der b volitiſchen Oekonvmie in Europa, dem Alterthume an bis auf unſere Tage, nebſt einer kritiſchen Bibliographie der Hauptwerke über die politiſche Oekonomie. Von Adolph Blanqui(dem Aeltern), ) Mitglied des Inſtituts von Frankreich(Akademie der moraliſchen und politiſchen Wiſſen⸗ · ſchaften), Profeſſor der induſtriellen Oekonomie an dem Conservatoire des Arts et Métiers, 5 Direetor der Specialſchule des Handels in Paris. S Aus dem Franzöſiſchen überſetzt, mit Anmerkungen verſehen, mit Jeinem Auszug aus des Grafen G. Peccchio Geſchichte der politi⸗ ſchhen Oekonomie in Italien vermehrt, und mit einem theils⸗ ergänzenden, theils berichtigenden Epilog begleitet von Dr. F. J. Buß, ord. öffentl. Profeſſor des Staats⸗ und Völkerrechtes und der Staatswiſſenſchaften an der Univerſität Freiburg. Erster Band. Karlsruhe, 1840. Druck und Verlag von Ch. Th. politit dem Al einer kritiſch Ado! Wiglitd des Inſtituts Proſeſſor der Aus dem Franzi Auszug ausd nomie in J theils berich ord, öffentl. Pre —ᷣ—᷑— ᷣᷣᷣ Getehichte— politilchen Oekonomie in Europa, von dem Alterthume an bis auf unſere Tage, nebſt einer kritiſchen Bibliographie der Hauptwerke über die politiſche Oekonomie. Von Adolph Blanqui(dem Aeltern), Mitglied des Inſtituts von Frankreich(Akademie der moraliſchen und politiſchen Wiſſenſchaften), Profeſſor der induſtriellen Oekonomie an dem Conservatoire des Arts et Métiers, Dirertor der Specialſchule des Handels in Paris. Aus dem Franzöſiſchen überſetzt, mit Anmerkungen verſehen, mit einem Auszug aus des Grafen G. Peccchio Geſchichte der politiſchen Oeko⸗ nomie in Italien vermehrt, und mit einem theils ergänzenden, theils berichtigenden Epilog begleitet von Dr. F. J. Buß, ord, öffentl. Proſeſſor des Staats⸗ und Aülterre Ples und der Staatswiſſenſchaften an der Univerſität Freiburg. BLAOTANN 75. XMIGLIEHEN ACAbLMTE. DES LAXDRRPS/ zu AOEOGI.IX/ / A Erster Band. Karlsruhe, 1840. Druck und Verlag von Ch. Th. Groos. Jo habe mie politiqae jours, suivie pPaux ouvrag qui(ainé), I TEconomie et Métiers, merce. Par 1837. 2 Vo Grund, der weil in dieſe wirthſchaftslel geſchichte in weiß die Ge⸗ das Concrete zu ſchätzen, ſprengten E zuletzt in d ſchaftswiſ ten Völkerlel Dieſes Ber ſcaft: bei jer giebigſten übt in dem Syſter errang ſeithe übergeganger liſche Reche wie ein me Vorrede. Ich habe es unternommen, die Histoire de PEcono- mie politique en Europe depuis les anciens jusqu'à nos jours, suivie d'une Bibliographie raisonnée des princi- paux ouvrages d'Economie politique par Adolphe Blan- qui(ainé), Membre de l'Institut de France, Professeur d'Economie industrielle au Conservatoire des Arts et Métiers, Directeur de PEcole spéciale du Com- merce. Paris, chez Guillaumin, Libraire- Editeur. 1837. 2 Voll., für Teutſchland zu bearbeiten. Der Grund, der mich hiezu beſtimmte, war vorzüglich der, weil in dieſem Buche der Zuſammenhang der Volks⸗ wirthſchaftslehre mit den Hauptentwicklungen der Welt⸗ geſchichte in lebendige Vergliederung gebracht iſt. Ich weiß die Geſchäftigkeit im Einzelnen, die Einkeilung in das Concrete, die Siedlung auf kleinem Beſitz ſehr gut zu ſchätzen; am Ende aber müſſen doch alle dieſe zer⸗ ſprengten Ergebniſſe zu höhern Einheiten geſammelt, und zuletzt in die große Einheit der umfaſſenden Geſell⸗ ſchaftswiſſenſchaft, als der Lehre von dem geſamm⸗ ten Völkerleben, aufgenommen werden. Dieſes Bedürfniß erfaßt auch die Wirthſchaftswiſſen⸗ ſchaft: bei jener Nation, welche ſie am liebſten und er⸗ giebigſten übt, bei der engliſchen, iſt ſie, obwohl ſie dort in dem Syſtem von Adam Smith ihre relative Abſchließung errang, ſeither meiſtens in die Speculationen des Calculs übergegangen: bei den Teutſchen hat ſich die eng⸗ liſche Rechentafel gerne in eine Begriffstafel umgeſetzt, wie ein meſſerfertiger Proſertor, hat der teutſche Fleiß —- W— das Beſitzthum hoher Geiſter in ſkeletirenden Lehrbuchs⸗ ſchemen zurecht gelegt. Die Italiäner ſchon haben in langer Abfolge tüchtiger Arbeiter neben der Frage der Gütererzeugung vorzugs⸗ weiſe auch ihren Einfluß auf das Wohl der Staaten ausge⸗ hoben, und die franzöſiſche ökonomiſche Schule hat den genommenen Anlauf zur ſocialiſtiſchen Theorie fort⸗ geſponnen, iſt aber dabei freilich auch in's Leere, Ge⸗ halt⸗ und Grenzenloſe hinausgefallen. Vornehm hatten in Teutſchland Viele auf dieſe Regungen, wie umſchat⸗ tende Träume, hinausgeblickt, und glaubten ſo die Sache von ſich abgewehrt zu haben. Allein die Noth iſt zudring⸗ lich, und bringt immer wieder ihre Räthſel: mag auch die eingeſeſſene Weisheit ſich ihrer noch ſo hoffärtig überhe⸗ ben, ſie kömmt uns immer wieder, ſtarr und unbequem. Schon der Pauperismus, dieſer klopfende Wächter unſe⸗ rer Zeit, mag uns mahnen, daß man mit Begriffen und Schulſyſtemen noch keine Mächte beſchwört. Mag auch des Verkehrten ſich bei dem Owenismus, Saint⸗Simo⸗ nismus und Fourierismus noch ſo Vieles bieten, im Hintergrund ruhen ein freches Bedürfniß und ein guter Stock geſunden Guts. Die wirthſchaftliche Zerriſſenheit, das Einzelnwirthſchaften und die verworrene Willkür, die überall zerrüttende, ungebundene Concurrenz gräbt ihr Grab, und es bedarf einer organiſchen Hierarchiſirung des Iſo⸗ lirten in ein lebendiges Syſtem. Laſſen wir dieſen ſo⸗ cialiſtiſchen Schulen ihre Schatten und Dichtung im con⸗ ſtitutiven Theil: ihren kritiſchen Theil nehmen wir an. In dieſen Menſchen glühen tiefere Triebe, aus ihnen re⸗ den ſtärkere Nöthen, als aus unſern Meiſtern der regel⸗ rechteſten Compendien mit den ſproſſenreichſten Begriffs⸗ leitern und de liche Auffaſ Dieſes Here und Geſchck hat Blanqu bei allen Ve Geltung, un ſo gerne den mehr verker Daneben gücken und? eine volks Dogmenge Lehre und den Thaten ihre geſetzmä wen anders, lihem Inſiir ben, oder von Thatſa auf den lei um ſollen n ler Aufgabe Seelen, ve des Werkes Sodann h. mit der Rech tengeſchich geſchichte! Hr. Laboul eigenthums hrbuchs⸗ düdüger vorzugs⸗ nausge⸗ ſe hat den drie fort⸗ eere, Ge⸗ hm hatten unſchat⸗ ie Sache zudring⸗ auch die überhe⸗ abequem. ter unſe⸗ iffen und Mag auch nt⸗Simo⸗ ieten, in ein guter iſenheit ltür, die r Grab, es Jſo⸗ ſen ſo⸗ im con⸗ wir an. ihnen re⸗ er rege⸗ Begrifß⸗ —*— . leitern und den zerklüftetſten Schematismen. Dieſe begriff⸗ liche Auffaſſung ordnet, aber erſetzt nicht die Ideen. Dieſes Hereinragen großer menſchheitlicher Strebungen und Geſchicke in die ökonomiſchen Lehren und Aufgaben hat Blanqui oft getroffen, mehr noch geahnt, und das bildet bei allem Vergreifen im Einzelnen ſeines Buches Werth und Geltung, und eine Nation, wie die teutſche, deren Wiſſenſchaft ſo gerne den Sprüchen der Tiefe lauſcht, darf dieſes nimmer⸗ mehr verkennen, muß auch auf dieſe Richtung einlenken. Daneben wollen wir aber der Blanqui'ſchen Arbeit Lücken und Mißgriffe nicht verkennen. Zuvörderſt fehlt eine volks⸗ und regierungsvirthſchaftliche Dogmengeſchichte. Ueberall unterſcheidet ſich die Lehre und Ausübung. Während die letztere ſich in den Thaten der Weltgeſchichte darlegt, hat auch die Lehre ihre geſetzmäßige Entwickelung. Was ſind ſociale Dog⸗ men anders, als Ahnungen kühner Geiſter, welche in glück⸗ lichem Inſtinct Wahrheiten Jahrhunderte vorausgegriffen ha⸗ ben, oder aber die Zuſammenfaſſungen ganzer Schichten von Thatſachen aus dem Fruchthälter ſäcularer Erfahrung, auf den letzten einfachſten Ausdruck zurückgebracht? War⸗ um ſollen nun neben den praktiſchen Ausführungen ſocia⸗ ler Aufgaben nicht die ſocialen Lehren, gleichſam ihre Seelen, verzeichnet ſein? Hier liegt eine Hauptlücke des Werkes des Herrn Blanqui. Sodann hat er ſeine Darſtellungen viel zu wenig einerſeits mit der Rechtsgeſchichte und andererſeits mit der Sit⸗ tengeſchichte in Berührung gebracht. Wie ſehr die Rechts⸗ geſchichte hier hilft, hat erſt ein junger Landsmann von ihm, Hr. Laboulaye, in ſeiner Geſchichte des Rechtes des Grund⸗ eigenthums im Abendland, und haben vor ihm ſchon einige —— 11— Italiäner gezeigt. Dem Verſäumen der Sittengeſchichte iſt es zuzuſchreiben, daß dem Hrn. Blanqui die feine⸗ ren, tieferen geiſtigen Bewegungen, welche Völker und Einzelne mehr treiben, als ſelbſt die materiellen Sporne, entgehen, die ſittlichen Springfedern und die religiöſen In⸗ ſpirationen verhüllt bleiben, welche Hr. Blanqui ſo oft verfehlt hat. Gerade aber, weil dieſe höhern Principien des Lebens in dieſem Buche oft verdrängt ſind, fehlt auch der leben⸗ dige Zuſammenhang. Wie ein flüchtiger Touriſt ſchaut der Verfaſſer von dem Schiff ſeiner weltgeſchichtlichen Muſterung meiſtens nur die vorſpringenden Schärfen, die Höhen und Kulme, dagegen die Unterſchichtung und Verbindungsglieder beachtet er minder, und gleichwohl ſind dieſes die regelmä⸗ ßigen Bindungsmittel des Lebens. Es mangeln dabher auch geſchloſſene ſtatiſtiſche Bilder der Rationalitäten. Es wird Alles nur ſtrichweiſe ſkizzirt: es fehlt die Völker⸗ wanderung der Ideen. Endlich tritt bei dem Verfaſſer der unorganiſche Geſichtspunkt der Ablöſung oft vor; von einer le⸗ bendigen Gliederung der Stände, der Innungen, der Völker zu beſtimmten Functionen zeigt ſich wenig; das Prineip des Individualismus tritt nur ſporadiſch auf, der ſichere Griff eines Maaßes fehlt, faſt allerwärts treibt und drängt der Hang zu einer maaßloſen Emaneipation, obwohl die Natur der Sache dem Verfaſſer oft unbe⸗ wacht ihre geſunde Regel wieder aufdrängt. In einem Lande, wie Frankreich, wo Jeder nur unter der Fahne der Parteien etwas gilt, macht die Wiſſenſchaft oft den ihr fremd ſein ſollenden Parteimächten Zugeſtändniſſe, die ihr Nichts in der Welt abdringen ſollte. Eben ſe Poſitive die Scheu Man ſol Notzzucht ſophie, u Ich w nigſtens zu ergär lich, wen altern un ondnete ük in dem ve geſchehen, Eine ſol der bkonomi lihen Inſti geiten und Volt gleich nicht als i Zeiten und ſondern we verſchiedene bald die and und Nation nach dem V berſchiedener So iſt d ditiſch, wie der Pohi engherzig, ſperrt ſich neriſch, ſ erung rund ieder lmaͤ⸗ daper Es lker⸗ niſche er le⸗ der das auf, und on, be⸗ nem ahne ihr ihr — V— Eben ſo führt die geſuchte Vorliebe des Verfaſſers zum Poſitiven mit Abweiſung eines philoſophiſchen Durchblicks, die Scheu eines Syſtems gerade zu einem verkehrten Syſtem. Man ſoll allerdings an den Dingen keine philoſophiſche Nothzucht üben, aber in den Dingen ſelbſt liegt die Philo⸗ ſophie, und dieſer geht man nicht ungeſtraft aus dem Wege. Ich werde es verſuchen, dieſe Lücken und Fehler we⸗ nigſtens theilweiſe in einem Nachtrage zum II. Bande zu ergänzen und zu berichtigen. Es wäre ſehr verdienſt⸗ lich, wenn ein Volkswirthſchaftsgelehrter eine nach Zeit⸗ altern und Nationen chronologiſch und ſynchroniſtiſch ge⸗ ordnete ökonomiſche Dogmengeſchichte ausarbeiten würde: in dem verſprochenen Nachtrag kann dieſes natürlich nicht geſchehen, da dieſer lediglich auf Einzelnes eingehen kann. Eine ſolche Dogmengeſchichte müßte aber nicht bkoß aus der ökonomiſchen Literatur, ſondern auch aus den wirthſchaft⸗ lichen Inſtitutionen, Geſetzen und Verfahrungsweiſen der Zeiten und Nationen geſchöpft werden, da jedes Zeitalter und Volk gleichſam ſeine eigene Volkswirthſchaft lehrt und übt, nicht als wenn die Quellen des Vermögens in verſchiedenen Zeiten und bei verſchiedenen Völkern verſchieden wären, ſondern weil die nämlichen Quellen in und bei ihnen in verſchiedene Combinationen eingehen, ſo daß bald die ein?, bald die andere vorwaltet, und ſelbſt der Genius der Zeit und Nation ſich verſchieden darſtellt. Hr. Blanqui hat ſchon nach dem Vorgang Pecchio's den nationalen Charakter der verſchiedenen volkswirthſchaftlichen Schulen hervorgehoben. So iſt die italiäniſche Schule expanſiv, kosmopo⸗ litiſch, wie das Mittel dem Zweck, ſo die Wirthſchaftslehre der Politik unterordnend; die ſpaniſche dagegen iſt engherzig, monopolſüchtig, fiscaliſirend; die britiſche ſperrt ſich im Gewerblichen ab, gediegen, poſitiv, rech⸗ neriſch, ſtreng, dürr, mitleidlos, folgerichtig, ſie greiſt ͤſſſſſ“ — vm— nach dem Erwerb als Erwerb, ohne Rückblick auf Quelle deltem, und Opfer, ohne Ausſicht auf Folge und Zweck, aller⸗ für din ringend, wie das Land ſelbſt, zugleich Welteſſe und Welt⸗ Lierarn comptoir; die franzöſiſche iſt gierig nach allſeitiger gzütigſ Entfeſſelung und abebnender Gleichheit, wie die nationale Sode Anſicht vom Staat, und vorherrſchend ſoeial; die teut⸗ kemnigen ſche endlich, in geruhiger Mitte lebend, und die Schärfen chio 8 des Abſoluten in Lehre und Uebung, wo es ſich finde, begabte ſtumpfend, iſt eklektiſch, didaktiſch, ſpeeulativ, politiſch ten vo und adminiſtrativ, ſyſtematiſirend. worden Allle dieſe Schulen ſind aber nur Trümmer einer höhern, Were alle dieſe fractionellen Geſinnungen und Theilſtrebungen endet, h aufnehmenden und lebendig vermittelnden Geſammtheit, So und zu dieſer wirthſchaftlichen Geſammtkirche ſammeln ſich qui ſei in der Gegenwart unter den Auſpicien einer die Entfer⸗ geordnet nungen kürzenden Communication alle Einzelbekenntniſſe, ich nicht wie verſtellte Chöre: die Zukunft bietet uns ſicher eine wenig Ausgleichung wie zwiſchen den Jutereſſen der Nationen, wäͤre, d ſo unter den Lehren. mal da Von dieſem Standpunkt wünſche ich eine ökonomiſche Dog⸗ vollſtär mengeſchichte als eine Ergänzung des Blanqui'ſchen Werkes. geſcheh Aundere Vermehrungen wird der noch in dieſem Jahr Wer erſcheinende II. Band der Bearbeitung enthalten. durh Zuvörderſt wird das XL. Hauptſtück, wo von den Ar⸗ binde ich beiten des früh gewelkten Huskiſſon die Rede iſt, die die Nich Ueberſetzung der gut geſchriebenen Notice sur M. Hus- gegeben kisson et sur sa Réſorme économique nachtragen, allgemein welche Hr. Blanqui in der öffentlichen Jahresſitzung der Auch! fünf Akademien des Inſtituts am 2. Mai dieſes Jahres Terten d als Mitglied der Akademie der moraliſchen und politi⸗ ſeze dien ſchen Wiſſenſchaften vorgetragen, und von welcher er bei der dem am 24— 27. Juni d. J. in Strasburg gehalte⸗ des Hn nen Guttenbergsfeſte, dem er mit Hrn. Dupin, dem Wiſenſe Ouꝛelle , aller⸗ n Welt⸗ allſeinger nationole e teut⸗ Schäͤrfen c finde, politiſch böhern, kbungen mtheit, en ſich Entfer⸗ ntniſſe, er eine tionen, he Dog⸗ Werkes. m Jahr en Ar⸗ , die Hus- ragen, g der ahres voliti⸗ er bei ehalte⸗ dem — IX— Aeltern, als Abgeordneter der Akademie anwohnte, und das für die innige Verſchwiſterung der teutſchen und franzöſiſchen Literatur hoffentlich nicht verloren ſein wird, mir Abdrücke gütigſt mitgetheilt hat. Sodann gibt der II. Band unſerer Bearbeitung einen kernigen Auszug aus des verſtorbenen Grafen G. Pec- chio Storia della Economia pubblica in Italia, da die begabte Abfolge der italiäniſchen Volkswirthſchaftsgelehr⸗ ten von dem Hrn. Blanqui gar zu raſch beſprochen worden iſt: die Analyſe der wenigen volkswirthſchaftlichen Werke, die von der Zeit an erſchienen ſind, wo Pecchio endet, habe ich beigefügt. So ſehr es zu wünſchen geweſen wäre, daß Hr. Blan⸗ qui ſeine volkswirthſchaftliche Bibliographie ſyſtematiſch geordnet hätte, ſo wollte ich dieſes doch nicht thun, weil ich nicht alle dort aufgezeichneten Werke beſaß: eben ſo wenig wollte ich, was mir übrigens ein Leichtes geweſen wäre, die Zahl der angegebenen Werke ergänzen, da ein⸗ mal dabei nicht viel herauskömmt, da ferner dieſe Ver⸗ vollſtändigung aus Steinlein's Volkswirthſchaftslehre geſchehen kann. Wenn ich aber auch die Kritik der angegebenen Werke durch Hrn. Blanqui ungeändert wiedergab, ſo ent⸗ binde ich mich dabei jeder Solidarität, und ich will dadurch die Richtigkeit der Beurtheilung des Verfaſſers nicht zu⸗ gegeben haben, die ich oft gar nicht theile, und oft zu allgemein, leicht und nicht erſchöpfend finde. Auch wird der aufmerkſame Leſer bemerken, daß bei den Texten der alten Claſſiker und ſelbſt altfranzöſiſcher Ge⸗ ſetze die teutſche Bearbeitung genauer iſt, als die Urſchrift. Der Hauptzweck der teutſchen Bearbeitung des Buchs des Hrn. Blanqui und meines Nachtrags iſt aber, die Wiſſenſchaft von der Volkswirthſchaft aus ihrer Abſper⸗ ——— — X— rung herauszulöſen: ſo ſehr ich ihr eine abgegrenzte Stel⸗ lung in der Eneyklopädie der ſocialen Wiſſenſchaften zu ſichern ſuche, und es für verkehrt halte, durch Hereinzieh⸗ ung moraliſcher und politiſcher Lehren in den wirthſchaft⸗ lichen Kreis ihre Grenzen zuſammen zu werfen, ſo darf es doch nicht verkannt werden, daß wirthſchaftliche Gü⸗ ter nur Mittel für Völkerzwecke, der irdiſche Unterhalt für das geiſtige Leben der Menſchheit ſind: es müſſen alſo die ſocialen Schranken gezogen werden, an welche die wirthſchaftlichen Strebungen ſtoßen, und es hat die ökonomiſche Geſittung über ſich noch vier Culturen, die geſundheitliche, die Unterrichts⸗ und Erziehungs⸗, die rechtlich⸗ſtaatliche und die kirchliche, und alle dieſe treiben ihre Wurzeln in den Fruchtboden der Wirthſchaft hinab, welche, wenn ſie nicht in ſich verſtockt werden ſoll, ihre Schachte und durch ſie ihre nährenden Gütervorräthe zur Hand dieſer ewi⸗ gen Zwecke emportreiben, mit andern Worten, in die ſo⸗ ciale, humanitäre Höhe und Weite ausmünden ſoll. In keiner Zeit mehr, als in der unſerigen, wo die Ausſchließlichkeit der Wirthſchaftslehre ſo gewaltig in das Leben der Völker einbricht, Wirre und Umſturz in die ſtaatlichen Entwicklungen hineinwirft, und den feſten Mut⸗ terboden geſchichtlich- organiſcher Zuſtände den Völkern unter der Sohle wegzieht, hat die Wiſſenſchaft eine ernſtere Sendung zu vollbringen, auch hieher ihr ordnendes Maaß zu tragen, und das Edle der Ueberlieferung zu retten, ohne das Neugebotene ſelbſtgenüglich abzuweiſen. Auch auf dem volkswirthſchaftlichen Gebiet hat der impotente Rationalismus ſich verkohlt, und erkennt ſich unmächtig, die wüſten ſich anmeldenden Mächte zu feſſeln, welche die maaßloſe Mitwerbung, dieſe coloſſale Offenbarung der Selbſtſucht, aus chaotiſcher Tiefe entläßt, und welche in ihrer bildungsfeindlichen Ungeſchlachtheit noch verwüſtender wären, geworde gegeber Wie organiſ Ji da Nation Gliede Alle wüſtes Elemel Gleichg Ueberw nicht ve Heilkra weſentl Gebot gegen. weiteſt Verzn die ft nung ſociale zerknirſ Neochri und ver das wel der Völ Allei helfen, Ladung und eu niederr Stel⸗ zu ge⸗ haft⸗ darf Gü⸗ calt üſſen delche at die , die die ihre elche, eund ewi⸗ ie ſo⸗ ſol. wo die in das in die Mun⸗ ölkern nſtere Naaß ttten, Auch tente ttig die d he in ender — xX— wären, wenn nicht die unbezwingliche Natur und die Natur gewordene, zähe, geſchichtliche Sitte noch einiges Maaß und gegebenes Verhältniß erhielten. Wie nun die Staatswiſſenſchaft überhaupt eine freie organiſche Geſtaltung fordert, ſo auch die Wirthſchaftslehre. Iſt doch die Menſchheit ſelbſt und jede aus ihr geborene Nation ein freier, ſittlicher Organismus, der ſich in eine Gliederung von Syſtemen und Organen auswirkt. Allerdings tragen die wirthſchaftlichen Intereſſen, in deren wüſtes Fluthen Mancher bang hinabblickt, in ſich ſelbſt Elemente der Ordnung, eine Neigung zu einem geſetzlichen Gleichgewicht; allein es gibt Kriſen mit einer materiellen Ueberwältigung, wo es die wirthſchaftlichen Intereſſen nicht vermögen, durch den heißen Wechſelkampf mit eigener Heilkraft zur Selbſtmäßigung durchzudringen, wo ſie, weſentlich zum Dienen beſtimmt, von oben Regel und Gebot erwarten. Und einer ſolchen Kriſe gehen wir ent⸗ gegen. Hören wir nicht von den im Gewerblichen am weiteſten vorangeſchrittenen Völkern her Stimmen der Verzweiflung? Sehen wir nicht, wie hier der Pauperismus die freyle Axt an den Grundſtamm geſellſchaftlicher Ord⸗ nung legt, dort fremdartige Secten, wie Bußeträger des ſocialen Wehes, und die bankbrüchige Wiſſenſchaft in zerknirſchter Angſt an die Pforte des Doms eines ſogenannten Neochriſtianismus klopfen, als wenn das alte, ewig junge und verjüngende Chriſtenthum nicht genügte, es, welches das welke Herz des Sünders erquickt, und die dürre Lippe der Völker labt? Allein die Meuterei wird den Hilfebedürftigen nicht helfen, und die Religion wird eben ſo wenig auf euere Ladung ſich neben euern brodelnden Wirthſchaftskeſſel ſetzen, und euch das aufſchäumende Geſötte zum ordentlichen Satze niederrühren. Nur wenn ihr unter euerer eiviliſirten Bar⸗ — 5 ———y—— — xX“u— 5 barei die den gewerblichen Intereſſen einwohnenden Ele⸗ mente autonomiſcher Ordnung wieder befruchtet, wenn ihr vom Grundſtock des Utilitarismus aufwärts jede niedere Cultur durch die ſie überlagernde höhere werdet ordnen und beſtimmen, überhaupt die materiellen Intereſſen ſtufenweiſe durch die geiſtigen Kräfte beherrſchen laſſen, und Erziehung, Schule und Staat, die ihr lange her verheidniſcht habt, wieder im chriſtlichen Geiſte geſtalten, und angeerbte Sitte und geſchichtliche Geſinnung wieder zur Ordnung der Dinge berufen werdet, nur dann wird die Kirche, welche Alles an ihrem Grunde feſthält und ſeinem Zwecke zuführt, die Zwiſchenlagen bis zum Gewerblichen herab durchſetzen, dem Menſchen, deſſen Begierlichkeit euere falſche Wirth⸗ ſchaftslehre durch eine Superfötation der Bedürfniſſe auf⸗ geſtachelt hat, neben dem Begehr des Erlaubten die Mä⸗ ßigkeit in die Bruſt fügen, ihre providentielle Reconſtruction des geſellſchaftlichen Lebens, wie den Oelzweig des Frie⸗ dens, in den tobenden Kampf hineinſtrecken, und auf der durch die Induſtrie bereicherten Erde Alles verjüngen. Freiburg, im Juli 1840. Buß. Vorre Einleit Haup glaul gehal bietet ſicati hat. Haup cher Ele⸗ m ihr wedere nen ud enweiſe ehung, thyibt, te Eitte ung der „ welche zuführt, iſezen, Wirth⸗ iſe auf⸗ ie Mi⸗ truction 8 Frie⸗ auf der ngen. Inhaltsverzeichniß. — Vorrede des Bearbeiters Einleitung des Verfaſſers. 4. Hauptſtück I. Die politiſche Oekonome iſt älter, als man glaubt.— Die Griechen und die Römer haben die ihrige gehabt.— Aehnlichkeit, welche ſie mit der unſerer Zeit dar⸗ bietet.— Unterſchiede, welche ſie trennen.— Allmälige Modi⸗ ſicationen, welche dieſe Wiſſenſchaft in ihrem Gange erfahren hat.— Allgemeine Anſicht des Gegenſtandes.—.. Hauptſtück II. Von der politiſchen Oekonomie bei den Grie⸗ chen.— Ihre Anſichten über die Sklaverei.— Verwaltung ihrer Finanzen.— Sie leben von der Arbeit der Sklaven und den Tributen der Bundesgenoſſen.— Was war der Geσνα— Von den Kyosxiaz oder den eroberten Ländern.— Jeder Bürger betrachtete ſich als einen Staatsrentner.— Was war der Lebensbedarf einer Familie?— Von den Staatsgütern.— Von dem Bergbau.— Von der Münze.— Der Tempel zu Delphi iſt eine wahre Umſchreibebank.— Welches war der Zins⸗ fuß in Griechenland?— Bedeutung der Finanzen.— Gewohn⸗ heiten der Athener...... Hauptſtück 111. Von den in Griechenland verſuchten oder vorgeſchlagenen ökonomiſchen Syſtemen.— Von der Geſetz⸗ gebung des Lykurgos.— Der Staat Platon's.— Die ökono⸗ miſchen Schriften Xenophon's.— Die Politik des Ariſtoteles. Hauptſtück IV. Von den griechiſchen Colonien und von ihren Verhältniſſen zu dem Mutterſtaate.— Sie haben beigetragen, in einem großen Theile Europa's die Ideen zu verbreiten, deren Heerd zu Athen und Sparta war.— Sie ſind, wie die unſerigen, durch Auswanderungen gegründet worden, haben aber einer größern Unabhängigkeit genoſſen. Seite 16 R 41 Hauptſtück v. Von der politiſchen Oekonomie bei den Römern in den verſchiedenen Zeitaltern.— Sie ſind weſentlich Krieger und Räuber unter der Republik.— Ingenieure und Ver⸗ walter unter dem Kaiſerreiche.— Ihre Verachtung der Ar⸗ beit.— Ungeheure Verwüſtungen, die ſie verüben.— Unter⸗ gang Karthago's.— Erſte Verſuche der d unienion unter den Kaiſern.. 4. 4. Hauptſtück VI. Von der politiſchen Oetononſe der Römer ſeit dem Beginne des Kaiſerreiches.— Mißbräuche der Erobe⸗ rungen.— Verachtung des Handels.— Lage der arbeitenden Klaſſen.— Freche Ariſtokratie.— Verhungernder Pöbel.— Man ergibt ſich aus Noth der Eheloſigkeit.— Oeffentliche und private Selbſtſucht.— Mangel an Manufakturen.— Die Nützlichkeit geopfert der Größe.. Hauptſtück VII. Von der Wichtigkeit der Sommunicationsmittel bei den Römern.— Dienſte, welche ihre großen Straßen der Geſittung und dem Handel hätten leiſten können.— Skizze der wichtigſten Geſetze Rom's über die politiſche Oekonomie.— Allgemeine Ueberſicht ihres Handels... Hauptſtück VIII. Raſcher Verfall des Reiches.— Deſſen Haupturſachen.— Erſte Erſcheinung des Chriſtenthums.— Einfluß der aſiatiſchen Sitten in Konſtantinopel.— Wechſel in den bürgerlichen, religiöſen, induſtriellen, commerciellen Ideen... 3——... Hauptſtück IX. Aenderungen, welche in der ſocialen Oekonomie Europa's durch den Einfluß des Chriſtenthums eingetreten ſend.— Deſſen kräftige und weiſe Organiſation.— Die Klö⸗ ſter gründen das gemeinſchaftliche Leben.— Das religiöſe Princip gibt den Krankenhäuſern, den Aſylen die Entſtehung.— Der Prieſter ſteht gegenwärtig unſer ſeiner Aufgabe.— Anſähi über dieſen Gegenſtand..... 3 Hauptſtück X. Von den ökonomiſchen polgen der Wölker⸗ wanderung und von der Zerſtückelung des römiſchen Reichs.— Einführung neuer Elemente in die ſociale Organiſation Hauptſtück. XI. Letztes Aufleuchten der Geſittung in Konſtan⸗ tinopel unter Juſtinian.— Dieſer Kaiſer faßt die geſammte Geſetzgebung der Römer zuſammen.— Deſſen Conſtitut ionen⸗ codex.— Die Digeſten.— Die Inſtitutionen.— Die Gefetze Juſtinian's ſind die Archive der Vergangenheit; die Capitularien Karl's des Großen das Programm der Zukunft. Seite 71 83 101 112 126 —— met n⸗ enden el.- und 8 M4 . II XV— Haupiſtüd XII. Politiſche Oekonomie Karl's des Großen.— Anglyſe des ökonomiſchen Theiles ſeiner Capitularien.— Merkwürdige Einzelnheiten in deſſen Capitulare de Villis.— Sociale Folgen der Regierung dieſes großen Mannes. Hauptſtück XIII. Von der Errichtung des Feudalſyſtems und H § 9 O 9 —r § — 5 deſſen wirthſchaftlichen. Folgen.— Die Monarchie Karl's des Großen wird durch den Einfluß der Erblichkeit der Lehen zer⸗ ſtückelt.— Allgemeines Einreißen der Leibeigenſchaft auptſtück XIV. Von den Kreuzzügen und ihrem Einfluſſe auf den Gang der Staatswirthſchaft in Europa.— Decimae saladinae.— Revolution in den Gewohnheiten.— Fortſchritte der Schifffahrt, der Induſtrie und des Handels 4 auptſtück XV. Betrachtungen über die Lage und den Einfluß der Juden im Mittelalter.— Natur der Dienſte, welche ſie der politiſchen Oekonomie geleiſtet haben.— Sind ſie die erſten Gründer des Credits?— Urſprung des Wechſels und der Leihhäuſer.—.. 3. 3.. auptſtück XVI. Von den Hanſeſtädten.— Grund ihrer Verbündung.— Sonderbare Organiſation ihrer Comptoire.— Wichtigkeit des Stapelplatzes Brügge.— Urſprung des Com⸗ miſſionshandels.... 4... auptſtück XVII. Von der Befreiung der Gemeinden und von ihrem Einfluſſe auf den Gang des wirthſchaftlichen und geſellſchaftlichen Fortſchrittes...... auptſtück XVIII. Von der ökonomiſchen Geſetzgebung der erſten franzöſiſchen Könige des dritten Stammes.— Ordon⸗ nanzen über die Juden.— Ueber die Münzen.— Gegen die Ausfuhr des Geldes.— Ueber den Getreidehandel.— Auf⸗ wandgeſetze.— Amtlicher Urſprung unſerer Handelsvorurtheile auptſtück XIX. Organiſation der Gewerbsinnungen unter der Regierung Ludwig's des Heiligen.— Von dem Livre des Métiers von Stephan Boyleau.— Allgemeine Ueberſicht des Syſtems der Innungen.— Deſſen frühere Vortheile und deſſen Nachtheile in der Neuzeit....... auptſtück XX. Von dem Schwunge, welcher der politiſchen Oekonomie durch die italiäniſchen Republiken des Mittelalters gegeben worden iſt.— Wachſender Einfluß der Arbeit.— Zunahme des beweglichen Vermögens.— Aenderungen, die in dem europäiſchen geſellſchaftlichen Zuſtande daraus hervor⸗ gehen.— Gründung des Credits.— Bank von Venedig.— Urſprung des Sperrſyſtems der neuern Zeit... Seite 13²2 144 152 183 192 206 225 R Hauptſtuͤck XXI. Von der durch Karl V. in dem Gange der Staatswirthſchaft bewirkten Umwälzung.— Der Geiſt der Eroberung trat an die Stelle des Handelsgeiſtes.— Amtliche Einführung des Sperrſyſtems.— Negerhandel.— Finanz⸗ erpreſſungen.— Klöſter und Pauperismus— Widerſtand des Proteſtantismus....... Hauptſtück XXII. Von der proteſtantiſchen Reformation und ihrem Einfluſſe auf den Gang der Staatswirthſchaft.— Säcu⸗ lariſation der Klöſter.— Verkauf der Kirchengüter.— Großer Belang derſelben in England in dieſem Zeitraume.— Armen⸗ geſetze.— Vermehrung der Werktage Hauptſtück XXIII. Von den Folgen der Entdeckung der neuen Welt und des Colonialſyſtems der Europäer in beiden Indien Hauptſtück XXIV. Von den verſchiedenen Münzſyſtemen, welche in Europa von dem Alterthume an bis zur Entdeckung der Bergwerke der neuen Welt geherrſcht haben.— Wirthſchaftliche Folgen der Entdeckung dieſer Bergwerke.— Allgemeine Ueber⸗ ſicht der Werke, welche über das Münzweſen erſchienen ſind Hauptſtück XXV. Von einigen verderblichen Folgen der Ent⸗ deckung der amerikaniſchen Bergwerke.— Von den erſten Erſchei⸗ nungen der Armen in England.— Sully's Miniſterium.— Deſſen Finanzreformen.— Deſſen irrige Anſichten über In⸗ duſtrie und Handel.— Er iſt der eifrigſte Verbreiter des Mer⸗ cantilſyſtems.— Sein Hang zu Aufwandsgeſetzen.— Deſſen heftige Angriffe gegen die FnarEnis riuch— Endergebniſſe ſeiner Verwaltung.... Hauptſtück XXVI. Von dem Miniſerum Colbert's und ſeinen wirthſchaftlichen Folgen.— Edict und Tarif von 1664.— Deſſen eigentlicher Zweck.— Edict von 1667.— Ermunterungen zur Ehe.— Schöne Inſtructionen an die Geſandten.— Eigentliche Lehren Colbert's.— Mit Unrecht betrachtet man lön als den Gründer des Sperrſpſtems... 246 258 270 283 305 322 E welchen Vo⸗ und der berufen. bald, de ziehunge ſie nicht Augenb die Ur Maaße gelten blieb nicht dem: und ſie welche der unt So ließ ohne A von Q nie vor matiſche Staats thümer Ich ſchichtſ das St Baan 305 322 Einleitung. Es iſt vielleicht nicht unnütz, hier den Grund anzugeben, welcher mich beſtimmt hat, dieſes Werk zu unternehmen. Vor ungefähr zwölf Jahren auf den Lehrſtuhl der Geſchichte und der politiſchen Oekonomie an der Specialſchule des Handels berufen, welche ich noch gegenwärtig leite, gewahrte ich als⸗ bald, daß zwiſchen dieſen beiden Wiſſenſchaften ſo innige Be⸗ ziehungen beſtanden, daß man keine ohne die andere erforſchen, ſie nicht beſonders ergründen konnte. Sie unterſtützen ſich jeden Augenblick: die erſtere liefert die Thatſachen, die zweite erklärt die Urſachen derſelben, und entwickelt ihre Folgen. In dem Maaße, wie ich in der Darſtellung der Lehren fortſchritt, man⸗ gelten mir die Beiſpiele, und die Erforſchung der Ereigniſſe blieb ihrerſeits unvollſtändig, ſo lange die politiſche Oekonomie nicht begann, ſie aufzuklären. Nach und nach begegnete ich, in⸗ dem ich die Arbeiten meiner beiden Lehrcurſe einander annäherte, und ſie durch einander verſtärkte, einer Menge von Vorurtheilen, welche für anerkannte Wahrheiten galten, ſogar in den Augen der unterrichtetſten und am weiteſten vorangeſchrittenen Männer. So ließen die Verfaſſer aller Syſteme der politiſchen Oekonomie ohne Ausnahme die Wiſſenſchaft nicht über die erſten Verſuche von Quesnay und Turgot zurückgehen, gerade als wenn nie vor den Werken eice beruͤhmten Männer irgend eine ſyſte⸗ matiſche Schrift die Aufmerkſamkeit der Gelehrten und der Staatsmänner auf die Erſcheinungen der Erzeugung der Reich⸗ thümer bezogen hätte. Ich bemühte mich von der Zeit an, mit Sorgfalt in den Ge⸗ ſchichtſchreibern aller Zeitalter die anziehendſten Thatſachen für das Studium der ökonomiſchen und ſocialen Fragen aufzuſuchen. Blanqui, Geſchichte d. polit. Oekonomie. 1. Ad. 1 — 2— Ich hatte bald Arme zu Rom und zu Athen gefunden, wie es deren zu Paris und London gibt; und ich muß geſtehen, daß die Privilegien, die Auflagen, die fiscaliſchen Bedrückungen bei den Alten nicht ſeltener waren, als in unſeren Tagen. Damals wie jetzt war der geringſte Lichtblick des Friedens und der Freiheit von einer Fülle des Reichthums und des Wohlſtands begleitet; die nämlichen Urſachen endlich erzeugten die nämlichen Wirkun⸗ gen, trotz des Unterſchieds der Sitten und der Inſtitutionen. Die Noth der Völker macht ſich immer kennbar durch die Un⸗ gleichheit der Laſten, durch die fehlerhafte Vertheilung der Ge⸗ winnſte der Arbeit und durch die Vorherrſchaft einiger Kaſten, welche ſcharfſichtig genug ſind, die Mißbräuche unter den Schutz des Geſetzes zu ſtellen. Aber die Welt iſt nicht immer gleichgiltig geblieben bei dieſen ſocialen Drangſalen, und mehr als ein Mal ſind hochherzige Proteſtationen im Lauf der Jahrhunderte zu Gunſten der ver⸗ kannten Rechte der Menſchheit hervorgetreten. Einige edle Herrſcher ſind dieſen Bemühungen beigetreten, die bald mit Be⸗ harrlichkeit fortgeführt, bald durch das Unglück der Zeiten unter⸗ brochen wurden. Es hat folglich eine politiſche Oekonomie bei den Alten, wie bei den Neuern gegeben, keine ſyſtematiſche und formulirte politiſche Oekonomie, wohl aber, wie ſie aus den Staatshandlungen hervortritt und geübt ward, ehe ſie nieder⸗ geſchrieben wurde. Das war übrigens der Gang aller Wiſſen⸗ ſchaften vom Beginn der Staatsgeſellſchaften an. Die zuerſt Erſchienenen entwerfen, handeln, führen aus; die zuletzt Ein⸗ getretenen raiſonniren, ergänzen und beſſern das Werk ihrer Vorgänger. Um die Arbeiten der Staatswirthſchaftsgelehrten der neueren Zeit richtig zu würdigen, mußte man daher die Haupterſcheinungen der ſocialen Bewegung kennen lernen, welche von dem Alterthum die Revolutionen hindurch fortgeht, und welche in ihrem Gang eben ſo viele glorreiche Aufſchwünge als dramatiſche Entwickelungen darſtellt. Dieſe Bewegung habe ich in dem Werk darzuſtellen geſucht, welches ich der Leſewelt vorlege. Die großen Staaten des Alter⸗ thums und die des Mittelalters ſind nicht ohne Gründe gefallen; ſo die daß i knupf ſind. dieſen zu ver ander gleich Men heili der a Selbſe blicke digte hoben zum Da⸗ ſelten tiſche raini eigen herg zum dieſe werde kroſto⸗ hen zw Millio das L. blickte! in die ſich d nichte aus Staat ſoeial fm, i er AMttdenen. rduc de h⸗ käluny der Ge iniyer Hyſn, r den Scug en bedeſen dacherjge en der her⸗ bunge dle dad ni Ve⸗ ien ui⸗ Darnonie d furnaüc ud ii ſt ui m ah ſe nunn- alk Vſ „D'e yxrf eultzt Ei⸗ Wat ibre afeelete at dhtrd lane vich forge um iſchin d — 3— ſo viele Reichthümer wurden weder geſchaffen noch zerſtört, ohne daß ihre Schöpfung und ihre Vernichtung ſich an Urſachen knüpfen, welche der Analyſe fähig und des Nachdenkens würdig ſind. Es iſt ſogar unmöglich, den Finger der Vorſehung in dieſen aufeinander folgenden Umbildungen des ſocialen Princips zu verkennen, welches ſich bald in eine Inſtitution, bald in eine andere flüchtet, ohne Unterſchied weder der Zeit noch des Orts, gleichſam um ſich unabläſſig zur Verfügung und zum Dienſte der Menſchheit zu ſtellen. Hier iſt es ein großer Mann, welcher das heilige Feuer bewahrt; dort iſt es ein Sclave, welcher es wie⸗ der anzuzünden ſtrebt: Sokrates zu Athen, Spartacus in Rom. Selbſt aus dem Schooße der Barbarei brechen die erſten Licht⸗ blicke der Arbeit und der Ordnung hervor: Karl der Große bän⸗ digte die Woge, welche ihn gehoben hatte; die Hanſeſtädte er⸗ hoben ſich aus der Tiefe der Moräſte, welche der Seeräuberei zum Schlupfwinkel dienten. Das Feudalſyſtem, ſo verderblich für die an die Scholle gefeſ⸗ ſelten Arbeiter, iſt ganz voll von koſtbaren Lehren für die poli⸗ tiſche Oekonomie. Es war die äußerſte Theilung der Souve⸗ rainität, wie wir die Zeugen der äußerſten Theilung des Grund⸗ eigenthums ſind. Das römiſche Reich, ein Augenblick wieder hergeſtellt durch Karl den Großen, hatte die Centraliſation bis zum höchſten Grade getrieben geſehen; die Feudalität wird uns dieſe große politiſche Macht in Atome aufgelöſt zeigen. Hier werden wir gigantiſchen Syntheſen zuſehen; anderswo faſt mi⸗ kroſkopiſchen Analyſen. Welcher Unterſchied mußte nicht beſte⸗ hen zwiſchen der politiſchen Oekonomie eines Herrſchers von 40 Millionen Unterthanen und der eines Raubritters, welcher über das Land von ſeinem Schloßthurm herab wie ein Raubvogel blickte! Aber trotz dieſes Schloßthurms beginnen die Bürger ſich in die Städte zu kauern, ſich in Innungen zu gliedern, und ſich durch die Zahl achtbar zu machen. Man nimmt ihnen nicht mehr ihr Geld, ſondern man entlehnt es von ihnen, und aus dieſer ſcheinbar unbedeutenden Thatſache tritt für den Staatswirthſchaftsgelehrten die Erklärung einer ganz neuen ſocialen Ordnung hervor. 1. — 4— Ich habe dieſe großen Ereigniſſe Schritt fuͤr Schritt ver⸗ folgt, und es hat mir geſchienen, daß die politiſche Oeko⸗ nomie der Alten keine andern Anſprüche hatte, als die der Neuern. In allen Revolutionen ſtanden ſich ſtets nur zwei Parteien gegenüber: die der Leute, welche von ihrer eigenen Arbeit, und die der Leute, welche von fremder Arbeit leben wollen. Man beſtreitet ſich die Gewalt und die Ehren nur, um ſich in jener Region der Seligkeit zu betten, wo die be⸗ ſiegte Partei die Sieger nie ruhig ſchlafen läßt. Patri⸗ cier und Plebejer, Sklaven und Freigelaſſene, Welfen und Ghibellinen, rothe und weiße Roſen, Ritter und Rundköpfe, Liberale und Servile ſind nur Varietäten der nämlichen Art. Es iſt immer die Frage des Wohlſeyns, welche ſie trennt, wobei Jeder, wenn ich einen ge⸗ meinen Ausdruck brauchen darf, die Decke an ſich reißen will, auf die Gefahr hin, ſeinen Nachbar bloß zu legen. So entreißt man in einem Lande durch die Auflage dem Arbeiter unter dem Vorwande des Staatswohls die Frucht ſeines Schweißes; in einem andern durch die Privilegien, indem man die Arbeit als einen Gegenſtand königlicher Vergabung erklärt, und das Recht ſich ihr zu widmen, ſich theuer bezahlen läßt. Der nämliche Mißbrauch erſcheint wieder unter Formen, die indirecter aber nicht weniger drückend ſind, wenn vermittelſt der Mauthen der Staat mit den privilegirten Gewerbszweigen die Erträgniſſe der Steuern theilt, welche auf allen jenen ruhen, die es nicht ſind. Betrachtet die Römer in ihren eroberten Ländern und die Spanier in ihren amerikaniſchen Colonien; nach einer Zwiſchen⸗ zeit von mehr als tauſend Jahren findet ihr die nämliche Ver⸗ achtung des menſchlichen Lebens, die nämlichen verabſcheuungs⸗ würdigen Paradoxen über die Nothwendigkeit für die Einen, von den Andern ſich ausbeuten zu laſſen. Dies iſt noch etwas Be⸗ trübenderes, als das, was unter den Thieren vorgeht, deren gefräßige Arten von den aufgefreſſenen Arten leben, ohne we⸗ nigſtens ihre Gefräßigkeit zu einem Syſtem zu erheben und weil ſie einmal nicht anders können. Alle dieſe ſchauder⸗ haften ſocialen Ungerechtigkeiten haben ſich durch Zeitalter hind! gemi aber halt die ſicch chen wür der wei wer die nige Vieh G ſamer polit eines reich Mer laſt gal gewt bak, mit des S. Dieſe und d welche geren J vonj den! fluſe t ver⸗ Oeko⸗ die der r zwei eigenen leben mnur, die be⸗ atri⸗ ſene, oſen, find des ge⸗ will, eißt dem in beit das nliche aber r der der nd. die hen⸗ Ver⸗ gs⸗ nen, Be⸗ deren e we⸗ und auder⸗ ttalter z hindurch fortgepflanzt, unter verſchiedenen Formen, bisweilen gemildert durch den Fortſchritt der menſchlichen Vernünft, aber immer lebenskräftig im Grund und überall aufrecht er⸗ halten bald mit Frechheit, bald mit Gleisnerei. Hier iſt es die Geiſtlichkeit, welche ſich aller Güter bemächtigt, und welche ſich herabläßt, der geplünderten Menſchheit ein Almoſen zu rei⸗ chen, indem ſie Jeden mit dem Bann bedroht, welcher es wagen würde, die Ruhe des Gotteshauſes zu ſtören. Ferner gehört der Zehnten den Grundherren, weil ſie Grundherren ſind, und weil es keine Grundherren ohne Zehnten gibt. Die Bauern werden noch jetzt in Rußland wie Ackergeräthe verkauft, und die engliſche Ariſtokratie verſchachert an die armen Iren ei⸗ nige Halme Stroh und einige Erdäpfel, welche ſie mit dem Vieh theilen. Es iſt ſonach nicht ſo weit, als man glaubt, von der grau⸗ ſamen, unerſättlichen, unerbittlichen griechiſchen und römiſchen politiſchen Oekonomie bis zu der Staatshaushaltung mehr als eines Landes in Europa. In unſerem ſchönen Frankreich, ſo reich an Rebengelände und Saatfeld, eſſen mehre Millionen Menſchen kein Brod und trinken nur Waſſer. Das Salz ſchwillt unter ihren Füßen, aber die Auflage laſtet auf ihren Häuptern, und der Salzzöllner, der verhaßte gabelleur des Mittelalters, hat nur den Namen und die Kleidung gewechſelt. Wenn man eine neue Pflanze entdeckt, z. B. den Ta⸗ bak, ſo wird das Geſetz ihren Anbau verbieten. Hier iſt der Fall, mit Rouſſeau auszurufen: alles iſt gut, wenn es aus den Händen des Schöpfers tritt; alles entartet unter den Händen des Menſchen. Dieſe armen Mädchen von Lyon, deren Feeenfinger den Atlas und die Popeline weben, haben keine Hemde; die Canuts, welche mit ihren prachtvollen Tapeten unſere Paläſte und Tempel zieren, haben oft keine Holzſchuhe. Nein, das iſt noch nicht das letzte Wort der Vorſehung; denn von jenen, welche ehemals keuchend an die Scholle gefeſſelt wor⸗ den wären, leben gegenwärtig mehre im Schooße des Ueber⸗ fluſſes, und dieſe Zahl wächſt täglich. Es gibt kein wichtiges — 6— Ereigniß der Geſchichte, welches nicht zu dieſem großen Ergeb⸗ niſſe mitwirkt. Nach den Kreuzzügen beginnt ſich das Landeigenthum zu thei⸗ len; der Seehandel eröffnet neue Quellen des Gewinns; die Induſtrie emancipirt Tauſende von Vaſſallen. Höret die Klagen der Völker: was fordern ſie, wenn ſie die Stimme erheben? Herabſetzungen der Steuern. Was wollten dieſe verſtorten Bauern der Jacquerie, müde ſich durch den Hunger, den Ausſatz und die Verzweiflung decimirt zu ſehen? Eine gerechtere Vertheilung der Erträgniſſe der Arbeit. Sie waren noch beſchei⸗ dener, ſie verlangten von Leuten, welche nicht arbeiteten, ſie we⸗ nigſtens von dem geringſten Theil der Früchte ihres Schweiſes leben zu laſſen. Die Erſten, welche dieſe Kühnheit hatten, ſtarben auf der Folter, gerade wie es zu Rom gegangen wäre, wenn irgend ein Sclave es gewagt hätte, das geringſte Recht von ſei⸗ nem Herrn zu fordern, So erſcheinen dem Staatswirthſchaftsgelehrten ſämmtliche Kämpfe, deren blutige Einzelnheiten die Blätter der Geſchichte erfüllen. Es wäre ein großer Irrthum, anzunehmen, daß der wahrhaft religiöſe Gedanke des allgemeinen Wohls unbemerkt durch dieſe zwei Jahrtauſende voll Kriege und Anſtrengungen hindurch ge⸗ ſchritten ſein ſollte, welche ausgehalten wurden, um ihn zum Siege zu bringen. Man wird im Verlauf dieſes Werkes bemerken, daß mehr als ein Mal die Wolke, welche ihn den Blicken der Völker entzog, ſich für die auserwählten Regierungen zertheilt hatte, welche mit den Schickſalen der Geſittung betraut waren. Die meiſten mußten auf eine empiriſche Weiſe handeln, und ohne ihre Entwürfe zu verkünden, aus Furcht, ſie ſcheitern zu ſehen; andere haben, ohne daran zu zweifeln, dem Geſetz des Fort⸗ ſchritts gehorcht, welches ſie wider ihren Willen nach ſich zog: nie aber hat es völlig an muthigen Menſchen gemangelt, um dieſes große Werk zu beſchleunigen, und ich war mehr als ein Mal erſtaunt, wenn ich die Geſchichte durchging, über die Kühnheit und Beſtimmtheit ihrer Entwürfe. Die Capitularien Karls des Großen, die Inſtitutionen des heiligen ſchen) ſtimmu zum theilen Abſich lunger meten hatte licher bekar die derun Außer keine vergle ſie wi in jer Regie / Gru zu ſich das unſer aufſte niens ben; der- Theor Marxit Välte Arbe 2) rgeb⸗ uihei⸗ 8; die dlagen ebeu? rten den echiere jeſchei⸗ ie we⸗ eiſes rben venn ſei⸗ iche chte haft dieſe j ge⸗ zum rken, lter ztte, Die hne ſen; ort⸗ zog: un z ein r die n des heiligen Ludwig, die Maximen der Handelsregierung der italiä⸗ ſchen Republiken ſind ganz voll von klaren und ſcharfen Be⸗ ſtimmungen, welche die Entwickelung des öffentlichen Reichthums zum Zweck hatten, allerdings nach den Einſichten und Vorur⸗ theilen der Zeit, aber in den hochherzigſten und erhabenſten Abſichten. Im Schooße der Privat⸗ und öffentlichen Verſamm⸗ lungen, welche ihre Erörterungen den Angelegenheiten wid⸗ meten, wurden oft merkwürdige Anſichten ausgeſprochen; ich hatte Anlaß, ſehr denkwürdige Bruchſtücke dieſer wiſſenſchaft⸗ lichen Meinungen anzuführen. Wenn dieſe Schöpfungen nicht bekannter ſind, ſo kömmt dieſes daher, daß bis auf unſere Tage die Leſer die Erzäͤhlung der Thatſachen der ſtrengen Zerglie⸗ derung der Urſachen vorzogen, welche ſie herbeigeführt haben. Außerdem ſcheinen dieſe Schriften, für ſich beſonders unterſucht, keine große Wichtigkeit zu bieten; bloß wenn man ſie unter ſich vergleicht und ſie in einer methodiſchen Ordnung erforſcht, ſtellen ſie wirklich die Verkettung der ökonomiſchen Lehren dar, welche in jeder denkwürdigen Epoche als Verhaltungsregel von den Regierungen angenommen worden ſind. Manchmal erſcheint, wenn nach langen Kämpfen die beiden Grundſätze der Ausbeutung und der Freiheit dem Punkt nahe zu ſeyn ſcheinen, wo ſie einander erliegen ſollten, und ſie ſich ſo zu ſagen eine letzte Herausforderung zugehen laſſen, das ſociale Problem in ſeiner ganzen Einfachheit, ſo wie es unſere Väter in der berühmten Nacht des 4. Auguſts 1789 aufſtellten: ſo, wie es ſchon Karl V. die Communen Spa⸗ niens, von Padilla zum Aufruhr gebracht*), vorgelegt ha⸗ ben; ſo endlich, wie es ſich vor den Gemeinen Englands ſeit der Reform von 1832 zu formuliren ſtrebt. Sämmtliche Theorien der politiſchen Oekonomie laſſen ſich dann auf kurze Maximen zurückführen, welche ſie klar in den Augen der Völker zuſammenfaſſen: Freiheit, zu arbeiten, Freiheit, ſeine Arbeit zu nützen. Die proteſtantiſche Reformation ,der Auf⸗ *) Man ſehe das Hauptſtück XXI. dieſer Geſchichte. — 8— ſtand der Niederlande gegen Philipp II., die Emancipation der nord⸗ und ſüdamerikaniſchen Colonien, die bürgerlichen und auswärtigen Kriege ſind nur Symptome dieſer unhemmbaren Be⸗ wegung, welche die Menſchheit vorantreibt. Ich hielt es für beſſer, mit Genauigkeit die ökonomiſchen Haupterſcheinungen der⸗ ſelben hervorzuheben, als die geſammte europäiſche Geſchichte zu vernachläſſigen, und faſt erſt mit unſerem Jahrhundert eine Wiſſenſchaft zu beginnen, welche eben ſo alt iſt, als die Staaten. Dieſer Gang wäre mir ſchon durch das bloſe Gefühl der Ge⸗ rechtigkeit vorgezeichnet geweſen, wenn die Natur meines Gegen⸗ ſtandes mir auch denſelben nicht zur Pflicht gemacht hätte. Es iſt ein Irrthum, zu glauben, daß ſelbſt dann, wenn man auch die von den Regierungen verſuchten Syſteme gar nicht beachtet, die politiſche Oekonomie erſt aus der zweiten Hälfte des 18ten Jahr⸗ hunderts ſtamme. Mehr als zwei Jahrhunderte früher hatte Italien ſehr merkwürdige Abhandlungen über eine Menge von einzelnen Gegenſtänden, die davon abhängen, erſcheinen geſehen. Die Republiken Venedig, Genua, Florenz wußten gar zu gut, wie man die Reichthümer vermehre, um nicht hinterlaſſen zu haben Beiſpiele, gut zu befolgen und Bücher, gut zu berathen. Mehre Rechenſchaftsberichte ihrer Dogen und Podeſta's könnten ſich mit den vollſtändigſten Botſchaften der amerikaniſchen Präſi⸗ denten meſſen. Ich habe eine Rede des Dogen Mocenigo ange⸗ führt(Haupſt. XX.), voll der geiſtreichſten ökonomiſchen Mari⸗ men, und ein Budget von Florenz, klarer und mehr in's Einzelne gearbeitet in ſeiner Kürze, als es die unſerigen in ihren unent⸗ zifferbaren Columnen ſind. Und das Syſtem Law's, welches unſere Schriftſteller in die heroiſchen Zeiten der politiſchen Oekonomie zu werfen ſtreben, was war es denn anders, als die noch unſichere und zweifelhafte Morgenröthe des öffentlichen und Privateredits, ſo wie er ſich in unſern Tagen entwickelt? Wasl die ſchönen F Finanz⸗ reformen Sully's, die kühnen Verſuche Colbert's, die berüch⸗ tigte Navigationsacte der Engländer ſollten unbemerkt mit der Umwälzung dahin gehen, welche durch die Kreuzzüge bewirkt worden war, mit den weitgehenden Operationen der Juden, mit der Welt W des öf Ander vielle Eintri eine l wirth lichk litiſch als b ih, ſo videnti füllung nicht n und ich ſchichte oberun dem T chen w ſchen ſchaft üher endlich fühle ic Anderes es mir v durch Na Der Alterthun fühlte ich ſtand in hatte. unermeßf ausgezog — 9— neipation mit der Münzumwälzung, welche auf die Entdeckung der neuen chen und Welt folgte! aren Be⸗ Wenn die Erforſchung der Urſachen, welche den Fortſchritt ſt es für des öffentlichen Reichthums gelähmt oder entwickelt haben, nichts gen der⸗ Anderes, als eine bloße Sache der Arithmetik wäre, ſo wäre es eſchichte vielleicht nicht unerläßlich, ſo weit zurückzuſteigen; ich würde den ert eine Eintritt des Chriſtianismus für Nichts angeſehen, und mich auf taaten. eine bloße Darſtellung der ſchönen Abhandlungen der Staats⸗ wirthſchaftsgelehrten über den Werth und über die Nütz⸗ der Ge⸗ lichkeit beſchränkt haben. Aber gerade, weil ich in der po⸗ Gegen⸗ litiſchen Oekonomie vielmehr eine wahrhaft ſociale Wiſſenſchaft, Es iſt als bloß eine Theorie der Finanzen zu ſehen glaubte, wollte ch die ich, ſo weil der Blick des Menſchen dringen kann, den pro⸗ , die 4 videntiellen Faden nachweiſen, welcher die Völker in der Er⸗ Jahr⸗ füllung ihrer Geſchicke leitet. Ich glaube feſt, daß es einſt hatte nicht mehr Parias an dem Feſtmahl des Lebens geben werde, von und ich ſchöpfe dieſe Hoffnung aus der Erforſchung der Ge⸗ eben. ſchichte, welche uns die Generationen von Eroberung zu Er⸗ gut, oberung auf der Bahn der Geſittung fortſchreitend zeigt. Nach en zu dem Weg, welchen man zurückgelegt hat, ermeſſe ich jenen, wel⸗ athen. chen man noch machen muß, und wenn ich die Arbeit den römi⸗ önnten ſchen Sclavenkerkern entronnen, ſich in die feudale Leibeigen⸗ Präſt⸗ ſchaft flüchten, dann ſich in Körperſchaften gliedern, und ſich ange⸗ über Meere auf den Flügeln des Handels ſchwingen ſehe, um Yari⸗ endlich im Schatten der politiſchen Freiheiten auszuruhen, ſo zelne fühle ich, daß es in der ökonomiſchen Wiſſenſchaft noch etwas rent⸗ Anderes als Fragen über Worte gibt, und ich hoffe, man werde nſere es mir verzeihen, in großen Zügen die Geſchichte ihres Ganges e zu durch Nationen und Zeitalter gezeichnet zu haben. here Der erſte Band enthält dieſe Darſtellung von den Tagen des 8,ſo Alterthums bis zum Miniſterium Colbert's. Mehr als ein Mal nanx fühlte ich bei ſeiner Ausarbeitung den Schmerz, meinen Gegen⸗ rrüch⸗ ſtand in die Schranken gebannt zu haben, welche ich mir gezogen it der hatte. Die Stoffe, welche ich unter der Hand hatte, waren ewittt unermeßlich, größtentheils noch nicht herausgegeben, obwohl 3 ausgezogen aus ſehr bekannten Werken. Ihre bloße Zuſammen⸗ Juden, — 10— ſtellung würde eine äuſſerſt merkwürdige ökonomiſche Mono⸗ graphie bilden, und mehr als ein gebildeter Leſer würde höchlich erſtaunt ſeyn, in dieſen viel zu lange vernachläſſigten Urkunden eine unerſchöpfliche Fundgrube von Studien und Forſchungen zu treffen. Hier iſt nicht das, was man gewöhnlich bei den Ge⸗ ſchichtſchreibern ſucht, und die meiſten derſelben haben zu allen Zeiten die Gleichgiltigkeit der Leſewelt für Thatſachen dieſer Art ſo gut gekannt, daß ſie damit ſehr ſparſam waren, und daß man ſie ihnen faſt durch Induction abſtehlen muß, ſo ſehr fürchteten ſie, damit ihre Jahrbücher zu überfüllen. Die Heere und Höfe nehmen die erſte Stelle ein; die Menſchenart, welche weder mordet noch plündert, erſcheint kaum auf der zweiten, aber in einer ſo däm⸗ mernden Ferne, daß man Mühe hat, zu erkennen, was ſie in dreißig Jahrhunderten geworden iſt. Man muß die Schriftſteller über politiſche Oekonomie ent⸗ ſchuldigen, in dieſer Beziehung die Gleichgiltigkeit, oder wenn man lieber will, die allgemeine Undankbarkeit getheilt zu haben. Sie beginnen faſt alle mit dem achtzehnten Jahrhun⸗ dert, weil es dasjenige iſt, in welchem zum erſten Mal die Menſchheit wirklich ihre Rechnung gefordert, und in beſtimm⸗ ten Ausdrücken das Programm der Zukunft entworfen hat. Aber wahrlich, dieſe Wiſſenſchaft iſt nicht ganz geharniſcht aus dem Hirn der Oekonomiſten während jenes Jahrhunderts her⸗ vorgetreten. Ich möchte zum Beweiſe dafür nur erinnern an ihr Herumtappen, ihre unglückſeligen Streitigkeiten und Verſuche. Es war ihren Nachfolgern in der engliſchen Schule vorbehalten, die wahren Grundlagen des ökonomiſchen Gebäudes zu legen, und die Wege für die Reform zu bereiten, welche in unſern Ta⸗ gen vorgehen muß. Es iſt die Geſchichte dieſer Periode, ſo reich an ewig in den Jahrbüchern der Wiſſenſchaft gefeierten Schöpfungen, welche den zweiten Theil meines Buches bildet. Man ſieht ein, welche Anſtrengungen es mich koſten mußte, mich zu beſchränken, und nicht die Verhältniſſe zu überſchreiten, welche für die Einheit meiner Darſtellung nöthig waren. Ich gebrauche dieſes Wort abſichtlich, um mich zum voraus gegen einen Vorwurf zu recht⸗ fertigen/ Köpfe d len: ich J. B. über de wickeln, heren Sachen allgeme tigen O herab! Der eingeſch dieſen S örterung endbare in einer Einfluſß liſation Zufludh überal Iich ve zuknüp) ſchlüpft creatam Wiſenſch tigt, und den Schw ſchaftlicher Bei dem? ten, und welche ſie ſerer Epe welcher w wegung Mono⸗ höchlich rdnden ngen zu den Ge⸗ zu allen eſer Art daß man teten ſe, nehmen det noch o dam⸗ ſie in e ent⸗ wenn eilt zu ahrhun⸗ Nal die eſtimm⸗ en hat. anus dem ts hel⸗ ern an ſuche. alten, egen, Ta⸗ n den velche welche a, und Einheit Vort wrecht⸗ 8ö—ö—ſſſ— 2 — S———————— — 11— fertigen, welchen ich mir von Seiten einiger anſpruchvollen Köpfe zugezogen zu haben fürchte. Ich hatte zwei Wege zu wäh⸗ len: ich konnte die gewohnte Bahn verfolgen, die Vorreden von J. B. Say, des Herrn v. Sismondi, des Herrn Macculloch über den Gang der politiſchen Oekonomie ſeit Quesnay ent⸗ wickeln, wozu ich noch einige Worte voll Höflichkeit für die frü⸗ heren Jahrhunderte fügen mochte; oder aber ich mußte die Sachen höher greifen, und die politiſche Oekonomie mit der allgemeinen Geſchichte verbinden, indem ich ihren wechſelſei⸗ tigen Einfluß ſeit den Tagen des Alterthums bis zur Gegenwart herab hervorhob. Der Leſer wird beurtheilen, ob dieſer letztere Weg, den ich eingeſchlagen habe, der beſſere geweſen iſt. Indem ich mich auf dieſen Standpunkt ſtellte, war ich entbunden, mich in die Er⸗ örterungen von Lehren, in die Controverſe und folglich in un⸗ endbare Langwierigkeiten zu werfen. Ich durchlief die Geſchichte in einem Athem, indem ich bloß bei den Epochen von großem Einfluſſe auf den Fortſchritt der Reichthümer und der Civi⸗ liſation ſtehen blieb. Ich zeigte die Arbeit, wie ſie immer eine Zufluchtſtätte fand, ſey es in dem einen oder andern Lande, und überall den Reichthum als Gehilfen zur Freiheit vorbereitete. Ich verſuchte endlich, die Gegenwart an die Vergangenheit an⸗ zuknüpfen, anſtatt die Wiſſenſchaft als einen Baſtard, ausge⸗ ſchlüpft im Hauch des 18ten Jahrhunderts, prolem sine matre creatam zu behandeln. Ich wollte Ahnen für dieſe ſchöne Wiſſenſchaft, welche ſich mit dem Glück der Menſchheit beſchäf⸗ tigt, und welche die Mittel unter Verſchluß hält, ihr die mit den Schwächen unſerer Natur und den Forderungen unſeres geſell⸗ ſchaftlichen Zuſtandes verträgliche Doſis deſſelben zu verſchaffen. Bei dem Anblick, mit welcher Langſamkeit die Reformen eintre⸗ ten, und würdigend nach ihrem wahren Werth die Hinderniſſe, welche ſie gefunden haben, werden die hitzigſten Reformer un⸗ ſerer Epoche lernen, ihre Geduld mäßigen und von der Zeit, in welcher wir leben, nur ihren Theil der Mitwirkung zu der Be⸗ wegung fordern, welche uns dahin führt, — 12— Ich habe in dieſer Beziehung Alles geſagt, was unſere ver⸗ gangenen Exroberungen uns in der nächſten Zukunft hoffen laſſen. Ich habe kein Syſtem geſchaffen; ich geſtehe offen, daß ich in meinem Portefeuille keinen Entwurf zu einer allgemeinen Rege⸗ neration und Wohlfahrt habe. Ich habe erzählt, was unſere Vorfahren gethan haben, und was unſere Vorgänger vorge⸗ ſchlagen haben, um den ausführbaren Theil dieſes hochſinnigen Utopiens zu verwirklichen. Einſt werde ich ohne Zweifel mein Buch vergrößern, wenn ich für dieſen erſten Verſuch den einzi⸗ gen Erfolg erringe, nach welchem ich geize, den, die ökono⸗ miſche Wiſſenſchaft dadurch populär zu machen, daß ich zeige, man finde in der Geſchichte der Völker eben ſo wohl, als in den Schriften der Staatswirthſchaftsgelehrten ihre Elemente. Ich habe meine Arbeit mit einer kritiſchen Bibliographie der wichtigſten Werke über politiſche Oekonomie geſchloſſen, welche in allen europäiſchen Sprachen erſchienen ſind. Dieſes Ver⸗ zeichniß iſt ſicher bei weitem nicht vollſtändig; aber es iſt das vollſtändigſte, das bis jetzt erſchienen iſt, und es kann einer ziemlich bedeutenden Specialbibliothek zur Grundlage dienen. Ich habe die meiſten der Schriften, deren Titel ich gegeben und deren Inhalt ich zergliedert habe, geleſen und charakteriſirt, ſo daß die Freunde der Wiſſenſchaft künftighin wiſſen werden, welches der Geiſt eines Verfaſſers iſt, ehe man ſich auf ihn be⸗ ruft. Man wird es mir gerne glauben, daß dieſer Theil meiner Aufgabe nicht der am wenigſten mühſamſte war; aber ich hoffe, mehr als einen unbekannten Staatswirthſchaftsgelehrten rehabili⸗ tirt, und unſere Mitbürger eine reichliche Quelle von Unterſu⸗ chungen und Belehrungen kennen gelehrt zu haben. Dieſer Katalog ſchon würde genügen, zu beweiſen, daß die Wiſſenſchaft älter iſt, als man denkt, und daß ſie ſchon volljährig war, während man ſie noch in der Wiege vermuthete. Ich habe einen Augenblick angeſtanden, ob ich in meiner Aufzählung auch die lebenden Schriftſteller aufnehmen ſollte, und vor Allem, ob ich mir er⸗ lauben dürfte, unparteiiſch ihre Werke zu würdigen; aber ihr Vermiſſen würde mehr Nachtheile gehabt haben, als meine Be⸗ urtheilung mich Gefahr laufen läßt, und ich habe mich ent⸗ ſchloſſen, wären, Ein u Die mei auf eini den Uto⸗ und ich daß dieſ Franzof Oekono (Sie wil der Arb nicht, do gerecht! wirkli Armen ein The würdig den Sch dung i des ſey von Vaterl Am bringen, aus der die Büch die Nove von Sis muthigen dreflliche vean tr tief durc de légi auf diee ehrétien ere ver⸗ laſſen. Pich in n Rege⸗ unſere vorge⸗ nnigen e mein einzi⸗ ökono⸗ zeige, in den ie der welche Ver⸗ ſt das einer dienen. den und tteriſirt, werden, ihn be⸗ meiner poffe, habili⸗ nerſu⸗ atalog ter iſt/ dd man enblic benden mir er⸗ ber ihr ine Be⸗ ich ent⸗ — 183— ſchloſſen, von dieſen Zeitgenoſſen zu ſprechen, wie wenn ſie todt wären, ſo heiß ich wünſche, daß ſie noch lange leben. Ein wichtiger Grund hat vor Allem meinen Entſchluß motivirt. Die meiſten der lebenden Staatswirthſchaftsforſcher bilden bis auf einige Ausnahmen eine neue Schule, eben ſo entfernt von den Utopien eines Quesnay als von der Strenge eines Malthus, und ich ſehe mit einer philoſophiſchen und patriotiſchen Freude, daß dieſe Schule in Frankreich entſtanden iſt, und faſt ganz aus Franzoſen beſteht. Sie iſt es, welche den Gang der politiſchen Oekonomie während des 19ten Jahrhunderts vorzeichnen wird. Sie will nicht mehr die Gütererzeugung als eine von dem Loos der Arbeiter unabhängige Abſtraction betrachten; es genügt ihr nicht, daß der Reichthum geſchaffen ſey, ſondern daß er auch gerecht vertheilt werde. In ihren Augen ſind die Menſchen wirklich vor dem Geſetz gleich, wie vor dem Ewigen. Die Armen ſind nicht mehr ein Text für Declamationen, ſondern ein Theil der großen Familie, welcher der höchſten Sorgfalt würdig iſt. Sie nimmt die Welt ſo, wie ſie iſt, und weiß bei den Schranken des Möglichen ſtehen zu bleiben; aber ihre Sen⸗ dung iſt, jeden Tag die Zahl der zu den rechtmäßigen Genüſſen des Lebens Geladenen zu vergrößern. Ich ſage, dieſe Schule ſey vorzugsweiſe franzöſiſch, und ich rühme mich deſſen für mein Vaterland. Am Schluſſe ſey es mir noch erlaubt, ihr eine Huldigung zu bringen, die von Niemanden beſtritten werden wird, weil ſie ſchon aus der bloßen Darſtellung ihrer Titel hervorgeht. Man ſehe die Bücher, welche wir ihr ſeit zwei Jahrzehnten verdanken, wie die Noveaux principes d'économie politique von dem Herrn von Sismondi; den Traité des Herrn Deſtutt de Tracy, dieſes muthigen Mannes, erhaben durch Verſtand und Redlichkeit; das treffliche Buch des Herrn Duchatel sur la Charité; den Nou- veau traité d'économie politique des Herrn Dunoyer, ſo tief durchdrungen von Vernunft und Philanthropie; den Traité de législation des Herrn Ch. Comte, welcher den letzten Streich auf die Colonial⸗Sklaverei geführt hat; die Eeonomie politique chrétienne des Herrn Vicomte de Villeneuve⸗Bargemont, wel⸗ — 14— cher auf eine ſo neue und merkwürdige Weiſe die Wunde des Pauperismus hervorgehoben hat; die Economie politique des Herrn Droz, welcher aus der Wiſſenſchaft eine Gehilfin der Sittenlehre gemacht hat, und den Essai sur l'esprit d'asso- ciation von Herrn Delaborde, zu welchem zu greifen wir gegen⸗ wärtig inmitten der allgemeinen Zerrüttung der unbeſchränkten Mitwerbung uns glücklich fühlen. Dieſe Werke haben ſchon mächtig die ſtrengen Theorien von Malthus und die algebraiſchen Formeln Ricardo's modificirt. Unabhängig durch die Form und oft durch die Wahl des Gegenſtandes hängen ſie gleichwohl durch einen gemeinſamen Grundgedanken zuſammen, welcher das allgemeine Wohl der Menſchen. ohne Unterſchied der Ratio⸗ nalität iſt. Eben ſo wenig habe ich die Dienſte verkannt, welche der Wiſſenſchaft und der Menſchheit durch die Saint⸗ſimoniſtiſche Schule zu der Zeit geleiſtet worden ſind, wo der gute Geiſt ihrer Gründer ſie noch vor dem Anfall des Myſticismus und der Utopien zu bewahren gewußt hatte. Dieſe Schule hat in Eu⸗ ropa die Keime einer Reform geſäet, welche von allen Seiten aufgeht; ſie hat die Rechte der arbeitenden Klaſſe wieder ge⸗ funden, und hat ſie mit einem Talent und einer Ueberzeugung vertheidigt, welche ſelbſt auf ihre hitzigſten Gegner haben Ein⸗ druck machen müſſen. Die Saint⸗Simoniſten haben ſich oft täuſchen können, wie die Oekonomiſten des 18ten Jahrhun⸗ derts, mit welchen ſie mehr als einen Punkt gemein haben; aber was man immer auch von ihren Abſichten und ihrer Mora⸗ lität geſagt haben mag, ſie waren vor Allem Menſchen voll Muth und Biederkeit. England ſelbſt, welches ſie verſpottet hatte, ahmt ſie nach, und die neuen Werke über politiſche Oeko⸗ nomie, welche in dieſem Lande erſchienen, ſind ganz von ihren Reformideen durchdrungen. Die Saint⸗ſimoniſtiſche Schule hat mit dem größten Nachdruck die Leiden der arbeitenden Klaſſe her⸗ vorgehoben, und wenn das große Problem der Erleichterung dieſer zahlreichen Bevölkerungen auch noch nicht gelöſt iſt, ſo iſt es we⸗ nigſtens auf der Tagesordnung aller geſitteten Völker ge⸗ blieben. Auf litiſcher ſchafti nahme Theilu heit ha denz de rechne ches i wiſſen Geſcht rie die möchte ndie G von E minder und an welche immer vollie — de des lique fin der asso- gegen⸗ inften ſchon iſchen m und hwohl elcher atio⸗ der iſche Heiſt der Eu⸗ deiten t ge⸗ ugung nEin⸗ ic oſt rhun⸗ ben; kora⸗ voll ottet eko⸗ hren e hat her⸗ dieſer 6 we⸗ ge⸗ — 15— Auf dieſem Gebiet müſſen ſich künftighin alle Fragen der po⸗ litiſchen Oekonomie entſcheiden. Der wahrhafte Zweck der Wiſſen⸗ ſchaft iſt von nun an die größte Zahl der Menſchen zur Theil⸗ nahme an den Segnungen der Civiliſation zu berufen. Die Worte Theilung der Arbeit, Capitale, Banken, Aſſociation, Handelsfrei⸗ heit haben keine andere Bedeutung. Das iſt wenigſtens die Ten⸗ denz der modernen Schule, welcher anzugehören ich mir zum Ruhm rechne, und unter deren Eingebungen das Werk erſcheint, wel⸗ ches ich gegenwärtig der Leſewelt vorlege. Wenn einige ge⸗ wiſſenhafte Geiſter ſtaunen würden, daß ich in zwei Bänden die Geſchichte einer ſo bedeutenden und ſo umfaſſenden Wiſſeenſchaft, wie die politiſche Oekonomie eine iſt, zuſammenfaſſen konnte, ſo möchte ich ihnen mit einem ihrer berühmteſten Stifter*) antworten: „die Geſchichte einer Wiſſenſchaft gleicht nicht einer Erzählung von Ereigniſſen. Sie kann nur die Darſtellung von mehr oder minder glücklichen Verſuchen ſeyn, welche man verſchiedene Male und an mehren Orten gemacht hat, um die Wahrheiten, aus welchen ſie beſteht, zu ſammeln und feſt zu ſtellen. Sie wird immer und in dem Maaß kürzer, als die Wiſſenſchaft ſich ver⸗ vollkommnet.“ *) J. B. Say, Cours complet d'économie politique, tome VI. p. 352. Im April 1837. —— Geſchichte der politiſchen Oekonomie. Hauptſtück I. Die politiſche Oekonomie iſt älter, als man glaubt.— Die Griechen und die Römer haben die ihrige gehabt.— Aehnlichkeit, welche ſie mit der unſerer Zeit darbietet.— Unterſchiede, welche ſie trennen.— Allmä⸗ lige Modificationen, welche dieſe Wiſſenſchaft in ihrem Gang labran hat.— Allgemeine Anſicht des Gegenſtandes. Ein ſchönes und des Nachdenkens ganz würdiges Schauſpiel iſt das der in den verſchiedenen Weltaltern gemachten Verſuche, die phyſiſche und moraliſche Lage des Menſchen zu verbeſſern. Je⸗ des Jahrhundert bringt ſeinen Tribut an Fanatismus jenem großen Glauben, welcher unter ſeinen Blutzeugen Nationen und Könige zählt. Nie raſtet die Menſchheit; eine Erfahrung folgt unabläſſig einer andern, und wir wandeln durch Revolutionen ungekannten Schickſalen entgegen. Wenn man mit Sorgfalt die Geſchichte der Vergangenheit erforſcht, ſo gewahrt man, daß dieſe Bewe⸗ gung von Ferne her kömmt, daß ſie unſere Väter getrieben hat, und daß ſie uns mit unſern Kindern zieht. Bisweilen ſcheinen die Völker ihr blindlings zu gehorchen, wie damals, als Europa von den Barbaren überſchwemmt wurde; öfter geben ſie ihr nach mit einer verworrenen Ahnung der ewigen Geſetze, welche ſie leiten. So erklären ſich die zahlloſen Verſuche der Regierung, welche man nichts deſto weniger unabläſſig um eine kleine Zahl unbewe Perſon Die nur den g des T auf d Schrij gemei an, kennt. herrlic ſchwier Zeiten; faſt ſin der Ey ſetzen d und die in der Syllar lichten Ausz hat 1 meute dern i Dad Alles be neuern, baren O Sie hab mit der die geiſt worden ſam die wir geg ſchicklic Blang und der mä⸗ hren uſpiel he, die „-e⸗ oßen znige iſſig unten hicte Zewe⸗ hat, heinen zuropa hr nach ſche ſie kerung, e Zahl — 1 unbeweglicher Principien gravitiren ſieht, wie die Sicherheit der Perſonen und die Achtung des Eigenthums. Die Geſchichte der politiſchen Oekonomie konnte folglich nur die Zuſammenfaſſung der Verſuche ſeyn, welche bei den geſittigten Völkern gemacht worden ſind, um das Loos des Menſchengeſchlechtes zu verbeſſern. Die Alten ſtehen auf dieſer Bahn nicht ſo tief unter den Neuern, wie viele Schriftſteller annehmen, und ganz mit Unrecht weist man ins⸗ gemein der ökonomiſchen Wiſſenſchaft einen ſo neuen Urſprung an, wie die zweite Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts. Wer kennt nicht die Inſtitutionen Sparta's und Athen's, und die herrlichen Arbeiten der römiſchen Verwaltung? Es ſcheint uns ſchwierig, mit Stillſchweigen die politiſche Oekonomie dieſer Zeiten zu übergehen, zumal wenn man in denſelben den Urſprung faſt ſämmtlicher Inſtitutionen findet, welche uns beherrſchen, und der Syſteme, welche uns theilen. Wahrlich, es lag in den Ge⸗ ſetzen des Lykurgos mehr Saint⸗Simonismus, als man denkt, und die Streitigkeiten der Patricier und Plebeier waren zu Paris in der Schreckenszeit nicht heftiger, als ſie es zu Rom während Sylla's Aechtungen waren. Es gibt noch viel ſchlagendere Aehn⸗ lichkeiten zwiſchen dem Aufſtand der Arbeiter Lyon's und dem Auszug des römiſchen Volkes auf den heiligen Berg. Wie oft hat man nicht ſeit Menenius Agrippa Gelegenheit gehabt, bei meuteriſchen Bevölkerungen den berühmten Apolog von den Glie⸗ dern und dem Magen anzubringen? Dadurch, daß ſie von der Geſchichte der politiſchen Oekonomie Alles beſeitigten, was Beziehung auf die Alten hatte, haben ſich die neuern Staatswirthſchaftsgelehrten ſonach freiwillig einer frucht⸗ baren Quelle von Beobachtungen und Zuſammenſtellungen beraubt. Sie haben von zwei Jahrtauſenden die Verſuche verſchmäht, welche mit der größten Kühnheit nach einem ungeheuern Maaßſtab durch die geiſtreichſten und gebildetſten Völker des Alterthums ausgeführt worden waren; ſie haben die Geſchichte verkannt, welche ſorg⸗ ſam die kleinſten Spuren dieſer Erfahrungen geſammelt hat, die wir gegenwärtig wieder machen, und gar zu oft mit weniger Ge⸗ ſchicklichkeit und aus geringerer Noth, als die Griechen und Römer. Blanaui, Geſchichte d. polit. Oekonomie. 1. Bd. 2 — 18— Dieſes Vorurtbeil ſtammt daher, daß die Alten kein beſonderes Werk hinterlaſſen haben, welches ihre Anſichten über die ökono⸗ miſche Wiſſenſchaft zuſammenfaßte; allein wenn dieſe Anſichten in einem Buche auch nicht dargeſtellt wurden, ſo finden ſie ſich doch in ihren Inſtitutionen, in ihren Denkmalen, in ihrer Rechts⸗ wiſſenſchaft wieder. Die Stationen mit Unterlegepferden von Rom bis York, die beſondere Sorgfalt der Römer für die Unter⸗ haltung der Straßen und Waſſerleitungen bezeugen in einem ſehr hohen Grade ihre Einſicht in die erſten Bedürfniſſe der Geſittung. Die Geſetzgebung der griechiſchen Colonien war beſſer, als die der ſpaniſchen Colonien in Südamerika. Sparta, Athen, Rom hatten ihre politiſche Oekonomie, wie Frankreich und England die ihrige haben. Der Wucher, die übertriebenen Auflagen, die Tarife, die zu hoch geſpannten Pachtzinſe, die Unzulänglichkeit der Löhne, der Pauperismus haben dieſe alten Staaten wie die neuen heimgeſucht, und unſere Vorfahren haben eben ſo viele Anſtrengungen gemacht als wir, um ſich dieſer Drangſale zu entledigen. Man würde ſich ſonder⸗ bar täuſchen, wenn man glauben würde, daß ſie nie über die Schwierigkeiten der Reformen nachgedacht haben, deren Bedürf⸗ niß ſie fühlten; jedes Blatt ihrer Geſchichte liefert uns einen Beleg dafür, und wir zweifeln nicht, daß der große Sklavenauf⸗ ſtand unter Spartacus den Oekonomiſten jener Zeit viele ſchlaf⸗ loſe Nächte gebracht habe. Wenn uns die Geſchichtſchreiber ihre Beſorgniſſe hierüber nicht mitgetheilt haben, ſo geſchah es, weil Rom von dieſer geheimen Wunde nicht zu ſprechen wagte, welche die Republik untergrub, und welche die Röthe in das Angeſicht ſeiner größten Bürger trieb. Als ſpäter die Kaiſer auf den Ge⸗ danken gerietben, Lebensmittel an die Einwohner der ewigen Stadt zu vertheilen, übten ſie nicht eine politiſche Oekonomie, wie ſie die Mönche in Spanien noch gegenwärtig an den Pforten ihrer Klöſter üben? Beſteht ein großer Unterſchied zwiſchen den Maximen der Athener, welche die Ausfuhr der Feigen ver⸗ boten und denen der Franzoſen, welche jüngſt die Ausfuhr der Seide und der Lumpen unterſagten? Alles, was ſich ſagen läßt, iſt, daß die Griechen nur nicht, wie wir, Schriftſteller ge⸗ funde unter du b. A Grit muß nom habe völ Aus übe das im 2 Einſi nter⸗ ſehr ttung. die wie die nten mus iſere wir, der⸗ et die dürf⸗ einen eenauf⸗ ſchlaf⸗ r ihte weil velche eſich Ge⸗ vigen omie, forten eiſchen —n ver⸗ dusfuhr ſagen ler ge— — 19— funden haben, welche dieſe Widerſinnigkeiten durch Trugſchlüſſe unterſtützten; dieſes gibt uns aber kein Recht, ſtolz auf ſie zurück zu blicken. Wenn man mit Aufmerkſamkeit die Finanzgeſetzgebung der Griechen und Römer erforſcht, ſo kann man nicht anders, man muß anerkennen, daß die wichtigſten Fragen der politiſchen Oeko⸗ nomie von jeher die Aufmerkfamkeit dieſer Völker auf ſich gezogen haben. Es genügt zu ſehen, mit welcher Sorgfalt ſie über ihre völkerrechtlichen Beziehungen, über den bürgerlichen Stand der Ausländer, über das Weſen und die Wirkungen der Auflagen, über die dem Landbau zu gewährenden Ermunterungen, und über das Schifffahrtsweſen wachten. Ich werde Gelegenheit haben, im Verlauf dieſes Werkes unumſtößliche Beweiſe ihrer vollen Einſicht in dieſe Gegenſtände zu geben. Selbſt die verwickelt⸗ ſten Erſcheinungen der Theilung der Arbeit konnten nicht ihren Unterſuchungen entgehen, und man findet darüber in dem zwei⸗ ten Buche des Staats von Platon eine Zergliederung, welche dem geiſtreichſten Schüler von Adam Smith Ehre machen würde. Die Oinorouina des Xenophon, bis zur Stunde noch nicht gehörig erforſcht, enthalten Anſichten von großer Klarheit, und wir kennen keine beſſere Beſtimmung des Begriffs Geld, als die von Ariſtoteles im erſten Buch ſeiner ιτια gege⸗ bene*). Man würde ſich gleichwohl täuſchen, wenn man die Verſuche, welche die Regierungen des Alterthums gemacht, oder die Schrift⸗ ſteller Griechenlands und Roms geprieſen haben, als das Ergeb⸗ niß eines ökonomiſchen Syſtems preiſen würde, das nach wahr⸗ haft wiſſenſchaftlichen Angaben entworfen, oder durch eine er⸗ habene Philoſophie eingegeben worden wäre. Die Griechen und Römer verachteten die Arbeit, und brandmarkten die In⸗ duſtrie als eine des freien Mannes unwürdige Beſchäftigung. Die Selaverei erſcheint auf jedem Blatte ihrer Geſchichte, um die Schriften ihrer Weiſen und die Theorien ihrer Oekono⸗ *) Ariſtoteles oleriu«, lib. I. cap. 6 und 7. 20— miſten zu widerlegen. Allein begegnet man in unſerer Ge⸗ ſchichte nicht eben ſo ſchneidenden Widerſprüchen? Deßwegen, weil wir ſie bei den Alten erforſchen, wo wir ſie mit größerer Unparteilichkeit beurtheilen können, iſt es leicht, bei uns die Gefahr oder die Nutzloſigkeit einer Menge von Verſuchen zu erkennen, welche, ſo ſehr ſie auch neu erſcheinen, nichts deſto we⸗ niger von den Griechen und Römern her erneuert worden ſind. Die Alten haben Alles verſucht, und wir gleichen ihnen nur in gar zu vielen Hinſichten, um ihre politiſche Oeconomie vernach⸗ läſſigen zu dürfen. Sparta hatte ſeine Heloten, wie das Mittel⸗ alter ſeine Leibeigenen hatte, und unſere Colonien ihre Scla⸗ ven haben. Einige neueren Staaten haben ſogar noch ihre verſtoßenen Kaſten, wie die der Juden, in der Schweiz, in Preuſſen und in Polen: was aber hauptſächlich die politiſche Oekonomie der Alten von der der Neuern unterſcheidet, iſt die Freiheit der Arbeit und die Anwendung des Credits. Alles hat um uns ſeit der Erfindung der Buchdruckerei, des Compaſſes und des Schießpulvers gewechſelt. Wir kennen und gewinnen in coloſſalen Verhältniſſen Urſtoffe, welche un⸗ ſern Ahnen unbekannt waren. Die Baumwolle, das Eiſen, die Weine, die Steinkohle, der Dampf ſind für uns uner⸗ ſchöpfliche Hilfsquellen geworden. Drei oder vier Gewächſe, der Erdapfel, die Runkelrübe, das Zuckerrohr, die Theeſtaude liefern Nahrung Millionen von Menſchen, und Ladungen für Tauſende von Fahrzeugen. Die Alten lebten von der Er⸗ oberung, d. h. von der Arbeit Anderer; wir leben von der Induſtrie und dem Handel, d. h. von unſerer eigenen Arbeit. Der unterſcheidende Charakter der politiſchen Oekonomie der Griechen und Römer iſt die Sclaverei; die unwiderſtehliche Tendenz der unſrigen iſt die Freiheit. Wir werden ſehen, wie der Einfluß des Chriſtenthums beigetragen hat, ihr dieſe Rich⸗ tung zu geben, unterbrochen bald durch die barbariſche Invaſion, bald durch den religiöſen Fanatismus; allein kein ernſtliches Hemmniß konnte ſie in ihrem Gange aufhalten. Die Feudal⸗ ſcholle hatte als Gegengewicht die ſtädtiſchen Innungen, welche ſchon ein Fortſchritt waren, weil ſie den Geiſt der Aſſociation entwi der ſchen liche nie Die riſch Gla kannt ziehen betrie geſth gleich beit hern B Umn nen un⸗ ſen, ner⸗ ächſe, taude für der iche wie ich⸗ ſion, liches dal⸗ elche ation * — 21— entwickelten; die Innungen ſind wiederum verſchwunden vor der Entfeſſelung der Induſtrie. Jeder Schritt hat den Men⸗ ſchen von einer Knechtſchaft befreit, und ihn mit einem nütz⸗ lichen Erzeugniſſe begabt, ſo daß man ſagen kann, die Freiheit ſey nie gekommen, ohne irgend eine Segnung mit zu bringen. Die Griechen und Römer, welche die Menſchheit unter trüge⸗ riſchem Scheine unterdrückten, hatten kein Weißzeug und keine Glasfenſter in ihren Häuſern; wir ſelbſt haben erſt ſeit der Erringung der Freiheit angefangen, einige Behaglichkeit in dem materiellen Leben zu genießen. Um dieſe radicalen Unterſchiede nach ihrem wahren Werth zu wuͤrdigen, und auch die Aehnlichkeiten zwiſchen der politi⸗ ſchen Oekonomie der Alten und der unſrigen, muß man zu⸗ gleich ihre Inſtitutionen und ihre Schriften, d. h. die That⸗ ſachen und die Lehren ihrer Zeit erforſchen. Ich habe vor⸗ zugsweiſe für dieſes Studium in Griechenland die Zeit der vollſten Blüthe Athen's und in Rom die erſten Jahrhunderte des Kaiſerreichs gewählt. Wirklich vertritt Athen am beſten die grie⸗ chiſche Geſittung und das kaiſerliche Rom die römiſche Civiliſation. Die Inſtitutionen und die Schriften dieſer denkwürdigen Epochen haben auf ihre Mitwelt einen unermeßlichen Einfluß geübt, wel⸗ cher ſich bis in die Nachwelt erſtreckte, deren Vertreter wir ſind. Die römiſchen Geſetze entſcheiden noch jetzt in vielen Rückſichten die wichtigſten Fragen unſeres bürgerlichen Zuſtandes, ſie leiten unſer Eheweſen, regeln unſer Erbrecht und beherrſchen unſer Eigenthum. Die Zollſchranken beſtanden in Rom vor Nerv's Regierung, und die Athener kannten die Staatsanleihen. Sie kannten ſehr gut den Reichthum, den man aus dem Handel ziehen kann; ſie liehen Geld auf Bodmerei, und zu jeder Zeit betrieben ſie mit großem Eifer den Bergbau. Wenn man ihre Geſchichte liest, glaubt man oft, die unſerige zu leſen: ſo ſehr gleichen ſich die Thatſachen, und ſo wahr iſt es, daß die Menſch⸗ heit ſich in einem Kreiſe gleicher Leidenſchaften und Bedürfniſſe herumtreibe! Bei dem Sturz der römiſchen Welt ſchreitet eine tiefgehende Umwälzung in den Gang der politiſchen Oekonomie. Die 2. — 22— Sclaverei nimmt eine neue Geſtalt an, die unabläſſig durch den Einfluß des Chriſtenthums modificirt wird; die Ideen der Gleichheit beginnen ſich zu verbreiten. Auf die vorgeſpiegelte Verachtung des Reichthums folgen die erſten Elemente der Kunſt, ihn zu erwerben. Einige große Herrſcher geben das Beiſpiel der Ordnung und Sparſamkeit: Karl der Große läßt auf dem Markt die Eier ſeiner Hühner und die Gemüſe aus ſeinen Gärten verkaufen*). Die Eroberer werden Sparer, und leicht läßt ſich in den Capitularien der Keim der neuen Ideen finden, welche die alte römiſche Politik erſetzen ſollen. Die Kreuzzüge haben ſpäter ihren Theil von Einfluß geübt, indem ſie das Vermögen der Seeſtädte Italiens be⸗ gründeten, welche die Zufluchtſtätte der Geſittung gegen die Rohheit des Mittelalters wurden. Das Grundeigenthum, bis da⸗ hin in den Händen adeliger Grundherren concentrirt, theilt ſich in den Händen der Bürger, welche es von den in das heilige Land pilgernden Kreuzfahrern ankaufen. Die Berührung mit dem Morgenlande erweckt neue Anforderungen des Geſchmacks, reizt Bedürfniſſe des Prunks, welche die Gewerblichkeit der italieni⸗ ſchen Freiſtaaten zu befriedigen ſtrebt. Selbſt die Irrthümer der Zeit wirken zu dem ſtetigen Werk des Fortſchrittes mit, und die verfolgten Juden ſchaffen die Wiſſenſchaft des Credits und des Wechſels. Der heilige Ludwig erſcheint und organi⸗ ſirt die Induſtrie. Die Gewerbe theilen ſich in Innungen und ſtellen ſich unter den Schutz von Heiligen gegen die Tyrannei der Barone. Die Gemeinde kildet ſich, und der ſtädtiſche Bür⸗ gerſtand, aus dem die Geiſtlichkeit ſich ergänzt, beginnt gegen die Ariſtokratie jenen langen Kampf, welcher kaum in den gro⸗ ßen Tagen von 1789 endigt. Drei große faſt gleichzeitige Ereigniſſe, die Erfindung des Schießpulvers, die der Druckerpreſſe und die Entdeckung der neuen Welt werden ihrerſeits die Geſtalt Europa's und die Be⸗ *) Man ſehe das Capitulare de Villis, art. 39. nach der Ausgabe von Baluze.— dingun talle, kannte rohe kann Elem ginn Jahr veri fern Stu cip! welch war. zung euro E Stac Urſ nom niſe wi ſch ter dieſ ein ben das nicht chem wir von unſ den Gei vorl urch der egelte der das läßt aus arer, n der ſetzen ufluß be⸗ die da⸗ h in kand dem reizt keni⸗ Füwer à wi, Crddits organi⸗ gen und Tyrannei ſche Bur⸗ int gegen den gro⸗ dung des kung der die Be⸗ Ausgabe 23— dingungen des öffentlichen Reichthums ändern. Die edeln Me⸗ talle, bis dahin ſo ſelten, ſtrömen jetzt in Fülle herein; unge⸗ kannte Erzeugniſſe treten mit den Ideen in raſchern Umlauf; die rohe phyſiſche Gewalt wird vom Schießpulver entthront. Ich kann nicht begreifen, wie man gegenüber dieſen wunderſamen Elementen ſocialer Verjüngung darauf beharren könnte, den Be⸗ ginn der politiſchen Oekonomie erſt in die letzten Jahre des 18ten Jahrhunderts zu verlegen. Gleichwohl iſt es damals, wo der Pau⸗ perismus mit der Concentration des Beſitzes wieder begann; es iſt ferner damals, wo der große Abfall des Proteſtantismus durch den Sturz der Klöſter mit langſamem, aber ſicherem Tode, das Prin⸗ cip der Zehnten und die religiöſe Ausbeutung des Menſchen traf, welche ſelbſt an die Stelle der militäriſchen Ausbeutung getreten war. Wer wagte es, zu behaupten, daß dieſe großen Umwäl⸗ zungen auf gar keine Weiſe die ökonomiſchen Inſtitutionen der europäiſchen Nationen geändert haben? Es bedurfte allerdings vieler ſolcher Ereigniſſe, um die Staatsmänner und Gelehrten zu beſtimmen, zu ihren erſten Urſachen zurückzuſteigen, deren Studium gegenwärtig die bko⸗ nomiſche Wiſſenſchaft bildet. Unſere Väter haben lange poli⸗ tiſche Oekonomie getrieben, ohne ihre Grundſätze zu kennen, wie die meiſten Menſchen leben, ohne in die phyſiologiſchen Er⸗ ſcheinungen des Lebens eingeweiht zu ſeyn. Colbert allein un⸗ ter allen Miniſtern, welchen es gegeben war, Edicte über dieſe wichtigen Gegenſtände zu erlaſſen, Colbert allein ſcheint ein Syſtem gehabt zu haben, wie ſpäter Law das ſeinige ha⸗ ben mußte, wie die Oekonomiſten des 18ten Jahrhunderts das ihrige verkündigt haben. Aber dieſe hohen Geiſter können nicht als der urſprüngliche Heerd betrachtet werden, von wel⸗ chem die Wiſſenſchaft ganz fertig hervorgetreten iſt. Wenn wir die Ideen von Platon, Ariſtoteles, Tenophon über die von Adam Smith ſo bewunderungswürdig aufgeſtellten und in unſern Tagen ſo lebhaft beſtrittenen Fragen, darſtellen wer⸗ den, ſo wird es ſchwierig ſeyn, nicht anzuerkennen, daß dieſe Geiſter des Alterthums ihre Wichtigkeit geahnt und ihre Löſung vorbereitet haben... ———— — 24— Der allgemeine Irrthum ſtammt vorzüglich von den Schrift⸗ ſtellern des 18ten Jahrhunderts, welche glaubten, das Ge⸗ heimniß der ſocialen Wiſſenſchaft aufgefunden zu haben, weil ſie mit einem bis dahin nicht gekannten Scharfſinn einige we⸗ ſentliche Erſcheinungen den Gütererzengung zergliedert hatten. Sie hatten den Weg der Unterſuchungen auf eine neue und kühne Weiſe geöffnet, und ſie galten dafür, die Wiſſenſchaft ge⸗ ſchaffen zu haben, weil ſie dieſelbe durch das Prisma vieler Täu⸗ ſchungen flüchtig geſehen hatten. Die Leiſtungen des Landb aus waren zu ſehr verkannt worden: die Schule Quesnay's hatte ihm die Stelle wieder eingeräumt, welche er unter den Quel⸗ len der Gütererzeugung einnehmen ſollte. Nach ihm hat Adam Smith die Arbeit wieder in ihre Stelle eingeſetzt, und die wahren Urſachen des Reichthums der Nationen enthüllt. Malthus warf einen Schrei der Beſtürzung unter die Bevöl⸗ kerungen, die nach ihm zu zahlreich geworden waren; J. B. Say hat die Freiheit des Handels und die Vortheile der unbe⸗ ſchränkten Mitwirkung verkündigt, deren verderbliche Folgen Herr v. Sismondi bald in einem beredten und paradoxen Ma⸗ nifeſte hervorhob. Ricardo hat mit Kühnheit die erſten Grund⸗ lagen zu dem Münzgebäude der neuern Zeit gelegt, welches ſich nach ſeinen Anſichten erſt einen Augenblick in Amerika er⸗ hoben hat. Das ſind die Haupturfachen der allgemeinen Gleichgiltigkeit, welche die Gelehrten ſtets für das Studium der ökonomiſchen Thatſachen des Alterthums und der uns entlegenen ſpäteren Zeiten gezeigt haben. Ich habe es für nützlich erachtet, dieſe Lücke auszufüllen, und gedrängt und beſtimmt die Bemühungen unſerer Vorgänger auf der Bahn, die wir verfolgen, darzu⸗ ſtellen. Ich werde mich auf die charakteriſtiſchſten Thatſachen und Lehren der verſchiedenen Zeiträume beſchränken, welche nach einander unter unſern Augen vorübergehen werden. Athen, Rom, die Barbaren, das Chriſtenthum, die Kreuz⸗ züge, das Wiedererwachen der elaſſiſchen Studien, die Refor⸗ mation werden uns Zeiträume bieten, voll kühner Verſuche und denkwürdiger Lehren. Alles greift in einander ein, Alles ver⸗ kettet geſicht Staat offen der? denen *) C. „En uuax(a rado 39 ancre Aity dy Oeux 20¹ ro arj 4SAo: 44 M*. chrif⸗ kettet ſich in der allgemeinen Geſchichte des Menſchen; im An⸗ 8 be⸗ geſicht des Aufſtands der Geiſter, der ſich in den Vereinigten 1 weil Staaten gegen die ſtufenweiſe Emancipation der Schwarzen ge we⸗ offenbart, iſt es unmöglich, ſich nicht der gehäſſigen Marimen hatten. der Alten über die Sclaverei zu erinnern, und unter verſchie⸗ 5 und denen Namen die nämlichen Vorurtheile zu verkennen. aſt ge⸗ rTäu⸗ ndhaus 3 hatte Quel⸗ km Hauptſtück II. le hüllt. Von der politiſchen Oekonomie bei den Griechen.— Ihre Anſichten über die evöl⸗ Sclaverei.— Verwaltung ihrer Finanzen.— Sie leben von der Ar⸗ beit der Sclaven und den Tributen der Bundesgenoſſen.— Was war Sap der Orοlρσυκο.— Von den Klngouxace oder den eroberten Ländern.— unhe⸗ Jeder Bürger betrachtete ſich als einen Staatsrentner.— Was war olgen Lebensbedarf einer Familie?— Von den Staatsgütern.— Von dem Ma⸗ Bergbau.— Von der Münze.— Der Tempel zu Delphi iſt eine wahre rund⸗ 2 Umſchreibebank.— Welches war der Zinsfuß in Griechenland?— Be⸗ dlches deutung der Finanzen.— Gewohnheiten der Athener. ita er⸗ Man liest in dem erſten Buch der olerne des Ariſto⸗ iulei teles*) die merkwürdigen Worte:„Die Viſſenſchaft des iie„Herrn beſchränkt ſich darauf, es zu verſtehen, ſeinen Sela⸗ dieſe ngen*) Cap. IV. Die Stelle lautet genau ſo: arzu⸗„Enre- d„ 1 ari ⁹ xije oluode εoτ ναα 7 E Sen ε᷑ρος vie 000 vO- nchen uε(s, Pa T6ν dννόέ̈νμαάπωQ dνναετον ꝛace³ Syj acoο ⁸ν h„), orεο s„ rœ dςσε ναμς εενναμs νκμκ̈ναναν ν dy ebn onrαςρ᷑νάνανννννα oluεε ερꝓρναάνα εααε telche dn-οτεεεέςιιέςαιαα το ερꝓoο, d εα τνν oiνονονμπν νν d'ςρꝙμαη̈νν αᷣ erden. Aεr dννυναμα ra d'eννανινάα, oioy 6 rueOv]h den ola? du‿‿οs, a de oa- 3 Kreuz⸗ Oeue suueon d N‿ν dncnOsiε Sv dↄςρꝙꝓραη ,ον sldes raνς s Tudαs 6O ν ꝓπισ aceν Refor⸗ To arrεα d+ναη̈ꝙο n009 So*ν SO, nCd* 1 vr*—uο 1os 00(ꝓνον 2Oο vcar 6 e und SSAo avfuce ro duνεέινν, du 3,Oεο àρꝙꝓσ✕αρν νοο dꝓναάν e 6 dusri. 3 9 e—.— 5 5 2.— ver⸗ E* 7 7dv‿ο ErGHO TON T0“ 09 1hGᷣ0 ν*.εα νννιιεέινν 77 rO0αιινννιννιιμν ον Aποπνπό☚⁴αέτινν „ven zu gebrauchen. Er iſt Herr, nicht weil er Eigner des „Menſchen iſt, ſondern weil er ſich ſeiner Sache bedient... „Der Sclave bildet einen Theil des Vermögens der Familie.“ 2 c 7— 1 ro drs gν, dσmOσ α ⁴ααιαάαα οινꝓρσέαοοσνmᷣ( τα ν¶qł+H◻ᷣͥeααν ruεοσσmσ 8 5— 8 8.— 3 e 8 8 5u GpfGry 5 roνGO8 Gιτ⁹⁴υμναουτ 915„ duodα ανουναμ, εmeς ειυ⁶ες 2 · 2— 9[ 4 2 5 2— 2 daαιιινοωνσαἀννιιι νάά Ʒ Tlτοα εμινιιςιιον, 080» eν εεκ dτια τιςα ‿ĩ 3 c— 3„ rεντοοσισσν vmετν ετ ος*νλέοωπααι /Gιι⁴⁵ωιανν*˖ I. uεν 1†Oεναα ιννι 3— 5.„ 4. 52 ꝛrouτenα ⁶σςρσραάνανα εοστν ο Os aru ureor dlo ueεy„⁴ανο Qν ⁴οοο — ⸗—— Srεον τ εταν ανα τνν vO*ονboᷣν—ς, d‿το ε τ⁸ ꝛνμιπmοο Tij Aνẽns „„Ti ovov. er, d' rse dateꝓsε⁴ 6 roumOu dede, nc, 7, r9, d40* 7 T97½ 3 vLs 1eOεν 1m AMοοο 2ν 9d εαι Sντα .—— b d' νααωομεσισι εραηέυνν dαeνsά ν ταυνν i au,τν ⁷έν dιυααωοοαςν. d de ——.——— A⁴ r9εαες, 7007/0G SOνν Oro nc 08 109 v2,OE 1 10“ 7100 17171 190ℳ 2— e ν. To de urμ*μεꝓνεκνααeᷣ dσmOά ναάαᷣ 1οον To. d⸗„αο ⁴οσαιοιν 3à ovoν 8 2 ⸗„*— 8 d⁵ν⁵ς oντνν ⁴μοοιον, x 53 d⁵⁵ou onoide de να το ic.— 4 — 8„ 5 73.. uεν ϑεοσσοσμεα τ ou OcτεοντυG0᷑Q Oaᷣom:,&xενοu 6' dαν εστ 5 dsε dιο d —.—,„ 53 47— 5 e„ 0 ν% deπαανααια 1 20 ν ν IAo ncr olo« ensevys. 2α ⁴μέιννννϑνυτm ◻ c—,. 4— 2 1 doulou t i e,, oιιν ϑOm9gs Plᷣi α mραιυιε ⁴ * 2— 2711 6 AAAoν, dy σάσσαοο dε, Sroc„οαςιε ϑlo oτ‿νν. ³2ον 6“ ƷOταιννo½ mτ‿⁴˙ςσσυπσοε, dg ν rεα 5 Arνοσσνπτπο„ arμα J8 6ꝓναάνν Odsτιανοιν ε⁶α T0ρεμιστον. In das Teutſche überſetzt, lautet ſie: „Weil nun der Beſitz ein Theil des Hauſes iſt, und die Lehre von der Erwerbung ein Theil der Haushaltungslehre(denn ohne das Nothwen⸗ dige iſt es unmöglich zu leben und gut zu leben), wie in den beſtimmten Künſten es nothwendig iſt, die paſſenden Werkzeuge zu gebrauchen, wenn das Werk vollendet werden ſoll, ſo iſt es auch bei den ökonomiſchen. Von den Werkzeugen ſind aber einige unbeſeelt, andere beſeelt, wie dem Steuer⸗ mann das Steuerruder ein ſeelenloſes, der Unterſteuermann ein beſeeltes iſt; denn der Diener erſcheint in den Künſten in der Geſtalt eines Werkzeugs: ſo iſt auch der Beſitz ein Werkzeug zum Leben, und die Habe iſt eine Fülle von Werkzeugen, und der Sclave iſt eine gewiſſe beſeelte Habe, und jeder Diener gleichſam ein Werkzeug von Werkzeugen; denn wenn jedes der Werkzeuge auf Befehl und vorahnend ſein Geſchäft verrichten könnte, wie man von den Gebilden des Daidalos oder den Dreifüßen des Hephaiſtos ſagt, von welchen der Dichter ſagt, daß ſie von ſelbſt den Kampf unter⸗ nehmen, und wenn ſo die Weberladen ſelbſt webten, und die Plektra die Cither ſpielten, ſo bedürften die Werkmeiſter keiner Diener und die Herren keiner Sclaven. Nun ſind die genannten Werkzeuge ſchöpferiſch, der Be⸗ ſitz aber zum Handeln geeignet; denn von der Weberlade entſteht etwas Anderes, als der Gebrauch derſelben, aus dem Gewande und dem Bett xenoy publi d den du markt! thropie Oekono Philoſe ſäſſige waͤgli iſt all Menſ Zuſtan ten zu beſaß Famili mehre zu beſ ren T war; ledig durch notht aber deſſen, der Th auch d des Se Selabe des Se denn w aber T Nerſch pratti 4). Sclav len, w feſtgeſ des ilie.“ iodſey, e0rade 3 4 & d. 2* 39ura asuudos 2, e g luvis deorrus 2, R6 „ Td nu„o„ duo 5 Jos ou .„ Du 5 „ 1 1 61 Lwos, 66 TOy. von der Rothwen⸗ eſtimmten en, wenn en. Von Steuer⸗ tes iſt; tzeugs: e Fülle nd jeder des der te, wie phaiſtos f vrier⸗ leitta die e Herten der Be⸗ eht eiwas dem Beit 24— Xenophon*) ſchlägt als eine Einkommensquelle für die Re⸗ publik vor, die Sclaven aufzukaufen und ſie dem Meiſtbieten⸗ den zu verdingen, nachdem man ſie auf die Stirne gebrand⸗ markt hatte, aus Furcht vor ihrer Flucht. Die ganze Philan⸗ thropie der Alten und auch ein großer Theil ihrer politiſchen Oekonomie liegt hierin. Es iſt augenfällig, daß, wenn ihre Philoſophen vom Volke ſprechen, ſie darunter nur eine an⸗ ſäſſige Bürgerſchaft verſtehen, für welche unter das uner⸗ träglichſte Joch gebeugte Maſſen arbeiten. Ihre Empfindlichkeit iſt allemal äuſſerſt groß, wenn es ſich darum handelt, einem Menſchen das Bürgerrecht zu gewähren, d. h. ihn aus dem Zuſtand der Verwendung in den der Unabhängigkeit übertre⸗ ten zu laſſen. Jeder, bis zum beſcheidenſten Privaten herab, beſaß einen Sclaven für den Dienſt ſeines Hauſes. Die Familienväter von mittelmäßigem Vermögen verwandten deren mehre um Getreide zu mahlen, Brod zu backen, die Küche zu beſorgen und die Kleider zu machen. Man beſchäftigte de⸗ ren Tauſende in den Werkſtätten, durch welche Athen berühmt war; aber im Allgemeinen wurden ſie zu den härteſten Arbei⸗ lediglich der Gebrauch. Weil ferner die Schöpfung und die Uebung ſich durch die Art unterſcheiden, und beide der Werkzeuge bedürfen, ſo iſt es nothwendig, daß auch dieſe denſelben Unterſchied haben. Das Leben iſt aber Uebung, nicht Schöpfung; deßwegen iſt auch der Sclave Diener deſſen, was zur Uebung gehört; der Beſitz aber wird ſo genannt, und der Theil; denn der Theil iſt nicht nur ein Theil des andern, ſondern auch durchweg eines Andern: wie auch der Beſitz: deßwegen iſt der Herr des Sclaven nur Herr, iſt aber nicht jenes: der Sclave aber iſt nicht nur Sclave des Herrn, ſondern auch ganz deſſelben. Welches daher die Natur des Sclaven iſt, und welches ſeine Bedeutung, iſt aus dieſem offenbar; denn wer nach der Natur nicht ſich ſelbſt, ſondern einem Andern gehört, aber Menſch iſt, dieſer iſt von Natur Selave. Er iſt eines Andern Menſch, welcher Habe iſt, obwohl er Menſch iſt. Die Habe iſt aber ein praktiſches und getrenntes Werkzeug.“ Buß. *) Sevoροννντσοσ τ⁷οι⁷˖Mεοσ 2190000», Cap. IV., 21:„Denn wie könnte Sclaven, die mit einem öffentlichen Zeichen gezeichnet ſind, Jemand ſteh⸗ len, wenn eine Strafe ſowohl für den Verkäufer, als für den Ausführer feſtgeſetzt würde.“ Buß⸗ — 28— ten angehalten. Man ſchickte ſie mit den Pferden zur Tränke an Bach. Sonach waren nur für eine kleine Anzahl Bevorrechteter die Inſtitutionen Griechenlands gemacht. Die Athener zeigten kein größeres Mitgefühl für die Leiden ihrer Sclaven, als unſere Fabrikherren für das Räderwerk ihrer Maſchienen em⸗ pfinden. Allein wenn man ſich auf den ausſchließlichen Ge⸗ ſichtspunkt dieſes gräßlichen Geſellſchaftszuſtandes verſetzt, ſo kann man nicht umhin, in mehren ihrer Combinationen viele Ge⸗ ſchicklichkeit und Tiefe zu erkennen. Die Finanzverwaltung war mit einer merkwürdigen Ordnung und Genauigkeit geleitet. Alle regelmäßigen Auflagen waren an Unternehmer verpachtet, welche unter Ueberwachung der Controleurs ihren Betrag an den Staatsſchatz ablieferten. Man hatte einen heilſamen Un⸗ terſchied zwiſchen dem eigentlichen Staatsgut und den Privat⸗ gütern der Gemeinden eingeführt. Der Ertrag der von den Gerichten verhängten Geldſtrafen, die Einkünfte der Tempel, die der Zölle, wurden in die Hand verantwortlicher Einnehmer abgeliefert, welche die empfangenen Summen in Bücher ein⸗ trugen und die ſäumigen Zahler belangten. Ein Intendant der Staatseinkünfte, ein wahrer Finanzminiſter, hatte die Lei⸗ tung aller auszahlenden Kaſſen, verfügte die Zahlungen und glich dieſe Auslagen mit den Einnahmen aus. Beſondere Ver⸗ waltungen ſtanden dem Bau der Straßen, der Schiffe, dem Staatsbauweſen vor. Alle dieſe Verwaltungen hatten ihre Schriften, und folglich ihre Schreiber, die meiſtens aus den Sclaven genommen wurden, weil man ſie foltern durfte, um Geſtändniſſe von ihnen zu erwirken. Das Mißtrauen des Volkes war ſo weit getrieben, daß kein Rechnungspflichtiger ſich früher entfernen oder ſeinen letzten Willen eher machen konnte, bis er ſeine Rechnung den Staatsbeamten abgelegt hatte, die für deren Abnahme aufgeſtellt waren. Alles, was die Finanzen betraf, unterlag der Controle der Oeffentlichkeit. Man grub die Rechenſchaftsberichte auf Stein, damit Jedermann ſie einſehen und ſie zu rügen im Stande wäre. Die Zeit hat uns mehre ſolche Inſchriften faſt unver⸗ ſehrt und das Heſ von Sal Verwü bracht, Das geſſene Staat Staat ſproch Verur viüjb oder ſe⸗ nachlaß ſpreche Stimm Finanzſ geniſat Vor ſaß der? Prit rung mark bewil tett. öffent period deren des La des V ſich f von Thraf Reihe Conſis rraͤnfe echteter zeigten n, als n em⸗ n Ge⸗ ſo kann ee Ge⸗ ng war eleitet, achtet, ag an mUn⸗ rivat⸗ n den mpel, ehmer rein⸗ tendant die Lii⸗ gen und ere Ver⸗ ffe, dem en ihre us den ſte, um den des ichtiger machen aögelegt trole der uf Stein, Stande unver⸗ — 29— ſehrt und ſelbſt einige Steine aufbewahrt, auf welchen man das Heft der Laſten gewiſſer Adjudicationen, wie den Pacht von Salzwerken, des Fiſchfangs und der Waldungen findet. Der Verwüſter Athen's, Lord Elgin, hat einen dieſer Steine mitge⸗ bracht, welcher in dem britiſchen Muſeum niedergelegt iſt. Das Volk zeigte ſich überdies mitleidlos gegen die pflichtver⸗ geſſenen Beamten und die im Zahlungsrückſtand befindlichen Staatsrechner. Nichts war gefährlicher, als Schuldner des Staats zu werden. Zehn Tage nach dieſer gerichtlich ausge⸗ ſprochenen Erklärung ward die perſönliche Haft verfügt; der Verurtheilte wurde auf immer von den Staatsgeſchäften aus⸗ geſchloſſen: ſeine Kinder und Enkel wurden für ſein Unglück oder ſeinen Fehltritt verantwortlich. Keiner durfte einen Straf⸗ nachlaß begehren, wenn ihm nicht die Erlaubniß, darüber zu ſprechen, durch einen einſtimmigen Beſchluß von ſechstauſend Stimmen gewährt wurde. Dieſe äuſſerſte Empfindlichkeit in Finanzſachen wird jene nicht wundern, welche die ſociale Or⸗ ganiſation der griechiſchen Republiken kennen. Vorzüglich zu Athen war der Staatsſchatz eine Art gemein⸗ ſchaftlichen Beutels, nicht blos für die collectiven Bedürfniſſe der Bevölkerung, ſondern auch für die Ausgaben eines jeden Privaten. Jeder Bürger war Staatsrentner ſeit der Einfüh⸗ rung des Oecono unter Perikles, einer Art Anweſenheits⸗ marke, welche dem patriotiſchen und geſchwätzigen Müſſiggang bewilligt ward, und welche bald in eine Armenſteuer ausar⸗ tete. Von da an wollte der atheniſche Demos auf Koſten des öffentlichen Schatzes genährt und beluſtigt werden. Es gab periodiſche Feſtmahle, für das Volksvermögen verderbliche Feſte, deren Anordner die Volksgunſt auf Koſten des wirklichen Glücks des Landes ſuchten. Daher dieſe Sucht nach der Einziehung des Vermögens zum Staatsſchatz und nach Geldſtrafen, die ſich faſt immer in den Volksverſammlungen offenbarte, und von welcher Sokrates, Miltiades, Themiſtokles, Ariſtides, Thraſybulos, Kimon und der große Perikles ſelbſt um die Reihe getroffen oder bedroht wurden. Dieſe Geldbußen und Conſiscationen wurden über die größten Verbrechen, wie über — 30— die einfachſten Vergehen verhängt. Der Demos war auf⸗ hetzeriſch, weil er begierlich war: er verbannte unter dem ge⸗ ringſten Vorwand ehrenwerthe Bürger, welche Verſchworer wurden, um in ihr Vaterland zurück zu kehren, und die es mehr als Ein Mal verheerten, weil es nicht gewußt hatte, gerecht zu ſeyn. Die Bundesgenoſſen waren keine anderen, als Zinspflich⸗ tige, welchen man für ein ganz willkürliches Contingent von Soldaten Kriegsſteuern auferlegte. Karien, Thrakien, die Geſtade des Helleſpontes, Epheſos, Rhodos wurden ſo wahre griechiſche Lehen. Ariſtophanes zählte mehr als tauſend dem belleniſchen Joche unterworfene Städte, und er machte den witzigen Vorſchlag, in eine jede derſelben zwanzig atheniſche Bürger zur Verköſtigung einzulegen. Bisweilen ging der Despotismus der Mutterſtadt noch weiter, und die Athener bemächtigten ſich unter den grundloſeſten Vorwänden eines Gebietstheiles ihrer Bundesgenoſſen. Die ſo eroberten Län⸗ dereien trugen den Namen K)1noοu*νιαα. Die Eroberer machten daraus wahre Colonien, in welchen die anſäſſigen Athener die Ariſtokratie bildeten, welche ſtets von der Centralregierung abhing. Der Vater Platon's war ein Klnoouxos. Die Bürger, welche der Staat in dieſe Colonien abſchickte, empfingen ge⸗ wöhnlich Waffen und Geld, und wurden dort bald den einge⸗ bornen Bevölkerungen verhaßt, welche mehr als einmal ſich er⸗ hoben, um ihre Unabhängigkeit wieder zu erlangen. Alles war ſonach in dem ſocialen Syſtem der Athener folgerichlig: man forderte Löſegeld zu Hauſe, man forderte es drauſſen, dort durch Conſiscationen und Geldbußen, hier durch Kriegsſteuern oder Monopole. Niemand dachte an die Hülfsquellen, welche man in der Arbeit finden kann. Die Sucht nach dem Gecοιο ließ jeden Tag neue Auswege erfinden, um die Verzehungen dieſer zudringlichen Schwätzer zu decken, welche ewig beriethen, ohne je etwas zu erzeugen. Gle ichwohl hätten, wenn nicht das überſpannte Gefühl von ihrer bürgerlichen Höhe die Athener von den regelmäßigen Wegen der Gütererzeugung abgehalten hätte, ſie vielleicht das große Proble beit Bürg zu l beine Stac Athe mit jede Pr für Der date und ganz als: gewa ten ü den ihre halt ſich inde ſicht Krie ſch mußt fern lichen erört Kan in ner — * auf⸗ mw ge⸗ hworer die es hatte, zpfüch⸗ nt von en, die wahre d dem te den eniſche g der thener eines Lin⸗ nachten ner die erund Bürger, ngen ge⸗ en einge⸗ I ſich er⸗ lles war z: man en, dort ſteuern welche cOtkoy ehungen veriethen, efühl vonn en Wegen az große — 31— Problem der allgemeinſten Vertheilung des Ertrages der Ar⸗ beit gelöſt. Alle ihre Inſtitutionen hatten zum Zwecke, die Bürger an den Wohlthaten des Staatsverbandes Theil nehmen zu laſſen; aber ſie ſchloſſen davon die Selaven aus, welche beinahe drei Viertheile der Bevölkerung ausmachten. Der Staat unterhielt öffentliche Aerzte(Hippokrates war ein ſolcher in Athen), Lehrer, Künſtler, die mit der Verſchönerung der Stadt mit Denkmalen beauftragt waren, als deren Miteigenthümer ſich jeder Bürger betrachtete; die Functionen des Notars, die des Procurators, welche bei uns Quellen ſo läſtiger Forderungen für die Familien geworden ſind, waren vom Staat beſoldet. Der Unterricht war frei. Die Kinder der verſtorbenen Sol⸗ daten erhielten ihre Erziehung auf Koſten des Staatsſchatzes, und die Waiſen fanden in der Sorgfalt der Magiſtrate einen ganz väterlichen Schutz. Demoſthenes gründete ſeinen Ruf als Redner damit, daß er ſeine Vormünder anklagte, und er gewann gegen ſie ſeinen erſten Rechtsſtreit. Die Athener hat⸗ ten überhaupt zu ihrem Grundſatz, daß kein Bürger Noth lei⸗ den ſollte, und ſie gewährten Jenen Unterſtützungen, welche ihre körperlichen Gebrechen unfähig machten, für ihren Unter⸗ halt zu ſorgen. Allein dieſe Freigebigkeit, welche ſie gegen ſich ſelbſt übten, zog bald ihre natürlichen Folgen nach ſich, indem ſie übermäßig die Zahl der Müſſiggänger und Unvor⸗ ſichtigen vermehrte, und als die Unfälle des peloponneſiſchen Krieges die Quellen der Beſteuerung erſchöpft hatten, zeigte ſich das Elend in ſeiner ganzen Schauderhaftigkeit. Man mußte eine wahre Armenſteuer einführen, deren ungewiſſe Zif⸗ fern Böckh mit ſeiner gewohnten Klarheit in ſeinem vortreff⸗ lichen Werke: die Staatshaushaltung der Athener, erörterte*). Zugleich half ihnen der Geiſt der Aſſociation im Kampf gegen die Noth des Schatzes. Mehre Privaten traten in einen Verein, genannt Zoavos, unter der Bedingung, ei⸗ nen Beitrag zu liefern, welcher nach den Bedürfniſſen eines *) Band IJ. Buch 11, 17. S. 260 ff. — — — 32— Jeden vertheilt wurde. Die Geſellſchaft hieß der Verein der Eouriorat, und der Vorſtand Eoaroxns. Dieſen antiökonomiſchen Gewohnheiten, faſt immer auf Ko⸗ ſten des Staatsſchatzes zu leben, verdankten die Griechen den Verluſt ihrer Freiheit und die geringe Entwickelung ihrer in⸗ duſtriellen Macht. Da die öffentlichen Vertheilungen einen periodiſchen Charakter angenommen hatten, ſo erkauften alle Ehrgeizigen, welche auf die Volksgunſt eiferſüchtig waren, die Neigung der Menge durch Geſchenke, welche den Staat er⸗ ſchöpften, ohne die Beſchenkten zu bereichern. Platon bemerkt richtig, daß dieſes verhängnißvolle Syſtem die Athener faul, gierig, ränkeſüchtig und wankelmüthig gemacht habe. Perikles, welcher der Schöpfer deſſelben war, machte ſich keine Täuſchung über deſſen Uebelſtände, aber er bedurfte deſſelben, um ſeine Macht zu behaupten und er beharrte dabei. Daher ſtammten die fortwährenden Schliche der Redner, welchen es daran lag, die⸗ ſem Staatsherrſcher mit zwanzigtauſend Köpfen, den man das Volk nannte, zu ſchmeicheln, und deſſen Begehrlichkeit nur durch maaßloſe Auflagen auf die Reichen oder durch Confiscationen befriedigt werden konnte. Die Demagogen waren damit ſo weit gekommen, in ihren Reden öffentlich zu erklären, daß, wenn man nicht dieſen oder jenen Bürger verurtheilte, es un⸗ möglich wäre, die Auszahlung des Volkes zu decken. Die bedrohten Reichen pfändeten ſich ſelbſt, um den Sturm zu be⸗ ſchwören; es ward dann eine auſſerordentliche Vertheilung vor⸗ genommen, wo ſämmtliche Unzufriedenen zur Beutetheilung berufen wurden. So entſtand das Oeιαιναν, und Demades wagte, laut auszuſprechen, daß die Geldvertheilungen der Kitt der Republik wären. Findet man nicht nach einem Zwiſchen⸗ raum von mehr als zwei Jahrtauſenden das nämliche Syſtem der Griechen erneuert in dem Taglohn von 40 Sous, der 1793 den Sectionnairen von Paris bewilligt ward? Alles war bei den Griechen darauf berechnet, jeder Klaſſe von Bürgern Löhne zu ſichern. Die Redner ließen ſich zahlen für das Sprechen, und das Volk für das Anhören; die Rich⸗ ter, wahre Geſchworene, hatten ſich auch nicht vergeſſen. Ent⸗ weder au Rotabilitt zwei, dr liche Sch ließen ſi der Stag und Dich ſoldeten einigung rer neue Jdee von die Jahlu daß die aͤ kommen v ſie ſich ni brauchte ſ zu leben; Todten ſi Gräber! Vermoge Schmuch die nött Lebens, werbe un rei, die i hatte zu Gefäßen g ſolche Jen konnten, Oberhaut gefähr zet bauten, 360,000 thum, de von der machen i Blanqui, — 33— weder aus Politik, oder vielmehr um den volksthümlichen Notabilitäten Stellen zu ſichern, beglaubigte man bei jeder Macht zwei, drei unb ſelbſt zehn Geſandten zugleich. Gewiſſe öffent⸗ liche Schreier, gewiſſe Abſchreiber der Beſchlüſſe des Volkes ließen ſich im Prytaneion ernähren, in welchem ohne Zweifel der Staat ihnen auch Wohnungen gab. Es wurden Muſiker und Dichter unterhalten; endlich war die Menge der Be⸗ ſoldeten ſo groß, daß man ſtrenge Vorſchriften gegen die Ver⸗ einigung mehrer Aemter in Einer Hand, dieſen Ausſatz unſe⸗ rer neuern Finanzen, aufſtellen mußte. Es läßt ſich leicht eine Idee von der ungeheuern Größe der Auflagen machen, welche die Zahlung aller dieſer Gehalte nöthig machte, wenn man weiß, daß die ärmſte Familie von vier Perſonen nicht ohne ein Ein⸗ kommen von 400 Francs unſeres Geldes leben konnte, wenn ſie ſich nicht blos mit Brod und Waſſer begnügte. Man brauchte ſonach viel beträchtlichere Hilfsquellen, um anſtändig zu leben; außerdem ließ die Pietät der Griechen gegen die Todten ſie großen Aufwand für die Leichenbegängniſſe und Gräber machen; ſie verwandten einen bedeutenden Theil ihres Vermögens auf das Hausgeräthe, die Kleidung und den Schmuck. Die meiſten der guten Häuſer enthielten nicht nur die nöthigen Gegenſtände für die gewöhnlichen Bedürfniſſe des Lebens, ſondern überhaupt die für die Ausübung mehrer Ge⸗ werbe unentbehrlichen Werkzeuge, wie für die Weberei, Bäcke⸗ rei, die im Hauſe von Sclaven getrieben wurden. Die Eitelkeit hatte zu dem Prunk mit koſtbaren goldenen und ſilbernen Gefäßen geführt, und ſie vermehrten ſich ſo ſehr, daß man, um ſolche Jenen zu liefern, welche den Preis dafür nicht erlegen konnten, ſolche fertigen mußte, deren Dicke nicht die der Oberhaut überſtieg. Erwägt man nun, daß es in Athen un⸗ gefähr zehn tauſend Häuſer gab, abgeſehen von den Hafen⸗ bauten, den kleinen Städten und Dörfern, und ungefähr 360,000 Sklaven, ſo wird man ſich eine Idee von dem Reich⸗ thum, der in dieſer Republik aufgehäuft war, und durch Analogie von der relativen Macht der andern griechiſchen Republiken machen können. Blanqui, Geſchichte d. polit. Oekonomie. I. Bd. 3 34— Man fragt ſich gleichwohl mit Staunen, wie die Athener lin 4 vermochten, dieſe allgemeinen, an die verſchiedenen Claſſen der Lunme . 