Eroberung Conſtan⸗ tinopels mit, und theilte die Spolien des griechiſchen Kaiſer⸗ thums mit den lateiniſchen Waffen. Es war das Bollwerk der Chriſtenheit gegen die Türken. Von Allen verlaſſen, beſtand es allein gegen die Ligne von Cambray den Anſtoß der mächtig⸗ ſten zu ſeiner Vernichtung verſchworenen Fürſten Europa's. Es pflegte jede Art von Manufacturen, beſonders aber die von Seide, Tüchern, Spitzen, Glas, Spiegeln u. ſ. f. Daher die unermeßlichen Reichthümer ſeiner Bürger, welche in Paläſten von Marmor wohnten, und von Geſchirr aus Silber, einem damals ſehr ſeltenen Metall, ſpeisten. Genua, welches die Bedeckungen des erſten Kreuzzugs über⸗ ſetzte, und durch den Handel nach Paläſtina gedieh, ward in der Folge auf einige Zeit die Nebenbuhlerin Venedigs. Es war die Herrin Theodoſia's am ſchwarzen Meere, Sciv's und Mitylene's im Archipel, Pera's am Hellespont. Vom Anfang des vierzehnten Jahrhunderts bis zum fünfzehnten ſchifften die Genueſen im atlantiſchen Meere, und brachten die Waaren des Orients nach Brügge und London, von wo ſie die hanſeati⸗ ſchen Handelsleute, welche in England und Flandern ihren — in endeloſer Wiederholung wiederkehrenden Ausbrüche eines meiſt eben ſo un⸗ erleuchteten, als durch die Geſchichte unbelehrten politiſchen Liberalismus und die Verkündung einer vagen Freiheit in unſerer Bearbeitung aus⸗ gelaſſen haben, die wir übrigens wohl der gedrückten Stimmung eines Geächteten verzeihen können. Buß. Sitz ha und ſta die Ha⸗ Wolle reien Einige Kunige und Pel Mil.. Ge ſerem G richig: Banken dern vo derts b Goldg. Dieſes pel, d hunden ſabeth tauſen arbeite Tücher mit ein prächtig welcher in Ron Iw auch: neng ten, en war ceicher, 1 Viſ⸗ undert. ich die brach⸗ chte es and be⸗ Vene⸗ genlan⸗ fen ſie ropa ſtan⸗ iſer⸗ der d es hüig⸗ . Es e von her de zaläͤſten einem s über⸗ vard in 6. Es en ſo W⸗ rausmus ung aus⸗ nung dines — 393— Sitz hatten, weiter nach dem Norden verführten. Gewerbfleißig und ſtaatsklug, bildete dieſe Republik ihre Kriegsmarine durch die Handelsmarine; ſchützte den Gewerbfleiß der einen durch die Tapferkeit der andern, ſo daß ſie im Stande war, lange Kriege mit wechſelndem Glück gegen Venedig zu führen. Toscana, voll gewerbfleißiger und reicher Republiken, hatte eine dreimal ſtärkere Bevölkerung, als jetzt. Von Flo⸗ renz will ich nur ganz kurz ſprechen. Dieſes war der Schlüſ⸗ ſel des Gleichgewichtes Italiens. Sein Gewerbfleiß, ſeine Wollenmanufacturen hatten es mächtig gemacht. Es hatte Facto⸗ reien und Bankherren in Frankreich, Flandern und England. Einige ſeiner Bürger hatten größere Reichthümer, als viele Könige Europa's. Bloß zwei ſeiner Bankherren, die Bardi und Peruzzi, liehen dem König Eduard III. von England 1 ½ Mill. Goldgulden(1,365,000. Buß.), welche, verglichen mit un⸗ ſerem Gelde, die Summe von 75 Mill. Lire machen würden.(Un⸗ richtig: ſie betragen 274,870,005 unſerer Lire. Buß.) Achtzig Banken führten die Operationen nicht bloß von Florenz, ſon⸗ dern von ganz Europa. Im Anfang des vierzehnten Jahrhun⸗ derts belief ſich das Einkommen der Republik auf 300 tauſend Goldgulden, d. h. auf 15 Millionen Francs unſeres Geldes. Dieſes Einkommen war größer, als das des Königs von Nea⸗ pel, des Königs von Aragon, und als das, welches drei Jahr⸗ hunderte ſpäter Irland und England zuſammen der Königin Eli⸗ ſabeth einbrachten. Die Stadt hatte eine Bevölkerung von 170 tauſend Einwohnern, 200 Tuchmanufacturen, 30 tauſend Woll⸗ arbeiter, und verkaufte jedes Jahr für mehr als 60 Mill. Francs Tücher. Die Wollenweberei blühte dergeſtalt in Florenz, daß es mit einer kleinen Auflage von 2 Soldi auf jedes Stück, jenen prächtigen Tempel von Santa Maria del Fiore bauen konnte, welcher durch die Herrlichkeit der Structur kaum der Peterskirche in Rom weicht. 4 Italien wimmelte von andern Republiken, welche, wenn ſie auch nicht zu dem Ruhm und der Macht der drei letzt angegebe⸗ nen gelangten, gleichwohl eine hohe Stufe des Glanzes erreich⸗ ten, wie Mailand und Bologna, vorzüglich aber Mailand, dieſe — 394— erſtgeborene und berühmteſte der lombardiſchen Republiken. Mehr als hundert Münzſtätten waren in Thätigkeit, und faſt ganz Italien war mit Univerſitäten und Denkmalen geſchmückt. Nicht nur haben dieſe Republiken geblüht, ehe die Wiſſen⸗ ſchaft entſtand, ſondern auch gleichſam alle Auskunftsmittel ge⸗ übt, welche ſpäter die Wiſſenſchaft ſammelte, erklärte, vervoll⸗ kommnete, um die Völker zum Reichthum zu führen. Entwe⸗ der Piſa oder Barcelona, oder am wahrſcheinlichſten nach dem Namen Amalfi führte zuerſt das Seerecht ein, welches unter dem Namen der Tavola Amalfitana bekannt iſt, und das Ge⸗ ſetzbuch der Seefahrer wurde. Amalfi wird auch von Einigen die Erfindung des Kompaſſes zugeſchrieben. Die Republik Mai⸗ land führte von 1260 die Kataſtrirung der Grundſtücke aus. Venedig fand von 1171 in den Anleihen eine neue und außer⸗ ordentliche Quelle der Finanzen. Um die Intereſſen jener Schuld zu zahlen, führte es bald nachher zuerſt eine Umſchreibe⸗ bank und die Circulationspapiere ein. Es gab vielleicht die ſorgſamſten Geſetze der Geſundheitspolizei. Es machte die Sta⸗ tiſtik der Verwaltungswiſſenſchaft dienſtbar, wie man aus dem vom Dogen T. Moncenigo im Jahr 1420 gehaltenen Vortrag ſieht*), der den Berichten nicht ganz unähnlich iſt, welche ge⸗ genwärtig die Miniſter im britiſchen Parliament, oder in der franzöſiſchen Deputirtenkammer alljährlich vorleſen. Die Flo⸗ rentiner, welche zuerſt Banken in den verſchiedenen Theilen Europa's hatten, ordneten auch zuerſt die Ausgaben des Frei⸗ ſtaats durch die Sitte der Aufſtellung der Jahresüberſichten über die Einnahmen und Ausgaben. Der Gonfolionere Pietro So⸗ derini trug im Jahr 1510, als er Rechenſchaft über ſeine Ver⸗ waltung ablegte, dem großen Rath den Stand der Einnahme und der Ausgabe von den acht vorhergehenden Jahren vor**). Ge⸗ nua gab das erſte Beiſpiel von ausſchließlichen Privilegien, *) Er iſt im I. Band, Hauptſtück XX., S. 240 ff in der Anmerkung* abgedruckt. Buß. **) Ein ſolches Budget von Florenz vom J. 1336— 1338 iſt ebenfalls im I. Bd., Hptſt. XX., S. 227 ff. in der Anmerk.**abgedruckt. Buß. welche e fen bewe liche Er dieſe Fr delsgen Alle lichen ſie rei ſchaff Wettei welche Samml Wohl. ſpricht w Dieſer F ſtehende bung, ihn trotz ſeir Geſamn ſeine B jede Fo graphif ſie die die Eig beſtehen Die ſchaft hat die Die Ge außer J driſcher Färſer dhel, d war ſtets Herz — 395— publiken. welche einer Geſellſchaft an Zahlungsſtatt für gemachte Geldhil⸗ und ſaſt fen bewilligt wurden. Die Leihhäuſer waren ferner eine nütz⸗ ſcmück. liche Erfindung des Anfangs des ſechszehnten Jahrhunderts. Alle Viſſen⸗ dieſe Freiſtaaten ehrten mit Würden und Auszeichnung das Han⸗ nittel ge⸗ delsgewerbe. vervol⸗— Allein der ungeheure Wohlſtand dieſer Staaten, alle dieſe nuͤtz⸗ Entwe⸗ lichen Entdeckungen waren nicht die Frucht einer blinden Uebung, nach dem ſie reiften unter der Sonne der Freiheit, welche ihre Wunder bes unter ſchafft, indem ſie die Kräfte des Geiſtes und Herzens durch den das Ge⸗ Wetteifer verhundertfacht, den ſie erweckt, durch die Sicherheit, Einigen welche ſie den Perſonen und dem Eigenthum bietet, durch die t Mai⸗ Sammlung aller Gedanken und Intereſſen auf das gemeinſame Wohl. Ein freies Volk hört Jeden, der es belehren will, und te aus. außer⸗ ſpricht wiederum, es erleuchtet und leitet den eigenen Geſetzgeber. jener Dieſer Freiheit verdankt das ſonſt in der Wiſſenſchaft nicht hoch ireibe⸗ ſtehende römiſche Volk ſeine bis auf uns herab verehrte Geſetzge⸗ eiht die bung, ihr Venedig das Wachsthum ſeines Freiſtaats, ihr Florenz die Sta⸗ trotz ſeinen Bürgerkriegen und ſchlechten Strafgeſetzen ſeine das aas dem Geſammtwohl ſo fördernden Verordnungen, und eben ſo Genua Vortrag ſeine Blüthe. Die Freiheit eignet ſich in einem Volke Alles an, welche ge⸗ jede Form der Regierung, jedes kirchliche Bekenntniß, jede geo⸗ der in der graphiſche Lage. Sie iſt eine zweite Seele des Menſchen. Da die Flo⸗ ſie die untrennbare Gefährtin des Menſchen ſein ſoll, ſo muß ſie n Theilen die Eigenſchaften des Menſchen haben, überall auf der Erdkugel des Fre⸗ beſtehen zu können.. überſccten Die Uebung iſt ſonach in der Staatswirthſchaft der Wiſſen⸗ ietro So⸗ ſchaft voran geeilt, aber nur im Geleite der Freiheit: ohne dieſe 4 Ver⸗ hat die Erfahrung noch kein Reich mächtig und glorreich gemacht. 4 und Die Geſchichte zeigt dieſes an einer Fülle von Beiſpielen in und und 5 außer Italien. Auf dieſer Halbinſel war ein großer Unterſchied 2— zwiſchen ſeinen Republiken und den andern von unbeſchränkten ivilegen Fürſten oder Feudalregierungen beherrſchten Provinzen, wie Ne⸗ 3 apel, dem Kirchenſtaat, dem Herzogthum Matland u. a. Neapel Anmerhun war eine ſtete Beute auswärtiger Eroberer: die Päpſte hatten A. ſtets beſchränkte Finanzen rückſichtlich des Kirchenſtaates: das 8 dnſ Herzogthum Mailand blieb noch 2 ½ Jahrhunderte hindurch nach . Buß. — —— — — — 396— dem Erloͤſchen der Republik Mailand ein gewerbfleißiger, mäch⸗ tiger Staat, wegen der Fruchtbarkeit ſeines Bodens, wegen ſei⸗ ner Fülle von Landſchaften und Städten, wegen ihres zur Zeit ihrer Freiheit erlangten Wohlſtandes und wegen der Beibehal⸗ tung der aus der Zeit der Republik ſtammenden, dem Gewerb⸗ fleiß und dem Landbau günſtigen Geſetze. Die Conſulargerichts⸗ barkeit kürzte die bürgerlichen Rechtsſtreitigkeiten: die auf die Verzehrung des Volks und auf die Einfuhr der Urſtoffe geleg⸗ ten Steuern waren mäßig: es beſtand Freiheit der Gewerbe, ein Geſetz von 1370 verbot der Geiſtlichkeit weitern Güterer⸗ werb u. ſ. f. So hatte im Jahr 1288, d. i. 30 Jahre nach dem Verluſt ihrer Freiheit, die Stadt Mailand noch eine Be⸗ völkerung von 200 tauſend Einwohnern, und in ſeinem Bezirk 150 Schlöſſer mit eben ſo vielen Dörfern. Das Herzogthum konnte 240 tauſend Mann bewaffnen. Als aber einige der italiäniſchen Republiken ihre Freiheit, und einige andere Provinzen ihre politiſche Unabhängigkeit ver⸗ loren hatten, gerieth der Reichthum Italiens und mit ihm ſeine Macht in immer tiefern Verfall, bis die Wiſſenſchaft der Staats⸗ wirthſchaft einige ſeiner Wunden heilte, und Blut in einen er⸗ ſchöpften, hinwelkenden Körper goß. Der Stern Italiens ging 1530 unter. Sein Ruhm erſtarb, als in dieſem Jahr Karl V. die tos⸗ caniſchen Republiken aufhob, und Neapel und Mailand unter ſeinen verheerenden Herrſcherſtab brachte. Mehr als zwei Jahr⸗ hunderte hindurch, von 1530 bis 1750, ſank, außer Genua und Venedig, welche mit der Freiheit auch noch einen großen Theil ihres Wohlſtandes bewahrten, das übrige Italien von Unordnung in Unordnung, eine Beute aller Irrthümer einer eben ſo unwiſ⸗ ſenden, als räuberiſchen Verwaltung. Wenn im 12. Jahrhundert Italien an der Hand der Frei⸗ heit aus der Barbarei hervortrat, ſo ſchritt es im 18ten mit Hilfe der Staatswirthſchaftslehre aus einer verderblichen Ver⸗ waltung. Das gegenwärtige Italien iſt(ſo weit es auch noch von jenem entfernt iſt, was es ſein könnte) ein lebendes Denk⸗ mal zur Ehre der Viſeenſchaft. Wenn alſo auch bisweilen die mit der Freiheit verbündete Uebung letztere! der Frei welche In Ern nicht in enthebt zu ſein ſenſche Freihe Man gierung ren. M hunderts ner, mit hindurch zu haben Sodar unter ve thum fi den W und der gewalt Umlau Eigent die A Frohne Menge ger frei In d wirthſch mildert den m den; Thei ſo d verdünden 397 Uebung vor der Theorie und ohne ſie beſtehen kann, ſo iſt dieſe letztere doch immer unterſtützend. Beſteht aber die Theorie mit der Freiheit, ſo ſchafft ſie jene faſt unglaublichen Denkmale, welche wir gegenwärtig in England und Nordamerika ſehen. In Ermangelung der Freiheit vertritt ihre Stelle, wenn auch nicht im Ganzen, doch theilweiſe, die Wiſſenſchaft: deßwegen enthebt aber dieſe die Völker noch nicht der Nothwendigkeit, frei zu ſein, wenn ſie glücklich ſein wollen; denn einmal iſt die Wiſ⸗ ſenſchaft nur ein Erſatz, keineswegs aber ein Aequivalent der Freiheit, deren glänzende Ergebniſſe ſie nie erlangen wird. Man wird immerbin zwiſchen den gebildetſten und freien Re⸗ gierungen noch einen großen Unterſchied im Wohlſtand gewah⸗ ren. Man vergleiche nur das Frankreich des verfloſſenen Jahr⸗ bunderts, geleitet durch die gebildetſten, gelehrteſten Finanzmän⸗ ner, mit England, welches ſich faſt das ganze Jahrhundert bindurch zum Trotz ſeiner Staatswirthſchaftsgelehrten regiert zu haben ſchien. Sodann iſt zuletzt die Wiſſenſchaft ſelbſt nur ein Theil der unter verſchiedenen Namen verhüllten Freiheit. Ihre zum Reich⸗ thum führenden Lehren ſind eben ſo viele zur Freiheit führen⸗ den Wege. Worin beſteht die Theorie vom öffentlichen Credit und den Auflagen, als in der Beſchränkung der Willkür der Staats⸗ gewalt? Ruht die ganze Lehre von der Anlegung, Anhäufung, dem Umlauf der Kapitale nicht auf dem unverletzbaren Recht des Eigenthums? Löſen ſich die Freiheit der Berufe und Gewerbe, die Abſchaffung ſo vieler Binnenmauthen, die Aufhebung der Frohnden und Bedrückungen der Pächter nicht in eine größere Menge individueller Freiheit auf? Iſt nicht durch ſie der Bür⸗ ger freier in ſeinen Handlungen, Bewegungen? In der That hat ſich, ſeit die Wiſſenſchaft von der Staats⸗ wirthſchaft ſich erhob, das Loos der Völker in jeder Hinſicht ge⸗ mildert und verbeſſert. Das Eigenthum und die Perſonen wur⸗ den mehr geachtet: die Fürſten wurden reicher, mächtiger. In den Zeiten des Feudalismus mußten ſie in der Geldnoth einen Theil ihrer unbeſchränkten Gewalt um den andern veräußern, ſo die teutſchen Kaiſer ihr dominium eminens über die italiä⸗ — 398— niſchen Städte, die teutſchen Fürſten Rechte ihrer Herrſchaft über die Hanſeſtädte, die Könige von England die Beſtätigungen der magna charta. Im verfloſſenen Jahrhundert geſchah zwiſchen den Völkern und Regierungen ſtillſchweigend der nämliche Tauſch. Für die Gewährung größerer Freiheit bedingten ſich dieſe größeres Einkommen. Allein die Könige wurden durch den Zauberſtab der Wiſſenſchaft nicht bloß reicher, ſondern auch ſicherer, ruhiger, glücklicher. Trotz allem dem iſt die Wiſſenſchaft nur ein unverhältnißmä⸗ ßiges Surrogat der Freiheit. Dieſe iſt nicht bloß eine reichliche, ſondern auch eine ewige Quelle von Gütern, während jene nur eine dürftige und unſichere Quelle iſt, welche plötzlich von der näm⸗ lichen Hand geſchloſſen werden kann, die ſie fließen ließ. Hat nicht Ludwig XIV. auf alle Weiſe den Gewerbfleiß und den Han⸗ del begünſtigt, und nicht ſpäter durch den Widerruf des Edicts von Nantes ſein ganzes früheres Werk zerſtört? Durch die Freiheit, welche es behielt, war Holland wohlhabender, als Frankreich mit ſeinen Staatswirthſchaftsgelehrten, obwohl es die ausſchließliche Herrſchaft über Oſtindien verloren hatte, und eben deßwegen waren auch Genua und Venedig im letzten Jahr⸗ hundert reicher, als die Lombardei, Toscana, Neapel. Deßwegen iſt dieſe Wiſſenſchaft für die unbeſchränkten Re⸗ gierungen nothwendiger, als für die freien. In dieſen bilden die Erziehung und öffentliche Erörterung die Staats⸗ und Fi⸗ nanzmänner: die Beſtändigkeit der Geſetze, die Unverletzbarkeit der Perſon und des Eigenthums, die von der öffentlichen Mei⸗ nung verliehenen Ehren und Aemter, kurz Alles ſucht den Ge⸗ werbfleiß zu ſteigern. Dagegen iſt in unbeſchränkten Monar⸗ chien Alles gelähmt, es waltet ein undurchdringliches Geheim⸗ niß, es beſteht keine Schule, keine Erfahrung für das Publi⸗ kum, die Verwaltung iſt ein geheimes Monopol für die weni⸗ gen Beamten. Bloß die Bücher können ſonach den Mangel an öffentlichem Unterricht und an politiſcher Erfahrung unvollkom⸗ men erſetzen, die Irrthümer der Verwaltung hervorheben, die Reformen angeben, die Regierenden aufklären, neue Verwal⸗ tungsbe⸗ Literatt Alles vielen ſcharf Karls oder! zum( leitun Geſch Von rung a Hauſes als ſelb ſers war rüſtet, ſ brandſch Armee vodlie nedig plünd derten loſen Herzo letzte erſch Aleſſa ſeine verſcht uttheil Gleich ewod Fhe Dro Ha⸗ hiel haft über igen der zwiſchen nämliche gten ſich en durch dern auch ältnißmä⸗ reichliche, nur eine er naͤm⸗ . Hat n Han⸗ Edicts icch die er, als l es die ate, und ten Jahr⸗ ll. ukten Re⸗ ſen bilden „und Fi⸗ letzbarkeit hen Mei⸗ den Ge⸗ Monar⸗ Geheim⸗ Publi⸗ ie weni⸗ tangel au mvolliom⸗ heben die Verwal⸗ 399— tungsbeamten erziehen. Und gleichwohl wird dieſe Stimme der Literatur oft geächtet.— Alles dieſes zeigt ſich in Italien: die Wiſſenſchaft hat hier vielen Provinzen Verbeſſerungen gebracht. Man kann hiernach ſcharf zwei Zeiträume unterſcheiden, den des Verfalls von Karls V. Herrſchaft in Italien bis zum Frieden von Aachen, oder bis zum Jahr 1748, den der Verbeſſerungen von 1750 bis zum Ende des vorigen Jahrhunderts. Ich ſchildere in der Ein⸗ leitung bloß den Zuſtand des Verfalls, die Verbeſſerungen der Geſchichte der Staatswirthſchaft vorbehaltend. Von allen Fremdherrſchaften, welche ſeit der Völkerwande⸗ rung auf Italien laſteten, war die des ſpaniſch⸗habsburgiſchen Hauſes die verderblichſte, und die Karls V. noch verheerender, als ſelbſt die Friedrichs, des Rothbarts. Die Caſſe dieſes Kai⸗ ſers war immer leer; ſeine Heere waren weder bezahlt, noch ausge⸗ rüſtet, ſeine Generale lebten von der Erpreſſung. Im J. 1522 brandſchatzte Karl von Lannois zum Unterhalt der kaiſerlichen Armee alle bis dahin unabhängigen Staaten Italiens, die Re⸗ publiken, die Marcheſate von Saluzzo und Montferrat. Nur Ve⸗ nedig blieb frei. Genua und Rom wurden erſtürmt und ge⸗ plündert. Vor den Räubereien der kaiſerlichen Schaaren wan⸗ derten die Bewohner Mailands aus, oder erhoben ſich zu frucht⸗ loſen Aufſtänden. Der Herzog Sforza mußte mehre Male ſein Herzogthum mit Geld wieder einlöſen, und endlich trat es der letzte dieſer Herzoge an Karl V. gegen eine Penſion ab. Die erſchöpfte Republik Florenz gab dieſer Kaiſer dem ſchlechten Aleſſandro: 1554 wurde das Gebiet von Siena verheert, und ſeine Seelandſchaft ſank in eine verpeſtete Verödung. Karl V. verſchwendete den Briefadel, und nährte das caſtilianiſche Vor⸗ urtheil, daß der Adel durch den Müſſiggang conſtituirt werde. Gleichwohl würde die natürliche Elaſticität, das jeder Nation einwohnende Lebensprincip, mit der Zeit einige dieſer Wunden geheilt haben; allein die ſchlechte Verwaltung verewigte dieſe Drangſale, da ſie gegen den Landbau, die Induſtrie und den Handel einen beſtändigen Krieg führte. Karls V. Nachfolger hielten dieſe verderbliche Berwaltung nicht bloß aufrecht, ſon⸗ — 400— dern machten ſie noch verheerender. Vergebens blendet die Blüthe der Kunſt, ſie überdeckt nur das Wehe der italiäniſchen Völker. Betrachten wir die einzelnen Staaten der Halbinſel! Die weiſen Inſtitutionen aus der Zeit der Republik, welche die Herzoge Visconti und Sforza klug beibehalten hatten, üb⸗ ten ſelbſt unter den ſchlechten Herrſchern noch ihre ſegensreiche Wirkung. Klare und gute Geſetze ſicherten das Eigenthum: eine Conſulargerichtsbarkeit(eine Art Handelsgerichtes) ent⸗ ſchied ſummariſch die Rechtsſtreitigkeiten; Handelsleute und Ge⸗ werkende waren von vielen Abgaben frei. Die Zolltarife ſchützten die einheimiſche Induſtrie. Jeder konnte, wie und wo er wollte, ſein Gewerbe treiben: der Handelsſtand genoß Eh⸗ ren und Belohnungen. Das Bürgerrecht wurde jedem Aus⸗ länder bewilligt, welcher Wohnſitz und Gewerb, von welcher Art es auch war, in das Herzogthum übertrug. Und ſo be⸗ hielt Mailand, das zur Zeit der Republik eine Bevölkerung von 200 tauſend Einwohnern, 70 Tuchfabriken, 60 tauſend Wollarbeiter hatte, und das mit ſeinen 35 Städten im 13. und 14. Jahrhundert das zweite Rom hieß, wenigſtens ſeine Handelsblüthe, wenn es ſie auch nicht erhöhte. Das Jahreseinkommen des erſten Herzogs Gian Galeazzo Visconti betrug im Jahre 1395 1 Million und 250 tauſend Zecchinen, vier mal ſo viel, als das von Florenz. Freilich war der mai⸗ ländiſche Staat auch vielmal größer, als der von Florenz. Im Jahr 1420, als dieſes Herzogthum, welches man ein Königreich nennen konnte, ſich vom mittelländiſchen Meer bis zum adriatiſchen und von den Alpen bis in die Appenninen hinein erſtreckte, blühten in ihm eine Menge von Waffen⸗, Seide⸗ und Wollenfabriken. Wir haben oben aus der von dem Dogen Mocenigo im Jahr 1420 im großen Rath ge⸗ haltenen Rede geſehen, daß bloß aus den Wollenmanufactu⸗ ren die 5 Städte Mailand, Como, Pavia, Cremona, Monza uͤber Venedig 29 tauſend Stücke Tuch im Jahr, mit einem Werthe von ungefähr 9 Millionen damaliger Lire, alſo 40 Millionen heutiger Franes, ausführten. All' dieſer Glanz er⸗ loſch preſſu ſerlich Kriegt waltu es w von mehr der werk werke Statu reien Kechts largeri niſched welchen dride Gehei freih einn trat Cred eink Die gier Reg Geſ der keit, ter Grr der det die aäniſchen welche ten, üb⸗ ensreiche genthum: es) ent⸗ und Ge⸗ olltarife und wo Ch⸗ Aus⸗ velcher ſo be⸗ lkerung tauſend im 13. enigſens ate. Das Visconti ecchinen, der mai⸗ Florenz. nan ein Neer bis enninen gaffen⸗ er von ath ge⸗ aufactu⸗ Monza t einem alſo 40 Glanz er⸗ —-— 401— loſch unter der Herrſchaft Karls V. Es begannen die Er⸗ preſſungen, Frohnden jeder Art, die Verpflegungen des kai⸗ ſerlichen Heeres. Durch viele Jahre dauerte eine ſtändige Kriegsverheerung: darauf folgte eine noch verderblichere Ver⸗ waltung. Verbrauchsſteuern jeder Art laſteten auf dem Volke, es wuchſen die Zölle von der Ausfuhr der Manufacturen und von der Einfuhr der Rohſtoffe: die Zolltarife waren nicht mehr ein Gegenſtand der Geſetzgebung, ſondern eine Quelle der Dieberei. An die Stelle der freien Ausübung der Ge⸗ werke traten die Monopole des Handels und das der Ge⸗ werke; an die Stelle der Gewerbefreiheit die Innungen, ihre Statuten, welche lächerliche Anmaßungen und ewige Zänke⸗ reien erzeugten. Die Geſetze häuften ſich, und damit die von den Rechtsſtreitigkeiten lebenden Anwälte. An die Stelle der Conſu⸗ largerichtsbarkeit trat in Mailand die langſame, willkürliche, tyran⸗ niſche des Senats. Dazu kam der Druck der Statthalter, gegen welchen vergebens die Beſchwerde nach dem zu entlegenen Ma⸗ drid erging. Die Befehle kamen immer zu ſpät, nach der That. Geheimniß umhüllte die Geſchäfte. Nicht nur war die Rede⸗ freiheit gehemmt, die Regierung ſelbſt ſprach nie. Die Staats⸗ einnahmen wurden verpachtet, zu der Gierigkeit der Regierung trat die noch drückendere der Pächter. Die Regierung hatte keinen Credit mehr, und ſah ſich daher genöthigt, die Zweige des Staats⸗ einkommens zu veräußern— eine neue Quelle von Bedrückungen. Die Münze verwandelte ſich in eine Einkommensquelle für die Re⸗ gierung. Anderthalb Jahrhunderte verſchlechterte fort und fort die Regierung die Münzen, vergebens ſich gegen die unwandelbaren Geſetze der Natur und den natürlichen und commerciellen Werth der Münzmetalle erhebend. Die Steuerbefreiung der Geiſtlich⸗ keit, welche mehr als ½1 des Bodens beſaß, wälzte die un⸗ ter dem Namen Diaria bekannte Steuer und die anderen Grundabgaben lediglich auf die anderen zwei Dritttheile der Grundeigner. Despotismus, verheerende Krankheiten, Un⸗ wiſſenheit ſind das untrennbare Geleite. Dieſe drückende Herr⸗ ſchaft dauerte 172 Jahre, bis 1706. Die Auswanderung der Ein⸗ wohner, die Verödung der Felder waren die unvermeidlichen Fol⸗ Blanqui, Geſchichte d. polit. Oekonomie. II. Bp. 26 — 4092— gen. Schon vor 1630 hatten die Handelsleute um 24 tauſend bloß in der Stadt Mailand abgenommen: die Wollenfabriken kamen von 70 ſchon in der Mitte des 17. Jahrhunderts auf 15, und wenige Jahre ſpäter auf 8 herab. Dieſe Regierung, welche in Mailand 200 tauſend Einwohner angetroffen hatte, hinter⸗ ließ kaum 100 tauſend. Im Jahr 1706 ging die Lombardei an den teutſchen Zweig des öſtreichiſchen Hauſes und ſeine beſſere Verwaltung über, litt aber noch lange an den Nachwehen der frühern Herrſchaft, bis zwei erleuchtete Herrſcher den Forderun⸗ gen der hier eifrig gepflegten Staatswiſſenſchaften edel huldigten. Das Königreich Neapel und Sieilien, das gleichfalls un⸗ ter das ſpaniſche Joch gefallen war, litt, wie Mailand, nur konnte es nicht ſo tief ſinken, weil es früher keiner ſo großen Blüthe ſich erfreut hatte. Was früher noch die Fremdherrſchaft oder der Krieg übrig gelaſſen hatten, war einer trotzigen Feu⸗ dalariſtokratie verfallen, welche ſich einer jeden Neuerung oder Verbeſſerung widerſetzte. Gleichwohl hatte dieſes Reich das hohe Glück bis auf Karl V. genoſſen, eigene Könige, wenn auch fremder Abkunft, und eine einheimiſche Regierung zu beſitzen: von da an ſank es zu einer Provinz eines fernen Hofes herab. Die Rechts⸗ pflege ward ein Irrgewinde inmitten eines Wuſtes auf einan⸗ der geſchichteter Geſetze. Auch hier erſchien die Peſt der An⸗ wälte. Die Gerichtsſtätte verſchlang das Vermögen der von ſo vielen hungerigen Advocaten zur Proceßſucht aufgehetzten Fa⸗ milien. Die Vicekönige übten hier die gleiche Willkür, wie die Statthalter in der Lombardei. Der Landbau lag darnieder durch die verheerende Gerechtſame der freien Weide, durch den Tavoliere, eine unermeßliche Gemeindeweide, durch das Geſetz, welches die Schließung der Güter verbot. Auch hier wucherte das Monopol jeder Art. Umwälzungen, hervorgerufen durch den Druck, ver⸗ mehrten die Leiden, obwohl ſie ſcheiterten, ſo die Campanella's im Jahr 1603, ſo die Maſaniello's im Jahr 1647. Selbſt die Münzverwirrung hatte 1626 unter dem Cardinal Zapata einen Volksaufſtand erregt. So war dieſes reizende Königreich, er⸗ ſchöpft von Steuern, ohne Handel, ohne Gewerbfleiß, ohne Straßen, ohne Bildung, an den Rand des Verderbens gelangt, als gigke ten ſ aus ſichti wurd Lehe Feu lich 1 2 1 zel, Alein früher nicht in ſo lang und Kr Provir ken Fe bender ſeiner ſenſch brike welch felde die d fen. ten d tung ſtürmt kratie! kann rung de d dend eine tauſend fabriken auf 15, welche hinter⸗ dardei an t beſſere behen der orderun⸗ uldigten. alls un⸗ b d, nur großen rſchaft Feu⸗ V goder 8 s hohe remder nda an Rechts⸗ f einan⸗ der An⸗ der von V tzten Fa⸗ wie die er durch woliere, ihes die onopol f, ver⸗ mnella's V elbſt die einen teich rel⸗ diß, ohne 8 gelangt — 403— als es in der Mitte des vorigen Jahrhunderts ſeine Unabhän⸗ gigkeit unter einem eigenen Fürſten gewann. Seither bemüh⸗ ten ſich ſeine Schriftſteller in rühmlichem Wetteifer, das Land aus ſeiner Verarmung zu ziehen. Die Rathſchläge waren vor⸗ ſichtig, die Bücher verſtändig. Wenn wenige Reformen erwirkt wurden, ſo kam dieſes daher, weil ſie an dem Widerſtand der Lehensbarone ſcheiterten, deren Macht in dieſem Lande, wo der Feudalismus ſeine frühere Stärke behalten hat, unerſchütter- lich iſt. Der Kirchenſtaat erwarb im 16. Jahrhundert neue Provin⸗ zen, und eine Ausdehnung, größer, als er ſie je beſeſſen hatte. Allein dieſe ihm angefallenen Landſchaften verloren bald ihren frühern Glanz, und die Stärke und der Reichthum wuchſen nicht im Verhältniß mit den Erwerbungen. Bologna, welches, ſo lange es frei war, durch Landbau, Gewerbe, Gelehrſamkeit und Kriegsruhm geblüht hatte, verlor, nachdem es eine päpſtliche Provinz geworden war, Gewerbfleiß und Kraft. Eben ſo ſan⸗ ken Ferrara, Urbino, Rimini, welche früher unter Glanz lie⸗ benden Fürſten wohlhabend geweſen waren, und das früher durch ſeinen Seehandel mächtige Ancona. Während Leo X. die Wiſ⸗ ſenſchaften und Künſte ehrte, verfielen der Landbau, die Fa⸗ briken und der Handel. Leo's Zeitalter glich einem Nordlicht, welches blendet, aber nicht belebt, welches leuchtet, aber Eis⸗ felder beſcheint. Dieſer Papſt erſchöpfte durch ſeine Kunſtpflege die Finanzen und mußte zu ungehörigen Auskunftmitteln grei⸗ fen. Nur Sintus V. ſorgte für den Staatshaushalt; denn hät⸗ ten die Päpſte auch die Fähigkeit gehabt, eine weiſe Verwal⸗ tung einzurichten, ſo hatten ſie doch in dem von Factionen be⸗ ſtürmten Rom zwiſchen dem Volke und der mächtigen Ariſto⸗ kratie weder die Gelegenheit, noch die Macht. Allein nach Karl V. kann Nichts die Schwäche und die Sorgloſigkeit ihrer Regie⸗ rung rechtfertigen. Die Provinzen und die Hauptſtadt ſelbſt wur⸗ den von frechen Banditen bedroht, und die Küſten von den lan⸗ denden Barbaresken verheert; die Bewohner waren der Spott einer Hand voll Straßen⸗ und Seeräuber geworden. Nach al⸗ 26. — 404— len Seiten Unſicherheit: das einzig gepflegte Gewerbe der Bet⸗ tel: jede Provinz nach Willkür von einem Prälaten regiert: kein Mittelpunkt der Regierung, keine Gleichförmigkeit, keine Einfachheit der Geſetze. Die Campagna von Rom war eine öde, ungeſunde Wüſte geworden, bevölkert mit ſeltenen Rindern und mit Straßenräubern. Gegen Süden bedrohten die ponti⸗ niſchen Sümpfe im langen Zug von mehr als hundert Mig⸗ lien fort bis zum Pontificat Pius' VI. mit ihren Miasmen den Wanderer. Wie konnte man auch je eine vorſichtige Ver⸗ waltung von Herrſchern erwarten, welche aus der Einſamkeit der Klöſter, aus einem beſchaulichen und ascetiſchen Leben im ſinkenden Alter auf den Thron gehoben und in den Strudel welt⸗ licher Geſchäfte geworfen wurden? So blieb der Kirchenſtaat ohne die nöthigen Reformen, bis er theils mit dem König⸗ reich Italien, theils mit dem franzöſiſchen Kaiſerthum ver⸗ ſchmolzen wurde. Der Verfall Toscana's war noch der größte, nicht ſo ſehr wegen der Leiden, die es ausſtehen mußte, als wegen der Höhe des Wohlſtandes, von welcher es herab geſunken war. Karl V. begnügte ſich nicht damit, die alten Ordnun⸗ gen aufzuheben, welche Florenz reich und berühmt gemacht hatten, ſondern gab es in die Gewalt des tyranniſchen Her⸗ zogs Aleſſandro; dieſem folgte der noch treuloſere Coſimo I. Unter dieſen beiden verlief die Umgeſtaltung Toscana's. Der Gewerbfleiß lag darnieder. Die Arbeiter wanderten zu Tau⸗ ſenden nach Frankreich und England aus. Da die Capitale keine Sicherheit und keine Anlage mehr im innern Handel fanden, ſo folgten ſie entweder den Arbeitern, oder wurden in Ländereien angelegt. Die Handels⸗ und Bankherren von Florenz, welche einſt ſtolz auf den Namen Bürger wa⸗ ren, kauften ſich leere Titel des Adels. So folgte der Müſſiggang auf die Thätigkeit. Der Landbau, welcher von dem Gewerbfleiß und Handel Aufſchwung und Nahbrung em⸗ pfängt, lag darnieder. Der geringe übrig gebliebene Han⸗ del war gefeſſelt, vor Allem lag der Getreidehandel, von dem Verbot der Ausfuhr gebunden, muthlos, und mit ihm der Land quem ſchul Tose war taur men Sta ren. tern hält. de,! hewun dem ſ ſpätern gen I Und n gierur eintte dem ſich Uebu ten, Vorl es al refort Aue nach H keiner Freih dew ver der er Bet⸗ egiert: keine r eine indern vonti⸗ t Mig⸗ diasmen ge Ver⸗ ſamkeit hen im welt⸗ nſtaat önig⸗ ver⸗ ht ſo wegen Funten rdnun⸗ gemacht en Her⸗ zſimo J. 6. Der u Tau⸗ apitale Handel rurden rvon wa⸗ 2 der r von 89 er⸗ e Han⸗ von dem ihm der — 405— Landbau. Die bürgerlichen Geſetze waren verwickelt, unbe⸗ quem: die Strafgeſetze grauſam oder ungenügend: die Staats⸗ ſchuld drückend und die Auflagen höchſt läſtig. Die Bevölkerung Toscana's belief ſich, als es noch unter viele Republiken getheilt war, auf 3 Millionen: am Ende des verfloſſenen Jahrhunderts kaum auf 1 ⅛ Mill. Einwohner. Das gegenwärtige Einkom⸗ men des Großherzogthums Toscana erreicht nicht einmal das der Stadt Florenz allein zur Zeit der Republik. Die Gemeinde Flo⸗ renz allein ſtellte damals ein Heer von 20— 30 tauſend Strei⸗ tern, während jetzt der Großherzog kaum 8 tauſend unter⸗ hält. Städte, Tempel, Brücken, Paläſte, Statuen, Gemäl⸗ de, Bücherſammlungen, Alles, was man noch in Toscana bewundert, ſind lauter Denkmale der alten Freiheit. Außer dem ſchönen Livorno bezeugt Weniges den Wohlſtand der ſpätern Zeiten. Gleichwohl war es hier beſſer, als im übri⸗ gen Italien: hatte doch das Land ſeinen eigenen Fürſten. Und nach dem 16. Jahrhundert genoß es eine ſo milde Re⸗ gierung, daß eine Umwandlung in die Sitten der Nation eintrat, welche das ſanfteſte, gefühlvollſte Volk wurde, nach⸗ dem es in den frühern Jahrhunderten nur Parteiungen, Grimm und Aechtungen geathmet hatte. Kaum war die Viſſenſchaft die Rathgeberin der Staatsmänner geworden, ſo bemühten ſich die Fürſten dieſes ſchönen Landes, ihre Vorſchläge in Uebung zu bringen. Toscana, welches in den Wiſſenſchaf⸗ ten, in der Literatur und in den ſchönen Künſten ſchon der Vorbote der europäiſchen Geſittung geweſen war, wurde es auch im Laufe des 18. Jahrhunderts in den Verwaltungs⸗ reformen. Auch die Handelsblüthe Venedig's und Genua's welkte nach Karls V. Ankunft in Italien; doch erlitt der dortige Verkehr keinen ſo tiefen Umſturz, wie der von Florenz. Denn die Freiheit und Unabhängigkeit, welche dieſe beiden Republiken bewahrten, hemmten den Verfall, welchen eine Reihenfolge verderblicher Wechſelfälle als ſteter Begleiter des Schickſals der Handelsvölker drohte. Das Glück begann Venedig ſchon vom Ende des 15. Jahr⸗ — 406— hunderts an ſich abgewandt zu zeigen. Gerade in die Zeit, wo es ſich in einen hartnäckigen Kampf mit den Türken ver⸗ wickelt fand, welche ſchon von den Mauern Conſtantinopels aus Europa bedrohten, fielen die Umſchiffung des Vorgebirgs der guten Hoffnung, und dieſer neu entdeckte Seeweg be⸗ „raubte es auf immer des ausſchließlichen Handels nach der Levante und nach Aſien, und die Entdeckung Amerika's, welche auf die Weſtküſten Europa's eine neue Thätigkeit, einen fri⸗ ſchen Wetteifer im Handel verpflanzte. Dieſe unerwarteten Ereigniſſe, verbunden mit der Rivalität Frankreichs, Hol⸗ lands und Englands, welche ſich als Gewerbs⸗ und See⸗ mächte erhoben, hätten ſchon genügt, ſeinen Fabriken und ſei⸗ nem Handel einen Stoß zu geben. Aber es hatte überdieß bald darauf einen Krieg auf Tod und Leben gegen die Li⸗ gue von Cambray zu beſtehen: es trat glücklich aus dieſem Kampfe hervor, aber ſo geſchwächt, daß die Gewinnſte des Al⸗ leinhandels nach dem Orient ſchwanden. Kaum war er dieſer Gefahr entronnen, ſo eroberte Selim(1521) Cairo und Alex⸗ andrien, und verſchloß den Venetianern Egypten, welches die Straße war, auf welcher ſie von alter Zeit her die Specereien Aſiens bezogen und in Europa verkauften. Bald darauf be⸗ ſchwerte der König von Spanien die Einfuhr der venetianiſchen Waaren in ſein Reich mit einem Zoll, der den Handel zer⸗ ſtörte, den die Schiffe der Republik an der ganzen Küſte Afri⸗ ka's, von Tripolis bis Marofko, trieben, ihre Waaren gegen Goldſtaub austauſchend, den ſie dann an der ſpaniſchen Küſte von Almeria bis Valencia verkauften. Im Jahr 1613 ver⸗ ſenkte ein Sturm faſt alle Schiffe, welche ſich in den Haven von Marſeille bis Neapel befanden, und brachte der Seemacht der italiäniſchen Staaten einen unberechenbaren Schaden. Wäh⸗ rend Venedig mit den Türken kämpfte, verbreitete Marſeille ſeine Tücher und andere Manufacturwaaren an den Stapel⸗ plätzen der Levante, welche die der Republik überflügelten. Die Seeräubereien der Uskoken beſchädigten noch ihren Handel, zuletzt verlor es faſt alle ſeine Kolonien im Archipel, und es ner ſamm hen di 3 Pro Hande lution düſſe Sitte e eit, n ver⸗ nopels kbirgs eg be⸗ ch der welche en fri⸗ arteten Hol⸗ See⸗ ſei⸗ dieß Li⸗ eſem Al⸗ ieſer Merx⸗ es die cereien auf be⸗ miſchen el zer⸗ te Afri⸗ gegen Küſte 3 ver⸗ Haven macht Wäh⸗ rſeille tayel⸗ a. Die Handel, und es — 407— blieben ihm in dem Frieden von Carlowitz(1715) nur noch die joniſchen Inſeln. So Großes wirkt die Freiheit, durch welche Venedig bis zum Ende des 18. Jahrhunderts eine hohe Stufe von Glanz und Reichthum bewahrte. Dieſe Bemerkung gilt auch von Genua. Tyranniſch beherrſcht einige Jahre von den Visconti im 14. Jahrhundert; geplün⸗ dert von Ludwig XII., und aufs Neue vom Heerr Karls V., beraubt von den Türken ſeiner Beſitzungen Theodoſia, Scio, Mitylene; beſchoſſen und gedemüthigt von Ludwig XIV. im 17. Jahrhundert, pflegte dieſer Sitz ungebeugter Republika⸗ ner im Schatten der Freiheit den Handel fort, Reichthümer ſammelnd. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts lie⸗ hen die Genueſen den andern Ländern Italiens Geld zu 2 und 3 Procent, was die Armuth dieſer Länder und das Sinken des Handels in Genua beweist. Zur Zeit der franzöſiſchen Revo⸗ lution hatten die Genueſen die größten Summen in der fran⸗ zöſiſchen Bank, welche brach. Kein Volk iſt weniger von den Sitten ſeiner Ahnen entartet, als das von Genua. Dieſer Staat hat nicht einen Wirthſchaftsgelehrten erzeugt, das größte Lob, welches der Freiheit gebracht werden kann. Der einzige Staat Italiens, welcher nach der Zeit Karls V., ſtatt abzunehmen, immer an Macht wuchs, iſt der von Pie⸗ mont. Bis auf Emanuel Philibert, oder bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts, war Piemont nur ein kleiner Staat, welcher ſelten in der Geſchichte Italiens auftritt; verwickelt in dunkle Fehden, durch das Lehensband an Frankreich gefeſſelt, beſetzt bald von franzöſiſchen, bald von ſpaniſchen Heeren, ſpielte es bis zu dieſer Zeit eine der untergeordneten Rollen in den großen Ereigniſſen Italiens, als dieſes die erſte Nation Euro⸗ pa's war. Es gewann ſeinen erſten Ruhm mit dem Emanuel Phi⸗ libert's, des Siegers bei St. Quentin. Am Ende des Jahr⸗ hunderts vergrößerte es ſich mit der Markgrafſchaft Saluzzo, ein Jahrhundert ſpäter mit der von Montferrat, im vorletzten Jahrhundert mit andern Provinzen und Städten auf Koſten Oeſtreichs, in unſern Tagen mit dem Gebiet Genuag. Dieſe — 408— ſtufenweiſe Erweiterung, der Bildungsgang aller großen, dau⸗ ernden Monarchien des neuen Europa's, ſcheint ein glückliches Anzeichen für die Geſchicke Piemonts. Dieſer Staat wurde ſonach nicht, wie der Kirchenſtaat, durch die Vergrößerung ſchwächer, ſondern gewann vielmehr damit Schwung, Achtung, politiſche Bedeutung. Unter Emanuel Philibert hatte er eine Bevölkerung von 1 ⅛, im verfloſſenen Jahrhundert von 3 ½, jetzt von 4 Millionen. Emanuel Philibert hatte ein Heer von 22, Karl Emanuel II. ein Jahrhundert ſpäter eines von 33, Karl Emanuel III. im Jahr 1734 eines von 45 tauſend Mann, und gegenwärtig kann Sardinien ein Heer von 60,000 Mann in's Feld ſtellen. Unter Emanuel II. belief ſich das Staats⸗ einkommen auf 7, unter deſſen Sohn Victor Amadeus II. auf 14 Millionen: jetzt erreicht es 60 Mill. Franken. Piemont hatte von jeher Landſtände gehabt, welche die könig⸗ liche Gewalt beſchränkten. Sie erloſchen unter Karl Emanuel II. bloß durch Unterlaſſung der Berufung: ſie hatten nie Zwietracht und Stürme erregt, ſondern bloß eine ungerechte, drückende Beſteuerung verhütet: mehr konnten ſie nicht leiſten wegen der unabläſſigen Kriege, welche jedoch wegen der ſteten Eroberun⸗ gen und Vergrößerungen den Wohlſtand des Landes nicht ſchwäch⸗ ten: dieſe häufigen Kriege erzeugte die geographiſche Lage des Landes, durch deſſen Eingedrängtheit zwiſchen die beiden Ko⸗ loſſe Oeſtreich und Frankreich. Aus dieſen Kriegen traten die Herrſcher Savoyens ſtets mit Gewinn und Ehre hervor. Durch den Krieg rüſtig und ſtaatserfahren geworden, kannten ſie aus Erfahrung die Wahrheit: daß ein König nicht reich iſt, wenn er nicht ſparſam iſt, und nicht ſtark, wenn er nicht die Gerech⸗ tigkeit übt und das Herz des Volkes beſitzt. Der Herzog Phi⸗ libert befeſtigte ſeine Staaten und bedeckte ſie mit Schlöſſern und Veſten. Auch grundete er Turin. Im Waffengeräuſch vergaßen dieſe Fürſten nicht die Künſte und Wiſſenſchaften. Die Sparſamkeit gab ihnen die Mitel zu deren Hebung. Karl Ema⸗ nuel III. nahm für ſeinen Unterhalt jährlich nur 35 tauſend Franken, und der Marcheſe di Ormea, ſein erſter Miniſter und Großkanzler des Reichs, bezog nur einen Gebalt von eilftauſend fünfbun Dieſe a nicht mi aus der den ita rin im ſeriab der U. ruhige Jahrh welche die Tyr fer der ſczaffnn, bundert e zeitig, no Verwalt nige wer ſo iſ au ſteller ü Bring ſo zeigt 1) Di Wi die J Die ſame 5) Sie: als fü 0) die ſ daß d ſchrän 5) Ohne nur irgen deihe n, dau⸗ icliches wurde herung chtung, er eine on 314, eer von von 33, Mann, Mann aats⸗ auf nig⸗ A II. racht ende en der berun⸗ hwäch⸗ ge des en Ko⸗ ten die Durch ſie aus wenn erech⸗ Wii⸗ ſſern räͤuſch Die Ewa⸗ nauſend zer und ſtauſend —— 5—444——— — 409— fünfhundert Lire— wahrlich eine republikaniſche Sparſamkeit. Dieſe älteſte Dynaſtie Italiens hat ihre unbeſchränkte Gewalt nicht mißbraucht, und unter den italiäniſchen Staaten allein aus der höchſten Gewalt ein Werkzeug des Kriegsruhms für den italiäniſchen Namen gemacht, wie dieſes die Siege bei Tu⸗ rin im J. 1703, bei Guaſtalla im J. 1734, bei Montenotte, Coſ⸗ ſeria bezeugen. Dieſer ihrer Mäßigung kam eine willige Haltung der Unterthanen entgegen. Es war vielleicht keine Monarchie ruhiger, als die von Piemont, bis 1796. Im Laufe vieler Jahrhunderte hatte ſie keine Volksunruhen erlitten, und die, welche 1798 und in der Folge ausbrachen, wurden nicht durch die Tyrannei der Fürſten hervorgerufen, ſondern von dem Ei⸗ fer der Bevölkerung, einige Reſte aus den Feudalzeiten abzu⸗ ſchaffen, und jene Inſtitutionen zu erwirken, welche unſer Jahr⸗ hundert erheiſcht. Dieſe Sehnſucht des Volks war weder un⸗ zeitig, noch unbillig, weil trotz der Mäßigung der Fürſten die Verwaltung auf fehlerhaften Grundlagen beruhte. Wenn ei⸗ nige wenige von ihren ſo vielen Gebrechen gebeſſert wurden, ſo iſt auch dieſes eine Wirkung der Bildung, welche die Schrift⸗ ſteller überall hin verbreitet hatten. Bringt man das bisher Geſagte unter wenige Geſichtspunkte, ſo zeigt ſich: 1) Die Freiheit für ſich allein, ohne Beihilfe der öffentlichen Wirthſchaftslehre und trotz vieler Irrthümer, genügt, um die Staaten zur Blüthe zu bringen. 2) Die Wiſſenſchaft iſt kein Aequivalent, ſondern ein unwirk⸗ ſames Surrogat der Freiheit. 3) Sie iſt für die unbeſchränkten Monarchien nothwendiger, als für die freien Staaten. 4) Die Freiheit iſt zum Wohlſein der Völker ſo weſentlich, daß die Wiſſenſchaft ſelbſt in letzter Analyſe nur eine be⸗ ſchränktere Freiheit iſt. 5) Ohne Freiheit und ohne Wiſſenſchaft können die Staaten nur zeiten⸗ und ſtoßweiſe durch die vorübergehende Laune irgend eines gutgeſinnten Herrſchers oder Miniſters ge⸗ deihen. Geſchichte der Staatswirthſchaft in Italien. Gaſparo Searuffi von Reggio. Wollte ich die Geſchichte dieſer Wiſſenſchaft in Italien weiter auf die Vergangenheit zurückführen, ſo könnte man zu den Werken der Schriftſteller vor dem 16. Jahrhundert zurückgehen, und zu den Reden der Staatsmännen in Florenz und Venedig. Allein die⸗ ſes alles wären nur Keime. Wenn man aber auch dieſe Ge⸗ ſchichte erſt mit dem Werke von Scaruffi vom Jahr 1582 er⸗ öffnet, ſo darf man doch Macchiavelli nicht übergehen, welcher als die Grundlage des Wohlſeins der Völker folgenden Grund⸗ ſatz aufgeſtellt hat:„Die öffentliche Sicherheit und der Schutz des Staates ſind der Nerv des Landbaues und des Handels; deßwegen ſoll der Fürſt die Unterthanen ermuntern, ruhig ihren Beruf, ſowohl bei dem Handel, als Landbau und bei je⸗ dem andern Geſchäft der Menſchen, zu treiben, damit jener nicht nachlaſſe, ſeine Beſitzungen zu verſchönern, aus Furcht, ſie möchten ihm entzogen werden, dieſer aber, einen Handel zu er⸗ öffnen, aus Beſorgniß vor den Steuern; ſondern er ſoll Preiſe für Jeden ausſetzen, der ſolche Geſchäfte beſorgen will, und auf jede Weiſe ſeine Stadt oder ſeinen Staat zu erweitern.“ Mit dieſem Grundſatz verbindet er den andern:„In den Staaten gemäßigter und milder Regierungen ſieht man größere Bevölkerungen, weil die Heirathen freier und den Menſchen er⸗ wünſchter ſind; weil Jeder gerne ſolche Kinder gewinnt, welche er ernähren zu können glaubt, indem er nicht zweifelt, daß das Vermög Freie u durch i ſind ein wohl a ten, d der S 1581. Ein ropa lich da die Reg derſelben digen, um den Unter Unordnu gen. Ko ringerer dieſe 3 delsleu fen ſich ſicheſten gemacht Dieſe die St e del- über niß Dieſ talien. eiter auf rken der dzu den lein die⸗ eſe Ge⸗ er⸗ en, welcher en Grund⸗ der Schut JHandels; ern, ruhig und bei je⸗ amit jener Furcht, ſie del zu er⸗ oll Preiſe „und auf rn.“” „In den aan gtoßere denſchen er⸗ Kunt, welche felt, daß das — 411— Vermögen ihm genommen werde, weil er einſieht ‚daß ſie als Freie und nicht als Sklaven geboren werden, ſondern daß ſie durch ihre Tugend groß werden können.“ Dieſe Grundſätze ſind eines Republikaners unter einem Handelsvolk würdig: gleich⸗ wohl aber können ſie nicht als Elemente einer Wiſſenſchaft gel⸗ ten, da ſie nur abgeriſſene Sätze ſind: die erſten Grundlagen der Staatswirthſchaftlehre in Italien zeigen ſich erſt im Jahr 1581. Ein Hauptübel, an welchem in allen Jahrhunderten Eu⸗ ropa litt, iſt die Münzverſchlechterung, welche aber vorzüg⸗ lich das 16. und 17. Jahrh. heimſuchte. In der Noth erhöhten die Regierungen die Münzen, oder verſchlechterten den Gehalt derſelben, zufrieden, das augenblickliche Bedürfniß zu befrie⸗ digen, nicht ahnend den eigenen Schaden, und unbekümmert um den Schaden für den Handel ihrer Unterthanen. Unter allen Staaten litt Italien am meiſten durch dieſe Unordnung, wegen ſeiner Vertheilung unter viele Regierun⸗ gen. Karl V. ſchlug auch hier im Jahr 1540 Münzen von ge⸗ ringerem Schrot und Korn. Schriftſteller erhoben ſich gegen dieſe Zerrüttung, ſo daß Ganilh mit Recht ſagen konnte: „Italien war immer berühmt durch das ſchlechteſte Geld und durch die beſten Werke über die Münzen.“ In einigen Staaten Italiens dauerte dieſe Unordnung bis auf Napoleon's Regierung, und ſie iſt eine der Haupt⸗ gründe des Erlöſchens der Gewerbe in einigen Provinzen durch die großen, ſichern Gewinnſte, welche ſie den Han⸗ delsleuten und Bankiers gibt: namentlich die Florentiner war⸗ fen ſich auf den Geldhandel, als den einträglichſten und ſicherſten, und vernachläſſigten jene Induſtrie, welche ſie groß gemacht hatte. Dieſer Unordnung verdankt Italien das erſte Werk über die Staatswirthſchaft: nämlich den Discorso sopra le monete e della vera proporzione fra l'oro e l'argento(Abhandlung über die Münzen und von dem wahren Verhält⸗ niß zwiſchen dem Gold und Silber) von Scaruffi. Dieſe Abhandlung wurde von ihrem Verfaſſer am 16. Mai — 412— 1579 an den Grafen Taſſoni gerichtet, aber erſt 1582 herausge⸗ geben. Der Graf Scaruffi wurde am Anfang des 16. Jahrh. in Reggio geboren und ſtarb 1582. Er war Director der Münze von Reggio von Jugend an, und hatte alſo auch praktiſche Er⸗ fahrung im Münzweſen. Mit kosmopolitiſchem Geiſte ent⸗ warf er den Plan zu einer allgemeinen Münze, d. h. zu einer gleichen und allgemeinen Münzreform durch ganz Europa, gerade als wenn es eine einzige Monarchie wäre. Die Nütz⸗ lichkeit einer gleichförmigen Münze iſt jetzt allgemein anerkannt: aber zur Zeit des Verfaſſers war es eine hohe und glückliche Idee. Er räth ſonach zu einer allgemeinen Münzung, und be⸗ ſpricht ihre Grundſätze und Ausführung. Er ſchlug vor, daß alle Staaten die nämliche Münze annehmen ſollten, nämlich gleich an Form, Gehalt, Gewicht, Zahl und Werthaufſchrift nach folgenden Grundlagen: 1) das Verhältniß zwiſchen dem Gold und Silber ſoll ſein, wie das von 1 zu 12; 2) die Münze ſoll mit 12 und 6 getheilt werden, mit Beſei⸗ tigung der vielen Brüche; 3) die Prägekoſten ſollen von den Eigenthümern getragen und nicht vom Körper der Münzen genommen werden; 4) auf alle Gold⸗ und Silbermünzen ſoll die Angabe ihres Werths, der Legirung, der Feinheit und der Zahl, wie viele auf ein Pfund Gold gehen, geprägt werden; 5) Alle, welche Silber in die Münzen zur Prägung tragen, ſollen den fünften Theil davon in kleiner Münze prägen laſſen, u. ſ. f. 1 Der Verfaſſer ſchlug alſo das Duodecimalſyſtem vor, da das bequemere und unwandelbare Decimalſyſtem erſt zwei Jahrhun⸗ derte ſpäter von den Aſtronomen aufgefunden wurde. Scaruffi war von den Betrügereien bei Verträgen über edle Metalle ſo ergriffen, daß er für alle Gold⸗ und Silberarbeiten die Nothwendigkeit der Stempelung vorſchlug. Er ſchlug ferner zur Durchführung ſeiner Reform die Beru⸗ fung einer europäiſchen Tagſatzung vor: allein dieſer Vorſchlag hatte daſſelbe Ergebniß, wie der eines europäiſchen Congreſſes von St. und Mi für das man ſie aoch hie wie für migkei⸗ 1814 Der zi vanzati, Handlung teie dabei ſeine Uet zwei lle die sulli die P Die an die des M Worte das G die Ku welche könne.“ oder Ku machtr Leicht in N deute teru Sche herausge⸗ „Jahrh. in der Münze ktiſche Er⸗ Heiſte ent⸗ e, d. h. zu anz Europa, Die Nitz⸗ anerkannt: d glückliche j, Und be⸗ vor, daß nämlich nufſchrift ſoll ſein, nit Beſei⸗ tragen und den; gabe ihres Zahl, wie den; ing tragen, ze prägen z—;, da das Jahrhun⸗ über edle derarbeiten n die Verl⸗ er Vorſclad en Congreſſes — 413— von St. Pierre unter Heinrich IV. Die Münzverſchiedenheit und Münzverwirrung dauerten fort: hatte eine Münzeinheit für das geſammte Europa auch ſeine Schwierigkeiten, ſo hätte man ſie doch für ganz Italien ausführbar halten ſollen; allein auch hiefür ſcheuten die Regierungen Italiens eine Conföderation, wie für andere Intereſſen. Als Napoleon hier eine Einför⸗ migkeit der Münzen eingeführt hatte, hob die Reſtauration von 1814 dieſelbe wieder auf. Bernardo Davanzati von Florenz. Der zweite Schriftſteller über dieſe Münzunordnung war Da⸗ vanzati, geboren im Jahr 1529. Er trieb von Jugend an die Handlung in Lyon und ſpäter in ſeiner Heimat, und verwal⸗ tete dabei viele Staatsämter. Den größten Ruhm brachte ihm ſeine Ueberſetzung des Tacitus, einen viel größeren, als ſeine zwei kleinen Abhandlungen im Gebiete der Staatswirthſchaft, die sulle monete(über das Geld) und die sui cambi(über die Wechſel) vom Jahr 1588. Die erſte iſt nur eine Vorleſung von 30 Seiten, gerichtet an die Akademie von Florenz, in der der Verfaſſer einige Punkte des Münzweſens beſpricht. Er beginnt mit der Etymologie der Worte: Moneta, Pecunia, Nummus u. ſ. f. Dann rühmt er das Gold und das Silber, die er nennt:„Werkzeuge, welche die Kugel der ſterblichen Güter wenden und umkehren, und welche man die zweiten Urſachen des glückſeligen Lebens nennen fkönne.“ Den Begriff Geld beſtimmt er ſo:„Gold, Silber oder Kupfer, geprägt von dem Gemeinweſen nach Gefallen, ge⸗ macht von den Völkern zum Preis und Maaß der Dinge, um leicht ſie zu verhandeln.“ Dieſe Begriffsbeſtimmung ſtimmt im Weſentlichen mit der der ſpätern Schriftſteller überein. Er deutet auch den Schaden an, welcher aus der Münzverſchlech⸗ terung für das Gemeinweſen und die Privaten erwächſt.„Der Schaden, ſagt er, iſt offenbar, weil, in dem Maaß, wie die Münze — 414— ſich verſchlechtert, ſowohl im Feingehalt, als Gewicht, auch die Staats⸗ einkünfte und die Forderungen und die Vermögen der Privaten ab⸗ nehmen, weil um ſo viel weniger Gold oder Silber eingetrieben wird; und wer weniger Metall hat, weniger Dinge, die für ihn wahre Güter ſind, erwerben kann. Daher kömmt es immer, daß, ſo⸗ bald das Geld verſchlechtert wird, die Dinge theuer werden; und mit Recht, weil vendo ſagen will venga e dè. Die Sa⸗ chen werden in Verkauf gegeben, weil uns ſo viel gewöhnliches und in der Münze geglaubtes Metall zukömmt, und nicht ſo viele Zeichen, Träume oder Stücke Gelds. Wenn in 109 ge⸗ genwärtigen Geldſtücken daſſelbe Silber iſt, welches in 100 zu ſein pflegte, muß man nicht mit 109 das bezahlen, was man früher mit 100 bezahlte?“ Nach ſeiner Anſicht ſoll die Münzſtätte die Prägekoſten tra⸗ gen, da ſie eine Staatslaſt bilden, wie die Unterhaltung des Heeres, der Beamten. Um dieſe Koſten zu mindern, ſoll man nach ihm die Münzen minder ſchön machen, und ſie, wie frü⸗ her, mit dem Hammer ſchlagen. Es ſchlägt Davanzati ſogar, wenn gleich im Scherz, vor, das Gold und Silber nach Ge⸗ wicht und Schnitt, wie die Chineſen, auszugeben. Die Abhandlung über die Wechſel erklärt nur die Kunſt⸗ ausdrücke und den Mechanismus des Wechſels, ohne auf die Urſachen einzugehen, welche ihn ändern, oder auf die Wirkun⸗ gen, welche daraus hervorgehen. Antonio Serra aus Neapel. Scaruffi's und Davanzati's Werke bilden nur die Morgen⸗ dämmerung einer Wiſſenſchaft: ihre Morgenröthe ſollte ſie in einem Theile Italiens haben, wo die der neuern Philoſophie erſchienen war, in Neapel, welches durch ſeine Ablöſung von der gebildeten Welt nur eine um ſo größere Originalität heran zog, die Heimat von B. Teleſio, G. Bruno, T. Campanella, G. Porta, G. Vico, Genoveſi, Fi⸗ langi Serr Er eingek Verſch cher: ſtimn ſtend nach litt. dele leiden bilfe z ſamen Er forj ten des Genueſ ſcöyft er übe anbon über fluf welch noſſe ſpäte ſich dienſ weſen cher dern Staa ſchre dah un N A dieStaats⸗ rivaten ab⸗ ieben wird; ihn wahre daß, ſo⸗ t werden; Die Sa⸗ ewöhnliches d nicht ſo in 109 ge⸗ in 100 zu was man ſten tra⸗ ung des ſoll man wie frü⸗ a ſogar, nach Ge⸗ die Kunſt⸗ ne auf die e Wirkun⸗ Morgen⸗ tte ſie in zloſoyhie Fund don rigmalität Sruo, T. veſi, Fi⸗ — 415— langieri, die auch den Stifter der Wirthſchaftslehre, A. Serra, erzeugen ſollte. Er ward zu Coſenza geboren, und war zehn Jahre lang eingekerkert, wahrſcheinlich als Theilnehmer an Campanella's Verſchwörung zur Befreiung Neapels vom ſpaniſchen Joch, zu wel⸗ cher Theilnahme ihn die Unterdrückung ſeines Vaterlandes be⸗ ſtimmt hatte, das unter einer verwickelten Geſetzgebung, la⸗ ſtenden Steuern, einer tyranniſchen Verwaltung, der Ver⸗ nachläſſigung des Landbaues und dem Mangel des Handels litt. Mit einer an das Alterthum erinnernden Feſtigkeit dul⸗ dete er die Qualen ſeines Gefängniſſes, aus dem er auf die Leiden ſeines Vaterlandes blickte, bemüht, Mittel der Ab⸗ hilfe zu finden. Dabei kam er auf die allgemeinen und gemein⸗- ſamen Urſachen der Größe und des Wohiſtandes der Staaten. Er forſchte nach den Urſachen des Wohlſtandes nicht der Staa⸗ ten des Alterthums, ſondern der Staaten ſeiner Zeit, der Genueſen, Florentiner und Venetianer. Aus ihrer Geſchichte ſchöpfte er ſeine Lehre, die er in dem Buche niederlegte, das er überſchrieb: Breve trattato delle cause che possono fare abbondare i regni d'oro e d'argento(Kurze Abhandlung über die Urſachen, welche in den Reichen Ueber⸗ fluß an Gold und Silber bewirken können), und welches im Jahr 1613 erſchien. Allein es blieb den Zeitge⸗ noſſen faſt unbekannt, und ward ſpäter vergeſſen, und als ſpäter ſein Buch wieder an's Licht gezogen wurde, kümmerten ſich die Fremden entweder nicht darum, oder wollten ihn des Ver⸗ dienſtes berauben, der erſte Begründer dieſer Wiſſenſchaft ge⸗ weſen zu ſein. Dieſe Anklage geht nicht auf Hrn. Say, wel⸗ cher Serra's Verdienſte wenigſtens theilweiſe würdigte, ſon⸗ dern auf Hrn. M'Culloch, welcher in ſeiner Geſchichte der Staatswirthſchaft die Priorität britiſchen Schriftſtellern zu⸗ ſchreibt, indem er nach dem Titel des Werks Serra's ſchließt, daß es eigentlich nur von dem Münzweſen gehandelt habe, und ſo Italien ſeinen einzigen Troſt, den Ruhm ſeiner großen Männer, ſchmälert. Galiani hat Serra gerecht gewürdigt. Am ſchlagendſten entſcheidet aber deſſen Werk ſelbſt. — 416— Der 1. Theil deſſelben zerfällt in zwölf Hauptſtücke, in welchen Serra ausführlich die Urſachen erklärt, durch welche die Reiche Ueberfluß an Gold und Silber haben, und dieſe Urſachen ſind nach ihm entweder natürliche oder zufällige, und zwar eigenthüm⸗ liche oder gemeine zufällige. Es beſteht nur eine einzige natür⸗ liche Urſache, der Beſitz von Gold⸗ und Silberbergwerken. Die eigenthümlichen zufälligen ſind: 1) die Fruchtbarkeit des Bodens, von deſſen Erträgniß ein Theil in's Ausland geht, und Gold und Silber dafür einbringt; 2) eine Lage, die ein Land zum Handel eignet. Die gemeinſamen zufälligen Urſachen ſind: 1) die Manufacturen: der Ertrag, den ſie den Gewerkenden liefern, iſt ſicherer, als der des Bodens für den Landmann, weil ſie nicht von der Natur, dem Wechſel der Witterung, abhängen; er iſt größer, weil er nicht, wie der des Bo⸗ dens, eine natürliche Gränze hat; er iſt ſicherer, weil die Ausfuhr leichter iſt, und ſie nicht ſo ſehr dem Verderbniß, wie die Bodenerzeugniſſe, ausgeſetzt ſind, und von größe⸗ rem Belang, weil oft ein Staat oder eine Stadt mehr aus den Manufacturen, als aus dem Boden zieht. Serra iſt daher einer von den wenigen italiäniſchen Wirthſchafts⸗ gelehrten, welche dem Mercantilſyſtem huldigen; 2) die Eigenſchaft der Bevölkerung, wenn ſie von Natur ge⸗ werbfleißig und erfinderiſch iſt, nicht bloß Binnen⸗, ſon⸗ dern auch auswärtigen Handel treibt, wie Genua, Flo⸗ renz, Venedig; 3) der Seehandel, der von der Lage begünſtigt und von dem Gewerbfleiß der Bewohner beſeelt wird. Zu dieſen Urſa⸗ chen zählt er aber auch noch die Regierungsform. Er for⸗ dert eine politiſche Garantie, gute Verordnungen, feſte Ge⸗ ſetze, welche ſpäter auch Adam Smith als Grundlage für den wirthſchaftlichen Wohlſtand fordert. Serra hat das Verdienſt, zuerſt erkannt zu haben, daß die Staaten der neuern Zeit auf anderen Grundlagen erbaut ſind, als die des Alterthums, ſo wie er die bewegenden Principien deckt C dure er ten i Wahr erhielt Rügen Discors handl nigre J. 161 gen K einer Mün Schr n welchen ie Reiche chen ſind genthüm⸗ ge natür⸗ ken. Die ein Theil einbringt rkenden zmann, terung, 8 Bo⸗ eil die erbniß, größe⸗ di wehr . Serra hſchafts⸗ gen; atur ge⸗ ⸗, ſol⸗ aa, Flo⸗ on dem Urſa⸗ r for⸗ ie Ge⸗ ge für doß die vwact ſind, Prineipien — 417— der Macht und des Reichthums der neuern Nationen ent⸗ deckt hat. Gian Donato Turbolo von Neapel. Er iſt ein Zeitgenoſſe Serra's. Nachdem er 16 Jahre hin⸗ durch den Handel und das Wechſelgeſchäft getrieben hatte, ward er 1607 Münzmeiſter in Neapel. Er ſchrieb viele Denkſchrif⸗ ten über die Mißbräuche des Münzſyſtems ſeines Vaterlandes. Wahrſcheinlich ward er wegen dieſer Rügen 1622 abgeſetzt, erhielt aber nach 7 Jahren ſeine Stelle wieder, und ſetzte ſeine Rügen fort. Seine kleinen Schriften, welche unter dem Titel: Discorsi e Relazioni sulle monete del Regno di Napoli(Ab⸗ handlungen und Berichte über die Münzen des Kö⸗ nigreichs Neapel) zuſammen gefaßt ſind, erſchienen in den J. 1616, 1618, 1623, 1629. Sie treten aber nicht aus dem en⸗ gen Kreis des neapolitan. Münzweſens heraus. Er behandelt in einer ſehr dunkeln Schreibart ſeinen Gegenſtand mehr als ein Münzmeiſter, denn als ein geſetzgebender Weiſer, und ſeine Schriften gewähren weder Belehrung, noch Vergnügen. Geminiano Montanari von Modena. Im Jahr 1680 gab er ſeinen Trattato mercantile delle mo- nete(Kaufmänniſche Abhandlung über die Mün⸗ zen) heraus, und wenige Jahre darauf ſeinen Breve Trattato del valor delle monete in tutti gli Stati(Kurze Abhand⸗ lung über den Preisſatz der Münzen in allen Staa⸗ ten). In dieſer Zeit ergriff die Unordnung des Münzweſens gleichmäßig den Staat Venedig, den Kirchenſtaat, Toscana, die Lombardei, Neapel und einen großen Theil Teutſchlands. Blanqi, Geſchichte d. polit. Oekonomie, II. Bd. 27 — 418— Montanari ward 1633 in Modena geboren. Ein guter Ma⸗ thematiker, bekleidete er 14 Jahre den Lehrſtuhl der Mathe⸗ matik in Bologna, dann den der Aſtronomie und Meteoro⸗ logie 9 Jahre in Padua, wo er 1687 ſtarb. Tiraboschi glaubt, daß er zuerſt in Italien die Transfuſion des Blutes aus⸗ geführt habe: iſt dieſes aber auch nicht der Fall, ſo ſchrieb er doch ein Werk über die Münzen, welches die früheren übertrifft, und welches wegen ſeiner nüchternen Gelehrſam⸗ keit, ſeiner Klarheit und wegen der allgemeinen Grundſätze ſich mit den andern Werken über dieſen Gegenſtand meſſen darf. Der Verfaſſer zeigt in einer raſchen und lebendigen Schreib⸗ art, was Geld ſei, aus welchen Stoffen man es präge, wie wichtig es für die menſchliche Geſellſchaft ſei, und nachdem er die Irrthümer, welche begangen werden, und die Beſchädigun⸗ gen durchgegangen hatte, welche aus der Verſchlechterung der Münzen für die Staatscaſſe und die Privaten entſtehen, ſtellt er die allgemeinen von den Münzſtätten zu befolgenden Grund⸗ ſätze auf. Obwohl dieſe jetzt allbekannt ſind, ſo will ich ſie doch zu Montanari's Ehre aufführen: 1) Es ſoll bei der Schätzung des Goldes und Silbers ſo viel möglich das Verhältniß beibehalten werden, welches in den andern Münzſtätten beobachtet wird, damit die Handels⸗ leute in dem Mißverhältniß nicht jenen Gewinn finden, wegen deſſen ſie aus den Staaten das wohlfeilere Münz⸗ metall raſch ausführen. 2) Um etwas weniges kann man dieſes Verhältniß ändern, wenn eine Münzſtätte für ihren Gebrauch mehr von ei⸗ nem feinen Metall, als von einem andern bedarf, aber nicht um ſo vieles, daß es die Handelsleute veranlaſſt, ein beſonderes Geſchäft daraus zu machen. 3) Den fremden Münzen braucht man im Inland gar keine Würdigung zu geben, die höher iſt, als jene ihres innern Werthes; ſonſt würden jene Plätze, wo ſie geprägt wer⸗ den, unſer Land überfüllen, indem ſie für eigenen Gewinn jenes Mehr ausführen, um welches wir die Münze höher würdigen. uter Ma⸗ r Mathe⸗ Meteoro⸗ hi glaubt, lutes aus⸗ ſo ſchrieb 1 früheren Helehrſam⸗ ndſätze ſich en darf. Schreib⸗ ge, wbie ddem er idigun⸗ ing der ſtellt Grund⸗ ˖ſe doch rd ſo de hes in den Handelz⸗ inn finden, lere Münd⸗ iß ändern, hr von ei⸗ darf, aber nlaſſt, ein gar keine res innern rägt wer⸗ en Gewinn ünze höͤher — 419— 4) Die eigenen Münzen kann man etwas über den innern Werth hinaus würdigen, wobei man jedoch das gewöhn⸗ liche Verhältniß zwiſchen dem Silber und Gold einhalten, aber nicht um vieles erweitern ſoll, weil für einen geringen Vortheil der Unterthan ſie erträgt, der Ausländer es aber nicht für nützlich findet, ſie auszuführen, und eher zu uns die unſerigen, als ſeine Münzen wieder bringt, und die anderen Münzſtätten keinen Anlaß haben, unſern Staat mit fremden Münzen zu überſchwemmen. 3) Wenn der Fürſt eine günſtige Gelegenheit findet, eine große Menge irgend einer Münze mit beträchtlichem Gewinn in fremde Staaten zu ſenden, ſo ſoll er ſie in ſeinem Staat gar nicht, oder nicht zu jenem Preis umlaufen laſſen; und wenige und nur ſo viele, als hinreicht, um ſie in jenen fremden Staat zu ſenden. 6) Was die ausländiſchen Scheidemünzen, beſonders die der Nachbarfürſten betrifft, welche leichter einſtrömen, ſo müſ⸗ ſen ſie, wenn ſie von reinem Kupfer ſind, ganz verbo⸗ ten werden; ſind ſie von Silber, ſo ſoll man ſie ſtreng nach dem innern Werth würdigen, damit man es nicht einträglich finde, ſie einzuführen. 7) Die inländiſchen Scheidemünzen ſollen nie in größerer Menge geprägt werden, als es das Bedürfniß des Staats für den Gebrauch kleiner Zahlungen erfordert, und bis zu dieſem Betrag kann man ihnen die Würdigung ge⸗ ben, welche dem Fürſten gefällt, ohne Rückſicht auf die Güte. Zur Zeit dieſes Schriftſtellers pflegte die Münzſtätte zu Bo⸗ logna ihre Münzen von ſo gutem Schrot und Korn zu prä⸗ gen, daß nicht einmal das ganze Remedium davon abgezo⸗ gen wurde, welches in den andern Münzſtätten für den Ver⸗ brauch der Werkzeuge und die Gehalte der Münzbeamten ge⸗ geben zu werden pflegt, die hier alle von der Stadt unter⸗ halten wurden. Er mißbilligte dieſen Gebrauch, weil dieſe Mün⸗ zen, wenn ſie kaum aus der Münzſtätte gekommen waren, 27. — 420— umgeſchmolzen wurden, und die Stadt Bologna ſie nur kurze Zeit beſaß. Steuart mißbilligt einen ähnlichen Gebrauch, wel⸗ cher in der Münzſtätte von London noch fortbeſteht. Saluſtio Antonio Bandini von Siena. Er wurde 1677 in einer Patricierfamilie geboren, für den Kriegsdienſt erzogen, widmete ſich aber noch jung agrono⸗ miſchen Studien, und trat mit 28 Jahren in den Prieſter⸗ ſtand, wo er einen Canonicat an der Hauptkirche in Siena erhielt. Er erweckte die phyſiokritiſche Akademie in Siena wieder, und ward ihr Präſident: er ſtarb 1760. Er ſchrieb 1737 ſeinen Discorso sopra la maremma sienese (Abhandlung über die Seelandſchaft von Siena), welcher aber erſt 1775 im Druck erſchien. Es iſt dieſes kein Werk einer müßigen Forſchung, ſondern das ſeines Willens, die Lage einer ganzen Landſchaft zu verbeſſern, die durch die Vernach⸗ läſſigung der Kanäle, Eindämmungen und anderer Waſſer⸗ bauten faſt unbewohnbar geworden war. Dieſe zwei Fünf⸗ theile Toscana's bildende Landſchaft, welche zu den Zeiten der Hetrusker und der römiſchen Republik höchſt blühend und be⸗ völkert geweſen war, wollte Bandini wieder zur alten Blüthe er⸗ heben. Er entwarf viele Plane, um den Abfluß der ſtehen⸗ den Waſſer zu bewirken; da er aber die Unzulänglichkeit die⸗ ſer Koſten erkannte, wenn nicht die ſittlichen und wirthſchaft⸗ lichen Hinderniſſe gehoben würden, ſo beharrte er auf der Nothwendigkeit, dieſes gedrückte Land von den endeloſen fis⸗ caliſchen Plackereien zu befreien, welche ſo ſehr mitgewirkt hatten, es zu verwildern und zu entvölkern, um durch neue Vortheile neue Bewohner anzulocken. Die vorzüglichſten Ideen, welche dieſe Schrift enthält, ſind: 1) Freiheit. Die erſte Grundlage des öffentlichen Wohl⸗ ſtandes ſind gute Geſetze und die Freiheit. Der erſte 1 dur kurze ich, wel⸗ für den agrono⸗ Vrieſter⸗ Siena Siena genese iena), ſes kein end, die Vernach⸗ Vaſſer⸗ vei Fünf⸗ Zeiten der dund be⸗ glüthe er⸗ er ſtehen⸗ fkeit die⸗ rihſchaft⸗ auf der tloſen ſi⸗ mitgewirkt durch neue thält, ſid: ichen Wohl⸗ Dir erſt 2) 3) - 421— Rath Bandini's war daher:„man muß die Natur wir⸗ ken laſſen: mit wenigen Geſetzen regieren, die einfach, den Hirten und Landwirthen verſtändlich ſind; man muß das Herz mit einigem Hauch der Freiheit erweitern, um es von jenen bösartigen Eindrücken wieder erholen zu laſ⸗ ſen, welche ein mühſeliges, jeder Erholung beraubtes Leben erzeugt bei dem beſtändigen, ſchrecklichen Anblick verödeter und ungebauter Landſtrecken.“— Einfachheit der Verwaltung.— Wenige Ge⸗ ſetze. Folge dieſes Grundſatzes war der Rath,„die vie⸗ len Gefälle aufzuheben, welche, indem ſie das Volk aus⸗ ſaugen, ſeine Thätigkeit feſſeln; die vielen Beamten, welche unnütz zehren, tyranniſiren oder die Strafloſigkeit theuer verkaufen; die vielen Geſetze, welche zuletzt nichts an⸗ deres, als Feſſeln ſind.“ Die Freiheit iſt den Preiſen günſtig. Mit feſten Gründen und praktiſchen Beiſpielen beweist er: daß die Herabſetzung des Preiſes der Naturerzeugniſſe nicht nur allein dem Landbau, ſondern auch den Gewerken ver⸗ derblich ſei, weil dieſe nur durch die Menge reicher Grund⸗ eigner die gehörige Beſchäftigung finden. Daher ſind die Anordnungen unvorſichtig, welche, um den Preis der Bodenerzeugniſſe herabzudrücken, den Umlauf und den Abſatz feſſeln.„Wenn der Verbrauch mit der Menge des Getreides nicht im Verhältniß ſteht, ſo verliert dieſes den Werth, es ſinkt der Preis. Iſt dieſer geſunken, ſo bringt es Verluſt, es zu bauen, daher folgt die Ver⸗ ödung der Ländereien, die Armuth, das Elend des Staats, und endlich die Hungersnoth. Den Magen mit jener Nahrung überfüllen wollen, welche uns erübrigt, indem man verſagt, es gegen eine andere Sache, deren wir bedürfen, auszutauſchen, heißt uns ſelbſt betrüben wol⸗ len, während der Andere Hunger leidet.“ 4) Die Freiheit iſt günſtig dem Ueberfluſſe. Der Mangel an Freiheit iſt das ſicherſte Mittel, die Noth zu erzeugen, und die fruchtbarſten Länder verarmen zu 5) 6) — 422— laſſen. Bandini führte zu Gunſten der Freiheit des Ge⸗ treidehandels die Beiſpiele Hollands, Englands und das ſeines Vaterlandes an, welches früher bei einer ſieben⸗ mal größeren Bevölkerung ſich vor Mangel dadurch zu ſichern wußte, das es den Preiſen ihren freien Gang ließ, und die freie Ausfuhr des Getreides zur See ge⸗ ſtattete, ohne eine andere Vorſicht anzuwenden, als die, aus dem Ausland Getreide einzuführen, wenn das Be⸗ dürfniß es forderte, und ohne dadurch im Geringſten die gewohnte Freiheit zu ſtören. Die Vorurtheile und die Geſetze gegen den Alleinhandel ſind ſchädlich. Bandini erhob zuerſt die Stimme gegen das Vorurtheil, welches die Getrei⸗ dehändler mit Ehrloſigkeit belegte. Er bewies, daß es für die Regierungen wichtig ſei, den Getreidehändlern das unverletzbarſte Vertrauen einzuflößen, daß ſie das Getreide ganz nach ihrem Gefallen ausführen und ver⸗ kaufen können, eine Anſicht, womit vierzig Jahre ſpäter Smith übereinſtimmte, welcher ſagte, daß neben dem Ge⸗ werbe des Landwirthes es keines für die Erzeugung des Getreides günſtigeres gebe, als das der Getreidehändler. Vortheile der Raſchheit des Umlaufs. Nicht ſo ſehr die Menge des Geldes bildet den Reichthum eines Landes, als der raſche Umlauf:„Es geht mit dem Gold im Verkehr, wie mit einer Fackel in der Hand eines Kindes, welche einen beſtändigen Feuerkreis zu ma⸗ chen ſcheint, wenn ſie raſch umgeſchwungen wird. So blendet eine kleine Summe Goldes, wenn ſie raſch von Hand zu Hand kreist, das Auge, und ſcheint ſich ſelbſt zu vervielfältigen. Denn ein einziger Thaler, welcher hundert Male in einem Monat aus einer Hand in an⸗ dere Hände übergehen wird, wird, indem er gleichmäßig den Handel unterhält, wie mit mehren Thalern, welche in der nämlichen Zeit nur einen einzigen Uebergang in die zweite Hand machen, hundert Thaler vertreten, da er jede dieſer hundert Perſonen, welche ihn ausgaben, des Ge⸗ ind das ſieben⸗ urch zu Cang See ge⸗ als die, das Be⸗ jeringſten en den 5 zuerſt Getrei⸗ daß es indlern ie das d ver⸗ ſpäter em Ge⸗ zung des händler. Nicht ſo um eines mit dem er Hand zu ma⸗ rd. So nſch von p falhſ welcher in an⸗ hmäßig welche „gang in eten, da ausgaben, 423— mit ihrem Bedarf für den ganzen Werth eines Thalers verſorgt.“ „Dieſer Grundſatz vorausgeſetzt, folgt daraus: daß ein Land als bereichert erſcheinen kann, ohne daß neues Geld dort eingeſtrömt iſt, ſondern ſchon dann, wenn jenem Geld, welches ſchon dort war, eine größere Bewegung gege⸗ ben wird, ſo daß es, ohne zu ſtocken, durch die Hände von Jedermann in jener Menge geht, welche er nach eigenem Belieben ausgeben muß.“. 