7 ten vor Bürger vertheilten Emolumente zu zahlen. Im Anfange wurden die Tempel und Prieſter aus den heiligen Ländereien, unter! den Grundzehnten und Opfern unterhalten.*) Die Magi⸗ Shruer ſtrate des Richteramts erhielten Sporteln. Später wurde, wurden nachdem Solon das Volk in vier Claſſen nach der Stufe des werke Vermögens eingetheilt hatte, jede Claſſe nach dem Steuer⸗ kaurio capital beſteuert, in deſſen Genuß ſie angenommen wurde, du hal jedoch ſo, daß die reichſte in einem Verhältniß ihres beträcht⸗ Mitte lichern Einkommens mehr zahlte, als die ärmſte: Dieſe Beſteu⸗ Höhe rungsart ſchien alle Charaktere einer Quotitätsſteuer zu haben. ſchbſt, Um ſie auf eine gerechte Baſis zu gründen, beſtand ein ſo viel, Gütercataſter, welches alle vier Jahre einer neuen Durchſicht wahrſch unterworfen wurde. Dieſes Cataſter erfüllte jedoch nicht in den den Zweck unſere Hypothekenbücher; der Darleiher, welcher den gel für ſich Sicherheit gewinnen wollte, begnügte ſich, ein Grenz⸗ Horden zeichen, auf welches er ſeinen Namen ſchrieb, vor das Feld terricht ſeines Schuldners zu ſetzen. Außer der OQuotitätsſteuer, welche genau allein bedeutende Summen abwarf, und den Tributen der wit w Bundesgenoſſen, einer Art von Kriegsſteuer, die pünktlich zur im A Friedenszeit bezahlt werden mußte, hatten die Athener noch Ein⸗ der W künſte aus den Bergwerken, die Geldſtrafen, und den Ertrag ihnen der Confiscationen, von welchen wir ſchon geſprochen haben, Tage, und die Zollgefälle. Der Staat und die Gemeinden beſaßen verlore Ländereien, deren Pacht bedeutende Summen abwarf. Dieſes gang z Grundeigenthum beſtand gewoͤhnlich in Weidefeldern, Wal⸗ ſchmerz. dungen, Gebäuden und Salzwerken. Man gab ſie einem Ge⸗ von Eig neralpächter in Erb⸗ oder Zeitpacht, der ſich verpflichtete, die ſehr rei Einkünfte regelmäßig an den Staatsſchatz abzuliefern. wohlhal „Die Griechen und hauptſächlich die Athener zeigten ſchon Ales frühe ihre Abneigung gegen Alles, was einer Perſonalſteuer Metall⸗ und vor Allem der Grundſteuer glich. Es gab bei ihnen den be — ſie Go **) Man nannte Opfer zu Athen religiöſe Feſte, an welchen man bis⸗ daß ihr weilen dreihundert Stiere ſchlachtete, deren Fleiſch und Häute man an möglich das Volk vertheilte. thener en der nfange ereien, Magi⸗ zurde, fe des teuer⸗ vurde, trächt⸗ eſteu⸗ aben. ein hſich nicht lcher renz⸗ Feld elche 4 der c zur h Ein⸗ Ertrag haben, ſaßen ieſes Wal⸗ Ge⸗ die ſchon Aeuer ihnen man bis⸗ man an — 32— keine Thüren⸗ und Fenſterſteuer. Ihre gewöhnlichen Einkünfte ſtammten von den Staats⸗ und Gemeindegütern. Sie beſteuer⸗ ten vor Allem gerne die Ausländer, und griffen gerne, ſelbſt unter den ordentlichen Umſtänden, zu der Hülfsquelle indirekter Steuern, die übrigens mit einer großen Mäßigung eingeführt wurden. Vor Allem legten ſie aber auf den Ertrag ihrer Berg⸗ werke von jeher ein beſonderes Gewicht. Jene von Attika und Laurion ſcheinen von Anfang an bedeutende Ausbeute geliefert zu haben, weil dem Erfolg ihres Betriebes Themiſtokles die Mittel verdankte, die Seemacht des Staats auf ihre größte Höhe zu treiben. Gleichwohl waren dieſe Gruben bald er— ſchöpft, und zur Zeit Strabo's gewann man nur kaum ſo viel, um damit die Betriebskoſten zu decken. Es iſt auch wahrſcheinlich, daß die unvollkommenen Kenntniſſe der Alten in den chemiſchen Wiſſenſchaften ihnen nicht geſtatteten, daraus den gehörigen Ertrag zu ziehen. Dieſe Arbeit wurde durch Horden von Sklaven ausgeführt, die natürlich nur wenig un⸗ terrichtet, ziemlich ſchlecht gezogen waren, und welche man genau mit jenen unglücklichen Eingeborenen vergleichen kann, mit welchen die Spanier ihre Bergwerke in Mexiko und Peru im Anfang der Eroberung bevölkert hatten. Auch glich Nichts der Verzweiflung der Athener, als dieſe koſtbaren Hilfsquellen ihnen plötzlich verſiegten, und ſie ſich, wie die Spanier unſerer Tage, genöthigt ſahen, in der Arbeit, deren Gewohnheit ſie verloren hatten, eine Zuflucht gegen das Elend und den Unter⸗ gang zu ſuchen. Dieſe Umwälzung mußte für ſie um ſo ſchmerzlicher ſeyn, als die Bergwerke unter eine große Zahl von Eigenthümern oder Pächtern vertheilt waren, die bisher ſehr reich waren, und auf der nämlichen Linie ſtanden, wie die wohlhabendſten Landwirthe und Handelsleute. Alles läßt uns glauben, daß die Alten rückſichtlich der edeln Metalle die Vorurtheile der neuern Zeit theilten. Wir wer⸗ den bei der Darſtellung der Oinorohina enophon's ſehen, daß ſie Gold und Silber vorzugsweiſe als Reichthum anſahen, und daß ihre Politik ſtets zum Zweck hatte, dieſe Metalle durch alle möglichen Mittel in das Staatsgebiet einſtrömen zu machen. 3. ———— — 36— So hatten ſie auf die ausländiſchen Waaren die Steuer des fün f⸗ zigſten Theiles gelegt, welche ein Zollgefälle war. Dieſe Auflage mußte zur Zeit der Ausladung der Waaren in Geld und nicht in Waaren entrichtet werden, eine leichte Operation, wenn man bedenkt, daß faſt der ganze Handel von Griechenland zur See betrieben ward. Es mußte ſelbſt an dem Thore gewiſſer Städte ein wahres Octroi beſtehen, eine Quelle von Betrüge⸗ reien, wie das unſerige, weil die Schriftſteller mehre äußerſt merkwürdige Fälle von Contrebande berichten, unter andern den eines Bauers, welcher mehre Fäßchen Honigs in mehren Gerſtenſäcken einſchmuggelte, und welcher durch die ſeinem erſchöpften Eſel zu Hilfe geeilten Zollaufſeher entdeckt wurde. Die Gold⸗ und Silbermünze war bei den Griechen vor ih⸗ ren Feldzügen in dem Orient ziemlich ſelten. Die Eroberung eines Theils von Aſien durch Kyros ließ dem Abendland eine unermeßliche Maſſe baaren Geldes zuſtrömen, und ohne Zweifel danken die fabelhaften Erzählungen von den Reichthümern des Kröſos und von dem Paktolos mit Goldſand ihre Entſtehung wahr⸗ ſcheinlichen Thatſachen, welche die Einbildungskraft der Grie⸗ chen nur übertrieben haben wird. Die große Manchfaltigkeit der eingeführten Münzen gab dem Gewerbe der Wechsler die Entſte⸗ hung, welche, wie die unſerer Tage, auf die Umſchmelzung der Münzen ſpekulirten. Die Athener führten übrigens eine ſtrenge Aufſicht über die Prägung der Münze, und die ihrige hatte ein ſo gutes Korn und Schrot, daß man ſie gern auf allen Märkten ſuchte. Obwohl Plinius*), der Naturforſcher, Strabon**) und Diodor von Sicilien***) uns koſtbare Nachrichten über den Metallreichthum der Alten hinterlaſſen haben, ſo muß man nichts deſto weniger den Verluſt eines beſondern Buches bedauern, welches Theophraſtos über die metallurgiſche Kunſt 300 Jahre vor unſerer Zeitrechnung ge⸗ ſchrieben zu baben ſcheint, und von welchem uns einige in den *) Lib. XXXII. **) Lib. III, IV und V. ***) Lib. XXVII und XXXVI. Werken ſtücke e räckſich ybilip eben ſe der bre machte Nachfe Franc war wärti des f Zeit d Billon, licen Grenze Die keit ga welche Tewye lon's und Geld ten z eine! Jedoch hezog, und da lich.. vom H. maaßlo man v und v Die n den E wo ük fünf⸗ Auflage ad vicht wenn nd zur ewiſſer trüge⸗ außerſt andern nehren ſeinem de. ih⸗ rung eine eifel des ahr⸗ Hrie⸗ a Rr Eniſte⸗ ung der ſtrenge hatte allen ſcher, ſibare laſſn eines er die g F⸗ R d — 37— Werken der ihm nachfolgenden Schriftſteller zerſtreuten Bruch⸗ ſtücke erhalten worden ſind. Hieraus haben Alle die Belege rückſichtlich der Frage über das Geld im Alterthum geſchöpft. Philipp von Makedonien führte den Krieg gegen die Griechen eben ſo kräftig mit Gold, als mit Eiſen. Sein Sohn Alexan⸗ der brachte Millionen von ſeinem Zug nach Indien mit, und machte ſeinen Kriegern außerordentliche Geſchenke. Seine Nachfolger, die Ptolemäer, ſollen ungefähr eine Milliarde Francs unſeres Geldes baar geſammelt haben. Das Silber war übrigens im Verhältniß zum Gold ſeltener, als gegen⸗ wärtig. Im neunzehnten Jahrhundert iſt der Preis des Gol⸗ des fünfzehn Mal höher, als der des Silbers, während zur Zeit der Griechen er nur zehn Mal höher ſtand. Ein Billon, gemiſcht aus Eiſen und Kupfer, diente den gewöhn⸗ lichen Beziehungen des kleinen Verkehrs, und hatte über die Grenzen hinaus keinen Curs. Die äußerſte dem Gold und Silber zugeſchriebene Wichtig⸗ keit gab bei den Griechen den Anlaß zu Finanzeinrichtungen, welchen die Analogie mit den unſerigen nicht abgeht. Der Tempel zu Delphi empfing jährlich unter dem Schutze Apol⸗ lon's Hinterlagen beträchtlicher Summen, welche Privaten und ſogar Städten gehörten. Die Prieſter, dabei betheiligt, das Geld am Fuß ihrer Altäre ſich anſammeln zu ſehen, ermunter⸗ ten zu ſolchen Verfügungen, und der Tempel zu Delphi wurde eine Umſchreibebank, die in ganz Griechenland geachtet war. Jedoch entſtanden, da man gar keinen Zins von den Summen bezog, die hier niedergelegt waren, mehre Mitwerbungen, und das Gewerbe eines Banquiers wurde bald ſehr einträg⸗ lich. Der niederſte Zinsfuß ſcheint 10 und der höchſte 36 vom Hundert geweſen zu ſeyn. Der Zinswucher gewann eine maaßloſe Ausdehnung im Verhältniß der Gewinnſte, welche man von den Capitalen mit Hilfe der Sklaven beziehen konnte, und vor Allem wegen der geringen Sicherheit der Darleiher. Die nämliche Erſcheinung zeigt ſich noch in unſern Tagen in den Sklavenländern, wie man es in unſern Colonien ſieht, wo überdieß die Förmlichkeiten der Expropriation ſo langſam — 38— ſind, daß ein böswilliger Schuldner ſeinen Gläubiger in der Noth ſterben laſſen kann. Auch hatten die Gläubiger die Ge⸗ wohnheit, die ganze Summe der Zinſe zum Voraus zu erhe⸗ ben, welche ſie von Neuem auf ſtrenge Bedingungen anliehen, trotzend der öffentlichen mit Ehrerbietigkeit und Schmeichelei gemiſchten Verachtung, welche den Geldleuten in jener Zeit, wie in unſern Tagen, anhaftete. Der Wucher wird nicht we⸗ niger abſcheulich in Rom und in ganz Europa im Mittelalter wieder erſcheinen: ein unſeliges Symptom der Unkenntniß der wahren Geſetze der Gütererzeugung und der Verachtung der einfachſten Forderungen der Moral. Nach dieſen Thatſachen läßt ſich darauf ſchließen, was die Miethen und Pachten ſeyn mußten, deren Satz ſich immer mehr oder minder nach dem des Geldzinſes regelt. Der Profeſſor Böckh ſchätzt auf 8 ½ Procent des Capitals den Betrag der Miethzinſe; der der Pacht⸗ zinſe ſtand etwas weniger hoch. Man baute aus Spekulation Arten von Gaſthäuſern, deren Zimmer an verſchiedene Aus⸗ länder vermiethet wurden, welche die Politik oder der Handel nach Athen zog, und welche dort nicht das Bürgerrecht hatten. Es läßt ſich nach dieſen Angaben leicht begreifen, auf welche läſtigen Grundlagen die Staatsanleihen geſchloſſen wurden. Der Mangel an Sicherheit und der ewige Hang dieſer Völker zu juriſtiſchen Beraubungen laſſen zweifeln, daß ein einziges Anleihen dieſer Art frei bewilligt worden iſt. Man wollte lieber zu Erhöhungen oder neuen Einführungen von Steuern, ſelbſt auf das Grundeigenthum, greifen, wenn die Bedürfniſſe des Staats dringender wurden. Der Tempel zu Delphi, der zu Delos liehen mehr als ein Mal einen Theil der Summen, welche ihnen anvertraut worden waren. Man beſchloß von Zeit zu Zeit Vorauserhebungen der Steuer, welche von den Reichen getragen werden mußten, wahre Zwangs⸗ anleihen, ganz ähnlich jenen, welche wir in unſern Tagen ge⸗ ſehen haben. Endlich ging man ſo weit, eine eingebildete Münze von Eiſen zu ſchaffen, welche als wirkliche angeſehen wurde, und durch welche man die Gold⸗ und Silbermünzen, die durch den auswärtigen Handel ausgeführt wurden, ge⸗ rade wie wo die kamen 1 terunge gewöhl dieſe man S und g Verfaſ ſtets Di Bedeu ſes ein ſchulde genwar ihrem mußte und fo Leider Anlaß erhod digen lenkt ab. lande ſelbſt den E wir bal Ein auf die Athener ſah ſie ſitzend, gesneui die oͤffe weilen in der die Ge⸗ zu erhe⸗ inliehen, neichelei r Zeit, ht we⸗ telalter niß der ung der tſachen t ſeyn dem 8 ½ acht⸗ ation Aus⸗ andel atten. velche urden. dieſer aß ein Man von die el zu Theil Man velche angs⸗ en R⸗ wildete geſehen münzen, en, R⸗ — 39— rade wie es bei unſern Aſſignaten der Fall war, bis zur Zeit erſetzte, wo die Eiſenmünze ganz eingelöst und vernichtet wurde. Später kamen noch ſchmählichere und beklagenswerthere Münzverſchlech⸗ terungen, Legirungen von Silber und Blei, Silber und Kupfer, gewöhnliche Auskunftsmittel untergehender Regierungen; allein dieſe Verirrungen dauerten ſtets nur kurze Zeit, und wenn man Sparta ausnimmt, wo das Geld lange Zeit in ſchweren und groben Eiſenbarren beſtand aus Gründen, welche in der Verfaſſung dieſer utopiſchen Republik lagen, hat Griechenland ſtets ſich für den guten Ruf ſeines Münzſyſtems beſorgt gezeigt. Die Staatsmänner dieſes Landes haben ſtets eine große Bedeutung den Finanzangelegenheiten beigelegt. Es war die⸗ ſes eine ſchwierige Wiſſenſchaft in einer Zeit, wo die Staats⸗ ſchulden nicht geſtatteten, auf die Zukunft die Laſten der Ge⸗ genwart zu wälzen. Da die außerordentlichen Ausgaben mit ihrem ganzen Gewicht auf dem Steuerpflichtigen laſteten, ſo mußte man auf tauſend Weiſen ſinnen, um nicht das Capital, und folglich die Gütererzeugung in ihrer Quelle anzugreifen. Leider gab die oft nur wenig erleuchtete Einmiſchung des Volkes Anlaß zu ſchweren Vergeudungen; die Denkmale der Kunſt erhoben ſich mit Verſchwendung, um die Nationaleitelkeit zu befrie⸗ digen; die Gewohnheit, auf Koſten der Bundesgenoſſen zu leben, lenkte die Bürger von den regelmäßigen Wegen der Arbeit ab. Die Exiſtenz des Staats hing demnach von dem Aus⸗ lande ab, und wurde folglich ſehr unſicher. Das iſt, was ſelbſt Xenophon ergriffen hat, als er ſeine Abhandlung von den Einkünften Attika's ſchrieb, von welcher zu ſprechen wir bald Anlaß haben werden. Ein ſolches Syſtem mußte nothwendig einen großen Einfluß auf die Sitten der Bewohner Griechenlands ausüben. Die Athener waren zum Spiel und zum Müßiggang geneigt, man ſah ſie oft vor den Säulenhallen ihrer zahlreichen Denkmale ſitzend, über politiſche Angelegenheiten ſich beſprechen, die Ta⸗ gesneuigkeiten erörtern, dann die Werkſtätten, die Märkte und die öffentlichen Bäder, ein Rohr in der Hand, beſuchen. Bis⸗ weilen hatten ſie einen Sklaven im Gefolge, der einen zuſam⸗ — 40— mengelegten Seſſel trug, den ſie entfalteten, um ſich darauf zu ſetzen, wenn ſie müde geworden waren. Ihre Gaſtmahle waren im Allgemeinen koſtſpielig, und das Brod, welches man ſelbſt an die niederſten Arbeiter verkaufte, war von ausgeſuchtem Geſchmack und von blendender Weiße. Ihre Märkte waren mit Wildpret, Fiſchen, Gemüſen und Früchten jeder Art verſehen. In Sparta fand gerade das Gegentheil ſtatt, und gleichwohl ſind die Folgen des lakedaimoniſchen Sy⸗ ſtems nur wenig von denen der Gewohnheiten Athens ver⸗ ſchieden. Die Spartaner haben ſich nie zur Höhe einer ge⸗ bildeten Nation erhoben, weil ſie geſucht haben, alle Bedürf⸗ niſſe nieder zu halten, und die Athener ſind raſch von dieſer Höhe herabgeſtiegen, weil ſie dieſelben um jeden Preis befrie⸗ digen, und ſich jeden Tag deren neue ſchaffen wollten. „Ueberſchaut man das ganze Gebäude der Attiſchen Staats⸗ haushaltung, welcher, Kreta und Sparta ausgenommen, die Verwaltung der andern Helleniſchen Freiſtaaten mehr oder weniger ähnelte, ſo erkennt man, daß vieles klug und zweck⸗ mäßig berechnet und eingerichtet war, ja auch die Fehler mit Tugenden zuſammenhingen, und ſchwer entfernt werden konn⸗ ten, wenn nicht die Freiheit, aller Tugenden Quell, entfernt werden ſollte. Die Hellenen waren weder arm, noch gleich⸗ gültig gegen Reichthum; aber die im Umlauf begriffene Maſſe des edeln Metalls hatte noch keine ſolche Höhe erreicht, wie in neuern Zeiten in den Europäiſchen Staaten, daher mit we⸗ nigem Gelde viel geleiſtet wurde; und da das Vermögen einen hohen Ertrag gab, konnte der Einzelne für den Staat ver⸗ hältnißmäßig viel leiſten, ohne das Vermögen ſelbſt anzugrei⸗ fen. Uebrigens waren die Finanzen einfach und kunſtlos; man ſorgte ſelten über das laufende Jahr hinaus, wenn nicht große Hülfsmittel für große Plane zu Gebote ſtanden, wie bei den Tributen; über Veruntreuung und Unterſchleif dachte man leichtſinnig; ohne ſeine Kräfte zu kennen, gab man auf einmal viel aus, und gerieth hernach in Verlegenheit; die Vielköpfig⸗ keit der Volksverſammlung beſchränkte die Künſte der Staats⸗ männer, und meiſtentheils auch kräftige und durchgreifende ——r Maßreg ehrung nunger ſinns; was d der un So ge gen i Staat ring war wurd chen( Erwer indem liches nen m o We Welt ei ſo außer Die ſire Notional pien der — *) S 20, S. 16 darauf ſtmahle welches ar von . Ihre früchten geentheil en Sh⸗ n ver⸗ ner ge⸗ Bedürf⸗ dieſer befrie⸗ taats⸗ , die oder weck⸗ rmit konn⸗ afernt gleich⸗ Maſſe t, wie iit we⸗ einen ver⸗ grei⸗ man große ei den wman einwal ltöpſig⸗ Staats⸗ reifende —— — — 41— Maßregeln. Athen machte einen edlen Aufwand auf die Ver⸗ ehrung der Götter, auf bleibende Denkmäler erhabener Geſin⸗ nungen, großer Thaten und vollkommen ausgebildeten Kunſt⸗ ſinns; Auge und Ohr ſchaute und vernahm das Herrlichſte, was der ſchaffende Geiſt erzeugen kann; aber auch der Bauch, der unterſte der Stände im Menſchen, wollte Befriedigung. So gewöhnte man die Bürger durch Spenden und Beſoldun⸗ gen in Friedenszeiten an Trägheit und den Gedanken, der Staat ſey verpflichtet, ſie zu ernähren: und da ſelbſt der Ge⸗ ringſte hierdurch Luſt und Muße zur Staatsverwaltung bekam, war dieſes ein Beförderungsmittel der Pöbelherrſchaft; es wurde eine Aufgabe der Staatsmänner, wie ſie vom öffentli⸗ chen Gute und Einkommen, nicht durch den eigenen Fleiß und Erwerb, die Volksmaſſe unterhalten und bereichern könnten, indem man das gemeine Weſen gleichſam als ein gemeinſchaft⸗ liches Privateigenthum anſah, deſſen Ertrag unter die Einzel⸗ nen müßte vertheilt werden.“*). Hauptſtück III. Von den in Griechenland verſuchten oder vorgeſchlagenen ökonomiſchen Syſtemen.— Von der Geſetzgebung des Lykurgos.— Der Staat Platon's.— Die ökonomiſchen Schriften Xenophon's.— Die Politi des Ariſtoteles. Wi glauben nicht, daß man in irgend einem Land der Welt ein Syſtem der politiſchen Oekonomie verſucht habe, das ſo außerordentlich wäre, als die Geſetze des Lykurgos in Sparta. Die ſtrengſte Regel eines Ordens, die radikalſten von dem Notionalkonvent beſchloſſenen Reformen, dier harmoniſchen Uto⸗ pien der Oweniſten, und in dieſen letzten Zeiten, die aben⸗ *) Böckh, die Staatshaushaltung der Athener, Buch 1V, Hauptſtück 20, S. 156 f. .— — 42— teuerlichen Verkündungen des Saint⸗Simonismus haben Nichts, was in Beziehung auf Kühnheit und Originalität mit dieſen Geſetzen ſich vergleichen lieſſe. Sie gleichen dem Traum eines beſchaulichen Geiſtes weit mehr, als der Frucht des Nachden⸗ kens eines Staatsmannes, und gleichwohl haben ſie eine hin⸗ länglich lange Exiſtenz gehabt, und ſind tief genug in die Sitten eines berühmten Volkes eingedrungen, um in der Ge⸗ ſchichte der Wiſſenſchaft eine Stelle einzunehmen. Der Haupt⸗ charakter, der ſie auszeichnet, iſt der, ſo zu ſagen, improviſirt, und ohne Uebergang auf die Verwaltung eines Volkes ange⸗ wandt worden zu ſeyn, welches bis dahin von ihnen ganz verſchiedene Geſetze gehabt hatte. Wenn man ſie liest, ſollte man glauben, eher die Ordnung einer Schule, als das Geſetz⸗ buch eines Volkes zu durchgehen. Alles iſt darin ſo ſonder⸗ bar, daß ſelbſt das Daſeyn ihres Urhebers durch viele Forſcher bezweifelt wird, die überzeugt ſind, daß es mehr als Einen Lykurgos gegeben habe, ſo wie man lange Zeit angenommen hat daß mehr als Ein Homeros gelebt habe. Welches immerhin aber auch der Urſprung der Geſetze des Lykurgos geweſen ſeyn mag, ſo viel iſt dennoch erwieſen, daß ſie mehre Jahrhunderte hindurch mehr oder minder unverſehrt die Schickſale der Spartaner geleitet haben. Man nimmt von ihnen an, daß ſie das Utopien einer allgemeinen Gütergemein⸗ ſchaft und einer für alle Staatsbürger gemeinſamen Erziehung verwirklicht haben. Sie enthielten zugleich ein vollſtändiges Syſtem der politiſchen Oekonomie, einen Katechismus für den Glauben, ein allgemeines Handbuch für die Gewerbe. Sie regelten die Ordnung der Thronfolge, und die der Gerichte bei dem Mahl. Was gibt es Sonderbareres, als die Thei⸗ lung des Staatsgebiets von Sparta in neun tauſend Theile, und des übrigen Landes in dreißig tauſend andere Theile, die eben ſo vielen Familienvätern unter der Bedingung zugetheilt waren, ihr Erträgniß unter ihre Frauen und Kinder zu ver⸗ theilen? Wie lange ſollte dieſe flüchtige Gleichheit der Ver⸗ mögen dauern? Ich bekenne, daß ich kaum eine Staatsgeſell⸗ ſchaft begreife, in welcher es verboten iſt, einen Theil des Grunds u lezte Wil bot wid beſtand, jeden Fan was wur Geſete d Es we ſtellen; dee Zuku und zuel wo ſeder ſcher, hie rreffniß a des Wund Schat; u hen, dieſes lien.2 die Julu Nrſchert von Re um ein damit: kaufen Trot a doch, da wahre M Heit gab zu erlöſch zu machen Bedürfnif gos war Grundlag Krieg ge gungen, Dieſes Nichts, dieſen eines achden⸗ ne hin⸗ in die er Ge⸗ Haupt⸗ voiſirt, ange⸗ n ganz ſollte Heſetz⸗ nder⸗ eſcher Einen nmen 2 des aß ſie Rrſeh ww von rgemein⸗ erziehung zändiges für den e. Sie Gerichte e Thei⸗ Theile, eile, die agetheit r zu ver⸗ der Ver⸗ aatägeſel⸗ rheil des — 43— Grunds und Bodens zu kaufen oder zu verkaufen, oder durch letzte Willensordnung zu vermachen. Wie läßt ſich dieſes Ver⸗ bot mit dem Recht der Erſtgeburt vereinigen, das zu Sparta beſtand, wenn man wenigſtens annimmt, daß der Aelteſte einer jeden Familie verpflichtet war, ſeine Brüder zu unterhalten, und was wurde dann die Gleichheit, dieſer eingebildete Zweck der Geſetze des Lykurgos? Es war nicht erlaubt, ein Heirathsgut den Töchtern zu be⸗ ſtellen; allein man ehlichte ſie wahrſcheinlich ohne Beſorgniß für die Zukunft, weil der Staat es übernahm, die Kinder zu erziehen und zu ernähren, welchen ſie das Leben gaben. Ein glückliches Land, wo jeder Staatsbürger ſich nur an den Tiſch zu ſetzen brauchte, ſicher, hier ein Mahl zu finden, vorausgeſetzt, daß er ſein Be⸗ treffniß an Gerſte und Gemüſe beibrachte! Zur Vollendung des Wunders gab es keine Auflagen, und keinen öffentlichen Schatz; und gleichwohl fand, wenn wir dem Ariſtoteles glau⸗ ben, dieſes philoſophiſche Volk bisweilen das Mittel, Geld zu leihen. Als die Abgeordneten von Samos zu ſeinem Beutel die Zuflucht genommen hatten, verordnete, wie uns Ariſtoteles verſichert, die allgemeine Verſammlung ein allgemeines Faſten von vier und zwanzig Stunden für Menſchen und Thiere, um ein kleines Erſparniß zu gewinnen, und die Verbündeten damit zu beſchenken. Allein da in Sparta verboten war, zu kaufen und zu verkaufen, zu was diente dort das Geld? Trotz aller unſrer Ehrfurcht vor dem Alterthum, fürchte ich doch, daß dieſe Geſchichte von Anleihen und viele andere noch wahre Myſtifikationen ſind. Gleichwohl iſt gewiß, daß es eine Zeit gab, wo die Sehnſucht des Eigenthums in Sparta zu erlöſchen ſchien, um einer patriotiſchen Sorgloſigkeit Platz zu machen, die auf den faſt gänzlichen Mangel perſönlicher Bedürfniſſe gegründet war; denn die Geſetzgebung des Lykur⸗ gos war vollkommen folgerichtig. Durch die Zerſtörung der Grundlagen des Eigenthums mußte ſie einen unermüdlichen Krieg gegen die Erwerbluſt und folgeweiſe gegen alle Nei⸗ gungen, welche ſie entzünden, führen. Dieſes hatte wirklich der Geſetzgeber vorausgeſehen. Alle — 44— Kinder, vom zarteſten Alter an dem mütterlichen Einfluſſe ent⸗ zogen, hörten auf, ihren Familien anzugehören, um das Ei⸗ genthum des Staats zu werden. Man erzog ſie gemeinſam, welches immer auch ihre Abſtammung war, nach unwan⸗ delbaren Grundſätzen, unter der Aufſicht der Magiſtrate und faſt ganz auf dem öffentlichen Platze. Die Peitſche iſt vorzugsweiſe als Unterrichtsmittel angenommen; die Kinder werden ihrer Haare im Intereſſe der Reinlichkeit beraubt, ſie gehen baar⸗ fuß zu allen Zeiten des Jahrs, ſie ſchlafen auf einer Streu von Schilfblättern. Man lehrt ſie, Früchte für ihr Mahl ſtehlen, und peitſcht ſie, wenn ſie ſich dabei erwiſchen laſſen. Sind ſie zum Jünglingsalter gelangt, beginnt eine neue Lehrzeit für ſie, die des Kriegs, und ſie üben ihn mit einer ſolchen Kühnheit ein, daß das Blut auf jenen eckelhaften Kampfplätzen fließt, wo ſie ſich halb nackt unter den Augen ihrer Mütter zerreißen. „Du beißeſt mich wie ein Weib, ſagt der Eine; nein, ſon⸗ dern wie ein Löwe, antwortet der Andere,“ und die Zuſchauer jauchzten Beifall dieſen Wüthenden, welche ſich mit Anſtand ihrer Nägel und Zähne bedienten. Welch' ein widerwärtiges Volk! und welchen Namen ſollten wir ſolchen Tugenden geben! Die Erziehung der Weiber bot eben ſo verletzende Anomalien, und unſere Vernunft ſträubt ſich, die behauptete ſittliche Wirk⸗ ſamkeit des rückſichtlich derſelben angenommenen Syſtems zuzu⸗ geben. Ein geiſtreicher Kritiker konnte richtig ſagen, daß man ſie zu Sparta eher als die Weibchen denn als die Genoſſinnen des Mannes betrachtete. Man ſchätzte ſie im Verhältniß der Kräftigkeit ihrer Formen und der Stärke ihres Temperaments. Sie wurden frühe eingeübt, den Wurfſpieß zu werfen, faſt nackt auf der Rennbahn vor allen Bürgern und ſelbſt vor den Jünglingen ihres Alters zu laufen. Soll ich von der ſchändlichen Sitte reden, die Gatten durch Geliebten in einer Menge geſetllich vorgeſehener Fälle zu erſetzen? Soll ich an die blut⸗ ſchänderiſchen Verbindungen und an die Fortpflanzungseinrich⸗ tungen erinnern, welche dieſes rohe Volk zu der Promiscuität der Geſchlechter führten unter dem Vorwand, den Menſchen⸗ ſchlag zu verſchönern und die Geſchlechter zu ſtärken? Ich 4 ſtaune: ſtört ho Wir ſehr 1 Thürel der Ar Wohne Noma ſchien vor de Alem Auf ih vor; d Es in ihr Induſt Suyp welche gen! ſah, die allen nen Arbein werth ſtörte, amerik richaͤ ihre ſolche wiſch päiſch beſtel und d Ende — 45— uſſe ent⸗.. das E⸗ ſtaune nicht darüber, daß die Zeit die Denkmale Sparta's zer⸗ neinen, ſtört hat, wenn Sparta anders nur Denkmale hatte. unwan⸗ Wir leſen in Plutarchos, daß die Häuſer der Lakedaimonier ate und ſehr klein und kunſtlos gebaut waren. Man arbeitete die geweiſe Thüren nur mit der Säge und die Zimmerdecken nur mit ihrer der Art: Baumſtämme, kaum entrindet, dienten als Balken, baar⸗ Wohnungen ganz würdig eines ſolchen Volkes, und welche eher Streu Nomadenſtämmen als einer geſitteten Nation anzugehören ſeehlen, ſchienen. Hatten ſie keinen Schrecken vor der ſchönen Sprache, ſie zum vor den Wiſſenſchaften, welche ſie Entartungen nannten, und vor G e, die Allem, was den Ruhm oder den Reiz des Lebens ausmacht? tein, Auf ihrer Schaubühne ſogar zogen ſie die Boxer den Dichtern „wo— vor; damit iſt Alles geſagt. b ihen. Es darf nicht überraſchen, wenn die gewerblichen Künſte ſer in ihrer Geſchichte eine geringe Stelle einnehmen. Welche aner Induſtrie war Leuten nothwendig, welche von ſchwarzer ſtand Suppe lebten, welche auf grob behauenen Dielen ſaßen, ge welche am häufigſten baarfuß und ohne Kopfbedeckung gin⸗ peben gen! Die wenigen Handwerker, welche man in Sparta nalien, ſah, übten, wie in Egypten, das Gewerbe ihres Vaters, und Wir⸗ die meiſten Einwohner trieben gar keines. Dieſe Leute, in s zuzu⸗ allem Uebrigen von den Athenern ſo verſchieden, glichen ih⸗ n ſezu nen vollkommen durch die Scheu vor der Handarbeit. Die en des Arbeit war für ſie das Zeichen der Sklaverei, ein beklagens⸗ F der werther Irrthum, welcher die Geſittung des Alterthums zer⸗ nents ſtörte, und welcher gegenwärtig unſere junge Freiſtaaten Süd⸗ faſt amerika's in einem an Altersſchwäche gränzenden Zuſtand zu⸗ ſelbſ rückhält. Wehe den Völkern, welche Sclaven die Sorgfalt, on der ihre Bedürfniſſe zu befriedigen, überlaſſen, und welche in einer ſolche Hände die nationale Gütererzeugung legen! Wo iſt die bi⸗ zwiſchen den Heloten Sparta's und den Negern der euro⸗ zaͤntih⸗ päiſchen Colonien der Unterſchied? und welcher Unterſchied wmiscuitit beſteht ferner zwiſchen den Spartiaten, welche auf die Heloten Nenſchen⸗ und die Spanier, welche auf die Indianer Jagd machen! Das 2n? Ich Ende dieſer doppelten Herrſchaft war das nämliche: denn — 46— die rohe Kraft kann wohl erwerben, aber es ſteht nur der wahren Freiheit zu, zu erhalten und zu ſittigen. Gleichwohl haben die Inſtitutionen Sparta's im höchſten Grade die Bewunderung der Alten und Neuern erregt. Ari⸗ ſtoteles, Platon, Xenophon haben uns lebhafte und begeiſterte Schilderungen darüber hinterlaſſen. Allein dürfen dieſe Ge⸗ mälde nicht eher als Werke der Einbildung, denn als ernſte oder wiſſenſchaftliche Abhandlungen betrachtet werden? Muß man nicht darin eine philoſophiſche Theſe ſtatt einer ökonomi⸗ ſchen Lehre ſehen? Ich kann nicht ganz dieſer Anſicht beiſtimmen. Die Inſtitutionen Griechenlands ſind nicht dem Zufall ent⸗ ſtiegen; die meiſten derſelben waren die Frucht des Nach⸗ denkens mehrer berühmter Männer, welche ihre Entwickelung mit der Unbeugſamkeit einer durchaus ſyſtematiſchen Logik verfolgt haben. Man hätte ſagen mögen, daß ſie das Ende ihrer Erfahrungen ſehen wollten, wie bei uns die vollzie⸗ hende Gewalt auf die Anwendung der Geſetze geht, welche ihre Initiative hat geben laſſen. Als Platon die Dialogen über den Staat(d1ανωιο τπτꝛ1„) ſchrieb, bewies er deutlich genug, daß die politiſche Oekonomie, ſo wie wir ſie in unſern Tagen auffaſſen, ſeinen aufgeklärteſten Zeitgenoſſen nicht fremd war. Er hat die Vortheile der Theilung der Arbeit hervorgehoben mit einer vollkommenen Klarheit, und welche uns Adam Smith das Verdienſt dieſer Entdeckung, wenn auch nicht die Priorität des Beweiſes geraubt zu haben ſcheint. Hier iſt der Ort, die merkwürdigſten Stellen dieſes Dialogs anzuführen, der ſo natürlich, ſo wahr und ſo bewunderungswürdig durch ſeine Richtigkeit und Einfachheit iſt*). „Es entſteht nun, ſagte ich, eine Stadt, wie ich glaube, „weil von uns jeder nicht ſelbſtgenügſam, ſondern Vieler „bedürftig iſt. Oder glaubſt du, daß irgend ein anderer „Anfang eine Stadt anſiedle; Keiner, ſagte er. Wenn ſo *) Platon's Staat, Buch II. „nun ſeinen nviele „ſo l „„St „Einer gentge nlich. „Sta nunſe „und vrung naber nund „wird iſt de mander „den ffür „Sto nnun „ſar niſt, „Mi „dern „Thei „bon! mverwe die E ſſonde ſagte mald „wun ſagſt ſiſt, Betr r der ochſten Ari⸗ eiſterte ſe Ge⸗ ernſte Muß onowi⸗ mmen. lent⸗ Nach⸗ lung Logik Ende lzie⸗ elche ogen utlich ie in enoſſen ng der , und dkung, bt zu tellen wahr und aube, gieler derer enn ſo „nun Einer den Andern zu einem anderen und der wieder zu „einem anderen Bedürfniſſe nimmt, und ſie, Vieler bedürftig, „viele Genoſſen und Gehülfen auf Eine Wohnſtätte verſammeln, „ſo legen wir einem ſolchen Zuſammenwohnen den Namen „„Stadt“ bei. Nicht wahr? Allerdings. Es theilt aber „Einer dem Andern mit, wenn er Etwas mittheilt oder „entgegen nimmt, meinend, daß es ihm beſſer ſey.— Frei⸗ „lich.— Wohlan, ſprach ich, machen wir in Gedanken eine „Stadt von Anfang an. Es wird ſie aber, wie es ſchien, „unſer Bedürfniß gründen. Warum nicht? Aber das erſte „und größte der Bedürfniſſe iſt die Anſchaffung der Nah⸗ „rung des Seyns und Lebens wegen. Allerdings. Das zweite „aber iſt das der Wohnung; das dritte das der Kleidung „und dergleichen. So iſt es. Wohlan denn, ſagte ich, wie „wird eine Stadt genügen zu ſolcher Anſchaffung? Anderswo „iſt der Ackersmann Einer, der Baumeiſter ein anderer, ein „anderer wieder der Weber; oder wollen wir alsbald auch „den Schuſter hinzuſetzen, oder irgend einen andern Arbeiter „für den Leib? Ja wohl. Es wäre nun die nothdürftigſte „Stadt aus vier oder fünf Männern.— Es ſcheint ſo. Wie „nun aber? Soll Jeder von dieſen ſein Werk Allen gemein⸗ „ſam darbieten? wie der Ackersmann, obwohl er nur Einer „iſt, die Nahrung Vieren ſchaffen, und vierfache Zeit und „Mühe wenden auf die Anſchaffung des Getreides, und An⸗ „dern es mittheilen? oder unſorgſam für ſich allein den vierten „Theil des Getreides ziehen in dem vierten Theil der Zeit; „von den übrigen dreien aber einen auf den Bau des Hauſes „verwenden, den andern auf die Kleidung, noch einen auf „die Schuhe; und nicht Andern mittheilend Geſchäaͤfte haben, „ſondern für ſich das Seinige verrichten? Und Adeimantos „ſagte: vielleicht aber, o Sokrates, iſt das Erſtere leichter, „als das Andere. Auch, ſagte ich, iſt dieſes bei Zeus nicht „wunderbar; denn ich bemerke auch ſelbſt, indem du es „ſagſt, daß zuerſt Jeder nicht Jedem ganz gleich geartet iſt, ſondern der Natur nach verſchieden, ein anderer zum „Betrieb eines andern Geſchäftes. Oder meinſt du nicht? ——— 8 „Ich auch.— Wie nun? Wird einer wohl beſſer etwas ver⸗ „richten, wenn er, obwohl er nur Einer iſt, viele Künſte be⸗ „treibt, oder wenn jeder nur Eine? Wenn Jeder nur Eine, „ſagt er. Aber glaube ich, auch das iſt deutlich, daß, wenn „einer die Zeit einer Sache verſäumt, ſie ihm zu Grunde „geht. Das iſt gewiß deutlich. Denn nicht will, glaube ich, das „zu Verrichtende die Muße des Verrichtenden abwarten, ſon⸗ „dern es muß der Verrichtende dem zu Verrichtenden nachge⸗ „hen, nicht aber nur beiläufig. Nothwendig. Dieſem gemäß „wird alles reichlicher werden, und ſchöner und leichter, wenn „Einer Eines nach der Natur und in der Zeit, von dem An⸗ „derer feiernd, verrichtet. Allerdings.“ Wahrlich, nie wurden die Vortheile der Theilung der Ar⸗ beit klarer beſtimmt, als in dieſer merkwürdigen Stelle. Wir werden bald ſehen, mit welcher ſinnreichen Kunſt der Verfaſſer zur Beſtimmung des Begriffs Geld geführt wird.„Wenn „nun, fährt einer der Zwiſchenredner Platon's fort, auch „Holzarbeiter und Schmiede, und viele dergleichen Handwerker „uns Genoſſen des Städtchens werden, ſo werden ſie es ſchon „bedeutend machen.— Allerdings. Aber es möchte immer „noch nicht ſehr groß ſeyn, wenn wir zu ihnen auch Rinder⸗ „hirten und Schäfer und die andern Viehzüchter hinzufügen, „damit die Ackersleute zum Pflügen Ochſen haben, die Bau⸗ „meiſter aber zu den Fuhren mit den Ackersleuten das Zug⸗ „vieh gebrauchen können, und die Weber aber und Schuſter „die Häute und Wolle.— Nicht mehr klein, ſagte er, möchte „die Stadt ſeyn, die alles dieſes hat.— Allein, ſprach ich, „die Stadt an einem ſolchen Ort anſiedeln, wo ſie keiner Zu⸗ „fuhr bedürfen wird, möchte faſt unmöglich ſeyn.— Aller⸗ „dings unmöglich. Alſo wird ſie auch noch Anderer bedürfen, „welche ihr aus andern Städten zuführen werden, was ſie „bedarf. Sie wird deren bedürfen. Wenn aber leer nahen „wird der Diener, Nichts mitbringend, was jene bedürfen, „von denen geholt werden ſoll, was ihnen ſelbſt Noth thut, „ſo wird er leer abgehen. Nicht wahr? So dünkt mich. „Alſo müſſen ſie zu Hauſe nicht nur für ſich das Paſſende „khun, „welche „müſſen „bedür „auch „den. „Auch „Und „man ndig! „Wie „west „hattel durch „und 2 „ings. Soll Zeilen litiſche mehr wickelw In d wicke ſich welch „D tos*), Vas i die Arn worden werde k träͤger — G II. Buc Blan⸗ Wir laſſer Lenn auch erker ſcon wmer Ninder⸗ ufügen, Bau⸗ Ju⸗ huſter nöchte hich, Zu⸗ Aller⸗ ürfen, as ſie nahen dürfen, ʒi thun tmich. aſſende — 49— „thun, ſondern was und ſo viel ſie jenen bringen müſſen, „welche ihnen geben ſollen, was ſie bedürfen. Denn das „müſſen ſie. Mehrer Ackersleute alſo und anderer Handwerker „bedürfen wir in unſerer Stadt. Mehrer allerdings. Und „auch anderer Diener, welche Jedes ein⸗ und ausführen wer⸗ „den. Dieſes ſind aber die Handelsleute. Nicht wahr? Ja. „Auch der Handelsleute werden wir ſonach bedürfen. Freilich. „Und wenn nun der Handel zur See getrieben wird, wird „man noch vieler anderer bedürfen, welche des Seeweſens kun⸗ „dig ſind. Gewiß vieler. Wie nun aber in der Stadt ſelbſt? „Wie ſollen ſie einander mittheilen, was Jeder gefertigt hat, „weswegen wir auch, nachdem wir die Gemeinſchaft geſchloſſen „hatten, die Stadt angelegt haben? Offenbar doch, ſagte er, „durch Kauf und Verkauf. So wird uns daraus ein Markt „und Münze als Zeichen des Tauſches wegen entſtehen. Aller⸗ „dings.“ Sollte man nicht, wenn man dieſe ſo einfachen und ſo beſtimmten Zeilen liest, glauben, eines unſerer beſten Werke über po⸗ litiſche Oekonomie zu leſen? Es iſt wirklich ſchwierig, mit mehr Klarheit den natürlichen Gang der induſtriellen Ent⸗ wickelung in einer Stadt darzuſtellen, deren Anlage beginnt. In dem Maaße dieſe eingebildete Stadt ſich bereichert, ver⸗ wickelt ſich ihre Lage; die Vertheilung des Vermögens bildet ſich auf eine ungleiche Weiſe und erhebt eine Menge Fragen, welche nicht leicht zu löſen ſind. „Die anderen Arbeiter betrachte nun nochmals, ſagt Adeiman⸗ tos*), ob dieſes ſie verdirbt, daß ſie ganz ſchlecht werden. Was iſt aber dieſes? Der Reichthum, ſagte Sokrates, und die Armuth. Wie aber? So. Wenn ein Töpfer reich ge⸗ worden iſt, glaubſt du, daß er ſich um ſein Gewerb noch werde kümmern wollen? Nein, ſagte er. Wird er immer träger und fauler werden? Gar ſehr. Alſo wird er ein (*+ Nolααν V. Buch im Anfang, und nicht, wie das Original ſagt, II. Buch. Blanqui, Geſchichte d. volit. Oekonomie. 1. Bd. 4 ſchlechterer Töpfer? Auch das, fagte er, immer mehr. Aber auch weil er die Werkzeuge ſich aus Armuth nicht anſchaffen kann, oder irgend etwas Anderes, was zur Kunſt gehört, wird er ſchlechtere Arbeiten machen, und die Söhne oder Andere, welche er lehren ſoll, zu ſchlechtern Arbeitern heranbilden. Warum nicht? Alſo durch Beides, durch Armuth und Reich⸗ thum, werden die Werke der Künſte ſchlechter, und ſchlechter die Gewerbenden ſelber. Das leuchtet ein. Noch Anderes, wie es ſcheint, haben wir für die Wächter gefunden, was ſie auf jede Weiſe verhüten ſollen, daß es nicht ihnen ver⸗ borgen je in die Stadt ſich einſchleiche. Was iſt dieſes? Reichthum, ſagte ich, und Armuth, da jener Prunkſucht und Faulheit und Neuerungsſucht mit ſich führt, dieſe aber Nie⸗ derträchtigkeit, und ſchlechte Handlungsweiſe neben der Neue⸗ rungsſucht.“ Man muß ferner hier die vollkommene Competenz der Alten anerkennen, die wichtigſten Fragen der politiſchen Oekonomie zu unterſuchen. Nach mehr als zwei Jahrtauſenden haben wir noch nicht die Verwirklichung des Utopiens Platon's, dieſes ökonomiſchen Juſtemilieu's, erwirkt, das jedem einen gleichen Antheil an dem Ertrage der Arbeit zumißt. Wir haben immer ſolche reich gewordene Töpfer, welche ihr Handwerk vernach⸗ läſſigen, und arme Arbeiter, welchen man die Handwerks⸗ zeuge liefern muß, welche ſich anzuſchaffen ſie außer Stand ſind. Man denkt ſonach ſchon ſehr lange an dieſe ſchauerliche Probleme des ſocialen Zuſtandes, welche die Revolutionen im⸗ mer in Anregung bringen, ohne ſie je zu löſen! Dictatur, Scla⸗ verei, Freiheit, Plünderung, Aſſociation, Ariſtokratie, Demo⸗ kratie: man hat Alles daran gewendet— das Räthſel bleibt noch unlösbar; glücklich unſere Generation, wenn die Wiſſen⸗ ſchaft ihr einſt das Wort der Löſung gibt! Nachdem Platon ſo ſinnig den Begriff des Staates beſtimmt, und die Theilung der Arbeit zergliedert hat, hält er plötzlich inne, und räth die Gemeinſchaft der Frauen und Kinder. „Damit, ſagte Sokrates, und mit dem andern Vorhergegan⸗ genen hängt nach meiner Anſicht folgende Einrichtung zu⸗ ſamme Männ beiwo weder Vatex Jö Idee Geiſt führe Chin tel f tet. der dem Sucht ſtreiti wie B „Wor „perw ſterbil Gleich achtun 3) 8) Aber auch affen kann, t, wird er er Andere, ranbilden. ind Neich⸗ ſchlechter Anderes, was ſie nen der⸗ t dieſes? ſucht und her Nie⸗ Neue⸗ r Alten onomie en wir dieſes gleichen imwer vernach⸗ ndwerks⸗ er Stand auerliche men im⸗ „Scla⸗ Demo⸗ l bleibt Wiſſen⸗ heſtimmt, t pütlich Kinder. rhergegan⸗ htung zu⸗ — — 51— ſammen. Welche?— Daß dieſe Weiber alle allen dieſen Männern gemeinſam ſeyen, keine aber irgend einem eigen beiwohne, und ſo auch die Kinder gemeinſam ſeyen, ſo daß weder ein Vater ſein Kind kenne, noch auch ein Kind ſeinen Vater.“*) Ich führe wörtlich dieſe auffallende Stelle an, um eine Idee von dem Grade der Kühnheit zu geben, zu welchem der Geiſt des Syſtems einen der ſchönſten Geiſter des Alterthums führen konnte. Die Gemeinſchaft der Güter, eine andere Chimäre, wird auch von Platon als ein ſouveraines Heilmit⸗ tel für die veraltetſten Wunden der Staatsgeſellſchaft betrach⸗ tet. Es würde dann weder Wirren, noch Unordnungen, we⸗ der Frevel, noch Knechtsſinn geben. Der Wucher würde mit dem Geiz und den Laſtern verſchwinden, welche eine unmäßige Sucht nach Reichthum bei den Menſchen vermehrt. Keine Rechts⸗ ſtreitigkeiten mehr und folglich auch keine Ränke; wir würden alle wie Brüder leben.„Hoffen wir jedoch nicht, ſo können wir Platon's „Worte zuſammenfaſſen, den Plan dieſes vollendeten Staates zu „verwirklichen.“ Wie geſchickte Maler mit großen Zügen Mu⸗ ſterbilder von einer idealen Schönheit zeichnen, welche ſich un⸗ möglich an den einzelnen Menſchen finden läßt, eben ſo wol⸗ len wir nur ein vollendetes Urbild geben; je mehr ſich die Geſetzgeber dieſem Muſterbild annähern werden, deſto geeig⸗ neter wird ihre Verfaſſung ſeyn, die Menſchen zum Glück zu führen**). Das iſt die Anſicht, welche Platon ſelbſt von ſeinen Lehren hatte, einer merkwürdigen Miſchung von Blicken voll von Richtigkeit und von Utopien, die keine Beachtung ver⸗ dienen. Man weiß wirklich nicht, wie man die Träume von Gleichheit, die dieſen Weiſen begeiſtern, mit ſeiner tiefen Ver⸗ achtung der arbeitenden Klaſſen vereinigen ſoll. „Die Natur hat, nach ihm, weder Schuſter noch Schmiede *) Nolwreon, Buch V. 4*) Tolreνυν, Buch V. Hr. Blanqui zog Platon's Stelle zuſammen. Bß. 4. — 52— geſchaffen; dergleichen Beſchäftigungen entwürdigen die Men⸗ ſchen, welche ſie ausüben, ſchlechte Lohnarbeiter, Unglückliche ohne Namen, welche ſchon durch ihren Stand von den politi— ſchen Rechten ausgeſchloſſen ſind. Was die Handelsleute betrifft, gewöhnt zu lügen und zu betrügen, ſo wird man ſie in dem Staat nur als ein nothwendiges Uebel dulden. Der Bürger, welcher ſich durch den Ladenhandel entwürdigt haben wird, ſoll wegen dieſes Vergehens belangt werden. Wenn er überwieſen wird, ſoll er zu einem Jahre Gefängniß verurtheilt werden. Die Strafe ſoll bei jedem Rückfall ver⸗ doppelt werden. Dieſe Art des Handels ſoll nur den Fremden geſtattet ſeyn, welche man am wenigſten verdorben finden wird Die Behörde ſoll ein genaues Verzeichniß über ihre Waarenrechnungen und ihre Verkäufe halten. Man wird ihnen geſtatten, bloß einen ſehr kleinen Gewinn zu machen“*). Xenophon iſt eben ſo beſtimmt. Denn er ſagt: die ſogenannten handwerkmäßigen Gewerbe ſind verſchrieen und werden da⸗ her mit Recht in den Staaten mißachtet; denn ſie verwüſten die Leiber der Arbeitenden und der Beſorgenden, da ſie ſie zwin⸗ gen, zu ſitzen und im Schatten ſich aufzuhalten, einige auch ganze Tage am Feuer zu verweilen. Sind aber die Leiber verweichlicht, ſo werden auch die Seelen viel ſchwächer. Auch haben die ſ. g. handwerkmäßigen Gewerbe meiſt Verhinderung, ſo⸗ wohl für die Freunde, als für den Staat mit zu ſorgen, ſo daß ſolche ſchlecht befähigt erſcheinen, ſowohl den Freunden zu nützen, als dem Vaterlande Helfer zu ſeyn.“**) Dieſe Lehre von den müſſigen Menſchen, welche unter uns wieder angeregt wurde, umfaßt die ganze politiſche Oe⸗ konomie der Alten. Herr von Sismondi***) macht ſehr ſcharf⸗ ſinnig die Bemerkung, daß ſie wenigſtens immer anerkannt hatten, der Reichthum habe nur inſofern Werth, als er zum allgemeinen Glück beitrage, und daß ſie gerade deßwegen, weil *) Platon Wou, Buch XI. **) Tenophon, Oirovouenoe, Gap. IV. 2. 3. *e) Nouveaux principes d'économie politique, liv. I. chap. III. ſie ihn!; richtiger nemied toriſch. Alles! Staats eine u wieſen cher e ausſch viduu Gefãh welchen durch! wenn! Auge! Rreier ließen. ſagt* zmiſch „gew uner nche „ben nfrti Dieſe ſchänſt Inſtitt geht g Eine t uns di dichen des- *) 4*)( ie Men⸗ glückliche politi⸗ ebetriff, in dem Bürger, n wird, erden. fängniß fall ver⸗ Fremden finden eer ibre t wird en“*). annten en da⸗ rwüſten e zwin⸗ ge auch e Leider der. Auch erung, ſo⸗ n, ſo daß unden zu he unter che Oe⸗ ſcharf⸗ nerkannt er zum den, weil ſie ihn nicht abſtrakt betrachteten, in dieſer Materie oft viel richtigere Anſichten gehegt hatten, als wir. Die politiſche Oeko⸗ nomie der Griechen war vorzugsweiſe regiminal und reglemen⸗ tariſch. Ihre Schriftſteller wollen, daß das Geſetz ſich in Alles miſche, und faſt Nichts der individuellen Freiheit der Staatsbürger überlaſſe. Der Staat iſt für ſie Nichts, als eine umfaſſende Einigung, wo jeder Einwohner eine ange⸗ wieſene Rolle ſpielt, oder vielmehr eine große Maſchine, an wel⸗ cher er eines der Räderwerke darſtellt. Sie beſchäftigen ſich ausſchließlich mit den Maſſen, und vernachläſſigen das Indi⸗ viduum, ein gefährliches Extrem, neben welchem es nichts Gefährlicheres gibt,— als das entgegengeſetzte Aeuſſerſte, in welches in unſern Tagen die großen civiliſirten Nationen durch die Induſtrie zu fallen ſcheinen. Und ferner darf man, wenn man von den Maſſen in Athen ſpricht, nicht aus dem Auge verlieren, daß es ſich nur von jener kleinen Anzahl Freier handle, welche ſich durch Heere von Sclaven ernähren ließen. In dieſem Sinne hat Herr Dunoyer mit Recht ge⸗ ſagt*):„daß die Sclaverei der nützlichen Gewerbe die ökono⸗ „miſche Einrichtung jeder neu gegründeten Staatsgeſellſchaft „geweſen ſey.“ Rouſſeau behauptet, dieſe Einrichtung ſey unerläßlich geweſen,„weil es unglückliche Lagen gibt, in wel⸗ „chen man ſeine Freiheit nur auf Koſten der eines Andern „bewahren kann, und wo der Staatsbürger nur vollkommen „frei ſeyn kann, wenn der Sclave äuſſerſt ſclaviſch iſt“**). Dieſe ſonderbare Lehre beweiſt, bis zu welchem Punkt die ſchönſten Geiſter in ihrer blinden Bewunderung für die Inſtitutionen des Alterthums ſich verirren konnten; aber es geht gegenwärtig nicht mehr an, ſich mit ihnen zu verirren. Eine tiefere philoſophiſche Erforſchung der alten Geſchichte zeigt uns die Griechen als Beute der Bürgerfehden, des auslän⸗ diſchen Kriegs, der Ränke des öffentlichen Platzes in Folge des Müſſigangs, in welchem zu leben ihnen die Arbeit der *) Nouveau traité d'économie sociale, tome I., p. 234. **) Contrat social, liv. III. — 54— Selaven geſtattete. Sie zeichneten ſich aus in der Wagen⸗ lenkung auf der Rennbahn, ſie verſtanden es, grammatiſche Spitzfindigkeiten auszuklauben, ſchlechte Muſik zu machen, und als ſie Rhethoren wurden, nachdem ſie Plünderer geweſen waren, erlagen ſie aus Mangel an Muth, ſich zu vertheidigen, und an Geld, um ſich durch Söldlinge vertheidigen zu laſſen. Die politiſche Oekonomie Xenophon's ruht auf keinen an⸗ dern Grundlagen, als die Platon's. So oft es ſich darum handelt, die Operationen der Arbeit zu zergliedern, zu der Quelle des Einkommens zurückzuſteigen, die Nützlichkeit der Sachen zu beſtimmen, iſt die lichtvolle Beſtimmtheit dieſes Schriftſtellers bewunderungswürdig; wo aber die Frage auf die Vertheilung des Ertrags kommt, gewinnen die griechiſchen Vorurtheile ihre Herrſchaft wieder, und der Verfaſſer fällt in die Staatslehre des Platon und des Ariſtoteles, dieſer treuen Sprecher der damaligen Oligarchie, zurück. Welches Unglück, daß dieſe Männer ſo fähig, die weſentlichen Erſcheinungen der Gütererzeugung darzuſtellen, nicht umſichtiger die Folge⸗ rungen daraus gezogen haben! Man höre Xenophon in ſeinen Begriffsbeſtimmungen: „Uns aber kam es vor, daß das Haus eines Mannes ſey, was der Beſitz. Wahrlich, ſagte Kritobulos, was immer Jemand Gutes beſitzt: wahrhaft nenne ich, wenn Jemand et⸗ was Böſes beſitzt, dieſes nicht Vermögen. Du ſchienſt das Jedem Nutzbare Vermögen zu nennen. Allerdings, ſagte er; denn das Schadende nenne ich eher einen Verluſt, als Ver⸗ mögen. Wenn aber Jemand, der ein Pferd gekauft hat, es nicht zu gebrauchen verſtände, ſondern, von ihm herabfallend, Scha⸗ den nähme, iſt ihm das Pferd kein Vermögen? Nein, wenn das Vermögen ein Gut iſt. Ja nicht einmal der Boden iſt einem Menſchen ein Vermögen, welcher ihn ſo anbaut, daß er an⸗ bauend verliert. Allerdings iſt auch der Boden kein Vermö⸗ gen, wenn er, ſtatt zu nähren, Hunger verurſacht.—— Auch das Silber, wenn es Jemand nicht zu gebrauchen verſteht, iſt ſo we zu werde . B product biſche Man! ganzer des Ha Rechtsſ würden lich, d herabdr tenopho fur die tungen Idee von währen. higkeit, empfehle und der Orduun Endlich ihm di dieſes Das Theorien gewaltige ihre größ herabzula ſchrieben, und ihrer den Auge allein be — *) kenop Wagen⸗ matiſche machen, geweſen heidigen, gen zu ten an⸗ darum zu der Sachen iſtellers jeilung rtheile 1 die treuen gglück, ungen Folge⸗ ſeinen mes ſey, immer nand et⸗ mſt das bte er; Ver⸗ nicht Scha⸗ wenn einem er an⸗ Lerwuͤ⸗ — Auch verſteht, — 55— iſt ſo weit entfernt, o Kritobulos, für Vermögen gehalten zu zu werden“*). J. B. Say hat keine beſſere Begriffsbeſtimmung von den productiven und improductiven Kapitalen gegeben. Der grie⸗ chiſche Schriftſteller ſagt anderswo die merkwürdigen Worte: Man hat ſehr lange Arme, wenn man die eines ganzen Volkes hat. Er ſchlägt vor, jenen Mitgliedern des Handelsgerichtes Belohnungen zu bewilligen, welche die Rechtsſtreitigkeiten am gerechteſten und ſchnellſten entſcheiden würden; allein es ſcheint uns die Behauptung nicht ſo glück⸗ lich, daß der große Ueberfluß an Geld es nicht im Preiſe herabdrücken würde. Uebrigens können uns die Schriften Tenophon's, ſo voll ſie auch von ſcharfſinnigen Rathſchlägen für die Landwirthe und von ſehr bedeutenden Betrach⸗ tungen für die Philoſophen ſind, uns keine vollſtändige Idee von den wahren ökonomiſchen Anſichten der Alten ge⸗ währen. Der Verfaſſer hat ſich darauf beſchränkt, die Mä⸗ ßigkeit, die Thätigkeit, die gute Vertheilung der Arbeit zu empfehlen. Er hat ſorgſam die Attributionen des Mannes und der Frau unter dem Einfluſſe der Ehe, die Vortheile der Ordnung, der Nacheiferung und der Belohnungen gezeichnet. Endlich hat er mit Kraft die tiefe Verachtung dargelegt, welche ihm die handwerkmäßigen Beſchäftigungen einflößten, wie wir dieſes oben geſehen haben. Das iſt die nothwendige Schlußfolgerung aller ökonomiſchen Theorien der Alten. Man begreift nicht, wenn man dieſe gewaltigen Philippiken gegen die arbeitende Klaſſe lieſt, daß ihre größten Schriftſteller ſich gewürdigt haben, ſo weit ſich herabzulaſſen, daß ſie ſo Schönes zu Gunſten dieſer Arbeiter ſchrieben, welche ſie bei jedem Anlaſſe mit ihren Sarkasmen und ihrer Verachtung belaſten. Der Landbau allein galt in den Augen der Alten als ein ehrenwerthes Gewerb; für ihn allein bewahrten ſie ihre Sorgfalt und ihre Bewunderung. *) Fenophon, Oizovoulnos, cap. I. 7, 8, 14. enophon weiht ihm den wichtigſten Theil ſeines Oinovoαe˙ο. Er handelt dort von dem Mittel, gute Pächter zu bilden, die Eigenſchaften eines Grundſtückes, die dem Anbau günſtigen Zeiten zu erkennen, von den Saaten, den Pflanzungen, den Beurbarungen, dem Getreidehandel; aber ſo gedrängt, und auf eine ſo ſentimentale Weiſe, daß ſein Buch, trotz den trefflichen An⸗ gaben, die es enthält, mehr einem Katechismus der Moral, als einer wiſſenſchaftlichen Abhandlung gleicht. Gleichwohl findet man bei ihm mit Intereſſe die gewöhnlichen Vorurtheile der Alten über gewiſſe wichtige Fragen der Wiſſenſchaft, nament⸗ lich zu Gunſten der edeln Metalle.„Bei dem Bergbau auf Silber, ſagt Xenophon, haben, wie man ſagt, Alle Mangel an Arbeitern; denn es iſt hier nicht ſo, wie dann, wenn viele Kupferſchmiede entſtehen, wo dieſelben, nachdem die Kupferarbeiten wohlfeil ge⸗ worden ſind, zerrüttet werden, und eben ſo die Eiſenſchmiede: und wenn viel Getreide und Wein wächſt, und die Früchte wohlfeil ſind, der Landbau uneinträglich wird, ſo daß Viele, aufhörend, den Boden anzubauen, zum Handel, zum Höckenge⸗ ſchaͤft, zum Zinswucher ſich wenden.“ Je häufiger aber das Silber erſcheint, und das Silber mehr wird, deſto Mehre gehen an dieſes Geſchäft: denn wenn einer gehöriges Geräthe für das Haus erwirbt, ſo wird nicht viel mehr dazu gekauft: Silber aber hat noch Niemand ſo vieles erworben, daß nicht noch dazu verlangt würde: wenn aber Einigen recht viel wird, ſo vergraben ſie es, und freuen ſich deſſelben nicht minder, als wenn ſie es gebrauchen würden. Selbſt wenn auch die Staaten gedeihen, bedürfen die Men⸗ ſchen ſehr des Silbers; denn die Männer wollen es verwen⸗ den auf ſchöne Waffen und gute Pferde und Häuſer und koſt⸗ ſpielige Ausrüſtungen: die Weiber aber wenden es an koſt⸗ bare Gewande und goldenen Schmuck. Wenn aber die Staaten wieder durch Mangel an Früchten oder durch Krieg leiden, weil vielmehr viel Land unbebaut iſt, brauchen ſie Geld zu den Lebensmitteln und für die Hülfsvölker. Wenn aber Jemand ſagen ſollte, daß auch das Gold nicht minder brauchbar ſey, als das Silber, ſo widerſpreche ich — —=— dieſes: wenn Silber So oft a Krieg theidi ſeyn gerre ken, die die Geſc Bürge müſſen geizig herein welche Die wenn Lige poli lend Gri Geſc in ac Eleme den g. formen Grund Nichts deren ſtituti — 1070,Rz0g. ilden, die dünſtigen igen, den und auf ſichen An⸗ oral, als hl findet heile der nament⸗ f Silber, rheitern; ſchmiede feil ge⸗ hmiede: Früchte 5Viele, öckenge⸗ Silber enn wenn vird nicht iemand ſo de: wenn nd freuen würden. ie Men⸗ verwen⸗ nd koſt⸗ an koſt⸗ Früchten ebant iſ, afsvölter. Gold nicht preche ich — y⸗—— — 57— dieſes zwar nicht, das aber weiß ich, daß auch das Gold, wenn es häufig erſcheint, ſelbſt noch ungeſchätzter wird, das Silber aber ſchätzbarer macht*). So führte man unter dieſen Regierungen Griechenlands, die ſo oft als Muſter der Vaterlandsliebe genannt werden, den Krieg nur mit Geld, man fand nur zu dieſem Preiſe Ver⸗ theidiger und Bundesgenoſſen. Und wie hätte es auch anders ſeyn können? Die reiche Klaſſe genoß allein des Staatsbür⸗ gerrechts; ſie beſchäftigte ſich unabläſſig mit politiſchen Rän⸗ ken, und ſah ſich genöthigt, Söldlingen die Ehre zu vertrauen, die nationale Unabhängigkeit zu ſchützen. Eine Zeit kam, wo die Geſetze des Lykurgos und des Solon ein gemeinſames Geſchick hatten. Die Antheile, welche dieſe Geſetzgeber jedem Bürger an dem Eigenthum des Staatsgebiets gewähren zu müſſen geglaubt hatten, waren endlich von einigen Ehr⸗ geizigen verſchlungen, und als die Gefahren von auſſen herein brachen, wollte Niemand ein Vaterland vertheidigen, welches das Eigenthum einiger Familien geworden war. Dieſe verhängnißvolle Kriſe erſcheint noch unvermeidlicher, wenn man die ökonomiſchen Schriften des Ariſtoteles lieſt. Eigentlich gehören dieſe Werke weit mehr der Politik, als der politiſchen Oekonomie an; allein ſie entwickeln mit ſo vol⸗ lendeter Klarheit und Ordnung die ökonomiſchen Lehren der Griechen, daß man ſie als das koſtbarſte Denkmal ihrer Geſchichte betrachten muß. Die Politik des Ariſtoteles iſt in acht Bücher eingetheilt; er unterſucht hier nach einander die Elemente der Bildung der Staaten, die Eigenſchaften, welche den guten Bürger auszeichnen, die verſchiedenen Regierungs⸗ formen, die Urſachen der Staatsumwälzungen, und die Grundlagen, auf welchen jede gute Geſetzgebung ruhen ſoll. Nichts iſt ſonderbarer, als die Begründungen, vermittelſt deren dieſer geiſtreiche Politiker die Sklaverei als eine In⸗ ſtitution des Naturrechts zu rechtfertigen ſuchte. *) Fenophon ToOou meeν τ⁹ο⁶ν, gap. IV. 6— 11. 1 1 1 4 — 58— „Ob aber Jemand, ſagt er, von Natur ein ſolcher(ein Sklave) ſey, oder nicht, und ob es beſſer und gerecht ſey, Jemanden als Sklave zu dienen, oder ob vielmehr die ganze Skla⸗ verei gegen die Natur ſey, wollen wir nachher unterſuchen. Es iſt aber nicht ſchwer, dieſes im Geiſte zu betrachten, und aus dem Geſchehenen einzuſehen: denn das Herrſchen und Beherrſchtwerden gehört nicht blos zu den nothwen⸗ digen, ſondern auch zu den nützlichen Dingen, und als⸗ bald, von der Entſtehung an, haben einige ſich unterſchie⸗ den, die einen zum Beherrſchtwerden, die andern zum Herr⸗ ſchen, und es giebt viele Gattungen, ſowohl der Herr⸗ ſchenden, als der Beherrſchten, nnd immer beſſer iſt die Herrſchaft über die beherrſchten Beſſeren, alſo beſſer über den Menſchen, als über das Thier; denn das aus Beſſerem ge⸗ bildete Werk iſt beſſer. Wo aber das herrſcht, und das beherrſcht wird, da iſt es irgend ein Werk dieſer. So viele Dinge nämlich aus mehren beſtehen, und ein gewiſſes einheit⸗ liches Gemeinſames werden, ob nun aus Zuſammenhängen⸗ dem oder Getrenntem, bei allen erſcheint das Herrſchende und Beherrſchte: und dieſes wohnt von der ganzen Natur dem Belebten ein; zwar auch bei dem am Leben nicht Theil habenden iſt eine gewiſſe Herrſchaft, wie die der Har⸗ monie: allein dieſes gehört vielleicht zu einer äuſſerlicheren Unterſuchung: das Thier aber beſteht zuerſt aus Seele und Leib, von welchen jene herrſchend iſt von Natur, dieſer aber beherrſcht: man muß aber unterſuchen an jenen, welche ſich nach der Natur verhalten, mehr das Naturgemäße, und nicht an den verdorbenen: man muß daher den ſowohl rückſichtlich des Körpers als der Seele am beſten beſchaffe⸗ nen Menſchen betrachten, an welchem dieſes offenbar iſt; denn bei Schlechten oder ſchlecht ſich Verhaltenden möchte es ſcheinen, daß oft der Körper die Seele beherrſche, deß⸗ wegen, weil ſie ſich ſchlecht und wider die Natur verhalten. Es iſt daher, wie wir ſagen, zuerſt bei dem Thiere die herriſche und poli⸗ tiſche Herrſchaft zu unterſuchen; denn die Seele beherrſcht den Körper mit despotiſcher Herrſchaft, der Geiſt aber die — Begierde klar, d der Se von de Vernur Geſagt ſchen Thiere alle i werde das beſſer herrſch Menſch abſteher Thier Geſchä ihnen! das B wenn Natur er au theilh da d dienen von ei die Hi⸗ Sklaven auch die verſchied aufrecht litiſchen und Fr. theil, d Freien ren wer klave) anden Sila⸗ ſuchen. achten, rrſchen hwen⸗ als⸗ erſchie⸗ Herr⸗ Herr⸗ iſt die den ge⸗ das viele hheit⸗ gen⸗ hende Ratur The t Har⸗ rlicheren 3 Seele dieſer welche gemäße, ſowohl ſchaffe⸗ ar iſt; möchte e; deh⸗ en. Esiſt undpoli rrſcht den aher die — 59— Begierde mit politiſcher und königlicher Herrſchaft. Daraus wird klar, daß es naturgemäß und nützlich ſey dem Körper, von der Seele beherrſcht zu werden, und dem begierlichen Theil von dem Geiſt und von dem Theil des Geiſtes, welcher Vernunft hat, daß aber das Gleichheitliche oder das Gegentheil des Geſagten allen ſchädlich ſey. Wieder iſt es bei dem Men⸗ ſchen und den andern Thieren eben ſo; denn die zahmen Thiere ſind von Natur beſſer, als die wilden: für dieſe alle iſt es aber beſſer, von dem Menſchen beherrſcht zu werden; denn ſo erlangen ſie Heil. Vergleicht man ferner das Männchen mit dem Weibchen, ſo iſt jenes von Natur beſſer, dieſes aber ſchlechter; jenes herrſchend, dieſes be⸗ herrſcht. Die nämliche Weiſe muß aber nothwendig auch bei allen Menſchen ſeyn. Welche nun aber ſo weit von einander abſtehen, wie die Seele vom Leib, und der Menſch vom Thier(auf dieſe Weiſe aber unterſcheiden ſich alle, deren Geſchäft der Gebrauch des Körpers iſt, und das iſt von ihnen das Beſte), dieſe ſind von Natur Sklaven, für welche das Beſte iſt, von dieſer Herrſchaft beherrſcht zu werden, wenn anders auch für die genannten. Denn derjenige iſt von Natur Sklave, welcher eines Andern ſeyn kann(weßwegen er auch eines Andern iſt), und wer der Vernunft ſo ſehr theilhaftig iſt, daß er ſie zwar fühlt, aber nicht hat; denn da die anderen Thiere die Vernunft nicht empfinden, ſo dienen ſie den Trieben, und ihr Gebrauch weicht wenig von einander ab; denn von beiden wird durch den Körper die Hülfe zu den Bedürfniſſen geleiſtet, ſowohl von den Sklaven, als von den zahmen Thieren. Es will daher auch die Natur die Leiber der Freien und der Sklaven verſchieden machen, dieſe ſtark zu dem nöthigen Gebrauch, jene aufrecht und unnütz zu ſolchen Uebungen, aber brauchbar zum po⸗ litiſchen Leben(aber auch dieſes wird getrennt in den Kriegs⸗ und Friedensgebrauch); oft geſchieht aber auch das Gegen⸗ theil, daß die Einen die Körper, die Anderen die Seelen der Freien haben. Das iſt nun aber klar, daß, wenn ſolche gebo⸗ ren werden, welche ſo ſehr verſchieden ſind durch den Kör⸗ — 60— per allein, wie die Bilder der Götter von denen der Menſchen, die nachſtehenden vor allen als würdig erklärt werden müſſen, dieſen zu dienen. Wenn dieſes aber in Bezug auf den Leib wahr iſt, ſo muß dieſes noch viel gerechter von der Seele beſtimmt werden: aber es iſt nicht gleich leicht, die Schönheit der Seele und die des Leibes zu ſehen. Daß nun einige von Na⸗ tur frei, Andere aber Sklaven ſeyen, iſt klar, welchen es frommt und für welche es gerecht iſt, zu dienen*). Nachdem Ariſtoteles die ſonderbaren Grundſätze verkündet hat, auf welchen das ganze Gebäude ſeiner Staatslehre be⸗ ruht, ſo unterſucht er unter dem Namen„zrnriun csxen“ die Lehre von dem Vermögen, aus deren einem Zweig er eine beſon⸗ dere Wiſſenſchaft machen möchte, welche er Chrematiſtik zu nennen vorſchlägt. Herr von Sismondi ſchien auf die An⸗ nahme dieſer ausſchließlichen Benennung ein großes Gewicht zu legen, welche auf nichts weniger abzielen würde, als dar⸗ auf, die politiſche Oekonomie auf die bloßen Elemente der Erzeugung des Vermögens zu beſchränken. Allein den Be⸗ mühungen des gelehrten Profeſſors von Genf konnte es nicht gelingen, den Staatswirthſchaftsgelehrten der Neuzeit dieſe Spitzfindigkeit des Weiſen von Stagira aufzudrängen. Es gibt für uns noch etwas Anderes, als die Erforſchung der materiellen Gütererzeugung in der Wiſſenſchaft, deren Ge⸗ ſchichte zu ſchreiben ich unternehme; Jedermann iſt darüber einig, in ihr die Mittel zu finden, das Loos der Menſchheit zu verbeſſern, und das Buch des Ariſcoteles ſelbſt liefert hie⸗ für den unbeſtreitbaren Beweis. Warum ſollte er mit ſeinen kühnen Verſuchen über die ſociale Organiſation Alles vereinigt haben, was die Wiſſenſchaft von dem Vermögen betrifft, wenn er nicht dieſe großen Fragen als untrennbar angeſehen hätte? Und wollte Gott, er wäre bei den erſteren eben ſo gliücklich geweſen, als er ſich bei den zweiten aufgeklärt gezeigt hat! Kaum hat er auseinandergeſetzt, worin die Güter beſtehen, welche er natürliche nennt, ſo überläßt er ſich der Erfor⸗ *) Ariſtoteles olerisur, lib. I. cap. V. ſchung er*), man! gewir des eine barſch aber ihner dern Kur da. ter; Weij genth einer tauſe lich für 61 ſchung jener, die er künſtliche heißt.„Es gibt aber, ſagt er*), noch eine andere Gattung der Erwerbungskunſt, welche man meiſt nennt, und mit Recht nennt die Kunſt, Geld zu gewinnen(onuærterin e*n), wegen welcher keine Grenze des Reichthums und des Erwerbs zu ſeyn ſcheint, welche als eine und dieſelbe mit der genannten Kunſt Viele wegen der Nach⸗ barſchaft anſehen; ſie iſt aber nicht dieſelbe mit der genannten, aber auch nicht weit von ihr entfernt: es iſt aber die eine von ihnen nach der Natur, die andere nicht nach der Natur, ſon⸗ dern ſie entſteht vielmehr aus einer gewiſſen Erfahrung und Kunſt. Nehmen wir aber in Bezug auf ſie den Anfang von da. Der Gebrauch jedes Eigenthums nämlich iſt ein doppel⸗ ter; beide ſind aber durch ſich ſelbſt, aber nicht auf gleiche Weiſe durch ſich ſelbſt, ſondern der eine iſt der Sache ei⸗ genthümlich, der andere aber nicht eigenthümlich, wie bei einem Schuhe der eine das Anziehen, der andere der Aus⸗ tauſch. Denn beides iſt ein Gebrauch des Schuhes; näm⸗ lich auch derjenige, welcher dem eines Schuhes Bedürfenden für Geld oder Nahrung einen Schuh austauſcht, gebraucht den Schuh als Schuh, aber übt nicht den eigentlichen Ge⸗ brauch; denn der Schuh entſtand nicht des Tauſches wegen. Die nämliche Bewandtniß hat es auch bei den andern Ge⸗ genſtänden des Eigenthums; denn es gibt eine Kunſt des Umtauſches bei allen, welche zuerſt mit dem Naturgemäßen begann, da die Menſchen einige Sachen in größerer, an⸗ dere in kleinerer Menge hatten, als ſie derſelben bedurften.“**) Sollte man nicht glauben, hier die Beſtimmung des Be⸗ griffs von Gebrauchswerth und Tauſchwerth zu le⸗ ſen, welcher von Adam Smith in Aufnahme gebracht wurde, und gegenwärtig die Grundlage aller Syſteme über poli⸗ *) Ich habe hier und bei den andern Stellen griechiſcher Schriftſteller die Ueberſetzung des unverſtümmelten Textes an die Stelle der ungenauen franzöſiſchen Ueberſetzung gegeben. Buß. **) Ariſtoteles oleren« lib. I. cap. 9. — 62— tiſche Oekonomie geworden iſt? Ariſtoteles hat mit eben ſo vieler Wahrheit und Deutlichkeit die Vortheile der Münze aus einander geſetzt. Nachdem er einen Blick auf die ver⸗ ſchiedenen Arten des Verkehrs geworfen, erklärte er ſehr gut, wie das Bedürfniß zur Erfindung der Münze führte. „Es iſt alſo klar, ſagte er, daß zur Natur der Kunſt, Vermögen zu gewinnen, der Kaufhandel nicht gehöre; denn ſo viel den Menſchen tauglich war, ſo weit war es ih⸗ nen nöthig, einen Tauſch zu treffen. In der erſten Ge⸗ meinſchaft(dieſe iſt aber das Haus) iſt es nun klar, daß der Tauſch nichts zu ſchaffen habe, ſondern erſt, als die Gemeinſchaft ſchon voller war; denn jene hatten dieſes alles gemeinſam, dieſe aber getrennt auch wieder vieles Andere, welches auszutauſchen nach den Bedürfniſſen nothwendig war, wie es jetzt noch viele der barbariſchen Stämme bei dem Tauſche machen: denn dieſelben tauſchen Nützliches gegen Nützliches ein, aber Nichts gegen mehr, wie z. B. Wein gegen Ge⸗ treide gebend und nehmend, und ſo alles Andere der Art. Ein ſolches Tauſchgeſchäft iſt weder gegen die Natur, noch irgend eine Art der Kunſt, Vermögen zu gewinnen; ſon⸗ dern ſie war zur Ergänzung der naturgemäßen Selbſtbefrie⸗ digung. Aus dieſer iſt jedoch jene der Vernunft gemäß entſtanden. Denn da die Hilfe für das Einführen deſſen, weſſen man bedurfte, und des Ausführens deſſen, woran man Ueberfluß hatte, immer entfremdeter wurde, ſo wurde aus Noth der Gebrauch des Geldes erfunden. Denn nicht leicht ertragbar ſind jene aus der Natur ſtammenden Bedürfniſſe; deß⸗ wegen kam man zum Zweck der Eintauſchungen unter ſich überein, ſo Etwas zu geben und zu nehmen, welches, zu den nutzbaren Sachen gehörend, einen leicht zu behandelnden Ge⸗ brauch für das Leben hätte, wie Eiſen und Silber; oder et⸗ was anderes der Art, zuerſt einfach beſtimmt nach Größe und Gewicht, zuletzt aber auch von ihnen mit einem Zeichen ver⸗ ſehen, damit es des Meſſens und Wägens derſelben enthebe; denn das Merkmal wurde aufgeprägt als Zeichen der Münze. Als daher ſchon das Geld durch den nothwendigen Tauſch er⸗ eben ſo er Münze die ver⸗ eer ſehr ze führte. er Kunſt ore, denn tes ih⸗ iſten Ge⸗ klar, daß als die ſes alles Mdert, g war, Tauſche ʒtzliches n Ge⸗ r Art. „noch z ſoh⸗ ſwefrie⸗ gemäß deſſen, woran vurde tleicht deß⸗ r ſich zu den n Ge⸗ der et⸗ ge und en ver⸗ enthebe; Münze. uſch er⸗ — 63— funden worden war, entſtand jetzt die andere Gattung des Vermögenserwerbs, der Kaufhandel, der Anfangs wahrſchein⸗ lich einfach entſtand, durch den Verſuch aber ſchon künſtlicher wurde, woher und wie das Umgetauſchte den größten Gewinn bewirken werde. Daher ſcheint auch die Kunſt der Erwerbung des Vermögens meiſtentheils mit Geld zu wirken, und ihr Geſchäft zu ſeyn, erſpähen zu können, woher die Fülle des Vermögens kommen werde; denn ſie ſcheint hinſichtlich des Reichthums und des Vermögens hervorbringend zu ſeyn: man hält nämlich den Reichthum oft für eine Menge Geldes, weil die Kunſt des Vermögenserwerbs und des Kaufhandels ſich da⸗ mit befaßt. Dann aber ſcheint das Geld wieder blos etwas Unnützes und durchaus durch das Geſetz Geſchaffenes, nichts aber von Natur zu ſeyn, weil es, wenn es die Gebrauchenden umwandeln, nichts werth und zu keinem der Lebensbedürfniſſe brauchbar iſt, und der, welcher Geld in Fülle hat, oft an der nothwendigen Nahrung Mangel lei⸗ den wird; nun iſt es aber ungereimt, daß dasjenige Reich⸗ thum ſey, in deſſen überflüſſigem Beſitz man Hungers ſtirbt“*). Unmöglich laſſen ſich auf eine richtigere Weiſe die wah⸗ ren Eigenſchaften des Geldes charakteriſiren. Anderswo hat Ariſtoteles mit der nänlichen Genauigkeit die Folgen des Wuchers und die des Kippergeiſtes gewürdigt.„In Sicilien, ſagt er, kaufte Jemand mit dem bei ihm hinterlegten Geld alles Eiſen aus den Eiſenwerken zuſammen; als nachher von den Handelsplätzen die Kaufleute kamen, ſo verkaufte er allein, wobei er keine große Erhöhung des Preiſes machte; aber gleichwohl gewann er mit fünfzig Talenten hundert“**). Man hat mit einigem Grunde mehren neuern Staats⸗ wirthſchaftsforſchern vorgeworfen, in ihren Schätzungen des *) Ariſtoteles 1oderaon, lib. I. cap. 9. **) Ariſtoteles olwruucov, lib. I. cap. 11. — 64 Nationalvermögens nur die materiellen Erzeuger befaßt zu haben, als wenn der Magiſtrat, welcher die Rechtspflege beſorgt, oder welcher die Verwaltung leitet, der Staats⸗ geſellſchaft nicht eben ſo viele Dienſte leiſtete, als die Ge⸗ werkenden oder die Landwirthe. Platon ſelbſt war in die⸗ ſen Irrthum verfallen, welcher von Ariſtoteles lebhaft wider⸗ legt wird:„Der Staat iſt, ſagt er, ſich ſelbſt genügend, das Seclaviſche aber iſt ſich nicht ſelbſt genügend. Daher iſt dieſes in Platon's Staat zwar geziert, aber nicht paſſend geſagt; denn Sokrates ſagt, daß der Staat aus vier ganz nothwen⸗ digen Arten von Menſchen beſtehe; als dieſe nennt er den Weber und Ackersmann und den Schuhmacher und den Bau⸗ meiſter: noch fügt er aber hinzu, als wenn dieſe nicht ſich ſelbſt genügend wären, den Schmied, und die Hüter des nö⸗ thigen Viehes, auch den Kaufherrn und Händler, und dieſe alle werden die Erfüllung des erſten Staats, als wenn der ganze Staat nur der Lebensbedürfniſſe wegen zuſammengetre⸗ ten wäre, und nicht vielmehr des Schönen wegen, als wenn er der Schuſter und der Landbebauer gleichmäßig bedürfte; den vorkämpfenden Theil ſtellt er aber nicht eher dar, bis der Staat, wenn das Land erweitert und das der Nachbarn be⸗ rührt, in Krieg geräth: allein auch bei den vier und den noch ſo vielen Arten von Staatsgenoſſen iſt es nothwendig, daß Jemand ſey, der das Gerechte aufſtellt und entſcheidet. Wenn daher auch Jemand die Seele eher als einen Theil des be⸗ lebten Weſens ſetzt, als den Leib, ſo ſind auch bei den Staa⸗ ten ſolche eher zu ſetzen, als die auf den nothwendigen Ge⸗ brauch abzielenden, nämlich der kriegeriſche und der an der Rechtspflege theilhaftige Theil, zu dieſem noch der berathende, was Sache der politiſchen Vernunft iſt“*). So hatte Ariſtoteles lange vor J. B. Say dieſe Schöpfer geiſtiger Erzeugniſſe wieder in ihr Recht eingeſetzt, deren ge⸗ *) Ariſtoteles olurisc, lib. IV. cap. 4.— hötige unſert würd geber thum gibt! die T geſtau Beſte mittl liebſt ſtarke Gegen und d denn thaͤter, Kleine Uebern dieſe oder Stac nem und wede⸗ wächf denn in den dieſen derträͤc aber aber, aber ein nicht Verad Befren Bu t zu pflege taats⸗ 2 Ge⸗ n die⸗ wider⸗ , das dieſes geſagt; ſihwen⸗ er den Bau⸗ ht ſich 5 nö⸗ dieſe n der getre⸗ wenn ürſte; is der en be⸗ en noch ßig, daß .VWenn des he⸗ Staa⸗ en Ge⸗ mn der thende, chöpfer ren ge⸗ — 65 horige volkswirthſchaftliche Einreihung für eine Entdeckung unſerer Zeit galt. Er hatte ferner mit einer bewunderungs⸗ würdigen Genauigkeit die Urſachen des alten Streites ange⸗ geben, welcher ſeit den Urzeiten der Welt zwiſchen dem Reich⸗ thum und der Armuth beſteht.„In allen Staaten, ſagt er, gibt es drei Theile des Staats, ſehr Reiche, ſehr Arme, und die Dritten, die Mittleren zwiſchen dieſen. Weil es nun zu⸗ geſtanden wird, das Mittelmäßige und das Mittlere ſey das Beſte, ſo iſt es klar, daß auch von den Glücksſtänden der mittlere Beſitz der beſte von allen ſey: denn der gehorcht am liebſten der Vernunft: das Ueberſchöne aber, oder das Ueber⸗ ſtarke oder das Ueberedle oder das Ueberreiche, oder der Gegenſatz derſelben, das Ueberarme, oder das Ueberſchwache und das ganz Verachtete folgen nur ſchwierig der Vernunft; denn jene werden eher übermüthig und im Großen Uebel⸗ thäter, dieſe aber werden boshaft und ſehr ſchlimm im Kleinen: von den Ungerechtigkeiten aber entſtehen einige aus Uebermuth, die anderen aber aus Bosheit; auch bekleiden dieſe am wenigſten das Amt eines Vorſtandes im Rathe oder eines Anführers der Phyle, und dieſes Beide iſt den Staaten ſchädlich. Zudem wollen diejenigen, welche in ei⸗ nem Uebermaaß des Glückes, der Stärke und des Reichthums und der Freunde und anderer dergleichen Güter ſich befinden, weder beherrſcht werden, noch verſtehen ſie es(und das er⸗ wächſt ihnen ſchon von Haus aus, wenn ſie noch Knaben ſind; denn wegen der Hoffahrt ſind ſie nicht einmal gewohnt, ſich in den Schulen beherrſchen zu laſſen), jene aber, welche an dieſen Dingen im Uebermaaß Mangel leiden, ſind ſehr nie⸗ derträchtig, ſo daß dieſe nicht zu herrſchen verſtehen, wohl aber mit fklaviſcher Herrſchaft beherrſcht zu werden: jene aber, durch gar keine Herrſchaft beherrſcht zu werden, wohl aber mit deſpotiſcher Herrſchaft zu herrſchen: es entſteht alſo ein Staat ſowohl von Sklaven, als auch von Herren, aber nicht ein Staat von Freien und von Beneidenden und von Verachtenden, was am weiteſten entfernt iſt von ſtaatlicher Befreundung und Gemeinſchaft: denn die Gemeinſchaft iſt Blanqui, Geſchichte d. polit. Oekonomie. 1. Bd. 5 — 66— de etwas Befreundetes: denn nicht will man mit Feinden den Weg gemeinſam haben.“*) „Es will aber auch,“ fährt Ariſtoteles fort,„der Staat aus Gleichen und Aehnlichen meiſtentheils beſteben; dieſes liegt aber meiſt den Mittleren zu Grund, ſo daß nothwendig am beſten derjenige Staat geleitet wird, welcher aus Jenen beſteht, aus welchen wir ſagten, daß nach der Natur der Verein des Staa⸗ tes beſtebe, und dieſe Bürger ſind in den Staaten am meiſten wohlbehalten; denn ſie trachten nicht nach fremder Habe, wie die Armen, noch trachten ſie nach der Habe dieſer Andern, wie nach der der Reichen die Armen, und weil weder ihnen nach⸗ geſtellt wird, noch ſie nachſtellen, ſo leben ſie gefahrlos dabin. Deßwegen erbat ſich Phokylides ſchön:„Viel Beſtes den Mittleren; ein Mittlerer will ich im Staate ſeyn.“ Nun iſt aber offer bar, daß auch die beſte ſtaatliche Genoſſenſchaft die zwiſchen den Mittleren ſey, und daß das Wohlregieren ſolche Staat treffe, in welchen das Mittlere viel und wenigſtens mehr, als die beiden andern Theile, oder, wenn nicht, doch wenigſtens als der eine Theil iſt; denn hinzugelegt, gibt es den Ausſchlag, und hindert, daß die entgegengeſetzten Uebergewichte entſtehen. Deßwegen iſt es das größte Glück, daß die Regierten ein mitt⸗ leres oder ſchickliches Vermögen haben, weil, wo die Einen gar Vieles, die Anderen aber Nichts erwerben, der Pöbel äußerſt groß, oder die Oligarchie ungemäßigt wird, oder die Tyrannei wegen beider Uebertreibungen entſteht; denn auch aus der kräftigſten Demokratie und aus der Oligarchie entſteht die Tyrannei, aus den Mittleren aber und den ſich nahe Ste⸗ henden viel weniger. Den Grund davon werden wir ſpäter in den Büchern über die Umwandlungen der Staatsverfaſſun⸗ gen angeben. Daß der Mittelſtand der beſte iſt, iſt offenba denn er allein iſt nicht aufrühreriſch; denn wo die Menge im Mittelſtand iſt, entſtehen am wenigſten Aufſtände und Entar⸗ tungen der Staatsverfaſſungen; auch ſind die großen Staaten aufruhrloſer aus dieſer Urſache, weil dort zahlreich das Mitt⸗ —— *) Ariſtoteles odruo, lib. IV. cap. 11. gen 1 den 5. ſchen aus, faſſun deßwe einer mögli nnde eniſt Pöb ande mehl ſaſſun der V die A Je daß d der B in Er dhriſt recht mehr ) 7 . den den Staa aus liegt aber am beſten geht, aus des Staa⸗ am wecen Habe, we Ondern, wie ihnen nach⸗ rlos dahin. Mittleren; aber offen⸗ die zwiſchen he Staaten mehr, als wenigſtens Ausſchlag, t entſtehen. ten ein mit⸗⸗ vo die Einen der Jobel d, oder die denn auch hie entſteht nahe Ste⸗ vwir ſpäter verfaſſun⸗ offenbar; Menge im id Entar⸗ en Snaten das Mitt⸗ — 867= lere iſt. In denſelben iſt es auch leichter, Alle in zwei Par⸗ teien zu theilen, ſo daß nichts Mittleres übrig gelaſſen wird, und beinahe Alle arm oder reich ſind.“*) Es ſcheint, als wenn dieſe Zeilen erſt geſtern geſchrieben, und den Leſern durch eine der tauſend Stimmen unſerer Zeit vorgetragen worden wären. Ich habe ſie mit einiger Aus⸗ führlichkeit angeführt, weil ſie eine genaue Idee von den wirth⸗ ſchaftlichen Anſichten der größten Schriftſteller des Alterthums geben. Mit ſo großer Wärme ſie auch für die Sache der Mittelklaſſen ſtritten, ſo ließen ſie ſich doch nicht zu dem Rin⸗ gen nach einem leeren Utopien verleiten; ſie wußten, was in den bürgerlichen Fehden vorgeht, wo die ſocialen Fragen zwi⸗ ſchen dem Reichen und dem Armen verhandelt werden.„Dar⸗ aus, ſagt Ariſtoteles, wird auch klar, warum die meiſten Ver⸗ faſſungen entweder demokratiſch ſind, oder aber oligarchiſch; deßwegen, weil in dieſen oft wenig iſt des Mittleren, immer einer der beiden anderen Stände überwieget, entweder die Ver⸗ möglichen, oder der Pöbel, die aber das Mittlere überſchrei⸗ tenden nach ihnen die Regierung führen, ſo daß entweder Pöbel entſteht oder die Oligarchie. Weil aber zudem zwiſchen dem Pöbel und den Reichen Parteiungen und Kämpfe gegen ein⸗ ander entſtehen, ſo gründen ſie, welchen von beiden es zufällig mehr gelinge, weder eine gemeinſame, noch eine gleiche Ver⸗ faſſung, ſondern ſie nehmen als Siegespreis das Uebermaaß der Verfaſſung, und es gründen die Einen die Demokratie, die Andern die Oligarchie.“**) Je mehr man den Ariſtoteles liest, deſto mehr erkennt man, daß dieſer große Schriftſteller bei Allem die entwickeltſten Ideen der Bildung ſeiner Zeit zuſammengefaßt hat. Denn es gab in Griechenland, in Rom, wie in dem übrigen Europa ſeit der chriſtlichen Zeitrechnung Zeiten und Männer, welche das Vor⸗ recht verdient haben, beſſer als andere den Charakter und Geiſt mehrer Generationen zu vertreten. So kann man ſich den *) Ariſtoteles olioy, A. cap. 11. **½) Ariſtoteles a. a. O. — 68— mächtigen Einfluß der großen Männer und der großen Schrift— ſteller Griechenlands erklären, trotz der Verſchiedenheit der Intereſſen aller Freiſtaaten, welche dieſes kleine Gebiet erfüllt haben. Trotz den zahlreichen Aenderungen, welche die Inſti⸗ tutionen dieſer Freiſtaaten in den verſchiedenen Zeitaltern Grie⸗ chenlands erfahren haben, ruhten ſie auf faſt unwandelbaren Principien, deren Grundlage aber immer die Sklaverei bildete. Alles, was nicht helleniſch war, wurde als barbariſch betrach⸗ tet; die Prieſter, die Philoſophen als Geſetzgeber, die Krieger und Staatsredner traten um die Reihe an das Ruder der Staatsgewalt, ohne die alten Grundfeſten der griechiſchen Ge⸗ ſittung, den Abſcheu vor der gewerblichen Arbeit, die Verachtung des Handels, die Gleichgültigkeit für Alles, was ausländiſch oder ſklaviſch war, zu erſchüttern. Vergebens hatten die großen Heerfahrten Alexanders und die Entwicklungen ihrer Seemacht den verſchiedenen griechiſchen Stämmen die Gründung eines großen orientaliſchen Reichs erleichtert: ihre innerlichen Tren⸗ nungen und der Mißbrauch der Sklaverei ließen ſie dieſe glorreiche Gelegenheit verlieren, und der griechiſche Föderalis⸗ mus verſchwand vor der römiſchen Einheit, ſobald es dieſer gefiel, ſich zu zeigen. Hauptſtück IV. Von den griechiſchen Colonien und von ihren Verhältniſſen zu dem Mutterſtaat.— Sie haben beigetragen, in einem großen Theil Europa's die Ideen zu verbreiten, deren Heerd zu Athen und Sparta war.— Sie ſind, wie die unſerigen, durch Auswande⸗ rungen gegründet worden, haben aber einer größern Unabhängig⸗ keit genoſſen. Die Geſchichte Altgriechenlands ſtellt, wie die des neuern Europa's, die denkwürdige Erſcheinung einer Föderation von kleinen Völkern dar, welche ungeheure Länderſtriche durch die dloße voller nien ſes u bietst Griec zen T nien es la größ wir ren Einwo Staate Capite den U. und es borner durch Whäc brech herr Aigo verloꝛ Gle der Al Mutter zu ihre Völker die Wer oſt eine genöthi dieſe m zu wid chiſchen fluß.. Schriſt⸗ ei der erfuͤllt e Inſti⸗ n Grie⸗ elbaren bildete. betrach⸗ Krieger der der den Ge⸗ ahtung indiſch großen eemacht eines Tren⸗ ee dieſe derals⸗ ss dieſer zu dem en Theil hen und swande⸗ bhängig⸗ s neuern ntion von durch die — 69— bloße Gewalt ihrer moraliſchen Ueberlegenheit in ehrfurchts⸗ voller Abhängigkeit halten. Die Karte der griechiſchen Colo⸗ nien gleicht einer Welt, wenn man ſie mit der des Peloponne⸗ ſes und mit andern von den Mutterſtädten abhängigen Ge⸗ bietstheilen des Feſtlandes zuſammenhält. Wirklich hatten die Griechen Colonien in Kleinaſien, an den Geſtaden des ſchwar⸗ zen Meeres, auf Cypern, Kreta, Sicilien, in Gallien, Spa⸗ nien und Afrika. Sie zählten dort Städte zu hunderten, und es läßt ſich nicht zweifeln, daß die meiſten dieſer Städte des größten Wohlſtandes genoſſen, ſelbſt in der Bedeutung, die wir gegenwärtig mit dieſem Worte verbinden. Anfangs wa⸗ ren ſie die Frucht der Eroberung: man bemächtigte ſich der Einwohner als Sklaven, und ihrer Ländereien wie eines Staatsgutes. Später wurden die beſiegten Nationen auf eine Capitulation aufgenommen; die Griechen entſandten dorthin den Ueberſchuß ihrer hungerigen und ſtürmiſchen Bevölkerung, und es bildete ſich eine wahre Aſſociation zwiſchen den Einge⸗ bornen und den Einwanderern. So lange der Mutterſtaat ſie durch ſeine Flotten im Gehorſam erhalten konnte, war die Abhängigkeit eine wirkliche; aber es bedurfte nur einer Unter⸗ brechung in den Beziehungen des Verkehrs, um ihre Ober⸗ herrſchaft in Frage zu ſtellen. So bewirkte der Abfall von Aigos⸗Potamos, daß Athen ſeine ſämmtlichen Kleruchien verlor. 1 Gleichwohl darf man nicht zweifeln, daß das Colonialweſen der Alten im Allgemeinen unabhängiger von dem Einfluſſe der Mutterſtaaten war, als das unſerige. Die Griechen hatten zu ihren Verfügungen weder die unermeßlichen Flotten der Völker der Neuzeit, noch die Macht der Artillerie, welche in die Weite wirkt, ohne Ausſchiffungen nöthig zu machen. So oft eine ihrer Colonien zum Aufſtand ſich erhob, waren ſie genöthigt, mit großen Koſten Heere dahin zu werfen, und dieſe mußten ſehr zahlreich ſeyn, um dem Angriff des Feindes zu widerſtehen. So wurden zuletzt auch die meiſten der grie⸗ chiſchen Anſiedelungen völlig frei von jedem auswärtigen Ein⸗ fluß. Die Arbeit war dort geehrt, der Handel blühend und — 79— der Wohlſtand viel allgemeiner verbreitet, als in den großen Mutterſtädten. Epheſos, Smyrna, Phokaia und Miletos er⸗ hoben ſich auf eine Stufe unerhörten Wohlſtandes. Miletos allein hatte vier Hafen und eine Flotte von mehr als hundert Schiffen. Man kennt die Wunder von Rhodos, den Reich⸗ thum Smyrna's, die Kühnheit der phokaiiſchen Seeleute, der Gründer von Marſeille. Die aſiatiſchen Griechen haben frühe die Wollenfärberei, den Bergbau, das Hüttenweſen vervoll⸗ kommnet. Ihre Weiſen haben alle zu den Fortſchritten der Wiſſenſchaften beigetragen; die Philoſophie, die Aſtronomie ver⸗ danken ihnen glänzende Entdeckungen; die ſchönen Künſte herr⸗ liche Denkmale. Sie hatten auch ihre beſonderen Verfaſſungen, und wurden mächtig genug, um Eroberungen zu machen. Die Inſel Kreta hat lange Zeit ihre Unabhängigkeit durch den Handel bewahrt, und iſt erſt der römiſchen Herrſchaft erlegen. Ein großer Theil des gegenwärtigen Europa's, Gallien, Spanien, Unteritalien haben lange Zeit als griechiſche Colo⸗ nien beſtanden. Sicilien allein war ſchon ein wahres Reich, und die Niederlaſſungen, welche in dem gegenwärtigen Theil des Königreichs Neapel lagen, der in den beiden Calabrien endet, gelangten zu einer ſo hohen Stufe des Glanzes, daß ſie den Schimmer des Mutterlandes verdunkelten, und den Namen Großgriechenland verdienten. Alle dieſe Staaten trieben freien Handel unter ſich, bloß unter Entrichtung gewiſſer ge⸗ ringer Gefälle, welche ſie an ihre Mutterſtaaten bezahlten. Es ließe ſich ſogar ſchwer begreifen, warum ſie ſich nicht ſchon frühe der Zahlung derſelben entzogen haben, wenn nicht ihre ewigen Streitigkeiten und die Rivalität ihrer Intereſſen die Erhaltung ihrer Abhängigkeit erklären würden. Die Reich⸗ thümer, welche ſie aus dem Handel bezogen, wirkten eben ſo ſehr dafür, da ſie ihr kriegeriſches Streben ſchwächten, und im Schooße ihrer reichen Städte eine zügelloſe und durch die Lüſte verweichlichte Demokratie heranzogen, die gleich unfähig war, eine Regierung zu ertragen und ſie zu erſetzen. Man betrachte Korinth: welche herrliche Lage für den Handel! Die Stadt lag an zwei Meeren; ſie öffnete und ſchloß den Peloponneſos. Sie he ſie ha Itali Wele der! denm ſittun ten! ſäm gew ſten Una toch haben keine Claſſ Sie gens den! ſie Vo. 9 bezei welc ſtanti großen eos er⸗ Miletos hunderr Neich⸗ te, der n frühe dervoll⸗ ten der mie ver⸗ ſte herr⸗ ſungen, n. Die Handel Hallien, Colo⸗ Reich, n Theil emerdei, ſe den n Namen en trieben iſer ge⸗ ezahlten. it chon icht ihre eeſſen die ie Reich⸗ en eben ſo chten, und d durd de beich rfähig gſegen. Man dell Die Sindt paloponneſo — 171— Sie hatte einen Hafen, um die Waaren Aſiens aufzunehmen: ſie hatte einen zweiten, um die Italiens zu empfangen, und Italien war das Europa jener Zeit! Welche Magazine! Welche Fahrzeuge! welche Denkmale! allein bald begann ſie der Aphrodite Tempel zu bauen und darin Tauſende von Freu⸗ denmädchen zu halten: beklagenswerther Mißbrauch der Ge⸗ ſittung und des Reichthums, welcher von dieſen ſchönen Stät⸗ ten den Reichthum und die Geſittung fliehen ließ! So gingen ſämmtliche griechiſche Colonien unter, nachdem ſie Völker geworden waren. Sie widmeten der Ueppigkeit und den Lü⸗ ſten Schätze, welche ſie hätten dazu verwenden können, ihre Unabhängigkeit zu befeſtigen, und wir finden gegenwärtig nur noch im Graſe die Spuren ihres ehemaligen Glanzes. Sie haben Nichts für das Unglück und für die Armuth gethan: keine Schutzanſtalten, keine Hilfsſtätten für die verſtoßenen Claſſen; keine Erſparungen als Schöpferinnen von Capitalen. Sie haben in den Tag hinein gelebt, verzehrend ihre Vermö⸗ gensſtämme mit ihren Einkünften bis zum Augenblick, wo ſie in den Kreis der römiſchen Welt gezogen wurden, von deren Strudel ſie ihre Unabhängigkeit und ihr Vermögen verſchlungen ſahen. Hauptſtück V. Von der politiſchen Oekonomie bei den Römern in den verſchiedenen Zeitaltern.— Sie ſind weſentlich Krieger und Räuber unter der Republik.— Ingenieure und Verwalter unter dem Kaiſerreich.— Ihre Verachtung der Arbeit.— Ungeheure Verwüſtungen, die ſie verüben.— Untergang Karthago's.— Erſte Verſuche der Organi⸗ ſation unter den Kaiſern. Man unterſcheidet drei große Epochen mit vollkommen bezeichnenden Zügen in der Geſchichte der eilf Jahrhunderte, welche die Gründung Roms von der Throngelangung Con⸗ ſtantins trennen. Die erſte, faſt wild, endet mit dem Beginn des puniſchen Krieges; die zweite, ganz kriegeriſch, ſchließt ſich mit in Begin der Schlacht bei Actium; die dritte umfaßt das Kaiſerreich: zuyiterte es iſt dieſes die des Despotismus und der Verwaltung. Die lungen? wahre politiſche Oekonomie der Römer ſtammt erſt aus ür niſe dem Zeitalter des Auguſtus; bis dahin ſind ſie nur Land⸗ Freiſan wirthe oder Eroberer geweſen: unter dem Kaiſerreich beginnen Dichher ſie endlich ſich zu geſitten. Erſt damals beginnt ihre Regie⸗ Plautus, rung, einen univerſalen Einfluß zu üben, und ſie werden von ſtammten da an wirklich die Herrſcher der Welt. Gleichwohl bewahren Scheu v die Römer trotz dieſen auf einander folgenden Umwandlungen ließ oft in ihrer Verfaſſung und innern Politik von den erſten Tagen ten ſie⸗ ihrer Geſchichte bis zum Sturz des Reiches eine ſtets gleiche irer Ven Phyſiognomie und beinahe gleichförmige Strebungen. Bei 50 zu Ka ihrem Auftreten, mitten unter unabhängige Staaten, wie die 1 artete bei Aequer, Volsker, Sabtner, Samniter, geworfen, werden ſie Herrſcher! Eroberer, um nicht unterworfen zu werden. Als Sieger be⸗ ihre Fahrze wahren ſie ihre kriegeriſchen Gewohnheiten, deren Haupt⸗ b Ohne die charakter die Verachtung der Arbeit iſt. Die Arbeit iſt in meer trobt ihren Augen und ſchon von den erſten Zeiten an eine Sache nen ihre der Gefangenen und Sklaven. Auch kann einer ihrer Geſchicht⸗ di Seefah ſchreiber mit Recht ſagen, daß in dieſem Zeitraum ihr einziges ausländiſ Gewerb war, Korn und Menſchen zu zermalmen. Ihre Re⸗ ſchaft ei ligion geht nicht über ihre Sitten hinaus, ſie errichten Tempel von Acti Jupiter dem Plünderer, Jovi prædatori. Die ſchönen Künſte, Waſfer. die Induſtrie, der Handel, ſind ihnen noch unbekannt. Zur gur geit Zeit des erſten puniſchen Krieges wiſſen ſie Nichts mit den die den Ha ſchönen Gemälden zu machen, die ſie in der Stadt Tarent fin⸗ bölker müſer den. Zu Korinth würfeln ihre Soldaten auf den herrlichſten ſe zu beſe Gemälden der größten Meiſter, und einer ihrer Heerführer Sezen wir wagt es im Ernſt zum Patron eines Schiffes zu ſagen, das Herren geme beſtimmt war, nach Rom die Meiſterwerke Griechenlands zu führen:„wenn du davon verlierſt, ſo mußt du ſie erſetzen.“ mde In dieſem Zeitraum beſtand ſelbſt ihre Sprache noch nicht; viel pann ſie war das, was in dem unſerigen die abſcheuliche Sprache ner Mibür der Notare, Sachwalter und Gerichtsdiener iſt. Der Wechſel di Verffi der Jahre ward durch einen Nagel bezeichnet, der alljährig F gs iim ſchmit ſſerreich: ng. Die erſt aus ur Land⸗ beginnen te Regie⸗ erden von bewahren andlungen en Tagen ts gleiche n. Bei wie die erden ſie eeger be⸗ Haupt⸗ t iſt in de Sache Heſchicht⸗ einziges Ihre R⸗ Tempel Künſte, t. Zur nit den int fin⸗ lichſten rführer n, das ands de wen. h vicht; Sprach Vachſe allüibrig — 273— im Beginn des Monats September feierlich in die Wände des Jupitertempels geſchlagen wurde. Es gab nur drei Abthei⸗ lungen des Tages, eine grobe Kupfermünze genügte allen Be⸗ dürfniſſen und jede Gewerblichkeit war, wie in den griechiſchen Freiſtaaten, in den Händen der Sklaven vereinigt. Ihre erſten Dichter haben dieſer beſchimpften Kaſte angehört: Ennius, Plautus, Terentius und viele andere großen Schriftſteller ent⸗ ſtammten derſelben. Die Römer dieſer Zeit hatten zumal eine Scheu vor der Seefahrt, und ihre Unwiſſenheit in dieſer Kunſt ließ oft unheilvoll ihre Unternehmungen ſcheitern. Auch mach⸗ ten ſie aus der Zerſtörung der Schiffe die erſte Bedingung ihrer Verträge mit den Beſiegten; ſie verbrannten deren mehr als 500 zu Karthago. Dieſe Abneigung gegen das Seeweſen ent⸗ artete bei ihnen zu einer wahren Monomanie, und als ſie Herrſcher des Meeres wurden, ſo wurden ſie dieſes nicht durch ihre Fahrzeuge, ſondern durch den Mangel feindlicher Schiffe. Ohne die Seeräuber, welche ihnen ungeſtraft in dem Mittel⸗ meer trotzten bis zum Punkt, ihre Hafen zu blockiren und ih— nen ihre Staatsbeamten wegzunehmen, hätten ſie gerne auf die Seefahrt verzichtet, welche ſich übrigens bei ihnen nur durch ausländiſche, griechiſche, egyptiſche oder ſiciliſche Schiffsmann⸗ ſchaft erhielt. Auguſtus ſelbſt, welcher doch die Seeſchlacht von Actium gewann, hatte eine gräßliche Furcht vor dem Waſſer. Zur Zeit ihrer erſten Kämpfe mit Karthago ſieht man auch die den Handel ächtenden Edikte erſcheinen.„Die Handels⸗ völker müſſen für uns arbeiten, ſagen ſie; unſer Gewerb iſt, ſie zu beſiegen und Löſegeld von ihnen zu empfangen. Setzen wir ſonach eher den Krieg fort, der uns zu ihren Herren gemacht hat, als daß wir uns dem Handel ergeben, der ſie zu unſern Sklaven gemacht hat.“ Cicero ſelbſt theilte trotz der hohen Ueberlegenheit ſeines Geiſtes noch in einer viel ſpätern Zeit der Republik die antiſocialen Vorurtheile ſei⸗ ner Mitbürger.„Nichts Freiherziges, rief er naiv aus, kann die Werkſtätte haben. Der Waarenhandel iſt, wenn er gering iſt, als ſchmutzig anzuſehen: iſt er aber groß und reich, Vieles — 271— überall her führend, nicht ſehr zu rügen... Denn Nichts gewinnen die Kaufleute, wenn ſie nicht arg lügen.“*) Bei ſolchen Lehren über den Handel iſt es nicht zum Staunen, wenn die Römer in der Eroberung und in der Plünderung Hilfsquellen ſuchten, welche ſie der Arbeit abzugewinnen für unwürdig erachteten. Ihre erſten Reichthümer haben ſie durch Erbeutung begründet, und ihre Geſchichte gleicht mehre Jahrhunderte hindurch der eines Flibuſtiervolkes. Man liest bei ihren Geſchichtſchreibern nur Erzählungen von Räubereien und Verheerungen: bald iſt es die Plünderung von Syracus, bald die von Tarent, von Syrien, von den numidiſchen Städten, dann endlich der Triumph des Paulus Aemilius, deſſen Wa⸗ gen 250 mit Gold und Silber beladene Fuhren folgten. Man⸗ lius plündert Kleinaſien; Sempronius Luſitanien, Flaccus Spanien. 70 Städte in Epirus werden ausgeraubt und zer⸗ ſtört; 150 tauſend Einwohner in die Sklaverei geführt; die Zerſtörung Karthago's allein bringt 500 Millionen unſerer Francs ein. Es war dieſes ein ſchöner Tag für Rom, wo es dieſe Nebenbuhlerin plünderte, deren Tempel mit Goldblättern, dem Erzeugniſſe der Bergwerke Spaniens und des unermeß⸗ lichen Handels auf dem Mittelmeere, belegt waren! Man hat ſich oft gefragt, was aus der Geſittung geworden wäre, wenn Karthago über Rom geſiegt, und wenn der Han⸗ delsgeiſt der großen afrikaniſchen Stadt die kriegeriſche Politik ſeiner unverſoͤhnlichen Feindin bewältigt hätte. Man braucht bloß zu ſagen, daß Karthago zugleich eine gewerbliche und han⸗ deltreibende Stadt war, und daß ſie ſämmtliche Hafen des Mittelmeeres mit ihren Waaren und Urſtoffen verſah. Die Schifffahrt war dort auf eine für die Zeit ſehr hohe Stufe der Vollendung gebracht, wenn wir darüber nach dem Periplus *) Cicero de officiis, lib. I. cap. 42. Man muß dieſe merkwürdige Stelle anführen:„Ne quidquam ingenuum potest habere officina... Mercatura, si tenuis est, sordida putanda est; sin autem magna et copiosa, multa undique apportans, non est admodum vituperanda... Nihil enim proficiunt mercatores, nisi admodum mentiantur.“ des Ha dieſer W ewig be Keime eines geheure von ein und ſo um do ſtehun haben. und d noch ſi wurden welche nius, auf W ſogar! lingt dod d Statt vinz, miſſi herab⸗ zehre dem S Geld welche: ſchon v Das iſt die erſ ⁴) P'L a Nihts 4) Vei Staunen, lünderung gewinnen haben ſie icht mehre Man liest Näͤubereien Syracus, n Städten, eſſen Wa⸗ en. Man⸗ Flaccus und zer⸗ ührt; die unſerer n, wo es ablättern, wnerweß⸗ 1 i geworden m der Han⸗ iſche Voliti dan braucht und han⸗ Hafen des rſah. Die Stufe der petiylus ſe merbvüddige ere offtina utem magni e ritoperanda... autur.“ — 75— des Hanno urtheilen, welcher eines der ſchönſten Denkmale dieſer Wiſſenſchaft im Alterthum iſt. Man muß es ſonach ewig bedauern, daß eine Macht, welche in ihrem Schooße alle Keime einer friedlichen Geſittung trug, unter den Streichen eines ausſchließlich kriegeriſchen Volkes erlegen iſt. Das un⸗ geheure in dieſer Kataſtrophe zerſtörte Capital hätte Arbeiten von einem großen Intereſſe für die Menſchheit unterhalten, und ſollte ſich in Rom in die Caſſen der Patricier verlieren, um dort den ſchmählichſten Ausbrüchen des Wuchers die Ent⸗ ſtehung zu geben, welche je die Geſchichte einer Nation befleckt haben. Von da an ſcheint Rom einem Fieber der Spekulation und des Agioſpieles als Beute zu erliegen; man hört nur noch ſprechen von Bürgern, welche wegen Schulden verfolgt wurden, von Schlöſſern, welche ſich erheben, von Unglücklichen, welche man ihrer Habe beraubt. Brutus und Caſſius, Anto⸗ nius, Sylla, der große Pompejus ſelbſt werden Geldleiher auf Wochenzinſe, und ſchämen ſich nicht, Zinſe von 48 und ſogar von 70 Prozent voraus zu nehmen. Einem Verres ge⸗ lingt es, Sicilien zu erſchöpfen; Salluſtius baut Zaubergärten aus dem Ertrag ſeiner Räubereien in Numidien. Cicero, Statthalter in Cilicien, hält ſich für den Wohlthäter der Pro⸗ vinz, weil er den Zins auf 12 vom Hundert und eine Com⸗ miſſionsgebühr im Fall der Säumniß oder der Erneuerung herabgeſetzt hatte. Juvenal endlich kann ſpäter ausrufen: wir zehren die Völker bis auf den Knochen auf, nach⸗ dem Salluſtius geſagt hat, daß ſeine Zeitgenoſſen das Geld auf alle Art plagen*). Das ſind die Menſchen, welche wir bewundern, und die Geſittung, welche man uns ſchon von unſerer zarteſten Kindheit an als Vorbild aufſtellt! Das iſt die politiſche Oekonomie des römiſchen Volkes bis in die erſten Jahre des Kaiſerreiches! *) Pecuniam omnibus modis vexant. — 76— Hauptſtück VI. Von der politiſchen Oekonomie der Römer ſeit dem Beginn des Kaiſer⸗ reichs.— Mißbräuche der Eroberungen.— Verachtung des Han⸗ dels.— Lage der arbeitenden Claſſen.— Freche Ariſtokratie.— Verhungernder Pöbel.— Man ergibt ſich aus Noth der Eheloſigkeit. — Oeffentliche und private Selbſtſucht.— Mangel an Manufaktu⸗ ren.— Die Nützlichkeit geopfert der Größe. Inmitten des Chuos der Kriege und Eroberungen, in wel⸗ chem Rom ſich bis zu den erſten Zeiten des Kaiſerreiches ab⸗ ringt, ſieht man einige Verſuche einer ſocialen Verjüngung hervortreten, und die Gütererzeugung auf regelmäßigen Grund⸗ lagen ſich erheben. Der befriedende Geiſt des Auguſtus wird die Löſung dieſer großen Aufgabe übernehmen, welche von ſei⸗ nen Nachfolgern nie völlig aufgegeben worden war. Eine allgemeine Zählung der Bevölkerung und der Hilfsquellen des Reiches, ein wahres domesday book, welches leider nicht bis auf uns gekommen iſt, ſoll ihm die weſentlichen Elemente der Reformen liefern, auf welche er ſinnt. Die Statiſtik kömmt der Verwaltung zu Hilfe. Man kennt die Zahl der Grund⸗ eigner, die der Soldaten, der Sklaven, der Freigelaſſenen. Die Auflagen werden mit mehr Ordnung, Umſicht und Un⸗ parteilichkeit erhoben. Die Erbſchaftsabgabe wird auf den zwanzigſten Theil der Erbſchaft feſtgeſetzt; eine allgemeine Ver⸗ brauchsſteuer von 1 Prozent trifft alle Lebensmittel. Die Zölle, dieſes ſo ſüße und zugleich verderbliche Gift für die neuere Induſtrie, werden auf den ſtrengſten Fuß nicht als Schutzeinrichtung, ſondern als eine Einkommensquelle geordnet; die Urſtoffe werden denſelben unterworfen, ſo wie die Waaren. Man zahlte die Zölle im Fall der Wiederausfuhr, wenn die Waaren nicht verkauft wurden, zurück; aber die Zollbeamten waren, man muß es geſtehen, nicht duldſamer, als die unſeri⸗ gen. Sie waren ermächtigt, die Ballen zu öffnen, und ſelbſt die Briefe zu entſiegeln, wie Terentius ausdrücklich verſichert. Die Un Confise wurde, einmal gewinn Zoll au würde Die C die Ei in Be Alten Als präfett ten, ſe Zweige nämlich au's ſe lichen ein G Gecot unter der Noch äußer Befehl ſahen gegenwe ren Zel Größe narchien —— *) 01 Ingwe manten gar Nichte — 2— Die Unterlaſſung der Declaration intra tempus ntile zog die Confiscation*), und wenn ſie als nicht abſichtlich erkannt e i wurde, die Zahlung des doppelten Zolls nach ſich. Nero wollte fokrate.= einmal dieſe Auflage aufheben, um ſich die Liebe des Volks zu Eheloſigkeit. gewinnen; allein der Senat ſtellte ihm vor, daß, wenn der Manufaktu⸗ Zoll aufhörte, man bald auch alle anderen Steuern angreifen würde, und der Kaiſer gab dieſen traurigen Gründen nach. Die Geſchichte hat uns einen dieſer Tarife aufbewahrt, und die Einſicht, die ich davon nahm, läßt mich nicht zweifeln, daß —, in wel⸗ in Bezug auf Widerſinnigkeit unſere Zölle um Vieles die der eiches ab⸗ Alten übertreffen**). erjüngung Als ſpäter das Kaiſerreich unter Diocletian in vier große Grund⸗ Präfekturen getheilt wurde, welche mehre Königreiche umfaß⸗ ſtus wird ten, ſo bildete ſich eine merkwürdige Einheit in ſämmtlichen von ſei⸗ Zweigen der römiſchen Verwaltung. Die Geſetze waren die r. Eine nämlichen von der Tiber bis zur Donau, von Spanien bis ellen des an's ſchwarze Meer. Dreißig Legionen, bildend einen wirk⸗ lichen Heeresſtand von ungefähr 400 tauſend Mann, hielten nicht bis rin der ein Gewuhl von Völkern im Gehorſam, verſchieden in Sprache, git tönmt Gewohnheiten und Intereſſen. Herrliche Straßen verbanden er Grund⸗ unter ſich dieſe ungeheuren Feldlager, errichtet an dem Geſtade ſſenen⸗ der Ströme, am Eingang der Gebirge, oder an dem Saume f und Un⸗ noch uneroberter Länder. Poſtſtationen, unterhalten mit der auf den äußerſten Sorgfalt, förderten an alle Punkte des Reichs die eine Ver⸗ Befehle der Centralregierung. Ungeheure Waſſerleitungen ver⸗ ll. Die ſahen mit Waſſer die wohlhabenden Städte, deren Zahl uns fur die gegenwärtig als fabelhaft erſcheint. Trotz den Wundern, de⸗ nict als ren Zeuge unſer Jahrhundert war, macht uns dieſe römiſche wardutt Größe noch ſtaunen und bewältigt uns; die größten Mo⸗ Vanren. narchien des neuern Europa's erbleichen vor den hundert wenn die ollbeamten*) Quod quis professus non est, perdat. die unſer⸗**) Man findet in dieſer Urkunde Pfeffer, Zimmet, Myrrhe, und ſelbſt Ingwer, einiges Räucherwerk, Thierhäute, Elfenbein, Dia⸗ verſchert manten und andere Prunkgegenſtände; allein unſere Tarife haben 4 gar Nichts verſchont, nicht einmal die Schwefelhölzchen! — 78— Millionen Unterthanen des Kaiſers Claudius. Allein man hat bis auf dieſen Tag ſich begnügt, die ehrfurchtgebietende Höhe des kaͤiſerlichen Coloſſes zu bewundern, ohne ihn zu ermeſſen, ohne zu den erſten Urſachen ſeiner Erhebung zurückzuſteigen, und ohne die Erklärung dieſes erſtaunlichen Daſeyns aufzu⸗ ſuchen. Mit welchen Mitteln konnte man der Verzehrung die⸗ ſer Myriaden von Menſchen genügen? Aus welchem Budget ſchöpfte man die Hilfsquellen, die nöthig waren, um dieſe von der unſrigen ſo verſchiedene Menſchenmaſſe zu nähren und zu kleiden? Gab es dort Arme? Arbeitete man an großen Un⸗ ternehmungen, in der Werkſtätte, oder, wie zur Zeit der Republik, um den häuslichen Heerd? Welches war das Loos des Landbauers und des Gewerkarbeiters? Wie trieb man den Handel? Die politiſche Oekonomie erwartet die Löſung dieſer hochwichtigen Fragen, deren Wichtigkeit die römiſchen Schriftſteller nicht einmal ſcheinen geahnt zu haben. Die Sklaverei erſcheint immer als ein ſociales Element in der Verfaſſung des Staates. Es iſt nicht mehr die griechiſche Skla⸗ verei, nicht einmal mehr die des mittleren Zeitraums der Re⸗ publik, welche den Charakter einer bloßen Hausgenoſſenſchaft hatte: das Kaiſerreich iſt ſo groß geworden, daß man nicht mehr von den Sklaven allein die ungeheuere Maſſe von Ar⸗ beit fordern konnte, welche für den Unterhalt einer ſo beträcht⸗ lichen Bevölkerung unerläßlich war. Das Volk ſelbſt muß die Hand ans Werk legen, und wirklich war Rom voll von Ma⸗ nufacturen*), in welchen beſoldete Arbeiter mit den die roheſten Handarbeiten treibenden Sklaven die Mühen, wenn auch nicht die Gewinnſte der Fabrication, theilten. Die wohl⸗ habendſten Senatoren betrieben dieſe großen Gewerkanſtalten mit ihren Capitalen und mit den Sclaven, welche ſie zu Tau⸗ *) Man darf dieſes Wort nicht in der gewöhnlichen Bedeutung verſtehen, welche man ihm gegenwärtig gibt. Die Römer hatten in der That keine Manufacturen, wie die unſerer Zeit, ſondern weitumfaſſende Gewerkan⸗ ſtalten, in welchen ſie ihre Sklaven unter der Leitung von freien Fabrikauf⸗ ſehern arbeiten ließen. — ſenden undeta Lunerr oder hare ſarber chen? hervo licher ben, Gaul Leute Große wie d einer an al Weih⸗ und Gebd Ru 5 und zu⸗ zu des ſie de menta ſchlang geheue Spure für d daß würd Sieſte lerien gtüßte nan hat de Höhe ermeſſen, zuſteigen, aufu⸗ ung die⸗ Budget dieſe von und zu hen Un⸗ heit der 6 Loos b man Löſung miſchen in der eSkla⸗ der Re⸗ ſenſchaft nan nicht von Ar⸗ hetrͤcht⸗ muß die Ma⸗ en die wenn wohl⸗ nſtalten u Tau⸗ verftehen, That keine gewerkan⸗ gabrikauf⸗ — 70— ſenden beſaßen. Man machte jeden Tag neue Erzeugniſſe, unbekannte Früchte, nützliche Gewächſe, wie den Lein und die Luzerne, heimiſch. Allein welche weite Landſtrecken waren unbebaut, oder in Brache gefallen! Welche prächtige Güter in unfrucht⸗ bare Parke verwandelt, während die Bauern vor Hunger ſtarben! Plinius der Aeltere beklagte dieſen Mißbrauch, wel⸗ chen wir eben ſo kräftig in den Schriften Columella's wieder hervorgehoben finden. Man gab nach und nach die gewerk⸗ lichen Beſchäftigungen auf, um ſich jenen Berufen hinzuge⸗ ben, welche Mode wurden, und es war eine Zeit, wo die Gaukler, Gladiatoren, Aſtrelogen, Köche die geſuchteſten Leute waren. Das Volk hatte bald die Gewohnheiten der Großen angenommen; es bedurfte der wohlriechenden Stoffe, wie die Patricier, und der Kaiſer Hadrian ließ am Tage einer großen Schauvorſtellung öffentliche Vertheilungen davon an alle Bürger machen. Das Elfenbein, der Ambra, der Weihrauch wurden Gegenſtände des erſten Bedürfniſſes, und man mußte ſie um den Preis einer ungeheuren Maſſe Geldes einführen; denn das römiſche Volk hatte keine Er⸗ zeugniſſe dagegen einzutauſchen. Hier beginnt ſich die Haupturſache des Verfalls des Reichs und eine der tiefſten Wunden ſeiner politiſchen Oekonomie zu offenbaren. Die Römer wollten vor Allem verzehren, ohne zu erzeugen, und dieſer Irrthum zog die beſtändige Ausfuhr des größten Theils des baaren Geldes nach ſich, welches ſie den beſiegten Völkern abgenommen hatten. Die monu⸗ mentalen Bauten, mit welchen ſie Europa bedeckten, ver⸗ ſchlangen auch beträchtliche Summen deſſelben, und dieſe un⸗ geheuern Capitale gingen durch ihre Hände, ohne in ihnen Spuren oder Gewinnſte zu hinterlaſſen. Sie hielten ſich für die Penſionäre der Welt, und vermutheten gar nicht, daß dieſes ſo leicht zu verzehrende Einkommen verſiegen würde, ohne je ſich wieder zu erzeugen. Sie hielten die Sieſta nach ihrem Mahle in mit Blumen geſchmückten Ga⸗ lerien, wo ihre Klienten ſie ſchon am frühen Morgen be⸗ grüßten(ofſicia antelucana), nachdem ſie ſich durch Skla⸗ — 80— ven, nomenclatores, die Thürſteher dieſer faſt königlichen furchtda Wohnräume, hatten anmelden laſſen. Die patriciſchen Familien Allgeme gliederten ſich nach und nach zu einer mächtigen Ariſtokratie, mit nen deren Glieder ſich vestra sinceritas, vestra gravitas, vestra demien excellentia, vestra altitudo, ſpäterhin bei uns sere- Bäder nissimus, nennen ließen. Ihre Wagen, mit Zierrathen Wohlih von getriebenem Silber überdeckt, durcheilen die Straßen und der im Galopp der Roſſe, im Gefolge eine Horde von Kranth Sklaven, welche Rauchwerk verbrennen. Das Volk ſeiner⸗ Wenr ſeits will auch ſeinen Antheil an den beſtändigen Ge⸗ tel zu nüſſen, welchen ſich die Herren dieſer Zeit ergeben; man er für vertheilt unter es Anweiſungen auf Brod, Fleiſch, Oel und So ſogar auf Bäder. Die Theater werden ſchon vom Anbruche römiſche des Tages an beſtürmt; die Eifrigſten verbringen dort bisweilen Ellaven die Nacht. arbeiten Bei dieſer allgemeinen Zerrüttung der Sitten und Gewohn⸗ genthüm heiten, welche bis in die letzten Zeiten der Republik zurück⸗ frrien ging, ſah man in Rom und im ganzen Umfang des Reichs hände h eine wahre Verſchwörung gegen die Ehe ſich erheben. Jeder⸗ geübt. mann flüchtete ſich in die Eheloſigkeit, wie in ein den Sorgen nicht H und Laſten der Familie unzugängliches Aſyl, und mehr als obertei Ein Kaiſer ſeit Auguſtus ſah ſich genöthigt, durch Edicte dieſe daher Manie zu verfolgen, welche aus andern Gründen in der Zeit, eine b in welcher wir leben, wieder erwacht. Ein Cenſor forderte werbli ernſtlich die Bürger zur Ehe wie zu einer patriotiſchen Frohne Hafen auf, und der Staat bemächtigte ſich der Erbſchaften, welche New⸗No von hartnäckigen Hageſtolzen hinterlaſſen worden waren. Alle zahlreich Römer waren von einem unbeſiegbaren Widerwillen gegen den ihr ungl Geiſt der Ordnung und Unternehmung, gegen Alles ergriffen, derdrück was Vorſorge oder Sparſamkeit erforderte. Die als Prole⸗ Staaten tarier erſcheinenden Arbeiter fanden in den Sklavenarbeitern mehr C eine Mitwerbung, die um ſo furchtbarer war, als dieſe Sklaven— auf Koſten ihrer Herren ernährt wurden, und folglich im Stande 4 waren, den Lohnarbeitern zu ſchaden. Auch war die Zahl 1n n der Armen beträchtlich; ſie lebten, in die engen und ſchmutzigen 8s) Ci Winkel eingedrückt, den gräßlichſten Mißhandlungen, den t porti . Blanan glichen awilien wiratie, vestra sere- rrathen traßen 2 von ſeiner⸗ n Ge— man el und bruche veilen vohn⸗ ürück⸗ ſeichs Jeder⸗ Sotgen ehr als tte dieſe er Heit forderte Frohne welche Alle n den eifen, prole⸗ beitern ilaven Stande ie Zahl nutzigen n, den — 81— furchtbarſten Entbehrungen ausgeſetzt. Ihre Kleidungen, im Allgemeinen aus gewobenen Wollenzeugen gefertigt, und ſelten mit neuen gewechſelt, hätten bald unter ihnen mörderiſche Epi⸗ demien erzeugt, wenn der in Rom allgemeine Gebrauch der Bäder*) nicht ihren Ausbruch verhütet hätte. Die öffentliche Wohlthätigkeit, unbekannt in dieſen Zeiten des Deſpotismus und der Sklaverei, hatte noch keine Aſyle für das Elend und die Krankheit bereitet, und Voltaire konnte mit Recht ſagen: „Wenn ein armer Teufel in Rom krank ward, ohne die Mit⸗ tel zu haben, ſich pflegen zu laſſen, was wurde aus ihm? er ſtarb.“ So gewahrt man in Mitte dieſer Prachtentwickelungen der römiſchen Macht nur eine verworrene Maſſe von Proletariern, Sklaven, Freigelaſſenen, Geſinde und Handwerkern, welche arbeiten, um die improductiven Verzehrungen der großen Ei⸗ genthümer von Capitalen oder Ländereien zu befriedigen. Die freien Künſte, ſo glorreich und edel, ſind dort an Sklaven⸗ hände hingegeben; die Heilkunſt ſelbſt wird nur von Sklaven geübt. Der Handel bleibt immer in der Kindheit, wenn man nicht Handel die Zwangsbeſchäftigung nennt, das Gold der er⸗ oberten Länder gegen die Waaren auszutauſchen, welche man von daher einführte. Man nennt keine römiſche Stadt, die durch irgend eine beſondere Fabrication berühmt wäre, wie unſere großen ge⸗ werblichen Städte Birmingham, Lyon oder Mancheſter. Kein Hafen des Reichs läßt ſich mit den von Marſeille, Liverpool oder New⸗York vergleichen**). Und gleichwohl ſind die großen Städte zahlreich auf dem ganzen Gebiete der römiſchen Welt, und ihr unglaublicher Reichthum hat immer Etwas, was uns nie⸗ derdrückt. Aber dieſer Wohlſtand gleicht in Nichts dem der Staaten unſerer Zeit, wo die beſcheidenſten Privaten über mehr Genüſſe verfügen, als die Bevorrechteten des Kaiſer⸗ *) Man nahm ein Bad für zwei Pfennige, quadrante lavari, ſagte ein Dichter. **) Cicero ſagte: Nolo eundem populum imperatorem esse terrarum et porltitorem. Blanqui, Geſchichte d. polit. Oekonomie. 1. Bd. 3 6 — 8— reichs. Die ganze römiſche Größe war aͤuſſerlich und thea⸗ traliſch; man vervielfältigte die Denkmale aus Prahlerei, ſel⸗ ten zu einem Zweck der Nützlichkeit. Neben dieſen prunk⸗ haften Denkmalen bewohnte das Volk Hausräume, unwürdig des nationalen Glanzes, deren ſchlechtbeleuchtete Zimmer deßwegen nicht weniger dem Ungemach der Witterung ausge⸗ ſetzt waren. Wir würden ſehr unrichtig die Koſteinrichtung der Maſſen beurtheilen, wenn wir nur die Eleganz der Ge⸗ räthe betrachten würden, deren ſie ſich insgemein für die häus⸗ lichen Zwecke bedienten. Ihre anmuthigen Formen erregen unſere Bewunderung, und es ſcheint, daß ſie nur einem rei⸗ chen oder künſtleriſchen Volke zukommen können; allein dieſe Gegenſtände entſprachen bei weitem nicht allen Bedürfniſſen und erfüllten nicht die Beſtimmung ähnlicher Geräthe in den neuern Zeiten. Die Römer kannten weder das Papier noch die Federn; ſie ſchrieben mit großen Buchſtaben auf Blätter der Papyrusſtaude oder auf Pergament mit eiſernen oder höl⸗ zernen Pfriemen. Ihre Stühle waren elegant, aber ſehr hart, und ihre Wagen, ruhend auf der Achſe, ohne Federn und Hängeriemen, waren wohl nicht bequemer, als unſere Fracht⸗ wagen. Man darf unter den Erzeugniſſen ihres induſtriellen Genie's nur die Waſſerleitungen und die großen Straßen ohne Rückhalt bewundern, und ferner muß man darüber ſtaunen, daß ſo rieſenhafte Bauten nur in einem rein militäriſchen Intereſſe und für die Verſchönerung einiger Städte angelegt worden ſind. — und dieſe ihre ches deutu heuer Und nicht davor ßen, de in Mi Rei ein duſtr reiche erntat großen Der mer b niſſe fernu den. ſtadt — ³) 0 und ghe⸗ dblerei, ſel ſen prunk⸗ unvürdi Jinmer g albge⸗ arichteng àd Ge⸗ rde hn⸗ en erregen einem rei⸗ lein dieſe dirfniſeen he in den pier noch Zlätter der höl⸗ ſht har⸗ dern und e Fuacht duſtriellen aßen ohne r ftaunen, itriſchen angelegt — 383— Hauptſtück VII. Von der Wichtigkeit der Verkehrsmittel bei den Römern.— Dienſte, welche ihre großen Straßen der Geſittung und dem Handel hätten leiſten können.— Skizze der wichtigſten Geſetze Rom's über die politiſche Oekonomie.— Allgemeine Ueberſicht ihres Handels. Die großen Straßen des römiſchen Reichs haben an Größe und Feſtigkeit Alles übertroffen, was als das Prachtvollſte in dieſer Art ſeit unvordenklicher Zeit ausgeführt worden iſt; ihre Ruinen, die wir noch jetzt unter dem Graſe, wel⸗ ches ſie deckt, bewundern, laſſen nicht an der ganzen Be⸗ deutung zweifeln, welche der Vervollkommnung dieſer unge⸗ heuern Elemente der Macht und Geſittung beigelegt wurde. Und gleichwohl ſcheinen dieſe großen Straßen der Geſittung nicht alle Dienſte geleiſtet zu haben, welche ſie gegenwärtig davon zieht; ſie ſind für Rom nicht die Quelle eines gro⸗ ßen, commerciellen Gedeihens geworden; ſie haben ſelten die Noth des Hungers und die Leiden verhütet, welche er in ſeinem Gefolge hat. Die Römer haben darin nur das Mittel geſehen, ihre Heere raſch von dem Mittelpunkt des Reichs an die Grenze zu ſchaffen, mit Einem Wort, nur ein Werkzeug für die Eroberung und nicht für die In⸗ duſtrie. Nie wurden in irgend einem Theil der Welt zahl⸗ reichere Schätze auf dieſes wichtige Werk verwendet, und nie erntete irgend ein Volk einen geringeren Gewinn von ſo großen Opfern*). Der Grund dieſer Thatſache iſt ganz einfach. Die Rö⸗ mer beſchäftigten ſich nur mit dem Landbau, deſſen Erzeug⸗ niſſe insgemein an der Stelle oder in einer nur geringen Ent⸗ fernung von dem Mittelpunkt der Erzeugung verzehrt wer⸗ den. Die großen Zufuhren von Lebensmitteln für die Haupt⸗ ſtadt geſchahen gewöhnlich zur See, dem einzigen Weg, auf *) Opera magna potius quam necessaria, ſagt Suetonius. 6. — 84— welchem das Getreide Siciliens und Egyptens, dieſer bei⸗ den Kornkammern des Reichs, ankamen. Man kann ſich ſo⸗ nach die Pracht der römiſchen Straßen nur als eine noth⸗ wendige Folge des militäriſchen Syſtems dieſes anti⸗indu⸗ ſtriellen und anticommerciellen Volkes erklären. Sie ließen dazu mit gleichem Eifer ihre Soldaten, ihre Verwaltungs⸗ beamten und ihre Unterthanen zuſammenwirken. Die Auf⸗ ſicht über die Straßen war eine Ehrfurcht gebietende Ma⸗ giſtratur, durch welche ſich die größten Bürger geehrt zeig⸗ ten. Keine Auflage ſchien zu hoch, wenn es ſich darum handelte, ſie zu unterhalten, und die Strenge der Regie⸗ rung war in dieſer Hinſicht ſo groß, daß man mehr als Ein Mal Legionen ſich in Folge der übermäßigen Arbeiten empören ſah, zu welchen ſie verurtheilt wurden, um dieſer Beſorgung zu entſprechen. Welches immer auch die Wechſelfälle des Reichs geweſen ſeyn mögen, nie wurde die Unterhaltung der Straßen aufgegeben; die ſchlechteſten Fürſten haben darü⸗ ber mit der nämlichen Sorgfalt, wie die gerechteſten, ge⸗ wacht: Nero und Caligula haben deren faſt eben ſo viele, als Trajan und Hadrian, gebaut*). Man arbeitete daran durch Frohnen und Steuern, Jeder nach dem Maaß ſeiner angrenzenden Grundbeſitzungen, die durch Schiedsrichter ab⸗ geſchätzt und demgemäß beſteuert wurden. Die Verbindun⸗ gen zerfielen in zwei große Claſſen, die kaiſerlichen oder Militärſtraßen, und die Vicinal⸗ oder Gemeindewege**). Die erſteren wurden durch den Staat unterhalten, und die zweiten durch die Flecken oder Dörfer. 4 Die Volksneigung wandte ſich von jeher den Fürſten, den Magiſtraten und ſogar den bloßen Privaten zu, welche *) Man ſehe Bergier, Histoire des grands chemins de dEmpire ro- main, liv. I. cap. XVI. r) Viarum omnium non est und et eadem conditio. Nam sunt viae nublicae regales, quae publice muniuntur; sunt et vicinales viae quae de publicis divertunt in agros, hae mueniuntur per pagos. Siculus Flaccus, de conditionibus agrorum. ſich d an ſ die unge weiſ Seit Gall Schr Für len We Ein. erint hung Stra hatte daß die u daue Fuß zu ge fur St ſter gen Es Gewi hen das häuff werte auf winn beſta geſag bei⸗ ſo⸗ nogh⸗ indu⸗ eßen ngs⸗ Auf⸗ Mo⸗ deig⸗ darum kegie⸗ als eiten jeſer fülle tung arü⸗ ge⸗ viele, daran ſeiner er ab⸗ indun⸗ oder *) die 4 erſten, welche pire ro- zunt viat viae gude siculus — 85— ſich dieſem ſchwierigen Werke hingaben. Man verſchwendete an ſie Kronen, Denkmünzen und Triumphbogen. Auch iſt die Geſchichte ganz voll von den außerordentlichen Bemüh⸗ ungen, welche gemacht worden ſind, um dieſe hohen Be⸗ weiſe der Erkenntlichkeit des römiſchen Volkes zu verdienen. Seit der Regierung des Tiberius konnte man ganz Italien, Gallien und einen Theil Spaniens mit einer unerhörten Schnelligkeit durchreiſen, und Plinius erzählt, daß dieſer Fürſt auf einer Reiſe nach Holland ungefähr hundert Mei⸗ len in vier und zwanzig Stunden machte. Die Natur dieſes Werkes verbietet uns, hier an die übrigens wohl bekannten Einzelnheiten über die Bauart der kaiſerlichen Straßen zu erinnern; allein man muß bekennen, daß wir in dieſer Bezie⸗ hung weit hinter den Alten zurückſtehen, und obwohl ihre Straßen keinen großen Einfluß auf die Schickſale des Handels hatten, ſo kann man doch nicht umhin, darüber zu ſtaunen, daß ſie mehr als ein Jahrtauſend überdauert haben, während die unſrigen, die doch nöthiger ſind, kaum einige Jahre unzerrüttet dauern. Nichts war daran vergeſſen; die Fußgänger hatten ihre Fußwege, und die Reiter ihre Raſtſteine, um zu und vom Pferd zu ſteigen; die den Todten geweihten Denkmale erhoben ſich gewöhnlich in ihrer Nachbarſchaft, gleichſam um den ehr⸗ furchtvollen Gruß der Lebenden zu empfangen. Die Appiſche Straße iſt in dieſer Art das bewunderungswürdigſte Mei⸗ ſterſtück, das aus den Händen des Menſchen hervorgegan⸗ gen iſt. Es ſcheint ſonach, als wenn die Römer unermeßliche Gewinnſte aus dem ſchönen Syſtem der Straßen hätten zie⸗ hen ſollen, mit welchen ſie, wie mit einem großen Netz, das Reich überzogen hatten. Allein dieſe Straßen ſahen häufiger die Wagen der Krieger, als die friedlichen Fuhr⸗ werke des Handels und der Induſtrie rollen; ſie trugen auf gar keine Weiſe zu dem Steigen oder Fallen der Ge⸗ winnſte und Löhne bei, weil die freie Arbeit noch nicht beſtand, und weil Alles weit mehr für die Größe, wie wir geſagt baben, als für den Nutzen eingerichtet war. Die großen Straßen des Kaiſerreichs hatten nur zum Zweck, die Beförderung der Soldaten und des Ertrages der Kriegsſchatz⸗ ungen zu erleichtern*). Die Zufuhr der Gelder, welche beſtändig von allen Punkten Galliens nach der Stadt Lyon für die Rechnung des öffent⸗ lichen Schatzes geſchah, war unermeßlich; aber es beſtand kein Handelsumlauf in dem Sinne, wie wir ihn mit dieſem Worte verbinden. Sonderbar! Es genügte bei uns die Erfindung des Wechſels, um den Hauptnutzen der großen Straßen der Römer zu erſetzen, und der beſondere Dienſt, für welchen, wie es ſcheint, ſie angelegt wurden, iſt gerade derjenige, deſſen man gegenwärtig am leichteſten entbehrt. So haben die prächtigen Arbeiten der römiſchen Verwaltung in Bezug auf die öffentlichen Wege gar keinen Einfluß auf die allge⸗ meine Gütererzeugung ausgeübt, weil ſie an dem ausſchließ⸗ lich militäriſchen Charakter der Nation und an dem allgemei⸗ nen Geiſt ihrer Inſtitutionen Theil nahmen. Die ganze römiſche Geſetzgebung ſeit den ſchönen Tagen der Republik bis zum Sturze des Reichs iſt nur die getreu wie⸗ derholte Darſtellung der unheilbaren Vorurtheile dieſes Volkes gegen die Arbeit und Induſtrie. Ein raſcher Ueberblick wird genügen, um davon eine Idee zu geben. In dem Beginn ihrer Macht gaben ſie eine Menge agrari⸗ ſcher Geſetze**), alle durchweht von einer eiteln Luſt nach der Theilung der Ländereien und nach einem Gleichgewicht un⸗ ter den Vermögen. Die Lex Terentia verfügte, daß an je⸗ den armen Bürger monatlich fünf Scheffel Getreides vertheilt werden ſollten; die Lex Sempronia ſchuf ein Maximum für den Preis des Getreides, welches der Staat an ſie verkaufen ſollte; die Lex Clodia gebot die unentgeltliche Ablieferung deſſelben. Ein anderes Geſetz beſtimmte die Koſten der Gaſt⸗ *) Ut omnia trib uta velociter et tuto transmitterentur, ſagt Pro⸗ kopios. ) Leges Cassia, Licinia, Flaminia, Sempronia, Cornelia, Ser- vilia, Flavia, Julia, etc. mahle; zahl h Schend wurde der U Vorree der un ander! dadur vierte We durch wat/. terwür unbeſch dem R Frau, nes. einen) Organ nes Bürg in ein als ter, 4 waren. Ovinius daß er geheuer als etw wie jed Geiſter dulden Sklave fung der R — 87— mahle; die Lex Caninia perbot, Sklaven über eine beſtimmte Zahl hinaus frei zu laſſen. Während man ſo durch unbedachte Schenkungen die Zunahme der Zahl der Armen ermunterte, wurden wahre Prämien für den Kinderſegen bewilligt; Jeder, der Vater von drei Kindern war, genoß einer Menge von Vorrechten, deren wichtigſtes in einer dreifachen Portion bei der unentgeltlichen Vertheilung des Getreides beſtand. Unter andern Umſtänden ermächtigte das Geſetz die Schuldner, ſich dadurch ihrer Verbindlichkeiten zu entledigen, daß ſie blos den vierten Theil ihrer Schulden bezahlten. Während der Geiſt der Unabhängigkeit und Unternehmung durch dieſe den Müſſiggang ſchützende Geſetzgebung gelähmt war, hielt man alle Claſſen der Bürger in der ſtrengſten Un⸗ terwürfigkeit, und zwar vom häuslichen Heerde an, wo als unbeſchränkter Herr der Familienvater herrſchte, bewehrt mit dem Recht des Lebens und Todes über ſeine Kinder. Die Frau, der manus verfallen, war nur die Sklavin des Man⸗ nes. Außerhalb des Hauſes anerkannte jeder Freigelaſſene einen Patron, jeder Krieger einen Obern. Die militäriſche Organiſation ſchwebte über dem ganzen Staat, wie ein eiſer⸗ nes Joch, welchem Niemand ſich zu entziehen wagte. Kein Bürger konnte aus ſeiner Kaſte heraustreten, ſelbſt nicht, um in eine niedere zu treten, und die induſtriellen Arbeiten waren als eine geringſchätzige und ſchmutzige Sache Jenen verbo⸗ ten, welche nicht durch ihre Geburt dazu verdammt worden waren. Auguſtus ſprach die Todesſtrafe gegen den Senator Ovinius aus, weil er ſeinen Stand ſo ſehr entehrt hatte, daß er eine Manufactur leitete, und dieſes Urtheil, ſo un⸗ geheuer auffallend in unſern Augen, erſchien den Römern als etwas ganz Natürliches. Wer erklärt ſich daher nicht, wie jede Induſtrie in Rom unmöglich war, da man die Geiſter davon ausſchloß, um darin blos die Maſchinen zu dulden! Und welche Maſchinen waren dieſe unglücklichen Sklaven, verdummt durch die Schläge, durch die Ausſchwei⸗ fung ihrer Herren, und vor Allem durch den Mangel je⸗ der Art Lohnes! Auf dem Lande waren dieſe Folgen ganz — 88— die nämlichen: keine Pächter, keine gebildeten Landwirthe! ausgehu Der Landbau glich jenem in unſern Sklavencolonien, nur ten. mit dem Unterſchied, daß der Boden unter dem Wendekreiſe auf de durch ſeine Fruchtbarkeit die Unzulänglichkeit der Arbeit des nachd Menſchen ergänzt, während die römiſchen Ländereien gar welch keine Vergütung boten. Die Mitwerbung und das perſön⸗ bewitt liche Intereſſe, dieſe großen Triebfedern, wirkten nicht auf falgt d die Gemüther, die durch die Ideen des Kriegs und der für de Vergnügungen zum Voraus bewältigt waren. Man ſah un⸗ ter 6 abläſſig nach Rom Myriaden von Abentheurern, Ränkeſüch⸗ fuhr tigen, Heimathloſen ſtrömen, die ſich durch die Vertheilun⸗ dieſen gen der Lebensmittel und durch die Schauſpiele jeder Art laſſen; angezogen fühlten, welche die Kaiſer an den Pöbel ver⸗ eine B ſchwendeten, um einige Beifallsrufe deſſelben zu erhaſchen*). unter I Die Vorſtädte Roms wurden Städte, und die Regierung von Te hatte nicht wenige Schwierigkeiten zu überwinden, um nur— Gaäta. für die Ernährung dieſer zahlloſen Menge nichtsſchaffender auf ein Zehrer zu ſorgen. teln au⸗ Trotz den unendlichen Vorſichtsmaaßregeln, welche man von Co ergriff, um ſie zu verhüten, machte doch die Hungersnoth Getteid von Zeit zu Zeit gräßliche Verheerungen in der Hauptſtadt 3 frraft und in den Provinzen. Vergebens trug die mit den Le⸗ Da bensmitteln beladene Flotte den Namen heilige Flotte, wußte ein Windſtoß hemmte bisweilen ihre Ankunft, und ſetzte die haft g kaiſerliche Sicherheit in Gefahr. Die Regierungskunſt war det ing bald nichts mehr, als die Kunſt, für die täglichen Bedürfniſſe naymen eines müßigen, beweglichen Volkes zu ſorgen; und der gering⸗ zuellen fügigſte Umſtand veranlaßte zahlloſe Mißbräuche, welche ihre leicht zu häufige Wiederholung in Geſetzeskraft übergehen ließ. Der Aufmerte Tod einer Geliebten des Fürſten, die Geburt eines Regie⸗ So wo rungsnachfolgers, ein blutiger Krieg, ein unſchuldiger Triumph velche in nöthigten in gleichem Grade zu reichlichen Vertheilungen. Senatoren Die römiſchen Kaiſer retteten um dieſen Preis ihre Krone, Voll, und erhielten ihre Gewalt nur dadurch aufrecht, daß ſie ihren Hausgere — eines Ey X 15.;.. ) Meugotti, del commercio dei Romani. hat ſic dwirthe! en, nur endeireiſe rbeit des ien gar berſön⸗ icht auf nnd der ſah un⸗ inkeſüch⸗ theilun⸗ er Mt ver⸗ en*). erung nur fender man ronoth upiſtadt den Le⸗ Flotte, gte die 1 war rfniſſe ering⸗ ihre Der degie⸗ umph angen. Krone, e ihren 7 ——⸗——— A. — 89— ausgehungerten Unterthanen pünktlich die Armenſteuer auszahl⸗ ten.„Dieſe Hunde, ſagte einer der Cäſaren, hören unn dann auf zu bellen, wenn ſie den Bauch voll haben.“ Man rechnet nach der Zahl der Hungersnöthen die der Verbeſſerungen, welche in den Verhältniſſen des Handels und der Schifffahrt bewirkt wurden. Auf die erſte Hungersnoth unter Auguſt folgt die Errichtung einer Flotte und öffentlicher Magazine für den Verkauf des Getreides; eine zweite Hungersnoth un⸗ ter Tiberius veranlaßt das Syſtem der Prämien für die Ein⸗ fuhr des Getreides. Eine dritte unter Claudius beſtimmt dieſen Fürſten, den Hafen von Oſtia wieder ausbeſſern zu laſſen; eine vierte unter Nero verſchafft den Getreidehändlern eine Befreiung von den Zöllen und Ehrenzeichen; eine andere unter Antoninus Pius bewirkt die Wiederherſtellung des Hafens von Terracina und des Leuchtthurms auf dem Hafendamm von Gaéëta. Während der Regierung des Marcus Aurelius folgt auf eine neue Hungersnoth eine Verſorgung mit Lebensmit⸗ teln auf ſieben Jahre; endlich werden während der Verwaltung von Commodus Kataſtrophen gleicher Art verderblich für die Getreidehändler, welche als Kornwucherer belangt und be⸗ ſtraft werden. Das iſt Alles, was man in Rom für den Handel zu thun wußte, ich hätte beinahe geſagt, für den einzigen als ehren⸗ haft geachteten Handel, den mit Lebensmitteln. Nirgend fin⸗ det man auch nur eine einzige Spur von regelmäßigen Maaß⸗ nahmen; man lebte in den Tag hinein, ohne an die Hilfs⸗ quellen zu denken, welche im Schooße des Kaiſerreichs ſo leicht zu entwickeln waren, und kaum ſchenkt man einige Aufmerkſamkeit den andern Zweigen der Gütererzeugung. So war die Wolle, faſt der einzige Stoff aller Gewebe, welche in Rom gebraucht wurden, von dem Gewand der Senatoren an bis zu dem der letzten Krieger herab, die Wolle, aus welcher man Bettzeuge, Vorhänge, Teppiche, Hausgeräthe jeder Art fertigte, nie der Gegenſtand irgend eines Syſtems der Ermunterung von Seite der Kaiſer. Nie hat ſich ein römiſcher Staatsmann zu gewerblichen Einzeln⸗ — 90— heiten herabgelaſſen, welche vermuthen laſſen könnten, daß war. Na er die Wichtigkeit dieſer hohen Fragen begriffen habe. Jedes vreſſungen Land lieferte ſeinen Tribut, Arabien ſein Räucherwerk; von Verr Africa ſein Getreide; Spanien Wachs und Honig; Gallien Paſchas: ſeine Weine, Oele und Erze; Griechenland die Gegenſtände Ein e der Kunſt und des Geſchmacks; die Geſtade des ſchwarzen Hemmung Meeres Leder und Felüe: Rom verzehrte und bezahlte mit gierlichkei dem Gold der Auflagen. Wenn dieſe letzteren den Voran⸗ um Ausl ſchlägen in dem kaiſerlichen Budget nicht entſprachen, ſo werk und führte man eine neue Steuer auf die Induſtrie ein; dieſes überſchri that mehre Male Alexander Severus. In dem Maaße, als kann. U die Kaiſer ſich mit Legiſten und Rechtsgelehrten umgaben, auf den wurden ihre Verfügungen mit jedem Tage drohender für die Waaren! arbeitenden Berufe. Geſetzescompilatoren gaben ihnen ſchmäh⸗ als die V liche Auskunftmittel ein, welche ſie mit Trugſchlüſſen zu recht⸗ den wirkli fertigen ſuchten; es war ein Procurator, welcher ſie die Mün⸗ entlegenſte zen fälſchen lehrte. Conſtantin, ihr würdigſter Zögling, Gefahren ſtellte den Freudenmädchen die Ladenjungfern gleich, und traf wilden T mit ſeinen furchtbaren Anathemen die Leute, welche die Ehre Land des! hatten, ihren Lebensunterhalt im Schweiße ihres Angeſichtes man ind zu verdienen. ſten Räu Die Art, wie die Auflagen erhoben wurden, beurkundet geſchwä eben ſo ſehr die Strenge der Römer im Fache der Finan⸗ orte hot zen. Schaaren von Zollpächtern waren am Eingang der Voynun Hafen, an der Mündung der Flüſſe, am Ausgang der fülte He Thäler aufgeſtellt, und beſchatzten dort unbarmherzig die der wohlr Waaren. Sie verbanden ſogar oft mit ihren Einzugsge⸗ ni den Le bühren die Gewinnſte des Monopols von gewiſſen Conſum⸗, deren tionsartikeln. Es gab gar keine geſetzliche Grenze für die Die Diam Steuerſätze, welche unter den Händen dieſer Beamten ſo hheiltn ſich elaſtiſch geworden waren, daß der Bauer nie genau wiſſen Luſt des konnte, auf welchen Theil ſeiner Erzeugniſſe er rechnen zählte man durfte. Selbſt Nero hatte den ernſtlichen Willen, dieſe nas entvar Mißbräuche abzuſchaffen, welche das Vermögen ſeiner Günſt⸗ weſentliche linge gründeten; allein er ſtieß auf Schwierigkeiten, vor Nrturferſc welchen ſeine unbeſchränkte Macht zurück zu weichen genöthigt uurde ſoa ten, daß . Ides ſcherwerk; Gallien genſtaͤnde chwarzen hlie mit Voran⸗ achen, ſo 1; dieſes aße, als ngaben, ür die hmäh⸗ recht⸗ Mün⸗ ögling, nd traf e Ehre ches Heurkundet er Finan⸗ gang der ang der tzig die zugsge⸗ Lonſum⸗ für die nten ſo u wiſſen rechnen en, dieſe ner Günſ⸗ eiten, vor genöthigt — 91— war. Man weiß, wie weit ſchon zur Zeit Cicero's die Er⸗ preſſungen der Proconſuln gehen konnten, und die Finanzſchliche von Verres laſſen gegen die Auskunftsmittel der türkiſchen Paſchas nichts zu wünſchen übrig. Ein einziger Zweig des Handels ſcheint lange Zeit den Hemmungen jeder Art widerſtanden zu haben, welche die Be⸗ gierlichkeit der Regierung und ihrer Agenten den Beziehungen zum Ausland entgegen ſetzte, das iſt, der Handel mi Räucher⸗ werk und den Spezereien Indiens, deren Verbrauch in Rom Alles überſchritt, was nur unſere Einbildungskraft ſich vorſtellen kann. Unermeßliche Summen wurden von einfachen Privaten auf den Ankauf dieſer Vermögen zerrüttenden und unnützen Waaren vergeudet, welche faſt eben ſo viele Schiffe erfüllten, als die Verſorgung der Hauptſtadt mit Lebensmitteln. Außer den wirklichen Gefahren, welchen man trotzte, um ſie an den entlegenſten Küſten zu holen, machte man noch eingebildete Gefahren geltend, man ſprach von geflügelten Drachen, von wilden Thieren, welche man habe beſiegen müſſen, um in das Land des Pfeffers und des Zimmets zu gelangen. Ueberall athmete man in den Gemächern der Römer den Ouft der ausgeſuchte⸗ ſten Räucherſtoffe ein; ihre Haare und Gewänder waren damit geſchwängert. Die Badſäle, die öffentlichen Verſammlungs⸗ orte boten in dieſer Beziehung eben ſo vielen Prunk, als die Wohnungen der reichſten Bürger. An einem ſchönen Tage er⸗ füllte Hadrian die Vorhalle der Theater mit einem Strom der wohlriechendſten Eſſenzen. Die Soldaten rieben ſich da⸗ mit den Leib ein, und dieſe Art von Ration war keine von je⸗ nen, deren Austheilung die Kaiſer ungeſtraft verſäumen durften. Die Diamanten und Edelſteine, andere überflüſſige Dinge, theilten ſich mit den wohlriechenden Stoffen in die wahnſinnige Luſt des römiſchen Volkes; ſeit dem Zeitalter des Auguſtus zählte man unermeßliche Sammlungen derſelben, und Mäce⸗ nas entwarf das Verzeichniß der ſeinigen, welches uns ſeinem weſentlichen Inhalt nach in den Schriften von Plinius, dem Naturforſcher, erhalten worden iſt. Der Gebrauch der Ringe wurde ſo allgemein, daß die Römer ſolche an allen Articula⸗ —-— 92— tionen der Hand trugen, und dieſelben an allen Tagen der Woche wechſelten. In dieſer Prunkſucht gingen unermeßliche Kapitale unter, deren beſſere Verwendung allein genügt haben würde, um das Reich vor den Leiden zu bewahren, welche es nachher zu erdulden hatte. Selbſt Tiberius erſchrack hierüber; denn in einem Schreiben, welches er an den Senat erließ*), beklagte er die Ausfuhr des baaren Geldes, welche durch dieſe Uebertreibungen der Prunkſucht und Eitelkeit veranlaßt wurde. Eines ſeiner Edicte verbot die Anwendung des Gol⸗ des bei der Fabrication des Tafelgeſchirres, und den Gebrauch der Seide bei der Verfertigung der Kleider. Ungeachtet aller dieſer Verbote gewöhnten ſich die Römer von Tag zu Tag mehr an die prächtigſten und theuerſten Gegenſtände ausländi⸗ ſcher Fabrication. Die Teppiche Perſiens, die Mouſſeline In⸗ diens, die Elephantenzähne, das Ebenholz, das Schildkrott, die Federn ſeltener Vögel waren endlich für ſie Artikel des erſten Bedürfniſſes geworden. Welche Reichthümer mußten ſie unfruchtbar durch dea Ankauf dieſer prunkvollen Erzeugniſſe verbrauchen, gegen welche ſie Nichts als Gold zu geben hatten!**). Man würde ſich im Angeſicht dieſes Syſtems der Verſchwen⸗ dung, der Prunkſucht und der Faulheit nur ſchwer erklären, wie die Römer die Welt mit Denkmalen ihrer Baukunſt und mit den prachtvollen Werken ihrer Ingenieure bedecken konn⸗ ten; allein man muß erwägen, daß dieſe ſtaunenswerthen Arbeiten ſie nur ſehr wenig gekoſtet haben. Lediglich die Er⸗ findung gebührt ihnen dabei ganz; die Ausführung iſt das Werk der beſiegten Völker. Der größere Theil dieſer Bauten wurde vermittelſt der Frohnen oder beſonderer Contributionen aufgeführt, welche ſich mit den ordentlichen Auflagen häuf⸗ *) Tacitus, Annales lib. III. c. 53. **) Minimà computatione millies centena millia sestertium annis omnibus India et Seres, peninsulaquce illa, Arabia, imperio nostro adimunt; tanti nobis deliciae et feminae constant! Plinius. Hist. nat. lib. XII. c. 18. ten. Krieg Klaſſe ihre zu wurre dem Froh liche Eur Gedanken die nämli Uebrige gelt, ſo die Unzu die Ero⸗ ren*), oder die welche von den, und beamten zehnten 2 andern F unter de von Oen und W ſteuer, chen zu dieſe A Mitwerbe welche C. Wechſelfäͤl anderer ve tingeführt, Theils vor Caligulg *) Im 3. da der Sch welche Jaul legte. Tagen der nermeßliche nuügt haben welche es hierüber; erließ*), ſche durch veranlaßt des Gol⸗ Gebrauch chtet aller zu Tag ꝛusländi⸗ line In⸗ hildtrott, tikel des ußten ſie zeugniſſe zu geben Verſchwen⸗ r erklären, ukunſt und ecken fonn⸗ nowerthen die Er⸗ iſt das r Bauten eibutionen gen häͤuf⸗ ertium annis perio nostro I. G. 1G — 93— ten. Kriegsgefangene oder Sclaven bildeten die arbeitende Klaſſe ihrer Zeit, und zogen zur Arbeit, wie Heerden, ohne zu murren oder zu klagen. Wir werden dieſes Syſtem bei dem Frohndienſt der Feudalzeiten wieder finden, als das chriſt⸗ liche Europa wiederum mit Denkmalen ſich bedeckte, deren Gedanken durch andere Ueberzeugungen eingegeben, aber durch die nämlichen Mittel ausgeführt wurden. Uebrigens hat es den Römern nie an Hilfsquellen geman⸗ gelt, ſo oft es nöthig wurde, durch Beſteuerung ihrer ſelbſt die Unzulänglichkeit der Schätze zu ergänzen, welche durch die Eroberung und die Plünderung geliefert worden wa⸗ ren*). Sie hatten drei Arten von Steuern, das portorium oder die Zollgefälle(den vierzigſten Theil des Werthes), welche von der Einfuhr und von der Ausfuhr bezahlt wur⸗ den, und deren Erheber den Namen portitores oder Mauth⸗ beamten erhielten; die Zehnten, decumae, betragend den zehnten Theil des Getreides und den fünften Theil der andern Früchte; dieſes war die Grundſteuer; endlich die unter dem Namen seriptura bekannte Steuer, eine Art von Octroi, die auf den Gemeindegütern, wie Gemeinweiden und Waldungen ruhte. Es beſtand lange Zeit eine Salz⸗ ſteuer, aber ſie wurde in einem Zeitraum aufgehoben, wel⸗ chen zu beſtimmen die Schriftſteller verſäumt haben. Alle dieſe Abgaben wurden öffentlich und unter Zulaſſung der Mitwerbung durch die Cenſoren an Uebernehmer verpachtet, welche Caution ſtellten, und welche mit ihren Bürgen die Wechſelfälle des Verluſts und Gewinns theilten. Eine Menge anderer vorübergehender Steuern wurden unter den Kaiſern eingeführt; ſo beſchloß Auguſtus die Auflage des zwanzigſten Theils von den Erbſchaften, welche noch bei uns beſteht; Caligula legte auf die Eßwaaren eine Steuer, deren Erhe⸗ *) Im Jahre 586 Roms erließ man dem Volk die jährlichen Auflagen, da der Schatz mit den unermeßlichen Summen angefüllt worden war, welche Paulus Aemilius nach der Niederlage des Perſeus dort hinter⸗ legte. ————— — 94— bung die bitterſten Klagen erregte*); Veſpaſian erfand almäͤlis das vectigal urinae. Das Gefälle von 5 Procent, das ier hatd auf alle Waaren gelegt wurde, brachte auch beträchtliche Sum⸗ heit ve men ein. Man zahlte es nur von Vermögensſtücken, die auf an ih dem öffentlichen Platz, auf Meſſen und Märkten zum Verkauf dern ausgeſetzt, oder in Folge gerichtlicher Zuſprechung verkauft gen N wurden; allein wir können den Betrag dieſer Einkünfte nur mand: auf eine annähernde Weiſe ſchätzen, wegen des Verluſtes des wolle. berühmten rationarium imperii, dieſer koſtbaren Statiſtik des begünſ Reichs, aufgeſtellt unter Auguſtus, und zerſtört unter ſeinen ſcher, Nachfolgern. Herr Guizot ſchätzt gleichwohl den Jahresbetrag durch der Auflagen auf die Summe von 960 Mill. Francs**). Sn ie Pannon ten: ſe nem ge Reihe Vuchſe Hauptſtück VIII. Völker ken de Raſcher Verfall des Reichs.— Deſſen Haupturſachen.— Erſte Er⸗ Stein ſcheinung des Chriſtenthums.— Einfluß der aſiatiſchen Sitten in 1 Conſtantinopel.— Wechſſel in den bürgerlichen, religiöſen, indu⸗ mit ſ ſtriellen, commerciellen Ideen. um d Di Satun Im Schooße dieſes ſcheinbaren Wohlſtandes verſchloß die loſigkei römiſche Welt rege Keime des Verfalls und der Auflöſung. genaue Die große Menge fremder Völker, welche die Eroberung nach verwicke und nach mit dem Reich vereinigt hatte, ſchwächte durch die ren, du wohnhei *) Vectigalia nova atque inaudita, primum per publicanos, de- Wiſenſ inde, quia lucrum exuberabat per centuriones, tribunosque Prae- Välc torianos exercuit, nullo rerum aut hominum genere omisso, cui non Ungehen tributi aliquid imponeret. widerſt Suetonius, in Calig. c. 40. nen, ſo **) Noten zu ſeiner Ueberſetzung Gibbon's, t. 1. p. 377. gerſegun n erfand tent, das lihe Sum⸗ n, die auf n Verkauf verkauft ünſte nur luſtes des ratiſtt des ter ſeinen hreshetrag 2) Er Er⸗ n Sitten in güſen, indu⸗ ſchloß die uflöſung. ung nach durch die canos., de- 480, cui non g. 0. 40. allmälige Umwandlung ſeiner Sitten deſſen Macht. Dieſe Völ⸗ ker hatten ſich nicht alle ohne Widerſtand in dieſe große Ein⸗ heit verſchmolzen, und mehre bewahrten treu die Erinnerung an ihre frühere Unabhängigkeit. Die zahlreichen Vorrechte, deren die Bewohner Roms genoſſen, waren von allen wichti⸗ gen Männern der eroberten Provinzen geſucht, ſo daß Nie⸗ mand mehr dem Reich, ſondern blos der Hauptſtadt angehören wollte. Eine tiefe Umbildung drang ſo nach und nach durch, begünſtigt durch die Thronbeſteigung jener langen Reihe itali⸗ ſcher, ſpaniſcher, galliſcher oder bataviſcher Candidaten, welche durch den Mord, die Ränkeſucht oder die Heeraufſtände zur Staatsgewalt befördert wurden. Später kömmt die Reihe an die Barbaren; ſeit den Antoninen ſieht man nur noch Thracier, Pannonier, Dalmatier, Illyrier ſich um die Herrſchaft ſtrei⸗ ten: ſechzig derfelben erlagen in anderthalb Jahrhunderten ei⸗ nem gewaltſamen Tode. Der erſte, welcher dieſe traurige Reihe eröffnet, Maximinus, gewählt wegen ſeines coloſſalen Wuchſes und ſeiner Rieſenkraft, roh, kaum die Sprache der Völker redend, welche er beherrſcht, zeichnet ſich aus im Len⸗ ken der Wagen, im Spalten der Bäume, im Zermalmen der Steine, im Bändigen wilder Roſſe: er füllte mehre Becher mit ſeinem Schweiße. So endet das Reich der Intelligenz, um der rohen Stärke Platz zu machen. Die politiſche Oekonomie übernimmt es nicht, die langen Saturnalien des Reichs während dieſes Zeitraums der Ehr⸗ loſigkeit und Altersſchwäche darzuſtellen. Wer könnte ſich eine genaue Idee von einem ſolchen Drang der Zerſetzung machen, verwickelt durch die Sclaverei, durch den Einfall der Barba⸗ ren, durch die Mengung der Stämme, der Sprachen, der Ge⸗ wohnheiten, der Laſter, eine Art von ſocialem Chaos, wo die Wiſſenſchaft ſtillſteht und die Einbildungskraft ſich verirrt? Welche politiſche Organiſation hätte den Narrheiten ſolcher Ungeheuer, wie eines Commodus, Caracalla, Heliogabalus widerſtehen können? Wenn ſolche Weſen auf Erden erſchei⸗ nen, ſo können ſie nur eine Rolle ſpielen als Elemente der Zerſetzung, und irgend ein neues Licht muß ungeſäumt aus — 96— der Nacht hervortreten, welche ſie verbreitet haben. Dieſes Licht, welches an den letzten Geſichtskreiſen des römiſchen Kaiſerreichs aufleuchtet, iſt das Chriſtenthum: ſuchen wir es zu erforſchen in ſeiner Entſtehung und ſeinen großen Einfluß zu erklären, der beſtimmt war, die Geſtalt der Welt zu än⸗ dern. Im Beginn ſeiner Erſcheinung ahnte man nicht leicht die glänzende Bahn, welche es durchlaufen ſollte, und gleich⸗ wohl wirkte ſchon Alles zuſammen, ſeinen Siegeszug vorzu⸗ bereiten. Die Philoſophie griff die heidniſchen Götter an; der griechiſche Skepticismus aus dem Vaterlande Platon's be⸗ kämpfte ſchon den alten römiſchen Glauben, und von nun an konnten ſchon die Auguren ſich nicht mehr anſehen, ohne zu lächeln. Vergebens hatte jedes Gewerbe einen Gott als Hort angenommen: die Seeleute den Neptun, die Schmiede den Vulkan, die Landwirthe die Ceres, die Winzer den Bacchus und die Handelsleute den Mercur; ſchon hatten die Götter Müſhe, ſich ſelbſt zu ſchützen, und ſie rüſteten ſich, mächtigeren Schützern Platz zu machen. Die an den Grenzen gelagerten Legionen, zuſammengeſetzt aus Kriegern, welche in den eroberten Ländern ausgehoben worden waren, wandten ſich gegen die Mitte des Reiches zu⸗ rück, und aus Hülfstruppen wurden ſie Feinde. Während dieſer Zeit ſchwatzten die Rhetoren in den Städten; die Skla⸗ ven, geübt durch ihre Herren in den Lüſten und Feinheiten, wurden des Joches überdrüßig; Lukianos, der Voltaire der Zeit, verſpottete die ſocialen Superioritäten; die Stoiker, die Epikuräer, die Akademiker verkündigten kühne Lehren: das ganze alte Gebäude der Römer ſtürzte ein. Eine gewaltige Reaction hatte ſie ſchon unter Mithridates gewarnt, dem Geſchicke zu mißtrauen, am Tage, wo er deren ſechzig Tau⸗ ſende hinwürgen ließ, und zu einer andern Zeit hatte Spartacus, dieſer große Häuptling der Sklaven, vier ihrer Heerführer geſchlagen. Wer wollte denn künftighin noch ſein Blut für die alte nationale Sache verſpritzen? Es beſtand keine eigentliche Nation mehr, ſondern nur noch ein verworrenes Gemenge von Nationen. Das Reich beſtand aus Städten. die durch einander proles, wohin! die Gen Zur. ſtenthum erſte am in einer thinien, ein Blitz hätte, ee die Statt — ⁴) Eine harakteriſte ſiſccheen Aus summam ante Jucet wwcem: ue furta ne depo cedendi tamen e quo sech eessarian quid esset quam supe ad consule maxime pr omnis ordit buptur. N Superstitio rigi posse. lebrari, e timas, qu est opinar locus.“ Jlanqui, Ddieſes niſchen ir es influß u an⸗ leicht leeich⸗ vorzu⸗ nz der 3 be⸗ un an ne zu Hort den cchus Hötter geren ggeſetzt gehoden hhes zu⸗ Tährend je Skla⸗ nheiten, re der t, die das altige dem Tau⸗ hadte er ihrer in noch z beſtand vorrenes Städten⸗ 97— die durch Wüſten, Wälder oder undurchdringliche Moräſte von einander geſchieden waren; die Bewohner der Dörfer, ruslica proles, hatten ſich nach und nach in die Städte eingedrängt, wohin die Schauſpiele, die Vertheilungen von Lebensmitteln, die Genüſſe jeder Art ſie unabläßig lockten und entnervten. Zur Zeit dieſes allgemeinen Verfalls begann nun das Chri⸗ ſtenthum ſich an einigen Punkten des Reichs zu zeigen. Die erſte amtliche Nachricht, welche man darüber erhielt, findet ſich in einem Schreiben des jüngern Plinius, Statthalters von By⸗ thinien,*) und alsbald verbreitete ſich die neue Lehre wie ein Blitz, Anfangs nur ſchüchtern, allein ohne daß man Zeit gehabt hätte, es zu gewahren. Kaum hatte man fertig geleſen, was die Statthalter der Provinzen darüber berichteten, als ſchon *) Eine Stelle dieſes Schreibens iſt folgende:(Ich gebe ſie lieber in den charakteriſtiſchen Worten des Originals, als nach dem verblaßten franzö⸗ ſiſchen Auszug. Buß)„Adfirmabant autem(sc. christiani) hanc fuisse summam vel culpæ suæ, vel erroris, quod essent soliti stato die ante lucem convenire: carmenque Christo, quasi Deo, dicere secum invicem: seque sacramento non in scelus aliquod obstringere, sed ne furta, ne latrocinia, ne adulteria committerent, ne fidem fallerent, ne depositum appellati abnegarent, quibus peractis morem sihi dis- cedendi fuisse, rursusque coéundi ad capiendum cihum, promiscuum tamen et innoxium: quod ipsum facere desiisse post edictum meum, quo secundum mandata tua hetærias esse vetueram. Quo magis ne- cessariam credidi, ex duabus ancillis, quae ministrae dicebantur, quid esset veri, et per tormenta quaerere. Sed nihil aliud inveni, quam superstitionem pravam et immodicam, ideoque dilata cognitione, ad consulendum te decurri. Visa est enim mihi digna consultatione, maxime propter periclitantium numerum. Malti enim omnis aetatis, omnis ordinis, utriusquè sexus etiam, vocantur in periculum, et voca- buntur. Neque enim civitates tantum, sed vicos etiam atque agros superstitionis istius contagio pervagata est: quae videtur sisti et cor- rigi posse. Certe satis constat, propejam desolata templa coepisse ce- lebrari, et sacra solemnia diu intermissa repeti, passimque venire vic- timas, quarum adhuc rarissimus emtor inveniebatur. Ex quo facile est opinari, quae turba hominum emendari possit, si fiat poenitentiae locus.“ Blanqui, Geſchichte d. polit. Oekonomie. 1. Bd. 7 — 982— Tertullian kühn ausrief:„Wir ſind erſt von geſtern, und ſchon erfüllen wir euere Colonien, das Heer, den Palaſt, den Senat, das Forum; wir laſſen euch nur noch euere Tempel.“ Verge⸗ bens ſuchen einige blutige Verfolgungen die neue Religion in ihrem Urſprung zu erdrücken; Conſtantin gibt ihr Tempel, und ihre Geſchicke erfüllen ſich. Die Geſchichtſchreiber dieſer gro⸗ ßen Zeit haben hinlänglich ſämmtliche Umſtände verzeichnet, welche ſie vorbereitet haben; unſere Aufgabe iſt, ihre menſch⸗ heitlichen Ergebniſſe zu erforſchen, und zu unterſuchen, durch welchen glücklichen Uebergang die griechiſche und römiſche Skla⸗ verei der Achtung der Arbeit, der Ordnung der Freiheit und Gleichheit Platz machen mußte. Die Theilung des Reichs in zwei ungeheure Lappen hat ganz beſonders dieſe unerhörte Umwälzung begünſtigt. Con⸗ ſtantinopel war mehr geeignet, als Rom, den Gott der Chriſt⸗ en aufzunehmen; eine ganz neue Stadt, entſprach ſie wunder⸗ ſam einem neuen Gottesdienſt. Undankbar nahm dieſer Got⸗ tesdienſt ſpäter Rom zur Wiege; die wahre Wiege des Chri⸗ ſtenthums iſt in Conſtantinopel. Dort iſt es, wo die chriſtliche Religion, nachdem ſie Staatsreligion geworden war, angefan⸗ gen hat, ſich auf regelmäßigen Grundlagen zu gliedern; dort iſt es, wo ſie ſich aufgeſtellt hat, ſtrahlend, bei dem Austritt aus den Katakomben Roms und aus den dunkeln Freiſtätten, die ſicherten vor der Verfolgung.*) Nach und nach baben ſich ihr alle hohen Geiſter, müde des römiſchen Polytheismus, angeſchloſſen, und die Prieſter haben überall die Stelle der Cueriales eingenom⸗ men, welche die Gemeindevorſtände des Zeitraums waren. Die Geſetze fingen an, ihnen Attributionen zu geben, welche das Vertrauen der Völker beſtätigt hat, und welche ſie allenthalben durch ihr Wiſſen und ihre Geſchicklichkeit zu rechtfertigen ſich *) Wie kömmt Herr Blanqui zu dieſer irrigen Anſicht, welcher alle Gründe der Sache, kirchliche, politiſche und geſchichtliche gleich kräftig widerſprechen? Ueberhaupt werden wir ſpäter noch oft Gelegenheit finden, dort, wo kirchliche Fragen zur Sprache kommen, die Einſeitigkeiten des Verfaſſers zu rügen. Buß. bemühten gang, d ſtantin Feier d berather ſcheidun rerſeits texte an des Sc tigſten verſchie bende C wälte un Die Pa von nur Einfluß. auf den allein b triciat: iom di dioeco das T die An und d ſollte d viel ern ſammelte ren ſo Todesſtre mianus Vergleic ben kön ²)„Ce si moniti *s) Lil d ſchon Senat, Nexge⸗ gion in el, und er gro⸗ eichnet, menſch⸗ , durch he Skla⸗ it und n hat Con⸗ Chriſt⸗ under⸗ Got⸗ — Chri⸗ riſtliche angefan⸗ rn; dort stritt aus ſicherten ſe hohen 2n, und genom⸗ n. Die he das thalben gen ſich elcher all iche gleih gelegenbeit ſeitigkeiten Buß. t — 99— bemühten. Nichts iſt würdiger der Unterſuchung, als der Ueber⸗ gang, durch welchen dieſe Umwälzung bewirkt worden iſt. Con⸗ ſtantin erließ im nämlichen Jahr zwei Edikte, deren eines die Feier des Sonntags empfahl, und das andere die Auguren zu berathen gebot. Zu gleicher Zeit entſtanden die erſten Unter⸗ ſcheidungen zwiſchen der geiſtlichen und der weltlichen Gewalt. Ande⸗ rerſeits riſſen die Legiſten die Herrſchaft des Reiches durch Geſetzes⸗ terte an ſich, indem ſie ſo den Einfluß der Geſetze an die Stelle des Schwertes ſetzten, und, ohne es vielleicht zu ahnen, die mäch⸗ tigſten Gehilfen der Religion wurden. Das ſterbende Rom verſchied in einem Leichentuch, gewirkt aus Denkmalen; das entſte⸗ hende Conſtantinopel erhob ſich auf Haufen von Büchern. Die An⸗ wälte und Prieſter folgten auf die Baumeiſter und Kriegsleute. Die Pandekten, Inſtitutionen, das Evangelium theilten ſich von nun an in die Achtung der Völker und den allgemeinen Einfluß. Ein ungeheures Getöſe von Advokatenreden folgte auf den Lärm der Schlachten, und der præfectus prætorio allein beſchäftigte ſieben hundert fünfzig Advokaten. Der Pa⸗ triciat war nur noch eine lebenslängliche Würde: man hatte ihm die Erblichkeit entzogen. Das Reich, getheilt in mehre dioecoeses, groß wie Königreiche, und regiert von Vicarii, ſah das Werk der Decentraliſation ſich vollenden, welches zugleich die Angriffe der Barbaren und die Mißbräuche der Rechtspflege und des Gerichtsverfahrens begünſtigen mußte. Die Welt ſollte den Geſetzkundigen zur Beute werden, welche ſie noch viel ernſter in dem Augenblick bedrohen, wo ich ſchreibe. Sie ſammelten ſich ſo raſch Vermögen, und ihre Erpreſſungen wa⸗ ren ſo ärgerlich, daß der Codex Theodosianus ſie mit der Todesſtrafe bedrohen mußte.*) Man findet hierüber bei Am⸗ mianus Marcellinus**) Einzelnheiten, welche zu ſonderbaren Vergleichungen mit den Mißbräuchen unſerer Tage Anlaß ge⸗ ben könnten. *)„Cessent rapaces jam nunc officialium manus; cessent, inquam; si moniti non cesserint, gladiis praecidentur.“ Lib. I. Tit. 7. L. 1. **) Lib. XXX, c. 4. 74 4. — 100— Die Theilung des Sitzes des Reichs brachte auch be⸗ merkenswerthe Aenderungen in das Syſtem der Auflagen. Conſtantin und ſeine Nachfolger zogen eine einfache und di⸗ rekte Steuer dem verwickelteren Syſtem der Auflagen römi⸗ ſchen Urſprungs vor. Die Steuererheber, welche gar keine Vergütung erhielten, wurden aus den ausgezeichnetſten Bür⸗ gern unter dem Namen Decurionen gewählt, wie es bei uns die Mitglieder der Geſchwornenſchaften für die Expropriation zum Zweck des öffentlichen Nutzens ſeyn wür⸗ den. Ihnen allein waren die leidigen Verrichtungen der Steu⸗ erumlegung übertragen, welche ſie der Unzufriedenheit und oft den Mißhandlungen der Bevölkerungen ausſetzten. Alle Staatsländereien, das Erbgut des Kaiſers eingerechnet, wa⸗ ren der Beſteurung unterworfen, und jeder neue Eigenthü⸗ mer mußte die Schulden des frühern bezahlen. Ein genaues Cataſter, alle fünfzehn Jahre durchgeſehen, geſtattete, die Quoten mit ziemlicher Unpartheilichkeit feſtzuſetzen, weil man Sorge trug, in die Regiſter die Eigenthümlichkeit jedes Grundbe⸗ ſitzes zu verzeichnen, deſſen Werth nach dem Durchſchnitt des Ein⸗ kommens von fünf Jahren geſchätzt ward. Die Auflage wurde allgemein in Goldmünze bezahlt; aber davon wurde ein gro⸗ ßer Theil in Naturalien jeder Art, in Getreide, Weinen, Oe⸗ len, Holz und Futter gefordert, die auf Koſten der Steuer⸗ pflichtigen in die Magazine des Kaiſers geführt werden muß⸗ ten, und welche Anlaß zu furchtbaren Erpreſſungen gaben. Da die Beſchwerden allgemein geworden waren, ſo griffen die Kai⸗ ſer zu andern Auskunftmitteln, unter welche man die Erfindung der Patente zählen kann, die allen Arten der Induſtrie und des Handels auferlegt wurden. Man war ſogar genöthigt, die öffentlichen Beamten in Naturalien zu bezahlen, und Lam⸗ pridius*) berichtet uns, daß, abgeſehen von einem Gehalte von ungefähr 4,000 Fr. unſeres Geldes in Münze, die Statthalter der Provinzen ſechs Krüge Wein, zwei Maulthiere und zwei *) Cap. 42. Pferden einen! verhei essL Amt a Pferde der Ko ſie das zurüch Statt Lamp tiſchen des Re Hausd Nieder Damal ſchward ren an ches du die G ſelbſt der C entwi dung Aenderun fluß d Organ Das! ſtehun Anſich E in icch be⸗ nlagen. und di⸗ römi⸗ keine Bür⸗ wie ür die wür⸗ Steu⸗ t und Ale wa⸗ thü⸗ aues die man dbe⸗ Ein⸗ wdd in gro⸗ en, Oe⸗ Steuer⸗ I muß⸗ n. Da Kai⸗ indung e und rnöthigt, d Lam⸗ falte don aathater und zwei — 101— Pferde, zwei Prunkgewande, ein einfaches Kleid, eine Badwanne, einen Koch, einen Maulthierwärter, und endlich, wenn ſie nicht verheirathet waren, eine Concubine erhielten; quod sine his esse non possent, ſagt der Verfaſſer. Wenn ſie von dem Amt abtraten, waren ſie immer verpflichtet, die Maulthiere, die Pferde, den Maulthiertreiber und den Koch zurück zu geben. Wenn der Kaiſer mit ihrer Dienſtführung zufrieden war, ſo behielten ſie das Uebrige; widrigenfalls waren ſie verpflichtet, es vierfach zurück zu erſtatten. Man ſieht aus andern Schriften, daß die Statthalter zweier großer Provinzen Oel erhalten hatten, um vier Lampen zu unterhalten. Jeden Tag drang Etwas von den aſia⸗ tiſchen Sitten in die Finanzverwaltung und in die Gewohnheiten des Reiches ein. Die Eunuchen, die Späher, die Beamten der Hausdienerſchaft vermehrten ſich maaßlos, und mit ihnen die Niederträchtigkeiten, die Angeberei und das Günſtlingsweſen. Damals war es, wo die Barbaren, gelagert längs den Ufern des ſchwarzen Meeres, an den Mündungen der Donau und an meh⸗ ren andern Grenzen begannen, die verwundbaren Theile des Rei⸗ ches zu erkennen, und die große Invaſion vorzubereiten, welche die Geſtalt der Welt ändern ſollte, nachdem das Chriſtenthum ſie ſelbſt verwandelt haben würde. Unterſuchen wir alſo, welches der Einfluß des Chriſtenthums auf die europäiſche Geſellſchafts⸗ entwicklung geweſen ſey, und welche Wechſel ſeine endgiltige Grün⸗ dung in die politiſche Oekonomie der Alten gebracht habe. Hauptſtück 1X. Aenderungen, welche in der ſocialen Oekonomie Europa's durch den Ein⸗ fluß des Chriſtenthums eingetreten ſind.— Deſſen kräftige und weiſe Organiſation.— Die Klöſter gründen das gemeinſchaftliche Leben.— Das religiöſe Princip gibt den Krankenhäuſern, den Aſylen die Ent⸗ ſtehung.— Der Prieſter ſteht gegenwärtig unter ſeiner Aufgabe.— Anſicht über dieſen Gegenſtand. Eine große Senſation durchlief Europa; als das Chriſten⸗ ——-—-—-————————— — 102— it ſeine thum, bis dahin geächtet und erniedrigt, ſich plötzlich zum Rang uigde einer herrſchenden Religion erhob, und jetzt ſeinerſeits ſeine Fläche Verfolger verfolgte. Welche Entwicklung! Alles wechſelt faſt 5 8 zugleich, Alles gliedert ſich wie durch einen Zauber neu auf fri⸗ i 9 ſchen Grundlagen. Die politiſche Gewalt, bis dahin lediglich dir n auf die Stärke geſtützt, ſucht Verbündete in der Vernunft, in dem zeni Glauben; ſie umgibt und verſtärkt ſich durch den blendenden Glanz um der religiöſen Autorität, welche ſchon tiefe Wurzeln in den Her⸗ 5— zen getrieben hat. Es iſt wunderſam, die Raſchheit zu ſehen, mit— welcher die Welt, rückſichtlich des Gottesdienſtes noch heidniſch, hre eilt, die Folgerungen aus dem evangeliſchen Wort zu ziehen, und Verſ den bewunderungswürdigen Inſtinkt, mit welchem jeder Unter⸗ taſch drückte ahnt, daß die Stunde der Freiheit jetzt für ihn ſchlagen ſen f werde. Obgleich die chriſtliche Kirche ganz gegliedert mit ihrer derwor edeln und ſtrengen Hierarchie erſchien, ſo hatte doch Jedermann 5 jüngt, bald das Princip der Gleichheit begriffen, welches ſie in ihrem Negie Schooße trug. Sie gefiel den Hohen durch ihre Glaubensſätze von dr E der Unterordnung und von dem Gehorſam, und den Niedern durch der O ihre Lehren von der Unabhängigkeit und Gleichſtellung vor Gott. und d Sie erhob den Sklaven, ohne den Herrn herab zu drücken, und under bot der unter das Joch gebeugten Menſchheit eine Zufluchtsſtätte ent gegen die Tyrannei dieſer Welt in den Hoffnungen auf eine an⸗ man dere. Das Heidenthum hatte ſich ſelten in die Politik gemiſcht;*) 1 allein die erſten chriſtlichen Prieſter nahmen Antheil an den Ge⸗ gen; ſchäften, und regierten ſchon, ehe nur Jemand noch ihre Macht und/ ahnte. Selbſt die Kezereien, welche das Chriſtenthum in ſeiner eine O Geburt verheerten, waren für die Sache des geſellſchaftlichen Fort⸗ Lartha ſchrittes nicht unwirkſam: ſie haben in Europa das Recht der ſich ſo Erörterung eröffnet. Princip Man braucht kein ganz ſtrenger Chriſt zu ſeyn, und doch ge⸗ chenver bietet die Majeſtät dieſes ſchönen Baues Staunen und Ehrfurcht. des ſitt Man kann nicht ohne eine lebhafte Bewunderung dieſe kräf⸗ Congte tige und üppige Gliederung ſich ganz aus Einem Stücke— *) Falſch: das Heidenthum war großentheils eine politiſche und zumal eine gehoben Polizeianſtalt. Buß. Individ n Rang ts ſeine ſelt faſt auf fri⸗ ediglich in dem Glanz n Her⸗ en, wit idniſch, 7, und Unter⸗ agen ihrer nann hrem evon durch Gott. „ud toſtäte eine an⸗ iſch; ³) een Ge⸗ Macht ſeiner Fort⸗ ht der ch ge⸗ furcht. e kif⸗ Stüͤche zumal eine Buß. — 193— mit ſeinen prächtigen Zubehörden bilden, und ſich über die Welt ver⸗ breiten ſehen, überall ſich ſelbſt gleich, wie die friedliche Woge an der Fläche des Ufers. Die erſten Biſchöfe, ſo gebieteriſch zugleich und ſo mild, ſo unduldſam gegen den Zweifel und ſo nachſichtig gegen die Schwächen, ſo trotzig gegen die Großen und ſo demüthig ge⸗ genüber den Armen, erſcheinen als Volkstribunen, die kommen, um im Namen der unverjährlichen Rechte der Menſchheit ihre Verwahrungen einzulegen. Alles an ihnen erinnert an die alten Grundſätze des römiſchen Freiſtaats, die öffentliche Wahl, die Predigt, nachgebildet den Reden des Forum's, die allgemeinen Verſammlungen, die Zulaſſung zu den höchſten Würden ohne Un⸗ terſchied des Vermögens oder der Geburt. Nichts blieb von die⸗ ſen frühern Prärogativen des Bürgers, als eine unfruchtbare und verworrene Erinnerung; die chriſtliche Religion hat Alles ver⸗ jüngt, Alles wieder zu Ehren gebracht. Wenige Jahre nach der Regierung Conſtantin's verfließen, und ſchon iſt die Freilaſſung der Sklaven auf die bloße Beurkundung eines Biſchofs geſtattet; der Concubinat iſt geächtet; das Vermögen der Minderjährigen und der Frauen iſt der Conſiskation enthoben, die Kerker werden unterſucht, die Armen unterſtützt, die Wohlthätigkeit iſt entdeckt. Wir werden ſie ſpäter beurtheilen: einſtweilen übt man ſie. Die politiſche Oekonomie hat noch viele andere Verpflichtun⸗ gen gegen den Einfluß des Chriſtenthums, welcher jenes engherzige und ſelbſtſüchtige Gefühl der Nationalität verſchwinden ließ,*) eine Quelle der langen Streitigkeiten zwiſchen Athen und Sparta, Carthago und Rom, beklagenswerthe Kampfſtätten, auf welchen ſich ſo viele ſociale Hülfsquellen erſchöpften, welche ein anderes Princip befruchtet haben würde! Schon die Schöpfung der Kir⸗ chenverſammlungen allein iſt eine der glücklichſten Schöpfungen des ſittigenden chriſtlichen Geiſtes, wenn man ſie auch nur als Congreſſe betrachtet, wo alle Einſichten zur Erörterung einer Idee *.) Das Chriſtenthum hat das Gefühl der Nationalität nicht ganz auf⸗ gehoben, ſondern die Nationalitäten nur als untergeordnete Momente der Individualität unter die humanitäre Univerſalität geſtellt. B uß. 11 — 104— zuſammenberufen wurden. Wie vieler Zeit hat es nicht bedurft, damit dieſe edeln Inſpirationen über das kriegeriſche und barbariſche Vor⸗ urtheil ſiegten! Es ſind erſt einige Jahre, daß J. B. Say in ſeiner ſchönen Theorie von den Abſatzwegen die Lehre von der com- merciellen Solidarität der Nationen vollends erwies, und nicht ohne Mühe wurde in unſern Tagen die Löſung der Streitigkeiten unter Völkern eher der Diplomatie, als dem Schwerte übergeben. Wer anders hat dieſe Ergebniſſe vorbereitet, als das Chriſtenthum? Und was iſt denn gegenwärtig die bürgerliche, die Religions⸗ und Handelsfreiheit, als die Entwickelung des chriſtlichen Grundge⸗ dankens? Ohne das neue Princip der Gleichheit vor Gott, würde die griechiſche und römiſche Sklaverei noch die Welt ver⸗ heeren, die Schwäche wäre immer die Beute der Stärke, und der Reichthum würde noch von den Einen erzeugt, um von den Andern ohne Entſchädigung verbraucht zu werden. Unter dem Geſichtspunkt der Vertheilung der Gewalt gibt es keine menſchliche Inſtitution, welche ſich mit der wahrhaft bewun⸗ derungswürdigen Art vergleichen ließe, auf welche die Kirche ſei der ſtaatlich anerkannten Erſcheinung des Chriſtenthums geglie⸗ dert iſt. Ein Papſt ſitzt zu Rom und hält unter ſeiner Gewalt die hohen Würdenträger der Kirche, welche ſelbſt zu den Aemtern die Mitglieder der niederern kirchlichen Militz ernennen. Dieſe ganze Militz iſt den nämlichen Regeln unterworfen, und zeigt die nämliche Tracht, von Paris bis nach Japan und von China bis nach Rom. Der nämliche Gottesdienſt wird in derſelben Sprache an beiden Enden der Welt gefeiert; die Namen der Heiligen des Chriſtenthums prangen an der Spitze aller unſerer Ge⸗ burtsurkunden, und wir unterſcheiden die Tage des Jahres nur nach den Namen ſeiner Apoſtel und ſeiner Martyrer. Der Sonn⸗ tag der Chriſten iſt der Tag der allgemeinen Ruhe geworden; überall ſchließt, wenn die Kirche ihre Tempel öffnet, die Arbeit ihre Werkſtätten. Es gibt nicht einen einzigen bedeutſamen Abſchnitt des Lebens, welcher dem religiöſen Einfluſſe entgeht, oder welcher ſeiner Einſchreitung entbehrt. Der chriſtliche Prie⸗ ſter erwartet an dem Taufborne das Kind, das ſo eben geboren wird, und gibt ihm einen Namen: ſpäter tritt er vor den Men⸗ ſten a wenn d zum C ſtenthu des M ſich zur leiten! Anſtret weiter furcht als n der g Firmun det und tes. L der da Prieſten welcher Dasi ten A waͤrtie nen w über Redne der M zel und ihm gef er gebi gläubigf kerheilig Tage d Namen lige z unſerer Man! Von ge ft, damit ſcheVor⸗ in ſeiner der com⸗ ind nicht tigkeiten ergeben. enthum? eligions⸗ jrundge⸗ er Gott, elt ver⸗ nd der Indern gibt es dewun⸗ ſche ſei geglie⸗ Gewalt Aemtern n. Dieſe zeigt die China bis Sprache Heiligen er Ge⸗ es nur Sonn⸗ orden; Arbeit aiſamen entgeht, he Prie⸗ geboren „ Men⸗ ——— — 105— ſchen an den Altar, um ſeinen Ehebund zu ſegnen; endlich wenn die Marke des Lebens erreicht iſt, begleitet er ihn betend zum Grabe. Welche mächtige Wirkungsmittel hat das Chri⸗ ſtenthum ſpäterhin erfunden, um ſich des geſammten Daſeyns des Menſchen zu bemächtigen! Ueberall ſieht man den Prieſter ſich zum Lehrer erheben, und die Kindheit durch ſeinen Rath leiten! Der Katechismus ſichert ihm dieſe Eroberung ohne Anſtrengung; ein erſtes Sakrament, das Abendmahl, zieht ein weiteres Band, geſchlungen durch die geheimnißvollen und furchtbaren Mittheilungen des Beichtſtuhls. Später erſcheint, als wenn dieſe erſten Erſolge nicht genügten, der Biſchof in der ganzen Majeſtät der kirchlichen Macht, und ſpendet die Firmung, bewilligt Dispenſationen, ſpricht Cenſuren aus, bin⸗ det und löst als höchſter Schiedsrichter und Statthalter Got⸗ tes. So können weder die Kindheit, noch das reife Alter, we⸗ der das Greiſenalter, noch der Tod ſich dem Einfluſſe des Prieſters entziehen, dem vollſtändigſten und unvermeidlichſten, welcher je in der Welt beſtanden hat.. Das iſt aber noch nicht Alles, und wir deuten kaum die unbeſchränk⸗ ten Attributionen der religiöſen Gewalt an. Welches iſt gegen⸗ wärtig der Magiſtrat, welcher in dem kleinſten Dorf über ei⸗ nen weiten Raum verfügt, um die Bevölkerung zu verſammeln, über ein raſches und ſicheres Mittel, ſie zu berufen, über eine Rednerbühne, um ſie zu erregen oder zu überzeugen? Es iſt der Prieſter. Er allein iſt der Herr des Tempels, der Kan⸗ zel und der Glocken; er verſammelt ſeine Schaafe, wenn es ihm gefällt, und ohne die Erlaubniß der bürgerlichen Behörde; er gebietet und man gehorcht. Selbſt in den Augen der Un⸗ gläubigſten ſind Oſtern, Weihnachten, Pfingſten und Al⸗ lerheiligen, alle chriſtlichen Feſte, noch Feſte; die Faſttage ſind Tage der Entbehrung. Unſere Straßen und Städte tragen Namen der Heiligen; die Künſte und Gewerbe nehmen Hei—⸗ lige zu Patronen. Die beſtürzten Seeleute weihen Gebete unſerer lieben Frau zur Hut(Notre Dame de-la-Garde). Man heuet an St. Johannis, man herbſtet an Michaelis. Von Zeit zu Zeit gibt der entrüſtete Prieſter ſtrenge Warnun⸗ ——————— y — —— — ——— — — 106— gen; bald beſtreut er unſere Stirne mit Aſche, um uns an die oft heft Eitelkeit der menſchlichen Dinge zu mahnen; bald verſagt er Einöder ſeine Mitwirkung zu den Gebeten der Erben eines Verſtor⸗ ſchen! benen bei deſſen Unbußfertigkeit in der Stunde des Todes. die R Er beſteigt das Blutgerüſte, um dort die reuigen Verbrecher in öffnete den Schoos der Barmherzigkeit Gottes zu führen, und er er— gelang ſchreckt das junge Mädchen, das rückſichtlich der Folgen eines einer! einfachen Bekenntniſſes bangt. Er beſchreibt die Hölle, und Sinne man zittert; er öffnet das Paradies, und man hofft. Wenn ſen ſ zuweilen ein frecher Böſewicht ihm ſeine heiligen Gefäße ent⸗ komm wendet, empört und entrüſtet ſich Alles; der Schuldige heißt ihrer ein Gottloſer und das Verbrechen eine Entheiligung, welcher unter man eine Sühne ſchuldet. Man mußte ehedem ſehen, die be⸗ ein haͤ ſtürzten Gläubigen mit Inbrunſt das Pflaſter der Tempel küſ⸗ ihres. ſen, und durch viele Thränen, Gebete und Faſten die Verzei⸗ ten ein hung für dieſe großen Sündenfrevel erflehen! V Früchte Dieſe ſo eigene und ſo plötzlich wirkende Macht der Religion, und b Gewer die tiefen Umwälzungen, welche ſie in der ſocialen Ordnung welche bewirkt hat, offenbaren ſich hauptſächlich in der Stiftung der zeichne Klöſter, welche ſo viele Fragen unter den Menſchen erhoben Gewe und gelöst haben. Im Morgenland hatten dieſe Klöſter zum wig Zweck die Einſamkeit und Beſchaulichkeit, das Bedürfniß, ſich gen! abzuſchließen, den weltlichen Vergnügungen, den menſchlichen verlie Beziehungen zu entfliehen; im Abendland hingegen entſtanden frei⸗ ſie mit dem gemeinſamen Leben und durch das Bedürfniß, ſich Mittel zu vereinigen, ſich zu unterſtützen. Während die Geſellſchaft niederz als Beute einer allgemeinen Entſittlichung gar keinen Mittel⸗ Eine punkt einer Thätigkeit für die Nation, Provinz oder Gemeinde vollende den gebildeten Geiſtern bot, öffneten die Klöſter Jenen Aſyle, das iſt welche gemeinſam leben, denken und erörtern wollten, und ſie übung wurden bald der glühendſte Heerd der geiſtigen Bewegung. ger d Aus ihnen gingen jene kühnen theologiſchen und philoſophiſchen mus i Wahrheiten hervor, welche mit ſo großem Aufwande des Scharf⸗ gen d ſinnes behauptet wurden, und jene Verſuche ſtrenger Abhärtungen, drückt welche die unter der Herrſchaft der heidniſchen Geſittung ge⸗ nüber ſchwächten Seelen wieder ſtählten. Ein lebhafter Verkehr und zriſche ———,. Bää ſs an die erſagt er Verſtor⸗ s Todes. brecher in d er er⸗ hen eines ölle, und t. Wenn ffäße ent⸗ ige heißt welcher die he⸗ pel küſ⸗ Verzei⸗ kon, und Drdnung cung der erhoden aſter dun afniß, ſic nenſchlichen entſtanden rfnih, ic geſellſcaft Mittel⸗ Gemeinde en Aſyle, , und ſie Beweguns. cſodhöchen des Shaif Abbärtungen, Heſittung ge⸗ Nerkebr und -— 107— oft heftige Streitigkeiten entſtanden zwiſchen dieſen verſchiedenen Einöden, die ſchon wie Städte durch den Zufluß aller Men⸗ ſchen bevölkert waren, welche die Freiheit des Gedankens und die Regelmäßigkeit des materiellen Lebens dorthin zogen. Hier öffneten ſich bald die Bahn den Ehrgeitzigen, um zu Ehren zu gelangen, und das Heiligthum der Wiſſenſchaften, welche aus einer Welt verbannt waren, die blos den Vergnügungen und Sinnengenüſſen fröhnte. Die Bewohner dieſer glücklichen Oa⸗ ſen ſäumten nicht, auf alle Weiſen die Gewerbe zu vervoll⸗ kommnen, welche für die Bewahrung ihrer Unabhängigkeit und ihrer Erhaltung nothwendig waren. Die Induſtrie, welche unter der Republik und in den erſten Zeiten des Kaiſerreichs ein häusliches Geſchäft war, durch die Sklaven zum Vortheil ihres Herrn betrieben, wurde für die religiöſen Genoſſenſchaf⸗ ten ein gelehrtes Studium; ſie lebten nicht lange von trockenen Früchten oder Gemüſen; ſie bedurften der Gewerbe, und dieſe Gewerbe wurden mit der nämlichen Ueberlegenheit getrieben, welche in allem Uebrigen die neuen Geſellſchaftsgenoſſen aus⸗ zeichnete. Ich zweifle nicht, daß hier der wahre Urſprung der Gewerbsinnungen ſey, deren Organiſation dem heiligen Lud⸗ wig zugeſchrieben wird. Der heilige Ludwig hat die Innun⸗ gen der Gewerbe geordnet, aber nicht geſchaffen. Ihr Urſprung verliert ſich in den der Klöſter. Aus dieſen ging die Induſtrie frei hervor, um ſich in der Folge im Schooße der Städte des Mittelalters unter dem Schutz des Princips der Aſſociation niederzulaſſen. Eine andere Schöpfung des Chriſtenthums unterſcheidet es vollends von dem ganzen ſocialen Syſtem, welches einſtürzt, das iſt das Gebot des wechſelſeitigen Wohlwollens, in Aus⸗ übung gebracht und in eine heilige Verpflichtung für alle Bür⸗ ger verwandelt. Wenn Etwas an dem römiſchen Polytheis⸗ mus überraſchen muß, ſo iſt es jene tiefe Gleichgültigkeit ge⸗ gen die Leiden des Armen und gegen die Klagen des Unter⸗ drückten. Es beſtand in der alten römiſchen Geſellſchaft eine unüberſpringbare Gränzlinie zwiſchen dem Reichen und Armen, zwiſchen dem Patrizier und Plebejer; man hätte ſagen ſollen, — 108— daß der Zweite durch Fügung des Schickſals die Beute machted des Erſteren ſeyn mußte, wie in dem Thierreich gewiſſe Arten ühre A für die Nahrung der Andern voraus beſtimmt ſind. Das de Ind Chriſtenthum hat die Entfremdungen dadurch ſich angenähert, die Ha daß es die öffentliche und Privatwohlthätigkeit vorſchrieb, de⸗ noch C ren gebieteriſches Bedürfniß der Kaiſer Julian ſelbſt, dieſer als heit vol Apoſtat behandelte Weiſe, fühlte.„Wahrlich! es iſt ſchändlich, iſ der ſagte er,*) daß die gottloſen Galiläer nicht nur die Ihrigen, erfaſſer ſondern auch die Unſerigen nähren, und die Unſerigen der Vermu Hülfe, welche von uns ihnen gebracht werden ſollte, beraubt ſuchun erſcheinen.“ Hier wird, wie man ſieht, die Schöpfung der weiht Hoſpitäler, der Aſyle, der Almoſenſpenden auf eine ganz be⸗ Ven ſtimmte Weiſe durch den furchtbarſten Feind des Chriſtenthums aus den angezeigt. Welchen Schritt hatte nur dadurch die politiſche Einzelnl Oekonomie gethan! Und wenn ſpäterhin dieſe große Sendung erwägt des Chriſtenthums ſich nicht vollſtändiger erfüllt hat, wenn es lie nich in andern Urſachen lag, in ihrem Gang die Entwicklung des einem e erhabenen Gedankens zu hemmen, welcher die ganze Menſch⸗ Bau, heit zu dem Gaſtmahle des Lebens lud, ohne Unterſcheidung und wi des Vermögens und der Kaſte, ſo haben wir das Vertrauen, ten de daß ſie doch in Zukunft ihren Platz daran nehmen, und ſo Temp der Wille Gottes geſchehen werde.*) Abfal So hat ſich unter dem Schutze der chriſtlichen Religion die b die R alte Geſittung, ganz gegründet auf die Sklaverei, in eine neue, b puüls, geſtützt auf die Freiheit, umgeſtaltet. Ein Theil dieſer Ehre b det in gebührt aber gleichwohl den großen Geiſtern des Alterthums, einem ſchritt Sokrates, einem Cicero, dieſen edeln Weiſen, deren Schriften durch d den Sturz Griechenlands und Roms überlebt, und welche b Kanzeln jene beſſeren Geſchicke geahnt haben, welchen wir entgegen ge— ert nich hen. Alles war noch heidniſch in Rom und im Reich, als die b ſe de chriſtliche Umwälzung im Ausbruch begriffen war; Lukianos ſürme — mehr *) Nam turpe profecto est, cum impii Galilæi non suos modo, sed leich nostros quoque alant, et nestri auxilio, quod a nobis ferri ipsis de- b— beat, destituti videantur. b 9) D Iuliani Epist. 49. uliani Epist. 4 telalter. ——— die Beute biſe Arten nd. Das ngenähert, hrieb, de⸗ dieſer als händlich, Iyrigen, rigen der beraubt fung der ganz be⸗ enthums olitiſche bendung venn es ung des Menſch⸗ cheidung ertanen, „und ſo eligoon die eine neut⸗ eſer Ehre ns, einem Schriften a welche gegen ge⸗ ) als die Lntchos 0s modo, Sei kerti ipsis de- ni Ehist- 9. machte die Götter lächerlich in dem Augenblick, wo Chriſtus ihre Altäre umſtürzte. Einige geſchickte Sklaven entfeſſelten die Induſtrie durch das Talent, als die Religion kam, ihnen die Hand zu reichen; ſie zwangen ihre Herren zu Schonungen, noch ehe die Lehren von der Wohlthätigkeit und der Gleich⸗ heit vor Gott ihnen daraus eine Pflicht gemacht hatten. Auch iſt der Uebergang von dem alten Syſtem zum neuen ſchwer zu erfaſſen; die berühmteſten Schriftſteller verlieren ſich hiebei in Vermuthungen, und eines der ſchönſten Werke, welche der Auf⸗ ſuchung der Urſachen dieſer Umgeſtaltung in den Geſetzen ge⸗ weiht wurden,*) läßt hier viel zu wünſchen übrig. Wenn man in ſeinem Geiſte die glorreichen Erinnerungen aus den erſten Zeiten des Chriſtenthums und die majeſtätiſchen Einzelnheiten dieſer ſo einfachen und ſo weiſen Organiſation erwägt, ſo kann man ſich eines tiefen Gefühls der Melancho⸗ lie nicht erwehren, wenn man gegenwärtig dieſe Religion mit einem ernſten Verfall bedroht ſieht. Allerdings hält ſich der Bau, obwohl von allen Seiten untergraben, noch aufrecht, und wirft immer noch auf die Gegenwart den großen Schat— ten der Vergangenheit; der Gottesdienſt wird fortgefeiert, die Tempel ſtehen offen, die Hierarchie iſt dieſe!be: allein welcher Abfall in der Inbrunſt des Glaubens! Und wie ſehr ſind die Rollen gewechſelt! Der Prieſter gibt nicht mehr den Im⸗ puls, er weiß ihn nicht einmal mehr zu empfangen; er vergeu⸗ det in unfruchtbaren Kämpfen gegen den geſellſchaftlichen Fort⸗ ſchritt ſeine Kräfte, geſchwächt durch die Unduldſamkeit und durch den erſchütternden Stoß der Umwälzungen. Er nimmt die Kanzeln ein, aber die Kanzeln ſind ſtumm; ihre Stimme ſchau⸗ ert nicht mehr, wie ehedem, in das Herz der Völker, wenn ſie dieſelben in Maſſe zur Eroberung des heiligen Landes auf⸗ ſtürmte. Die Religion beſteht fort, aber ſie hat keine Diener mehr auf der Höhe ihrer Bedürfniſſe und der unſerigen. Und gleichwohl iſt bis jetzt, trotz unſern zahlreichen Verſuchen einer *) Des Herrn von Savigny Geſchichte des römiſchen Rechtes im Mit⸗ telalter. — 110— politiſchen Verjüngung, keine menſchliche Verfaſſung der ihri⸗ Nan gen gleich, keine Centralgewalt hat es in ihrer Macht, ſich ſo Fä gehorchen zu laſſen, wie ſie; das Unglück iſt, daß man es würd nicht verſteht, in ihrem Namen würdig zu gebieten. Es gibt Rüg Fragen der politiſchen Oekonomie, welche ſo lange unlösbar des bleiben werden, bis ſie dabei Hand anlegen wird. Der Volks⸗ ve f unterricht, die gleiche Vertheilung der Gewinnſte der Arbeit, latte die Reform der Gefängniſſe, die Fortſchritte des Landbaues man und viele andere Aufgaben werden erſt durch ihr Einſchreiten thun eine vollſtändige Löſung erhalten, und das iſt Recht; wahrlich! ſie zu! allein kann die Fragen gut löſen, welche ſie gut geſtellt hat. ſage Soll es uns nicht vergönnt werden, Zeugen dieſer ſo heiß er⸗ druc wünſchten Entwicklung zu ſeyn? Wir glauben es nicht, ob⸗ feine wohl die religiöſe Reaction, welche ſich allerſeits offenbart, es hoffen letzte zu laſſen ſcheinen möchte. Wahrlich! es iſt eine ſchöne Huldigung, aus, von Europa dem erhabenen Einfluß gebracht, welcher uns ehe⸗ V bieten dem das Princip aller Freiheiten gegeben hat; allein dieſe Hul⸗ Jlau digung haben die Prieſter lediglich für eine Rückkehr zu den al⸗— ten Ideen, eher für eine Ableugnung des Fortſchrittes, als für. die Fortſchritte ſelbſt genommen! Verhängnißvoller Irrthum, In welcher die Welt in ihrem Laufe hemmt! Sonderbare Verblen⸗ ige dung einer Kaſte, die hartnäckig darauf beharrt, außerhalb der Eir Menſchheit zu leben, und die ſich ihr nachſchleppt, ſtatt an ihrer tur Spitze voran zu ſchreiten! Ach! wenn der Prieſter gegenwärtig I nigf wüßte, welcher wunderbaren Umbildung Werkzeug er ſeyn könnte, hande und welchen ungeheuern Einfluß auf die menſchlichen Geſchicke er dan auszuüben vermöchte! Spitäler, Gefängniſſe, Schulen, Werk⸗ ſtätten, öffentliche und Privatbeziehungen unter den Völkern und Einzelnen, Landbau, Verkehrsmittel, Unternehmer und Arbeiter, Alles würde zu ſeinem Gebiete gehören, Alle würden gerne als Schiedsrichter und Leiter den ſittigenden Prieſter in der Denk⸗ weiſe des XIX. Jahrhunderts nehmen, den duldſamen, aufge⸗ klärten Prieſter, der etwas weniger von den Schreckniſſen der andern Welt, als von den Bedürfniſſen des Dieſſeits ſprechen, und nicht mehr der Unzulänglichkeit der Staatskunſt die Mit⸗ wirkung ſeines Eifers und ſeiner Hingebung verſagen würde. — 111— er ihri⸗ Man würde ſich bald wieder erinnern, daß die Prieſter lange t ſich ſo Zeit die erſten Sendboten der Geſittung geweſen ſind, und wir man es würden in den Tempeln etwas Anderes, als die deklamatoriſchen Es gibt Rügen der Verdorbenheit des Zeitalters, der Prunkſucht und unlösbar des Reichthums hören. Der ſonderbare Kampf, dem wir zuſehen, r Volks⸗ die friedliche Stimmung der Welt in einer kriegeriſchen Haltung r Arbeit, hätte ſchon der allgemeinen Harmonie Platz gemacht, zu welcher andbaues man voranſchreitet, wenn die ſchöne Organiſation des Chriſten⸗ nſchreüten thums durch Männer vertreten würde, die im Stande wären, ſie yrlich! ſie zu begreifen und zu bewahren. Allein ich ſcheue mich nicht, zu hat ſagen, daß die chriſtliche Religion gegenwärtig von dieſem Ein⸗ heiß er⸗ druck ſo weit entfernt iſt, als der römiſche Polytheismus es von üt, ob⸗ ſeiner frühern Macht zur Zeit war, wo das Chriſtenthum den hoffen. letzten Streich gegen denſelben führte. Was hat die Religion digung, aus Spanien, Portugal und Südamerika, ihren herrlichſten Ge⸗ uns ehe⸗ bieten, gemacht? Was iſt unter ihren Händen das unglückliche eſe Hul⸗. Irland geworden?*) den al⸗ „als für*) Der Verfaſſer hat bei Weitem nicht alle dem Chriſtenthum eigenthüm⸗ Irriham, lichen Züge und weltgeſchichtlichen Wirkungsarten aufgezählt. Dieſe ſchwie⸗ Verblen⸗ rige, tief gehende Aufgabe habe ich in meiner Schrift:„Ueber den erhalh der Einfluß des Chriſtenthums auf den Staat von der Stif⸗ 1 tung der Kirche bis zur Gegenwart. Freiburg 184 0“ we⸗ t an ira nigſtens in den Grundzügen zu löſen verſucht. Dort iſt auch die Frage be⸗ genwürtig handelt, welches der Einfluß der Kirche auf die ſocialen Intereſſen der Ge⸗ on könntt, genwart ſeyn kann und ſoll— eine Frage, die Herr Blanaui nur ſehr un⸗ eſchcke er vollkommen und theilweiſe ſelbſt ungerecht beantwortet. ¹ Werk⸗ Buß. kern und Arbeiter, gerne als er Dert⸗ en, aufge⸗ tniſſen det 3 ſprechen, die Mit⸗ en würde. — 112— Hauptſtück X. Von den ökonomiſchen Folgen der Völkerwanderung und von der Zer⸗ ſtückelung des römiſchen Reichs.— Einführung neuer Elemente in die ſociale Organiſation. In dem Maaß die letzten Schimmer der römiſchen Macht in dieſer Fluth von Verderbniß, Feigheit und Schwäche erloſchen, welche endlich das Kaiſerreich verſchlang, erſchienen die Barba⸗ ren am Saume des Geſichtskreiſes, um ſich in die Trümmer zu theilen. Eigentlich zu ſprechen, hatten ſie ſchon lange her Einver⸗ ſtändniſſe in dem Herzen jenes unermeßlichen Raumes unterhal⸗ ten, deſſen Hut ihnen die Statthalter in unbegreiflicher Thor⸗ heit anvertraut hatten. Es gab mehr Barbaren, als Römer in den Legionen, welche die Grenzen bewachten, und als ſie aufbra⸗ chen, um das Reich zu erobern, genügte ein einziger Tagmarſch, um ſie auf ſein Gebiet zu führen, das von allen Seiten offen ſtand. Ehe ſie jedoch an das Ziel ihrer Eroberung gelangten, hatten ſie einen langen Zug zu machen, dieſe Wanderung hat über ein Jahrhundert gedauert. Die Väter waren ausgezogen; die Söhne allein langten an. Wer waren dieſe Menſchen? Wo⸗ her kamen ſie? Welchem Einfluſſe gehorchten ſie, als ſie vor⸗ drangen, unermüdlich auf die Trümmer der römiſchen Welt, in einem ſolchen Gewühl, daß wir nicht genan ihre wahren Namen und ihr geheimnißvolles Vaterland unterſcheiden mögen?*) Was als gewiß erſcheint, iſt, daß ſie aus einer Gegend kamen, wo die Sklaverei unbekannt**) nnd die Freiheit unzähmbar war; *) Keiner hat großartiger dieſen Völkerſturm in dem Anſchlagen ſeiner Wogen an die Pforte des morſchen Römerreiches gezeichnet, als Edgar Quinet in ſeinem Ahasverus. Buß. **) Der berühmte Verfaſſer der Etudes historiques sur la chate del' Empire romain, Herr von Chateaubriand(tome III, p. 146) glaubt, daß die Bar⸗ baren die Sklaverei kannten. Wenn ſee dieſelbe kraft des Kriegorechtes denn ſie chen gan in Afrit Als ſ folgt vo nen nur Bedürfn iigt mit rungen, dieſe Le delten, fremdart fen, Al zu verbre über ihr ſend ſpät daten des in der ſtols, d Jad, wi Man u rungen ker hin Eindrum Tacitus griffen g des Varu Gleichr auf einen daran; ah lich jenen tern; ſaß Bedeutun, vorgehen Blanqui der Zer⸗ mente in Nacht in Kloſchen, Barba⸗ mer zu inver⸗ erhal⸗ Thor⸗ ner in ufbra⸗ arſch, voffen angn, wng d gezogen; n? Wo⸗ zſie vor⸗ Vel, in Namen gen?*) kamen, arwar; en ſeiet Edsat Buß. Ie Empire aß die Bar⸗ riegereches — 113— denn ſie ließen ihre Führer harte Proben beſtehen, und gli⸗ chen ganz jenen Arabern des Atlas, mit welchen wir neulich in Afrika Bekanntſchaft gemacht haben. Als ſie ſich an den Grenzen zeigten, faſt alle zu Pferd, ge⸗ folgt von ihren Heerden und ihren Zelten, beſtand unter ih⸗ nen nur Ein Geſetz, die Stärke; nur Eine Leidenſchaft, das Bedürfniß, ſie zu gebrauchen. Sie fanden das Reich beſchäf⸗ tigt mit philoſophiſchen, theologiſchen und politiſchen Erörte⸗ rungen, und ſie hatten keine große Mühe, vor ihren Speeren dieſe Legionen von Doctoren fliehen zu machen, welche deu⸗ delten, ſtatt zu kämpfen. Schon ihre Sonderbarkeit, ihre fremdartige Tracht, die ſchreckliche Wunderlichkeit ihrer Waf⸗ fen, Alles wirkte zuſammen, den Schrecken auf ihrem Wege zu verbreiten, und die Römer des ſinkenden Reiches waren über ihr Annaben nicht minder beſtürzt, als es ein Jahrtau⸗ ſend ſpäter die Bewohner Mexiko's bei dem Anblick der Sol⸗ daten des Fernando Cortez waren. Das war ein neuer Stamm in der ganzen Stärke des Ausdrucks, ſtark, unerſchrocken, ſtolz, der mit Wucher den Römern die Verachtung zurück⸗ gab, mit welcher ihn zu verfolgen dieſe nicht aufgehört hatten. Man muß in den gleichzeitigen Geſchichtſchreibern die Schilde⸗ rungen leſen, welche ſie uns von der Phyſionomie dieſer Völ⸗ ker hinterlaſſen haben, es läßt ſich leicht ſehen, welchen tiefen Eindruck der Betäubung ihr Erſcheinen erzeugt hatte. Selbſt Tacitus ſcheint ſchon von einer prophetiſchen Weiſſagung er⸗ griffen geweſen zu ſeyn, als er die Niederlage der Legionen des Varus erzählte. Gleichwohl ſtand es geſchrieben, daß die Geſittung durch die auf einen Augenblick den Beſiegten auferlegten, ſo zweifelt Riemand daran; allein ſie hatten nicht, wie die Römer, Menſchenmärkte ähn⸗ lich jenen unſerer Colonien. Ihre Sklaverei glich in Nichts dieſer letz⸗ tern; ſagen wir noch mehr, das war keine Sklaverei in der wahren Bedeutung des Wortes, ohne welches die Freiheit nie hätte daraus her⸗ vorgehen können. 8 Blanqui, Geſchichte d. polit. Oekonomie. 1. Bd. 8 —-— 114— Hände dieſer Wilden gehen ſoll, um ſich des unreinen Be⸗ ſchlags zu entledigen, mit welchem ſie ſich während des hinfäl⸗ ligen Alters des Reichs überzogen hatte. Von dem Augenblick an, wo die Barbarei zum Angriff der alten Welt ſchritt, ſieht man die Metamorphoſe, welche beginnt: die Sklaverei nimmt ab, weil Niemand mehr aus dem Land der Sklapen kömmt. Sie ſind theurer; man ſchont ſie, wie ein ſeltenes Gut, oder viel⸗ mehr man verwendet ſie, wie eine verbotene Sache. In dem Maaß ſie ſich nicht mehr durch die Eroberung vermehren ließen, wurden ſie Glieder der römiſchen Familie; ſie lebten in einem Zuſtand, der jenem unſerer Dienſtboten ziemlich nahe kömmt, und ihre Herren verloren allmälig die Gewohnheiten des Despotismus, welche ſich an die Idee des Eigenthums knüpften. So wurde der Uebergang von der Sklaverei zur Leibeigenſchaft bewirkt, zwei ganz verſchiedene Einrichtungen, weil die erſte den Menſchen dem Menſchen eigen gab, und die zweite ihn blos an die Scholle band. Dagegen erſchien in den Geſetzbüchern der Barbaren Alles der Freiheit günſtig; die Theilung der Güter geſchah nach gleichen Theilen zwi⸗ ſchen den Kindern des nämlichen Vaters, und wenn noch eini⸗ ger Vorzug geſtattet ward, ſo geſchah es zu Gunſten des jüng⸗ ſten, d. h. des ſchwächſten. Sie ſtellten zudem die Perſon des Menſchen gegen jeden Angriff ſicher; denn ihre Strafgeſetze ſcheinen weit mehr dieſe letztere als das Eigenthum zu ſchützen. Bloß das Pferd, als ihr Begleiter und als das Mittel ihrer Unab⸗ hängigkeit, nahm noch einigermaßen an dem dem Menſchen ge⸗ währten Schutz Antheil; es ſtanden ſtarke Geldſtrafen ſchon auf der nicht erlaubten Beſteigung deſſelben. Die Jagd ward Ge⸗ ſetzen unterworfen, und die Forſte unter den Schirm Aller ge⸗ ſtellt, als die gemeinſame Freiſtätte und der Schutzwall der Freiheit. Es beſtanden Tarife für die Wunden, welche durch Gewalt oder Unvorſichtigkeit geſchlagen worden waren; ſo viel für vier gebrochene Zähne, ſo viel für ein ausgeriſſenes Auge, ſo viel für den Nagel des Daumens oder für die Naſenhaut. Die Todesſtrafe war ſelten, und dieſe ſo harten Menſchen warer ſchend wenn ſten aus hätte mein⸗ und Leid ſagt telle ſted Wäld ſhen Rück einer verſch Mach die We gen ein Hel Sch nur nung mocht hen k bemät wand tonnt ſtems dem durc ₰ o— Né—Q/ ñ ⁰—— in e. waren ſparſamer mit derſelben, als wir. Nichts iſt überra⸗ des hinfäl⸗ ſchender bei ihnen, als die Gleichförmigkeit der Regeln, oder, Auyrlc wenn man ſo ſagen darf, der Prinzipien, trotz der äußer⸗ ſeht mm ſten Verſchiedenheit ihrer Abſtammung; denn die einen kamen inmt ab, aus dem Norden, die andern von Süden und Oſten; man nt. Sie hätte ſagen können, ſie hatten dadurch, daß ſie ſich eine ge⸗ der dil. meinſame Beſtellung gaben, ihre Gewohnheiten ausgetauſcht, R dam und ſich über ein Loſungswort verſtändigt:„Ich hatte die derwehten Leidenſchaft, den römiſchen Namen von der Erde zu tilgen,“ ſie leͤben ſagte Ataulph, der Nachfolger Alarichs, zur Zeit, wo die Ei⸗ mlich naaee telkeit der Römer ihre Beſieger als Heerführer im Dien⸗ ohnheien ſte des Reichs behandelte. Nom verſchwand vor dieſer den genthums Wäldern entſtammten Geſittung, und es glaubte noch zu herr⸗ erei zur ſchen, als es ſchon aufgehört hatte, zu ſeyn. Die geringen chtungen, Rückſichten, welche ſeine Sieger für es beobachteten, wurden gab, und V einer Macht zugewandt, welche ſich mit ihnen zu ſeinem Sturze merſchn verſchwor, und welche ihnen half, dieſen zu vollenden. Dieſe t günſig; Macht war die chriſtliche Kirche. Die chriſtliche Kirche traf ailen zwi⸗ die Barbaren auf dem Weg zur Eroberung der heidniſchen noch eni⸗ f Welt, und bot ſich ihnen als Verbündete an: ſie wurde an⸗ des jüng⸗ genommen. Sie hatte eine ganz fertig gebildete Organiſation, Perſon des eine feſtgeſetzte Hierarchie, Sympathien, ſchon alt in dem Strafgeſetz Herzen der Völker, und ſie erſchien wie ein einſichtsvoller zu ſchüßen. Schiedsrichter inmitten dieſer verworrenen Schaaren, welche hrer Unab⸗ nur mit Eiſen und Feuer zu verfahren wußten. Die Unord⸗ enſchen ge⸗ nung hatte ſich mit der Invaſion ganz gut zu verſöhnen ver⸗ ſchon auf mocht; ſie hätte nie bei einer regelmäßigen Niederlaſſung beſte⸗ vard Ge⸗ hen können. Die Kirche hatte ſich ſchon der Municipalitäten Aller ge⸗ bemächtigt; die römiſche Gemeinde war in ein Kirchſpiel ver⸗ zwall der wandelt, deſſen Vorſtände als Verwalter betrachtet werden konnten. Das waren die erſten Anſatzpunkte des neuen Sy⸗ h Gewalt ſtems, und man hatte davon den Beweis, als Alarich, nach⸗ ſ viel füͤr dem er Rom erobert hatte, die geweihten Gefäße der Chriſten s Auge, ſo durch eine doppelte Reihe von Römern und Gothen, das Mwſenhaut 5 n Menſchen — 116— Schwert in der Hand und Hymnen zum Preiſe Chriſti abſin⸗ äne gend, in Sicherheit bringen ließ*). aus In der That gab es, trotz ihren Unähnlichkeiten, zahlreiche Vi Berührungspunkte zwiſchen den Lehren der chriſtlichen Kirche ſch und den Gewohnheiten des Regiments der Barbaren. Alles ihn war wählbar bei den erſten Chriſten, wie bei den Germanen; in! die Verſammlungen der Gläubigen, ſowohl im Tempel, als nel auf den Concilien, beriethen über die Angelegenheiten der Re⸗ den ligion, wie die Barbaren in jenen zugleich parlamentariſchen ter und militäriſchen Verſammlungen, welche ſich ſpäter in perio⸗ ſi diſche Maifelder verwandelten. Nach und nach gewannen Ac die Prieſter eine Herrſchaft über dieſe Menſchen voll Einbil⸗ men dungskraft, welche zugleich einer Leitung und Erregung be⸗ lice durften. Bloß die Hand der Religion war es, welche ihre grůn zum Schlagen ſo unermüdlich bereiten Arme hemmte, als ein 3 Sch großes Drittheil Europa's ihren Schlägen erlegen war. Die leit Peſt, der Hunger, der Brand bildeten ihr Gefolge; die Städte teref ſielen zu Tauſenden, wie umgeſtürzt durch Erdbeben.„Hätte. bare der Ocean Gallien überfluthet, ſagte ein Dichter, er hätte aus nicht ſo ſchrecklich gewüthet, wie dieſer Völkerſturm.“ Im 4 Lid Morgenland hatten die Umgebungen von Conſtantinopel nicht ter weniger von dieſer ſchauerlichen Völkerfluth zu leiden; der H Boden verſchwand bald unter dem Geſtrüppe, und die Thiere un ſogar ſcheinen die Wälder verlaſſen zu haben. Auf welchen Gl Strich des alten römiſchen Gebietes man auch den Blick wende, Tug das nämliche Schauſpiel bietet ſich dem Auge; Sicilien, Spa⸗ unſe nien, Afrika, Großbritannien ſind überwältigt, Ströme von Quel Barbaren rollen über dieſe ſchönen Länder ihre verwüſtenden 8 Wogen, und laſſen mit den Denkmalen alle Hilfsquellen der flluß Induſtrie, alle Ueberlieferungen der früheren Künſte ver⸗ faſt, ſchwinden. Geti Aus dieſem Chaos ſollte die neue Geſittung hervorgehen. lang Die ganze römiſche Welt ſollte dieſe Probe beſtehen, ehe ſie in rm *) *) Oroſius Geſchichte. Buch. VII. e. 39. jabfin⸗ aolreiche Kircht Alles nanen; , als er Re⸗ rriſchen perio⸗ annen inbil⸗ be⸗ ihre ein Die tädte Hdäͤtte hänte Jn A wc enz der Thiere welchen kwende, „ Spa⸗ me von üſtenden llen der ſte ver⸗ vorgehen. ehe ſie in — 117— eine völlige Verjüngung eintrat, wie alte Staͤdte, welche ſich aus ihrer Aſche ſchöner erheben. In den erſten Augenblicken des Wiedererwachens war die Aenderung ſchon ſichtbar. Es gab ſchon keine heidniſche Tempel mehr, und überall erhoben ſich chriſtliche Kirchen, gedeckt von Klöſtern, wo fromme Klausner in der Stille die Trümmer der Wiſſenſchaften und Künſte ſam⸗ melten. Die Einöden bevölkerten ſich mit Unglücklichen, welche den Anblick der öffentlichen Troſtloſigkeit flohen, und ſich ſchwe⸗ rere Entbehrungen auferlegten, als die der Welt waren, welche ſie ſo eben verlaſſen hatten. So nahmen ſie an öffentlicher Achtung zu, und ſahen ſich eine Menge Bewunderer zuſtrö⸗ men, welche mit Eifer die Lehre von der Trennung der geiſt⸗ lichen Gewalt von der weltlichen fortpflanzten. Die Kirche gründete ſo die Unabhängigkeit des Denkens gegenüber dem Schwerte, glücklich, wenn ſie, nachdem ſie dieſe Unabhängig⸗ keit gegen die Barbarei gegründet hatte, ſie nicht einſt im In⸗ tereſſe des Despotismus hätte erſticken wollen!*) Die Bar⸗ baren hatten in der That wunderſame Neigungen, um ſie auszuüben. Wir haben in den neuern Zeiten Nichts als viel⸗ leicht den Charakter der Stämme Nordamerika's mit den Sit⸗ ten dieſer neuen Menſchen zu vergleichen, für welche der freie Himmel, das wandernde Leben, der Mangel eines Zügels, ſelbſt um den Preis von tauſend Gefahren, als ein unausſprechliches Glück erſchienen: und gleichwohl haben wir von ihnen viele Tugenden und viele Laſter geerbt, welche nach und nach in unſere Geſellſchaft eindrangen, ohne daß ſie rein zu ihrer Quelle zurück ſteigen kann. Seien wir nichts deſto weniger für dieſen barbariſchen Ein⸗ fluß dankbar, kraft deſſen die perſönliche Würde, ich hätte faſt geſagt, die hochherzige Empfänglichkeit des Menſchen ihr Gebiet wieder gefunden hat, bei dem Heraustreten aus dem langen Druck, unter dem ſie, gebeugt von dem orientaliſchen Joch der römiſchen Kaiſer, gewelkt war. Wenn die Hierarchie und die Un⸗ *) Dieſes Urtheil gegen die Kirche iſt in ſeiner Allgemeinheit ungerecht. Buß. —————õ—————6ſ mm—m——— — 118— terordnung ſchöne Elemente in der geſellſchaftlichen Ordnung 2 ſind, ſo iſt die individuelle Freiheit deßwegen kein minder acht⸗ 33 bares Element, und obwohl ſie uns im Gefolge der Barbaren 1 zugekommen iſt, ſo muß man deßwegen nicht minder den uner⸗.. meßlichen Dienſt anerkennen, den ſie uns dadurch geleiſtet haben, daß 5 ſie uns dieſelbe brachten. So haben ſie uns die Emancipation. der Arbeiter und den Sturz des Syſtems der Ausbeutung da⸗ nicht durch vorbereitet, daß ſie die Miſchung der früher unverſöhn⸗ Nach lichen Kaſten begünſtigten, und ſie für den Augenblick unter aus eine gemeinſame Unterdrückung beugten. Wir begreifen nicht, ken wie aufgeklärte Geiſter in dieſen ſo einfachen und ſo augen⸗ thie fälligen Thatſachen die Rechtfertigung einer Theorie erſehen lun konnten, welche zum Voraus durch die Beobachtung und Er⸗ zügli fahrung verurtheilt iſt. Was ſoll man zum Beiſpiel von Je⸗ lede nen denken, welche die europäiſchen Nationen in zwei Kaſten gründ eingetheilt haben, von welchen die eine die Nachkommenſchaft galli der Sieger und die andere die der Beſiegten ſeyn ſoll! Und ſe ze wer könnte gegenwärtig ernſtlich behaupten, daß die Kirche zu ten jeder Zeit Beherrſcherin der Welt ſeyn ſollte, weil ſie zu ei⸗ keid ner Zeit es über ihre Herrſcher war? Zwoͤlf Jahrhunderte 2* d ſind über den Staub dahin gegangen, gemiſcht aus dieſen Ge⸗ der nerationen ſo verſchiedener Abſtammungen, und wenn die Ver⸗ ner ſöhnung unter den Kindern ſo vieler Todten noch nicht voll⸗ vor ſtändig iſt, ſo tritt ſie jeden Tag an dem Altar der bürger⸗ lichen Gleichheit und an dem Heerd der Aſſociation der Arbeiten ſe ihrer Vollführung näher. groß Der Widerſtreit war ſchlagend zwiſchen den ſocialen Ge⸗ und; wohnheiten der Barbaren und der römiſchen Geſittung, mit Gefä welcher ſie ſich miſchen ſollten. Sie waren faſt alle in Dör⸗ jeden fern gelagert, lebend von Viehzucht und Landbau, als ſie Wäld zur Eroberung der römiſchen Welt auszogen, und ſie fanden ſie a ſie faſt ganz in den Städten niedergelaſſen. Wie tief auch der Städ Verfall der kaiſerlichen Gewalt war, ihre Organiſation be⸗ inm ſtand noch, und das Räderwerk der Verwaltung war trotz der allſe allgemeinen Abnahme der Politik im Gang. Es beſtand in allen hen Städten eine örtliche Hierarchie noch geachtet, als der erſte Strom beren Adnung er acht⸗ arharen n uner⸗ en, daß pation g da⸗ erſöhn⸗ tunter nnicht, augen⸗ rſehen Er⸗ N⸗ aſten ſcaft Und he zu au ei⸗ wdende ſen Ge⸗ die Ver⸗ cht voll⸗ hürger⸗ jrheiten n Ge⸗ , mit Dör⸗ ls ſie fanden uich der non be⸗ troß der in allen eStrom — 119— der Barbaren ihre Mauern erreichte. Wer könnte ſagen, welches die Empfindungen dieſer unregelmäßigen Horden waren, bei dem Anblick der regelmäßigen und methodiſchen Ordnung der großen römiſchen Städte, welche über ihren Anblick be⸗ ſtürzt waren? Als die Koſaken im Jahr 1814 auf ihren mit Thierfellen bedeckten Pferden in Paris einzogen, mußten ſie nicht noch mehr über das Schauſpiel unſerer Geſittung ſtaunen? Nach und nach wurden in dem Maaß, als ſich die Invaſion ausdehnte, dieſe Eroberer Grundeigenthümer; ſie bemächtig⸗ ten ſich einer Menge von Ländereien, und ſowohl aus Sympa⸗ thie für ihre alten wilden Gewohnheiten, als auch aus Verach⸗ tung gegen den Aufenthalt in den Städten, ließen ſie ſich vor⸗ züglich auf dem Lande nieder, welches ſich alsbald mit Dörfern bedeckte. Von da aus hielten ſie die Städte in Ehrfuürcht, und gründeten ſo die Oberherrſchaft des Grundeigenthums. Die galliſchen, bataviſchen, italiſchen, ſpaniſchen Bauern, welche ſie zerſtreut trafen, fielen unter ihr unmittelbares Joch, bau⸗ ten für ſie das Land, und waren ihre Colonen, noch ehe ſie ihre Leibeigenen waren; ſpäter verwandelte das Bedürfniß, ſich ge⸗ gen einander zu vertheidigen, vielleicht auch gegen den Aufſtand der Städte, die Strohhütte in eine Veſte, und das Dorf in ei⸗ nen Waffenplatz, Vorbereitungen, welche dem Feudalſyſtem vorangingen. So gewöhnten ſich dieſe rein militäriſchen Anführer, nachdem ſie ihren Antheil an der Beute in weiten Landlooſen, Quellen großer Einkünfte, ſich zugeſchieden hatten, an den Reichthum, und zwangen ihre Untergebenen zur Arbeit und zur Entrichtung von Gefällen. Ihre Berührung mit den römiſchen Gewohnheiten trug jeden Tag bei, die Vorurtheile umzuwandeln, welche ſie aus ihren Wäldern mitgebracht hatten; ſie vergaßen ihre eigenen Sitten oder ſie änderten dieſelben unter dem Einfluß der Bevölkerung der Städte. Sie waren ſchon nicht mehr reine Barbaren, weil ſie inmitten einer Welt Halt gemacht hatten, welche ſich dieſelben allſeitig verähnlichte. Wenn die Verſchmelzung plötzlich geſche⸗ hen wäre, und ohne einen andern Anſtoß, als die Ankunft der Ero⸗ berer, ſo hätte der Wechſel der Menſchheit nicht ſo viel Blut — 120— doch w und Thräͤnen gekoſtet; aber der Himmel wollte, daß, als ſie lich die keine Feinde mehr zu beſiegen und keine Völker mehr zu unter⸗ welche werfen hatten, ſie ſich unter einander zerriſſen. Nicht die erſte rauri Invaſion war die verheerendſte geweſen, ſondern die zweite, die 2 dritte, die vierte; es iſt jene Reihe von neuen Stämmen, welche tiſſa ſich auf einander drängten, und welche ſich die Trümmer der uen beſtürzten und ſtummen römiſchen Welt beſtritten. Die Fran⸗ dann ken, die Weſtgothen, die Burgunder, welche mehre weite verian Strecken unſeres Staatsgebietes einnahmen, ſind nicht alle auf ſen d einmal dorthin gedrungen, und haben ſich dort auf ſehr verſchiedenen nich Grundlagen niedergelaſſen. Man dachte auf eine oft ganz ent⸗ bewal gegengeſetzte Weiſe an dem Hof zu Toulouſe, an dem von Lyon licſen und an dem von Soiſſons, wenn man anders den Namen Hof iriůli dieſen Hauptquartieren der Eroberung geben darf: aber es herrſchte leberge dort eine allgemeine Idee vor, die nämlich, daß der Müßiggang des nau ſouverainen Rechtes, und daß die Arbeit der ausſchließliche An⸗ filien theil der Beſiegten und der Leute ohne Grundeigenthum ſei. tenden Man muß bekennen, daß die Römer ganz beſonders die Wege ner S zu dieſem Uebergang bereitet hatten, durch die Art, auf welche Majeſt ſie fortwährend die unterworfenen Völker behandelten; als die 4 oritic Barbaren kamen, hatten ſie nur den Platz einzunehmen: er war ſchen ganz offen, und man trat ihnen denſelben ohne Widerſtand ab. Gle Was wurden während dieſer Zeit die römiſche Induſtrie und die ſion be römiſchen Künſte und Einrichtungen, das Syſtem der Auflagen, gebrac die Handelsgewohnheiten der Welt und ihre großen Abſatzſtät⸗ ddie von ten, Afrika, Spanien, Kleinaſien, Sicilien und ganz Ita⸗ entwirrt lien? Eine tiefe Umwälzung trat dort plötzlich hervor, und Völkern, zerſtörte Anfangs die großen Heerde der Intelligenz und des unter der vernünftigen Fortſchritts. Alles, was das Chriſtenthum zu ſei⸗ bot, ode nem Vortheil der griechiſchen und römiſchen Philoſophie abge⸗ ſe gefaß wonnen hatte, alle jene Schulen, welche es umgeſchmolzen und ſimmung mit ſeinem Geiſte belebt hatte, verſchwanden vor den Nöthen der ſei, als Eroberung, bis die neue Religion wiederum alle Eroberer be⸗ Siegers zwungen hatte, und ſie dem Sieg ihrer Geſchicke hatte dienen laſſen. In der materiellen Ordnung ging ebenfalls eine große Wendung vor: die ſchönen Künſte wurden, wo nicht geächtet,*) Tom als ſi u unter⸗ die erſe eite, die welche ner der Fran⸗ e weite alle auf jiedenen nz ent⸗ rLyon Hof rſchte Zgang eAn⸗ ſei. Wege welche ad de er war tand ab. eund die uflagen, ſaßſtut⸗ 3 Jta⸗ und d des zu ſei⸗ abge⸗ en und hen der erer be⸗ e dienen ne große geächtet, —— — 4121— doch wenigſtens als überflüſſig aufgegeben. Man ſah faſt ploͤtz⸗ lich die rieſigen Bauten, die kühnen Unternehmungen aufhören, welche den Enthuſiasmus der Römer, ſelbſt noch zur Zeit ihres traurigſten Zerfalls, entflammten. Wozu künftighin dieſe gra⸗ ciöſen Formen der Hausgeräthe und Einrichtungen, dieſe Sta⸗ tuen, dieſe eleganten Gewebe für halbwilde Abnehmer, welche deren Gebrauch weder zu würdigen, noch deren Form zu lohnen verſtanden hätten? Man kam ſo weit zurück, daß die mehr⸗ ſten der gewerblichen Geheimniſſe ſich verloren, und daß mehre nicht mehr aufgefunden werden konnten. Einige Handwerker bewahrten in ihren Werkſtätten die Ueberlieferung der unerläß⸗ lichſten Gewerbe; aber in der Mitte zwiſchen der römiſchen und chriſtlichen Kunſt liegt nichts Vermittelndes. Kein bemerkbarer Uebergang verbindet die Tempel des Heidenthums mit den Baſiliken des neuen Gottesdienſtes, und man darf dieſen rohen und unge⸗ ſtalten Rudimenten der rein barbariſchen Periode keinen vermit⸗ telnden Charakter zuerkennen, welche keinen Namen in irgend einer Sprache haben. Um etwas Großes, wahrhaft Edles und Majeſtätiſches wieder zu finden, muß man warten, bis das chriſtliche Volk dem römiſchen folgte, indem es ſich der vandali⸗ ſchen Rinde entledigte. Gleichwohl läßt ſich nicht leugnen, daß die barbariſche Inva⸗ ſion bedeutende Aenderungen in die ſociale Verfaſſung Europa's gebracht habe. Sie hat die römiſche Geſetzgebung vereinfacht, die von Texten verſchüttet und durch lauter Spitzfindigkeiten un⸗ entwirrbar geworden war. Sie geſtattete ſelbſt den beſiegten Völkern, das neue Regiment anzunehmen oder zurückzuweiſen, unter der Bedingung, Vorrechte zu genießen, welche es ihnen bot, oder deren zu entbehren, je nach dem Entſchluſſe, welchen ſie gefaßt haben würden. So ſtellte die Lex salica die Be⸗ ſtimmung auf, daß das Leben eines Römers weniger koſtbar ſei, als das Leben eines Barbaren, ein gräßlicher Hohn des Siegers, deſſen Milderung man erſt in der Lex Ripuaria(1) *) Tom. IV.(tit. 7, 1f, 36 p. 237. — 122— findet, welche die Mitglieder der Geiſtlichkeit ſogar über die liſchen S Herrſcher ſtellt. Allmälig offenbart ſich dieſer Einfluß der ſer Kraf Kirche mit einer ſolchen Wirkſamkeit, daß die Barbaren einwil⸗ Geſetzen ligen, ihre Titel aufzugeben, um an die Stelle derſelben die Große. lateiniſchen Namen duces, comites und praefecti zu ſtel⸗ Dien len. An die Stelle der regelmäßigen und kleinlichten Beweiſe, mit den welche die römiſche Jurisprudenz gefordert hatte, ſetzen ſie die bergang religiöſen Feuer⸗ und Waſſerproben, und bald nachher die die Lag Zweikämpfe, deren ſchlimme Sitte wir beibehalten haben. des ert Welch' ein mächtiges Zeugniß ihres Sieges und ihrer Oberherr⸗ geſtam ſchaft!„Wenn Gott den Ausgang der Völkerkriege leitet, und Syſten die Palme dem gerechteſten Theile gibt, warum ſollte man ihn für das durch die Waffen nicht auch in den Privatangelegenheiten bera⸗ ſezen d then?