7) Eine einzige Auflage iſt leichter, wirthſchaft⸗ licher. Nachdem er die Unkoſten und Bedrückungen be⸗ ſchrieben hat, welche die vielen Abgaben erzeugen, beweist er: daß man aus allen einen Bündel machen und ſie in eine einzige Abgabe, nämlich den Zehnten, vereinigen könnte, den man verpachten ſolle, um die Erhebung milder und wohlfeiler zu machen.„Bei allem dem könnte man auch dieſe Abgabe um vieles exleichtern, und an vielen Orten ganz unfühlbar machen, wenn man jede Dorfgemeinde, Stadt oder jeden Marcheſat nach einer gewiſſen Quantität abſchätzte, wobei man ihnen geſtattete, von dem Fiscus den Pacht zu übernehmen, und über den Pachtſchilling auf eine gewiſſe Reihe von Jahren übereinzukommen u. ſ. f.“ Und obwohl Bandini eine reiche Pfründe in der Seelandſchaft beſaß, und als Prieſter die Steuerbefreiung genoß, ſo zeigte er doch die edle Uneigennützigkeit, vorzuſchlagen: daß von dem Zehnten die Kirchengüter gar nicht befreit ſein ſollen, indem er die Geiſtlichen durch die Erwägung zu dieſem Opfer ermu⸗ thigte, daß nach ſeinem Plan die Güter in der Folge einträg⸗ licher werden, und daß die Geiſtlichen, ſtatt zu verlieren, bei dieſer Aenderung der Abgaben vielmehr gewinnen würden. Dieſe wenigen Anführungen genügen, um zu zeigen, mit wel⸗ cher Klarheit, Freimüthigkeit und Eleganz dieſer Schriftſteller ſchrieb, nicht in abſtracten, metaphyſiſchen Ausdrücken, und nicht mit der in Italien gewohnten Ueberladung aliclaſſiſcher Gelehr⸗ ſamkeit, ſondern mit der reichen Belehrung der Beobachtungen und Erfahrung. Er gehört ü brigens zu der ſtaatswirthſchaft⸗ — 424— lichen Schule, welche den Boden als die einzige und hauptſäch⸗ liche Quelle jedes Reichthums anſieht. Er ſcheint ganz vergeſ⸗ ſen zu haben, daß unter dem heimiſchen Himmel früher in den freieſten und glücklichſten Zeiten die Gewerke und der Han⸗ del die Hauptquellen des viel größern Wohlſtandes geweſen waren. Dieſes Buch hatte einen großen praktiſchen Erfolg: es be⸗ fruchtete und bevölkerte eine vorher ungeſunde und verödete Landſchaft. Denn obwohl es erſt 1775 im Druck erſchien, ſo gelangte es doch ſchon früher in das Kabinet der Staatsmän⸗ ner: im Jahr 1737 geſchrieben, gelangte es ſchon 1739 in einer Abſchrift an den Großherzog Franz und an deſſen zwei Mini⸗ ſter: allein der Kaiſer Franz konnte vor den Reichsgeſchäften nur wenig für die vernachläſſigte Seelandſchaft thun: deſto mehr aber half Peter Leopold: er las Bandini's Arbeit, bil⸗ ligte, benützte ſie. Er ordnete mehre Augenſcheine in der See⸗ landſchaft an, bereiste ſie ſelbſt, und ließ ſie durch den Mathema⸗ tiker Pimenes unterſuchen. Durch die Ableitung des Waſſers ward die Luft gereinigt. Trinkwaſſer wurde durch Waſſeerlei⸗ tungen in alle Ortſchaften geliefert. Die ſiscaliſchen Laſten wurden abgeſchafft, wie die den Güterumlauf hemmenden Ver⸗ bote; nicht blos die politiſche Verwaltung, ſondern auch die Rechtspflege wurde verbeſſert. Die Bewohner mehrten ſich, erlangten raſch durch den freien Verkehr mit den Bodener⸗ zeugniſſen und Waaren die Mittel zur Hebung der Frucht⸗ barkeit der Güter, zur Veredlung der Erzeugniſſe, und wur⸗ den ſo gewerbfleißiger, reicher, glücklicher. So viel wirkt ein gutes Buch unter einem guten Fürſten. Antonio Broggia 4 von Neapel. Er war ein ſehr erfahrener, gebildeter Kaufmann, welcher ſein Vermögen der Belehrung ſeiner Mitbürger widmete. We⸗ gen einer in einer 1754 von ihm herausgegebenen Denkſchrift gegen lermo handlu nen z die er Da Staa die( zugt ſonde laftet Und a. läͤßliche genwar! nung, ſein. S guten un räuberiſ die Ber Geiſt d cher ſo die ge von de Menge werde den Si Es f 1) daf gro lptſach⸗ vergeſ⸗ in den Han⸗ geweſen es be⸗ verodete ien, ſo tsmän⸗ n einer Mini⸗ häften deſto bil⸗ See⸗ hema⸗ zaſſers ſerlei⸗ Laſten en Ver⸗ uch die en ſich, zodener⸗ Frucht⸗ dd wur⸗ irkt ein welcher he. We⸗ eniſchrift —y— — 425— gegen das Miniſterium erhebenen Rüge, wurde er nach Pa⸗ lermo verbannt, ſpäter aber zurück gerufen. Die beiden Ab⸗ handlungen Broggia's über die Steuern und Münzen erſchie⸗ nen zuerſt 1743, und fanden allgemeine Anerkennung, zumal die erſtere. Das ſtändige Ziel des Verfaſſers iſt der Reichthum des Staats; die Wege, welche dazu führen, ſind der Landbau, die Gewerksthätigkeit, der Handel;: die beiden letzteren bevor⸗ zugt er. Bei der Theorie von der Beſteuerung ſorgt er be⸗ ſonders dafür, die Induſtrie frei, ungehindert und möglich unbe⸗ laſtet zu laſſen. Er iſt ein eifriger Fürſprecher der Bauern und armen Claſſen. Ihr Wohlſtand iſt, nach ihm, eine uner⸗ läßliche Bedingung, um Reichthum in einem Staat der Ge⸗ genwart zu erwirken. Er ſpricht jedoch nicht bloß aus Berech⸗ nung, ſondern aus aufrichtiger Menſchenliebe für ihr Wohl⸗ ſein. Staatsumwälzungen, ſagt er, entſtehen nicht unter einer guten und milden, ſondern bloß unter einer ungerechten und räuberiſchen Regierung. Er verwirft daher die Lehen, weil ſie die Bevölkerung verſchlechtern, und in ihr jenen gemäßigten Geiſt der Hochherzigkeit und einer ſtarken Seele zerſtören, wel⸗ cher ſo nothwendig iſt, um das zu befeſtigen, was Liebe und die geiſtige Seite iſt, in welcher das Volk gute Gebote von dem Geſetzgeber empfangen ſoll. Man ſolle nicht die Menge niederdrücken, um ſie ruhig zu erhalten; denn dadurch werde der Staat geſchwächt, deſſen Sicherheit nicht von frem⸗ den Söldnerheeren abhänge. Es fordert daher der Verfaſſer, 1) daß die Steuer auf gewiſſe Zweige des Einkommens falle, d. h. großentheils in dem Zehnten beſtehe, welcher, nach ihm, die ergiebigſte, verhältnißmäßigſte, am wenigſten drückende, und klarſte Abgabe ſei, welche keine Willkür und Bedrückungen zulaſſe. Auch ſei ſie von der Staatsklugheit geboten, weil ſie den Müſſiggang züchtige und den Fleiß reize. Er will jedoch nicht, daß die Steuer auf das bewegliche Vermögen falle, und deßwegen verwirft er die Kapitalſteuern und die Perſonalſteuern, wie die Kopfſteuer, die Abgaben von den 2) — 426— Gewerben, die von den Geräthſchaften und Thieren, welche zum Landbau nothwendig ſind, weil ſie, abgeſehen davon, daß ſie dem Fleiß entgegen und unmenſchlich ſeien, auch voll Willkürlichkeiten, Förmlichkeiten und Plackereien ſeien, „und es nothwendig werde, zu beſtimmen, daß, weil der Gewerbfleiß ſchon an und für ſich und natürlich die Haupt— quelle ſei, aus welcher Hilfe, Macht und Glück des Staats hervorgehen, nie ein ſolcher Theil genommen, ſo viel aus⸗ geſogen werden dürfe.“ In außerordentlichen Nothfällen, wie in Kriegen, ſoll die Regierung zur Quelle der Grundſteuer greifen, ſie erhö⸗ hen, ſie auch verdoppeln, wenn es nöthig wird. Es iſt viel gerechter, daß die Reichen zahlen, als die Armen. Zu⸗ mal wenn es ſich um die Unabhängigkeit eines Staates han⸗ delt, iſt es nicht beſſer, wenn die Reichen ſich mit einiger Aufopferung des fremden Eroberers erwehren, welcher ſpä⸗ ter all ihr Blut ausſaugt? „Es iſt ſicher zu beklagen(ruft der Verfaſſer aus), daß, wenn ein Staat nicht mit hinlänglicher, der Bevölkerung möglichſt mitgetheilter kriegeriſcher Tugend ausgerüſtet iſt, derſelbe Gefahr laufen kann, leicht von acht bis zehn tau⸗ ſend Mann eingenommen zu werden, und daß eine Hand voll Soldaten ſich zum Herrn von einer Million mache, welche ganz fähig wären, die Waffen zu tragen, und ſo⸗ wohl die ſchönſten Eroberungen zu machen, als auch die nö⸗ thigſte Vertheidigung zu leiſten. Allein noch weit mehr iſt zu beklagen, daß ein ſolcher Staat, voll natürlicher und künſtlicher Reichthümer, mit welchen die eitle Pracht und der Luxus der Bürger prunkt und wuchert, elendiglich zu Grunde gehen ſoll, weil der Regierung das Geld und die Waaren fehlen, daß nicht beigeſteuert werde, um eine kräf⸗ tige Vertheidigung ausführen und die Rüſtungen und Miß⸗ handlungen der Feinde vereiteln zu können; und deßwegen iſt, wer geben kann, gerade jener, dem es mehr gelingt, ſich zu vertheidigen, und doch gibt er Nichts, oder weniger.“ Dieſe Klage paßte ganz gut auf das ſo oft eroberte Neapel. 427— t welche 3) Er erklärt es für beſſer, zu dem Auskunftmittel der Grund⸗ davon, ſteuer zu greifen, als die Zölle und Verbrauchsſteuern, wie frü⸗ n, auch her, zu verkaufen. Dieſer Gebrauch hatte den Uebelſtand, keine ſen ſeien Beſchränkung zu haben. War eine Steuer verkauft, ſo reil der mußte man eine neue ſchaffen, und ſo ging es in's Unend⸗ e hauxe liche fort. ti Sünni Der Verkauf der Zölle im eigentlichen Sinn iſt nicht viel aus⸗ mehr in Gebrauch; allein was ſind die Intereſſen der von den gegenwärtigen Regierungen gemachten Anleihen oder n ſoll die die aus dieſem Grund auf einige Zweige der Staats⸗ ſie erhö⸗ einnahme bewilligten Hypotheken anders, als eine unbe⸗ Es iſt nannte Veräußerung eines Theils der Steuern? Auch die en. Zu⸗ Anleihen gehen in's Unendliche. hes han⸗ 4) Er bält es weder für gerecht, noch für nützlich, daß die einiger ganze Laſt der Steuern auf dem Boden ruhe. Dieſe Laſt her ſpaͤ⸗ ſoll zwiſchen dem Zehnten, den Zöllen und den Verbrauchs⸗ aobgaben vertheilt werden. Der Verfaſſer wünſcht nur dieſe 9), daß, drei Arten von Abgaben. olkerung 5) Die Verbrauchsſteuern haben, nach ihm, den Vortheil: erüſter, a) freiwillig und nicht erzwungen zu ſein, zehn tau⸗ b) im Verhältniß mit dem Verbrauch zu ſein, eine Hand. c) von dem Steuerpflichtigen leicht mit den Schwankungen on mache, des Preiſes der Waaren ſich ausgleichen zu laſſen; ſie , und ſo⸗ werden daher oft gar nicht empfunden; ich die ni⸗ d) daß es dabei keiner Vorſicht, Aufhäufung und Sparſamkeit it mehr iſ bedarf, welche ſich bei den armen Claſſen faſt unmöglich er⸗ licher und wirken laſſen, wie dieſes bei der Kopfſteuer, Patentſteuer racht und u. a. geſchieht. In Staaten mit großem Handel und iglich zu Verbrauch wünſcht er alle Abgaben als Verbrauchsſteuern und die angelegt, wie ja in England faſt alle Steuern indirecte ine kräf⸗ ſind: nur in Ländern mit niederſtehendem Gewerbfleiß und nd Niß⸗ Verkehr wünſcht er zur Ausgleichung der Laſt die Grund⸗ deden ſteuer. dien 6) Er verwirft die Verpachtungen gewiſſer Gattungen von weniger⸗ Verbrauchsgegenſtänden, oder die Monopole, von einigen erte Neapel. Regierungen unter dem Namen Privative(ausſchließliche — 428— Rechte) verlarvt. Die Monopole waren ein beſtändiger Fehler der ſpaniſchen Verwaltung mehre Jahrhunderte hin⸗ durch. In Neapel gab es neben dem Salzmonopol noch f das der Manna, der ſchwarzen Farbe für die Seidenzeuge und ſelbſt der Apothekerwaaren. 7) Nach dem Verfaſſer ſollen die Zölle mäßig ſein, einmal um den Handel nicht zu lähmen, ſodann um den Schleich⸗ handel mit ſeinen verderblichen Folgen zu verhüten; nie ſollen die Zölle, wie überhaupt auch nicht die Steuern, verpachtet werden. Er handelt bei der Betrachtung der Zölle auch von den Freihaven, namentlich in finanzieller Beziehung. Er glaubt, daß ſie, oder die abſoluten Freiungen, wie in Ita⸗ lien damals Livorno, Meſſina, Ancona, Civita Vecchia ſolche Freihaven hatten, nachtheilig ſeien, a) weil ſie das Einkommen des Staats ſchmälern, b) weil ſie durch die Wohlfeilheit zu ſehr zum Verbrauch der ausländiſchen Waaren auffordern, 0) das Gedeihen der inländiſchen Induſtrie hemmen, d) den Schleichhandel in den angrenzenden Provinzen hegen, e) weil ſie nur ſcheinbar den Handel beleben, in der That aber nur eine Factorei ausländiſcher Handelsleute ſind, welche allein dabei gewinnen. Zur Unterſtützung ſeiner Anſicht führt er die Beiſpiele Hol⸗ lands und Englands an, welche ohne Freihaven gediehen. Dieſe dienen nur dazu, andere Freihaven zu zerrütten. Aus den glei⸗ chen Gründen verwirft er die Freimeſſen, oder den Nachlaß der Zölle von Waaren, beſonders zu Gunſten der Ausländer. Nur hätte der Verfaſſer zur Vervollſtändigung ſeines Bu⸗ ches über die Steuern noch zwei ſehr wichtige Punkte behan⸗ deln ſollen, nämlich: 1) die Frage, auf wen zuletzt jede Gattung der Steuern falle, 2) auf welche Art eine Steuergattung den Gewerbfleiß hebe oder drücke: zwei Fragen, welche die neuere Zeit ſo viel⸗ fach beſchäftigt haben. Das B geheime, ſchatzes, auch ſeine zölle, Au tung auf iſ Brog er will Handel, verwirft deßwegen heit. Er als eine? Hebung de lag, weil übrigens di Durch K die erleuch geleſen zu Nicht ſe hat auch geſunde! nicht den Reichthun daß das Geldes, hebt her keit der ben, er v lichen Gr Tarife d daß das düeeh Atden macht beuri ſtändiger erte hin⸗ wol noch denzeuge in, danl en Siſäch. eegüten, de die Sienen, auch von den gziehung. Er wie in Iia⸗ livits Vecchia iſern, Dandtauch der hemnen, rovinzen hegen, in der Thu eläleute ſind iipiele bi iehen. Diſe us den gli Nachlaß der ander. rines Bu⸗ fie behan⸗ Steuern Keiß hebe an ſo viel⸗ — 429— Das Buch hat übrigens auch ſeine Fehler; ſo empfiehlt er geheime, anonyme Anzeigen, die Anſammlung eines Staats⸗ ſchatzes, die Anlegung öffentlicher Getreidemagazine: verfehlt iſt auch ſeine Beſchränkung der Abgaben auf drei, die Grundſteuer, Zölle, Aufſchläge, während doch durch die Vermehrung und Verthei⸗ lung auf Mehre ſie für die Einzelnen leichter werden: endlich iſt Broggia ein zu eifriger Anhänger des Mercantilſyſtems; er will nur verkaufen, ohne zu kaufen: er will Gewerbfleiß, Handel, aber Abſperrung der Haven gegen die Fremden: er verwirft den Verbrauch auswärtiger Erzeugniſſe, und fürchtet deßwegen ihre einen größern Verbrauch bewirkende Wohlfeil⸗ heit. Er betrachtete den Verbrauch der auswärtigen Waaren als eine Verarmung des Staats, ſtatt ihn als einen Reiz zur Hebung des Landbaues Neapels anzuſehen, der ſo tief darnieder lag, weil es Nichts dagegen einzutauſchen hatte. Er theilte übrigens dieſen Irrthum mit dem ganzen letzten Jahrhundert. Durch Klarheit der Ideen, Wärme der Humanität und durch die erleuchtete Vaterlandsliebe verdient dieſes Buch noch jetzt geleſen zu werden. Nicht ſo Broggia's Abhandlung über die Münzen. Zwar hat auch ſie ihr Verdienſt, und iſt rein von Fehlern, ſie enthält geſunde und wohlbegründete Anſichten: namentlich huldigt ſie nicht dem Irrthum, das Geld als den wahren und einzigen Reichthum eines Staats zu betrachten; ſondern ſie ſpricht aus, daß das Gedeihen eines Staats nicht von der Bewegung des Geldes, ſondern von dem Umlauf der Erzeugniſſe abhänge: er hebt hervor den Vortheil eines raſchen Umlaufs, der Stätig⸗ keit der Preiſe, der Leichtigkeit zu rechnen und Handel zu trei⸗ ben, er verwirft die Münzverſchlechterung; allein alle dieſe treff⸗ lichen Grundſätze ſind mit ſo großen Abſchweifungen über die Tarife der damals in Neapel umlaufenden Münzen vermiſcht, daß das Leſen nicht nur ermüdend, ſondern oft fruchtlos wird, abgeſehen davon, daß ſpätere Werke über dieſen Gegenſtand die Arbeit Broggia's überflügelt haben, obwohl ſie deſſen Geiſt Ehre macht, und auch ſein richtiges Urtheil und ſeine große Erfahrung beurkundet. — 130— Ferdinando Galiani von Neapel. Im Jahr 1728 geboren, ſchrieb er in einem Alter von nicht gar 21 Jahren ſein Werk über die Münze, das 1750 erſchien. Weil dieſe Arbeit eine ſo große Erfahrung voraus⸗ ſetzt, und tiefe Bemerkungen über die Geſchichte, über die menſchliche Natur, und zugleich Rügen gegen die Regierungen in Fülle bietet, ſo hat man, wohl mit Grund, angenommen, daß Galiani nur die Anſichten zweier reifer Männer, des Marcheſe Rinuccini und Bartolomeo Intieri, deren Umgang er genoß, dargeſtellt habe. Dieſes Buch iſt nicht mit der Leichtigkeit und dem Reiz hingeworfen, mit welcher der Abbate viele Jahre ſpäter ſeine berühmten Dialogen über den Getreidehandel ſchrieb, ſondern in einem zwar eleganten, aber ernſten Sty!l geſchrieben. Die Grundſätze, die hier ausgeſprochen werden, gleichen bis auf Weniges jenen Broggia's und Montanari's. Das Münzwe⸗ ſen gilt bei Einigen als die Metaphyſik der Staatslehre, und könnte wohl eigentlicher für die Mathematik der politiſchen Oekonomie gelten, da ſie dem Calcul und der Demonſtra⸗ tion am zugänglichſten iſt. Gerade weil Galiani in den Grund⸗ ſätzen nicht viel Neues geben konnte, hat er durch zweck⸗ mäßige Digreſſionen und Beiſpiele das Buch nicht nur nütz⸗ lich, ſondern auch angenehm gemacht. Der Verfaſſer berührt alle Punkte, welche Beziehung auf das Münzweſen haben, die Natur des Preiſes, die Abgaben, den Zins des Geldes, die Pfandurkunden, den Urſprung und das Weſen der Banken, die Staatsſchulden, den Wechſel. Galiani war einer der erſten italiäniſchen Schriftſteller, welche eine Analyſe über das Weſen des Preiſes der Dinge gab, indem er zeigte, daß er das Erzeugniß vieler verſchie⸗ dener Umſtände, nänlich der Seltenheit, Brauchbarkeit, Quan⸗ tität und Qualität der Arbeit, der Zeit u. ſ. f. ſei. Er treibt ſodann ſeine Analyſe bis zum Preiſe der Talente der Men⸗ ſchen, Weiſe er dur barkeit tenheit welche welche rigkein ſeiner ſein I der M Werth die Natun ganz ſelte gen durch errungenen gauz das gleichſam Menge d größer i ſen, deß Er w kämpften ſei. Im außeror Wohlſto ſie beſta größere verbunde ſordern dam wn Pard R iſt es verg bürg ter von as 1750 voraud⸗ über die ierungen nommen, er, des lungang Reiz ſeine ondern Die eis auf dunzwe⸗ re, und blitiſchen monſtra⸗ Grund⸗ h zweck⸗ ur nütz⸗ auf das en, den nd das iſteller, Dinge verſchie⸗ „Qnan⸗ Et weiht der Men⸗ — 431— ſchen, indem er behauptet, daß dieſe ganz auf dieſelbe Weiſe gewerthet werden, wie die lebloſen Dinge, und daß er durch die nämlichen Grundſätze der Seltenheit und Brauch⸗ barkeit zuſammen beſtimmt werde. Hier bemerkt er,„daß die Sel⸗ tenheit nicht nach dem Verhältniſſe dürfe geſchätzt werden, in welchem die Geiſter erzeugt werden, ſondern nach jenem, in welchem ſie zur Reife kommen, daher, je größer die Schwie⸗ rigkeiten für einen Geiſt ſind, um zu den hedeutendſten und ſeiner würdigen Stellungen gelangen zu können, deſto größer dann ſein Werth ſei. Ein Generaliſſimus, wie der Prinz Eugen oder der Marſchall von Turenne waren, hat einen unermeßlichen Werth im Vergleich zu einem gemeinen Soldaten, nicht weil die Natur wenige dergleichen Geiſter erzeugt, ſondern weil jene ganz ſelten ſind, welche in ſo hohen und ſo glücklichen Stellun⸗ gen durch Anwendung ihrer Talente als große Feldherren mit errungenen Siegen erſcheinen können. Hier thut die Natur ganz das Nämliche, wie bei der Saat der Pflanzen, welche, gleichſam den häufigen Untergang derſelben vorausſehend, eine Menge derſelben erzeugt und auf die Erde fallen läßt, die größer iſt, als die Zahl der Pflanzen, welche ſpäter aufwach⸗ ſen, deßwegen iſt eine Pflanze mehr werth, als ein Saame.“ Er war ſo einer der erſten, welche das gemeine Vorurtheil be⸗ kämpften, daß der hohe Preis der Dinge ein Zeichen des Elends ſei. Im Gegentheil weist er nach, daß, abgeſehen von einigen außerordentlichen Nothfällen, der hohe Preis ein Zeichen des Wohlſtandes eines Landes iſt. Die Erhöhung entſteht, wenn ſie beſtändig iſt, aus dem höhern Curs des Geldes, welches die größere Induſtrie einſtrömen macht, und der Ueberfluß an Geld, verbunden mit dem Ueberfluß an Dingen, dauert nicht bloß fort, ſondern zieht neue Leute an, hebt den Gewerbfleiß, den Reich⸗ thum und die Preiſe.„Es iſt daher, ſagt er, für London und Paris ein Vortheil, daß dort Alles immer theurer wird, und dieſe Städte kommen deßwegen nicht herunter. Dieſer Preis iſt es, welcher unſer Zeitalter als beſſer nachweist, denn die vergangenen.. Nun, fügt er hinzu, bitte ich meine Mit⸗ bürger, daß ſie, ſich an die Wahrheit und nicht an die Täu⸗ ſchung des Geredes haltend, ſich darüber tröſten, daß die An— weſenheit des eigenen Königs unter uns die Dinge fortwährend vertheuert und jene Koſtſpieligkeit eingeführt hat, welche die Tochter des Wohlſtandes und des raſchen Umlaufes des Geldes iſt; ſie ſollen nicht mit Neid, ſondern mit dem Blick der Verachtung auf jene unglückliche Zeit hinblicken, wo wir bloß eine Provinz bildeten, in welcher die Lebensmittel wohl⸗ feiler waren, weil das Geld von dem fernen Hofe verſchlun⸗ gen wurde.“ Er hebt an einer andern Stelle den Nutzen der Unabhängigkeit und des Beſitzes eines eigenen Herrſchers her⸗ vor, und nennt den Luxus, die Pracht, die Freudigkeit, Sitten⸗ milde, Künſte, edle Studien und Wohlſtand als deſſen Folgen. Er war endlich unter den Erſten, welche die Anſicht aus⸗ ſprachen, man müſſe den Zinsfuß, wie auch den Preis des Gel⸗ des, frei geben.„Es iſt verſtändiger Menſchen nicht würdig, einen falſchen Begriff von Schaam darein zu legen, in einer ſo wichtigen Angelegenheit ſich vom Volke leiten zu laſſen. Viel wichtiger iſt der Preis des Getreides, des Weins, des Oels, viel größer der der Ländereien, Häuſer, Pachte, der Intereſ⸗ ſen und der Wechſel, und gleichwohl gibt hier kein Geſetz die Regel, außer die bloße Uebereinſtimmung des Volks. Und wahrlich, wie kann es eine Schande ſein, die volle Freiheit je⸗ nen zu laſſen, welchen zu dienen die höchſte der Ehren iſt? Die Magiſtrate ſind die Diener, welche ſich der Wohlfahrt der Menge und der Erhaltung ihrer Freiheit widmen ſollen, und der Fürſt ſelbſt iſt zu dieſem Auftrag von Gott geweiht.“ Um aber noch einen höhern Begriff von dieſem Buch zu ge⸗ ben, und zugleich zu zeigen, auf welche Weiſe die Italiäner die Politik mit der Wirthſchaftslehre verbunden haben, will ich ein Bruchſtück aus dieſem Schriftſteller anführen, welches mir durch Kraft und Tiefe Macchiavelli's würdig zu ſein ſcheint.„Die gemeine Redensart iſt nicht zu befolgen, welche bisweilen die Natio⸗ nen fehlerhaft, nachläſſig und ſchlecht ſchilt. Die Schuld iſt nicht an ihnen, weil es die Natur der Unterthauen iſt, nachdem ſie verge⸗ bens der ſchlimmen Regierung durch Ungehorſam widerſtanden ha⸗ ben, ſich mit Dummheit zu waffnen; und es iſt dieſer Fels, ſo wie der lette, für de wären keine! Menſe bei de und Erob außer Amer ſeit, Europ⸗ auf ein waffenlo hervor, pfangene und ſo lih meo welche Gle dieſes desſel ordne In über da er nach Getrei die Fr Galiar daß ſ fregte Me auf die An⸗ Dinge hrt hat, mlaufes en Blick wo wir tel wohl⸗ verſchlun⸗ dutzen der hers her⸗ Sinten⸗ Folgen. lt aus⸗ es Gel⸗ vürdig, neiner u. Viel 8 Oels, Inhereſ⸗ Geſez de ts. Und reiheit je⸗ nit? Die ffahtt det llen, und eiht. h zu ge⸗ jaͤner die ic ein r durch Wie ſe vetge⸗ anden ha⸗ ſowieder —— — 433— letzte, ſo der ſicherſte und unerſtürmbarſte, indem er die Unterthanen für den Fürſten eben ſo unnütz macht, als wenn ſie Empörer wären, und den Fürſten eben ſo ſchwach macht, als wenn er keine Unterthanen hätte. Die Erfahrung hat gezeigt, daß der Menſch viel ſtärker im Leiden als im Handeln iſt, und daß bei dem, welcher unterdrückt, und welcher duldet, zuerſt jenes und dann erſt dieſes weicht, indem die Trägheit auch ſeine Eroberer ergreift, und die Wahrheit dieſes Satzes wird außerdem, daß die alten Geſchichten alle dafür zeugen, an den Americanern erkannt, welche mit ihrer thieriſchen Gefühlloſig⸗ ſeit, verſchieden von ihrer frühern Rüſtigkeit, jede Kunſt der Europäer entkräftet und gebändigt haben; und ſo haben ſie ſich auf eine gewiſſe Weiſe jenem Joche entzogen, welche ihre waffenloſe Kraft nicht hatte brechen können. Daraus geht nun hervor, daß eine unterdrückte Nation wegen der häufig em⸗ pfangenen Schläge ſowohl das Gute als das Ueble fürchtet, und ſo unvernünftig wird, daß ſie dieſelben durch Gewalt nütz⸗ lich machen muß, wie mit Gewalt derjenige Hund geheilt wird, welcher durch die Schläge des Stocks geſchreckt wird.“ Gleichwohl rühmte die Cenſur der Neapolitaniſchen Regierung dieſes Buch höchlich, und dieſe benützte ſpäter die Grundſätze desſelben bei der Reform des Münzweſens, das fortan ſo ge⸗ ordnet blieb. Im Jahr 1770 ſchrieb Galiani ſeine berühmten Zwiegeſpräche über den Getreidehandel, und zwar in franzöſiſcher Sprache, da er 1765 von ſeiner Regierung als Geſandtſchaftsſecretär nach Paris geſandt worden war. Im Jahr 1769 hatte eine Getreidetheurung in Frankreich die ſehr verwickelte Frage über die Freiheit oder Beſchränkung dieſes Handels hervorgerufen. Galiani behandelte dieſen trockenen Gegenſtand ſo angenehm, daß ſelbſt die Geſellſchaft der Pariſer Salons ſich daran er⸗ freute. Voltaire und Friedrich II. entzückte das Buch, und deſſen Verfaſſer ward von allen Notabilitäten Frankreichs aufgeſucht. Der Grundgedanke dieſes Werks iſt, daß das beſte Spſtem Blanaui, Geſchichte d. polit. Oekonomie. 11 Bd. 28 — 434— in Beziehung auf das Getreideweſen ſei, gar kein Syſtem zu haben. Im erſten Zwiegeſpräch beweist er, daß man bei dieſer Sache ſich nicht an Beiſpiele halten dürfe, weil die Um⸗ ſtände der Länder hiebei ſo ſtark von einander abweichen. Im zweiten unterſcheidet er die verſchiedenen Länder, in welchen man eine abweichende Einrichtung treffen muß. In kleinen Staaten mit kleinem Gebiet und großer Induſtrie, wie in Genf, ſind die öffentlichen Getreidemagazine nothwendig. Im dritten handelt er von den mittleren Staaten, bei welchen er unterſcheidet ſolche mit fruchtbarem Gebiet, wie Sicilien, Sardinien, das Mailändiſche, Flandern, und ſolche mit getreidearmem Gebiet, wie Holland, Genua u. a. und er beweist dann, daß für dieſe letzteren die volle Freiheit des Getreidehandels erſprieslich ſei. Im vierten trägt er die erſten Zweifel über das franzö⸗ ſiſche Edict von 1764 vor, welches die Getreideausfuhr nur ſo lange frei gab, bis es einen gewiſſen Preis erreicht hatte. Im fünften handelt er von den rein landbauenden Staaten, und indem er ihr Elend nachweist, behauptet er, daß die Gewerke und der Seehandel den wahren Reichthum der großen Staaten bilden. Im ſechsten macht er, nachdem er gezeigt hatte, daß es in Frankreich im Vergleich mit deſſen Bevölkerung nur wenig ungebautes Land gebe, die Folgerung, daß ſich nur ein ge⸗ ringer Ueberfluß an Getreide ergeben würde, wenn aller Boden bebaut wäre. Im ſiebenten zeichnet er das Bild des Getreidehandels, in⸗ dem er in die einzelnen Umſtände eingeht, welche ihn be⸗ gleiten; woraus erkannt wird, wie wenig er zu dem Reich⸗ thum einer Nation beiträgt. Im achten deutet er einen Plan für die Ausfuhr des Ge⸗ treides aus Frankreich an, um das Edict von 1764 zu ändern. Dieſer Plan beſteht in der Auflegung eines Ausgangszolls auf Getreide und Mehl, und eines Eingangszolls auf frem⸗ des Getreide. G. ditt II Handel lichen Sprache mel er den„ Narch des E hielt weſen Völke erlan⸗ Melo. Galia Darſte Wechſe liches wei dchſ dn der jetzt des —„ 435— In dieſen Zwiegeſprächen wollte übrigens Galiani mebr ſagen, als er ausgeſprochen hat, indem er überall den Zu⸗ ſammenhang dieſer Frage mit der Politik durchſchimmern läßt. Im Jahr 1770 in ſein Vaterland zurückgerufen, wurde er zum Rath bei der Handelsbehörde befördert, ſpäter auch bei dem Finanzminiſterium und bei der Kriegsverwaltung angeſtellt; er ſtarb, von ſeiner Regierung geehrt, 1787, in einem Alter von 58 Jahren. Er gehört zu den Anhängern des Mercantilſyſtems. Girolamo Belloni. G. Belloni, ein Bankier in Rom unter dem Papſt Bene⸗ dikt XIV., ſchrieb im Jahr 1750 eine Abhandlung über den Handel von etwa 100 Seiten, die ſich eines außerordent⸗ lichen Glückes zu erfreuen hatte. Sie wurde in verſchiedene Sprachen überſetzt, in Frankreich und Italien bis zum Him⸗ mel erhoben, und der Papſt Lambertini ſelbſt erkannte ihr den Preis zu, indem er dem Verfaſſer den Titel eines Marcheſe ertheilte. Die Bücher gewinnen oft die Vorliebe des Schickſals, wie einige Menſchen. Djeſe Abhandlung ent⸗ hielt blos ſolche Ideen, die ſowohl in Betreff des Münz⸗ weſens als auch des Handels zu jener Zeit bereits bei vielen Völkern ganz allgemein waren, und nichts deſto weniger erlangte ſie eine ungemeine Berühmtheit. Locke in England, Melon in Frankreich, Uſtariz in Spanien, Broggia und Galiani in Italien hatten ausführlicher und in ausgedehntern Darſtellungen über den Handel, das Münzweſen und den Wechſel ſich ausgeſprochen. Wenn irgend etwas Außerordent⸗ liches in dieſem Werkchen ſich vorfindet, ſo ſind es blos zwei Irrthümer. Der erſtere iſt, daß der Verfaſſer den Wechſel betrachtet als„die zuverläſſigſte Regel um den Zuſtand eines Reiches in Betreff des Han⸗ dels zu entdecken;“ was aber oft der Fall nicht iſt, wie jetzt einem Jeden bekannt iſt. Eine außerordentliche Ausfuhr des Geldes in Kriegszeiten, oder ein geſtörtes Gleich⸗ 28. — 436— gewicht in dem Preis der Münzen kann den Wechſelcurs ändern, ohne daß dadurch der Handel verändert wird. In dem letzten Krieg war der Wechſelcurs für England ſtets ungünſtig, weil es ungeheure⸗Summen Geldes auf das Feſtland verſenden mußte. Nichts deſtoweniger aber vermehrte ſich, ſtatt ſich zu vermindern, ſein Handel. Der andere Irr⸗ thum iſt der Beifall, den der Verfaſſer dem Verbot der Ausfuhr des Geldes zollet, indem er es„die lobens⸗ werltheſte Gewohnheit“ nennt. Nun iſt es aber eine eben ſo ungerechte, als unnütze Gewohnheit. Wenn ſich noch ein beſonderes Verdienſt in dieſer Schrift vorfindet, ſo iſt es dieſes, daß ſie eine Frucht der eigenen Er⸗ fahrung des Verfaſſers iſt, welcher trotz des Titels eines Marcheſe doch noch den guten Gedanken hatte, die Handlung fortzuſetzen, und den Italiänern zu zeigen, daß er ſich nicht ſchäme, unter einen Wechſelbrief die Unterſchrift eines Marcheſe oder eines Herzogs zu ſetzen, wie in Genua die Spinola und die Doria es fort thun. Gian Francesco Pagnini aus Toscana. Wenn mir die Abhandlung Belloni's unter dem Ruf zu ſtehen ſcheint, deſſen ſie ſich in Europa erfreute, ſo ſcheint mir dagegen die Pagnini's„Sopra il giusto pregio delle cose“ (über den wahren Preis der Dinge), welche 1751 erſchien, noch voll Wichtigkeit für unſere Tage. Auch ſie hat nur wenig über hundert Seiten, iſt aber voll neuer Be⸗ merkungen und einer Gelehrſamkeit, welche kein überflüſſiger Zierrath iſt, ſondern zur Beweisführung dient. Der erſte Gegenſtand der Unterſuchung iſt, den Grund anzugeben, warum die meiſten Schriftſteller des Alterthums und der Neuzeit über das Geld und den Handel ſo verſchieden gedacht haben. Zu dieſem Behuf ſtellt der Verfaſſer die weſentlichſten Grundſätze uͤber den richtigen Preis der Dinge auf, und zeigt, daß das Geld die an daß a Geldes nini's Preiſes ſchränt die Sc ſpricht Aannat Röme unter gewa Curs ande Regi polit deſſer beſleg unbek galt, Von merd dad Pr S a. uf zu it mir pose“ 1751 e hat Be⸗ ſüiger erſe warum it über en. Zu zundſäte daß das — 437— Geld den nämlichen Geſetzen des Preiſes unterliege, welchen die anderen Dinge unterworfen ſind. Sein Preis iſt unab⸗ hängig von der Willkür der Menſchen. Die Mühe, um es zu erzeugen, die Menge, das Angebot und die Nachfrage ſind die Elemente ſeines Preiſes: es erträgt kein tyranniſches Eingreifen der Regierungen: es iſt mächtiger, als ſie. Der andere Zweck des Verfaſſers iſt, den Grund zu er⸗ klären, aus welchem die Römer das Geld von dem bloßen Willen der Regierung abhängig glaubten. Er führt die römi⸗ ſchen Geſetzſtellen hiefür an. Uebrigens ſind die Ausleger derſelben hierüber getheilter Anſicht, und Neri behauptete gerade, daß auch die römiſche Rechtswiſſenſchaft das wahre Weſen des Geldes angegeben habe. Wenn jedoch die Auslegung Pag⸗ nini's gelten ſoll: daß die Grundlage und das Maaß des Preiſes des Geldes nach dem römiſchen Recht die unbe⸗ ſchränkte Gewalt des Fürſten und nicht der Metallgehalt oder die Schätzung ſei, welche der allgemeine Verkehr ihm gibt, ſo ſpricht der von Pagnini angegebene Grund mächtig für deſſen Annahme. Nach ſeiner Anſicht war nämlich das Geld bei den Römern nur ein allgemeines Werkzeug der Tauſche, welche unter Perſonen vorgehen, die von einer und derſelben Staats⸗ gewalt abhängen, wie die Eiſenſtücke, welchen Lykurgos einen Curs gab. Die Römer hatten keinen Activhandel mit den andern Völkern, es konnte daher das Geld der Willkür der Regierung unterworfen werden. Hier analyſirt Pagnini die politiſche Verfaſſung des römiſchen Reichs und zeigt, daß deſſen Finanzen nur in den Brandſchatzungen und Spolien der beſiegten Völker beſtanden, und daß der Handel nicht bloß unbekannt war, ſondern auch als verächtlich einem Volke galt, welches bloß den Landbau und den Krieg werthſchätzte. Von da geht er zu den Völkern der Neuzeit über, und be⸗ merkt die Ereigniſſe, welche bei dieſen eintraten, und welche das Weſen ihrer Verfaſſung ganz geändert haben; zuerſt die Poſt, den Kompaß und den Bücherdruck, welche, die Reiſen, Schifffahrt und den Handel erleichternd, alle Völker einander annäherten, die bei den Römern als Feinde angeſehen — 438— wurden. Alle Entdeckungen wurden von da an gemeinſam, Die wichtigſte, die des Schießpulvers, hatte ſich bald allgemein verbreitet. Die Erziehung, der Fortſchritt in den Künſten und Wiſſenſchaften iſt beinahe unter den Nationen der Neuzeit gleich. Ueberall werden dieſelben Waffen gebraucht, überall beſteht die gleiche Kriegszucht. Das übermäßige Uebergewicht einer Nation über eine andere iſt ſchwierig geworden und um ſo ſchwieriger durch die Anſtellung von Geſandten bei den fremden Regierungen und durch das ſpäter in Europa befolgte Gleichgewichtsſyſtem.„Es mußte ſich daher der Ehr⸗ geiz, von welchem die Natur der Menſchen nie frei bleibt, ſich eine neue Bahn brechen, um zu ſeinem Ziel zu gelangen. Die Völker warfen ſich ſonach darauf, die Induſtrie, die Gewerke und die Manufacturen zu fördern, und ſuchten durch dieſe jene Größe zu erwerben, zu welcher man nicht mehr durch den Krieg gelangen konnte. Sie griffen zu Unterhandlungen, von welchen die Sicherheit, das Gleichgewicht und die Bilanz der Macht aller Staaten abhängen.“ Nicht mehr Eroberung und Krieg, wohl aber Gewerbfleiß und Handel ſind gegen⸗ wärtig die Quellen der Stärke und des Wohlſtands der Völker. Daher kann auch das Geld, das Vehikel des Handels unter allen Welttheilen, nicht mehr der Willkür der Regierungen unterworfen werden, ſondern muß von den gemeinſamen Geſetzen geregelt werden, welche den Preis aller andern Dinge beſtimmen. Wer dieſem Vehikel Gewalt anthut, ſtört den Handel, ſchadet ſich ſelbſt, und bereut nur gar zu bald die eigene Tyrannei. Im Jahr 1764 gab Pagnini die Geſchichte des Zehntens und des Handels der alten Florentiner heraus, welcher eine Abhandlung über den Preis des Goldes und Silbers und über das Verhältniß der Preiſe der Dinge im 14ten und 15ten Jahrhundert, verglichen mit dem 18ten, mit beſonderer Rück⸗ ſicht auf Toscana angefügt iſt, geſtützt auf echte Preiſever⸗ zeichniſſe von Florenz. Pagnini behauptet, daß Italien nur wenig oder gar nicht an den Metallſchätzen Amerika's und an den Folgen der am Ende des 15ten Jahrhunderts gemachten Ent⸗ deckun viellei reiche Preis Erzer die Silb die wieſ in d entha er gle den ge geltende rückſcht der and ſtanden Jag en il Er be unter er m Dar Jahrh bardei. Die Die wer dure Pro den ſam, nein iſten zeit rrall vicht und bei ropa nz ng en⸗ ler. inter ngen amen dern ſtört bald ens ine der ten ück⸗ ber⸗ nur den Ent⸗ — 439— deckungen Theil genommen habe. Ganz unbedeutend, und vielleicht unnütz, wenn nicht ſchädlich, ſeien für Italien dieſe reiche Entdeckungen geweſen, und ſtatt ſich zu heben, ſei der Preis der Lebensmittel und des größten Theils der andern Erzeugniſſe geſunken. Von dieſer Zeit an ſeien in Italien die edeln Metalle ſeltener geworden. Er verglich die Menge Silbers, welche in den Lire, Soldi und Danari enthalten war, die im 14. und 15. Jahrhundert eine gegebene Waare er⸗ wieſenermaßen gekoſtet hatte, mit der Menge Silbers, welche in den zu ſeiner Zeit umlaufenden Lire, Soldi und Danari enthalten iſt, für welche dieſelbe Waare verkauft ward, indem er gleichfalls die zwiſchen dem Gold und Silber, ſowohl in den genannten Jahrhunderten, als zur Zeit, wo er ſchrieb, geltende Proportion verglich. Nach dieſer Regel fand er, daß rückſichtlich Toscana's die meiſten Preiſe der Lebensmittel und der andern Erzeugniſſe im Jahr 1764 gleich oder niederer ſtanden, als die des 14. und 15. Jahrhunderts. Pagnini war zu Volterra 1715 geboren. Er war nicht bloß ein theoretiſcher Schriftſteller, ſondern auch ein praktiſcher. Er bekleidete lange Zeit verſchiedene und wichtige Finanzämter unter der toscaniſchen Regierung. Auch im Landbau verband er mit der Theorie die Praxis. Er ſtarb 1789. Pompeo Neri aus Florenz. Das Haus Oeſtreich unternahm gegen die Mitte des vorigen Jahrhunderts bedeutende Verwaltungsreformen in der Lom⸗ bardei. Die erſte Operation war die Kataſtrirung der Grundſtücke. Die Ungleichheit der Beſteuerung im Herzogthum Mailand war eine alte Klage, welche, abgeſehen davon, daß ſie faſt durch zwei Jahrhunderte eine zerrüttende Zwietracht zwiſchen Provinz und Provinz, zwiſchen Stadt und Landſchaft, zwiſchen den Gemeinden einer und derſelben Landſchaft und die Steuer⸗ pflichtigen einer und derſelben Gemeinde warf, den Landbau gefährdet, den Handel zerſtört, die Gewerkenden verbannt hatte. Seit dem Ende des zwölften Jahrhunderts war von der Republik Mailand eine Schätzung und Kataſtrirung der Güter angelegt worden. Dieſes Kataſter wurde 1248 bekannt ge⸗ macht. In dem Lauf der Jahrbunderte wechſelte der Zuſtand des Landbaues ſo ſehr, daß ein ſolches Kataſter nicht mehr eine gerechte Schätzung war. Unter Karl Vv. wurde eine neue Schätzung der Grundſtücke unternommen, welche 1564 be⸗ endigt und 1568 bekannt gemacht wurde: allein dieſe Auf⸗ nahme litt an Fehlern der Meſſung, Einſchätzung und an Aus⸗ laſſungen, und ward eine Quelle von Beſchwerden mehr als anderthalb Jahrhunderte hindurch. Im Jahr 1718 ordnete Karl VI. auf Verlangen aller Pro⸗ vinzen eine neue Kataſtrirung an, die aber bis 1750 ausge⸗ ſetzt wurde: da ward ein Ausſchuß niedergeſetzt, in welchem P. Neri den Vorſitz führte. Er war 1707 in Florenz ge⸗ boren. Ehe er in die Lombardei berufen wurde, hatte er in ſeinem Vaterland ſchon ausgezeichnete Staatsämter bekleidet. Unter ſeiner Leitung wurde das Kataſter vollendet und 1759 bekannt gemacht. Dieſe Arbeit wurde mit einer Verſtändig⸗ keit, Unparteilichkeit und Scharfſichtigkeit geleitet, welche immer als Muſter für ſolche Arbeiten dienen wird. Viele Regierungen in und außer Italien ahmten es nach: ſo wollte es in Preußen Friedrich der Große, ſo that es Napoleon für Frankreich und für jene italiäniſchen Staaten, welche entweder gar kein Kataſter, oder doch nur ein unvollkommenes hatten. Allerdings wurden ſpäter die Normen der Abſchätzung gewechſelt, und vorzüglich Frankreich nahm die gewiß beſſere Methode der Abſchätzung nach der Rente, als der nach dem Capital an. Allein die Stammidee iſt dem lombardiſchen Kataſter entnommen. Die Kaiſerin Maria Thereſia übertrug Neri die Leitung der Conferenzen, welche über die Errichtung eines Münzconcor⸗ dats unter den öſtreichiſchen Staaten Italiens und den könig⸗ .——ͤ lichen Im J zu ein nützten Mann Glar D reich lega übe⸗ Di Handl nen G ſeltener gegeben feinerun Preport Zuſamr und vo ungele Der ſchon? edler Ich 1) dbau zannt der üter ge⸗ d des eine neue he⸗ Auf⸗ Us⸗ als ro⸗ ge⸗ hem t x er in leidet. 1759 indig⸗ welche Viele wollte n für veder ttten. hſelt, e der Allein n. ng der concor⸗ könig⸗ —————— —-— 441— lichen ſardiniſchen Staaten diesſeits der Alpen gehalten wurden. Im Jahr 1758 wurde er in ſein Vaterland zurückgerufen und zu einem der Mitglieder des Regierungsrathes ernannt. So nützten mehre Fürſten die Dienſte dieſes ausgezeichneten Mannes, deſſen Ausſprüchen ſelbſt Jene, welche nur der Praxis Glauben ſchenken, ihre Anerkennung nicht verſagen werden. Das Werk, mit welchem Neri die Wirthſchaftslehre be⸗ reicherte, führt den Titel:„Osservazioni sopra il prezzo legale delle monete di P. Neri Fiorentino“(Bemerkungen über den geſetzlichen Preis der Münzen). Dieſes Buch, geſchrieben im Jahr 1751, iſt ein wahres Handbuch für jeden Münzmeiſter. Denn neben den allgemei⸗ nen Grundſätzen über dieſen Gegenſtand finden ſich hier mit ſeltener Kürze alle Regeln und Vorgänge der Prägung an⸗ gegeben, die verſchiedenen Methoden und die Koſten der Ver⸗ feinerung, die zwiſchen Gold und Silber zu beobachtende Proportion, die Prägekoſten; der zweite Band iſt nur eine Zuſammenſtellung von Urkunden, eines Kanzleibriefwechſels und von Protokollen, welche Jeder, der nicht Münzbeamter iſt, ungeleſen laſſen kann. Der Verfaſſer konnte hier wenig Neues, ſondern nur das ſchon Bekannte auf eine neue, d. h. lakoniſche Weiſe in klarer, edler Schreibart ſagen. Ich will nur einiges ihm Eigenes bemerken. 1) Er glaubt, daß die Prägekoſten dem Staat zur Laſt fallen, und die Münzen bloß nach ihrem Metallgehalt gewerthet werden müſſen. Gleichwohl räth er, die ge⸗ meine Uebung zu befolgen, die Conſumenten die Präge⸗ koſten tragen zu laſſen, weil man der Wahrheit ein Opfer bringen müſſe, bis die Zeit ihres Sieges kommen werde. Hierin ſtimmt er Davanzati bei, entfernt ſich aber von allen andern Schriftſtellern. Dieſe Uebung wurde früher von der Münzſtätte in Belogna befolgt, auch ein Jahrzehnt von 1679 bis 1689 unter dem Mi⸗ niſterium Colbert und wieder vom 30. November 1795 bis 15. April 1796 in Frankreich, und bis zur Stunde — 442— in England, hat aber keine andere Beiſpiele für ſich, und alle engliſchen und nicht engliſchen Schriftſteller gegen ſich. 2) Er gab eine im Jahr 1254 zwiſchen den Städten Cre⸗ mona, Parma, Brescia, Piacenza, Pavia, Tortona und Bergamo geſchloſſene, und bis dahin noch nicht be⸗ kannt gemachte Münzconvention heraus, welche zeigt, daß man in dieſer Sache damals weiter vorgerückt war, als jetzt. 3) Er vertheidigt die römiſchen Rechtsgelehrten gegen den ihnen gemachten Vorwurf, daß ſie den Preis der Münzen als eingebildet und willkürlich angeſehen haben, und zeigt, daß dieſe Rüge die Rechtsgelehrten des 16. und 17. Jahrhunderts treffe, ſo wie die, welche glauben, daß der Preis der Münzen von der Willkür des Staats⸗ herrſchers abhänge. Gian Rinaldo Carli, von Capo d'Iſtria. Ein anderer Mann von ausgezeichnetem Verdienſt, welchen die öſtreichiſche Regierung als Staatsbeamten bei der Aus⸗ führung ihrer Reformen im vorigen Jahrhundert gebrauchte, war Gian Rinaldo Carli. Er war geboren in Capo d'Iſtria im Jahre 1720, hatte be⸗ reits die Blüthe ſeines Lebens mit Studien zugebracht, und war ſchon durch ſein berühmtes Werk über die Münzen den Gelehrten Europa's bekannt, als er 1765 zur nämlichen Zeit von den Re⸗ gierungen von Turin, von Mailand und von Parma eingeladen wurde, ein Verwaltungsamt zu übernehmen. Er gab den Vorzug der Regierung der öſtreichiſchen Lombardei, gelangte unter ihr zur Stelle eines Präſidenten des Oekonomierathes, und hatte faſt an allen den Reformen Theil, welche eintraten. Er ſtarb als emeritirter Rath im Jahr 1795. Das Wiſſen G. R. Carli's war univerſell. Er ſchrieb faſt über? zugebe haben. Das und 1. Berüt Der die Mün Abha fedoch Lieblin gab vit verſchaff Aus ein dium, r ftemder dem End der Gele ſtatt an oder zwe ſachen ſo leuten er z verſe ſchriften erklären als er machte, Lucretia das We aach erf Iweig auch der d ſo be einig elchen Aus⸗ te be⸗ war brten Re⸗ aden rzug er ihr hake r ſtarb neb faſt — 443— über Alles. Ich beſchränke mich darauf, bloß die Werke an⸗ zugeben, welche einen Zuſammenhang mit der Wirthſchaftstehre haben. Das erſte Buch, welches er 1754 drucken zu laſſen anfing und 1760 heraus gab, und durch welches er ſich eine ausgedehnte Berühmtheit erwarb, war das große Werk über die Münzen. Der Leſer wundere ſich nicht, wieder ein anderes Werk über die Münzen ankünden zu hören. Die Verſchlechterung der Münzen war die Krankheit des Jahrhunderts, und die der Abhandlungen war die Krankheit der Schriftſteller. Es läßt ſich jedoch leicht erkennen, daß das Studium des Alterthums das Lieblingsſtudium Carli's ſeit ſeiner Jugend geweſen war. Es gab vielleicht keinen beſſeren Gegenſtand, ihm Gelegenheit zu verſchaffen, ſeine Kenntniſſe zu entwickeln, als der der Münzen. Aus einem andern Grunde war die Gelehrſamkeit, jenes Stu⸗ dium, welches des Denkens überhebt, und welches uns mit fremder Gelehrſamkeit gelehrt erſcheinen läßt, in Italien ſeit dem Ende des vorigen Jahrhunderts die Lieblingsbeſchäftigung der Gelehrten geweſen. Viele beklagten ſich, daß die Italiäner, ſtatt an die Lebenden zu denken, an die Todten von einem oder zwei Jahrhtauſenden dachten, und daß ſie, ſtatt die Ur⸗ ſachen ſo vieler Unglücksfälle, welche ſie von ihren Lands⸗ leuten erduldet haben, zu erforſchen, und ſich Mittel dagegen zu verſchaffen, nur daran dachten, verſtümmelte Geheim⸗ ſchriften, verwitterte Irrſchriften, diluvianiſche Reſte zu erklären. Goldoni erntete daher einen wohlverdienten Beifall, als er auf der Bühne ſeinen Alterthümler lächerlich machte, der von dem armeniſchen Harlekin den Pantoffel der Lucretiga und das Tintenfaß des Sokrates kaufte. Doch iſt das Werk von Carli, ſo reich es an Gelehrſamkeit iſt, auch erfüllt mit allen richtigen Grundſätzen, welche jetzt dieſen Zweig der öffentlichen Verwaltung leiten. Wenn ſein Buch auch kein großer Gewinn für die Wiſſenſchaft iſt, in Betracht der großen Zahl ähnlicher Bücher, welche vorhanden ſind, ſo beſtimmten ihn doch ſeine tiefen Kenntniſſe in dieſem Fache einige Jahre nachher, im Jahre 1766, die Osservazioni 444 preventive intorno alle monete di Milano(vorläufige Be⸗ merkungen über die Münzen von Mailand) zu ſchreiben, welche dieſer wichtigen und nützlichen Reform als Haupt⸗ grundſätze dienten. Das iſt eine weitere nicht zu vergeſſende Wohlthat, welche von einem gelehrten Manne der Geſellſchaft und beſonders ſeiner Regierung erwieſen worden iſt. In ſeinem großen Werke über die Münzen findet ſich eine Abhandlung über den Preis und das Verhältniß der gemünzten Metalle zu den Bodenerzeugniſſen in Italien, vor der Entdeckung Indien's, mit Vergleichung ihres Preiſes und Verhältniſſes in unſeren Zeiten. Dieſe Abhandlung iſt nicht weniger durch die Neuheit ihrer Folgerung, als durch die Folgeſätze und Anwendungen anziehend, zu welchen ſie führen kann. In Frankreich, Holland, England ſtimmen alle Schriftſteller darin überein, daß ſeit der Entdeckung Indiens die Metalle in jenen Reichen durch ihren Ueberfluß im Preis geſunken, und daher die Erzeugniſſe im Vergleich mit den Preiſen vor der Entdeckung geſtiegen ſeien. Die Thatſache und die Folge⸗ rung ſind in jenen Reichen gleich wahr. Auch in Italien vielleicht herrſchte bei Einigen noch jetzt das Vorurtheil, daß gleich nach der Entdeckung Amerika's die Menge der Metalle beträchtlich ſich vermehrt habe, ſo daß die Italiäner des 18ten Jahrhunderts reicher ſein müſſen, als ihre Vorfahren im 15ten, und daß auch die Erzeugniſſe theurer geworden ſein müſſen. Aber Carli zeigt in dieſer Abhandlung, daß dieſe Meinung, ſoweit ſie Italien betrifft, irrig ſei, indem im Gegentheil Italien im 15ten Jahrhundert reicher geweſen ſei, mehr Ueberfluß an Metallen gehabt habe, wodurch die Erzeugniſſe theurer geweſen ſeien. Der Verfaſſer ſchickt einen Grundſatz voraus, welcher nicht in Zweifel gezogen werden kann, nämlich, daß man, um die Vergleichung zwiſchen dem Preiſe der Erzeugniſſe eines Landes mit einem andern, oder eines Jahrhunderts mit einem andern aufzufinden, zuerſt das reſpective Verhältniß jener Erzeug⸗ niſſe zu der Menge feinen Silbers auffinden müſſe, welcher dl Ame Ital allein Entde Jtali‚ ſpucc dad d kla tal m. Be⸗ zu upt⸗ ende haft eine der ſſen mit ſes iger ätze In rrin in ken, vor olge⸗ jett 's die aß die z ihre heurer dlung, ſei, eicher zuurch nicht die andes ndern rzeug⸗ velcher — 445— ſie entſprechen, und daß man nachher den reſpectiven Preis des Silbers durch die Aufſtellung des Verhältniſſes zwiſchen demſelben und dem Golde hervorheben müſſe. Dieſes voraus⸗ geſetzt, behauptet er, müſſe die Menge der Metalle vor der Entdeckung Amerika's in Italien weit betrüch üher geweſen ſein, als im Jahre 1750: 1) wegen der 100 Münzſtätten alle, welche im 15ten Jahr⸗ hundert in Thätigkeit waren, 2) wegen der Menge der Gold⸗, Silber⸗ und Kupfermünzen, welche man prägte. Im Anfang des 15ten Jahrhunderts ſchlug man in Venedig, zur Zeit des Dogen Tommaſo Mocenigo, Jabr für Jahr, eine Million Zeechinen in Gold und bei 200,000 Zecchinen in Silber: in der Münzſtätte von Florenz ſchlug man zwiſchen dem Jahre 1365 und 1415 eilf und eine halbe Million Zecchinen; große Mengen derſelben prägte man in andern Münzſtätten: 3) wegen der Vorrechte und Ehren, welche die Regierungen den Angeſtellten und Vorſtehern der Münzen bewilligten: 4) wegen des ausgedehnten und faſt ausſchließlichen Handels, welchen Italien vor der Umſchiffung des Vorgebirgs der guten Hoffnung trieb, der eine große Menge Geldes ihm einbrachte. Da die Metalle alſo im Ueberfluß vorhanden waren, ſo mußten ſie einen geringern relativen Preis haben, und folglich mußten die Erzeugniſſe theuer ſein. Welchen Antheil dagegen hatte Italien ſeit der Entdeckung Amerikas an den dortigen reichen Bergwerken? Wie konnte Italien einen Theil davon haben, wenn ſein Handel nicht allein abnahm, ſondern faſt ganz einging nach den berühmten Entdeckungen, welche zu unſerer größten Gefährdung von vier Italiänern gemacht wurden, von Colombo, Amerigo Ve⸗ ſpucci, Cabotta und Verrazani? In der That crübrigten, um das Jahr 1750 von hundert Münzſtätten nur noch zwölf, und dieſe noch größtentheils unbeſchäftigt und müſſig. Es iſt alſo klar, daß Italien ſeit dem fünfzehnten Jahrhundert an Me⸗ tallen verarmte, und daß, weil ihr relativer Preis wachſen mußte, der Preis der Bodenerzeugniſſe ſinken mußte. Man muß — 446 ſich nicht von dem Nennbetrag der Preiſe täuſchen laſſen, ſondern auf den innern Silbergehalt achten, welcher im fünf⸗ zehnten Jahrhundert für eine Waare gegeben ward, und auf den, welchen man im Jahr 1750 gab. Zum Beiſpiel in Mailand galt im fünſzehnten Jahrhundert das Getreide Lire 5. 1. 6 und in dem Jahrzehnt zwiſchen 1740 und 1750 galt es 18 Lire. Das Steigen des Zahl⸗ werthes wird ſich verhalten wie 1 zu 313 ½2. Aber auf die Lire 5. 1. 6 rechnete man 896 12 Grane Silber; und auf die 18 Lire rechnete man 1048 ¾2 Grane. Der Unterſchied des innern Werthes verhält ſich daher, wie 1 zu 11%. Carli erſtreckte die gleiche Zuſammenſtellung auf andere Bodenerzeugniſſe und auf andere Theile Italiens, auf Piſa, Neapel, Florenz, den Staat Venedig u. ſ. f. Aus der geſammten Zuſammenſtellung dieſer Vergleichung gehen zwei Dinge hervor. Erſtens, daß man am Ende des fünfzehnten Jahrhunderts ſo viele Bodenerzeugniſſe um eine Lira kaufte, als im Jahre 1750 um Lire 3. 16 8. Zweitens, daß, wenn man die größere Proportion zwiſchen dem Gold und Silber im achtzehnten Jahrhundert annimmt, in welchem das Silber weniger galt, als im fünfzehnten, und wenn man viele andere richtige Abzüge nach dem Unterſchied der Umſtände, der Bevölkerung, der Auflagen, der Kriege u. ſ. f. macht, die Boden⸗ erzeugniſſe im Jahre 1750 weniger koſteten, als im fünfzehnten Jahrhundert und zwar im Verhältniß von ungefähr 18 Procent. Dieſe Folgerung dient als Gegenbeweis für die vorausgeſchickte Bemerkung, daß die Menge der Metalle in Italien abgenommen habe; denn wenn die Erzeugniſſe im Jahr 1750 weniger koſteten, ſo müſſen die Metalle geſchätzter, und folglich in geringerer Quantität vorhanden geweſen ſein. Carli verſtärkt'dieſen ſeinen Beweis mit einigen pathetiſchen Bemerkungen.„Die Paläſte, ſagt er, die Tempel, die öffent⸗ lichen Gebäude, welche man früher baute, und welche noch die Hauptzierde und den Hauptſchmuck der Städte bilden, ſind ein glänzender Beweis von der dauerhaften Pracht unſerer Vorfahren. Wo ſind, darf ich wohl fragen, gegenwärtig die Gewölbe voll Gold u Sammlu welche jener e goldene waren welche funde Stad konnt tauſen Stxozt Lomhart und unel Endlich! und Tur welche m dieſen welche Ueberle herrſche Schut Vollkor Malere Und w muß ne ſunken, anderm ſind um naue K und Be as dir D müthe ernie Man ſen, inf⸗ auf dert chen Jahl⸗ f die if die des dere ſa, ng es jra us, old cem viele der den⸗ onten cent. hickte mmen ſo rer zen eni⸗ noch ein hren. e voll - 447— Gold und Silber, welche einſt gewöhnlich waren? Wo jene Sammlungen von Büchern, Gemälden, Bildhauerwerken, welche in den Häuſern der Privaten aufgehäuft waren? Wo jener edle Schutz der Künſte und Wiſſenſchaften? Wo jene goldenen und ſilbernen Gefäße, womit die Gemächer geſchmückt waren? Und wo endlich jene Schränke und jene Schätze, welche in jeder Stadt und in den Häuſern der Privaten ge⸗ funden wurden? Wo ſind jene Bürger, welche ihrer eigenen Stadt zwei bis dreihundert tauſend Zecchinen auf einmal leihen konnten, wie die Panciatici in Florenz, und vier oder ſechs tauſend Mann Krieger zu halten im Stand waren, wie die Strozzi in Toscana, die Torre, die Visconti, die Sforza in der Lombardei, die Pelodi, die Obizi, die Gonzaga, die Malaſpina und unendlich viele andere Familien in allen Theilen Italiens? Endlich wo ſind jene Jagden, jene Spiele, jene Lanzenſtechen und Turniere, jene Vorſtellungen auf der Bühne u. ſ. f., welche man mit unglaublichem Aufwand überall feierte? Zu dieſen ſo überzeugenden Beweiſen und noch zu andern, welche geführt werden könnten, füge man endlich noch die Ueberlegung, daß dort gewiß mehr als anderswo die Künſte herrſchen, wo größere Belohnungen und ein ergiebigerer Schutz ſie erwarten. Und wer ſieht nicht ein, zu welcher Vollkommenheit in Italien in den frühern Jahrhunderten die Malerei, die Bildhauerkunſt und die Wiſſenſchaften gelangten? Und wer, wenn er einen Vergleich mit unſern Zeiten anſtellt, muß nicht offen geſtehen, es ſei bei uns Alles ſo völlig ge— ſunken, daß, was immer Altes uns begegnet, es uns zu nichts anderm dient, als zur Kränkung und zum Vorwurf? Wir ſind umdrängt von den Werken unſerer Vorfahren, und ge⸗ naue Kunde erübrigt uns von den damaligen Mäcenaten und Belohnungen, ſo daß uns nichts anderes übrig bleibt, als den gegenwärtigen Zuſtand von Italien zu beklagen.“ Dieſes iſt nicht ein Bruchſtück aus dem Werk eines Schwer⸗ müthigen, der die alten Zeiten erhebt, um die ſeinigen zu erniedrigen. Es iſt der Ausbruch des Schmerzes eines Mannes, der die Geſchichte ſeines Vaterlandes kennt. Der — 448— Franzoſe, der Engländer haben keinen Grund, nach den ver⸗ gangenen Jahrhunderten zu ſeufzen. Ihr Ruhm, ihr Reich⸗ thum, ihre Freiheit und Macht gehören der neuern Zeit. Der Wohlſtand, der Ruhm und die Macht in Italien da⸗ gegen ſind alt. Gleichwohl hat ſich ſeit 1750 die Lage Italiens in jeder Beziehung verbeſſert. Und nach den Grundſätzen dieſer Ab⸗ handlung von Carli iſt Grund vorhanden, zu glauben, daß das Vermögen in Italien ſeit 1750 bis auf unſere Tage ſich vermehrt habe. Man mache den Vergleich der Preiſe der Bodenerzeugniſſe zwiſchen dieſen zwei Zeiträumen, und man wird ſehen, daß die Preiſe unſerer Tage innerlich größer ſind. Es iſt dieß alſo ein Beweis, daß die Metalle ſich vermehrt, und daß das, was die Metalle anzieht, der Landbau und der Gewerbsfleiß ſich folglich in Italien gehoben haben. Ein Werrkchen, weder ſo gelehrt, noch ſo ausgedehnt, aber höchſt werthvoll durch den Stoff und die Gedrängtheit, mit der es geſchrieben iſt, iſt die— Relazioe del censimento dello Stato di Miluno(Bericht über die Kataſtri⸗ rung des lombardiſchen Staats), herausgegeben von Carli nach 1776. Außerdem, daß er hier die die früheren Kataſtrirungen be⸗ treffenden Thatſachen angibt, ſtellt er die neu befolgten Me⸗ thoden dar, ſowohl die Einſchätzung der Liegenſchaften auszu⸗ führen, und die topographiſchen Karten zu entwerfen, als auch das Kataſter zu gründen, die verſchiedenen Claſſen der Grundſtücke zu beſtimmen, und zuletzt Alles, was zu dem anziehenden Ziel der Steuerperäquation führt. Ein anderer wichtiger Theil dieſes Werkes iſt die Beſchreibung der neuen Gemeindeverwaltung, welche die mailändiſche Regierung durch das Edict vom 30. De⸗ cember 1755 eingeführt hat. Es läßt ſich nichts Freiſinnigeres denken, als dieſes auf die Volksvertretung gebaute Syſtem. Die Grundbeſtimmungen ſind: in jeder Gemeinde muß eine Verſammlung aller ohne Unterſchied in die Steuertabellen eingetragener Grundeigner eingeführt werden, welche über die Gemeindeangelegenheiten berathen und beſchließen ſoll. Jede Vora brauc alljäh niede für geſel recht war walt wahr Natur wenig, Vürde gefühl ſpäter als die wielen nieipa hat b haupt aus Vortt hängi des täͤten welch Ein bringen ordentl der R Lren; Watn Nleic vinz dritt 8 ver⸗ feich⸗ Zeit. da⸗ jeder rM⸗ dß Tage Preiſe man ſind. ehrt, der aber mit nento Mtri⸗ n von gen be⸗ ten Me⸗ auszu⸗ nuch das ſtücke zu Ziel der dieſes altung, 0. De⸗ igeres yſtem. eine zabellen he über zen ſol. — 449— Jeder Beſchatzte hat Stimmrecht. Jedes Jahr wird ein Voranſchlag der Ausgaben entworfen und alljährlich die Ver⸗ brauchsbilanz genehmigt. In dieſer Verſammlung werden alljährlich drei Abgeordnete aus den höchſten und aus den niederſten Grundeignern gewählt, welchen ein Abgeordneter für die Perſonalſteuer und ein anderer für den Handel bei⸗ geſellt wird, damit jede Claſſe der Steuerpflichtigen ſeinen rechtmäßigen Vertreter habe. Auf dieſe fünf⸗Abgeordneten war die Vertretung und die ordentliche Befugniß zur Ver⸗ waltung des Gemeindevermögens concentrirt. Hier zeigt ſich wahrhaft die erſte Grundlage eines Repsäſentativſyſtems. Die Natur des Menſchen iſt äußerſt elaſtiſch, es braucht nur wenig, um ſie aus der Erniedrigung zu der ihr gebührenden Würde wieder zu erheben. So erhob ſich raſch das Selbſt⸗ gefühl in den lombardiſchen Bauern. Wäre dieſe Verwaltung ſpäter nicht verſehrt worden, ſo würde ſie viel beſſer ſein, als die ſo gefeierte britiſche Municipalverfaſſung. In vielen Städten und Grafſchaften Englands iſt die Mu⸗ nicipalkörperſchaft in rüſtiger Kraft; in einigen derſelben hat bloß eine Claſſe von Bürgern das Wahlrecht, und über⸗ haupt ſind dann die Wähler verpflichtet, den Ortsvorſtand aus dem Municipalkörper zu wählen u. ſ. f. Der große Vortheil der engliſchen Verwaltung iſt die unbedingte Unab⸗ hängigkeit von der Regierung, welche dieſer den Vorwand des Drucks und der Launen benimmt und den Municipali⸗ täten jene Kräftigkeit, Thätigkeit und Miteiferung beläßt, welche allein ſich in der Unabhängigkeit entfalten. Eine ſo verſtändige Reform mußte die beſten Früchte bringen. Die erſte Wirkung war eine Erſparung an den ordentlichen Ausgaben der Gemeinden und Provinzen. Vor der Reform beliefen ſie ſich auf 11 Millionen Mailänder Liren; nachher ſanken ſie auf 8 ½ Millionen. Die zweite Wirkung war das Aufblühen des Landbaus. Da die Steuer gleichmäßig vertheilt war, ſo war keine Gemeinde, keine Pro⸗ vinz mehr überlaſtet, der Landbau konnte ſich heben. Die dritte war das Steigen der Bevölkerung. Im Jahr 1749 Glanaui, Geſchichte d polit. Oekonomie. 11 Td. 29 — 450— fanden ſich im Herzogthum Mailand nicht einmal 900,000 Seelen. Gegen das Jahr 1770 waren es 1,130,000. Es gibt wenige Beiſpiele eines ſo großen Steigens im Verlauf von nur zwei Jahrzehnten. Anziehend muß die Schrift ſein, welche dieſe große Charte der Lomdardei behandelt, dieſes Muſter der Gemeindeordnung. Die Handelsbilanzen zwiſchen Nation und Nation waren eine Zeitlang ſehr in Mode. Statt ſie bloß als einen Führer bei Handels⸗ beziehungen zu andern Vökkern zu gebrauchen, wollte man ſie als einen Thermometer für die Anzeige des ſteigenden oder ſinken⸗ den Wohlſtandes eines Staats anwenden. Dieſe unſichere, trügeriſche Regel, wenn ſie von vielen andern Angaben ab⸗ gelöst iſt, verleitete die Regierungen zu dem Irrthum, zu glauben, daß die ſcheinbare Paſſivität am Ende der unver⸗ meidliche Ruin eines Staats wäre. Dieſer Irrthum war eine der Grundlagen des Mercantilſyſtems, welches bei einigen Regierungen noch jetzt vorherrſcht. Unter den vielen Schrift⸗ ſtellern, welche Wirthſchaftsbilanzen machten, zeichnet ſich Raynal durch die Bilanz aus, welche er zwiſchen allen Na⸗ tionen der Erde machte. Nun iſt dieſes Vorurtheil faſt zerſtört, die Handelsbilanzen gelten als eine Angabe, und nicht als ein Beweis. Aber zur Zeit Carli's hörte man von Nichts als von Bilanzen, Activität und Paſſivität des Handels. Carli zeigte ſich in ſeinem Ragionamento sopra i bilanci economici delle nazioni(Beurtheilung der Wirthſchaftsbilanzen der Völker) unerſchrocken gegen die öffentliche Meinung ſeiner Zeit, über ſie erbaben. Er hält es für nützlich, Jahres⸗ bilanzen zu machen; allein ſie ſollen nicht zum Schluſſe ver⸗ leiten, daß ein Staat verliere oder gewinne, oder gedeihe oder verfalle. Die Activität oder Paſſivität eines Staates ſoll nicht aus einer theilweiſen Bilanz zwiſchen Nation und Nation, ſondern aus dem Inbegriff der Bilanzen zwiſchen einem Staat und allen Nationen, mit welchen er Handelsbeziehungen hat, ſich ergeben. Ein Staat kann bei der einen verlieren, und bei der andern gewinnen. Nicht bloß reiht dieſe Angabe nicht aus, um über das Gedeihen oder den Verfall eines Staatt Calcul die B. u. A. Auch Kampf ſeiner P. Re Getr und d theilen legen! glaubte, fordern. die Geſe Regierun unbedi Freiheit die Hab Carli bau iſt treidehe ruft er deutend Apulien dieſe N Und in immer ſelbſt kau hͤtigkeit und das ſagt Car Eine Sas und d. Hand Seelen. wenige ir zwei dieſe ter der aren eine Handels⸗ an ſie als er ſinken⸗ unſichere, phen ab⸗ um, zu unver⸗ ar eine inigen ſchrift⸗ ſcch en Na⸗ erſtört als ein ls von zeigte jdelle nzen inung ibres⸗ ver⸗ oder ſoll ion, taat hat, vnd ingabe eines — 451— Staates zu urtheilen, ſondern ſie iſt nur ein Element dieſes Calculs. Dabei muß man aber noch ferner berückſichtigen die Bevoͤlkerung, den Zinsfuß, den Preis der Erzeugniſſe u. A. Der Verfaſſer zeigt dieſes an vielen Beiſpielen. Auch rückſichtlich des Getreidehandels fand ſich Carli im Kampf mit dem allgemeinen Geſchrei der ſ. g. Oekonomiſten ſeiner Zeit. Man leſe nur ſein Sendſchreiben von 1771 an P. Neri Sul libero commercie de' grani(Ueber den freien Getreidehandel). Alle ſchrieen nach unbedingter Freiheit und deuteten auf England. Carli, die Anſichten Galiani's theilend, betrachtete den Getreidehandel mehr für eine Ange⸗ legenheit der Verwaltung als des Handels, und glaubte, daß oͤrtliche Umſtände verſchiedene Auordnungen fordern. Er zeigte, wie England auch hier nach Umſtänden die Geſetzgebung änderte. Von 1693 bis 1728 hatte die dortige Regierung acht Male die Getreideausfuhr verboten, alſo eine unbedingte Freiheit nicht anerkannt. England liebt die Freiheit, weiß aber zur Zeit derſelben zu entbehren, hat ſelbſt die Habeas corpus Acte ſuspendiit. Carli gehörte daher nicht zu den Phyſiokraten, weder der Land⸗ bau iſt ihm die ausſchließliche Vermögensquelle, noch der Ge⸗ treidehandel das wahre Glück der Völker.„Und welches ſind, ruft er aus, die Länder, wo der Getreidehandel am be⸗ deutendſten iſt? Polen, Ungarn, Sierlien, Calabrien und Apulien, die Küſtenländer der Berberei, Aegypten. Sind nun dieſe Nationen reich und glücklich? Gerade das Gegentheil.“ Und in der That ſcheint es, daß die bloß landbauenden Völker immer an Armuth und Entvölkerung leiden. Der Landbau ſelbſt kann keinen ſchärfern Sporn haben, als die Gewerks⸗ thätigkeit, welche für deſſen Erzeugniſſe die ihrigen austauſcht, und das Leben des Landbauers genußvoller macht. Mit Recht ſagt Carli am Schluß ſeiner Beurtheilung der Bilanzen: „Eine einzige Claſſe von Menſchen iſt nicht geeignet, eine Staatsgeſellſchaft zu bilden. Ein Land von lauter Weltweiſen und Literaten würde bald verhungern. Ein Land von lauter Handwerkern oder Handelsleuten würde, da es Niemand hätte, 29. — 452— an den es verkaufen oder für welche es arbeiten könnte, raſch zu Grunde gehen. Ein Land von bloßen Reichen, Adeligen und Grundeignern würde ein Sklavenland werden, und in Anarchie ſinken, und ein Land von lauter Pöbel würde ſchlecht, kläglich, und jeder Souverainetät, wenn nicht unnütz, doch gefährlich werden. Dieſes heißt, der wahre Politiker muß ganz Allen angehören, und nie glauben, daß, wenn der eine Theil verſäumt und unterdrückt iſt, die ganze Geſellſchaft früh oder ſpät nicht die Wirkungen davon empfinden müſſe.“ Carli iſt ein klarer, logiſcher, ſcharfſinniger Schriftſteller. Es fehlte ihm wenig, um ein großer Mann zu ſein. Allein er ſchrieb über Alles, und verſchwendete oberflächlich die Kraft ſeines Genie's;„er war univerſell, eneyklopädiſch, ſtatt der größte Weltweiſe, Staatsgelehrte und Alterthumskenner zu ſein, welches die Zweige der Wiſſenſchaft ſind, in welchen er vorzugsweiſe ſeine Größe erreicht haben würde.“ Das iſt deſſen gerechte Würdigung ausgeſprochen, ſelbſt von dem Verfaſſer ſeiner Lobrede. Antonio Genoveſi aus Neapel. Broggia und Galiani erweiterten den Geſichtskreis der Wirthſchaftslehre, ein anderer Neapolitaner, A. Genoveſi dehnte ſie faſt bis an ihre letzten Grenzen. Genoveſi, geboren 1712 zu Caſtiglioni im Königreich Neapel, war in Italien der Wiederherſteller der Philoſophie, der Theo⸗ logie und der Wirthſchaftslehre. Bewandert in der alten und neuen Literatur, erkannte er, einer der erſten in Italien, den Unterſchied zwiſchen der Form der Völker des Alterthums und der der Neuzeit, und fühlte die Nothwendigkeit, daß der Geiſt die Larven und das Wortgepränge verlaſſe, um ſich Dingen zuzuwenden, welche ſeinem Vaterlande nützen. Genoveſi war der Befreier der italiäniſchen Geiſter. Er wollte die Vernunft von der Scholaſtik, die Religion vom Aberglauben, ſeinen Fürſten von einer ausländiſchen Ober⸗ heriſh derbniß außeror ſtellern von ſem denjen Das! Weiſe Weis verjün eine ſo⸗ gegenw zudem ei meiden, durch ein Er noͤſte Schriſte werden Male Repube den ko einer zur K welche wo ma Künſte Sole brachten gründete liani di geden wiſſe d Jahr (Vo welc raſch eligen d in echt, doch nuß t eine llſchaſt üſſe.“ ſſtelle. Mlein Kraft der zu n er von — 453— herrſchaft, ſein Vaterland von der Erniedrigung, dem Ver⸗ derbniß, der Armuth befreien. Er war kein Genie, aber ein außerordentlicher Mann, und von den italiäniſchen Schrift⸗ ſtellern vielleicht der um Italien verdienteſte, ſo ſehr auch von ſeinem Geiſt nur unvollendete Denkmale im Vergleich zu denjenigen erübrigen, welche der Fortſchritt der Bildung ſchuf. Das Unglück ſeines Vaterlandes betrübte ihn: er hatte, wie die Weiſen des Alterthums„Zunge und Bruſt voll Liebe zur Weisheit.“ Er fühlte tief, daß, um eine verdorbene Nation zu verjüngen, es einer tiefgehenden Umwälzung bedürfe. Allein eine ſolche iſt ein ſchreckliches Mittel, welches wenigſtens das gegenwärtige Geſchlecht den künftigen Generationen opfert, zudem ein gefährlicher Verſuch. Um dieſes Nothmittel zu ver⸗ meiden, gibt es nur das indirecte Mittel, die Nation langſam durch eine gute Erziehung und verſtändige Geſetze umzubilden. Er tröſtete ſich und ſeine Landsleute damit, daß er in ſeinen Schriften wiederholt einſchärfte, daß eine Nation wieder werden könne, was ſie ſchon ein Mal war. Italien war zwei Male groß, zur Zeit der Römer, zur Zeit der italiäniſchen Republiken. Warum ſollte es dieſes nicht zum dritten Mal wer⸗ den können? Allein zu einer ſolchen Reform⸗bedarf es einmal einer phyſiſchen Erziehung, welche den Körper kräftig ſtählt, zur Kräftigung des Geiſtes, ſodann einer geiſtigen Erziehung, welche die Worte für die Sachen aufgibt. Man muß endlich wo möglich die Nationen nachahmen, welche am meiſten durch Künſte und Geſittung glänzen. Solche Neuerungsluſt erweckte ſtarken Widerſtand, und brachten Genoveſi vielfache Verfolgung: als Erfatz dafür gründete B. Intieri, der nämliche, welcher dem jungen Ga⸗ liani die Hauptgedanken zu deſſen Werk über die Münzen ge⸗ geben hatte, für Genoveſi einen Lehrſtuhl der Handels⸗ wiſſenſchaft und der Mechanik mit einem Jahresgehalt von 300 Ducaten. Genoveſi bekleidete dieſes Lehramt mehre Jahre, und ihm verdanken wir die Le⸗ioni di Economia Civile (Vorleſungen über die bürgerliche Wirthſchaft), in welchen, kann man ſagen, Genoveſi die allgemeinen Grund⸗ — 454— ſätze dieſer Wiſſenſchaft in Italien grundlegte. Es war dieſes offenbar der erſte Lehrſtuhl dieſer Wiſſenſchaft in Europa, darauf kam 1758 der in Stockholm, dann 1768 der in Mailand: dann folgte Teutſchland, Rußland, und das Athenäum in Paris. Eng⸗ land kam zuletzt, da Sir Drommond erſt 1825 einen Lehrſtuhl für die politiſche Oekonomie in Oxford ſtiftete, wie dieſes jüngſt auch an der neuern Univerſität in London geſchah. An den ſchottiſchen Hochſchulen wurde übrigens dieſe Wiſſenſchaft ſchon früher von dem Profeſſor der Moralphiloſophie gelehrt, wie von Adam Smith in Glasgow und von Steuart in Edinburg geſchah und noch jetzt geſchieht. Italien hat das Verdienſt der Trennung. Genoveſi umfaßt in ſeinen Vorleſungen faſt ſämmtliche Theile der politiſchen Oekonomie. Er beginnt mit den Em⸗ pfindungen des Menſchen, der Quelle ſeiner Bedürfniſſe, leitet daraus ſeine Rechte und Pflichten ab, analyſirt das Weſen des Staats und nach dieſer raſchen Abſchweifung in das Gebiet des Naturrechts, prüft er die Mittel, um den politiſchen Körper bevölkert, reich und glücklich zu machen. Die Analyſe des Menſchen iſt für viele italiäniſche Schriftſteller gleichſam der Vorhof zu dieſer Wiſſenſchaft. Dieſe Abſchweifung bei Ge⸗ noveſi iſt, obwohl nicht zur Wiſſenſchaft gehörig, doch klar und erläuternd für viele Erſcheinungen. Bei der Behandlung der Urſachen des Wohlſtandes der Nationen nimmt er die drei großen Zweige 1) des Landbaus, 2) der Gewerke, 3) des Handels an. Unter der Aufſchrift einer jeden dieſer drei großen Quellen behandelt er im Einzelnen ſämmtliche Gegen⸗ ſtände und die bedeutendſten Fragen, welche davon abhängen. So ſehr er den Landbau ſchätzt, ſo ſcheint er doch nach dem Geſammteindruck ſeiner Schriften die Gewerke und den Handel zu begünſtigen: in Beziehung auf den letztern iſt er ein An⸗ hänger des Mercantilſyſtems. Er hatte nicht den Muth, ein glückliches Beiſpiel zu verſchmähen, wie es Smith dadurch tbat, daß er ein Syſtem gründete, verſchieden von jenem, durch welches ſich bis dahin ſein Vaterland bereichert hatte. Ent⸗ weder das Genie, oder der Muth gebrach hiezu dem gebildeten Genoveſi. Er wollte das Loos ſeines Vaterlandes verbeſſern triehe, gützen erleic dem die verr dieſes darauf dann Eng⸗ ühl für g auth Rtiſchen her von Adam ah und rung. rtliche Em⸗ leitet des ebiet ſſchen nalyſe an der ei Ge⸗ ar und ing der ie drei 3) des er drei Gegen⸗ ängen. h dem dandel An⸗ Muth, adurch „ durch 2. Eni⸗ ſebildeien verbeſſern —-— 455— und für ihn war das Ziel Englands ſchon ein genügendes Ziel, ſtatt Smith, der ſein Vaterland ſchon mächtig vorfand, ſich ein entfernteres und höheres Ziel vorſetzen konnte. Ge⸗ noveſi räth daher viele Beſchränkungen rückſichtlich des aus⸗ wärtigen Handels an, nicht bloß zum Zweck, um bei einigen Gütererzeugungen eine Nation von der andern unabhängig, ſondern um ſie im Verhältniß zu den andern reicher zu machen: deßwegen fordert er überall für das Innere gute Straßen, Raſchheit der gerichtlichen Entſcheidungen, gutes Geld, kurz leichten Umlauf und Gehen laſſen. Er preist den Landbau als eine ergiebige, fortwährende Quelle des öffentlichen Reichthums, nennt deßwegen aber nicht mit den Oekonomiſten die Gewerke ſteril; er nennt ſie zwar nicht erzeugend, aber äußerſt vortheilhaft und Urſachen der Mehrung der Gütererzeugung 1) weil ſie die produktiven Be⸗ triebe, wie Landbau, Viehzucht, Fiſcherei u. a. dadurch unter⸗ ſtützen, daß ſie ihnen Werkzeuge liefern, welche die Arbeit erleichtern, und Vortheile, welche die Mühe mindern, und dem Menſchen Kraft und Rüſtigkeit zurückgeben, 2) weil ſie die Bevölkerung des Staats um jene volle Zahl von Perſonen vermehren, welche den Nahrungsmitteln u. ſ. w. entſpricht, die in's Ausland für auswärtige Erzeugniſſe und Fabrikate gehen müßten; 3) weil die Gewerke durch den auswärtigen Handel Geld einbringen, welches ſo ſehr zum innern Reich⸗ thum beiträgt, welches das Oel iſt, das die Räder des Wagens geläufig macht. 