“ So ſprachen ſie, überzeugt, daß in ihren Privatſtrei⸗ Stämme tigkeiten die Römer als Individuen es nicht verſuchen würden, ken befo einen Streit zu beginnen, welcher für ſie als Nation ſo ſchlimm ſie woll geendigt hatte! Und ſo hat dieſe verderbliche Neuerung in die V hatten n menſchlichen Streitigkeiten ein beklagenswerthes Element ge⸗ b berfügbt bracht, deſſen Folgen die künftigen Geſchlechter noch lange hin rem Ge leiden mußten. Der Antheil, welchen die Barbaren ſich von 6 geden dem eroberten Lande zugeſchieden hatten, erzeugte Bedrückun⸗ b Lange gen jeder Art, und ſetzte unter neuen Formen überall das Sy⸗ V die Ko ſtem der Uſurpation fort, welches die Römer befolgt hatten, ſo ten, w weit ihre Waffen gedrungen waren. Den Handwerkern ſtand es V en, nicht mehr frei, für ſich ſelbſt zu arbeiten: ſie ſahen ſich durch Grunde das Kriegsrecht den Häuptlingen ihrer Sieger zugeſchieden, und niſche S dieſe letzteren, umgeben von Schmieden, Zimmerleuten, Schu⸗ ud in ſtern, Schneidern, Färbern, Goldſchmieden bezogen neben den b die Vark Einkünften ihrer Ländereien die Gewinnſte der Arbeit dieſer unterdri Gewerkenden. Es war dieſes noch die römiſche Sklaverei, nur hen Ge mit dem Unterſchied, daß ſie noch vor Kurzem die Römer auf ncte ihre Rechnung ausbeuteten, während ſie jetzt dieſelbe für fremde ſbeden Rechnung erduldeten. Die Geſittung hätte unfehlbar bei dieſem b Wechſel verloren, wenn ſpäter nicht eine mächtige Hand die zer⸗— ſtreuten Elemente der neuen geſellſchaftlichen Ordnung dadurch*) No gegliedert hätte, daß ſie die römiſche Intelligenz zu der vanda⸗* bi. uam ad! t über die infuß der ren einwil⸗ erſelben die li zu ſtel⸗ Beweiſe, zen ſie die achher die ten haben. Oberherr⸗ leitet, und man ihn ten bera⸗ vatſtrei⸗ würden, ſchlimm i in die nent ge⸗ lange hin 1ſch Wn⸗ Bedrüdu⸗ l das Sh⸗ thatten, ſo ern ſtand es ſich durch eden, und en, Schu⸗ neben den beit dieſer erei, nüt Römer auf für fremde r bei dieſem aand die zer⸗ ung dadurch uder panda⸗ — 123— liſchen Stärke geſellte, und die etwas wilde Unabhängigkeit die⸗ ſer Kraft unter die Ordnung des Zwangs und der Achtung des Geſetzes beugte. Dieſer große Umbildner war Karl der Große. Die weſentliche und auszeichnende Thatſache der Invaſion der mit dem Namen Barbaren bezeichneten Völker war ihr Ue⸗ bergang aus dem erobernden und herumſchweifenden Zuſtand in die Lage von Grundeignern. Die Art, wie ſie ſich einen Theil des eroberten Staatsgebietes zutheilten, jeder nach ſeinen an⸗ geſtammten Gewohnheiten, brachte tiefe Aenderungen in das Syſtem des Grundeigenthums, ohne beträchtliche Verbeſſerung für das Loos der Landbevölkerung. Man findet in den Ge⸗ ſetzen der Weſtgothen und der Burgunder, daß dieſe beiden Stämme zwei Drittheile der Ländereien hatten*). Die Fran⸗ ken befolgten nicht den nämlichen Plan, und nahmen, ſo viel ſie wollten. Sie nahmen jedoch nicht alles, und die Burgunder hatten nicht einmal ihr Eroberungsrecht auf die Geſammtheit der verfügbaren Ländereien ausgedehnt, weil in einem Zuſatz zu ih⸗ rem Geſetz beſtimmt war**), daß man nur die Hälfte Jenen geben ſolle, welche in der Folge in das Land kommen würden. Lange Zeit hindurch ging jeder Barbar bei jedem Römer in die Koſt, wie es die Atbener bei den beſiegten Völkern einſt gehal⸗ ten, wie die Römer ihrerſeits es bei den Nationen gethan hat⸗ ten, deren Herrſcher ſie geworden waren. So wechſelte das Grundeigenthum nur die Hand, allein das griechiſche und rö⸗ miſche Syſtem, auf fremde Koſten zu leben, beſtand immer fort, und in dieſer Beziehung hatte ſich Nichts geändert, außer daß die Barbarei auf Koſten der unterdrückenden und von jetzt an unterdrückten Völker ihre Wiedervergeltung übten. Unter wel⸗ chem Geſichtspunkte man auch dieſen ſchroffen Uebergang be⸗ trachte, man gewahrt darin noch nicht den Keim einer ent⸗ ſcheidenden ökonomiſchen Umwälzung. Die neue grundherrliche *) Montesquieu, Esprit de Lois, liv. XXX, chap. 8. ize) Ut non amplius a Burgundionibus qui infra venerunt requiratur quam ad praesens necessitas fuerit, medietas terrae(art. 11). — 124— Ariſtokratie unterſcheidet ſich von den frühern Eigenthuͤmern der latifundia nur durch weniger feine und glatte Sitten; aber die Grauſamkeit im Grunde iſt in beiden Kaſten gleich: die neue ſchlägt ſelbſt ihre Diener; die frühere, beſſer erzogen, ließ ſie ſchlagen: das iſt der Unterſchied. Die römiſche Welt war von dieſen Ideen der Sklaverei und der despotiſchen Hierarchie ſo durchdrungen, daß die Barba⸗ ren, ſo zu ſagen, nur ihre Benennungen an die Stelle der Namen der Verwaltung des römiſchen Kaiſerreichs zu ſetzen brauchten. Die Beamten waren beinahe alle die nämlichen: die Gewalt floß in den nämlichen Kanälen. Die römiſche Bürgerſchaft hatte dem Generalſtab der Barbaren Platz ge⸗ macht, und auſſer den Folgen, die aus dieſer Subſtitution floſ⸗ ſen, hätte die Umwälzung, welche vorging, für einen bloßen Wechſel der Staatsbeamten gelten können. Allein bald bewil⸗ ligten die erobernden Anführer Befreiungen von den Laſten, Domainen, lebenslängliche Beneficien, welche die ununter⸗ brochenen Eingriffe ihrer Untergebenen endlich erblich machten. Die Unterſchiede drangen bis in die Tiefe der bürgerlichen Geſellſchaft: es gab hier ſteuerfreie Güter, ſaliſche und al⸗ lodiale, deren Eigenthümer ſich nach und nach Rechte über die benachbarten Einwohner anmaßten, und unter dem Titel seniores wahre Tyrannen wurden. Die Jagd, welche ſie lei⸗ denſchaftlich liebten, wurde von ihnen als eine den Bauern verſagte Gerechtſame angeſehen. Es lag mehr Gefahr darin, einen Hirſch oder ein Wildſchwein zu erlegen, als einen Men⸗ ſchen zu tödten. Gleichwohl waren alle dieſe Bedrückungen nicht durch die Geſetze feſtgeſtellt, und nie beſtand im eigentli⸗ chen Sinn ein Edict allgemeiner Confiscation. Als dieſer Mißbrauch der Herrſchaft in die Geſetzbücher eingetragen wurde, hatte er ſchon lange als eine vollendete Thatſache gegolten. Die Geiſtlichkeit milderte täglich die Härten der⸗ ſelben durch ihren Einfluß auf die Inhaber der Gewalt; zu⸗ ſammengeſetzt aus lauter Eingeborenen, aus gewandten und fei⸗ nen Leuten, verſäumte ſie keine Gelegenheit, das ſtolze Haupt der Machthaber unter das religiöſe Joch zu beugen. Sie lehrte — dieſelben verderbt ſcch inn welche Ein bern her germani aus all wohnhe ihre An Verſan delten. ten nied den Ver ſich nicht trat in ßigen S die Gem unter d Geſetzen ſen Vor die Lal und ih hunder, Inſel a heimnißp Pundern war dort ſich daſell erſchütter römiſche war ſett heiden theilt;) als Beuj von der — 125— dieſelben die lateiniſche Sprache, wobei ſie dieſelbe allerdings gengämere verderbte: allein ſie gab ihnen doch das Mittel an die Hand, ziten; aher ſich inniger mit Geſetzen und Gewohnheiten bekannt zu machen, gleich; die welche mit der Zeit auf ſie einwirken ſollten. erzogen, Ein mit Recht als ſehr bedeutend von den Geſchichtſchrei⸗ bern hervorgehobener Umſtand wirkte auch mächtig dahin, die averei und germaniſche Invaſion zu hindern, die vorgehende Herrſchaft ie Barha⸗ aus allen Stücken zu erſetzen. Die Barbaren hatten die Ge⸗ Stelle der wohnheit, ſich in ihren Wäldern und in ihren Moräſten um zu ſetzen ihre Anführer zu verſammeln, welche den Rath der allgemeinen nämlichen: Verſammlung einholten, und mit ihr beriethen, ehe ſie han⸗ römiſche delten. Als ſie ſich nun zerſtreut und auf den eroberten Gebie⸗ Nat ge⸗ ten niedergelaſſen hatten, kamen ſie nicht mehr ſo fleißig zu ion floſ⸗ den Verſammlungen, und die Gewalt der Anführer erſtreckte bloßen ſich nicht leicht über einen gewiſſen Umkreis. Mehr als ein Barbar d bewil⸗ trat in den geiſtlichen Stand, und brachte dorthin ſeine unmä⸗ Laſten, ßigen Sitten mit: die Fragen über die Lehre wurden oft durch ununter⸗ die Gewalt entſchieden. In Spanien ließen die Weſtgothen machten. unter der Einwirkung der Concilien mehre Sammlungen von rgerbchen Geſetzen verfaſſen, die aus römiſchen Grundſätzen und religiö⸗ wd ab ſen Vorurtheilen(2) zuſammengeſetzt waren. In England fand Rechte üher die Landung der Sachſen die Einwohner ſich ſelbſt überlaſſen, dem Titel und ihre Niederlaſſung befeſtigte ſich erſt nach einem mehr als elche ſie lei⸗ hundertjährigen Kampfe. Lange Zeit ſchien dieſe berühmte den Bauern Inſel aus der Karte geſtrichen zu ſeyn, und ward wie ein ge⸗ ahr darin, heimnißvolles Land betrachtet, von welchem man alle Arten von nen Men⸗ Wundern erzählte. Als man es zum zweiten Mal entdeckte, rückungen war dort Alles verändert; ſieben unabhängige Reiche hatten Reigentli⸗ ſich daſelbſt gebildet, und obwohl unabläſſig durch die Zwietracht Als dieſer erſchüttert, hatten ſie dennoch faſt ganz bis zu den letzten Spuren die ingettagen römiſche Oberherrſchaft getilgt. Eine neue politiſche Ordnung Thatſache war jetzt entſtanden. Gallien und Spanien waren unter die Härten der⸗ beiden mächtigen Monarchen der Franken und Weſtgothen ge⸗ Hewalt; zu⸗ theilt; Afrika war den eigentlichen Vandalen und den Mauren dten un fe⸗ als Beute zugefallen. Italien gehorchte Fremden; man fand inße Huxt von der römiſchen Majeſtät nur noch Spuren im morgenländi⸗ . Sie lehrte — 126— ſchen Reiche, welches ſich noch von den Geſtaden der Donau wir lebe bis zu den Ufern des Nils und des Tigris erſtreckte. Außerhalb ſchabes deſſelben hatte ſich eine Menge neuer Nationalitäten gebildet: tauſt. wir werden bald die Entwicklung ihres geſellſchaftlichen Zuſtan⸗ ſonder des verlaufen ſehen. tiſchen ſelbſt geht; pulve Hauptſtück XI. u Letztes Aufleuchten der Geſittung in Conſtantinopel unter Juſtinian.— 85 Dieſer Kaiſer faßt die geſammte Geſetzgebung der Römer zuſammen.— Deſſen Conſtitutionencoder.— Die Digeſten.— Die Inſti⸗ alen tutionen.— Die Geſetze Juſtinians ſind die Archive der Ver⸗ Lünſt gangenheit; die Capitularien Carls des Großen das Pro⸗ raſch! gramm der Zukunft. Hoffnu — b zun C b Minde Zwiſchen der neuen, der Völkerwanderung entſtammten Ord⸗ b Feſtung nung der Dinge und der ſterbenden römiſchen Geſittung liegt man u eine Zwiſchenepoche von hoher Bedeutung für den Forſcher der n ſ Staatswirthſchaft, obwohl ſie nicht durch eine jener tiefen Aen⸗ ſchan derungen ausgezeichnet iſt, welche das ſociale Syſtem eines verſe ganzen Volkes umſtürzen. Dieſer Zeitraum iſt die Regierung ten n des morgenländiſchen Kaiſers Juſtinian, wahrlich eine denkwür⸗ undc dige Regierung, welche keine Morgenröthe hatte, und welche die ha keine Abenddämmerung haben wird: eine wahre Brücke, ge⸗ auf den ſchlagen zwiſchen zwei Welten, deren eine endigt und die an⸗ b welche dere beginnt. Wenn man ſie näher erforſcht, ſo ſcheint es, der V Baume Genius der alten Geſittung habe ſeinen letzten Willen ordnen welche wollen, und habe ſich, wie die Puppe, in ein Grab von Gold indlic und Seide eingeſponnen, ehe er in eine letzte Verwandlung gojelſ einging. Alles greift in einander und ſammelt ſich, die Geſetze, verwer Künſte, Gewerbe, die Betriebweiſen des Landbaues. Zum er⸗ Vorgi ſten Mal wird ein Urſtoff, die Seide, der Gegenſtand der kai⸗ von( ſerlichen Sorgfalt, und zieht in der politiſchen Wagſchale, wie— die Baumwolle, der Zucker, der Thee, in der Zeit, in welcher 4 er Donau Anßerhalb gebildet: en Zuſtan⸗ uſtinian.— ſammen.— Die Inſti⸗ eder Ver⸗ das Pro⸗ ten Ord⸗ ung liegt orſchet der wefen Aen⸗ Syſtem eines e Regierung ine denkwür⸗ und welche Brücke, ge⸗ nd die an⸗ int es, der len ordnen von Gold erwandlung die Geſeße, 8. Zum er⸗ tand der li Bagſcele,wi i, in welcher — 127— wir leben. Die Monopole erheben ſich zum Vortheil des Staats⸗ ſchatzes; die Münzen werden verſchlechtert; die Aemter ver⸗ kauft. Allein dieſes iſt nicht das, was wir bewundern, ſondern wir heben es nur als die erſte Anzeige einer ſyſtema⸗ tiſchen politiſchen Oekonomie hervor. In den Viſſenſchaften ſelbſt bezeugen kühne Erfahrungen die Bewegung, welche vor⸗ geht; man macht Verſuche mit den Brennſpiegeln, dem Knall⸗ pulver, mit den Wäſſerungspumpen. Die Heilkunde gibt ihre al⸗ ten Irrthümer auf, und die Baukunſt wölbt kühn ihre erſte Kup⸗ pel in die Lüfte*). Paläſte und Tempel erheben ſich von allen Seiten; Waſſerleitungen, Brücken, Sp itäler werden faſt in allen Städten gebaut; man ſcheint eilig die Denkmale der Künſte zu vervielfältigen, aus Furcht, die Barbarei breche zu raſch herein, um ihre Vollendung zu unterbrechen, und in der Hoffnung, daß ſie dieſelbe überleben werden. Von Belgrad bis zum Euxinus und von dem Zuſammenfluſſe der Sau bis zur Mündung der Donau erhecbt ſich eine Kette von mehr als achtzig Feſtungen, um die Geſtade dieſes großen Stromes zu ſchützen: man möchte ſagen, daß das römiſche Reich ſich ſeine letzten Grän⸗ zen ſetze, und ſich endlich, müde der Eroberungen, in einem ver⸗ ſchanzten Lager aufſtelle. Allein während Rom ſich ſo im Oſten verſchanzte, wohin ſich bald die Wiſſenſchaften und Künſte flüch⸗ ten werden, erliegt das übrige Europa dem Geſetz des Siegers, und an die Stelle der lateiniſchen Inſtitutionen traten überall die barbariſchen Gewohnheiten. Der germaniſche Zweig, gepfropft auf den alten römiſchen Stamm, beginnt, ſeine Früchte zu tragen, welchem aber ſtets noch Etwas von dem Geſchmack des erſten Baumes bleibt. Auf dieſes Gewühl verheerender Häuptlinge, welche das erſchrockene Chriſtenthum fürchtet und tauft, folgt endlich ein großer Mann, der wahrhafte Vertreter der neuen geſellſchaftlichen Ordnung, welcher eben ſo viele Sorge darauf verwendet, die Geſittung wieder herzuſtellen, als ſeine rohen Vorgänger bewieſen haben, ſie zu zerſtören. Ich will ſprechen von Carl dem Großen, dem erſten Fürſten aus dem Geſchlecht *) Die Sophienkirche in Conſtantinopel. — 128— der vandaliſchen Eroberer, deſſen Regierung den Gedanken die⸗ und 6 ſer vier oder fünf Jahrhunderte dauernden Völkerwanderung wtlund in ſich zuſammen faßt. Sieb Der Contraſt dieſes Gedankens gegen den der römiſchen Kai⸗ Gelehr ſer erſcheint nirgends auf eine auffallendere Weiſe, als in der dekten zweifachen Unternehmung Juſtinians und Karls des Großen. nen Auc Wahrlich, dieſe beiden Fürſten haben ein dauerhafteres Denk⸗ nen d mal hinterlaſſen, als die Erinnerung an ihre Siege, nämlich So die Pandekten und Capitularien. Ich kenne keinen Erilär fruchtbareren und umfaſſenderen Gegenſtand des Studiums, endlich als dieſe beiden großen Geſetzbücher der zwei großen Herrſcher, müſen von denen der Eine eben ſo gut die untergehende, als der An⸗ waren; dere die aufgehende Sonne darſtellt. Hier muß die Staatswirth⸗ tend ma ſchaftslehre erforſchen, welches der Zuſtand der Völker an den zelngen 3 beiden Enden Europa's zur Zeit geweſen iſt, da die römiſche Ge⸗ ſchuldige ſittung ſich nach Conſtantinopel zurückzog, um der faſt univer⸗ rublik m ſellen Monarchie desjenigen Platz zu machen, welcher auf ſein lang ör Haupt die Krone von Teutſchland, Frankreich und Italien ſetzte. dern, d So hat auch das Geſetzbuch Napoleons ſeine Siege überlebt, tn Cod und wird deſſen Andenken einſt mehr Ehre machen, als die de mit prachtvollſten Denkmale ſeiner Regierung. Darin werden ſich die ſer mn wichtigſten geſellſchaftlichen Thatſachen ſeiner Epoche wieder er⸗ gerin kennen laſſen, wie wir in den Geſetzen Juſtinians die beſtimmteſten nachhe Spuren der collectiven Weisheit der Römer noch erkennen. Audga Die Geſammtheit dieſer Geſetze wurde unter der Herrſchaft Neiyts dieſes Fürſten zum erſten Mal in drei verſchiedene Bücher, tionen den Conſtitutionencoder, die Digeſten und die Inſti⸗ ſonen in tutionen vereinigt. O'ſchon Als er den Thron beſtieg, war die Rechtswiſſenſchaft in ei⸗ gleich we ner verworrenen Menge von Terten verſchüttet, deren bloßes ſchnen Namenverzeichniß ſchon ein die menſchlichen Kräfte überſteigendes Sllaben Werk geweſen wäre. Das Geſchick hat ihm zum Gehülfen den— berühmten Tribunian gegeben, der Ordnung und Licht in das* Chaos brachte, und welcher in weniger als fünfzehn Monaten vnan die Reviſion der Verordnungen ſeiner Vorgänger vollendete. wrigtige Dieſe erſte Arbeit wurde der Juſtinianeiſche Coder genannt, Sdanqui die⸗ rung Kai⸗ n der pen. denk⸗ mlich keinen iums, ſcher, An⸗ irth⸗ den Ge⸗ ver⸗ ſein etzte. rlebt, 8 die ſic die der er⸗ nteſten ſcaft ſcher, nſti⸗ ei⸗ loßes endes n den in das onaten endete. annt, — 129.— und in dem ganzen Reiche mit einem ungewöhnlichen Pomp verkündet. Siebenzehn Rechtsgelehrte, unter der Leitung des nämlichen Gelehrten, verfaßten hernach in Zeit von drei Jahren die Pan⸗ dekten, einen coloſſalen Inbegriff von zwei oder drei Millio⸗ nen Ausſprüchen, welchem noch die Verkündung der Inſtitutio⸗ nen voraus ging. So war auf die Anfangsgründe des römiſchen Rechts die Erklärung der Jurisprudenz gefolgt, und die Rechtspflege konnte endlich die ewigen Orakel*) befragen, ohne befürchten zu müſſen, ſich in ein Labyrinth von Geſetzen zu verlieren. Leider waren die Orakel Lügner, wie es beinahe alle ſind; denn wäh⸗ rend man die Geſetze ſammelte, ſorgte man dafür, ſie den gleich⸗ zeitigen Sitten anzupaſſen. Tribunian machte ſich zum Mit⸗ ſchuldigen der Verfälſchungen, welche das Geſetzbuch einer Re⸗ publik mit dem Despotismus einer abſoluten Monarchie in Ein⸗ klang bringen ſollten. Zur gleichen Zeit, und um zu verhin⸗ dern, daß man den ſo im Intereſſe des Despotismus verbeſſer⸗ ten Codex in Zukunft nicht einer Reform unterwerfen möchte, die mit der Zeit auch der Freiheit nützen könnte, verbot der Kai⸗ ſer unter Androhung der Strafe der Fälſcher auch nur den geringſten Commentar über den neuen Text. Wenige Jahre nachher ließ er davon eine andere mit den Novellen vermehrte Ausgabe veranſtalten, welche das großartige Gebäude ſeiner Rechtswiſſenſchaft ergänzen**). Man findet in den Inſtitu⸗ tionen ſehr koſtbare Angaben über den Zuſtand der Per⸗ ſonen in Conſtantinopel um die Mitte des ſechsten Jahrhunderts. Obſchon die Bürger, wenigſt in der Fiktion, vor dem Geſetze gleich waren, ſo waren doch keine Rechte mit dieſem ehemals ſo ſchönen und ſo eifrig geſuchten Titel mehr verbunden. Freigelaſſene Sklaven erhielten ihn ohne Beſchwerde, und dieſe Leichtigkeit hat *) Dieſen Namen gab Juſtinian ſeinen Geſetzbüchern. **) Die Geſchichte des römiſchen Rechts muß die Unrichtigkeiten und Unbeſtimmtheiten über die Entſtehung der Juſtinianeiſchen Compilation berichtigen, die in der Darſtellung des Verfaſſers vorkommen. Buß. Blanqui, Geſchichte d. polit. Oekonomie. 1 Pd. 9 ———— — 130— nicht wenig zur Abfchaffung der häuslichen Knechtſchaft beigetragen. Die Gewalt der Herren über die Sklaven wurde auch beträcht⸗ lich eingeſchränkt. Das Recht über Leben und Tod, das vor⸗ her den Vätern über ihre Söhne zugeſtanden hatte, wurde auf⸗ gehoben, und dieſe Letzteren konnten eigenes Vermögen erwer⸗ ben, welches von dieſer Zeit an nicht mehr den Urhebern ihres Lebens gehörte. Das Ausſetzen der Kinder, lange Zeit hin⸗ durch als eine entſchuldbare Gewohnheit geduldet, wurde als ein Verbrechen geſtraft, wenn der Tod des Opfers darauf er⸗ folgt war; es wurden einige Beſchränkungen in Betreff der Freiheit der Eheſcheidung verfügt, welche bereits die Ehe bis zum gemeinſten Conkubinat herabgewuürdigt hatte,*) und der Einfluß der Kirche offenbarte ſich auf die ſichtlichſte Weiſe in dem Verzeichniß der Todſünden, welche von Seiten des Mannes oder der Frau einen Grund zur Scheidung abgeben konnten. Die Religion hatte die Rechtswiſſenſchaft bereits durchdrungen. Man bemerkt ihre Einmiſchung hauptſächlich in der Sorgfalt, mit welcher die Rechte der Waiſen und der Minderjährigen vor jedem Eingriff geſchützt wurden. So viel in Betreff der Perſonen; aber auch das Eigenthum wurde nicht vergeſſen. Die Inſtitutionen enthalten in dieſer Hinſicht eine Menge merkwürdiger Beſtimmungen. Sie nehmen den Grundſatz der Erblichkeit des Vermögens in ſeiner freieſten Aus⸗ dehnung an. Kein Vorzug der Erſtgeburt, kein Unterſchied rückſichtlich der Rechte der Erbfolge zwiſchen Knaben und Mäd⸗ chen; bei dem Ausſterben der geraden Linie ging das Vermögen auf die Seitenlinien über. Verſtändig ausgedachte Beſtimmun⸗ gen verſöhnten alle Intereſſen, und geſtatteten den Rechtsſtreiten wenig Raum. Dieſes ungeheure Detail erfüllt zwölf Bücher der Pandekten. Die Bücher 17, 18, 19 und 20 der näm⸗ *) Der heilige Hieronymus ſah zu Rom einen Gatten, welcher ſeine ein und zwanzigſte Frau beſtatten ließ, die dagegen zwei und zwanzig ſeiner Vorgänger, die weniger kräftig, als er geweſen waren, zu Grab geleitet hatte. Seneca ſagte von den Frauen ſeiner Zeit: non consu- lum numero, sed maritorum annos suos computant. De beneficiis. III. 16. — — 131— tbeigetragen..— dh lichen Sammlung umfaſſen ferner ſehr bemerkenswerthe Be⸗ d bih ſtimmungen über die Darleihen, den Miethvertrag, über die 8 u Natur und Bedingungen der Pachtverträge, deren Dauer fünf k auf⸗ Jahre war. Der Zinsfuß wurde auf 4 Prozent für die Perſo⸗ . nen hohen Ranges, und auf 6 Prozent für alle anderen geſetzt; toern ihres das war der ordentliche und geſetzliche Zinsfuß. Ku h Nichts deſto weniger geſtattete man ein Intereſſe von 8 Pro⸗ und als zent den Inhabern der Manufakturen und den Handelsleuten und daralj e⸗ eines von 12 Prozent für die Verſicherungen gegen Seegefahr. igen erwer⸗ Beref der Die Geiſtlichkeit, ſtrenger oder weniger aufgeklärt, verdammte die Ehe bi ſtets das Darleihen auf Zins, welches der heilige Johannes ) und der b Chryſoſtomus und die Kirchenväter mit ihren ſchwachen Gegen⸗ Weiſe iln gründen bekämpften, und welches Shakesſpeare ſpäter in ſeiner Seiten des. maleriſchen Sprache die Nachkommenſchaft eines un⸗ g abgeben fruchtbaren Metalls nannte. aft bereits Dennoch zog das Volk, trotz dieſen Verbeſſerungen in der Abfaſ⸗ nuptſächlih ſung der Geſetze, im Vergleich zu dem, was dieſe früher waren, viel en und der weniger Vortheile daraus, als man denken könnte. Obſchon ſie näm⸗ lich auf einfachere Formen und beſtimmtere Ausdrücke zurückgebracht Eigenihum V worden waren, ſo blieben doch noch Unbeſtimmtheiten und gen in dieſer Widerſprüche genug in ihnen übrig, um Schwärme von Advo⸗ ie nehmen den katen und Legiſten zu nähren. Der Aufenthalt der Anwälte reieſten Aus⸗ in entfernten Provinzen zog Verzögerungen, Ungewißheiten, be⸗ Arterſchieh b trächtliche Koſten nach ſich, ſo oft eine Berufung an die höhere und Mäd⸗ Gerichtsbarkeit vorkam. Das römiſche Recht wurde noch einmal Vermögen eine geheime Wiſſenſchaft, welche die Gewinnſucht der Sach⸗ eſtimmun⸗ walter, der würdigen Lehrmeiſter jener unſerer Tage mit uner⸗ itsſtreiten hörter Frechheit ausbeutete. Der Reiche drückte unbarmherzig ef Bücher den Armen, und die Prozeßkoſten verſchlangen gewöhnlich den der näm⸗ Werth des Streitgegenſtands. Nichts deſto weniger ſchützten aber dieſe Förmlichkeiten und dieſe Zögerungen, obſchon ſehr koſt⸗ welchet ſein ſpielig, die Perſonen und das Eigenthum gegen die Launen der und wun Tyrannei und Willkühr des Richters, und es war dieſes auch mn ln ein Fortſchritt. Welche Reformen enthielt dieſe einzige Durch⸗ wrsuis ſicht der römiſchen Geſetze, welche der gegenwärtigen Zeit ange⸗ paßt wurden, und welche das Gepräge derſelben ſo tief an ſich 9. trugen! Wer hätte ſagen können, daß nach mehr als zwölf Jahrhunderten ſie noch die Ordnung einer ſo ganz verſchie⸗ denen Staatsgeſellſchaft in der größten Zahl ihrer Beſtimmun⸗ gen leiten würden? Aber auf dieſer langen Wanderung durch ganze Zeitalter, mußten ſie ſich mit dem Geiſte vieler neuen Einrichtungen durchdringen, und einem großen Manne den Stoff zu einer Geſetzgebung liefern, welche, wenn ſie auch nicht ihre Originalität, doch ihren Ruhm hatte. Hauptſtück XII. Politiſche Oekonomie Karls des Großen.— Analyſe des ökonomiſchen Theiles ſeiner Capitularien.— Merkwürdige Einzelnheiten in deſſen Capitulare de Villis.— Sociale Folgen der Regierung dieſes großen Mannes. Die Regierung Karls des Großen bildet den Uebergang von der Barbarei zu der Feudalität. Sie ſtellt die Einheit der Staatsgewalt und die des Reichsgebietes wieder ber, die beide gleichmäßig durch jene Menge kleiner Herrſcher und klei⸗ ner Staaten gebrochen worden waren, welche die ſeit der er⸗ ſten Invaſion verfloſſene Periode erfüllen. Die Reiche von Metz, Orleans, Paris, Aquitanien, Burgund verſchmelzen ſich jetzt in die große kaiſerliche Monarchie, und alle dieſe kläglichen Despotismen, unfähig, einige großen Ideen zu faſſen, verſen⸗ ken ſich in einen einzigen, der fähig iſt, ſie auszuführen. Zum erſten Mal ſeit Cäſar, dem Sieger und organiſirenden Ord⸗ ner, erſcheint ein Mann, würdig, ſeinen Namen ſeinem Zeit⸗ alter zu laſſen. Was vor Allem dieſen merkwürdigen Mann auszeichnet, iſt, daß er ein wahrer Franke war, der unver⸗ miſchteſte mit römiſchen Blut, welcher noch den Thron beſtiegen hatte. Faſt alle ſeine Vorgänger, Barbaren oder nicht, hatten den römiſchen und chriſtlichen Impuls empfangen: er fühlte ſich drohen ruhte Kaiſer auf zu ſiegte genug im K. Landſe ziehun Neich, den ſein als zwoͤlf z verſchie⸗ zeſtimmun⸗ rung durch ler neuen den Stoff richt ihre onomiſchen Inheiten in Regierung gang von anhei der her, die er und klei⸗ ſeit der er⸗ von Met, Iſich ſett laͤglichen verſen⸗ n. Zum en Ord⸗ em Zeit⸗ n Nana N under⸗ nheſtiegen atten den fülle ſch — 133— ſtark genug, ihn zu geben. Die Andern hatten geherrſcht; Karl der Große wollte regieren. Er hätte vielleicht den Eintritt des Feudalſyſtems dadurch verhindert, daß er die ariſtokratiſche Ten⸗ denz ſeiner Zeit kräftig niederdrückte, wenn nicht ſeine ſchwa⸗ chen Nachfolger ſein Werk hätten untergehen laſſen, und die Geſchicke der Menſchheit dem Zufall hingegeben hätten. Seine drei und fünfzig Feldzüge wurden durch einen politi⸗ ſchen Gedanken geleitet, welcher ſeit den Römern verloren ge⸗ gangen zu ſeyn ſchien. Was er zuvörderſt und vor Allem wollte, das war, in Europa eine große Gewalt reconſtituiren, die ſtark genug wäre, jeden Ehrgeitz niederzuhalten, und einer gemeinſa⸗ men Herrſchaft zu unterwerfen. Er führte den Krieg gegen die drohenden Unabhängigkeiten und die feindlichen Glauben, und ruhte nicht, bis er ſein Hauptziel, die Wiedergeſtaltung eines Kaiſerreiches, erreicht hatte. Im Norden und Süden ſtieß er auf zwei große Widerſtände, die Sachſen und Araber: er be⸗ ſiegte alle beide. Leider ließen ihm ſeine Siege kaum Muſſe genug, um zu organiſiren, und er fand weniger Schwierigkeiten im Krieg, als im Frieden; allein obwohl ſeine großen Arbei⸗ ten ihn nicht überlebt haben, ſo war doch der Impuls, wel⸗ chen er Europa gegeben hatte, zu kräftig geweſen, als daß die Bewegung ſtill ſtehen konnte. Es wurde nach ſeinem Tode nicht wieder ſo, wie es vor ſeiner Regierung geweſen war; er hatte ihr einen Gedanken gegeben, welcher ſich enthüllen wird in den Handlungen ſeiner Nachfolger, in der Politik der aus der Zerſtückelung ſeiner Monarchie gebildeten Staaten, ſelbſt in den Kriegen, welche unter ihnen werden geführt oder welche ſie gegen ihre Feinde beſtehen werden. Man braucht nur der Sorgfalt zu gedenken, mit welcher er ſuchte, eine ſtrenge Verwaltungshierarchie wieder herzuſtellen, überwacht durch umwandernde Aufſeher, missi dominici, Send⸗ boten des Herrſchers, beauftragt, ihm über den Zuſtand der Landſchaften, üͤber die Abſtellung der Mißbräuche und die Voll⸗ ziehung ſeiner Befehle zu berichten. So war er in ſeinem Reich allgegenwärtig, und er konnte die Hand bis zu den En⸗ den ſeines Reiches mit einer entſcheidenden Raſchheit in dieſen — 131— Zeiten der Langſamkeit und auf dieſer ungeheuern faſt ganz len,daß ſtraßenarmen Fläche ſtrecken. Die fünf und dreißig allgemeine lung d Verſammlungen, welche unter ſeiner Regierung gehalten wor⸗ beilege den ſind, haben, obwohl ſie nicht ganz den parlamentariſchen kömmt Seſſionen unſerer Zeit gleichen, eben ſo kräftig zu den Verbeſ⸗ Jachf ſerungen mitgewirkt, welche er ausführen ließ. Es ſcheint, daß Hun die Abgeordneten dabei blos eine berathende Stimme hatten: lenilch der Kaiſer faßte ſeine Beſchlüſſe trotz ihrer Controle: allein er Ausga erhielt auf denſelben koſtbare Mittheilungen über den Zuſtand Sanm des Landes, über ſeine Bedürfniſſe, über ſeine Leiden. Der ſchiel Erzbiſchof Hinemar hat uns merkwürdige Aufſchlüſſe über die ſien Art gegeben, wie dieſe allgemeinen Verſammlungen gehalten grite wurden, und über den Urſprung der Capitularien, welche gleichn ihre Arbeiten enthalten.„Es war, ſagte er, ein Gebrauch die⸗. Unte ſer Zeit, alljährig zwei Verſammlungen zu halten, in welchen iſ das, man den Großen kraft der Befehle des Königs die Geſetzesar⸗ intereſſ tikel, genannt capilula, vorlegte, die der König ſelbſt auf die d her Eingebung Gottes abgefaßt hatte.“ Nann! Es beſtand ſonach eine vorgängige Prüfung, eine Erörter ung die V im Staatsrath; denn man kann keinen andern Charakter die⸗ beſtehe ſen friedlichen Verſammlungen zuerkennen, deren Beſprechungen dieml durch den Herrſcher vermöge der W eisheit geleitet wur⸗ nen den, welche er nach dem Ausdruck ſeines Geſchichtſchreibers von man Gott empfangen hatte. Karl der Große würde dadurch werde in unſern Augen nur noch mehr Verdienſt haben, weil der nicht, herrſchende Gedanke ſeiner Regierung ihm ganz gehören würde. auferle Und gewiß war nie eine Thätigkeit außerordentlicher, als die ihnen! ſeinige: obwohl ſeine zahlreichen Kriege ihn gezwungen hatten, der Lef zu wiederholten Malen von einem Ende Europa's zum andern möchte zu eilen, ſo hörte er doch nicht auf, Reformedikte über eine ihnen Menge von Gegenſtänden zu erlaſſen, bisweilen ſo kleinlicht,— daß wir Mühe haben, zu begreifen, wie die Majeſtät ſeiner) Gewalt ſo weit herabſteigen konnte. Man muß ſonach in ſei⸗ 88) nen Capitularien ſuchen, wel hes ſeine politiſche Oekono⸗ dertate mie war, und ob wirklich dieſe Wiſſenſchaft ihm einige weſent⸗ n liche Beſtimmungen verdanke. Vor Allem müſſen wir bemer⸗ üint qua iſt ganz (gemeine ten wor⸗ ttariſchen Verbeſ⸗ eint, daß hatten: allein er Juſtand den. Der über die gehalten , welche auch die⸗ welchen ſetzesar⸗ auf die örterung iter die⸗ rechungen eitet wur⸗ bers von dadurch veil der würde. als die hatten, indern eine inlicht, ſeiner in ſei⸗ Oekono⸗ weſent⸗ hemer⸗ — 135— ken, daß man mit Unrecht Carl dem Großen allein die Samm⸗ lung der Aphorismen, Berathungen, Vorſchriften und Geſetze beilege, welche ſeinen Namen tragen. Ungefähr die Hälfte kömmt auf ſeine Vorgänger, und eine große Zahl auf ſeine Nachfolger: ſchon der Titel des Werkes(Capilula regum Francorum) genügt, um ſeine wahre Bedeutung und die ei⸗ gentliche Beſchaffenheit ſeines Inhalts anzugeben. Die beſte Ausgabe, welche wir beſaßen,“) iſt nur eine unverarbeitete Sammlung, ohne Ordnung, ohne Kritik, deren Text, ge⸗ ſchrieben im ſchlechten Mittelalterlatein, die muthigſten, fleißig⸗ ſten Forſcher abſchreckt; allein es iſt eine unerſchöpfliche Fund⸗ grube koſtbarer Urkunden, und es wäre zu wünſchen, daß der⸗ gleichen für alle Zeiträume unſerer Geſchichte beſtehen würden. Unter den fünf und ſechszig Capitularien Karls des Großen iſt das, welches am meiſten die Geſchichte der Wirthſchaftslehre intereſſirt, trotz der Zuſammenhangloſigkeit ſeiner Einzelnheiten das berühmte Capitulare de Villis, in welchem dieſer große Mann verſucht hat, ſeine Anſichten über die Finanzen und über die Verwaltung ſeiner Domainen zuſammen zu ſtellen. Es beſteht aus 70 Paragraphen, ohne gegenſeitige Beziehung, welche ziemlich den Inſtruktionen eines reichen Grundbeſitzers an ſei⸗ nen Verwalter gleichen. Der Fürſt fordert vor Allem, daß man ihm redlich diene, und daß ſeine Leute ſorgfältig behandelt werden, ſo daß ſie vor Armuth geſichert ſeyen**). Er will nicht, daß man ihnen eine Frohne, oder ermüdende Arbeiten auferlege***); wenn ſie in der Nacht arbeiten, ſo ſoll man ihnen dieſes anrechnen. Sie ſollen dagegen für den Wein von der Leſe an beſorgt ſeyn, ihn in Flaſchen legen aus Furcht, er möchte umſtehen****). Wenn ſie die Pflichten übertreten, welche ihnen auferlegt ſind, ſo können ſie mit der Peitſche oder nach *) Die von Baluze in 2 Bänden. Fol., Paris, 1677. **) Ut familia nostra bene conscrvata sit, et a nemine in pau- pertatem missa. *rne) Non corvadas, nee aliud opus sibi facere cogant. *r**) Vinum in bona mittant vascula et diligenter providere fa- Ssiant quod nullo modo naufragium sit. — 136— dem Gutdünken des Königs oder der Königin beſtraft werden*) Man ſolle die Bienen und die Gänſe beſorgen: man ſolle über die Unterhaltung und Vermehrung der Fiſchweiher wachen. Die Kühe, die Säugeſtuten, die Schaafe ſollen vermehrt werden. Wir wollen, ſetzt der Herrſcher hinzu, daß unſere Forſte mit Ein⸗ ſicht bewirthſchaftet werden**), daß man ſie nicht rode, daß man darin Sperber und Falken unterhalte. Man ſoll immer zu un⸗ ſerer Verfügung fette Gänſe und Hühnchen in verhältnißmäßi⸗ ger Menge haben: man ſoll auf dem Markt die Cier verkaufen, welche nicht zum Verbrauch auf unſern Pachthöfen nothwendig ſeyn werden. Jede unſerer Domainen ſoll verſehen ſeyn mit guten Federbetten, Polſtern, Decken, Gefäßen von Kupfer, Blei, Holz, Ketten, Keſſelhacken, Aexten, Bohrern, ſo, daß man von Nie⸗ mand etwas zu leihen brauche. Karl der Große wollte auch über ſeine Gemüſe, ſeine Butter, ſeine Käſe, ſeinen Honig, ſein Oel und ſeinen Eſſig, ſogar über ſeine Rüben und andere Kleinig⸗ keiten ſich die Rechnungen vorlegen laſſen, wie es der Text der Capitularien beſagt. Man fragt ſich blos, in welchem Augen⸗ blick er ſolche Rechnungen hätte unterſuchen können, wenn ſie ihm geliefert worden wären. Man findet auch in dem nämlichen Capitulare eine merkwür⸗ dige Aufzählung der verſchiedenen Gewerbe, welche er für nöthig erachtete, auf jeder ſeiner großen Domainen zu vereinigen. Es waren dort nöthig Schmiede, Goldarbeiter, Schneider, Drechsler, Zimmerleute, Vogler, Weber von Netzen, und in der Bereitung des Aepfel⸗ und Birnenmoſtes erfahrene Leute. Jeder Leibeigene, welcher mit dem Staatsherrſcher über ſeinen Herrn ſprechen wollte, ſollte den Zutritt zu ſeiner Per⸗ ſon haben; man durfte ihm dieſe Gunſt unter keinem Vor⸗ wande verſagen***). Karl der Große hatte die Weihnachten *) Recipiant sententiam aut in dorso, aut quomodo nobis vel re- ginae placuerit.. **³) Ut sylvae vel forestae nostrae bene sint custoditae, et cam- pos de sylva increscere non permittant. Accipitres et spervarios ad nostrum profectum provideant.— ese) Si aliquis ex servis nostris super magistrum suum nobis de als die beſtimm als die zwei! den al dort, und e berge, die was alobe hinzu ſchein könnet niglich Zufut und? gutei Schlä fütter daß das daß Jicg Lauft man — causa n. tradicat. ⁴) 0n Nobis no lis rebus 8) V. praepara carra no consuta: fumiua pe — 137— t werden*) als die Zeit für die allgemeine Ablegung ſeiner Rechnungen nſolle über beſtimmt, und der gute Harpagon war nicht anſpruchvoller, achen. Die als dieſer große Mann rückſichtlich dieſer bedenklichen Sache. Der pt werden. zwei und ſechszigſte Artikel des Capitulars de Villis liefert e mit Ein⸗ den augenfälligſten Beweis dafür:„Es iſt wichtig, heißt es daß man dort, daß wir wiſſen, was alle dieſe Dinge hier uns eintragen,“ er zu un⸗ und er zählt die Ochſen, Mühlen, Holzarten, Schiffe, Wein⸗ tnißmäͤßi⸗ berge, Bienen, Fiſche, die Häute, das Wachs und den Honig, vertaufen, die alten und neuen Weine und das Uebrige auf*). Alles, votywendig was nicht für den Dienſt des Fürſten verbraucht wurde, ſoll ſeyn mit alsbald verkauft werden. Der erlauchte Wirthſchafter ſetzt naiv er, Blei hinzu:„Wir hoffen, daß dieſes Alles Euch nicht zu hart er⸗ on Nie⸗ ſcheinen werde, weil Ihr es auch wiederum für Euch fordern ber ſeine 4 könnet, da Jeder Herr auf ſeinem Pachthof iſt.“ Seine kö⸗ Del und nigliche Sorgfalt ging noch viel weiter, als es ſich von der leinig⸗ Zufuhr des für ſeinen perſönlichen Gebrauch beſtimmten Weins Tert der und Mehls handelte.„Wir wollen, daß die einzelnen Richter nAugen⸗ gute in Eiſen gebundene Fäſſer immer bereit haben, und keine wenn ſie Schläuche aus Häuten machen**): für das Mehl ſollen ge⸗ fütterte und mit Häuten bedeckte Wagen gefertigt werden, ſo wertwir⸗ daß wenn ſie Flüſſe überſetzen, ſie es thun können, ohne daß fir nähiz das Waſſer in ſie einzudringen vermöge. Wir wollen auch, rigen. Er daß man Rechnung über die Hörner unſerer Ziegenböcke und Sohneber Ziegen ablege, ſo wie über die Felle der Wölfe, welche im pegen, Laufe jedes Jahres gefangen werden. Im Monat Mai ſoll erfihene man ſtets eine furchtbare Jagd auf die jungen Wölfe machen. ſher über iner Per⸗ causa nostra aliquid vellet dicere, vias ei ad nos veniendi non con- or⸗ tradicat. muan*) Omnia deposita, distincta et orainata ad nativitatem Domini nobis notum faciant, ut scire valeamus, quid vel quantum de singu- lis rebus habeamus. Gdis A**r) Volumus, ut bonos barridos ferro ligatos judices singuli praeparatos semper habeant et utres ex coriis non faciant.. ut üütne, e an carra nostra et opercula bene sint cum coriis cooperta, et ita sicu: etaheruänn consuta ut si necessitas evenerit ad aquas adnatandum, transire flumina possint, ut nequaquam»qua intus intrare valeat. zuum vobis de — 138— Endlich enthält der letzte Paragraph dieſer ſonderbaren Ur⸗ aage 4 kunde vielleicht das ſeltenſte Namensverzeichniß, welches von huit 1 den im neunten Jahrhundert bekannten Pflanzen jeder Art und oft 0 den Fruchtbäumen beſteht*), und deren fleißigen Anbau der cen 9 große Ordner der königlichen Domainen in jedem ſeiner Gär⸗ vn ten gebot. ſe bn Dieſes iſt im Weſentlichen jenes berühmte Capitulare de uaget Villis, welches weit mehr die häusliche, als die politiſche Oe⸗ d d konomie Karls des Großen enthält. Man trifft in den andern ſein B Capitularien des neuen Täſars genaue Beſtimmungen über ligti ökonomiſche Fragen, namentlich folgende Stelle, in welcher ſich, lenünn wie mit Recht Herr Gutzot geſagt hat, der wahre Verſuch lien, eines Maximum's findet.„Der ſehr fromme Herr, unſer Kö⸗ Maii nig, hat entſchieden, daß Niemand, Geiſtlicher oder Laie, ſey. De es zur Zeit des Ueberfluſſes oder in der Zeit der b uteimm Noth, ſeine Lebensmittel theurer verkaufen könnte, als der ten. D neuerlich für den Scheffel feſtgeſetzte Preis, nämlich, u. ſ. w.“ V ſchon un Anderswo findet ſich die Schöpfung einer Armenſteuer, zum b rält h Zweck, die Abſtellung des Bettels zu erreichen:„In Betreff wrict der Bettler, welche das Land durchſtreifen, wollen wir, daß V d ſö jeder unſerer Getreuen ſeine Armen ernähre, ſey es auf ſei⸗ beſuche nem Lehengut, oder im Innern ſeines Hauſes, und ihnen nicht zu th geſtatte, anderswo zu betteln. Und findet man ſolche Bettler, V unter und arbeiten ſie nicht mit ihren Händen, ſo ſolle ſich Niemand nern einfallen laſſen, ihnen Etwas zu geben.“ Bisweilen ſind die b dnſelh Gebote des Geſetzgebers anſcheinlich in der Form einer bloßen V ia iin gen hind zu beſtim *) Zum Vergnügen der Gartenfreunde ſollen die hauptſächlichſten hier lete angegeben werden: die Lilie, die Roſe, Bockshorn, Salbei, Raute, Gur⸗ 17 ken, Kürbiſſe, Pfefferſtrauch, Kümmel, Rosmarin, Kichererbſen, Anis, Co⸗ ſen zu loquinte, Lattiche, Kreſſe, Klette, Senf, Münze, Mohn, Eibiſch, Malve, Lordeffe die Kohlarten, Zwiebeln, Lauche, Radieschen, die Kardonen, die Bohnen, Erbſen, Kerbel und die Capuzinerblume. Von Bäumen wollte Karl der— Große auf ſeinen Domainen gepflanzt wiſſen Aepfel, Zwetſchgen, Sperber, 3) CA Birnen, Caſtanien, Pfirſiche, Haſelnüſſe, Mandeln, Nüſſe, Maulbeeren, I*5) he Feigen, Fichten und Kirſchen. Er gibt ſogar mehre Spielarten von Aep⸗ in omoi! felbäumen an.— j uli norid daren lr⸗ ilches von er Arr und Anbau der ener Gär⸗ ulare de iſche Oe⸗ en andern geen über ſcher ſich, Verſuch ſer Kö⸗ e, ſey eit der als der ſ. w. r, zum Betreff d, d auf ſei⸗ inen nicht he Bettler Niemand r find die er bloßen iſten hier nute, Gur⸗ Anis, Co⸗ ch, Malbe, die Bohnen, ſeie Karl der en, Sperber⸗ Maulbeeren, en von Aeb⸗ — 139— Frage dargeſtellt:„bittet die Biſchöfe und Aebte, uns in Wahr⸗ heit zu erklären, was die Worte ſagen wollen, deren ſie ſich oft bedienen: entſagen der Welt, und an welchen Zei⸗ chen man Jene unterſcheiden könne, welche der Welt entſagen, von Jenen, welche ihr nicht entſagen: etwa blos daran, daß ſie keine Rüſtungen tragen, und nicht öffentlich verehlicht ſind? Fraget ferner, ob Jener der Welt entſagt habe, der an jedem Tag dahin arbeitet, gleichviel durch welche Mittel, ſein Beſitzthum zu vermehren, bald durch Verheißung der Se⸗ ligkeit des Himmelreichs, bald durch Androhung der ewigen Höl— lenſtrafen; oder auch im Namen Gottes oder irgend eines Hei⸗ ligen, irgend einen reichen oder armen einfältigen und unklugen Menſchen plündert?“ Die Sprache Karls des Großen war eben ſo ausdrucksvoll, wie man ſieht, in ſeinen Inſinuationen, als in ſeinen Vorſchrif⸗ ten. Das Verderbniß und die Herrſchſucht der Prieſter mußten ſchon unter ſeiner Regierung einen ganz ernſten Charakter er⸗ reicht haben, daß er ſich veranlaßt ſah, an ſie ſo ſtrenge Rügen zu richten. An einer andern Stelle*) empfiehlt er ihnen, nicht zu ſchwören, ſich nicht zu berauſchen, keine ſchlechten Oerter zu beſuchen, keine Weiber zu unterhalten, und die Sakramente nicht zu theuer zu verkaufen. Der Wucher war zu jener Zeit ein unter der Geiſtlichkeit eben ſo, wie unter den andern Einwoh⸗ nern gewöhnlicher Mißbrauch; die Capitularien kommen auf denſelben bei mehr als zwanzig Anläſſen zurück, und brandmar⸗ ken ihn unabläßig auf jede Weiſe. Dieſe frommen Beſtimmun⸗ gen hindern aber gleichwohl den Kaiſer nicht, ſelbſt einen Satz zu beſtimmen, zu welchem man ſein Geld**), das gute oder ſchlechte annehmen müſſe, und zu ſchweren Geldſtrafen die Men⸗ ſchen zu veruͤrtheilen, welche kühn genug ſeyn würden, die Vortrefflichkeit deſſelben zu beſtreiten. Allein dieſe tyranniſchen *) Capitulare episcoporum. **) De denariis autem certissime sciatis nostrum edictum, quod in omni loco, in omni civitate et in omni emptuario similiter vadant isti novi denarii et ab omnibus accipiantur. ——qp——. — 140— Maßregeln werden aufgewogen durch Maßregeln, oft günſtig talarien den Sklaven, den Bauern, den Armen, welche zu unterſtützen, get war in Aſyle aufzunehmen, und im Fall der Krankheit zu pflegen den 6 geboten wird. Die kirchlichen Beſtimmungen nehmen in den Verbin Capitularien eine beträchtliche Stelle ein. Man darf bei ih⸗ der an rer Ausführlichkeit an der ganzen Wichtigkeit nicht zweifeln, qufſtlt welche der Geiſtlichkeit und den Mönchen zukam, die durch die Jutertſ Ueberlegenheit ihrer Kenntniſſe beinahe Herren der Verwal⸗ baren tung waren, und von Karl dem Großen über die geringſten Ein⸗ dinden zelnheiten berathen wurden. Sie waren vom Heerbann frei, von) welcher damals eine beſchwerliche, Allen auferlegte Laſt, ohne mit ſch Sold, und während einer Zeit faſt unbeſchränkt war. Jeder ierlie Angriff auf ihre Ehre oder Perſon wurde mit doppelter Strenge der dem beſtraft. ſchmählie Man findet in den Capitularien Karls des Großen wenige V der Baue Spuren irgend eines Auflagenſyſtems. Es ſcheint, daß das V du gleic Staatseinkommen hauptſächlich in der Erhebung der Geldbußen, ter der welche zahlreich und hoch waren, und in den Pachtzinſen der b Beſtinm Domainen des Kaiſers beſtand. Die kleinlichte Sorge, mit wel⸗ wehren, cher Karl der Große Alles geregelt hatte, was dieſen Gegen⸗ ſchic, ſtand betraf, läßt nicht zweifeln, daß die Rente von ſeinen Län⸗ b dereien das weſentlichſte Capitel ſeines Budget's war. Einige b vaun Zölle, auf die großen Straßen gelegt, auf den Uebergang ge⸗ V v wiſſer Brücken, lieferten einen Zuſchuß zu den Hülfsquellen, 3 welche gemeinſam mit den großen Grundeigenthümern zum Er⸗ causa i trag gebracht wurden, und welche unter der Feudalität der Ur⸗ uu ſprung der fürchterlichſten Bedrückungen wurden. Ferner muß V ue en. man der Regierung Karls des Großen die Wiedereinführung 6 der römiſchen Geſetze zuſchreiben, welche die Getreideausfuhr V un ug in den Zeiten der Hungersnoth unter der Strafe der Confiska⸗ hu tion verboten, und wir haben geſehen, daß er nicht vor den want per Verſuchen eines Maximum's zurückgebebt war, welche zum Er⸗ w gebniß hatten, die Uebel zu vergrößern, welchen ſie abhelfen due cocle ſollten. Dennoch kann Karl der Große in dieſen halbbarbari⸗ Ahuue ſchen Zeiten als der Fürſt betrachtet werden, welcher am beſten Anann die wahren Intereſſen des Handels begriffen hat. Seine Capi⸗ unererh dtt ginſtig nterſtitzen, t zu ylegen nen in den darf hei ih⸗ zt zweifeln, je durch die er Verwal⸗ ingſten Ei⸗ erbann frei, aſt, ohne :r. Deder r Strenge n wenige daß das eldbußen, inſen der mit wel⸗ en Gegen⸗ ſeinen Lun⸗ ar. Einige ebergang ge⸗ ülfsauellen, n zum Er⸗ it der Ur⸗ erner muß inführung deausfuhr Confiska⸗ hi vor den he zum Er⸗ ſi abhelfen halbbarbati⸗ her an lekn Seine Caie -— 141— tularien enthalten eine Menge von Beſtimmungen, die freiſinni⸗ ger waren, als alle die der römiſchen Kaiſer. Er hatte an den Gränzen Beamten aufgeſtellt, die beauftragt waren, die Verbindungen mit dem Auslande zu ſchützen, und er war es, der an der Mündung der Flüſſe die erſten Stationsſchiffe aufſtellte, ſey es zur Einſchüchterung der Seeräuber, ſey es im Intereſſe der Schifffahrt. Er hatte es übernommen, einen ſchiff⸗ baren Canal zu graben, um den Rhein mit der Donau zu ver⸗ binden. Er befahl die Einführung eines regelmäßigen Syſtems von Maas und Gewicht durch das ganze Reich*): er verfolgte mit ſchweren Strafen die Falſchmünzerei, und verbot die wu⸗ cherlichen Aufkäufe**). Seine Edikte widerſetzten ſich nicht min⸗ der dem Kauf der Früchte auf dem Halm, als einem Syſtem ſchmählicher Spekulation, welches zum Zweck hatte, das Elend der Bauern auszubeuten, und die Lebensmittel zu vertheuern***). Zu gleicher Zeit feſſelte er mit ewiger Unbeweglichkeit die Gü⸗ ter der Kirche, indem er ſich widerſetzte, daß ſie je eine andere Beſtimmung erhielten †), und er ſuchte ſie dadurch zu ver⸗ mehren, daß er Schenkungen von Ländereien und Zehnten vor⸗ ſchrieb, welche von ſeinen eigenen Domainen entrichtet wurden ꝓ·). *) Volumus ut aequales mensuras et rectas, pondera justa et aequalia omnes habeant, sive in civitatibus, sive in monasteriis, sive ad dandum in illis, sieut ad accipiendum. *4*.) Turpe luerum exercent qui per varias circumventiones lucrandi causa inhoneste res quaslibet copgregare decertant. *rr) Quicumque enim tempore messis vel vindemiae non necessi- tate sed propter cupiditatem comparat annonam aut vinum, verbi gratia de duobus denariis comparat modium unum et servat usque dum iterum venundare possit contra denarios quatuor aut sex, hoc turpe lucrum dicimus. .*) Ut loca quae semel Deo dedicata sunt ut monasteria sint, ma- neant perpetuo monasteria, nec possint ultra fieri secularia habitanda. †%) De minoribus capitulis consenserunt omnes, ad unamquam- que ecclesiam curtem et duos mansos terrae pagensis ad ecclesiam re- currentes condonent, et hoc Christo propitio placuit ut undique census aliquid ad fiscum pervenerit, sive in frido, sive in qualicumque banno, et in omni retributione ad regem pertinens, decima pars eccleslis et sacerdotibus reddatur. 1142— Wir müſſen zugeben, daß die Sklaven ſeiner Zeit mit mehr Menſchenliebe und Schaam behandelt wurden, als die unglück⸗ lichen Negerſklaven in unſern Colonien. Man konnte den Gat⸗ ten nicht von der Gattin trennen, und der Artikel des Capitu- lare, welcher dieſe Beſtimmung enthält, ſtützt ſich auf die Worte des Evangelium's: Quos Deus conjunxit, homo non separet. Es war verboten, einen Sklaven anders als in Gegenwart der Abgeordneten des Kaiſers zu kaufen oder zu verkaufen. Jeder geheime Verkauf wurde für nichtig erklärt und beſtraft. Man erklärt ſich leicht dieſe Sorgfalt für die Sklaven in ei⸗ ner Zeit, und unter einer Regierung, wo die Sklaverei jeden Tag neuen Umfang gewann. Die Schenkungen von Länder⸗ eien, welche der Kaiſer unabläßig den Großen und Kirchen machte, verminderten jeden Tag die Zahl der Bauern, die im Stand waren, von dem Ertrag ihres Einkommens zu leben, und ihre Lage ward ſo unglücklich, daß ſie ihr die Sklaverei oder vielmehr die Leibeigenſchaft vorzogen. Nach und nach ſah man faſt alle freien Menſchen verſchwinden, und ihre kleinen Beſitzungen jenen ungeheuern Domainen zuwachſen, welche durch die kaiſerliche Freigebigkeit der Ariſtokratie des Kriegs und der Kirche verliehen wurden. So verſchmolzen ſich die Ideen der politiſchen Souverainität und des Grundeigenthums, welche die Grundlage der Feudalanarchie bilden werden, ſo bald die Hand eines oberſten Machthabers aufgehört haben wird, ehr⸗ geitzige und mächtige Vaſſallen in Ehrfurcht zu erhalten. Er ſelbſt wird dieſes große Ereigniß dadurch vorbereiten, daß er das Reich unter ſeine Kinder theilt, und ſein eigenes Werk ſchwächt; denn gerade auf dieſer Seite iſt ſein Ruhm verwundbar, und gerade nach dem ephemeren Charakter ſeiner Werke haben ſich viele Geſchichtſchreiber berechtigt gehalten, ihn ſtreng zu beur⸗ theilen. Jedoch fondert es die Gerechtigkeit, anzuerkennen, daß Karl der Große nichts mit den meiſten ſeiner Vorgänger und Nachfolger gemein hat. Alles, was wir von ſeiner erleuchte⸗ ten Liebe für die Wiſſenſchaften und von den hochherzigen An⸗ ſtrengungen für ihre Verbreitung wiſſen, jene kühnen Verſuche der Centraliſation in einer Zeit allgemeiner Zerſtückelung, dieſe wundee vierzi ſeyn, mit d nach mehre ſchein tulari es iſ mal, nige lung har un zu bänd wenn vereini Sprach zeogra hert Ge ſch nur run⸗ zufa Neyis Anterd- hewics Näcts helchen! ir Verji des Prin var die Folgen *) Mislo — 5 2— 8+. — 143— mit mehr wunderbare Schöpfung eines großen Reiches in weniger als ie unglüt⸗ vierzig Jahren können nur das Werk eines überlegenen Geiſtes e den Gat⸗ ſeyn, und laſſen uns ſehr wohl begreifen, wie Karl der Große s Capiln- mit dem Namen des Großen noch zu ſeinen Lebzeiten geehrt und die Worte nach ſeinem Tode heilig geſprochen wurde. Er hatte allerdings rseparet. mehre der Fehler ſeiner Zeit, und ſeine perſönlichen Sitten er⸗ enwart der ſcheinen zu oft im Widerſpruch mit der Strenge ſeiner Capi⸗ en. Idder tularien; allein ſein Gedanke wird nicht unfruchtbar ſeyn, und ft es iſt ein großer Anblick die Anſchauung ſeiner Arbeiten, zu- gper ine mal, wenn man ſie mit den kläglichen Thaten der trägen Kö⸗ Lrn. Fder nige vergleicht. Dieſer Fürſt träumte von der Wiederherſtel⸗ ener lung der römiſchen Größe durch germaniſche Elemente; Bar⸗ ſichen bar und Abkömmling eines Barbaren erreichte er es, die Woge de in zu bändigen, die ihn trug, und es wäre ihm völlig gelungen, .. 2. 3„ u laber, wenn er nicht gar zu unähnliche Elemente, d. h. Völker hätte Zklaverei vereinigen wollen, die ſchon durch die Verſchiedenheit ihrer Sprache, durch den Widerſtreit ihrer Intereſſen, und durch ihre nach ſah geographiſche Lage geſchieden waren.„Karl der Große, ſagt e kleinen 2 tze durh Herr Raynouard), glaubte als Unterthanen nur Krieger und Geiſtliche zu haben. Er war groß, aber durch ſich allein, für 3 1d de ſich allein. Kein erlauchter Name erhebt ſich neben oder ſelbſt Nern de nur unter ihm; er verſchlang die ganze Glorie ſeiner Regie⸗ n, velh; rung. Beherrſcht durch die Forderungen des Augenblicks, durch ſo bald di zufällige Noth erließ er oft Geſetze, um die Wirkſamkeit ſeiner vitd, or⸗ Regierung zu begünſtigen, indem er entſtehende Mißbräuche aien Er unterdrückte; allein ſeine Geſetzgebung hatte keine Einheit, und duß er bewies ſelten einige Sorge für die Zukunft.“(*) Es iſt von ihm ſhwächt: Nichts geblieben, als die Erbſchaft der Beneficien, aus at, und welchen das Lehenweſen mit ſeinen Leiden und ſeinen Keimen aben ſich der Verjüngung hervorgehen ſollte. Es war dieſes ein gräßli⸗ zu beur⸗ ches Princip; aber in Ermangelung der monarchiſchen Einheit nnen, daß war dieſes Princip beſſer, als die Anarchie; wir werden die anger u Folgen deſſelben erforſchen. erleuchte⸗— rzigen An⸗*) Histoire du droit municipale en France tome II. p. 385. en Verſuche —— fung dieſe — 144— Hauptſtück XIII. Von der Errichtung des Feudalſyſtems und deſſen wirthſchaftlichen Fol⸗ gen.— Die Monarchie Karls des Großen wird durch den Ein⸗ fluß der Erblichkeit der Lehen zerſtückelt.— Allgemeines Einreißen der Leibeigenſchaft. 4 ——— Die Capitularien Karls des Großen erheben vorzüglich die Gewalt der Kirche. Sie allein wird künftighin als Vermittlerin zwiſchen der Menſchheit und ihren Unterdrückern einſchreiten, und ihre Einmiſchung verdient bemerkt zu werden, weil die Capitularien in Frankreich bis zu Philipp dem Schönen ge⸗ ſetzlich galten. Sie allein wird die Macht der Barone im Gleich⸗ gewicht erhalten, und ihr den Todesſtreich dadurch geben, daß ſie ſich auf die Seite des Volkes ſtellen wird, wie ſie die römi⸗ ſche Herrſchaft dadurch zu Grabe brachte, daß ſie ſich mit den Barbaren verbündete. In der That, in weniger als einem halben Jahrhunderte nach dem Tode Karls des Großen war ſein Reich ſchon in ſieben Königreiche getheilt, und indem die Grafen, die Herzoge, die Lehensträger von der Schöpfung die⸗ ſes großen Mannes die Zeit benützten, hatten ſie geſucht, ſich unäbhängige Stellungen zu ſchaffen. Die Lehen ſtrebten immer mehr und mehr erblich zu werden, und die Staatsherrſcher wil⸗ ligten gerne darein. Man liest in einem Capitulare Karls des Kahlen von 877 folgende Beſtimmungen, die in dieſer Hinſicht entſcheidend ſind:„Wenn nach unſerem Tode irgend einer un⸗ ſerer Getreuen, ergriffen von der Liebe zu Gott und zu unſerer Perſon, auf das Weltliche verzichten will, und einen Sohn oder irgend einen andern Verwandten hat, der fähig iſt, dem Gemeinweſen zu dienen, ſo ſoll es ihm frei ſtehen, ſeine Lehen zu vererben, wie es ihm gefallen wird*).“ Ein anderer Arti⸗ kel beſtätigte dieſen, und vollendete die Auflöſung des Reichs in Atome, weil man vor dem Ende des neunten Jahrhunderts neun *) Capitularia. ed. Baluz. tom. II. p. 266. und z und blos di durch „Das it je ſer b und ganze ſtürn fellha fer ihn die G landſch heiten, Geſitn ſeller ſetune wita terſe niſt allg in i Maa elte ſi wahrſe lich iſt gegenn dinige welche ter ſ chaftlicen zel⸗ urch den Ein⸗ nes Einreißen Nzüglich die Vermittlerin einſchreiten, veil die önen ge⸗ Gleich⸗ den, daß ie römi⸗ mit den s einem ßen war ndem die vfung die⸗ eſucht, ſich bten immer ſcher wil⸗ Karlo des Hinſicht einer un⸗ unſerer en Sohn iſt, dem ne Lehen etet Ati⸗ Reichs in iderts neun — 145— und zwanzig große mehr oder minder unabhängige Lehen, und mehr als fünfzig am Ende des zehnten Sabrhunderts blos in Frankreich zählte.*) Dieſer neue Anblick der geſellſchaftlichen Zerſtückelung ward durch die Geſchichtſchreiber auf eine maleriſche Weiſe geſchildert. „Das Königreich, jüngſt noch ſo wohl geeinigt, ſagt Einer,**) iſt jetzt getheilt; es gibt Niemanden mehr, den man als Kai⸗ ſer betrachten könnte; ſtatt des Königs ſieht man Königlein, und ſtatt des Reichs Stücke von Reichen.“ Wirklich war die ganze große Organiſation Karls des Großen verſchwunden, um ſtürmiſchen und ſchwachen Einigungen Platz zu machen, die un⸗ fehlbar unterlegen wären, wenn irgend ein mächtiger Angrei⸗ fer ihnen entgegen getreten wäre. Von dieſem Zeitraum an iſt die Geſchichte Frankreichs nur noch eine Zuſammenſtückelung landſchaftlicher Annalen, überladen mit rein örtlichen Einzeln⸗ heiten, in welchen man nur mit großer Mühe dem Gang der Geſittung folgt. Die fähigſten und gewiſſenhafteſten Schrift⸗ ſteller mußten zu Hypotheſen greifen, um dieſe beiſpielloſe Zer⸗ ſetzung zu erklären, welche faſt augenblicklich und ohne Vorbe⸗ reitungen eintrat. Herr Auguſtin Thiery ſchreibt ſie dem Un⸗ terſchied der Stämme, und Herr Guizot dem Verluſt admi⸗ niſtrativer Ueberlieferungen und der großen Gedanken über die allgemeine Politik zu. Wir glauben, daß dieſe beiden Urſachen in verſchiedener Verhältnißmäßigkeit gewirkt haben. In dem Maaß die Ideen des Zuſammenhanges ſich ſchwächten, entwick⸗ elte ſich der Geiſt des Stamms oder vielmehr der Oertlichkeit, wahrſcheinlich nach Umſtänden, deren Würdigung uns unmög⸗ lich iſt, und das damalige Europa mußte gewiſſen Theilen des gegenwärtigen Aſiens gleichen, wo einige verwegene Paſchas, einige unabhängige Häuptlinge die Bevölkerungen nöthigen, welche ihnen unterworfen ſind, ſich loszukaufen, ohne ſelbſt un⸗ ter ſich Bundesbeziehungen zu haben. *) Guizot, Cours d'histoire moderne, tom. II. p. 435. **) Recueil des historiens des Gaules et de la France, tom. II. p. 302. Blanqui, Geſchichte d. polit. Oekonomie. 1. Bv. 10 —-— 146— Man braucht demnach nicht zu erſtaunen, daß neue Horden. in unſere Gebiete eindrangen, und daß die Landung der Sara⸗ zenen im Süden und die der Normannen im Norden eine Fluth von Uebeln über unſere unglücklichen Vorfahren ergoßen. Nir⸗ gend zeigte ſich mehr ein Band, nirgend Gehorſam; die Bür⸗ gerkriege, die Verheerungen erzeugten bald die Verſäumung des Landbaus, und der Hunger fügte ſeine Härte zu allen dieſen Drangſalen. Eine Handvoll Seeräuber bemächtigte ſich 848 Marſeille's, und die Normänner etwas ſpäter der Stadt Bor⸗ deaur. Ihre Barken fuhren die Seine hinauf, und plünderten 856 Paris. Die Einwohner ſtürzten in die Tempel, ſtatt zu fechten, und die Könige gingen ſchmähliche Verträge ein, ver⸗ möge welcher dieſelben Normannen, da ſie in einem verödeten Lande Nichts mehr zu plündern hatten, ſich es zuſcheiden ließen unter der Verbindlichkeit, es zu vertheidigen. So hat die Nor⸗ mandie von der Invaſion ſelbſt ihren Namen erhalten, und die Hauptſtadt Carls des Großen, Aachen, wurde durch eine Schaar von Fremden verwüſtet, welche dieſer große Herrſcher immer hatte als Seeräuber behandeln laſſen. Wie ſehr hatten die Zeiten gewechſelt! Kaum wirft das Edictum Pistense*) einen Schein guter Ordnung in dieſe Nacht der Anarchie und der Wir⸗ ren; die Befeſtigungen der Feudalbarone waren noch nicht ganz niedergeworfen, als ſie ſich ſchon wieder erhoben, um erſt vor Ludwig XI., Richelieu und Ludwig XIV. zu verſchwinden. Ein neuer Vertrag bildete ſich zwiſchen dem anmaßlichen Herrn des Bodens und dem Bauer. Die reich begüterten Aebte, die Herzoge, Grafen und Herren ſuchten die Huldigung und Un⸗ terſtützung ihrer Vaſſallen faſt eben ſo ſehr, als ihre Reichthümer. ¹ *) Man ſiehe dieſes Edikt in der Sammlung der Capitularien p. 174, tom. II nach der Ausgabe von Baluze Es beſteht aus ſieben und dreißig Artikeln und drei Zuſatzparagraphen. Es hatte unter Anderem zum Zweck die allgemeine Umprägung der Münzen, deren Schlagung blos zehn Städten bewilligt wurde; es ſetzte das Verhältniß des Goldes und Silbers zu zwölf Livres Silbers für eine Livre Goldes; es enthielt außer⸗ dem verſchiedene Anordnungen in Betreff der Bäckerei, der Marktpolizei und der Prüfung der Maaße und Gewichte. üie ſe völker! Der ſcüt den f der l Boden Inter du„ trage Zelt nälen Gleich tereſſen verbun Punkte derein Gewer der Et de U gegen die dem Jahr Kamp beutete und es bloß K. Noräſt pheege! as d Rechte kehr, welch Locken ringſte reu Horden ng d Srr⸗ den ein Fu ergoßen. M am; die du⸗ eſäumung di u allen dieſe tigte ſich 5 or Sihdt N f h er Otadt Her⸗ ind plünderen npel, ſtatt zu äge ein, der⸗ em verödeten heiden ließen hat die Nor⸗ ten, und die eine Schaar cher inmer hatten die e ³) einen der Wir⸗ nicht ganz m erſt vor ſchwinden. eer Herrn ulatien ſeden vid 1 Wndeten lagung dlos Goldes uld aihielt außer⸗ rttvolixi un — 147— Sie ſchätzten den Werth des Bodens weit mehr nach der Be⸗ völkerung, als nach dem Einkommen, welches er abwerfen konnte. Der Schloßthurm, drohend Nachbarn und Fremden, wurde ſchützend für den Vaſſallen. Den jüngern Söhnen der Familie, den freien Menſchen, den Bürgern wurde in Folge ihrer Zuſage der Unterordnung geſtattet, ihren Antheil an den Gewinnſten des Bodens zu empfangen, und ſie konnten ſich verheirathen, ohne die Intereſſen ihrer Herren zu verletzen. Dieſe letzteren, ſtreitend zu Pferde kraft ihres Vorrechts, geſtatteten ihnen, Waffen zu tragen und zu Fuß zu kämpfen; es bildeten ſich ſo unter dem Zelt freundliche Verhältniſſe, welche die Stände unter ſich an⸗ näherten, und, obwohl jetzt nur noch von ferne, die Herrſchaft der Gleichheit vorbereiteten. Jedes Dorf bildete bald eine durch In⸗ tereſſen, Leidenſchaften und faſt durchgängige Verwandtſchaft verbundene Gemeinheit. Wer könnte ſagen, bis zu welchem Punkte dieſes ganz municipale politiſche Syſtem, aus welchem dereinſt die Entfeſſelung der Gemeinden mit den Innungen der Gewerbe hervorgehen ſollte, zu den Fortſchritten der Geſittung und der Staatswirthſchaft beigetragen habe! Man weiß es nicht; aber der Uebergang war lang und hart, und die Veſte ſäumte nicht, ſich gegen die Dörfer zu wenden. Die Zwietracht warf ſich zwiſchen die Tauſende von Lehensherren, welche ihre Beleidigungen in dem Blute ihrer Unterthanen abwuſchen; und mehr als drei Jahrhunderte hindurch bot Europa den Anblick einer ungeheuern Kampfſtätte, wo der Stärkſte den Schwächſten erbarmungslos aus⸗ beutete. Es beſtand keine Hauptſtadt mehr, um den Impuls zu geben, und es waren keine großen Städte, um ihn aufzunehmen, ſondern bloß Klöſter und Schlöſſer, getrennt durch Flüſſe ohne Brücken, Moräſte ohne Straßen und Waldungen ohne Wege. Die Rechts⸗ pflege ließ ſich in den dunkeln Veſten nieder, häufiger das Opfer, als die Genoſſin der Stärke; hier verfocht man die Sache des Rechts zu den Füßen der allmächtigen Edelherren. Der Ver⸗ kehr, auf bloßen Hauſirhandel beſchränkt, vermied jene Ausſichten, welche er gegenwärtig ſucht; und was hätte er zudem den Menſchen Lockendes bieten können, geharniſcht in Eiſen, und bis zu ihren ge⸗ ringſten Launen durch zahlreiche Arbeiter befriedigt? Die Zahl 10. dieſer Arbeiter ſchwand nichts deſto weniger täglich wegen des Verfalls der bald durch den auswärtigen Feind, bald durch den Bürgerkrieg verwüſteten Städte, und es gab bald keine andere Gewerbe mehr, als die, welche der Erzeugung der unentbehr⸗ lichſten Gegenſtände gewidmet waren. Der Geiſt der Freiheit erloſch daher mit den großen Städten; keine Freiheiten mehr, keine jener kräftigen und geräuſchvollen Wetteiferungen, welche die Einbildungskraft entflammten, und welche wir im Schoos der italiäniſchen Freiſtaaten des Mittelalters wieder finden werden; ſondern eine allgemeine Abgeſchiedenheit aller Geiſter und aller Oertlichkeiten; eine verworrene Schaar von Völkern und Königen. Die Zeugen dieſes Zeitraumes der Auflöſung waren dadurch ſo geſchreckt, daß ſie das Ende der Welt nahe glaubten, und daß ſie ſich dazu wie zu einem unvermeidlichen Ereigniſſe vorbereiteten. Es iſt eine Menge von Teſtamenten oder Schen⸗ kungsurkunden auf uns gekommen, welche als den Grund ihrer Entſtehung das nahe Einbrechen dieſer verhängnißvollen Kata⸗ ſtrophe angaben. Die meiſten beginnen mit den Worten: ad- ventante mundi vespere, da das Ende der Welt herannaht; allein zum Glück trat es nicht ein, und verurſachte keine andere Verwüſtungen, als die Folgen der Furcht, welche es eingeflößt hatte. An vielen Orten hatte die Arbeit aufgehört; Hörige waren freigelaſſen worden, alter Haß hatte ſich gelegt, Böſe hatten ſich bekehrt. Welcher Sieg für die Kirche! Welches neue Aufflammen der Gluth für den Glauben! Aber daneben welche Beſchränktheit zeigte ſich bei den Völkern, und welche Hoffnung ſollte geſchöpft werden für ſie, wenn man ſie auf eine ſolche Stufe der Verthierung herabgeſunken ſieht!*) Auch war dieſes eine für alle Verſuche der Kühnheit und für alle Eingriffe der Tyrannei wunderſam geeignete Zeit. Man hörte nicht mehr von politiſchen Kriegen, ſondern nur noch von *) So ſehr man das Trübe dieſer Zeit zugeben muß, ſo iſt gleichwohl die Würdigung derſelben durch den Verfaſſer ungerecht und verfehlt: man muß jedes Zeitalter hauptſächlich aus ihr ſelbſt beurtheilen. Buß. Zügen vor Die Leher hen, ſou riſſen di ſchreckten Die über⸗ zu naͤhre Sclupfr ihren Fe det, iſt! Verbindu der Bewo⸗ Gleichw der Haupte lich auf d gecheill, Scholle ge Herten al ungeachte Nitularie über Le das Has ten ihne gegen F heſondere lensbeſtim ihre Nackt Recht, zwi deſſen Zuſt des Laſtthit terſchieden geſtaltete zahlen, w ihnen gel Regel, u frohnpf vegen des durch den ine andere mentbehr⸗ Freiheit en mehr, , welche n Schoos er finden heiſter und kkern und g waren laubten, reigniſſe Schen⸗ ind ihrer en Kata⸗ then: ad- erannaht; ne andere eingeflößt at; Hörige legt Boſe telches neut hen welche Hoffnung ine ſolche it und für eit. Man ar noch von gleicwohl de hlt: man muß f. 149— Zügen von Räubern und von Einfällen der Seeräuber ſprechen. Die Lehensherren, ermächtigt, Münzen zu prägen, Recht zu ſpre⸗ chen, ſouverain über das Land ihrer Herrſchaft zu richten, zer⸗ riſſen die letzten Bande einer jeden nationalen Einheit, und ſchreckten Europa mit dem blutigen Schauſpiel ihrer Fehden. Die überall erbauten Veſten ſchienen dieſes Schlachtenfieber dadurch zu nähren, daß ſie allen Störern der öffentlichen Ruhe ſichere Schlupfwinkel gewährten. Die Geſchichte, wenn man anders ihren Faden in dieſer langen Reihe von Grauſamkeiten auffin⸗ det, iſt nur noch ein verworrener Knäuel von Ereigniſſen ohne Verbindung, ohne Ausſicht, viel würdiger wilder Horden, als der Bewohner eines geſittigten Landes. Gleichwohl entdeckt man darin eine ziemlich deutliche Spur der Hauptelemente der ſocialen Lage der Arbeiter. Faſt ſämmt⸗ lich auf das Land zurückgezogen, waren ſie dort in drei Klaſſen gekheilt, Leibeigene, Bauern und Freie. Die erſteren, an die Scholle gefeſſelt, glebae adscripti, wurden als die Sache ihrer Herren angeſehen, als wahre Immobilien durch, Beſtimmung; ungeachtet der in Vergeſſenheit gerathenen Vorſchriften der Ca⸗ pitularien, hatten ihre Herren in Beziehung auf ſie das Recht über Leben und Tod wieder an ſich geriſſen; ſie ſchoren ihnen das Haar vom Kopfe, wandten bei ihnen die Folter an, unterſag⸗ ten ihnen die Ehe und verweigteren ihnen das Recht, vor Gericht gegen Freie zu zeugen. Sie waren von dieſen letztern durch eine beſondere Kleidung unterſchieden, und konnten durch letzte Wil⸗ lensbeſtimmung nicht einmal über die Lumpen verfügen, welche ihre Nacktheit nur ſchlecht deckten. Keine Behörde hatte das Recht, zwiſchen dem Herrn und dem Leibeigenen einzuſchreiten, deſſen Zuſtand während dieſes verfluchten Zeitraums unter dem des Laſtthiers geweſen ſeyn muß. Die Bauern(villani) un⸗ terſchieden ſich von den Leibeigenen in dem Sinn, daß ihnen geſtattet war, ihren Herren einen Zins oder eine Gilte zu zahlen, wodurch der Ueberſchuß der Erzeugniſſe des Landbaus ihnen gehörte. Jedoch gab es zahlreiche Ausnahmen von dieſer Regel, und im Allgemeinen waren die Bauern zinsbar und frohnpflichtig auf Gnade und Barmherzigkeit. — 150— ..—. rechte ge Einige Freien, in ganz kleiner Zahl, retteten noch einen Schat⸗ Teutſch ten von Unabhängigkeit unter dem Namen conditionales, tri- weſen i butarii, arimunni, welche zugleich beweiſen, daß dieſe Unab⸗ Flankte hängigkeit ihnen nicht ohne Bedingungen gehörte. Dieſes waren 3 enthu wahrſcheinlich kleine Grundbeſitzer, welche auch ihren Antheil eu an Leiſtungen, ſei es in Geld oder in Dienſten, an die Lehens⸗ eihnen herren abtrugen, und deren Stellung ſo precär und ſo kläglich 1 war, daß ſie auf ihre Freiheit verzichteten, die für dieſelben oft muihmn läſtiger, als die Hörigkeit war. Dieſe Aufgebung der Stellung geſha eines Freien hieß obnoxiatio, und Millionen Unglücklicher ver⸗ in 5 zichteten auf ſie, um den Schutz zu genießen, welchen gewiſſe dl Ir Lehensherren und Klöſter ihren infeudirten Vaſſallen gewährten. aerae Der Ausbruch ihrer Verzweiflung wiederhallte in ganz Europa, onſitun und die Schriftſteller heben ihn zu gleicher Zeit in Frankreich,„ neht. England und Teutſchland hervor. Giebt es nicht gegenwärtig liſte in Rußland noch viele Tauſende von Leibeigenen, und verkauft angein man dort nicht Güter mit den Bauern, welche ſie bewohnen? igtů ſ Die politiſche Oekonomie kann nicht viel Licht auf die Lage berdiene des Grundeigenthums in dieſem beklagenswerthen Zeitraume u käme werfen. Alles was man weiß, iſt, daß die emnen Güter mit fort⸗ j aühing dauerndem Titel und die anderen mit dem Titel eines Bene⸗ Vind ficiums beſeſſen wurden. baron Allmälig verwandelten ſich die meiſten Freibeſitzer in in Ro Lehensträger, um ſich Beſchützer zu ſichern, wie in den nie⸗ die A deren Ständen viele freien Leute aus dem nämlichen Grund in ſchuon den Zuſtand der Leibeigenen einzutreten ſich genöthigt ſahen. Eides ei Das Grundeigenthum wurde ſo das Symbol der Macht, und eine maͤ es knüpfte ſich in Folge auf einander folgender Uſurpationen konnte. eine unermeßliche Menge von Vorrechten daran, deren meiſte der franz noch jetzt fortdauern, und nicht den geringſten Theil der wirth⸗ zu denken ſchaftlichen Verwicklungen unſerer Zeit bilden. Wer erkennt nicht genden I leicht die alte Vorherrſchaft des Feudalbeſitzes in den Zögerungen vereint der Entäußerung für den öffentlichen Nutzen oder auf richter⸗ anfachen liche Veranlaſſung, in der fehlerhaften Einrichtung des Pfand⸗ ire Feh rechts, in der dem Grundbeſitz ganz günſtigen Anlegung der— Steuern und in dem Wahlvorrecht, welches alle anderen Vor⸗ Schat⸗ les, tri⸗ /iſe Unab⸗ es waren Antyeil Lehens⸗ klaglich elben oft Stellung icher ver⸗ gewiſſe vahrten. kuropa, nkreich, wärtig eerkauft n? le Lage traume wi fon⸗ 8 Bene⸗ ſitzer in den nit⸗ jrund in ſahen. t, und ationen neiſte rwirth⸗ nnt vicht gerungen f richter⸗ z Yfand⸗ gung der ren Vor⸗ — 151— rechte gewährt? Man ſehe die Inſtitutionen Englands und Teutſchlands; man durchgehe Spanien und Italien: das Lehen⸗ weſen iſt dort noch lebend, und man findet es ſelbſt noch in Frankreich, trotz den Geſetzen der Revolution, welche das Grund⸗ eigenthum in Atome zerlegt haben.„Der Gewerbende und der Handeltreibende ſind noch jetzt in den Augen vieler Leute die Söhne des Freigelaſſenen und des Sklaven: dagegen iſt die Ver⸗ muthung immer zu Gunſten des Grundeigenthümers. Dieſer iſt geſchätzt nicht als Landbebauer und Arbeiter, ſondern vielmehr im Verhältniß der abſtrakten Eigenſchaft als Grundeigenthümer, als Inhaber des Bodens, als Vermächtnißnehmer der Patricier oder des Lehenbarons“*). Dieſes erklärt, wie einiges Licht der Geſittung aus jener Feudalnacht hervortrat, welche die Welt mehre Jahrhunderte umhüllt hatte. Wenn damals große po⸗ litiſche Ideen verſchwunden ſind, ſo haben große Individualitäten angefangen zu glänzen, und haben ſich mit ihrer eigenen Wich⸗ tigkeit ſo tief durchdrungen, daß ſie eine Beachtung der Geſchichte verdienen. Die ritterliche Rüſtung und das Vorrecht, zu Roß zu kämpfen, ſtärkten bei den Lehensherren das Gefühl ihrer Un⸗ abhängigkeit und ihrer Rechte, und bewahrten der menſchlichen Würde eine Zufluchtsſtätte, frei von Knechtſchaft. Die Feudal⸗ barone, wahre republikaniſche Edelleute, weniger gebildet, als die in Rom und Athen, ſchufen ſich ein Völkerrecht, gegründet auf die Redlichkeit der Verſprechungen und auf die Achtung der be⸗ ſchworenen Treue. Sie ſuchten in der Gewiſſenhaftigkeit des Eides eine Schutzwehr gegen die Gewalt ihrer Leidenſchaften, die eine mächtige und centrale Regierung nicht mehr bändigen konnte. Sie ſtellten die Frauen zum erſtenmal unter den Schutz der franzöſiſchen Galanterie und bereiteten, ohne vielleicht daran zu denken, die wichtigen Veränderungen vor, welche in den fol⸗ genden Jahrhunderten eingetreten ſind. Wir werden ſie ſehen, vereint mit der Geiſtlichkeit, das heilige Feuer der Kreuzzüge anfachen, welche die Welt durch den Handel ſittigten, inzwiſchen ihre Fehden ſie durch die Freibeit verjüngten. *) Lettres sur PAmérique du Nord, par M. Michel Chevalier, II. p. 268. Hauptſtück XIV. Von den Kreuzzügen und ihrem Einfluſſe auf den Gang der Staats⸗ wirthſchaft in Europa.— Decimae saladinae.— Revolution in den Gewohnheiten.— Fortſchritte der Schifffahrt, der Induſtrie und des Handels. Inmitten der Feudalauarchie Europa's war die halb ritter⸗ liche, halb religiöſe Unternehmung der Kreuzzüge eine glückliche Idee. Der erſte Gedanke derſelben kam der Geiſtlichkeit; die Aus⸗ führung gehört ganz dem Adel an, welchem dieſes hochherzige Fieber ſo theuer zu ſtehen kommen ſollte; allein die Völker ha⸗ ben dabei dauernde Vortheile geerntet, deren erſter war, einer Schaar von Unterdrückern entledigt zu werden. Welche ent⸗ ſcheidende Ereigniſſe trugen wahrlich dieſe gefeierten Kreuzzüge in ihrem Schoos! Die Freiung der Gemeinden, die Milderung der Leibeigenſchaft, das Auftreten des Bürgerſtandes, das Wie⸗ dererwachen der Induſtrie, die Schöpfung des Handels und der Schifffahrt, und den Wohlſtand jener ſo glänzenden und poeti⸗ ſchen Plejade der italiäniſchen Freiſtaaten. Es war dies nicht das Werk eines Tages; allein das Werk, einmal begonnen, ſchritt unermüdlich und regelmäßig ſeiner ganzen Vollendung zu. Es iſt nicht ein Moment verfloſſen, ohne daß nicht irgend eine Genera⸗ tion ihren Tribut an Intelligenz und Begeiſterung dazu beige⸗ tragen hätte, ſo ſehr eilte die Welt, des feudalen Chaos müde, in einem Gedanken voll Ruhms und voll Zukunft zu ruhen! Es iſt äußerſt anziehend, dem Fortgang dieſer Umwälzung in der ſo verworrenen Geſchichte des XI. Jahrhunderts zu folgen, und Alles tritt hier wie durch einen Zauber zuſammen, von der Uſurpation Hugo Capet's bis zu den Pilgerfahrten der Trou⸗ badours. Man hätte ſagen können, daß ganz Europa im Mor⸗ genland die kaum im Abendland zur Ruhe gekommene Invaſion fortſetzen wollte, ſo viele Pilgerfahrer traten zu dieſen abenteuer⸗ lichen Zügen. Sie beſtanden nicht blos aus Kriegern; es befan⸗ den ſich im Gefolge derſelben eine unermeßliche Menge von Arbeitern, Kaufleuten, Neugierigen, Armen, Reichen, Mönchen, — Weibern ung ardnunget ihren I. Verwſtu gegenwär welcher d überliefer war, ri nicht den den Sta fatt eine heit üher weil ſie it entta ſcaft des nahn ſo den letzten würfelter däſten wäͤhren und W. Man große verſaſſen, güöſe Beg keibeigenſch mehr. Ein Haus, ſelb aufpflanzen Steuern, u zahlen. ³) — *) Michau *) Man ſ ger, welche da⸗ — Weibern und ſogar Kindern in der Wiege.*) Dieſe wirre Miſch⸗ 2 ung iſt es, die ſo oft die Sicherheit des Heeres durch ihre Un⸗ er Stants⸗ ordnungen und durch das Elend gefährdet hat, welches ſie auf buim ihren Wegen verbreitete. Der Hunger brachte hier größere Verwüſtungen, als das feindliche Schwert, und wir können uns gegenwärtig keine Höhe der Noth denken, die jener gliche, von welcher die Geſchichtſchreiber die kläglichen Einzelnheiten uns b ritter⸗ überliefert haben. Ein Chroniſt, welcher Zeuge davon geweſen glückliche war, rief aus: Hätte es dem Himmel gefallen, daß der Papſt die Aus⸗ nicht den Schwachen erlaubt hätte, das Kreuz zu nehmen; daß er hherzige den Starken ein Schwert ſtatt eines Brodſacks, einen Bogen ker ha⸗ ſtatt eines Stocks gegeben hätte!“ Eine verderbliche Gewohn⸗ einer heit, über welche ein Wort zu ſagen, man uns geſtatten wird, eent⸗ weil ſie leider ſeither in die europäiſchen Sitten durchgedrungen uzzüge iſt, entſtand zu dieſer Zeit unter den Kreuzfahrern: die Leiden⸗ derung ſchaft des Spiels. Dieſer Durſt, ſich in Eile zu bereichern, Wie⸗ nahm ſo zu, daß Jedermann ſpielte, von den Anführern bis zu nd der den letzten Kriegern herab. Nach der Eroberung Conſtantinopels poeti⸗ würfelten die Ritter um die Städte und Landſchaften des grie⸗ 88 wct chiſchen Reiches. Die Gefährten des heiligen Ludwig ſpielten n, ſchrit während ihres Aufenthaltes zu Damiette ſelbſt um ihre Pferde u. Es iſt und Waffen. Genera⸗ Man fragt ſich, welcher menſchliche Beweggrund hatte eine ſo u beige⸗ große Menge Menſchen beſtimmen können, ihr Vaterland zu müde, verlaſſen, um ſich ſolchen Waglichkeiten hinzugeben. Die reli— 1 giöſe Begeiſterung wirkte hier mächtig; allein die Armuth, die ung in Leibeigenſchaft, die Hoffnung einer beſſern Zukunft wirkten noch olgen mehr. Ein Geſetz über die Kreuzzüge bewilligte ein Gut, ein von der Haus, ſelbſt eine Stadt Jenem, welcher darin zuerſt eine Fahne Trou⸗ aufpflanzen würde. Die erſten Kreuzfahrer waren frei von u Mot⸗ Steuern, und wurden der Pflicht entbunden, ihre Schulden zu Jronſön zahlen.**) Ihre Beſitzungen⸗ wurden unter den Schutz der benteuer⸗ es befan⸗*) Michaucd, histoire des croisades, t. VI. p. 43. enge von**) Man ſehe hier einige Beſtimmungen über dieſes Vorrecht: Die Krie⸗ wänchen, ger, welche das Kreuz genommen haben werden, ſollen zur Zahlung ihrer 3 7 154— Kirche geſtellt, und durch eine den Gewohnheiten des Fendal⸗ weſens durchaus entgegengeſetzte Gunſt konnten ſie ihre Lehen ſowohl an Laien als auch an Geiſtliche ohne die Erlaubniß ihrer Lehensherren verpfänden und verkaufen. Die Kreuzfahrer ſtan⸗ den nur unter den geiſtlichen Gerichten. Es war dieſes ein ſol⸗ ches Fieber, daß die Handwerker, Handelsleute, Bauern ihre Arbeiten und ihren Beruf verließen; die Barone und Lehens⸗ herren gaben in aller Eile ihre Grundbeſitzungen weg. Die Gü⸗ ter, Schlöſſer wurden für mäßige Summen weggegeben, und dieſer Umſtand hat dadurch, daß er tief gehende Aenderungen in das Syſtem des Grundeigenthums brachte, nicht wenig zur all⸗ mäligen und endlichen Befreiung der Gemeinen beigetragen. Die ſäßhafte Bürgerſchaft bereicherte ſich nach und nach mit den durch den herumziehenden Adel verkauften Gütern, und die Macht ging ſo mit den Ländereien in die Hände der Beſitzer über. Es gab eine Zeit, wo die Grundbeſitzungen gar keine Käufer mehr fanden. Die Kreuzfahrer verſchmähten Alles, was ſie nicht mit ſich nehmen konnten; die Erzeugniſſe des Bodens wurden um einen niedrigen Preis verkauft, und der Ueberfluß erſchien plötzlich inmitten des Mangels wieder. Wenn man mit Aufmerkſamkeit die Einzelnheiten dieſer groß⸗ en Bewegung erforſcht, ſo wird man nothwendig von der großen Aehnlichkeit überraſcht, welche ſie mit der Invaſion der Barbaren Schulden ſowohl an Juden, als auch an Chriſten, eine Friſt von zwei Jah⸗ ren, vom erſten Allerheiligentag an, haben. Der Zins ſoll für Niemanden dom Tag an, wo er das Kreuz nimmt, laufen. Wenn irgend ein Krieger oder ein Geiſtlicher auf eine Anzahl von Jahren ſein Gut oder ſeine Ein⸗ künfte an irgend einen kreuzfahrenden Bürger oder an einen nicht kreuzfah⸗ renden Krieger oder Geiſtlichen verpfändet, ſo ſoll der Pfandinhaber in die⸗ ſem Jahr die Fruchte des Guts oder die Zinſe der Einkünfte beziehen, und der Gläubiger darf ſie nach Verfluß der Jahre, während welcher er die Verpfändung oder Pacht halten mußte, ein Jahr weiter als Entſchädigung für das Jahr, welches er verloren hat, behalten. Kein Kreuzfahrer darf zur Erfüllung ſeiner Verſprechungen von dem Tag ſeiner Abreiſe bis zu dem ſeiner Heimkehr angehalten werden, wofern nicht die Klage ſchon erho⸗ ben worden war, ehe er noch das Kreuz genommen hatte. helll. Es bümern, eiſchienen hen war als ein i halle d naiben S zar Frei Weib u dahin. ſich derſ die Uele feſproce und zogen waren, d deutende genſtänden Paffen, riſen wi deſen u Heerfah fahrer, mußte n und man man geſt Uinae ent) *) Andere ſi Grafen bon Fla argenli et pui Silber und der *8) Der Ind den Chronogra⸗ ein Tagebuch ü lautet ſo:„Al Jahr wenigſtens irem geſemmten — Fendal⸗ cre Lehen briß ihrer ihrer ſtan⸗ s ein ſol⸗ uern ihre Lehens⸗ Die Gü⸗ ben, und rungen in zur all⸗ hetragen. ach mit und die Beſitzer ar keine es, was Bodens eberlluß eſet groß⸗ der großen Barbaren zwei Jah⸗ iemanden n Krieger ſeine Ein⸗ kreufah⸗ ber in die⸗ iehen, und ſchet et die niſchädigung gfahrer darf breiſe bis zu eſcon erho⸗ — 455— theilt. Es waren die nämlichen Träume von Genüſſen und Reich⸗ thümern, und ganz ſo, wie Europa jenen als eine Wohnſtätte erſchienen war, die der ihrer Wälder und Sümpfe vorzuzie⸗ hen war, eben ſo erſchien das Morgenland den Kreuzfahrern als ein in der Welt einziges Eldorado, als eine wahre Vor⸗ halle des Paradieſes, wie einer von ihnen ſich in ſeiner naiven Sprache ausdrückte.*) Der Hang zu weiten Fahrten und zur Freiheit, die Gewißheit, der Sklaverei der Scholle mit Weib und Kind zu entgehen, lockten Tauſende von Menſchen dahin. Die Mönche, der Zucht ihrer Klöſter müde, konnten ſich derſelben durch einen Zug ins heilige Land entziehen; ſelbſt die Uebelthäter, von ihren Verbrechen durch Indulgenzen frei⸗ geſprochen, eilten haufenweiſe unter die Fahnen des Kreuzes, und zogen nach Jeruſalem. Jene, welche verſtändig genug waren, dem allgemeinen Drange zu widerſtehen, machten be⸗ deutende Gewinne durch den Erwerb von Ländereien und Ge⸗ genſtänden jeder Art, und durch den Verkauf von Pferden und Waffen, nach welchen die Nachfrage in unerhörten Verhält⸗ niſſen wuchs. Man kennt die furchtbaren Verluſte, welche dieſen unvorſichtigen und rohen Haufen auf ſeiner erſten Heerfahrt in das Morgenland zehnteten, wo wenige der Heer⸗ fahrer geſund und rüſtig ankamen. Bei dem zweiten Kreuzzug mußte man ein wenig Ordnung in die Anwerbungen bringen, und man legte einige Bedingungen Jenen auf, deren Wegzug man geſtattete. Der dritte Kreuzzug ſah die Decimae Sala- dinae entſtehen,**) eine Art von Zwangsſteuer, deren Be⸗ *) Andere ſprachen ſich noch beſtimmter aus. In ſeinem Brief an den Grafen von Flandern nannte Alexis unter ſeinen Gründen: amor auri et argenti et pulcherrimarum foeminarum voluptas: Liebe zu Gold und Silber und der ſchönſten Frauen Luſt. **) Der Inhalt dieſer merkwürdigen Urkunde wurde uns durch Rigord, den Chronographen von Philipp Auguſt, erhalten, der in ſchlechtem Latein ein Tagebuch über die Regierung dieſes Fürſten entwarf. Der Eingang lautet ſo:„Alle jene, welche das Kreuz nicht nehmen, ſollen in dieſem Jahr wenigſtens den Zehnten von allem beweglichen Vermögen und von ihrem geſammten Einkommen geben. Der nicht kreuzfahrende Krieger ſoll 1 trag beſtimmt war, die Bedürfniſſe der Kreuzfahrer zu decken, un. und von deren Leiſtung man nur Jene entband, die mit ihrer Nätbige Perſon zahlten. Das Lehenweſen war ſo tief in die Sitten aber und Geſetze eingedrungen, daß die Hauptbeſchwerde gegen die vieder widerſpänſtigen Steuerpflichtigen daher ſtammte, daß ſie Jeſus beſchich Chriſtus als dem Oberlehensherrn den Lehensgehorſam weigerten, ctzt ſe welchen jeder gute Vaſſalle anerkanntermaßen ſeinem Lehens⸗ bat⸗ herrn ſchuldete. Als trotz dieſen zahlreichen Auskunftmitteln 4 das Geld den Unternehmern der Kreuzzüge mangelte, ſo be⸗ zui⸗ gann man die Juden, Griechen und ſelbſt die Chriſten zu plün⸗ um ſc dern. Der Mangel war bisweilen ſo gräßlich, und die Be⸗ 9 4 dürfniſſe ſo dringend, daß man ſo weit ging, die Güter der üim Kirchen und Gemeinden zu beſteuern, welche ſich laut darüber 6,— beklagten. Das iſt, was die Mönche der Zeit nannten, der Wuth der Türken den Weinberg des Herrn übergeben, eine abſcheuliche Handlung, würdig der Strafen vo die 3 der Hölle. A Die durch die Kreuzzüge bewirkte Umwälzung hat einen zu Wiſ be großen Einfluß auf die Entwicklung der europäiſchen Inſtitu⸗ V d vaſ tionen geübt, als daß man nicht ſorgfältig hätte unterſuchen BR ſollen, wie dieſe Züge in ſo große Fernen hatten unterhalten b lendne werden können. Im Anfang reichte, wie wir geſehen haben, V beim die Begeiſterung aus, die Freiwilligen unterhielten ſich ſelbſt V die ei durch den Ertrag ihrer verkauften Güter oder der von ihnen ent⸗ V Durch lehnten Gelder; ſpäter mußte man ſie ernähren und beſolden; V herren denn allerwärts flohen die Einwohner bei ihrem Annahen, und V der gr ließen ſie bloße Oeden durchziehen. Es beſteht ein beſonderes derten, Schreiben des Papſtes Innozenz III. an die Anführer des V in Abe fünften Kreuzzugs:„Ihr ſeid, ſagte er ihnen, dem Dienſte V gleich! des Gekreuzigten geweiht, welchem die ganze Erde gehört. V einzelne kleidtt, dem kreuzfahrenden Lehenherrn, dem er lehenspflichtig ſeyn wird, den häütn Zehnten von ſeiner eigenen Fahrniß und von dem Lehen geben, welches nicht! er von ihm trägt. Sämmtliche Laien ſollen ihre Zehnten auf Eidestreue auf der und bei Strafe des Banns und die Geiſtlichen bei der der Ercommuni⸗ V der cation geben.“ Gegenwärtig haben wir nur noch die Träger des en We Zwangs. zu decken, nit ihrer die Sitten gegen die ſie Jeſus veigerten, Lehens⸗ mftmitteln e, ſo be⸗ 30 plün⸗ die Be⸗ üter der darüber annten, Herrn Strafen inen zu Inſtitu⸗ Kerſuchen nterhalten en haben, ſch ſelbſ hneu ent⸗ feſolden; en, und ſoonderes rer des Dienſte gehört. wird, den en, welches Eidestrelle rcommuni⸗ driger des 157 Wenn man euch die nothwendige Verpflegung verſagte, ſo würde es nicht ungerecht erſcheinen, wenn ihr überall das Nöthige nähmet, wo ihr es werdet finden können, immer aber in der Furcht Gottes und in der Abſicht, es wieder zurück zu erſtatten.“ Der gelehrte Verfaſſer der Geſchichte der Kreuzzüge, welcher dieſes Schreiben anführt, ſetzt ſehr verſtändig hinzu:„Wir brauchen nicht zu ſagen, daß die Kreuzfahrer natürlich geneigt waren, den Rath des Papſtes zu befolgen, und daß ſie denſelben nicht abwarteten, um ſich die Lebensmittel zu verſchaffen, welche ihnen nothwen⸗ dig waren.“ Ihre Gewöhnung an Plünderung ſchützte ſie nicht immer vor Hunger, und die Geſchichte der Kreuzzüge iſt erfüllt von den Schilderungen ihrer Leiden. Es beſtand einige Regelmäßigkeit in dem Verpflegungsweſen nur zu der Zeit, wo die Züge zur See unter Einwirkung der Mächte geſchahen, welche das italiäniſche Geſtade des Mittelmeers begrenzten. Die Ergebniſſe der Kreuzzüge wurden auf verſchiedene Weiſe betrachtet, je nach dem Geſichtspunkt, auf welchen ſich die verſchiedenen Geſchichtsſchreiber geſtellt haben. Betrachtet in Beziehung auf die öffentlichen Freiheiten, läßt ſich nicht leugnen, daß ſie zur Milderung der Hörigkeit dadurch beitrugen, daß ſie eine Menge von Leibeigenen des Adels in die erträglichere Abhängigkeit von der Geiſtlichkeit übergehen ließen. Durch die Schwächung des Vermögens und der Zahl der Lehns⸗ herren bereiteten ſie den Aufſchwung des Bürgerſtandes vor. Der große Verbrauch an Kriegern, welchen ſie unabläſſig for⸗ derten, machte die Menſchen ſeltener, und brachte Jenen, welche im Abendland geblieben waren, einige gute Behandlung. Zu⸗ gleich verwalteten dieſe letzteren, mit der Regierung in den einzelnen Oertlichkeiten in der Abweſenheit ihrer Herren be⸗ kleidet, mit Mäſſigung, und ließen die Bevölkerung Gewohn⸗ heiten annehmen, welchen die Barone nach ihrer Heimkehr nicht mehr ſich zu widerſetzen wagten. Der Friede herrſchte auf dem Lande während der ganzen Zeit, wo die Zwingherren der Veſten im heiligen Lande kämpften. Der Gottesfriede, ein Werk der Geiſtlichkeit, welchen die Züge nach Paläſtina noch heiliger machten, ſtellte unter den Schutz der Kirche den Landmann und deſſen Pflug, ich hätte beinahe geſagt, ſeine Unabhängigkeit. Man weiß nicht, wie weit ſich dieſes Bünd⸗ niß hätte erſtrecken können, wenn die Leibeigenen, welche nach Jeruſalem zogen, den Gedanken gefaßt hätten, zum Vortheil ihrer Emancipation die Begeiſterung zu benützen, welche ſie zur Eroberung eines Grabes trieb. Unvermerkt nahm die Geiſtlichkeit die Stelle des Adels bei der Verwaltung der Rechtspflege ein, ſie ſchirmte die Wittwen und Waiſen, die Fremden, Armen, die Ausſätzigen. Der Klerus war der Vormünder aller Minderjährigen geworden, welche durch die Familienhäupter aufgegeben worden waren, und da er auf geiſtliche Strafen die Strafbeſtimmung ſeiner Urtheile beſchränkte, ſo ſetzte er an die Stelle des Schwerts der Lehensherren eine minder mörderiſche und doch eben ſo geachtete Waffe. Seine täglich wachſende Uebermacht hatte endlich die Eiferſucht der Barone erregt, welche im XIII. Jahrhundert eine Einigung gegen die Geiſtlichkeit ſchloſſen, fordernd, daß ſie dem Kaiſer geben ſollte, was dem Kaiſer gebührte. Es bedurfte des Einſchreitens der Päpſte, um dieſen ernſten Streit beizulegen, den wir ſpäter wieder werden erwachen ſehen, und bei welchem die Freiheit nur gewinnen wird. Daraus werden die Parlemente hervorgehen, dieſe Träger der Rechtspflege des Bürgerſtandes, einer Tochter des Klerus, welche der Menſchheit ſo viele Dienſte dadurch gelei⸗ ſtet hat, daß ſie den alten römiſchen Grundſatz: Cedant arma togae, wieder aufwachen und beachten ließ. Man muß ferner anerkennen, daß die Nothwendigkeit, für die Zukunft zu ſorgen, die große Zahl der Teſtamente und Verträge, welche die Pilger unterſchreiben mußten, die Wichtigkeit des Rechts und der Rechtspflege fühlen ließen, und folglich die Fortſchritte der Geſetzgebung und der Rechtswiſſenſchaft unterſtützten. Allein die Fortſchritte traten viel auffallender in dem Gewerbsweſen, der Seefahrt und dem Handel hervor. Es ſchien einen Au⸗ genblick, als wenn die Seefahrer aller Länder ſich in die mor⸗ genländiſchen Meere beſtellt hätten. Bremen und Lübeck machten mit Genu bisher ne männiſch durch, Handels welche i wie dieſe Heerd d die Forz fahrt de Fünß den Hufe fen, ſo u eeute von ſeten hera von Jer und die G Richard L ner Flotte redruch. von doe zu erha bei, da Schiffen fahrer k friegoge Die Ir ſhwwung, das heilig Kreuzfahr welche ein trieben, Reiſe un oberung auch ihr Gebeimn irche den at, ſeine es Vund⸗ elche nach Vortheil eelche ſie dels bei Wittwen en. Der worden, waren, ſeiner hwerts ben ſo hatte XIII. loſſen, dem nd der ar ſpäter Freiheit vorgehen, zcter des gelei⸗ t arma ferner ſorgen, Pilger indd der itte der Alein sweſen, inen Au⸗ die mor⸗ machten 159— mit Genua und Venedig Bekanntſchaft. Das baltiſche Meer, bisher nur ein geheimnißvoller Schlupfwinkel für die nor⸗ männiſchen Seeräuber, wurde entdeckt und dnurchforſcht. Da⸗ durch, daß die Hanſeſtädte die Freiheit unter den Schutz des Handels ſtellten, bereiteten ſie im Norden eine Einigung vor, welche mit den italläniſchen Freiſtaaten wetteiferte, und welche, wie dieſe, ihren Tribut von Intelligenz und Reichthum an den Heerd der Geſittung abtrug. Die Schiffbaukunſt vergrößerte die Form der Schiffe zum Zweck der Erleichterung der Ueber⸗ fahrt der Pilger. Fünfzehn Jahre nach dem dritten Kreuzzug ſah man aus den Hafen Venedig's und Genua's furchtbare Flotten auslau⸗ fen, ſo wie ſie das Mittelmeer noch nie getragen hatte. See⸗ leute von Barcelona gaben die erſte Sammlung von Seege⸗ ſetzen heraus, welche in Europa gegolten hat. Die Aſſiſen von Jeruſalem enthalten einige Beſtimmungen dieſer Art, und die Geſchichte hat uns mehre Anordnungen erhalten, welche Richard Löwenherz zur Erhaltung der Ordnung am Bord ſei⸗ ner Flotten hatte entwerfen laſſen. Die Seeräuberei ward un⸗ terdrückt. Die Polizei über die Meere, ausgeübt mit Strenge von zwei oder drei Mächten, die betheiligt waren, ſie in Achtung zu erhalten, trug dadurch viel zu den Fortſchritten des Handels bei, daß ſie ihm einen Anfang von Sicherheit gab. Geleite von Schiffen beſtrichen die Küſten der Länder, in welchen die Kreuz⸗ fahrer kämpften, und bereicherten ſich durch den Verkauf von Kriegsgeräthe und Lebensmitteln. Die Induſtrie hat eben ſo ſehr als der Handel bei dem Auf⸗ ſchwung gewonnen, der den Ideen durch die zahlreichen Züge in das heilige Land gegeben worden war. Man weiß, daß die Kreuzfahrer vorzugsweiſe Leute unter ihre Fahnen aufnahmen, welche ein Handwerk verſtanden, oder ein mechaniſches Gewerbe trieben; dieſe gewerblichen Pilger machten nicht immer eine Reiſe unnütz für ihr Land, und während ihre Gefährten zur Er⸗ oberung der heiligen Stätten auszogen, machte die Induſtrie auch ihren Kreuzzug, und entlockte den Sarazenen und Griechen Geheimniſſe und Verfahrungsweiſen, die koſtbarer waren, als — 460— Siege.“) Die Kreuzfahrer lernten in Damaskus mit Erfolg Metalle und Gewebe behandeln; ſie fanden im Orient Camelott⸗ manufacturen, deren Muſter die Bewunderung der Königin Margaretha erregten. Viele griechiſchen Städte pflegten Sei⸗ dengewerbe, welche den Anbau des Maulbeerbaums in Italien und folgeweiſe eine ungeheure Ausdehnung ihren gefälligen Er⸗ zeugniſſen gaben. Die Glasfabriken von Tyrus verhalfen den ſchönen Fabriken von Venedig, die mit Recht im Mittelalter ſo gefeiert waren, zur Vervollkommnung. Es giebt nichts bis zu den Windmühlen herab, deſſen Einführung man in Europa nicht den Kreuzzügen verdankt. Das Zuckerrohr, welches die Kreuz⸗ fahrer zum erſtenmal zu Tripolis ſahen, ward von ihnen ſeit dem zwölften Jahrhundert nach Sicilien verpflanzt: eine Menge anderer, eben ſo nätzlicher Pflanzen, unter andern der Mais, ſeither kürkiſches Korn genannt, verdanken es ihnen auch, im Abendland heimiſch geworden zu ſeyn. Wie viele Zeit und An⸗ ſtrengungen hat es gleichwohl gekoſtet, damit dieſe Eroberungen ihre Früchte tragen konnten, zumal wenn man bedenkt, daß die ausgezeichnetſten Männer der Zeit, z. B. der Herr von Join⸗ ville, naiv annahmen, daß der Pfeffer und der Zimmet aus dem irdiſchen Paradieſe kämen, und daß man die Spezereien in den Gewäſſern des Nils fiſchte, wohin ſie durch die Winde getragen worden waren 1*)! Kurz, es haben die Kreuzzüge die Macht der Fürſten gehoben, und bedeutende Aenderungen in das Lehensſyſtem gebracht. Dadurch, daß die Adeligen Unterthanen, die Bürger Handels⸗ leute und die Städte reich geworden waren, haben ſie den Staatseinkünften neue ergiebige underegelmäßige Quellen ge⸗ ſichert, welche die Gewalt der Herrſcher befeſtigt haben. Von dieſer Zeit an konnte der dritte Stand dem Adel entgegengeſtellt werden, und er wurde nach und nach unter den Auſpicien des Königthums eine mächtige und geachtete Klaſſe. Dieſe Ergeb⸗ niſſe haben ſich nicht in allen Ländern Europa's zur nämlichen *) Michaud, Histoire des croisades. t. VI. pg. 346. **) Mémoires de Joinville. 2e partie, p. 36, Ausgabe von Ducange. Hohe und keine einſt werden ſ meinden großen Zü mer von l Freiheiten der Laſt d dalanarch ihm nicht hätten. vol gewor vaaren*) religöſen H und in de Grundſiätze ihr politſe Gründung ſeer allen; zenwäͤrdg ſalem, w ihnen z So entſ ſchneiden die Finan Oekonomij welche eine — *) Heeren, toda. Göttit Blanzui, S nit Erfolg t Camelott⸗ er Konigin legten Sei⸗ in Italien lligen Er⸗ alfen den relalter ſo his his zu rropa nicht die Kreuz⸗ bnen ſeit Menge Mais, uch, im nd An⸗ rungen daß die Join⸗ and dem vezereien ie Winde gehoben, gebracht. andels⸗ ſie den len ge⸗ Von geſtellt ien des Ergeb⸗ ämlichen Ducange. — 161— Höhe nnd auf die nämliche Weiſe entwickelt,; aber ſie haben keine einflußreichere Urſache gehabt, als die Kreuzzüge. Wir werden ſpäter die wahren Elemente der Befreiung der Ge⸗ meinden unterſuchen; ſo viel iſt gewiß, daß ſie erſt ſeit den großen Zügen der Kreuzfahrer angefangen haben, einigen Schim⸗ mer von Unabhängigkeit zu genießen. Der Handel ſelbſt, deſſen Freiheiten die Barbaren bisweilen geachtet hatten, wäre unter der Laſt der Bedrückungen erlegen, unter welche ihn die Feu⸗ dalanarchie beugte, wenn die Bedürfniſſe des heiligen Krieges ihm nicht ſeine frühere Unabhängigkeit wieder zurück gegeben hätten. So hatten, wärend in Byzanz Alles zu einem Mono⸗ pol geworden war, das Brod, der Wein, die Oele, die Eß⸗ waaren*) jeder Art, die Waaren unter dem Schirm des religiöſen Kreuzzugs einen freien Umſatz auf dem Mittelmeere und in den Seeſtädten. Die Venetianer verſchafften den Grundſätzen der Handelsfreiheit überall Annahme, wohin ſich ihr politiſcher Einfluß erſtreckte. Ihnen verdankt man die Gründung der erſten Faktoreien oder Comptoire, die als Mu⸗ ſter allen jenen dienten, welche die verſchiedenen Nationen ge⸗ genwärtig bei einander unterhalten. Die Könige von Jeru⸗ ſalem, welche dieſer kühnen Handelsleute bedurften, gewährten ihnen zahlreiche Vorrechte und ſogar Territorialbeſitzungen. So entſtand der Colonialgeiſt in Europa, und mit ihm die ſchneidenden Rivalitäten, die induſtriellen Unternehmungen und die Finanzcombinationen, bei welchen die Juden, dieſe liſtigen Oekonomiſten des Mittelalters, eine Rolle geſpielt haben, welche einen Augenblick unſere Blicke zu feſſeln verdient. *) Heeren, Verſuch einer Entwicklung der Folgen der Kreuzzüge für Eu⸗ ropa. Göttingen 1808. Blanzui, Geſchichte d. pslit. Dekonomie. I. Bd. 11 — 162= Hauptſtück XV. Betrachtungen über die Lage und den Einfluß der Juden im Mittelalter.— Natur der Dienſte, welche ſie der politiſchen Oekonomie geleiſtet haben.— Sind ſie die erſten Gründer des Credits?— Urſprung des Wechſels und der Leihhäuſer. — Während das Feudalſyſtem Europa mit Mauthen, Zöllen und Hemmungen jeder Art überdeckte,“ flüchtete ſich der Handel in die Mitte einer geächteten Kaſte, und gab unter ihrem Einfluſſe das Vorſpiel der herrlichen Geſchicke, welche ihm die Kreuz⸗ züge ſichern ſollten. Es iſt in der That ein anziehendes Schauſpiel dieſe raſche Entwicklung des Reichthums inmitten der fortwährenden Wirren des Lehenweſens, und in den Hän⸗ den der Menſchen, welche ſich in dieſer Zeit von den unbarm⸗ herzigſten Plünderungen und Beraubungen loskaufen mußten. Es iſt nicht ohne Wichtigkeit für die Geſchichte der politiſchen Oekonomie, flüchtig darzuſtellen, wie dieſe merkwürdige That⸗ ſache entſtanden iſt, und ſich in die Reihe der entſcheidendſten Ereigniſſe unter der Herrſchaft von Umſtänden erhoben hat, die am wenigſten geeignet waren, ihre Erſcheinung zu be⸗ günſtigen. *) Um einen Begriff von der Sonderbarkeit und Verſchiedenheit dieſer Zölle zu geben, wird es genügen, deren mehre anzuführen. Man zahlte für die Erlaubniß, unter den Brücken durchfahren zu dürfen, die Gebühr des pontaticum, uud die des portaticum, um in die Hafen einlaufen zu dürfen. Die Grundherren ließen ſich am Geſtade der Flüſſe eine Taxe, Namens ripaticum, von den Handelsſchiffen bezahlen, welche längs den Grundbeſitzungen ihres Gebietes ſegelten; ſie forderten eine andere, genannt tranaticum, für die Bewilligung der Erlaubniß, die Waaren auf Schlitten zu fahren. Das mansionalicum wurde bezahlt, um die Einquartierung von Kriegsleuten von ſich abzuwenden, und das pulvera- ticum für den auf den Straßen durch die Frachtfuhren erregten Staub. Man zahlte ferner das teloneum, das paraveredum, das cespitatieum, das coenaticum, und viele andere Gebühren, deren Namen eben ſo barba⸗ riſch klingen, und deren Leiſtungen eben ſo gehäſſig iſt. Ich w diſhen? durch d Muſelm ereien g dienſt de ihrem C Naaße wurden Hofe g nicht al men ven Feuer⸗ ſie beſond giſtrat, ſters de ſchüzt. Königen Südens, Ivilucht die M. Aſien; zeit lo wahre Siz an Fürſten ſchenke; freie Me⸗ Unter Rang an ſdigenſchai auf wel hinderte Feudalu tauſchen Gleichw im Mittelaltet.— egeleiſtethaben.- no des Wechſels hen, Zöllen und der Handel in iprem Einfuſe zim die Kell⸗ manziegendes zums inmitten in den Hän⸗ den undarm⸗ sufen mußten. der politiſchen würdige That⸗ entſcheidendſten en erhoben hat, heinung zu be⸗ Verſchiedenheit dieſer ihren. Man zahlt dürfen, die Gebühr ie Hafen einlaufen de der Flüſſe eine clen, welche läng⸗ derten eine andett, bniß, die Paata e bezahlt, um die und das pulter- en erregten Staub. das cespitaticum, nen eben ſo harba⸗ — 163— Ich will bei dieſem Anlaſſe nicht an die Geſchichte des jä⸗ diſchen Volkes und ſeiner langen Trübſale erinnern. Geächtet durch die Heiden, geächtet durch die Chriſten und durch die Muſelmänner, ſcheinen die Juden von Verfolgungen und Plack⸗ ereien gelebt zu haben, wobei ſie ſich in der Stille durch den Götzen⸗ dienſt des Goldes für die Schmähungen entſchädigten, welche ihrem Gottesdienſt ſo reichlich zugefügt wurden, und in dem Maaße immer mächtiger wieder erſchienen, als ſie ärger gehaßt wurden. Schon zur Zeit Karls des Großen ſieht man ſie am Hofe geſucht, obwohl ſie keinen bürgerlichen Stand hatten, und nicht als Bürger betrachtet wurden. Unter Ludwig dem From⸗ men verſagt man ihnen die Gunſt des Gottesurtheils und der Feuer⸗ und Waſſerprobe; aber zur Entſchädigung erhalten ſie beſondere Richter, und es beſteht 828 ein beſonderer Ma⸗ giſtrat, eine hohe Perſon, bekleidet mit der Würde eines Mei⸗ ſters der Juden, welcher ihnen das Recht ſpricht und ſie ſchützt. Auch kamen deren viele nach Frankreich unter den Königen des zweiten Stammes, beſonders in die Städte des Südens, wo die Bedürfniſſe des Handels, die Leichtigkeit, eine Zufluchtſtätte mit Ueberſchreitung der Grenzen zu finden, und die Mittel, welche ſie hatten, mit ihren Glaubensgenoſſen in Aſien zu verkehren, eine ſehr große Zahl derſelben anzogen. Eine Zeit lang konnte man glauben, daß ſie auf dem Wege waren, wahre Mandarinen zu werden; ihr Meiſter hatte ſeinen Sitz am Hof, und war der geheime Rath des Herrſchers; die Fürſten und die Großen ſuchten ihren Schutz durch reiche Ge⸗ ſchenke; ſie gewährten ihnen ſogar Vorrechte, um welche ſie freie Menſchen beneideten. Unter der Herrſchaft des Lehenweſens war den Juden kein Rang angewieſen; ſie mußten das gemeine Geſetz der Leib⸗ eigenſchaft erdulden, und den Herren der Ländereien gehorchen⸗ auf welchen ſie ſich befanden. Ihre Eigenſchaft als Ketzer hinderte ſie, den gleichen Schutz zu genießen, wie die anderen Feudalunterthanen, und ſie kamen ſo weit herab, daß ſie ſich aus⸗ tauſchen, verkaufen und leihen laſſen mußten, wie das Vieb. Gleichwohl war ihr Daſeyn noch erträglich, als die erſten 11. — 164— ſyſtematiſchen Verfolgungen unter der Regierung Philipps 1. gegen ſie gerichtet wurden, der ſie 1096 aus ſeinen Staaten verjagte. Sie kehrten einige Jahre ſpäter durch Geld wieder dahin zurück, und ſie wären ohne die Kreuzzüge vielleicht ver⸗ geſſen worden, welche zu einer Erhöhung des religiöſen Eifers und folglich der Strenge gegen ſie Anlaß gaben. Man zwang ſie durch eine Menge unbeſtimmter und gehäſ⸗ ſiger Anklagen, zu den Koſten von mehr als einem Zuge in das heilige Land beizutragen, und dieſe Beſchuldigungen nö⸗ thigten ſie, ihr Leben von Tag zu Tag von der Wuth des Volkes durch übertriebene Contributionen loszukaufen. Einen Au⸗ genblick durch Philipp Auguſt begünſtigt, ſchleppten ſie endlich unter ſeiner Regierung ein klägliches Leben dahin, ausgeſetzt allen Arten von Bedrückungen, und ſpäter genöthigt, eine aus⸗ gezeichnete Tracht zu tragen, welches ſie nur zu oft dem Mord und der Plünderung bezeichnete. Ludwig der Heilige drückte ſie durch die unerträglichſten Geſetze, entband ihre Schuldner von der Zahlung, verbot jede gerichtliche Belangung zum Vor⸗ theil der Juden, und trieb die Strenge ſo weit, ihnen zu un⸗ terſagen, Verträge zu ſchließen.*) Eine Verordnung von 1254 verfügte ausdrücklich:„daß die Juden aufzugeben haben Zins⸗ wucher, Gottesläſterungen und Zaubereien, und künftighin le⸗ ben ſollen von der Arbeit ihrer Hände und anderen Geſchäf⸗ ten, ohne Geld darzuleihen.“ Dieſe Ordonnanzen wurden mit einer um ſo größern Strenge vollſtreckt, als der König er⸗ klärte, ſie zum Zweck gegeben zu haben, ſein Gewiſſen zu er⸗ leichtern und für ſein Seelenheil zu ſorgen. Im Jahr 1239 war man noch weiter gegangen, und man findet in der Aſſiſe der Bretagne eine gräßliche Beſtimmung,**) vermöge de⸗ ren es verboten war, gegen irgend Jemanden eine Unterſuchung zu eröffnen, welcher einen Juden tödten würde. Später, im Jahr 1288, verurtheilte ſie das Parlament in Paris, eine ſtarke Geldbuße dafür zu bezahlen, daß ſie in ihren Synagogen zu *) Ordonnances des rois de Francee, tome I., pg. 43 und 44. 45) D'Argentré, Histotre de BPretagne, liv. IV., chap. 23, pg. 207. laut geſt rief ſie nach ihr Daſeyn ihre Sc Bedingu ſie zufäl höͤfe nie nügende Peeiſe konnte! zur Weg er ihnen thums, w lluß der; den Ausſ rung und ſie nach und vert Reyre der Hei welche vermoge rakterifñ gegen die terſagt ſin urtheile al Die G Abfolge vo 130 vert wurden ſi zu räume Pakerei wenn di wieder e das Amt Pyiäpps I. en Staaten zeld wieder elleicht ver⸗ öſen Eifers und gehäſ⸗ n Zuge in sungen nö⸗ Wuth des Einen Au⸗ te endlich zusgeſetzt ine aus⸗ em Mord e drückte schuldner um Vor⸗ zu un⸗ don 1254 den Zins⸗ tighin le⸗ Geſchäf⸗ unden mit könig er⸗ en zu er⸗ ahr 1239 der Aſſiſe möͤge de⸗ erſuchung äter, im ine ſtarke agogen zu 98. 207. laut geſungen hatten. Philipp der Schöne verbannte ſie, und rief ſie wechſelweiſe je nach dem Bedürfniß zurück, das er nach ihrem Gelde hatte. Sein Nachfolger handelte mit ihrem Daſeyn lediglich wie mit einer Waare, und geſtattete ihnen, ihre Schuldforderungen wieder geltend zu machen, unter der Bedingung, ihm zwei Dritttheile davon zu bezahlen.„Wenn ſie zufällig, ſagt die Ordonnanz, ihre Synagogen und Fried⸗ höfe nicht wieder erlangen können, ſo werden wir ihnen ge⸗ nügende Wohnungen und Herbergen zu geziemenden Preiſen abgeben laſſen.“ Nach Verfluß von zwölf Jahren konnte der König ſie nur ſo verjagen, daß er ihnen ein Jahr zur Wegbringung ihrer Habe einräumte. Endlich gewährte er ihnen eine gewiſſe Freiheit ihrer Perſon und ihres Eigen⸗ thums, was jedoch nicht hinderte, daß ſie 1321 noch vor Um⸗ fluß der zwölf Jahre unter dem Vorwurf der Connivenz mit den Ausſätzigen und ſogar mit der Ungläubigen der Plünde⸗ rung und gleichſam der Treibjagd verfielen. Man beſchuldigte ſie nach Gewohnheit ferner, die Brunnen vergiftet zu haben, und verbrannte in Folge davon eine große Zahl derſelben. Mehre Kirchenverſammlungen verboten ihnen die Ausübung der Heilkunſt, und bedrohten mit dem Bann die Chriſten, welche es wagen würden, ihre Kunſthilfe anzuſprechen. Wir vermögen gegenwärtig nicht, ſolche Widerſinnigkeiten zu cha⸗ rakteriſiren, und gleichwohl ahmen wir ſie in unſeren Colonien gegen die Farbigen nach, welchen gewiſſe Gewerbe noch un⸗ terſagt ſind; ſo wahr iſt es, daß die Zeiten wechſeln, die Vor⸗ urtheile aber nur langſam verſchwinden! Die Geſchichte der Juden bietet ſo nur eine monotone Abfolge von unabläſſig wiederkehrenden Wechſelfällen. Im Jahr 1340 verbot man ihren Schuldnern, ſie zu bezahlen; 1346 wurden ſie gezwungen, ſich zu bekehren, oder das Königreich zu räumen. In Italien, Spanien, Teutſchland die nämlichen Plackereien, die nämlichen Verfolgungen, bisweilen ausgeſetzt, wenn die Regierungen ihres Geldes bedürfen, und alsbald wieder erneuert, wenn dieſe Bedürfniſſe befriedigt ſind. Auf das Amt eines Meiſters der Juden(maitre des Jaifs) — 166— folgt das eines allgemeinen Aufſehers(gardien gé- néral) im Jahr 1359, als wenn dieſe Leute eine Nation in⸗ mitten der Nation gebildet hätten; ſpäter kömmt die Gefan⸗ genſchaft des Königs Johann, deſſen Löſegeld ſie zahlen helfen, und auf dieſe Hilfe folgt eine Menge von Begünſtigungen. Man gibt den Juden ihre Kirchhöfe zurück; man erlaubt ih⸗ nen, Häuſer zu erwerben; ſie werden von Verzehrungsſteuern und den Salzabgaben befreit; man verbietet den Richtern des Königs, ſich in ihre Angelegenheiten zu miſchen, und rückſicht⸗ lich ihrer Schuldforderungen muß man ihnen auf ihr Wort glauben. Es waren die Reichsſtände, welche ihnen alle dieſe Vortheile zugewandt hatten. Glückliche und ſonderbare Folge des Einſchreitens der Nation in ihre Angelegenheiten für jene Zeit! Allein dieſe ſchönen Tage waren nicht von langer Dauer, und wir ſehen weiterhin die Juden genöthigt, mit ſchwerem Geld, und, ſo zu ſagen, eine um die andere von dieſen Freihei⸗ ten wieder zu kaufen, welche ſie ſchon ſo oft bezahlt haben. Karl VI. verjagt ſie im Jahr 1393 aus Frankreich, und zwingt ſie, ſich nach Teutſchland zurückzuziehen, wo neue Bedrückungen ſie erwarten, um länger zu dauern, als in jedem andern Land. So viel iſt gewiß, ſie waren zu keiner Zeit bei dem Volk be⸗ liebt. Die Dienſte, welche ſie verſchiedenen Regierungen als Darleiher von Geld leiſteten, wurden von den Völkern theuer bezahlt, und ſind geeignet, zu erklären, wie man ſie faſt zu gleicher Zeit ſo lebhaft von den Einen geſchützt und ſo gräß⸗ lich von den Anderen mißhandelt ſehen konnte. Die Abge⸗ ſchiedenheit, in welcher ſie leben mußten, und das lange gegen ſie aufrecht erhaltene Verbot, unbewegliches Vermögen zu er⸗ werben, leiteten ihre Speculationen dem Handel und der Induſtrie zu, wo ſie bald eine unbeſtreitbare Ueberlegenheit erlangten. Leider gaben ſie ſich denſelben mit einem Mißtrauen und mit furchtſamen Gefühlen hin, welche ſie gewöhnten, nach und nach in der Liſt ein Aſyl gegen die Mißbräuche der Gewalt zu ſuchen, und ſo wurden ſie zu jenen ſchmählichen Verträgen geführt, von welchen ihre Geſchichte nur zu viele Beiſpiele bietet. Nichts der come nes Gel aufhörli Winden thümern es ihnel ihre J Menge Specul mer in ſamſten in der Reiche ſtätten u ſern ihr Geſchäft und bra wenig! wegen, lefen, Plätze man genüg ten un halten welchen Spur de Anſtreng raſchen Shreck hat. A zuſamm erwerb ſtellte reichern rien gb- Natin in⸗ die Gefen⸗ len helfen, ſtigungen. laubt ih⸗ geſteuern htern des rückſicht⸗ ihr Wort all dieſe e Folge ür fene Dauer, hwerem Freihei⸗ haben. dzwingt ückungen etn Land. Volt be⸗ ungen als en theuer je faſt zu grß⸗ Albge⸗ e gegen zu er⸗ und der legenheit iißtrauen ten, nach er Gewalt Verträgen Beiſpiele — 167— Nichts bietet einen anziehendern Stoff für das Studium, als der comercielle Zuſtand dieſer Nation, welche weder ein eige⸗ nes Gebiet, noch Hafen, noch Heere hatten, und welche un⸗ aufhörlich lavirend auf einem ſtürmiſchen Meer, mit widrigen Winden endlich mit reichen Ladungen und unermeßlichen Reich⸗ thümern im Hafen landete. Die Juden trieben Handel, weil es ihnen ſelten geſtattet war, etwas Anderes zu thun, und ihre Induſtrie mit Sicherheit zu betreiben. Während die Menge von Zöllen und die Tyrannei der Lehensherren jede Speculation unmöglich machten, außer jenen der kleinen Krä⸗ mer in den Flecken und Städten, ſannen die kühnſten, reg⸗ ſamſten Juden auf umfaſſendere Operationen, und rangen in der Stille dahin, Feſtlande mit einander zu verbinden, Reiche einander nahe zu bringen. Sie umgingen die Zoll⸗ ſtätten und die Veſten, indem ſie unter einem ärmlichen Aeuſ⸗ ſern ihre wirkliche Wohlhabenheit und das Geheimniß ihrer Geſchäfte ſorgſam verſteckten. Sie ſuchten in großen Fernen und brachten in die Nähe der wohlhabenden Zehrer die nur wenig bekannten Erzeugniſſe der entlegenſten Länder. Deß⸗ wegen, weil ſie überall herumirrten und von Land zu Land liefen, hatten ſie eine genaue Kenntniß der Bedürfniſſe aller Plätze erlangt; ſie wußten, wo man kaufen mußte, und wo man verkaufen konnte: einige Muſter und ein Kaufbüchlein genügten ihnen zu den wichtigſten Operationen. Sie verkehr⸗ ten unter ſich unter der Treue der Verpflichtungen, welche zu halten ihr Intereſſe ſie im Angeſicht der Feinde jeder Art, von welchen ſie umgeben waren, nöthigte. Der Handel verlor die Spur der ſinnreichen Erfindungen, welche das Ergebniß ihrer Anſtrengungen waren; allein ihrem Einfluß verdankt er die raſchen Fortſchritte, deren glänzende Erſcheinung inmitten der Schreckniſſe der Feudalnacht die Geſchichte uns hervorgehoben hat. Allmälig ſchacherten die Juden den ganzen Geldvorrath zuſammen, weil dieſes das einzige Eigenthum war, welches ſie erwerben und in Sicherheit bringen konnten, und der Wucher ſtellte ſich ihnen bald als das ſicherſte Mittel dar, ſich zu be⸗ reichern. Mit der Freiheit, Schiffe auszurüſten und aner⸗ — 168— kannte Speculationen zu unternehmen, hätten ſie vielleicht die Wunder von Tyrus und Karthago erneuert; aber als Sklaven und Losgekaufte gewöhnten ſie ſich, durch Wucher wieder zu neh⸗ men, was man ihnen durch die Spoliation entriß. Vergebens erließ man ſtrenge Geſetze gegen das Zinsgeſchäft; dieſe Ge⸗ ſetze dienten nur dazu, die Anleihen ſchwieriger, und folglich den Zins läſtiger zu machen. Die Gelddarleiher wußten da⸗ mals ſo gut, als jetzt, die Vorſchriften zu umgehen, welche ihre Plane hemmten, und ihre Abzüge waren um ſo wucherlicher, als die Gefahren des Verluſtes ernſter waren. Nach und nach mach⸗ ten ſie ſich zu Herren aller Vermögen mit Hilfe einiger Capi⸗ tale, und mehr als einmal mordete die Verzweiflung ihrer Schuldner ſie mehr als Gläubiger, denn als Ketzer*) Dieſer Zuſtand der Dinge hat bis zur Entdeckung des Vorgebirgs der guten Hoffnung und Amerika's, bis zu dem Zeitraum fortge⸗ dauert, in welchem die europäiſchen Nationen ſich viel bedeu⸗ tenderen Unternehmungen hingaben, als der Hauſirhandel der Juden und ihre Speculationen in der Eigenſchaft als Geld⸗ darleiher auf Wochenzinſe waren. Allein ungefähr fünf Jahr⸗ hunderte durch muß man in der Geſchichte dieſer Nation den Gang des Handels und die mehr oder minder kühnen Verſuche erforſchen, durch welche er ſich zu dem Rang einer politiſchen Macht erhoben hat. Die Juden begannen unter dem erſten Stamm der Könige Sklaven zu verkaufen; ſie wurden auch Erheber der Zölle(telonearii), und mißbrauchten dieſes Amt ſo ſehr, daß man ſich genöthigt ſah, es ihnen wieder zu ent— ziehen. Später ſieht man ſie zu Vienne, in der Dauphiné, nie⸗ dergelaſſen, in Verbindung mit Marſeille rückſichtlich des Han⸗ dels in der Levante; ſie erhalten in Folge dieſer Verbindungen mehre diplomatiſche Sendungen, und beſorgen ſie mit Gewandt⸗ heit. Der Mönch von St. Gallen nennt einen gewiſſen jüdi⸗ diſchen Handelsmann, welcher der Günſtling Karls des Groß⸗ en geworden war, und welcher in den überſeeiſchen Ländern die koſtbarſten Gegenſtände aufſuchen wollte. Die Prieſter und *) Arthur Beugnot, les juifs d'Occident. 2⸗ partie, p. 35. biſhäfe mal ko⸗ Keher Die Hande feten z und A und d weſen Beſch daran durch; dürlih Juden, verfügt im 10. ſchon! facht, leuten Da ander Jude ſchw verhe Gegen geſchi⸗ Zeitraul weſen ſe Zinsfuß Verfahre ge von Juden f welche wohl hi hauptet ſeien, de tleicht die Sklaben er zu neh⸗ Vergebens dieſe Ge⸗ folglich ßten da⸗ velche cherliher, nachmah⸗ er Capi⸗ g ihrer ebirgs fortge⸗ bedeu⸗ del der Geld⸗ Jahr⸗ on den derſuche glitiſchen n erſten en auch 2s Ant lj ent⸗ , nie⸗ Han⸗ ungen vandt⸗ üdi⸗ Groß⸗ dandern ſter und — 169—. Biſchöfe waren ihnen zinspflichtig geworden, und mehr als ein⸗ mal kamen die heiligen Gefäße als Pfand in die Hände dieſer Ketzer, um den zerrüttenden Aufwand der Geiſttlichkeit zu decken. Die Juden hielten die ſchönſten bekannten Stoffe, und führten den Handel mit denſelben mit ungeheueren Gewinnſten; ſie verbrei⸗ teten zugleich deren Gebrauch und Bedürfniß in den Schlöſſern und Abteien. Sie bemächtigten ſich auch der Goldarbeiterkunſt und des Handels mit Gold-und Silberwaaren. Das Lehen⸗ weſen ſtörte weniger, als man glaubt, dieſe gewinnbringenden Beſchäftigungen; die Lehensherren knüpften ſtrenge Bedingungen daran; aber ſie hatten die Klugheit, ſie einzuhalten. Auch durchzogen inmitten des allgemeinen Schreckens, welcher unauf⸗ hörlich über allen Straßen und allen Reiſenden ſchwebte, die Juden, mit Geleitbriefen verſehen, ruhig ganz Europa, und verfügten als Herrſcher über den ganzen Handel Frankreichs im 10. und 11. Jahrhundert. In dieſem Zeitraum hatten ſie ſchon bedeutend die Verfahrungsweiſen des Handels verein⸗ facht, und ihre Correſpondenz hätte den gewandteſten Handels⸗ leuten unſerer großen Städte Ehre gemacht. Das Auftreten der Handelsleute der Lombardei, Toskana's nnd anderer Theile Italiens vervollkommnete vollends das Werk der Juden, und gab dem Handel des Mittelalters einen kräftigen Auf⸗ ſchwung. Dieſe letzteren machten von dieſer Zeit an eine Er⸗ werbsquelle aus Allem, und brachten bewegliche und unbewegliche Gegenſtände, wie Pferde, Güter und Gebäude in Umſatz; der Geſchichtſchreiber Rigord ſagt ſogar, daß die Juden in dieſem Zeitraum die wirklichen Eigenthümer des halben Königreichs ge⸗ weſen ſeien. Vergebens beſtimmten königliche Ordonnanzen den Zinsfuß, regelten das Pfandweſen, die Art des gerichtlichen Verfahrens gegen die Schuldner, und eine Menge anderer Fra⸗ gen von einer eben ſo großen wirthſchaftlichen Wichtigkeit: die Juden fuhren fort, Geld darzuleihen und an Jene zu verkaufen, welche nöthig hatten, zu borgen und zu kaufen, und welche ſich wohl hüteten, zu ſehr die Bedingungen zu erörtern. Man be⸗ hauptet ſogar, daß damals die erſten Wechſelbriefe erſchienen ſeien, deren Erfindung Einige in das 7. Jahrbundert hinauf⸗ — 170— rücken, und Andere nur in die Mitte des 12. Jahrhunderts zurück⸗ führen. Dieſes iſt ein Punkt, der noch nicht aufgehellt iſt, und der es zu werden auch nicht in dem Maaße verdient, als es einige Schriftſteller geglaubt haben. Die Zeit einer ſolchen Entdeckung, vorausgeſetzt, man könnte ſie authentiſch beſtimmen, wäre ein bloßer Reiz für die Wißbegierde; allein es ſcheint, daß dieſe Entſtehungszeit immer im Zweifel bleiben ſoll. Man glaubt mit Recht, daß die Erfindung eher den italiäniſchen Handelsleuten zuzuſchreiben iſt, als den jüdiſchen Schacherern jener Zeit, da dieſe letzteren keine Gelegenheit hatten, ſich ſo früh, wie die anderen dem Handel von Platz zu Platz zu widmen, welcher wahrſcheinlich zu dieſer Idee geführt hat. Selbſt der Name cambio für den Wechſelbrief, welcher urſprünglich italiäniſch war, ſcheint die wahren Urheber derſelben anzuzeigen, und die erſte Stadt, wo man davon Gebrauch machte, Lyon, damals der Stapelplatz Italiens, iſt eine weitere Anzeige dafür. Es iſt wahrſcheinlich, daß die Lombarden und Juden daran einen gleichen Antheil ge⸗ nommen, und vom Anfange an die bedeutenden Folgen davon geahnt haben. Dieſe ſinnreichen Erfinder traten ſpäter in Kampf mit einander, und die Geſchichte der italiäniſchen Freiſtaaten im Mittelalter iſt ganz voll von den Streitigkeiten, welche ſich unter ihnen über die Vorrechte erhoben, welche die einen mit Ausſchluß der anderen ausbeuten wollten. Man ſieht die Juden allenthalben ſich zu Auf⸗ ſehern, Oekonomen, Procuratoren, Finanzmännern und ſogar zu Unterhändlern bei Ehen machen, je nachdem ſie mehr oder minder hartnäckig aus allen regelmäßigen Handelsſtellungen durch die Bullen der Päpſte oder die Scheelſucht ihrer Mitwerber ver⸗ drängt wurden. Alles wirkt ſo zuſammen, ſie in einen fehler⸗ haften Kreis einzubannen, aus welchem ſie nur durch den Wucher und die Geldgeſchäfte heraustreten können. Wenn der Neid ſie gezwungen hat, eine Stadt zu verlaſſen, ruft ſie das Intereſſe der Bewohner dorthin wieder zurück; ihre Capitale ſind für dieſe gewerbtreibenden Städte ſo nothwendig geworden, daß man den Befehlen der Obrigkeiten den Gehorſam verſagt, um zu hin⸗ dern, daß die Juden ſie nicht anderswohin übertragen. So ſah man bah Juden ſolcher Ihr B erregten jenes be ſo weit bei jed Er ve⸗ Völke jene! und I hier al unberzi erhoben Auch Stäͤdte ſichen? teffen G nicht ſcht geah lieher mußte chen 9. rechtma vor Alle der Oef welche; jüdiſchen und vün zur Zeit iſt beſ Juden. Reichthu urück⸗ und der einige eekung, ire ein dieſe glaubt Kleuten da dieſe ren dem heinlich ir den tt die t, wo Iplatz inlich, eil ge⸗ davon aarder, alter iſt über die anderen zu Auf⸗ id ſogar hr oder durch er ver⸗ fehler⸗ Wucher Neid ſie Inteteſſe für dieſe man den a zu bin⸗ So ſah - 171— man bald Leihhäuſer ſelbſt in den Dörfern entſtehen, und die Juden Toskana's von einem Mittelpunkt aus eine Menge ſolcher Hilfsanſtalten für ihre Häuſer in Florenz oder Piſa leiten. Ihr Wohlſtand und ihr Prunk überſchritten jede Vorſtellung und erregten ihnen fanatiſche Gegner. Man kennt die Geſchichte jenes berühmten Bernardino di Feltre, welcher die Begeiſterung ſo weit trieb, einen Kreuzzug gegen ſie zu predigen, und welcher bei jeder Gelegenheit ſich als ihren unverſöhnlichſten Feind erwies. Er verfolgte ſie überall als Wucherer, befleckt mit dem Blut der Völker, und um ihre Anſtalten zu zernichten, gedachte er ihnen jene Leihhäuſer Entgegenzuſtellen, die auf Fauſtpfänder borgten und monti di pietà genannt wurden. Von Anfang an war hier alles unentgeltlich, und die dargeliehenen Summen waren unverzinslich, während die Juden bisweileu 30— 40 Procent erhoben. Auch war der Erfolg derſelben ungeheuer, und die meiſten Städte Italiens hatten ihre Leihhäuſer, welche einſt an wucher⸗ lichen Bedrückungen die frechſten Operationen der Juden über⸗ treffen ſollten. Gleichwohl konnten dieſe Leihhäuſer die Anſtalten der Juden nicht erſetzen, und dieſer Umſtand beweist, mit welcher Scharf⸗ ſichtigkeit dieſe letzteren die wahren Bedürfniſſe des Geldumlaufes geahnt hatten. Obwohl die Leihhäuſer faſt ohne Zins Geld dar⸗ liehen, ſo hielten doch die Förmlichkeiten, welche man erfüllen mußte, um Anſpruch auf ihre Hilfe zu haben, die unvermeidli⸗ chen Zögerungen ihrer Verwaltung, die Nothwendigkeit, den rechtmäßigen Beſitz der verpfändeten Artikel nachzuweiſen, und vor Allem die Verpflichtung für die Hinterlegenden, ihren Namen der Oeffentlichkeit zu übergeben, die Borger bald von ihnen fern, welche zu jeder Stunde geheim und ohne Förmlichkeiten bei den jüdiſchen Banquiers Geld fanden. Reiche und Arme, Adelige und Bürgerliche ſtrömten zu ihnen und ihr Credit war zu Livorno, zur Zeit der Medicis, ſo groß, daß man ſprüchwörtlich ſagte: es iſt beſſer, den Großherzog zu ſchlagen, als einen Juden. Der Papſt Sirtus V. hatte ihnen alle Quellen des Reichthums wieder eröffnet, welche ſeine Vorgänger hatten ver⸗ ſiegen laſſen: ihre Waaren wurden ſogar von jedem Zolle befreit, und der sacro monte della pietä gab ſeine Mitwerbung mit ihnen auf, nachdem die Chriſten, welche beauftragt geweſen waren, ihn zu leiten, die Mißbräuche ihrer Rivalen noch über⸗ ſchritten hatten. Nach weniger als zehn Jahren ihres Beſtands waren die Leihhäuſer geworden, was ſie noch gegenwärtig ſind, nämlich eher Abgründe, geöffnet unter den Schritten des Unglücks, als Aſyle, ihm zu entgehen. Alles ſcheint uns ſonach zur Anerkennung zu berechtigen, daß die Juden einen bedeutenden Einfluß dadurch auf die Staats⸗ wirthſchaft in Europa geübt haben, daß ſie inntten der Feudal⸗ anarchie den anvertrauten Schatz der Handelsüberlieferungen be⸗ wahrten, welche ſich am Herde des fünfzehnten Jahrhunderts vervollkommnen und läutern werden. Den Verfolgungen, deren Opfer ſie waren, verdanken wir die erſten Verſuche des Credits und des Syſtems des Geldumlaufs. Sie allein haben vielleicht durch Sammlung der Aufmerkſamkeit auf den Handel mit Gold und Silber, welche anderswo zu verwenden die Vorurtheile ihrer Zeitgenoſſen ſie hinderten, die große Münzrevolution vorbe⸗ reitet, welche die Entdeckung der Bergwerke Amerika's und die Errichtung der europäiſchen Banken in der Welt vollenden ſollten. So ſchimmert und bewahrt ſich, im Schooß auch der düſterſten Ereigniſſe, die lichtvolle Spur der Zukunft, und wir wollen ihr folgen, wie ſie in der Geſchichte der Hanſeſtädte noch deutlicher ausgeſprochen iſt. Hauptſtück XVI. Von den Hanſeſtädten.— Grund ihrer Verbündung.— Sonderhare Or⸗ ganiſation ihrer Comptoire.— Wichtigkeit des Stapelplatzes Brügge.— Urſprung des Commiſſionshandels. Wahrend die Juden die Handelswiſſenſchaft in Europa trotz der Feudalanarchie und den unabläſſig ſich wiederholenden Ver⸗ folgungen, mit welchen ſie heimgeſucht wurden, in Europa ſchufen und verbreiteten, bildete ſich eine mächtige Einung in Teutſch⸗ land, vn berü enſ hen N eine die Be leicht! die eu an bis ſtreng in jen und de man ſ Juden, iſ nur keit di Credite Treue it ein in de E dieſe dung Bein ſen E niß de der Urz mehr be So biel ſchon m ſamen? bünden ſchreibe *) Ge Hanſa. 3 Hand. 1. — 173— wereit, land, und vollendete das Werk der Kreuzzüge, nachdem ſie es ung nit überflügelt hatte. Der Norden und Süden ſchreiten ſo über⸗ geweſe einſtimmend zu der Eroberung der großen Elemente des öffentli⸗ ch über⸗ chen Reichthums fort, und der Genius der Erzeugung findet ſtets geſtands eine Sicherheitsſtätte gegen die Mißbräuche der Gewalt und ig ind, die Bedrückungen der Tyrannei. Dieſer Fortſchritt läßt ſich nicht nglück, leicht die Veränderungen hindurch verſolgen, welche unabläſſig die europäiſche Geſellſchaft von der Regierung Karls des Großen gen, di an bis zu der Karls V. erregen; allein unmöglich laſſen ſich die An⸗ Staltz⸗ ſtrengungen verkennen, welche jeden Tag, bald in dieſem, bald Feudal in jenem Lande verſucht werden, um dem Arbeiter ſeinen Rang gen be⸗ und der Arbeit ihre Prärogative zurück zu geben. Selbſt, indem atder man ſie brandſchatzt, huldigt man ihr, und die Geſchichte der deren Juden, die unaufhörlich verbannt und zurückgerufen werden, Erditz iſt nur eine Reihe von tappenden Verſuchen, deren Nothwendig⸗ eleiht keit die Regierungen ſich unterziehen, ehe ſie zur Anwendung des Gold Credits, d. h. zur unverletzbaren Achtung der verſprochenen Treue und des Eigenthums gelangen. Die Stiſtung der Hanſa rtheid iſt einer dieſer müheſamen Verſuche, und ſie muß ihre Stelle vorbe⸗ in der Geſchichte der politiſchen Oeconomie einnehmen. und de Es beſteht keine authentiſche Urkunde aus den erſten Zeiten ſollen. dieſer berühmten Einung, nach welcher man die Zeit ihrer Grün⸗ üſterſen dung genau angeben könnte. Die meiſten Urkunden über den olle ir Beitritt zur Hanſa ſind ſogar aus den Archiven der vorzüglich⸗ eulliher ſten Städte verſchwunden, welche dazu gehörten. Kein Verzeich⸗ niß der Berathungen, kein Protokoll der Conferenzen iſt aus der Urzeit dieſer wohlhabenden Städte auf unſere Zeit gelangt, die mehr bemüht waren, zu handeln als zu reden und zu ſchreiben. So viel iſt gewiß, daß man ſeit dem dreizehnten Jahrhundert ite Or⸗ ſchon mehre Seeſtädte Niederteutſchlands unter ſich zur gemein⸗ ügge.— ſamen Vertheidigung und zumal zum Schutz ihres Handels ver⸗ bündet ſieht. Nach dem Ausſpruch des gelehrten Geſchichts⸗ ſchreibers dieſer Städte*) waren ihre Anfänge ſchwach, ihre d un5*) Sartorius' Urkundliche Geſchichte des Urſprungs der deutſchen en Ver— Hanſa. 3 Bände. Göttingen 1802— 8, fortgeſetzt von Lappenberg. 2 Bbe. ſchufen Hamb. 1830, 4. Band 1. Teutſch⸗ — 174— Fortſchritte raſch, ihre Erfolge erſtaunlich und ohne Zweifel waren ſie weit entfernt, vorauszuſehen, daß einſtens ihr Wohl⸗ ſtand ſouverain über die beiden Meere des Nordens herr⸗ ſchen, und ein großes Gewicht in die politiſche Wagſchale Euro⸗ pa's legen würde. Die erſten Verträge, welche ſie unter ſich ſchloſſen, hatten die Aufhebung der Seeräuberei und die Ab⸗ ſchaffung jenes unter dem Namen Strandrecht bekannten Raubſyſtems zum Zweck, welches damals gegen alle Schiffer unbarmherzig ausgeübt wurde. In dem Maaße ihre Gewinnſte ſich erweiterten, mußte man ſie gegen die Plünderungen auf der See ſchützen, welche ſo gräßlich den Bedrückungen der Land⸗ barone entſprachen. Man kaufte die Freibriefe, welche man nicht von dem guten Recht oder durch die Gewalt erlangen konnte; durch Zuſammentreten in einen Verein erlangte man einen größern Einfluß, und nach und nach hatte man auf feſten Grundlagen eine Menge Freiheiten gebaut, welche die Quelle aller Arten des Gedeihens wurden. Die Kreuzzüge boten dem Unternehmungsgeiſte der Hanſe⸗ ſtädte bald eine rege Nahrung. Ihre Fahrzeuge nahmen an den Kreuzzügen Theil, und beſuchten oft das Mittelmeer; ſie ſchifften bei mehr als Einem Anlaſſe kühne Reiſende aus, welche leicht den Vorzug des großen Seehandels vor dem ärmlichen und beſchränkten Küſtenhandel der Oſtſee erkannt hatten. Im Weſten und auf der Nordſee ließen ſich Köln, Bremen, Lübeck, Hamburg bedeutende Freibriefe bewilligen. Man hatte ihneu die Gunſt gewährt, ſich in London als Innung zu organifiren, dort ein Haus und Magazine zu haben, und ſie gebrauchten ihre Freiheiten mit einer ſolchen Gewandtheit, daß in weniger als fünf⸗ zehn Jahren der geſammte engliſche Handel in ihre Hände gefallen war. In Schweden, Dänemark, Norwegen, Liefland kannte ihr Uebergewicht gar keine Grenzen, und bis nach Nowogorod, dem großen, übten die Magiſtrate Lübecks auf die hanſeatiſchen Comptoire einen geachteten Einfluß. Am Ende des dreizehnten Jahrhunderts ſieht man ſchon ſieben Seeſtädte am baltiſchen Meere ſich vereinigen, um Privilegien zu vertheidigen, welche der König von Norwegen ihnen in ſeinen Hafen beſtreiten wollte; ſe und beſi Jöhrhu Stäͤdte ganzen! angehör wenige! bei ihr Actheil Unabho Anlaſe Köln 9. des Han in der ale So diel Handel ſondern! hört. Kider ſemnem Sturd ziehen um al gefaßte das ein, leien. Vergeben von dem tinen höch nungen we Rrhanllich Bündes.. waltele, wie irgen ¹) Sehöll, Zveifel it Vohl⸗ end herr⸗ ale Euro⸗ unter ſich d die Ab⸗ bekannten e Schiffer Gewinnſte en auf der der Land⸗ elche man erlangen te man auf feſten e Quelle Hanſe⸗ wmen an meer; ſie , welche aärmlichen ten. Im Lübedh te iüneu niſiren, en ihre s fünf⸗ gefallen kannte ogorod, eatiſchen eizehnten baltiſchen n, welche beſtreiten wollte; ſie rüſten eine Flotte aus, um ihre Rückgabe zu erzwingen, und beſiegen den Widerſtand des Fürſten. In dem folgenden Jahrhundert iſt ihr Uebergewicht ſo groß, daß die meiſten Städte im Innern Teutſchlands ſich entſchließen, ihnen mit ganzen Landſchaften beizutreten. Jedermann will dieſer Einung angehören, in welcher ſo viele Gewinne zu machen und ſo wenige Wagniſſe zu übernehmen ſind. Die kleinen Städte werden bei ihr als Schutzverwandte unter der Bedingung zugelaſſen, ihren Antheil an den allgemeinen Laſten, als Löſegeld für ihre neue Unabhängigkeit, zu tragen. Man glaubt, daß man bei dieſem Anlaſſe die erſte allgemeine Bundesurkunde auf einem 1364 in Köln gehaltenen Bundestag entwarf, wo der Bund den Namen des hanſeatiſchen oder der Hanſa annahm, welches Wort in der alten Sprache des Landes Innung, Bund bedeutet. So viel iſt gewiß, daß man von dieſer Zeit an nicht mehr von Handelsleuten des Reichs, von teutſchen Seefahrern, ſondern von Comptoiren und Factoreien der Hanſeſtädte ſprechen hört. Leider trug dieſer Bund die Keime der Deſorganiſation in ſeinem Schooße, welche früher oder ſpäter ſeinen Verfall und Sturz herbeiführen mußten. Es gebrach ihm an einer voll⸗ ziehenden Gewalt, die mit hinreichenden Mitteln verſehen war, um alle Bundesgenoſſen zu zwingen, ſich den von der Mehrheit gefaßten Beſchlüſſen zu unterwerfen: er hatte kein Oberhaupt, das eingeſetzt war, um alle Kräfte dem allgemeinen Wohl zuzu⸗ leiten. Das war ein Körper mit hundert Armen, ohne Kopf.*) Vergebens hatte man beſtimmt, daß die widerſpänſtigen Städte von dem Bunde ausgeſchieden, und daß ihre Streitigkeiten durch einen höchſten Rath entſchieden werden ſollten. Dieſe Beſtim⸗ mungen wurden nie pünktlich vollzogen, und keine Idee von Beharrlichkeit und Einheit leitete je die Unternehmungen des Bundes. Der Geiſt der Anarchie, welcher damals in Europa waltete, hatte auch ihn angeweht, und wir begreifen nicht, wie irgend eine der Städte, aus welchen er zuſammengeſetzt war, *) Schöll, Cours d'histoire des Etats européens, tome XV. p. 291. -— 176— das Recht bewahrt haben kann, Bündniſſe mit Fürſten oder Staaten zu ſchließen, welche dem Bunde fremd waren. So ereignete es ſich mehr als einmal, daß das Intereſſe eines oder mehrer Mitglieder des Bundes ſich mit dem aller anderen im Widerſtreit fand, und Kriege nach ſich zog, welche dem geſammten Vereine verderblich waren. Die Könige von Dänemark, Schweden und Norwegen, alle dieſe an Tribute und Plünderung gewohnte Feudalmächte, ſahen am Ende ungerne die Unabhängig⸗ keit einiger Handelsſtädte und den bürgerlichen Uebermuth, welcher die Folge derſelben war. Als dieſe letzteren immer mächtiger wurden, ſo konnten ſie in dem Maaße, als ſie reicher wurden, ſelbſt die Unterthanen ihrer Feinde in ihren Sold nehmen, und ſie ſetzten eine Handels⸗ und Geldariſtokratie der rein feu⸗ dalen Ariſtokratie entgegen, welche ſie bekriegte. Sie waren militäriſch befeſtigt, und konnten in dieſen Zeiten Widerſtand leiſten, wo die Artillerie, die noch unbekannt war, nicht ge⸗ ſtattete, ihre Mauern zu brechen.) *) Man hat nie mit Sicherheit die Namen aller Hanſeſtädte gekannt. Die berühmteſten und jene, welche gewöhnlich in den amtlichen Urkunden des Bundes genannt ſind, ſteigen nicht über vierzig oder fünf und vierzig. Dieſe waren Lübeck, Wismar, Roſtock, Stralſund, Greifs⸗ wald, Kolberg, Anklam, Demmin, Stettin, Kiel, Bremen, Hamburg, Stargard, Kulm, Thorn, Elbing, Danzig, Kö⸗ nigsberg, Riga, Dorpat, Reval, Pernau, Köln, Soeſt, Münſter, Osnabrück, Braunſchweig, Magdeburg, Hildes⸗ heim, Hannover, Lüneburg, Utrecht, Zwoll, Deventer, Zütphen, Zierikzen, Briel, Middelburg, Dordrecht, Rotter⸗ dam, Amſterdam, Campen, Gröningen, Harderwyk, Sta⸗ veren. Die anderen wurden mit dem allgemeinen Namen Hanſe⸗ ſtädte bezeichnet. Man kann ihre Geſammtzahl auf achtzig(85 Buß) anſchlagen. D. Verf. Es ſind als ſolche noch zu erwähnen: Andernach, Aſchersleben, Bergen, Berlin, Bielefeld, Bolsward, Brandenburg, Braunsberg, Burtehude, Dortmund, Duisburg, Eimbeck, Elburg, Emmerich, Frankfurt an der Oder, Golnow, Goslar, Göttingen, Halberſtadt, Halle im Magdeburgi⸗ ſchen, Hameln, Hamm, Helmſtedt, Hervorden, Koesfeld, Krakau, Lemgo, Lixheim, Minden, Nimwegen, Nordheim, Oſterburg, Paderborn, Quedlinburg, Rügenwalde, Ruremonde, Salzwedel, Seehauſen, Stade, hne welche ſi von Dä ten ſich auf der beugten. mannen, fünfhund Die Ge Lübechs, trag von zehn Jal ſeiner Bol blickan, l und der H die Nlagge Verträge a Handeldag an allen„ tonnte. S erſt end bahnten. gleich ſ der Sa voren ge hoh, an in fiſt al hei herrſch velche gege Und alle S Man mu Drient dde gebräͤuche — Stendal, E Reſe, Vich Plangui, oder oder deren dem nark, rung ngig⸗ gelcher htiger urden, hmen, feu⸗ aren dand t R⸗ ekannt. rkunden vierſig. Greifs⸗ remen, ig, Kö⸗ Goeß⸗ ildes⸗ enter, tter⸗ Sta⸗ anſe⸗ Buß) Betgen gtehude, an der adeburgi⸗ u, Lemgo⸗ aderborn, , Stade, — 177— Ihre Mächtigkeit trat bald in den erſten Kämpfen hervor, welche ſie beſtehen mußten, namentlich gegen Waldemar, König von Dänemark. Sie zwangen dieſen Fürſten, aus ſeinen Staa⸗ ten ſich zu flüchten, und verbreiteten einen ſolchen Schrecken auf der Oſtſee, daß alle Rivalitäten ſich vor ihren Siegen beugten. So verſchwanden die Flotten jener furchtbaren Nor⸗ mannen, welche das geſammte Europa bedroht und mehr als fünfhundert Meilen von ihren Geſtaden Reiche gegründet hatten. Die Geſchwader der Hanſa, befehligt von den Rathsherrn Lübeck's, reinigten die Meere von Seeräubern, und der Ver⸗ trag von Stralſund vom Jahr 1370 übergab ihnen auf fünf⸗ zehn Jahre die feſten Plätze Schonens mit den Bezirken, welche ſeiner Botmäßigkeit unterworfen waren. Von dieſem Augen⸗ blick an, kann man ſagen, begann das Seerecht zu entſtehen, und der Handel gab der Barbarei das Geſetz. Ueberall, wo die Flagge der Hanſeſtädte wehte, ſah man die Achtung der Verträge an die Stelle des Mißbrauchs der Gewalt treten. Handelsagenten, Niederlagen, Comptoirs, Magazine entſtanden an allen Punkten, wo der Tauſchhandel einige Wichtigkeit haben konnte. Rußland wurde durch dieſe kühnen Seefahrer eigentlich erſt entdeckt, welche ſich zuerſt eine Straße bis Nowogorod bahnten. Die Naturerzeugniſſe dieſer großen fruchtbaren, wenn gleich ſchlecht angebauten, Länder wurden und blieben ſeitdem der Hauptgegenſtand des Handels auf der Oſtſee. Dieſes waren Felle, Leder, Pelzwerk, Getreide, Hanf, Theer, Bau⸗ holz, an dem es Europa gebrach, und welches die Hanſeſtädte ihm faſt alsbald in Fülle lieferten. Die vollkommenſte Frei⸗ heit herrſchte unter dieſen Städten in den Unterhandlungen, welche gegenwärtig die Forderungen der Politik, die Zolltarife, und alle Säumniſſe der Fiscalität hemmen. Man muß ſich im Geiſte in unſere modernen Comptoire im Orient oder in China verſetzen, um die Spur der Handels⸗ gebräuche wieder zu finden, welche die Hanſeſtädte im drei⸗ Stendal, Stettin, Stolpe, Venlo, Uelzen, Unna, Warberg, Werben, Weſel, Wisby, Wismar. Buß. Blanqui, Geſchichte d. polit. Oekonomie. 1. Bd. 12 — 1728— zehnten und vierzehnten Jahrhundert in ganz Europa zur Gel⸗ tung gebracht hatten. In England und Rußland genoſſen ihre Handelsleute bedeutende Vorrechte. Sie hatten zu Nowogorod einen eigenen Magiſtrat, der beauftragt war, die Ordnung unter ihnen aufrecht zu erhalten, und ihre Rechtsſtreite nach den Geſetzen der Union zu entſcheiden. Dieſer Magiſtrat, unterſtützt in ſeinem Amte von einigen Sachverſtändigen, hatte das Recht, in gewiſſen Fällen ſtarke Geldſtrafen und ſelbſt die Todesſtrafe mit Berufung entweder nach Lübeck oder an die Tagſatzung der Hanſa auszuſprechen. Die Kirche und die Fak⸗ torei der Union waren von einer Einfaſſung umgeben, die während der Nacht geſchloſſen und ſtreng bewacht wurde. Die Handelsleute der Hanſa hatten Sorge getragen, ſich das Mo⸗ nopol der Geſchäfte zu ſichern; die Ruſſen durften nur an ſie verkaufen, und ein Bundesſtatut hatte verboten, die Kaufpreiſe in Baarſchaft zu berichtigen: alle Handelsgeſchäfte mußten in Form eines Tauſches geſchloſſen werden. Daraus entſtanden die Contre⸗ bande und der Schleichhandel, entweder durch Schweden oder Finnland bis zur Zeit, wo die Engländer, nachdem ſie den Weg nach Archangel auf dem weißen Meere gefunden hatten, faktiſch das Monopol des Bundes aufhoben. Auch ſuchte ſich nach und nach das Band aufzulöſen, und von dieſer Zeit an ſieht man jeden Tag irgend eine Stadt aus der Union austre⸗ ten, an deren Spitze Lübeck lange in ſchönſter Blüthe geglänzt hatte. Um den Einfluß richtig zu begreifen, welchen die Hanſe⸗ ſtädte auf die Entwickelung der Wiſſenſchaft von dem Vermögen geübt hatten, muß man einen raſchen Blick auf die Comptoire werfen, welche ſie zu Nowogorod, zu Bergen, Brügge, in Lon⸗ don und an andern Plätzen unterhielten. Alle dieſe Anſtalten waren den nämlichen Anordnungen bis auf wenige örtliche Abände⸗ rungen unterworfen. Die Comptoire beſtanden aus einer Reihe von Gebäuden, die von einander geſchieden und in der Regel am Ufer des Meeres oder der Flüſſe aufgeführt waren, damit die Fahrzeuge leicht anlanden konnten, um dort ihre Ladungen einzunehmen oder abzuſetzen. Jedes Hauptgebäude hatte einen beſonderr die Aufſe ihrer N den geg⸗ Gärten! lieferten des Wi lichen Scllafſe wohner Gebung 5 unb dr3 Minqeord man wird haben, der zu Euntn, Pie gegen desſtrafe velchet dene wis waren ungeheure Unbekannte dieß, daß der Hande vie Handlun herren hand zurückfehrten, erworben hat zahlte jede T der Ausgang Errag der( nder Verletz und jede Bun der Conytoi die Com duech ganz Gel⸗ en ihre ogerod rdnung e nach iſtrat, hatte iſt die an die je Fai⸗ , die Die No⸗ ſie ſe in orm tre⸗ oder den aten, e ſich — 179— beſondern Namen und eine eigene Beſtimmung. Die Beamten, die Aufſeher, wohnten in der Nähe der Waaren, welche nach ihrer Natur in Speichern, Magazinen oder Kellern, wie in den gegenwärtigen docks von London vertheilt waren; große Gärten dienten in der Noth als ergänzende Niederlagen, und lieferten die nöthigen Gemüſe für die Bewohner. Während des Winters vereinigte ein gemeinſamer Saal um den näm⸗ lichen Herd dieſe zahlreiche gewerbliche Familie; geräumige Schlafſäle empfingen ſie dann während der Nacht. Kein Be⸗ wohner des Comptoirs durfte ſich verehelichen, und die Ver⸗ letzung dieſes Geſetzes wurde mit dem Verluſte des Hanſa⸗ und des Bürgerrechtes beſtraft. Man denke ſich die Regel eines Mönchsordens, angewandt auf eine Handelsgeſellſchaft, und man wird eine Idee von der Verfaſſung dieſer Faktoreien haben, deren Hauptbeſtimmungen die Faktoreien der Engländer zu Canton, bis auf einige Unterſchiede, wieder darſtellen. Wie gegenwärtig zu Canton, war es den Beamten bei To⸗ desſtrafe verboten, den Theil der Stadt zu beſuchen, welcher den Eingeborenen gehörte. Die Eingänge zu den Comp⸗ toirs waren zur Nachtzeit von Wachen umſtellt, und durch ungeheure Doggen bewacht, welche ſich wüthend auf jeden Unbekannten warfen, der ſich ihnen näherte. Es ſcheint über⸗ dieß, daß die Bundesſtatuten den Beamten nicht geſtatteten, den Handel auf eigene Rechnung zu treiben, ſie waren nur wie Handlungsdiener betrachtet, die im Namen ihrer Handels⸗ herren handelten, und nach zehn Jahren nach Teutſchland zurückkehrten, reich an Erfahrung und Kenntniſſen, welche ſie erworben hatten. Um die Koſten des Comptoirs zu decken zahlte jede Waare einen geringen Zoll bei dem Eingang oder Ausgang. Man verwandte zum nämlichen Gebrauch den Ertrag der Geldſtrafen, die wegen Uebertretung der Statuten oder Verletzung der Förmlichkeiten bezahlt werden mußten, und jede Bundesſtadt war einer Steuer für die Unterhaltung der Comptoire unterworfen. Die Comptoire trieben eine Zeit lang ihre Veraſtuungen durch ganz Europa, und gaben überall dem Handel und der 12. —- 180— Induſtrie einen außerordentlichen Aufſchwung. Die Faktorei von Brügge wurde der Stapelplatz aller Erzeugniſſe Europa's, und die Stadt zählte bei 35 tauſend Häuſern. Während der ſchönſten Tage ihres Wohlſtandes waren die Hanſeſtädte Herrinnen der Fiſchereien, der Bergwerke, des Landbaues und der Induſtrie von ganz Teutſchland. Das Getreide, das Wachs und der Honig Polens, die Metalle Böhmens und Ungarns, die Weine vom Rhein und aus Frankreich, die Wolle und das Zinn Englands, die Leinwand Hollands, die Tücher Belgiens wurden in ungeheueren Maſſen auf ihren Märkten ausgetauſcht. Die Handelsleute aus dem Süden ſandten an den Stapelplatz von Brügge die Erzeugniſſe des Orients und Italiens, die Specereien Indiens, die Seidenſtoffe und die Arzneiwaaren, deren Verbrauch ſehr beträchtlich war. Allein bald erregte der Wohlſtand dieſer Stadt die Scheelſucht der andern Städte, welche zu den hohen Unterhaltungskoſten ihrer Beamten beitrugen, und Köln zerriß auf eine auffallende Weiſe das Band, welches es an dieſelbe knüpfte. Die Ver⸗ walter der großen Faktorei hatten den Fehler begangen, zwei Kategorien von Waaren aufzuſtellen, von denen die einen. nothwendig in der Niederlage des Bundes verhandelt werden ſollten, während die andern von dieſer Bedingung entbunden waren. Nach und nach ſuchte man die Zahl der befreiten Ar⸗ tikel zu vermehren, d. h. das, was wir gegenwärtig das entrepôt fictif, d. h. Privatlager, nennen, über das entrepôt réel, d. h. das öffentliche Lagerhaus, vor⸗ wiegend zu machen. Der Streit, welcher ſich bei dieſem An⸗ laſſe entſpann, beſtimmte mehre Kaufherren, ihre Waaren an flamändiſche Häuſer zu verſenden, um den Forderungen der Lagerhäuſer zu entgehen, und ſo entſtand der Commiſ⸗ ſionshandel, deſſen Schickſale ſo glänzend werden ſollten, aus einer Verwahrung gegen die Willkür der Tarife. Die Engländer wurden ihrerſeits auch der Freiheiten müde, welche ſie den Hanſeſtädten bewilligt hatten, und in der That waren dieſe Freiheiten wahrhaft ungeheuer. Es war bedungen worden, daß die Rechtsſtreitigkeiten zwiſchen den Engländern und Te ſchieder die T gericht London thum i abgaber mann den, d Vorre tigten an ſch in einem eingeführt eilf bunde Künigin Anſtalten, nit den 5 Gewalt al ſpiel der wir ſind. einer pol ſehr, als in den I Die Han ſittung ſo Völker dure Rerien einand in Brügge, de Verkehre eeſter Drdne öonen des — ²) Man dlsleute zu d eatziehen ktorei dpord, d der eſtade 5 und das und die die ihren uüden des offe ar. iht ſten nde zer⸗ wei anen. erden unden n A⸗⸗ das das vor⸗ An⸗ aren igen niſ⸗ lten, müde, rThat dungen ändern — 181— und Teutſchen in letzter Inſtanz von zweien Magiſtraten ent⸗ ſchieden werden ſollten, welche der König zu ernennen hätte; die Teutſchen waren der Gerichtsbarkeit des Admiralitäts⸗ gerichtes entzogen. Man hatte ihnen ein Stadtviertel von London, ein anderes zu Boſton und zu Lyon als volles Eigen⸗ thum überlaſſen, und ſie waren von einer Reihe von Zoll⸗ abgaben und andern Gebühren befreit, welchen ſonſt Jeder⸗ mann unterworfen war. Der Streit begann erbittert zu wer⸗ den, als die Engländer gewahrten, daß jene Hanſeſtädte ihre Vorrechte benützten, um das Land mit in Teutſchland verfer⸗ tigten Tüchern zu überſchwemmen, und alle Handelsgeſchäfte an ſich zu reißen. Es wurde nachgewieſen, daß die Teutſchen in einem einzigen Jahr vier und vierzig tauſend Stücke Tuch eingeführt hatten, während die engliſchen Fabriken deren nur eilf hundert hatten anbringen können. Später begünſtigte die Königin Eliſabeth mit all ihrer Macht den Fortſchritt der Anſtalten, welche die Aventurers*) gegründet hatten, um mit den Hanſeſtädten zu wetteifern, und ſetzte das Siegel ihrer Gewalt auf jene Zollrepreſſalien, welche man als das Vor⸗ ſpiel der induſtriellen Kämpfe betrachten kann, deren Zeugen wir ſind. Von dieſer Zeit an erhebt ſich der Handel zur Höhe einer politiſchen Macht; man kämpfte mit Tarifen eben ſo ſehr, als mit den Kanonen; und die politiſche Oeconomie tritt in den Rath der Könige und in das europäiſche Recht. Die Hanſeſtädte haben wunderbar dieſe der Freiheit und Ge⸗ ſittung ſo günſtige Bewegung dadurch gefördert, daß ſie die Völker durch das mächtige Band der Intereſſen und Indu⸗ ſtrien einander annäherten. Die Errichtung des Stapelplatzes in Brügge, welcher den Norden und Süden verband, war die Verkehrsſtätte aller Handelsherren Europa's und ein Platz erſter Ordnung für den Umlauf der Münze und die Combina⸗ tionen des Credits geworden. Man zählte dort acht und *) Man weiß, daß unter dieſem Namen eine Geſellſchaft engliſcher Han⸗ delsleute zu dem Zweck zuſammentrat, ſich der Handelsherrſchaft der Teutſchen zu entziehen. — 182— ſechszig Gewerbsinnungen, und ſeit dem Anfang des 14. Jahr⸗ wieder— hunderts*) beſtand dort eine Verſ icherungskammer und Wecſſef Mäkler, welche in den Hauptregeln des Wechſelgeſchäfts unter⸗ uud de richtet waren.**) Von da gingen, wie von einem gemeinſa⸗ über ſei men Mittelpunkt, die Aufträge des Handels aus, welche die Induſtrie aus dem Schlafe aufgeſchüttelt hätten, in welchen ſie geſunken war, wenn die Einrichtung der Zünfte, damals durch ganz Europa im Schwung, nicht beigetragen hätte, ſie im Schlummer zu erhalten. Und gleichwohl haben die Hanſe⸗ g ſtädte das Syſtem der neuzeitigen Walfiſch⸗ und Herings⸗Fiſche⸗ reien, die Handelsmarine, die Niederlagen, den Commiſſions⸗ handel und die Freiheiten von der Art jener geſchaffen, welche die Europäer im Orient und in China in Ermangelung grö⸗ r ßerer genießen. Sie haben die Feudalbarbarei an die Achtung qjn der Arbeit gewöhnt, welcher ſie am Ende zinspflichtig geworden lleͤenmn, iſt, und den Einfluß der gewerblichen und wirthſchaftlichen Gemeind Intelligenz an die Stelle des Einfluſſes des Harniſches und i hir lu des Schwertes geſetzt. Sie haben die Emancipation der Ge⸗ lit uner meinden in Frankreich und England dadurch vorbereitet, daß 6 Südt der ſie zeigten, auf welcher Seite die Stärke an dem Tage ſein wngen de würde, wo die Gemeinden ſich verſtändigen und verbünden dem Maaſ würde. Wir verdanken ihnen endlich die Abſchaffung der erſten hüner 3 Handelsſchranken und die erſten Verſuche des öffentlichen Cre⸗ abhingigfe dits, deſſen Beiſpiel ſie ſtets gaben, ſo oft die Bedürfniſſe verfügen u der Einigung ſie in den Fall ſetzten, darauf zu greifen. Das vo ds alb. Repräſentativ⸗ und Wahlſyſtem, welches ſie verbreiteten, die Den Bürger Art von Hierarchie, welche ſie unter den verbündeten, ge⸗ ten zu laſen ſchützten oder unterworfenen Städten errichteten, übten eine Fechspffege jede von ihnen in der Vertheidigung ihrer Befugniſſe, und führten Necht, auf ſie zur Erlangung neuer Rechte. So findet ſich immer den ſelbſ ih Stidten und *) Im Jahr 1310. Abt Guibert **) Da die Bewohner der Hanſeſtädte in England gewöhnlich mit dem nn, was Namen Bsterlings bezeichnet wurden, und da man bei den Verkäufen ſeuliche die Zahlungen ſich in der Münze der Eſterlings bedingte, ſo iſt es wahr⸗ keute zahle ſcheinlich, daß der Name Pfund Sterling in dieſe Zeit zurückgeht. ire Grun , —-— 183— wieder die Spur des ökonomiſchen Fortſchritts inmitten der Wechſelfälle der Völker, welche ſie verloren zu haben ſcheinen, und die ſchöpferiſchen Kräfte des Menſchen ſiegen unaufhörlich über ſeine zerſtörenden Neigungen. Hauptſtück XVII. Von der Befreiung der Gemeinden und von ihrem Einfluſſe auf den Gang des wirthſchaftlichen und geſellſchaftlichen Fortſchrittes. Wäͤhrend die Hanſeſtädte ſich im Norden zu einem Bunde gliederten, vollendete ſich das große Werk der Befreiung der Gemeinden im Süden. Die römiſchen Ueberlieferungen hatten ſich hier lebenskräftiger, als im übrigen Europa erhalten, und ſelbſt unter der Herrſchaft der Barbaren hatten die großen Städte der Provence und Languedoc's nie aufgehört, die Seg⸗ nungen des Municipalſyſtems zu genießen. Allmälig und in dem Maaß, wie die Städte des Nordens durch ihre Reich⸗ thümer Bedeutung erhielten, machten ſie Verſuche, ihre Un⸗ abhängigkeit zu erlangen: ſie wollten frei über ihr Vermögen verfügen und einige Vorrechte daran knüpfen, zu einer Zeit, wo es als Beweis der Knechtſchaft galt, keine ſolchen zu haben. Den Bürgern gelang es, ſich durch ihre Standesgenoſſen rich⸗ ten zu laſſen, und ſich der drückenden, parteiiſchen und feilen Rechtspflege der Lehensherren zu entziehen. Sie forderten das Recht, auf eine feſte und beſchränkte Weiſe beſteuert zu wer⸗ den, ſelbſt ihre Intereſſen zu regeln, und die Ordnung in den Städten und Flecken zu erhalten.„Da ſieht man, ſagte der Abt Guibert, ein Chroniſt aus dem 12. Jahrhundert, da ſieht man, was man gegenwärtig unter dem neuen und ab⸗ ſcheulichen Wort Commune verſteht: die ſteuerpflichtigen Leute zahlen nur noch Ein Mal im Jahr die Rente an ihre Grundherren; wenn ſie irgend ein Vergehen ſich zu — 184— Schulden kommen laſſen, ſo machen ſie ſich durch die Zahlung einer geſetzlich beſtimmten Geldſtrafe frei, und was die Erhe⸗ bung von Geldabgaben betrifft, die man den Leibeigenen auf⸗ zulegen gewöhnt iſt, ſo ſind ſie davon befreit.“*) Allerdings mußte in einer ſolchen Geſtalt die entſtehende Freiheit einem Mann der Kirche erſcheinen. Die Kirche er⸗ ſchrak mit Recht über die allgemeine Verſchwörung, welche ge⸗ gen ſämmtliche Vorrechte ausbrach, und welche bald auch die ihrigen angreifen ſollte. Denn nach und nach war ſie an die Stelle der Lehensherren getreten, indem ſie Befreiungen von den Steuern und fſiscaliſche Vorrechte von der höchſten Bedeu⸗ tung erwirkte. Täglich ſah man ihren Güterreichthum durch Schenkungen anwachſen, und ihre Anſprüche wuchſen mit ih⸗ rem Vermögen zu einer ſolchen Höhe, daß ſie die Könige auf ihren Thronen beunruhigten. Ludwig IX. ſelbſt, der ein Hei⸗ liger war, war genöͤthigt, hier Drdnung zu ſchaffen, und ſeine Nachfolger, oft in Bann gelegt, hatten lange Kämpfe mit dem Papſtthum, dem natürlichen Beſchützer der kirchlichen Forderungen zu allen Zeiten, zu beſtehen. So ſetzte ſich dieſe dauernde, un⸗ ſterbliche Proteſtation der Menſchheit zu Gunſten einer billigern Vertheilung der Gewinnſte der Arbeit fort. Die Kirche hatte ſich ihr in den Tagen ihrer Leiden angeſchloſſen, und ſie hatte mächtige Waffen den Vertheidigern der bürgerlichen Gleichheit zu einer Zeit geliefert, in welcher Jedermann ſich unter das Feudaljoch beugte. Aber in dem Maaß, wie die Feudalität ſchwächer wurde, wollte die Kirche ihre Erbin werden, und ihre alte Herrſchaft über die Könige wieder ergreifen, die ſich in die Arme der Völker warfen, und den dritten Stand im Schoos der befreiten Gemeinden ſchufen. Dieſe große Umwälzung iſt nicht das Werk eines Tages geweſen; wir ſehen ihre Ergebniſſe, aber wir wiſſen nicht ſicher die Zeit ihrer Entſtehung. Wahrſcheinlich hat die Bewegung in einigen wohlhabenden Städten begonnen, und ſich unmerk⸗ lich, nach den Umſtänden, allen Städten mitgetheilt, von denen — *) Mémoires de Guibert, liv. III. chap. 7. einige die ſoager Je vollendete rechferti hatten. G die erſte der Unter um den 2 ein Jrrth die verſch kaine vlle Jvarf gehal Hachen. Sic Richter, Geſ und berühmte gen ihren 9 derruflich unt ſt werkvurdi nſchen, de Freheie it welche die Etreit, we ſchöfe, Leber reich, zum! Narttfeckens Dion genoſen inner einige in Jeiegung ſehen. Der A vigs des Dicke den Jfarrei⸗ haung von T Ianea in de — *) Suger de tom. W. Dg. 30 ahlung Erhe⸗ en auf⸗ tehende he er⸗ he ge⸗ ich die an die en von Bedeu⸗ durch t ih⸗ auf Hei⸗ ſeine dem ungen 2, un⸗ lägern atte ſich e hatte eichheit er d00 alität und ſich ) im Lages ſcher egung nmerk⸗ denen — 185— einige die Beſtätigung der Vorrechte forderten, welche ſie ſeit langer Zeit beſaßen, und andere ſich auf geleiſtete Dienſte und vollendete Handlungen beriefen, um durch Bewilligung das rechtfertigen zu laſſen, was ſie durch die Gewalt gewonnen hatten. Gleichwohl ſchreibt man insgemein Ludwig dem Dicken die erſten Freibriefe zu, weil er der erſte König iſt, welcher zu der Unterſtützung der Bürger ſeine Zuflucht genommen hat, um den Anmaßungen des Adels zu widerſtehen. Aber es wäre ein Irrthum zu glauben, daß in dem Zeitraum, in welchem die verſchiedenen Städte ſich als Gemeinden aufſtellten, ſie gar keine volksthümliche und örtliche Inſtitution beſaßen, die den Zweck gehabt hätte, über die Intereſſen der Einwohner zu wachen. Sie hatten Bürgermeiſter, Schöffen, genoſſenſchaftliche Richter, Geſchworne, Conſuln. Man kennt den hartnäckigen und berühmten Streit, welchen die Bewohner von Vezelai ge⸗ gen ihren Abt und ſeine Moͤnche beſtanden, die ſie unwi⸗ derruflich unter dem Feudaljoch feſtzuhalten verlangten. Nichts iſt merkwürdiger, als in der Geſchichte dieſen langen Kampf zu ſehen, der ſich zwiſchen Mönchen, welche im Namen der Freiheiten ihrer Kirche ſprachen, und einigen Bürgern erhob, welche die Freiheiten ihrer Gemeinde forderten; ein ernſter Streit, welcher mehre Jahre dauerte, und in welchen Bi⸗ ſchöfe, Lehensherren, der römiſche Hof, der König von Frank⸗ reich, zum Untergang und zur Unterwerfung eines armſeligen Marktfleckens einſchritten. Die Städte Tournay, Noyon, Meaux, Dijon genoſſen ſehr ausgedehnte Freiheiten, an deren Spitze immer einige Handelsfreiheiten, einige beſondere Prärogativen in Beziehung auf Straßen, Münzen, Frohnden und Auflagen ſtehen. Der Abt Suger, welcher Miniſter und Biograph Lud⸗ wigs des Dicken war, ſagt ausdrücklich,*) daß die Leute aus den Pfarreien des Landes dieſem Fürſten bei der Bela⸗ gerung von Thoury beiſtanden. Später vertraute die Koͤnigin Blanca in der Abweſenheit des heiligen Ludwig die Be⸗ *) Suger de Vila Ladovici Grossi;z in Duchesne, Hist. franc. scrint. tom. IV. pg. 301. — 186— wachung der Städte den Bürgermilizen. Je mehr man dieſen Gegenſtand erforſcht, deſto mehr wird man überzeugt, daß der in den Städten aufgehäufte Reichthum die Ideen der Freiheit entſtehen ließ, und die Befreiung der Gemeinen vorbereitete. Wenn dieſe Gemeinden nicht, wie in Teutſchland, eine all⸗ gemeine Einigung bildeten, ſo kam dieſes daher, daß ſie eine Stütze an den Herrſchern fanden, die eben ſo ſehr, wie ſie ſelbſt, bei der Beugung der Macht der Barone betheiligt wa⸗ ren. Das Königthum vermochte, ganz einſam ſtehend, Nichts gegen dieſe Schaar von Lehensherren, die hinter ihren Veſten verſchanzt waren, und welche für ihren perſönlichen Vortheil die Hilfsquellen Frankreichs ausbeuteten. Die Gemeinden konnten Nichts mehr ohne die Hilfe der Könige ausführen; es beſtand zwiſchen ihnen und denſelben ein wahres Schutz⸗ und Trutzbündniß, welches nicht wenig beigetragen hat, die na⸗ tionale Unabhängigkeit und Einheit zu gründen. Die Chro⸗ niken von St. Denis haben die treue Ergebenheit der Städte Corbie, Amiens, Arras, Beauvais und Compiegne gefeiert, welche ihre Schaaren zur Schlacht von Bovines ſandten. Das Königthum hatte den guten Gedanken, die Städte frei zu er⸗ klären, welche nur von ſeiner Gewalt abhingen, und dieſe ein⸗ ſichtsvolle Entſchließung ſicherte ihm eine Menge von Anhäng⸗ lichkeiten, welche nicht immer mit Undankbarkeit gelohnt wurden. Ich möchte nicht behaupten, daß die Koͤnige und Städte durch dieſe Handlungsweiſe geglaubt haben, einem Syſtem zu huldi⸗ gen, und in gemeinſamer Uebereinſtimmung die Grundfeſten einer neuen Geſellſchaftsordnung zu legen; allein die Be⸗ wegung war ſo raſch, daß die Geſchichte kaum ihren Fort⸗ ſchritten folgen kann, und daß ſie noch gegenwärtig ſich ab⸗ müht, die Urſachen davon aufzuſuchen. Es läßt ſich jedoch nicht leugnen, daß dieſe Umwälzung, dem Einfluſſe des Reichthums und der Arbeit entſtamme, welche ſpäter ſich wechſelſeitig unterſtützten, um zu neuen Er⸗ oberungen zu ſchreiten. Es geht in Europa gegen dieſen Zeit⸗ raum hin eine wahre Verjüngung vor, deren Morgenröthe zu den erſten Kreuzzügen zurückgeht. Man möchte ſagen, überall rergr'ßern menſchliche Prineips d Eroberung des Handel vor Kurzen keit, daß Furcht, ſi des Staat Arbeit wi ſind wohre delaleute tn verfügen ül leſe die Oud drüten Stan den, welche Meſſen, N und Verkauf dels und v ſod. Das Angelegen offenbart welche ſi hald ſehen, vußte, wen löſen, und unter ſeiner gungen durch geines gegen weiß, daß ſhon der Abt der hellge Lud Nan fühlt Nütlalters d Künſe und Ir Virlung und dieſen daß der Freiheit eitete. ine all⸗ ſe eine wie ſie gt wa⸗ Nichts Veſten ortheil einden bren; chutz⸗ ie na⸗ Chro⸗ Stadte feiert, . Das R er⸗ jeſe ein⸗ Anhäng⸗ wurden. t durch huldi⸗ dfeſten e Be⸗ Fort⸗ cb⸗ atzung, zamme uen E⸗ en gei⸗ röthe zu üͤberall — 187— vergrößern ſich die Ideen, und nehmen ihren Aufſchwung, der menſchliche Geiſt entfeſſelt ſich unter dem Schutz des großen Princips der Aſſociation. Man verbündet ſich im Süden zur Eroberung des heiligen Landes, und im Norden zur Sicherung des Handels. Innungen der Handwerke und Gewerbe, noch vor Kurzem unbekannt, vermehren ſich mit ſolcher Ueppig⸗ keit, daß es bald nöthig werden wird, ſie zu regeln, aus Furcht, ſie möchten ſich ſelbſt befehden, und im Schooß des Staats eine gefährliche Macht werden. Ueberall wird die Arbeit wieder zu Ehren gebracht: die Municipalmagiſtraturen ſind wahre Syndicate; die Schöffen, die Vorſtände der Han⸗ delsleute treten neben den Lehensherren als ranggleich auf, und verfügen über die Meinung und die Macht der Städte. Man leſe die Ordonnanzen der fünf oder ſechs erſten Könige des dritten Stammes, und man wird deren eine große Zahl fin⸗ den, welche Gegenſtänden der politiſchen Oekonomie, den Meſſen, Märkten, den Münzen, den Wechſelgeſchäften, Kauf und Verkauf, dem Maaß und Gewicht, der Freiheit des Han⸗ dels und vor Allem den Freiheiten der Gemeinden gewidmet ſind. Das Königthum regiert in der That; es ergreift alle Angelegenheiten, und die Wiſſenſchaft von der Verwaltung offenbart ſich hauptſächlich durch die neue und kühne Weiſe, auf welche ſie die wirthſchaftlichen Fragen anfaßt. Wir werden bald ſehen, mit welcher Feſtigkeit der heilige Ludwig ſie zu ſtellen wußte, wenn er auch nicht die Zeit oder das Glück hatte, ſie zu löſen; und man wird über die ungeheure Arbeit ſtaunen, die unter ſeiner Regierung inmitten der auswärtigen Beſchäfti⸗ gungen durch die Kreuzzüge und die innern Kämpfe des Feudal⸗ geiſtes gegen das Königthum ausgeführt worden war. Man weiß, daß die Könige lange Hände haben, ſagte ſchon der Abt Suger in ſeinem Leben Karls des Dicken, und der heilige Ludwig hatte noch längere, als ſeine Vorgänger. Man fühlt ein lebhaftes Intereſſe, ſo aus dem Dunkel des Mittelalters das erſte Leuchten jenes ſchimmernden Feuers der Künſte und Induſtrie aufblitzen zu ſehen, welches zugleich die Wirkung und die Urſache unſerer Municipalfreiheiten war. — 188— Die Gemeinden nahmen die Benennung conjuratio, amicitia, confoederatio, confraternitas an, welche den Zweck ihres Daſeyns und ihrer Organiſation deutlich anzeigten. Sie be⸗ mächtigten ſich jede eines Thurms mit einer Sturmglocke, dem Zeichen der Verſammlung oder des Kampfs; ſie gaben ſich eine Wache und Magiſtrate; ſie hatten eine Gemeindekaſſe, ein Ge⸗ meindeſiegel, unterſcheidende Zeichen ihrer Gewalt, ihrer Indi⸗ vidualität. Sie verboten den Bau jeder Veſte im Bereiche ihrer Mauern, die ſie häͤtte beunruhigen können, und ſie beurkundeten bei jedem Umſtand ihre örtliche Souverainetät. Das Beiſpiel der italiäniſchen Freiſtaaten, das der Hanſeſtädte, welche auch Communalmächte waren, lehrten ſie, dieſe Souverainetät achtbar zu machen. Um die wirthſchaftliche Wichtigkeit der Be⸗ freiung der Gemeinden völlig zu begreifen, muß man erwägen, welchen harten Bedrängniſſen die Bewohner der Städte und Marktflecken unterworfen waren. Die Lebensherren machten die Anforderung, bei allen Bürgern einen unbeſchränkten Credit offen zu halten: oft ſogar nahmen ſie Alles, was ihnen behagte, ohne je Etwas zu zahlen, und man weiß, daß von ihren alten Gewohnheiten dieſes diejenige war, welche abzulegen der Ari⸗ ſtokratie die meiſte Mühe koſtete. Ferner ſieht man die Bürger (die von Soiſſons unter Andern) in ihrem Freibrief ſich be⸗ dingen, daß die Einwohner der Stadt dem Biſchof nicht länger als drei Monate borgen dürfen, und daß, wenn er zur beſtimm⸗ ten Zeit nicht zahle, ihm jeder weitere Credit ſolle verſagt werden. Die Gewerbsinnungen, welche ſeither einen rein ge⸗ werblichen Charakter darzuſtellen ſchienen, waren Körperſchaften, die weſentlich ſich der Erhaltung der Freiheiten der Gemeinden widmeten; ſie hatten zum Zweck, den Bedrückungen des Adels ſich zu entziehen, und ſich vor den Zwangsanleihen zu ſchützen, welche für ſie, unter einem Schein der Freiheit, alle Leiden der Leibeigenſchaft würden hervorgerufen haben. Das Privilegium einer Gemeinde war von den Municipal⸗ freiheiten darin verſchieden, daß für daſſelbe die königliche Sanction nothwendig war, und ihm eine große Kraft verlieh. Bisweilen erwarb man es durch einen Vergleich mit dem Lehensherrn, welcher es un dilegum be Stüdte nach entrichteten, ſch diſe l tot Jeit zu⸗ teſegen. J welche den edaß dieſer ungen bew Bürger der ſagtt/ a willht,, dah Einvolner beſer verthe die Freiheit geht, und d kungen und welchen vir ſlagender Reformen der Regi nämlich: unter Yh dem Heilj dem Schü⸗ Langen, un erwägt, daß die Angelege ſeicht die W (age der Völ Diſe Umr 1) Ut tam n et masis integt 8.) Cours d' amieitia, dect ihres Sie he⸗ locke, dem ſich eine ein Ge⸗ rer Indi⸗ iche ihrer erkundeten Beiſpiel lche auch achthar der Be⸗ wägen, die und machten nCredit behagte, ren alten der Nri⸗ ie Bürger tj ſih be⸗ ict länger beſtimm⸗ verſagt rein ge⸗ ſchaften, meinden s Adels ſchützen, eiden der dunicipal⸗ Sanction Bisweilen ensherrn, — 169— welcher es um eine Geldabfindung abtrat; allein da dieſes Pri⸗ vilegium bedeutende Aenderungen in der finanziellen Lage der Städte nach ſich zog, weil es die Gefälle, die ſie an die Barone entrichteten, entweder beſchränkte oder aufhob, ſo widerſetzten ſich dieſe letzteren oft kräftig den Verſuchen der Bürger, welche von Zeit zu Zeit das Bedürfniß fühlten, ſich zu zählen, um ſie zu beſiegen. Man liest in dem Eingang einer Communalcharte, welche den Einwohnern von Dourlens gewährt worden war, „daß dieſer Freibrief wegen der Ungerechtigkeiten und Bedruͤck⸗ ungen bewilligt worden ſei, die von den Mächtigen gegen die Bürger der beſagten Stadt verübt worden.“ Philipp Auguſt ſagte, als er eine Charte der Stadt Saint⸗Jean d'Angely be⸗ willigte, daß er von ganzem Herzen ihr beipflichtete, damit die Einwohner ſowohl ſeine, als auch ihre eigenen Rechte beſſer vertheidigen und bewahren könnten.*) Gewiß iſt, daß die Freiheit mit dem nämlichen Schritt, wie die Arbeit voran geht, und daß kein Zeitraum zugleich an induſtriellen Entwick⸗ lungen und an ſocialen Eroberungen reicher iſt, als derjenige, in welchen wir eintreten. Herr Guizot hat bemerkt,**) als einen ſchlagenden Beweis für die allgemeine Bewegung der Geiſter zu Reformen, daß in dem 12. und 13. Jahrhundert man 236 Urkunden der Regierung, die ſich auf Gemeinden beziehen, gefunden habe, nämlich: 9 unter Ludwig dem Dicken, 23 unter Ludwig VII., 78 unter Philipp Auguſt, 10 unter Ludwig VIII., 20 unter Ludwig dem Heiligen, 15 unter Philipp dem Kühnen, 46 unter Philipp dem Schönen, 6 unter Ludwig X., 12 unter Philipp dem Langen, und 17 unter Karl dem Schönen. Wenn man nun noch erwägt, daß die Könige nicht allein Freibriefe ſchenkten, und in die Angelegenheiten der Gemeinden ſich einmiſchten, ſo läßt ſich leicht die Wichtigkeit der Aenderung begreifen, welche in der Lage der Völker vorgegangen war. Dieſe Umwälzung, denn es war eine, war das unmittelbare *) Ut tam nostra, quam sua propria jura melius possint defendere, et magis integre custodire. **) Cours d'histoire moderne, tome V. p. 132. 190— ene Zuüland und directe Ergebniß der unermeßlichen Schöpfung von Reich⸗ da dewegöh thümern, die man den gewerbtreibenden Städten des Mittelal⸗ aggedchon, 1 ters verdankt. Die Barone, Beſitzer des Bodens, verſchmähten Sa ünſügbi jede gewerbliche Beſchäftigung, und überließen den Bürgern die gen heginnt Mühe, für ihre Bedürfniſſe und Vergnügungen zu ſorgen. der handver Nach und nach floß die Baarſchaft, welche dieſe Lehensherren gehen. die durch Abgaben und Plünderungen erworben hatten, in die Kiſten gſoriauon der Städter gegen Wollen⸗Seidewaaren, Handſchuhe, Helme gchahrnen und Prunkgegenſtände, nach welchen die Ariſtokratie begierig nuſt im war.„Die Herren waren verſchwenderiſch, die Bürger hinge⸗ benderKi gen galten als ſehr geizig,“*) und es iſt nicht auffallend, daß ſie miin ſch ſo durch Erſparung eine bedeutende Maſſe Capitale geſchaffen ni Uukerha haben, die vermöge der durch die Befreiung der Gemeinden be⸗ ga das ge feſtigten Sicherheit einen großen Werth erlangten. Man findet de iuin; den Beweis dafür in Joinville:„Es gab ſo viele Uebelthäter drilrlag und Diebe in der Umgegend von Paris, daß das ganze Land da⸗ tzenbnii von voll war. Der König, welcher emſig dafür beſorgt war, deſn de daß das niedere Volk geſichert würde, wußte die ganze Wahr⸗ nr a heit; er ordnete eine Unterſuchung durch das ganze Königreich Idühie an, damit man eine gute und raſche Rechtspflege lei⸗ die de ſtete, und welche weder den Reichen, noch den Armen ſchonen 84 ſollte. Der Boden begann damals ſich zu verbeſſern, und das Algemei Volk ging auf das Land, wegen des guten Rechtes, welches man oher ir dort ſprach, und vermehrte und verbeſſerte ſich ſo, daß die Ge⸗ jeſc i .„.. Hollten. bühren von Verkäufen, Einweiſungen in den Be⸗— ſitz, Käufen und anderen Dingen das Doppelte en von dem eintrugen, was der König früher davon b— erhoben hatte.“ Eang dit So ſehen wir faſt gleichzeitig die Gemeinden in ganz Europa, b in Italien, Spanien, Teutſchland, Frankreich, England entſtehen. Es giebt deren überall, weil allenthalben die Induſtrie und der Handel wieder ihren Aufſchwung nehmen. Es ſcheint, als wenn Genua, Florenz, Venedig, Bareelona, Bremen, Lübeck, Hamburg, Brügge, Paris, Lyon, Marſeille, London, Briſtol *) Capefique, Histoire de Philippe-Auguste, tome IV., p. 243. n Reich⸗ Mitelal⸗ ſchmäͤhten ergern die ſorgen. noherren ie Kiſten „Helme begierig er hinge⸗ „daß ſie eſchaffen den he⸗ findet elthäter and da⸗ t war, Wahr⸗ nigreich ge lei⸗ ſchonen und das ſches man die Ge⸗ en Be⸗ ppelte davon uropa, iſtehen. und der us wenn Lübec, „Briſtol — 191— eine Zeitlang durch die nämlichen Geſetze geleitet würden. Das bewegliche Vermögen ſtellt ſich dort ſtolz neben das Grund⸗ eigenthum, und fordert ſeine Rechte zurück. Der Boden, unfä⸗ hig, künftighin den Bedürfniſſen der neuen Geſellſchaft zu genü⸗ gen, beginnt ſeinen Zauber zu verlieren, und ſieht in die Hände der Handwerker einen Theil der Gewalt der Grundeigner über⸗ gehen. Die Demokratie tritt auf, ſtark durch den Geiſt der Aſſociation und alle Hilfsmittel der gegliederten und in Zucht gehaltenen Arbeit. Der dritte Stand ſtellt ſich auf; die Mittel⸗ klaſſe, einſt von Plato und Ariſtoteles geträumt, wird ein bera⸗ thender Körper, gewährt oder verſagt Steuern, richtet, bewacht, regiert ſich ſelbſt. Die Bevölkerung wächst mit den Mitteln ih⸗ res Unterhalts. Die Gewerbe vervollkommnen ſich, der Handel giebt das Zeichen zur allgemeinen Annäherung der Nationen, und die ſtarken Zwingburgen werden den Werkſtätten tributpflichtig. Dafür liegt ein ſehr beachtungswerthes Zeugniß in der gleichzei⸗ tigen königlichen Geſetzgebung. Der erſte Band der Sammlung dieſer Ordonnanzen von dem dritten Stamm begreift deren mehr als hundert, alle gewidmet Fragen über die Arbeit und Induſtrie, Münzweſen, Handel und Tauſch. Allerdings laſſen dieſe Ordonnanzen Vieles zu wünſchen übrig; denn ſie ſind im Allgemeinen in fiscaliſchen und drückenden Abſichten entworfen; aber ihre Zahl und Mannigfaltigkeit zeigen ſchon die Bedeutung, welche man bereits den Gegenſtänden beilegt, welche ſie ordnen wollten. Mir wollen ihren Geiſt und die vorzüglichſten That⸗ ſachen mit einigen Einzelnheiten darſtellen, weil ihr Ganzes den erſten amtlichen Ausgangspunkt der ökonomiſchen Wiſſenſchaft in Europa bildet. — 192— Hauptſtück XVIII. Von der ökonomiſchen Geſetzgebung der erſten franzöſiſchen Könige des dritten Stammes.— Ordonnanzen über die Juden.— Ueber die Münzen.— Gegen die Ausfuhr des Geldes.— Ueber den Getreide⸗ handel.— Aufwandgeſetze.— Amtlicher Urſprung unſerer Handels⸗ vorurtheile. Es beſteht, haben wir geſagt, ein urkundlicher Beweis für die ungeheure Bewegung, welche der Erzeugung des Reich⸗ thums, ſei es durch den Einfluß der Kreuzzüge, ſei es durch den Handel der Hanſeſtädte, vom zwölften bis zum vierzehnten Jahrhundert aufgeprägt worden iſt: das iſt die Sammlung der Ordonnanzen der erſten franzöſiſchen Könige des dritten Stammes. Man trifft unter dieſen Ordonnanzen mehr als hundert Ver⸗ fügungen, alle bezüglich auf Gewerbs⸗ und Handelsgegenſtände, vorzüglich auf den Wucher und die Juden, auf die Münzen, Arbeiter, Maaß und Gewicht, und ſogar einige Verſuche eines Maximums und Verordnungen gegen den Prunk. Die politiſche Oekonomie des Zeitalters tritt ganz in dieſen merkwürdigen Ur⸗ kunden hervor, deren Erforſchung uns eine beſondere Aufmerk⸗ ſamkeit zu verdienen ſchien, weil ſie vollkommen die Ideen unſe⸗ rer Vorfahren über mehre Fragen zuſammenfaßt, über welche wir zur Stunde noch getheilter Meinung ſind. Sicherlich wür⸗ den wir, wenn der Handel und die Induſtrie damals nicht eine beträchtliche Ausdehnung erlangt hätten, die damalige Ver⸗ waltung nicht ſo ernſtlich mit ihren Angelegenheiten beſchäftigt ſehen, daß blos unter der Regierung Philipps des Schönen 56 Ordonnanzen lediglich über die königlichen und lehensherrlichen Münzen, und mehr als 10 über die Juden und italiäniſchen Kaufleute erſchienen ſind. Die aufmerkſame Unterſuchung dieſer Denkmale der ökonomi⸗ ſchen Geſetzgebung des Mittelalters läßt uns mit einiger Ge⸗ nauigkeit die Natur des Einfluſſes würdigen, welcher von der Regierung über die Fragen rückſichtlich der Finanzen und In⸗ duſtrie in dieſer merkwürdigen Zeit geübt wurde. Ein ſolches Studium wärtiger ausſchlit derts ho im Wid dem alg miniscen ſeinen N lich geg Mauthg ſind die und der die Natio ſigen, ich Regierung dem Schre mums ge Preis des glaubte, he d Getreid des Get ſtems die Aus zu welch getragen Völker zu Vir wo Ddonnan lipp Augu Jeüraum ſid. Von dindurch i .— *) Omo⸗ D. o. Danaui, anige des Ueber die Getredde⸗ Handels⸗ weis füt 3 Reich⸗ es durch zehnten ung der mmes. Ver⸗ ſtände, ünzen, eines glitiſche gen Vr⸗ Aufmert⸗ een unſe⸗ er welche ich wür⸗ 1s nicft he Ver⸗ häftigt nen 56 rlichen niſchen tonowi⸗ ger Ge⸗ von der und In⸗ nſolches — 193— Studium iſt um ſo merkwürdiger, als die meiſten unſerer gegen⸗ wärtigen Handelsvorurtheile keinen andern Urſprung, als die ausſchließliche und unduldſame Geſetzgebung des 13. Jahrhun⸗ derts haben. So ſind unſere Geſetze über den Wucher, ſo ſcharf im Widerſpruch mit der Erfahrung, mit der Verſtändigkeit, mit dem allgemeinen Intereſſe der Leiher und Borger nur eine Re⸗ miniscenz an die Ordonnanzen, welche unter Ludwig IX. und ſeinen Nachfolgern gegen das verzinsliche Darleihen und vorzüg⸗ lich gegen die Juden erlaſſen worden ſind. Unſere ſchlechten Mauthgeſetze, ſo ausſchließend, ſo feindſelig gegen das Ausland, ſind die Frucht der engherzigen Gewohnheiten der Nationalität und der Selbſtſucht, die in dem Zeitraum verbreitet waren, wo die Nationaleinheit derſelben vielleicht bedurfte, um ſich zu befe⸗ ſtigen, nicht aber um ſich zu bereichern. Die Einſchreitung der Regierung bei dem Kauf und Verkauf der Waaren und die unter dem Schreckensſyſtem von 1793 erneuerten Verſuche eines Maxi⸗ mums gehene in die Zeit zurück, wo Philipp der Schöne*) den Preis des Getreides beſtimmen und die Händler nöthigen zu müſſen glaubte, den Markt damit zu verſehen, ſo groß auch die Selten⸗ heit deſſelben ſeyn möchte. Unſere ganze Geſetzgebung über den Getreidehandel geht auf die Ordonnanzen zurück, welche die Ausfuhr des Getreides verboten, und die erſten Irrthümer des Bilanzſy⸗ ſtems finden ſich in der Ordonnanz vom 28. Julius 1303, welche die Ausfuhr von Gold und Silber verbot. Wer kann ſagen, bis zu welchem Punkt dieſe unabläſſig wiederholten Vorſchriften bei⸗ getragen haben, beklagenswerthe Vorurtheile in dem Geiſt der Völker zu befeſtigen! Wir wollen daher raſch und nach chronologiſcher Ordnung die Ordonnanzen durchgehen, welche ſeit der Thronbeſteigung Phi⸗ lipp Auguſt's bis zur Zeit Karls des Schönen, d. h. in einem Zeitraum von ungefähr zwei Jahrhunderten erlaſſen worden ſind. Von allen Königen, welche den Thron zwei Jahrhunderte hindurch inne hatten, giebt es Keinen, welcher nicht glaubte, ſeine *) Ordonnanz vom März 1304, in dem Recueil de Louvre, tome J. p. 426. Blanqui, Geſchichte d. polit. Oekonomie. 1. Bd. 13 — 194— Macht oder ſeine Rechtgläubigkeit durch ſtrenge Maaßregeln ge⸗ gen die Juden bewähren zu müſſen; in jedem Augenblick ſieht man wieder Ordonnanzen gegen dieſe Parias des Mittelalters, betrachtet als vorzugsweiſe beſteuerbare Materie, erſcheinen. Philipp Auguſt hat vier berühmte dieſer Art erlaſſen, deren erſte ſie bedroht, die zweite ſie plündert, die dritte ſie verjagt, und die vierte ihre Schuldner von ihrer Bezahlung frei ſpricht. Lud⸗ wig VIII. erließ auch die ſeinige. Er hob jede Art von Zins auf, und ließ zum Vortheil der Adelsherren die den Juden ſchuldigen Summen zahlen. Wir haben ſchon geſehen, daß Ludwig der Heilige ſich gegen ſie nicht minder ſtreng bewies; Philipp der Schöne, Ludwig X. ſetzten das Syſtem ihrer Vorgänger fort. Nach den Juden kommen die Münzen, und keine Regierung vergeht, ohne daß die königliche Gewalt mehr als Eine Verordnung über dieſen Gegenſtand erlaſſen hätte. Ludwig der Heilige wollte, daß die Münze ſeiner Regie⸗ rung überall an die Stelle der Münzen der Lehensherren träte, und dieſe Vorſchrift, ſchon durch ſeine Vorgänger verſucht, hätte günſtige Ergebniſſe gehabt, wenn ſpäter die Könige ſie nicht mißbraucht hätten, um künſtlich ihre Hilfsquellen durch betrüge⸗ riſche Verſchlechterungen der Münze zu vermehren. Dieſe Münzverſchlechterungen erneuerten ſich mit einer unerhörten Be⸗ harrlichkeit, trotz den Verluſten, welche faſt auf alle erfolgten. Bald verbot man Jenen, welche weniger als ſechstauſend Franes Rente beſaßen, goldenes oder ſilbernes Tafelgeſchirr zu haben, bald machte man den Perſonen, welche ſolches beſaßen, zur Ver⸗ pflichtung, einen Dritttheil davon in die Münze zu tragen, wo die Münzmeiſter der Krone es um den frühern Preis kauften, um es mit Gewinn unter der Form von Thalern mit ſchlechtem Schrot und Korn wieder zu verkaufen.*) Der König ſelbſt ſah ſich ge⸗ nöthigt, bei ſeinen eigenen Unterthanen um Verzeihung deßwe⸗ gen zu bitten, und er verſprach, ſie in Zukunft dafür zu ent⸗ ſchädigen.**) *) Ordonnanz von Philipp dem Schönen, in der Collection du Louvre, t. I. p. 324. *r) Hier iſt ein Auszug aus dieſer merkwurdigen Urkunde:„Notum Die Stelle eine f fuhr d machen preſſali fet. Lebens den dür ier die den Schü zurüchwei vollen G nämlichen das Geyr dann, w von Sie ſicht do aufzukl lipp 1. merkwi R„MNan Naris/ treide, T jede ande facimus, que ridus istis n deerit de po eipientes ea sentium ten, zolutum, v ratione mine zupplebimu dePnnee, hrgeln ge⸗ enblit ſiht ittelalters, erſcheinen. en erſte ſie und die ht. Lud⸗ von Zind en Juden hen, daß hewies; m ihrer n, und Gewalt erlaſſen Regie⸗ öherren erſucht, ſe vicht detruge⸗ . Dieſe rten Be⸗ erfolgten. Francs haben, ur Ver⸗ wo die um es Schrot ſich ge⸗ dehwe⸗ zu ent⸗ ection du „Notum — 195— Die Verordnungen über das Getreide nehmen eine bedeutende⸗ Stelle in der Sammlung der Ordonnanzen ein. Ein Krieg, eine Hungersnoth, eine ſchlechte Ernte genügten, um die Aus⸗ fuhr der Lebensmittel unter ſehr ſchweren Strafen verbieten zu machen; allein dieſe Ausfuhrverbote gleichen faſt immer Re⸗ preſſalien, und ſind in der Regel von einer Milderung beglei⸗ tet.„In Erwägung, heißt es, daß unſere Feinde von unſeren Lebensmitteln Vortheil ziehen könnten, und daß es ferner wichtig iſt, ihnen ihre Waaren zu laſſen, haben wir verordnet, daß weder die erſteren ausgeführt, noch die letzteren eingeführt wer⸗ den dürfen.“ So war es der Gedanke an einen Krieg, wel⸗ cher die ausländiſchen Waaren im Jahr 1304 durch Philipp den Schönen und im Jahr 1793 durch den Nationalconvent zurückweiſen ließ; und gegenwärtig im tiefen Frieden, in der vollen Geſittung herrſcht dasſelbe Syſtem vor, geſtützt auf die nämlichen Gründe! Bisweilen jedoch trugen die Ordonnanzen das Gepräge einer verſtändigen und gründlichen Sorgfalt, wie dann, wenn ſie die Statiſtik der Verſorgungen mit Getreide von Stadt zu Stadt, von Landſchaft zu Landſchaft in der Ab⸗ ſicht vorſchrieben, die Bürger zu beruhigen und die Magiſtrate aufzuklären. Das Edikt vom Februar 1304, das man Phi⸗ lipp IV. verdankt, zeigt ſogar in anderen Rückſichten eine merkwürdige Richtigkeit der Anſichten und Scharfſichtigkeit. „Man ſoll in alle Städte und Dörfer der Vicegrafſchaft von Paris ſenden, und allenthalben erkundigen, wie viel Ge⸗ treide, Weizen, Miſchkorn, Roggen, Gerſte und Hafer und jede andere Art von Getreide und wie viel in jeder Stadt facimus, quod pro ingruentibus nostris et regni nostri negotiis, tempo- ribus istis monetam fabricari disponentes, in quà forsan aliquantulum deerit de pondere, alleio, seu lege... ne propter hoc monetam Te- cipientes eandem in posterum damnificari contingat aut laedi, präe- sentium tenore promittimus, quod omnibus qui monetam hujusmodi in solutum, vel alias recipient in futurum, id quod de ipsius valore, ratione minoris ponderis, alleii, sive legis deerit, in integrum de nostro aupplebimus, ipsosque indemnes servabimus. Ordonnances des role de France, 6. I. p. 325. 13. — 196— dß nach „ und jedem Gebiet vorräthig ſei, und wie viel es bedürfen würde,! werde, um davon bis zur neuen Ernte zu leben, und die Saat weil dar zu beſtellen; und was darüber iſt, ſoll man in der Vicegraf⸗ gen mu ſchaft zu Markt bringen, nicht Alles zugleich, ſondern— allmälig, ſo daß das Getreide bis zum Frühling ausreiche, und es darf nicht geduldet werden, daß es außer der genann⸗ Iias eag ten Vicegrafſchaft ohne beſondere Ausgangserlaubniß verhan⸗ uu delt werde. Wer Korn oder Getreide kaufen will, bezahle als⸗ Kaderan bald das Geld, und Niemand kaufe Getreide, um es auf den eonsuer Speicher zu bringen, bei Strafe, es zu verlieren.“ pernitt Gleichwohl ſah ſich trotz dieſen Vorſichtsmaaßregeln, welche ununeri zum Zwecke hatten, zugleich die Schreckniſſe der Volksbewegun⸗ grni u gen und die wucherlichen Aufkäufe zu verhüten, der nämliche Cur Fürſt ſchon im folgenden Monat*) genöthigt, eine Ordonnanz hhehe über ein Maximum zu erlaſſen, zufolge welcher Niemand u 8 unter der Strafe der Vermögenseinziehung den Seſter hman, des beſten Weizens, Pariſer Maaßes, für mehr als vierzig sübditorum Pariſer Sols, und den Seſter Korn minderer Güte im Ver⸗ TariSiense hältniß verkaufen durfte. Der Seſter der beſten Bohnen und bere ve der beſten Gerſte, Pariſer Maaßes, ſollte um 30 Sols; der Aen beſte Hafer um 20 Sols; der Seſter der beſten Kleie um 10 a Sols verkauft werden. Wer immer mehr Getreide hatte, als nan die Bedürfniſſe ſeines Unterhalts und ſeiner Saatfrucht betru⸗ minori gen, ſollte es auf den Markt ſchicken, und wenn nach geſche⸗ 5 Pähs hener Verkündigung ſich bei einigen Perſonen mehr als die ginti sol nöthige Quantität fand, ſo wurde Alles zum Vortheil des Kö⸗ meusuram nigs confiscirt.**) Wer hätte trotz dem damals geglaubt, tescendend Qualitatem Vobis ita *) Im März 1304. idis, bonis **) Es ſchien uns nützlich zu ſeyn, die Beweggründe dieſer Ordonnanz jenen zerlis, ori des Beſchluſſes des Nationalkonventes, welcher das Maximum verkün⸗ roclanati dete, gegenüberzuſetzen. Die Ordonnanz Philipps des Schönen lautet: uem vel 9u Philippus Dei gratià, Francorum rex, Ballivo Viromandensi salu- eosdem exp tem. Sicut in subjectorum nobis populorum tranquillitate et pro- vosira syeci speritate venturà gloriamur uberius, sic et in ipsorum afflictione et Man leſe adversitate üoxiâ et oppressis compatimur, et condolemus affictis Narimum 1 hedürfen die Saat dicegraf⸗ ondern sreiche, genann⸗ verhan⸗ hle als⸗ auf den welche vegun⸗ mliche nnanz emand Seſter vierzig Ver⸗ en und 68; der um 10 atte, als t betru⸗ geſche⸗ als die es Kö⸗ laubt, danzſenen m verkün⸗ jautet: jensi salu- ate et Pro- fgictione et 197— daß nach dieſer drohenden Ordonnanz die Hungersnoth ſteigen würde, und die Märkte öde blieben? Dieſes trat wirklich ein, weil damals wie jetzt, jedes derartige Geſetz ſeine Früchte tra⸗ gen mußte. Vergebens hatte Philipp IV. Sorge getragen, vias exquirentes et modos, juxtà datam nobis a Deo potentiam, quibus et eorum succurratur indigentiis, dispendiis obvietur. Cum itn que victualium omnium et praecipue bladorum, pisorum, fabarum, hordei, avenae, caeterorumque granorum, quihus sustentari consuevit populi multitudo, adeo in regni nostri partibus, domino permittente caristia invaluerit his diebus, quod humilis plebis copia innumerabilis, nisi eis indilato suecurratur remedio, diutius, ahsque gravi totius vulgi dispendio non poterit sustentari. Generali condolentes excidio, praesertim cuem necessitatis tempore omnia fere communia jura publice proterantur, consulte duximus or- dinandum, quod baillivias, vicecomitatus, praeposituras, et alia loca regni nostri, de quibus expedire viderimus, faciemus publice pro- clamari, ac etiam inhiberi, sub omni amissione bonorum, ne quis subditorum nostrorum sextarium frumenti melioris, ad mensuram parisiensem, ultra summam quadraginta solidorum parisiensium ven- dere vel emere seu vendi aut emi facere, quoquomodo praesumact et sextarium frumenti seu bladi minoris pro minori pretio vendi aut emi descendendo praecipimus, habita consideratione ad valorem et pretium melioris sextarii, aut pisorum meliorum ad mensuram prae- dictam similiter pro quadraginta solidis Parisiensibus et minora pro minori pretio descendendo vendi praecipimus, ut est dictum. Fabas quoque et hordeum pro triginta solidis avenamque pro vi- ginti solidis et furfur pro decem solidis parisiensibus, sextarium ad mensuram parisiensem, de melioribus et de aliis pro minori pretio descendendo, ac caetera grana habito respectu ad meliora, juxta eorum qualitatem vendi volumus, modo, quo superius est expressum. Vobis itaque praecipimus et mandamus quatenus in civitatibus, op- pidis, bonis villis et aliis locis bailliae vestrae, de quibus expedire vi- deritis, ordinationem et statutum praedictum publice et solemniter proclamari, et in qualibet sui parte faciatis firmiter observari. Si quem vel quos ipsius transgressores inveneritis, animadversione in eosdem expressa punientes, nemini in hac parte purcendo, nisi de nostra speciali licentia seu mandato. Man leſe nun auch die Darſtellung der Motive zu dem Geſetz über das Maximum, wie ſie dem Convent von Coupé, dem Abgeordneten des — 198— beizufügen, daß man ſicher jede Art Brodes zu Markte Handels bringen könnte, mit einem königlichen Geleitsbrief, und verhüte ohne daß Jemand Pferde und Wagen anhalten oder Ordon wegnehmen könnte: ſeine Verletzung der ewigen Geſetze des kannim — Oiſedepartements, im Namen des Ausſchuſſes für die Herbeiſchaffung der Gunder Lebensmittel, vorgelegt wurde. Thel „Ich beeile mich, dem Nationalconvent das Ergebniß der Berathung Ihrer„IIr Commiſſion über das Maximum vorzulegen, welches für verſchiedene entwirr Handelsgegenſtände erſter Nothwendigkeit mit Ausnahme des Holzes und det ein der Kohle beſtimmt werden ſoll, für welche letztere Sie geſtern durch ei⸗ heraüſe nen beſondern Beſchluß eine Taxe aufgeſtellt haben. turfüh „Dieſes Geſetz wird mit der größten Ungeduld erwartet, und da die„Lie! Böswilligkeit, die Begierlichkeit ihre verabſcheuungswürdigen Operationen belhes i mit denen der auswärtigen Feinde vereinigen, ſo geſtatten ſie uns nicht, 6 dirfiſe! es weiter hinausznſchieben.„deßn „Wir haben alle Schwierigkeiten und den Umfang deſſelben wohl ge⸗ ntärich fühlt: es ſchien ſogar gewiſſe unſerer Collegen zu erſchrecken; wir blie⸗ ſyeiden ben nur in kleiner Zahl, weniger gehoben durch das Vertrauen in unſere„Ddmm Kräfte, als durch unſern guten Willen. ſten d „In den gewöhnlichen Zeiten beſteht und bildet ſich natürlich der Preis und d der Dinge aus dem wechſelſeitigen Intereſſe der Verkäufer und Käufer; rühi dieſe Bilanz iſt untrüglich. Es iſt ſelbſt für die beſte Regierung unnütz, de ſich hiereinzumiſchen. So aufgeklärt ſie auch ſei, ſo gute Abſichten ſie auch ſi habe, ſie trifft ihn nie ſo richtig, und ſie läuft immer Gefahr, ihn dadurch, lußi daß ſie ihre Hand dabei im Spiele hat, zu verrücken..„ „Wenn aber eine allgemeine Verſchwörung der Böswilligkeit, der Treu⸗ loſigkeit, der Wuth, von welcher kaum ein Beiſpiel beſteht, ſich vereinigt, vendig um dieſes natürliche Gleichgewicht zu ſtören, um Sie auszuhungern, uns zu miſe zu plündern, dann wird die Wohlfahrt des Volkes die höchſte Friſch Regel. geſahe „Die Geſellſchaft hat ein Recht, dieſem Kriege des Handels und der Ty⸗ Bütter, rannen zu widerſtehen, das Gleichgewicht mit feſter Hand wiederherzuſtellen Süßes und zu ſichern, welches zwiſchen unſern Erzeugniſſen und unſern Bedürfniſſen dieh, beſtehen ſoll. 8 Geſalzen „Jedoch bedarf es dann einer verſtändigen Berechnung; man muß ſich Wein, begnügen, durch ein Maximum heilſame und gerechte Schranken aufzu⸗ Branntt ſtellen, welche man nicht überſchreiten darf. Man muß dem rechtmäßigen Eſſg, Handel fortan ſeine Wirkſamkeit belaſſen und die Beziehungen der Inter⸗ Ohſtmof eſſen ſchonen; und ſie ſind zahllos durch alle Oertlichkeiten, welche Bier, Frankreich umfaßt, und noch weit mehr durch ſämmtliche Umſtände Brennho dolzkoble Markte rif, und en oder eſetze des ffung der ung Ihter erſchiedene olzes und durch ei⸗ d da die rationen snicht, vohl ge⸗ vir blie⸗ n unſere er Preis Käufet) g unnüt, en ſie auch i dadurch, der Treu⸗ gereinigt, ern, uns hoͤchſte der Ty⸗ zuſtellen arfniſſen muß ſic en aufzu⸗ htmäßigen der Inier⸗ e, welche Umſtndt — 190— Handels verſchlimmerte nur gar zu bald das Uebel, welches zu verhüten ſie zum Zweck hatte, und er ſah ſich genöthigt, die Ordonnanz des Maximums faſt ſo fort nach ihrer Be⸗ kanntmachung zurückzunehmen. Die Ausdrücke, deren er ſich hundert verſchiedener Kriege und durch die unerhörte Verſchwörung aller Theile Europa's gegen uns. „Ihre Commiſſion hat erwogen, daß es eine endeloſe Arbeit, ein un⸗ entwirrbares Irrgewinde ſeyn würde, wenn ſie in alle Beſonderheiten der einzelnen Arten von Lebensmitteln, der Verhältniſſe der Oertlichkeiten herabſteigen wollte, und vor Allem, daß das Geſetz unendlich und un⸗ durchführbar werden würde. „Sie hat geſtrebt, ein allgemeines und einfaches Princip aufzufaſſen, welches überall und zu gleicher Zeit, und nach den Verſchiedenheiten der Be⸗ dürfniſſe zu verkaufen und zu kaufen ſich anwenden laſſe. „Deßwegen hat ſie eine Grundlage gewählt, welche dieſelben in ihrem natürlichen, ſich von ſelbſt geſtaltenden Zuſtand darſtellt; ſie hat den re⸗ ſpectiven Werth der Lebensmittel gewählt, wie er im Jahr 1790 beſtand. „Damals war jede Sache in ihrem Preis nach dem Verhältniß zwi⸗ ſchen den erzeugenden Landſchaften und den Landſchaften der Conſumtion, und die Vertheilnng der Unterſchiede, welche für die Thätigkeit des Handels nöthig waren, ſindet ſich ganz fertig: es blieb nur noch übrig, eine Größe der Erhöhung hinzuzufügen, welche den mehr oder minder ſchwierigen Umſtänden entſpricht, in welchen wir uns befinden.“ Es erfolgte der Beſchluß, deſſen Artikel I. hier ſtehe: *Die Gegenſtände, welche der Nationalkonvent als Sachen erſter Noth⸗ wendigkeit erkannt, und deren Maximum oder höchſten Preis er feſtſetzen zu müſſen geglaubt hat, ſind: Friſches Fleiſch, Steinkohle, Geſalzenes Fleiſch und Speck, Talglicht, Butter, Brennöl, Süßes Oel, Salz, Vieh, Soda, Geſalzene Fiſche, Seife, Wein, Potaſche, Branntwein, Zucker, Eſſig, Honig, Obſtmoſt, Weißes Papier, Bier, Leder, Brennholz, Eiſenwaaren, Holzkohle, Gußwaaren, — 200— bei dieſem Anlaſſe bediente, ſind merkwürdig genug, um ſie geben 1 hier wörtlich anzuführen; ſie gehören zudem der Geſchichte der Wir wel Wiſſenſchaft an, welche ſelten in der Sprache der Könige eine Nri ſo ausgeſprochene Offenherzigkeit findet. ia „Wir Philipp von Gottes Gnaden, König von Frankreich, n entbieten dem Bailli von Senlis unſern Gruß. Nachdem wir, Phenani um den gemeinſamen Sturm und die Noth der Ge⸗ efritkh genwart wegen der Theurung des Getreides, der Erbſen, Lüi Bohnen, Gerſte und der anderen Früchte, mit welchen die Ge⸗ an diei ſammtheit des Volkes unterhalten wird, zu beſchwichtigen, neu⸗ dandlun lich verordnet und feſtgeſetzt haben, und haben in unſerm Kö⸗ verhei nigreich ausrufen und verbieten laſſen, daß keiner unſerer ſenn en Unterthanen, bei Strafe, ſein geſammtes Vermögen zu ver⸗ Erfahrung lieren, es wagen ſollte, den beſten Weizen für mehr als 40 4 ſgar m Sols, Bohnen und Gerſte für mehr als 30 Sols, Hafer für Ähe al mehr als 20 Sols, und Kleie für mehr als 10 Sols zu ver⸗ V ada, enttaul kaufen; von welchem Statut und von welcher Ordonnanz wir nungh hofften, daß die größte Erleichterung und die ding Lhi größte Hilfe unſerem Volke zugehen ſollte, ſäüi was noch nicht geſchehen iſt, ſo muß man dennoch, ſo⸗ R. En wohl deßwegen, als wegen neu eintretender Gründe, die Rath⸗ mch d ſchläge und die Ordonnanzen abändern. Damit nun auf das er die Eiligſte der Noth unſeres Volkes abgeholfen werden möge, nem je haben Wir widerrufen und widerrufen die Preiſe, welche gut dun Wir für die beſagten Früchte angeſetzt haben, und Wir haben uun Nar deßhalb verordnet und feſtgeſetzt, daß, wer immer in unſerem lacen un Königreiche von dem genannten Getreide beſitzen wird, es auf henn er n dem Markte verkaufen, und es für einen ſolchen Preis bergebracht ken, daß all 2 Getreide un Blei, Tücher, und ſee ſiche Stahl,.. Rohſtoffe, deren die Fabriken be⸗ fäle, ußs Kupfer, dürfen,. Hanf, Holzſchuhe, ſohald ſie we Lein, Schuhe, jeder Gemein Wollenwaaren, Reps und Rübſamen, die Grußhänd Zeuge, Tabak. 3 Ungefähr 300 oum ſie ſiche der nige eine ankreich, em wir, der Ge⸗ Erbſen, die Ce⸗ en, neu⸗ rm Kü⸗ unſerer ver⸗ als 40 er für u ver⸗ zwir die tlre; c, ſo⸗ ie Nath⸗ auf das mmoͤge, , weſche Jaben nſerem es auf freis riten be⸗ — æ —-— 201— geben könne, wie er ihn dafür haben kann. Und Wir wollen und gebieten, daß ſicher und ruhig man auf die Märkte kommen könne, ohne etwas für Pferde und Wagen zu befürchten.“ So hatte eine Erfahrung von einigen Wochen genügt, um die Nutzloſigkeit der Zwangsmaaßregeln bei der Verſorgung mit Lebensmitteln zu erweiſen. Die Ordonnanzen Philipps des Schönen ſind in der Hinſicht ſehr belehrend, daß ſie gleichſam ein kleines ökonomiſches Drama bilden, in welchem ſich die Handlung ſtreng nach den Regeln der Wiſſenſchaft, d. h. zum Vortheil der Freiheit anknüpft, verwickelt und löst. Man hat ſogar einige Mühe, zu begreifen, wie nach ſo entſcheidenden Erfahrungen wir den Kampf unter mehren Regierungen und ſogar noch am Ende des 18. Jahrhunderts zwiſchen dem Abbé Galiani und Turgot, zwiſchen den Verwaltungsbeamten und den Oekonomiſten wieder beginnen ſehen. Noch mehr; enttäuſcht durch dieſe unglücklichen Verſuche des Maximum'e ging Philipp der Schöne noch weiter, als es uns in Paris ſelbſt in dem Augenblick, wo ich ſchreibe, zu kommen gelungen iſt. Ein Jahr nach der Zurücknahme ſeiner Ordonnanzen und nach der Wiedereinſetzung des freien Getreidehandels befreite er die Zehrer von dem Monopol der Bäcker, und geſtattete ei⸗ nem jeden Bürger, ſich mit Brod zu verſorgen, wie es ihm gut dünken möchte.„Wir verordnen und wollen, daß Jeder von Paris oder wer zu Paris wohnt, in ſeinem Haus Brod backen und liefern und an ſeine Nachbarn verkaufen dürfe, wenn er nur genügendes und ordentliches Brod bäckt, und die hergebrachten Gebühren davon zahlt. Wir befehlen und wol⸗ len, daß alle Tage in der Woche Jeder, der will, Brod und Getreide und alle anderen Lebensmittel nach Paris bringen und ſie ſicher und ruhig verkaufen könne. Wir wollen gleich⸗ falls, daß von allen Lebensmitteln, die nach Paris kommen, ſobald ſie werden auf den Markt gebracht werden(afforées), jeder Gemeine für den gleichen Preis haben könne, um welchen die Großhändler(grossiers) ſie kaufen werden.“ Merkwürdig! Ungefähr 500 Jahre ſpäter ſah ſich St.⸗Juſt genöthigt, im — 202— Schooſe des Nationalkonvents faſt in denſelben Ausdruͤcken, wie Philipp der Schöne, die Unwirkſamkeit des Maxrimums anzuerkennen, um die Hungersnoth zu beſchwören.„Die ver⸗ ſchiedenen Geſetze, welche Sie jüngſt über die Lebensmittel ge⸗ geben haben, wären gut geweſen, ſagte er,*) wenn die Men⸗ ſchen nicht ſchlecht geweſen wären. Als Sie das Geſetz über das Maximum gaben, kauften die Feinde des Volkes, reicher als es, über dem Maximum. Die Märkte wurden wegen des Geizes Jener, welche verkauften, nicht mehr verſehen: Der Preis der Lebensmittel war geſunken; allein die Lebensmittel waren ſelten. Die Commiſſionäre einer großen Anzahl von Gemeinden kauften in Concurrenz, und da die Unruhe ſich von ſelbſt nährt und verbreitet, ſo wollte Je⸗ dermann Vorräthe anlegen, und bereitete die Hungersnoth, um ſich vor derſelben zu ſchützen.“ Wem fällt nicht die Aehn⸗ lichkeit dieſer Geſtändniſſe auf, trotz der fünf Jahrhunderte, welche dazwiſchen liegen? Aber zu keiner Zeit konnte man un⸗ geſtraft die weſentlichen Geſetze verletzen, welche die Erzeugung des Vermögens leiten, ohne faſt unmittelbar unter den ver⸗ derblichen Wirkungen dieſer Verletzungen zu leiden, und die Geſchichte iſt voll ſolcher Lehren, die aber nicht hindern, daß dieſelben Irrthümer immer wieder hervor treten. Man findet hiefür einen ſchlagenden Beweis in der uner⸗ müdlichen Beharrlichkeit der Staatsherrſcher, ihren Launen zu Liebe, die Geſetzgebung über die Münzen umzuſtürzen. Wir können kaum die Geduld der Völker begreifen, mit der ſie dieſe fortwährenden Aenderungen in dem officiellen Preiſe der Gold⸗ und Silberſtücke ertragen, wahre Verfälſchungen, deren Opfer der Handel war, und welche ſich nur als Bankbrüche anſehen laſſen. Bald gefiel es dem König, zu erklären, daß die klei⸗ nen Royalen(petits royaux) einen Curs von eilf Sols parisis haben ſollten; bald, daß man zur guten Münze aus der Zeit des Herrn Ludwig des Heiligen zurückkommen, und daß Niemand es wagen ſollte, anders zu zahlen; dann unter⸗ *) Moniteur vom 14. Oct. 1793. p. 92, 3te Columne. ſagte man endlich d vermünze Preiſe g Mitthen daß die. fender kann Ri der Kön nen, we und zu Münze velche da haufen we Idde Ord ſtrophe zu abzuhelfer weil er wichung Regeru die Ab Frankre und ſch erſten Pie vie und über laſſen, wel ker von ſah hum von 8)„Wenn werden, die in trag von fü jahlen in ze man ſe zahlen nanz zur Ze Sunme ver⸗ lusdräcen, arinuns „Die Re⸗ smittel ge⸗ die Men⸗ heſetz über es, reicher wegen des hen: Der Klein die nire einer „ und da ollte Je⸗ ersnoth, ie Aehn⸗ underte, man un⸗ zeugung den ver⸗ vrd de dern, daß der uner⸗ Launen zu en. Wir ſie dieſe er Gold⸗ n Opfer anſehen die klei⸗ eilf Sols ze aus der nmen, und ann untel⸗ ſagte man wieder den Gebrauch der fremden Münzen, dann endlich den der über die Hälfte mit Kupfer beſchickten Sil⸗ bermünze(billon). Nachdem man ſo die Störung in die Preiſe geworfen hatte, mußte man bei den Verträgen, bei den Miethen und Pachten einſchreiten, und endlich verordnete man, daß die Zahlungen in jedem Jahr, in jedem Halbjahr in lau⸗ fender Münze geſchehen ſollten.*) Von dieſer Zeit an kann Niemand mehr auf regelmäßige Einkünfte rechnen, und der König ſelbſt iſt genöthigt, um ſein Holz verkaufen zu kön⸗ nen, welches Niemand will, eine öffentliche Abbitte zu thun, und zu erklären, daß Jene, welche zur Zeit der guten Münze gekauft haben, in guter Münze bezahlen, und Jene, welche das nämliche Holz zur Zeit der. ſchwachen Münze kaufen werden, in der ſchwachen Münze bezahlen ſollen. Jede Ordonnanz über eine Münzverſchlechterung hatte eine Kata⸗ ſtrophe zur Folge, welcher man durch tyranniſche Anordnungen abzuhelfen glaubte. Es iſt anziehend, dieſen Kampf zu erforſchen, weil er die Gefahr und Nutzloſigkeit der ſouverainen Ein⸗ miſchung in die Geſchäfte des Verkehrs nachweist, welchen die Regierung allein Freiheit und Sicherheit ſchuldig iſt. Durch die Abweichung von dieſen Grundlehren haben die Könige von Frankreich den Handelskriſen den Weg eröffnet, und die lange und ſchmerzliche Reihe von Erfahrungen begonnen, welche den erſten Zeitraum der Geſchichte unſerer Staatswirthſchaft erfüllen. Wie viele Verſuche, um die Ausfuhr des Goldes zu hindern, und überall her in die Münze die edeln Metalle gelangen zu laſſen, welche die Arbeiter der Krone Tag und Nacht in Tha⸗ ler von ſchlechtem Gehalt umprägen! Die Pilger ſelbſt ſind kaum von der ſtrengen Regel ausgenommen, welche die Ausfuhr *)„Wenn die Käufe unter einer Summe oder Quantität geſchloſſen werden, die in verſchiedenen Jahren zu zahlen iſt, z. B. im Be⸗ trag von fünftauſend Livres, oder von mehr oder weniger, zu zahlen in zehn Jahren, jedes Jahr ſo viele tauſend Livres, ſo ſoll man ſie zahlen in ſolcher Münze, wie ſie nach unſerer Ordon⸗ nanz zur Zeit umlaufen wird, wo die Zahlung einer jeden Summe verfallen wird.“ Ordonnances, tome J. p. 411. ————, 4 ————————————ööööö— — 204— des baaren Geldes verbietet. Es ſcheint, als wolle man durch ni un deſſen Zurückhaltung den Reichthum ſelbſt zurückhalten; man in deß begreift noch nicht die einfachſten Geſetze des Umlaufs, und uihte ge man legt die Fundamente zu jener Verehrung des Goldes, E 1 deren letzter Ausdruck das Ausſchlußſyſtem ſpäter werden rand wird. Die einen werden genöthigt, ihr Silbergeſchirr zu ver⸗ kleu kaufen, die anderen ihre Halsbänder und Ringe einſchmelzen Ver zu laſſen. Man glaubt den Reichthum dadurch zu vermehren, ſtlehie daß man aus einem guten Thaler zwei ſchlechte macht, und tden ſo wenn vor dieſen Aſſignaten des königlichen Betrugs die Preiſe nier, ſi ſteigen, ſo findet man kein anderes Mittel der Abhilfe für ten m dieſe unvermeidliche Folge, als die Verkündung von Aufwands⸗ talänſſ geſetzen und die Auferlegung von Beſchränkungen für die Ver⸗ Naihihum zehrung. bli dieſes „Wir wollen, ſagt eine Ordonnanz von 1294, daß jede Art b bei dnd von Leuten, welche nicht ſechstauſend Tourſer Livres Rente V haüte ind haben, goldenes und ſilbernes Tafelgeſchirr weder zum Trinken, meſchen, noch zum Eſſen, noch zu einem andern Zweck gebrauchen und V Ddomna gebrauchen könne, und daß Niemand, bei einer Leibes⸗ oder den, we Vermögensſtrafe hier einen Betrug begehe, und aus dem oben nur Cr. beſagten Silber wollen wir unſere Münzen für den gemei⸗ und ſi nen Gewinn unſeres Königreichs machen.“ welche Eine andere Ordonnanz deſſelben Jahres verfügte, wie folgt: Handel „Keine Bürgerliche ſoll einen Wagen haben. unterla Kein Bürger und keine Bürgerliche ſoll Grün oder Grau, oder niglihle Hermeline tragen, und jene ablegen, welche ſie haben, von Lahorſ nächſten Oſtern über ein Jahr. Sie ſollen weder Gold, noch mnt. B. Edelſteine, noch Kronen von Gold oder Silber tragen und alhemeine tragen dürfen. en nach de Die Herzoge, Grafen, Barone von ſechstauſend Livres oder azen der; mehr Grundrente dürfen ſich im Jahr vier NRöcke und nicht egen die; mehr machen laſſen, und die Frauen eben ſo viele.— Ein Ritter, welcher dreitauſend Livres Grundrente hat, kann nd da drei Paare Kleider im Jahre haben, und nicht mehr, und ei⸗ uui var ner von dieſen drei Röcken ſoll für den Sommer ſeyn. n in Niemand ſoll bei einem großen Eſſen mehr als zwei Ge⸗ Keans e wÿo, man durch lien; man aufs, und Goldes, er werden r zu ver⸗ nſchmelzen ermehren, naht, und die Preiſe hilfe für Ifwands⸗ de Ver⸗ jede Art 8 Rente Trinken, hen und 88⸗ der dem oden gewei⸗ wie folgt: rau, oder en, von d, noch gen und res oder und vicht hat, kann 3 und ei⸗ n. zwei Ge⸗ — 205— richte und eine Speckſuppe ohne Betrug geben. Und wenn es ein Faſttag iſt, ſo ſoll er zwei Heringsſuppen und zwei Ge⸗ richte geben können. Es wird verordnet, daß kein Prälat oder Baron ein Ge⸗ wand für ſeinen Körper von höherm Preis, als die Pariſer Elle zu 25 Tourſer Sols haben ſolle.“ Wer ſollte es glauben, daß alle dieſe Gebote, würdig der ſchlechteſten Utopien Sparta's, und dieſe Heringsſuppen, eben ſo lächerlich als die ſchwarze Kraftſuppe der Lacedämo⸗ nier, einer Epoche angehören, wo die Induſtrie von allen Sei⸗ ten nach ihrer Verjüngung rang, wo die Hanſeſtädte und die italiäniſchen Freiſtaaten ſich ſchon auf eine hohe Stufe des Neichthums und Glanzes erhoben hatten! Aber ſelbſt der An⸗ blick dieſes Reichthums genügt, um das blinde Beharren der Könige bei den Verboten der Ausfuhr des Goldes zu erklären. Frankreich hatte in dieſem Zeitraum Weniges gegen die Erzeugniſſe einzu⸗ tauſchen, deren es bedurfte; und vergebens verboten frühere Ordonnanzen, anders als durch Eintauſch von Waaren zu han⸗ deln, weil es auf der einen Seite nur Thaler und auf der andern nur Erzeugniſſe gab. Das Geld mußte durchweg hinaus gehen, und ſich in die Kiſten der italiäniſchen Regierungen verlieren, welche wir bald Heere von Söldnern mit dem Gold der ihrem Handel und ihrer Induſtrie tributpflichtigen Nationen werden unterhalten ſehen. Vergebens wird von Zeit zu Zeit der kö⸗ nigliche Zorn unter dem Namen der Lombarden, Wucherer und Cahorſinen(von der Stadt Cahors ſind dieſe Wechsler ſo ge⸗ nannt. Buß.) dieſe unerſchrockenen Handelsleute erreichen; das allgemeine Intereſſe hat ſie nothwendig gemacht, und ſie erſchei⸗ nen nach der Ausplünderung immer wieder, pflanzend in die Herzen der Völker den erſten, noch jetzt unaustilgbaren Argwohn gegen die Ausfuhr des Goldes.*) Das iſt der erſte wahr⸗ *)„Und da wir erfahren haben, daß mehre Italiäner in unſerem Kö⸗ nigreiche waren, welche mit Waaren handeln und Verträge abſchließen, die nicht ehrlich ſind, ſo iſt es unſere Abſicht nicht, ſolchen Italiänern die genannten Freiheiten und Ermächtigungen zu geben.“ Ordonnance de Louis le-Hutin, du 9. Juillet 1315.— — 296= hafte Ausgangspunkt unſerer Vorurtheile in der politiſchen Oe⸗ konomie, ein Werk des politiſchen Grolls, wenn man jeden Handel mit den Flamändern unterſagt,*) oder des religiöſen Fanatismus, wenn man die Juden verfolgt. Dieſe Vorurtheile haben ſich von Zeitalter zu Zeitalter in den Verwaltungen und in dem Geiſte der Völker fortgeerbt, und ſie herrſchen dort noch, mit der höchſten Sanction der Regierungen bekleidet. Dieſes erklärt, warum man gegenwärtig ſo große Mühe hat, ſie zu zerſtören, trotz den feierlichſten Widerlegungen der Erfahrung und Geſchichte. So groß iſt die Kraft von Allem, was ſtark gegliedert war, und Nichts war mit mehr Talent und Geſchick⸗ lichkeit eingerichtet, als die entſtehenden Gewerbe, deren Anfänge wir jetzt unter Ludwig dem Heiligen erforſchen wollen. Hauptſtück XIX. Organiſation der Gewerbsinnungen unter der Regierung Ludwigs des Heiligen.— Von dem Livre des Métiers von Stephan Boyleau.— Allgemeine Ueberſicht des Syſtems der Innungen.— Deſſen frühere Vortheile und deſſen Nachtheile in der Neuzeit. Aus den von uns angeführten Verordnungen konnte man den Zuſtand der Geſetzloſigkeit ermeſſen, in welchem ſich die eu⸗ ropäiſche Geſellſchaft am Ende des 12. und in dem 13. Jahrhundert befand. Nur für das Grundeigenthum beſtand friedliche Sicher⸗ heit und Dauerhaftigkeit des Beſitzes. Es allein befaßt in ſich alle Genüſſe, alle Vorrechte, alle Freiheiten. Aber ſchon erhebt ſich an ſeiner Seite der bewegliche Reichthum, geſchaffen durch **) Man ſehe eine andere Ordonnanz von Ludwig X., vom 28. Februar 1315, und die 60 oder 80 Ordonnanzen, welche unter weniger als vier Regierungen gegen die Juden erlaſſen worden ſind. ———— de Ardei in Staas einnehm frei, ſei jeder do und ſei die man ſchon e wirkten geächte Vichtig manifir gewinnen man gew ſammeng mit dene blicke ihr ſache, d okerdih ter wne Nieme ſen; hier) Jaſal eine A die freie ſerr arbe Freiheit eine Waa hätten ſie ſollen, wel herrſchaft! Das wir zuert den Joche der udan Led üchen De⸗ wan ſeden religäſen Vorurtheile ingen und dort noch, . Dieſes at, ſie zu Erfahrung was ſtark Ge ſchick⸗ Anfänge wigs des oyleau.— ſen frühere ie man die eu⸗ zundert Sicher⸗ in ſich erhebt en durch vom B. — 207— die Arbeit der Demokratie, und vergebens verweigert man ihm im Staate den Rang, nach welchem er ſtrebt, und welchen er bald einnehmen wird. Nach und nach machte er ſich in den Städten frei, ſei es, daß er das Bürgerrecht kauft oder ſich zuſpricht; jeder Tag ſieht ein neues Edict zu ſeinen Gunſten hervortreten, und ſeine Macht befeſtigt ſich ſogar durch die Beſtrebungen, die man macht, um ihn zu ſtürzen. Die Gemeinden waren ſchon emancipirt, als ſie das Zugeſtändniß ihrer Freiheit er⸗ wirkten, und die Verfolgungen gegen die Juden, die immerfort geächtet und wieder zurückgerufen wurden, bewieſen ſchon die Wichtigkeit der Beſitzer der Capitale. Die Geſetzgebung hu⸗ maniſirt ſich in dem Maaße, als die Bürgerlichen Reichthümer gewinnen. Man beſchützt ſie auf den Meſſen und Märkten, man gewährt ihnen Gerichte, aus ihren Standesgenoſſen zu⸗ ſammengeſetzt, und ſie werden von einer Menge Plackereien, mit denen man ſie früher drückte, befreit. Aber im Augen⸗ blicke ihrer Emancipation ereignet ſich eine merkwürdige That⸗ ſache, die auf eine ſchlagende Weiſe den Feudalgeiſt des Zeit⸗ alters charakteriſirt: es iſt die hierarchiſche Organiſation der Arbei⸗ ter unter der Herrſchaft des Syſtems der Innungen. Es kömmt Niemanden in den Sinn, die Menſchen als Menſchen frei zu laſ⸗ ſen; der Grundſatz der Gleichheit herrſcht noch nicht. Es wird hier Meiſter und Lehrlinge geben, wie es Lehensherren und Vaſſallen gab, und eine Leibeigenſchaft der Werkſtätte, wie eine Leibeigenſchaft des Landbaues beſteht. Niemand begreift die freie Arbeit; der Arbeiter muß durchaus für einen Mei⸗ ſter arbeiten, wie der Bauer für einen Grundherrn. Die Freiheit ſteht auf dieſem Preis; der König verkauft ſie wie eine Waare, aber es mangelt nicht an Käufern. Und wie hätten ſie ihr im Schooße dieſes gewerblichen Heeres fehlen ſollen, welches wir plötzlich aus den Finſterniſſen der Lehens⸗ herrſchaft hervorſteigen ſehen! Das wird immerhin eine große Ehre für Ludwig IX. ſeyn, zuerſt den Gedanken gefaßt zu haben, ein ſolches Heer dem Joche der Zucht zu unterwerfen. Es hat dadurch an Macht und an Lebenskräftigkeit das gewonnen, was es an Unabhän⸗ — 208— gigheit zu verlieren ſchien; und ſeit dieſer Zeit hat die Ge⸗ werbsthätigkeit einen Aufſchwung genommen, der nie mehr ſtilltehen wird. Es iſt unmöglich, nicht von Verwunderung ergriffen zu werden, wenn man ſieht, mit welchem ſinnigen Scharfblicke Alles in dieſem ſo merkwürdigen Denkmal der Geſetzgebungein getheilt war, welches man die Ordnung der Gewerksinnungen von Paris(Etablissement des métiers de Paris) nennt, und welches aus der Zeit der Regie⸗ rung Ludwigs des Heiligen ganz vollſtändig auf uns gekommen iſt.*) Es war Stephan Boyleau, welchem Ludwig IX. die *) Es beſtehen davon drei oder vier Handſchriften. Die älteſte gehört der königlichen Bibliothek. Die Archive der Polizeipräfektur beſitzen davon eine gute Abſchrift, deren Mittheilung ich der Gefälligkeit des Herrn Labat, des Conſervators dieſer Archive verdanke. Der Verf. Wir geben hier den altfranzöſiſchen Text, nach dem Recueil général des anciennes lois françaises depuis P'an 420 jusqu'à la révolution de 1789; par M. M. Jourdan, Decrusy, Isambert. Tome I. p. 290. Er lautet: Estienne Boileau, garde de la prevosté de Paris; A tous les bourgeois et à tous les residens de Paris, Et à tous ceux qui dedens les bonnes de cel meisme lui, verront; asqueux ce apartendra: salut. Pour ce que nous avons veu à Paris en notre tans, mout de plais et de contens par la delloyal envie qui est mere de plais et de defernéèe con- voitise, qui gaste soy-meisme et par le non sens as jones et as poisa- chans, entre les estranges geus et ceus de la ville qui aucun mestier usent et hantent. Pour la reson de ce qu'il avoient vendu as estranges aucunes choses de leur mestier qui n'estoient pas si bones ne si loiaux queles deussent; et entre les paageurs et les coutumiers de Paris, et ceux qui les coustumes et les paages doivent de Paris, et ceux qui ne les y doivent pas. Et mesmement entre nous et ceux qui justice ou juridiction ont à Paris, qui se nous demandoient et requiroient, autre que il ne le devoient avoir ne n'ont usée ne accoustumèée de avoir. Et pour ce que nous nous doutiemes quely Roys ni cuisse domages, et cil qui ont les coustumes ou de par le Roy, ni perdisent, et que fauses oeuves ni fussent faites ne,vendues à Paris ou que mauvaises coustumes ni fussent accoustumées. Et pour ce que ly offices au bon juge est d'abatre et de finer les plez à son pooir et de voloir tous faire bons, non pas tant seulement par paour des Paines, mes par amonestement de Sorge d er gefa ſchützen fähig i (Plabli — louiers, deuvre ordenan amendes ED As ljeus, des des hotage: appartienn des juridie et dedens de tous, et viennent: loiaus qu- doivent? et mèsn ou par contre Ouan derant, Aommes guelles t EIos, et coustun tion ont de sent e ala lis Pamend fai pour- cesseurs, Pour ce au eommer dien, nous Paris sunt dest à aay miversitee Nanaai- ha die Ge⸗ er nie nehr erwunderung hem ſinnigen denkmal der nung der ement des tder Regie⸗ no gekommen vig X. die kteſte gehor izen davon ern Labat, néral des lution de 290. Er „verront; plais et de ernée con- as poisa- meslier atranges iloiaux aris, et 2ux qui justice roient, e avoir. ages, ei ſe fauses zustumes juge est Dns, 101 ment de — 209 Sorge anvertraute, den großen Gedanken auszuführen, welchen er gefaßt hatte, nämlich der Induſtrie und dem Verkehr ſchützende Vorſchriften, und eine Disciplin zu geben, welche fähig wäre, das Gedeihen derſelben zu ſichern. Die Statuten (Etablissemens) haben einen zu großen Einfluß auf die Ent⸗ louiers, notre intencion est à esclairer en la premiere partie de ceste oeuvre au mieus que nous porrons tous les mestiers de Paris, leurs ordenances, la maniere des entrepresures de chacun mestier, et leurs amendes, etc. En la seconde Partie entendons nous à tretier des chauciés, des ton- lieus, des travers, des conduis, des rivages, des halages, des pois, des botages, des rounges et de toutes les autres choses qui a coutume appartiennent; En la tierce partie et en la dehareniere, des joustices et des juridicions, à tous ceux qui justice et juridicion ont dedens la ville et dedens les faux-bourgs de Paris. Ce avons nous fait pour le profit de tous, et meesmement pour les povres et pour les étranges qui à Paris viennent achepter aucune marchandise, que la marchandises soit si loiaus qu'il n'en soient deçeu par le vice de-li, et pour ceus qui à Paris doivent aucune droiture et aucune coutume, ou qui ne les doivent pas, et mésmement pour chastier ceus qui par convoitise de vilain gaaing, ou par non sens les demandent et prendent contre Dieu, contre droit et contre raison. Quand ce fut fait conceoilli asamblé et ordené, nous le fimes lire devant grant pleute des plus sages, des plus leaux et des plus anciens hommes de Paris et de ceux qui plus devoient savoir de ces choses, li quelles tout ensemble loerent moult de ceste oeuvre. Et nos quemandames à tous les metiers de Paris, ä tous les paagiers, et coustumiers de cel mesme liu, et à tous ceux qui justice et juridie- tion ont dedans les murs et dedens la banliue de Paris, que ils ne feis- sent ne alaisent en contre, et que se ils le faisoient, a leur tort, que ils Pamendroient a la partie, tous les domages qu'ils auroient euz et faiz pour cele occhoison par le leau taxement de nous et de nos suc- cesseurs. Pour ce que nostre sire Diu commande en l'évangile que on quiere au commencement le règne de Dieu, et touttes choses adreceront en bien, nous dirons au comencement d'icele partie, des clercs qui à Paris sunt à escole pour accause d'apprendre à celebrer le devin office; c'est à savoir, des clercs qui sunt escoliers à Paris, liqueis cleres ont nniversité“. Buß. Blanqui, Geſchichte d. polit, Oekonomie, 1. Bd. 14 — 210— die Arten wicklung des öffentlichen Reichthums, und auf die Schickſale 1.ſ. w. der Induſtrie geübt, als daß ſie nicht in der Geſchichte der Inde Staatswirthſchaft einen Platz einnehmen ſollten, und nun wollen(Wa wir ihnen eine beſondere Unterſuchung widmen. Schon die Woſerz bloße Anführung des Eingangs wird einen erſten Begriff da⸗ tüütena von geben. 