4) weil ſie die Sitten ver⸗ feinern, die Bildung, das Bedürfniß der Wiſſenſchaften, mil⸗ dere Sitten einführen; 5) weil ſie die Gütererzeugung durch den nähern und beſtändigern Verbrauch beleben, 6) weil ohne ſie ein Volk kein Volk, ſondern ein Stamm von Wilden wäre: ſo lange die Gewerke nicht einge weder geiſtreich, noch mächtig ſein. Wenige Schriftſteller, ſelbſt aus der Neuzeit, haben eine beſſere Apologie der Gewerke vom p Geſichtspunkt geliefert. In vielen andern den Landbau betreffenden Fragen ent⸗ führt ſind, kann ein Volk hyſiſchen und moraliſchen — 436— fernt er ſich jedoch nicht von der Anſicht der Oekonomiſten. Er will Freiheit des Getreidehandels: freien Geldzins; er ver⸗ wirft die Fideicommiſſe, die todte Hand, die Prieſtereheloſig⸗ keit und die Eheſcheidung als eben ſo viele Hemmniſſe der Bevölkerung und der Blüthe des Landbaus. Rückſichtlich der Aufhebung des Kirchenguts macht er eine Ausnahme für die Silbergefäße der Kirchen, deren Anſammlung in den Tempeln er billigt. Er fiel nicht in den Fehker, einige Claſſen von Perſonen für unproduktiv auf Koſten des Staats zu halten: obwohl nämlich einige Claſſen ein Gewerb treiben, welches unmittelbar keine Rente abwirft, ſo ſind ſie doch ſehr nützlich, wie Aerzte, Soldaten, Richter, Anwälte u. A., und mehren das Einkommen der Nation. Eine andere Claſſe, welche kein Ein⸗ kommen erzeugt, aber den Abſatz der Erzeugniſſe beſorgt, bilden die mit dem Handel Beſchäftigten. Er bemerkt jedoch, daß dieſe Claſſe möglich gering ſein ſokle. Einige Schrift⸗ ſteller haben dieſe Anſicht Genoveſi's auch auf die bloßen Zehrer, die fruges consumere nati ausgebehnt, da ſie doch zur Güterzeugung durch ihren Verbrauch ſpornen. Say hat dieſes beſtritten, was inſofern wenigſtens unrichtig iſt, als ſie durch ihren Genuß namentlich die ſchöne Literatur und Kunſt erregen. Ein anderer herrſchender Gedanke ſeiner Vorlefungen iſt, daß die Arbeit das Capital aller Nationen, aller Familien in einem jeden Staat ſei. Je Mehre in einem Volkarbeiten, deſto beſſer ſtehen Alle. Die Arbeit ſcheint Schmerz zu ſein; allein die Luſt iſt immer ein Kind des Schmerzes; wenn dieſes das Geſetz der Welt iſt, ſo iſt es ein allgemeines Geſetz, und folglich anzunehmen. Es gibt keine andere Kunſt, Geld zu machen, als die ehr⸗ bare Arbeit. Mit ſeinem tiefen Scharfblick ſah er ſeit 1764 die Emanci⸗ pation der amerikaniſchen Colonien voraus, welche nach ihm durch die von Europa entlehnten Wiſſenſchaften und Künſte ſich von ihren Mutterſtaaten unabhängig machten, und zuletzt noch Mutterſtaaten von europäiſchen Staaten werden könnten. Seine Vorleſungen gab er 1765 heraus, allein ſchon ſeit 1754 eine große Menge wirtbſchaftlicher Werkchen, welche mit einigen eine R überall den, L deſſen hatte. Di Thatſ ſteller unern Stuatt Dieſ des geit als Muf muth un Bücher Genot als einer Mittel Ziel. leute w leſunge begeiſte Neapel ſie ihn Jedo ſchreite Verke als übe bekannt In ſiſten. ver⸗ loſig⸗ der h der er die mpein n von alten: teſches glic das Fin⸗ rgt, och, eift⸗ hen dur deſes durch regen. , daß einem ſtehen immer Welt zmen. ehr⸗ nci⸗ ihm ünſte aleht anten. n ſeit he mit —— —— — 457— einigen ſeiner Briefe abgedruckt ſind. Ueberall verkündet er eine Reform in den Grundſätzen, in den Geſetzen, Gebräuchen, überall bekämpft er das träge. Man kann nicht mit Grün⸗ den, Beiſpielen, Belegen, wiederholt ſich auf England berufend, deſſen Handelsgeſchichte, Geſetze, Sitten er emſig erforſcht hatte. 3 Die Werke Genoveſi's ſind ein Schatz von Kenntniſſen, Thatſachen, Reiſebeobachtungen, Anführungen aus Schrift⸗ ſtellern von Platon bis Rouſſeau. Seine Gelehrſamkeit war unermeßlich: namentlich machte er uns auch mit zwei ſpaniſchen Staatswirthſchaftsgelehrten Uſtariz und Ulloa bekannt. Dieſe Ueppigkeit literariſcher Anführungen war ein Fehler des Zeitalters Genoveſi's, und dieſer, welcher ſo oft die Briten als Muſter aufſtellte, hätte ſie zuerſt in der Unabhängigkeit, Frei⸗ muth und Einfachheit nachahmen ſollen, mit welcher ſie ihre Bücher ſchreiben. Genoveſi liebte die Literatur und Wiſſenſchaften, nicht bloß als einen Reiz für ſeinen Geiſt und für ſeinen Ruhm, ſondern als Mittel für die Beſſerung der Geſchicke Italiens, ihr höchſtes Ziel. Bildung und Förderung der Sittlichkeit ſeiner Lands⸗ leute war ſein Streben. Er ſtarb 1769. Führten ſeine Vor⸗ leſungen auch nicht zu den von ihm geforderten Reformen, ſo begeiſterten ſie doch zur Pflege der Wirthſchaftslehre. Ganz Neapel hörte ihn, und mehr als hundert Jünglinge ſchrieben ſie ihm von der Lippe nach. Jedoch verbleicht, je weiter wir in den Wiſſenſchaften voran ſchreiten, deſto mehr der Ruhm ihrer erſten Gründer. Die Werke Genoveſi's ſowohl über die Logik, über die Metaphyſik als über die Staatswirthſchaft beginnen bloß dem Namen nach bekannt zu ſein. Francesco Algarotti von Venedig. Im vorigen Jahrbundert war die Staatswirtbſchaft ein Ge⸗ — 458— genſtand literariſcher Mode geworden, und ſo ſchrieb auch Algarotti, dieſer gelehrte und ſchöne Geiſt, einige Verſuche in dieſer Wiſſenſchaft, zwar nur einige Blätter, welche, wenn ſie nicht das Verdienſt der Eleganz der Schreibart und des Namens des Verfaſſers hätten, Albernheiten wären. Algarotti wurde 1712 zu Venedig in einer reichen Familie geboren. Schon wegen ſeiner Heimath begünſtigte er den Handel, und ſo betrachtet er in ſeinem Saggio sul commercio (Verſuch über den Handel), der einige Jahre vor 1764 erſchien, ihn als die Quelle des Reichthums und der Macht: allein dieſer Verſuch iſt nur eine Wiederholung ganz gewöhn⸗ licher Gedanken in glänzender Schreibart. Wie ſollte er als Anhänger der Entdeckungen Newton's, als Pfleger der engliſchen Literatur, als vieljähriger Tiſch⸗ genoſſe Friedrichs des Großen nicht ein Bewunderer Englands werden, das damals mit ſeinem königlichen Wirth verbündet und ſeit anderthalb Jahrhunderten das Vaterland der Freiheit und der Gewerbe war? England iſt das neuzeitige Kreta, eine praktiſche Schule ſchöner Einrichtungen. Algarotti mußte mit den andern großen Männern ſeiner Zeit um ſo mehr eine Vorliebe für England zeigen, da dieſes, den Spuren ſeines Vaterlands folgend, gleich Venedig glorreich in den Waffen und reich im Handel geworden war. Und doch hatte Algarotti nicht das England der Gegenwart mit ſeinen verhundertfachten Entdeckungen und ſeinen Wundern geſehen! Auch ſchrieb er in reimloſen Verſen eine Epiſtel über den Handel. Den glücklichſten Gedanken ſprach Algarotti über Africa aus, in den drei Blättern, welche er ſelbſt überſchrieb: Pensiero sulla preferenza dell' Africa in confronto dell' Asia e dell America, rapporto all' industria e al commercio degli Europei (Gedanken über den Vorzug Africa's vor Aſien und America rückſichtlich der Induſtrie und des Handels der Europäer). Und 30 Jahre ſpäter bildete ſich unter der Leitung von Banks eine africaniſche Handels⸗ Gede trieb e a den Liebe den dem wie ſein richte den alten einer Trüm Blane Aühen D Lon brei in die b auch erſuche „wenn nd des Familie er den mmereio ör 1764 Macht: ewöhn⸗ ton's, tiſch⸗ ands ündet eeiheit Kreta, wuhte eht ane ſeines Waffen egenwart Wundern bber den ca aus, ensiero e del Europei Aüen nd de 6 er biddete Handels⸗ — 459— geſellſchaft, welche durch Abſendung von Reiſenden und Miſſionären ſo Vieles für die Aufhellung dieſes früher uns ſo dunkeln Erdtheils gethan, deren Bemühung die Regierung aufgenommen hat. Das Ergebniß dieſer Unterſuchungen war, zu zeigen, wie begründet die Anſicht Algarotti's war, daß Africa zu jeder Art von Gütererzeugung geeignet ſei, ſo wie dazu, mit Europa einen leichtern, nähern, minder gefährlichen und koſtſpieligen Handel zu unterhalten, als den mit vielen andern entlegenen Gegenden der Erde. Algarotti ſtarb 1764 in Piſa. Friedrich der Große ſetzte ihm auf dem Campoſanto von Piſa ein Grabmal. Antonio Zanon von Udine. Geboren 1696 in einer kaufmänniſchen Familie, erlernte und trieb er den Handel, und verband mit dieſem Beruf die Liebe zu den Wiſſenſchaften und der Literatur, und die noch heiligere Liebe zu dem Vaterland. Er machte durch ſein ganzes Leben den Prediger und Miſſionär alles deſſen, was dem Vaterland und dem Publicumfrommenkonnte, wie er ſelbſt zu ſagen pflegte. Er predigte aber auch durch ſein Beiſpiel. Auch er war ein Verehrer der britiſchen Ein⸗ richtungen in dem Landbau und Handel. Bürger einer ſinken⸗ den Republik(Venedigs), ſuchte er ſeine Regierung mit den alten Vorbildern desſelben Freiſtaats und mit dem Wetteifer einer Seemacht, Englands, zu begeiſtern, welche auf den Trümmern Venedigs ſich erhob: er liebte den Ausſpruch Le Blancs zu wiederholen, daß England Rom, Karthago und Athen zugleich ſei. Durch ſein Beiſpiel nützte er ſeinem Vaterland, weil er den Landbau und die Induſtrie ermunterte: er verbeſſerte und ver⸗ breitete durch ſein Beiſpiel die Pflanzung der Maulbeerbäume in der Provinz Udine. Es ſtiegen bloß in der Stadt Udine die Seidenöfen bis auf 300. Er beſchäftigte ferner in Udine — 460— bei 200 Perſonen mit der Seitenbereitung, und errichtete in Venedig eine reiche Manufactur für glatten Sammet, ſo wie man ihm auch die Entſtehung und Hebung der Fabrik der Hauteliſſe⸗Tapeten verdankt. Ihn belohnte deßhalb die Re⸗ gierung der Republik und brrieth ihn wiederholt. Er ſchrieb viele Werke; aber in Cuſtodi's Sammlung be⸗ findet ſich bloß eine Auswahl ſeiner Briefe über den Land⸗ bau, den Handel und die Gewerke, welche er 1757 an die Mitglieder der Akademie für den praktiſchen Landbau zu Udine zu ſchreiben begann, und bis 1767 fortſetzte. Allein ſie ſind nicht tief, und ſtrotzen nur von Gelehrſamkeit und geſchichtlichen Anführungen in wirrem Gemenge: die Wiſſen⸗ ſchaft dankt ihm keine Förderung. Was belfen Abhandlungen über den Nutzen und den Adel des Handels? Wo der Handel blüht, bedarf er keiner ſolchen Apologie. Uebrigens macht er auch Vorſchläge, von denen viele ſpäter von faſt allen Regierungen ausgeführt wurden. Er empfahl den Nutzen landwirthſchaftlicher Vereine, die ſich ſpäter in Italien außer⸗ ordentlich mehrten: er rieth die Zuſammenwerfung oder die Austauſchung der unter einander zerſtreuten und zerſchnitte⸗ nen Güterparcellen, ſo wie jener, welche unbequem und für den Anbau koſtſpieliger ſind; er forderte die Abſchließung der Felder, weil die Blüthe des Landbaus von der Sicherheit des Grundeigenthums abhängt, Sätze, welche ſpäter die Uebung und Geſetzgebung beſtätigten. Er rieth zum Verkauf der Gemeindegüter und Weiden, und die Regierungen führten ihn aus, er ſchlug die Errichtung von Arbeitshäuſern für Bettler und Landſtreicher, ferner von Häuſern für die Auf⸗ nahme verlaſſener und ausgeſetzter Kinder, die Gründung eines Seminars für den Unterricht von Jünglingen im Land⸗ bau und in den mechaniſchen Gewerken vor. Die erſte Idee wurde von den Regierungen ausgeführt: England hatte ſchon Arbeits⸗ häuſer vor dem Vorſchlag Zanon's: der zweite Vorſchlag fand Verwirklichung durch das berühmte Waiſenhaus in Moskau und durch Fellenberg's Landbauſchule zu Hofwyl, ohne daß ich jedo dieſer In W Eklektit Praktik zegenſ Es Wiſenſ ſchaft de kännen. und tiefe die ausft Genfs, Nenſchl winteln einige dello S Buch wurde land l Vater Staat der ſy In! nomia ſhaft aberſch ſdaßd Han ere nur te in wie der Re⸗ ng be⸗ Land⸗ an die u zu Allein und ſſen⸗ gen der gens faſt daten daußer⸗ der die hnitte⸗ nd für un der eit des Uebung uf der ührten n für Auf⸗ dung Land⸗ wurde rbeiss⸗ ag fand Moskau jne daß — 461— ich jedoch behaupten will, daß Zanon der Förderer aller dieſer ſocialen Verbeſſerungen war. In Beziehung auf ſeine wirthſchaftlichen Anſichten iſt er Eklektiker, da er keinem Syſtem ausſchließlich huldigt: als Praktiker erkennt er zu gut, daß Landbau und Handel ſich gegenſeitig Urſache und Wirkung ſind. Er ſtarb 1770. Ceſare Beccaria gus— Mailand. Es iſt ein Ruhm für Italien, und eine Zierde für die Wiſſenſchaft, zu den erſten Schriftſtellern über die Staatswirth⸗ ſchaft den beredteſten der italiäniſchen Weltweiſen zählen zu können. Beccaria, begabt vielleicht mit einem ſo umfaſſenden und tiefen Geiſt, als Rouſſeau, mied die Paradorxien, und liebte die ausführbaren Wahrheiten. Er wollte nicht, wie der Bürger Genfs, durch die Darlegung der Mängel der Geſellſchaft die Menſchheit betrüben, ſondern ſie durch die Angabe von Heil⸗ mitteln erheitern. Schon 1762 erſchien ſeine erſte Schrift, einige Bemerkungen sul disordine e dei rimedi delle monete dello Stato di Milano, und zwei Jahre ſpäter ſein unſterbliches Buch Dei Delitti e delle Pene, das in 22 Sprachen überſetzt wurde. Als die Kaiſerin Katharina den Verfaſſer nach Ruß⸗ land berief, gründete die öſtreichiſche Regierung, um ihn dem Vaterland zu erhalten, für ihn 1768 einen Lehrſtuhl der Staatswirthſchaftslehre in Mailand, den zweiten in Italien, der ſpäter nach Pavia verlegt wurde. In dieſem Lehramt verfaßte Beccaria die Lezioni die Eco- nomia Pubblica(Vorleſungen über die Staatswirth⸗ ſchaftslehre), die den Umfang eines Bandes nur wenig überſchreiten: er wollte hier die 5 Hauptgegenſtände dieſer Wiſſen⸗ ſchaft behandeln:— den Landbau— die Manufacturen— den Handel— die Steuern— die Regierung: vollſtändig behandelt er aber nur die beiden erſteren: vom Handel ſprach er flüchtig nur weniges, von den beiden letztern gar Nichts. Denn bald 3 — 462— zur Stellung eines Regierungsrathes befördert, konnte er ſein Werk nicht vollenden. Das Ausland bewundert nur ſein ſtrafrechtliches Werk, ſeine Beredtſamkeit, aber nicht ſeine ſchöpferiſche Kraft, welche weit mehr in ſeinen beiden andern Werken: Dell' Analisi della Natura dello Stile(von der Analyſe des Styls) und ſeinen Lezioni di Economica publica hervortritt. Ich be⸗ dauere von dem erſtern, ſo ſcharfſinnigen Werke hier nicht mehr ſagen zu dürfen. Auch das zweite iſt dem Ausland nicht gehörig hetannt. Beccaria hat die Staatswirthſchaftslehre erſt condenſirt, und ſie compact gemacht. Sein ausgebreiteter und ſcharfer Blick, verbunden mit ſeinem außerordentlichen Abſtractionsvermögen, ließen ihn den größten Theil der allgemeinen Geſetze der ſo⸗ cialen Wirthſchaft auffinden. Er machte zum feſten, unwan⸗ delbaren Punkt der Wiſſenſchaft, um welchen ſich ihre vielen Einzelnheiten gruppiren und umdrehen,„nicht die größte Menge der Arbeit überhaupt, ſondern die größte Menge der nützlichen Arbeit, d. i. jener Arbeit, welche die größte Menge des in den Handel kom⸗ menden Erzeugniſſes liefert.“ Aus dieſem Grundſatz, welchen man auf jede die Arbeit erleichternde Maſchine ſchreiben ſollte, zieht er einige neue Elemente der Wiſſenſchaft, neu für die Zeit, in welcher er ſchrieb. 1) Theilung der Arbeit.„Jeder beweist in der Er⸗ fahrung, daß, wenn er Hand und Geiſt immer derſelben Art von Arbeiten und Erzeugniſſen zuwendet, er dabei leichtere, ergiebigere und beſſere Ergebniſſe findet, als dann, wenn jeder für ſich allein ſämmtliche ihm noth⸗ wendigen Dinge machen würde: daher hüten Andere die Schafe, Andere kämmen die Wolle, Andere weben ſie: der pflanzt das Getreide, der bereitet das Brod, der kleidet, der fabricirt für die Landwirthe und Arbeiter, indem ſich die Gewerbe ſo mehren und verketten, und ſich auf dieſe Weiſe für das gemeine und beſondere Wo lhei Der Zeit vot nungen wurde. len ßie ßie eit, ow⸗ Arbeit nelle der er Er⸗ elben dabei als oth⸗ die ſie: der eiter, und ondere — 463— Wohl die Menſchen in verſchiedene Claſſen und Stäaͤnde theilen.“ Der Grundſatz der Arbeitstheilung wurde faſt zu derſelben Zeit von Adam Smith entdeckt, und von ihm in allen ſeinen Erſchei⸗ nungen weitläufig entwickelt, ſo daß ſie ſeine große Eroberung wurde. Gleichwohl endeckte Beccaria zuerſt wenigſtens den Keim dieſer bedeutenden Lehre(vielmehr Platon, wie wir oben Band I. S. 46 ff. geſehen haben. Buß). 2) Schätzung der Arbeit, oder von welchen Um⸗ ſtänden wird der Preis der Handarbeit be⸗ ſtimmt?„Ich habe geſagt, daß bei der Schätzung der Arbeit es nothwendig iſt, die Zeit zu beachten, welche die Arbeit ſelbſt dauert, weil die Nahrung ein ſtändiges und zeitenweiſes Bedürfniß iſt: man muß ferner eben ſo die Zeit der Arbeit der niedern Gewerbe bis zum letzten beachten. Es gibt auch noch einige andere Erwägungen, welche zur Schätzung der Arbeit gehören, z. B. die größere oder geringere Menge des Werkes ſelbſt, und die größere oder geringere Befähigung, welche dazu erfordert wird; die Gefahren und Wagniſſe, welche man in der Be⸗ arbeitung gebt, ſei es wegen der Gebrechlichkeit des Verwandlungsſtoffs, ſei es wegen irgend eines äußern oder innern Umſtandes, welcher es ungeſund oder ſchäd⸗ lich macht u. ſ. f.“ Dieſer zweite Grundſatz iſt der nämliche, der ſich bei Smith findet: nur iſt er bei dem Briten viel reicher an Beiſpielen und Folgen. 3) Gütererzeugende Capitale.„Um dieſe Früchte der Erde zu mehren, mußten die Menſchen lange viele Schwierigkeiten beſiegen; ſie mußten das Land roden, entſteinen, umbrechen, bewäſſern, befruchten u. ſ. f., ehe es im Stand war, die erſten Saaten in jener Menge aufzunehmen, welche wir jetzt im Stande ſehen, be⸗ trächtliche Bevölkerungen zu ernähren.—Nun forderten alle dieſe Vornahmen Mühe und Zeit, und Geräthe, fähig, die Erde zu bauen, und Stoffe, geeignet, ſie zu befruchten, und Saaten, von ihr ſchon erzeugt, um ſie wieder in ſie zu legen, damit ſie dieſelben wieder er⸗ zeuge und vervielfältige; allein während dieſer ganzen Zeit und dieſer Mühe mußten die Menſchen ſich ernähren, kleiden, und nahe der Stätte ihrer Arbeit wohnen und jene Dinge eigen haben, welche dazu dienen mußten, um auf der Erde die Wiedererzeugung fort⸗ zuſetzen. Deßwegen werden wir das den Anbau gründende Capital die Summe aller jener Dinge nennen, welche vor Allem nothwendig iſt, einen ungebauten Boden frucht⸗ bar zu machen, und wir werden bemerken, daß ohne dieſes gründende Capital die Erde unnütz und öde ge⸗ blieben wäre.— Noch mehr, als die Erde ſchon be⸗ reitet war, um baufähig und fruchtbar zu ſein, war es nöthig, ſie ſo zu bewahren, weil, wenn die Erzeug⸗ niſſe eines Jahrs verzehrt waren, man ſie in Stand ſetzen mußte, ſie für das folgende Jahr wieder zu erzeugen; allein dieſe Wiedererzeugung fordert, eine neue Saat in den Boden zu ſtreuen, und woher ſie nehmen, wenn nicht von den vorgehenden Erzeugniſſen des verfloſſenen Jahrs? Sie fordert Arme, welche anpflanzen, und Thiere, welche befruchten und die Arbeit unterſtützen; man muß ſich nähren, wohnen, die Geräthe erhalten, und jene Thiere halten, welche zur Arbeit ſelbſt mitwirken. Alles dieſes fordert eine fortwährende Ausgabe, und ein Vermögen, das zu keinem andern Gebrauch zu beſtimmen iſt, außer zu jenem der Wiedererzeugung.... Daher nennen wir jähr⸗ liche Auslagen jene Vermögenstheile, die nothwendig ſind, um die Wiedererzeugung fortzuſetzen, und bemerken, daß, wenn dieſe geſchmälert, oder ganz entzogen werden, die Wie⸗ dererzeugung verhältnißmäßig abnimmt oder wegfällt, und die Erde wieder wird, was ſie war, ungebaut und öde.“. So konnte Say mit Recht ſagen:„Beccaria analyſirte zuerſt die wahren Verrichtungen der Gütererzeugenden Ca⸗ — pitale.“ Regi Maa Vorſ um maaß Frei welche den; al Becec deßweg ein zu rreideh deſeelt daß ſei, Beſch er im ihm ihm, daß beabſt großen läßt,d ausget ſine Ght. mag den ſpr n ſie er⸗ nzen ſic rbeit jenen fort⸗ ꝛdende welche rucht⸗ ohne ge⸗ be⸗ war eug⸗ eten gen; at in wicht ahrs! welche uß ſich Thiere dieſes mögen, außer r jäͤhr⸗ d’, um wenn Wie⸗ fällt, gebaut alyſirte en Ca⸗ — 465— 4) Die Liebe zur Kürze zwingt mich, den Leſer auf den§. 31 des 1. Theils zu verweiſen, wenn er von S. 60— 63 viele der Grundſätze über die Bevölkerung angegeben zu ſehen wünſcht, welche ſpäter von Malthus entwickelt und mit größern Beweisgründen und Folgeſätzen ausgerüſtet worden ſind. Beccaria machte auch in einem Gutachten im J. 1780 ſeiner Regierung, welche in der Lombardei eine Gleichförmigkeit der Maaße und Gewichte einführen wollte, vor den Aſtronomen den Vorſchlag zu dem dem Erdſyſtem entnommenen Decimalmaaß, um ein gleiches, unwandelbares und unvergängliches Mutter⸗ maaß für die Gewichte und Maaße zu haben. Freilich waren ſeine Ideen nur Embryonen jener Theorien, welche ſpäter über dieſelben Gegenſtände bekannt gemacht wur⸗ den; allein ſie zeugen für die Tiefe ſeines Geiſtes. Beccaria war ein unzertrennlicher Freund Verri's, ohne deßwegen in allen wirthſchaftlichen Anſichten mit ihm über⸗ ein zu ſtimmen: ſo wich er z. B. in Beziehung auf den Ge⸗ treidehandel von Verri ab, welcher die unbedingte Freiheit deſſelben vertheidigte. Mit Carli und Galiani glaubte er, daß das Nichtſyſtem das beſte aller Syſteme in dieſer Sache ſei, und daß in einigen Fällen einige Anordnungen und Beſchränkungen angezeigt ſeien. Eben ſo glaubt er, obwohl er mit Verri die Fideicommiſſe, Erſtgeburtsrechte, die von ihm ſ. g. unſterblichen Todthände verwirft, nicht mit, ihm, daß das Syſtem der kleinen Güter nützlicher ſei, und daß man vorzüglich die Menge des Ertrags der Ländereien beabſichtigen müſſe. Vielmehr beharrt er bei dem Syſtem der großen Güter als desjenigen, welches einen größern Reinertrag läßt, der dazu dient, die Manufacturen zu nähren, von dem Staat ausgeht, die Steuern bezahlt, und überhaupt der ganzen Ma⸗ ſchine der wirthſchaftlichen Intereſſen einer Nation Schwung gibt. Allein wie kann das Syſtem großer Güter ohne große Ver⸗ mögen beſtehen, welche ewig von den fideicommiſſariſchen Ban⸗ den gefeſſelt ſind? Beeccaria hebt dieſen ſcheinbaren Wider⸗ ſpruch durch die Bemerkung, daß, wenn der freie Handel Blanqui, Geſchichte d. volit. Oekonomie. 1I. Bv. 30 466— der Bodenerzeugniſſe angenommen ſei, der Preis derſelben hoch und beſtändig werde, und der Anbau im Großen von ſelbſt ein⸗ trete. Daher werden die durch die Erbfolge der Familien zu ſehr zerſchlagenen Güter entweder von einem einzigen Päch⸗ ter gepachtet oder an Einen verkauft werden, welcher ſie zu Einem Gute vereinigen würde. Deßwegen würde das Grund⸗ eigentbum, nicht aber der Anbau getheilt werden. Wenn die⸗ ſes ſo einträfe, wie Beccaria annimmt, ſo hätte er die große Frage über die Zweckmäßigkeit des Syſtems der großen Gü⸗ ter gelöst, welche die Schriftſteller unter ſich getrennt hält, und beſonders die engliſchen von den franzöſiſchen und ita⸗ liäniſchen, welche größtentheils dem Syſteme der kleinern Gü⸗ ter geneigt ſind. Endlich betrachtete Beccaria, folgend der Schule der fran⸗ zöſiſchen Oekonomiſten in der Beſtimmung des Begriffs der Gütererzeugung, die Gewerkenden als eine ſterile Claſſe und die Manufacturen als unproductiv, indem er behauptete, daß ſie nur den Preis des Verwandlungsſtoffs und der von den Gewerkenden bei deſſen Bearbeitung verbrauchten Beſtandtheile vertreten. Verri hatte eine abweichende richtigere Meinung: er ſah in den Gewerkenden eine hervorbringende Claſſe, de⸗ ren Güterwiedererzeugung den Werth des Verwandlungsſtof⸗ fes, den verhältnißmäßigen Verbrauch der dazu angewand⸗ ten Hände und ferner jenen Theil umfaßt, welcher den be⸗ reichert, der das Gewerk unternommen hat, und mit Talent ihm vorſteht. Die Wiedererzeugung des Werths iſt nach ihm jener Betrag des Preiſes, welchen die Waare über den erſten Werth des Rohſtoffs und den zu ihrer Bildung gemachten Ver⸗ brauch hinaus hat. Dieſe Anſicht iſt der Smith's gemäß, und jetzt allgemein angenommen. Die Schreibart Beccaria's iſt ſaftig, kräftig, ſtrotzend von Gedanken. Seine Epitheta ſind neu, ausdrückend entweder neue Eigenſchaften, oder neue Beziehungen der Sachen. Sein Styl mahnt an Dante, Byron, mit einem einzigen Wort ruft er oft eine Menge von Ideen auf, ein Panorama für das Auge — 4674— een ho 4 hoch des Geiſtes. Man leſe nur den§. 85, wo er von dem Eiſen, ii n dem Metallvater, ſpricht. Jäc⸗ Seine beiden anderen Werkchen, das sulle monete(über r ſie zu die Münzen) vom J. 1762, und das andere sui pesi e sulle Grund⸗ misure(über die Gewichte und Maaße) vom J. 1780 an dee haben nur örtliches Intereſſe, während die„Elemente der Na⸗ ie große b tionalökonomie“ allgemeine Grundſätze umſchließen, kosmopoli⸗ hen G⸗ V tiſch ſind, allen Zeiten, allen Völkern angehören. nt hät. Beccaria iſt 1735 in Mailand geboren, und ſtarb 1793, mit 1 Ih. Dante, Macchiavelli, Galileo und Vico den Italiänern den Gä⸗ Ruhm beſtärigend, tiefe Denker zu ſein, wie die Rordländer. 3 fenn Pietro Verri 3 der von e und Mailand. dez Verri iſt ein anderer der philoſophiſchen Magiſtrate, welche nder die öſtreichiſche Regierung ein Vierteljahrhundert bei der Re⸗ ün form der Verwaltung der Lombardei verwandte. et Der Name Verri's iſt nunmehr europäiſch, ſeine Medita- gsiuf zioni sull' Economia Politica(Betrachtungen über die wand⸗ politiſche O ekonomie) ſind faſt allen Pflegern dieſer Wiſſen⸗ en be⸗ ſchaft bekannt. Allein das Ausland kennt ihn nur als Schrift⸗ t ihm ſteller, nicht wie viel Gutes er als Staatsbeamter gewirkt hat: jener und doch war er einer der Hauptleiter der Verwaltung der gert V Lombardei, eines der thätigſten Werkzeuge bei der Aufhebung Ver⸗ V der Pachte(terme), bei der Ablöſung der in den frühern und Jahrhunderten veräußerten Regalien, bei einem neuen Zoll⸗ tarif, welcher die Menge der Zölle und Bedrückungen aufhob, und den Gewerbfleiß und Handel wieder belebte; bei der Lö⸗ von ſung ſo vieler Bande, welche den Getreidehandel feſſelten und deder Noth erzeugten, indem er mitwirkte, an ihre Stelle freie Ge⸗ See ſetze treten zu laſſen, nach welchen keine Gefahr eines Man⸗ aruft gels mehr zu fürchten war. In ihm war der Theoretiker und Praktiker vereinigt, und hätte er ſtatt einer kleinen Provinz eine — 30. — 468— große Monarchie zu verwalten gehabt, er wäre ein Sully, Tur⸗ got, Necker geworden. Er hatte Alles, um ein großer Mann zu werden, edle Ge⸗ burt, Genie, Scharfſinn, unermüdlichen Fleiß, Erfahrung, glü⸗ hende Vaterlandsliebe. Er ſtarb 1797 in einem Alter von 69 Jahren, in einer Zeit, wo ſeiner das Vaterland am mei⸗ ſten bedurft hätte; er ſtarb in dem Saale der Municipalität in Malland, an einer Stätte, würdig eines Magiſtrates. Wenn die Werke Filangieri's und Beccaria's vielleicht von höhern und tiefern Gedanken voll ſind, ſo hauchen dagegen die Verri's jederzeit praktiſche Lebensweisheit und Liebe zum Va⸗ terland. Man ſuche bei ihm keine blühende Schreibart: er ſchrieb aus dem Herzen: die Leidenſchaft iſt beredt in Gedan⸗ ken, nicht in Worten. Sein Styl ſtrotzt von Barbarismen, aber iſt voll Feuer, fährt raſch, wie der Blitz, reißt mit ſich fort, ſchlägt, überzeugt. Verri hatte ſchon 1762 ein geiſtreiches Zwiegeſpräch über die Münzen geſchrieben und einen Auszug der allge⸗ meinen Handelsbilanz des mailändiſchen Staats herausgegeben. Ich übergehe viele ſeiner kleinen Schriften, und ſpreche bloß von folgenden Werken. Er verfaßte ſchon 1768 die Memorie sull' Economia Pubb- lica dello Stato di Milano(Denkſchriften über den Staats⸗ haushalt des mailändiſchen Staates); allein er gab ſie erſt 1804 heraus. Dieſer Titel trügt; denn die Schrift iſt eine ſtatiſtiſche Vergleichung der Bevölkerung, des Landbaues, der Manufacturen in dem mailändiſchen Staat, wie ſie vor deſ⸗ ſen Eroberung durch Karl V. beſtanden, mit ihrem Stand in der Mitte des 18. Jahrhunderts. Die Schrift hat bloß für Italiäner Intereſſe. Ferner ſchrieb er 1769 die Riflessioni sulle leggi vincolanti principalmente nel commercio de' grani(Betrachtungen über die beſchränkenden Geſetze, zumal in dem Ge⸗ treidehandel), welche auch erſt 1796 gedruckt wurden. Auch bei dieſem von ſo Vielen behandelten Gegenſtande zeichnete ſich Verri aus. Er bringt die Sache der Freibeit zum unbeſtreit⸗ baren dann den kern Nati ſiſch heit in fdr beſe kim Koſte der E kam; ge d Al ſind gen den Sp tur me kei Au W , Tur⸗ le Ge— , glü⸗ er von mm mei⸗ alität in icht von egen die im Va⸗ rt.: er jedan⸗ zmen, t ſich über llge⸗ faats driſten, Pubb- aats⸗ er geb rift iſt baues, r deſ⸗ nd in füt lanti gen Ge⸗ Auch eie ſich beſtreit⸗ — 469— baren Sieg. Zuvörderſt ſtellt er allgemeine Grundſätze auf: dann ſucht er die Quelle der Beſchränkungen und findet ſie in den Auslegern des römiſchen Rechtes, den ſ. g⸗ Pragmati⸗ kern. Er durchging die Beiſpiele aller anderen europäiſchen Nationen, die Geſchichte der engliſchen, ſpaniſchen und franzöo⸗ ſiſchen Geſetzgebung, ſammelte die Belegſtellen aller der Frei⸗ heit geneigten Schriftſteller. Endlich behandelte er die Frage in ihrer örtlichen Beziehung auf die Lombardei. Hier er⸗ forſchte er auf's Neue den Urſprung der beſchränkenden Geſetze, beſchrieb ihre Wirkungen. Er wich keinem Einwurf aus: be⸗ kämpfte jeden. Er zeigte ſowohl den ungeheuern Schaden und Koſtenaufwand der Getreidemagazine, als den der Verſorgungen der Städte. Er bekämpfte den Gebrauch der Notificationen und kam zu der Folgerung, daß die Freiheit die beſte Abhilfe ge⸗ gen die Sprünge des Preiſes und gegen die Hungersnoth iſt. Allein einer allgemeinen, europäiſchen Beachtung würdig ſind ſeine Meditazioni nell' Economia politica(Betrachtun⸗ gen in der politiſchen Oekonomie). Mit Recht wur⸗ den ſie nicht nur ſchon bei ihrem Erſcheinen 1771 in mehre Sprachen überſetzt, ſondern ſie ziehen noch jetzt die Beach⸗ tung engliſcher und franzöſiſcher Schriftſteller an. Als Ele⸗ mentarwerk iſt es eines der beſten durch Tiefe und Richtig⸗ keit ſowohl, als durch Klarheit und Lebhaftigkeit der Ideen. Auf 350 Octavſeiten umfaßt es faſt alle Hauptlehren dieſer Wiſſenſchaft. Ganz vollſtändig iſt es nicht, galt auch dem Verfaſſer nicht ſo— Deßwegen nannte er Meditazioni jene Beobachtungen, welche ihm die eigene Erfahrung an die Hand gegeben hatte. Er ſpricht nicht von der Theilung der Ar⸗ beit, da dieſe Lehre von Beccaria erſt leiſe angedeutet wor⸗ den war, er ſpricht nicht von der Macht und den Wirkun⸗ gen der Maſchinen auf die Mehrung der Gütererzeugung und die Herabdrückung des Preiſes der durch ſie gefertigten Erzeugniſſe; denn Italien ſah die Fabrication nicht im Gro⸗ ßen, wie ſie England zeigte: er ſpricht nicht von den Zet⸗ telbanken, weil deren keine in Italien beſtanden. Nicht als ob alles dieſes der Verfaſſer nicht gekannt hätte: allein — 470— er hatte dieſe Einrichtungen nicht ſelbſt beobachtet, und er ſchrieb nur aus eigener Erfahrung. Er geht in ſeinen Theorien mit feſtem Schritt als Beobachter voran. Er beſitzt jene Gedrängt⸗ heit, Raſchheit, welche man bloß bei der Führung der Staats⸗ verwaltung gewinnt. Allein die Vaterlandsliebe zieht ſich bei ihm erwaͤrmend über Alles. Sein Fehler iſt ein ruhmredi⸗ ges Berufen auf die eigene Uebung, und ein höhniſcher Blick auf die einſamen Forſchungen des bloßen Denkers: er dachte nicht daran, daß, während er in ſolche Ruhmrednerei ver⸗ ſiel, der Schotte Smith ein Buch ſchrieb, das mehre nütz⸗ liche Wahrheiten über den Staatshaushalt enthielt, als die geſammte Erfahrung und die Schriften aller Miniſter bis auf ſeine Zeit. Von einem Elementarbuch läßt ſich kein Auszug machen, und in dem Maaß eine Viſeenſchaft voranſchreitet, wird ihre Geſchichte minder anziehend. Er ſtellt als Haupt⸗ grundſatz des öffentlichen Reichthums die Erhöhung der Wiedererzeugung der Güter feſt. In dieſer Hinſicht unterſucht er den Landbau, die Induſtrie, die Bevölkerung, den Handel, die Steuern. Jede Hemmung ſtrebt, nach ihm, die jährliche Wiedererzeugung zu mindern, während die Frei⸗ heit dieſe begünſtigt. Daher möchte er unbedingte Freiheit des Getreidehandels, keine öffentlichen Magazine, keine Notiſicatio⸗ nen, keine Mete(Polizeitaxen für Lebensmittel); keine Feſtſetz⸗ ung des Geldzinſes, keine Binnenzölle, keine Hemmniſſe für den Güterumlauf, keine Regiſter⸗ und Vertragsgebühren. So ſehr er aber ein Anhänger der Freiheit war, ſo wünſchte er ſie nicht unbedingt für den auswärtigen Handel, ſondern in einem verſtändigen Tarif einen Schutz für die heimiſche Induſtrie ge⸗ gen die ausländiſche. So ſehr er die Induſtrie erhebt, ſo neigt er ſich doch mehr zum Preiſe des Landbaues, und zwar ſo ſehr, daß er, das Beiſpiel Englands widerlegend, welches durch das Syſtem großer Güter einen größern Reinertrag ſammelt, der die Gewerke in den Städten nährt, die Theilung der Güter begünſtigt als dasjenige Syſtem, welches einen größern Roh⸗ ertrag abwirft, und eine zahlreichere und ſtärkere Bevölkerung nährt, deren allerdings England wegen ſeiner Inſellage ent⸗ Welt ſ Erfahr ſchöyfe Verw enide Kreid 1 wirkt Scho md net a ſchrie ien mit drängt⸗ Staats⸗ ſch hei yutadi⸗ er Blaͤ er dachte rei ver⸗ re nüt⸗ als die is auf uszug reitet, aupt⸗ der inſicht erung, hihm, e Frei⸗ jeit des ffieatio⸗ Feſtſet⸗ iſſe für en. So er ſie einem ie ge⸗ neigt ſehr, das , der Güter Roh⸗ lterung gge ent⸗ —-— 471— behren könne, das daher ohne Schaden einen Theil ſeiner Be⸗ völkerung in ſeinen Werkſtätten ſchwächen laſſen dürfe, nicht aber eine Nation, welche jeden Augenblick angegriffen zu werden fürchten müſſe. Sonſt bekennt er ſich zu den Grundſätzen, die ſpäter Smith und Say ſo lichtvoll entwickelt haben. In dieſem Buche behandelt er auch die Lehre vom Geld, wor⸗ über er mit dem engliſchen General Lloyd, der auch im Jahr 1771 einen Verſuch über die Theorie des Geldes drucken ließ, übereinſtimmte, ohne daß einer von dem Buch des Andern Kunde hatte. Beecaria und Verri waren im Leben unzertrennliche Freunde, und gleichwohl ſcheidet ſie ein mehrfacher Unterſchied. Verri war ein Mann von höchſtem Talent, Beccaria ein Mann von Genie, Verri ein Weiſer, welcher die Welt in ſeinem Vater⸗ lande ſah, Beccaria ein Denker, welcher ſein Vaterland in der Welt ſah. Die Bemerkungen Verri's waren die Frucht ſeiner Erfahrung; jene Beccaria's die Frucht eines weit blickenden, ſchöpferiſchen Geiſtes. Daher beſſerte Verri die Irrthümer der Verwaltung, berichtigte ihre Grundſätze und Uebung; Beccaria entdeckte neue Elemente der Wiſſenſchaft und erweiterte den Kreis der Geſetzgebung. Ferdinando Paoletti aus Toscana. Toscana, das freundliche und milde Land, das nach Taſſo „Simili a se gli abitator produce,““ wirkte auch auf die Stimmung der Volkswirthſchaftsgelehrten. Schon ſahen wir in Bandini einen Denker und Menſchenfreund: in dem Landdechanten Paoletti ſehen wir einen Nacheiferer ſei⸗ ner Tugenden und ſeines Wiſſens. Geiſtlicher, wie jener, be⸗ wandert in dem Landbau nach Grundſätzen und Uebung, ein Schriftſteller mehr nach eigenen Beobachtungen, als durch Le⸗ ſung ſchrieb er, um das Loos ſeines Vaterlandes und das der Landleute zu beſſern, unter welchen er ein halbes Jahrhundert — 472— wie ein Vater lebte, ſie durch ſein Beiſpiel den Landbau leh⸗ rend, und ihre Sache mit milder Feder vertheidigend, die Bi⸗ ſchofsmütze ausſchlagend. Paoletti iſt 1717 nahe bei Florenz in einem Orte, Namens alla Croce, geboren. Im Jahre 1746 wurde er zur Pfarrei des heil. Donnino zu Villa Magna, 6 Miglien von Florenz, berufen, wo er 55 Jahre, bis zum Jahr 1801 blieb, in wel⸗ chem er in einem Alter von 83 Jahren ſtarb. Er erhöhte den Werth ſeiner Pfründegüter und ihren Ertrag um das Dreifache durch die von ihm beſorgten Verbeſſerungen und eingeführten neuen Methoden des Landbaues. Er verfaßte Denkſchriften für die Geſellſchaft der Georgofili oder für das Publikum. Ich möchte beredter ſein, um einige Blumen auf das Grab dieſes tugendhaften Pfarrers zu ſtreuen. Schon aus ſeinen Schriften erkennt man den tugendhaften Mann: ſo groß iſt die Einfachheit, die Klarheit, die Anmuth ſeiner Schreib⸗ art. Unter der natürlichen Schreibart verſchwindet immer das Dunkle und Tiefe: gleichwohl aber liest man ſtets mit Ver⸗ gnügen ein mit der Offenherzigkeit eines braven Mannes ge⸗ ſchriebenes Buch. Sein Buch mit dem Titel: Pensieri sopra l'Agricoltura(Ge⸗ danken über den Landbau), das 1769 erſchien, enthält viele treffliche Rathſchläge, wenn auch keine wiſſenſchaftlichen Theorien. Unter andern iſt ganz wahr ſeine ſehr epigramma⸗ tiſch ausgeſprochene Anſicht: die Unwiſſenheit iſt die größte und ſchlimmſte Armuth. Er wiünſcht daher die Errichtung von Volksſchulen: ferner die Lehrung des Land⸗ baues durch die Pfarrer, wie dieſes die ſchwediſchen und ſchot⸗ tiſchen Pfarrer thun: er wünſcht ferner die Austheilung von Preiſen an die beſten Landwirthe, wie dieſes in den engli⸗ ſchen Grafſchaften an die beſten Viehzüchter geſchieht, ſo wie dort Prämien für die beſten Bodenerzeugniſſe gegeben werden. In England beſtehen Geſellſchaften für den Gartenbau und die Blumenzucht. Paoletti erhob beſtändige Wünſche für die Herabſetzung der Steuern zu Gunſten der Bauern, und nicht alle blieben uner⸗ hört: d munita gen he von A kauft von ¹ iſt. Freih fand desher render glückl ſezte A den: 1) genthum Rechts n ſie inme fen Sch. Preiſe dieſe gi bau; 1 für den mene Wie enden und n gel u hoher ſelbſt ne enden E land w deer, a des G auch ſtig i N au leh⸗ die Bi⸗ lamens Pfarrei Nlotenz, in wel⸗ Ertrag erungen erfaßle r das n auf n aus groß hreib⸗ r das Ver⸗ des ge⸗ à(Ge⸗ enthalt aftlichen ramma⸗ iſt die her die Land⸗ ſchot⸗ g von engli⸗ wie erden. und die ung der en unel⸗ — 9—— — 473— hört: der Großherzog Peter Leopold ſetzte in der Riforma Co- munitativa vom J. 1774 die auf den Bauern laſtenden Aufla⸗ gen herab, und befahl, daß die Gemeindegüter, welche bisher von Wenigen auf Koſten Vieler benützt worden waren, ver⸗ kauft oder als Libellargüter verliehen werden ſollen, was ſpäter von Napoleon in Frankreich und Italien nachgeahmt worden iſt. Leopold gab auch dem Getreidehandel eine unbedingte Freiheit, welche in Toscana bis 1792 dauerte. Dieſe Freiheit fand ihre Gegner. Paoletti vertheidigte das Geſetz ſeines Lan⸗ desherrn durch ſeine 1772 erſchienene Schrift: Veri mezzi di rendere felici le società(Wahre Mittel, die Staaten glücklich zu machen), worin er auch ſeine früher entgegenge⸗ ſetzte Anſicht offen widerrief, und zwar mit folgenden Grün⸗ den: 1) die Freiheit des Getreidehandels iſt ein in dem Ei⸗ genthum weſentlich liegendes Recht; 2) die Ausübung dieſes Rechts nützt dem Einzelnen, der Nation, dem Landbau, weil ſie immer gleiche und anſtändige Preiſe erhält, und die ſchrof⸗ fen Schwankungen der Preiſe vermeidet; 3) ohne anſtändige Preiſe können keine großen Reichthümer beſtehen, und ohne dieſe gibt es keinen umfaſſenden und wohl verſtandenen An⸗ bau; 4) darum iſt ſtreng nothwendig und höchſt vortheilhaft für den Ueberfluß an Bodenerzeugniſſen die ganze und vollkom⸗ mene Freiheit des Handels. Wie Bandini, betrachtet er Toscana als einen bloß landbau⸗ enden Staat, und ſtellt deßwegen den Satz auf: Ueberfluß und niederer Preis bildet keinen Reichthum, Man⸗ gel und hoher Preis macht Elend: Ueberfluß und hoher Preis erzeugt Reichthum— ein Satz, welcher ſelbſt nach ihm nur wahr iſt, wenn es ſich von einem landbau⸗ enden Staat handelt. Wir ſahen dieſen Satz 1827 in Eng⸗ land wirklich angefochten, welches, da es durch den Handel rei⸗ cher, als durch den Landbau iſt, das Bedürfniß fühlt, den Preis des Getreides zu Gunſten der Arbeiter herabzudrücken, ſo ſehr auch der hohe Preis den Grundeignern und dem Landbau gün⸗ ſtig iſt. Paoletti fiel ſpäter in die Irrthümer der Oekonomiſten, = 121— indem er behauptete, daß der Boden die einzige Quelle des Reichthums ſei; daß ohne den Landbau die Gewerke nicht be⸗ ſtehen können, und daß die Manufacturen den Werth der Er⸗ zeugniſſe nicht erhöhen, und nur die Summe der Bodenerzeug⸗ niſſe zurückgeben, welche ſie verzehrt haben. Gegenwärtig fördern Paoletti's Werke die Wiſſeenſchaft nicht mehr: die Bücher ähneln gewiſſermaßen den Himmelskörpern: einige ſind wie die Wandelſterne, welche eine große Bahn be⸗ ſchreiben und den Himmel für alle ſchmücken; andere ſind wie Kometen, ſie erſcheinen auf kurze Zeit und für wenige Bewoh⸗ ner der Erdkugel. Gian Batiſta Vasco aus Piemont. Er ward 1733 in Mondovi geboren, und war der nachge⸗ borene Sohn einer adeligen Familie. Er wurde Prieſter. Er ſchrieb einige kleinere Schriften, in welchen ſeine Neigung zu Reformen durchſcheint: er zog ſich dadurch den Haß der in ſei⸗ nem Vaterlande damals herrſchenden ariſtokratiſchen Partei zu, und ſtarb, von ihr verfolgt, im J. 1796. Er ſchrieb aber un⸗ geſchreckt gegen die Mißbräuche und die Mängel der Geſetze. Er behandelte faſt immer Fragen, welche von Akademien und Fürſten aufgegeben worden waren. Auch ſchrieb er 1772 ei⸗ nen Saggio Politico della Moneta(Staatswiſſenſchaftli⸗ cher Verſuch über die Münze). Als ich dieſes neue Buch über die Münze zur Hand bekam, fühlte ich einen wahren Schauder: aber ich täuſchte mich: ſtatt Langweile und Ermüdung fand ich Vergnügen und Belehrung. So groß iſt die Klarheit und Evi⸗ denz, mit welcher dieſer Verſuch geſchrieben iſt, daß ich ihn in Einem Zuge las, und kein Buch löst auf ſo wenigen Blättern die ſo verworrenenen Fragen über dieſen Gegenſtand. Wie das Werk Neri's eine Anleitung für Münzmeiſter iſt, ſo iſt das Vasco's ein Handbuch für Jene, welche ſich mit der Theorie ↄ 2=ͤ———=2 des elle des icht be⸗ der Er⸗ nerzeug⸗ aft nicht körpern: Zahn be⸗ ſind wie Bewoh⸗ nachge⸗ ſter. Er igung zu er in ſei⸗ gartei zu, aber un⸗ Geſetze. nien und e⸗ ſhaftli⸗ neue Buch Schaudet: fand ich und Evi⸗ ch ihn i Bläntetn ind. Wie gus dt Weotit — 475— begnügen. Vasco wußte dieſen Gegenſtand zu verjüngen, ihm neue Seiten abzugewinnen. Ich bemerke einige dieſer neuen Anſichten: 1) 2) 3) 4) Er ſchlug als Preismaaß der Münzen eher das Kupfer, als das Gold oder Silber vor, welche bisher von den Regierungen in Uebereinſtimmung mit den Schriftſtellern gebraucht worden waren. Seine Gründe ſind: a) weil das Kupfer den Schwankungen des Preiſes weni⸗ ger ausgeſetzt iſt, b) um die Einſchmelzung der Kupfermünzen zu verhüten, welche immer koſtſpieliger iſt, ſo oft das Preismaaß verändert werden müßte. Er rieth viel früher, als es in Frankreich und in andern Theilen Europa's zur Ausführung kam, das Decimalſyſtem für die Münzen(nicht als ein aſtronomiſches Maaß, wie es Beccaria vorgeſchlagen hatte), ſondern bloß als die be⸗ quemſte Progreſſion. Er rieth auch als eine leicht auszuführende Maaßregel die gleichzeitige Prägung beider Flächen der Münze, wie es ge⸗ genwärtig mit Bolton's Prägmaſchine geſchieht. Seine bedeutendſte Anſicht iſt die, daß keine Zwangsta⸗ rife ſein ſollen, indem er zeigt, daß ſie entweder nicht vollzogen werden und unnütz ſind, oder aber vollzogen wer⸗ den und ſchädlich und ungerecht ſind, weil ſie die natür⸗ lichen Geſetze des Handels verletzen. Der Zahlwerth der Münzen ſolle dem freien Handelscurs überlaſſen werden, welcher, wie er den richtigen Preis der andern Dinge be⸗ ſtimmt, auch den der Münzen beſtimmen wird: nur zur Belehrung des Volkes ſoll jährlich ein bloß inſtructiver Tarif erſcheinen, welcher ein Verzeichniß aller im Lande bekannten Münzen mit Angabe des Schrots und des Korns enthalten ſollte,— eine Anſicht, welcher ſpäter Gioja beigetreten iſt. In den 1780ger Jahren gab die Akademie des Landbaues des Handels und der Gewerbe in Verona die Frage auf: Ob -— 470— es gut ſei oder nicht, die Gewerke in Innungen mit körper⸗ ſchaftlichen Disciplinen, Vorrechten und Zunftabgaben geſchloſ⸗ ſen zu halten oder nicht, und welches die ſowohl allgemeinen, als beſondern Vortheile davon in Beziehung auf den Handel, die Nation und die Staatscaſſe ſeien? Dieſe Frage wäre gegenwärtig müßig(2); allein damals war ſie es nicht; denn die Zünfte beſtanden damals noch in Italien, beſonders in Venedig und Piemont, und, nachdem ſie Turgot in Frankreich aufgehoben hatte, ſtellte ſie Necker dort wieder ber: vor Allem beſtanden aber in England, dem bewunderten, noch die Innungen. Auf die Frage der Akademie ſchrieb Vasco eine Abhandlung, welche, wenn ſie als verſpätet auch nicht zum Concurs zugelaſ⸗ ſen werden konnte, ihm doch die Aufnahme in dieſen gelehrten Verein verſchaffte. Er ſtimmte für die Gewerbefreiheit: ich will die von ihm angeführten, dafür ſprechenden Gründe als be⸗ kannt nicht wiederholen: er betrachtete die Frage unter dem wahren und ausgedehnteſten Geſichtspunkt, dem der Güterer⸗ zeugung. War erwieſen, daß die Zünfte der Zunahme der Gü⸗ tererzeugung und daher der Bevölkerung ſchaden, ſo durfte er ſchließen(?), daß ſie der Nation ſchädlich ſind, weil ſie ſich ei⸗ ner ſolchen Vermehrung entgegen ſetzen, und eben ſo die Staats⸗ caſſe beſchädigen, weil das Vermögen der Regierung nur im Verhältniß des Volksvermögens ſein kann. Er trieb den Grundſatz der Freiheit ſo weit, daß er ſogar zwei Beſchrän⸗ kungen mißbilligte, welche noch jetzt von Vielen in Italien als unerläßlich verehrt werden, nämlich die in Piemont geltende Verordnung in Beziehung auf das Spinnen und Winden der Seide, welche verbot, die aus unvollendeten Cocons(faloppi, mezzi coquetti genannt) gezogene Seide in gezwirnte zu ver⸗ wandeln. Obwohl dieſe Verordnung in Frankreich als ein Muſter der Disciplin angeſehen wurde, ſo wies doch Vasco nach, daß ſie von den Seidenfabrikanten entweder umgangen werde, oder aber eine große Bedrückung gegen ſie hervorrufe, welche den ganzen Handel entmuthige. Die andere Verordnung, welche Vasco rügte, iſt die faſt in allen ſeſtzuſe Anzahl bilft d Bäcker Vertr über erwir fen, nem gere hunden Nenge Voll. rung ei ſtätigt. Gioj Erfolg. Wo nahe a dert T eben ſ ſcher, und T Silbe Va dicité die! zuhel körper⸗ geſchloſ⸗ emeinen, Handel, ls warſie Jnalien, e Turgot t wieder underten, ndlung, ugelaſ⸗ lehrten ſh will s be⸗ t dem uterer⸗ det Gü⸗ urfte er e ſich ei⸗ Staats⸗ nur im rieb den zeſchrän⸗ lien als geltende den der loppi, u ver⸗ als ein Vasco agangen rvorrufe, die faſt in -— 477— allen Städten Italiens noch geltende, den Preis des Brodes feſtzuſetzen, und das Vorrecht ſeines Verkaufs einer beſtimmten Anzahl von Bäckern zu verleihen. Die Schätzung des Brodes hilft dem Publikum Nichts(?), ſondern als Monopol bloß den Bäckern, auf Koſten des Publikums, weil dieſe durch ſimulirte Verträge auf den Getreidemärkten von den Behörden einen über den richtigen und natürlichen hinausgehenden Preisſatz erwirken. Ferner dient ihnen das Vorrecht, Brod zu verkau⸗ fen, da es unter den Bäckern jeden Wetteifer zerſtört, zu ei⸗ nem Vereinigungspunkt, um die Mittel zu verabreden, günſti⸗ gere Schätzungen zu erwirken. Die freie Mitwerbung, ver⸗ bunden mit der Pflicht eines jeden Bäckers, eine beſtimmte Menge Getreide's zu haben, iſt am vortheilhafteſten für das Volk. Dieſe Meinung des Verfaſſers wird durch die Erfah⸗ rung einiger Städte Englands, wie z. B. Mancheſters, be⸗ ſtätigt. Gioja ſchloß ſich dieſer Anſicht an, aber ohne praktiſchen Erfolg. Wo aber Berufe oder Gewerbe die öffentliche Geſundheit nahe angehen, wie die der Aerzte, Wundärzte, Apotheker, for⸗ dert Vasco Einſchränkungen und eine vorhergehende Prüfung, eben ſo obrigkeitliche Beſichtigungen für die Gewerbe der Flei⸗ ſcher, Weinhändler und Bäcker zum Schutz gegen Fälſchung und Uebervortheilung: eben ſo die Stempelung der Gold⸗ und Silberwaaren.. Vasco ſchrieb ferner ein Mémoire sur les causes de la men- gicité et sur les moyens de la supprimer(Denkſchrift über die Urſachen des Bettels, und die Mittel, ihn auf⸗ zuhebend, das er 1788 an die Akademie von Valence als Antwort auf eine von ihr aufgegebene Preisfrage in dieſem Betreff ein⸗ ſandte: auch hier begegnet wieder die Vasco auszeichnende Ord⸗ nung und Evidenz: allein es fehlt ein lichtvoller Grundſatz und es mangeln neue und kühne Ideen, wie ſie in ſeinen andern Werken zerſtreut ſind. Er entnimmt ſeine Vorſchläge der po⸗ fitiven Geſetzgebung in Italien. Zwei Grundſätze durchziehen dieſe Abhandlung: der erſte iſt, Unterſtützung und Zufluchts⸗ — 478— ſtätten preßhaften und verſchämten Armen zu geben, das zweite, müßigen und herumziehenden Armen Arbeit zu verſchaffen. Al⸗ lein in erſterer Hinſicht geht er zu weit, weil er in die Spi⸗ täler aufgenommen wiſſen will alle Kranke, welche von ihrem Pfarrer mit Armuthszeugniſſen verſehen ſind, und in die Fin⸗ delhäuſer alle dahin gebrachten Kinder: allein auf dieſem Weg würde bald das ganze Land ein großes Spital für Kranke und Baſtarde. In Bezug auf den zweiten Rath iſt er viel zu freigebig mit dem Vorſchlag der Gründung von Arbeitshäu⸗ ſern für die Erwachſenen und von Erziehungshäuſern für die Kinder, unbekümmert um die ungeheuern Koſten und die daran ſich knüpfenden Nachtheile. So ſteht dieſe Arbeit Basco's weit unter der ſpäter zu betrachtenden Ricei's. Auch gehen beide von entgegengeſetzten Grundſätzen aus: Vasco behauptet den Weg zu zeigen, den Bettel auszurotten, während Ricci nach⸗ weist, daß man ihn wohl mindern, hemmen, aber nie völlig ausrotten könne. Vasco ſchlägt die unbeſchränkte Zulaſſung von Preßhaften und Ausgeſetzten vor, während Ricci viele Mit⸗ tel vorſchlägt, ſie vorſichtig und ſchwierig zu machen. Vasco behauptet: die Regierung müſſe die milden Fonds ergänzen, während Ricci will, daß die Regierung die Armen dem Pri⸗ vatmitleid überlaſſe. Die freie ökonomiſche Geſellſchaft in Petersburg gab 1767 die Preisfrage:„Iſt es für die öffentliche Wohlfahrt zuträg⸗ licher, wenn die Bauern Ländereien, oder bloß Fahrniſſe eigen beſitzen? Und wie weit muß man das Recht des Bauern auf die Ländereien erſtrecken, wenn dem öffentlichen Wohl der größte Vortheil zugehen ſoll?“ Nur in einem in der Geſittung tief ſtehenden Lande konnte dieſe Frage entſtehen, obwohl man den edeln Zweck derſelben nicht verkennen darf, ſo wie denn namentlich durch die Regie⸗ rung das Loos des ruſſiſchen Bauernſtandes ſehr gelindert worden iſt. Bei dieſem Anlaß verfaßte Vasco ſeine Abhandlung: Sulla felicità pubblica considerata nei coltivatori di terre proprie (Ueber den öffentlichen Wohlſtand, betrachtet an Abweic karung, des Feſt Heinri den Wun ein Hul Feſtlande ſiwmten. Schriftt die Mel Sie wo ten ſie weil es größern hängig angeleg meiſt di gebildet wertend Vel den in Poler Hand Ged Wweite, n. Al⸗ Spi⸗ ihrem 8 Fin⸗ m Weg ate und viel zu eitshäu⸗ für die daran weit heide den nach⸗ öllig ſfung Mit⸗ Vaeo gänzen, m Pri⸗ b 1767 zuträg⸗ ſe eigen ern auf größte konnte ſelben Regie⸗ lindert 3 Sula proptie hiet an, 479— den begüterten Bauern). Ueber die Hauptſache konnte kein Zweifel ſein, nämlich daß ein begüterter Bauernſtand ein glückliches Element eines Staates ſei: aber Vasco hat es zu⸗ erſt gewagt, ein Geſetz vorzuſchlagen, welches das Minimum und das Maximum des Grundbeſitzes für jeden Bürger beſtimmen ſoll. Dieſes Ackergeſetz würde das ruſſiſche Reich in eine neue unermeßliche römiſche Republik verwandelt haben: der Vor⸗ ſchlag iſt für jeden Staat, zumal aber für Rußland, unaus⸗ führbar, und wie ließe ſich dieſes Maaß erhalten, wenn man nicht das Recht der Verfügung durch letzten Willen und über⸗ haupt die Verkehrsfreiheit aufheben würde? Ich erlaube mir übrigens hier einige Bemerkungen über das Abweichen der Anſichten rückſichtlich einer landbauenden Bevöl⸗ kerung, welches noch gegenwärtig zwiſchen den Schriftſtellern des Feſtlandes und den britiſchen beſteht. Heinrich IV., der gefeierte Rei des paysans, ſprach zuerſt den Wunſch aus, daß jeder Bauer ſeines Reichs am Sonntag ein Huhn im Topf habe, welchem alle Schriftſteller des Feſtlandes in ihrem Preiſe einer landbauenden Bevölkerung bei⸗ ſtimmten. Dagegen ſtimmen gegenwärtig vine Menge britiſcher Schriftſteller für das Syſtem der großen Güter, durch welches die Mehrheit der Bauern zu Tagelöhnern herabgedrückt wird. Sie wollen damit kein aſiatiſches Syſtem begründen: auch hal⸗ ten ſie ihr Syſtem für eine Förderung des Volksvermögens, weil es zu großen Verbeſſerungen des Bodens und zu einem größern Ertrag führe, auch die Peers von der Krone unab⸗ hängig mache, und durch den im Handel und in den Gewerken angelegten Reinertrag an die Stelle der immer ungebildeten und meiſt dienſtbar geſinnten Landbevölkerung eine Bevölkerung von gebildeteren, lebhaftern, freier und unabhängiger geſinnten Ge⸗ werkenden ſetze. Vielleicht haben Alle Recht, die engliſchen Wirthſchaftsgelehr⸗ ten in England, und die des Feſtlands auf dem Feſtlande. In Polen, Rußland, Spanien, Ungarn, wo wenig Gewerke und Handel beſtehen, verewigt das große Grundeigenthum nur die Gedrücktheit des Bauernſtandes und eine thörichte Verſchwen⸗ — 180— dung unter den Beſitzern der großen Güter: der große Güter⸗ beſitz theilt dort die Nation in eine Fraction übermächtiger Rei⸗ chen und eine Menge roher, armer Tagelöhner. Der gleiche Fortſchritt der europäiſchen Geſittung von der Sklaverei der Scholle zum Eigenthum der Scholle, von da zu den Gewerken und zum Handel muß eine Nation durchlaufen, ehe ſie zur Ge⸗ ſittung gelangt. In England wird der große Grundbeſitz ein Mittel der Freiheit und des ſocialen Reichthums, weil ſein Reinertrag von dem Gewerbfleiß und Handel abſorbirt wird. Rußland bedarf dagegen einer Bevölkerung von vielen Grundbe⸗ ſitzern: Großbritannien hat ſchon eine große Bevölkerung, und braucht ſie nur im Handel zu verwenden. Verſchiedene Wege führen zum Wohlſtand, je nach der verſchiedenen Lage der Völ⸗ ker.— Das Ackergeſetz kann vielleicht eine kleine Bevölkerung glücklich machen(?), ein Sparta, eine Genoſſenſchaft mähri⸗ ſcher Brüder, eine Kolonie Owen's; die Anſicht der engliſchen Schriftſteller kann eine ſchon freie, gewerbfleißige, die Meere beherrſchende Nation, wie einſt Venedig, ſpäter Holland, jetzt England, zum Wohlſtand führen. Napoleon's Erbrecht kann ei⸗ nem Staat zuſagen, der zwiſchen den beiden Extremen in der Mitte ſteht. Die Usura libera(freier Geldzins) iſt eine andere Ab⸗ handlung des Verfaſſers, welche er auf eine vom Kaiſer Jo⸗ ſeph II. gegebene Preisfrage verfaßte. Die Frage über die Freilaſſung oder geſetzliche Beſtimmung des Zinsfußes iſt bis zur Stunde noch nicht entſchieden. Bei der Berathung des Code Napoleon ſprachen ſich tüchtige Red⸗ ner dafür und dagegen aus, wie ſpäter im engliſchen Par⸗ liament. Vasco behandelte bei der Beantwortung dieſer Frage zuerſt das Rechtsgeſchichtliche, namentlich in Beziehung auf die Römer. Er zeigte, daß vor der ſcholaſtiſchen Theologie der Zinsvertrag im Allgemeinen erlaubt geweſen ſei, obwohl wegen des Mißbrauchs von Seite der Reichen die Geſetze den Zins auf geziemende Sätze zu beſchränken geſtrebt haben. Das Verbot des Zinsnehmens durch die bärgerliche Geſetzgebung entſtand erſt, als der Zinsvertrag als de hen z träge Mitte Geſchic lich kau beweist 1) Der nen Y de d — — =g= — — ͤ e — cC. de Dieſe ſcaft! erfunde dem 0 63 Güter⸗ er Rei⸗ gleiche ei der werken ar Ge⸗ eſih ein eil ſein wird. rundbe⸗ g, und Pege Vol⸗ erung ähri⸗ ſchen Reere jetzt ann ei⸗ nin der dere Ab⸗ iiſer Jo⸗ timmung en. Bei ge Red⸗ en Jar⸗ e zuerſt Römer. etrag im zörauchs eSätze du ens durch insvertrag —- 481— als dem natürlichen und göttlichen Recht zuwiderlaufend angeſe⸗ hen zu werden begann, wodurch aber der Wucher nur zunahm. Später wurde der Zinsvertrag mit wachſender Bildung wieder erlaubt, und nur der Mißbrauch beſeitigt. Vasco zeigt dann, daß der Zinsvertrag weder dem natürlichen, noch dem göttlichen, noch dem kirchlichen Recht entgegen und daher die Regierung be⸗ rechtigt ſei, das Zinsnehmen zu erlauben oder zu dulden. Es fragt ſich hiebei nur, ob, wenn das bürgerliche Recht, das die Nichtigkeit oder Ermäßigungen übertriebener Zinsver⸗ träge verordnet, es dieſes erreiche, oder ob ein anderes Mittel vorliege. Der Verfaſſer zeigt dann an der Hand der Geſchichte, daß die Geſetzgebung da nicht ausgereicht habe: folg⸗ lich kann hier nur die völlige Vertragsfreiheit helfen. Er beweist dieſes mit einer faſt geometriſchen Strenge. 1) Der Gebrauch des Geldes hat im gemeinen Handel ei⸗ nen Preis, wie jede andere Waare. 2) Der Preis jeder Waare iſt nicht willkürlich, ſondern durch die Mitwerbung des Begehrs und des Angebots beſtimmt. 3) Durch dieſe Mitwerbung wird auch der Preis des Ge⸗ brauchs des Geldes beſtimmt. 4) Je größer und dringender das Angebot gegenüber dem Begehr nach Geld ſein wird, deſto niederer wird der Preis des Gebrauchs des Geldes, d. h. der Zins ſein. 5) Je freier die Abſchließung der Darleihen ſein wird, deſto größer wird der Betrag und deſto erſichtlicher der Drang drr Angebote ſein. 6) Je freier ſonach die Darleihensverträge ſein werden, deſto geringer wird der Zins ſein. Dieſe Vertragsfreiheit gewährt auch noch der Staatsgeſell⸗ ſchaft den Vortheil, vielen zur Verſchleierung des Wuchers erfundenen Verträgen, gleich ſchädlich den Schuldnern, wie dem Publikum, den Anlaß zu benehmen. Dergleichen ſind: 1) Die Pfandnutzung und der Verkauf unter dem Vorbe⸗ halt des Wiederkaufs, durch welchen, da das Eigenthum auf eine beträchkliche Zeit ausgeſetzt iſt, der Beſitzer es 31 Blanqui, Geſchichte d. polit. Oekonomie. II. Bd. — 482— nicht gerathen findet, den Boden zu verbeſſern, wodurch ein Verluſt für das Volksvermögen entſteht. Dieſe Ver⸗ träge, welche die Schuldner zu den übertriebenſten Zin⸗ ſen zwingen, würden ſeltener ſein, wenn die Vertrags⸗ freiheit in Beziehung auf die Darleihen völlig beſtände. 2) Die wahren oder vorgegebenen Verkäufe, welche zum Zweck der Verſchleierung des Darleihens eingeführt wa⸗ ren, wenn der Zinsvertrag nicht frei gegeben iſt. Das Geſetz ſollte den Zins nur auf den Fall hin beſtimmen, wenn die Parteien ihn nicht feſtgeſetzt haben, oder, wenn er kraft des Geſetzes geſchuldet wird. Der Verfaſſer leugnet aber nicht, daß die unbeſchränkte Freiheit des Zinſes einige Uebelſtände nach ſich ziehe, wo der Geſetzgeber, wie überhaupt, zwiſchen dem kleinern und grö⸗ ßern Uebel wählen müſſe. Er möchte daher, daß, wenn die Zinſen übertrieben wären, und um die Hälfte den Han⸗ delszinsfuß überſtiegen, man wie bei der laesio enormis ver⸗ fahren und der Richter ſie herabſetzen ſollte. Eben ſo wünſcht er, um das übermäßige Auflaufen der Zinſe zu verhüten, daß das Geſetz eine Verjährung der Zinſen vorſchreiben ſollte, im Fall ſie innerhalb einer beſtimmten Zeit nicht gefordert würden, und das Darleihen nicht erneuert würde, was der Code Napoleon auch ausgeführt hat. Endlich ſchlägt der Verfaſſer noch indirecte Mittel der Ermäßigung des Geldzinſes vor. Um mehr Pfandſtücke in Umlauf zu bringen, ſollten alle Lehen⸗ und Fideicommißgü⸗ er der Freiheit des Verkehrs zurückgegeben werden: eben ſo wünſcht er die Einführung eines Hypothekenregiſters. Um die gewagten Speculationen der Borger zu hemmen, welche ſie zur Zahlung übertriebener Zinſe treiben, ſoll der Bank⸗ bruch desjenigen geſetzlich als betrügeriſch gelten, welcher ſich über den Betrag ſeines eigenen Kapitals in ein Ge⸗ ſchäft einläßt. Um die Armen vor dem Wucher zu ſchützen, ſchlägt er die Gründung von Leihhäuſern, die zu gewöhn⸗ lichen Zinſen Geld darleihen, und von Sparkaſſen vor, welche letztere eine heilſame fittliche Wirkung äußern. dauer! wander gels in übergehe dieſer) näle u. Milleid terhalt im H im le wollen wurde Die über liche teca Das in Alle ſchaftsl eb's be algeme Ranche odurch Ver⸗ n Zin⸗ rtrags⸗ Rande. he zum ort wa⸗ 4. Das limmen, , wenn rankte o der grö⸗ n die Han⸗ ver⸗ unſcht whäten, ſollte, efordert vas der ttel der tücke in mißgü⸗ eben ſo . Um welche Bank⸗ velchet n Ge⸗ cüte gewohn⸗ t, welche — 183— Im J. 1788 beantwortete der Verfaſſer die von der kö⸗ niglichen Akademie der Wiſſenſchaften zu Turin gegebene Frage:- „Welches ſind die Mittel der Verſorgung der mit dem Seidenſpinnen beſchäftigten Arbeiter, wenn dieſe in Piemont ſo nützliche Menſchenklaſſe durch den bei dem Mißrathen der Seide eintretenden Mangel an Arbeit in Noth geräth?“ Obwohl die Frage einen örtlichen Charakter hatte, ſo wußte ihr der Verfaſſer doch eine auf allgemeine Fälle anwendbare Löſung zu geben: er ſchlägt auf den Fall, daß die Noth dauernd und unvermeidlich würde, die Freigebung der Aus⸗ wanderung vor: ſind aber die Urſachen eines Arbeitsman⸗ gels in einem gewiſſen Induſtriezweig unvorgeſehen und vor⸗ übergehend, ſo ſei das beſte Auskunftmittel die Verwendung dieſer Arbeiter zu öffentlichen Werken, wie Straßen, Ka⸗ näle u. ſ. f.: ſonſt würden ſie einige Zeit vom öffentlichen Mitleid leben, und ſo ſei es doch beſſer, aus ihrem Un⸗ terhalt doch einigen Gewinn zu ziehen. So geſchah es auch im Hungerjahr 1817 in der Lombardei und England, und im letztern Lande auch 1826, wo die arbeitloſen Baum⸗ wollenſpinner zur Macadamiſirung der Straßen verwendet wurden. Dieſes ſind die Hauptwerke des Verfaſſers, der übrigens über viele Gegenſtände in gedrungener Sprache wiſſenſchaft⸗ liche Artikel für die 1787, 1788 in Turin erſchienene Biblio- teca oltremontana ſchrieb. Das große Verdienſt dieſes Schriftſtellers iſt die Evidenz in Allem, was er zu beweiſen ſucht. Wäre die Staatswirth⸗ ſchaftslehre ſtets mit der Klarheit und Gedrungenheit Vas⸗ co's behandelt worden, ſo würde ſie ſetzt volksthümlich und allgemein ſein, wie die Arithmetik. Ehrlich hat er ſpäter manche ſeiner früheren Meinungen zurückgenommen. 314, 484— nes n weiſe, Giammaria Ortes ben, aus auffall Venedig. der C in D Die Wirthſchaftslehre ſchritt in England, Frankreich und näch Italien auf den gleichen Grundlagen voran. Ein Chor von keit Schriftſtellern drängte ſich zum gleichen Ziel, zur Abſchaf⸗ ob j fung von Mißbräuchen durch die Beſeitigung der Hemmniſſe fitui für die Bevölkerung und den Wohlſtand, er änderte die Mei⸗ Stma nung der Zeitgenoſſen, gewann Anhänger, überſchüttete die iumer Regierung mit neuen Anſichten. Allen dieſen Neuerern trat in lchter Italien Ortes mit ſeinem Werk„Dell' Economia Nazionale“(über die Volkswirthſchaft) entgegen, um den ſiegenden Strom ſe u fremder Anſichten zu ſtauchen, ein Antagoniſt auf dieſem Ge⸗ Lon biet, wie Rouſſeau gegen die allgemein geltende Lehre von Veen der Geſittung. Ortes erklärte, daß die Wiſſenſchaft des Reich⸗ Güter thums, welche die anderen Schriftſteller die Völker lehr⸗ d ten, eine lügneriſche oder unfruchtbare Wiſſenſchaft ſei. binſi Ortes war 1713 in Venedig geboren, und ward ein Camal⸗ den dulenſermönch, trat aber ſpäter auf das Begehren ſeiner Mut⸗ jenen ter aus dem Orden, machte Reiſen in Frankreich und Eng⸗ 3 ung, land, und weihte, heimgekehrt, ſein ganzes Leben dem Stu⸗ dieſen dium. Er ſchrieb mehre Werke und ſtarb 1790. ketzte Er war ein originaler, unabhängiger Geiſt. Viele ſeiner Güte Sätze waren neu: gleichwohl war er nur Wenigen bekannt, ches weil er ſeine Schriften, nachdem er eine ſtrenge Kritik der nicht! 