9, de „Stephan Boyleau, Vorſtand der königlichen Obervogtei(garde. 1 dee la prér ⁶ε⁶) von Paris, entbietet allen Bürgern und Bewohnern In— 3 von Paris und allen Jenen, welche innerhalb der Grenzen desſel⸗ eihe ben kommen werden, und welche dieſes angehen wird, ſ einen Gruß. lühan Dieweilen wir in Paris in unſerer Zeit viele Streitigkeiten Kgic/ und Händel geſehen haben durch die treuloſe Luſt, welche vnne⸗ die Mutter von EStreitigkeiten und zügelloſer Begierlich⸗ A hin keit iſt, welche ſich ſelbſt verderbt und durch die Unver⸗. Plden, m ſtändigkeit bei jungen und wenig wiſſenden Menſchen, unter ar ige den fremden Leuten und denen der Stadt, welche irgend ein und Wui Gewerbe ausüben und betreiben. Aus dem Grund, weil ſie ſleciem an die Fremden einige Sachen ihres Gewerbes verkauft hatten, en Get welche nicht ſo gut und nicht ſo recht waren, als ſie hätten Wd ſeyn ſollen, und zwiſchen den Zoll⸗ und Gefälleinnehmern von liew Paris und zwiſchen Jenen, welche die Gefälle und Zölle von derſen Paris ſchulden, und Jenen, welche ſie dort nicht ſchulden. Und von die vorzüglich unter uns und Jenen, welche Rechtspflege und Ge⸗ Verk h richtsbarkeit in Paris haben, welche uns verlangten und an⸗ Und; ſprachen Anderes, als ſie haben ſollten und zu haben gewohnt bern und waren und hergebracht hatten. Und deßwegen, weil wir be⸗ und alle fürchteten, der König möchte Schaden haben und die, welche imerhalb die Gefälle von dem König haben, möchten ſie verlieren, und di ſie ni falſche Arbeiten möchten zu Paris gemacht und verkauft wer⸗ gegen han den, oder böſe Gewohnheiten möchten angewöhnt werden. Und allen Sch deßwegen, weil es die Pflicht des guten Richters iſt, die Rechts⸗ dach de ſtreite niederzuſchlagen und zu beendigen nach ſeinem Vermögen, deßu und Alle gut machen zu wollen, nicht bloß durch die Furcht vor man zue Strafen, ſondern durch Ermuthigung mit Belohnungen, ſo iſt ſcch zun unſere Abſicht, in dem erſten Theil dieſes Werkes, ſo gut wir Teiles es können werden, alle Gewerbe von Paris, ihre Ordnungen, Sdule ſe ——— Sühickſale hichte der un wollen Schon die griff da⸗ i(garde wohnern en desſel⸗ en Gruß. tigkeiten welche ierlich⸗ Unver⸗ , unter gend ein weil ſie hatten, t hätten nern von Zölle von den. Und und Ge⸗ und an⸗ jewohnt vir be⸗ welche n, und ft wer⸗ n. Und Rechts⸗ ermögen, urcht vor in, ſo it gut wir nungen, — 211= die Arten des Verfahrens eines jeden Gewerbes und ihre Strafen u. ſ. w. zu erklären. In dem zweiten Theile beabſichtigen wir zu handeln von Gebühren (Weggeld?) Zöllen, Gebühren für Rechtsſchutz, Geleitsgeldern, Waſſerzöllen, Hallengeldern, Wäggeldern, Packgeldern, Wagenge⸗ bühren, und von allen andern Dingenz welche zu den Gefällen gehören. In dem dritten Theil und in der Darſtellung der Rechtspflege und der Gerichtsbarkeiten für alle Jene, welche Rechtspflege und Gerichtsbarkeit in der Stadt und in den Vorſtädten von Paris haben. Dieſes haben wir gethan zum Vortheil Aller, und vor⸗ züglich für die Armen und für die Fremden, welche nach Paris kommen, um irgend eine Waare zu kaufen, damit die Waaren ſo echt ſeien, daß ſie nicht betrogen werden durch den Fehler der⸗ ſelben, und für diejenigen, welche zu Paris irgend ein Gefälle oder irgend eine Gebühr ſchulden, oder welche ſie nicht ſchulden, und vorzüglich um jene zu ſtrafen, welche aus Begierde nach ſchlechtem Gewinn, oder aus Unverſtand ſie fordern und nehmen gegen Gott, gegen Recht und gegen Vernunft.. Als dieſes abgeſchloſſen, beſtimmt und geordnet worden war, ließen wir es vorleſen vor einer großen Anzahl der kundigſten, bie⸗ derſten und älteſten Männer von Paris, und Jener, welche mehr von dieſen Dingen wiſſen mußten, die alle insgeſammt dieſes Werk höchlich lobten. Und wir befehlen allen Gewerben von Paris, allen Zollerhe⸗ bern und allen Einnehmern der Gefälle dieſes nämlichen Ortes, und allen Jenen, welche Rechtspflege und Gerichtsbarkeit haben innerhalb der Mauern und innerhalb des Weichbildes von Paris, daß ſie nicht dagegen handelten und angingen, und wenn ſie da⸗ gegen handelten, zu ihrem Schaden, daß ſie dem Theil erſetzten allen Schaden, welchen ſie gemacht haben bei dieſer Gelegenheit durch die redliche Abſchätzung von uns und unſern Nachfolgern. Deßwegen, weil unſer Herr Gott im Evangelium befiehlt, daß man zuerſt nach dem Reich Gottes ſtrebe, und dann alle Dinge ſich zum Guten lenken werden, werden wir am Anfang dieſes Theiles von den Klerikern ſprechen, welche in Paris in der Schule ſind, um den Gottesdienſt feiern zu lernen, d. h. von den 14. ———— — 212— clerici, welche Schüler zu Paris ſind, welche Kleriker eine Inn⸗ ung haben“.. Verordau So hatte der König vor Allem die Abſicht, den häufigen Be⸗ den, hat trügereien, welche zum Nachtheil der Käufer geſchahen, eine gebracht, Grenze zu ſetzen, und für jedes Gewerb beſondere Vorſchriften bezweckten zu geben; einige Gewerbe blieben frei; mehre wurden ange⸗ 2 cC halten, gewiſſe Gebühren zu zahlen, und einige wenige konnten nur 2 Ta zufolge eines Privilegiums des Königs getrieben werden. Von der 3. Me Art waren(wer ſollte es glauben?) das Gewerb der Schuhflicker 4. R und der Zwiebeln⸗ und Schalottenhändler*). Die kleinlichſten Vor⸗. ſchriften verpflichteten die Arbeiter unter Androhung einer Geld⸗* M buße, ſich nach einer Menge in den Etabliſſements vorgezeichne⸗— ar ten Verfahrungsweiſen zu richten. Den Spinnern war es 4 nug verboten, Hanffäden unter Flachsfäden zu miſchen. Der Bäcker, 8 Tae der vom König privilegirt war, durfte Seefiſche, gekochtes 9. Cers Fleiſch, Datteln, Trauben, gemeinen Pfeffer, Zimmet und Süß⸗ 10. Regr holz verkaufen, und der Meſſerſchmied hatte das Recht nicht, 7 ſeine Meſſerhefte zu verfertigen. Die Löffelſchmiede und Kübel⸗ 6 macher durften ſich nicht erlauben, einen hölzernen Löffel zu dre⸗ 1 10 hen. Das Hütergewerbe allein zählte fünf verſchiedene Ge⸗ 3 werbe. Indem ſo Ludwig der Heilige eine Theilung der Arbeit 12. 01 einführte, hat er viel zur Vervollkommnung der Gewerbsthä⸗ 13. Pe tigkeit beigetragen; und indem er den Käufern echte Waare 14 C. ſicherte, begünſtigte er den Verkehr mehr, als ſeine Nachfolger 5. 00 unter zehn Regierungen gethan haben. 1 9 Das Buch der Gewerbe enthält Anordnungen für mehr 1 als 150 verſchiedene Gewerbe, deren Namen und Verſchiedenheit 17 Ferr genügen würden, um die Bedeutung, welche die Induſtrie in den 18 Coute Städten erlangt hatte, zu beweiſen.**) Der größte Theil dieſer 18. Sexru — W. Boötie *) Niemand darf Schuhflicker ſeyn, wenn er nicht das Handwerk vom ſt König kaufte. Al. Natte Niemand dvarf Höcker(Wiederverkäufer) von Obſt oder ſcharfer Kü⸗ z. Ppu chenkräuter, d. h. Zwiebeln oder Schalotten ſeyn, wenn er nicht das Ge⸗ B3. Bou 1 werbe vom König kauft(Auszug aus dem Buch der Gewerbe). b **½) Hier folgt das Verzeichniß der Gewerbe, welche von Stephan 2l. Trei Bopleau organiſirt wurden, ſo wie ſie in ſeinem Buch verzeichnet ſind: 4. Träſ 26. Attacl et ine Inn⸗ ligen de⸗ hen, eine rſchriften en ange⸗ mnien nur Von der chuhfläaer hſten Vor⸗ ter Geld⸗ tzeichne⸗ war es Bäcker, kkochtes d Süß⸗ tnicht, Kübel⸗ au dre⸗ ene Ge⸗ er Arbeit verbothäͤ⸗ e Waare achfolger er mehr denheit in den dieſer der dom arfer Kü⸗ t das Ge⸗ be). Stphan et ſind: — 213 Verordnungen, welche in unſern Tagen unerträglich ſeyn wür⸗ den, hat eine wahre Umwälzung in den Gewerben hervor⸗ gebracht, welche zu überwachen und zu vervollkommnen ſie bezweckten. 1. Clercs de l'uuiversitéèé, Scholaren der Univerſität, 2. Talmeliers, Bäcker, 3. Meuniers de Grand-Pont, Müller an der großen Brücke, 4. Blatiers et revendeurs de toutte manière de graius, Fruchthändler - und Wiederverkäufer jeder Art Getreides, 5. Mesureurs de bled, et de toutte manière de grains, Kornmeſſer und Meſſer jeder Art Getreides, 6. Crieurs, Ausrufer, 7. Jaugeurs de vin, Weineicher, 8. Taverniers, Schenkwirthe, 9. Cervoisiers, Bierbrauer, 10. Regrattiers de pain, sel, et de touttes autres denrées, exceptéè le poisson d'eau douce, et la cire ouvréèe, Händler mit Brod, Salz und allen anderen Lebensmitteln, mit Ausnahme der Süß⸗ waſſerſiſche und des bearbeiteten Wachſes, 11. Regrattiers de fruit et esgrun, Händler mit Obſt und ſcharfen Küchenkräutern, 12. Orféèvres, Goldſchmiede, 13. Potiers d'étain, Zinngießer, 14. Cordiers, Seiler, 15. Ouvriers de menues oeuvres d'ètain ou de plomb, Verfertiger von kleinen Arbeiten in Zinn oder Blei, 16. Fevres- marechaux, Hufſchmiede, veillers, Schraubenmacher, greffiers, Pfropfmeſſerſchmiede, heaumiers, Helmmacher, 17. Fevres coutelliers, Meſſerſchmiede, 18. Coutelliers faiseurs de manches, Meſſerheftmacher, 19. Serruriers, Schloſſer, 20. Boötiers faiseurs de serrures à boëte, Verfertiger von Hänge⸗ ſchlöſſern, 21. Batteurs d'archal, Meſſingſchläger, 22. Boucliers de fer, Verfertiger von eiſernen Schnallen, 23. Boucliers d'archal de cuivre ou de laiton neuf ou vieil, Verfertiger von Schnallen aus Meſſing, Kupfer, neuem oder altem Meſſing, 24. Tréfiliers de fer, Eiſendrahtzieher, 25. Tréfiliers d'archal, Meſſingdrahtzieher, 26. Attacheurs, faiseurs de cloux pour attacher boucles, mordans, et membres sur courroyes ou ceintures, Hefter, Verfertiger 214— Die häufigen Betrügereien, welche die Werkſtätten herab⸗ würdigten und die Handelsſpekulationen lähmten, ſah man bald verſchwinden. Wenn ſogar dieſe Organiſation der Innungen nur dieſen Dienſt der Arbeit geleiſtet hätte, mußte das daraus 32. 39. 43. 45. von Nägeln, um zu befeſtigen Schnallen, Zwingen und Stücke an Riemen oder Gürteln, Haubergers, Panzermacher, patenotriers d'os et de cor, Verfertiger von Roſenkränzen aus Bein und Horn, patenotriers de corail et de coquilles, Verfertiger von Roſen⸗ kränzen aus Korallen und Muſcheln,. patenotriers d'ambre et de jais, Verfertiger von Roſenkränzen aus Bernſtein und Gagath, Cristalliers et pierriers de pierres naturelles, Kryſtallſchneider und Schneider von natürlichen Steinen, Batteurs d'or et d'argent à füler, Gold⸗ und Silberdrahtzieher, Batteurs d'étain, Spiegelfolienſchläger, Batteurs d'or et d'argent en feuilles à part, Gold⸗ und Silber⸗ ſchläger in beſondern Blättern, Lasseurs de fil et de soyes, Verfertiger von Schnüren von Garn und von Seide, Fileresses de soye à grands fuseaux, Seidenſpinnerinnen mit großen Spindeln, Fileresses de soye à petits fuseaux, Seidenſpinnerinnen mit klei⸗ nen Spindeln, Crespiniers de fll de soye, Verfertiger von Crespinen aus Garn und Seide, Ouvriers de tissus de soye, Verfertiger von Seidengeweben, Braceliers(nicht braaliers) de fer,(bei Anderen de fil), Verfertiger eiſerner Armbänder, Ouvriers de draps de soye et veluzeaux, Verfertiger ſeidener Tü⸗ cher und von Veluzeaux(groben Stoffen aus Wolle und Garn), Fondeurs mouleurs, Formgießer, Fermaillers de laiton, Verfertiger von Meſſingſpangen, patenotriers faiseurs de boucles à souliers, et de noyaux à robe, que on fait d'os, de cor, et d' voire, Roſenkranzma⸗ cher, als Verfertiger von Schnallen an Schuhen, und von Rockknöpfen, welche man von Bein, Horn und Elfenbein macht, Tisserans(nach Anderen tixerandes, Weberinnen) de cœuvre- chefs de soye, Weber von ſeidenen Schleierhauben, 54. F 55. I. 56. C 57. 1 R. I — N 8 an herab⸗ man bald Innungen 1s daraus und Stücke fränzen aus of Roſen⸗ inzen aus lſchneider jeher, d Silbet⸗ avon Garn neiinnen mit nen mit klei⸗ raus Garn eben, Verfertiget iͤdener Tü⸗ und Garn), n,. e noyaux ³ zſenkranzma⸗ n, und von abein macht, de eguvre- — 215— erfolgte Gute ſchon unermeßlich ſeyn; aber die Arbeiter erſtark⸗ ten, indem ſie ſich einer Zucht unterwarfen. Der Korporations⸗ geiſt, in anderen Zeiten ſo vorderblich, ſchlug unter ihnen Wur⸗ zel, und gab ihren Verbindungen einen ernſten Charakter und ei⸗ —— 60. 61. 71. 74. Lampiers, Lampenmacher, Barilliers, Bötticher, Charpentiers, Zimmerleute, Maçons platriers, mortelliers, tailleurs de pierre, Maurer Gypſer, Steinſtößer(Kitter) Steinhauer, Escueillers(nicht esenelliers) et vendeurs d'auges, Händler mit Näpfen und Kübeln, Tisserans de lange, Weber von Wolldecken, Tapissiers de tapis sarrazinois, Verfertiger von ſarazeniſchen Tep⸗ pichen, Tapissiers de tapis nostres, Verfertiger von unſeren Teppichen, Foulons, Walker, Teinturiers de draps, Tuchfärber, Chanviers(chanvriers) Hanfbereiter, Tailleurs de robe, Rockſchneider, Liniers, Flachshändler, Marchands de chanvre et de fil, Hanf⸗ und Garnhändler, Chanevaciers, Verfertiger von hänfener Leinwand und Händler damit, Espeignliers, Nadler, Imagers, tailleurs de crucifix, Bildhauer, Schneider von Cruci⸗ fixen,. peintres et tailleurs d'images, Maler und Bildſchnitzer, Huiliers, Oelſchläger, Chandeliers de suif, Talglichterzieher, Guaisniers, Scheidenmacher, Garnisseurs de guaisnes et d'épées, Ausſtaffierer von Scheiden und Degen, Peigners lenterniers, Kammmacher und Laternenmacher(2), Faiseurs de tables à écrire, Verfertiger von Schreibtafeln, Cuisiniers, Köche, poulaillers, Hühnerhändler, Deiciers faiseurs de dez à jouer, Verfertiger von Spielwürfeln, Boutonniers et deiciers faiseurs de dez à coudre, Knopfmacher und Verfertiger von Fingerhüten, Etuveurs, Bader, — 216— nen feſten Beſtand. Dieſe Verbrüderungen, dieſe uni- versilales der Arbeiter, ließen ſich in der Folge Vorrechte nicht leicht entziehen, welche man ihnen ſo theuer verkauft hatte. Sie ſtellten ſich unter den Schutz der Heiligen, nahmen geweihte Fah⸗ nen, wahre Standarten ihrer Unabhängigkeit, an, und rächten beharrlich die geringſte Unbill, welche einem ihrer Mitglieder 75. 100. 101. Potiers de terre, Töpfer, Merciers, Krämer, Frippiers, Trödler, Boursiers et barayers, Säckler und Bruchbandmacher, Selliers, Sattler, Chapinseurs de selles et d'argons, Schneider von Sätteln und Sattelbogen, Blazonniers couvreurs de selles, Bildner und Ueberzieher der Sättel, Boureliers, Kummetmacher, Lormiers, Kleinſchmiede, Baudroyers, Gerber, Cordonanniers, Schuſter, Cavetonniers de petits soulliers de bazanne, Flicker kleiner Schuhe von Schafleder, Cavetiers, Schuhflicker, Corroyers, Lederarbeiter, Gantiers, Handſchuhmacher, Feniers(foiniers),(2)(vielleicht zuſammenhängend mit foin, Heu?) Chapeliers de fleurs, Verfertiger von Blumenhüten, Chapeliers de feutre, Verfertiger von Filzhüten, Chapeliers de coton, Verfertiger von Baumwollenhüten, Chapeliers de paon, Verfertiger von Pfauenhüten, Fourreurs et garnisseurs de chapeaux de feutre, Fütterer und Zurichter von Hüten, Feseresses de chapeaux d'or frois et de touttes oeuvres à 4 per- tuis, Verfertigerinnen von Hüten aus Goldſtoff und von allen durchbrochenen Arbeiten(à 4 pertuis), Fourbeurs, Schwertfeger, Archers, faiseurs d'arcs et d'arbalestres, Verfertiger von Bogen und Armbruſten, Pescheurs à verge, Fiſcher mit der Angelruthe, Poisonniers d'eau douce, Händler mit Süßwaſſerfiſchen, Poisonniers de mer, Händler mit Seefiſchen. Buß Buß. zagefügt eipunkam verſchiede rer Gen Nang ge⸗ und die; nicht wen der Schl die Mei Herrſcha ſtätten üh der Stele Ludwig! ner Oxgani das eben ſ hört. Er Gebäͤude de ſemm in zwe und wöhts und Nen phan Bot und die hatte, ſo Aohandlur welchem Großkäm Genoſſenſcha allen Naßre ſen Augenbt dbhafter W geſtelt unte Abnehmer, fähigſten a unter der f wären. Es war d eſe uni- ecte nicht tte. Sie iihte Fah⸗ rächten itglieder eln und er der kleiner iu, Heu?) er und 4 per- n allen au Bogen 217— zugefügt worden war. Sie hatte ihre Syndiken und ihre Dis⸗ ciplinkammern, ihre Räthe, ihre Vertheidiger. Die Ehre der verſchiedenen Körperſchaften, ſo unter die Schutzwehr aller ih⸗ rer Genoſſen geſtellt, erhob die arbeitenden Klaſſen zu dem Rang geſellſchaftlicher Mächte, wie ſolche der Klerus, der Adel und die Magiſtratur bildeten. Die Hierarchie war bei ihnen nicht weniger ſtreng, als in den hohen Ständen, und die Herren der Schlöſſer waren nicht mehr geehrt von ihren Vaſſallen, als die Meiſter von ihren Lehrlingen. Die Gewohnheiten der Herrſchaft giengen ſehr raſch von den Schlöſſern in die Werk⸗ ſtätten über; es beſtand hier eine Tyrannei der Werkſtätte an der Stelle einer Tyrannei der herrſchaftlichen Schlöſſer. Ludwig der Heilige war weit entfernt, alle die Folgen ſei⸗ ner Organiſation der Gewerbe vorauszuſehen, eines Werkes, das eben ſowohl der Polizei als der Staatswirthſchaft ange⸗ hört. Er hat freilich nur den erſten Stein zu dieſem großen Gebäude der Körperſchaften gelegt, und man könnte ſein Sy⸗ ſtem in zwei Zeilen zuſammenfaſſen.„Jeder ſoll ſein Gewerbe und nichts als ſein Gewerbe treiben, um es gut zu treiben und Niemanden zu betrügen.“ Als aber der Obervogt Ste⸗ phan Boyleau alle Fälle des Betrugs ſorgſam vorausgeſehen, und die beſſeren Verfahrungsweiſen der Arbeit angedeutet hatte, ſo fand es ſich, daß das„Buch der Gewerben eine Abhandlung über die Fabrikation und das Muſter wurde, nach welchem ein Jeder ſeine Geſchäfte einrichten ſollte. Der Großkämmerer des Königs erhielt die Aufſicht über die Genoſſenſchaften, und gewährte die königliche Genehmigung allen Maßregeln, welche ihnen nützlich ſeyn konnten. Von die⸗ ſem Augenblick an entſtand unter den Gewerbtreibenden ein lebhafter Wetteifer; in den nämlichen Stadtvierteln vereint, geſtellt unter ihre Wechſelaufſicht und unter die Augen der Abnehmer, denen es frei ſtand, aus ihnen die ehrlichſten und fähigſten auszuwählen, erreichten ſie bald Eigenſchaften, welche unter der frühern geſetzloſen Einrichtung ſehr ſelten geblieben wären. 4 Es war den Nachfolgern Ludwigs 1X. vorbehalten, deſſen —-— 218— Werk zu ergänzen und zu verwickeln, indem ſie die ſchwierigen Fragen, die früh oder ſpät daraus hervorgehen mußten, löſen wollten. Ludwig der Heilige hatte wirklich die Aufgabe eines jeden Handwerkers zu kleinlicht beſtimmt, als daß nicht daraus zahlreiche Reibungen unter den Gewerbsleuten ſich hätten er⸗ heben ſollen. Wie hätte man die Streitigkeiten zwiſchen den Hutmachern vermeiden können, deren einige nur das Recht hatten, Hüte aus Baumwolle, und die anderen, Hüte aus Filz zu fertigen? Wer konnte dafür haften, daß immer Einigkeit herrſchen würde unter den Meſſerſchmieden, die Meſſerhefte, und unter den Meſſerſchmieden, die Klingen verfertigten? Wer ſah nicht die Schwierigkeit ein, bei der Fabrication der Lichter die verbotene Miſchung von Ochſenfett mit Hammelstalg zu erkennen, oder bei der Fabrication der Wachskerzen die Mi⸗ ſchung alten Wachſes mit neuem? Die Spinner ſollten nicht mehr Hanf und Flachs zuſammenſpinnen. Die Schuhflicker hatten das Recht nicht Schuhe zu flicken, und ſie mehr als zu zwei Drittheilen neu zu machen, bei Strafe des Eingriffs in das Vorrecht der Schuhmacher. Die Sattlermeiſter ohne Ar⸗ beit durften wohl Schuhe, aber die Schuhmacher durften keine Sättel machen. Die Schreiner hatten Verrichtungen, die ſorg⸗ ſam von denen der Zimmerleute unterſchieden waren. Kaum waren dieſe Brüderſchaften eingerichtet, ſo hörten auch die Gewerbsleute auf, als Brüder unter einander zu leben. Mäch⸗ tig gegen die Angriffe von Außen, hatten die Innungen unter ſich einen ewigen Bürgerkrieg zu beſtehen, und ihre Uneinig⸗ keiten hinderten nicht, ſie, gebunden an Hand und Fuß, der Willkühr der Krone zu überliefern. Von Ludwig dem Heili⸗ gen an bis auf Ludwig XIV. war kein König, der ihnen nicht neue Hemmniſſe, Auflagen, Vorſchriften auflegte: die Rechts⸗ pflege drückte ſie mit Verhaftungen und Geldſtrafen, ohne ih⸗ ren Eifer zu mäßigen oder ihren Haß zu beſchwichtigen. Der Stifter der Gewerbsinnungen hatte Ordnung unter ihnen ſchaffen wollen, ſeine Nachfolger haben aber darin nur ein Mittel zum Gelderwerb geſehen. Eine Verordnung Karls VI. im Jahr 1407 beginnt, die Vorſchti tanf ddd legt auf königlic ſcht der der Zun Jahr 1 nele d wig X Gewert und ſch So dure die Geu Ludvig von dem ſtelen u Gu gfführe 8 dor eigen näch ſchra teten Hind ter ve dem Lehrze voch lche Reiht ttei den Jat lin der her, hwierigen ten, löͤſen gabe eines cht daraus hätten er⸗ ſchen den aas Recht aus Filz „Einigtei keſſerhefte, en? Wer er Lichter Stalg zu die Mi⸗ ten nicht huhflicker r als zu griffs in ohne Ar⸗ Kren keine die ſorg⸗ en. Kaum n auch die hen. Mäch⸗ ngen unter Uneinig⸗ Fuß, der em Heili⸗ huen nicht e Rechts⸗ 1. v⸗ ügen. Der unzet ihnen dauin vt ein ſr beginnt, die — 219— Vorſchriften Ludwigs IX. in Beziehung auf den Waarenver⸗ kauf abzuändern. Das Edict Heinrichs III. vom Jahr 1581 legt auf die Innungen eine hohe Steuer unter der Form eines königlichen Gefälles, und vermehrt die Anordnungen in Hin⸗ ſicht der Lehrzeit, der Aufnahme der Meiſter und der Wahl der Zunftgeſchworenen. Ein anderes Edict Heinrichs IV. vom Jahr 1507 beſtätigt das frühere, und fügt ihm noch einige neue drückendere Beſtimmungen bei. Endlich errichtet Lud⸗ wig XIV. durch ein Edict, erlaſſen im März 1673, die Gewerbsinnungen in allen Städten und Flecken des Königreichs, und ſchuf mehr als vierzig tauſend ſchmarotzerartige Aemter. So durch die Hand von zehn Königen verſtümmelt, gleichen die Gewerbsinnungen durchaus nicht mehr dem, was ſie unter Ludwig IX. waren, und es bleibt beinahe nichts mehr übrig von dem großen Gedanken, welcher ſie gegründet hatte. Sie ſtellen nichts mehr dar, als einen ungeheuern Kampfplatz, wo zu Gunſten der neuen Feudalität unedle merkantiliſche Kämpfe geführt wurden, die unter dem Namen von Geſellen und Lehrlingen die Unglücklichen, welche der Scholle der Leib⸗ eigenſchaft entronnen waren, ausbeutet. Das Monopol be⸗ mächtigt ſich der Gewerbe treibenden Geſellſchaft. Man be⸗ ſchränkt ſtrenge die Zahl der Gewerbe, um einigen Bevorrech⸗ teten die Vortheile der Meiſterſchaft zu ſtchern. Künſtliche Hinderniſſe wurden dem Genie entgegengeſetzt, welches dem Al⸗ ter voranſchreitet, und endloſe Zögerungen verlängern, unter dem Namen der Lehrzeit, die Kindheit des Menſchen. Dieſe Lehrzeit iſt nichts, als eine verhüllte Hörigkeit, aber ſie iſt immer noch Hörigkeit. Während ihrer ganzen Dauer iſt der unglück⸗ liche Lehrling das Eigenthum ſeines Lehrherrn, der mit dem Rechte bekleidet iſt, ihn arbeiten zu machen, und ſogar mit Stock⸗ ſtreichen. Es giebt ſogar redhibitoriſche Fehler bei ihm, wie bei den Thieren. Bald dauert die Zeit harter Prüfungen acht Jahre, bald endigt ſie ſich mit ſieben, und es erhebt ſich der Lehr⸗ ling zu der Würde eines Geſellen. Er iſt der Freigelaſſene der damaligen Zeit, der Mulatte dieſer Binnencolonien. Man⸗ cher, der zu Rouen eine fünfjährige Lehrzeit und eine eben ſo — 220— Ende des Beſcheide lange Geſellenzeit durchgemacht hatte, konnte in keine Innung Statuten von Paris oder Bordeaur eintreten, ohne wieder Lehrling zu der in! werden, ein eben ſo widerſinniges Verlangen, als jenes ſeyn Ir Jol würde, welches einen Officier verpflichten würde, wieder Soldat Sirn, zu werden, wenn er das Regiment wechſelt. detken,d Man hat zu ſehr die langen Leiden der arbeitenden Klaſſe un⸗ vurden. ter dieſem Regiment des Monopols und der Ausbeutung vergeſ⸗ wungen ſen. Was ſie noch ſchrecklicher machte, iſt das, daß die Tyrannen und 6 aus den Werkſtätten hervorgingen, und ſogar im Verhältniſſe 95 e der Herkunft, die ſie mit den Lehrlingen gemein hatten, ſich un⸗ nuf barmherzig erwieſen. Wenn für einen Geſellen die Stunde ſchlug, Meiſter zu werden, ſo fand er diejenigen als ſeine Rich⸗— ter, die dabei betheiligt waren, ihn als Mitwerber abzuweiſen. 49 Sie verlangten von ihm die Fertigung eines Meiſterſtückes, uuhſe damit er dadurch Beweiſe ſeines Talents gäbe, aber ein Meiſter⸗ d ſtück, ausgeführt nach gewiſſen Regeln, damit ſein Genie ge⸗— zwungen würde, auf der Höhe ihrer Mittelmäßigkeit ſtehen zu u bleiben. Keiner durfte unter Androhung von Geldſtrafen von Paee den überlieferten Verfahrungsweiſen abgehen; ferner war dieſes 1 de5 eine gute Zeit für die Geldbußen. Es ſtanden ſolche auf den nn geringſten Verſehen, wie auf den ſchwerſten Verirrungen. Ein uih Böttcher mußte fei ne Fäſſer bezeichnen, und für einen ſchlecht an⸗ gelegten Reif eine Geldſtrafe zahlen. Der Schloſſer haftete EA2⸗ mit ſeiner Perſon für ſeine Sahlüſſer, die Tuchmacher für ihr Luha Tuch, die Gerber für ihr Leder. Man ſah unabläſſig in den uin— Straßen den Gerichtsdiener, bewaffnet mit einer Stange voll de 5 Pergamentſtreifen laufen, de bedeckt waren mit Straferkennt⸗ Hrade niſſen gegen Bäcker, Maurer, Goldſchmiede und andere Hand⸗ Beſchen werker. Die Einnehmer hatten keine andere Beſchäftigung und arden die Krone kein beſſeres Einkommen. Man erſchreckt über die üie d Mißbräuche, welche täglich zum Schaden der arbeitenden Klaſſen en 8 verübt wurden, wenn man mit einiger Aufmerkſamkeit die un⸗ Wllde geheure Menge von Urtheilsſprüchen liest, welche über die nnd! durch die Eiferſucht der Innungen erhobenen Streitigkeiten var i gefällt worden waren, oder über ihre Verhandlungen mit der fägen, Krone. In Paris ſtiegen die Koſten dieſer Rechtsſtreite gegen ————— 5—.— Innung rling zu des ſeyn Soldat ſe un⸗ vergeſ⸗ rannen ältniſſe ch un⸗ tunde Nich⸗ iſen. es, ſter⸗ ge⸗ n zu von deſes uf den Ein ht an⸗ daftete r ihr den voll nnt⸗ r die laſſen je un⸗ er die gkeiten it der gegen — 221— Ende des XVII. Jahrhunderts jährlich über 500,000 Francs. Beſcheidene Innungen hatten deren an 25,000 Francs. Die Statuten aller Zünſte finden ſich noch bis auf unſere Tage entwe⸗ der in der Bibliothek des Stadthauſes oder in den Archiven der Polizei, und man hat Mühe, ſie unter dem Plunder von Edicten, Gerichtsſprüchen und höchſten Entſcheidungen zu ent⸗ decken, die alle Tage durch den geringſten Vorfall hervorgerufen wurden. Der Körperſchaftsgeiſt verband ſich mit den Forde⸗ rungen des Privatintereſſes, um deren Dauer zu verewigen; und es gibt Beiſpiele von erbitterten Rivalitäteu, welche man nach einem mehr als hundertjährigen Kampf nicht beizulegen vermocht hatte. So hatte Ludwig IX. die Ordnung zu gründen geglaubt, und ſeine Nachfolger bereiteten, trotz des abſoluten Druckes, unter welchem alle untergeordneten Arbeiter ſeufzten, die ge⸗ werbliche Anarchie vor. Wer ſollte es glauben, daß die Wei⸗ ber von der Innung der Sticker ausgeſchloſſen geweſen waren? Die Geſellen durften ſich nicht verheirathen, bis ſie das Mei⸗ ſterrecht erlangt hatten, und dieſes Meiſterrecht war, wie wir geſagt haben, für ſie das Land Kanaan, welches ihnen wohl zu ſehen, aber ſelten zu erreichen vergönnt war. Außer der Ausführung des hergebrachten Meiſterſtücks und der doppelten Länge der Lehr⸗ und Geſellenzeit, erwarteten den Kühnen, welcher die Schranke überſchreiten wollte, ungeheure Koſten: Einſchreibungsgebühr, Abgabe an den König, Gebühr für die Aufnahme, Gebühr für die Polizei, Gebühr für die Eröffnung der Werkſtätte, Honorar für den Zunftälteſten und die Ge⸗ ſchworenen, Lohn für den Boten und den Schreiber der Zunft; Geſchenke an die Meiſter, welche zu der Feierlichkeit berufen worden waren: hier fehlte Nichts und oft konnte der unglück⸗ liche Geſelle nicht Meiſter werden, aus Mangel an dem nöthi⸗ gen Kapital, um ſeinen Richtern eine Beute vorzuwerfen. Welche düſtere Verzweiflung mußte die Seele der Arbeiter wãh⸗ rend dieſer langen Periode der Unterdrückung foltern! Alles war ihnen unterſagt, ſogar das Recht, über ſich ſelbſt zu ver⸗ fügen, als wenn die Freiheit zu arbeiten nicht die heiligſte al⸗ —õi -— 222— ler Arten des Eigenthums wäre. Allein das letzte Wort des Syſtems des Zunftweſens war nur in England ausgeſprochen, wo das Geſetz noch unlängſt einen ausgeriſſenen Handwerker mit dem Tode beſtrafte, ſelbſt dann, wenn ſein Vaterland ihm keine Arbeit zu geben hatte. So ſehr Stephan Boyleau Obervogt war, ſo hatte er doch nicht daran gedacht.— Dennoch haben alle ihre häufigen Wechſel hindurch die Zünfte, die von Ludwig dem Heiligen in der Abſicht der Gründung von Ordnung, Zucht und Rechtlichkeit eingerichtet worden wa⸗ ren, Ergebniſſe hervorgebracht, die der Aufmerkſamkeit der Staatswirthſchaftsforſcher und der Staatsmänner ſehr würdig ſind. Sie haben die Arbeitsleute an die Geduld, Genauigkeit und Ausdauer gewöhnt; ſie haben die Sicherheit in dem Han⸗ del wieder entſtehen laſſen und einen unermeßlichen Schwung dieſem wichtigen Element des öffentlichen Reichthums gegeben. Seit die Verzehrer ſicher waren, rückſichtlich der Beſchaffenheit und der Menge der Erzeugniſſe nicht mehr betrogen zu wer⸗ den, wurden von ihrer Seite die Nachfragen nach denſelben beträchtlicher, und ſie verſchafften dadurch der arbeitenden Klaſſe ausgedehntere Unterhaltsmittel. Es gab wohl auch ei⸗ nige Vortheile bei dieſer ſtrengen Hierarchie, welche aus dem Meiſter des Gewerbes gleichſam das Familienhaupt ſeiner Arbeiter machte, mit faſt eben ſo ausgedehnten Gewalten, wie die des Vaters über ſeine Kinder ſind. Die Grenze, welche der Zahl der Gewerbe gezogen ward, hielt die Mitwerbung in Schranken, die allerdings etwas eng, und folglich mit einem Monopol behaftet waren, aber ſie widerſetzte ſich jenen un⸗ überlegten Unternehmungen, die nur zu oft den induſtriellen Kämpfen unſerer Zeit den Charakter eines Kampfes auf Leben und Tod geben, in welchem der Beſiegte bankbrüchig wird. Die Regel der Innnungen konnte dadurch, daß ſie die Heirath der Arbeiter ohne Capital und Stand hinausſchob, für eine Wohlthat gelten in einer Zeit, wo die Vaterſchaft nur als die Gabe erſchien, Unglückliche zu erzeugen. Allein wer wird dieſe Lehensherrſchaft der Werkſtätte von allen Plagen losſprechen, welche ſie nach ſich zog? Wenn ſie in Zeiten, die uns ſchon ſehr fern rongen! ri W erdrückt hat ſie was mal nallen; tong ein die hum wieder Stur i ariih rine beri Richts vir den weigern, gen war, rmm, i I Gewei vinz; Binne rer E ſellen durch zen geh Verhält einer l ſter zur nct ſ ud h 4 larde a —x worfene i des prochen, rker mi m keine bervogt Zünfte, ündung en wa⸗ eit der vürdig rigkeit Han⸗ vung eben. nheit wer⸗ elben enden ah ei⸗ s dem ſeiner en, wie velche ng in einem un⸗ jellen keben wird. eirath reine als die ddieſe rechen, ſchon — 223— ſehr fern ſind, einige Dienſte geleiſtet hat, wie viele Verhee⸗ rungen hat ſie in den folgenden Jahrhunderten nicht angerich⸗ tet? Wie viele Menſchen von Genie hat ſie nicht in der Wiege erdrückt? Welche verderblichen Gewohnheiten der Knechtſchaft hat ſie nicht unterhalten? Das Bedeutungsvollſte von Allem, was man in dieſer Beziehung ſagen kann, iſt, daß die Zünfte in allen Zeiten geändert oder erſchüttert worden ſind, wo die Geſit⸗ tung einen Schritt weiter gethan hat, und daß ſie allemal, wenn die humanitäre Bewegung ſtillſtehend oder rückſchreitend erſchien, wieder gefordert worden ſind. Turgot hob ſie auf*) und ſein Sturz ruft ſie wieder zurück. Die Revolution und das Kai⸗ ſerreich zerſtören ſie unwiderruflich, und im Jahr 1814 begehrte eine berühmte Petition ihre Wiederherſtellung**). Nichts deſto weniger handeln wir nicht folgerichtig, wenn wir den Stiftern dieſes Syſtems den Tribut der Huldigung ver⸗ weigern, welcher ihnen gebührt. Die Einrichtung der Innun⸗ gen war, wenn man dabei die Mißbräuche der Fiscalität aus⸗ nimmt, in Uebereinſtimmung mit der politiſchen Verfaſſung der Zeit, in welcher ſie ihren Urſprung nahm. Man hatte wenige Gewerbe, aber man hatte die Mauthen von Provinz zu Pro⸗ vinz; wenige Erzeugniſſe und wenige Wege des Abſatzes. Die Binnenzölle ſicherten der örtlichen Fabrication den Verkauf ih⸗ rer Erzeugniſſe, und die Klöſter boten den unbeſchäftigten Ge⸗ ſellen Brod und eine Zufluchtsſtätte. Die Bevölkerung war durch die Eheloſigkeit der Mönche und der Arbeiter in Gren⸗ zen gehalten, welche mit den gleichzeitigen Unterhaltsmitteln im Verhältniß ſtanden. Der Lehrling verdiente Nichts; aber nach einer kleinen Anzahl von Jahren fiel ſein Unterhalt ſeinem Mei⸗ ſter zur Laſt. Die Mitwerbung machte den Preis der Löhne nicht ſinken, und man erfuhr im Handel nicht die ſchroffen und häufigen Schwankungen des Preiſes, welche oft die ge⸗ *) Man ſehe Turgot's Edict vom Jahr 1776 und den Bericht von Dal⸗ larde an die conſtituirende Verſammlung, Sitzung vom 15. Februar 1791. **) Dieſe äußerſt merkwürdige und von Hrn. Levacher Dupleſſis ent⸗ worfene Petition wurde in 40. gedruckt. — 224— ſchickteſten Speculanten unter uns irre machen. Wir haben die Arbeit entfeſſelt, ſonderbar! und ihre Stellung iſt in vielen Beziehungen härter und unſicherer geworden. Das kömmt da⸗ her, weil wir dieſes große Werk der Befreiung der Arbeiter ſehr unvollkommen ausgeführt haben: wir haben die unbe⸗ ſchränkte Freiheit der Production verkündet, allein wir haben uns die Freiheit verſagt, unſere Erzeugniſſe auszuführen. Un⸗ ſer Syſtem der freien Mitwerbung iſt unvollſtändig und wir haben ſeit der Zerſtörung des Werkes Ludwigs des Heiligen nur die Macht erlangt, uns abzuſperren: auf die Kämpfe der Innungen ſind die Kriege der Mauthen gefolgt”*). *) Es iſt immer einſeitig, wenn man das Zunftweſen blos vom wirthſchaftlichen Standpunkt und nicht auch von dem polizeili⸗ chen, ſittlichen und politiſchen beurtheilt. So viel iſt gewiß, daß das Zunftweſen in ſeiner früheren Beengung und Beengtheit nicht mehr beibehalten werden kann; allein auch hier iſt man von dem einen Aeußer⸗ ſten zum andern, von dem Zunftzwang zur Gewerbsfreiheit, übergeſprun⸗ gen, ſtatt die dem Inſtitut zu Grunde liegende Idee in organiſchen Fluß zu bringen. Es muß nicht bloß das wirthſchaftliche Intereſſe der Geſammt⸗ heit, ſondern auch der Nahrungsſtand der einzelnen Handwerkerfamilien be⸗ rückſichtigt werden: in dieſer Vermittlung der collectiven und individuellen Intereſſen liegt die Hauptſache, aber auch die Schwierigkeit. Schon die ge⸗ ſchichtliche Betrachtung hätte darauf führen können. Gegen die im frühern Mittelalter um ſich greifende Iſolirung, welche nach einem Grundzug des germaniſchen Charakters in Folge der Schwächung der Staatsgewalt immer mächtiger hervortrat, erhob ſich ſpäter der Aſſociationsgeiſt durch Stif⸗ tung einer Menge von Gilden und Confratrien auf die Grundlagen religiöſer Brüderſchaften und der aus ihnen hervortretenden Schutz⸗ gilden, in welchen ſich die individuelle Freiheit ſelbſt beſchränkte, da kein anderer Zwang ſich kräftig genug vorfand. In der Gegenwart ſtellt ſich eine ähnliche politiſche Lage dar. Vor dem Drang der allgewaltig ſeit einem halben Jahrhundert hervorbrechenden in⸗ dividuellen Freiheit, die ſich ſchon in der Glaubensreform des XVI. Jahr⸗ hunderts übermäßig ankündigte, ſind die corporativen Schranken der Ver⸗ gangenheit eingeſunken, und die mit der Larve der Mitwerbung bedeckte Selbſtſucht unterhält einen offenen oder geheimen Krieg, unter welchem nicht nur wirthſchaftliche, ſondern auch ſittliche und vorzüglich politiſche Intereſſen verſinken. Offenbar kann nur wieder durch eine Wiedereinleitung des kör⸗ perſchaftlichen Elements, mit freierer, flüſſiger Form geholfen werden, das dann zu freien, größere Gruppen von Gewerben umſchließenden Innungen führen würde. Man vergleiche auch die von mir als Abgeordneten der 1I. Kammer der badiſchen Landſtände im Jahr 1837 geſtellte Motion auf die Erlaſſung einer Fabrikpolizeiordnung.. Buß. — Von dem ſcen! der E Aende aus! Urſyr lhn tn der le den auf d hungen er Theil bei Die Befre ds Hanſc Republit Weris Jahrhut Die O des He die Ha ſch eine ahhangig wieſen, in wenn der von ihnen dirgend a öngen, i Seit! tig, daf gaben, a dem Nan ten des Danaui, aden die n dielen mmt da⸗ Arbeiter 2 Unbe⸗ haben u. Un⸗ ind wir Heiligen pfe der 9 vom zeili⸗ , daß mehr leußer⸗ eſprun⸗ Fluß ammt⸗ ien be⸗ doellen die R⸗ frühern dzug des at immer irch Stif⸗ undlagen Schut⸗ da kein or dem den in⸗ „Jahr⸗ er Ver⸗ dedeate em wicht znieteſſen gdes lt⸗ nden, das Innungen dneten der un auf die Buß. Hauptſtück XX. Von dem Schwung, welcher der politiſchen Oekonomie durch die italiäni⸗ ſchen Republiken des Mittelalters gegeben worden iſt.— Wachſen⸗ der Einfluß der Arbeit.— Zunahme des beweglichen Vermögens.— Aenderungen, die in dem europäiſchen geſellſchaftlichen Zuſtand dar⸗ aus hervorgehen.— Gründung des Credits.— Bank von Venedig.— Urſprung des Sperrſyſtems der neuern Zeit. Wenn man mit Aufmerkſamkeit die Geſchichte der letzten Zei⸗ ten der Lehensherrſchaft erforſcht, ſo muß man nothwendig von den auf den verſchiedenen Punkten Europa's verſuchten Bemü⸗ hungen ergriffen werden, allen Erzeugern einen gerechteren Theil bei der Vertheilung der Gewinnſte der Arbeit zu ſichern. Die Befreiung der Gemeinden in Frankreich, die Errichtung des Hanſabundes in Teutſchland, die Stiftung der italiäniſchen Republiken im Mittelalter, ſind nur Epiſoden dieſes großen Werkes der Emancipation, welches ſich von Jahrhundert zu Jahrhundert mit einer unerſchütterlichen Ausdauer fortſetzt. Die Organiſation der Innungen unter der Regierung Ludwigs des Heiligen trägt ihrerſeits kräftig dazu bei. Ueberall, wo die Handwerker und Handelsleute ſich vereinigen, ſuchen ſie ſich eine von der Laune der Herrn und der Regierungen un⸗ abhängige Stellung zu ſchaffen. Die Leichtigkeit, welche ſie be⸗ wieſen, ihre Reichthümer zu verheimlichen oder ſie zu verſetzen, wenn der Sturm brauſt, ihre Aufhäufung das Bedürfniß der von ihnen zu leiſtenden Dienſte ſichern ihnen Freiheiten, welche nirgend ausgedehnter waren, als in Italien, weil ſie ſo weit gingen, ihnen das Monopol der Souverainetät zu geben. Seit dem Jahre 1282 war die Induſtrie zu Florenz ſo mäch⸗ tig, daß die Bürger dieſes Freiſtaates ſich eine Magiſtratur gaben, ausſchließlich aus Handelsherren zuſammengeſetzt, unter dem Namen:„Prioren der Gewerbe.“ Dieſe Abgeordne⸗ ten des Volkes, in ein höchſtes Collegium von ſechs Mitglie⸗ Blanqui, Geſchichte d. polit. Oekonomie. 1 Ad. 15 —-— 226— dern vereinigt, waren mit der vollziehenden Gewalt bekleidet, und furcht. wohnten in dem Palaſte der Nation. Ihre Amtsverrichtungen Bedrüch dauerten nur zwei Monate, aber ſie konnten nach Verfluß von kehrs u zwei Jahren wieder gewählt werden. Die Prioren wurden wohnher durch ihre Vorgänger gewählt, in Verbindung mit den Vor⸗ ner und ſtänden der größeren Gewerbe und einer gewiſſen Zahl ſchäfte von Notabeln. Zu Siena that man daſſelbe, und die fünfzehn welchei Edelherren, welche dieſe kleine Republik regierten, wurden durch Jauben neun Bürger erſetzt, die ausſchließlich aus den Kaufherren ge⸗ ſchließl nommen wurden. Zu Genua und Venedig traten die commer⸗ ſich oft ciellen Vermögen an die Stelle der grundherrlichen Ariſtokratie, eingenon und ſchufen eine unumſchränktere Gewalt, als die der Lehensbarone ſhunn geweſen war. In dem größten Theile dieſer Freiſtaaten mußte falt die A man ein Handwerk oder ein Gewerbe treiben, um Bürger zu blei⸗ hes Voh ben und ſich um eine Stelle bei der Staatsregierung bewerben zu fen und? können. Die Kaufherren wollten durch ihr Gewerbe ſelbſt geadelt ſinder le ſein; es gab einen Seidenadel und einen Wollenadel, und dem Geni bald glaubte ſich dieſer letztere berechtigt, jenen zu verachten*). ſen den Im Anfang des XIV. Jahrhunderts bemerkte man in ganz Ita⸗ Jahrhur lien unendliche Abſchattungen unter den verſchiedenen republika⸗ Das niſchen Verfaſſungen; aber darin ſtimmten alle überein, daß die Manz Ariſtokratie nirgend die Oberhand über die Gewerbe und Handel. zigtnuſ treibenden Bürger gewonnen hatte. Bald werden die Feuerge⸗ ſihtauj wehre und die Buchdruckerkunſt einen letzten Streich auf die Macht varen der Adelsburgen durch die Abgleichung der Kräfte und der In⸗ Hilfiha telligenzen führen. welche de Wer aus dem Volk hätte nicht ſein Herz vor Hoffnung ſchla⸗ dasiüri gen fühlen ſollen bei dem Anblick der jeden Tag zunehmenden mals an; Fortſchritte der Freiheit Italiens! Niemals hatten ſich die Re⸗ glich, publiken Rom und Athen einer jener ähnlichen Freiheit erfreut. Suadiz Zu Rom und Athen ſtritt man für die Oberherrſchaft Einiger; patind in Italien vertheidigte man im Mittelalter die Unabhängigkeit ſäbben Aller. Man nahm die Magiſtrate aus den Comptoiren, aus den— Krambuden: man hielt die Adeligen in Entfernung und Ehr⸗) Sio IV, pa 918 *) Daru, Histoire de Venise, tome ler, page 505. vornnfli det, und htungen luß von wurden Vor⸗ Zabl uſzehn ducch ten ge⸗ ommer⸗ tokratie, sbarone n mußte zu blei⸗ erben zu geadelt del, und hten ³). anz Na⸗ republita⸗ n, daß die nd Handel Feuerge⸗ die Macht der In⸗ g ſchla⸗ menden die Re⸗ erfteut. Einiger; angigkeit aus den ind Ehr— — 227— furcht. Man arbeitete für ſich und nicht für Herren. Wenige Bedrückungen und wenige Abgaben; unbedingte Freiheit des Ver⸗ kehrs und eine kräftige Organiſation der Induſtrie. Die Ge⸗ wohnheit der öffentlichen und Privatverſammlungen ließ bald Red⸗ ner und Staatsmänner entſtehen, und die Uebung der Handelsge⸗ ſchäfte gab den erſten Ideen über das Finanzweſen Schwung, welche in Europa Eingang gefunden haben. Man darf nicht glauben, daß dieſe Regierungen von Kaufherren ſich aus⸗ ſchließlich mit dem Verkehr beſchäftigt hätten“); ihre Politik zeigte ſich oft liberaler, als die der adeligen Herren, deren Stellen ſie eingenommen hatten. Sie gewährten Aufmunterung jeder Art den ſchonen Künſten, und vermehrten mit der lobenswertheſten Sorg⸗ falt die Anſtalten für Wohlthätigkeit, für Unterricht, für öffentli⸗ ches Wohl. Dreißig Hoſpitäler mit tauſend Betten für die Kran⸗ ken und Armen; mehr als zweihundert Schulen, wo zehntauſend Kinder leſen lernten; glänzende Belohnungen, reichlich geſpendet, dem Genie der Maler, der Baumeiſter und der Bildhauer, bewie⸗ ſen den erleuchteten Eifer der Gewalthaber von Florenz im XIV. Jahrhundert. Das Gedeihen des Handels war nicht weniger bemerkenswerth. Man zählte zweihundert Wollenfabrifen, die jährlich gegen acht⸗ zigtauſend Stücke Tuches lieferten, deren Verkauf mehr als drei⸗ ßigtauſend Arbeitern ihre Löhne ſicherte.— Achtzig Comptoire waren dem Handel der Bank beſtimmt, und ihre zahlreichen Hilfsbanken begünſtigten überall den Disconto und den Credit, welche den Bewohnern dieſes Landes ſchon vertraut waren, ehe das übrige Europa davon nur Kunde hatte. Florenz ſtand da⸗ mals an Reichthum und productiver Kraft der Republik Venedig gleich, welche die meiſten andern Staaten übertraf. Seine Staatseinkünfte ſtiegen auf dreihunderttauſend Gulden. Villani hat in dieſem Zeitraum eine ziemlich vollſtändige Ueberſicht der⸗ ſelben gegeben**), auf welche das Ausgabenbudget folgt, ein Fi⸗ *) Sismondi, Hist. des Républ. italiennes du moyen àâge, tome IV., page 166. **) Dieſe wichtige Urkunde ward von dem Hrn. v. Sismondi in ſeiner vortrefflichen Geſchichte der italiäniſchen Freiſtaaten angeführt. 15. — —-— 228— berühmt nanzdenkmal, das des Nachdenkens ganz würdig iſt, wenn man ſteht da die geringen Fortſchritte erwägt, welche in dieſem Zeitraume die— Ich führe ſie hier ganz auf, als das einzige vollſtändige Budget aus jener Zeit, welches der politiſchen Oekonomie erhalten worden iſt. Jögabe Einkünfte der Stadt und Republik Florenz von 1336 bis gewaͤt 1338, in Goldgulden von einem Gewicht von 72 Grammes Antheil zu 24 Karaten. der J Abgabe an den Thoren, oder Ein⸗ und Ausgangsgebühren von Waaren Abgade und Lebensmitteln, verpachtet auf ein Jahr zu ⸗.. fl. 90,200 Abgabe von dem Klein⸗Verkauf des Weins, ⁄ des Preiſes, ⸗ 59,300 bncbe Estimo oder Grundſteuer von den Ländereien 8..„ 30,100 eii Steuer vom Salz, verkauft zu 40 Sols den Scheffel an die Whn Bürger, und zu 20 Sols an den Bauer..... 14,450 Ian, Einkünfte von den Gütern der Aufrührer, Geächteten und Ihys Verurtheilten 3...—.... ⸗ 7, 000 Abgabe von den Gelddarleihern und Wucherern..„ 3,000— 1 s0 Gefälle von Adeligen, die auf dem Gebiet begütert ſind„ 2,000 ſlortnti Abgabe von Verträgen(Pfandeintragungen).....„ 11,000 Abgabe von den Schlachthäuſern in der Stadt„ 15,000 Pertens Abgabe von den Schlachthäuſern auf dem Lande... ⸗ 4,400 Gehal 3 Abgabe von den Miethen...... ⸗ 4,050 1nd S Abgabe vom Mehl und von den Mühlen.... 4,250 Gehalt d Auflagen auf die Bürger, welche im Auslande zu Podeſtäs Gäad ernannt worden ſind.... ⸗ 3,500 Schal Abgabe von den Anklagen.„ 1,400 gäng Gewinn von dem Prägen der Goldmünzen.„ 2,300 Kichter Gewinn von dem Prägen der Kupfermünzen.. 1,500 Ggen Renten von liegenden Gründen der Gemeinde und Zölle.. 1,5600 Teamte Abgabe von Viehhändlern in der Stadt.... ⸗ 2,150 Fraꝛ Abgabe von der Unterſuchung des Maaßes und Gewichts. e⸗ 600 Nartthe Unrath und Pachtzinſe für den Schlamm des Orto San⸗ Solbamt Michele........... 740 Zuhlamt Abgabe von den Miethzinſen auf dem Lande..... 550 Schaßmef Abgabe von den Handelsleuten auf dem Lande.... 2,000 Ant der( Geldſtrafen und Verurtheilungen, deren Zahlung man ein⸗ Lerlermeit bringt........... 20,000 dafl der Ausſtände an Soldaten(wegen Loskaufs von der Milizen⸗ Sold der! pflicht)............ 7,000 weſens Abgabe von den Hausthüren in Florenz...... 5,550 Mioren Gebühr für die Abgabe von den Obſthändlerinnen und Vor⸗ Sechzig käuferinnen..... 450 Nriore Erlaubniß zum Waffentragen, zu 20 Sols auf den Kopf,„ 1,300 Notar der Abgabe von den Gerichtsdienern(Sergenti)).. 5 100 Fackeln, Abgabe von dem auf dem Arno geflößten Holz. 100 Uebertrag fl. 295,600 denn man raume die udget aus iſ. 336 bis rammes Waaren I. 0A „ 59,300 30,100 14450 70⁰0 3000 2000 11,000 15,000 4,⁴00 4050 49⁵⁰ 3,500 beruͤhmteſten Nationen in der Finanzkunſt gemacht hatten. Man ſieht darin mit Erſtaunen, daß die Republik ihren öffentlichen Be⸗ Uebertrag. fl. 295,600 Abgabe von den Reviſoren der der Genteinde weſen gegebenen Gewähren. ⸗ 200 Antheil des Staates an dem Betrag der durch die Vorſtände der Zünfte erhobenen Gebühren.. 300 Abgabe von den Bürgern, deren Wohnung auf dem Lande iſt, ⸗ 1,000 Abgabe von den Battaglie senza arme Abgabe von Firenzuola. Abgabe von den Mübhlen und Fiſchereien Die Geſammtſumme überſteigt fl. 300,000 Ausgaben der Republik Florenz von 1336 bis 1338, in florentiniſchen libbre, den Goldgulden zu libbre, 2 sol. gerechnet. Gehalt des Podeſta und ſeiner Dienerſchaft(ſeiner Arcieri fl Abgabe von den Beſitzungen auf dem Lande.. fl. und Sbirren)... libbre 45,240 Gehalt des Capitano del Popolo und ſeiner Dienerſchaft. 5,880 Gehalt des Vollziehers der Ordonnanz der Juſtiz.. ⸗ 4,900 Gehalt des Conſervators, mit 50 Pferden und 100 Fuß⸗ gängern(außerordentliches und bald aufgehobenes Amt) ⸗ 26,040 Richter über die Appellationen in Betreff der Gefälle des Gemeinweſens. ⸗ 1,100 Beamter zur Unterdrückung der Pruniſugt der Frauen... ⸗ 1,000 Marktbeamter von Orto San⸗ Nichele ⸗ 1,300 Soldamt der Truppen... ⸗ 1,000 Zahlamt für die Gnadenſolde der Soldafen. 5 250 Schatzmeiſter des Gemeinweſens, ihre Beamten und Notare—⸗ 1,400 Amt der Grundeinkünfte des Gemeinweſens ⸗ 200 Kerkermeiſter und Gefängnißwachen ⸗ 800 Tafel der Prioren und ihrer Familie im Palaft ⸗ 3,600 Sold der Donzelli(Junker, auch Diener) des Gemein⸗ weſens und der Thurmwächter des Podeſtaͤs und der Prioren.. ⸗ 550 Sechzig Bogenſ ſchützen und ihr Hauptmann im Dienſt der Prioren... ⸗ 5,700 Notar der Reformationen mit ſeinem Gehilfen.. ⸗ 450 Fackeln, Licht und Feuer im Palaſt.... 2,400 — Uebertrag Übbre 71,810 — 230— amten keinen Gehalt bewilligte, außer wenn ſie Ausländer wa⸗ ren. Die Miliz vertrat die Stelle des Heers im Frieden, und die Miethſoldaten in der Löhnung des Staats ſtanden nur auf den außerordentlichen Koſten des Kriegs. Die indirecten Aufla⸗ gen überwogen weit an Zahl und Betrag die directen Steuern, und beſonders die Grundſteuer, welche zwei Mal geringer war, als die Trankſteuer allein. Der Ertrag der Geldſtrafen und Ver⸗ urtheilungen ſpielt eine große Rolle in dem Budget der Einnah⸗ men, ein trauriger Beweis für die geringe Ehrfurcht, welche man vor den Geſetzen hatte, oder von der Härte, welche über ihre Voll⸗ ſtreckung wachte. Was konnten die Gewinnſte von dem Prägen der Gold⸗ und Kupfermünzen anders ſein, als ein Zugeſtändniß derſelben Art, wie die Verſchlechterungen der Münzen, von wel⸗ chen unſere Geſchichte von Philipp Auguſt an bis auf Karl den Schö⸗ nen ganz voll iſt? Gleichwohl zeugt die Rechnung der Ausga⸗ ben und der Einkünfte von Florenz lebhaft für die Einfachheit des Regierungsſyſtems der Republik; glücklich, wenn die Wetteife⸗ rung des alten Adels und nur zu oft der Druck des Volks durch die aus ſeinem Schoos hervorgegangenen Patricier nicht den Weg den bürgerlichen Fehden und die Grenzen dem Ausland geöffnet hätten! Uebertrag. libbre 71,810 Notar im Palaſt der Prioren.. 4 3. ⸗ 100 Sold der Arcieri(Bogenſchützen) und Thürſteher. ⸗ 1,500 Trompeter der Republik.. 3 3. ⸗ 1,000 Almoſen an Kloſtergeiſtliche und Spitäler ⸗ 2,000 Sechshundert Nachtwachen in der Stadt. ⸗ 10,800 Die Fahnen für Feſte und Pferderennen.. ⸗ 310 Spionen und Boten der Gemeinde..... ⸗ 1,200 Geſandte.. ⸗ 15,500 Kaſtellane und Beſatzungen der Veſten ⸗ 12,400 Jährliche Ausrüſtung mit Waffen und Pfeilen ⸗ 4,650 Gulden 39,119, zu 3 lib. 2 s. auf 1 Gulden. lib. 121,270 Die Arbeiten an ben Mauern, Brücken und Kirchen bilden das außeror⸗ dentliche Budget mit dem Sold der Kriegsleute. Zur Zeit des Friedens hielt die Republik in ihrem Solde ſiebenhundert bis tauſend Landreiter und ebenſoviel Fußvolk. Die große, betras dort neuen geſcha Genf, wärti gädte ſern Hand der i wohn. Nachf die D gewor maine ſcher Allen Sole beid er daß Ste rer⸗ oder Bürge über waren vollkor ſchma Zimn brach Vort — 2) S nder wa⸗ eden, und wnur auf en Aufla⸗ Steuern, er war, d Ver⸗ Einnah⸗ ſche man zre Vol⸗ Prägen ſtändniß on wel⸗ en Schö⸗ Ausga⸗ hheit des Wetteife⸗ durch die den Weg d geöfne bhre 7,810 . 100 . 1500 s außerot⸗ s Friedens kandreiter — 231— Die italiäniſchen Freiſtaaten des Mittelalters laſſen ſich als große, mit Geſchick und Sparſamkeit verwaltete Handlungshäuſer betrachten. Die durch die Arbeit geſchaffenen Einkünfte wurden dort ſelten durch die Beſteuerung erreicht, und gaben jeden Tag neuen Capitalen die Entſtehung, welche die Freiheit der Handels⸗ geſchäfte mit Vortheil befruchten ließ. Die Städte Hamburg und Genf, ſo reich, trotz der Kleinheit ihres Gebietes, erinnern gegen⸗ wärtig ziemlich genau an den Wohlſtand dieſer großen Municipal⸗ ſtädte des Mittelalters. Ihre Umgebungen, bedeckt mit Landhäu⸗ ſern und reizenden Villen, wo der Ueberfluß von den Mühen des Handels ausruht, ſind das treue Bild der prächtigen Wohnungen der italiäniſchen Kaufherren, die damals faſt alle in Paläſten wohnten, deren Ausſtattung mit Geräthe ihre gegenwärtigen Nachfolger nicht einmal unterhalten können. Ferner waren ſie die Darleiher von Geldern an die vorzüglichſten Mächte Europa's geworden; man ſuchte ſie als Aufſeher und Verwalter der Do⸗ mainen und Finanzen. An ſie wandten ſich immer die Staasherr⸗ ſcher in der Noth; ihre Goldgulden zu verſchlechtern, gefiel vor Allem den Königen von Frankreich, deren Geltung dieſe von zehn Sols auf dreißig brachten. Eduard III. von England hatte ſeine beiden Bankherren zu Florenz gewählt, und die Anleihen, welche er durch ſie machte, überſchritten ſo ſehr ſeine Heimzahlungen, daß, wie es ſich herausſtellte, die Bardi ihm 180,000 Marken Sterlings und die Peruzzi 135,000, zuſammen 16,380,000 unſe⸗ rer Francs in einer Zeit vorgeſchoſſen hatten, wo das Geld fünf oder ſechs Male ſeltener war, als in unſern Tagen*). Die Bürger der italiäniſchen Freiſtaaten verfügten in dieſer Zeit über den beſten Theil des europäiſchen Handels. Ihre Arbeiter waren überall als die geſchickteſten, und ihre Erzeugniſſe als die vollkommenſten geſucht. Sie waren die Schiedsrichter des Ge⸗ ſchmacks und die einzigen durch die Gewebe, Moden, Waffen, Zimmergeräthe berühmten Kaufleute geworden. Ihre Capitale brachten ihnen daher unermeßliche Gewinnſte, ohne von ihren Vortheilen zu ſprechen, welche ſie als Ausrüſter von Schiffen, *) Sismondi, Hist. des Répupl. Italiennes, tom. V., p. 261. — 232— als Banquiers, wie als Genoſſen bei allen Unternehmungen vollends von einiger Wichtigkeit genoſſen. Die Geſetze, welche ſie ſelbſt Anſtalter als mit der höchſten Gewalt bekleidete Geſetzgeber machten, be⸗ Die günſtigten auf die liberalſte Weiſe alle Handelsgeſchäfte; und an die ſie haben zuerſt durch Lehre und Uebung die noch verkannten dürfniſ Vortheile der unbeſchränkteſten Freiheit des Handels bewieſen. Hauptſt Genua, Venedig hatten kein anderes Element des Glanzes. feßtigt u ſondern Hier iſt die Zeit, den wichtigen Antheil hervorzuheben, welcher tunſt de den Italiänern an der Gründung der erſten Creditanſtalten freiheit zukömmt. Ihr unermeßlicher Handel hatte ſie ſchon frühe zum 30 das Bedürfniß fühlen laſſen, die Combinationen jeder Art zu Venetia vereinfachen, aus welchen dieſer Zweig der Gütererzeugung be⸗ Uiſſ der ſteht, und ſeit dem Ende des XII. Jahrhunderts hatte Vene⸗. ſchwarzen dig in ſeinem Schoos eine Umſchreibbank ſich erheben geſehen, der Meſ welche den Darleihern von Geldern Credite eröffnete, um die hen die Zahlungen und Ueberweiſungen zu erleichtern. Die Kaſſe be⸗ viche, ſe zog keine Gebühr für die Bewahrung und Kommiſſion; allein I blendet. ihre Einlagſcheine leiſteten die nämlichen Dienſte, wie das ren und Geld. Vermittelſt einer Kaſſe, genannt die Zahlkaſſe, bezahlte Eintn man auf Sicht, in Geld die Verſchreibungen, welche präſentirt geſel wurden, und man wählte für dieſe Zahlungen die beſte Münze, barn welche die der Bank wurde. Es wurde beſtimmt, daß die ahmt Bank nur in baaren Ducaten zahlen und rechnen dürfe, deren Fuuch Korn feiner und deren Verringerung weniger gewöhnlich, als die würder der andern Geldſorten war. Von dieſer Zeit an erhielt das rrhiel Papier der Bank vor allen Verſchreibungen der Handelsleute und übe den Vortheil, gegen eine Münze von gutem Schrot und Korn eu zöͤlr ſich umſetzen zu laſſen, und der Credit dieſer Anſtalt war auf R Neu feſte Grundlagen gebaut. Nach und nach führte die Regierung inhi n .....— den Gebrauch ein, ihre Zahlungen in Anweiſungen auf die ni gi Bank zu machen, ſtatt ſie in Geld zu bewirken, und ſie fügte— 8 ſo ein neues Element des Erfolgs zu allen jenen hinzu, in de⸗ 1) gen ren Beſitz ſie ſchon war. Endlich ergänzte die Eröffnung ei⸗ Belegen, ner Rechnung des Solls und Hat, welche den Eigenthümern mbon r Corre⸗ von Geldern geſtattete, ihre Forderungen zu überweiſen, noch ren Frant ——ͤ——————— mungen ſe ſelbſt zten, be⸗ te; und kannten wieſen. zes. welcher anſtalten n frühe Art zu ung be⸗ Vene⸗ geſehen, um die aſſe be⸗ zallein vie das bezahlte präͤſentirt ie Münze, daß die rfe, deren j, als die jelt das elsleute d Korn var auf gierung auf die ſie fuͤgte u, in de⸗ nung ei⸗ athümern en, noch — 233— vollends die Wirkungsmittel der Bank, und gab mehren ſolchen Anſtalten die Entſtehung*).— Die Lage Venedigs machte ihm ſchon von ſeinem Urſprung an die induſtrielle und commercielle Vervollkommnung zum Be⸗ dürfniſſe. Venedig war eine Republik ohne Gebiet, und ihre Hauptſtadt eine Flotte von Schiffen, die an ihren Ankern be⸗ feſtigt waren. Vom Handel mußte ſie nicht nur das Vermögen, ſondern ſogar das Leben fordern. Auch hatte die ganze Staats⸗ kunſt der Regierung unabläſſig die Vergrößerung ihrer Handels⸗ freiheiten und ihrer finanziellen Befreiungen bei allen Völkern zum Zweck. In Ermangelung koſtbarerer Erzeugniſſe beginnen die Venetianer mit Salz zu handeln, ſpäter führen ſie die Erzeug⸗ niſſe des Landbaus des nördlichen Italiens aus, und holen im ſchwarzen Meer die der Türkei, Rußlands und Perſiens. Auf der Meſſe von Pavia hatten ſie ſchon zur Zeit Karls des Gro⸗ ßen die Käufer durch prächtige Ausſtellungen koſtbarer Tep⸗ piche, ſeidener Stoffe, Goldgewebe, Perlen und Juwelen ge⸗ blendet. Aufwandsgeſetze nöthigten ſie, ihre Capitale zu ſpa⸗ ren und der unproductiven Verzehrung nur einen Theil ihrer Einkünfte zu opfern. Zwiſchen das Morgen⸗ und Abendland geſtellt, hatten ſie die Induſtrie des einen Theils ihrer Nach⸗ barn und die wirthſchaftliche Einfachheit der Andern nachge⸗ ahmt. Ihre Vorrechte zu Conſtantinopel hatten etwas von der Frechheit der Eroberung, und ihre Colonien im Mittelmeere würden gegenwärtig faſt ein Königreich bilden. Venedig un⸗ terhielt mit einem wahrhaft königlichen Prunk ſeine Conſuln und überhaupt alle ſeine Handelsbeamten; es forderte, daß ſie ein zahlreiches Gefolge haben ſollten, das im Stande wäre, die Republik würdig zu vertreten und den Ausländern Ehr⸗ furcht zu gebieten. Der Podeſtà von Conſtantinopel lebte ei⸗ nige Zeit auf dem Fuß eines Herrſchers. Er entſchied in letz⸗ *) Herr Darn hat im 7. Band ſeiner Histoire de Venise bei den Belegen, Sect. 2, parag. 5, eine Denkſchrift über die Bank von Venedig, unter dem Datum des 30. Juni 1753, bekannt gemacht, ausgezogen aus der Correſpondenz des Abbé von Bernis, des damaligen Botſchafters von Frankreich. — 234— V ter Inſtanz über die Streitigkeiten der Eingebornen Venedigs; V fucten er trug Halbſtiefeln von Scharlach, ein Zeichen der kaiſerlichen V un igrd Würde, und erſchien öffentlich ſtets umgeben von Wachen. ſern ſ Durch ſo hohe Ehrung des Handelsgewerbs und durch allſeitige von ve Begünſtigung der Bürger, welche ſich demſelben widmeten, er⸗ niun J hoben die Venetianer das Uebergewicht ihres Landes und die wie die Achtung der Handelsleute, welche ſeinen Wohlſtand begründeten, V der In zu einer ſo ſteilen Höhe. V Einie Auch beſchäftigte die Republik im XV. Jahrhundert bloß in b weugen dem Arſenal von Venedig ſechszehntauſend Arbeiter und ſechs⸗ V Seeren unddreißigtauſend Seeleute. Die Regierung ſchickte jährlich V welche in die vorzüglichſten Hafen Geſchwader von vier oder ſechs V geiten großen Galeeren, welche die für Privaten beſtimmten Waaren b n dij aufnahmen. Dieſer Gebrauch hatte zum Grund, die Kriegs⸗ 4 welche d marine zu üben, von ihr zur Zeit des Friedens Vortheil zu V del nu ziehen, der Nationalflagge Achtung zu verſchaffen, und Trans⸗ V waren portmittel Jenen zu liefern, die nicht im Stande waren, Schiffe V um eine auf ihre Rechnung auszurüſten*). Die Handelsmarine unter⸗ das in hielt nichts deſtoweniger dreitauſend Schiffe, welche für die wcht Ein⸗ und Ausfuhr der Erzeugniſſe aller Länder der Welt ge⸗ dng braucht wurden. Dieſe Fahrzeuge ſpürten um die Reihe die b len, Hafen des ſchwarzen Meeres, die Syriens und Egyptens aus, Woh und ſie beſuchten von Hafen zu Hafen alle Plätze des Pelopon⸗ jung neſes, Kleinaſiens, Cyperns, Candia's und des griechiſchen cielle Archipels. Eine Flotte, die bedeutendſte von allen, fuhr jedes genſch V Jahr nach den Küſten Flanderns, ſegelnd längs den Küſten leichten Siciliens, Africa's und Spaniens, mit großen Schiffen, die hörte es nicht weniger als zweihundert Mann Bemannung haben konn⸗ arheitent ten, und welche nach einander an allen Küſten Waaren abſetz⸗ nan den ten, deren ihre Bewohner bedurften. Handelsverträge ſicherten ſder M an jedem Ruheplatze die günſtigſten Verhältniſſe den venetia⸗ dandee niſchen Handelsleuten, welche zu Brügge, Antwerpen und b fellt h London mit den Kaufleuten der Hanſeſtädte in Verkehr ſtan⸗ der W den. Venedig hatte ſchon in dieſem Zeitraum ſeinen Manu⸗— *) Ante *) Sandi, Storia civile di Venezia ljib. 5. ) S.., a civile di Venezia, 5 done l, 4 V —— ᷣ— —— enedigs, ſerlichen Wachen. allſeitige fen, er⸗ ind die ndeten, dloß in d ſechs⸗ Fährlich r ſechs Waaren riegs⸗ heil zu Trans⸗ Schiffe unter⸗ für die Kelt R⸗ geihe die tens aus, Pelopon⸗ jechiſchen r ſedes Küſten en, die mkonn⸗ ahſetz⸗ ſcherten venetia⸗ den und ehr ſtan⸗ Manu⸗ facturen einen großen Schwung gegeben, und die reichſten Frach⸗ ten ihrer Fahrten beſtanden aus Spiegelgläſern, Kriſtallglä⸗ ſern, feinen Wollenzeugen und prächtigen Seidenſtoffen, die von venetianiſchen Arbeitern gewoben wurden. Die aufgeklär⸗ teſten Regierungen unſerer Zeit haben nie ſo viele Sorgfalt, wie die dieſer Republik, für die Intereſſen des Handels und der Induſtrie bewieſen. Einige Schriftſteller*) haben in dieſen weiten, auf den Fahr⸗ zeugen des Staats, aber für Rechnung des Handels gemachten Seereiſen, das Vorbild der Geſellſchaften zu ſehen geglaubt, welche die Holländer, Engländer und Franzoſen in ſpätern Zeiten für den Handel nach Indien organiſirt haben: wir kön⸗ nen dieſe Anſicht nicht theilen. Freilich genoſſen die Privaten, welche die Schiffe der Regierung gemiethet hatten, um Han⸗ del zu treiben, einige Vorrechte; allein dieſe Privilegien waren nicht fortdauernd, und jede Galeere wurde beſonders um einen ſo niedern Preis vermiethet, das man mit Grund das in dieſer Hinſicht befolgte Syſtem fiscaliſchen Abſichten nicht zuſchreiben kann. Der Handel war in Venedig ſehr lange frei, und die Republik fing erſt dann an zu verfal⸗ len, als ihre Regierung durch das Monopol die Quelle ihres Wohlſtandes hatte verſiegen laſſen. Im Anfang waren alle junge Patricier genöthigt, die härteſten Proben der commer⸗ ciellen Laufbahn durchzumachen. Man ſchickte ſie oft in der Ei⸗ genſchaft als Neulinge an den Bord der Staatsſchiffe, um mit einer leichten Beilaſt von Waaren ihr Glück zu verſuchen; ſo ſehr ge— hörte es zu den Abſichten der Verwaltung, alle Bürger zu den arbeitenden Berufen anzuleiten! Der einzige Vorwurf, welchen man den Venetianern machen kann, iſt der, daß ſie die Fremden von jeder Mitwerbung auszuſchließen geſucht haben. Obwohl die Handelseiferſucht noch nicht die Abſperrungen als Syſtem aufge⸗ ſtellt hatte, und obwohl die Hafen der Republik allen Waaren der Welt geöffnet waren, ſo geſtatteten die Venetianer gleich⸗ *) Unter andern der Herr Graf Daru in ſeiner Bistoire de Venise, tome III., p. 107. — 236— wohl deren Umſatz nur auf ihren eigenen Schiffen: und ſie wal⸗ teten als unbeſchränkte Herrſcher auf dem ganzen Mittelmeer. Der Krieg hatte ihnen Genugthuung von den Piſanern, Sici⸗ lianern und Genueſen verſchafft. Spanien, lange Zeit von den Mauren beſetzt, erregte ihnen geringen Argwohn. Frankreich ver⸗ ſchmähte den Handel; England dachte noch nicht daran: die Re⸗ publik Holland beſtand noch nicht. Zu Gunſten des Souveraine⸗ tätsrechtes, welches es ſich über den Golf angemaßt hatte, be⸗ hielt ſich Venedig das faſt ausſchließliche Recht vor, darauf zu ſchiffen. Bewaffnete Flottillen bewachten die Mündungen aller ſeiner Flüſſe und ließen keine Barke ein⸗ oder ausgehen, ohne ſie ſtrenge durchſucht zu haben. Aber wozu diente ihm dieſe argwöhniſche Sorgfalt für die Intereſſen ſeiner Schifffahrt? Ein Tag kam, wo die Portugieſen den Weg um das Vorge⸗ birge der guten Hoffnung entdeckten, und dieſes ganze Gebäude von Vorſichten und Mißtrauen ſtürzte plötzlich zuſammen. Hier beginnen die erſten Kriege der Zollſchranken, und hier em⸗ pfängt die politiſche Oekonomie von der Geſchichte eine hohe Lehre. Die Venetianer hatten alle Hinderniſſe geebnet, aber für ſich allein und mit Ausſchließung der anderen Völker. Ihre Geſetz⸗ gebung war in Sachen des Handels ſehr hart rückſichtlich der Fremden. Die Geſetze verboten ſogar, auf die Schiffe des Staats einen Handelsmann aufzunehmen, welcher nicht Unterthan des Freiſtaates war. Die Ausländer zahlten zwei Mal höhere Zollge⸗ bühren, als die Einheimiſchen. Sie durften in den venetianiſchen Hafen Schiffe weder bauen laſſen, noch kaufen. Die Schiffe, die Pa⸗ trone, die Eigenthümer, Alles mußte von Venedig ſein. Jede Geſellſchaft zwiſchen In- und Ausländern war verboten: nur für die Venetianer gab es Schutz, Vorrechte und Vortheile; aber we⸗ nigſtens dieſe alle hatten darauf die nämlichen Anſprüche*). In Venedig ſelbſt und dort allein durfte man mit den Teutſchen, Böh⸗ men und Ungarn handeln. In dem Maaße, wie die einheimi⸗ ſchen Manufacturen Bedeutung gewannen, ging die Regierung von der liberalen Politik ab, welche ſie bisher befolgt hatte, und die Fabrikanten erwirkten das abſolute Verbot der ausländiſchen *) Sandi, lib. VI., cap. 1. —— Waaren, derte in verſellu man ma dr Viſt Vernicht Die handel um we Griech herhei üiceerhe Nachtlich in Eurox den, und Spanier deckung ſeinhan ſcoda hertu reich decku her dophe endeitet mha ge Eingang und die wüde, ſwaniſch ſchlußſy nedig ſ freien Bürger ine gei Närtte, — ſie wal⸗ inelmerr rn, Sici⸗ t von den reich ver⸗ die Re⸗ veraine⸗ atte, be⸗ darauf zu gen aller en, ohne mn dieſe fahrt? Vorge⸗ ebäude jer em⸗ e hohe für ſich Geſeh⸗ tlich der 5 Staats than des eZolle⸗ aniſchen die Na⸗ Jede ur für er we⸗ ). In n, Boh⸗ inheimi⸗ egierung atte, und andiſchen — 237— Waaren, deren Erzeuger ſie geworden waren. Vergebens for⸗ derte im XVII. Jahrhundert der zerfallende Handel die Wieder⸗ herſtellung der frühern Freiheiten und die Freiung des Hafens; man machte damit auf einige Zeit den Verſuch: aber der Geiſt der Beſchränkung ſiegte, und das Sperrſyſtem bereitete früh die Vernichtung des Freiſtaats. Die Völker Italiens ſahen gleichwohl den Venetianern ihre Handelsunduldſamkeit nach, aus Rückſicht auf den mäßigen Preis, um welchen ſie alle Waaren lieferten. Die Juden, Armenier, Griechen, Teutſche ſtrömten zu ihnen, und widmeten ſich mit Si⸗ cherheit immer Speculationen, die vortheilhaft waren, wegen der Sicherheit, welche ihnen die Creditanſtalten und die anerkannte Rechtlichkeit der Handelsleute dort boten. Allein bald ſah Venedig in Europa Fabriken ſich erheben, die mit den ſeinigen wetteifer⸗ ten, und ſein Handel fand in dem der Portugieſen, Holländer, Spanier und Engländer die furchtbarſte Mitwerbung. Die Ent⸗ deckung des Vorgebirgs der guten Hoffnung entzog ihm den Al⸗ leinhandel mit den Specereien Indiens. Die Eroberung Con⸗ ſtantinopels durch Mahomet II. hatte ihm ſchon den Verluſt der herrlichen Vorrechte gebracht, welche ſeine Unterthanen in dieſer reichen Hauptſtadt des Morgenlandes genoſſen. Allein die Ent⸗ deckung America's und die kräftigen Repreſſalien Karls V., wel⸗ cher vom Anfang ſeiner Regierung an, 1517, die Zollgefälle ver⸗ doppelte, welche die Venetianer in ſeinen Staaten bezahlten, voll⸗ endeten den Sturz dieſes glücklichen Monopols, welches ganz Eu⸗ ropa gebrandſchatzt hatte. Karl V. erhöhte auf 20 Procent den Eingangs⸗ und Ausgangszoll auf alle venetianiſchen Waaren; und dieſer Tarif, welcher gegenwärtig als mäßig erſcheinen würde, genügte damals, um den Venetianern die Einfuhr in die ſpaniſchen Hafen zu verbieten. Das war der Urſprung des Aus⸗ ſchlußſyſtems, für deſſen verderbliche Erfindung die Republik Ve⸗ nedig ſo hart büßen mußte. So lange ſie das Glück nur in der freien Mitwerbung des Talents und der Capitale ihrer eigenen Bürger ſuchte, wuchs ſie von Zeitalter zu Zeitalter, und wurde eine Zeitlang die Schiedsrichterin Europa's; ſeit ſie aber die Märkte mit der Tyrannei des Monopols beherrſchen wollte, ſah — 238— ſie gegen ihren Handel einen Bund entſtehen, der für ſie viel furchtbarer war, als der von Cambrai. Wir möchten keinen andern Grund zu Gaͤnſten der Handels⸗ freiheit verlangen, als die ungeheure Entwicklung der venetia⸗ niſchen Induſtrie während der langen Herrſchaft dieſer Frei⸗ heit. Man hatte nicht nothwendig gehabt, zum Schutz zu grei⸗ fen, um der Republik in ihren ſchönſten Tagen geſchickte Archi⸗ tekten, Schiffbaumeiſter, Civilingenieure zu verſchaffen, die im Stande waren, ſämmtlichen Bedürfniſſen ihrer Dienſte zu ge⸗ nügen. Ihre Goldarbeiter galten als die ausgezeichnetſten des geſammten Europa's. Sie hatten Seidenmanufacturen, ohne Rivalen, ſelbſt in Italien, wo dieſer Gewerbszweig bald raſche Fortſchritte machte; und dieſe Manufacturen brachten ihr von Anfang an jährlich mehr als 500,000 Ducaten, ungefähr drei Millionen unſerer Franes ein. Die gewandteſten Arbeiter des Auslandes erhielten Ermunterungen jeder Art, um ſich in Ve⸗ nedig niederzulaſſen, und die Staatsinquiſition verfolgte mit ihren mörderiſchen Drohungen die einheimiſchen Arbeiter, die kühn genug waren, auszuwandern.„Wenn irgend ein Arbei⸗ ter oder Künſtler, heißt es*), ſeine Kunſt in's Ausland, zum Schaden der Republik, verpflanzt, ſo ſoll ihm der Befehl zu⸗ geſchickt werden, heim zu kommen. Wenn er nicht gehorcht, ſo wird man ſeine nächſten Angehörigen ins Gefängniß ſetzen, um ihn durch deſſen Theilnahme an ihnen zum Gehorſam zu beſtimmen. Kömmt er zurück, ſo ſoll ihm das Vergangene verziehen ſein, und man wird ihm eine Niederlaſſung in Ve⸗ nedig verſchaffen; wenn er trotz der Einkerkerung ſeiner Ver⸗ wandten hartnäckig im Ausland bleiben will, ſo wird man irgend einen Ausſendling beauftragen, ihn zu töd⸗ ten, und nach ſeinem Tode ſollen ſeine Verwandten in Frei⸗ heit geſetzt werden.“ Das unvermeidliche Ergebniß dieſer gräß⸗ lichen Beſtimmungen mußte ſein, die fortſchreitende Entwickelung des Gewerbweſens dadurch erſchlaffen zu laſſen, daß man die Arbeiter hinderte, im Auslande die Geheimniſſe und Vervoll⸗ *) Art⸗ 26. der Statuten der Staatsinauſſition. tommnund Verheiwl Handwer anen fi während ier Fat der Repu dem Sch Gleich glücliche vom a werhe en Stoffe w. vetboten, un es wi duſtrie v ſehr hohe der Bauu Wann. Jahen ren G let be Samm rei zuu ſer Zeit Lande, ſt des H goldeten anderen/ point de ihre Zua ropäiſcher len noch zum erſe 9) Flme ſie viel Handels⸗ venetia⸗ er Frei⸗ zu grei⸗ e Archi⸗ die im te zu ge⸗ eiſten des i, ohne d raſche ihr von or drei tter des in Ve⸗ gte mit er, die Achei⸗ and, zum zefehl zu⸗ gehorcht, ſiß ſeze orſam zu gangene in Ve⸗ r Ver⸗ hman utöd⸗ Frei⸗ er gtäß⸗ icelung man die Vervoll⸗ — 239 kommnungen kennen zu lernen, deren es bedurfte. Durch das Verheimlichen ihrer ſchon alten Erfindungen gewöhnten ſie ihre Handwerker daran, und bannten ſie, ſo zu ſagen, gleichſam in einen fehlerhaften Kreis ein. Alles ſchritt um ſie voran, während ſie unbeweglich ſtehen blieben, und die Erzeugniſſe ihrer Fabriken erhielten nur durch die Sperrgeſetze im Innern der Republik ſich noch einigen Abſatz. Der Verfall begann mit dem Schutz. Gleichwohl hatte Venedig auf der gewerblichen Bahn unter glücklicheren Vorbedeutungen begonnen. Ein Gericht war dort vom Jahr 1172 an für die Polizei der Handwerke und Ge⸗ werbe errichtet worden. Die Qualität und Quantität der Stoffe wurde dort ſtreng geprüft. Es war jedem Arbeiter verboten, ſich mit mehr als einem Gewerbe zu beſchäftigen, um es mit größerer Sorgfalt zu betreiben. Auch war die In⸗ duſtrie von dem Ende des XIV. Jahrhunderts an zu einer ſehr hohen Stufe der Vollendung gelangt. Die Fabrication der Baumwollengewebe war ſchon um dieſe Zeit in Venedig bekannt. Man machte dort die ſchönſten Leinenzeuge in ganz Italien, und man wußte ihnen Farben zu geben, die durch ih⸗ ren Glanz und ihre Dauerhaftigkeit berühmt waren. Berthol⸗ let berichtet*), daß in Venedig im Jahr 1429 die erſte Sammlung der Verfahrungsarten erſchien, die bei der Färbe⸗ rei zur Anwendung kamen. Die Chemie war dort in die⸗ ſer Zeit weiter vorangeſchritten, als in irgend einem andern Lande, und die Venetianer waren faſt im ausſchließlichen Be⸗ ſitz des Handels mit Arzneiwaaren. Sie bereiteten und ver⸗ goldeten das Leder mit anerkannter Ueberlegenheit über alle anderen Völker. Ihre Spitzen, bekannt nnter dem Namen point de Venise, waren eifrig geſucht. Ihre Quincalillerie, ihre Zuckerraffinerien genügten kaum den Bedürfniſſen des eu⸗ ropäiſchen Verbrauchs, und als die Druckerei bei ihren Riva⸗ len noch in der Kindheit war, hatte ſie ſich bei ihnen ſchon zum erſten Rang der Gewerbe erhoben. Sie hatten zahlreiche *) Elémens de l'art de la teinture. 240— Manufacturen errichtet, welche ſpäter in Frankreich und im übrigen Europa übertroffen wurden, welchen aber die Ehre gebührt, allen andern zum Vorbild gedient zu haben. So glänzten die Venetianer nicht bloß durch den Handel, ſondern auch durch die Induſtrie, und ſie vereinigten lange Zeit hin⸗ durch mit den Gewinnſten der Transporte die der Fabrika⸗ tion. Der kluge und ſinnreiche Gebrauch, welchen ſie von den Combinationen des Credits zu machen verſtanden hatten, hatte ſich allmälig in allen italiäniſchen Freiſtaaten verbreitet, und dort in einem ungeheuern Maaßſtab den Manufactur⸗ und Handelsreichthum entwickelt. Es beſteht ein merkwürdiger Vortrag, gehalten im J. 1421 im großen Rath von dem Dogen Thomas Moncenigo über die finanziellen Hilfsquellen und über den Umfang des Han⸗ dels der Republik Venedig*). Nach einer genauen und in's *) Dieſe Rede iſt wörtlich von Hrn. Daru in ſeiner Histoire de Venise, tome II., p. 293— 344 angeführt. Der folgende Auszug ſcheint mir würdig, neben dem Budget der Stadt Florenz zu ſtehen: „Ich ließ,“ ſagte der Doge Moncenigo,„einen Rechnungsauszug als Zu⸗ ſammenſtellung der Erträgniſſe unſeres Handels machen. Alle Wochen gehen bei uns von Mailand 17 oder 18,000 Ducaten ein, was im Jahre macht. t.. 900,000 Ducaten. Von Monza tauſend in der Woche, und im m Jahr.. 52,000 ⸗ ⸗ Como zweitauſend in der Woche, und im Jahr 104,000 3 ⸗ Aleſſandria tauſend in der Woche, und im Jahr 52,000 ⸗ „ Tortona und Novara zweitauſend in der Wohe, und im Jahbr. 104,000—⸗ ⸗ Pavia zweitauſend in der Woche, und i im Jahr.. 104,000 2 ⸗ Cremona zweitauſend in der Woche, und im Jahr. 104,000* ⸗ Bergamo fünfzehnhundert in der Wihe und im Jahr... 78,000 ⸗ „ Palermo zweitaufend in der Woche, und im Jahr. 104,000 ⸗ ⸗ Piacenza tauſend in der Woche, und im Jahr 52,000 ⸗ 1,654,000 Ducaten. Was augenfällig dieſes Ergebniß erweist, iſt die Ausſage aller Bankher⸗ ren, welche erklären, daß alljährig das Mailändiſche ſechszehnhunderttauſend Ducaten uns zu bezahlen hat. Findet ihr, daß dieſes ein gar ſchöner Garten iſt, welchen Venedig benutzt, ohne daß er ihm nur irgend eine Ausgabe ver⸗ anlaßt? Einzelne ſchen Art — Toriona un das G Stüc Javia dreit Mailand d 30 Ducan Lomo zwi Nonza ſech Brescia fů Bergamo gremona bl qu Duunt Jarma hierta Im Ganzet nem Dueater Pir trab 38000002 nen Gatten Daz iin D Vne ner Bo⸗ 000 C 40,000 C Ehen ſo! Seiden⸗ IWeafe W Laſten W Lent) Zucker, geſc ner, für. Andere Wac 10,000 Cent Gerredde un Seſe Sklaver Ich re *) Der( nedigs, Nanqui, und im die Ehre den. So ſondern eit pin⸗ Fabrifa⸗ don den n, hatte et, und er⸗ und .1421 Hüber Han⸗ dd in's Veuise, würdig, gals Ju⸗ mein, was Ducaten. 7 6 — Ducaten. Bankher⸗ erttauſend eer Garten ggabe ver⸗ —- 241— Einzelne eingehenden Darſtellung der Gewinnſte der einheimi⸗ ſchen Arbeit auf den ausländiſchen Märkten und des Theils, Tortona und Novara verbrauchen jährlich ſechstauſend Stücke Tuch, welche, das Stück zu 15 Ducaten, machen... 90,000 Ducaten. Pavia dreitauſend Stüce..... 45,000 Mailand viertauſend Stücke feines Tuch, das Stück zu 30 Ducaten... 120,000 Como zwölftauſend Stücke zu 15 Ducaten.. 180,000 Monza ſechstauſend Stücke.......... 90,000 Brescia fünftauſend Stücke.... 75,000 Bergamo zehntauſend Stücke zu 7 Ducaten.... 70,000 Cremona vierzigtauſend Stücke De hen das Stück zu 4 ℳ Ducaten... 170,000 Parma viertauſend Stůcke Tuch zu 15 Ducaten... 60,000 * 4₰ 900,000 Ducaten. Im Ganzen 94,000 Stücke, und die Ein⸗ und Ausgangszölle, bloß zu ei⸗ nem Ducaten vom Stücke, bringen uns 200,000 Ducaten ein. Wir treiben mit der Lombardei einen Handel, deſſen Summe man auf 28,800,000 Ducaten anſchlägt. Findet ihr, daß Venedig da einen gar ſchö⸗ nen Garten habe? Dazu kömmt der Hanf für die Summe von.. 100,000 Ducaten. Die Lombarden kaufen von euch alljährig 50,000 Cent⸗ ner Baumwolle für.. 250,000 20,000 Centner Garn(oder vielleicht Baumwolengarm 30,000 40,000 Centner Wolle aus Catalonien.... 120,000 Ehen ſo viel aus Frankreich......... 120,000 Seiden⸗ und Goldſtoffe füurb.... 250,000 3000 Laſten Pfeffer, die Laſt zu 100 Ducaken,.. 300,000 400 Laſten Zimmet, die Laſt zu 160 Ducaten,. 64,000 2000 Centner Ingwer, den Centner zu 4 Ducaten, 8,000 Zucker, geſchätzt von 2, 3 bis zu 15 Ducaten den Cent⸗ ner, für....... 95,000 Andere Waaren, zum Nähen und Sticken,... 30,000 40,000 Centner Farbhölzer, den Centner 8 3 Ducaten,.. 120,000 Getreide und Bardeflanzen........ 50,000 Seife.......... 250,000 Sklaven.............. 30,000 „d„l 2 a 8 .a 82 8A8 A a 1,817,000 Ducaten. Ich rechne nicht den Ertrag des Salzhandels*). Ihr müſſet zugeben, *) Der Graf Filiaſi ſchlägt in ſcinen Unterſuchungen über den Handel Ve⸗ nedigs, S. 70, den Ertrag des Salzes zu einer Million Ducaten an. Blanqui, Geſchichte d. polit. Oekonomie. 1. Bd. 16 — 242— —. 4 ines welcher davon in den Staatsſchatz floß, verweilte der greiſe 8 4 Doge vorzüglich bei der Gefahr, welche eintreten würde, wenn Rdg dieſer herrliche Wohlſtand geſtört werden würde, um einen derß Krieg zurückzuweiſen, welchen die Ungeduldigen jener Zeit un⸗ wer geſtüm forderten.„Ihr ſeid die Einzigen,“ ſagte er,„welchen kn das Land und die Meere gleichmäßig offen ſind. Ihr ſeid der ihe i Canal aller Reichthümer, ihr verſorgt die ganze Welt. Die bet d ganze Welt nimmt an euerem Schickſal Antheil. Alles Gold Schie in der Welt kommt zu euch. Glücklich, ſo lange ihr Gedan⸗ lic ken des Friedens bewahren werdet, während ganz Europa in Vohl ..—. 3. Flammen ſteht! Was mich betrifft, ſo werde ich, ſo lange mir Mun . 2 3 Syt. noch ein Hauch des Lebens bleiben wird, auf dem Syſtem behar⸗ erxah ren, daß man den Frieden lieben müſſe. Ich habe mich ſtets fer 6 bemüht, Maaßregeln zu ergreifen, damit der Zins der Anlei⸗. ſanlih hen und alle öffentlichen Dienſte regelmäßig von ſechs Mona⸗ Glücj n ten zu ſechs Monaten bezahlt wurden, und ich hatte das Glück, ihr en meinen Zweck zu erreichen. Es ſteht nur bei euch, den glück⸗ deeſelbe lichen Stand unſerer Angelegenheiten zu erhalten, betend zum tuch ge Allmächtigen, euch bei dem heilſamen Syſtem beharren zu laſ⸗ wid ſen, das bis auf dieſen Tag befolgt worden iſt. Wenn ihr— wende dabei beharret, ſo werdet ihr furchtbar, und die Beſitzer aller dürfe Reichthümer der chriſtlichen Welt werden. Hütet euch wie vor ſchon dem Feuer, fremdes Gut anzutaſten, und einen ungerechten ſeithe Krieg zu führen: Gott würde euch ſtrafen. Dann werden waͤrti Jene, welche zehntauſend Ducaten hatten, nur noch har le tauſend haben: wer zehn Häuſer hatte, wird auf In d Induſtri daß ein ſolcher Handel ein ſchönes Land iſt. Erwäget, wie viele Schiſſe die den Feu Verführung aller dieſer Waaren in Thätigkeit erhält, ſei es, um ſie in die o gläng Lombardei zu bringen, ſei es, um ſie in Syrien, Rumelien, Flandern, Cy⸗ ſcch. Je pern, Sicilien, an allen Punkten der Erde zu holen. Venedig gewinnt de di 294, 3 Procent an Frachtgeld. Sehet, wie viele Leute von dieſem Trans⸗ die i port leben: Mäkler, Arbeiter, Matroſen, Tauſende von Familien; und ner He endlich die Handelsleute, deren Gewtnn auf nicht weniger als 600,000 Compt Ducaten anſteigt. Dieſes trägt euch euer Garten ein. Habt ihr die Abſicht, ihn zu zerſtoͤ⸗ Handel ren? Wahrlich nein: wohl aber muß man ihn vertheidigen gegen Je⸗ Gewin dermann, der ihn angreifen will. —,, — 243— er greiſe eines beſchränkt ſein, und ſo fort. Je mehr Ver⸗ de, wenn moöͤgen, deſto mehr Credit, deſto mehr Achtung. Aus n einen Herren, die ihr waret, werdet ihr Unterthanen heit un⸗ werden, und von wem? Von den Kriegsleuten, welchen von einer Soldatesca, von jenen Banden, welche eid der ihr im Solde habet. Die Frenden haben oft eurer Weis⸗ Die heit dadurch ihre Huldigung gebracht, daß ſie unter euch ihre 3 Gold Schiedsrichter wählten: beharret daher für euch und für das Gedan⸗ b Glück eurer Söhne bei dem Syſtem, welches euch ſo großen ropa in Wohlſtand gebracht hat.“ 5 nge mir Man wird unwillkürlich von der Größe und Weisheit dieſer behar⸗ Sprache ergriffen. So begriff man ſelbſt in dieſem weit hin⸗ H ſtets ter uns zurückliegenden Zeitraum ſchon, daß der Handel we⸗ Anlei⸗ ſentlich dem Frieden befreundet iſt, und daß die Nationen im Mona⸗ Glück wie im Unglück einander haftbar ſind.„Was werdet Glück, ihr an die Mailänder verkaufen,“ ſagte der Doge,„wenn ihr glück⸗ dieſelben werdet zu Grunde gerichtet haben? Was werden ſie nd zum euch gegen eure Erzeugniſſe austauſchen können? Und was u oj⸗ wird aus euern Erzeugniſſen bei den Anforderungen des Kriegs Venn ihr werden, welche die Capitale angreifen werden, deren ihr be⸗ iter allr dürfet, um dieſelben zu ſchaffen?“ Der einfache Verſtand zeigte wie ver ſchon damals den hochſtehenden Männern, was die Erfahrung nerecirn ſeither außer Zweifel geſetzt hat, und was die Theorie gegen⸗ perhel wärtig, geſtützt auf das Gewicht der Thatſachen, unwiderleg⸗ ur noch V bar lehrt. dauf In den andern italiäniſchen Republiken, wo der Geiſt der Induſtrie und des Handels, wie in Florenz und Venedig, über i den Feudaldespotismus geſiegt hatte, war der Wohlſtand eben ein di ſo glänzend, und die Fortſchritte in jeder Art gleich erſtaun⸗ enn, Ey⸗ lich. Jedermann kennt die Reichthümer, welche in Genua durch gewinnt die Kühnheit ſeiner Seeleute und durch die Geſchicklichkeit ſei⸗ neeu ner Handelsleute angeſammelt worden waren. Genua hatte eoh Comptoire im Archipel und im ſchwarzen Meere, und ſeine Handelsleute nahmen in den Hafen der Hanſeſtädte an den ama, Gewinnſten Venedigs Theil. Die Bank des heil. Georg, ent⸗ gtgen 16. 244— ſtanden im Jahr 1407 aus Anleihen, welche gemacht worden hängit waren, um die Staatsbedürfniſſe zu decken*), wurde bald die überall Rivalin der venetianiſchen, und leiſtete dieſelben Dienſte, wie ſolt E ihre Nebenbuhlerin. Jedoch beharrten die Genueſen**) nicht dehren ſo lange, wie die Venetianer, bei den Grundſätzen der Han⸗ inen! delsfreiheit, und ihre Regierung lieferte das erſte Beiſpiel aus we ausſchließlicher Privilegien, welche einer Handelsgeſellſchaft an Dieſed Zahlungsſtatt für die der Regierung gemachten Vorſchüſſe bewil⸗ heit de ligt wurden. In Mailand beſchäftigte man ſich vom J. 1260 ſten K an mit der Kataſtrirung der Grundſtücke, und in dieſer Haupt⸗ ſtem ſtadt der lombardiſchen Republiken mußte man mehr als hun⸗ ropa dert Münzhäuſer beſchäftigten, um der ungeheuern Nachfrage nach Ihalien Geld zu genügen, welche durch die Entwickelung der Geſchäfte bon Sch nothwendig geworden war. Wohin man ſeine Blicke wendet, facturen. überall wird man von der gewaltigen Thätigkeit überraſcht, ohne Un welche in allen dieſen Freiſtaaten herrſcht, und von der Scharf⸗ derſelben ſichtigkeit, mit welcher jede von ihnen ihre Inſtitutionen den Glücklic Bedürfniſſen der Induſtrie und des Handels anzupaſſen wußte. geſchlih Wir verdanken ihnen die Schöpfung der erſten öffentlichen Cre⸗ 1 de A ditanſtalten, ſei es, daß ſie die Banken erfinden, ſei es, daß ſie 1 aude auf Anleihen ſinnen. Sie hatten ſchon die Induſtrie geord⸗ unern net, noch ehe Ludwig der Heilige die Innungen geſchaffen eilt hatte. Die Macht ihrer Regierungen ſchien keine andere Sen⸗ ſpiel dung zu haben, als die Intereſſen der Arbeit zu ſchützen; und liebun während man ſonſt überall Bauer und Bürger brandſchatzte, ter den verfügten in Venedig, Genua, Florenz, Piſa, Mailand dieſel⸗ Führun ben Bürger, durch den Handel und die Induſtrie bereichert, Sparſan als Herren über die Souverainetät. hier an Die italiäniſchen Republiken haben ſonach die Sache der geſiherte Freiheit nicht bloß dadurch geordnet, daß ſie die edeln, wett⸗ ſenden, eifernden Strebungen der griechiſchen Freiſtaaten nach Unab⸗ miͤdüch Verbra — niſchen *) Gilbart, History and principles of Banking, p. 10. bildetſe **) Der Graf G. Pecchio, storia della economia pubblica in Italia, gedenkt Lugano 1832, p. 16(nicht 6, wie Hr. Blanqui anführt; Buß). eufe! ——— A—C——ꝑ ——— ——————ſſ worden ald die de, wie ) nicht Han⸗ eiſpiel aft an bewil⸗ . 1200 Haupt⸗ s hun⸗ he nach chaͤfte endet, raſcht, charf⸗ en den vußte. n Cre⸗ daß ſie geord⸗ eſcaffen re Sen⸗ n; und ſchatztk, dieſel⸗ ſchert, 2 der wen⸗ Unab⸗ a Itall, — 245— hängigkeit wieder in's Leben riefen, ſondern dadurch, daß ſie überall die Arbeit wieder zu Ehren brachten, haben ſie die Ge⸗ ſtalt Europa's geändert, und das Aufkommen der liberalen Lehren verbreitet, deren Sieg wir einſtens ſehen werden. Bei ihnen wurden die großen wirthſchaftlichen Erfahrungen gemacht, aus welchen die Wiſſenſchaft ganz gewaffnet hervorgehen ſollte. Dieſe Freiſtaaten haben vor den andern Völkern um die Reihe Frei⸗ heit des Handels und Abſperrung verſucht. Sie haben den er⸗ ſten Klippen des Credits getrotzt, und den Grund zu dem Sy⸗ ſtem der neuern Anleihen gelegt. Während das übrige Eu⸗ ropa mit Zwingburgen und Strohhütten bedeckt war, baute Italien Paläſte und Tempel von Marmor; es rüſtete Tauſende von Schiffen aus, beladen mit den Erzeugniſſen ſeiner Manu⸗ facturen. Es organiſirte die Arbeit, und berief alle Bürger, ohne Unterſchied der Kaſte, zu Ehren und Vermögen, wenn ſie derſelben durch ihr Wiſſen und ihre Fähigkeit würdig waren. Glücklich, wenn die Ariſtokratie ſich nicht in ihren Schoos ein⸗ geſchlichen hätte, unter der Begünſtigung des Reichthums, wie die Abſperrung im Gefolge der Manufacturen und das Monopol auf den Pfaden des Handels! Wie viele Lehren für uns bei dieſer unermeßlichen Manchfaltigkeit der Ereigniſſe! Die Erfahrung eilt hiebei der Wiſſenſchaft voran, und zeigt uns das erſte Bei⸗ ſpiel einer kühnen Anwendung der Lehren des Handels auf die Uebung der Regierung. Die Verwaltung ſtellt ſich hiebei un⸗ ter den einfachen und regelmäßigen Formen einer gewerblichen Führung dar, wo alle Hilfsquellen mit Ordnung, Umſicht und Sparſamkeit zur Anwendung gebracht werden. Man ſollte hier an großartige Unternehmungen denken, ſtark durch einen geſicherten Credit, welche in alle Hafen reiche Ladungen ver⸗ ſenden, und welche unabläſſig bemüht ſind, durch eine uner⸗ müdliche Gutererzeugung den Bedürfniſſeu eines unermeßlichen Verbrauchs zu genügen. Wahrlich in dem Schoos der italiä⸗ niſchen Freiſtaaten ſind die ſinnreichſten Künſte und die ausge⸗ bildetſten Finanzlehren, deren die Geſchichte in dieſem Zeitraum gedenkt, entſtanden; und es läßt ſich nicht ſagen, zu welcher Stufe des Glanzes dieſe Staaten ſich noch hätten erheben kön⸗ ——O ᷣñ—————y—— — 246 nen, ohne dir verderbliche Throngelangung Karls V., welche plötzlich die Geſtalt Europa's und die der Staatswirthſchaft änderte. Hauptſtück XXI. Von der durch Karl V. in dem Gang der Staatswirthſchaft bewirkten Umwälzung.— Der Geiſt der Eroberung trat an die Stelle des Han⸗ delsgeiſtes.— Amtliche Einführung des Sperrſyſtems.— Negerhan⸗ del.— Finanzerpreſſungen.— Klöſter und Pauperismus.— Wider⸗ ſtand des Proteſtantismus Karl V., ein Sohn Flanderns, teutſcher Kaiſer und ſpa⸗ niſcher Alleinherrſcher, vereinigte bis zum höchſten Grad ſämmtliche italiäniſche Antipathien. Er ſtammte aus einem Lande, wo die Manufacturen von Venedig, Mailand, Florenz und Genua furchtbare Mitbewerbungen gefunden hatten; er war in ſeiner Eigenſchaft als teutſcher Kaiſer die höchſte Per⸗ ſonification der ghibelliniſchen Partei, die in Italien ſo verab⸗ ſcheut war, und als König Spaniens ſollte er der verderb⸗ lichſte Rivale der italiänifchen Bankherren werden, die nicht im Stande waren, dem glücklichen Beſitzer der Goldbergwerke Mexico's und Peru's einen ernſtlichen Widerſtand entgegen zu ſetzen. Kaum auf den Thron geſtiegen, legte er in die Wagſchale des Handels, außer dem Gewicht ſeines Schwertes, das der neuen Welt und eines großen Theils der alten. In der Politik, Religion, Induſtrie wollte ſeine Macht keinen Mitwerber dulden, und von ſeinem zwanzigſten Lebensjahre an rüſtete er ſich, alle Fragen aufzuſtören und alle Reiche umzu⸗ ſtürzen.. Nicht ohne Grund betrachten die Geſchichtsforſcher einſtim⸗ mig die Regierung dieſes Fürſten als den Ausgangspunkt ei⸗ ner neuen ſocialen Ordnung in Europa. Von ſeiner Regie⸗ rung an gebt in der That eine raſche und tiefe Verwandelung in dem G aufgeregt yunderte Despotid rica's, d fantiſche gleicheit nem Sc Murici allen f der ital ſchaft ei ſheilen w hen. Kan ren Gege nißvoll u verderblie ſucht hab die benehen ner Re größten um ſie zen. E heſoldet gen, Er Gewaltth das regelt Finanzmät Erpreſſung ibermäßi Arbeitsl erhöhte d von den Ausübun das des welche ſchft wirien 8 Han⸗ gerhan⸗ Wider⸗ d ſpa⸗ Grad einem Florenz ten; er Ke Pet⸗ ſo verab⸗ verderb⸗ die nicht bergwerke entgegeln r in die hwertes, en. In keinen jahre an e umzu⸗ einſtim⸗ punkt ei⸗ r Regir⸗ rndeluung das des Handels. Ueberall erhoben ſich, gedeckt durch Privile⸗ — 247— in dem Gang der Geſittung vor. Die Ideen werden eben ſo aufgeregt, wie die Reiche, und das erſte Mal ſeit vielen Jahr⸗ hunderten ſcheint die Welt zu dem endgiltigen Kampfe des Despotismus und der Freiheit berufen. Die Entdeckung Ame⸗ rica's, die Vertreibung der Mauren aus Spanien, die prote⸗ ſtantiſche Reformation, der Negerhandel, ſind mit Karl V. gleichzeitige Ereigniſſe, und jedes dieſer Ereigniſſe trägt in ſei⸗ nem Schooſe den Keim von zwanzig Umwälzungen. Auf das Municipalſyſtem, welches unter dem Einfluſſe der Arbeit in allen freien Städten Tentſchlands, Belgiens, Spaniens und der italiäniſchen Freiſtaaten entſtanden war, ſehen wir die Herr⸗ ſchaft einiger mächtigen Monarchien folgen, die ſich in Europa theilen werden, nachdem ſie es werden zu Grunde gerichtet ha⸗ ben. Karl V. war das Hauptrüſtzeug dieſer Umwälzung, de⸗ ren Gegenſtoß dadurch für die Staatswirthſchaft ſo verhäng⸗ nißvoll werden ſollte, daß ſie unter den Schutz der Gewalt die verderblichſten Lehren ſtellte, welche je die Menſchheit heimge⸗ ſucht haben. 2 Die Nothwendigkeit, unabläſſig ſich erneuernde Kriege zu beſtehen, nöthigte dieſen Monarchen von den erſten Jahren ſei⸗ ner Regierung an zu finanziellen Auskunftsmitteln, welche den größten Theil der Capitale den productiven Gewerben entzogen, um ſie in den Schlund der unfruchtbaren Verzehrung zu ſtür⸗ zen. Sein Schatz war ſtets leer; ſeine Truppen waren ſchlecht beſoldet, und ſie nahmen die Gewohnheit an, von Plünderun⸗ gen, Erpreſſungen oder willkürlichen Beſteuerungen zu leben. Gewaltthätige und unterdrückende Maaßregeln erſetzten überall das regelmäßige Syſtem der Steuern, wie es durch italiäniſche Finanzmänner aufgeſtellt worden war. Damals begannen die Erpreſſungen jeder Art, die militairiſchen Einquartierungen, die übermäßigen Auflagen auf die Verzehrung, welche den Preis des Arbeitslohns zum Schaden der Manufacturen ſteigerten. Man erhöhte die Zölle von den Rohſtoffen bei ihrem Eingang und die von den fabricirten bei der Ausfuhr. An die Stelle der freien Ausübung der Gewerbe ſetzte man das Monopol derſelben und — 2G— gien, die kaiſerlichen oder königlichen Manufacturen, von welchen man die Licenzen erkaufen mußte, um das Recht zur Arbeit zu haben. Dieſes ganze Beſchränkungsweſen ſetzte ſich nach und nach in den Geſetzen und Sitten feſt; ſpäter kamen die Sophiſten, welche daraus Lehren machten, und ſo wurde die Zerſtörung aller wirthſchaftlichen Irrlehren, von welchen Europa noch heimge⸗ ſucht iſt, um ſo ſchwieriger, als ſie ſich mit der Sanction der Zeit und dem Charakter der Autorität darſtellen. Karl V. machte ſie dadurch noch verderblicher, daß er ſie organiſirte, daß er ſie in die Verwaltung eindringen ließ, deren ſtarre Verhaltungsregel und unverletzbarer Glaubensſatz ſie werden ſollten. Eine noch beklagenswerthere Folge des öſtreichiſch⸗ſpaniſchen Spſtems des Kaiſers war die, die Ariſtokratie des Pergaments und Degens, welche vor den Notabilitäten der Induſtrie und des Handels zu verſchwinden begonnen hatte, wieder in ihre alte Ehre einzuſetzen. Der Adel der italiäniſchen Freiſtaaten, der Hanſeſtädte, der großen belgiſchen, franzöſiſchen und ſpaniſchen Handelsſtädte arbeitete wenigſtens, und fühlte ſich durch eine Ab⸗ ſtammung von einem Arbeitsberufe geehrt; allein Karl V. be⸗ gann Titel zu verkaufen, um Geld zu gewinnen, und das caſtili⸗ ſche Vorurtheil, welches den Adel in Müſſiggang beſtehen läßt, verbreitete ſich wie eine Peſt über ganz Europa. Eine einzige Regierung genügte, die öffentlichen Freiheiten bis zu den ſchlech⸗ teſten Zeiten der Feudalität zurückſchreiten zu machen. Täglich zog irgend eine große induſtrielle Exiſtenz ſich von dem Kampf⸗ platz zurück, auf welcher ſie ſich nicht mehr halten konnte, ohne ihrem Adel etwas zu vergeben. Die adeligen Herren hatten aufgehört, die Wanderer auf den Straßen auszuplündern, wie es ihre Vorgänger von der Höhe ihrer alten Zwingburgen gethan hatten; aber ſie verſchanzten ſich jetzt hinter die Privilegien, welche ihnen den beſten Theil der Gewinnſte der Arbeit ihrer Mit⸗ bürger ſicherten. Schaaren von Gefällpachtern laſſen ſich die Pacht der Staatseinkünfte zuſprechen, und einer der Statthal⸗ ter Karls V. in den eroberten Ländern wagte auf die könig⸗ lichen Befehle zu erwiedern:„Der König befiehlt zu Madrid, und ich zu Mailand.“ Es beſtand keine öffentliche Berathung, leine mögü ſce Gerich alle ſchütz vedingten gber n hatte man Alem in det ſich d ner, Gen ſagen eri die Jolin und zu e wäͤhtenden unmittelbar beigetrager ſiherbeit verbreitete welche Lcon be Vorond der du verſchle man n von de teien in dels im ner Geſet Zun lleb Verwaltun Veräͤndern den römiſ öffnete: mit ihren Recht aus ſchönen K welcher an welchen gebeit zu nach urd ophiſten ung aller heimge⸗ tion der . machte er ſie in ungsregel 7 aniſchen gaments und des hre alte hen, der aniſchen eine Ab⸗ V. be⸗ as caſtlli⸗ ehen läßt, ine einzige en ſchlech⸗ Tiglich Kannpf⸗ fe, ohne hatten wie es gethan welche er Mi⸗ ſich die Statthal⸗ ie könig⸗ Madrid, erathung — 249— keine mögliche Berufung an die Rechtspflege, keine conſulari⸗ ſche Gerichtsbarkeit(ein Handelsgericht, Buß), kein Credit mehr: alle ſchützenden Formen waren aufgehoben worden, um der un⸗ bedingten Herrſchaft der ſpaniſchen Paſcha's Platz zu machen. Aber nicht blos in Italien und in den Staaten Karls V. hatte man dieſen plötzlichen Wechſel in dem Gang und vor Allem in den Lehren der Regierungen zu beklagen. Jedem, der ſich der ängſtlichen Genauigkeit der Venetianer, Florenti⸗ ner, Genueſen und der Hanſeſtädte in der Erfüllung ihrer Zu⸗ ſagen erinnert, werden die gewagten Auskunftmittel, an welche die Politik des teutſchen Kaiſers die andern Fürſten gewöhnte, und zu welchen er ſie durch ſein Beiſpiel und durch ſeine fort⸗ währenden Kriege nöthigte, verderblicher erſcheinen, als der unmittelbare Schaden, der daraus hervorging. Nichts hat mehr beigetragen, die ſociale Entwickelung zu lähmen, als die Un⸗ ſicherheit und Befürchtung, welche ſich über alle Beziehungen verbreitete, die der Garantieen und Sicherheit bedurften. Auf welche Grundlage könnte man künftighin die geringſte Specu⸗ lation bauen, wenn die Hauptquellen der Staatseinkünfte zum Voraus auf mehre Jahre veräußert, und die Münzen entwe⸗ der durch freche Beſchickungen, oder durch räuberiſche Beſchlüſſe verſchlechtert wurden? Auch zog ſich das Geld, für welches man nicht mehr eine nützliche und ſichere Anlegung fand, bald von der Induſtrie zurück, und wurde in Ankäufen von Lände⸗ reien immobiliſirt. Der Landbau, durch den Verfall des Han⸗ dels im Herzen verſehrt, verfiel raſch unter der Herrſchaft ei⸗ ner Geſetzgebung, welche die Ausfuhr des Getreides verbot. Zum Uebermaß des Unglücks trafen die zahlreichen, in der Verwaltung der durch den Krieg zerrütteten Staaten bewirkten Veränderungen Europa mit einer Wunde, die aus dem ſinken⸗ den römiſchen Reiche ſtammte, und jetzt hier auf's Neue ſich öffnete: wir meinen die Proceſſe und Streitigkeiten jeder Art mit ihrem gewöhnlichen Gefolge von Räubereien und den das Recht ausbeutenden Geſetzkundigen. Der blendende Glanz der ſchönen Künſte hat Italien nie für den Verfall entſchädigt, welcher auf den Verluſt ſeiner Freiheit folgte; und die beſtän⸗ — 250— dige Abnahme ſeiner Bevölkerung von jener Zeit an hat hinläng⸗ lich nachgewieſen, daß die wahrhaften Elemente des Wohlſtands der Staaten mehr in den nützlichen, als in den glorreichen Künſten beſtanden. Die Regierung Karls V. war vor Allem deßwegen den Fort⸗ ſchritten der Staatswirthſchaft in dem Sinn entgegen, daß ſie Europa mit Gewalt von den regelmäßigen Wegen der Güter⸗ erzeugung abgelenkt hat, um es in die Wagniſſe des Kriegs und in das alte, von der Feudalität erzeugte Syſtem der Aus⸗ beutung zu ſtürzen. Alles, was wir gegenwärtig an falſchen Lehren und verderblichen Vorurtheilen zu bekämpfen haben, verdanken wir ſeiner Regierung, fortgeführt und verſchlimmert durch ſeinen fluchwürdigen Nachfolger. Die Freiheit des Han⸗ dels war im Begriff, ſich in der Welt zu erheben und in eine gemeinſame Solidarität die Intereſſen des Südens und des Nordens zu binden: Karl V. ſetzte an ihre Stelle die Beſchränkungen und Verbote. Die Banken Venedigs und Ge⸗ nua's hatten ſo eben den Credit gegründet: Karl V. begann, ſchlechtes Geld zu machen; und obwohl ſchon die Schätze der neuen Welt ihm in dem Grade eröffnet waren, daß ſie ihm jährlich ungefähr 50 Millionen Francs einbrachten, ſo über⸗ ſchwemmte er gleichwohl Europa um das Jahr 1540 mit einer beträchtlichen Maſſe ſchlechter caſtiliſcher Goldthaler. Dieſes abſcheuliche Beiſpiel fand nur zu viele Nachahmer; und es gab eine Zeit, wo, nach dem Ausdruck des Hrn. Ganilh,„Italien ſich eben ſo ſehr durch ſeine ſchlechten Münzen, als durch ſeine vortrefflichen Werke über die Münze auszeichnete.“ Man ſuchte nicht mehr den Reichthum in der Arbeit und in der einſichts⸗ vollen Verwendung der Capitale, ſondern in der Anhäufung der Baarſchaft; man verbot die Ausfuhr des Geldes durch drakoniſche Satzungen, als wenn es möglich geweſen wäre, die Waaren zu kaufen, welche man nicht mehr ſelbſt erzeugte, und das Geld zu behalten, welches dazu diente, ſie zu zahlen. Damals fanden die erſten Verſuche jener ſonderbaren Theo⸗ rien Statt, deren Erfindung ganz den Spaniern angehört, und welche ein ſtaatswirthſchaftlicher Schriftſteller ihres Landes zwei Jahih ſo noid d ſimmlich b nen, an da fen, als ee liegt das des hand Das iſt laßt hat, Karls V. Handelkpe 9 herrſcht halten, und glautt, in d zu gewahren die inländiſ hältniß zu! un ihren! Luſtgebibde — *) Uſta der franzi rückſichlich dieſes noc nien zu he gegenwoͤrti dieſe Schaͤt hem ſie land ker übergehen Oberherrſchaft des beraubt; Gallionen ant Völket entzog Ueberfluß zu dieſer Milig fließe, um Dieſe verdent verläſſgſten lind doch ſe ſer geweſen, ooöͤö——ͤöhöͤö—öͤö—qqqqhqhqhqhqöqöööö— — 251— hinläng⸗ zwei Jahrhunderte ſpäter in folgender merkwürdigen Stelle oliands ſo naiv zuſammenfaßte:„Es iſt nothwendig, mit Strenge orreichen ſämmtliche Mittel anzuwenden, welche uns dahin führen kön⸗ nen, an das Ausland mehre von unſern Erzeugniſſen zu verkau⸗ 8 2„„„ en Fort⸗ fen, als es an uns von den ſeinigen verkaufen wird: hier daß ſie liegt das ganze Geheimniß und der einzige Nutzen Güter⸗ des Handels*). Kriegs Das iſt das Syſtem, welches die unzähligen Kriege veran⸗ der Aus⸗ laßt hat, deren Schauplatz Europa ſeit der Thronbeſteigung falſchen Karls V. geweſen iſt, und welches noch gegen ihr Wiſſen die haben, Handelspolitik faſt ſämmtlicher Regierungen der Neuzeit be⸗ limmert herrſcht. Alle haben ſich ſeither bemüht, das Geld zurückzube⸗ s Han⸗ halten, und ausländiſche Waaren zu verbieten: alle haben ge⸗ und in laubt, in der Einfuhr eine Urſache des Ruines zu ſehen, ohne 9 5 ns und zu gewahren, daß die Einfuhren um ſo nöthiger wurden, als elle die die inländiſche Erzeugung bei jedem Volke genau in dem Ver⸗ ind Ge⸗ hältniß zu den Beſchränkungen abnahm, die erſonnen wurden, begann, um ihren Aufſchwung zu ſördern. Es hieß überdieß einem ätze der Luftgebilde nachjagen, wenn man verkaufen wollte, ohne zu Ne i ſo über⸗*) Uſtariz, Theorie und Praxis des Handels, Hauptſt. IV., p. 13 mit einer der franzöſiſchen Ausgabe. Dieſer Schriftſteller fügte hinzu:„Wenn wir Dieſts rückſichtlich des Tauſchhandels wenigſtens gleichſtehen könnten, ſo wäre 9 dieſes noch hinreichend, um den größten Theil des Reichthums in Spa⸗ ind es 1 nien zu behalten, welcher aus Weſtindien nach Cadix ſtrömt, ſtatt daß er „Jfalien gegenwärtig uns von gar keinem Nutzen ſein kann. Dagegen werden urch ſeine dieſe Schätze der Monarchie ſchädlich, wenn ſie ſchon am Hafen, in wel⸗ 44 chem ſie landen, in die Hände der mit dieſer Krone wettkämpfenden Völ⸗ an ſuchte ker übergehen, welche ſie in großer Menge in die Länder unter türkiſcher einſichts⸗ Oberherrſchaft bringen. So haben wir außer dem Unglück, unſeres Gel⸗ häufung des beraubt zu werden, ſobald es in Cadirx auf den Flotten oder den durch Gallionen ankömmt, und außer dem Mißvergnügen, es durch uns abgeneigte es. Völker entzogen zu ſehen, welche es gebrauchen, um ihren Handel und en waͤre, Ueberfluß zu ſteigern, noch den Schmerz, zu wiſſen, daß ein großer Theil erzeugte, dieſer Millionen den Türken und andern Ungläubigen zu⸗ au zahlen fließe, um ihre Kräfte und unſere Verluſte zu vergrößern. zu dn Dieſe verderblichen Folgen verdienen die größte Beachtung und die zu⸗ ren Ther⸗ verläſſigſten Maaßnahmen, um ſie zu verhüten.“ ehör und Und doch ſchrieb Uſtariz dieſe Zeilen im Jahre 1740, und war Mini⸗ 22 7; s Landes ſter geweſen!;, kaufen, und nach dem Monopl der Manufacturen rang, indem man für den Ertrag der Bergwerke die großen Arbeiten der Induſtrie aufgab. Spanien hat ſpäter dieſen verhängnißvollen Irrthum Karls V. hart gebüßt; es hat ſeine Fabriken verlo⸗ ren, weil es eine zu große Wichtigkeit dem Golde ſeiner Co⸗ lonien beigelegt hatte, und ſpäter ſind ihm ſeine Colonien ent⸗ gangen, weil es zu ſehr ſeine Fabriken vernachläſſigt hatte. Allein dieſes ſchlechte Syſtem iſt nicht der einzige Irrthum, den Karl V. in Europa in Aufnahme gebracht hat. Die Menſchheit hat ſeinem Andenken noch ſchwerere Vorwürfe zu machen, weil er in ei⸗ nem ungeheuern Maaßſtab die Sklaverei, welche gerade zu Grabe gegangen war, und die Ausbeutung des Menſchen, die zu ih⸗ rem Ende neigte, wieder eingeführt hat. Der Negerhandel wurde unter dieſer Regierung wie eine rechtmäßige und re⸗ gelmäßige Einrichtung organiſirt, und man rief aus den Zeiten der Griechen und Römer die verderbliche Lehre wieder auf, ver⸗ möge welcher die Gewinnſte der ſocialen Arbeit von Rechts we⸗ gen einigen Privilegirten gehörten. Millionen Menſchen gingen in America als Opfer dieſes verabſcheuungswürdigen Vorur⸗ theils unter, und Afrika hat nach drei Jahrhunderten noch nicht aufgehört, ſeinen Tribut an Blut und Thränen dem Sy⸗ ſtem abzutragen, welches die Frucht deſſelben geweſen iſt. Man kann ſich keinen Begriff von den ſämmtlichen Widerſinnigkeiten machen, welche in dieſem Zeitraum erſonnen wurden, um den Bewohnern des Mutterlandes die Gewinnſte und Einkünfte der neuen Colonie zu ſichern: noch nie war die Frechheit des Privilegiums auf eine ſo tyranniſche Weiſe hervorgetreten. Das Mutterland drängte alle ſeine Erzeugniſſe der Colonie auf, und verbot ihr, ſich dieſelben, ſogar auf ihrem eigenen Boden, zu verſchaffen. Es ward den Americanern verboten, Lein, Hanf und Reben zu pflanzen, Manufacturen zu errichten, Schiffe zu bauen, ihre Kinder anderswo, als in Spanien, er⸗ ziehen zu laſſen. Zu gleicher Zeit ſchrieb man ihnen gewiſſe unnütze Verzehrungen vor, und ſie wurden Plackereien unter⸗ worfen, deren Geſchichte gegenwärtig als fabelhaft erſcheinen obrdt. Die mals de R Wihrend de Einfüh begünſizte die Faulher ſch, und w widmet. 4 gegen die nußloſe D fentlihen Verwalkung Munhäte g jittr in de n hie ſch g wardie geit Induſtrie, i genwärtig daen gede Vihe d genug w verwand Ausdrüch luchwür And zu nur die, gelegt A aufgehört, Jahrhundert Edleunde Eingriff in wahrt. Spa⸗ mäßigen Ve welche dem ſchäner Wie und man fann g indem eiten der nißvollen en verlo⸗ iner Co⸗ nien ent⸗ hatte. thum, den ſchheithat ler in ei⸗ zu Grabe ſe zu ih⸗ erhandel und re⸗ en Zeiten auf, ver⸗ echts we⸗ en gngen Vordh⸗ detten noch en dem Sy⸗ en iſt. Man rſennigkeiten en, um den Einkünfte jchheit des orgetreten. r Colonie em eigenen verboten, zu errichten, panien, er⸗ gnen gewiſe reien unter⸗ ft erſcheinen — 253— wuürde. Die Peitſche des Aufſehers der Pflanzung ſtellte da⸗ mals die ganze ſpaniſche Geſittung dar. Während die Maximen der Regierung Karls V. in America die Einführung der Sklaverei und der gehäſſigſten Monopole begünſtigten, ermunterten ſie in Europa den Despotismus und die Faulheit durch Mittel jeder Art. Die Klöſter vermehrten ſich, und wurden auf Koſten des Landbaus und der Arbeit be⸗ widmet. Die Inquiſition zündete ihre tauſend Scheiterhaufen gegen die bürgerliche und religiöſe Freiheit an; prunkvolle und nutzloſe Denkmale folgten auf jene zahlreichen Bauten des öf⸗ fentlichen Nutzens, welche auf eine ſo glänzende Weiſe die Verwaltung der italiäniſchen Freiſtaaten ausgezeichnet hatten. Man hätte glauben ſollen, daß in Europa nur fünf oder ſechs Halb⸗ götter in Tempeln zu beherbergen wären: das Menſchengeſchlecht m ßte ſich glücklich ſchätzen, unter das Stroh zu kriechen. Das war die Zeit aller ſchlechten Anſichten, aller ſchlechten Syſteme in der Induſtrie, in der Politik, in der Religion. Wir begehen ge⸗ genwärtig nicht einen Fehler, wir gehorchen nicht einem ein⸗ zigen gewerblichen Vorurtheil, welches uns nicht durch dieſe Unheil bringende Gewalt vermacht worden wäre, welche ſtark genug war, um ihre unſeligſten Verirrungen in Geſetze zu verwandeln. Nein, nie wird die Wiſeenſchaft hinlänglich ſtarke Ausdrücke, nie die Menſchheit Thränen genug finden, um die fluchwürdigen Thaten einer ſolchen Regierung zu brandmarken und zu beklagen! Philipp II., unſeligen Andenkens, hat daraus nur die Folgerungen gezogen; Karl V. hat den Grund dazu gelegt. Allein die Frevel des Sohns haben mit ſeinem Leben aufgehoͤrt, und die Lehren des Vaters hemmen noch nach drei Jahrhunderten den Gang der Geſittung. Edle und erhabene Widerſtände haben jedoch gegen dieſe ſchweren Eingriffe in die unverjährbaren Rechte der Menſchheit ſich ver⸗ wahrt. Spanien bewahrt noch heilig das Andenken an die helden⸗ mäßigen Verſuche Padilla's und der Municipalſtädte der Halbinſel, welche dem Schwung ſeiner Vaterlandsliebe folgten. Es war ein ſchöner Wiederſchein der frühern Unabhängigkeit der Gemeinden, und man kann nach dem, was ſie forderten, auf das ſchließen, um was — 254—. ſie Karl. V. gebracht hatte.„Wir wollen, ſagten die Anführer des land⸗ de ban ſchaftlichen Bundes in ihrer berühmten Beſchwerde an dieſen dd von Fürſten, daß man den Truppen nicht mehr unentgeltliche Quar⸗ M tiere gebe; daß alle Steuern auf den Fuß zurückgebracht wer⸗ ſanu den, auf welchem ſie zur Zeit des Todes der Königin Iſabella ſch 5 ſtanden; daß zu den Verſammlungen der Stände, welche in der lan t Folge werden gehalten werden, jede Stadt einen Vertreter des zur Jei Klerus, einen des Adels und einen des dritten Stan⸗ wndn. des, Jeder erwählt von ſeinem Stand, zu ſchicken habe; daß nns hri kein Mitglied der Stände weder ein Amt, noch einen Gehalt vom urn König, ſei es für ſich, ſei es für Perſonen ſeiner Familie, bei Kal Todesſtrafe und bei Einziebung ſeiner Güter annehmen j 4* dürfe; daß jede Stadt oder Gemeinde ihrem Vertreter den Ge⸗ Auu 14 halt zahle, der für ſeinen Unterhalt in der Zeit paſſend iſt, wo er fiin vin den Ständen anwohnen wird, und daß die Ländereien der zätnm Adeligen allen öffentlichen Steuern, wie die der de Bi Gemeinen, unterworfen ſeien.“*) vüühn Das war die politiſche Oekonomie der liberalen Partei die⸗ nhnn ſes Zeitraums; allein Padilla's Tod**) und der Untergang— met geſtell. *) Robertſon, History of the reign of the emperor Charles V. dünden Book III. tät con begonne **) Sandoval †) hat uns das bewunderungswürdige Schreiben aufbe⸗ b wahrt, welches Padilla am Abend vor ſeiner Hinrichtung an die Stadt To⸗ den Aug ledo ergehen ließ. Ich glaube hier einige der letzten Gedanken dieſes Blut⸗— zeugen der Gemeindefreiheiten anführen zu müſſen:„Dir, Krone Spaniens und Licht der ganzen Welt; Dir, die du frei warſt von der Zeit der mächti⸗ b ils meine; gen Gothen, und die Du, vergießend das Blut der Fremdlinge und das der V will Goſt; Deinigen, die Freiheit für Dich und für die Nachbarſtädte wieder errungen fünnte.. haſt: Dein rechtmäßiges Kind, Juan de Padilla, berichtet Dir, wie Du durch dos Shhwe das Blut ſeiner Adern Deine alten Siege erneuern ſolleſt. Wenn das Da eyft Schickſal nicht gewollt hat, daß meine Handlungen geſetzt werden unter die 1) glücklichen und berühmten Thaten Deiner anderen Kinder, ſo muß man es ſſſches 5 meinem ſchlimmen Geſchick und nicht meinem Willen zuſchreiben. Ich bitte Dich, morenty Manifeſt ſchlungen †) Sandoval, HIist. vol. I. p. 478. ———[iͤd———————————— rerdes land⸗ ean dieſen liche Duar⸗ bracht wer⸗ in Jſabella ſche in der rtreter des en Stan⸗ habe; daß Gehalt vom amilie, hei annehmen den Ge⸗ ſt, wo er ien der die der attei die⸗ Antergang Charles V. riiben aufhe⸗ Stadt To⸗ dieſes Blut⸗ Spaniens er mächti⸗ nd das der retrungen eDu durch Wenn das en unter die muß man es hbitt Dih der ſpaniſchen Umwälzung geſtatteten Karl V., ſein eiſernes Joch auf dem größten Theil Europa's ſchwer laſten zu laſſen, das von da an der Plünderung ſeiner Truppen und der An⸗ ſteckung ſeiner Lehren hingegeben war. Frankreich ſelbſt ſah ſich genöthigt, auf den Kampfplatz herabzuſteigen,*) wo es lange Zeit mit Ruhm, wenn auch nicht immer mit Erfolg bis zur Zeit kämpfte, wo die mächtige Diverſion des Proteſtantis⸗ mus in Teutſchland ſämmtliche Freiheiten unter den Schutz ei⸗ nes Princips ſtellte. Unter welchem Geſichtspunkt man immer auch die Geſchichte Karls V. betrachte, man kann nicht anders als anerkennen, daß dieſer Alleinherrſcher die herrliche Entwicklung des Reich⸗ thums und des Wohlſtandes, die durch die Arbeit der entfeſ⸗ ſelten Bürgerſchaften des Mittelalters geſchaffen worden waren, gehemmt hat. Durch den Verſuch, die Weltherrſchaft Karls des Großen wieder aufzubauen, und den verſchiedenen euro⸗ päiſchen Staaten ihre Phyſiognomie mit ihrer Unabhängigkeit zu nehmen, hat er ſie zur Peſt der ſtehenden Heere und der voraus erhobenen Auflagen verurtheilt. Er hat in America die Sklaverei, die in Europa faſt abgeſchafft war, wieder her⸗ geſtellt. Er hat in ſeiner Perſon allein und in der einiger ver⸗ bündeter oder rivaliſirender Fürſten die Macht der Souveraine⸗ tät concentrirt, in deren Mitbeſitz einzutreten die Mittelklaſſen begonnen hatten. Dieſes ſind gewiß ſchwere Anklagepunkte in den Augen der Nachwelt; aber es giebt deren noch ſchwerere, als meine Mutter, das Leben anzunehmen, welches ich jetzt verlieren werde, weil Gott mir nichts Koſtbareres gegeben hat, was ich für Dich verlieren könnte... Ich ſchreibe Dir nicht mehr; denn in dieſem Augenblick fühle ich das Schwert über meinem Nacken, mehr gebeugt von dem Kummer, welchen Du empfinden wirſt, als von meinen eigenen Leiden.“ *)„In einem dieſer zahlreichen Kriege, im Jahr 1552, nahm ein franzö⸗ ſiſches Heer von 44,000 Mann, angeführt von dem Connetable von Mont⸗ morency, die drei Bisthümer weg, wobei er ein franzöſiſches und⸗teutſches Manifeſt vorausſandte, deſſen Titelblatt eine Mütze mit zwei Dolchen, um⸗ ſchlungen von dem Wort Freiheit, darſtellte. Schöll, Histoire des Etats européens, t. XV., pg. 168. — 256— und deren Folgen eben ſo beklagenswerth ſind. Die Regierung Karls V. iſt eine von jenen, welche am meiſten dazu beigetragen haben, über die Welt die gräßliche Plage des Pauperismus zu verbreiten. Ließ er nicht durch die Zerſtörung der Freiheit der Induſtrie und des Handels, durch die Einführung der Monopole und königlichen Manufacturen in die Klöſter eine Menge von Exi⸗ ſtenzen zurücktreten, die zu einem beſchaulichen Leben oder zum Bettel verdammt waren? Hat er nicht durch die Schoöpfung des Colonialſyſtems einen Theil ſeiner Unterthanen gewöhnt, auf Koſten des andern zu leben? Hat er nicht die Gründung der Geſellſchaft der Jeſuiten begünſtigt, die ſo fruchtbar an Erfin⸗ dungen war, welche für die Arbeit und Freiheit ſo verderblich wurden? Hat er nicht den italiäniſchen Freiſtaaten eine ſo traurige Beſtattung bereitet? Allein der ſchlimme Genius eines einzigen Mannes ver⸗ mochte nicht, die ewigen Geſchicke der Menſchheit zu bewälti⸗ gen. Während das Glück Karl V. zu lächeln und alle ſeine Unternehmungen zu krönen ſchien, erhob ſich in dem alten und arbeitſamen Teutſchland eine Macht, welche die Frucht ſeiner Siege zu zerſtören drohte, und ſeinem Nachfolger große De⸗ müthigungen bereiten ſollte. Die Freiheit der Forſchung erwachte wieder auf den Ruf eines gereizten Mönchs. Die Keime der Unabhängigkeit, welche in den Hanſeſtädten ſchlecht erſtickt wor⸗ den waren, wucherten von Neuem unter dem Einfluß der glü⸗ henden Predigten des Proteſtantismus auf. Die unterdrückten Bauern griffen zu den Waffen; die muthigſten Schriftſteller gaben das Vorſpiel für die beredten Manifeſte des 18. Jahr⸗ hunderts durch kühne Verſuche*). Die Contrebande und der *) Arme und bemitleidenswerthe Leute, ſagte La Boötie †), unſinnige Völ⸗ ker, Nationen, hartnäckig in euerem Unglück, und blind in euerem Wohlſtand, ihr laßt euch wegnehmen vor euch das Schönſte und das Bereiteſte von eue⸗ rem Einkommen, plündern euere Felder, berauben euere Häuſer und ſie ent⸗ leeren von den ererbten und väterlichen Geräthen; ihr lebet auf die Art, daß ihr ſagen könnet, Nichts ſei euer,.. und dieſe ganze Verwüſtung, dieſes Un⸗ †+) Le Contr'un, page 12 Scleihha gole. Die der Aemte Drduung i hei der Mag er dunc ba aus der pro alle ſbeialen ſcaftüce tegung brin denn dieſe ſad vol den — heil, diſe Zer wiß von dem welchen ihr gert enere„. dertſcht hat Anderes, e Städte hat ihm einräu ⁴) Sot namentlich noch die bo⸗ einer Beziehl Behauptungen der Verfaſſer Karls V. auf gffolgt ſei we Karl V. gelan Das Mätte litäten, der g derirten Sel Syibe ſih ſ lichen Cor Ablöſungztr Blaneui, die Regzerung u beigerngen perismus h Freiheit der Nonopole ſe von Exi⸗ oder zum Schopfung wöhnt, auf indung der an Erfin⸗ erderblich jeine ſo mes ver⸗ bewälli⸗ alle ſeine alten und racht ſeiner Feoße De⸗ zung erwachte ie Keime der terſtickt wor⸗ fuß der gli⸗ unterdrückten Schrifiſelller 18. Jahr⸗ e und der niinnige Völ⸗ m Wohlſand, ateſte von eub⸗ ſe und ſie ent⸗ ufdi Att dah ung dieſes Un —. 257— Schleichhandel lähmten die Wirkung der entſtehenden Mono⸗ pole. Die Bedrückungen der Steuerpachter, der Käuflichkeit der Aemter, und die Laſt der Steuern machten den Werth der Ordnung in den Finanzen und das Bedürfniß der Behutſamkeit bei den Magiſtraten fühlbar, und ſtärkten die Erziehung der Völ⸗ ker durch harte Prüfungen. Der Geiſt der Unterſuchung, der aus der proteſtantiſchen Reform hervorgegangen war, ſuchte in alle ſocialen Fragen einzudringen: es iſt wichtig, die wirth⸗ ſchaftlichen Folgen derſelben zu erforſchen, ehe man jene in An⸗ regung bringt, welche auf die Entdeckung America's folgten; denn dieſe beiden Worte Reformation und neue Welt ſind voll denkwürdiger Belehrungen*). heil, dieſe Zerrüttung kommen auch nicht von den Feinden, ſondern ganz ge⸗ wiß von dem Feind und demjenigen, den ihr ſo groß macht, wie er iſt, für welchen ihr ſo muthig in den Krieg geht, für deſſen Größe ihr euch nicht wei⸗ gert, euere Perſonen dem Tode darzubringen. Der, welcher euch ſo ſehr be⸗ herrſcht, hat nur zwei Augen, nur zwei Hände, nur einen Leib, und hat nichts Anderes, als was der geringſte Menſch aus der unendlichen Zahl euerer Städte hat, außer, daß er mehr, als ihr alle, den Vortheil hat, welchen ihr ihm einräumet, um euch zu vernichten.“ *) So weit ich entfernt bin, die Regierung Karls V. durchaus und namentlich in ſtaatswirthſchaftlicher Beziehung zu rechtfertigen, ſo iſt den⸗ noch die von Hrn. Blanqui verſuchte Würdigung derſelben in mehr als einer Beziehung ungerecht und verfehlt, und ich möchte eine Menge von Behauptungen in dieſem Hauptſtück nicht zu den meinigen machen. Hätte der Verfaſſer den Gedanken, den er doch ſelber ausſpricht, daß zur Zeit Karls V. auf das Municipalſyſtem das Syſtem der großen Monarchien gefolgt ſei, weiter verfolgt, ſo würde er zu einem gerechteren Urtheil über Karl V. gelangt ſein. Das Mittelalter war die Zeit der Autonomie der politiſchen Individua⸗ litäten, der gemeinheitlichen und landſchaftlichen theils iſolirten, theils fö⸗ derirten Selbſtſtändigkeiten geweſen. Dieſe Ablöſungstendenz, bis zur Spitze ſich forttreibend, führte zur entgegengeſetzten Richtung der einheit⸗ lichen Conſolidation in großen Einherrſchaften. Es ſträubte ſich der Ablöſungstrieb der republikaniſchen Elemente mächtig gegen dieſe monar⸗ Blanqui, Geſchichte d. polit. Oekonomie 1. d. 17 Hauptſtück XXII. Von der proteſtantiſchen Reformation und ihrem Einfluß auf den Gang der Staatswirthſchaft.— Säculariſation der Klöſter.— Verkauf der Kir⸗ chengüter.— Großer Belang derſelben in England in dieſem Zeit⸗ raum.— Armengeſetze.— Vermehrung der Werktage. — Es liegt etwas wahrhaft Providentielles in dem Gang der Arbeit und der Freiheit. Verfolgt an einer Stätte, flüchten ſie ſich an eine andere; gehemmt in ihrem Aufſchwung, heben ſie ſich kräftiger der Zukunft entgegen, ſobald ihnen dieſer Schwung wieder gegeben wird. Auf die griechiſche und römiſche Skla⸗ verei folgt die Unabhängigkeit der Barbaren; dieſe letztere tritt, kaum durch die feudale Leibeigenſchaft entartet, wiederum glänzender und ſtärker in den befreiten Gemeinden hervor. Die Scholle folgt auf den Mühlſtein, und die Innungen ge⸗ hen der Freiheit der Arbeit voran. Wenn eine Erfahrung ihre Zeit durchgemacht hat, ſo tritt ſie in die Nacht der Vergangenheit zurück, und plötzlich beginnt wieder die neue Erfahrung, die beſtimmt iſt, der Nachwelt das ihr anvertraute Gut und den Gewinn aller jener zu überlie⸗ fern, welche ihr voran gegangen ſind. Die proteſtantiſche Re⸗ chiſche Abſorption, daher die guerra de las comunidades in Spanien und ähnliche Kämpfe in andern Reichen. Selbſt in der kirchlichen Reform ſah der Kaiſer nur eine neue Form der ſich zur Emancipation drängen⸗ den perſönlichen und geiſtigen Freiheit gegen die compacte religiöſe Ueber⸗ lieferung, und im Hintergrund die politiſche Ablöſung vom teutſchen Reich, welchem er den univerſalen Charakter zu erhalten ſtrebte. Dieſer das ge⸗ ſammte öffentliche Leben beherrſchenden Richtung konnte der Kaiſer ſich nicht entziehen: ſie gliederte ſich nothwendig zu einem Syſtem, das ſeine Wurzeln auch in die Staatswirthſchaft trieb. Unſere Zeit hat zur Auf⸗ gabe, in die herrſchende monarchiſche Einheit als organiſche Lebensin⸗ ſtanzen die partiellen Selbſtſtändigkeiten aufzunehmen und unter ſich zu vermitteln. Buß. formatit Entwick müthig andert. und Ka Geborſ eine Ve den Bi am Re kaldiſch ten geg dem erf Blig In hefeſtigt die Endde netianern entriſſen den Päy Welfen dole F Ma derſam Ereigr ſantiſe ſezen, teutſchen den grof vereinigt überſchw unter de odwohl nur we einen wird, Es wo n Gang der uf der Kir⸗ eſem Zeit⸗ Hang der üchten ſie heben ſie Schwung de Skla⸗ letztere viederum hervor. ngen ge⸗ „ſo wit ich beginnt achwelt das zu überlie untiſche Re⸗ 7 Spanien en Reform drängen⸗ iöſe Ueber⸗ ſchen Reich, ſſet das R⸗ Kaiſer ſic n, das ſeine zut ur du⸗ che Vbensin⸗ untet ſich zu * — 259— formation iſt eine jener großen Löſungen der majeſtätiſchen Entwickelung der Menſchheit. Ihre Anfänge waren ſehr de⸗ müthig; allein ihre Ergebniſſe haben die Geſtalt Europa's ver⸗ ändert. Leo X. hatte darin nur die Störrigkeit eines Mönchs und Karl V. nur eine Verletzung des Dogma's über den paſſiven Gehorſam geſehen; aber unter der Auflehnung des Mönchs war eine Verwahrung gegen die Ausbeutung der Chriſtenheit durch den Biſchof von Rom verborgen, und das Auftreten Luthers am Reichstage zu Worms war nur das Vorſpiel zum Schmal⸗ kaldiſchen Bund, d. h. zum erſten Bündniſſe der kleinen Staa⸗ ten gegen den Despotismus der großen. Auch ward es von dem erſten Leuchten dieſes Gewitters an augenfällig, daß der Blitz Inſtitutionen treffen werde, welche man durch die Zeit befeſtigt glaubte, welche aber die Zeit untergraben hatte. Wie die Entdeckung des Vorgebirges der guten Hoffnung den Ve⸗ netianern das Monopol des Handels vor nicht langer Zeit entriſſen hatte, ſo entzog die Einführung des Proteſtantismus den Päpſten und Kaiſern die Herrſchaft über Europa. Die Welfen und Ghibellinen traten von der Bühne ab, und die ſo⸗ ciale Frage erſchien in einem ganz neuen Licht. Man kann nicht anders, als eine Art tröſtender und wun⸗ derſamer Wechſelbeziehung zwiſchen dieſen großen gleichzeitigen Ereigniſſen anerkennen, wie der Negerhandel und die prote⸗ ſtantiſche Reformation, welche beſtimmt war, ihm ein Ziel zu ſetzen, die Univerſalmonarchie Karls V. und die Bildung der teutſchen Staaten waren, zu welchen ſpäter Schweden, durch den großen Guſtav Adolf ganz zum Kampfe geführt, und die vereinigten Provinzen Hollands, durch Philipp II. mit Blut überſchwemmt, hinzutreten werden. Allein wir haben ſie nur unter dem wirthſchaftlichen Geſichtspunkt zu betrachten, und obwohl für dieſe Unterſuchung die meiſten Geſchichtſchreiber nur wenig ſichere Führer ſind, ſo ſtellen doch die Ergebniſſe einen ſo ſcharf ausgeſprochenen Charaktar dar, daß es genügen wird, ſie anzugeben, um ihre Bedeutung fühlbar zu machen. Es war Anfangs nur eine Weigerung, die Abläſſe zu zahlen, 17. - 260— vermittelſt deren Rom ſelbſt in den kleinſten Dörfern Geld ſchlug*); allein dieſe Verweigerung wurde der Anfang einer erſten Reform in dem Syſtem der Auflagen, und es iſt von dieſer Reform bis zu den Finanzberathungen der neuen conſti⸗ tutionellen Parlamente nicht ſo weit, als man glaubt. In Teutſchland hatten die kleinen Fürſten bald den ganzen Vortheil begriffen, welchen ſie aus der religiöſen Begeiſterung ziehen konnten, um ihre Völker zum Widerſtand gegen die herrſch⸗ ſüchtigen Entwürfe Oeſtreichs hinzureißen. Zudem beſtimmten der Köder der Schätze der Geiſtlichkeit, welche jeder proteſtan⸗ tiſche Fürſt mit ſeinem Fiscus vereinigte, die Lockung der Un⸗ abhängigkeit und die innige Einheit, welche die gemeinſame Sache unter allen Verbündeten einführte, die Aengſtlichſten, die Wagniſſe des Bundes zu übernehmen, und die erſte wirkſame Ver⸗ bündung freier Staaten gegen die Uebermacht ihrer Unterdrücker zu gründen. Das erſte Ergebniß des Kampfes und das wichtigſte für die Staatswirthſchaft war die Säculariſation der Kloſtergeiſtlichen und der Verkauf der Güter ſämmtlicher Orden oder ihre un⸗ bedingte und einfache Vereinigung mit dem Staatsgut. Dieſe Güter hatten ſchon einen großen Werth, und ſie erhielten noch einen beträchtlicheren dadurch, daß ſie in arbeitſame Hände übergingen bei dem Austritt aus dem unfruchtbaren(?) Syſtem der todten Hand, welcher ſie ſo lange unterworfen geweſen *) Ich habe die Urſchrift eines Ablaßzettels in der Hand gehabt, der einen vollen Ablaß für ungefähr 1 ½ Francs unſeres Geldes gewährte; es hieß darin wörtlich: Veniam damus Joanni N. pro omnihus peccatis practeritis, praesentibus et futuris, quantumcunque enormihus... Der Inhaber hatte am Rande, vielleicht unklug, den Namen ſeiner Frau beigefügt, welche ſo in dem Ablaß noch über den Kaufpreis hinaus einbe⸗ griffen war. Der Verf. Der nicht zu leugnende Mißbrauch, welcher vor der Reformation mit dem Ablaß getrieben wurde, iſt blos ein Mißbrauch der Uebung; die Lehre der Kirche über dieſes Inſtitut iſt vollkommen übereinſtimmend mit dem Geiſt der chriſtlichen Dogmatik und tief auf die Bedürfniſſe der menſchlichen Natur berechnet. Buß. waren. renden oder w tesdien hung zu Als d woch ſih wirkt,! Die G die 104 Kunigra gfür ſ Sunme Geldes u Die A nur miß zurück, ferte ner wun. von ſie tritt a in der rungen mus l ten Arn waren, nen gabe daß man halten, Reform ten ſich ein erge ſer aber ſen ung — 3 F. fern Geld fang einer es iſ don en conſti⸗ aubt. In Vortheil ng ziehen e heriſch⸗ beſtimmten proteſtan⸗ der Un⸗ meinſame ſten, die me Ver⸗ rdrücker für die eiſtlichen iore un⸗ 1. Dieſt elten noch ne Hände 9) Syſtem geweſen habt, der ihrie; eo peecatis ner Frau aus einbe⸗ on mit dem e Lehre der tdem Geff lichen Natur — 261— waren. Der Adel gewann ſeinen Antheil davon, wie die regie⸗ renden Fürſten, und man wandte einen Theil derſelben mit mehr oder weniger Gerechtigkeit und Einſicht dem Unterhalt des Got⸗ tesdienſtes, der Armen und der Anſtalten für die öffentliche Erzie⸗ hung zu. Als die Reformation nach England drang, war die Aenderung noch ſichtbarer, und ſie wurde dort auf ſolchen Grundlagen be⸗ wirkt, daß man ſie als eine wahre Revolution betrachten kann. Die Geiſtlichkeit beſaß dort hio des Grundeigenthums*), und die 1041 Klöſter, welche zur Zeit Heinrichs VIII. über das Königreich verbreitet waren, genoſſen ein Einkommen von un⸗ gefähr ſechs Millionen Francs unſeres Geldes, eine ungeheure Summe für dieſe Zeit, im Vergleich mit der Seltenheit des Geldes und der Geringheit des Volkseinkommens. Die Aufhebung einer großen Anzahl von Feiertagen, die es nur mißbräuchlich waren, gab der Arbeit Millionen Hände zurück, die an den Müſſiggang gewöhnt waren, und lie⸗ ferte neue Elemente des Wachsthums dem öffentlichen Reich⸗ thum. Zu gleicher Zeit veranlaßte aber dieſe ungeheure Maſſe von freiwilligen oder gezwungenen Arbeitern, die bei dem Aus⸗ tritt aus den Klöſtern, welche ihren Müſſiggang frei hielten, in den Umlauf geſchleudert wurden, unvorgeſehene Aende⸗ rungen an der ſocialen Organiſation, und ließ den Pauperis⸗ mus unter einer neuen Geſtalt erſcheinen. Es gab zwei Ar⸗ ten Armer: jene, welche unter dem vorigen Syſteme gewohnt waren, das Almoſen zu fordern, und die Leute, welche es ih⸗ nen gaben. Die Zahl derſelben wurde ſogar ſo beträchtlich, daß man zur Geſetzgebung greifen mußte, um ſie nieder zu halten, und die ſtrengen Bedingungen zu regeln, welche die Reform der Klöſter ihnen auferlegt hatte. Die meiſten ſträub⸗ ten ſich hartnäckig gegen die Arbeit, und jene, welche ſich dar⸗ ein ergaben, fanden ſie nicht immer. Was ſollte man mit die⸗ ſer abenteuerlichen und herumziehenden Bevölkerung, mit die⸗ ſen unglücklichen roundsmen machen, die von Thüre zu Thüre *) F. Wade, History of the middle and working classes, p. 38. -— 262— Brod und Arbeit bettelten, ohne meiſtens das eine oder die andere zu finden! Der Katholicismus hatte dieſe Plage durch die Vermehrung der Klöſter geſchaffen; der Proteſtantismus verſchlimmerte ſie durch die Aufhebung derſelben: wer hätte es glauben ſollen, als man die Hand an das Werk legte! Auch war dieſer Zeitraum mehr als irgend ein anderer fruchtbar an Geſetzgebungs⸗ und Verwaltungsmaaßregeln jeder Art, um die Landſtreicher zur Ergreifung eines Wohnſitzes und die Faullenzer zur Arbeit zu zwingen. Die Jahrbücher Eng⸗ lands ſind voll davon, und man weiß nicht, worüber man mehr ſtaunen ſoll, wenn man ſie durchgeht, über ihre Unmächtigkeit oder ihre Vielfältigkeit. Im J. 1531 hatte Karl V. in dieſem Betreff in den Niederlanden ein langes Edict erlaſſen, das eben ſo unfruchtbar war, als alle derartigen Verordnungen der Kö⸗ nige Englands. Es hatte Jedermann verboten, zu betteln, außer den Mönchen und Pilgern, und zwar bei Strafe von Einſperrung und Peitſchung. Die anerkannten Hilfsbedürfti⸗ gen ſollten mittelſt regelmäßiger Almoſenſammlungen an den Pforten der Kirchen, Spitäler und Rettungshäuſer unterhalten werden, und die Magiſtrate waren ermächtigt, ein oder zwei Mal in der Woche zum gleichen Zweck Sammlungen in den Kirchen oder Privathäuſern machen zu laſſen. Die wider⸗ ſpänſtigen Faullenzer konnten zur Arbeit genöthigt werden*). Aber dieſes ganze Rüſtwerk der Strenge in Belgien, England und Teutſchland diente zu Nichts, als die Verkehrtheit hervor⸗ treten zu laſſen, welche darin lag, durch Ordonnanzen den öf⸗ fentlichen Wohlſtand zu beſchließen. Dieſer ſonderbare Anſpruch wurde in England und in den proteſtantiſchen Ländern bis zu ſeinen äußerſten Grenzen getrie⸗ ben. Die Aufhebung der Klöſter verwandelte daſelbſt mit ei⸗ nem Federzug mehr als 50,000 Mönche in elende Penſionäre des Staats, und warf ſie ohne Gewöhnung an die Arbeit und an die Welt, mitten in die Nöthen und Verführungen einer betriebſamen Geſellſchaft. Die Rügen, Strafen und Züchti⸗ *) Anderson, History of commerce, vol. II., p. 55. gungen zen R zu ihre zwunge Frage dort ſei wickelt der G immer Protef Strengt Einds he lichen Li die der nen; ale minder nicht no durch ſe Koen tomme Dei ſtantiſ ches e Verkan ſehr du einer al leibeigen verſucht blick auf ſen Pre ſelbi Nothr Angeſt durch Nerk dingun ne oder die Plage durch feſtantismus ver haͤtte es te/ n anderer geln jeder ſſitzes und her Eng⸗ nan mehr ſichtigkeit dieſem as eben der Kö⸗ betteln, afe von edürfti⸗ an den Kerhalten oder vwei en in den die wider⸗ verden). England t hervor⸗ den öf⸗ in den n getie⸗ à w d⸗ endionäͤre Arbeit und ungen einer und Zächi⸗ die der katholiſchen Länder es furchtlos zur Schau legen kön⸗ —— —-— 263— gungen vermochten Nichts über dieſe an die Faulheit gewöhn⸗ ten Menſchen, und welche alle zudem nicht Mittel zur Arbeit zu ihrer Verfügung hatten. Wie ſollte man bei ihnen den ge⸗ zwungenen Müſſiggang von dem freiwilligen unterſcheiden? Dieſe Frage iſt bis jetzt in Europa noch nicht entſchieden, obwohl ſie dort ſeit mehren Jahrhunderten aufgeworfen iſt, und ſie ver⸗ wickelt ſich alltäglich durch die Fortſchritte des Gewerbfleißes und der Geſittung in eine Menge von Schwierigkeiten, welche ſie immer mehr und mehr unlöslich machen. Vergebens hat der Proteſtantismus der blinden Mildthätigkeit der Katholiken die Strenge der Armengeſetze entgegen geſetzt: es iſt daraus nur Eines hervorgegangen, nämlich, daß die Armen der proteſtan⸗ tiſchen Länder genöthigt ſind, ihr Elend zu verbergen, während nen; allein das Elend iſt deßwegen in beiden Lagern nicht minder wirklich. Wer weiß ſogar, ob die Armenſteuer nicht noch mehr beigetragen hat, die Armen in England da⸗ durch ſtärker zu vermehren, als in Spanien, daß ſie ihnen auf Koſten der Kirchſpiele ein regelmäßiges und erzwungenes Ein⸗ kommen, ſtatt der prekären Hilfsquellen der Armuth ſichert! Deßwegen hat man aber noch nicht das Recht, dem prote⸗ ſtantiſchen Einfluſſe die Folgen des Princips vorzuwerfen, wel⸗ ches er aufgeſtellt hat. Die Aufhebung der Klöſter und der Verkauf ihrer Güter ſind verſtändige Mittel geweſen, eben ſo ſehr durch die Vernunft, als durch die Noth geboten. Auch in einer andern Zeit, als die perſönliche Hörigkeit und ſogar die Leibeigenſchaft der Scholle aufgehoben wurden, hätte man ſich verſucht fühlen können, die Freiheit zu ſchmähen, im Hin⸗ blick auf die Verlegenheit, in welcher ſich dieſe eigenthumslo⸗ ſen Proletarier befanden, als ſie plötzlich freigegeben und ſich ſelbſt überlaſſen worden waren. Die Freiheit legte ihnen die Nothwendigkeit auf, ihren Lebensunterhalt im Schweiß ihres Angeſichtes zu gewinnen, und ihre Würde als freie Menſchen durch die Arbeit zu rechtfertigen, welche ihr unterſcheidendes Merkmal und ihre weſentliche Bedingung iſt. Es iſt eine Be⸗ dingung dieſer Art, welche der Proteſtantismus von allen Bür⸗ — 264— gern forderte, da die zahlreichen und manchfaltigen Bedürfniſſe unſerer gegenwärtigen Geſittung mehr Arbeit fordern, weil ſie mehr Genüſſe verſchaffen. Es wäre ſonach nicht gerecht, wenn man den einen oder die andere für das Daſein eines der menſch⸗ lichen Natur einwohnenden Uebels verantwortlich machen würde, das nie aufgehört hat, unter allen Religionen und Regierungs⸗ arten wieder zu erſcheinen. Man braucht nur zu wiſſen, wel⸗ ches damals die Lebensart der arbeitenden Bevölkerungen war, um ſich einen Begriff von den Leiden zu machen, welche den ar⸗ beitloſen Armen und bisweilen ſogar den Landmann auf ſeinem Grunde erwarteten. Erasmus berichtet uns, daß die meiſten Häuſer noch ohne Kamine waren, und daß man in denſelben auf bloßer Erde, in Ermangelung von Platten oder Backſteinen, ging; die Betten beſtanden in einem Bunde Stroh, das ſelten durch friſches erſetzt wurde, und ein ſchlecht behauener Holzbock diente als Kiſſen. Fortescue, welcher Frankreich in dieſer Zeit bereist hatte, ſagte von unſern Bauern:„Sie trinken Waſſer, eſſen Aepfel, backen ſich aus Roggen ein ſchwarzes Brod, und wiſ⸗ ſen nicht einmal, was Fleiſch iſt.“ Die endgiltige Feſtſetzung des Proteſtantismus in Europa hat viel dazu beigetragen, dieſen traurigen Stand der Dinge zu ändern. Wenn die Aufhebung der Klöſter die Frage über den Pauperismus nicht löste, welche die Menge derſelben ver⸗ wickelt hatte, ſo zwang ſie doch wenigſtens einen Theil der Müſ⸗ ſiggänger, ihren Unterhalt in der Arbeit zu ſuchen. Eine zu große Zahl der Feiertage war für die Gütererzeugung verloren: die Proteſtanten führten ſie auf die paſſenden Verhältniſſe zurück, und bald ſtellten die Länder, wo ihre Reformen geſiegt hatten, tiefgehende Unterſchiede von den katholiſchen Ländern dar. In dem Maaß, als ihre Beyölkerungen nicht von den Almoſen leben konnten, nahmen ſie arbeitſamere und regelmäßigere Gewohnhei⸗ ten an, welche noch beſtehen, und welche ſie in Europa auf eine ſehr bemerkbare Art auszeichnen. Seit dem Schisma Hein⸗ richs VIII. und der Aufhebung der Klöſter, iſt England durch die gräßlichſten Wechſelfälle ſeiner gegenwärtigen Entwickelung zu⸗ geſchritten. Teutſchland verdankt auch dem Proteſtantismus ähn⸗ liche Erg Theil di hinter de die refor den katho Aufſtande nier hatte gingen, tigte Wit dem Staa gauz Cun ſen) bennj ger und ſt hin, und li prunklieben wieſen hätt daacht ſpar ſiche Coyite ma waren ten zu vn — *) Nach Thronbeſte hutg, in di irgend Woll len dieſen Beuteltuch, lei hon Kaſtor, bon dieſen Ve zeugniſſe der renmacher, I Lande niederl und Gemüſei hungen bewu **) Eg iſt Gottesdienſt thut, der auf und nur mit 2 Sadürfriſe n, weil ſe echt, wenn er menſch⸗ en würde, gierungs⸗ ſſen, wel⸗ ngen war, de den ar⸗ duf ſeinem e meiſten lben auf kſteinen, ſelien Holzbock ſer Zeit Waſſer, und wiſ⸗ a Eytoda Dinge zu über den elben ver⸗ der Müſ⸗ Eine zu erloren: zurück, hatten, -r. In en leben vohnhei⸗ auf eine a Hein⸗ durch die elung zu⸗ nus ähn⸗ —— — 265— liche Ergebniſſe, und ſogar noch gegenwärtig ſteht der katholiſche Theil dieſes ſchönen Landes in Geſittung, Reichthum, Bildung hinter dem proteſtantiſchen Theile zurück.(?2) Man ſehe Genf und die reformirten Schweizer Kantone: welch' ein Unterſchied von den katholiſchen Kantonen! Der Wohlſtand Hollands nach deſſen Aufſtande gegen die monopol⸗ und verfolgungsſüchtigen Spa⸗ nier hatte anerkannt keine andern Urſachen. Selbſt in Frankreich gingen, als ſpäter Ludwig XIV., ſchlimm berathen, die berüch⸗ tigte Widerrufung des Edicts von Nantes unterzeichnete, die aus dem Staat verbannten Proteſtanten, um Lehren des Gewerbfleißes ganz Europa zu geben. Flandern, die Schweiz, England, Preu⸗ ßen“) bereicherten ſich mit der Frucht ihrer Arbeiten. Ihr feuri⸗ ger und ſtrenger Proſelytismus riß viele hochherzigen Geiſter hin, und ließ ſie Opfer auf ſich nehmen, welche die ſchläfrige und prunkliebende Weichlichkeit des Katholicismus ſtets von ſich abge⸗ wieſen hätte.(?) Die Einfachheit ihres Gottesdienſtes und ihrer Tracht ſparte für die Bedürfniſſe des Gewerbfleißes unermeß⸗ liche Capitale, welche in dem ganzen katholiſchen Europa gewid⸗ met waren, die Majeſtät der Tempel oder den Prunk der Präla⸗ ten zu unterhalten.*) *) Nach der Angabe eines teutſchen Schriftſtellers machte man bei der Thronbeſteigung Friedrich Wilhelms, eines Fürſten des Hauſes Branden⸗ burg, in dieſem Lande weder Hüte, noch Strümpfe, noch Sarſche, noch irgend Wollenzeuge; der Gewerbfleiß der Franzoſen bereicherte es mit al⸗ len die ſen Manufacturen. Sie errichteten Fabriken für Tuch, Sarſche, Beuteltuch, leichte Zeuge, Drogette, gewebte Mützen und Strümpfe, Hüte von Kaſtor, Ziegen⸗ und Kaninchenhaaren, Tincturen jeder Art. Einige von dieſen Verbannten wurden Kaufleute, und ſetzten im Kleinen die Er⸗ zeugniſſe der andern ab. Berlin hatte Gold⸗ und Schmuckarbeiter, Uh⸗ renmacher, Bildhauer, und die Franzoſen, welche ſich auf dem platten Lande niederließen, bauten dort Tabak, und ließen vortreffliche Obſtarten und Gemüſe in die ſandigen Gegenden kommen, welche durch ihre Bemü⸗ hungen bewunderungswürdige Gemüſegärten wurden. **) Es iſt wirklich zu arg, wenn die wirthſchaftliche Kipperei ſogar den Gottesdienſt ſo geizig zu beſchneiden ſich anmaßt, wie der Verfaſſer es thut, der auf die Verhältniſſe der katholiſchen Kirche ohne Verſtändniß und nur mit Vorurtheil blickt. Buß. v — 266— Die Umwälzung war nicht minder in allem demjenigen entſchei⸗ ſer Ji dend, was noch näher die ſocialen Fragen berührt, die ſeit lüit 4 dem Beginn der Jahrhunderte verhandelt wurden. Der Geiſt den, de der Aſſociation trat in den Reihen der Katholiken hervor, um an⸗ lih ruf zugreifen, und in den proteſtantiſchen Secten, um ſich zu verthei⸗ kei amm digen. Die Buchdruckerei, welche ſo eben erfunden worden fa ent war, diente, als eine neue Waffe, mit Vortheil beiden Parteien, die rili und nahm ihre Stelle unter den Mächten. Der ganz geiſtige und d Kampf, der ſich im Anfang entſpann, zwang die Diſſidenten zum Kirch b Studium und zur Forſchung, und das Licht, welches aus dem das Sm Irrthum und der Verwirrung entſtand, verbreitete ſich zuletzt baßdern ſelöſt über die Gegenſtände, welche dieſen Streitigkeiten am fern⸗ ei Tvi ſten zu liegen ſchienen. Eine Reform führte zur andern; an die 4 n an Stelle der Scholaſtik trat die Philoſophie, und die Sittenlehre Vernögen der Caſuiſten verſchwand vor der des Evangeliums. Jeder⸗ ſe als ein mann machte ſich an das Werk, und es verliefen neben den höch⸗ angenonm ſten religiöfen Verwandlungen unerwartete gewerbliche Verän⸗ ihren irli derungen. So führte die bloße Aufhebung der Faſttage, welche dllomme durch die Gebote der katholiſchen Kirche vorgeſchrieben wa⸗ dne Ie ren, eine bedeutende Verminderung in den der Fiſcherei ge⸗ und der widmeten Schiffausrüſtungen herbei. Holland verzehrte mehr großen Fleiſch in dem Maaß, als es weniger Fiſche verzehrte. Seine kleinen Seeleute wurden Landwirthe, und ſie trieben Viehzucht, ſtatt der bedeck! Heringsfiſcherei. Der Gegenſtoß der proteſtantiſchen Reform es würd erzeugte auch andere, obwohl mehr indirecte Wirkungen einer einzige, höhern Ordnung. Als Philipp II. ſich Portugals bemächtigte, ſchwunde und den Stapelplatz Liſſabon den holländiſchen Kaufleuten ſperrte, der ande welche gewohnt waren, dort die Waaren des Morgenlandes zu es richt ſa kaufen, ſo holten ſie dieſe unmittelbar in Indien, und legten dort lißt nicht den Grund zu ihrer Colonialmacht. Eine religiöſe Laune dieſes dermögen ſchlimmen Fürſten brachte den Spaniern den Verluſt ihrer Herr⸗ päſſche ſchaft zur See. Mächte Aber es war dem Proteſtantismus gegeben, ſich mit einem er⸗ Vergröf habenern Charakter zu bekleiden, und einen allgemeinern Einfluß Pölker! zu üben, als er die Hilfe der franzöſiſchen Sprache geliehen hatte, Es n welche ihn in Europa vollends volksthümlich machte. Von die⸗ fruchba ggen entſchei⸗ ert, die ſei Der Geiſt vor, um an⸗ zu verthei⸗ den worden en Parteien, ganz geiſtige ſidenten zum es aus dem ſich zuletzt nam fern⸗ e; an die dittenlehre 6. Jeder⸗ den höch⸗ he Verän⸗ ge, welche neden wa⸗ diſcherei ge⸗ zehrte mehr zrte. Seine ſict, ſtatt der een Reform ingen einer emäͤchtigte, en ſperrte, nlandes zu legten dort aune dieſes ihrer Hert⸗ it einem er⸗ nern Einfluß eliehen hatte, Von die⸗ — 267— ſer Zeit an wurde die Reformation eine Bundesgenoſſin der Po⸗ litik, und die Religionskriege, welche unſer Land verwüſtet ha⸗ ben, bewieſen hinlänglich, daß man ihre Lehren und Folgen ernſt⸗ lich aufgefaßt hatte. Die armen Maſſen begannen die Wichtig⸗ keit einer Aenderung zu begreifen, welche ſie von den Kirchenzehn⸗ ten entband, und die höhern Stände ſahen nicht ohne Intereſſe die religiöſe Bewegung, welche ihnen die Freiheit der Forſchung und die Unabhängigkeit des Denkens zurückgab. Die Güter der Kirche, jüngſt noch von der Beſteuerung frei, kamen wieder an das Staatsgut zurück, und erleichterten den Steuerpflichtigen die Laſt der unzähligen Steuern, von welchen ſie niedergedrückt wurden. Ein Theil derſelben kam an die Ariſtokratie zurück, und feſſelte ſie dadurch an die neuen Ideen, daß ſie zugleich ihre Achtung und ihr Vermögen vermehrte. Die kleinen Fürſten Teutſchlands hatten ſie als ein Mittel der Vereinigung gegen die Herrſchaft Karls V. angenommen; die Edelleute Frankreichs ſchloſſen ſich ihr an, um ihren örtlichen Einfluß zu heben, und weil der Proteſtantismus vollkommen zu ihren Provincialgewohnheiten ſtimmte. Es gab eine Zeit, wo Europa zwiſchen dem proteſtantiſchen Föderalismus und der katholiſchen Einheit getheilt war. Es würde ſich mit großen freien Städten, nach der Art der Hanſeſtädte, oder mit kleinen unabhängigen Staaten, wie die italiäniſchen Republiken, bedeckt haben, wenn das calviniſtiſche Princip völlig geſiegt hätte; es würde in zwei oder drei große Monarchien, vielleicht in eine einzige, abſorbirt worden ſein, wenn dieſes Princip ganz ver⸗ ſchwunden wäre. Was würde unter dem Einfluſſe des einen oder andern Ausgangs die Geſittung geworden ſein! Man kann es nicht ſagen; allein der Wohlſtand der proteſtantiſchen Länder läßt nicht zweifeln, daß die Reform die Entwickelung des Volks⸗ vermögens mächtig gefördert hätte; wir würden nicht das euro⸗ päiſche ſociale Einkommen durch drei oder vier kriegführende Mächte verzehrt geſehen haben, die mehr für die Intereſſen ihrer Vergrößerung und ihrer Politik, als für die des Wohlſeins der Völker bemüht waren. Es mußte allerdings der Proteſtantismus in ſeinem Schoos fruchtbare Keime der Zukunft verſchließen, weil überall, wo er v — 268— b Dürre de⸗ ſich feſtgeſetzt hat, die Bevölkerungen regelmäßigere Gewohnhei⸗ des Vern ten, ernſtere Sitten, einen ausgeſprochenern Trieb zur Arbeit an⸗ ſantiſh genommen haben. Man vergleiche Holland und Portugal, Eng⸗ de Viſ land und Spanien, das lutheriſche und das katholiſche Teutſchland: befaſſen, welcher Contraſt in Rückſicht auf Bildung, Reichthum und Sitt⸗ verkündie lichkeit! Welcher ſchlagende Unterſchied zwiſchen dem Leben, ſceinbar welches unter den einen waltet, und der Schlaffheit, in wel⸗ dieſe I cher die andern dahin vegetiren!(2) Man kann künftighin darüber fung des ganz richtig von Amerika aus urtheilen, wo die Geſittung ihre beiden Extreme aufgeſtellt zu haben ſcheint: die Vereinigten Staa⸗ ten des Nordens ſind auf die höchſte Stufe des Wohlſtandes unter dem Einfluß der freien Unterſuchung und mit proteſtantiſcher Be⸗ I völkerung gelangt; die Republiken im Süden haben trotz den na⸗— Er lih türlichen Vortheilen ihres Klima's und des Reichthums ihres b puney di Bodens, wegen ihrer katholiſchen Vorurtheile, noch keine regel⸗ cin i mäßige Regierung gründen können. Der Müſſiggang und der ghn Bettel herrſchen daſelbſt fort und fort, wie in ihrem frühern Mut⸗ e terſtaat, während die Arbeit der Nordamerikaner in weniger als karam fünfzig Jahren die Waldungen gerodet und die Wüſten mit wohlha⸗ Inu, benden Städten bevölkert hat. Leider hat der Proteſtantis⸗ fägens d mus, ſo fähig, das Vermögen zu vermehren, noch nicht das Ge⸗ verbund heimniß aufgefunden, es mit Unparteilichkeit unter alle Claſſen zu gewit vertheilen, welche es erzeugen. Er hat das Band geſprengt, wel⸗ dr 8 ches die chriſtlichen Nationen vereinigt hatte, und an die Stelle vihas der univerſellen Harmonie den nationalen Egoismus geſetzt. Es yelche der beſteht gegenwärtig in Europa keine gemeinſame Meinung mehr, die ten, vie z. im Stande wäre, die Geiſter und Ueberzeugungen zu binden. In lche orm der Induſtrie, in der Politik, in der Philoſophie, in der Religion du Glus ſchwanken die Ideen nach dem Hauch der Revolutionen. An je⸗ zi nirn dem Tag trägt man das Werk des vorigen ab. Die Völker be⸗ e i ſtreiten ſich die Abſatzwege, und treten in Mitwerbung, ſtatt ſich ſhräniun unter der Herrſchaft ihrer Bedürfniſſe und für den Austauſch ih⸗ ſen gii rer betreffenden Bedürfniſſe zu verbünden. Ich wünſche vor Al⸗ fiantim lem gerecht zu ſein; allein ich muß durchaus anerkennen, daß man, demnda wenn der alte Katholicismus ſich nicht an die Spitze der Erzeu⸗ vuth gung des Vermögens zu ſtellen verſtanden hat, ihm doch nicht jene wohnhei⸗ Arbeit an⸗ gal, Eng⸗ liſchland; und Sitt⸗ n Leben, in wel⸗ ndarüber tung ihre ten Staa⸗ des unter cher Be⸗ den na⸗ z ihres regel⸗ und der Mut⸗ iger als woheha⸗ teants⸗ das Ge⸗ Caſſen zu engt, vel⸗ die Stelle zt Es nehr, die en. In deligion An je⸗ olter de⸗ ſaatt ſich uſch ih⸗ e vor Ab⸗ daß maſl, eer Erzeu⸗ richt jene — 269— Dürre der Lehren vorwerfen kann, vermöge deren die Vertheilung des Vermögens auf eine ſo wenig gerechte Weiſe in den prote⸗ ſtantiſchen Ländern geſchieht. Es muß ſich ſonach gegenwärtig die Wiſſenſchaft mit den Verrichtungen dieſes großen Prieſterthums befaſſen, indem ſie den Nationen den Frieden und die Solidarität verkündigt, und ihnen beweist, daß ihre Intereſſen, trotz des ſcheinbaren Gegenſatzes, welchen ſie darſtellen, gemeinſam ſind. Dieſe Wahrheit wird noch ſchlagender aus einer raſchen Prü⸗ fung des Colonialſyſtems hervorgehen*). — O *) Es läßt ſich gar nicht leugnen, daß der Proteſtantismus mit ſeinem Princip der Verſtändigkeit und mit ſeiner Beſetzthaltung der Sphäre der Reflexion eine ganz beſondere Verwandtſchaft zu der auf die Berechnung hinaus gehenden wirthſchaftlichen Thätigkeit hat. Auch iſt der Grundſatz des Proteſtantismus, welcher Alles auf die Selbſtprüfung und Selbſtent⸗ ſcheidung des Individuums, mit möglicher Beſeitigung einer ererbten Au⸗ torität, auf die individuelle Autonomie zurückführt, der überhaupt mehr der Zukunft, als der Vergangenheit zugewandten Wirthſchaftsthätigkeit ganz eigens günſtig. Daß aber der Katholicismus an einer mit ſeinem Weſen verbundenen Indolenz leide, iſt durchaus falſch: man blicke nur auf das gewerbreiche Spanien des Mittelalters und auf die gewerbliche Blüthe der italiäniſchen Republiken! Die Vergleichung wohlhabender proteſtan⸗ tiſcher Länder mit verarmten katholiſchen, wie ſie der Verfaſſer macht, iſt inſofern unrichtig, als ſich gewerbreiche katholiſche Länder nennen ließen, welche den genannten proteſtantiſchen Ländern entgegengeſetzt werden könn⸗ ten, wie z. B. Frankreich, Belgien, Oeſtreich u. a.: dann aber ſtammen bei wirk⸗ lichen armen katholiſchen Ländern die Urſachen der Verarmung nicht von dem Glaubensbekenntniß, ſondern von andern Urſachen. Auch zeigt ſich bei mehren katholiſchen ſüdeuropäiſchen Völkern eine gewiſſe Reſignation und Mäßigkeit, welche bei ihren wenigen Bedürfniſſen auch geringern An⸗ trieb und Mühe hat, ſie zu befriedigen. Dieſe philoſophiſche Selbſtbe⸗ ſchränkung führt bei aller ihrer Beruhigung für den Einzelnen doch zu gro⸗ ßen geſellſchaftlichen Nachtheilen: allein die vorzüglich von dem Prote⸗ ſtantismus geſtiftete autonomiſche Selbſtmächtigkeit der Perſon führte un⸗ hemmbar von dem religiöſen Bande zu einer privaten und collectiven Selbſtſucht, zu einer maaßloſen Mitwerbung unter den einzelnen Men⸗ ſchen und Völkern, zu einer ſtaatlichen und völkerrechtlichen Anarchie, zu — 270— Hauptſtück XXIII. Von den Folgen der Entdeckung der neuen Welt und des Colonialſyſtems der Europäer in beiden Indien. Die großen Gewinnſte, welche die Venetianer aus ihrem Han⸗ del mit Indien bezogen, hatten ſchon ſeit langer Zeit die Nach⸗ eiferung und Scheelſucht der andern Völker erregt. Während des ganzen fünfzehnten Jahrhunderts hatten die Portugieſen nicht aufgehört, eine Straße zu ſuchen, welche ſie zur See in die Län⸗ der führte, aus welchen ihnen die Mauren, die Wüſte hindurch, Elfenbein und Goldſtaub brachten. So drang von Handelsplatz zu Handelsplatz längs den Küſten Afrika's Vasco de Gama bis zum Vorgebirge der guten Hoffnung vor, und entdeckte die Ge⸗ ſtade Hindoſtan's im Jahre 1497, nach einer Seefahrt von eilf Monaten. Fünf Jahre früher landete Chriſtoforo Colombo in Amerika, und begabte ſein Vaterland und die Welt mit einer neuen Hemiſphäre. Europa findet ſich ſonach plötzlich und un⸗ vorbereitet auf den Weg der Colonialeroberungen geworfen, die einen ſo tiefen Einfluß auf ſeine Geſchicke ausüben ſollten. einer unorganiſchen Auflöſung, welche eine der größten Drangſale der Gegenwart iſt, zu einer Ablöſung von allem Traditionellen, mit welcher unabläſſig die Gegenwart zu kämpfen hat. Das Bekenntniß der evange⸗ liſchen Kirche hat dieſe Folgen gewiß nicht gewollt; allein ſie haben ſich durch Umſchlagung des negirenden Princips in eine verderbliche poſitive Richtung verkehrt, und die völkerrechtliche Zerriſſenheit der Gegenwart ſtammt aus der Proteſtation der mit dem Proteſtantismus verbündeten Politik gegen die von ihr befürchtete Univerſalmonarchie Karls V., da⸗ mit aber auch gegen die geſunde politiſche Einheit, welche freilich zu ei⸗ niger Erſtarrung neigte, und der Wettbewerb unſerer Zeit mit ſeiner furchtbaren Vermögensungleichheit und dem Pauperismus entſprang aus der innerhalb gewiſſer Grenzen allerdings heilſamen perſönlichen Emanci⸗ pation. Organiſche Anbildung der beſtehenden ſocialen Principien an die Bedürfniſſe der Zeit hätte geholfen, nicht aber das Umſchlagen in die ent⸗ gegengeſetzten Extreme. Buß. Nan t Beziehun welches nämlich ſich in? tbätigkei nügende worden! lonien ei von ihne batten ſi tung, mi var der d gleich als 1 alsmilitäri glechen in und portu⸗ Riederlaſ de Auffi Gana enet landete laſſen ten zu Bevöll ſagt ha ſie aus) As C. ßem Gep das, was eine Sa von St welche Fernar kühnen ihre Ue onialſyſtems tem Han⸗ ie Nach⸗ Während ſen nicht die Län⸗ indurch, elsplatz ma bis die Ge⸗ von eilf mbo in t einer vnd vn⸗ orfen, die ten. ungſale der rit welcher er ebange⸗ aben ſich epoſitibe egenwari bündeten V., da⸗ ich zm e mit ſeinet prang dus en Emanci⸗ pien an di in die ent⸗ — 271— Man kann nicht mit Genauigkeit das Syſtem, welches es in Beziehung auf die Pflanzungen befolgte, mit jenem vergleichen, welches die Griechen und Römer bei ihren Niederlaſſungen der nämlichen Art geleitet hatte. Die griechiſchen Kolonien hatten ſich im Allgemeinen mit Bürgern bevölkert, die durch die Gewalt⸗ thätigkeit der Factionen, oder durch die Unmöglichkeit, ein ge⸗ nügendes Auskommen in ihrem Vaterlande zu finden, genöthigt worden waren, daſſelbe zu verlaſſen. Man hat geſehen, daß dieſe Ko⸗ lonien eine gewiſſe Unabhängigkeit genoſſen, und daß die meiſten von ihnen wahre Reiche geworden ſind. Die römiſchen Kolonien hatten ſich auf andern Grundlagen erhoben: ihre innere Verwal⸗ tung, minder unabhängig, als die der griechiſchen Beſitzungen, war der Regierungsart der Mutterſtadt nachgebildet, welche ſie zu⸗ gleich als Aſyle für die armen oder unzufriedenen Bürger und als militäriſche Vorpoſten gegen das Ausland betrachtete. Nichts der⸗ gleichen findet ſich in der Anſicht wieder, welche zu den ſpaniſchen und portugieſiſchen Seezügen begeiſterte, und welche ſeither alle Niederlaſſungen der Europäer in beiden Indien geleitet hat. Auf die Auffindung von Gold und Reichthümern gingen Vasco de Gama und Chriſtoforo Colombo, dieſe erhabenen Abentheurer, mit einer heldenmüthigen Beharrlichkeit aus, als ſie an den Geſtaden landeten, wo ihre Erſcheinung ſo viel Blut und Thränen fließen laſſen ſollte. Man braucht nur die Erzählung ihrer erſten Tha⸗ ten zu leſen, um ſich zu überzeugen, daß ihr Zweck weder war, die Bevölkerungen zu civiliſiren, noch auch ſelbſt, obwohl ſie es ge⸗ ſagt hatten, zu bekehren; ſondern ſie zu plündern, wobei man ſie aus Noth ausrottete. Als Chriſtoforo Colombo nach Europa zurückkam, und in gro⸗ ßem Gepränge dem Hofe von Caſtilien vorgeſtellt wurde, ſo war das, was ſeine erhabenen Wirthe am angenehmſten überraſchte, eine Sammlung von Goldplatten, von goldenen Armbändern, von Stücken Goldes, zugleich mit einigen Ballen Baumwolle, welche er aus den neu entdeckten Ländern mit ſich gebracht hatte. Fernandez Cortez und Pizarro ſuchten nichts Anderes auf ihren kühnen Zügen nach Merxico und Peru, und man weiß, welches ihre Ueberraſchung und Freude bei dem Anblick der Schätze war, — 272— auf deren Erbeutung ſie auszogen. Die Liebe zum Gold iſt es, welche dieſe muthigen Flibuſtier an die Enden der Welt geführt hat, und welche ſie die furchtbarſten Hinder⸗ niſſe hat beſiegen laſſen. Ueberall, wo ſie den Fuß hinſetzten, erkundigten ſie ſich nach Gold, und ſie ſchifften ſich alsbald wieder ein, wenn es kein ſolches zu rauben gab. Dieſer Ur⸗ ſache vorzüglich muß man die außerordentliche Langſamkeit des Fortſchritts der ſpaniſchen Kolonien zuſchreiben. Das Silber und Gold, das von den Eingebornen aufgehäuft worden war, war bald erſchöpft, und die Schaaren von Auswanderern, welche der Eroberung folgten, wandten ihre ganze Thätigkeit den im Allgemeinen unproductiven Arbeiten des Bergbaus zu. Erſt nach langen und unfruchtbaren Verſuchen auf dieſer wag⸗ lichen Bahn gewahrte man, daß es auf dem amerikaniſchen Boden noch Hilfsquellen gebe, die ganz anders reich und er⸗ giebig wären, als ſeine Gold⸗ und Silbergruben. Allein die von dieſer Fiebergierde nach edeln Metallen erzeugten Vorurtheile verſchwanden nicht mit den Umſtänden, welche ſie hatten entſtehen laſſen. Man kennt den Traum des Sir Walter Raleigh über die goldene Stadt und das Land Eldorado. Mehr als ein Jahrhundert nach dem Tod des Sir Walter war der Jeſuite Gumila noch von dem Daſein dieſes Wunderlandes feſt überzeugt, und er ſprach mit vieler Wärme aus, wie glücklich er ſein würde, das Licht des Evangeliums zu einem Volke tra⸗ gen zu können, welches im Stande wäre, ſo edelmüthig die frommen Arbeiten der Miſſionäre zu belohnen*). Jeder Spa⸗ nier glaubte ſich nach dem verheißenen Lande einzuſchiffen, wenn er nach Amerika ſegelte. Die Begierlichkeit der Menge ward unabläſſig durch übertriebene Berichte gereizt, welchen Glau⸗ ben geſchenkt zu haben man im Angeſicht der Schätze verzeihen kann, welche ſie beſtändig aus dieſen Stätten der Dichtung ent⸗ nommen ſah. Nach und nach gewöhnte ſich die geſammte ſpa⸗ niſche Nation an die Idee, ſich Vermögen zu ſammeln, ohne *) Adam Smith, Inquiry into the nature and causes of the wealth of nations, b. 14. ch. 7. zu axveien des Landl tönnen, ſt Verfall i Bürger hi hen in de bald dieſes als ein) legte ihm für beide ſchon einig ſchaft Karlt Dieſes w ſo lange der barkeit ind Feſtlandes der Geſtt beteht, ſo In wedd lange hi Tage d nialſitte auf Ko Merico Eingebo⸗ unharmhe Namen d Ar. Die und die C hen fen Bew zuſehen, gebniſſ Viſeenſ ſuche m Vlangui n Gold iſt Enden der en Hinder⸗ hinſetzen, ch alsbald Dieſer Ur⸗ ꝛimkeit des as Silber aden war, wanderern, Thätggkeit rgbaus zu. ieſer wag⸗ eikaniſchen h und er⸗ merzeugten „welche ſie Sir Walter ado. Mehr ter war der erlandes feſt wie glüclich n Volke tra⸗ müthig die heder Sba⸗ fen, wenn nge ward en Glau⸗ verzeihen zbtung ent⸗ umte ſpa⸗ eln, vhne yeal 19 of — 273— zu arbeiten, und ſie verſchmähte nicht bloß die Beſchäftigungen des Landbaues, welche die Geſtalt Amerika's hätten ändern können, ſondern auch jene, welche ihr nöthig waren, um den Verfall ihres eigenen Landes zu verhindern. Jeder ſpaniſche Bürger hielt ſich für einen Edelmann, beliehen mit ſeinem Le⸗ hen in der neuen Welt, und die Kolonialgeſetzgebung ſollte bald dieſes verderbliche Vorurtheil beſtätigen. Amerika wurde als ein Nationalgut des Mutterſtaates betrachtet, und dieſer legte ihm Anordnungen auf, deren tyranniſche Widerſinnigkeit für beide Länder gleich verderblich geworden iſt. Wir haben ſchon einige derſelben in der flüchtigen Skizze der Staatswirth⸗ ſchaft Karls V. hervorgehoben. Dieſes war der Urſprung der Kolonialvorurtheile, welche ſo lange den Wohlſtand der Welt gehemmt, und mit Unfrucht⸗ barkeit in den Händen ihrer Urheber die Entdeckung des neuen Feſtlandes geſchlagen haben. Die Negerſklaverei, dieſe Schmach der Geſittung, iſt dabei nur eine Epiſode, und obwohl ſie noch beſteht, ſo hoffen wir doch, daß ihre letzte Stunde bald ſchla⸗ gen werde. Aber es gibt noch andere Gebrechen, welche noch lange hin unheilbar ſein werden, weil ihr Urſprung in die erſten Tage der Eroberung zurückgeht, und weil ſie tief in die Kolo⸗ nialſitten hineingedrungen ſind. Man hat ſich zu ſehr gewöhnt, auf Koſten der Arbeiter jeder Art zu leben, und während in Mexico und Peru die Pflanzer mitleidslos die unglücklichen Eingebornen ausbeuteten, entzog der Mutterſtaat, nicht weniger unbarmherzig, den Pflanzern die Frucht ihres Raubs unter dem Namen Tarife, Zehnten, Alcavala und zwanzig andern der Art. Dieſe ſchlechte Staatswirthſchaft hat Europa verwüſtet, und die Gewerbs⸗ und Handelsrivalitäten vorbereitet, aus wel⸗ chen faſt alle Kriege der neuern Zeit hervorgehen werden. Bis wir jedoch dieſen beklagenswerthen Ereigniſſen als Zeugen zuſehen, müſſen wir hier einſtweilen eines der merkwürdigſten Er⸗ gebniſſe hervorheben, welches die Entdeckung der neuen Welt der Wiſſenſchaft geliefert hat. Als die Spanier müde waren, Ver⸗ ſuche mit den Bergwerken anzuſtellen, gaben ſie ſich einigen Blanqui, Geſchichte d. polit. Oekonomie. J. Bd. 18 — 274— Verſuchen des Landbaues hin, ſo dem Anbau des Zuckerrohrs und dem der Baumwolle. Man ſah damals die Erſcheinung einer Bevölkerung, die mehr Ländereien beſaß, als ſie an⸗ bauen konnte, und die genöthigt war, ſehr hohe Löhne Ar⸗ beitern zu bewilligen, die im Stande waren, ſelbſt Grundeig⸗ ner zu werden und wiederum andere Arbeiter zu lohnen, die bald reich genug wurden, um ſie zu verlaſſen. Die liberale Be⸗ lohnung der Arbeit ermuthigte zum Heirathen, und trug zur Ver⸗ mehrung der Bevölkerung bei. So haben die Vereinigten Staaten in weniger als einem halben Jahrhundert die Anzahl ihrer Bewohner von zwölfhunderttauſend Seelen auf mehr als fünfzehn Millionen ſteigen geſehen, während die ſpaniſchen Ko⸗ lonien in Südamerika, dem Müſſiggang ergeben und durch bür⸗ gerliche und religiöſe gleich ſchmarotzerartige Körperſchaften an⸗ gefreſſen, unaufhaltſam ihrem Verfall zugeſchritten ſind. Selbſt gegenwärtig, ihrer Unabhängigkeit zurückgegeben, wehren ſie ſich noch erbärmlich in den Windeln der Vergangenheit, un⸗ ter der Laſt der Fehler und der Unerfahrenheit ihrer erſten Gründer. Der große Irrthum dieſes durch die Spanier erfundenen Syſtems war, von der übrigen Erde eine Welt ablöſen zu wol⸗ len, welche mehr als dreitauſend Meilen zugänglicher Küſten hatte. Die Spanier vergaßen zu raſch, daß aus Haß gegen das venetianiſche Monopol die Portugieſen ihr Glück in den Entdeckungen zur See geſucht haben, und daß ſie ſelbſt glaub⸗ ten, Chriſtoforo Colombo nach Oſtindien geſandt zu haben, als er Weſtindien entdeckte. Dieſer gemeinſame Name, auf ſo ver⸗ ſchiedene Kolonien angewandt, beurkundet lebhaft den Geiſt, welcher damals die Seefahrer der iberiſchen Halbinſel belebte. Warum gingen ſie denn ſo entſchieden von dem Princip ab, welches ſie ſo Großes hatte unternehmen laſſen? Wir haben es geſagt: der Geiſt des Monopols, gegen welches mit Haß erfüllt, die Spanier Amerika entdeckten, und welches ihre Re⸗ gierung dort auf ſo gehäſſige Grundlagen errichtete, war eine Nothwendigkeit der kriegeriſchen Politik Karls V.; unabläſſig zu Auskunftsmitteln gedrängt und getrieben durch die Geld⸗ noth, beutete Seine nen v Tarife ſeiner theil wenn auszu denen geüffne Dihſ ſeider 4 zu ihren einzige, ſie von ſie dieſe Idder) Lonie, nen N gen Schw und! gebüß hat S heſchra⸗ nen. T Kolonia Einige wie Ep vorrech Frant Unter, gen b danfel ſcertohrs rſcheinung 3 ſie an⸗ böhne Ar⸗ jrundeig⸗ nen, die erale Be⸗ zur Ver⸗ ereinigten ie Anzahl mehr als ſchen Ko⸗ erch bür⸗ ften an⸗ . Selbſt ehren ſie hiit, un⸗ er erſten erfundenen ſen zu wol⸗ her Küſten Haß gegent jck in den öft glaub⸗ ben, als f ſo ver⸗ 1 Geiſt, belebte. ineid ab, gir haben mit Haß zihre Re⸗ „war eine unabläſſig die Geld⸗ 275— noth, ſah dieſer Fürſt in Amerika nur eine Goldgrube, und beutete ſie unbarmherzig aus, weil er ohne Hilfsquellen war. Seine ganze Geſetzgebung hatte nur zum Zweck, die Eingebor⸗ nen vermittelſt der Pflanzer, und die Pflanzer vermittelſt der Tarife zu plündern. Trotz der Richtigkeit ſeines Blicks und ſeiner reichen Erfahrung, ahnte Karl V. doch nie den Vor⸗ theil, den er aus ſeiner reichen Eroberung hätte ziehen können, wenn er ſie verſtändig verwaltet hätte, ſtatt ſie ohne Schonung auszuſaugen. Seine Nachfolger haben das Huhn mit den gol⸗ denen Eiern getödtet; aber er hatte ihm ſchon die Eingeweide geöffnet. Dieſes ſchlechte, von den Spaniern gegebene Beiſpiel wurde leider von allen europäiſchen Nationen in ihren Beziehungen zu ihren Kolonien nachgeahmt. Es gab unter ihnen nicht eine einzige, welche an die ungeheuern Gewinnſte gedacht hätte, die ſie von der Freiheit des Handels hätte erlangen können, wenn ſie dieſelbe unter den Schutz ihrer Flagge geſtellt haben würde. Jeder Mutterſtaat betrachtete ſich als Eigenthümer ſeiner Ko⸗ lonie, und man ſah den Augenblick, wo die Sklaverei der ei⸗ nen Nation gegen die andere der perſönlichen Sklaverei fol⸗ gen ſollte. Portugieſen, Franzoſen, Engländer, Holländer, Schweden und Dänen gehorchten alle demſelben Vorurtheil, und haben es ſeither durch unerſetzliche Verrechnungen gräßlich gebüßt. Braſilien hat ſich von Portugal getrennt, Frankreich hat St. Domingo verloren, Holland iſt auf die Inſel Java beſchränkt, und Spanien hat nur noch Cuba und die Philippi⸗ nen. Dieſes Ergebniß ſtellt ſich nicht deßwegen dar, als ob das Kolonialſyſtem dieſer Nationen durchaus daſſelbe geweſen wäre. Einige derſelben haben unmittelbar ihre Kolonien verwaltet, wie Spanien und Portugal; andere haben die Regierung be⸗ vorrechteten Handelsgeſellſchaften überlaſſen, wie England, Frankreich, Holland und Dänemark. Aber wenn auch einige Unterſchiede in den Verfahrungsweiſen aller dieſer Verwaltun⸗ gen beſtanden, ſo gab es doch keinen Unterſchied in dem Ge⸗ danken, welcher ſie leitete. Ueberall wollte man die Eroberung 18. — 276— auf griechiſche und römiſche Weiſe ausbeuten, und um dieſes neutn? zu erreichen, vervielfältigte man die Anordnungen, Beſchrän⸗ hen b kungen, Verbote und nur zu oft die Strafen. Die bevorrech⸗ ben ſie teten Handelsgeſellſchaften beuteten ihre Monopole mit der Naaca hartherzigſten Strenge aus. Die Pflanzer waren genöthigt, an nächti ſie den ſämmtlichen Ueberſchuß ihrer Erzeugniſſe zu verkaufen. it das Das Monopol beſtimmte die Preiſe nach dem höchſten Stande, nit we wenn es verkaufte, und nach dem niederſten, wenn es ein⸗ gegenng kaufte. Oft ſogar war es das Intereſſe der Handelsgeſell⸗ Das ſchaften, den Preis der Kolonialerzeugniſſe herabzuſetzen, und Nieder die Zunahme derſelben zu hindern, damit der Preis derſelben minetit in Europa ſehr hoch gehalten werden könnte. Dieſe Wuth hat nigen I einen Theil beider Welten verheert, und man hat die Hollän⸗ Ermange der die Pflanzungen der Gewürzbäume auf den Molukken an⸗ 8 war, wa zünden geſehen, um zu verhindern, daß ihre Nebenbuhler Ge⸗ ſhaſten! winn daraus ziehen könnten. länder R Andere Nationen haben, ohne ausſchließlichen Handelsge⸗ Handels ſellſchaften Privilegien zu bewilligen, den Kolonialhandel auf nen geöff einen einzigen Hafen des Mutterlandes beſchränkt, aus wel⸗ 8 ds vicht chem kein Schiff, ausgenommen in einer beſtimmten Zeit, ſei demſeld es allein, ſei es im Geleit, ohne eine beſondere Ermächti⸗ nach d gung auslaufen durfte. Dieſer Umſtand nöthigte die Ausrü⸗ thigt ſe ſter der Schiffe, ſich zu verſtändigen und oft zu verbünden, um zeichnen ſich nicht durch die Mitwerbung zu ſchaden; und die Wirkung meine blieb dieſelbe rückſichtlich der Pflanzer, die immer genöthigt das Mu waren, theuer zu kaufen und wohlfeil zu verkaufen. Die libe⸗ hangnißt ralſten Mutterſtaaten haben bisweilen dieſe Anordnungen in aagliſchen der Form geändert, allein ſie haben nie aufgehört, die Kolo⸗ nach der: nien als Beſitzungen zu betrachten, die von Rechtswegen einer die Erma ausnahmsweiſen Rechtsordnung unterworfen waren. Trotz der deren Ja Revolutionen, welche zu verſchiedenen Zeiten gegen dieſe Un⸗ Staaten terdrückung ſich verwahrt haben, beharren noch alle europäi⸗ riſcen? ſchen Nationen bei dem gleichen Syſtem. Es beſteht eine be⸗ Beuach ſondere Geſetzgebung für die Kolonien in Frankreich, England, fang un Holland, Spanien. Was in Europa rechtmäßig iſt, iſt es nicht ön hit mehr in Aſien, Afrika, Amerika. Der Negerbandel hat in der gehabt,i yyyyyyyyy— ꝛ—y—————— un deſes Beſchräͤn⸗ bevorrech⸗ e mit der öthigt, an verkaufen. Stande, mes ein⸗ delsgeſell⸗ gen, und derſelben Wuth hat Hollaͤn⸗ kken an⸗ bler Ge⸗ ndelsge⸗ del auf aus wel⸗ Ri, ſei Ermächti⸗ ie Ausri⸗ ünden, um Virkung genüöthigt Die libe⸗ ngen in je Kolo⸗ en einer Troz Ri diſſe Uu⸗ enrbyä⸗ eht eine be⸗ h, England, a ites nich l hat in der — 277— neuen Welt dieſes ſchon mit mehr als einem radicalen Gebre⸗ chen behaftete Syſtem noch mehr verwickelt. Die Pflanzer ha⸗ ben ſich auf Koſten dieſes unſeligen Stammes rückſichtlich der Plackereien entſchädigt, welche ſie von Seite der hohen und mächtigen Herren des Mutterlandes auszuſtehen hatten; und ſo iſt das Kolonialſyſtem die Schule aller Unſittlichkeiten geworden, mit welcher die gewerbliche und commercielle Geſittung noch gegenwärtig heimgeſucht iſt. Das verderbliche Princip der Monopole iſt ſogar in jene Niederlaſſungen gedrungen, wo das Mutterland kein Souve⸗ rainetätsrecht auszuüben hatte. In Japan, China und auf ei⸗ nigen Punkten des Küſtenlandes des Mittelmeeres, wo man in Ermangelung von Kolonien auf geduldete Comptoire beſchränkt war, waren dieſe Comptoire an bevorrechtete Handelsgeſell⸗ ſchaften verpachtet, und erſt ſeit einigen Jahren haben die Eng⸗ länder das Monopol der indiſchen Kompagnie rückſichtlich des Handels nach China abgeſchafft, der künftighin allen Eingebor⸗ nen geöffnet iſt. Man beginnt gegenwärtig zu begreifen, daß es nicht nothwendig iſt, Herr eines Landes zu ſein, um mit demſelben vortheilhafte Verbindungen anzuknüpfen. Als ſich nach dem amerikaniſchen Kriege die engliſche Regierung genö⸗ thigt ſah, den Frieden mit ihrer emancipirten Kolonie zu unter⸗ zeichnen, erhob ſich in den engliſchen Hafenſtädten eine allge⸗ meine Gährung. Die Stadt Briſtol ſandte eine Petition an das Parliament, um es zu bitten, ſeine Sanction dieſem ver⸗ hängnißvollen Frieden zu verſagen, welcher den Untergang des engliſchen Handels nach ſich ziehen ſollte; und wenige Jahre nach der Unterzeichnung des Friedens erbat ſich dieſelbe Stadt die Ermächtigung, neue Becken für ihre Fahrzeuge zu graben, deren Zahl ſich in Folge ihrer Verhältniſſe zu den Vereinigten Staaten verdoppelt hatte. Durch den Verluſt ihrer aufrühre⸗ riſchen Beſitzungen erſparte die engliſche Nation die Koſten der Bewachung und Verwaltung, und ihr Handel gewann an Um⸗ fang und Wichtigkeit weit mehr, als der Kolonialdespotismus ihm hätte geben können. Hätte Spanien den guten Gedanken gehabt, in günſtiger Zeit mit den ſüdamerikaniſchen Republiken Frie⸗ —-— 278— den zu ſchließen, und die Vortheile zu benützen, welche aus der Uebereinſtimmung der Sprache, der Gewohnheiten und der Be⸗ dürfniſſe beider Völker hervorgehen, ſo wäre es gegenwärtig nicht der Hilfsquellen beraubt, und ſein Gewerbfleiß hätte ei⸗ nige Reſte ſeines frühern Glanzes wieder gefunden. Wer begreift fernerhin nicht die Schwierigkeiten, ein Land auf eine Entfernung von zweitauſend Meilen mit Ideen zu re⸗ gieren, die dem Charakter ſeiner Bewohner entgegengeſetzt ſind, und mit den ungeheuern Koſten, welche alle fernen Occupatio⸗ nen nothwendig machen! Die Gewalt fällt dann in die Hände der Vicekönige, der Proconſuln, der Statthalter. Die Regie⸗ rung des Mutterlandes ſieht nur mit deren Augen, handelt nur nach deren Rathſchlägen, und wird gar zu oft durch die Berichte bethört, die man ihr macht.„Die abhängigen Kolo⸗ nien,“ ſagt J. B. Say*),„wurden immer eben ſo ſchlecht be⸗ wohnt, als ſchlecht regiert. Man geht dahin nur mit dem Entſchluß zur Rückkehr, d. h. um nach Europa mit einem wohl oder ſchlecht erworbenen Vermögen zurückzukommen.“ Ferner ſehe man, welches nach einer dreihundertjährigen Herrſchaft die Lage der meiſten jetzt endlich emancipirten Kolonien iſt! Sie werden noch lange die Narben von den Wunden tragen, welche ihnen die Tyrannei der Mutterlande geſchlagen hat, und die lange Nachwirkung ihrer verderblichen Grundſätze wird dort noch ein Jahrhundert lang alle Verſuche der Wiederverjuͤngung ſcheitern machen. Sie unterliegen dem gemeinſamen Geſetze für die einzelnen Menſchen, die glücklich ſind durch ihre Erziehung, unglücklich aber, wenn dieſe vernachläſſigt iſt. Eu⸗ ropa hat in dieſen Regionen des Privilegiums alle Mißbräuche und alle Gebrechen ſeiner ſchlechteſten Regierungen aufgehäuft. Es hat die Sklaverei nach einem ungeheuern Maaßſtab zu ei⸗ ner Höhe reorganiſirt, daß in mehren Kolonien die ſchwarze Bevölkerung wie ein Strom die weiße Ariſtokratie überfluthete. St. Domingo hat die Loſung zur Reaction gegeben, welche ſchon in Louiſiana und in Braſilien dröhnt, und welche die Ab⸗ *) Cours complet d'économie politique, tome III., p. 419. ſchaffu lich be endlie welch bring ſchlaf lung, Abſich geber ung Gl gehend Furopa zendſten geſelſc weder lihe W würde dauer duch, recht pole, Befe wege wohl war, au, un nie un Entdech heimiſe rinde, — 4) ſen, we farge. velche aus der und der Be⸗ gegenwärtg ſleiß hutte ei⸗ en. en, ein Land Jeen zu re⸗ hengeſezt ſind, n Occupatio⸗ in die Hände Die Regie⸗ en, Jandelt t durch die geen Kolo⸗ ſchlecht be⸗ mit dem inem wohl Ferner rſchaft die iſ! Sie zen, welche , und die wird dort erjüngung Geſeze rc ihre ſt. Eu⸗ bräuche gehäuft. b xu ei⸗ ſchwarze erfluthete n, welche he die Ab⸗ 9. — 279— ſchaffung der Sklaverei auf den engliſchen Antillen unvermeid⸗ lich beſchleunigen wird, wenn die widerſpänſtigen Pflanzer nicht endlich die Augen öffnen. Wenn man die Aufſchlüſſe liest*), welche jeder Tag über die innere Verwaltung der Kolonien bringt, ſo erſtaunt man nicht mehr über den Zuſtand der Er⸗ ſchlaffung, in welchem ſie gelebt haben, und über die Verzweif⸗ lung, welche ſie zum Aufrnhr getrieben hat. Nie wurden die Abſichten des Schöpfers frecher verhöhnt. Nie haben zur Erde gebeugte Stirnen eine verſpätetere und verdientere Genugthu⸗ ung erhalten. Gleichwohl wurde das Kolonialſyſtem nur als ein vorüber⸗ gehendes Uebel in ſeiner ganzen Kraft erhalten, von welchem Europa in einer mehr oder minder nahen Zukunft den glän⸗ zendſten Erſatz ernten ſollte. Die Privilegien der Handels⸗ geſellſchaften wurden nie auf ewig bewilligt, ſondern nuͤr ent⸗ weder durch Acte der Legislatur in England oder durch könig⸗ liche Ordonnanzen in den andern Ländern erneuert. Man würde es nie gewagt haben, von vorn herein die ewige Fort⸗ dauer eines ſo monſtruöſen Syſtems zu verkünden, ſelbſt auch, wenn die Politik und die Noth ſeine Einführung zu rechtfertigen ſchienen. Dieſes ſollte nur, wie alle Mono⸗ pole, eine vorübergehende Maaßregel, unerläßlich für die Befeſtigung der entſtehenden Kolonien ſein, welche von Rechts⸗ wegen aufhören ſollte, ſobald ſie befeſtigt ſein würden. Gleich⸗ wohl nahm nach und nach der Pacht, der Erbpacht geworden war, zuletzt den Charakter einer ewig dauernden Bewilligung an, und ihre Dauer wäre ohne den Eintritt der Umwälzungen nie unterbrochen worden. War doch ſchon eine unermeßliche Entdeckung die der einzelnen, in der neuen Welt gefundenen oder heimiſch gemachten Erzeugniſſe, wie der Cochenille, der China⸗ rinde, des Zuckers, des Kaffee's, der Baumwolle, des Kakao's, *) Man braucht nur auf das 1826 in London erſchienene Buch zu verwei⸗ ſen, welches den Titel führt: Noticias secretas de America, por Don Jorge Juan, Don Antonio de Ulloa, in 4t0. — 280— des Indigo's, der Farbhölzer und der andern Artikel, an wel⸗ chen alle europäiſchen Nationen ihren Antheil haben wollten, ſelbſt um den Preis der Contrebande, des Schleichhandels und des Kriegs. Daher ſtammte ein neues, im höchſten Grade aus⸗ ſchließliches Handelsrecht, indem Jeder für ſich das Monopol der beliebten Erzeugniſſe bewahren, oder es glücklichern Riva⸗ len eutreißen wollte. Die Verwicklungen traten zumal ſchroff hervor, als die meiſten der europäiſchen Mächte Niederlaſſun⸗ gen unter den nämlichen Breiten gegründet hatten, und als man dort den Anbau der Erzeugniſſe von einem großen Ver⸗ brauch einheimiſch gemacht hatte. Der Zucker wurde bald aus St. Domingo, aus Jamaica, aus Cuba und aus allen ver⸗ ſchiedenen Herren angehörigen Antillen ausgeführt. Man baute den Kaffee in Braſilien und auf Martinique. Die Baumwolle bereicherte die Ebenen Louiſiana's, Georgiens und Carolina's. Der Indigo kam zugleich aus Calcutta, Guate⸗ mala und Caraccas. Der Zucker Indiens beſtand die Mitwer⸗ bung mit dem Amerika's, alle beide gegenwärtig durch den der Runkelrübe bedroht. Das Gold war erſchöpft; aber es blieben Amerika koſtba⸗ rere Erzgruben, und das waren die einzigen, welche ſeine blin⸗ den Mutterſtaaten nicht auszubeuten verſtanden hatten. Der große Irrthum Europa's iſt, ſeine Gewinnſte mehr in dem hohen Preiſe geſucht zu haben, welcher aus der Selten⸗ heit oder dem Monopol der Kolonialerzeugniſſe hervorging, als in ihrer Fülle. Im Anfang bemühten ſich die zuerſt Gekom⸗ menen, ihre Nebenbuhler zu hindern, auch dorthin zu kommen: ſie verſuchten ſogar die Straße nach Indien zu verſtecken, wie Geizige ihren Schatz verſtecken; nachdem ſpäter aber einmal die Straße bekannt war, ſo unterſagten ſie den Fremden das Landen in ihren Beſitzungen, und als man trotz der Gewalt und Drohung ſich doch darein ergeben mußte, Mitwerber zu dulden, ſo ſchufen die Kriege der Tarife Unterſchiede nach den Urſprüngen unter den Erzeugniſſen des nämlichen Bodens. Der Zucker und der Kaffee koſteten mehr, je nachdem ſie durch aus⸗ ländiſche oder aber heimiſche Schiffe eingeführt wurden. Manche amerika zenöthi die G treides ſezgeh einer! Mauth. gene C resarn Himme fünßet Wir ſe velche t femente, die Fol angenom die Ma elhſ n zen, die zegene ſollte, zehnten wurden Mühe hahe, Aufrecht ihren wo hat, um e Kolonien durch die niger der tionen tr wirkliche nopol ſie leicht zu Marine i an wel⸗ wollten, dels ud dde aus⸗ Nonopol t Riva⸗ ſchroff erlaſun⸗ und als hen Ver⸗ hald aus len ver⸗ Man Die ns und Guate⸗ Nitwer⸗ den der a toſtba⸗ ſeine blin⸗ n. e mehr in er Selten⸗ gging/ alb Gekom⸗ kommen: ken, wie einmal nden das 8 Gewalt werber N e nach den n Bodens. durch aus⸗ en. Nanch —-— 281— amerikaniſche, dem feſten Lande nahe gelegene Kolonie wurde genöthigt, ihr Getreide aus Europa kommen zu laſſen, auf die Gefahr hin, im Fall des Verſpätens der Ankunft des Ge⸗ treides vor Hunger zu ſterben. Dieſe ganze widerſinnige Ge⸗ ſetzgebung iſt noch gegenwärtig in Kraft. England hat ſie in ſeiner berüchtigten Navigationsacte; Frankreich durch alle ſeine Mauthbeſtimmungen; Spanien durch die Ehrfurcht für ſeine ei⸗ gene Erfindung befeſtigt. Länder, getrennt durch einen Mee⸗ resarm von einigen Stunden, ſind ſich ſo fremd unter dem Himmel der Antillen, als wenn der atlantiſche Ocean ſeine fünfzehnhundert Meilen Breite zwiſchen ſie hinein erſtreckte. Wir ſelbſt opfern noch gegenwärtig zweien oder dreien Inſeln, welche weniger bevölkert ſind, als ein einziges unſerer Depar⸗ temente, die allgemeinen Intereſſen des nationalen Handels. Die Folgen des Syſtems, wie es von den erſten Kolonienſtiftern angenommen wurde, hat uns endgiltig nur den Negerhandel, die Mauthfehden, die Seekriege, ungeheure Schiffauslagen, ſelbſt zur Zeit des Friedens und die Nothwendigkeit eingetra⸗ gen, die Verzehrungsgegenſtände ſehr theuer zu bezahlen, welche gegenwärtig ganz Europa zu einem wohlfeilen Preis haben ſollte, wenn es auf den befruchtenden Anbau der Kolonien den zehnten Theil der Schätze verwendet hätte, die verſchwendet wurden, um ſie zu verwüſten. Einſtens werden unſere Enkel Mühe haben, zu glauben, daß dieſes Syſtem ſo lange gedauert habe, und daß die Völker Europa's ſo große Opfer für die Aufrechthaltung eines Zuſtandes der Dinge getragen haben, der ihren wohlverſtandenen Intereſſen ſo ſehr zuwider war. Man hat, um es zu erklären, geſagt, daß der ausſchließliche Handel der Kolonien durch die Abwehr der Mitwerbung nicht Gefahr lief, durch die Störungen erreicht zu werden, welche mehr oder we⸗ niger den Handel bedrohen, den man mit unabhängigen Na⸗ tionen treibt; aber abgeſehen davon, daß die Mitwerbung ein wirklicher Vortheil iſt, muß man noch erwägen, daß das Mo⸗ nopol ſich nur bei Kolonien von geringem Umfang und die leicht zu bewachen ſind, ausüben laſſe. Die ganze britiſche Marine würde gegenwärtig nicht genügen, das Uferland der — 282— amerikaniſchen Union gegen die Contrebande zu ſchützen, wenn dieſes Land England noch gehörte, und wenn ein Gewinn dabei wäre, dorthin Erzeugniſſe zu bringen. Die ſtrengen Verordnungen der ſpaniſchen Regierung, ihre Mauthbeamten, ihre Küſtenwächter haben Südamerika nicht gehindert, ſich mit europäiſchen Waaren überſchwemmen zu laſſen. Es iſt ferner nicht wahr, daß dem Sperrſyſtem die Mutterſtaaten die Regel⸗ mäßigkeit ihrer Verſorgungen mit Kolonialwaaren verdanken. Preußen, Oeſtreich, Sachſen, die Schweiz, Baiern und alle Staaten, welche keine überſeeiſchen Kolonien haben, haben nie an Zucker, Kaffee, Baumwolle Mangel gelitten: im Gegentheil, es ſind dieſe Artikel dort immer wohlſeiler geweſen, als in den Ländern mit überſeeiſchen Beſitzungen. Da dieſe Staaten kein Monopol auszuüben, noch anzuſprechen haben, ſo wäh⸗ len ſie die Orte, wo ſie ſich unter den vortheilhafteſten Bedin⸗ gungen die Waren verſchaffen können, deren ſie bedürfen, und die Erfahrung hat bewieſen, daß ſie damit ſtets wohlfeiler ver⸗ ſehen worden waren, als die ſeefahrenden Nationen. Kurz, das Kolonialſyſtem hat nur dahin geführt, unter den Mutterſtaaten und den von ihnen abhängigen Ländern eine Wechſelſeitigkeit der Vorurtheile und Beſchädigungen zu ſchaf⸗ fen, und der Handel der Kolonien war von beiden Seiten nur eine Quelle von Bedrückungen und Verarmung. Mit dem reinſten Herzblut haben die europäiſchen Völker die Ehre be⸗ zahlt, Niederlaſſungen in beiden Indien zu gründen. Dieſe Niederlaſſungen ſind in den Augen des aufmerkſamen Beobach⸗ ters nichts anderes, als Kinder, welche ihren Familien große Entbehrungen bis zu dem Augenblick auferlegt haben, wo ſie, in's reife Alter gelangt, im Stande ſein werden, ſich zu er⸗ halten. Bisweilen knüpft ſie dann die Dankbarkeit enger an die Urheber ihrer Tage; häufiger haben dieſe letztern ſich über ihre Gleichgiltigkeit oder Undankbarkeit zu beklagen: aber es iſt eine Thorheit, zu glauben, daß die Unabhängigkeit nicht mit dem Alter komme, und daß nach einer dreihundertjährigen Bevor⸗ mundung dieſes Alter für alle Kolonien noch nicht eingetreten ſei. Ihre Kindheit verlängern, heißt Leute fort erziehen, welche ſch ſell dig ſin Bezieh und ei in Am andern ſie einn eine ſ der E gon den thume herrſe Berg Nün De Funcdi ſagt: dels“ Ilolir 6. und ten er, müſ brauchen das Mei wollen ſi welche C es auch hatten.“ Die teles ni Waart, .[.— *) Jenc en, wenn Gewinn e ſtrengen hbeamten, ſich mit iſt ferner ie Regel⸗ drrdanken. und alle haben nie Gegentheil, t, als in Staaten ſo wäͤh⸗ n Bedin⸗ rfen, und feiler ver⸗ unter den dern eine en zu ſchaf⸗ Seiten nur „Mit dem die Ehre be⸗ den. Ditſe en Beohach⸗ ilien große n, wo ſie, ſich zu er⸗ ager an die ich über ihre er es iſt eine nicht mit dem rigen Bevor⸗ t eingetreten gieben, velch — 283— ſich ſelbſt genügen können, oder Bürger unterdrücken, die wür⸗ dig ſind, frei zu leben. Gegenwärtig, wo alle Luftgebilde in Beziehung auf das Gold und das Silber verſchwunden ſind, und ein auffallender Ruin die letzten Verſuche des Bergbaues in Amerika mit Mißtrauen getroffen hat, muß man in ganz andern Quellen den Reichthum ſuchen wollen. Ehe wir aber ſie einzeln angeben, müſſen wir unſere Blicke zurückwenden und eine flüchtige Darſtellung der Münzumwälzungen geben, welche der Entdeckung der neuen Welt vorangingen und nachfolgten. Hauptſtück XXIV. Von den verſchiedenen Münzſyſtemen, welche in Europa von dem Alter⸗ thume an bis zur Entdeckung der Bergwerke der neuen Welt ge⸗ herrſcht haben— Wirthſchaftliche Folgen der Entdeckung dieſer Bergwerke.— Allgemeine Ueberſicht der Werke, welche über das Münzweſen erſchienen ſind.— Die Alten hatten ſo gut, wie die Neueren, die wahren Functionen der Münze gewürdigt. Ariſtoteles hatte davon ge⸗ ſagt:„Das Geld iſt der Anfang und das Ende des Tauſchhan⸗ dels“(co„xo vo⁵‿ςαμαα σeτωπνναεο Qᷣzàœmx LHHs rije d‿ανπσ εοται. TIoxorima Lib. I. cap. 9 der Ausgabe von Bekker, und nicht cap. 6. und 7, wie es oben S. 19 irrig nach Blanqui heißt. Buß.) Penophon*) iſt eben ſo beſtimmt:„In den meiſten Städten, ſagt er, müſſen die Handelsleute Gegenfracht einnnehmen; denn ſie ge⸗ brauchen auswärts unbrauchbare Münzen. In Athen aber iſt das Meiſte zur Ausfuhr bereit, was die Menſchen bedürfen; wollen ſie aber keine Gegenfracht nehmen, ſo führen auch die, welche Silber ausführen, eine ſchöne Waare aus: denn wo ſie es auch verkaufen, überall empfangen ſie mehr, als ſie früher hatten.“ Die Functionen der Münze haben ſeit Xenophon und Ariſto⸗ teles nicht gewechſelt; das Geld iſt ſtets eine vermittelnde Waare, beſtimmt, den Austauſch anderer Waaren zu erleichtern. *) Xenophon, Iooν 1 ν Ʒ00006:,, Cap. III. 2. — 284— Woher kömmt es nun, daß ſeine Geſchichte, welche anſcheinend ſehr einfach ſein ſollte, gerade die verwickeltſte und die ſchwie⸗ rigſte von allen jenen iſt, deren Inbegriff die Jahrbücher der Staatswirthſchaft bildet? Woher kömmt es, daß alle Völker ihr beſonderes Geld gehabt haben, ſtatt ſich über die Wahl ei⸗ nes gleichförmigen Münzfußes zu verſtändigen? Und zumal, warum bietet uns jedes Zeitalter das Schauſpiel einer Münz⸗ umwälzung, d. h. eines Umſturzes in dem Preis, in der Form, dem Gewicht und dem Feingehalt des Hauptelements des Um⸗ laufs, desjenigen von allen, welches hätte am unwandelbarſten bleiben ſollen? Warum endlich ſieht man um die Reihe auf den Märkten der Welt bald gute, bald ſchlechte Münzen, die einen faſt von reinem Metall, die andern von der Beſchickung faſt abſorbirt? Eine genaue und ausführliche Antwort auf alle dieſe Fragen würde Bände fordern, und dieſe Bände be⸗ ſtehen; auch werde ich nur die wichtigſten angeben, um nicht der Unterſuchung des Gegenſtandes, welcher hier gründlich er⸗ forſcht iſt, einen größern Umfang zu geben, als die Verhält⸗ niſſe dieſer Geſchichte es dulden. Die Frage über die Münzen iſt eine von jenen, welche die Neueren am meiſten verwickelt haben; es herrſcht hier faſt die nämliche Verwirrung, wie in den Sprachen, und an die Stelle der ſinnigen Einfachheit der Alten traten ſo unentwirrbare Combinationen, daß wir die Hoffnung aufgegeben haben, dar⸗ auf zurückzukommen, wenn auch ganz Europa zu dieſem Zweck einen Vertrag machen würde. Stellen wir einige Grundſätze auf, welche uns in dieſer Unterſuchung leiten ſollen. Die we⸗ ſentliche Eigenſchaft einer Münze iſt, daß ſie ihren Preis von dem Augenblicke an, wo man ſie empfängt, bis zu dem be⸗ wahre, wo man ſie ausgibt; ſonſt würde man, wenn man das, was man verkauft, gegen das eintauſcht, was man kauft, nicht mehr eine Waare empfangen, die jener an Preis gleich wäre, welche man geliefert hätte. Eine andere Eigenſchaft der Münze iſt, daß ihr Preis ſich wie der eines jeden andern Gegenſtan⸗ des nach der Menge der Dinge ermißt, welche eine andere Perſon dagegen geben will; wenn man gegen eine Goldmünze 2 ,,— don einet der ander ſchwere ſen, daß gelte, al Thorheit raͤumen tern, d. hen ſie rungen gen, wer für einen fedeömal gebniſſe v unter Ludd Unze hero Waizen ſt ſowohl vo de vaw Dr an den genomr gen, de der Mi velchen die Münz unwandell hald mehr, inderte und üchkeit man heſonnen in zu verdoppe Taaler ſe nict ſchon ſes aler di nußter, die ſcheinend ie ſchwie⸗ ücher der le Völker Wahl ei⸗ d zumal, Münz⸗ er Form, des Um⸗ delbarſten Neihe auf zen, die ſchickung ort auf unde be⸗ im nicht dlich er⸗ Verhält⸗ welche die ier faſt die die Stelle ntwirrbare aben, dar⸗ em Jweck rundſätze Die we⸗ reis von dem b⸗ Mn dS, wft ch gach wäne aſt der Nand ern Gegenſtan⸗ e ant andere line Gohmün — 285— von einer Unze Gewicht fünfzehn mal mehr Getreides oder je⸗ der andern Waare geben will, als man gegen eine eine Unze ſchwere Silbermünze gibt, ſo wird ſich leicht daraus ſchließen laſ⸗ ſen, daß die Goldmünze von gleichem Gewicht fünfzehn Mal mehr gelte, als die Silbermünze. Sonach können wir jetzt ſchon die Thorheit der Verſuche erklären, welche in verſchiedenen Zeit⸗ räumen gemacht worden ſind, um die Münzen zu verſchlech⸗ tern, d. h. um ihnen zwangsweiſe einen Preis zu geben, wel⸗ chen ſie nicht hatten. In dem Maaße, wie dieſe Verſchlechte⸗ rungen bewirkt worden ſind, iſt der Preis der Waaren geſtie⸗ gen, weil Jedermann ſich weigerte, eine gleiche Menge derſelben für einen geminderten Metallwerth zu geben. Auch mußte man jedesmal das Maximum verkündigen, wenn man einige Er⸗ gebniſſe von dieſen großen Beraubungen erlangen wollte. Als unter Ludwig XIV. die Thaler von einer Unze auf eine halbe Unze herab verringert wurden, ſo kauften ſie nur noch 30 Pfund Waizen ſtatt 60. In allen andern Zeiträumen unſerer Geſchichte, ſowohl vor als nach Ludwig XIV., haben die nämlichen Urſachen die nämlichen Ergebniſſe erzeugt. Die mehr oder minder betrügeriſchen Manipulationen, welche an den Münzen von dem Alterthume an bis auf unſere Tage vor⸗ genommen wurden, ſtammen aus einem Irrthum der Regierun⸗ gen, der noch gegenwärtig ziemlich verbreitet iſt, und welcher bei der Münze einen Charakter der Beſtändigkeit vorausſetzen ließ, welchen ſie nicht hat. Man hat ſich mit Unrecht eingebildet, daß die Münzeinheit in ihrer Eigenſchaft als Preismaaß ſelbſt einen unwandelbaren Preis habe, und daß, wenn man für eine Waare bald mehr, bald weniger zahlte, nothwendig die Waare den Preis änderte und nicht die Münze. Dieſer Irrthum hat der Begier⸗ lichkeit mancher Fürſten zum Vorwand gedient, welche man un⸗ beſonnen überredete, daß es von ihnen abhinge, ihre Hilfsquellen zu verdoppeln, wenn ſie nur erklären würden, daß hunderttauſend Thaler ſechshunderttauſend Francs gelten ſollten, als wenn ſie nicht ſchon am Tage nach ihrem Betrug durch Erhöhung des Prei⸗ ſes aller Dinge und durch die Nothwendigkeit geſtraft werden mußten, die Steuern zu verdoppeln, um ihre Anſchaffung zu be⸗ — 286— ſtreiten. Man muß ſonach gegenwärtig darauf verzichten, mit Genauigkeit den Betrag des Einkommens eines jeden Gewerbes in uns fern liegenden Zeiten mit dem analoger Gewerbe in der un⸗ ſerigen zu vergleichen, weil es unmöglich iſt, dafür ein gemein⸗ ſames Maaß zu finden, wie den Mötre für die Längen und das Litre für die Faßmaaße. Welches immer auch die Wechſel ſein mögen, welchen die Völ⸗ ker das Geld unterwarfen, ſo haben doch alle Nationen zur Er⸗ leichterung ihrer Tauſche zum Geld gegriffen. Die Lacedämonier hatten Münzen von Eiſen und die Römer in den erſten Zeiten der Re⸗ publik Kupfergeld. Man ſah zu dieſem Zweck in verſchiedenenLändern Muſcheln, Nägel, Cacaobohnen, Stücke Leders gebrauchen: aber von dem höchſten Alterthum an haben das Gold und das Silber das faſt ausſchließliche Vorrecht genoſſen, als Verwandlungsſtoff für die Münzen zu dienen. Der unwandelbare und gleichartige Charakter die⸗ ſer Metalle, ihre äußerſte Theilbarkeit, ihre an allen Orten gleiche Reinheit im gediegenen Zuſtand, ihr Widerſtand gegen die Abreibung durch den Zuſatz einiger Theilchen Beſchickung, vielleicht auch ihre natürliche Schönheit, erklären hinlänglich den allgemeinen Beifall, den ſie zu allen Zeiten und in allen Ländern erlangt haben. Fer⸗ ner iſt, ſobald man vom Geld überhaupt ſpricht, allgemein ange⸗ nommen, daß die Gold⸗ und Silbermünze gemeint iſt, und die erſte geſchichtliche Thatſache, welche man wiſſen möchte, iſt die, welches in verſchiedenen Zeitaltern die Menge dieſer im Umlauf befindlichen Metalle war. Wer begreiſt nicht den Vortheil, wel⸗ chen man von einem Tauſchmittel ziehen mußte, das unter einem ſo kleinen Volumen ſo ausgedehnt, überall geſucht und überall angenommen ward, während bei dem bloßen Tauſch der Waaren der Handel ewig in der Kindheit geblieben wäre! Allein es fin⸗ det ſich, daß das, was man ſo gerne wiſſen möchte, gerade dasje⸗ jenige iſt, deſſen Nachweiſung für uns am mühevollſten iſt. Wir kennen nicht einmal genau den Betrag der in unſerem Lande gegenwärtig umlaufenden Münzen, obwohl hier eine genaue Rechnung über alle ſeit mehren Jahren geprägten Stücke geführt wird. Man kennt den Werth und die Zahl jener nicht, welche eingeſchmolzen oder ausgeführt worden ſind; man kennt nicht die Menge de Keme K. ſommtle zu berec andern; Say,„ umlaufe waren. zwei S Die des Ma aler He der in! it nicht nauigkeit Nutzen; geichen geben d KRAI das C Gelds genüg Fülle ſollte dem 2 Theil Goldſch des Geld — 5) I Clearing uierhäu einfachen hloß in! nihe tauſe Millionen 5 2 hiten, mit Gewerdes in der un⸗ n gemein⸗ und das die Völ⸗ n zor Er⸗ edämonier ten der Re⸗ ten Ländern hen: aber zilber das offfür die rakterdie⸗ en gleiche Abreibung auch ihre en Beſfal, den. Fer⸗ rwein ange⸗ iſ, und die hte, iſt die, im Umlauf rtyeil wel⸗ enter einem nd überall er Waaren in es ſin⸗ ade dacſ⸗ . Wit ſerem Lde aine genale Züüͤce gefühe e rich, welhe ennt nich die — 287— Menge der Münzen alter Prägung, welche noch beſtehen. Die kleine Kupfermünze, welche alle dieſe Umſchmelzungen und ſämmtliche Reformen überlebt hat, bildet eben ſo einen ſchwer zu berechnenden Theil unſeres Münzreichthums und jenes der andern Völker.„Ich habe in unſern Provinzen,“ ſagt J. B. Say,„von dieſen Kupferſtücken gefunden, welche ſeit der Zeit umlaufen, wo wir unter der Herrſchaft der römiſchen Kaiſer waren. Sie gelten für einen Liard, zwei Liards, einen Sou, zwei Sous, mit dem Bilde dieſer Herrſcher der Welt.“, Die raſche Vermehrung der Wechſelbriefe, der Bankſcheine, des Papiergeldes mit einem Zwangscurſe, und überhaupt die aller Handelseffecten, hat viel dazu beigetragen, die Schätzung der im Umlauf befindlichen Münzen zu erſchweren. Aber es iſt nicht nöthig, dieſe Thatſachen mit einer vollkommenen Ge⸗ nauigkeit zu kennen, um daraus Folgerungen von praktiſchem Nutzen zu ziehen. Die Hauptſache iſt, zu wiſſen, durch welche Zeichen ſich der Ueberfluß oder der Mangel an Geld kund gebe; denn dieſe Zeichen ſind bisweilen ſehr trügeriſch. So iſt in den Ländern, wo eine große Handelsthätigkeit herrſcht, das Geld faſt beſtändig im Umlauf; und es bedarf wenigern Gelds, als man glaubt, um den Bedürfniſſen der Geſchäfte zu genügen*), während in andern Ländern, wo das Geld in Fülle iſt, wo aber die Handelsgeſchäfte ruhen, man glauben ſollte, daß das Geld ſehr ſelten iſt, weil es nicht umläuft. In dem Maaße der öffentliche Wohlſtand wächſt, gibt es einen Theil edler Metalle, welcher in Werken von der Hand der Goldſchmiede angelegt wird, und welcher aufhört, die Function des Geldes zu haben. Unter andern Umſtänden ſinkt das Geld *) Jedermann weiß, daß in London eine Anſtalt unter dem Namen Clearing house beſteht, wohin die Handlungsdiener der verſchiedenen Ban⸗ quierhäuſer jeden Tag kommen, um die Rechnungen ihrer Herren durch einfachen Austauſch von Schuldforderungen abzuſchließen, deren Bilanz bloß in baarem Gelde berichtigt wird, wenn ſie nicht beträchtlich iſt. Ei⸗ nige tauſend Franes genügen ſo, um Handelsgeſchäfte, welche ſich auf mehre Millionen belaufen, zu erledigen. —ͤͤͤͤͤ — 288— in ſeinem Preiſe in Folge ſeines Ueberfluſſes, und mehre Berg⸗ werke werden dann nicht mehr gebaut, die es früher waren, bis ſich wieder ein Gewinn zeigt, ihren Bau wieder zu eröff⸗ nen. Es iſt nothwendig, alle dieſe Wechſel bei der Unterſu⸗ chung der Münzfragen in Anſchlag zu bringen; allein die ge⸗ naue Kenntniß des von jeder Nation beieſſenen Geldes iſt zu ihrer Löſung unnütz. Niemand zweifelt daran, daß in den ſchönſten Tagen des römiſchen Kaiſerreiches, damals, als man das jährliche Staats⸗ einkommen auf ungefähr eine Milliarde ſchätzte, eine un⸗ geheure Maſſe Geldes im Umlauf war, und doch beſtand die Induſtrie nicht. Das Geld kam durch den Raub ein*) und ging durch Verſchwendungen hinaus. Das Wenige, welches die Römer aus Bergwerken bezogen, verdankte man der Arbeit der Sklaven, wie in Griechenland, und es ſcheint nicht, daß man ein großes Gewicht darauf gelegt habe, ſelbſt wenn der Bau derſelben an Conceſſionäre verpachtet und zum Vortheil der Kaiſer geregelt worden war. Allein ſchon machte ſich die Zunahme des Geldes in den Preiſen bemerkbar, und wir ha⸗ *) Das bezeugen folgende Verſe aus der Pharſalia des M. Ann. Lucanus bei dem Anlaſſe der Wegnahme des in dem Tempel des Satur⸗ nus niedergelegten Schatzes durch Julius Cäſar: „Tum rupes Tarpeja sonat, magnoque reclusas Testatur stridore fores: tunc conditus imo Eruitur templo, multis non tactus ab annis Romani census populi, quem punica bella Quem dederat Perses, quem victi praeda Philippi, Quod tibi, Roma, fugà populus trepidante reliquit; Quod te Fabricius regi non vendidit auro; Quidquid parcorum mores servastis avorum; Quod dites Asiae populi misere tributum, Victorique dedit Minoia Creta Metello; Quod Cato longinqua vexit per aequora Cypro. Tunc orientis opes, captorumque ultima regum, Quae pompeianis praelata est gaza triumphis Egeritur: tristi spoliantur templa rapinâ; Pauperiorque fuit tunc primum Caesare Roma.“ ben ein welchen genſtͤn ten. 6 Schran Untern nen d ſo hat Bergl Gleich de b fuß au und vir welche ſ biets er rius*¹ Brand nonen achtog Thror der E Fran Nu hen 30 dererzi Bericht liefert he von Herc Uebertreit ten Gera wir gewe Reichthur — *) Jaco *9) Sueic dlanqui, 6 hre Berg⸗ er waren, zu erdf⸗ Unterſu⸗ n die ge⸗ es iſt zu Tagen des che Staats⸗ eine un⸗ beſtand die ein*) und e, welches der Arbeit nicht, daß wenn der m Vortheil hte ſich die nd wir ha⸗ des M. An. el des Satur⸗ — 289— ben einige Mühe, den ungeheuern Preisſatz zu begreifen, zu welchem in Rom, ſelbſt von der Zeit Cicero's an, eine Menge Ge⸗ genſtände für den gewöhnlichen Verbrauch ſich erhoben hat⸗ ten. Später nöthigte die kaiſerliche Habſucht, welche alle Schranken überſchritt, die Bürger, in den Bergwerken wie bei Unternehmungen für den öffentlichen Nutzen, nach Art der Froh⸗ nen des Mittelalters, zu arbeiten*), und dieſes Syſtem war ſo hart, daß unter dem Kaiſer Valens ganze Legionen von Bergleuten ſich dem Einfall der Gothen in Dacien anſchloſſen. Gleichwohl war die Anhäufung der ungeheuern Kapitale, welche die Häupter der römiſchen Ariſtokratie hatten, nicht ohne Ein⸗ fluß auf die herrliche Entwickelung des Wohlſtands des Reichs, und wir können nicht zweifeln, daß die meiſten der Städte, welche ſich wie durch einen Zauber auf allen Punkten des Ge⸗ biets erhoben, ihr Gedeihen dieſer Urſache verdankten. Tibe⸗ rius**) war reich genug, um zur Unterſtützung der durch Brand Verunglückten eine Summe von ungefähr zwanzig Mil⸗ lionen unſeres Geldes zu vertheilen. Hadrian gab ungefähr achtzig Millionen unſerer Francs als Geſchenke aus, um die Thronfolge dem Commodus zu ſichern; und der Kaiſer Alexan⸗ der Severus zahlte nicht weniger als fünfunddreißig Millionen Francs als Gnadengelder bei ſeinem Regierungsantritt. Nur ein Umſtand ſcheint uns gleichwohl geeignet, den Glau⸗ ben zu erſchüttern, welchen man bis auf dieſen Tag den Wun⸗ dererzählungen der Geſchichtſchreiber geſchenkt hat, die uns den Bericht von den durch die Römer aufgehäuften Millionen über⸗ liefert haben; nämlich der Umſtand, daß man in den Ruinen von Herculanum und Pompeji nichts gefunden hat, was dieſe Uebertreibungen rechtfertigen könnte. Faſt alle dort geſammel⸗ ten Geräthe waren von Eiſen oder Bronze, ſogar jene, welche wir gewöhnlich von Silber machen, und gleichwohl zeigte der Reichthum und die Pracht der Gemälde, der Hausgeräthe, der *) Jacob, on precious metals, Vol. I., p. 174. *) Suetonius, Vita Tiberii. cap. XX. Blanqui, Geſchichte d. polit. Oekonomie. I. Bd. 19 — 299— Statuen hinlänglich, daß man in Räume gedrungen war, welche ehemals von reichen Familien bewohnt worden waren. Sollten zwiſchen dem Geld und dem verarbeiteten Metall ſolche Unterſchiede beſtanden haben, daß man das letztere immer in Münze verwandeln mußte, oder muß man den Metallreichthum der Römer auf beſcheidenere Verhältniſſe zurückführen? So viel iſt gewiß, daß dieſer Reichthum ſehr beträchtlich war; denn es genügte ſchon die Verlegung des Sitzes des Reichs nach Conſtantinopel, um auf eine ſehr ernſte Weiſe den Reich⸗ thum des Abendlandes zu ſchwächen. Die Kapitale wanderten mit den großen Familien, mit ihren Heeren von Sklaven aus, und Italien, welches der Garten Roms war, ſah ſeine Land⸗ häuſer durch die Auswanderungen an die Geſtade des Bospo⸗ rus verödet. Hr. Jacob*) hat in dieſer Beziehung eine Ue⸗ berſichtstafel über die Abnahme des Geldes in Rom von Au⸗ guſtus bis gegen das Ende des fünften Jahrhunderts heraus⸗ gegeben, eine Tabelle, aus welcher hervorgehen würde, daß die Minderung des Geldes von dem Beginn der chriſtlichen Zeitrech⸗ nung bis zum J. 482 in dem Verhältniß von 9 Milliarden bis zu 2 Milliarden Francs herab bewirkt worden iſt. Die Bewegung der Uebertragung des Geldes vom Abendland ins Morgenland, welche bis auf unſere Tage herab fortdauert, hatte gerade begonnen und iſt ſeither nicht wieder ſtill geſtanden. Seit dem Jahr 482 bis zum Ende des neunten Jahrhun⸗ derts ſank das Geld von zwei Milliarden auf weniger als eine Milliarde Franes, und ſogar auf 825 Millionen, nach den Be⸗ rechnungen des Hrn. Jacob. Das Auftreten der Mohammedaner genügt, um alle Arbeiten des Bergbaues einzuſtellen: zugleich geſtattet die furchtbare Verwirrung, welche in Europa ſeit der *) Man findet in der Historical inquiry into the production and con- sumtion of precious metais. London 1831. II. von demſelben Verfaſſer ein Preisverzeichniß von ungefähr vierhundert Conſumtionsartikeln unter der Regierung Diocletian's vom J. 301, zuſammengeſtellt von den H§H. Ves⸗ covali und William Banks. Dieſe Urkunde enthält Einzelnheiten vom höchſten Intereſſe für das Studium der Münzen und Preiſe. Invaſion nauigkeit Preiſe fluß der ter Men durch de den ſo garn, T ſcher er welche, ſegen, d Verwaltu Theil ſei fand, wel Maſſe de Zahl der in Nahr Goldes Len, wel deſſen! ſich die wenig Silber Regier! Ferner Gegenſta ſind die und deren üche buh welche g ſolche ſ durch kauften — *) 4 ggen war, en waren. etall ſolche immer in reichthum 7 lich war; s Reichs en Reich⸗ anderten zen aus, Land⸗ Bospo⸗ ne Ue⸗ dn Au⸗ heraus⸗ daß die eitrech⸗ n dis ha ewegung rgenland, e gerade Jahrhun⸗ als eine den Be⸗ nedaner zugleich ſeit der and coh- n Verfaſee tikeln unter en 99. Ves⸗ cejten vom —=n — — 291— Invaſion der Barbaren geherrſcht hat, nicht mehr mit Ge⸗ nauigkeit die Spur des Metallreichthums zu verfolgen. Die Preiſe ſinken immer mehr und mehr, ſei es durch den Ein⸗ fluß der Hörigkeit, welche eine Menge gegenwärtig gelohn⸗ ter Menſchen zu einer unentgeltlichen Arbeit nöthigt, ſei es durch den wachſenden Geldmangel. Man hört nicht mehr von den ſo reichen und ergiebigen Bergwerken in Oeſtreich, Un⸗ garn, Böhmen, Sachſen und Tyrol ſprechen. Die Staatsherr⸗ ſcher empfangen in Natur von ihren Vaſſallen die Abgaben, welche gegenwärtig in Geld entrichtet werden. Man hat ge⸗ ſehen, daß Karl der Große mit der bürgerlichſten Sorgfalt die Verwaltung ſeiner Domänen überwachte, und daß der groͤßte Theil ſeines Einkommens aus den materiellen Erzeugniſſen be⸗ ſtand, welche er von denſelben durch ſeine Pächter bezog. Die Maſſe des Volks hatte beſchränktere Conſumtionen, und die Zahl der Gegenſtände, welche ſie kaufte, beſtand hauptſächlich in Nahrungsmitteln. Man begreift, daß es nicht vielen Goldes oder Silbers bedurfte, um ein Stück Brod zu bezah⸗ len, welches einen Pfennig koſtete, oder ein Büſchel Gemüſe, deſſen höchſter Preis ſelten auf einen Sou ſtieg. So erklärt ſich die ungeheure Maſſe der Scheidemünze, welche in dieſen wenig gedeihlichen Zeiten dem Umlauf diente; die Gold- und Silberſtücke waren ſehr ſelten, und ihr Gehalt ſchwand von Regierung zu Regierung bis zur Dünne eines Papierblattes. Ferner waren die glücklichen Beſitzer dieſer edeln Metalle der Gegenſtand der Schmeichelei und des Neides; Zeugen dafür ſind die Juden, deren wirthſchaftliche Geſchichte wir entworfen, und deren Verfolgung wir erzählt haben. Adelige und Bürger⸗ liche buhlten gleichmäßig um ihre Gunſt: zumal die Adeligen, welche gieriger nach Genüſſen waren, und ſich das Mittel, ſich folche zu erwerben, durch Gefälligkeiten aller Art und ſogar durch Geſchenke an die Frauen dieſer verfluchten Ketzer er⸗ kauften*). — *) Agobardus, de insolentia Judaeorum, p. 144. 19. — 292— welche Die Anwendung der edeln Metalle war hauptſächlich im ren in Dienſt der Kirchen gebräuchlich, wo prächtige Gefäße, unge⸗„ man it heure Leuchter, Lampen, Geländer, Statuen von Gold und Mürze Silber glänzten. Die Feſtgewande der Prieſter erforderten alle auch bedeutende Mengen, und es erübrigte wirklich nur ſehr wenig nur na⸗ für die Prägung und Umſchmelzung der Münzen. Dieſe Mün⸗ geben! zen waren im Allgemeinen ſehr ſchlecht geprägt, und man darf Rrrafen wohl ſagen, wenn man die Fortſchritte der Goldſchmiedekunſt Thale in die gleiche Zeit mit dieſem Verfall der Prägekunſt fallen deſto ſieht, daß das Gold oder Silber damals keine andere Beſtimmung ſe, un mehr hatte, als zur Verfertigung von Schmuck oder heiligen Gefä⸗ ſolhe ßen zu dienen. Jedermann weiß, daß der heilige Aloyſius ane Ge ein großer Goldſchmied zur Zeit des Königs Dagobert war,.. wirdige wie es Alan von Walſingham bei den Engländern im Mittel⸗ den hre alter, und der berühmte Benvenuto Cellini in Italien in ei⸗ rungen nem uns näher ſtehenden Jahrhundert geweſen iſt. Als Ri— ungefät chard in Teutſchland*), Ludwig der Heilige in Egypten und 3 Cent der König Johann in England in Gefangenſchaft gerathen wa⸗. ter dor ren*), ſo konnte ihr Löſegeld nur dadurch aufgebracht werden, Naur daß man die Gefäße und Juwelen der Adeligen und Kirchen den, in Anſpruch nahm. Die Geſchichtſchreiber des ſächſiſchen Zeit⸗ warer raumes in England ſprechen oft von einer lebenden Münze n (living money), welche durch das Geſetz anerkannt war, und berlir einget *) Die Geſchichtſchreiber ſchätzen das Löſegeld Richards auf fünf Mil⸗ angefäͦ lionen unſerer Francs. Faſt der ganze Metallreichthum der Barone und von 4 Kirchen wurde dazu verwendet. was ein **) Das Löſegeld für den König Jobann wurde zu mehr als dreißig des dan Millionen unſerer Francs beſtimmt. Man zahlte Anfangs einen Fünf⸗ nch ſar theil, welcher ſo übermäßig erſchien, daß es unmöglich geweſen ſein würde, 10 Fu die übernommene Verbindlichkeit zu erfüllen, wenn man ſich nicht an die. Juden gewendet und ihnen Privilegten gewährt hätte. Der Nachfolger folgend des Königs Johann war ſo arm, daß er ſich gezwungen ſah, die Ausga⸗ Johan ben ſeines Hauſes in einer leicht verſilberten Bleimünze zu beſtreiten. Die einen Zieler für die Zahlung des Löſegeldes Johann's wurden nach einander Norge hinausgeſchoben, und Frankreich ſchuldete noch das letzte Fünftheil vierzig die E Jahre nach dem Vertrag, als ein neuer Krieg mit England ausbrach. ————— hlich in ,, unge old und erderten rwenig Nin⸗ an darf edekung t fallen mmung Gefä⸗ oyſius war, dittel⸗ in ei⸗ 3 Ri⸗ und wa⸗ erden, Kdirchen en Zeit⸗ Münze ar, und Mi⸗ ne und dreißig Fürf⸗ würde, t an die jachfolger e Ausga⸗ eiten. Die ˖einander heil vierzig sbrach. — 293— welche darin beſtand, jede Art der in Umlauf geſetzten Waa⸗ ren in Sklaven und Vieh(cuttle) zu bezahlen. Später ließ man in dem Maaß, wie das Geld wieder erſchien, die lebende Münze nur noch zu, um die Reſte auszugleichen, und in dieſem Falle konnten die Pferde, Ochſen, Kühe, Hämmel und Sklaven nur nach einer übereingekommenen Schätzung an Zahlungsſtatt ge⸗ geben werden. Die durch den Staat oder die Kirche auferlegten Geld⸗ ſtrafen waren allein ausgenommen und nach Willkür entweder in Thalern, oder in lebenden Weſen zahlbar. Man muß nichts deſto weniger der Kirche die Gerechtigkeit widerfahren laſſen, daß ſie, um den Sklavenhandel zu entmuthigen, ſich zuletzt weigerte, ſolche als Zahlung anzunehmen. Der Doctor Henry hat uns eine Geſchichte Englands hinterlaſſen, in welcher ſich mehre merk⸗ würdige Schätzungen des der Münze unſerer Tage entſprechen⸗ den Preiſes der lebenden Münze finden. Nach ſeinen Berech⸗ nungen war der Tarifſatz für einen Sklaven im Jahr 997 ungefähr 70 Francs, einer Kuh 8 Francs, eines Hammels 1 Fr. 50 Cent. Man weiß aus den Rechnungen, welche in dem Mün⸗ ſter von Straßburg aufbewahrt ſind, daß die Tagelöhne der Maurer, welche zum Bau dieſes Denkmals verwendet wur⸗ den, 3 bis 4 Centimen unſeres Geldes(1 oder 2 Pfennige) waren. Unter der Regierung Karls des Großen beſtand der Sil⸗ berlivre aus zwölf Unzen Metalls; er war in zwanzig Sous eingetheilt, jeder zu zwölf Deniers, und der Denier entſprach ungefähr 6 Sous unſerer gegenwärtigen Münze. Das Brod von 4 Pfunden wurde für weniger als 5 Centimes verkauft, was einen ziemlich richtigen Begriff von der geringen Menge des damals im Umlauf befindlichen Geldes gibt. Nach und nach ſank der Livre Karls des Großen von 80 Francs auf 10 Francs, auf welchen Stand er durch die auf einander folgenden Verſchlechterungen unter der Regierung des Königs Johann herabgekommen war. Allein die Kreuzzüge ließen einen Theil der edeln Metalle, welche den Weg nach dem Morgenland genommen hatten, in's Abendland zurückſtrömen. Die Eroberung Conſtantinopels durch die Kreuzfahrer veran⸗ —- 294— des Mid laßte eine ungeheure Theilung der Beute, und Gibbon ver⸗ Kand, ſichert, daß der Kaiſer Alexis dem Markgrafen von Mont⸗ inr E ſerrat die ungeheure Summe von 1600 Pfund Goldes zahlte. rithen Gleichwohl darf man glauben, daß bei der Gründung des Hofmr Reichs von Jeruſalem die Einkünfte des Lands zur Unterhal⸗ lin 6 tung der Regierung nicht hinreichten, und daß Europa jedes bat, Jahr beträchtliche Summen liefern mußte, um ſie zu beſtreiten, ne was die genaue Berechnung der Menge des in dieſer Zeit umlau⸗ 8 ſi fenden Geldes ſehr erſchwert. Alles, was man weiß, iſt, daß de nach dem Aufſchwunge, welcher aus den großen Heerfahrten Se und den Lieferungen der Lebensmittel nach dem heiligen Land Gelde hervorging, die Sachen wieder ihren gewohnten Gang nah⸗ deloe men, und daß die Minderung des Geldes ſich fortwährend in lich get allen Ländern Europa's bemerkbar machte.* ſic, un Die Entdeckung der Bergwerke der neuen Welt hemmte plötz⸗ falen, lich dieſe Minderung. Die Metallmaſſen, welche dieſe Berg⸗. ſcaſt werke in den Umlauf ergoſſen, ſtiegen in wenigen Jahren auf den iberei zwölffachen Betrag des geſammten früher vorhandenen⸗Geldes, Preiſe zumal nach der im J. 1545 geſchehenen Auffindung der Berg⸗ 4 ac d werke Potoſi's, der ergiebigſten von allen. Alsbald ſah man die La Preiſe raſch ſteigen, und der mittlere Jahresertrag der Berg⸗ ein werke läßt ſich auf mehr als 60 Millionen Francs von 1546 zei bis 1600 anſchlagen. Von 1600 bis 1700 ſtieg dieſer Ertrag lih jährlich auf ungefähr 80 Millionen; und von 1750 bis 1800 hat er die Einfuhr des amerikaniſchen Geldes nach Europa ſtändig für bers das Jahr die Summe von 180 Millionen überſchritten. Aber nuf n vorzüglich von 1800 bis 1810 war die Zunahme am beträcht⸗ ret lichſten, weil ſie nach den zuverläſſigſten Quellen auf 250 Mil⸗ Jlich lionen Franes angeſchlagen worden iſt. Man ſollte bei der wirker erſten Anſicht der Sache glauben, daß eine ſo raſche Zunahme de hätte ein entſprechendes Steigen in den Preiſen veranlaſſen, dier und urplötzlich die Verhältniſſe und den Lohn der Arbeit än⸗ d dern ſollen; allein dieſes geſchah gar nicht. Die Fortſchritte der conr Induſtrie, die mit der Entdeckung der Bergwerke in die gleiche Zeit fielen, forderten die Anwendung einer größern Summe— Geldes, und es bedurfte deſſen um ſo mehr, als der Preis. Gibbon ber⸗ von Moni⸗ oldes zahle ündung des e Unterhal⸗ tropa jedes beſtreiten, beit umlau⸗ , it, daß Heerfahrten ligen Land ſng nah⸗ prend in ie plötz⸗ e Verg⸗ auf den Geldes, * Verg⸗ wan die er Berg⸗ von 1545 er Ertrag 51800 hat indig für 7. Aber getrͤcht⸗ 60 Mil⸗ bei der zunahme ranlaſſen, erbeit än⸗ hritte der die gleich en Summe der Preis — 295— des Münzmetalls ſchon durch ſeinen Ueberfluß ſank. Der Wohl⸗ ſtand, der allgemeiner geworden war, geſtattete vielen Leuten, ihr Erſparniſſe in Ankäufen von goldenen und ſilbernen Ge⸗ räthen anzulegen. Da die Entdeckung des Vorgebirgs der guten Hoffnung unmittelbare Verbindungen mit dem aſiatiſchen Feſt⸗ land eröffnete, das an die Einfuhr von Gold und Silber gewöhnt war, ſo hinderte ſie die neue Münzumwälzung, auf die Preiſe eine Rückwirkung auszuüben, welche in Europa ohne dieſe Di⸗ verſion hätte gefährlich werden können. So machte ſich in dem Maaß, in welchem die Maſſe des Geldes ſtieg, das Bedürfniß darnach lebhafter fühlbar; Han⸗ delsgeſchäfte, welche bis dahin ſehr ſchwierig oder gar unmög⸗ lich geweſen waren, zogen eine beträchtlichere Maſſe deſſelben an ſich, und hinderten es, im Preiſe nach dem nämlichen Verhältniß zu fallen, in welchem ſein Ueberfluß angewachſen war. Die Wirth⸗ ſchaftsgelehrten ſtimmen übrigens nicht rückſichtlich der Erhöhung überein, welche aus dieſem Sinken des Preiſes des Geldes in dem Preiſe der Waaren erfolgte. Adam Smith*) ſchlägt ſie nur auf das Dreifache an, während der Marquis von Garnier glaubt, daß ſie um das Doppelte beträchtlicher war. Durch ein wahrhaft merkwürdiges Zuſammentreffen war dieſes der Zeitpunkt, den die meiſten Staatsherrſcher wählten, um künſt⸗ lich den Preis der Münzen zu heben. Königliche Edicte hat⸗ ten in Frankreich den Zahlungswerth der Mark gemünzten Sil⸗ bers auf 16 und 18 Livres angeſetzt, ſtatt der 8— 10 Livres, auf welche ſie in den erſten Jahren dieſes Jahrhunderts berech⸗ net wurde. Die Wirkung dieſer beiden Urſachen, welche zu⸗ gleich auf den Nennpreis aller Dinge allgemeiner Verzehrung wirkten, erzeugte ein Steigen, welches ſie 10— 12fach theu⸗ rer erſcheinen ließ, als ſie es früher waren. Man wußte nicht, wie man dieſe commercielle Erſcheinung erklären ſollte, welche der Gegenſtand einer Denkſchrift wurde, unter dem Titel: Dis- cours sur pexcessive cherté, présenté à la Reine, mère *) Von dem Nationalreichthum. B. I. H. V. — 296— du Roi, par un sien fidéle serviteur*). Der Verfaſſer Dieſe Ech dieſes Aufſatzes geht hier in den größten Einzelnheiten den Preis dern Curo des Getreides, der Fleiſcharten, des Obſtes, der Gemüſe, des Gold der n Futters und anderer Gegenſtände täglichen Verbrauches durch; zier verte den Satz der Gehalte, Löhne, Taglöhne der Arbeiter im Win⸗ welches F ter und Sommer, ſo wie dieſe Preiſe 60 oder 70 Jahre früher der Negier beſtanden; und er behauptet, daß in dem Augenblick, wo er dieſes Buch ſchreibt, die meiſten dieſer Preiſe ſich 10— 12 Male vertheuert zahren, d haben.