1774 erſchienenen Koonomia Nazionale erfahren hatte, nur wohlh für ſeine⸗Freunde drucken ließ: die wenigen Drucke wurden daß d zerſtreut, ſo daß Cuſtodi kaum eine Abſchrift für ſeine Samm⸗ rem lung auftreiben konnte, der ihn als ein Genie pries, was ihm dirfnit Biele zu leicht glaubten. Gleichwohl enthalten. ſeine Werke ſo durch neue und unter den Wirthſchaftsgelehrten ſo unerhörte Be⸗ die merkungen, daß ich einen kurzen Auszug ſeines Syſtems ge⸗ ma ches ben muß. Die erſte Bemerkung, welche Ortes zur Grundlegung ſei⸗ Nö⸗ eich und thor von Abſchaf⸗ emmniſſe die Mei⸗ tete die trat in (über Strom Ge⸗ e von Reich⸗ lehr⸗ ſei. Camal⸗ er Mut⸗ d Eng⸗ m Stu⸗ e ſeiner bekannt, tik der , nur zurden damm⸗ s ihm erie ſo de Be⸗ ems g⸗ gung ſei⸗ 485— nes neuen Syſtems führte, war die, daß, obwohl Welt⸗ weiſe, Geſetzgeber und viele redliche Männer ſich bemüht ha⸗ ben, die Vermögensungleichheit unter den Menſchen minder auffallend und übermäßig zu machen, die unbedingte Entbehrung der Güter bei Vielen aufzuheben, welche in Noth leben und in Dürftigkeit ſterben, doch nie die menſchlichen Begierden nach Vermögen haben befriedigen können. Die Unwirkſam⸗ keit dieſer Bemühungen haben ihn aufgefordert, nachzudenken, ob je die Volkswirthſchaft natürlich auf eine ſolche Weiſe con⸗ ſtituirt werden würde, daß einige mit den gegenwärtigen Staaten verknüpfte Uebel auf gar keine Weiſe durch was immer für eine beſondere Sorge gebeſſert oder wenigſtens er⸗ leichtert werden können, wenn es nicht als möglich erſcheine, ſie zu hindern. Sonach hat die Nutzloſigkeit ſo vieler Geſetze, welche ge— geben worden waren, um die Maſſe der gemeinen Güter zu vermebren, und die beſtändige Erfahrung, daß, wenn ſich auch irgend eine Güterquelle in einer Hinſicht öffnet, ſich gewiß irgend eine andere in einer an⸗ dern Hinſicht ſchließt, oder ſich ein neues Bedürfniß nach jenen Gütern bei einem Andern erzeugt, ihn zur Unterſuch⸗ ung geführt: ob es nicht ein Naturgeſetz gebe, welches ſich dieſem widerſetzen würde, und der Verfaſſer glaubte dieſes Letztere in der That. Dieſes Geſetz iſt, daß die gemeinen Güter nicht bei den Einen wachſen können, ohne ein glei⸗ ches Bedürfniß darnach bei den Andern; daß ſich der Eine nicht wohlhabender befinden könne, ohne daß ein anderer minder wohlhabend werde, oder ohne die Dürftigkeit irgend Jemands; daß die Maſſe der gemeinen Güter in jeder Nation nach ih⸗ rem Bedürfniß ermeſſen werde, und daß ſie über dieſes Be⸗ dürfniß hinaus nicht um ein Haar wachſen könne, wie durch den Zauber eines Marktſchreiers, ſo durch die Bemühung eines Weltweiſen und nicht ein⸗ mal durch die eines Staatsherrſchers; und daß das, wel⸗ ches bei einigen Privaten als überflüſſig erſcheint, nur das Nöthige bei vielen Andern repräſentirt. Nach dieſer Annahme — 486— beſtimmt er, daß ſämmtliche verzehrbaren Güter einer Nation(was er Nationalkapital nennt) ſowohl nach Quan⸗ tität als Qualität im Verhältniß zur Nation ſind, ohne daß es einen Weg gibt, ſie bei der einen je zu mehren oder bei der andern zu mindern. Dieſes Kapital wird doppelt, drei⸗ fach ſein, wenn die Bevölkerung doppelt, dreifach ſein wird. Es gibt da keinen andern Unterſchied, als bei der Verthei⸗ lung. Allein die Menge bleibt immer dieſelbe: ihr Verhält⸗ niß zur Zahl der Bevölkerung iſt unwandelbar. Daher gibt es dort, wo es Reichere gibt, auch Aermere. Bei großen Nationen gibt es große Kapitale, weil dort auch die Menge der Güter größer iſt. Bei ſolchen Nationen können in Be⸗ tracht des größern bedeutenderer Ungleichheiten fähigen Gü⸗ terkapitals die Reichthümer in den Hauptſtädten mehr an⸗ wachſen, als in den Hauptſtädten der kleinern. Daraus alſo, daß die Menge der Güter mit der Zahl der Bevöl⸗ kerung immer im Verhältniß ſteht, kömmt es, daß es nicht möglich iſt, Einige mehr zu bereichern, ohne alle Andere är⸗ mer zu machen. In Toscana z. B. ſind die Güter mehr vertheilt; daher zeigt ſich dort ein allgemeineres Wohlſein, aber weniger Glanz in der Hauptſtadt. Dagegen iſt in Frank⸗ reich(im J. 1774) die Pracht der Hauptſtadt groß, daher der Wohlſtand in den Provinzen geringer. Daher kommen, fährt der Verfaſſer fort, die Bewohner Toscana's aus den Provinzen in die Hauptſtadt, mehr um Gerechtigkeit, als Le⸗ bensunterhalt zu fordern; in Frankreich hingegen ſieht man die Leute aus der Provinz nach Paris ſtrömen, mehr um Lebensun⸗ terhalt, als Gerechtigkeit zu ſuchen. Dieſes wird noch au⸗ genfälliger, wenn man Toscana mit Polen, mit Rußland und der Türkei vergleicht. Daher beſteht auch in den reich⸗ ſten Hauptſtädten, wie London, die nackteſte Armuth. Und dieſes nicht bloß rückſichtlich der Quantität, ſondern auch der Qualität der Güter, ſo daß, je verfeinerter und ausgeſuchter für Einige die Qualität ſein wird, ſie deſto ſchlechter und geringer für die Andern ſich darſtellt, daß, je mehr man bei einer Nation ſich bemüht, die Güter für die Reiche verſchl ſerer ſchlech Frank Tosce mache ter allen die ſern, ter zu Ale oder O terſchied kleinen haft ur Aus häͤltni 6s be lern, würd D wirt ten, chen tur ler! gen! weil Büter einer nch Ouan⸗ „ ohne daß en oder bei ppelt, drei⸗ ſein wird. der Verthei⸗ ihr Verhäͤlt⸗ Daher gibt Bei großen die Menge en in Be⸗ gen Gü⸗ lehr an⸗ Daraus Beyöl⸗ es nicht dere är⸗ ter mehr Wohlſein, in Frank⸗ oß, daher kommen, aus den , als Le⸗ man die ebensun⸗ noch au⸗ Nußland reich⸗ ſondern ter und ſie deſ daß, je r für die — 487— Reichen zu verbeſſern, deſto mehr ſie ſich fuͤr die Armen verſchlimmern, da es Einigen nicht möglich iſt, Güter beſ⸗ ſerer Qualität zu verbrauchen, ohne daß Andere ſolche von ſchlechterer Qualität verzehren. Daher bemüht man ſich in Frankreich(im J. 1774), während man dort mehr, als in Toscana eifert, die Güter für die Reichen ausgeſuchter zu machen, eben ſo ſehr, ſie für die Armen zum Gebrauch ſchlech⸗ ter und unangenehmer zu machen. Der Verfaſſer zieht aus allen dieſen Betrachtungen die entmuthigende Folgerung, daß die Gewerke und der Handel nie die Güter für Einige beſ⸗ ſern, ohne ſie für die Andern zu verſchlimmern oder ſchlech⸗ ter zu laſſen. Alle nationalen Güter ſind ſonach, ob man ſie nach Quantität oder Qualität auffaſſe, in demſelben Maaße, blos mit dem Un⸗ terſchied einer Ungleichheit in allem dieſem, die kleiner iſt bei kleinen Nationen und größer, bisweilen übermäßig und wahr⸗ haft ungeheuer bei größern Nationen. Aus dem Schluß, daß das Nationalkapital immer im Ver⸗ hältniß zur Bevölkerung ſtehe, ohne daß es einen Weg gibt, es bei der einen zu ſteigern oder bei der andern zu ſchmä⸗ lern, zieht Ortes mehre Folgerungen, welche wichtig ſein würden, wenn ſie alle wahr wären. Die erſte iſt, daß die Regierungen ſich gar nie in die wirthſchaftlichen Verhältniſſe in der Hoffnung einmiſchen ſoll⸗ ten, das öffentliche Kapital zu vermehren, und Geſetze ma⸗ chen, die von ſtärkern Geſetzen, wie von denen der Na⸗ tur der Dinge, vereitelt werden: auch ſollten die Schriftſtel⸗ ler weder ſich noch Andern ſchmeicheln, mit ihren Rathſchlä⸗ gen die Maſſe des Nationalreichthums vermehren zu können, weil ſie bloß das Gleichgewicht des Reichthums ſtören, und ihn für Einige mit Schmälerung Anderer vermehren. Es iſt daher ein nutzloſes Unternehmen, die Fideicom⸗ miſſe, Todthände, Klöſter, Prieſtereheloſigkeit in der eiteln Hoffnung aufzuheben, Das zu erwir⸗ ken, was immer verſucht und nie erwirkt wor⸗ den iſt. — 488— Die zweite Folgerung iſt, daß der Verkehr unter den Natio⸗ nen frei ſein ſollte. Der Wahn, daß der auswärtige Han⸗ del bisweilen einer Nation günſtiger, als der andern ſein, und dann eine ärmer machen könnte, um eine andere zu be⸗ reichern, entſtand aus dem Irrthum, den man dadurch be⸗ gangen hatte, daß man die Völker mit einzelnen Menſchen verglich. Man hat geglaubt, daß, wie ein Einzelner, der gewerbfleißiger iſt, einen Andern berauben könne, der es we⸗ niger iſt, als er, ſo auch eine gemeiniglich gewerbfleißigere eine andere minder gewerbfleißige arm machen könne. Nach der Theorie des Verfaſſers hängt ein Einzelner rückſichtlich ſeines Lebensunterhalts von einem andern Einzelnen ab, da⸗ her kann er ſich auf Koſten eines Andern bereichern. Allein da jede Nation ihr Auskommen hat, ſo iſt jede Nation rück⸗ ſichtlich ihres Lebensunterhaltes von den andern unabhängig, indem ſich jede mit ihren Beſchäftigungen, ihrem Kapital und ihrer Induſtrie erhält, und nicht mit den Beſchäftigungen, mit dem Kapital und der Induſtrie anderer Völker, wie die⸗ ſes bei dem einzelnen Menſchen geſchieht. Daraus ſtammt eine andere Wahrheit, daß jede Nation der andern nicht mehr und nicht weniger gibt, als was ſie von ihr mit gleicher Unabhängigkeit nach Maaßgabe der betreffenden Erforderniſſe und der wechſelſei⸗ tigen Bedürfniſſe einer jeden empfängt, ob ſie nun wirklich oder launenhaft ſeien: dieſes bewirkt, daß die eine von der andern nicht mehr gewinnt, als was dieſe von jener ge⸗ winnt. Die dritte Folge, welche der Verfaſſer daraus zieht, iſt, daß die Müſſigen und Bettler unveräußerliche und nothwen⸗ dige Mobilien unter den Nationen ſind. Jede Nation hat nur und kann nur ihr eigenes Auskommen haben. Durch eine Berechnung der von der Maſſe der Beſchäftigungen ge⸗ forderten Zeit, um das Nöthige zu erzeugen, beweist der Verfaſſer, daß die Beſchäftigungen beſchränkt ſind, und die gewöhnliche Zeit die Zeit dieſer übertrifft. Die Armen und Müſſiggänger ſind folglich eine unvermeidliche Folge der Rei⸗ chen und Beſchäftigten. — Jene, gen, erla genen Gi die übern ger, ſond ſchäftigte den von ſtimmen welche, größere Sorgfalt thümer d nicht dara den, der z weg vorſch der größter Beſitzungen deßwegen vorgeſchle mindern, die größ ſern der mern no Um die iſt das tigungen mäßig! Die Un gen we und Ge liken ge Renöthigt Ren aus Nichie liche f fehle, n Natio⸗ ge Han⸗ ern ſein, te zu be⸗ urch be⸗ Menſchen gner, der er es we⸗ öfleißigere ne. Nach icſichtlich ab, da⸗ Alein n rück⸗ ngig, al und zungen, vie die⸗ amt eine und nicht gkeit nach echſelſei, wirklich von der ener ge⸗ t, iſt, ihwen⸗ on hat Durch en ge⸗ st der d die n und er Rei⸗ ———ℳℳ — 489— Jene, welche mehr und mit mehr Achtung ſich beſchäfti⸗ gen, erlangen durch ihre Beſchäftigungen nicht bloß die ei⸗ genen Güter, ſondern auch die der Anderen. Es iſt nicht die übermäßige Faulheit oder Sorgloſigkeit der Müßiggän⸗ ger, ſondern die übermäßige Begierde und Bereitheit der Be⸗ ſchäftigten, durch welche Viele von den Beſchäftigungen und von den von Andern angeeigneten Gütern ſich unterhalten. Darüber ſtimmen jedoch die Staatswirthſchaftsgelehrten nicht überein, welche, wenn es ſich darum handelt, die Armuth durch eine größere Beſchäftigung der Armen zu mindern, voll Eifer und Sorgfalt ſind, wenn es ſich aber darum handelt, die Reich⸗ thümer durch Minderbeſchäftigung der Reichen zu mindern, nicht daran gehen wollen, und über Jemanden ſpotten wür⸗ den, der zum Zweck der Minderung der Armuth ihnen den Aus⸗ weg vorſchlüge, die großen Reichthümer der größten Herren und der größten Handelsleute der Hauptſtädte zu mindern, nud die Beſitzungen und Kapitale dieſer in Theile zu zerſchlagen. Und deßwegen ſcheitern ſämmtliche Entwürfe, welche gemeiniglich vorgeſchlagen werden, um die Armuth auf den Straßen zu mindern, weil jene den andern widerſtreiten, mit welchen die größeren Reichthümer an den Höfen und in den Häu⸗ ſern der Großen gefördert werden, aus welchen Reichthü⸗ mern nothwendig eine entſprechende Armuth hervorgehen muß. Um die Armuth und die Arbeitloſigkeit erträglicher zu machen, iſt das einzige Mittel, durch Zeit und Anſehen die Beſchäf⸗ tigungen zu mäßigen, und ſo die Reichthümer weniger über⸗ mäßig und minder leuchtend bei den Nationen zu machen. Die Unterſchiede der Perſonen und Beſchäftigun⸗ gen werden ſonach nützlich ſein, wie es die Künſte und Gewerke, ſo wie auch die unter den Katho⸗ liken gebräuchlichen Feſtlichkeiten ſind, weil, da Alle genöthigt ſind, eine gegebene Zeit hindurch ihre Beſchäftigun⸗ gen auszuſetzen, ein größerer Theil Zeit unter die anderen Nichtbeſchäftigten zu vertheilen erübrigt. Es iſt eine gewöhn⸗ liche falſche Annahme, daß die Zeit zu den Beſchäftigungen fehle, während doch gerade dieſe der Zeit fehlen. — 490— Dieſer kurze Abriß enthält nur einige der Hauptgedanken, um welche ſich das Syſtem des Verfaſſers dreht. Er ſagt, daß er es nicht unternommen habe, über die Volkswirth⸗ ſchaft zu ſprechen, um die paſſendſten Wege zu ihrer Ver⸗ beſſerung anzugeben, ſondern bloß um an den wirklichen Erſcheinungen zu zeigen, wie es von ſelbſt als Wirkung her⸗ vortritt, die aus unwandelbaren und ewigen Urſachen ſtammt, und ſtatt Syſteme zu entwerfen, welche für das Glück der Völker unnütz ſind, hat er ſich darauf beſchränkt, die Urſache ihres Unglücks zu erforſchen. Aus dieſen wenigen Andeutungen wird man ſehen, wie miz⸗ ten unter einige ſonderbare Paradoxien der Verfaſſer nützliche Wahrheiten und viele neue Beobachtungen gemengt hat. Sein größter Fehler iſt der, die gegenwärtige Staatsgeſellſchaft mit dem behaglichſten Optimismus zu betrachten, als wenn ſie die beſte mögliche Geſellſchaft wäre. Er nahm für Naturgeſetze jene Zufälligkeiten, welche beſtändig wechſeln und mit den Zeitaltern gewechſelt haben; und wenn auch alles das wahr wäre, was er rückſichtlich der Vermögensungleichheit und des unzerſtörbaren Unterſchiedes zwiſchen Reichen und Armen ſagt, muß denn der Staat nicht zu dem edelſten Zweck ſeiner Ein⸗ ſetzung ſtreben, welcher der der Geſittung iſt? Und wird dieſe nicht durch Förderung des Reichthums erwirkt? Wenn man allemal die Naturgeſetze dem jeweiligen oder zufälligen Zuſtand der Dinge entnehmen wollte, welche Naturwidrig⸗ keiten würden entſtehen? Die Behauptung, daß alle Natio⸗ nen bloß im Verhältniß zu ihrer Bevölkerung reich ſind, iſt eine Widerſinnigkeit, die keine Widerlegung verdient. Sind Spanien und Polen, die ungefähr eine gleiche Bevölkerung wie England haben, ſo reich wie dieſes? Hatte England ſelbſt, das vor einem Jahrhundert nur wenige und ſchlechte Straßen hatte, während wenige ſeiner Häuſer Fenſter oder Geräthe hatten, und die meiſten ſeiner Einwohner kein Bett kannten, im Verhältniß dieſelbe Menge Güter, wie gegen⸗ wärtig, wo faſt alle Häuſer Töpferzeug, Gläſer, Teppiche und alle Bequemlichkeiten des Lebens in Fülle haben? Und wenn it britſtädt ſchienen thums viele J Noth! gen K bensm Arbeit Fern des Ad er die! digen, hatte, da zige Pal mehre H hende ve ihm, der unverän die Rel gen de fie, na üben. behrun all zu miſſe Verma einer⸗ beſonde miſſe fi Friher + pigedanken, Er ſagt, ollwirth⸗ hhrer Ver⸗ wirklichen irkung her⸗ hen ſtammt, Glück der die Urſache , wie miu⸗ r nützliche at. Sein ſchaft mit n ſie die turgeſetze wit den das wahr eit und des Armen ſagt, ſeiner Ein⸗ Und wird cft? Wenn r zufälligen aturwidrig⸗ alle Natio⸗ ich ſind, iſ ent. Sind evoͤllerung England ſchlechte nſter oder tein Bett wie gegen⸗ t, Tepiche aaben? Und — 491— wenn in den letzten 50 Jahren 5 oder 6 Male engliſche Fa⸗ brikſtädte voll verhungernder und aufrühreriſcher Arbeiter er⸗ ſchienen, iſt nicht dieſes ſchon eine Folge des größern Reich⸗ thums von Seite der Handelsleute, weil dieſe Reichthümer ſehr viele Jahre ohne das Elend der Arbeiter beſtanden haben? Die Noth von 1826 war nur ein zufälliges Elend bloß von eini⸗ gen Klaſſen von Arbeitern, erzeugt nicht von Mangel an Le⸗ bensmitteln und Waaren, wohl aber von dem Mangel an Arbeit. Ferner ſchrieb Ortes ein Werk zu Gunſten der Fideicommiſſe des Adels, der Kirche und der milden Stiftungen. Wie konnte er die Anhäufung des Eigenthums in wenigen Händen verthei⸗ digen, nachdem er in ſeiner Nationalökonomie behauptet hatte, daß der Reichthum die Armuth macht, und daß das ein⸗ zige Palliativ dieſer darin beſteht, jenen zu mindern und an mehre Hände zu vertheilen? Man ſieht, er wollte das Beſte⸗ hende vertheidigen. Um den Adel zu erhalten, welcher, nach ihm, der Hüter der öffentlichen Freiheit iſt, muß man ihn durch unveräußerliche Erbgüter erblich und unabhängig machen; um die Religion vom Staatsoberhaupt unabhängig und in den Au⸗ gen der Völker ehrwürdig und mächtig zu machen, muß man ſie, nach ihm, reich und im Stand erhalten, Mildthätigkeit zu üben. Um endlich den Armen einige Vergütung für die Ent⸗ behrung jedes Eigenthums zu geben, und ſie nicht den Reichen all zu unterwürfig zu machen, iſt es gut, daß es Fideicom⸗ miſſe für fromme Stiftungen gebe, welche gewiſſermaßen das Vermögen des Volks darſtellen. So hätten die drei Stände einer Nation, der Adel, die Geiſtlichkeit, das Volk, jeder ſein beſonderes Vermögen. Daraus ſchließt er, daß die Fideicom⸗ miſſe für die Freiheit nothwendig ſeien. Und Ortes liebte die Freiheit, und war Republikaner von Geburt und Herz. In ſeinem Syſtem der Beſtreitung ſämmtlicher Schriftſteller war Ortes glücklicher in ſeinen im J. 1790 erſchienenen Be⸗ trachtungen über die Bevölkerung. Wenn die Oppo⸗ ſition bei den erſten Unterſuchungen ihn zu ſonderbaren Behaup⸗ tungen verleitete, ſo führte ſie ihn in dieſen zu einigen licht⸗ — 492— vollen Wahrheiten, welche Ricci in Italien und Malthus in England vereint mit ihren Gründen bekräftigten. Die Methode, den ſtändigen Gang der Natur zu betrachten, und daraus ihre Geſetze abzuleiten, die immer mächtiger ſind, als die menſchlichen Maaßregeln, wurde in unſern Tagen von Mal⸗ thus rückſichtlich der Bevölkerung mit glücklichem Erfolg aus⸗ geführt. Man weiß, wie hitzig die Anſichten von Malthus be⸗ ſtritten worden ſind; allein ſchon Ortes war zu denſelben ge⸗ langt, und doch waren beide Schriftſteller in verſchiedenen Län⸗ dern geboren, verſchiedener Religion, ſtanden durch einen Zeit⸗ raum von 30 Jahren von einander ab, ohne daß jedoch der Brite nur den Namen des Italiäners gehört hätte. Schon mehre andere italiäniſche Schriftſteller hatten einige Grund⸗ ſätze entdeckt, welche ſpäter Malthus mit ſo ſtarken Beweiſen ausrüſtete; allein noch keiner hatte die Forſchungen ſo weit ge⸗ trieben, und ſo große Folgerungen daraus gezogen. Ich will die merkwürdigſten Anſichten von Ortes hier bemerken, nicht bloß wegen ihrer Originalität, ſondern auch um eine Paral⸗ lele mit denen von Malthus einzuleiten: 1)„Die Bevölkerung hält ſich, ſteigt oder fällt immer in den Maaß und in Folge der vorher erhaltenen, angewachſenen oder verminderten Güter; nie aber geht die Bevölkerung den Gütern voran.“ 2)„Die Bevölkerung hängt von der größern oder geringern Freiheit ab, welche ein Volk genießt.“ Ohne die politi⸗ ſche Freiheit, welche das Eigenthum, die Freiheit ſchützt und die Geſetze beobachten macht, wagen die Menſchen nicht gern ihre Kapitale. 3)„Die Generationen der Thiere werden von der Kraft be⸗ ſchränkt, welche entweder von den Menſchen auf die Thiere, oder von den Thieren unter ſich ſelbſt ausgeübt wird.“ 4)„Die Generationen der Menſchen werden von der Vernunft beſchränkt.“ 5)„Die Bevölkerungen mindern ſich durch übermäßige Be⸗ ſteuerung und Sklaverei.“ 6)„Es iſt nicht wahr, daß die Bevölkerung den Ehen ent⸗ 8)7 In 9 Ant Dieſe kommenſt und auch deren A mentlich eigewili menfaſ ber fo ſagt e ich in müßte treffen habe, Ander durch würde ald die kelheit ſe ſchiedene theilt, w ſchaſt ſe leidenſch lands u thus in en, und als die Mal⸗ g aus⸗ hus be⸗ lben ge⸗ ten Län⸗ en Zeit⸗ ich der Schon rund⸗ eiſen tge⸗ will nicht zaral⸗ in den ſchſenen lkerung ringern politi⸗ itt und nicht ſt be⸗ hie re, 5. rnunft ge Be⸗ en ent⸗ — 493— ſpreche. Wenn die Bevölkerung an eine gewiſſe Grenze gelangt iſt, ſo iſt es gut, wenn die Ehen zu einem Grade herab ſich ſenken, daß dieſelbe ſich gleich erhalte, aber nicht anwachſe.“ 7)„Die Eheloſigkeit iſt ſo nothwendig, um eine Bevölkerung zu bewahren, als die Ehe. Die Eheloſigkeit den Eheloſen vorwerfen, heißt ſo viel, als die Ehe den Verehelichten vorwerfen.“ 8)„Die freiwillige Enthaltſamkeit von der Ehe iſt bei dem Menſchen ein Beweis von der Erhabenheit ſeines Seins und von ſeiner Vernunft.“ 9)„Die Arbeitshäuſer verſorgen Einige und berauben mehre Andere.“ Dieſe Abhandlung über die Bevölkerung iſt vielleicht das voll⸗ kommenſte und nützlichſte Werk, welches Ortes geſchrieben hat, und auch das gedrängteſte, einheitvollſte und klarſte: ſeine an⸗ deren Anſichten ſind nicht ſo gut gefolgert und bewieſen, na⸗ mentlich die Nationalökonomie iſt dunkel geſchrieben: man ſollte eigentlich die 7 Bände der Werke von Ortes in 2 Bände zuſam⸗ menfaſſen, um ein überſichtliches Syſtem zu gewinnen. Er ſel⸗ ber fordert ein gründliches Studium ſeiner Werke.„Jeder, ſagt er, welcher ſich anmaßte, in einem Tage aufzufaſſen, was ich in mehr als 4000 Tagen mit derſelben Sicherheit gefaßt habe, müßte doch ſicher ſein, mich eben ſo ſehr durch Talent zu über⸗ treffen, als ich ihn durch die Anwendung deſſelben übertroffen habe, geſetzt, daß zur Einſicht der Dinge das Eine und das Andere gleich erforderlich iſt. Ich nun bin ſicher, mich nicht durch Talent über die übrigen Menſchen zu erheben, aber ich würde Mühe haben, daß ich 4000 Male an Talent tiefer ſtehe, als die Talentreichſten.“ Die Weitſchweifigkeit und die Dun⸗ kelheit ſeiner Schriften ſind vielleicht die Urſache ſeiner ſo ver⸗ ſchiedenen Beurtheilung. Manche haben ihn zu ſtreng beur⸗ theilt, wie er es gegen alle Schriftſteller über die Volkswirth⸗ ſchaft ſelber that, die er Marktſchreier nannte. Auch iſt er nicht leidenſchaftlos in ſeinen Schriften. Er war ein Todfeind Eng⸗ lands und des Proteſtantismus, und orthodox in einem Grad, — 494— daß er den Katholicismus als den Optimismus betrachtete, und behauptete, daß die proteſtantiſchen Staaten nie einmüthig und glücklich ſein können. England verkündete er den Untergang: was würde er geſagt haben, wenn er in der Blüthe der Ge⸗ genwart es geſehen hätte? Aber bei allem dem war Ortes kein Feind der Freiheit. Er vertheidigt die Mängel und Uebel⸗ ſtände der menſchlichen Geſellſchaft nicht als ſolche, ſondern als unvermeidlich. Ueberall ringt er nach der Freiheit und Wohl⸗ fahrt der Menſchen und mit größtem Freimuth.„Welchen An⸗ ſchein auch immer, ſagt er, die willkürlichen Neuerungen der Staatsherrſcher baben können, da über die Entſchließungen der Staatsherrſcher die Unterthanen nicht urtheilen dürfen, ſo werde ich es nichts deſto weniger wagen, und das Urtheil nicht den künftigen Geſchlechtern überlaſſen, auf welche allein die glücklichen oder unglücklichen Wirkungen der merk⸗ würdigſten Beſchlüſſe fallen müſſen, welche von den Herrſchern der früheren Geſchlechter gefaßt worden ſind.“ Auch er wünſcht die Vermehrung der Bevölkerung und die Wohlfahrt der Völker: allein er ſieht weniger auf die Menge der Güter, als auf ihre Vertheilung, weil, nach ihm, die Menge ohne die Ver⸗ theilung nur Einige maaßlos einerſeits bereichert, und ande⸗ rerſeits unendlich Viele arm und arbeitslos macht. Die an⸗ dern volkswirthſchaftlichen Schriftſteller bauen künſtliche Sy⸗ ſteme für Möenige⸗ und er ein der Natur gleich geartetes Sy⸗ ſtem für Mehre. Ortes betrachtet die großen Reichthümer in der Hand Weniger als die Urſache der Armuth Vieler, und oft auch ihrer Unterdrückung: deßwegen verwirft er auch alle von den Volkswirthſchaftgelehrten vorgeſchlagenen Maaßregeln als unvermeidlich zu dieſem Ziel führend. Er dagegen möchte eine größere Vertheilung des Vermögens, weil, nach ihm, die Bevölkerung und der Wohlſtand von mäßigen und einheimi⸗ ſchen Reichthümern abhängen. Deßwegen zieht er den Binnen⸗ handel dem auswärtigen vor, weil jener Viele bereichert, und dieſer Wenige. Deßwegen wünſcht er, daß eine nationale Frei⸗ heit beſtehe, weil ohne Sicherheit und ohne das Eigenthum des erworbenen Vermögens die Bevölkerung nicht wachſen kann. Das und A aber i lung z ſo viel laſſe kung türlic wirrb Ge Er w farb 17 ⁴) Wer Rrrori p. preser ümen (Allge ſchat ten Guͤt Dell' (Von Dei fi sito nell (Von mill haͤn ſchaf Rägion te, und ig und rgang: er Ge⸗ tes kein Uebel⸗ dern als Wohl⸗ hen An⸗ gen der jen der t, ſo das elche nerk⸗ hern nſcht der t, als Ver⸗ ande⸗ die an⸗ e Sy⸗ 8 Sh⸗ ner in , und h alle regeln töchte die eimi⸗ anen⸗ und Frei⸗ um des kann. — 495— Das iſt der einzige Weg zwar nicht, das Daſein der Armen und Arbeitsloſen ganz zu beſeitigen(was unmöglich iſt), wohl aber ihre Zahl zu mindern. Allein um dieſe gerechtere Verthei⸗ lung zu erwirken, verlangt er ſtatt der Geſetze, der Spitäler, und ſo vieler anderer politiſcher Heilmittel nur Eines, das Gehen⸗ laſſen: die Regierung ſoll nur die Beſchädigung und Krän⸗ kung der Bürger unter einander verhindern, nicht aber den na⸗ türlichen Gang der Dinge lähmen, ſonſt fällt ſie in ein unent⸗ wirrbares Labyrinth von Uebelſtänden.*) Giambatiſta Gherardo Graf v. Arco. Er wurde 1739 in Arco im ſüdlichen Tyrol geboren, und ſtarb 1791. Er war 4 Jahre lang politiſcher Intendant der *) Werke von Ortes: Errori popolari intorno all' economia nazionale, considerati nelle presenti controversie fra i laici ed i chierici in ordine al posse- dimento de' beni, 1771. (Allgemein herrſchende Irrthümer über die Volkswirth⸗ ſchaft, betrachtet nach den gegenwärtigen Streitigkei⸗ ten zwiſchen den Laien und Geiſtlichen rückſichtlich des Güterbeſitzes.) Dell' economia nazionale, libri sei, 1774. (Von der Volkswirthſchaft, ſechs Bücher.) Dei fidecommesei a famiglie e a chiese e a luoghi pii, in prope- sito del termine di mani morte, introdotto a questi ultimi tembi nell' economia nazionale, 1784. (Von den Fideicommiſſen der Familien, der Kirchen und milden Stiftungen, bei Anlaß der Beſchränkung der Todt⸗ hände, welche in dieſen letzten Zeiten in der Volkswirth⸗ ſchaft eingeführt worden iſt.) Ragionamento sulle scienze utili e sulle dilettevoli, per rapporto alla felicità comune, 1785. (Raiſonnement über die nützlichen und angenehmen Wiſſen⸗ ſchaften in Beziehung auf das Gemeinwohl.) Rifſessioni sulla popolazione delle nazioni, per rapporto all' eco- nomia nazionale, 1790. (Betrachtungen über die Bevölkerung der Nationen, in Bezug auf die Volkswirthſchaft.) — 496— Provinz Mantua und zuletzt Geheimrath des Kaiſers v. Oeſt⸗ reich. Ich erwähne dieſe Umſtände nur, damit die Nachkom⸗ men ſehen, wie die unermüdlich eingeprägten Grundſätze einer Wiſſenſchaft überall hindringen, ſich mit der Erziehung identi⸗ ficiren und in die Atmosphäre des Adels und der Magiſtratur ſich auflöſen. Schriftſteller rathen zuerſt zu den volkswirthſchaft⸗ lichen Reformen, und ihre an das Staatsruder getretenen An⸗ hänger verſuchen ſie und bringen die Grundſätze ihrer Erzie⸗ hunz mit. Colbert verleugnet als Miniſter den Handelsmann nicht, und Turgot mit ſeinem Wunſch der Befreiung des Han⸗ dels nicht den Philoſophen, Necker mit ſeiner Hebung des Credits nicht den Lehrling der Genfer Bank: die britiſchen Miniſter mit ihrem Hang zum Sperrſyſtem nicht ihr Aufwachſen unter der Scheelſucht und dem Geiz der Handelsherren, und erſt in unſern Tagen wagten ſie an die Stelle der Vorurtheile der Handelsherren die hochherzigen Grundſätze der Wiſſenſchaft ein⸗ zuſetzen. So auch in Italien. Palmieri und Filangieri ſchlu⸗ gen in Neapel ihren Regierungen die aus dem Schatz ihrer ſtillen Studien entnommenen Reformen vor, ſo in der Lombardei die Weltweiſen des letzten Jahrhunderts, ſo in Spanien Cabar⸗ rus und Jovellanos. Die zwei Bände des Grafen von Arco enthalten keinen Lehr⸗ gang eines Werkes, ſondern verſchiedene in der unten ſtehen⸗ den Anmerkung verzeichnete Abhandlungen*). *) Dell' armonia politico-economica tra la città ed il suo terri- torio, 1771.(Von der politiſch⸗ökonomiſchen Harmonie zwi⸗ ſchen der Stadt und ihrem Land). Dieſe Abhandlung iſt die Ant⸗ wort auf die von der Akademie der Wiſſenſchaften, Literatur und Künſte zu Mantun gegebene Frage:„Welches ſoll die Bilanz der Bevölkerung und des Handels zwiſchen der Stadt und ihrem Landgebiet ſein, welches ſind die Störungen und die anwendbaren Mittel, um am leichteſten für ihren wechſelſeitigen Unterhalt und Bedarf zu ſorgen?“ Dell' annona.(Ueber das Getreide)' gerichtet an die naͤmliche Akademie, 1775. Dell' influenza del commercio sopra i talenti e i costumi.(Von dem Einfluß des Handels auf die Talente und Sitten); aus kein feuri eineh der 3e drang die Fi ſprach die7 Frei trei an, h. Oeſt⸗ Nachkom⸗ ize einer Jidenti⸗ gitratur irchſchent⸗ ſenen Ja⸗ rer Erze⸗ delsmam des Han⸗ Credits Miniſter unter erſt in le der 7ft ein⸗ ſchlu⸗ ihrer owbardei Cabar⸗ nen Lehr⸗ en ſtehen⸗ suo terri- onie zwi⸗ I die Anl⸗ d Künſte ölkerung welches eſten für namliche ni.(Pon ten); aus Sie ſind meiſt Beantwortungen von Preisfragen der Aka⸗ demien, zumal der von Mantua, deren Präſident der Graf von Arco war. Italien hatte eine Menge ſolcher Akademien, faſt in jeder Stadt. Man hat ſie oft getadelt, des Despo⸗ tismus, Körperſchaftsgeiſtes und der Pedanterei beſchuldigt; allein ſie haben die Bewegung der Geiſter erhalten, den Cult der Wiſſenſchaft gepflegt: ihren Preisfragen dankt man mehre ausgezeichnete Werke. Das ſonſt ſo nutzſüchtige England hat doch auch eine Menge naturforſchender Geſellſchaften. Der Graf von Arco gründete keine neuen Theorien, ſtellte keine glänzenden Paradoxien auf: er entwickelte nicht einmal eine feurige Beredtſamkeit, wohl aber Klarheit, richtiges Urtheil und eine hochherzige Freiſinnigkeit der Grundſätze. Als er von der Bilanz der Bevölkerung und des Handels zwiſchen Stadt und Land ſprach, drang er auf die Theilung des Grundeigenthums, und verwarf die Fideicommiſſe und Majorate. Wenn er von dem Handel ſprach, beſchrieb er die Tugenden, die Talente, den Reichthum, die Macht, die Geſittung, welche er ſchafft. Er ſprach für die Freiheit des Handels, Ortes folgend. Auch rückſichtlich des Ge⸗ treidehandels nahm er als Hauptgrundſatz den freien Umlauf an, und fordert nur ausnahmeweiſe zeitweiſe Beſchränkungen. — Anlaß des von der Akademie zu Marſeille vorgeſchlagenen Programms für den Concurs des Jahres 1777; erſchien erſt 1782. Dell' influenza dello spirito del commercio sull' economia in- terna de' popoli e sulla prosperitàè degli stati(Von dem Ein⸗ fluß des Handelsgeiſtes auf die innere Wirthſchaft der Völ⸗ ber und auf den Wohlſtand der Staaten) erſchien das erſte Mal 1778. Risposta al quesito: Se in uno stato di terreno fertile favorir debbasi maggiormente l'estrazione delle materie prime, ovvero quella delle manifatture.(Antwort auf die Frage: Soll man in einem Staat mit fruchtbarem Boden mehr den Anbau der Verwandlungs⸗ ſtoffe, oder aber den Fabrikbetrieb begünſtigen?) Die Frage wurde von der Akademie zu Mantua gegeben: die Abhandlung erſchien 1780. Dell' diritco ai transiti.(Von dem Durchgangszoll), gedruckt 1784. Blanqui, Geſchichte d. polit. Oekonomie. II. Bd. 32 — 498— Im verfloſſenen Jahrhundert ſchlugen alle Schriftſteller außer Ortes ihren Regierungen die Theilung des Grundeigen⸗ thums, die Aufhebung der Fideicommiſſe vor, und die Re⸗ gierungen, damals noch nicht geſchreckt durch die franzöſiſche Revo⸗ lution, folgten. Die Lombardei entbehrt gegenwärtig jedes Durch⸗ gangshandels, welcher ihr früher einen innern Umlauf von drei Millionen Franken einbrachte, trotz des Ausſpruchs des Staats⸗ raths Grafen von Arco, welcher ſchon behauptete: daß dieſe Sperre ungerecht ſei gegen die Nachbaren, weil ſie gegen das Naturrecht ſei, ungerecht gegen die Unterthanen, weil dieſelbe ſie eines Umlaufs von vielen Millionen beraube. Dieſe Behaupt⸗ ung, daß der Durchgangshandel ein natürliches Recht, weil den Bedürfniſſen der Völker gemäß ſei, iſt vielleicht dem Grafen Arco allein eigen: er behauptet, daß eine Nation, welche hier ein Hemmniß aufſtellt, und es durch eine läſtige Bedingung eines Friedens oder was immer für eines Vertrags annehme, eine Ungerechtigkeit gegen ſich ſelbſt übe, und eine nichtige Rechts⸗ handlung vornehme, weil ſie auf ein unveräußerliches Recht verzichte, wie das der Selbſterhaltung eines iſt. Und wohl könnte dieſe edle Anſicht ſich zu einer Geltung im poſitiven Völker⸗ recht erheben; denn beginnt nicht die Handelsfreiheit, Proſely⸗ ten in den Cabinetten zu machen?„Die Handelsfreiheit, ſagt der Graf von Arco, ſei bloß die nackte und einfache Erkennt⸗ niß des wahren und wirklichen Intereſſes jeder Nation, und das einzige gemeinſame Ziel für jeden Staat, den eigenen innern und äußern Handel zu fördern, beruft und ladet die höchſten Herrſcher.“ Uebrigens bieten die Werke des Verfaſſers keinen großen Reiz und entbehren der ſchöpferiſchen Ideen. Filippo Briganti aus Neapel. Während im vorigen Jahrhundert die Mehrheit der Schrift⸗ ſteller beharrlich das Ziel verfolgte, die Macht und Geſittung der eine thun und brec aus die die bek ind here nom Bitte jede? Lands zu er zurüch Verv eine nung Th. eine heit Völ Gan wele lich wuß. Staa Stan riftſteller ndeigen⸗ die Re⸗ he Revo⸗ Durch⸗ von deei 3 Staals⸗ daß dieſe gegen das ieſelbe ſie Behaupt⸗ weil den en Arco ier ein g eines 2, eine Rechts⸗ § Recht d wohl Völker⸗ Proſely⸗ eit, ſagt Erkennt⸗ on, und eigenen adet die großen chrift⸗ ſitung — 499— der Völker durch den Reichthum zu heben, erhob ſich dagegen eine doppelte Paradorie, die eine, daß der Handel und Reich⸗ thum zum Verderbniß führen, die andere, daß die Bildung und Staatsgeſelligkeit die Quelle des Unglücks und der Ver⸗ brechen der Menſchheit ſeien. Mably behauptete die erſtere, aus innerer Ueberzeugung und aus lauter Verſunkenheit in die Ideale des Alterthums: Rouſſeau, dem Linguet folgte, die zweite, aus Miſanthropie, Tiefſinn, Widerſpruchsgeiſt: bekämpft wurden beide durch die Oekonomiſten, aber nur indirect. Förmlich aber that es Briganti in ſeinem 1780 herausgegebenen Ksame Kconomico del Sistema civile(Oeko⸗ nomiſche Prüfung des Civilſyſtems), allein ohne Bitterkeit, frei und unabhängig geſinnt und verträglich gegen jede Meinung, wie er war. Nur holte er— ein Fehler ſeiner Landsleute— zu weit aus. Um die Nütßlichkeit des Handels zu erweiſen, geht er bis zu den erſten Sinnenempfindungen zurück, und weist nach, daß der Menſch ein Streben nach Vervollkommnung habe, und ſo auch die Völker, als Aggregate einzelner Menſchen, daher auch die drei für die Vervollkomm⸗ nung des Individuums erforderlichen Bedingungen, nämlich Thätigkeit, Lebensunterhalt, Unterricht, auch für eine Nation erforderlich ſeien. Die ganze Geſchichte der Menſch⸗ heit zeige dieſes Streben nach Vollkommenheit: zwar haben die Völker oft dieſe erſte Strebung der Natur herabgewürdigt, aber im Ganzen zeige es ſich doch, daß jene wirklich gediehen ſeien, welche zu gleicher Zeit eine arbeitſame Exiſtenz, ein reich⸗ liches Auskommen, eine kräftige Conſiſtenz zu vereinigen wußten, drei verſchiedene Ausſichten, von welchen man die Staatswirthſchaft der Völker betrachten kann. Von dieſem Standpunkt ordnet er den Angriff gegen die Schriftſteller, welche die Völker in einen ſtarren Kreis hinein bannen möchten. Seine Beweiſe nimmt er aus der Metaphyſik und der Moral, wenn er den Menſchen zu analyſiren beginnt, aus der Ge⸗ ſchichte, wenn er von den Völkern ſpricht. Bei der Darſtellung der fortſchreitenden Ordnung der Ideen, Gefühle und Kräfte des Menſchen, benützt er die Moralſyſteme der Alten, und die 32. 500— Metaphyſik der Neuern. In der Darſtellung der Geſchichte der Völker behandelt er die des Landbaus, der Viehzucht, des Handels, der Schifffahrt, der Bevölkerung und des Unterrichts bei allen Nationen des Alterthums und der Neuzeit, welche uns bekannt ſind, und benützt eine Menge Schriftſteller, namentlich alte. Wenn er von den Völkern der alten Welt ſpricht, entwickelt er eine ungewöhnliche Gelehrſamkeit, einen maler⸗ iſchen und vielleicht zu prunkhaften, und bisweilen abſicht⸗ lich epigrammatiſchen Styl. Bei ſeiner Wanderung durch die Geſchichte der Menſchheit nimmt er als Leitfaden die geprüfte⸗ ſten Grundſätze der Wirthſchaftslehre, ſtets bemerkend, wie ein Volk ſank, wann es ſich davon entfernte, oder ein anderes gedieh, wenn es ſie ausführte. Er behandelt dabei auch einige Nebenfragen, ſo die über die Bevölkerung der Welt. Bekanntlich behauptete Hume, daß die Bevölkerung der alten Welt die der neuern weit übertroffen habe, während Wallace das Gegentheil behauptete. Briganti bildete eine dritte Anſicht, nämlich die, daß die Welt immer ungefähr gleich bevölkert geweſen ſei, und es ſo auch bis an's Ende bleiben werde. Er bezweifelt die übertriebenen Angaben über die Stärke der aſſyriſchen, mediſchen Heere, jener von Darius und der auf 2,317,612 Mann angegebenen Armee des Xerxes: die Furcht habe vor dem Krieg, und die Eitelkeit nach dem Krieg die Zahl übertrieben: ebenſo bezweifelt er die angege⸗ benen Weltalter der Chaldäer und Egypter, ebenſo die über⸗ triebenen Wanderungen der nordiſchen Völker im 5. und 6ten Jahrhundert unſerer Zeitrechnung. Er ſchreibt die über⸗ triebenen Angaben der Bevölkerung des Alterthums auf die unzuverläſſige mechaniſche Berechnung der Alten, an deren Stelle erſt die Araber eine ſichere rationale Methode geſetzt haben. Es ſei nicht zu begreifen, aus welcher unbekannten Revolution von Urſachen die angenommene Abnahme der alten Fruchtbarkeit ſtammen könne. In dem Weltall ſtehe Alles im lebendigen Zuſammenhang. Sämmtliche Körper, welche die Welt umfaſſen, halten ſich im Gleichgewicht mit den Ver⸗ hältniſſen ihrer Maſſen und Bewegungen. Dieſe Körper haben eigen treten Eleme Form welch anne im zwiſ beſti könn Jnbe zige Ordm blieben die S der E Zeiträ der i die) ſo Fru Wee iſt, ver geg ihre Klin völf Zeit⸗ das wied Nbe dh ſchichte der Handels, ichts bei elche uns amentlich t ſprich, en maler⸗ n abſicht⸗ durch die geprüfte⸗ nd, wie anderes über , daß roffen bildete ngefähr 8 Ende den über Darius kerxes: ach dem angege⸗ ie über⸗ ind bien über⸗ uf die deren geſetzt annten er alten les im elche de den Ver⸗ eper haben — 501— eigene Geſetze, welche in das allgemeine Geſetz wieder ein⸗ treten, durch welches die Natur, bildend und zerſetzend die Elemente des phyſiſchen Syſtems, ſich unter verſchiedenen Formen in den lebenden und lebloſen Weſen wieder erzeuge, welche die betreffenden Claſſen fortſetzen. Läßt ſich nun nicht annehmen, daß dieſen Geſetzen gemäß die Menge dieſer Weſen im directen Verhältniß zu der wechſelſeitigen Nothwendigkeit zwiſchen ihnen und dem Erdkörper, welchem ſie angehören, beſtimmt ſei? Daß die Zahl nicht unbemerklich abnehmen könnte, ohne die Theorie des Alls zu ändern, in welchem der Inbegriff der beſondern Syſteme ſich vereinige, um eine ein⸗ zige Ordnung der Dinge zu bilden? Nach der Theorie dieſer Ordnung iſt die Bevölkerung im Allgemeinen ſich gleich ge⸗ blieben, und wird ſich bis an's Ende der Welt gleich bleiben: die Summe aller Menſchen in dem gegenwärtigen Zuſtand der Erde zuſammengenommen, iſt nicht geringer als jene aller Zeiträume des Alterthums, und muß nicht höher ſein, als die der kommenden Zeit, und wenn in irgend einem Zeitraume die Menge der Menſchen größer oder geringer beobachtet wird, ſo dürfen ſolche Wechſel nicht der größern oder geringern Fruchtbarkeit der menſchlichen Gattung, ſondern bloß dem örtlichen Wechſel der Völker zugeſchrieben werden, wie dieſes geſchehen iſt, als der Eroberungsgeiſt der kriegeriſchen Völker die Erde verwüſtet hat. Dann ſah man die Bewohner des Südens gegen den Norden getrieben, und nach gewichener Gewalt in ihre erſten Wohnſitze zurückdrängen, oder ſich in einem andern Klima eine ſicherere Wohnſtätte erringen, und damit ent⸗ völkerte ſich ein Theil nur, um den andern zu bevölkern. Die Zeiträume der Eroberung und Verwüſtung lichten allerdings das Geſchlecht; allein die Natur gleicht dieſes an einem Orte wieder aus. Krieg, Hunger, Peſt mähen raſch die Menſchen⸗ leben; allein in ſolchen Nöthen nähern ſich die Menſchen am engſten, erregt wird in ihnen das elektriſche Feuer der Fort⸗ pflanzung). *) Malthus hat dieſe Sache nicht bloß mit Vernunftgründen, ſondern durch die Geſchichte und Statiſtik bewieſen, 1 — 502— Der blühende Zuſtand der alten morgenländiſchen Völker be⸗ güngſtigte die Vermehrung der Menſchen an jenen Stätten, wo jetzt Trägheit, Sklaverei, Unwiſſenheit die Bevölkerung entmuthigen. Allein dieſer Unterſchied der Umſtände beweist noch nicht, daß die Fruchtbarkeit der alten Völker überhaupt größer geweſen ſei, als die der Völker der Neuzeit. Das Vergleichen der Zahl der Menſchen von Volk zu Volk, und von Jahrhundert zu Jahrhundert beißt nicht vom Ganzen zum Ganzen rechnen, um entſcheiden zu können, in welchem Zeitraum die allge⸗ meine Bevölkerung der Erde geſtiegen oder gefallen ſei. Wir kennen mit unſeren weit gediehenen Wiſſenſchaften nicht einmal die Hälfte der Erde, wie viel weniger kannten ſie die Alten! Uebrigens ſcheint zu allen Zeiten das Vorurtheil geherrſcht zu haben, daß man die Bevölkerung dünner glaubte, als in der Vorzeit. Und doch hat die Natur ihre Geſetz⸗ gebung nicht gewandelt. Neben dem Uebel ſproßt das Heil⸗ mittel. Das Morgenland ſandte die Pocken und die Impfung, das Abendland die Luſtſeuche und das Franzoſenholz. Wer kann nun entſcheiden, ob die Welt altere oder die Gattung entarte? Für uns beſteht die Welt erſt einen Tag, und wir wollen mit ſo blödem Blick und einem ſo kurzen Leben in dem ſchmalen Zeitraum, welcher die Geſchichte und Ueber⸗ lieferung umfaßt, ihre ſtufenweiſen Umwälzungen ergründet haben? Wenn wir die Bevölkerung nach dem Lebensunter⸗ halt meſſen wollen, ſo können wir wohl ſagen: daß, wo ein geringerer Verbrauch war, dort hat eine größere Zahl Menſchen beſtehen müſſen; allein iſt dann in der That nach⸗ gewieſen, daß die Völker der Neuzeit, in ihrer Geſammtheit genemmen, mehr verbrauchen, als die Völker des Alter⸗ thums? So Briganti. Allein die Gründe für den Satz, daß die Welt immer müſſe gleichmäßig bewohnt geweſen ſein, und es auch in Zukunft ſein müſſe, ſind gar nicht überzeugend. Be⸗ ſtand die Welt nicht von Ewigkeit her, ſo mußte ſie im Anfang dünner bevölkert geweſen ſein. Und iſt denn die Welt ein Theater mit einer feſten Zahl Sitze? Und auch bei d nämli ein g Ma Gelel Verf der Loos belä aber daufu Kennt hat we keine dort ſi andere Von! ker be⸗ vo jetzt bhigen. t, daß eweſen den der hundert rechnen, eallge⸗ en ſei. n nicht ſie die rtheil ubte, eſetz⸗ Heil⸗ fung, Wer atung , und Leben Ueber⸗ grründet zunter⸗ ß, wo : Zahl nach⸗ mtheit Alter⸗ die und . Ve⸗ ſie in enn die d auch — 503— bei dieſer Vorausſetzung muß man noch eine andere machen, nämlich die, daß es immer das gleiche gute Werk ſei, weil ein gleiches Gedränge dazu ſich zeige. Man erkennt übrigens aus der gegebenen Darſtellung die Gelehrſamkeit, den Geiſt der Kritik, die Schreibart des Verfaſſers. Gleichwohl hat das Buch als polemiſches mit der Beſiegung der Gegner ſeine Bedeutung verloren. Das Loos Briganti's iſt das aller derjenigen, welche Irrthümer bekämpft haben: ſie leiſteten der Menſchheit einen edeln Dienſt; aber ihr Name überlebt nicht. Und es iſt dieſes keine Un⸗ dankbarkeit der Nachwelt: ſie hat nur keine Zeit hiezu. Bücher, Kenntniſſe, Entdeckungen, häufen ſich: der Tempel des Ruhms hat wohl ein unbeſchränktes Verzeichniß für die Namen, aber keine Bibliothek für alle Werke. Die wenigen Geſtelle die dort ſind, ſind nur für die Dichter und Geſchichtſchreiber: die anderen werden nach einiger Zeit obſolet, und weichen Andern. Von 50,000 Büchern des 16. Jahrhunderts ſind nur 50 jetzt noch geſchätzt, und von den 80,000 des 18. Jahrhunderts ſind nur 300 des Wiederabdrucks würdig erachtet worden, und werden nur 500 noch geleſen. Von der Zeit der Erfindung der Schrift, d. h. in 32 Jahrhunderten, haben nur 500 Werke der Schrift⸗ ſteller aller Nationen der Zerſtörungsluſt der Zeit getrotzt. Gaetano Filangieri aus Neapel. Es erſcheint als eine gütige Laune des Schickſals, daß es zu gleicher Zeit Beccaria und Filangieri an den beiden Enden Italiens entſtehen ließ. Sie waren wie zwei große Fanale, welche die ganze Halbinſel erleuchteten. Beide adelig, beide Magiſtrate in ihrem Vaterland, beide Pfleger der nämlichen Philoſophie, ſchienen ſie beſtimmt, ihre Landsleute zu unter⸗ richten, und die Geiſter zu den unerläßlichen Reformen in der Geſetzgebung vorzubereiten. Beccaria, gedrungen, markig, — 504— ſpruchreich ſchien nöthig für ein Land, in welchem die Ge⸗ ſittung ſchon weiter vorgerückt war. Filangieri, weit ausholend, auch declamatoriſch, gewaltig in ſeinen Gefühlen, war nützlicher in einem Land, wo es, da die Logik nicht ausreicht, um die Trägheit der Geiſter und die Störrigkeit der Regierenden aufzuſchütteln, einer ſich ergießen⸗ den, üppigen Beredtſamkeit bedurfte. Beccaria bekämpfte vorzüglich die Monſtruoſität der Strafgeſetze; Filangieri jene 'des gerichtlichen Verfahrens. Der erſte beſchränkte ſich darauf, einige Irrthümer der Geſetzgebung zu rügen; aber bei der Rüge legte er Beobachtungen nieder, welche ſtets für alle Na⸗ tionen und alle Zeiten dienen werden. Der Zweite, geboren unter einer fehlervollern Regierung, umfaßte in ſeinem Werk ſämmtliche Theile des geſellſchaftlichen Baues, und ſuchte die Art zu lehren, es vollſtändig zu recon⸗ ſtruiren. Der eine tief, der andere univerſal; der eine ge⸗ achtet von ſeinen Mitbürgern, aber noch mehr bewundert von Europa, iſt der Schriftſteller aller Völker; der andere geachtet von Europa und noch mehr bewundert von ſeinen Mitbürgern iſt beſonders der Schriftſteller des neapolitaniſchen Volks. Beide waren ferner von ihren Regierungen nicht bloß ge⸗ duldet, ſondern geehrt. Beide Denker, und daher wenig um die Schreibart beſorgt, Verächter gezierter Rede, haben ihre Landsleute gewöhnt, an das Vaterland, an das Wohl ihrer Mitbürger und der Menſchheit zu denken. Dieſe beiden Schrift⸗ ſteller haben den Geiſtern und dem Charakter eine ſtärkere Härtung gegeben. Nur hauchte Beccaria mit dem tiefen Ernſt ſeiner Schriften eine ruhige Feſtigkeit ein; Filangieri dagegen theilte als Förderer einer univerſalen Reform, mit einer feu⸗ rigen Beredtſamkeit eine ruheloſe und ungeduldige Stimmung mit. Iſt aber Beccaria als Denker größer, ſo iſt es der Andere als Geſetzgeber. Franklin ſchrieb an Filangieri, daß ſein un⸗ ſterbliches Werk das Staunen und die Belehrung ſeiner freien Mitbürger ſei, Voltaire an Beccaria, daß er der Wohlthäter von ganz Europa ſei. Der Eine lebte lange genug, um die ganze Macht ſeines Genie's zu entwickeln, Filangieri dagegen tarb ie Veg 3 welche Frankr fl. J Fil Als Krieg er ih entwa educa⸗ ziehu lüber Ideen i ſetzgeb des Ho ſchiener ſcaft Jahr geſchä ſtarken Equer dort voller Freun De welche Buch liches ſelſt de B gefäh! t gelel und gehe die Ge⸗ altig in es, da und die ergießen⸗ dekämpfte ſieri jene darauf, bei der alle Na⸗ erung, liichen recon⸗ ie ge⸗ tt von eachtet ürgern Volks. oß ge⸗ nig um den ihre Zl ihrer Schrift⸗ ſtärkere Ernſt gegen feu⸗ mung Indere in un⸗ freien ylihäter um die dagegen — 505— ſtarb in der Mittagshöhe ſeines Alters, und mitten auf dem Weg zum Ruhm. Dieſes waren endlich die beiden Italiäner, welche durch ihre Werke Italien auf die gleiche Höhe mit Frankreich brachten, hinter welchem jenes ſeit der Mitte des 17. Jahrhunderts weit zurück geblieben war. Filangieri wurde am 18. Auguſt 1752 in Neapel geboren. Als dritter Sohn einer altadeligen Familie trat er in den Kriegsdienſt; allein ſchon im 18ten Jahr ſeines Alters verließ er ihn, um ſich ganz den Studien zu widmen. Mit 19 Jahren entwarf er den Plan zu einem Werk sulla puhblica e privata educazione(über die öffentliche und private Er⸗ ziehung), dann zu einem andern sulla morale de' principi (über die Fürſtenmoralz)'; allein es kamen davon nur einige Ideen in das ſpätere Werk Scienza della Legislazione(Ge⸗ ſetzgebungswiſſenſchaft). Er kam ſpäter in den Dienſt des Hofes, der ihn aber nicht blendete. Im Jahr 1780 er⸗ ſchienen die zwei erſten Bände der Geſetzgebungswiſſen⸗ ſchaft, 1783 zwei weitere, 1785 die drei folgenden. Im Jahr 1787 wurde er Finanzrath. Unermüdlich in den Amts⸗ geſchäften und Studien, ſchwächte er ſo ſehr die Kraft ſeiner ſtarken Geſundheit, daß er 1788 ſich auf das Land nach Vico Equenſe zurückziehen mußte, allein ohne Erfolg; denn er erlag dort in der Nacht des 21. Juli desſelben Jahrs im noch nicht vollendeten 36 Jahr. Er war ein edler Menſch, ein warmer Freund ſeines Vaterlandes. Der Band über die politiſchen und ökonomiſchen Geſetze, welcher in Cuſtodi's Sammlung ſich befindet, iſt das zweite Buch der Geſetzgebungswiſſenſchaft. Es iſt dieſes kein förm⸗ liches Syſtem der Staatswirthſchaftslehre, wie der Verfaſſer ſelbſt ſagt. Sein Zweck iſt nur, die Geſetze anzugeben, welche die Bevölkerung und den Reichthum der Nationen am meiſten gefährden oder begünſtigen: ſeine Vorſchläge ſind daher mehr nur Folgerungen aus den Sätzen anderer Staatswirthſchafts⸗ gelehrten. Montesquieu unterſuchte die Geſetze, wie ſie ſind, und Filangieri ſtellte ſie dar, wie ſie hätten ſein ſollen, aus⸗ gehend von den durch die Mehrheit der Staatswirthſchafts⸗ gelehrten angenommenen Theorien. So misbilligt er im Haupt⸗ ſtück 22 die Mitwerbung und die Eiferſucht des Handels, indem er zu einer unbedingten Freiheit räth, ohne jedoch, wie Smith, zu beweiſen, daß der Wohlſtand einer Nation der Wohlſtand einer andern wird. Gleichwohl iſt dieſes Haupt⸗ ſtück ein geſchichtlicher Ueberblick, würdig eines britiſchen Mi⸗ niſters, eines For. Ebenſo verwirft er das von Spanien, Holland, England u. A. befolgte Colonialſyſtem, ſtützt ſich zu dieſem Behuf nicht, wie Smith, auf Zahlenberechnungen, ſondern auf das Beiſpiel der Römer, welche durch milde Be⸗ handlung der Colonien ſie ſelbſt ihre Unabhängigkeit vergeſſen machten. Seine Anſicht zu Gunſten der Handelsfreiheit iſt ſo entſchieden, daß er den Wunſch der Unabhängigkeitserklärung der vereinigten Staaten Nordamerica's gar nicht verſchleiert, und wie Genoveſi ihre künftige Unabhängigkeit weihſagt. So auch ausgehend von dem Grundſatz, daß alles den Lebens⸗ unterhalt Schmälernde die Bevölkerung zu vermindern ſtrebe, folgert er beredt, daß die Frohnen, Lehengüter, Fideicommiſſe, die Klöſter die Bevölkerung gefährden. Waren aber die An⸗ ſichten der Schriftſteller irrig, ſo irrte er mit ihnen, ſo in ſeiner Vertheidigung einer einzigen(directen) Steuer, ſo rückſichtlich der großen Hauptſtädte, welche er„prächtige Gräber“ nennt, die die Bevölkerungen verſchlingen, und die Handarbeit vertheuern, eine Anſicht, welche mehr als durch Bücher, durch die Beiſpiele von Lyon, Paris, Glasgow, Mancheſter, Liverpool und vorzüglich von London widerlegt wird, in welcher letztern Stadt, der bevölkertſten von Europa, die Sterblichkeit geringer iſt, als in allen andern Hauptſtädten, und deren Manufacturen beſſer und wohlfeiler ſind, als alle anderen des Feſtlandes. Jedoch iſt er keineswegs ein fklaviſcher Anhänger fremder Anſichten: oft zeigt er ſich ganz unabhängig: ſo in ſeiner neuen und originalen Würdigung des Luxus. Statt mit Andern denſelben als verderblich für die Staaten oder doch nur als Sporn zur Gütererzeugung nützlich zu halten, ging Filangieri viel weiter, und bewies, 1) daß der active Luxus mit Ta reich un der, we Nation Kranker rügte Handeln „Die der einh fuhr der Was we Contrebe können, Y die in En Zölle Heilm verurſ Ein dieſen haben 1825 Auc langier triotiſch wünſch ropa wird rege gan ein Haupt⸗ dandels, ch, wie on der Haupt⸗ hen Mi⸗ Spanien, t ſich zu hnungen, ilde Be⸗ ergeſſen iſt ſo ärung leiert, So ebens⸗ ſtrebe, wwiſſe, die ⸗ „ſo in bteuer, ichtige und die s durch lasgow, iderlegt Furopa, ädten, d alle temder ſeiner nt wät er doch n, ging ze Lurus — 507— mit Tapferkeit und Sittlichkeit wohl vereinbar iſt, wie Frank⸗ reich und England zeigen, 2) daß der paſſive Lurxus, d. b. der, welcher die ausländiſchen Erzeugniſſe verzehrt, oft einer Nation zuträglich iſt, weil er einem Aderlaß gleicht, der den Kranken von einer Plethora befreit, und die Vertheuerung der Preiſe, die durch die Verſchlechterung des Geldes bewirkt wird, und folgeweiſe den Verfall der Induſtrie verhütet. Zu Filangieri's Zeit galt England als Muſterſtaat. Er rühmt ſeine Geſetzgebung, wenn er vom Schwurgericht, vom Lurus ſpricht: wo er aber von der Handelsfreiheit handelt, rügte er, ungeblendet von britiſchem Wohlſtand, die engliſche Handelsgeſetzgebung. „Die britiſche Regierung, ſagt er, welche ſtets die Ausfuhr der einheimiſchen Waaren zu begünſtigen ſuchte, hat die Ein⸗ fuhr der fremden Erzeugniſſe ungeheuer mit Zöllen belaſtet. Was war die Folge dieſes irrigen Syſtems? Die Menge der Contrebanden, welche die ſtrengſten Strafen nicht hindern können, wenn ſie mit einem großen Gewinn verbunden ſind, 2) die Schmälerung ſeines Durchgangshandels. Obwohl in England ein Geſetz beſteht, welches die Zurückgabe der Zölle bei der neuen Ausfuhr gebietet, ſo erſetzt dennoch dieſes Heilmittel nicht den Schaden, welchen ſeinem Handel die Zölle verurſachen, die bei der Einfuhr entrichtet werden u. ſ. f. Ein halbes Jahrhundert ſpäter hat die britiſche Regierung dieſen Irrthum eingeſehen, und Huskiſſon und Robinſon haben für die Reformen der Zollgeſetze in den Jahren 182 1, 1825 und 1826 die Rüge unſers großen Denkers beſtätigt. Auch in Beziehung auf die ſtehenden Heere weicht Fi⸗ langieri von den Andern ab, da er an ihre Stelle die pa⸗ triotiſcheren und nicht ſo koſtſpieligen Landwehren eingeführt wünſcht, wie Nordamerica es gethan hat. Werden in Eu⸗ ropa einmal nur noch nationale Kriege geführt werden, ſo wird dieſe verſtändige, erſparende und friedenſichernde Maß⸗ regel angenommen werden. Für Neapel will er nur ein ganz ſchwaches Landheer, dagegen eine tüchtige Seemacht, ein Vorſchlag, für den die Erfahrung ſpricht, da Neapel — 508— ſtets in Folge der Eroberung von Norditalien her erobert wurde. Die Sicherheit und Unabhängigkeit des Königreichs Neapel müßte eher einem italiäniſchen Bund, als einem Landheer vertraut werden, während Neapel dieſen Bund zur See vertheidigen muß. Filangieri war einer der wenigen und erſten Kämpfer in Italien für die Freiheit des Handels. Hat er Smith's Werk gekannt? Gewiß nicht, ſonſt würde er es angeführt haben. Vielleicht hatte er Turgot's Werk geleſen. Allein ſollte ein ſo tüchtiger Geiſt nicht aus ſich allein heraus fähig geweſen ſein, die Wichtigkeit der Handelsfreiheit zu erkennen? Er hätte es geſagt, weil er die Wahrheit noch mehr liebte, als den Ruhm. „Ich habe, ſagt er, nur eine Fackel mehr in dieſe dunkle Höhle hinabgetragen, wo die Ungeheuer, dieſe Verſchlinger der Nationen, laggern.. Der Weltweiſe muß der Apoſtel der Wahrheit, und nicht der Erfinder von Spſtemen ſein. Behaupten, daß Alles geſagt ſei, iſt die Sprache Jener, welche gar Nichts hervorzubringen wiſſen, oder nicht den Muth haben, es zu thun. So lange die Leiden, welche die Menſch⸗ heit drücken, nicht werden geheilt ſein, ſo lange die Irrthümer und Vorurtheile, welche ſie verewigen, Anhänger finden werden, ſo lange die nur von wenigen bevorrechteten Menſchen erkannte Wahrheit dem größten Theil der Menſchheit verhüllt bleiben, ſo lange ſie vom Thron entfernt gehalten werden wird, iſt es die Pflicht des Weltweiſen, ſie zu verkünden, zu vertheidigen, zu fördern, zu verklären. Wenn das Licht, welches er verbreitet, auch für ſein Zeitalter und ſein Vater⸗ land nicht nützlich ſein wird, ſo wird dasſelbe es doch ſicher für ein anderes Zeitalter und ein anderes Land ſein. Bürger aller Orte, Zeitgenoſſe aller Weltalter, iſt die Welt ſein Vaterland, die Erde ſeine Schule, ſeine Zeitgenoſſen und ſeine Nachkommen ſind ſeine Schüler.“ Cantalupo, Caraccioli, Scrofani. Zu den von Neapolitanern verfaßten Schriften über das Kor Nec not Fol 2 mußt ſchläg Jtalie Wiede Angrie bräuch So Schr (Ge ein er1 We hatt Vol bew mag Geſ bis die dahe A wurde. lmüßte vertraut en muß. zpfer in Smith's ngeführt Alein us fähig kennen? liehte, dunkle linger ſpoſtel ſein. welche Math Meric⸗ erthuͤmer r finden Menſchen tverhültt werden inden, zu 15 lich, n Vater⸗ ich ſicher Bürger lt ſein en und i. über das — 509— Getreideweſen, die von mir ſchon erwähnt worden ſind, ge⸗ gehören noch drei Werkchen von nicht ſo berühmten Verfaſſern. Die literariſche Behandlung des Getreidehandels hat in Europa die Runde gemacht, und erſt jetzt noch in England einen Streit der Schriften und Anſichten hervorgerufen. Sie brachte auch heilſame und praktiſche Folgen für die Entfeſſelung des Kornhandels, ſo in Toscana und in der Lombardei: nur in Neapel hafteten die alten Vorurtheile, und Mangel, Hungers⸗ noth und Verfall des Landbaus waren die unvermeidlichen Folgen. Bei der politiſchen Getheiltheit der italiäniſchen Halbinſel mußte jeder Schriftſteller über dieſen Gegenſtand ſeine Rath⸗ ſchläge den Umſtänden ſeines Vaterlandes anpaſſen: daher hatte Italien ſo viele ſtaatswirthſchaftlichen Schriftſteller, und ſo viele Wiederholungen derſelben Dinge und Gründe: daher dieſelben Angriffe gegen dieſelben von Andern ſchon bekämpften Mis⸗ bräuche in andern Provinzen. So folgte Gennaro Cantalupo aus Neapel in ſeiner Schrift: Annona, ossia Piano Economico di Pubblica Sussistenza (Getreidewefen oder wirthſchaftlicher Plan zu einer öffentlichen Verſorgung mit Getreide), die er 1783 herausgab, demſelben Plane, wie ihn Verri in ſeinem Werke über das Getreideweſen der Lombardei vorgeſchlagen hatte. Der Verfaſſer bekämpft nicht blos die Irrthümer des Volks, ſondern auch die der Regierung, und um beſſer zu beweiſen, daß das Syſtem der Beſchränkungen und Vorſichts⸗ maaßregeln nur Theurung und Noth bereite, entwarf er die Geſchichte der Getreidegeſetze von dem König Ladislaus(1400) bis auf ſeine Zeiten, indem er an den ſchlimmſten Beiſpielen die Unvorſichtigkeit der Verordnungen nachwies: er ſpricht daher für eine volle, ſichere und gleiche Freiheit für Alle. 3 Das zweite Werkchen Riſlessioni sull' Economia e lEstrazione de' frumenti della Sicilia fatte in occasione della carestia del 1784 e 1785(Betrachtungen über die Oekonomie und Getreideausfuhr Siciliens, gemacht bei der — 510— Theurung der Jahre 1784 und 1785), iſt von dem Marcheſe Carracioli aus Neapel verfaßt zur Zeit, wo er die Würde eines Vicekönigs in Sicilien bekleidete. Dieſer üppigen Inſel hatte noch kein ſtaatswirthſchaftlicher Schriftſteller ſeine Aufmerkſamkeit zugewendet: ein Vicekönig unterſuchte die für ſie ſo hochwichtige Frage über den Ge⸗ treidehandel. Er ſtaunte, daß ein Eiland, das die Kornkammer Roms und die Heimath der Ceres hieß, kleineres und ſchlech⸗ teres Brod haben ſollte, als andere Länder, und unter häu⸗ figern Theurungen leiden konnte, als andere kornärmere Ge⸗ genden. Allein er griff deßwegen doch nicht zur unbedingten Freiheit. Er will zuerſt, daß der Beamte Alles mit unend⸗ lichem Fleiß beobachte, und möglich wenig einwirke. Sodann will er das Eigenthum und die Freiheit der Handelsleute ge⸗ achtet und den von dem Adel und den Reichen geübten Druck des Volkes beſeitigt wiſſen.„Die Bevormundung der Armen, ſagt er, iſt in allen Monarchien nothwendig; aber in Gegen⸗ den, wo das Lehensſyſtem noch nicht aufgehoben, und das Misverhältniß der Vermögen äußerſt groß iſt, iſt ſie die weſentlichſte Verrichtung der Staatskunſt und der Staatshaus⸗ haltung.“ Er räth daher zu einer gerechten Vertheilung der öffentlichen Laſten und zu einer Entfernung jedes Hemmniſſes für den innern Güterumlauf. Rückſichtlich des Getreideweſens wünſcht er keine feſten und fortwährenden Geſetze, ſondern will ſie der Einſicht der Regierung überlaſſen wiſſen. Er hatte die Anſicht Necker's, daß im Innland unbegrenzte Frei⸗ heit des Umlaufs beſtehen, rückſichtlich der Ausfuhr man aber die Freiheit als ordentlichen Grundzuſtand betrachten, und der Regierung das Recht vorbehalten ſolle, dieſe Freiheit an gewiſſen Orten, unter gewiſſen Umſtänden, oder auch unbedingt auf⸗ zuheben, wenn verſchiedene Umſtände, welche die Regierung allein auffaſſen kann, ihr dieſe Handlung der Klugheit rathen. Ob dieſe zeitweiſe Feſſelung der freien Ausfuhr nützlich ſei oder nicht, iſt zur Zeit noch beſtritten. Auf jeden Fall iſt es gut, wenn Staatsmänner über ſolche Gegenſtände ihre Anſicht bekannt machen, weil dadurch die Regierung belehrt wird, und müſſe gebur der E erken weite in d drin, gege tende Aend noſſen Wiſſen ſiht: mehr, Die ſteller Im J König Sieili dem unben lianiſ verſic für ſein mit wenig welche war, drſor on dem wo er aftlicher icekönig den Ge⸗ niammer ſchlech⸗ ter hͤu⸗ ere Ge⸗ edingten unend⸗ odann te ge⸗ Druck rmen, hegen⸗ d das ſie de ushaus⸗ ung der amniſſes eeweſens ſondern n. Er te Frei⸗ an aber ind der ewiſſen t auf⸗ ierung rathen. guch ſei d i 8 e Anſicht err wid, und von ſolcher Seite die Belehrung williger annimmt. Auch müſſen Lehre und Uebung zuſammenwirken, wenn die Geſetz⸗ gebung fortſchreiten ſoll. Die Miniſter haben nie den Muth der Schriftſteller, weil ſie die Hinderniſſe im Einzelnen ſchärfer erkennen; dagegen ſind die Schriftſteller im Ausblick in den weiteſten Geſichtskreis zu kühn, weil ſie, das Nahe überſehend, in die Ferne greifen. Die Theoretiker kennen nicht die Zu⸗ dringlichkeit der Intereſſen, die Geſchäftsmänner kennen da⸗ gegen genauer die Thatſachen, ſie wiſſen die ſich widerſtrei⸗ tenden Intereſſen auszugleichen, den zu gewaltigen Anſtoß der Aenderungen abzuſtumpfen, und das Intereſſe der Zeitge⸗ noſſen mit dem der künftigen Geſchlechter auszugleichen. Die Wiſſenſchaft bedarf der Kühnheit, die Verwaltung der Vor⸗ ſicht: beide unterſtützen ſich. Zwiſchen ihnen beſteht kein Krieg mebr, ſondern ein freundliches Bündniß. Die Anſicht Carraccioli's erſchien wirklich einem Schrift⸗ ſteller zu furchtſam und vorſichtig, ſie wurde daher bekämpft. Im Jahr 1675 legte der Abate Saverio Scrofani dem König von Neapel eine Denkſchrift über den Getreidehandel Sicilien's vor, in welcher er mit vielen Gründen und mit dem glücklichen Beiſpiel Toscana's zu beweiſen ſucht, daß eine unbedingte Freiheit die wahre Quelle des Gedeihens des ſici⸗ lianiſchen Landbaus und Handels ſein würde.„Seien E. M. verſichert, ſchreibt er, daß die Ernährung der Bevölkerung, für welche Ihr väterliches Herz bangt, nirgend ſo ſicher ſein wird, als in den Händen eines freien Handels. Sicilien mit ſeinen Beſchränkungen hat im Lauf von 24 Jahren nicht weniger als fünf Theuerungen beſtanden. Toscana dagegen, welches früher, wo es denſelben Beſchränkungen unterworfen war, gleichmäßig darunter litt, war von 1767 an reichlich verſorgt, weil jenes Jahr der glückliche Zeitpunkt ſeiner Frei⸗ heit rückſichtlich der Getreideausfuhr war.“ Sowohl dieſe Denkſchrift, als auch deſſen Riflessioni sopra le Sussistenze desunte da' fatti osservati in Toscana(Betrachtungen über das Nahrungsweſen, geſchöpft aus den in Toscana beobachteten Thatſachen), ſind, wie die — 512— Schriften Cantalupo's und Carracioli's mtt einer hinreißen⸗ den Logik und in lebhaftem Style geſchrieben. Maurizio Solera aus Piemont. Durch Landzuwachs und Eroberung hob ſich Piemont vom 16. Jahrhundert an. Preiswürdig wirkten hiefür ſeine Beherrſcher durch Sparſamkeit und Tapferkeit und durch den gemäßigten Gebrauch ihrer unbedingten Gewalt. Auch hat Piemont zuerſt durch die Coſtituzioni von 1729 1) faſt ganz die Lehensgewalt aufgehoben, indem nur einige nominelle Befugniſſe und bloße Ehrenrechte belaſſen, dagegen die perſönlichen Dienſte, wie die Frohnen, aufgehoben wurden: 2) die Fideicommiſſe und Erſtgeburtsrechte beſchränkt, indem der Güterumlauf viel freier, als früher, gemacht wurde: 3) die kirchliche Gewalt beſchränkt, und beſonders die Be⸗ fugniß, zu erben und die Erbfolge an die Todthände. Dieſe Conſtitutionen wurden 1770 auf's Neue durchge⸗ ſehen und bekannt gemacht: ſie ſind übrigens nur eine Zu⸗ ſammenſtellung vieler bürgerlicher und Strafgeſetze, welche früher ein verworrenes Gemenge bildeten. Allein bei allem dem hatte Piemont nicht die Stärke und den Reichthum, welche dem Umfang und der Fruchtbarkeit ſeiner Provinzen entſprachen, weil es einer erleuchteten, freiſinnigen Verwaltung entbehrte. Gute Geſetze und Einrichtungen bereichern, bevölkern, ſtärken einen Staat weit mehr, als Eroberungen, und werthvoller, als die Tugend der Sparſamkeit, iſt an einem Fürſten das Talent, ſich ſelbſt zu bereichern, indem er ſeine Unterthanen bereichert. Vasco ſuchte durch ſeine kleinen Schriften die Aufmerkſamkeit der Regierungen in Beziehung auf die vielen Aenderungen zu erregen, welche erfordert wurden. Allein die Regierung ſchloß ſich gegen weitere Reformen ab, während ſolche in andern Provinzen Italiens ausgeführt wurden. Nicht der Krieg hin⸗ reißen⸗ ont vom eberrſcher maͤßigten 1729 einige elaſſen, hnen, indem wurde: die Be⸗ whände. durchge⸗ eine Zu⸗ „ welche eei allem —, welche ſprachen, ntbehrt. ſtärken ler, als Talent, reichert. tſamteit mgen zu ung ſchloß n andern Krieg hin⸗ ————. — 513— derte, da im Jahr 1784, wo Solera ſein Werfkchen ſchrieb, Piemont ſchon ſeit 36 Jahren einen tiefen Frieden genoß. Einige haben angenommen, daß eine weſentlich militäriſche Monarchie, wie die piemonteſiſche, ihre politiſche Ordnung oder die frühern Verwaltungsgrundſätze nicht ändern könne, ohne ſich zu ſchwächen. Allein Preußen lehrte, daß ein kleiner Staat zugleich militäriſch und gewerbreich ſein, und durch einen Fürſten, wie Friedrich II., aus einer Kaſerne die Wiege der Induſtrie und das Vaterland des Gedankens werden kann. Piemont iſt zwiſchen zwei große drobende Maſſen, Oeſtreich und Frankreich, eingekeilt, wie es Preußen zwiſchen Frankreich, Oeſtreich und Rußland war. Wie Preußen ſich durch Induſtrie und Handel verſtärkte, ſo würde ſich auch Piemont ge⸗ hoben haben, ohne im Geringſten ſeine militäriſche Stärke zu ſchwächen. Im Jahr 1784, wo Solera ſeine landwirthſchaftliche Bank erdachte, hatte Piemont wenige und ſchlechte Straßen, ſein Landbau lag darnieder, ſeine Induſtrie war auf wenige rohe Manufacturen beſchränkt; nur Landſtreicher hatte man vollauf. Statt die Quellen des öffentlichen Wohlſtandes zu beleben, erlag die Regierung unthätig unter der Laſt einer Staats⸗ ſchuld von 120 Millionen. Alles ſtockte, ſowohl aus Mangel an Erleuchtung und Energie bei der Regierung, als auch aus Mangel an Geld. Die umlaufende Geldmaſſe betrug nur 62 Millionen, mit Einſchluß von 20 Millionen Papier⸗ gelds, während die jährliche Summe der Werthe, wenn man 200 Lire auf den Kopf rechnet, 600 Millionen betragen mußte. Wie konnten denn ohne Hilfe der Regierung, und bei ſo großem Geldmangel die Canäle des Volksreichthums ſich verbeſſern, und den Umlauf durch gute Straßen, Brücken, Canaliſirung der Ströme, Austrocknung von Sümpfen erleichtern, mit Einem Wort, ein neues Leben, Wärme, und allgemeine Bewegung eingießen? Solera glaubte, die Löſung dieſes Problems gefunden zu haben. Von zwei Grundſätzen ausgehend, 1) von dem, daß der Ueberfluß an gemünzten Metallen, und auch die Zeichen, welche ſie vertreten, immer als ein mäch⸗ Blanqui, Geſchichte d. polit. Oekonomie. II. Bd. 33 — 514— tiges Mittel dienen, um die Fortſchritte der Arbeit und Induſtrie zu beſchleunigen, und daher einen Einfluß auf den Reichthum der Nationen ausüben: 2) von dem, daß die Capitale mit niederem Zinſe ein größerer Vortheil als niedere Löhne oder wohlfeile Lebensmittel ſind, ſchlug er eine land⸗ wirthſchaftliche Bank vor, durch welche ſich die Quantität des Geldes durch ein Papier von einem feſten und ſichern Credit vermehren würde, der Regierung ein Fonds für öffentliche Werke und den Grundeignern Vorſchüſſe zu dem niederen Zins von 2 Procent gelieſert würden, welche durch den Ertrag der landwirthſchaftlichen Verbeſſerungen im Verlauf von 5 oder 6 Jahren getilgt werden könnten. Das war ſein Plan. Er ſchlug vor, daß ſämmtliche Ländereien der Grundeigner in ein Kataſter mit allen Laſten, Forderungen und Hypo⸗, theken eingetragen werden ſollten. Ueber den annähernden, völlig entlaſteten Werth ſollte der Eigenthümer Scheine bloß auf den Fünfttheil des Nettopreiſes und auf nicht mehr aus⸗ geben dürfen. Ueber dieſe Summe ſollte er Directoren an jedem Orte von einiger Bedeutung ernennen, welche in Uebereinſtimmung mit den Ortsverwaltern handeln ſollten. Die Scheine ſollten die Unterſchrift der Directoren, Ver⸗ walter und des Beſitzers tragen. Sie ſollten von der Re⸗ gierung als Zahlung der Steuern angenommen werden und eine feſtgeſetzte Verfallzeit haben. Würde zu dieſer Verfall⸗ zeit der Inhaber des Scheins von dem Grundeigner nicht in Geld bezahlt, ſo ſollte er an Zahlungsſtatt ein Aequivalent in Ländereien erhalten. Der Termin der Bezahlung der Scheine ſollte 12 Jahre mit einer Eintheilung in drei Epochen ſein, einen Drittheil nach 6 Jahren, einen andern Drittheil nach 9 und den andern Drittheil in 12 Jahren. Man ſprach am Hof von dieſem Plan wie von der Auf⸗ findung des Steins der Weiſen: der König verlangte 1786 eine Abſchrift für ſich, und eine andere für die Miniſter, und war davon ſo ſehr entzückt, daß er Solera ſchon auftrug, das Einführungsedikt zu entwerfen, und er gewährte ihm eine Audienz, um einige Artikel darüber endgiltig feſtzuſetzen. Solera wur! ſtellt. Taler ſogar reine ſein Pap Go⸗ nie ſtau der alse ſetzt wedel gtünd unber deßw richt für it und euf den apitale niedere land⸗ uanität n Credit feentliche ren Zins trag der 5 oder Man. deigner bypo⸗ enden, bloß aus⸗ ten an iche in ſollten. , Ver⸗ der Re⸗ den und Verfall⸗ er nicht zuivalent ing der Epochen rittpeil Auf⸗ 1780 e, und ufttug, öm eine Solera wurde dem König in Anweſenheit des Finanzminiſters vorge⸗ ſtellt. Dieſer ergoß ſich in eine Lobpreiſung von Solera's Talenten, verwarf aber durchaus deſſen Plan, ſo daß Victor ſogar den Druck desſelben verbot. So endete dieſer von ſo reiner Vaterlandsliebe eingegebene Entwurf. Es kann wohl ſein, daß er nicht ausführbar war; denn erſtens kann ein Papiergeld, welches nicht die moraliſche Gewißheit hat, in Gold und Silber zu ſeiner Verfallzeit verwandelt zu werden, nie einen feſten Credit genießen, zweitens würde der Gegen⸗ ſtand der Ausgebung eines ſolchen Papiers häufiger der Stoff der Verſchwendung, der Launen, verkehrter Speculationen, als einer verſtändigen, gewinnbringenden Unternehmung ſein. Bis jſetzt wurden in der That ſolche landwirthſchaftliche Banken weder von Schriftſtellern gebilligt, noch von Regierungen ge⸗ gründet, ſo verführeriſch auch die Idee erſcheint, durch ſie die unbeweglichen Werthe in Umlauf zu ſetzen. Allein ſollte man deßwegen den Druck des Entwurfs verbieten? Iſt dieſes nicht vielmehr ein Beweis für die miniſterielle Scheelſucht, als für das Wiſſen und die Scharfſichtigkeit der Verwaltung, welche ſpäter ſo große Irrthümer beging? Das in franzöſiſcher Sprache geſchriebene Werkchen, in welchem dieſer Entwurf entwickelt war, und das den Titel:„Essai sur les Valeurs“ führt, von ungefähr 116 Seiten in groß Soe blieb bis 1798 begraben, wo es unter den Auſpicien der Siege Bonaparte's erſchien. Es iſt von Gedankenblitzen voll tiefer Wahrheiten durchleuchtet, und enthält eine Fülle von ſcharf⸗ ſinnigen und neuen Betrachtungen. Giambatiſta Corniani von Brescia. Nachdem in Italien eine Menge von Schriften gegen die Misbräuche des Münzweſens erſchienen war, verſuchte Cor⸗ niani einen derſelben in einer kleinen Schrift von 70 Seiten wieder aufzufriſchen, indem er zu beweiſen ſuchte, daß die 33. — 516 Erhöhung des Zahlwerthes der Münzen nicht nur nicht immer ſchädlich oder gleichgiltig, ſondern unter einigen Um⸗ ſtänden ſelbſt vortheilhaft werden kann. Er behauptet, daß die Regierungen bisweilen die Täuſchung benützen ſollen, in welche die Unterthanen rückſichtlich der Münzen verfallen. Legt doch das Volk oft einer Münze einen größern Werth, als den wirklichen bei, ohne es nur zu bemerken. So ließe ſich, ſagt der Verfaſſer, durch eine geringere Quantität Metalls eine größere Quantitat von Sachen vertreten. Auf dieſe Weiſe würden die Ausländer, da ſie wohlfeiler die Erzeug⸗ niſſe des Landes kaufen können, ihre Nachfrage ſteigern, weil die Preiſe nicht immer, oder doch nicht alsbald den Verſchlechterungen der Münzen folgen. Umgekehrt würden die Einfuhr und der Verbrauch der ausländiſchen Waaren ſich mindern, weil nominell ihr Preis ſteigen und dieſe Täuſchung den Zehrern als Zügel dienen würde. Daß nicht bloß in der Theorie, ſondern auch in der Uebung dieſe Münzver⸗ ſchlechterung nützlich ſei, wird durch das Beiſpiel vieler Regierungen der alten und neuen Zeit bewieſen, welche in ihren Verlegenheiten davon einen einträglichen Gebrauch machten. Das iſt in Kurzem die Anſicht des Verfaſſers. Allerdings haben viele Regierungen zu dieſem Nothmittel gegriffen; allein darf ein Mittel der Noth, ſchon an ſich ver⸗ werflich, zu einer Anordnung ordentlicher Zeiten und Um⸗ ſtände erhoben werden, und kann unter gebildeten Völkern die erwähnte Täuſchung fort beſtehen? Vergleichen die Wechs⸗ ler und Bankherren nicht gar zu bald den Preis der Münzen mit dem der Sachen? Wenn dann die Regierung die Münzen nicht nach ihrem alterirten Werth annimmt(wie der Ver⸗ faſſer anzunehmen ſcheint), ſo iſt die Täuſchung zerſtört, entdeckt: nimmt ſie aber dieſelbe nach dem Nennwerth an, ſo wird ſie nur Schaden, nicht aber Gewinn haben, weil ſie um ſo weniger Metall, d. h. innern Gehalt empfangen wird. Doch genug von einer Maßregel, welche zuletzt ein Betrug iſt, den Handel zerrüttet, und zur Zeit der Ent⸗ täuſchung die Beſitzer der Münzen beſchädigt. Cuſtodi hätte dieſes ſollen. Cornia lung: vl der Ge in einer und in Phyſiol Handel, haben, fönne, Der Verj Ermuntern ſind, und gebiete, v Dieſe 2 welches ſchreiben Beide Styl ge Vielt von der thaͤfigken hat dieſe Zuſamm Volles er wet Diees einig niſte Ent nicht n Um⸗ daß die —, in Legt , als ße ſic, Metalls f dieſe Erzeug⸗ teigern, id den en die ſich hung ß in aver⸗ vieler iche in ebtauch . thmittel ſich ver⸗ nd Um⸗ Völkern Wechs⸗ Münzen Münzen Ver⸗ rſtört, h an, weil fangen ett ein er Ent⸗ di hätte —-— 517— dieſes Schriftchen nicht in ſeine Sammlung aufnehmen ſollen. Corniani ſchrieb auch noch eine 50 Seiten ſtarke Abhand⸗ lung:„Della legislazione relativamente all' agricoltura“(Von der Geſetzgebung über den Landbau), die er 1777 in einer Sitzung der agrariſchen Akademie in Brescia vorlas; und in welcher er ſich als einen Anhänger der Schule der Phyſiokraten darſtellt. Er erhebt den Landbau über den Handel, und wiederholt die Gründe Jener, welche geglaubt haben, daß der Handel in einem Staat nicht lange beſteben könne, wenn gleichzeitig mit ihm nicht der Landbau blüht. Der Verfaſſer bedenkt nicht, daß die größte und natürlichſte Ermunterung des Landbaus die Induſtrie und der Handel ſind, und daß ohne dieſe beiden Reizmittel wenige Staats⸗ gebiete, vielleicht gar keines, blühen könne. Dieſe Denkſchrift iſt nur die Einleitung zu einem Werke⸗ welches der Verfaſſer in mehren einzelnen Abhandlungen ſchreiben wollte. Beide Denkfchriften ſind in einem gedrungenen, eleganten Styl geſchrieben. Lodovico Ricci aus Modena. Viele Schriftſteller über Volkswirthſchaft haben, wenn ſie von der Bevölkerung ſprachen, vor Ricci die öffentlichen Wohl⸗ thätigkeitsanſtalten aber nur leichthin erwähnt: allein erſt Ricci hat dieſen Theil der Staatsverwaltung, welcher einen ſo engen Zuſammenhang mit der Moral und dem Wohlſtand eines Volkes hat, tief behandelt. Im Jahr 1742 geboren, bekleidete er mehre bürgerliche Aemter, 1797 wurde er zu einem der Directoren der cispadaniſchen Republik und nach deren Ver⸗ einigung mit der cisalpiniſchen in demſelben Jahr zum Mi⸗ niſter der Finanzen ernannt. Er nahm aber bald darauf ſeine Entlaſſung, und ſtarb 1799. Gelehrt, bewandert in den — 518— Studien und Geſchäften, gemäßigt in ſeinen Anſichten, war er ein nützlicher Bürger für ſein Vaterland mit der That und mit der Feder. Sein 1787 erſchienenes Werk: Riforma degl istituti pii della città di Modena(Reform der milden Stiftungen der Stadt Modena) ſchrieb er als Mitglied und Berichter⸗ ſtatter des Ausſchuſſes, welchen der Herzog Herkules III. zur Umgeſtaltung der milden Stiftungen Modena's niedergeſetzt hatte. V Ricei erforſchte den Urſprung, die Fortbildung, die Wirkungen einer jeden milden Stiftung, und indem er die Gebrechen und Bedürfniſſe der verſchiedenen Claſſen von Armen unterſuchte, bewies er, daß man die Mildthätigkeit nicht wieder ordnen könnte, ohne zuvörderſt die Trägheit ab⸗ zuſchütteln, und daß mildthätige Anſtalten unwirkſam ſind, wenn man nicht die Sitten fördert, und nicht den ſittlichen Charakter des niedern Volks kräftigt. Er beſaß die Kunſt, einen örtlichen Gegenſtand nach allgemeinen Grundſätzen zu behandeln, und aus einem amtlichen Bericht einen Coder der Verwaltung von einem allgemeinen Nutzen im praktiſchen Leben zu geſtalten. Die Hauptideen dieſes durch die Neuheit und Gediegenheit der Beobachtungen, und durch eine ſeltene Gedrungenheit aus⸗ gezeichneten Werkes ſind folgende: Der Urſprung der milden Stiftungen iſt nach dem Verfaſſer zuvörderſt in dem Mitleid der Menſchen, ſodann in den mo⸗ raliſchen und religiöſen Gefühlen zu ſuchen. Die erſte Ur⸗ ſache iſt ein Naturtrieb, welcher aus der Luſt entſteht die der Menſch empfindet, von ſich einen ſchmerzlichen Gedanken abzuwehren, wie der des Anblicks eines Unglücklichen iſt, oder aus der verborgenen Liebe unſerer ſelbſt. Die zweite Urſache iſt künſtlich und mehr oder weniger je nach den Umſtänden Anſichten, dem Aberglauben wirkſam. Das Mitleid hat eine von dem Egpismus geſetzte Schranke allein die ſittlichen und religiöſen Gefühle haben meſſtens keine. Daher ſind beſonders aus dieſer zweiten Urſache die überall beſtehenden zahlloſen und reichen milden Stiftungen entſtan hervor Privat In de keit, Aberg den zurott einen Alle die F toch fe Von Nachwen Mildtho bebarrte daß die von d menſch Schen ſeien. hhäͤtig durch Vern Erbſ ihr mont und! ſchafte Die Arme Deiſ Lar lar ul „ war at und i della n der richter⸗ III. zur ergeſetzt 3, dit er die von cigfeit ab⸗ wenn fakter lichen d aus g von eſalten. egenheit eit aus⸗ erfaſſer en mo⸗ ſte Ur⸗ t, die danken oder rſache inden, hranke, geiſtens ꝛche die fftungen — 519— entſtanden. So gab es eine Menge durch die Gläubigkeit hervorgerufener milden Stiftungen, und dieſe Schenkungen der Privaten zeigten ſich ſo häufig bis zum Schluß des 14. Jahrhundert. In der Folge glaubten die Fürſten, einige aus wahrer Frömmig⸗ keit, andere aus einem politiſchen Irrthum, und viele aus Aberglauben und mit dem Wunſch, die Volksgunſt zu erwerben, den Bettel durch die Vermehrung der milden Stiftungen aus⸗ zurotten, und zu dieſem Zwecke verwandten viele von ihnen einen Theil des Staatsvermögens zu ſolchen Unternehmungen. Alle fürſtlichen Feſte brachten ihre Gaben den Armen, und die Fürſten bedienten ſie in eigener Perſon, was hie und da noch jetzt geſchieht. Von dieſer geſchichtlichen Betrachtung geht Ricei zu der Nachweiſung über, daß der Bettel mehr im Verhältniß zur Mildthätigkeit, als zum Elend iſt. Privaten und Regierungen beharrten und beharren noch jetzt in dem Irrthum, zu glauben, daß die Schenkungen eine Abhilfe gegen den Bettel ſeien, ſtatt von der Erfahrung zu lernen, daß die Armuth von den menſchlichen Geſellſchaften untrennbar ſei, und daß die Schenkungen die Urſachen der beſtändigen Haufen der Bettler ſeien. Keine Regierung beſchränkte die unüberlegte Mild⸗ thätigkeit, als die öſtreichiſche im verfloſſenen Jahrhundert durch die pragmatiſche Sanction, nach welcher die nächſten Verwandten des Verſtorbenen ſich beſchweren konnten, der Erbſchaft beraubt worden zu ſein, und verlangen durften, in ihr natürliches Recht wieder eingeſetzt zu werden. Die pie⸗ monteſiſche Regierung beſchränkte auch, obgleich mit zweideutigen und vorſichtigen Worten, das Erbrecht der geiſtlichen Körper⸗ ſchaften. Die Almoſen und Schenkungen vermehren vielmehr die Zahl der Armen, ſtatt ſie zu mindern. Dieſe ſind im Verhältniß zu den Beiſteuern, und nicht zu den Drangſalen oder der Armuth des Landes: die Geſchichte bezeugt dieſes. Man ſehe nur Eng⸗ land mit ſeiner Armenſteuer. Hierauf unterſucht Ricci nach einander die milden Stift⸗ ungen ſeines Vaterlandes, und findet, daß keine derſelben — 520— alles das Gute brachte, welches ihre Stifter davon erwartet hatten, und welches den geſpendeten Summen entſprach. Seine Bemerkungen ſind folgende: 1) Er misbilligt, daß die milden Stiftungen auf Koſten der Regierung verwaltet werden, da dieſe Verwaltung viel theurer iſt, und einen Vierttheil der Fonds beträgt. Die Unordnungen und Unterſchlagungen ſind hier zudem viel ſchwerer zu unterdrücken. 2) Die Werkhäuſer oder Armenhäuſer, wo man die Bettler in einigen Induſtriezweigen arbeiten läßt, ſind ſchwierig, koſtſpielig zu verwalten, bisweilen auch der Induſtrie des Landes ſchädlich. Wenn ein zu hoher Preis für die Erzeugniſſe der dort getriebenen Gewerke geſetzt wird, ſo findet ſich kein Pachter, und iſt der Preis zu nieder und geringer, als der gewöhnliche, ſo ſchadet er durch ſeine Mit⸗ werbung den außerhalb des Landes bearbeiteten Artikeln. 3) Die Vertheilung der Arzneien iſt hier koſtſpielig, unterliegt der Unordnung, der Betrügerei, und erzeugt unendlich viele Beſchwerden.— 4) Die Findelhäuſer hegen das Laſter und die Unmenſchlich⸗ keit der Eltern. Alljährlich wächst ihre Zahl, ſie füllen ſich mit ehlichen Kindern, wenige dieſer Unglücklichen kommen davon, von 100 gelangen nur 10 oder 12 in das Jugendalter. 5) Eben ſo entſprechen die Gebärhäuſer nicht dem menſchen⸗ freundlichen Zweck ihrer Gründung: a) weil ſie weder das Aergerniß, noch die Frechheit ver⸗ hüten, b) weil ſie das Leben der Kinder nicht ſchonen, da der größte Theil der Geborenen an Krankheiten oder durch Hunger und Noth ſtirbt, in Modena nach einem zehn⸗ jährigen Durchſchnitt 100 von 110 Aufgeſäugten: c) weil ſie nicht, wie man glaubt, als eine Pflanzſchule von Ammen dienen können, da die Zahl der Säug⸗ linge gar zu hoch die Zahl der Ammen überſteigt. den va amtliche Die 2 dürfen werden. ſondern! Mittel de Das Anſtalten teit übe Dieſe ſparſan — *) Se wich für waiſenhe auf Koſt ung, kei Aufnahn beitragen zeichnung einigt du der Reic Riſchiede Rrſawd milde geſund was ſolchen wartet Seine Koſten altung .. Die im viel 6) Die großen Spitäler ſind im Verhältniß zu ihren Koſten nicht nützlich. In dieſen iſt die Sterblichkeit doppelt ſo groß, als in den kleinen, die Auslagen ſind übermäßig, die Aufnahmen zu leicht. Die Spitäler ſollten klein ſein, und in Pacht gegeben werden. Nach zehnjährigem Durch⸗ ſchnitt der Sterblichkeitstabellen ſtarb im Bürgerſpital zu Modena von 6 Kranken Einer, während außerhalb desſelben auf 12 nur 1 ſtarb. Der Verfaſſer machte dieſe Bemerkungen nach der Geſchichte, den vaterländiſchen Jahrbüchern, Verzeichniſſen und andern amtlichen Urkunden. Die Mildthätigkeit, das Mitleid erzeugen bisweilen Uebles, dürfen deswegen aber nicht aus der Geſellſchaft verbannt werden. Die milden Stiftungen dürfen nicht aufgehoben, ſondern nur reformirt werden. Welches ſind nun aber die Mittel der Abhilfe? Das erſte iſt, daß die Regierung gar kein Geld auf dieſe Anſtalten verwende, ſondern die Armen der Privatwohlthätig⸗ keit überlaſſe. Dieſe hat eine Grenze und iſt bei dem Ausgeben des Geldes ſparſamer und wachſamer*). *) So iſt es in England, außer in dem herrlichen Spital von Green⸗ wich für die gebrechlichen Matroſen der königlichen Marine, und in dem Militär⸗ waiſenhaus von Chelſea. Alle Aſyle, Armenhäuſer und Spitäler werden hier auf Koſten von Privaten unterhalten: daher zeigt ſich hier keine Verſchwend⸗ ung, keine Ueberbezahlung der Beamten, keine übertriebene Leichtigkeit der Aufnahme. Bloß die Unterzeichner(welche 1 oder 2 Guineen jährlich beitragen) haben das Recht zur Aufnahme. Dieſe Sitte jährlicher Unter⸗ zeichnungen bewahrt bei den Privaten die Uebung der Wohlthätigkeit, und einigt durch Bande der Humanität und Dankbarkeit die beiden Claſſen der Reichen und Armen, welche das ſchreckliche Recht des Eigenthums geſchieden und feindlich geſtimmt hat. Dieſe Sitte verhütet auch die übel⸗ verſtandeneFrömmigkeit der Erblaſſer, welche oft auf Koſten ihrer Verwandten milde Stiftungen begünſtigen. Die Spitäler ſind klein, ſonach reinlicher, geſunder, von anſteckenden Krankheiten mehr verſchont, viele verpachtet, was bei ihrer Kleinheit ohne Schaden geſchehen kann. Zwiſchen einem ſolchen engliſchen Spital und einem Privathaus iſt ein kleiner Unterſchied -— 522— Das zweite Mittel, welches er vorſchlägt, iſt die Bettler und Landſtreicher zu Arbeiten zu verwenden, ſo groß auch die Uebelſtände der angegebenen Werkhäuſer ſein können, und die in den Häuſern der milden Stiftungen geborenen oder auf⸗ genommenen Jünglinge in den ihrem Stand entſprechenden Berufen erziehen zu laſſen. Endlich räth er als wirkſames und allgemeines Hil fsmittel gegen die Armuth ſtarker, arbeitsfähiger Menſchen an, den Handel zu ermuntern, die armen Claſſen zu beſchäftigen, und dadurch den Charakter des gemeinen Volks zu verbeſſern. Die von Ricci aufgeſtellten Grundſätzen gleichen ſehr jenen, welche Malthus 11 Jahre ſpäter, 1798 verkündete. Ricei zeigte, daß die öffentliche Mildthätigkeit, welche den Bettel ausrotten ſoll, wenn ſie nicht auf Fälle phyſiſcher Un⸗ fähigkeit beſchränkt iſt, ihn nur vermehrt. Malthus ſuchte zu beweiſen, daß die künſtlichen Ermunterungen, die Bevölkerung zu vermehren, ſie nur mindern. Ricci bewies, daß die un⸗ beſchränkte Wohlthätigkeit eine für die ganze Staatsgeſellſchaft verderbliche Verſchwendung iſt, weil ſie eine Quantität von Unterhaltungsmitteln verbraucht, um eine gegebene Zahl von Müſſiggängern und Landſtreichern zu ernähren, welche genügen würde, eine doppelte, und bisweilen dreifache Zahl thätiger und gütererzeugender Menſchen zu unterhalten; Malthus be⸗ weist: daß die Geſellſchaft mit unzeitigen Reizmitteln eine ephemere Bevölkerung erzeuge, welche nach einigen Jahren ſtirbt und verſchwindet, nachdem ſie einen Theil des Ver⸗ mögens fruchtlos verzehrt hat. Malthus zeigte, daß die Ar⸗ Die Kranken wohnen zu 4, 2, allein in verſchiedenen Zimmern. Rein⸗ lichkeit, Auslüftung, Ruhe benehmen dieſen Räumen jedes mißfällige und erniedrigende Ausſehen. Zumal zeichnet ſich das Spital von Derbv aus. Auch in England hatte früher die Frömmigkeit viele dieſer milden Stiftungen gegründet: allein gegenwärtig ſind die Vermächtniſſe für ſie ſelten; die durch alte Schenkungen gegebenen Einkünfte reichen nicht mehr aus; man ergänzt ſie großentheils durch die beſagten jährlichen Unterzeich⸗ nungen. menſteu Grenze lichen geben! ſtützun dena; verdor tauſer ſittlich Erſter natürl nußloſe iſt der Geſellſch ſtützunge mindern Man armer Malth als Pr allein dort Geſel leben, gänze welche Ehe, Zahl ſätzen der D derung die w den Ma Me für Bettler uch die und die er auf⸗ ꝛchenden lfsmittel an, den en, und rn. jene, he den r Un⸗ zte zu eerung ee un⸗ lſchaft r ven zahl von genügen thäͤtiger thus be⸗ heln eine Jahren des Ver⸗ die Ar⸗ 7. Rein⸗ illige und erbv aus. et milden iſſe füt ſe nicht mehr Unterzeih⸗ -— 523— menſteuer in England die Bevölkerung über ihre natürlichen Grenzen hinausgetrieben, und einer armen, und inihrem ſitt⸗ lichen Charakter herabgewürdigten Bevölkerung das Daſein ge⸗ geben hat: Ricci bewies, daß die übermäßige Fülle der Unter⸗ ſtützungsmittel, weit entfernt, die Bevölkerung der Stadt Mo⸗ dena zu vermehren, ſie gemindert, die mercantiliſche Anlage verdorben, eine Schaar von ſieben tauſend Armen, unter 40 tauſend Einwohnern erzeugt, die Handwerker träg gemacht, und den ſittlichen?Charakter des gemeinen Volkes verſchlechtert hat. Der Erſtere behauptete, daß die Abſicht, die Bevölkerung über die natürliche Grenze der Unterhaltsmittel hinauszutreiben, ein nutzloſer Widerſtand gegen ein Naturgeſetz ſei. Der Zweite iſt der Meinung, daß die Armuth ein von der menſchlichen Geſellſchaft untrennbares Uebel ſei, und daß nicht die Unter⸗ ſtützungsmittel, ſondern nur die Mäſſigkeit und Arbeit ſie mindern oder ausrotten. Man braucht nur Ricci's Stelle über die Ausſtattungen armer Bräute zu leſen, um ſeine Uebereinſtimmung mit Malthus zu bemerken. Nach ihm können ſolche Ausſtattungen als Prämien allerdings einige Unvorſichtigen in die Ehe treiben: allein deßwegen vermehre ſich die Bevölkerung noch nicht, welche nur dort gedeihe, wo Mäſſigkeit und Arbeit ſich mehren: in einer Geſellſchaft können von der Zahl der Verehlichten nicht mehr leben, als genügen, um die gewöhnliche Sterblichkeit zu er⸗ gänzen: der Kindernachwuchs aus einer ſolchen Prämienehe, welcher an dem Unterhalt Theil nehme, hemme eine andere Ehe, oder hindere auf mehre Arten die Fruchtbarkeit; die Zahl der menſchlichen Gattung gehorche nur den Grund⸗ ſätzen und den Mitteln des Lebensunterhalts und der Mäſſigkeit. Alle jene, welche glauben, daß die Min⸗ derung der Eheloſen eine Urſache der Bevölkerung ſei, nehmen die materielle Urſache für die formelle. Die Bevölkerung ſei ſtets nur die Wirkung der Arbeit und Müſſigkeit geweſen. Man ſolle die Arbeitſamen und Mäſſigen vervielfältigen, um die Menſchen zu vermehren. Die Natur habe ſo große Reize für die Fortpflanzung der Gattung gegeben, daß der Menſch - 524— nicht noch der Unterſtützung bedürfe, um in den Eheſtand zu treten, und es genüge ſchon, daß die Geſetze dieſen ſchützen. So ſind alſo die Lehren, welche Malthus verkündete, ſchon früher von einem hochgeachteten, ſanften und rein geſitteten italiäniſchen Magiſtrat aufgeſtellt worden, ohne eine Rüge zu erdulden, wie ſie Malthus fand. Riccei ward von ſeiner Re⸗ gierung immer höher geachtet, und ſein Plan über die Reform der milden Stiftungen ſeines Vaterlandes wurde genehmigt. Malthus dagegen wurde verfolgt und angeklagt: 1) daß er im menſchlichen Herzen den Wohlthätigkeitstrieb tilge, 2) da er den Quietismus und die Gleichgiltigkeit fördere und lehre, ſtatt alle Verbeſſerungen der Menſchheit zu rathen, 3) daß er das Daſein der Armen verzweifelt mache, da er ihnen die Hoffnung auf die Unterſtützung entziehe, 4) daß er die Sorgloſigkeit tyranniſcher Regierungen und die Hinopferung der Menſchen im Krieg rechtfertige. Allein Malthus hat ein Naturgeſetz entdeckt, und wenn es traurig iſt, trägt nicht er die Schuld, der nur die Natur treu gezeichnet hat. Zudem zeigt ſich die Lehre von Malthus in ſehr vielen Fällen ſegenreich, weil ſie den Geſetzgeber hemmt, die Bevölkerung zu hoch zu treiben. So erſcheint die Armenſteuer, welche vor Malthus nur als eine Laſt für den Steuerpflichtigen betrachtet ward, jetzt als der unvorſichtigſte Sporn für die Mehrung der Proletarier die, ohne Mittel, ihre Kinder zu nähren, zu erziehen, ohne Moral, ohne Sitten ſind. Giuſ eppe Palmieri 8 von Neapel. Von 1750 bis 1789 waren einige wenige heilſame Reformen im Königreich Neapel durchgeführt worden; allein noch unend⸗ lich mehre ſollten eintreten. Im Jahr 1790 hatte das König⸗ reich keine Manufacturen, keine Binnenſtraßen; es beſtanden dagegen überall Steuerfreiheiten für die Adeligen, Feudalrechte, Unglel Provit unter und de kauft, König und, nes Ung vulca formel Königt unterſti Grundz) mieri, ſuchen. 6.„ diente wrück, den S faßte Anerk wurde der † glied Finan In ſchluß Vater dem. preſſu Iangs dacc Me G äh and zu gen. ſchon ſitteten uge zu dr Re⸗ Reſorm nehmigt. eitstrieb ördere athen, da er und . ean es ur weu thus in hemmt, eint die für den ſichigſt el, ihre en ſind. eformen · unerd⸗ 5 Kötig beſtanden udalrechte, — 525— Ungleichheit der Auflagen, Sperren zwiſchen Provinz und Provinz. Zuweilen war die Verſchiedenheit des Getreidepreiſes unter den Provinzen größer, als der zwiſchen dem Königreich und den entfernteſten Gegenden; die Finanzämter wurden ver⸗ kauft, einige Zweige des Staatseinkommens veräußert. Das Königreich wimmelte von Banditen, Faullenzern, Landſtreichern, und, um einen glücklichen Ausdruck Palmieri's zu brauchen, „es ſtach die glückliche Lage des Landes gegen das Unglück der Bewohner ab.“ Filangieri hatte mit ſeiner vuleaniſchen Beredtſamkeit die großen, tiefeinſchneidenden Re⸗ formen verkündigt, welche unerläßlich für die Verjüngung des Königreiches waren; allein er ward mehr bewundert, als unterſtützt. Gleichwohl befeuerte die Beharrlichkeit, dieſer Grundzug der Italiäner, einen andern Neapolitaner, Pal⸗ mieri, theilweiſe einige Reformen zu rathen und zu ver⸗ ſuchen. G. Palmieri wurde 1721 in der Provinz Leece geboren. Er diente zuerſt im Heere, zog ſich aber ſpäter auf ſeine Güter zurück, wo er 21 Jahre hindurch ſich ganz dem Landbau und den Studien der Philoſophie und Politik widmete. Hier ver⸗ faßte er 1761 ſein Werk über die Kriegskunſt, welches die Anerkennung Friedrichs des Großen erwarb. Im Jahr 1783 wurde er zum Generaladminiſtrator der königlichen Finanzen der Provinz Lecce ernannt. Im Jahr 1787 wurde er Mit⸗ glied des oberſten Finanzraths, 1791 Director der königlichen Finanzen. Er ſtarb 1794. In ſeinen Aemtern faßte dieſer eifrige Magiſtrat den Ent⸗ ſchluß, einige Reformen unter ſo vielen Misbräuchen ſeines Vaterlandes einzuführen. Er befreite die Landſtraßen von dem Hinderniß der Wegegelder, Geleitegebühren und Er⸗ preſſungen; er hob einige Monopole auf; ſchaffte den Aus⸗ gangszoll für den Safran ab; reformirte den Zolltarif, gab durch die Auflagen dem Handel ein neues Leben, eine neue Richtung. Er entwarf einige gute Verordnungen über den Getreidehandel. Er ſchlug ſpyäter ein Kataſter der Ländereien, ähnlich dem der Lombardei, vor, um die Grundſteuer auszu⸗ — 526— gleichen; er rieth, mit einer Geldentſchädigung die Regalien wieder einzulöſen, welche die früheren Regierungen an die Adeligen verkauft hatten, den Reſt der noch beſtehenden Rechte der Barone auf⸗ zuheben, ſo wie ihre verderbliche Befugniß, die Richter auf den Adelsgütern zu ernennen. Gleichwohl war weder die Regierung noch das Volk vor⸗ bereitet, ſolche Reformen zu empfangen, ſo milde und gemäßigt ſie auch waren: Palmieri erkannte dieſen Widerſtand der Pri⸗ vatſelbſtſucht, und hielt es für widerſinnig, die allgemeine Zuſtimmung abzuwarten, ehe er ſie unternahm: das öffentliche Intereſſe ſollte nach ſeiner Anſicht dem der Privaten vorgehen. Wie ſein Zeitgenoſſe Necker in ſeinem Werk Sur l'Administration die Apologie ſeiner Verwaltung gab, ſo wollte, wie es ſcheint, auch Palmieri durch ſeine Schriften nicht ſo ſehr ein volks⸗ wirthſchaftliches Syſtem liefern, als vielmehr den Weg für ſeine Verbeſſerungen bahnen*). Wie er ſtrebte, die Misbräuche mehr zu mäſſigen, als bis auf die Wurzel auszurotten, ſo erkennt er, wenn er vom Adel ſpricht, denſelben als für das Weſen der Monarchie paſſend und nothwendig an; allein deſſen Vorurtheil gegen den Handel oder eine anſtändige Beſchäftigung der Perſon hält er für verderblich. Ebenſo erachtet er, wenn er von den indirecten Abgaben ſpricht, ſie als nützlich und nothwendig für die Vertheilung der allgemeinen Laſt der Auflagen, zugleich nennt er aber das in Neapel noch beſtehende Kopfgeld eine monſtruöſe und das Salzgeld eine grauſame Abgabe, welche den Verbrauch eines Stoffs hindert oder beſchränkt, welchen die Natur in ſolcher Fülle bietet, und welcher für die Geſundheit ſo wie für den Landbau ſo nothwendig iſt. — Der Band J. enthält die Riffessioni sulla pubblica felieitaà(Be⸗ trachtungen über den öffentlichen Wohlſtand), der II. Band die Osservazioni sulle tariffe con applicazione al regno di Napoli (Bemerkungen über die Tarife mit Anwendung auf das Königreich Neapel) und das Buch Della ricchezza nazionale. ₰ Eben unbedin mäß. Äſſatz, viel ve Allein wer de Gleich. freihei auf der ſolle men, 1 dern Uc Es gil icht beri ſie durch verborgen für ihre der Diel Man tiſchen ein Ge aber d vor de neues unter geſchüc Ur ſd vol ert wieder erkauft auf⸗ er auf f vor⸗ mäßigt el Pri⸗ gemeine entliche gehen. ration heint, olks⸗ für 3 bis vom archie gegen Perſon bgaben heilung eer das nd das eines ſolcher r den (Be⸗ „Band Napoli af das ale. 527— Eben ſo mäſſig ſpricht er von dem Handel. Er ſagt: die unbedingte Freiheit wäre dem Naturrecht und Völkerrecht ge⸗ mäß. Die volle Freiheit in Kauf und Verkauf erleichtert den Abſatz, und dadurch die Wiedererzeugung der Waaren. Wer viel verkaufen will, muß ſorgen, daß Viele kaufen können. Allein Keiner kann kaufen, wenn er nicht vorher verkauft hat; wer daher allein verkaufen will, verlangt etwas Unmögliches. Gleichwohl folgert er: daß man, da dieſe unbedingte Handels⸗ freiheit von den andern Nationen nicht angenommen werde, ſich auf dem Weg der Repreſſalie von ihr entfernen müſſe. Gleichwohl ſolle man aus Nothwehr das Prohibitivſyſtem nicht anneh⸗ men, weil es eine Waffe ſei, die ihren Führer treffe, ſon⸗ dern bloß das Reſtrictivſyſtem. Es gibt keinen Zweig der Verwaltung, welchen Palmieri nicht berührt; er vergißt ſelbſt die Banditen nicht: er räth, ſie durch einen Krieg auf Leben und Tod zu vertilgen: die verborgenen Diebe beſeitige man aber am beſten, wenn man für ihre Diebſtähle die Gemeinden verantwortlich mache, wo der Diebſtahl verübt worden ſei. Man begegnet in Palmieri's Werk nicht den großen poli⸗ tiſchen Anſichten Genoveſi's oder Filangieri's; Palmieri war ein Geſchäftsmann, gewillt, viele Misbräuche zu beſſern, nicht aber den alten Bau ganz abzutragen. Filangieri ſchrieb ferner vor der franzöſiſchen Revolution, konnte daher Europa ein neues politiſches Daſein verkünden: Palmieri dagegen ſchrieb unter den Schrecken dieſer Umwälzung, konnte ſonach, ein⸗ geſchüchtert, nur ungefährliche Reformen andeuten. Graf Mengotti von Feltre. Unter den Schriftſtellern über die Volkswirthſchaft erhoben ſich im verfloſſenen Jahrhundert zwei Schulen, einander völlig entgegengeſetzt, beide in ihren Anſichten ſchroff und ertrem, die Oekonomiſten mit dem Ovidiſchen Spruch: — 528— Cereris sunt omnia munus, ſodann die Mercantiliſten, welche nur Mannfacturen und Handel wollten. Jede von ihnen ſprach für ſich ausſchließlich die Sorgen, Rückſichten, Aus⸗ zeichnungen und Gunſt der Regierungen an. Dieſe beiden Schulen bekämpften ſich fortan, bis erwieſen worden war, daß der Gegenſtand der Wirthſchaftsgeſetzgebung die Quantität der Gütererzeugung iſt. Dieſes neutrale Princip dämpfte die Hitze des Streits, wenn es ihm auch nicht gelang, ihn ganz zu tilgen. Der Kanon war zu augenfällig; alle Geſetze, Maßnahmen, welche die Gütererzeugung zu heben ſuchen, ſind gut, alle, welche ſie zu ſchmälern ſtreben, ſind ſchädlich. Während der Streit noch glühte, gab die königliche ökono⸗ miſche Geſellſchaft zu Florenz 1791 die Preisfrage: „Ob in einem Staat, welcher der Bevölkerung und Er⸗ zeugungen von Producten ſeines Bodens fähig iſt, es ein vor⸗ theilhafteres und ſichereres Mittel ſei, um die obengenannten Zwecke zu erreichen, die Geſetzgebung dahin zu leiten, daß ſie die Manufacturen durch irgend eine Beſchränkung des Handels mit Rohſtoffen begünſtige, oder aber die beſagten Bodenerzeug⸗ niſſe in der ganzen und vollen Freiheit des natürlichen Handels zu belaſſen.“ 3 Dieſe Frage beantwortete Mengotti in der Denkſchrift, der er den Titel il Colbertismo gab. Hier ſucht er zu zeigen, daß das Syſtem, den Gewerken den Landbau zu opfern, in ſeinen Grundſätzen widerſinnig ſei, daß es dem Wachsthum der wahren Reichthümer der Staaten widerſtrebe, den Gewerken ſelbſt ſchade, und die Haupturſache ihres Verfalles ſei; um nun den wahren Charakter dieſes be⸗ rühmten Syſtems zu entdecken, geht er auf den erſten Urſprung der Sitten, Anſichten und Vorurtheile zurück, welche es erzeugt haben. Allein Mengotti ſchrieb nicht als ſchroffer Phyſiokrate gegen den Colbertismus, ſondern er verfuhr, wie ein erfahrener Schiedsrichter, welcher, in der Abſicht, zwei feindliche Parteien zu verſöhnen, damit beginnt, der heftigſten und mächtigſten Anrecht Völker, der Sch Eyſtem. zeigt ſol maßen veraine rechte Verträ gerechte ſett, d mit bill nict ſch ſcenkt, keüſch mi ſelſſcaft ſandes rechtmäͤſ Dafü unterw ſeiner „W. wird, des L geben häſſige Gere ſo dar dem ſ immer Nrdeſ den, dat mo welche ihnen „Aus⸗ wwieſen zgebung Princip gelang, g; alle heben n, ſind ökono⸗ )Er⸗ Nvor⸗ annten daß ſie Handels nerxug⸗ Handels eift, der erken den mig ſei, Staaten turſache eſes be⸗ ſprung erzeugt e gegen fahrener Parteien ächtigſten — 529— Unrecht zu geben. Er rügt daher den auf den Reichstagen der Völker, in den Räthen der Könige und auf den Lehrſtühlen der Schulen ſiegreichen Colbertismus als ein höchſt einſeitiges Syſtem. Wie unparteiiſch Mengotti eine Vermittlung anſtrebt, zeigt folgendes Lob der freien Mitwerbung, welches gewiſſer⸗ maßen das der Freiheit des Handels iſt.„Sie iſt die ſou⸗ veraine Schiedsrichterin der Preiſe, die rechtmäßige und ge⸗ rechte Reglerin, welche mit Gerechtigkeit und Mäßigung die Verträge aller Claſſen der Geſellſchaft beherrſcht, welche eine gerechte Grenze den übertriebenen Anforderungen eines Jeden ſetzt, die Trägheit und den Geiz zügelt, und ſie zwingt, ſich mit billigen und ehrlichen Gewinnſten zu begnügen, welche nicht ſchützt, nicht unterdrückt, nicht liebt, nicht haßt, nicht ſchenkt, nicht beraubt, ſondern immer gerecht, immer unpar⸗ teiiſch mit dem gleichen Blick auf ſämmtliche Claſſen der Ge⸗ ſellſchaft ſchaut, und bei der Summe des allgemeinen Wohl⸗ ſtandes Jeden bloß jenen Theil genießen läßt, welcher ihm rechtmäßig gebührt.* Dafür, daß er die Gewerke dem Landbau nicht ſklaviſch unterwerfen will, zeigen ſolgende wenige Sätze am Schluß ſeiner Denkſchrift: „Wenn ein erleuchteter Fürſt allmälig die Feſſeln löſen wird, welche den Landbau knebeln; wenn er allen Erzeugniſſen des Bodens die möglich größte Ermunterung und Freiheit geben wird; wenn nach der ſtufenweiſen Beſeitigung der ge⸗ häſſigen Bevorzugungen des Colbertismus er mit gleicher Gerechtigkeit die Ur⸗ und Gewerknarbeit beſchützen wird, ſo darf er ſicher ſein, daß ſeine Unterthanen, getrieben von dem ſcharfen Sporn der Mitwerbung, und beſeelt von dem immer glühenden und gewaltigen Trieb, ihren Zuſtand zu verbeſſern, ſich mit nützlichem Eifer der Arbeit hingeben wer⸗ den, und da es ihnen freiſteht, ihre Anſtrengungen auf die nützlichſte Verwendung zu lenken, Jeder von ſeinem Fleiß den möglich größten Gewinn ziehen wird.“ Dieſe Denkſchrift wurde von der Geſellſchaft der Georgoflli Blanqui, Geſchichte d. polit. Oekonomie. I1 Bd. 34 gekrönt, und mit Recht. Außer den tiefen Ideen, welche ſie enthält, hat ſie einen bezaubernden Styl. Auch durch ſeine Denkſchrift Sut commereio de’ Romani (Ueber den Handel der Römer), welche 1787 von der Académie des Inscriptions et Belles-Lettres in Paris gekrönt wurde, nimmt Mengotti eine ausgezeichnete Stelle unter den Gelehrten ein. Er ſchrieb ſie auf die von dieſer 2 leademie gegebene Preisfrage: welches war der Handel der Römer, welche die größte und furchtbarſte Morarchie der Welt gründeten? In dieſer Abhandlung zeigte er gegen Huet und in Ueber⸗ einſtimmung mit Raynal, daß von der Gründung Rom's bis zum erſten puniſchen Krieg die Römer, arm und kriegeriſch, für den Handel weder Anlage, noch Sorgfalt, noch Kenntniß darin hatten: von dieſem Krieg an bis zur Schlacht von Aetium verſchmähten die Römer, groß und mächtig, aus Stolz den Handel, und ſannen nur darauf, ſich mit den Spolien aller Nationen zu bereichern. Von da bis Conſtantin ſanken die Römer, ſklaviſch und wohllüſtig, durch einen paſſiven, zerrüt⸗ tenden Handel von Neuem in Armuth und Barbarei. Melchiorre Delſico 8 aus den Abruzzen. Neben der Schaar der Anhänger des Sperrſyſtems zeichnen ſich nur wenige Kämpfer für die Freiheit des Handels aus, Turgot, Smith, Ortes u. A. Unter den Italiänern, welche ſich kühner gegen das Anſehen der Schriftſteller und die Uebung der Regierungen erhoben, iſt Delfico zu erwähnen. Er huldigte der un⸗ bedingten Handelsfreiheit aus reiner Liebe zur Freiheit, von welcher begeiſtert, er Bürger der kleinen Republik von San Marino wurde. In einer Denkſchrift über die Freiheit des Handels, welche er auf eine Preisfrage der Academie von Padua verfaßte, unternahm er es, nicht bloß die Freiheit, ſondern die unbe⸗ dingte, allgemeine und ſtändige Freiheit des Handels zu ver⸗ theidigen. Er beſchränkte ſich nicht, wie A. Smith darauf, zu 3 Natie weil und dern den dem tion ſcha Be der Gef des Grun 5. B. haupt jede velche ſie KRomani von der s geirönt unter den Academie ne, welche deten? in Ueber⸗ kom's bis iegeriſch, denntniß Aetium olz den en aller ien die xrrrüt⸗ zeichnen els aus, che ſich ung der der un⸗ velcher vurde. welche erfaßte, e unde⸗ zu ver⸗ ˖ darauff - 531— zu zeigen, daß die Freiheit des Handels von Nation zur Nation auf dem Erdenrund allen Nationen zu gut komme, weil ſie die Bedürfniſſe einer jeden am wohlfeilſten befriedige, und zugleich die möglich größte Gütererzeugung fördere; ſon⸗ dern er ſtieg noch höher empor, und behandelte die Aufgabe nach den Beziehungen des Naturrechts und der Gerechtigkeit. Nach dem Geſichtspunkt des Naturrechts behauptet er, daß die Na⸗ tionen die Beſtimmung haben, in Freundſchaft und Brüder⸗ ſchaft zu leben. Daher widerſtrebe jedes Band, welches die Beziehungen einer einzigen Familie mindere, dem Glück und der Vervollkommnungsfähigkeit der Familie ſelbſt. Unter dem Geſichtspunkt der Gerechtigkeit ſagt er, daß die Erzeugniſſe des Bodens, wenn ſie ſchon verſteuert ſind, z. B. durch die Grundſteuer, gerecht nicht noch einmal beſteuert werden können, z. B. durch den Ausgangszoll. Nach dieſen Grundſätzen be⸗ hauptet er, daß die volle Freiheit unſchädlich und jeder Zwang, jede Beſteuerung ſchädlich ſei.„Jener, fügt er hinzu, welcher aus dem bürgerlichen Wörterbuch die Wörter: Zölle, Mauthen, Tarife u. ſ. f. weggenommen haben wird: Jener, welcher das große Labyrinth zerſtört haben wird, in welchem ſo viele Un⸗ geheuer die Nationen einzeln verzehren; Jener, welcher als Grundſatz aufſtellen wird, daß jeder wirthſchaftliche Zwang ein giftiger Schlag für die Geſellſchaft iſt, wird den Ruhm haben, der Menſchheit eine Grundwahrheit und den wahren Wohlſtand der Nationen geſichert zu haben.“ Er betrachtet jede Auflage als eine Ungerechtigkeit, weil ſie geradezu den geſellſchaftlichen Fortſchritten widerſtrebe, und eine Schmälerung der Freiheit ſei. Offenbar huldigt der Verfaſſer hier einem leeren Optimis⸗ mus, wenn er jeden Zoll, jede Auflage als ungerecht aufge⸗ hoben wünſcht; denn die Regierungen haben ein Recht zu be⸗ ſtehen, und um das nöthige Einkommen zu gewinnen, ſind ſie genöthigt, die Laſt der Auflagen auf eine möglich große Fläche zu vertheilen, um ſie leicht und unfühlbar zu machen. Doch iſt es gut, wenn ein Philoſoph ſeine Ausſicht möglich erweitert, und den Regierungen den Ausblick erſtreckt. Eben ſo wenig 34. — 532— mahnt es an einen Politiker, wenn Delfico ſagt, daß die Freiheit des innern und äußern Handels zu jeder Regierungs⸗ art paſſe: er bedenkt nicht, daß der Handel die Natur der Regierungen ändert. Man muß noch einmal wiederholen: die Freiheit kann beſtehen ohne den Handel, nie aber der Handel ohne die Freiheit. Dieſe Denkſchrift von 60 Seiten hat eine ungezwungene, flüſſige Schreibart, ohne den Ballaſt der Gelehrſamkeit. Del⸗ fico ſchrieb noch viele andere Werkchen, welche einen beſſern Erfolg als dieſes hatten, weil er durch ſie die Reform einiger Misbräuche ſeines Vaterlandes erwirkte, welche er bekämpft hatte. Ich weiß nicht, ob er ein über milde Stiftungen be⸗ gonnenes Werk vollendet und herausgegeben hat. Zuſtand der Wiſſenſchaft in Italien von 1796 an. — . 2 Hier endet die Reihe der in Cuſtodi's Sammlung aufge⸗ nommenen Schriften der italiäniſchen Volkswirthſchaftsgelehr⸗ ten, allein nicht die Reihe der Pfleger dieſer Wiſſenſchaft auf der Halbinſel. Es folgten Andere, die ich nennen werde. Erſchienen auch gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts wenigere Schriften über dieſe Wiſſenſchaft, ſo ward dieſe deß⸗ wegen nicht verſäumt: im Gegentheil ſie ward univerſeller, auf den Hochſchulen gelehrt. Allein ihr Feld war großentheils ab⸗ geerntet; die moraliſchen Wiſſenſchaften haben nicht den gleichſam unbegrenzten Umfang, wie die phyſiſchen(?), und der von ihnen geſättigte Geiſt wendet ſich Anderem zu. Aber ein Schriftſteller begegnet uns, der ein Werk entwarf und ausführte, welches die Einbildungskraft des Leſers durch das un⸗ ermeßliche Wiſſen, das es verſchließt, erſchreckt. Das iſt Melchiorre Gioja. In Piacenza geboren, und Bürger der cisalpiniſchen Republik geworden, zeigte er ſich von früher Jugend als einen Sprecher italiäniſcher Freiheit und al Von ſe ſten au — *) T und C zugeko 3 ½⁴ F Von Rispo- rapp! (Ert 4 M f d. Sul com Pirota, teln u Discussi 1803. vart Discus 1804 180 daß die ierungs atur der gblen: die Handel wungene, eit. Del⸗ n beſſern einiger befämpft gen he⸗ i „ aufge⸗ ggelehr⸗ haft auf erde. hunderts eſe deß⸗ ler, auf eils ab⸗ eichſam er von rf und ad un⸗ en, vnd er ſich Freiheit — 3533 und als einen reifen Schriftſteller über die Volkswirthſchaft. Von ſeinen vielen kleinern Schriften will ich nur die wichtig⸗ ſten auf die politiſche Oekonomie bezüglichen nennen.*) *) Die Opere Minori von M. Gioja ſind in der Buchdruckerei Ruggia und Comp. zu Lugano erſchienen, nach einer mir ſo eben von Mailand zugekommenen Mittheilung bis zum 11. Bande(der Band ungefähr zu 3 ½ Fr.) Von dieſen kleinern Werken Gioja's gehören folgende hieher: Risposta degli excommissarj del tesoro nazionale all' Opuscolo del rappresentante Pozzi, etc. Milano, Pirota, an. VII. 1 vol. 8. (Erwiederung der Excommiſſäre des Nationalſchatzes auf das Werkchen des Repräſentanten Pozzi u. ſ. f.) Sul commercio de' Commestibili e caro prezzo del vitto. Milano, pirota, an. X, 1 vol 16.(Ueber den Handel mit Lebensmit⸗ teln und über den theuern Preis der Koſt.) Discussione economica sul Dipartimento d'Olona, Milano, Pirota, 1803. 1 vol. 8.(Wirthſchaftliche Erörterung über das De⸗ partement von Olona.) Discussione economica sul Dipartimento del Lario; Milano, Pirota, 1804, 8.(Wirthſchaftliche Erörterung über das Departe⸗ ment del Lario.) Logica statistica abbassata alla capacità de' giovani agricoltori, ar- tisti etc. Milano, Pirota, 1808. 1 vol. 8.(Statiſtiſche Logik, der Faſſungskraft der im Landbau und in den Gewerken u. ſ. f. beſchäftigten Jünglinge nahe gebracht.) Indole, estensione, vantaggi della Statistica, eic. Milano, Pirota, 1809. 1 vol. 8.(Art, Umfang, Vortheile der Statiſtik.) problema: quali sono i mezzi piu spediti, più efficaci, più econo- mici per alleviare l'attuale miserin del popolo in Europa; 2. edi- zione, accresciuta dal l'Autore, Milano, Silvestri 1817, 1 vol. 8. (Ueber die Aufgabe: welches ſind die raſcheſten, wirkſam⸗ ſten, ſparſamſten Mittel, um die gegenwärtige Noth des Volks in Europa zu lindern, II. Ausgabe, vermehrt von dem Verfaſſer.) Discorso popolare sulle manifatture nazionali et tariffe daziarie, etc. Milano, Pirota, 1819. 1 vol. 8.(Populäre Abhandlung über die einheimiſchen Manufacturen und die Zolltarife.) Filosofia della Statistica, Milano, Pirota, 1826, 2 vol. 4.(Philo⸗ ſophie der Statiſtik.) Nachdem der Getreidehandel mit dem Ausland entfeſſelt worden war, blieb er noch durch die Brodtarxen in den Städten gebunden. Gioja wollte auch dieſe Ketten ſprengen, und ſuchte zu beweiſen, daß die bevorrechteten Bäckereien und die Brodtaxen Wenigen nützlich, der Mehrheit ſchädlich ſeien. An ge⸗ ſchichtlicher Gelehrſamkeit, Logik, Evidenz iſt dieſes Werkchen Verri's würdig: allein die Stadtbehörden wagten es nicht, die auch ſpäter in London ſich bewährende Reform durchzu⸗ führen. Ein Werk, welches Gioja's Namen ſehr erhöhte, war die Statiſtik des Departement dell' Olona. Lebhaftigkeit, Be⸗ kämpfung der Vorurtheile aller Art, Ordnung, Reichthum Esame d'un' opinione intorno all' indole, estensione e vantaggi delle Statistiche, Milano, 1826. 1 vol. 8.(Prüfung einer An⸗ ſicht über die Art, den Umfang, die Vortheile der Stati⸗ ſtiken.) Scritti varj risguardanti la statistica e la pubblica economia, etc. Milano, Sonzogno, 1 vol. 8 1832.(Verſchiedene Schriften, die Statiſtik und die politiſche Oekonomiebetreffend. Man vergleiche G. D. R omagnoſi's Necrologia di Melchiorre Gioja, con giunte manoscritte non potute stampare. Milano 1829, iin deſſen Opuscoli diversi(Lebens⸗ und Todeskunde von M. Gioja mit angehängten Manuſcripten, die nicht gedruckt wer⸗ den konnten) ferner von Demſelben Elogio storico di Melchiorre Gioja etc. Milano(Geſchichtliche Lobrede auf M. Gioja.). G. D.Romagnoſi's Opuscoli diversi ſelbſt enthalten folgende hieher ge⸗ hörige Arbeiten: Discorsi del trattamento de' poveri e della li- bertà commerciale in Inghilterra, Milano 1829(Vorträge über die Behandlung der Armen und über die Handelsfreiheit in England.) Memoria sulla crescente popolazione. Milano, 1830.(Denkſchrift über die wachſende Bevölkerung.) Osservazioni statistiche, etc. Milano.(Statiſtiſche Bemerkungen.) Come raffigurare si deve la libera concorrenza nell' ordine sociale delle ricchezze etc?(Wie muß man ſich die freie Mitwerbung in der ſocialen Ordnung der Reichthümer vorſtellen.) Esempio della libera commerciale concorrenza all' estero.(Beiſpiel von der freien Handelsmitwerbung nach außen.) Buß. der Be Natur angene nicht er Alle tiſtik entfeſſelt Städten n, und und die An ge⸗ Werichen es vicht, durchzu⸗ war die it, Be⸗ ichthum antaggi er An⸗ Stati⸗ ia, etc. hriften, end. ere Gioja, hiin deſſen :. Gioja uckt wer⸗ lelchiorre oja). G. hieher ge⸗ della li- ge über freiheit kſchrift ungen.) e sociale verdung Ulen.) Geiſpiel ) Buß. — 535— der Beobachtungen machte eine ſolche Arbeit, welche nach ihrer Natur trocken ausfallen ſollte, nicht nur belehrend, ſondern auch angenehm. Wenn er auch dieſe Art von Arbeit in Italien nicht erſchuf, ſo verbeſſerte er ſie doch. Allein im Jahr 1808 wollte er die Theorie der Sta⸗ tiſtik geben. Die Regierung des Königreichs Italien wollte nämlich eine Centralbehörde für die Statiſtik gründen, und dazu bedurfte ſie Muſtertabellen, welche dann die Ortsbe⸗ börden ausfüllen ſollten. Gioja entwarf eine Reihe von Ta⸗ feln, die in 7 Theile zerfallen, in die Ortsbeſchreibung— in die Bevölkerung— Gütererzeugung der Erdarbeit— Ge⸗ werksarbeit.— Handel— öffentliche Aufſicht der Regie⸗ rung— Sitten und Gebräuche. Dieſe 7 Abtheilungen mit ihren Unterabtheilungen würden ſämmtliche Gegenſtände und Handlungen eines Reiches umfaſſen: überall zeigte Gioja eine be⸗ wunderungswürdige Ordnung der Ideen und ein außerordent⸗ liches Wiſſen: allein er läßt ſich zu ſehr in's Kleinlichte ein: ihm ſollte auch kein Ei entgehen. Allerdings iſt eine Statiſtik, welche nur die Geburten, Ehen und Todesfälle aufzählt, un⸗ vollkommen; allein jene, welche auch die Seufzer der Lieben⸗ den ſammelt, iſt überfüllend und unbequem: deßwegen wur⸗ den dieſe Tafeln von der Verwaltung auch nicht angenommen. Allein ſein erſtaunliches Hauptwerk iſt der Nuovo Prospetto delle scienze economiche, Milano 1815— 17 VIII, 4.(Neuer Ueberblick der Wirthſchaftswiſſenſchaften.) Zahlloſe Schriftſteller hatten in Europa im 18. Jahrhundert über wirthſchaftliche Gegenſtände geſchrieben. Alle dieſe Strahlen ſollten in Einen Brennpunkt, in ein einziges Werk geſammelt werden. Gioja wagte dieſes. In ſeiner Vorrede verkündet er ſeine Abſicht:„Ich unternehme es, ſagt er, auf ein kritiſches Syſtem Alles zurückzuführen, was über die öffentliche und Pri⸗ vatwirthſchaft die Schriftſteller dachten, die Regie⸗ rungen verordneten, die Völker vollbrachten.“ Und in der That, er prüft nicht bloß die Anſichten aller in⸗ und aus⸗ ländiſchen Schriftſteller, ſondern er vergleicht auch ſämmtliche Geſetze, Gebräuche und Sitten der alten und neuen Völker bis — 536— in unſere Tage herein mit den Grundlehren der Wiſſeenſchaft. So gleicht ſein Werk jenen Seeen, in welche alle Ströme eines Landes münden: es iſt das Rieſenbecken der Wiſſenſchaft, die wahre Eneyklopädie der Volkswirthſchaft. Er befolgt auch die Haupteintheilung: Erzeugung— Ver⸗ theilung— Verzehrung des Vermögens; prüft aber jeden Ge⸗ genſtand der Wiſſenſchaft unter folgenden Zwecken der Wirthſchaft: J. Während der Gütererzeugung zu mindern: 1. die Mühe— 2. die Zeit— 3. den Verwandlungs⸗ ſtoff— 4. den Raum oder die Oertlichkeiten. II. An den Erzeugniſſen zu mehren: 1. die Maſſe— 2. die Vollkommenheit— 3. die Dauer. III. Mit jedem der Mittel(welche ich alsbald angeben werde) das zu erzeugen, was dem ihrer entbehronden Menſchen unmöglich wäͤre. Dieſe Mittel oder die Urſachen des Vermögens ſind: I. Das Vermögen(Können).— Dieſes iſt unmittelbar und phyſiſch, wie Maſchinen, Geſellung der Arbeiten, Theilung der Arbeiten, Anſammlungen, Geld: oder es iſt mittelbar und moraliſch, wie Credit, Fähigkeit, Wech⸗ ſelbriefe, Banken. II. Erkenntniß als Zerſtörerin der Beſchädigungen, Förderer in der Gewinnſte. III. Wille— durch das von der Sicherheit, von der Verwaltung erregte Intereſſe— durch die Meinung und jede von dem Intereſſe verſchiedene Anſicht. Sein Syſtem beginnt mit den Geſetzen, welche die Thiere be⸗ herrſchen, bis zu denen, welche die gebildetſten Nationen be⸗ ſtimmen. Um aber den Stoff nicht in's Unendliche zu erweitern, hat er nur die wahren und falſchen Mutterideeen zuſammenge⸗ ſtellt. Gleichwohl dehnte ſich ſein Werk auf 6 Quartbände, welche aber umfaſſender zu ſein ſcheinen, als ſie es wirklich ſind, da der größte Theil aus weit und groß gedruckten Tabellen beſteht.*) *) Der Verfaſſer gab ſpäter eine Reihe von mehren Bänden, in welchen er unter dem Titel: del Merito e delle Ricompense(von dem Dit tiſche art un etwas dem2 Zwiſe abſtel thode VI.2 fluß mügen der ein rungsei ſchädlich nicht mit Nützi 1) — 537— ſeuſchaft. Die Tabellenform gewährt allerdings eine große, ſyſtema⸗ ne eines tiſche Ueberſichtlichkeit; allein trotz der immer witzigen Schreib⸗ aft, die art und den anziehenden Betrachtungen hat die Methode ſelbſt etwas Trockenes und Beläſtigendes, vielleicht, weil ſie uns mit — Ver⸗ dem Verfaſſer nicht in Berührung bringt, vielleicht weil man die den Ge⸗ Zwiſchenräume zwiſchen uns und den bisweilen unter ſich zu weit abſtehenden Ideen ausfüllen muß. Der Verfaſſer hat die Me⸗ thode möglich belebt, wie ein Bruchſtück der am Schluß des — VI. Bandes ſtehenden Ueberſichtstafel über den Regierungsein⸗ ndlungs⸗ fluß auf die Erzeugung, Vertheilung und Verzehrung des Ver⸗ mögens uns zeigen ſoll. In dieſem Gemälde verzeichnet er auf der einen Seite eine Menge von Fällen, in welchen der Regie⸗ uer. rungseinfluß nützlich, auf der andern viele Fälle, in welchen er verde) ſchädlich iſt. Die Beiſpiele konnten nicht beſſer gewählt, und nſchen nicht mit philoſophiſcherer Gefälligkeit dargeſtellt werden ⁹) Nützlich iſt der Regierungseinfluß: 1)„Bei dem Bau der beſten Straßen und ſchiffbaren Kanäle, welche, die Fracht der Verſendungen mindernd, den Pri⸗ anelbar Irbeien, vaten ein größeres Kapital für die Gütererzeugung zur Ver⸗— dder es fügung laſſen.“ t, Weh⸗ 2)„Bei der Verleihung von öffentlichen Kapitalen an die thätigſten Gewerbsunternehmer, entweder ganz unentgeltlich, was bei Förderer den Anfängen der Gütererzeugung nützlich ſein kann, oder theilweiſe unentgeltlich, d. h. unverzinslich und mit Hin⸗ waltung ausrückung der Heimzahlung, was in den Zeiten des Sto⸗ von dem ckens des Abſatzes nothwendig ſein kann, wie das Beiſpiel Englands oft es zeigt.“ zire be 3)„In der gänzlichen Steuerbefreiung für die unbebauten fer he⸗ Ländereien auf eine gewiſſe Zahl von Jahren nach ihrer heſtern. Beurbarung, und in der theilweiſen Befreiung für die Wmenge⸗ Waldungen, um das Gleichgewicht den Privatintereſſen e, welche zu halten, welche ſie zu zerſtören ſuchen.“ d, da der leht.*) Verdienſt und von den Belohnungen) alle Zweige der praktiſchen Verwaltung abhandelt, und welche der Verfaſſer als eine Fortſetzung ziͤnden, in ſeines Prospetto delle scienze economiche angeſehen wiſſen will. „Gon den 4) 5) 6) 7) 8) 9) 10) 11) „Bei der Summe der öffentlichen Dienſte ausgeführt, wo es immer möglich und paſſend iſt, durch Verdingverträge, was, die Koſten auf das Mindeſte beſchränkend, die Auflage auf das Mindeſte beſchränkt, welche gefordert werden muß, um ſie zu bezahlen.“ „Bei der Lage und Zahl der Gerichte, ſo daß nicht mehr als Ein Tag nothwendig iſt, um vor ihnen zu erſcheinen und wieder heim zu kommen.“ „Bei den öffentlichen Bücherſammlungen, welche mehr mit nützlichen, als mit ſeltenen Büchern verſehen ſind: bei den Muſeen für die Naturgeſchichte, welche die Erzeugniſſe eines jeden Departements bewahren; bei den Sammlungen alter und neuer Maſchinen, welche man bei den Gewerken gebraucht, mit der den Gewerkenden zuſtehenden Erlaub⸗ niß, ſie täglich zu unterſuchen, wie dieſes den Studie⸗ renden rückſichtlich der Bücher zuſteht.“ „Bei den botaniſchen Gärten, um zu beſtimmen, welche exotiſche für die Gewerbe nützliche Pflanzen dem heimiſchen Klima zuſagen; bei den Obſervatorien, um den Einfluß der Jahrzeiten auf den Landbau zu erkennen; bei den Mit⸗ telpunkten der geſundheitspolizeilichen Aufſicht, um den all⸗ gemeinen Gang der Sterbliihkeit und der Krankheiten zu entdecken.“ „Bei den unentgeltlich lehrenden Schulen in allen Gemein⸗ den, um das Leſen, Schreiben, Rechnen zu lehren, und in den Städten, um die Gewerbe, und unter dieſen den Land⸗ bau zu lehren. „Bei den akademiſchen Vereinen jeder Art, die beſtimmt ſind, den Umlauf nützlicher Ideen zu fördern, den ſchäd⸗ licher Vorurtheile zu hemmen, indem ſie einerſeits die Ge⸗ winnſte zeigen, und andererſeits den Wetteifer ſtacheln.“ „Bei der Freiheit für die Verfertigung der Bücher und den Handel damit, welche ſo geleitet werden muß, daß die Ehre der Bürger, die Heiligkeit der Sitte, die Ruhe des Staats nichts zu fürchten hat.“ „ldem der Tagehlätter, für deren Credit die Unabhängig⸗ hrt, wo erträge, Auflage en muß, chi mehr erſcheinen mehr mit „bei den zeugniſſe mlungen ewerken erlaub⸗ 5tudie⸗ welche wiſchen Eirfluß den Mi⸗ nden all⸗ kheiten zu Gemein⸗ u, und in den Land⸗ beſtimmt n ſchäd⸗ die Ge⸗ eln.“ und den daß die Ruhe des nabhängig⸗ 12) — 539— keit nothwendig, und für deren wohlfeilen Preis das aus⸗ ſchließliche Recht zu ihrer Herausgabe es nicht iſt.“ „Bei gelehrten von der Regierung beſoldeten Reiſenden, damit ſie, unter den gebildetſten Nationen herumreiſend, einen Schatz der wichtigſten Entdeckungen ſammeln, und heimgekehrt ſie unter ihren Mitbürgern verbreiten.“ Der Regierungseinfluß iſt ſchädlich. 1) 2) 3) 4) 5) „Bei der Erpreſſung läſtiger Abgaben, welche, indem ſie täglich die zur Verfügung ſtehenden Capitale mindern, zuletzt jede Verbeſſerung und dann jede Gütererzeugung unmöglich machen.“ „Bei der Verleihung öffentlicher Grundſtücke an Klöſter, welche, die leichte Bewegung der Zunge an die Stelle der mühevollen Bewegung der Arme ſetzend, in behaglichem Müſſiggang leben, und nach jeder Art von Reichthum geizen, nachdem ſie das Gelübde der Armuth abgelegt haben; einerſeits unempfindlich für das Bedürfniß zu beſſern, andererſeits überzeugt, ſich durch Ausſtellung von Wechſeln auf die andere Welt ſchuldenfrei zu machen, ohne daß es gewiß iſt, daß ſie werden angenommen werden.“ „Bei der gänzlichen oder theilweiſen Steuerbefreiung für die Güter des Adels und der Geiſtlichkeit, was, indem es in dieſen Klaſſen den Reiz zur Gütererzeugung zer⸗ ſtört, die ganze öffentliche Laſt auf die anderen ſammelt, und einige derſelben unfähig zur Gütererzeugung macht.“ „Bei der den Privaten perſönlich auferlegten Summe der öffentlichen Dienſte, mit der Unregelmäßigkeit der Ver⸗ theilung und mit Bedrückungen im Vollzug, ſo daß die Auslage oder der Schade ſehr groß wird, obwohl kein Vorſchuß auch nur von ein m Pfennig erſcheint.“ „Bei den Richtern ohne einen von der Regierung zu be⸗ ziehenden Gehalt, welche bloß aus dem Ertrage der Rechts⸗ ſtreite bezahlt werden, ſo daß ſie, da ſie dabei betheiligt ſind, ſie zu verwirren, ſtatt ſie zu löſen, den Einen oder den Andern der Streitenden oder beide zugleich zerrütten.“ — 540— 6)„Bei dem Tribunal der heiligſten Inquiſition, welche Knie⸗ 7) 8) 9) 10) 11) 12) beugungen ſtatt des Leſens gebietet, denjenigen ruhig läßt, welcher raubt, und den verfolgt, welcher denkt; ein Feind der Könige, wie der Unterthanen, ſie zu um ſo härtern Strafen verurtheilt, je größer ihr Abſtand von den Thie⸗ ren iſt.“ „Bei den falſchen Wundern und abergläubiſchen Betrüge⸗ reien; bei den Gaukeleien der Zauberer und Wahrſage⸗ rinnen, welche ſtreben, aus der Seele des Volkes die Er⸗ kenntniß der natürlichen Urſachen zu beſeitigen, und an ihre Stelle die Einredung von chimäriſchen Urſachen zu ſetzen, damit in der ganzen Bevölkerung das Bedürfniß nach myſtiſchen Recepten beſtehe, und um ſchweres Gold befriedigt werde.“ „Bei den Schulen, um die verborgenen Größen der Pe⸗ ripatetiker, die Magie, Aſtrologie kennen zu lernen.... lauter Träume des wahnwitzigen menſchlichen Verſtandes.“ „Bei den Mönchsorden, welche mit dem Unterricht be⸗ auftragt find, obwohl ſie fremd ſind allen Ideen, die der Maſſe der Bürger nothwendig ſind, den Gefühlen, welche ſie beſeelen, und den Gewohnheiten, welche ſie vereinen, d. h. Rathgeber Blinder zum Gebrauch Jener, welche zu ſehen wünſchen.“ „Bei dem Verzeichniß der verbotenen Bücher in Rom, wo eine gewiſſe Schranke der Fähigkeit zu denken, zu leſen, zu drucken und zu verkaufen geſetzt wird, wozu man noch die paniſchen oder eigennützigen Befürchtungen der Vollzieher fügt.“ „Bei den finanziellen Auflagen auf jede Art von Drucken, durch welche, da der Preis dadurch ſich erhöht, die Zahl der Perſonen ſich vermindert, welche ſich belehren können.“ „Bei den Bettelorden, welche auf dem Lande herum⸗ gehen, wo ſie Vorurtheile und Schreckniſſe verkaufen, und dagegen Korn und Wein empfangen, ein übermäßig Wi um d welche eigni Dö verſa Vorc Di So! lands oder el Gioje welched fommen engliſch verſchm wegen die R Er zie Fabrit ſcheide der Vo länder Vorth zeugun Der eine g — 8) C. Rriaglis. dem S ſchche Behe ler, ſchaf he Knie⸗ hbig läßt, ein Feind härtern den Thie⸗ Betrüge⸗ Vahrſage⸗ 3 die Er⸗ und an achen zu dürfniß 5 Gold er Pe⸗ andes.“ riht be een, die Hefühlen, velche ſie h Jener, in Rom, ken, zu , wozu btungen rrucken, ie Zahl nnen.“ herum⸗ erkaufen, bermäßig verletzender Vertrag, weil von der einen Seite ein Werth, von der andern eine Paſſivität gegeben wird.“*) Wie man ſieht, iſt dieſe Stelle von dem Verfaſſer hergeſetzt, um die Anſicht Smith's und ſeiner Anhänger zu widerlegen, welche die Einmiſchung der Regierung in den Gang der Er⸗ eigniſſe und des Verkehrs ganz ausſchließen möchten. Den Schriftſtellern, welche zuletzt kommen, iſt die Erfindung verſagt; es bleibt ihnen blos das Feld offen, die Anſichten der Vorgänger zu berichtigen. Die Ernte iſt fertig: ſie kennen nur noch Nachleſe halten. So berichtigen die meiſten gegenwärtigen Schriftſteller Eng⸗ lands über die Volkswirthſchaft nur einzelne Verſehen Smith's, oder ergänzen einzelne Lücken ſeines Werkes. Gioja hat außerdem, daß er alle Irrthümer und Ungenauigkeiten, welche die Schriftſteller und Regierungen ſich hatten zu Schulden kommen laſſen, gerügt hat, die Thedrien der Engländer und die der engliſchen Verwaltung entnommenen Grundſätze in ſein Syſtem verſchmolzen und ſo zu ſagen nach Italien verpflanzt. Deß⸗ wegen iſt er ein Feind der Brodtaxen, der Zwangstarife für die Münzen. Er iſt dagegen ein Gönner der großen Güter. Er zieht die Gewerke dem Landbau, die großen Grundeigner, Fabrikanten, Handelsleute, Städte den kleinen vor. Er ent⸗ ſcheidet alle dieſe Fragen nach den oben angegebenen Zwecken der Volkswirthſchaft. Er hat allein unter den Italienern und Aus⸗ ländern die Aſſociation der Arbeiten hervorgehoben, ihre Vortheile aufgezählt, und ſie unter die Urſachen der Güterer⸗ zeugung gerechnet. Der Verfaſſer läßt Nichts in ſeinem Werke vermiſſen, als eine größere Liberalität bei den Rügen der Schriftſteller. Bis⸗ *) Es bedarf wohl kaum erwähnt zu werden, daß nur ein roher Ma⸗ terialismus, der nüchternſte Utilitarismus, ein Mangel an Achtung vor dem Poſitiven, ein tiefes Mißverſtändniß deſſelben, ein Mangel ge⸗ ſchichtlicher Anſchauung und chriſtlicher Geſinnung zu den meiſten obigen Behauptungen, beziehungsweiſe Uebertreibungen führen konnten— Feh⸗ ler, die wir leider bei den Schriftſtellern im Gebiete der Volkswirth⸗ ſchaftslehre nicht ſelten und ſtets nur mit Schmerz gewahren. Buß. — 5 4 2— weilen iſt ſeine Kritik Satyre, und öfter hat er den Fehler, buchſtäblich einen Satz, eine aus einem Schriftſteller heraus⸗ geriſſene Bemerkung auszulegen, ſtatt ſeine Anſicht nach dem Ganzen des Buchs und ſeiner Meinungen zu beurtheilen. Er ſtarb im Jahr 1829. Gioja iſt ein Koloß, welcher mit ſeinem Schatten die wenigen andern Schriftſteller dieſer letzten 30 Jahre deckt. Welches Verhältniß beſteht zwiſchen ſeinen pyramidalen Wer⸗ ken und einer Abhandlung über das Wort Valore(Werth), welche, übrigens nicht ohne methaphyſiſches Verdienſt, 1798 Valeriani, Profeſſor an der Hochſchule zu Bologna, her⸗ ausgab? Ein anderer Profeſſor an der Hochſchule zu Pavia, Reſſi, gab 1807 oder 1808 ein Werk in 4 Bänden 8. unter dem Titel: Dell' economia della specie umana(über die Wirth⸗ ſchaft des Menſchengeſchlechtes) heraus, das wenige Bedeutung hat. Viel wichtiger ſind die zahlreichen kleinern Arbeiten von Giovanni Fabroni aus Toscana: obwohl man nach ihrem Titel meiſt vermuthen ſollte, daß ſie bloße Abhandlungen von einer örtlichen Bedeutung, von einem bloß vorübergehenden Intereſſe ſind, ſo ſind doch das tiefe und gleichſam encyklopädiſche Wiſſen des Verfaſſers, die von ihm bekleideten hohen Aemter, die Vereinigung von Theorie und Geſchäftsübung bei ihm, und vor Allem der Vortheil, den dieſe Werkchen Toscana brach⸗ ten, lauter Zeugniſſe für ihren nicht gewöhnlichen Werth. Unermeßlich war die Gelehrſamkeit Fabroni's und zahllos ſind ſeine Erzeugniſſe in faſt jedem wiſſenſchaftlichen Gebiet. Schon be⸗ rühmt in der Phyſik und Chemie, wurde er Mitglied des In⸗ ſtituts von Frankreich. Dort war er für Toscana einer der thätigſten und gefeierteſten Commiſſäre für die Feſtſetzung des neuen metriſchen Syſtems. Später wurde er mit den zwei berühmten Amtsgenoſſen Foſſombroni und Corſini an die Spitze des Finanzweſens des Großherzogthums zum Zweck ſeiner Wie⸗ derherſtellung befördert. Napoleon, der Kenner der Talente, berief ihn in ſeinen Staatsrath, indem er ihn für den franzö⸗ ſſch ment! Ueb dem u 178 öffent ten bl dewe hande In Noor (Drü Reich — *) Leg 1786(G zen.) Delle Dell 17890 Maut Dei (Von benw Dei ausſe willi Del- (Von Sul Fehler, heraus⸗ nach dem een. ſcher mit ſer lezten llen Wer⸗ Werth), iſt, 1708 ina, her⸗ Reſſi, er dem Lirth⸗ wenige teen von ach ihrem agen von Intereſſe he Wiſſen nter, die ihm, und na brach⸗ Werth. ſind ſeine chon he⸗ des In⸗ ner der ing des en zwei ze Shibe ner Wie⸗ Talente, en franzi— — 543— ſiſch gewordenen Theil Italiens mit dem wichtigen Departe⸗ ment des Waſſer⸗ und Straßenbaus betraute. Ueber die Volkswirthſchaftslehre begann er, wie man aus dem unten gegebenen Verzeichniſſe ſeiner Werke ſieht*), von 1786 an zu ſchreiben, und ein unermüdlicher Athlete für das öffentliche Wohl, fuhr er damit bis 1817 fort. Seine Schrif⸗ ten blieben nicht erfolglos, beſonders die Schrift über das Getrei⸗ deweſen, welcher Toscana die bedrohte Freiheit des Getreide⸗ handels verdankte. Im Jahr 1813 ſchrieb Garlo Boſellini von Modena einen Nuovo Esame delle Sorgenti della Privata e Pubblica Ricchezza (Prüfung der Quellen des Privat⸗ und öffentlichen Reichthums) in 2 Bänden, der erſt 1817 erſchien. Auch er *) Lega, valore e proporzione reciproca delle monete. Firenze 1786(Gehalt, Werth und gegenſeitiges Verhältniß der Mün⸗ zen.) Della prosperità nazionale(Von dem Nationalwohlſtand.) Dell' Kquilibrio del Commercio ed Istituzione delle Dogane. Firenze 1789(Von dem Gleichgewicht des Handels und der Anſtaltder Mauthen.) Dei prem d'incoraggiamento che si retribuiscono alla mercatura (Von den Ermunterungsprämien, welche dem Handel gege⸗ ben werden.) Dei privilegi esclusivi che si accordano alle manifatture(Von den ausſchließlichen Vorrechten, welche den Manufakturen be⸗ willigt werden.) Della libertà che si concede al commercio de'grani, Firenze 1791 (Vonder Freiheit, welche dem Getreidehandelgewährtwird.) Sul sis tema monetario di Napoli e sulla moneta in generale. Napoli 1794(Neber das Münzſyſtem Reapole und über das Geld überhaupt.) Sentimento imparziale per la Toscana sopra la seta e lana. Firenze 1800(Unparteiiſches Gutachten für Toscana über die Seide und Wolle. Dei provvedimenti annonarj. Firenze 1804 e 1817(Ueber die Ver⸗ ſorgungen mit Getreide.) Dell' eccessivo interesse del denaro e della monetazione 1805(Von dem übermäßigen Zinsfuß und von der Ausmünzung.) — 544— vergleicht kritiſch die Anſichten des Auslands über dieſe Wiſſen⸗ ſchaft, auch er erhebt die Gewerke über den Landbau: auch er berührt alle Seiten der Wiſſenſchaft, auch er folgt liberalen Lehren, ſelbſt ſo ſehr, daß er jede beſtehende Auflage tadelt, ohne jedoch zu zeigen, woher der Staat ſein unerläßliches Ein⸗ kommen ſchöpfen ſolle. Allein er iſt matt und kalt ohne irgend eine neue Idee: ſeine Gedanken ſind richtig, aber verblaßt, ohne Umfang und ſelten praktiſch anwendbar. Daher hinter⸗ laſſen ſeine Lehren keinen Eindruck. 3 Der Verfaſſer bieſer Geſchichte der politiſchen Oekonomie in Italien ſchrieb im J. 1817 einen Saggio Storico sulla Ammini- strazione Finanziera dell' ex-Regno d'Italia dal 1802 al 1814. Londra 1826. Seconda edizione(Geſchichtlicher Verſuch über die Finanzverwaltung des frühern König⸗ reichs Italien von 1802 bis 1814)*), in welchem er dieſe Verwaltung gegen ungerechte Anklagen zu vertheidigen unternahm. Er führte ſeine Beweiſe nur mit Thatſachen. Er unternahm eine ſtrenge Prüfung ſämmtlicher Auflagen, Finanz⸗ geſetze, wobei er ihre guten und ſchlimmen Wirkungen nach⸗ wies. Er entwarf ein treues Inventar über Alles, was vor der Regierung Napoleons beſtand, und was ſpäter davon noch er⸗ übrigte.„Die ſtatiſtiſchen Gemälde der Reiche bilden das Lob oder die Satyre der Regierungen, welche ſie leiten.“ Er ſchloß, daß, wenn zahlreiche Auflagen eine Laſt ſind, ſie gleichwohl dann, wenn ſie gut verwendet werden, um den Gewerbfleiß zu ſtacheln, ein Nationalheer zu ſchaffen, Wege zu eröffnen, Denkmale zu errichten u. ſ. w. zwar ein ſchmerzliches, aber fruchtbringendes und glorreiches Opfer ſind. Dieſes Gemälde zeigt, was der ſtarke und edle Wille eines einzigen Mannes in Oberitalien vermochte. Wenn ich nun keinen andern Schriftſteller mehr erwähne, ſo deute man mir dieſes nicht als eine Misachtung, ſondern als eine Unkunde von ihrem Daſein. Unter die fremden Nationen, *) Er findet ſich in der Buchhandlung Ruggia und Comp. in Lu⸗ gano. Uni *) mark nigen Buche den ſ nen„ 5 dortigen einen kra können. Blang Wiſſen⸗ auch er heralen tadelt, 8s Ein⸗ irgend erblaßt, hinter⸗ omie in mmini- 1814, rſuch nig⸗ m er digen a. Er inanz⸗ mnach⸗ as vor noch er⸗ as Lob ſchloß⸗ ichwohl erbfleiß töffnen, , aber eines ne, ſo en als nonen, p. in Lu⸗ — 545— unter welchen ich ſeit längerer Zeit als Verbannter wandle, iſt kein anderer Name durchgedrungen. Ich verwahre mich auf das Stärkſte, den Ruhm meiner Landsleute zu vernach⸗ läßigen: ich ſehne mich, den italiäniſchen Namen im Ausland in höchſten Ehren gehalten zu ſehen.*) *) Der Bearbeiter dieſer gedrungenen Analyſe aus Pecechio's ſchon markigem Buche wird am Ende dieſes Auszuges ein Verzeichniß der we⸗ nigen Schriften nachzutragen ſuchen, welche ſeit dem Erſcheinen dieſes Buches in Italien über die Wirthſchaftswiſſenſchaft herausgegeben wor⸗ den ſind, wobei er ſich übrigens gerne beſcheidet, nicht alle zu ken⸗ nen, da der literariſche Verkehr mit Italien durch die Lahmheit des dortigen Buchhandels weit mehr erſchwert iſt, als Hinderniſſe, die für einen kräftigen Willen der Buchhändler nicht beſtehen, es erklären können. 3—„ Bkanqui, Geſchichte d. polit. Oekonomie. II. Bv. 35 Charakter der italiaͤniſchen Schriftſteller. — Hier bin ich nun an das Ende des Unternehmens gelangt, das ich mir vorgenommen, nämlich den zerfloſſenen Inhalt von 50 Bän⸗ den, welche die Sammlung des Barons Cuſtodi*) umſchließt, in wenige Bogen zuſammen zu drängen. Die meiſten dieſer Werke gleichen dem Billon, deſſen Gehalt Kupfer mit wenig Silber iſt. Gleichwohl zeugen ſie für die Fruchtbarkeit des ita⸗ liäniſchen Geiſtes, wenn er ſeinen Fittig frei entfalten darf. Kaum war im 18. Jahrhundert nur einige Duldſamkeit ge⸗ währt, ſo ſchoſſen die Denker in Fülle auf. Auf dieſer ſchö⸗ nen Halbinſel war der Menſch nie minder fruchtbar, als der Boden. Gebaut, ſtrotzt er von üppigen Früchten, vernachläſ⸗ ſigt, ſprießt er doch hie und da eine Frucht, eine Blume. Die flüchtige Muſterung der italiäniſchen Volkswirthſchafts⸗ gelehrten bietet viele Bemerkungen. 1) Die am wenigſten gut verwalteten Staaten, wie Neapel und Mailand, haben die meiſten ausgezeichneten Schrift⸗ ſteller erzeugt. Wo Krankheiten ſind, ſind Aerzte.**) 2) Die Schriftſteller in Neapel bilden gegenüber denen des übrigen Italiens eine beſondere Schule. Gelehrte und *) Dieſe Sammlung: Scrittori classici Italiani di Economia poli- tica, Milano presso Destefanis, 1803— 1804, zerfällt, wie wir oben ſa⸗ hen, in eine Parte antica, VII. Bände, und in eine Parte moderna, XLII. Bände. Der Band L. gibt die Inhaltsverzeichniſſe. Auf dieſe Sammlung bezieht ſich Müller, chronologiſche Darſtellung der italiäni⸗ ſchen Klaſſiker über die Nationalökonomie, Peſth 1820. **) Genua zählt nicht einen Einzigen, Venedig Viele, welche aber faſt Alle für andere Staaten ſchrieben. ller. angt, das 50 Bän⸗ ſchließt, dieſer wenig ees ita⸗ darf. heit ge⸗ ſer ſchö⸗ als der ernachläͤſ⸗ ume. ttſchafts⸗ ie Neapel Schriſt⸗ . 14) denen des rte And nia poli- oben ſa⸗ 10dernä, zuf dieſe aliäni⸗ aber ſaſt 3) — 547— Künſtler bilden allerdings eine Bundesrepublik: ſie glühen durch ein verſchiedenes Genie, aber alle wirken zum glei⸗ chen Zweck, ſie bringen dem großen Geſammtvaterland nur den Ruhm der Manchfaltigkeit. Nie laſſen ſich die von der Natur gezeichneten Züge verwiſchen. In Spanien iſt der andaluſiſche Sänger ſtets üppiger in ſeinen Bildern, als die andern ſpaniſchen Dichter. In Großbritannien ringt der Schotte nach der Tiefe im Wiſſen, der Ire brauſt im Sturm der Beredtſamkeit, der Engländer zeichnete ſich durch Gediegenheit des Urtheils und Großſprecherei aus. Bei den lombardiſchen Bearbeitern der Volkswirth⸗ ſchaftslehre gewahrt man mehr Beſtimmtheit, Raſchheit, Erfah⸗ rung, aber geringe Originalität, außer bei Ortes, welcher bis zum Uebermaaß original iſt. Es ſcheint, daß ſie den Fußſtapfen der franzöſiſchen Schriftſteller folgen, welche in Norditalien vor andern ausländiſchen Schriftſtellern ge⸗ herrſcht haben, und noch immer herrſchen. Wenn man den Genueſen ausnimmt, welcher immer ein Freund von Abentheuern war, gab ſich die Maſſe der Norditaliäner nie glänzenden Träumen und romantiſchen Ideen hin. Sie griffen immer zur Wirklichkeit. Dieſer etwas kalte und verſtändige Charakter ſcheint immer durch ihre Werke durch. Bei den Neapolitanern erkennt man Weitſchweiſigkeit, Ueberſchwellung, Ueberfülle. Der Lombarde iſt ein Fluß, der in ſeinen Ufern rinnt: der Neapolitaner iſt ein Strom, welcher austritt, die anliegenden Felder überſchwemmt, bis das Auge ſeinen Lauf nicht mehr unterſcheidet. Dagegen aber haben die Neapolitaner einen ſcharf ausgeprägten nationalen Charakter, mehr Unabhängigkeit und Origina⸗ lität. Die Lombarden berufen ſich gern auf franzöſiſche, die Neapolitaner auf ſpaniſche und vor Allem auf engli⸗ ſche Bücher. Wenn man die erſten Schriftſteller mit den letzten ver⸗ gleicht, z. B. Broggia mit Verri, ſo wird man finden: die erſten waren im Allgemeinen weitſchweifiger, als die 35. 4) — 548— letzten, und zwar aus Noth: die von jenen verkündeten Ideen waren neu für ſie und die Leſewelt: man mußte ſie erklären, auslegen, bei jedem Schritt vertheidigen, mit Bei⸗ ſpielen, Anführungen, Belegen verſehen. In der Alters reife wird die Wiſſenſchaft lakoniſch und kühn, ſie ver⸗ ſchmäht den Schutz, vertraut ſich ſelbſt. Ganilh bemerkte, daß bei der Frage, welches die pro⸗ ductivſte Arbeit ſei,„faſt jeder Schriftſteller die Ar⸗ beit, welche in ſeinem Vaterland vorgezogen wird, als die productivſte angeſehen habe.“ So ziehen die Briten meiſt die Manufacturen und den Handel, die Franzoſen den Land⸗ bau vor: in Italien theilten ſich aber die Anſichten: je nach⸗ dem die Schriftſteller den innern oder aber den See⸗Pro⸗ vinzen angehörten, ſind ſie mehr oder minder dem Land⸗ bau oder dem Handel günſtig. So begünſtigten die bei⸗ den Toscaner Paoletti und Bandini, die Lombarden Beec⸗ caria und Corniani mehr den Landbau, dagegen empfehlen Galiani, Palmieri, Genoveſi(Neapolitaner) häufiger den auswärtigen Handel, ſo wie auch Zanon und Algarotti (Venetianer) die Induſtrie hervorheben. 5) Sie ließen ſich jedoch nicht von den Beiſpielen ihres Zeit⸗ alters bewältigen: ſie waren faſt alle über die Vorurtheile und über die alten von der Zeit geheiligten Uebungen er⸗ haben. Statt ihre Lehren von den beſtehenden Einrichtun⸗ gen und Gebräuchen zu entlehnen, leiteten ſie dieſelben von allgemeinen, erhabenen Principien ab. 6) Es iſt ein beſonderer Ruhm Italiens, unter den Bearbei⸗ tern der Volkswirthſchaftslehre ſo viele Perſonen adeliger Geburt und ſo viele Staatsbeamten gehabt zu baben. Parallele zwiſchen den italiaͤniſchen und den engliſchen Volks⸗ wirthſchaftsgelehrten. Der Unterſchied zwiſchen den italiäniſchen und den franzöſiſchen Wirtbſchaftsgelehrten iſt ſo gering, daß eine genaue Vergleich⸗ ung Liter liſch die ich! ihre 1 und län ber ſcha in al Di dieſen derſel ſchrie tior thu⸗ faſt Re indeten ißte ſie i Bei⸗ Alters ie der⸗ e pro⸗ die Ar⸗ als die en meiſt n Land⸗ e nach⸗ ⸗Pro⸗ Land⸗ bei⸗ Bec⸗ fehlen er den lgarotii es Zeit⸗ urtheile gen er⸗ richtun⸗ jeſelben earbei⸗ deliger 7. Jolks⸗ zöſiſchen zergleich⸗ — 549— ung die Mühe nicht lohnt. Beide Nationen grenzen in Sprache, Literatur, Geſchmack nahe an einander, während die eng⸗ liſche Nation in allem dieſem und auch in den Schriften über die Volkswirthſchaftslehre durchaus abweicht. Daher vergleiche ich mit den Italiänern nur die Briten, welche es auch durch ihren großen Namen in der Nationalökonomie verdienen. Einer der unterſcheidendſten Züge zwiſchen den Volkswirth⸗ ſchaftsgelehrten dieſer beiden Nationen iſt die Begriffsbeſtimmung und die Art der Behandlung dieſer Wiſſenſchaft. Für die Eng⸗ länder iſt ſie eine vereinzelte Wiſſenſchaft, die, die Nationen zu bereichern: den Italiänern dagegen iſt ſie eine umfaſſende Wiſſen⸗ ſchaft, die der Staatsverwaltung, und ſie behandeln ſie daher auch in allen ihren Beziehungen zur Moral, zur öffentlichen Wohlfahrt. Die Briten, ſtets Gönner der Theilung der Arbeit, ſcheinen dieſen Grundſatz auch auf dieſe Wiſſenſchaft durch Ablöſung derſelben von jeder andern angewandt zu haben. So über⸗ ſchrieb Smith ſein Werk„Von dem Reichthum der Na⸗ tionen.