„Was die Liegenſchaften betrifft, ſagte er, ſo unter⸗ ſuche man die Häuſer, Lehne, Herrſchaften, Ackerland, Wie⸗ ſen, Weingärten und andere Güter, an welchen man ſeit 60 mi andemn .... dieſes ſo for⸗ Jahren Nichts erweitert hat, und man wird ſehen, daß ſie gegen⸗ tin Ffund. wärtig um einen ſechs Mal höhern Preis verkauft werden, als Nun frdet ſie früher verkauft wurden**).“„ NIſ wie ſch i ſſer eines Re . 1 de Espanna, 2*) Motes de 12 traduction A Adam Smith, par Garnier, tome V. p. 191. führe ditel **) Die nämlichen Klagen ließen ſſch damals in England vernehmen. e bs lodias Man bemerkt in einer Predigt, gehalten von dem Biſchof Latimer unter der le, nin l Regierung Eduards VI., die merkwürdigen Worte, welche ich getreu in der a lo d naiven Sprache des Zeitraums herſchreibe: h 4 „The phisician, if the poor man be diseased, he can have no help on eied de without too much; and of the lawyer the poor man can get no Muein 4e counsell, expedition, nor help in this matter, except he give him widoa too much. You landlords, you rentraisers, Jmay say you step- ls recjos lords, you unnatural lords, you have for your possessions yearly hombres ol too much. Poor men, which live of their labour, cannot, with las grandes the sweat of their face, have a living; all kinds of victuals are huhiesg tan so dear, pigs, geese, capons, chickens, eggs etc.! These things with faellmele ꝗ others are so unreasonably enhansed and J think, verily, chat if thus Eo if vahr, continued, we shall at length be constrained to pay for a pigge a u kufen yfegt pound.“ Teutſch:„der Arzt, wenn der arme Mann erkrankt iſt, kann drei Nal ſ bie keine Hilfe haben ohne gar zu Vieles, und von dem Nechtsgelehrten kann ſo viel als je der arme Mann keinen Rath, keine Ausfertigung erlangen, noch Hilfe in Realen i Dun dieſem Streit, außer er gibt ihm zu viel. Ihr Gutsbeſitzer, ihr Zinserheber, Siler und 6 ich möchte ſagen, ihr Stiefherren, ihr unnatürlichen Herren, ihr habt für fiiggen, vas euere Beſitzungen jährlich zu viel. Arme Menſchen, welche von ihrer Ar⸗ Dingen einge beit leben, können nicht mit dem Schweiß ihres Angeſichts einen Lebens⸗ Nenſchen zuſ unterhalt gewinnen; alle Gattungen von Lebensmitteln ſind ſo theuer, Fer⸗ macht iſ, die kel, Gänſe, Kapaunen, Hühnchen, Eier, u. ſ. f.! Dieſe Dinge haben ſich weil fruͤher, Blancas leichte ———— Varfaſer den Preis emüſe, des hes durch; rim Win⸗ re fruͤher k, wo er vertheuert ſo unter⸗ nd, Wie⸗ n ſeit 60 ie gegen⸗ en, als . p. 191. nehmen. nter der in der no helo a get no give him du step- s yearly öt, witk uals aro igs with if thus gge à , kann en kann Hilfe in zerheber, habt für ihrer Ar⸗ en Lebens⸗ euer, Fer⸗ haben ſich — 297— Dieſe Erhöhung des Preiſes der Dinge tritt in allen Län⸗ dern Europa's in dem Maaße hervor, als das Silber und Gold der neuen Welt ſich dort durch die Vermittelung der Spa⸗ nier verbreitete. Man findet in dem secret des finances, welches Fromenteau zugeſchrieben wird, daß ſeit dem Ende der Regierung Ludwigs XII. bis zum Jahre 1581, in welchem dieſes Buch gedruckt wurde, d. h. in einem Zeitraum von 75 Jahren, die Staatsabgaben ſich um mehr als das Fünffache mit andern ſo übermäßig vertheuert, und ich glaube wahrhaft, daß, wenn dieſes ſo fortgeht, wir endlich werden genöthigt ſein, für ein Ferkel ein Pfund zu bezahlen.“ Man findet die nämlichen Klagen in den ppaniſchen Schriftſtellern. Man leſe, wie ſich über dieſen Gegenſtand der Pater D. Sancho de Moncada, Ver⸗ faſſer eines Werkes ausſpricht, welches den Titel hat: Restauracion politica de Espanna, das ziemlich gut die Staatswirthſchaft jener Zeit auffaßt; ich führe die Stelle wörtlich an:„Es verdad, que antes del descubrimiento de las Indias solia comprarse por un quarto lo que ahora por seis rea- les; valia el cobre tres tanto mas que ahora la plata, pues pesaba un quarto lo que ahora un real de à dos; y ansi, mas rico estaba uno con cien reales en quartos que ahora con cinco mil. X con la abon- dancia de plata y oro ha baxado su valor, y conseguientemente ha subido el de lo que se compra con la moneda;; asi se introducen al- tos precios en todas las cosas, y faltando la plata y oro, quedan los hombres obligados à tan grandes gastos, imposibilitados de alcanzar las grandes cantitades que son menester para ellos; porque antes que hubiese tanta plata, un pobre hallaba un quarto en ocho blancas, mas facilmente que ahora dos reales en diez y siete quartos.“ Teutſch: „Es iſt wahr, daß vor der Entdeckung Indiens man für einen Quarto das zu kaufen pflegte, was man jetzt für ſechs Realen kauft; es war das Kupfer drei Mal ſo viel werth, als jetzt das Silber gilt; ſodann wog ein Quarto ſo viel, als jetzt ein Reale bis zwei, und ſo war Einer reicher mit hundert Realen in Quartos, als jetzt mit fünf tauſend. Und mit dem Ueberfluß von Silber und Gold iſt ihr Preis geſunken, und folgeweiſe der desjenigen ge⸗ ſtiegen, was um Geld gekauft wird; und ſo werden hohe Preiſe in allen Dingen eingeführt, und wenn das Silber und Gold mangelt, bleiben die Menſchen zu ſo großen Ausgaben genöthigt, daß es ihnen unmöglich ge⸗ macht iſt, die großen Mengen zu erwerben, welche für ſie nothwendig ſind; weil früher, ehe es ſo viel Silber gab, ein Armer einen Quarto in acht Blancas leichter fand, als jetzt zwei Realen in ſiebenzehn Quartos.“ — 298— eerhöht hatten; als die nämliche Zunahme ſich in den andern Boddderer Ländern bemerkbar gemacht hatte, zeigte ſich eine ſtarke Nach⸗ aine geh frage nach Arbeit, um ſie zu erſchwingen, und vielleicht eben den de 9e ſo ſehr aus dieſem Grund, als in Folge der Entwicklung der meht ils Geſittung haben ſich die augenblicklich übertriebenen Preiſe zu⸗ welhen letzt in einer billigen Grenze erhalten, trotz der künſtlichen Alein Steigerung der Ziffer der Münzen, durch die Münzverſchlech⸗ verlaufen. terungen und ihrer wirklichen Steigerung durch die Einfuhren. von einen Alle Gewohnheiten wechſeln; kühne Unternehmungen werden ten, che ausgeführt, neue Bedürfniſſe melden ſich an mit der Möglich⸗ wit dem keit ſie zu befriedigen; größere Tauſchmittel erleichtern den geſett ha Handel und die Speculationen. Dennoch wären, wenn Ame⸗ wie die E rika nicht entdeckt worden wäre, die Gold⸗ und Silberſtücke Awahl Ar weniger zahlreich geweſen; allein ſie hätten einen größern Preis 8 Erzeugriſe gehabt; es würden zwiſchen den Waaren und der Münze Ver⸗ V rufen wurd hältniſſe beſtanden haben, ganz verſchieden von jenen, welche wie, faatt gegenwärtig beſtehen; man hätte mehre Sachen für weniger den gewi Geld erlangt; allein die Gütererzeugung wäre in Ermangelung Jeitgenoſſe der Capitale lange hin ſchwach geblieben, und die Geſittung deche r hätte mit ihr geſtockt. Dieſes beweist der Umſtand, daß der ces ind durch die Vermehrung der edeln Metalle der Arbeit gegebene reich, E Schwung nicht bei dieſem erſten Schritt ſtehen geblieben iſt.. merkwüt Bald hat das Geld nicht mehr genügt, die Wechſel, die Scheine gen, we der Umſchreibe⸗ und Zettelbanken, und alle Anſtalten des öffent⸗ eingegeb lichen und Privatcredits haben die Maſſe der Tauſchmittel ver⸗ als man mehrt, und durch ſie die Arbeit auf die höchſte Stufe geführt. ſöwierin Man muß nicht an Abſtraktionen hängen: die Fülle oder und Waar der Mangel an Geld kann nie eine iſolirte Thatſache bleiben, värei, nae das Gleichgewicht ſtrebt ſich unabläſſig herzuſtellen. Als das Getredes! Metallgeld in Spanien ſich anhäufte, erregte es dort eine leb⸗ hafte Luſt zur Verzehrung, indem es den Bürgern dieſes Lan⸗— des die nöthigen Gelegenheiten eröffnete, ſich aus den Nach⸗ 1*) dien barländern alles zu verſchaffen, was ihrem Geſchmack ſchmei⸗ der Regiern cheln und ihre Bedürfniſſe befriedigen konnte. Europa begann conceipie t für ſie zu erzeugen und faſt während eines halben Jahrhun⸗ hat die For ein Naͤter, derts geboten ſie allein die Arbeit, und waren die mächtigſten vunes den andern farie Nach⸗ elleicht eben icklung der Neeiſe zu⸗ künſtlichen zerſchlech⸗ Einfuhren. gen werden eer Möglich⸗ ichtern den venn Ame⸗ dilberſtücke geern Preis ünze Ver⸗ en, welche ir weniger nangelung Geſtung d. doß der eit gegebene geblieben iſ. „die Scheine en des öffent⸗ chmittel ver⸗ gfe geführt. Fülle oder che bleiben, . Als das zrt eie led⸗ dieſes Lan⸗ us den Nach⸗ hmadh ſchmei⸗ guropa begaue lben Jahrhun⸗ die nichtgſten — 299— Beförderer des Gewerbfleißes. Es geſchah durch ihre Händ eine ungeheure Vertheilung der Löhne, und die Arbeiter wag⸗ ten die Hoffnung zu erſchauen, vermittelſt ihres Lohnes etwas mehr als das trockne Stück Schwarzbrod zu erlangen, von welchem ſie bisher gelebt hatten. Allein eine ſolche Umgeſtaltung konnte nicht ohne Schmerz verlaufen. Die erſten Zeiten waren hart für alle jene, welche von einem feſten Einkommen oder einem beſtimmten Lohne leb⸗ ten, ehe das Steigen des Pachtpreiſes oder des Lohnes ſich mit dem Steigen des Preiſes der Dinge in Uebereinſtimmung geſetzt hatte. Die Zunahme des Geldes wirkt in dieſer Lage, wie die Erfindung einer Maſchine, welche Anfangs eine gewiſſe Anzahl Arbeiter brodlos macht, bis die Nachfrage nach den Erzeugniſſen, welche durch das Sinken der Preiſe hervorge⸗ rufen wurde, ihnen wieder Arbeit gegeben hat. Dieſes erklärt, wie, ſtatt ſich über einen Umſtand zu freuen, welcher nach den gewöhnlichen Anſichten Jedermann bereichern ſollte, die Zeitgenoſſen blos ſich von der Vertheurung ergriffen fühlten, welche ihnen das Leben härter machte. Man hat geſehen, wel⸗ ches in dieſer Beziehung der Stand der Meinung in Frank⸗ reich, England und Spanien war, und man könnte ein ſehr merkwürdiges Buch aus allen den Jeremiaden zuſammen tra⸗ gen, welche durch dieſe Erſcheinung des Steigens der Preiſe eingegeben wurden, und über welche man um ſo mehr erſchrack, als man ſie gar nicht verſtand*). Und in der That, es war ſchwierig, ſich zu erklären, wie die Preiſe der Lebensmittel und Waaren hatten ſo ſteigen können, da dieſe weder ſeltener waren, noch auch mehr geſucht wurden. Die nämliche Menge Getreides wurde ſtets gegen eine Kuh oder eine beſtimmte An⸗ *) Die merkwürdigſte dieſer Schriften iſt ſicher jene, welche 1581 unter der Regierung der Königin Eliſabeth unter dem Titel erſchien: A briefe conceipte tothing the commonwealth of uchis realme of England. Sie hat die Form eines Zwiegeſprächs, in welchem ein Grundeigenthümer, 8 Pächter, ein Kaufmann, ein Fabricant und ein Gottesgelehrter vor⸗ ommen. 7 — 300— zahl von Hämmeln ausgetauſcht; als man aber den Preis die⸗ ſer Waaren vermittelſt des Geldes meſſen mußte, waren die Verhältniſſe nicht mehr dieſelben; der Käufer beklagte ſich, mehr Geld geben zu müſſen, und vergaß dabei, daß, wenn er Verkäufer wurde, er dafür auch mehr empfing. Dennoch ſah Jener, welcher mehr erzeugte, als er verzehrte, ſeine Gewinnſte ſteigen, wenn er ſie in Geld berechnete, während Jener, wel⸗ cher ſich in der entgegengeſetzten Lage befand, der bloße Zeh⸗ rer, mit Bitterkeit ſeinen Verfall im Hinblick auf ſein bei dem Steigen der Preiſe unbewegliches Einkommen gewahrte. Allein da in einer organiſirten Geſellſchaft Jedermann zugleich Er⸗ zeuger und faſt in denſelben Verhältniſſen wie Verzehrer iſt, ſo wurde die Unbehaglichkeit mit jedem Tag minder beträcht⸗ lich, und das Gleichgewicht führte den Wohlſtand herbei. Das Geld ſank ungeſäumt im Preis, wie es an Maſſe zunahm, und die Weihſage des Biſchofs Latimer, daß ein Ferkel bald mehr als eine Guinee koſten würde, trat genau in Erfüllung. Es geſchah in Europa, was in jedem Land ge⸗ ſchieht, wenn der Zufluß des Geldes Dinge unternehmen läßt, an welche man nicht gedacht hätte, wenn dieſer Zufluß nicht geſtattet hätte, ſie auszuführen. Hr. v. Humboldt hat auf die ungeheure Summe von dreißig Milliarden den Ertrag der Bergwerke der neuen Welt ſeit ihrer Entdeckung bis auf unſere Tage berechnet. Ohne auf bloſes Ver⸗ trauen hin eine ſo hohe Ziffer zuzugeben, glauben wir, daß es nichts weniger als der Ergiebigkeit dieſer Bergwerke bedurfte, um den Bedürfniſſen des Umlaufes zu genügen, ſobald die Arbeit in Europa durch die Einfuhr ihrer erſten Erzeugniſſe angeſpornt worden war. Der Wohlſtand Englands, Hollands, Teutſchlands, Frankreichs, und ſelbſt Rußlands müſſen dem gewerblichen Aufſchwung zugeſchrieben werden, welchen dieſe verſchiedenen Länder von den Sendungen des americaniſchen Geldes gegen ihre Rohſtoffe oder ihre Fabrikate empfangen haben. Als der Unabhängigkeitskrieg dadurch, daß er die Arbeiten des Bergbaues in Peru und Mexico ausſetzte, die Gewinnung der edeln Metalle auf den Drittheil deſſen beſchränkte, was ſie vor⸗ er bettagen de Wervoll dn Credit Dienſte der wilzung i der Entdeck menden Ve wenn wan Waaren! ſo wird des von 1 Rvon enf nit dem göglice zach dem beträchlich der franzo hatten, we drer e, hed die Gew breitet, bers jed haltung elben in mit Recht lionen den Europa S. 188 der E Francs ge Fabricatio als hunden So begin des 15. 3. ſich zurück Reharrlichte reis die⸗ waren die klagte ſic, , wenn er ennoch ſah Gewinnſte ener, wel⸗ bͤloße Zeh⸗ ein bei dem rte. Allein ggleich Er⸗ rzehrer iſt, betraͤcht⸗ bei. Das zunahm, Ferkel rat genau Land ge⸗ omen läͤßt, wuß vicht von dreißig elt ſeit ihrer bloſes Ver⸗ vir, daß eu e hedurfte, obald die tzeugiſe Hollands, üſſen dem ſchen dieſe ricaniſchen igen haben. rbeiten des innung der vas ſit vor⸗ — 301— her betragen hatte, ſo ergänzte Europa dieſen Ausfall durch die Vervollkommnung des Credits und durch die Vermehrung der Creditpapiere jeder Art, welche zum Zweck haben, die Dienſte der Münze zu erſetzen oder zu ergänzen. Dieſe Um⸗ wälzung, im Gegenſatz von jener, welche auf die erſten Zeiten der Entdeckung folgte, dauert gegenwärtig in Folge der zuneh⸗ menden Verminderung der edeln Metalle fort. In der That, wenn man die Maſſe der gegenwärtig im Umlauf begriffenen Waaren mit jener vergleicht, welche es vor 20 Jahren war, ſo wird man ſehen, daß es wenigſtens einer Zunahme des Gel⸗ des von 10 Procent bedurft hätte, um hier auszureichen. Weit davon entfernt, nimmt das Geld ab, und die Bevölkerung zu mit dem Bedürfniß des Geldes. Eine außerordentliche und plötzliche Urſache hat auch ſeit 1815 mitgewirkt, die Nachfrage nach demſelben zu ſteigern. Die Regierungen, welche eine beträchtliche Menge Papiergelds im Lauf der langen Kriege der franzöſiſchen Revolution und des Kaiſerreichs ausgegeben hatten, wollten es nach dem Frieden wieder einlöſen. Selbſt die americaniſchen Staaten, aus welchen Europa ſein Geld zog, haben ſeit dieſer Zeit faſt nur von Anleihen gelebt; und die Gewohnheiten des Lurus haben ſich unter uns ſo ſehr ver⸗ breitet, daß eine ziemlich bedeutende Summe Goldes und Sil⸗ bers jedes Jahr auf Gegenſtände der Kunſt oder der Haus⸗ haltung verwendet wird. 30 Millionen Francs werden den⸗ ſelben in Frankreich gewidmet, und Hr. v. Humboldt glaubt mit Recht, daß man auf das Vierfache, d. h. auf 120 Mil⸗ lionen den analogen Verbrauch anſchlagen kann, welcher in Europa Statt findet. Hr. Huskiſſon gab an, daß im Jahr 1828 der Ertrag des Probiergefälles in England auf 2,625,000 Francs geſtiegen war, was ſchon in dieſem Lande allein eine Fabrication von goldenen und ſilbernen Geräthen von mehr als hundert Millionen Francs vorausſetzt. So beginnen die Strömungen des Geldes, welche ſeit dem Ende des 15. Jahrhunderts Europa fort und fort überfluthet haben, ſich zurückzuziehen. Die Reaction geſchieht langſam, aber mit Beharrlichkeit, und ſchon ſehen ſich die auf der Bahn der In⸗ - 302— duſtrie und des Handels am weiteſten vorangeſchrittenen Län⸗ der genöthigt, vom Credit zu fordern, was die Bergwerke dem Begehr ihrer Bedürfniſſe nicht mehr liefern. Das Gold und Silber ſuchen küͤnftighin in den Handelsgeſchäften die Rolle zu ſpielen, welche die Reſervefonds in den Discontobanken gegenwärtig übernehmen. Ein allgemeines clearing house wird früh oder ſpät entſtehen, um ſämmtliche Handelsgeſchäfte durch Ausgleichungen von Schuldforderungen zu regeln, und man wird ſich Ricardo's Utopien verwirklichen ſehen, daß das Geld nur als Papier ſeine wahre Beſtimmung erfülle. Finden wir dafür nicht ſchon den Beweis in den Geſchäften der Banken Frankreichs, Englands und der Vereinigten Staaten? Was iſt das Anderes, als eine Anſtalt, welche für ſieben oder acht hun⸗ dert Millionen im Jahr vermittelſt eines Geſellſchaftsfonds von hundert Millionen Baarſchaft discontirt, deren vierter Theil für die geforderten Heimzahlungen hinreichen würde? Das Geld ſpielt künftighin nur noch eine ſecondäre Rolle, und obwohl ſein Preis durch die Beſchränkung des Ertrags der Bergwerke und durch die Zunahme der Handelsbedürfniſſe ſcheinbar wachſen ſollte, ſo ſucht doch das Papiergeld es zu entwerthen, und ſeinen Platz auf allen Märkten der Welt einzunehmen. Der Wechſel läuft überall um, vorziehbar den Thalern, weil er bequemer iſt, und weil er in dem Umlauf weniger Gefahr läuft. Dieſe Münzumwälzung, in Europa faſt vollendet, wird nicht mehr die Wiederkehr der Münzverſchlechterungen und Betrüge⸗ reien geſtatten, von welchen die Geſchichte der Völker ſo zahl⸗ reiche Beiſpiele gewährt. Durch viele Erfahrungen und Leiden hat man zuletzt die Nothwendigkeit einer unwandelbaren Ehr⸗ furcht für alle Elemente eingeſehen, welche zur Sicherheit des Tauſchverkehrs mitwirken. Völker und Könige ſind gegenwärtig von der verderblichen Wuth geheilt, in der falſchen Münze unſichere Hilfsquellen zu ſuchen, die immer eben ſo ſchmählich, als unfruchtbar ſind. Allein wer könnte die Mißgriffe und Beſchädigungen dieſer Art aufzählen, von welchen die Geſchichte ſeit der Entdeckung der neuen Welt ganz erfüllt iſt? Jene, welche keine Bergwerke hatten, bildeten ſich ein, daß ſie einen Erſatz daſür wichtes ihr warde für her ſi ſi derſelben g Holländer zoſen in 1 Selbſt Ver verſagten und man rentiner d heit j̃hlen gewerbe hi det hatten. gen, und zählige Bi ſchaftsgegen fi. Jeder Rnban welche d walzen, Lebensn heraus: Gold entſteh⸗ Augen G thum ſind. Abhandl cher man — ⁴) Er „ui camb **) Br. d'oro e d' 48.) Tr trattato de inenen Län⸗ Bergwerke Das Gold en die Roll contobanken nouse wird häfte durch „und man ß das Geld Finden wir err Banken 2 VWas iſt acht hun⸗ onds von Theil für held ſpielt ein Preis und durch ſen ſollte, anen Nlatz echſel läͤuft ner iſt, und wird nicht Betrüge⸗ ſo zahl⸗ nd Leiden ren Ehr⸗ cheit des eenwartig en Münze griffe und Geſchichte iſ?? Nene, F ſie einen — 303— Erſatz dafür in der Herabſetzung des Feingehaltes oder des Ge⸗ wichtes ihrer Thaler finden würden, und das falſche Geld wurde für die Regierungen eine zweiſchneidige Waffe, mit wel⸗ cher ſie ſich ſelbſt verwundeten, indem ſie es verſuchten, ſich derſelben gegen ihre Feinde zu bedienen. So machten es die Holländer in ihrer Revolution gegen Spanien, und die Fran⸗ zoſen im 17. Jahrhundert in ihrem Krieg gegen die Spanier. Selbſt Venedig und Florenz, dieſe wohlhabenden Freiſtaaten, verſagten ſich dieſe unedle Ergänzung des Einkommens nicht, und man kann unter die Haupturſachen des Verfalls der Flo⸗ rentiner die von ihren Handelsleuten angenommene Gewohn⸗ heit zählen, ſich mehr dem Geldhandel als der Pflege jener Gewerbe hinzugeben, welche das Vermögen ihrer Ahnen gegrün⸗ det hatten. Das Uebel ſäumte nicht, tiefe Wurzeln zu ſchla⸗ gen, und es gab nicht bloß ſchlechte Münzen, ſondern auch un⸗ zählige Bücher über das Geld. Dieſes iſt vielleicht der Wirth⸗ ſchaftsgegenſtand, über welchen am meiſten geſchrieben worden iſt. Jeder wollte den Stein der Weiſen gefunden haben. Da⸗ vanzati ſchrieb 1582:„Gold und Silber ſind Werkzeuge, welche den ganzen Ball der ſterblichen Güter vor⸗ und zurück⸗ wälzen, und wir können ſie die zweiten Urſachen des glückſeligen Lebens nennen“*). Serra gab 1613 ſein Werk unter dem Titel heraus: Kurze Abhandlung über die Urſachen, welche Gold und Silber in den Reichen im Ueberfluß entſtehen machen*), und ſuchte zu beweiſen, daß in ſeinen Augen Gegenſtände von Gold und Silber der einzige Reich⸗ thum ſind. Montanari ließ 1680 ſeine kaufmänniſche Abhandlung über die Münzen**) erſcheinen, in wel⸗ cher man neben den Vorurtheilen ſeiner Vorgänger zu Gun⸗ *) Er ſchrieb 2 kleine Abhandlungen, eine„sulle monete“ die andere „sui cambi’c. Buß. **) Breve trattato delle cause che possono fare abbondare i regni d'oro e d'argento. ***) Trattato mercantile delle monete. Er ſchrieb auch noch: Breve trattato del valor delle monete in tutti gli stati. Buß. — 304— ſten der edeln Metalle ſehr richtige Betrachtungen über die Er⸗ ſcheinungen des Geldumlaufs findet. Ein Jahrhundert früher hatte Gaſparo Scaruffi von Reggio ſeinen an Taſſoni gerich⸗ teten Vortrag über die Münzen, und über das wahre Verhältniß zwiſchen dem Gold undSilber herausge⸗ geben*), voll erhabener Anſichten, und ſogar noch jetzt von hohem Intereſſe nach den trefflichen Werken, welche über den Gegenſtand erſchienen ſind. Scaruffi hat zuerſt den Stempel für das Gold und Silber vorgeſchlagen, der ſeither in ganz Europa angenommen wurde, um als Garantie bei dem Handel mit Goldwaaren zu die⸗ nen. Die anderen italiäniſchen Schriftſteller über die Staatswirth⸗ ſchaft, Broggia**), Neri***), Carli ¼), Beccaria), Vasco r) haben das hellſte Licht über alle Fragen des Münz⸗ weſens verbreitet, deren Ganzes die franzöſiſchen ſtaatswirth⸗ ſchaftlichen Schriftſteller mit mehr oder weniger Ordnung und Beſtimmtheit zuſammengeſtellt haben rrt). Boutteroue, Leblanc, Abot de Bazinghen, Dupré de Saint-Maur, Boizard, Pou⸗ lain haben uns vollſtändigere Schriften hinterlaſſen, als die Italiäner, in welchen man aber nicht die gleiche Höhe der Anſichten und die nämliche Originalität entdeckt. In Holland, England, Spanien hat die Münzfrage eine Menge von Büchern erzeugt, die mehr oder minder das Gepräge der Vorurtheile der Zeit tragen, die aber in Zukunft nur noch eine Bedeutung *) Discorso sopra le monete e della vera proporzione fra loro e l'argento, 1582. *4*) Prattato delle monete, 1743. Er ſchrieb auch noch eine Abhandlung *„sui tributi.“ Buß. *ꝓ*⁴ς) Osservazioni sopra il prezzo legale delle monete, 1751. †) Trattato delle moncte, 1760. Er ſchrieb ferner:„Osservazioni preventive intorno alle monete di Milano, 1766. Buß. † †) Sul disordine e dei rimedi delle monete dello stato di Milano, 1762 †r) Saggio politico della moneta, 1772. † † †) Ueber die Anſichten dieſer italiäniſchen Schriftſteller in Betreff des Münzweſens vergleiche man meinen am Ende des II. Bandes ſtehenden Aus⸗ zug aus Pecechio's Geſchichte der Staatswirthſchaft in Italien. Buß. für die li ſchaſtsget glänzend Es iſ mehre J ſyſtems e Wiſenſch Erfahrun ihr Urth die wahr Bergwer bon der⸗ verbrauchh unſerer Ha Cold und zucker und der Kartof Peru's und Von einig werke. Suls. ten uͤber Mercan. heftige Ang waltung. Wen ſeite der⸗ laſſung, d klagen. D davon wo Curopa 3 Dlanaui, er die Er⸗ rüherhatte oni gerich⸗ s wahre herausge⸗ on hohem egenſtand Gold und genommen ren zu die⸗ ntswirth⸗ zria t, s Münz⸗ atswirth⸗ dung und „Leblanc, rd, Pou⸗ als die Höhe der a Holland, eon Büchern Vorurtheile Bedeutung fra loro e handlung Buß. 1. servazioni Buß. di Milauno, Beltef des thenden Aus⸗ jen. Buß. — 305— für die literär⸗hiſtoriſche Neugierde haben können, ſeit die Wirth⸗ ſchaftsgelehrten der neuern Zeit dieſe Unterſuchung durch die glänzendſten und gewiſſenhafteſten Arbeiten aufgeklärt haben. Es iſt für immer um die thörichten Verſuche geſchehen, welche mehre Jahrhunderte hindurch gegen die Ehrlichkeit des Münz⸗ ſyſtems erneuert worden ſind. Von allen an dem Gericht der Wiſſenſchaft anhängigen Streitigkeiten iſt keine mit ſo vieler Erfahrung und Reife entſchieden worden, und über keine iſt ihr Urtheil unangreifbarer. Jedermann weiß gegenwärtig, daß die wahren Vortheile, welche Europa von der Entdeckung der Bergwerke der neuen Welt gewonnen hat, nicht ausſchließlich von der Fülle der edeln Metalle, ſondern von dem Anbau der verbrauchbaren Bodenerzeugniſſe ſtammen, welche die Grundlage unſerer Handelsverbindungen mit dieſem Lande bilden. Das Gold und das Silber ſind verſchwunden; die Baumwolle, der Zucker und der Kaffee ſind geblieben. Die einzige Entdeckung der Kartoffel hat mehr eingetragen, als die der Goldbergwerke Peru's und Mexico's. Hauptſtück XXV. Von einigen verderblichen Folgen der Entdeckung der amerikaniſchen Berg⸗ werke.— Von den erſten Erſcheinungen der Armen in England.— Sully's Miniſterium.— Deſſen Finanzreformen.— Deſſen irrige Anſich⸗ ten über Induſtrie und Handel.— Er iſt der eifrigſte Verbreiter des Mercantilſyſtems.— Sein Hang zu Aufwandsgeſetzen.— Deſſen heftige Angriffe gegen die Finanzmißbräuche.— Endergebniſſe ſeiner Ver⸗ waltung. Wenn man ſich darauf beſchränken würde, bloß die Außen⸗ ſeite der Dinge zu erforſchen, ſo hätte man vielleicht Veran⸗ laſſung, die Entdeckung der Bergwerke der neuen Welt zu be⸗ klagen. Die große Einfuhr des Metallgeldes, welche die Folge davon war, ſcheint in der That nur dazu gedient zu haben, Europa zu zerrütten, und Verwirrung in die Geiſter und in Blanqui, Geſchichte d. polit. Oekonomie. 1. Bd. 20 — 306— die Intereſſen zu werfen. Karl V. und Philipp II. bedienen ſich deſſelben, um ihren Ehrgeiz zu ſättigen, dadurch, daß ſie überall blutige und verheerende Kriege erregen; die andern Für⸗ ſten erblicken darin nur eine Gelegenheit, das Geld ihrer Un⸗ terthanen zuſammen zu raffen, um mit gleichen Waffen gegen die Beſitzer der verheißenen neuen Welt zu kämpfen. Ueberall erwacht der Geiſt der Fiscalität bei dem Anblick der Haufen Goldes und Silbers, welche von Amerika zu uns kommen, und das erſte Ergebniß dieſer Ueberſchwemmung beſteht in der Auf⸗ hebung der Thätigkeit der Völker und der Könige, welche einzig ſich beeifern, eher nach dem Reichthume der Bergwerke zu haſchen, als denjenigen zu ermuthigen, welcher aus der Arbeit fließt. Man hat geſehen, welches das Erſtaunen der Einen und die von den Andern erſonnenen Auskunftsmittel bei dem Eintritt dieſer ungekannten Erſcheinungen eines plötzlichen Stei⸗ gens des Preiſes der Dinge, ohne Erhöhung des Satzes der Löhne waren. Umſonſt ſetzte man den Begebniſſen jedes Tages neue Scheinmittel entgegen; das Uebel erhob ſich immer wie⸗ der unter tauſenderlei unvorgeſehenen Geſtalten, ſtets dro⸗ hender und unheilbarer. Das falſche Geld, die Erhöhungen der Abgaben, die Erpreſſungen jeder Art konnten hier keine Abhilfe bringen, und die abſcheulichſte Anarchie hätte beinahe einen Augenblick ganz Europa verheert. Man verſetze ſich in Gedanken in die Zeit unſerer Bürger⸗ kriege unter Heinrich III., als von allen Seiten der alte Ka⸗ tholicismus, bis in ſeine Grundlagen erſchüttert, eine Macht, die bereit war, ihm zu entgehen, wieder zu ergreifen ſuchte. Das war die glänzendſte Epoche der amerikaniſchen Bergwerke; jedes Jahr kamen die Gallionen aus Mexico zurück, beladen mit ſchweren Piaſtern, und dennoch herrſchte überall die Ar⸗ muth, trotz dieſen entſtehenden Elementen des Reichthums, und Europa war von einem Ende zum andern die Beute der Zwie⸗ tracht und des Elends. Man hörte nur von Expreſſungen und Plünderungen ſprechen.„Das Land,“ rief ein gleichzeitiger fran⸗ öüſſchet darmerie einer St welche au heiten un oder Hau der Wot Geſindel ſo tritt angefüll richtsdie der iſt, i heingeſuch Das Re in Teutſch addienter und daß Schweiß um diſe branae Landes nur de hundert daß es zu näh ein Jal Schätze, ergießen Oudnung hervorgi Il., wa vers, u nien un welche — 8) FrK Il. bedeenen ucch, daß ſe andern Fü⸗ d ihrer Un⸗ n gegen die Ueberall er Haufen nmen, und in der Auf⸗ elche einzig gwerke zu der Arbeit der Einen bei dem hhen Stei⸗ Satzes der ees Tages mer wie⸗ teis dro⸗ rhohungen hier keine te beinahe Büxyer⸗ alle Ku⸗ Ma cht ſuchte. werke; beladen die A⸗ uins, und der Zwie⸗ ngen und iger ftin⸗ — 307— zöſiſcher Schriftſteller aus*),„wird nicht nur durch die Gen⸗ darmerie und die Salzſteuerwächter ausgeſogen, ſondern von einer Stunde zur andern ziehen aus den Citadellen Soldaten, welche auf das Landſtreifen hinausgehen, mit ſolchen Unverſchämt⸗ heiten und unter ſo großen Ausſchweifungen, daß es kein Dorf oder Haus gibt, welches nicht ein⸗ oder zwei⸗ und dreimal in der Woche gezwungen wäre, ſich von der Begierlichkeit dieſes Geſindels brandſchatzen zu laſſen; wenn der Soldat hinausgeht, ſo tritt der Gerichtsdiener ein, und gewöhnlich ſind die Häuſer angefüllt mit Gendarmen, Soldaten, Steuereinziehern, Ge⸗ richtsdienern und Salzwächtern, ſo daß es ein großes Wun⸗ der iſt, wenn eine Stunde im Tage vorübergegangen iſt, ohne heimgeſucht zu werden von ſolchen Leuten.“ Das Nämliche geſchah in England, in Flandern, in Italien, in Teutſchland. Man hätte ſagen mögen, daß ganze Armeen aus⸗ gedienter Kriegsleute auf das öffentliche Vermögen losgeſtürzt, und daß die Völker verdammt waren, von nun an ihren Schweiß und ihr Blut bis auf den letzten Tropfen zu vergießen, um dieſen Durſt nach Gold und Silber, der ihre Unterdrücker brannte, zu löſchen. Statt die natürlichen Hilfsquellen jedes Landes zu unterſtützen, dienten die edeln Metalle Anfangs nur dazu, ſie zu erſchöpfen, und es erforderte faſt drei⸗ hundertjährige Erfahrungen und Leiden, um uns zu belehren, daß es ihre wahrhafte Beſtimmung ſei, die Induſtrie mehr zu nähren, als den Krieg. Die Bergwerke Amerika's ſind ein Jahrhundert zu früh entdeckt worden, ſie hätten ihre Schätze erſt nach den langen Religionskriegen über Europa ergießen ſollen, aus denen die Freiheit der Forſchung, die Ordnung in den Finanzen und die Sicherheit für die Arbeit hervorgingen. In den Händen eines Königs, wie Philipp's Il., war ihre Wirkung mörderiſcher, als die des Schießpul⸗ vers, und durch ſie oder wegen derſelben ſind Frankreich, Spa⸗ nien und England ſo lange Zeit verheert worden. Die Fürſten, welche keine Bergwerke hatten, ſuchten einen Erſatz dafür in *) Fromenteau, le secret des finances, Ausgabe von 1581. 2 — 308— dem Beutel ihrer Unterthanen, ohne zu bedenken, daß, wenn ſie ſo zur nämlichen Zeit die Kapitale und die Einkünfte angriffen, ſie die Gütererzeugung in ihrer Quelle und den Staat in ſeinem Leben verſehren würden. Ebenſo hört man, wenn man die Geſchichte dieſer beklagenswerthen Zeiten er⸗ forſcht, nur von erſchöpften Landſchaften, von zerſtörten Häu⸗ ſern, von auf dem Lande umherirrenden Unglücklichen ſpre⸗ chen. Als ſich die Stände von Blois verſammelten, ſo trug man ihnen die ganze Reihe dieſer Scenen der Verzweiflung und des Verfalls vor, und in allen Diöceſen nannte man, nach jeder Darſtellung der Geldverluſte, die Zahl der erwürgten Prie⸗ ſter, der niedergemetzelten Mönche, Soldaten und Bürger, der geſchändeten Mädchen und Frauen, ohne daß je dieſe Ergänzung des Budgets der gleichzeitigen Leiden vergeſſen worden wäre. Die furchtbarſte Verwirrung herrſchte auf gleiche Weiſe in England und die Regierung der Königin Eliſabeth, deren Er⸗ gebniſſe für ihr Land ſo glorreich ſein ſollten, hatten unter ſehr traurigen Ausſichten begonnen. Heinrich VIII. hatte ſich der Kirchengüter bemächtigt, unter dem Vorwande, ſeinen Unter⸗ thanen die Laſt der Abgaben zu erleichtern, welche ſie nichtsdeſto⸗ weniger fortzahlen mußten; Eliſabeth verfolgte den Bettel mit un⸗ beugſamer Hand, und ſtatt einige Tauſende Arbeiter der Geſell⸗ ſchaft wieder zurückzugeben, ſchuf ſie in ihnen für England die Land⸗ plage der Räuber. Schon unter Heinrich VIII. hatte man nach dem Zeugniſſe von Harriſon deren mehr als 72 Tauſende hingerichtet, und unter der Regierung der Königin Eliſabeth verſtrich kein Jahr, ohne daß man 300 oder 400 von ihnen henkte. Dieſe Unglücklichen, in Banden von mehren Hunderten umherziehend, plünderten die Pachthöfe, beraubten die Reiſenden und trotzten in tiefen Wäldern den Verfolgungen der Regierung. Nachdem Eliſabeth gegen ſie alle Arten von Strafen verſucht hatte, ſo mußte ſie deren Unterhalt den Kirchſpielen auferlegen, und die berüchtigte Armentare ſchaffen, welche unzureichend iſt, um ſie zu ernäh⸗ ren, aber nicht um ihre Vermehrung zu hindern. Auf ſolche Weiſe hatten in Spanien die Bergwerke der neuen Welt die Verwaltung und das Volk von den wahren Wegen des Reich⸗ chums ein von hatten eepreſi werbunn die Arn neuern. Denl Chaos mäßige die Reg von ihr ſtigen un durch all delsgeſche nach gen Abgaben fen werd Geſetzge reich w Finan⸗ mittel Unwiß Hier b und w. lichen gionokric Die G ſonificati vicht beſ züglicht niſters *)„D die Gebo wohl ma gegen D aß, dem Eintänſte und den pört man, eiten er⸗ tten Häͤu⸗ hen ſpre⸗ ſo trug tzweiflung nan, nach ten Prie⸗ ger, der gaͤnzung n wäre. Leiſe in ren Er⸗ ter ſehr ſich der Unret⸗ isdeſto⸗ emit un⸗ r Geſell⸗ die Land⸗ nach dem rerichte, Jahr, klichen, derten tefen liſabeih ußte ſie rüchtigte u ernᷣh⸗ uf ſolche Weſt die Neich⸗ — 309— thums weggeleitet, indem ſie ihnen beinahe ohne Anſtrengung ein von Arbeit unabhängiges Einkommen ſicherten; in Frankreich hatten ſie alsbald den Fürſten gezwungen, die Abgaben und Geld⸗ erpreſſungen jeder Art zu vermehren, um ſich gegen die Mit⸗ werbung der Spanier zu behaupten, und in England ließen ſie die Armentare, eine der verhängnißvollſten Erfindungen der neuern Zeiten, entſtehen. Dennoch kann man nicht anders, man muß inmitten dieſes Chaos die Morgenröthe einer glücklichern Zeit und einer regel⸗ mäßigern Ordnung der Dinge erkennen. Umſonſt bemühten ſich die Regenten, das Gold und das Silber zurückzubehalten, es von ihren Unterthanen zu erpreſſen, deſſen Einfuhr zu begün⸗ ſtigen und die Ausfuhr zu unterſagen; das Gold entſchlüpfte durch alle Poren, uud floß überall hin, wohin es große Han⸗ delsgeſchäfte, das heißt, große Gewinnſte riefen*). Nach und nach gewahrten ſelbſt die Regierungen, daß die Erhebung der Abgaben, um productiv zu werden, ſtrengen Regeln unterwor⸗ fen werden müßte, und dieſe Regeln machten ſich Bahn in der Geſetzgebung. Das Parliament in England und Sully in Frank⸗ reich waren die Urheber dieſer Reform, aus welcher bald die Finanzwiſſenſchaft hervorgehen ſollte, und mit ihr das Gegen⸗ mittel gegen die ſchlechten Syſteme, hervorgegangen aus der Unwiſſenheit der Zeit und der Unerfahrenheit der Regierungen. Hier beginnt für die Staatswirthſchaft eine neue Zeitrechnung, und wir ſehen endlich ein Syſtem ſich erheben aus der gräß⸗ lichen Anarchie, welche Europa während der langen Reli⸗ gionskriege verheert hat. Die Geſchichte hat mit Recht in Sully die vollkommenſte Per⸗ ſonification dieſes Syſtems erkannt, und wir können daſſelbe nicht beſſer verſtändlich machen, als wenn wir flüchtig die vor⸗ züglichſten Handlungen der Verwaltung dieſes berühmten Mi⸗ niſters auseinanderſetzen. Sie ſind nicht alle den wahren Grund⸗ *)„Das Geld, ſagt Mengotti, iſt ſeinem Weſen nach aufrühreriſch gegen die Gebote des Geſetzes; es kömmt, ohne daß man es ruft, geht weg, ob⸗ wohl man es hemmt. taub gegen entgegenkommende Anträge, gefühllos gegen Drohungen, allein angezogen durch den Köder der Gewinnſte.“ ————— — 310— ſätzen gemäß; denn Sully hatte nicht weniger Vorurtheile, als ſeine Zeitgenoſſen; aber er war der erſte Staatsmann, der ent⸗ ſchloſſen war, nicht in's Ungefähr fortzuhandeln, und ſeine Handlungen ſind alle merkwürdig durch einen Geiſt der Ord⸗ nung und Abfolge, welcher den größten Einfluß auf die Staats⸗ wirthſchaft Europa's ausgeübt hat. Kaum beehrt mit dem Ver⸗ trauen Heinrichs IV., fing er an, die Laſten und Hilfsquellen Frankreichs genau zu erforſchen, und er entwarf das erſte Bud⸗ get, welches dem öffentlichen Rechnungsweſen zur Grundlage gedient hat. Seine Unterſuchungen brachten eine Schuld von ungefähr 300 Millionen Francs gegen das Ende des Jahres 1595 heraus, und er warf ſich ſogleich unermüdlich auf die Schaffung der Wege und Mittel, die nöthig waren, um ſie zu tilgen. Sein Hauptgrundſatz war, jedem Theil der Aus⸗ gabe einen Theil der Einnahme zuzuwenden, ohne zu geſtatten, daß ſie je für eine andere Verwendung entzogen würde. Er zügelte die wüthende Habſucht der Steuerpächter, welche das Land mit einer Frechheit ausbeuteten, daß von 150 Millionen Francs, die den Steuerpflichtigen gefordert wurden, kaum 30 Millio⸗ nen in den Staatsſchatz floſſen. Den Einnehmern wurde ver⸗ boten, unter irgend einem Vorwande das Vieh und das Ar⸗ beitsgeräthe der Landleute, welche gegen die Staatskaſſe im Rückſtand waren, wegzunehmen, und die ſtrengſten Strafen wurden den Soldaten auferlegt, welche den Bauer bedrücken würden, ſei es auf dem Marſche, ſei es nach ihrer Ankunft in ihren Quartieren, was, wie man oben geſehen hat, eine der ſchrecklichſten Drangſale dieſer Zeit war. Nicht weniger Feſtig⸗ keit war nöthig, um die Habſucht der Statthalter der Provin⸗ zen zu unterdrücken, welche ihre Unverſchämtheit ſo weit getrie⸗ ben hatten, daß ſie auf ihre eigene Rechnung und eigenmäch⸗ tig Contributionen erhoben. Der Herzog von Epernon, der ſich durch ähnliche Gewaltthätigkeiten ein Einkommen von 60,000 Thalern ſchuf, wagte ſich Sully zu widerſetzen, welcher aber, wie ein Kriegsmann, ſeine Finanzopexration auf⸗ recht erhielt*). *) Forbonnais, Recherches sur les ſinances, tome I. p. 38. ——. Nachde und nied er bald Fürſten ſeine S welchen Er ver wenigen in Fol⸗ dem A terumla den jede König a von Soi von 15 dem La⸗ von eint hatte da giehen wage dieſer keit de von a und er der B mit ein den ſoh tigkeiten gen der werie u ten. C Seiden heile, als der ent⸗ und ſeine der Ord⸗ eStaats⸗ dem Ver⸗ ffsauellen erſte Bud⸗ Hrundlage chuld von es Jahres auf die cren, um der Aus⸗ geſtatten, Er zügelte das Land Francs, Millo⸗ nrde ver⸗ d das Ar⸗ tskaſſe im n Strafen edrücken r Ankunft eine der r Feſtig⸗ Provin⸗ t getrie⸗ genmäch⸗ non, der 7n 00,000 er aber, on auf— — 311— Nachdem der muthige Miniſter alle dieſe Plünderer hohen und niedern Standes zur Ordnung zurückgeführt hatte, hatte er bald begriffen, und er wiederholte es oft, daß man, um den Fürſten zu bereichern, die Unterthanen bereichern müſſe. Alle ſeine Sorge ging daher auf die Verbeſſerung des Landbaues, welchen er als das erſte Gewerbe des Landes betrachtete*). Er verſchwendete an ihn Aufmunterungen jeder Art, und nach wenigen Jahren war der größte Theil der Landſtriche, welche in Folge der Leiden des Kriegs in die Brache gefallen waren, dem Anbau wieder zurückgegeben. Er ſchaffte die für den Gü⸗ terumlauf hemmendſten Feſſeln ab, und hob die kleinlichen Gna⸗ den jeder Art auf, welche die Gewandtheit der Hofleute dem König abgelockt hatte. Auf ſolche Weiſe hatte ſich der Herzog „von Soiſſons die Ermächtigung bewilligen laſſen, eine Abgabe von 15 Sous für den Ballen Waaren zu erheben, der aus dem Lande ging. Heinrich IV. glaubte ein Gnadengeſchenk von einigen tauſend Thalern gegeben zu haben; der Höfling hatte daraus ein Einkommen von dreihunderttauſend Francs zu ziehen gewußt. Sully ließ dieſe widerrechtlich zugeeigneten Er⸗ träge wieder in den Staatsſchatz zurückfließen. Leider verkannte dieſer große Miniſter ſein ganzes Leben hindurch die Wichtig⸗ keit der Manufacturen. Es fand ſich bei ihm zugleich eine Art von ariſtokratiſcher Abneigung gegen die Arbeit der Gewerke, und eine philoſophiſche Gleichgiltigkeit gegen alle Gegenſtände der Bequemlichkeit und des Lurus. Sully war ein Edelmann mit einer ſtoiſchen Seele, ein wahrer römiſcher Patricier aus den ſchönen Tagen der Republik. Man kennt die langen Strei⸗ tigkeiten, welche er mit Heinrich IV. in Betreff der Pflanzun⸗ gen der Maulbeerbäume hatte, zu welchen dieſer Fürſt ermun⸗ terte, und welche ihn beinahe mit ſeinem Miniſter entzweit hät⸗ ten. Sully entſetzte ſich über den Gedanken der Einführung der Seidenwebereien in Frankreich.„Was thut man,“ ſagte er**), *) Ackerbau und Viehzucht, ſagte er, ſind die beiden Bruſte des Staats. *r) Méêmoires de Sully, Tome II. p. 289, Ausgabe in Quart. ——ÿ.—— — 312— 3 Ron d „wenn man das Volk den Seidenbau betreiben läßt? Man hen läßt es eine harte und arbeitſame Lebensart, wie die des Feld⸗ vudde baues iſt, gegen eine andere aufgeben, welche durch keine ſtarke iunege Bewegung ermüdet. Man hat jederzeit bemerkt„daß die beſten aiusnns Soldaten aus dieſen Familien ſtarker Ackerbauer und kräftiger hj Handwerker gezogen werden; ſetzet nun an deren Stelle dieſe Silet⸗ 4 Leute, welche nur eine Arbeit kennen, welche Kinder zu ver⸗ liß 4 8 richten vermögen, und ihr werdet ſie für die Kriegskunſt nicht Kinig 4 1 mehr geeignet finden, deren Bewahrung und Erhaltung die Begnadig Lage Frankreich's und ſein politiſcher Zuſtand ihm zu einer un⸗ dürſin Eu umgänglichen Nothwendigkeit machen. Während ihr die Land⸗ golten und leute, welche auf jede Weiſe die wahren Stützen des Staates ſind, des Khgi entkräften werdet, werdet ihr durch die Städtebewohner den ſihderſlben Luxus mit ſeinem ganzen Gefolge, der Wohlluſt, der Weich⸗ trauch 6 dl lichkeit und dem Müſſiggange einführen, was rückſichtlich der⸗ Allein dieſes jenigen durchaus nicht zu befürchten iſt, welche wenig haben, Schlag ind und welche ſich mit wenigem zu begnügen wiſſen. Ei! haben verhotenen wir nicht jetzt ſchon in Frankreich eine binlänglich große An⸗ b tragen wol zahl ſolcher unnützen Bürger, welche unter einem goldenen und 3 Sully gau ſcharlachenen Gewande uns alle Sitten wahrer Frauen verber⸗ 3 ſens R ger!“ Ein römiſcher Cenſor hätte nicht beſſer geſprochen; aber ler Ausge ein Miniſter ſollte vom Ackerbau und Handel andere Anſichten welches n haben. Entbehr Dieſes philoſophiſche Vorurtheil gegen den Luxus iſt es*), wel⸗ ſagte er ches Sully den größten Theil der verderblichen Verordnungen, res Gelde die ſeine Verwaltung dem Handel und der Induſtrie auferlegte, ii ſolche S eingegeben hat. Jeder Verbrauch fremder Erzeugniſſe erſchien ihm rer Mantaſ als ein an Frankreich begangener Diebſtahl, und ein Angriff auf lebel, welche deſſen Sitten; jede Ausfuhr von Metallgeld als ein Unglück, wel⸗ jieht“. As! gekommen we *) Sully predigte übrigens durch ſein Beiſpiel.„Er ging gewöhnlich derſidtiſh in einem Kleide von grauem Tuch, mit einem Wamſe von Atlaß oder und erlaut Taffet, ohne ausgeſchnittene Arbeit und ohne Stickerei. Er lobte Jene, führte, Bele welche ſich ſo kleideten, und ſpottete über diejenigen, welche, wie er ſagte, rückgewieſen ihre Mühlen und Hochwaldungen auf ihrem Rücken trügen.“ *) Mémoir Péréfixe, 3e partie. 8n) Nachden ————ee“ͤͤö—o—‧—‧ſ‧%‧%⁄%⁄ſ⁄ſ⁄‧⁄%⁄ſ⁄ſ⁄ſ⁄ſ⁄ſ⁄ſdſſ— pe„ ———— 2————————— 4 Man es Feld⸗ ne ſtarke e beſten äftiger e dieſe u ver⸗ ſ nicht ung die ner un⸗ Land⸗ ſind, er den Leich⸗ der⸗ haben, haben e An⸗ und verder⸗ n aber lnſichten ), wel⸗ rungen, erlegt, en ihm ff auf , wel⸗ ewöhnlch ttlaß odet obte Jene e er ſagte — ——— — 313— chem man durch kräftige Maaßregeln zuvorkommen ſollte. So wurde er verleitet, die erſten Theorien des Mercantilſy⸗ ſtems, als deſſen eifrigſten Verbreiter man ihn betrachten muß, anzunehmen. Nie hatte man eine größere Strenge gegen die Schleichhändler entwickelt, beſonders gegen die, welche Gold und Silber ausführten. Zur Confiscation der ergriffenen Waaren ließ er noch die aller Güter der Uebertreter hinzufügen, und der König erklärte eidlich, daß er für Vergehen dieſer Art nie eine Begnadigung würde eintreten laſſen. Die von den verſchiedenen Fürſten Europa's geprägte Münze hatte bis jetzt in Frankreich ge⸗ golten, und wurde dort ohne Unterſchied wie die mit dem Gepräge des Königs bezeichnete Münze gebraucht; jetzt wurde verboten, ſich derſelben zu bedienen, ausgenommen der ſpaniſchen, deren Ge⸗ brauch zu allgemein war, um plötzlich ſich unterdrücken zu laſſen. Allein dieſes Verbot brachte dem Handel einen verhängnißvollen Schlag, und beſchränkte den Umlauf der Kapitale, weil man die verbotenen Geldſorten lieber behalten, als ſie in die Münzſtätte tragen wollte, wo ein ungeheurer Schlagſchatz ſie erwartete. Sully glaubte durch Aufwandgeſetze die Ausführung dieſes Sy⸗ ſtems zu unterſtützen, welches die gezwungene Verminderung al⸗ ler Ausgaben des Staats und der Privaten zum Zweck hatte, und welches nach ihm den Reichthum und den Wohlſtand durch die Entbehrung herbeiführen ſollte.„Es iſt noch weit nothwendiger,“ ſagte er*),„der Waaren unſerer Nachbarn zu entbehren, als ih⸗ res Geldes. Die Nothwendigkeit, die man ſich auferlegt, ſich eher in ſolche Stoffe zu kleiden, als in andere, iſt nur ein Fehler unſe⸗ rer Phantaſie; aber der Preis, den man darauf verwendet, iſt ein Uebel, welches man ſich ſelbſt mit voller Kenntniß der Urſache zu⸗ zieht“. Als bei dieſer Gelegenheit die Seidenhändler von Paris gekommen waren, um bei Sully Einſprache zu erheben im Namen der ſtädtiſchen Handelſchaft, ſo empfing ſie der Miniſter mit Laune, und erlaubte ſich gegen denjenigen von ihnen, welcher das Wort führte, Beleidigungen, welche wohl verdient hätten, kräftig zu⸗ rückgewieſen zu werden**). *) Mémoires, tome II., p. 390. **) Nachdem der Herr Henriot, der mit der Anrede beauftragt war, — 314— Er wollte nie mehr die Mauth von Vienne, ſpäterhin bekann⸗ Weg derle ter unter dem Namen Zollſtätte von Valence, aufheben, mühſomer welche die anerkannte Beſtimmung hatte, den Handel zwiſchen ren, daß Frankreich und Italien faſt unmöglich zu machen. Dieſer ver⸗ glüͤcli derbliche auf der Rhone eingeführte Zoll ſchien aus derſelben ei⸗ richet ſi nen unüberſetzbaren Fluß gemacht zu haben, und zwang den viderſte Handel, einen andern Weg zu nehmen, zum großen Schaden un⸗ velche di ſerer Intereſſen. Forbonnais berichtet die Rede eines Abgeord⸗ für heilig neten von Lyon bei den Ständen der Dauphiné vom Jahr 1600, Segel an in welcher die traurigen Folgen der Hartnäckigkeit Sully's kräf⸗ aber um tig hervorgehoben werden.„Dieſe Mauth,“ ſagte der Abgeord⸗ ber Math nete,„wurde zur Herabbringung der Stadt Vienne eingeführt, daß die und obwohl die Stadt Lyon gleich von Anfang an die Gefahr ge⸗ Suly, würdigt hatte, ſo hoffte ſie doch, daß, weil ſie wegen dringender ihn den au und vorübergehender Bedürfniſſe errichtet worden war, man Urſachend eher ihr Ende, als den Anlaß, ſich darüber zu beklagen, ſehen b ſette ſchi würde. Allein da die Dinge, welche im Anfang mild und leicht b die früͤher erſcheinen, mit der Zeit hart und unerträglich werden, ſo iſt dieſe hatten. Steuer eine Klippe geworden, auf welche man nicht ſtößt, ohne iate d Schiffbruch zu leiden. Seit die Rhoneſchifffahrt verrufen wurde, welhe: und die Kaufleute es vorzogen, jedes andere Wagniß zu beſtehen, b Körper als ſich Ungerechtigkeiten jeder Art auszuſetzen, hat die Stadt Lyon b daß ein wohl erkannt, daß ſie, die einſt berühmt und blühend geweſen war, b tes Edi in eine Wüſte werde verwandelt werden, wenn nicht die Freiheit des V känigl Handels hergeſtellt wird. Schon haben alle Waaren, welche aus der lehtzei Levante nach Marſeille, und von da nach Lyon kamen, den alten V likeitn Ladwigs! auf den Boden niedergeknieet war, ehe er ſie begann, ſo hob ihn Sully die Arbeit, raſch auf, und nachdem er ihn auf alle Seiten herum gedreht hatte, um dnkönigi bequem ſein Kleid, nach altem Schnitt, mit Seidenſtickereien verſchiedener Farben nach den Gewohnheiten ſeines Berufs beſetzt, zu betrachten, allinerben ſagte er,„Ei! Sie kommen, mein Lieber, hieher mit Ihrer Begleitung, von der de um zu klagen! allein Sie ſehen ja ſchöner aus, als ich! Wie vilegien in denn? hier Taffet, hier Damaſt, hier Brocat;“ und ſo ſpöttelte er über die Deputation, ohne ſie anzuhören, ſo arg, daß die verlegenen Handels⸗ leute bei dem Weggehen ſagten:„Der Diener iſt gröber und hoch⸗* Lun d fahrender, als der Herr.“ landern, n veg ein, und ———aW—— E— bekann⸗ aufheben, zwiſchen jeſer ver⸗ ſelben ei⸗ ang den aden un⸗ Aogeord⸗ ahr 1000, lys kräf⸗ Abgeord⸗ ngeführt, fahr ge⸗ ngender r, man n, ſehen ind leicht it dieſe , ohne ea wo zbeſtehen, Stadt Lyon eweſen war, eFreiheitdes elche aus der c, den alten ob ihn Sullh eht hatte, um n verſchiddenen 1 bettachten, rer Begleitung, als ich! We pöttelte er über genen dandelz⸗ ber und hoch⸗ 315— Weg verlaſſen und andere Straßen aufgeſucht, die zwar länger, mühſamer, aber ſicherer ſind*). Glauben Sie nicht, meine Her⸗ ren, daß wir in der Wiſſenſchaft zu gehorchen, dem beſten und glücklichſten Beſitze der Unterthanen, ſo wenig unter⸗ richtet ſind, daß wir darauf ſinnen, den Abſichten des Königs zu widerſtreben, oder ſeine Finanzen zu ſchmälern. Die Laſten, welche die Völker tragen, werden, obwohl ſie groß ſind, immer für heilig und gerecht gehalten; allein ſie ſind im Staat, was die Segel an einem Schiffe ſind, um es zu leiten, zu ſichern, nicht aber um es zu belaſten und zu verſenken.“ Der Geſchichtſchrei⸗ ber Mathieu, welcher dieſen Vortrag uns aufbewahrt hat, geſteht, daß die Klagen allgemein waren, und doch nicht erhört wurden. Sully, ſtets von den nämlichen Täuſchungen befangen, welche ihn den auswärtigen Handel und die inländiſche Induſtrie als Urſachen der Verarmung und des Untergangs befürchten ließen, ſetzte ſich in Kopf, die Beſchränkungen zu überbieten, durch welche die früheren Könige Frankreichs die Freiheit der Arbeit gefeſſelt hatten. Man weiß, daß Heinrich III. im Jahr 1581 geboten hatte, daß alle Handelsleute, Krämer, Künſtler, Handwerker, welche in den Städten und Flecken des Königreichs wohnen, in Körperſchaften, Innungen, Zünfte eingereiht werden ſollten, ohne daß einer dieſer Verpflichtung ſich ſollte entziehen können. Ein zwei⸗ tes Edict von 1583 hatte die Erlaubniß zuarbeitenals ein königliches und domaniales Recht erklärt; demgemäß waren die Lehrzeit, die Form und Eigenſchaft der Meiſterſtücke, die Förm⸗ lichkeiten für die Aufnahme der Meiſter und die alte Geſetzgebung Ludwigs des Heiligen ſo durchgeſehen und verbeſſert worden, daß die Arbeit eine Art Privilegium geworden war. Sully machte von dem königlichen und domanialen Rechte keinen ſchlimmen Gebrauch; allein er begann, Meiſterrechtsbriefe zu verkaufen, welche die Inhaber von der Lehrzeit und den Prüfungen entbanden, und indem er Pri⸗ vilegien im Schoos der Privilegien ſelbſt ſ chuf, that er, was Ludwig *) Von dieſer Zeit an ſchlug der Handel Italiens mit England und Flandern, welcher früher als Tranſit durch Frankreich ging, den See⸗ weg ein, und hat ihn nicht mehr verlaſſen. der Heilige ſelbſt nicht gewagt hätte zu thun, trotz der Verſchiedenheit wäeng h der Zeiten und Umſtände. Er handelte ſo aus der Tiefe ſeines Gewiſ⸗ frent don ſens, überzeugt, daß die Induſtrie ein Schmarotzerzweig der Güter⸗ von den erzeugung, dem Landbau ſchädlich ſei, und von der er gerne mit Teno⸗ und ſcher 4 phon geſagt hätte:„Die ſogenannten handwerkmäßigen Gewerbe rung der ſind verſchrieen, und werden ſonach billig in den Staaten verach⸗ von Briat tet; denn ſie verwüſten die Leiber der Arbeiter und der Pfleger, n mahen indem ſie zwingen zu ſitzen und im Schatten ſich zu aufzuhalten, dohnt we einige auch den Tag am Feuer zu verharren. Sind aber die Lei⸗ welcher! ber verweichlicht, ſo werden auch die Seelen viel ſchwächer.“*) Sully Die leitende Anſicht Sully's, indem er alle dieſe Maaß⸗ ſellung z regeln ergriff, war, für die Bedürfniſſe des Staats zu hatte, und ſorgen, und ſtets beträchtliche Maſſen Geldes bei der Hand zu hat.„Um haben. Kein Widerſtand ſchien ihm erträglich, ſobald er fürch⸗ einſimmen, tete, in der Ausführung dieſer ſchwierigen Aufgabe gehemmt über Ales zu werden. Bald antwortete er den widerſpänſtigen Parle⸗ unzuſtürze menten:„der König kann das nicht ungerecht finden, was ſei⸗ ſe bier da nen Angelegenheiten zuſagt;“ bald ließ er in der Baſtille zahl⸗ V nir als R reiche Vertiefungen bauen, mit der Beſtimmung, Haufen Gel⸗ Set Nt des aufzunehmen, die er ſo dem Umlauf entzog, welche er aber ben; R für die Sicherheit des Staats ſo nothwendig hielt, als die Verna Pulvermagazine für deſſen Vertheidigung. Heinrich IV. be⸗— gründete von Zeit zu Zeit dieſe Maaßregeln durch eingelernte ... 2 ⁴) Nich Reden, wie jene, in welcher er in einem außerordentlichen Rath die I e an a Gründe auseinanderſetzte, die ihn beſtimmten, einen Reſervefonds I Ehhr N. anzulegen, um die Bedürfniſſe eines unvorgeſehenen Krieges zu ther danin 4 beſtreiten, oder den Forderungen einer ſtürmiſchen Minorität tinen genüc 6 auszuweichen. Sully war ſein ganzes Leben hindurch von die⸗ Vurquſt tun dier ich in der ... ſe mit.— Ich für wen dem, ſer Finanzunruhe gefoltert, welcher er mehr als ein Mal Grundſätze geopfert hat, die ihm theuer waren; allein ſeine Irrthümer waren mehr die ſeiner Zeit, als ſeines Verſtandes, richt für Jene und er hat ſich ſelbſt in ſeinen Denkſchriften dieſe Gerechtig⸗— Alles, vas keit wider fahren laſſen können, daß der Ueberfluß endlich an⸗ Maietät das —— leuten, Handve Ausficht borzan *) So heißt die Stelle von Fenophon's Oαονωτνπιαω, Cap. IV. 3, nicht aber ſo, wie der Verf. ihren Inhalt angibt. Buß. erhaßren; ſie tern Jervandten iedenheit 8Gewiſ⸗ r Güter⸗ nit keno⸗ Gewerbe verach⸗ Pfeger, zuhalten, die Lei⸗ der.“*) Maaß⸗ aats zu Hand zu rfürch⸗ gehemmt Parle⸗ vas ſei⸗ le zahl⸗ en Gel⸗ e er aber als die h IV. be⸗ ingelernte mRath die ervefondo rieges zu norität on die⸗ n Mal in ſeine rſtandes, herechtig⸗ dlich al⸗ V. 3) nicht f. — 312— gefangen habe, wieder zu erſcheinen, und daß die Bauern, be⸗ freit von allen ihren Tyrannen in der Finanz, von dem Adel und dem Heer, ihre Felder anſäeten, und ſicher abernteten*). Damals dachte er an die Ausfüh⸗ rung der großen Arbeiten, deren Ausgangspunkt der Kanal von Briare ſein ſollte, und welche er Heinrich IV. begreiflich zu machen ſo viele Mühe hatte, da der König nur wenig ge⸗ wohnt war, die Gewinnſte ſo weit hinaus vorzuſehen, er, welcher von Auskunftsmitteln und Vorausnahmen gelebt hatte. Sully hat ſelbſt ſeine wirthſchaftlichen Lehren in einer Dar⸗ ſtellung zuſammengefaßt, welche ihm dieſer Fürſt abgefordert hatte, und welche er in ſeinen Denkſchriften wieder gegeben hat.„Um zu ſehen, ob meine Ideen mit den ſeinigen über⸗ einſtimmen, ſagte er, wollte der König, daß ich ihm eine Note über Alles gäbe, was ich für fähig hielt, ein mächtiges Reich umzuſtürzen, oder bloß ſeinen Ruhm zu verdunkeln. Ich lege ſie hier dar gleichſam als einen Auszug der Grundſätze, welche mir als Regel gedient haben. Dieſe Urſachen des Untergangs oder der Schwächung der Monarchien ſind übertriebene Abga⸗ ben; Monopole, hauptſächlich rückſichtlich des Getreides; die Vernachläſſigung des Verkehrs, des Handels, des Land⸗ *) Nicht ohne Mühe war Sully dahin gelangt. Er erzählt ſelbſt, wie er an jedem Tag habe irgend eine Schlacht liefern müſſen, um die In⸗ tereſſen des Landes zu vertheidigen.„Der König,“ ſagte er,„hatte ſo eben zwanzig Edicte ſich abdringen laſſen, und ich ging zu ihm in der Abſicht, einen Verſuch bei ihm zu Gunſten des Volks zu machen, als ich der Marquiſe von Verneuil begegnete, welche mich fragte, was für ein Pa⸗ pier ich in der Hand hielte. Was wollen Sie mit dieſem allem thun, ſagte ſie mir.— Ich will, Madame, dem König Vorſtellungen machen.— Und für wen denn, Herr, möchten Sie, daß der König Etwas thäte, wenn nicht für Jene, welche ſeine Vettern, Verwandten und Geliebten ſind? — Alles, was Sie ſagen, Madame, erwiederte ich, wäre gut, wenn Se. Majeſtät das Geld aus ſeiner Taſche nähme; aber es von den Handels⸗ leuten, Handwerkern, Bauern und Hirten zu erheben, dazu iſt gar keine Ausſicht vorhanden: ſie ſind es, welche den König und uns alle ernähren; ſie haben ganz genug an einem Herrn, ohne ſo viele Vet⸗ tern, Verwandten und Geliebten unterhalten zu müſſen.“ — 318— baus, der Künſte und Handwerke; die große Zahl der Staats⸗ ſtellen; die Koſten dieſer Aemter; die übermäßige Amtsgewalt jener, welche ſie bekleiden, die Koſten, Verzögerungen und die Unbil⸗ ligkeit der Rechtspflege, der Müſſiggang, der Prunk und Alles, was darauf Bezug hat; die Schwelgerei und das Verderbniß der Sitten; die Vermiſchung der Stände; die Schwankungen in der Münze; die ungerechten und unklu⸗ gen Kriege; der Despotismus der Staatsherrſcher; ihre blinde Anhänglichkeit an gewiſſe Perſonen; ihr Vorurtheil zu Gunſten gewiſſer Stände oder Berufe; die Begierlichkeit der Miniſter und Günſtlinge; die Erniedrigung der Leutevon Stand; die Mißachtung und Vernachläſſigung der Gelehrten; die Duldſamkeit für ſchlimme Gewohnheiten und die Uebertretung der guten Geſetze; die Menge verwirrender Edicte und nutzloſer Anordnungen.“ Sully erwies ſich nicht immer folgerichtig und übereinſtimmend mit ſeinen Lehren während der Dauer ſeiner langen Verwaltung. Wir haben Mühe, das, was er von der Wichtigkeit der Künſte und Gewerbe ſagt, mit ſeinen Bemühungen in Uebereinſtimmung zu bringen, die Errichtung der Seidenmanufacturen zu hindern, und zumal mit ſeinem Syſtem der Entbehrungen, welches natür⸗ lich den Erzeugniſſen der Fabriken die Abſatzwege jeder Art verſperrte. Da die Vernachläſſigung des Ver⸗ kehrs und die Schwankungen in dem Münzweſen ihm ſo ſchädlich für das allgemeine Wohl des Staats erſchienen, ſo hätte er nicht die Zollſtätte von Vienne beibehalten und das Münzweſen verwirren ſollen. Allein ſeine Vorurtheile erklären ſeine Widerſprüche. Er konnte die Entwickelung der Induſtrie nicht mit ſeinem Abſcheu vor dem Lurus und mit dem Bedürfniß, dieFinanzerforderniſſe eines jeden Tages zu beſtreiten, vereinbaren. Man kann ſagen, daß dieſe beiden Gefühle die lebhafteſten und kräf⸗ tigſten ſeines ganzen Lebens geweſen ſind. Die Erpreſſungen der Juſtiz⸗ und Finanzleute erregten beſonders ſeine Entrüſtung, und ſein Miniſterium war ein langer Kampf mit ihrer Raubgierde. Man kennt nicht hinlänglich die wahrhaft heldenmäßigen Feld⸗ züge, welche er gegen die Mißbräuche jeder Art unternommen hat, und IV. ihn geben. über die rücſichte Wasd von allen werfen? des Vol nahme den adel grif ma Handwern der Solda V ſagte er,d I ſchen, no außer un zekommer rabotoen zu grrafe und au ſelbſt ei man ih ſprich fonen 50 Nuen, g Tang, und, At geknüx) Hauskinder! heſchubdigt w und dieüherft ſondern auch der Rechtsver. —m *) Lein Yfrund „ lönnen, Staats⸗ altjener, he Unbil⸗ nk und und das taände; unklu⸗ rſcher; ſonen; eufe; die drigung läſſigung iten und rrender ch nicht vährend he, das, be ſagt, gen, de d Jymal es natür⸗ ege jeder es Ver⸗ n ihm ſo jenen, ſo und das erklären nduſtrie dürfniß, einbaren. undträf⸗ ungen der ſtung, und caubgierde. igen Feld⸗- fternommen — 319— hat, und die Kühnheit der Reformen, welche der Tod Heinrichs IV. ihn nicht hat ausführen laſſen. Ich werde davon eine Idee geben, wenn ich dieſes Hauptſtück ſchließen werde, damit man über die Bewegung urtheilen könne, welche in dieſem Zeitraume rückſichtlich der Staatswirthſchaft in den Geiſtern vorging. Was die kirchliche Regierung betrifft, ſo ſollte man Verzeichniſſe von allen Pfründen, nebſt ihren Benennungen und Einkünften, ent⸗ werfen*), um ſich ſo Rechenſchaft von der Wichtigkeit dieſes Theils des Volksvermögens zu geben. Bei dem Adel hatte man die Auf⸗ nahme aller Güter und der Einkünfte durchgeführt, welche ſie den adeligen Eigenthümern einbrachten; bei dem Bürgerſtande er⸗ griff man die nöthigen Vorſichtsmaaßregeln, um den Bauern, Handwerkern und Handelsleuten die geringſte Plackerei von Seite der Soldaten und Adeligen abzuwenden.„Man darf verſichert ſein, ſagte er, daß, wenn man mir immer geglaubt hätte, ich weder Kut⸗ ſchen, noch andere Erfindungen des Luxus geduldet haben würde, außer unter Bedingungen, welche der Eitelkeit theuer zu ſtehen 3 gekommen wären. Beſondere Verordnungen ſollten den Gene⸗ ralprocuratoren vorſchreiben, jene zu belangen und exemplariſch zu ſtrafen, welche durch das Aergerniß eines verſchwenderiſchen und ausgelaſſenen Lebens dem Publikum, den Privaten und ſich ſelbſt einen beträchtlichen Schaden zufügten. Das Mittel, welches man ihnen gab, um es thun zu können(es iſt immer Sully, der ſpricht), war, ihnen in jedem Gerichtsbezirk drei öffentliche Per⸗ ſonen beizugeſellen, welche Cenſoren oder Reformatoren hießen, gewählt alle drei Jahre in einer öffentlichen Verſamm⸗ lung, und ermächtigt durch ihr Amt, an welches Exemtionen jeder Art geknüpft waren, nicht nur den Richtern alle Väter, alle Hauskinder und was immer für andere Perſonen anzuzeigen, welche beſchuldigt waren, die Ausgelaſſenheit über die Grenzen der Ehre und die überflüſſigen Auslagen über ihr Vermögen hinaus zu treiben, ſondern auch die Richter ſelbſt zu nöthigen, indem man ſie im Fall der Rechtsverweigerung wegen geſetzwidrigen Verfahrens anklagte, *) Kein Pfruͤndnießer hätte mehr als zehn tauſend Livres Rente haben können. — 320— die Abhilfe zu gewähren, welche ihnen gegen die Frevel der einen oder andern Art vorgeſchrieben war. Zwei Mahnungen ſollten jeder Criminalanklage voran gehen; bei der dritten aber ſtellte man ein Art Pflegſchaftklage an, durch welche die ſchlechten Haushaltungen die Verwaltung ihrer Güter und Habe in Hände übergehen ſahen, welche ihnen genau nur zwei Dritttheile ließen, und das andere zur Zahlung ihrer Schulden zurückbehielten. Kein Stand war davon ausgenommen, und kein Bürger wäre wahrſcheinlich dieſer Cenſur entgangen, weil ſie ſelbſt für ihre Handlungen einem höhern Gerichte haften mußte, deſſen Mitglieder eben ſo ſehr, wie ſie ſelbſt, durch die Dro⸗ hung einer gleichen entehrenden Strafe zur Erfüllung ihrer Pflicht angehalten waren. Es wäre zugleich beſtimmt worden, daß keine Perſon von was immer für einer Eigenſchaft und Stand ſie auch ſein mochte, eine Summe hätte borgen kön⸗ nen, welche im Verhältniß zu ihrem Vermögen als beträchtlich galt, noch daß irgend eine andere ſie hätte ihr darleihen können bei Strafe ihres Verluſtes, ohne daß in den Verträgen oder Ob⸗ ligationen erklärt worden wäre, zu was man dieſes Darleihen zu verwenden gedächte. Es war ferner in der nämlichen Abſicht al⸗ len Familienvätern verboten, einem ihrer Kinder bei deren Aus⸗ ſtattung eine größere Summe zu geben, als ihm gebührte, mit Beachtung ihres gegenwärtigen Vermögens, der Zahl dieſer ſchon geborenen oder noch nachkommenden Kinder, ausgenommen den einzigen Fall, welcher dem verachteten oder verletzten väterlichen Anſehen geſtattete, ein mißrathenes oder entartetes Kind zu ſtrafen.“ Man ſollte glauben, wenn man dieſe Zeilen liest, eine ſaint⸗ ſimoniſtiſche Predigt unſerer Tage zu hören, und die Aehnlichkeit der Lehren iſt noch ſchlagender in den drohenden Beſtimmungen Sully's, um ſo, wie er ſagte, die verächtliche Kunſt der Chicane zu zerſtören. Bei den Rechtsſtreitigkeiten zwiſchen Verwandten war der Kläger gehalten, anzubieten und ſo⸗ gar aufzufordern, alle ſeine Streitigkeiten der ſchiedsrichter⸗ lichen Entſcheidung von vier Perſonen zu übergeben, welche aus den Verwandten und Freunden der Parteien, zwei von ſeder, der O Rücſ ſten, cane ſtand hand vern⸗ zu kön fundij hutt/ Werhln Faunil hlha fft a nit eiener auj der Et plaudern, Enpueinern muß nit die Neſſe it” dieſer Entw nichts deſi ausdrücten, Verwaltung ſers vnr, di ſchon dadurg? ſaulicen Eleme tun 8 tin Ka dae Wiſertra E diüddon AN dandhrha d n. d Nälionn — ) Kitt danu, ge redel der aynungen tten aber ſchlechten in Hände e ließen, ehielten. ger wäre für ihre ,, deſſen ie Dro⸗ rfüllung heſtimmt enſchaft en kön⸗ rächtlich können der Oh⸗ deichen w Awäch al⸗ deten Aud⸗ bührte, mt Zahl dieſer mKinder, eteten oder henes oder ine ſaint⸗ ehnlichkeit immungen runſ der en zwiſchen n und ſo⸗ iedsrichter⸗ en, welhe „zvei don -— 321— jeder, gewählt wurden; ein durch die Schiedsrichter ernann⸗ ter Obmann ſollte bei Stimmengleichheit entſcheiden.„In Rückſicht auf Sporteln, Gehalte, Mühegebühren und andere Ko⸗ ſten, ſo wie aufalle verſchiedenen Ausflüchteder Chi⸗ cane und alle andern Mißbräuche des Advocaten⸗ ſtandes bei den mündlichen und ſchriftlichen Ver⸗ handlungen, worüber ſich die Klagen allenthalben vernehmen laſſen“), glaubte der König nichts beſſeres thun zu können, als dieſes ganze Detail durch zwoͤlf der geſchäfts⸗ kundigſten Männer erörtern und beſtimmen zu laſſen.“ Sully hätte ſonach zwei Jahrhunderte früher das Geſetzbuch über das Verfahren in bürgerlichen Rechtsſtreitigkeiten verfaſſen laſſen. Heinrich IV. war von dem Wunſche nach dieſen Reformen ſo lebhaft ergriffen, daß an dem Tage, wo Sully ihm das hierüber mit eigener Hand entworfene Programm zuſandte, der König ihn auf der Stelle rufen ließ, um darüber mit einander zu plaudern, und ſobald er ihn ſah, rief er aus:„Man laſſe den Capucinern ſagen, daß man meine Meſſe verſchiebe; denn ich muß mit dieſem Mann da ſprechen, welcher kein Mann nach der Meſſe iſt.“ Der Tod Heinrichs IV. hinderte die Ausführung dieſer Entwürfe, deren meiſte allerdings unausführbar waren, nichts deſto weniger aber den wirthſchaftlichen Gedanken Sully's ausdrückten, ſo wie man ihn in den vollführten Handlungen ſeiner Verwaltung findet. Das Hauptverdienſt dieſes großen Mini⸗ ſters war, die Ordnung in den Finanzen wieder hergeſtellt und ſchon dadurch die Rückkehr oder vielmehr die Schöpfung der we⸗ ſeutlichen Elemente des öffentlichen Wohlſtandes erleichtert zu haben. Sein Kanal von Briare hat in Frankreich die erſte künſt⸗ liche Waſſerſtraße eröffnet, zu welchen er bald auf den Flüſſen die Einführung der öffentlichen Marktſchiffe fügte, wie er auf den Landſtraßen Poſthäuſer mit Pferden für die Reiſenden eingerich⸗ tet hatte. Er hatte Frankreich mit einer Staatsſchuld von 300 Millionen Francs belaſtet vorgefunden, welche gegenwärtig un⸗ *) Nichts iſt in dieſer Beziehung ſeit Sully geändert. Glanaui, Geſchichte d. polit. Oekonomie, 1. Bd. 21 — 322— gefähr eine Milliarde ausmachen würden: er hinterließ es faſt ganz ſchuldenfrei. Er ſetzte die Abgaben herab, verbeſſerte die Straßen, die Befeſtigungen, das Kriegsmaterial, das Staatsgut, und lieferte dem Schatz eine in der Baſtille niedergelegte Baar⸗ ſchaft von vierzehn Millionen. Zwölf Jahre hatten genügt, dieſe Ergebniſſe herbei zu führen, welche den Eintritt der ſchönen Tage der Regierung Ludwigs XIV. vorbereiteten, und welche endgiltig die Staatswirthſchaft in die Räthe der Könige einführten. Hauptſtück XXVI. Von dem Miniſterium Colbert's und ſeinen wirthſchaftlichen Folgen.— Edict und Tarif von 1661.— Deſſen eigentlicher Zweck.— Edict von 1667.— Ermunterungen zur Ehe.— Schöne Inſtructionen an die Ge⸗ ſandten.— Eigentliche Lehren Colbert's.— Mit Unrecht betrachtet man ihn als den Gründer des Sperrſyſtems.— ———— Zwiſchen die Verwaltung Sully's und die Colberts fällt die zweier Prieſter, Richelieu's und Mazarin's, beide Verſchwen⸗ der, obwohl aus verſchiedenen Beweggründen, und deren ganz perſönliche Abſichten Nichts mit der Staatswirthſchaft gemein haben; allein in dieſe Zeit fallen auch die Regierung der Kö⸗ nigin Eliſabeth von England und die Entwicklung der Handels⸗ macht der Niederlande, herrliche Epiſoden in der Geſchichte der Wiſſenſchaft und der Welt. Colbert beherrſchte dieſe beiden Ereigniſſe mit der ganzen Höhe ſeines Genie's, und der Glanz, mit welchem ſie Europa durchſtrahlt haben, er⸗ bleicht vor der Erzählung der großen Dinge, welche durch den Miniſter Ludwigs XIV. vollbracht worden ſind. Colbert iſt in der That der einzige Miniſter, welcher ein vollendetes, ge⸗ ſchloſſenes und in allen ſeinen Theilen folgerichtiges Syſtem gehabt hat, und das iſt die ewige Ehre ſeines Namens, daß er daſſelbe, trotz den auf ſeiner Bahn aufgehäuften Hinderniſſen ſeder weite doch und Rück Orge welch bilde Glät Gru E hexzu rungẽ Miniſt vermö begünf ralſten Eleme mene ſeine gleie brac dere die vorg⸗ ſcher land i reiche deren welch Hand er he Voru Stel mind mal, ehes fiſ beſenede Staatsgu legte Baar⸗ enügt, dieſe hänen Tage heendgiliig den. Folgen.— — Ediet von man die Ge⸗ etrachtet man etts fällt die Verſchwen⸗ deren ganz aft gemein J der K⸗ Handelõ⸗ geſchichte te dieſe 3, und den, er⸗ durch den bett iſ in detes, ge⸗ es Syſtem nens, daß inderniſſen —- 323— jeder Art, zum Sieg gebracht hat. Obwohl dieſes Syſtem bei weitem nicht in allen ſeinen Theilen untadelhaft iſt, ſo war es doch ein ungeheurer Fortſchritt zur Zeit ſeiner Erſcheinung, und wir haben ſeither Nichts gehabt, was mit ihm ſowohl in Rückſicht auf Umfang als Tiefe ſich vergleichen ließe. Seine Organiſation ſcheint etwas von der Ehrfurcht bewahrt zu haben, welche religiöſen Stiftungen eigen iſt; ſie hat eine Secte ge⸗ bildet, und dieſe Secte zählt gegenwärtig vielleicht ſo viele Gläubigen, als die große Gemeinde, welche den unſterblichen Grundſatz der Handelsfreiheit zur Fahne gewählt hat. Es iſt wieder das Bedürfniß, die Ordnung in den Finanzen herzuſtellen, welche den von Colbert ausgeführten Verbeſſe⸗ rungsverſuchen die Entſtehung gegeben hat. Dieſer gefeierte Miniſter hatte erkannt, daß das ſicherſte Mittel, das Volks⸗ vermögen zu heben, darin beſtände, das Privatvermögen zu begünſtigen, und der Gütererzeugung die breiteſten und libe⸗ ralſten Wege zu öffnen. Sein Hauptverdienſt iſt, alle Elemente, welche dieſen Erfolg ſichern ſollten, in vollkom⸗ mene Harmonie geſetzt zu haben. Eine der erſten Handlungen ſeines Miniſteriums, die Zurückführung der Steuern auf eine gleichförmige Grundlage, iſt eine den wahren Grundſätzen ge⸗ brachte Huldigung, und man darf nicht zweifeln, daß alle an⸗ deren dieſem glorreichen Vorgang gemäß geweſen wären, wenn die Wiſſenſchaft von der Wirthſchaft in dieſem Zeitraum ſo vorgerückt geweſen wäre, wie ſie es gegenwärtig iſt. Colbert hätte ſicher in Frankreich ausgeführt, was Hr. Huskiſſon in Eng⸗ land in dem Augenblick begonnen hatte, wo der Tod ihn er⸗ reichte. Er iſt es, der die meiſten der Reformen begonnen hat, deren Vollendung wir trotz allen den Hinderniſſen anſtreben, welche er ihnen geſchaffen hat; denn er hat oft mit der einen Hand gegeben, um mit der andern zurück zu nehmen, und er hat ſich genöthigt geſehen, mehr als ein Zugeſtändniß den Vorurtheilen ſeiner Zeitgenoſſen und den Forderungen ſeiner Stellung zu machen. Allein ſein Werk bleibt deswegen nicht minder unſerer Huldigungen würdig als das ſchönſte Denk⸗ mal, welches der Wiſſenſchaft durch die Hand der Staatsge⸗ 21. — 324— walt errichtet wurde, und ferner als ein Beweis, was die wirthſchaftlichen Theorien einem Staatsmann an Hilfsquellen bieten können. Sogar ſchon vor ſeinem Eintritt in die Staatsverwaltung hatten die Bedürfniſſe der Induſtrie und des Handels beredte Organe gefunden, und es iſt nicht nutzlos, ihre Beſchwerden flüchtig darzuſtellen, um die ungeheure Größe der auf Colbert gewälzten Aufgabe und das Verdienſt zu würdigen, welches er hatte, ſie zu löſen. Man hat geſehen, daß Sully trotz ſei⸗ nes hohen Geiſtes und der Stärke ſeines Willens, es nicht dahin bringen konnte, eine Menge innerer Abgaben aufzuheben, welche den Verkehr von Provinz zu Provinz hemmten, und von welchen einige, wie der Zoll von Valence, wahre Plagen ge⸗ worden waren. Seine Nachfolger hatten die meiſten dieſer Abgaben erhöht, und noch neue dazu geſchaffen, begleitet mit den drückend⸗ ſten Förmlichkeiten und mit den gehäſſigſten Zwangsmitteln. Nie war die Erhebung härter geweſen; ſie glich viel den Placke⸗ reien der orientaliſchen Steuererheber, und viele Kaufleute hat⸗ ten auf den Handel verzichtet, um ſich denſelben zu entziehen. Andere hatten Frankreich verlaſſen; und jene, welche noch hat⸗ ten widerſtehen können, ſahen, erſchöpft durch den Fiscus, mit jedem Tag ihre Hilfsquellen mit ihren angegriffenen Capitalen ſchwinden. Selbſt der Landbau, ſo ſehr von Sully geſchützt, war in eine tiefe Entmuthigung geſunken. Viele Ländereien blieben ungebaut, die Viehzucht wurde aufgegeben, und Frank⸗ reich begann ſich mit Landſtreichern und Bettlern zu bedecken. Man findet ein treues Gemälde dieſes Zuſtandes der Dinge in der Bittſchrift, welche am 26. Jänner 1654 von den ſechs In⸗ nungen der Handelsleute der Stadt Paris dem König über⸗ reicht worden war.„Sire, ſagten die Bittſteller, die Erfah⸗ rung lehrt, daß die übermäßigen Auflagen nie die Einkünfte eines Staats vermehrt haben, weil ſie im Großen verlieren machen, was man im Kleinen gewinnt.... Die Wahrheit zu ſagen, nur der Handel und die Induſtrie ziehen das Gold und Silber an, durch welche die Heere beſtehen... Wenn unſere Ar⸗ beiter aus ihrer Induſtrie Gewinn ziehen, ſo geſchieht es nicht tenda wärt ware Han nich den. lade unm einig lichen Verhiu aufgeſt Bäten ſtets gen; Wied fahrt Mitt ſetzun Vaau da die Sauelen waltung beredte werden Colbert welches troh ſei⸗ es nicht zuheben, und von gen ge⸗ Abgaben rückend⸗ mitteln. Pack d⸗ ute hat⸗ atziehen. noch hat⸗ cus, mit Lapitalen ge ſhütt, ndereien Frauk⸗ edecken. nge in ſs In⸗ über⸗ Erfah⸗ inkuͤnfte zerlieren hrheit zu Hold und nſere At⸗ tes nicht ohne Beihilfe des Auslandes, welches uns alle feinen Wolle⸗ arten liefert; denn wir haben nur grobe; ebenſo die Farbſtoffe, Gewürze, Zucker, Seife und Leder, deren man nicht entbeh⸗ ren kann, und welche ſich im Königreich nicht finden. Die Ausländer werden nicht ermangeln, um uns Gleiches mit Glei⸗ chem zu vergelten, alle dieſe Waaren mit großen Zöllen zu belaſten, woraus hervorgehen wird, daß wir ſolche nicht mehr beziehen werden, oder daß ſie den Eingang unſern Fabricaten verſagen werden; dadurch werden unſere Arbeiter arbeitslos bleiben, und die Zahl der Unnützen und Bettler wird zunehmen.“ Colbert hatte bald die Tiefe dieſer Wunde ergründet, und die Maaßregeln, welche er annahm, bewieſen, daß es ihm an⸗ gelegen war, ſie zu heilen. Das Edict vom September 1664 beſchränkte die Ein⸗ und Ausgangszölle von den Waaren auf gehörige Verhältniſſe, und hob die läſtigſten auf.„Unſere Ab⸗ ſicht, ſagte der König, iſt, allen unſern Statthaltern und In⸗ tendanten zu erkennen zu geben, welche Rückſicht wir gegen⸗ wärtig Allem zuwenden, was den Handel betreffen kann, und warum wir wollen, daß ſie ihre Amtsgewalt anwenden, den Handelsleuten Gerechtigkeit widerfahren zu laſſen, damit ſie nicht durch die Chicane von ihrem Handel abgehalten wer⸗ den.... Wir haben alle Handelsleute durch Rundſchreiben ein⸗ laden laſſen, ſich rückſichtlich ihrer ſämmtlichen Bedürfniſſe unmittelbar an uns zu wenden; wir haben ſie eingeladen, einige von ihnen an uns abzuordnen, um uns ihre ſämmt⸗ lichen Klagen und Vorſchläge vorzutragen, und auf den Fall der Verhinderung haben wir eine Perſon in unſerem Gefolge aufgeſtellt, um alke ihre Beſchwerden anzunehmen, und ihre Bitten zu erfüllen; wir haben befohlen, daß auf unſerer Reiſe ſtets ein Handelshaus bezeichnet werde, um ſie dort zu empfan⸗ gen; wir haben beſchloſſen, alljährig eine Million Livres zur Wiederherſtellung der Manufacturen und zur Hebung der Schiff⸗ fahrt zu verwenden; da aber das verläſſigſte und weſentlichſte Mittel für die Wiederherſtellung des Verkehrs die Herab⸗ ſetzung und die Beſtimmung der Zölle iſt, welche von allen Waaren erhoben werden, ſo haben wir befohlen, alle dieſe — 326— Gefälle auf einen einzigen Eingangszoll und auf einen ein⸗ zigen Ausgangszoll zurückzuführen, und ſogar ſie bedeutend zu mindern, um die Schifffahrt zu ermuntern; die früheren Manufacturen wieder herzuſtellen*), den Müſſig⸗ gang zu verbannen, und durch ehrbare Beſchäftigungen die Neigung einer großen Zahl unſerer Unterthanen zu einem gemeinen Leben unter dem Titel verſchiedener Aemter ohne Amtsverrichtungen abzuwenden, die in eine gefährliche Chi⸗ cane ausarten, welche die meiſten unſerer Provinzen behaftet und zerrüttet“. Zu gleicher Zeit verbot Colbert, wegen der Steuer die Betten, Kleider, Brod, Pferde und Ochſen, die zum Landbau verwendet werden, ebenſo die Geräthe wegzunehmen, mit welchen die Handwerker und Handarbeiter ihren Lebensunterhalt gewin⸗ nen. Das Cataſter wurde umgearbeitet, damit die Güter nur im Verhältniß zu ihrem Werthe und dem wirklichen Umfange des Bodens beſteuert werden könnten. Die großen Straßen des Königsreichs und alle Ströme waren durch Heere von Zolleinnehmern bewacht, welche die Waaren bei ihrem Durch⸗ gang anhielten, und deren Transport mit einer Menge mis⸗ bräuchlicher Koſten belegten, ohne von den Verzögerungen und den Plackereien jeder Art zu reden. Ein Edict verord⸗ nete die Unterſuchung dieſer Dienſtbarkeiten, deren größter Theil aufgehoben oder auf gerechte Grenzen beſchränkt wur⸗ de. Allein Colbert bereitete, indem er dieſe nützlichen Re⸗ formen in der Gegenwart bewirkte, durch die Einſetzung des Handelsraths, deſſen Mitglieder beauftragt waren, amtlich die Bedürfniſſe ihres Berufs und die der Induſtrie im Allge⸗ *) Es iſt ein Irrthum, wenn man glaubt, daß Colbert der Gründer der Induſtrie in Frankreich geweſen ſei; er war nur der Wiederherſteller der⸗ ſelben. Unter der Regierung Heinrichs IV. und Ludwigs XIII. hatten ſich unſere Manufacturen ſchon zu einer hohen Stufe des Wohlſtandes erhoben. Man liest in den Denkſchriften von Jande Witt(Band VI. p. 182), daß vom Jahr 1658 an die Gegenſtände franzöſiſcher Fabrication, welche nach England und Holland ausgeführt wurden, allein ſich auf 80 Millionen Livres beliefen. meinen Urterſu⸗ Frantre verricht Ungehe den der unbarn größte der W von d ihte; Auslag ihrer? A Colbert obwohl Denkn ben w ſen Colbe Zoll nufa was diſch logel ten. muthi ren zu beitet ſtreng rife cant kann trete Hal wur inen ein⸗ bedeutend küheren Miüſſi⸗ gen die einem r ohne R Chi⸗ behafter uer die Landbau welchen gewin⸗ üter nur Umfange Straßen eere von n Durch⸗ tenge mis⸗ ögerungen ict verord⸗ n größter ankt wur⸗ ichen Re⸗ gung des rlich die Alge⸗ Ktündet der erneller del⸗ 1. hatten ſic aes ethoben. VI, h. 480) en welcſenach 8o Milionen meinen darzuſtellen, weitere Reformen ſür die Zukunft. Die Unterſuchung der verkauften Stellen zeigte, daß es damals in Frankreich mehr als 45,000 Familien gab, die für Amts⸗ verrichtungen angeſtellt waren, welchen 6,000 genügt hätten. Ungeheure Maſſen von Werthen wurden ſo alljährig zum Scha⸗ den der arbeitenden Berufe verſchlungen, und Colbert betrieb unbarmherzig deren Beſchränkung. Dieſer Miniſter zeigte die größte Verachtung für die Claſſe der Rentner und für die der Beamten, welche er als Schmarozer betrachtete, lebend von dem Schweiß des Gemeinweſens, und er bemühte ſich, ihre Zahl zu vermindern, ſei es durch Zurückzahlung ihrer Auslagen für die Erlangung des Amtes, ſei es durch Beſchränkung ihrer Amtsvortheile. Als die Pacht der Zollgefälle bald zu Ende ging, ſo ergriff Colbert dieſe Gelegenheit, um deren Tarif durchzuſehen, und obwohl dieſe verhängnißvolle Maaßregel ſeither als das ſchönſte Denkmal ſeiner Verwaltung angeſehen worden war, ſo glau⸗ ben wir doch, ſie unter ihrer wahren Geſtalt darſtellen zu müſ⸗ ſen, welche uns beſtändig verkannt worden zu ſein ſcheint. Colbert hatte zum Zweck, bei der Durchſicht der Tarife der Zollgefälle, daraus ein Schutzmittel für die einheimiſchen Ma⸗ nufacturen zu machen, ſtatt einer bloßen finanziellen Hilfsquelle, was ſie früher waren. Die meiſten Gegenſtände der auslän⸗ diſchen Fabrication wurden mit Zöllen belegt, welche den ana⸗ logen franzöſiſchen Waaren den inländiſchen Markt ſichern ſoll⸗ ten. Zu gleicher Zeit ſparte Colbert weder Opfer, noch Er⸗ muthigungen, um in unſerem Land den Sinn für Manufactu⸗ ren zu heben. Er ließ aus dem Ausland die geſchickteſten Ar⸗ beiter jeder Art kommen, und unterwarf die Induſtrie einer ſtrengen Disciplin, damit ſie nicht im Vertrauen auf die Ta⸗ rife einſchlummerte. In hohe Geldbußen wurden die Fabri⸗ canten eines Artikels verfällt, der unter der Güte ſtehend er⸗ kannt wurde, welche er haben ſollte. Die Erzeugniſſe der Ueber⸗ treter wurden zum erſten Mal an den Pfahl geheftet, mit einem Halseiſen und dem Namen des Fabricanten; bei einem Rückfall wurde der Fabricant ſelbſt daran geſtellt. Dieſe drakoniſche Strenge 328— hätte zu ganz entgegengeſetzten Ergebniſſen geführt, als jene waren, welche Colbert davon erwartete, wenn ſeine aufgeklärte Sorgfalt nicht durch andere Maaßregeln das gemäßigt hätte, was ſie Grauſames hatte. So ernannte er Aufſeher der Ma⸗ nufacturen, welche oft die Gewerktreibenden auf den beſten Weg leiteten, und welche ihnen die Kenntniß der neueſten Verfah⸗ rungsweiſen mittheilten, die oft mit großen Koſten den aus⸗ ländiſchen Fabricanten abgekauft oder ihnen abgeliſtet worden waren. Colbert war weit davon entfernt, den Zolltarifen die Idee eines ausſchließlichen und blinden Schutzes beizulegen, welchen man ſeit ſeinem Miniſterium ihnen unabläſſig beigelegt hat. Er wußte ſehr wohl, daß dieſe Tarife Repreſſalien er⸗ zeugen, und bedeutende Beſchränkungen dem Handel bringen würden, ſo ſehr ſie immer auch die Manufacturen ermuntern möchten. Auch gingen alle ſeine Bemühungen dahin, ihre ver⸗ derblichen Wirkungen zu mildern. Seine Inſtructionen an die Conſuln und Geſandten zeugen lebhaft von ſeinen Vorurtheilen in dieſer Hinſicht. Er empfahl ihnen, alle Schwierigkeiten zu ebnen, welche unſere Handelsleute im Ausland finden könnten, und ihren Vorrechten mit der äußerſten Kraft Achtung zu ver⸗ ſchaffen. Man kann nicht ohne Bewunderung die Depeſchen leſen, welche er an den Hrn. v. Béziers, den franzöſiſchen Bot⸗ ſchafter in Madrid, ergehen ließ:„Im Fall die Unterthanen des Königs, ſagte er, einige Mishandlungen von Seiten der Statt⸗ halter oder anderer Beamten Sr. katholiſchen Majeſtät erfah⸗ ren, ſei es an ihren Perſonen, oder ihren Schiffen oder Waa⸗ ren, ſo werden Sie dem Rathe Spaniens eröffnen, daß Seine Majeſtät nicht geſonnen iſt, zu dulden, daß ſeine Unterthanen auf irgend eine Weiſe gefährdet werden, und daß man die bis jetzt angenommene Gewohnheit werdeablegen machen, ihnen keine Gerechtigkeit widerfahren zu laſſen.“ Wir ſind gegenwärtig weit von dieſen Kühnheiten entfernt.„Ich bitte Sie, ſetzte er hinzu, zu unterſuchen, ob Nichts geſchehen könnte, was den Handelsleuten angenehm wäre, um ihren Handel zu erleichtern oder zu heben. Da die Ange— legenheiten, welche ſie in Spanien haben, gewöhnlich lange nnenich nothwe⸗ und w der H Bei pone, wird! lichen der. daran ſende, Der 4 v ſe lichenn. ſollten. mien fi den fer auf, un Hänſer ſie ei das dem mitte etwas Erſa feit de Waaren die geri „Hüten zu thun haben! tagne v aufgehal leute un Sie nie eher ei. als jene fggeiläute gt hätte, er Ma— en Weg Verfah⸗ n aus⸗ worden rifen die eizulegen, beigelegt ſalien er⸗ bringen muntern ihre ver⸗ en an die rurtheilen Keeiten zu Riönnten, ng zu xer⸗ Depeſchen ſiſchen Bot⸗ rthanen des der Statt⸗ ſtät erfah⸗ der Par⸗ daß Seine terthanen man die Lablegen jahren zi dühibeiten terſachen, 0b geneym wate, Da die Ange⸗ wohnlih lange ——— — 329— unentſchieden bleiben, weil ſie nicht betrieben werden, ſo iſt es nothwendig, hier eine Perſon aufzuſtellen, welche Einſicht hat, und welche ſich allein der Unterſtützung und der Erleichterung der Handelsleute widmen kann.“ Bei einem andern Anlaſſe ſchrieb er an den Hrn. von Pom⸗ pone, Botſchafter in Holland:„Der Handel der ganzen Welt wird ungefähr auf 20,000 Schiffen getrieben. Nach der natür⸗ lichen Ordnung ſollte jede Nation im Verhältniß zu ihrer Macht, der Zahl ihrer Bevölkerung und ihren Seeküſten ihren Antheil daran haben; die Holländer haben von dieſer Zahl 15 oder 16 Tau⸗ ſende, und die Franzoſen vielleicht kaum fünf oder ſechs hundert. Der König wendet Mittel aller Art an, von welchen er glaubt, daß ſie nützlich ſein werden, um ſich ein wenig mehr der natür⸗ lichen Zahl zu nähern, welche ſeine Unterthanen davon haben ſollten.“ Und um dahin zu gelangen, bewilligte Colbert Prä⸗ mien für die Schifffahrt in der Oſtſee und für die Fiſcherei in den fernen Meeren; er hob das Fremdlingsrecht in Marſeille auf, um dorthin die Ausländer zu ziehen, und bald ſah man reiche Häuſer aus der Levante in dieſer Stadt ſich niederlaſſen, wo ſie eine große Menge Schiffe bauten. Zu gleicher Zeit erklärte das Edict von dem Monat Auguſt 1669 den Seehandel mit dem Adel verträglich, und geſtattete jedem Edelmann, ſich un⸗ mittelbar oder mittelbar dabei zu betheiligen, ohne ſeinem Stande etwas zu vergeben. Die Errichtung der Niederlagen diente als Erſatz für die Strenge des Zollweſens; er fügte die Möglich⸗ keit des Tranſits durch ganz Frankreich für die ausländiſchen Waaren hinzu. Seine Aufmerkſamkeit beſtreckte ſich bis auf die geringſten Einzelnheiten der Erhaltung und Reinlichkeit. „Hüten Sie ſich ſehr, ſchrieb er an Hrn. von Sonzy, Etwas zu thun, was den Verkehr ſtören oder mindern könnte. Sie haben recht gethan, den Commis des Bureau's von Mor⸗ tagne verhaften zu laſſen, welcher die Fahrt der Kohlenſchiffe aufgehalten hat; es iſt von großem Belang, daß die Handels⸗ leute unter gar keinem Vorwand gedrückt werden. Entſcheiden Sie nie etwas, ohne ſie gehört zu haben. Laſſen Sie ſich eher ein wenig von ihnen bethören, als daß Sie den — ñ ᷣ—— — 330— Verkehr hemmen, weil dieſes den Ertrag vernichten hieße. Halten ſie gleichwohl immer die Strenge der Verordnungen entgegen.“ Hier ſieht man, wie Colbert die Verwaltung des Zollwe⸗ ſens auffaßte. Wir würden uns gegenwärtig ſehr glücklich fühlen, wenn ſie nach ihrem Zweck und ihren Vollzugsmitteln ebenſo verſtanden würde. Als Werkzeug des Schutzes trennte er ſie nicht von einer unermüdlichen Thätigkeit in der Induſtrie, und man ſieht leicht, daß dieſer Schutz in ſeinen Augen nur eine vorübergehende Maaßregel war, ſo ſehr ließ er darüber wachen, daß er nicht in eine der Sorgloſigkeit gegebene Prä⸗ mie und in den Handel gefährdende Bedrückungen ausartete. Man moöchte ſagen, daß er in allen Depeſchen, die er an ſeine Geſandten richtet, Frankreich deswegen abbittet. Er ſagte zu ſeinem Sohn:„Du mußt alle Unordnungen, welche im Handel eintreten, und alle Verluſte, welche die Kaufleute erleiden werden, ſo lebhaft empfinden, als wenn ſie dich per⸗ ſönlich treffen würden.“ Nicht zufrieden, Niederlagen an den Häfen errichtet zu haben, wählte er ſie als Stapel⸗ plätze für die Schiffe des ausländiſchen Handels, indem er befahl, daß die Zölle, welche ſie bezahlt haben würden, ihnen erſtattet werden ſollen, wenn es ihnen belieben ſollte, ihre Waaren wieder auszuführen. In dieſem Zeitraum fand ſich die weſtindiſche Compagnie außer Stand, ihr ausſchließliches Privilegium aufrecht zu erhalten. Die Colonien hatten Man⸗ gel an den nothwendigen Dingen, und der niedere Preis, zu welchem man ihnen ihre Erzeugniſſe abnahm, brachte die Ein⸗ wohner zur Verzweiflung. Colbert entſchloß ſich, den Han⸗ del frei zu geben, und er ließ in allen Häfen bekannt ma⸗ chen, daß ein Jeder künftighin das Recht haben ſollte, ſich demſelben zu widmen. Je mehr man die Handlungen der Verwaltung dieſes großen Miniſters erforſcht, deſto mehr überzeugt man ſich von ſeiner hohen Gerechtigkeit und von den liberalen Strebungen ſeines Syſtems, das bis jetzt zu allgemein als den Grundſätzen der Freiheit feindlich verkün⸗ digt wurde. Vergebens haben die Italiäner es mit dem Namen Lolberd wexeichner wier M langt, rechtetel ewige! er im! er gand überan Syſtem König ſen und gangtzul durch E Manufac 2 Das 1661 be gehabt, Mröind dinzal äußerf an me Abſich len F Der e iſt der, ſchaffen von 106 durch d turen ge mehr ei lich gen langen — 5) For hicße. dnungen Zollwe⸗ glücklic smitteln eennte er Induſtrie ugen nur darüber ene Prä⸗ usartete. an ſeine ſagte zu Handel erleiden c per⸗ derlagen Sraheb⸗ indem er rden, ihnen ſollte, ihre wfand ſich ſchießliches atten Man⸗ Nreis, zu e die Ein⸗ den Han⸗ kannt Ma⸗ ſobte, ſich Aungen det deſto mehr eit und von dis jetzt zu dlich verfün⸗ dem Nanel — 331— Colbertismus begrüßt, um das Ausſchließungsſyſtem zu bezeichnen, das von ihnen ſelbſt erfunden, und durch die Spa⸗ nier zu Ehren gebracht worden war: Colbert hat nie ver⸗ langt, den größten Theil ſeiner Mitbürger einigen Bevor⸗ rechteten zu opfern, oder zu Gunſten gewiſſer Gewerbszweige ewige Monopole zu ſchaffen. Man kann ihm vorwerfen, daß er im Uebermaaß reglementariſch geweſen iſt, nicht aber, daß er ganz Frankreich einigen Wollen⸗ und Baumwolleſpinnern überantwortet hat. Er ſelbſt hatte mit wenigen Worten ſein Syſtem in der Denkſchrift zuſammengedrängt, welche er dem König vorlegte:„Die Ausgangszölle von. Bodenerzeugniſ⸗ ſen und Fabricaten des Königsreichs herabzuſetzen; die Ein⸗ gangszölle von Allem zu ermäßigen, was den Fabriken dient; durch Erhöhung der Zölle die Erzeugniſſe der ausländiſchen Mannfacturen zurückzudrängen*)“. Das war der Geiſt ſeines erſten Tarifs, der im September 1664 bekannt gemacht wurde. Er hatte vor Allem den Zweck gehabt, die Verſorgung Frankreichs mit Rohſtoffen und die Verbindungen ſeines Binnenhandels durch Abſchaffung der Pro⸗ vinzialmauthen und durch die Ziehung der Zolllinien an die äußerſte Grenze zu erleichtern. Der Widerſtand, welchen er an mehren Oertlichkeiten fand, lähmte lange Zeit ſeine guten Abſichten, aber durch Beharrlichkeit gelang es ihm, allen Thei⸗ len Frankreichs die Wohlthat ſeiner Reformen zuzuwenden. Der einzige Vorwurf, den man ihm mit Recht machen kann, iſt der, daß er das ſchützende Werkzeug, welches er gerade ge⸗ ſchaffen hatte, dadurch misbraucht hat, daß er in dem Tarif von 1667 die ausſchließlichen Maaßregeln übertrieb, welche durch den Tarif von 1664 gegen die ausländiſchen Manufac⸗ turen gerichtet worden waren. Von nun an war dieſes nicht mehr eine Frage der Induſtrie, ſondern des Kriegs, nament⸗ lich gegen Holland, und dieſer Krieg brach im Jahr 1672 nach langen und nutzloſen Unterhandlungen aus. Der neue Tarif *) Forbonnais, Considérations Sur les Findnces, t 2. p. 134. —-— 332— ſchloß eine Menge holländiſcher Waaren aus; auf ſeine Wei⸗ gerung, ſie einzulaſſen, ſah Frankreich alsbald ſeine Weine, Branntweine und die Erzeugniſſe ſeiner Manufacturen mit einem Verbot belegt. Der Landbau, welcher durch das Verbot der Getreideausfuhr, einer der Irrthümer Colbert's, ſchon zu har— ten Leiden verurtheilt war, erlitt einen herben Stoß durch das neue Verbot, welches ſeine bedeutendſten Erzeugniſſe traf. Aus dem nämlichen Zeitraum ſtammen die erſten Kriege der Han⸗ delsrepreſſalien zwiſchen Frankreich und England, Feindſelig⸗ keiten, welche beiden Völkern ſo viel Blut und ſo viele Thrä⸗ nen koſten ſollten. Man ſah demnach unter dem Einfluß die⸗ ſes Syſtems in Frankreich zugleich die Induſtrie gedeihen und den Landbau erſchlaffen. Ich weiß nicht, ob Colbert auch fürchtete, die Bevölkerung abnehmen zu ſehen; allein er ließ in dieſer Beziehung im November 1666 ein Edict ergehen, welches mit den Theo⸗ rien von Malthus nicht ganz übereinſtimmt. Kraft dieſes Edicts war jedes Familienhaupt, das Vater von zehn Kindern war, von den Abgaben für ſein ganzes Leben befreit. Wenn er ein Edelmann war, ſo gab ihm der König eine Penſion von tau⸗ ſend Francs und von zweitauſend Franes, wenn er zwölf Kin⸗ der hatte. Die Gunſt der Steuerbefreiung wurde auf die jun⸗ gen Leute erſtreckt, welche ſich in einem Alter von zwanzig Jahren verehlichten, um ſie fünf Jahre hindurch zu genießen, dagegen erreichte die Steuer den zwanzigjährigen Cöliba⸗ tär ſelbſt unter dem väterlichen Dach. Zugleich ſuchte Col⸗ bert der Entwicklung der Klöſter eine Schranke zu ſetzen; er hatte den Privaten verbieten laſſen, ihre Erbgüter oder was immer für Eigenthum ihnen zu vermachen oder auf Leibrenten zu verkaufen. Allein alle dieſe Combinationen hatten kein wirk⸗ ſames Ergebniß. Die Maaßregeln, durch welche Colbert neue Quellen des Reichthums dem Lande eröffnete, trugen mehr ein, als ſeine Aufmunterungsprämien für die Fruchtbarkeit der Edelleute; denn er mußte im Jahr 1683 davon abgehen, nachdem ſie mehr Misbräuche als Bürger erzeugt hatten. Der Friede von Nimwegen zwang gleichfalls Frankreich, das von Colbert gegen die ausländiſchen Fabriken organiſirte — —-—— Sſſen d agrih di Miniſter waren i unter de den ſollte den Sch war, d Colbert endgilti ſein Sy den, um Ales wit lichen Fe jene, ge⸗ ten von den An Narft und u dieſer dieſe endlich Nachb ben. denn n Gold h wird no⸗ ſo viele Bahn d Colbert Andenk Vorwu ſchaffen ner der berſt welcher eine Wei⸗ ne Weine, mit einem Verbot der on zu har⸗ durch das traf. Aus der Han⸗ Feindſelig⸗ iele Thrä⸗ influß die⸗ eihen und rchtete, die Zzeziehung en Theo⸗ es Ediets dern war, enn er ein von Ro⸗ zwoͤlf Kin⸗ auf die jun⸗ von zwarzig zu genießen, gen Cöliba⸗ ſuchte Col⸗ ſetzen; er oder was Leibrenten kein wirk⸗ olbett neule en mehr ein, tbarkeit der en abgehen, hatten. Frankreih worganiſirte — 333— Syſtem der Ausſchließung aufzugeben. Jeder Tag, jedes Er⸗ eigniß brachte ſo eine Aenderung an dem, was die Ideen dieſes Miniſters zu Abſolutes hatten; allein ſeine prohibitiven Lehren waren in einen Boden gelegt, wo ſie mit heiliger Scheu unter den Auſpicien des perſönlichen Intereſſe's bewahrt wer⸗ den ſollten. Die franzöſiſchen Fabricanten gewöhnten ſich daran, den Schutz, der ihnen als eine Begünſtigung gewährt worden war, als ein Recht zu betrachten, und was nach der Anſicht Colbert's nur vorübergehend ſein ſollte, wurde in ihren Augen endgiltig. Die ungeheure gewerbliche Entwicklung, welche auf ſein Syſtem folgte, die Verordnungen, welche erlaſſen wur⸗ den, um es zu halten, ſelbſt der gefeierte Name ſeines Urhebers, Alles wirkte zuſammen, die verderbliche Lehre von der natür⸗ lichen Feindſchaft der Fabrikvölker zu verbreiten. Daraus ſind jene, gegenwärtig ſprichwörtliche, obwohl ſinnleere Redensar⸗ jen von der angeblichen Gefahr entſtanden, die vorhanden ſei, dem Auslande tributpflichtig zu werden, unſern Markt durch ausländiſche Waaren überführen, uns unſer Gold rauben zu laſſen, und tauſend andere dieſer Art, als wenn nicht alle Käufer den Verkäufern und dieſe wiederum den Käufern tributpflichtig wären; als wenn endlich ein Volk nicht für ſeine Waaren die Waaren ſeiner Nachbarn im Tauſch nehmen ſollte, ohne ihnen Gold zu ge⸗ ben. Wenn es anders wäre, ſo gäbe es keinen Verkehr mehr; denn was würde ein Verkehr ſein, in welchem man weder Gold hinaus gehen, noch Waaren hereingehen ließe? Europa wird noch lange unter dieſem Vorurtheil zu leiden haben, welches ſo viele Kriege erzeugt, und alle Völker auf die gefährliche Bahn der bevorrechteten Gewerbszweige geworfen hat. Nein, Colbert war nicht daran ſchuld, und vergebens haben ſeinem Andenken die Einen daraus eine Ehre und die Anderen einen Vorwurf gemacht; Colbert war ein Mann von hoher Recht⸗ ſchaffenheit, ein Feind aller Monopole und der ſchroffſte Geg⸗ ner der Privilegien jeder Art. Nie hätte dieſer Miniſter, wel⸗ cher ſchon von der gleichen Vertheilung der Steuern träumte, und welcher ſeinem Herrn ernſte Wahrheiten zu ſagen wußte, von - 334— unten bis oben das traurige Syſtem gegründet, welches man mit ſeinem Namen taufen wollte. Wir erwähnen nur noch für das Gedächtniß die großen Ar⸗ beiten, welche er ausführen ließ, um die Wegſamkeit Frank⸗ reichs zu vergrößern, und den Canal von Languedoc, dieſe ſchöne Nachbildung des Canals von Briare, welcher ſein Vor⸗ bild ſo weit hinter ſich gelaſſen hat. Es iſt der Gedanke Col⸗ bert's und nicht das Einzelne in ſeinen Werken, was wir zur Kenntniß zu bringen hatten; und ſchon die bloße Darſtellung ſeiner wirthſchaftlichen Arbeiten mußte genügen, um ihn ganz hervortreten zu laſſen. Während der Dauer ſeines Miniſte⸗ riums hat Colbert keine andern Fehler begangen, als die, welche ihm aufgezwungen wurden, oder welche eine übertriebene Liebe für ſein Vaterland ihm in einigen ſeltenen Lagen eingab. Von dieſer Art waren die hohen Zölle, welche er in ſeinem Tarif von 1667 in der Abſicht einführte, Frankreich die Erzeugung der Artikel zu ſichern, welche es aus dem Auslande bezog, und doch muß man es ſagen, dieſer Tarif enthielt gar kein unbe⸗ dingtes Verbot.„Colbert hatte weiſe erkannt, daß das Ver⸗ bot der Einfuhr hinlänglich durch Zölle vertreten wird, zumal wenn ſie auf eine beſtimmte Höhe geſetzt ſind. Wahrlich, wenn dann die Induſtrie mit der ſtarken Prämie, welche ihr der Tarif gewährt, den Geſchmack der Verzehrer nicht befrie⸗ digen kann oder will, ſo haben dieſe letzteren noch die Wahl der ausländiſchen Fabricationen, indem ſie einen freiwilli⸗ gen Tribut zahlen, den der Staat gegen den Willen der Fa⸗ brikanten bezieht. Dieſe beſchränkte Freiheit erweckt unter den verſchiedenen Völkern einen Wetteifer der Induſtrie, welchen das einheimiſche Monopol dagegen erſtickt“*. Sicher war Colbert von dem Gedanken weit entfernt, daß einſtens, nachdem die franzöſiſche Induſtrie ihre Stellung in Europa eingenommen haben würde, ſein Tarif als nicht ausreichend angeſehen und noch mit Verboten bewehrt würde, welche er ſelbſt nicht für nöthig erachtet hatte, um ſie zu ſchützen, als ſie gerade entſtanden war. *) Hr. Bailly, Histoire financière de la France. t. 1. p. 454. Es war der Re ihre B Vir u Colber noch gl tionen Hrn.! Man bert's waͤrti glückli gelegt entſtamn reichs. Ausrot hoffen, hhes man oßen Ar⸗ t Frank⸗ c, dieſe in Vor⸗ nie Col⸗ wir zur arſtellung ihn ganz Miniſte⸗ als die, rtriebene eingab. im Tarif rzeugung zog, und ein unbe⸗ dod Per⸗ ird, zumal Wahrlich, welche ihr nicht befrie⸗ hdie Wahl 1 freivili⸗ en der Fa⸗ unter den . welchen zicher war 6, nachdem ngenommen hen und woh t füͤr nöthig ſtanden wal. 1 D. 4⁵4. — 335— Es war unſerer Zeit, die ſich mit ſo großem Rechte des Fortſchritts der Manufacturen rühmt, vorbehalten, zugleich Denkmünzen für ihre Belohnung und Verbote für ihre Aufrechterhaltung zu fordern. Wir würden in dieſer Beziehung glücklich ſein, wenn wir bis zu Colbert zurückſchreiten, und auf ſeine Tarife zurückkommen könnten; noch glücklicher, wenn unſere Geſandten bisweilen ſo ſtolze Inſtrue⸗ tionen erhalten würden, als jene waren, welche er an den Hrn. von Béziers und an den Hrn. v. Pompone ergehen ließ! Man ſtelle demnach fernerhin nicht mehr unter den Schutz Col⸗ bert's die zahlreichen Monopole, mit welchen Frankreich gegen⸗ wärtig überladen iſt. Dieſe Monopole ſind das Werk der un⸗ glücklichen Zeiten, welche die gegenwärtige Generation zurück⸗ gelegt hat: ſie ſind alle ſpäter als der Vertrag von 1786, und entſtammt den großen Kriegen der Revolution und des Kaiſer⸗ reichs. Wiederhergeſtellt als Werkzeuge des Haſſes und der Ausrottung hätten ſie den Krieg nicht überleben ſollen: wir hoffen, daß ſie den Frieden nicht überleben werden. Ende des erſten Bandes. Bei dem Verleger dieſes Werkes ſind ferner erſchienen und bei ihm, ſo wie in allen übrigen guten Buchhandlungen zu haben. Alletz, E., die neue Demokratie, oder die Sitten und die Macht der Mittelklaſſen in Frankreich.— Eine von der fran⸗ zöſiſchen Akademie mit dem von Monthyon für das die Sitten förderlichſte Werk geſtifteten Preiſe von 10,000 Fr. gekrönte Preisſchrift.— Im Auszuge bearbeitet von Dr. F. J. Buß. — Nebſt einem Sendſchreiben des Letztern an den Verfaſſer über die gegenwärtige Weltlage und die Grundanſicht ſeines Werkes. gr. 8. 1838. geb. fl. 3. oder Thlr. 1. 16 gr. Buß, Dr. F. J., und G. P. Hepp, Geſchichte und Sy⸗ ſtem der Staatswiſſenſchaft. In 2 Theilen.— 1r Thl., Ge⸗ ſchichte der Staatswiſſenſchaft von Buß; 2r Thl. Syſtein der Staatswiſſenſchaft von Hepp, überſetzt von Buß. gr. 8. 1839. fl. 10. 48 kr. oder Thlr. 6. Göbel, Dr. J. F.,(Profeſſor), Geometrie für Gewerbe⸗ ſchulen. Mit 9 Tafeln in Folio. gr. 8. 1834. fl. 1.30 kr. oder 20 gr. —— Lehrbuch der Physik und Astronomie nach dcn neuesten Beobachtungen und Entdeckungen, systema- tisch zum Gebrauche beim Unterricht bearbeitet. Mit 10 Figurentafeln in 4. gr. 8. 1839. fl. 4. 30 kr. oder Thlr. 2. 12 gr. Gockel, Ch. F., propädeutiſche Logik. Ein Lehrbuch für Ge⸗ lehrten⸗Schulen. gr. 8. 1839. fl. 1. 48 kr. oder Thlr. 1. Repp, Th. G., geſchichtliche Abhandlung über das Geſchwor⸗ nengericht, die Abſchwörung der Schuld oder Eideshülfe, und andere coordinirte gerichtliche Einrichtungen, die früher in Scandinavien und auf Island gebräuchlich waren. Aus dem Engliſchen überſetzt von Dr. F. J. Buß. gr. 8. 1835. fl. 1. 12 kr. oder 16 gr. jenen und ndlungen und die der fran⸗ die Sitten r. geirönte J. Buß. Verfaſſer ſicht ſeines 1. 16 gr. und Sh⸗ chl., Ge⸗ yſtein der uß. gr. 8. r Thlr. 6. Geweibe⸗ K.. Mr. oder 0 gr. e nach den , systema- peitet. Mit r. 2 1 gr. uch für Ge⸗ er Thlr. 1. Geſchwor⸗ hülfe, und efrüher in 7. Aus dem 335. der 10 gt. Bei dem Verleger dieſes Werkes Werke erſchienen und ſetzten Preiſe zu haben: Bajer, Oberforſtpolizei⸗Direktor, Handbuch des badiſchen Forſt⸗ und oder16 gr. wiſſenſchaft. In 3 Theilen. 1r und 21 Theil. Geſchichte der Staatswiſ⸗ ſenſchaft, dargeſtellt nach den wichtigſten Entwickelungen derſelben in or Staat und Schule, als vorwortliche Einleitung zu einer objektiven o Staatslehre von Dr. F. J. Buß.— 3r Theil. Syſtem der Staatswiſ⸗ ſenſchaft, oder Verſuch einer Theorie des ſtaatsgeſellſchaftlichen Lebens f und der repräſentativen Regierung, als Einleitung in das Studium der Geſellſchaftswiſſenſchaft oder des Staatsrechts und der Staatswiſſenſchaft ⁸ von G. Ph. Hepp. Aus dem Franzöſiſchen überſetzt von F. J. Buß. gr. 8. fl. 10. 48 kr. oder Thlr. 6.— 3 Fritz, Dr. J. A., Erläuterungen, Zuſätze und Berichtigungen zu v. Wen⸗ leitung in die allgemeinen Lehren enthaltend. gr. 8. 1833. geh. fl. 1. 48 kr.* oder Thlr. 1.— tend. gr. 8. 1834. fl. 2 42 kr. oder Thlr. 1. 12 gr 8 8 g )— Deſſelben Buchs 38 Heft: den allgemeinen Theil des Obligationenrechts e enthaltend. gr. 8. 1839. geh. fl 3. 36 kr. oder Thlr. 2.— NB. das 4 bis 6. und letzte Heft erſcheinen 1840 und 1841. Machiavelli, N., ſämmtliche Werke. Nach der neueſten in 10 Bänden beſtehenden italieniſchen Ausgabe überſetzt von Joh. Ziegler. Nebſt einem Anhange und der Biographie Machiavellis. 8 Bände in gr. 8. 3 preis auch einzeln verkauft werden. des Tit. Livius gr. 8. 1832. geh. fl. 3. oder Thlr. 1. 16 gr. 5 2r Band. Der Fürſt, die kleinen politiſchen Schriften und die Geſandt⸗ r Thlr. 1. 16 gr. Darſtellung des Standes der Kriegskunſt im Anfange des ſechszehnten Thlr. 2— dungen. 2 Bde. gr. 8. 1838 geh. fl. 5. 24 kr. oder Thlr. 3.— ꝛr Band. Luſtſpiele und andere poetiſche Schriften. gr. 8. 1838. geh. f fl 2. 24 kr. oder Thlr. 1. 8 gr. 3 Be undjebfer Band. Briefe, Biographie, Regiſter und Anhang. Iſt unter er Pref 54 kr. oder 12 gr. und Rechnungsweſen. Ein Handbuch für Schreibereikandidaten und Scri⸗ inſtru ktionen. fl. 3. 30 kr. oder Thlr. 2. Jagdrechts. 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