“ Daher billigt der Brite, bloß dem Ziel des Reich⸗ thums zugewandt, das Syſtem der großen Güter und die ſie faſt ſtets begleitenden Fideicommiſſe, weil ſie einen größern Reinertrag abwerfen, ohne auf die ſo vielen moraliſchen und politiſchen Nachtheile, die daraus hervorgehen, zu achten. Er erhebt die Fabrikbevölkerung, weil ſie den Reichthum eines Lan⸗ des vermehrt, ohne ſich gar zu ſehr um die Verſchlimme⸗ rung ihrer Geſundheit und um die Kräftigkeit der Bevölkerung zu kümmern, welche in die Länge erſchwacht, und durch die be⸗ ſtändige Webarbeit verweichlicht. Er befördert den Gebrauch der Maſchinen, weil ſie in Fülle wohlfeiler erzeugen, ohne dar⸗ auf zu achten, daß, wenn ſie zu raſch die Gütererzeugung ver⸗ mehren, ſie plöͤtzliche verderbliche Stockungen im Handel er⸗ zeugen, und von Zeit zu Zeit Tauſende von Arbeitern der Ar⸗ beit berauben. Er ſieht in dem Arbeiter nur eine erzeugende Maſchine; er verurtheilt ihn zu einer übermäßigen Anſtrengung; ſperrt ihn in die erſtickenden Baumwollenſpinnereien, begräbt ihn in die Kohlen⸗, Zinn⸗ und Eiſenbergwerke. Und wenn er empfiehlt, ihn gut zu nähren, ſo ſcheint er es nur deßhalb zu ————ÿy——————— 5⁵⁰ thun, um ein größeres Erzeugniß von ihm zu beziehen. Der Engländer möchte alle Landbauer in Fabrikarbeiter verwandeln, und die Grundſtücke, wenn es möglich wäre, mit Maſchinen bebauen, ohne zu bedenken, daß er eine abgemagerte, bleiche, welke Bevölkerung an die Stelle einer kräftigen, gliederſtarken⸗ lange lebenden ſetze.... Herrſcht nicht in dieſer Methode, die Wiſſenſchaft zu behandeln, zu viel Handelsgeiſt, zu viel kauf⸗ männiſche Berechnung? Führt ſie nicht zu. verderblichen Fol⸗ gen, ſowohl für die Sittlichkeit, als für die geſammte Wohl⸗ fahrt, wenn die Klugheit des Geſetzgebers ſie nicht mäßigt, be⸗ richtigt? Iſt denn der einzige Zweck der Staatsgeſellſchaft der Reichthum? Und wenn er dieſes auch wäre, ſo bedenke man, daß der Reichthum ſich nicht wieder unter die arbeitenden Klaſ⸗ ſen vertheilt; der kleinſte Theil bleibt ihnen, kaum ſo viel, als nöthig iſt, ſie zu nähren und wieder zu ſtärken. Alles Uebrige häuft ſich in wenigen Händen. Die ſo behandelte Wiſſenſchaft iſt nur noch eine politiſche Arithmetik. Beſchränkt auf dieſen einzigen Zweck, gleicht ſie einem gefühlloſen Maeecchiavellismus. Dieſe Wiſſenſchaft, ſchon an und für ſich etwas trocken, ſcheint, in eine bloße Arithmetik zuſammen geſchrumpft, das Herz zu ſehr zu vertrocknen,„und jene Selbſtſucht und jenen Berechnungsgeiſt zu mehren, welcher nur gar zu ſehr in Europa verbreitet, und an die Stelle je⸗ ner ritterlichen und hochherzigen Gefühle getre⸗ ten iſt, welche ihren Schwung aus dem Herzen, und nicht aus der Berechnung und der Bilanz des Gebens und Habens empfangen“(wie Carli dachte). Ein anderer Nachtheil dieſer Methode iſt, daß ſie zu ſchmuck⸗ und reizlos wird, um eine Wiſeenſchaft beliebt machen zu können. Dieſe Bemerkung trifft weder Hume, noch Smith, welche ihre Lehren durch geſchichtliche und moraliſche Bemer⸗ kungen zu würzen wußten, ſondern ihre Nachfolger, welche dieſe Wiſſenſchaft in eine Monotonie und eine dürre Oſteologie ver⸗ wandelt haben, von deren Erforſchung die Geiſter guten Ge⸗ ſchmacks verſcheucht werden. Man vergleiche Torrens mit Ga⸗ liani, Mill mit Verri! Strebte doch ſelbſt Say, welcher die Wiſ⸗ ſenſcho ligkeit Alle die I ſtratio liche miſch kehren — K Kap Jaſſ Steu Vörter gar kei die Lan züglich themati auch e licheit aber: männ über Welch Staa welch G Volke den D Mehr wird vom Der andeln, ſchinen bleiche, ſtarken⸗ ode, die el kauf⸗ een Fol⸗ Wohl⸗ iigt, be⸗ daft der e man, Klaſ⸗ l, als brige ſchaft dieſen dmus. ſcheint, derz zu jenen ar zu le je⸗ getre⸗ rzen, z des achte). muck⸗ n zu nith, mer⸗ velche ever⸗ n Ge⸗ ait Ga⸗ ie Wiſ⸗ — 551— ſenſchaft, wie die Briten, ſo eng beſchränkte, nach Gefäl⸗ ligkeit der Darſtellung! Allerdings haben die Engländer durch dieſe Nüchternheit die Wiſſenſchaft gefördert, ſie der mathematiſchen Demon⸗ ſtration nahe gebracht, und eine ganz ſcharfe wirthſchaft⸗ liche Kunſtſprache geſchaffen. Durch Anlegung eines ökono⸗ miſchen Wörterbuchs, wo in feſter Geltung immer wieder⸗ kehren die Ausdrücke Gütererzeugung— Verzehrung — Kapital— Stehendes Kapital— Umlaufendes Kapital— Umlauf— Mitwerbung— Credit— Paſſivität— Activität— Directe und indirecte Steuern— Productive Dienſte u. a.(von welchem Wörterbuch die Italiäner des verfloſſenen Jahrhunderts faſt gar keine Kunde hatten) haben die Briten, ſich wenig um die Langeweile der Leſer kümmernd, die Viſſenſchaft vor⸗ züglich gefördert, in der Abſicht, dieſelbe dadurch zur ma⸗ thematiſchen Evidenz zu erheben. Dadurch ſind freilich aber auch einige neuere engliſche Schriftſteller bis zur Unverſtänd⸗ lichkeit dunkel geworden, wie Ricardo. Ganz entgegengeſetzt aber iſt die Sprache und die Schreibart der britiſchen Staats⸗ männer. Die Reden Robert Peel's, Huskiſſon's, Robinſon's über das Papiergeld ſind eben ſo klar, als tief und beredt. Welch' ein Unterſchied zwiſchen dieſen von Allen verſtandenen Staatsreden und den hieroglyphiſchen Blättern Ricardo's, welche bloß von den Eingeweihten verſtanden werden! Ganz anders iſt die Methode der Italiäner. Sie geben der Volkswirthſchaftslehre den weiteſten Umfang, ſuchen nicht bloß den Reichthum, ſondern auch den möglich großen Wohlſtand der Mehrzahl. Nach vielen Geſichtspunkten und nach den Folgen wird jeder Grundſatz und jedes Geſetz geprüft. Iſt die Sprache vom Kornhandel, ſo gehen ſie bis auf das Eigenthumsrecht zurück, und enden mit der Unterſuchung, ob die Politik ge⸗ ſtatte, daß der Unterhalt einer Bevölkerung von der unſich⸗ ern Getreideeinfuhr abhänge. Handelt es ſich vom Syſtem der großen Güter, ſo betrachten ſie den Einfluß der Erſt⸗ geburtsrechte auf die öffentlichen Sitten und auf die Ein⸗ — —-— 552— tracht der Familien. Handelt es ſich von dem größern Er⸗ trag der Ländereien, ſo ziehen ſie demjenigen Syſtem, welches das Land entvölkert, aber die Bevölkerung mehr bereichert, jenes vor, welches weniger Reichthum erzeugt, aber den Grundbeſitz unter Viele vertheilt, und eine ſtarke, kriegsrüſtigere, ſittliche und ruhige Bevölkerung nährt. Für den Italiäner iſt die Volkswirthſchaftslehre verwickelter, da ſie ihm eben ſo wohl Ge⸗ rechtigkeit, gute Sitte, Wohlſtand der Bevölkerung, als Macht und Reichthum erzielen ſoll. Welch' ein Unterſchied zwiſchen dem doppelten wirthſchaftlichen und politiſchen und dem einfach wirthſchaftlichen Geſichtspunkt! So ſind die Fragen für den Italiäner verwickelt, ſchwerer zu löſen; doher fiel die Wiſſen⸗ ſchaft in Italien auch an die unterrichtetſten Philoſophen und gebildeiſten Schriftſteller, wie Genoveſi, Verri, Beccaria, Fi⸗ langieri, Mengotti u. A.: gerade aber, weil ſie hier mehr eine Geſetzgebungswiſſenſchaft iſt, hat ſich der Adel auch ihr mehr zugewandt. Eben ſo haben die Italiäner, ſtets Verehrer des Schönen⸗ auch die Blüthe des Schönen, des eleganten Geiſtes, hier nie⸗ der gelegt. Hätten ſich Viele derſelben mehr zu beſchränken gewußt, und den Ballaſt der Gelehrſamkeit beſeitigt, ſo wären ſie mehr ge⸗ leſen worden. Allein ſollte es nicht zwiſchen den beiden Aeußerſten, der italiäniſchen Zerfloſſenheit und der engliſchen Trockenheit, eine Mittelart geben, welche Gedrängtheit mit Eleganz verbin⸗ det? Liest man Necker, Ganilh, Say, Sismondi, ſo ſcheinen die Franzoſen dieſe glückliche Mitte gefunden zu haben, vorher aber noch Beccaria und Verri. Der andere unterſcheidende Charakter zwiſchen den engliſchen und den italiän. Volkswirthſchaftsgelehrten, nur eine Folge des erſten, beſteht in den verſchiedenen Mitteln, die Quantität der Gütererzeugung zu erzielen. Beide unterſuchen die Gütererzeu⸗ gung, die Briten nur unmittelbarer. Daher wenden ſie ver⸗ ſchiedene Mittel an, um ſie zu erzielen, und erwirken ſie mit beträchtlichen Opfern. Dieſem Zweck opfern ſie die Kraft und Ge⸗ ſundheit der Bevölkerung(gerade als wenn ſie ganz England in Eine und O welche Schwa drohlie Kei Prin⸗ tig; mehr ſetzte noch des U weil Andere zur Be klͤrung Tugen lih iſ Geſit Zeite D. dürf zeug freie dern nige der ſie wela viele beit, in R hern Er⸗ ches das , jenes undbeſitz ſittliche * iſ die wohl Ge⸗ ls Macht zwiſchen zm einfach für den Wißſen⸗ hen und ia, Fi⸗ hr eine r mehr Schönen⸗ hiet nie⸗ ußt, und mehr ge⸗ eußerſten, ockenheit, verbin⸗ ſcheinen , vorher gliſchen lge des tät der ererzeu⸗ ſe ver⸗ u ſie wit ſt vnd Ge⸗ 6 Etgland ——— — in Eine Werkſtätte verwandeln wollten), die öffentliche Ruhe und Ordnung, indem ſie überall eine Bevölkerung gründen, welche meuteſüchtig, dem Verhungern ausgeſetzt, durch die Schwankungen des Handels und die Stockungen der Arbeit be⸗ drohlich wird. Keine Nation kennt und übt beſſer, als die engliſche, das Princip des Bedürfniſſes, als ein Mittel, 1) den Menſchen thä-⸗ tig zu machen, 2) die Gütererzeugung der ganzen Welt zu mehren, 3) die Einzelnen und die Völker zu ſittigen. Die Alten ſetzten die Tugend in die Entbehrung, und dieſe Lehre rankt noch in die Gegenwart herab. Einige fürchten die Wirkungen des Luxus, Andere rühmen die Zertheilung des Grundbeſitzes, weil ſie eine größere Zahl ſtarker, geſitteter Bürger unterhalte: Andere empfehlen die Nüchternheit, Einfachheit, Enthaltſamkeit zur Bewahrung der Tugend im Volk, Andere rügen die Auf⸗ klärung der niedern Klaſſen. Dieſes Syſtem, welches mit der Tugend, vielleicht auch mit dem Glück der Einzelnen verträg⸗ lich iſt, iſt aber nicht am geeignetſten, die Gütererzeugung, die Geſittung, die Macht, den Reichthum einer Nation in unſern Zeiten zu fördern. Dagegen wenden ſich die Briten zu dieſem Behuf an die Be⸗ dürfniſſe. Ihnen iſt das Bedürfniß der Sporn der Güterer⸗ zeugung, wie die Wißbegierde die Mutter der Wiſſenſchaft. Der freie Menſch arbeitet weder aus Inſtinkt, noch aus Luſt, ſon⸗ dern für die Befriedigung der Bedürfniſſe, und mehr oder we⸗ niger, je nachdem dieſe mehr oder weniger ſind. Der Spanier, der Portugieſe, der Lazzarone von Neapel ſcheuen die Arbeit, weil ſie dieſelbe nicht zu der Befriedigung von Bedürfniſſen führt, welche ſie nicht haben. Der Engländer dagegen, welcher ſo viele Bedürfniſſe hat, fühlt einen beſtändigen Stachel zur Ar⸗ beit, um nicht gewiſſe Bequemlichkeiten zu miſſen, welche für ihn Nothwendigkeiten des Lebens geworden ſind. Als er noch wenigere Bedürfniſſe hatte, arbeitete er weniger, und wenn der Spanier einige Bedürfniſſe mehr kennen wird, ſo wird auch er die Stunden des Müſſiggangs beſchränken. Auf dieſe Weiſe bringen die Briten auch wilde und faule Stämme zur Thätig⸗ — — 554— keit, indem ſie ihnen die lockenden Kleinigkeiten ihrer Fabri⸗ ken bringen: ſie bedienen ſich alſo der Verzehrung, um die Er⸗ zeugung zu erhöhen. Sie haben das zur Quelle des Reich⸗ thums gemacht, was für die Alten eine Quelle der Ar⸗ muth war. Eben ſo benützen die Briten den Volksunterricht, um die Menge vernünftiger, gelehriger, milder, tugendhafter zu ma⸗ chen, und es iſt ihnen dieſes gelungen: das Volk iſt mäßi⸗ ger, gaſtlicher, duldſamer, weniger zankſüchtig, minder ſtür⸗ miſch geworden. Dieſe zwei verſchiedenen Syſteme haben auch verſchiedene Fol⸗ gen. Das der Italiäner, welches zur Grundlage mehr die Mäßigkeit, Ruhe, Geſundheit, als die Bequemlichkeit, mehr die Stärke, als den Unterricht hat, ſtrebt zur Unbeweglichkeit oder höchſtens zu einer langſamen Fortbewegung zur Vollkommen⸗ heit. Das der Briten iſt von einer ſtändigen und wachſenden Bewegung erregt, welche die Geſellſchaft raſch in das letzte Stadium der Geſittung drängt! Die Werke über die Volkswirthſchaftslehre ſind in England gleich⸗ ſam natürliche Früchte des Bodens. Unmittelbar vor dem lebendigen Vorbilde des Verkehrs mit der ganzen Welt, inmitten der Ver⸗ handlungen über öffentliche Angelegenheiten in und außer dem Parliament, muß die Wiſeenſchaft gedeihen: eine freie Regie⸗ rung iſt eine beſtändige Schule des Staatsmanns. England ſelbſt iſt nur ein großes Handlungshaus. Alle anderen Wiſ⸗ ſenſchaften waren auf dieſer Inſel ſchon voran geeilt. Die Freiheit, welche Alles in's Gleichgewicht ſetzt, hob ſchnell auch dieſe Wiſſenſchaft zur Höhe der andern. Smith gelangte viel⸗ leicht zur nämlichen Höhe in ſeiner Wiſſenſchaft, als in der Aſtronomie Newton geſtiegen war. In Italien hingegen ſind die Bücher über dieſe Wiſſenſchaft wahre Treibhausgewächſe. Die Schriftſteller genoſſen nur von Zeit zu Zeit Duldung, nie Freiheit. Sie verſchleiern oft die Wahrheit, bitten manchmal ab, Recht zu haben. So Bandini, Zanon, Broggia, Genoveſi, Ortes. Selbſt Maria Thereſia und Joſeph II. hoben nicht ganz die Schranken freier, wiſſenſchaft⸗ licer B fuhren. Die dem Pa von der rung weil d ſie all Lände den 7 Die hen m Vegen velcher aus dieſ den Bli Freiheit ten ſie Länder Gan dieſen auf e „Norde die S oft zu find, Da nützte ſo vie keine? gend de meh Grr ren auff Fabri⸗ die Er⸗ Reich⸗ er Ar⸗ um die zu ma⸗ ſt mäͤßi⸗ eer ſtür⸗ ene Fol⸗ hr die yr die oder men⸗ enden letzte gleich⸗ endigen eer Ver⸗ ßer dem Regie⸗ England en Wiſ⸗ t. Die auch e viel⸗ in der nſchaft ur von oft die Sandini, reſia und ſenſchaft⸗ — 3555— licher Bewegung weg, wie Carli, Verri, Beccaria er⸗ fuhren. 4 Die Engländer ſprechen ausführlicher und gründlicher von dem Papiergeld, Staatscredit, von der Theilung der Arbeit, von den Kolonien, weil ihnen ihr Vaterland eine reiche Erfah⸗ rung darüber bietet. Die Italiäner ſprachen wenig hievon, weil dieſe Gegenſtände ihnen unbekannt ſind: dagegen ſprachen ſie allein gründlich von Freihaven, von der Kataſtrirung der Ländereien, von den Leihhäuſern, den milden Stiftungen, von den Münzen und Münzſtätten. Die Engländer, mit Ausnahme von Smith und Hume, ge⸗ hen mit ihren Betrachtungen faſt nie über ihre Inſel hinaus. Wegen dieſes eigenthümlichen Egoismus' des freien Mannes, welcher alle ſeine Gedanken auf ſein Vaterland ſammelt, aus dieſem eigenen Stolz faſt aller Inſelbewohner, werfen ſie den Blick nicht auf andere Nationen. Mit Recht ſtolz auf ihre Freiheit, erfreut über den Wohlſtand ihres Vaterlandes, hal⸗ ten ſie es für unnütz, Rathſchläge Schriftſtellern minder freier uner abzubetteln. Ganz anders iſt die Lage der italiäniſchen Schriftſteller. Ohne dieſen Gegenſtand gerechten Nationalſtolzes ſehen ſie mit Neid auf einige in Wohlſtand und Macht blühende Nationen des Nordens. Deßwegen greifen ſie über Italien hinaus, feiern die Schriftſteller, die Inſtitutionen, Geſetze des Auslandes und oft zu ſehr, weil ſie Beiſpiele, die für Italien nicht geeignet ſind, vorſchlagen. Da die Freiheit die beſte Geſetzgeberin der Völker iſt, ſo nützten die volkswirthſchaftlichen Schriftſteller Englands nicht ſo viel, als die Italiens und anderer Länder. Kein Geſetz, keine Reform kömmt in England auf Rechnung des Werkes ir⸗ gend eines Volkswirthſchaftsgelehrten. Das Werk Locke's über die Münzen kam erſt nach der Reform des Geldweſens, war mehr eine Apologie, als ein Vorſchlag. Die freiſinnigern Grundſätze, welchen die britiſche Regierung ſeit wenigen Jah⸗ ren im Handel mit dem Ausland folgt, ſind eher Maaßregeln, aufgedrängt von der Noth, von dem Wechſel der Zeiten, und von den — 556— Beziehungen zu den auswärtigen Nationen, als eine den Leh⸗ ren Smith's gebrachte Huldigung. Zwar haben auch die Bü⸗ cher der engliſchen Volkswirthſchaftsforſcher einigen Nutzen ge⸗ bracht, Vorurtheile zerſtreut, die Nation belehrt, die zerſtreuten Ideen einer Nation beſtimmter geſammelt, das Denken geför⸗ dert; aber ſie halfen ihrem Vaterland nicht ſo direct, wie die italiäniſchen dem ihrigen. Müßten auch die Italiäner den Aus⸗ ländern die Palme rückſichtlich der Anteriorität der Entdeckun⸗ gen, der Tiefe, der Univerſalität reichen, ſo bliebe ihnen doch die größte, die, ihrem Vaterland genützt zu haben. Dieſer Ruhm iſt nicht in Colliſion mit der Eiferſucht der andern Na⸗ tionen; er iſt ein ungetheiltes Gut, das ſie im Frieden genie⸗ ßen können. Sehen wir daher in einem kurzen Ueberblick, wel⸗ ches die Verbeſſerungen ſind, welches das wirklich unleugbare Gut iſt, das ſie den verſchiedenen Staaten brachten, in welchen ſie ſchrieben. Alle jene, welche die Wiſſenſchaft von der Volkswirthſchaft pflegen, können ihre Aufmerkſamkeit hier nicht verſagen. Die Glorie, welche auf die italiäniſchen Schrift⸗ ſteller fällt, ſtrahlt auf die Wiſſenſchaft zurück. Von dem Einfluß, welchen die volkswirthſchaftlichen Schriftſteller auf die im Laufe des 18. Jahrhunderts in den verſchie⸗ denen Staaten Italiens eingefuͤhrten Re⸗ formen uͤbten. In der Regel trägt die Wiſſenſchaft nur langſam ihre Früchte für die öffentliche Verwaltung: nur ſpät ranken dieſe die Zeiten hindurch, und Jahrhunderte lang ſind ihre Ausſprüche erſchol⸗ len, ehe ſie das praktiſche Leben aufnahm. Dieſes Schickſal hatten jedoch in Italien die volkswirthſchaft⸗ lichen Schriften nicht; denn die dort im Laufe des 18. Jahr⸗ Gundel größte unmitt ſchläge Unglä Theil wurd Se ler ĩd des! einme iher/ auwan Die bau li vergen hatter Lodi, land chen gang Mül hand unte Uehe von den Leh⸗ die Bü⸗ kutzen ge⸗ zerſtreuten iien geför⸗ t, wie die er den Aus⸗ Entdeckun⸗ ihnen doch en. Dieſer indern Na⸗ den genie⸗ gNick, wel⸗ nleugbare chten, in chaft von mmkeit hier en Sahrift⸗ ſteller auf en verſchie⸗ Re⸗ hre Früchte edie Zeiten iche erſchol⸗ swirihſchat — 552— hunderts in mehren Provinzen ausgeführten Reformen waren größtentheils den Schriften, welche ſie forderten, ſo nahe und unmittelbar, und viele derſelben auch den Urhebern der Vor⸗ ſchläge ſelbſt vertraut, daß auch die gegen die Wiſſenſchaften Ungläubigſten genöthigt ſind, zu bekennen, daß der größte Theil der Verbeſſerungen der politiſchen Oekonomie verdankt wurde. Schon in der Einleitung habe ich die Unordnungen und Feh⸗ ler der verſchiedenen Regierungen Italiens faſt bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts dargeſtellt. Ich verzeichne ſie noch einmal flüchtig, wobei ich ihnen die Mittel der Abhilfe gegen⸗ über ſetze, welche die Schriftſteller direct oder indireet dagegen anwandten. Oeſtreichiſehe Lombardei. Die Grundſteuer war ungleich, ſchlecht vertheilt; der Land⸗ bau litt darunter. Die indirecten Steuern waren an Pächter vergeben, welche ein wahres Plünderungsſyſtem dabei gebildet hatten. Das Herzogthum, das Gebiet von Pavia, Cremona, Lodi, Como, die Provinz Caſal Maggiore und die Stadt Mai⸗ land für ſich, bildeten 7 getrennte Gerichtsbarkeiten, von wel⸗ chen jede einen beſondern Eingangs⸗, Ausgangs⸗ und Durch⸗ gangszoll hatte. Daher war der Handel gefeſſelt und geplagt, die Münzen waren in Unordnung, die Regalien veräußert; der Korn⸗ handel gefeſſelt, die Gemeinden ſchlecht verwaltet, überſchuldet, unter ſich in Fehde. Eine Menge Klöſter; die Folter; eine Ueberfülle von Geſetzen, die Wiſſenſchaften vernachläßigt, die von der Geſetzgebung faſt unbekannt. Neri leitete den Ober⸗Cataſter⸗Ausſchuß der Beſteuer⸗ ung, welche ein neues Cataſter und eine neue Einſchätzung der Gründe ausführte. Die Grundſteuer wurdegleichheitlich vertheilt; die Gemeindeverwaltung auf einer centralen und repräſentativen Grundlage wieder geordnet. Derſelbe Neri brachte die Münzeon⸗ vention zwiſchen der Lombardei und Piemont zu Stande, welche 58— die Münzen beider Staaten in ein gehöriges Gleichgewicht ſetzte. Beccaria wirkte zur Reform des Münzweſens mit, ſo wie noch mehr zur Abſchaffung der Folter, zur Reform der Geſetze und des Strafverfahrens. Er war auch Urſache, daß ein Lehr⸗ ſtuhl für die politiſche Oekonomie errichtet wurde. Carli wirkte zur Berichtigung des Münzſyſtems mit. die Abſchaffung der Zollpachtungen. Er entwarf einen neuen Zolltarif, durch welchen die Binnenzölle zwiſchen Provinz und Provinz aufgehoben wurden. Er führte die Aufſtellung von Handelsbilanzen ein: entfeſſelte vielfach den Kornhandel, hob die alten Reſte der Zunftrechte auf, gab die Ausübung der Ge⸗ werbe frei. Er wirkte mit Beccaria zur Gründung einer pa⸗ triotiſchen Geſellſchaft mit der Beſtimmung, den Landbau zu er⸗ muntern; zur Herausgabe einer literariſchen Zeitſchrift, welche die Liebe zu den Wiſſenſchaften erweckte, und den guten Ge⸗ ſchmack und die gute Kritik verbreitete. Die Regierung unterſtützte den von dieſen Schriftſtellern ge⸗ gebenen Schwung. Sie hob die Feudalordnungen auf, ebenſo eine Menge Klöſter, und ließ von den Frauen⸗Klöſtern nur jene der Lehrfrauen für Mädchen beſtehen. Sie beſchränkte die Schenkungen und die Vermächtniſſe an die todte Hand. Sie ſtellte einige Poſtſtraßen wieder in Stand. Zog einen neuen Kanal von der Adda, welcher die Waaren nach der Haupt⸗ ſtadt bringt. Sie verſchönerte dieſe mit Spaziergängen und Theatern. Die Folgen dieſer Verbeſſerungen konnten nicht ausbleiben; die Bevölkerung nahm zu; 10 Jahre nach der Steuerregulirung war ſie von 900 tauſend auf 1,100 tauſend geſtiegen. Der Handel und die Induſtrie athmeten wieder auf. Die Regierung hatte einen hochherzigen Gang genommen. Toscana. Verri löste die Regalien wieder ein, rieth und vollführte Obwohl Toscana in jeder Beziehung in einer beſſern Lage — war, berüh! ſetgel nicht Anba neuer Bis erfol jede als din⸗ Na Kornhe treideal eine E den Ve trags Der Mittel former noch verſe ſaw⸗ der ein Her das 559— ſiogevicht war, als die Lombardei, ſo hatte es doch, als Bandini ſeinen berühmten Discorso ſchrieb, faſt dieſelben Fehler in ſeiner Ge⸗ t ſo wie ſetzgebung und Regierung. Bandini beſtimmte die Regierung e Geſetz nicht bloß zu ihren Waſſerbauten, um eine ganze Provinz dem ein Lehr⸗ Anbau wieder zu öffnen, ſondern auch zur Einführung einer neuen Ordnung der Geſetze und freierer Handelsgrundſätze. mit. Bis 1762 war in Toscana der Kornhandel gefeſſelt: es volfit erfolgten häufige Theuerungen. Von 1762 bis 1790 wurde rte 3 8.. ger Keef jede Feſſel weggenommen, der Handel wurde hier freier, zpit, ufd als in der Lombardei. Der Förderer dieſer Freiheit war Ban⸗ ung von bini. el, hob Paoletti hob, auf den nämlichen Grundſatz geſtützt, den der Ge⸗ Kornhandel und dadurch den Landbau. Außer der freien Ge⸗ ner pa⸗ treideausfuhr erwirkte Paoletti durch ſeine kleinen Schriften zu er⸗ eine Entlaſtung für das Landvolk, ſtimmte die Regierung für welche den Verkauf der Gemeindegüter und die Erhöhung ihres Er⸗ nen Ge⸗ trags durch die Privatinduſtrie. Denſelben Uebeln ſetzte der Großherzog Leopold dieſelben ellern ge⸗ Mittel der Abhilfe entgegen. Allein außer den nämlichen Re⸗ ff, ebenſo formen, welche in der Lombardei ausgeführt wurden, machte er ſtern nur noch viele andere Anordnungen. Franz I. wollte die vielen und ränkte die verſchiedenen Munieipalgeſetze Toscana's in Ein Geſetzbuch— and. Sie ſammeln. Er führte jedoch vielfach die alte Geſetzgebung wie⸗ een neuen der in's Leben. Erſt Leopold vollführte dieſe Reform. Er gab r Haupe ein Strafgeſetzbuch, würdig des Geiſtes Beccaria's und des ggen und Herzens eines Titus. Er ſchaffte die Todesſtrafe, die Folter, das Majeſtätsverbrechen, die Vermögenseinziehung, den Reini⸗ bleiben gungseid der in einer ſtrafrechtlichen Unterſuchung Befindlichen, die Generalpachten der Steuern ab, er hob jedes Privilegium zulirung auf, beſchränkte das Recht, Fideicommiſſe zu errichten. In kirch⸗ n Der lichen Dingen war er noch ein muthigerer Reformer, als die degieruns lombardiſche Regierung. Auch ließ er eine Ueberſicht der Staatseinkünfte von 1765 bis 1789 bekannt machen, eine neue nützliche und muſterhafte Oeffentlichkeit. deſſern Lage Zahllos ſind die in Toscana nach 1750 ausgeführten Ver⸗ ———— -— 560— beſſerungen, ſowohl an Straßen, Kanälen, Haven, Verſchöner⸗ ungen der Städte und öffentlichen Lehranſtalten. Die guten Ergebniſſe waren auch größer im Verhältniß zu der größern Zahl der Reformen. Landbau, Induſtrie, Handel, Bevölkerung, öffentliches Einkommen, Alles wuchs und blühte. Leopold's Neuerungen erzeugten ein ſo glückliches Wohlſein und Leben, daß ſelbſt jetzt Toscana nur Weniges zu wünſchen hat. Königreich Neapel. Keine Straßen, keine Verkehrsmittel von Provinz zu Pro⸗ vinz, zwiſchen der Hauptſtadt und den Provinzen; keine Ma⸗ nufacturen, keine Freiheit des Kornhandels; Monopole vieler Bodenerzeugniſſe; Unordnung im Münzweſen; unbeſchränktes Weiderecht; keine Geſchloſſenheit der Güter; ungeheure Domä⸗ nen und Gemeindegüter; ein Gemiſch normanniſcher, lombardi⸗ ſcher, arragoniſcher, anjouiſcher, ſpaniſcher, öſtreichiſcher Geſetze; eine Menge Geſetzverſtändiger, Fideicommiſſe, Lehen und wohl 10,000 Lehensträger, Barone, Lehensbeſitzer, Feinde ſowohl der königlichen Gewalt, als des Volkes; ausſchließliche Rechte in Bezug auf Jagd, Fiſcherei, Backöfen, Mühlen: 31 tauſend Mönche, 23 tauſend Nonnen, 50 tauſend Weltprieſter, 22 Erz⸗ biſchöfe, 116 Biſchöfe: der Klerus von den Steuern befreit, in 14 Provinzen nicht ein einziger Gerichtshof; alljährlich mehr als 3 tauſend Raubmorde, und mit denen Siciliens 5 tauſend; die Kerker angefülit bloß mit Unglücklichen, welche die Jagdgeſetze verletzt oder irgend einen kleinen Diebſtahl begangen hatten; das war der Zuſtand des Königreichs Neapel gegen die Mitte des vorigen Jahrhunderts. Der von Sicilien war vielleicht noch ärger, da die Feudallaſten es noch ſchwerer drückten. Broggia erbhob ſich ſo kräftig gegen die Mißbräuche der Verwaltung, daß er auf viele Jahre verbannt wurde. Galiani ſchrieb mit ſo großer Evidenz und ſo vielem Witz gegen die Gebrechen des Münzweſens, daß er eine vollſtändige Reform erwirkte. oner⸗ guten öͤßern rrung, pold's Lehen, Nro⸗ Ma⸗ ieler nftes mä⸗ ardi⸗ ſetze; wohl h der chte in auſend 2 Erz⸗ reit, in mehr auſend; dgeſetze hatten; Mitte elleicht he der Aem Witz ſräͤndige — 561— Genoveſi vertheidigte immer die Unabhängigkeit des Kö⸗ nigreichs gegen die Anſprüche Roms; entzündete die Liebe zu den Wiſſenſchaften, machte ſeine Landsleute mit einer Menge ausländiſcher Werke über die Geſetzgebung bekannt; und ſetzte es durch ſein Verdienſt durch, daß in Italien der erſte Lehr⸗ ſtuhl der politiſchen Oekonomie errichtet wurde. Filangieri ermunterte die Regierung, in der Aufhebung der Lehen und der Rechte der Barone fortzufahren. Er hatte Al⸗ les ſo begeiſtert, daß der König Ferdinand ſeine Kolonie von S. Leucio nach einer der Lehre Filangieri's gemäßen Ge⸗ ſetzgebung verwalten laſſen wollte. Palmieri hob während ſeiner Verwaltung einige Geleite⸗ gelder, mehre Monopole auf, und reformirte den Zolltarif. Er erließ einige gute Verordnungen über den Getreidehandel, und rieth, ein neues Grundeataſter anzulegen. M. Delfico erwirkte die Aufhebung einiger Mißbräuche und vertheidigte das Begehren der Beſitzer der königlichen Weidefelder, dieſe mit Bäumen anpflanzen zu dürfen. Alle dieſe Schriftſteller bereiteten, wenn ſie im Leben auch nicht alle von ihnen angegebenen Reformen durchſetzten, doch den Weg allen den nützlichen Reformen, welche in Neapel von 1798 an eingeführt wurden. Die Regierung Ferdinands war den Rathſchlägen der Schrift⸗ ſteller weder ſo zugänglich, noch ſo gläubig an Reformen, wie die Leopolds und Joſephs II. Gleichwohl beſchränkte er die Gewalt der Lehenträger, die Zahl der Bettelorden, legte ein Cataſter an, das die Grundſteuer ſicher machte. Schon dieſes Wenige belebte den Landbau und Handel, machte den Lebensunterhalt leichter; etwas vor 1750, als Broggia ſchrieb, ging die Bevölkerung nicht über 3 Millionen; 1790 über⸗ ſchritt ſie 5. Wenn die andern Staaten Italiens nicht die nämlichen Re⸗ Blangui, Geſchichte d. polit. Oekonomie. II. Bd. 36 — 562— formen durchführten, wie die drei angegebenen Staaten, ſo war dieſes, weil ſie entweder nicht das gleiche Bedürfniß hatten, wie Venedig und Genua, oder weil ſie, wie Rom und Pie⸗ mont, keine Reihe von Schriftſtellern gehabt hatten, welche mit Beharrlichkeit und Hartnäckigkeit die öffentliche Meinung, die Königin der Welt, gewonnen hatten. Zanon jedoch nützte ſeinem Vaterland durch Schriften und Beiſpiel: er förderte im Gebiet von Udine die Seidenzucht, legte in Venedig eine neue Sammetmanufactur an. Ricci beſtimmte ſpäter die Regierung von Modena, in der Verwaltung der milden Stiftungen die Reformen vorzunehmen, welche er als nöthig nachgewieſen hatte. Das ſind die unmittelbaren und wirklichen Vortheile, welche viele Volkswirthſchaftsgelehrten des verfloſſenen Jahrhund. durch Schriften und Thaten brachten. Alle zuſammen wirkten ferner, um deren viele andere zu erzeugen, welche, obwohl ſie bei dem erſten Anblick nicht ſo augenfällig waren, doch eben ſo bedeutend und vielleicht noch allgemeiner ſind. Der größte Vortheil dieſer iſt die Aufhebung jeder Körperſchaft, jedes Vorrechts, wogegen die Gleichheit der Rechte jeder Klaſſe der Bürger vor dem Geſetz eingeführt wurde. Schon früher war erwieſen worden, daß eine ſolche Gleichheit gerecht war: allein erſt die politiſche Oekonomie beſtimmte die Regierungen, ſämmtliche Unterthanen denſelben Auflagen zu unterwerfen, ſo wie eine Gleichheit der Behandlung, die für das Gedeihen des Landbaues unerläßlich und für die ganze Geſellſchaft vortheilhaft iſt, einzuführen. Sie erweckten wieder die Achtung des Berufes des Handels, der ſeit mehr als 2 Jahrhund. in einigen Provinzen Italiens in Mißachtung geſunken war. Sie zeigten den Adeligen, daß, wenn ſie die erſten Staatsämter anſprächen, die Wiſſenſchaft von der Verwaltung dieſes ihres Ehrgeizes nicht unwürdig wäre. Sie zerſtörten das Vorurtheil der Aufwandsgeſetze, den Haß gegen den Luxus. Sie förderten die nützlichen Studien, indem dieſe den Eifer von dem Studium der Alterthümer und der Dichtkunſt ab⸗, und an ſich zogen. Genoveſi ſagt, daß, als er in Neapel ſeine Vorleſungen über die politiſche Oekonomie eröffnet Etudiu und au brachte Achtu⸗ aller, förde den, daß ter ſ ſchen endli dere, ſer n dert, beile Reich mitt ſo war hatten, Pie⸗ welche inung, nützte erte im e neue ierung gen die wieſen elche durch ener, dem ntend ſer iſt gegen r dem orden, litiſche thanen eit der lͤßlich ühren. andels, aliens daß, ſchaft ürdig e, den tudien, ner und daß, als efonomie 563— eröffnete, ganz Neapel den Büchern nachging, welche zu dieſem Studium anleiteten. Durch ihre häufigen Anführungen alter und ausländ. Schriftſteller erweckten ſie die Luſt, ſie zu leſen. Sie brachten die Wiſſenſchaft, welche ſie lehrten, zu einer ſo hohen Achtung, daß zwei Lehrſtühle derſelben in Italien, die erſten aller, errichtet wurden. Sie können ferner als die erſten Be⸗ förderer der vielen landwirthſchaftlichen Vereine betrachtet wer⸗ den, welche ſich nach ihnen ſo ſtark vermehrten. Sie zeigten, daß die Denker nicht blos Träumer, ſondern auch gute Verwal⸗ ter ſind: ſie ſänftigten ſo den Krieg, welcher früher immer zwi⸗ ſchen den Praktikern und Theoretikern beſtanden hatte. Wenn es endlich wahr iſt, daß alle Klaſſen, zumal die zahlreichſte die nie⸗ dere, gegenwärtig beſſer ſich kleidet, behaglicher wohnt, ſich beſ⸗ ſer nährt, unterrichteter, geſitteter iſt, als vor einem Jahrhun⸗ dert, ſo muß man das Verdienſt davon jenen Schriftſtellern beilegen, welche durch Förderung des Ueberfluſſes und des Reichthums die Summe der Vergnügen und der Unterrichts⸗ mittel mehrten. Nach Say waren die Volkswirthſchaftsgelehrten faſt alle Ehren⸗ männer und die beſten Vaterlandsfreunde. Die italiäniſchen be⸗ ſtätigen dieſes Urtheil. Die Moraliſten leiten unſere Gedanken und Handlungen zur Tugend, die Volkswirthſchaftsforſcher zum Geſammtwohl. Die erſtern fordern Opfer, Anſtrengungen, und laſſen bisweilen uns in's Weite verirren; die Volkswirth⸗ ſchaftsgelehrten fordern von uns nur ein kaltes Urtheil, und führen uns immer mitten unter die Wirklichkeit und unter Thatſachen. Die Volkswirthſchaftslehre iſt, ſo zu ſagen, die Wiſſenſchaft der Vaterlandsliebe. Es bleibt mir nur noch zu wünſchen, daß die Bevölkerun⸗ gen und Regierungen Italiens die Schuld der Dankbarkeit ge⸗ gen dieſe Klaſſe von Schriftſtellern anerkennen. Die erſteren, weil ſie durch ſie einer größern Freiheit, Sicherheit und Fülle der Dinge genießen; die zweiten, weil ſie durch größere Hul⸗ digung gegen die Gerechtigkeit zu größerer Macht gelang⸗ 36. — 564— ten. Von den Fremden wünſche ich, daß ſie aus dieſem meinem Auszuge doch wenigſtens den Namen vieler Schrift⸗ ſteller kennen lernen mögen, welche dem Vaterlande ſo viel genützt haben. ſchrift⸗— R viel II. Anbang. Nachtrag der neueſten italieniſchen Literatur der politiſchen Oekonomie. Uach unſerer Zuſage auf Seite 545, Note* ſind hier noch einige theils ſpäter, wenn auch noch vor dem Jahre 1832 erſchienene, aber von Pecchio nicht beachtete, theils aber erſt nach deſſen Tode bekannt gemachte Schriften aufzuführen. Zuvörderſt iſt hier zu erwähnen: Nuovo esame delle sorgenti della privata et pubblica ricchezza 65 del Dr. Carlo-Bosellini. Modena 1816, 2 voll. 8., ein Buch, welches zwar ſchon Pecchio S. 543 genannt, aber zu leicht und zu geringſchätzig behandelt hat, und welches in ſeiner ruhigen theoretiſchen Haltung freilich dem feurigen Freiheitsredner als froſtig erſcheinen mußte. 3 Es beſteht aus zwei Theilen. Der 1. Theil handelt im Hauptſtücke 1. von dem Reichthume und ſeinen Haupteinthei⸗ lungen, im Hauptſtücke 2. von dem Werthe der Dinge, im Hauptſtücke 3. von dem mittelbaren Reichthume oder dem Eigenthume, im Hauptſtücke 4. von dem unmittelbaren Reich⸗ thume oder von den Gütern, im Hauptſtücke 5. von der Verſchwendung und vom Luxus, im Hauptſtücke 6. von der wahren Urſache des Reichthums bei dem Menſchen oder von dem conventionalen Zuſtande, im Hauptſtücke 7. von den Quellen des Reichthums überhaupt, von den natürlichen, im Hauptſtücke 8. von der ſocialen Garantie als der erſten künſt⸗ lichen Quelle, im Hauptſtücke 9. von der Arbeit als der zweiten künſtlichen Quelle, im Hauptſtücke 10. von der In⸗ duſtrie als der dritten künſtlichen Quelle, im Hauptſtücke 11. von der Vorſicht und Sparſamkeit als der vierten und letzten künſtlichen Quelle, im Hauptſtücke 12. von der den immate⸗ — 566— riellen Reichthum erzeugenden Potenz, im Hauptſtücke 13. von dem materiellen Reichthume und von dem Vorzuge, welcher dem Handel gebührt, im Hauptſtücke 14. von dem Handel, von ſeinen verſchiedenen Beziehungen, im Hauptſtücke 15. von den Gewerken, im Hauptſtücke 16. von dem Landbau, im Haupt⸗ ſtücke 17. von dem allgemeinen Fonds der Reproduction, im Hauptſtücke 18. von der Wirthſchaftsbilanz. Der II. Theil beſchäftigt ſich ausſchließlich mit der Beſteue⸗ rungswiſſenſchaft, und handelt im Hauptſtücke 1. von der Auflage überhaupt, ſtellt im Hauptſtücke 2. den Grundſatz auf, daß die Staatsbürger weder nach dem Grundbeſitze, noch nach dem reinen Einkommen beſteuert werden dürfen, im Hauptſtücke 3. den Grundſatz, daß die Staatsbürger weder nach der Arbeit, noch nach den Löhnen beſteuert werden dürfen, im Haupt⸗ ſtücke 4., daß die Staatsbürger weder nach ihrem Gewerke, noch nach ihren Gewinnſten oder Gewerbserträgniſſen beſteuert werden dürfen, im Hauptſtücke 5. den Grundſatz, daß die Staatsbürger weder nach ihren Capitalen, noch nach den Zins⸗ einnahmen beſteuert werden dürfen; das Hauptſtück 6. handelt von den Uebelſtänden der Beſteuerung des Handels und der Gewerke, in Beziehung ſowohl auf das Capital, als das Ein⸗ kommen; das Hauptſtück 7. von den Uebelſtänden der Be⸗ ſteuerung der Ländereien nach ihrem Capitalwerth und Ertrag; das Hauptſtück 8. von den Uebelſtänden der Beſteuerung nach dem Vermögen im Zuſtande des Umtauſches und des Umlaufes; das Hauptſtück 9. von den Uebelſtänden der Beſteuerung des allgemeinen Fonds der Reproduction; das Hauptſtück 10. von den Uebelſtänden der Beſteuerung der Reichen; das Hauptſtück 11. von den Quellen der Beſteuerung; das Hauptſtück 12. von den Mitteln, die Steuern auf den Güterreichthum zu verthei⸗ len; das Hauptſtück 13. von den die Beſteuerung regelnden Maximen; das Hauptſtück 14. von der erſten Quelle der Be⸗ ſteuerung, oder von den Auflagen auf die Boden⸗Erzeugniſſe; das Hauptſtück 15. von der zweiten Quelle des Nationalvermö⸗ gens, oder von den Auflagen auf die Erzeugniſſe der heimi⸗ ſchen Induſtrie und des Binnenhandels; das Hauptſtück 16. Be⸗ trag; nach ufes; des von ſtüch von hei⸗ den Be⸗ uiſſe; erwö⸗ eimi⸗ d 16. — 567— von der Beſteuerung des Gebrauches einiger Sachen; das Haupt⸗ ſtück 17. von der dritten Quelle des Nationalvermögens, oder von der Beſteuerung der ausländiſchen Boden⸗ und Gewerks⸗ Erzeugniſſe; das Hauptſtück 18. enthält die Prüfung einiger Uebelſtände, welche dieſer Art von Auflagen ſich zuſchreiben laſſen; das Hauptſtück 19. handelt von den Grenzen und dem Umfange der Beſteuerung; das Hauptſtück 20. von dem Ver⸗ hältniſſe der Beſteuerung zu der Wirthſchaftsbilanz; das Haupt⸗ ſtück 21. von den den Regierungen gehörigen Grundbeſitzungen und Gewerkszweigen und den daran haftenden Nachtheilen; das Hauptſtück 22. enthält die Prüfung der Arten der Ein⸗ bringung der Auflagen; das Hauptſtück 23. handelt von den Vortheilen des öffentlichen Credits, und gibt die Unterſuchung über die Schulden eines Staates; das Hauptſtück 24. handelt von den Vergütungen der vom Staate geleiſteten Verrichtungen(Ge⸗ bühren), oder von den Gefällen von den Arten des Eigenthums; das Hauptſtück 25. ſchließt mit Bemerkungen über den Einfluß der Steuern auf die geſchichtlichen Wechſel der Reiche. Das zweite hier zu beachtende Werk iſt das von Francesco Fuoco: Saggi economici. Prima Serie. Tomo I. Pisa presso S. Nistri, 1825. XX. 328. 8. Tomo II. 1827. 480. Das ganze Werk enthält 7 wirthſchaftliche Verſuachh. Im I. Bande folgt nach einer allgemeinen Einleitung als I. Ver⸗ ſuch die Darlegung einer neuen Theorie über die Grundrente. Das Hauptſtück 1. gibt nach einem beſondern Proömium die hier gel⸗ tenden Principien an, das Hauptſtück 2. die Auseinanderſetzung der neuen Theorie über Grundrente, das Hauptſtück 3. die entſcheiden⸗ ſten Bemerkungen über ihre Anwendung, das Hauptſtück 4. die innigſten Beziehungen der neuen Theorie zu den Grundprincipien der politiſchen Oekonomie, das Hauptſtück 5. Anwendungen und Folgen der neuen Theorie, das Hauptſtück 6. u. 7. die Widerlegun⸗ gen der gegen die neue Theorie gemachten Einwürfe, zumal auch Einwendungen gegen die von J. B. Say gegen das Werk Ricar⸗ do's gemachten kritiſchen Noten. Im Hauptſtück 8. folgt als Digreſ⸗ ſion eine Darſtellung der Analogie zwiſchen der landbauenden und Manufaktur⸗Induſtrie, und im Hauptſtücke 9. als Epilog — 568— und Schluß dieſes Verſuches die Entwicklung des allgemeinen Syſtems der Induſtrie. Der II. Verſuch führt die Ueberſchrift: Metaphyſil der politiſchen Oekonomie, welche in in einem vorgehenden Avvertimento erklärt und gegen Mißdeutungen gewahrt wird, ſo wie daſſelbe auch den Zweck dieſes Verſuches darſtellt. Im Hauptſtücke 1. werden die menſchlichen Bedürfniſſe, mit deren Befriedigung, ſo weit ſie materielle ſind, die Wirth⸗ ſchaftslehre ſich beſchäftigt, nach ihrem Urſprunge, ihrem Weſen und nach den Beziehungen, welche ſie zum allgemeinen Syſtem der Oekonomie haben, betrachtet, und zwar unter⸗ ſucht der§. 1. den Urſprung, das Weſen und die verſchie⸗ denen Arten der Bedürfniſſe, der§. 2. betrachtet die Be⸗ dürfniſſe in Beziehung auf den Menſchen als Erzeuger der Werthe, der§. 3. unterſucht ſie in Beziehung auf den Men⸗ ſchen als den Verzehrer der Werthe, während der§. 4. eine Reaſſumtion des Inhalts des Hauptſtücks und die Schluß⸗ folgerung enthält. Das Hauptſtück 2. entwickelt die weſentliche Coordimation der Zahl und der Manchfaltigkeit der Bedürfniſſe mit der Zahl und der Manchfaltigkeit der Arbeiten; das Hauptſtück 3. gibt das organiſche Syſtem der menſchlichen Induſtrie an; das Hauptſtück 4. die innigen Beziehungen des Syſtems der Induſtrie zu den Arten des Eigenthums, zu dem Güter⸗ umlauf und zu dem Handel, welche Beziehungen in 3 Para⸗ graphen nach einander entwickelt werden. Das Hauptſtück 5 betrachtet das Syſtem der Induſtrie in den Beziehungen zu der Finanz⸗ und zu der Fiscalität; das Hauptſtück 6. die Beziehungen des Syſtems zu der Geſetzgebung, der Politik und Moral; das Hauptſtück 7. gibt die Löſungen des hoch⸗ wichtigen Problems: Wenn nämlich die Unordnung in dem Syſtem der Induſtrie gegeben iſt, wie wird es gelingen, hier die Ordnung wieder herzuſtellen? Im 8. und letzten Hauptſtücke des I. Bandes wird die Beſchreibung der ſocialen Pyramide geliefert, die durch eine angehängte Zeichnung ver⸗ ſinnlicht iſt. —— einen der onden wird, rſtellt. , mit Wirth⸗ ihrem neinen unter⸗ ſchie⸗ Be⸗ der Nen⸗ eine luß⸗ nation it der ptſtück ie an; s der Güter⸗ Para⸗ ück 5. een zu . die olitil poch⸗ dem gen, etzten rialen ver⸗ — 569— Der II. Band gibt als III. Verſuch die Theorie der Grenzen, angewandt auf die politiſche Oekono⸗ mie, in welcher nach einer der Entwicklung der Induſtrie allgemein darſtellenden Einleitung gehandelt wird, im Haupt⸗ ſtücke 1. von den Maximen und Minimen(den größten und kleinſten Größen) in der Oekonomie, im Hauptſtücke 2. von der Bevölkerung und ihren Grenzen, im Hauptſtücke 3. von den Arten des Eigenthums und ihren Grenzen, im Haupt⸗ ſtücke 4. von der Güter⸗Erzeugung und ihren Grenzen, im Hauptſtücke 5. von der Güter⸗Vertheilung und ihren Gren⸗ zen, im Hauptſtücke 6. von dem Güter⸗Umlauf und ſeinen Grenzen, im Hauptſtücke 7. von dem Reichthum und ſeinen Grenzen; Hauptſtück 8. gibt allgemeine Betrachtungen und die Schlußfolgerung. Der IV. Verſuch behandelt die Anwendung der Algebra auf die politiſche Oekonomie. Das Hauptſtück 1. enthält hierüber die allgemeinen Be⸗ merkungen; das Hauptſtück 2. behandelt die Frage: Iſt die Algebra an und für ſich auf die Gegenſtände der politiſchen Oekonomie anwendbar? Das Hauptſtück 3. enthält Beiſpiele einiger Hauptanwendungen der Algebra auf Gegenſtände der politiſchen Oekonomie; das Hauptſtück 4. unterſucht, wie weit man die Anwendung der Algebra auf die politiſche Oekonomie ausdehnen könne; das Hauptſtück 5. gibt die Folgerungen, Bemerkungen und die Schlußfolgung des Verſuches. Der Verſuch V. enthält Unterſuchungen über den Ur⸗ ſprung und die Natur des öffentlichen und des Privatreichthums. Nach einer das Allgemeine dieſer Unterſuchung cithaltenden Einleitung handelt das Hauptſtück 1. von dem Reichthume überhaupt, das Hauptſtück 2. von dem Privatreichthume, das Hauptſtück 3. von dem öffentlichen Reichthume, das Haupt⸗ ſtück 4. gibt die Löſung einiger hochwichtigen Fragen, 1) der: Beſteht der Reichthum eher in dem Preiſe als in dem Werthe der Dinge? 2) der: Erlangt man den Reichthum und die Mehrung des Reichthums von der Ausfuhr oder von der Einfuhr? 3) Gibt es unproductive Arbeiten? Das Haupt⸗ ſtück 5. handelt von dem Glücke, welches aus dem rihehune ſtammt; das Hauptſtück 6. von dem Luxus; das Hauptſtück 7 enthält Reflexionen und die Schlußfolgerung. Der Verſuch VI. gibt eine kritiſche Ueberſicht einiger neuer in Italien erſchienenen Werke über die politiſche Oekonomie. Nach einer Einleitung, in welcher der Verfaſſer die Beurtheilung eines von der Accademia de' Georgoflli 1824 gekrönten Discorso verſpricht, gibt er im Haupt⸗ ſtücke 1. eine Prüfung der von dem Verfaſſer des Discorſo ausgeſprochenen wiſſenſchaftlichen Principien, und zwar im §. 1. über die Natur des Werthes und des Preiſes, im§. 2. über die Schwankungen des Preiſes, im§. 3. über die Ver⸗ hältniſſe des Preiſes, im§. 4. über die Folgerungen aus den vorgehenden Begriffen; das Hauptſtück 2. gibt eine Prüfung der in dem Discorſo dargeſtellten Lehren; das Hauptſtück 3. eine Prüfung der von dem Verfaſſer des Discorſo verworfenen Auskunftsmittel und der von ihm vorgeſchlagenen; das Haupt⸗ ſtück 4. enthält den Epilog und Schlußbemerkungen. Hierauf folgt ein Anhang über den Gebrauch der Ma⸗ ſchinen. Der VII. und letzte Verſuch enthält die Reduction der Principien der Moral und der der Oekonomie auf ein einziges Syſtem. Nach einer Einleitung, in welcher gezeigt wird, daß das Wohlwollen die Grundlage der Sociabilität und alles Socialen iſt, handelt das Hauptſtück 1. von der Arbeit und dem Müßiggange; das Hauptſtück 2. von der Arbeit als dem Gegenſtande des Verkehrs, von dem Bettel und der Wohlthätigkeit; das Hauptſtück 3. von dem Credit, dem Darleihen und dem Geldzins; das Hauptſtück 4. von dem Monopol und dem Schleichhandel; das Hauptſtück 5. von der Beſteuerung und der Defraudation; das Hauptſtück 6. von dem Geize und der Verſchwendung, und das Hauptſtück 7. endet mit Schlußbetrachtungen. Man ſieht ſchon aus der Wahl der Gegenſtände für dieſe Verſuche in der ökonomiſchen Wiſſenſchaft den tüchtigen Kenner 1 —ye——— Haupt⸗ ichthume lſtück 7. einiger eer die welcher emia de' n Haupt⸗ Diseorſo war im m§. 2. e Ver⸗ us den rüfung lück 3. orfenen Haupi⸗ er Ma⸗ ſon der mie auf n welcher dlage der ptſtück 1. ik 2. von :m Bettel ꝛdit, dem don dem von der von dem 7. endet für dieſe hen Kenne — 571— derſelben, der ſich auch in der Art der Bearbeitung als ſolchen bewährt. Schade, daß eine genauere kritiſche Analyſe dieſer Abhandlungen hier wegen äußerer Gründe nicht zuläſſig iſt. Eine dritte Schrift, die hier zu erwähnen iſt, iſt die von M. Agazzini: La scienza della economia politica ossia prin- cipii della formazione, del progresso e della decadenza della ricchezza, ed applicazione di questi principii alla amministra- zione economica delle nazioni. Parte teorica, Milano 1827. 1 Vol. In franzöſiſcher Sprache war dieſes Buch ſchon 1822 erſchienen. Der Verfaſſer glaubt eine ganz andere Bahn der wirthſchaft⸗ lichen Forſchung eingeſchlagen zu haben durch die verſuchte Werthbeſtimmung aller Dinge der Erde und aller Arbeiten, und die Angabe der Verhältniſſe zwiſchen dieſen Werthen. Dieſe Beſtimmung, welche nach dem Verfaſſer bei dem erſten Anblicke als unmöglich erſcheint, wird bei der Einfachheit des Waltens der Natur möglich; denn für die Befähigung der Menſchen zu Arbeiten und der Grundſtücke zu Erzeugniſſen wirken zwei ein⸗ fache, unwandelbare Geſetze: 1) Die Fähigkeiten, welche jedes Individuum von Natur hat, ſind rückſichtlich der Befähigung zur Arbeit jenen entweder gleich oder verwandt, welche Andere von der Natur empfangen haben. 2) Die beſondern Fähigkeiten irgend eines Theiles der Erde ſind rückſichtlich der Erzeugungsfähigkeit jenen gleich oder verwandt, welche andere Theile der Erde haben. Und ſo ſind alle Individuen und Grundſtücke in Beziehung auf Arbeit und Erzeugung ſich gleich, oder verwandt, oder durch Mittelſtufen verbunden. Es läuft eine Ordnung von Entſprechungen und Analogien durch. Zu den Vermögen erwerbenden Beſchäftigungen treibe den Menſchen aber nur der Trieb der Befriedigung eigener Be⸗ dürfniſſe. So beruhe die Wiſſenſchaft der Wirthſchaftsordnung der Welt und ſo auch die Wiſſenſchaft der Werthe auf folgenden Grundſätzen: 1) Der Boden, die Arbeit und die Anwendung der Erzeu⸗ Vir gungen ſind die Quellen der Reichthümer; papi 2) die Fähigkeiten, welche jedes Individuum der Welt zur D Arbeit oder jeder Theil der Erde zur Erzeugung von der Natur theti empfängt, ſind gleich jenen, welche andere Individuen oder logi Theile der Erde beſitzen; der 3) die Wünſche des Menſchen gehen auf die Befriedigung nor ſeiner Bedürfniſſe; Un 4) das Bedürfniß treibt den Menſchen zur Arbeit; der ins erreichbare Nutzen beſtimmt ihn; wit 5) Jeder ſtrebt, den möglichſt größten Nutzen zu erringen. den Allein es ſei unmöglich zu erkennen, wie durch die Combi⸗ wel nationen dieſer Principien die Geſetze des comparativen Werthes blos entſtänden, die Reichthümer ſich bildeten, und nach und walt nach die Gewinnung derſelben zu- und abnähme, wenn man dung nicht eine genaue Analyſe ſowohl der Kindheit der Wirthſchaft, d als der erſten ſtufenweiſen Fortſchritte anſtellte, welche ſie unter ſam der Combination jener Principien machte. Deswegen erfaßte Un der Verfaſſer die Menſchheit an der Wiege, betrachtete ſie in we dem Zuſtande der Wildheit, und indem er ſie durch die Nütz⸗ R lichkeit der Tauſche und der Theilung der Arbeit in den ſocia⸗ 1 len Zuſtand überführte, betrachtete er die Entwicklung und die kl Zunahme, welche der Reichthum im Beginn der Staaten durch 3 dieſe Mittel nimmt, und gelangte, ſo ſtufenweiſe die Ge⸗ K ſchichte der Natur durchgehend, zu dem wirklichen Syſtem der verwickelten Geſittung der Gegenwart. So zerfalle dieſe Wirthſchaftsgeſchichte der Menſchheit in d 4 Perxioden. I. Periode: Wirthſchaft der Menſchen im Zuſtande der Wildheit, abgeſehen von jeder Communication unter ihnen. II. Periode: Der Umtauſch beginnt und mit ihm die Geſell⸗ Es ſchaft; allein noch unbekannt iſt die Anwendung der Erzeugun⸗ 3 gen und die Erziehung zur Arbeit. III. Periode: Die Anwen⸗ ſ dung der Erzeugungen und die Erziehung zur Arbeit entſtehen 1 im Staate. IV. Periode: Es erhebt ſich eine höchſte Regierung; es eröffnen ſich die Communicationen und der gegenſeitige Ver⸗ kehr mit auswärtigen Nationen; die Steuern, Prämien und Erzeu⸗ elt zur Natur n oder edigung t; der ringen. ombi⸗ erthes und man ſchaft, unter erfaßte ſie in e Rütz⸗ n ſoeia⸗ und die en durch die Ge⸗ ſtem der hhheit in zuſtande r ihnen. Geſell⸗ zeugun⸗ Anwen⸗ entſtehen egierung; inge Ver⸗ amien und — 573— Wirthſchaftsgeſetze werden eingeführt; das Geld und die Credit⸗ papiere erleichtern die Tauſche. Die Grenzen dieſer Perioden ſeien allerdings mehr hypo⸗ thetiſch als real, und der einzige Zweck dieſer idealen Chrono⸗ logie ſei die Erleichterung der Methode der Analyſe; denn bei der Wahl eines andern Weges bliebe die politiſche Oeko⸗ nomie ſtets ein Problem. Zwar werde das Studium der erſten Unterſuchungen zu undankbar ſein; allein dieſe führen ſicher ins Heiligthum der Wiſſenſchaft. Jeder könne daraus folgern, wie viel Talente, Anſtrengungen, Capitale und Vermögen in dem Zeitalter, in welchem und unter der Regierung, unter welcher er lebe, zu hoffen geben, und er könne zugleich nicht blos die Geſetze erkennen, auf welchen die Weisheit der Ver⸗ waltung der Staaten ruhe, ſondern auch die wunderbare Bil⸗ dung der wirthſchaftlichen Ordnung der Welt. Die Unterſuchung erhebe ſich ſo vom Einfachen zum Zu⸗ ſammengeſetzten, von den gemeinen Intereſſen zu den höchſten. Und ſeien die wahren wirthſchaftlichen Lehren erkannt, ſo werde ſich ein neues Band der Anhänglichkeit zwiſchen den Regierungen und den Völkern bilden. Empfindlich für ſeine Leiden, unkundig der Güter, die von ſeinen Laſten ſtammen, klage das Volk ſtets über die Steuern und Wirthſchafts⸗ geſetze; erkenne es einmal ihre Wirkungen, ſo werden die Klagen erlöſchen; der Geſetzgeber dürfe nur gerecht ſein, um geliebt zu werden. So iſt nun das ganze Syſtem der Lehre des Verfaſſers, der die Werthſchaftslehre als die Lehre von der Beſtimmung des Werthes aller Dinge und Arbeiten betrachtet, auf dieſe hypothetiſche Entwicklungsgeſchichte der Wirthſchaft gebaut. Es beginnt mit der Darſtellung der Wirthſchaft die Menſchheit im Zuſtande der Wildheit, welche die I. Periode bildet; er betrachtet ſodann den Austritt aus dem Zuſtande der Wildheit, die II. Periode. Die Betrachung der III. Periode, welche die Anwendung der Erzeugungen und die Erziehung zur Arbeit im Staate charakteriſiren, zerfällt in mehrere Theile. So wird im I. Theile der natürliche Werth der Arbeit nach der — 574— Einführung der Erziehung zu den Arbeiten und der Anwendung der Erzeugungen, im II. Theil der natürliche Werth der umge⸗ tauſchten Gewächſein der Geſammtproduction, im III. Theil der natürliche Werth der Erzeugungen der Fiſcherei, Jagd, des Berg⸗ baues, der Viehzucht, unterſucht, wobei der Tauſch in der Geſammtproduction betrachtet wird. Der IV. Theil betrachtet den natürlichen Werth, welcher im Tauſchverkehr die Frac⸗ tionen— eines Gewächſes— die Erzeugungen der Fiſcherei, der Jagd, des Bergbaues und der durch die Viehzucht ge⸗ zogenen Thiere haben; der V. Theil betrachtet den natür⸗ lichen Werth der umgewandelten Dinge und alles deſſen, was aus irgend einer Anwendung ſtammt, die ſich weder auf den Landbau, noch auf die Sammlung der von unbe⸗ bauten Privatgrundſtücken kommenden Erzeugniſſe, noch auf die Fiſcherei, Jagd, Bergbau, Viehzucht bezieht; der VI. Theil betrachtet den Werth der Ländereien, der Gewäſſer, Berg⸗ werke u. ſ. f.; der VII. Theil den natürlichen Gewinn der An⸗ wendungen an verſchiedenen Orten. Bei der Darſtellung der vierten Periode, deren Weſen oben angegeben worden iſt, kommen folgende Gegenſtände zur Be⸗ trachtung: 1) Die Nothwendigkeit weiſer ökonomiſch⸗politiſcher Ge⸗ ſetze; V 2) die Beſtimmung der Begriffe Steuer, Prämie; 3) der natürliche Werth der Arbeit nach der Einführung des auswärtigen Handels;— der Prämien, Auflagen, Zehn⸗ ten u. ſ. f.; der ausſchließlichen Privilegien und Monopole u. ſ. f.;— der Einfuhr⸗ und Ausfuhr⸗Verbote einzelner Arbeiten. Wirkungen, welche nach dieſen Principien die Steuern und die feſtgeſetzten und ſtändigen Prämien äußern; 4) dieſes Alles wird auch in Beziehung auf die Gewächſe, auf die Erzeugungen der Fiſcherei, Jagd, Bergbau, ſodann auf die Gewerks⸗Erzeugniſſe und die Zuchtthiere abge⸗ handelt; 5) die Wirkungen der feſtgeſetzten und bleibenden Auf⸗ lagen auf die Verzehrung, auf die vertragsmäßige Ueber⸗ endung umge⸗ jeil der Berg⸗ in der etrachtet ie Frae⸗ viſcherei, zucht ge⸗ rnatür⸗ deſſen, weder unbe⸗ ch auf Theil Berg⸗ der An⸗ ſen oben zur Be⸗ her Ge⸗ nie; führung „Zehn onopole rheiten. n und vächſe, ſodann abge⸗ en Auf⸗ Ueber⸗ — 575— tragung der Capitale und auf die Erbſchaften werden dar⸗ geſtellt; 6) eben ſo die Wirkungen der Auflagen und der Prämien in ihrem Anfange und Ende. Der II. Band, der, ſo viel ich weiß, noch nicht in der italiä⸗ niſchen, wohl aber in der franzöſiſchen Ausgabe erſchienen iſt, ſoll handeln 1) von den, aus den vorgehenden Theorien zu folgernden Wirkungen, welche die Prämien und die ausſchließlichen Privi⸗ legien auf die National⸗Oekonomie äußern; 2) von dem Geld und den Creditpapieren, und ſoll 3) die Anwendung der theoretiſchen Principien auf die ökono⸗ miſch⸗politiſche Geſetzgebung angeben. Es bedarf nur eines äußerlichen Ueberblicks des Inhalts dieſes Werkes, um zu ſehen, daß hier keine umfaſſende, orga⸗ niſch geſchloſſene Behandlung der Wiſſenſchaft als eines voll⸗ ſtändigen Syſtems gegeben iſt. Das Eigenthümliche des Buchs, die Entwicklungsgeſchichte der Oekonomie, iſt auch nicht aus dem Leben der Völker, ſondern aus der Hypotheſe des Ver⸗ faſſers entnommen, und leiſtet ſonach auch hier nur ungefähr die Dienſte, welche die an und für ſich unzuläſſige Annahme eines Naturſtandes der Rechtswiſſenſchaft leiſtet, d. h. ſie liefert nur ſupponirte Wahrheiten. Es gibt einen viel einfachern Weg zur Periodiſirung der wirthſchaftlichen Entwicklungs⸗ geſchichte der Menſchheit, den Blick auf die wirthſchaftenden Völker ſelbſt, von dem roheſten Stamme an bis zu den Staaten mit der verwickeltſten Geſittung. Hier ladet eine reichere Ernte.. Das Werk Seuderi's Principj di civile economia. Napoli, 1829, 3 Vol. ſteht mir nicht zu Gebot, daher keine Analyſe davon gegeben werden kann. In der Finanzwiſſenſchaft, welche bei den Italiänern auch nicht von der National⸗Oekonomie geſchieden iſt, iſt ſo eben ein bedeutendes Werk von dem Baron G. Corvaja und M. Parma erſchienen: La bancocrazia, o il gran libro sociale; novello sistema finanziario che mira a basare i governi su tutti gl'interessi positivi dei governati. Milano 1840. 1 Vol. Das Werk geht von der Annahme einer ſocialen Auflöſung in der Gegenwart aus, deren ſich die Gewinnſucht zum Zwecke der Ausbeutung bemächtigt habe, von der weitern Anſicht, daß die gewöhnlichen Mittel, welche der Staatsgewalt zur Ver⸗ fügung ſtehen, nicht ausreichen, daß das Elend und die Ver⸗ wilderung zunehmen, und mitten unter dieſen Leiden die Macht des Geldes die der Arbeit gebührenden Vortheile wegkippere, und eine große geſellſchaftliche Kataſtrophe drohe. Bei dieſem allgemeinen Verfall ſei nur die Zunahme des Reichthums durch die rieſenhafte Entwicklung der Induſtrie bemerkbar, eine Folge des Credits und des freiern Umlaufes des Geldes. Die Begierlichkeit der Capitaliſten nähre die Arbeit und die Güter⸗Erzeugung, und wirke durch die den Regierun⸗ gen gemachten großen Anleihen für die Erhaltung des innern und äußern Friedens. Allein dieſe Geldmacht liege in der Hand einer wahren neuen Ariſtokratie, die, durch Intereſſe und gegenſeitigen Credit enge unter ſich verbündet, allein die Segnungen der Ordnung und des Friedens genieße, und widerſpreche ſo der Stimmung der Zeit. Wie die Gleichheit vor dem Geſetze errungen worden ſei, ſo ſtrebe jetzt die Welt gezwungen zur Erlangung einer andern Gleichheit, der finanziellen, deren Gründung die Regie⸗ rung im Intereſſe der Ordnung zu bewirken habe; es ſoll nämlich Jeder aus dem Volke von dem Staate ſeinen Zins⸗ betrag je nach ſeinen Fähigkeiten oder nach ſeinen Capitalen zu beziehen haben. Dieſe Aufgabe der Gründung des vollſtändigen National⸗ credits im Intereſſe Aller, der Errichtung einer wahren Commandite zwiſchen Regierenden und Regierten, zwiſchen allen Mitgliedern eines Staates, löſe die von der Regierung ausgehende Gründung einer allgemeinen Nationalbank, in welche jedes Capital von 10 Liren und darüber eingelegt werden könnte, um alle anerkannt nützlichen Operationen zu dotiren. — 4 Q⏑△— orerni su 1 Vol. Luflöſung m Zwecke ſicht, daß zur Ver⸗ die Ver⸗ die Macht degtippere, ahme des Induſtrie mlaufes Arbeit gierun⸗ innern wahren en Credit Ordnung timmung n worden ng einer ie Regie⸗ es ſoll en Zins⸗ apitalen tional⸗ wahren wiſchen gierung ak, in eingelegt ionen zu ———— õ— — — 577— Man ſieht, daß der Grundgedanke der Bancokratie von den Sparkaſſen entlehnt und ihre Einrichtung hier nur erweitert oder centraliſirt worden iſt. Durch die vorgeſchlagene neue Einrichtung wird der Geldreichthum der geſammten Nation in Bewegung geſetzt; ſtatt des Einlagebüchleins, das bei den Sparcaſſen gegen die Einlagen gegeben wird, ſoll die Staats⸗ bank die Wahl zwiſchen einem auf den Namen ausgeſtellten Einlagebüchlein und einem Einlagebüchlein au porteur laſſen. Man erkennt, daß dieſer Theorie, gegen welche viele Einwände ſich erheben laſſen, ein ſocialiſtiſches Moment zu Grunde liegt. Für die Geſchichte der Wirthſchaftswiſſenſchaft hat Sardinien, in welchem durch die Munificenz des Königs Karl Albert eine hohe Regſamkeit zumal in den hiſtoriſchen Studien erwacht iſt, zwei bedeutende Arbeiten geliefert. Ich meine die Preisſchrift des Hrn. Baudi di Vesme über die Beſteuerung Galliens in den letzten Zeiten des römiſchen Reichs, und das Werk des Hrn. L. Cibra⸗ rio: Della economia politica del medio evo libri III. che trattano della sua condizione politica, morale, economica. Torino 1839. 8. Es iſt eine freudige Erſcheinung in Italien, wo noch viel altrömiſcher Geiſt in der Bevölkerung wacht, die geſchicht⸗ liche und ſtaatswiſſenſchaftliche Literatur in jener praktiſch⸗ verſtändigen Richtung pflegen zu ſehen, welche ſo ſehr an das Alterthum erinnert. Namentlich iſt Turin der Heerd einer großartigen literariſchen Thätigkeit. Wer kennt nicht den unermüdlichen Quellen⸗Entdecker Peyron und die Reihe aus⸗ gezeichneter Geſchichtsforſcher, die unter dem Schutze des erleuchteten Königs den von dem Staatsminiſter Grafen Proſpero Balbo geleiteten Ausſchuß für das Studium der vaterländiſchen Geſchichte bilden, welcher als einen großen Beleg ſeiner Thätigkeit die herrlichen Monumenta historiae patriae lieferte. Neben dem Grafen Ceſare Balbo, Data, Muletti, Promis, Duboin, Spirito Foſſati ſind vorzüglich aber drei Männer zu nennen, welche durch Blanqui, Geſchichte d. polit. Oekonomie. I. Bv. 37 —— — 578— ihre unermüdliche Thätigkeit und Leiſtungen ſich als würdige Nachkommen Muratori's erweiſen: der Graf Selopis, Baudi di Vesme und L. Cibrario. Der Graf Sclopis gab 1833 eine von großen Quellenſtudien zeugende Geſchichte der alten piemonteſiſchen Geſetz⸗ gebung, und jüngſt eine Rechtsgeſchichte Italiens, nachdem er dieſen Gegenſtand vorber ſchon in einem kurzen Artikel für den Dictionnaire de la Conversation et de la Lecture t. XXXIII. v. Italie(Législation d') franzöſiſch behandelt hatte. Hr. Baudi di Vesme gab 1836 gemeinſam mit Hrn. Spirito Foſſati die für die Geſchichte der Wirthſchaftswiſſenſchaft ſehr wichtige, von der Turiner Akademie gekrönte Preisſchrift: Vicende delle proprietà in Italia, dalla caduta dell' impéèrio romano fino allo stabilimento dei feudi. Im Jahre 1837 löste Hr. Vesme die von der franzöſiſchen Académie des Inscriptions et Belles-Lettres gegebene Preis⸗ frage: Rechercher quelles furent les. impositions publiques dans les Gaules, depuis l'origine de la monarchie des Franes jusqu'à Ia mort de Louis-le-Débonnaire. 1838 gab Vesme eine italiä⸗ niſche Bearbeitung der Abhandlung von Savigny: Ueber die römiſche Steuerverfaſſung unter den Kaiſern, deren Gegenſtand er in der vorerwähnten Preisſchrift behandelt hatte. 1839 gab er kritiſche Conjecturen über zwei von Cloſſius aufgefundene Fragmente des Codex Theodosianus heraus, und nachdem er ſelber 22 noch nicht herausgegebene Conſtitutionen dieſes Codex wieder aufgefunden, unternahm er eine neue Ausgabe dieſes Codex, dem er die gründlichſten Studien zugewandt hat. Hier geht uns vorzüglich nur die Einleitung der Preisſchrift Vesme's über die Beſteuerung Galliens an, in welcher das römiſche Steuerweſen in den letzten Zeiten des Reichs darge⸗ ſtellt iſt. Dieſe Einleitung ließ der Verfaſſer auch beſonders in italiäniſcher Sprache erſcheinen, obwohl er die baldige Er⸗ ſcheinung der ganzen Preisſchrift zuſagte*). 1——— *) Eine Ueberſetzung dieſer Einleitung gab jüngſt mein gelehrter Freund, Hr. Ed. Laboulaye in Paris, der verdienſtvolle Verfaſſer der Histoire ——————— —— ₰ ürdige Baudi tudien e ſ e t⸗ achdem kel für XXIII. Spirito ft ſehr crift: perio iſchen reis⸗ dans usdu'à ttaliä⸗ ber die enſtand 39 gab fundene dem er Coder dieſes ſchrift das arge⸗ nders e Er⸗ Freund, Histoite ——— — 579— Dieſe Einleitung zerfällt in 7 Hauptſtücke. Das Hauptſtück 1. handelt von der Einführung der Steuerverfaſſung in den Provin⸗ zen; Hauptſtück 2. durch den, von Diocletian und Conſtantin ein⸗ geführten Veränderungen in der Anlegung der Steuern; capi- tatio terrena; Hauptſtück 3. von den ordentlichen(canonicae), außerordentlichen und von den sordidae genannten Steuern; Hauptſtück 4. von der capitatio humana; Indietio; von dem auf Menſchen und Thiere umgelegten chrysargyrum; Hauptſtück 5. von den Abgaben der Senatoren, Curialen, Handelsleute und Juden; Hauptſtück 6. von den Zöllen, andern Abgaben verſchiedener Art; von den Caducis; Confiscationen; Haupt⸗ ſtück 7. von der Erhebung der Steuern. Den Gegenſtand des römiſchen Steuerweſens hatten früher ſchon Vaillant, Spanheim, Burmann, Jacques Godefroi behan⸗ delt; aber auch hierhat von Savigny eine neue Bahn gebrochen, auf welcher Hr. Vesme vorangeſchritten iſt. Die Arbeiten beider letztern werden ergänzt durch die jüngſt erſchienene Economie politigue des Romains von Hrn. Dureau Delamalle, welcher mit den unbeſtreitbaren Beweiſen des Caleuls und großer praktiſcher Sicherheit die Ziffer der Beſteuerung und der Bevölkerung des römiſchen Reichs beſtimmt. Die vorzüglichſte Entdeckung des Hrn. Vesme iſt die des Betrags der Steuereinheit zu 1000 Solidis. Bei der An⸗ legung der Grundſteuer, welche nach dem Verfaſſer ſeit Con⸗ ſtantin auf das Capital, und nicht mehr auf das Einkommen du Droit de propriété en Occident in der Revue Bretonne de Droit et de Jurisprudence Tom. II. 1. livraison, p. 1— 69, unter dem Titel: Des impositions de la Gaule dans les derniers temps de l'empire romain par le chevalier Baudi di Vesme, traduit de l'talien, avec une introduction et des notes du traducteur. Hr. Laboulaye hat die Ergebniſſe der Forſchungen von Savigny und von Dureau Delamalle ſeiner Ueberſetzung beigefügt, und ſo den vollſtändigſten Abriß des römiſchen Finanzſyſtems gegeben, das ſich durch die einfache Größe ſeiner Inſtitutionen auszeichnet, wenn dieſe auch bei der moraliſchen Morſchheit des Ganzen in der Hand des Deſpotismus ſich in ein wahres Raubſyſtem verwandelten. 37. ——— -— 580— gelegt ward, bildete nämlich jedes zu tauſend Solidis geſchätzte Grundſtück ein caput, ein jugum tributarium, eine Entdeckung, welche einige Punkte in der römiſchen Steuerverfaſſung auf⸗ hellen wird. 1 3 Der thätigſte in der Trias der Turiner Geſchichtsforſcher iſt Hr. L. Cibrario. Außer einer Anzahl von Abhandlungen, die in den Atti dell' Accademia delle scienze di Torino er⸗ ſchienen, wie die Discorsi sulle Finanze della monarchia di Savoia nei secoli XIII. e XIV. 1832, dann die De' Conti d'Asti nei secoli IX., X. e XI., lettera al conte Balbo, dann die Cro- nologia de' Principi di Savoia rettificata, gab er 1827 die Storia di Chieri con documenti, Torino. 2 vol. in 8.(2. Aus⸗ gabe. Torino. 1 vol. in 12.) Opuscoli storiei e letterarii editi ed inediti, Milano 1835. 1 vol. 8., mit Promis die Documenti, Monete e Sigilli raccolti in Savoia, in Isvizzera e in Franecia, per ordine del Re Carlo Alberto. Torino, 1830. 1 vol. in 8., dann die Sigilli de' Principi di Savoia raccolti ed illustrati per ordine del Re Carlo Alberto. Torino 1834. 1 vol. in 4. Im Jahre 1839 erſchien von ihm das oben erwähnte Werk della economia politica del medio evo, und im Jahre 1840 der 1. Band der auf 6 Bände berechneten Storia della monarchia di Savoia. Torino in 8., deſſen II. Buch im IJ. Hauptſtück eine treffliche Entwicklungsgeſchichte der Gemeindeverfaſſung enthält. In allen dieſen Werken waltet die reichſte Kenntniß der Quellen, verbunden mit einer geſchmackvollen Schreibart; und daß der Verfaſſer von der höhern Aufgabe der Geſchichtſchrei⸗ bung eine klare Einſicht in ſich trage, zeigt ſchon der erſte Satz der Vorrede zu dem Werke della economia politica del medio evo: Per formarsi una chiara idea della uttilità, anzi della necessità della storia, la successione de' tempi dal principio sino alla fine del mondo dee considerarsi come un solo fatto, e la successione degli uomini come un solo individuo desti- nato a compierlo in quel modo che la divina provvidenza ha stabilito. Schade, daß dieſes Princip nicht immer in das Ein⸗ zelne der Bearbeitung durchdringt, und hier oft von der Wucht des Materials verdüſtert wird, daher auch die organiſche Ge⸗ ſchloſſe mißt Für das I mica eine Hrn. gefal etwa O. dieſen allein alterl ſo feh altertt den I des K wich Ber Ba ſchätzte ſcung, Jauf⸗ ſcher iſt lungen, ino er⸗ chia di i'Asti he Cro- die Aus⸗ liti ed nenti, mneia, in 8., n per Im k della .Band Savoia. V reffliche 7 iß der ; und ſchrei⸗ e Satz medio della eipio fatto, Sesü- 22 ba SLin⸗ Wucht he Ge⸗ — 581— ſchloſſenheit als Abſpiegelung der Objectivität hie und da ver⸗ mißt wird. Für uns iſt hier nun offenbar das mehr erwähnte Werk über das Mittelalter wegen ſeines Buches III.: Condizione econo- mica del medio evo wichtig, und wir geben hier um ſo lieber eine Analyſe dieſes Theils des Hauptwerkes des uns verehrten Hrn. Verfaſſers, als ſie des Hrn. Blanqui ziemlich dünn aus⸗ gefallene Geſchichte der politiſchen Oekonomie im Mittelalter etwas vervollſtändigt. Offenbar war die Idee des Hrn. Cibrario bei der Anlage dieſes Buchs, Alterthümer des Mittelalters zu liefern; allein er hat nicht den ganzen organiſchen Cyklus des mittel⸗ alterlichen Lebens aufgenommen, was ſehr zu bedauern iſt; ſo fehlen z. B., um nur Eine Lücke zu erwähnen, die Rechts⸗ alterthümer großentheils. Das Werk hat in 3 Büchern folgen⸗ den Inhalt: Das Buch I. handelt von der politiſchen Lage des Mittelalters. Kapitel I. Eroberungen der Barbaren, Einführung germa⸗ niſcher Einrichtungen in den von ihnen gegründeten Reichen; Beneficien oder Feuda; römiſches Element zu den Zeiten der Barbaren.. Kapitel II. Sociale Hierarchie und Gerichtseinrichtungen im erſten Jahrtauſend. Kapitel III. Urſachen und Spuren der Municipaleinrichtung unter der Herrſchaft der Barbaren. Kapitel 1V. Bewegungen, welche ein neues ſociales Recht gründen; Lehenweſen; Gemeindeverfaſſung; Bauernaufſtände. Kapitel V. Neue Anordnung der kirchlichen Hierarchie; Fort⸗ ſchritte der neuen Monarchien; Gedeihen und Verfallder Stadt⸗ gemeinden. Kapitel VI. Ordnung der Monarchien und der Stadt⸗ gemeinden im 13. und 14. Jahrhundert. Kapitel VII. Verhältniſſe zwiſchen dem Souverän und den Unterthanen; inneres Regiment. Kapitel VIII. Correſpondenzen zwiſchen Staat und Staat zur Zeit des Friedens. 582 Kapitel IX. Correſpondenzen zwiſchen Staat und Staat zur Zeit des Krieges. Kapitel X. Blicke auf die Geneſis einiger Inſtitutionen des Mittelalters, und Betrachtungen über die Wirkungen der Zer⸗ ſplitterung der Völker in zu viele politiſche Familien. Das Buch II. betrachtet die moraliſche Lage des Mittelalters. Kapitel I. Macht der religiöſen Ideen im Mittelalter. Kapitel II. Gottesdienſt und Mönchsorden. Kapitel III. Mildthätige Anſtalten und Werke. Kapitel IV. Sitten. Kapitel V. Vom Privatleben. Kapitel VI. Von den Feſten. Kapitel VII. Von der Lürexatur, von den Wiſſenſchaften und Künſten. Das Buch III. beſchreibt die wirthſchaftliche Lage des Mittelalters. Kapitel I. Wirkungen der politiſchen Einrichtungen und der Stände der Gewerke und des Landbaues. Kapitel II. Polizeivorſchriften über öffentliche Geſundheit, Fabriken, Getreideweſen, öffentliche Sicherheit, Spiele, Freuden⸗ mädchen. Kapitel III. Von den verſchiedenen Rechtsverhältniſſen des Grundeigenthums. Kapitel IV. Von der Bevölkerung, mit einer Ueberſichtstafel der Bevölkerung einiger Städte, Landſchaften und Dörfer im 14. und 15. Jahrhundert. Kapitel v. Von dem Staatsſchatz und von den verſchiedenen Zweigen des Einkommens, aus welchen er beſtand, und ſo von den Domänen und Steuern. Kapitel VI. Von dem Münzſyſtem. Kapitel VII. Grundlage der Vergleichung der alten Münzen mit den neuern nach ihrem Werthe ſowohl im Metall, als in Lebensmitteln. Angehängt ſind mehre Tabellen der Getreidepreiſe von 1289 bis 1397, ſo wie eine vergleichende Tabelle über die Münzen Italiens, Frankreichs, Teutſchlands, Englands und Vir at zur en des r Zer⸗ e des l. n und e des nd der indheit, reuden⸗ en des ftotafel fer im denen ) von ünzen als in eyreiſe über die nds und — 583— des Orients aus dem 13. und 14. Jahrhundert, im Verhält⸗ niſſe zu ihrem gegenwärtigen Werthe in Metall oder Getreide. Kapitel VIII. Seerechte; Consolato del mare, Roles d'Oléron; Seefahrt; geographiſche Entdeckungen; Handel; Künſte; Theorie des Credits, Wucher und Wechſelrecht. Angehängt ſind 8 Ta⸗ bellen über die Preiſe von Dingen, Dienſten und Thieren im 13. und 14. Jahrhundert. Geben wir eine Analyſe des III. Theils des Werkes des Hrn. Cibrario!*) Von der politiſchen Lage des Mittelalters. Buch III. Wirthſchaftliche Lage des Mittelalters. Hauptſtück I. Wirkungen der politiſchen Einrichtungen und Stände der Gewerke Landbaues. Die Vielfältigkeit der Mittelpunkte der Wirkſamkeit, welche in ganz kleine Länder bandlos hingeſtreut und von entgegen⸗ geſetzten Intereſſen ſich zu ſchaden beſtimmt wurden, iſt der unterſcheidende Zug des Mittelalters. Keine höhere Gewalt gebot Gerechtigkeit und öffentlichen Frieden, und förderte ſie gleichförmig. Jedes Gemeindeſtatut, jede Lehensinveſtitur war ein Friedens⸗, ein Schutzvertrag, und jede Grundherrſchaft, jedes Lehen gewiſſermaßen ein Staat für ſich mit eigenem Rechte. So war ein allgemeines Syſtem unmöglich. Jeder kümmerte ſich nur um ſich, um die Familie, die Gemeinde. Die Idee des Bürger⸗ thums, nicht die der Nationalität war begriffen; daher die ſchlechten Straßen bei dem Austritte aus der Gemarkung der Gemeinde, die endloſe Verſchiedenheit von Maaß, Gewicht und Geld, die Menge von Mauthen. Die Gemeinden ſorgten zwar und des *) Ich habe es unternommen, eine Ueberſetzung des Werkes des Hrn. Cibrario mit Einleitung und Noten zu bearbeiten, weil zur Geſchichte dieſes Zeitalters einen großen Beitrag zu liefern vorzüglich Italien be⸗ rufen iſt. — 584— durch paſſende Geſetze für Bau und Unterhaltung der Straßen; 2 allein bei dem erſten Kriegslärm wurden ſie durch Verhaue wieder unbrauchbar gemacht, die Brücken wieder abgetragen; ſelbſt die großen Monarchen konnten dieſen Uebeln nicht ſteuern, weil ſie keine Gewalt hatten, in die innere Verwaltung einzu⸗ greifen. So war es in den erſten Zeiten der freien Gemeinden; allein aus Liebe zum Handel oder aus Bedürfniß des gemein⸗ ſamen Schutzes verbündeten ſich mehre Landſchaften unter ſich, die Rechte und Pflichten des Bürgers vergemeinſamten ſich unter den Bewohnern zweier oder dreier Landſchaften. Etwas ſpäter erweiterte ſich der Name Vaterland, von dem engen Bezirke bis zum ganzen Umfange eines unter einem Geſammt⸗ namen begriffenen Landes, ſo das Vaterland von Friaul, von Piemont, von Waadtland. Und dieſes geſchah, als die Abge⸗ ordneten der verſchiedenen Gemeinden zuſammentraten, um über Maaßregeln allgemeinen Intereſſes zu berathen, z. B. über Aufwandsgeſetze, das Getreideweſen, Landesvertheidigung, Be⸗ willigung von Abgaben an den Fürſten. Damals begann die Sitte, nicht blos Abgeordnete der Gemeinden, ſondern auch die Baronen, Edelleute und Prälaten zu verſammeln, und dieſe Ständeverſammlungen hatten einen größern Einfluß, und bei den Bündniſſen zwiſchen Regierung und Regierung wurde oft bedungen, daß ſie von den Ständen genehmigt werden ſollten. Allein dieſe ſeltenen Beiſpiele gemeinſamer Sorgfalt für gemeinſame Intereſſen halfen den genannten Uebeln nur wenig ab; es handelte ſich hier nur um Stadtgemeinden, nicht um Provinzen; die Freiheiten der Gemeinden nützten nur der Stadt, nicht dem Lande, wo Tauſende von Leibeigenen und Hörigen der todten Hand lebten ohne das Gefühl des Eigen⸗ thums. Allein in den Städten lebte großer Gewerbfleiß; jeder arbeitete für ſich; hatte er ſeine Abgabe und Wachdienſte ge⸗ leiſtet, ſo war er Herr ſeiner Zeit und Arbeit. Die Gewerke hoben ſich zu großer Vollendung, und beſondere Statuten ſchrieben Stoff und Arbeit vor. Nicht ſo angenehm war die Lage des Landbaues. Dieſes bewirkten viele Urſachen: 1) 1 dereien: hatte de licen, B d 3) d Zwang Maull 4) Ertrag 5) deren gegen ſich auf Verwal 6) 1 die St Jeden Zahlu dung 0 Fürſ 8) Zins 9) ſatze wege 10 Getre Obrig anzug des A Land Bra aßen; rhaue agen; euern, einzu⸗ inden; emein⸗ er ſih, en ſich Etwas engen ammt⸗ „von lbge⸗ über über Be⸗ m die ach die dieſe nd bei rde oft ſollten. alt für wenig cht um er der n und igen⸗ jeder ge⸗ werke atuten Dieſes 1) Die feudale Gebundenheit des größern Theils der Län⸗ dereien; den Nießbrauch mit der Würde und Gerichtsbarkeit hatte der Herr des Lehens; den Nießbrauch mit leibeigenſchaft⸗ lichen Pflichten der Zinsmann; 2) die Leibeigenſchaft vieler Bauern; 3) der hie und da zum Beſten der Gewerke herrſchende Zwang der Bauern zum Anbau gewiſſer Gewächſe, z. B. der Maulbeerbäume; 4) der hohe Stand des Geldzinſes, welchen der geringe Ertrag des Bodens nicht vergütete; 5) die Häufigkeit der Kriege und Repreſſalienbriefe, vermöge deren ein beleidigter oder nicht bezahlter Bürger bisweilen gegen alle Bürger der Gemeinde, in welcher der Beleidiger ſich aufhielt, bisweilen blos gegen den Beleidiger und ſeine Verwandten die Fehde führen durfte; 6) unverſtändige Geſetze vieler Gemeinden: ſo beſtimmten die Statuten von Chieri eine Geldbuße von 25 Lire gegen Jeden, der einen Todtſchläger vertheidigt, und im Falle der Zahlungsunfähigkeit Niederreißung ſeines Hauſes und Abſchnei⸗ dung der Reben; 7) Strafverbot des Handels mit einer Landſchaft oder einem Fürſten, gegen welche man Beſchwerden zu haben glaubte; 8) Fülle des bauloſen Landes(abse), weil die gedrückten Zinsleute das Gut verließen, um dem Drucke zu entfliehen; 9) zu große Menge von Weide⸗ und Wieſenland im Gegen⸗ ſatze des Ackerfeldes, theils wegen der obigen Gründe, theils wegen des großen Pferdebedarfs und der Art zu reiſen; 10) zur Zeit der Hungersnoth Zwang zum Verkaufe des Getreides nicht um den beſtehenden, ſondern um den von der Obrigkeit vorgeſchriebenen Preis; Pflicht, die Kornvorräthe anzugeben, und das Verbot der Ausfuhr. Dazu kam die Unruhe des ewigen Fehdelebens. Man unterſtützte übrigens im Allgemeinen ſehr wenig den Landbau mit Bewäſſerungen, mit Düngung; man hatte die Brache. — 3586— Um die Oeden zu beurbaren, die naſſen Laͤndereien trocken zu legen, gab man ſie um einen kleinen Kanon in Erbpacht. Durch die Vorherrſchaft des Lehen⸗ und Erbpachtweſens beſtand ſehr wenig allodialer Grundbeſitz. Die Zinsgüter wurden wegen ihrer Laſten oft ſehr wohlfeil verkauft; hingegen ſtand der Preis der allodialen Grundſtücke nur wenig unter dem heutigen. Die Allodien waren häufiger in Italien und auch beſſer bebaut; nach Italien kamen in der Blüthe des Landbaues England und das damals dicht bevölkerte Spanien. Oft ging die ſtatutariſche Sorgfalt einer Gemeinde auch auf den Anbau ihrer Gemarkung nicht blos rückſichtlich der Ver⸗ hütung des Schadens, ſondern auch der Einführung neuer Gewächſe. Für dieſen letzten Zweck wirkten auch die Kreuzzüge, die eine Menge nutzbarer Pflanzen in das Abendland brachten, wenn auch nicht das türkiſche Korn, das vor dem 15. Jahr⸗ hundert nicht ſicher erwähnt iſt. Meiſter in der Bewäſſerungskunſt waren in Spanien die Juden und Mauren, ſo wie dieſe Kunſt vom 12. Jahrhundert an erfolgreich in der Lombardei geübt wurde. Wenn bei dieſer Lage der Landbau nicht gedeihen konnte, ſo blühten deſto freudiger die Gewerke. Schon ſeit den Zeiten des heidniſchen Roms in Collegien geordnet, einigen Kaiſern verdächtig wegen ihrer Leichtigkeit, ſich zu verſchwören, von andern dagegen begünſtigt, hatten ſie ſich unter dem Schirm der katholiſchen Kirche in eben ſo viele Brüderſchaften gegliedert, jede hatte ſich unter den Heiligen einen Schutzpatron gewählt und jede eine eigene Kirche erworben. Später nach der Einführung der Gemeindeverfaſſung waren ſie in den freien Städten, wie in Arles, Marſeille, Florenz politiſche Körper geworden, und die Vorſtände der Zünfte nahmen zuweilen Theil an der Regierung, oft riſſen ſie die⸗ ſelbe ganz an ſich. Das Wollwebergewerbe war in Italien das mächtigſte, das eine Menge von Arbeitern beſchäftigte; dieſes Gewerbe wurde daher Innun lichkei nährte trocken hacht. tweſens wohlfeil undſtüͤcke ich beſſer andbaues auch auf der Ver⸗ g neuer ge, die dachten, 6. Jahr⸗ zanien die ahrhunder konnte, ſo Coleegien beichtigkeit „hatten ſik en ſo viele ligen einen worben. ig waren „Florenz er Zünfte n ſie die⸗ tigſte, da erbe wurde —-— 587— daher höchſt mächtig, ſo daß die größten Bürger in dieſe Innung traten. Dieſe allgemein und beſtändig geübte Gewerb⸗ lichkeit erzeugte einen ungeheuern Geldreichthum, der die Künſte nährte, mit dem man Flotten ausrüſtete, Factoreien in fernen Gegenden gründete. Nie ſah irgend eine Zeit eine größere Hebung der individuellen Macht. In den einem Fürſten unterworfenen, aber auch mit muni⸗ cipalen Formen bewidmeten Städten hatten gleichwohl die Innungen einen großen Einfluß, den größten in den reichſten Ländern, z. B. in Flandern. Vom heiligen Ludwig an mußte Jeder ſein Gewerbe vom Könige kaufen; auch mußten die Zünfte ihre Statuten von einem königlichen Beamten homolo⸗ giren laſſen. Alle Gewerbe hatten Gewerbſchauer, welche ihre Erzeugniſſe prüften und die bemerkten Mißbräuche und Fehler anzeigten. Sie waren dabei betheiligt, den Ruf ihrer Gewerbe zur Be⸗ ſeitigung der auswärtigen Mitwerbung zu erhalten, und die Vollkommenheit ihrer Erzeugniſſe würde noch größer geweſen ſeyn, wenn die Zünfte nicht bevorrechtete Körperſchaften ge⸗ weſen wären und ihre Mitglieder nicht ſo häufig ihre Werk⸗ zeuge mit den Waffen vertauſcht hätten, oder ſich, ſtatt in die ſtädtiſchen Mauern eingeſchloſſen zu ſeyn, auf das Land hätten verbreiten können, wo der Tagelohn wohlfeiler geweſen wäre, wo ſie hydrauliſche und pneumatiſche Mittel hätten anwenden können, und wenn von Karl dem Großen an die Herrſcher nicht un⸗ haltbare Aufwandsgeſetze erlaſſen hätten. Noch ſchlimmer wirk⸗ ten die Geſetze, welche den Preis der Tücher, den Lohn der Weber und Färber und den Gewinn des Tuchhandels be⸗ ſtimmten. Hauptſtück II. Polizeivorſchriften über öffentliche Geſundheit, Fabriken, Getreideweſen, öffentliche Sicherheit, Spiele, gegen die Unzucht. Verſchiedene Statuten ſorgten für die Reinheit der Straßen, die Geſundheit der Getränke, verboten den Verkauf des Fleiſches von kranken Thieren, die Siederei von Seife und Pech inner⸗ — 588— halb der Mauern und die Beizung des Leders und das Rotten Hanfs. Allein dieſe Vorſchriften waren ſchwach oder unvollſtändig, häufig befleckt von fiscaliſchem Geiz, dem Geiſt des Monopols, und von falſchen Ideen über öffentliche Wirthſchaft und Ver⸗ waltung. Außer dem ſogenannten perſiſchen Feuer, welches vorzüglich im 12. Jahrhundert Frankreich heimſuchte, verödeten die Welt in dieſer Zeit zumal die Peſt und der Ausſatz. Gegen dieſe Drangſale verfügte man nur die äußere Be⸗ zeichnung der Häuſer von Peſtkranken und die Anſtellung von Todtengräbern. Die Peſtkranken ſtarben aus Mangel an Hülfe, geflohen von Allen. Während die Peſt ſchnell tödtete, wandelte dagegen der Ausſatz die Menſchen gleichſam in Thiere um, in Gegenſtände allgemeinen Schreckens. Die Ausſätzigen durf⸗ ten nicht frei herumgehen, ſondern ſollten von den Biſchöfen in beſondern Häuſern unterhalten werden. Schwere Strafen wur⸗ den gedroht, wenn ein Ausſätziger nicht angezeigt wurde. Auch viele andere Krankheiten, zumal nervöſer Art, wütheten im Mittelalter, vorzüglich auch Geiſteskrankheiten; die Irren wur⸗ den theils mit Verehrung betrachtet, theils als Miſſethäter. Feuerbrünſte waren ſehr häufig theils wegen der Deckung der Häuſer mit Schindeln oder mit Stroh, theils weil der Löſchdienſt ſchlecht geordnet war. Man verbot daher die Hal⸗ tung von Holz⸗ und Strohmagazinen in der Stadt und die Anzündung von Feuer in den mit Stroh gedeckten Häuſern und zur Zeit ſtarken Windes; man ſtellte Nachtwachen und Hochwächter auf, auch Tagwächter bei ſtarkem Winde. In den Nordländern mußte jeder Bürger an ſeiner Thüre eine Kufe mit Waſſer und Feuerleitern und an gewiſſen Orten auch ein geſatteltes Pferd für die Feuerreiter bereit halten. Schwere Strafen ſtanden auf der Brandſtiftung. Für gute und ſchöne Bauart ſorgten die Gemeinden auch einigermaßen. Die Form der Backſteine und Ziegel war vor⸗ geſchrieben. Zu Moncalieri mußten die Säulengänge am öffent⸗ lichen Platze gleichförmig ſein; dagegen beſtand auf verhältniß⸗ mäßig nicht großen Verbrechen die Strafe der Verwüſtung der ——— ͦõ——— ꝗͦ—— —yyyye——— Güter ſchöne mußte ſo we Vo geſet Ohri ſehr und Mar eher hatte ſie in konnte Theue die A davo⸗ brin und Rotten tändig, opols, d Ver⸗ rzüglich ie Welt ere Be⸗ eng von Hülfe, indelte um, durf⸗ fen in wur⸗ Auch ten im nwur⸗ äter. Deckung veil der die Hal⸗ und die Häuſern hen und In den ne Kufe ruch ein en auch dar vor⸗ m öͤffen⸗ rhältniß⸗ ſtung der — 589— Güter und der Niederreißung der Häuſer, was den Aufbau ſchöner Häuſer hinderte. Da jeder Bürger ein Haus haben mußte, welches für die Erfüllung der Bürgerpflichten haftete, ſo waren nur wenige Häuſer vermiethet. Von den Zeiten Karls des Großen an ward durch Zwangs⸗ geſetze die Verſorgung mit Getreide in Fülle bewirkt; die Obrigkeit zeigte ſich für die Städter zum Nachtheil der Vauern ſehr parteiiſch, und gleichwohl war die Taxe für Brod, Fleiſch und andere Lebensmittel vorgeſchrieben, Stunde und Ort des Marktes beſtimmt; anderswo durfte nicht privat und nicht eher an Händler verkauft werden, bis die Bürger eingekauft hatten; die Verkäufer von Wildpret und großen Fiſchen mußten ſie in mehre Stücke zerlegen, damit auch minder Reiche kaufen konnten; keiner durfte über eine gewiſſe Menge kaufen. Wenn Theuerung befürchtet wurde, ſo wurde das Getreide verzeichnet, die Ausfuhr verboten, Aufſucher aufgeſtellt, und die Verhehler davon ſchwer beſtraft; der Beſitzer mußte es auf den Markt bringen, ausgenommen den Bedarf auf ein oder zwei Monate und die Saatfrucht, und es um den feſtgeſetzten Preis verkaufen. Ueber die öffentliche Ruhe ward eiferſüchtig gewacht. Jede Injurie, auch die wörtliche, ward mit Geld gebüßt; das Tra⸗ gen langer Waffen war verboten; ſo bald die coprifoco ge⸗ nannte Glocke geläutet war, durfte Niemand ohne Licht aus⸗ gehen; an andern Orten gar nicht mehr ausgehen. Der öffentliche Friede war der erſte Vertrag jener Geſammt⸗ verbürgung, aus welcher die Gemeinden entſtanden, und zu deren leichteren Aufrechthaltung die Innungen dienten, regiert von Rectoren und beſonderen Statuten, die nicht blos Hand⸗ werker, ſondern auch die höhern Berufe umſchloſſen; allein dieſe Collegien bedrohten gerade oft die öffentliche Ruhe. Das Verbot der Spiele ſollte die öffentliche Ruhe erhalten und das Fluchen verhüten, zumal wurden die Glücksſpiele ver⸗ boten; aber an manchen Orten beſtand ein Spielmonopol. Zur Municipalpolizei gehörte auch die Ueberwachung der Proſtituirten, die man mit Peitſchung und Ausweiſung be⸗ ſtrafte. 590— Für Erbaltung der äußern Sicherheit ſchloſſen die verſchie⸗ denen Stände förmliche Conföderationen, ſo die Städte Caſti⸗ liens und Aragoniens die santa hermandad von 1260; ſo war die Hanſa Anfangs nur gegen die Seeräuber errichtet. Die Behandlung der Ausländer gründete ſich bisweilen auf das Recht der Reciprocität. W In den Monarchien fanden die Reiſenden ſicheres Geleite (guidagium). Hauptſtück III. Von den verſchiedenen Rechtsverhältniſſen des Grundeigenthums. Das Eigenthumsrecht hing im Mittelalter von der Eigen⸗ ſchaft des Guts ab. Dieſer Verhältniſſe waren vier: 1) Allode, 2) Lehen, 3) Zinsgüter, 4) Colonate. Die freien Allode gaben ein volles und abſolutes Eigen⸗ thumsrecht; allein unter der Vergewaltigung der Zeit wurden die wenigen von ihnen bald in feuda oblata verwandelt. Nach dem 10. Jahrhundert abſorbirte das Lehenweſen faſt alle andern Formen des Grundeigenthums, und das eigent⸗ liche Lehen war nur eine modiſieirte Art der Emphyteuſe, nämlich verbunden mit einer größern oder geringern Theilnahme an der Regierung über das Lehensgebiet. Noch näher der eigentlichen Emphyteuſe ſtand das soccarium. Die Zins⸗ oder Livellargüter unterſchieden ſich nur dadurch, daß neben dem Canon noch viele perſönliche und dingliche Pflichtigkeiten ge⸗ leiſtet werden mußten, während der Colonat gar kein Eigen⸗ thum gab. 3 Als Allod wurden die Häuſer der Bürger in den Stadtgemein⸗ den beſeſſen, und gewöhnlich auch die in der Gemarkung liegenden Güter; da aber die Häuſer für die Erfüllung der Bürgerpflicht hafteten, ſo waren ſie unveräußerlich; die Güter in der Gemarkung durften nur nicht an ſolche veräußert werden, welche der Gemeinde nicht ſteuerten. Eine andere Form der Emphyteuſe, beſchränkt auf das Leben des Beſitzers, und oft auch ausgedehnt auf die zweite oder erſchie⸗ 3 Caſti⸗ 1260; rrichtet. ilen auf Geleite zums. Eigen⸗ Allode, Eigen⸗ vurden t. ſen faſt eigent⸗ hyteuſe, eilnahme iher der ns⸗ oder den dem iten ge⸗ Eigen⸗ emein⸗ arkung ng der Güter eräußert das Leben peite oder — 591— dritte Generation war die bei der Kirche gegen ihre Schenker übliche Präſtarei. Weil ſo das vollkommene Grundeigenthum ſelten wurde, wurden auch die Verträge über die Uebertragung deſſelben ſelten, und für Gelddarleihen wurden 10, 20, 30 und 40 Procente bezahlt. Das ſicherſte Vollſtreckungsverfahren gegen ſäumige Schuldner war die Anwendung kirchlicher Cenſuren. Hauptſtück IV. Von der Bevölkerung. Die Bevölkerung war ſehr dünn. Die Bedrückung und Mißachtung des Landbaues ließen eine Menge Ländereien un⸗ bebaut; gleich verheerend wirkten die ewigen Fehden und Räubereien, die Geſetze, welche als Strafe die Güterverwü⸗ ſtungen anordneten: der Verbrauch der Pferde für den Krieg; mehr aber als Alles ſchadete der Zunahme der Bevölkerung die äußerſte Ungleichheit des Vermögens durch das Lehen⸗ weſen und die Vererbung ſämmtlicher Güter an den Erſt⸗ gebornen, mit ſpärlicher Ausſtattung der Nachgebornen; endlich die Auswanderungen in Folge der Kreuzzüge, der häufige Eintritt anſteckender Krankheiten und Theurungen, die Con⸗ centration aller Gewerbe in geſchloſſene Ortſchaften, mit dem Gefolge eines ausgelaſſenen Luxus, der die Eheloſig⸗ keit zu Folge hatte, die Monopoliſirung des Handels in der Hand Weniger; die ſchlechte Bauart der Ortſchaften machte in dieſer Einſperrung den Aufenhalt ungeſund. Und gleich⸗ wohl waren im Mittelalter einzelne Städte, mächtig durch politiſchen Einfluß und Handel, wie Piſa, Mailand, Venedig, volkreicher als ſpäter, nachdem ſie beide verloren hatten. Uebrigens fehlen allgemeine Nachrichten über den Stand der Bevölkerung jener Zeiten, da bekanntlich vor der Trienter Kirchenverſammlung die Tauf⸗ und Todtenbücher nicht allge⸗ mein gehalten wurden, obwohl ſchon in den erſten Jahr⸗ hunderten ſolche Aufzeichnungen vorkommen; allein aus der elenden Lage des Landbaues und aus dem nahen Verhält⸗ niſſe der Größe der Bevölkerung zu der Menge des ge⸗ 592— bauten Getreides läßt ſich ſchließen, daß die Bevöͤlkerung damals viel dünner ſeyn mußte, als jetzt. Dafür ſprechen übrigens auch eine Menge Thatſachen. Die Communal⸗Einrichtung und das Lehenweſen Zohen die Bevölkerung der Städte, minderten die des Landes, weil größere Freiheit und Gelegenheit, ſich zu bereichern, die Bauern in die Städte zogen. So ſchwoll die Bevölkerung in den Städten an, und die Uebervölkerung führte zur Lichtung derſelben. Das Erwachen der Nationalität im 15. Jahrhundert, die Organiſation wahrer Monarchien und die ſie begleitende Aus⸗ dehnung eines kräftigen, öffentlichen Schutzes, die ſteigende Beſſerung der Lage des Landvolks, der Sturz des Städte⸗ weſens einerſeits und des Lehenweſens andererſeits bevölker⸗ ten das Land wieder. Hauptſtück v. Von dem Staatsſchatz, ſeinen Einkommensquellen, von den Domänen 8 und Steuern. Mit der Völkerwanderung hörte das regelmäßige Steuer⸗ ſyſtem auf, wie es in einfachen Grundzügen im römiſchen Reiche gegolten hatte; es fehlte jetzt die Hauptgrundlage, ein Cataſter; es nahmen überall die neu aufgelegten oder die bei⸗ behaltenen Steuern die Natur der verſchiedenen Geſtaltung des emphyteutiſchen Vertrags an, und ſie wurden nicht an den Staats⸗ ſchatz, ſondern an den Herrn des Grundes bezahlt. Die erſten Spuren eines Cataſters finden ſich in England im 11. Jahr⸗ hundert in dem ſogenannten Doomsdaybook wieder. Im fol⸗ genden Jahrhundert nahmen die freien Gemeinden Italiens jene Methode des Cenſualregiſters an, und führten dadurch ein beſſeres Steuerſyſtem ein.— Allein als ein blos partieller Fortſchritt bedurfte dieſe Ein⸗ richtung Jahrhunderte, um ſich zu verbreiten und zu einem einzigen allgemeinen Syſtem zu erheben. Der Staatsſchatz hatte folgende Quellen des Einkommens: 1) den Ertrag der Domänen; vüllerung ſprechen ohen die 8, weil je Bauern Städten derſelben. dert, die nde Aus⸗ ſteigende Stiͤdte⸗ völler⸗ vomänen Steuer⸗ ümiſchen age, ein die bei⸗ ung des Staats⸗ eerſten Jahr⸗ m fol⸗ aliens durch Ein⸗ einem amens: 593— 2) Einkünfte von der See, den Forſten, Gewäſ⸗ ſern und Weiden— von der See die Zölle, das Strand⸗ recht, Anker⸗ und Landungsgelder— von den Forſten für das Beholzungsrecht das forestagium oder affoagium, für das Recht der Eichelleſe das passonagium, das glandiaticum— von den Gewäſſern das rivagium und die costuma— für das Weide⸗ recht das alpagium oder chavanagium, das herbagium oder pasqueyragium, das ramagium oder die fidancia. 3) Zinſe für Livellar⸗ oder Colonatgüter. Lau⸗ demien für den Verkauf ſolcher Ländereien, Caducitäten für die Nichterfüllung der Pflichten des Emphyteuta: Mutagium oder relevium, auch repreysa oder placito della morte genannt, bei dem Wechſel des Herrn, oder des Beſitzers des Gutes, oder des Zinsguts; Ablöſung dinglicher und perſönlicher Dienſte der Zinsleute. 4) Die Costume, ſonderbare althergebrachte Leiſtungen, z. B. Lieferung eines Pferdes oder eines Bettes. 5) Abgaben und Geſchenke der Juden, der Caor⸗ ſinen oder Lombarden: die Juden zahlen jährlich Abgaben für die Erlaubniß im Land zu wohnen, stagia genannt. Die Caorſinen(von der Stadt Cahors ſo genannt) und die Lombaxden mußten als Geldhändler mit ſchwerem Gelde die Erlaubniß er⸗ kaufen, eine Bank(casanam) zu halten, Geld auf Pfand zu leihen. 6) Abgaben, gelegt auf den auswärtigen und den Binnenhandel— Zölle; dahin gehörlen die pedagia, wohin auch das Octroi zu rechnen iſt; ſeltener waren die Ausgangs⸗ zölle. Die Abgaben, welche vom Kleinhandel zu bezahlen waren, hießen lelda(leyda), ſo vom Handel mit Brod, Wein, Salz, Fleiſch; dahin gehörte auch das bancagium für das Recht, auf dem Markte einen Stand zu halten und das Waggeld. Maletolte hießen die Abgaben, welche von früher ſteuer⸗ freien Gegenſtänden oder über und gegen die Privilegien der Gemeinde erhoben wurden. Blanqui, Geſchichte d. polit. Oekonomie. 11. Bd. 38 594— 7) Gewerbsabgaben, ſo in Neapel das jus tinetoriae ef celandrae. 8) Das Bergregal. Hier war zu entrichten ein Theil des gewonnenen Erzes. 9) Das Münzregal warf die tara(das Remedium) und das signoraggio ab. 10) Gebühren von Verträgen. 11) Gerichtsgebühren von Rechtsſtreitigkeiten, genannt date.. 12) Confiscationen. 13) Geldſtrafen(banna), ſehr bäufig. 14) Compoſitionen, Abfindungen wegen Verbrechen, und ſehr einträglich. 15) Kanzleitaxen; dieſe waren die Siegelgebühr; dies auch das introgium, auch preysa genannt, iſt eine Gebühr für den Eintritt in den Beſitz eines Amtes oder Privilegiums. Später ward auch ein ganzer oder halber Jahresertrag gefordert. 16) Recht, die Leibeigenen zubeerben(main-morte), dann das Heimfallsrecht(droit de deshérence), das Recht, Ausländer zu beerben(droit d'aubaine), und gefundene Sachen an ſich zu nehmen(droit d'épave). 17) Sagdgefälle. 18) Vogtei über Kirchen und Klöͤſter— Verwal⸗ tung der Güter der erledigten Kirche— Jus spolii. Regalia für die Wahl der Biſchöfe. 19) Gebühren für ſicheres Geleite— guidagia. 20) Die ſogen. privative, z. B. Monopole gewiſſer Waaren, z. B. von Salz, Eiſen. 21) Steuern(subsidia, auxilia, aides, bonatenenza, collette), außerordentliche Beiſteuern in Geld, welche auf Anforderung die Fürſten den Unterthanen Anfangs einzeln, ſpäter verſammelt in den Ständen bewilligten. Dieſe Subſidien waren ordentliche oder außerordentliche. Sie wurden blos auf Ein Mal oder auf mehre Jahre nach einander bewilligt. 22) Verpachtung und Verkauf von Aemtern, Schulen, zumal von den Secretariaten der Gerichte. 23) Feſten A4) den K rrine et eil des n) und teiten, n, und dies ebühr iums. odert. dorte), „ das „ und Spave). rwal⸗ polii. agia. gaaren, lette), erung nwelt alliche l oder chulen, — 595— 23) Geſchenke(donn) bei feierlichen Anläſſen, Heirathen, Feſten; ſie wurden oft feſte Abgaben, genannt la joyeuse entrée. 24) Zehnten, welche die Päpſte den Fürſten bisweilen von den Kirchengütern zu fordern geſtatteten, z. B. bei den Kreuz⸗ zügen. 25) Zwangsanleihen, zumal in den freien Communen Italiens; ſie wurden oft nicht mehr heimgezahlt. Als die italiäniſchen Städte ſich ihre Unabhängigkeit oder doch eine dieſer nahe kommende Autonomie geſichert hatten, fühlten ſie auch das Bedürfniß, ſich ein regelmäßiges, öffent⸗ liches Einkommen zu ſchaffen. Sie legten daher ein Cataſter an, welchem gemäß dann die Steuern umgelegt wurden. In vielen Gemeinden gab es auch ſolche Regiſter für das Fahrniß⸗ vermögen. In den Monarchien läßt ſich aus Mangel an Urkunden nicht leicht eine Ueberſicht ihrer gewöhnlichen Einkünfte geben. Die Methode, alle Einkünfte und Ausgaben in eine Geſammt⸗Ueber⸗ ſicht zu bringen, und dann die Bilanz zu ziehen, war eine Er⸗ findung der italiäniſchen Freiſtaaten. Allein ſo blühend im Allgemeinen die Finanzen der freien Gemeinden waren, ſo nieder und ſtets unter dem Bedarf waren die der Fürſten wegen des übertriebenen Aufwandes, der häufigen Reiſen und Kriege und der ſchlechten Verwaltung; ſie erhielten ſich gewiſſermaßen nur künſtlich durch Verpfändung des Silber⸗ geräthes und Geſchmeides, durch Zwangsanleihen, Aemter⸗ verkauf und durch Zahlungen der Neuerwählten, ehe ſie in den Beſitz des Amtes traten. Dieſe Auskunftsmittel verſchlimmer⸗ ten aber nur das Uebel. So konnten Städte mit kleinem Gebiete der Macht großer Monarchen widerſtehen, und hohe und ſchwierige Unternehmungen ausführen. Um die ſäumigen Schuldner zur Zahlung anzuhalten, be⸗ ſtanden verſchiedene Mittel, gegen nicht zahlende Zinsleute Ent⸗ ziehung des Zinsguts, gegen Gemeinden, welche die Steuern nicht zu gehöriger Zeit zahlten, Einſperrung der Obrigkeit, 38. 596— Verweigerung der Rechtspflege nach dem Spruche: Nullus audiatur de jure suo qui dare aliquid teneatur communi. Hauptſtück VI. Von dem Münzſyſtem. Bekanntlich war früher die Librain Geld ein Inbegriff von Münzen, welche zuſammen das Gewicht eines Pfundes Goldes oder Silbers ausmachten: die solidi waren ein aliquoter Theil der Libra; die denarii waren ein aliquoter Theil des solidus. Obwohl das Verhältniß der solidi zu der Libra ſehr oft geſchwankt hat, ſo ſtand doch vor dem zehnten Jahrhundert feſt, daß von guten solidi 20 auf 1 Libra gingen oder 240 denarii. In einer Urkunde von 958 iſt dieſes Verhältniß angegeben.* Berühmt in dem byzantiniſchen Reiche und unter den longo⸗ bardiſchen Königen ſind Goldſolidi; allein 20 davon machten noch nicht ½ Pfund. So wurde die Libra zu 20 solidi eine eingebildete Libra, verſchieden von dem Pfund; und nach⸗ dem jetzt dieſe nominale Libra einmal angenommen war, ſo entſtanden eben ſo viele Libra, als solidi verſchiedenen Schrots und Korns geprägt wurden; und als nach dem 10. Jahrhundert der solidus aufhörte, eine wirkliche Münze zu ſein und nur noch einen Inbegriff von 12 denariis darſtellte, entſtanden eben ſo vielerlei Libra, als denarii geprägt wurden. In Neapel u. Sieilien rechnete man nach gleichfalls conventionalen Unzen. Daher die äußerſte Verwirrung im Münzweſen jener Zeit, und die Schwierigkeit, den wahren Werth herauszubringen, daher aber auch das Verdienſtliche einer dieſe Verwirrung löſenden Arbeit. Im römiſchen Reiche und noch unter den Gothenkönigen war neben der Gold⸗ und Silbermünze auch noch Kupfergeld für den kleinen Verkehr gebräuchlich; allein auch dieſer Vortheil verſchwand in der Barbarei, und man hatte nur noch Gold⸗, Silber⸗ und aus beiden Metallen gemiſchte Münzen, was zwar den auswärtigen Handel durch die Erleichterung des Umwechſelns erleichterte, aber dem kleinen Binnenverkehr ſchadete, das Prä⸗ gen zu kleiner und doch nicht leicht zu behandelnder Münzen nöthig welche unerfe Die bei d eines die meiſ Libr dien daß von. geme nun mäch Mür Nullus n. rif von Goldes er Theil solidus. ſehr oſt hundert n oder gältniß fongo⸗ achten i eine nach⸗ n war, ziedenen ch dem künze zu arſtellte, wurden. tionalen ner Heit, /, daher Arbeit. en war ld für ortheil Gold⸗, war den vechſelns das Ni⸗ Münzen — 597— nöthig machte, den Curs der ſchlechten Münze begünſtigte, welche in dem ſchnellen Umlaufe des Verkehrs in der Hand unerfahrner Leute ungeſtraft gegen gute Münze umgeſetzt wurde. Dieſem Uebel wollte man durch Vergrößerung der Beſchickung bei den Silbermünzen abhelfen; ferner ſchadete der Mangel eines wirklichen solidus, einer wirklichen Libra, welche ſo ſehr die ſchnelle Erledigung der Verkehrsgeſchäfte erleichtern. Am meiſten aber ſchadete der Mangel einer wahren oder eingebildeten Libra oder andern Münze, welche als die allgemeine Regel hätte dienen können, woran die andern Münzen ſich ſchätzen ließen, ſo daß der Werth eines solidus oder einer Libra, d. h. einer Summe von ·12 oder 240 Denaren nur nach dem Werthe des denarius gemeſſen werden konnte, deſſen Vervielfältigung ſie war. Da nun nicht blos die ſouveränen Fürſten, ſondern auch mittel⸗ mächtige Barone, Biſchöfe, Aebte und viele freie Städte das Münzregal hatten, ſo war die Quantität endelos und auch die Qualität der denarii in Schrot und Korn, und ſo auch die solidi und Lire unendlich verſchieden. Und da oft die Münz⸗ verſchlechterung geübt wurde, ſo ſah man aus derſelben Münze wenige Jahre nach einander Münzen von angeblich gleicher Qualität ausgehen, welche aber im Handel nur zu bald erkannt, nach ihrem wahren Werthe ausgegeben und darnach verſchieden benannt wurden. So war die Münzkunde ein wahres Labyrinth, und die Wechsler waren nicht nur nützliche, ſondern auch nothwen⸗ dige Leute*). Hauptſtück VII. Grundlage der Vergleichung der alten Münzen mit den neuern nach ihrem Werthe ſowohl in Metall als in Waaren. Viele Schriftſteller, welche den Werth der alten Münzen in unſerem Gelde angeben wollten, erreichten ihren Zweck nicht, weil ſie nicht nach dem Preis der Waaren verglichen. Es *) Der Verfaſſer zählt mit unendlichem Fleiße die gangbarſten Münzen vom 10. bis zum 15. Jahrhundert auf. — 598— reicht nicht hin, anzugeben, welche Menge Metall die Münze, welche man mit der heutigen vergleichen will, enthielt, weil der frühere Preis der Metalle von dem heutigen gar zu ſehr abweicht, nicht ſo ſehr wegen der Maſſe edler Metalle, welche von dem neu entdeckten Amerika aus Europa überfluthete, als wegen der vielen Urſachen, welche den öffentlichen Reich⸗ thum erhöhten und vertheilten, hauptſächlich aber wegen der unſchätzbaren Vermehrung des Landbaues und der Bevöl⸗ kerung. Wer einen annähernden Anſchlag der größern Metall⸗ menge machen wollte, die in Europa nach der Eroberung der neuen Welt umlief, um etwas ſicherer den Werth der alten Münzen zu ſchützen, handelte erfolglos, weil er keine Urkunden hatte, um zu ermeſſen, wie viel Gold und Silber die ſpani⸗ ſchen Galionen uns aus Amerika brachten, weil er nicht wiſſen konnte, wie viel von dieſem Metall ausgemünzt, wie viel zu Silbergeräthe verarbeitet wurde, weil er die ungeheure Zu⸗ nahme der Bevölkerung vom Mittelalier bis jetzt nicht in An⸗ ſchlag brachte, weil er nicht erwog, in welchem Grade die Ent⸗ deckung der reichen Bergwerke Peru's und Merxiko's den euro⸗ päiſchen Bergbau ins Stocken brachte und die Gewerke und den Landbau verſäumen ließ, weil er nicht bemerkte, daß ein Krieg, eine anſteckende Krankheit, eine Auswanderung bis⸗ weilen ſchon die Proportion verrücken können, und nicht den großen Aufſchwung des orientaliſchen Handels in der Neuzeit in Rechnung brachte, den im Mittelalter zuerſt blos die Vene⸗ tianer, ſpäter die Amalfitaner, Piſaner, Genueſen trieben, und bei welchem jetzt ſo viele und ſo mächtige Nationen zuſammen⸗ wirken. Dieſe Umſtände entziehen ſich aber dem ſtrengen Calcul, und ſo kommen die Schriftſteller zu verſchiedenen Ergebniſſen, von welchen die einen blos wahrſcheinlich, die andern offenbar widerſinnig ſind. Es iſt ſonach nöthig, ein Maaß aufzufinden, das gar nicht oder doch nur wenig den Schwankungen ausgeſetzt iſt, an welchem der frühere und der jetzige Werth der Metalle zum wahren Werthe ſich ausgleichen ließen. Dieſes gemeinſame Münze, weil u ſehr welche guthete, Reich⸗ wegen Beyol⸗ Metall⸗ ing der alten kunden pani⸗ viſſen el zu Zu⸗ An⸗ Ent⸗ euro⸗ ke und daß ein g bis⸗ icht den Neuzeit Vene⸗ n, und mmen⸗ „ und „von enbar r nicht iſt, an lle zum einſame — 599— Maaß bildet das Getreide, welches das erſte, ſtändige und allgemeine Bedürfniß des Menſchen befriedigt, und ſich be⸗ ſtändig mit der Zahl und den Zuſtänden der Bevölkerung ins Gleichgewicht ſetzt. Wenn ich z. B. weiß, daß man mit 3 soldi, d. h. mit 36 Denaren von Vienne im Jahre 1290 zu Turin einen Scheffel Getreides kaufte; wenn ich weiß, welche Menge Metalls den 36 Vienner Denaren entſpricht, und welches der wahre Gehalt des Scheffels jener Zeit war; wenn man dann den Durchſchnittspreis des Getreides gegen das Ende des 13. Jahrhunderts gegenüberſetzt, ſo kann ich mit Grund ſchlie⸗ ßen, daß die 36 Vienner Denare jener Menge gegenwärtiger Münze entſprechen, mit welcher man einen Scheffel Getreides kaufen würde, und daß dieſes der wahre Werth der 36 Denare von Vienne ſei. Um zu dieſem Ergebniſſe zu gelangen, mußte ich folgende Operationen vornehmen: 1) Die alten Münzen in neuer Münze wiedergeben, allein blos rückſichtlich der Menge des Metalls, welche beide ent⸗ hielten; 2) den Preis des Getreides in jenen Zeiten für eine ge⸗ gebene Anzahl von Jahren auffinden, welche geſtattete, einen Durchſchnitt zu bilden; 3) den wahren Inhalt der alten Maaße auffinden; 4) den alten Preis des Getreides dem neuen in jedem Jahre der Periode gegenüberſtellen, auf welche ich meine For⸗ ſchungen beſchränkt habe, und die Münzen, deren wahren Werth ich aufſuche, um den Unterſchied zunehmen laſſen, welcher zwiſchen dem Preiſe einer gleichen Menge Getreides in jenem Zeitraum und im gegenwärtigen beſteht*). 0 *) Nach dieſer Methode ſchöpfte Hr. Cibrario mit unendlichem Fleiße und größter Genauigkeit die Kunde des Werthes der Münzen aus dem täglichen Wechſelcurs, wie er in vielen hundert Rechnungen von Schatz⸗ meiſtern, Einnehmern, Kanzlern, Richtern verzeichnet iſt. Der Wechſel⸗ eurs ſtellt den wahren Werth im gemeinen Verkehr jener Münzen mit ſämmtlichen Schwankungen dar, welche ſo viele Urſachen zuſammen “ — 600— Hauptſtück VIII. Seegeſetze. Consolato del mare. Roles d'Oléron. Schifffahrt. Geogra⸗ phiſche Entdeckungen.— Handel, Künſte, Theorie des Credits, Zins und Wechſel. Der Handel fand ein mächtiges Mittel ſeiner Verbreitung durch ferne Seefahrten in der Güte und Einfachheit ſeiner Geſetzgebung und in dem Inſtitut des Seeconſulats. erzeugen, und von denen einige von häufigen geſetzlichen oder heimlichen Emiſſionen des ſinkenden Geldes, andere von größern oder geringern Nachfragen, von dem mehr oder minder ausgedehnten Curſe dieſer oder jener Münzart, endlich von allen jenen Urſachen herkamen, welche auf die Aenderungen des Wechſeleurſes einwirken. Der Typus, nach welchem die andern Münzen berechnet wurden, iſt der Fiorino di Firenze(Florentiner Gulden), deſſen Gewicht und Legie⸗ rung am bekannteſten iſt, der L. 12 36. 55 gelten würde. Iſt ſo der Werth der alten Münzen in Metall gefunden, ſo mußte er noch, um den wahren Werth zu entdecken, dem Preiſe der Lebensmittel gegenüber geſetzt werden. Ueber den Preis des Getreides in Piemont, Savoyen, in der Schweiz, in einem Theile von Frankreich und bis in den Orient fand Hr. Cibrario in denſelben Rechnungen, in welchen er den Wechſelcurs fand, ſehr viele Angaben; er mußte aber zugleich auch den Gehalt der alten Maaße unterſuchen, was äußerſt ſchwierig war, bis er endlich bei dem Jahre 1336 fand, daß aus einem sestario Getreide, gleich geltend 2 emine, 75 Piemonteſer Pfunds Brods(immer das pan francese) gemacht wurden. Die Gewichte ändern ſich weniger als die Maaße, und nach der Angabe des Hrn. Cibrario hat das Turiner Pfund ſich nicht geändert. Nun geben gegenwärtig 2 emine Getreides 86 Pfund franzöſiſchen Brodes; es bleibt ſonach zwiſchen der gegenwärtigen und zwiſchen der alten emina noch immer der bedeutende Unterſchied von 10 Pfunden. Die gegen⸗ wärtige emina iſt aber 23,0550 litri gleich. Der Sestario oder der alte Scheffel, beſtehend aus 2 emine, betrug aber nur 40,685 litri. Der heutige Durchſchnittspreis für eine Emina Getreides durch ein Jahrzehent(1825 bis 1835) iſt L. 4. 64. 63; ſonach würde ein Sestario Getreide gegen⸗ wärtig 8. 17. 76. koſten. Wenn man dann weiß, was ein Sestario Getreides 1229 koſtete und was er heute gilt, ſo kann man den Lauſanner Denaro auf ſeinen wah⸗ ren Werth bringen, wenn man nämlich ſo folgert: Der Mittelpreis eines Sestario Getreides in 12 Jahren(1289— 1300) war in Piemont L. 4. 22. 64. Zwe Seehar Verzeit Der einem L. O. um d gekau So Müng reien, Wert würde treidep tafeln Geogra⸗ Zins weitung t ſeiner jeimlichen geringern jeſer oder elche auf den, iſt Legie⸗ nußie er nsmittel Sähweid „Gdrario ſehr viele en Manße dem Jahre 22 emine, ht wurden. der Angade dert. Nun en Brodes; lten emina Hie gegen⸗ er der alle er heutige ent(1825 de gegen⸗ oſtete und einen wah⸗ 28O- 1300) — 601— Zwei Sammlungen des Gerichtsgebrauchs in Sachen des Seehandels bildeten das Seerecht Europa's. Beide waren Verzeichnungen alter, von den Seefahrern gemeinſam befolgter Der gegenwärtige Mittelpreis iſt L. 8 17. 76. Sonach war der von einem Denaro lausanese repräſentirte Werth nicht L. 0. 11. 77., ſondern L. 0. 23. 19, weil eine ſo große Menge Metalls heute erforderlich iſt, um die Quantität Getreide zu kaufen, welche damals mit L. 0. 11. 77. gekauft worden wäre. So ward es dem gewiſſenhafteſten Fleiße des Verfaſſers möglich, den Münzen, Waaren, der Handarbeit, den Löhnen, den Geräthen, Lände⸗ reien, den Miethen, kurz allen Dingen jener alten Zeiten den wahren Werth anzuweiſen, welchen ſie in dem gegenwärtigen Gelde haben würden; und es gelang ihm, die äußerſt genauen Tabellen der Ge⸗ treidepreiſe für 109 Jahre(von 1289—1397), ſodann die Vergleichungs⸗ tafeln der alten Münzen mit der laufenden Münze zu entwerfen. So enthält die Tafel I. den Preis eines Sestario Weizens von 1289— 1300 noch folgende Rubriken: Preis Preis in gegenwär⸗ Bemerkungen. Jahrgang. Ortſchaften. in altem Geld. tigem Geld. 1289. Miradol. V 3 soldi. 3. 65.85. Der Vienner 9 denari Denaro galt viennesi. 0. 08. 13(Me⸗ tallwerth). Die II. Tafel gibt den Preis eines Sestario Getreides von 1301- 1325. Die III. Tafel den Preis eines Sestario Weizens von 1326— 1350. Die IV. Tafel von 1351— 1379. Die V. Tafel den Preis eines Sestario Weizens in den verſchiedenen Monaten eines und deſſelben Jahrgangs in Turin. Die Vergleichungstafel der Münzen Italiens, Frankreichs, Deutſchlands, Englands und des Orients von dem 13. u. 14. Jahrhundert mit der Angabe des gegenwärtigen Werthe in Metall und Getreide hat folgende Rubriken: Namen Damaliger Werth Wahrer 8 R Jahrgang. der Wechſel⸗ in Werth in Bemerkung. Münzen curs. Metall. Getreide. ——— 1257. 0bolo d'or.ſper 2sldi.] L. C. M. L. C. M. (Oriente). 9 denari 7. 06. 20. 13. 73. 40. mauriziani — 602— Gewohnheiten, wornach alle Streitigkeiten ſchleunigſt mit Be⸗ ſeitigung aller unnützen Förmlichkeiten entſchieden wurden nach dem höchſten Princip des Handels, nach Treue und Glau⸗ ben; den Handelsleuten jeder Nation war Freiheit und Gil⸗ tigkeit der Verträge nach ihrem eigenen Rechte geſichert. Die Seepolizei wurde gehandhabt und den Seeräubereien geſteuert. Die erſte Grundlage dieſes Rechts ſtammt vielleicht von Tyrus, von welchem ſie die Rhodier, Athener, theilweiſe auch Egypten entlehnten. Später wurde die Conſulargerichtsbarkeit durch ein Geſetz des Weſtgothenkönigs Eurich eingeführt, welcher wollte, daß keiner ſeiner Richter die Streitigkeiten der Seefahrer ver⸗ handeln, ſondern ihre Entſcheidung den Telonarii überlaſſen ſollte, woraus erhellt, daß die Gewohnheit ausländiſcher Han⸗ delsleute, eigene und landsmänniſche Richter zu haben, wenn auch beſtritten, doch ſchon alt war. Das Consolato del Mare ward als gemeines im Mittelmeer geltendes Recht im 13. Jahrhundert angenommen; allein ſeine Hauptbeſtimmungen ſtammten aus ſehr alten Statuten und Orts⸗ gewohnheiten. Ueber den Entſtehungsort jener Geſetze iſt Streit: Einige verlegen ihn nach Amalfi, Andere nach Piſa, Andere nach Genua, Pardeſſus nach Katalonien, und allerdings iſt der zuerſt in Venedig 1539 gedruckte italiäniſche Text eine Ueberſetzung aus dem Kataloniſchen. Die Roles d'Oléron, ſo genannt, weil die älteſte bekannte Abſchrift davon auf der von Guyenne abhängigen Inſel Ole⸗ ron 1266 gemacht worden war, war das Seerecht für die nördlicher gelegenen Länder Europa's, da die Judicin von Dammeo oder die Geſetze von Weſtcapellen u. die Sammlung von Wisby auf Gothland nur wenig veränderte Umarbeitungen der Roles d'Oléron ſind. Dieſe galten übrigens auch in Caſtilien, und ihre Giltigkeit Ein Ergebniß der mühevollen Arbeit war, daß die Summe, die für den täglichen Lebensunterhalt ſtreng nothwendig iſt, wie der Unterhalt eines Gefangenen, die Koſt der Bauern eben ſo Preiſe mehre der erſten Lebensbedürfniſſe im 14. Jahrhundert ungefähr die nämlichen Preiſe hatten, wie jetzt, und überhaupt ſich die ungeheure Verſchiedenheit der Preiſe, den viele unvorſichtige Schriftſteller annahmen, nicht bewähre. wurde in Fra Uebrig allein jedem Fr Tafe nit Be⸗ den nach Glau⸗ ad Gil⸗ tt. Die geſteuert. Tyrus, Egypten durch ein r wollte, rer ver⸗ derlaſſen r Han⸗ „wenn telmeer in ſeine dd Ords⸗ Streit; dere nach e zuerſt in etung aus e bekannte zuſel Ole⸗ nördlicher oder die Gotpland jron ſind. Giltigkeit e, die füt Unterhalt e der erſten ichen Preiſe edenheit det bewähre. — 603— wurde im 14. Jahrhundert beſtätigt, als zuerſt in England, ſpäter in Frankreich, die Admiralitätsgerichtsbarkeit errichtet wurde. Uebrigens hatten die Seeſtädte Italiens, welche zuerſt und lange allein den Welthandel in der Hand hatten, ohne Zweifel auch vor jedem andern Volk geſchriebene oder Gewohnheitsrechte. Früher als beide genannten Seerechte ſind die Amalfitaniſchen Tafeln, der ordo et consuetudo maris von Trani aus dem J. 1063, das Constitutum usus von Piſa aus dem Jahr 1160 und das ca- pitulare nauticum von Venedig, welches, da es ſchon 1256 er⸗ neuert wurde, um mehre Jahrhunderte früher, und vielleicht das älteſte aller dieſer Geſetze ſeyn mußte. Die Seeconſuln waren aus den beſten und einſichtsvollſten Handelsleuten gewählte Richter, welche unter den Handelsleu⸗ ten des gemeinſamen Vaterlands im Ausland entſtehende Han⸗ delsſtreitigkeiten möglichſt ſchnell und möglichſt formlos ent⸗ ſchieden. Anfangs ſcheinen ſie ſich auf den Handelsſchiffen mit ein⸗ geſchifft zu haben: ſpäter laber hatten ſie ihren Sitz an den vorzüglichſten Handelsplätzen, wo ihre Nation Handel trieb. Italien und das narbonenſiſche Gallien errichteten zuerſt dieſe Inſtitution: Narbonne hatte 1148 einen Conſul zu Tortoſa, Monpellier am Anfang des 14. Jahrhunderts einen auf Cypern. Das Volk, welches als Handelsmacht am meiſten und zuerſt in der Geſchichte der neuern Geſittung hervorragt, iſt das ve⸗ netianiſche, das den Welthandel an ſich riß. Schon vom 6. Jahrhundert an und noch mehr in den beiden folgenden Jahrhunderten bezog Italien von den Venetianern Salz, Spezereien, Gold⸗ und Seidenſtoffe, gefärbtes Leder, Purpur, Federn, Elfenbein, Ebenholz, Perlen und Edelſteine, und andere morgenländiſche Luxuswaaren, die ſie in den Hafen des griechiſchen Reichs, wohin die chineſiſchen und indiſchen Waaren verſchifft wurden, Egyptens und der Berberei holten: wogegen dieſen Ländern die Venetianer Bauholz, Eiſen und Waffen brachten; ſie trieben auch den Sklavenhandel, an dem bis zum 16. Jahrhundert auch die Genueſen Theil nahmen. Die Eroberung Dalmatiens am Ende des 10. Jahrhunderts machte Venedig zum Herrſcher des adriatiſchen Meeres. — * — 604— Die Lagunen Venedigs waren damals das unerläßliche Werk⸗ zeug, durch welches die Griechen und Araber mit Oberitalien und andern Ländern verkehrten. Dieſer ungeheure Handel bereicherte Venedig bald: der ſtän⸗ dige Verkehr mit den Griechen verfeinerte den Geiſt, brachte die griechiſchen Künſte und erzog die Gewerbe. Man fabricirte in Venedig Damaſte, Zindeltaffe, Kamelotet, von den Griechen lernten und verbeſſerten die Venetianer die Glasbereitung: ſie waren Meiſter in der Eindämmung der Flüſſe, in der Färbung der Tücher, der Erzgießerei, in der Bearbeitung des Goldes, Eiſens, Holzes; um ſeine Gewerbsgeheimniſſe ſich zu bewahren, verbot Venedig ſeinen Meiſtern die Auswanderung. Das Gold ſtrömte in tauſend Adern nach Venedig: es verſtand es alle Nationen ſich zinspflichtig zu machen, und jede Mitwerbung zu beſeitigen. Schon vom 8. Jahrbhundert an hatte es mächtige Flotten zum Schutz ſeines Handels und zur Niederhaltung fremder Concurrenz. Bald durch Geſchenke und einſchmeichelnde Politik, bald durch Drohungen und Gewalt hatten die Venetianer in einer Menge Länder ſich Freiheiten und Vorrechte erwirkt. Ueberall hatten ſie Conſuln mit weiter Gerichtsbarkeit und in hohen Ehren. Bei der Eroberung Conſtantinopels mit Balduin, dem Gra⸗ fen von Flandern, nahmen ſie die beſte Beute, Candia, Negro⸗ ponte, einen großen Theil von Morea, den größten Theil der Inſeln des Archipels, die beſten Hafen und Landſchaften Thra⸗ ciens und die an's ſchwarze Meer angrenzenden Länder. Und dieſe Eroberungen behielt auch Venedig nach dem Untergang des lateiniſchen Kaiſerthums, und nur nach der tapferſten Ge⸗ genwehr wichen ſie dem übermächtigen Glück der Moslems im 15. und 16. Jahrhundert. Die Gewinnſucht und der chriſtliche Bekehrungseifer waren die beiden Haupturſachen weiter Reiſen und Seefahrten, welche die Erdkunde erweiterten. So wirkten die Mönche, welche 1247 Innocenz IV. zu den Tataren entſandte, ſo Andreas von Longiumel und Wilhelm von Rubruquis, welche der heilige Ludwi Sanu die F Buch dels der des he Verk⸗ eritalien der ſtän⸗ brachte fabricirte Griechen -ung: ſie Färdung 8 Goldes, bewahren, Das Gold nd es alle verbung zu e mächtige dderhaltung bald durch ner Menge exall hatten hen Chren. dem Gra⸗ ia, Regro⸗ Theil der ften Thra⸗ ner. Und Untergaug rſten Ge⸗ Moslems jer waten en, welche he, welche ndreas von der heilige — 605— Ludwig zu demſelben Stamm ſchickte, ſo der Venetianer Marin Sanuto, welcher in dem liber secretorum fidelium cerueis die Frucht ſeiner orientaliſchen Reiſen niederlegte; das erſte Buch dieſes Werkes iſt eine vollſtändige Darſtellung des Han⸗ dels und der Schifffahrt ſeiner Zeit. Bekannt ſind die Reiſen der beiden Brüder Niccolo und Maffio Poli aus Venedig, und des Sohnes des erſtern, Marco, und deſſen berühmter Bericht vom Jahr 1298 über ſeine und ſeines Vaters Reiſen in Aſien. Zwei Genueſen aus der Familie Vivalda ſuchten 1281 auf dem Weſtweg nach Indien zu gehen, ebenſo Alviſe da ca' da Moſto(1443). Der Portugieſe Vasco di Gama entdeckte das Vorgebirge der guten Hoffnung und Colombo die neue Welt. Zuerſt nach den Venetianern trieben den orientaliſchen Han⸗ del die Amalfitaner, welche von 839 an eine republicani⸗ ſche Verfaſſung hatten: ſie verbündeten ſich im 9. Jahrhundert mit den andern Freiſtaaten Campaniens und bekriegten die Saracenen. In dem folgenden Jahrhundert wetteiferten ſie mit den Venetianern, indem ſie dem ſüdlichen Italien die Waa⸗ ren Indiens zuführten, welche jene nach dem Norden förderten. Nach dem 10. Jahrhundert griffen auch die Piſaner und Genueſen nach dem Welthandel; Piſa war im 11. und 12. Jahrhundert ein reicher Markt: es kämpfte glücklich gegen die Saracenen, bemächtigte ſich Sardiniens, Corſica's und der baleariſchen Inſeln. Es hatte in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts Waarenlager in Antiochien, Laodicea, Tyrus und in andern von den Kreuzfahrern eroberten Städten. Genua, welches in den erſten Jahren des 10. Jahrhunderts mit den Piſanern Sardinien eroberte, welches im J. 1080 ſeine erſten Conſuln ernannte, eroberte mit den Piſanern auf einem Seezug Tunis. Bald darauf nahmen die Genueſen einen glor⸗ reichen Antheil an der Eroberung des heiligen Landes und Je⸗ ruſalems. Nach den Kreuzzügen hob ſich der Handel Genua's noch höher. Die Herrſchaft Sardiniens und Corſica's war lange zwiſchen Piſa und Genua, die Herrſchaft der Meere ſpäter zwiſchen Venedig und Genua ſtreitig, welches letztere oft obſiegte. Wie die Venetianer, dietirten die Genueſen, nachdem ——— ——.——* — — 606— ſie ſich in der Vorſtadt Pera und in Galata niedergelaſſen hatten, den griechiſchen Kaiſern Geſetze, und ertrotzten von ihnen außer⸗ ordentliche Privilegien. Venetianer und Genueſen lebten in der Kaiſerſtadt Conſtantinopel nach eigenen Rechten; und dieſe bei⸗ den Colonien bildeten vollkommen die heimatliche Regierungs⸗ form nach. Hatte zuletzt Venedig Morea und Negroponte und Candia, ſo beherrſchte dagegen Genua die Krimm und viele Inſeln des Archipels. Wie die Venetianer bemüht, ihren Handel zu ſchützen und zu erweitern, und die Fremden auszuſchließen, benützten die Genueſen ihre Niederlaſſung in der Hauptſtadt des morgen⸗ ländiſchen Reiches, um ihre Handels⸗ und politiſchen Colonien am ſchwarzen Meer zu erweitern, wo ſie Caffa gründeten. Hier erließen ſie Statuten über die Schifffahrt auf dem ſchwarzen Meer, für deren Befolgung die Patronen der Galeeren vor der Einſchiffung 1000 Lire hinterlegen mußten. Genua erlag ſpäter den Schlägen der zu ſeinem Sturz ver⸗ bündeten Venetianer und Catalonier ſo ſehr, daß es ſich nicht mehr erholen konnte. Vor dem 14. Jahrhundert traten auch die Florentiner indi⸗ rect in einen Theil des orientaliſchen Handels ein, direct aber, d. h. mit eigenen Schiffen, bloß im Anfang des 15. Jahrhunderts. An dem mittelländiſchen Seehandel nahmen auch die See⸗ ſtädte der Provence, von Languedoc und Catalonien, zumal Marſeille, Narbonne, Toulouſe, Monpellier, Barcellona Theil. Das Königreich Neapel trieb den Handel mit Getreide, Oel, roher und verarbeiteter Seide, vorzugsweiſe aber mit Pferden; allein der auswärtige Handel dieſes Staats im 14. Jahrhun⸗ dert war großentheils ein Monopol der Bardi und anderer reichen Bankherren von Florenz. Während der Handel an dem Mittelmeer ſchon blühte, kreuzten noch auf den nordiſchen Meeren nur Kriegs⸗ u. Seeräuber fahrzeuge. Jedoch erhob ſich vom Anfang des 13. Jahrhunderts an der Handel der teutſchen Hanſa. Da nämlich der öffentliche Friede fehlte, erſetzten ihn die Handelsleute durch Privatverbündungen. Eine ſolche iſt die Hanſa; eine ähnliche Verbündung unter den — handelst und 121 Handels Amſterd Hollan lande. und und den D eini E Die Hand nhatten, naußer⸗ in der dieſe bei⸗ ierungs⸗ onte und und viele tzen und igten die morgen⸗ LTolonien 7. Hier warzen en vor uz ver⸗ ich niät ner indi⸗ rect aber, ihunderts. die See⸗ n, zumal ona Theil. ide, Oel, Pferden; Jahrhun⸗ anderer kreuzten orzeuge. zan der he Friede ündungen. unter den — 607— Handelsleuten Einer Stadt ſtiftete Bayonne ſchon zwiſchen 1199 und 1216. Schon am Anfang des 14. Jahrhunderts beſuchten die Handelsleute der Städte am baltiſchen Meer den Markt von Amſterdam, unter dem Namen Oſterlinge. Viel früher als Holland blühten durch großen Seehandel die nördlichen Nieder⸗ lande. Brügge war ein hochwichtiger Platz für den nördlichen und ſüdlichen Handel. Sehr beſucht war der Hafen von Sluis und in dem nahen Damme wurden die Handelsſtreitigkeiten nach den Roles d'Oléron entſchieden. Die Portugieſen und Kaſtilianer beſuchten im 14. Jahrhundert einige Hafen Frankreichs. England nahm wenig activen Antheil an einem ſolchen Handel. Die engliſchen Könige beſchränkten ſich darauf, den auswärtigen Handelsleuten und beſonders denen der teutſchen Hanſa Privile⸗ gien zu verleihen. Ein ſolches verlieh Heinrich III. im J. 1237 an die Handelsleute von Gothland: derſelbe verſprach 20 Jahre ſpäter der teutſchen Hanſa die Aufrechterhaltung ihrer frühern Frei⸗ heiten. Eduard I. verlieh 1303 ein weit gehendes Privilegium den Handelsleuten Teutſchlands, Frankreichs, Spaniens, Portugals, Navarra's, der Lombardei, Toscana's, der Provence, Cataloniens, Aquitaniens, Toulouſe's, Quercy's, Flanderns und Brabants. In demſelben Freibrief wird die ſchnelle Erledigung der Handels⸗ ſtreitigkeiten secundum legem mercatoriam zugeſagt, eben ſo ein beſonderer Appellationsrichter, und die Beſetzung des Schwur⸗ gerichts in Fällen, wo ein ausländiſcher Handelsmann betheiligt iſt, zur Hälfte aus Landsleuten des Kaufmanns. Die große Anzahl der Wegegelder ließ den Handelsweg zur See vorziehen: gleichwohl beſtand ein großer Handel zwiſchen Italien und Frankreich über den Simplon und den Moncenis und einiger über den Monginevra, betrieben durch Handelsleute Tos⸗ canga's, der Lombardei und der Provence. Sie waren zum Zweck größerer Sicherheit für jedes Gebiet in Geſellſchaften vereinigt, welche nach beſondern Statuten von Conſuln oder Rectoren re⸗ giert wurden. Alle dieſe Compagnien waren in eine allgemeine vereinigt, die eine wahre Handelsmacht bildete, und durch ihre Abgeordneten mit Fürſten und Baronen unterhandelte, damit be⸗ — 608— ſondere Uebereinkünfte den Mangel jenes öffentlichen Schutzes erſetzten, welcher ſich mit dem politiſchen Syſtem jener Zeiten nicht vertrug. Es pflegten ſonach die Handelsleute ſich durch beſondere Stipulationen zu verſichern, daß die Zölle nicht unverſehends an den Durchgangsſtätten erhöht, daß im Fall einer von einem ihrer Landsleute verübten Beſchädigung der Schadenserſatz dieſem abge⸗ fordert, daß gegen die Unſchuldigen keine Repreſſalienbriefe ausge⸗ fertigt, daß die Ballen nicht geöffnet, die Wege von Verbrechern nicht unſicher gemacht werden dürften; daß die ſich ergebenden Rechtsſtreitigkeiten noch an demſelben Tag ſummariſch entſchieden werden ſollten; daß die Waaren wegen Vergehen der Fuhrleute nicht mit Beſchlag belegt werden dürften; daß, wo durch Straßen⸗ räuber oder Andere die Handelsleute beſchädigt würden, der Scha⸗ den bald vergütet werden ſollte. Alle dieſe Verpflichtungen enthielt das ſichere Geleit, das eine Art Verſicherungsvertrags war. Auch wurde hie und da beſtimmt, daß alle dieſe Geleitsgebühren nach Einer Münze berechnet werden ſollten. Das war meiſtens der Inhalt dieſer Verträge, welche die Für⸗ ſten und Barone zu Gunſten der Handelsleute abſchloſſen, um durch eine Aenderung des Handelszugs nicht ihre Zölle zu verlieren. Allein das Hauptverdienſt der freien Städte Italiens war neben der Wiederbelebung des Handels das, die Theorie des Cre⸗ dits und den unglaublich raſchen Umlauf des Geldes durch Wech⸗ ſel gefunden oder erneuert zu haben. Vom 12. Jahrhundert an waren in verſchiedenen Städten Italiens Leih⸗ und Wechſelban⸗ ken, genannt casane, gegründet. Dieſes Geſchäft war vorzüglich von den Einwohnern Toscana's, Aſti's und Chieri's geführt, welche ihren nicht immer unſchuldigen Beruf nicht blos als Geldwechs⸗ ler, ſondern auch als Darleiher auf Pfand trieben. Im J. 1226 kamen die Wechsler von Aſti auch nach Frank⸗ reich, wo dieſes Gewerbe ſchon durch die Handelsleute von Ca⸗ hors blühte. Hier vermehrten ſich in der Folge die italiäniſchen Darleiher, zuerſt mit den Caorſinen verwechſelt, ſpäter unter dem Namen Lombarden von dieſen unterſchieden, bald von den Fürſten begünſtigt, bald von ihnen verfolgt, faſt ſtets aber vom Volke gehaßt. Solche Bankherren gab es an den Höfen Frank⸗ ——y—— Schutzes ten nicht eſondere ends an em ihrer em abge⸗ eausge⸗ brechern gebenden ſſchieden uhrleute traßen⸗ Scha⸗ nthielt Auch mnach e Für⸗ en, um erlieren. ns war des Cre⸗ hWech⸗ ndert an hſelban⸗ tzüglich „welche wechs⸗ Frank⸗ n Ca⸗ niſchen ter dem von den ver vom Frant⸗ 609— reichs und Englands, am Hofe des Papſts die reichſten, und die Compagnien der Bardi, der Peruzzi, der Frescobaldi von Flo⸗ renz, der Balardi von Piſa, der Salimbeni von Siena durften ſich mit den heutigen Rothſchilden meſſen. Die Compagnie des Coluccio Balardi hatte in den erſten Jahren des 14. Jahrhun⸗ derts eine Bank in Paris: Giovanni Vanno und Genoöſſen hat⸗ ten eine Bank zu Dover und zu Canterbury. Im J. 1337 war der große Reichthum der Salimbeni in Si⸗ ena an 16 Häuſer vertheilt, welche zur Verwaltung ihres Ein⸗ kommens einen gemeinſamen Kämmerer hatten, der mehre Jahre hindurch unter die 16 Familienhäupter ungefähr 100,000 Gulden (20, 386, 20) zu vertheilen hatte. Die italiäniſchen Bankherren entdeckten zuerſt die wahren Ge⸗ ſetze des Geldhandels, die Theorie des Credits und die Wechſel. Wenn Einige auch die Juden die Wechſel erfinden laſſen, ſo haben das Verdienſt, ihren Gebrauch angenommen und verbreitet zu haben, doch ſicher die toscaniſchen Wechsler, welche, beauftragt, die päpſtlichen Einkünfte an verſchiedenen Orten der katholiſchen Welt einzuziehen, ſich dieſes Mittels bedienten, um die eingezoge⸗ nen Gelder zur Verfügung zu ſtellen, wenn der päpſtliche Hof drin⸗ gend der Gelder bedurfte. Den italiäniſchen Wechslern muß man auch den Vortheil zuſchreiben, das Intereſſe des Geldes oder die Vergütung, welche man von dem Darleihen beziehen durfte, von dem Wucherzins, welcher verboten war, unterſchieden zu haben. Das Darleihen, welches ein Capital in ein Credit⸗ papier verwandelt, ſchmälert deſſen innern Werth; der Ertrag des Geldes vertritt und vergütet dieſe Schmälerung. Die Erfindung der Wechſelbriefe öffnete den Handelsleuten die Räthe der Fürſten, welche kein großes Unternehmen beginnen konnten, ohne daß es die Bankhalter gewußt oder geahnt hätten. Von den Billets à ordre und von den Creditbriefen hat man die erſte Kunde aus dem 13. Jahrhundert. Das Börſenſpiel war in den italiäniſchen freien Städten, in Frankreich und Flandern häufig. In Florenz wurde die Planqui, Geſchichte d polit. Oekonomie. 11 Bd. 39 — 619— Hitze der Speculanten 1371 dadurch gemäßigt, daß man den Verkauf der öffentlichen Fonds mit einer Abgabe belegte. Auch ſcheint jenen Zeiten ſchon das Lotterieweſen bekannt geweſen zu ſein.. Die erſte öffentliche Bank wurde 1171 zu Venedig gegründet. Allein das Weſen jener Einrichtung iſt nicht ganz klar. Im 13. Jahr⸗ hundert wird eines Papiergeldes in Mailand erwähnt. DasDarlei⸗ hen wurde wieder zurückbezahlt. Eine oͤffentliche Leihanſtalt wurde 1336 in Florenz und mit beſſerem Erfolge eine andere 1353 errichtet für die Summe von 800,000 Goldgulden(16,926,000) mit dem Monatszinſe eines Denars für eine Lira, und mit dem Privilegium, daß die Gelder der Leihanſtalt weder aus irgend einem Grunde oder wegen irgend eines Verbrechens weggenommen noch mit Beſchlag belegt werden könnten, und daß Jeder ſie verkaufen, vertauſchen dürfte, und daß dann bei einem Jeden jene Privilegien auch als vertauſcht gelten ſollten. Und da die Gemeinde wußte, daß Treue und Glauben die Grundveſte dieſes Gebäudes war, ſo befleckte ſie in den ſchwierigſten Lagen dieſe Treue nie, und fand daher immer Geld zum Borgen. In Genua wurde während der Kriege des 14. Jahrhunderts die Bank des heil. Georgs errichtet, beſtehend aus Staats⸗ gläubigern, welchen als Zins und zur progreſſiven Tilgung ihrer Forderungen die Einkünfte des Staats zum Bezug an⸗ gewieſen wurden. Eine Depoſitenbank für Handelsleute wurde 1401 in Bar⸗ cellona errichtet. Auch kleinere Gemeinweſen erkannten, welchen Vortheil für die öffentlichen Bedürfniſſe ſich aus wohl geordneten Leihhäuſern ziehen laſſen. So wurde in Chieri 1415 eine Leihbank mit einer Prämie von blos 5 Procent und nach folgenden zehn Regeln errichtet: 1) Die Leihanſtalt ſoll in ſo viele Einlagen abgetheilt wer⸗ den, daß ſie die Summe von 10,000 Genovini d'oro(178,615) darſtellen. 2) Die Einlagen des Leihhauſes ſollen den Gläubigern jährlich 5 Procente und nie mehr tragen; ſie können verkauft, vertauſcht, — f n den Auch weſen undet. Jahr⸗ arlei⸗ wurde richtet t dem gium, oder hlag chen als daß dar, wie, derts taats⸗ lgung g an⸗ Bar⸗ il für uſern mit zehn wer⸗ 615) ährlich tauſcht, — 611.— verpfändet werden, und die Rechtsnachfolger ſollen ſo viele Rechte haben, als der erſte Erwerber. 3) Jede Perſon von was immer für einem Stande, wenn ſie nur einen guten Namen hat, ſoll jede Einlage der Leih⸗ anſtalt erwerben können, und ſchon dadurch Bürger von Chieri werden und alle mit dieſem Bürgerrechte verbundenen Vor⸗ rechte genießen. 4) Niemand ſoll ſich verpflichten können, Einlagen der Leih⸗ anſtalt zu erwerben. 5) Die Einlagen der Gläubiger ſollen ſowohl rückſichtlich des Capitals als der Zinſe auf die Gemeindegüter verſichert werden. 6) Die Güter der Darleiher, welche Antheil an den Ein⸗ lagen der Leihanſtalten haben, ſollen nicht confiscirt werden dürfen. 7) Die Einlagen dürfen weder wegen eines Verbrechens, auch nicht wegen Aufruhrs oder Majeſtätsverletzung, noch aus irgend einem andern Grunde verloren gehen, mit Beſchlag belegt oder geſchmälert werden. 8) Die Fürſten(der Graf von Savoyen und der Fürſt von Achaja) und ihre Beamten dürfen weder direct noch indirect Einlagen in der Leihanſtalt erwerben. 9) Die feſtgeſetzte Geſammtſumme darf aus gar keinem Anlaſſe erhöht werden. 10) Der Gemeinde ſteht es frei, jene Schuld jederzeit nach Belieben heimzuzahlen. Vermittelſt dieſer Leihanſtalt, die nach ſo verſtändigen Re⸗ geln eingerichtet war, bezahlte die Gemeinde Chieri ihre Schulden, für welche ſie 10 und 12 Procent Zinſe ver⸗ ſprochen hatte, und vermehrte mit einem neuen Capital umlau⸗ fender Werthe den Handel und den Gewerbfleiß ihrer Bürger. Durch den Waaren⸗ und Geldhandel erwarben Pri⸗ vaten ſo großen Reichthum, daß ſie mit Fürſten wett⸗ 39. — 612— eiferten, Truppen beſoldeten, Flotten ausrüſteten, Kriege und Eroberungen auf eigene Rechnung unternahmen. Man denke nur an die Medici, und erwäge, daß Coſimo der Große 400,000 Dukaten auf den Bau von Kirchen und Klöſtern und auf andere öffentliche Werke verwandte. Im Jahre 1422 belief ſich der in Florenz umlaufende Geldbetrag auf 4 Mil⸗ lionen Gulden. 3 Durch den in Folge der Entſtehung der freien Gemeinden und von den Kreuzzügen unterſtützten Verkehr häufte ſich das Geld in den Kaſſen der Bewohner der freien Städte an, und da durch dieſelben Urſachen die Fürſten und Barone es verloren, ſo mußte der Geldzins raſch wachſen. Im Jahre 1161 verſprach Guido Graf von Biandrate einen Jahreszins von 20 Procent. Im Jahre 1201 machte Arduino, Biſchof von Turin, mit Jakob und Bartholomäus Sylo Turiner Gelddarleihern den Vertrag: daß, wenn er binnen Jahresfriſt die ſchuldigen 100 Lire, 52 Soldi 10 Seeuſine zurückzahle, ſo ſolle er nichts weiter bezahlen dürfen; zahle er ſie aber erſt binnen zwei Jahren zurück, ſo ſolle er 13 Lire weiter bezahlen; zahle er erſt in drei Jahren 25 Lire; in vier 58 Lire; in fünf, 90; zahle er erſt in ſechs Jahren, 113; offenbar um den Zinsvertrag zu ver⸗ ſchleiern, erſcheint hier das Bedingen von Verzugszinſen. Wirklich wurden mehr als 12 Procent Zins genommen. Zu Verona ward 1228 der Zins geſetzlich auf 12 ½ Pro⸗ cent heſtimmt, in Modena 1270 auf 20 Procent, in England ſogar, wenn der Bericht es nicht übertreibt, für 2 Monate auf 10 Procente. 1 Im 14. Jahrhundert gibt es Beiſpiele von 35% und noch mehr, die höchſten Zinſe nahmen die Juden. Hie und da beſtimmten die den Gelddarleihern oder den Juden gegebenen Statuten und Privile⸗ gien, wie viel Zins ſie von Darleihen nehmen dürften; insgemein durften ſie bis zu 25 Proc. nehmen. In Florenz überſtieg der Zins, welchen die Leihanſtalt ihren Gläubigern gab, nie 20 Proc., und oft betrug er nur 12. Und nach dieſem Fuße wurden überhaupt, wenn nicht Theuerung oderFurcht des Verluſtes drohten ‚Anleihen gemacht he und denke Große löſtern 4422 4 Mil⸗ den und ch das dte an, one es Jahre eszins iſchof -riner ofriſt ſolle n zwei er erſt er erſt zu ver⸗ zzinſen. nen. 2 Pro⸗ england Monate mehr, die den rivile⸗ gewein er Zins, undoſt pt, wenn agemacht —- 613— auch zu 10 Procent. In Burgund erſcheint 1375 ein Fall von Einlöſung zu 10 Procent; im Gebiete von Vienne 1318 ein anderer von 5 Procent. Im Königreich Neapel hatte Friedrich II, in einem ſchweren Irrthum ohne Unterſchied jede Art von Zins, der nicht höher als 10 Procent war, verboten; allein das Geſetz hatte keinen Erfolg. Im Jahre 1430 riefen die Florentiner die Juden in die Stadt, um die übermäßigen Zinſe herabzudrücken; ſie machten ſich verbindlich, nicht mehr als 20 Proecent zu fordern. 3 Eine Gewohnheit, welche geeignet war, den Zinswucher eher zu erhöhen als zu mindern, und' durchaus widerrechtlich war die, das ganze Fahrnißvermögen eines ſolchen Geld⸗ darleihers bei deſſen Tode einzuziehen, eine Maßregel, welche mit der größten Härte geltend gemacht wurde. Auch war das Aufgeld ſehr hoch, wenn man ſtatt der kleinen Münzen Gold haben wollte, weil jene in dem raſchen Verkehr einen abuſiven Curs, d. h. einen höhern haben, als der wahre Werth beträgt, den der Wechsler beachtet. Wegen der in jener Zeit vorhandenen großen Menge verſchlechterten Geldes, welches mit dem guten umlief, und wegen der Unmöglich⸗ keit, es alsbald bei der Einwechslung zu prüfen, ſtieg das Auf⸗ geld. Im Jahre 1379 zahlte man an der Münze von Cham⸗ beri 1 Groſſo und 1 Obolo Aufgeld für jeden leichten Gulden, der 12 Groſſi galt, ſonach 1 des wahren Werths, ein wenig mehr als 12 Procent. Im Jahre 1387 zahlte man, um 2000 Goldfranken(36348) zu erhalten, 8 Lire, 6 Soldi, 8 Denari groſſi(2423), und ſo ungefähr 6 ½ Procent. Im Jahre 1392 wurden Scudi d'Oro von 19 Groſſi um 22 Groſſi gekauft, und ſo beinahe um ein Aufgeld von 14 Procent. Sieben Jahre ſpäter wurden zu Genf als Aufgeld eines Scudo d'Oro 12 Genfer Denare, ſonach ungefähr 6 Procente genommen. Auch die Verſicherungsverträge, die damals sicurt?(Ver⸗ ſicherungen) genannt wurden, ſind eine Erfindung jener Zeiten. Ohne von den Guidaggien und Sichergeleiten zu ſpre⸗ chen, welche wahreAſſecuranzen waren, weil der Fürſt, der ſie gegen — 614— einen Jahreszins gewährte, gehalten war, jeden auf den Straßen ſeines Gebiets erlittenen Schaden des Vergeleiteten ihm zu erſetzen; ohne von der gegenſeitigen Verſicherung der Stadt⸗ bürger auf den Fall eines gegen ſie gerichteten Angriffes (pledge) zu ſprechen, beweist die Abhandlung über den Handel von Francesco Balducci Pegolotti, geſchrieben noch vor der Mitte des 14. Jahrhunderts, wie bekannt in Italien die Ver⸗ ſicherungen für den Transport von Waaren und Geldern waren: Zu ſichern zu Lande gegen Gefahr vor Kriegs⸗ leuten und gegen Seegefahr; gegen jede Gefahr zur See und vor Kriegsleuten, vor Feuer bder Seeräuber(a salvi in terra; a rischio di genti e di mare; a tutto periglio di mare o di gente, di foco, o di corsali) waren die Formeln, mit welchen die Florentiner ſolche Aſſecuranz⸗ verträge bezeichneten, für die eine von 6— 15 Procent wech⸗ ſelnde Prämie bezahlt wurde. In Flandern findet man von ſolchen Aſſecuranzen nicht vor dem 15., in Frankreich nicht vor dem 16. Jahrhundert eine Kunde. Im 15. Jahrhundert minderte ſich die Menge der Darleiher: es entſtanden regelmäßige Banken; der Name Lombarden, den Völkern ſo verhaßt, ſank in Vergeſſenheit; der Name Argentiere kam aufV; faſt jeder Fürſt hatte einen ſolchen. Eine Nation, welche mit ihrem Geld ſehr gut wirthſchaftete, benützte die von ihr an die Geldbedürftigen Fürſten gemachten Dar⸗ leihen zur Erweiterung ihres Gebiets. Die Schweizer, und vorzüglich die Kantone Bern und Freiburg, ſchoſſen den Herzogen Ludwig und Amadeus IX. von Savoyen Gelder vor, und nahmen dafür das Waadtland in Pfandſchaft; als die Zeit zur Heimzahlung eintrat, erkaufte der Hof von Sa⸗ voyen durch Penſionen an die einflußreichſten Bürger dieſer Kantone, durch reichliche Geſchenke und ſchwere Geſandt⸗ ſchaftskoſten eine kurze Friſt; und als auch dieſe umlaufen war, nahmen die Kantone das verpfändete Land in Beſitz, das 1478 mit 50,000 rheiniſchen Gulden ausgelöst wurde. Allein zu den Zeiten Karls III. benützten die Berner, auf traßen zm zu Stadt⸗ griffes Handel or der e Ver⸗ waren: eiegs⸗ efahr oder mare; varen ranz⸗ wech⸗ hi vor t eine rleiher: arden, Name . Eine benützte n Dar⸗ er, und en den Gelder ; als Sa⸗ dieſet eſandt⸗ nlaufen Beſitz, wurde. ner, auf — 615— andere Forderungs⸗ und Pfandrechte ſich berufend, einen Zeit⸗ punkt, in welchem die Staaten ihres älteſten Bundesgenoſſen mit Frankreich in Krieg verwickelt waren, und nahmen das Waadtland weg, welches ſie bis zur franzöſiſchen Revolution behielten, wo es als freier Staat in die Eidgenoſſen⸗ ſchaft trat. Am Schluſſe dieſer wirthſchaftlichen Betrachtung des Mittel⸗ alters hat Hr. Cibrario auf 45 Seiten Tafeln über die Preiſe der Dinge, der Dienſte und der Thiere im 13. und 14. Jahrhundert geliefert, die mit ſo unendlichem Fleiße aus Hunderten von Rechnungen geſammelt, mit ſo großer Mühe zuſammengeſtellt ſind, und eine Mannigfaltigkeit des Inhalts bieten, daß der Verfaſſer mit Recht ſie als den wichtigſten Theil und als die Krone ſeines Werkes erklärt. Der Ver⸗ faſſer hat ſich durch dieſe unendlich mühſame Arbeit wahrlich den größten Dank der Gelehrten verdient. Die I. Tafel enthält auf 12 Seiten eine Ueberſicht der Preiſe edler Dienſtleiſtungen*), die II. Tafel auf 4 Seiten eine Ueberſicht der Löhne für mechaniſche Arbeiten¹), die III. Tafel auf 6 Seiten die Preiſe der Thiere und ihrer Ausrüſtung ³), die IV. Tafel auf 4 Seiten die Preiſe der natürlichen Er⸗ zeugniſſe ³), die V. Tafel auf 14 Seiten die Preiſe der Gerwerkserzeugniſſe ⁴), die VI. Tafel auf 2 Seiten die Preiſe der Kleinode, des Goldes und der andern Metalle 5), die VII. Tafel auf 1 Seite die Preiſe der Münzen, bei dem *) Die Eintheilung dieſer Ueberſichtstafel iſt folgende: urkunden, 88; au enen Jahrgang. Art der Dienſte. Preis. die Angabe Bemerkungen. genommen iſt. 1264. Jahresgehalt L. C. Rechnung der Man verſtehe d. Meiſters Wil⸗ 4994. 96 Caſtellanie vonlibras vien- belm, des Rich⸗ Monmegliano. nenses. ters Savoyens (CXX. libras). — 616 ¹) Die kI. Tafel iſt ſo eingetheilt: — Zins und Umwechslungsgeſchäft ⁵), die VIII. Tafel auf 3 Seiten verſchiedene Preiſe und Ausgaben*). Jahrgang. Art der Dienſte. Preis. 1282. Für jedes Klaf⸗ L. C. Urkunden als Quelle der Bemerkungen. Angabe. ————— 2 Rechnung der ter Mauer XVL 30. 91. Caſtellanie von solisos vien⸗ Monmegliano. nenses). Art der Thiere Urkunden Jahrgang. und ihre Preis. als Ouelle der Bemerkungen Ausrüſtung. Angabe. = 126s. Entſchädigung L. C Rechnung der Die Fürſten 8 hr ei und Barone 5 für ein Pferd 412. 08. Caſtellanie von mußten die (X lbras) Monmegliano. Vaſſallen für die in ihrem Dienſt gefalle⸗ nen od. beſchä⸗ digten Pferde ſentſchädigen. 3 Urkunden — Jahrgang. Art det reng Preis. als Quelle der Bemerkungen 3. Angabe. — 1268. Ein Pfund L. C. Rechnung der Wachs XXde- 3. 43. Caſtellanie von nar.) Caſtell' argento. — Urkunden VLCahrgang. Art der Erzeun⸗ Preis. als Quelle der Bemerkungen . 6 Angabe. ——— 8 1294. Ein Horn fr L. C. Rechnung der — die Wache xvm 2. 85. Caſtellanie von denarios). Collegno. V Urkunden ⸗Jahrgang. regregeghee Preis. als QOuelle der Bemerkungen Angabe. „— 2 1260. Preis einer hal⸗ L. C. (XXII solidos lausanuenses). ben Mark Silb. 86. 30. Rechnung der Caſtellanie von Contheys und Seillon. — Dieſe für ein gelehrte gehoben Zuer war v auf ei weil y mußte je na entfer hunden Löhnur und kle boten, ſchleche Artu Ei höhe — b 131 X IIAX 13 4 v 1114 digen. erkungen — — nerkungen — — nerkungen — ———— — 642— Dieſe tabellariſche Zuſammenſtellung gibt die Grundlage für eine Menge von Folgerungen der Volkswirtbhſchafts⸗ gelehrten. Unter dieſen hat der Verfaſſer nur wenige hervor⸗ gehoben. Zuerſt iſt die Löhnung der Soldaten zu betrachten. Sie war viel höher als gegenwärtig, entweder weil die Soldaten auf eigene Koſten ſich kleiden und bewaffnen mußten, oder weil man ihnen als Freiwilligen beſſern Lebensunterhalt geben mußte, als ſie in der Heimat hatten. Der Sold wechſelte, je nachdem ſie ſich mehr oder weniger weit von der Heimat entfernen mußten. In den letzten Jahren des 13. Jahr⸗ hunderts und in dem erſten Dritttheil des folgenden ſank die Löhnung bedeutend, wahrſcheinlich wegen der Menge großer und kleiner Freibeutercompagnien, welche Miethſoldaten in Fülle boten, oder auch wegen der ewigen Schwankungen und Ver⸗ ſchlechterungen der Münzen, wodurch der Soldat oft in derſelben Art und Menge von Münzen einen weit geringern Sold empfing. Einige haben geglaubt, der Arbeitslohn ſei im Mittelalter höher geweſen, als gegenwärtig; allein aus den aufgeſtellten Art der Schuld⸗ Zins oder Urkunden VLahrgang. forderung oder Aufgeld als Quelle der Bemerkungen des Wechſels. V geid. Angabe. 1306. Intereſſe von 4 Denare Rechnung des 20 Procent S—. ö. — einer Schuldfor⸗ für die Lira. Hauſes der Für⸗ im Jahre. — derung in Af, ſten v. Achaia. für den Monat. Art der verſchie⸗ V Urkunden Jahrgang. denen Preiſe und Preis. als Quelle der Bemerkungen Ausgaben. Angabe. 1279. Ordentl. Aus⸗ L. C. Rechnung des gaben des Gra⸗ 20907. 27. Andreas v. Voy⸗ fen v. Savoyen ron. für einen Monat V 12 1 v T 111A (Lire ccclxxx, 7 xiSoldi, vi Lau⸗ I ſanner Denare). — 618— Tabellen erhellt, daß der Lohn ſowohl für eine mehr kunſtmäßige in Arbeit, als auch für rohe Handarbeit ungefähr dem Lohne Veine unſerer Zeit gleich ſtand. V und nam Allein dieſer Lohn ſchwankte, weil die Regierungen faſt Die überall aus großem Irrthum eine Taxe für die Arbeit vor⸗ als ge⸗ ſchrieben. Die zu Herrenfrohnden Verpflichteten erhielten nur indem Brod, und nahmen ſie ſtatt deſſen Geld, ſo erhielten ſie je nach I feinſter den Orten 17—28 Centeſimi. Die ganze Auslage für den V ſie ge Unterhalt eines Meiſters irgend eines Gewerkes war auf porte Lire 1. 21 für den Tag berechnet, wie ſie es gegenwärtig auch und f ſein würde. wo di Nach dem großen Umfange des Weidelands im Mittelalter kräfte ſollte man ſchließen, daß der Preis der Thiere damals viel Der niederer geweſen ſein müſſe, als gegenwärtig; aber auch gament dieſe Folgerung wird durch die Geſchichte widerlegt. Der iigte, Preis des Fleiſches war vor einem halben Jahrtauſend in wie je Turin, wo es etwas mehr als 4000 Einwohner hatte, ſo hoch, waͤrti wie jetzt, wo es deren 116,000 hat. Die Urſache dieſer Erſcheinung b di liegt zuvörderſt in dem Mangel an künſtlichen Wieſen; dann in der als j Hemmung des Landbaues und des Eigenthumsrechtes, in dem edeln großen Bedarf der Pferde für Krieg und Reiſen, und vor dieſe Allem in der Unſicherheit der nicht ummauerten Orte und in ſ heil ihrer häufigen Plünderung. Gleichwohl hinderte dieſer Ueber⸗ fluß an Pferden nicht, daß ſie um einen ziemlich hohen Preis d verkauft wurden, und zum Theil theurer, als heut zu Tage, 6. 86 weil Krieg und Reiſen eine große Menge Pferde erforderten. 02„ Der niederſte Preis für ein Pferd, der urkundlich erſcheint, Par iſt 266 Lire. Renner von einiger Güte koſteten 2, 3 und ſett, 4000 Lire; ein Schlachtroß bis zu 20000 Lire; die Maulthiere b zu. 3 b von 300— 2000 Lire und noch mehr. b zu R b Die in den Urkunden gefundenen Angaben der Holzpreiſe oldun b ſcheinen trotz des großen Waldumfangs im Mittelalter doch V öfel zu nieder gegriffen zu ſein; wahrſcheinlich bezeichnen ſie blos End die Fuhrkoſten; und da das Maaß nach Fuhren angegeben fen de iſt, ſo läßt ſich, da man die Größe der Wagen nicht kennt, auf ih der Betrag einer Fuhr nicht einmal ſchätzen. von der nſtmäßige m Lohne ngen faſt rbeit vor⸗ ielten nur ſie je nach e für den war auf ärtig auch kittelalter rals viel her auch t. Der uſend in ſo hoch, eſcheinung ann in der s, in dem , und vor rte und in ſer Ueber⸗ ohen Preis zu Tage, rforderten. erſcheint, 2, 3 und Naulthiere holzpreiſe alter doch en ſie blos angegeben nicht kennt, — 60419— Eben ſo kann man mit Sicherheit nicht den Preis des Weines beſtimmen, welcher übrigens nach den Jahrgängen und nach der verſchiedenen Art ſehr ſchwankt. Die Wollen⸗ und Seidenſtoffe mußten etwas theurer ſein, als gegenwärtig, einmal weil ſie feſter und dauernder waren, indem ſie mehre Generationen aushielten; ſodann weil die feinſten nicht an demſelben Orte fertig gemacht wurden, wo ſie gewoben worden waren; ſo vertheuerten ſie die Trans⸗ porte und Zölle. Ferner gab es damals keine Maſchinen, und faſt alle Manufacturen waren in ummauerten Städten, wo die Arbeitslöhne hoch ſtanden, und wo man die Natur⸗ kräfte nicht an die Stelle der menſchlichen ſetzen konnte. Der Preis des Wachſes hat faſt gar nicht gewechſelt. Die Per⸗ gamente, welche man damals in ſo ausgezeichneter Güte verfer⸗ tigte, wie man es jetzt nicht mehr kann, waren nicht ſo theuer, wie jetzt; dagegen war das Papier viel theurer, als gegen⸗ wärtig. Die Mark Silber koſtete damals über das Doppelte mehr, als jetzt, nicht blos wegen der damaligen größern Seltenheit der edeln Metalle, ſondern auch wegen der größern Nachfrage nach dieſem Metalle zur Fertigung von Geräthen, theils zum Prunk, theils zur Verpfändung. Die Unze der Mark Silbers zu 11 Denaren, welche jetzt Lire 6. 75 koſten würde, wurde zu Lyon im Jahre 1378 um Lire 15. 02 verkauft, und koſtete 1291 in derſelben Stadt Lire 17. 07. Ward das Metall zu Gefäßen verarbeitet, ſo nahm der Preis, wie jetzt, für die Unze um 3, 4 Lire je nach der Art der Arbeiten zu. In London koſtete im Jahre 1292 die Unze Lire 21. 57; zu Paris im Jahre 1376 koſtete ſie Lire 17. 17. Die Ver⸗ goldung koſtete ungefähr daſſelbe, wie jetzt; die von zwei Löffeln im Jahre 1383 Lire 16. 96. Endlich war die Ausgabe, welche damals auf den unterſten Stu⸗ fen der Geſellſchaft der Lebensunterhalt eines Gefangenen, und auf ihrer Höhe der Glanz eines fürſtlichen Hofes erforderte, wenig von derjenigen verſchieden, welche dieſe Bedürfniſſe jetzt erfordern. —-— 620— Ueberhaupt ergibt ſich aus dieſen Ueberſichtstafeln, daß im Ganzen kein großer Unterſchied zwiſchen dem Preiſe der Dinge im 13. und 14. Jahrhundert und zwiſchen demjenigen beſteht, welchen dieſelben Dinge gegenwärtig haben, weil die unbezweifelbare Zunahme des öffentlichen Reichthums ſich mit der ſpäter erfolgenden Vermehrung der Bevölkerung, unter welche dieſer öffentliche Reichthum ſich vertheilte, ins Gleichgewicht geſetzt hat, welche Bevölkerung gleiches Maaß mit der Menge der Unterhalts⸗ mittel hält. Und ſo iſt anzunehmen, daß weitere nach einem größern Maaßſtabe unternommene Unterſuchungen über andere Jahr⸗ hunderte zu keinen verſchiedenen Ergebniſſen führen würden. Betrachten wir dieſe Arbeit des Herrn Cibrario über die wirthſchaftliche Lage des Mittelalters im Ganzen, ſo müſ⸗ ſen wir erklären, daß ſie in dieſem Theil ſo wenig, als in der ganzen Statiſtik dieſes Zeitalters, welche ſein Buch liefern ſoll, eine organiſche Geſchloſſenheit, die Auffaſ⸗ ſung der Totalität der Züge dieſes Weltalters gibt, durch welche es ſich von den andern Zeitaltern weſentlich unter⸗ ſcheidet, und wie man es von dem Verfaſſer, der in der Geſchichte die Expoſition eines providentialen Planes aner⸗ kennt, erwarten ſollte. Es fehlt der Arbeit auch die leben⸗ dige Gliederung, nach welcher von dem Beruf eines Zeit⸗ alters ſich eine Reihe von Ideen ableitet, die ſich als eben ſo viele Aufgaben und Leiſtungen des Zeitalters dar⸗ ſtellen; es fehlt die ſcharfe Durchführung des Lebensprincips des Mittelalters, des durch den Kirchengeiſt beſeelten und ge⸗ gliederten Körperſchaftsweſens, obwohl der Verfaſſer viele einzelne dadurch geſetzten Einrichtungen glücklich darſtellt; es fehlt die Zeichnung der unendlichen Freiheit dieſer Zeit, welche aber mit voller Beibehaltung des körperſchaftlichen Stolzes ſich in ſelbſt verläugnender Demuth willig beſchränkt. Man glaube ja nicht, daß dieſe geiſtigen Züge des Mittelalters ohne Ein⸗ fluß auf die wirthſchaftliche Ordnung waren. Sie beſtimm⸗ ten die Staats⸗ und Rechtsverfaſſung, und wie ſehr das Recht, z. B. das Eigenthums⸗ und Vertragsrecht die wirth⸗ ſchaftlie von der Allei coordin würdig 8ſaft telalt nach auch! ganz! alters iſt, in de S alter ſolle ſcha Nat in d ment telalt werd irrth ſigun dieſe „daß im der Dinge ͤt, welchen weifelbare rfolgenden öffentliche at, welche nterhalts⸗ em größern dere Jahr⸗ würden. über die ſo müſ⸗ , als in in Buch Auffaſ⸗ bt, durch ich unter⸗ der in der anes aner⸗ die leben⸗ eines Zeit⸗ je ſich als alters dar⸗ ensprineips ten und ge⸗ aſſer viele ꝛrſeellt; es eit, welche tzes ſich in Lan glaube z ohne Ein⸗ die beſtimm⸗ ie ſehr das die wirt⸗ — 621— ſchaftlichen Verhältniſſe beſtimme, iſt auf den erſten Blick klar, von dem Verfaſſer aber nur ſchwach berückſichtigt worden. Allein abgeſehen davon, daß dieſes Buch die höhern und die coordinirten Einflüſſe auf das Wirthſchaftsweſen nicht gehörig würdigt, hat es auch in der Anordnung des ſtreng wirth— ſchaftlichen Stoffs keine ſcharfe, die innere Geſetzmäßigkeit der Sache abſpiegelnde Ordnung befolgt: es tritt hier viel⸗ mehr eine der ſtrengen Methode widerſprechende Zerriſſenheit ein, welche auch die ſachliche Auffaſſung hindert. Offenbar hätte hier eine Scheidung zwiſchen der Wirth⸗ ſchaftslehre und zwiſchen der Wirthſchaftsübung des Mit⸗ telalters durchgeführt werden ſollen, und wenn die letztere nach dem Plan des Buches und nach der Vorlage des Stoffs auch bei weitem überwiegen muß, ſo hätte die erſtere nicht ganz übergangen werden ſollen, da die Literatur des Mittel⸗ alters auch an wirthſchaftlichen Angaben nicht ſo ganz arm iſt, wie unſere Lehrbücher über die Wirthſchaftswiſſenſchaft in der Regel annehmen. Sodann hätte die wirthſchaftliche Betrachtung des Mittel⸗ alters eine encyklopädiſche Eintheilung des Stoffs darſtellen ſollen, und dieſe kann keine andere ſeyn, als die der Wirth⸗ ſchaftswiſſenſchaft ſelbſt. Von dem Einzelnwirthſchaftlichen hätte ſo viel angegeben werden ſollen, als nothwendig iſt, um die öffentliche Wirthſchaft der Zeit zu verſtehen, und um ſo mehr, als in dem Mittelalter die Privatwirthſchaft von der Staats⸗ wirthſchaft noch nicht ſo weit getrennt war, als jetzt. Bei der Darſtellung der öffentlichen Wirthſchaft hätte aber das Nationalökonomiſche von dem Finanziellen und von dem, was in die ökonomiſche Polizei fällt, getrennt behandelt, und na⸗ mentlich auf die körperſchaftliche Wirthſchaft, welche im Mit⸗ telalter ſo ſehr vorwaltet, eine größere Rückſicht genommen werden ſollen. Unvollſtändigkeit, ungleiche Behandlung und ſelbſt irrthümliche Auffaſſung ſind immer die Folgen der Vernachläſ⸗ ſigung der wiſſenſchaftlichen Methode. Hätte der Hr. Verfaſſer dieſe ſtrenger befolgt, ſo würde er auch die Betrachtung der Ge⸗ — 622— ſundheits-, der Rechts⸗ und der Sittenpolizei in dem von der Wirthſchaft des Mittelalters handelndem III. Buch ſeines Werkes ausgelaſſen, und auch die hier behandelte Lehre der Bevölkerung an einem andern Orte eingereiht haben. Allein Hr. Cibrario iſt der Mann des Details, die gewiſ⸗ ſenhafteſte Treue, die ſtrengſte urkundliche Nachweiſung iſt ihm die erſte Pflicht des Geſchichtsſchreibers, und verdient dieſe nicht in unſerer Zeit, welche ſo viele leere geſchicht⸗ liche Conſtructionen, ſo viele gemachte Geſchichte bietet, die größte Anerkennung? Es iſt gar nicht die Unfähigkeit zur Auf⸗ faſſung und Anwendung der inneren Geſetze der Geſchichte, welche an dieſem Werke ſich darſtellt, es iſt die diplomatiſche Heimathlichkeit, welche den Verfaſſer an das Einzelne feſſelt, und wenn dieſes Schalten mit dem großen Reichthum geſchicht⸗ licher Einzelnheiten in der von mir gegebenen Analyſe weniger hervortritt, ſo liegt dieſes lediglich in dem Weſen der Analyſe, welche nur den allgemeinen Gedankengang eines ihr unterwor⸗ fenen Buches wiedergeben kann, von der reichen Unterlage aber, auf welcher der Gedankengang ruht, wie ſie namentlich das Werk des Hrn. Cibrario darſtellt, leider wegblicken muß. Epilog. So ſehr es bei der Herausgabe des 1. Bandes der Ueber⸗ ſetzung des Werkes des Hrn. Blanqui meine Abſicht war, die theilweiſe ſchon in der Vorrede zu jenem Bande hervorgehobe⸗ nen Lücken zu ergänzen, ſo habe ich mich doch im Verlaufe der Bearbeitung dieſer Ergänzungen überzeugt, daß dieſe Supple⸗ mente als Anhang zu dem II. Band der Ueberſetzung nicht in der Art geliefert werden können, wie ich beabſichtigte. Einmal hat ſich die Maſſe dieſer Zuſätze zu ſehr angehäuft, um zu dem durch die andern Anhänge ſchon bedeutend vergrößerten Buch noch hinzutreten zu können, und dann gewännen ſie durch die Ein⸗ ſchiebung sub voce nicht die organiſche Einfügung, wie ſie das wiſſenſchaftliche Moment fordert. So hielt ich es für gerathener, dieſe Zuſätze hier zu unter⸗ drücken, und um ſo mehr, als ich in meiner bald erſcheinenden * Eneyk Staat Anforde als Uel lebendig ſenſchaf einer ſ will ie Blanq ſupple Wit muß e Uebu. wenn! Theorie was de gangen der V Zwiſe und d oft ei zu ve dieſe ſie d der auch Se nomit der 1 Geſchi hängt und o Es Zwei uelle wirt dem von uch ſeines Lehre der en. die gewiſ⸗ eiſung iſt verdient geſchich⸗ bietet, die zur Auf⸗ HGeſchichte, lomatiſche e feſſelt, eſcich weniger Analyſe, nterwor⸗ Unterlage namentlich icken muß. der Ueber⸗ war, die vorgehobe⸗ erlaufe der ſe Supple⸗ ig nicht in e. Einmal um zu dem eten Buch ch die Ein⸗ g, wie ſie er zu unter⸗ eiſcheinenden — 623= Encyklopädie und Methodologie der Rechts⸗ und Staatswiſſenſchaft auch eine nach den wiſſeenſchaftlichen Anforderungen geordnete Geſchichte der öffentlichen Wirthſchaft als Uebung und Lehre liefern werde, wie ſie denn nur im lebendigen Verband mit den andern Staatswiſſenſchaften wiſ⸗ ſenſchaftlich gebildet werden kann. Die Grundſätze der Bildung einer ſolchen organiſchen Geſchichte der öffentlichen Wirthſchaft will ich aber ſchon hier in Bezug auf das Werk des Hrn. Blanqui entwickeln, und ſo dieſem Epilog einen nicht ſo ſehr ſuppletoriſchen als vielmehr kritiſchen Inhalt geben. Wie ich ſchon in der Vorrede zum 1. Band gefordert habe, muß eine Geſchichte der politiſchen Oekonomie die Lehre und Uebung der Wirthſchaft unterſcheiden. Es iſt höchſt einſeitig, wenn nur der eine dieſer beiden Factoren beachtet wird; die Theorie geht geſchichtlich entweder der Uebung vor, oder iſt, was der häufigſte Fall iſt, nur ein Educt der lange vorange⸗ gangenen Uebung, und dieſes Letztere muß ſich namentlich bei der Wirthſchaft zeigen, die ſo alt iſt, als das Geſchlecht. Zwiſchen den Sätzen der der Erfahrung abgeſehenen Theorie und den Ergebniſſen der entwickelten Erfahrung zeigt ſich aber oft eine Incongruenz, welche der Geſchichtsſchreiber eben ſo wohl zu verzeichnen hat, als die Uebereinſtimmung beider. Wo nun dieſe Scheidung der Lehre und Uebung durchführbar iſt, ſoll ſie der Geſchichtſchreiber hervorheben, und es iſt ein Mangel der Schriften über die Geſchichte der politiſchen Oekonomie, und ſo auch der des Hrn. Blanqui, dieſes verſäumt zu haben. Sodann hat jeder Geſchichtsſchreiber der politiſchen Oeko⸗ nomie ſeine Anſicht über die Stellung der Wirthſchaft im Kreiſe der menſchheitlichen Cultur. Dieſe Anſicht muß auch in der Geſchichtsbeſchreibung ſeiner Wiſſenſchaft hervortreten, und es hängt nun ſehr viel davon ab, ob ſeine Anſicht die richtige iſt, und ob ſie dann auch in's Einzelne durchgeführt iſt. Es gibt nun, wie in der Menſchheit, ſo bei jeder Nation fünf Zweige der Cultur: 1) die religiös⸗ſittliche, 2) die intellekt⸗ uelle, 3) die rechtlich⸗ſtaatliche, 4) die geſundheitliche, 5) die wirthſchaftliche, von welchen die beiden erſtern die höhere gei⸗ —-— 624— ſtige, die beiden letztern die niedere leibliche Cultur ausmachen, welche höhere und niedere durch die rechtliche vermittelt werden. Ihr gegenſeitiger Rang verhält ſich nach der dargeſtellten abſteigenden Reihenfolge. Wenn alſo zwiſchen den Anforderungen dieſer verſchie⸗ denen Culturen Colliſionen entſtehen, ſo geht die Forderung des hö⸗ hern Culturzweiges immer der des niedern vor. Die wirthſchaftliche Cultur iſt nun die unterſte, ſie gilt daher auch nur als Mittel: dadurch iſt auch ſchon die Stellung der dieſe Cultur behandeln⸗ den Wiſſenſchaften angegeben und ihre Grenze gegen die andern Wiſſenſchaften beſtimmt, auf deren Koſten Einige in neuerer Zeit das Gebiet der Wirthſchaftswiſſenſchaft zu ſehr erweitern wollten, indem ſie Gegenſtände aus andern Wiſſen⸗ ſchaften hereinzuziehen ſuchten. Gegenüber der wirthſchaftlichen Selbſtüberhebung der neueſten Zeit und dem Verſuch, der Wirthſchaftswiſſenſchaft eine abſolute Unabhängigkeit zu geben, darf und ſoll man wieder an die moraliſche Auffaſſung des Wirthſchaftsweſens, wie ſie dem Alterthum eignet, erinnern. Die Wirthſchaftswiſſenſchaft hat allerdings ihre Selbſtſtändigkeit, die ſtreng gehütet werden muß; allein ſie hat auch eine Seite, und das iſt die ihrer Einfügung in den Organismus der Cultur, wo ſie ihre Beſtimmung von den höhern Gebieten der Cultur empfan⸗ gen muß, und daß dieſes fortwährend der Fall iſt, zeigt die Ge⸗ ſchichte der Wiſſenſchaft. Vorzugsweiſe iſt es die rechtlich ſtaat⸗ liche Cultur, welche die Wirthſchaft mächtig beherrſcht. Daß das Privatrecht, zumal im Sachenrecht, hier vorzugsweiſe ent⸗ ſcheide, verſteht ſich von ſelbſt, eben ſo erklärlich iſt dieſes von dem Forderungsrecht: daß aber auch das Perſonenrecht ſachlich bedinge und bedingt werde, zeigt die Rechtsgeſchichte. Daß das Staatsrecht nicht bloß auf den Staatshaushalt ein⸗ wirke, ſondern auch das Nationalökonomiſche beſtimme, und die Ausübung politiſcher Rechte an den Beſitz eines gewiſſen Ver⸗ mögens geknüpft werde, iſt bekannt, und wie mächtig wirkt das Völkerrecht nicht auf die Schickſale des⸗ Handels! Die Geſchichte zeigt, wie der Wechſel der ſocialen Princi⸗ pien in den verſchiedenen Zeitaltern ſtets auch einen Wechſel der Grundſätze der Wirthſchaft ſich nachgebildet habe. So iſt smachen, rden. Ihr teigenden rverſchie⸗ ngdes hö⸗ hſchaflliche ls Mittel: behandeln⸗ gegen die Einige in ſt zu ſehr n Wiſſen⸗ haftlichen uch, der u geben, ſung des rrn. Die gieit die „und das ar, wo ſie er empfan⸗ igt die Ge⸗ htlich ſtaat⸗ ſcht. Daß zweiſe ent⸗ dieſes von icht ſachli shalt ein⸗ , und die iſſen Ver⸗ wirtt das len Printi⸗ abe. So iſ — 625— im Orient, welcheu eine materielle ungeſchiedene Verſchlungen⸗ heit aller Culturen bezeichnet, die wirthſchaftliche Cultur unter⸗ ſchiedslos in die andern Culturſphären aufgenommen. Im griechiſchen und römiſchen Alterthume hat ſich die Einzelnperſönlichkeit von dem, daß ich ſo ſage, ſubſtantialen Staat nicht abzulöſen vermocht; die Perſon als ſolche galt Nichts, ſie erhielt ihren Werth nur durch die Einfügung in den Staat; die Wirthſchaft des Individuums trug daher ganz das Gepräge der Wirthſchaft des Ganzen; der Private wirthſchaftete wie der Staat, der Staat wie der Private. Von dieſer Staatsbefangenheit bis zur Stnatsentbundelbeit wäre der Uebergang ein Sprung; das Mittelalter ſetzte daher eine Mittelgebilde in den Corporationen, welche zwiſchen dem geſammtheitlichen und einzelnperſönlichen Moment ſtehen: daher iſt auch die Wirthſchaft des Mittelalters vorzugsweiſe eine corporative, wie ſie hervortritt in dem Gewerks⸗, Zunft⸗ und Innungsweſen; erſt mit der Abſtoßung des corporativen Ele⸗ ments des Mittelalters ſtellt ſich das Individuum als einzelfreie Perſon auf, und damit beginnt die Vorherrſchaft der Einzeln⸗ wirthſchaft, die in allen Richtungen nach demſelben Princip wirkt, bei dem Landbau die Theilung des Grundbeſitzes, in der In⸗ duſtrie die Gewerbefreiheit, in dem Handel die unbedingte Handelsfreiheit hervorruft; dieſe in der Neuzeit erwachte bis zum Mißbräuchlichen fortgetriebene Freiheit ſubjectivirt alles In⸗ ſtitutionale, und findet in dem Aſſociationsweſen der neueſten Zeit nur ein loſes Band des Zuſammenhangs. So beſtimmte ſtets das Princip der Geſellſchaftsordnung das Weſen der Wirthſchaft. Daß auch die andern Culturen, aber nur theilweiſe einwirken, ließe ſich leicht zeigen. Wie viel die Geſchichte der Staatswirthſchaft des Hrn. Blan⸗ qui durch die größere Beachtung des im Einzelnen nachgewieſe⸗ nen Einfluſſes der Rechte und Staatsordnung auf die Wirth⸗ ſchaftsverhältniſſe gewonnen hätte, iſt klar. Auch würde er bei dieſer Anſchauung der Dinge ſicher erkannt haben, daß es zum wiſſenſchaftlichen Verſtändniß der allgemeinen Geſchichte nicht genüge, bloß die Geſchichte der ökonomiſchen Cultur mit ihr in .. 4 4 Blanqui, Geſchichte d. polit. Oekonsmie, II. Bd. 40 — 626— Verbindung zu ſetzen, wie er im Eingange ſeines Buchs gefor⸗ fam dert hat, ſondern daß auch die Geſchichte der andern Cultur⸗ nam zweige in den Kreis der Betrachtung gezogen werden müſſe. theil Allein, ohne zu befürchten, mir den Vorwurf des teutſchen dial Pedantismus zuzuziehen, muß ich die Forderung geltend machen, Geſ daß jeder Geſchichte einer Wiſſenſchaft ihr eneyklopädiſch ge⸗ nach gliedertes Syſtem zu Grund liege. Nur dadurch wird die viel Beachtung aller Momente der Viſſeenſchaft in geordneter Tota⸗ non lität, und die Gleichmäßigkeit der Behandlung verbürgt, die Zei Abhängigkeit jedes Theils von der begründenden Idee geſichert Wi 4 und dargelegt. Das Gerüſte der Eintheilung braucht deßwegen habe nicht nackt hervorgezogen zu werden, es braucht nur verhüllt The 4 den Bau der Form zu ſtützen. Nun hat die Wirthſchaftslehre drän folgende Gliederung. Sie iſt entweder Einzelnwirthſchaft, oder welche die bürgerliche Wirthſchaftslehre betrachtet, oder. volle ſie iſt Collectivwirthſchaft. Dieſe zerfällt I. in die dur Wirthſchaft der Nation, d. h. der Regierung und des waͤl Volks zuſammen, Nationalökonomie; II. in die Wirth⸗ V gen ſchaft der Regierung allein, Regierungswirth⸗ V der ſchaftslehre, Finanzwiſſenſchaft; III. in die Wirth⸗ da ſchaft des in gewerbliche Gruppen eingetheilten Volkes allein, ve Socialwirthsſchaftslehre, z. B. Wirthſchaft der Ge⸗ Ur meinden. Die Collectivwirthſchaftslehre zerfällt in die reine und in die angewandte: jene ſtellt die Geſammtheit der Fol⸗ de gerungen dar, welche ſich logiſch ſtreng aus dem Weſen der ge Collectivwirthſchaft nach ihren einzelnen Zweigen ableiten laſſen, lic die angewandte dagegen zeigt, was die Regierung nach dem ru Zweck des Staats für die Anordnug und Durchführung der hal einzelnen Zweige der Collectivwirthſchaft zu thun hat— öko⸗ des nomiſche Polizei, öffentliche Wirthſchaftspflege. ver Es iſt nun bekannt, daß die Nationen, welche das Meiſte für in die Ausbildung der politiſchen Oekonomie in Lehre und Uebung Be gethan haben, dieſe von den Teutſchen ausgegangene encyklo⸗ der pädiſche Gliederung der Wiſſenſchaft noch nicht angenommen 1 ein haben: halten ſie doch nicht einmal die Natiolökonomie und die de Finanzwiſſenſchaft auseinander; gewiß hat dieſe allſeitige zu⸗ gefor⸗ Cultur⸗ nüſſe. eutſchen machen, iſch ge⸗ vird die er Tota⸗ gt, die geſichert ßwegen verhüllt kolehre haft, , oder in die dd des Virth⸗ wirth⸗ Wirth⸗ allein, der Ge⸗ ereine der Fol⸗ eſen der en laſſen, nach dem ung der — bko⸗ flege. iſte für Uebung encyklo⸗ enommen e und die eitige zu⸗ —— — 627— ſammen gehörige Betrachtung des vollen wirthſchaftlichen Lebens, namentlich für das praktiſche Intereſſe einen unverkennbaren Vor⸗ theil; allein die Wiſſenſchaft muß durchaus in die Zergliederung dialektiſch eingehen, um zur Reconſtruction zu gelangen, und die Geſchichtsſchreibung einer Wiſſenſchaft iſt nur die ſelbſtbewußt nachgehende Nachbildung dieſes dialektiſchen Proceſſes. Wie viel organiſcher würde ſich die Geſchichte der politiſchen Oeko⸗ nomie des Hrn. Blanqui geſtaltet haben, wenn er in jedem Zeitalter ſeinen Beſchrieb mit dem Gliederbau der öffentlichen Wirthſchaftslehre verglichen hätte! Er würde dann gefunden haben, daß in dem einen Zeitalter, bei dem einen Volk dieſer Theil vorgewaltet, und den andern bis zur Abſorption zurückge⸗ drängt hat; er würde dadurch, daß die äußere Vollſtändigkeit oder Unvollſtändigkeit auf die innere Vollendung oder Nicht⸗ vollendung des wiſſenſchaftlichen Bewußtſeyns ſchließen läßt, zur Auffindung wahrer Geſetze der Wiſſenſchaft gelangt ſeyn, während er jetzt oft nur zu den Regeln einzelner Erſcheinun⸗ gen gelangt iſt. Er würde auch die gegenſeitige Abhängigkeit der einzelnen Theile der öffentlichen Wirthſchaft und dadurch das Verſtändniß ganzer Reihen wirthſchaftlicher Erſcheinungen vermittelt haben, die er jetzt gar zu oft einem bloß ſubjectiven Urtheil unterwirft. Auf dieſem Wege würden die einzelnen Züge der Wirthſchaft der Völker und Zeiten in ihrer Verwandtſchaft und gegenſeiti⸗ gen Ergänzung zu einer geſchichtlichen Charakteriſtik der öffent⸗ lichen Wirthſchaft zuſammen getreten ſeyn, welche den Forde⸗ rungen der wiſſenſchaftlichen Geſchichtsſchreibung entſprochen haben würde. Dieſe Forderungen beſtehen in der Darſtellung des hiſtoriſchen Individualismus eines Volks und Zeitalters, verbunden mit dem hiſtoriſchen Univerſalismus, da jedes Volk, in dem ganzen Lebensplan der Menſchheit einen beſondern Beruf zu leben hat. Es muß daher mit der Beſchreibung der chronologiſchen Entwicklung des hiſtoriſchen Gegenſtands eine Darſtellung des Weſens und der es bildenden Principien des Gegenſtandes gegeben werden, und bei der Geſchichte der politiſchen Oekonomie für jeden Zeitraum und jedes Volk eine 40. — 628— ſynchroniſtiſche Charakteriſtik der weſentlichen Züge ſeiner Wirthſchaft vorausgeſchickt werden, aus welcher ſich dann ganz natürlich chronologiſch die wirthſchaftlichen Thatſachen ent⸗ wickeln. Nur ſo wird es möglich, eine nach den Forderungen der Geſchichtswiſſenſchaft angelegte allgemeiue Geſchichte der poli⸗ tiſchen Oekonomie aller Zeiten und Völker zu gewinnen. Dieſe muß ihre letzten Grundſätze der Wiſſenſchaft der allgemeinen Geſchichte entnehmen. Dieſe findet aber in der Geſchichte der Menſchheit eine providentiale Leitung, unter welcher ſich die Menſchheit in freier That bewegt und ihre Beſtimmung voll⸗ zieht. In die der Menſchheit geſetzte Aufgabe theilen ſich in organiſcher Abfolge Völker und Zeitalter, jedes auf eigener ihm angewieſenen Stätte der wieder geſetzlich abgetheilten Erde. Ergreift dieſe Aufgabe die geſammte Cultur, ſo ergreift ſie nothwendig auch die darin enthaltene wirthſchaftliche: ſo beſteht nun allerdings eine Weltwirthſchaft, aber keine abſtracte, ſondern eine alle individuellen Volkswirthſchaften als lebendig einge⸗ gliederte Inſtanzen enthaltende. Von dieſem Standpunkt muß ſich eine hiſtoriſche Reaction gegen den wirthſchaftlichen Ratio⸗ nalismus unſerer Zeit erheben, welcher dieſes Gebiet eben ſo reinigen wird, wie die Rechts⸗ und Staatslehre ſich jeden Tag mehr von dem verheerenden Rationalismus ablöst und läutert. Nur auf dem Wege einer innern Geſchichte der Wirthſchaft in Lehre und Uebung kann ſich eine organiſche Wirthſchaftswiſſen⸗ ſchaft geſtalten, welche das ſpeculative und hiſtoriſche Element lebendig vermittelt. Für die Entſtehung dieſer organiſchen Wiſſenſchaft der poli⸗ tiſchen Oekonomie muß aber die Geſchichte inſofern begründend wirken, als ſie allein im Stande iſt, die einzelnen Inſtanzen und Glieder nach Nationen und Zeitaltern darzuſtellen, und das lebendige Band zu zeigen, welches dir einzelnen Zuſtände der Wirthſchaft in ihrer Abfolge durchzieht. So nur zeigt ſich die Beruflichkeit eines jeden Volkes, ſein Empfang der Cultur von ſeinen Vorgängern, ſeine Ueberlieferung derſelben an die Nachkommen;„denn jedes Geſchlecht der Menſchen,“ ſagt Niebul die St Geſell ſagt; indivi Be⸗ in ſei hier die hier Geſc lutior der E Geſcht genan Sie und e ſeiner n ganz den ent⸗ gen der eer poli⸗ n. Dieſe gemeinen ichte der ſich die g voll⸗ ſich in er ihm Erde. ift ſie beſteht ſondern einge⸗ utt muß n Ratio⸗ eben ſo een Tag läutert. ſcaft in tswiſſen⸗ Element der poli⸗ ründend nſtanzen en, und Zuſtäͤnde zeigt ſich er Cultur en an die en,“ ſagt — 629— Niebuhr,„bat ſeinen Beruf von Gott angewieſen erhalten, die Stimmung ſeines Berufs und ſein Siegel; auch war die Geſellſchaft eher als der einzelne Menſch, wie Ariſtoteles weiſe ſagt; das Ganze eher als der Theil.“ So empfängt das individuelle Wirthſchaftsweſen ſeine Richtung vom nationalen. Betrachten wir nun den Orient, ſo erſcheint er uns wirklich in ſeinem Anfang als die Kindheit der Menſchheit; es liegt hier die gediegene, ungegliederte Einheit vor, von welcher ſich die Individualität noch nicht abzulöſen vermochte; es waltet hier auch noch nicht die ſittlich freie Entwicklung, ſondern die Geſchichte verläuft hier mehr als eine naturgeſchichtliche Evo⸗ lution; dieſe Entwickelung bewegt ſich daher auch innerhalb der Schranke der trägen Stabilität, und man hat daher die Geſchichte des Morgenlandes mit Recht eine räumliche genannt. Sie bietet allerdings eine reiche Fülle von Geſtaltungen dar, und wie Aſien in ſeinem öſtlichen Theile in ſeiner Iſolirtheit von der übrigen Menſchheit ſich in ſich kehrt, öffnet ſich das weſtliche Aſien europäiſchem Einfluſſe, und in Hinteraſien ſtellen ſich die ſchroffſten Gegenſätze, in Indien der Welt der religiöſen Innerlichkeit und in China der Welt der unbedingteſten Aeußer⸗ lichkeit, dar. Allein es ſind alle dieſe Unterſchiede, welche die Cultur und. ſo auch die wirthſchaftliche im Orient zeigt, nicht von der Freiheit, ſondern ſie ſind in typiſcher Starrheit von der Reli⸗ gion oder von der Natur geſetzt; man denke nur an die Kaſtenverfaſſung, in welcher Deſpotie und Theokratie walten, beide den Intereſſen der Wirthſchaftlichkeit unhold. Die Mittelſphäre der ſich ſelbſt bewußten und ſelbſt beſtim⸗ menden Freiheit, inmitten der Religion und der Natur ge⸗ legen, wo erſt die Ideen des eigentlichen Staats, des Rechts, als auf perſönlicher Freiheit ruhend, entſtehen, iſt hier noch nicht angebaut; und weil ſo jede Perſönlichkeit und die im Staate umſchloſſenen coycentriſchen Kreiſe der Familien, der Gemein⸗ den u. ſ. f. in die mächtig obherrſchende fubſtantielle Einheit abſorbirt werden, ſo kann auch nicht jene Scheidung des — 630— Staatlichen und Perſönlichen entſtehen, welche eine kräftige Staatswirthſchaft erſt möglich macht, abgeſehen davon, daß bei der ſtarrſten Organiſation im Innern das ſtete Durch⸗ einanderſtürmen der morgenländiſchen Völker nicht jene ſtetige Sicherheit gewährte, welche zur Durchführung einer ergiebi⸗ gen Wirthſchaft nothwendig iſt. Hr. Blanqui hätte um ſo mehr eine Geſchichte der mor⸗ genländiſchen Staatswirthſchaft vorausſenden ſollen, als ihm ohne dieſelbe das erſte Glied der organiſchen Entwickelung der wirthſchaftlichen Cultur fehlt, und der Orient früber, wie jetzt, wirthſchaftlich eine große Reaction auf Europa ausübt. In erſterer Beziehung läßt ſich der öffentliche Zuſtand Griechenlands nicht ohne die orientaliſche Prämiſſe erklären. Der griechiſche Staat iſt ſo nach orientaliſchem Vorbilde noch eine objective Ordnung, welche nicht von den Indivi⸗ duen geſchaffen, ſondern ihnen auferlegt iſt. Das Indivi⸗ duum iſt in den Staat wie eingefügt, ein von ihm be⸗ ſtimmtes Werkzeug; die Staatsordnung iſt daher geſetzt, ein der perſönlichen Beſtimmung entnommenes ſittliches Gefüge; dieſes iſt offenbar Ueberlieferung des Orients. Dieſe Ideen zeigt die die Perſönlichkeit verletzende Glie⸗ derung der öffentlichen Inſtitutionen in Griechenland, zeigt namentlich aber die Staatsauffaſſung der beiden größten Geiſter Griechenlands, Platon's und Ariſtoteles'; beiden er⸗ ſcheint der Staat als eine ſubſtantielle, dem Volke wie ein Schickſal übergeſtellte Ordnung, ein ſtarres Ethos, dem die Geſammtheit, wie der Einzelne zu gehorchen hat; dem Pla⸗ ton iſt der Staat ein Organismus der Idee der Gerech⸗ tigkeit in concreter Geſtaltung; die Wirklichkeit iſt die Nach⸗ bildung dieſes Ethos; Ariſtoteles dagegen findet den Typus des Staats in der Ordnung der Natur; beide kommen nicht zur Berechtigung der Perſon als ſolcher. Nur die Bürger ſind es politiſch, weil das Ethos des Staats Träger haben muß. Daher auch die Verachtung der Wirthſchaft bei den Freien, ihre Uebertragung an die Sclaven; daher auch die Anerke verei; ſäumu des 2 ten d fehrer D bildu dare Gen mit kräftige n, daß Durch⸗ eſtetige ergiebi⸗ er mor⸗ als ihm v·ckelung früher, Europa Zuſtand klären. orbilde Indivi⸗ Indivi⸗ im be⸗ ſetzt, ein Gefüge; de Glie⸗ nd, zeigt größten eiden er⸗ e wie ein dem die dem Pla⸗ Gerech⸗ ie Nach⸗ a Typus men nicht 2 Bürger ger haben t bei den r auch die — 631— Anerkennung der Nothwendigkeit und Rechtmäßigkeit der Scla⸗ verei; wegen dieſer Verachtung der Arbeit aber die Ver⸗ ſäumung einer volkswirthſchaftlichen Anordnung, und wegen des Mangels der Abgrenzung des Oeffentlichen und Priva⸗ ten die Unbegrenztheit des Finanzweſens und ſein oft wieder⸗ kehrendes, widerrechtliches Eingreifen in das Privatvermögen. Die nationale Abſperrung der Hellenen gegen das als bildungs⸗ und rechtlos von ihnen erkannte Ausland, das darauf gebaute Kriegsrecht, die Spaltung des heimiſchen Gemeinweſens in und durch Unterdrückung herrſchende und mit Druck beherrſchte Stände, und die darauf gegründete Staatserziehung, ſo wie die auf die Arbeit der unterdrückten Klaſſen gegründete Erhaltung des Staats waren eben ſo viele Hemmniſſe wirthſchaftlicher Entwickelung. Bei den Römern war nach der ganzen Geſinnung dieſes derben Volkes die politiſche Gliederung in ſchroffen körper⸗ ſchaftlichen Formen noch compacter; aber es iſt nicht mehr die helleniſche dem Individuum ganz unverfügliche Ordnung; denn zerfällt dieſe auch unabänderlich in Sphären, ſo waltet doch in dieſen der Einzelnwille ſouverän. Es iſt alſo hier mit der geſetzten ſtaatlich rechtlichen Nothwendigkeit der Wille der Perſon in Theilung getreten, und da der ſtarre Patricier⸗ ſtand die althergebrachte Ordnung ſtörriſch vertritt, ſo erhebt ſich in dem Plebejerſtande die Geltung des Individuums als ſolchen. Es läuft daher durch die Entwicklung der römiſchen Geſchichte ein ſtändiger Dualismus zwiſchen der ſtarren über⸗ lieferten Ordnung und dem ſich zur Anerkennung vordrän⸗ genden Anſpruche der Perſönlichkeit; daher die Gedoppeltheit der Stände, des patriciſchen und des plebeiſchen; daher dop⸗ peltes Recht, das ſtarre jus civile, das ſich erweiternde jus honorarium und jus gentium; daher doppelte Geltung des Wirthſchaftlichen, Achtung des patriarchaliſchen Landbaues, Ver⸗ achtung der Gewerke und des Handels. Allein dieſe ganze Spal⸗ tung war nicht die Folge des Ringens nach voller Geltendmachung der Perſönlichkeit; es war der Kampf der Selbſtſucht; daber zuerſt Ausbeutung der Plebejer durch die Patricier, ſpäter — 632— Ausbeutung der Welt durch die ſie erobernden Römer. Die Sclaverei wurde nicht nur im rechtlichen Sinne erhalten, ſon⸗ dern auf die Völker förmlich ausgedehnt. Dazu kam das Princip der römiſchen Herrſchaft, welche den Typus der Verfaſſung der Mutterſtadt, ſo weit ihre Erobe⸗ rungen reichten, allen Gemeinweſen aufzwang, und dadurch jene Rührigkeit der Volksthümlichkeit und Individualität er⸗ tödtete, welche wirthſchaftlich ſo productiv wirkt. Aus dieſer ganzen römiſchen Staatsauffaſſung mußte noth⸗ wendig die Verſäumung des national⸗ökonomiſchen Elements hervorgehen; die Wirthſchaft war den Römern faſt ausſchließ⸗ lich eine finanzielle. Man leſe Dureau Delamalle's Economie politique des Ro- mains, um auch auf dem wirthſchaftlichen Gebiete die eiſerne Gediegenheit dieſer politiſchen Schöpfung auf den verſchroben⸗ ſten Grundlagen zu ſehen. Erſt das Chriſtenthum erlöste die Menſchheit auch in ſtaat⸗ lich rechtlicher Beziehung, und hat dadurch den größten Einfluß auch auf die wirthſchaftlichen Zuſtände der Menſchheit geübt. Zwar ſollte man glauben, daß der von der Kirche erzogene Ascetismus der Wirthſchaft nicht zuträglich geweſen ſei; allein im Landbau und Gewerke war die Kirche bekanntlich die Lehrerin der rohen Zeit; ſie hat die großartigſten Werke hier durch⸗ geführt; und durch die Brechung des wilden Trotzes der Völker und durch die Verkündung des Gottesfriedens, durch ihren Einfluß auf das Privat⸗, Staats⸗ und Völkerrecht, auf das gerichtliche Verfahren und auf die Polizei ſittigend und ſichernd gewirkt. Es machte den Menſchen im Bürger geltend. Dadurch heiligte es das Princip der ſubjectiven perſönlichen Freiheit, das ſeinen weltgeſchichtlichen Vertreter in dem germaniſchen Stamme fand. Allein dieſer Trieb der Subjectivität würde zur ſchädlichſten Vereinzelung geführt haben, wenn nicht die Kirche das Princip der Univerſalität gegenüber ver⸗ treten hätte, ſo daß die Kirche in ihrem Princip das rö⸗ miſche Element der Conſolidation und das germaniſche der Individualität lebendig vermittelte, und um ſo mehr zur Ge wander des röt mittlut gabe d gelöst drucke ſten viele Inn Schi mitte thane durch mögli der C ſchen ihr Ent Stt niſe Na den For als eer. Die en, ſon⸗ lche den Erobe⸗ dadurch lität er⸗ te noth⸗ Elements oſchließ⸗ 88 Ro- eiſerne roben⸗ ſtaat⸗ Eirrfluß t geübt. erzogene ei allein Lehrerin ier durch⸗ rotzes der ns, durch recht, auf gend und er geltend. erſönlichen in dem jectivität n, wenn über ver⸗ das rö⸗ maniſche m ſo mehr — 633— zur Geltung gelangen konnte, als in den durch die Völker⸗ wanderung entſtandenen Staaten die Bevölkerung die Miſchung des römiſchen und germaniſchen Stammes zeigte. Dieſe Ver⸗ mittlung der entgegengeſetzten Principien war die große Auf⸗ gabe der Kirche, und ſie hat dieſelbe auf eine große Weiſe gelöst; unter dem weiten römiſch⸗teutſchen Reiche, dem Aus⸗ drucke der römiſchen Univerſalität, bewegten ſich in den bunte⸗ ſten Kreiſen die vielen rührigen Gemeinweſen als eben ſo viele Bilder des germaniſchen Individualitäts⸗Princips; im Innern dieſer Gemeinweſen aber erwuchs unter chriſtlichem Schirm das reiche Geflechte der Corporationen, dieſer ver⸗ mittelnden Glieder zwiſchen der Regierung und den Unter⸗ thanen. Wo die Kirche unbeirrt ihr vermittelndes Princip durchſetzte, erwuchſen gedeihliche Zuſtände. Wo ihr dieſes nicht möglich war, entſtanden einſeitige Verwicklungen zum Schaden der Cultur; eine ſolche einſeitige Auswucherung des germani⸗ ſchen Princips iſt das Lehenweſen; eine ſolche einſeitige, durch ihr Uebermaaß zur ſtörriſchen Reaction gegen die bisherige Entwicklung ſich geſtaltende Macht war die in Folge des Studiums des claſſiſchen Alterthums in die chriſtlich germa⸗ niſche Staatsentwicklung wie ein giftiges Ferment eingeſchleppte Nachbildung antiker Staatseinrichtungen. Bei allem Segen, den das Studium des Alterthums gewährt, hat es in der Form, wie es am Schluſſe des Mittelalters und ſchon früher als ſociale Macht auftrat, eine furchtbare Zerrüttung in die Menſchheit geworfen. Der chriſtlich germaniſche Staat iſt von dem antik⸗heidniſchen durchaus verſchieden, und das Herein⸗ ziehen der Forderungen des letztern mußte in die Entwicklung der Menſchheit eine tiefe Verrenkung bringen. Culturge⸗ ſchichtlich ragt als politiſcher Vertreter dieſer Umkehr und Verkehrung, dieſer wahrhaftigen politiſchen Rückbildung Mac⸗ chiavelli. Die beſtehende Geſellſchaftsordnung ward jetzt von dem eingeführten heidniſchen Element bekämpft, und die durch die Studien des Alterthums irre geführte Tendenz der ſubjec⸗ tiven Freiheit führte zur Abtragung der Autorität, und brachte — folgeweiſe den wirthſchaftlichen Intereſſen die ſchwerſte Ver⸗ —— —“““ — 634— kümmerung, ähnlich wie der früher durch ein ähnliches Moment hervorgerufene Streit zwiſchen den Gibellinen und Welfen in den ganze Völker, wie die Communen ergreifenden Fehden jene Maſſen von Kräften vergeudet hatte, die ſo der Cultur und den damals mächtig aufſtrebenden wirthſchaftlichen Intereſſen ſchmählich verloren gingen. Da die Kirche im Mittelalter das ganze Daſein der Völker umſchloſſen hielt, ſo war jeder Kampf gegen ſie ein allge⸗ meiner, und der die Schmälerung der politiſchen Autorität durch die Reaction der dem Alterthum entlehnten Staatsideale führte, da in jener Zeit jede Gewalt geiſtig auf kirchlichem Grunde ruhte, zur Beſtreitung der Kirche. Die kirchliche Reformation war theilweiſe die Folge dieſer Tendenz. Wie ſehr aber die Einheit der Entwicklung gebrochen war, zeigt, daß in dieſer Zerriſſenheit nicht mehr die inſtitu⸗ tionale Gediegenheit der frühern Zeit, und ſo auch nicht die frühere wirthſchaftliche Blüthe der Städte des Mittelalters gewonnen wurde. An die Stelle des früheren Aſſociationsweſens trat immer mehr die ſchädliche Tendenz ſubjectiver Vereinzelung, welche wiſ⸗ ſenſchaftlich aufgefaßt zum politiſchen Rationalismus führte. Wie ſehr bei dem ganzen Proceſſe blos die ſkeptiſch beſtrei⸗ tende Macht waltete, zeigt der Umſtand, daß das neue Princip der Geſellſchaft keine Geſtaltung aus neuem Guße, ſondern nur die Zerreißung der frühern Geſellſchaft bewirkte. Ward im Zeitalter der Reformation auch die Bibel zum Kanon des Rechts und Staats erklärt, ſo war ſie dieſes doch eigentlich nur durch ihre von dem Individuum gegebene Deutung; die Einzelvernunft war an die Stelle des Geiſtes der Kirche getreten, und der Einzelwille erkannte über die Legitimität der ſocialen Zuſtände. Der Rationalismus war zuerſt nega⸗ tiv, ſpäter poſitiv zum Princip geworden, und das Poſitive galt nur inſofern, als es von ihm anerkannt wurde. Die Verbürgung durch eine höhere Autorität verſchwand. Die geiſtigern Mächte der Geſellſchaft traten zurück, die irdiſchen In⸗ tereſſen vor, die übrigens, von den theologiſchen Streitigkeiten der Zeit abſorbirt, nicht gediehen; dieſe letzteren nahm der Ra⸗ tionalis ſchaften miſche Empir hellenſ Abger lung wirt ſtimn zwiſ des niſch der Noment lfen in Fehden tur und tereſſen Völter n allge⸗ Autorität atsideale rchlichem e dieſer brochen inſtitu⸗ frühere wonnen a immer liche wiſ⸗ führte. h beſtrei⸗ das neue em Guße, bewirkte. Zibel zum dieſes doch Deutung; der Kirche egitimität erſt nega⸗ Poſitive wand. Die diſchen In⸗ grreitigkeiten ahm der Ra⸗ tionalismus zum Stoff neuer, ſich von den andern Wiſſen⸗ ſchaften abgrenzenden Geſammtlehren. So entſtanden die ökono⸗ miſchen Wiſſenſchaften, aber ſo ſehr in den Banden des Empirismus gehalten, daß ihre Leiſtungen ſichtbar hinter den helleniſchen Anfängen dieſer Wiſſenſchaften zurückſtehen. Die Abgeriſſenheit, welche in der ganzen geſchichtlichen Entwick⸗ lung des Zeitalters ſich darſtellte, iſt auch in der Staats⸗ wirthſchaft jener Zeit unverkennbar. Finanzielle Begierlichkeit ſtimmte zu ihrer Pflege. Wie dieſe Begierlichkeit feindlich zwiſchen Regierung und Volk trat, ſo ſchritt ſie bei der Bildung des europäiſchen Staatenſyſtems auf der Grundlage des mecha⸗ niſch politiſchen Gleichgewichts in die internationale Stellung; der einſeitigſte Mercantilismus mit Verkennung der ein⸗ fachſten Grundſätze des Verkehrs trat auf mit der Handels⸗ bilanz als Meſſer des Wohlſtandes der Nationen, und dieſe Theorie der Geldgierde ſuchte für den Mangel des Geldes in künſtlicher Abſtraction das Surrogat des öffentlichen Credits. V Der Rückblick über die wirthſchaftliche Oede der nächſten Vergangenheit zurück in die Größe der italiäniſchen Frei⸗ ſtaaten und der teutſchen Hanſa, verbunden mit der Scheel⸗ ſucht auf das die Geldſtröme der neuen Welt aufnehmende Spanien hatten natürlich in der Befangenheit der äußerlichen Scheinbarkeit zu dem Mercantilſyſtem geführt; abgeſehen davon, daß das verloren gegangene völkerrechtliche Mittler⸗ amt des Papſtthums und die immer mehr zerfallende völker⸗ rechtliche Einigung im römiſch⸗teutſchen Reiche die Völker in eine ſich befeindende Iſolirung ſtürzte, wo dieſes Mercantil⸗ ſyſtem als das Programm der gegenſeitigen Ausbeutung galt. Die nothwendige Reaction gegen dieſe Künſtlichkeit des öffentlichen Haushalts und des ganzen Regierungsweſens, welches weder eine Uebereinſtimmung mit hiſtoriſchen Grund⸗ lagen, noch mit den Forderungen des Rationalismus hatte, war die aus dem Gefühle der Unbefriedigtheit hervorgehende Sehnſucht nach einer principienhaften Vereinfachung und Na⸗ türlichkeit des Syſtems des öffentlichen Lebens. Das phyſio⸗ — 636— kratiſche und das Induſtrie⸗Syſtem wurden auch hier wieder durch die Motive der Staatslehre hervorgerufen. Der politiſche Rationalismus hat ſeine Beſtimmungen dieſen Syſte⸗ men der National⸗Oekonomie aufgedrängt. Der Wunſch nach Vereinfachung fühlte ſich durch die Erfahrung und durch die Anforderungen des Rationalismus aufgerufen. Der Landbau war durch die Uebertreibung des Mereantil⸗ ſyſtems in der Staatsleitung zerrüttet. Dieſes gab den gelegent⸗ lichen Anſtoß zum neuen Syſtem. Der Landbau mußte alſo gehoben werden; daher galt als höchſter Grundſatz der Phyſio⸗ kratie: alle materiellen Güter erzeugt nur die Na⸗ tur; nur der Landbau gibt einen Reinertag; ihn trifft aber dann freilich auch allein die Beſteuerung; daher die Behauptung, daß Gewerk und Handel keine neuen Werthe er⸗ ſchaffen, daher die Annahme der wirthſchaftlichen Sterilität der Gewerkenden, Kaufleute und Beamten; daher die Zurückführung des Geldes zur bloßen Geltung als Maaß und repräſentatives Zeichen des Vermögens. Das Charakteriſtiſche des politiſchen Rationalismus, Durch⸗ führung eines mittelbaren Gedankens mit Beſeitigung aller nicht mit demſelben verträglichen Erſcheinungen des Lebens und der Geſchichte zeigt ſich auch hier; es kömmt hier Alles auf logiſche Folgerichtigkeit, nicht auf die des Lebens an; daher tritt in dem phyſiokratiſchen Syſtem, das gegen eine einſeitige künſtliche National⸗Oekonomie gerichtet war, eine entgegen⸗ geſetzte Künſtlichkeit auf; an die Stelle der abſoluten Ge⸗ bundenheit der Güter freie Verfügung über den Grundbeſitz; an die Stelle der Geſchloſſenheit der Gewerke freie Con⸗ currenz; an die Stelle der gouvernementalen Bevormundung des Handels das Laissez faire et laissez passer— überall die Begierde nach Emancipation ohne Subſtitution neuen Maa⸗ ßes, neuer Ordnung. 5 Es herrſcht maaßlos das Streben nach Entfeſſelung, und das phyſiokratiſche Syſtem iſt nur die wirthſchaftliche Seite des politiſchen Glaubens ſeiner Bekenner, welche unbedingte Glau⸗ bens⸗ und Preßfreiheit, freie Concurrenz zu den Staatsämtern, uch hier en. Der n Syſte⸗ rfahrung fgerufen. tereantil⸗ gelegent⸗ ußte alſo r Pyyſio⸗ die Na⸗ ig; ihn cer die the er⸗ tät der ührung natives „Durch⸗ ung aller ebens und Alles auf an; daher einſeitige entgegen⸗ luten Ge⸗ rundbeſit; reie Con⸗ rmundung überall den Maa⸗ ung, und Seite des ngte Glau⸗ aatsämtern, — 637— freie Gemeindeverfaſſung und Aufhebung der Steuerbefreiung der privilegirten Stände forderten. Aus der Erfahrung des engliſchen Wirthſchaftsweſens ge⸗ ſchöpft, methodiſch aber die Frucht des Rationalismus, nur in abſtracterer Form, war das Induſtrie⸗Syſtem Smith's, welches die Arbeit als die einzige Güterquelle und als das Preismaaß der Dinge annimmt, und dem Landbau, Gewerke und Handel die Productivität zuſchreibt, welche durch die Theilung der Arbeit und die Anwendung der Capitale beſon⸗ ders verſtärkt wird, mit der Phyſiokratie die Entfeſſelung der Induſtrie von allen Beſchränkungen fordert, und den Reich⸗ thum nicht in das Geld, ſondern in die Fülle werthvoller Dinge ſetzt. Als Schöpfer der Wiſſenſchaft ward Smith begrüßt, und die neuere Zeit hat ſein Syſtem, das die drei großen Zweige der Arbeit, die Urarbeit, die Gewerke und den Handel reaſſumirt und vermittelt, nur ausgebaut. Allein die Verwicklung der Gegenwart zeugt immer mehr für die Lückenhaftigkeit dieſes Syſtems. Neben der vorzugsweiſe nur behandelten Frage der Production erhebt ſich mit gleichen Anſprüchen die Frage von der Vertheilung und der Verzehrung des Vermögens, welche in ihrem Gefolge eine Menge von tief gehenden Fragen und die Verwahrung gegen das Verfahren führen, das Vermögen als Zweck zu behandeln, während es nur das Mittel für höhere Zwecke ſein darf. Und dieſe Lückenhaftigkeit wird nicht blos von der Theorie gerügt; die Noth der Gegenwart erhebt ſich drohend. Die Bedürfniſſe der Zeit werden gebieteriſch und laſſen ſich durch die Formel der Theorie nicht mehr bewältigen. Mal⸗ thus hat die große Lücke im Smith'ſchen Syſtem, die Ver⸗ nachläſſigung der Lehre von der Bevölkerung ausgefüllt, den Leichtſinn der Zeit durch ſeine finſtere Prophetie der Ueber⸗ völkerung aufgeſchreckt, und dadurch der Staatsleitung eine Warnung gegeben, welche noch lange nicht genug beachtet worden iſt. J. B. Say hat gegen Smith die Productivität der Natur gerechtfertigt, Gioja gegenüber der Hervorhebung der Theilung der Arbeit die Aſſociation der Arbeiten — 638— und gegen die Phyſiokratie und das Induſtrie⸗Syſtem das eben ſo wichtige als unbeſtreitbare Recht und die Pflicht der Regierung zur Leitung der Nationalwirthſchaft geltend gemacht. Vor Allem aber hat Simonde de Sismondi die Unzuläng⸗ lichkeit des Induſtrie⸗Syſtems enthüllt, indem er zeigte, daß die Wohlfahrt eines Volkes nicht blos auf dem Beſitze eines großen Einkommens, ſondern auch auf einer gerechten Ver⸗ theilung deſſelben an die verſchiedenen Claſſen der Nation beruhe. In Uebereinſtimmung mit der Lehre des Alterthums hat er das Vermögen nicht als Zweck, ſondern als Mittel be⸗ trachtet, und die Heilloſigkeit der unbedingten Mitwerbung, dieſer Frucht der unbedingten individuellen Freiheit, in ihren nicht blos wirthſchaftlichen, ſondern auch politiſchen Zerſtörun⸗ gen gezeigt, die zu einer Ausbeutung der Mehrheit durch die Minderheit nothwendig führt. Vergebens hat ſich das Smith'ſche oder das britiſche Syſtem in Ricardo auf ſeine Spitze getrie⸗ ben; es iſt erkannt, daß es nun einmal nicht die geſammte niedere Wohlfahrt und Cultur umfaſſe, wenn man auch zugeben muß, daß die Wiſſenſchaft der öffentlichen Wirthſchaft nicht die Lehre von der Civiliſation aufnehmen darf, wie dieſes Storch verſucht hatte. Die furchtbaren Verheerungen der unbeſchränkten Concurrenz haben gegen das britiſche Wirthſchafts⸗Syſtem ſchon eine chriſtlich politiſche Oekonomie, wie ſie von Villeneuve⸗ Bargemont in ihrer hohen Bedeutung auffaßte, hervorgerufen, ſodann die Proteſtationen des Saint⸗Simonismus, das ſocie⸗ täre Syſtem Fourier's und das ſociale Syſtem Owen's erzeugt. Alle dieſe Verſuche, welche eine gerechtere Vertheilung des nationalen Einkommens fordern, deuten auf ein coloſſal an⸗ ſchreitendes Bedürfniß, wenn ſie in ihren Formeln ſich auch noch ſo ſehr vergriffen haben. Die Abſtractionen reichen vor den furchtbaren Phänomenen der Gegenwart nicht mehr aus. Man ſehnt ſich nach einer organiſchen Anordnung an der Stelle der wüſten Zerriſſenheit und Zerklüftetheit des beſtehenden Syſtems. Man fühlt, daß die politiſche Oekonomie als Wiſſenſchaft ſich äußerlich gegen em das icht der emacht. zuläng⸗ te, daß ze eines Ver⸗ Nation terthuns ittel be⸗ eerbung, n ihren ſtörun⸗ rch die thyſche getrie⸗ mte dan auch grihſchaft rf, wie oncurrenz hon eine illeneuve⸗ rgerufen, as ſoeie⸗ Berzeugt. ung des ſal an⸗ ich auch nomenen ch einer riſſnheit hlt, daß ch gegen ——— 639— verwandte Gebiete noch nicht ſicher genug abgegrenzt hat, viel weniger aber mit denſelben in einen concreten Verband ge⸗ treten iſt, und die nöthige wechſelſeitige Beſtimmung gibt und empfängt, ſodann innerlich noch kein objectiv organiſches Syſtem in der Totalität ihrer Theile und Beziehungen errun⸗ gen hat: die Methode muß den rationaliſtiſchen Boden ver⸗ laſſen und hiſtoriſche Modificationen annehmen; eben ſo neben der materiellen und empiriſchen Grundlage eine Determination von den höhern geiſtigen Elementen empfangen; die Wiſſen⸗ ſchaft muß nicht blos die hohle Allgemeinheit der Abſtraction, ſondern auch die nationalen Beſtimmungen aufnehmen, nicht bloß von der Zergliederung der Begriffe leben, ſondern den lebendigen Beſtand der Wirklichkeit reproduciren. Der Aufbau der Wiſſenſchaft fordert in Teutſchland als Vorarbeit eine reichere Ernte von Monographien, wie ſie unſer Nebenius in unerreichter Meiſterſchaft lieferte. Das entſchied den Sieg der britiſchen Wirthſchaftslehre, daß ſie ſich auf eine Maſſe von ſolchen tief ins Leben greifenden Einzelarbeiten ſtützte, ſtatt in äußerlich ſyſtematiſch erſcheinenden Lehrbüchern noch manche unbegründete Seiten aufzunehmen. Allein die praktiſche Wirth⸗ ſchaft der Briten leidet an einer einſeitigen Künſtlichkeit, welche ihre Folgen auch auf die Wiſſenſchaft erſtreckt, z. B. bei Smith den Irrthum erzeugt, daß nur der Tauſchwerth als conſtitutives Moment des Nationalreichthums zu betrach⸗ ten ſei. Dieſes vage Ablöſen jedes Geſetzes von dem lebendigen Grunde individueller Entwicklung, dieſe Begriffswütherei mit blos logiſcher Geltung hat in neueſter Zeit eine unverkenn⸗ bare Reaction hervorgerufen, die offenbar auch jetzt von der eigentlichen Staatslehre, welche ſich immer mehr von dem politiſchen Rationalismus losſagt, bedingt iſt. Die unbedingte Freiheit z. B. in der Zerſplitterung des Grundeigenthums, die unermüdliche Ablöſung der dinglichen Laſten, die unbe⸗ dingte Gewerbe⸗ und Handelsfreiheit verlieren immer mehr den Zauber, mit welchem ſie früher alle Geiſter umfangen hielten; man legt dieſen Abſolutismus in dem Grade mehr — 640— ab, als man aus den Schranken der eigentlichen Wirth⸗ ſchaftslehre in die andern politiſchen Wiſſenſchaften, vorzugs⸗ weiſe aber in das praktiſche Leben hinausblickt. Man ver⸗ nimmt z. B. mit Mißtrauen die Anpreiſungen der abſoluten Handelsfreiheit, zumal wenn ſie Schriftſteller als Angehörige von Nationen verkünden, welche andern Völkern in indu⸗ ſtrieller und commercieller Beziehung hoch überlegen ſind. An die Stelle des Kosmopolitismus in der National⸗Oekonomie tritt immer mehr eine nationale Auffaſſung, und dieſes iſt namentlich der Fall bei den Teutſchen, die früher in be⸗ thörter Speculation mit ihrer Weltbürgerlichkeit prunkten, von den fremden Nationen ſich ausziehen ließen und die nationalen Intereſſen verſäumten. Auch entſchuldigte die öffentliche Lage früher dieſe weltbürgerlichen Gelüſte. Bei der Theilung Teutſch⸗ lands in viele kleine Gebiete, bei der ſtets wachſenden Einbuße des Nationalgefühls und der Treue gegen das Geſammtvater⸗ land hemmte die Abgeſperrtheit auf dem kleinen Gebiet jeden Aufſchwung der Induſtrie und des Handels, und die innere Mitwerbung konnte die auswärtige keineswegs erſetzen. So gewann das kosmopolitiſche Princip der abſoluten Handels⸗ freiheit immer mehr Boden in Teutſchland; auch wäre dieſes Princip völlig zuläſſig, wenn alle Nationen eine gleiche induſtrielle und commercielle Virtuoſität hätten, und alle das Princip der Handelsfreiheit befolgen würden; zwei Voraus⸗ ſetzungen, die nie eintreten werden; daher kann ein freier Han⸗ del mit Fabricaten nur zwiſchen ſich bedürfenden, wirthſchaftlich auf gleicher Linie ſtehenden Nationen beſtehen. Nachdem aber durch den teutſchen Zollverein ein großes teutſches Handelsgebiet geöffnet iſt, erwacht immer mehr der Glaube, daß die natio⸗ nale Mitwerbung die Weltconcurrenz erſetze, und daß von der Ausbildung der nationalen Gewerblichkeit die Blüthe des Landbaues und des Handels der Nation bedingt ſei, daß aber zu dieſem Zwecke gegen die lang gereifte induſtrielle Ueberlegenheit der andern Nationen die Durchführung des Syſtems eines mäßigen, aber ausreichenden Zollſchutzes noth⸗ wendig ſei. Man erkennt, daß ein Volk, welches bloß Land⸗ 1 Wirth⸗ vorzugs⸗ Nan ver⸗ ohſoluten ngehüörige in indu⸗ ſind. An Dekonomie nd dieſes eer in be⸗ kten, von nionalen he Lage Teutſch⸗ Einbuße ntvater⸗ zet jeden ie innere etzen. So Handels⸗ äre dieſes ie gleiche alle das Voraus⸗ eier Han⸗ ſchaftlich em aber elsgebiet natio⸗ aß von üthe des ei, daß duſtrielle rung des es noth⸗ iß Land⸗ 641— bau treibt, keine wohlhabende, gebildete, unabhängige Nation ſei, daß vielmehr jede Nation alle ökonomiſche Gelegenheit benützen und auf den Landbau als ſtützende Grundlage mit wachſender Bildung eine kräftige Gewerkproduction aufführen ſolle. Das Gedeihen der Agriculturproduction wird nur durch eine kräftige innere Manunfacturproduction geſichert, nicht aber durch Schutzzölle; bei dem Productenverkehr, der an geographiſche und klimatiſche Verhältniſſe gebunden iſt, gilt das Princip der Handelsfreiheit, nicht aber bei der Manu⸗ facturproduction, wo die Fabricateneinfuhr vom Auslande abhängig macht, abgeſehen davon, daß ſie eine Menge von Natur⸗ und Geiſteskräften brach liegen läßt. Wo ein ge⸗ mäßigtes Klima, Waſſerkräfte und Mineralien, Holz, Waſſer⸗ ſtraßen und geiſtige Rührigkeit vorhanden ſind, dort bieten ſich immer auch die Vorbedingungen zu einer glücklichen Manu⸗ facturentwicklung dar; denn die natürlichen Mittel liegen vor, und die geiſtigen und techniſchen Fähigkeiten laſſen ſich erwerben. Gerade aber weil die heiße Zone blos zur Agriculturprodue⸗ tion ſich eignet, die gemäßigten aber zum Landbau und Gewerk, iſt es Pflicht, in den gemäßigten Zonen die Manufacturthätig⸗ keit zu ſteigern und mit ihrem Erzeugniſſe die Kolonialerzeug⸗ niſſe zu zahlen, und da dieſe noch einer unendlichen Vermeh⸗ rung fähig ſind, ſo wird mit der ſteigenden Fähigkeit der heißen Zone zur Conſumtion der Fabricate der gemäßigten Zonen auch die Stei⸗ gerung der Erzeugung der Colonialproducte eintreten und die gemäßigten Zonen ſie billiger beziehen können. Jede Nation der gemäßigten Zonen darf daher auf einen weiten Markt für ihre Fabricate in der heißen Zone hoffen, und ſo gedenkt natürlich auch das teutſche Volk im Hinblicke auf die commercielle Ueberlegenheit der andern Völker, auf ſeine Gelegenheit zum Seehandel und ſeine Mittel hiefür, Geld, Hafen, Holz und Matroſen, an ſeine Geſchichte, und dieſe zeigt die teutſche Schifffahrt ſo alt als die teutſche Geſchichte, und den teutſchen Seehandel vor dem 16. Jahr⸗ hundert mächtiger als den manches jetzt gebietenden Handels⸗ Blanqui, Geſchichte d. polit. Oekonomie. II. Bp. 41. — 642— volkes. Es iſt daher dem teutſchen Volke nur eine Selbſt⸗ ermannung, die Stärkung des Vertrauens auf ſich ſelbſt noth⸗ wendig, um zum Ziele zu kommen; die Mäßigung iſt ja zudem ein teutſcher Nationalzug, und das teutſche Volk wird im ver⸗ ſtändigen Durchführen nationaler Intereſſen und bei gewiſſen⸗ hafter Erforſchnng eigener Kraft gerne auf den Charakter einer Colonialmacht verzichten, treu ſeinem providentialen Berufe, die geiſtige Coloniſation der Menſchheit zu vollführen. Es mag genügen, in der Nachweiſung des Zuſammenhangs des Entwicklungsganges ökonomiſcher Lehren mit dem Gange der politiſchen Cultur angezeigt zu haben, daß eine abſtracte Wirthſchaftslehre für die praktiſche Leitung der Völker nicht ausreiche. Erwägt man nun noch, daß nach Zeitalter, Erdlage und nationaler Befähigung die in die ganze Socialität unmittelbar eingreifende und mittelbar einwirkende, von dem Rechtszuſtand bedingte Wirthſchaftslehre ſich verſchieden geſtaltet, daß es alſo nach näherer oder entfernterer Verwandtſchaft Gruppen wirth⸗ ſchaftender und dadurch im Handel verbundener Völker und darnach beſtimmte Wirthſchaftsſyſteme gibt und ſtets gab, ſo eröffnet ſich ein Feld für die Geſchichtſchreibung der Wirth⸗ ſchaftswiſſenſchaft, intenſiv ſo reich, mannigfaltig und verwickelt, daß, damit verglichen, die Geſchichte dieſer Wiſſenſchaft in der Form, wie ſie Hr. Blanqui entwarf, nur wie ein äußerer Rahme erſcheint, wie eine Ahnung, die auf eine ergebnißreiche Zukunft der Wiſſenſchaft ſelbſt deutet, in welcher in die allge⸗ meinen menſchheitlichen Wirthſchaftsgrundſätze die nationalen und perſönlichen organiſch und lebendig eingreifen, und alle zu einem Ganzen verwachſen, einheitlich, ſtark und ſich ſelber tragend, wie das Leben der Wirklichkeit, deren Abbild im Geiſte zu ſein, die Wiſſenſchaft berufen iſt. Gelbſt⸗ lbſt noth⸗ ſa zudem im ver⸗ gewiſſen⸗ kter einer Berufe, nenhangs Gange abſtracte er nicht rdlage ttelbar uſtand 5 alſo wirih⸗ ker und gab, ſo Wirth⸗ erwickelt, ift in der mäußerer ebnißreiche die allge⸗ nationalen und alle zu ſich ſelber din Geift Verzeichniß. der 1 Namen der in der kritiſchen Bibliographie angefuͤhrten Schriftſteller. A. Seite Seite Abot de Baſinghen... 351] Arco(Gherardo d). 360 Agazzini... 315 Ariſtoteles....... 307 Agoult(von).. 372 Arnould....... 344 Algarotti(Francesco).. 355 Arriquibar(Nicolas de).. 362 Anquetil du Perron. 322 Aſſo.. 360 Anzano(Thomas). 364 Auger.. 3˙8 Babbage...... 318]/ Blane de Polr.. 319 Bailly...... 333 Bodz⸗Reymond..... 381 Balenge.... 369 Böckh...... 307 Bandini... 353 Boesnier de l⸗Orme... 352 Bannefroi. 374 Boiſſy d'Anglas..... 369 Barton... 380 Boizard..... 351 Bearde de l'Abbaye. 316 Bosc........ 369 Beaudeau(Abbé) 352, 353,374 Bouchaud. 307 Beaumont(Moreau de) 379 Bougainville. 319 Beauvais.... 337 Boulenger.. 307 Beccaria. 357 Breſſon.. 337 Bell....... 317 Briganti(Filippo) 353 Belloni. 351 354 British Review.. 330 Bentham... 343 Broggia... 3358 359 Béres(Emil)... 319 Brougham(Lord) 32²9 Bergaſſe..... 379 Büſch..... 369 Bergier(Nicolas). 327 Buat(Graf du).. 340 Bettange.... 351 Burmann.... 307 Bignon(Abbé de). 328 Burthrel de Pasquier 352 Bilhon 319 Buſſy(Henrion de).. 374 — 644— Seite Seite Cabarrus(Francesco). 364 Cheshire....... 341 Calonne. 369 1 Chevalier(Michel). 316 Campomanes Glodriguez) 361 Child(Joſtah)..... 376 Canard.... 311 Cicilia(Joſe)...... 363 Cantalupo(Gennaro). 386 Clarke........ 376 Capmani(Antonio).. 369 Claoiere........ 332 Carli(Gian⸗Rinaldo). 357 Cliquot Blervache.... 340 Carrion⸗Niſas(A. de). 329 Cobbet(William).... 341 Caſaux(Marquis de). 317 Coffinieres....... 322 Caſtro(J. Francesco de). 363 Comte(Charles)..... 344 Cerreti 378 Conſidérant(Victor). 390 Chalmers... 311, 312 Cordier...... 342 Chaptal....... 322 Corniani(Giambattiſta). 358 Chaſſtpol....... 337 Culpeper...... 372 Chaſtellur. 311! D. Danvilla(B. Whaciun).. 362 Dubols........ 371 Davanzati... 358 Duchatel...... 373 Delaborde(Alexandre). 318] Dufresne St.-Léon.... 336 Delfico(Melchiorre).. 355 Duni........ 328 D'Hauterive. 309 Dunoyer....... 309 De l'Isle de Sales. 349 Dupin(Baron). 367 und 374 Dibarrart. 352 Dupont........ 334 Dickſon(Adam).. 369 Dupré de Saint-Maur 352 340 341 Dillon 374 Dutens........ 345 Doe. 374 Outot....... 335 Dori... 383 Duverney 336 und 373 Dro;..... 367 E. Eiſelen 380 Eſchenmayer...... 385 Ferguon(Adam) 342/ Fortune(Thomas).... 369 Ferrier 326 Fourier(Charles).. 345 u. 390 Fichte. 383 Francheville(Dufresne de) 372 Filangieri 356 Fromentean... 337 Florez Eſtrada 389 G. Gaeta(der Herzog von). 370] Garnier. 370 u. 371 Galiant. 354 Geier(Frid. von) 339 und 387 Ganilh(Charles) 330 Genoveſi(Antonio).... 356 Gans(Freiherr von).. 387 Gentz........ 339 eO de.ad ε e — Seite . 341 . 316 . 376 . 363 . . 332 . 3⁴0 . 341 . 3222 . 344 . 3⁰0 . 347 . 358 . 372 . 371 . 3 36 . 32 .. 30' und 374 .. 334 22 340 341 . 345 .. 335 66 und 373 . 355 J u. Nl 339 und R 6. 355 .. 1¹ — — Gerboux. 375] Graumann...... 350 Gerdret. 374 Grenville....... 379. Gerſtner....... 368 Grey Macnal... 311 Gilbart(James William) 342 Grimaudet Granco... 351 Gioja(Melchiorre).— 315 Guer...... 369 Girard 369 Gülich(Guſtav 9.).. 383 Godwin. 3¹1⁰ H. Hamberger....... 307 Hodgskin(Thomas)... 341 Hamilton(Robert).... 335 Höck...... 384 Harcourt(Vicomte d). 340 Huerne de Nommeuſe.. 319 Heeren 308 Huet......... 308 Hermann 388 Hufeland...... 384 Herrenſchwand 325 Hume(David)..... 342 Isnard. 341] d'Ivernois(Francis)... 318 Jacob 310 365 Jorio(Michele de).. 326 Jakob.. 380 Jovellanos(G. Melchior de) 365 Jollivet(J. B. Moiſe). 321 JInvigny..... 338 Jonchre(Hr. de la). 376 K. Krauſe...... 388 Küttlinger. 380 3841 Krug. 387 L. Labarthe. 333) Lechevalier.... 396 Laboulinière 329 Lequin de la Neuville.. 339 Laffitte. 365 Le Trosne....... 339 Lauderdale....— 313 Leuchs....... 382 Lauraguais(Graf von), 3 334 Linguet........ 325 Larochefoucault Liancourt. 328 Locke........ 375 Laſalle(Henry) 334 Locquean....... 374 Law.... 336 Lotz........ 384 Lebreton(Zoachim) 375 V Lueder....... 386 M. Mably(Abbé de) 317 339]/ Malo de Luque(Tyuarho. 362 Maec Culloch 321 322 390 Malouet..... 323 Mac Farlaaen.... 374 Malthus. 366 367 Macé de Richebourg 351 Malvaux... 373 Maffei(Marquis de).. 343 Marcenado(El Marques de Malchus(Freiherr von). 381 Santa Cruz de).... 361 Mallet 371] Marcet(Miſtreß).. 338 Mereier de la Riviere Mill...... Mirabeau. Moheau..... Mondenard Mongez..... Monino(Joſe) Montaignac Montanari. Montchrétien. — 646— Monteſeguro(A. Arreta de). 364! Muyron(Juſt) Naville. Nebenius. Necker..... Oberndorfer O'connor(Arthur). Pagnini(Franesco). Palmieri(Giuſeppe) Paoletti(Ferdinando). Papillon de Latapy. Papion..... Parnell(Sir Henry) Pebrer(Pablo) Pecchio(Giuſeppe) Petty(Sir W.). Rachon.. Ramel Rau. Raynal. Reimarus. Reitemeier. Sabatier Saint-Aubin. Saint-Chamans. Seite Seite 317]/ Montesquiou.. 3471 314 Monthion.... 338 . 372 Morandiere(Hr. de la).. 374 323 Morellet(Abbé). 324 370 Morogues(Baron de).. 325 351 Morus(Thomas) 316 363 Moſſé 368 374! Mun(Thomas). 327 359 Munoz(Antonio) 362 312 Murhard 385 . 390 N. 375 Neri(Pompeo) 359 .. 388 North(Dudley) 375 389, 390 O. 387] Ortes(Giammaria). 359 335] Owen 311 P. 354] Pillet-Will. 326 356 Pinto 372 354 Platon. 308 322, 323 Pluquet(Abbé). 377 . 338 Poncet de la Grave 324 .337, 380 Poulain(Henry) 351 335 Preſtat 374 315,353 Prevoſt. 322 346 Prinſep. 352]/ Ricardo. 371 Ricei...... 382 Rilliet de Sauſſur 372 Rocco 370 Rotours(des) 308 S. 370]/ Saint Lucien(Prevoſt de) 376 367 Saint-Peravy. . 365 und 379 309 Saint-Pierre(Abbé von) . 389 35⁵ 343 366 375 ͤ1 ä, ͤ 1ͤ 2ͤ 12 Seite . 371 . 338 . 374 . 324 25 . 316 . 368 . 3 . 362 . 485 . 390 . 359 . 375 . 359 . 311 . M .. 292 . 308 .. 3M .. 32⁄ .. 351 .. .. 22 65 und 379 .. MX .. Sn . 36 . 365 .. 3l. Sartorius. Saumaiſe Say(J B.). Say(Louis).. Scaruffi(Gaſparo). Schenk...... Schlözer..... Schmalz. 3 Scrofani(Saverio).. Scrope(G. Poulett) Schön. Senior Thiers Thornton Thünen.. Tifaut Delanoue. Tollenare ulloa(Bernardo de) Ure(Andrew). Valle Santoro Vasco(Giambattiſta). Verri(Pietro).. Wade(John).. Wallace.. Walras. Ward(Bernardo) Young Zachariä. 355,356 357,358 644— Seite Seite 386 Serra(Antonio)..... 360 343 Seutter....... 385 347 Seybert.... 324 310 Simonde de Sismondi. 346 358 Sinclair....... 333 389 Skarbek........ 345 384 Smith(Adam)..... 312 383 Solera(Maurizio).... 355 358 Sopp......... 384 312 Steuart....... 314 388 Storch........ 309 312] 336/ Tooke..... 308 und 379 334 Torrens........ 313 .385 Tracy(Deſtutt de).... 314 323 Tucker(Joſtah)..... 341 367 Turgot....... 347 U. 327] Uſtariz(Geronimo de).. 325 321 V. 389 Villeneuve⸗Bargemont. 318 Volland........ 374 Vollgraf(Karl). 381 und 386 W 313, Weber(Benedict). 383,384 .310 Welz(G. de)...... 334 310 Wilberforce...... 373 362 Witt(Jean de)..... 328 Y. 368] Z. 387! Zanon(Antonio)... 360 — ———— 6 8 L 9 liiAtrLAIALAILrlaaeLrlelakall NMaarmrmrmmananmmmurrrmYnnnlnan Oem 1 2 3 4 5 6 L v öͤ d1iſ.nntnüiniiſiiiſiniſtſnmnmnanpannn 1 8 9 10 11 12 13 14 15 ,